Decision ID: b635ab76-88d5-53c3-b686-9e64e2bf919a
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._
Beschwerdeführerin,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rentenrevision (Erhöhung)
Sachverhalt:
A.
A.a A._, geboren 1956, meldete sich am 29. November 2004 zum Bezug von
Invalidenleistungen an (act. G 8.1/118). Dr. med. B._, Innere Medizin FMH, attestierte
der Versicherten mit Arztzeugnis vom 14. Dezember 2004 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit vom 1. bis 31. Januar 2004 sowie eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit ab
1. Februar 2004 wegen einer rheumafaktor-positiven rheumatoiden Arthritis mit Befall
v.a. beider Hände und Füsse sowie der Knie beidseits (act. G 8.1/109). Im Arztbericht
vom 10. Januar 2005 attestierte ihr Hausarzt Dr. med. C._, Arzt für Allg. Medizin
FMH, einen stationären bzw. sich verschlechternden Gesundheitszustand. Er hielt eine
Teilzeittätigkeit unter Berücksichtigung des Handicaps für zumutbar (act. G 8.1/106-4).
A.b Infolge der Behandlung vom 31. Dezember 2003 bis 26. Januar 2005 in der
Rheumaklinik und im Institut für Physikalische Medizin des Universitätsspitals D._
nahmen die Ärzte im Bericht vom 27. Januar 2005 zum Gesundheitszustand
der Versicherten Stellung (act. G 8.1/105). Gestützt darauf befanden die Ärzte des
Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) Dr. med. E._ und Dr. med. F._, die aktuelle
Tätigkeit der Versicherten als Mitarbeiterin einer Brockenstube - mit zu schwerer
körperlicher Belastung für Stehen, Heben und Tragen - aus gesundheitlichen Gründen
nicht weiter zumutbar (Arbeitsunfähigkeit von 100% in der angestammten Tätigkeit).
Sie empfahlen eine Abklärung der weiteren Arbeitsperspektiven durch die
Berufsberatung sowie eine vorgängige arbeitsmedizinisch-rheumatologische
Untersuchung durch den RAD (act. G 8.1/104-2).
A.c Anlässlich der medizinischen Untersuchung durch den RAD Ostschweiz vom
21. Juni 2005 wurde die Arbeitsfähigkeit der Versicherten in der angestammten
Tätigkeit ab 1. Januar 2004 auf 0% und die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit ab Datum der Untersuchung auf 50% geschätzt (act. G 8.1/93-12). Per 30.
November 2005 kündigte G._ das Arbeitsverhältnis mit der Versicherten (act.
G 8.1/84-3).
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A.d Mit Verfügung vom 24. Januar 2006 sprach die IV-Stelle der Versicherten ab
1. Januar 2005 eine halbe Rente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 57% zu (act.
G 8.1/70).
A.e Unter Bezugnahme auf das Arztzeugnis von Dr. C._ vom 11. April 2008, welcher
eine Arbeitsunfähigkeit von 100% attestierte, reichte die Versicherte am 12. Mai 2008
ein Rentenrevisionsgesuch ein (act. G 8.1/64). Im Arztzeugnis vom 3. Juni 2008
bekräftigte der Hausarzt erneut eine gänzliche Arbeitsunfähigkeit der Versicherten, da
sie mittlerweile beim Kleiderwechseln sogar auf die Hilfe einer Tochter angewiesen sei
(act. G 8.1/62).
A.f Am 20. Januar 2009 wurde die Versicherte klinisch-rheumatologisch durch Dr.
med. H._, Rheumapraxis I._, untersucht und begutachtet. Der Rheumatologe hielt
eine seit dem Referenzdatum November 2005 eingetretene richtungsweisende
Verschlechterung fest (act. G 8.1/50). Mit Ergänzung vom 21. Juli 2009 konkretisierte
Dr. H._ den Arbeitsfähigkeitsgrad in adaptierter Tätigkeit mit 35% (act. G 8.1/47-3).
RAD-Arzt Dr. med. J._ befand gestützt auf das nachvollziehbare Gutachten, dass seit
Mai 2008 von einer Arbeitsfähigkeit adaptiert von 35% (Arbeitsunfähigkeit 65%) bei
signifikant verschlechtertem Gesundheitszustand ausgegangen werden könne (act.
G 8.1/46-2).
A.g Im Vorbescheid vom 19. Januar 2010 stellte die IV-Stelle der Versicherten ab 1. Mai
2008 einen Anspruch auf eine Dreiviertelsrente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von
65% in Aussicht (act. G 8.1/39).
A.h Dr. C._ wandte dagegen mit Schreiben vom 5. Februar 2010 ein, die Versicherte
sei derart invalidisiert, dass sie sogar für die Eigenpflege auf fremde Hilfe angewiesen
sei (act. G 8.1/35). In der Folge prüfte die IV-Stelle den Anspruch der Versicherten auf
Hilflosenentschädigung (act. G 8.1/33, 27, 26, 22, 20, 15-17) und sprach ihr mit
Verfügung vom 6. Juli 2010 ab 1. November 2009 eine Hilflosenentschädigung leichten
Grades zu (act. G 8.1/6).
A.i Zuvor hatte die Versicherte durch ihre Rechtschutzversicherung Einwand gegen
den IV-Vorbescheid vom 19. Januar 2010 erheben lassen (act. G 8.1/25). Ihr
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Rechtsvertreter machte darin im Wesentlichen geltend, bei der Berechnung des
Invaliditätsgrads sei der Leidensabzug zu Unrecht gestrichen worden. Auf Grund all
ihrer Einschränkungen zur Umsetzung der Arbeitsfähigkeit sei vielmehr von einem
Abzug von 20% auszugehen, wodurch ein Invaliditätsgrad von 72% und damit ein
Anspruch auf eine ganze Rente resultiere (act. G 8.1/25).
A.j Mit Verfügung vom 5. Mai 2010, welche durch die Verfügung vom 2. Juni 2010
ersetzt wurde, bestätigte die IV-Stelle den Anspruch der Versicherten auf eine
Dreiviertelsrente (act. G 8.1/11, 4).
B.
B.a Dagegen richtet sich die Beschwerde der Versicherten vom 31. Mai 2010
(eingegangen bei der IV-Stelle am: 3. Juni 2010) bzw. 8. Juli 2010 (Datum Postaufgabe
der unterzeichneten Fassung ans Versicherungsgericht) mit dem Antrag auf Aufhebung
und Zusprache einer ganzen Invalidenrente. Die Beschwerdeführerin macht geltend, ihr
Gesundheitszustand habe sich verschlechtert, was ihr der Hausarzt auch mit einer
100%igen Arbeitsunfähigkeit attestiert habe. Sie könne nicht einmal ihren privaten
Tagesablauf alleine bewältigen. Da der von ihrem Hausarzt attestierten 100%igen
Arbeitsunfähigkeit nicht gefolgt werde und ihre letzte Untersuchung durch Dr. H._
mehr als 16 Monate zurück liege, beantrage sie eine neue Begutachtung (act. G 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 7. September 2010 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie begründet dies damit, dass
der Hausarzt der Beschwerdeführerin als Allgemeinmediziner nicht fachärztlich
qualifiziert sei, die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin, die an einer
rheumatologischen Erkrankung leide, festzulegen. Zudem gehe aus dem rudimentären
Arztzeugnis von Dr. C._ nicht hervor, ob sich die Arbeitsfähigkeitsschätzung auf die
bisherige oder auch auf eine adaptierte Tätigkeit beziehe. Für eine Verschlechterung
des Gesundheitszustands seit der Begutachtung durch Dr. H._ fänden sich (wohl
gemeint: keine) Hinweise, weshalb auf dessen Einschätzung abzustellen sei (act. G 8).
B.c Mit Präsidialverfügung vom 22. September 2010 wurde dem Gesuch der Be
schwerdeführerin um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung (Befreiung von
den Gerichtskosten) entsprochen (act. G 10).
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B.d Mit Replik vom 21. Oktober 2010 hält die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
fest. Sie verweist im Weiteren auf die Ausführungen im Einwand vom 10. März 2010,
wo die Berechnung des Invaliditätsgrads in Frage gestellt worden sei (act. G 12).
B.e Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G 14).

Erwägungen:
1.
Die Beschwerdeführerin hat am 31. Mai 2010 (mit Eingang bei der SVA am 3. Juni
2010) rechtzeitig gegen die Verfügung vom 5. Mai 2010 (act. G 8.1/4) Beschwerde
erhoben. Diese Verfügung wurde von der Beschwerdegegnerin auf Grund einer
Korrektur der Kinderrenten mit Verfügung vom 2. Juni 2010 (act. G 8.1/11) aufgehoben
und ersetzt bzw. wiedererwogen (vgl. Art. 53 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Gemäss Art. 58 des
Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (VwVG; SR 172.021) i.V.m. Art. 55
Abs. 1 ATSG setzt die Beschwerdeinstanz die Behandlung der Beschwerde fort, soweit
diese durch die neue Verfügung der Vorinstanz nicht gegenstandslos geworden ist. Da
auch die Verfügung vom 2. Juni 2010 von einem Invaliditätsgrad von 65% und einem
Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Dreiviertelsrente ausgeht, ist das Be
schwerdeverfahren gegen die Verfügung vom 2. Juni 2010 fortzusetzen.
2.
2.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 ATSG). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen
Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
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könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad
von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
2.2 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten.
3.
3.1 Vorab ist die Frage zu beantworten, ob die medizinische Aktenlage eine
rechtsgenügliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt.
3.2 Die Beschwerdegegnerin stützte sich für ihre Invaliditätsbemessung auf das
Gutachten von Dr. H._ vom 6./21. Juli 2009. Der Gutachter stellte anlässlich seiner
Untersuchung hauptbefundlich eine fehlform- und fehlhaltungsbedingte ungünstige
Wirbelsäulenstatik fest, welche zu Mehrbelastungen der untersten HWS- wie auch der
untersten LWS-Segmente geeignet sei. Ferner bestehe eine Insuffizienz der posturalen
Muskulatur, dies bei allgemeiner Sarkopenie. Im Weiteren hätten klinisch floride
Synovitiden verschiedener Zehen- und Fingergelenke objektiviert werden können, an
der zweiten Zehe beidseits bestehe eine floride Daktylitis. Während im Labor eine leicht
erhöhte humorale Entzündungsaktivität bestehe, seien typischerweise die Werte für
Rheumafaktor, Anti-CCP-Antikörper, ANA und ANCA negativ respektive im
Normbereich. Radiologisch zeigten sich seit Januar 2004 zunehmende Destruktionen
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an einzelnen Finger- und Zehengelenken, teilweise mit lokal überschiessender
Knochenneubildung, typisch für eine Psoriasis-Arthropathie. Axial hätten keine sicheren
entzündlichen Veränderungen objektiviert werden können, es bestünden hier jedoch
degenerative Veränderungen insbesondere im Bereich der unteren Halswirbelsäule, der
unteren Lendenwirbelsäule und fraglich entzündlich auch an beiden
Sakroiliakalgelenken (act. G 8.1/50-13).
3.3 Dr. H._ kam insgesamt zum Schluss, dass sich die von der Beschwerde
führerin beklagten muskuloskelettalen Beschwerden wie auch die anamnestisch ge
schilderten funktionellen Einschränkungen aus rheumatologischer Sicht in Anbetracht
der objektivierbaren gesundheitlichen Störungen gut erklären liessen. Die im Rahmen
der Untersuchung kooperative Beschwerdeführerin habe sich durchwegs adäquat
verhalten, es hätten sich zu keinem Zeitpunkt Hinweise auf eine
Symptomverdeutlichung respektive auf Inkonsistenzen gezeigt. Die Prognose sei u.a.
abhängig davon, ob sich bei der Beschwerdeführerin eine zur bisherigen Behandlung
alternative Basistherapie, hier seien insbesondere die modernen Biologika genannt,
etablieren liessen. Bestenfalls könne über einen gewissen Zeitraum eine gewisse
Entzündungshemmung und damit Stabilisierung des Gesundheitszustands erzielt
werden. Insgesamt sei jedoch nicht zuletzt auf Grund der bereits nachweisbaren
sekundär-arthrotischen Veränderungen von einer Progredienz der muskuloskelettalen
gesundheitlichen Störungen auszugehen (act. G 8.1/50-13).
3.4 Der Gutachter stimmte mit der interdisziplinären Beurteilung durch den RAD vom
21. Juni 2005 überein, dass die bisherige Tätigkeit der Beschwerdeführerin als
Allrounderin in einem Brockenhaus G._ seit mindestens Januar 2004 nicht mehr
zumutbar war. In einer dem Leiden ideal angepassten Tätigkeit sei die
Beschwerdeführerin aktuell maximal 50% halbtags, wegen Beschwerdezunahme
infolge kumulierender Belastung im Tagesablauf am Vormittag verwertet, arbeitsfähig.
Dabei seien die im Gutachten aufgeführten besonderen Einschränkungen (vgl.
Erwägung 4.4) zwingend zu berücksichtigen. Im Rahmen der entzündlich
rheumatischen Erkrankung bestehe zudem eine Leistungseinbusse von 25%, bezogen
auf einen Acht-Stunden-Tag. Weitere temporäre Einschränkungen seien durch
entzündliche Schubsituationen der Psoriasis-Arthropathie zu erwarten, diese seien
erfahrungsgemäss mit weiteren 5%, bezogen auf einen Acht-Stunden-Tag, zu
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quantifizieren (act. G 8.1/50-14). Mit Ergänzung vom 21. Juli 2009 konkretisierte der
Gutachter, dass die adaptierte Arbeitsfähigkeit mit voller Leistung 35% betrage, dies
bezogen auf einen Normarbeitstag (act. G 8.1/47-3).
3.5 Der RAD-Arzt Dr. J._ befand das Gutachten von Dr. H._ als nachvollziehbar.
Der Gutachter habe eine richtungsweisende Veränderung des Gesundheitszustands
eindeutig festgestellt. Die Gelenksdestruktionen an Händen und Füssen hätten
zugenommen und klinisch hätten floride Entzündungszeichen festgestellt werden
können. Die Funktionsfähigkeit des Bewegungsapparats habe sich verschlechtert. Die
Angaben der Beschwerdeführerin, welche eine Verschlechterung des Zustandsbildes
beschrieben habe, hätten objektiv nachvollzogen werden können. Da die Progredienz
seit November 2005 kontinuierlich stattgefunden habe, schlug Dr. J._ vor, als
Zeitpunkt der Verschlechterung den 1. Mai 2008 festzulegen, den Beginn des Monats,
in dem die Beschwerdeführerin die Revision verlangt habe. Demnach bestehe seit Mai
2008 eine adaptierte Arbeitsfähigkeit von noch 35% bei signifikant verschlechtertem
Gesundheitszustand. Konditionen seien eine leichte Wechselbelastung in temperierten
Räumen ohne Zwangspositionen, ohne längere Gehstrecken und ohne Ansprüche an
feinmotorische Funktionen (act. G 8.1/46).
3.6 Hinsichtlich des Beweiswerts dieses Gutachtens kann festgehalten werden, dass
es auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt
wurden, es in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben worden ist, es in
der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen des medizinischen
Fachexperten Dr. H._ begründet und nachvollziehbar sind. Auch die
Beschwerdeführerin rügt in der Folge nicht das Gutachten von Dr. H._ vom 6./21. Juli
2009, sondern einzig den von der Beschwerdegegnerin verfügten Rentenanspruch. Sie
macht geltend, dass sich ihr Gesundheitszustand seit der Begutachtung durch Dr.
H._ bereits weiter verschlechtert habe, weshalb sie heute überhaupt nicht mehr
arbeitsfähig sei. Dies werde denn auch von ihrem Hausarzt bestätigt (vgl. act. G 1.2).
Wie nachfolgende Erwägungen zeigen werden, kann unter den gegebenen Umständen
auf eine weitere Verlaufsbegutachtung verzichtet werden, da auf die
Invaliditätsbemessung der Beschwerdegegnerin ohnehin nicht abgestellt werden kann.
4.
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4.1 Gestützt auf die durch Dr. H._ ermittelte Arbeitsfähigkeit von insgesamt 35%
adaptiert sind folglich die erwerblichen Auswirkungen der gesundheitlichen
Beeinträchtigungen zu bestimmen.
4.2 Die Beschwerdegegnerin trug im Einkommensvergleich bereits anlässlich der
ersten Rentenverfügung vom 24. Januar 2006 (act. G 8.1/70) sowie auch anlässlich der
Verfügung vom 2. Juni 2010 (act. G 8.1/11-4ff.) dem Umstand Rechnung, dass die
Beschwerdeführerin aus wirtschaftlichen Gründen offensichtlich 100% gearbeitet hätte,
ab Februar 2001 bis zum Eintritt des Gesundheitsschadens jedoch lediglich in einem
70%-Pensum im Brockenhaus G._ angestellt war und zusätzlich nur geringe Beträge
aus Nebenbeschäftigungen wie bei der K._ und bei der L._ erwirtschaftet hatte
(vgl. act. G 8.1/83, 110, 122). Da somit der zuletzt erzielte Verdienst nicht als
repräsentative Basis zur Ermittlung des Einkommens angesehen werden konnte, wurde
beim Valideneinkommen auf den Tabellenlohn nach der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamts für Statistik abgestellt (act. G 8.1/83).
Dies blieb unter den Parteien denn auch unbestritten. Nachdem die
Beschwerdegegnerin keiner Beschäftigung mehr nachgehen konnte, legte die
Beschwerdegegnerin auch dem Invalideneinkommen den Durchschnittslohn einer
Hilfsarbeitertätigkeit gemäss LSE zu Grunde. Da die beiden Vergleichseinkommen
somit auf derselben Grundlage zu berechnen sind, kann ein Prozentvergleich
vorgenommen werden. Zu klären ist damit die Frage, ob die Beschwerdegegnerin zu
Recht auf einen Abzug vom Invalideneinkommen verzichtet hat.
4.3 Nach der Rechtsprechung hängen die Fragen, ob und in welchem Ausmass
Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen
Umständen, insbesondere auch von invaliditätsfremden Faktoren des konkreten
Einzelfalls ab (etwa leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/
Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach pflichtgemässem Ermessen
gesamthaft zu schätzen sind, wobei der maximal zulässige Abzug auf 25%
festzusetzen ist. Eine schematische Vornahme des Leidensabzugs ist unzulässig (BGE
126 V 79 E. 5b, bestätigt etwa in AHI 2002 S. 62 und BGE 129 V 481 E. 4.2.3 mit
Hinweisen).
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4.4 Die Beschwerdegegnerin gewährte der Beschwerdeführerin anlässlich der
erstmaligen Rentenzusprache in der Verfügung vom 24. Januar 2006 noch einen Abzug
vom Invalideneinkommen von 15% (act. G 8.1/70, 80). Bei der Durchführung des
Revisionsverfahrens berechnete sie den Invaliditätsgrad gestützt auf die erhöhte
Arbeitsunfähigkeit von 65%, liess jedoch keinen Tabellenabzug mehr zu. Dies
begründete sie in einem internen Papier damit, dass die Einschränkungen in der
adaptierten Tätigkeit bei der attestierten Arbeitsunfähigkeit von 65% schon vollständig
berücksichtigt worden seien (act. G 8.1/44). Dem kann jedoch nicht gefolgt werden.
Vielmehr führte Dr. H._ im Gutachten vom 6. Juli 2009 aus, auf Grund der
entzündlich-rheumatologischen Erkrankung sowie auf Grund des degenerativen
Wirbelsäulenleidens sei die Beschwerdeführerin nicht mehr in der Lage, Tätigkeiten zu
verrichten, welche ein Belastungsniveau nach DOT-Kriterien von leicht überschritten.
Ferner könne der Beschwerdeführerin das längere Einhalten von rückenergonomisch
ungünstigen Zwangshaltungen wie vornüber Neigen, Kauern, Rotieren des Rumpfes
sowie Überstrecken der Lendenwirbelsäule, dauerhaft nicht mehr zugemutet werden.
Die Mobilität im Gehen sei auf 500m am Stück eingeschränkt, grob- und feinmanuelle
Tätigkeiten sowie Haltetätigkeiten und Überkopfarbeiten seien nicht mehr zumutbar.
Auch die Exposition gegenüber Nässe, Kälte, Zugluft und Temperaturschwankungen
sei zu vermeiden. Schliesslich sei auf Grund der schmerzbedingten Schlafstörung
Schichtarbeit nicht zumutbar (act. G 8.1/50-13). Weiter hielt er zur Spezifikation der
adaptierten Tätigkeit fest, leidensangepasst nach DOT-Kriterien wäre eine sehr leichte,
selten bis manchmal am Tag leichte, wechselbelastende, vorwiegend sitzende
Kontrolltätigkeit ohne fein- und grobmanuelle Anforderungen unter strenger
Berücksichtigung der oben aufgeführten speziellen Einschränkungen (act. G 8.1/50.14).
Diese beträchtlichen Einschränkungen hinsichtlich der noch verbleibenden zumutbaren
Tätigkeiten können bei der Ermittlung des Abzugs vom Tabellenlohn nicht einfach
ausser Acht gelassen werden. Sie sind offensichtlich geeignet, die Chancen der
Beschwerdeführerin auf dem Arbeitsmarkt und damit auch den zu erwartenden Lohn
noch zusätzlich wesentlich zu schmälern.
4.5 Unter Berücksichtigung dieser Umstände hält die Aberkennung eines
Leidensabzugs durch die Beschwerdegegnerin einer Ermessensprüfung nicht stand.
Auf Grund der gesamten Umstände erscheint ein Abzug von weiterhin mindestens 15%
als angemessen.
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4.6 Damit resultiert unter Anwendung eines Tabellenlohnabzugs von 15% ein
Invaliditätsgrad von 70% (100% - [35% x 0.85]) und folglich Anspruch auf eine ganze
Rente.
4.7 Da bei dieser Gegenüberstellung von Validen- und Invalideneinkommen aufgrund
eines Prozentvergleichs bereits ein Anspruch auf eine ganze Rente gegeben ist, kann
die Frage offen bleiben, ob beim Einkommen als Gesunde nicht der Lohn hätte
berücksichtigt werden müssen, den die Beschwerdeführerin im erlernten Beruf als
zahnmedizinische Assistentin hätte realisieren können, nachdem sie diesen Beruf
jedenfalls aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben konnte (act. G 8.1/50-6
und 93-6).
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gegen die Verfügung vom 2. Juni 2010
gutzuheissen und der Beschwerdeführerin eine ganze Rente der Invalidenversicherung
zuzusprechen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die Gerichtskosten vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP