Decision ID: 98fb88bd-d2f9-4f07-9b03-b37e26a7fefb
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 15. Mai 2016 in der Schweiz um Asyl
nach. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 30. Mai 2016 und
der Anhörung vom 26. Juni 2018 machte er im Wesentlichen Folgendes
geltend:
Er sei iranischer Staatsangehöriger persischer Ethnie und stamme aus
B._ in der Provinz Markazi, wo er bis im Jahr 2012 gelebt habe.
Danach sei er nach Teheran umgezogen und habe dort bis zu seiner Aus-
reise gewohnt. Durch einen Studienkollegen habe er sein Interesse am
Christentum entdeckt. Ungefähr fünf Monate vor seiner Ausreise habe er
zum ersten Mal eine Hauskirche besucht. Von da an habe er wöchentlich
an den Treffen teilgenommen. Als sein Bruder eines Tages einen Verdacht
geschöpft habe, weil der Beschwerdeführer während der Kirchenbesuche
jeweils sein Telefon nicht abgenommen habe, habe er ihn (den Beschwer-
deführer) zur Rede gestellt. Der Beschwerdeführer habe ihm dann von sei-
nem Interesse am Christentum und seinen Aktivitäten erzählt, wobei ihm
der Bruder nicht geglaubt habe. In der Folge habe auch der Bruder ange-
fangen, an den Hauskirchenbesuchen teilzunehmen. Als er eines Tages
anlässlich eines Kurzurlaubs im Norden des Landes (C._) gewesen
sei, habe er einen Anruf von seinem Bruder erhalten. Dieser habe ihm er-
zählt, dass bei einem Besuch seiner Hauskirche plötzlich seine Ehefrau mit
der Polizei erschienen sei. Sie habe den Verdacht gehabt, dass ihr Ehe-
mann sie betrüge und habe dies der Polizei beweisen wollen, weshalb sie
ihm gefolgt seien. Der Bruder des Beschwerdeführers habe entkommen
können und sich ebenfalls nach C._ begeben. Zwei Tage später
habe der Hausbesitzer des Beschwerdeführers ihn telefonisch kontaktiert
und ihm mitgeteilt, dass Polizisten in ziviler Kleidung die Wohnung durch-
sucht und einen Laptop, einen Computer, USB-Sticks und CDs beschlag-
nahmt hätten. Darauf seien Fotos von den Treffen in den Hauskirchen so-
wie Informationen über das Christentum gespeichert gewesen. Auch sein
Geschäft sei durchsucht worden. Er habe damit gerechnet, dass bald eine
Ausreisesperre gegen ihn verhängt werde, weshalb er sich dazu entschlos-
sen habe, sofort auszureisen. Sein Vater habe ihm seinen Pass und Geld
für die Ausreise gebracht. Der Pass seines Bruders sei hingegen bei des-
sen Ehefrau gewesen, weshalb er illegal habe ausreisen müssen. Der Be-
schwerdeführer sei legal mit seinem eigenen Pass ausgereist. Als die zwei
sich in Griechenland befunden hätten, habe seine Schwägerin angerufen
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und seinen Bruder darum gebeten, zurückzukehren. Sie habe ihm versi-
chert, nichts mehr gegen ihn zu unternehmen. Trotzdem sei sein Bruder
nach seiner Rückkehr in den Iran festgenommen und während einer Wo-
che inhaftiert worden. Dabei habe er den Namen des Beschwerdeführers
verraten. Zudem habe er während seiner Inhaftierung erfahren, dass zwei
Teilnehmerinnen der Hauskirchen bereits festgenommen worden seien
und gegen den Beschwerdeführer und seinen Bruder ausgesagt hätten. In
der Vergangenheit sei seine Schwägerin ihnen mehrmals gefolgt und habe
sie fotografiert. Aufgrund eines islamkritischen Videos, welches er nach
seiner Ausreise auf Facebook gepostet habe, sei er von seinem Onkel te-
lefonisch bedroht worden.
Als Nachweis für seine Identität reichte der Beschwerdeführer seine Per-
sonenstandsurkunde (Shenasname), deren deutsche Übersetzung, seine
iranische Identitätskarte (Melli-Karte) – alle im Original – sowie eine Ledig-
keitsbestätigung in Kopie zu den Akten. Als Beweismittel legte er eine Ko-
pie seiner Taufurkunde von der Kirche D._ vom 23. April 2017 ins
Recht.
B.
Mit Verfügung vom 16. Dezember 2019 – eröffnet am 18. Dezember 2019
verneinte die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdefüh-
rers, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz
und ordnete den Wegweisungsvollzug an.
C.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 17. Januar 2020
Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Anerken-
nung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. Eventualiter
sei von seiner Wegweisung abzusehen und er vorläufig aufzunehmen. In
prozessualer Hinsicht ersuchte er um unentgeltliche Prozessführung unter
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um amtliche
Rechtsverbeiständung und die Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertre-
ters als amtlichen Rechtsbeistand.
Der Beschwerde legte er einen selbst verfassten Bericht vom 16. Januar
2020 mit dem Titel "Mein Glaube an Jesus Christus den wahren Gott", eine
Bestätigung der Pfingstgemeinde E._ vom 4. Januar 2020, eine Be-
stätigung des F._ vom 15. Januar 2020, eine Bestätigung von
G._ vom 6. Januar 2020, Fotos des Beschwerdeführers zusammen
mit H._ bei dessen Taufe sowie bei einem christlichen Treffen vom
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16. Juni 2017, Ausdrucke seines Facebook-Accounts mit diversen christli-
chen Einträgen und Fotos seiner Taufe und derjenigen von H._, ei-
nen USB-Stick mit einem Video seiner Taufe, diversen Fotos und Einträgen
des Facebook-Accounts sowie einen Länderbericht betreffend Iran von O-
pen Doors bei.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 30. Januar 2020 hiess das Bundesverwal-
tungsgericht die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung sowie um amtliche Rechtsverbeiständung gut, ordnete dem Be-
schwerdeführer den rubrizierten Rechtsvertreter als amtlichen Rechtsbei-
stand bei und lud das SEM zur Vernehmlassung ein.
E.
Mit Vernehmlassung vom 11. Februar 2020 hielt das SEM mit ergänzenden
Bemerkungen an seiner Verfügung fest.
F.
Am 18. Februar 2020 wurde der Beschwerdeführer zur Replik eingeladen,
welche er mit Eingabe vom 2. März 2020 einreichte.
G.
Am 25. April 2020 liess der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers dem
Bundesverwaltungsgericht eine Kostennote zukommen.
H.
Mit Eingabe vom 19. August 2020 reichte der Beschwerdeführer weitere
Beweismittel (Vorladung der [...] des Islamischen Revolutionsgerichts der
Stadt Teheran vom [...] [an den Beschwerdeführer gerichtet]; zwei Aufge-
bote der [...] des Revolutionsgerichts für [...] der Stadt B._ vom [...]
und vom [...] [an den Vater des Beschwerdeführers gerichtet]) sowie deren
Übersetzungen in die deutsche Sprache zu den Akten.
I.
Mit Instruktionsverfügung vom 26. August 2020 wurde der Vorinstanz das
Dossier erneut zugestellt mit der Bitte, sich zu den neuen Beweismitteln zu
äussern.
J.
Mit Duplik vom 2. September 2020 hielt das SEM an seiner Verfügung fest.
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Seite 5
K.
Am 15. September 2020 wurde dem Beschwerdeführer die Gelegenheit
gegeben, sich zur Duplik der Vorinstanz zu äussern. Mit Triplik vom
28. September 2020 nahm er diese Gelegenheit wahr.
L.
Mit Eingabe vom 14. Januar 2021 stellte der Rechtsvertreter des Be-
schwerdeführers dem Gericht eine aktualisierte Kostennote zu.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – end-
gültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
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richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Wer sich darauf beruft, dass durch seine Ausreise aus dem Heimat- oder
Herkunftsstaat oder wegen seines Verhaltens nach der Ausreise eine Ge-
fährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht sogenannte subjek-
tive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend. Subjektive
Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von
Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls,
unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich ge-
setzt wurden. Stattdessen werden Personen, die subjektive Nachflucht-
gründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläu-
fig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). Massgeblich ist, ob die hei-
matlichen Behörden das Verhalten des Asylsuchenden als staatsfeindlich
einstufen und dieser deswegen bei der Rückkehr in den Heimatstaat eine
Verfolgung gemäss Art. 3 AsylG befürchten muss.
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
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Seite 7
4.
4.1 Die Vorinstanz begründet ihren ablehnenden Asylentscheid damit, die
vom Beschwerdeführer geltend gemachten Fluchtgründe (Konversion so-
wie Ausübung des Christentums und darauf gründende Verfolgung durch
die iranischen Behörden) seien unglaubhaft. Er habe seine Motivation und
den Prozess, wie er zum Christentum gefunden habe, nicht überzeugend
dargelegt. Die rasche und wenig hinterfragte Kontaktaufnahme sei in Zwei-
fel zu ziehen. Zudem lasse sich keine tiefergehende Auseinandersetzung
mit der neuen Religion erkennen. Er habe nichts über die Organisation
oder die Teilnehmer der Hauskirche zu berichten gewusst. An einer Stelle
habe er dargelegt, einen Tag nach der Ankunft des Bruders in C._
erfahren zu haben, dass sein Haus durchsucht worden sei. An einer ande-
ren Stelle sei von zwei Tagen die Rede gewesen. Zudem habe er einmal
ausgesagt, er sei zum Zeitpunkt der Hausdurchsuchung schon in der Tür-
kei gewesen. Ein anderes Mal habe er vorgebracht, sich damals noch in
Iran aufgehalten zu haben. Sodann sei er legal mit seinem eigenen Reise-
pass ausgereist, was als Indiz gegen die Glaubhaftigkeit einer staatlichen
Verfolgung zu werten sei.
Die Vorbringen, welche sich auf die Zeit nach der Ausreise bezögen, wür-
den hingegen keine Asylrelevanz entfalten. Die Bedrohung durch seinen
Onkel sei nicht asylrelevant. Seine Nähe zum Christentum sei rein äusser-
lich und zweckgebunden, weshalb er keine begründete Furcht vor einer
damit zusammenhängenden Verfolgung habe. Die christliche Glau-
bensausübung vermöge allenfalls Massnahmen in Iran auszulösen, wenn
diese in der Schweiz besonders aktiv erfolge und die Religion nach aussen
sichtbar praktiziert werde. Dies treffe vorliegend nicht zu. Folglich erfülle er
die Flüchtlingseigenschaft nicht.
4.2 Dem entgegnet der Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene, er habe
sich ausführlich und detailliert zu seiner Hinwendung zum Christentum ge-
äussert. Es habe sich dabei um einen längeren innerlichen Prozess sowohl
während als auch nach der Flucht gehandelt. Eine tiefe Auseinanderset-
zung habe tatsächlich gefehlt. Er habe lediglich genug gehabt vom Islam
und sei offen gewesen für Neues. Auf der Flucht habe er den christlichen
Gott auf eine existenzielle Weise erfahren. Es sei normal, dass man in Iran
andere Hauskirchenteilnehmer aus Sicherheitsgründen nicht kenne. Ein
beigelegter, vom Beschwerdeführer verfasster Bericht zeige die Ernsthaf-
tigkeit seiner Hinwendung zum Christentum. Der vom SEM angeführte Wi-
derspruch betreffend den Zeitpunkt, als er von der Hausdurchsuchung er-
fahren habe, sei nicht wesentlich. Die Widersprüche zeigten gerade auf,
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dass es sich nicht um eine erfundene Geschichte handle. Ausserdem sei
sein Gedächtnis wegen seines Marihuanakonsums lückenhaft. Seinen
christlichen Glauben habe er in der Schweiz weiter vertieft, was von ver-
schiedenen Kirchenmitgliedern in drei beiliegenden Referenzschreiben be-
stätigt werde. Über Facebook verbreite er aktiv christliche Inhalte. Er habe
inzwischen zwei Muslime zum christlichen Glauben bekehrt. Ausserdem
habe er sich gegen die Heirat mit einer Frau entschieden, weil diese keine
"echte" Christin und ihre Konversion zweckgebunden gewesen sei.
4.3 In ihrer Vernehmlassung hält die Vorinstanz erneut fest, die Annähe-
rung des Beschwerdeführers ans Christentum in Iran sei nicht glaubhaft.
Im Hinblick auf die damit zusammenhängenden Gefahren wäre zu erwar-
ten gewesen, dass er das Abwägen zwischen der Neugierde und der Sorge
um die eigene Sicherheit differenziert wiedergegeben hätte. Vor diesem
Hintergrund sei es nicht plausibel, dass er allein aufgrund des Gefallens an
der Fröhlichkeit anlässlich christlicher Treffen ein entsprechendes Risiko
eingegangen sei. Bei den drei Bestätigungen handle es sich um Gefällig-
keitsschreiben. Betreffend die geplante Heirat sei nicht belegt, aus welchen
Gründen diese nicht zu Stande gekommen sei. Seine Aktivitäten in christ-
lichen Kreisen in der Schweiz seien zweckgebunden. Er erfülle kein Profil,
welches die Aufmerksamkeit der iranischen Behörden auf sich ziehen
würde.
4.4 Der Beschwerdeführer repliziert, er habe nicht aus rationalen Überle-
gungen, sondern aus Neugierde und Hunger nach einem neuen Lebens-
sinn gehandelt. Die Vorinstanz habe sich darauf festgelegt, dass die Ab-
wendung des Beschwerdeführers vom Islam nur formell und zweckgebun-
den sei. Selbst wenn er eine Bestätigung der Frau eingereicht hätte, wel-
che er ursprünglich habe heiraten wollen, hätte das SEM diese als Gefäl-
ligkeitsschreiben qualifiziert. Das Verstecken seines Christseins evangeli-
kal-missionarischer Prägung würde bei ihm einen unerträglichen psychi-
schen Druck auslösen. Er sei aus religiösen Gründen aus seinem Heimat-
land geflüchtet und erfülle deshalb die Flüchtlingseigenschaft.
4.5 In ihrer Duplik äussert sich die Vorinstanz zur eingereichten gerichtli-
chen Vorladung sowie zu den eingereichten Aufgeboten für ein Ermitt-
lungsverfahren (vgl. Bst. H). Die Dokumente enthielten zwar keine objekti-
ven Fälschungsmerkmale, jedoch handle es sich dabei um Kopien, denen
aufgrund der damit verbundenen Manipulationsmöglichkeiten kaum ein
Beweiswert zukomme. Seine Behauptung, seine Eltern hätten ihm die Do-
kumente bewusst vorenthalten, weil sie hätten verhindern wollen, dass er
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aus Pflichtgefühl und zu ihrem Schutz in die Heimat zurückkehre, sei un-
glaubhaft. Es dürfte ihnen bewusst gewesen sein, dass er darauf angewie-
sen sei, seine Asylgründe belegen zu können. Falls nicht, dann wäre zu
erwarten gewesen, dass er seiner Familie die Bedeutung von Beweismit-
teln kommuniziert hätte. Sodann hätte er die Existenz dieser Beweismittel
geltend machen müssen, nachdem er davon erfahren habe. Er habe diese
aber in seiner letzten Eingabe vom 19. August 2020 nicht erwähnt, obwohl
er zu diesem Zeitpunkt bereits von den Dokumenten gewusst habe. Sein
Verhalten sowie der Zeitpunkt, zu welchem er die Beweismittel einreichte,
sprächen gegen deren Echtheit. Die Dokumente seien deshalb nicht ge-
eignet, einen Sachverhalt zu belegen, der sich bereits aus anderen Grün-
den als nicht glaubhaft erwiesen habe.
4.6 In seiner Triplik erklärt der Beschwerdeführer, es sei nicht möglich, Ori-
ginale vorzulegen, da die iranischen Behörden jeden Brief, der den Iran
verlasse, untersuchten. Originaldokumente, welche ins Ausland gesandt
würden, würden auf jeden Fall abgefangen und bedeuteten ein Repressi-
onsrisiko für den Absender. Die Originale müssten deshalb ausser Landes
geschmuggelt werden, was den Eltern des Beschwerdeführers weder
möglich noch zumutbar sei. Wenn die Vorinstanz einräume, dass keine
Fälschungsmerkmale sichtbar seien, sei nicht nachvollziehbar, weshalb
ihnen kaum ein Beweiswert zukomme. Seine Eltern hätten darauf gehofft,
dass er nicht auf die Beweismittel angewiesen sei und sie ihm deshalb ver-
schwiegen. Sie hätten eine Güterabwägung zum Schutz ihres Sohnes vor-
genommen. Er habe erst Ende Juli oder Anfang August 2020 von den Do-
kumenten erfahren, als sein Vater ihm telefonisch davon erzählt habe. Kurz
darauf habe er die Scans erhalten, eine Übersetzung anfertigen lassen und
diese am 19. August 2020 zu den Akten gereicht.
5.
5.1 Die Vorinstanz ist in ihren Erwägungen zur grundsätzlich zutreffenden
Erkenntnis gelangt, die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Verfol-
gungsvorbringen würden den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit und an
die Asylrelevanz nicht genügen, weshalb er die Flüchtlingseigenschaft
nicht erfülle.
5.1.1 Die Hinwendung des Beschwerdeführers zum Christentum erfolgte
gemäss seinen Angaben erst in den letzten fünf Monaten vor seiner Flucht
(vgl. SEM-Akten A34/22 F30). Demnach erwecken seine Aussagen nicht
den Eindruck eines überzeugten und gefestigten Konvertiten.
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5.1.2 Die Erwägungen der Vorinstanz zur Glaubhaftigkeit der geltend ge-
machten Verfolgungsmassnahmen sind zu bestätigen. Zur Vermeidung
von Wiederholungen ist auf die zutreffenden vorinstanzlichen Ausführun-
gen zu verweisen (vgl. angefochtene Verfügung S. 3 ff.). Die Ausführungen
auf Beschwerdeebene und die eingereichten Beweismittel führen zu keiner
anderen Betrachtungsweise.
Neben den vom SEM erwähnten Elementen sprechen weitere Widersprü-
che gegen die Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen. So machte der Be-
schwerdeführer an einer Stelle geltend, die Ettelaat-Behörden müssten
wohl irgendwelche Informationen über ihn gehabt haben, als sie seine
Wohnung durchsucht hätten, da ansonsten die normale Polizei gegangen
wäre (vgl. A34/22 F33). An einer späteren Stelle behauptete er hingegen,
er wisse nicht, wer seine Wohnung durchsucht habe (vgl. A34/22 F65).
Zudem ist es nicht glaubhaft, dass es dem Beschwerdeführer – welcher
erst fünf Monate vor seiner Ausreise begonnen habe, an den Hauskirchen-
treffen teilzunehmen – erlaubt gewesen sein soll, Fotos dieser Treffen zu
machen. Diese Angabe stösst sich insbesondere an der Behauptung in der
Beschwerde, er habe aus Sicherheitsgründen die Namen und Identitäten
der anderen Hauskirchenteilnehmer nicht kennengelernt (vgl. Beschwer-
deschrift Ziffer 3.6). Von einer Gruppierung, welche verschiedene Vor-
sichtsmassnahmen getroffen habe, ist nicht zu erwarten, dass sie das Fo-
tografieren ihrer Treffen erlaubt hätte (vgl. A7/13 Ziffer 7.02, A34/22 F34 f.,
F44). Die diesbezügliche Erklärung des Beschwerdeführers, die Verant-
wortlichen hätten nicht gedacht, dass so etwas – das Auffliegen der Haus-
kirche – passieren könnte, ist vor dem iranisch-kulturellen Hintergrund nicht
glaubhaft (vgl. A34/22 F68). Sodann erscheint es angesichts der angeblich
selbst erlebten Sicherheitsvorkehrungen durch die Verantwortlichen der
Hauskirche unglaubhaft, dass der Beschwerdeführer bis zum Zeitpunkt der
geltend gemachten Verfolgungsmassnahmen nicht gewusst habe, dass
Konversion in Iran strafbar ist (vgl. A7/13 Ziffer 7.01).
Die Aussagen des Beschwerdeführers machen sodann den Eindruck, dass
er seinen Bruder nur zur Hauskirche mitgenommen habe, weil dieser ihm
nicht geglaubt habe (vgl. A34/22 F30). Es ist nicht nachvollziehbar, dass er
das Risiko in Kauf nahm, eine Person zur Hauskirche zu führen, welche
gar kein Interesse zeigt am christlichen Glauben. Dass der Bruder plötzlich
auch regelmässig an den christlichen Treffen teilnahm, erscheint vor die-
sem Hintergrund ebenso unwahrscheinlich. Genauso befremdlich wirkt vor
dem iranisch-kulturellen Hintergrund die Angabe des Beschwerdeführers,
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Seite 11
er habe seinen Studienfreund nur aus Spass und "um das auszuprobieren"
zum ersten Mal zu einem Hauskirchentreffen begleitet, obwohl er nicht
wirklich daran geglaubt habe. Er sprach von keinem vorher entstandenen
Interesse, sondern lediglich davon, dass sein ehemaliger Studienkollege
ihm von diesen Treffen erzählt habe. Wie die Vorinstanz zutreffend festge-
stellt hat, ist es nicht nachvollziehbar, dass er sich aus reiner Neugier und
ohne Abwägung der Risiken in eine solche Gefahr begeben hat (vgl.
A34/22 F81).
Auch die vorinstanzliche Einschätzung der mit Eingabe vom 19. August
2020 nachgereichten Beweismittel (gerichtliche Vorladung vom [...]; ge-
richtliche Aufgebote vom [...] und vom [...]) ist zu bestätigen (vgl. Duplik
vom 2. September 2020). Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Eltern den
Umstand, dass er gerichtlich vorgeladen worden sei, während über vier
Jahren sowie während rund acht Monaten nach seinem negativen Asylent-
scheid verschwiegen haben sollen. Selbst wenn sie ihn – wie von ihm be-
hauptet – hätten schützen und verhindern wollen, dass er zurückkehre, um
sie vor einer Gefährdung zu schützen, wäre zumindest zu erwarten gewe-
sen, dass sie ihm die an ihn gerichtete Vorladung ausgehändigt hätten.
Spätestens, nachdem der rechtlich vertretene Beschwerdeführer mit Eröff-
nung der Verfügung am 18. Dezember 2019 davon erfuhr, dass die Vo-
rinstanz seinen Asylvorbringen keinen Glauben schenkte, kann davon aus-
gegangen werden, dass er seine Eltern über die Bedeutung von allfällig
existierenden Beweismitteln informiert hätte. Dessen ungeachtet wecken
seine Angaben zum Grund des Verschweigens der gerichtlichen Aufgebote
– angebliche Sorge der Eltern, er würde ihretwegen in den Iran zurückkeh-
ren – erhebliche Zweifel, behauptet er doch an anderer Stelle, seine Mutter
habe ihn über die polizeiliche Suche nach ihm in Kenntnis gesetzt, als er
in der Türkei beziehungsweise in Iran an der türkischen Grenze gewesen
sei (vgl. A7/13 Ziffer 7.01, A34/22 F117). Insbesondere mit Blick auf den
Umstand, dass seine Rückkehr von dort viel eher zu erwarten gewesen
wäre, erschliesst sich dem Gericht nicht, warum die Eltern des Beschwer-
deführers ihn über polizeiliche Suchmassnahmen informieren, ihm aber die
Existenz gerichtlicher Vorladungen hätten vorenthalten sollen.
Schliesslich spricht auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer den
Iran mit seinem eigenen Reisepass verlassen hat – wobei er gemäss sei-
nen Angaben auch kontrolliert worden war – gegen ein behördliches Inte-
resse an seiner Person zum Zeitpunkt der Ausreise (vgl. A7/13 Ziffer 5.02,
A34/22 F112 f.).
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Seite 12
5.1.3 Soweit der Beschwerdeführer die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen
betreffend seine Abwendung vom Islam und Zuwendung zum christlichen
Glauben betont, ist darauf hinzuweisen, dass in asylrechtlicher Hinsicht
nicht die Frage ausschlaggebend ist, ob er tatsächlich konvertiert ist,
sondern ob er glaubhaft gemacht hat, dass die heimatlichen Behörden
Kenntnis seiner kritischen Haltung gegenüber der islamischen Religion er-
langt haben und er deshalb von ihrer Seite asylrechtlich relevanten Verfol-
gungsmassnahmen erlitten hat oder im solche drohten. Hierfür fehlen,
auch wenn eine Beschäftigung des Beschwerdeführers mit dem christli-
chen Glauben bereits vor seiner Ausreise nicht auszuschliessen ist, nach
dem Gesagten stichhaltige Anhaltspunkte.
5.1.4 Im Sinne eines Zwischenergebnisses ist demnach festzuhalten, dass
das SEM insgesamt zu Recht das Vorliegen von Vorfluchtgründen verneint
hat, da der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise die Flüchtlings-
eigenschaft nicht erfüllte.
5.2 Der Beschwerdeführer macht inhaltlich das Vorliegen subjektiver Nach-
fluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend. Angesichts seiner Kon-
version zum christlichen Glauben in der Schweiz und seines exilpolitischen
Engagements müsse er bei einer Rückkehr in den Iran Verfolgung seitens
der iranischen Behörden befürchten.
5.2.1 Subjektive Nachfluchtgründe sind anzunehmen, wenn eine asylsu-
chende Person erst durch die unerlaubte Ausreise aus ihrem Heimat- oder
Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Verfol-
gung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Als subjektive Nach-
fluchtgründe können insbesondere unerwünschte exilpolitische Betätigun-
gen, illegales Verlassen des Heimatlandes (sog. Republikflucht) oder Ein-
reichung eines Asylgesuchs im Ausland gelten, wenn sie die Gefahr einer
zukünftigen Verfolgung begründen. Personen mit subjektiven Nachflucht-
gründen erhalten zwar kein Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig
aufgenommen (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1 und 2009/28 E. 7.1, je m.w.H.).
5.2.2 Die allgemeine Menschenrechtslage im Iran ist als schlecht zu be-
zeichnen. Die Meinungsäusserungsfreiheit wird in systematischer Weise
unterdrückt. Nicht-Muslime und Nicht-Musliminnen werden auf gesetzli-
cher und wirtschaftlicher Ebene diskriminiert. Weiter besteht im Speziellen
für christlich gläubige Personen das Verbot der Missionstätigkeit, dessen
Zuwiderhandlung rechtlich verfolgt wird (vgl. BVGE 2009/28 E.7.3). Auch
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Seite 13
der Abfall vom Islam ist im Iran verboten. Gemäss islamischem Recht exis-
tiert für eine muslimische Person keine anerkannte Möglichkeit, dem isla-
mischen Glauben abzuschwören und zum Christentum überzutreten. Ge-
mäss dem Koran kommt der Abfall vom Glauben dem Verrat an der islami-
schen Gemeinde gleich und soll mit dem Tod bestraft werden. Das kodifi-
zierte iranische Strafrecht kennt jedoch die Apostasie als Tatbestand bisher
nicht. Der Richter kann die Todesstrafe für eine konvertierte Person daher
nicht aus dem kodifizierten Strafrecht begründen, sondern nur mit der
Scharia (vgl. Urteile des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte
[EGMR] A. gegen Schweiz vom 19. Dezember 2017, 60342/16, Ziff. 26–
31, und F.G. gegen Schweden vom 23. März 2016, 43611/11). Der EGMR
ist der Auffassung, dass die allgemeine Menschenrechtslage im Iran per
se die Abschiebung eines iranischen Staatsangehörigen nicht verhindert.
Daher muss im Einzelfall beurteilt werden, ob die persönlichen Umstände,
insbesondere die Konversion vom Islam zum Christentum in der Schweiz,
mit einer tatsächlichen Verfolgungsgefahr durch die iranischen Behörden
einhergeht (vgl. EGMR A. gegen Schweiz vom 19. Dezember 2017,
60342-16).
5.2.3 Der Übertritt zu einer anderen Glaubensrichtung alleine führt im Iran
grundsätzlich noch nicht zu einer (individuellen) staatlichen Verfolgung. Die
diskrete und private Glaubensausübung ist im Iran grundsätzlich möglich
(vgl. Urteil des BVGer D-4399/2017 vom 15. März 2018 E. 6.3). Mit einer
flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung durch den iranischen Staat auf-
grund einer Konversion ist nur dann zu rechnen, wenn sich die Person
durch eine missionierende Tätigkeit exponiert und Aktivitäten des Konver-
titen vorliegen, die vom Regime als Angriff auf den Staat angesehen wer-
den (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.3.4; Urteile des BVGer E-3691/2020 vom
5. April 2022 E. 7.3.1 und D-4221/2019 vom 9. März 2022 E. 6.2, je
m.w.H.). Ein Glaubenswechsel vermag somit dann flüchtlingsrechtlich re-
levante Massnahmen auszulösen, wenn die christliche Glaubensausübung
in der Schweiz aktiv und sichtbar nach aussen praktiziert wird und im Ein-
zelfall davon ausgegangen werden muss, dass das heimatliche Umfeld
von einer solchen – allenfalls gar missionierende Züge annehmenden –
Glaubensausübung erfährt und die asylsuchende Person denunziert. Eine
Verfolgung durch den iranischen Staat ist somit dann zu erwarten, wenn
der Glaubenswechsel bekannt wird und zugleich Aktivitäten des Konverti-
ten vorliegen, die vom Regime als Angriff auf den Staat angesehen werden.
Bei Konversionen im Ausland muss daher bei der Prüfung im Einzelfall ne-
ben der Glaubhaftigkeit der Konversion auch das Ausmass der öffentlichen
Bekanntheit für die betroffene Person in Betracht gezogen werden. Es ist
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bekannt, dass die iranischen Behörden nicht vor der Überwachung ihrer
Staatsbürger im Ausland zurückschrecken; es finden sich auch Hinweise
darauf, dass konvertierte Iranerinnen und Iraner im Ausland von ihrem Hei-
matstaat überwacht werden (vgl. zum Ganzen: BVGE 2009/28 E. 7.3.4 f.
sowie etwa die Urteile des BVGer E-5337/2018 vom 25. Juli 2020 E. 6.2
und E-6349/2019 vom 29. Juni 2021 E. 7.4.1, je m.w.H.).
5.2.4 Aufgrund der Akten ist als erstellt zu erachten, dass der Beschwer-
deführer sich in der Schweiz hat taufen lassen und seine Konversion zum
christlichen Glauben formell bestätigt hat.
Gemäss Aktenlage hat der Beschwerdeführer in der Schweiz einen zum
Christentum konvertierten ehemaligen Muslimen getauft. Nach seinen Aus-
sagen hat er noch einer weiteren muslimischen Person den christlichen
Glauben nähergebracht. Diese Anlässe dürften jedoch kaum von einem
über die genannten Glaubensgemeinschaften hinausgehenden Personen-
kreis zur Kenntnis genommen worden sein. Aus den bei den Akten liegen-
den Auszügen der Posts des Beschwerdeführers mit christlichem Inhalt auf
seiner Facebook-Seite unter dem verfremdeten Namen "I._" ist so-
dann nicht ersichtlich, dass er in den sozialen Medien eine hohe Reich-
weite hätte, da diese keine grosse Anzahl von Likes und Kommentaren
anderer Nutzer/-innen aufweisen. Mit Blick auf Art und Umfang seiner In-
ternetaktivitäten erfüllt er damit nicht das Profil eines ausserordentlich en-
gagierten und exponierten Christen, welcher sich über das Mass von der
grossen Zahl konvertierter Iranerinnen und Iranern abhebt (vgl. Urteile des
BVGer E-1376/2022 vom 12. Juli 2022 E. 6.3.3; E-3691/2020 vom 5. April
2022 E. 7.4 ff.). Die von ihm vorgebrachten Aktivitäten in der Schweiz stel-
len keine aktive Glaubensausübung im Sinne der genannten Rechtspre-
chung dar. Aus dem in der Beschwerdeschrift erläuterten Umstand, dass
er jemanden getauft und noch eine weitere muslimische Person "zum
christlichen Glauben geführt hat", lässt sich daher nicht schliessen, dass
er sich in nennenswerter Weise missionarisch betätigen würde. Es liegen
überdies keine konkreten Hinweise darauf vor, dass die Abkehr des Be-
schwerdeführers vom muslimischen Glauben in seinem heimatlichen Um-
feld respektive bei den iranischen Sicherheitsbehörden bekannt geworden
ist. Die angebliche Drohung seitens seines Onkels, welcher bei J._
tätig sei, ist als unglaubhaft einzuschätzen. Der Beschwerdeführer er-
scheint auf Facebook nicht mit seinem echten Vornamen und abgesehen
von seinem Profilbild sind die Inhalte nicht öffentlich zugänglich. Angesichts
der christlichen Inhalte, welche er gemäss den eingereichten Auszügen
teilt, ist es nicht nachvollziehbar, dass er sich dort mit der Ehefrau seines
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angeblich bei J._ tätigen Onkels in Verbindung gesetzt hätte (vgl.
A34/22 F94 ff.). An dieser Stelle ist auch auf die Unglaubhaftigkeit seiner
Vorfluchtgründe zu verweisen (vgl. oben E. 5.1.2). Abgesehen davon ist
erneut darauf hinzuweisen, dass, selbst wenn die iranischen Behörden von
der Konversion bereits Kenntnis erlangt haben sollten, die diskrete und pri-
vate Glaubensausübung in Iran grundsätzlich möglich ist und sich der Fo-
kus der iranischen Behörden insbesondere gegen Kirchenführer und ge-
gen in der Öffentlichkeit besonders aktive Christen richtet (vgl. oben
E. 5.2.3).
5.2.5 Nach dem eben Dargelegten ist festzuhalten, dass das aktive Missi-
onieren für den Beschwerdeführer kein zentrales Element seiner religiösen
Identität darstellt. Auch wenn das (religiöse) Leben des Beschwerdeführers
bei einer Rückkehr in den Iran gewissen Einschränkungen unterliegen
dürfte, ist daher nicht davon auszugehen, dass diese Einschränkungen
eine solche Intensität erreichen würden, dass sie einen unerträglichen psy-
chischen Druck im Sinne von Art. 3 AsylG bewirken würden.
5.3 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, was
geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch zu Recht abge-
lehnt.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art.
44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
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7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkom-
mens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der
Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen
Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AlG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AlG
kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn
sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg,
Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret ge-
fährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbe-
halt von Art. 83 Abs. 7 AlG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der
Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Aus-
länder weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Dritt-
staat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AlG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des EGMR sowie jener des UN-Anti-Fol-
terausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real
risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rück-
schiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Ur-
teil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer
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37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssitu-
ation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeit-
punkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug
der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen
Bestimmungen zulässig.
7.4 Im Iran herrscht weder Krieg oder Bürgerkrieg noch eine Situation all-
gemeiner Gewalt, aufgrund derer eine Rückkehr generell unzumutbar wäre
(vgl. dazu etwa Urteile des BVGer D-4221/2019 vom 9. März 2022 E. 9.3.2,
sowie D-6532/2018 vom 6. Januar 2020 E. 10.5 und D-2176/2018 vom
21. November 2018 E. 10.2, je m.w.H.). Der Vollzug von Wegweisungen in
den Iran ist daher in ständiger Praxis als grundsätzlich zumutbar zu erach-
ten.
Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, erscheint auch in individu-
eller Hinsicht eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den Iran zumutbar.
Er ist ein junger, alleinstehender und – soweit aktenkundig – gesunder
Mann, der im Iran über eine fundierte Schulbildung und Berufserfahrung in
verschiedenen Bereichen ([...]) verfügt. Auch seine vorgebrachten (...) ste-
hen einem Wegweisungsvollzug nicht entgegen. Seine Eltern, zu denen er
gemäss der Aktenlage ein enges Verhältnis zu haben scheint, leben immer
noch in seinem Heimatdorf. Ausserdem leben all seine Onkel und Tanten
in Iran. In Anbetracht dieser Faktoren und der persönlichen Voraussetzun-
gen ist davon auszugehen, dass die soziale und wirtschaftliche Wiederein-
gliederung in seinem Heimatland gelingen und er nicht in eine existenz-
bedrohende Situation geraten wird. Der Vollzug der Wegweisung erweist
sich als zumutbar.
7.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
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Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Aufgrund der Ge-
währung der unentgeltlichen Rechtspflege ist jedoch vorliegend auf die Er-
hebung von Verfahrenskosten zu verzichten.
9.2 Angesichts der Gutheissung des Gesuchs um amtliche Rechtsverbei-
ständung ist dem als amtlicher Rechtsbeistand eingesetzten Rechtsanwalt
ein Honorar auszurichten. Dieser hat dem Gericht am 14. Januar 2022 ein
aktualisiertes Leistungsjournal zukommen lassen, welches einen zeitlichen
Aufwand von insgesamt 24.3 Stunden zu einem Stundensatz von Fr. 220.–
sowie Auslagen von insgesamt Fr. 90.20 geltend macht. Der geltend ge-
machte Stundenansatz ist für einen Rechtsanwalt angemessen. Hingegen
erscheint der zeitliche Aufwand von 24.3 Stunden im Vergleich zu anderen
Verfahren gleichen Umfangs als zu hoch und ist – zumal das Verfahren
nicht als ausserordentlich komplex bezeichnet werden kann – auf 19 Stun-
den zu reduzieren. Unter Berücksichtigung der massgebenden Bemes-
sungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist dem Rechtsvertreter somit ein Honorar
von gerundet Fr. 4'600.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) aus
der Gerichtskasse zu entrichten (vgl. Art. 12 und Art. 14 Abs. 2 VGKE).
(Dispositiv nächste Seite)
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