Decision ID: b7ac2d6a-15c8-4e38-a2ae-1631a9f62e5f
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Angriff etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 25. Februar 2013 (GG120338)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 3. Dezember
2012 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 16).
Urteil der Vorinstanz:
1. a) Der Beschuldigte A._ ist schuldig des Angriffs im Sinne von
Art. 134 StGB.
b) Der Beschuldigte B._ ist schuldig der einfachen Körperverletzung
im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB.
2. a) Der Beschuldigte A._ wird bestraft mit einer Geldstrafe von 90
Tagessätzen zu Fr. 30.– (entsprechend Fr. 2'700.–) sowie einer Busse
von Fr. 500.–.
b) Der Beschuldigte B._ wird bestraft mit einer Geldstrafe von 120
Tagessätzen zu Fr. 100.– (entsprechend Fr. 12'000.–) als Zusatzstrafe
zu den mit Strafmandaten der Staatsanwaltschaft des Kantons
Nidwalden vom 19. Mai 2011 und 23. September 2011 ausgefällten
Strafen.
3. a) Der Vollzug der Geldstrafe des Beschuldigten A._ wird
aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
b) Der Vollzug der Geldstrafe des Beschuldigten B._ wird im Umfang
von 60 Tagessätzen zu je Fr. 100.– aufgeschoben und die Probezeit
wird auf 3 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (60 Tagessätze zu je Fr. 100.–
) wird die Geldstrafe vollzogen.
4. Die dem Beschuldigten B._ mit Strafmandat des Amtsstatthalteramtes
C._ vom 20. Mai 2010 für die bedingte Geldstrafe von 100 Tages-
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sätzen zu Fr. 40.– angesetzte Probezeit von 2 Jahren wird mit Wirkung ab
heute um 1 Jahr verlängert.
5. Bezahlt der Beschuldigte A._ die Busse schuldhaft nicht, so tritt an
deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.
6. Der Privatkläger D._ wird mit seinem Schadenersatzbegehren auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen.
7. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 2'500.–. Über die weiteren
Kosten wird die Gerichtskasse Rechnung stellen. Über die Höhe der Kosten
der amtlichen Verteidigung wird mit separater Verfügung entschieden.
8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens,
ausgenommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden den
Beschuldigten je zur Hälfte auferlegt.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten 1:
(Urk. 57)
"1. Der Beschuldigte 1 sei vom Vorwurf des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB
und damit vollumfänglich von Schuld und Strafe freizusprechen;
2. Auf allfällige Zivilforderungen sei nicht einzutreten;
3. Die Kosten des Untersuchungsverfahrens, der Gerichtsverfahren sowie der
amtlichen Verteidigung seien ausgangsgemäss auf die Staatskasse zu
nehmen und dem Beschuldigten 1 sei für die ihm durch das Strafverfahren
entstandenen Kosten und Umtriebe angemessen zu entschädigen."
b) Der Verteidigung des Beschuldigten 2:
(Urk. 59)
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"1. Herr B._ sei unter Aufhebung des angefochtenen erstinstanzlichen
Urteils von jeglicher Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Auf eine Verlängerung der Probezeit für die mit Strafmandat des
Amtsstatthalteramtes C._ vom 20. Mai 2010 bedingt aufgeschobene
Geldstrafe sei entsprechend zu verzichten.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt) zu Lasten der
Staatskasse."
c) Der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, Besondere Untersuchungen:
(schriftlich; Urk. 46)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
_

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
Das Einzelgericht am Bezirksgericht Zürich, 10. Abteilung, sprach mit Urteil
vom 25. Februar 2013 den Beschuldigten 1 des Angriffs im Sinne von Art. 134
StGB und den Beschuldigten 2 der einfachen Körperverletzung im Sinne von
Art. 123 Ziff. 1 StGB für schuldig. Ersteren bestrafte das Einzelgericht mit einer
bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 30.– und einer Busse von
Fr. 500.–; Letzteren mit einer teilbedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu
Fr. 100.– (als Zusatzstrafe zu zwei früheren Strafmandaten), wobei die Hälfte der
Tagessätze als vollziehbar erklärt wurde (Urk. 41).
Gegen dieses Urteil meldeten beide Beschuldigten Berufung an (am 5. bzw.
7. März 2013: Urk. 34 und 35). Die Berufungserklärungen folgten unterm 4. bzw.
10. Juli 2013 (Urk. 42 und 43). Demnach wird von beiden Beschuldigten ein
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Freispruch verlangt (Urk. 43 S. 1 mit Verweis auf Urk. 29; Urk. 42). Die
Staatsanwaltschaft verzichtete auf ein Rechtsmittel und beantragte die
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 46).
II. Sachverhaltserstellung
1. Überblick
Gemäss Anklage sollen der Beschuldigte 1 dem Privatkläger einen
Faustschlag ins Gesicht ausgeteilt und der Beschuldigte 2 demselben mit einem
Schlagstock auf den Kopf geschlagen haben. Der Privatkläger erlitt dadurch eine
Rissquetschwunde am Kopf und eine Gehirnerschütterung (vgl. ärztlichen Bericht
des USZ vom 2. Oktober 2010; Urk. 12/2). Der Vorfall soll sich am 1. Oktober
2010 um 22.20 Uhr auf dem Parkplatz des ... Zürich vis-à-vis des ... zugetragen
haben. Der Geschädigte und Privatkläger will den Beschuldigten 1 als Täter noch
vor Ort erkannt und den Beschuldigten 2 später auf einer Foto wiedererkannt
haben. Der Privatkläger hat seine Belastungen gegenüber den Beschuldigten in
Konfrontation mit diesen rund zwei Jahre nach der Tat bestätigt (Urk. 7/8). Seine
Aussage war das primäre Fundament der vorinstanzlichen Verurteilung der
Beschuldigten.
Beide Beschuldigten bestreiten den Tatvorwurf. Der Beschuldigte 1 macht
nebst dem Hinweis auf widersprüchliche Aussagen des Privatklägers in erster
Linie ein Alibi für den Tatzeitpunkt geltend. Der Beschuldigte 2 argumentierte mit
den Unsicherheiten und Unstimmigkeiten in den Schilderungen des Privatklägers
und mit dem Umstand, dass der Beschuldigte 2 erst über ein Jahr nach der Tat
vom Privatkläger als zweiter Täter ins Spiel gebracht worden sei.
Die vom Privatkläger geschilderte tätliche Attacke auf ihn, begangen durch
Dritte, kann aufgrund der ärztlich attestierten Kopfverletzung, die er sich nicht
selber zufügen konnte, nicht strittig sein. Auch Zeit und Ort des Geschehens sind
aufgrund der sofortigen Anzeige des Privatklägers bei der Polizei nicht fraglich.
Hauptstreitpunkt im vorliegenden Strafprozess ist demnach, ob den Beschuldigten
die Täterschaft nachgewiesen werden kann.
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2. Vom Beschuldigten 1 geltend gemachtes Alibi
Während der Beschuldigte 2 auf Beweisergänzungen verzichtete (Urk. 42
S. 2), liess der Beschuldigte 1 die Befragung von sieben Zeugen beantragen, die
sein Alibi bestätigen könnten (Urk. 43 S. 2). Drei dieser Zeugen waren bereits
kurz vor der Hauptverhandlung angerufen worden und anlässlich der
Hauptverhandlung hat der Beschuldigte 1 die Befragung von weiteren drei
Zeugen beantragt. In den im Berufungsverfahren gestellten Beweisanträgen ist
als siebte Zeugin E._, die Schwester des Vaters des Beschuldigten 1, neu
hinzugekommen. Von Seiten der Schwester und der Mutter des Beschuldigten 1,
welche unter den angerufenen Zeugen figurieren, liegt sodann eine schriftliche
Erklärung zum behaupteten Alibi des Beschuldigten 1 in den Akten; diese wurde
von der Verteidigung eingereicht (Urk. 26).
Die Vorinstanz hat die Beweisanträge des Beschuldigten 1 recht salopp
abgelehnt (vgl. Urk. 41 S. 6 f.). Sie berief sich dabei darauf, dass der Beschuldigte
1 sein Alibi erst mehr als zwei Jahre nach der Tat geltend gemacht habe, wo er
sich in den ersten Verhören kurz nach der Tat doch viel eher hätte daran erinnern
müssen. Auch sah die Vorinstanz zwischen der ersten Erwähnung des Alibis
durch den Beschuldigten 1 (am 7. November 2012; Urk. 7/12), wonach er
wahrscheinlich in Deutschland gewesen sei, er könne dies aber nicht beweisen,
und der Präsentation von mehreren Zeugen wenige Monate später (mit Eingabe
vom 21. Februar 2013; Urk. 25) einen Widerspruch, der auf prozesstaktisches
Vorgehen schliessen lasse. Des Weiteren sprach die Vorinstanz den angerufenen
Zeugen, da diese ausschliesslich Familienmitglieder des Beschuldigten 1 sind,
von vornherein die notwendige Glaubwürdigkeit ab und wies darauf hin, dass
diese versucht sein könnten, das Alibi des Beschuldigten 1 aus Gefälligkeit zu
bestätigen (Urk. 41 S. 7).
Die Kritik der Verteidigung des Beschuldigten 1 an der Argumentation des
Einzelgerichts, dass damit in eine nicht zulässige antizipierte Beweiswürdigung
verfallen würde, ist nicht unberechtigt. Das Aussageverhalten des Beschuldigten
1 bezüglich seines Aufenthaltsorts zum Tatzeitpunkt spricht entgegen der
Auffassung der Vorinstanz nicht gegen ihn: Am 13. Dezember 2010 erstmals als
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Beschuldigter befragt, sagte er, er wisse nicht, wo er am 1. Oktober 2010
gewesen sei, da dies "so lange her" sei (Urk. 7/1 S. 2). Am 17. Juli 2012 ein
zweites Mal dazu befragt, wiederholte er, er habe keine Ahnung, was er am 1.
Oktober 2010 gemacht habe; nun sei es bereits eineinhalb Jahre her (Urk. 7/2 S.
2). Die dritte Einvernahme fand erst am 7. November 2012 statt und, nachdem er
ausdrücklich nach Beweisergänzungen gefragt worden war, antwortete der
Beschuldigte 1: "Ich war wahrscheinlich an diesem Tag in Deutschland, kann es
aber heute nicht beweisen" (Urk. 7/12 S. 3).
Dass zwischen dem Tatzeitpunkt und der ersten Befragung 2 1⁄2 Monate und
bis zur zweiten und dritten Befragung rund weitere eineinhalb bis zwei Jahre
vergangen waren, hat nicht der Beschuldigte 1, sondern haben die
Strafverfolgungsbehörden zu verantworten: In der ersten (polizeilichen) Befragung
ist der Beschuldigte 1 zum ersten Mal mit dem konkreten Tatvorwurf konfrontiert
worden und es ist ihm nicht zu verargen, dass er nicht spontan wusste, wo er
zehn Wochen zuvor gewesen war. In der zweiten Befragung, eineinhalb Jahre
später, bezog er sich darauf, dass er bereits in der ersten Befragung bei der
Polizei nicht gewusst hatte, was er am 1. Oktober 2010 gemacht hatte, und
wiederholte dieses Nichtwissen mit dem Hinweis, dass mittlerweile eineinhalb
Jahre vergangen seien. Auch diese Aussage erscheint unverdächtig. Rund fünf
Monate später in seiner dritten Einvernahme wurde er nach allfälligen
Beweisergänzungsanträgen gefragt und in diesem Zusammenhang erwähnte er
erstmals, dass er am Tattag "wahrscheinlich" in Deutschland gewesen sei, es
aber "heute" nicht beweisen könne. Diese Erklärung des Beschuldigten 1 war
zwar neu, er wurde jedoch nicht danach gefragt, wieso er dies nicht schon früher
vorgebracht hätte. Auch lässt das vom Beschuldigten 1 verwendete Wörtchen
"heute" offen, ob ein Beweis allenfalls nachgebracht werden kann. Erst im
schriftlichen Beweisantrag seitens seines Verteidigers vom 21. Februar 2013
(Urk. 25) findet sich für das neue Vorbringen eine Erklärung; demnach habe sich
für den Beschuldigten 1 das Alibi erst vor kurzer Zeit aus Gesprächen mit
Familienmitgliedern ergeben.
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Nun kann aber dieses späte Berufen auf ein allfälliges Alibi und das noch
spätere Anrufen von entsprechenden Beweismitteln nicht einfach als
prozesstaktisches Vorgehen abgetan werden, wie es die Vorinstanz gemacht hat
(vgl. Urk. 41 S. 6 f.). Vielmehr ist zu beachten, dass dem im
Untersuchungsverfahren erst 22- bis 24-jährigen Beschuldigten 1, der zudem aus
einem anderen Kulturkreis stammt, vom Vorderrichter nicht von Ungefähr unter
anderem gestützt darauf, dass der "Sachverhalt in tatsächlicher Hinsicht gewisse
Schwierigkeiten" bereite, am 12. Februar 2013 ein amtlicher Verteidiger
beigegeben worden ist (vgl. Urk. 22). Dass erst daraufhin die mögliche
Exkulpation durch ein Alibi arte legis in den Prozess eingeführt worden ist,
überrascht demnach nicht: Dass dies erst spät geschehen ist, ist in erster Linie
auf die späte Bestellung des Verteidigers zurückzuführen und erlaubt nicht, das
geltend gemachte Alibi unbesehen als Taktik und Schutzbehauptung
abzuqualifizieren, wie es die Vorinstanz getan hat (Urk. 41 S. 6 f.).
Folglich wurde dem Beschuldigten 1 im Berufungsverfahren, vorgängig der
Berufungsverhandlung, mittels schriftlicher Anregung vom 11. September 2013
vom Gericht Gelegenheit gegeben, das behauptete Alibi zu untermauern (vgl.
Urk. 51). In der Folge reichte der Beschuldigte am 19. Dezember 2013 eine Kopie
eines Videos des am 2. Oktober 2010 stattgefundenen Geburtstagsfestes von
F._ (Tante des Beschuldigten 1) in I._ (Deutschland) ein (Urk. 56),
welches dem Gericht zudem an der Berufungsverhandlung im Original vorlag
(Prot. II S. 14).
Anlässlich der Berufungsverhandlung wurde eine Auswahl der vom
Beschuldigten 1 offerierten Zeugen befragt (vgl. Prot. II S. 6 - 22). Bei den drei
befragten Zeugen handelt es sich um die Mutter, die Tante und den Cousin des
Beschuldigten 1. Alle Zeugen wurden zur Wahrheit ermahnt und auf die Folgen
eines wissentlichen falschen Zeugnisses gemäss Art. 307 StGB aufmerksam
gemacht. Trotz Zeugnisverweigerungsrecht gemäss Art. 168 Abs. 1 lit. c StPO
erklärte die Mutter des Beschuldigten 1, aussagen zu wollen. Hinsichtlich der
allgemeinen Glaubwürdigkeit eines Zeugen im Sinne einer dauerhaften
personalen Eigenschaft ist zu beachten, dass dieser kaum mehr relevante
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Bedeutung zu kommt. Weitaus bedeutender für die Wahrheitsfindung als die
allgemeine Glaubwürdigkeit ist die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage, welche
durch methodische Analyse ihres Inhalts darauf überprüft wird, ob die auf ein
bestimmtes Geschehen bezogenen Angaben einem tatsächlichen Erleben des
Zeugen entspringen (BGE 133 I 33 E. 4.3 S. 45 mit Hinweisen).
Die Zeugin G._, Mutter des Beschuldigten 1, sagte aus, im Jahr 2010
ans Geburtstagsfest ihrer Schwägerin in Deutschland gefahren zu sein. Dazu
hätten ihre Familie und die Familie der Schwester ihres Ehemannes einen kleinen
Van gemietet. Ihr Neffe H._ sei die gesamte Strecke gefahren. Er sei zu
ihnen nach Luzern gekommen, habe dort mit Hilfe von A._ den Van gemietet
und sie seien dann alle zusammen nach Zürich gereist, um die Familie von
H._ abzuholen. Dort hätten sie erst noch zu Mittag gegessen und seien dann
nach ca. einer Stunde weitergefahren. In I._ seien sie am Freitagabend um
ca. 21 - 21.30 Uhr angekommen. A._ sei auch an der Geburtstagsfeier in
Deutschland dabei gewesen und sie sage dies nicht, um ihn zu schützen. Am
Sonntag seien sie wieder zurück gereist und A._ sei mit ihnen bis nach
Luzern gefahren. Als Dankeschön hätten alle Gäste eine Video-CD erhalten,
wobei sie auf Nachfrage bestätigte, dass es sich dabei um dasselbe Video
handle, welches dem Gericht vorliege (Prot. II S. 7-14).
Die Zeugin E._, Tante des Beschuldigten 1, führte aus, im Jahr 2010 an
die 50. Geburtstagsfeier ihrer jüngeren Schwester nach Deutschland gefahren zu
sein. Ihr Sohn H._, welcher über einen Führerschein verfüge, habe für die
Fahrt nach Deutschland einen Van in Luzern gemietet. Am Freitag gegen Mittag
seien die Personen aus Luzern zu ihr nach Hause gekommen und sie hätten
gegessen. Um ca. 13.30 / 14 Uhr seien sie von Zürich abgefahren. Im Van seien
acht Personen gewesen; A._ sei ebenfalls dabei gewesen. Die Feier habe
dann am Samstag stattgefunden und sie seien am Sonntag zurück gereist, wobei
auch A._ dabei gewesen sei. In Zürich seien ihre Tochter, ihr Ehemann und
sie ausgestiegen und die anderen seien weitergefahren. Sie hätten nicht am
30. September - dem eigentlichen Geburtstag ihrer Schwester - gefeiert, da dieser
Tag ein Wochentag gewesen sei und ihre Familien immer samstags feiern
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würden. Sie habe eine CD von ihrer Schwester erhalten und H._ habe diese
dem Gericht abgegeben (Prot. II S. 15 - 17).
Der Zeuge H._, Cousin des Beschuldigten 1, führte aus, auf der Fahrt
nach I._ ans Geburtstagsfest seiner Tante im Jahr 2010 seien seine Familie
und die Familie von A._ gemeinsam im Auto gewesen. A._ sei ebenfalls
dabei gewesen. Er (H._) sei gefahren, da er damals als einziger über einen
Führerausweis verfügt habe. A._ sei in Luzern eingestiegen, dann seien sie
nach Zürich gefahren und von dort nach I._. Auch bei der Rückfahrt sei
A._ dabei gewesen. Dies sage er nicht, um A._ zu schützen. Am Freitag
seien sie nach Deutschland gefahren und am Sonntag zurück. Das Auto habe er
gemietet, A._ sei jedoch dabei gewesen, da dieser den Autovermieter kenne.
Den Mietpreis hätten beide Familien je hälftig bezahlt. Jeder habe eine CD von
F._ erhalten, worauf auch A._ zu sehen sei, ebenso wie auf den Fotos,
welche sich ebenfalls auf der CD befinden würden (Prot. II S. 17 - 22).
Die Schilderungen der drei befragten Zeugen wirken lebensnah und in sich
geschlossen. Übereinstimmend und glaubhaft bestätigten sie die Teilnahme des
Beschuldigten 1 an der Reise vom 1. Oktober 2010 nach Deutschland. Die Mutter
und die Tante des Beschuldigten 1 konnten sich beide ans gemeinsame
Mittagessen in Zürich erinnern und der Cousin schilderte in Übereinstimmung mit
den Aussagen der Mutter des Beschuldigten 1 wie er gemeinsam mit dem
Beschuldigten 1 den Van für die Fahrt nach Deutschland gemietet hat. Alle drei
erwähnten zudem, von F._ eine CD mit Videos und Fotos des
Geburtstagsfests erhalten zu haben. Auf dem eingereichten Video (Urk. 56) ist zu
sehen, dass der Beschuldigte 1 an der Geburtstagsfeier teilgenommen hat, wie
dies auch der Cousin ausführte. Eine Verwechslung mit einem Bruder kann
ausgeschlossen werden, da die Mutter des Beschuldigten 1 auf Nachfrage
bestätigte, nur einen Sohn zu haben (Prot. II S. 9). Der Geburtstag von F._
fiel am 30. September 2010 auf einen Donnerstag. Es erscheint plausibel, dass
für ein Familienfest die Feierlichkeiten auf das Wochenende verschoben wurden,
da insbesondere auch Gäste aus dem Ausland eingeladen wurden. Damit kann
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die Täterschaft des Beschuldigten 1 am gleichzeitigen Geschehen in Zürich
ausgeschlossen werden, was zu einem Freispruch führen muss.
Durch die Falschidentifikation des Beschuldigten 1 als Täter bzw. seine
Verwechslung mit einer andern Person ist die Glaubwürdigkeit des Privatklägers
und der Wahrheitsgehalt seiner Aussagen bezüglich der Täterschaft so stark
erschüttert, dass auch die Bezichtigung des Beschuldigten 2 als Täter
grundsätzlich in Zweifel zu ziehen ist, zumal sich die Beweislage für dessen
Täterschaft ohnehin als weniger stark erwiesen hat als beim Mitangeschuldigten.
In dubio pro reo ist folglich auch der Beschuldigte 2 vom ihn betreffenden
Anklagevorwurf freizusprechen.
III. Zivilansprüche
Gemäss Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO entscheidet das Gericht über die
anhängig gemachte Zivilklage, wenn es die beschuldigte Person freispricht und
der Sachverhalt spruchreif ist. Ist Letzteres nicht der Fall, wird die Zivilklage auf
den Zivilweg verwiesen (Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO).
Die Vorinstanz verwies den Privatkläger mit seiner Zivilforderung auf den
Zivilweg, weil das Schadenersatzbegehren nicht rechtsgenügend belegt worden
war (Urk. 41 S. 38). Der Privatkläger machte geltend, seinen Autoschlüssel
infolge des angeblichen Angriffs durch die Beschuldigten verloren zu haben bzw.
dieser sei ihm entwendet worden. Vorliegend werden die Beschuldigten des
Angriffs freigesprochen und der Schaden des verlorenen Autoschlüssels kann
nicht durch sie verursacht worden sein. Der Sachverhalt ist spruchreif und die
Zivilforderung des Privatklägers ist abzuweisen.
IV. Kosten und Entschädigung
Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Vorliegend obsiegten
die Beschuldigten mit ihrer Berufung vollumfänglich. Bei diesem Ausgang des
Verfahrens sind die Kosten der Untersuchung, des erstinstanzlichen und des
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obergerichtlichen Verfahrens, einschliesslich derjenigen der amtlichen
Verteidigung, auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Wird die beschuldigte Person freigesprochen, so hat sie Anspruch auf
Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer
Verfahrensrechte sowie auf Entschädigung der wirtschaftlichen Einbussen, die ihr
aus ihrer notwendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind (Art. 429
Abs. 1 lit. a und b StPO). Mit Blick auf das vorliegende Verfahren erscheint der
vom Beschuldigten 1 geltend gemachte Aufwand angemessen (vgl. Urk. 57 S.
15). Entsprechend ist ihm für das gesamte Verfahren eine
Umtriebsentschädigung von Fr. 1'120.– aus der Gerichtskasse zuzusprechen.
Dem Beschuldigten 2 ist für das gesamte Verfahren eine
Prozessentschädigung von Fr. 11'582.90 aus der Gerichtskasse zuzusprechen,
wobei berücksichtigt wurde, dass die Berufungsverhandlung nur am Morgen und
nicht, wie ursprünglich angenommen, auch am Nachmittag stattfand. Zusätzlich
ist dem Beschuldigten 2, wie beantragt, eine Umtriebsentschädigung von
Fr. 1'500.– aus der Gerichtskasse zuzusprechen (vgl. Urk. 59 S. 19).