Decision ID: f8fab427-a223-4679-add6-297ea66443b0
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 12. April 2022 in der Schweiz um
Asyl nach. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruckdatenbank
(Zentraleinheit Eurodac) ergab, dass der Beschwerdeführer am 11. Feb-
ruar 2020 in Griechenland ein Asylgesuch eingereicht hatte und ihm dort
am 29. Juni 2020 internationaler Schutz gewährt worden war.
A.b Anlässlich des persönlichen Dublin-Gesprächs vom 28. April 2022
führte der Beschwerdeführer aus, er sei am 15. Dezember 2019 in Grie-
chenland angekommen und am 11. Februar 2020 daktyloskopisch erfasst
und durch die griechischen Behörden befragt worden. Er habe eine Aufent-
haltserlaubnis von sechs Monaten erhalten. Auf jenem Dokument habe
sich ein Vermerk befunden, dass er für die Erlangung der Jahresaufent-
haltsgenehmigung zu einem anderen Amt gehen und Geld zahlen müsse.
Da er dies nicht habe finanzieren können, habe er dies nicht getan. Wäh-
rend des Asylverfahrens sei er in Griechenland sieben Monate aus ihm un-
bekannten Gründen inhaftiert gewesen. Weil er weder Geld noch Unter-
kunft gehabt habe, habe er Griechenland im August 2020 verlassen. Un-
gefähr zwei Jahre habe er dann in Serbien und Bosnien gelebt, wo er viele
Probleme gehabt habe. Schliesslich sei er in die Schweiz gekommen. Ge-
sundheitlich gehe es ihm gut.
A.c Am 28. April 2022 gewährte das SEM dem Beschwerdeführer schrift-
lich das rechtliche Gehör zu einer möglichen Überstellung nach Griechen-
land, woraufhin er über seine Rechtsvertretung am 4. Mai 2022 eine Stel-
lungnahme einreichte. Darin hielt sie im Wesentlichen fest, der Beschwer-
deführer sei als Minderjähriger in Griechenland angekommen und habe zu-
erst auf der Strasse und danach in Haft leben müssen, wobei er unter un-
menschlichen Bedingungen festgehalten worden sei. Selbst eine Jahres-
aufenthaltsgenehmigung habe er nicht erhalten, da er hierfür kein Geld ge-
habt habe. Er habe keinen Zugang zu einer Unterkunft und keine ander-
weitige Unterstützung erhalten.
B.
B.a Am 29. April 2022 ersuchte das SEM die griechischen Behörden ge-
stützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und
des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Ver-
fahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal aufhältiger Dritt-
staatsangehöriger (Rückführungsrichtlinie) sowie das Abkommen vom
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28. August 2006 zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und der Re-
gierung der Hellenischen Republik über die Rückübernahme von Personen
mit irregulärem Aufenthalt um Rückübernahme des Beschwerdeführers.
B.b Die griechischen Behörden stimmten diesem Ersuchen am 4. Mai
2022 zu und teilten mit, dass dem Beschwerdeführer, den sie als
B._ geboren am (...) registriert hätten, am 29. Juni 2020 subsidiärer
Schutz gewährt worden sei und seine Aufenthaltsbewilligung bis am 2. Juli
2021 gültig gewesen sei.
C.
Am 17. Mai 2022 war der Beschwerdeführer in ärztlicher Behandlung. Da-
bei wurden verschiedene Wunden angeschaut und beurteilt, ob die Be-
handlung mit Antibiotika fortgesetzt werden sollte. Im Bericht wurde weiter
auf selbstzugefügte (...)verletzungen (...) sowie (...) aufgrund psychischer
Probleme («disagio psichico») hingewiesen.
D.
Mit Schreiben vom 18. Mai 2022 reichte der Beschwerdeführer über seine
Rechtsvertretung eine Kopie seiner Taskara ein.
E.
Am 26. September 2022 stellte das SEM dem Beschwerdeführer einen
Entscheidentwurf zu, wozu dieser am 27. September 2022 Stellung nahm.
Darin wies er im Wesentlichen erneut auf die misslichen Umstände und die
fehlende Unterstützung in Griechenland hin. Weiter brachte er vor, der
Sachverhalt sei bezüglich seines Gesundheitszustandes nicht hinreichend
erstellt. Von den fehlenden medizinischen Unterlagen könne vorliegend
nicht auf fehlende psychische Probleme geschlossen werden, zumal be-
reits seit dem Arztbesuch vom 17. Mai 2022 bekannt sei, dass er psychisch
angeschlagen sei, und er seit dem Transfer ins Bundesasylzentrum
C._ keine psychologische Unterstützung erhalten habe.
F.
F.a Mit Verfügung vom 28. September 2022 – gleichentags eröffnet – trat
das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) auf
das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und ordnete die Wegwei-
sung aus der Schweiz sowie den Vollzug an.
F.b Das SEM führte zur Begründung seiner Verfügung im Wesentlichen
aus, der Beschwerdeführer verfüge über subsidiären Schutz in Griechen-
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land, weshalb auf das Asylgesuch nicht einzutreten sei. Betreffend die Auf-
enthaltsbewilligung hielt es fest, dass seine Rückübernahme in keiner
Weise an die Gültigkeit seines Aufenthaltstitels gebunden sei, dessen Er-
neuerung er beantragen könne. Ausserdem müsse die Beendigung des
subsidiären Schutzes formell festgestellt werden. Da er keine Beweise
diesbezüglich vorgelegt habe, bestehe kein Grund zur Annahme, dass ihm
der Schutz entzogen worden sei. Folglich könne er bei seiner Rückkehr bei
den zuständigen Stellen eine Verlängerung seines Aufenthaltstitels bean-
tragen. Hinsichtlich des gesundheitlichen Sachverhalts sei festzuhalten,
dass eine medizinische Gesundheitsversorgung im Bundesasylzentrum
C._ gewährleistet sei, zumal er dort auch Arzttermine wahrgenom-
men habe. Das SEM gehe daher davon aus, dass er aufgrund fehlender
anderslautender Hinweise aktuell gesund sei. In Anbrachtet dessen und
gestützt auf die aktuelle Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts
erweise sich seine Rücküberstellung nach Griechenland als zulässig. Es
bestünden keine ernsthaften Anhaltspunkte, die diese Einschätzung zu än-
dern vermöchten. In Bezug auf die Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs stellte das SEM fest, dass er zum Zeitpunkt der vorgebrachten Inhaf-
tierung aus Sicht der griechischen Behörden volljährig gewesen sei. Ohne-
hin sei die Haft nicht ausreichend belegt. Sofern er sich deshalb ungerecht
behandelt fühle, könne er sich an die zuständigen griechischen Behörden
wenden und notfalls seine Rechte auf dem Rechtsweg durchsetzen. So-
dann lägen auch keinerlei Beweise vor, dass er in Griechenland tatsächlich
unter derart schlechten Bedingungen gelebt habe. Bei seiner Rückkehr
nach Griechenland könne er sowohl bei den zuständigen staatlichen Be-
hörden seine Rechtsansprüche geltend machen als auch sich an die zahl-
reichen karitativen Organisationen wenden. Sodann sei nicht belegt, dass
er sich jemals hilfesuchend an die griechischen Behörden gewendet habe
und sie ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen seien. Der Wegwei-
sungsvollzug sei nach dem Gesagtem zumutbar.
G.
G.a Mit Eingabe vom 4. Oktober 2022 erhob der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen diese Verfügung und
beantragte dabei, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und das
Verfahren zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventu-
aliter sei das SEM anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten und dieses
materiell zu prüfen. Subeventualiter sei die Wegweisung des Beschwerde-
führers als unzulässig und/oder unzumutbar zu beurteilen. Ihm sei weiter
die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, insbesondere sei von der
Erhebung eines Kostenvorschusses abzusehen.
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G.b In der Rechtsmittelschrift machte der Beschwerdeführer im Wesentli-
chen geltend, er habe in Griechenland keinerlei Unterstützung erhalten und
schlimme Dinge erlebt, wovon er immer wieder eingeholt werde und des-
halb nicht gut schlafen könne. Deshalb habe er versucht, im BAZ
C._ mit jemandem von der Pflege zu sprechen, er habe jedoch
keine Hilfe erhalten. Da in jenem Bundesasylzentrum faktisch keine psy-
chologischen Behandlungen verfügbar seien und deshalb der Schluss von
den fehlenden Unterlagen auf die fehlenden gesundheitlichen Schwierig-
keiten entsprechend fehlgehe, sei der medizinische Sachverhalt nicht voll-
ständig erstellt. Zwar möge die medizinische Grundversorgung in jenem
Bundes-asylzentrum vorhanden sein, psychologische Behandlungen seien
aktuell nur in Ausnahme- und absoluten Notsituationen verfügbar. Im Wis-
sen um die fehlenden Behandlungsmöglichkeiten im Bundesasylzentrum
C._ wäre die Vorinstanz gehalten gewesen, weitere Abklärungen
zu ermöglichen oder vorzunehmen. Sollte wider Erwarten von einem voll-
ständig erstellten Sachverhalt ausgegangen werden, sei eine Wegweisung
nach Griechenland zudem unrechtmässig, da der Beschwerdeführer ent-
gegen der Argumentation der Vorinstanz als Minderjähriger bei seiner An-
kunft in Griechenland in Haft genommen worden sei und er damit dort eine
Behandlung erlebt habe, die gegen die internationalen Verpflichtungen
verstosse. Weiter wäre die Vorinstanz gehalten gewesen abzuklären, ob er
aufgrund seiner Erlebnisse in Griechenland gemäss neuster bundesver-
waltungsgerichtlicher Rechtsprechung als besonders verletzliche Person
einzustufen sei. Zudem seien die Umstände für Personen mit Schutzstatus
in Griechenland im Allgemeinen äusserst prekär. Hinzu komme, dass kei-
neswegs sichergestellt sei, dass er tatsächlich erneut einen subsidiären
Schutzstatus erhalten würde. So werde berichtet, dass Bussen drohen,
wenn nicht rechtzeitig eine Verlängerung des Status beantragt werde. Es
sei entsprechend davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr nach
Griechenland umgehend in Haft kommen würde. Der Wegweisungsvollzug
erweise sich daher als unzulässig und unzumutbar.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
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von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
3.2 Hinsichtlich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs
hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb das
Bundesverwaltungsgericht diese Punkte insoweit ohne Einschränkung
prüft.
4.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche. Gestützt auf Art. 111a
Abs. 1 AsylG wurde deshalb auf die Durchführung eines Schriftenwechsels
verzichtet.
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5.
5.1 In formeller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer, der medizinische
Sachverhalt zu seiner psychischen Verfassung sei nicht vollständig festge-
stellt, wodurch das SEM seine Pflicht zur vollständigen Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhalts verletzt habe. Diese Rüge ist vorab zu be-
urteilen, da sie allenfalls geeignet ist, die Kassation der angefochtenen Ver-
fügung zu bewirken.
5.2 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-
grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG), wonach die Be-
hörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-
digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-
klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen hat (vgl. BVGE
2015/10 E. 3.2 m.w.H.). Die Behörde ist dabei jedoch nicht verpflichtet, zu
jedem Sachverhaltselement umfangreiche Nachforschungen anzustellen.
Zusätzliche Abklärungen sind vielmehr nur dann vorzunehmen, wenn sie
aufgrund der Aktenlage als angezeigt erscheinen (vgl. dazu AUER/BINDER,
in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das
Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Rz. 16 zu Art. 12). Ihre
Grenze findet die Untersuchungspflicht in der Mitwirkungspflicht der Asyl-
suchenden (vgl. Art. 8 AsylG).
5.3 Im persönlichen Dublin-Gespräch vom 28. April 2022 gab der Be-
schwerdeführer an, es gehe ihm gut. Den Akten ist zu entnehmen, dass er
im April 2022 medizinische Hilfe wegen eines (...) und eines (...) in An-
spruch genommen habe. In der medizinischen Konsultation vom 17. Mai
2022 seien die Fortsetzung der Antibiotikatherapie, eine Verletzung (...)
und selbstzugefügte (...)wunden (...) beurteilt worden. Zudem hielt der Be-
richt fest, dass es zu (...) zur Linderung der psychischen Belastung gekom-
men sei. Ihm sei deshalb für zwei Wochen ein angstlösendes Beruhigungs-
mittel verschrieben worden. Nach Transfer ins Bundesasylzentrum
C._ wurde er am 6. Juli 2022 und 10. August 2022 wegen (...) me-
dizinisch behandelt. In der Rechtsmitteleingabe vom 4. Oktober 2022 ist
von einer psychischen Überlastung mit Schlaflosigkeit und Flashbacks die
Rede, welche die Vorinstanz abzuklären hätte. Entgegen seiner Ansicht
hätte er während den Arztterminen vom 6. Juli 2022 und 10. August 2022
allfällige psychische Probleme dem behandelnden Arzt mitteilen können,
auch wenn dieser nicht Psychiater ist und die Pflege ihm diesbezüglich
nicht geholfen habe. Somit hätten sich ernsthafte psychische Leiden in den
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medizinischen Akten zweifellos niedergeschlagen, selbst wenn psycholo-
gische Behandlungen in jenem Bundesasylzentrum nicht oder nur verzö-
gert verfügbar wären. Von einer ungenügenden Sachverhaltsfeststellung
kann daher vorliegend nicht ausgegangen werden.
5.4 Demnach erweist sich die formelle Rüge als unbegründet. Es besteht
daher keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aufzuheben und
die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das entsprechende Begeh-
ren ist abzuweisen.
6.
6.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG tritt das SEM auf ein Asylgesuch
nicht ein, wenn die asylsuchende Person in einen nach Art. 6a Abs. 2 Bst. b
AsylG als sicher bezeichneten Drittstaat zurückkehren kann, in welchem
sie sich vorher aufgehalten hat.
Der Bundesrat bezeichnet Staaten, in denen nach seinen Feststellungen
effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG be-
steht, als sichere Drittstaaten (Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG).
6.2 Die Vorinstanz stellt in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest,
dass es sich bei Griechenland als Mitgliedstaat der EU um einen sicheren
Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG handelt. Mit Beschluss
des Bundesrates vom 14. Dezember 2007 wurden sämtliche Länder der
Europäischen Union (EU) und der Europäischen Freihandelsassoziation
(EFTA) als sichere Drittstaaten bezeichnet. Den vorinstanzlichen Akten ist
sodann zu entnehmen, dass dem Beschwerdeführer in Griechenland inter-
nationaler Schutz gewährt worden ist und die griechischen Behörden sei-
ner Rückübernahme ausdrücklich zugestimmt haben. Demnach sind die
Voraussetzungen für einen Nichteintretensentscheid nach Art. 31a Abs. 1
Bst. a AsylG erfüllt, weshalb das SEM auf das Asylgesuch des Beschwer-
deführers zu Recht nicht eingetreten ist.
7.
7.1 Tritt das SEM auf ein Asylgesuch nicht ein, so verfügt es in der Regel
die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berück-
sichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Das SEM hat die Wegweisung demnach zu Recht angeordnet (vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
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8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30],
Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984
gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende
Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiter-
reise der Ausländerin oder des Ausländers in den Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für
Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie aufgrund von
Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer
Notlage konkret gefährdet sind.
8.3
8.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Referenzurteil
E-3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022 einlässlich mit der Situation
in Griechenland auseinandergesetzt und an seiner bisherigen Rechtspre-
chung festgehalten, wonach der Vollzug der Wegweisung nach Griechen-
land für Personen, die dort einen Schutzstatus erhalten haben, grundsätz-
lich zulässig ist. Das Gericht geht nicht von einer Situation aus, in der jeder
Person mit Schutzstatus in Griechenland eine unangemessene und ernied-
rigende Behandlung im Sinne einer Verletzung von Art. 3 EMRK drohen
würde. Trotz existierender Schwachstellen kann nicht von einem dysfunk-
tionalen Aufnahmesystem gesprochen werden. Gewisse Angebote existie-
ren in Griechenland, die auch für Schutzberechtigte offenstehen, wenn
auch die Kapazitäten kaum ausreichend sein dürften und diese bisher vor
allem von internationalen Akteuren in Zusammenarbeit mit der lokalen Zi-
vilgesellschaft erbracht und finanziert werden. Trotz dieser schwierigen
Verhältnisse geht das Bundesverwaltungsgericht davon aus, dass schutz-
berechtigte Personen grundsätzlich in der Lage sind, ihre existenziellen
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Bedürfnisse abzudecken. Auch ist davon auszugehen, dass Rückkehren-
den keine menschenunwürdige Behandlung droht, weshalb für sie kein
«real risk» einer völkerrechtswidrigen Behandlung besteht. An dieser Ein-
schätzung vermögen auch die vom Beschwerdeführer sowohl im erstin-
stanzlichen Verfahren als auch auf Beschwerdeebene angerufenen Län-
derberichte und Urteile deutscher Verwaltungsgerichte nichts zu ändern.
8.3.2 Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass
eine Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist
(Referenzurteil E-3427/2021, E-3431/2021 E. 11.3). Die Legalvermutung
der Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung gilt bezüglich Griechen-
land grundsätzlich auch für vulnerable Personen, wie zum Beispiel Perso-
nen, die an gesundheitlichen Problemen leiden, die nicht als schwerwie-
gende Erkrankung einzustufen sind (vgl. a.a.O E. 11.5.1).
8.4 Es obliegt der betroffenen Person, diese Legalvermutungen umzustos-
sen. Dazu hat sie ernsthafte Anhaltpunkte dafür vorzubringen, dass die Be-
hörden im konkreten Fall das Völkerrecht verletzen, ihr nicht den notwen-
digen Schutz gewähren oder sie menschenunwürdigen Lebensumständen
aussetzen würden respektive, dass sie in Griechenland aufgrund von indi-
viduellen Umständen sozialer, wirtschaftlicher oder gesundheitlicher Art in
eine existenzielle Notlage geraten würde (vgl. Referenzurteil E-3427/2021,
E-3431/2021 E. 11.4).
8.4.1 Der Beschwerdeführer hat in Griechenland am 29. Juni 2020 subsidi-
ären Schutz erhalten. Dieser dauert solange an, bis die Umstände, die zu
ihm geführt haben, weggefallen sind (vgl. Art. 16 Abs. 1 Richtli-
nie 2011/95/EU, sog. Qualifikationsrichtlinie), wofür es vorliegend jedoch
keinerlei Hinweise gibt. Damit wird ihm der notwendige Schutz gewährt.
Zwar besitzt er aktuell keine gültige griechische Aufenthaltsbewilligung. Da
die griechischen Behörden sich aber bereit erklärten, ihn wiederaufzuneh-
men, ist davon auszugehen, dass eine Verlängerung seines Aufenthaltsti-
tels problemlos möglich ist (vgl. Urteil des BVGer D-3995/2022 vom
27. September 2022 E. 7.6.1 m.w.H.). Ob er dabei tatsächlich mit einer
Busse wegen verspäteter Gesuchstellung zu rechnen hat, ist dabei irrele-
vant.
8.4.2 Betreffend seine damalige Lebenssituation in Griechenland bringt der
Beschwerdeführer vor, dass er für drei Monate obdachlos gewesen sei und
keinerlei Unterstützung erhalten habe. Er macht indessen nicht geltend,
sich während seines Aufenthalts vergeblich um Unterstützung seitens der
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Seite 11
Behörden bemüht zu haben. Bei Unterstützungsbedarf sowie allfälligen
Verfahrensverletzungen obliegt es dem Beschwerdeführer und dies ist ihm
vorliegend auch zuzumuten, dass er sich an die griechischen Behörden
wendet und die erforderliche Hilfe nötigenfalls auf dem Rechtsweg einfor-
dert. Aufgrund der Akten liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass er für
den Fall einer Rückkehr nach Griechenland dort mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe
oder Behandlung ausgesetzt wäre. Daran kann auch die behauptete sie-
benmonatige Inhaftierung während seines Asylverfahrens nichts ändern,
zumal keine objektiven Anhaltspunkte vorliegen, die eine völkerrechtswid-
rige Inhaftierung in Griechenland für wahrscheinlich erscheinen lassen.
Auch unter Berücksichtigung der Schwächen des griechischen Aufnahme-
systems vermag allein die blosse Möglichkeit, in nicht absehbarer Zeit aus
nicht voraussehbaren Gründen in eine missliche Lebenssituation zu gera-
ten, die hohe Schwelle zum «real risk» nicht zu erreichen, womit sich der
Vollzug der Wegweisung als zulässig erweist.
8.4.3 Selbst wenn die Lebensbedingungen in Griechenland für den Be-
schwerdeführer als Person mit internationalem Schutzstatus eine Heraus-
forderung darstellen und eine adäquate Eingliederung in die dortigen sozi-
alen Strukturen mit nicht zu verkennenden Erschwernissen verbunden ist,
liegen keine Hinweise für die Annahme vor, dass er bei einer Rückkehr
nach Griechenland einer existenziellen Notlage ausgesetzt wäre. Es han-
delt sich beim Beschwerdeführer um einen jungen Mann, welcher bereits
mehrere Monate in Griechenland und zwei Jahre in Serbien und Bosnien
verbracht habe. Da er aufgrund seines Schutzstatus Anspruch auf Verlän-
gerung seiner Aufenthaltsbewilligung hat, hat er grundsätzlich Zugang zu
Sozialleistungen, zum griechischen Stellenmarkt und zur Gesundheitsver-
sorgung. Ebenso hat er Anspruch auf diesbezügliche Gleichberechtigung
mit griechischen Staatsangehörigen. Es ist zudem davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer in der Lage ist, sich bei Bedarf an die griechi-
schen Behörden oder auch an karitative Organisationen zu wenden. Seine
Vorbringen vermögen die hohen Anforderungen an eine konkrete Gefähr-
dung nicht zu erfüllen respektive vermag er damit nicht die Legalvermutung
umzustossen. Obschon seine Erlebnisse in Griechenland zu bedauern
sind, vermögen sie entgegen seiner Auffassung keine besondere Verletz-
lichkeit im Sinne der aktuellen bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtspre-
chung (vgl. Referenzurteil E-3427/2021, E-3431/2021 E. 11.5.3) zu begrün-
den, weshalb nicht auf die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu
schliessen ist.
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8.4.4 Hinsichtlich des geltend gemachten medizinischen Sachverhalts ist
festzustellen, dass seine körperlichen Beschwerden aufgrund des aktuel-
len Aktenstandes als geheilt zu erachten sind. Die vorgebrachten psychi-
schen Leiden sind mangels entsprechender Anhaltspunkte nicht als
schwerwiegende Erkrankung im Sinne des neusten Referenzurteils einzu-
stufen, zumal sich schwere psychische Leiden in den Arztberichten nieder-
geschlagen hätten (vgl. oben E. 5.3). Bezeichnenderweise macht er auch
auf Beschwerdeebene nicht geltend, er sei noch in ärztlicher Behandlung
oder benötige dringend eine Therapie oder bestimmte Medikamente. Beim
Beschwerdeführer handelt es sich somit nicht um eine besonders vul-
nerable Person, für welche sich der Vollzug der Wegweisung grundsätzlich
als unzumutbar erweisen würde. Mangels konkreter Hinweise ist davon
auszugehen, dass seine gesundheitlichen Probleme bei Bedarf in Grie-
chenland adäquat behandelt werden können, zumal die medizinische Ver-
sorgung dort grundsätzlich gewährleistet ist (vgl. hierzu bspw. Urteil des
BVGer D-1383/2022 vom 31. März 2022 E. 6.6 m.w.H.).
8.4.5 Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer unter Berücksich-
tigung der aktuellen Rechtsprechung nicht gelungen, die gesetzliche Ver-
mutung, der Vollzug nach Griechenland sei zumutbar, umzustossen (vgl.
Referenzurteil E-3427/2021, E-3431/2021 E. 11.4 f.).
8.4.6 Es ist schliesslich auch ohne weiteres von der Möglichkeit des Weg-
weisungsvollzugs auszugehen (Art. 83 Abs. 2 AIG), da sich Griechenland
ausdrücklich zu einer Wiederaufnahme des Beschwerdeführers bereit er-
klärt hat.
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist
abzuweisen, da sich die Beschwerdebegehren entsprechend den vorste-
henden Erwägungen von vornherein als aussichtslos erwiesen haben.
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Demzufolge sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 750.– dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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