Decision ID: 9edc0496-1948-4d5c-b20e-e5ecf12aec2d
Year: 2016
Language: de
Court: BL_SG
Chamber: BL_SG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt:
1. Mit Entscheid des Steuergerichts vom 20. September 2013 wurde festgestellt, dass sich
das Hauptsteuerdomizil des Rekurrenten aufgrund seiner leitenden Stellung ab dem 1. Januar
2011 nicht in B._ befindet.
2. Mit Verfügung der Staatsteuer 2011 vom 10. Dezember 2014, adressiert und eröffnet an
die Pflichtige, wurde das eheliche Gesamteinkommen und -vermögen (unter Vorbehalt des
Grundeigentums) zur Hälfte der Rekurrentin zugeteilt und zum Gesamtsatz veranlagt.
3. Mit Eingabe vom 12. Januar 2015 erhob die Vertreterin namens und im Auftrag beider
Ehegatten mit den Begehren, 1. Die Veranlagungsverfügung sei aufzuheben, 2. Die Veranla-
gung habe auf beide Ehegatten zu lauten, 3. Das Einkommen des Ehemannes aus leitender
Stellung sei bei der Steuerausscheidung dem Kanton C._ zuzuweisen, Einsprache. Zur Be-
gründung machte sie geltend, da in B._ sowohl ein Haupt- als auch ein sekundäres Steu-
erdomizil bestehe, habe die Veranlagung auf beide Ehegatten zu lauten. Hinsichtlich der Steu-
erausscheidung sei auf die Mittelherkunft abzustellen.
4. Mit Einsprache-Entscheid vom 2. August 2016 wies die Steuerverwaltung die Einspra-
che ab. Zur Begründung führte sie aus, die Ehefrau könne mit ihren geringen Einkünften den
Lebensunterhalt ihrer Familie nicht bestreiten. Bei der Ehegattenbesteuerung sei auf die Mittel-
verwendung abzustellen.
5. Mit Schreiben vom 2. September 2016 erhob die Vertreterin der Rekurrenten mit den
Begehren, 1. Der Einsprache-Entscheid sowie die Veranlagungsverfügung seien aufzuheben
und die Steuerverwaltung anzuweisen, die Veranlagung und Steuerausscheidung entsprechend

den Erwägungen im Entscheid des Steuergerichts vom 20. September 2013 vorzunehmen,
2. Unter o/e-Kostenfolge, Rekurs. Zur Begründung machte sie geltend, im Entscheid des Steu-
ergerichts vom 20. September 2013 sei ausgeführt worden, dass sich die ökonomische Leis-
tungsfähigkeit des Steuerpflichtigen in zwei Kantonen manifestiere und jeder Kanton sich diese
Leistungsfähigkeit in dem Umfang zunutze machen dürfe, welcher der auf seinem Gebiet entfal-
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lenden Wirtschaftstätigkeit entspreche. Da das Bundesgericht die hier strittige Frage noch nie
entschieden habe, sei auf den vorgenannten Entscheid des Steuergerichts abzustellen.
6. Mit Vernehmlassung vom 19. September 2016 beantragte die Steuerverwaltung die Ab-
weisung des Rekurses. Zur Begründung führte sie aus, Einkünfte und Vermögenswerte von
Ehegatten seien gemeinsam zu besteuern (sog. Faktorenaddition). Dabei habe sich der Ge-
setzgeber vom Grundgedanken leiten lassen, dass die Ehepaare nicht nur eine rechtliche, son-
dern auch eine wirtschaftliche Verbrauchergemeinschaft bilden würden, welche auch steuerlich
als Einheit zu behandeln sei. Um die Auswirkungen dieser Faktorenaddition auf den progressiv
verlaufenden Steuertarif auszugleichen, werde für die Satzbestimmung das „Vollsplitting“ an-
gewandt. Hätten Ehegatten ihren steuerlichen Wohnsitz je in unterschiedlichen Gemeinden
oder Kantonen, so seien die dem jeweiligen Wohnsitz zuzuordnenden Faktoren in der Regel je
hälftig auf die beiden Wohnsitze aufzuteilen. Von der hälftigen Aufteilung könne nur dann abge-
sehen werden, wenn beide Ehegatten ihren Unterhalt selbst bzw. aus eigenen Mittel bestreiten
würden. Für die hälftige Aufteilung des Steuersubstrates unter den verschiedenen Domizilen sei
es somit unerheblich, wie sich das Familieneinkommen konkret zusammensetze. Da die Pflich-
tige finanziell abhängig und eine gemeinschaftliche Verwendung der familiären Mittel geradezu
notwendig sei, dränge sich vorliegend eine interkantonale je hälftige Teilung des familiären
Steuersubstrates auf.
7. Anlässlich der heutigen Verhandlung hielten die Parteien an ihren Begehren fest. Die
Vertreterin der Rekurrenten führte ergänzend aus, der Pflichtige zahle der Ehefrau monatlich
Fr. 4‘500.-- auf das Lebenshaltungskonto. Zudem lebe die Ehefrau kostenlos in der Liegen-
schaft in B._. Obwohl sie selber nur einen geringen Verdienst erziele, habe sie so genug
Mittel, um das Leben zu finanzieren.
Das Steuergericht zieht in Erwägung:
1. Das Steuergericht ist gemäss § 124 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteu-
ern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) zur Beurteilung des vorliegenden Rekurses zu-
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ständig. Gemäss § 129 Abs. 3 StG werden Rekurse, deren umstrittener Steuerbetrag wie im
vorliegenden Fall Fr. 8'000.-- pro Steuerjahr übersteigt, vom Präsidenten und vier Richterinnen
und Richtern des Steuergerichts beurteilt. Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs zu stel-
lenden Anforderungen erfüllt sind, ist ohne weiteres darauf einzutreten.
2. Vorliegend unterliegt der Beurteilung, ob die Steuerverwaltung das eheliche Gesamtein-
kommen und -vermögen (unter Vorbehalt des Grundeigentums) zu Recht zur Hälfte der Ehefrau
zugeteilt und zum Gesamtsatz veranlagt hat.
3. In formeller Hinsicht macht die Vertreterin geltend, die Veranlagung hätte auf beide
Ehegatten lauten und eröffnet werden müssen. Es stellt sich daher die Frage, ob ein Eröff-
nungsmangel vorliegt.
a) Bei verheirateten Personen gilt grundsätzlich die Ehegattenbesteuerung. Leben
Ehegatten in rechtlich und tatsächlich ungetrennter Ehe, wird ihr Einkommen ohne Rücksicht
auf den Güterstand zusammengerechnet (vgl. Art. 3 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die Har-
monisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden [StHG] vom 14. Dezember
1990, § 8 Abs. 1 StG). In der Regel haben Ehegatten ein gemeinsames Steuerdomizil. Der
Wohnsitz bestimmt sich für jeden Gatten selbständig nach Art. 23 ff. des Schweizerischen Zivil-
gesetzbuches vom 10 Dezember 1907 (ZGB). Der selbständige Wohnsitz eines Ehegatten stellt
ein Hauptsteuerdomizil dar. Am jeweiligen Hauptsteuerdomizil jedes Gatten besteht gleichzeitig
ein sekundäres Steuerdomizil des anderen Ehepartners. Im interkantonalen Verhältnis sind
Ehegatten nicht bereits dann als getrennte Steuersubjekte zu behandeln, wenn sie im Wesentli-
chen getrennt leben, sondern nur dann, wenn die Ehe nicht mehr gelebt wird und überdies kei-
ne Gemeinschaftlichkeit der Mittel für Wohnung und Unterhalt besteht, d.h. die Unterstützung
des einen an den andern Ehegatten sich in ziffernmässig bestimmten Beiträgen erschöpft. Da-
gegen sind die Grundsätze der Ehegattenbesteuerung zu beachten, d.h. die Steuerfaktoren
beider Eheleute zum Gesamtsteuersatz zu erfassen, wenn die Partner zwar über ein je eigenes
Hauptsteuerdomizil verfügen, die eheliche Gemeinschaft aber nach dem Willen der Partner im
Sinne von Art. 159 ZGB gelebt wird (vgl. Entscheid des Bundesgericht [BGE] 2P.2/2003 vom
7. Januar 2004, publ. in: Der Steuerentscheid [StE], 2004 A 24.24.3 Nr. 2, E. 2.4.1, m.w.H.).
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b) Für den Fall, dass die Ehegatten die eheliche Gemeinschaft, weiterführen, ist der
Grundsatz der Familienbesteuerung zu beachten, d.h. jeder Ehegatte wird in seinem Wohnsitz-
kanton besteuert, die Steuerfaktoren beider Ehegatten werden zusammengerechnet und zwi-
schen den beteiligten Kantonen wird eine Steuerausscheidung vorgenommen (vgl. Zwei-
fel/Hunziker, in: Zweifel/Beusch/Mäusli-Allenspach [Hrsg.], Kommentar zum Interkantonalen
Steuerrecht § 6 N 68). Der Umstand, dass die Ehegatten je über ein eigenes Hauptsteuerdo-
mizil verfügen bedeutet somit nicht, dass eine getrennte Ehe vorliegt, die zu einer getrennten
Besteuerung der Ehegatten führen müsste (vgl. BGE 2P.2/2003 vom 7. Januar 2004, E. 2.4,
a.a.O.).
c) Die Ehegatten müssen ihre Rechte als Steuerpflichtige ungeschmälert wahren
können. Aus diesem Grund sind im Licht des Gehörsanspruchs von Art. 29 Abs. 2 BV behördli-
che Mitteilungen wie Auflagen, Vorladungen und andere Verfügungen sowie Entscheide beiden
Ehegatten zuzustellen. Dies setzt allerdings voraus, dass die Eheleute im gleichen Haushalt
leben und die Mitteilung Steuerperioden betrifft, in denen die Voraussetzungen für eine gemein-
same Veranlagung erfüllt sind. Sind diese Bedingungen nicht erfüllt, muss die Zustellung wie
bei getrennt lebendenden Ehegatten gesondert an jeden Ehegatten erfolgen, damit sie ihre
Rechte ausüben können (Zweifel/Casanova, Schweizerisches Steuerverfahrensrecht, § 17
N 15, m.w.H.).
d) Mit Entscheid des Steuergerichts (StGE) vom 20. September 2013, 510 13 44
wurde festgestellt, dass sich das Hauptsteuerdomizil des Rekurrenten aufgrund seiner leitenden
Stellung ab dem 1. Januar 2011 nicht in B._ befindet. Gestützt auf das hiervor Zitierte hätte
ihm die Veranlagungsverfügung der Staatsteuer 2011 vom 10. Dezember 2014 zugestellt wer-
den müssen. Die Zustellung erfolgte aber lediglich an die Ehefrau, so dass die Verfügung mit
einem Eröffnungsmangel behaftet ist.
4. Fraglich ist nun, wie in Fällen fehlerhafter Verwaltungsakte, wozu die mangelhafte Eröff-
nung zählt, zu verfahren ist und welche Rechtsfolgen eine mangelhafte Eröffnung nach sich
zieht.
a) Gemäss Art. 38 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom
20. Dezember 1968 (VwVG) darf den Parteien kein Nachteil aus mangelhafter Eröffnung er-
wachsen.
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b) Die Folgen mangelhafter Eröffnung werden in Art. 38 VwVG äusserst kurz und
allgemein umschrieben. Der Leitgedanke bestimmt, dass den Parteien aus mangelhafter Eröff-
nung kein Nachteil erwachsen darf (vgl. Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht,
7. Auflage, Zürich/St. Gallen 2016, N 1079; Uhlmann/Schilling-Schwank in: Waldmann/Weiss-
enberger [Hrsg.], Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Auflage, Zürich 2016,
Art. 38 N 1; Rhinow/Koller/Kiss/Thurnherr/Brühl-Moser, Öffentliches Prozessrecht, 3. Auflage,
Basel 2014, N 1245). Allgemein ist dazu zunächst festzuhalten, dass fehlerhafte Verwaltungs-
akte in der Regel nicht nichtig, sondern nur anfechtbar sind, und sie durch Nichtanfechtung
rechtsgültig werden (vgl. Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., N 1088). Bei der Abgrenzung zwi-
schen blosser Anfechtbarkeit und Nichtigkeit folgt die Rechtsprechung der sogenannten Evi-
denztheorie. Danach ist eine Verfügung nichtig, wenn der ihr anhaftende Mangel besonders
schwer und offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar ist und zudem die Rechtssicherheit
dadurch nicht ernsthaft gefährdet wird (BGE 139 II 243, 260; BGE 138 II 501, 503; BGE 137 I
273, 275; Bundesverwaltungsgerichtsentscheid [BVGE] 2013/38, E. 4.1; BVGE 2008/8, E. 6.2;
StGE vom 19. September 2014, 510 14 15, E. 3a; StGE vom 26. Juni 2009, 510 09 7, E. 2d;
StGE vom 27. März 2009, 510 08 77, E. 5a). Nichtigkeit bedeutet absolute Unwirksamkeit einer
Verfügung, wobei die Verfügung dabei keinerlei Rechtswirkungen entfaltet und vom Erlass an
(ex tunc) und ohne amtliche Aufhebung rechtlich unverbindlich ist (vgl. Häfelin/Müller/Uhlmann,
a.a.O., N 1096 ff.; Uhlmann/Schilling-Schwank, a.a.O., Art. 38 N 3).
c) Eine Verfügung erlangt weder rechtliche noch tatsächliche Existenz, wenn ein
unverzichtbarer, eigentlicher Verfahrensbestandteil fehlt, welcher erst der Verfügung Geltungs-
kraft vermitteln würde. So kommt die Verfügung gar nicht erst zustande, wenn die Eröffnung
vollständig unterbleibt. Die Bekanntgabe ist unabdingbarer Bestandteil des auf den Erlass der
Verfügung hinzielenden Verwaltungsverfahrens. Wird dagegen die Verfügung nur einem einzel-
nen Betroffenen nicht bekannt gemacht, so ist nicht das Zustandekommen der Verfügung an-
gesprochen, sondern die Rechtsfolge des Eröffnungsfehlers bezüglich der ungleich behandel-
ten Betroffenengruppierungen (Stadelwieser, Die Eröffnung von Verfügungen, St. Gallen 1994,
S. 148; StGE vom 27. März 2009, 510 08 77, E. 5a). Nach der Anfechtbarkeit und der Nichtig-
keit mangelhafter Verfügungen ist demnach eine weitere Unterscheidung zu treffen. Die teilwei-
se Nicht-Eröffnung einer Verfügung zieht weder Nichtigkeit noch Anfechtbarkeit nach sich. Ein-
zelne Rechtsfolgen für die bei der Eröffnung nicht berücksichtigten Personen beginnen noch
nicht zu laufen. Die Rechtsmittelfrist beginnt somit erst zu laufen, wenn der Partei tatsächlich
die Verfügung eröffnet worden ist oder sie Kenntnis erhalten hat und die Eröffnung hätte erwir-
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ken können (vgl. Stadelwieser, a.a.O., S. 171; Kiener/Rütsche/Kuhn, Öffentliches Verfahrens-
recht, 2. Auflage, Zürich/St. Gallen 2015, N 622; BGE 134 V 306, 312 f.; BGE 116 Ib 321, 326;
BGE 9C_791/2010, E. 2 ff.; BGE 2A.74/2003, E. 2.4; BGE 2P.187/2003, E. 6.2; BVGE
C-1400/2012, E. 2; BVGE A-6799/2007, E. 3; StGE vom 18. März 2016, 510 15 74, StGE vom
19. September 2014, 510 14 15, E. 3a, StGE vom 26. Juni 2009, 510 09 7, E. 3a; StGE vom
27. März 2009, 510 08 77, E. 5a). Der Adressat geniesst jedoch keinen Schutz, wenn er trotz
des Eröffnungsfehlers keinen Nachteil erlitten hat (BVGE A-5540/2013, E. 2.2.2; BVGE
A-5926/2012, E.2.3.1; BVGE A-2784/2010, E. 2.1).
d) Vorliegend wurde die Veranlagungsverfügung der Staatssteuer 2011 vom
10. Dezember 2014 der Ehefrau zugestellt und damit eröffnet. Die Verfügung hätte jedoch, wie
in Erw. 3d hiervor ausgeführt wurde, auch dem Ehemann zugestellt werden müssen, sodass
eine mangelhafte Eröffnung vorliegt. Da dem Ehemann daraus kein Nachteil erwachsen darf,
beginnt die Einsprachefrist erst ab dem Zeitpunkt zu laufen, als er tatsächlich von der Verfü-
gung Kenntnis erlangt hat. Der Zeitpunkt der tatsächlichen Kenntnisnahme ist vorliegend nicht
bekannt. Festzuhalten bleibt jedoch, dass beide Ehegatten mit Eingabe ihrer gemeinsamen
Vertreterin vom 12. Januar 2015 fristgerecht Einsprache erhoben haben. Somit ist dem Ehe-
mann trotz Eröffnungsmangel kein Rechtsnachteil erwachsen, weshalb er keinen Schutz aus
mangelhafter Eröffnung geniesst.
5. In materieller Hinsicht macht die Vertreterin der Rekurrenten geltend, mit Entscheid des
Steuergerichts vom 20. September 2013 sei ausgeführt worden, dass sich die ökonomische
Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen in zwei Kantonen manifestiere und jeder Kanton sich
diese Leistungsfähigkeit in dem Umfang zunutze machen dürfe, welcher der auf seinem Gebiet
entfallenden Wirtschaftstätigkeit entspreche. Da das Bundesgericht die hier strittige Frage noch
nie entschieden habe, sei auf den vorgenannten Entscheid des Steuergerichts abzustellen. Es
sei auf die Mittelherkunft abzustellen. Das Einkommen des Ehemannes sei somit dem Kanton
C._ zur Besteuerung zuzuweisen. Die Steuerverwaltung hält dafür, Einkünfte und Vermö-
genswerte von Ehegatten seien gemeinsam zu besteuern (sog. Faktorenaddition). Dabei habe
sich der Gesetzgeber vom Grundgedanken leiten lassen, dass die Ehepaare nicht nur eine
rechtliche, sondern auch eine wirtschaftliche Verbrauchergemeinschaft bilden würden, welche
auch steuerlich als Einheit zu behandeln sei. Um die Auswirkungen dieser Faktorenaddition auf
den progressiv verlaufenden Steuertarif auszugleichen, werde für die Satzbestimmung das
„Vollsplitting“ angewandt. Hätten Ehegatten ihren steuerlichen Wohnsitz je in unterschiedlichen
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Gemeinden oder Kantonen, so seien die dem jeweiligen Wohnsitz zuzuordnenden Faktoren in
der Regel je hälftig auf die beiden Wohnsitze aufzuteilen. Von der hälftigen Aufteilung könne
nur dann abgesehen werden, wenn beide Ehegatten ihren Unterhalt selbst bzw. aus eigenen
Mittel bestreiten würden. Für die hälftige Aufteilung des Steuersubstrates unter den verschiede-
nen Domizilen sei es somit unerheblich, wie sich das Familieneinkommen konkret zusammen-
setze. Da die Pflichtige finanziell abhängig und eine gemeinschaftliche Verwendung der familiä-
ren Mittel geradezu notwendig sei, dränge sich vorliegend eine interkantonale je hälftige Teilung
des familiären Steuersubstrates auf.
a) Mit Entscheid des Steuergerichts vom 21. September 2013 wurde hinsichtlich der
hier strittigen Frage einzig ausgeführt, dass dann, wenn sich die ökonomische Leistungsfähig-
keit des Steuerpflichtigen in zwei Kantonen manifestiere, sich jeder Kanton diese Leistungsfä-
higkeit in dem Umfang zunutze machen dürfe, welcher der auf seinem Gebiet entfallenden
Wirtschaftstätigkeit entspreche. Wie die hier strittige Frage zu beurteilen ist, wurde, entgegen
den Ausführungen der Vertreterin der Rekurrenten, nicht beantwortet, umso mehr als sich die
Rechtskraft grundsätzlich nur auf das Dispositiv bezieht.
b) Bei getrennten Hauptsteuerdomizilen mit gleichzeitigem Weiterbestehen der ehe-
lichen Gemeinschaft ist das beiden Eheleuten zufliessende Erwerbseinkommen und das ihnen
gehörende bewegliche Vermögen (inkl. Erträgen) zwischen den betroffenen Kantonen aufzutei-
len (Repartition). Dabei werden zur Ermittlung des satzbestimmenden Einkommens die Fakto-
ren gestützt auf die Ehegattenbesteuerung zusammengezählt. In der Regel besteht diese Aus-
scheidung in einer quotenmässigen, zumeist hälftigen Teilung der Steuerhoheit. Diese umfasst
alle der Besteuerung unterliegenden Elemente mit Ausnahme ausserkantonaler Geschäftsbe-
triebe und Betriebsstätten und ausserkantonalen Grundeigentums (vgl. Art. 4 Abs. 1 StHG, § 6
Abs. 1 StG). Die hälftige Teilung rechtfertigt sich namentlich für weitgehend getrennt lebende
Ehegatten, welche die Kosten für Lebensunterhalt und Wohnung indessen aus gemeinsamen
Mitteln bestreiten. Dieselbe Ausscheidung scheint angemessen, wenn einer der Gatten über
kein Erwerbseinkommen verfügt (vgl. BGE 2P.2/2003 vom 7. Januar 2004, a.a.O., E. 2.5, unter
Verweis auf BGE 121 I 14, E. 6c).
c) Liegen besonderen Umstände vor, rechtfertigt sich keine hälftige Aufteilung der
Steuerhoheit. Insbesondere dann, wenn keiner der beiden voll erwerbstätigen Ehepartner im
Interesse des andern gemeinsame Aufgaben, z.B. die Versorgung von Kindern, übernimmt.
Ebenso dann, wenn jeder seinen Unterhalt im Wesentlichen selbst bestreitet. In solchen Fällen
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erscheint es angebracht, das Erwerbseinkommen jedes Gatten vollumfänglich an dessen
Hauptsteuerdomizil zu besteuern, da es sich eindeutig dem einen oder anderen Anknüpfungs-
punkt zuordnen lässt. Auch allfälliges bewegliches Vermögen (inkl. die daraus fliessenden Er-
träge) beider Gatten ist dem jeweiligen Kanton (zum Gesamtsteuersatz) zuzuweisen (vgl. BGE
2P.2/2003, a.a.O., E. 3.2.2.3). Entsprechend wurde beispielsweise in einem Fall, in welchem
beide Ehegatten ihren Unterhalt im Wesentlichen selbst bestritten, von der hälftigen Aufteilung
abgewichen und entschieden, dass sich eine individuelle Zuteilung der Einkommensfaktoren
und der Abzüge, mithin auch des Abzuges der vom Ehegatten an seine geschiedene Ehefrau
geleisteten Unterhaltszahlungen, rechtfertige (vgl. StGE vom 4. Dezember 2015, 510 15 50).
d) Damit besteht entgegen der Ansicht der Vertreterin der Rekurrenten eine, auch
vom Bundesgericht bestätigte, Praxis, wonach dann, wenn beide Ehegatten ihren Lebensunter-
halt aus der gleichen Quelle bestreiten, eine Teilung der Steuerhoheit stattfindet. Nur dann,
wenn jeder Ehegatte seinen Lebensunterhalt selbst bestreiten kann, ist eine abweichende Aus-
scheidung vorzunehmen.
e) Vorliegend stellt sich damit die Frage, ob ein von der Praxis entwickelter Aus-
nahmefall gegeben ist. Dass das Einkommen der Rekurrentin in Höhe von Fr. 18‘356.-- zu ge-
ring ist, um ihren Lebensunterhalt und jenen der Kinder zu bestreiten, ist offensichtlich und zeigt
sich gerade auch darin, dass der Ehemann, wie seine Vertreterin anlässlich der heutigen Ver-
handlung dartat, monatlich Fr. 4‘500.-- auf das Lebenshaltungskonto seiner Ehefrau überweist
und sie zudem kostenlos in der Liegenschaft in B._ lebt. Die Ehefrau ist damit auf Leistun-
gen des Ehemannes angewiesen, um ihren Lebensunterhalt finanzieren zu können. Damit ist
eine wirtschaftliche Einheit bzw. die Gemeinschaftlichkeit der Mittel gegeben. Daraus folgt, dass
die von der Steuerverwaltung vorgenommene hälftige Aufteilung nicht zu bemängeln ist.
f) Da der Kanton C._ die Steuerausscheidung mit Verfügung vom 15. Juli 2014
analog derjenigen im Kanton Basel-Landschaft, also auch mit einer hälftigen Aufteilung, vorge-
nommen hat, ist keine interkantonale Doppelbesteuerung gegeben. Dass die Ausscheidung
ansonsten fehlerhaft gemacht worden wäre, machte die Vertreterin zu Recht nicht geltend, zu-
mal eine solche auch nicht erkennbar ist.
Der Rekurs erweist sich damit als unbegründet und ist abzuweisen.
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6. Ausgangsgemäss sind den Rekurrenten Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 1‘500.-- auf-
zuerlegen (§ 130 StG i.V.m. § 20 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über die Verfassungs- und Ver-
waltungsprozessordnung [Verwaltungsprozessordnung, VPO] vom 16. Dezember 1993) und es
ist ihnen keine Parteientschädigung auszurichten (§ 130 StG i.V.m. § 21 Abs. 3 VPO).
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