Decision ID: 01f0d667-870d-59b9-87c3-df0b00abd7cf
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführerin,
gegen
Amt für Arbeit, Unterstrasse 22, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegner,
betreffend
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Kurzarbeitsentschädigung
Sachverhalt:
A.
A.a Die S._ mit Sitz in Flums, (act. G 9), reichte am 21. April 2008 beim Kantonalen
Amt für Arbeit St. Gallen (nachfolgend: Amt für Arbeit) eine Voranmeldung für
Kurzarbeit für die Zeit von 1. Juni 2008 bis 31. August 2008 ein. Sie gab an, dass ein
Arbeitsausfall im Umfang von 70% zu erwarten sei, von dem der Gesamtbetrieb und
damit 149 Arbeitnehmende betroffen seien (act. G 3/A1).
A.b Am 12. August 2008 gelangte die S._ erneut ans Amt für Arbeit und gab an, auch
für die Zeit von 1. September 2008 bis 30. November 2008 Kurzarbeit im Umfang von
70% fortführen zu müssen. Betroffen sei wiederum der Gesamtbetrieb und damit 149
Arbeitnehmende (act. G 3/A4). Die Notwendigkeit dieses Schrittes begründete die
S._ mit der sehr schlechten Marktlage, insbesondere mit deutlich weniger Aufträgen
von Seiten ihrer italienischen Kundschaft (act. G 3/A5).
A.c Mit Formular vom 12. November 2008 meldete die S._ dem Amt für Arbeit
schliesslich erneut die Notwendigkeit von Kurzarbeit für den Gesamtbetrieb und damit
für 147 Arbeitnehmende im Umfang von 70% für die Zeit von 1. Dezember 2008 bis
28. Februar 2009 (act. G 3/A6). Mit Verfügung vom 24. November 2008 erhob das Amt
für Arbeit keinen Einspruch gegen die Auszahlung der Entschädigung (act. G 3/A10).
Diese Verfügung erwuchs in Rechtskraft.
A.d Am 15. April 2009 hob das Amt für Arbeit die Verfügung vom 24. November 2008
auf und erhob Einspruch gegen die Auszahlung der Kurzarbeitsentschädigung für die
Zeit von 1. Dezember 2008 bis 28. Februar 2009. Zur Begründung führte es an, dass
die Anspruchsvoraussetzungen gemäss Art. 31 Abs. 1 lit. c und d AVIG nicht mehr
gegeben seien, da die S._ gemäss Schreiben vom 12. Januar 2009 den gesamten
Betrieb per 31. Januar 2009 schliesse.
B.
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B.a Gegen die Verfügung des Amtes für Arbeit vom 15. April 2009 erhob die S._ am
22. April 2009 form- und fristgerecht Einsprache. Sie stellte sich auf den Standpunkt,
dass die textile Produktion – entgegen der Ansicht des Amtes für Arbeit – nicht per
Ende Januar 2009, sondern erst per 1. Mai 2009 endgültig eingestellt werde.
Tatsächlich seien am 27. Januar 2009 lediglich die Kündigungen ausgesprochen
worden, nachdem das gesetzlich vorgeschriebene Konsultationsverfahren ergebnislos
verlaufen sei. Der Entscheid zur Betriebsschliessung sei zum Zeitpunkt der Einführung
der Kurzarbeit im Januar 2009 noch nicht abzusehen gewesen und auch nicht erwartet
worden. Es könne daher nicht angehen, dass die Kurzarbeitsentschädigung, die in der
ohnehin schon straffen Finanzplanung bereits berücksichtigt worden sei, einfach
gestrichen werde.
B.b Mit Entscheid vom 9. Juni 2009 wies das Amt für Arbeit die Einsprache der S._
ab mit der Begründung, dass die Ausrichtung von Kurzarbeitsentschädigung nach
Art. 31 Abs. 1 lit. d AVIG einen voraussichtlich vorübergehenden Arbeitsausfall und die
Erwartung der Arbeitsplatzerhaltung voraussetze. Bestünden konkrete Anhaltspunkte,
dass der Arbeitgeber die Kurzarbeit als Vorstufe einer geplanten Betriebsschliessung
einführe, sei die Anspruchsvoraussetzung des vorübergehenden Arbeitsausfalls und
der Arbeitsplatzerhaltung nicht resp. nicht mehr erfüllt, was auch aus Ziff. B23 des
Kreisschreibens über die Kurzarbeitsentschädigung (KS KAE) des Staatssekretariats für
Wirtschaft (SECO) deutlich hervorgehe. Die kantonale Amtsstelle habe in einem
solchen Fall zu prüfen, ob sie wiedererwägungsweise oder in Form einer prozessualen
Revision auf ihren bisherigen Entscheid zurückkommen wolle. Im vorliegenden Fall sei
das Amt für Arbeit im Zeitpunkt des Erlasses der aufgehobenen Verfügung vom
24. November 2008 von einem vorübergehenden Arbeitsausfall ausgegangen, was
besagte Verfügung zwar nicht anfänglich unrichtig, aufgrund des veränderten
Sachverhaltes aber nachträglich zweifellos unrichtig mache. Da für die Zeit vom
1. Dezember 2008 bis 28. Februar 2009 noch keine Kurzarbeitsentschädigungen
erbracht worden seien, überwiege das öffentliche Interesse am Widerruf der Verfügung
dem Interesse der S._ auf Schutz ihres Vertrauens in zukünftige Zahlungen (act G 3/
A13).
C.
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C.a Dagegen wendet sich die S._ am 25. Juni 2009 mit Beschwerde ans
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen und beantragt sinngemäss die Aufhebung
des Einspracheentscheides des Beschwerdegegners vom 9. Juni 2009, soweit darin
Einspruch gegen die Auszahlung der Kurzarbeitsentschädigung für den Monat Januar
2009 erhoben wird. Zur Begründung bekräftigt die Beschwerdeführerin ihren bereits im
Einspracheverfahren vertretenen Standpunkt, dass die Schliessung des Betriebes als
worstcase-Szenario erst nach der erfolglosen Durchführung des
Konsultationsverfahrens beschlossen und vorgängig nicht geplant oder erwartet
worden sei. Ziff. B23 KS KAE sei daher im vorliegenden Fall nicht einschlägig. Vielmehr
halte Ziff. B28 KS KAE klar fest, dass der Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung erst
ab Beginn der vertraglichen Kündigungsfrist verloren gehe, auch wenn die Kündigung
von der sie aussprechenden Partei lange vor Beginn der Kündigungsfrist mitgeteilt
worden sei (act. G 1).
C.b In seiner Beschwerdeantwort vom 29. Juli 2009 stellt sich der Beschwerdegegner
weiterhin auf den Standpunkt, dass für die Zeit vom 1. Dezember 2008 bis 28. Februar
2009 kein Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung bestehe, da die
Anspruchsvoraussetzungen des vorübergehenden Arbeitsausfalles und der
Arbeitsplatzerhaltung gemäss Art. 31 Abs. 1 lit. d AVIG aufgrund der
Betriebsschliessung während der 3-monatigen Bezugsdauer nicht erfüllt seien. Hätte er
(der Beschwerdegegner) bereits im Zeitpunkt des Verfügungserlasses von der
Betriebsschliessung Kenntnis gehabt, hätten auch keine Leistungen zugesprochen
werden dürfen, was eine Aufhebung der mangelhaften Verfügung ex nunc [richtig: ex
tunc] rechtfertige. Mangels nicht mehr rückgängig zu machenden Dispositionen im
Vertrauen auf die zugesicherten Leistungen könne sich die Beschwerdeführerin auch
nicht auf den verfassungsmässigen Vertrauensschutz berufen (act. G 3).
C.c Mit Replik vom 20. August 2009 erwidert die Beschwerdeführerin darauf
sinngemäss, es könne nicht sein, dass ein alleiniges In-Erwägung-ziehen einer
Betriebsschliessung einen Wegfall des Anspruchs auf Kurzarbeitsentschädigung zur
Folge habe. Vielmehr dürfe die Anspruchsberechtigung erst dann entfallen, wenn
feststehe, dass die durch die Kurzarbeitsentschädigung zu erhaltenden Arbeitsplätze
definitiv aufgegeben werden müssen.
C.d Der Beschwerdegegner verzichtet auf die Einreichung einer Duplik.
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Erwägungen:
1.
Im angefochtenen Einspracheentscheid vom 9. Juni 2009 erhebt der
Beschwerdegegner Einspruch gegen die Auszahlung von Kurzarbeitsentschädigung für
die Zeit von 1. Dezember 2008 bis 28. Februar 2009. Die Beschwerdeführerin verlangt
die Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheides aber lediglich soweit, als
darin Einspruch gegen die Auszahlung von Kurzarbeitsentschädigung für den Monat
Januar 2009 erhoben wird. Auch machte die Beschwerdeführerin nach Auskunft der
Kantonalen Arbeitslosenkasse St. Gallen lediglich für den Monat Januar 2009 einen
Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung geltend (act. G 7). Allfällige Ansprüche auf
Kurzarbeitsentschädigung für die Monate Dezember 2008 und Februar 2009 sind
demnach im vorliegenden Verfahren mangels Rechtsschutzinteresses der
Beschwerdeführerin nicht zu prüfen. Zu prüfen ist vielmehr, ob ein Zurückkommen auf
die rechtskräftige Verfügung vom 24. November 2008 durch den Beschwerdegegner
zulässig war und – falls dies zu bejahen ist – ob er zu Recht Einspruch gegen die
Ausrichtung von Kurzarbeitsentschädigung für die Zeit von 1. bis 31. Januar 2009
erhoben hat.
2.
2.1 Nach Art. 53 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann der Versicherungsträger auf formell
rechtskräftige Verfügungen und Einspracheentscheide wiedererwägungsweise
zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von
erheblicher Bedeutung ist. Die festgestellte zweifellose Unrichtigkeit kann sich auf den
der Verfügung zugrunde gelegten Sachverhalt oder auf die Rechtsanwendung
beziehen, muss aber in jedem Fall eine anfängliche sein (Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 2. Aufl., Zürich 2009, N 26 zu Art. 53 ATSG). Ob eine Verfügung zweifellos
unrichtig ist, beurteilt sich mit anderen Worten nach den tatsächlichen und rechtlichen
Gegebenheiten im Zeitpunkt des Verfügungserlasses (vgl. BGE 127 V 10 E. 4a;
Alexandra Rumo-Jungo, Die Instrumente zur Korrektur der
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Sozialversicherungsverfügung, in: Schaffhauser/ Schlauri (Hrsg.), Verfahrensfragen in
der Sozialversicherung, St. Gallen 1996, S. 282 mit Hinweisen).
2.2 Demgegenüber ist der Versicherungsträger nach Art. 53 Abs. 1 ATSG verpflichtet,
mittels sogenannter prozessualer Revision auf eine formell rechtskräftige Verfügung
zurückzukommen, wenn nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder
Beweismittel aufgefunden werden. Neu und erheblich ist eine Tatsache, wenn sie zur
Zeit der Erstbeurteilung zwar bereits bestanden hat, der sich darauf berufenden Partei
aber unverschuldeterweise nicht bekannt war oder unbewiesen geblieben ist und wenn
davon ausgegangen werden muss, dass der ursprüngliche Entscheid bei Kenntnis der
entsprechenden Tatsache anders ausgefallen wäre (vgl. BGE 8C_93/2007 E. 2.2; 108 V
167 E. 2b mit Hinweisen; Ueli Kieser, a.a.O., N 13 zu Art. 53 ATSG).
2.3 Ein Zurückkommen auf eine formell rechtskräftige Verfügung setzt also sowohl im
Falle einer Wiedererwägung als auch bei der prozessualen Revision eine anfängliche
Unrichtigkeit der Verfügung voraus. Wie der Beschwerdegegner im
Einspracheentscheid vom 9. Juni 2009 richtig feststellt, liegt vorliegend keine
anfängliche, sondern im Hinblick auf die im Januar 2009 beschlossene
Betriebsschliessung allenfalls eine nachträgliche Unrichtigkeit aufgrund veränderter
tatsächlicher Verhältnisse vor. Damit ist eine Korrektur der Verfügung vom
28. November 2008 weder in Form einer Wiedererwägung noch gestützt auf eine
prozessuale Revision möglich.
3.
Nach Art. 17 Abs. 2 ATSG wird aber – neben Rentenleistungen (Art. 17 Abs. 1 ATSG) –
auch jede andere formell rechtskräftig zugesprochene Dauerleistung von Amtes wegen
oder auf Gesuch hin erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der ihr zu
Grunde liegende Sachverhalt nachträglich erheblich verändert hat. Vorliegend ist
deshalb zu prüfen, ob eine Korrektur der Verfügung vom 28. November 2008 gestützt
auf Art. 17 Abs. 2 ATSG zulässig war (nachfolgend E. 4) und ob (gegebenenfalls ab
welchem Zeitpunkt) eine erhebliche Sachverhaltsänderung vorliegt (nachfolgend E. 5).
4.
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4.1 Im Sinne eines allgemeinen Rechtsgrundsatzes muss die Anpassung einer
zugesprochenen Leistung immer dann möglich sein, wenn sich der
leistungsbegründende Sachverhalt während der laufenden Leistung verändern kann
(vgl. Franz Schlauri, Sozialversicherungsrechtliche Dauerleistungen, ihre rechtskräftige
Festlegung und ihre Anpassung, in: Schaffhauser/Schlauri (Hrsg.),
Sozialversicherungsrechtstagung 2008, St. Gallen 2009, S. 100 f.). Dementsprechend
hat als Dauerleistung im Sinne von Art. 17 Abs. 2 ATSG richtigerweise jede Leistung zu
gelten, die für die Zukunft und damit notwendigerweise unter Annahme (und
stillschweigendem Vorbehalt) einer bestimmten künftigen Entwicklung des
zugrundeliegenden Sachverhalts verfügt wird (vgl. Franz Schlauri, a.a.O., S. 100 ff.;
ähnlich Thomas Locher, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl., Bern 2003,
§ 38 N 14 ff., der unter dem Begriff Dauerleistung sämtliche nicht von Vornherein
befristete Geldleistungen zusammenfasst, insbesondere auch Taggelder und
Hilflosenentschädigung; Ueli Kieser, a.a.O., N 40 zu Art. 17 ATSG, schliesslich geht
davon aus, dass grundsätzlich jede periodisch zu erbringende Leistung vom Begriff der
Dauerleistung erfasst wird; a.M. BGE 133 V 57 E. 6). Der Wortbestandteil "Dauer" ist
also im Sinne von "andauernd", "künftig" zu verstehen. Die "Dauer" in absoluter
Hinsicht resp. der Zeitraum, für den die Ausrichtung einer Leistung verfügt wird, ist
demgegenüber für die Qualifikation als Dauerleistung irrelevant (vgl. Franz Schlauri,
a.a.O., S. 101 ff.).
4.2 Gemäss Art. 36 Abs. 1 AVIG hat der Arbeitgeber die Einführung von Kurzarbeit bei
der kantonalen Amtsstelle (im Kanton St. Gallen beim Amt für Arbeit [Art. 2 des
Gesetzes über Arbeitslosenversicherung und Arbeitsvermittlung, sGS 361.0]) zu
melden. Das Amt für Arbeit überprüft die betriebsbezogenen Voraussetzungen für die
Ausrichtung von Kurzarbeitsentschädigung abschliessend (vgl. Ziff. G16 KS KAE).
Erachtet es die Voraussetzungen (teilweise) für nicht erfüllt, erhebt es durch Verfügung
(teilweise) Einspruch gegen die Auszahlung von Kurzarbeitsentschädigung; werden die
Voraussetzungen als erfüllt erachtet, wird das ebenfalls verfügungsweise festgestellt
(vgl. Ziff. G17 KS KAE). Den Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung hingegen hat der
Arbeitgeber bei der von ihm bezeichneten Arbeitslosenkasse geltend zu machen (Art.
38 Abs. 1 AVIG). Die Arbeitslosenkasse überprüft die Voraussetzungen nach Art. 31
Abs. 3 AVIG und Art. 32 Abs. 1 lit. b AVIG und richtet, sofern sie die Voraussetzungen
für erfüllt betrachtet und das Amt für Arbeit keinen Einspruch gegen die Auszahlung
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erhoben hat, die Kurzarbeitsentschädigung aus. Die Verfügung des Amtes für Arbeit
bildet demnach zwar eine notwendige Voraussetzung für die Auszahlung der
Kurzarbeitsentschädigung, stellt selber aber nicht die leistungszusprechende
Verfügung dar.
4.3 Art. 17 Abs. 2 ATSG sieht nach seinem Wortlaut nur die Anpassung einer auf Dauer
verfügten Leistung vor. Dessen ungeachtet kann sich der massgebliche Sachverhalt
nicht nur bei einer für die Zukunft verfügten Leistung anspruchsrelevant verändern.
Dies muss vielmehr auch für feststellende Verfügungen gelten, die zukunftsgerichtet
und deshalb einer Sachverhaltsevolution zugänglich sind. Wären
Feststellungsverfügungen einer Anpassung im Falle einer wesentlichen
Sachverhaltsänderung nicht zugänglich, hätte dies regelmässig stossende
Konsequenzen. So wäre beispielsweise die Anpassung einer Verfügung, mit der ein
Regionales Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) die Vermittlungsfähigkeit einer
arbeitslosen Person festgestellt hat, im Falle einer nachträglichen Verschlechterung des
Gesundheitszustandes der betreffenden versicherten Person nach Rechtskraft der
Verfügung nicht mehr zulässig. Dass dies nicht sein kann, versteht sich von selbst.
Aufgrund des allgemeinen Anpassungsgrundsatzes (vgl. oben E. 4.1) müssen deshalb
auch Feststellungsverfügungen mit potentieller Sachverhaltsevolution durch eine
analoge Anwendung von Art. 17 Abs. 2 ATSG angepasst werden können. Ähnlich
erachtet Schlauri (a.a.O., S. 103) nicht nur Leistungsverfügungen, sondern auch
verfahrensrechtliche Anordnungen als anpassungsbedürftig und anpassungsfähig.
4.4 Das Amt für Arbeit erhob mit Verfügung vom 24. November 2008 gestützt auf die
im damaligen Zeitpunkt vorhandenen Informationen für die nächsten drei Monate und
damit für die Zukunft keinen Einspruch gegen die Ausrichtung von
Kurzarbeitsentschädigung. Auch diese Verfügung ist – wie im vorliegenden Fall – einer
Evolution des Sachverhaltes zugängig, und demnach im Sinne der obigen Erwägungen
gestützt auf Art. 17 Abs. 2 ATSG analog anpassungsfähig.
5.
5.1 Stellt sich noch die Frage, ob und gegebenenfalls wann sich die tatsächlichen
Verhältnisse nachträglich erheblich verändert haben, so dass eine Anpassung der
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Verfügung vom 24. November 2008 zulässig wäre. Erheblich ist eine
Sachverhaltsänderung, wenn eine erneute Beurteilung der Sache gestützt darauf
notwendigerweise einen Entscheid zur Folge hätte, der vom ursprünglichen Entscheid
abweicht. Eine so vorgenommene Korrektur muss zudem eine gewisse Erheblichkeit
aufweisen (vgl. Ueli Kieser, a.a.O., N 23 ff. zu Art. 17 ATSG und N 13 zu Art. 53 ATSG).
5.2 Gemäss Art. 31 Abs. 1 lit. d AVIG muss der vom Arbeitgeber prognostizierte
Arbeitsausfall voraussichtlich vorübergehend sein. Voraussichtlich vorübergehend ist
ein Arbeitsausfall, wenn mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit voraussehbar ist, dass
die von der Kurzarbeit betroffenen Arbeitnehmer innert nützlicher Frist wieder voll
beschäftigt werden können (vgl. Thomas Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, in:
Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, 2. Aufl., Basel 2007, N 470). Eine
Beurteilung des Anspruchs auf Kurzarbeitsentschädigung im Wissen um die
bevorstehende Betriebsschliessung hätte deshalb unweigerlich eine Ablehnung des
Anspruchs auf Kurzarbeitsentschädigung zur Folge gehabt. Auch in quantitativer
Hinsicht erfüllt die streitige Kurzarbeitsentschädigung die Voraussetzung der
Erheblichkeit. Der Entschluss zur Betriebsschliessung ist daher als erhebliche
Sachverhaltsänderung zu qualifizieren.
6.
Aus den Akten lässt sich nicht entnehmen, dass die Beschwerdeführerin in der
Generalversammlung vom 8. Januar 2009 (in der die Durchführung des
Konsultationsverfahrens [Art. 335f f. OR] beschlossen wurde), bei Einleitung des
Konsultationsverfahrens am 12. Januar 2009 oder gar in einem früheren Zeitpunkt die
Schliessung des Betriebes definitiv beschlossen hatte und das Konsultationsverfahren
demnach lediglich pro forma durchführte. Die Beschwerdeführerin bringt vielmehr
glaubhaft vor, bis zum erfolglosen Abschluss des Konsultationsverfahrens auf eine
Möglichkeit zur Rettung des Betriebs gehofft zu haben. Dafür spricht auch der Wortlaut
der von der Beschwerdeführerin am 12. Januar 2009 publizierten Medienmitteilung:
"Sollten die Konsultationen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern keine neuen
Möglichkeiten eröffnen, erhalten 140 Personen auf Ende Januar die Kündigung."
Mangels gegenteiliger Anhaltspunkte ist deshalb davon auszugehen, dass die definitive
Betriebsschliessung erst mit dem ergebnislosen Abschluss des
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Konsultationsverfahrens entschieden war und der Anspruch auf
Kurzarbeitsentschädigung entsprechend auch erst in diesem Zeitpunkt entfiel. Da aus
den Akten nicht ersichtlich ist, wann genau das Konsultationsverfahren abgeschlossen
wurde, ist die Sache unter teilweiser Gutheissung der Beschwerde zur Abklärung
dieser Frage und zur neuen Verfügung an den Beschwerdegegner zurückzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).