Decision ID: 9cd6b7f6-db06-5294-ba6c-bf2e91b3fa7b
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Michael Weissberg, Plänkestrasse 32, Postfach,
2501 Biel/Bienne,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Hilfsmittel (Elektrorollstuhl und Handrollstuhl)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ ist seit 1. April 1989 (IV-act. 2-2, IV 2010/481) Bezüger einer ganzen Rente
der Invalidenversicherung (IV) sowie einer Hilflosenentschädigung (vgl. u.a. IV-act. 8, IV
2010/481). In den verschiedenen Arztberichten werden unterschiedliche
gesundheitliche Beeinträchtigungen aufgeführt, so u.a. eine angeborene kongenitale
Cerebralparese, ein inkomplettes Querschnittsyndrom nach Motorradunfall im Jahr
1990, Adipositas sowie eine Persönlichkeitsstörung (vgl. u.a. IV-act. 319-7, 446-1, 486,
IV 2010/481; eingehend zur Krankengeschichte vgl. nachstehende E. 5 und E. 6). Im
Rahmen der Hilfsmittelversorgung wurden ihm Hand- und Elektrorollstühle abgegeben.
Am 1. November 2009 beantragte der Versicherte Kostengutsprache für einen neuen
Elektrorollstuhl. Dem Gesuch legte er den Kostenvoranschlag für die Anschaffung und
invaliditätsbedingte Anpassung des Elektrorollstuhls Alber Adventure in der Höhe von
Fr. 27'308.05 sowie eine ärztliche Verordnung bei (IV-act. 413, 414, IV 2010/481).
A.b Mit Vorbescheid vom 4. Januar 2010 stellte die IV-Stelle der Sozialversicherungs
anstalt des Kantons St. Gallen (SVA) die Ablehnung des Leistungsbegehrens in Aus
sicht (IV-act. 425, IV 2010/481). Gegen diesen Vorbescheid erhob der Versicherte mit
Schreiben vom 1. März 2010 Einwand (IV-act. 430-1 f., IV 2010/481).
A.c Am 1. April 2010 teilte die IV-Stelle dem Beirat des Versicherten mit, sie sei nach
weiteren Abklärungen zum Schluss gekommen, dass die Voraussetzungen für die Ab
gabe eines Elektrorollstuhls erfüllt seien. Allerdings könne der vom Versicherten einge
reichte Kostenvoranschlag mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht berücksichtigt
werden. Diesbezüglich seien weitere Abklärungen bei der Schweizerischen Arbeits
gemeinschaft Hilfsmittelberatung (SAHB) notwendig (IV-act. 435, IV 2010/481).
A.d Mit fachtechnischer Beurteilung vom 17. August 2010 teilte die SAHB St. Gallen
der IV-Stelle mit, der beantragte Elektrorollstuhl Alber Adventure sei für den
Versicherten nicht geeignet. Man empfehle die Kostenübernahme von Fr. 25'570.40 für
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den Elektrorollstuhl Invacare Strom 3 gemäss der Offerte der Firma Spiess und Kühne
(IV act. 451-1 ff., IV 2010/481).
A.e Mit Verfügung vom 26. November 2010 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache
für den Elektrorollstuhl Invacare Strom 3 (IV-act. 480-1 ff., IV 2010/481). Die Voraus
setzungen für eine Kostengutsprache seien aufgrund der topographischen Lage des
Wohnorts des Versicherten erfüllt, dies allerdings nur solange, als es die aktuelle
Wohnlage erfordere. Übliche Wegstrecken ohne steile Abschnitte könnten mit
einem normalen Handrollstuhl bewältigt werden. Der Kostenbeitrag belaufe sich auf
Fr. 21'308.65. Dieser Betrag entspreche 5/6 der Gesamtkosten des Elektrorollstuhls
(Fr. 25'570.40). Da der letzte Elektrorollstuhl, welcher im Jahr 2004 abgegeben worden
sei, bereits nach zwei Jahren einen Totalschaden erlitten habe, müsse dem Ver
sicherten aufgrund mehrmaliger Verletzung der Sorgfaltspflicht eine Kostenbeteiligung
von 1/6 auferlegt werden. Zudem sei die maximale Geschwindigkeit des Elektro
rollstuhls vom Lieferanten auf 6 km/h herabzusetzen. Dem Versicherten werde überdies
bei allen Reparaturen ein Selbstbehalt von 20% auferlegt. Da der Reparaturbedarf
bisher regelmässig auf Sorgfaltspflichtverletzungen zurückzuführen gewesen sei, könne
die IV-Stelle zum Voraus keine Kostenübernahme mehr garantieren. Sämtliche Re
paraturkosten seien daher direkt vom Versicherten zu begleichen. Alsdann könne die
Teilkostenrückerstattung gegen Nachweis der bezahlten Rechnung bei der IV-Stelle
beantragt werden. Dabei sei der Umstand der notwendigen Reparatur eingehend zu er
klären. Sollte die Bezahlung der Rechnung vor Ort nicht möglich sein, sei der IV-Stelle
ein Kostenvoranschlag der notwendigen Reparatur zu unterbreiten. Die Kostenbe
teiligung werde dann schriftlich mitgeteilt.
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 20. Dezember 2010 (Eingangs
datum) Beschwerde. Er beantragte sinngemäss die Aufhebung der Verfügung (act. G 1,
IV 2010/481).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 3. Februar 2011 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei.
Sie machte im Wesentlichen geltend, der Beschwerdeführer habe seine Sorgfaltspflicht
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trotz diverser Ermahnungen seitens der IV-Stelle wiederholt und grob verletzt. Die
Kostenbeteiligung sowie die mit der Abgabe des Elektrorollstuhls verbundenen
Auflagen seien daher nicht zu beanstanden (act. G 5, IV 2010/481).
B.c Mit Replik vom 18. April 2011 liess der Beschwerdeführer, nunmehr vertreten
durch Rechtsanwalt Dr. iur. Michael Weissberg, Biel, sein Rechtsbegehren präzisieren.
Die Verfügung sei insoweit aufzuheben, als dem Beschwerdeführer 1/6 der Kosten des
Elektrorollstuhls auferlegt und an ihn Bedingungen (Ziffer 2 der Verfügung) gestellt
würden; unter Kosten und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin.
Er führte im Wesentlichen aus, die ihm auferlegten Einschränkungen und Bedingungen
fänden im Gesetz keine Stütze. Mithin sei die Lebensdauer eines Hilfsmittels kein
Grund, den fraglichen Abzug vorzunehmen. Zudem würden sich die Vorwürfe der
Sorgfaltspflichtverletzung sowie der Manipulation des Elektrorollstuhls (Aufhebung der
Geschwindigkeitsbegrenzung) bei näherer Betrachtung als haltlos erweisen (act. G 13,
IV 2010/481).
B.d Am 28. April 2011 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine Duplik und
verwies auf ihre Beschwerdeantwort (act. G 15, IV 2010/481).
B.e Mit Schreiben vom 29. Juni 2011 erklärte sich der Beirat des Beschwerdeführers
mit der Prozessführung sowie der Vertretung des Beschwerdeführers durch Rechts
anwalt Weissberg einverstanden (act. G 17 ff., IV 2010/481).
C.
C.a Am 24. August 2011 drohte die Abteilungspräsidentin des Versicherungsgerichts
dem Beschwerdeführer in Nachachtung von Art. 61 lit. d ATSG sowie unter Berück
sichtigung der neuen Bundesgerichtspraxis (BGE 137 V 314 E. 3.2.3) eine reformatio in
peius an. Nach Prüfung der Akten bestehe die Möglichkeit, dass das Gericht die ange
fochtene Verfügung aufhebe und die Angelegenheit zur Prüfung der Notwendigkeit
eines Elektrorollstuhls an die Beschwerdegegnerin zurückweisen könnte (act. G 21,
IV 2010/481).
C.b Am 21. September 2011 ersuchte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers um
Sistierung des Verfahrens. Die Beschwerdegegnerin habe ein MEDAS-Gutachten an
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geordnet. Die entsprechenden Abklärungen seien durchgeführt worden und das Gut
achten würde demnächst eintreffen. Das MEDAS-Gutachten sei im hängigen Verfahren
als Beweismittel beizuziehen (act. G 22, IV 2010/481). Das Verfahren wurde am
22. September 2011 antragsgemäss sistiert (act. G 23, IV 2010/481).
C.c Nach Eingang des MEDAS-Gutachtens vom 8. November 2011 am 17. November
2011 wurde die Sistierung aufgehoben und den Parteien Gelegenheit zur Stellung
nahme gegeben (act. G 25, IV 2010/481).
C.d Am 29. November 2011 verzichtete der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
auf eine Stellungnahme zum Gutachten. Er halte einzig fest, dass die
Rollstuhlabhängigkeit des Beschwerdeführers im Gutachten bejaht worden sei (act. G
26, IV 2010/481)
C.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete sinngemäss auf eine Stellungnahme (act.
G 27, IV 2010/481).
D.
D.a Nach Abschluss des Schriftenwechsels hielt die Abteilungspräsidentin des
Versicherungsgerichts mit Schreiben vom 24. Januar 2012 sinngemäss fest, dass nach
summarischer Prüfung des MEDAS-Gutachtens nach wie vor eine Rückweisung zu
weiteren Abklärungen und damit eine allfällige Verschlechterung der vorprozessualen
Situation im Raum stehe. Unter diesen Umständen werde dem Beschwerdeführer die
Möglichkeit zum Rückzug der Beschwerde eingeräumt (act. G 28, IV 2010/481).
D.b Nach verlängerter Frist, teilte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers am
5. März 2012 mit, dass die Beschwerde nicht zurückgezogen werde (act. G 31,
IV 2010/481). Mittlerweile habe die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 3. Februar
2012 auch den Anspruch auf einen Handrollstuhl verneint. Sodann sei der Be
schwerdeführer im Aussenbereich auf einen Elektrorollstuhl angewiesen. Zudem könne
ein Elektrorollstuhl besser auf seine Bedürfnisse ausgelegt werden.
E.
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E.a Bereits am 24. November 2010 hatte der Beschwerdeführer ein Gesuch um
Kostenübernahme von Fr. 10'254.55 für den Handrollstuhl Schmicking Aluminium Fully
gestellt (IV-act. 478-1 ff., IV 2010/481).
E.b Mit Verfügung vom 3. Februar 2012 wies die IV-Stelle der SVA St. Gallen das
Leistungsgesuch ab (IV-act. 36, IV 2012/89).
E.c Gegen diese Verfügung erhob der Rechtsvertreter des Versicherten am 5. März
2012 Beschwerde. Die Verfügung vom 3. Februar 2012 sei unter Kosten- und Ent
schädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin aufzuheben. Dem Beschwerde
führer sei Kostengutsprache für den Handrollstuhl gemäss Gesuch vom 24. November
2010 zu erteilen. Zudem sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege in
Form der Befreiung der Gerichtskosten sowie der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung zu gewähren (act. G 1, IV 2012/89). Zur Begründung machte der
Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, die Beschwerdegegnerin habe das
Leistungsgesuch ohne Abklärungen vor Ort abgelehnt. Sie habe damit ihre
Abklärungspflichten in grober Weise verletzt. Neben dem Elektrorollstuhl sei der
Beschwerdeführer im Innenbereich klarerweise auf einen Handrollstuhl angewiesen.
Unabhängig von der Frage, ob in seinem Domizil bauliche Massnahmen notwendig
gewesen seien, sei völlig klar, dass das Zirkulieren mit einem Elektrorollstuhl im
Innenbereich einer Wohnung sehr viel mühseliger und letztlich unzumutbar sei. Der
Elektrorollstuhl sei länger, grösser, breiter und viel schwerer als ein Handrollstuhl. Auch
das Manövrieren mit dem Elektrorollstuhl benötige viel mehr Platz als die
Fortbewegung mit einem Handrollstuhl, was sich namentlich in den
Sanitärräumlichkeiten negativ auswirke.
E.d Mit Beschwerdeantwort vom 4. Mai 2012 beantragte die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Sodann sei das Verfahren IV 2010/481 betreffend Elektro
rollstuhl mit dem Verfahren IV 2012/89 betreffend Handrollstuhl zu vereinigen (act. G 6,
IV 2012/89). Zur Begründung machte die Beschwerdegegnerin sinngemäss geltend,
der Beschwerdeführer könne sich in seiner Wohnung mit einem Elektrorollstuhl
ausreichend fortbewegen. Im Übrigen sei dem MEDAS-Gutachten zu entnehmen, dass
der Beschwerdeführer einige Schritte gehen und etwa 15 Minuten stehen könne.
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Aufgrund der aus dem MEDAS-Gutachten gewonnenen Erkenntnisse sei eine
Abklärung vor Ort nicht mehr notwendig gewesen.
E.e Am 6. Juli 2012 bewilligte die Abteilungspräsidentin des Versicherungsgerichts
das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (act. G 15, IV 2012/89).
E.f Mit Replik vom 17. August 2012 liess der Beschwerdeführer an seinen Rechts
begehren festhalten (act. G 16, IV 2012/89). Ergänzend führte er im Wesentlichen aus,
die MEDAS-Begutachtung könne die unterbliebene Abklärung vor Ort nicht ersetzen.
E.g Die Beschwerdegegnerin verzichtete sinngemäss auf eine Duplik (act. G 18,
IV 2012/89).

Erwägungen:
1.
Da die Streitgegenstände der Verfahren IV 2010/481 und IV 2012/89 eng zusammen
hängen, rechtfertigt es sich, die Verfahren zu vereinigen und in einem einzigen Urteil zu
erledigen (vgl. BGE 128 V 124 E. 1 und 128 V 192 E. 1, je mit Hinweisen).
2.
2.1 Der Beschwerdeführer ist offenbar seit 1995 Rollstuhlfahrer (IV-act. 319-3,
IV 2010/481). lm September 1998 liess er erstmals ein Gesuch um Abgabe eines
Elektrorollstuhls stellen. Er leide an einem Querschnittssyndrom, wiege heute über
160 kg und sei daher kaum mehr in der Lage, sich mit seinen eigenen Körperkräften
mit dem Rollstuhl zu bewegen (IV-act. 430-22, IV 2010/481). Mit Verfügung vom
2. Dezember 1998 erteilte die IV-Stelle des Kantons X._ Kostengutsprache für einen
Elektrorollstuhl samt invaliditätsbedingten Anpassungen (IV-act. 430-4, IV 2010/481).
Zuletzt übernahm die IV-Stelle St. Gallen mit Verfügung vom 7. September 2004 die
Kosten für den Elektrorollstuhl Quickie S-646 (IV-act. 98, IV 2010/481). Anfang 2007
gelangte der Beschwerdeführer an die SAHB, um den Elektrorollstuhl reparieren zu
lassen. Diese teilte der Beschwerdegegnerin mit, dass der Elektrorollstuhl diverse
Beschädigungen aufweise, welche auf eine mangelnde Sorgfalt im Umgang mit dem
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Hilfsmittel zurückzuführen seien. Zudem erreiche der Motor des Elektrorollstuhls eine
Höchstgeschwindigkeit von 18 km/h anstelle der Standard-Höchstgeschwindigkeit von
10 km/h, was einen zusätzlichen Verschleiss von Achsen, Rädern etc. mit sich bringe
(IV-act. 241 ff.; 248, IV 2010/481). In der Folge wurde dem Beschwerdeführer mit
Mitteilung vom 23. Februar 2007 eine Kostenbeteiligung an den Reparaturarbeiten von
2/3 bzw. rund Fr. 2'258.- auferlegt (IV-act. 250, IV 2010/481). Trotz mehrerer Auf
forderungen war der Beschwerdeführer nicht bereit, den Kostenanteil zu übernehmen,
sodass eine Reparatur ausblieb. Zur Fortbewegung benutzte er fortan einen Hand
rollstuhl zusammen mit einem selbst finanzierten Zuggerät Swiss-Trac (IV-act. 450,
IV 2010/481).
2.2 Im Beschwerdeverfahren IV 2010/481 rügt der Beschwerdeführer die ihm am neu
beantragten Elektrotollstuhl auferlegte Kostenbeteiligung sowie die Ausgestaltung der
Verfügung mit Nebenbedingungen (act. G 1, 13, IV 2010/481). Aufgrund der Aktenlage
drängt es sich zunächst auf, die Anspruchsvoraussetzungen zum Bezug des be
antragten Elektrorollstuhls zu prüfen. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass das Gesuch
um Abgabe des Elektrorollstuhls vom 1. November 2009 als Neuanmeldung zum
Leistungsbezug zu betrachten ist. Mit der Gebrauchsuntauglichkeit des alten Elektro
rollstuhls bzw. dem Verzicht auf dessen Instandstellung ist auch die Wirkung der Ver
fügung vom 7. September 2004 dahingefallen. Einer vollumfänglichen Neubeurteilung
der Hilfsmittelabgabe steht somit nichts entgegen.
3.
3.1 Gemäss Art. 21 Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG: SR 831.20) hat der Versicherte im Rahmen einer vom
Bundesrat aufzustellenden Liste Anspruch auf jene Hilfsmittel, deren er für die
Ausübung der Erwerbstätigkeit oder der Tätigkeit im Aufgabenbereich, zur Erhaltung
oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit, für die Schulung, die Aus- und Weiterbildung
oder zum Zweck der funktionellen Angewöhnung bedarf. Der Versicherte, der infolge
seiner Invalidität für die Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit der
Umwelt oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte bedarf, hat im Rahmen der vom
Bundesrat aufzustellenden Liste ohne Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit Anspruch auf
solche Hilfsmittel (Art. 21 Abs. 2 IVG).
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3.2 Der Bundesrat hat in Art. 14 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV;
SR 831.201) dem Eidg. Departement des Innern den Auftrag übertragen, die Liste der
in Art. 21 IVG vorgesehenen Hilfsmittel zu erstellen. Laut Art. 2 der Verordnung über die
Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI; SR 831.232.51) besteht
im Rahmen der im Anhang angeführten Liste Anspruch auf Hilfsmittel, soweit diese für
die Fortbewegung, die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbst
sorge notwendig sind (Abs. 1). Die im HVI-Anhang enthaltene Liste ist insofern ab
schliessend, als sie die in Frage kommenden Hilfsmittelkategorien aufzählt (Art. 21 IVG;
vgl. Art. 2 Abs. 1 HVI; BGE 131 V 9 E. 3.4.2 S. 14 f.).
4.
4.1 Nach der Rechtsprechung unterliegt die Hilfsmittelversorgung den allgemeinen
Anspruchsvoraussetzungen gemäss Art. 8 IVG (Geeignetheit, Erforderlichkeit,
Eingliederungswirksamkeit; BGE 122 V 212 E. 2c S. 214). Die Invalidenversicherung ist
auch im Bereich der Hilfsmittel keine umfassende Versicherung, welche sämtliche
durch die Invalidität verursachten Kosten abdecken will; das Gesetz will die
Eingliederung lediglich soweit sicherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber
auch genügend ist und zudem der voraussichtliche Erfolg der
Eingliederungsmassnahme in einem vernünftigen Verhältnis zu ihren Kosten steht (Art.
8 Abs. 1 IVG; BGE 134 V 105 E. 3 S. 107 f. mit Hinweisen). Leistungen, die im Anhang
zur HVI aufgeführt sind, werden nicht ohne weiteres, sondern nur soweit erforderlich
und lediglich in einfacher und zweckmässiger Ausführung erbracht (Art. 21 Abs. 2 IVG;
Art. 2 Abs. 4 HVI). Nach der Rechtsprechung bezieht sich die Notwendigkeit des
Hilfsmittels auf die konkrete Situation, in welcher die versicherte Person lebt (vgl. BGE
135 I 161 E. 5.1 S. 165 f.).
4.2 Mit den Hilfsmitteln für Versicherte, die infolge ihrer Invalidität für die
Fortbewegung kostspieliger Geräte bedürfen, befasst sich Ziff. 9 HVI-Anhang
(Rollstühle), wobei unterschieden wird zwischen Rollstühlen ohne motorischen Antrieb
(Ziff. 9.01) und Elektrorollstühlen (Ziff. 9.02). Bei letzteren erfolgt die Abgabe leihweise
an Versicherte, die einen gewöhnlichen Rollstuhl nicht bedienen und sich nur dank
elektromotorischem Antrieb selbstständig fortbewegen können.
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4.3 Anspruch auf einen Elektrorollstuhl besteht, wenn dieser für die Fortbewegung,
die Herstellung des Kontakts mit der Umwelt oder für die Selbstsorge notwendig ist.
Die Selbstständigkeit in der Fortbewegung mit einem elektromotorisch angetriebenen
Rollstuhl ist Eingliederungsziel und Voraussetzung für die Abgabe eines
Elektrofahrstuhls an die versicherte Person (BGE 135 I 161 E. 4.1; vgl. auch die in Urteil
9C_940/2010 vom 23 März 2011, E. 4.1 geprüfte und verworfene Praxisänderung). Der
Eingliederungsbereich umfasst die selbstständige Verschiebung im häuslichen Bereich
wie auch ausserhalb des Hauses (Urteile des Eidg. Versicherungsgerichts [EVG; seit
1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilung des Bundesgerichts] vom 13. Oktober 2005,
I 712/04, E. 2.3; vom 15. Februar 2002, I 298/01, E. 1c; vom 25. Mai 1994, I 340/93,
E. 2b; vom 25. März 1991, I 269/90, E. 2b).
4.4 Der Anspruch auf einen Rollstuhl ohne motorischen Antrieb sowie derjenige auf
einen Elektrorollstuhl ist je einzeln nach Ziffer 9.01 und Ziffer 9.02 HVI-Anhang zu
prüfen. Sind einer versicherten Person bereits Hilfsmittel der einen Art abgegeben
worden, kann dies unter bestimmten Umständen einen Einfluss auf den Anspruch aus
der anderen Unterkategorie haben (vgl. BGE 133 V 257 E. 6.3.2).
4.5 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Die
Verwaltung als verfügende Instanz und - im Beschwerdefall - das Gericht haben von
sich aus für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts
zu sorgen. Dabei sind rechtserheblich alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt,
ob über den streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. Der
Untersuchungsgrundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in
den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit Hin
weisen). Die Mitwirkungspflicht bildet eine gewisse Ergänzung und Einschränkung des
Untersuchungsgrundsatzes, darf aber nicht zu dessen Aufhebung führen. Die Mit
wirkungspflicht bedeutet: Die Person, die aus einem Begehren gegenüber dem Sozial
versicherungsträger Rechte ableitet oder zur Auskunft verpflichtet ist, hat bei der Fest
stellung des Sachverhalts mitzuwirken. Besondere Bedeutung hat die
Mitwirkungspflicht dann, wenn der Sachverhalt ohne Mitwirkung der betroffenen
Person gar nicht (weiter) abgeklärt werden kann (Thomas Locher, Grundriss des
Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl. Bern 2003, S. 443 ff.). Der Untersuchungsgrundsatz
schliesst eine Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus.
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Wenn es sich jedoch als unmöglich erweist, im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die
Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen, greift die Beweisregel
Platz, dass die Parteien eine Beweislast insofern tragen, als im Fall der Beweislosigkeit
der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen
Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 117 V 264 E. 3b, 115 V 142 E. 8a). Das
Gericht darf eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn es von ihrem
Bestehen überzeugt ist. Es hat seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas
Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den
Beweisanforderungen nicht (BGE 117 V 360 E. 4a mit Hinweisen).
5.
5.1 Den Akten ist zu entnehmen, dass die Beschwerdegegnerin die Notwendigkeit
eines Elektrorollstuhls verschiedentlich anzweifelte. Diesbezüglich hielt sie u. a. fest,
der Beschwerdeführer komme auf dem Stadtgebiet Y._ gut mit einem Handrollstuhl
zu Recht; er sei in der Lage schwere Türen vom Rollstuhl aus selber zu öffnen; es sei
offenbar genügend Kraft in den Armen vorhanden, um Steigungen von bis zu 6% zu
überwinden (IV-act. 290-2, 353-1, 343-1, 419-1, IV 2010/481). In medizinischer Hinsicht
stützte sich die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen auf die Auskunft des Hausarztes
des Beschwerdeführers, Dr. med. B._, Facharzt für Innere Medizin FMH, der im
Schreiben vom 9. Dezember 2009 bestätigte, der Beschwerdeführer sei auch im
Handrollstuhl sehr mobil (IV-act. 423-1, IV 2010/481). Noch im Vorbescheid zur
angefochtenen Verfügung führte die Beschwerdegegnerin aus, ihre Abklärungen hätten
ergeben, dass der Beschwerdeführer seit seiner Magenbypassoperation im Jahr 2004
an Gewicht verloren habe und seine Mobilität dadurch hätte verbessert werden
können. Es sei ihm nun möglich, einen Handrollstuhl zu bedienen und sich ohne
Schwierigkeiten mit diesem fortzubewegen. Diese Feststellung habe die IV-Stelle bei
den diversen Besuchen des Beschwerdeführers im Haus der SVA machen können.
Auch von anderen Abklärungsstellen und aus medizinischer Sicht sei dies bestätigt
worden. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer an einem steilen Ort wohne, sei
dank dem öffentlichen Verkehr mit rollstuhlfreundlichen Bussen/Tram, nicht relevant
(IV act. 424 f., IV 2010/481). In der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerde
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gegnerin die Notwendigkeit eines Elektrorollstuhls letztlich aufgrund der konkreten
Lebenssituation des Beschwerdeführers bejaht. Die Voraussetzungen für die Abgabe
des Elektrorollstuhls seien wegen der topographischen Lage des Wohnorts des Be
schwerdeführers an steiler Lage erfüllt. Auf üblichen Wegstrecken ohne steile Ab
schnitte sei er nicht auf einen Elektrorollstuhl angewiesen ist. Diese könnte er mit einem
normalen Handrollstuhl bewältigen (act. G 2, IV 2010/481).
5.2 Auch bei Sichtung der Akten durch den Regionalärztlichen Dienst der IV-Stelle
(RAD) wurden Zweifel an der Notwendigkeit eines Elektrorollstuhls geäussert. Im
Hinblick auf die im Rahmen der Revision der Rente und Hilflosenentschädigung in
Auftrag gegebene interdisziplinäre Begutachtung bei der Medizinischen
Abklärungsstelle (MEDAS) Zentralschweiz verfasste RAD-Arzt Dr. med. C._ am 13.
August 2010 eine interne medizinische Stellungnahme (IV-act. 457, IV 2010/481). Die
Hauptdiagnose einer kongenitalen zerebralen Parese sei kaum mehr in Zweifel zu
stellen. Es seien heute gewisse neurologische Ausfälle anzunehmen. Die kongenitale
zerebrale Parese könne je nach geschädigter Hirnregion beliebige neurologische
Symptome verursachen. Es bestehe aus funktioneller Sicht kein einheitliches Bild. Ein
exakter Neurostatus sei beim Beschwerdeführer jedoch nie erhoben worden. Eine RAD
Stellungnahme liege ebenfalls nicht vor. Die Querschnittslähmung auf Niveau des
Rückenmarksegmetes Th 11 nach Motorradunfall sei völlig unklar und nirgends belegt.
Offenbar zweifle auch der Hausarzt des Beschwerdeführers die Querschnittsläsion an.
Eine vollständige Querschnittslähmung auf dem postulierten Niveau erfordere, wenn sie
vollständig sei, einen mechanischen Rollstuhl. Möglicherweise liege eine
Persönlichkeitsvariante vor. Der Hausarzt habe beim erwachsenen Versicherten auf die
hauptsächlich psychiatrische Störung hingewiesen. Ob eine solche vorliege, könne
mangels fachärztlicher Berichte jedoch nicht beurteilt werden. Was der Grund für die
Anwendung eines Rollstuhls letztlich sei, könne aus medizinischer Sicht nicht
nachvollzogen werden. Es scheine, als hätte man dies schon früh auch dem
Übergewicht zugeschrieben (IV-act. 457-1 f., IV 2010/481).
5.3 Dr. C._ ist dahingehend zuzustimmen, dass sich die Frage der Notwendigkeit
eines Elektrorollstuhls aufgrund der dem Gericht vor der MEDAS-Begutachtung zur
Verfügung stehenden medizinischen Akten nicht beurteilen lässt. Mithin ist auch
seitens des Paraplegikerzentrums Nottwil im Bericht vom 16. Dezember 2010 einzig
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davon die Rede, dass der Beschwerdeführer auf einen manuellen Rollstuhl angewiesen
sei (IV-act. 486-1, IV 2010/481). Zudem fehlen jegliche Akten betreffend eine allfällige
Querschnittsläsion infolge des Motorradunfalls. Sodann ist fraglich, ob der
Beschwerdeführer überhaupt wegen seiner neurologischen Beschwerden
Rollstuhlfahrer ist. Vor 1995 war der Beschwerdeführer gemäss Austrittsbericht der
Klinik Valens vom 19. April 2004 offenbar trotz der angeborenen kongenitalen
Cerebralparese und den Folgen des Motorradunfalls selbständig mobil (IV-act. 319-7,
IV 2010/481). Der ehemalige Hausarzt des Beschwerdeführers, Dr. med. D._,
Facharzt für Innere Medizin FMH, hielt im Rahmen eines Gesuchs an die
Beschwerdegegnerin vom 4. Februar 2000 betreffend Übernahme der Kosten einer
Abmagerungsdiät fest, der Beschwerdeführer sei im Wesentlichen auf Grund einer
psychiatrischen Erkrankung mit exzessivem Übergewicht rollstuhlpflichtig. Sein
Übergewicht von mehr als 180 kg sei sicher zum grossen Teil für seine jetzt
bestehende Einschränkung der Mobilität verantwortlich (IV-act. 20-1, 27, IV 2010/481).
5.4 Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend, der Elektrorollstuhl sei
nicht nur wegen seines Gewichts, sondern auch wegen der Cerebralparese sowie
seiner weiteren Behinderungen notwendig. Es entspreche nicht den Tatsachen, dass er
übliche Wegstrecken ohne steile Abschnitte selber bewältigen könne. Er sei dazu
wegen seines Herzfehlers gar nicht in der Lage. Zudem sei eine Schädigung der
Schultergelenke festgestellt worden. Sein Wohnort habe daher mit der Notwendigkeit
des Elektrorollstuhls nichts zu tun (act. G 1, 1.1.2, IV 2010/481). In vorgängigen
Schreiben an die Beschwerdegegnerin führte er aus, er könne sich lediglich in einem
Umfang von 50 m (in flachem Gelände) selbständig bewegen. Steigungen könne er
wegen fehlender Kraft jedoch nicht selbständig bewältigen (IV-act. 430-1, IV 2010/481).
Mit dem Handrollstuhl alleine sei die Fortbewegung lediglich in einem Umkreis von 1
km gewährleistet (IV-act. 290-3, IV 2010/481).
5.5 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erwog das Versicherungsgericht die
Rückweisung zu weiteren Abklärungen. Mit dem MEDAS Gutachten vom 8. November
2011 liegt nun jedoch ein umfassendes Gutachten vor, das nachfolgend betreffend die
Rollstuhlbedürftigkeit des Beschwerdeführers zu würdigen ist.
6.
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6.1 Das polydisziplinäre MEDAS-Gutachten von Dr. med. E._, Allgemeine Medizin
FMH, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM und Dr. med. F._, Rheumatologie
FMH, EMBA University Professional of Advanced Insurance Medicine, Chefarzt, vom 8.
November 2011 stützt seine Beurteilung auf sämtliche Vorakten, die eigenen
persönlichen Befragungen des Beschwerdeführers sowie die zur Begutachtung
veranlassten neurologischen, neuropsychologischen, rheumatologischen und psychi
atrischen Untersuchungen (act. G 24-1, IV 2010/481).
6.2 Im Gutachten wurden zusammenfassend folgende Diagnosen gestellt (act. G 24,
S. 38 f., IV 2010/481):
Kongenitale zerebrale Anomalie wahrscheinlich
- mit Koordinationsstörung in den Händen
- bei eingeschränkter Pro- und Supination
- anamnestisch spastische Gangstörung
- Urininkontinenz
Frühkindlicher Autismus (ICD-10 F84.0)
Narzisstische Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.80)
Adipositas per magna (BMI rund 45, anamnestisch aktuell 142 kg bei einer Grösse von
177 cm)
- Status nach distaler Magen-Bypass-Operation und Verschluss einer Nabelhernie
02/2004
- Status nach Bauchdeckenplastik mit Netzeinlage und Narbenherienplastik 11/2007
Gangstörung im Rahmen der Adipositas per magna und der Persönlichkeitsstörung
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10
F45.41)
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Verminderte mentale Leistungsfähigkeit mit exekutiven Disfunktionen (inklusive
Verhaltensauffälligkeiten) bei normaler Intelligenz
Chronische Lumbalgien (bei morbider Adipositas)
Chronische Zervikalgien mit myofastialer Beteiligung des M. suprasipinatus und des
M. trapezius pars horizontalis beidseits bei Überlastung der tonischen Nacken
muskulatur parazervikal infolge Haltungsinsuffizienz
Periarthropathie rechts bei Impingement infolge hypertropher Gelenksveränderungen
am AC-Gelenk
Bilaterale Koxalgie
Verdacht auf Restless legs-Syndrom
Als Nebenbefund u.a. Status nach Mofaunfall 06/1991 mit Fraktur Prozessus trans
versus Th11, ohne sichere milde traumatische Hirnverletzung
6.3 Betreffend die Notwendigkeit eines Rollstuhls hielten die Gutachter fest, eine
Querschnittsläsion liege weder aktuell vor noch habe eine solche früher vorgelegen.
Anamnestisch bestünden wiederholte Unfallereignisse. Subjektiv im Vordergrund stehe
der Mofaunfall von 1991 mit Rückenkontusion und Fraktur des Processus transversus
Th 11, insbesondere aber ohne Anhaltspunkt für Verletzungen des zentralen Nerven
systems. Der Beschwerdeführer sei auf einen Rollstuhl angewiesen, wohl nicht aus
neurologischen Gründen im engeren Sinn, vielmehr jedoch wegen der Gangstörung im
Rahmen der Adipositas per magna und der Persönlichkeitsstörung (act. G 21.1, S. 40,
IV 2010/481).
6.4 Das MEDAS-Gutachten vom 8. November 2011 beruht auf eigenständigen
polidisziplinären Abklärungen, mithin auf allseitigen Untersuchungen und ist damit für
die streitigen Belange umfassend. Die Beurteilung erfolgte in Kenntnis der Vorakten,
und die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden wurden berücksichtigt. Das
Gutachten leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation ein. Aus neurologischer Sicht bestehe seit
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Geburt eine Beeinträchtigung der Motorik, überwiegend eine Koordinationsstörung der
Hände, teilweise artikulär bedingt, sowie eine körperliche Schwäche linksbetont. Als
Ursache sei aufgrund eines Luftenzephalogramms eine kongenitale zerebrale Anomalie
angenommen worden. Im Zusammenhang mit dem Mofaunfall von 1991, insbesondere
der geklagten Lähmungen (Paraparese) habe weder bisher noch aktuell ein
entsprechendes objektivierbares neurologisches Korrelat festgestellt werden können
(act. G 24.1, S. 37, IV 2010/481). Die vom Beschwerdeführer angegebene
vorübergehende vollständige Lähmung nach dem Unfall in den unteren Extremitäten
sei in den Akten nicht dokumentiert. Es sei lediglich von einer Fraktur des Processus
transversus vom BWK 11 die Rede, eine Traumatisierung der Wirbelkörper und damit
im Zusammenhang auch des Rückenmarks sei nicht dokumentiert worden. Neben der
verschlechterten Gehfähigkeit seien Attacken von Schwäche und Schmerzen in der
unteren Körperhälfte aufgetreten. Insbesondere während des Klinikaufenthalts in der
neurologischen Universitätsklinik Zürich, wo eine eingehende Untersuchung auch unter
Einschluss einer Magnetresonanztomographie des Rückenmarks durchgeführt worden
sei, habe keine Ursache für die vom Beschwerdeführer angegebene, offenbar auch nur
intermittierende Paraparese gefunden werden können. In den zwischenzeitlichen
Untersuchungen in Nottwil ergäben sich diesbezüglich keine neuen Aspekte. Eine
eigentliche Spastik habe nie vorgelegen, lediglich die ASR sei etwas lebhafter als die
übrigen Reflexe. Auch aktuell könne keine Paraparese in der Untersuchung eindeutig
objektiviert werden. Die Einschränkung der Mobilität gründe sich vor allem auf der
massiven Adipositas, eine relevante Schwäche der unteren Extremitäten habe bisher
nie einwandfrei dokumentiert werden können (act. G 24.1, neurologisches
Teilgutachten, S. 4 f., IV 2010/481). Sodann hielt der Gutachter im rheumatologischen
Teilgutachten fest, die im Aktenstudium genannte Spastizität und leichte Hemiparese
habe er bei der Untersuchung des Bewegungsapparates in dieser Weise nicht sicher
bestätigen können (act. G 24.1, rheumatologisches Teilgutachten, S. 5, IV 2010/481).
Im psychiatrischen Teilgutachten ging pract. med. G._, FMH Psychiatrie und
Psychotherapie, zertifizierter Gutachter SIM, von mittelgradigem bis hochgradigem
Autismus bzw. einer mittelgradigen bis hochgradigen narzisstischen Störung aus.
Diese Störungen seien überwiegend wahrscheinlich unheilbar (act. G 24.1,
psychiatrisches Teilgutachten, S. 11, IV 2010/481). Für eine dissoziative Störung, die
die Bewegungsstörung erklären würde, gebe es keinerlei Hinweise. Allerdings bringe
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dem Beschwerdeführer das Fahren im Rollstuhl einen gewissen Vorteil: er müsse
gepflegt werden, sei versorgt, andere kümmerten sich um ihn und er könne sich
unauffällig abgrenzen. Dies sei jedoch nur eine Hypothese. Etwas Ähnliches sei
offenbar bei der neuropsychologischen Testung zu beobachten gewesen, als der
Beschwerdeführer seine Hand zunächst kaum und später doch frei habe einsetzen
können (act. G 24.1, psychiatrisches Teilgutachten, S. 11, IV 2010/481). Vor diesem
Hintergrund vermögen die Schlussfolgerungen, dass der Beschwerdeführer zwar nicht
aus neurologischen Gründen im engeren Sinn, vielmehr jedoch wegen der
Persönlichkeitsstörung in Verbindung mit der Gangstörung im Rahmen der Adipositas
per magna auf den Rollstuhl angewiesen ist, zu überzeugen. Bereits Dr. D._ brachte
die Rollstuhlbedürftigkeit mit der psychischen Erkrankung mit exzessiven Übergewicht
in Verbindung (IV-act. 20-1, 27, IV 2010/481). Sodann ging auch das
Paraplegikerzentrum Nottwil von der Angewiesenheit auf einen manuellen Rollstuhl und
damit von einer grundsätzlichen Rollstuhlbedürftigkeit aus (act. 486-1, IV 2010/481).
Das Gutachten erfüllt mithin alle praxisgemässen Kriterien für beweiskräftige Gutachten
(vgl. BGE 125 V 352 E. 3a), so dass betreffend die Notwendigkeit eines Rollstuhls
grundsätzlich darauf abzustellen ist.
6.5 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass der Beschwerdeführer unter Würdigung der
gesamten Umstände auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Ob der Beschwerdeführer
jedoch einen gewöhnlichen Rollstuhl nicht bedienen und sich nur dank elektro
motorischem Antrieb selbstständig (sowohl im häuslichen Bereich wie auch ausserhalb
des Hauses) fortbewegen kann, ist nach wie vor unklar. Mithin haben sich die
Gutachter mit dieser Frage auch nicht auseinandergesetzt. Es erscheint daher
angezeigt die Sache an die Beschwerdegegnerin zu weiteren Abklärungen
zurückzuweisen. Es ist zumindest nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
auszuschliessen, dass der Beschwerdeführer sich nicht auch mit einem Handrollstuhl
ausreichend fortbewegen könnte. Allerdings wiegt der Beschwerdeführer trotz
erheblichem Gewichtsverlust immer noch rund 140 kg und leidet gemäss MEDAS-
Gutachten an chronischen Lumbalgien sowie einer Periarthropathie rechts beim
Impingement infolge hypertropher Gelenksveränderungen am AC-Gelenk. Letzteres
wird offenbar auf die starke Beanspruchung durch die tägliche Benutzung des
Handrollstuhls sowie durch die regelmässigen Transfers zurückgeführt (vgl.
insbesondere rheumatologisches Teilgutachten, act. G 24.1, S. 3 .f., IV 2010/481). Eine
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ergänzende Rückfrage an die MEDAS-Gutachter dürfte betreffend die Notwendigkeit
eines Elektrorollstuhls in der konkreten Lebenssituation des Beschwerdeführers (vgl.
BGE 135 I 161) Klarheit schaffen. Die angefochtene Verfügung betreffend
Elektrorollstuhl ist daher aufzuheben. Die Beschwerdegegnerin wird über den Anspruch
des Beschwerdeführers auf einen Elektrorollstuhl nach erfolgter Abklärung erneut zu
befinden haben.
7.
7.1 Ergeben die Abklärungen, dass der Beschwerdeführer auf einen Elektrorollstuhl
angewiesen sein sollte, ist betreffend die in der Verfügung vom 26. November 2010
festgehaltene und im Beschwerdeverfahren IV 2010/481 gerügte Kostenbeteiligung
sowie Nebenbedingungen auf Nachfolgendes hinzuweisen.
7.2 Für den Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung wäre eine Kostenbeteiligung des
Beschwerdeführers an den Anschaffungskosten in Anwendung von Art. 6 Abs. 2 HVI
grundsätzlich wohl nicht zu beanstanden (zur gesetzlichen Grundlage von Art. 6 Abs. 2
HVI vgl. BGE 133 V 511 E. 4.3). Gemäss der SAHB waren die Schäden am Rollstuhl auf
eine Verletzung der Sorgfaltspflicht zurückzuführen. Praxisgemäss haben sich die
Versicherten bei vorzeitigem Ersatz eines Hilfsmittels infolge Sorgfaltspflichtverletzung
bzw. bei unklarer, nicht nachvollziehbarer Begründung anteilsmässig zum Ablauf der
Amortisationsdauer an den Kosten einer erneuten Neuanschaffung zu beteiligen (vgl.
Urteil des EVG vom 30. September 2005, I 250/05, E. 2.2). Hinsichtlich einer Neu
verfügung wäre zu beachten, dass der alte Elektrorollstuhl in jenem Zeitpunkt
möglicherweise bereits amortisiert gewesen wäre. In diesem Fall wäre von einer
Kostenbeteiligung abzusehen, da diese nach höchstrichterlicher Rechtsprechung
keinen pönalen Charakter aufweist, sondern lediglich dem finanziellen Ausgleich dient
(vgl. BGE 133 V 511 E. 5.2). Bei einer Neuverfügung wäre die Amortisationsdauer des
Elektrorollstuhls ebenfalls neu zu überprüfen; mithin geht die SAHB von einer längeren
Lebensdauer als die Beschwerdegegnerin aus (IV-act. 451-2). Des Weiteren würde es
sich anbieten, die Nebenbedingungen der Verfügung auf den mit dem Gesetz
verfolgten Zweck und die Verhältnismässigkeit hin zu überprüfen. Unzulässig dürfte die
Auflage sein, dass der Beschwerdeführer sich an sämtlichen, also auch an auf normale
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Abnutzung zurückzuführenden Reparaturkosten, welche grundsätzlich von der IV zu
übernehmen sind, im Umfang von 20% zu beteiligen habe.
8.
8.1 Das Ergebnis der Abklärungen betreffend die Notwendigkeit eines
Elektrorollstuhls wird sich auch massgeblich auf das Beschwerdeverfahren IV 2012/89
betreffend Abgabe eines Handrollstuhls auswirken.
8.2 Die Beschwerdegegnerin hat den Anspruch auf einen Handrollstuhl in der Ver
fügung vom 3. Februar 2012 mit der Begründung verneint, dem Beschwerdeführer sei
mit Verfügung vom 26. Oktober 2010 Kostengutsprache für einen neuen
Elektrorollstuhl Marke Strom 3 erteilt worden. Für die Fortbewegung im Innen- und
Aussenbereich sei er somit einfach und zweckmässig ausgestattet (IV-act. 36-1, IV
2012/89). Wie sich vorstehend gezeigt hat, kann die Notwendigkeit eines
Elektrorollstuhls ohne weitere Abklärungen jedoch nicht beantwortet werden, sodass
der allfällige Anspruch auf einen Elektrorollstuhl noch gar nicht feststeht. Somit fehlt es
an einer wesentlichen Grundlage den Anspruch eines zusätzlichen Handrollstuhls zu
prüfen, denn die allfällige Abgabe eines Elektrorollstuhls hat unter Umständen Einfluss
auf den Anspruch des Beschwerdeführers auf einen zusätzlichen Handrollstuhl. Die
angefochtene Verfügung betreffend Handrollstuhl ist daher aufzuheben. Die
Beschwerdegegnerin wird über den Anspruch des Beschwerdeführers auf einen
zusätzlichen Handrollstuhl nach erfolgten Abklärungen betreffend den Elektrorollstuhl
erneut zu befinden haben. Vor diesem Hintergrund kann der Umstand, dass die
Beschwerdegegnerin - soweit aus den dem Gericht zur Verfügung gestellten Akten
ersichtlich - betreffend den zusätzlichen Handrollstuhl kein Vorbescheidverfahren
durchgeführt hat, unbeachtet bleiben.
8.3 Sollte sich aufgrund der Abklärungen herausstellen, dass der Beschwerdeführer
Anspruch auf einen Elektrorollstuhl hat, wäre folgendes zu beachten. Die Beschwerde
gegnerin hat die Abgabe des zusätzlichen Handrollstuhls gestützt auf die Aktenlage
verneint. Der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, er benötige den Handrollstuhl
im Wohnungsinnenbereich; der Elektrorollstuhl sei zu hoch, zu gross und zu breit.
Bauliche Änderungen in der neuen Wohnung aufgrund von Platzmangel seien aber
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nicht beantragt worden. Es sei somit klar davon auszugehen, dass der Elektrorollstuhl
auch im Innenbereich eingesetzt werden könne (IV-act. 36, IV 2012/89). In der
Beschwerdeantwort führte die Beschwerdegegnerin weiter aus, gemäss MEDAS-
Gutachten sei es dem Beschwerdeführer möglich, einige wenige Schritte zu machen.
Sodann könne er bis zu 15 Minuten stehen. Aufgrund der aus dem MEDAS-Gutachten
gewonnen Erkenntnisse sei eine Abklärung vor Ort nicht mehr notwendig gewesen (act.
G 6, IV 2012/89). Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin wäre vorliegend
eine Abklärung vor Ort angezeigt. Allein aus den vorgenannten Erkenntnissen des
MEDAS-Gutachtens könnte der Anspruch auf einen zusätzlichen Rollstuhl noch nicht
beurteilt werden, zumal dazu die konkrete Lebenssituation des Beschwerdeführers
ausschlaggebend ist. Hinzu kommt, dass allfälligen Fortbewegungsschwierigkeiten mit
dem Elektrorollstuhl im Innenbereich möglicherweise mit einem anderen Hilfsmittel
gemäss Hiflsmittelliste Abhilfe geschaffen werden könnte. All das wäre anhand einer
fachtechnischen Abklärung vor Ort zu beurteilen.
9.
Zusammenfassend ergibt sich, dass der Sachverhalt keine abschliessende Beurteilung
des Anspruchs auf einen Elektrorollstuhl bzw. einen zusätzlichen Handrollstuhl zulässt.
Die Beschwerdegegnerin wird diesbezüglich weitere Abklärungen tätigen müssen.
10.
10.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerden werden die Verfügungen vom
26. November 2010 (betreffend Elektrorollstuhl) und vom 3. Februar 2012 (betreffend
Handrollstuhl) aufgehoben. Die Sache ist zur weiteren Abklärung im Sinne der Er
wägungen und zu entsprechender neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
10.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von insgesamt
Fr. 800.-- erscheint vorliegend als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung
gilt praxisgemäss als volles Obsiegen (BGE 132 V 235 Erw. 6.2). Die Beschwerde
bis
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gegnerin hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 800.-- zu bezahlen. Dem
entsprechend ist der vom Beschwerdeführer im Verfahren IV 2010/481 geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zurückzuerstatten.
10.3 Bei diesem Ausgang der (vereinigten) Verfahren hat der Beschwerdeführer
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses
bemessen werden (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der
Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand angemessen - der Rechtsvertreter wurde
im Verfahren IV 2010/481 erst im Rahmen der Replik tätig - erscheint eine Partei
entschädigung von Fr. 5'000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer). Das
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird damit obsolet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP