Decision ID: 61f18b5b-3827-42a5-bfd5-63f7011e4130
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1961
, Mutter von zwei Kindern (
Jahrgang
1980 und 200
0
), meldete sich am
4.
Mai 2015
unter Hinweis auf Spät
folgen nach einem schweren Unfall vom
1.
Juli 1992
bei der Sozialversicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Leistungsbezug
an
(
Urk.
7/6). Die IV-Stelle teilte
ihr
am
2.
September 2015 mit, dass
keine beruflichen Eingliederungs
massnahmen möglich
seien
(
Urk.
7/27)
. Am 2
1.
März 2016 erging der Vorbe
scheid, dass kein Anspruch auf IV-Leistungen bestehe (
Urk.
7/44).
D
ie Beschwer
deführerin
erhob am 2
8.
April 2016
Einwä
nd
e
und beantragte ergänzende Ab
klärungen (
Urk.
7/46/1-5).
Die IV-Stelle veranlasste
in der Folge
ein polydiszip
linäres Gutachten, das am 3
0.
Mai 2017 erstattet wurde
(
Urk.
7/94)
.
Nach
durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/98,
Urk.
7/
100) erging am
7.
Februar 2018 eine
ergänzende Ste
llungnahme zum Gutachten
(
Urk.
7/105).
Mit Verfü
gung vom 1
9.
April 2018 (
Urk.
7/110) =
Urk.
2)
verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch
.
2.
Die Versicherte erhob am 2
2.
Mai 2018 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
9.
April 2018 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien ihr Leistungen, mindestens eine
Viertelsrente
, auszurichten (
Urk.
1 S. 2 oben). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
5.
Juni 2018 (
Urk.
6) die Ab
weisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 2
3.
Juli 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8)
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Tei
l des Sozialversicherungsrechts,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
2.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothe
tischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invali
deneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige renten
wirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3, 129 V 222 E. 4.1 und E. 4.2, 128 V 174).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arz
tes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi
cherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärzt
lichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.
6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) gestützt auf die medizinischen und erwerblichen Abklärungen davon aus, dass eine Leis
tungsbeschränkung von 20
%
bestehe. Die bisherige Tätigkeit sei somit weiterhin zu 80
%
zumutbar. Mit e
iner Einschränkung von 20
%
sei
das gesetzliche War
tejahr nicht
erfüllt worden
und es b
estehe daher weiterhin kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (S
. 2 oben).
2.2
Demgegenüber vertrat die Beschwerdeführerin den Standpunkt (
Urk.
1)
,
die Be
schwerdegegnerin gehe fälschlicherweise von einer Arbeitsunfähigkeit von nur 20
%
aus (S. 4
Ziff.
1). Die Berechnung der Arbeitsunfähigkeit habe aufgrund einer Vergleichsrechnung zu erfolgen (S. 4
Ziff.
4). Aus näher genannten Gründen sei ihr mindestens eine
Viertelsrente
zu gewähren (S. 5
Ziff.
5-7). Zudem erachte sie das Gutachten als fehlerhaft (S. 5 f.
Ziff.
8).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
, wie es sich mit einem allfälligen Rentenanspruch ver
hält.
3.
3.1
Die Ärzte des
Y._
nannte
n
im Bericht vom 2
0.
April 2012 (
Urk.
7/21) zur gleichentags erfolgten Notfallbehandlung die folgenden Diagno
sen
(S. 1)
:
-
Epistaxis
-
Hypertensive Entgleisung bei bekannte
r arterieller Hypertonie
-
Adipositas
3.2
Die
Ärzte des
Z._
führten in ihrem
am 1
0.
Juni 2015 eingegangenen
Bericht
(
Urk.
7/20/1-4) aus
, dass sie die Beschwerdeführerin vom 2
4.
Juli bis
3.
August 2012 stationär behandelten
,
und nannten die
f
olgen
den, hier verkürzt angeführten
,
Diagnosen:
-
h
ochgradiger V
erdacht auf Schlafapnoesyndrom
-
hypertensive Herzerkrankung
-
latente Hypothyreose
-
c
hronische Heiserkeit bei ma
ngelhaftem Stimmbandschluss
-
Verdacht auf benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel
-
Zustand nach Schädelhirntrauma
-
Zustand nach zweimaliger Meningitis
Zusammenfassend werde von einer kombinierten Genese
der geklagten
Be
schwerden
-
Gewichtszunahme und allgemeine Erschöpfun
g bei latenter Hypo
thyreose,
Entstehung einer h
ypertensiven Herzerkrankung, Tagesmüdigkeit und mnestische
Defizite aufgrund eines bisher unbehandelten Schlafapnoesyndroms, welches wiederum assoziiert sei mit Adipositas per magna
- ausgegangen
. Zu
sätzliches wie der Verdacht auf
benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel
könne die Komplexität der von der Beschwerdeführerin empfundenen Beschwer
den erklären (S. 4).
3
.3
Dr.
med.
A._
führte am 1
4.
Oktober 2015 in
seinem Schreiben (
Urk.
7/33) aus
, dass er die Beschwerdeführerin lediglich zweimal im Jahr 2012 hausärztlich behandelt habe und deshalb keine konkreteren Angaben machen
könne
(S. 1).
3.4
Prof.
Dr.
med. B._
führte in seinem Bericht vom
8.
Juni 2015 (
Urk.
7/17/1-6) aus, dass er die Beschwerdeführerin von 2012 bis 2013 ambulant
behandelt habe
(S. 1
Ziff.
1.2)
,
und nannte die folgenden Diagnosen mit Au
swir
kung
auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1
Ziff.
1.1):
-
dysexekutives
Syndrom,
bestehend seit Juli 1992,
belegt durch CT-Befund
vom
5.
Februar 2007
(
ICD-10
F07.2)
-
vertikale Fraktur links frontal mit Einschluss der Sinus frontalis mit Einschluss der
Ethmoidalbereichs
-
linksseitige
Orbitaftaktur
-
direkte Verbindung zwischen vorderer Schädelgrube,
Frontabinus
,
Eth
moidalbereich
und linker Orb
i
ta
-
Encephalomatazie
frontob
asal
und rechts frontal
-
Nachweis eines inkonstanten Theta-Deltaherdes links frontotemporal
, EEG des Krankenhauses
Z._
im 2012
-
h
ochgradiger Verdacht auf Schl
afapnoesyndrom
-
h
ypertensive Herzerkrankung
mit schwerer konzentrischen linksventriku
läre
n
Hypertrophie
-
l
a
tente Hypothyreose mit Adipositas per magna. Initial im Zusammen
hang mit der Verordnung von Neuron
tin
-
chronische Heiserkeit bei mangelhaftem Stimmbandschl
uss
-
Verdacht auf benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel
-
rezidivierende
Cephalgien
im Zusammenhang mit Meningitiden
-
Gehbehinderung nach Versorgung einer wiederholten traumatisch be
dingten Verletzung beider Kniegelenke
Für den klinisch 2012 und 2013 zumindest temporär bestehenden Verdacht einer
Liquorfistel
seien die vorgeschlagenen szintigrafischen und
myelografischen
Un
tersuchungen bisher nicht durchgeführt worden
(S. 1
Ziff.
1.1)
.
Bei den Folgen des Schädel-Hirn-Traumas vom
1.
Juli 1992 sei von einer weiteren Progredienz auszugehen (S. 2
Ziff.
1.4).
Das maskierte
dysexekutive
Syndrom sei ohne Stress
bedingungen latent, führe jedoch bei mit beruflichen Tätigkeiten verbundenen Belastungen zu erheblichen Fehlentscheidungen
(S. 3
Ziff.
1.7)
.
Es bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit retrospektiv seit 2007 (S. 2
Ziff.
1.6). Mit der Wie
deraufnahme der beruflichen Tätigkeit beziehungsweise Einsatzfähigkeit könne nicht gerechnet werden (S. 3
Ziff.
1.9).
3.5
Dr.
me
d
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin
, führte in seinem Bericht vom 2
4.
August 2015 (
Urk.
7/25/1-7) aus
, dass er die Beschwer
deführerin am
3.
Juni 20
15 einmalig ambulant behandelt habe
(S. 6
Ziff.
1.2)
,
und nannte die folgenden Diagnosen (S. 6
Ziff.
1.1):
-
Status nach Unfall 1992 mit Schädelbruch, unklare neurologische Restzu
stände
-
massivste Adipositas
-
hochgradiges Schlafapnoe Syndrom
-
h
ypertensive Herzerkrankung
-
latente Hyperthyreose
-
Status nach zweimaliger Meningitis
Aufgrund der nur einmalig erfolgten Untersuchung seien keine weiteren Aussa
gen möglich (S. 6 f.). Eine genauere Abklärung sei dringend (S. 7
Ziff.
1.11).
3.6
Dr.
med.
D._
, Praktische Ärztin,
führte in ihrem Bericht vom
2.
Mai 2016 (
Urk.
7/48) aus, dass sie die Beschwerdeführerin seit
5.
April 2016 ambulant behandle (S. 1
Ziff.
1.2)
,
und nannte die folgenden Diagnose
n
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1
Ziff.
1.1):
-
Polytrauma am
1.
Juli 1992
-
Status nach Meningitis
Sie nannte die folgenden Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1
Ziff.
1.1):
-
h
ypertensive Herzerkrankung
-
Hypothyreose
-
Schlaf-Apnoe-Syndrom
-
Adipositas
-
latenter Diabetes mellitus
-
aktuell Eisenmangel
Die Prognose für die Blutdruckeinstellung sei gut. Für die posttraumatische Symptomatik sei die Prognose nicht einschätzbar.
Die Beschwerdeführerin habe mehrmals Kontrolltermine und kardiologische Termine abgesagt, so dass die Füh
rung schwierig sei
(S. 2
Ziff.
1.4)
.
Weitere Punkte seien für sie nicht beurteilbar, da sie die Beschwerdeführerin nur zweimalig gesehen habe (S. 2 unten).
3.7
Am 2
2.
September 2016 erstattete
n die Fachpersonen des
E._
im Auftrag des Bezirksgerichts
F._
ein polydisziplinäres
Gutach
ten
(
Urk.
7/81).
Sie stützten sich auf die ihnen überlassenen Akten (S. 3 ff.), die Angaben der Beschwerdeführeri
n (S. 14 ff.), und ihre
am
4.
August und
4.
No
vember 2017 (vgl. S. 1 unten)
erhobenen psychiatrischen (S. 29 ff.), neuropsy
chologischen (S. 32 ff.) und neurologischen (S. 35 ff.) Befunde.
Das Gutachten soll
t
e sich insbesondere zu Fragen nach dem Vorliegen eines
dysexekutiven
Syn
droms äussern (S. 3 und S. 39). Aus der neuropsychologischen und neurologi
schen Abklärung sei zusammenfassend hervorgegangen, dass ein l
e
ichtes
dys
exekutives
Syndrom vorliege. Dies sei insbesondere anhand der Verhaltensbe
obachtungen festgestellt worden
. Es zeige sich eine leichte Impulsivität und Ent
hemmung bei leicht gesteigertem Antrieb und gehobener Stimmung. Ferner seien ein unstrukturiertes Denken und Einschränkungen des Gedächtnisses feststellbar. Die Ergebnisse der formalen neuropsychologischen Testung lägen allerdings im Normbereich. Auch die bei der psychiatrischen Untersuchung durchgeführten Kurztests zur groben Überprüfung der kognitiven Leistungsfähigkeiten hätten weitgehend unauffällige Ergebnisse gezeigt. Dies schliesse jedoch das Vorliegen eines
dysexekutiven
Syndroms nicht aus (S. 40 unten).
Wie lange das
dysexekutive
Syndrom bereits vorliege, könne nicht mit Sicherheit festgestellt werden. Die bei der aktuellen neuropsychologischen und neurologi
schen Untersuchung beobachtbaren Auffälligkeiten seien bereits 1993 beschrie
ben worden. Somit könne mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen wer
den, dass dieses
dysexekutive
Syndrom erst nach dem Schädel-Hirn-Trauma von 1992 aufgetreten sei. Die nachfolgend durchgemachten zweimaligen Hirnhaut
entzündungen könnten zu einer weiteren Aggravation geführt haben (S. 40 unten und S. 41 oben).
Eine schwere Form des
dysexekutiven
Syndroms sei aktuell n
icht festzustellen. Hierbei wär
en die Patienten beispielsweise unfähig, selbständig zu leben, bräuch
ten Betreuung bei der Nahrungsaufnahme oder Körperhygiene und müssten even
tuell wegen Selbst- oder Fremdgefährdung ständig überwacht werden (S. 41 oben).
Nach ICD-10 ergebe sich aufgrund der Anamnese, Aktenlage und Befunde bei Vorliegen eines
dysexekutiven
Syndroms somit der Verdacht auf eine organische
Persönlichkeitsstörung (ICD-10
F07.0). Diese Störung sei durch Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktions
störung des Gehirns bedingt. Hierbei sei eine deutliche Veränderung des Verh
al
tens, der Affekte und Impulse
gegenüber vor der Hirnschädigung, erkennbar. Als diagnostische Kriterien könnten bei Frau
X._
genannt werden
: E
ine andau
ernde reduzierte Fähigkeit, zielgerichtete Aktivitäten über längere Zeiträume durchzuhalten und Befriedigungen aufzuschieben, ein verändertes emotionales Verhalten mit teils ungerechtfertigter Fröhlichkeit, Nachgeben von Impulsen ohne Berücksichtigung von Konsequenzen und Veränderungen der Sprachpro
duktion (S. 41).
Eine früher im Raum stehende neurotische Störung bei unreifer Persönlichkeit sei zum aktuellen Zeitpunkt nicht auszumachen. Von psychiatrischer Seite könnten ansonsten keine anderweitigen relevanten Diagnosen
wie zum Beispiel
eine Suchtmittelabhängigkeit, eine Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis, eine eigene affektive Störung oder Angststörung festgestellt werden. Anhand der Anamnese ergebe sich kein Anhaltspunkt für eine dissoziale Persönlichkeitsstö
rung, also einer seit Kindheit oder Jugend tief verwurzelten charakterlichen Prob
lematik mit Neigung zu kriminellen Handlungen, gewalttätigem Verhalten oder allgemeine
r
Verantwortungslosigkeit
(S. 41 und 42).
Die vorhandenen Auffälligkeiten seien dem
dysexekutiven
Syndrom beziehungs
weise der organischen Persönlichkeitsstörung zuzuordnen. Es seien hierbei vor allem kognitive Störungen in Form von unbedachtem und vorschnellen Handeln im Sinne einer erhöhten Impulsivität, kein Lernen aus Fehlern, Unfähigkeit Hand
lungskonsequenzen vorherzusehen und allgemeine Regelverstösse, zu erkennen (S. 42).
Neben dem
dysexekutiven
Syndrom bestünden noch weitere relevante körperli
che Probleme wie eine Herz
-
/Kreislauferkrankung, wiederholte Blutdruckentglei
sungen mit Atemnot und Hustenanfällen, eine Schilddrüsenunterfunktion, ein starker Verdacht auf ein Schlafapnoesyndrom, chronische Schmerzen und schwe
res Übergewicht (S. 42).
Zu Fragen
der Arbeitsfähigkeit äusserte sich
Dr.
G._
nicht.
3.8
Pract
. med. H._
, Facharzt für Arbeitsmedizin,
Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD),
führte
in seiner Stellungnahme
vo
m 2
0.
Dezember 2016 (
Urk.
7/108
/3-4
) aus, dass im Rahmen der Begutachtung durch das
E._
der Ver
dacht auf eine or
ganische Persönlichkeitsstörung
bei Vorliegen eines
dysex
eku
tiven
Syndroms gestellt worden sei
. Eine Beurteilung der Arbeitsfähig
keit/funktionellen Leistungsfähigkeit erfolge im Rahmen dieser Begutachtung aber nicht, weshalb zur abschliessenden Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ein
e po
lydisziplinäre Begutachtung
empfohlen
werde
(S. 4).
3.9
3
.9
.1
Die Fachpersonen des
I._
erstattete
n
im Auftrag der Beschwerdegegnerin
am 3
0.
Mai 2017 ein polydisziplinäres Gutach
ten
(
Urk.
7/94
).
Sie stützten sich auf di
e ihnen überlassenen Akten (S. 2
ff.), die Angab
en der Beschwerdeführerin (S. 9
ff.), und ihre
am
3.,
4.
und
5.
April 2017
(vgl. S. 2)
erhobenen allgemeininternistischen (S.
9 ff.),
psychiatrischen (S. 13 ff.), orthopädischen (S. 20 ff.), neurologischen (S. 25 ff.),
neuropsychologischen (S. 29 ff.)
,
kardiologischen (S. 34 ff.) und
otorhinolaryngologischen
(S. 36
ff.) Befunde.
Sie nannten
die folgenden Diagnosen mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 39 f.):
-
c
hronisches
zer
vikovertebrales
Schmerzsyndrom
-
anamnestisch Status nach Verletzung der Halswirbelsäule im Rahmen von Verkehrsunfällen am
1.
Juli 1992 und zirka 1994
-
radiologisch deutliche
Osteochondrose
Halswirbelkörper
5/6 (Röntgen
5.
April
2017)
-
klinisch kein höhergradiges funktionelles Defizit
-
c
hronische Kniebes
chwerden links mehr als rechts
-
anamnestisch Status nach wiederholtem Eingriff beidseits
-
radiologische Zeichen der medialen und
femoropatellä
ren
Arthrose beidseits (Röntgen
5.
April
2017)
-
klinische Zeichen der
Femoropatellararthrose
sowie
möglichen Aussen
meniskusläsion
beidseits
-
Zustand nach Schädelhirntrauma 1992 mit
frontobasaler
Fraktur links und hämorrhagischen Kontusionen rechts frontal
-
intermittierendes
Liquorleck
-
Zustand nach zweimaliger bakterieller Meningiti
s (2001 und 2002
; richtig: 2007
)
-
intermitt
ierende Schwindelsymptomatik
bei diskreten Zeichen eines benignen paroxysmalen Lagerungsschwindels
-
leichte kognitive Störung
-
h
ypofunk
tionelle Dysphonie
-
Schallempfindungsschwerhö
rigkeit beidseits
-
h
ypertensive
Herzkrankheit
(Erstdiagnose
201
2
)
-
langjährige
arterielle Hypertonie
(
Erstdiagnose
zirka
2001), rezidivie
rende hypertensive Entgleisungen
-
konzentrisches LV-
Remodeling
, diastolische Dysfunktion,
linksventri
kuläre Ejektionsfraktion
70%
Im Gutachten wurden die folgenden Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Ar
beitsfähigkeit genannt (S. 40):
-
Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0)
-
a
kzentuierte impulsive Pe
rsönlichkeitszüge
-
m
eta
bolisches Syndrom
-
Adipositas Grad III nach WHO, BMI 59,7kg/m
2
-
ar
terielle Hypertonie
-
Diabetes mellitus, neu entdeckt
-
Verdacht auf Sc
hlafapnoe-Syndrom
-
s
ubstitui
erte Hypothyreose
-
anamnestisch Migräne
-
r
emittierte
A
bduzensparese
links
3.9.2
Die Konklusion des Gutachtens sei durch einen interdisziplinären Konsensus erar
beitet worden (S. 40).
Aus allgemeininternistischer Sicht könne bei einem BMI von 59.7
kg/m
2
ein voll ausgebildetes metabolisches Syndrom diagnostiziert wer
den; es liesse sich eine ungenügend kontrollierte arterielle Hyperton
ie sowie
ein neu diagnostizierter Diabetes mellitus Typ 2 finden. Gemäss Aktenlage bestehe ein Verdacht auf Schlafapnoe-Syndrom, wobei die Beschwerdeführerin diesbe
züglich nicht abgeklärt worden sei und auch keine spezifische Therapie befolge. Überdies habe sie angegeben, ohne Probleme Autofahren zu können und verneine insbesondere eine Einschlaftendenz tagsüber. Ferner könne eine adäquat substi
tuierte Hypothyreose bestätigt werden. Aufgrund der aus allgemeininternistischer Sicht erhobenen Befunde und gestellten Diagnosen bestehe für körperlich schwere und anhaltend mittelschwere Tätigkeiten eine Arbeitsunfäh
i
gkeit. In ei
ner kö
rperlich leichten bis intermitt
ierend mittelschwere
n
belastenden Tätigkei
t
en
bestehe jedoch keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 42).
Aus orthopädischer Sicht könnten aufgrund der Aktenlage, der anamnestischen Angaben sowie der erhobenen Untersuchungsbefunde ein chronisches
zer
vikovertebrales
Schmerzsyndrom mit radiologisch deutlich nachgewiesener
Oste
ochondrose
Halswirbelkörper
5/6 ohne
Hinweise für ein höhergradiges funktio
nelles Defizit sowie chronische Kniebeschwerden beidseits links betont, mit radi
ologisch Zeichen der medialen und femoropatellaren Arthrose beidseits, diagnos
tiziert werden. Ferner hätten sich klinisch Zeichen einer
Femoropatellararthrose
sowie einer möglichen Aussenmeniskusläsion beidseits gezeigt. Aufgrund der aus orthopädischer Sicht erhobenen Befunde und gestellten Diagnosen seien der Be
schwerdeführerin körperlich schwere und mittelschwere Tätigkeiten nicht mehr zumutbar. Für körperlich leichte, immer wieder auch sitzend auszuübende Tätig
keiten mit Möglichkeit zu Wechselpositionen, ohne Heben und Tragen von Lasten über 5
kg beziehungsweise ohne Einnahme kniender oder kauernder Positionen beziehungsweise ohne wiederholtes Überwinden von Treppen und Gehen auf un
ebenem Grund sowie des Einsatzes der oberen Extremität oberhalb des Schul
terniveaus, bestehe eine ganztägige Arbeits- und Leistungsfähigkeit
(S. 41)
.
Aus neurologischer und
neuropsychologischer Sicht könne
ein Zu
stand nach Schädelhirntrauma im
Jahr
1992 mit konsekutiver
frontobasa
ler
Fraktur links und
hämorrhagischem Kontusionsherd
rechtsfrontal mit konsekutivem Zustand nach zweimaliger
bakterieller
Meningitis im Jahr
2001 und 2007 infolge inter
mittierendem
Liquorleck
bestätigt werden. Aufgrund der neuropsychologischen Abklärung könne eine leichte kognitive Störung diagnostiziert werden mit ins
besondere Beeinträchtigung der geteilten Aufmerksamkeit und der Merkfähigkeit für Bewegungsabläufe. Während der Testuntersuchung sei eine erhöhte Antriebs
steigerung aufgefallen. Aus neurologischer und neuropsychologischer Sicht be
stehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 10
%
(S. 42 f.).
Aus
kardiologischer Sicht könne aufgrund der erhobenen Untersuchungsbefunde eine hypertensive Herzkrankheit mit echokardiographisch dokumentiertem kon
zentrischem linksventrikulärem
Remodeling
und diastolischer Dysfunktion bei
erhaltener linksventrikulärer
Ejektionsfraktion
(70
%
) diagnostiziert werden. Aus kardiologischer Sicht bestehe für eine körperlich leichte, nicht belastende Tätig
keit eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 80
%
. Körperlich schwere und mit
telschwere Tätigkeiten sollten gemieden werden (S. 42).
Aus
otorhinolaryngologischer
Sicht könne aufgrund der Untersuchungsbefunde eine hypofunktionelle Dysphonie sowie eine intermittierende Schwindelsympto
matik mit diskreten Zeichen eines benignen paroxysmalen Lagerungsschwindels bestätigt werden. Letzterer könne im Zusammenhang mit dem Zustand der zwei
maligen Meningitis erklärt werden. Ferner finde sich eine Schallempfindungs
schwerhörigkeit beidseits, welche nicht auf das Trauma zurückgeführt werden könne. Aufgrund der aus
otorhinolaryngologischer
Sicht erhobenen Befunde und gestellten Diagnosen bestünden qualitative Einschränkungen der Arbeitsfähig
keit; aufgrund der Schallempfindungsschwerhörigkeit seien Tätigkeiten, welche ein gutes Sprachverständnis unter Störlärm oder Tätigkeiten unter gesteigertem Umgebungsgeräuschpegel
erforderten
,
nicht geeignet. Aufgrund der intermittie
renden Schwindelsymptomatik seien sturzgefährdende Tätigkeiten ungeeignet. Aufgrund der hyperfunktionellen Dysphonie seien stimmbelastende Tätigkeiten oder vorwiegend kommunikative Tätigkeiten nicht geeigne
t. Für eine aus
otorhi
nolaryngologischer
Si
cht angepasste Tätigkeit bestehe
jedoch keine Ein
schrän
kung der Arbeitsfähigkeit (S. 42).
Aus psychiatrischer Sicht könn
t
en aufgrund der Aktenlage, d
er anamnestischen Angaben sowie
der erhobenen Untersuchungsbefunde eine Somatisierungsstö
ru
ng sowie akzentuierte impulsive
Persönlichkeitszüge festgehalten werde
n
, wel
che zu keiner Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit
führ
ten (S. 42).
3.9.3
Zusammenfassend könn
t
en der Beschwerdeführerin
körperlich schwer
e und mit
telschwere Tätigkeiten
nicht mehr zugemutet werden. In einer körperlich lei
chten, vorwiegend sitzenden und
insbesondere aus orthopädischer und
otorhinolaryn
gologischer
Sicht gut adaptierten Tätigkeit bestehe
eine Arbeits- und Leistungs
fähigkeit von 80
%
. Die Einschränkungen aus polydisziplinärer
Sicht ergänz
t
en sich bezügli
ch möglicher Pausen, es entstehe
kein additiver Effekt
. Das Pensum könne
vollschichtig umgesetzt werden mit erhöhtem Pausenbedarf
(S. 42)
.
Aufgrund der anamnestis
chen Angaben, der
Untersuchungsbefunde, der vorlie
genden Dokumente sowie der früher attestie
rten Arbeitsunfähigkeiten sei
davon ausgegangen
worden
, dass die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im oben ge
nannten Ausmass seit vielen Jahren und mit Sicherheit seit der aktuellen Unter
suchung anzunehmen sei (S. 42).
In den
zur Verfügung stehenden Unterlagen liege keine Haushaltabklärung vor. Die Beschwerdeführerin sei Mutter einer Teenagerin, so dass sie möglicherweise nicht als zu 100
%
erwerbstätig zu qualifizieren sei. Für die häuslichen Tätigkei
ten mit intermittierend mittelschweren Tätigkeitsanteilen, jedoch Möglichkeit zur selbständigen Einteilung des Arbeitspensums, bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20
%
(S. 42 f.).
3.9.4
Zusammenfassend lasse sich feststellen, dass für körperlich schwere und mittel
schwere Tätigkeiten sowie Tätigkeiten, welche ein gutes Sprachverständnis unter Störlärm voraussetz
t
en
oder Tätigkeiten, welche unter
gesteigertem Umgebungs
geräuschpegel durchgeführt werden müss
ten, eine volle Arbeitsunfähigkei
t
be
stehe. Ebenso seien
sturzgefährdende Tätigkeiten nicht geeig
net. In
einer körper
lich leichten, verschiedentlich g
ut adaptierten Tätigkeit bestehe eine
Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 8
0
%
, vollschichtig realisierbar. Die
Einschränkung für die häuslichen Tätigke
iten betrage
20
%
(S. 43
Ziff.
6.9
)
.
3.10
Pract
. med.
H._
(RAD) führte in seiner Stellungnahme
vom
7.
Juni 2017 (
Urk.
7/108/4-5) aus, dass das
I._
-
Gutachten vom Mai 2017
(vorstehend E. 3.9)
umfassend sei, auf allseitigen Untersuchungen beruhe, die beklagten Beschwer
den berücksichtige
und in Kenntnis der
Vorakten
erstellt worden sei. Es sei nach
vollziehbar und plausibel in seinen Schlussfolgerungen, weshalb darauf abgestellt werden könne
. Er nannte die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit (S. 4):
-
chronisches
cervikovertebrales
Schmerzsyndrom
-
chronische Kniebeschwerden links>rechts
-
Zustand nach Schädelhirntrauma 1992
-
hypofunktionelle Dysphonie
-
Schallempfindungsschwerhörigkeit beidseitig
-
h
ypertensive Herzkrankheit
Bezüglich weiterer Details zu den Diagnosen und zu den Diagnosen ohne Aus
wirkungen auf die Arbeitsfä
higkeit verweise er auf das
I._
-
Gutachten. Nicht ge
eignet seien körperlich schwere/mittelschwere Tätigkeiten, Tätigkeiten unter er
höhtem Geräuschpegel, Tätigkeiten welche ein gutes Sprachverständnis voraus
setz
t
en und Tätigkeiten mit Absturzgefahr
(S. 4)
.
Das Belastungsprofil beinhalte körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten, ohne Heben/Tragen vo
n Lasten über 5 kg (S. 4 unten) und
schliesse Tätigkeite
n in
Zwangshaltungen
, die die Wirbelsäule belasten
(kniend, kauernd), häufiges Treppensteigen oder Gehen auf unebenem Untergrund und Tätigkeiten oberhalb der Schulterhöhe
,
aus (S. 5 oben). In der bisherigen Tätigkeit als Direktionsassistentin, Hypothekarzinsspezi
alistin respektive selbständige Kuchenbäckerin bestehe eine 80%ige Arbeitsfähig
keit (100
%
Anwesenheit bei 20
%
Leistungseinschränkung). Die Leistungsein
schränkung bestehe auf Grund eines erhöhten Pausenbedarfs, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit seit vielen Jahren – somit könne aus versicherungsmedizin
i
scher Sicht die Einschränkung seit Anfang 2012 angenommen werden (vermin
derte körperliche Belastbarkeit aus kardiologischer Sicht auf Grund der seit Jah
ren bestehenden hypertensiven Herzkrankheit und einer in der neuropsychologi
schen Testung festgestellten Beeinträchtigung der geteilten Aufmerksamkeit und der Merkfähigkeit für Bewegungsabläufe, kein additiver Effekt der Einschränkun
gen (S. 5)).
3.11
Auf Anfrage der Beschwerdeführerin nahm
Prof.
B._
am
5.
Oktober 2017 (
Urk.
7/101) Stellung zum polydisziplinären
I._
-Gutachten
(vorstehend E. 3.9)
.
Er führte insbesondere aus, dass allein aufgrund der berichteten kardio
logischen Befunde eine Arbeits
fähigkeit von 80
%
über
höht erscheine. Die im Gutachten empfohlenen ärztlichen Behandlungen und Massnahmen zur Gewichtsreduktion, die bisher weitgehend frustranen Versuche zur Beherrschung von Hypertonie und Unterschenkelödemen, die unbestrittenen kardiologischen und
otolaryngealen
Einschränkungen wie Anforderungen für Pausen, wechselnde
Tätigkeit im Stehen und Sitzen
sowie Tragen von maximal 5 kg würden eine Arbeitsfähigkeit und Leistungsfähigkeit im Umfang von 80
%
ausschliessen. Die Gutachter hätten je
denfalls kein Tätigkeitsfeld benannt, das hierzu auch in geringerem Umfang am Arbeitsmarkt verfügbar wäre
(S. 2).
3.12
Am
9.
Februar 2018
nahm
en
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Allgemeine Inner
e Medizin, und
lic.
phil
K._
, Fachpsychologe für Psychotherapie und für Neuropsychologe, des
I._
Stellung zu den Rückfragen zum Gutachten (
Urk.
7/106
).
Wie in der Beurteilung der neuropsych
olog
ischen Testung durch die Fachpersonen des
E._
festgehalten worden sei
, würden die Ergebnisse der for
malen neuropsychologischen Testung im Normbereich liegen. In dem vom
I._
erhobenen neurop
sychologischen Testprofil hätten sich lediglich
Beeinträchti
gungen der geteilten Aufmerksamkeit und der Mer
kfähigkeit für Bewegungsab
läufe finden lassen
(S. 1)
. Alle übrigen Resultate befä
nden sich im Normbereich. Aufgrun
d dieser Leistungseinbussen und
aufgrund des leicht gesteigerten An
triebs während der neurop
sychologischen Untersuchung sei eine 10%ige Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit aus neuropsychologischer Sicht attestiert wor
den. Aufgrund der Verhaltensbeobachtung könnten die im
Gegensatz zum Gut
achten von
Dr.
G._
heute eingeschränkten Funktionsbereiche miterklärt wer
den
(S. 1 f.)
.
Im W
eiteren sei anzumerken, dass die Beschwerdeführerin vor der neuropsycho
logischen Untersuchung lediglich zwei Stunden geschlafen habe. Zudem sei die Motivationslage im Zeitpunkt der beiden neuropsychologischen Untersuchungen unterschiedlich. Die Motivationslage sei anlässlich der Begutachtung durch das
E._
die, dass sie wegen eines Veruntreuungsfalls begut
achtet worden sei. Sie habe also das beste Interesse gehabt, dass sie einen guten Eindruck mache. Die Interessenslage sei anlässlich der Begutachtung im
I._
eine andere. Auch wenn sie nicht bewusst eine Verdeutlichung zeige, sei aufgrund der Ausgangslage
(Rentenfrage) die motivationale Situation anders.
Eine leichte Ein
schränkung der Belastbarkeit anlässlich der ne
uropsychologischen Untersuchung könne
jedoch attestiert werden
(S. 2
)
.
3.13
Pract
.
med.
H._
(RAD) führte in seiner Stellungnahme vom
2
3.
Februar 2018 (
Urk.
7/108
) aus, dass unverändert an der abschlie
ssenden RAD Stellung
nahme vom
Juni 2017 (
vorstehend E
.
3.
10
) festgehalten
werden könne, da sich aus medizinischer Sicht keine neue
n
Erkenntnisse ergeben hätten (S. 6 unten).
4.
4.1
Die Fachpersonen des
E._
führten im Gutachten
vom September 2016 (
vorste
hend
E. 3.7
)
aus
,
dass ein leichtes
dysexekutives
Syndrom vorliege. Dies sei ins
besondere anhand der Verhaltensbeobachtungen festgestellt worden.
Die Ergeb
nisse der formalen neuropsychologischen Testung lägen allerdings im Normbe
reich
.
Dies schliesse jedoch das Vorliegen eines
dysexekutiven
Syndroms nicht aus.
Nach ICD-10 ergebe sich aufgrund der Anamnese, Aktenlage und Befunde bei Vorliegen eines
dysexekutiven
Syndroms somit der Verdacht auf eine orga
nische Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F07.0).
Von psychiatrischer Seite könnten ansonsten keine anderweitigen relevanten Diagnosen
festgestellt werden.
Zu Fra
gen der Arbeitsfähigkeit äusserte
n sie
sich nicht.
Die Fachpersonen des
I._
attestierten
in ihrem
polydisziplinären Gutachten vom Mai 2017
(
v
o
rstehend
E. 3.9
)
a
us neurologischer und ne
uropsychologischer Sicht
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 10
%
.
F
ür eine körperlich leichte, nicht belastende Tätigkeit
bestehe aus kardiologischer Sicht
eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 80
%
. Körperlich schwere und mittelschwere Tätigkeiten sollten gemieden werden.
Aus psychiatrischer Sicht könnten eine Somatisie
rungsstörung sowie akzentuierte impulsive Persönlichkeitszüge festgehalten werden, welche zu keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führten.
Zusammen
fassend lasse sich feststellen, dass für körperlich schwere und mittelschwere Tä
tigkeiten sowie Tätigkeiten, welche ein gutes Sprachverständnis unter Störlärm voraussetzten oder Tätigkeiten, welche unter gesteigertem Umgebungsgeräusch
pegel durchgeführt werden müssten, eine volle Arbeitsunfähigkeit bestehe. Ebenso seien sturzgefährdende Tätigkeiten nicht geeignet. In einer körperlich leichten, verschiedentlich und gut adaptierten Tätigkeit bestehe eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 80
%
, vollschichtig realisierbar. Die Einschränkung für die häuslichen Tätigkeiten betrage 20
%
.
Demgegenüber führte Prof.
B._
im Oktober 2017 (
vorstehend E
. 3.11
) aus, dass allein aufgrund der berichteten kardiologischen Befunde eine
Arbeits
fähig
keit von 80
%
erhöht erscheine. Die im Gutachten empfohlenen ärztlichen Be
handlungen und Massnahmen zur Gewichtsreduktion, die bisher weitgehend frustranen Versuche zur Beherrschung von Hypertonie und Unterschenkelöde
men, die unbestrittenen kardiologischen und
otolaryngealen
Einschränkungen wie Anforderungen für Pausen, wechselnde Tätigkeit im Stehen und Sitzen, sowie Tragen von maximal 5 kg würden eine Arbeitsfähigkeit und Leistungsfähigkeit im Umfang von 80
%
ausschliessen.
Dr.
J._
und
lic.
phil.
K._
des
I._
führten in ihrer
ergänzenden Stellung
nahme vom Februar 2018 (vorstehend
E
. 3.12
)
aus, dass sich
im
Testprofil ledig
lich Beeinträchtigungen der geteilten Aufmerksamkeit und der Merkfähigkeit für Bewegungsabläufe finden l
iessen
(S. 1). Alle übrigen Resultate befänden sich im Normbereich. Aufgrund dieser Leistungseinbussen und aufgrund des leicht ge
steigerten Antriebs während der neuropsychologischen Untersuchung sei eine 10%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus neuropsychologischer Sicht at
testiert worden. Aufgrund der Verhaltensbeobachtung könnten die im Gegensa
tz zum
E._
-Gutachten
heute eingeschränkten Funktionsbereic
he miterklärt werden.
Pract
. med.
H._
(RAD) führte im
Februar 2018 (vorstehend
E
. 3.13
) aus, i
n der bisherigen Tätigkeit bestehe
gemäss dem
I._
-Gutachten, auf das abgestellt werden könne,
eine 80%ige Arbeitsfähigkeit (100
%
Anwesenheit bei 20
%
Leis
tungseinschränkung
).
Das Belastungsprofil beinhalte körperlich leichte, wechsel
belastende Tätigkeiten, ohne Heben
/Tragen von Lasten über 5 kg
,
und
schliesse Tätigkeite
n in
Zwangshaltungen
,
welche
die Wirbelsäule belasten
(kniend, kau
ernd), häufiges Treppensteigen oder Gehen auf unebenem Untergrund und Tätig
keiten oberhalb der Schulterhöhe
,
aus.
4.2
Die Beschwerdegegnerin stützte sich für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auf das
I._
-Gutachten
vom Mai 2017
(
vorstehend E
. 3.9
)
und verneinte einen Leis
tungsanspruch, da die bisherige Tätigkeit weiterhin zu 80
%
zumutbar sei.
Das
E._
-
Gutachte
n
vom September 2016 (
vorstehend E
. 3.7
)
erging im Zusam
menhang mit einem Strafverfahren und äusserte sich insbesondere zu Fragen nach einem
dysexekutiven
Syndrom, der Rückfallgefahr und einer Massnahme.
Die Fachpersonen des
E._
führten aus, dass bei der Beschwerdeführerin ein leich
tes
dysexekutives
Syndrom vorliege, welches insbesondere anhand der Verhal
tensbeobachtu
ngen festgestellt worden sei
,
bei ansonsten im Normbereich liegen
den Ergebnissen der formalen neuropsychologischen Testung.
Da sich die im Gut
achtensauftrag gestellten Fragen nicht auf die Arbeitsfähigkeit
bezogen, ist
aus dem
E._
-Gutachten
nicht ersichtlich
,
ob und
inwieweit sich
die Einschränkung
en
auf die Arbeitsfähigkeit auswirken.
B
ezüglich der Beurteilung der Arbeitsfähig
keit
und des Invaliditätsgrades kann deshalb
nic
ht auf das
E._
-Gutachten
abge
stellt werden
.
Die Fachpersonen des
I._
bestätigten a
us neurologischer und n
europsychologi
scher Sicht
ein
en
Zustand nach Schädelhirntrauma im Jahr 1992 mit konsekuti
ver
frontobasaler
Fraktur links und hämorrhagischem Kontusionsherd rechtsfron
tal mit konsekutivem Zustand nach zweimaliger bakterieller M
eningitis im Jahr 2001 und 200
7.
Sie diagnostizierten aufgrund der
neur
opsychologischen Abklä
rung
eine leichte kognitive Störung mit insbesondere Beeinträchtigung der ge
teilten Aufmerksamkeit und der Merk
fähigkeit für Bewegungsabläufe
und attes
tierten
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 10
%
.
Im Gutachten wu
rden
nachvollziehbar
näher ausgeführte
Gründe aufgezeigt, die gegen das V
orliegen eines psychoorganischen
Syndrom
s
sprä
chen
respektive dieses al
s
sehr
hypothe
tisch erscheinen lie
ssen
(vgl.
I._
-
G
utachten
S. 28)
. Auch im
E._
-
Gutachte
n
wurde
denn auch
bloss einen Verdacht auf eine organische Persönlichkeitsstö
rung (ICD-10 F07.7)
geäussert.
Bei einem
dysexekutiven
Syndrom
alleine
handelt es sich
ausserdem
um keine
nach ICD-10 klassifizierte Beeinträchtigung
.
Die aus neurologischer und neuropsychologischer Sicht bestehenden Defizite
wurden
im
I._
-Gutachten
im Rahmen der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
vollumfänglich berücksichtigt
.
Die Gutachter zeigten nachvollziehbar und schlüssig auf, welche der festgestell
ten Beschwerden eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit bewirken. Das zu
mutbare Belastungsprofil wurde unter Berücksichtigung der relevanten Befunde sehr genau und differenziert formuliert. Dabei ist hinsichtlich der neurologischen und neuropsychologischen Befunde darauf hinzuweisen, dass die Beschwerde
führerin trotz Schlafapnoesyndrom und Einschränkungen der geteilten Aufmerk
samkeit offenbar in der Lage ist, ihr Auto - auch für weite Strecken ins Ausland; vgl. S. 21 des Gutachtens - zu steuern. Ebenso erzielte sie in der neuropsycholo
gischen Testung mehrheitlich normale Resultate, obwohl sie nach eigenen Anga
ben in der Nacht zuvor lediglich zwei Stunden geschlafen habe (vgl. vorstehend E. 3.12), was doch auf erhebliche Fähigkeiten schliessen lässt. Dass, wie Prof.
B._
in seiner Stellungnahme (vorstehend E. 3.11) festhielt, eine Arbeitsfä
higkeit von 80
%
ausgeschlossen sei, wurde nicht nachvollziehbar begründet. Insbesondere ist die empfohlene Gewichtsabnahme zumutbar. Die Stellungnahme von Prof.
B._
vermag das Gutachten nicht zu entkräften. Prof.
B._
ist zudem entgegenzuhalten, dass es nicht Sache der Gutachter ist, sich zur Verfüg
barkeit geeigneter Stellen zu äussern.
Das
polydiszi
plinäre
I._
-Gutachten
beruht
auf umfassenden Untersuchungen und erging in Kenntnis der wesentlichen
Vorakten
beziehungsweise der Anam
nese. Die Fachpersonen des
I._
setzten sich einlässlich mit den geklagten Be
schwerden und dem Verhalten der Beschwerdeführerin auseinander. Das
I._
-Gutachten
entspricht somit den allgemein beweisrechtlichen Anforderungen (vorstehend E.
1.6
) an einen ärztlichen Bericht
.
Die medizinischen Zusammen
hänge wurden einleuchtend dargelegt und die aus der Begutachtung er
gangenen Schlussfolgerungen wurden
umfassen
d und nachvollziehbar begründet, weshalb darauf abzustellen ist.
D
ie von der Beschwerdeführ
erin vorgebrachten
Rügen sind unbegründet
.
4.3
Somit ist der medizinische Sachverhalt
dahingehend erstellt, dass
für näher um
schriebene adaptierte Tätigkeiten (vorstehend E. 3.9.4) und solche im Haushalt
eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
ausgewiesen ist
.
5.
5.1
Zu prüfen bleibt, wie sich das Leistungsvermögen der Beschwerdeführerin in wirt
schaftlicher Hinsicht auswirkt.
5.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an
gepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 135 V 58 E. 3.1; 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
Ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versicherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das
Valideneinkommen
auf Grundlage der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) be
rechnet werden, wobei die für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenenfalls rele
vanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berücksichtigen sind (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 128 V 29 E. 4e; Urteil des Bundesgerichts 9C_887/2015 vom 12. April 2016 E. 4.2).
5.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1, 126 V 75 E. 3b). Dabei sind grund
sätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statisti
schen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Der Griff zur Lohnstatistik ist subsidiär, das heisst deren Beizug erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens auf
grund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth,
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung,
3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
5.4
Der Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug) der Beschwerdeführerin
vom 2
9.
Mai 2015 (
Urk.
7/15) um
fasst Einträge seit 197
9.
In diesem Zeitraum sind
s
elbständige und unselbständige Erwerbstätigkeiten
sowie
Zeiten der
A
r
beitslos
igkeit
aufgeführt.
Die Summe des über die Jahre 1979 bis 2015 erzielten Einkommens beträgt
Fr.
856'488.--. Ohne Berücksichtigung der Nominallohnent
wicklung entspricht dies durchschnittlich
Fr.
23'791.
--
pro Jahr, was sich als kaum aussagekräftig erweist.
Aus dem
IK-Auszug
ist
ausserdem
eine unregelmäs
sige Erwerbsbiografie mit vielen unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen und häu
figen Stellenwechsel
n
ersichtlich
, so dass
für die Ermittlung des hypothetischen
Valideneinkommens
an keine bisherige Tätigkeit angeknüpft werden kann.
Es erscheint
deshalb
als sachgerecht
,
die Tabellenlöhne der Lohnstrukturerheb
ung (LSE)
heranzuziehen
.
Die Beschwerdeführerin hat vielseitige Tätigkeiten ausgeübt, die
eine höhere Komplexität und andere Anforderungen beinhalteten, als
einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerkli
cher
Art.
Es kann jedoch nicht angenommen wer
den
, dass die die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Ausbildung und den häufi
gen
Wechsel
n
der Tätigkeitsbereiche
komplexe praktische Tätigkeiten ausführte, die ein grosses Wissen in einem Spezialgebiet voraussetzen.
Für die Ermittlung des
Valideneinkommens
kann
deshalb
auf die
LSE
2014, Tabelle TA1, Kompe
tenzniveau 2 abgestellt werden, was einem von Frauen im Jahr 2014 durch
schnittlich erzielten Lohn von
Fr.
4’808.
--
entspricht.
Dies
er Betrag
ist auf ein Jahr umzurechnen (x 12),
der durchschnittlichen Arbeitszeit von 41.7
Wochen
stunden (www.bfs.admin.ch
, dort: Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschafts
abteilungen, T 03.02) und der Nominallohnen
twicklung vom Indexstand (Frauen
) 2'373
im J
ahr 2014 auf 2'686 im Jahr
2015
(www.bfs.admin.ch , dort: Entwick
lung der Nominallöhne, T 39) anzupassen
,
womit ein
Valideneinkommen
von rund
Fr.
68'082.--resultiert (
Fr.
4'808.-- x 12 : 40.0 x 41.7 : 2'373 x 2'686
)
.
5.5
Da es für die Beschwerdeführerin nur noch möglich ist
,
einer an ihre Leistungs
einschränkung angepasste
n
Tätigkeit nachzugehen, wird für die Ermittlung des Invalideneinkommens die LSE 2014, Tabelle TA1, Kompetenzniveau 1 herange
zogen, was einem
von Frauen im Jahr 2014 durchschnittl
ich erzielten Lohn von
Fr.
4’300
.
--
entspricht
. Dies ergibt nach Berücksichtigung der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit und der Nominallohnentwicklung bei der attestierten Arbeits
fähigkeit von 80
%
(vorstehend E. 4.2)
ein Invalideneinkommen von
rund
Fr.
48'711.--
(
Fr.
4'300.-- x 12 : 40.0 x
41.7 : 2'373 x 2'686 : 100 x 80)
.
5.6
Die Einkommenseinbusse bei einem
Valideneinkommen
von
Fr.
68'082.--
und einem Invalideneinkommen von
Fr.
48'711.-- beträgt
Fr.
19
'
371
.--
, was ei
nen In
validitätsgr
ad von
rund
28
%
ergibt.
Der Invaliditätsgrad erreicht damit nicht die
Erheblichkeitsg
renze
von 40
%
(vgl. vorstehend E. 1.2)
.
Selbst wenn man, wie von der Beschwerdeführerin gefordert, einen leidensbe
dingten Abzug von 10
%
annehmen würde, ergäbe
n
sich
ein Invalideneinkom
men von
Fr.
42'622.
--
und
eine E
inkommenseinbusse von
Fr.
25'460.--, woraus ein
Invaliditätsgrad
von 37
%
resultiert
e
und damit
ebenfalls
kein rentenrelevan
ter Invaliditätsgrad.
5.7
Nach dem Gesagten erübrigt es sich, näher auf die Frage einzugehen, ob das ge
setzlic
he Wartejahr erfüllt worden ist
. Die angefochtene Verfügung erweist sich als rechte
n
s, womit die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.
6
.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG
sind ermessensweise auf
Fr.
9
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerle
gen.