Decision ID: 7f8c2f54-92f6-42da-83fd-9fe9ea4bf5b7
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
Y._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Roger Brändli, Breitenstrasse 16, 8852 Altendorf,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a Y._ erlitt am 13. Mai 1996 einen Autounfall (vgl. Unfallmeldung vom 14. Mai 1996,
act. G 3.2). Dabei zog er sich eine bicondyläre Tibiakopffraktur mit Impression des
lateralen Plateaus links zu (vgl. Arztbericht des Rätischen Kantons- und Regionalspitals
vom 29. Mai 1996, act. G 3.2). Mitte 1997 wurde der Versicherungsfall vom
zuständigen Unfallversicherer abgeschlossen (vgl. Schreiben vom 15. Juni 2005, act.
G 3.2). Zum Zeitpunkt des Unfallereignisses war der Versicherte im Gepäckdienst eines
Bahnhofs angestellt. Daneben übte er eine Nebenerwerbstätigkeit in einem
Gärtnereigeschäft aus. Nach Angaben des Versicherten kündigte er seine Arbeit im
Gepäckdienst aufgrund seiner gesundheitlichen Beschwerden und ab Januar 2000
führte er zusammen mit seiner Ehegattin einen Bistrobetrieb (vgl. Angaben gemäss
Gutachten von Dr. med. A._, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 23. Juni 2006, act. G 3.2).
A.b Am 15. Juni 2006 machte der Versicherte gegenüber dem Unfallversicherer
Ansprüche unter dem Titel Rückfall bzw. Spätfolgen geltend (vgl. Schreiben vom
15. Juni 2005, act. G 3.2). Im Auftrag des Unfallversicherers wurde der Versicherte im
Juni 2006 von Dr. A._ begutachtet. Der Gutachter diagnostizierte eine leichte laterale
Gonarthrose, eine mittelgradige Femoropatellararthrose des linken Knies, unklare
Rückfussschmerzen links, eine mögliche beginnende Femoropatellararthrose rechts
und ein mögliches somatoformes Schmerzsyndrom. Das Beschwerdebild sei teilweise
unfallbedingt. Die aktuelle Tätigkeit des Versicherten im eigenen Bistrobetrieb sei
aufgrund der objektivierbaren Unfallfolgen ideal und geeignet, einen nachhaltigen Erhalt
der Arbeitsfähigkeit zu gewährleisten. Allerdings seien kurzzeitige Arbeitsunfähigkeiten
auch durch die objektivierbaren Befunde erklärbar und müssten fallweise beurteilt
werden (vgl. Gutachten von Dr. A._ vom 23. Juni 2006, act. G 3.2).
A.c Der Versicherte meldete sich am 22. Februar 2007 zum Bezug von IV-
Rentenleistungen an. Zur Begründung führte er aus, er leide an chronischen
Schmerzen und dadurch verursachtem erhöhten Leidensdruck, an Schlafstörungen
und Nachtschmerzen, an gesteigerter Nervosität sowie Depressionen (act. G 3.1.1).
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A.d Der behandelnde Dr. med. B._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin,
diagnostizierte im Bericht vom 30. März 2007 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
einen Status nach Arthroskopie des linken Knies mit Teilresektion der Pars intermedia
lat. Meniskus, einen Status nach Shaving und Glätten der Gleitflächen des linken Knies
bei Chondropathia patellae und einen Status nach schwerem Autounfall 1996. Für die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit als selbstständiger Gastwirt habe vom 7. Oktober 2005 bis
6. November 2006 eine Arbeitsunfähigkeit von 50% und vom 7. November 2006 bis
31. Januar 2007 eine solche von 100% bestanden. Seit 1. Februar 2007 bis auf
weiteres sei der Versicherte zu 50% arbeitsunfähig. Der Gesundheitszustand wurde als
sich verschlechternd beschrieben (act. G 3.1.13).
A.e Dr. med. C._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom Regionalen
Ärztlichen Dienst (RAD) Ostschweiz kam in der Stellungnahme vom 31. August 2007
gestützt auf das Gutachten von Dr. A._ zum Schluss, dass der Versicherte für eine
dem körperlichen Leiden adaptierte Tätigkeit über eine volle Arbeitsfähigkeit verfüge.
Für die im Gutachten erwähnte somatoforme Schmerzstörung sei vorerst keine weitere
psychiatrische Abklärung notwendig, da es für eine entsprechende schwere
Komorbidität oder andere erhebliche Ausnahmekriterien keine Hinweise gebe (act.
G 3.1.28-2).
A.f Am 6. November 2007 führte die IV-Stelle im Geschäft des Versicherten eine
Abklärung zur Ermittlung der Leistungseinschränkung durch. Im Abklärungsbericht
Selbstständigerwerbende vom 14. Dezember 2007 ermittelte die Abklärungsperson im
Rahmen eines Betätigungsvergleichs einen Invaliditätsgrad von 55% und im Rahmen
der - als massgebend betrachteten - Methode des Einkommensvergleichs einen
Invaliditätsgrad von 10% (act. G 3.1.35).
A.g Mit Vorbescheid vom 24. Januar 2008 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, einen Rentenanspruch zu verneinen. Dem ermittelten Invaliditätsgrad von
10% legte sie einen Einkommensvergleich (Valideneinkommen: Fr. 59'028.--;
Invalideneinkommen: Fr. 53'125.--) zugrunde (act. G 3.1.37).
B.
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B.a Dagegen erhob der Versicherte am 21. Februar 2008 Einwand und beantragte,
dass das Valideneinkommen aufgrund seiner Tätigkeit bei der SBB und unter
Berücksichtigung seiner nebenberuflichen Tätigkeit im Unfallzeitpunkt zu ermitteln und
auf mindestens Fr. 80'000.-- festzusetzen sei, dass das Invalideneinkommen auf
Fr. 22'199.-- festzusetzen und ihm eine ganze Rente zuzusprechen sei (act. G 3.1.41).
B.b Am 23. Juni 2008 verfügte die IV-Stelle entsprechend dem Vorbescheid vom
24. Januar 2008 (act. G 3.1.57).
C.
C.a Gegen die Verfügung vom 23. Juni 2008 richtet sich die Beschwerde vom
18. August 2008. Der Beschwerdeführer beantragt darin unter Kosten- und
Entschädigungsfolge die Aufhebung der Verfügung und die Zusprache einer ganzen
Rente. Eventualiter sei die Sache zur Vervollständigung der Entscheidgrundlagen,
namentlich zur Einholung eines polydisziplinären Gutachtens und zur anschliessenden
Neubeurteilung des Rentenanspruchs, an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. An
der Bestimmung des Valideneinkommens rügt der Beschwerdeführer, dass nicht auf
die Tätigkeit im Gepäcktransport der SBB abgestellt und der nebenberufliche Erwerb
als Aushilfschauffeur bei einer Gärtnerei nicht berücksichtigt worden sei. Die Aufgabe
dieser Tätigkeiten und der Gang in die Selbstständigkeit seien gesundheitsbedingt
erfolgt. Zur Bestimmung des Valideneinkommens seien Auskünfte bei der SBB
einzuholen. Was die Bestimmung des Invalideneinkommens anbelangt, so wendet der
Beschwerdeführer ein, dass zu Unrecht von einer 100%igen Restarbeitsfähigkeit
ausgegangen worden sei. Es sei vielmehr auch für leidensangepasste Tätigkeiten
lediglich von einer Restarbeitsfähigkeit von 50% auszugehen. Zusätzlich müsse bei der
Bestimmung des Invalideneinkommens ein Leidensabzug von 25% berücksichtigt
werden. Des Weiteren bemängelt der Beschwerdeführer, dass die medizinische
Situation nicht genügend abgeklärt worden sei. Insbesondere fehle eine psychiatrische
Beurteilung des Gesundheitszustandes sowie eine interdisziplinäre Würdigung des
Beschwerdebildes (act. G 1).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 9. Oktober
2008 die Beschwerdeabweisung. Sie stellt sich auf den Standpunkt, dass der
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Gesundheitszustand von Dr. A._ umfassend gutachterlich beurteilt worden sei. Der
RAD-Arzt habe aufgrund des von Dr. A._ beschriebenen Krankheitsbildes darauf
geschlossen, dass dem Beschwerdeführer eine leidensangepasste Tätigkeit zu 100%
zumutbar sei. Darauf sei abzustellen und es bestehe kein Anlass für weitere
medizinische Abklärungen. Bezüglich der Bemessung des Valideneinkommens könne
nicht davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer mindestens
Fr. 80'000.-- jährlich verdient hätte. Werde der im Jahr 1995 bei der SBB erzielte
Verdienst an die bis 2006 eingetretene Nominallohnentwicklung angepasst, so
resultiere ein Valideneinkommen von Fr. 60'819.--. Zur Bestimmung des
Invalideneinkommens sei zu Recht auf die Durchschnittslöhne der LSE abgestellt
worden. Es seien keine Umstände ersichtlich, die einen höheren als den gewährten
10%igen Leidensabzug rechtfertigen würden. Insgesamt resultiere ein Invaliditätsgrad
von 12%. Die Verfügung sei im Ergebnis rechtens (act. G 3).
C.c In der Replik vom 22. Januar 2009 hält der Beschwerdeführer an seinen gestellten
Begehren unverändert fest. Ergänzend zur Beschwerde führt er aus, dass er bereits im
Jahr 1999 soviel Lohn bei der SBB erzielt habe, als die Beschwerdegegnerin für das
Jahr 2006 als Valideneinkommen berechnet habe (act. G 9).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf die Einreichung einer Duplik (act. G 11).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Rentenleistungen
streitig.
1.1 Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz,
dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
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zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V
467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am
23. Juni 2008 (act. G 3.1.57) ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor
dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008
begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung
betrifft, über die noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den
allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die
damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der
5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des
Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Diese übergangsrechtliche Lage
zeitigt indessen keine materiellrechtlichen Folgen, da die 5. IV-Revision hinsichtlich des
Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber
der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat. Nachfolgend werden die
seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben.
1.2 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder
geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Nach Art. 28
Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60%
invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf
eine halbe Rente und bei einem IV-Grad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
2.
Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
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261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Die Rechtsprechung hat es mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte
Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholte Gutachten von externen Spezialärzten, die aufgrund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen,
besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb). Dabei ist
zu berücksichtigen, dass einem Gutachten schon dann kein voller Beweiswert
zukommt, wenn Indizien gegen seine Zuverlässigkeit sprechen; es muss nicht
feststehen, dass das Gutachten effektiv nicht den Tatsachen entspricht, was nicht mit
medizinischen Fachpersonen besetzte Behörden oft nicht beurteilen können (vgl. Urteil
des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 16. Oktober 2002, I 779/01, E. 4.2).
3.
Die Beschwerdegegnerin stützte die Ablehnung eines Rentenanspruchs auf das Gut-
achten von Dr. A._ vom 23. Juni 2006 (act. G 3.2) und die Stellungnahmen des RAD
vom 31. August 2007 (Dr. C._, act. G 3.1.28-2), vom 3. März, 23. April und 5. Juni
2008 (je von Dr. med. D._, Facharzt FMH für Innere Medizin und Rheumatologie, act.
G 3.1.43, G 3.1.51 und G 3.1.56).
3.1 Das Gutachten von Dr. A._ datiert vom 23. Juni 2006. Es lag damit im Zeitpunkt
des Verfügungserlasses vom 23. Juni 2008 bereits seit zwei Jahren vor. Dieses
Gutachten bildet damit in zeitlicher Hinsicht keine aussagekräftige medizinische
Grundlage mehr, zumal Dr. A._ darin eine Verschlechterung des Zustandsbildes für
möglich hielt (Gutachten Dr. A._, S. 7, act. G 3.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
18. Januar 2008, I 981/06, E. 5.3). Hinzu kommt, dass erhebliche Indizien bestehen,
dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers nach der Begutachtung
tatsächlich verschlechtert hat. So bezeichnete Dr. B._ den Gesundheitszustand im
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Bericht vom 30. März 2007 als sich verschlechternd (act. G 3.1.13-2). Damit geht
einher, dass der Unfallversicherer die von ihm in Auftrag gegebene gutachterliche
Leistungsbeurteilung von Dr. A._ bereits wenige Monate nach deren Erstellung nicht
mehr für einschlägig hielt und in Abweichung davon seit dem 7. November 2006 wieder
eine Arbeitsunfähigkeit zwischen 50% bis 100% anerkennt sowie Taggeldleistungen
erbringt (für die Dauer vom 7. November 2006 bis 31. Januar 2007 aufgrund einer
100%igen Arbeitsunfähigkeit und vom 1. Februar bis 31. März 2008 aufgrund einer
50%igen Arbeitsunfähigkeit; act. G 3.1.49). Bei der Würdigung des Gutachtens von
Dr. A._ darf auch nicht ausser Acht gelassen werden, dass es sich - entsprechend
seinem Zweck als unfallversicherungsrechtliche Entscheidgrundlage - im Wesentlichen
auf die Beurteilung unfallversicherungsrechtlicher Aspekte beschränkt und lediglich die
"objektivierbaren Unfallfolgen" bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit
berücksichtigt. Die von Dr. A._ festgestellten krankheitsbedingten Leiden wie etwa im
Bereich des rechten Kniegelenks fanden keinen Eingang in diese Beurteilung (vgl.
Gutachten Dr. A._, S. 7 f., act. G 3.2). Nach dem Gesagten bildet das Gutachten von
Dr. A._ keine genügende Grundlage für die im invalidenversicherungsrechtlichen
Verfahren vorzunehmende Leistungsfähigkeitsschätzung.
3.2 Die Stellungnahmen der RAD-Ärzte Dres. C._ und D._ (act. G 3.1.28-2, act.
G 3.1.43, G 3.1.51 und G 3.1.56) stützen sich ausschliesslich auf das Gutachten von
Dr. A._. Dieses bildet indessen wie bereits erwähnt (vgl. vorstehende E. 3.1) keine
aussagekräftige medizinische Grundlage für die Beurteilung des IV-Rentenanspruchs
des Beschwerdeführers, weshalb auch die darauf beruhenden RAD-Einschätzungen
nicht zu überzeugen vermögen. Hinzu kommt, dass die RAD-Stellungnahmen ohne
eigene Untersuchungen erfolgt und entsprechend ihrem Zweck als verwaltungsinterne
Entscheidhilfe nur sehr knapp begründet sind.
3.3 Für die Beurteilung des Rentenanspruchs des Beschwerdeführers kann indessen
auch nicht auf den Bericht des behandelnden Arztes Dr. B._ vom 30. März 2007
abgestellt werden. Zum einen ist dessen Beurteilung der Leistungsfähigkeit aus
medizinischer Sicht nicht nachvollziehbar, wenn er ausführt die bisherige Tätigkeit sei
dem Beschwerdeführer zu 50% zumutbar, eine andere Tätigkeit hingegen nicht (act.
G 3.1.13-3 f.). Zum anderen ist die Leistungsfähigkeitsschätzung des Hausarztes nicht
näher begründet. Hinzu kommt, dass Anhaltspunkte für eine psychische Komponente
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des Beschwerdebildes bestehen (der Beschwerdeführer gab in der Anmeldung an, an
Depressionen zu leiden, act. G 3.1.1-7; Dr. A._ hielt das Vorliegen einer
Schmerzverarbeitungsstörung für möglich und empfahl eine psychiatrische
Beurteilung; Gutachten Dr. A._, S. 7, act. G 3.2). Demnach stellt der Bericht des
behandelnden Allgemeinmediziners insgesamt keine zuverlässige medizinische
Grundlage für die Beurteilung des Rentenanspruchs dar.
3.4 Unter diesen Umständen erweist sich der zu beurteilende Sachverhalt als nicht
genügend medizinisch abgeklärt. Die Sache ist daher zur Vornahme eines
polydisziplinären Gutachtens unter Einbezug einer psychiatrischen Fachperson an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.
Zu prüfen bleibt die Bemessung des Valideneinkommens, währenddem die Frage nach
dem Invalideneinkommen und der Höhe des vorzunehmenden Leidensabzugs
angesichts der medizinisch nicht abgeklärten Restarbeitsfähigkeit offen gelassen
werden muss.
4.1 Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, dass im Rahmen des
vorzunehmenden Einkommensvergleichs bei der Ermittlung des Valideneinkommens
das im Zeitpunkt des Unfalles ausgeübte Arbeitsverhältnis bei der SBB und seine
damals ausgeübte Nebenerwerbstätigkeit als Chauffeur berücksichtigt werden
müssten (act. G 1).
4.2 Bei der Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die betroffene
Person im massgebenden Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde verdienen würde. Die Einkommensermittlung hat so
konkret wie möglich zu erfolgen, weshalb in der Regel vom letzten Lohn, den die
versicherte Person vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielt hat, auszugehen ist
(Urteil des Bundesgerichts vom 3. Juli 2008, 8C_767/07, E. 3).
4.3 Der Beschwerdeführer bringt vor, dass er im Gesundheitsfall weiterhin bei der SBB
im Gepäcktransport arbeiten würde und deshalb zur Ermittlung des
Valideneinkommens auf diese Tätigkeit abgestellt werden müsse (act. G 1). Dieser
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Auffassung folgte die Beschwerdegegnerin erst im Beschwerdeverfahren (act. G 3,
S. 6 f.), währenddem sie im Verwaltungsverfahren nicht auf die vor dem Unfall
ausgeübte Tätigkeit bei der SBB abstellte (vgl. act. G 3.1.57).
4.4 Aus den Akten ergibt sich, dass der Beschwerdeführer auch nach dem
Unfallereignis vom 13. Mai 1996 bis anfangs 2000 bei der SBB angestellt blieb (vgl. IK-
Auszug, act. G 3.1.10). Der Schritt in die Selbstständigkeit erfolgte damit erst knapp
vier Jahre nach dem Unfallereignis. Zwar äusserte sich der Beschwerdeführer -
scheinbar ohne von invalidenversicherungsrechtlichen Überlegungen geleitet zu sein -
dahingehend, dass die Aufgabe der Tätigkeit bei der SBB aus gesundheitlichen
Gründen erfolgt sei (er sei der Arbeit und den Anforderungen "nicht mehr gewachsen"
gewesen, act. G 3.1.35-1; "aufgrund seiner Beschwerden die Arbeit gekündigt",
Gutachten Dr. A._, S. 3, act. G 3.2; vgl. auch die Angabe der Abklärungsperson im
Bericht vom 14. Dezember 2007: "diese Tätigkeit war mit Sicherheit ungeeignet mit
dem handicapierten Knie", act. G 3.1.35-10). Die Beschwerdegegnerin nahm indessen
keine Abklärungen bezüglich der Frage vor, ob die vom Beschwerdeführer
vorgenommene Kündigung des Arbeitsverhältnisses bei der SBB gesundheitsbedingt
erfolgt war oder ob der Gang in die Selbstständigkeit andere Gründe hatte. Gestützt
auf die Angaben des Beschwerdeführers allein kann diese Frage vorliegend -
namentlich mit Blick auf das nach dem Unfall noch während knapp vier Jahren
bestehende Arbeitsverhältnis - nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit beantwortet werden. Die Beschwerdegegnerin wird daher die
Umstände des Gangs in die Selbstständigkeit näher abzuklären und hierfür namentlich
die SBB als damalige Arbeitgeberin hinsichtlich der Kündigungsumstände zu befragen
haben. Hernach wird sie unter Berücksichtigung der gesamten Umstände über das für
die Bemessung des Valideneinkommens heranzuziehende Arbeitsverhältnis zu
befinden haben. Sofern hierfür das Arbeitsverhältnis bei der SBB zu berücksichtigen
ist, hat die Beschwerdegegnerin aufgrund der von ihr noch einzuholenden
Lohnangaben der SBB auch die Frage zu klären, wie viel der Beschwerdeführer im
Gesundheitsfall im massgebenden Zeitpunkt des Rentenbeginns (vgl. BGE 129 V 222
mit Hinweis) bei der SBB verdienen würde.
4.5 Was die Nebenerwerbstätigkeit anbelangt, so ist festzustellen, dass es sich gemäss
Angaben des Beschwerdeführers lediglich um eine Aushilfstätigkeit gehandelt hat
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("Aushilfschauffeur", act. G 1, S. 6). Aus dem IK-Auszug geht hervor, dass der
Beschwerdeführer diese Tätigkeit erst im Monat des Unfallereignisses aufgenommen
und danach nicht mehr ausgeübt hat (act. G 3.1.10). Es handelte sich damit nicht um
eine vor dem Eintritt der Gesundheitsschädigung regelmässig ausgeübte
Nebenerwerbstätigkeit und es kann mit Blick auf die genannten Umstände nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass der
Beschwerdeführer im Gesundheitsfall die Tätigkeit als "Aushilfschauffeur" im Zeitpunkt
des Rentenbeginns weiterhin ausgeübt hätte. Das als "Aushilfschauffeur" erzielte
Einkommen ist daher bei der Bestimmung des Valideneinkommens nicht zu
berücksichtigen.
5.
5.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die Verfügung vom 23. Juni 2008
aufzuheben und die Sache ist zu ergänzenden medizinischen und erwerblichen
Abklärungen im Sinn der Erwägungen und zu anschliessender neuer Verfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu
bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss des Beschwerdeführers von Fr. 600.-- ist
diesem zurückzuerstatten.
5.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers hat auf die Einreichung einer Honorarnote verzichtet. Der
Bedeutung und Komplexität der Streitsache angemessen erscheint eine
bis
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Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht