Decision ID: 88a21f34-572a-46cd-af14-57d954c2df36
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 23. Juni 2022 in der Schweiz um Asyl
nach.
Anlässlich der Personalienaufnahme (BA) vom 28. Juni 2022 und der Be-
fragung nach Art. 29 Abs. 3 AsylG vom 5. August 2022 im Bundesasylzent-
rum (BAZ) Bern gab der Beschwerdeführer unter anderem an, in Serbien
(B._) als ethnischer Roma geboren zu sein.
Im Jahr 2017 seien Sie nach längerem illegalen Aufenthalt in Deutschland
nach Serbien abgeschoben worden.
Zwei Monate nach seiner Rückkehr nach Serbien sei er von einem ehema-
ligen Kollegen, einem Polizisten, unter dem Vorwurf, ihn geschlagen zu
haben, verhaftet und angezeigt worden. Obwohl er unschuldig gewesen
sei, habe man ihn zu einer Geldstrafe und zu zwei Jahren Haft auf Bewäh-
rung verurteilt. Kurz vor der Verurteilung sei er von drei Männern verprügelt
worden. Er habe sich nicht an die Behörden wenden können, weil einer
dieser Männer «sehr mächtig sei». Er habe diesen später umbringen wol-
len, ihn aber nicht gefunden. Nach der Verurteilung habe er sich wie ein-
gesperrt gefühlt. In der Folge sei er bei sich zuhause wegen seiner homo-
sexuellen Neigung in eine Auseinandersetzung mit Romas aus dem Ko-
sovo geraten, bei der er mit einem Messer oder einer Schere verletzt wor-
den sei. Sechs oder acht Monaten vor der Ausreise habe er wegen seiner
Verbindungen mit reichen Sängern und Schauspielern Schwierigkeiten mit
der Mafia gehabt. Er befürchte im Weiteren, in Serbien umgebracht zu wer-
den, weil er über Informationen hinsichtlich eines Attentats auf den serbi-
schen Präsidenten verfüge. Ende 2021 sei er von Serbien nach C._
gereist, um mit seiner dort lebenden Ex-Ehefrau und den beiden Kindern
ein Familienleben zu führen, was sich als «hoffnungsloses Vorhaben er-
wiesen habe». Nach einer erneut aufgrund seiner Homosexualität entstan-
denen familiären Auseinandersetzung im Rahmen eines Familienfestes
habe er sich dazu entschlossen, in die Schweiz zu reisen.
B.
Am 12. August 2022 wurde der Entscheidentwurf der Rechtsvertretung zur
Stellungnahme zugestellt. Diese wurde am 15. August 2022 beim SEM ein-
gereicht.
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C.
Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 16. August 2022 stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und
beauftragte den Kanton Bern mit dem Vollzug.
D.
Mit Eingabe vom 22. August 2022 erhob der Beschwerdeführer gegen die-
sen Entscheid Beschwerde. Es wurde die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewäh-
rung beantragt. Eventualiter sei der Beschwerdeführer wegen Unzulässig-
keit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig
aufzunehmen. Es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu ver-
zichten und die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren.
E.
Mit Schreiben vom 24. August 2022 bestätigte das Bundesverwaltungsge-
richt den Eingang der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
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angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Die Beschwerde ist im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zu-
stimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten Richterin zu behan-
deln, weil sie sich im Ergebnis als offensichtlich begründet erweist (Art. 111
Bst. e AsylG). Auf die Durchführung eines Schriftenwechsels wurde ver-
zichtet (Art. 111a Abs. 1 AsylG).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Das SEM führte in der angefochtenen Verfügung aus, dass Übergriffe
durch Dritte oder Befürchtungen, künftig solchen ausgesetzt zu sein, nur
dann flüchtlingsrechtlich relevant seien, wenn der Staat weder schutzwillig
noch schutzfähig sei. Schutz sei generell gewährleistet, wenn funktionie-
rende wirksame Polizei- und Justizorgane zur Ermittlung, Strafverfolgung
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und Ahndung von Verfolgungshandlungen bestünden. Der Zugang zu die-
sem Schutz und dessen Inanspruchnahme müsse zumutbar sein.
5.2 Der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, seit seiner Rückkehr
nach Serbien im Jahre 2017 mehrere Male mit Privatpersonen in Konflikt
geraten zu sein. Zudem sei er von der lokalen Polizei in B._
beschuldigt worden, einen Polizisten geschlagen zu haben, und sei des-
wegen zu einer Geldstrafe und zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verur-
teilt worden.
Vereinzelte Übergriffe durch Drittpersonen auf Roma könnten zwar nicht
restlos ausgeschlossen werden. Allerdings komme solchen Behelligungen
in der Regel keine flüchtlingsrechtlich relevante Intensität zu. Serbien ver-
füge über eine funktionierende und effiziente Schutzinfrastruktur. Der ser-
bische Staat sei schutzfähig und schutzwillig. Die dargelegten Vorfälle stell-
ten auch in Serbien Straftatbestände dar, die strafrechtlich verfolgt würden.
Zwar habe der Beschwerdeführer angegeben, die lokale Polizei habe ihn
fälschlicherweise beschuldigt, einen Polizisten geschlagen zu haben und
er sei deswegen verurteilt worden. Allerdings wäre es dem Beschwerde-
führer zuzumuten gewesen, gegen die unrechtmässige Verurteilung recht-
lich vorzugehen. Auch hinsichtlich der Vorbringen des Beschwerdeführers,
die Konflikte und Probleme könnten allenfalls in seiner homosexuellen Nei-
gung begründet sein, sei auf die vorstehenden Ausführungen hinzuweisen.
Es gebe keine Hinweise, dass der Beschwerdeführer deswegen bei Prob-
lemen mit Drittpersonen, aber auch mit der lokalen Polizei, keinen Schutz
von den serbischen Behörden erhalten würde. Es sei ohnehin anzuzwei-
feln, ob die Personen ausserhalb seiner Familie, mit denen er Probleme
gehabt habe, von seiner homosexuellen Ausrichtung Kenntnis hätten.
Überdies sei festzuhalten, dass sich die Lage der ethnischen Minderheiten
in Serbien im Zuge des demokratischen Wandels merklich verbessert habe
und mit weiteren Verbesserungen in den Bereichen Antidiskriminierung
und Minderheitenschutz zu rechnen sei. Ferner sei darauf hinzuweisen,
dass der Beschwerdeführer als Grund für seine Ausreise aus Serbien Ende
2021 angegeben habe, er habe mit seiner Ex-Ehefrau und seinen beiden
Kindern wieder ein Familienlaben führen wollen, was darauf schliessen
lasse, dass er im Zeitpunkt der Ausreise in Serbien keine ernsthaften Prob-
leme gehabt habe.
5.3 Somit lägen keine Hinweise vor, welche die widerlegbare Vermutung
des Art. 6a Abs. 2 Bst. AsylG (fehlende Verfolgungssicherheit) umstossen
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könnten. Die Vorbringen hielten folglich den Anforderungen an die Flücht-
lingseigenschaft nicht stand, weshalb sich eine abschliessende Prüfung
der Glaubhaftigkeit – welche fraglich erscheine – als nicht notwendig er-
weise.
6.
In der Beschwerde wurde im Wesentlichen pauschal geltend gemacht,
dass er als Homosexueller in Serbien in doppelter Hinsicht diskriminiert
werde. Er werde in Serbien von seiner Familie geächtet und sei als Roma,
die keinen Zugang zum Arbeitsmarkt hätten, von deren Hilfsbereitschaft
abhängig.
7.
7.1 Die Vorinstanz kam in ihrer Verfügung mit zutreffender Begründung
zum Schluss, die serbischen Behörden seien schutzfähig und schutzwillig
und die geltend gemachten Übergriffe deshalb flüchtlingsrechtlich nicht re-
levant. Mit seiner Beschwerdeeingabe, die sich in der Wiederholung des
bereits bekannten Sachverhalts und in pauschalen Gegenbehauptungen
erschöpft, vermag der Beschwerdeführer den überzeugenden vorinstanz-
lichen Argumenten nichts Stichhaltiges entgegenzuhalten. Mit den nachfol-
genden Ergänzungen kann daher zur Vermeidung von Wiederholungen auf
die vorinstanzlichen Ausführungen verwiesen werden, welche vollumfäng-
lich zu bestätigen sind.
7.2 Der Bundesrat hat Serbien als sicheren Drittstaat («safe country») im
Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG bezeichnet (vgl. Asylverordnung 1
über Verfahrensfragen vom 11. August 1999, SR 142.311, Anhang 2). Für
sichere Drittstaaten besteht die gesetzliche Regelvermutung, dass eine
asylrelevante staatliche Verfolgung nicht stattfinde und Schutz vor nicht-
staatlicher Verfolgung gewährleistet sei. Es handelt sich hierbei um eine
relative Verfolgungssicherheit, welche im Einzelfall auf Grund konkreter
und substanziierter Hinweise umgestossen werden kann. Dies gelingt dem
Beschwerdeführer vorliegend nicht. Die Gründe hierfür wurden von der Vo-
rinstanz zutreffend und ausführlich dargelegt. Ohne die behördlichen Be-
nachteiligungen, denen die Roma ausgesetzt sein können, zu verkennen,
sind die Schilderungen des Beschwerdeführers als nicht asylrelevant ein-
zustufen. Die dargelegten Vorfälle stellen auch in Serbien Straftatbestände
dar, die strafrechtlich verfolgt werden, und hinsichtlich der falschen Be-
schuldigung, er habe einen Polizisten geschlagen, wäre es dem Beschwer-
deführer zuzumuten gewesen, gegen die unrechtmässige Verurteilung
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rechtlich vorzugehen. Auch hinsichtlich der Vorbringen des Beschwerde-
führers, die Konflikte und Probleme seien in seiner homosexuellen Nei-
gung begründet, ist darauf hinzuweisen, dass keine konkreten Hinweise
vorliegen, dass der Beschwerdeführer deswegen bei Problemen mit Dritt-
personen, aber auch mit der lokalen Polizei, keinen Schutz von den serbi-
schen Behörden erhalten würde, zumal fraglich erscheint, dass die Perso-
nen ausserhalb seiner Familie, mit denen er Probleme gehabt haben will,
von seiner homosexuellen Ausrichtung Kenntnis gehabt haben. Es ist da-
her davon auszugehen, die serbischen Behörden würde ihm im Falle einer
Rückkehr den benötigten Schutz gewähren.
7.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht die
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asylge-
such abgelehnt hat.
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
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Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.). Dies ist ihm unter Hinweis auf die vorangehenden Erwägun-
gen nicht gelungen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Hei-
matstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als
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unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegwei-
sung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmun-
gen zulässig.
9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.5 Die allgemeine Lage in Serbien ist weder von Bürgerkrieg noch von
allgemeiner Gewalt gekennzeichnet, so dass der Vollzug der Wegweisung
dorthin grundsätzlich zumutbar ist. Zudem gilt Serbien, wie erwähnt, als
„Safe Country“.
In individueller Hinsicht führte das SEM unter anderem aus, dass der al-
leinstehende Beschwerdeführer über eine Grundschulbildung verfüge.
Zwar lebe gemäss den Angaben des Beschwerdeführers beinahe die ge-
samte Familie in Deutschland und er habe nach seiner Rückkehr nach Ser-
bien im Jahr 2017 nicht gearbeitet. Dennoch dürfe angenommen werden,
dass er bei einer Rückkehr nach Serbien für sich sorgen könne, in einer
Übergangszeit, falls erforderlich, auf die Hilfe von Mitgliedern seiner in
Deutschland lebenden Familien oder des serbischen Staates, von dem er
zeitweilig mit der Ausrichtung von Sozialhilfe unterstützt worden sei, zählen
könne. Aus den Akten und den Aussagen des Beschwerdeführers ergäben
sich somit keine konkreten Anhaltspunkte auf die Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs. Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich die-
ser Einschätzung an.
Ergänzend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer bereits zuvor vier
Jahre lang in Serbien im Haus seines Vaters gewohnt hat, und auch heute
wieder dort wird leben können. Ferner kommt hinzu, dass nun ebenfalls
sein Bruder wieder dort lebt, der ihm im Bedarfsfalls beistehen könnte. Fer-
ner ist der Beschwerdeführer grundsätzlich arbeitsfähig ist. Weiter ist da-
rauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer in den vier Jahren vor seiner
Ausreise problemlos in der Lage war für seine täglichen Bedürfnisse zu
sorgen und auch die erforderlichen Behördengänge vorzunehmen. So geht
aus den Akten auch hervor, dass er vor seiner Ausreise Sozialhilfe in Ser-
bien beziehen konnte. Aus den genannten Gründen ist der Vollzug der
Wegweisung auch zumutbar.
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9.6 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr allenfalls notwen-
digen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu
auch BVGE 2008/34 E. 12).
9.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Aufgrund der vorstehenden
Erwägungen ergibt sich, dass sich die Begehren als aussichtslos erweisen
und es daher an einer gesetzlichen Voraussetzung zu deren Gewährung
fehlt.
11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Mit dem vorliegenden Urteil ohne vorgängige Instruktion
ist das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
hinfällig.
(Dispositiv nächste Seite)
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