Decision ID: 9e83ff13-31bf-5b81-8a1d-b2cff7abd57b
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1955, meldete sich am
25. Oktober 2015
unter Hinweis auf
ein Burnout, einen Unfall sowie eine Entlassung
bei der Invalidenver
siche
rung zum Leistungsbezug an (Urk.
6/5
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
wies
das Leistungsbegehren
mit Verfügung vom 21.
Mai 2013 (Urk. 6/
31) ab.
1.2
Der Versicherte meldete sich am 30. März 2016 unter Hinweis auf ein Burnout bzw. eine Erschöpfungsdepression sowie einen Unfall erneut bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/40). Die IV-Stelle klärte die medizi
nische und erwerbliche Situation ab und zog Akten der Pensionskasse
des Versi
cherten, unter anderem das psychiatrische Gutachten von
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
, vom 4. April 2016 sowie das
psychiatrische Verlaufsgutachten vom 16. Juli 2017,
bei (Urk. 6/50-51; Urk. 6/65-67; Urk. 6/71). Die IV-Stelle teilte dem Versicherten am 9. Mai 2016 mit, dass aufgrund seines Gesundheitszustandes zurzeit keine beruflichen Ein
gliederungsmassnahmen möglich seien (Urk. 6/52).
Nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(Urk. 6/69 = Urk. 6/73; Urk. 6/72; Urk. 7/74/1) wies die IV
Stelle
das Leistungsbegehren
mit Verfügung vom 27. Oktober 2017 (Urk. 6/79
= Urk. 2
) ab.
Die zuständige Pensionskasse sprach dem Versicherten eine Vollrente zu (vgl.
Urk.
6/65).
2.
Der Versicherte erhob am
24. November 2017
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
27. Oktober 2017
(Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
die IV-Stelle zu verpflichten, ihm die gesetzlichen Leistungen in Form einer Rente zu gewähren
(Urk.
1 S.
2
Ziff. 1
). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
10. Januar 2018
(Urk.
5
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Replik vom 5. März 2018 (Urk. 8) hielt der
Beschwerdeführer
an seinen Anträgen fest. Mit Eingabe vom 27. März 2018 (Urk. 11) verzichtete die
Beschwerdegegnerin
auf das Einreichen einer Duplik.
Dies wurde dem Beschwerdeführer am
28. März 2018
zur Kenntnis gebracht (Urk.
12
).
Mit Verfügung vom 13. März 2019 (Urk. 13) wurde der psychiatrische Gutachter
Dr.
Y._
um eine vertiefte Stellungnahme ersucht (vgl. Urk. 14), die er am 30. April 2019 erstattete (Urk. 16).
Diese
wurde den Parteien am 8. Mai 2019 zur Stellungnahme zugestellt (Urk. 18).
M
it Eingabe vom 20. Mai 2019
(Urk. 20) verzichtete die
Beschwerdegegnerin
auf das Einrei
chen einer Stellungnahme und der
Beschwerdeführer
liess sich innert Frist nicht vernehmen, worüber die Parteien am 19. Juni 2019 in Kenntnis gesetzt wurden (Urk. 21).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vor
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheit
lichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Alters
jahres folgt (Abs. 1). Der Anspruch entsteht nicht, solange die ver
sicherte Person ein Taggeld nach Art. 22 IVG beanspruchen kann (Abs. 2). Die Rente wird vom Beginn des Monats an
ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (Abs. 3). Beträgt der Invaliditätsgrad weniger als 50 %, so werden die entsprechenden Renten nur an Versicherte ausbezahlt, die ihren Wohnsitz und ihren gewöhnli
chen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben. Diese Voraussetzung ist auch von Angehörigen zu erfüllen, für die eine Leistung beansprucht wird (Abs. 4).
1.4
Wurde eine Rente
wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der ver
sicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzu
klären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfü
gung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andern
falls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E.
2b).
1.5
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.6
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheits
schaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Auf
bietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenaus
schliessen
des Erwerbs
ein
kommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_12
5/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.7
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl.
statt vieler: BGE
140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung
leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsver
mögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapier
barkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweis
würdigung miteinzubeziehen (BGE
143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbe
lastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.8
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.9
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (
fach
)ärztlicherseits
schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunfts
ängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vorder
grund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträch
tigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungs
zuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokultu
rellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbstän
digte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfä
higkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hin
reichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisieren
der psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad sei
ner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.10
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
ging
in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2)
davon
aus, dass die gesundheitlichen Einschränkungen des Beschwerde
führers in Folge Schwierigkeiten an seinem Arbeitsplatz aufgetreten seien. Es sei durchaus ver
ständlich, dass sich ein unangenehmes Arbeitsklima negativ auf die Befindlich
keit und so auf die Gesundheit auswirken könne. Jedoch werde davon ausgegan
gen, dass diese Auswirkungen nicht langandauernd seien (S. 1 unten). Zudem sei aus den
medizinischen Unterlagen ersichtlich, dass zwar eine Einschränkung des Gesundheitszustandes ausgewiesen sei, diese Einschränkung jedoch nicht zu einer erheblichen und langanhaltenden Arbeitsunfähigkeit führe. Mit den jetzt noch vorliegenden Einschränkungen sei es dem Beschwerdeführer möglich, die alltäg
lichen Aktivitäten wie Hausarbeit und Freizeit auszuüben. Er verfüge über genü
gend Ressourcen. In den vorhandenen Akten würden massgebliche nicht invali
ditätsrelevante Aspekte beschrieben. Es handle sich somit um keine Erkrankung, die bei der Invalidenversicherung versichert sei. Es sei damit nicht von einem invalidisierenden Gesundheitsschaden auszugehen und es bestehe kein Leistungs
anspruch (S. 2).
Daran hielt die
Beschwerdegegnerin
in ihrer Beschwerdeantwort (Urk. 5) fest.
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber beschwerdeweise (Urk. 1) geltend,
es könne entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin nicht auf die Ein
schätzung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) abgestellt werden
, hingegen könne dem psychiatrischen Gutachten
von
Dr.
Y._
vom Juli 2017 volle
r
Beweiswert zuerkannt werden. Zudem werde das Gutachten vollumfänglich durch die behandelnden Ärzte und Therapeuten bestätigt, wonach er aufgrund seiner Erkrankung nicht mehr erwerbsfähig sei. Es sei somit davon auszugehen, dass mindestens eine über vierjährige Arbeitsunfähigkeit vorliege (S. 12 f.
Rz
25 ff.). Zudem sei er mit einem Unterbruch, als es ihm
besser gegangen
sei und er wieder Arbeit gefunden habe, seit 2012 in ständiger, engmaschiger psychotherapeuti
schen Behandlung.
Auch
habe er Antidepressiva eingenommen und einen halb
stationären Aufenthalt hinter sich, ohne eine Besserung des Gesundheitszustan
des
e
rreich
t zu haben
. Es liege demnach eine Therapieresistenz vor (S. 14
Rz
32, S. 15
Rz
34).
Ausserdem gehe aus dem psychiatrischen Gutachten vom Juli 2017 hervor, dass er über keine Ressourcen verfüge, die es ihm ermöglichen würden, auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt eine Stell
e
zu finden (S. 19 f.
Rz
46).
Auch wenn invaliditätsfremde Aspekte zu seiner Krankheit beigetragen hätten, handle es sich aufgrund der vorliegenden
medizinischen Akten mittler
weile um ein verselbständigtes psychisches Leiden, dessen Auswirkungen es ihm verunmöglichten, eine Erwerbstätigkeit aufzu
nehmen (S. 23
Rz
53).
Daran hielt der
Beschwerdeführer
in seiner Replik (Urk. 8) fest.
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers und dabei insbesondere seine Arbeitsfähigkeit.
3.
Der Beschwerdeführer meldete sich am 25. Oktober 2015 erstmals bei der Invali
denversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/5). Die Beschwerde
gegnerin wies das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 21. Mai 2013 (Urk. 6/31) ab und begründete dies damit, dass der Beschwerdeführer l
aut Bericht von Dr.
phil
Z._
, Psychotherapeut, vom 27. März 2013 (vgl.
Urk. 6/23 = Urk. 6/36/1-3)
, der eine seit März 2011 bestehende Anpassungs
störung (ICD-10 F43.2) diagnostizierte,
im Zeitraum vom 1. Juni 2012 bis Ende Januar 2013 in der Ausübung einer beruflichen Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen einge
schränkt gewesen sei. Seit dem 1. Februar 2013 bestehe keine Einschränkung mehr und er sei wieder arbeitsfähig (S. 1).
4.
4.1
Dr.
Z._
(vorstehend E. 3)
nannte
in seinem Bericht vom 26. Januar 2016 (Urk. 6/36/4-6)
eine
seit März 2011
bzw. heute
bestehende
Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2)
sowie eine
mittlere depressive Episode (ICD-10 F32.1)
als Diagno
sen (Ziff. 1).
In Bezug auf die Krankheitsanamnese hielt
Dr.
Z._
fest, dass sich der Beschwerdeführer im Mai 2012 aus eigener Initiative in
seiner
Praxis mit der Klage über körperliche und psychische Erschöpfungszustände gemeldet habe. Diese Symptome kenne er schon aus der Zeit seiner zwei Burnout-Phasen vom November 1993 bis März 1994 und vom August 1997, als er durch die abrupte und undurchsichtige Auflösung des Arbeitsverhältnisses als Leiter der
A._
traumatisiert worden sei. Im März 2012 habe er einen schwe
ren Snowboard-Unfall mit Schädel-Hirntrauma erlitten, dessen Folgen sich auch psychisch geäussert hätten, unter anderem in einer raschen Ermüdbarkeit. Ab dem Zeitpunkt des Unfalls seien zusätzlich zu den sich aufgrund der hohen beruflichen und privaten Belastungen abzeichnenden Burnout-Symptomen vor allen
katatonen
Zustände hinzugekommen. Auch hab
e
er
derzeit
eine dreieinhalb Jahre
andauernde Ehescheidung durchstehen müssen, die ihn viel psychische Substanz gekostet habe. Die Schwere der Symptome habe seit April 2010 zuge
nommen, im Zusammenhang mit einer grossen beruflichen Belastung als Schul
leiter in
einer Gemeinde
. Seit 2010 sei er in medizinische
r
Betreuung beim Haus
arzt. Im April 2012 sei es zu einer unrechtmässigen Entlassung aus dem Job als Schulleiter gekommen. Die Art und Weise
,
wie dies geschehen sei
, sei
nichts anderes als ein Mobbing gewesen. Es habe ihn an die Entlassung von 1997 erinnert und ihn regelrecht traumatisiert (Ziff. 4).
Die letzte Untersuchung vom 20. Januar 2016 habe das vorbestehende Zustandsbild einer depressiven Störung bestätigt. Weil inzwischen im Leben des Beschwerdeführers neue, schwer belastende Ereignisse aufgetreten seien - unter anderem eine neuerliche faktische Entlassung aus dem Schuldienst sowie zermürbende Erfahrungen mit Ver
siche
rungen, Schulleitungen und Behörden - hätten sich die Sym
ptome noch verstärkt (Ziff. 5).
Für die Tätigkeit als Schulleiter bzw. Lehrer habe von Juni 2012 bis Februar 2013 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Seit September 2015 bis heute bestehe wiederum eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 6). Die Prognose sei unsicher. Zwar verfüge der Beschwerdeführer über einen reichen Fundus an Selbst
unterstützungsformen (Yoga, Bergsteigen, Meditieren, Mus
i
zieren), er könne auf diese aber überhaupt nicht mehr zugreifen (Ziff. 7).
4.2
Dr.
Y._
erstattete das von der Pensionskasse in Auftrag gegebene psychiatrische Gutachten am 4. April 20
16 (Urk.
6/51/1-23)
und
nannte eine
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11)
sowie ein
Erschöpfungssyndrom (ICD-10 Z73.0)
als Diagnosen (S. 16 Ziff.
F.2.1).
Der Beschwerdeführer habe gemäss eigenen Angaben seit März 2014 als Sekundarlehrer gearbeitet. Im N
ovember 2014 habe er wegen guten
berufliche
n
Leistungen noch einen Bonus erhalten und auch das Mitarbeitergespräch sei gut ausgefallen. Ab 2015 habe sich die Arbeitsatmosphäre an der Schule jedoch komplett verändert und sei «mobbingartig» geworden.
Mit dem Schulleite
r
sei zunehmend ein Konflikt entstanden. Weitere psychosoziale Belastungen seien schon vorgängig vorhanden gewesen oder neu dazugekommen, so eine unerwar
tete Trennung von seiner Freundin Ende 2013, hohe Schulden aus der Scheidung von seiner zweiten Ehefrau 2013, Konflikte des inzwischen 15
jährigen Sohnes mit dem Gesetz und Nachforderungen des Steueramts wegen einer angeblich falsch deklarierten Pensionierung durch die
Pensionskasse
. Bereits früher
habe
der Beschwerdeführer immer wieder mit diversen Schicksals
schlägen oder Unge
rechtigkeiten zu kämpfen
gehabt. So habe er bereits
von
1993 bis 1994 und
von
1997 bis 1998 an einem Burnout gelitten, als er nach einer überraschenden und undurchsichtigen Entlassung als Leiter der
A._
traumati
siert worden und deswegen in ambulanter psychiatrischer Behandlung gestanden sei.
Eine mehrere Jahre dauernde, schwere berufliche Belastung als Schulleiter seit 2010, eine mehrere Jahre dauernde Scheidung von der zweiten Ehefrau bis Anfang 2013, ein Snowboard-Unfall im März 2012 und eine Entlassung als Interims-Schulleiter nach erheblichen Konflikten mit der Schulbehörde seien als weitere, teils schwere psychosoziale Belastungen hinzugekommen.
Wegen der Erschöpfungssymptomatik und der psychischen Beschwerden sei der Beschwer
deführer ab Mai 2012 bereits ein erstes Mal bei
Dr.
Z._
in Behandlung gewe
sen. Nachdem sich
ein
Konflikt mit dem Schulleiter im September 2015 zugespitzt hatte, sei der Beschwerdeführer, der schon früher wiederholt an «Burnouts» gelitten habe, erneut in einen schweren Erschöpfungszustand geraten (S. 14 f. Ziff. F.1).
Die berufliche Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers als Sekundarlehrer sei aus psychiatrischer Sicht derzeit eingeschränkt. Diese Einschränkung ergebe sich aus den nachweisbaren psychopathologischen Befunden, namentlich
Konzentra
tions
- und Gedächtnisstörungen, Denkblockaden, Wertlosigkeits
gefühle, affek
tive Labilität, Antriebsmangel mit schwerer Erschöpfung, Schlafstörungen und wiederkehrende Suizidgedanken.
Die Durchhaltefähigkeit des Beschwerde
führers sei zurzeit vollständig beeinträchtigt. Er sei durch seinen Antriebsmangel, die erhöhte Erschöpfbarkeit und die ausgeprägte Erschöpfung gerade noch knapp in der Lage, den Alltag zu Hause ohne fremde Hilfe zu bewältigen, wobei tagsüber schon nach geringen Anstrengungen, wie beispielsweise dem Zubereiten des Frühstücks, immer wieder stundenlange Erholungsphasen notwendig seien, in denen er sich hinlegen und teilweise auch schlafen müsse. Die Kontaktfähigkeit sei schwer eingeschränkt. Fachliche Kompetenzen bringe er aufgrund seiner kognitiven Defizite sowie der Antriebsstörung nicht zustande und resigniere nach wenigen Minuten. Auch die Fähigkeit zur Selbstbehauptung sei stark beeinträch
tigt. Aus psychiatrischer Sicht bestehe daher für die angestammte Tätigkeit als Sekundarlehrer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
S. 18 f. Ziff.
F.
2.5
).
B
isher (seit Sommer 2015 und auch früher)
seien
sowohl die depressive Störung, als auch die vormalige Anpassungsstörung und die chronischen Schlafstörungen fast ausschliesslich psychotherapeutisc
h und ambulant behandelt worden
. Darunter sei seit der Krankschreibung am 2
2.
September 2015 keine wesentliche Besserung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsunfähigkeit erfolgt. Da sowohl zusätzliche
Therapieformen (antidepressive und schlaffördernde Psycho
pharmako
therapie) als auch alternative Therapiesettings (teilstationär oder sta
tionär) trotz gegebener Indikation bisher nicht angewendet worden seien, könne auch eine allfällige Berufsunfähigkeit nicht abschliessend beurteilt werden (S. 19 f.
Ziff.
F.
2.5).
Therapeutisch sollte aufgrund einer fehlenden Tagesstruktur, eines weitgehend sozialen Rückzugs, einer fehlenden Besserung unter alleiniger ambulanter Psychotherapie und einer weitgehend fehlenden psychosozialen Unterstützung eine mehrmonatige stationäre oder teilstationäre multimodale psychiatrische Behandlung durchgeführt werden. Dabei sollte ebenfalls eine adä
quate antidepressive und schlaffördernde Medikation gemäss den einschlägi
gen Behandlungsleitlinien zur Anwendung kommen. Erst danach sollte die bisherige ambulante Therapie wieder weitergeführt und mit zusätzlichen Fach
therapien ergänzt werden, etwa ambulanter Ergotherapie, regelmässigem Ent
spannungs
training und moderaten sportlichen Aktivitäten, aber auch regel
mässigen sozialen Kontakten (S. 20 Ziff. F.2.6).
Prognostisch sei in Bezug auf eine vollstän
dige Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit als Lehrperson vorerst noch von einem eher ungewi
ssen Heilverlauf auszugehen (S.
20 Ziff.
F.2.7).
4.3
In seinem Bericht vom 16. April 2016 (Urk. 6/46/5-7)
führte
Dr.
Z._
(vorste
hend E. 3)
aus, dass er den Beschwerdeführer seit Mai 2012 mit einigen Unter
brüchen bis heute behandle (Ziff. 1.2), und nannte
eine seit März 2011 bzw. heute bestehende Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2), eine mittlere depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11) sowie ein Erschöpfungs
syndrom (ICD-10 Z73.0) als Diagnosen (Ziff. 1.1). Der Beschwerde
führer leide an Kon
zentrationsstörungen, Gedächtnisstörungen, Denkblockaden, Wertlosigkeits
ge
fühlen, affektive
r
Labilität, Antriebsmangel mit schwerer Erschöpfung, Schlaf
stö
rungen und wiederkehrenden Suizidgedanken. Aufgrund diese
r
psychischen Beeinträchtigungen fehle ihm die Fähigkeit, über längere Zeit Stresssituationen zu bewältigen. Diese sei in pädagogischen Berufen (Lehrer, Schulleiter) absolute Voraussetzung für das erfolgreiche Bestehen im Berufsalltag. Die bisherige Tätig
keit als Schulleiter bzw. Lehrer sei dem Beschwerdeführer nicht mehr zumutbar (Ziff. 1.7). Aus psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht werde der Beschwerde
führer wohl nie mehr die gesundheitlichen Voraussetzungen erreiche
n
, um im Lehrerberuf zu bestehen (Ziff. 1.8).
4.4
Dr.
Z._
legte in seinem Verlaufsbericht vom 11. August
2016 (Urk.
6/58/4-6 = Urk.
6/63/4-6)
dar,
e
s bestehe aktuell eine mittlere bis schwere depressive Episode
(ICD-10 F32.1 bzw. F32.2)
.
Neu dazugekommen
seien
bzw. verstärkt h
ätten sich Ängste, die sich vor allem
auf die Untersicherheit der materiellen Aspekte und der zukünftigen Lebensgestaltung beziehen würden. Diese Ängste hätten aktuell (noch) nicht den Charakter einer zu klassierenden Angststörung, aber sie würden sich den depressiven Symptomen zunehmen
d
beimischen. Neu zu beobachten seien ebenfalls gewisse Tendenzen
zu einem dissoziativen Erleben (S. 2 unten).
Bis heute habe
mit dem Medikament
Wellbutrin
keine Zustands
ver
besserung erreicht werden können. Nach anfänglich schlechter Verträglichkeit sei zwar eine gewisse Stabilisierung der Gemütslage eingetreten, gleichzeitig
habe
der Beschwerdeführer eine Abnahme seiner Sensibilität und eine allgemeine Dämpfung aller Empfindungen
beklagt
, was ihn eher wieder stärker in depressive Zustände getrieben habe
. Unter der Wirkung des Medikamentes habe seine klare Wahrnehmung gelitten und sei das kreative Schaffen (Musik, bildnerisches Gestalten) ganz unmöglich geworden. Suizidgedanken seien häufig vorgekom
men und hätten sich gehäuft, weshalb das Medikament nach drei Monaten abge
setzt worden sei.
Es werde gegenwärtig versucht, den Beschwerdeführer zu einem weiteren Versuch mit einem
selektiven Serotonin-
Wiederaufnahmehemmer
(
SSRI
)
zu motivieren, was aber angesichts der beschriebenen schlechten Erfahrung sehr schwierig sei. Es fehle ihm nicht an gutem Willen, er scheine einfach auf die gängigen Antidepressiva schlecht bzw. paradox zu reagieren
(S. 2 oben).
Der
Beschwerdeführer
sei vollständig und auf lange Zeit, wohl bis zu seiner ordentlichen Pensionierung
,
als Lehrer berufsuntauglich. Um eine allfällige behinderungsangemessene berufliche Tätigkeit zu diskutieren, müss
t
e zuerst eine genügend lange Rehabilitationszeit, die frei von Druck und Leistungsd
rohung sei, eingerichtet werden. Der Beschwerdeführer verfüge über ausserordentlich viele Talente und Ressourcen - er sei ein kreativer, sensibler, musischer Mensch -, die er aber im bestehenden Zustand für keine Erwerbstätigkeit nutzen könne, höchstens zur Unterstützung der therapeutischen Arbeit (S. 2 unten).
4.5
Med.
pract
. B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
C._
, berichtete in seinem Austrittsbe
richt vom 27. Oktober 2016 (Urk. 6/61) über die teilstationäre Behandlung des Beschwerdeführers
vom
9. Mai bis zum 3. August
2016, und nannte eine
depressive Episode mittelschweren Ausmasses mit somatischem Syndrom und ausgeprägter Erschöpf
ungssymptomatik (ICD-10 F32.11) als Diagnose
n
. Der Beschwerdeführer sei auch während der Zeit in der Tagesklinik bei
Dr.
Z._
psychotherapeutisch und medikamentös antidepressiv behandelt worden. Ihrer
seits sei ihm daher ergänzend Ergotherapie und Gesprächstherapie in der Gruppe angeboten
worden. Zudem sei er in den Gesamtalltag der Tagesklinik eingebun
den gewesen und habe Einzelgespräche gehabt. Das Pensum sei auf zwei Tage pro Woche festgesetzt worden, da dies nebst der psychotherapeutischen Behand
lung als ausreichend einzuschätzen gewesen sei. Damit habe er auch noch genü
gend Zeit einrichten können, um seinen Alltag weiterhin zu Hause zu bewältigen
(S. 1).
Die teilstationäre Behandlung sei vom Beschwerdeführer positiv erlebt worden, habe jedoch nicht zu einer wesentlichen Verbesserung geführt.
Da keine Fort
schritte durch eine Fortführung der teilstationären Therapie zu erwarten gewesen sei, sei der Austritt mit ihm beschlossen worden.
Eine Arbeitsfähigkeit im ange
stammten Beruf sei während der Behandlungszeit nicht gegeben gewesen. Ein beruflicher Wiedereinstieg sei voraussichtlich auch längerfristig bei der Ausge
prägtheit der Symptomatik und der bisher langen Verlaufszeit der depressiven Grunder
krankung eher nicht zu erwarten (S. 2).
4.6
Dr.
Z._
nannte
in seinem bei der Beschwerdegegnerin am 10. Juni 2017 ein
gegangen
Verlaufsb
ericht (Urk. 6/58/1-3
= Urk. 6/63/1-3
)
eine seit März 2011 bestehende Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2), eine aktuell mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.11) sowie ein Erschöpfungssyndrom (ICD-10 Z73.0) als Diagnosen (Ziff. 1.2). D
er aktuelle Befund
sei
gleich wie im April 2016
(vgl. vorstehend E. 4.
3
)
, zwischenzeitlich
habe
sich die depressive Symptomatik verschlechtert (Ziff. 1.3).
Momentan finde
alle zwei Wochen
eine stützende Psy
chotherapie statt (Ziff. 3.1) und der Beschwerdeführer werde mit
Wellbutrin
behandelt (Ziff. 3.2).
Die bisherige Tätigkeit als Primarlehrer sei dem Beschwerdeführer nicht mehr möglich, es bestehe eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit im Beruf als Lehrer bzw.
Schulleiter. Der Beschwerdeführer habe im vergangenen Jahr Arbeiten im Haus
halt verrichtet und seinen 16-jährigen Sohn betreuen können. Bereits diese Tätigkeiten hätten ihn immer wieder rasch an die Grenze seiner psychischen Belastbarkeit gebracht und ihn gezw
ungen, Pausen einzulegen (Ziff. E.
2.1-2.2).
4.7
Dr.
Y._
erstattete das von der Pensionskasse
in A
uftrag gegebene psychiatrische Verlaufsg
utachten am
16. Juli
2017 (Urk. 6/71)
und nannte eine
schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2)
sowie ein
schweres Erschöpfungssyndrom (ICD-10 Z73.0)
als Diagnosen (S. 14 Ziff. 2.1).
In Bezug auf den Beschwerdeverlauf seit der ersten psychiatrischen Begutachtung im April 2016 (vgl. vorstehend E. 4.
2
) legte
Dr.
Y._
dar, dass der Beschwerde
führer berichtet habe, dass er nicht viel weiter sei als vor einem Jahr. Er erlebe ähnliche
Tagesabläufe und Daseinszustände wie zuvor. Er versuche aber weiter
hin, die Tage «irgendwie» zu bewältigen (S. 6 Ziff.
C.
1.1). Bezüglich psycho
so
ziale
r
Belastungen führte
Dr.
Y._
aus, dass der Beschwerdeführer mit seinem 16-jährigen Sohn zusammenwohne, der sich in der «Rebellionsphase» befinde, seit er nicht mehr arbeite. Das Zusammenleben mit dem Sohn brauche wegen wiederkehrenden Gesprächen und Meinungsverschiedenheiten
viel Kraft
. Der Beschwerdeführer habe keinen Kontakt mehr zu Schule. Kürzlich sei er jedoch von zwei ehemaligen Schülern aus seiner früheren Klasse kontaktiert worden, wobei alte berufliche Konflikte aufgewühlt worden seien, was viel Kraft gekostet habe, um sich emotional wieder davon zu distanzieren.
Die Unklarheit über das
Ver
sicherungsprozedere der
Pensionskasse
bezüglich der Berufsunfähigkeit stelle schliesslich die dritte Belastung dar (S. 6 f. Ziff. C.1.2).
Die berufliche Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers als Sekundarlehrer sei aus psychiatrischer Sicht derzeit weiterhin eingeschränkt. Diese Einschränkung ergebe sich aus den nachweisbaren psychopathologischen Befunden, namentlich Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Denkblockaden,
Deprimiertheit
und Ängste mit Insuffizienzgefühlen, ausgeprägte Ambivalenzen, affektive Labilität, Antriebsmangel mit schwerer Erschöpfung, Schlafstörungen und wiederkehrende Gedanken an den Tod.
Der Beschwerdeführer
sei in den
psychischen Fähigkeiten Durchhaltevermögen und Selbstbehauptung aufgrund der psychopathologischen Symptome vollständig beeinträchtigt. Zusätzlich sei er in den mentalen Funk
tionen psychische Stabilität, Funktionen der psychischen Energie und des Antriebs sowie emotionale Funktionen vollständig gestört. Betrachte man dem
gegenüber die beruflichen Anforderungen als Sekundarlehrer, so seien insbeson
dere Durchsetzungsvermögen, Ausgeglichenheit und Einfühlungsver
mögen not
wendig. Gerade hierbei sei der Beschwerdeführer aufgrund seiner psychischen Erkrankung jedoch vollständig beeinträchtigt bzw. vollständig gestört. Hinzu komme noch die vollständige Beeinträchtigung des Durchhalte
vermögens, so dass eine nennenswerte berufliche Leistung als Sekundarlehrer nicht zu erwarten sei. Aus psychiatrischer Sicht bestehe demzufolge aktuell eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit in angestammter Tätigkeit. Aber auch in einer leidensadaptierten Verweistätigkeit sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen, weil für jegliche berufliche Aktivität ein Mindestmass an Durchhaltefähigkeit erforderlich sei,
das
der Beschwerdeführer derzeit nicht zuverlässig aufbringe (S. 16 f. Ziff.
E.
2.5).
Im Hinblick auf die Berufsfähigkeit als Sekundarlehrer könne ausgesagt werden, dass dem Beschwerdeführer
seit dem 22. September 2015, also nahezu während zwei Jahren, eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
ärztlich
attestiert worden
sei
. Zusätzlich habe er sich regelmässig einer fachs
pezifischen Therapie unterzogen, welche eine regelmässige ambulante Psychotherapie, eine begleitende anti
de
pressive Pharmakotherapie sowie während drei Monaten eine teilstationäre mul
timodale Behandlung
beinhaltet habe
.
Dennoch habe sich sein Gesundheits
zu
stand nicht merklich verbessert. Im Gegenteil, es seien noch weitere Symptome und eine Zunahme der bereits bestehenden Symptom
ausprägung berichtet und auch beobachtet worden. Der Gesundheits
schaden habe also trotz lege
artis
durchgeführter Therapie nicht gebessert, sondern eher noch zugenommen. Zwar seien noch nicht restlos alle B
ehandlungsoptionen ausgeschöpft,
d
emgegenüber bestünden aber auch anhaltende und schwere psychosoziale Belastungs
situationen, die einer Genesung in absehbarer Zeit entgegenstünden. Deshalb bestehe aus psychiatrischer Sicht eine vollständige Berufsunfähigkeit als Sekun
dar
lehrer (S. 17 Ziff.
E.
2.5).
Prognostisch sei mit Bezug auf eine mindestens teilweise Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit als Lehrer kurz- bis mittelfristig, das heisst in den nächsten zwei Jahren, von einem eher ungünstigen Beschwerdeverlauf auszugehen. Beim Beschwerdeführer bestehe ein nun nahezu zweijähriger Störungsverlauf trotz Therapie, eine
komorbide
Störung in Form eines chronischen Erschöpfungs
s
yn
droms und zunehmende
n
Zukunftsängste
n
.
D
ie ungewisse berufliche und finanzielle Zukunft
übe
einen erheblichen störungsaufrechter
haltenden Einfluss auf die depressiven und die Angstbeschwerden aus. Ohne ein ausreichendes Mass an psychosozialer
Funktionsfähigkeit sei der Beschwerdeführer
aber auch nicht in der Lage, sich beruflich wieder zu engagieren. Langfristig bestünden aber durchaus Besserungsmöglichkeiten, nur
schon
wenn die finanzielle Druck
situation nachlasse und geregelt sei. Aber auch die noch nicht ergriffenen Thera
pie
optionen könnten eine wesentliche Hilfe bei der
Regredienz
der gegen
wärtigen Beschwerden sein (S. 18 Ziff. 2.7).
4.8
Dipl.-
m
ed.
D._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für Prävention und Gesundheitswesen, RAD, führte in ihrer Stellungnahme vom 2. August 2017 (Urk. 6/68/4-5) aus, es liege ein Gesundheitsschaden vor, der sich längerfristig auf die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auswirke. Es seien aber überwiegend psychosoziale Belastungsfaktoren, welche zur Erkrankung geführt hätten (Ehescheidung, unklare Finanzsituation, allein
er
ziehend, Sohn in Pubertätskrise,
Verlust des Arbeitsplatzes).
Aktuell erhalte der Beschwerdeführer eine stützende Psychotherapie im Abstand von (zwei bis) drei Wochen, ausserdem sei vorübergehend das Medikament
Wellbutrin
verabreicht worden. Der behandelnde Psychiater schätze ein, dass keine erwerbsbezogene Tätigkeit mehr möglich sei. Sämtliche Therapien inklusive teilstationäre
r
Behand
lung seien erfolglos verlaufen. Die
kurzzeit
ige medikamentöse Therapie sei
been
det
worden
, da hierdurch das kreative Schaffen
(Musik, bildnerisches Gestalten als wichtige Ressourcen des Kunden) unmöglich geworden
sei. Zur Einnahme weiterer Medikamenten
habe der Beschwerdeführer
nicht motiviert
werden
können (S. 2)
.
Aus vers
icherungsmedizinischer Sicht sei
festzustellen, dass bei
m Beschwerde
führer
die möglichen
Therapieoptionen trotz anderslautender Beurteilung des behandelnden Arztes nicht
ausgeschöpft seien
. Der
Beschwerde
führer
sei im April
2016 durch einen Vertrauensarzt der
Pensionskasse
begutachtet
worden
(vgl.
vorstehend E. 4.
7
). Dieser habe
eine Therapieeskalation angemahnt (teil
sta
tionäre oder stationäre
Behandlung über mehrere Monate, adäquate anti
de
pressive und schlaffördernde
medikamentöse Behandlung, ambulante Ergo
thera
pie,
Entspannungstraining usw.). Während die teilstati
onäre Behandlung umge
setzt worden sei, könne
nicht von einer adäquaten medikamentösen Behandlu
ng ausgegangen werden. Damit sei
weiterhin festzuhalten, dass der
Beschwerde
führer
nicht alle ihm zumutbaren Massnahmen zur
Minderung des G
esundheits
schadens ergriffen habe. Der Gesundheitszustand sei
damit
weiterhin instabil (S. 2).
4.9
Dipl.-
m
ed.
D._
führte in ihrer Stellungnahme vom
19. Oktober 2017 (Urk. 6/78/2-3) aus, dem
ersten
psychiatrischen Gutachten von
Dr.
Y._
(vgl.
vorstehend
E. 4.2
)
seien
Ressourcen zu entnehmen (Gitarre spielen,
Texte schreiben, Malen, Zeichnen, Komponieren, Lesen, Konzerte besuchen, emphati
sches
Wesen, Kochen, gute kommunikative Fähigkeiten, Zuversicht, Ausdauer, Kreativität,
Phantasie, Loyalität, Besu
che im Fitness-Center). Es sei
eine mittel
gradige depressive
Episode mit somatischem Syndrom mit leicht depressiver Stimmung festgestellt
worden
, diese sei
aber nicht durc
hgängig vorhanden. Spä
ter führe der Gutachter
aus,
dass sogar ein schweres Ausmass der
depressiven Störung vorliege, dies trotz Vorhandensein erheblicher Ressourcen.
Komorbid
sei
ein Erschöpfungssyndrom vorhanden.
Der Gutachter stell
e
Inkonsistenzen fest bezüglich
der angegebenen Schwere der
Krankheitssymptomatik und der geringen Inanspruchnahme therapeutischer Hilfe (fehlende
medikamentöse und stationäre
Behandlung). Der Gutachter habe
daher
im April
2016 eine
Berufsun
fähigkeit nicht abschliessend beurteilen
können
. Er
habe
eine
nochmalige
Unter
suchung nach Durchführung der vorges
chlagenen Behandlungsmassnahmen empfohlen (S. 1).
Die
Untersuchung bei
Dr.
Y._
sei am 19. April
2017 wiederholt
worden
(vgl.
vorstehend E. 4.7)
. Es
sei
zu erfahren, dass
eine teilstationäre Behandlung in
einer
Tagesklinik erfolgt sei vom 9. Mai
2016
bis zum
30.
Juli
2016, an welcher der
Beschwerdeführer
motiviert teilgenommen habe
. Das verordnete
Wellbutrin
sei nach drei
Monaten wieder abgesetzt
worden
, da hier
unter die Kreativität des Beschwerdeführer
s
gelitten habe
. Eine
weitere me
dikamentöse Behandlung sei
bislang nicht installiert
worden (S. 1).
Im Rahme
n der erneuten Begutachtung werde
die Stimmung durch den
Beschwerdeführer
als etwas
verbessert beschrieben. Gitarrenstücke könne er nicht mehr schreiben, das Gitarrenspiel
stelle aber weiterhin eine Ressource für ihn dar. Dem Tagesablauf seien weitere Ressourcen zu entnehmen (Fitness, Lesen der Nachrichten), angeführt würden auch die weiterhin vorhandene Empfindsamkeit, Kreativität und Reflexionsfähig
keit. Der Gutachter stelle nun die Diagnose einer schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome, ausserdem werde ein schweres Erschöpfungssyn
drom diagnostiziert. Die Diagnosen würden gestellt, obwohl anfangs über eine verbesserte Stimmung berichtet worden sei. Der Gutachter habe ausserdem fest
gestellt, dass die Symptome der Erkrankung unter lege
artis
erfolgter Therapie sogar zugenommen hätten. Dem sei aus versicherungsmedizinischer Sicht zu widersprechen. Bis auf einen kurzen Behandlungsversuch mit einem Psychophar
makon sei bis heute keine medikamentöse Behandlung erfolgt, auch die kurz
zeitige tagesklinische Behandlung könne nicht als adäquate Therapie angesehen werden. Der Gutachter führe denn später auch aus, dass die Anwendung weiterer Behandlungsoptionen geprüft werden sollte (Schlafentzug, körperliches Training,
Elektrokrampf
therapie
, medikamentöse Behandlung, Verordnung von
Ketamin
). Langfristig bestünden unter Anwendung dieser Therapieoptionen Besserungs
möglich
keiten. Er komme zum Ergebnis, dass der Beschwerdeführer als Sekun
darlehrer berufsunfähig sei, verweise aber auch darauf, dass die nicht ergriffenen Behandlungsoptionen
mit
verantwortlich sein könnten für die anhaltenden Beschwerden des Beschwerdeführers. Kurz- bis mittelfristig sei nicht mit einer Verbesserung zu rechnen (S. 2).
Zusammenfassend könne zwar nachvollzogen werden, dass der Beschwerdeführer aktuell nicht arbeitsfähig sei. Allerdings könne weiterhin nicht von einem thera
pieresistenten Zustand ausgegangen werden bei Verzicht auf eine leitlinienge
rechte
Behandlung und Vorhandensein erheblicher Ressourcen. Aus hiesiger Sicht sei der Gesundheitszustand weiterhin instabil (S. 2).
4.10
Dr.
Y._
nahm
nach entsprechender Aufforderung durch das Gericht (vgl.
Urk. 13-14) am 30. April 2019 zu den Standardindikatoren Stellung entspre
chend seinem Kenntnisstand zum zweiten Begutachtungszeitpunkt im April 2017 bezogen auf den Verfügungszeitpunkt im Oktober 2017 (Urk. 16). Dabei stützte er sich auf die von ihm verfassten psychiatrischen Gutachten vom April 2016 (vgl. vorstehend
E. 4.2
) und Juli 2017 (vgl. vorstehend
E. 4.7
).
Dr.
Y._
unterschied in seinen Ausführungen zur
Ausprägung der diagnoserele
vanten Befunde (
S. 1 ff.
)
die subjektive Perspektive (
lit
. a) und die objektiv in der Untersuchung beobachtbaren Befunde (S. 2 f.
lit
. b), dies unter Bezugnahme auf verschiedene Erfassungssystematiken (AMDP, Mini-ICF-APP, ICF). Er nahm Stellung zum Indikator
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (
S. 3
)
und zu den
Komorbiditäten (
S. 4
)
. Er führte aus, eine eigentliche
Persön
lichkeitsdiagnostik
sei im Rahmen der Begutachtung nicht durchgeführt worden
,
nannte aber gemäss ICF - in näher umschriebener Weise - beeinträchtigte Funk
tionen sowie einige (wenige)
persönliche Res
sourcen
(S. 4
lit
. b). Sodann erläuterte er den bereits in den Gutachten dargelegten sozialen Kontext (S. 5
lit
.
c). Hinsichtlich der
Konsistenz
(S. 5
lit
. d) bejahte er aus näher dargelegten Grün
den eine
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (
S. 5 unten
)
und bestätigte unter Bezugnahme auf die Berichte über erfolgte Behandlung und seine eigene Untersuchung einen
behand
lungs
- und eingliederungsanamnestisch ausgewiese
ne
n Leidens
druck (S.
5 f.).
5.
5.1
Vorab ist festzuhalten,
dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit Erlass der letzten Verfügung vom 21. Mai 2013 (Urk. 6/31) verschlechtert hat, führte doch die depressive Störung wieder zu
r
Arbeitsunfähigkeit (vgl. vorstehend E. 4.1-4.9).
Demnach ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin auf die erneute Anmeldung zum Leistungsbezug eingetreten ist und den Leistungs
anspruch des Beschwerdeführers erneut geprüft hat
(vgl. vorstehend
E. 1.4-1.5
)
.
5.2
Der psychiatrische Gutachter Dr.
Y._
ist Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie, so dass er zur Beurteilung des Gesundheitszustands des Beschwerde
führers grundsätzlich befähigt ist. Das psychiatrische Verlaufs
gutachten vom Juli 2017
(vorstehend
E. 4.7
)
erscheint denn auch für die streitigen Belange umfassend und berücksichtigt die geklagten Beschwerden des Beschwerdeführers. Zudem wurde es in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) erstellt und leuchtet in der Dar
legung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medi
zinischen Situation ein und die Schlussfolgerungen wurden nachvollziehbar begründet. Damit erfüllt das psychiatrische Verlaufsgutachten die praxisge
mässen Kriterien an ein beweiskräftiges Gutachten (vgl. vorstehend
E. 1.10
), wes
halb zur Beurteilung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers grund
sätz
lich darauf abzustellen ist.
5.3
Dr.
Y._
diagnostizierte in seinem Verlaufsgutachten vom Juli 2017 (vorstehend E. 4.7)
- nachdem er in seinem ersten Gutachten vom April 2016 (vorstehend E. 4.2) noch eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11) und ein Erschöpfungssyndrom (ICD-10 Z73.0) diagnostiziert hatte -
eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2) sowie ein schweres Erschöpfungssyndrom (ICD-10 Z73.0)
. Er attestierte dem Beschwerdeführer in der angestammten Tätigkeit als Sekundarlehrer als auch in einer angepassten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
Dr.
Y._
begründete die Diagnose einer schweren depressiven Episode
in schlüssiger und nachvollziehbarer Weise
damit, dass der Beschwerdeführer über eine anhaltend depressive Stimmung, über einen erheblichen Freude- und Inte
ressenverlust, einen verminderten Antrieb mit erhöhter Erschöpfbarkeit, über Insuffizienzgefühle, wiederkehrende Gedanken an den Tod, vermindertes Denk- und Konzentrationsvermögen und Appetit- sowie Schlafstörungen klage.
Auf
grund einer unauffälligen Konsistenzprüfung könne ohne erhebliche Zweifel auf die geklagten Beschwerden abgestellt werden. Objektiv hätten
Deprimiertheit
, ein Antriebsmangel sowie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen festgestellt werden können. Die Beschwerden dauerten nun schon deutlich länger als zwei Wochen an. Zudem hielt er in Bezug auf das schwere Erschöpfungssyndrom in schlüssiger und nachvollziehbarer Weise fest, dass aus der Anamnese eine deut
liche und langanhaltende Überlastungssituation in den letzten Jahren bestanden habe und bis heute anhalte. Zwar habe formal seit der vollständigen Krankschrei
bung genügend Gelegenheit zur Erholung bestanden, es sei aber ein klinisches Charakteristikum, dass chronisch und schwer erschöpfte Personen
sich
trotz aus
reichender Erholungszeit
gerade nicht von ihrer Erschöpfung rege
nerieren könnten, was auch auf den Beschwerdeführer zutreffe (Urk. 6/71 S. 14 f. Ziff.
E.
2.2).
Somit besteht diagnostisch teilweise Übereinstimmung mit den vom behandelnden Psychotherapeuten
Dr.
Z._
gestellten Diagnosen einer
mittle
ren (bis schweren) depressiven Episode sowie eines Erschöpfungssyndroms (vgl.
vorstehend E. 4.1, E. 4.3-4.4, E. 4.6). Auch med.
pract
.
B._
diagno
stizierte im Oktober 2016 eine depressive Episode mittelschweren Ausmasses mit somati
schem Syndrom und ausgeprägter Erschöpfungssymptomatik (vgl.
vor
stehend E. 4.5).
In Bezug auf allfällige Differentialdiagnosen verwies
Dr.
Y._
auf sein erstes psychiatrisches Gutachten vom April 2016 (Urk. 6/71 S. 15 Ziff.
E.
2.3
; vgl.
vor
stehend E. 4.2
). Damals hielt er in Bezug auf die von
Dr.
Z._
diagnostizierte Anpassungsstörung (vgl. vorstehend E. 4.1, E. 4.3
, E. 4.6) fest, dass diese nicht nach
vollziehbar sei, sei doch eine depressive Episode gemäss ICD-10 ein Aus
schlussgrund für die Diagnose einer Anpassungsstörung. Lese man die Diagnosen im Bericht
von Dr.
Z._
genau, stelle er sie nicht
komorbid
, sondern sequen
tiell, das heisst zunächst seit 2011 eine Anpassungsstörung mit Übergang bis heute in eine depressive Episode. Dieser Sichtweise könne von gutachterlicher Sicht zugestimmt werden, sei doch bekannt, dass sich eine Anpassungsstörung bei anhaltender Belastung und neurotischer Beteiligung in eine depressive Episode entwickeln könne. Dies erscheine auch aufgrund der Leidensgeschichte des Beschwerdeführers plausibel (Urk. 6/51/1-23 S. 17 f. Ziff.
F.
2.2). Daran ist festzuhalten.
Das Bundesgericht entschied mit BGE 143 V 418, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (vgl.
vorste
hend E. 1.
7
), so auch vorliegend. Es ist deshalb nachfolgend aus rechtlicher Sicht zu beurteilen, ob aufgrund der schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome und dem schweren Erschöpfungssyndrom eine Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen ist.
5.4
Zum Komplex Gesundheitsschädigung ist in Bezug auf den Indikator Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde festzuhalten,
dass beim
Beschwerdeführer
diverse Einschränkungen bestehen, die im Rahmen der psychiatrischen Begut
achtung durch
Dr.
Y._
anhand
des Instruments Mini-ICF-APP eruiert worden sind. So sind die Planung und Strukturierung von Aufgaben, die Kontaktfähigkeit zu Dritten sowie familiäre bzw. intime Beziehungen mittel
gradig beeinträchtigt. Die Flexibilität und Umstellfähigkeit, die Anwendung fachlicher Kompetenzen, die Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, die Gruppen
fähigkeit sowie die Spontan-Aktivitäten sind schwer beeinträchtigt. Ferner sind die Durchhalte- und Selbst
behauptungsfähigkeit vollständig beeinträchtig
t. Keine Beeinträchtigung liegt
hingegen
bezüglich
der Anpassung an Regeln und Routinen, in der Selbstpflege und Verkehrsfähigkeit vor
(Urk. 6/71 S. 10 f. Ziff. D.4
, vgl. S. 16 Ziff. E.2.5
;
Urk. 16 S. 3
; vgl. auch vorstehend E. 4.7).
In Bezug auf psychosoziale Faktoren ist festzuhalten, dass dem
ersten psychiatri
schen Gutachten von
Dr.
Y._
vom April 2016 (vorstehend E. 4.2) zu entnehmen
ist
, dass sich ab 2015 die Arbeitsatmosphäre an der Schule komplett verändert und «mobbingartig» geworden sei. Mit dem Schulleiter sei zunehmend ein Kon
flikt entstanden. Weitere psychosoziale Belastungen, namentlich eine unerwartete Trennung von seiner Freundin Ende 2013, hohe Schulden aus der Scheidung von seiner zweiten Ehefrau 2013, Konflikte des inzwischen 15
jährigen Sohnes mit dem Gesetz und Nachforderungen des Steueramts
,
seien schon vorgängig vorhan
den gewesen oder seien neu dazuge
kommen. Nachdem sich der Konflikt mit dem Schulleiter im September 2015 zugespitzt hatte, sei der Beschwerdeführer, der schon früher wiederholt an «Burnouts» gelitten habe, erneut in einen schweren Erschöpfungszustand geraten.
A
uch dem Bericht
des behandelnden Psychothera
peuten
Dr.
Z._
vom Januar 2016 (vorstehend E. 4.1) ist zu entnehmen,
dass im Leben des Beschwerdeführers neue, schwer belastende Ereignisse aufgetreten seien, namentlich eine neuerliche faktische Entlassung aus dem Schuldienst sowie zermürbende Erfahrungen mit Ver
sicherungen, Schulleitungen und Behörden. Dem psychiatrischen Verlaufs
gutachten von
Dr.
Y._
vom Juli 2017 (vorstehend E. 4.7)
ist
schliesslich
zu entnehmen,
dass der Beschwerdeführer mit seinem 16
jährigen Sohn zusammen
wohne, der sich in der «Rebellionsphase» befinde, auf
grund einer kürzlich stattgefundenen Kontaktaufnahme durch zwei ehemalige Schüler
alte berufliche Konflikte wieder aufgewühlt worden seien und schliesslich Unklarheiten über das Versicherungsprozedere der
Pensionskasse
bezüglich der Berufsunfähigkeit bestünden.
Nach dem Gesagten haben sicherlich auch psycho
soziale Faktoren, namentlich die schwierigen beruflichen und familiären Ereig
nisse, die
Entstehung bzw. das Wiederaufflackern
der depressiven Symptomatik
mitverursacht und d
ie anhaltende und schwere psychos
oziale Belastungssituation trägt
ebenfalls zur Aufrechterhaltung der Symptome bei (vgl. vorstehend E. 4.7
), jedoch ist den Akten
und insbesondere dem psychiatrischen Verlaufsgutachten von
Dr.
Y._
nicht zu entnehmen, dass das depressive Leiden des Beschwerde
führers voll
ständig in psychosozialen Umständen aufgeht. Es liegt dem
nach
dem Beschwerde
führer folgend (vgl. vorstehend E. 2.2) - ein verselb
stä
ndigtes psychisches Leiden vor (vgl. vorstehend E. 1.9).
In Bezug auf den Indikator Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder
resistenz
ist festzuhalten
, dass
sich
der
Gesundheitszustand des
Beschwer
de
führer
s trotz der
seit Mai 2012 mit einigen Unterbrüchen bei Dr.
Z._
erfolgenden
ambulanten
psychotherapeutischen
Behandlung
, eine
s
teilstationä
ren Aufenthalt
s
in einer Tagesklinik von
Mai bis August 2016
sowie begleitender Psychopharmakotherapie
(vgl. vorstehend E. 4.1, E. 4.3-4.6)
nicht merklich ver
bessert hat. Im Gegenteil, es sind noch weitere Symptome und eine Zunahme der bereits bestehenden Symptomausprägung beric
htet und auch beobachtet worden
(vorstehend E. 4.7).
Dr.
Y._
legte in seinem
psychiatrischen
Verlaufsgutachten
(vorstehend E. 4.7)
dar,
dass sich der Gesundheitsschaden trotz lege
artis
durch
geführter Therapie nicht gebessert, sondern eher noch zuge
nommen habe. Zwar seien noch nicht restlos alle
Behandlungsoptionen ausge
schöpft,
so stünden hin
sichtlich der antidepressiv medikamentösen Behandlung noch diverse Möglich
keiten offen. Aufgrund der bislang erfahrenen Neben
wirkungen und deren nega
tiven Bewertung durch den Beschwerdeführer scheine eine begleitende Psycho
edukation zur Pharmakotherapie von eminenter Bedeutung. Aber auch die Anwendung weitere
r
nicht-medikamentöser Behandlungs
optionen sollten geprüften werden, wie etwa Schlafentzug, mode
rates körperliches Training,
transkranielle
Magnetstimulation, Elektro
krampf
therapie
(EKT)
und die Verord
nung von
Ketamin
. Auch wäre eine längere stationäre Rehabilitationsbehandlung zu prüfen, diese stehe jedoch dem Betreuungswunsch des Beschwerdeführers gegenüber seinem jüngeren Sohn entgegen (Urk. 6/71 S. 17 f. Ziff.
E.
2.6).
Dr.
Y._
hielt
jedoch
in seiner ergänzenden Stellungnahme (vorstehend E. 4.10) fest, dass es sich insgesamt um eine Behandlungsresistenz über einen Zeitraum von nahezu zwei Jahren handle, wobei die Behandlung multimodal und in zwei verschiedenen Settings, namentlich ambulant und stationär, durchgeführt wor
den sei (Urk. 16 S. 5 Mitte).
In Bezug auf die Komorbidität ist festzuhalten, dass sich neben
der
depressiven Episode und dem Erschöpfungssyndrom keine weitere
n
komorbiden
Störungen finden (
vgl.
Urk
. 6/71 S. 14 Ziff. E. 2.1-2.2; Urk. 16 S. 4
Mitte).
Zum Komplex Persönlichkeit ist festzuhalten, dass keine Persönlichkeitsstörung vorliegt
.
Der Beschwerdeführer
kann Gitarre spielen, schaut regelmässig fern, macht etwas Fitness und eventuell ein wenig Yoga. Zudem ist er empfindsam, kann gut zuhören, ist reflexionsfähig und kreativ (Urk. 7/71 S. 8 Ziff. C.1.6
; vgl.
Urk. 16 S. 4 unten
). Der Beschwerdeführer verfügt demnach durchaus über persönliche Ressourcen.
Zum Komplex sozialer Kontext ist festzuhalten, dass
zur letzten Stelle kein Kon
takt mehr besteht. Andere soziale Kontakte sind nur noch punktuell vorhanden, etwa zu seinen beiden Söhnen, seiner Ex-Ehefrau und Mutter der beiden Söhne, zwei oder drei Freunden oder gelegentlichen Telefonaten zur Familie in den USA. Oft hält er sich zu Hause auf. Ausser Haus vermeidet er soziale Kontakte, weil er nur wenig Belastung aushält und schnell mental sowie emotional überfordert ist
(Urk. 7/71 S. 6 Ziff. C.1.2, S. 8 Ziff. C.1.6
; Urk. 16 S. 6 Mitte
).
Zu prüfen ist weiter die Konsistenz. Hinsichtlich des Gesichtspunkts der gleich
mässigen Einschränkungen des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleichbaren Lebens
bereichen ist festzuhalten,
dass der
Beschwerdeführer
beschwerdebedingt beruflich keine Tätigkeit mehr ausgeübt hat. Die Führung des Haushalts wurde auf ein Minimum beschränkt. Freizeitaktivitäten bzw. die Pflege von Hobbies war nur noch in geringem Umfang möglich, so etwa gelegentliches Gitarre spielen, TV-Konsum, gelegentliches Fitnesstraining von ca. 30-45 Minuten Dauer mit der Gefahr der nachträglichen kompletten Erschöpfung oder ein wenig Yoga. Soziale Kontakte wurden kaum und nur zu wenigen Leuten gepflegt. Daraus ergibt sich eine gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen (Urk. 16 S. 6 unten
; vgl. Urk. 6/71 S. 8 Ziff. C.1.6
).
Hinsichtlich des Gesichtspunkts des behandlungs- und eingliederungs
anam
nestisch ausgewiesenen Leidensdrucks ist schliesslich festzuhalten
,
dass sich der Beschwerdeführer seit Mai 2012 mit einigen Unterbrüchen in ambulanter psychotherapeutischer Behandlung befindet und eine antidepressive Medikation erhält. Zudem wurde er teilstationär behandelt (vorstehend E. 4.7). Demnach ist von einem Leidensdruck des Beschwerdeführers auszugehen.
5.5
Zusammenfassend führt die Prüfung der einzelnen Indikatoren zum Sc
hluss, dass das psychiatrische Verlaufsg
utachten von
Dr.
Y._
, wonach die diagnostizierten psychischen Leiden eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit und in einer angepassten Tätigkeit von 100 % bewirken, schlüssig und widerspruchsfrei ist und ihm daher gefolgt werden kann. Es steht somit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit als Sekundarlehrer sowie eine angepasste Tätigkeit
seit September 2015 nicht mehr ausüben kann (vgl. vorstehend E. 4.7).
5.6
Die Beschwerdegegnerin anerkannte zwar, dass gestützt auf die medizinischen Unter
lagen eine Einschränkung des Gesundheitszustandes ausgewiesen sei, machte jedoch
geltend, dass diese Einschränkung nicht zu einer erheblichen und langanhaltenden Arbeitsunfähigkeit führe, verfüge doch der Beschwerdeführer über genügend Ressourcen und es lägen massgeblich nicht invaliditätsrelevante Aspekte vor (vorstehend E. 2.1).
Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die Prüfung der einzelnen Indikatoren
, wobei auch die von der Beschwerdegegnerin genannten Aspekte berücksichtigt wurden,
die vom Gutachter
Dr.
Y._
attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit in angestammter und angepasster Tätig
keit
bestätigte
(vorstehend E. 5.5).
5.7
Nach dem Gesagten ist der medizinische Sachverhalt dahingehend als erstellt zu betrachten, dass dem
Beschwerdeführer
seit September 2015 weder die ange
stammte noch eine angepasste Tätigkeit zumutbar ist.
6.
6.1
Es bleibt damit die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen dieser Ein
schrän
kungen vorzunehmen.
6.2
Ein Rentenanspruch entsteht gemäss
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG unter anderem erst bei einer während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch bestehenden Arbeitsunfähigkeit von durchschnittlich mindestens 40
%
(vgl. vorstehend E. 1.2
), frühestens jedoch sechs Monate nach Geltendmachung des Anspruchs (Art. 29 Abs. 1 IVG; vgl. vorstehend E. 1.3). D
er Beschwerdeführer
ist
seit Sep
tember 2015 nicht mehr ar
beitsfähig
(vorstehend E. 5.7),
weshalb
die einjährige Wartefrist per dann zu laufen
begann
und Ende August
2016 endete. Nachdem sich der Beschwerdeführer am 30. März 2016 bei der Beschwerdegegnerin (Ein
gang bei der Beschwerdegegnerin am 1. April 2016; Urk. 6/43) zum Leistungsbe
zug angemeldet hatte (Urk. 6/40), ist der frühestmögliche Rentenbeginn im Okto
ber 2016.
Somit hat der Beschwerdeführer ab dem
1.
Oktober 2016 Anspruch auf eine ganze Rente. Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig v
om Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs.
1
bis
IVG) und ermessensweise auf Fr.
900.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerde
gegnerin aufzuerlegen.
7.2
Nach
§
34
Abs.
1 des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
In Anwendung dieser Kriterien ist die Parteientschädigung vorliegend auf Fr.
3
‘
1
00.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.