Decision ID: 340a1d14-f4a1-4389-afa6-cf223cf61767
Year: 2010
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend gewerbsmässigen Betrug etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom 7. Juli 2010 (DG090394)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 19. August
2009 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. HD 6).
Urteil der Vorinstanz:
1. Die Angeklagte A._ ist schuldig
− der mehrfachen unrechtmässigen Aneignung im Sinne von Art. 137
Ziff. 1 und Ziff. 2 Abs. 1 StGB (ND 1, ND 4 - ND 9)
− des gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2
StGB (ND 1 - ND 3, ND 6, ND 7)
− des gewerbsmässigen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverar-
beitungsanlage im Sinne von Art. 147 Abs. 1 und Abs. 2 StGB (ND 4,
ND 5)
− des gewerbsmässigen Check- und Kreditkartenmissbrauchs im Sinne
von Art. 148 Abs. 1 und Abs. 2 StGB (ND 5, ND 6, ND 8, ND 9)
− der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB (ND 10)
− der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB
(ND 1 - ND 9, ND 12)
− der falschen Anschuldigung im Sinne von Art. 303 Ziff. 1 StGB (ND 12)
2. Die Angeklagte wird freigesprochen vom Vorwurf der mehrfachen unrecht-
mässigen Aneignung im Sinne von Art. 137 Ziff. 1 StGB hinsichtlich der ...-
Zusatzkarte, der ...-Zusatzkarte, der ...-Zusatzkarte sowie der ...-Zusatzkarte
(ND 4 - ND 9), vom Vorwurf der mehrfachen Veruntreuung im Sinne von
Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (ND 3) sowie vom Vorwurf der mehrfachen Fäl-
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schung von Ausweisen im Sinne von Art. 252 Abs. 2 in Verbindung mit
Abs. 4 StGB (ND 1, ND 2, ND 5 - ND 9).
3. Die Angeklagte wird bestraft mit 35 Monaten und 15 Tagen Freiheitsstrafe,
wovon 183 Tage durch Polizei- und Untersuchungshaft erstanden sind, als
Gesamtstrafe und Teilzusatzstrafe zu der mit Strafbefehl der Staatsanwalt-
schaft Winterthur/Unterland vom 29. Oktober 2007 ausgefällten Strafe.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 18 Monaten aufgescho-
ben und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (17 Monate und
15 Tage, abzüglich 183 Tage, die durch Untersuchungshaft erstanden sind)
wird die Freiheitsstrafe vollzogen.
5. Die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom
29. Oktober 2007 ausgefällte bedingte Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu
Fr. 50.– wird widerrufen.
6. Die Angeklagte wird verpflichtet, folgenden Geschädigten Schadenersatz in
nachfolgender Höhe zu bezahlen:
− B._ AG (ND 2) Fr. 80’000.– zuzüglich 5% Zins seit 29. Oktober 2007
− C._ (ND 4) Fr. 15'046.15
− D._ AG (ND 5 - ND 7) Fr. 9’018.90
− E._ AG (ND 8) Fr. 8'274.75
− F._ (ND 9) Fr. 3'321.25
Im allfälligen Mehrbetrag werden die Schadenersatzbegehren auf den Weg
des ordentlichen Zivilprozesses verwiesen.
7. Auf die Schadenersatzbegehren der Geschädigten G._ GmbH (ND 1)
und F._ (ND 10) wird nicht eingetreten.
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8. Die Geschädigten I._ und J._ (ND 3) sowie der Geschädigte
K._ (ND 4-ND 7) werden mit ihren Schadenersatzbegehren vollumfäng-
lich auf den Weg des ordentlichen Zivilprozesses verwiesen.
9. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 5'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 4'150.– Kosten der Kantonspolizei
Fr. 96.– Kanzleikosten Untersuchung
Fr. 743.– Auslagen Untersuchung
Fr. 4'293.55 amtliche Verteidigung Untersuchung
Fr. 15'371.60 amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ein-
schliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung, werden der Angeklagten
zu 9/10 auferlegt und zu 1/10 auf die Gerichtskasse genommen.
Beschluss der Vorinstanz:
1. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 6. Oktober 2008, 26. Februar
2009 sowie 9. März 2009 beschlagnahmten Gegenstände werden als Be-
weismittel bei den Akten belassen.
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Berufungsanträge:
a) des Verteidigers des Angeklagten:
(Urk. 119 S. 1)
1. In Aufhebung von Ziff. 3 und 4 des erstinstanzlichen Urteils sei die Ap-
pellantin zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von maximal 23,5 Mona-
ten.
2. Es sei der bedingte Strafvollzug zu gewähren unter Ansetzung einer
Probezeit von drei Jahren.
3. Alles unter ausgangsgemässer Regelung der Kosten- und Entschädi-
gungsfolgen.
b) des Vertreters der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich:
(Urk. 80, Urk. 109)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Das Gericht erwägt:
I. Prozessuales
1. Anwendbares Prozessrecht
Am 1. Januar 2011 trat die Schweizerische Strafprozessordnung (StPO CH) in
Kraft. Das erstinstanzliche Urteil datiert vom 7. Juli 2010 (HD 83, Prot. I S. 4 und
27). Gemäss Art. 453 Abs. 1 StPO CH werden Rechtsmittel gegen einen Ent-
scheid, der vor Inkrafttreten der neuen Strafprozessordnung gefällt wurde, nach
bisherigem Recht beurteilt. Für die vorliegende Berufung bleiben somit die Vor-
schriften der Zürcher Strafprozessordnung (StPO ZH, nachfolgend StPO) und des
kantonalen Gerichtsverfassungsgesetzes (GVG) anwendbar.
2. Berufungsanmeldung
Das bezirksgerichtliche Urteil und der gleichentags ergangene Beschluss wurden
der Angeklagten am 7. Juli 2010 mündlich eröffnet (Prot. I S. 27). Bereits am Fol-
getag meldete die Verteidigung die Berufung an (§ 414 Abs. 1 StPO; HD 61).
Staatsanwaltschaft und Geschädigte erhoben weder selbständige noch An-
schluss-Berufung.
3. Beanstandungen und Teilrechtskraft
3.1. Den Erhalt des begründeten Entscheids quittierte der Verteidiger am 26. Au-
gust 2010 (HD 74/2). Am 13. September 2010, mithin innert der gesetzlichen
Frist, gab er die Beanstandungen zur Post (§ 414 Abs. 4 StPO; HD 75).
Angefochten sind lediglich die Ziffern 3 (Strafzumessung) und 4 (Vollzug der Stra-
fe) des erstinstanzlichen Urteils (HD 75, HD 119 S. 1f.).
Folglich ist mittels Beschluss festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil bezüg-
lich der Ziffern 1 (Schuldspruch), 2 (Freispruch), 5 (Widerruf), 6 bis 8 (Schadener-
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satzregelung) sowie 9 und 10 (Kostenregelung) in Rechtskraft erwachsen ist,
ebenso der gleichentags ergangene Beschluss.
Zum nicht angefochtenen Widerruf bleibt anzumerken, dass eine Änderung der
Vorstrafe zur Bildung einer Gesamt(freiheits)strafe nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts in casu unzulässig wäre, weil es der ratio legis von Art. 46 Abs. 1
StGB widerspräche, die rechtskräftige mildere Sanktion (15 Tagessätze Geldstra-
fe) in eine schwerere (15 Tage Freiheitsstrafe) umzuwandeln (BGE 137 IV 249ff.).
Zu vollziehen ist also bei einer solchen Konstellation immer die Geldstrafe. Die
einleitenden Erwägungen der Vorinstanz zur Strafzumessung sind diesbezüglich
etwas missverständlich (HD 83 S. 78f.). Am Ende hat das Bezirksgericht den Wi-
derruf jedoch richtigerweise separat vorgenommen (a.a.O. S. 88f. und S. 97).
3.2. Von Seiten der Staatsanwaltschaft wird Bestätigung des erstinstanzlichen Ur-
teils beantragt (HD 80 und 109).
4. Beweisantrag / Psychiatrisches Gutachten
Mit Eingabe vom 8. Dezember 2010 stellte die Verteidigung den Beweisantrag,
"es sei über die Angeklagte ein psychiatrisches Gutachten zu erstellen zwecks
Beschaffung besserer Grundlagen für die Beurteilung ihrer Schuldfähigkeit" (HD
87). Dem Antrag wurde mit Beschluss der Kammer vom 12. Januar 2011 stattge-
geben, die Ladungen zur bereits terminierten Berufungsverhandlung abgenom-
men (HD 89). Das von Dr. med. L._ erstellte Gutachten trägt das Datum vom
12. Juli 2011 (HD 105). Es wurde vom Gericht der Verteidigung wie der Staats-
anwaltschaft zugestellt (HD 108/1 und 108/2).
5. Pass- und Schriftensperre / Aufenthaltsbewilligung bzw. Ausländerausweis
Mit Präsidialverfügung vom 16. März 2011 wurde die Einwohnerkontrolle der da-
maligen Wohngemeinde der Angeklagten ermächtigt, A._ die Aufenthaltsbe-
willigung bzw. den Ausländerausweis auf erstes Verlangen herauszugeben (HD
95). Die mit Verfügung des Präsidenten des Bezirksgerichts Zürich, 9. Abteilung,
vom 7. Juli 2010 bis zum Strafantritt verlängerte Pass- und Schriftensperre (HD
60) blieb bestehen.
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Mit Eingabe vom 29. November 2011 beantragte die Verteidigung die Aufhebung
der Pass- und Schriftensperre (HD 110). Das Gesuch wurde mit Präsidialverfü-
gung vom 15. Dezember 2011 abgewiesen (HD 115).
6. Abwesenheitsurteil
Die Angeklagte, die vom Termin der Berufungsverhandlung Kenntnis hatte (HD
107, Prot. II S. 9), ist zur Tagfahrt nicht erschienen. Der Verteidiger führte aus, sie
liege seines Wissens nach einer Jochbein-/Nasenoperation mit Schmerzen im
Bett (Prot. II S. 9). Er beantrage Erlass des persönlichen Erscheinens. Mit Präsi-
dialverfügung vom 28. Februar 2012 wurde der Verteidigung eine 10-tägige Frist
angesetzt, um ein Arztzeugnis einzureichen, das sich zur Verhandlungsfähigkeit
der Angeklagten äussere (HD 120). Mit Eingabe vom 15. März 2012 teilte der
Verteidiger mit, die Angeklagte habe ihm kein Arztzeugnis zukommen lassen (HD
123). Damit bleibt ihre Abwesenheit an der Berufungsverhandlung unentschuldigt,
und das Urteil ist "in contumaciam" der Angeklagten zu fällen (§ 195 Abs. 1 und
196 StPO).
II.Strafzumessung
1. (Keine) Zusatzstrafe
Vorab ist festzuhalten, dass - entgegen dem Entscheid der Vorinstanz (HD 83 S.
78, 87 und 96) - keine Zusatzstrafe zur mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Winterthur/Unterland vom 29. Oktober 2007 ausgefällten Geldstrafe auszuspre-
chen ist. Das Asperationsprinzip (Art. 49 Abs. 1 StGB) greift nur, wenn mehrere
gleichartige Strafen ausgesprochen werden. Das gilt auch für die Bildung einer
Zusatzstrafe bei retrospektiver Konkurrenz nach Art. 49 Abs. 2 StGB. Eine Frei-
heitsstrafe als Zusatzstrafe zu einer Geldstrafe als Grundstrafe zu verhängen, ist
daher nicht zulässig (BGE 137 IV 57ff.). Vielmehr sind solche ungleichartigen
Strafen kumulativ zu verhängen.
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2. Strafrahmen und Kriterien für die Strafzumessung
Für die Festlegung des Strafrahmens ist von der schwersten Tat auszugehen.
Dabei handelt es sich um die mit der höchsten Strafe bedrohte, nicht die nach den
Umständen des konkreten Falles verschuldensmässig am schwersten wiegende
Tat (BGE 93 IV 7). Im vorliegenden Fall trifft dies für die falsche Anschuldigung im
Sinne von Art. 303 Ziff. 1 StGB zu, für welche das Gesetz eine Maximalstrafe von
20 Jahren Freiheitsstrafe vorsieht. Damit ist das Höchstmass der Strafart erreicht
(Art. 40 StGB). Der Umstand, dass die Angeklagte weitere Straftatbestände - und
dies teilweise mehrfach - erfüllt hat, kann somit nicht zu einer Ausweitung des
Strafrahmens nach oben führen (Art. 49 Abs. 1 StGB). Hingegen erhöht sich die
Mindeststrafe, die für falsche Anschuldigung bei einem Tag Geldstrafe liegt, auf-
grund des Vorliegens gewerbsmässiger Vermögensdelikte im Sinne von Art. 146,
147 und 148, jeweils Abs. 1 und 2 StGB - nachdem kein Strafmilderungsgrund er-
sichtlich ist - auf 90 Tagessätze Geldstrafe.
Innerhalb dieses Strafrahmens ist die Strafe nach den Kriterien von Art. 47ff.
StGB zu bemessen. Die Vorinstanz hat dazu bereits Ausführungen gemacht, auf
die zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen verwiesen werden kann (HD 83 S.
79 bis 81 und 85).
3. Konkrete Strafzumessung
3.1.1. Falsche Anschuldigung
Art. 303 StGB schützt einerseits den ungehinderten Gang der Rechtspflege, an-
dererseits aber auch den Bürger vor ungerechtfertigter Strafverfolgung (BGE 89
IV 206).
Die Angeklagte erstattete am 9. Oktober 2008 gegen K._, der noch einige
Monate zuvor ihr Lebenspartner gewesen war, Anzeige wegen Körperverletzung
und Nötigung. Sie behauptete fälschlicherweise, K._ habe sie am Vortag
mehrmals ins Gesicht geschlagen und ihren Hals umklammert. Er habe verlangt,
dass sie eine - gar nicht erfolgte - Anzeige gegen ihn zurückziehe und ihm Geld
gebe (ND 12/5 S. 2f.). Er habe ihr auch gedroht, sie in wenigen Stunden zu töten,
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falls sie seinem Ansinnen nicht nachkomme (a.a.O. S. 3f.). Schon rund acht Mo-
nate zuvor habe er sie mit einem Hammer am Kopf und im Arm-/Schulterbereich
verletzt (a.a.O. S. 5f). Die Wunde am Kopf habe genäht werden müssen. Ihre
Vorwürfe versuchte die Angeklagte mit einem gefälschten Brief zu untermauern
(ND 12/2). In diesem führt angeblich eine Freundin (HD 22/13 S. 4) namens
"M._" (recte: N._) aus, sie habe am 8. Oktober 2008 von der Strasse
aus beobachtet, wie der Ex-Freund der Angeklagten diese geschlagen habe; sie
wisse auch, dass er sie schon im Februar so geschlagen habe, dass sie arbeits-
unfähig geworden sei.
In der Folge wurden mehrere Einvernahmen zur Sache mit K._ und N._
durchgeführt (vgl. ND 12/6, 12/7 und 12/9).
Noch in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 25. Februar 2009 blieb
die Angeklagte zunächst bei ihren Belastungen (HD 22/13, insb. S. 7), zog sie
aber schliesslich in derselben Befragung als unwahr zurück (S. 8ff.).
Die Angeschuldigte - die angab, im Februar 2008 noch mit K._ zusammen-
gelebt zu haben - stellte den Geschädigten als rabiate Person dar, die sich nicht
davor scheut, zur Durchsetzung ihrer Interessen mit dem Hammer auf ihre Part-
nerin loszugehen und sie unter anderem am Kopf zu verletzen, und die ihr auch
noch ein halbes Jahr später schlagend, würgend und mit dem Tode drohend ihren
Willen aufzwingen will. Sie hat damit die Persönlichkeitsrechte des Geschädigten
ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen und ihm, der an mehreren Befragungen in
dieser Angelegenheit teilzunehmen hatte, Umtriebe verursacht.
Negativ tangiert wurde aber auch ihre Freundin N._, welche von der Ange-
klagten als Zeugin und Urheberin des K._ belastenden Schreibens bezeich-
net und deshalb ebenfalls mehrmals einvernommen wurde, obgleich sie damit
nichts zu tun hatte.
Mit ihren monatelang aufrecht erhaltenen Anschuldigungen hat sie aber auch den
Gang der Rechtspflege in nicht unerheblichem Masse beeinträchtigt, insbesonde-
re, indem sie Auslöser für eine ganze Reihe unnötiger Einvernahmen war.
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Zu berücksichtigen ist allerdings auch, dass die Angeklagte dem Strafverfahren
nach rund 4 1⁄2 Monaten von sich aus ein Ende setzte, indem sie ihre Beschuldi-
gungen zurückzog bzw. als unwahr bezeichnete.
Insgesamt wiegt die objektive Tatschwere angesichts des recht raffinierten Vor-
gehens der Angeklagten, der erheblichen und einige Zeit im Raum stehen gelas-
senen, ja sogar bekräftigten Vorwürfe und der geschilderten Folgen nicht mehr
leicht.
Nicht anders ist die subjektive Tatschwere einzustufen.
A._ belastete den Geschädigten bei den Strafbehörden mit Vorsatz (HD
22/13 S. 14), und sie nahm dabei nicht nur in Kauf, dass K._ in ein Verfahren
gezogen wird, sondern ging davon aus und wollte das auch. Sie führte denn auch
aus, gewusst zu haben, dass der Geschädigte von der Polizei befragt werden
würde (HD 22/13 S. 13 und 14). Nicht glaubhaft ist ihr weiteres Vorbringen, sie
habe gehofft, dass er alles bestreite und der Fall somit abgeschlossen würde. Die
selbst in ein Strafverfahren involvierte Angeklagte wusste aus eigener Erfahrung
genau, dass es mit einer blossen Bestreitung nicht sein Bewenden haben wird.
Auch die Umstände, dass sie noch monatelang bei ihren Beschuldigungen blieb
und sie gar mit einer gefälschten Urkunde zu untermauern versuchte, zeigen,
dass es ihr nicht nur darum ging, K._ kurz einen Schrecken einzujagen, in-
dem er zu einer einzigen polizeilichen Befragung aufgeboten würde.
Zum Tatmotiv führte die Angeklagte nach anfänglich behauptetem "Nichtwissen"
zunächst pauschalisierend aus, sie sei wütend über die zuvor erstandene halbjäh-
rige Untersuchungshaft und darüber gewesen, was ihr im Leben passiert sei (HD
22/13 S. 12). Dann gab sie detaillierter an, K._ habe sie beschuldigt gehabt,
sich strafbar gemacht zu haben, und nach der Entlassung aus der Haft habe sie
rein gar nichts mehr gehabt, zumal er abmachungswidrig den Mietvertrag für das
gemeinsame Haus gekündigt und "sehr viele Sachen", die ihr gehört hätten, für
sich gebraucht und verschwinden lassen habe. Sie sei sehr enttäuscht von ihm
und wütend auf ihn gewesen und habe auch gehofft, dass er sie nach der polizei-
lichen Einvernahme in Ruhe lasse (HD 22/13 S. 13, Prot. I S. 16). Aus diesen
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Aussagen erhellt mit aller Deutlichkeit, dass die falsche Anschuldigung primär auf
Rachegelüsten beruhte (vgl. dazu auch die noch folgenden Ausführungen zum
Vorleben).
Was die Frustration über die erlittene Untersuchungshaft (HD 3 S. 35, HD 22/13
S. 10, HD 29/9 S. 4, HD 105 S. 37, Prot. I S. 22) angeht, so ist festzuhalten, dass
sich die Angeklagte diesen Freiheitsentzug durch ihre Vermögensdelikte letztlich
selbst eingebrockt hatte; die belastenden Aussagen von K._ waren nur eine
Folge ihres eigenen Verhaltens und diesem nicht zu verübeln. Die "Beschuldi-
gungen" von K._ lassen die falsche Anschuldigung daher nicht als verständ-
licher erscheinen. Soweit der Geschädigte sodann tatsächlich mietvertraglich ab-
machungswidrig vorgegangen und mit A._ gehörenden Gegenständen nicht
vereinbarungsgemäss verfahren sein sollte, wären ihr diesbezüglich zivil- und al-
lenfalls strafrechtliche Behelfe anderer Art (wie etwa eine Anzeige wegen Sach-
entziehung oder Veruntreuung) zur Verfügung gestanden. Die unwahre Bezichti-
gung der Angeklagten, K._ habe mehrmals massive und sowohl psychische
als auch physische Gewalt an ihr verübt, machen solche Verfehlungen des Ge-
schädigten - so sie sich überhaupt zugetragen haben - nicht nachvollziehbarer.
Schliesslich mag sein, dass die Angeklagte generell unglücklich darüber war,
dass sich die Beziehung zu K._, in die sie offenbar einst viele Hoffnungen
gesteckt hatte, sich schon vor ihren Vermögensdelikten im Herbst 2007 nicht
mehr wunschgemäss entwickelt hatte, und dass den Geschädigten daran mindes-
tens ein Mitverschulden traf. Auch diese Enttäuschung lässt das Verschulden der
Angeklagten aber nicht in einem nennenswert milderen Licht erscheinen, zumal
im Zeitpunkt der Anzeige schon seit längerem klar war, dass sich die Beziehung
nicht mehr kitten lassen würde. Die Angeklagte setzt sich im Übrigen in einen in-
neren Widerspruch, wenn sie einerseits das Ausbleiben einer dauerhaft tiefgrün-
digen und erfüllten Beziehung beklagt, andererseits aber - wie die Akten zeigen -
die Regeln dafür selbst nicht einhält.
Wie aus dem überzeugenden Gutachten von Dr. med. L._ erhellt, besteht
kein Anlass zur Annahme, die Angeklagte sei in ihrer Fähigkeit, das Unrecht der
Tat einzusehen oder gemäss der vorhandenen Einsicht zu handeln, einge-
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schränkt gewesen (HD 105, insb. S. 36 bis 46). Das gilt trotz der Belastungssitua-
tion, in der sie sich damals befand (HD 105 S. 40f.). Der Kritik der Verteidigung
am Gutachten (Urk. 119 S. 14ff.) ist entgegenzuhalten, dass die widersprüchli-
chen Angaben, welche die Angeklagte beim Gutachter deponierte, keine Zweifel
an der Fundiertheit und Verlässlichkeit der psychiatrischen Schlussfolgerungen
hervorrufen. Vielmehr zeigt sich darin einzig einmal mehr, dass die Angeklagte
mitunter zur Schauspielerei und Lügenhaftigkeit neigt. Das allein indiziert aber
noch keine verminderte Schuldfähigkeit, wie der Gutachter unter anderem mit
seinen Ausführungen zu einer allfälligen histrionischen Störung nachvollziehbar
aufgezeigt hat (vgl. insb. HD 105 S. 42ff).
Gesamthaft betrachtet ist hinsichtlich der falschen Anschuldigung von einem nicht
mehr leichten, aber auch noch nicht schweren Tatverschulden auszugehen. Die
von der Vorinstanz für dieses Delikt bemessene Einsatzstrafe liegt mit 18 Mona-
ten Freiheitsstrafe weit über dem in vergleichbaren Fällen ausgefällten Strafmass.
Als angemessen erweist sich eine Einsatzstrafe von sechs Monaten Freiheitsstra-
fe.
Was das Vorleben der Angeklagten betrifft, so kann vorab auf die Darstellung im
erstinstanzlichen Urteil verwiesen werden. Wie sich unter anderem aus dem psy-
chiatrischen Gutachten ergibt, sind die Angaben der Angeklagten (auch) hierzu
teilweise widersprüchlich. Teils rekapitulierend, teils ergänzend, teils korrigierend
und teils relativierend ist Folgendes auszuführen (vgl. u.a. HD 3 S. 32ff., HD 29/8
1ff., HD 29/9, Prot. I S. 5ff., vgl. ferner HD 119):
Die Angeklagte, die im Herbst vierzig Jahre alt werden wird, ist ... Staatsangehö-
rige [Staat Z._]. Dort wuchs sie auch gemeinsam mit der Mutter, dem Stief-
vater (der leibliche Vater verstarb, als sie zweijährig war; HD 105 S. 27) und einer
Schwester auf. Das Verhältnis im Elternhaus bezeichnete sie als "sehr gut" (HD
29/9 S. 1). Die "Eltern" sollen als Geschäftsführer von Immobilienfirmen (nach an-
deren Angaben der Stiefvater als "oberster Direktor einer Kohlefabrik") tätig und
die Familie vermögend gewesen sein (HD 29/9 S. 1f., HD 105 S. 28, Prot. I S. 9).
18-jährig zog die Angeklagte in eine eigene Wohnung. Im gleichen Jahr soll sie
gemäss der polizeilichen Befragung zur Person einen schweren Autounfall gehabt
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haben, nach welchem sie neun Monate hospitalisiert gewesen sei und seit dem
sie unter Rücken- und Atmungsproblemen leide (HD 29/9 S. 3). Im Rahmen der
psychiatrischen Begutachtung erklärte sie demgegenüber, nur zweieinhalb Wo-
chen im Krankenhaus gewesen zu sein. Zwei Jahre nach dem Unfall sei "alles
wieder in Ordnung gewesen"; der Unfall habe "keinerlei Folgen" mehr gezeitigt
(HD 105 S. 35 und 42). Diese Version korreliert denn auch besser mit den Hob-
byangaben der Angeklagten, die demnach Tennis spielt, reitet, Ski fährt und Polo
spielt (HD 29/9 S. 3).
A._ verfügt nach eigenen Angaben über eine gute Ausbildung und will auch
eine ebensolche Schülerin gewesen sein. Nach der neunjährigen Grundschule
habe sie fünf Jahre das Technikum besucht und hernach weitere fünf Jahre mit
Diplomabschluss Marketing studiert, alles in ihrem Heimatland (HD 29/9 S. 3,
Prot. I S. 9). Danach soll sie bis Oktober 1999 eine Stelle als Sekretärin in einer
Autogarage bekleidet haben.
Am 5. Januar 2000 gebar die Angeklagte die Tochter O._, die vorwiegend
bei Verwandten in Z._ aufwuchs. Ein Nachzug in die Schweiz liess sich - laut
Verteidigung wegen der schlechten Finanzlage ihres Partners P._, gemäss
der Angeklagten aber auch, weil der Vater "auch Rechte über das Kind" habe -
nicht realisieren (HD 29/9 S. 1, HD 3 S. 33f., HD 57 S. 14, HD 105 S. 24, Prot. I S.
6 und 20). Die Angeklagte erklärte, angesichts ihrer Stellung in der Schweiz auch
zeitweilig Bedenken gehabt zu haben, ob ein Nachzug der Tochter ideal sei (HD
105 S. 28f.). O._ weilte immerhin jeweils für einige Monate hier bei der An-
geklagten und war eine Zeitlang sogar eingeschult (HD 29/9 S. 1, Prot. I S. 6).
Soweit die Tochter in Z._ lebt, leistete die Angeklagte Unterhaltsbeiträge in
der Höhe von monatlich 1'000 bis 1'500 Franken (Prot. I S. 7).
2002 gründete die Angeklagte ihren Angaben zufolge in Z._ eine eigene Im-
mobilienfirma, die sie - wohl nach ihrer Tochter - "O._" nannte und heute
noch existieren soll (HD 29/9 S. 2). Ende des Jahres lernte sie den 15 Jahre älte-
ren - von ihr beim psychiatrischen Gutachter als "nicht so attraktiv", aber immerhin
gutherzig, beschrieben (HD 105 S. 23) - Schweizer P._ kennen, den sie we-
nige Monate später (Ende Februar 2003) heiratete, worauf sie gänzlich in die
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Schweiz übersiedelte. Die Angeklagte versprach sich davon eine bessere Zu-
kunft, musste aber gemäss eigenem Bekunden feststellen, dass es um die finan-
ziellen Verhältnisse von P._ schlecht stand, was sich auch nach dessen Pri-
vatkonkurs nicht auf Dauer geändert habe (HD 29/9 S. 1f., HD 103 S. 23, HD 119
S. 7). Angeblich deshalb trennte sich die Angeklagte 2004 von P._, von dem
sie seit März 2009 auch geschieden ist (HD 3 S. 32f., Prot. I S. 10). Die Verteidi-
gung hält es für möglich, dass es sich bei der Beziehung zu P._ um eine ab-
gekartete "Bewilligungsehe" gehandelt haben könnte (HD 57 S. 15). Diese Frage
kann indes an dieser Stelle offen bleiben.
Seit 2003 bis heute arbeitet die Angeklagte als selbständige Masseuse und will
dabei "sehr gut" (bzw. mit einem Teilzeitpensum von 60 Prozent durchschnittlich
4'000 bis 5'000 Franken) verdienen (HD 3 S. 33f., HD 29/9 S. 2, Prot. I S. 5; vgl.
auch HD 105 S. 29, HD 119 S. 7 und Prot. II S. 11). Früher habe sie rund 12'000
Franken monatlich eingenommen (HD 3 S. 34). Unklar ist die Vermögens- und
Schuldenlage der Angeklagten. Sie machte auch hierzu unterschiedliche Anga-
ben. Anders als zuvor erklärte sie etwa in der staatsanwaltschaftlichen
Schlusseinvernahme, die von ihr erwähnten Einkaufszentren in Z._ gehörten
nicht ihr, sondern der Familie. Diese würde ihr aber wenn nötig helfen (HD 3 S.
34). Befragt zur Liegenschaftenfirma in Z._, wollte sie vor Vorinstanz keine
Auskunft geben (Prot. I S. 8), ebenso zum Wert der Liegenschaften im Familien-
besitz, an denen auch ihr ein Anteil gehöre (Prot. I S. 9f.).In anderem Zusammen-
hang erklärte sie wiederum, über kein Vermögen zu verfügen, aber Schulden in
unbekannter Höhe zu haben, wobei sie sich bemühe, diese abzuzahlen (HD 3 S.
34, Prot. I S. 8).
2005 lernte die Angeklagte K._ als Freier kennen. Sie habe sich von ihm ei-
ne gesicherte Zukunft erhofft, habe mit ihm zusammengelebt und ihn heiraten
wollen. Weiterhin ging sie allerdings der Prostitution nach, nach dem Vorbringen
der Verteidigung, weil die Angaben der Angeklagten zum Familien- wie zum eige-
nen Vermögen nicht zuträfen und sie ihre ... Angehörigen [aus Z._] finanziell
habe unterstützen müssen (HD 57 S. 14, HD 119 S. 7). K._ gegenüber habe
sie diese Tätigkeit verheimlicht, weil dieser dagegen gewesen sei, dass sie weiter
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anschaffe (HD 105 S. 30). Dass sie "mindestens zeitweilig effektiv über viel Geld"
verfügt habe, habe sie mit den ... Immobilien [aus Z._] begründet, was
K._ zum Nennwert genommen habe (a.a.O. S. 15). Nach einiger Zeit habe
sein Interesse an der Angeklagten nachgelassen. Sie habe dies gespürt und be-
fürchtet, dass ihre Zukunftsvisionen sich nicht erfüllten. Um ihn zu halten bzw. Mit-
leid zu erregen, habe sie begonnen, tragische Geschichten über erkrankte, ver-
unglückte, gestorbene Familienangehörige zu erfinden (S. 16f.), doch habe sich
der Effekt mit der Zeit totgelaufen und sei nach zwei Jahren klar geworden, dass
die Beziehung nicht mehr lange dauern würde. Sie habe hinter seinem Auf-
Distanz-Gehen eine erfolgreiche ... Rivalin gewittert. Die Angeklagte habe nun -
so die Verteidigung vor Vorinstanz - "wie beim Märchenerzählen und der Angst
vor Armut ... auch beim Sicherstellen und Bestrafen alles Mass verloren" (HD 57
S. 18, HD 119 S. 7f.). Dabei habe sie geglaubt, K._ schulde ihr Ersatz für
das viele, das sie an Mitteln ins Zusammenleben investiert gehabt habe, er schul-
de ihr Unterhalt oder mindestens einen namhaften Betrag an die Lebenskosten,
schulde ihr Satisfaktion für den Affront der Trennung, des Treuebruchs, der Lü-
gen. Und er solle, wenn er sonst keine Gefühle mehr für sie habe, wenigstens wü-
tend werden (HD 57 S. 19). Dabei seien auch die weiteren Geschädigten in die
"Schusslinie" geraten bzw. hätten "ihren Teil abgekriegt" (S. 19 und 22).
In der Hauptverhandlung vom 7. Juli 2010 gab die Angeklagte (nachdem sie zu-
erst behauptet hatte, alleine zu sein) an, mit einem neuen Partner (Q._) zu-
sammenzuleben, den sie heiraten und mit dem sie eine Familie gründen wolle
(Prot. I S. 6f., 10, vgl. auch HD 119 S. 10f.). Die Verteidigung ergänzte damals,
der Verlobte kenne die Prostitutionstätigkeit der Angeklagten und akzeptiere die-
se. Am 23. Juli 2011 führte die Angeklagte beim Gutachter aus, seit November
2010 mit vollem Arbeitspensum in der R._ Holding in ... zu arbeiten, deren
Chef ihr Verlobter - den sie im Übrigen im Juli 2011 ehelichen wolle - sei (HD 105
S. 26).
In der Berufungsverhandlung vom 28. Februar 2012 brachte die Verteidigung nun
vor, auch Q._ habe - wie zuvor K._ - gewünscht, dass die Angeklagte
mit dem "Anschaffen" aufhöre. Da sie jedoch nicht völlig von ihm habe abhängig
- 17 -
sein wollen, habe sie "im Geheimen" weitergemacht, was Q._ nicht sofort,
aber "bald" gemerkt habe (Prot. I S. 20, HD 119 S. 11). Q._ selbst sei als
freischaffender Berater potentieller Investoren und Investor in eigener Sache tätig
gewesen, doch habe er - wie der Angeklagten mit der Zeit klar geworden sei - die
Gewinnaussichten überschätzt, mehr Verluste eingefahren und sei häufiger in die
Klemme geraten, als er ihr gegenüber habe wahrhaben wollen (a.a.O.). Im Herbst
2011 habe die Beziehung Risse bekommen, nach der Darstellung der Angeklag-
ten, weil Q._ beim gescheiterten Versuch, ein von der Familie der Angeklag-
ten gekauftes Haus vor der Verwertung zu retten, versagt und dadurch Geld an
eine Bank verloren habe, nach Q._s Schilderung, weil A._ ihn mit un-
wahren Angaben dazu verleitet habe, ihr viel Geld und namhafte ... Sachwerte
[aus Z._] anzuvertrauen (HD 119 S. 12). Gelitten habe die Beziehung aber
auch darunter, dass der Freund der Angeklagten nicht mir deren Tochter ausge-
kommen sei, als diese im Sommer 2011 im gemeinsamen Haushalt gelebt habe.
Ferner habe der Geschädigte K._ Q._ im Herbst 2011 mit Mails, Akten-
kopien und Einladungen zu Gesprächen über die Angeklagte "aufgeklärt". So sei
das Verhältnis zwischen A._ und Q._ nach rund drei Jahren in die Brü-
che gegangen, und Letzterer habe der Verteidigung Ende November 2011 mitge-
teilt, er wolle alles zurück, ansonsten er den Rechtsweg beschreite (Urk. 119 S.
12ff.). Nach dem neusten Informationsstand der Verteidigung sei es nun aber
doch wieder zur Aufnahme des Zusammenlebens bis kurz vor der Gerichtsver-
handlung gekommen, und die beiden seien möglicherweise "für eine Weile wieder
ein Herz und eine Seele" (Prot. II S. 10).
Für die hier interessierende falsche Anschuldigung ergibt sich aus dem Vorleben
der Angeklagten nichts Entlastendes. Es kann diesbezüglich auch auf die bereits
erfolgten Erwägungen zur subjektiven Tatschwere verwiesen werden.
Leicht straferhöhend ist die Vorstrafe der Angeklagten und das Handeln während
laufender Probezeit zu berücksichtigen. Jener Strafbefehl wegen grober Verlet-
zung der Verkehrsregeln war zwar nicht einschlägig und führte lediglich zu Geld-
strafe und Busse. Der Entscheid datiert aber vom 29. Oktober 2007 und war da-
mit noch kein Jahr vor der vorliegenden Tat ergangen.
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Zu einer deutlichen Strafanhebung führt sodann der Umstand, dass die Angeklag-
te die falsche Anschuldigung während laufender Strafuntersuchung (u.a. wegen
der vorliegend angeklagten Vermögensdelikte) beging, und sie sich dabei von der
eben erst erlittenen halbjährigen Untersuchungshaft (Entlassungsdatum 1. Sep-
tember 2008, Tatverübung 9. Oktober 2008) - wenngleich sie diese als ausseror-
dentlich belastend beschrieb (HD 3 S. 35, HD 22/13 S. 10, HD 29/9 S. 4, HD 105
S. 37, Prot. I S. 22) - offensichtlich nicht nachhaltig beeindruckt zeigte. Damit ma-
nifestierte sie eine erhebliche kriminelle Energie.
Nur noch leicht strafsenkend wirkt sich das Geständnis hinsichtlich der vorliegen-
den Tat aus, nachdem bereits bei der Tatschwere dem Umstand Rechnung ge-
tragen wurde, dass sie das gegen K._ laufende Strafverfahren durch Rück-
zug der Beschuldigungen nach 4 1⁄2 Monaten beendete.
Ebenfalls leicht strafmindernd ist die bekundete Reue zu veranschlagen (Prot. I S.
16 und 22, HD 29/9 S. 4).
Die Umstände, dass die Angeklagte bis zur Vorstrafe strafrechtlich nicht in Er-
scheinung getreten ist und sie auch seit Anfang Oktober 2008 - abgesehen von
der vorliegenden Sache - nicht erneut vor dem Strafrichter stand, wirkt sich neut-
ral aus, denn ein solches Wohlverhalten stellt keine besondere Leistung dar (vgl.
u.a. Urteile 6B_570/2010 vom 24. August 2010, 6B_242/2008 vom 24. September
2008 E. 2.1.2 und 6S.85/2006 vom 27. Juni 2006 E. 2.4). Anzumerken bleibt,
dass aus dem neuen, pendenten Strafverfahren (vgl. dazu schon Prot. I S. 18,
ferner HD 118), das sich seit Jahren im Untersuchungsstadium befindet, keine die
Strafzumessung beschlagenden negativen Schlüsse gezogen werden dürfen, gilt
doch diesbezüglich die Unschuldsvermutung. Ähnlich verhält es sich mit den An-
schuldigungen, welche Q._ gegenüber der Verteidigung hinsichtlich angebli-
cher Verfehlungen der Angeklagten erhoben hat; diese sind unbewiesen und da-
her für die Strafzumessung irrelevant.
Als dem Tatverschulden unter Berücksichtigung der Täterkomponente angemes-
sen erweist sich für die falsche Anschuldigung eine Freiheitsstrafe von 7 Mona-
ten.
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3.1.2. Betrug, betrügerischer Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage, Check-
und Kreditkartenmissbrauch
Die unter die Art. 146 bis 148, jeweils Abs. 1 und 2, des Strafgesetzbuchs fallen-
den, gewerbsmässig begangenen Straftaten der Angeklagten stellen allesamt im
weitesten Sinn Betrugstaten dar und unterstehen denn auch derselben Strafdro-
hung. Es erscheint als angezeigt, die Strafe für diese Delikte gemeinsam zu be-
messen.
Zur objektiven Tatschwere ist zunächst festzuhalten, dass sich der (angestrebte)
Deliktsbetrag auf gegen 200'000 Franken beläuft und damit erheblich ist. Knapp
drei Viertel davon entfallen auf die Darlehensbetrüge zum Nachteil der B._
AG (80'000 Franken) und der S._ AG (60'000 Franken). Hinsichtlich der
letztgenannten Tat ist zu berücksichtigen, dass der Vermögensschaden - abge-
hen vom administrativen Aufwand der Geschädigten für die Kreditgewährung -
ausblieb, da die betrügerischen Absichten der Angeklagten noch rechtzeitig er-
kannt wurden; die objektive Tatschwere wiegt mithin diesbezüglich geringer, weil
der zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eingetreten ist, das Delikt im
Versuchsstadium stecken geblieben ist (Art. 22 Abs. 1 StGB). Die Vorinstanz hat
das bei der Strafzumessung nicht (oder jedenfalls nicht explizit) berücksichtigt.
Was das Vorgehen zur Erlangung des B._-Kredits angeht, so ging die Ange-
klagte - entgegen den Ausführungen der Verteidigung - sehr wohl durchdacht vor,
insbesondere indem sie trickreich eine ganze Reihe von Unterlagen beschaffte
und der Kreditgeberin einreichte sowie verschiedene Formulare so mit der nach-
gemachten Unterschrift von K._ versah, dass der Eindruck entstand, dieser
beantrage das Darlehen. Weiter spannte sie einen Dritten (T._) als Kredit-
vermittler ein. Soweit vorgebracht wird, die B._ AG habe es der Angeklagten
durch mangelhafte Kontrolle leicht gemacht, den Betrug zu begehen, geht diese
Argumentation angesichts des Tatvorgehens der Angeklagten und der erfolgten
Prüfungen durch die Kreditgeberin, an die angesichts des Massencharakters sol-
cher Geschäfte keine übertriebenen Anforderungen gestellt werden dürfen, soll
der Grundsatz des Schutzes von Treu und Glauben im Geschäftsverkehr nicht
ausgehebelt werden, fehl. Es kann diesbezüglich auch auf die Ausführungen zur
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(mittlerweile anerkannten) rechtlichen Würdigung im erstinstanzlichen Urteil ver-
wiesen werden (HD 83 S. 38f.). Eine Verschuldensminderung fällt hier ausser Be-
tracht.
Auch beim Betrugsversuch zum Nachteil der S._ AG ging die Angeklagte,
die abermals mit T._ zusammenwirkte, keineswegs dilettantisch vor, operier-
te sie doch mit der vom Freier U._ liegen gelassenen Identitätskarte, fälschte
eine Lohnabrechnung und unterzeichnete diverse Vertragsformulare mit der ge-
fälschten Unterschrift von U._. Wie ausgeklügelt die Vorgehensweise war,
zeigt sich nicht zuletzt darin, dass die Angeklagte im entsprechenden Zeitraum,
offensichtlich um das ertrogene Darlehen platzieren zu können, mittels Falschun-
terschrift "U._" ein ...-Konto und - gemeinsam mit ihrem damaligen Ehemann
P._ in einer geradezu theatralischen Inszenierung, in welcher sich P._
als U._ ausgab - ein Seniorensparkonto bei der ...-Bank eröffnete. Ferner
wurde am Briefkasten der Angeklagten der Name U._ angebracht, um Kor-
respondenz in Empfang nehmen zu können. Der Plan scheiterte, weil der echte
U._ den Verlust seiner Identitätskarte bemerkte und erfuhr, dass auf seinen
Namen ein ...-Konto eröffnet worden war, worauf er sich an die Polizei wandte,
die mittels Bankenalarm auch die ...-Bank in Kenntnis setzte. Schliesslich stiess
man über T._ auf den Darlehensvertrag, womit die Auszahlung verhindert
werden konnte. Von einem beim Verschulden zu berücksichtigenden unvorsichti-
gen Verhalten der Geschädigten kann unter diesen Umständen auch hier keine
Rede sein.
Sodann benutzte die Angeklagte verschiedene Kreditkarten, lautend auf ihren
Freund K._, die sie sich unrechtmässig beschafft hatte, und - ohne dass sie
zahlungswillig gewesen wäre - auf ihren Namen lautende Zusatzkarten für eine
Unzahl von Geld- und Warenbezügen. Dass K._ mit solchen Machenschaf-
ten (auch soweit er selbst davon hätte profitieren können) nicht einverstanden
war, hat die Angeklagte implizit eingeräumt, indem sie sich geständig und schul-
dig im Sinne der Anklage bekannte. Gegenteilige Ausführungen der Verteidigung
sind damit obsolet (vgl. etwa HD 57 S. 30f.). Wenn K._ auf gewisse Auszü-
ge, Anzeigen und andere Unterlagen von in die Vermögensdelikte direkt oder indi-
- 21 -
rekt involvierten Firmen nicht reagierte, dann nicht aus "sträflichem Leichtsinn"
bzw. ebensolcher "Gleichgültigkeit" (a.a.O. S. 43), sondern weil er ihr - wie die
Verteidigung selbst einräumte, HD 57 S. 31 - schon länger vertrauensvoll "den
Papierkram" überlassen hatte, wobei die Angeklagte sicher kein Interesse hat,
ihm gerade in diesem Zusammenhang Unterlagen zu präsentieren, die ihn stutzig
machen und ihre Pläne durchkreuzen konnten. Etwas A._ verschuldensmäs-
sig Entlastendes ist im Verhalten von K._ daher nicht auszumachen.
Schliesslich beging die Angeklagte auch einen Betrug beim Abschluss eines
Mietvertrags, indem sie unter anderem durch Unterschriftenfälschung den Ver-
mietern vorspiegelte, sie und P._ würden für den Mietzins haften, obschon
sie und P._ damals nicht bereit waren, die Miete oder auch nur schon die
Mietzinskaution zu bezahlen. Soweit P._ später als Mieter dieser Wohnung
vom Tun von A._ profitierte, ändert dies am Verschulden der Angeklagten
nichts. Sie hat mit ihrem Geständnis im Übrigen anerkannt, dass ihr damaliger
Ehemann mit der Straftat nichts zu tun hatte.
Von einer relativ langen bzw. längeren deliktischen Tätigkeit der Angeklagten bei
den hier interessierenden Vermögensdelikten kann indes entgegen den Erwä-
gungen der Vorinstanz bei einem Zeitraum von 4 1⁄2 Monaten nicht gesprochen
werden, wenn auch nicht zu verkennen ist, dass die Angeklagte nicht von sich
aus aufhörte zu delinquieren, sondern die Verhaftung ihrem strafbaren Treiben
ein Ende setzte.
Gesamthaft betrachtet ist festzuhalten, dass die objektive Tatschwere innerhalb
des Strafrahmens für gewerbsmässige Tatbegehung bei diesen Betrugs- bzw. be-
trugsähnlichen Taten erheblich ist.
Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere wiegt das Verschulden der Angeklagten
keineswegs leichter. Sie delinquierte zumindest weit überwiegend mit direktem
Vorsatz.
- 22 -
Dass es beim S._-Darlehen beim Versuch blieb, gründete wie erwähnt nicht
etwa darin, dass sie die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende führte. Sie tat vielmehr
alles, was in ihrer Macht stand, um die Auszahlung des Betrags zu erwirken.
Mit Bezug auf das Tatmotiv versteht sich von selbst, dass dieses hauptsächlich fi-
nanzieller Natur war, ergibt sich das doch ohne Weiteres aus der unangefochten
gebliebenen Gewerbsmässigkeit ihres Handelns.
Nicht nachvollziehbar ist das Vorbringen der Verteidigung, die Angeklagte habe
die vorliegenden Vermögensdelikte aus einer "Verarmungsangst" heraus began-
gen. Sie gab in der Untersuchung wie erwähnt an, als Prostituierte "sehr gut" zu
verdienen bzw. früher 12'000 Franken monatlich eingenommen zu haben, und sie
bezifferte ihr Einkommen selbst bei blosser Teilzeittätigkeit von 60 Prozent auf
4'000 bis 5'000 Franken. Mit einem solchen Lohn musste sie beileibe nicht dar-
ben, auch wenn man berücksichtigt, dass sie Unterhaltsbeiträge für die Tochter
nach Z._ überwies bzw. bei deren Besuchen für sie aufkam, dass sie zeitwei-
lig P._ unterstützte (unter anderem, damit er K._ nicht erzähle, dass sie
weiterhin der Prostitution nachging, HD 105 S. 30f.), dass sie allenfalls wegen ei-
nes Fehlverhaltens von K._ die Wohnung neu einrichten musste und dass
Schulden abzuzahlen waren. Unter diesen Umständen kann offen bleiben, ob sie
auch noch aus Liegenschaftenbesitz in Z._ ein Einkommen erzielte und/oder
Vermögen hatte, wofür durchaus Anhaltspunkte bestehen (vgl. etwa HD 13/7, HD
13/8, HD 14/1 und HD 105 S. 28).
Dass die Angeklagte sich damals in einer psychisch schwierigen Situation befand,
weil sich K._ zunehmend von ihr abwandte, dadurch die Gründung einer
Familie und der Nachzug ihrer Tochter in weitere Ferne rückte und sich die Ange-
klagte neu orientieren musste, ist nicht von der Hand zu weisen. Indes geraten
viele Menschen in solche Belastungssituationen und reduziert die Frustration der
Angeklagten ihr Verschulden daher bloss geringfügig, zumal die Geschädigten
(die B._ AG und die S._ AG, verschiedene Kreditkartenherausgeber, die
Vermieter I._ und J._) für den Zustand der Angeklagten in keiner Weise
verantwortlich waren, was ihr fraglos bewusst war.
- 23 -
Als geradezu verwerflich erscheint sodann, dass die Angeklagte bei ihrem Tun
zumindest in Kauf nahm, ihr einmal nahe gestandene Personen in ernsthafte
Schwierigkeiten zu bringen. Der Verdacht fiel in erster Linie auf diejenigen Perso-
nen, deren vermeintliche Unterschriften auf den Papieren, mit denen die Taten
begangen wurden, vorhanden waren, bzw. auf deren Namen die Delikte began-
gen wurden. So wurden sowohl K._ als auch P._ von den Strafverfol-
gungsbehörden als Angeschuldigte verhört (vgl. HD 24/1 und HD 25/1), und
K._ wurde sogar zeitweilig in Haft genommen.
Aus dem überzeugenden psychiatrischen Gutachten (HD 105) ergeben sich auch
mit Bezug auf die Vermögensdelikte keine Hinweise darauf, dass die Schuldfä-
higkeit der Angeklagten massgeblich beeinträchtigt gewesen sein könnte. Insbe-
sondere bilden wie erwähnt ihre histrionischen Züge keinen Anlass, die Einsichts-
oder Steuerungsfähigkeit bezüglich der vorliegenden Taten als eingeschränkt zu
betrachten (HD 105 S. 44f. und 46). Gegen eine nennenswerte Herabsetzung der
Schuldfähigkeit spricht denn auch nicht zuletzt das planmässige, koordinierte und
zielgerichtete Vorgehen der Angeklagten (a.a.O. S. 46).
Nach dem Gesagten entfällt eine Strafmilderung im Sinne von Art. 19 oder Art. 48
StGB.
Auch die subjektive Tatschwere wiegt, wie aus den vorstehenden Erwägungen
folgt, erheblich.
Dass die Angeklagte bei den vorliegenden Straftaten mehrere Straftatbestände
erfüllte, wirkt sich - da wie erwähnt typähnliche gewerbsmässige Delikte vorliegen
- nur leicht straferhöhend aus.
Was die Täterkomponente betrifft, so kann weit gehend auf das bereits im Rah-
men der Strafzumessung für die falsche Anschuldigung Erwähnte verwiesen wer-
den.
Abgesehen vom - gewichtigen - Betrug zum Nachteil der B._ AG beging sie
die hier interessierenden Vermögensdelikte, nachdem der Strafbefehl wegen gro-
ber Verletzung der Verkehrsregeln ergangen war und damit auch während lau-
- 24 -
fender Probezeit, was straferhöhend zu werten ist. Schon vorher war ihr freilich
klar, dass ein entsprechendes Strafverfahren gegen sie lief, woraus ebenfalls eine
Straferhöhung resultiert.
Eine grössere Strafminderung als noch von der Vorinstanz vorgenommen recht-
fertigt die Tatsache, dass die Angeklagte sich im Berufungsverfahren nicht mehr
bloss teilgeständig zeigte, sondern den eingeklagten Sachverhalt vollumfänglich
zugab und die rechtliche Würdigung, wie sie das Bezirksgericht vorgenommen
hat, in allen Teilen akzeptierte. Das komplette Geständnis führte (immerhin) zu
einem reduzierten Bearbeitungsaufwand im Berufungsverfahren. Es lässt auch
die kundgetane und ebenfalls leicht strafsenkend zu berücksichtigende Reue als
glaubhaft erscheinen.
3.1.3. Mehrfache unrechtmässige Aneignung und mehrfache Urkundenfälschung
Wie bereits die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, rücken die mehrfache un-
rechtmässige Aneignung und die mehrfache Urkundenfälschung bei der Strafzu-
messung insofern in den Hintergrund, als sie Begleiterscheinungen anderer Delik-
te (nämlich der vorstehend unter 3.1.1. und 3.1.2. genannten) waren und ver-
schuldensmässig durch die dort erfolgten Erwägungen zum grössten Teil erfasst
und abgegolten sind. Es kann diesbezüglich auf das erstinstanzliche Urteil (insb.
HD 83 S. 84) verwiesen werden.
Auch hier bewirkt allerdings das mittlerweile vollumfängliche Geständnis eine
stärkere Strafminderung als das Teilgeständnis vor Vorinstanz.
Im Übrigen kann sinngemäss auf das bereits Gesagte verwiesen werden.
3.1.4. Drohung
Eine selbständige Bedeutung kommt dagegen der Drohung zu, welche die Ange-
klagte gegenüber ihrem Gläubiger H._ ausgestossenen hat. Bei einer zufälli-
gen Begegnung reagierte die Angeklagte auf die Aufforderung des damals knapp
60-jährigen Taxifahrers, die fällige Schuld zu bezahlen, so kaltblütig wie lakonisch
mit: "Kommt ein Mann, macht dich tot". Mit Bezug auf die objektive Tatschwere
- 25 -
fällt dabei ins Gewicht, dass es sich hinsichtlich des Rechtsguts um die
schwerstmögliche Drohung handelt, und gerade die Kürze und Bestimmtheit die-
ser Äusserung deren Ernsthaftigkeit unterstrich. Im Übrigen lag für den Geschä-
digten - gerade wenn er die ...-Verhältnisse kannte, wie die Verteidigung vor-
brachte (HD 57 S. 23) - alles andere als fern, dass die Angeklagte im Milieu, in
dem sie seit Jahren verkehrte, eine Person kennen konnte, die zu einer solchen
Tät bereit wäre.
Die Angeklagte beging die Tat direkt-vorsätzlich und ohne entlastendes Motiv. Es
zeigt sich hier ihre Bereitschaft, selbst gegen Personen, die ihr aus einer vorüber-
gehenden Geldknappheit halfen, skrupellos vorzugehen.
Ansonsten kann analog auf die vorstehenden Erwägungen verwiesen werden.
Klarzustellen ist einzig, dass die Angeklagte in diesem Zeitpunkt bereits vorbe-
straft war, mithin während laufender Probezeit handelte.
Das Verschulden wiegt bezogen auf den Tatbestand der Drohung nicht mehr
leicht.
3.2. Fazit
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Angeklagte innert relativ kurzer Zeit
auf mannigfaltige Weise delinquierte, wobei sie oft raffiniert vorging, ohne Not
handelte und teilweise auch nahestehenden Personen direkt oder indirekt scha-
dete. Der Deliktsbetrag bei den Vermögensdelikten liegt im sechsstelligen Fran-
kenbereich und ist damit erheblich.
Die Vorinstanz hat aber die Strafe für die falsche Anschuldigung praxisfremd hoch
festgelegt, weshalb die dafür ausgefällte Sanktion stark zu reduzieren ist. Sodann
hat sie den hinsichtlich der objektiven Tatschwere beim Betrug wesentlichen Um-
stand, dass es beim Darlehen von der S._ AG über 60'000 Franken beim
Versuch geblieben ist, unberücksichtigt gelassen. Ferner liegt nunmehr ein voll-
ständiges Geständnis der Angeklagten vor, was zu einer stärkeren Strafminde-
rung führen muss.
- 26 -
Insgesamt erweist sich in Berücksichtigung des Asperationsprinzips eine Frei-
heitsstrafe von 24 Monaten als dem Verschulden, dem Vorleben und den persön-
lichen Verhältnissen der Angeklagten angemessen.
Der Anrechnung der erstandenen Untersuchungshaft von 183 Tagen steht nichts
entgegen (Art. 51 StGB).
3.3. Vollzug
Der Angeklagten eine ungünstige Prognose für künftiges Wohlverhalten zu stel-
len, fällt schon wegen des Verbots der Schlechterstellung ausser Betracht.
Bei Strafen bis zu 24 Monaten bildet der bedingte Strafvollzug die Regel. Ein teil-
bedingter Vollzug ist nur anzuordnen, wenn der Aufschub wenigstens eines Teils
der Strafe aus spezialpräventiver Sicht erfordert, dass der andere Teil unbedingt
ausgesprochen wird, d.h. wenn im Bereiche einer höchst ungewissen Prognose
die Warnwirkung des Teilaufschubs angesichts des gleichzeitig angeordneten
Teilvollzugs für die Zukunft eine weitaus bessere Prognose erlaubt (BGE 134 IV
14f.). Es stellt sich also die Frage, ob noch verbleibende Vorbehalte hinsichtlich
der Rückfallgefahr eine vollbedingte Strafe zulassen, oder ob vielmehr ein teilbe-
dingter Vollzug anzuordnen ist, sowie diesfalls, wie hoch der zu vollziehende Stra-
fe zu bemessen ist.
Bedenken weckt der Umstand, dass die gut halbjährige - von der Angeklagten als
ausserordentlich belastend und nachhaltig traumatisierend geschilderte - Unter-
suchungshaft die Angeklagte offensichtlich nicht derart beeindruckt hat, dass sie
hernach nicht mehr delinquiert hätte; kaum entlassen hat sie den Geschädigten
K._ falsch angeschuldigt. Andererseits wäre es verfehlt, daraus ohne Weite-
res zu schliessen, dass sie auch die Aussicht auf einen dreimal so lange Zeit hin-
ter Gittern bei neuerlicher Delinquenz nicht ernsthaft kümmert und von weiteren
Straftaten abhält.
Sodann ist zu beachten, dass die meisten und gravierendsten der vorliegenden
Taten in Zusammenhang stehen mit der gescheiterten Beziehung zwischen der
Angeklagten und K._ und am Rande auch mit derjenigen zu P._, der
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sich nicht scheiden lassen wollte und drohte, ihre Masseusetätigkeit K._ zu
verraten. Der Gutachter spricht nachvollziehbar von "Tathandlungen als Reaktion
auf eine spezifische Lebenssituation" (HD 105 S. 47). Sieht man einmal von der
nicht einschlägigen Vorstrafe (welche sie kurz zuvor, nämlich am 20. Juli 2007,
beging) und der infolge Projektion der eigenen Probleme auf K._ erfolgten
falschen Anschuldigung nach der Entlassung aus der Untersuchungshaft ab, kon-
zentrieren sich sämtliche Delikte auf eine relativ kurze Zeitspanne von 4 1⁄2 Mona-
ten. Dass die Angeklagte soweit ersichtlich erst mit 35 Jahren erstmals straffällig
wurde, der Schwerpunkt der Delinquenz in einem verhältnismässig kurzen Zeit-
raum lag und gekoppelt war mit speziellen persönlichen Problemen, vermochte
sie zwar verschuldensmässig nicht nennenswert zu entlasten, ist aber letztlich ei-
ner günstigen Prognose zuträglich. Allerdings ist auch zu berücksichtigen, dass
sich die jüngste, dreijährige Beziehung zu Q._ (erneut) nicht zum Besten
entwickelt hat. Immerhin ist aber diesbezüglich - wie sich aus den bereits bei der
Strafzumessung dargelegten Ausführungen der Verteidigung ergibt - noch offen,
ob die Verhältnisse wieder ins Lot kommen und sind im Übrigen die Vorwürfe, die
Q._ bei der Verteidigung gegenüber der Angeklagten erhob, nichts Anderes
als unbewiesene Behauptungen. Dass sodann (seit Jahren) eine neue Untersu-
chung pendent ist, bei der es um unbekannte Straftaten in einem unbekannten
Zeitpunkt geht, kann der Angeklagten aufgrund der Unschuldsvermutung nicht
zum Nachteil gereichen. Von eingeschliffenen deliktischen Verhaltensmustern
kann ihr angesichts all dessen zurzeit nicht gesprochen werden, und der Gutach-
ter hält denn auch für "nicht erkennbar", dass die Angeklagte "auf ähnliche Situa-
tionen" wie die vorliegenden "in geradezu stereotyper Weise mit delinquentem
Verhalten reagieren" würde (HD 105 S. 47f.).
Prognostisch positiv zu vermerken ist schliesslich, dass sich die Angeklagte dazu
aufgerafft hat, im Berufungsverfahren ein vollumfängliches Geständnis abzulegen
und damit - wie auch ausdrücklich verbal - Reue bekundet hat. Insofern ist die
vom Gutachter festgestellte Bagatellisierungs- und Abschiebungstendenz und
mangelnde Einsicht zu relativieren. Dass die Angeklagte unentschuldigt nicht zur
Berufungsverhandlung erschienen ist, gereicht ihr in dieser Hinsicht allerdings
nicht zum Vorteil.
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Gesamthaft betrachtet ist die Legalprognose nicht als "höchst ungewiss" einzustu-
fen, zumal auch der psychiatrische Gutachter zum Schluss gelangt, die Rückfall-
wahrscheinlichkeit dürfte sich "ungefähr im Rahmen des statistisch Erwartbaren"
bewegen (HD 105 S. 49). Diese Wahrscheinlichkeit liegt nach einer Studie des
Bundesamts für Statistik, die sich über einen Beobachtungszeitraum von sechs
Jahren erstreckt, bei Straftäterinnen zwischen 16.5 und 18.5 Prozent und ist damit
gering (http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen /19/04/03/01/
05/01.html).
Der vollbedingte Strafvollzug ist somit zu gewähren, wobei die Probezeit auf drei
Jahre festzusetzen ist.
III. Kosten und Entschädigung
Die Angeklagte obsiegt im Berufungsverfahren vollumfänglich, indem die Strafe
bis auf einen halben Monat wie beantragt reduziert und der vollbedingte Strafvoll-
zug gewährt wird. Es rechtfertigt sich unter diesen Umständen, für das Beru-
fungsverfahren keine Gerichtsgebühr zu erheben und die weiteren Kosten des
zweitinstanzlichen Verfahrens (Kosten des Gutachtens und der amtlichen Vertei-
digung) auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Der Angeklagten sind im Berufungsverfahren keine erheblichen Umtriebe ent-
standen, weshalb ihr keine (reduzierte) Umtriebsentschädigung zuzusprechen ist.