Decision ID: 3dc3c76c-84c1-43bc-af16-edfd6d7a1bee
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherte) war als Sekretärin bei der Firma C._ tätig und
bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: Suva) gegen die
Folgen von Unfällen versichert, als sie am 14. Januar 2016 während ihrer Ferien in
D._ einen Unfall erlitt. Beim Herabsteigen einer Treppe knickte sie mit dem linken
Fuss um und stürzte etwa vier Treppenstufen hinunter (Suva-act. 1). Nach einer
Erstbehandlung in D._ konsultierte die Versicherte erstmals am 29. Januar 2016 ihren
Hausarzt, Dr. med. E._, Allgemeine Medizin FMH, welcher der Versicherten ab 1.
Februar 2016 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte (Suva-act. 1, 8, 19). Mit
Schreiben vom 3. Februar 2016 teilte die Suva der Versicherten mit, für den Unfall vom
14. Januar 2016 die gesetzlichen Leistungen (Heilkosten- und Taggeldleistungen) zu
erbringen (Suva-act. 2). Eine im Spital F._ am 18. Februar 2016 durchgeführte
computertomographische Untersuchung des linken Rückfusses brachte eine subakute,
minimal dehiszente Fraktur des Processus anterior calcanei und einen Fersensporn zur
Darstellung (Suva-act. 24), worauf der Versicherten im Spital F._ zur Ruhigstellung
eine Vacoped-Orthese angelegt und zur Entlastung Gehstöcke gegeben wurden (Suva-
act. 19, 30). Dr. E._ bescheinigte der Versicherten ab 19. Februar 2016 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 11, 19). Am 11. März 2016 wurde die Versicherte durch
Dr. med. G._, Arzt in der Chirurgischen Klinik des Spitals F._, untersucht, der
basierend auf einer im Spital F._ durchgeführten konventionellen radiologischen
Verlaufsuntersuchung (Suva-act. 25) eine nicht bis wenig dislozierte Abrissfraktur des
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Processus anterior calcanei links vom 14. Januar 2016 und einen symptomatischen
Fersensporn links diagnostizierte (Suva-act. 23).
A.b Im März 2016 traten bei der Versicherten durch den Gebrauch der Gestöcke
Schmerzen in beiden Handgelenken auf, weshalb sie diese nicht mehr benutzte (Suva-
act. 13, 19, 26, 52). Am 21. März 2016 wurde die Versicherte durch Dr. med. H._,
Facharzt FMH für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, Orthopädie I._, untersucht,
der eine Überlastungsarthropathie beider Handgelenke bei Zustand nach Stockgehen
und den Verdacht auf Kompressionen der Nervi mediani diagnostizierte und der
Versicherten eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte (Suva-act. 26, 31). Am 6. April
2016 stellte sich die Versicherte bei Dr. med. J._, Facharzt FMH Rheumatologie, vor,
der das Problem als Überlastungs-Tendinopathie mit Epicondylitis radialis der
Handextensoren, höchstwahrscheinlich als Folge des Stockgebrauchs wegen
Calcaneus-Fraktur, beurteilte (Suva-act. 29). Dr. J._ stellte ihr gleichentags eine
Physiotherapieverordnung zur Behandlung einer Epicondylitis radialis aus (Suva-act.
33). Ab 19. Juli 2016 wurde der Versicherten wieder eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
bescheinigt (Suva-act. 42, 46). Am 15. August 2016 bejahte Suva-Kreisärztin Dr. med.
K._, Fachärztin für Chirurgie, einen überwiegend wahrscheinlichen
Kausalzusammenhang zwischen den geklagten Handgelenksbeschwerden und dem
Unfall vom 14. Januar 2016 (Suva-act. 43), worauf die Suva auch für die
Handgelenksproblematik die gesetzlichen Leistungen erbrachte (Suva-act. 44).
A.c Am 24. August 2016 teilte die Versicherte der Suva mit, dass es ihr besser gehe
und sie seit dem 16. August 2016 wieder zu 100% arbeite. Der Fuss sei soweit ziemlich
gut verheilt, das Hauptproblem seien noch die Handgelenksbeschwerden (Suva-act.
47, vgl. auch Suva-act. 48, 52). Am 19. September 2016 berichtete die Versicherte der
Suva allerdings von einer erneuten Verschlechterung der Handgelenksproblematik,
weshalb sie wieder für zwei Wochen arbeitsunfähig geschrieben sei (Suva-act. 49, vgl.
auch Suva-act. 51).
A.d Am 22. September 2016 verneinte Suva-Kreisärztin Dr. med L._, Fachärztin für
Neurochirurgie, einen überwiegend wahrscheinlichen Kausalzusammenhang zwischen
den aktuellen Handgelenksbeschwerden und dem Unfall vom 14. Januar 2016. Es
habe sich um eine vorübergehende Verschlimmerung gehandelt. Der Status quo sine
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sei spätestens im August 2016 erreicht gewesen (Suva-act. 53). Bezugnehmend auf die
kreisärztliche Beurteilung orientierte die Suva die Versicherte mit Schreiben vom 23.
September 2016, dass sie die Leistungen bezüglich der beidseitigen
Handgelenksbeschwerden per 7. Oktober 2016 einstelle. Die heute bestehenden
Handgelenksbeschwerden seien nicht mehr unfallbedingt und der Zustand, wie er sich
auch ohne den Unfall vom 14. Januar 2016 eingestellt hätte, sei spätestens am 31.
August 2016 erreicht gewesen (Suva-act. 55).
A.e Am 5. und 21. Oktober 2016 sowie am 28. November 2016 wurde die Versicherte
durch Dr. med. M._, Ärztin der Chirurgischen Klinik des Spitals Z._ untersucht, die
unklare Handgelenksbeschwerden beidseits, differentialdiagnostisch persistierende
Tendovaginitiden beidseits, rheumatisch bedingt, eine Überlastungsarthropathie beider
Handgelenke bei Zustand nach Stockentlastung sowie einen Status nach Epicondylitis
radialis links, höchstwahrscheinlich eine Folge der Stockentlastung bei Status nach
Calcaneusfraktur Februar 2016, diagnostizierte und der Versicherten vom 5. bis 21.
Oktober 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigte. Therapeutisch verordnete
sie ihr eine Ergotherapie (Suva-act. 65, 68, 76, 78). Dr. M._ hatte die Handgelenke
der Versicherten ausserdem röntgenologisch (Suva-act. 80), kernspintomographisch
(Suva-act. 79) sowie neurologisch (Suva-act. 77) untersuchen lassen. Die
neurologische Untersuchung einschliesslich ENG-Untersuchung war durch Dr. med.
N._, Facharzt für Neurologie FMH, durchgeführt worden.
A.f In einer ärztlichen Beurteilung vom 14. Dezember 2016 nahm Kreisärztin Dr. L._
ausführlich zum Schadenfall Stellung (Suva-act. 82).
A.g Am 16. Dezember 2016 verlangte die Versicherte von der Suva eine anfechtbare
Verfügung (Suva-act. 84), worauf diese die Einstellung ihrer Leistungen per 7. Oktober
2016 am 16. Dezember 2016 verfügte (Suva-act. 86).
B.
Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache (Suva-act. 87) wies die Suva mit
Einspracheentscheid vom 21. April 2017 ab (Suva-act. 96).
C.
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C.a Mit einer vom 26. Mai 2017 datierten Eingabe erhob B._ für die Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführerin) bei der Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
gegen den Einspracheentscheid vom 21. April 2017 Einsprache (richtig: Beschwerde)
mit dem sinngemässen Antrag, der angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben
und der Beschwerdeführerin seien über den 7. Oktober 2016 hinaus die gesetzlichen
Leistungen aus der Unfallversicherung zu erbringen (act. G 1.3).
C.b Mit Schreiben vom 6. Juni 2017 überwies die Beschwerdegegnerin die
Beschwerde vom 26. Mai 2017 zur weiteren Bearbeitung an das
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich (act. G 1.3.2). Mit Beschluss vom 21.
August 2017 trat dieses auf die Beschwerde mangels örtlicher Zuständigkeit nicht ein
(act. G 1.2.1) und leitete die Beschwerde nach Eintritt der Rechtskraft des
vorgenannten Beschlusses am 17. November 2017 zuständigkeitshalber dem
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen weiter (act. G 1).
C.c Mit Schreiben vom 29. November 2017 ersuchte der Präsident des
Versicherungsgerichts B._ um Unterzeichnung der Beschwerdeschrift und mangels
dessen eigener Berechtigung zur Rechtsmittelerhebung um Nachreichung einer
schriftlichen Vertretungsvollmacht der Beschwerdeführerin (act. G 3). B._ kam den
Aufforderungen fristgerecht nach (act. G 4).
C.d In der Beschwerdeantwort vom 29. Januar 2018 beantragte die
Beschwerdegegnerin Nichteintreten auf die Beschwerde und eventuelle Abweisung der
Beschwerde (act. G 6).
C.e Die Beschwerdeführerin hat auf die Einreichung einer Replik verzichtet (act. G 8).
C.f Zur Überprüfung der Rechtzeitigkeit der Beschwerdeerhebung ersuchte das
Versicherungsgericht die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 29. April 2019 um
Einreichung des Originalkuverts, mit welchem die Beschwerde eingereicht worden war,
oder - falls dieses vernichtet worden sei - um einen besser lesbaren Ausdruck des
gescannten Originalkuverts. Für den Fall, dass beides nicht möglich sein sollte, wurde
die Beschwerdegegnerin um Mitteilung bzw. Bestätigung ersucht, ob bzw. dass der
Poststempel bereits auf dem Originalkuvert nicht lesbar gewesen sei (act. G 9).
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C.g Mit Schreiben vom 10. Mai 2019 teilte die Beschwerdegegnerin dem
Versicherungsgericht mit, dass das Originalkuvert nicht in ihrem Besitz sei. Eventuell
liege es bei den ans Versicherungsgericht übermittelten Akten des
Sozialversicherungsgerichts Zürich. Andernfalls sei davon auszugehen, dass es
vernichtet worden sei. Die Frage, ob der Poststempel bereits auf dem Originalumschlag
unlesbar gewesen sei, könne nicht beantwortet werden. Einen besser lesbaren
Ausdruck des gescannten Originalumschlags könne nicht beschafft werden (act. G 10).
C.h Mit Schreiben vom 14. Mai 2019 räumte das Versicherungsgericht der
Beschwerdeführerin die Gelegenheit ein, zur Rechtzeitigkeit der Beschwerdeerhebung
Stellung zu nehmen (act. G 11). Die Beschwerdeführerin liess sich innert Frist nicht
vernehmen.

Erwägungen
1.
In formeller Hinsicht hat die Beschwerdegegnerin den Antrag auf Nichteintreten wegen
verspäteter Beschwerdeerhebung gestellt (vgl. act. G 6).
1.1 Gemäss Art. 56 in Verbindung mit Art. 60 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) ist eine Beschwerde
innerhalb von 30 Tagen nach der Eröffnung des Einspracheentscheids einzureichen.
Berechnet sich eine Frist nach Tagen oder Monaten und bedarf sie der Mitteilung an
die Parteien, so beginnt sie am Tag nach ihrer Mitteilung zu laufen (Art. 38 Abs. 1
ATSG). Ist der letzte Tag der Frist ein Samstag, ein Sonntag oder ein vom Bundesrecht
oder vom kantonalen Recht anerkannter Feiertag, so endet sie am nächstfolgenden
Werktag. Massgebend ist das Recht des Kantons, in dem die Partei oder ihr Vertreter
beziehungsweise ihre Vertreterin Wohnsitz oder Sitz hat (Art. 38 Abs. 3 ATSG). Gemäss
Art. 39 ATSG müssen schriftliche Eingaben spätestens am letzten Tag der Frist dem
Versicherungsträger eingereicht oder zu dessen Hand der Schweizerischen Post oder
einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben
werden.
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1.2 Die Beweislast für die Rechtzeitigkeit einer Parteihandlung im Verfahren trägt
grundsätzlich jene Partei, welche diese Handlung vorzunehmen hat. Wo für die
Ausübung eines Rechts die Verwirkungsfrist läuft, trägt demgemäss die das Recht
ausübende Partei die Beweislast für die Einhaltung der Frist. Wird für die Übermittlung
einer schriftlichen Eingabe die Post benützt, umfasst die Beweislast für die
fristgerechte Rechtsausübung insbesondere das Beweisrisiko für die rechtzeitige
Postaufgabe. Eine Umkehr der Beweislast greift lediglich Platz, wenn die Partei den
Beweis der Rechtzeitigkeit aus Gründen nicht erbringen kann, die von der Behörde zu
verantworten sind (BGE 92 I 257 E. 3). Im Falle der Beweislosigkeit fällt der Entscheid
zu Ungunsten jener Partei aus, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt
Rechte ableiten wollte (BGE 117 V 263 E. 3b). Der oder die Rechtssuchende -
vorliegend die Beschwerdeführerin - trägt damit die Beweislast für die Rechtzeitigkeit
der Erhebung eines Beweismittels bzw. der Beschwerde (BGE 142 V 391 E. 2.2; zum
Ganzen Urteil des Bundesgerichts vom 27. April 2017, 6B_99/2017, E. 3.6).
1.3 Der Einspracheentscheid vom 21. April 2017 wurde der Beschwerdeführerin am
25. April 2017 zugestellt (vgl. Sendungsverfolgung, abgerufen am 22. November 2017
[act. G 0]). Die 30-tägige Frist begann somit am 26. April 2017 zu laufen und endete -
weil am 25. Mai 2017 im Kanton St. Gallen ein anerkannter Feiertag war (Auffahrt; vgl.
Art. 2 lit. b des Gesetzes über Ruhetag und Ladenöffnung [RLG; sGS 552.1]) - am 26.
Mai 2017. Eine zuerst bei einer unzuständigen Behörde eingereichte und von dieser
sodann dem zuständigen Versicherungsgericht übermittelte Eingabe hat bei
grundsätzlicher Einhaltung der Beschwerdefrist als rechtzeitig erhoben zu gelten (vgl.
dazu Art. 60 Abs. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 39 Abs. 2 ATSG, Art. 58 Abs. 3 ATSG;
UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2015, Art. 39 N 15 ff., Art.
58 N 40).
1.4 Die vorliegende Beschwerdeschrift trägt zwar das Datum vom 26. Mai 2017. Laut
Information der Beschwerdegegnerin vom 22. November 2017 ist die mit A-Post
versandte Beschwerde bei ihr aber erst am 30. Mai 2017 eingegangen (vgl. Annotation
auf der ersten Seite des Dokuments im Attachment, act. G 2). Die Zustellung einer A-
Post-Sendung an den Adressaten erst vier Werktage nach deren Aufgabe auf der Post
erscheint unüblich. Auch fällt auf, dass der Vertreter der Beschwerdeführerin - auch
wenn er nicht von einer verpassten bzw. abgelaufenen Eingabefrist spricht - in der
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Beschwerde festhält, dass "sie mit der Frist knapp seien" (act. G 1.3). Der Zeitpunkt
der Aufgabe einer A-Post-Sendung lässt sich lediglich anhand des bei deren Annahme
bzw. Bearbeitung durch die Post auf dem Briefumschlag angebrachten Poststempels
feststellen. Die Beschwerdegegnerin reichte mit den Akten einen Scan-Ausdruck des
Kuverts ein, mit welchem die Beschwerdeführerin die Beschwerde eingereicht hatte
(Suva-act. 97-4). Auf dem Scan-Ausdruck ist allerdings der Poststempel, welcher
Aufschluss über den Zeitpunkt der Aufgabe der mit A-Post versendeten Beschwerde
geben würde, nicht lesbar. Anhand des Scan-Ausdrucks des Kuverts lässt sich somit
nicht beweisen, wann die Beschwerde der Post übergeben worden ist. Seitens der
Beschwerdegegnerin konnte weder das Originalkuvert noch ein besser lesbarer Scan-
Ausdruck beigebracht werden (act. G 9 f.). Die Beschwerdegegnerin vermochte zwar
nicht zu bestätigen, dass der Poststempel bereits auf dem Originalkuvert nicht lesbar
gewesen sei, womit die Frage einer Beweislastumkehr zu stellen wäre. Eine solche
Vorkehr drängt sich jedoch nicht auf, nachdem der Poststempel auf dem Scan so
unleserlich ist, dass anzunehmen ist, dass der Poststempel auch auf dem
Originalkuvert nicht leserlich gewesen ist.
1.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass mit Blick auf die Akten die Rechtzeitigkeit
der Beschwerdeerhebung nicht belegt ist. Damit liegt Beweislosigkeit vor, deren Folgen
die Beschwerdeführerin zu tragen hat, und es kann auf die Beschwerde nicht
eingetreten werden.
2.
2.1 Selbst wenn auf die Beschwerde eingetreten werden könnte, wäre diese materiell-
rechtlich abzuweisen.
2.2 Die Beschwerdegegnerin hat für den Unfall vom 14. Januar 2016 Heilkosten- und
Taggeldleistungen erbracht und diese per 7. Oktober 2016 eingestellt. Das Dahinfallen
der Unfallkausalität per 7. Oktober 2016 bezüglich der weiterdauernden
Handgelenksbeschwerden begründet sie im Wesentlichen gestützt auf die ärztliche
Beurteilung von Dr. L._ vom 14. Dezember 2016 (Suva-act. 82). Dass Dr. L._ ihre
Beurteilung ausschliesslich aufgrund der Akten abgegeben und die
Beschwerdeführerin nicht selbst untersucht hat, stünde dem Beweiswert ihrer
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Beurteilung nicht entgegen. Eine reine Aktenbeurteilung kann beweiskräftig sein, sofern
- wie im konkreten Fall - ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur
um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen
Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in
den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts vom 18. Juni 2014, 9C_196/2014, E.
5.1.1). Dr. L._ legt in ihrer Beurteilung die Anamnese ("aktenmässiger Verlauf") bzw.
die Ergebnisse der im konkreten Fall durchgeführten persönlichen Untersuchungen der
Beschwerdeführerin lückenlos dar. Auch der Einwand des Vertreters der
Beschwerdeführerin - es wäre die Pflicht der Kreisärztin gewesen, die angebliche
Inkompetenz des Hausarztes festzustellen und eine alternative Behandlung
vorzuschlagen, was eine persönliche Untersuchung erfordert hätte - würde die reine
Aktenbeurteilung nicht in Frage zu stellen vermögen. Die Aufgabe der Kreisärztin
bestand in einer Kausalitätsbeurteilung der Handgelenksbeschwerden und nicht in
einer Therapiebeurteilung bzw. -steuerung. Im Rahmen einer Kausalitätsbeurteilung
kann zwar den ärztlich gewählten Untersuchungsanordnungen und Therapien insofern
Bedeutung zukommen, als sich ein Heilungsprozess durch eine ärztliche
Fehlbehandlung verlängern kann, was wiederum zu einem späteren Dahinfallen der
Unfallkausalität führen kann. Dass Dr. E._ oder die weiteren untersuchenden bzw.
behandelnden Ärzte in irgendeiner Weise inkompetent gehandelt hätten bzw. falsch
vorgegangen wären, ist jedoch in keiner Weise belegt. So wies Dr. E._ die
Versicherte nach Auftreten der Handgelenksbeschwerden ohne aktenkundige
Verzögerung dem Facharzt Dr. H._ zu, der die Beschwerdeführerin am 21. März 2016
untersuchte und sie für eine EMG-Untersuchung zum Ausschluss eines
Karpaltunnelsyndroms (nachfolgend: KTS) anmeldete. Eine Steroidinfiltration erachtete
Dr. H._ zum damaligen Zeitpunkt als nicht angebracht und verordnete der
Beschwerdeführerin dafür Flector Pflaster (Suva-act. 26). Am 6. April 2016 folgte eine
Untersuchung durch einen weiteren Facharzt, Dr. J._, der gleichentags eine
Physiotherapie verordnete (Suva-act. 29, 33). Am 28. April 2016 verlängerte Dr. E._
die Physiotherapieverordnung (Suva-act. 35). Es besteht kein Hinweis darauf, dass eine
Physiotherapie keine adäquate Therapie gewesen wäre. So begründete Dr. J._ in
seinem Bericht vom 15. April 2016 seine Therapiewahl damit, dass die Überlastung
durch Physiotherapie günstig beeinflusst werden können sollte (Suva-act. 29). Dr.
M._ verordnete der Beschwerdeführerin schliesslich zwar am 5. Oktober 2016 eine
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Ergotherapie, worauf sich die Beschwerdesituation offensichtlich verbesserte (vgl.
Suva-act. 76). Die beiden Therapiearten unterscheiden sich jedoch nicht derart, dass
bei Durchführung (nur) einer Physiotherapie ohne Weiteres von einer Fehlbehandlung
gesprochen werden könnte.
2.3
2.3.1 Für die Annahme fortbestehender unfallkausaler somatischer Restfolgen wird
grundsätzlich eine strukturelle Läsion bzw. eine schlecht verheilte strukturelle Läsion
als objektivierbares Korrelat verlangt. Objektivierbar sind Ergebnisse, die
reproduzierbar und von der Person des Untersuchenden und den Angaben des
Patienten bzw. der Patientin unabhängig sind. Folglich wird von objektiv
ausgewiesenen organisch-strukturellen Unfallfolgen hauptsächlich dann gesprochen,
wenn die erhobenen Befunde mit - wissenschaftlich anerkannten - apparativen/
bildgebenden Abklärungen (Röntgen, MRI, CT, EEG) bestätigt werden (vgl. BGE 134 V
121 f. E. 9, 134 V 232 E. 5.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 28. Oktober
2009, 8C_216/2009, E. 2; SVR 2007 UV Nr. 25 S. 82 E. 5.4 mit Hinweisen [U 479/05]).
Angesichts der unbestrittenen Tatsache, dass die Beschwerdeführerin beim Unfall vom
14. Januar 2016 keine primäre strukturelle Verletzung im Bereich der Handgelenke
erlitt, sondern erst das unfallbedingte Gehen an Gehhilfen zu ihrer
Handgelenksproblematik im Sinne eines sekundären unfallkausalen
Gesundheitsschadens führte, wären mit strukturellen Veränderungen typische
Überlastungspathologien gemeint.
2.3.2 Der von der Beschwerdeführerin am 21. März 2016 konsultierte Dr. H._
erhob klinisch eine normale Sensotrophik, eine allseits freie Beweglichkeit und kein
Tinel, höchstens Schmerzen beim Beklopfen der Mediane. Einzig der Phalen-Test war
positiv. Das Röntgenuntersuchungsergebnis war unauffällig. Dr. H._ interpretierte die
Handgelenksbeschwerden in erster Linie als Überlastung, stellte jedoch bereits damals
fest, dass sich keine grobe Pathologie finde. Ausschliessen müsse man sicher ein KTS.
Seine Beurteilung spiegelt sich auch in seiner Diagnose "Überlastungsarthropathie
beider Handgelenke bei Zustand nach Stockgehen" wider (Arthropathie =
Gelenkerkrankung mit sekundär entzündlichen und nicht entzündlichen Vorgängen [vgl.
ROCHE LEXIKON, Medizin, 5. Aufl., München 2003, S. 134; PSCHYREMBEL,
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Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl. Berlin 2017, S. 152]; Suva-act. 26). Am 6. April 2016
wurde die Beschwerdeführerin bei Dr. J._ vorstellig, der die Schmerzproblematik als
Überlastungs-Tendinopathie mit Epicondylitis radialis Handextensoren links,
höchstwahrscheinlich in Folge Stockgebrauch wegen Calcaneus-Fraktur einstufte
(Suva-act. 29). Bei fortdauernden Handgelenksbeschwerden wurde die
Beschwerdeführerin schliesslich am 5. und 21. Oktober sowie am 28. November 2016
(Suva-act. 76, 78, 68) Dr. M._ vorgestellt. Diese liess die Beschwerdeführerin durch
Dr. N._ neurologisch, insbesondere bezüglich eines KTS, abklären. Sowohl das
klinische neurologische als auch das ENG-Untersuchungsergebnis waren jedoch
unauffällig, worauf Dr. N._ diagnostisch ein KTS oder eine radikuläre Ursache
verneinte und feststellte, dass die Beschwerden am ehesten als
Streckersehnentendopathie am Unterarm imponierten (Suva-act. 77). Bei der zudem
veranlassten MRI-Untersuchung beider Handgelenke im Spital F._ vom 19. Oktober
2016 kamen ebenfalls keine massgebenden Gesundheitsschäden zur Darstellung. Die
Bildgebung zeigte insbesondere keinen Anhalt für eine - bei einer Gelenküberlastung zu
erwartende - Tendinitis oder Tendinopathie der dargestellten Handsehnen (Suva-act.
79). Basierend auf diesen Untersuchungsergebnissen diagnostizierte Dr. M._ unklare
Handgelenksbeschwerden beidseits, differentialdiagnostisch persistierende
Tendovaginitiden beidseits, rheumatisch bedingt, eine Überlastungsarthropathie beider
Handgelenke bei Zustand nach Stockentlastung und einen Status nach Epicondylitis
radialis links, höchstwahrscheinlich eine Folge der Stockentlastung bei Status nach
Calcaneusfraktur Februar 2016 (Suva-act. 68). Dr. L._ kam in ihrer Beurteilung in
ausführlicher Auseinandersetzung mit der vorliegenden Aktenlage zum überzeugenden
Schluss, dass keine strukturellen Veränderungen durch die unfallbedingte
Stockentlastung nachweisbar seien, die ein Anhalten der Handgelenksbeschwerden
infolge des Unfalls erklären würden. Gemäss der dargelegten ärztlichen
Untersuchungsergebnisse habe sich offenbar keine organische Ursache der geklagten
Handgelenksbeschwerden objektivieren lassen. Vor allem radiologisch hat sich kein
Beschwerdegrund erkennen lassen. Doch auch klinisch zeigten sich die Befunde
normal (Suva-act. 91).
2.4
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2.4.1 Beruhend auf der in Erwägung 2.3.2 dargelegten Sachlage einer
Überlastungssituation ohne objektivierbare strukturelle Gesundheitsschäden wäre
davon auszugehen, dass Dr. L._ schlüssig und überzeugend nur von vorübergehend
durch den Unfall bzw. die unfallbedingte Stockentlastung erklärbaren
Handgelenksbeschwerden ausgegangen wäre (Suva-act. 91).
2.4.2 Die Beschwerdeführerin benutzte die Gehhilfen nach dem Unfall laut eigenen
Angaben bis zum Beginn der Handgelenksbeschwerden im März 2016 (Suva-act. 52).
Kreisarzt Dr. K._ hatte am 15. August 2016 eine Überlastungsproblematik durch die
Stockentlastung bestätigt, dementsprechend sich die Beschwerdegegnerin zunächst
auch als leistungspflichtig betrachtet hatte. Er stellte sich jedoch - übereinstimmend
mit Dr. L._ - auf den Standpunkt, dass die Beschwerden sechs Wochen nachdem
keine Gehilfen mehr gebraucht worden seien, wieder verschwunden sein sollten (Suva-
act. 43). Auch Dr. L._ ging betreffend Handgelenksbeschwerden von einem Status
quo sine bzw. Dahinfallen der Unfallkausalität sechs Wochen nach Beendigung der
Stockentlastung aus (Suva-act. 91). Im konkreten Fall könnten indirekte Unfallfolgen im
Bereich beider Handgelenke nur insofern angenommen werden, als diese durch das
Gehen an den Gehhilfen verursacht wurden. Fällt die Ursache (das Gehen an den
Gehhilfen) einer Folgeerscheinung bzw. Überlastungssituation weg, leuchtet die
Heilung derselben zeitlich parallel oder zumindest nach einer gewissen Zeit insofern
ein, als Gesundheitsschäden im Regelfall einem Heilungsprozess unterliegen. Der
alleinige Umstand, dass eine versicherte Person nach einem Unfallereignis
fortdauernde Beschwerden beklagt, begründet keine andauernde Leistungspflicht des
Unfallversicherers.
2.4.3 Auch die übrigen ärztlichen Unterlagen würden keinen Anhalt für eine sechs
Wochen überschreitende Heilungsdauer der indirekten Unfallfolgen bieten. In diesem
Zusammenhang ist zu wiederholen, dass bereits Dr. H._ festgestellt hat, dass sich
keine grobe Pathologie habe finden lassen (Suva-act. 26). Während die von Dr. H._
und Dr. J._ (Suva-act. 26, 29) angeführten Diagnosen noch eine im Zusammenhang
mit dem Gehen an Krücken stehende Erkrankung der Sehnen bzw. Sehnenansätze
definiert haben und zur anfänglichen Bejahung einer Leistungspflicht durch die
Beschwerdegegnerin geführt haben, wird mit den Diagnosen von Dr. M._ (Suva-act.
68) einzig noch das Beschwerdebild fassbar gemacht, ohne dieses eindeutig einem
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organischen Korrelat zuzuordnen. Indem Dr. M._ hinzugefügt von unklaren
Handgelenksbeschwerden spricht, macht sie ausserdem das Unwissen bezüglich
deren Ätiologie deutlich, womit eine überwiegend wahrscheinlich indirekte
Unfallbedingtheit der Handgelenksbeschwerden entfallen würde. Das
Ursachenspektrum von Handgelenksbeschwerden ist vielfältig und müsste in keiner
Weise mehr in der Überbelastung durch das ehemalige Gehen an Gehhilfen liegen. So
ist beispielsweise zu bedenken, dass die Beschwerdeführerin als Sekretärin eine die
Handgelenke belastende Tätigkeit ausübt. In Differentialdiagnosen sind nur mögliche
unfallbedingte oder eben auch unfallfremde Gesundheitsschädigungen zu sehen. Alle
angeführten Differentialdiagnosen sind grundsätzlich möglich, womit jedoch kein
konkreter - wie im Sozialversicherungsrecht gefordert - überwiegend wahrscheinlicher
Sachverhalt - und schon gar keine unfallbedingte Gesundheitsschädigung -
nachgewiesen wäre (vgl. LOCHER/GÄCHTER, a.a.O., § 70 N. 58 f.). Die von Dr. M._
angeführte Statusdiagnose sagt schliesslich nur aus, dass früher eine Epicondylitis
radialis vorgelegen habe ("Status nach") und diese höchstwahrscheinlich eine Folge
der Stockentlastung gewesen sei. Über die Dauer der überlastungsbedingten
Epicondylitis wird damit jedoch nichts ausgesagt.
2.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass keine Indizien vorliegen würden, welche
gegen die Zuverlässigkeit der Beurteilung von Dr. L._ sprechen würden. Demnach
wäre davon auszugehen, dass die natürliche Kausalität zwischen dem Unfall vom 14.
Januar 2016 und den anhaltenden beidseitigen Handgelenksschmerzen aufgrund der
vorliegenden medizinischen Akten spätestens bis zum Zeitpunkt der
Leistungseinstellung (7. Oktober 2016) überwiegend wahrscheinlich dahingefallen ist.
Dabei wäre auch dem Umstand Rechnung zu tragen, dass der
Leistungseinstellungszeitpunkt angesichts der kreisärztlichen Beurteilung von Dr. L._
- Erreichen des Status quo sine sechs Wochen nach Beendigung der Stockentlastung -
grosszügig erscheint, indem er dem Heilungsprozess weitere Monate einräumte.
Immerhin hatte die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Leistungseinstellung die
Gehhilfen seit gut einem halben Jahr nicht mehr benutzt. Zudem war sie ab Mitte
August 2016 für drei bis vier Wochen praktisch beschwerdefrei gewesen (Suva-act.
52). Dies liesse an einer längerdauernden unfallbedingten Überlastungssituation
zusätzlich zweifeln. Die Beschwerde wäre bei einer materiell-rechtlichen Beurteilung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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folglich abzuweisen. Wegen der verspäteten Beschwerdeerhebung kann auf die
Beschwerde aber, wie in Erwägung 1 dargelegt, nicht eingetreten werden.
3.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).