Decision ID: 66569dc8-b40e-5611-af03-c50d09dcc12e
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Das Grundstück Nr. 000_, Grundbuch X._, liegt zum Teil in der Wohnzone W3 und
zum Teil in der Wohn-Gewerbe-Zone WG3 (Zonenplan der Gemeinde X._ vom 3. April
1996). Es ist in dem der Zone W3 zugehörigen Bereich mit einem Mehrfamilienhaus
(MFH K._-strasse 01_) überbaut. A._ ist innerhalb der
Stockwerkeigentümergemeinschaft K._-strasse 01_ Eigentümer der nordwestlichen
Hälfte des Attikageschosses mit vorgelagerter Terrassenhälfte. Mit Baugesuch vom
A.a.
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5. April 2019 beantragte er beim Gemeinderat X._ die Bewilligung für die Erstellung
eines Terrassendachs auf seiner Terrassenhälfte mit Verglasung und Beschattung. Die
Metallkonstruktion mit einer Grundfläche von 3.39 m x 7 m sollte gegenüber der
gläsernen dunklen Balkonbrüstung zurückversetzt werden. Die Balkonbrüstung der
Terrasse sollte zusammen mit derjenigen des ersten und zweiten Obergeschosses zur
Aussenkante Fassade (AK-Fassade) des MFH zählen bzw. Bestandteil der Fassade
(Südwestseite) sein. Innert der Auflagefrist gingen keine Einsprachen gegen das
Bauvorhaben ein.
Mit Beschluss vom 1. Juli 2019 verweigerte der Gemeinderat X._ die Baubewilligung
mit der Begründung, das Bauvorhaben sei mit Art. 7 Abs. 3 des Baureglements vom
18. September 2006 (BauR) nicht vereinbar. Nach dieser Bestimmung würden
Geschosse, die von der maximalen Gebäudehöhe aus gemessen unter einem Winkel
von 60 Grad von der Fassade zurücklägen, als Dachgeschosse (maximale Umhüllung)
gelten. Sie dürften einen Kniestock von maximal 1 m innen gemessen (Oberkant Boden
bis Schnittpunkt Innenwand mit Dachuntersicht) nicht überschreiten, wobei diese
Beschränkungen nur auf den Gebäudelängsseiten gelten würden. Für Attikabauten
werde die Umhüllungslinie bei der tatsächlichen Fassade angesetzt. Als Fassade sei
derjenige Bauteil zu bezeichnen, der statisch tragende Funktionen aufweise und die
Wärmedämmung beinhalte. Alle Teile eines Attikageschosses hätten innerhalb der
definierten Umhüllung zu liegen, was beim Bauvorhaben nicht der Fall sei. Für die
optische Wahrnehmung der Fassade sei nicht nur die Längsfassade massgebend.
Einzubeziehen seien auch die Seitenfassaden. Die Ausführungspläne und die
Fotodokumentation würden belegen, dass die Balkone bei den Seitenansichten nicht
als Teil der Fassade, sondern als Vorbauten wahrnehmbar seien. Dies insbesondere
dadurch, dass die Balkone beim MFH offen, materiell und farblich anders als die
(gedämmte) Hauptfassade, gestaltet worden seien. Die Beurteilung entspreche der
gängigen Praxis der Gemeinde (act. G 10/1 Beilage).
A.b.
Gegen diesen Beschluss erhob A._, vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Liliane
Kobler, St. Gallen, am 16. Juli/13. August 2019 Rekurs beim Baudepartement unter
anderem mit dem Einwand, die Baubehörde habe nicht den Fassadenbegriff
verwendet, wie er in Art. 92 Abs. 1 des Planungs- und Baugesetzes (sGS 731.1, PBG)
und dem gemeinsamen BauR der Gemeinden L._, X._, M._, O._ und P._ sowie in
Anhang 1 zur interkantonalen Vereinbarung über die Harmonisierung der Baubegriffe
(IVHB) umschrieben werde, sondern einen eigenen Fasssadenbegriff erschaffen, indem
A.c.
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B.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Sachentscheid zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
sie bei der Umhüllungslinie bei der "tatsächlichen" Fassade ansetze und damit auf eine
Funktions- und Materialbeschreibung abstelle (act. G 10/1, 10/3). Nachdem die
Stockwerkeigentümergemeinschaft K._-strasse 01_ am 20. August 2019 ihre
Zustimmung für die Erstellung des Terrassendachs mitgeteilt (act. G 10/5) und am
5. Dezember 2019 ein Augenschein an Ort durchgeführt worden war (act. G 10/13),
wies das Baudepartement den Rekurs mit Entscheid vom 1. Mai 2020 ab (act. G 2).
Gegen diesen Entscheid erhob Rechtsanwältin lic. iur Liliane Kobler, St. Gallen, für A._
mit Eingabe vom 15. Mai 2020 Beschwerde (act. G 1). In der Beschwerdeergänzung
vom 15. Juni 2020 stellte die Rechtsvertreterin die Rechtsbegehren, der angefochtene
Entscheid und damit auch der Entscheid der Beschwerdegegnerin vom 1. Juli 2019 sei
aufzuheben und die Baubewilligung sei zu erteilen (Ziffer 1). Eventualiter sei die
Streitsache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen (Ziffer 2). Unter
Kosten- und Entschädigungsfolge für das Rekurs- und Beschwerdeverfahren zuzüglich
Mehrwertsteuer (act. G 7).
B.a.
In der Vernehmlassung vom 9. Juli 2020 beantragte die Vorinstanz Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf den angefochtenen Entscheid und
äusserte sich ergänzend zu den Vorbringen in der Beschwerde (act. G 9). Die
Beschwerdegegnerin nahm in der Vernehmlassung vom 27. August 2020 Stellung zur
Beschwerde (act. G 12).
B.b.
Mit Eingabe vom 29. September 2020 bestätigte die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers ihren Standpunkt (act. G 16). Vorinstanz und Beschwerdegegnerin
verzichteten auf eine weitere Stellungnahme (act. G 17).
B.c.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten in den Eingaben des vorliegenden
Verfahrens wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachstehenden
Erwägungen eingegangen.
B.d.
bis
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Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Der Beschwerdeführer
ist als Baugesuchsteller und Adressat des angefochtenen Entscheids zur Beschwerde
befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 VRP). Die Beschwerde wurde mit Eingabe vom
15. Mai 2020 rechtzeitig erhoben und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 15. Juni
2020 (act. G 7) in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 sowie Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die
Beschwerden ist grundsätzlich einzutreten. Nicht einzutreten ist auf die Beschwerde,
soweit damit die Aufhebung des Beschlusses der Beschwerdegegnerin vom 1. Juli
2019 beantragt wird (Devolutiveffekt, vgl. BGer 1C_560/2017 vom 17. Dezember 2018
E. 1.2 mit Hinweis auf BGE 134 II 142 E. 1.4).
2.
Der erstinstanzliche Entscheid der Beschwerdegegnerin datiert vom 1. Juli 2019 und
erging damit nach Inkrafttreten des Planungs- und Baugesetzes (sGS 731.1, PBG) am
1. Oktober 2017 (nGS 2017-049), weshalb das PBG grundsätzlich zur Anwendung
gelangt. Die Vorinstanz erachtet jedoch mit Hinweis auf das Kreisschreiben
Übergangsrechtliche Bestimmungen im Planungs- und Baugesetz [PBG] vom 8. März
2017, Baudepartement, Juristische Mitteilungen 2017/I/1 S. 3 f. zu Recht das bis
30. September 2017 gültige Gesetz über die Raumplanung und das öffentliche
Baurecht (Baugesetz; nGS 32-47, BauG, in der Fassung vom 1. Januar 2015) auf das
vorliegende Verfahren insoweit weiterhin anwendbar, als der kommunale Zonenplan
und das Baureglement der Beschwerdegegnerin im Hinblick auf die Umsetzung des
PBG noch nicht revidiert und in Kraft gesetzt sind (act. G 2 E. 2).
Materiell streitig ist, ob die Vorinstanz den Beschluss der Beschwerdegegnerin -
Verweigerung der Baubewilligung für das geplante Terrassendach wegen
Unvereinbarkeit mit Art. 7 Abs. 3 BauR - im angefochtenen Entscheid zu Recht
bestätigte. Der in Art. 7 Abs. 3 BauR verwendete Begriff der Fassade kommt auch in
der Grenzabstandsregelungen von Art. 92 PBG und Art. 56 Abs. 1 BauG zum Tragen.
Im Hinblick auf eine koordinierte Verwendung von bautechnischen Begriffen sind die
erwähnten Regelungen in die rechtliche Würdigung der hier streitigen Gegebenheiten
miteinzubeziehen. Indes würde eine direkte Anwendung von Art. 92 PBG wie dargelegt
eine entsprechende Umsetzung der kommunalen Erlasse erfordern, was bis anhin wie
erwähnt nicht der Fall ist (vgl. dazu Art. 8 BauR mit der Unterscheidung von grossem
und kleinem Grenzabstand). Als Folge davon ist konkret nicht Art. 92 PBG, sondern die
bisherige Regelung von Art. 56 Abs. 1 BauG zu beachten. Im Weiteren sind der
Interkantonalen Vereinbarung über die Harmonisierung der Baubegriffe (IVHB,
www.bpuk.ch) 16 Kantone, nicht jedoch der Kanton St. Gallen, beigetreten (vgl.
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VerwGE B 2015/14 vom 20. Januar 2017 E. 13.6), weshalb die IVHB konkret nicht zur
Anwendung kommen kann.
3.
In der Zone W3, in welcher das in Frage stehende dreigeschossige MFH mit
Attikageschoss liegt, darf die geplante Erweiterung mit dem Terrassendach nicht zur
Folge haben, dass das Attikageschoss zu einem Vollgeschoss wird, da die erwähnte
Zone kein weiteres Vollgeschoss erlaubt. Art. 7 Abs. 3 BauR definiert die
Voraussetzungen für das Vorliegen eines - für die Berechnung der Anzahl
Vollgeschosse nicht zu berücksichtigenden - Dachgeschosses. Nach dieser
Bestimmung gelten Geschosse, die von der maximalen Gebäudehöhe aus gemessen
unter einem Winkel von 60° von der Fassade zurückliegen, als Dachgeschosse (max.
Umhüllung). Sie dürfen einen Kniestock von max. 1.0 m innen gemessen (Oberkant
fertig Boden bis Schnittpunkt Innenwand mit Dachuntersicht) nicht überschreiten.
Diese Beschränkungen gelten nur auf den Gebäudelängsseiten.
3.1.
Umstritten ist der Verlauf der Fassade im Sinn von Art. 7 Abs. 3 BauR an der
Südwestseite des MFH im Bereich des Terrassendachs. Die Vorinstanz bestätigte im
angefochtenen Entscheid im Wesentlichen die Sichtweise der Beschwerdegegnerin,
wonach als Fassade (Umhüllungslinie) derjenige Bauteil zu bezeichnen sei, der eine
statisch tragende Funktion aufweise, bis auf die Fensteröffnungen geschlossen sei und
die Wärmedämmung beinhalte. Balkone würden als der Fassade vorgelagerte Bauteile
stets zu den Vorbauten zählen. Wenn die in Art. 10 Abs. 8 BauR festgelegte maximale
Ausdehnung der Vorbauten von mehr als der Hälfte der Fassadenlänge überschritten
werde, so würden sie dennoch nicht zu Hauptbauten. Bei einer Überschreitung der
Fassadenlänge entfalle einzig die Privilegierung bei Vorbauten in Bezug auf Strassen-
und Grenzabstandsvorschriften. Es bestehe damit kein Widerspruch zwischen den
Fassadenbegriffen für den einzuhaltenden Grenzabstand (Art. 56 Abs. 1 BauG) und für
die Definition des Dachgeschosses (Art. 7 Abs. 3 BauR). In beiden Fällen sei der
Abstand ab der Fassade zu messen. Der Abstand im Sinn von Art. 56 Abs. 1 BauG
werde zwischen der Grenze und den äussersten Fassadenteilen gemessen.
Ausgenommen seien privilegierte Bauteile wie Vorbauten (Balkone, Erker). Auch im
ursprünglichen Baugesuch der Q._ AG sei der für die Rückversetzung des
Dachgeschosses vorgeschriebene 60°-Winkel (Art. 7 Abs. 3 BauR) bei der
Fassadenlinie angesetzt worden, die sich aus den äussersten Fassadenteilen der
Hauptbaute ergeben habe und nicht bei derjenigen, die aus den äussersten Teilen der
3.2.
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Vorbauten resultiert habe. Die Beschwerdegegnerin habe zu Recht auf die (auf der
Südwestseite nicht geradlinig verlaufende) Fassade mit Wärmedämmung abgestellt.
Nur auf einer Länge von rund 3.8 m verlaufe die Fassade auf der gleichen Flucht mit
den äussersten Teilen der Vorbauten. Das geplante Terrassendach würde deutlich über
die Fassade hinausragen und wäre nicht mit einem 60°-Winkel von derselben
zurückversetzt. Es würde zudem mit seiner vertikalen Ausdehnung die Umhüllung
überschreiten (Art. 7 Abs. 4 BauR). Die Erweiterung des Dachgeschosses mit dem
geplanten Terrassendach sei nicht reglementskonform (act. G 2 S. 10-12).
Zum Einwand der Ungleichbehandlung aufgrund nicht einheitlicher Anwendung des
Fassadenbegriffs durch die Beschwerdegegnerin sowie zu den am Rekursaugenschein
vorgelegten Plänen zum Objekt (MFH) K._-strasse 02_ führte die Vorinstanz aus, dort
sei für die nach Art. 7 Abs. 3 BauR notwendige Rückversetzung auf die optische
Wahrnehmung (Materialisierung) der Gebäudehülle abgestellt worden. Dabei sei die
Fassade auf die von aussen sichtbaren und ohne Wärmedämmung ausgestatteten
Abschlüsse der Balkone (in der Baueingabe als Loggien bezeichnet) verlagert worden.
Die Beschwerdegegnerin habe für die Ermittlung der maximal zulässigen Ausdehnung
des Dachgeschosses für das MFH K._-strasse 02_ nicht auf diejenige Fassade
zurückgegriffen, die mit ihrer Wärmedämmung den Wohninnenbereich gegen
Witterungseinflüsse schütze. Beim streitigen FMH (K._-strasse 01_) werde bei der
Ermittlung der maximal zulässigen Ausdehnung des Dachgeschosses hingegen auf die
Fassade zurückgegriffen, die den Wohninnenbereich gegen Witterungseinflüsse
schütze. Von der Funktion her würden sich die angeblichen Loggien an der K._-
strasse 02_ nicht von den gedeckten Balkonen an der K._-strasse 01_
unterscheiden, zumal jene Balkone ebenfalls gegen drei Seiten gegen Witterungsflüsse
geschützt würden. Sowohl die Loggien als auch die Balkone seien mit einer Wand,
Fenstern und Türen vollständig gegen den Wohninnenbereich abgegrenzt. Die
Einstufung der Wohnaussenbereiche beim MFH K._-strasse 02_ (als Loggien)
erweise sich zudem als falsch. Das von der Beschwerdegegnerin beigezogene
Kriterium der einheitlichen Materialisierung der Gebäudehülle, um in Einzelfällen bei der
Anwendung von Art. 7 Abs. 3 BauR nicht auf die (wärmegedämmte) Fassade
zurückzugreifen, widerspreche dem Zweck dieser Bestimmung (Begrenzung der
Ausdehnung des Dachgeschosses). Die Beschwerdegegnerin habe weiterhin ihre
Überzeugung zum Ausdruck gebracht, es liege in ihrem Ermessen, die architektonische
Gestaltung (optische Unterordnung) nicht nur bei der Definition der Vorbaute, sondern
auch der Auslegung des Begriffs der Fassade (Art. 7 Abs. 3 BauR) zu berücksichtigen
(act. G 10/15). Gleichzeitig habe sie auch festgehalten, sie werde einen
anderslautenden Rechtsmittelentscheid akzeptieren und die Bewilligungspraxis auf
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einen entsprechenden (überzeugend begründeten) Entscheid ändern. Deshalb sei nicht
ohne Weiteres zu erwarten, dass die Beschwerdegegnerin in Zukunft an ihrer teilweise
gesetzwidrigen Praxis festhalten werde. Ein Anspruch auf Gleichbehandlung im
Unrecht bestehe somit nicht (act. G 2 S. 12-15).
Der Beschwerdeführer wendet ein, die Beschwerdegegnerin habe die Erteilung der
Baubewilligung für das Terrassendach verweigert, weil sie "in gängiger Praxis"
verschiedene Fassadenbegriffe anwende, was unrechtmässig sei. Sie definiere den
Begriff der "Fassade" über die Materialisierung, weshalb für die massgebende
Umhüllungslinie gemäss Art. 7 Abs. 3 BauR einmal die "Ausserkant-
Fassade" (Aussenseite der Balkone/Loggias) und einmal die Wand hinter den
Balkonen/Loggias massgebend gewesen sei. Dies alles unabhängig davon, welche
"Fassade" für die Bemessung des Grenzabstands (Art. 56 BauG) für massgeblich
erklärt worden sei, obwohl das anwendbare Recht keine verschiedenen
Fassadenbegriffe zulasse. Die Beschwerdegegnerin gehe aber noch weiter, indem sie
nicht nur die Materialisierung, sondern auch die optische Betrachtungsweise zur
Beurteilung der Frage heranziehe, welche "Fassade" für die Umhüllungslinie gemäss
Art. 7 Abs. 3 BauR massgebend sei. Dies sei rechtlich nicht haltbar. Weder das BauR
noch das Gesetz (BauG) definiere die Fassade anhand der Wärmedämmung. In Art. 56
Abs. 1 BauG bzw. Art. 92 PBG und Art. 7 Abs. 3 und 4 BauR müsse der gleiche
Fassadenbegriff gelten. Für die Bestimmung der Fassaden seien die äussersten Punkte
des Baukörpers (grüne Linie auf Plandarstellung act. G 7 S. 9) massgebend. Die
Vorinstanz stütze sich auf einen Fassadenbegriff, der sich angeblich "nach dem
gewöhnlichen Sprachgebrauch und der Praxis" ergebe (ohne der Gebäudefassade
vorgelagerte Bauteile wie Balkone). Wenn das Baugesetz den Begriff der "Fassade"
klar definiere, sei es rechtlich nicht haltbar, wenn von dieser Definition ohne
Rechtsgrundlage zugunsten des "gewöhnlichen Sprachgebrauchs und der Praxis"
abgewichen und einfach auf die Materialisierung - die Wärmedämmung - abgestellt
werde. Die eingelassenen Loggias mit tragender Funktion der K._-strasse 01_ seien
offenkundig keine Vorbauten, die es rechtfertigen könnten, die rückversetzte Fassade
als für die Bemessung der Umhüllungslinie und damit die Lage der
Terrassenüberdachung für massgebend zu betrachten. Die "Fassade", von wo aus der
Grenzabstand und die Umhüllungslinie gemessen werde, sei äusserster Punkt der
Balkone und damit nicht die rückversetzte Aussenwand des Gebäudes, unabhängig
von der Wärmedämmung oder der Materialisierung. Nicht mit dem kantonalen und
kommunalen Recht vereinbar sei, dass die Vorinstanz auf einen "wärmetechnischen"
Fassadenbegriff abgestellt habe. Die Auffassung, wonach bei Art. 7 Abs. 3 BauR auf
3.3.
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4.
die wärmegedämmte Fassade zurückzugreifen sei, sei mit Art. 10 Abs. 8 BauR nicht
vereinbar. Wenn (im Sinn dieser Bestimmung) die Vorbauten mehr als die Hälfte der
Fassadenlänge einnehmen würden, sei für die Bemessung des Grenzabstandes die
Aussenseite der Balkone massgebende "Fassade". Es stelle sich dementsprechend
nicht die Frage der Gleichbehandlung im Unrecht, sondern die Frage der
Gleichbehandlung im Recht. Das Bauvorhaben stehe im Einklang mit Art. 7 BauR und
sei zu bewilligen (act. G 7, G 16).
Zu den Ausführungen des Beschwerdeführers (act. G 7, insbesondere Ziffer 3 f. und 7
f.) ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin im Beschluss vom 1. Juli 2019 für die
Festlegung der Umhüllungslinie bei Attikabauten zunächst von einer "tatsächlichen
Fassade" ausging und zu dem vom Beschwerdeführer verwendeten Begriff der
"Ausserkant-Fassade" Stellung nahm. Hierbei zog sie den unzutreffenden Schluss,
dass Balkone (Vorbauten) aufgrund der Regelung von Art. 10 Abs. 8 BauR zu
Hauptbauten würden, wenn diese mehr als die Hälfte der Fassadenlänge ausmachen
würden. Einzige Folge bei Überschreitung der Hälfte der Fassadenlänge durch
Vorbauten ist der Wegfall der Privilegierung beim Strassen- und Grenzabstand. Dies
stellte die Vorinstanz in E. 5.2.2. des angefochtenen Entscheids in zutreffender Weise
richtig. Wenn der Beschwerdeführer sodann die Balkone an der Südwestfassade als
eingelassene Loggien mit tragender Funktion bezeichnet (act. G 7 Ziffer 7 S. 10), ist auf
die nachvollziehbar begründeten Ausführungen der Vorinstanz im Rekursentscheid
(E. 6.2 f.) zu verweisen, wonach es sich bei den der Fassade vorgelagerten
Wohnaussenbereichen weder im Fall des MFH K._-strasse 02_ (vgl. dazu
nachstehende E. 4.2) noch in demjenigen des MFH K._-strasse 01_ um sogenannte
Loggien handelt; von dieser nicht fundiert in Frage gestellten (vgl. act. G 1 und 16)
Feststellung ist auszugehen.
Im Weiteren ist festzuhalten, dass der eigentlichen Gebäudefassade vorgelagerte
Bauteile wie offene und geschlossene Balkone, Balkonbrüstungen, Geländer oder
thermisch (für die Gebäudeisolation) nicht relevante Balkonverglasungen praxisgemäss
nicht zur Gebäudefassade zählen (vgl. VerwGE B 2013/28 vom 12. Februar 2014 E. 4.4,
BDE [Rechtsprechung Baudepartement] 2020 Nr. 6 vom 6. Februar 2020 E. 5.4 und
Ch. Häuptli in: Kommentar zum Baugesetz des Kantons Aargau, Bern 2013, S. 735 N.
29; VerwGE B 2008/48 vom 19. August 2008 E. 2.4). Als Fassade gilt mithin derjenige
Bauteil, der eine eigentliche Wärmedämmung im bautechnischen Sinn beinhaltet. Der
4.1.
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optischen Gestaltung/Materialisierung der Gebäudehülle des Attikageschosses kann
hierbei für die nach Art. 7 Abs. 3 BauR notwendige Rückversetzung keine
ausschlaggebende Bedeutung zukommen (vgl. dazu nachstehende E. 4.2 zweiter
Absatz). Die Wärmedämmung ist - entgegen der offenbaren Auffassung des
Beschwerdeführers (act. G 7 Ziffer 10 f. S. 12, G 16 S. 2 erster Absatz am Schluss) -
kein Aspekt der (äusserlich sichtbaren) Materialisierung der Gebäudehülle, sondern
betrifft eine bautechnische Gegebenheit, welche als solche in aller Regel von aussen
nicht sichtbar ist. Sodann ist es zwar richtig, dass in Art. 56 Abs. 1 BauG für die
Bestimmung der Fassade die äussersten Punkte des Baukörpers massgebend sind
(vgl. B. Heer, St. Gallisches Bau- und Planungsrecht, Bern 2003 N. 616). Indes
umfassen die äussersten Punkte des MFH auf der Südwestseite (vgl. Plandarstellungen
in act. G 10/7/17 und 18 sowie act. G 2 S. 10) die der Fassade vorgelagerten Balkone
entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers (act. G 7 Ziffer 7 S. 8-11) gerade
nicht, da sie - als Vorbauten (vgl. Heer a.a.O., N. 616) - nicht zum massgeblichen
Baukörper zählen. Als Folge davon wird der Grenzabstand nicht - wie der
Beschwerdeführer festhält (act. G 7 Ziffer 11 S. 13, G 16 S. 2) - ab der Aussenseite des
Balkons, sondern ab der Fassade im oben erwähnten Sinn gemessen. Die Vorschrift
von Art. 10 Abs. 8 BauR, wonach Vorbauten, die mehr als die Hälfte der Fassadenlänge
einnehmen, nicht in den Grenzabstand ragen dürfen, bewirkt - entgegen der offenbaren
Auffassung des Beschwerdeführers (act. G 7 Ziffer 11 S. 13) - nicht, dass die
Aussenseite des Balkons zur Fassade wird, wenn die Länge der Balkone mehr als
Hälfte der Fassadenlänge ausmacht. Zu Recht lehnte die Vorinstanz die Erweiterung
des Dachgeschosses mit dem geplanten Terrassendach als nicht reglementskonform
ab, weil eine solche Erweiterung das Dachgeschoss zu einem (unzulässigen vierten)
Vollgeschoss machen würde.
Ein Verwaltungsakt verletzt das Rechtsgleichheitsgebot gemäss Art. 8 Abs. 1 BV, wenn
er rechtliche Unterscheidungen trifft, für die ein vernünftiger Grund in den zu regelnden
Verhältnissen nicht ersichtlich ist, oder Unterscheidungen unterlässt, die sich aufgrund
der Verhältnisse aufdrängen, wenn also Gleiches nicht nach Massgabe seiner
Gleichheit gleich und Ungleiches nicht nach Massgabe seiner Ungleichheit ungleich
behandelt wird (vgl. statt vieler BGE 131 I 1 E. 4.2 mit Hinweisen, 129 I 1 E. 3). Wenn
eine Behörde in Einzelfällen eine von einer Norm abweichende Entscheidung getroffen
hat, resultiert daraus grundsätzlich kein Anspruch, in einer vergleichbaren Situation
ebenfalls abweichend von der Norm behandelt zu werden. Dieser Anspruch besteht
solange nicht, als es sich nur um einzelne abweichende Fälle handelt. Besteht
hingegen eine normwidrige Praxis und lehnt es die Behörde ab, diese aufzugeben, so
4.2.
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5.
können Private verlangen, dass die Begünstigung, welche anderen Personen gewährt
wurde, auch ihnen zukommt (Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht,
7. Aufl. 2016, Rz. 599 mit zahlreichen Hinweisen).
Unbestritten ist vorliegend, dass die Beschwerdegegnerin bei früheren
Baubewilligungen vereinzelt nicht von dem vorerwähnten Fassadenbegriff
ausgegangen war, sondern den Umstand in den Vordergrund rückte, dass Balkone von
aussen (optisch bzw. von der Materialisierung her) als Teil der Fassade in Erscheinung
traten (vgl. das anlässlich des Rekursaugenscheins diskutierte Objekt an der K._-
strasse 02_, X._; act. G 10/13). Es mag unter anderem ein Ziel der Regelung von
Art. 7 Abs. 3 BauR sein, das Attikageschoss auch optisch als Dachgeschoss und nicht
als Vollgeschoss in Erscheinung treten zu lassen. Indes darf dem Kriterium der
optischen Unterordnung bzw. der architektonischen Gestaltung (Materialisierung) des
Attikageschosses bei der Definition des Begriffs der Fassade - wie dies bei der
Erteilung früherer Baubewilligungen durch die Beschwerdegegnerin der Fall gewesen
war und vom Beschwerdeführer zu Recht gerügt wird (act. G 7) - keine
ausschlaggebende Bedeutung zugemessen werden. Vielmehr ist vom oben (E. 4.1)
erwähnten Fassadenbegriff auszugehen. Vorliegend kann sich der Beschwerdeführer
auf eine Gleichbehandlung (im Unrecht) jedoch insofern nicht zu Recht berufen, als die
Beschwerdegegnerin im Fall eines anderslautenden Rechtsmittelentscheids am
früheren Vorgehen nicht festhalten will, wie sie auch in diesem Verfahren explizit
bestätigt (vgl. act. G 12 S. 2). Auch unter diesem Titel lässt sich somit die Ablehnung
der Baubewilligung nicht beanstanden.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf
einzutreten ist. Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zulasten des Beschwerdeführers (Art. 95 Abs. 1 VRP).
Angemessen erscheint eine Entscheidgebühr von CHF 3'000 (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss von
CHF 4'000 wird angerechnet und dem Beschwerdeführer der verbleibende Betrag von
CHF 1'000 zurückerstattet.
5.1.
Vorinstanz und Beschwerdegegnerin haben keinen Anspruch auf ausseramtliche
Entschädigung (Linder in: Rizvi/Schindler/Cavelti, Gesetz über die
5.2.
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