Decision ID: b9611dda-1165-4432-a3fb-b6bdf43b4cc2
Year: 2019
Language: de
Court: BE_SRK
Chamber: BE_SRK_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

hat die Steuerrekurskommission den Akten entnommen:
A. Zugunsten von A._ und B._ (Rekurrenten) ist im Grundbuch eine Nutzniessung am Grundstück F._ Gbbl. Nr. 1._, eingetragen, auf dem sich ein
Mehrfamilienhaus mit neun Wohnungen befindet, die an Dritte vermietet werden
(vgl. Zusammenstellung Mietzinseinnahmen 2016, Akten Vorinstanz, pag. 42). In der Steuer-
erklärung 2016 deklarierten die Rekurrenten für das genannte Grundstück Kosten für
Liegenschaftsunterhalt von CHF 212'584.-- (pag. 43).
B. Mit Verfügungen vom 10. April 2018 (pag. 138-126) wurden die Rekurrenten durch die Steuerverwaltung des Kantons Bern, Region _ (Steuerverwaltung), für das Steuerjahr
2016 auf ein steuerbares Einkommen von CHF 416'364.-- bei den kantonalen Steuern und von
CHF 375'358.-- bei der direkten Bundessteuer veranlagt. Dabei kürzte die Steuerverwaltung
den erwähnten Abzug für Liegenschaftsunterhalt um CHF 94'430.-- auf CHF 118'154.--. Die
Steuerverwaltung begründete diese Korrektur damit, dass die geltend gemachten Kosten für
den Ersatz von vorbestehenden Balkonen aus Beton durch Neukonstruktionen aus Metall mit
einer vergrösserten Fläche, der Ersatz der Balkone im Erdgeschoss durch Gartensitzplätze
sowie die Neumontage von Wind- und Sichtschutzwänden nur zu 40 % als abzugsfähige
Unterhaltskosten akzeptiert werden könnten (pag. 130, vgl. auch Vorabdruck vom 4.1.2018,
pag. 122; Notiz einer Besprechung mit dem Rekurrenten vom 23.1.2018, pag. 123; Schreiben
der Steuerverwaltung vom 16.2.2018, pag. 125).
C. Gegen die Veranlagungsverfügungen erhoben die Rekurrenten am 24. April 2018 Einsprache (pag. 140) und beantragten, den deklarierten Abzug für Liegenschaftsunterhalt um
höchstens CHF 35'000.-- zu kürzen. Sie machten im Wesentlichen geltend, dass der Ersatz der
Balkone durch solche mit gleicher Fläche nur unwesentlich geringere Kosten verursacht hätte
als das realisierte Projekt. Die Einsprache wurde von der Steuerverwaltung mit Entscheiden
vom 20. August 2018 (pag. 156-145) vollumfänglich abgewiesen. Aus dem vorab versandten
Begründungsschreiben vom 25. Mai 2018 (pag. 143) geht hervor, dass die Steuerverwaltung an
ihrem bereits im Veranlagungsverfahren vertretenen Standpunkt festhielt.
D. Mit Eingabe vom 12. September 2018 haben die Rekurrenten bei der  des Kantons Bern (Steuerrekurskommission) gegen die Einspracheentscheide
Rekurs betreffend die kantonalen Steuern und Beschwerde betreffend die direkte Bundessteuer
erhoben. Sie beantragen, den Abzug für Liegenschaftsunterhalt höchstens um CHF 35'000.-- zu
kürzen. Zur Begründung verweisen sie in erster Linie auf die Unterlagen des Veranlagungs- und
Einspracheverfahrens. Ergänzend wird geltend gemacht, dass der Umbau der Balkone nicht zu
einer Erhöhung des amtlichen Werts der Liegenschaft geführt habe. Zudem könnten die Mieten
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angesichts des hohen Leerwohnungsbestands in F._ trotz der vergrösserten Balkone
nicht erhöht werden.
E. Die Steuerverwaltung hat sich am 29. Oktober 2018 vernehmen lassen und die kostenpflichtige Abweisung von Rekurs und Beschwerde beantragt. Sie bestätigt im
Wesentlichen ihren bereits im Einspracheverfahren vertretenen Standpunkt, wonach die
vergrösserten Balkone, deren Verglasung sowie deren teilweisen Ersatz durch Gartensitzplätze
die vorgenommene Aufteilung der gesamten Investitionen in 60 % wertvermehrende und 40 %
werterhaltende Liegenschaftskosten rechtfertige.
F. Dazu haben die Rekurrenten mit Schreiben vom 18. November 2018 Stellung genommen. Abweichend von der Rekurs- und Beschwerdeeingabe vom 12. September 2018 beantragen
sie sinngemäss, die gesamten auf den Balkonersatz entfallenden Kosten als abzugsfähigen
Liegenschaftsunterhalt zu qualifizieren. Sie begründen diesen Antrag damit, dass es in
F._ ein grosses Überangebot an Mietwohnungen gebe, das sich durch rege
Wohnbautätigkeit in den kommenden Jahren noch verstärken werde. Vermieter von älteren
Wohnungen seien gezwungen, deren Standard an denjenigen der Neubauten anzupassen.
Würden sie dies unterlassen, seien Leerstände und ein massiver Wertverlust der Liegenschaft
zu erwarten.
G. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat sich nicht vernehmen lassen.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien wird, soweit für den Entscheid von Bedeutung, in
den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Die Steuerrekurskommission zieht in Erwägung:
1. Einspracheentscheide der Steuerverwaltung betreffend die Einkommens- und Vermögensveranlagung können bei der Steuerrekurskommission durch Rekurs bzw.
Beschwerde angefochten werden (Art. 195 ff. des Steuergesetzes vom 21. Mai 2000 [StG; BSG
661.11] und Art. 140 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte
Bundessteuer [DBG; SR 642.11] i.V.m. Art. 9 der Verordnung vom 18. Oktober 2000 über den
Vollzug der direkten Bundessteuer [BStV; BSG 668.11]). Die Steuerrekurskommission ist
deshalb sachlich und örtlich zuständig. Die Rekurrenten sind im vorinstanzlichen Verfahren mit
ihren Anträgen nicht durchgedrungen. Sie sind daher beschwert und zur Anfechtung befugt (Art.
195 Abs. 2 StG und Art. 140 ff. DBG i.V.m. Art. 3 BStV i.V.m. Art. 86 und 65 des Gesetzes vom
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23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]). Auf die form- und
fristgerecht eingereichte Eingabe ist deshalb einzutreten.
Die vorliegende Streitsache wird von der Steuerrekurskommission in Dreierbesetzung beurteilt,
da der Streitwert über CHF 10'000.-- liegt (Art. 70 Abs. 3 und Abs. 4 Bst. c des Gesetzes vom
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG;
BSG 161.1]).
2. Strittig ist, in welcher Höhe den Rekurrenten bei der Einkommenssteuerveranlagung für das Jahr 2016 ein Abzug für Liegenschaftsunterhalt zu gewähren ist.
3. Gemäss Art. 36 Abs. 1 StG dürfen für Grundstücke im Privatvermögen die Unterhaltskosten, die Versicherungsprämien, die Liegenschaftssteuern der Gemeinde und die
Kosten der Verwaltung durch Dritte abgezogen werden. Die gleiche Bestimmung findet sich bei
der direkten Bundessteuer in Art. 32 Abs. 2 DBG. Andere als die in den Gesetzen
abschliessend aufgezählten Abzüge können nicht vorgenommen werden. Nicht
abzugsberechtigt sind insbesondere Aufwendungen für die Anschaffung, Herstellung oder
Wertvermehrung von Vermögensgegenständen (Art. 39 Bst. d StG; Art. 34 Bst. d DBG).
3.1 Welche Liegenschaftskosten konkret abzugsfähig sind, wird in der Verordnung vom 12. November 1980 über die Unterhalts-, Betriebs- und Verwaltungskosten von Grundstücken
(VUBV; BSG 661.312.51) näher umschrieben. Zu den Unterhaltskosten gehören insbesondere
Auslagen für die Behebung von Schäden, für jährlich oder periodisch wiederkehrende
Erneuerungsarbeiten aller Art sowie für den Ersatz bereits vorhandener Anlagen, wie sanitäre
Einrichtungen, Heizeinrichtungen, Kochherde, soweit sie keinen Mehrwert bewirken (Art. 1
Abs. 1 Bst. a bis c VUBV). Nicht abziehbar sind demgegenüber wertvermehrende
Aufwendungen für Neueinrichtungen und Verbesserungen von Grundstücken (Art. 1 Abs. 2 Bst.
a VUBV). Für das DBG finden sich inhaltlich analoge Regelungen in den drei Verordnungen
vom 24. August 1992: Die Verordnung über den Abzug der Kosten von Liegenschaften des
Privatvermögens bei der direkten Bundessteuer (Liegenschaftskostenverordnung; SR 642.116),
die Verordnung über die Massnahmen zur rationellen Energieverwendung und zur Nutzung
erneuerbarer Energien (SR 642.116.1) und die Verordnung über die abziehbaren Kosten von
Liegenschaften des Privatvermögens bei der direkten Bundessteuer (EStV-
Liegenschaftskostenverordnung; SR 642.116.2). Zu beachten ist auch das von der
Steuerverwaltung des Kantons Bern herausgegebene Merkblatt 5 zu den Grundstückkosten mit
dem Ausscheidungskatalog zur Abgrenzung der abziehbaren Unterhaltskosten von den
Anlagekosten (abrufbar unter: <https://www.sv.fin.be.ch>, Rubriken "Dokumente / Publikationen
> Einkommens- und Vermögenssteuern" [zuletzt besucht am 12.3.2019]).
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3.2 Umfasst eine Aufwendung sowohl einen werterhaltenden als auch einen  Anteil (was häufig bei Umbauten an bestehenden Gebäuden der Fall ist), ist die
Aufwendung im Umfang des werterhaltenden Anteils zum Abzug zuzulassen, während der
wertvermehrende Anteil nicht abgezogen werden kann. Die Anteile sind zu schätzen (Rich-
ner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl., 2016, N. 45 zu Art. 32 DBG).
4. Die Rekurrenten liessen acht Balkone aus Beton an der Südwestfassade der betroffenen Liegenschaft entfernen (je zwei im Erdgeschoss sowie in den drei Obergeschossen; nicht
betroffen ist das Attikageschoss). Als Ersatz wurden im Erdgeschoss Gartensitzplätze und in
den Obergeschossen Metallbalkone erstellt (vgl. Baubewilligung vom 17.2.2016 sowie Pläne,
pag. 70-61). Die neuen Balkone weisen eine Fläche von 15 m2 auf (4.3 m * 3.5 m), die
vorherigen eine solche von 6.4 m2 (4.3 m * 1.5 m, laut Schreiben der Rekurrenten vom
24.4.2018, pag. 140; die Steuerverwaltung geht von leicht unterschiedlichen Balkonflächen auf
der linken bzw. rechten Gebäudeseite aus, pag. 125). Die Fläche der neuen Gartensitzplätze
entspricht derjenigen der darüber liegenden Balkone (vgl. Fotos, pag. 71). Sowohl die
Gartensitzplätze als auch die Balkone wurden beidseitig mit Wind- und Sichtschutzwänden
versehen, was bei den vorbestehenden Balkonen nicht der Fall war.
5. Gemäss Merkblatt 5 stellt der Abriss und gleichwertige Ersatz von Balkonen Unterhalt dar. Bei einer Nutzungserweiterung sind die Kosten, die auf die Erweiterung entfallen, als wert-
vermehrende Investition zu betrachten und können nicht abgezogen werden (Ziff. 6). Wert-
vermehrender Natur ist zudem der erstmalige Einbau von Wind- und Sichtschutzwänden. Dies
ergibt sich aus Art. 1 Abs. 2 Bst. a VUBV, wonach Aufwendungen für Neueinrichtungen nicht
abziehbar sind sowie aus Ziff. 1.1.8 des Ausscheidungskatalogs des Merkblatts 5 ("Neueinbau
Verglasung"). Die rechtlichen Grundlagen sprechen somit dafür, dass das zu beurteilende
Bauprojekt sowohl wertvermehrende als auch werterhaltende Anteile aufweist.
6. In ihrer zuletzt eingereichten Rechtsschrift, der Stellungnahme vom 18. November 2018, beantragen die Rekurrenten sinngemäss, die gesamten Umbaukosten als Liegenschafts-
unterhalt anzuerkennen. Diesen Antrag begründen sie mit dem ausserordentlich hohen
Leerwohnungsbestand in F._, wo aktuell knapp 400 Wohnungen nicht vermietet seien
und in den kommenden Jahren weitere 360 Einheiten dazukämen. Dieses Überangebot zwinge
die Vermieter, ältere Wohnungen an den Standard von Neubauten anzugleichen. Genau dies
sei mit der strittigen Vergrösserung der Balkone geschehen. Deren neue Fläche von 15 m2
entspreche dem heutzutage Üblichen. Die Rekurrenten argumentieren, dass die Wohnungen in
ihrer Liegenschaft ohne die vergrösserten Balkone in naher Zukunft kaum mehr vermietet
werden könnten, was zu Leerständen und einem massiven Wertverlust der Immobilie geführt
hätte. Dementsprechend habe das Bauprojekt lediglich bezweckt, diesen drohenden
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Wertverlust zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen. Von einer Wertsteigerung könne
keine Rede sein.
6.1 Gemäss juristischer Praxis und Lehre dienen Unterhaltsmassnahmen der Erhaltung bereits vorhandener Werte. Das Gebäude wird durch solche Massnahmen in Gestaltung, Form
und Zweckbestimmung nicht verändert; es werden einzig mangelhafte Teile ersetzt oder instand
gestellt. Demgegenüber werden mit wertvermehrenden Aufwendungen zusätzliche Werte
geschaffen. Die Abgrenzung erfolgt aus einem objektiv-technischen Blickwinkel, massgebend
ist der Nutzungs- bzw. Gebrauchswert (Art. 1 Abs. 2 Bst. a VUBV; vgl. Richner/Frei/Kauf-
mann/Meuter, a.a.O., N. 37, 44, 46 zu Art. 32 DBG; Zwahlen/Lissi in: Kommentar zum
Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer [DBG], 3. Aufl.,
2017, N. 11 zu Art. 32 DBG). Es kommt mit anderen Worten darauf an, ob eine Massnahme,
objektiv betrachtet, zu einer quantitativ (mehr Fläche) oder qualitativ (im Sinn einer
Komfortsteigerung) verbesserten Nutzung führt. Vorliegend steht den Bewohnern der
betroffenen Liegenschaft eine mehr als doppelt so grosse Balkonfläche zur Verfügung
(quantitative Verbesserung), die zudem aufgrund der neuen Seitenwände auch noch besser
genutzt werden kann (qualitative Verbesserung). Es liegt demnach eine Wertvermehrung im
erwähnten objektiv-technischen Sinn vor.
6.2 Von diesem Verständnis des Begriffs Wertvermehrung zu unterscheiden ist die Frage, welche Auswirkungen eine bauliche Massnahme auf den Markt- oder Verkehrswert des
betroffenen Grundstücks hat. Der Verkehrswert ist von zahlreichen (externen) Faktoren
abhängig, wie Konjunktur, Bevölkerungsentwicklung, Wohnbautätigkeit usw. Es ist daher nicht
ungewöhnlich, dass eine Investition zwar aus objektiv-technischem Blickwinkel werterhöhend
ist, sich aufgrund eines schwierigen Marktumfelds jedoch nicht in einem erhöhten Verkehrswert
niederschlägt, also bspw. nicht auf die Mieten überwälzt werden kann (unabhängig von
allfälligen mietrechtlichen Schranken). Weit häufiger dürfte freilich das Gegenteil zutreffen, dass
nämlich der Verkehrswert einer Immobilie aufgrund einer starken Nachfrage nach Wohnraum
ansteigt (bzw. Wohnungen teurer vermietet werden können), obwohl keine wertsteigernden
Investitionen getätigt worden sind. Wollte man von der bisherigen Praxis abweichen und, wie es
sich die Rekurrenten vorstellen, das jeweilige Marktumfeld mitberücksichtigen, ergäben sich
zahlreiche, kaum zu bewältigende Abgrenzungs- und Beweisprobleme. Ein und dieselbe
Massnahme müsste bei starker Nachfrage nach Wohnraum als wertvermehrend, bei schwacher
Nachfrage hingegen als werterhaltend eingestuft werden. Dies hätte örtlich und periodisch
unterschiedliche Ergebnisse zur Folge, die mit den Geboten der Gleichbehandlung und Rechts-
sicherheit nicht vereinbar wären. Letztlich kann der objektiv-technische Blickwinkel für die
Abgrenzung zwischen werterhaltenden und werterhöhenden Liegenschaftskosten auch so
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verstanden werden, dass eine bauliche Massnahme in einem Umfeld mit tendenziell sinkenden
Mieterträgen bereits dann als wertsteigernd aufzufassen ist, wenn sie geeignet ist, den
aufgrund der Marktentwicklung zu erwartenden Verkehrswertrückgang zu stoppen oder
zumindest zu verlangsamen. Genau dies haben die Rekurrenten mit dem Ausbau der Balkone
beabsichtigt, wie sich ihrer Stellungnahme vom 18. November 2018 entnehmen lässt.
7. Nebst der ungünstigen Marktsituation verweisen die Rekurrenten zugunsten ihres Standpunkts auch auf die Einschätzung der steuerverwaltungsinternen Abteilung Amtliche
Bewertung, die keine Auswirkung der vergrösserten Balkone auf den amtlichen Wert habe
feststellen können. Hierzu ist festzuhalten, dass die Festsetzung des amtlichen Werts eines
Grundstücks nach einer eigenen Systematik erfolgt. Ohne in die Details zu gehen, kann
allgemein gesagt werden, dass der amtliche Wert eines Wohnhauses von der vorhandenen
Fläche, dem Komfort, der Bauqualität und dem (wirtschaftlichen) Alter des Gebäudes, der
Wohn- und Verkehrslage des Grundstücks sowie vom Mietzinsniveau der Standortgemeinde
abhängt (aktuell basierend auf Erhebungen in den Jahren 1993-1996; vgl. zu Ganzen:
Erläuterungen zum steuerlichen Bewertungssystem von Grundstücken und Liegenschaften im
Kanton Bern, abrufbar unter: <https://www.sv.fin.be.ch>, Rubriken "Steuersituationen >
Wohneigentum / Liegenschaften > Amtlicher Wert" [zuletzt besucht am 12.3.2019]). Der
amtliche Wert bzw. dessen Veränderungen stehen weder mit der Höhe der Kosten allfälliger
baulicher Massnahmen in Zusammenhang noch mit deren Einschätzung als Unterhalts- oder
Anlagekosten bei der Einkommenssteuerveranlagung. So ist es durchaus nicht ungewöhnlich,
dass nach umfassenden Renovationen der amtliche Wert einer Liegenschaft stärker steigt als
die bei der Einkommenssteuerveranlagung als wertvermehrend beurteilten Investitionen (z.B.
weil der Ersatz von Heizungs-, Sanitär- oder Elektroinstallationen [i.d.R. Liegenschaftsunterhalt
bei der Einkommenssteuer] das wirtschaftliche Alter des Gebäudes reduzieren). Umgekehrt hat,
wie im hier zu beurteilenden Fall, nicht jede wertvermehrende bauliche Massnahme eine
Erhöhung des amtlichen Werts zur Folge. Dies liegt auch daran, dass der amtliche Wert nach
baulichen Veränderungen nur korrigiert wird, wenn diese den bisherigen amtlichen Wert um
mehr als 10 % zu erhöhen vermögen (vgl. Annik Bärtschi in: Praxiskommentar zum Berner
Steuergesetz, Band 2, Artikel 126 bis 293, 2011, N. 7 zu Art. 183; VGE 100 2012 94 vom
21.5.2013, in StE 2013 B 25.6 Nr. 62, E. 4.1). Selbst wesentlich vergrösserte Balkonflächen,
wie sie hier vorliegen, reichen dazu nicht aus.
8. Als Zwischenergebnis steht somit fest, dass die baulichen Veränderungen an der Liegenschaft Friedhofweg 32 teilweise wertvermehrender Natur sind und die Steuerverwaltung
damit zu Recht nur einen Teil der geltend gemachten Auslagen für Liegenschaftsunterhalt zum
Abzug zugelassen hat. Wie in E. 3.2 erwähnt, sind in einer solchen Konstellation die Anteile
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werterhaltender und wertvermehrender Kosten zu schätzen. Die Steuerverwaltung hat den
Anteil wertvermehrender Investitionen auf 60 % der gesamten Kosten für den Balkonersatz
geschätzt. Sie hat dabei berücksichtigt, dass die vorbestehende Balkonfläche von 6.4 m2 rund
43 % der neu zur Verfügung stehenden Fläche von 15 m2 ausmacht, dass nunmehr Wind- und
Sichtschutzwände vorhanden sind und dass die Wohnungen im Erdgeschoss neu über
Gartensitzplätze anstelle von Balkonen verfügen (Vernehmlassung, Ziff. 2.2). Dagegen bringen
die Rekurrenten vor, dass ein Ersatz der Balkone durch solche mit gleicher Fläche nur
geringfügig tiefere Kosten verursacht hätte als die verwirklichte Variante (Einsprache, pag. 140).
Es ist offensichtlich, dass die Kosten für den Abriss der Betonbalkone und deren Ersatz durch
Metallkonstruktionen nur zu einem relativ geringen Teil von der Fläche der neuen Balkone
abhängen. Dies spielt jedoch für die Aufteilung der Kosten in wertvermehrende und
werterhaltende keine Rolle. Zu beurteilen ist das tatsächlich umgesetzte Projekt, nicht
irgendwelche Alternativen. Die Steuerrekurskommission hat wiederholt festgehalten, dass u.U.
selbst dann ein Anteil wertvermehrender Kosten ausgeschieden werden kann, wenn eine reine
Ersatzlösung teurer gewesen wäre (RKE 100 2017 455 vom 21.6.2018, E. 5.3; RKE 100 16 569
vom 16.6.2017, E. 5.1). Die Rekurrenten haben gemäss ihren eigenen Angaben eine
Anpassung der Balkone an den zeitgemässen Standard beabsichtigt. Primärer Zweck der
Investition war mithin eine Erhöhung des (Gebrauchs-)werts und nicht bloss das
Aufrechterhalten des bisherigen Zustands. Die Rekurrenten machen denn auch nicht geltend,
dass die vorbestehenden Balkone unterhaltsbedürftig gewesen wären, was grundsätzlich
Voraussetzung für einen Abzug von Unterhaltskosten ist (vgl. Merkblatt 5, Ziff. 3; VGE
100 2012 94 vom 21.5.2013, in StE 2013 B 25.6 Nr. 62, E. 3.2). Praxisgemäss wird jedoch
zumindest bei älteren Liegenschaften beim Ersatz eines vorbestehenden Gebäudeteils durch
eine quantitativ und/oder qualitativ verbesserte Variante ein Anteil werterhaltender Kosten
unabhängig vom Zustand der ersetzten Bausubstanz anerkannt, wie es dies die
Steuerverwaltung auch hier gemacht hat. Im Ergebnis ist die Schätzung der Steuerverwaltung,
wonach die Kosten der Balkonsanierung und -vergrösserung zu 60 % eine wertvermehrende
Investition darstellen, nicht zu beanstanden, zumal die Steuerverwaltung bei solchen
Schätzungen über einen beträchtlichen Ermessensspielraum verfügt.
9. Die Steuerverwaltung hat die Gesamtkosten für die Balkonsanierung auf CHF 157'382.90 bestimmt, basierend auf Rechnungen der Bauunternehmung C._ AG und der
D._ Metallbau AG (vgl. Vernehmlassung, Ziff. 1.2). Davon hat die Steuerverwaltung
60 %, ausmachend CHF 94'430.--, nicht als Liegenschaftsunterhalt akzeptiert. Die genannten
Rechnungen finden sich in den Akten (pag. 89, 83-81, 77 und 72). Nicht berücksichtigt hat die
Steuerverwaltung hingegen die Rechnung des Gartenbauunternehmens E._ vom
28. Juni 2016 über CHF 6'655.80 (pag. 76-73). Diese Rechnung betrifft die Einrichtung der
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Sitzplätze, welche die Balkone der Parterrewohnungen ersetzt haben. Nach Auffassung der
Steuerrekurskommission wären diese Auslagen grundsätzlich bei Ermittlung der Gesamtkosten
zu berücksichtigen gewesen. Angesichts der vergleichsweise geringen Auswirkung aufs
Ergebnis und weil die Aufteilung der Gesamtkosten in wertvermehrende und werterhaltende
Anteile ohnehin auf einer Schätzung basiert, wird auf eine (laut Art. 199 Abs. 2 StG
grundsätzlich mögliche) Änderung der Einspracheentscheide zuungunsten der Rekurrenten
verzichtet. Im Ergebnis sind die Einspracheentscheide zu bestätigen, was zur Abweisung von
Rekurs und Beschwerde führt.
10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens werden die Rekurrenten kostenpflichtig. Sie haben die gesamten Verfahrenskosten zu tragen einschliesslich allfälliger Auslagen für Gutachten
oder andere externe Kosten (Art. 144 Abs. 1 und 5 DBG sowie Art. 200 Abs. 1 StG i.V.m. Art. 1,
2, 53, 58 und 59 des Dekrets vom 24. März 2010 betreffend die Verfahrenskosten und die
Verwaltungsgebühren der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft
[Verfahrenskostendekret, VKD; BSG 161.12]).
Da die Rekurrenten im vorliegenden Fall unterliegen, werden keine Parteikosten gesprochen
(Art. 200 Abs. 4 StG sowie Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG; SR 172.021]).