Decision ID: c92392b0-4668-4482-8dd0-1edd75de087b
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1966 geborene X._, Mutter dreier erwachsener Kinder (geb. 1991, 1991 und 1993), ohne abgeschlossene Berufsausbildung, reiste im Februar 2003 in die Schweiz ein. Zuletzt war sie zwischen Juni 2011 und Mai 2012 befristet im Y._ als
Mitarbeiterin Hotellerie (Funktion Zimmermäd
chen)
angestellt (Urk. 8/10, Urk. 8/12, Urk. 8/25/1).
Am 12. Dezember 2011 wurde sie als Fussgängerin von einem Personenwagen angefahren
, wobei sie ein Flexions-/Distraktionstrauma mit Brustwirbelsäulen (BWK)-12-Fraktur und Subarachnoidalblutung (
SAB
) in der Sylvischen Fissur links erlitt. Sie wurde deswegen am 1
2.
und 1
5. Dezember 2011 im S
pital
Z._
(
Z._
) operiert und war in der Folge arbeitsunfähig geschrieben (
Urk.
8/3/4-9). Der Unfallversicherer (Zürich-Versicherungsgesellschaft AG) trat auf den Scha
den ein und gewährte X._
di
e gesetzlichen Leistungen (Urk.
8/45/2-16).
Unter Hinweis auf Wirbelsäulenbeschwerden meldete sich die Versicherte am 6. Juni 2012 (Eingangsdatum) bei der Sozialversi
che
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, zum Bezug von Leistungen an (Urk. 8/10). Diese zog in der Folge einen Bericht des behandelnden Hausarztes (Urk. 8/16), einen Arbeitge
berbericht (Urk. 8/25) und einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Aus
zug, Urk. 8/17) ein. Am 12. November 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen angezeigt seien (Urk. 8/40).
Am 1
7.
Januar 2013 fand in der
H._
des
Z._
eine weitere Operation (Entfernung eines dorsalen Fixeurs Th10-12) statt (
Urk.
8/45/30; vgl.
Urk.
8/42). Die IV-Stelle zog daraufhin die Akten des Unfall
versicherers bei (
Urk.
8/45). Dieser teilte der IV-Stelle am 1
5.
Oktober 2013 mit, dass er bei Prof.
Dr. med. A._
, FMH Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie, ein medizinisches Gutachten in Auftrag gebe, und gab ihr Gelegenheit, Ergänzungsfragen an den Gutachter zu richten (
Urk.
8/46). Von dieser Gelegen
heit machte die IV-Stelle am 1
8.
Oktober 2013 Gebrauch (
Urk.
8/47). Prof.
Dr. A._
erstattete sein Gutachten am
9.
April 2014 (
Urk.
8/51/2-20; vgl. auch ergänzende Stellungnahme von Prof.
Dr. A._
vom 1
2.
Juni 2014,
Urk.
8/62). Am 1
6.
Juni 2014 teilte der Unfallversicherer der Versicherten mit, dass er beim
B._
eine Schlussbegut
achtung inklusive Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) und psychiatrischer Abklärung in Auftrag geben werde. Die Taggelder würden per Ende August 2014 eingestellt (
Urk.
8/54). Am 1
1.
Juli 2014 liess die IV-Stelle dem Unfallversicherer Zusatzfragen
zuhanden des B._ zugehen (Urk.
8/58). Das Gutachten wurde
am
1
9.
November 2014 erstattet (
Urk. 8/66/1-37 = Urk. 8/68; vgl. auch
psychiatrisches Gutachten von
Dr. med. C._
, FMH
Psychi
atrie und Psychotherapie, vom 5. September 2014 [Urk. 8/66/38-49
= Urk.
8/69]
).
Am 1
9.
Dezember 2014 teilte der Unfallversicherer
X._
mit, dass er an der Einstellung der Taggelder per Ende August 2014 festhalte. Im Weiteren wies er darauf hin, dass zurzeit keine Kostengutsprache f
ür den von Dr. C._
empfohlenen Rehabilitationsaufenthalt geleistet werden könne. Die Begründung von
Dr. C._
für die Bejahung eines kausalen Anteils an der heute wie vor dem Unfall bestehenden psychischen Beeinträchtigung sei insge
samt nicht nachvollziehbar. Er werde diesbezüglich nun ein Aktengutachten veranlassen (
Urk.
8/70 =
Urk.
8/76). Am 2
3.
Dezember 2014 ersuchte die Versi
cherte die IV
Stelle um Prüfung der Übernahme der Kosten für einen stationä
ren Aufenthalt und für ein anschliessendes Arbeit
straining (Urk.
8/67). Mit Vor
bescheid vom 2
9.
Dezember 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung ihres Rentenbegehrens in Aussicht. Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass kein Anspruch auf Übernahme der Kosten für medizinische Massnahmen bestehe und sie für die Prüfung von allfälligen Eingliederungsmassnahmen von der Eingliederungsberatung eingeladen werde (
Urk.
8/73). Nach erfolgten Ein
wand vom 2
8.
Januar 2015 (
Urk.
8/74)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 26. Februar 2015 einen Rentenanspruch der Versicherten (Urk. 8/82 [= Urk. 2]).
2.
Gegen diese Verfügung legte
die
Versicherte mit Eingabe vom
7. April 2015
Beschwerde ein und beantragte, die angefochtene Verfüg
ung sei aufzuheben und es seien ihr eine Rente sowie ein Anspruch auf berufliche Massnahmen zuzusprechen. In prozessualer
Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, Ansetzen einer Nachfrist
von 30 Tagen
zur weiteren Begründung der Beschwerde sowie
Anordnung eines zwei
ten Schriftenwechsels oder
Sistierung des Verfahrens bis
zum Vorliegen eines
Arztbericht
es
der aktuellen Therapie
(Urk. 1).
Mit Beschwer
deantwort vom
13
.
Mai 2015
beantragte die IV-Stelle Abweisung der Beschwerde (Urk.
7
)
. Mit Verfügun
g vom 1
9.
Mai 2015 wurde der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt und ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (
Urk.
9).
Die Frist zur Erstattung einer Replik wurde der Beschwerdeführerin mehrfach erstreckt (Urk. 11-13, Urk. 16, Urk. 18).
Mit Eingabe vom 1
2.
Januar 2016
(Urk. 19)
ersuchte die Beschwerdeführerin
schliesslich – unter Einreichung zweier E-Mails (Urk. 20/1-2) –
um Rückweisung der Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin; eventuell um Sistierung des Verfahrens bis zum Vorliegen
des immer noch ausstehenden Aktengutachtens des Unfallversicherers (Urk. 19). Mit Eingabe vom 5. April 2016 (Urk. 22) legte die Beschwerdeführerin das besagte Aktengutachten vom 18. März 2016 von Dr. med. D._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, auf (Urk. 23), welches der Beschwerdegegnerin zusammen mit den Urk. 19, Urk. 20/1-2 und Urk. 22 mit Verfügung vom 12. April 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 24). Mit Eingabe vom 21. April 2016 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine diesbezügliche Stellungnahme (Urk. 25),
was de
r
Beschwerdeführer
in
mit Verfügung vom 7. Juni 2016
mitgeteilt
wurde (Urk.
26
).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krank
heitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. De
zem
ber 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. No
vember 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versi
cherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeits
markt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundes
gerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
Auch nach der Praxis
änderung vom 3.
Juni 2015
(BGE 141 V 281)
gelten psy
chi
sche Störungen
grundsätzlich
nur als invalidisierend, wenn sie schwer und therapeutisch nicht (mehr) angehbar sind, was namentlich bei noch nicht lange chronifizierten Krankheitsgeschehen voraussetzt, dass keine therapeuti
sche Option mehr und somit eine Behandlungsresistenz besteht
(
BGE 141 V 281
E. 4.3.1.2; v
gl. Urteile des Bund
esgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5 und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
7.2.1).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
tels
rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
1.4.1
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
liegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversiche
rung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann Fredenhagen, Das ärztliche Gut
achten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
1.4.2
Auch reine Aktengutachten können beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich fest stehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt. Dies gilt grundsätzlich auch in Bezug auf Berichte und Stellungnahmen regionaler ärztlicher Dienste (RAD [Urteile des Bundesgerichts 9C_196/2014 vom 18. Juni 2014 E. 5.1.1 und 9C_780/2015 vom 7. Januar 2016 E. 3.1.1 je mit weiteren Hinweisen]
)
.
1.5
Der Erlass des angefochtenen Ent
scheids bildet rechtsprechungsgemäss die Grenze der richterlichen Überprüfungsbe
fugnis (vgl. etwa BGE 129 V 356 E. 1, 129 V 169 E. 1, 129 V 4 E. 1.2, je mit Hinweisen). Daher sind nur diejenigen tatsächlichen Umstände zu berücksichti
gen, die sich bis zu jenem Zeitpunkt ereignet haben.
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin, die vorliegende Anpassungsstörung (ICD-10 F43.22) vermöge keinen invalidenversicherungs
rechtlich relevanten Gesundheitsschaden zu begründen. In somatischer Hinsicht sei die Beschwerdeführerin seit Juni 2012 in der angestammten Tätigkeit zu 75 % und in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig. Daraus ergebe sich ein rentenausschliessender IV-Grad (Urk. 2).
2.2
D
ie
Beschwerdeführer
in brachte in ihrer
Beschwerde dagegen
im Wesentlichen
vor,
sie habe anlässlich des Unfalls vom 1
2.
Dezember 2011
eine
schwere Ver
letzung im Halswirbelsäulenbereich erlitten, sei mehrmals operiert worden und seit diesem Unfall arbeitsunfähig. Gemäss dem psychi
atrischen Teilgutachten von Dr. C._
vom
5.
September 2014 sei sie in erheblichem Mass seit Dezember 2011 bis heute arbeitsunfähig.
Die von Dr. C._ angeregte statio
näre, psychosomatische therapeutische Massnahme zur Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit sei zurzeit im Gange.
Es sei aber noch offen, in welchem Aus
mass sie dann wieder arbeitsfähig sein werde. Dies müsse allenfalls nach der Therapie durch ein wei
teres Gutachten geklärt werden (Urk. 1).
3.
3.1
Im rheumatologisch-psychiatrischen B._-Gutachten vom 19. November 2014 resp. 5. September 2014 zuhanden des Unfallversicherers (Urk. 8/68, Urk. 8/69 [= Urk. 8/66]) wurden die akten
kundigen medizini
schen Berichte zusammenge
fasst,
weshalb sie an dieser S
telle nicht noch einmal wieder
gegeben werden. Soweit
erforderlich, wird in den nach
folgenden Erwägungen aber darauf Bezug genommen
(Urk. 8/68/19).
3.1.2
Die B._-Gutachter führten im
Gutachten vom 1
9.
N
ovember 2014 (Urk. 8/68) die folgenden Diagnosen an (Urk. 8/68/19):
zerviko-thorakales, zeitweise lumbales Schmerzsyndrom bei/mit:
Status nach ventro-dorsaler Versorgung bei Th 11 Berstungsfraktur
resultierende, posttraumatische Wirbelsäulenfehlform (Kyphose thora
kolumbal, Segmentdeformation ca. 3
1
°)
Status nach Morbus Scheuermann des thorakolumbalen Überganges (MRI
vom 2.
Februar 2011) mit kleinen Diskushernien Th12/L1, L1/L2
geringe bis mässige ISG-Arthrose links
Status nach LWS-Kontusion infolge Sturz am
2.
Januar 2011
anamnestisch und aktenanamnestisch Status nach LWS- und Hüftkontu
sion links und Status nach Commotio cerebri infolge Sturz am 1
5.
Mai 2010
Adipositas
anamnestisch Meno- oder Metrorrhagien unklarer Ätiologie
Als psychiatrische Diagnose wurde unter Verweis auf das psychiatrische Teil
gut
achten von Dr. C._ vom 5. September 2014 eine Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt (ICD-10 F43.22) genannt.
3.2
Die klinische Befundung durch Dr. med. E._, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation,
ergebe eine Versicherte in gutem Allgemein- und Ernährungs
zustand, welche sich zum Teil immer wieder weinerlich während der Anamnese und bei der klinisch-ärztlichen Untersuchung verhalte. Rheumatolo
gisch-orthopädisch finde sich eine Versicherte mit protrahierter Kopfhaltung, vermehrter zervikothorakaler Übergangskyphose (nur kurzstreckig), einer deutli
chen BWS-Kyphose und einer kompensatorischen LWS-Hyperlordose. Insge
samt sei die Wirbelsäule im Lot. Die LWS sei für die Flexion und Extension zu maximal einem Drittel eingeschränkt. Die BWS sei formbedingt für die Exten
sion zu einem bis knapp zwei Dritteln, die Lateralflexion zu einem Drittel und die Oberkörperrotation zu einem Drittel eingeschränkt. Bei der Bewegungsprü
fung der HWS finde sich ein Kinn-Sternum-Abstand von 4/15 Zentimetern. Die Bewegungsprüfung ergebe Schmerzen in der BWS, im Nacken beidseits, in der Schultergürtelmuskulatur und Kopfschmerzen. Bei Prüfung der Schulterbeweg
lichkeit sei beidseits aktiv unter Angabe von stärksten Schmerzen in der BWS nur eine Elevation von 110° und Abduktion von 110° möglich. Zuerst gebe die Versicherte an, sie könne den Ellenbogen nicht strecken wegen starker Auslö
sung von Rückenschmerzen, dann sei es problemlos möglich. Eine abschlies
sende klinische Hüft- und Beweglichkeitsprüfung sei nicht möglich gewesen. Während den Testungen bei der EFL sei aber funktionell keine Einschränkung, welche auf eine Problematik im Hüft- und Kniebereich hindeuten würde, vor
handen. Neurologisch fänden sich symmetrische Reflexe, sehr wenig lebhaft auslösbar, und ein negativer Babinski. Eine Sensibilitätsverminderung werde bei der Testung nirgends angegeben. Die dorsale Wirbelsäule würde von innen her schmerzen. Die Waddelzeichen seien in drei bis vier von fünf positiv. Insgesamt habe die Beschwerdeführerin während der klinisch-ärztlichen Untersuchung ein doch deutlich stark demonstrativ und jammernd-leidend wirkendes Bild mit nicht nachvollziehbaren Bewegungseinschränkungen von Seiten der Schulter- und Ellbogengelenke (die bisher nie in einem medizinischen Bericht beschrieben worden seien) gezeigt (
Urk.
8/68/17-19).
3.3
Zu den Schlussfolgerungen gemäss der Evaluation der funktionellen Leistungs
fä
higkeit führten die
Experten aus, das arbeitsbezogene relevante Problem bestehe in einer verminderten Belastungstoleranz der Brustwirbelsäule (Status nach Berstungsfraktur Brustwirbel
11
mit Spondylodese Brustwirbel
segment 10-12) mit Ausstrahlungen in den Schulter-Nackenbereich. Die Beschwerdeführerin zeige ein sehr auffallendes Schmerz- und Bewegungsver
halten. Durch die Schonung und
das
schmerzbedingte Abbrechen jeglicher Aktivitäten sei eine Dekon
ditio
nierung objektivierbar. Die Leistungsbereitschaft der Beschwerde
führerin würden sie als nicht zuverlässig beurteilen. Die Beobachtungen bei den Tests
wiesen
auf eine deutliche Selbstlimitierung hi
n.
Die Konsistenz bei den Tests sei schlecht gewesen. Die Belastbarkeit liege im Mi
nimum im Bereich einer leichten,
wechselbelastenden Tätigkeit. Die demonstrierte Belastbarkeit sei nur minimal. Infolge erheblicher Symptomaus
weitung, Selbstlimitierung und Inkon
sistenz seien die Resultate der Belastbar
keitstests für die Beurteilung nur teil
weise verwertbar. Es sei davon auszuge
h
en, dass die Beschwerdeführerin bei gutem Effort mehr leisten könnte, als
das,
was sie bei de
n Leistungstests gezeigt habe (Urk. 8/68/
18-19
). Die von der Beschwerdeführerin beschriebene Tätigkeit als Mitarbeiterin Hotellerie (Funktion Zimmermädchen) entspreche schätzungs
weise einer leichten bis leicht-mittel
schweren Tätigkeit. Mühe würden der Beschwerdeführerin jegliche Tätigkeiten bereiten. Die gezeigte Leistungs
fähig
keit liege unter den Anforderungen. Auf
grund der Selbstlimi
tierung könne dies jedoch nicht abschliessend mittels EFL
beurteilt werden. Dies müsse
zum Teil medizinisch-theoretisch festgelegt wer
den. Abgeleitet von den Beobach
tungen sei der Beschwerdeführerin zumindest eine leichte, wechselbe
lastende Tätig
keit zumutbar. Als spezielle Einschränk
un
gen nannten die Exper
ten:
“
Heben Boden zu Taillenhöhe bis mindestens 5kg, Heben Taillen- zu Kopf
höhe bis mindestens 2,5kg, Heben horizontal bis min
destens 5kg, Tragen rechte Hand bis mindestens 5kg und Tragen linke Hand bis mindestens 5kg
möglich.“ Eine Tätigkeit wie die bisherige als Zimmermädchen sei der Beschwerdeführerin ganztags mit zusätzli
chen Pausen von insgesamt zwei Stunden pro Tag zumut
bar (
Urk.
8/69/20 Ziffer 4.1.2).
In anderen berufli
chen Tätigkeiten liege die Belastbarkeit im Minimum im Bereich einer leichten wechselbelastenden Tätigkeit. Bei Berück
sichtigung der genannten speziellen Einschränkungen sei eine solche Tätigkeit
ganztags zum
utbar (Urk. 8/69/20
).
3.4
Unter dem Titel „medizinische Beurteilung der Arbeits
fähigkeit“ führten die Gut
achter
an,
angesichts der aktuellen Anamnese, der klinischen Befunde, der Anamnese der Arbeitsanforderung sowie der radiologischen Befunde mit konso
lidierter Situation nach den Operationen und auch angesichts einer per
sistieren
den posttraumatischen Kyphose (welche, von der Statik her gesehen, eine Min
der
belastbarkeit der Wirbelsäule für schwere und mittelschwere Tätig
keiten medizinisch als plausibel erkläre) und der EFL-Resultate (d.h. der damit ermittel
ten, zumindest möglichen Funktionsfähigkeit) sei die Beschwerdeführe
rin für eine leichte bis leicht-mittelschwere Tätigkeit (das bedeute Maximalge
wicht bis 15kg) als ganztags, mit vermehrten Pausen von eineinhalb bis zwei Stunden
,
verteilt über den Arbeitstag von acht Stunden, als arbeitsfähig zu erachten. Die Pausen
dienten der Reduktion resp. dem
Unterbruch sich kumu
lierender Schmerzreize über den ganzen Tag. Eine solche Beanspruchung ent
spreche derjenigen eines Zimmermädchens. Daher sei die Beschwerdeführerin in dieser Tätigkeit als für acht Stunden
täglich,
mit vermehrten Pausen von zwei Stunden
,
als arbeitsfähig zu erachten. Dies entspreche einer 75%igen Arbeitsfä
higkeit. Für eine anderweitige, im Minimum leichte, wechselbelastende Tätigkeit unter Einbezug der genannten Einschränkungen sei die Beschwerdeführerin aus
rein rheumatologisch-orthopädischer Sicht zu 100 % arbeitsfähig (Urk. 8/68/20
21
).
Psychiatrischer
seits bestehe derzeit keine Arbeitsfähigkeit. Unter integrativen stationären Mass
nahmen gehe
Dr. C._
von einer voll
ständigen Rückbil
dung der Anpassungs
störung aus, was auch möglicherweise (theoretisch) eine Verbesserung der körperlichen (Beschwerden) erbringen könnte (
Urk.
8/68/21).
3.5
Dr. C._ hielt
im psychiatrischen Teilgutachten vom
5.
September 2014 unter anderem fest, dass die aktuellen Beschwerden in Ein- und Durchschlafstörun
gen, Albträumen, körperlicher Müdigkeit, Traurigkeit, Ängsten und Sorgen über ein zukünftiges Unglück sowie Meidung gesellschaftlicher Aktivitäten bestün
den (
Urk.
8/69/10).
Ängstlich-hilfsbereite (selbstlose
) Persönlichkeitszüge hätten bei der Beschwerdeführerin bereits vor dem Unfall zu einer jahrelangen Ver
nachlässigung ihrer Bedürfnisse mit starken Verantwortungsgefühlen ihren Kindern gegenüber mit konsequenter Störung der Stressmodulationsfähigkeit und Neigung zu psychophysischen Erschöpfungszuständen geführt. Die gegen
wärtige psychosoziale Situation der Beschwerdeführerin sei als stabil zu bezeichnen. Die unterstützende Familiensituation (durch ihre Kinder) sei als wichtige Ressource festzuhalten und werde eine günstige Auswirkung auf den Verlauf der festgestellten Anpassungsstörung haben. Weder
die diagnostizierte Anpassungsstörung noch die festgestellte psychophysische Erschöpfung nach dem Verlust der Tagesstruktur
und
im Rahmen einer angstbedingten Vermei
dungshaltung seien bis jetzt fachgerecht behandelt worden.
Aus seiner Sicht
brauche die
Beschwerdeführerin
zwecks Wiederherstellung der vollen Arbeitsfä
higkeit eine vier- bis sechswöchige stationäre integrative psychosomatische Be
handlung in einer psychosomatisch orientierten Klinik (z.B. Klinik
O._
, Höhen
klinik
P._
). Unter den integrativen stationären therapeutischen Massnahmen sei mit einer deutlichen Verbesserung der körperlichen und geistigen Leistungs
fähigkeit der Beschwerdeführerin,
dem
Abbau der angstbedingten Vermeidungs
haltung und der Ängstlichkeit,
der
Stabilisierung der Stimmungs
lage und
der
Wiederherstellung der vollen Arbeitsfähigkeit zu rechnen. Gegen
wärtig könne der
Beschwerdeführerin
aufgrund der eingeschränkten geistigen Flexibilität im Rahmen formaler Denkstörungen, Antriebsstörungen, geistige
r und körperlicher
Erschöpfung und angstbedingter Vermeidungshaltung keine Arbeitsfähigkeit auf dem freien Wirtschaftsmarkt attestiert werden. Allerdings sei
bei Durch
führung
fachgerechte
r
therapeutische
r
Massnahmen von einer voll
ständigen Rückbildung der Anpassungsstörung auszugehen
(
Urk.
8/69/11 f.).
4.
4.1
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat. Streitpunkt bildet dabei insbesondere die Frage der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin.
4.2
Zunächst ist festzustellen, dass
die Rechtsprechung seit jeher die Aufgaben von Rechts
anwender und Arztperson im Rahmen der Invaliditätsbemessung wie folgt verteilt hat: Sache des (begut
ach
tenden) Mediziners ist es, den Gesund
heits
zustand zu beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben, das heisst, mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersu
chung, unter Berücksichtigung der sub
jektiven Beschwerden, Befunde zu erhe
ben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt der Sachver
ständige seine genuine Aufgabe, wofür Verwaltung und im Streitfall Gericht nicht zuständig sind. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitli
chen Beeinträch
tigungen kommt der Arztperson hinge
gen keine abschliessende Beur
teilungs
kompetenz zu. Vielmehr nimmt die Arzt
person zur Arbeitsunfähig
keit Stellung, das heisst, sie gibt eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie mög
lich begründet. Schliesslich sind die ärztlichen Angaben eine wichtige Grund
lage für die juristische Beur
teilung der Frage, welche Arbeits
leistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2 mit Hinweisen; vgl. BGE 141 V 281 E. 5.2). Die Rechtsanwender prüfen dabei die medizinischen Angaben frei, insbesondere daraufhin, ob die Ärzte sich
an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben. Das heisst
, ob sie ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt haben, welche Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind (Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG), und ob die versicherungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung auf ob
jek
tiver Grundlage erfolgt ist (Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG; BGE 141 V 281 E. 5.2.2 mit Hinweisen). Die Ärzte und die Organe der Rechtsanwendung prüfen demnach die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 9C_901/2015 vom 8. Juli 2016 E. 3.1). Aus rechtlicher Sicht kann von einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit abgewichen werden, ohne dass diese ihren Beweiswert verlöre (vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichtes 8C_283/2015 vom 24. Juni 2015 E. 3 mit Hinweis).
4.3
Das bidisziplinäre B._-Gutachten vom 19. November 2014 resp. 5. Sep
tember 2014 (Urk. 8/68 und Urk. 8/69) basiert auf fachärztlichen Untersu
chungen (inklusive EFL) und wurde in Kenntnis der Vorakten verfasst. Die Gut
achter berücksichtigten die geklagten Beschwerden und setzten sich mit diesen sowie dem Verhalten der Beschwerde
führerin auseinander. Sie legten die medi
zinischen Zustände und Zusammenhänge
grundsätzlich einleuchtend dar und begründete
n ihre
Schlussfolgerungen grund
sätzlich nachvollziehbar.
Zwar wurden die
Gutachten
vom 5. September und 19. November 2014
im Auf
trag des Unfallversicherers erstattet und gingen die Gutachter dementsprechend darin insbesondere auch auf den ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Unfal
l vom 12. Dezember 2011 und die
im Anschluss daran festgestellten gesundheitlichen Beeinträchtigungen ein.
Es lag ihnen jedoch auch die
Zusatz
frage der Beschwerdegegnerin nach allfälligen unfallfremden Diagnosen mit Ausw
irkung auf die Arbeitsfähigkeit vor, wobei sie diese verneinten
(
Urk.
8/68/27
und
(
Urk.
8/69/11).
Die gutachterlichen Feststellungen vermitteln – zusammen mit den übrigen medizinischen Akten - ein umfassendes Gesamt
bild der gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführerin. So hat Gutachterin E._
anlässlich der von ihr durchgeführ
ten klinischen Untersuchung
einen vollständigen Status des Bewegungsapparates (Wirbelsäule, obere und untere Extremitäten) inklusive Neurostatus erhoben
(
Urk.
8/68/14-15)
, wurde im Rahmen der EFL die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin allseitig geprüft und hat sich auch Dr. C._ umfassend zum psychischen Zustandsbild der Beschwerdeführerin geäussert. Dieses Gesamtbild bietet eine hinreichende Grund
lage, um namentlich med. pract. F._, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, vom RAD, welcher die Beschwerdegegnerin die Akten zur Stellungnahme vorgelegt hat, eine zuverlässige Einschätzung des Leistungsver
mögens der Beschwerdeführerin zu erlauben (zur Aussagekraft des Gutachtens hinsichtlich des Leistungsvermögens der Beschwerdeführerin vor der Begut
achtung im B._ vgl. aber E. 4.4.3).
4.4
4.4.1
RAD-Ärztin F._ hielt in ihrer Stellungnahme vom 18. Dezember 2014, der Beurteilung im Gutachten des B._ vom 19. November 2014 folgend (Urk. 8/68/24-25), fest, dass aus somatischer Sicht in der bisherigen Tätigkeit als Zimmermädchen
seit Dezember 2011 eine Arbeitsunfähigkeit bestanden
habe
. Seit Juni 2012 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 25
%
resp. eine Arbeitsfä
higkeit von 75
%
. In einer angepassten Tätigkeit gemäss Be
lastungsprofil bestehe aus
s
omatischer Sicht
seit Juni 2012 eine Arbeitsunfähigkeit von 0
%
resp. eine Arbeitsfähigkeit von 100 %.
Die gutachterliche Beurteilung präzi
sierend hielt RAD-Ärztin F._ unter dem Titel „Einschränkungen in Bezug auf die bisherige Tätigkeit“ fest,
es bestehe aus medizinischer Sicht nach der Operation der Wirbelsäule eine verminderte Belastbarkeit für: regelmässiges mittelschweres und schweres Heben, Tragen und Transportieren von Lasten, für Arbeiten mit Überstreckbelastung der Wirbelsäule über Kopf- und Schulterhöhe, auf Leitern und Gerüsten, für ausschliesslich stehende Tätigkeiten, für häufiges Bücken und Arbeiten in vorgeneigter Körperhaltung sowie für Tätigkeiten in körperlichen Zwangshaltungen. Es bestehe ein erhöhter Pausenbedarf. Als „Belastungsprofil“ nannte RAD-Ärztin
F._
: „Leichte (angepasste) Tätig
keiten in Wechselbelastung unter Ausschluss ungünstiger Witterungsbedingun
gen, auch mit gelegentlichem Heben, Tragen, Transportieren von
Lasten bis maximal 15 Kilogramm
körpernah, ohne Verharren in Zwangshaltungen seien medizinisch theoretisch zumutbar.“
4.4.2
Für den Zeitpunkt der Begutachtung im B._ erscheint diese Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht aufgrund der im Gutachten vom 19. No
vember 2014 erhobenen klinischen Befunde, der darin wiedergegebenen Ergeb
nisse der bildgebenden Abklärungen und der EFL sowie der gutachterli
chen Fest
stellungen zum beobachteten Verhalten der Beschwerdeführerin über
zeugend.
4.4.3
Was den Verlauf der Arbeitsfähigkeit seit dem Unfall vom 12. Dezember 2011 bis zur Begutachtung im B._ (August/September 2014) betrifft, so steht ausser Frage, dass die Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht nach dem Unfall vom 12. Dezember 2011 während sechs Monaten sowohl in bisheriger als auch in angepasster Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig war.
Hausarzt Dr. med. G._, FMH Allgemeinmedizin, hielt in seinem Bericht an die Beschwerdegegnerin vom 19. Juni 2012 fest, dass die Beschwerdeführerin in der bisherigen Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig sei. In einer leichten ange
passten Tätigkeit wäre die Beschwerdeführerin in ca. vier bis fünf Monaten teilweise arbeitsfähig mit Steigerung nach Verlauf (Urk. 8/16/5). In der Folge attestierte er der Beschwerdeführerin jeweils echtzeitlich weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
(Urk. 8/45/39-44)
. Seitens der H._, in welcher die Beschwerdeführerin am 17. Januar 2013 erneut operiert worden war (vgl. Sachverhalt Ziffer 1), wurde ihr sodann bis zum 4. April 2013 echtzeitlich - ebenfalls - eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt
(Urk. 8/45/17-18 und Urk. 8/45/37-38)
.
Mit Blick darauf, dass aufgrund der Anmeldung bei der Beschwerdegegnerin vom 6. Juni 2012 (Urk. 8/10) ein Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Rente der Invalidenversicherung – frühestens – im Dezember 2012 entstehen könnte (Art. 29 Abs. 1 IVG), hätte sich RAD-Ärztin F._ mit diesen (von derjenigen der Gutachter abweichenden) echtzeitlichen ärztlichen Einschätzun
gen auseinandersetzen müssen.
Aufgrund der Er
fahrungstatsache, dass behandelnde Ärzte
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5 mit Hinw
eisen), ist die Ein
schätzung des langjährigen Hausarztes Dr. G._, wonach ab Juni 2012 in der bisherigen Tätigkeit weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestand, zwar mit Vorsicht zu würdigen. Die retrospektive,
nicht näher begründete
und die seitens der H._ des Z._ im Anschluss an die Operation vom 17. Januar 2013 – nachvollziehbar – bis zum 4. April 2013 attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit gänzlich ausser Acht lassende
Verlaufsbeurteilung
von
RAD-Ärztin
F._
resp. der Gutachter des
B._ ist insoweit aber nicht als überzeugender zu erachten.
Es rechtfertigt sich daher die Annahme, dass
aus somatischer Sicht
in der
bisherigen Tätigkeit ab dem 12.
Dezember 2011 bis zum
4.
April 2013 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestand.
Hingegen ist aufgrund der echtzeitlichen ärztlichen Angaben nicht ersichtlich, weshalb es der Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht nicht zuzumuten gewesen wäre, spätestens ab dem 20. November 2012 (Verlaufskontrolle in der H._) bis 15. Januar 2013 (Spitaleintritt am 16. Januar 2013) sowie ab dem 5. April 2013 zumindest zu 80 % einer dem Belastungspro
fil gemäss RAD-Stellungnahme vom 18. Dezember 2014 Rechnung tragenden angepassten Tätigkeit nachzugehen (vgl.
Berichte
der
H._
des
Z._
vom 17. Dezember 2012 [Urk. 8/45/26-27] und vom 11. März 2013 [Urk. 8/45/18-19] sowie ergänzende Stellungnahme
von Prof. Dr.
A._
vom
19. August 2014 [
Urk.
8/62/4-5; vgl. Sachverhalt Ziffer
1]).
Wie es sich in der Zeit zwischen dem 5. April 2013 bis zur somatischen Begut
achtung im B._ (September 2014) mit der Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
führerin in bisheriger Tätigkeit verhielt, kann aufgrund der nachfolgenden Erwägungen (Ziffer 5) offen bleiben.
4.5
4.5.1
Gemäss der Beurteilung von
Dr. C._
in seinem psychiatrischen Teilgutach
ten vom
5.
September 2014 besteht bei der Beschwerdeführerin eine
Anpas
sungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt (ICD-10 F43.22) und kann ihr gegenwärtig
aufgrund der eingeschränkten geistigen Flexibilität im Rahmen formaler Denkstörungen, Antriebsstörungen, geistige
r
und körperliche
r
Erschöpfung und angstbedingter Vermeidungshaltung keine Arbeitsfähigkeit auf dem freien Wirtschaftsmarkt attestiert werden
(vgl. E.3; Urk. 8/69/11 f.)
.
4.5.2
Wie eingangs dargelegt, sind nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts
psy
chische Störungen nur
dann
als invalidisierend
zu erachten
, wenn sie schwer und therapeutisch nicht (mehr) angehbar sind, was namentlich bei noch nicht lange chronifizierten Krankheitsgeschehen voraussetzt, dass keine therapeuti
sche Option mehr und somit eine Behandlungsresistenz besteht
(
vgl. E. 1.2
).
Dr. D._
führte
in seinem zuhanden des Unfallversicherer
s
erstellten Akten
gutachten
vom 18. März 2016 (Urk. 23 S. 28) insoweit zu Recht an
,
dass
Anpassungsstörungen gemäss ICD-10 F43 definitionsgemäss vorübergehende, höchstens 6 Monate, bei vorherrschender Depression auch bis zu 2 Jahren andauernde Störungen
seien
(vgl. Dilling/Mombour/Schmidt, Internationale Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnosti
sche Leitlinien,
9. Auflage 2014 , S. 209) und
im Zeitpunkt der Begutachtung durch
Dr. C._
im August 2014 das Zeitkriterium für die von ihm auf
den Unfall vom 12. Dezember 2011
zurückgeführte Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt (I
CD-10 F43.22) nicht mehr erfüllt gewesen sei
. Ebenfalls zu Re
cht hielt Dr. D._ fest
, dass es sich bei Anpassungsstörun
gen gemäss ICD-10 F43.2 um leich
te psychische Störungen handle
(vgl. ICD-10, S. 210). Zur weiteren Feststellung von
Dr. D._
, wonach gemäss den testpsy
chologischen Erhebungen von
Dr. C._
im Zeitpunkt der Begutachtung die Angstsymptomatik
schwer ausgeprägt gewesen sei -
weshalb die Diagnose einer Angststörung (und nicht „nur“ einer Anpassungsstörung) hätte gestellt werden müssen
(Urk. 23 S. 28) -
, ist
hingegen
zu bemerken, dass wichtigste Grundlage gutachterlicher Schlussfolgerungen die klinische Untersuchung mit Anam
neseerhebung, Symptomerfassung und Verhal
tensbeobachtung bildet (vgl. statt vieler: Urteil
des Bundesgerichtes 8C_47/2016 vom 1
5.
März 2016 E. 3.2.2).
Anlässlich der von Dr. C._ durchgeführten klinischen Untersuchung zeigte sich gemäss seinen Angaben aber ein weitgehend unauffälliger Psychostatus (Urk.
8/69/9
10).
Was die bisherigen therapeutischen Bemühungen der Beschwerdeführerin betrifft, ist dem psychiatrischen Teilgutachten zu entnehmen, dass sie sich
nach dem Unfall vom 12. Dezember 2011
bei einer in der Praxis von
Dr. G._
täti
gen Ärztin
in psychiatrische Behandlung begeben habe.
Nach dreimonatiger Therapie habe die Beschwerdeführerin die durchgeführte Behandlung per Ende 2013 abgebrochen. Seitdem suche sie nur noch die Neurologen und ihren Haus
arzt auf. Medikamente nehme sie weiterhin ein (Cipralex, Temesta und Sirdalud
; Urk. 8/69/9).
Ob die in der Praxis von Dr. G._ tätige
Ärztin über einen Fach
arzttitel in Psychiat
rie und Psychotherapie verfügt, ist nicht aktenkundig, kann jedoch offen bleiben. Da die Beschwerdeführerin die ambulante Therapie offen
bar bereits nach drei Monaten abgebrochen und gemäss Aktenlage in der Folge bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung keine (ambulante, teilstationäre oder stationäre) fachärztliche Behandlung mehr in Anspruch genommen hat, kann jedenfalls
nicht von einer optimalen und nachhaltigen Ausschöpfung der zumutbaren Behandlungsmöglichkeiten und damit auch nicht von einer im Sinne überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellten invalidenversicherungs
rechtlich relevanten Therapieresistenz gesprochen werden.
L
aut Gutachter
Dr. C._
wäre
bei konsequenter
Durchführung von
therapeutischen Mass
nahmen mit einer
vollständigen Wiederherstellung
der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu rechnen.
Dass die Beschwerdeführerin zur Zeit der Beschwerdeerhebung in der I._
weilte (vgl. Urk. 1 S. 2), ändert
da wie oben dargelegt nur diejenigen tatsächlichen Umstände zu berücksichti
gen sind, die sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung ereignet haben (E. 1.5)
nichts daran, dass im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung keine therapeutisch nicht mehr angehbare (schwe
re) psychische Störung vorlag.
Demnach ist die gutachterlich diagnostizierte Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt
-
m
it der Beschwerdegegnerin (Urk.
2 S.
2 f.
) - aus rechtlicher Sicht nicht als invalidisierend zu betrachten.
4.5.3
Weder das Aktengutachten vom 18. April 2016 (Urk. 23) noch die Beurteilung des Case Managers der J._ (E-Mail vom 11. Dezember 2015; Urk. 20/2) vermögen
diese Schlussfolgerung in Frage zu stellen. Zwar nahm Dr. D._ – zu Recht – eine andere diagnostische Zuordnung vor
(Hauptdiagnose: chroni
sche Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren [ICD-10 F45.41]; Nebendiagnosen: generalisierte Angststörung [ICD-10 F.41.1], affektiv-vegetativer Modus in der Entstehung/Aufrechterhaltung von Schmerz, Konver
sionsmodus in der Entstehung/Aufrechterhaltung von Schmerz [Urk. 23 S. 24 und S. 31 ff.]). Die von Dr. D._ postulierten Diagnosen basieren aber auf den von Dr. C._ erhobenen Befunden; Dr. D._ selbst nahm keinen weiteren Untersuch der Beschwerdeführerin vor. Dass die Schmerz- und Angststörung nicht behandelbar seien, machte Dr. D._ nicht geltend. Mit Blick auf die – bei Vorliegen einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren – rechtsprechungsgemäss beachtlichen Standardindikatoren (BGE 141 V 281; BGE 142 V 106), namentlich auch auf den beweisrechtlich im Vorder
grund stehenden Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4), ist sodann zu bemerken, dass
die sowohl im Guta
chten von Prof. Dr. A._ vom 9. April 2014 (Urk. 8/51/15)
al
s auch im B._-Gutachten vom 19.
November 2014
(Urk. 8/68/18-19)
dokumentierten Verdeutlichungstendenzen ein starkes Indiz dafür sind, dass die geltend gemachten Einschränkungen anders zu begründen sind als durch eine versicherte Gesundheitsbeeinträchtigung (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_154/2016 vom 1
9.
Oktober 2016
).
Auch hinderte die geklagte Angstsymptomatik die Beschwerdeführerin nicht daran, sich ohne Begleitung zur gutachterlichen Untersuchung bei Dr. C._ zu begeben (Urk. 8/69/9).
Die bis zur angefochtenen Verfügung unternommenen Behand
lungsbemühungen deuten sodann nicht auf einen ausgeprägten psychischen Leidensdruck hin. Hinzu kommt, dass
die Beschwerdeführerin laut Dr. C._
über gute Ressourcen verfügt (
Urk.
8/69/11).
Unter diesen Umständen ist aus rechtlicher Sicht auch den von Dr. D._ gestellten Diagnosen keine invalidi
sierende Wirkung beizumessen.
4.6
Demnach kann
- mit der Beschwerdegegnerin -
ohne Weiteres angenommen werden, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Begutachtung im
B._
(August/September 2014)
und - mangels Anhaltspunkten für eine seitherige Verschlechterung
-
im weiteren Verlauf bis zur angefochtenen Verfügung
in der angestammten Tätigkeit als
Mitarbeiterin Hotellerie
mit der
Funktion Zimmer
mädchen
zu
75
%
a
rbeitsfähig
und in einer
angepassten
Tätigkeit
unter Berücksichtigung
des von RAD-Ärztin F._ formulierten Belastungsprofils (vgl. E. 4.4.1)
zu 100 % arbeitsfähig war.
Für die Zeit davor ist nach dem Gesagten in der bisherigen Tätigkeit ab dem 12. Dezember 2011 bis zum 4. April 2013 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und ab der somatischen Begutachtung (September 2014) eine 75%ige Arbeits
fähig
keit anzunehmen (vgl. E. 4.4.2-3). In einer angepassten Tätigkeit ist von einer mindestens 80%igen Arbeitsfähigkeit spätestens ab dem 20. November 2012 bis zum 15. Januar 2013, einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit vom 16. Januar 2013 bis 4. April 2013, einer mindestens 80%igen Arbeitsfähigkeit ab dem 5. April 2013 und einer 100%igen Arbeitsfähigkeit ab der somatischen Begutachtung im B._ (September 2014) auszugehen (vgl. E. 4.4.3).
5.
5.1
Zu prüfen bleibt, wie sich die eingeschränkte Leistungsfähigkeit der Beschwer
de
führerin in wirtschaftlicher Hinsicht auswirkt.
5.2
Die Beschwerdegegnerin bemass in der angefochtenen Verfügung das Validen
ein
kommen mit Fr. 42‘783.35 (Urk. 2). Sie stützte sich dabei auf die Angaben im Fragebogen für Arbeitgebende vom 10. Juli 2012, wonach die Beschwerde
führerin vom 1. Juni 2011 bis 31. Mai 2012 monatlich Fr. 3‘400.-- zuzüglich einen Anteil am 13. Monatslohn in der Höhe von Fr. 1‘983.35 verdient habe (Urk. 8/25/2).
Dazu ist zu bemerken, dass die Beschwerdeführerin lediglich über einen bis 31. Mai 2012 befristeten Arbeitsvertrag verfügte und keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass dieser im Gesundheitsfall verlängert worden wäre. Für die Bemessung des Valideneinkommens ist daher auf die Tabellenlöhne der Lohn
strukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik abzustellen, wobei der standardisierte Monatslohn für im Bereich „Gastgewerbe/Beherbergung und Gastronomie“ im Kompetenznivau 1 tätige Frauen heranzuziehen ist. Dieser betrug im Jahr 2012 (Zeitpunkt des frühest möglichen Rentenbeginns; vgl. E. 4.4.3) Fr. 3‘665.-- pro Monat (LSE 2012 TA 1 Ziffer 55-56 S. 35). Unter Berücksichtigung der im Jahr 2012 im genannten Bereich üblichen Wochenar
beitszeit von 42,4 Stunden (vgl. Die VolZ._irtschaft 3-4/2015 Tabelle B9.2) ergibt sich für das Jahr 2012 ein Einkommen von 46‘618.80 (= Fr. 3‘665.
: 40 x 42,4 x 12).
5.3
5.3.1
Wie die Beschwerdegegnerin grundsätzlich zu Recht bemerkte, kann bei einer 75%igen Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit grundsätzlich kein renten
begründender Invaliditätsgrad von mindestens 40 % entstehen.
5.3.2
Zur Bemessung des Invalideneinkommmens in einer dem Belastungsprofil gemäss RAD-Stellungnahme vom 18. Dezember 2014 Rechnung tragenden angepassten Tätigkeit (vgl. E. 4.4.3 und E. 4.6) ist der standardisierte Monats
lohn für im Kompetenzniveau 1 tätige Frauen von Fr. 4‘112.-- (LSE 2012 TA1 Total) heranzuziehen. Unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Wochen
arbeitszeit im Jahr 2012 von 41,7 Stunden resultiert ein Einkommen von Fr. 51‘441.10 (= Fr. 4‘112.-- : 40 x 41.7 x 12).
Das von der Beschwerdeführerin zuletzt als Zimmermädchen erzielte Einkom
men von Fr. 42‘783.35 liegt 8 % unter dem ermittelten Tabellenlohn der betref
fenden Branche von Fr. 46‘618.80. Da die Abweichung mehr als 5 % beträgt, ist auf Seiten des Invalideneinkommens eine
Parallelisierung
vorzunehmen (vgl.
BGE 135 V 297 E. 6.1.2).
Somit resultiert ein Einkommen von Fr. 49‘897.90 (= Fr. 51‘441.10 x 0,97). Würde der Beschwerdeführerin der maximal zulässige Abzug vom Tabellenlohn von 25 % (vgl. dazu BGE 126 V 75) gewährt, wozu allerdings keinerlei Veranlassung besteht, würde für ein Pensum von 100 % (vgl. E. 4.6) ein Einkommen von Fr. 37‘423.40 (= Fr. 49‘897.90 x 0,75) resultieren. Im Vergleich zum ermittelten Validenein
kommen von Fr. 46‘618.80 ergäbe sich eine Erwerbseinbusse von Fr. 9‘195.40 resp. ein Invaliditätsgrad von 20 %.
Bei einer bloss 80%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit (vgl. E. 4.6), würde ein Invaliditätsgrad von maximal 36 % (Fr. 49‘897.90 x 0,80 x 0,75 = Fr. 29‘938.70; Erwerbseinbusse Fr. 16‘680.10) resultieren.
5.4
Nach dem Gesagten war das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG am 11. Dezember 2012 (ein Jahr nach dem Unfall vom 12. Dezember 2011) erfüllt, wobei die Beschwerdeführerin während dieses Jahres durchschnittlich zu 100 % arbeitsunfähig war. Da bei Ablauf des Wartejahres von einer mindestens 80%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit resp. einem Invaliditätsgrad von maximal 36 % auszugehen ist, entstand damals aber kein Rentenanspruch. Ab dem 16. Januar 2013 (bis 4. April 2013) ist von einer Arbeits- und Erwerbs
unfähigkeit von 100 % auszugehen. Zu diesem Zeitpunkt betrug die durch
schnittliche Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit für das abgelaufene Jahr 100 %, weshalb die Beschwerdeführerin ab dem 1. Januar 2013 (Art. 29 Abs. 3 IVG) Anspruch auf eine ganze Rente hat (Art. 28 Abs. 1 lit. a und b IVG). Ab dem 5. April 2013 bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 26. Februar 2015 bestand wieder eine mindestens 80%ige bzw. (ab September 2014) 100%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit resp. ein rentenaus
schliessender Invaliditätsgrad von maximal 36 % bzw. 20 %. Der Rentenan
spruch ist daher unter Berücksichtigung von Art. 88a Abs. 1 IVV bis Ende Juli 2013 (5. April 2013 plus drei Monate) zu befristen.
6.
6.1
Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf berufliche Mass
nahmen hat.
6.2
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfü
gung beziehungsweise eines Einspracheentscheids – Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der Einspracheentscheid den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein Einspracheentscheid ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
6.3
Gegenstand der angefochtenen Verfügung bildete lediglich der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente.
Soweit beschwerdeweise auch die Zusprache von beruflichen Massnahmen beantragt wird, ist mangels eines Anfechtungsgegenstandes auf die Beschwerde nicht einzutreten.
Anzumerken bleibt, dass die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin in der angefochtenen Verfügung in Aussicht gestellt hat, sie würde für die Prüfung von allfälligen und geeigneten Eingliederungsmassnahmen von der IV
Eingliederungsberatung eine Einladung erhalten (Urk. 2 S. 3; vgl. auch Urk. 8/11).
7.
Demnach ist in teilweiser Gutheissung der Beschwerde festzustellen, dass die Beschwerdeführerin vom 1. Januar 2013 bis 31. Juli 2013 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen, soweit auf sie einzutreten ist.
8.
8.1
Mit Verfügung vom
19. Mai
2015 wurde der Beschwerdeführerin Rechtsanwalt
Georg Engeli
für das vorliegende Verfahren als unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt (
Urk.
9).
8.2
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversiche-rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61 lit. a
ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge
legt.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
6
00.-- festzulegen
.
Da die Beschwerde
führerin nur zu einem kleinen Teil obsiegt, sind ihr die Kosten zu drei Vierteln und der Beschwerdegegnerin zu einem Viertel aufzuerlegen. Der auf die Beschwerdeführerin entfallende Kostenanteil ist
zufolge Bewilligung der unent
geltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtkasse zu nehmen.
8.3
Mit Verfügung vom 7. Juni 2016 wurde dem unentgeltliche Rechtsvertreter in Aussicht gestellt, dass – sofern er keine Honorarnote einreiche – das Gericht die Entschädigung nach Ermessen festlege (Urk. 26). Mangels Einreichen einer Honorarnote ist die Entschädigung unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses sowie des gerichtsüblichen Ansatzes von Fr. 220.-- auf Fr. 1‘700.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) fest
zulegen. Zu drei Vierteln (resp. Fr. 1‘275.--) erfolgt die Entschädigung aus der Gerichtskasse, und zu einem Viertel (resp. Fr. 425.--) hat die Beschwerdegegne
rin wegen teilweisen Unterliegens die Entschädigung zu leisten.
8.4
Die
Beschwerdeführer
in
ist auf § 16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozialversi
che
rungsgericht (GSVGer) hinzuweisen, wonach
sie
zur Nachzahlung der Gerichts
kosten und der Entschädigung an den unentgeltlichen Rechtsver
treter ver
pflichtet ist, sobald
sie
dazu in der Lage ist.