Decision ID: 003f1978-1f7f-4cb6-b35b-ecd8591b7856
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Übertretung der Polizeiverordnung der Stadt Kloten
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichtes des Bezirkes Bülach vom 30. Oktober 2012 (GC120035)
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Strafverfügung:
Der Strafbefehl Nr. 1018-2/2012 des Stadtrichteramts Kloten vom 6. Juni 2012
(Urk. 2/13), ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig des Anbietens von Taxifahrten ausserhalb der
nachgewiesenen Standplätze im Sinne von Art. 77 in Verbindung mit Art. 95
der Polizeiverordnung der Stadt Kloten.
2. Der Beschuldigte wird freigesprochen von den Vorwürfen
- des Anbietens von Taxifahrten ausserhalb der nachgewiesenen Stand-
plätze im Sinne von Art. 77 in Verbindung mit Art. 95 der Polizeiverord-
nung der Stadt Kloten, begangen am 18. Oktober 2011.
- des Führens eines Taxibetriebes in Kloten ohne Betriebsbewilligung
der Stadt Kloten im Sinne von Art. 71 in Verbindung mit Art. 31 der Po-
lizeiverordnung der Stadt Kloten.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Busse von Fr. 80.–.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 1 Tag.
5. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 600.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 330.– Gebühren Vorverfahren
Fr. 50.– Überweisungsgebühr
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
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6. Die Kosten des gerichtlichen Verfahrens, die Gebühren des Vorverfahrens
und die Überweisungsgebühr werden dem Beschuldigten zur Hälfte aufer-
legt. Der Rest wird auf die Staatskasse genommen.
7. Dem Beschuldigten wird keine Entschädigung zugesprochen.
Berufungsanträge:
a) Des Stadtrichteramts Kloten:
(Schriftlich, Urk. 16/1)
Bestätigung des Strafbefehls Nr. 1018-2.
b) Des Beschuldigten:
(Schriftlich, Urk. 25 S. 3)
Freispruch von sämtlichen Anklagepunkten
Entschädigung für die finanziellen und zeitlichen Aufwendungen und die
psychische Belastung durch das Verfahren von Fr. 5'000.–.

Erwägungen:
I.
1. Das Stadtrichteramt Kloten erliess am 21. November 2011 zwei Strafbefehle,
mit denen der Beschuldigte wegen Übertretung der Taxibestimmungen der Stadt
Kloten mit Bussen bestraft wurde. Nach Einsprache des Beschuldigten wurde das
Verfahren mit Verfügung des Bezirksgerichts Bülach vom 20. April 2012 an das
Stadtrichteramt zurückgewiesen (Urk. 2/11). Am 6. Juni 2012 erliess das Stadt-
richteramt einen korrigierten Strafbefehl, mit dem der Beschuldigte wegen Füh-
rens eines Taxibetriebes in Kloten ohne Betriebsbewilligung der Stadt Kloten im
Sinne von Art. 31 und 71 der Polizeiverordnung der Stadt Kloten sowie mehrfa-
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chen Aufstellens eines Taxifahrzeuges ohne Fahrgastauftrag in Sichtweite eines
mit Taxi besetzten Standplatzes im Sinne von Art. 77 lit. d der Polizeiverordnung
der Stadt Kloten mit einer Busse von Fr. 500.– bestraft wurde (Urk. 2/13). Im Rah-
men der gerichtlichen Beurteilung des Strafbefehls wurde der Beschuldigte mit
Urteil des Bezirksgerichtes Bülach vom 30. Oktober 2012 des Anbietens von Taxi-
fahrten ausserhalb der nachgewiesenen Standplätze im Sinne von Art. 77 in Ver-
bindung mit Art. 95 der Polizeiverordnung der Stadt Kloten schuldig gesprochen
und mit einer Busse von Fr. 80.– bestraft. Von den Vorwürfen des Anbietens von
Taxifahrten ausserhalb der nachgewiesenen Standplätze im Sinne von Art. 77 in
Verbindung mit Art. 95 der Polizeiverordnung der Stadt Kloten, begangen am
18. Oktober 2011, und des Führens eines Taxibetriebes in Kloten ohne Betriebs-
bewilligung der Stadt Kloten im Sinne von Art. 71 in Verbindung mit Art. 31 der
Polizeiverordnung der Stadt Kloten wurde er freigesprochen (Urk. 14 S. 27).
2. Gegen diesen Entscheid meldete der Beschuldigte vor den Schranken Beru-
fung an (Prot. I S. 7), reichte aber nach Erhalt des begründeten Urteils innert Frist
keine Berufungserklärung ein (Urk. 12 und 22). Die Zweitberufungsklägerin mel-
dete fristgemäss Berufung an und reichte ihre Berufungserklärung ein (Urk. 9 und
16/1). Mit Beschluss vom 12. Februar 2013 ordnete das Berufungsgericht das
schriftliche Verfahren an (Urk. 20). Die Zweitberufungsklägerin verwies zur Be-
gründung ihrer Berufung auf die Berufungserklärung vom 21. Dezember 2012 und
beantragte die Bestätigung des Strafbefehls vom 6. Juni 2012 (Urk. 19 und 16/1).
Der Beschuldigte beantragte in seiner Berufungsantwort einen Freispruch von al-
len Vorwürfen (Urk. 25).
3. Am 11. Dezember 2012 wurde dem Beschuldigten das begründete Urteil zuge-
stellt (Urk. 11 und 12). Innert angesetzter Frist reichte der Beschuldigte anerkann-
termassen keine Berufungserklärung ein. Am 19. Februar 2013 machte er telefo-
nisch geltend, er habe die Erläuterungen zu den Rechtsmitteln falsch verstanden
und kündigte ein Fristwiederherstellungsgesuch sowie die Berufungserklärung an
(Urk. 22). Erst am 11. April 2013 (Poststempel 10. April 2013) ging allerdings sei-
ne "Berufungsantwort" ein. Dort wird zwar Bezug genommen auf eine "Berufung
in eigener Sache", ein Fristwiederherstellungsgesuch mit entsprechender Be-
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gründung, welches gemäss Art. 94 Abs. 2 StPO ohnehin verspätet wäre, liegt al-
lerdings nicht vor. In Anwendung von Art. 403 Abs. 1 und Abs. 3 StPO ist daher
auf die Berufung des Beschuldigten nicht einzutreten. Demgemäss ist der
Schuldspruch der Vorinstanz bezüglich des Vorfalles vom 14. Oktober 2011 nicht
angefochten und in Rechtskraft erwachsen.
4. Der Beschuldigte zog in seiner Eingabe vom 28. März 2013 "sämtliche meiner
bisher gemachten Aussagen zurück" (Urk. 25 S. 2). Seine Aussagen sind aber
trotzdem verwertbar, da seine Begründung für den Rückzug, keine seiner Aussa-
gen seien bisher ernst genommen worden, weder überzeugt noch der Wahrheit
entspricht, sprach ihn doch die Vorinstanz gestützt auf seine Aussagen teilweise
frei.
II.
1. Gemäss Art. 398 Abs. 4 StPO prüft das Berufungsgericht Urteile, die eine
Übertretung betreffen, nur dahingehend, ob das Urteil rechtsfehlerhaft ist oder ob
die Feststellung des Sachverhaltes offensichtlich unrichtig oder auf einer Rechts-
verletzung beruht. Die Überprüfungsbefugnis des Obergerichtes ist somit be-
schränkt.
2. Vorliegend rügt die Zweitberufungsklägerin, die Vorinstanz habe den Sachver-
halt unrichtig festgestellt und die Rechtsbestimmungen fehlerhaft interpretiert
(Urk. 16/1 S. 1).
3. Dem Beschuldigten wird im Strafbefehl vom 6. Juni 2012 vorgeworfen, am 14.
und am 18. Oktober 2011 sein Taxi in der Nähe der Taxistandplätze des Flugha-
fens Kloten mit der leuchtenden Taxikennlampe gewartet und so Fahrgäste an-
geworben zu haben, ohne dass er über eine Taxibetriebsbewilligung der Stadt
Kloten verfügt habe (Urk. 2/13 S. 2). Aufgrund des rechtskräftigen Schuldspru-
ches bezüglich des Vorfalles vom 14. Oktober 2011 ist der entsprechende Sach-
verhalt als erstellt zu erachten.
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Der Beschuldigte bestreitet nicht, sein Taxifahrzeug am 18. Oktober 2011 am er-
wähnten Ort mit eingeschalteter Taxikennlampe abgestellt zu haben. Er macht al-
lerdings geltend, er habe keine Fahrgäste angeworben, sondern auf einen Fahr-
gast gewartet, der das Taxi vorgängig bestellt gehabt habe (Urk. 6 S. 8 ff.).
Als Beweismittel liegen die Aussagen der Polizistin B._ und des Beschuldig-
ten selbst vor. B._ wurde am 8. März 2012 durch das Stadtrichteramt Kloten
als Zeugin einvernommen. Sie konnte zum vorliegend zu beurteilenden Sachver-
halt nur ausführen, dass sich kein Kunde der Taxifahrer, die damals befragt wur-
den, gemeldet habe, während sie vor Ort gewesen sei. Sie seien etwa 30 Minuten
vor Ort gewesen (Urk. 2/9 S. 2 f.).
Der Beschuldigte wurde am 22. Dezember 2011 durch das Stadtrichteramt Kloten
befragt. Er führte aus, er habe am 18. Oktober 2011 einen Fahrgastauftrag seiner
Zentrale gehabt und auf einen Kunden, der aus München gekommen sei, gewar-
tet. Dazu legte er einen Eintrag auf seinem iPhone vor (Urk. 2/6.2).
Vor Vorinstanz erklärte der Beschuldigte am 30. Oktober 2012, er habe den Fahr-
auftrag nicht ausführen können, da das Flugzeug des Kunden 10 Minuten zu früh
gelandet sei und er selbst durch die Polizei aufgehalten worden sei. Der Kunde
habe wohl ein anderes Taxi genommen (Urk. 6 S. 8 ff.).
Die Zweitberufungsklägerin lässt ausführen, die Aussage des Beschuldigten, er
habe einen Fahrauftrag gehabt, sei eine reine Schutzbehauptung. Der iPhone-
Eintrag ("Airport München") sei zu ungenau, enthalte weder Name noch Telefon-
nummer des Kunden noch den Treffpunkt. Zudem habe der Beschuldigte den Ein-
trag erst bei seiner Einvernahme beim Stadtrichteramt, nicht aber am fraglichen
Abend gegenüber den Polizisten präsentiert. Dass während der Polizeikontrolle
kein Kunde erschienen sei und die Taxikennlampe gebrannt habe, sei ein weite-
res Indiz dafür, dass der Beschuldigte damals habe Kunden anwerben wollen und
der Auftrag nur fingiert gewesen sei (Urk. 16/1 S. 2 f.).
Die Polizistin B._ wurde in ihrer Einvernahme primär zu zwei anderen Taxi-
fahrern befragt. Zum Beschuldigten hat sie sich konkret nicht geäussert. Ihre Aus-
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sage, es sei während der Kontrolle kein Kunde zu "diesen" Taxis der Firma
"C._" getreten, kann daher nicht mit genügender Sicherheit auch auf das drit-
te, dem Beschuldigten gehörende Taxi, bezogen werden. Im Übrigen wäre dies
auch kein Beleg dafür, dass tatsächlich kein Fahrauftrag vorlag. Die Behauptung
des Beschuldigten, der betroffene Fahrgast sei zu früh eingetroffen und habe ein
anderes Taxi genommen, da er von der Polizei aufgehalten worden sei, lässt sich
so zumindest nicht widerlegen. Es ist vielmehr nachvollziehbar, dass eine Polizei-
kontrolle mit Befragung der Taxifahrer dazu führt, dass Fahrgäste am Flughafen
trotz Bestellung sich lieber ein anderes Taxi suchen, als sich bei der Polizei zu
melden und möglicherweise ebenfalls befragt und somit aufgehalten zu werden.
Was die geltend gemachte Ungenauigkeit des Eintrages im Kalender des iPhones
des Beschuldigten angeht, so kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vor-
instanz verwiesen werden (Urk. 14 S. 17 f.). Auch wenn die durch den Eintrag ge-
stützte Behauptung des Beschuldigten nicht vollumfänglich überzeugt, so verblei-
ben mangels belastender Beweise doch erhebliche und unüberwindliche Zweifel
daran, dass kein Fahrauftrag vorhanden war. Aufgrund der Beweislage ist somit
davon auszugehen, dass der Beschuldigte am 18. Oktober 2011 zwar mit bren-
nender Taxikennlampe, aber mit einem Fahrauftrag am Flughafen wartete. Die
Vorinstanz hat den Sachverhalt mithin nicht offensichtlich unrichtig festgestellt.
4. Der Beschuldigte ist somit vom Vorwurf des Anbietens von Taxifahrten aus-
serhalb der nachgewiesenen Standplätze im Sinne von Art. 77 in Verbindung mit
Art. 95 der Polizeiverordnung der Stadt Kloten, begangen am 18. Oktober 2011,
freizusprechen.
5. Die Zweitberufungsklägerin wirft dem Beschuldigten im Strafbefehl vom 6. Juni
2012 vor, er habe einen Taxibetrieb in Kloten ohne Betriebsbewilligung der Stadt
Kloten geführt und so gegen Art. 71 respektive Art. 31 der Polizeiverordnung der
Stadt Kloten verstossen. Dies habe er getan, indem er am 14. und 18. Oktober
2011 am Flughafen Taxifahrten angeboten habe, ohne über die erwähnte Bewilli-
gung zu verfügen. Das in der Eingabe vom 21. Dezember 2012 erwähnte weitere
inkriminierte Verhalten (Werbung der Firma "C._" mit Standort Zürich Airport
und Kloten) wird im Strafbefehl nicht erwähnt und kann ihm deshalb vorliegend
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nicht zur Last gelegt werden. Vom Vorwurf, am 18. Oktober 2011 Taxifahrten
ausserhalb der nachgewiesenen Standplätze im Sinne von Art. 77 in Verbindung
mit Art. 95 der Polizeiverordnung der Stadt Kloten angeboten zu haben, ist der
Beschuldigte wie bereits erwähnt freizusprechen. Damit ist auch nicht nachgewie-
sen, dass er an diesem Abend dort Taxifahrten angeboten hätte. Ein Taxifahrer
aber, der einen Fahrgast am Flughafen abholt, nutzt den öffentlichen Parkplatz,
auf dem er wartet, nicht stärker, als eine Privatperson, die jemanden am Flugha-
fen abholt. Eine Verurteilung wegen Verstosses gegen Art. 31 der Polizeiverord-
nung der Stadt Kloten ist damit ausgeschlossen.
Was den Vorfall vom 14. Oktober 2011 angeht, so reicht das Anbieten von Fahr-
ten an einem einzelnen Abend nicht aus, um damit das Führen eines eigentlichen
Taxibetriebes auf dem Gebiet der Stadt Kloten nachzuweisen, sondern fällt einzig
unter die Bestimmungen von Art. 77 der Polizeiverordnung der Stadt Kloten.
Der Beschuldigte ist demnach vom Vorwurf des Führens eines Taxibetriebes in
Kloten ohne Betriebsbewilligung der Stadt Kloten im Sinne von Art. 71 in Verbin-
dung mit Art. 31 der Polizeiverordnung der Stadt Kloten freizusprechen.
6. Die Zweitberufungsklägerin beantragt, den Beschuldigten mit einer Busse von
Fr. 500.– zu bestrafen. Da die von ihr angefochtenen Freisprüche der Vorinstanz
zu bestätigen sind, besteht hierzu kein Anlass. Der Beschuldigte ist somit in Be-
stätigung des erstinstanzlichen Urteils mit einer Busse von Fr. 80.– zu bestrafen.
Die Ersatzfreiheitsstrafe für den Fall, dass er die Busse schuldhaft nicht bezahlt,
ist auf 1 Tag festzusetzen.
III.
1. Bei diesem Ausgang des Berufungsverfahrens ist das erstinstanzliche Kosten-
dispositiv (Ziff. 5 und 6) zu bestätigen. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind
zu einem Drittel dem Beschuldigten aufzuerlegen. Im Restbetrag sind sie auf die
Gerichtskasse zu nehmen, da das Stadtrichteramt Kloten praxisgemäss Kosten-
freiheit geniesst.
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2. Der Beschuldigte beantragt, ihm sei eine Entschädigung für erlittene Unbill und
Aufwendungen in der Höhe von Fr. 5'000.– zuzusprechen. Inwiefern ihm "sehr
hohe zeitliche und finanzielle Aufwendungen" entstanden wären, legt er jedoch
nicht dar. Solche sind auch aus den Akten nicht ersichtlich. Vor erster Instanz be-
antragte er zudem noch keine Entschädigung. Die geltend gemachte "psychische
Belastung" wird mit "zahlreichen Verfahren" begründet, die angeblich zu "Schlaf-
losigkeit, Ehestreitereien, Rufschädigung" geführt hätten, ohne dies näher auszu-
führen. Angesichts des Bagatellcharakters des vorliegenden Verfahrens ist ihm
demnach keine Entschädigung oder Genugtuung zuzusprechen.