Decision ID: 60b97027-ddda-5d5d-b0a9-a7c9309a0346
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 19
61
geborene
X._
ist ausgebildete Kleinkindererzieherin und Über
setz
erin
(Urk. 7/6/5). Zuletzt arbeitete sie seit dem Jahr 2006 freischaffend als
Lek
torin, Korrektorin und Übersetzerin. Von Juni 2006 bis August 2008 arbei
tete
sie zudem als angestellte Korrektorin und Übersetzerin (Urk. 7/6/5-6).
Am
2
9.
Juli
2010 meldete
sie
sich unter Hinweis auf
eine
chronische Migräne mit Schwin
del
anfällen, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit, motorischen Schwierig
keiten, Niedergeschlagenheit und sporadisch auftretenden halbseitigen Lähmung
en und Sensibilitätsstörungen als Begleiterscheinungen sowie unter Hinweis da
rauf,
dass sie opiathaltige Medikamente einnehme,
bei der
Sozial
versicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug
(Rente, berufliche Mass
nahmen)
an (
Urk.
7/6
). Daraufhin tätigte die IV-Ste
lle Abklärun
gen in er
werblicher (Urk. 7/3-4, Urk. 7/10-12, Urk. 7/16)
und medizinischer
(Urk. 7/13,
Urk. 7/15, Urk. 7/18, Urk. 7/36)
Hinsicht. Insbesondere
holte sie das interdiszi
pli
näre Gutachten des
Y._
vom
2.
November
2011 (Urk. 7/39) ein
. Mit Vorbescheid vom
22. November
2011 teilte sie de
r
Ver
sicherten ihre Absicht mit, den Anspruch auf
Leistungen der Invaliden
ver
siche
rung
zu verneinen (
Urk.
7/42
).
Die Versicherte erhob dagegen Einwand (Urk. 7/43
und Urk. 7/49) und reichte eine Stellungnahme ihres be
handelnden Psychiaters ein (Urk. 7/48).
Hierzu holte die IV-Stelle eine Stellung
nahme des
Y._
ein (Urk. 7/51)
und verfügte
in der Folge
am
4.
April 2012
im angekündigten Sinne
(Urk. 7/55 =
Urk.
2).
2.
Dagegen
erhob
X._
Beschwerde mit dem Rechtsbegehren um Zuspre
chung
einer ganzen Rente
der Invalidenversicherung ab
1.
Februar 201
0.
Eventualiter sei
die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, zusätzliche be
rufliche wie medizi
ni
sche Abklärungen durc
hzuführen und dana
ch neu über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin zu entscheiden
(Urk.
1 S.
2).
Mit Beschwerdeantwort vom
1
9.
Juni 2012
schloss die
IV-Stelle
auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6
). Mit
Eingabe vom 2
2.
Oktober 2012 reichte die Beschwer
deführerin einen wei
teren medizinischen Bericht ein (Urk. 9 und 10).
Die IV-Stelle verzichtete am
1.
November 2012 auf Stellungnahme hierzu (Urk. 12). Am 2
0.
November 2012 reichte die Beschwerdeführerin erneut zusätzliche
Arztbe
richte
ein (Urk.
14 und 15/1-6). Die IV-Stelle verzichtete wiederum auf ei
ne Stellungnahme dazu (Urk. 17), was der Beschwerdeführerin am 1
2.
Dezember 2012 mitgeteilt wurde (Urk. 18).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Al
l
gemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts;
ATSG
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desge
setzes über die Invalidenversicherung; IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be
einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zu
dem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son
bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu ver
werten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend ob
jek
tiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung
einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen
Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden
kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Per
son sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG)
sind.
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen
(BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.4
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das
heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflicht
ge
mäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das
So
zi
alversicherungsgericht
alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
ba
ren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches ge
statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Be
rich
ten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu wür
di
gen
und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztbe
richtes
ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf
allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berück
sich
tigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Be
ur
tei
lung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folge
rung
en begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich so
mit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der ein
ge
reichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in ihrer Verfügung auf den Standpunkt,
es könne auf das Gutachten des
Y._
vom
2.
November 2011 sowie dessen Ergän
zung vom 2
7.
März 2012 abgestellt werden, wonach kein
invalidenversiche
rungs
rechtlich
relevanter Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit vorliege und wonach nie eine längerfristige Arbeitsunfähigkeit be
stan
den
habe (Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin bemängelt am
Y._
-Gutachten insbesondere, dass darin die abweichenden Einschätzungen der behandelnden Ärzte ungenügend be
rück
sichtigt worden seien
und
dass Migräne-Erkrankungen – entgegen ausge
wiese
nen
und anerkannten Erkenntnissen der Neurologie – generell eine invali
disierende Wirkung abgesprochen worden sei
(Urk. 1 S. 9-11).
S
ie
sei
zu 70
%
arbeits
- und
erwerbs
unfähig
, weswegen sie Anspruch auf eine ganze Rente habe
(Urk. 1 S. 11)
. Eventualiter seien auch berufliche Mass
nahmen zu prüfen, da sie in ihrer an
ge
stammten Tätigkeit erheblich einge
schränkt sei (Urk. 1 S. 12).
3.
3.1
Die Hausärztin
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für Innere Medizin, be
richtete am 2
3.
August 2010, dass eine chronische, therapieresistente Migräne so
wie ein Verdacht auf eine reaktive Depression vorl
ägen
. Seit Juni 2009 sei die Exazerbation der Migräne so intensiv, dass die Beschwerdeführerin praktisch täg
lich in verschiedenstem Ausmass an Kopfweh leide. Deswegen sei sie vom 2
4.
September bis am 1
3.
Oktober 2009 auch in stationärer Behandlung in der
Klinik A._
gewesen. Die Beschwerdeführerin sei in ihrem All
tag
deutlich eingeschränkt, es bestünden Konzentrations- und Gedächtnisstö
rungen,
Müdigkeit und Antriebslosigkeit. Sie sei in regelmässiger psychiatri
scher Behand
lung. Die
aktuelle
Opiattherapie mildere die heftigsten Attacken etwas, mache sie aber noch vermehrt müde und konzentrationsunfähig (Urk. 7/13/5-6).
3.2
Der behandelnde Psychiater
Dr.
med.
B._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
, diagnostizierte in seinem Bericht vom 1
6.
September 2010
eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung und Fluchtmigration, ge
mäss
Anhang zum DSM IV-TR als DESNOS zu codieren, was logisch der Ziffer F62.0
des
ICD-10
und einer anhaltenden Persönlichkeitsveränderung entspre
che
, sowie
eine ausgeprägte Migräne mit Attacken mehrmals wöchentlich (ICD-10: G
4
3). Die
Kopfschmerzen bestünden bereits seit der Kindheit, Migräne seit dem 1
8.
Alters
jahr, wobei es in den letzten Jahren zu einer Verschlechterung gekommen sei. Zu
sätzlich würden sich die
Traum
afolgen
zunehmend manifes
tieren (Urk. 7/15/2).
Bei den heftigen Migräneanfällen sei die Beschwerdeführe
rin nicht in der Lage, sich aufmerksam und konzentriert auf ihre Übersetzungs
arbeit einzulassen. Re
du
ziert seien jeweils auch Auffassungsvermögen und Aus
dauer.
Durch die ge
nannten Beeinträchtigungen sinke auch die Qualität der Ar
beit. Somit bestehe eine verminderte Leistungsfähigkeit (Urk. 7/15/4).
3.3
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Neurologie,
Leiter des
D._
,
nannte in seinem Bericht vom November 2010 folgende Di
agnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: eine chronische Migräne, ei
nen rezidivierenden Status
migranosus
, einen episodischen
Schwankschwindel
,
differentialdiagnostisch migränebedingt, eine migränebedingte chronische Mü
dig
keit sowie rezidivierendes Fieber unklarer Ursache,
differentialdiagnos
tisch
mi
gränea
ssoziiert
(HANDL-Syndrom?; Urk. 7/18/1)
.
Er erwähnte zwei sta
tionäre Behandlungen der Beschwerdeführerin und gab an, seit Jahren sei die Migräne
chronisch, das heiss
t
sie trete an mehr als 15 Tagen pro Monat auf, teilweise daure
sie mehr als 75 Stunden und teilweise handle es sich um
Migrä
neattacken
mit Aura
. Die Beschwerdeführerin sei in einer unselbständigen Tä
tigkeit voll
um
fänglich arbeitsunfähig, freischaffend sei sie zu 70 bis 80
%
ar
beitsunfähig.
Die bisherige Tätigkeit sei noch zu 10 bis 20
%
zumutbar, mit teilweise ver
minderter Leistungsfähigkeit. Die Migräne und deren Begleitsymp
tome würden sich invalidisierend auswirken (Urk. 7/18/2).
Eine angepasste Tä
tigkeit sei je nach Migräne und Begleitsymptomen stark variierend allenfalls täglich ein paar Stunden möglich (Urk. 7/18/3).
Am
6.
Juli 2011 berichtete
Dr.
C._
wiederum, dass die Beschwerdeführerin ihrer angestammten Tätigkeit, nämlich Übersetzungen, welche oft unter Zeit
druck
erledigt werden müss
t
en, wegen der sehr starken Migränebelastung nicht nach
gehen könne. Vom 2
1.
März bis am 1
4.
April 2011 sei eine
Hospitalisation
in
der Klinik
D._
erforderlich geworden. Seither seien nur noch drei schwä
che
re
Migräneattacken sowie starke Müdigkeit aufgetreten. Die Prognose sei güns
tig. Wichtig sei, dass die Beschwerdeführerin bei einer zukünftigen Ar
beit genügend Möglichkeiten für Pausen und eine individuelle Arbeitszeit habe und möglichst ohne Zeitdruck arbeiten könne (Urk. 7/36/1-2).
Den angehängten Be
richten ist zudem zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin
wegen einer
Migrä
neattacke
am 1
1.
Juni 2011 notfallmässig behandelt werden musste (Urk. 7/36/5) und am Termin der Nachkontrolle vom
1.
Juli 2011 an Ko
pf
schmer
zen litt (Urk. 7/36/3).
Im Bericht über die Nachkontrolle wurde weiter ange
ge
ben,
d
ie Beschwerdeführerin wirke etwas blasser und müder, teils wegen der
gera
de
vorhandenen Kopfschmerzen, teils wegen der Probleme mit den Be
hörden und der Krankenkasse.
Zwischenzeitlich sei es zu einer allmählichen Zunahme der Migräneattacken auf zwei bis drei pro Woche gekommen.
Die Beschwerde
füh
rerin habe ein gutes Potential für die jobmässige Neuorientierung (Urk. 7/36/3).
3.4
Die Ärzte des
Y._
stellten in ihrem Gutachten vom
2.
November 2011 keine Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/39/34). Als ohne Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit erachteten sie das
Cervicocranialsyndrom
, das leichte
Ganglion-Rezidiv
dorso-ulnar
am linken Handgelenk sowie die Migräne mit Aura (Urk. 7/39/34).
Die allgemeinmedizinische Untersuchung ergab
insbe
so
n
dere aus kardio
pulmonaler Sicht
kei
nerlei
Hinweise auf
Einschränkungen der
Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/39/36). Aus rheumatologi
scher Sicht
besteht nach An
sicht
der Gutachter eine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit
, wobei Tätigkeiten mit weniger Arbeit am Bildschirm oder am Schreibtisch bei
unergonomischer
Kopfstellung respektive mit
mehr
Möglichkeiten für
Aus
gleichgymnastik
oder
Ein
nahme einer Entspannungshaltung empfohlen wurden
. Einen Zusammen
hang
der
c
ervicocranialen
Beschwerden mit der Migräne verneinten die Experten. Sie
gingen von zwei verschiedenen Ursachen aus
(Urk. 7/39/37).
Aus neurologi
scher
Sicht sei eine typische Migräne mit Aura zu diagnostizieren. Während schwerer Attacken bestehe gegebenenfalls
begründe
terweise
, wenn die Bedarfsmedikation
nicht ausreiche, eine akute Arbeitsunfä
higkeit. Eine anhaltende
Leistungsminde
rung
lasse sich durch diese Erkrankung hingegen nicht begründen (Urk. 7/39/37)
.
In der psychiatrischen Untersuchung seien keine Hinweise auf eine depressive Stö
rung, eine posttraumatische Belastungsstörung oder eine
Wesensverände
rung
zu finden gewesen. Die beklagten Beeinträchtigungen aufgrund der Mig
räne seien nicht im Sinne einer eigenständigen psychiatrischen Störung zu se
hen
(Urk. 7/39/38).
Insgesamt liege somit keine gesundheitliche Störung vor, welche einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
h
ab
e
(Urk. 7/39/38).
3.5
Anlässlich der Nachkontrolle vom 3
0.
November 2011 gab
Dr.
C._
an, die Be
schwerdeführerin habe nach wie vor zwei- bis viermal pro Woche Migräne. Die Beschwerdeführerin habe auch andere Kopfwehtypen, bei welchen die
Trip
tane
nicht wirken würden. Er beschrieb die Beschwerdeführerin als deprimiert und etwas labiler als sonst (Urk. 15/3).
3.
6
In seiner Stellungnahme vom 2
3.
Januar 2012
führte der behandelnde Psychia
ter
Dr.
B._
aus, invalidenversicherungsrechtlich sei nur ein Neurologe befugt, die Beeinträchtigungsschwere einer Migräne zu beurteilen, weshalb er bewusst
vage Angaben zur Arbeitsunfähigkeit gemacht habe. Nebst der Migräne liege bei
der Beschwerdeführerin eine komplexe posttraumatische
Belastungs
störung
vor,
welche auf multiple traumatische Erfahrungen und nicht auf ein einmalig
es Er
eignis zurückzuführen sei.
Die Beschwerdeführerin
vermöge in
störungsty
pischer
Art und Weise nicht mehr zwischen körperlichen und psy
chischen Missempfin
d
ungen zu unterscheiden
und es sei zu einer
Somatisierung
gekommen
. Die Psy
chiaterin des
Y._
gehe kaum auf die traumatische Vorge
schichte und die
schwierigen Beziehungsstrukturen in der Familie ein und habe sich nicht mit der
Diagnose dieser posttraumatischen Belastungsstörung des nicht im ICD-10 auf
geführten Typs II auseinandergesetzt, obwohl die
Schmerz
störung
auch einen traumatischen Hintergrund haben könnte (Urk. 7/48/2-3).
3.
7
Die
Y._
-Gutachter entgegneten darauf am 2
9.
Februar 2012,
Dr.
B._
habe
anerkannt, dass das
Y._
-Gutachten als Versicherungsgutachten stichhal
tig sei.
Die Beeinträchtigung durch eine Migräne zu beurteilen, stehe tatsächlich nur einem
Neurologen zu.
Zur Beurteilung der
von der IV-Stelle
gestellten Fra
gen
bezi
ehungsweise der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
seien die von ihnen
berücksichtigten diagnostischen Kriterien nach ICD-10 ausreichend (Urk. 7/51).
3.
8
In seinem Bericht vom
8.
Juni 2012 gab
Dr.
C._
an, die Beschwerdeführerin leide seit Jahren an fast täglichen Kopfschmerzen, von denen die meisten Mig
räne-Kopfschmerzen (heftig und mit bestimmten Begleiterscheinungen) entsprä
chen. Der Neurologe des
Y._
sehe eine Migräne als reines
Attackenleiden
mit offensichtlich niedriger Frequenz und ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit. Die Migräne könne jedoch sehr wohl chronisch sein. Eine solche basiere auf
der Diagnose der Migräne mit oder ohne Aura, die an mindestens 15 Tagen pro Monat während mindestens drei Monaten existiere. Nicht selten komme es aber auch zu täglichen oder fast täglichen Kopfschmerzen. Die für die Diagnose einer Migräne notwendigen Begleiterscheinungen wie Nausea, Erbrechen, Licht- und
Lärmempfindlichkeit sowie mittel- bis starke Kopfschmerzintensität müss
ten nicht
für alle Tage erfüllt sein. Bei der Beschwerdeführerin liege seit Jahren eine chronische Migräne vor. Sie sei i
n ihre
m Alltag beeinträchtigt (Urk. 10 S. 2).
4.
4.1
Die IV-Stelle stellte auf das
Y._
-Gutachten vom
2.
November 2011 (Urk. 7/39)
sowie dessen Ergänzung vom 2
9.
Februar 2012 (Urk. 7/51) ab.
Die Gutachter des
Y._
führten eine allgemeinmedizinische (Urk. 7/39/9-17), eine rheumatolo
gische
(Urk. 7/39/17-
21)
, eine neurologische
(Urk. 7/39/21-28)
und eine psychi
atrische
(Urk. 7/39/28-34)
Untersuchung durch
. Zudem
standen
ihnen
die medi
zinischen
Vorakten
zur Verfügung (Urk. 7/
39
/1-
9
).
Die beteiligten Gutachter
be
rück
sich
tigte
n
weiter
die
Angaben der Beschwerdeführerin und
erhob
en
die Anamnese und
die Befunde.
4.2
Der allgemeinmedizinische und der rheumatologische Teil des
Y._
-Gutachtens wurden nicht beanstandet.
Aufgrund des
unauffälligen allgemeinmedizinischen Sta
tus
(Urk. 7/39/14-17) ist es nachvollziehbar, dass aus
allgemein
medi
zinischer
Sicht keinerlei Diagnosen gestellt wurden.
Die
aufgeführten rheu
ma
tologischen
Diagnose
n (Urk. 7/39/
20)
,
und dass diese die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerde
füh
rerin nicht beeinflussen,
erscheint
ebenso
plausibel
anhand der
nicht
gravie
renden
erhobenen Befunde
(Urk. 7/39/19-20).
4.3
Am neurologischen Teilgutachten des
Y._
bemängelt die Beschwerdeführerin, dass die Häufigkeit und
die
Schwere ihrer Kopfwehanfälle in Frage gestellt wor
den seien und dass Migräne-Erkrankungen
zu Unrecht
generell ein invalidisie
ren
der Charakter abgesprochen
werde
(Urk.
1 S.
10). Die Abweichung von der Be
urteilung der behandelnden Ärzte, insbesondere des Kopfwehspezialisten, sei nicht ausreichend begründet (Urk. 1 S. 10 f.).
Häufigkeit und Schwere von Kopfweh können nicht objektiviert werden. Der
Y._
-
Gutachter
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Neurologie,
stützte sich
deshalb
bei deren Beurteilung ebenso wie die behandelnden Ärzte auf die An
gaben der Beschwerdeführerin ab. Diese hatte
bei der Begutachtung
zwar vor
erst angegeben, sie leide jeden Tag an Migränekopfschmerzen, relativierte dann
jedoch, dass sie an etwa der Hälfte der Tage pro Woche an
Migräne
kop
f
schmer
zen
leide und die anderen drei bis vier
Tage
pro Woche
kopfwehfrei seien (Urk. 7/39/27)
,
und blieb
auch im weiteren Verlauf
der Begutachtung bei
diese
n
Angaben mit der Ergänzung,
sie habe etwa dreimal wö
chentlich leichte
Migrä
ne
kopfschmerzen
. Aus der Gesamtheit dieser beiden Aussagen zog
Dr.
E._
den nachvollziehbaren Schluss, dass die heftigen Migräneattacken nicht allzu häufig vorkommen (Urk. 7/39/27). Diese Schlussfolgerung
findet im Bericht des
Kopfwehspezialis
ten
Dr.
C._
vom
6.
Juli 2011
eine Stütze. Gemäss diesem sind
seit dem Austritt aus der Klinik
D._
am 1
4.
April 2011 nur drei
schwä
che
re
Migräneattacken aufgetreten (Urk. 7/
36/1).
Die angegebenen zwei bis drei
be
ziehungsweise zwei bis vier
Migräneattacken pro Woche (Urk. 7/36/3,
Urk. 15/3
)
widerspre
chen den An
gaben im Gutachten
nicht, da aus den jeweiligen Be
richten nicht hervorgeht, um wie schwere Attacken es sich dabei handelt. Indes
wird dadurch bestätigt, dass die
präzisierte
Angabe der Beschwerdeführerin, dass
sie etwa an der Hälfte der Tage pro Woche Migräne habe, zutreffender ist als die
anfängliche
Angabe, dass sie jeden Tag Kopfweh habe.
Auch dass die Migräne
chronisch sei und entsprechend an mehr als 15 Tagen pro Monat Kopfweh
auf
trete
(
Urk. 15/3), spricht
nicht
dagegen, dass ungefähr jeder zweite Tag
kopf
weh
frei
ist.
Die gegenüber der Rechtsanwältin der Beschwerdeführerin am
8.
Juni 2012 gemachte Angabe von
Dr.
C._
, dass die Beschwerdeführerin fast jeden Tag an Kopfschmerzen leide (Urk. 10 S. 2), widerspricht seinen vorherigen An
ga
ben, insbesondere derjenigen vom
6.
Juli 2011, wonach die Beschwerde
füh
rer
in in fast drei Monaten nur drei schwächere Attacke
n
erlitten habe
(Urk. 7/36/1)
.
E
ine abweichende spätere Sachdarstellung im Rahmen des
Rechtsmittel
ver
f
ah
rens
kann
im Wissen um allfällige
sozialversicherungsrechtli
che
Auswirkungen bewusst oder unbewusst durch nachträgliche Überlegungen beeinflusst sein (BGE 121 V 47 E. 2a und 115 V 143 E. 8c; RKUV 1988 S. 363 E. 3b/
aa
).
Die An
gaben stammen zwar nicht direkt von der Beschwerdeführerin, son
dern von einem Arzt, doch auch dieser hat keine Möglichkeit, die Häufigkeit der Kopf
schmerzen objektiv festzustellen, weshalb davon auszugehen ist, dass seine An
gabe
n auf dem basieren
, was die Beschwerdeführerin ihm
jeweils
zuvor berich
te
t hatte.
Daher und bei Betrachtung sämtlicher Beweisstücke erscheinen die früher gemachten Angaben als zuverlässiger.
Insgesamt sind somit die von
Dr.
E._
getroffenen Annahmen bezüglich Häufigkeit und Schwere der Kopfschmer
zen nicht zu be
zweifeln
.
Weiter ging er gestützt auf die Angaben der Beschwerdeführerin davon aus, dass die Akutmedikation in 60
%
der Fälle einer Migräneattacke innerhalb von
30 Minuten bis zwei Stunden gut wirke (Urk. 7/39/27) beziehungsweise die Schmer
zen
gut
kupiere (Urk. 7/39/
22
).
Bei dieser Ausgangslage ist es nach
voll
zieh
bar, dass
Dr.
E._
die Mig
räne mit Aura trotz allfälligen damit ver
bun
denen akuten Arbeitsunfähigkeiten als
episodenhaft verlaufende Erkran
kung ohne anhaltende Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit einstufte
(vgl. Urk. 7/39/28)
.
Ob eine Migräneerkrankung in anderen Fällen in
validisierend ist oder nicht
kann hier offen bleiben.
4.4
Mit dem psychiatrischen Teilgutachten des
Y._
ist die Beschwerdeführerin in
so
weit nicht einverstanden, als die posttraumatische Belastungsstörung Typ II und deren Zusammenhang mit den vorhandenen Schmerzen nicht geprüft wor
den
sei (Urk.
1 S. 7 f.).
Dem ist zu entgegnen, dass nicht die korrekte diagnostische Einordnung eines
Gesundheitsschadens entscheidend ist, sondern dessen konkrete Auswirkungen auf
die Arbeits- und Leistungsfähigkeit (BGE 136 V 279 E.
3.2.1 mit Hinweis). Da
rüber hinaus gilt eine posttraumatische Belastungsstörung nicht an sich ge
nerell als invalidisierend. Vielmehr hat der Psychiater darzulegen, inwiefern ihre Auswirkungen
trotz geeigneter Behandlung
nicht durch zumutbare
Willens
an
strengung
überwindbar
sind
. Dabei gelten die für die Überwindbarkeit von
pa
tho
genetisch-ätiologisch
un
klaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nach
weis
bare organische Grund
lage aufgestellten Kriterien (
Bundesgerichts
urteile
8C_483/2012 vom
4.
Dezember 2012 E.
4.2 sowie 9C_671/2012 vom 1
5.
No
vem
ber 2012 E. 4.3; vgl. ferner BGE 136 V 279 und 130 V 352).
Dass die von ihm diagnostizierte posttraumatische Belastungsstörung des Typs II konkrete Auswirkungen auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit habe, legte
Dr.
B._
nicht dar, sondern schrieb die Beeinträchtigung der Arbeitsfähig
keit der Migräne zu (Urk. 7/15/4
Ziff.
1.6 und 1.7).
Auch d
ie
Y._
-Gutachter hielten klar fest, dass
die
Prüfung
des Vorliegens einer posttraumatische
n
Belastungsstörung des Typs II
keinen Einfluss auf die
Beant
wortung der
ihnen gestellten Fragen h
ätt
e (Urk. 7/51).
Im Übrigen leuchtet es nicht ein, weshalb die gemäss
Dr.
B._
auf
Jahr
zehnte zurückliegenden
Kindheitsereignissen basierende posttraumatische
Be
lastungsstörung
sich nach langjähriger vollumfänglicher Arbeitsfähigkeit nun plötzlich einschränkend auswirken sollte.
Schliesslich gab auch die Beschwerdeführerin selber an, keine
eigenständigen psy
chischen
Probleme zu haben. Ihr einziges gesundheitliches Problem sei die
Migräne inklusive deren Auswirkungen (Urk. 7/39/28-30).
Daneben wurden Schwie
rigkeiten mit der Krankenkasse
und dem Sozialamt
beschrieben
(vgl. zum Beispiel Urk. 15/3)
. Dabei handelt es sich jedoch um psychosoziale
Belastungs
f
akto
ren
, welche
vom
invalidenversicherungsrechtlich
en Standpunkt aus
unbe
acht
lich
sind
(BGE 127 V 294 E. 5a)
.
Die
Y._
-Gutachterin
Dr.
F._
, Fachärztin für Allgemeine Medizin,
Psychi
a
t
rie und Psychotherapie
,
fand
keine
Anhaltspunkte für Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen sowie
für Kurz- oder Langzeitgedächtnisstö
rungen und
keine Erschöpfungstendenz im Rahmen der gutachterlichen Unter
suchung
.
Ebenso wenig hätten bei der Kommunikation und
bei
den interperso
nellen Ak
tio
nen Auffälligkeiten bestanden.
Sie beschrieb die Grundstimmung als durch
gehend adäquat, situationsangepasst, ausgeglichen und freundlich. Die Mitwir
kung sei aktiv gewesen, die Fragen seien rasch aufgenommen und bear
beitet worden, die Beschwerdeführerin habe dem raschen Explorationsstil prob
lemlos folgen können
.
Depressionstypische Denkinhalte seien keine zu be
obachten ge
wesen, namentlich keine Insuffizienzgefühle, Gefühle der Wertlo
sigkeit, Schuld
gefühle, kein alle Belange des alltäglichen Lebens betreffender
Interessens
verlust
, keine Einschränkung im sozialen und Integrationsniveau, keine Beeinträch
ti
gung der Affektivität und keine Suizidalität. Die
Freudfähig
keit
sei erhalten und der Antrieb sei unauffällig (Urk. 7/39/29).
Bei diesen
Be
urteilungsgrundlagen
sind die Konstatierung
des Fehlens einer relevanten psy
chiat
rischen Diagnose
und die Schlussfolgerungen im Sinne des Fehlens
einer sich erwerblich auswir
ken
den Beeinträchtigung aus psychiatrischer Sicht
(Urk. 7/39/
33-34)
nachvoll
ziehbar.
4.5
Des Weiteren macht die Beschwerdeführerin geltend, d
ie durch lange dauernde
und umfassende Betreuung durch die behandelnden Ärzte gewonnenen wert
vollen
Erkenntnisse seien hier
stärke
r zu gewichten als die aufgrund einer ein
maligen Exploration vorgenommene psychiatrische Begutachtung (Urk.
1 S.
9).
Dass die behandelnden Ärzte die Beschwerdeführerin umfassender und über einen längeren Zeitraum kennen,
ist ein Aspekt, jedoch kann der Einschätzung der behandelnden Ärzte
gestützt darauf kein Vorrang gewährt werden, da das Gericht andererseits
in Bezug auf Berichte von Hausärzten und behandelnden Spezialärzten der Erfahrungstatsache Rechnung tragen
darf und soll, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zwei
fels
fällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351
E. 3b/cc, BGE 135 V 465 E. 4.5).
4.6
Da
gemäss dem überzeugenden
Y._
-Gutachten die erwerbliche Leistungs
fähig
keit
der Be
schwerdeführerin
aus medizinischer Sicht nicht eingeschränkt
ist, ist nicht zu beanstanden, dass ihr keine Leis
tungen der Invalidenversicherung zu
ge
sprochen wurden. Insbesondere besteht bei dieser Sachlage auch kein An
spruc
h auf berufliche Massnahmen.
Auf die von der Beschwerdeführerin im November 2012 geltend gemachte Verschlechterung (vgl. Urk. 14) ist nicht einzugehen. In diesem Verfahren massgebend ist der Sachverhalt bis zum Erlass der ange
foch
tenen Verfügung.
Infolge
dessen ist die Beschwerde abzuweisen.
5.
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung
von Leistungen der Invalidenversicherung. Das Verfahren ist daher kosten
pflich
tig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhän
gig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und ermessensweise auf
Fr.
8
00.
--
anzusetzen. Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten
der Beschwer
deführerin
aufzuerlegen.