Decision ID: affbd257-566d-4632-854b-3ba4d6ec92ac
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1956 geborene
X._
absolvierte in ihrem Heimat
land eine Ausbildung zur diplomierten Physiotherapeutin, reiste 1997 in die Schweiz ein, wo ihre Ausbildung im Jahr 2005 anerkannt wurde, und war ab 2008 vollzeitlich und ab dem 19. März 2013 mit einem Pensum von 60 % als Physiotherapeutin selbständig erwerbstätig. Am 5. März 2014 (Eingangsdatum) meldete sie sich unter Hin
weis auf Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im Halsbereich bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Bezug von Leis
tun
gen der Inva
liden
versicherung an
.
Die IV-Stelle klärte die erwerb
lichen und medizinischen Verhältnisse ab und zog die Akten der Kranken
tag
geldversicherung bei, nachdem ihr diese wiederholt auf eigene Veranlassung Unterlagen hatte zukommen lassen. Die Versicherte reichte sodann ihre Buchhal
tungsunterlagen betreffend die Jahre 2009-2012 sowie betreffend das Jahr 2013 zu den Akten. Am 11. November 2014 erfolgten Abklärungen in der Physiothe
rapiepraxis der Versicherten; der Abklärungsbericht für Selbständigerwerbende wurde am 21. Nove
mber 2014 erstattet
.
Mit Verfügung vom 26. Juni 2015
ver
neinte die IV-Stelle einen Anspruch
der Versicherten
auf Leistungen der Invali
denversicheru
ng
.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 24.
August 2015 Beschwerde
beim hiesigen Gericht, welches die Beschwerde mit Urteil vom 14. November 2016 abwies (Urk. 7/56; vgl. insbesondere den
im Urteil
geschil
derten Sachverhalt). Die dagegen erhobene Beschwerde wurde vom Bundesgericht mit Urteil 9C_26/2017 vom 28. Februar 2017 abgewiesen (Urk. 7/59).
1.2
Mit Eingabe vom 6. April 2017
(Eingang am 7. April 2017
[vgl. das Aktenver
zeichnis Urk. 7/0]
)
meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an und machte eine wesentliche Verschlimmerung ihres Gesundheitszustandes gel
tend (Urk. 7/61).
Mit Vorbescheid vom 21. April 2017 kündigte die IV-Stelle
an, auf das Leistungsbegehren nicht einzutreten (Urk. 7/64). Dagegen
wandte sich
die Versicherte
–
statt mit Einwand an die IV-Stelle
–
mit Beschwerde ans
hiesige Gericht
(vgl. Urk. 7/68
/4-9
),
sodass
die IV-Stelle
zunächst
mangels Einwands
auf das neue Leistungsbegehren mit Verfügung vom 2. Juni 2017 nicht eintrat (Urk. 7/67). Nach Überweisung der Beschwerde durch das Gericht an die IV-Stelle zur Prüfung als Einwand (Urk. 7/68
/1-3
; vgl. auch Urk. 7/69) hob die IV-Stelle die Verfügung vom 2. Juni 2017
am 11. Juli 2017
wiedererwägungsweise
auf (Urk. 7/71).
Die Versicherte reichte
in der Folge
weitere Unterlagen ein (Urk. 7/72-73 und Urk. 7/75-77). Mit Verfügung vom 6. November 2017 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab (Urk. 2 [= Urk. 7/80]).
1.3
Bereits am 20. November 2017 (Eingangsdatum
[vgl. das Aktenverzeichnis Urk. 7/0]
) meldete sich die Versicherte ohne Wissen ihres Rechtsvertreters erneut zum Leistungsbezug an (Urk.
7/84;
vgl. Urk. 7/92 f.).
2.
Gegen die ablehnende Verfügung vom 6. November 2017 (Urk. 2) erhob die Ver
sicherte mit Eingabe vom 11. Dezember 2017 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Sache sei zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen unter der Anordnung, es sei ein multi
disziplinäres medizinisches Gutachten in Auftrag zu geben. In prozessualer Hin
sicht beantragte die Beschwerdeführerin die Durchführung einer öffentlichen Verhandlung und die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 29. Januar 2018 schloss die Beschwerde
gegnerin
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 20. April 2018 angezeigt wurde (Urk. 11).
Mit derselben
Verfügung wurde sodann das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspflege abgewiesen, nachdem sie die ihr angesetzt
e
Frist zur Einreichung der notwendi
gen Unterlagen nach dreimaliger Fristerstreckung
ungenutzt hatte verstreichen
lassen (Urk. 11). Mit Eingabe vom 23. Januar 2019 (Urk. 13) legte die Beschwer
deführerin zwei Berichte des
Y._
vom 8. August 2018 und 13. November 2018 auf (Urk. 14/1-2).
Am 27. Mai 2019 wur
den die Parteien auf den 27. Juni 2019 zur Hauptverhandlung vorgeladen
, wobei der Beschwerdegegnerin je eine Kopie von Urk. 13 und Urk. 14/1-2 zugestellt wurde
(Urk. 17).
Mit Schreiben vom 12. Juni 2019
zog die Beschwerdeführerin ihren Antrag auf Durchführung einer öffentlichen Verhandlung zurück (
Urk. 20), weshalb die Verhandlung mit Verfügung vom
18.
Juni
2019 abgenommen wurde (Urk. 21).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine
neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuan
meldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invali
ditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem
Revisionsfall nach Art.
17 Abs.
1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegrün
dende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.2
1.2
.1
Die Arbei
tsunfähigkeit im Sinne von Art. 28 Abs. 1
lit
.
b
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
entspricht der Ein
busse an funktionellem Leis
tungsvermögen im bisherigen Beruf oder
im
Aufga
benbereich (
Art.
6 ATSG; BGE 130 V 97 E. 3.2).
1.2
.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
ti
onelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fach
kompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersu
chen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht d
arin, aus medizinischer Sicht –
ge
-
wisser
massen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwal
tung
und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsa
nspruch zu ent
schei
den haben –
den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu wür
digen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG betreffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Ver
fahrensregeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Berichten keine Wirkung (Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.4).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schluss
folgerungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den
pra
xisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifi
kationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis
ver
siche
rungsi
nterner ärztlicher Abklärungen –
zu d
enen die RAD-Berichte gehö
ren –
nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen Entscheid, der Beschwerdefüh
rerin sei in einer optimal angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50 % zumutbar. Als
selbständige
Physiotherapeutin
würde
die Beschwerdeführerin Fr. 48'028.50 verdienen. In einer angepassten Tätigkeit könn
t
e sie nach statisti
schen Erhebungen ein Einkommen von Fr. 30'990.55 erzielen. Darin sei ein Abzug von 10 % aufgrund der verschiedenen Einschränkungen berücksichtigt. Der Invaliditätsgrad betrage 35 %, womit kein Rentenanspruch bestehe (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber brachte die Beschwerdeführerin vor (Urk. 1), die Beschwerdegeg
nerin habe nicht erwähnt, welche angepassten Tätigkeiten ihr noch zumutbar seien.
Es sei l
ediglich dem internen Einkommensvergleich vom 6. November 2017
zu entnehmen
, dass
dem Invalideneinkommen
der Lohn für «Bürokräfte mit Kun
denkontakt» in einem 50%-Pensum
zugrundegelegt
worden sei. Die Aufnahme einer Bürotätigkeit sei der Beschwerdeführerin aus unterschiedlichen Gründen
jedoch
nicht zuzumuten. Einerseits seien Bürotätigkeiten meist sitzend auszufüh
ren. Für die Kerntätigkeit des Tastaturschreibens verfüge die Beschwerdeführerin sodann nicht mehr über die
erforderliche
Geschicklichkeit der Hände; auch könne dabei die Position nicht geändert werden. Eine Wechselbelastung sei im Büro somit nicht möglich. Die Beschwerdeführerin verfüge nicht über das notwendige
Know-How
, um im Büro tätig zu sein, sie habe keinen entsprechenden Lehrab
schluss und verfüge nicht über ausreichende Computer- und Deutschkenntnisse. Ihr sei aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters ein Berufswechsel in eine ihr völlig fremde und nicht angestammte Tätigkeit nicht
mehr
zumutbar. Die verbliebene Resterwerbsfähigkeit werde auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt auch nicht mehr nachgefragt, womit ihr die Verwertung der Resterwerbsfähigkeit nicht zumutbar sei. Es komme eine Arbeitsunfähigkeit von 60 % ab dem 1. Juni 2017 hinzu. Dabei handle es sich um ein neues Leiden der Beschwerdeführerin. Ein leidensbedingter Abzug von 10 % sei zu niedrig und trage dem Leiden und dem Alter der Beschwerdeführerin nicht genügend Rechnung. Angemessen sei ein Abzug von 20 %.
3.
3.1
Das hiesige Gericht erwog im Urteil
IV.2015.00843
vom
14. November 2016
(Urk. 7/56)
, e
s
sei
nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in ein
er angepassten Tätigkeit ausgegangen sei. Dies stehe
auch nicht im Widerspruch zur Beurteilung des behandelnden Arztes
,
Dr.
Z._
,
vom 5. August 201
4.
Dass Dr.
Z._
der Beschwerdeführerin für die Zeit ab 14. April 2015 eine 50%ige Arbeitsunfä
higkeit
und für die Zeit ab 22. April 2016
eine 60%ige Arbeitsunfähigkeit
attes
tiert habe, ändere
am Gesagten nichts, denn diese Arbeitsunfähigkeitszeugnisse
beträfen
zum einen vornehmlich
d
en – nicht Anfechtungsgegenstand bildenden
– Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nach Verfügungserlass am 26. Juni 2015 und zum anderen die bisherige Tätigkeit der Beschwerdeführerin als Physiotherapeutin und nicht eine angepasste Tätigkeit. Der im Beschwerde
verfahren eingereichte Bericht von Dr.
Z._
vom 3. November 2016
betreffe
sodann ebenfalls den Gesundheitszustand der Beschwerdeführer
in nach Verfügungserlass und sei somit nicht massgebend
. Die Attestierung einer 50%igen (oder gar 60%igen) Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit
sage
ferner nichts über die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit aus:
Wie der RAD zutreffend ausgeführt habe, stelle
die
Tätigkeit
als Physiotherapeutin
beson
dere Anforderungen an die Sensibilität, Feinmotorik und Kraft beider Hände und
werde
ausserdem oft in ungünsti
ger
Körperhaltung ausgeübt
.
Eine
ang
epasste Tätigkeit
beinhalte
hingegen
keine Arbeiten mit
besondere
n
Kraftanwendungen oder
in
Zwangshaltungen. Aufgrund der vorliegenden Unterlagen
sei
daher gemäss dem
im Sozialversicherungsrecht geltenden Be
weisgrad der überwiegenden Wahr
schei
nlichkeit erstellt, dass der Beschwerdeführerin aus medizinischer Sicht eine angepasste Tätigkeit
in einem 80%-Pensum zumutbar sei
.
Der Beschwerde
führerin
sei
die Aufnahme einer angepassten Tätigkeit sodann auch aus berufli
cher Sicht zumutbar. Von einem Berufsw
echsel sei
eine bessere erwerbliche Ver
wertung der Arbeitsfähigkeit
zu erwarten, zumal auf dem hypothetischen, ausge
glichenen Arbeitsmarkt Hilfsarbeiten grundsätzlich alters
unabhängig nachge
fragt wü
rden.
Ausserdem liege
keine lange Aktivitätsdauer als selbständige Phy
siotherapeutin vor: Die Beschwerdeführerin
sei
im Jahr 1997 in die Schweiz ein
gereist
und
habe
sich gemäss eigenen Angaben im Jahr 2006 selbständig
gemacht
, nachdem ihr Diplom als Physiotherapeutin im Jahr 2005 in der Schweiz ane
rkannt worden sei
. Dem Auszug aus dem indivi
duellen Konto (IK-Auszug) sei
jedoch erst im Jahr 2008 ein Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit zu entnehmen; davor (und auch noch im Jahr 2008)
habe
die Beschwerdeführerin Arbeitslosenentschädigung
en bezogen
. In den Jahren 2005 und 2006
habe sie
sodann ein bescheidenes Einkommen aus einer unselbständigen Erwerbstätigkeit (im Jahr 2006 im Umfang von Fr. 5‘425.-- und im Jahr 2005 im Umfang von Fr. 19‘425.--
)
erzielt.
Nach dem Gesagten sei
daher davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin erst ab 2008 einer selbständigen Erwerbstätigkeit als Phy
siotherapeut
in nachgegangen sei
, denn offensichtlich
habe
sie sich erst ab diesem Zeitpunkt bei der Ausgleichskasse als Selbständigerwerbende an
gemeldet
. Bis zu einem allfälligen Rentenanspruch (frühester Zeitpunkt: März 2014 [nach Ablauf der einjährigen Wartezeit])
sei
sie etwas mehr als sechs Jahre
selbständigerwer
bend
gewesen
. Während dieser Zeit
habe
sie gemäss IK-Auszug und Buchhal
tungsunterlagen zeitweise aber eher unterdurchschnittliche Jahreseinkommen
erzielt
.
Die objektive und subjektive Zumutbarkeit eines Berufswechsels in eine uns
elbständige Erwerbstätigkeit sei
daher
zu bejahen, auch unter Berücksichti
gung einer verbleibenden Aktivitätsdauer von
sieben bis acht Jahren.
Das Bundesgericht stützte die Beurteilung des hiesigen Gerichts mit Urteil 9C_26/2017 vom 28. Februar 2017 (Urk. 7/59).
3.2
3.2.1
Im Bericht der
A._
vom 3. November 2016 (Ur
k. 7/60/1-3) führte Dr. med. Z._
, Leitender Arzt Neurologie, die folgenden Diagnosen auf (Urk. 7/60/1):
-
chronisches
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom linksbetont mit/bei
-
Kyphosierung
der HWS bei fortgeschrittenen multisegmentalen dege
nerativen Veränderungen, insbesondere
Osteochondrose
C6/7
-
Foraminalstenosen
C
3/4 rechts, C4/5 links,
C5/6 rechts und C6/7 beid
seits
-
Intermittierender Radikulopathie C5 links, weniger auch rechts
-
Lumboischialgie
links
-
Carpaltunnelsyndrom rechts
-
Arterielle Hypertonie
Dr.
Z._
führte sodann aus, die Arbeit als Physiotherapeutin führe jeweils rasch zu einer Zunahme der
Zervikobrachialgien
beidseits linksbetont. Dank einer Reduktion der Arbeits
tätigkeit
auf 40 % respektive dem Festlegen einer Arbeits
unfähigkeit von 60 % habe die Situation in den letzten Monaten und Jahren einigermassen stabil gehalten werden können. Da tendenziell mit einer Zunahme der degenerativen Veränderungen an der Halswirbelsäule (HWS) gerechnet
wer
den müsse, müsse auch mit einer Zunahme der Arbeitsunfähigkeit gerechnet wer
den. Infiltrationen und/oder eine Operation an der HWS hätten vermutlich mittel- bis langfristig einen günstigen Effekt auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/60/2).
In diversen Zeugnissen attestierte Dr.
Z._
der Beschwerdeführerin v
om 14. Juli 2015 bis 21. April 2016 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % (Urk. 7/60/8-10)
und v
om 22. April 2016
bis 30. April
2017 von 60 % (Urk. 7/60/4-7).
3.2.2
Im Bericht vom 15. August 2017
(Urk. 7/73
/
1-3)
hielt Dr.
Z._
fest, die Beschwerdeführerin sei seit dem 4. April 2007 in
der A._
wegen Rückenbeschwerden in Behandlung, bei ihm seit dem 5. Februar 200
8.
Das
zer
vikospondylogene
Schmerzsyndrom sei progredient. Die Beschwerdeführerin leide seit dem Frühling 2013 permanent an Schmerzen, deren Intensität seit Früh
ling
2017 deutlich zugenommen habe
. Zusätzlich zu diesen Schmerzen bestehe aber auch eine zunehmende Schwäche hauptsächlich im linken Arm. Des Weite
ren träten seit einiger Zeit immer wieder auch sensible Defizite in der linken Hand auf, wobei sich diese in den letzten Monaten ebenfalls verstärkt hätten und jetzt permanent vorhanden seien. Gemäss dem Konsultationsbericht vom März 2017 seien die sensiblen Defizite nur fluktuierend vorhanden gewesen. Die Verschlech
terung lasse sich anhand der klinisch-neurologischen Untersuchung somit doku
mentieren. Auch zeige sich kernspintomographisch anhand der MRI der HWS eine Zunahme der degenerativen Veränderungen, welche doch sehr ausgeprägt seien. Die 60%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe seit dem 22. April 201
6.
Physiothe
rapeutische Massnahmen würden permanent durchgeführt. Auch die medikamen
töse Behandlung werde sukzessive optimiert. Im April 2017 seien zusätzlich Infiltrationen der Nervenwurzeln C5 und C6 links erfolgt, welche leider keinen Effekt gezeigt hätten.
Ein operativer Eingriff käme in Frage. Dabei müssten die betroffenen Nervenwurzeln an der HWS operativ freigelegt werden. Anschlies
send müssten die betroffenen Wirbelkörper miteinander verschraubt werden, d
amit die Stabilität erhalten bl
e
i
be. Dabei würde es sich an einem entsprechenden
Zentrum
um einen Routineeingriff mit minimalen Risiken handeln. Eine ange
passte Tätigkeit dürfte keine vorwiegend sitzende oder stehende Tätigkeit sein. Ein Verharren in der gleichen Körperposition sei zu vermeiden. Eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit in einer dem Leiden angepassten Erwerbstätigkeit sei nicht vorstellbar
(vgl. auch den Bericht von Dr.
Z._
vom 9. August 2017 [Urk. 7/73/4-6]
,
worin die Beschwerdeführerin
psychisch und neuropsycholo
gisch im Gespräch und Verhalten
als
unauffällig beschrieben wurde
[Urk. 7/73/5]
)
.
3.2.3
Im Bericht des
Y._
vom 11. August 2017
(Urk. 7/73/7-8)
wurde die psychiatrische Diagnose
«
rezidivierende depressive Stö
rung, aktuell schwer (ICD-10 F33.2)
»
gestellt.
Die Beschwerdeführerin
berichte
über starke Lust- und Interesselosigkeit, ständiges Weinen, Rückzug, Antriebslo
sigkeit, Sinnlosigkeitsgedanken, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Vergess
lichkeit und Appetitzunahme. Seit dem 1. Januar 2015 bis heute sei sie als selb
ständige Therapeutin tätig, aktuell zu 40 %. Aus psychiatrischer Sicht bestehe seit dem 1. Juni 2017 eine 60%ige Arbeitsunfähigkeit.
3.2.4
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatolo
gie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in seiner Stellungnahme vom 2
8. September 2017 (Urk. 7/79/4
) aus, es passe nicht zusammen, dass Dr.
Z._
am
9. August 2017 von einer im Gespräch und Verhalten psy
chisch und neuropsychologisch unauffälligen Beschwerdeführerin berichte, im Bericht des
Y._
vom 11. August 2017 demge
genüber eine
stark
zunehmend
e depressive Symptomatik
beschrieben werde. Zusammenfassend habe
sich bei Betrachtung der Arztberichte aus versicherungs
medizinischer Sicht seit dem Zeitpunkt der letzten RAD-
Stellungnahme vom 19. April 20
17 nichts geändert an den objektiven, somatischen Befunden und Diagnosen, sodass
die Angabe im Bericht an den Rechtsvertreter
, dass in der angestamm
ten Tätigkeit weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von
60
% bestehe, aus versicherungsmedizinischer Sicht plau
sibel sei. Hingegen sei
die Aussage, dass auch in einer
optimal angepassten Tätigkeit
eine höhere Arbeitsfähigkeit «nicht denkbar» sei,
nicht nachvollziehbar, weil eine solche angepasste Tätigkeit nicht die gleiche, starke Belastung
insbesondere
der
Arme und Hände beinhalte
wie dies bei der Tätigkeit al
s Physiotherapeutin der Fall sei. Nicht nachvollziehbar sei
aber auf jeden Fall die Angabe einer
Arbeitsunfähigkeit von 60 % von Seiten
des
Y._
mit der Begründung einer «
stark zuneh
menden psychischen
(depressiven) Symptomatik»
, nachdem im neurologischen Bericht der
A._
von einer "psychisch und neuropsychologisch unauffälligen" Versicherten berichtet
worden sei
.
Als Fazit hielt Dr.
B._
fest, f
ür eine behin
derungsangepasste Tätigkeit gebe
es keine kon
krete, prozentuale Angabe zur Arbeitsfähigkeit
, wob
ei einerseits natür
lich klar sei
, dass aus rein medizinischer Sicht eine ei
ndeutige Verschlechterung des Gesundheitszustands
sich auf
jede Art von Tätigkeit auswirke
, andererseits
natürlich Unterschiede bestünden
im Hinblick darauf, welcher Art die Bela
stun
gen bei einer Tätigkeit seie
n. Nachdem im vorliegenden Fall
durch das Betrof
fensein der HWS und beider Arme und vor allem
der
Hände auch Tätigkeiten im Sitzen mit Anforderungen an die Funktionsfähigke
it der Hände beeinträchtigt seien
,
aufgrund
der
Lumboischialgie
sodann
auch Täti
gkeiten mit längerem Ste
hen, sei
medizintheoretisch überwiegend wahrscheinlich auch für derartige Tätigkeiten nur
eine geringfügig höhere Rest-Arbeitsfähigkeit von circa
50
% (bzw. vier Stunden
/Tag) gegeben, retrospektiv seit
dem 9. Februar 20
17 (MRI der HWS).
Das
Belastungsprofil einer angepassten Tätigkeit
sei wie folg
t
zu beschrei
ben
: Körperlich leichte Tätigkeit, strikt wechselbelastend mit der Möglichkeit, selbst über die einzunehmende Körperposition zu entscheiden, ohne Arbeiten in Schulterhöhe oder über Kopf, ohne besondere Anforderungen an Kraft oder Geschicklichkeit der Hände
(Urk. 7/79/5)
.
4.
4.1
4.1.1
Zunächst ist festzuhalten, dass
es sich bei
den
medizinischen
Unterlagen
von Dr.
Z._
(Urk. 7/60/1-10; vgl. E. 3.2.1)
, welche die Beschwerdeführerin mit ihrem Neuanmeldungsgesuch vom
6. April 2017 (Urk. 7/61)
e
inreichte
, um die
selben Unterlagen handelt, welche sie bereits im Beschwerdeverfahren
IV.2015.00843
aufgelegt hatte. Das hiesige Gericht äusserte sich im Urteil vom 14.
November 2016
bereits
zu diesen Unterlagen und
gelangte zum Schluss,
die
sen sei nichts
über die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
zu entneh
men
(siehe
vorstehend in
E. 3.1)
.
An
dieser
Einsch
ätzung
hat sich nichts geändert
.
4.
1.2
Wenn Dr.
Z._
der Beschwerdeführerin ab dem 22.
April 2016
eine
60%ige Arbeitsunfähigkeit
in der bisherigen Tätigkeit als Physiotherapeutin attestiert (E. 3.2.2) – einer
Tätigkeit
, welche
besondere Anforderungen an die Sensibilität, Feinmotor
ik und Kraft beider Hände stellt
und ausserdem oft in ungünsti
ger Kör
perhaltung ausgeübt wird (vgl. das Urteil
IV.2015.00843
vom 14.
November 2016
[Urk. 7/56/
11
E. 4.1
]
)
–, lässt sich nicht nachvollziehen, weshalb in einer ange
passten Tätigkeit
dieselbe Arbeitsunfähigkeit bestehen sollte
.
Es
ist der Erfah
rungstat
sache Rechnung zu tragen, dass behand
elnde Ärzte mitunter im Hin
blick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patie
nten aussagen (BGE 125 V 351 E.
3b/cc).
Überzeu
gend erscheint demgegenüber
die Einschätzung des RAD, welcher der Beschwer
deführerin in einer angepassten Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsf
ähigkeit attestierte (E. 3.2.4)
.
Bei einer weiteren Verschlechterung müsste allerdings in Erwägung gezogen werden, der Beschwerdeführerin eine Schadenminderungspflicht aufzu
erlegen.
Dr.
Z._
erwähnte die Möglichkeit eines
operativen
Routinee
in
griff
s
mit minimalen Risiken, wobei
die betroffenen Nervenwurzeln an de
r HWS operativ freigelegt und d
ie betroffenen Wirbelkörper
anschliessend
miteinander verschraubt
werden müssten
, damit
die Stabilität erhalten bliebe (E. 3.2.2).
4.
1.
3
Als Zwischenfazit kann festgehalten werden, dass
mit dem Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit
aus somatischer Sicht
eine Arbeitsunfähigkeit von
50
% in einer angepassten Tätigkeit ausgewiesen
ist. Weitere Abklärungen sind nicht vorzunehmen.
4.2
4.2.1
Was
den Bericht
des
Y._
vom 11.
August 2017
anbelangt, lässt sich
die der Beschwerdeführerin
aus psychiatrischen Gründen
attestierte
Arbeitsunfähigkeit
von 60 % ab dem 1. Juni 2017
nicht nachvollzie
hen.
Es fällt
insbesondere
auf, dass der langjährige behandelnde Neurol
oge der Beschwerdeführerin, Dr.
Z._
,
die Beschwerdeführerin
in seinem Bericht vom 9.
August 2017
über die Konsultation vom 7. August 2017 als
im Gespräch und Verhalten psychisch und neuropsychologisch unauffällig
beschrieb
en hatte
(Urk. 7/73/5). I
m
kurze Zeit
später ausgestellten Bericht des
Y._
vom 11.
August 2017
wurde
demgegenüber eine stark zuneh
mende depressive Symptomatik beschrieben. Dies deutet auf eine massive Inkon
sistenz hin
und
auch
darauf, dass
die Ärzte des
Y._
u
nkritisch auf
die
Angaben der Beschwerdeführerin
abstellten
.
4.2.2
Im Rahmen des
Neuanmeldungsverfahrens, welches die Beschwerdeführerin ohne das Wissen ihres Rechtsvertreters mit Neuanmeldung vom 20. November 2017 (Eingangsdatum) bei der Beschwerdegegnerin
anhängig machte
(Urk. 7/84), reichte die Taggeldversicherung e
ine von ihr in Auftrag gegebene
psychiatrische Kurzbeurteilung vom 1. S
eptember 2017 von Dr. med.
C._
, Fach
ärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, zu den Akten (Urk. 7/86/3-17). Diese untersuchte die Beschwerdeführerin am 28. August 20
17 und stellte die Diagnosen (Urk. 7/86/13) 1)
mittelgradige bis schwere depressive Episo
de (ICD-10: F32.2), 2)
nichtorganische Insomnie, evtl. durch Sedativa und
Hypnotikakon
sum
bedingt
(ICD-10: F.51.0), 3) psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa und Hypnotika, Abhängigkeitssyndrom mit gegenwärtigem Substanz
gebrauch (ICD-10: F13.24) sowie 4) psychische Verhaltensstörungen durch Opio
ide und Analgetika, Abhängigkeitssyndrom mit gegenwärt
igem Substanzge
brauch (ICD-10 F
11.24). Dr.
C._
hielt in ihrer Beurteilung fest, im kli
nischen Eindruck hätten sich Hinweise auf ausgeprägte kognitive Störungen im Sinne einer Konzentrationsstörung, einer Ablenkbarkeit und von Gedächtnisstö
rungen, wahrscheinlich bedingt durch die Einnahme von Sedativa, ergeben. Im Hinblick auf den Affekt habe eine depressive Stimmungslage festgestellt werden können. Es hätten wiederholte Affekteinbrüche während der Exploration bestan
den. Bei kritischen Themen sei die Beschwerdeführerin praktisch nicht mehr steu
erbar gewesen. Es lägen eine Insuffizienz und eine Labilität der Affekte sowie ein kreisendes Denken und Grübeln vor. Die soziale Teilnahme im privaten Bereich sei eingeschränkt und es ergäben sich auch Hinweise auf manifeste psychosoziale Probleme. Die Beschwerdeführerin habe angegeben, dass sie sich beim Sozialamt habe anmelden müssen, da sie praktisch über kein Geld mehr verfüge (Urk. 7/86/14). Ein ausgewiesener sozialer Rückzug liege in praktisch allen Belangen des Lebens vor. Die Beschwerdeführerin befinde sich in einer psychiat
rischen Behandlung, diesbezüglich lägen jedoch keine Berichte vor. Sie werde ebenfalls medikamentös antidepressiv behandelt. Die Beschwerdeführerin gebe an, vor allem von einer
Akupunktur-Behandlung zu profit
ieren. Insofern könne nicht von einer leitliniengerechten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behand
lung ausgegangen werden. Notwendig sei, die Beschwerdeführerin intensiver psychiatrisch-psychotherapeutisch
zu behandeln und vor allem
einen Entzug der entsprechenden Substanzen durchzuführen (Urk. 7/86/15).
Die Beschwerdeführe
rin sei derzeit als zu 100 % arbeitsunfähig einzuschätzen (Urk. 7/86/16).
Auch in Bezug auf die Beurteilung von Dr.
C._
, welche die Beschwer
deführerin am 28. August 2017 untersuchte, fällt die enorme Diskrepanz zur Schilderung von Dr.
Z._
im Bericht vom 9.
August 2017
,
wonach
die Beschwerdeführerin
in der
Ko
nsultation vom 7.
August 2017 im Gespräch und
im
Verhalten psychisch und neuropsychologisch unauffällig
gewesen
sei
(Urk.
7/73/5)
, auf
.
Die Einschätzung von Dr.
C._
basierte auf einer Momentaufnahme, welche medikamenteninduziert ein
offensichtlich
verfälschtes Bild vom Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin vermittelte, denn nicht einmal die behandelnden Ärzte im
Y._
hatten der Beschwerdeführerin aufgrund des von ihnen erhobenen Befunds eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert
. Sie berichteten lediglich von einem gele
gentlich schädlichen Gebrauch
von
Xanax
und Stilnox bei Schlaf
störungen wegen der Schmerzen (Urk. 7/73/8).
Die übermässige Einnahme der gen
annten Medikamente erfolgte danach
ab und zu vor der Bettruhe oder nachts. Dr.
C._
stellte
anlässlich der Untersuchung
vom 28. August 2017, welche von 17.00 bis 19.00 Uhr stattfand, schwere psychopathologische Auffälligkeiten (aus
geprägte kognitive Störungen [Konzentrationsstörung, Ablenkbarkeit und Gedächtnisstörungen]
)
fest, welche sie der Einnahme von Sedativa zuschrieb (Urk. 7/86/14). Dies legt die Vermutung nahe
,
dass
die Beschwerdeführerin vor der Untersuchung durch Dr.
C._
absichtlich M
edikamente im Übermass eingenommen hatte, um das Untersuchungsergebnis zu beeinflussen
.
Eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit lag faktisch
denn auch
nicht vor, war die Beschwer
deführerin zum Zeitpunkt der Untersuchung vom 28. August 2017 gemäss eige
nen Angaben doch immerhin in der Lage, zu 40 % zu arbeiten (Urk. 7/86/9).
Dr.
C._
klammerte
sodann
die
manifeste
n
psychosoziale
n
Probleme
, auf welche sie
hinwies,
bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht aus.
Sie übernahm
die Angaben der Beschwerd
eführerin ebenfalls in unkritischer Weise.
4.2.3
Auf die subjektiven
Angaben der Beschwerdeführerin
darf
nicht ohne Weiteres
abgestellt werden. Dies zeigt nicht nur der Umstand, dass sie vorgängig zur Untersuchung vom 28. August 2017 Medikamente im
Übermass eingenommen hatte. I
n den
Akten
finden sich
weitere
Ungereimtheiten:
Dem Auszug aus dem individuellen Konto vom 20. April 2017 lassen sich betref
fend die Jahre 2008 bis 2014 die folgenden Einkommen der Beschwerdeführerin aus selbständiger Erwerbstätigkeit entnehmen: Fr.
18‘000.
-
- im Jahr 2008, Fr.
17‘600.
-
- im Jahr
2009
, Fr.
23‘600.
-
- im Jahr 2010, Fr. 50'600.-
- im Jahr 2011, Fr. 42'200.-
- im Jahr 2012, Fr. 44'000.-
- im Jahr 2013 und Fr. 42'600.-
- im Jahr 2014 (Urk. 7/62/2-3). Gemäss E-Mail der Krankentaggeldversicherung an die Beschwerdegegnerin vom 19. August 2014 wurden der Beschwerdeführerin vom 19. März bis 19. Juni 2013 sodann Krankentaggelder bei einer Arbeitsunfä
higkeit von 50 % und vom 20. Juni 2013 bis 31. August 2014 bei einer Arbeits
unfähigkeit von 40 % ausgerichtet (Urk. 7/24).
Aufgrund der Angaben der Beschwerdeführerin anlässlich der Abklärung für Selbständigerwerbende vom 11. November 2014 hielt die Abklärungsperson in ihrem Bericht vom 21. November 2014 fest, die Beschwerdeführerin habe ab dem Jahr 2014 eine zusätzliche diplomierte Physiotherapeutin zu einem Lohn von Fr. 20.
-- pro Stunde
eingestellt. Diese Anstellung sei aber nur erfolgt, weil sie selber aus gesundheitlichen Gründen ihr Pensum habe reduzieren müssen. Sie selber behandle mehrheitlich nur noch die Stammkundschaft. Sie brauche immer eine strikte Erholungszeit von 30 Minuten zwischen den einzelnen Patienten. Seit sie diesen Rhythmus einhalte, die Medikamente stets einnehme und ihr um 40 % reduzierte
s
Pensum einhalte, fühle sie sich wieder etwas besser (Urk. 7/33/4). Die Abklärungsperson gelangte zum Schluss, dass im vorliegenden Geschäftsab
schluss des Jahres 2013 mit einem ausgewiesenen Betriebsgewinn von circa Fr. 40'898.-- nur eine geringe Erwerbseinbusse erkennbar sei (Eintritt des Gesundheitsschadens ab März 2013). Dies sei wohl darauf zurückzuführen, dass die Beschwerdeführerin zu der Zeit eine Praktikantin zu einem sehr bescheidenen Lohn beschäftigt habe
(Anmerkung des Gerichts: Die Beschwerdeführerin hatte angegeben, ab circa Februar 2013 eine Praktikantin ohne Berufserfahrung für
zum Teil
Fr. 100.-- pro Monat angestellt zu haben [Urk. 7/33/3])
. Ab dem Jahr 2014 werde nun eine diplomierte Physiotherapeutin zu einem Lohn von Fr. 2
0.-- pro Stunde beschäftigt, welche
die reduzierte Arbeitsleistung der Beschwerde
führerin auffangen solle. Der Beschäftigungsgrad dieser Angestellten entspreche einem Pensum von rund 40 %, also rund 16.8 Stunden pro Woche. Dies würde eine Lohnsumme von circa Fr. 336.-- pro Woche beziehungsweise circa Fr. 1'344.-- pro Monat beziehungsweise circa Fr. 16'128.-
- pro Jahr ergeben. Bei einem
Valideneinkommen
von Fr. 47'034.-- (im Jahr 2014) ergebe sich bei gesundheitsbedingten Mehrkosten für eine zusätzliche Arbeitskraft von Fr. 16'128.-- ein Invalideneinkommen von Fr. 30'906.--, was einem Invaliditäts
grad von 34.29 % entspreche (Urk. 7/33/7).
Dem IK-Auszug vom 20. April 2017
lässt sich
allerdings
– wie bereits gesagt –
entnehmen, dass die Beschwerdeführerin
im Jahr 2014
effektiv
ein Einkommen
von
Fr.
42'600.-
-
erzielte
(Urk. 7/62/2-3) und damit nicht weniger als im Jahr 2012, in welchem sie noch ein Arbeitspensum von 100 % geleistet hatte.
Eine
Einkommenseinbusse
lässt sich somit
aufgrund des IK-Auszuges
ni
cht nachvoll
ziehen, was angesichts
der Angaben der Beschwerdeführerin
, sie leiste ein um 40 % reduziertes Arbeitspensum,
Fragen auf
wirft
.
4.2.4
Die Beschwerdeführerin reichte im Beschwerdeverfahren
sodann
weitere Berichte des
Y._
vom 8. August 2018 (Urk. 14/1)
und vom 13. November 2018 (Urk. 14/2) zu den Akten.
Diese betreffen
den Gesund
heitszustand der Beschwerdeführer
in nach Verfügungserlass und sind
somit nicht massgebend
.
Davon abgesehen erweisen
sie
sich
als widersprüchlich. Auf der einen Seite wurde d
er Beschwerdeführerin zwar
eine rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradi
g (ICD-10: F33.1)
,
attestiert.
Auf der anderen Seite wurde i
n Diskrepanz dazu aber wiederholt festgehalten, es liege eine schwere Depression vor (Urk. 14/1 S. 3 und 4
und Urk. 14/2 S. 2
).
Widersprüchlich sind auch die Angaben zu
m Verlauf des Gesundheitszustandes:
Es wird sowohl von
einer leichten
Verbesserung (Urk. 14/2 S. 2) als auch
von einer Verschlechterung des Z
ustandes der Beschwerdeführerin
(Urk. 14/2 S. 3) berichtet.
Unverändert scheinen
weiterhin p
sychosoziale Faktoren den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin erheblich zu beeinflussen.
Es entsteht der Eindruck,
die Ärzte des
Y._
hätten
die von Dr.
C._
attestierte Arbeitsunfähigkeit von 100 %
vorbehaltlos
übernommen
.
D
abei konnte der von Dr.
C._
festgestellte Medika
mentenmissbrauch gestoppt und d
ie Schlafhygiene verbessert
werden; auch
konnten die sozialen Kontakte gepflegt werden (Urk. 14/1 S. 4).
4.2.5
Nach dem Gesagten ist mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich
keit
eine
psychiatrisch bedingte
Arbeitsunfähigkeit
nicht
nachvollziehbar
, schon gar nicht in einem die somatische Einschränkung überschreitenden Umfang von 50 %
.
Weitere Abklärungen
sind angesichts des nicht konsistenten Verhaltens der Beschwerdeführerin nicht angezeigt.
4.3
Es ergibt sich, dass d
ie Beschwerdeführerin
eingeschränkt arbeitsfähig
ist.
Eine angepasste Tätigkeit ist
ihr
aus somatischen Gründen nur noch
zu 50 % zumutbar (E. 4.1.3).
5.
5.1
Da in somatischer Hinsicht eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes aus
gewiesen ist, ist ein neuer Einkommensvergleich durchzuf
ühren. Ein Rentenan
spruch konnte
frühestens im Oktober 2017 entstehen, nachdem sich die Beschwerdeführerin im April 2017 erneut zum Bezug von Versicherungsleistun
gen angemeldet hatte (Urk. 7/61)
.
5.2
Zur Ermittlung des
Valideneinkommens
ist das Einkommen aus der bisherigen selbständigen Erwerbstätigkeit heranzuziehen. Es ist auf die
(
mittlerweile erhält
lichen
)
Angaben aus dem IK-Auszug vom 20. April 2017 (Urk. 7/62/3) abzustel
len. Mit der Abklärungsperson (vgl. den Abklärungsbericht vom 21. November 2014 [Urk. 7/33]) sind die Jahre 2011 und 2012 für die Ermittlung des
Validen
einkommens
als massgebend zu betrachten. Das Einkommen von Fr. 50'600.-- aus dem Jahr 2011 ergibt hochgerechnet auf das Jahr 2017 ein Einkommen von Fr.
52
’835
.
-- (Indexstand 2’604 [2011
] auf 2’719 [2017]; vgl. Bundesamt für Sta
tistik, Sc
hweizerischer Lohnindex, Landesindex der Kon
sumentenpreise, T 39, Entwicklung der
Nominallöhne, der Konsumenten
preise und der Reallöhne, 2010-2017, Nominallöhne Frauen)
.
Das Einkommen von Fr. 42'200.-- aus dem Jahr 2012 ergibt hochgerechnet auf das Jahr 2017 ein Einkommen von Fr.
43
’
628.
-- (Indexstand 2’630 [2012
] auf 2’719 [2017]; vgl. Bundesamt für Statistik, Sc
hwei
zerischer Lohnindex, Landesindex der Kon
sumentenpreise, T 39, Entwicklung der
Nominallöhne, der Konsumenten
preise und der Reallöhne, 2010-2017, Nominal
löhne Frauen)
.
Der Durchschnitt der beiden Einkünfte ergibt das
Valideneinkom
men
. Dieses beträgt Fr. 48’232.--.
5.3
Zur Bemessung des Invalideneinkommens sind die Tabellenlöhne der Schweize
rischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2014 heranzuziehen.
E
s wurde bereits rechts
kräftig entschieden, dass die objektive und subjektive Zumutbarkeit eines Berufs
wechsels in eine unselbständige
Erwerbstätigkeit zu bejahen ist
(siehe vorstehend E.
3.1). Einen Berufswechsel erachtete auch das Bundesgericht für zumutbar; es bestätigte das Urteil des hiesigen Gerichts in s
einem Urteil 9C_26/2017 vom 28. Februar 2017 (Urk. 7/59/5 E.
4.4). Die Beschwerdeführerin vermag mit ihrem Vorbringen, ihr sei aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters ein Berufswechsel in eine ihr völlig fremde und nicht angestammte Tätigke
it nicht zumutbar (Urk. 1 S.
5), somit nicht durchzudringen.
Da der
Beschwerdeführerin
die bisherige Tätigkeit nicht mehr zumutbar ist und
sie ihre beruflichen Kenntnisse
in einer angepassten Tätigkeit nicht verwerten kann,
ist auf das standardisierte monatliche Einkommen für weibliche Hilfsar
beitskräfte (LSE 2014, TOTAL in der Tabelle TA
1) im Kompetenzniveau 1 von Fr.
4‘300.-- abzustellen.
E
ntgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin
kann nicht auf den Lohn für Bürokräfte mit Kundenkontakt abgestellt werden
. Die Beschwerdeführerin verfügt
weder über eine entsprechende Ausbildung noch über Berufserfahrung als Bürokraft. Das
monatliche Einkommen
von Fr. 4'300.--
ist u
nter Berücksichtigung der durch
schnittlichen Arbeitszeit im Jahr 2017 von 41,7 St
unden pro Woche (vgl. Bun
desamt für Statistik, Betriebsüblic
he Arbeitszeit nach Wirtschafts
abteilungen [NOGA 2008], in Stunden pro Woche, 2004-
2017, A-S 01-96) sowie der Nomi
nallohnentwicklung bis ins Jahr 2017 (Indexstand 2’673 [2014] auf 2’719 [2017]; vgl. Bundesamt für Statistik, Schweizerischer
Lohnindex, Landesindex der Kon
sumentenpreise, T 39, Entwic
klung der Nomi
nallöhne, der Konsumenten
preise und der Reallöhne, 2010-2017, Nominallöhne Frauen) auf ein Jahreseinkommen bei einem 50%igen Arbeitspensum hochzu
rechnen.
Es resultiert somit ein Invalideneinkommen von Fr. 27’359.-- (Fr.
4‘300.-- x 12 : 40 x 41,7 : 2’673 x 2'719 x 50
%).
Ein
leidensbedingter Abzug
ist nicht vorzunehmen
,
werden
die körperlichen Einschränkungen
bei einer 5
0%igen
Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit b
ereits
hinreichend
berück
sichtigt
.
5.4
Die aus dem Einkommensvergleich resultierende Erwerbseinbusse beträgt Fr.
20
’
873
.-- (
Valideneinkommen
von Fr. 48’232.-- abzüglich Invalideneinkom
men von Fr. 27’359.--), was einem Invaliditätsgrad von gerundet 43 % entspricht.
Die Beschwerdeführerin hat demnach Anspruch auf eine
Viertelsrente
der Invali
denversicherung ab dem 1. Oktober 201
7.
6.
Die Beschwerdeführerin hat die Rückweisung der Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen beantragt. Das Gericht ist an die
Begehren der Parteien
jedoch
nicht gebunden
(Art. 61
lit
. d ATSG und § 25 Abs. 1
GSVGer
)
.
Nach dem Gesagten ist
die angefochtene Verfügung vom 6. November 2017 in
teilweiser
Gutheis
sung der Beschwerde aufzuheben
, und es ist festzustellen, dass die
Beschwerdeführerin
ab dem 1. Oktober 2017 Anspruch auf eine
Viertelsrente
der Invalidenversiche
rung
hat
.
Im Übrige
n ist die Beschwerde abzuweisen.
7.
7.1
Die Verfahrenskosten sind auf Fr. 800.-- festzusetzen
(Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Die Beschwerdegegne
rin ist zu verpflichten, der
obsiegenden
Beschwerdeführerin eine Prozessentschädigung (§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsge
richt [
GSVGer
])
zu bezahlen. Diese ist auf Fr. 1’0
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehr
wertsteuer
von 8 % bis Ende 2017) fest
zusetzen.