Decision ID: 487a65e6-585a-5bb6-937e-9e4ce80c606f
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 23.06.2017 Art. 8 Abs. 1 und Abs. 3 lit. b in Verbindung mit Art. 15 ff. IVG. Art. 28 IVG. Berufliche Massnahmen. Rente. Auch nach weiteren Abklärungen ist weder ein psychischer noch ein somatischer Gesundheitsschaden (Borreliose) mit invalidisierender Wirkung ausgewiesen, was zur Abweisung des Leistungsgesuchs führt (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 23. Juni 2017, IV 2016/237). Entscheid vom 23. Juni 2017 Besetzung Versicherungsrichterinnen Marie-Theres Rüegg Haltinner (Vorsitz), Miriam Lendfers und Marie Löhrer; Gerichtsschreiber Jürg Schutzbach Geschäftsnr. IV 2016/237 Parteien A._, Beschwerdeführer, gegen IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen, Beschwerdegegnerin, Gegenstand IV-Leistungen Sachverhalt
Entscheid Versicherungsgericht, 23.06.2017
A.
A.a A._ meldete sich am 18. April 2012 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (act. G 5.1/7). Dabei gab er an, er
leide unter Müdigkeit, Schlafstörungen, Schmerzen an Kopf, Gesicht, Nacken, Leisten,
Knie u.a. sowie an Depressionen, Persönlichkeitsstörungen, Problemen mit Alkohol
und Schmerzmitteln (act. G 5.1/8). Nach Abklärungen des RAD Ostschweiz sowie bei
der Psychiatrischen Klinik B._ wies die IV-Stelle das Gesuch um berufliche
Massnahmen wie um eine Rente mit Verfügung vom 27. Mai 2013 ab, da beim
Ansprecher kein Gesundheitsschaden vorliege, der die Arbeitsfähigkeit einschränke
(act. G 5.1/47). Die gegen diese Verfügung gerichtete Beschwerde vom 25. Juni 2013
hiess das hiesige Versicherungsgericht mit Entscheid vom 4. November 2015 teilweise
gut und wies die Angelegenheit zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle zurück. Dabei
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wurde die Verwaltung angewiesen, eine allfällige Borreliose-Erkrankung abzuklären. Im
Weiteren bestehe auch keine ausreichende medizinische Grundlage für die Beurteilung
allfälliger psychischer Gesundheitsschäden. Zudem seien die bislang fehlenden
Berichte der behandelnden Ärzte einzuholen und anschliessend neu zu verfügen (IV
2013/285 [vgl. zum vollständigen Sachverhalt ebendort]).
A.b In der Folge holte die IV-Stelle beim Hausarzt Dr. med. C._, Facharzt FMH für
Allgemeinmedizin, sowie bei Dr. med. D._, Innere Medizin FMH, Arztberichte ein.
Während Dr. C._ am 16. Dezember 2015 angab, es bestehe eine emotional instabile
Persönlichkeit vom Borderline-Typ sowie ein Substanzmissbrauch mit Alkohol und
Cannabis und es erfolge durch ihn gegenwärtig keine Behandlung (act. G 5.1/63),
führte Dr. D._ am 8. Januar 2016 aus, die letzte Kontrolle sei am selben Tag erfolgt.
Als Diagnosen nannte er einen Status nach Alkohol- und Cannabis-Abusus sowie einen
Status nach Lyme-Borreliose. Physikalisch bestehe ein Normalbefund, aktuell erfolge
durch ihn keine Behandlung. Der Versicherte sei von Mitte 2011 bis auf weiteres 100 %
arbeitsunfähig (act. G 5.1/65). Der RAD führte dazu am 15. Januar 2016 aus, die
Verdachtsdiagnose einer Borreliose, wie sie von Dr. D._ 2011 aufgestellt worden sei,
werde nicht mehr erwähnt. Diese benötige ein klinisches Bild, wie es beim Versicherten
unter abstinenten Bedingungen nie vorhanden gewesen sei. Wenn nun Dr. D._ einen
Zustand nach Lyme-Borreliose angebe, könne dies nun als Expertenmeinung
angesehen werden. Es könne somit angenommen werden, dass die Borreliose keinen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe (act. G 5.1/67).
A.c Im Weiteren holte die IV-Stelle bei Dr. med. E._, Facharzt FMH für Psychiatrie
und Psychotherapie, ein psychiatrisches Gutachten ein. Dieser konnte in seinem
Gutachten vom 4. April 2016 keine Diagnose mit oder ohne Krankheitswert stellen.
Dementsprechend bezifferte er die Arbeitsfähigkeit auf 100 % (act. G 5.1/81.49 ff.). In
einer weiteren Stellungnahme vom 20. April 2016 führte der RAD aus, Dr. E._ habe
die von Dr. D._ dokumentierte Antriebsschwäche und erhöhte Ermüdbarkeit im
Gutachten aufgegriffen und im Rahmen der Erwägungen über das Vorliegen einer
Persönlichkeitsstörung abgehandelt. Die durchgeführten Abklärungen hätten
konkordant zu den bisherigen Unterlagen und Einschätzungen des RAD keine Hinweise
auf Gesundheitsschäden erbracht, die relevanten Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
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haben könnten. Der Versicherte weise damit in einer adaptierten Tätigkeit keine
medizinisch erklärbaren Einschränkungen auf (act. G 5.1/82).
A.d Mit Vorbescheid vom 22. April 2016 stellte die IV-Stelle St. Gallen die erneute
Abweisung des Leistungsgesuchs in Aussicht, da der Versicherte in einer
leidensadaptierten Tätigkeit voll arbeitsfähig sei. Es bestehe daher kein Anspruch auf
berufliche Massnahmen und Rentenleistungen (act. G 5.1/85). Mit Einwand vom 1. Mai
2016 machte der Versicherte geltend, der Sachverhalt sei ungenügend abgeklärt
worden, indem körperliche Einbussen seit 4 Jahren nicht abgeklärt worden seien. Er
habe (sinngemäss) ab Antragstellung mindestens bis zur vollständigen Abklärung
Anspruch auf eine ganze Rente (act. G 5.1/86). Nach einer weiteren Stellungnahme des
RAD vom 9. Mai 2016 - es sei unwahrscheinlich, dass weitere Abklärungen, auch
somatischer Art, invaliditätsbegründende Sachverhalte beschreiben würden - verfügte
die IV-Stelle am 9. Juni 2016 wie angekündigt (act. G 5.1/91).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 5. Juli 2016
mit dem Antrag, es sei ihm "bis 1. Januar 2014 eine ganze, und vom Datum des
Antrags bis zum Zeitpunkt, an dem Leistungen der SVA bei ihm einträfen, mindestens
eine halbe Rente" zuzusprechen. Die SVA sei der Aufforderung, ein vollständiges
Gutachten zu erstellen, nicht nachgekommen, zumal der Beschwerdeführer
vorwiegend über körperliche Einschränkungen klage. Die Laborwerte wiesen
unumstösslich auf eine seit längerem bestehende chronische Borreliose-Erkrankung
hin. Eine solche heile nicht einfach so aus. Eine Beurteilung dieser Symptome sei der
Beschwerdegegnerin ohne richtige Abklärung gar nie möglich gewesen. Im Weiteren
beantragt der Beschwerdeführer sinngemäss die Durchführung einer mündlichen
Verhandlung (act. G 1). Mit Gesuch vom 1. August 2016 beantragt der
Beschwerdeführer zudem die Gewährung unentgeltlicher Rechtspflege (act. G 3).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 20. September 2016 beantragt die Verwaltung
Abweisung der Beschwerde. Dr. D._ habe im Arztbericht vom 8. Januar 2016 einen
"Status nach" Lyme-Borreliose diagnostiziert. Diese Krankheit gelte damit als beendet.
Es dürfe davon ausgegangen werden, dass auch der behandelnde Spezialist nicht von
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einem massgebenden Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ausgehe. Im Übrigen könnte
selbst bei Bestätigung der im Raum stehenden Diagnosen keine iv-rechtlich relevante
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit anerkannt werden (act. G 5).
B.c Trotz gewährter unentgeltlicher Rechtsverbeiständung (und Befreiung von den
Gerichtskosten [vgl. act. G 6]) reicht der Beschwerdeführer am 4. Januar 2017 (Datum
Postaufgabe) selber eine Replik ein. Darin macht er geltend, Anspruch auf eine Rente
von mindestens Juni 2010 (oder Antragsdatum) bis Juni 2016 zu haben. Diese
Arbeitsunfähigkeit sei durch eine Borreliose ausgelöst worden. Bis anhin sei die
Genesung so weit fortgeschritten, dass Arbeit zu 50 % wieder möglich sei und der
Lebensunterhalt beinahe wieder selbst finanziert werden könne. Er arbeite zurzeit
Teilzeit in der Auslieferung und Montage von Unterhaltungselektronik, Elektronik und
Haushaltgeräten, soweit es die Gesundheit erlaube. Er bilde sich weiter in den
Bereichen Klavierstimmer, Klavierbauer und Musikunterricht. Es gebe weder
psychische Probleme noch einen schlechten Bildungsgrad, die eine solche Arbeit
erschweren oder verunmöglichen würden. Einzig körperliche Beschwerden
verhinderten ein höheres Arbeitspensum. Es sei nicht akzeptabel, dass die
Beschwerdegegnerin keine eigenen Abklärungen der körperlichen Einschränkungen
getätigt habe. Die neuesten Abklärungen beim Psychiater seien diesbezüglich wertlos
(act. G 10).
B.d Am 23. Juni 2017 findet eine mündliche Verhandlung statt. Auf die dabei
gemachten Ausführungen des Beschwerdeführers ist soweit erforderlich in den
nachstehenden Erwägungen einzugehen.

Erwägungen
1.
1.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
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und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.2 Invalide oder von Invalidität bedrohte Versicherte haben bei Erfüllen der
Anspruchsvoraussetzungen Anspruch auf Massnahmen beruflicher Art
(Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung,
Kapitalhilfe [Art. 8 Abs. 1 und Abs. 3 lit. b IVG in Verbindung mit Art. 15 ff. IVG]). Nach
Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der medizinischen Fachperson ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen (vgl. Art. 43
Abs. 1 ATSG) und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine
zuverlässige Beurteilung des streitigen Leistungsanspruchs gestatten.
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin stützt die erneute Abweisung des Leistungsgesuchs im
Wesentlichen auf das psychiatrische Gutachten von Dr. E._ sowie auf die
Ausführungen ihres Regionalärztlichen Dienstes. Dieser stellt in somatischer Hinsicht
wiederum auf die Angaben von Dr. D._ ab. Dass keine psychiatrischen
Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit vorhanden sind, wird vom Beschwerdeführer
nicht bestritten und ist auf Grund des beweistauglichen Gutachtens von Dr. E._
nunmehr klar ausgewiesen. Indessen macht der Beschwerdeführer erneut geltend,
seine (durchgemachten, inzwischen gebesserten) Beschwerden seien auf eine
Borreliose-Erkrankung zurückzuführen. Dabei handelt es sich nach Angaben des
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Beschwerdeführers um relativ diffuse Beschwerdebilder. So nannte er gegenüber dem
psychiatrischen Gutachter Ganzkörperschmerzen und ein grosses Schlafbedürfnis (act.
G 5.1/81.17 f.). In der Replik vom 22. Oktober 2013 zum Verfahren IV 2013/285 nannte
er neben der Müdigkeit Kopfschmerzen, Gesichtsschmerzen, Gliederschmerzen, innere
Schmerzen, Depressionen und Todesängste, Verdauungsprobleme,
Gewichtsprobleme, Schwindel, starkes Schwitzen, Konzentrationsprobleme,
Nackenschmerzen, Gelenkbeschwerden, insgesamt tiefe Leistungsgrenze etc. (act. G
5.1/58.3). Zwar nannte Dr. D._ in seinem Bericht vom 6. Dezember 2011 als
Diagnose unter anderem eine subakute Lyme-Neuroborreliose, was auf Grund der
laborchemischen Resultate habe festgestellt werden können. Indessen führte Dr. D._
damals auch aus, dass beim Beschwerdeführer ein chronischer Alkoholabusus im
Vordergrund stehe, weshalb klinisch kein eindeutiges Korrelat habe gefunden werden
können. Die bestehenden Beschwerden könnten ebenso gut durch den Alkoholabusus
bedingt sein (act. G 5.1/65.5 f.). In der Zwischenzeit fand vom 6. Februar bis zum 2.
März 2012 ein stationärer Entzug in der Psychiatrischen Klinik B._ statt (act. G
5.1/63.7 ff.), der offenbar - zumindest betreffend Alkohol und zumindest teilweise -
erfolgreich war. Jedenfalls konnte Dr. E._ aktuell keine entsprechende Abhängigkeit
mehr feststellen. Ein gegenwärtiger Cannabiskonsum wird vom Beschwerdeführer
zugestanden, wenn auch Dr. E._ eine Abhängigkeit weder bestätigen noch
ausschliessen konnte (act. G 5.1/81.40 f.). Dr. D._ konnte auch nach erfolgtem
Entzug keine Gesundheitsschädigung durch Borreliose feststellen. So diagnostizierte er
in seinem Bericht vom 8. Januar 2016 einen Status nach Alkohol- und Cannabis-
Abusus und einen Status nach Lyme-Neuroborreliose. Es bestehe ein physikalischer
Normalbefund. Im Weiteren führte er aus, gegenwärtig erfolge durch ihn keine
Behandlung und keine Medikation (act. G 5.1/65.1 f.). Auch der Beschwerdeführer
selber geht in seiner Replik vom 4. Januar 2017 (Datum Postaufgabe) nunmehr davon
aus, dass die Heilung der Borreliose sehr gut sei und der Lebensunterhalt beinahe
wieder selbst finanziert werden könne, wenn er auch die Heilung im Wesentlichen auf
seine Eigentherapie zurückführt (act. G 10, S. 1 und 3). Diese Angaben werden vom
Beschwerdeführer anlässlich der heutigen Gerichtsverhandlung bestätigt. Eine
invalidisierende somatische Erkrankung, allenfalls auch nur vorübergehend, ist damit
nach wie vor nicht ausgewiesen. Vielmehr deutet gerade die Tatsache, dass sich der
Gesundheitszustand nach der stationären Entzugsbehandlung bei Einhalten der
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Alkoholabstinenz - aber soweit ersichtlich ohne antibiotische Therapie, also ohne
ärztlich verordnete Antiborreliose-Therapie - offenbar gebessert hat, darauf hin, dass
jener in erster Linie durch den Alkoholmissbrauch beeinträchtigt gewesen ist. Nachdem
nun auch der behandelnde Dr. D._ in seinem Bericht vom 8. Januar 2016 der
Borreliose-Symptomatik keine weitere Bedeutung oder Behandlungsbedürftigkeit mehr
zugemessen hat, erscheint die Vornahme von weiteren diesbezüglichen Abklärungen,
etwa in Form eines neurologischen Gutachtens, nicht angezeigt. Die rückwirkende
Feststellung einer früheren Arbeitsunfähigkeit wäre auch kaum durchführbar, wie selbst
der Beschwerdeführer einräumt. Somit ist mit dem RAD festzustellen, dass das
Vorliegen einer manifesten - und damit potentiell die Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigenden - Borreliose-Erkrankung (auch) unter abstinenten Bedingungen
nicht verifiziert werden konnte. Daran ändert auch das Resultat des Borrelien-
Suchtests Elisa IgG vom 7. Juni 2017, wonach immer noch ein positiver Befund, wenn
auch ein rückläufiger Wert im Vergleich zu Dezember 2015 und Dezember 2011 vorliegt
(vgl. act. G 5.1/9 und act. G 19, an der heutigen Verhandlung eingereicht), nichts, kann
doch nicht anhand eines Bluttests auf eine Arbeitsunfähigkeit oder gar
Erwerbsunfähigkeit geschlossen werden. Zudem geht der Beschwerdeführer selber
von einem inzwischen stark gebesserten Gesundheitszustand aus. Ein (allenfalls auch
nur zeitweise vorhandener) invalidisierender Gesundheitsschaden ist damit nicht
ausgewiesen. Unter diesen Umständen trägt der Beschwerdeführer nach einem
allgemeinen Rechtsgrundsatz die Folgen der Beweislosigkeit, weshalb die
Beschwerdegegnerin zu Recht einen Anspruch auf berufliche
Eingliederungsmassnahmen und Rentenleistungen verneint hat.
3.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 800.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit, in welcher auch eine mündliche
Verhandlung stattgefunden hat, als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens
entsprechend ist sie vollumfänglich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Zufolge
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu befreien. Der
Beschwerdeführer kann jedoch während zehn Jahren zur Nachzahlung der
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Gerichtskosten verpflichtet werden, sobald er dazu in der Lage ist (Art. 123 der
Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO, SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege [VRP, sGS 951.1]). Trotz entsprechender Bewilligung
hat der Beschwerdeführer keinen Rechtsvertreter beigezogen, weshalb keine
Anwaltskosten zu entschädigen sind. Im Weiteren ist einer unvertretenen Partei
grundsätzlich keine Aufwandentschädigung zuzusprechen: Die Gewährung einer
solchen ist nach der Rechtsprechung nur möglich, wenn es sich um eine komplizierte
Sache mit hohem Streitwert handelt und die Interessenwahrung einen hohen
Arbeitsaufwand notwendig macht, der den Rahmen dessen überschreitet, was der
einzelne üblicher- und zumutbarerweise nebenbei zur Besorgung der persönlichen
Angelegenheiten auf sich zu nehmen hat. Erforderlich ist somit ein Arbeitsaufwand,
welcher die normale (z.B. erwerbliche) Betätigung während einiger Zeit erheblich
beeinträchtigt. Schliesslich muss zwischen dem betriebenen Aufwand und dem
Ergebnis der Interessenwahrung ein vernünftiges Verhältnis bestehen (BGE 110 V 82 E.
7; BGE 110 V 134 f. E. 4d). Vorliegend ist insbesondere die zweite Bedingung nicht
erfüllt, ist doch nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer neben der
Ausarbeitung seiner Eingaben seiner normalen Betätigung nicht mehr nachgehen
konnte, zumal er nur zum Teil erwerbstätig war. Hinzu kommt, dass im Rahmen der
unentgeltlichen Prozessführung eine Aufwandentschädigung an die gesuchstellende
Partei zulasten des Staates nicht zugesprochen werden kann (vgl. Art. 118 ZPO i.V.m.
Art. 99 Abs. 2 VRP).