Decision ID: 0bfa523a-abf8-5734-abcb-cdd05b832d78
Year: 2009
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A. Der Beschwerdeführer ist chinesischer Staatsbürger tibetischer Ethnie und stammt aus C._ im autonomen tibetischen Bezirk D._ in der chinesischen Provinz Sichuan, lebte indessen seit seinem neunten Lebensjahr in Peking. Gemäss eigenen Angaben  er China am 4. Juni 2006 und reiste am 5. Juni 2006 illegal in die Schweiz ein, wo er gleichentags beim Empfangs- und  Basel ein Asylgesuch stellte. Hier erfolgten am 20. Juni 2006 eine summarische Befragung sowie am 18. Juli 2006 eine direkte Anhörung durch das Bundesamt für Migration (BFM) zu den Asylgründen.  wurde der Beschwerdeführer für die Dauer des  dem Kanton E._ zugewiesen.
B. Mit Verfügung vom 28. November 2006 lehnte das Bundesamt für  (BFM) das Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz sowie den Vollzug an.
C. Gegen die Verfügung des Bundesamts erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 28. Dezember 2006 bei der damaligen  Asylrekurskommission (ARK) Beschwerde. Diese wurde durch das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 13. August 2008  abgewiesen.
D. Mit Eingabe vom 11. September 2008 beantragte der  beim Bundesverwaltungsgericht die Revision des Urteils vom 13. August 2008.
E. Mit Urteil vom 23. März 2009 hiess das Bundesverwaltungsgericht das Revisionsgesuch gut. Dabei gelangte es zum Schluss, der  der versehentlichen Nichtberücksichtigung von in den Akten  erheblichen Tatsachen durch die Beschwerdeinstanz im Sinne von Art. 121 Bst. d des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) sei gegeben.
Seite 2
D-7853/2006

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1. 1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Über Verfügungen, die gestützt auf das Asylgesetz vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) durch das BFM erlassen worden sind, entscheidet das Bundesverwaltungsgericht endgültig (Art. 105 AsylG).
1.2 Mit dem 1. Januar 2007 hat das Bundesverwaltungsgericht zudem die vormals bei der ARK hängigen Rechtsmittelverfahren , wobei die Beurteilung nach dem neuen Verfahrensrecht erfolgt (Art. 53 Abs. 2 VGG).
1.3 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und  des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige  des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2. Der Beschwerdeführer ist legitimiert; auf seine frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist – nachdem deren erste  Beurteilung durch das Bundesverwaltungsgericht mit  vom 23. März 2009 wieder aufgehoben wurde – einzutreten (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1, Art. 50 und 52 VwVG).
3. 3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz grundsätzlich Flüchtlingen Asyl. Als Flüchtling wird eine Person anerkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten  Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen  ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten  die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).
Seite 3
D-7853/2006
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft  oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit  Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig  oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel  werden (Art. 7 AsylG).
4. Bezüglich der Gründe für seine Flucht aus China machte der  auf den verschiedenen Verfahrensstufen Folgendes geltend.
4.1 Anlässlich der im ordentlichen Verfahren durchgeführten  brachte der Beschwerdeführer zur Begründung seines  im Wesentlichen Folgendes vor: Als ethnischer, seit seinem neunten Lebensjahr in Peking wohnhafter Tibeter habe er nach seinem Studium seit dem Januar 2005 als Schreibkraft beim staatlichen  für Tibetkunde in Peking gearbeitet. Durch seine  habe er von vielen Schriften und Dokumenten über Tibet  erlangt. Diese Dokumente hätten davon gehandelt, was die  aus Tibet machen wollten oder wie sie Tibet gern hätten (Protokoll der summarischen Befragung, S. 6) beziehungsweise wie Tibet zu  sei (Protokoll der Zweitbefragung, S. 5 f.). Dabei sei etwa davon die Rede gewesen, wie die buddhistische Religion mit der Politik  werden solle, um davon zu profitieren. Weiter habe er von  Plänen gelesen: noch stärkere Förderung des Chinesisch- in den Schulen; Förderung des Alkoholkonsums in Tibet;  der chinesischen Kultur; Propagierung des chinesischen Glücksspiels Majin, wodurch die Tibeter von der Ausübung ihrer  abgelenkt werden sollten. Die Dokumente seien durch drei  geprägt gewesen: Förderung des Alkoholkonsums, Zulassung von Glücksspielen, Behinderung der Religion. Er habe diese in der Folge ausgedruckt und einem ebenfalls aus Tibet stammenden Freund, F._, gezeigt. Im März 2006 habe er ausserdem  Dokumente vom Computer eines Arbeitskollegen auf  USB-Stick kopiert. Zusammen mit F._ habe er , in Tibet über den Inhalt jener Dokumente zu informieren, und sie seien deshalb im Januar und im Mai 2006 zweimal in den Heimatort des Beschwerdeführers, C._ in der tibetischen Region
Seite 4
D-7853/2006
G._, gereist. Anlässlich des zweiten Aufenthalts in C._, ungefähr am 27. Mai 2006, hätten sie im Haus eines Onkels des  eine grössere Zahl von Leuten über die erwähnten Dokumente informiert. Nachdem sie bereits wieder aus C._  seien, habe der Beschwerdeführer in H._, auf dem Rückweg nach Peking, die Nachricht erhalten, dass ein in C._ wohnhafter Sohn jenes Onkels verhaftet worden sei. Er habe daher davon ausgehen müssen, dass jenes Treffen der Polizei verraten  sei, und habe deshalb beschlossen unterzutauchen. Mit Hilfe  amerikanischen Freundes, eines Lehrers seines ehemaligen , habe er in der Folge China verlassen. Anlässlich der  durch das BFM führte der Beschwerdeführer ferner aus, die im Forschungszentrum für Tibetkunde unerlaubterweise kopierten  befänden sich immer noch in seinem Besitz, denn diese seien auf seinem Mobiltelephon gespeichert.
4.2 Mit seinem Revisionsgesuch reichte der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht als Beweismittel einen Ausdruck eines in chinesischer Sprache abgefassten Schriftstücks ein, bei welchem es sich um eines jener Dokumente handle, die er sich während seiner  beim Forschungszentrum für Tibetkunde unerlaubterweise  und deren Dateien er auf seinem Mobiltelephon gespeichert habe. Ferner übermittelte er im Laufe des Revisionsverfahrens eine deutsche Übersetzung des genannten chinesischen Dokuments und verschiedene Unterstützungsschreiben, so namentlich von I._, Leiter des „Tibet Office“ in Genf sowie Repräsentant des Dalai Lama und der tibetischen Exilregierung für Mittel- und Osteuropa.  wandte sich I._ selbst an das Bundesverwaltungsgericht, um seiner Besorgnis über die Gefährdungssituation des  im Falle einer zwangsweisen Rückkehr nach China Ausdruck zu verleihen.
5. 5.1 Das BFM stützte seine Ablehnung des Asylgesuchs in der  Verfügung hauptsächlich auf die Einschätzung, die  des Beschwerdeführers seien nicht glaubhaft. Die anlässlich der durchgeführten Befragungen gemachten Angaben bezüglich  Rolle als Mitarbeiter des Forschungszentrums für Tibetkunde in Peking, der in seiner Heimatregion G._ über geheime  betreffend die chinesische Tibetpolitik berichtet habe, seien  und widersprüchlich ausgefallen.
Seite 5
D-7853/2006
5.2 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den  des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung , überwiegen oder nicht (so die ständige Praxis der ARK, welche für die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts einen nach wie vor gültigen Massstab bildet; vgl. etwa Entscheide und  der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1996 Nr. 27 E. 3c/aa). Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesentliche Voraussetzung für die Glaubhaftmachung eines  ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, , im Wesentlichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheitsgemässe Schilderung einer tatsächlich erlittenen Verfolgung ist gekennzeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinreichende Präzision und innere Übereinstimmung.  wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes, Substantiiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte  sprechen (EMARK 1996 Nr. 28 E. 3a).
5.3 Im vorliegenden Fall ist zunächst festzustellen, dass die vom BFM genannten Widersprüche und Ungenauigkeiten in den Ausführungen des Beschwerdeführers zu seinen Asylgründen im Einzelnen nicht  sind beziehungsweise sich bei genauerer Betrachtung . So sieht die Vorinstanz etwa einen Widerspruch zwischen der  des Beschwerdeführers einerseits, er habe zweimal, nämlich im Januar sowie im Mai 2006, in C._ darüber berichtet, was in den Dokumenten des Forschungszentrums für Tibetkunde enthalten  sei, und seiner Aussage andererseits, er habe die fraglichen  im März 2006 auf einem USB-Stick – und später jedenfalls eines davon auf seinem Mobiltelephon – gespeichert. Nach dem  des BFM soll der Beschwerdeführer somit erst im März 2006
Seite 6
D-7853/2006
in den Besitz der fraglichen Informationen gelangt sein, was , dass er im Januar 2006 in C._ darüber habe  können. Dieser Argumentation kann nicht gefolgt werden, ergibt sich doch aus den Aussagen des Beschwerdeführers anlässlich seiner Anhörungen nicht zwingend eine solche Ereigniskette. Vielmehr lassen sich seine Aussagen ohne weiteres auch so verstehen, dass er von den Dokumenten im Forschungszentrum für Tibetkunde Kenntnis , solche ausgedruckt und seinem Freund F._ gezeigt habe, im Januar 2006 erstmals zu Informationszwecken nach C._  sei, im März 2006 dann entsprechende Dokumente vom  eines Arbeitskollegen auf einen USB-Stick kopiert habe und schliesslich im Mai 2006 erneut nach C._ gereist sei.
5.4 Die Frage der Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen des  ist zudem nunmehr – über die Aussagen anlässlich seiner Anhörungen hinaus – unter Berücksichtigung der im Rahmen des  eingereichten Beweismittel zu prüfen. Mit dem  vom 23. März 2009 (E. 4.4.1) wurde bereits festgestellt, dass es sich bei dem auf dem Mobiltelephon des Beschwerdeführers gespeicherten, nun vorliegenden chinesischen Dokument um ein für die Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen zentrales Beweismittel handelt. Ebenfalls wurde dabei festgehalten, dass das BFM im ordentlichen Asylverfahren von der Existenz dieses Beweismittels Kenntnis hatte, sich indessen unverständlicherweise nicht um dessen Beschaffung .
5.4.1 Aus der vorliegenden deutschen Übersetzung des im  eingereichten chinesischsprachigen Dokuments geht im  Folgendes hervor: Unter dem Titel „Antrag auf  der Stabilität und Förderung der Entwicklung in Tibet“ äussert sich ein Autor namens J._ zu verschiedensten in Tibet zu  Massnahmen. Neben Überlegungen zur strategischen  der Eisenbahnverbindung zwischen der Provinz Sichuan und der Autonomen Region Tibet wird dabei unter anderem festgehalten, die Zentralregierung könne zum Zweck der Schwächung der religiösen Betätigung in Tibet „allmählich die Kultur der alkoholischen Getränke, die Kultur von Mahjongg und die Popmusik unter den Tibetern “. Weiter wird unter anderem ausgeführt, es gelte, die Zahl der  in Tibet zu erhöhen, da diese im Falle einer Meuterei der  die Regierung bei deren Bekämpfung unterstützen würden. Daher sei es zu empfehlen, Bevölkerungen aus armen Gebieten des
Seite 7
D-7853/2006
chinesischen Binnenlands nach Tibet umzusiedeln. Ferner sei es , entlassene Soldaten in Tibet anzusiedeln, um so die  zu verbessern. Die Umsiedlung von Han-Chinesen nach Tibet solle ausserdem durch verschiedene Anreize gefördert .
5.4.2 Im Revisionsverfahren reichte der Beschwerdeführer  Schreiben Dritter ein, die sich zur Bedeutung des erwähnten  äussern. Dabei stellt sich etwa K._, China-Analyst der „International Campaign for Tibet“, Washington, in einem vom 5.  2008 datierenden E-Mail an I._ auf den Standpunkt, jene Person, die sich das fragliche Dokument – das offensichtlich  sei – beschafft und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht habe, sei in Lebensgefahr, sollte sie durch die chinesischen Behörden gefasst werden. In einem vom 4. September 2008 datierenden  äussert sich ferner I._ unter anderem , die unerlaubte Weitergabe behördlicher Dokumente werde in China als schweres Verbrechen betrachtet; in der Vergangenheit  sowohl chinesische wie auch ausländische Journalisten unter  Vorwurf zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt worden. Ferner teilte der Genannte mit, der Beschwerdeführer habe ihm , dass chinesische Behördenvertreter dessen Mutter in Peking aufgesucht und darüber informiert hätten, man wisse über die  ihres Sohnes in der Schweiz Bescheid.
5.5 In Ergänzung zu diesen Angaben ist festzuhalten, dass kein Grund zur Annahme besteht, der Beschwerdeführer habe nicht , wie geltend gemacht, als Mitarbeiter des  für Tibetkunde in Peking gewirkt. Dieser Sachverhalt wird denn auch von der Vorinstanz offensichtlich nicht bestritten. Das  gelangt somit unter Berücksichtigung aller  Aspekte (entgegen der mit dem Revisionsurteil vom 23. März 2009 aufgehobenen ersten beschwerdeinstanzlichen Beurteilung) zum Schluss, dass die Asylvorbringen des Beschwerdeführers glaubhaft sind.
6. 6.1 Hinsichtlich der Frage nach der asylrechtlichen Relevanz dieser Vorbringen ist zunächst allgemein festzuhalten, dass verfolgt im Sinne von Art. 3 AsylG ist, wer aus den in Abs. 1 der genannten Norm  Gründen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründe-
Seite 8
D-7853/2006
te Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Dabei  die Furcht vor künftiger Verfolgung gemäss den von der  ARK entwickelten Kriterien – die auch für die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts weiterhin Gültigkeit beanspruchen –  ein auf tatsächlichen Gegebenheiten beruhendes objektives  einerseits sowie die persönliche Furchtempfindung der  Person als subjektives Element andererseits. Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG hat demnach, wer gute – d.h. von Dritten nachvollziehbare – Gründe (objektives Element) für seine Furcht (subjektives Element) vorweist, mit gewisser Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft das Opfer von Verfolgung zu werden (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  [EMARK] 2000 Nr. 9 E. 5a sowie 2004 Nr. 21 E. 3b/aa).
6.2 Bei der Erwägung der Gefährdungssituation des  ist des Weiteren auch der allgemeinen politischen und  Situation in China Rechnung zu tragen: Personen oder , die als Bedrohung für den Staat angesehen werden, sind in China einer umfassenden Überwachung unterworfen. Dabei sind die chinesischen Behörden gegenüber Angehörigen ethnischer und religiöser Minderheiten sowie politisch unliebsamen Personen überaus misstrauisch, und ihr Vorgehen gegenüber diesen Gruppen ist von grosser Willkür geprägt. Bestrebungen für politische Autonomie oder gar Unabhängigkeit werden rigoros bekämpft; dahingehende  werden mit Haft, meist mit Misshandlung , bestraft (vgl. etwa UK HOME OFFICE, Country of Origin Information Report, China, 16. Dezember 2008, S. 146 ff.; FLORIAN BLUMER/ FLÜCHTLINGSHILFE [SFH], China: Situation der ethnischen und  Minderheiten, Update, Bern 2009, S. 1, 3 ff.). Auch wenn der Beschwerdeführer bereits im Jahr 2006 aus China ausreiste, ist  zu erwähnen, dass sich die Menschenrechtslage in Tibet seit den März-Unruhen vor den olympischen Spielen 2008 ganz erheblich verschlechtert hat. So gehen die chinesischen Behörden mit grosser Härte gegen (tatsächliche wie auch vermeintliche) Dissidenten vor;  ist die Situation in Tibet durch Repression gekennzeichnet (vgl. bspw. COUNCIL ON FOREIGN RELATIONS/CONGRESSIONAL EXECUTIVE COMMISSION ON CHINA, Annual Report 2008, S. 182 ff.; U.S. DEPARTEMENT OF STATE, 2008 Human Rights Report: China; BLUMER/SFH, a.a.O., S. 3 ff.; HUMAN RIGHTS WATCH, World Report 2009, China, Events of 2008).
Seite 9
D-7853/2006
6.3 Bei einer gesamthaften Beurteilung der Asylvorbringen des  sind folgende Aspekte besonders hervorzuheben:  ist zum Inhalt des zentralen Beweismittels, des Dokuments „Antrag auf Aufrechterhaltung der Stabilität und Förderung der  in Tibet“ von J._, festzuhalten, dass die darin  Massnahmen im Sinne der chinesischen politischen Interessen offensichtlich geeignet sind, die gesellschaftliche Ordnung in den  Gebieten in erheblicher Weise zu stören. Dabei ist es zwar nicht als neue Erkenntnis zu werten, dass die chinesische Regierung in Tibet Massnahmen zum Zweck der politischen und kulturellen  ergreift. Indessen sind die chinesischen Behörden bestrebt, ihre Minderheitenpolitik – insbesondere im Verhältnis zu Tibet – in  möglichst günstigen Licht erscheinen zu lassen. Somit ist davon auszugehen, dass ein Dokument wie das hier vorliegende, in dem das strategische Vorgehen gegenüber Tibet offen dargelegt wird, in China der Geheimhaltung unterliegt. Zu berücksichtigen ist ferner, dass der Heimatort des Beschwerdeführers, C._ (in anderen  [...]), im autonomen tibetischen Bezirk D._ [...] liegt und zur (sich über mehrere chinesische Provinzen sowie Teile der Autonomen Region Tibet erstreckenden) tibetischen Kulturregion G._ . Somit ist die Heimatregion des Beschwerdeführers Bestandteil  Gebiete, auf welche sich das erwähnte Dokument bezieht. Wie  ausgeführt wurde, weisen die Aussagen, die der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörungen zu den Umständen seiner  nach C._ machte, keine wesentlichen  auf (E. 5.3), und es ist zudem auch davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer sich wie geltend gemacht das erwähnte  unerlaubterweise während seiner Arbeit beim  für Tibetkunde beschafft hat (E. 5.4.3). Angesichts des Inhalts des fraglichen Dokuments und nicht zuletzt auch unter  der Anstellung beim genannten Forschungszentrum ist ferner auch als realistisch einzustufen, dass der Beschwerdeführer, indem er in C._ über seine Kenntnisse informierte, die Aufmerksamkeit der chinesischen Behörden auf sich zog.
6.4 Bei einer gesamthaften Würdigung aller wesentlichen Umstände ist objektiv nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer – nachdem im Anschluss an seinen Aufenthalt in C._ im Mai 2006 ein Sohn jenes Onkels festgenommen wurde, in dessen Haus er über die  Tibetpolitik informiert hatte – davon ausging, er selbst habe die Verhaftung durch die chinesischen Behörden zu befürchten. Somit
Seite 10
D-7853/2006
ergibt sich, dass die Furcht des Beschwerdeführers zum Zeitpunkt  Ausreise, er könnte asylrelevante Nachteile erleiden, auch aus  Sicht berechtigt war. Angesichts des Andauerns der schlechten menschenrechtlichen Lage in China ist die Furcht des  ferner auch zum heutigen Zeitpunkt unverändert begründet, im Falle einer Rückkehr nach China asylrelevanten Nachteilen ausgesetzt zu werden. Des Weiteren ist festzustellen, dass die Begründetheit der Furcht des Beschwerdeführers vor staatlichen  örtlich nicht beschränkt ist, gehen die chinesischen Behörden doch gegen Personen, die staatsfeindlicher Umtriebe oder Gesinnung verdächtigt werden, landesweit koordiniert vor. Dem Beschwerdeführer steht folglich in China auch keine innerstaatliche Fluchtalternative .
7. Zusammenfassend ergibt sich somit, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllt. Nachdem den Akten keine Hinweise auf das Vorliegen von Asylausschlussgründen zu entnehmen sind, ist die Beschwerde folglich gutzuheissen, und die angefochtene Verfügung ist aufzuheben. Das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführer als Flüchtling zu anerkennen und ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren.
8. 8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG).
8.2 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG, dessen Beurteilung mit  des damals zuständigen Instruktionsrichters vom 25. Januar 2007 auf einen späteren Zeitpunkt verschoben und durch das erste beschwerdeinstanzliche Urteil vom 13. August 2008 abgewiesen , wird damit gegenstandslos.
8.3 Dementsprechend sind dem Beschwerdeführer die im  Urteil vom 13. August 2008 auferlegten und bezahlten  von Fr. 600.– zurückzuerstatten (vgl. E. 6.2 des Revisionsurteils des Bundesverwaltungsgerichts vom 23. März 2009).
8.4 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG kann der  Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine  für die ihr erwachsenen notwendigen und verhältnismässig ho-
Seite 11
D-7853/2006
hen Kosten zugesprochen werden (vgl. für die Grundsätze der  der Parteientschädigung Art. 7 ff. des Reglements über die  und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Im wiederaufgenommenen Beschwerdeverfahren ist der Beschwerdeführer mit seinen  vollumfänglich durchgedrungen. Dabei hat der  zwar keinen Rechtsvertreter bestellt; indessen sind ihm  in der Höhe von Fr. 646.– erwachsen, die als weitere  Auslagen im Sinne von Art. 8 VGKE zu erachten sind. Somit sind dem Beschwerdeführer Fr. 646.– (inkl. Mehrwertsteuer) als  zuzusprechen. Dieser Betrag ist ihm durch das BFM zu entrichten.
(Dispositiv nächste Seite)
Seite 12
D-7853/2006