Decision ID: 41b3286e-b175-52d8-b817-91ff79cb6ea7
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 15. Oktober 2005 wegen Rückenbeschwerden zum Bezug
von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Die IV-Stelle beauftragte am 24. Februar 2006 das
Medizinische Gutachtenzentrum St. Gallen (MGSG) mit einer interdisziplinären
(orthopädisch-psychiatrischen) Begutachtung (IV-act. 27). Dr. med. B._, Facharzt für
Neurologie und Psychiatrie, kam im psychiatrischen Teilgutachten vom 6. Juni 2006
zum Schluss, dass keine psychiatrische Diagnose gestellt werden könne (IV-act. 30).
Im orthopädischen Teilgutachten vom 14. Juni/21. Juli 2006 diagnostizierte Dr. med.
C._, Facharzt FMH für Orthopädie, eine erosive Osteochondrose L5/S1, eine
Spondylarthrose, eine breitbasige circumferenzielle Diskusprotrusion ohne neurale
Kompression sowie eine Kontaktallergie. Aus orthopädischer Sicht könnten der
Versicherten körperlich leichte Tätigkeiten, die abwechslungsweise sitzend und
stehend in temperierten Räumen durchgeführt werden können, ohne dass dabei
regelmässig unphysiologische, insbesondere gebückte Körperhaltungen eingenommen
und Gegenstände über 10 kg gehoben oder getragen werden müssen, bei voller
Stundenpräsenz zu mindestens 80% zugemutet werden. Anlässlich der gemeinsamen
orthopädisch-psychiatrischen Beurteilung vom 5. Juli 2006 wurde die Arbeitsfähigkeit
als Maschinenbedienerin auf 60% und in einer adaptierten Tätigkeit auf mindestens
80% festgelegt (IV-act. 32). Gestützt auf die gutachterliche Beurteilung ermittelte die
IV-Stelle einen 20%igen Invaliditätsgrad und wies das Rentengesuch der Versicherten
am 2. April 2008 ab (IV-act. 72). Die dagegen am 7. Mai 2008 erhobene Beschwerde
(IV-act. 75-2 ff.) hiess das Versicherungsgericht gut. Es hob die angefochtene
Verfügung auf und sprach der Versicherten eine Viertelsrente zu. Zur Festsetzung von
A.a.
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Rentenbeginn und Rentenhöhe wies es die Sache an die IV-Stelle zurück (Entscheid
vom 18. März 2010, IV 2008/216, IV-act. 126).
Um den seit der Verfügung vom 2. April 2008 eingetretenen gesundheitlichen
Verlauf abzuklären, holte die IV-Stelle bei der MEDAS Zentralschweiz ein
polydisziplinäres (internistisches, rheumatologisches und psychiatrisches) Gutachten
ein. Die Untersuchungen fanden am 22. und 25. August 2011 statt. Als «Diagnosen mit
wesentlicher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit» erhoben die MEDAS-
Gutachter ein Failed back surgery syndrome und einen Status nach Kontusion der
Lendenwirbelsäule. Für leidensangepasste Tätigkeiten bescheinigten sie der
Versicherten eine 75%ige Arbeitsfähigkeit. Bezogen auf die angestammte Tätigkeit am
Fliessband bescheinigten sie der Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Deren
Beginn setzten sie auf den 21. Juni 2006 fest (Datum des kernspintomografischen
Nachweises der Progredienz der Erkrankung; MEDAS-Gutachten vom 3. November
2011, IV-act. 164). Die IV-Stelle ermittelte einen Invaliditätsgrad von 45% und sprach
der Versicherten mit Wirkung ab 1. Juni 2007 eine Viertelsrente samt Kinderrenten zu
(Verfügungen vom 5. und 12. Juni 2012; IV-act. 178 ff.).
A.b.
Am 19. März 2015 (Datum Posteingang bei der IV-Stelle) beantragte die
Versicherte eine Rentenerhöhung, da sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert habe
(IV-act. 192). Die seit 28. August 2014 behandelnden medizinischen Fachpersonen des
Ambulatoriums an der Psychiatrischen Klinik Z._ gaben im Verlaufsbericht vom
11. Juli 2015 an, die Versicherte leide an einer mittelgradigen depressiven Episode
(ICD-10: F32.1; IV-act. 200; siehe auch den Bericht vom 5. Oktober 2015, IV-act. 208).
Die RAD-Ärztin Dr. med. D._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vertrat
die Auffassung, aus versicherungsmedizinischer Sicht werde eine wesentliche und
anhaltende gesundheitliche Verschlechterung der Funktionsfähigkeit nicht
überzeugend dargestellt. Es sei weiterhin von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit in
angepasster Tätigkeit auszugehen (Stellungnahme vom 15. Dezember 2015, IV-
act. 209).
A.c.
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Vorbescheid vom 7. Januar 2016, IV-
act. 212; Einwand vom 10. Februar 2016, IV-act. 217) verfügte die IV-Stelle am 2. Juni
2016 die Abweisung des Revisionsgesuchs, da sich der Gesundheitszustand der
A.d.
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Versicherten seit der Rentenzusprache nicht relevant verschlechtert habe (IV-act. 212).
Auf Beschwerde der Versicherten vom 23. Juni 2016 hin (IV-act. 234-2) widerrief die IV-
Stelle am 26. September 2016 die Verfügung vom 2. Juni 2016 und stellte die
Durchführung weiterer Abklärungen in Aussicht (IV-act. 236; zu den Beweggründen des
Widerrufs siehe die Stellungnahme des Rechtsdienstes der IV-Stelle vom
27. September 2016, IV-act. 239).
Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die MEDAS Zentralschweiz am 28. April 2017
ein polydisziplinäres Verlaufsgutachten, dem allgemeininternistische, rheumatologische
und psychiatrische Untersuchungen vom 13. und 16. Februar 2017 vorausgingen. Die
MEDAS-Gutachter erhoben als «Diagnosen mit wesentlicher Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit» eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Faktoren (ICD-10: F45.41) sowie einen Status nach dorsaler Spondylodese L5/S1,
Status nach interkorporeller Fusion L5/S1 mittels Cage, autologer Spongiosa nach
kompletter Diskektomie, Hemilaminektomie L5 links und Fazettektomie L5/S1 beidseits
bei erosiver Osteochondrose. Sie bescheinigten der Versicherten eine 80%ige
Arbeitsunfähigkeit «in jeglicher ausserhäuslichen Tätigkeit». Diese Einschätzung gelte
ab Anfang des Jahres 2016. Der Gesundheitszustand der Versicherten habe sich seit
dem MEDAS-Gutachten vom 3. November 2011 wesentlich verschlechtert (IV-
act. 255). Mit Schreiben vom 26. Juni 2017 ersuchte die IV-Stelle die MEDAS-
Gutachter, neben den subjektiven Begründungen für die hohe und selbst im
geschützten Rahmen auftretende Arbeitsunfähigkeit auch die aus den erhobenen
psychiatrischen Befunden objektivierbare Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
darzustellen. Des Weiteren ersuchte die IV-Stelle «um eine ausführliche
indikatorengeleitete Darstellung der objektivierbaren Einschränkungen in mehreren
Lebensbereichen bzw. um eine ausführliche Begründung, wenn sich die Einschränkung
ausschliesslich auf die AF auswirken würde». Sofern Einschränkungen nicht
objektivierbar seien, sei dies ebenfalls zu bezeichnen (IV-act. 259; zur
vorangegangenen Würdigung durch den RAD vom 18. Mai 2017 siehe IV-act. 256).
Hierzu äusserten sich die MEDAS-Gutachter in den beiden Schreiben vom 10. Juli
2017 (IV-act. 260 f.). Der psychiatrische MEDAS-Gutachter hielt fest, jeder
psychiatrischen Beurteilung und jeder Objektivierung liege eine Einschätzung mit einem
Ermessensspielraum zu Grunde und die Objektivität sei damit eine sehr relative. Unter
A.e.
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Hinweis auf seine Angaben im psychiatrischen Teilgutachten wiederholte er die aus
seiner Sicht «relativ objektivierbaren» Defizite und hielt an seiner Einschätzung fest, die
nicht durch «harte Fakten» ergänzt werden könnten «in dem Sinne wie sie in der
Anfrage zwischen den Zeilen formuliert erwartet werden» (IV-act. 261). Der RAD-Arzt
Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt die Antwort der
MEDAS Zentralschweiz nicht für verwertbar, weil zu den Fragen der IV-Stelle nicht
substanziell Stellung genommen worden sei. Nach eingehender Diskussion mit dem
Rechtsdienst sei es unumgänglich, das MEDAS-Gutachten durch ein polydisziplinäres
Obergutachten (internistisch, psychiatrisch und rheumatologisch) validieren zu lassen
(Stellungnahme vom 15. September 2017, IV-act. 269).
Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte am 8. und 11. Januar 2018 in der
medexperts ag, St. Gallen, polydisziplinär (rheumatologisch, psychiatrisch und
allgemeininternistisch) begutachtet (Gutachten vom 19. Februar 2018, IV-act. 275). Im
polydisziplinären Gutachtensteil wurde als Hauptdiagnose mit Einschränkung der
zumutbaren Arbeitsfähigkeit ein chronifiziertes lumbal betontes panvertebrales und
linksseitiges lumbospondylogenes Schmerzsyndrom erhoben. Die seitens des
psychiatrischen medexperts-Gutachters festgestellte chronische Schmerzstörung mit
psychischen und somatischen Faktoren (ICD-10: F45.41; DD: chronische
Anpassungsstörung mit vorwiegender Störung von anderen Gefühlen [ICD-10: F43.23])
sei ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (IV-act. 275-61 f.). Im
polydisziplinären Gutachtensteil bescheinigten der rheumatologische medexperts-
Gutachter für leidensangepasste Tätigkeiten eine 25%ige und der psychiatrische
medexperts-Gutachter mit Blick auf die chronische Schmerzstörung mit psychischen
und somatischen Faktoren eine 45%ige Arbeitsunfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten. Demgegenüber hielt der psychiatrische medexperts-Gutachter im
fachspezifischen Teil fest, es liege keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor (IV-
act. 275-54). Aus allgemeininternistischer Sicht wurde keine Arbeitsunfähigkeit
bescheinigt (IV-act. 276-67). Polydisziplinär setzten die medexperts-Gutachter die
Arbeitsunfähigkeit auf «maximal» 45% fest (IV-act. 275-68). Auf die Nachfrage der IV-
Stelle vom 15. März 2016 (IV-act. 279; zur vorausgegangenen Kritik des RAD-Arztes
med. pract. F._ am medexperts-Gutachten siehe dessen Stellungnahme vom
13. März 2018, IV-act. 281) antworteten der rheumatologische und psychiatrische
A.f.
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medexperts-Gutachter am 3. April 2018: In der polydisziplinären Beurteilung habe sich
in der Tat ein Fehler eingeschlichen. Dies sei darauf zurückzuführen, dass der
(rheumatologische) Hauptgutachter bei der interdisziplinären Zusammenfassung das
psychiatrische Teilgutachten infolge von Widersprüchen beanstandet habe. In der
«Urfassung» habe der psychiatrische Gutachter die chronische Schmerzstörung mit
psychischen und somatischen Faktoren als «Hauptdiagnose mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit» aufgeführt. Die Arbeitsunfähigkeit sei aus psychiatrischer Sicht auf
maximal 45% geschätzt worden. Diese Diagnose sei später unter «Diagnose ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit» aufgeführt und in der psychiatrischen Beurteilung sei
keine Arbeitsunfähigkeit mehr bescheinigt worden. Diese Korrektur habe sich dem
Hauptgutachter entzogen, weil sie nach der Bearbeitung der polydisziplinären
Beurteilung des Gutachtens erfolgt sei. Dem Schreiben legten die beiden medexperts-
Gutachter die korrigierte Fassung der Seiten 65 bis 70 des polydisziplinären
Gutachtens bei (IV-act. 280).
In der Stellungnahme vom 5. April 2018 gelangte der RAD-Arzt F._ zum Schluss,
nach der Korrektur und Neufassung der polydisziplinären Beurteilung bzw. nach der
Beantwortung der Rückfragen erfülle das medexperts-Gutachten die rechtlichen und
fachlichen Kriterien, die an ein beweiskräftiges versicherungsmedizinisches Gutachten
gestellt würden. Es könne vollumfänglich auf die darin bescheinigte 25%ige Arbeitsun
fähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten abgestellt werden. Im Vergleich zum
medizinischen Referenzzeitpunkt vom 3. November 2011 (Erstgutachten der MEDAS
Zentralschweiz) habe sich zwar eine neue psychiatrische Diagnose, aber keine
Veränderung der Arbeitsfähigkeit ergeben (IV-act. 281). Die IV-Stelle orientierte die
Versicherte am 10. April 2018 über ihre Absicht, das Rentenerhöhungsgesuch
abzuweisen. Ausgehend von einer 25%igen Arbeitsunfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 47% und weiterhin ein Anspruch auf
eine Viertelsrente (IV-act. 283). Hierzu brachte die Versicherte am 22. Juni 2018 vor, es
sei von einer mindestens 80%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen und es sei ihr eine
ganze Rente, eventualiter eine Dreiviertelsrente, zuzusprechen (IV-act. 290). Nachdem
der RAD-Arzt F._ in der Stellungnahme vom 13. August 2018 empfahl, es könne trotz
der Kritik der Versicherten auf die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung der medexperts-
A.g.
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B.
Gutachter abgestellt werden (IV-act. 292), verfügte die IV-Stelle am 14. August 2018
die Abweisung des Revisionsgesuchs (IV-act. 293).
Gegen die Verfügung vom 14. August 2018 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 13. September 2018. Die Beschwerdeführerin beantragt darin unter
Kosten- und Entschädigungsfolge deren Aufhebung. Es sei das Begehren um
Erhöhung der Invalidenrente erneut zu prüfen und ihr eine ganze IV-Rente
zuzusprechen. Eventualiter sei ihr eine Dreiviertelsrente, subeventualiter eine halbe
Rente zuzusprechen. Subsubeventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren
Abklärungen (wie beispielsweise die Einholung eines weiteren polydisziplinären
Gutachtens) an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zur Begründung bringt sie im
Wesentlichen vor, die Beschwerdeführerin arbeite seit nunmehr fünf Jahren in einer
geschützten Werkstätte, wo sie theoretisch in einem Pensum von durchschnittlich
70 bis 80% mit leichten Arbeiten beschäftigt sei, indessen viele Ausfälle zu verzeichnen
habe und aufgrund ihrer Rückenbeschwerden deutlich in ihrer Leistungsfähigkeit
eingeschränkt sei. Sie sei sehr oft in von ihr ausgehende Konflikte mit Mitarbeitenden
verwickelt. Das Gutachten der medexperts ag leide an verschiedenen Mängeln und sei
nicht beweiskräftig. Demgegenüber hätten die Experten der MEDAS Zentralschweiz
schlüssig eine mindestens 80%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. Darauf sei bei der
Ermittlung der Invalidität abzustellen. Des Weiteren rügt die Beschwerdeführerin die
Bemessung des Invalideneinkommens mit Blick auf die Höhe eines
Tabellenlohnabzugs (act. G 1).
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 12. Dezember
2018 die Abweisung der Beschwerde. Der Sachverhalt sei hinreichend abgeklärt
worden. Im Übrigen verweist sie auf die Begründung der angefochtenen Verfügung
(act. G 7).
B.b.
Am 21. Dezember 2018 wird dem Gesuch der Beschwerdeführerin um Bewilligung
der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung
der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das Verfahren vor Versicherungsgericht
entsprochen (act. G 8).
B.c.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist das
Rentenerhöhungsgesuch der Beschwerdeführerin.
Die Beschwerdeführerin teilt am 21. Januar 2019 den Verzicht auf eine Replik mit
(act. G 11).
B.d.
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht ein
Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein
Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.1.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die
Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG).
1.2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
1.3.
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zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer rentenbeziehenden Person erheblich, so wird
die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht,
herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Zeitlicher Referenzpunkt für die
Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte rechtskräftige
Verfügung, die auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht (vorliegend: Verfügungen vom 5. und 12. Juni 2012, IV-
act. 178 ff.); vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und
prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4). Die bloss unterschiedliche Beurteilung
der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen
Gesundheitszustands auf die Arbeitsfähigkeit stellt für sich allein genommen keinen
Revisionsgrund im Sinn von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (Urteil des Bundesgerichts vom
3. November 2008, 9C_562/08, E. 2.1).
1.4.
Eine Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit ist zu berücksichtigen, sobald sie ohne
wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat (Art. 88a Abs. 2 Satz 1 der
Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201). Sofern die versicherte
Person die Revision verlangt, erfolgt die Erhöhung der Renten von dem Monat an, in
dem das Revisionsbegehren gestellt wurde (Art. 88 Abs. 1 lit. a IVV).
1.5.
bis
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2.
Zwischen den Parteien ist der Beweiswert der im vorliegenden Revisionsverfahren ein
geholten Gutachten der MEDAS Zentralschweiz vom 28. April 2017 (Verlaufsgutachten;
IV-act. 255) und der medexperts ag vom 19. Februar 2018 (in der korrigierten Fassung,
IV-act. 282) vor allem mit Blick auf die psychiatrischen Beurteilungen umstritten.
2.1.
Bei nicht organisch erklärbaren Schmerzleiden und bei (anderen) psychischen
oder psychosomatischen Krankheitsbildern steht das Beweisproblem im Vordergrund,
dass sich die Beurteilung dieser Gesundheitsschäden und der dadurch bedingten
Arbeitsunfähigkeiten - mangels zuverlässiger bzw. bewährter Messmethodik -
zwangsläufig zunächst auf die Angaben der versicherten Person und deren
Leidenspräsentation stützt, da es an einer eigentlichen davon unabhängigen, direkten
Objektivierbarkeit bzw. an entsprechenden (bildgebenden) Untersuchungsmethoden
fehlt. Deshalb ist die umfassende Prüfung der Konsistenz und der Plausibilität der
Leidensschilderung sowie -präsentation für die möglichst objektive bzw. medizinisch-
wirklichkeitsgetreue Beurteilung der gesundheitlichen Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit von zentraler Bedeutung. Um eine möglichst objektive, von der
Selbsteinschätzung der Versicherten unabhängige, der tatsächlichen
Funktionsfähigkeit entsprechende Arbeitsfähigkeitsbeurteilung im Sinn von Art. 7
Abs. 1 und 2 ATSG zu gewährleisten, haben die medizinischen Fachpersonen nebst
den Erkenntnissen der eigenen Untersuchung deshalb nach Möglichkeit bei ihrer
Expertise sämtliche Lebensaspekte zu würdigen, bei denen Beeinträchtigungen und
Ressourcen einer versicherten Person in Erscheinung treten. Dabei sich zeigende
Umstände wie etwa Inkonsistenzen, die auf krankheitsfremde Faktoren deuten oder
ernsthafte Zweifel am objektiven Umfang der geklagten gesundheitlichen
Beeinträchtigung begründen, sind zu benennen. Geltend gemachte
Beeinträchtigungen, die auf solchen krankheitsfremden bzw. nicht krankheitswertigen
Faktoren beruhen oder zweifelhaft erscheinen, sind bei der Beurteilung des
Gesundheitsschadens sowie der Arbeitsfähigkeit auszuklammern. Denn massgebend
für die Ermittlung der Erwerbsunfähigkeit bzw. Invalidität sind nur gesundheitliche
Beeinträchtigungen, deren Vorhandensein aus objektiver Sicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit bejaht werden kann. Aus diesen Gründen sehen die
Qualitätsleitlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten der Schweizerischen
Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie SGPP (3. vollständig überarbeitete und
ergänzte Auflage, 16. Juni 2016) denn auch vor, dass eine Stellungnahme zur
2.1.1.
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Authentizität von Beschwerden, von präsentierten Symptomen und von
Leistungseinschränkungen obligatorischer Bestandteil eines
versicherungspsychiatrischen Gutachtens zu sein hat. Das beinhaltet die Beantwortung
der Fragen, ob die berichteten Beschwerden und präsentierten Symptome in sich
konsistent sind oder ob Diskrepanzen, allenfalls sogar Widersprüche bestehen. Dies
gelingt am ehesten durch eine Gegenüberstellung der erhobenen Informationen mit
Hilfe der verschiedensten methodischen Zugänge. Diesbezüglich sind Hinweise aus
der Verhaltensbeobachtung und dem Anamneseverlauf relevant (Qualitätsleitlinien,
S. 29). Eine besondere Bedeutung bei der Exploration kommt der detaillierten
Beschreibung eines üblichen Tagesablaufs durch die versicherte Person zu, da sich
hieraus häufig Hinweise auf Interessen, Aktivitäten, Alltagsgewohnheiten und damit
Potential und Ressourcen, jedoch auch Diskrepanzen zu anderen Angaben oder zum
Verhalten in der Untersuchung ergeben (Qualitätsleitlinien, S. 16; siehe zum Ganzen
den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 5. Juni 2020, IV 2018/124, E. 3.1).
Diese Überlegungen haben mit BGE 141 V 281 Eingang in die Rechtsprechung
des Bundesgerichts gefunden. Darin benannte das Bundesgericht Lebenssachverhalte
und Umstände, welche die medizinischen Fachpersonen für eine möglichst objektive,
medizinisch-realistische Beurteilung eines Gesundheitsschadens und deren
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu würdigen haben. Es handelt sich dabei
ausdrücklich nicht um eine «abhakbare Checkliste» bzw. eine abschliessende
Aufzählung (BGE 141 V 297 E. 4.1.1; siehe auch das Urteil des Bundesgerichts vom
11. Mai 2020, 9C_765/2019, E. 4.2). Eine solche würde denn auch eine unzulässige
Beschränkung der freien Beweiswürdigung darstellen und darüber hinaus der
unterschiedlich gewählten Lebensgestaltung bzw. den Alltagsaktivitäten der
Versicherten unter dem Blickwinkel einer umfassenden Berücksichtigung von
leistungshindernden äusseren Belastungsfaktoren und Kompensationspotentialen
(Ressourcen) - wie sie auch vom Bundesgericht gefordert wird (Urteil des Bundes
gerichts vom 11. Mai 2020, 9C_765/2019, E. 4.2) - nicht gerecht werden (siehe hierzu
vorstehende E. 2.1.1 am Schluss). Jeder Einzelfall ist daher nach den individuell-
konkreten Umständen zu beurteilen (siehe den Entscheid des Versicherungsgerichts
vom 5. Juni 2020, IV 2018/124, E. 3.2).
2.1.2.
Sowohl der RAD-Arzt Dr. E._ als auch der RAD-Arzt F._ bemängelten am
psychiatrischen Teil des Gutachtens der MEDAS Zentralschweiz vom 28. April 2017, es
fehle eine Darstellung objektiver psychiatrischer Befunde, welche die geforderten
Begründungen in Form von Hilfstatsachen plausibel zum Ausdruck bringen könnten
2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/18
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(Stellungnahmen vom 18. Mai 2017, IV-act. 256-2, und vom 13. August 2018, IV-
act. 292).
Die Kritik der psychiatrischen RAD-Ärzte ist nicht von der Hand zu weisen. Die
Beurteilung des psychiatrischen MEDAS-Experten erweckt in der Tat den Eindruck,
dass sie hauptsächlich auf einer unkritischen Übernahme der Leidensangaben und -
präsentation der Beschwerdeführerin beruht. So gründet die Einschätzung des
Experten auf den Feststellungen, dass die Beschwerdeführerin defizitorientiert sei, nur
schwer abgelenkt werden könne, voller Befürchtungen sei. Er habe auf das reduzierte
Vitalgefühl, die Affektarmut, den sozialen Rückzug, die Schlafstörungen und die
Schmerzangaben hingewiesen (IV-act. 261-2). Dabei liess er aber ausser Acht, dass
gerade bezüglich der vorbehaltlos von ihm übernommenen Schmerzangaben und
beklagten Beeinträchtigungen erhebliche Inkonsistenzen bestehen. Die
Beschwerdeführerin war denn auch offenbar auf gezielte Nachfrage des
rheumatologischen MEDAS-Gutachters nicht in der Lage, konkrete Angaben zu
schmerzprovozierenden Faktoren oder den Schmerzcharakter zu geben (IV-act. 255-40
oben; zur «diffusen» Leidensbeschreibung siehe auch IV-act. 255-43). Der
allgemeininternistische MEDAS-Gutachter beschrieb ebenfalls «kaum nachvollziehbare
Bewegungseinschränkungen und Klagen» (IV-act. 255-27) und legte einen Widerspruch
bezüglich der Konsumation von angeblich nicht positiv, sondern aufgrund von
geklagten Nebenwirkungen negativ wirkenden Analgetika offen (IV-act. 255-26). Der
von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Schwellungszustand der Finger konnte
anlässlich der MEDAS-Untersuchung nicht bestätigt werden (IV-act. 255-25). Eine
auffallende Inkonsistenz ergibt sich auch aus den Feststellungen des
rheumatologischen MEDAS-Gutachters, der bei der spontanen Beweglichkeit keine
Einschränkungen bzw. keinen relevanten funktionellen Ausfall erkennen konnte.
Demgegenüber habe bei der gezielten Untersuchung - trotz vorsichtiger Durchführung
- ein «generelles Schmerzgebaren mit fortlaufendem Stöhnen» dominiert. Eine
konklusive Beurteilung sei dadurch nicht ableitbar gewesen (IV-act. 255-41 und IV-
act. 255-43 oben). Bei der HWS-Rotation habe die Beschwerdeführerin ein
schmerzverzerrtes Gesicht gezeigt und jegliche Bewegung abgelehnt. Spontan zeigte
sich indessen eine praktisch freie Beweglichkeit (IV-act. 255-41 unten; zum
inkonsistenten Verhalten bei der Untersuchung der oberen und unteren Extremitäten
siehe IV-act. 255-42). Auch bei der späteren Untersuchung in der medexperts ag zeigte
sich ein ähnlich inkonsistentes Verhalten. So zeigte die Beschwerdeführerin, die
damals an einem Infekt der oberen Luftwege litt, keine Schmerzreaktionen beim Husten
2.2.1.
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(IV-act. 275-47; siehe demgegenüber zu den früher beklagten «Husten-, Press- und
Niesschmerzen» IV-act. 164-21).
Des Weiteren nahm der psychiatrische MEDAS-Gutachter weder eine
eingehende noch eine von den Leidensangaben der Beschwerdeführerin unabhängige
Ressourcenprüfung vor. Ohne nachvollziehbare Begründung vertrat er die Auffassung,
die Beschwerdeführerin verfüge «höchstens noch über minimale Ressourcen» (IV-
act. 255-50). Ausserdem gab die Beschwerdeführerin anlässlich der
rheumatologischen Begutachtung vom 25. August 2011 im Zusammenhang mit der
maximalen Sitztoleranz von 20 Minuten und ihren Beschwerden im rechten Bein
(Kraftverminderung und häufige Parästhesien) an, nicht mehr Auto zu fahren (IV-
act. 164-21). Demgegenüber erwähnte die Beschwerdeführerin anlässlich der
Verlaufsbegutachtung 2017 in der MEDAS Zentralschweiz, gelegentlich selbst Auto zu
fahren. Mehrstündige Ferienreisen erfolgten ebenfalls mit dem Auto (IV-act. 255-23).
Aus dem Gutachten der medexperts ag ergibt sich zusätzlich, dass die
Beschwerdeführerin auch ihren Arbeitsweg mit dem Auto bewältigt (IV-act. 275-45).
Des Weiteren lässt sich dem Teilgutachten des psychiatrischen MEDAS-Experten keine
gezielte, detaillierte Abklärung des üblichen Tagesablaufs und der sich dort zeigenden
Ressourcen entnehmen, wie es die Qualitätsleitlinien vorschreiben (siehe hierzu
vorstehende E. 2.1.1 am Schluss). Eine eingehende objektive-kritische Abklärung ist
vorliegend umso notwendiger, als die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer
Krankheitsüberzeugung eher zu pessimistische Angaben zu machen scheint bzw. trotz
gezielter Nachfrage die konkrete Aufteilung der Haushaltserledigung nicht offenlegt (IV-
act. 255-41 oben).
2.2.2.
Hinzu kommen auch widersprüchliche Angaben. So gab die Beschwerdeführerin
gegenüber dem allgemeininternistischen MEDAS-Gutachter an, im Haushalt mache sie
nichts. Insbesondere könne sie auch nicht staubsaugen. Erst im Rahmen der weiteren
Untersuchung räumte sie ein, dass sie das Mittagessen für die Familie koche und
Einkäufe erledigen könne (IV-act. 255-26). In damit zu vereinbarender Weise gelangte
der rheumatologische MEDAS-Experte zum Schluss, die diffuse Beschreibung des
«Schmerzes» mit dem im Vordergrund stehenden «nicht mehr mögen» bei doch
ordentlich normalem Alltag würde aus seiner Sicht nicht mit dem beschriebenen
Leidensdruck korrelieren (IV-act. 255-43). Gegenüber dem rheumatologischen
Gutachter der medexperts ag gab die Beschwerdeführerin im Übrigen an, sie könne
gelegentlich staubsaugen und abstauben (IV-act. 275-45).
2.2.3.
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Zudem ergeben sich nicht nur aus den Ausführungen des rheumatologischen
MEDAS-Experten deutliche Hinweise auf eine fehlende Motivation der
Beschwerdeführerin («nicht mehr mögen», IV-act. 255-43 unten; siehe auch
vorstehende E. 2.2.3 am Schluss). Vielmehr räumte auch der psychiatrische MEDAS-
Gutachter ein, es bleibe «natürlich offen, ob sie nicht kann oder nicht will» (IV-act. 261).
Diese Aussagen wecken zusätzliche Zweifel an einem aus objektiver Sicht zu
bejahenden Unvermögen bzw. am Bestehen einer krankheitsbedingten, praktisch
vollständigen Arbeitsunfähigkeit, wie sie vom psychiatrischen MEDAS-Gutachter
eingeschätzt wurde.
2.2.4.
Soweit die Beschwerdeführerin zur Untermauerung des von ihr geltend
gemachten psychischen Leidens auf die familiären bzw. Eheprobleme hinweist (siehe
etwa act. G 1, S. 8), so ist ihr entgegenzuhalten, dass diese hauptsächlich im
inzwischen gewachsenen Unverständnis für die Krankheitsüberzeugung der
Beschwerdeführerin ihre Grundlage finden («Unverständnis der Familienangehörigen
gegenüber ihren Schmerzempfindungen», act. G 1, S. 8; sie fühle sich vom Ehemann in
ihren Schwierigkeiten nicht mehr ernstgenommen, IV-act. 255-48; «er rege sich halt
manchmal auf, weil sie immer über die Schmerzen klage», IV-act. 255-41 oben).
Deshalb und weil es sich hierbei primär um psychosoziale Faktoren handelt, kann die
Beschwerdeführerin aus den geschilderten familiären Problemen nichts zugunsten des
von ihr geltend gemachten Gesundheitsschadens bzw. gegen die Beweiskraft des
psychiatrischen Teils des medexperts-Gutachtens ableiten, zumal sie an sich über
«gute familiäre Verhältnisse» berichtete (IV-act. 255-41 oben). Auch aus ihrer
Sichtweise zum sozialen Kontext (act. G 1, S. 9 Mitte) ergibt sich aus objektiver Sicht
nichts Gegenteiliges.
2.2.5.
Dem psychiatrischen MEDAS-Gutachter ist zwar insoweit zuzustimmen, dass
dem medizinischen Sachverständigen bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ein
Ermessen zukommt (IV-act. 261). Allerdings ist das Sachverständigenermessen
pflichtgemäss auszuüben. Dem kam der psychiatrische MEDAS-Gutachter mit seiner
den versicherungspsychatrischen Qualitätsleitlinien nicht entsprechenden
Einschätzung bzw. der damit nicht zu vereinbarenden unkritischen Übernahme der
inkonsistenten Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin jedoch nicht nach.
2.2.6.
Nach dem Gesagten bestehen erhebliche Zweifel an der
Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen MEDAS-Gutachters. Ergänzend kann
auf die ausführliche und überzeugende Würdigung des RAD-Arztes F._ vom
13. August 2018 verwiesen werden (IV-act. 292).
2.2.7.
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In Anbetracht der vorstehend dargelegten Inkonsistenzen, Widersprüche und der
Zweifel am geklagten Leidensbild (siehe vorstehende E. 2.2.1 ff.) leuchtet die - unter
Einbezug der Tätigkeit der Beschwerdeführerin im geschützten Rahmen erfolgte (IV-
act. 282-56 oben) - Einschätzung des psychiatrischen medexperts-Gutachters und des
RAD-Arztes F._ ein, dass aus einer objektiven psychiatrischen Sicht weiterhin kein
Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestätigt werden kann
(IV-act. 282-55 und IV-act. 292).
2.3.
Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber geltend, in der Beurteilung des
psychiatrischen medexperts-Gutachters fehle eine Beurteilung der funktionellen
Auswirkungen des mehrschichtigen Beschwerdebilds, obschon dieses gegenüber der
Beurteilung im Jahr 2011 insbesondere in psychiatrischer Hinsicht gänzlich anders
ausgefallen sei (act. G 1, S. 8). Dem ist entgegenzuhalten, dass in Anbetracht der
ausgeprägten Krankheitsüberzeugung der Beschwerdeführerin zum vorneherein
erhebliche Zweifel an deren Selbsteinschätzung zum Funktionsniveau bestehen und
ausserdem im Rahmen der objektiven Ressourcenbeurteilung nicht von einem im
Verlauf zusätzlich eingetretenen Funktionsverlust auszugehen ist (vgl. vorstehende
E. 2.2.2 ff.).
2.3.1.
Vorliegend kann offenbleiben, ob der Vorwurf der Beschwerdeführerin, der
psychiatrische medexperts-Gutachter habe sich nicht hinreichend mit der bisherigen
Behandlung und der Eingliederungsfrage auseinandergesetzt, zutrifft (act. G 1, S. 10
und S. 11). Denn aus den Akten ergeben sich mehrere Hinweise auf eine geringe
Compliance bezüglich psychiatrischer Behandlungen (siehe IV-act. 208-1; vgl. auch die
abwertenden Aussagen der Beschwerdeführerin über die im Ambulatorium in der
Psychiatrischen Klinik Z._ erfolgte Behandlung IV-act. 255-25 oben), die gegen den
von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Leidensdruck sprechen. Auch der
RAD-Arzt F._ äusserte sich mit nachvollziehbarer Begründung kritisch zu den bislang
erfolgten psychotherapeutischen Massnahmen (IV-act. 292-2, zweitletzter Abschnitt).
Deshalb und aufgrund der Krankheitsüberzeugung der Beschwerdeführerin erscheint
auch ihre Eingliederungsbereitschaft fraglich.
2.3.2.
Den Vorwurf der ungenügenden Berücksichtigung von Wechselwirkungen (act.
G 1, S. 9 f.) entkräftete der RAD-Arzt F._ schlüssig mit der Begründung, dass im vom
psychiatrischen medexperts-Gutachter erhobenen Psychostatus erwähnt werde, die
Beschreibung der von der Beschwerdeführerin empfundenen Schmerzen sei zwar
ausführlich gewesen, jedoch ohne emotionale Beteiligung, «à la belle difference» erfolgt
(IV-act. 292-3). Im Übrigen wurden die Diagnosestellung und die medizinische
2.3.3.
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Beurteilung auf der Grundlage von polydisziplinärer Besprechungen im
Zusammenwirken mit der medizinischen Leitung der medexperts ag, dem fallführenden
(rheumatologischen) Hauptgutachter und den teilbegutachtenden Fachärzten erarbeitet
(IV-act. 282-60 unten).
Wie bereits vorstehend ausführlich dargestellt, bestehen erhebliche
Inkonsistenzen in der Leidensdarstellung der Beschwerdeführerin (siehe vorstehende
E. 2.2.1), womit sich deren Vorbringen, die entsprechenden Ausführungen des
psychiatrischen medexperts-Gutachters seien subjektiv gefärbt, vorurteilsbehaftet und
wenig differenziert (act. G 1, S. 10), als unbegründet erweisen.
2.3.4.
Dass die Kritik der Beschwerdeführerin am internistischen Teil des medexperts-
Gutachtens aktenwidrig ist (act. G 1, S. 11), legte bereits der RAD-Arzt F._ dar (IV-
act. 292-3 unten). Darauf wird verwiesen.
2.3.5.
Bei der Würdigung des medexperts-Gutachtens fällt ausserdem ins Gewicht,
dass es auf eigenständigen Abklärungen beruht und für die streitigen Belange
umfassend ist. Die medizinischen Vorakten wurden verwertet und diskutiert. Die von
der Beschwerdeführerin geklagten Leiden wurden umfassend sowie interdisziplinär
berücksichtigt und namentlich im Rahmen einer Konsistenzprüfung gewürdigt. Die für
eine leidensangepasste Tätigkeit bescheinigte 75%ige Arbeitsfähigkeit (IV-
act. 282-67 f.) leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation ein. Weiter bestehen keine Anhaltspunkte
dafür, dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht berücksichtigt worden wären.
Ergänzend kann auf die ausführlich begründete Stellungnahme des RAD-Arztes F._
vom 13. August 2018 (IV-act. 292) verwiesen werden. Es besteht kein Bedarf für
weitere medizinische Abklärungen, wie sie von der Beschwerdeführerin
subsubeventualiter beantragt werden (act. G 1, S. 2).
2.3.6.
Gestützt auf das insgesamt beweiskräftige medexperts-Gutachten ist mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sich der medizinische
Sachverhalt seit dem Gutachten der MEDAS-Zentralschweiz vom 3. November 2011
(siehe hierzu IV-act. 164) nicht in einer für den Invaliditätsgrad und den
Rentenanspruch relevanten Weise verändert hat. So ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit weiterhin davon auszugehen, dass bei der Beschwerdeführerin kein
psychisches Leiden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit besteht (IV-act. 280). Des
Weiteren begründete der rheumatologische medexperts-Gutachter nachvollziehbar,
dass seit dem Erstgutachten der MEDAS Zentralschweiz keine relevanten
Veränderungen des Gesundheitszustands eingetreten sind (siehe etwa IV-act. 280-2).
2.4.
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3.
Der allgemeininternistische medexperts-Gutachter vermochte - wie der internistische
Experte beim Erstgutachten der MEDAS-Zentralschweiz (IV-act. 164-16) - keine
Diagnose aus dem (allgemein-)internistischen Fachbereich zu erheben, welche die
Arbeitsfähigkeit einschränkt (siehe IV-act. 275-60).
Auch aus den übrigen tatsächlichen Verhältnissen gehen keine objektiven
Gesichtspunkte hervor, die geeignet wären, eine Veränderung des bei der
ursprünglichen Rentenzusprache ermittelten Validen- oder Invalideneinkommens bzw.
eine Veränderung der (Rest-)Erwerbsmöglichkeiten im Sinn von Art. 7 Abs. 1 ATSG zu
begründen. Hierzu sind insbesondere auch nicht die im geschützten Rahmen erfolgten
Tätigkeiten der Beschwerdeführerin zu zählen (siehe hierzu etwa act. G 1, S. 4). Diese
sind vorliegend Ausdruck der Krankheitsüberzeugung der Beschwerdeführerin und
nicht der aus objektiver Sicht gestützt auf die Einschätzung der medexperts-Gutachter
zu vermutenden Resterwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin (siehe hierzu Art. 7
Abs. 2 ATSG) und begründen daher keine Veränderung am Invalideneinkommen.
Nichts anderes gilt mit Blick auf die von der Beschwerdeführerin angeführte inzwischen
langjährige Desintegration vom Arbeitsmarkt (act. G 1, S. 13). Vielmehr kann aus
objektiver Sicht unverändert davon ausgegangen werden, dass die 75%ige
Restarbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten auf einem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt nachgefragt wird, zumal die 1967 geborene Beschwerdeführerin
entgegen ihrer Sichtweise nicht in einem fortgeschrittenen Alter steht, ist ihr
Lebensalter doch noch mehr als 10 Jahre vom ordentlichen AHV-Rentenalter entfernt.
Da sich weder die Anforderungen an eine leidensangepasste Tätigkeit in quantitativer
und qualitativer Hinsicht noch die übrigen lohnwirksamen tatsächlichen Verhältnisse
verändert haben, fällt auch eine Anpassung des Invalideneinkommens unter dem
Aspekt des Tabellenlohnabzugs ausser Betracht. Insgesamt ist mit der
Beschwerdegegnerin (IV-act. 293) davon auszugehen, dass sich die für die
Bestimmung des Invaliditätsgrads massgebenden tatsächlichen Verhältnisse nicht
verändert haben, weshalb das Revisionsgesuch abzuweisen ist.
2.5.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.3.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der
unterliegenden Beschwerdeführerin sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.--
3.2.
bis
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