Decision ID: 11e76e74-d8d5-48d8-bc05-fae1ead1c200
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1960, bezog mit Wirkung ab dem 1. Dezember 2010 eine ganze Invalidenrente der Eidge
nös
sischen Invalidenversicherung (
Urk. 6/69,
Urk. 6/77).
Nach einer
Rentenr
evision
setzte die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle
,
die bis
herige ganze Rente
der Versicherten
mit Ver
fü
gung vom 2. März 2016 rückwirkend per 1. Januar 2013 auf eine Viertelsrente herab und hob diese per 1. Januar 2014 auf (Urk.
6/120
). Mit Verfügung vom 31. März 2016 forderte sie von der Versicherten zudem in den Jahren 2013 bis 2015 zu viel ausbezahlte Renten in der Höhe von Fr. 52‘964.-- zurück (Urk.
6/121
).
Dagegen erhob die Versicherte am
1.
April 2016
beim Sozialver
si
cherungsgericht des Kantons Zürich Beschwerde (
Urk.
6/
122/3-4
).
Mit Urteil vom 2
1.
März 2017 wies das Sozialversicherungsgericht die Beschwerde ab (
Urk.
6/125). Auf die dagegen von
X._
am
3.
Mai 2017 erhobene Beschwerde trat das Bundesgericht mit Urteil vom
7.
Juni 2017 nicht ein (
Urk.
6/127).
Am 7. September 2017
ersuchte
X._
die IV-Stelle
um Erlass der zu viel ausgerichteten Invalidenrenten im Betrag vom Fr. 52‘964.-- (Urk.
8
/1
4
).
Die IV-Stelle kündigte ihr a
m 27. September 2017 die Abweisung ihres Erlassgesuchs an
und gab ihr Gelegenheit zur Stellungnahme
(Urk.
8
/15). Am 1
9.
Oktober 2017 nahm der behandelnde Psychiater von
X._
zum Erlassgesuch
Stellung (
Urk.
8
/17). Mit Verfügung vom
3.
November 2017 wies die IV-Stelle das Erlass
gesuch ab (
Urk.
2).
2.
Gegen
die
Verfügung vom
3.
November 2017
erhob
X._
am
7.
Dezem
ber 2017 Beschwerde und beantragte
sinngemäss, ihr Erlassgesuch sei gutzu
heis
sen
(
Urk.
1).
Mit Verfügung vom
7.
Dezember 2017 (
Urk.
4) wurden die Akten
der Beschwer
degegnerin
(Urk. 6/1-138, Urk. 8/1-18)
beigezogen
.
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom
5.
Januar 2018
sodann
Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10), was der Beschwerdeführerin am
8.
Januar 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
11).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin das Gesuch der Beschwer
deführerin um Erlass der Rückerstattung der zu viel ausgerichteten Invaliden
ren
ten im Betrag vom Fr. 52‘964.-- zu Recht abgewiesen hat.
2.
2
.1
Die Bestimmungen des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungsrechts (ATSG) sind auf
die Invalidenversicherung (
Art.
1a-26
bis
und 28-70 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung
,
IVG
)
an
wendbar, soweit das
I
VG nicht ausdrücklich eine Ab
weichung vom ATSG vorsieht
(
Art.
1
Abs.
1 IV
G).
2
.2
Gemäss
Art.
25
Abs.
1 Satz 1 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leistungen grundsätzlich zurückzuerstatten. Nur Leistungen, welche in gutem Glauben emp
fangen wurden, müssen unter Umständen (bei
zusätzlichem
Vorliegen einer gros
sen Härte) nicht zurückerstattet werden (
Art.
25
Abs.
1 Satz 2 ATSG).
Der
gute Glaube als Erlassvoraussetzung
ist
nicht schon mit der Unkenntnis des Rechts
mangels gegeben. Der Leistungsempfänger darf sich vielmehr nicht nur keiner böswilligen Absicht, sondern auch keiner groben Nachlässigkeit schuldig gemacht haben. Der gute Glaube entfällt somit einerseits von vornherein, wenn die zu Unrecht erfolgte Leistungsausrichtung auf eine arglistige oder grob
fahr
lässige Melde- oder Auskunftspflichtverletzung zurückzuführen ist. Anderseits kann sich die rückerstattungspflichtige Person auf den guten Glauben berufen, wenn ihr fehlerhaftes Verhalten nur leicht fahrlässig war
.
Wie in anderen Be
rei
chen beurteilt sich das Mass der erforderlichen Sorgfalt nach einem objektiven Massstab, wobei aber das den Betroffenen in ihrer Subjektivität Mögliche und Zumutbare (Urteilsfähigkeit, Gesundheitszustand, Bildungsgrad usw.) nicht aus
geblendet werden darf (
BGE 138 V 218 E. 4 mit weiteren Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_413/2016 vom 26. September 2016 E. 3.1 mit weiteren Hin
weisen)
.
2.3
Art. 31 Abs. 1 ATSG und Art.
77
der Verordnung über die
Invaliden
versicherung (
I
VV) schreiben vor, dass der Leistungsberechtigte oder sein gesetzlicher Vertreter
sowie Behörden oder Dritte, denen die Leistung zukommt
,
jede für den Leistungs
anspruch wesentliche Änderung, namentlich eine solche des Gesundheitszustan
des und
der Arbeits- oder Erwerbsfähigkeit, unverzüglich der IV-Stelle anzu
zei
gen haben.
Es kommt weiter hinzu, dass die betreffende Person in un
zwei
deutiger Form auf konkrete Meldepflichten hin
gewiesen worden sein
muss. Des Weiteren kann sich die Meldepflicht nur auf Sach
verhaltsänderungen beziehen, um welche die betreffende Person sowohl be
züg
lich ihres Vorliegens als auch hinsichtlich der Auswirkungen auf den Lei
stungs
anspruch weiss beziehungsweise wissen
müsste. Hierbei ist ein schuldhaftes Fehlver
halten erforderlich, wobei nach stän
diger Rechtsprechung eine leichte Fahr
lässigkeit genügt (Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl., 2015, N 14 zu Art. 31 ATSG, mit weiteren Hinweisen; BGE 112 V 97 E.
2a mit Hinweis auf BGE 110 V 176 E. 3c).
3
.
Mit Zusprache der ganzen Invalidenrente mit Verfügung vom
1
1.
August 2011
wurde die Beschwerdeführerin auch auf ihre Meldepflicht bei einer Änderung der Einkom
mens- und Vermögensverhältnisse hingewiesen. Als Beispiel wurde die Auf
nahme einer Erwerbstätigkeit genannt (
Urk.
6/69/2
,
Urk.
6/77/
2
). Das Sozial
versicherungs
gericht führte mit
Urteil vom 2
1.
März 2017 aus, die Beschwerde
gegnerin habe
die
bisherige Invalidenrente
der Beschwerdeführerin
zu Recht rückwirkend herabgesetzt und per
1.
Januar 2014 aufgehoben,
weil
diese
ihre Zivilstandsänderung und
unter andere
m
das
beim
von ihr betreuten
Y._
erzielte Einkommen nicht
ge
meld
et
habe
und damit offenkundig ei
ne Mel
depflicht
verletzung (Art. 88
bis
Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 77 IVV) begangen habe (
Urk.
6/125/10-11)
.
Der die Beschwerdeführerin behandelnde Psychiater
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
hielt
in seiner Stellungnahme vom 1
9.
Oktober 2017
fest
, die Beschwerde
füh
re
rin habe ihm
“sehr glaubhaft erläutert“, dass es sich damals nicht um eine Er
höhung
ihrer
Erwerbstätigkeit gehandelt habe, sondern sie im Sinne einer Depres
sions
be
handlung von allen Seiten aufgefordert worden sei, mehr zu unter
neh
men. Ihre damalige “Arbeit“ habe darin bestanden, einem älteren Mann Gesellschaft zu leisten (Spaziergänge und gemeinsames Essen, wofür dieser ihr Geld gegeben habe) und sei nicht mit dem ersten Arbeitsmarkt zu vergleichen gewesen. Für die Beschwerde
führerin sei
es
nicht ersichtlich
gewesen
, dass dies mit ihrer IV-Rente nicht verein
bar sei
(
Urk.
8
/17
/1
).
Am 2
3.
September 2013
bestätigte
Y._
indes
, dass er die Beschwer
defüh
rerin als Haushaltshilfe angestellt hatte (
Urk.
6/90
/1
). Der Lohn war variabel und betrug zwischen
Fr.
1‘700.-- und
Fr.
1‘900.-- pro Monat (
Urk.
6/90/2). Er stellte der Beschwerdeführerin
jeweils
auch eine “Gehaltsab
rech
nung Monatslohn“ aus,
aus
welcher der Stundenansatz, der Ferien- und Feier
tagszuschlag, der Naturallohn
sowie
die Abzüge für Sozialversic
herungs
beiträge und die Kranken
taggeldversich
er
ung
sprämien
ersichtlich waren. Am Ende
diese
r
Ab
rech
nung
quittierte
die Beschwerdeführerin mit ihrer Unterschrift, dass sie den
bar
aus
bezahlten Monatslohn erhalten hatte (
Urk.
6/91). Aufgrund dessen ist aus
ge
schlossen, dass die Beschwerdeführerin ihre Tätigkeit für
Y._
nicht als Arbeitstätigkeit verstehen konnte.
Im vor
liegenden Verfahren reichte d
ie Beschwerdeführerin
selbst
eine Kopie der Stellung
nahme von
Dr.
Z._
vom
19. Oktober 2017 ein (
Urk.
3/6). Ihren Vor
bringen
in der Beschwerde vom 7. Dezem
ber 2017
(
Urk.
1)
ist
zur Erlassvoraus
setzung des guten Glaubens
aber
nichts
Weiteres
zu entnehmen
.
Aufgrund der Meldepflichtverletzung ist der gute Glaube der Beschwerdeführerin zu verneinen.
Weil die Beschwerdeführerin die Invalidenrenten nicht in gutem Glauben bezogen hatte
, muss die weitere Erlassvoraussetzung der grossen Härte (
Art.
25
Abs.
1 ATSG
) nicht
geprüft
werden.
4.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.