Decision ID: b71e0955-68f5-50a7-b5e9-7aa7f9e2a38f
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ bezog seit längerer Zeit eine Ergänzungsleistung zu seiner Invalidenrente. Ab
Januar 2016 belief sich die monatliche Ergänzungsleistung auf Fr. 787.--. Die
Anspruchsberechnung (act. G 3.2.22) wies als Bruttoerwerbseinkommen den Betrag
von Fr. 6'800.-- aus. Dies entsprach den in den beiden Lohnausweisen für das Jahr
2014 angegebenen Beträgen (vgl. act. G 3.2.45). Die EL-Durchführungsstelle forderte
den EL-Bezüger am 4. Februar 2016 auf, den Lohnausweis für das Jahr 2015
einzureichen (act. G 3.2.13-1). Der EL-Bezüger reichte zwei Lohnausweise für das Jahr
2015 ein, die beide von der B._ AG ausgestellt worden waren (act. G 3.2.13-3 f.). Der
Bruttolohn hatte sich auf insgesamt Fr. 8'373.-- belaufen. Die EL-Durchführungsstelle
berücksichtigte dieses Erwerbseinkommen ab März 2016. Es resultierte eine
monatliche Ergänzungsleistung von Fr. 708.-- (act. G 3.2.12). Die entsprechende
Revisionsverfügung erging am 3. März 2016 (act. G 3.2.11). Der EL-Bezüger erhob eine
Einsprache gegen diese Verfügung (act. G 3.2.9). Er machte sinngemäss geltend, die
Lohnhöhe schwanke, da er von seiner Arbeitgeberin eingesetzt werde, wenn ein
anderer Mitarbeiter krank sei oder Urlaub habe. Die EL-Durchführungsstelle wies die
Einsprache ab (act. G 3.2.6). Dagegen erhob der EL-Bezüger eine Beschwerde (act. G
3.2.1).
A.a.
Am 1. September 2016 stieg der Mietzins auf Fr. 13'200.-- (act. G 3.3.65). Die EL-
Durchführungsstelle trug dieser Veränderung ab September 2016 Rechnung. Die
monatliche Ergänzungsleistung belief sich neu auf Fr. 983.-- (act. G 3.3.62). Die
entsprechende Verfügung erging am 4. August 2016 (act. G 3.3.61). Gemäss einer
Austrittsbestätigung der Arbeitgeberin vom 3. November 2016 endete das
Arbeitsverhältnis mit dem EL-Bezüger am 30. November 2016 (act. G 3.3.59). Die
Anspruchsberechnung ab Dezember 2016 wies deshalb kein Erwerbseinkommen mehr
aus. Dadurch stieg die monatliche Ergänzungsleistung auf Fr. 1'360.-- (act. G 3.3.57).
A.b.
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Die EL-Durchführungsstelle verfügte am 10. Dezember 2016 entsprechend (act. G
3.3.56). Im _ 2016 war der Vater des EL-Bezügers gestorben (vgl. act. G 3.3.51). Er
hatte drei Kinder hinterlassen. Die EL-Durchführungsstelle ermittelte anhand des
Nachlassinventars ein Nettonachlassvermögen von Fr. 358'468.73. Sie rechnete dem
EL-Bezüger einen Drittel dieses Betrages, also Fr. 119'489.--, an. Zusammen mit dem
bereits früher berücksichtigten Sparguthaben von Fr. 29'647.-- resultierte ein
Vermögen von Fr. 149'136.--, nach Abzug des gesetzlichen Freibetrages von Fr.
37'500.-- verblieb ein anrechenbares Vermögen von Fr. 111'636.--. Damit war erstmals
ein sogenannter Vermögensverzehr von einem Fünfzehntel, also von Fr. 7'442.--, als
Einnahme zu berücksichtigen (act. G 3.3.49). Dadurch sank die monatliche
Ergänzungsleistung per 1. Juli 2016 auf Fr. 421.-- (Mindestbetrag zur Deckung der
Pauschale für die Krankenkassenprämien) und per 1. Dezember 2016 auf Fr. 740.--
(act. G 3.3.47). Mit einer Verfügung vom 26. Oktober 2017 setzte die EL-
Durchführungsstelle die monatliche Ergänzungsleistung rückwirkend neu fest (act. G
3.3.50). Für die Periode Juni bis November 2016 resultierte eine Rückforderung von Fr.
2'260.--.
Das Versicherungsgericht wies in seinem Urteil vom 22. Dezember 2017
(EL 2016/35) betreffend die Anpassung der laufenden Ergänzungsleistung per 1. März
2016 an eine Veränderung des Erwerbseinkommens die Sache zur neuen Verfügung an
die EL-Durchführungsstelle zurück (act. G 3.3.31). Es ordnete an, dass von Monat zu
Monat stark schwankende Erwerbseinkommen zum Anlass zu nehmen seien, die
Ergänzungsleistung von Monat zu Monat anzupassen, wobei das Monatseinkommen
jeweils erst für den Folgemonat anzurechnen sei, weil es ja erst gegen Monatsende
ausbezahlt worden sei. Eine Anpassung der laufenden Ergänzungsleistung per 1. März
2016 sei nur möglich, wenn das Erwerbseinkommen im Februar 2016 erheblich von
demjenigen abgewichen sei, das bis dahin in die Anspruchsberechnung eingesetzt
gewesen sei. Die EL-Durchführungsstelle forderte den EL-Beschwerdeführer auf, die
monatlichen Lohnabrechnungen des Jahres 2016 und allfällige Belege für im Jahr 2016
entstandene Gewinnungskosten einzureichen (act. G 3.3.30). Der EL-Bezüger kam
dieser Aufforderung am 7. Februar 2018 nach. Er reichte die monatlichen
Lohnabrechnungen der B._ AG (act. G 3.3.27-5 ff.) und eine Reihe von Quittungen
(act. G 3.3.27-18 ff.) ein. Die EL-Durchführungsstelle nahm eine Neuberechnung für die
A.c.
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Zeit ab März 2016 vor (act. G 3.3.16 ff.). Dabei berücksichtigte sie jeweils den im
Vormonat erzielten Lohn. Der EL-Anspruch belief sich damit für März 2016 auf Fr.
813.--, für April 2016 auf Fr. 663.--, für Mai 2016 auf Fr. 691.--, für Juni 2016 auf Fr.
861.--, für Juli und August 2016 auf Fr. 0.-- (Einnahmenüberschuss) und für September
bis November 2016 auf je Fr. 421.-- (Mindestbetrag zur Deckung der Pauschale für die
Krankenkassenprämien). Ausbezahlt hatte die EL-Durchführungsstelle ab März 2016
Fr. 708.-- monatlich und ab Juli 2016 (im Rahmen der Neuberechnung als Folge des
Erbfalls) Fr. 421.-- monatlich (act. G 3.3.48 f.). Aus der Neuberechnung unter
Berücksichtigung des Monatslohns im Vormonat resultierte für März 2016 eine
Erhöhung um Fr. 105.--, für April 2016 eine Rückforderung von Fr. 45.--, für Mai 2016
eine Rückforderung von Fr. 17.-- und für Juni 2016 eine Erhöhung um Fr. 153.--. Für
Juli und August bestand kein Anspruch mehr auf eine Ergänzungsleistung. Da die EL-
Durchführungsstelle in diesen beiden Monaten den Mindestbetrag von je Fr. 421.--, der
dem EL-Bezüger früher zugesprochen worden war, direkt der Krankenkasse ausbezahlt
hatte, teilte sie dem EL-Bezüger mit, dass sie die entsprechende Rückforderung direkt
bei der Krankenkasse geltend machen werde. Für September bis November 2016 blieb
es beim Mindestbetrag von Fr. 421.-- monatlich. Die EL-Durchführungsstelle erliess am
14. Februar 2018 eine entsprechende Korrektur- und Rückforderungsverfügung (act. G
3.3.15). In der Verfügungsbegründung wies sie darauf hin, dass sie keine
Gewinnungskosten abgezogen habe, weil der EL-Bezüger weder mit seinem eigenen
Auto noch mit einem öffentlichen Verkehrsmittel zur Arbeit gefahren sei. Der EL-
Bezüger erhob am 6. April 2018 eine Einsprache gegen diese Verfügung (act. G 3.3.11).
Seinen Ausführungen, die sich grösstenteils nicht auf den Gegenstand der strittigen
Verfügung vom 14. Februar 2018 bezogen, liess sich zumindest entnehmen, dass der
EL-Bezüger nicht mit der Anrechnung eines Vermögens im Umfang seines Anteils am
Nachlass des Vaters einverstanden war. In einer Einspracheergänzung (act. G 3.3.9)
verwies der EL-Bezüger auf einen „Gesamtarbeitsvertrag“, laut dem die Arbeitnehmer
ihre eigenen Fahrzeuge zur Verfügung zu stellen hätten und dafür eine Entschädigung
erhielten. Die EL-Durchführungsstelle wies die Einsprache am 13. Juni 2018 ab (act. G
3.3.7). Sie begründete ihren Entscheid damit, dass der EL-Bezüger weder mit dem
eigenen Auto noch mit einem öffentlichen Verkehrsmittel zur Arbeit gefahren sei,
weshalb keine Gewinnungskosten hätten berücksichtigt werden können. Da der EL-
Bezüger keine anderen konkreten Einwände gegen die angefochtene Verfügung
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B.

Erwägungen
1.
Zunächst ist zu prüfen, ob der EL-Bezüger rechtzeitig beim Versicherungsgericht eine
Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 13. Juni 2018 erhoben hat. Dazu ist
auf den präjudiziellen Entscheid des Bundesgerichts vom 21. September 2015
(9C_211/2015) abzustellen. Dort verwies das Bundesgericht zwar einleitend auf seine
Rechtsprechung, laut der in einer Beschwerde erkennbar zum Ausdruck kommen
muss, dass die betreffende Person mit der erlassenen Verfügung nicht einverstanden
erhoben habe, sei nach dem Rügeprinzip nicht näher darauf einzugehen, zumal nicht
ersichtlich sei, was rechtsfehlerhaft sein könnte.
Der EL-Bezüger reichte dem Rechtsdienst der EL-Durchführungsstelle am 17. Juni
2018 per e-mail ein Schreiben ein, dem sich mit Ausnahme des Umstands, dass der
EL-Bezüger mit dem Einspracheentscheid nicht einverstanden war, nichts zur Sache
entnehmen liess (act. G 3.3.5). Der Rechtsdienst der EL-Durchführungsstelle wies den
EL-Bezüger am 18. Juni 2018 darauf hin, dass der Einspracheentscheid beim
Versicherungsgericht angefochten werden könne (act. G 3.3.3). Der EL-Bezüger reichte
dem Versicherungsgericht am 2. Juli 2018 eine mit „Einsprache gegen den
Einspracheentscheid vom 13.06.2018“ überschriebene Eingabe ein (act. G 1). Der
Inhalt dieser Eingabe wies keinen Bezug zum Inhalt des Einspracheentscheides auf;
der EL-Bezüger stellte keinen Antrag und er lieferte weder eine Sachverhaltsdarstellung
noch eine Begründung. Das Versicherungsgericht forderte den EL-Bezüger nicht auf,
seine Eingabe entsprechend zu verbessern.
B.a.
Die EL-Durchführungsstelle beantragte am 3. August 2018 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 3).
B.b.
Am 23. September 2018 machte der EL-Bezüger in einer mit
„Fristerstreckungsgesuch“ bezeichneten Eingabe geltend (act. G 5), er anerkenne das
Dorf, in dem er wohne, nicht als Gemeinde. Er verzichte völlig auf eine „Instanz
Ihrerseits“ und er betrachte den Fall als geschlossen. Die EL-Durchführungsstelle nahm
dazu keine Stellung (vgl. act. G 6).
B.c.
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ist und dass sie diese Verfügung durch die Rechtsmittelinstanz überprüft haben will
(vgl. E 2.2 unter Verweis auf den Entscheid 9C_553/2008). Im damals zu beurteilenden
Fall hatte die Adressatin einer Abweisungsverfügung innerhalb der Beschwerdefrist der
IV-Stelle mitgeteilt, dass sie mit dieser Verfügung nicht einverstanden sei; sie hatte der
IV-Stelle gleichzeitig die Einreichung weiterer Arztzeugnisse angekündigt und ihr die
Namen von behandelnden Ärzten genannt. Das Bundesgericht gab dann aber das
zweite Erfordernis, die Äusserung des Willens, die Sache von der Rechtsmittelinstanz
beurteilen zu lassen, auf, indem es einen Willen der Verfügungsadressatin, sich erneut
an die IV-Stelle zu wenden, verneinte und indem es unterstellte, dass die
Verfügungsadressatin sich an die Rechtsmittelinstanz habe wenden wollen, weil nichts
(!) darauf hingedeutet habe, dass sie die Verfügung nochmals durch die IV-Stelle hätte
korrigiert sehen wollen. Diese Argumentation kann nur so verstanden werden, dass das
Bundesgericht es genügen lassen will, wenn innert der Beschwerdefrist eine
Nichteinverständniserklärung abgegeben wird, da jede innert dieser Frist abgegebene
Nichteinverständniserklärung nur eine Beschwerde sein könne. Im hier zu
beurteilenden Fall hat sich der EL-Bezüger innert der Beschwerdefrist an das
Versicherungsgericht gewandt. Er hat seine Eingabe als „Einsprache gegen den
Einspracheentscheid“ bezeichnet. Das kann nur als Beschwerde interpretiert werden.
Es deutet nämlich nichts darauf hin, dass der EL-Bezüger mit dieser an das
Versicherungsgericht adressierten Eingabe die EL-Durchführungsstelle hätte ersuchen
wollen, den Einspracheentscheid wiedererwägungsweise zu überprüfen. Der EL-
Bezüger hat also rechtzeitig eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid
erhoben. Seine Beschwerde enthält zwar keine gedrängte Sachverhaltsdarstellung,
kein Beschwerdebegehren und keine Kurzbegründung (Art. 61 lit. b Satz 1 ATSG).
Angesichts der Argumentation im Verwaltungsverfahren deutet nichts darauf hin, dass
er nicht einen Gerichtsentscheid vollumfänglich zu seinen Gunsten hätte beantragen
und dass er zur Begründung nicht hätte geltend machen wollen, der unverteilte
Nachlass seines Vaters dürfe ihm nicht als verzehrbares Vermögen angerechnet
werden und das Erwerbseinkommen müsse so angerechnet werden, dass er nicht
weniger, sondern mehr Ergänzungsleistungen erhalte. Da die Anforderungen an eine
wirksame Beschwerdeerhebung nun sehr tief sind, muss dasselbe natürlich auch für
die Anforderungen an den notwendigen Inhalt einer Beschwerde gelten. Zudem ist
offenkundig, dass der EL-Bezüger aufgrund seiner Krankheit objektiv gar nicht fähig
gewesen wäre, den Sachverhalt zu schildern, ein Beschwerdebegehren zu stellen und
dieses zu begründen. Hätte das Versicherungsgericht den EL-Bezüger aufgefordert,
das gemäss Art. 61 lit. b Satz 1 ATSG noch Fehlende nachzuliefern, obwohl es davon
hätte ausgehen müssen, dass er dazu nicht fähig sein würde, und hätte es dann nach
einer untauglichen Eingabe des EL-Bezügers einen Nichteintretensentscheid gefällt, so
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hätte es überspitzt formalistisch und damit rechtsmissbräuchlich gehandelt. Auf die
Beschwerde ist deshalb definitiv einzutreten.
2.
Der im Beschwerdeverfahren EL 2016/35 angefochtene Einspracheentscheid vom
26. April 2016 war in Anwendung von Art. 17 Abs. 2 ATSG i.V.m. Art. 25 Abs. 2 lit. c
ELV ergangen: Die Beschwerdegegnerin hatte nach dem Eingang des entsprechenden
Lohnausweises im Februar 2016 ab dem 1. März 2016 neu den im Jahr 2015 erzielten
Jahreslohn angerechnet. Das Versicherungsgericht hat diesen Einspracheentscheid in
seinem Urteil vom 22. Dezember 2017 aufgehoben und gestützt auf Art. 56 Abs. 2 Satz
2 VRP/SG verbindlich festgehalten, dass die Beschwerdegegnerin nicht den im
Lohnausweis 2015 angegebenen Jahreslohn, sondern jeweils den Lohn des Vormonats
(natürlich aufgerechnet auf einen Jahresbetrag) in die Anspruchsberechnung
einzusetzen habe. Die Beschwerdegegnerin hat dies umgesetzt, indem sie rückwirkend
ab 1. März 2016 den jeweiligen Lohn des Vormonats angerechnet hat. Dabei hat sie
nicht – wie im Einspracheentscheid vom 26. April 2016 – per 1. März 2016 nur einer
Sachverhaltsveränderung revisionsweise Rechnung getragen, sondern sie hat per 1.
März 2016 als Erstes die vom Versicherungsgericht vorgenommene Praxisänderung
umgesetzt. Der damit verbundene Wechsel vom Jahreslohn 2015 zum Lohn im Februar
2016 ist also der Praxisänderung geschuldet gewesen, hat ihre Ursache also nur durch
die Praxisänderung bedingt in einer Sachverhaltsveränderung in Bezug auf die Höhe
der Monatslöhne gehabt. Der Wirkungszeitpunkt der Praxisänderung ist deshalb nicht
in Anwendung von Art. 25 Abs. 2 lit. c ELV zu bestimmen, da es sich dabei um eine
Ausführungsbestimmung zu Art. 17 Abs. 2 ATSG handelt. Weder das ATSG noch das
Recht der Ergänzungsleistungen enthält eine Regelung des Korrekturinstruments zur
Anpassung formell und materiell rechtskräftiger Verfügungen, Einspracheentscheide
und Urteile an eine Rechtsänderung. Bei Gesetzes- oder Verordnungsänderungen wird
die Korrekturmöglichkeit i.d.R. im Übergangsrecht explizit geregelt (vgl. etwa lit. a Abs.
1 der Schlussbestimmungen zur Änderung des IVG vom 18. März 2011). Wenn es
keine solche Korrekturmöglichkeit gäbe, könnte das neue Recht nur auf jene Fälle
angewendet werden, in denen zum ersten Mal über einen Leistungsanspruch verfügt
würde. Der seine Praxis ändernde Rechtsanwender könnte also die neue Praxis nicht
auf jene Fälle anwenden, in denen er in der Vergangenheit eine (Dauer-) Leistung
zugesprochen hatte. Die Beschränkung der Anwendung der neuen Praxis auf
erstmalige Leistungszusprachen hätte eine unerträgliche Ungleichbehandlung zur
Folge, denn jene Fälle, in denen bereits eine formell und materiell rechtskräftige
Leistungszusprache vorläge, könnten mangels einer verfahrensrechtlichen Möglichkeit,
diese Leistungszusprache zu korrigieren, nie der neuen Praxis unterstellt werden. Die
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Revision gemäss Art. 17 ATSG leistet das entgegen einer weit verbreiteten Ansicht
nicht, denn ihre Anwendung ist bei einer richtigen Interpretation zwingend auf
Sachverhaltsveränderungen beschränkt. Da eine Anpassung einer durch eine
Verfügung, einen Einspracheentscheid oder ein Urteil formell und materiell rechtskräftig
zugesprochenen Dauerleistung unverzichtbar ist, muss eine ausfüllungsbedürftige
(verwaltungsverfahrensrechtliche) Gesetzeslücke vorliegen. Diese Lücke kann nur im
ATSG verortet werden, denn die Anpassung formell und materiell rechtskräftiger
Leistungszusprache an eine Praxisänderung ist nicht zweigspezifisch. Diese Lücke ist
zu füllen mit der Schaffung eines Korrekturinstruments „Anpassung an geändertes
Recht“. Dazu gehört auch die Regelung des Wirkungszeitpunktes einer solchen
Anpassung. Naheliegend wäre eine Anpassung auf den Zeitpunkt der Einführung der
neuen Praxis, also auf den Zeitpunkt, in dem der entsprechende Entscheid ergangen
wäre, denn eine rückwirkende Anwendung würde schutzwürdiges Vertrauen
enttäuschen. Das hätte im hier zu beurteilenden Fall aber zur Folge, dass die neue
Praxis (Anrechnung des im Vormonat erzielten Lohnes) erst ab dem 1. Juni 2016
anwendbar wäre, weil das die Praxis ändernde Urteil des Versicherungsgerichts
EL 2014/51 (auf das im Urteil EL 2016/35 vom 22. Dezember 2017 verwiesen worden
ist) am 24. Mai 2016 ergangen ist. Das Versicherungsgericht hätte seine neue Praxis
also aus einem rein verfahrensrechtlichen Grund nur teilweise auf den vom ihm zu
beurteilenden Fall des Beschwerdeführers anwenden dürfen. Das zeigt, dass der
Wirkungszeitpunkt der Anpassung an die neue Praxis anders definiert sein muss. Dabei
bleibt hier als einzige Möglichkeit die Beschränkung auf den Streitgegenstand des
Beschwerdeverfahrens EL 2016/35, nämlich den EL-Anspruch des Beschwerdeführers
ab 1. März 2016. Für alle anderen Bezüger laufender Ergänzungsleistungen dürfte ein
schutzwürdiges Vertrauen in die weitere Anwendbarkeit der alten Praxis bis zur
Publikation des Urteils vom 24. Mai 2016 anzunehmen sein. Einzig für den
Beschwerdeführer muss die Schutzwürdigkeit des Vertrauens in die alte Praxis verneint
werden, denn die Möglichkeit, überhaupt eine Praxisänderung vorzunehmen, beruht
auf einem öffentlichen Interesse, das stärker ist als dieses Vertrauen. Die
Beschwerdegegnerin hat die neue Praxis (Abstellen auf den Lohn im Vormonat) also zu
Recht ab 1. März 2016 angewendet.
3.
Die Beschwerdegegnerin hat die Bruttolöhne der Monate Februar bis Oktober
2016 korrekt in den Anspruchsberechnungen für die Monate März bis November 2016
berücksichtigt. Dasselbe gilt für die von den Bruttolöhnen abgezogenen
Arbeitnehmerbeiträge. In keiner dieser monatlichen Anspruchsberechnungen hat die
3.1.
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Beschwerdegegnerin Gewinnungskosten berücksichtigt, die der Beschwerdeführer
selbst getragen hätte. Dem Beschwerdeführer ist nämlich gemäss dem Lohnausweis
für das Jahr 2016 eine „Km-Entsch. Auto“ von Fr. 136.-- ausgerichtet worden, d.h. er
hat die entsprechenden Unkosten nicht selbst finanzieren müssen. Den vom
Beschwerdeführer eingereichten Belegen lässt sich nicht entnehmen, dass die darin
ausgewiesenen Kosten als Gewinnungskosten bei der Arbeit für die B._ AG
angefallen wären. Es ist nicht nachzuvollziehen, weshalb der Beschwerdeführer bei
seiner Tätigkeit Bürozubehör, einen Gliedermeter, einen Schutzhelm, Arbeitsschuhe mit
Stahlkappen, Hausschuhe oder Benzin zur Fleckentfernung benötigt hätte. Einzig die
Rechnung für die Reparatur bzw. den Unterhalt an einem Fahrrad könnte im
Zusammenhang mit der Arbeit für die B._ AG gestanden haben. Allerdings ist nicht
nachgewiesen und – in antizipierender Beweiswürdigung – auch nicht mehr
nachweisbar, dass es sich um das bei der Arbeit benützte Fahrrad gehandelt hätte und
dass die Nutzung bei der Arbeit die Ursache für die Unkosten gewesen wäre. Die
Beschwerdegegnerin hat deshalb zu Recht keine Gewinnungskosten zum Abzug
zugelassen. In Bezug auf die Einnahmenposition „Erwerbseinkommen“ erweist sich die
dem angefochtenen Einspracheentscheid zugrundeliegende Anspruchsberechnung
somit als korrekt.
Ab 1. Juli 2016 hat die Beschwerdegegnerin in Anwendung von Art. 17 Abs. 2
i.V.m. Art. 25 Abs. 2 lit. c ELV ein zusätzliches Vermögen von Fr. 119'489.--
angerechnet. Dabei hat es sich um den Anteil des Beschwerdeführers ( / ) am
Nettonachlass des Vaters gehandelt. Der Beschwerdeführer hat im Laufe des
Verwaltungsverfahrens sinngemäss geltend gemacht, eine unverteilte Erbschaft dürfe
nicht als verzehrbares Vermögen angerechnet werden. Praxisgemäss ist der Zeitpunkt
des Erwerbs der Erbschaft und nicht der Zeitpunkt, ab dem der Erbe über seinen
Erbanteil effektiv verfügen kann, für die Anrechnung massgebend (vgl. Rechtsprechung
des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum ELG, bearbeitet von Urs Müller, 3. A., S. 153 N. 415).
Wirtschaftlich verzehrbar ist der Anteil an einer unverteilten Erbschaft nämlich sofort,
etwa durch eine Verpfändung zur Absicherung eines Darlehens, das dann zur Deckung
des Existenzbedarfs herangezogen werden kann, weil die Rückzahlung aus der
Erbschaft nach deren Teilung finanziert werden kann. Die Beschwerdegegnerin hat den
Betrag des anrechenbaren Anteils am Nettonachlass korrekt ermittelt. Ein allfälliger
Ertrag aus dem unverteilten Nachlass wird mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht
an die Erben ausgerichtet, sondern dient der Vermögensäufnung, steht dem
Beschwerdeführer also nicht als Einnahme zur Deckung seines Existenzbedarfs zur
Verfügung. Die Beschwerdegegnerin hat deshalb zu Recht keinen Vermögensertrag
3.2.
1 3
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4.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der angefochtene Einspracheentscheid
rechtmässig ist. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen. Gerichtskosten werden nicht
erhoben.