Decision ID: b745ab61-a5db-46d9-8504-b8d81f13042f
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1
.
1.1
Die
1982
geborene
X._
war seit dem
2.
August 2001 bei der
Y._
AG tätig und in dieser Eigenschaft bei der Allianz Suisse
Ver
sicherungs
-Gesellschaft AG (nachfolgend: Allianz) obligatorisch unfallversichert, als sie am 1
4.
Oktober 2002 mit dem Fahrrad verunfallte und sich ein Schädel
hirntrauma sowie eine
Claviculafraktur
rechts zuzog
(
Urk.
8/376 S. 2, 10 und 18
)
.
D
ie Allianz
anerkannte ihre Leistungspflicht und sprach ihr m
it Verfü
gung vom 1
9.
Juli 2011
ab
1.
Januar 2011 eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 46
%
sowie eine Integritätsentschädigung
auf
der
Basis
e
ines
Integritäts
schaden
s
von 50
%
zu (
Urk.
8/
393).
Diese Verfügung erwuchs unangefochten in R
echtskraft.
1.2
Nachdem die
Versicherte die
Allianz darüber informiert
hatte
, dass die Invalidenversicherung
neu einen Invaliditätsgrad von 55
%
ermittelt und
ihr
e
bisher
ige
Viertelsrente
auf eine halbe Rente erhöht hatte
, und um Prüfung einer Erhöhung der Invalidenrente des Unfallversicherers ersuchte hatte
(
Urk.
8/
436; vgl. auch
Urk.
8/406,
Urk.
8/433
)
, holte die Allianz das polydisziplinäre G
ut
achten des
A._-Gutachtenzentrums
vom 2
7.
Oktober 2015
ei
n
(
Urk.
8/456)
. Gestützt darauf sprach sie der Versicherten mit Verfügung vom
1
1.
April 2016
infolge einer Verschlechterung des tatsächlichen Leistungs
vermögens
ab
1.
Februar 2014
eine Komplementärrente zur Rente der Invaliden
versicherung basierend auf einem Invaliditätsgrad von neu 58
%
zu
, was einen
vergleichsweise höheren monatlichen Rentenbetrag
zur Folge hatte
(
Urk.
8/469; vgl.
Urk.
8/393
)
. Die von der Versicher
ten
dagegen
mit dem Antrag auf Zu
sprechung höherer Leistungen
aufgrund einer Erhöhung des versicherten Ver
dienstes
erhobene Einsprache
vom
9.
Mai 2016
(
Urk.
8/475 S. 2
) wies die Allianz mit
E
inspracheentscheid
vom
1
5.
November 2019
ab
(
Urk.
8/538)
.
Zudem
hob
sie
die Verfügung vom 1
1.
April 201
6 im Sinne einer
reformatio
in
p
eius
ersatzlos auf und hielt fest, ab dem
1.
Dezember 2019 würden die Leistungen gemäss Rentenverfügung vom 1
9.
Juli 2011 ausgerichtet (
Urk.
8/538 S. 14
). Mit gleichen
tags erlassener Rückforderungsverfügung verlangte sie von der Versicherten die Rückerstattung
der
noch nicht verjährten,
im
Zeitraum vom
1.
November 2014 bis 3
0.
November 2019
zu Unrecht ausbezahlten Leistungen
im Betrag von
Fr.
24'550.80
(
Urk.
8/541
).
G
egen den
Einspracheentscheid
vom 1
5.
November 2019
erhob die Versicherte
am
3.
Januar 2020
beim damals zuständig gewesenen
Verwaltungsgericht des Kantons
C._
Beschwerde (
Urk.
8/549
; vgl. auch
Urk.
8/550
).
1.3
Bereits am 2
4.
September 2019 hatte die Allianz der Versicherten
telefonisch
mit
geteilt, dass sie mit ihr gerne ein Standortbestimmungsgespräch führen würde (
Urk.
8/565; vgl. auch
Urk.
8/564).
Dieses
wurde
am 2
0.
Oktober 2019
durch die
Case Managerin
durchgeführt
, wobei die Versicherte dieser untersagte, das Ge
spräch zu protokollieren und Informationen an die
Leistungsabteilung der
Allianz weiterzugeben (
Urk.
8/568 S. 1
,
Urk.
8/570 S. 6
). Mit
Schreiben vom 3
0.
November 2020
teilte die Allianz der Versicherten daraufhin mit, dass sie von Amtes wegen ein Revisionsverfahren einleite und beabsichtige, die Versicherte durch das
B._-Gutachtenzentrum
psychiatrisch, neuropsychologisch und neurologisch begutachten zu lassen. Gleichzeitig gab sie der Versicherten die Namen der Sachverständigen und den Fragenkatalog bekannt und setzte ihr Frist an
,
um allfällige
Ausstands- ode
r Ab
lehnungsgründe vorzubringen und sich
zum Fragenkatalog
zu
äussern
(
Urk.
8/568).
Mit
Stellungnahme
vom 2
8.
Dezember 2020
machte die Versicherte geltend,
si
e sei nicht verpflichtet, sich begutachten zu lassen
,
da
kein Revisions
grund vorliege und es der Allianz im Hinblick auf das laufende Verfahren vor dem Verwaltungsgericht des Kantons
C._
verwehrt sei, das geplante Gut
achten einzu
holen
(
Urk.
8/569).
Mit
Zwischenverfügung vom 1
2.
Januar 2021
hielt
die Allianz
an der vorgesehenen
interdisziplinäre
n
Begutachtung in der Gutachten
stelle
B._
fest
. Zudem verfügte sie, dass einer allfälligen Beschwerde gegen die Zwischenverfügung die aufschieben
de
Wirkung entzogen werde (
Urk.
8/570 =
Urk.
2
).
2.
2.1
D
ie Versicherte
, mittlerweile wohnhaft im Kanton Zürich, erhob am
5.
Februar 2021 Beschwerde
beim Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
und bean
tragte die
Aufhebung der Zwischenverfügung
vom 1
2.
Januar 202
1.
In prozessualer Hinsicht
stellte sie den E
ventual
antrag, ihrer Beschwerde
sei die auf
schie
bende Wirkung zu gewähren (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom
2.
März 2021 beantragte die Allianz die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7).
2.2
Mit Verfügung vom
7.
April 2021 stellte die Referentin die aufschiebende Wirkung der Beschwerde wieder her. Ferner setzte sie den Parteien Frist an, um zu einer allfälligen Sistierung des Beschwerdeverfahrens bis zum Vorliegen des Urteils des Verwaltungsgerichts des Kantons
C._
Stellung zu nehmen
beziehungsweise
um
das Urteil einzureichen
, da
es
sich
unter Umständen auf den Ausgang des vorliegenden
Prozesses
auswirken könne (
Urk.
11).
Am
7.
Mai 2021 reichte die Beschwerdeführerin das Urteil des Verwaltungs
gerichts des Kantons
C._
vom 2
9.
Juni 2020
, versandt am 1
9.
April 2021,
ein
,
womit
ihre Beschwerde abgewiesen wurde (
Urk.
15)
. Zudem kündigte sie an,
sie werde
diesen Entscheid mit Beschwerde beim Bundesgericht an
fechten, und
beantragte die Sistierung des vorliegenden Verfahrens bis zum Vorliegen eines
letztinstanzlichen
Urteils (
Urk.
14
; vgl. auch
Urk.
18-19
).
D
ie Allianz
ihrerseits
stellte
am 1
1.
Mai 2021
den Antrag
,
es sei
von
einer Ver
fahrenssistierung abzu
sehen
(
Urk.
16
; vgl. auch
Urk.
17
).
Mit Verfügung vom
1.
Juni 2021 wies die Referentin das Sistierungsgesuch der Beschwerdeführerin ab
und stellte
ihr
eine Kopie der Beschwerdeantwort zu
(
Urk.
20).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Bestimmungen des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (
ATSG
)
sind auf die Unfallversicherung anwendbar, soweit das
Bundesgesetz
es
ü
ber die Unfallversicherung (UVG)
nicht ausdrücklich eine Abweichung vom ATSG vorsieht (
Art.
1
Abs.
1
UVG
).
1.2
Bei der Zwischenverfügung vom 1
2.
Januar 2021
handelt es sich um eine ver
fahrensleitende Verfügung,
welche nicht der
Einsp
rache
unterliegt
(
Art.
52
Abs.
1
ATSG
), dafür aber
mit
Beschwerde beim
kantonalen Versicherungsgericht
an
gefochten werden kann
, sofern ein nicht
wieder
gutzumach
ender
Nachteil resultiert (
Art.
56
Abs.
1 ATSG sowie
Kieser
, ATSG-Kommenta
r,
4.
Aufl., Zürich
2020,
Art.
56
Rz
20 ff.
).
Nach
der bundesge
richtlichen Rechtsprechung
ist in den Bereichen der Invaliden-
(BGE 137 V 210 E. 3.4.2.6-7)
und der Unfal
lversicherung (BGE 138 V 318 E.
6.1) eine Begutachtung bei Uneinigkeit durch eine beim kantonalen Versicherungsgericht anfechtbare Zwischenverfügung anzuordnen (
Kieser
, a.a.O.,
Art.
56 N 21)
und
die
Eintretensvoraussetzung
des nicht wieder gutzumachenden Nachteils für das
diesbezügliche
erstinstanzliche Beschwerde
verfahren
grundsätzlich
zu bejahen
(BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7)
.
Auf
die Beschwerde
vom
5.
Februar 2021 gegen die Zwischenverfügung vom 1
2.
Januar 2021 ist deshalb einzutreten.
1.3
Die Allianz gewährte der Beschwerdeführerin vor Erlass der angefochtenen Zwischenverfügung über die Anordnung der
interdisziplinäre
n
Begutachtung
die Gehörs- und Partizipationsrechte gemäss BGE 138 V 318 E. 6.1.4 in Verbindung mit BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7-9. Die Beschwerdeführerin brachte in ihrer Stellungnahme vom 2
8.
Dezember 2020 weder
Ausstandsgründe
gegen die ihr am 3
0.
November 2020 mitgeteilten medizinischen Gutachter vor, noch machte
sie von ihrem Mitwirkungsrecht
G
ebrauch, sich zum Fragenkatalog an die Sach
verständigen zu äussern (
Urk.
8/568-569).
Strittig und zu prüfen ist hingegen, ob die Allianz von Amtes wegen ein Renten
revisionsverfahren in Gang setzen und eine Verlaufsbegutachtung zur Beurteilung der Entwicklung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin seit der Fertigstellung des letzten medizinischen Gutachtens im
A._
am 2
7.
Oktober 2015 (vgl.
Urk.
15 S. 4) an
ordnen durfte (
Urk.
1,
Urk.
2,
Urk.
7).
2.
2.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Renten
bezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG).
2.2
Anlass zur Revision einer Invalidenrente gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung; dazu ge
hört die Verbesserung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer Angewöhnung oder Anpassung an die Behinderung. Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
2.3
Nach den allgemeinen Regeln des Sozialversicherungsrechts hat der Versicherungsträger den rechtserheblichen Sachverhalt abzuklären. Er ist nach dem in
Art.
43
Abs.
1 ATSG statuierten Untersuchungsgrundsatz verpflichtet, die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen (
in BGE 139 V 585 nicht publizierte E. 3.1 des
Urteil
s
des Bundesgerichts
8C
_481/2013 vom
7.
November 2013
).
3
.
Die Allianz begründete die Anordnung der interdisziplinären Begutachtung in der
B._
in der angefochtenen Zwischenverfügung vom
1
2.
Januar 2021
damit, aus medizinischen Berichten hätten sich unfallfremde familiäre Belastungen ergeben. Es stelle sich die Frage, ob die rezidivierenden depressiven Episoden der Beschwerdeführerin unfallfremder Natur seien. Ferner sei die Suche nach einer Psychiaterin zur Aufnahme einer Behandlung ergebnislos verlaufen. Sie habe ihr
internes Case Management deshalb beauftragt abzuklären, ob die Wieder
aufnahme des Case Managements vorübergehend Sinn mache. Die Case Managerin habe rapportiert, dass am 2
0.
Oktober 2020 eine Besprechung mit der Beschwerdeführerin stattgefunden habe, die
se
ihr aber die schriftliche Protokollierung des Gesprächsinhalts und die Weitergabe von Informationen zu ihrer persönlichen, gesundheitlichen und beruflichen Situation untersagt habe. Vor diesem Hintergrund und da die letzte medizinische Überprüfung des Gesund
heitszustands durch das
A._
inzwischen bereits wieder mehr als fünf Jahre zurückliege, sehe sich die Allianz gezwungen, die gesundheitliche Situation mittels eines weiteren Gutachtens abzuklären (
Urk.
2 S. 1 f.; vgl. auch
Urk.
7).
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin kritisiert das Vorgehen der Allianz
zunächst
mit dem Argument,
es liege gar kein Revisionsgrund vor. Die von der Allianz für die An
ordnung der Begutachtung angeführte Begründung, aus medizinischen Berichten ergäben sich unfallfremde familiäre Belastungen, was die Frage aufwerfe, ob die rezidivierenden depressiven Episoden unfallfremder Natur seien, überzeuge nicht. Einerseits lasse sich die Depression auf die Folgen ihres schweren Unfalles zurückführen, andererseits lebe sie seit Jahren in einer stabilen Partnerschaft
. Auch treffe die Behauptung der Allianz
, die Suche
nach einer Psychiaterin zur Aufnahme einer Behandlung sei ergebnislos verlaufen
, nicht zu. Sie habe an
lässlich der Besprechung mit der Case Managerin
bekanntgegeben, dass sie
seit
einiger Zeit
D._-Institut
behandelt werde
(
Urk.
1 S.
5 f.).
4.2
4.2.1
Vorliegend steht die Rechtmässigkeit der
Einleitung
eines
Revisionsverfahrens
durch die Allianz zur Diskussion.
Zweck eines solchen Verfahrens ist es gerade abzuklären, ob die
materiellen Revisionsvor
aussetzungen
nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG
erfüllt
sind. Ob ein Revisionsgrund vorliegt, steht erst am Ende des
Revisionsverfahrens fest. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin kann d
as Vorliegen eines Revisionsgrundes
daher naturgemäss
nicht
die
Voraussetzung für die E
inleitung
und Durchführung
eines Revisionsverfahrens bilden.
Die sich aus den Berichten des Hausarztes
Dr.
med.
E._
, Facharzt für All
gemeine Medizin, vom 2
1.
September 2020 (
Urk.
8/563,
Urk.
8/567 S. 2 f.; vgl. auch
Urk.
8/567 S. 1) ergebenden, auf einen Mangel an Behandlern zurück
zuführenden Probleme, für die Beschwerdeführerin eine psychiatrische Behandlung aufzugleisen,
spielten
bei der Einleitung des Rentenrevisions
verfahrens höchstens eine untergeordnete Rolle. Dies folgt
zum einen aus der
Aktennotiz über das Telefongespräch der Case Managerin mit dem Rechts
vertreter der Beschwerdeführerin vom 2
4.
September 2020, wo diese Problematik nicht ausdrücklich erwähnt wird (
Urk.
8/565), und
aus der Begründung der angefochtenen Verfügung (vorst
ehend E. 3
)
.
Laut den Berichten von
Dr.
E._
vom 2
0.
September 2019 (
Urk.
8/534)
,
9.
Oktober 2019 (
Urk.
8/558 S. 2) und 2
1.
September 2020 (
Urk.
8/567 S. 2 f.)
leidet
die Beschwerdeführerin unter einem instabilen psychischen Gesundheits
zustand mit wiederkehrenden depressiven Episoden
.
Auch der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin gab im T
elefongespräch
vom
2
4.
September 2020
mit der Case Managerin an, die Beschwerdeführerin
habe aufgrund des langwierigen Ver
fahrens mit der Allianz und der langjährigen Stellenlosigkeit psychisch
dekompensiert
(
Urk.
8/565).
Aus
dem Attest
von
Dr.
D._
vom 2
0.
September 2019 (
Urk.
8/534)
in Verbindung mit dem beigelegten Bericht der
Trauma
therapeutin
F._
vom
3.
Juli 2017 (
Urk.
8/533) ergeben sich
zudem
Hinweise
auf familiäre Belastungen, welche die
psychische Symptomatik der Beschwerdeführerin unter Umständen
(mit-
)beeinflussen
und möglicherweise unfallfremd sind
(
Urk.
8/533 S. 3 f.)
.
Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf den Untersuchungsgrundsatz (
Art.
43
Abs.
1 ATSG) ist es nicht nur gerechtfertigt, sondern angezeigt
, dass die Allianz diesen Hinweisen
für eine mögliche relevante Veränderung des Gesundheitszustandes
aufgrund ihrer
Abklärungspflicht
nach
geh
t
. Ein weiterer evidenter Grund für die Überprüfung der Rente bildet das noch relativ junge Alter der Beschwerdeführerin
in Kombination mit ihrem komplexen Gesundheitsschaden, der letztmals vor über fünf Jahren gutachtlich abgeklärt wurde.
Allerdings ist der Unfallversicherer nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung auch u
nabhängig
von konkreten Anhaltspunkten für den Eintritt einer anspruchserheblichen Änderung des Gesundheitszustandes
jederzeit
berechtigt,
von Amtes wegen
ein Rentenrevisionsverfahren im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG
einzuleiten
(
BGE 139 V 585 E. 6.3.7.1-2 unter Hinweis auf die
in BGE 139 V 585 nicht publizierte E.
2.1
des Urteils des Bundesgerichts 8C_481/2013 vom
7.
November 2013
)
. Es spielt
k
eine Rolle, wie viel Zeit seit dem Erlass der anzu
passenden Verfügung vergangen ist
und
aus welchen Gründen die Verwaltung auf die Idee kam, die laufende Rente näher zu überprüfen
(Urteil des Bundes
gerichts 8C_573/2020 vom
6.
Januar 2021 E. 4.2).
Aus diesen Gründen
durfte die Allianz
ohne Weiteres
ein Revisionsverfahren ein
leiten.
4.2.2
Die Verfahrensleitung liegt gemäss
Art.
43
Abs.
1 ATSG beim Versicherungs
träger, dessen Ermessensspielraum in Bezug auf Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen E
rhebungen gross ist.
Die im Revisions
verfahren zu beurteilende gesundheitliche
Situation mit
länger andauernde
n, teils psychischen Beschwerden nach einem Schädelhirntrauma ist
komplex. Deshalb ist auch
nicht zu beanstanden, dass die Allianz
zur Abklärung des gesundheit
lichen Verlaufs
eine interdisziplinäre Begutachtung
anordnete
(vgl. die
in BGE 139 V 585 nicht publizierte E. 3.4 des Urteils des Bundesgerichts 8C_481/2013 vom
7.
November 2013 sowie BGE 139 V 585 E. 6.3.7.1).
Zu
Handen
der Beschwerdeführerin bleibt festzuhalten, dass sie an der Revisions
begutachtung mitzuwirken haben wird, andernfalls der Unfallversicherer seine Leistungen -
nach Durchführung des Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
-
während
der
Dauer
der
unentschuldbar
en
Mitwirkung seine Leistungen
einstellen kann (BGE 139 V 585
E. 6.3.7 und 6.3.8).
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin rügt sodann
, die Allianz habe ihre
Persönlichkeit im Sinne von
Art.
12
Abs.
2
lit
. c des Bundesgesetzes über den
Datenschutz
verletzt.
In der Zwischenverfügung habe sie nämlich
darauf hingewiesen
, dass die Suche nach einer psychiatrischen Fachperson zur Aufnahme einer Behandlung ergebnislos verlaufen sei. Diese Information könne nur aus dem Gespräch vom 2
0.
Oktober 2020 mit der Case Managerin stammen. Damit habe die
Case Managerin
entgegen ihrer
Zusicherung, keine
Informationen
über den Inhalt des
fraglichen
Gesprächs an die
mit dem Rechtsstreit befasste Abteilung der Allianz weiterzugeben, gehandelt (
Urk.
1 S. 5 f.)
.
5.2
Die Allianz bestreitet die von der Beschwerdeführerin behauptete Weitergabe ver
traulicher Informationen durch die Case Managerin (
Urk.
7 S.
4
).
Der von der Case
Managerin angefertigten Aktennotiz
über den Gesprächsverlauf
sind denn auch keine
rlei
Informationen über den Gesprächsinhalt zu entnehmen
. Darin ist lediglich festgehalten, dass auf Verlangen des Rechtsvertreters der Beschwerde
führerin auf eine Protokollierung des Gesprächs verzichtet worden sei und die Case Managerin keine Informationen über
das
Gespräch an die Mitarbeiter der Leistungsabteilung der Allianz weiterleiten dürfe (
Urk.
8/570 S. 6)
.
Zudem
konnte die Information
,
dass die Suche nach einer behandelnden
psychiatrischen Fach
person
während
einer gewissen Zeit
erfolglos verlief, auch aus den
bereits vor dem Gespräch
zu den Akten genommenen Berichten von
Dr.
E._
vom 2
1.
September 2020 (
Urk.
8/563,
Urk.
8/567 S. 2 f.; vgl. auch
Urk.
8/567 S. 1)
stammen.
De
shalb fehlen hinreichende
Anhaltspunkte da
für
, dass die Case Managerin entgegen ihrer Zusicherung Informationen aus dem Gespräch vom 2
0.
Oktober 2020 an die
Leistungsabteilung der Allianz weitergegeben hat.
Bereits aus diesem Grund kann die Beschwerdeführerin aus der gerügten Verletzung des Datenschutzgesetztes nichts zu ihren Gunsten ableiten.
6.
6.1
Schliesslich
macht
die Beschwerdeführerin gelten
d
, wegen des
Devolutiveffektes
dürfe die Allianz während des laufenden Beschwerdeverfahrens gegen den
Ein
spracheentscheid
vom 1
5.
November 2019
keine umfassenden Abklärungs
massnahmen treffen
, womit auch die angeordnete Begutachtung unzulässig sei
(
Urk.
1 S. 6).
6.2
Der Beschwerde als ordentlichem
Rechtsmittel kommt nach
Art.
56 ff. ATSG
Devolutiveffekt
zu. Die formgültige Beschwerdeerhebung begründet (zusammen mit der Beschwerdeantwort des Versicherungsträgers) demnach grundsätzlich die alleinige Zuständigkeit des kantonalen Gerichts, über das in der angefochtenen Verfügung (
beziehungsweise
im angefochtenen
Einspracheentscheid
) geregelte Rechtsverhältnis zu entscheiden. Somit verliert der Versicherungsträger die Herr
schaft über den Streitgegenstand, und zwar insbesondere auch in Bezug auf die tatsächlichen Verfügungs- und Entscheidungsgrundlagen (Urteil des Bun
des
gerichts 8C_410/2013 vom 1
5.
Januar 2014 E.
5.2).
Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung dienen die erwähnten Regelungen dem Gebot der Einfachheit und Raschheit des Verfahrens
(
Art.
61
lit
. a ATSG)
. Daraus ergibt sich, dass im erstinstanzlichen Beschwerdeverfahren eine Sachverhaltsvervollständigung durch die Verwaltung im Rahmen punktueller Abklärungen
rechtsprechungs
gemäss
in aller Regel noch zulässig ist, wohingegen umfassendere Abklärungen wie eine medizinische Begutachtung mit Mitwirkung der versicherten Person oder vergleichbare zeitraubende
Beweismassnahmen
den Rahmen sprengen (Urteil des Bundesgerichts 8C_
410/2013 vom 15.
Januar 2014 E.
5.4).
6.
3
Der Leistungsanspruch in der vom
Einspracheentscheid
vom 1
5.
November 2019 be
schlagenen
Periode
von
Februar 2014 bis November 2019 (
Urk.
8/538 S. 13) war bei Erlass der Zwischenverfügung vom 1
2.
Januar 2021 (
Urk.
2) aufgrund der noch hängigen Beschwerde vom Versicherungsgericht des Kantons
C._
noch
nicht rechtskräftig
beurteil
t
. A
ufgrund
des
ergriffenen
Rechts
mittels
(
Urk.
19)
gegen das zwischenzeitlich ergangene, den
Einspracheentscheid
schützende Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons
C._
vom 2
9.
Juni 2020
(
Urk.
15)
bilden diese Versicherungsleistungen nun Gegenstand des Verfahrens vor dem Bundesgericht
.
Gegenstand des von der Allianz Ende 2020 eingeleiteten Revisionsverfahrens nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG bildet demgegenüber die Entwicklung des Gesund
heitszustandes nach Erlass des
Einspracheentscheides
vom 1
5.
November 2019 (
Urk.
8/538,
Urk.
8/568,
Urk.
2 S. 2) und nicht der materielle Leistungsanspruch in der vom
Einspracheentscheid
behandelten Periode
von
Februar 2014 bis November 2019 (
Urk.
8/538 S. 13).
Anders als die
Beschwerdeführerin
meint,
wirkt für die Zeit ab Erlass des noch nicht rechtskräftig gewordenen
Einsprache
entscheids
vom 1
5.
November 2019 kein
Devolutiveffekt
, welcher der angeordneten Begutachtung entgegenstünde
(vgl. etwa das Urteil des Bundes
gerichts
I 499/03 vom
3.
Dezember 2003 E. 6 und 7
).
7.
Es ergibt sich, dass die Allianz
berechtigt war, von Amtes wegen
ein Renten
revisionsverfahren
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG
ein
zu
leiten
und zu diesem Zweck
mit der angefochtenen Zwischenverfügung vom 1
2.
Januar 2021
eine interdisziplinäre Begutachtung der Beschwerdeführerin anzuordnen. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.