Decision ID: a052532f-6e52-4544-98ae-1476d74c1c50
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1965, erlitt am 29. Mai 2000 einen Verkehrs
un
fall (Urk. 6/3) und
meldete sich in der Folge am 6. August 2001 wegen Beschwerden nach einer Halswirbelsäulen-Distorsion (HWS-Distorsion) bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/17).
Nachdem die Versicherte psychiatrisch (Urk.
6
/
41
) und polydisziplinär (Urk.
6
/
55
)
begutachtet worden war, sprach ihr die IV-Stelle Bern mit Verfü
gung vom 25. Mai 2004 (Urk. 6/62/6 unten, Urk. 6/58) gestützt auf einen Inva
liditätsgrad von 70 % mit Wirkung ab 1. Mai 2001 eine ganze Invalidenrente zu.
Aufgrund des Wohnortwechsels der Versicherten wurde ihr Dossier am 14. Juli 2004 der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, überwiesen (Urk. 6/63).
1.2
Am 19. November 2007 reichte die Versicherte den ausgefüllten Revisions
frage
bogen ein (Urk. 6/70), worauf die IV-Stelle Zürich medizinische Ab
klärun
gen tätigte (Urk. 6/71-72) und insbesondere ein Gutachten einholte, welches am 18. Dezember 2010 erstattet wurde (Urk. 6/101).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 6/107-124)
hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 23. März 2012 (Urk. 6/125) die Rente auf das Ende des nächstfolgenden Monats auf.
Gegen die Verfügung vom 23. März 2012 (Urk. 6/125) erhob die Versicherte am 20. April 2011 (richtig: 2012) Beschwerde (Urk. 6/131/3-12), welche vom hiesi
gen Gericht im Verfahren IV.2012.00425 mit Urteil vom 11. September 2012 (Urk. 6/139) abgewiesen wurde. Die von der Versicherten dagegen erhobene Beschwerde (Urk. 6/143/2-10) wies das Bundesgericht mit Urteil vom 28. März 2013 (Urk. 6/155) ab.
1.3
Am 12. November 2012 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 6/141). Die IV-Stelle
tätigte er
werbliche und medizinische Abklärun
gen.
Nach durch
geführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 6/161-165) verneinte die IV
Stelle mit Verfügung vom 10. Juni 2013 einen Leistungsanspruch der Versicher
ten (Urk. 6/166).
Auf das „Zusatzgesuch“ zur Prüfung von Integrationsmassnahmen vom 4. Fe
bruar 2014 (Urk. 6/168) trat die IV-Stelle nach durchgeführtem Vorbescheid
verfahren (Urk. 6/170-179) mit Verfügung vom 12. November 2014 (Urk. 6/180) nicht ein.
1.4
Am 27. Dezember 2014 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 6/184). Die IV-Stelle
tätigte er
werbliche und medizinische Abklärun
gen.
Nach durch
geführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 6/197-209) verneinte die IV
Stelle mit Verfügung vom 5. Juli 2016 einen Leistungsanspruch der Versi
cherten (Urk. 6/210 = Urk. 2).
Mit Verfügung vom 26. Juli 2016 verneinte die IV-Stelle sodann einen Anspruch der Versicherten auf eine Hilflosenentschädigung (Urk. 6/211).
2.
Die Versicherte erhob am 29. August 2016 Beschwerde (Urk. 1)
gegen die Verfü
gung vom 5. Juli 2016 (Urk. 2) und beantragte, es sei ihr eine Invalidenrente zuzusprechen (S. 2 Ziff. 1) und es seien ihr Integrationsmassnahmen und beruf
liche Massnahmen zuzusprechen (S. 2 Ziff. 2), eventuell sei sie medizinisch zu begutachten (S. 2 Ziff. 3).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 3. Oktober 2016 (Urk. 5) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Eingabe vom 22. Februar 2017 (Urk. 13) begründete die Beschwerdeführerin ihre Beschwerde ergänzend und reichte einen weiteren Arztbericht zu den Akten (Urk. 14).
Mit Gerichtsverfügung vom 17. März 2017 wurde die Beschwerdeführerin aufge
fordert, um – sofern sie an der Beschwerde festhalten wolle – darzulegen, welche Eingliederungsmassnahmen sie beantrage und in geeigneter Weise nachvollziehbar zu belegen, dass die entsprechenden Anspruchsvoraussetzun
gen erfüllt seien (Urk. 17). Mit Eingabe vom 4. Mai 2017 nahm die Beschwer
deführerin Stellung (Urk. 19) und reichte einen weiteren Arztbericht zu den Akten (Urk. 20).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wurde eine Rente
wegen eine
s zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs. 2
dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
1.2
Nach Eingang einer Neuanmeldung ist die Verwaltung zunächst zur Prüfung verpflichtet, ob die Vorbringen der versicherten Person überhaupt glaubhaft sind; verneint sie dies, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Dabei wird sie unter anderem zu berücksichtigen haben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und dementsprechend an die Glaubhaftmachung höhere oder weniger hohe Anfor
derungen stellen (ZAK 1966 S. 279, vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 72 E.
2.2 mit Hinweisen). Insofern steht ihr ein gewisser Beurteilungsspielraum zu, den das Gericht grundsätzlich zu respektieren hat. Daher hat das Gericht die Behandlung der Eintretensfrage durch die Verwaltung nur zu überprüfen, wenn das Eintreten streitig ist, das heisst wenn die Verwaltung gestützt auf
Art.
87
Abs.
3 IVV
Nichteintreten beschlossen hat und die versicherte Person deswegen Beschwerde führt; hingegen unterbleibt eine richterliche Beurteilung der Ein
tretensfrage, wenn die Verwaltung auf die Neuanmeldung eingetr
eten ist (BGE 109 V 108 E. 2b).
1.3
Mit
Art.
87
Abs.
3 in Verbindung mit
Abs. 2 IVV
soll verhindert werden, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger Leistungsverweige
rung immer wieder mit gleich
lautenden und nicht näher begründeten, das heisst keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Gesuchen befassen muss (BGE 109 V 108 E. 2a, 264 E. 3). Hingegen kann diese Eintretensvorschrift nicht dahingehend ausgelegt werden, dass die glaubhaft zu machende Ände
rung gerade jenes Anspruchselement betreffen muss, welches die Verwaltung der früheren rechtskräftigen Leistungsabweisung zugrunde legte. Vielmehr muss es genügen, wenn die versicherte Person zumindest die Änderung eines Sach
verhalts aus dem gesamten für die Rentenberechtigung erheblichen Tatsachen
spektrum glaubwürdig dartut. Trifft dies zu, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren einzutreten und es in tatsächlicher (wie selbstver
ständlich auch in rechtlicher) Hinsicht allseitig zu prüfen (BGE 117 V 198 E. 3a und E. 4b; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 72 E.
2.2 mit Hinweisen).
1.4
Zur Frage des Bedeutungsgehalts des
Art.
87
Abs. 2 und 3 IV
hat das Bundes
ge
richt in BGE 130 V 64 E. 5.2.5 festgehalten, dass die versicherte Per
son mit dem Revisionsgesuch oder der Neuanmeldung die massgebliche Tatsa
chen
än
derung glaubhaft machen muss, ihr mithin ausnahmsweise eine Beweis
führungslast zukommt. Tritt die Verwaltung auf das erneute Leistungsbe
gehren ein, hat sie demgegenüber gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sach
verhaltes zu sorgen (Art. 43 ATSG, Art. 57 IVG in Verbindung mit Art. 69 ff. IVV; SVR 2006 IV Nr. 10 S. 39 E. 4.1 [I 457/04];
vgl. auch BGE 117 V 198 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom 5. Juli 2016 (Urk. 2) davon aus, dass die Abklärungen keine nachvollziehbare gesundheitli
che Veränderung gegenüber der Verfügung vom 23. März 2012 ergeben hätten. Es seien keine weiteren medizinischen Unterlagen eingereicht worden, welche die Aktenlage verändern würden. Die Beschwerdeführerin habe weiterhin kei
nen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung.
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (Urk. 1), dass es ihr heute wesentlich schlechter gehe als noch im Jahr 2012 (S. 4). Sie habe sich seit dem 12. November 2014 stationär in der psychiatrischen Klinik Y._ aufgehalten. Die Diagnose habe auf eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit somatischen Symptomen gelautet (Urk. 13 S. 5). Mit den Berichten der Klinik Y._ sei klar erstellt, dass sich seit der Verfügung vom 23. März 2013 eine dauerhafte und wesentliche Ver
schlechterung des psychiatrischen Gesundheitszustandes eingestellt habe. Der schwere Einbruch im Jahr 2014 sei nicht bloss vorübergehend gewesen, sondern habe zu einer dauerhaften und schwerwiegenden Verschlechterung des Gesund
heitszustandes geführt. Basierend auf den erwähnten medizinischen Unterlagen sei erstellt, dass sie aufgrund ihrer Störung nicht mehr arbeitsfähig sei (S. 11).
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit, ob seit der Verfügung vom März 2012 (Urk. 6/125), womit die Rente aufgehoben wurde, eine erhebliche Verände
rung des Gesund
heits
zu
standes der Beschwerdeführerin eingetreten ist und ihr infol
ge
dessen ein An
spruch auf Leistungen der Invalidenversicherung zusteht.
3.
3.1
Im Zeitpunkt des Urteils des hiesigen Gerichts vom 11. September 2012 (Urk. 6/139) stellte sich der Sachverhalt in medizinischer Hinsicht im Wesentli
chen wie folgt dar.
3.2
Dr. med. Z._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
berichtete am 16. Dezember 2007 (Urk. 6/71) zuhanden der Beschwerdegegnerin und nannte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein Schleuder
trauma bestehend seit 29. Mai 2000 (Ziff. 2.1). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie eine Endometriose, eine Hypercholesteri
nämie, chronisch rezidivierende Bauchschmerzen sowie eine Gewichtszunahme (Ziff. 2.2). Sie führte aus, dass die Beschwerdeführerin seit dem Jahre 2000 zu 70 % arbeitsunfähig sei (Ziff. 3). Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführe
rin könne durch medizinische Massnahmen nicht verbessert werden (Ziff. 5.2).
3.3
Dr. med. A._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Medizini
sches Zentrum B._, erstattete sein Gutachten (Urk. 6/101/1-59) am 18. Dezember 2010 gestützt auf die Anamnese, die Befunde, die ihm überlasse
nen Akten (S. 2
f.) sowie ein rheumatologisches (Urk.
6/101
/60-66), neurologi
sches (Urk.
6
/
101
/67-77)
und psychiatrisches (Urk. 6/101/78-86) Konsilium.
Er nannte folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 48 Ziff. 6.1):
-
chronifiziertes Zervikocephalsyndrom mit/bei:
-
Status nach zweizeitigem Autounfall (Frontalkollision und Heckkollo
sion) vom 25. (richtig: 29.) Mai 2000
-
mässig schmerzhaften Tendomyosen
-
radiologisch geringer Progression der Osteochondrose mittelzervikal
-
myofasciales Schultergürtel-Syndrom beidseits mit/bei:
-
thorakaler Hyperkyphose
-
radiologisch Tendenz zur Spondylosis hyperostotica
-
deutlicher muskulärer Dysbalance
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannte er (S. 48 Ziff. 6.2):
-
Migräne (Differentialdiagnose: möglicher anteiliger Analgetikakopf
schmerz)
-
leichtgradige Schallempfindungsstörung rechts mit/bei:
-
Status nach Hörsturz im Jahr 2008
-
essentielle arterielle Hypertonie, medikamentös eingestellt
-
Status nach diversen intraabdominellen Eingriffen bei Endometriose
Er führte zudem aus, dass die Beschwerdeführerin aus internistischer Sicht sowohl als Büroangestellte als auch für alle sonstigen Verweistätigkeiten zu 100 % arbeitsfähig sei (S. 52 unten).
Aus rheumaorthopädischer Sicht könne davon ausgegangen werden, dass sich gegenüber der Gutachtenuntersuchung an der RehaClinic C._ vom März 2003 (vgl. vorstehend E. 3.6) nichts Wesentliches geändert habe. Die Art und Lokalisation der geklagten Beschwerden könnten vor allem als Ausdruck eines myofascialen Schmerzsyndroms des ganzen Schultergürtels durch die beschrie
benen klinischen Befunde problemlos objektiviert werden, nicht jedoch die an
gegebene Einschränkung im Alltag. Nicht bestätigt werden könne ausserdem die Diagnose eines Fibromyalgiesyndroms. Vielmehr zeige die Beschwerdeführerin einige Aspekte eines nicht organischen Krankheitsverhaltens. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit seien der Beschwerdeführerin den Schultergürtel speziell be
las
ten
de Tätigkeiten in einer unergonomischen Arbeitshaltung, häufige Tätig
keiten über Schultergürtelhöhe sowie belastende Arbeiten rotatorischer oder elevato
rischer Art im Schultergürtel nicht mehr zumutbar. Für adaptierte Ar
bei
ten sei rein von Seiten des Bewegungsapparates her eine vollschichtige Tätig
keit zumutbar (S. 53).
Bei der neurologischen Untersuchung finde sich kein sicherer oder wahrschein
licher Anhalt für eine behindernde Läsion am zentralen oder peripheren Nerven
system. Es bestehe der dringende Verdacht einer bewusstseinsnahen demon
strativen Darbietung von Einschränkungen und Beschwerden mit einer deutli
chen Diskrepanz zwischen den anamnestisch angegebenen Beschwerden beziehungsweise den demonstrierten Bewegungseinschränkungen und dem unbe
einträchtigten klinischen Eindruck beziehungsweise der freien HWS
Be
weg
lich
keit ausserhalb der formalen Prüfung. Die von der Beschwerde
führerin vor
ge
tragene Kopf- und Nackenschmerzsymptomatik sei am ehesten als Migräne zuzuordnen. Für eine Migräne würden dabei vor allem auch die migräne-typi
schen Begleitphänomene (Licht- und Lärmscheu, Visusstörungen) sprechen (S. 53 unten). Eine neurologisch bedingte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit liege nicht vor (S. 54 oben).
Bei der psychiatrischen Exploration sei es heute nicht mehr möglich, eine psy
chiatrische Störung mit entsprechenden objektivierbaren Befunden festzustellen. Es finde sich im Psychostatus bis auf eine leichte Konzentrationsminderung eine affektiv völlig unauffällige, gut schwingungsfähige und auch nicht subdepres
sive Beschwerdeführerin. Da überhaupt kein depressives Zustandsbild mehr vorliege, dieses jetzt offensichtlich auch ohne antidepressive Medikation und ohne Psychotherapie weiterhin remittiert sei, könne auch keine Folgediagnose gestellt werden. Die Beschwerdeführerin sei gut in der Lage, ihren Lebensalltag und ihren Haushalt mit Hilfe des Ehemannes zu bestreiten.
Zusammenfassend und unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten und Befunde sei die Beschwerdeführerin aus interdisziplinärer Sicht für alle körper
lich leichteren, wechselbelastenden Tätigkeiten ohne besondere Belastung des Schultergürtels und nicht ausschliesslich sitzend mit Flexionsstellung des Kopfes vollschichtig, das heisse zu 100 % arbeitsfähig (S. 54 f.). Die Beschwer
de
führerin sei in ihrer Arbeitsfähigkeit nur qualitativ eingeschränkt. Ein psy
chisches oder somatisches Leiden, welches die Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
führerin auf Dauer quantitativ einschränken würde, sei nicht ausgewiesen (S. 59 oben).
3.4
Nach Rückfrage der Beschwerdegegnerin führte Dr. A._ am 3. März 2011 aus (Urk. 6/104), dass die Diagnose eines „chronifizierten Zervikocephalsyndroms bei einem myofaszialen Schultergürtelsyndrom“, welche ursprünglich zur Zusprache einer Rente geführt habe, aktuell keine Einschränkung der Arbeits
fä
higkeit mehr bewirke. Bei der Beschwerdeführerin sei davon auszuge
hen, dass sich im Verlauf der letzten Jahre die Funktionalität erheblich verbes
sert habe, so dass sie jetzt mit ihren Beschwerden dank einem Adaptionsprozess viel besser umgehen könne als zu Beginn. Aus interdisziplinärer Sicht könnten keine Ein
schränkungen mehr objektiviert werden, welche eine Arbeitsunfähig
keit in ihrer zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Büroangestellte oder in einer all
gemeinen Ver
weistätigkeit begründen könnten. Es sei demnach bei der Beschwerde
führerin von einer uneingeschränkten Arbeits- und Leistungs
fähigkeit aufgrund eines deutlich gebesserten Gesundheitszustandes auszu
gehen.
3.5
Dr. med. D._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), nahm am 25. März 2011 Stellung zum B._-Gutachten (Urk. 6/106/6) und führte aus, dass dieses bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar sei und darauf abgestellt wer
den könne. Ab Datum der Begutachtung im Oktober 2010 sei nicht mehr von einem dauerhaften arbeitsunfähigkeitsrelevanten Gesund
heitsschaden und somit von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für die bisherige und angepasste Tätigkeit auszugehen.
3.6
Dr. Z._ berichtete am 27. April 2011 (Urk. 6/116/1) und führte aus, dass die Beschwerdeführerin ihren Haushalt nur dank der Hilfe ihres Ehemannes für alle schweren Arbeiten bewältigen könne. Sie habe trotz verschiedenen Arbeits
versuchen wegen Verschlimmerung der Beschwerden keine Arbeitsfähigkeit mehr erreicht. Sie sei mit dem Aberkennen der Rente nicht einverstanden.
3.7
Lic. phil. E._ und med. pract. F._, Psychotherapeutisches Am
bulatorium G._, berichteten am 27. April 2011 (Urk. 6/116/3-5) und nannten folgende Diagnosen (Ziff. 3):
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
Verdacht auf anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
Sie führten aus, dass es der Beschwerdeführerin unterdessen relativ gut gelinge, mit den aus Verunsicherung entstehenden Selbstzweifeln umzugehen und Zugang zu ihren eigenen Bedürfnissen und Emotionen zu finden. Ihr Selbst
wertgefühl sei jedoch noch ziemlich fragil. Sie lasse sich zu leicht von Meinun
gen anderer beeinflussen und stelle dann ihre eigene Person in Frage. Erste Schritte hin zu einer kompetenteren Stressbewältigung seien bisher gemacht worden, diese würden jedoch noch nicht genügen (Ziff. 5). Die Psychotherapie ermögliche der Beschwerdeführerin jedoch, mit ihren Beschwerden besser umgehen zu können, was eine Stabilisierung des Zustandsbildes ermögliche (Ziff. 5 unten). Aktuell nehme die Beschwerdeführerin keine Psychopharmaka ein (Ziff. 7). Aufgrund des bisherigen Krankheitsverlaufs sei im Hinblick auf die bereits chronifizierten Schmerzen von einer sehr langsamen physischen Zustandsverbesserung auszugehen (Ziff. 8).
Sie führten weiter aus, dass der Beschwerdeführerin ein mehr als 30%iges Pen
sum bei jetzigem Gesundheitszustand aus ärztlicher Sicht nicht möglich sei (Ziff. 4).
3.8
Am 29. Juli 2011 nahm Dr. A._ erneut Stellung (Urk. 6/123) und führte aus, dass der Unfall vom 29. Mai 2000 als Bagatellereignis eingestuft werden müsse. Dabei habe die Beschwerdeführerin eine HWS-Distorsionsverletzung ohne nachweisbare strukturelle Läsion der zervikalen oder nuchalen Strukturen erlit
ten, welche demzufolge als leichtgradig beurteilt werden müsse. Eine unfall-traumatisch bedingte Hirnläsion sei mit praktischer Sicherheit ausgeschlossen. Zudem befinde sich die Beschwerdeführerin trotz ihrer attestierten psychiatri
schen Problematik seit geraumer Zeit nicht mehr in fachärztlicher Behandlung. Zusammenfassend ergäben die Einwände der Beschwerdeführerin keinen An
lass, die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im Gutachten vom 18. Dezember 2010 zu revidieren, es sei somit an diesem festzuhalten.
3.9
Dr. D._, RAD, nahm am 6. August 2011 Stel
lung (Urk. 6/124/3) und führte aus, dass keine neuen medizinischen Erkennt
nisse vorlägen, so dass wei
terhin auf das B._-Gutachten und die
Stellung
nah
me des RAD vom 25. März 2011 (vgl. vorstehend E. 4.5) abgestellt werden könne.
4.
4.1
Seit
dem Urteil des hiesigen Gerichts vom 11. September 2012 (Urk. 6/139) sind
fol
gende
medizinische Berichte
zu den
Akten genommen worden:
4.2
H._, lic. phil. I, Fachpsychologin I._, ersuchte am 27. Januar 2014 (Urk. 6/167) um erneute Prüfung des Anspruchs der Beschwerdeführerin auf Integrationsmassnahmen. Sie führte aus, dass sie die Beschwerdeführerin am 21. Januar 2014 erstmals zu einem ambulanten Erstgespräch gesehen habe. Die Beschwerdeführerin habe im Gespräch depressive Symptome und Ängste beklagt, welche sie seit einigen Monaten im Erledigen von Alltagsaktivitäten einschränkten. Die vorliegenden Befunde würden den klinischen Eindruck einer mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.1) bestätigen.
4.3
Lic. phil. H._ berichtete erneut am 8. Juli 2014 (Urk. 6/177) und nannte folgende Diagnosen:
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F33.1)
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
Sie führte aus, dass leichte bis mittelgradige Auffassung- und Konzentrations
stö
rungen, ein verlangsamtes Denken, ein Grübeln, ein depri
mierter Affekt, Insuffizienzgefühle und ein sozialer Rückzug bestünden. Die Beschwerde
führerin sei misstrauisch, ängstlich, affektlabil und antriebsarm (S. 1).
4.4
Die Ärzte der Privatklinik Y._ berichteten am 17. Dezember 2014 (Urk. 6/183/2-4 = Urk. 6/188/5-7) über den stationären Aufenthalt der Beschwer
de
führerin seit dem 12. November 2014. Sie nannten folgende Diag
nose:
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit soma
tischen Symptomen (ICD-10 F33.2)
Sie führten aus, dass die Beschwerdeführerin seit dem Aberkennen der Invaliden
rente erneut zunehmend an depressiven Stimmungsschwankungen und vermehrter Schlaflosigkeit leide. Die deprimierten Stimmungsschwankun
gen würden als sehr quälend wahrgenommen. Auffallend seien die Ängste, wel
che in Situationen auftreten würden, bei denen sich die Beschwerdeführerin unzulänglich fühle. Dabei erlebe sie Atemnot, Engegefühl, Verspannung, Schwindel und Übelkeit (S. 1). Der antidepressive Behandlungsversuch mit Fluoxetin habe wegen Sedation, Übelkeit und Entfremdungsgefühl sistiert wer
den müssen. Die Beschwerdeführerin zeige eine eher schwere depressive Episode mit einer reduzierten Grundstimmung, Affektlabilität, reduzierten Vitalgefühlen, Interessen- und Antriebsarmut, körperlicher Erschöpfung, Gedankenkreisen, Zukunftsängsten, innerlicher Unruhe, Ein- und Durchschlafstörungen und einem sozialen Rückzug. Prognostisch sei von einem längeren Genesungspro
zess auszugehen (S. 2).
4.5
Med. pract. J._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, der Beschwerdegegnerin, nahm am 21. April 2015 Stellung (Urk. 6/196/2-3) und führte aus, dass die Psychologin Sprecher in ihrem Bericht bereits nach sechs
tägiger Behandlung befürworte, Integrationsmassnahmen zu prüfen. Sie berufe sich dabei unter anderem auf den BDI und den SCL-90-R, die beide die subjek
tiven Einschätzungen der Beschwerdeführerin wiedergeben würden. Ein objekti
ver Befund werde nicht vorgelegt. Es sei nachvollziehbar, dass es der Beschwer
deführerin seit der Aberkennung der Rente schlechter gehe. Die Psychiaterin der Klinik Y._ schildere detailliert die subjektiven Beschwerden der Beschwerdeführerin. Erfreulicherweise würden breite Freizeitinteressen angege
ben. Der psychopathologische Befund stelle eine Mischung aus objektiven Beobachtungen und subjektiven Patientenangaben dar. Die Angabe Interessen
armut stehe in krassem Widerspruch zu den geschilderten breiten Freizeitbe
schäftigungen. Angesichts der breiten Freizeitinteressen könne keine schwere depressive Episode vorliegen. Diese Einschätzung könne nicht nachvollzogen werden.
4.6
Dem Abklärungsbericht für Hilflosenentschädigung vom 27. Mai 2015
(Urk. 6/198) ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin während der gesamten Dauer des Gesprächs konzentriert geblieben sei. Zeichen einer Kon
zentrationsschwäche hätten keine erkannt werden können, auch wenn teilweise ohne Ankündigung von einem Thema zum nächsten gewechselt werde. Die Beschwerdeführerin gebe an, dass sie sich seit September letzten Jahres immer mehr von ihren Kolleginnen zurückgezogen habe. Sie unternehme nur noch mit einer Bekannten Spaziergänge. Ansonsten habe sie diese gesellschaftlichen Frei
zeitunternehmungen eingestellt (S. 1 f.). Der Rentenentscheid im 2012 habe tiefgreifende Wirkung gezeigt. Sie sei in ein Loch gefallen und habe sich stän
dig schlechter gefühlt. Mit der Selbstpflege habe die Beschwerdeführerin keine Probleme. Der gepflegte Auftritt habe grossen Stellenwert in ihrem Leben (S. 2). Der Tag-/Nachtrhythmus sei intakt. Sie stehe morgens zwischen 7.30 und 8.00 Uhr auf. Sie fühle sich dann jedoch nicht erholt. Es sei für sie sehr wichtig, nach dem Erwachen aktiv in den Tag zu starten. Abends begebe sie sich zwischen 22.00 und 23.00 Uhr zu Bett. Sie verspüre dann Müdigkeit und handle entspre
chend. Jede Nacht verwache sie und müsse dann mit verschiedenen Strategien wieder in den Schlaf zurückfinden. Wenn dies nicht gelinge habe die Beschwer
deführerin ein Baldrianpräparat und Notfalltropfen (Bachblüten
prä
parat) zur Verfügung. Sie dusche aus eigenem Antrieb. Dies sei für sie ein wichtiger Bestandteil des Tages. In ganz schlechten Phasen sei es unregelmässig vorge
kommen, dass sie einige Tage lang die Haare nicht gewaschen habe (S. 3). Mit Kollegen treffe sie sich eigentlich nur noch am Wochenende zusammen mit dem Ehemann (S. 5 unten).
4.7
Lic. phil. H._ berichtete am 22. Juli 2015 (Urk. 6/205) und nannte folgende Diagnose:
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig bis schwere depressive Episode mit Panikstörung (ICD-10 F33.0/33.1)
Sie führte aus, dass die Beschwerdeführerin
von der Persönlichkeit sehr affekt
la
bil
sei
, hohe perfektionistische Ansprüche an sich
habe
,
jedoch
klare Struktu
ren im Tagesablauf
brauche
. Sie
sei
in Beziehungen schnell verunsicher
bar und ha
be
gleichzeitig ein hohes Autonomiebedürfnis, was sie
antreibe,
wei
terhin therapeutisch an sich zu arbeiten und möglichst unabhängig von ihrem Mann zu werden. Di
e finanzielle Abhängigkeit mache
ihr Angst und belaste sie. Dies
sei
auch ein wichtiger Antriebsfaktor, um wieder in die Erwerbstätigkeit zu
gelangen. Sie sei
gefangen in einem Teufelskreis von ihrem Wunsch so schnell als möglich wieder mehr Selbständigkeit zu erlangen und der geringen Belast
barkeit, welche ihr
diesen Schritt nicht ermögliche (S. 1)
.
Sie habe die Beschwerdeführerin a
ls motivierte Patientin kennengelernt, die sämtliche Angebote in Anspruch n
ehme
, damit ihr Gesundheitszustand sich verbesser
e. Sie gehe
seit 2000 (nach dem Unfall)
in die Physiotherapie und mache
- wenn es die gesundheitliche Situation erlaub
e
- seit 2003 regelmässig Sport (Aquafit, Nordic Walking
). Sie habe
bereits bei Behandlungsbeginn
beklagt,
unter Panikattacken zu leiden, die vor allem in Stresssituationen auf
getreten seien
. Leider
habe
sich ihr bereits instabiler Gesamtzustand (deprimier
ter A
ffekt, Antriebsprobleme, Ängste,
Schmerzen im Kopf, Nacken und Rücken
ber
eich) nach einem Arbeitsversuch verschlechtert.
Sie
habe
danach verstärkt Kopfschmerzen während 2 Wochen
gehabt. D
arauf
sei
eine medikamentöse Behandlung in der Notfallpraxis des Spital Bülach
erfolgt
. Aufgrund dieser kör
perlichen Reaktionen,
sei die Beschwerdeführerin
stark verunsichert
gewesen
, ob sie die Anforderungen einer Arbeit schaffen könne. Es
habe sich
gezeigt
, dass
die Beschwerdeführerin
aus eigenem Antrieb den Wiedereinstieg
in die Arbeitswelt nicht schaffe
. Leider
hätten jedoch Integrati
onsangebote
nicht umgesetzt werden
können
, da für leichtere Anforderungen die Finanzierung
ge
fehlt
habe
.
Die Beschwerdeführerin sei
über den gescheiterten Arbeitsversuch enttäuscht
gewesen
und es
sei
in der Folge eine zunehmende Verschlechterung ihres Allgemeinzustandes
erfolgt.
Sie
habe
sich zunehmend zu Hause zurück
ge
zogen
. Auch ihren Freizeitaktivitäten wie Nordic Walking und Basteln
sei
sie nicht mehr nach
gegangen
. In den Therapiestunden
habe sich die Beschwerde
führerin
verzweifelt, überfordert, ängstlich und sozial zurückgezogen
gezeigt (S. 2). Auch die physiotherapeutische
Behandlung
habe sie
ab
gebrochen
. Ihr Gesamtzustand
habe
dem Bild einer schweren depressiven Störung
entsprochen
. Daraufhin
sei sie
in der Klinik
Y._
angemeldet
worden
, wo sie vo
n November 2014 bis Februar
2015 behandelt w
o
rde
n sei.
Danach
sei die
tages
klinische
Behandlung in der K._ vom
1
3. April
2015 bis 2
8. April
2015 einge
leitet
worden.
Daraufhin
sei
zur weiteren Unterstützung die gemeinde
psychiatrische Spitex eingeschaltet
worden, welche die Beschwerdeführerin
wöchentlich s
ehe (S. 3 oben).
Die Beschwerdeführerin komme
regelmässig einmal pro Woche zur ambulanten Psychotherapie
. Seit Herbst 2014 habe
die Therapie eine Stabilisierung der Ent
täuschung nach dem gescheiterten Arbeitsversuch
beinhaltet
.
Die Beschwerde
führerin sei
zunehmend in eine schwere depressive Stimmungslage
geraten
, war von der Erledigung von Alltagsangelegenheiten überfordert, zog sich sozial vermehrt zurück. Das ambulante Setting
sei
nicht mehr suffizient
gewesen
, so dass sie in die KIinik
Y._
zur weiteren Stabilisierung ein
getreten sei.
Nach Klinikaustritt
sei
es wieder zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes
der Beschwerdeführerin gekommen.
Aktuell ha
be die Beschwerdeführerin
ein Setting mit wöchentlicher Spitex
und ambulanter Psychotherapie. Die Beschwer
de
führerin
schaff
e
es nicht, selbständig den Wiedereinstieg in die Arbeit zu finden. Ihre Belastbarkeit
sei
offensichtlich stark reduziert. Sie schaffe
es
,
maximal drei Termine pro
Woche wahrzunehmen. Danach fühle
sie sich er
schöpft und brauche
viele Erholungs-und Ruhephasen
(S. 3)
.
4.8
Die Ärzte der Privatklinik Y._ berichteten am 22. Juli 2015 (Urk. 6/203/5-6) über den stationären Aufenthalt der Beschwerdeführerin vom 2. November 2014 bis 29. Januar 2015. Sie führten aus, dass die mehrwöchige engmaschige stationäre Behandlung nicht eine wirkliche Besserung der körper
lichen und psychischen Beschwerden gebracht habe. Aufgrund der mehrwöchi
gen engmaschigen Beobachtungen lasse sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aussagen, dass die körperlichen und psychischen Beschwer
den der Beschwerdeführerin nicht vorgetäuscht seien oder aggravierenden Charakter gehabt hätten (S. 1). Seit ihrem Unfall im Jahre 2000 habe sich eine rezidivierende ängstlich-depressive Störung entwickelt mit multiplen Körper
beschwerden, die trotz intensiver Behandlungsversuche keine wirklich nachhal
tige Besserung erfahren hätten. Die Beschwerdeführerin sei aus psychiatrischer Sicht seit dem 30. Juni 2015 bis auf weiteres zu 100 % arbeitsunfähig (S. 2).
4.9
Dr. med. L._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, berichtete am 24. August 2015 (Urk. 6/206) und führte aus, dass er die Beschwerdeführerin seit 2006 hausärztlich betreue. Die Ablehnung ihres Antrags um berufliche Reintegration habe sie in einen zusätzlich schlechteren Gesundheitszustand geführt.
4.10
RAD-Arzt med. pract. J._ nahm am 28. Juni 2016 Stellung (Urk. 6/209/2-3) und führte aus, dass der Bericht des Hausarztes Dr. L._ keinen neuen Gesundheitsschaden vortrage, sondern nur eine Verschlechterung durch die Ablehnung des Antrages. Ein anhaltender Gesundheitsschaden liege hier nicht vor. Ansonsten liege nur ein nicht-ärztlicher Bericht der Psychologin Sprecher vor. Sie wiederhole die früheren Schilderungen und weise auf innerfamiliäre Schwierigkeiten mit den Eltern, Schwiegermutter und dem Mann hin. Die Psychologin schildere ausgiebig die subjektive Sicht der Beschwerdeführerin. Es gebe weder eine objektive Angabe zu den Panikattacken, noch sei sie durch die Ängste vor öffentlichen Verkehrsmitteln an der wöchentlichen Therapie gehin
dert. Es fänden sich keine neuen medizinischen Fakten. Die Ärzte der Klinik Hohenegg würden erneut Stellung nehmen, obwohl sie die Beschwerdeführerin seit der Hospitalisation nicht mehr gesehen hätten. Der Abklärungsbericht schil
dere detailliert die häusliche Lage. Es fänden sich keine gravierenden Defizite. Das Funktionsniveau widerspreche der von der Psychologin postulierten mittel
gradigen bis schweren Depression.
4.11
Lic. phil. H._ nahm am 16. Januar 2011 (richtig: 2017) Stellung (Urk. 14) und führte aus, dass der RAD Recht habe, indem die diagnostischen Hilfsmittel zur Beurteilung der depressiven Symptomatik und der Ängste alles gängige Fragebogeninstrumente gewesen seien, welche auf der Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin beruht hätten. Als objektives Beurteilungsinstrument sei der Psychostatus nach AMDP zu betrachten (S. 1). Die Beschwerdeführerin habe aufgrund ihrer jahrelangen therapeutischen Erfahrung gelernt, dass aktives Handeln im Sinne von Freizeitaktivitäten salutogenetisch bei Ängsten, Schmerzstörungen und Depressionen wirksam sei. Da die Beschwerdeführerin die Empfehlungen ernst nehme, habe sie sich eine Tagesstruktur zugelegt, die sie trotz Antriebsschwierigkeiten, Lustlosigkeit, Ängsten und Schmerzen zuver
lässig verfolge. Beispielsweise gehe sie regelmässig Nordicwalken
mittlerweile auch alleine
da sie wisse, dass dies ihrer Gesundheit zuträglich sei. Bedeutsam sei, dass die Beschwerdeführerin die Freizeitaktivitäten ausübe, auch wenn sie eigentlich keinen Antrieb und keine Lust dazu habe. Insofern seien ihre Aktivi
täten nicht als Ausdruck einer Lebensfreude oder verminderter Ängste oder Schmerzen zu verstehen, sondern ein kognitiv bewusster Ansatz, um auf redu
ziertem psychischem Niveau eine Verschlechterung zu verhindern (S. 2).
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin ging in psychiatrischer Hinsicht von keiner invali
di
sieren
den Erkrankung aus.
5.2
Eine psychisch bedingte Invalidität im Sinne des Gesetzes liegt nur dann vor, wenn ein psychisches Leiden mit Krankheitswert fachärztlich ausgewiesen ist und es der betroffenen Person trotz Aufbietung allen guten Willens, die verblei
bende Leistungsfähigkeit zu verwerten, wegen ihrer Beschwerden nicht zuzu
muten ist, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, wobei das Mass des Forderbaren weitgehend objektiv bestimmt wird (BGE 130 V 352 f. E. 2.2.1, 131 V 49).
Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsun
fähigkeit, als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei der versicherten Person sozial-praktisch nicht mehr
zumutbar (vgl. vorste
hend E. 1.3
).
Weiter ist zu beachten, dass es gemäss Rechtsprechung in sämtlichen Fällen gesundheitlicher Beeinträchtigungen keineswegs allein Sache der mit dem kon
kreten Einzelfall gutachtlich befassten Arztpersonen ist, selber abschliessend und für die rechtsanwendende Stelle verbindlich zu entscheiden, ob das medizi
nisch festgestellte Leiden zu einer andauernden oder vorübergehenden Arbeits
unfähigkeit in bestimmter Höhe und Ausprägung führt.
Vielmehr hat die rechts
anwendende Instanz die ärztliche Stellungnahme zur Arbeitsfähigkeit auf ihre beweisrechtlich erforderliche Schlüssigkeit hin zu überprüfen (vgl. BGE 140 V 193 E. 3.2-3.3).
5.3
Dr. A._ stellte in seinem Gutachten vom 18. Dezember 2010 (vgl. vorstehend E. 3.3) keine psychiatrischen Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin und hielt fest, dass es
nicht mehr möglich sei, eine psy
chi
atrische Störung mit entsprechenden objektivierbaren Befunden festzustellen. Der von ihm erhobene Befund zeigte keine Zeichen einer depressiven oder sonstigen psychiatrischen Erkrankung. Die Beschwerdeführerin sei gut in der Lage, ihren Lebensalltag und ihren Haushalt mit Hilfe des Ehemannes zu bestreiten. In Würdigung dieser Feststellungen erachtete Dr. Jensen die Beschwerdeführerin für alle körper
lich leichteren, wechselbelastenden Tätigkei
ten ohne besondere Belastung des Schultergürtels und nicht ausschliesslich sitzend mit Flexionsstellung des Kopfes als voll arbeitsfähig.
5.4
Sämtliche seither ergangenen Berichte stammen von der behandelnden Psycholo
gin lic. phil. H._ (vgl. E. 4.2-4.3, E. 4.7, E. 4.11) oder den Fach
personen der Klinik Y._ (vgl. E. 4.4, E. 4.8), mit Ausnahme des Berichts vom August 2015, welcher vom Hausarzt Dr. L._ erstattet wurde (vgl. E. 4.9). Dieser enthält jedoch weder detaillierte Angaben zum Gesundheitszustand noch Angaben zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin und kann deshalb nicht berücksichtigt werden.
Die Berichte der Psychologin lic. phil. H._ und der Fachpersonen der Klinik Y._ enthalten zwar detailliertere Angaben über das Befinden und den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin, diese sind jedoch nicht nachvoll
ziehbar begründet. So gingen die Fachpersonen der Klinik Y._ im Juli 2015 immer noch von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit aus (vgl. E. 4.8), obwohl sie die Beschwerdeführerin seit dem stationären Aufenthalt von November 2014 bis Januar 2015 nicht mehr behandelt oder gesehen haben. Etwas Anderes geht aus dem Bericht jedenfalls nicht hervor.
Zu den Ausführungen der behandelnden Psychologin lic. phil H._ bleibt anzumerken, dass
auf ihre Beurteilungen vorliegend nicht alleine abgestellt werden kann. Denn nach der Rechtsprechung ist der Gesundheitszustand und insbesondere die Arbeitsfähigkeit auf der Grundlage von medizinischen Stellung
nahmen zu beurteilen (BGE 130 V 99 E. 3.2 mit Hinweisen). Überdies entbehrt die von ihr gestellte Diagnose einer schweren depressiven Episode (vgl. E. 4.7) jeder Nachvollziehbarkeit, zumal Patienten während einer schweren depressiven Episode gemäss ICD-10 Leitlinien nicht in der Lage sind, soziale und häusliche Aktivitäten fortzuführen. Lic. phil. H._ bestätigt jedoch vor
liegend mit ihren Ausführungen im Bericht vom Januar 2017 (vgl. E. 4.11) gerade das Gegenteil, wonach die Beschwerdeführerin trotz Lustlosigkeit und Antriebsarmut ihre
Freizeitaktivitäten ausübe. Weiter wurden ihre Ein
schätzun
gen denn auch in nicht unwesentlichem Umfang auf psychosoziale Gründe zurückgeführt, was invalidenversicherungsrechtlich ebenfalls unbeacht
lich blei
ben muss.
Anlässlich der Abklärung betreffend Hilflosenentschädigung (vgl. vorstehend E. 4.6) schilderte die Beschwer
deführerin einen weitgehend normalen Tages
ab
lauf, woraus sich weder ein wesentlich eingeschränkter Antrieb noch ein voll
ständiger sozialer Rückzug er
kennen lässt. Der von der Beschwerdeführerin geschilderte Tagesablauf, wonach sie morgens zwischen 7.30 und 8.00 Uhr auf
stehe und den Tag nach dem Erwachen aktiv starte, lässt keine wesentlichen Einschränkungen erkennen. Es sind vielmehr erhebliche Ressourcen ersichtlich, auf welche die Beschwerdeführerin zurückgreifen kann.
5.5
Hinsichtlich der diagnostizierten leichten bis
mittelgradigen depressiven Episode gilt zudem das Folgende:
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes fallen leichte bis mittel
gradige depressive Störungen, seien sie im Auftreten rezidi
vierend oder episodisch, einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie
erwiesenermassen
therapieresistent sind (statt vieler:
BGE 140 V 193
E. 3.3 mit Hinweis). Nur in einer solchen - seltenen, da nach gesi
cherter psychiatrischer Erfahrung Depressionen im Allgemeinen therapeutisch gut angehbar sind - gesetzlich verlangten Konstellation ist den normativen Anforderungen des Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG für eine objektivierende Betrachtungs- und Prüfungsweise Genüge getan (
BGE 141 V 281
E. 3.7.1 bis 3.7.3). Es kommt dazu, dass die Therapie in dem Sinne konsequent gewesen sein muss, dass die aus fachärztlicher Sicht indizierten zumutbaren (ambulanten und stationären) Behandlungsmöglichkeiten in kooperativer Weise optimal und nachhaltig aus
geschöpft wurden (
BGE 140 V 193
E. 3.3; BGE
137 V 64
E. 5.2 mit Hinweis; vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2 und 9C_89/2016 vom 12. Mai 2016 E. 4.1).
Vor dem Hintergrund des Grundsatzes der Selbsteingliederungs- und Schaden
min
derungspflicht ist ebenfalls zu berücksichtigen, dass ein Rentenan
spruch grundsätzlich nicht entstehen kann, solange zumutbare therapeutische und andere schadenmindernde Vorkehren nicht ausgeschöpft werden. Solange durch eine tatsächlich realisierbare Veränderung der für die gesundheitliche Situation bedeutsamen Rahmenbedingungen eine wesentliche Verbesserung des (psychi
schen) Gesundheitszustandes und damit der dadurch eingeschränkten Arbeitsfä
higkeit bewirkt werden kann, liegt kein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne des Gesetzes vor (Urteil des Bundesgerichts 9C_947/2012 vom 19. Juni 2013 E. 3.2.2 mit Hinweis).
5.6
Vorliegend erscheinen die Behandlungsmöglichkeiten bei nach zwei Wochen abgebrochener tagesklinischer Behandlung (vgl. Ausführungen in E. 4.7, Urk. 6/198 S. 2), einmalig stattgehabter stationärer Behandlung (vgl. vorstehend E. 4.4 und E. 4.8) sowie Aufnahme von thera
peutischen Einzelsitzungen bei der Psychologin (vgl. vorstehende E. 4.2 und E. 4.3), deren Frequenz allerdings unklar ist, nicht als ausgeschöpft. So wäre bei der von der Beschwerdeführerin angegebenen, seit Jahren anhaltenden psy
chischen Beeinträchtigung eine sta
tionäre Therapie zumutbar sowie auch eine adäquate medikamentöse Behand
lung in Betracht zu ziehen. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Beschwerde
führerin ihrer Schadenminderungspflicht (vgl. vorstehend E. 5.5) nicht genü
gend nachge
kommen.
Aufgrund des Gesagten ist der Beschwerdegegnerin folgend davon auszugehen, dass das Vorliegen eines invalidisierenden Gesundheitsschadens zu verneinen ist. Die Beschwerdegegnerin war nicht gehalten, weitere Abklärungen vorzu
nehmen.
5.7
Invalide o
der von einer Invalidität (Art.
8 ATSG) bedroht
e Versicherte haben gemäss Art.
8 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit
(Abs. 1)
:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähig
keit, sich im Aufga
benbereich zu betätigen, wieder
herzustellen, zu erhal
ten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelne
n Massnahmen erfüllt sind
.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Fest
legung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbs
lebens zu berücksichtigen (Abs.
1
bis
). Nach Massgabe der Art.
13 und
21
IVG
besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Mög
lichkeit einer Eingliede
rung ins Erwerbsleben oder in den Aufg
abenbereich (Abs.
2). Nach Massgabe von Art
.
16 Abs
.
2
lit.
c
IVG
besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu er
halten oder zu verbessern (Abs.
2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen
gemäss Abs. 3 in
me
dizinischen
Mass
nahmen (lit. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die beruf
liche Eingliederung (lit.
a
bis
),
Massnahmen beruflicher Art (Berufsbera
tung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsverm
ittlung, Kapital
hilfe; lit. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (lit.
d).
Drohende Invalidität liegt gemäss
Art.
1
novies
der Verordnung über die Invali
den
versicherung (
IVV
)
vor, wenn der Eintritt einer Erwerbsunfähigkeit über
wiegend wahrscheinlich ist. Der Zeitpunkt des Eintritts der Erwerbsun
fähig
keit ist unerheblich.
5.8
Wie bereits festgestellt wurde, liegt kein versicherungsrelevanter psychischer Gesund
heits
schaden vor (vorstehend E. 5.6), weshalb auch keine bestehende Inva
lidität vor
lie
gen kann und auch keine solche droht. Dementsprechend ist die Verneinung eines Anspruchs
auf beruf
liche Eingliederungsmassnahmen durch die Beschwerdegegnerin eben
falls nicht
zu beanstanden.
Die angefochtene Verfügung erweist sich daher als rechtens, was zur Abwei
sung der Beschwerde führt.
6.
Die Kosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
I
VG sind ermessensweise auf Fr. 8
00.-- anzu
setzen und ausgangsgemäss der
unterliegenden Beschwerdeführer
in
aufzu
erlege
n.