Decision ID: c6c3cea3-cdae-58ac-8b67-7bcf4066adc4
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Mit Gesamtentscheid vom 23. Dezember 2011 erteilte der Regierungsstatthalter von
Interlaken der Beschwerdegegnerin die Baubewilligung für das Erstellen von zwei
Zweifamilienhäusern mit Autounterstand auf der Parzelle Wilderswil Grundbuchblatt
Nr. E._. Die Parzelle liegt in der Mischzone B. Die Beschwerdeführenden hatten
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gegen das Bauvorhaben Einsprache erhoben, den Gesamtentscheid jedoch nicht
angefochten. Eine von zwei anderen Einsprecherinnen erhobene Beschwerde wurde von
der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) und vom Verwaltungsgericht abgewiesen.
Der Gesamtentscheid des Regierungsstatthalteramts Interlaken vom 23. Dezember 2011
ist rechtskräftig.
2. Die Beschwerdegegnerin reichte am 3. September 2014 bei der Gemeinde
Wilderswil ein Baugesuch ein für vier zusätzliche Abstellplätze. Gegen das Bauvorhaben
erhoben die Beschwerdeführenden Einsprache. Mit Entscheid vom 24. Februar 2015
erteilte die Gemeinde Wilderswil die Baubewilligung.
3. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 23. März 2015 Beschwerde bei der
BVE ein. Sie beantragen sinngemäss die Aufhebung des Entscheids vom 24. Februar
2015. Sie machen insbesondere geltend, es seien verschiedene Verfahrensfehler
begangen worden, Motorfahrzeuge könnten auf der Parzelle der Beschwerdegegnerin
nicht wenden und die Erschliessung sei ungenügend.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Die Beschwerdegegnerin und die
Gemeinde beantragen die Abweisung der Beschwerde. Anschliessend holte das
Rechtsamt beim Tiefbauamt des Kantons Bern, Oberingenieurkreis I (OIK I) einen
Fachbericht zu Fragen der Verkehrssicherheit ein und gab den Verfahrensbeteiligten
Gelegenheit zur Stellungnahme und zur Einreichung von Schlussbemerkungen.
5. Auf die Rechtsschriften und den Fachbericht des OIK I wird, soweit für den Entscheid
wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Bauentscheide können nach Art. 40 BauG2 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die
Einsprecher im Rahmen ihrer Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde
(Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden, deren Einsprache abgewiesen wurde,
sind durch den vorinstanzlichen Entscheid beschwert und daher zur Beschwerdeführung
legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Anfechtungsobjekt und Streitgegenstand
a) Die Beschwerdeführenden machen geltend, sie seien gezwungen, auch gegen den
Gesamtentscheid des Regierungsstatthalters vom 23. November 2011 Beschwerde zu
führen, da sich der Entscheid vom 24. Februar 2015 auf diesen stütze. In diesem
Zusammenhang erheben sie in ihrer Beschwerde und ihren Schlussbemerkungen mehrere
Rügen.
b) Anfechtungsobjekt ist die Verfügung der Vorinstanz. Der Streitgegenstand braucht
sich nicht mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber auch nicht über dieses
hinausgehen. Innerhalb dieses Rahmens bestimmen die Parteien den Streitgegenstand.
Sowohl für das Einleiten eines Beschwerdeverfahrens als auch für dessen Umfang und
eine allfällige vorzeitige Beendigung gilt somit die Verfügungs- oder Dispositionsmaxime
sowie das Rügeprinzip. Die Parteien können den Streitgegenstand im Verlauf des
Verfahrens nicht erweitern, sondern nur einschränken.3
c) Anfechtungsobjekt ist der Entscheid vom 24. Februar 2015, mit dem die Gemeinde
vier zusätzliche Abstellplätze bewilligte. Im Beschwerdeverfahren kann daher höchstens
die Aufhebung dieses Entscheides verlangt werden. Nicht Gegenstand des
Beschwerdeverfahrens kann hingegen die mit Gesamtentscheid des
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 3 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 6 bis 8
4
Regierungsstatthalteramts vom 23. November 2011 erteilte Baubewilligung für das
Erstellen der zwei Zweifamilienhäuser sein. Vorbringen, die sich auf diesen rechtskräftigen
Entscheid beziehen, liegen ausserhalb des Streitgegenstandes. Auf sie kann nicht
eingetreten werden. Dies gilt zunächst für die im Zusammenhang mit dem
Gesamtentscheid des Regierungsstatthalteramts vom 23. November 2011 von den
Beschwerdeführenden gerügten Verfahrensfehler, aber auch für die Ausgestaltung der
Erschliessung der Bauparzelle. Diese Fragen wurden mit Gesamtentscheid des
Regierungsstatthalters vom 23. Dezember 2011 entschieden und die dagegen erhobene
Beschwerde von der BVE und dem Verwaltungsgericht abgewiesen. Sowohl die BVE als
auch das Verwaltungsgericht haben festgestellt, dass die Erschliessung der beiden
Zweifamilienhäuser ausreichend ist.4 Der im Zusammenhang mit diesen
Beschwerdeverfahren von der BVE beim Strasseninspektorat Oberland Ost eingeholte
Fachbericht vom 28. Februar 2012 musste den Beschwerdeführenden nicht bekannt
gegeben werden, da diese den Gesamtentscheid des Regierungsstatthalters selbst nicht
angefochten hatten und sie damit nicht Partei im Beschwerdeverfahren vor der BVE waren.
Auch auf die Rügen betreffend Umnutzung des Estrichs zu einem Wohnraum, die
Zusatzbewilligung für das Verlegen des unterirdischen Heizungsraumes, die Verlegung der
Kanalisationsleitung, die Detailgestaltung der Zufahrtsstrasse sowie die
Liegenschaftsentwässerung kann nicht eingetreten werden. Diese Punkte sind nicht
Gegenstand des hier umstrittenen Baugesuches betreffend zusätzlicher Abstellplätze und
damit nicht Verfahrensgegenstand. Ebenfalls nicht Gegenstand des vorliegenden
Verfahrens sind sodann die Verteilung der Unterhaltskosten für den Zufahrtsweg sowie die
Verpflichtungen aus der vor der Schlichtungsbehörde Oberland geschlossenen
Vereinbarung vom 6. Dezember 2012. Zudem handelt es sich dabei um privatrechtliche
Vorbringen, die im Baubewilligungsverfahren und im vorliegenden Beschwerdeverfahren
nicht geprüft werden können.
3. Baugesuch
a) Die Beschwerdeführenden rügen, die Vorinstanz habe nicht unterschriebene
Dokumente genehmigt.
4 BDE 110/2012/12 vom 24.5.2012 E. 3; VGE 100.2012.208 vom 31.1.2013 E. 3.5
5
b) Die Eingabe eines Baugesuchs ist an die Formvorschriften von Art. 10 ff. BewD5
gebunden. Nach Art. 10 Abs. 2 BewD ist das amtliche Formular zu verwenden, das von der
Bauherrschaft, von den Projektverfassenden und bei Bauten auf fremdem Boden
ausserdem von der Grundeigentümerin oder vom Grundeigentümer zu unterzeichnen ist.
Alle Pläne sind zu datieren und von den Gesuchstellenden sowie von den
Projektverfassenden zu unterzeichnen (Art. 10 Abs. 3 BewD).
c) Die Pläne und Baugesuchsformulare in den Vorakten sind datiert und korrekt
unterzeichnet. Soweit die Beschwerdeführenden geltend machen, es seien nicht
unterzeichnete Dokumente genehmigt worden, ist die Beschwerde unbegründet.
4. Rechtliches Gehör
a) Die Beschwerdeführenden rügen weiter, die Vorinstanz habe Verhandlungen mit der
Bauherrschaft ohne ihr Beisein durchgeführt und dabei verbindliche Entscheide gefällt.
Die Beschwerdegegnerin macht geltend, die fragliche Besprechung von Ende Januar 2015
habe die Umnutzung im Dachgeschoss und damit ein anderes Baugesuch betroffen. Dabei
sei auch darüber diskutiert worden, ob nicht auch gefangene Parkplätze, wie sie
ursprünglich unter dem Autounterstand geplant gewesen seien, bewilligungsfähig und
sinnvoller wären. Die Gemeinde habe informiert, dass die Baukommission die
Baubewilligung für die Parkplätze gemäss Baugesuch in Aussicht stelle. Zudem sei den
Beschwerdeführenden eine Aktennotiz der Besprechung mit der Gelegenheit zur
Stellungnahme zugestellt worden. Die Beschwerdeführenden hätten im Verfahren keine
Nachteile erlitten.
Die Gemeinde bringt vor, an der Besprechung vom 30. Januar 2015 sei den Anwesenden
lediglich das Ergebnis der Baukommissionssitzung vom 12. Januar 2015 mitgeteilt worden.
b) Der Anspruch einer Partei auf rechtliches Gehör ist eine grundlegende
Verfahrensgarantie (Art. 29 Abs. 2 BV6, Art. 26 Abs. 2 KV7, Art. 21 ff. VRPG8). Nach der
5 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 6 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101)
6
bundesgerichtlichen Rechtsprechung umfasst der verfassungsrechtliche Gehörsanspruch
insbesondere das Recht der Betroffenen, sich vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung
eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen und mit
erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden, Einsicht in die Akten zu nehmen und sich
zum Beweisergebnis zu äussern. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als
Mitwirkungsrecht alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem
Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann. Die Anhörung kann
mündlich oder schriftlich erfolgen.9 Voraussetzung für die Wahrnehmung des Äusserungs-
und Anhörungsrechts ist, dass die Behörden die Betroffenen über die wesentlichen
Aspekte des Verfahrens orientieren. Der Gehörsanspruch beschlägt in erster Linie
Sachverhaltsfragen.10
Laut Art. 48 VRPG ist es den Behörden untersagt, ausserhalb des Verfahrens eine bei
ihnen hängige Angelegenheit mit einer Partei zu besprechen (sog. Verbot des Berichtens),
weil das Erörtern von Verfahrensaspekten mit einer Partei unter Ausschluss der übrigen
Parteien gegen den Grundsatz der Waffengleichheit verstösst. Damit wird das
Verfassungsprinzip der Fairness verletzt.11 Zudem lässt ein solches Vorgehen auch an der
Unparteilichkeit der Behörde Zweifel aufkommen.12 Hat die Baubewilligungsbehörde den
Eindruck, die Bauherrschaft könne ohne Beisein der Einsprecher eher zu einer
Projektänderung oder zu einem Teilrückzug des Baugesuchs bewegt werden, so muss sie
wenigstens anschliessend an eine solche Besprechung die Einsprecher über den Inhalt
des Gesprächs orientieren und ihnen Gelegenheit zur Stellungnahme geben, damit der
Grundsatz der Waffengleichheit gewahrt bleibt.13 Bei Verstössen gegen das Verbot des
Berichtens kann das fehlbare Behördenmitglied wegen Befangenheit abgelehnt werden.14
c) Gemäss Protokoll bzw. Aktennotiz der Besprechung vom 30. Januar 2015 haben an
der Besprechung Herr F._, Gemeinderat, Herr G._ vom
7 Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993 (KV; BSG 101.1) 8 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 9 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 21 N. 6 10 BVR 2012 S. 28 E. 2.3.1, mit weiteren Hinweisen 11 BGE 118 Ia 228 12 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 48 N. 1 13 BDE 110/2006/63 vom 1. Juni 2007 E. 2b 14 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 48 N. 1
7
Regierungsstatthalteramt Interlaken-Oberhasli, Herr C._ sowie seine
Rechtsanwältin und der Bauverwalter teilgenommen. Die Besprechung betraf verschiedene
Aspekte des Bauvorhabens der Beschwerdegegnerin auf der Parzelle Wilderswil
Grundbuchblatt Nr. E._. Besprochen wurden die vier zusätzlichen Abstellplätze,
die Balkone auf der Südfassade und die Umnutzung des Dachgeschosses. In Bezug auf
die Abstellplätze wurden die Anordnung der Parkplätze und die Frage nach der
Zulässigkeit gefangener Abstellplätze sowie die Wendemöglichkeit auf dem Baugrundstück
diskutiert.
Es steht fest, dass die Besprechung ohne Teilnahme der Beschwerdeführenden stattfand.
Es ist auch nicht ersichtlich und wird von keiner Seite vorgebracht, dass den
Beschwerdeführenden die Möglichkeit zur Teilnahme gegeben wurde. Immerhin wurde den
Beschwerdeführenden das Protokoll dieser Sitzung mit Verfügung vom 18. Februar 2015
zugestellt. Die Gemeinde hat damit die Besprechung transparent gemacht und den
Beschwerdeführenden mit der Gelegenheit zur Stellungnahme das rechtliche Gehör
gewährt. Ob damit auch die Waffengleichheit im vorinstanzlichen Verfahren vollständig
wiederhergestellt wurde, kann hingegen offen bleiben. Der Entscheid der Baukommission
über die hier umstrittenen vier zusätzlichen Abstellplätze erfolgte bereits anlässlich der
Kommissionssitzung vom 12. Januar 201515, was auch aus dem Protokoll der Besprechung
hervorgeht. Insofern hatte die Besprechung vom 30. Januar 2015 auf den angefochtenen
Entscheid keinen Einfluss mehr. Den Beschwerdeführenden ist in Bezug auf die
umstrittenen vier Abstellplätze aus der Nichtbeteiligung an der Besprechung jedenfalls kein
Nachteil entstanden. Es liegt weder ein Verstoss gegen das Verbot des Berichtens noch
eine Gehörsverletzung vor. Die Rügen der Beschwerdeführenden sind unbegründet.
5. Abstellplätze
a) In Bezug auf die Abstellplätze rügen die Beschwerdeführenden, die Vorinstanz habe
keinen Fachbericht eingeholt und nicht geprüft, ob auf dem Grundstück der
Beschwerdegegnerin gewendet werden könne und ob die VSS-Vorschriften eingehalten
seien.
15 Vorakten, p. 16 f.
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Die Beschwerdegegnerin bringt vor, das Wenden auf der Parzelle Wilderswil
Grundbuchblatt Nr. E._ sei möglich. Es bestehe genügend Manövrierfläche und
das Baureglement verlange nicht, dass die VSS-Normen auf privaten Grundstücken
eingehalten seien.
b) Das mit Gesamtentscheid vom 23. Dezember 2011 bewilligte Vorhaben beinhaltet
zwei Zweifamilienhäuser mit Autounterstand und insgesamt vier Abstellplätzen für
Motorfahrzeuge. Mit dem vorliegend zu beurteilenden Projekt kommen vier weitere
Abstellplätze hinzu, so dass für die vier Wohnungen neu insgesamt acht Abstellplätze für
Motorfahrzeuge zur Verfügung stehen. Es ist unbestritten, dass die acht Abstellplätze für
Motorfahrzeuge innerhalb der Bandbreite gemäss Art. 51 BauV16 liegen. Die
Beschwerdeführenden selbst gingen in ihrer Einsprache vom 9. Dezember 2014 von einer
Bandbreite von vier bis acht Abstellplätzen aus.
c) Bauvorhaben sind zu bewilligen, wenn sie den massgeblichen Vorschriften
entsprechen (Art. 2 Abs. 1 BauG). Bauten und Anlagen sind so zu erstellen, dass weder
Personen noch Sachen gefährdet werden (Art. 21 Abs. 1 BauG). Bei der Erstellung von
Bauten und Anlagen sind die anerkannten Regeln der Baukunde einzuhalten (Art. 57
Abs. 1 BauV). In Bezug auf die Verkehrssicherheit sind bei der Erstellung von Parkplätzen
gestützt auf Art. 21 BauG und Art. 57 BauV die einschlägigen Normen des
Schweizerischen Verbandes der Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS) zu beachten.17
d) Das Rechtsamt der BVE holte beim OIK I einen Fachbericht zu Fragen der
Verkehrssicherheit ein. Mit Fachbericht vom 28. Mai 2015 kommt der OIK I zum Schluss,
dass die Verkehrssicherheit durch die geplante Anordnung der Parkplätze gewährleistet
sei. Der OIK I hat für seine Beurteilung die Situation am 22. Mai 2015 vor Ort besichtigt und
festgestellt, dass die fahrbare Geschwindigkeit sehr tief sei (Schritttempo), der Verkehr
äusserst gering (Sackgasse), die Übersicht gut und die Platzverhältnisse für Manöver
ausreichend seien. Auch das Wenden von Personenwagen erachtet der OIK I auf der
Parzelle Wilderswil Grundbuchblatt Nr. E._ bei Belegung aller Querparkplätze als
möglich.
16 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 17 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 21 N. 7
9
Die Ausführungen des OIK I sind nachvollziehbar und überzeugen. Entgegen der
Befürchtungen der Beschwerdeführenden ist es ohne weiteres möglich, auf dem
Grundstück zu Wenden. Im Zeitpunkt der Besichtigung durch den OIK I war nach den
Ausführungen im Fachbericht ein Teil der vorgesehenen Manövrierfläche durch
Baumaterialien verstellt. Dennoch war das Wenden nach den Feststellungen des OIK I
möglich. Nach Abschluss der Bauarbeiten wird daher auf jeden Fall ausreichend
Manövrierraum zur Verfügung stehen. Damit ist auch die Befürchtung der
Beschwerdeführenden, es komme durch rückwärts fahrende Fahrzeuge auf der
Erschliessung zu gefährlichen Situationen, unbegründet. Die Abstellplätze sind benutzbar
und es ist für die erforderlichen Manövriervorgänge ausreichend Platz vorhanden. Da die
projektierten vier Abstellplätze den anwendbaren Vorschriften entsprechen, kann von der
Beschwerdegegnerin nicht verlangt werden, dass sie den Vorschlag des OIK I für eine aus
Sicht der Fahrgeometrie noch günstigere Anordnung der Parkplätze umsetzt.
e) Nach Art. 5 Bst. b BauV genügen bestehende Erschliessungsanlagen für Umbauten
und Erweiterungen, wenn sie zu keinen wesentlichen Mehrbelastung führen. Dass die
bestehende Erschliessung für die zwei Zweifamilienhäuser ausreichend ist, hat das
Verwaltungsgericht bestätigt.18 Diese Frage ist rechtskräftig entschieden. Die geplanten
vier zusätzlichen Parkplätze bringen keine wesentliche Mehrbelastung mit sich und sie
beeinträchtigen die Verkehrssicherheit nicht.19 Die bestehende Erschliessung reicht daher
aus und muss nicht erneut überprüft werden. Die Rügen der Beschwerdeführenden
betreffend Abstellplätze und Erschliessung erweisen sich als unbegründet.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist, soweit darauf
eingetreten werden kann.
6. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden. Sie
haben die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Die Verfahrenskosten im
Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr. Für besondere
Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren erhoben
18 VGE 100.2012.208 vom 31.1.2013, E. 3.4 19 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 7/8 N. 10
10
werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird festgesetzt auf Fr. 800.--
(Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 und Art. 20 Abs. 1 GebV20).
b) Die Beschwerdeführenden haben zudem der Beschwerdegegnerin die Parteikosten
zu ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Kostennote des Anwaltes der
Beschwerdegegnerin beträgt Fr. 2'614.15 (Honorar: Fr. 2'350.--; Auslagen: Fr. 70.50;
Mehrwertsteuer: Fr. 193.65). Die Beschwerdegegnerin ist mehrwertsteuerpflichtig21 und
kann somit die von ihrem Rechtsvertreter auf sie überwälzte Mehrwertsteuer in ihrer
eigenen Mehrwertsteuerabrechnung als Vorsteuer abziehen. Ihr fällt daher betreffend
Mehrwertsteuer kein Aufwand an und eine Abgeltung der Mehrwertsteuer käme einer mit
Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG unvereinbaren Überentschädigung gleich. Die
in der Kostennote des Rechtsvertreters der Beschwerdegegnerin aufgeführte
Mehrwertsteuer ist daher bei der Bestimmung des Parteikostenersatzes nicht zu
berücksichtigen.22 Ansonsten gibt die Kostennote zu keinen Bemerkungen Anlass. Die
Beschwerdeführenden haben somit der Beschwerdegegnerin die Parteikosten von
Fr. 2'420.50 zu ersetzen.