Decision ID: 7328a33d-6dee-52b7-94d6-a9430f5c1ffb
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1971, ist gelernte
Charcuterie
-
Verkäuferin, und arbei
tete längere Zeit im erlernten Beruf. Ab Februar 2005 war sie als
Lagermitar
beiterin
bei
Y._
angestellt. Aufgrund von längeren Krankheitsabsenzen wurde das Arbeitsverhältnis arbeitgeberseitig
per Ende August 2006
gekündigt (vgl. Urk. 9/1,
Urk.
9/6,
Urk.
9/13)
. Am 14.
Dezember 2007 meldete sich die Versicherte bei der Invalidenversiche
rung zum Leistungsbezug an. Als gesundheitliche Beeinträchtigung nannte sie eine emotional-instabile Persönlichkeitsstörung, eine Angststörung sowie eine Suchterkrankung
(Urk. 9/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, verschaffte sich Informationen zu den
beruflich-erweb
lichen
Verhältnissen (IK-Auszug
vom 7. Januar 2008
, Arbeitgeberbericht
Y._
vom 14. Januar 2008;
Urk.
9/6, Urk.
9/13) und zur gesundheitlichen Situation (Arztberichte des Psychiatrie Zentrums
Z._
vom 8. Februar und 7. November 2006 und vom 4. Januar 2007
,
Bericht der
A._
Klinik
vom 1. Juni 2007
und
Bericht
des Hausarztes
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemeinmedizin, vom 10. Februar 2008
;
Urk.
9/7-10
, Urk.
9/17). Ferner holte sie das Gutachten von
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychothera
pie, vom 27. Oktober 2008
und dessen ergänzende Stellungnahme vom
14. Januar 2009
ein (Urk. 9/23
,
Urk.
9/30
).
Nach Erlass des Vorbescheides vom 19. Februar 2009 (Urk. 9/34) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 30. März 2009 den Anspruch von
X._
auf eine Invalidenrente (Urk. 9/36).
1.2
Am
26
. November 2011
(Eingang bei der Beschwerdegegnerin: 30.
November 2011)
erneuerte die
inzwischen
verbeiständete
Versicherte
(
Vertretungsbei
standschaft
bzw.
ab Februar 2015 Begleit- und
Vertretungsbeistandschaft
mit Einkommens- und Vermögensverwaltung
; vgl.
Urk.
3/4,
Urk.
9/55 f.)
ihr Leistungsgesuch. Als gesundheitliche Beeinträchtigung nannte sie psychische Probleme (Urk. 9/46). Gestützt auf ergänzende erwerbliche (
Arbeitgeberfrage
bogen
D._
AG vom 7. Dezember 2011, IK-Auszug
vom 19. Januar 2012
;
Urk.
9/51;
Urk.
9/53)
und ärztliche Informationen
(
haus
ärztlicher
Bericht vom 30.
Januar 2012, Bericht der
E._
AG
vom 26. April 2012; Urk. 9/54,
Urk.
9/57) und n
ach Erlass des Vorbescheides (Urk. 9/61) teilte die IV-Stelle der Versicherten am 27. September 2012 mit, sie werde ihr mit Wirkung ab 1. Mai 2012 eine ganze Rente zusprechen (Invaliditätsgrad von 70 %;
Urk.
9/64). Die entsprechenden Verfügungen für den Anspruch ab 1.
Mai 2012 bis Ende März 2013 sowie ab 1. April 2013 ergingen am 7. März 2013 (Urk. 9/72,
Urk.
9/78).
1.3
Im Herbst 2013 leitete die IV-Stelle eine revisionsweise Überprüfung des Ren
tenanspruchs
ein
. Dazu holte sie Auskünfte bei der Versicherten ein (Revisionsfragebogen vom 11. November 2013;
Urk.
9/85) und führte mit ihr ein Standortgespräch
durch
(vgl.
Urk.
9/94). Ferner holte die IV-Stelle das Gutachten von
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
2.
September 2014 ein (Urk. 9/103). Mit Vorbescheid vom 6. März 2015 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, sie gedenke die Rente wiedererwägungsweise aufzuheben (Urk. 9/108).
Dagegen wurde am 1
2.
März 2015, ergänzt am 23. April 2015, Einwand erhoben (Urk. 9/111,
Urk.
9/115). Mit Ve
rfügung vom
4. Juni
2015 entsch
i
e
d die IV-Stelle im angekündigten Sinne und hob die Rente auf das Ende des der Zustellung der Verfügungen folgenden Monats auf (
Urk.
2 = Urk. 9/1
22
).
2.
Gegen die Verfügung vom 4. Juni 2015 liess
X._
am 3. Juli 2015 durch die von ihr persönlich und ebenfalls
von der
Beiständin
bevollmäch
tigte Rechtsvertreterin (Rechtsanwältin Simone
Hunn
, Zürich) Beschwerde erheben und beantragen, in Aufhebung der angefochtenen Verfügung sei ihr weiterhin eine ganze Rente auszuzahlen (Urk. 1). Die IV-Stelle beantragte in der Beschwerdeantwort vom 25. August 2015 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 8). Am 10. September 2015 (Urk. 12) reichte Rechtsanwältin
Hunn
, die mit Verfügung vom 7. September 2015 zur unentgeltlichen Rechtsvertreterin ernannt worden war (Urk. 10), ihre Honoraraufstellung ein (Urk. 13).
Auf die Ausführungen der Parteien und die Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
T
eil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesge
setzes über die Invalidenversicherung;
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
telsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Grad der Invalidität des Rentenbezügers in einer für den Anspruch erheblichen Weise, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgeho
ben (Art. 17 ATSG).
Dieser Revisionsordnung geht jedoch der Grundsatz vor, dass die Verwaltung befugt ist, jederzeit von Amtes wegen auf formell rechtskräftige Verfügungen oder
Einspracheentscheide
, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet haben, zurückzukommen, wenn sie zweifellos unrichtig sind und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53
Abs.
2 ATSG). Unter diesen Voraussetzungen kann die Verwaltung eine
Rentenver
fügung
auch dann abändern, wenn die Revisionsvoraussetzungen des Art. 17 ATSG nicht erfüllt sind. Wird die zweifellose Unrichtigkeit der ursprüng
lichen Rentenverfügung erst vom Gericht festgestellt, so kann es die auf Art. 17 ATSG gestützte Revisionsverfügung mit dieser substituierten Begründung schützen (BGE 125 V 368 E. 2).
Bei der Beurteilung, ob eine Wiedererwägung wegen zweifelloser Unrichtig
keit zulässig sei, ist vom Rechtszustand auszugehen, wie er im Zeitpunkt des Verfügungserlasses bestanden hat, wozu auch die seinerzeitige Rechtspraxis ge
hört; eine Praxisänderung vermag aber kaum je die frühere Praxis als zweifellos unrichtig erscheinen zu lassen (BGE 125 V 383 E. 3).
1.4
Massgebend für die Beurteilung der zweifellosen Unrichtigkeit im Sinne von Art. 53
Abs.
2 ATSG ist das Ausmass der Überzeugung, dass die bisherige Entscheidung falsch war. Mit der Zweifellosigkeit wird ein hoher Grad der Unrichtigkeit verlangt. Dies ist der Fall, wenn kein vernünftiger Zweifel daran besteht, dass die Anordnung zu Unrecht erfolgte, oder wenn nur ein einziger Schluss möglich ist, derjenige auf eine Unrichtigkeit.
Eine zweifel
lose Unrichtigkeit betrifft in der Regel einen Verwaltungsent
scheid aufgrund von
unzutreffend verstandenen
respektive nicht oder nicht richtig angewen
deten
Rechtsregeln. Zurückhaltung drängt sich auf, wenn es um die Beurtei
lung von materiellen Anspruchsvoraussetzungen geht. Deren Prüfung weist regelmässig Ermessenszüge auf (
Kieser
, ATSG-Kommentar, 3. Aufl., Zürich 2015, Art. 53
Rz
51 ff. mit weiteren Hinweisen).
2
.
2
.1
In der angefochtenen
Verfügung fasst
e
die Beschwerdegegnerin
zusammen
,
erstmals habe sich die Beschwerdeführerin 2007 zum Leistungsbezug ange
meldet und sei seinerzeit von
Dr.
C._
begutachtet worden. Die Abklärung habe ergeben, dass in einer angepassten Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe. Aufgrund der Abklärungen nach erfolgter Neuan
meldung im November 2011 sei von einer massiven Verschlechterung des gesundheitlichen Zustandes mit einer Restarbeitsfähigkeit von 30 % ausge
gangen worden. Dies habe zu
r
Rentenzusprache
geführt. I
m November 2013
sei eine Rentenrevision eingeleitet und eine psychiatrische Begutachtung durchgeführt worden. Diese habe ergeben, dass nunmehr
eine
Arbeitsfähig
keit
von 50 % in einer angepassten Tätigkeit bestehe, weswegen ein
Revi
sionsgrund
gegeben sei
(Urk. 2 S. 2)
.
Bei der Überprüfung der medizinischen Unterlagen sei sodann festgestellt worden, dass sich der Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin seit der Erstanmeldung
nicht wesentlich verändert habe. Die Ärzte der
E._
AG hätten sich im Bericht vom 26. April 2012 auf das frühere Gut
achten von
Dr.
C._
bezogen. Die objektiven Befunde hätten im Wesentl
ichen den Beobachtungen von Dr.
C._
entsprochen
. Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit fehle eine nachvollziehbare Begrün
dung und es scheine, als ob die Ärzte den subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin gefolgt seien. Da sich
die Ärzte der
E._
AG
auf das Gutachten von
Dr.
C._
abgestützt hätten, könne davon ausgegangen werden, dass die damaligen Angaben weiterhin Gültigkeit hätten. Somit habe für das Jahr 2012 ebenfalls eine Arbeitsfähigkeit von 100 % in angepasster Tätigkeit bestanden, wie dies
Dr.
C._
in seinem Gutachten
vom 27. Oktober 2008 attestiert
gehabt habe. Die
Renten
zusprache
sei somit zweifellos unrichtig gewesen (Urk. 2 S. 1 f.).
Das aktuelle Gutachten von
Dr.
F._
zeige wiederum keine gravieren
den Unterschiede zum Erstgutachten von
Dr.
C._
. Die geschil
derten Befunde seien weitgehend gleich und lediglich bei der Auffassungs
gabe unterschiedlich. Aus rechtlicher Sicht lasse sich festhalten, dass es sich beim Gutachten von
Dr.
F._
um eine andere Beurteilung des an sich gleich gebliebenen medizinischen Sachverhaltes handle. Auch zum jetzigen Zeitpunkt könne an den Angaben von
Dr.
C._
festgehalten werden. Der Beschwerdeführerin sei weiterhin vollzeitlich eine angepasste Tätigkeit zumutbar, weswegen kein Rentenanspruch bestehe (Urk. 2 S. 3).
In
der Beschwerdeantwort
blieb die Beschwerde
gegnerin
bei ihrer Sach
-
darstel
lung
(Urk. 8).
2
.2
Die Beschwerdeführerin führt
e
aus, von den insgesamt drei medizinischen Referenzpunkten (Gutachten von
Dr.
C._
vom 27. Oktober 2008 und die Ergänzung dazu vom 14. Januar 2009, Bericht der
E._
AG von 26. April 2012
und Guta
chten von
Dr.
F._
vom 12.
September 2014;
Urk.
9/23,
Urk.
9/30,
Urk.
9/57,
Urk.
9/103)
knüpfe die Beschwerdegegnerin
lediglich an deren zwei an und vergleich
e
das Gutach
ten von 2014 mit demjenigen aus dem Jahr 2008.
Damit wolle sie darlegen, dass der Gesundheitszustand seit 2008 gleich geblieben und daher die
ab Mai
2012 erfolgte Rentenzusprechung zweifellos unrichtig gewesen sei.
Tatsäch
lich
aber müsse der gesundheitliche
Zustand im Jahr 2012 mitberücksichtigt
werden
(Urk. 1 S. 8 f.
Rz
14-16
).
Dr.
F._
sei im Gutachten vom 1
2.
September 2014 zur gleichen Beurtei
lung gelangt wie di
e Ärzte der
E._
in ihrem
Bericht
vom 26. April 2012 und sei
davon ausgegangen, dass in der bisherigen Tätigkeit eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Einzig
für die
Tätigkeit als Friedhofsgärtnerin
habe
er
eine
Arbeitsfähigkeit von 50 %
attestiert
. Diese Tätigkeit habe
jedoch nicht der Gutachter evaluiert, sondern
sie (die Beschwerdeführerin)
habe sie
genannt
,
und
Dr.
F._
habe daran gezweifelt, ob eine solche Tätigkeit geeignet wäre
. Im Übrigen habe
Dr.
F._
die Korrektheit der Einschätzung der Ärzte der
E._
AG bestätigt (Urk. 1 S. 9 f.
Rz
18 f.).
2008 sei die Situation
noch
eine andere gewesen. Seinerzeit habe die zwischen
zeitlich überwundene Suchtproblematik im Vordergrund gestanden und die soziale Phobie sei noch nicht ausgeprägt gewesen. Zwischen 2008 und 2012 habe sich der Sachverhalt entscheidend
verschlechtert
. Eine bloss abweichende Einschätzung des unveränderten Sachverhaltes
- wovon die Beschwerdegegnerin ausgehe -
liege nicht vor. Die Ärzte der
E._
AG hätten
sich keineswegs
nur auf die Angaben der Beschwerdeführerin bezogen. Selbst der Arzt des Regionalen Ärztlichen Dienstes der
Beschwerde
gegnerin
(RAD) habe damals die Korrektheit des Berichts der
E._
AG
bestätigt
und zwei Jahre später habe Dr.
F._
die Situation
gleich eingeschätzt. Inwiefern die Zusprechung der Rente zweifellos unrichtig gewesen sei, habe die Beschwerdegegnerin nicht darzulegen vermocht. Tat
sächlich habe sich die gesundheitliche Situation nach
2008 massgeblich verschlechtert.
Damals sei davon ausgegangen worden, sie
sei
in einer stark angepassten Tätigkeit im Umfang von 50 % einsatzfähig
,
und es
habe
die Erwartung
bestanden
, die Restarbeitsfähigkeit lasse sich auf 100 % steigern. Die Prognose
habe
sich
indessen
nicht
verwirklicht
. Die Situation habe sich hinsichtlich Agoraphobie, sozialer Phobie und akzentuierter
Persönlichkeits
züge
erheblich verschlechtert. Alleine das Haus zu verlassen sei nicht mehr möglich. Selbst die von
Dr.
F._
erwähnte Tätigkeit als
Friedhofsgär
t
nerin
sei fraglich. Auch diese
erfordere die Zusammenarbeit mit Teamkolle
gen und einem Vorgesetzten
.
Eine ausserhäusliche Tätigkeit wäre aus
schliesslich unter der Voraussetzung denkbar, dass der Ehemann am Arbeits
platz ständig anwesend sei. Eine Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit sei unter diesen Voraussetzungen nicht mehr gegeben
(Urk. 1 S. 9 ff.
Rz
18 ff.
).
3
.
3
.1
Zwischen Januar 2006 und Januar 2007 befand sich die Beschwerdeführerin insgesamt dreimal in stationärer Behandlung im Psychiatrie Zentrum
Z._
(11. Januar bis
2.
Februar 2006, 2
2.
September bis 6. November 2006, 29. Dezember 2006 bis 3. Januar 2007).
Beim zweiten und beim dritten Mal erfolgte keine Entlassung nach Hause, sondern die Beschwerdeführerin trat jeweils in die
A._
Klinik über (Urk. 9/8/1,
Urk.
9/9/1).
Die im Vorder
grund stehende
psychiatrische
Diagnose in den Berichten des Psychiatrie Zentrums
Z._
vom 8. Februar 2006, 7.
November 2006 und 4. Januar 2007 ist (1) ein Alkoholabhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent in beschützter Umgebung (ICD-10 F10.21). Des Weiteren genannt wurde (2) eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typus respektive eine Persönlichkeit mit selbstunsicheren, abhängigen Zügen (ICD-10 F50.2),
(3)
ein Nikotinabhängi
g
keitssyndrom (ICD-10 F17.25) sowie
(4)
ein Zustand nach
Bulimia
nervosa
(ICD-10 F50.2). Aus somatischer Sicht finden sich als Diagnosen namentlich (1) eine chronische äthyltoxische
Pankreasinsuffi
zienz
, (2) eine äthyltoxische partielle Lebersteatose (Fettleber), (3) eine chro
nische Bronchitis, (4) eine arterielle Hypertonie, (5) Anstrengungsasthma (Urk. 9/7/1,
Urk.
9/8/1,
Urk.
9/9/1).
Die Abstinenzbehandlung in der Klinik verlief in allen drei Fällen komplikationslos und namentlich ohne
alkoholbe
dingte
Rückfälle (Urk. 9/7/2 f.),
Urk.
9/8/2 f.,
Urk.
9/9/2).
3
.2
Die Ärzte der
A._
Klinik bestätigten im Bericht vom 1. Juni 2007 die bereits genannten psychiatrischen Diagnosen. In somatischer Hinsicht hielten sie ergänzend fest, die Beschwerdeführerin leide unter einem (1)
myofascialen
Syndrom im Bereich von Schultern und Nacken links und es bestehe
(2)
der Verdacht auf eine
C
h
ondropathia
patellae
beidseits. Sodann hoben die Ärzte hervor
, psychosozial erschwerend wirkten
sich der
bevorstehende
Verlust des Arbeitsplatzes sowie der Umstand aus, dass die Beschwerdeführerin alleine lebe (Urk. 9/10/1).
In der letzten Z
eit vor der Behandlung sei die Beschwer
deführerin nicht mehr zur Arbeit erschienen und habe sich in der Wohnung isoliert.
Insgesamt sei die mehrmonatige Behandlung erfreulich verlaufen.
Trinkereignisse habe es nur wenige gegeben und die Beschwerdeführerin habe sich von diesen auch rasch wieder distanzieren können. Sowohl in der Einzel- als auch in der Gruppentherapie hätten Fortschritte erzielt werden können. Trotz der erheblichen sozialen Ängste und der Tendenz, diese para
noid zu verarbeiten, was ein betreutes Wohnen nahelegen würde, beabsich
tige die Beschwerdeführerin
,
nach Abschluss der Behandlung wieder in
die eigene Wohnung zurückzukehren
. Nach dem Austritt aus der Klinik werde sie zeitlich befristet bei der Wohnsitzgemeinde eine betreute Arbei
tsstelle in einem Produktionsbe
trieb antreten. Die Entwicklung der weiteren beruflichen Perspektive hänge wesentlich davon ab, ob es der Beschwerdeführerin gelinge, sich psychisch weiter zu stabilisieren. Priorität
habe
die selbständige Bewältigung des Alltages und eine aktive Freizeitgestaltung. Mit weiteren Krisen müsse allerdings gerechnet werden (Urk. 9/10/2 ff.).
3
.3
Der Hausarzt
Dr.
B._
erwähnte im Bericht vom 10. Februar 2008 nebst einer ängstlich-agitierten chronischen Depression einen Zustand nach Behandlung der Alkoholabhängigkeit (Urk. 9/17/2
Ziff.
2.1). Ferner hielt er fest, die Beschwerdeführerin
klage
über Rüc
kenschmerzen (Urk. 9/17/3 Ziff.
4.4). Bis heute unterziehe sich die Beschwerdeführerin einer ambulanten Behandlung mit
Antabus
.
P
sychisch sei s
ie stabil, jedoch scheu und miss
trauisch. Ein affektive
r
Kontakt mit ihr sei leicht möglich und hernach sei sie offener
,
nahbarer und fröhlicher (Urk. 9/17/3
Ziff.
4.5). Mittels einer dauer
haften antidepressiven Behandlung und Stabilisierung der Psyche lass
e
sich die Arbeitsfähigkeit verbessern. Einschränkungen bestünden aufgrund der Rückenbeschwerden hinsichtlich körperlicher Belastungen und für Arbeiten bei Nässe, Kälte und Hitze. Suchtbedingt bestünden Einschränkungen bezüg
lich Konzentration, Anpassung und Belastbarkeit (Urk. 9/17/4 f.
Ziff.
5 f.). Eine angepasste Tätigkeit sei seit Februar 2008 grundsätzlich vollzeitlich möglich (Urk. 9/17/6
Ziff.
6.2).
3
.4
Dr.
C._
kam im Gutachten vom 27. Oktober 2008 zum Schluss, die Beschwerdeführerin leide
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (1)
unter einer sozialen Phobie
(ICD-10 F40.01)
und
(2)
einer seit dem Kindes
alter bestehenden Agoraphobie mit Panikstörung
(ICD-10 F40.01)
und
klaustrophobischen
Anteilen
(ICD-10 F40.2). D
er Beginn sei nicht genau bestimmbar.
Das
Krankheitsbild
habe
sich
seit dem zunehmenden
Alkohol
konsum
ab 2003
verstärkt und sei
vor allem seit dem Entzug ab August 2006 in Erscheinung getreten. Strukturdiagnostisch handle es sich um eine Per
sönlichkeit, bei der
dependente
, ängstliche und emotional-instabile Charak
tereigenschaft
en im Vordergrund stünden. Die a
kzentuierten
Persönlichkeits
züge
seien seit der Adoleszenz verfestigt. Im Zuge der Krankheitsentwicklung
sei es - zum T
eil
auch heute noch
auftretend - zu einer
bulimischen
Symp
tomatik respektive Verhaltensweise gekommen. Eine eigentliche Diagnose lasse sich diesbezüglich
aber
derzeit nicht stellen.
Ohne Auswirkungen auf
die Arbeitsfähigkeit seien
ein Nikotinab
usus seit vielen Jahren und ein
Asthma bronchiale (Urk. 9/23/16
Ziff.
4.1 f.).
Voraussetzung für die erlernte Tätigkeit als Fachverkäuferin in einer Metzge
rei sei
en
Sachkenntnisse, hinreichende Konzentration und Ausdauer, pünkt
liches und verlässliches Arbeiten
- auch unter Zeitdruck -
und
überdurch
schnit
tliche soziale Fertigkeiten
im Kundenkontakt
,
insbesondere Freundlich
keit
.
Bei der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Mitarbeiterin im Vertrieb von Tiernahrung habe es sich körperli
ch um eine maximal mittelschwer belas
tende
Tätigkeit gehandelt. Für die nötigen Autofahrten seien
ferner
ein gutes Orientierungsvermögen sowie Freundlichkeit und Kompetenz im Umfang mit der Kundschaft nötig gewesen. Seit Mitte August 2006 bestehe im erlernten Beruf und in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit eine volle Arbeitsunfähigkeit. Ohne die Notwendigkeit der Fahrten zu den Kunden bestünde in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. Das Konzentrations-, Anpassungs- und Umstellungsvermögen, die Orientierung
sfähigkeit
, fehler
freies
Arbeiten auch unter Zeitdruck und
vor allem die
sozialkommunika
tiven
Fähigkeiten seien bei der Beschwerdeführerin zu sehr eingeschränkt, um ein befriedigendes und erfolgreiches Arbeiten in den bisherigen
Berufs
bereichen
zu gestatten (Urk. 9/23/17
Ziff.
5
.0
).
Eine angepasste Tätigkeit könnte die Beschwerdeführerin prinzipiell voll
-
schich
tig ausüben.
Eine solche Tätigkeit hätte sie seit August 2006 aus
üben können.
Wichtig sei ein stufenweiser Einstieg im
Umfang
von zunächst 50 %. Die Beschwerdeführerin neige unter Belastung zu psychischen Dekom
pensationen und Al
koholrückfällen. Zudem habe sie
bereits längere Zeit nicht mehr regulär gearbeitet.
Zumutbar seien körperlich leichte bis mittel
schwere
und wechselbelastende
Tätigkeiten
in Tagesschicht
,
ohne
Zwangs
haltungen
, ohne Heben und Tragen von schweren Lasten
,
ohne das Arbeiten bei ho
hen oder stark wechselnden Temperaturen und ohne häufig wech
selnde Arbeitszeiten. An die geistige und psychische Belastbarkeit könnten leichte bis mittelgradige Anforderungen gestellt werden. Ungünstig seien Verantwortung für Personen und für gefährliche Maschinen und ebenso Arbeiten mit Publikumsverkehr. Die Arbeit selbst müsse in einem klar struk
turierten Rahmen mit definierten Aufgaben stattfinden
.
Angesichts des kom
plexen und bereits
chronifizierten
Störungsbildes erfordere die berufliche Reintegration eine psychiatrisch-psychotherapeutische und insbesondere auch medikamentöse Betreuung
(Urk. 9/23/18
f.
Ziff.
5.1
u. 6.0
,
Urk.
9/30
).
Diese Beurteilung teilte
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Innere Medi
zin und Arzt des Regionalen Ärztlichen Dienstes der Beschwerdegegnerin (RAD;
Urk.
9/33/6 f.)
,
und die Beschwerdegegnerin legte diese der
leistungs
verneinenden
Verfügung vom 30. März 2009 zu Grunde (Urk. 9/36).
3
.5
Im Abklärungsverfahren nach der Neuanmeldung
(
vgl.
Urk. 9/46)
hi
elt Dr.
B._
im Bericht vom
30. Januar 2012 bei unveränderter Diagnose fest, in einer leidensangepassten Tätigkeit bestehe weiterhin eine volle Arbeitsfähig
keit (Urk. 9/54/5 f.).
Die Ärzte der
E._
AG, Ambulatorium
H._
,
hingegen führ
ten
im Bericht vom
26. April 2012
aus,
belastet sei die Beschwerdeführerin
(seit Juni 2009 verheiratet; vgl.
Urk.
9/52/2
Ziff.
4)
in erster Linie durch die
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01). Aktuell sei sie via ein
Tem
porärbüro
im Umfang von 30 % bei einem Unternehmen für Ein- und Aus
bau von Küchen tätig.
Sie sei zufrieden mit der Arbeit und verrichte sie trotz körperlicher Belastung gerne.
Ein höheres Pensum sei aufgrund der körper
lichen Belastung jedoch nicht möglich.
Ausschlaggebend für die Bewältigung der Arbeit sei die Anwesenheit des Ehemannes, der ebenfalls für diese Tätig
keit angestellt sei.
Es sei wichtig, dass der Ehemann stets anwesend sei. Es sei nicht denkbar, dass sich der Ehemann von der Baustelle entferne. Wenn er sich nicht in ihrem Blickfeld befinde, rufe sie nach ihm. Zu Terminen und Gesprächen bei Behörden oder Ärzten müsse sie ebenfalls stets von ihrem Ehemann begleitet werden. Bei Abwesenheit des Ehemannes am Arbeitsplatz oder auch in Alltagssituationen (öffentliche Verkehrsmittel, Menschenmen
gen) werde sie rasch ängstlich und erleide Panikattacken
. Die aktuelle Tätig
keit könne aufrechterhalten werden, sofern der Ehemann sich ebenfalls am Arbeitsplatz befinde. Eine ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Beh
andlung finde regelmässig statt
(Urk. 9/57/1 f
f
.
Ziff.
1.1,
Ziff.
1.4
ff.
).
Dieser Beurteilung schloss sich die Beschwerdegegnerin an (Urk. 9/59/3) und sprach der Beschwerdeführerin in der Folge die ganze Rente zu (vgl. Urk. 9/64).
3
.6
Im Revisionsverfahren holte die Beschwerdegegnerin das Gutachten von
Dr.
F._
vom 1
2.
September 2014
ein. Dieser führte darin
gestützt auf die
Vorakten
und die durchgeführte Untersuchung (Anamnese, angegebene Beschwerden, erhobene Befunde;
Urk.
9/103/1 ff.) aus, die Beschwerdeführe
rin leide an einer sozialen Phobie mit Agoraphobie und akzentuierten
Per
sönlichkeitszügen
mit emotional instabilen und ängstlich vermeidenden Anteilen. Des Weiteren bestehe ein Alkohol- und
Tabakabhängigkeits
syndrom
, wobei die Beschwerdeführerin bezüglich Alkohol abstinent lebe (Urk.
9/103/14 f.).
Als Folge
der psychischen Beeinträchtigungen, insbesondere
aufgrund
der sozialen Ängste, der Furcht vor Kritik, der Angst vor Menschenansamm
lungen und der starken Ängste beim Verlassen des Hauses, bestehe für eine Tätigkeit in einer Friedhofsgärtnerei
(Berufswunsch der Beschwerdeführerin)
eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. Für sämtliche weitere
n
Tätigkeiten in der freien Wirtschaft bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit.
Anpassungs
fähigkeit und die Fähigkeit zur Selbstpflege und zur Pflege der ehelichen Beziehung seien erhalten. Schwankend sei
en
die Fähigkeit zu spontanen Aktivitäten, zur Planung, Strukturierung und Umstellung, u
nd die Fähigkeit
,
fachliche Kompetenzen anzuwenden und Entscheidungen zu treffen, insbe
sondere im Zusammenhang mit sozialen Konflikten. Nicht gegeben seien Selbstbehauptungsfähigkeit, Kontaktfähigkeit und Gruppenfähigkeit. Aus diesem Grund könne die Beschwerdeführerin nur weitgehend isoliert von sozialen Kontakten arbeiten
(Urk. 9/103/17 f.).
Dr.
C._
habe in seinem Gutachten vom
27. Oktober 2008 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für den Beruf als Fachverkäuferin in einer Metzgerei attestiert, eine Arbeitsfähigkeit von 50 % als Lagermitarbeiterin und eine volle Arbeitsfähigkeit für besser angepasste Tätigkeiten. Retrospek
tiv seien diese Angaben nur schwierig zu beurteilen. Festzustellen sei jedoch, dass auch
Dr.
C._
erkannt habe, dass es darauf ankomme, in welchem Mass der Arbeitsplatz lei
densangepasst sei. Auch aktuell
zeige sich, dass eine Restarbeitsfähigkeit nur für eine
spezifische Tätigkeit (F
riedhofs
gärtnerei) gegeben sei (Urk. 9/103/18).
Im Bericht der
E._
AG vom 26. April 2012
sei eine Arbeitsunfähig
keit von 70 % mit der Bemerkung angegeben worden, dass die Beschwerdeführerin auf dem Arbeitsmarkt nur in Begleitung des Ehemannes funktioniere. Dem sei nicht zu widersprechen. Die Beschwerdeführerin habe auch aktuell die Vorstellung, dass ihr Ehemann sie zur Arbeit begleite. Die möglichst uneingeschränkte Präsenz des Ehemannes sei wichtig. Grundsätz
lich
wäre dies
insofern
möglich,
als
er
eine Rente beziehe und zeitlich
flexi
bel sei.
Da er wie die Beschwerdeführerin äusserst starke pathologische
und
symbiotische Tendenzen habe, wäre er wohl auch bereit, alles für seine Ehe
frau zu tun
,
und würde sie zur Arbeit begleiten (Urk. 9/103/185 f.
).
Eine Förderung der beruflichen Wiedereingliederung sei grundsätzlich ange
zeigt, wobei eine Berufsberatung nicht indiziert sei. An einen künftigen Arbeitsplatz bestünden sehr spezifische Anforderungen. Erforderlich sei ein möglichst selbständiges Arbeiten ohne jegliche Sozialkontakte. Die Beschwerdeführerin habe den eindeutigen Berufswunsch, in einer Friedhofs
gärtnerei zu arbeiten
. Wie er
n
st es ihr mit diesem Berufswunsch sei, lasse sich nicht abschätzen. Ebenso verhalte es sich mit der Prognose, ob die sozialphobischen Ängste letzten Endes nicht doch zu gross seien, als dass sie je eine Arbeitsstelle antreten und dort bestehen werden könne (Urk. 9/103/20).
4
.
4
.1
Die bereits im Bericht der
A._
Klinik (Urk. 9/10/1 und
Urk.
9/10/6) erwähn
ten und von
Dr.
B._
als limitierend in Bezug auf die körperliche Belastbar
keit eingestuften Rückenbeschwe
rden (Urk. 9/17/3
Ziff.
3, Urk.
9/17/4 f.
Ziff.
6.1) waren für die Beurteilung des RAD beziehungsweise der
Beschwer
degegnerin
im Hinblick auf die Erstverfügung vom 30. März 2009 (Urk. 9/36) nur am Rande relevant. Entscheidend war die psychische Beeinträchtigung (vgl.
Urk.
9/33/6 f.). Diese stand auch im Neuanmeldeverfahren bei der Zusprechung der Rente per Mai 2012 im Vordergrund (vgl. Urk. 9/59/3).
4.2
Anlass zur Wiedererwägung gab der Beschwerdegegnerin die Bezugnahme der Ärzte der
E._
AG auf das Gutachten von
Dr.
C._
, die weitgehende Übereinstimmung der Befunde mit den Beobach
tungen von Dr.
C._
(Unterscheid lediglich bezüglich
Auffas
sungsfähigkeit
)
und das F
ehlen einer nachvollziehbaren Begründung
für die
Verschlechterung
. Ferner vertritt die Beschwerde
gegnerin
den Standpunkt, das aktuelle Gutachten von
Dr.
F._
zeige keine gravierenden Unter
schiede zum Erstgutachten von
Dr.
C._
, weswegen es sich bei diesem Gutachten um eine andere Beurteilung des an sich gleich gebli
ebenen Sachverhaltes handle. Der
Beschwerdeführerin sei weiterhin vollzeitlich eine angepasste Tätigkeit zumutbar, weswegen kein Rentenanspruch bestehe (vgl. vorstehende E. 2.1).
4.3
Richtig ist, dass sowohl
Dr.
C._
im Gutachten vom 27. Oktober 2008
(Urk. 9/23/16) als auch die Ärzte der
E._
AG im Bericht vom 26. April 2012
(Urk. 9/57/2) als Diagnose eine Agoraphobie mit
Panik
störung
nannten.
Gemäss
den Ärzten
der
E._
AG war
bis zum Jahr 2012 indessen
insofern eine
Verschlechterung
eingetreten
,
als
dass die
zwischenzeitlich verheiratete
Beschwerdeführerin
das Haus nicht mehr selb
ständig, sondern
nur
noch
in Begleitung ihres Ehemannes
verlassen
konnte
und auch nur noch in dessen Begleitung einer ausserhäuslichen Tätigkeit nachzugehen vermochte
(
Urk.
9/57/2 f.
Ziff.
1.4, Urk. 9/57/3 f. Ziff.
1.7)
. Sie und ihr Ehemann verfügten seinerzeit effektiv über eine gemeinsame Anstellung. Arbeitseinsätze erfolgten unregelmässig und stundenweise
(
Jah
resverdienste
: Fr. 7‘830.75 im Jahr 2009, Fr. 12‘040.-- im Jahr 2010 und
Fr. 18‘550.-- im Jahr 2011;
Urk.
9/51/3)
. Die Beschwerdeführerin und ihr Ehe
mann mussten auf Baustellen Küchenmöbel in die verschiedenen Wohnun
gen verteilen. Es handelte sich um eine körperlich belastende Arbeit
(Urk. 9/51/1-2,
Urk.
9/52/1)
, die bereits unter diesem Gesichtspunkt nicht geeignet war
. Im Übrigen hatte sich bis ins Jahr 2012
durch das Zusammen
leben
mit dem Ehemann
die
gesundheitliche Situation der
Beschwerdeführe
rin
stabilisiert. Es kam zu
keine
n
Alkoholrückfälle
n
mehr und bezüglich Ein
nahme der Medikamente
zur Rückfallvermeidung
befolgt
die Beschwerde
führerin
die ärztlichen Anord
n
ungen
(Urk. 9/57/
3 f.
).
4.4
Gemäss Feststellungsblatt vom
9.
August 2012 teilte die Beschwerdegegnerin respektive die RAD-Ärztin
Dr.
med
.
I._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, in der Stellungnahme vom 2
5.
Juni 2012 die Einschätzung der Ärzte der
E._
.
Dr.
I._
fasste zusammen, die Angaben der behandelnden Ärzte seien schlüssig. Seit Mai 2011 könne bezüglich jeglicher Tätigkeiten auf dem freien Arbeitsmarkt von einer voll
ständigen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden. Da die
Restarbeitsfähig
keit
nur in Anwesenheit des Ehemannes umgesetzt werden könne, entspreche dies nicht einer Arbeitsfähigkeit unter den Bedingungen des freien Arbeit
s
marktes, sondern setz
e eine
n
Nischenarbeitsplatz voraus (Urk. 9/59/3).
4.5
Gestützt wird die Beurteilung der Ärzte der
E._
durch das
nach
malige
Gutachten
von
Dr.
F._
vom 1
2.
September 201
4.
Dieser kam zum Schluss, der Beurteilung der Ärzte der
E._
AG, die Beschwerdeführerin funktioniere
im Arbeitsleben nur in Anwesenheit des Ehemannes,
sei nicht zu widersprechen.
Auch gemäss seinen Erkenntnissen ist d
ie möglichst uneingeschränkte Präsenz des Ehemannes wichtig (Urk. 9/103/18).
Diese ist nicht nur
bei der Arbeit von Bedeutung, sondern ganz generell, sobald die Beschwerdeführerin
ihr Zuhause verlassen muss (Urk. 9/103/21
lit
. g).
5.
5.1
Zusammengefasst
liegt bedingt durch das psychische Leiden ein beträcht
liches Vermeidungsverhalten und als Folge dessen eine fast vollständige
soziale
Isolation vor (Urk. 9/103/14 f.). Aufgrund der Übereinstimmung der Feststellungen im Berich
t der
E._
vom 26.
April 2012
mit den
jenigen
im Gutachten von Dr.
F._
vom 12.
September 2014 ist davon auszugehen, dass
sich die gesundheitliche
Situation
im Z
eitpunkt der
Ren
tenzusprechung
per Mai
2012 im Vergleich zur Erstbeurteilung im Jahr 2009 verschlechtert hatte und seither anhält
und die Beschwerdeführerin höchstens in der Lage ist,
in beschränktem Rahmen (Pensum 30 % bis maximal 50 %; vgl.
Urk.
9/57/3 f.,
Urk.
9/103/17 ff.) und in
Anwesenheit des Ehemannes eine
Erwerbstätigkeit
auszuüben
.
Mit anderen Worten ist sie auf
einen
ganz
spezifischen
Nischenarbeitsplatz respektive auf eine
betreute Arbeitsstelle
angewiesen
.
5.2
Eine Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ist in denjenigen Fällen anzu
nehmen, in denen die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnitt
lichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erschein
t (Urteil des Bundes
gerichts 9C_
485/2014 vom 28. November 2014 E. 3.3.1 mit Hinweisen).
D
ieser Umstand trifft auf die Beschwerdeführerin zu. Aufgrund ihrer psychi
schen Erkrankung war es
ihr
im Zeitpunkt der Zusprechung der Rente nicht mehr möglich, ihre aus somatischer Sicht
an sich
gegebene
Restarbeitsfähig
keit
in der freien Wirtschaft umzusetzen. Aufgrund der jüngsten Abklärun
gen gilt dies auch weiterhin.
5.3
Die Zusprechung der Rente erweist sich nach dem Gesagten nicht als zweifel
los unrichtig. Die wiedererwägungsweise Aufhebung der Rente kommt somit nicht in Betracht. Die jüngsten Abklär
ungen ergaben sodann auch keine
Hinweise auf eine wesentliche Verbesserung des gesundheitlichen Zustandes seit der Zusprechung der Rente, weswegen auch eine Aufhebung der Lei
stung gestützt auf Art. 17 ATSG
entfällt
. In Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
4.
Juni 2015 aufzuheben und es ist fest
zu
stellen, dass die Beschwerdeführerin weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente hat.
6.
6.1
Gemäss Art. 69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenver
sicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensauf
wand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr.
1'000.-- festgesetzt. Vorliegend erweist sich eine Kostenpauschale von
Fr.
800
.-- als angemessen. Ausgangsgemäss sind die Kosten
der
Beschwerde
gegnerin
aufzuerlegen.
6.2
Ausgangsgemäss hat
die Beschwerdeführerin
gestützt auf
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses festzusetzen.
Die Vertreterin der Beschwerdeführerin reic
hte eine Honoraraufstellung ein, worin sie einen Aufwand von total 17.70 Stunden und Auslagen in der Höhe von
Fr.
159.30 geltend macht
(Urk. 13). Im Begleitschreiben wies sie darauf hin, das Verfahren sei insofern aufwändig gewesen,
als dass die IV-Stelle mehrere Vorbescheide respektive Verfügungen mit falschen Inhalten und Rechtsmittelbelehrungen versandt habe. Damit habe zuerst geklärt werden müssen, in welchem Stadium sich das Verfahren befunden habe und gegen welchen der Vorbescheide und Verfügungen Einwand und Beschwerde zu erheben gewesen sei. Da es sich um eine Leistungseinstellung gehandelt habe, habe auch die Ausgleichskasse ungenaue Angaben gehabt und die Leistung zu früh eingestellt. Auch dies habe geklärt werden müssen (Urk. 12).
Die Vorbringen zu den Unklarheiten im Zusammenhang mit dem Versand von Vorbescheid und Verfügung sind du
rch die Akten belegt (vgl. Urk.
9/118) und ein entsprechender Mehraufwand im Zuge des
Aktenstudi
ums
am 1
2.
Juni 2015 (Urk. 13) ist ausgewiesen.
Überhöht sind hingegen die total 12 Stunden (je 4 Stunden am 3
0.
Juni und am
1.
Juli 2015 und 3 Stun
den am
2.
Juli 2015) für die Ausarbeitung der Beschwerdeschrift (Urk. 1). Diese hat einen Umfang von insgesamt 16 Seiten, wobei sich die Ausführun
gen inhaltlicher Natur auf 14 Seiten verteilen. Hierfür gerechtfertigt ist ein Zeitaufwand von
6
Stunden. Der
der
Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
angemessene
Gesamtaufwand beläuft
sich damit auf 11
,
7
Stunden. Eine zusätzliche Stunde rechtfertigt sich für
das Studium des Endentscheides
.
Unter Berücksichtigung des ge
r
ichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr.
220.--, der Mehrwertsteuer von 8 % sowie der Barauslagen in der Höhe von Fr. 159.30 beläuft sich die Entschädigung auf Fr. 3‘190.--. Diese hat die Beschwerdegegnerin direkt
an die unentgeltliche
Rechtsvertreterin auszube
zahlen.