Decision ID: 90f8cf80-6521-4a41-b64a-d289c7dae39d
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Mit Verfügung vom
9.
August 2018 forderte die Arbeitslosenkas
se des Kantons Zürich (AWA)
für die Monate Mai 2014 bis September 2014, Dezember 2014 bis Februar 2015 und Januar 2016 bis Februar 2016 zu viel ausbe
zahlte Arbeits
losentaggelder
von total
Fr.
8'699.05 zurück. Grund hierfür war, dass
X._
entgegen seinen Angaben
auf den Formularen zu
Handen
des AWA in diesen Monaten gearbeitet hatte (
Urk.
7/17). Auf seine Einsprache trat das AWA mit Entscheid vom
2.
Oktober 2018 nicht ein (
Urk.
7/16).
Am
2.
April 2019 meldete sich
X._
bei der
Unia
Arbeitslosenkasse zum (erneuten) Bezug von Arbeitsl
osenentschädigung an
. Diese eröffnete eine Rahmenfrist für den
Leistungsbezug
vom
2.
April 2019 bis
1.
April 2021 und legte den versicherten Verdienst auf
Fr.
3'873.-- respektive das Taggeld auf
Fr.
140.-- fest (
Urk.
7/28
, 7/31
).
Auf ein entsprechendes Gesuch des AWA vom 1
0.
April 2019 hin verfügte die
Unia
Arbeitslosenkasse am 1
4.
Juni 2019, dass die Rückforderung in der Höhe von
Fr.
8'699.05 mit den zukünftigen Leistungen der
Unia
Arbeitslosenkasse verrechnet würden, sofern diese das von den Sozialen Dienste
n
Y._
fest
gelegte Existenzminimum von
Fr.
1
’
442.-- überschritten (
Urk.
7/46, vgl. auch
Urk.
7/42, 7/49). Daran hielt sie mit Einspracheentscheid vom
9.
Juli 2019 fest (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 1
0.
Juli 2019 Beschwerde und beantragte sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Entscheids
(
Urk.
1). Die
Uni
a
Arbeitslosenkasse schloss am 2
3.
Juli 2019 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6
), was dem Beschwerdeführer zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
Der Einzelrichter

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der B
eschwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
,
GSVGer
).
1.2
Rückforderungen und fällige Leistungen aufgrund dieses Gesetzes können sowohl untereinander als auch mit Rückforderungen s
owie fälligen Renten und Tag
gel
dern der AHV, der Invalidenversicherung, der beruflichen Vorsorge, aufgrund des
Erwerbsersatz
gesetzes vom 2
5.
September 1952
, der Militärversicherung, der obligatorischen Unfallversicherung, der Kran
kenversicherung sowie mit Ergän
zungs
leistungen zur AHV/IV und mit gesetzlichen Familienzulagen verrechnet werden (
Art.
94
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbei
tslosen
versicherung und die
Insolvenzentschädigung; AVIG).
Hat eine Kasse einem anderen Sozialversicherer die Verrechnung einer fälligen Leistung angezeigt, so kann dieser seine Leistung im Umfang der Verrechnung nicht mehr befreiend an die versicherte Person bezahlen (
Abs.
2).
Obwohl das Gesetz lediglich von einer Möglichkeit zur Verrechnung ausgeht, hat
Art.
94 AVIG analog der Rechtspre
chung zu
Art.
20
des
Bundesgesetz
es
über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(
AHVG
)
zwingenden Charakter (BGE 110 V 183). Eine Verrechnung mit fälligen Leistungen einer anderen Arbeitslosen
kasse ist möglich (
Ziff.
D3
des Kreisschreibens des Staatssekretariats für Wirt
schaft SECO, AVIG-Praxis RVEI [Rückforderung, Verrechnung, Erlass und In
kasso
]
)
.
Institutionen der Sozialversicherung dürfen Forderungen nur soweit mit Ver
sicherungsleistungen verrechnen, als dadurch das betreibungsrechtliche Existenz
minimum der versicherten Person nicht tangiert wird (
BGE 136 V 286 E. 6.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Verfügung des AWA vom
9.
August 2018
(
Urk.
7/17) ist rechtskräftig. Auf die Einwendungen des Beschwerdeführers dazu ist daher nicht näher einzugehen.
2.2
Eine Verrechnung der Rückforderung
wegen zu viel bezogener Arbeitslosen
ent
schädigung
mit den an den Beschwerdeführer
künftig
auszuzahlenden Arbeitslo
sen
entschädigung
en
ist zulässig. Dabei schadet nicht, dass zwei verschiedene Arbeitslo
senkassen involviert sind (E. 1.2 hiervor)
. Auch lässt die
Unia
Arbeits
losenkasse die Verrechnung bloss soweit zu, als
damit das Existenzminimum nicht tangiert wird.
Indessen ging die Beschwerdegegnerin von sozialhilferechtlichen und nicht dem im Sozialversicherungsverfahren relevanten betreibungsrechtlichen Existenz
mini
mum aus (
E. 1.2 in fine
). Der Grundbetrag beläuft sich nach den Richtlinien des Obergerichts des Kantons Zürich
für die Berechnung
des betreibungs
recht
lichen Existenzminimums
Fr.
1'100.-- und nicht
Fr.
611.-- (
Urk.
7/34). Das aus
schlaggebende Existenzminimum
erhöht sich demgemäss auf
Fr.
1'931.--, wes
halb lediglich die diesen Betrag übersteigenden Leistungen verrechnet werden können. Dies führt zur teilweisen Gutheissung der Beschwerde.