Decision ID: 75c4999b-074b-4da6-b3ab-0e9500968fd9
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1987
,
absolvierte nach Primar- und Realschule eine
Anlehre
als Maurer und schloss diese mit Fähigkeitsausweis im Januar 2007 ab (Urk.
8/18
/
4).
Ab 1. April 2016 arbeitete er als Mitarbeiter Abwasserbeh
andlung bei der Y._
AG (Urk. 8/17/1).
Am 28. September 2016 rutschte er beim Absteigen von einer Leiter aus
und verletzte sich
am rechten F
ussgelenk
(Urk. 8/12/4).
I
m
Notfall des
Spitals Z._
wurde am gleichen Tag ein
OSG-
Supinationstrauma
diagnostiziert
(Urk. 8/12/28).
Bei persistierenden B
eschwerden nach Behandlungen mittels Physiotherapie und
Infiltration
erfolgte am 21. November 2017
eine operative Sanierung in der
Klinik
A._
(Urk. 8/
12/
71-73).
D
ie Suva
, welche für die Unfallfolgen
die
vorübergehenden Leis
tungen (Heilbehandlung und Taggelder) erbracht hatte, sprach
dem Versicherten
mit Verfügung vom 24
.
Juni 2021 (Urk. 8/122) aufgrund
eines Invaliditätsg
rades von 19 % Rentenleistungen
der Unfallversicherung
zu
.
1.2
Zwischenzeitlich, a
m 3. April 2018
,
hatte sich der Versicherte u
nter Angabe von seit dem Unfall vom 2
8
.
September
20
16 bestehenden Beeinträchtigungen
bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
gemeldet (Urk. 8/11 Ziff. 6). Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische
und beruf
liche Situation
ab,
koordinierte ihre Einglie
derungs
bemühungen mit der Suva
und gewährte
Eingliederungsberatung (vgl. Urk. 8/19, 8/20, 8/21 und Urk. 8/36).
Sodann erteilte sie Kostengutsprache
n
für einen Eng
lisch
anfängerkurs
und einen ka
ufmännischen Vorkurs bei der B._
für die Zeit vom 24. Februar bis 10. Juli 2020
und sprach
Taggeld
er zu
(Urk. 8/50,
Urk. 8/80,
Urk. 8/86 und Urk. 8/88).
Am
31. August 2020 wurde der Abbruch der beruflichen Massnahmen
aus gesundheitlichen Gründen mitgeteilt
(Urk. 8/104).
Mit Vorbe
scheid vom 29.
März 2021
stellte die IV-Stelle
bei einem ermittelten Inval
iditäts
grad von 23
% die
Verneinung
eines
Anspruch
s
auf eine
Invaliden
rente in Aus
sicht
(Urk. 8/113
)
.
Daran hielt sie nach erhobenem Einwand (Urk. 8/117) mit Ver
fügung vom 20. Oktober 2021 fest
(Urk. 2).
2.
Dag
egen erhob der
Versicherte am 22
.
November 2021
Beschwerde
(Urk. 1) und beantragte (S. 2)
,
die Verfügung sei aufzuheben und
es sei die Beschwerdegeg
nerin zu verpflichten,
die gesetzlichen Leistungen, namentlich eine Rente nach IVG
,
zu gewähren. Eventualiter sei die Sache
für
weitere medizinische Abklä
rungen in Form eines Gutachtens
zurückzuweisen
. In prozessualer Hinsicht ersuchte
der Beschwerdeführer
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh
rung und um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes.
Die Beschwer
degegnerin
erklärte
in ihrer Beschwerdeantwort vo
m 20
.
Dezember 2021
(Urk. 7) unter
Verweis auf die
Akten Verzicht auf eine Stellungnahme. Dies wurde dem Beschwerdeführer am 7. Februar 2022 zur Kenntnis gebracht (Urk. 13
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
1.5
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode d
er Invaliditätsbe
messung (Art. 28a IVG) zu bestimmen (BGE
144
I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person
als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Beson
deren
(vgl. Art. 27 IVV)
sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerbli
chen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massge
bend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125
V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4
; Urteil des Bundesgerichts 8C_178/2021 vom 11. Mai 2021 E. 3.2 mit Hinweisen
).
1.6
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funkti
onelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fach
kompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersu
chen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.3.2).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwal
tung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entschei
den haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu
würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu
nehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hin
weisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit
jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten
vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1).
Soll ein Versicherungsfall ohne Einho
lung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswür
digung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Fest
stellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1 mit Hinweisen).
Reine Aktengutachten sind beweiskräftig, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich fest
stehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befas
sung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesge
richts 8C_750/2020 vom 23. April 2021 E. 4 mit Hinweisen).
2.
2.1
In de
r angefochtenen Verfügung vom 20
.
Oktober
2021
führte
die Beschwerde
gegnerin
aus (Urk. 2), der Beschwerdeführer habe sich
am 12. April 2018 a
ufgrund eines Unfalls bei der Invalidenversicherung angemeldet. Der Unfall sei am 29. September 2016 erfolgt und rund ein Jahr später habe deswegen eine Operation stattgefunden. Der bisherigen Arbeit habe der Beschwerdeführer aufgrund der Einschränkunge
n nicht mehr nachgehen können. D
ie gesundheit
liche Situat
ion habe sich
dann
aber
verbessert
und
seit
März 2018 sei er in
einer angepassten Tätigkeit
wieder arbeitsfähig
.
Man habe
den Beschwerdeführer
mit
verschiedenen beruflichen Massnahmen
unterstützt und ein
en
Job Coach zur Ver
fügung
gestellt
. Die
Massnahmen
seien
aufgrund
der
belasten
den
(psychoso
zialen)
Situation abgebrochen worden
.
Gemäss
de
r medizinischen Beurteilung
des regionalen ärztlichen Dienstes (RAD)
sei
eine behinderungsangepasste leichte bis selten mittelschwere Tätigkeit zu 100 % zumutbar. Ohne gesundh
eitliche Einschränkung könnte der Beschwerdeführer
gestützt auf den Auszug aus dem
individuellen Konto im Jahr 2019 ein hochgerechnetes
Valideneinkommen
von Fr. 87'922.70 erzielen.
Das
Invalideneinkommen sei
aufgrund
der Lohntabellen des Bundesamtes für Statistik
(LSE)
für das Jahr 2019
für Hilfsarbeiten
mit Fr.
68'105.50 festzulegen. Daraus resultiere ein rentenausschliessender Invalidi
tätsgrad von 23 %.
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber
im Wesentlichen
auf den Stand
punkt (Urk. 1 S.
14
f.
),
auf die Beurteilung des RAD der Beschwerdegegnerin könne nicht abgestellt werden. Die Ausführungen zu den invaliditätsfremden Gründen seien ungenügend und die neuropsychologischen Befunde seien ausser Acht gelassen worden. Es fehle
eine
Diskussion
zur Frage
, ob die invaliditäts
fremden Faktoren zu einer eigentlichen Beeinträchtigung der psychischen Integ
rität
geführt
hätten
und ein
verselbstständigter
Gesundhe
itsschaden aufrecht
erhalten
werde
(S. 15).
Da nur eine begrenzte Auswahl an
Verweis
tätigkeiten offen
stehe
,
sei beim Einkommensvergleich
zudem
ein leidensbedingter Abzug von 10
% vorzunehmen
(S. 17)
. A
ngesichts der Resultate des Rechtsgutac
htens C._
sowi
e die Untersuchung des D._
sei ein
zusätzlicher
Invaliditätsabzug von 15
% nebst
dem
Tabellenlohnabzug von 10 % zu
gewähren. Daraus ergebe sich m
indestens eine Viertels
rente
(S. 21 f.). Da seit dem 21. November 2017 bis zur zweiten Operation im Mai 2019 eine durch
gängige Arbeitsunfähigkeit bestand
en
habe, müsste zumindest eine befristete Rente gesprochen werden (S. 22).
3.
3.1
Im Bericht des
Spitals Z._
vom 28. September 2016
(Urk. 8/12/28-29)
über die notfallmässige Zuweisung
führten die Ärzte aus, der Beschwerdeführer sei
gleichentags
bei der Arbeit von einer ca. 1.5 m hohen Leiter gestürzt
und
mit dem rechten Fuss aufgekommen, welcher dadurch nach innen umgeknickt sei. Seither habe er immobilisierende Schmerzen im Bereich des
oberen Sprunggelenkes (
OSG
)
und könne den Fuss nicht mehr belasten.
Der
Röntgen
befund am
OSG rechts
zeige k
eine
ossäre
Läsi
on. Es erfolge die
Ruhigstellung im
Splintpod
und Entlastung mit Krücken
.
3.2
Im
Austrittsbericht
der
Klinik A._
vom 27
. November 2017 (Urk. 8/12/
74-75
) nannten die Ärzte als Diagnosen eine komplexe laterale OSG-Instabilität und
Syndesmosen
-Instabilität bei Distorsionstrauma
am Sprunggelenk am 28.
September 2016 und Status nach
Broström
am 22. Januar 2003 und Revision mit
Gracilis
Sehne am 6. Dezember 2004.
Es wurde als
operativer Eingriff
am rechten Fuss eine diagnostische Arthroskopie mit
Débridement
des OSG, die
Augmentation des Aussenbandapparats mit
Gracilis
-Autograft der Gegenseite, die Augmentation der vorderen/hinteren
Syndesmose
, ebenfalls mit Autograft und die Stabilisierung der
Syndesmose
und Sicherung der Rekonstruktion mit
Tight
-
Rope
festgehalten.
3.3
Am 12
.
März 2018 (Urk. 8/12/97) hielt Dr.
med.
E._
, Facharzt für Radiologie, nach Vorlage der Akten zur
v
ersicherungsmedizinischen Beurteilung zu Händen der Suva fest, aufgrund des Bedarfs
,
immer wieder Leitern zu begehen, werde
die bisherige Tätigkeit wahrscheinlich nicht mehr zumutbar sein. Zumutbar seien aber ganztags leichte bis mittelschwere Tätigkeiten, die kein Gehen auf unebene
m
Boden oder übermässiges Treppensteigen oder Begehen von Leitern erforderten.
3.4
Am 6. November 2018
(Urk. 8/41/17-18) führten
die Ärzte der
Klinik A._
aus, der Beschwerdeführer berichte
,
noch zwei Schmerzpunkte zu verspüren. Dies
e
träten
im Verlauf der distalen Achillessehne sowie über der
Peronealsehne
am lateralen
Fussrand
auf
.
Die
Schmerzen im Bereich der Achillessehne
träten
vor allem bei Belastung auf
,
die Schmerzen über dem lateralen
Fussrand
bestünden vor allem bei Kälte. Gelegentlich sei noch die Einnahme von
Dafalgan
notwendig. Es werde von einer deutlich verbesserten Stabilität im Vergleich zu präoperativ berichtet, wobei
die
Restbeschwerden im Sinne einer distalen
Achil
lodynie
respektive
Ansatztendinose
der Achillessehne und vermutlich einer Rei
zung der
Peronealsehnen
interpretiert wurden
. Hier sei
Physiotherapie zu emp
fehlen und bei
nur noch eher geringen Restbeschwerden sei
en
derzeit keine weiteren Kontrollen
geplant
.
Die
Wiedervorstellung
erfolge
im Bedarfsfall.
3.5
Kreisärztin med.
pract
. F._
, Fachärztin für Chir
urgie,
hielt
im Bericht vom 4.
Dezember 2018 (Urk. 8/
41/23-24) zu Händen der Suva fest
,
kreisärztlicherseits
sei
bereits
am 12. März 2018 festgehalten worden, dass die angestammte Tätigkeit wahrscheinlich nicht mehr zumutbar sei und
es sei
ein transientes Zumutbar
keitsprofil erstellt worden. Der Verlauf danach sei etwas protrahiert gewesen und es seien engmaschige Kontrollen in der
Klinik A._
durch
geführt worden. Gesamthaft zeig
e sich eine
Regredienz
der Beschwerden mit Befundbesserung
.
Aufgrund der Untersuchungsbefunde sowie der klinisch-anamnestischen Angaben des
Beschwerdeführers
sei sicherlich keine schwere Instabilität vorlie
gend und es könne keine Integritätsentschädigung ausgerichtet werden.
3.6
Im Sprechstundenberi
cht des Kantonsspitals G._
vom 25. März 2019
(Urk. 8/57)
wurde auf die
Zuweisung des Beschwerdeführers durch die Suva zur Ein
holung einer Zweitmeinung hin
gewiesen
.
Die Ärzte führten aus, es zeige sich
eine ausgeprägte,
anterolaterale
Rotationsinstabilität und
eine
laterale Instabilitä
t des oberen Sprunggelenks
.
E
ine erneute Operation
sei notwendig, besprochen worden
und dabei
eine Arthroskopie des oberen Sprunggelenks mit lateraler und gegebe
nenfalls medialer Bandrekonstruktion
,
Plantaris
-Graft und zusätzlicher Entfer
nung der
Tight-Rope
vorgesehen. Des Weiteren sei eine Begutachtung der
Peronealsehnen
, gegebenenfalls mit
Peronealsehnentransfer
durchzuführen.
3.7
Im Operationsbericht der
Klinik A._
vom 22. Mai 2019 (Urk. 8/118/4-6)
hielten die zuständigen Ärzte als
Eingriff
die Entfernung des
Tight
-
Rope
im Bereich der
Syndesmose
und eine
Peronealsehnenrevision
mit
Débridement
und Resektion distaler Muskelbauch
Musculus
peroneus
brevis
fest
.
Es wurde
ausge
führt
,
die Mobilisation in der
Innostep
-Orthese
erfolge für
die
nächsten sechs Wochen unter 15 kg
Teilbelastung
und
Thromboseprophylaxe.
3.8
Im Bericht der psychiatr
ischen Klinik H._
vom 24. September 2020 (Urk. 8/110/9-16) über die neuropsyc
hologische Untersuchung vom 14.
September 2020 nannte die zuständige Psychologin die Diagnose
einer
k
om
binierte
n
Störung schulischer Fertigkeiten (ICD-10 F81.3). Der Beschwerdeführer sei alleinerziehender Vater von zwei Töchtern, wobei die ältere, zehnjährige Tochter
nur
die Tochter seiner von ihm getrenntlebenden Frau sei. Die jüngere, gemeinsame Tochter sei zurzeit zwei Jahre alt. Es sei eine starke Belastungs
situation erkennbar. Die Überweisung sei durch Dr.
I._
zur Frage nach der Eignung für eine KV-Umschulung erfolgt
(S. 1 f.)
.
Die kognitiven Leistungen seien hauptsächlich im durchschnittlichen bis weit unterdurchschnittlichen Bereich. Besonders auffällig sei eine Dissoziation zwischen den verbalen und nonverbalen Fähigkeiten zu Ungunsten der verbalen
Fähigkeiten
bei einem unterdurchschnittlichen IQ und einer schweren Lernstörung im Sinne einer Lern
behinderung sowie einer Legasthenie. Bei den kognitiven Defiziten handle es sich mit grosser Wahrscheinlichkeit um eine frühkindliche zerebrale Entwicklungs
störung mit Teilleistungsstörungen. Mit verballastigen Aufgaben im KV-Bereich dürfte der Beschwerdeführer deutlich überfordert sein. Anamnestische Daten liessen zudem darauf schliessen, dass eine künftige Einbindung des Probanden in den
ersten
Arbeitsmarkt schwierig sein dürfte, da er multiplen Belastungen aus
gesetzt sei und nur über wenige Ressourcen verfüge (S. 5).
3.9
Im Formularbericht zu Händen der IV-Stelle vom
30. Oktober 2020 (Urk. 8/110/1-6) hielt Dr. med.
I._
,
Psy
chiatrie und Psychotherapie FMH
,
fest, d
er Beschwerdeführe
r
habe sich schon im November 2018 im Zusammenhang mit Arbeitsplatzproblemen für eine Therapie gemeldet. Im Mai 2020 habe er sich erneut für eine ambulante
Therapie gemeldet und berichte
, dass er momentan mit allem überfordert sei, Schlafstö
rungen habe und seine Stimmung im Keller
sei. Er habe mehrere Belastungen und es sei ihm ein D
ing der Unmöglichkeit, sich auf
seine Umschulung zu konzentrieren, auch wenn er es noch so wolle. Er habe
keine
Energie mehr und grüble sehr viel. Zudem habe er Zukunftsängste.
Auch leide er
immer wieder an heftigen Migrän
eattacken, welche zum Teil eine Hospi
tali
sierung nötig machen
würden
(Ziff. 2.1)
.
Die Belastbarkeit sei deutlich redu
ziert und die Frustrationstoleranz vermindert. Er sei
schnell ablenkbar,
habe grosse Mühe
,
sich zu konzentrieren und verfüge über wenig Ressourcen
(Ziff. 2.2)
. Im objektiven Befund
sei er
w
ach, bewusstseinsklar,
angespannt w
irkend und allseits orientiert.
Gedächtnis und Konzentration
seien
nach klinischem Eindru
ck leicht bis mittel
gradig
reduziert, das Denken for
mal kohärent
. I
nhaltlich seien keine
Anhaltspunkte
für Wahnerleben, Befürchtungen, Zwänge, Halluzinationen oder Ich-Störungen
vorhanden
. Der affektive Rapport
sei vermindert herstellbar. Es bestünden Weinerlichkeit, Insuffizienzgefühle und
Schlafstörungen,
aber keine akute Suizidalität oder
Fremdgefährdung
(Ziff. 2.4)
.
Als Diagnosen nannte die Ärztin eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion
(
ICD-10 F43.21
)
und eine kombinierte Störung schulischer Fertigkeiten
gemäss
ICD-10 F81.3
(Ziff. 2.5)
.
Aktuell sei der Beschwerdeführer in einer Überforderungs
situation. Er sei auf Unterstützung durch verschiedene Stellen angewiesen. Zur Behandlung
würden
Gespräche auf kognitiv-verhaltenstherapeutischer Grund
lage
einmal
wöchentlich oder einmal alle zwei Woche stattfinden. Dabei gehe es
um Krisenintervention und
um zu schauen, wie
sich der
Beschwerdeführer ent
lasten könne
(Ziff. 2.7 und Ziff. 2.8)
.
Es wurde eine Arbeitsunfähigkeit von 80 % vom 1. Oktober bis 30. November 2020 attestiert (Ziff. 1.3).
3.10
Im Bericht der
Klinik A._
vom 18. Januar 2021 (Urk. 8/118/7-8)
nannten
die Ärzte folgende Diagnosen:
-
Verdacht auf Neuropathie
Nervus
suralis
mit/bei
-
Status nach Mischinfiltration perifokal
Nervus
suralis
am 10. November 2020 mit leichter Befundbesserung für zwei bis drei Wochen
-
Status nach Entfernung des
Tight
-
Rope
im Bereich der
Syndesmose
und
Peronealsehnenrevision
mit
Débridement
und Resektion distaler Muskel
bauch
Musculus
peroneus
brevis
am 22. Mai 2019
-
kleiner Längsriss
Peroneus
-
brevis
-Sehne, weit nach distal reichender Muskelbauch
Musculus
peroneus
brevis
und störender B
utton des
Tight
-
Rope
der
Syndesm
ose
medial mit/bei
-
Status nach Augmentati
on der vorderen/hinteren
Syndesmose
, sowie Aussenbandapparat
, Sicherung der Rekonst
ruk
tion mit
Tight
-
Rope
vom 21.
November 20
17
mit/bei
-
komplexer
lateraler OSG-Instabilität und
Syndesmosen
-Insta
bil
ität bei
Distorsionstraum
a Sprunggelenk am 28.
September 2016
-
Status nach
Brostrom
am 22. Januar
2003 und Revision
Gracilis
Sehne
am 6. Dezember 2004
-
diagnostischer Arthroskopie mit
Débridement
des OSG
-
Status nach Infiltration des medialen Buttons vom
Tight
-
Rope
vom 1. März
2018
Es wurde festgehalten
, die geschilderte Beschwerdesymptomatik im Sinn von elektrisierenden Schmerzen im Versorgungsgebiet des
Nervus
suralis
und der nächtlich auftretenden Beschwerden seien am ehesten neurogen begründet.
Daher wolle man den Beschwerdeführer zur neurologischen Abklärung und T
herapie aufbieten
.
3.11
RAD-Arzt
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
hielt
in seiner Aktenbeurteilung vom 9. März 2021 fest (Urk. 8/112/7),
aus psychiatrischer Sicht könne kein dauerhaft die Arbeitsfähigkeit einschränkender Gesundheitsschaden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit festgestellt werden. Der Beschwerdeführer habe
im November 2017 geheiratet. D
ie Tochter der Ehefrau sei
im
November 2009 und das gemeinsame Kind im August 2018 geboren. An psychosozialen Konflikten seien Auseinandersetzungen in der Ehe mit Einbezug der KESB, Aus
zug des Ehemannes, finanzielle Probleme mit Taggeld-Pfändung und die Funk
tion als alleinerziehender Vater zweier Töchter zu nennen. Dass der Beschwerde
führer unter diesen Umständen keiner Erwerbstätigkeit
nachgehe, sei nachvoll
ziehbar.
Hierfür
sei
jedoch kein dauerhaft die Arbeitsfähigkeit einschränkender Gesundheitsschaden die Ursache
.
4.
4.1
Gemäss Akt
en erlitt der Beschwerdeführer
am 28
.
September 2016
ein
Supinati
onstrauma
am OSG rechts, das gleichentags im Notfall des
Spitals Z._
ruhiggestellt
wurde. I
n der Folge
persistierten Restbeschwerden bei einer lateralen OSG-Instabilität,
weshalb
im November 2017
die
oper
ative Versorgung
zur
Syndesmosenband
-Stabilisi
erung mittels des
Tight-Rope
Systems
erfolgte
(E. 3.1 bis E
. 3.3
)
.
N
ach
d
e
r
B
efundbesserung
mit
Regredienz
der Beschwerden
sowie
Behandlung mit
Physiotherapie
ergaben
die weiteren Abklärungen eine Rotati
ons
instabilität,
sodass
im
Mai 2019 ein weitere
r operativer Eingriff erfolgte
und der
Tight-Rope
entfernt wurde
(E. 3.4 und
E. 3.7
).
V
or diesem Hintergrund
gelangte
der
Unfallversicherer
bereits
im März 2018
zum Schluss
, dass die bisherige
Tätigkeit als Kanalarbeiter mit
dem Erfordernis
,
immer wieder Leitern
begehen
zu müssen
,
wahrscheinlich
nicht mehr zumutbar
ist
. Dem
gegenüber wurde
n
leichte bis mittelschwere Tätigkeiten, die kein Gehen auf
unebenen Boden oder übermässiges Treppensteigen oder Begehen von Leitern erforder
n
,
als
in einem Vollzeitpensum
für
möglich
erachtet
(E. 3.3
). Zur
gleichen
Einschätzung
gelangte
die Kreisärztin
der Suva
auch noch
im Dezember 2018
(
E. 3.5
)
. Von
diese
r
medizinischen
Beurteilung
wich
die Suva
auch nach dem durch
geführten Eingriff vom
22. Mai 2019 (
vgl. E. 3.7
)
in ihrem
Leistungs
entscheid
vom 24. Juni 2021
,
mit welchem
dem Beschwerdeführer
nach der Ermittlung
eines Invaliditätsgrades von 19 %
ab 11. Juli 2020
Rentenleistungen
aus der Unfallversicherung
zugesprochen wurden
, nicht ab
(
vgl.
Urk. 8/122 S. 2).
D
er Suva
lag da
zu
auch der
Bericht der
Klinik A._
vom 18.
Januar 2021
vor (
Urk. 8/118/7-8
S. 8)
.
Bezeichnenderweise verzichtete der
B
eschwerdeführer
nach Einreichung des
Bericht
s
der
Klinik A._
vom 18. Januar 2021 darauf, weitere Berichte zu den in die Wege
geleiteten neurologischen Abklärungen
im Zusammenhang mit dem
Verdacht auf eine Neuropathie einzureichen.
Gestützt auf die Beurteilung der Suva
ging
der
RAD-Arzt Dr. med. K._
, Orthopädische Chirurgie FMH, in seiner Aktenbeurte
ilung
bereits am
5.
April 2019 (Urk. 8/72)
von einem ähnlichen
Belastungsprofil
aus. Dazu hielt er fest
, dass
dem Beschwerdeführer
leichte bis selten mittelschwere Tätigkeit
en
in Wech
selbelastung ohne häufiges Gehen auf unebenem Gelände und ohne Besteigen von Leitern und Treppen und ohne Schläge
,
Stösse und Vibrationen auf die betroffene untere Extremität, ohne gehäufte Zwangshaltun
gen im Knien, Kauern und Hocken
auch nach der noch anstehenden Revisionsoperation des rechten Fusses
möglich sein sollten
.
Konträre Berichte hinsichtlich des dem Beschwerde
führer zumutbaren somatischen Belastungsprofil liegen damit nicht vor und es ergeben sich auch sonst keine Anhaltspunkte, die auf weitergehende, körperliche Beeinträchtigungen hinweisen könnten.
4.
2
Hinsichtlich der psychischen Symptomatik ergab d
ie
neuropsychologische Unter
suchung
im
September 2020
beim Beschwerdeführer
kognitive
Leistungen
,
die sich im
weit unterdurchschnittlichen
bis durchschnittlichem
Bereich
befinden. Dabei zeigte sich
eine b
esonders auffällig
e
Dissoziation zwischen den verbalen und nonverbalen Fähigkeiten
sowie ein
unte
rdurchschnittlicher
IQ
,
eine schwere
Lernstörung
und eine
Legasthenie.
D
ie kognitiven Defizite
wurden
im Zusam
menhang mit
eine
r
frühkindliche
n
zerebrale
n
Entwicklungsstörung mit Teilleis
tungsstörungen
gesehen
, was
sich mit
früheren
Berichten im Zusammenhang mit der Einsch
u
lung
und der Erstanmeldung
des Beschwerdeführers bei der Invali
denversicherung
im Jahr 1993 deckt (vgl. Urk. 8/2/4-8 und Urk. 8/29).
Die
behandelnde Psychiater
in
Dr.
I._
, welche
den Beschwerdeführer erstmals im
November 2018
sah
, berichtete
dazu von
eine
r
Überforderungs
situation
, Schlafstörungen
,
heftige
Migräneattacken, die
zum Teil eine Hospitali
sierung
nötig mach
t
en
,
von
eine
r
deutlich reduziert
e
n
Belastbarkeit, eine
r
ver
minderte
n
Frustrationstoleranz
und
von
Konzentrationsschwierigkeiten.
Die Befunde ordnete
sie
in Kenntnis der Ergebnisse der neuropsychologischen Unter
suchung
den Diagnosen
einer
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktio
n
und eine
r
kombinierte
n
Störung schulischer Fertigkeiten
zu
(vgl. E. 3.9 hiervor)
.
4.3
Damit
greift die
Stellungnahme des RAD-Arztes
J._
vom 9. März 2021
(E. 3.11)
insofern
zu kurz
,
als er die psychische Symptomatik einzig einer
psycho
so
zialen Konfliktsituation zuschreibt
. Eine eingehendere Auseinandersetzung mit den psychiatrischen und neuropsychologischen Untersuchung
sbefunden der behandelnden Ärztin
und der attestierten Arbeitsunfähigkeit
fand
dabei nicht statt.
Zwar kann dem RAD-Arzt darin gefolgt werden, das
s
mit
den
A
useinander
setzungen in der Ehe
mit
Ein
bezug der KESB und
Zusprache
der elterlichen Für
sorge für beide Kinder an den Beschwerdeführer sowie
angesichts
der finanziellen Probleme und einer anspruchsvollen Situation als
alleinerz
iehender Vater zweier Töchter
zweifellos
eine
ps
ychosoziale Belastungssituation vorliegt
.
O
hne
eigene Untersuchung konnte sich der RAD dazu
aber
kein verlässliches Bild verschaffen
. Insbesondere lassen die Akten keinen abschliessenden Schluss hinsichtlich der invaliditätsbegründenden respektive –ausschliessenden Wirkung der psycho
sozialen Belastungsfaktoren zu
. Nachdem psychiatrische Diagnosen
und attes
tierte Arbeitsunfähigkeiten
im Raum stehen,
fehlt
auch die von der Rechtspre
chung geforderte Auseinandersetzung mit den Standardindikatoren
,
sind
doch
grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen
einem strukturierten Beweis
verfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen
(vgl.
BGE 143 V 418
und E. 1.
3 hiervor)
.
Im Hinblick auf die familiäre Situation des Beschwerde
führers als alleinerziehender Vater mit zwei K
indern stellt sich
sodann
auch die
Frage
nach
der Qualifikation
(E.
1.4 hiervor).
5.
5.1
Das Gericht holt in der Regel ein Gutachten ein, wenn es im Rahmen der Beweis
würdigung zum Schluss kommt, ein bereits erhobener medizinischer Sachverhalt müsse (insgesamt oder in wesentlichen Teilen) noch gutacht
er
lich geklärt werden oder eine Administrativexpertise sei in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig. Eine Rückweisung an die
Verwaltung
bleibt hingegen nach der Rechtsprechung insbesondere möglich, wenn es darum geht, zu einer bisher vollständig ungeklärten Frage ein Gutachten einzuholen (BGE 139 V 99 E. 1.1; BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4 S. 264).
5.2
Da nach
dem Gesagten Hinweise auf eine
psychiatrische Störung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
vorliegen, die Beschwerdegegnerin diesbezüglich aber keine eigenen Abklärungen getätigt hat und Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen verbleiben, erweist sich der medizinische Sachverhalt in Bezug auf die Beurteilung
der Rest
arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
insbesondere in psychiatrischer Hinsicht im Verfügungszeitpunkt als ungenügend abgeklärt.
Angesichts möglicher Wech
selwirkungen scheint auch eine gutachterliche Abklärung der somatischen Situ
ation als angezeigt.
Ebenso fehlt es an einer Abklärung Hinsichtlich der Status
frage.
Die Sache ist daher
insgesamt nicht
s
pruchreif und
unter Aufhebung des angefochtenen Entscheids zur entsprechenden Abklärung mit anschliessender Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6
.
Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind vorliegend auf Fr. 800.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
Ausgangsgemäss steht dem vertretenen Beschwerdeführer eine Prozessentschä
digung zu, welche in Anwendung von Art. 61 lit. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Pro
zesses, auf Fr.
2’200
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen
ist
.
Bei diesem Verfahrensausgang ist das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (
Urk. 1 S. 2) gegenstandslos.