Decision ID: e8a7c8aa-b92b-4712-bd3f-1cbf2c1c6874
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
SWICA Gesundheitsorganisation, Römerstrasse 38, 8401 Winterthur,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Katharina Wolfensberger,
SWICA Gesundheitsorganisation, Römerstrasse 38, 8401 Winterthur,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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und
1. R._,
2. Sozialamt A._
Beigeladene,
betreffend
Drittauszahlung von Rentennachzahlungen i/S R._
Sachverhalt:
A.
R._ ersuchte im April 2004 um Leistungen bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen.
Die IV-Stelle sprach ihr mit einer Verfügung vom 13. April 2007 rückwirkend ab 1.
November 2004 eine Viertelsrente nebst zwei Kinderrenten zu.
B.
Am 14. Dezember 2005 stellte das Sozialamt der Gemeinde A._ ein Gesuch um
Drittauszahlung, da es der Versicherten während der Wartefrist für die
Rentenauszahlung Sozialhilfeleistungen ("Bevorschussung SKOS") ausgerichtet habe
(IV-act. 12). Mit einer Eingabe vom 19. März 2007 gab das Sozialamt an, es habe für
November 2004 bis März 2007 Sozialhilfeleistungen von insgesamt Fr. 24'842.--
ausbezahlt (IV-act. 5).
C.
Am 18. Mai 2004 hatte sich auch die SWICA Gesundheitsorganisation St. Gallen mit
einem Verrechnungsantrag wegen Leistungen aus ihrer VVG-Taggeldversicherung an
die IV-Stelle gewandt (IV-act. 14). Am 19. März 2007 bezifferte die SWICA ihren
Verrechnungsantrag für die Zeit vom 1. November 2004 bis 26. November 2005 mit
Fr. 11'237.20. Eben diesen Betrag hatte sie mit gleichem Datum von der Versicherten
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als zuviel ausbezahlte Vorschussleistungen zurückgefordert (IV-act. 4). Ihre
Berechnung des Rückerstattungsbetrages resultierte aus dem Abzug der monatlichen
IV-Rente für die Versicherte persönlich in der Zeit vom 1. November 2004 bis 26.
November 2005 (Monatsrenten von Fr. 859.--, Fr. 876.-- und zuletzt Fr. 700.--) im
Totalbetrag von Fr. 11'237.20 von den Taggeldzahlungen im gleichen Zeitraum für den
versicherten Lohnausfall über Fr. 22'477.50.
D.
In ihrer Verfügung vom 13. April 2007 ermittelte die IV-Stelle ein
Nachzahlungsbetreffnis von Fr. 22'742.--. Diese Nachzahlung verrechnete sie zu
Gunsten des Sozialamtes A._ (im Umfang von Fr. 17'234.80) und zu Gunsten der
SWICA (im Betrag von Fr. 7'624.--).
E.
Mit Beschwerde vom 16. Mai 2007 wandte sich die SWICA rechtzeitig an das
Versicherungsgericht und verlangte die Aufhebung der Verfügung vom 13. April 2007
im Punkt der Verrechnung. Sie machte geltend, ihre gesamte Rückforderung von Fr.
11'237.20 müsse zur Verrechnung zugelassen werden. Zur Begründung brachte sie
unter anderem vor, nach den anwendbaren vertraglichen Bestimmungen für die
Einzeltaggeldversicherung müsse die SWICA im Falle des Zusammentreffens der
Taggeldleistungen mit IV-Renten diese Drittleistungen lediglich bis zur Höhe des
versicherten Taggeldes ergänzen. Aus ihrer Überentschädigungsberechnung gehe der
Betrag hervor, den sie im Rahmen ihrer vertraglichen Pflicht im Hinblick auf die IV-
Rentenleistungen gemäss Art. 24 Abs. 2 ihrer AVB vorgeleistet habe. Demgegenüber
bleibe die Grundlage für eine Rückerstattung an das Sozialamt A._ unklar. Es könne
nicht beurteilt werden, ob das Sozialamt A._ Leistungen in Erwartung einer
ausstehenden IV-Rente oder nur zur Deckung des Existenzminimums, unabhängig von
einer IV-Rente, ausbezahlt habe. In jedem Fall habe die SWICA den
krankheitsbedingten Lohnausfall entsprechend der bescheinigten Arbeitsunfähigkeit
vollumfänglich gedeckt, sodass eine Leistung durch das Sozialamt nicht fällig
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geworden sei. Die Leistungen des Sozialamtes A._ könnten deshalb nicht als
Vorschussleistungen im Sinne von Art. 85 IVV betrachtet werden. Die letztlich
unbekannte Rückforderung des Sozialamtes erweise sich daher als nicht zulässig und
ihre Verrechnung auf Kosten der Verrechnung der Leistungen der SWICA als
unrechtmässig. Im Übrigen habe das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich in
einem einzelrichterlichen Urteil vom 2. Dezember 2005 (IV.2005.00269) festgestellt,
dass bei konkurrierenden Rückforderungsansprüchen der Krankenversicherung und
eines Sozialamtes der Anspruch des Sozialamtes gegenüber jenem der
Krankenversicherung subsidiär sei.
F.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 9. August 2007 beantragte der Rechtsdienst der SVA
St. Gallen für die IV-Stelle, die Beschwerde sei abzuweisen. Es sei festzustellen, dass
der für die Beschwerdeführerin zu verrechnende Betrag sich auf Fr. 6'812.40 (und nicht
wie verfügt auf Fr. 7'604.20) belaufe. Entgegen der Meinung der Beschwerdeführerin
erfülle auch das Sozialamt A._ die Bedingungen für einen Verrechnungsanspruch
nach Art. 85 IVV. Nach der Rechtsprechung genüge es, dass im gleichen Zeitraum
Sozialhilfe wie Leistungen der IV zum Fliessen kämen, um von einem
bevorschussenden Dritten zu sprechen. Das Gesuch um Verrechnung der
Rentennachzahlung zu ihren Gunsten habe die Sozialhilfe A._ im Übrigen am 21.
Dezember 2005 ausdrücklich mit der SKOS-Bevorschussung während der Wartefrist
der Rentenauszahlung begründet, sodass das Sozialamt wie die Beschwerdeführerin
die Voraussetzungen für die Nachzahlungsverrechnung erfüllten. In einem solchen Fall
sei nach der Rentenwegleitung des BSV die Nachzahlung unter mehreren
bevorschussenden Dritten im Verhältnis zu den erbrachten Vorschussleistungen
aufzuteilen(vgl. Rz. 10075 RWL). Da die Rentennachzahlung für die massgebende
Zeitperiode hälftig statt entsprechend dem Verhältnis der beiden Forderungen des
Sozialamtes A._ und der SWICA zueinander aufgeteilt worden seien, sei der der
SWICA zugeteilte Betrag um Fr. 791.60 zu hoch ausgefallen. Er sei entsprechend zu
reduzieren.
G.
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In ihrer Replik vom 5. September 2007 führte die Beschwerdeführerin aus, bei den
Leistungen der Sozialhilfe handle es sich nicht notwendigerweise um eine den
Erwerbsausfall infolge Arbeitsunfähigkeit ersetzende Leistung. Vielmehr werde die
Sozialhilfeleistung in Ergänzung zum nicht ausreichenden Einkommen ausgerichtet.
Dies habe zur Folge, dass Sozialhilfeleistungen, sofern notwendig, auch in Ergänzung
zu einer IV-Rente geschuldet seien. Demgegenüber ersetzten die Taggeldversicherung
wie auch die IV-Rente den Einkommensausfall aus Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit.
Diese beiden Leistungen seien also kongruent. Aus diesem Grund habe die
Beschwerdeführerin nur Leistungen der IV in ihre Rückforderung einbezogen. Aufgrund
der identischen Rechtsnatur dieser beiden Leistungen habe der Taggeldversicherer bei
der Nachzahlung den Vorrang vor der nur in Ergänzung leistenden Sozialhilfe, da
Leistungen der Sozialhilfe unabhängig von einer Rentenauszahlung der IV und einer
entsprechend bescheinigten Arbeitsunfähigkeit beim Bedürftigen geschuldet seien.
Leistungen der Sozialhilfe würden den Erwerbsausfall infolge Arbeitsunfähigkeit erst
dann ersetzen, wenn keine Taggeldversicherungsleistungen mehr erbracht würden.
Höchstens ab diesem Zeitpunkt könnten sie als Vorschussleistungen zu einer später
zuzusprechenden IV-Rente betrachtet werden. Sollten die Sozialfürsorgebehörden die
Versicherungsleistungen nicht genügend abgeklärt haben und hätte die Versicherte gar
keinen Anspruch auf Fürsorgebeiträge gehabt, so dürfe dies nicht dazu führen, dass
die Rückforderungsberechtigung des Taggeldversicherers vermindert werde. Aus den
genannten Gründen sei keine verhältnismässige Aufteilung zwischen
Taggeldversicherung und Fürsorgeleistungen vorzunehmen.
H.
Die Beschwerdegegnerin hielt an ihren früheren Ausführungen vollumfänglich fest
(Eingabe vom 27. September 2007). Die Beigeladenen, Frau R._ und das Sozialamt
A._, liessen sich innert Frist nicht vernehmen.

Erwägungen:
1.
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1.1 Strittig ist, in welchem Umfang die Beschwerdeführerin als Taggeldversicherer von
der IV-Stelle die Verrechnung der IV-Rentennachzahlung zu Gunsten ihrer
Rückforderung aus zu viel ausbezahlten Vorschussleistungen verlangen kann,
nachdem auch das Sozialamt A._ eine Rückforderung bei der IV-Stelle zur
Verrechnung angemeldet hat.
1.2 Nach Art. 22 Abs. 2 ATSG können sowohl Privatversicherungen als auch
öffentliche Fürsorgeinstitutionen, welche einen IV-Versicherten bevorschusst haben,
bei der IV-Stelle verlangen, dass Rentennachzahlungen durch Verrechnung zu Gunsten
ihrer Rückforderungen aus Überentschädigung verwendet werden. Dieses Institut der
"Nachzahlung an bevorschussende Dritte" ist auf der Verordnungsstufe in Art. 85 IVV
und Art. 22 Abs. 4 ELV spezifiziert worden. Zweck dieses Vorgehens ist es,
vorleistenden Dritten einen direkten Rückzahlungsweg zu eröffnen. Die
verrechnungsbelastete EL-Durchführungsstelle bzw. die verrechnungsbelastete IV-
Stelle hat die rückforderbaren "Vorschüsse" des Dritten mit ihrer Nachzahlungsschuld
gegenüber der versicherten Person zu verrechnen und anschliessend den
entsprechenden Betrag an die Dritten zu überweisen. Diese Vorgehensweise bedarf
entgegen dem Wortlaut des Art. 22 Abs. 2 ATSG keiner Abtretung, sondern lediglich
eines Verrechnungsbegehrens des Dritten. Es geht nur darum, Nichtsozialversicherern,
die eine Art Vorleistung für zu erwartende Sozialversicherungsleistungen erbringen und
damit in das Schadens- und Bedürfnisausgleichssystem der Gesamtrechtsordnung
sehr stark eingebunden sind, mit einer einfachen Lösung zur Leistungsrückerstattung
im direkten Zahlungsverkehr zu verhelfen. Der Vorgang verschafft den vorleistenden
Nichtsozialversicherern eine systemübergreifende Verrechnungsmöglichkeit in Analogie
zur sozialversicherungsinternen, zweigübergreifenden Verrechnungsmöglichkeit (z.B.
nach Art. 20 Abs. 2 AHVG).
1.3 Art. 22 Abs. 4 ELV und Art. 85 IVV verlangen allerdings, anders als bei der
zweigübergreifenden Verrechnung unter Sozialversicherungen, dass nur
Nachzahlungen, nicht auch laufende Leistungen erfasst werden und dass nur
Rückforderungen aus Vorschussleistungen, nicht auch andere Rückforderungen
(insbesondere aus unrechtmässigem Bezug) des berechtigten Dritten zur Verrechnung
gebracht werden. Ausserdem wird eine zeitliche Kongruenz zwischen
Nachzahlungsperiode und Vorschussperiode verlangt. Hingegen ist nicht
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Voraussetzung, dass die Rückforderung von Vorschussleistungen rechtskräftig
feststeht, wenn die EL-Durchführungsstelle oder die IV-Stelle die Verrechnung verfügt.
Diese Stellen haben nur die Plausibilität und Fälligkeit der Rückforderung von
Vorschussleistungen zu prüfen, während die materielle Begründetheit dieser
Rückforderung vom Dritten direkt mit dem Bezüger von Vorschussleistungen
auszuhandeln ist. Mit dem Verrechnungsbegehren der bevorschussenden Dritten
erhalten die EL- und IV-Stellen eine Verrechnungsermächtigung.
1.4 Bevorschussende Dritte haben beim früheren Bezüger von Vorschussleistungen
und nunmehrigen Nachzahlungsberechtigten entgegen einer noch unklaren
Rechtsprechung zu Art. 85 IVV weder eine Abtretung noch eine Zustimmung zur
Verrechnung einzuholen. Dies zeigt sich klar in der Regelung in Art. 22 Abs. 4 ELV. Das
Instrument der Drittauszahlung an bevorschussende Dritte ist eine
Vollstreckungserleichterung zur Vermeidung nur umständlich korrigierbarer
Doppelbezüge des Versicherten, was verbietet, die Drittauszahlung vom Belieben und
dem Willen des Versicherten abhängig zu machen. Vorausgesetzt ist einzig, dass sich
der Anspruch des Dritten auf die Rückerstattung der Vorschussleistungen aus Vertrag
oder Gesetz direkt ergibt. Anders als die Rechtsprechung anzunehmen scheint (vgl.
etwa das Urteil des Bundesgerichts vom 18. April 2006, I 428/05), kann es auch nicht
darauf ankommen, dass ein bevorschussender Dritter gegenüber der
Invalidenversicherung einen direkten Rückerstattungsanspruch hat. Dieser
Rückerstattungsanspruch muss nur im Rechtsverhältnis des bevorschussenden Dritten
mit dem bevorschussten Versicherten vorhanden sein. Darum genügen im
vorliegenden Fall die von der SWICA als Taggeldversicherer genannten AVB ohne
weiteres, die Beschwerdeführerin zum Verrechnungsantrag zu legitimieren (vgl. in
diesem Sinne das Urteil des Bundesgerichts vom 9. Dezember 2005, I 632/03, E. 3.3).
Die gleichen Bedingungen erfüllt das bevorschussende Sozialamt A._, da auch in der
Sozialhilfegesetzgebung eine Überentschädigung unzulässig und eine entsprechende
Rückerstattungspflicht des bevorschussten Bezügers - beispielsweise als Folge einer
Invalidenrentennachzahlung - gesetzlich vorgesehen ist (Art. 18 des st. gallischen
Sozialhilfegesetzes vom 27. September 1995; vgl. Franz Schlauri, Die
zweigübergreifende Verrechnung, in: Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.],
Sozialversicherungsrechtstagung 2004, S. 194 f., und das Urteil des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20. August 2007, IV 2006/178).
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2.
2.1 Die Beschwerdeführerin bestreitet den Charakter der mit ihrer Rückforderung
konkurrierenden Forderung der Sozialhilfe als verrechenbare Rückforderung von
Vorschussleistungen. Sie macht geltend, die Rückforderung von Taggeldern habe in
bezug auf die Verrechnung mit der IV-Rentennachzahlung Vorrang vor der
Rückforderung der Sozialhilfe. Taggeldversicherungsleistungen und IV-Renten seien
"kongruent", weil es bei beiden Leistungsarten darum gehe, einen Einkommensausfall
wegen Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit auszugleichen. Die Leistungen hätten also
dieselbe Natur, weshalb der Taggeldversicherer Vorrang vor der nur in Ergänzung
leistenden Sozialhilfe haben müsse. Die Leistungen der Sozialhilfe seien nämlich
unabhängig von einer Rentenauszahlung der IV und einer Arbeitsunfähigkeit beim
Bedürftigen geschuldet. Da die Leistungen der Sozialhilfe erst dann den Erwerbsausfall
aus Arbeitsunfähigkeit ersetzten, wenn keine Taggeldversicherungsleistungen mehr
erbracht würden, seien die Leistungen der Sozialhilfe erst ab diesem Zeitpunkt als
Vorschussleistungen zu betrachten. Im vorliegenden Fall habe die versicherte Person
also u.U. gar keinen Anspruch auf Leistungen der Sozialhilfe gehabt. Deshalb dürfe es
nicht sein, dass die Rückforderung des Taggeldversicherers in Konkurrenz zur
Rückforderung der Sozialhilfe treten müsse und dadurch vermindert werde. Eine
verhältnismässige Aufteilung, wie das die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen
Verrechnungsverfügung vorgenommen habe, sei nicht zulässig.
2.2 In einem Urteil vom 23. April 2007 (IV 66699/131/2006) des Verwaltungsgerichts
des Kantons Bern hatte ein Krankentaggeldversicherer in gleicher Weise argumentiert,
es könne nicht angehen, dass Sozialhilfebehörden ungeachtet der gesetzlichen
Voraussetzungen und insbesondere ohne Prüfung anderer Einkommensquellen einfach
Leistungen - allenfalls über die gesetzliche Verpflichtung hinaus - ausrichteten im
Vertrauen darauf, dass diese beim nachzahlungspflichtigen Sozialversicherer wieder
zurückgefordert werden könnten. Zu Unrecht erbrachte Sozialhilfeleistungen könnten
nämlich keine Vorschussleistungen sein. Das Berner Verwaltungsgericht entschied
entgegen einem ihm vorliegenden unveröffentlichten Urteil des Kantonsgerichts Basel-
Landschaft, es könne der Sozialhilfebehörde bei ihren Vorschussleistungen nicht nur
eine begrenzte Abklärungsphase von beispielweise drei Monaten für Vorschüsse
zugebilligt werden, und es könne nicht angenommen werden, Vorleistungen ohne
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vertiefte Abklärungen würden freiwillig über die gesetzliche Verpflichtung
hinausgehende Leistungen darstellen. Gestützt auf die höchstrichterliche
Rechtsprechung (vgl. die Urteile des Bundesgerichts vom 9. Dezember 2005, I 632/03,
und vom 20. September 2006, I 141/05) hielt das Berner Verwaltungsgericht dafür, die
IV-Stelle habe nicht die ursprüngliche Rechtmässigkeit der im Rahmen der
Drittauszahlung zurückzuerstattenden Vorschussleistungen zu überprüfen. Auch das
Gericht habe diese materielle Überprüfung nicht vorzunehmen.
3.
3.1 Es ist zweifelhaft, ob diese Begründung für sich allein ausreicht, die Argumentation
der Beschwerdeführerin als nicht stichhaltig erscheinen zu lassen. In der Tat ist
zumindest vom gesetzlichen Begriff der "Vorschussleistung" her vorausgesetzt, dass
die Dritten, welche eine Verrechnung zu ihren Gunsten beantragen, nicht irgendwelche
irrtümlichen Forderungen oder sonstigen Ersatzansprüche zur Verrechnung anmelden.
Indessen könnte der Beschwerdeführerin als Taggeldversicherung genau gleich wie der
Sozialhilfe entgegengehalten werden, dass sie "systematisch" und unbekümmert um
die Tatsache, dass die ausgerichteten Taggelder wohl angesichts der zu erwartende
Invalidenrente zu hoch waren, ihrerseits im schlichten Vertrauen auf die
Rückforderbarkeit und auf die Möglichkeit der Verrechnung mit der zu erwartenden IV-
Rentennachzahlung ihre ungekürzten Taggeldleistungen erbracht habe. Diese
Verhaltensweise kann nicht anders qualifiziert werden als diejenige des Sozialamtes
A._. Sie rechtfertigt in ihrer Unbekümmertheit keineswegs eine vorrangige
Verrechnungsmöglichkeit.
3.2 Was die von der Beschwerdeführerin ins Feld geführte "sachliche Kongruenz" von
IV-Rentennachzahlungen und Rentenbevorschussungen durch Taggelder betrifft, folgt
direkt aus der Verrechnungsberechtigung privater und öffentlicher Fürsorgebehörden,
dass die Natur der nachzuzahlenden und der zurückzufordernden Leistungen als
Erwerbsausfallentschädigung nicht ausschlaggebend sein kann. Es genügt nämlich für
die Qualifikation als verrechnungsfähige "Bevorschussung", dass diese wie die
sozialversicherungsrechtliche Nachzahlung der angemessenen Deckung des
Existenzbedarfs (vgl. etwa Art. 112 Abs. 2 lit. b BV) dienen. Daher kann die Sozialhilfe
nicht nur Ergänzungsleistungen, sondern auch Leistungen anderer
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Sozialversicherungszweige wie etwa der Arbeitslosenversicherung oder der
Invalidenversicherung bevorschussen, ohne dass die Vorschüsse nach einer weiteren
Zwecksetzung hinterfragt werden müssten. Im Rahmen einer Plausibilitätskontrolle (vgl.
Franz Schlauri a.a.O. S. 159) genügt es, wenn die IV-Stelle offenkundig andersartige
Rückforderungen als Rückforderungen aus Überentschädigungen durch Vorleistungen
nicht zur Verrechnung zulässt.
3.3 Nach dem Gesagten kann die von der verrechnenden Beschwerdegegnerin
vorgenommene Gleichstellung von Rückforderungen der Sozialhilfe und der
beschwerdeführenden Taggeldversicherung dem Grundsatz nach nicht beanstandet
werden. Weitere Einwendungen gegen die für die Verrechnung verwendeten Zahlen hat
die Beschwerdeführerin nicht vorgebracht. Die Beschwerdegegnerin hat allerdings im
Rahmen des Beschwerdeverfahrens festgestellt, dass die Aufteilung des
Verrechnungssubstrats einen Fehler aufgewiesen hat, der sich zugunsten der
Beschwerdeführerin und zulasten des Sozialamtes A._ ausgewirkt hat. Da sich das
zum Beschwerdeverfahren beigeladene Sozialamt A._ nicht gegen die für es
nachteilige Aufteilung gewandt hat, kann eine Korrektur, die aus der Sicht der
Beschwerdeführerin eine reformatio in peius wäre, unterbleiben.
4.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Die
Gerichtskosten sind unter Berücksichtigung des Verfahrensaufwandes (Art. 69 Abs. 1
IVG) auf Fr. 600.-- festzusetzen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind sie
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen und mit dem von ihr geleisteten Kostenvorschuss
von Fr. 600.-- zu verrechnen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG