Decision ID: a6577b25-fc43-44a3-9110-224271420eb5
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 13.07.2012 Art. 64a Abs. 2 AVIG; Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG und Art. 30 Abs. 1 lit d AVIG. Abbruch eines unzumutbaren Einsatzprogramms. Einstellung in der Anspruchsberechtigung von 20 Tagen aufgehoben (Entscheid des Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen vom 13. Juli 2012, AVI 2011/94).Präsidentin Lisbeth Mattle Frei, Versicherungsrichter Joachim Huber, a.o. Versicherungsrichter Christian Zingg; Gerichtsschreiber Marc GigerEntscheid vom 13. Juli 2012in SachenA._Beschwerdeführerin,gegenRAV St. Gallen, Unterstrasse 4, Postfach, 9001 St. Gallen,Beschwerdegegner,vertreten durch Amt für Wirtschaft und Arbeit, Rechtsdienst, Davidstrasse 35, 9001 St. Gallen,betreffendEinstellung in der Anspruchsberechtigung (arbeitsmarktliche Massnahmen)Sachverhalt:
A.
A.a A._ war seit November 2009 erneut bei der Arbeitslosenversicherung
angemeldet. Da sich die Stellensuche schwierig gestaltete, suchte sie in
Zusammenarbeit mit dem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (in der Folge: RAV)
St.Gallen nach einem geeigneten Einsatzprogramm. Nachdem auch hier einige
Versuche fehlschlugen, wies das RAV die Versicherte mit Schreiben vom 27. Juli 2011
(act. G 3.1 / A97) an, vom 2. August - 10. November 2011 am Einsatzprogramm
"Schreiner integrieren" teilzunehmen. Die Versicherte erschien zwar am Morgen des 2.
August 2011 am betreffenden Ort, brach das Einsatzprogramm indes um ca. 11:30 Uhr
ab.
A.b Die Versicherte beschwerte sich gleichentags schriftlich beim RAV. In dem
Schreiben legte sie dar, sie hätte gegenüber ihrer Personalberaterin anlässlich eines
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Gesprächs vor einigen Monaten erklärt, dass sie ungeeignet sei für eine Tätigkeit in der
Werkstatt, aufgrund ihrer Angst mit Holz an Maschinen zu arbeiten. Auch habe dieser
Einsatz weder ihren beruflichen Kenntnissen noch ihren Fähigkeiten entsprochen. Sie
hätte einen anderen Einsatz bevorzugt (act. G. 3.1 / A107).
A.c Am 3. August 2011 sprach das RAV eine Verwarnung aus und ersuchte die
Versicherte, die Arbeit im Einsatzprogramm sofort, spätestens bis am 5. August 2011,
wieder aufzunehmen, oder ihre Abwesenheit zu erklären und die Gründe dafür zu
belegen. Andernfalls drohe ihr eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung sowie im
Wiederholungsfall eine Aberkennung der Vermittlungsfähigkeit (act. G 3.1 / A102).
A.d Als die Versicherte das Einsatzprogramm nicht wiederaufnahm, erklärte das RAV
dieses mit Entscheid vom 10. August 2011 für beendet (act. G 3.1 / A106). Mit
Schreiben vom 16. August 2011 forderte das RAV die Versicherte auf, zum Nichtantritt
des Einsatzprogramms eine Stellungnahme einzureichen (act. G 3.1 / A108).
A.e Die Versicherte nahm in einem längeren Schreiben vom 18. August 2011 Stellung.
Darin äusserte sie vor allem ihr Unverständnis, dass sie vom RAV - entgegen dem, was
gemeinsam besprochen worden sei - für das Einsatzprogramm "Schreiner integrieren"
angemeldet worden sei. Sie habe grosse Angst vor Arbeiten mit Holz an Maschinen
und sei handwerklich unbegabt. Sowohl ihre Personalberaterin als auch die
Einsatzprogrammorganisatorin hätten beide zugestimmt, dass dieser Einsatz nicht für
sie geeignet sei. Am Tag des Starts des Programms, nachdem sie zunächst die
Einsatzprogrammorganisatorin kontaktiert habe, habe sie entschieden, die Einführung
in der Werkstatt mitzumachen, um sich ein genaueres Bild über das Programm zu
verschaffen. Einen Moment lang habe sie gedacht, es könnte sich bei dem Einsatz um
Büroarbeit handeln. Sie habe den Leiter des Einsatzprogramms "Schreiner integrieren"
auch gefragt, ob er sie nicht im Sekretariat oder der Kantinenküche einsetzen könnte.
Dieser habe das verneint. Der Leiter habe sie zuerst in die Arbeit an der Hobelbank
einweisen wollen. Als sie dies abgelehnt habe, habe er ihr Holzarbeiten angeboten, die
an einer Säge verrichtet werden könnten. Sie habe das Gefühl gehabt, kein Verständnis
für ihre Situation zu erhalten. Bevor sie den Einsatzbetrieb verlassen habe, sei sie um
ca. 11:15 Uhr zum Sekretariat gegangen, wo sie mitgeteilt habe, dass sie den Einsatz
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mit dem RAV besprechen wolle, da sie Angst vor den zugewiesenen Arbeiten habe
(act. G 3.1 / A111).
B.
B.a Mit Verfügung vom 6. September 2011 stellte das RAV die Versicherte ab dem
3. August 2011 für 20 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. Das RAV führte darin
aus, die Versicherte begründe den Abbruch des Einsatzprogramms damit, dass dieses
für sie nicht geeignet sei, da sie weder die beruflichen Voraussetzungen dafür mitbringe
und Angst habe, mit Holz an Maschinen zu arbeiten. Aus den Akten gehe indes hervor,
dass die Programmleitung der Versicherten angeboten habe, in den Bereich Unterhalt
oder Kreativ zu wechseln. Es hätte Arbeiten in der Administration gegeben, die man
nicht an der Maschine hätte machen müssen. Die Versicherte habe dies jedoch
abgelehnt. Sie habe sich damit pflichtwidrig einer Weisung des RAV widersetzt, womit
sie ein Verschulden an der Fortdauer der Arbeitslosigkeit trage (act. G 3.1 / A115).
B.b Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte mit Eingabe vom 5. Oktober 2011
Einsprache. In dem Schreiben äusserte sie erneut vor allem ihr Unverständnis über den
Entscheid des RAV, sie im Programm "Schreiner integrieren"einzusetzen. Sie sei offen
und bereit gewesen, an einer arbeitsmarktlichen Massnahme teilzunehmen, um ihre
Vermittlungsfähigkeit zu fördern und Praxiserfahrung zu sammeln. Von den etwa zehn
verschiedenen Programmen, die ihr anlässlich der Beratungsgespräche angeboten
worden seien, habe sie allen zugestimmt, die für sie nützlich und sinnvoll gewesen
seien, "Schreiner integrieren" habe nicht dazu gezählt. Im Nachhinein schätze sie die
Situation als unprofessionell, gar als Mobbing seitens der
Einsatzprogrammorganisatorin ein (act. G 3.1 / A123).
B.c Mit Entscheid vom 24. Oktober 2011 wies das RAV die Einsprache ab. Es hielt
bezüglich des Vorwurfs, man habe nicht angemessen auf die Fähigkeiten oder die
bisherige Tätigkeit der Versicherten Rücksicht genommen, fest, es sei den Akten zu
entnehmen, dass die Versicherte im Jahr 2011 erfolgreich die Weiterbildung zur
Kauffrau E-Profil habe abschliessen können. Im Jahre 2001 habe sie die Lehre zur
Verkäuferin abgeschlossen und diverse berufliche Erfahrungen als Telefonistin, in der
Gastronomie und im kaufmännischen Bereich sammeln können. Seit dem 24.
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November 2009 sei sie als arbeitslos gemeldet und habe bis dato keinen
Zwischenverdienst erzielen können. Ein Einsatz im zugewiesenen Einsatzprogramm
"Schreiner integrieren" entspreche zwar nicht ihrer gewünschten beruflichen Tätigkeit,
worauf auch kein Anspruch bestehe, hätte aber angemessen auf ihre beruflichen
Fähigkeiten Rücksicht genommen. Die Programmleitung habe der Versicherten
angeboten, in den Bereich "Unterhalt" oder "Kreativ" zu wechseln. Es hätte Arbeiten in
der Administration gegeben, die man nicht an einer Maschine hätte machen müssen.
Die Teilnahme wäre dann unzumutbar, wenn sie die Wiederbeschäftigung der
versicherten Person in ihrem Beruf wesentlich erschwert, falls darauf in absehbarer Zeit
überhaupt Aussicht bestanden hätte. Dies sei jedoch nicht der Fall. Der Nichtantritt der
arbeitsmarktlichen Massnahme sei damit nicht gerechtfertigt (act. G 3.1 / A124).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom
21. November 2011. Zur Begründung brachte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen
die gleichen Argumente vor wie in ihrer Stellungnahme gegenüber dem RAV vom
18. August 2011 sowie in der Einsprache vom 5. Oktober 2011 (act. G 1).
C.b Am 25. August 2011 reichte der Beschwerdegegner seine Beschwerdeantwort ein,
in welcher er Abweisung der Beschwerde beantragte. Zur Begründung verwies er auf
seine Ausführungen im Einspracheentscheid vom 24. Oktober 2011 (act. G 3).
C.c Die Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Replik (vgl. act. G 5).

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist die im Einspracheentscheid vom 24. Oktober 2011 bestätigte
Einstellung in der Anspruchsberechtigung von 20 Tagen infolge der Tatsache, dass die
Beschwerdeführerin das ihr zugewiesene Einsatzprogramm verlassen hatte.
2.
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2.1 Das vorliegend zu beurteilende Programm zur vorübergehenden Beschäftigung
gemäss Art. 64a Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) ist eine
arbeitsmarktliche Massnahme. Die Massnahmen haben gemäss Art. 59 Abs. 2 AVIG
zum Ziel, die Eingliederung von versicherten Personen, die aus Gründen des
Arbeitsmarkts erschwert vermittelbar sind, zu fördern, indem sie im Hinblick auf die
rasche und dauerhafte Wiedereingliederung die Vermittlungsfähigkeit der versicherten
Personen verbessern (Art. 59 Abs. 2 lit. a AVIG), die beruflichen Qualifikationen
entsprechend den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts fördern (lit. b), die Gefahr von
Langzeitarbeitslosigkeit vermindern (lit. c) oder die Möglichkeit bieten,
Berufserfahrungen zu sammeln (lit. d). Für die Zuweisung von Programmen zur
vorübergehenden Beschäftigung gelten sinngemäss die Kriterien der zumutbaren
Arbeit nach Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG (Art. 64a Abs. 2 AVIG).
2.2 Die versicherte Person hat auf Weisung der zuständigen Amtsstelle an
arbeitsmarktlichen Massnahmen teilzunehmen, die ihre Vermittlungsfähigkeit fördern
(Art. 17 Abs. 3 lit. a AVIG). Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG ist die versicherte Person
in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie Weisungen der zuständigen
Amtsstelle nicht befolgt, namentlich indem sie eine arbeitsmarktliche Massnahme ohne
entschuldbaren Grund nicht antritt oder abbricht.
2.3 Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin das
Einsatzprogramm "Schreiner integrieren" am 2. August 2011, kurz nach der Einführung,
verlassen hatte. Fraglich ist, ob sie dadurch ihre Pflicht, an einem für sie zumutbaren
Beschäftigungsprogramm teilzunehmen, verletzte. Vorab ist auf die Angaben der
Beschwerdeführerin einzugehen, wonach sie Angst vor maschinellen Holzarbeiten
habe, weil sie in der Oberstufe im Werkunterricht einen Unfall habe mitansehen
müssen. Es besteht grundsätzlich kein Anlass an der Wahrheit dieser Aussage zu
zweifeln. Dass die Beschwerdeführerin als handwerklich offenbar ohnehin unbegabte
Person sich weigerte, Arbeiten mit Holz an Maschinen ausführen zu müssen, erscheint
somit nachvollziehbar.
2.4 Die Beschwerdeführerin gab weiter an, im Rahmen von Gesprächen beim RAV über
einen allfälligen Einsatz im Programm "Schreiner integrieren" sowohl ihrer
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Personalberaterin als auch der Einsatzprogrammorganisatorin gegenüber klar und
deutlich zu verstehen gegeben zu haben, dass maschinelle Arbeiten mit Holz für sie
nicht in Frage kämen. Diese beiden Personen hätten auch Verständnis dafür gezeigt
und gesagt, in diesem Fall könne sie nicht dazu gezwungen werden. Die Gespräche
der Beschwerdeführerin mit den zuständigen Personen des RAV über das
Einsatzprogramm "Schreiner integrieren" sind aktenmässig nicht dokumentiert,
allerdings erscheinen auch diese Aussagen der Beschwerdeführerin glaubhaft, zumal
sie vom Beschwerdegegner im Verlauf des Verwaltungs- und Beschwerdeverfahrens
nie bestritten wurden. Es muss also davon ausgegangen werden, dass der
Beschwerdegegner über die Angst der Beschwerdeführerin vor maschinellen
Holzarbeiten Bescheid wusste. Wie sodann aus dem Lebenslauf der
Beschwerdeführerin hervorgeht, hat sie 1999 bis 2001 eine Verkäuferinnenlehre
absolviert. Sie war danach vorab im kaufmännischen Bereich tätig und holte in den
Jahren 2007 bis 2010 die Ausbildung zur Kauffrau E-Profil nach (act. A45). Als Ziel für
ein Einsatzprogramm wurde im November 2010 denn auch vereinbart, neue
Erfahrungen im kaufmännischen Bereich zu sammeln (act. A47).
2.5 Unter diesen Umständen erscheint jedenfalls fragwürdig, weshalb die
Beschwerdeführerin letztlich ins Einsatzprogramm "Schreiner integrieren" eingewiesen
wurde. Zwar wurden seitens des RAV in den Monaten zuvor etliche Bemühungen
unternommen, um die Beschwerdeführerin in einem geeigneten "externen"
Beschäftigungsprogramm unterzubringen. Diese Bemühungen scheiterten, weshalb
sich das RAV offenbar veranlasst sah, nur noch "interne" Beschäftigungsprogramme zu
suchen (vgl. act. A93). Freilich finden sich keine hinreichenden Belege, dass die
Beschwerdeführerin geeignete Einsatzprogramme trotz Anweisung abgelehnt oder
vereitelt hätte. Für ein allfälliges "Selbstverschulden" der Beschwerdeführerin, welches
der Beschwerdegegner in der Aktennotiz vom 27. Juli 2011 bezüglich mehrerer
gescheiterter externer Einsatzprogramme feststellt (act. A98), finden sich in den
übrigen Akten keine konkreten Hinweise. Vielmehr ergeht beispielsweise aus der
Aktennotiz vom 14. April 2011, dass die Leitung des Einsatzprogramms "Caritas" einen
anderen Teilnehmer gewählt hatte, ohne dass die Beschwerdeführerin ein Verschulden
traf (act. A79). Letztlich erscheint die Frage eines Verschuldens bezüglich der
gescheiterten "externen" Einsatzprogramme indes auch gar nicht von Bedeutung.
Relevant ist einzig, ob die Beschwerdeführerin vom RAV in ein für sie zumutbares
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Einsatzprogramm eingewiesen wurde. Nach Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG ist eine Arbeit
bzw. ein Einsatzprogramm unzumutbar, wenn sie bzw. es dem Alter, den persönlichen
Verhältnissen oder dem Gesundheitszustand der versicherten Person nicht
angemessen ist. Zu beachten ist dabei, dass bei einem Beschäftigungsprogramm
grundsätzlich kein Anspruch darauf besteht, dass die Arbeit auf die bisherige Tätigkeit
der versicherten Person Rücksicht nimmt. Es geht vielmehr darum, einer Person, die
(wie die Beschwerdeführerin) seit längerer Zeit arbeitslos ist, einen regelmässigen
Arbeitsrhythmus zu vermitteln und sie in eine Gruppe zu integrieren.
2.6 Zu erwähnen ist vorab, dass grundsätzlich nebst einem "externen" auch ein
"internes" Beschäftigungsprogramm für die Beschwerdeführerin als arbeitsmarktliche
Massnahme geeignet erscheint, wenn es die Anforderungen von Art. 16 Abs. 2 lit. c
AVIG erfüllt. Nachdem nun auch bei den "internen" Programmen mehrere zur Auswahl
gestanden hätten, stellt sich die Frage, weshalb der Beschwerdegegner die
Beschwerdeführerin gerade dem Programm "Schreiner integrieren" zugewiesen hat. In
diesem Zusammenhang ist auf die Rechtsprechung des Kantonalen
Versicherungsgerichts hinzuweisen, gemäss welcher eine Zuweisung, welcher der
Charakter einer Disziplinarmassnahme zukomme, offensichtlich nicht dem Zweck einer
arbeitsmarktlichen Massnahme entspreche (Urteil vom 5. Oktober 2006, AVI 2006/19).
Aus den Akten ergeben sich konkrete Anhaltspunkte, welche auf den disziplinarischen
Zweck der Zuweisung hindeuten. So ist in der Aktennotiz des RAV vom 7. Juli 2011
folgendes festgehalten: "Fr. E._, die PB ist an dem Punkt, an dem sie durch diese
Unkooperation von A._ nicht zwingend im kaufm. Bereich ein EP aufgleisen
möchte." (act. A93, S. 2). Der Aktennotiz vom 27. Juli 2011 ist sodann zu entnehmen,
dass die Beschwerdeführerin ein Vorstellungsgespräch beim Einsatzprogramm
"Schreiner integrieren" abgelehnt habe, weil das nicht das Richtige für sie sei. Da die
Beschwerdeführerin diverse Angebote im kaufmännischen Bereich abgelehnt habe,
sprach sich die Personalberaterin der Beschwerdeführerin für ein Einsatzprogramm zur
Prüfung der Vermittlungsfähigkeit aus, und die Einsatzprogrammorganisatorin
vermerkte in Bezug auf das weitere Vorgehen "Anweisen Schreiner integrieren" (act.
A98, S. 2). Es scheint somit beim Beschwerdegegner als eigentliches Ziel der
Zuweisung nicht die Förderung der Vermittlungsfähigkeit im Vordergrund gestanden zu
haben, sondern deren Überprüfung. Konkrete Anhaltspunkte für eine zweifelhafte
Vermittlungsbereitschaft oder Vermittlungsfähigkeit (wie unbegründete Ablehnungen
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von Arbeit, zeitliche Einschränkungen etc.) finden sich in den Akten indes nicht. Damit
ist offensichtlich von einem disziplinarischen Charakter der Zuweisung auszugehen.
Dafür spricht im Übrigen an sich bereits die Zielgruppe, welche mit der in Frage
stehenden Massnahme angesprochen wird. Die Beschwerdeführerin weist zutreffend
darauf hin, dass zur Zielgruppe des Einsatzprogramms "Schreiner integrieren"
einerseits stellensuchende Männer und Frauen gehören, die durch Erweiterung ihrer
handwerklichen Fähigkeiten ihre beruflichen Perspektiven verbessern wollen, und
andererseits Personen mit handwerklichem Geschick aus allen Berufszweigen, welche
interessiert sind, mit dem Material Holz zu arbeiten (act. A123, Beilage zur Einsprache).
Zwar begründen fehlende Fähigkeiten bzw. fehlendes Interesse im Umgang mit dem
Material Holz noch keine Unzumutbarkeit im Sinn von Art. 64a Abs. 2 AVIG i.V.m. Art.
16 Abs. 2 lit. c AVIG. Gleichwohl ist hier die Eignung der konkret gewählten
Massnahme zu verneinen. Dies eben mit Blick auf die Angst vor maschinellen
Holzarbeiten, welche die Beschwerdeführerin aufgrund eines erlebten Traumas
plausibel geltend macht. Damit ist offenkundig, dass die Beschwerdeführerin der von
dem Einsatzprogramm angesprochenen Zielgruppe nicht entsprach. Weshalb der
Beschwerdegegner für die Beschwerdeführerin gerade das Programm "Schreiner
integrieren" bestimmte, ist nicht nachvollziehbar. Ein - wenn schon im handwerklichen
Bereich - Programm wie "Nähen" hätte wesentlich näher gelegen.
2.7 Im Ergebnis erweist sich die Zuweisung ins Beschäftigungsprogramm "Schreiner
integrieren" damit sowohl von der Zielsetzung (Disziplinarmassnahme) wie auch
inhaltlich als unverhältnismässig. Die Beschwerdeführerin verhielt sich nicht
pflichtwidrig, als sie der unverhältnismässigen Anweisung keine Folge leistete. Damit
fehlt es an den Voraussetzungen für eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung.
3.
Die Beschwerde ist gutzuheissen und der angefochtene Einspracheentscheid
aufzuheben. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG; SR 830.1).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP
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