Decision ID: 70c87b67-06a7-4347-bc1a-7df5bd89e4d7
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ liess durch seinen damaligen Arbeiter, den B._, bei dem er als Fussballer
angestellt war, am 9. August 2017 der Vaudoise Allgemeine Versicherungs-
Gesellschaft AG (nachfolgend: Vaudoise) melden, er habe am 11. Juli 2017 anlässlich
eines Fussballspiels durch einen Gegenspieler einen Schlag auf das rechte obere
Sprunggelenk (OSG) bzw. den rechten Fuss erhalten und sei deswegen in der
Orthopädie C._ in Behandlung (UV-act. 33-2). Dr. med. D._, Facharzt FMH für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, diagnostizierte
mit Bericht vom 21. August 2017 – nach durchgeführtem MRI (UV-act. 31-4) – ein
ventromediales ossäres Impingement, eine osteochondrale Läsion der medialen
Taluswange sowie eine Partialläsion der Peroneus brevis Sehne proximal am rechten
OSG. Der Versicherte gebe an, in seiner Leistungsfähigkeit beim B._ nicht
eingeschränkt zu sein (UV-act. 32-2). Mit Schreiben vom 8. September 2017 teilte die
Vaudoise mit, dass der Fall vorbehaltlos angenommen werde (UV-act. 30).
A.b Am 16. Oktober 2017 wurde eine Infiltration am rechten OSG durchgeführt (UV-
act. 28). Nach einem weiteren CT des OSG rechts stellte Dr. D._ mit Bericht vom 3.
November 2017 die Indikation zur OSG-Arthroskopie mit Cheilektomie und
Debridement der osteochondralen Läsion rechts, nachdem es dem Versicherten nicht
mehr möglich sei, Fussball zu spielen (UV-act. 23-3). Die Operation fand am 6.
November 2017 statt (UV-act. 22-2 f.).
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A.c In der Folge veranlasste die Vaudoise eine Aktenbeurteilung durch den beratenden
Arzt und zertifizierten Gutachter SIM Dr. med. E._, Facharzt Chirurgie FMH, Spez.
Allgemeinchirurgie und Traumatologie FMH. Dieser kam in seiner Beurteilung vom 3.
Dezember 2017 zum Schluss, dass die nicht unfallkausalen Faktoren für die
Beschwerden und die Operation entscheidend gewesen seien und der Status quo sine
bezüglich der Kontusion des OSG rechts zwei bis vier Wochen nach dem Unfallereignis
vom 11. Juli 2017 eingetreten sei (UV-act. 17). Mit Verfügung vom 12. Januar 2018
stellte die Vaudoise die Versicherungsleistungen rückwirkend per 16. August 2017 ein
(UV-act. 16).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 12. Januar 2018 liess der Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwalt F. Steuri, M.A. HSG, Rapperswil, am 16. Januar 2018 vorsorglich
Einsprache erheben. Nach erfolgter Akteneinsicht werde eine Begründung
nachgeliefert. Diesbezüglich werde um eine grosszügig bemessene Nachfrist ersucht
(UV-act. 13). Mit Schreiben vom 19. Januar 2018 bestätigte die Vaudoise den Eingang
der vorsorglichen Einsprache, sandte die Akten dem Rechtsvertreter zu und erteilte
diesem eine Frist von 40 Tagen ab Erhalt der Akten zur Begründung der vorsorglichen
Einsprache (UV-act. 11).
B.b Mit E-Mail vom 8. März 2018 wies die Vaudoise den Rechtsvertreter darauf hin,
dass die Frist zur Einsprachebegründung abgelaufen sei. Es werde darum gebeten, bis
am 16. März 2018 eine Begründung einzureichen oder mitzuteilen, ob auf eine
Begründung verzichtet werde (UV-act. 9-1). Am 20. März 2018 antwortete der
Rechtsvertreter mittels E-Mail, dass an der Einsprache festgehalten und um eine
Fristerstreckung für deren Begründung bis Ende April 2018 ersucht werde. Die
Vaudoise entgegnete gleichentags darauf, dass diesem Ersuchen nicht entsprochen
werden könne, da der Einspracheentscheid gleichentags bereits versandt worden sei
(UV-act. 7).
B.c Mit diesem Einspracheentscheid vom 20. März 2018 wies die Vaudoise die
Einsprache ab und bestätigte die Verfügung vom 12. Januar 2018. Da innert Frist
seitens des Versicherten keine Reaktion eingetroffen sei, werde die Einsprache als
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ungenügend resp. unzulässig erachtet. Aus diesem Grund werde darauf nicht
eingetreten und die Verfügung vom 12. Januar 2018 könne nur bestätigt werden (UV-
act. 6).
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 20. März 2018 liess der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer) am 30. April 2018 Beschwerde erheben. Der
Einspracheentscheid sei aufzuheben und die Vaudoise (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) zu verpflichten, weiterhin die gesetzlichen Leistungen der
obligatorischen Unfallversicherung betreffend das Ereignis vom 11. Juli 2017 zu
erbringen. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der
Beschwerdegegnerin. Es sei eine angemessene Nachfrist zur Begründung der
Beschwerde zu erteilen und dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege
inkl. unentgeltlichen Rechtsbeistand in der Person des Unterzeichnenden zu gewähren
(act. G 1).
C.b Am 3. Mai 2018 wurde dem Beschwerdeführer für die Beschwerdeergänzung eine
Nachfrist bis 23. Mai 2018 eröffnet (act. G 3).
C.c Am 23. Mai 2018 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers Unterlagen
bezüglich unentgeltliche Rechtspflege ein und ersuchte um eine weitere
Fristerstreckung bezüglich Beschwerdeergänzung (act. G 4). Eine solche wurde ihm bis
13. Juni 2018 (act. G 5), nach einem weiteren Gesuch (act. G 6) bis 13. Juli 2018 erteilt
(act. G 7).
C.d Am 12. Juli 2018 liess der Beschwerdeführer schliesslich die
Beschwerdeergänzung einreichen. An den bereits gestellten Anträgen wurde
vollumfänglich festgehalten (act. G 8).
C.e In der Beschwerdeantwort vom 11. September 2018 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 20. März 2018, wonach auf die Einsprache nicht
eingetreten worden sei (act. G 10).
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C.f Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der

übrigen Akten wird, soweit entscheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
1.
Der Beschwerdeführer liess zwei Vollmachten einreichen. Zum einen eine pauschale an
F._ von der G._ GmbH (act. G 1.2), zum anderen eine konkrete (UVG/
Fussverletzung) an Rechtsanwalt F. Steuri, M.A. HSG, Rapperswil, welche indes von
F._ unterzeichnet wurde (act. G 1.1). Dies zeigt der Unterschriftenvergleich in den
act. G 1.1 und G 1.2. Ob allein dadurch die Vertretungsbefugnis von Rechtsanwalt
Steuri ausgewiesen wäre, kann offenbleiben. Durch die eigenhändige Unterschrift des
Beschwerdeführers im Formular betreffend Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege für
das vorliegende Verfahren UV 2018/31, welches von Rechtsanwalt Steuri eingereicht
wurde, kann von einem konkludenten Einverständnis bezüglich Anwaltsvertretung
ausgegangen werden.
2.
Gegen Einspracheentscheide oder Verfügungen, gegen welche eine Einsprache
ausgeschlossen ist, kann Beschwerde erhoben werden (Art. 56 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR
830.1]). Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet damit der
Einspracheentscheid vom 20. März 2018 (UV-act. 6).
3.
Mit Dispositiv des Einspracheentscheids wurde die Einsprache abgewiesen (vgl. Ziff.
3.1 in UV-act. 6-2). Aus den Erwägungen in Ziff. 2 geht indes hervor, dass auf die
Einsprache mangels ausreichender Begründung nicht eingetreten wurde ("Aus diesem
Grund wird darauf nicht eingetreten..."; UV-act. 6.2). Nachdem sich der
Einspracheentscheid überhaupt nicht zum Materiellen äussert, ist von einem
offensichtlichen Versehen im Dispositiv auszugehen. Dies wäre ohne weiteres auch für
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den anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer erkennbar gewesen. Auf die materiellen
Ausführungen seitens des Beschwerdeführers ist daher nicht einzugehen. Bezüglich
des Nichteintretens auf die Einsprache hat er sich nicht geäussert. Die
Beschwerdegegnerin führt aus, dass mangels Einsprachebegründung bzw. aufgrund
fehlenden Anfechtungswillens die Verfügung vom 12. Januar 2018 sowie der
Einspracheentscheid vom 20. März 2018 nur bestätigt werden könnten.
3.1 Gemäss Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann gegen Verfügungen innerhalb von 30
Tagen bei der verfügenden Stelle Einsprache erhoben werden. Voraussetzung für ein
Einspracheverfahren ist, dass erkennbar zum Ausdruck kommen muss, dass die
betreffende Person mit der erlassenen Verfügung nicht einverstanden ist und diese
überprüft haben will (Urteil des Bundesgerichts vom 1. Februar 2017, 8C_775/2016, E.
2.4). Im zur schriftlichen Einsprache in Steuerstreitigkeiten ergangenen Urteil des
Bundesgerichts vom 26. Januar 2016, 2C_393/2015, E. 3.1, welches hier in Bezug auf
den Anfechtungswillen analog angewendet werden kann, wird ausgeführt, dass es
zumindest erforderlich ist, dass der vorbehaltlose, ausdrücklich oder sinngemäss
geäusserte Einsprachewille aus der schriftlichen Eingabe hervorgeht.
3.2 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat innert Frist von 30 Tagen, am 16.
Januar 2018, vorsorglich Einsprache gegen die Verfügung der Beschwerdegegnerin
vom 12. Januar 2018 eingereicht. Damit der Fall beurteilt werden könne, werde um
Zustellung sämtlicher Akten und um eine grosszügig bemessene Nachfrist zur
Begründung der Einsprache ersucht (UV-act. 13). Mit diesem Schreiben brachte der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers zum Ausdruck, dass lediglich zur
Fristwahrung, indes mangels Aktenkenntnis (noch) ohne jegliche inhaltliche Befassung,
eine Einsprache in Erwägung gezogen werde. Ein sich wie vorstehend beschrieben
charakterisierender Anfechtungs- oder Einsprachewille ist der Eingabe vom 16. Januar
2018 nicht zu entnehmen. Allein das in Aussicht stellen einer allfälligen Einsprache
begründet auf jeden Fall noch keinen Anfechtungswillen. Darauf, dass das Gegenteil
der Fall wäre, durfte sich der rechtskundige Vertreter des Beschwerdeführers nicht
verlassen. In Beantwortung der Eingabe hat die Beschwerdegegnerin dem
Rechtsvertreter eine Frist von 40 Tagen ab Erhalt der Akten zur Begründung der
vorsorglichen Einsprache gewährt (UV-act. 11). Nachdem der Beschwerdeführer innert
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dieser Frist weder eine Einsprachebegründung eingereicht noch eine Fristerstreckung
beantragt und sich auch sonst in keiner Form vernehmen lassen hatte, setzte ihm die
Beschwerdegegnerin nochmals eine Frist bis am 16. März 2018 zur Begründung der
Einsprache an (UV-act. 9-1). Auch diese Frist liess der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers unbenützt verstreichen. Nach dem Gesagten liess er sich seit
seiner Eingabe vom 16. Januar 2018 über einen Zeitraum von rund zwei Monaten
überhaupt nicht mehr vernehmen und hat damit weder während der gesetzlichen Frist
von 30 Tagen noch während der grosszügig gewährten Nachfristen bis letztlich 16.
März 2018 rechtsgenüglich zum Ausdruck gebracht, dass er am Einspracheverfahren,
welches er selbst mit Eingabe vom 16. Januar 2018 provisorisch eingeleitet hatte,
festhalten wolle. Es mangelte somit am erforderlichen fristgerecht erkennbar
gemachten Anfechtungswillen. Demnach wurde innert der gesetzlichen Einsprachefrist
gar keine rechtsgenügliche Einsprache erhoben, was an sich dazu hätte führen
müssen, dass die Beschwerdegegnerin keinen Einspracheentscheid hätte fällen dürfen.
Aus diesem Umstand kann der Beschwerdeführer aber nichts zu seinen Gunsten
ableiten. Denn aus seiner E-Mail vom 20. März 2018 konnte geschlossen werden, er
gehe von einer gültigen Einsprache aus. Darauf aus Gründen der Rechtssicherheit mit
förmlichem Nichteintreten zu reagieren, wäre zulässig gewesen, sodass der
Nichteintretensentscheid vom 20. März 2018 im Ergebnis nicht zu beanstanden ist. Die
Beschwerde ist demnach abzuweisen.
3.3 Vor dem Hintergrund dieser Ausführungen kann offenbleiben, ob die Begründung
einer Einsprache, wie sie in Art. 10 Abs. 1 ATSV verlangt wird, eine
Eintretensvoraussetzung darstellt (vgl. dazu das Urteil des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 21. September 2016, EL 2015/14, E. 3.3, worin dies verneint
und Art. 10 ATSV [diesbezüglich] als gesetzwidrig qualifiziert wurde). Nicht beurteilt
werden muss weiter, ob bei den vorliegenden Gegebenheiten, wo genügend Zeit
verblieben wäre, um eine rechtsgenügliche Einsprache innert der gesetzlichen Frist von
30 Tagen einzureichen, die Beschwerdegegnerin überhaupt eine längere Frist hätte
gewähren dürfen (vgl. dazu das Urteil des Bundesgerichts vom 18. Mai 2016,
9C_191/2016, E. 4.3.2, gemäss welchem bei anwaltlicher Vertretung das Vertrauen in
eine gesetzwidrig eingeräumte Nachfrist nicht zu schützen ist). Schliesslich muss auch
nicht geprüft werden, welche Folgen sich daraus ergeben, dass die
Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer bei den Nachfristgewährungen trotz Art.
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40 Abs. 2 ATSG und Art. 10 Abs. 5 ATSV die Säumnisfolge (Nichteintreten auf die
Einsprache) nicht angedroht hat (UV-act. 9, 11).
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
4.3 Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.
4.4 Der Beschwerdeführer hat ein Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung
stellen lassen (act. G 1) und Unterlagen dazu eingereicht (act. G 4). Aus den Unterlagen
ergibt sich ein monatliches Einkommen von Fr. 2'400.-- sowie monatliche Ausgaben
von Fr. 257.60 (Krankenkassenbeiträge). Hinzu kommt ein monatlicher Grundbedarf
von Fr. 1'599.-- (Fr. 1'230.-- betreibungsrechtlicher Grundbetrag, erhöht um 30%; vgl.
dazu das Kreisschreiben über das betreibungsrechtliche Existenzminimum und die
praxisgemäss anwendbaren Richtlinien des Kantonsgerichtes zur unentgeltlichen
Rechtspflege [beides abrufbar unter www.gerichte.sg.ch]) sowie eine Quellensteuer
von höchstens Fr. 100.-- (bei monatlichen Einkünften von Fr. 2'400.--,
www.steuern.sg.ch/home/ sachthemen/quellensteuer). Weitere zwingend zu
berücksichtigenden Auslagen werden nicht geltend gemacht und sind auch nicht
ersichtlich. Den Einkünften von Fr. 2'400.-- stehen damit Auslagen von rund Fr.
1'956.60 gegenüber. Es resultiert ein Überschuss von monatlich rund Fr. 440.--, der es
dem Beschwerdeführer ermöglicht, die zur Diskussion stehenden, aufgrund der
Mandatsführung tief zu erwartenden Kosten der Rechtsvertretung innert eines Jahres
zu bezahlen (vgl. dazu wiederum die Richtlinien des Kantonsgerichtes zur
unentgeltlichen Rechtspflege). Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung
ist damit mangels Bedürftigkeit abzuweisen. Ob das Gesuch auch zufolge
Aussichtslosigkeit abzuweisen wäre, kann damit offenbleiben.