Decision ID: f0800518-3f6a-4330-a413-4916445fb74f
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 30. Juni 2010 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum
Bezug von IV-Leistungen an. Sie gab an, dass sie seit ca. zwei Jahren an einem Tumor
im Gehirn sowie an einer Depression leide (IV-act. 1). Sie hatte bei der B._ AG in den
Jahren 2001 bis 2003 eine Anlehre als Vorhangnäherin absolviert und war danach bis
im März 2008 in jeweils befristeten Arbeitsverhältnissen aushilfsweise dort tätig
gewesen (vgl. IV-act. 4, 14). Dr. med. C._, Facharzt für Innere Medizin, berichtete der
IV-Stelle am 9. August 2010, dass bei der Versicherten seit August 2009 eine
Epidermoidzyste präpontin rechts, Trigeminusneuralgie rechts, progredient, bestehe,
und dass die Versicherte mindestens seit 2009 an einer schweren chronischen
depressiven Verstimmung leide. Seit dem 1. April 2008 bestehe eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 17).
A.b Am 29. September 2010 wurde im Kantonsspital St. Gallen (KSSG) eine
retromastoidale osteoklastische Trepanation rechts mit Resektion des Tumors
durchgeführt (Hospitalisation vom 28. September bis 6. Oktober 2010). Am 7. Oktober
2010 berichteten die Ärzte des KSSG, die Versicherte leide an einer postoperativen,
praktisch vollständigen Okulomotoriusparese rechts sowie an einer Hypästhesie im
Innervationsgebiet des Nervus trigeminus rechts. Bis zur Nachkontrolle am 25.
November 2010 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 28).
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A.c Am 25. Oktober 2010 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass zurzeit
aufgrund des noch instabilen Gesundheitszustands keine beruflichen
Eingliederungsmassnahmen möglich seien (IV-act. 32).
A.d Im Bericht vom 25. November 2010 bezeichnete Prof. Dr. med. D._,
Neurochirurgie, KSSG, den postoperativen Verlauf als erfreulich. Die
Hirnnervenausfälle, insbesondere die rechtsseitige Okulomotoriusparese, seien sehr
gut rückläufig. Die Hypästhesie im Trigeminusgebiet habe sich gebessert. Verblieben
seien noch leichte Reizerscheinungen mit unangenehmen Missempfindungen, die sich
aber auch bessern würden. Der initial vorhandene Nystagmus sei praktisch beseitigt.
Die Versicherte neige noch zu depressiven Reaktionen und fühle sich praktisch nicht
leistungsfähig, weshalb nochmals eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in den nächsten
zwei Monaten attestiert werde. Von Seiten der Neurochirurgie sei die Behandlung
vorläufig abgeschlossen (IV-act. 35). Am 16. Februar 2011 hielt Prof. D._ zuhanden
von Dr. C._ fest, dass sich die Kopfschmerzen der Versicherten mit den präpontinen
Restbefunden des Epidermoids nicht erklären liessen. Die Beschwerden seien auf eine
depressive Gemütslage bei einem allgemein geschwächten körperlichen Zustand
zurückzuführen (IV-act. 41-7 f.).
A.e Der die Versicherte seit April 2009 behandelnde Psychiater Dr. med. E._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete der IV-Stelle am 14. März
2011, die Versicherte leide an einer generalisierten Angststörung (ICD-10 F41.1), an
einer Panikstörung (F41.0) sowie an einer akuten Belastungsreaktion (F43.0) im
Zusammenhang mit einer Hirnerkrankung, die operativ versorgt worden und noch nicht
stabil sei. Die Prognose sei vom Erfolg der neurochirurgischen Behandlung abhängig.
Es bestehe bis auf Weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 42).
A.f Eine Abklärung im Rahmen der interdisziplinären Schmerzsprechstunde des KSSG
vom 17. Mai 2011 ergab die Diagnose eines chronischen Schmerzsyndroms (vgl. IV-
act. 54). Anlässlich der Verlaufskontrolle vom 20. Oktober 2011 hielt Prof. Dr. D._
einen guten postoperativen MRI-Befund fest, sodass von neurochirurgischer Seite
nichts mehr unternommen werden müsse (vgl. IV-act. 66-5). Dr. E._ berichtete der IV-
Stelle am 30. Januar 2012 über einen stationären Gesundheitszustand. Er gab an, er
sehe die Versicherte nur noch selten (IV-act. 57).
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A.g Im September 2012 fand eine Haushaltsabklärung in der Wohnung der
Versicherten statt. Gemäss dem Abklärungsbericht vom 28. September 2012 hatte die
Versicherte dabei angegeben, seit Jahren unter Kopfschmerzen und extremer
Müdigkeit zu leiden. Sie leide zudem unter Panikattacken, die durch Stress bei
Therapien oder Terminen ausgelöst würden. Neue Ärzte, Menschenansammlungen und
fremde Orte lösten ebenfalls Panik aus. Sie sei zum Zeitpunkt des Austritts aus dem
KSSG vollständig auf die Hilfe ihrer Familie angewiesen gewesen. Auch heute könne
sie sich nicht eigenständig versorgen. Sie leide unter stechenden, brennenden
Schmerzen und Krämpfen am ganzen Körper. Seit der Operation bestünden
Gleichgewichtsstörungen. Ohne Gesundheitsschaden wäre sie zu 100% erwerbstätig.
Die Abklärungsperson erachtete eine Vollerwerbstätigkeit im fiktiven „Gesundheitsfall“
als nachvollziehbar. Sie hielt fest, die Angaben der Versicherten erschienen absolut
glaubhaft und nachvollziehbar; ein hoher Leidensdruck sei spürbar (IV-act. 73).
Gestützt auf die Abklärung im Haushalt prüfte die IV-Stelle den Anspruch der
Versicherten auf eine Hilflosenentschädigung (vgl. IV-act. 75, 76, 77).
A.h Im Verlaufsbericht vom 9. Oktober 2012 bezeichnete der neue Hausarzt der Ver-
sicherten, Dr. med. F._, Facharzt für Innere Medizin, den Gesundheitszustand bei
Zunahme der depressiven Komponente und sozialem Rückzug als verschlechtert. Er
attestierte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten (IV-act. 74-1, 74-9
f.).
A.i Am 19. Oktober 2012 berichteten die Ärzte des KSSG, der Zustand der
Versicherten sei sowohl aus neurochirurgischer als auch aus schmerztherapeutischer
Sicht unverändert. Bezüglich der Prognose und der Arbeitsfähigkeit sei der
behandelnde Psychiater zu kontaktieren (IV-act. 78, 79). Dr. E._ gab seinerseits am 5.
November 2012 auf Anfrage der IV-Stelle an, seit längerer Zeit keinen Kontakt mehr zur
Versicherten zu haben und deshalb keine Angaben machen zu können (IV-act. 80).
B.
B.a In der Folge veranlasste die IV-Stelle eine polydisziplinäre Begutachtung der
Versicherten durch die Medizinische Abklärungsstelle (MEDAS) Ostschweiz, welche am
25., 27. und 28. März 2013stattfand (vgl. IV-act. 93). Im Gutachten vom 22. Mai 2013
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(IV-act. 100) führten die Experten zusammenfassend aus, mit Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit bestünden eine gemischte Angststörung (F41.3) sowie eine
Gangstörung bei allgemeiner Muskelschwäche (M62.09). Das präpontine Epidermoid
sei ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 100-47). Von internistischer Seite
fänden sich keine Schädigungen mit Auswirkung auf das mittel- und langfristige
berufliche Leistungsvermögen der Versicherten. Von orthopädischer Seite bestünden
Einschränkungen des quantitativen beruflichen Leistungsvermögens. Die präsentierte
Gangstörung und die allgemeine rasche Ermüdbarkeit bei geringster Anstrengung
könnten vom Bewegungsapparat her nicht erklärt werden. Bei der aktuell präsentierten
Mobilität, die nur in Begleitung einer Person möglich sei, sei eine Arbeit nicht mehr
durchführbar. Wegen der anamnestisch eintretenden Ermüdung sei auch eine sitzende
Tätigkeit nicht mehr in einem vertretbaren Ausmass möglich. Aus neurologischer Sicht
bestehe aufgrund der residuellen äusseren und inneren Okulomotoriusparese keine
Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Vorhangnäherin mehr. Die
Ursache der klinisch beobachteten Gangstörung sei am ehesten phobisch. Es fänden
sich keine Hinweise auf eine andere neurologische Erkrankung. Insbesondere könnten
keine weiteren Komplikationen im Zusammenhang mit dem bekannten präpontinen
Epidermoid festgestellt werden. Aus psychiatrischer Sicht sei die Versicherte trotz
langjähriger Therapien aktuell nicht in der Lage, selbständig für sich zu sorgen. Sie sei
auf die Hilfe und Unterstützung anderer Personen angewiesen. Die Abhängigkeit und
das Unvermögen, die einfachsten alltäglichen Verrichtungen selbständig zu erledigen,
hätten keine überzeugende somatische Grundlage, wenngleich noch weitere
Komorbiditäten bestünden. Die extreme Ängstlichkeit und das ausgesprochene
Vermeidungsverhalten schienen für die Abhängigkeit und für die Behinderung
verantwortlich zu sein. Die Versicherte zeige einen schwerwiegenden sozialen
Rückzug. Die psychiatrische Erkrankung stelle eine ausgewiesen Komorbidität von
erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer dar. Die Versicherte sei mit
ihrem gesundheitlichen Zustand völlig identifiziert, so dass man von einem verfestigten,
wahrscheinlich therapeutisch nicht mehr angehbaren innerseelischen Verlauf ausgehen
müsse. Polydisziplinär sei vor allem der psychiatrischen Beurteilung zu folgen. Damit
sei die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit zu 100% eingeschränkt. Auch
adaptierte Tätigkeiten seien der Versicherten aktuell nicht zuzutrauen (IV-act. 100-50
ff.).
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B.b Im September 2013 erteilte die IV-Stelle der G._ GmbH, aufgrund von Hinweisen
im MEDAS-Gutachten (vgl. IV-act. 103, 106-2 f.) einen schriftlichen
Überwachungsauftrag (IV-act. 106). Im Überwachungsbericht vom 8. Oktober 2013
wurde im Wesentlichen festgehalten, dass die Versicherte im Zeitraum vom 18. bis 27.
September 2013 ausserhalb ihres Wohnortes immer in Begleitung ihrer Eltern und ihrer
Schwester unterwegs gewesen sei. Sie habe sich meistens mit einer Hand am Arm
eines ihrer Familienmitglieder festgehalten. In den Geschäften und unterwegs habe sich
die Versicherte oftmals frei bewegt. Ansonsten hätten keine sichtbaren
Einschränkungen oder Beschwerden beobachtet werden können. Die Versicherte habe
aufmerksam gewirkt und sich mit ihren Familienangehörigen und aussenstehenden
Personen unterhalten. Sie habe offensichtlich keine Probleme beim Lenken des
handgeschalteten Personenwagens, in der Öffentlichkeit sowie in gut frequentierten
Geschäften und Einkaufszentren bekundet. Sie habe sich auf der Strasse und in den
Geschäften teils alleine und selbständig bewegt. Während der Überwachungsphase
habe die Versicherte stets den auf ihre Schwester eingelösten Personenwagen gelenkt
(IV-act. 110-5 ff.).
B.c Dr. med. H._, Fachärztin für Neurologie und IV-Mitarbeiterin, kam nach Prüfung
des Observationsmaterials zum Schluss, dass die Beeinträchtigungen weniger
ausgeprägt seien, als man aufgrund der geltend gemachten Einschränkungen und der
Aktenlage annehmen würde. Das an mehreren Tagen dokumentierte Aktivitätsniveau in
vielen Geschäften, auf belebten Strassen und als Lenkerin im Strassenverkehr sei
ebenfalls deutlich höher, als bei einer invalidisierenden Angststörung oder einer
schweren Depression mit Hilfsbedürftigkeit zu erwarten sei. Obschon die Versicherte
ausser Haus in Begleitung ihrer Familienangehörigen beobachtet worden sei, habe man
den Eindruck, dass sie zumindest teilweise unterstützende Funktionen innerhalb der
Familie ausübe, was grössere psychische und physische Ressourcen als die ärztlich
attestierten impliziere. Eine teilweise Erwerbstätigkeit in adaptierter Tätigkeit erscheine
aufgrund der Beobachtungen möglich (Stellungnahme vom 10. Dezember 2013, IV-act.
113).
B.d Anlässlich des Standortgesprächs vom 15. Januar 2014 informierte die IV-Stelle
die Versicherte über die Observationsergebnisse (IV-act. 118-9 ff.). Dr. H._ notierte
am 17. Januar 2014, dass sich eindeutige Diskrepanzen zwischen den anlässlich des
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Gesprächs geschilderten und demonstrierten Beschwerden und Ausfällen und dem
Observationsmaterial feststellen liessen. Da jedoch eindeutige organisch bedingte
Ausfälle vorhanden seien, sei zu klären, wie gross der bewusstseinsnahe Anteil der
Ausweitung der Symptomatik sei, um die Ausprägung der bewussten Aggravation
bestimmen zu können (IV-act. 119).
B.e Im September/Oktober 2014 erfolgte eine polydisziplinäre Verlaufsbegutachtung
der Versicherten durch die MEDAS Ostschweiz (vgl. IV-act. 139, 150, 152 f.). Im
Gutachten vom 19. November 2014 hielten die Experten im Wesentlichen fest, von
neurologischer Seite bestehe ein weitgehend unveränderter Befund seit der letzten
Begutachtung. Insbesondere zeigten sich weiterhin keine Komplikationen im
Zusammenhang mit dem präpontinen Epidermoid. Aus orthopädischer Sicht könnten
die aktuell präsentierte Gangstörung und die allgemeine rasche Ermüdbarkeit bei
geringster Anstrengung weiterhin nicht erklärt werden. Die Vermutung von funktionellen
Einschränkungen werde durch die inzwischen erfolgten Videoaufnahmen bestätigt.
Lege man einer Einschätzung diese Aufnahmen zugrunde, bestehe für die zuletzt
ausgeübte Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit. Von internistischer Seite bestehe
ebenfalls keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Psychiatrischerseits
würde die Diagnose einer gemischten Angststörung, die in der letzten Begutachtung
gestellt worden sei, nach der aktuellen klinischen Untersuchung wieder gegeben
werden. Allerdings basiere die psychiatrische Diagnosestellung hauptsächlich auf den
Aussagen der untersuchten Person und der Beobachtung dieser Person im Rahmen
des Gesprächs. In Anbetracht der zwischenzeitlich stattgefundenen Observierung
müssten die Aussagen der Versicherten und die gezeigten Verhaltensweisen im
Gespräch stark relativiert und die Authentizität der Aussagen und des Verhaltens
während der Untersuchung ernsthaft in Frage gestellt werden. Zurzeit könnten wegen
der grossen Zweifel bezüglich der Echtheit der Angaben der Versicherten nicht mehr
dieselben Aussagen betreffend Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit wie im ersten
Gutachten ge¬tätigt werden. Zusammenfassend sei aufgrund der aufgedeckten
Diskrepanzen zwischen den Aussagen der Versicherten und den
Observierungsbefunden von psychiatrischer Seite keine abschliessende Diagnose zu
stellen. Klarheit könne wahrscheinlich eine Abklärung und Beobachtung während eines
stationären psychiatrischen Aufenthalts bringen (IV-act. 154-48 ff). Da in der
polydisziplinären Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der psychiatrischen Einschätzung zu
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folgen sei, könne momentan keine abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
erfolgen. Die gesamte Situation müsse als unklar beurteilt werden. Es sei möglich, die
von der Versicherten geltend gemachten Beschwerden vorzuspielen bzw. zu simulieren
oder auch tatsächlich bestehende Beschwerden zu aggravieren. Dies könne aufgrund
der Beobachtungen während der Observationsphase zurzeit nicht ausgeschlossen
bzw. müsse sogar angenommen werden (IV-act. 154-50 ff.).
B.f Dr. H._ hielt in ihrer Stellungnahme vom 26. November 2014 fest, es sei fraglich,
ob ein stationärer Aufenthalt bezüglich einer weiteren diagnostischen Klärung
zielführend sei, da eine psychiatrische Diagnosestellung auf den Aussagen der
Patienten beruhe und im vorliegenden Fall ein Täuschungsverhalten nicht
ausgeschlossen werden könne (IV-act. 155).
B.g Mit Vorbescheid vom 6. Januar 2015 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht. Zur Begründung führte sie an, die
Abklärungen hätten gezeigt, dass die Versicherte sowohl gegenüber der IV-Stelle auch
gegenüber den MEDAS-Gutachtern unwahre Angaben gemacht habe. Aufgrund der
Diskrepanzen zwischen den Aussagen und den Observationserkenntnissen habe
gutachterlicherseits keine abschliessende psychiatrische Diagnose gestellt werden
können. Die von der MEDAS Ostschweiz vorgeschlagene stationäre Abklärung sei mit
erheblichen Kosten verbunden und stelle einen erheblichen Eingriff in die persönlichen
Verhältnisse dar. Dem stehe der Umstand gegenüber, dass die Versicherte die
MEDAS-Gutachter getäuscht habe. Es bestehe deshalb keine Gewähr dafür, dass sie
bei einer stationären Begutachtung besser kooperieren würde und die Experten in der
Lage wären, die tatsächlichen Verhältnisse mit einer besseren Zuverlässigkeit
festzustellen. Die Versicherte habe aufgrund der allgemeinen Beweislastverteilung und
als Folge ihres Täuschungsverhaltens die Nachteile des fehlenden Nachweises eines
invalidisierenden Leidens zu tragen (IV-act. 159). Gleichentags stellte die IV-Stelle der
Versicherten zudem in Aussicht, das Begehren um Ausrichtung einer
Hilflosenentschädigung abzuweisen (IV-act. 161).
B.h Gegen die in Aussicht gestellte Abweisung des Rentenbegehrens wandte die
Versicherte am 6. Februar 2015 ein, einzig und allein gestützt auf die Observation
könne und dürfe nicht der Schluss gezogen werden, dass sie zu 100% arbeitsfähig sei.
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Dies müsse umso mehr gelten, als auch die Gutachter der MEDAS Ostschweiz
weitergehende Abklärungen empfohlen hätten (IV-act. 162).
B.i Mit Verfügung vom 24. Februar 2015 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der
Versicherten ab. Zum Einwand erwiderte sie, dass die Versicherte für den Nachweis
einer Invalidität beweisbelastet sei. Da nach Ausschöpfung aller verhältnismässigen
Abklärungsmassnahmen keine Invalidität nachgewiesen sei, sei das Leistungsgesuch
abzuweisen (IV-act. 165). Am 4. März 2015 verfügte die IV-Stelle zudem die Abweisung
des Begehrens um Ausrichtung einer Hilflosenentschädigung (IV-act. 166).
C.
C.a Gegen die rentenabweisende Verfügung vom 24. Februar 2015 erhob die
Versicherte am 27. März 2015 Beschwerde. Sie beantragte die Ausrichtung einer
Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100%; eventualiter sei die
Beschwerdegegnerin zu verpflichten, weitere medizinische Abklärungen durchzuführen.
In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltliche
Prozessführung und Rechtsverbeiständung. Zur Begründung machte sie ergänzend zu
den Einwänden im Vorbescheidverfahren geltend, es sei von der Beschwerdegegnerin
willkürlich nicht berücksichtigt worden, dass sie sich während des
Observationszeitraums mehrheitlich in der Wohnung aufgehalten, kein einziges Mal
alleine die Wohnung verlassen und sich draussen mehrheitlich auf einem
Familienangehörigen abgestützt habe. Dass sie sich nicht 24 Stunden am Tag in der
Wohnung aufgehalten habe und selbst Auto gefahren sei, lasse nicht den
Umkehrschluss zu, dass sie zu 100% arbeitsfähig sei und unter gar keinen
Beschwerden leide. Es sei nicht nachvollziehbar, dass sie ausgebildeten Fachärzten
über Jahre hinweg Beschwerden lediglich vorgespielt haben solle. Auch sähen die
MEDAS-Gutachter eine Simulation der Beschwerden nur als mögliche, nicht aber als
sichere Erklärung für die Diskrepanzen an. Die Beschwerdegegnerin habe insofern
willkürlich gehandelt, als sie auf den nicht überzeugenden Observationsbericht und das
MEDAS-Gutachten abgestellt habe, obwohl die Gutachter klar die Durchführung
weiterer Abklärungen empfohlen hätten (act. G 1 S. 9 f.).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 19. Mai 2015 beantragte die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde (act. G 5).
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C.c Am 22. Mai 2015 bewilligte das Gericht das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) für das Beschwerdeverfahren (act. G 6).
C.d Die Beschwerdeführerin verzichtete am 22. Juni 2015 auf eine Replik (vgl. act. G 8).
C.e Am 14. Dezember 2016 beantragte die Beschwerdegegnerin die Sistierung des
Verfahrens. Es sei zumindest mit dem Entscheid zuzuwarten, bis ein Grundsatzurteil
des Bundesgerichts bezüglich der Zulässigkeit von Observationen im Bereich der
Invalidenversicherung vorliege (act. G 10). Am 22. Dezember 2016 informierte das
Gericht die Parteien darüber, dass im gegenwärtigen Zeitpunkt kein Anlass für eine
förmliche Sistierung bestehe (act. G 11).
C.f Mit Schreiben vom 6. Januar 2017 reichte die Beschwerdegegnerin eine Aktennotiz
ihres Mitarbeiters zu den Akten (act. G 12). Darin hatte dieser festgehalten, dass er die
Beschwerdeführerin am 29. Dezember 2016 zufällig bei einer Tankstelle in I._ habe
beobachten können. Im beobachteten Zeitfenster sei die Beschwerdeführerin
kommunikativ und ihre Bewegungen seien hinkfrei und völlig unauffällig gewesen (vgl.
G 12.1). Daraufhin räumte das Gericht der Beschwerdeführerin am 10. Januar 2017 die
Gelegenheit zur Stellungnahme ein (act. G 13). Die Beschwerdeführerin liess sich
bezüglich der Aktennotiz nicht vernehmen. Eine Sistierung des Verfahrens erachtete sie
nicht als notwendig (vgl. act. G 16).

Erwägungen
1.
1.1 Die Beschwerdegegnerin stellte am 14. Dezember 2016 einen Antrag auf
Sistierung des vorliegenden Verfahrens bis zur Fällung eines bundesgerichtlichen
Grundsatzentscheides bezüglich der Zulässigkeit von Observationen in der
Invalidenversicherung (vgl. act. G 10). Nachdem in dieser Frage am 14. Juli 2017 ein
Urteil des Bundesgerichts ergangen ist (9C_806/2016, zur Publikation vorgesehen), ist
das Sistierungsgesuch gegenstandslos geworden.
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1.2 Bezüglich der Verwertbarkeit des vorliegenden Observationsmaterials ist
Folgendes anzumerken: Das Bundesgericht hat (in Nachachtung des Entscheides des
Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte vom 18. Oktober 2016, Vukota-Bojic
gegen Schweiz, Urteil no. 61838/10) im Urteil 9C_806/2016 vom 14. Juli 2017 erwogen,
dass es auch in der Invalidenversicherung an einer genügenden gesetzlichen
Grundlage, welche die verdeckte Überwachung umfassend klar und detailliert regeln
würde, fehle (E. 4, vgl. auch das zur Publikation vorgesehene Urteil des
Bundesgerichtes vom 16. August 2017, 1B_75/2017 E. 4.1, 4.1.4, 4.2). Entsprechend
ist daher davon auszugehen, dass die durch die Beschwerdegegnerin in Auftrag
gegebene Observation rechtswidrig war. Was die Verwendung des im Rahmen der
widerrechtlichen Observation gewonnenen Materials anbelangt, erkannte das
Bundesgericht im zitierten Urteil, dass die Verwertbarkeit der Observationsergebnisse
(und damit auch der gestützt darauf erhobenen Beweise) grundsätzlich zulässig sei,
wenn die tangierten öffentlichen Interessen, namentlich die Verhinderung von
Versicherungsmissbrauch, die privaten Interessen überwögen. Im zitierten Fall kam das
Bundesgericht zum Schluss, dass die Observationsergebnisse in die Beweiswürdigung
miteinbezogen werden dürften, weil die Observation aufgrund von ausgewiesenen
Zweifeln über die Leistungsfähigkeit des Versicherten eingeleitet worden sei, weil es
sich um (unbeeinflusste) Handlungen des Versicherten gehandelt habe, die im
öffentlichen Raum aufgenommen worden seien und weil es sich weder um eine
systematische noch um eine ständige Überwachung gehandelt habe (E. 5.1.2; vgl.
auch Urteil des Bundesgerichts vom 27. Juli 2017, 8C_735/2016 E. 5.3).
1.3 Zweifel über die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin ergaben sich im
vorliegenden Fall insbesondere aus dem MEDAS-Gutachten vom 22. Mai 2013 (IV-act.
100). Auch im Rahmen der Anmeldung für eine Hilflosenentschädigung machte die
Beschwerdeführerin massivste Einschränkungen geltend (IV-act. 77). Dabei fanden sich
Unstimmigkeiten zwischen den Aussagen der Beschwerdeführerin und den anlässlich
der polydisziplinären Begutachtung erhobenen objektiven Befunden. Die Gutachter
konnten die von der Beschwerdeführerin präsentierte eingeschränkte Mobilität nicht
erklären. Von neurologischer Seite wurde ein „groteskes“ bzw. „bizarres“ Gangbild
beschrieben, für welches sich keine organische Erklärung fand (IV-act. 100-31). Der
orthopädische Gutachter hielt eine gut ausgebildete Muskulatur auf beiden Beinseiten
fest; obwohl die Beschwerdeführerin angegeben hatte, sie habe überhaupt keine Kraft
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und könne keine drei Schritte ohne Hilfe oder Abstützen gehen (vgl. IV-act. 100-41).
Damit bestand ein begründeter Verdacht, dass die gemäss den Akten vollständig
arbeitsunfähige und nach eigenen Angaben massivst hilfsbedürftige
Beschwerdeführerin nicht im von ihr geltend gemachten Masse gesundheitlich
eingeschränkt ist. Die Beschwerdeführerin wurde im Zeitraum vom 18. bis 27.
September 2013 an insgesamt fünf Tagen observiert, weshalb vorliegend auch nicht
von einer systematischen oder ständigen Überwachung gesprochen werden kann. Die
von der Beschwerdegegnerin veranlassten Aufnahmen erfolgten augenscheinlich im
öffentlichen Raum und die Beschwerdeführerin tätigte die aufgezeichneten Handlungen
aus eigenem Antrieb und ohne äussere Beeinflussung. Sie gab im Nachgang zur
Observation sogar an, dass sie „ja nicht blöd“ sei und schon gemerkt habe, dass sie
beobachtet bzw. gefilmt worden sei (vgl. IV-act. 118-28, 154-28). Gestützt auf die
bundesgerichtliche Rechtsprechung sind die Observationsergebnisse im vorliegenden
Verfahren somit verwertbar, obwohl die Observation an sich mangels einer
ausreichenden gesetzlichen Grundlage rechtswidrig war.
2.
2.1 Mit der angefochtenen Verfügung vom 24. Februar 2015 verneinte die
Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Strittig und
vorliegend zu prüfen ist demnach, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Invalidenrente hat.
2.2 Invalidität ist laut Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere
Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der
durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Gemäss Art. 28a Abs. 1 des IVG i.V.m.
Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu
ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt
der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
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gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Um das Invalideneinkommen zu bestimmen und damit den
Invaliditätsgrad bemessen zu können, muss die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin im Verfügungszeitpunkt feststehen.
2.3 In medizinischer Hinsicht liegen insbesondere das Gutachten vom 22. Mai 2013
sowie das Verlaufsgutachten vom 19. November 2014 der MEDAS Ostschweiz im
Recht. Im ersten Gutachten, welches vor der Observation erstellt worden war, hatten
die Experten der Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für sämtliche
Tätigkeiten attestiert, obwohl die Angaben der Beschwerdeführerin zum Teil in
erheblichem Widerspruch zu den objektiv erhobenen Befunden gestanden hatten.
Entsprechend wurde von der Beschwerdegegnerin eine Observation veranlasst (vgl. E.
1.3). Nach Einblick in das Observationsmaterial distanzierten sich die MEDAS-
Gutachter im Verlaufsgutachten vom November 2014 von ihrer früheren
Arbeitsfähigkeitsschätzung. Sie setzten sich ausführlich mit den anlässlich der
Observation gewonnenen Erkenntnissen auseinander und hinterfragten die subjektiven
Angaben und das Verhalten der Beschwerdeführerin im Rahmen der
Untersuchungssituation kritisch. Sie kamen zum Schluss, dass sie die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin vor dem Hintergrund der aufgedeckten Diskrepanzen nicht
(mehr) zuverlässig beurteilen können (IV-act. 154-50 ff.).
2.4 Die Aussagen und das Verhalten der Beschwerdeführerin gegenüber den MEDAS-
Gutachtern stehen in deutlichem Widerspruch zu ihren alltäglichen Aktivitäten.
Während der gesamten Observierungsphase zeigte die Beschwerdeführerin nicht ein
einziges Mal die den Ärzten und der Beschwerdegegnerin beim Gespräch vom 15.
Januar 2014 präsentierte Gangstörung (vgl. IV-act. 118, act. G 5.2). Sie bewegte sich
vielmehr ohne sichtbare Einschränkungen und war ohne Weiteres in der Lage, hinkfrei
und ohne Hilfe zu gehen. Die anlässlich der Begutachtung geschilderten Doppelbilder,
die sich nach Aussage der Beschwerdeführerin auch medikamentös nicht beeinflussen
lassen (vgl. IV-act. 118-2), hinderten sie offensichtlich nicht daran, regelmässig Auto zu
fahren. Entgegen ihrer Aussage, selbst in den einfachsten Aktivitäten des alltäglichen
Lebens vollständig auf Hilfe angewiesen zu sein (IV-act. 100-49 f.), konnte sich die
Beschwerdeführerin problemlos in belebten Gegenden, in Supermärkten sowie Kleider-
und Schuhgeschäften aufhalten und mehrere Stunden einkaufen. Die Ermittler konnten
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weder offensichtliche Ermüdungserscheinungen noch eine ausgesprochene
Ängstlichkeit oder sonstige psychische Auffälligkeiten beobachten (vgl. IV-act. 110-5
f.). Im Vergleich zu einer konkreten Untersuchungssituation zeigte sich die
Beschwerdeführerin somit insgesamt deutlich weniger bis gar nicht eingeschränkt. Die
von den Ermittlern beobachteten Aktivitäten lassen sich mit dem von der
Beschwerdeführerin geltend gemachten, schwerwiegenden sozialen Rückzug
keineswegs vereinbaren.
2.5 Zusammenfassend ist bei der vorliegenden Aktenlage mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Beschwerdeführerin nicht nur gegenüber ihren
behandelnden Ärzten und gegenüber der Beschwerdegegnerin, sondern auch bei der
Begutachtung durch die MEDAS Ostschweiz simuliert und bewusst falsche Angaben
zu ihrem Gesundheitszustand gemacht hat. Bei diesem Täuschungsverhalten der
Beschwerdeführerin war es den Experten überhaupt nicht möglich, eine zuverlässige
und beweistaugliche Arbeitsfähigkeitsschätzung abzugeben.
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin rügt, die Beschwerdegegnerin habe willkürlich gehandelt,
indem sie keine weiteren Abklärungen getätigt habe. Insbesondere habe sie keine
stationäre Abklärung veranlasst, obwohl eine solche von den MEDAS-Gutachtern klar
empfohlen worden sei (vgl. act. G 1 S. 10). Soweit die Beschwerdeführerin sinngemäss
eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes geltend macht, ist Folgendes
festzuhalten: Nach dem Untersuchungsgrundsatz haben die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a und
BGE 121 V 210 E. 6c, je mit Hinweisen). Im Sozialversicherungsprozess tragen die
Parteien eine Beweislast insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid
zuungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt
Rechte ableiten will. Diese Beweisregel greift Platz, wenn es sich als objektiv
unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes einen Sachverhalt zu
ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu
entsprechen (BGE 138 V 218 E. 6).
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3.2 Wie von der Beschwerdeführerin geltend gemacht, haben die MEDAS-Gutachter
einen stationären psychiatrischen Aufenthalt mit Beobachtung vorgeschlagen. Dabei
haben sie festgehalten, dass ein solcher Aufenthalt „wahrscheinlich“ Klarheit bringen
„könnte“ (IV-act. 154-50). Bei dieser Wortwahl entsteht der Eindruck, dass die
Gutachter hauptsächlich mangels anderer Optionen eine stationäre Abklärung und
Beobachtung vorgeschlagen haben. Sie haben insbesondere auch nicht näher
dargelegt, wie ein solcher Aufenthalt auszusehen hätte. Dies vermag nicht zu
überraschen, denn es liesse sich wohl kaum eine Institution finden, welche über die
vorliegend nötigen Ressourcen für eine Beobachtung der Beschwerdeführerin verfügen
würde. Ein stationärer psychiatrischer Aufenthalt ist auf die medizinische Behandlung
und Betreuung von Patienten und nicht auf deren Beobachtung und Überwachung
ausgerichtet. Hinzu kommt, dass selbst wenn man eine Institution fände, welche eine
Beobachtung und Überwachung gewährleisten könnte, die Erfolgsaussichten in Bezug
auf das objektive Beweismass höchstens als gering einzustufen wären. Denn der
Beschwerdeführerin ist es gelungen, alle involvierten Stellen und insbesondere sowohl
die sie begutachtenden Fachpersonen als auch ihre behandelnden Ärzte von ihren
angeblich gravierenden gesundheitlichen Einschränkungen zu überzeugen. Selbst
nachdem sie mit dem Observationsmaterial konfrontiert worden ist, hat die
Beschwerdeführerin darauf beharrt, keine falschen Angaben gemacht respektive nicht
getäuscht zu haben (vgl. IV-act. 118-9 ff., vgl. auch IV-act. 154-28 f.). Vor diesem
Hintergrund ist es überwiegend wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin ihre
gesundheitlichen Einschränkungen auch während eines stationären Aufenthalts
simulieren respektive nicht von ihrem Täuschungsverhalten abweichen würde.
Entsprechend würde auch eine stationäre Abklärung keinen zusätzlichen, d.h. über die
vorliegende MEDAS-Begutachtung hinausgehenden, Erkenntnisgewinn bringen. Um
also eine Simulation der Beschwerdeführerin zu verhindern und valide Ergebnisse zu
erzielen, müsste die Beschwerdeführerin mehrere Wochen lang ununterbrochen 24
Stunden am Tag überwacht und beobachtet werden. Dies wäre - wie auch von der
Beschwerdegegnerin dargelegt (vgl. auch IV-act. 168 S. 5 f.) – nicht nur mit übermässig
hohen Kosten und Ressourcen, sondern auch mit einem unverhältnismässig
weitreichenden Eingriff in die Privatsphäre verbunden. Damit wäre ein stationärer
Aufenthalt, wie er von den MEDAS-Gutachtern vorgeschlagen worden ist, hinsichtlich
einer beweistauglichen Leistungs- bzw. Arbeitsfähigkeitsschätzung weder
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verhältnismässig noch zielführend. Eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes
seitens der Beschwerdegegnerin ist damit nicht ersichtlich.
3.3 Zusammenfassend liegt somit bezüglich der Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin ein Zustand der Beweislosigkeit vor, denn selbst wenn sich für die
von den Gutachtern wohl hauptsächlich mangels anderer Optionen vorgeschlagenen
weiteren Abklärungsmassnahmen eine geeignete Institution finden liesse, wären von
solchen Massnahmen in antizipierender Beweiswürdigung keine überzeugende
Ergebnisse zu erwarten. Da die Beschwerdeführerin aus der Behauptung einer
leistungsrelevanten Invalidität einen Leistungsanspruch ableiten will, trägt sie den
Nachteil der Beweislosigkeit (vgl. E. 3.1). Die Beschwerdegegnerin hat einen
Rentenanspruch somit zu Recht verneint.
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist diese der unterliegenden Beschwerdeführerin
aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist die Beschwerdeführerin von der
Bezahlung zu befreien.
4.3 Zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung bezahlt der Staat die Kosten der
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr.
12'000.--. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat keine Honorarnote
eingereicht. Im vorliegenden Verfahren erscheint eine pauschale Entschädigung von Fr.
3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen, wobei diese in
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Anwendung des Art. 31 Abs. 3 AnwG um einen Fünftel auf Fr. 2'800.-- herabzusetzen
ist.
4.4 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung der Gerichtskosten und zur Rückerstattung der Parteientschädigung
verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 ZPO i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP).