Decision ID: 09112dfe-4f9c-59ed-af84-8d9da99d0a04
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Fäh, Waisenhausstrasse 17, Postfach,
9001 St. Gallen,
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St.Galler Gerichte
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente; berufliche Massnahmen
Sachverhalt:
A.
M._, Jahrgang 1970, meldete sich im Juli 1994 erstmals zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 3). Mit Verfügung vom 22. August 1995
wurden ihm berufliche Massnahmen in Form einer Umschulung zum Metallbearbeiter
gewährt (IV-act. 26). Im Auftrag der IV-Stelle erstatteten Dr. med. A._ und Dr. med.
B._ von der MEDAS Ostschweiz am 23. August 1996 und 2. September 1996
Gutachten. Dr. A._ nannte den Befund einer emotional unstabilen Persönlichkeit vom
impulsiven Typus (ICD-10 F60.30; IV-act. 51-4), Dr. B._ berichtete von einer
endgradig schmerzhaften Einschränkung der Innenrotationsfähigkeit des rechten
Schultergelenks nach Stabilisationsoperation am 18. April 1994 wegen habitueller
Schulterluxation sowie Status nach zweimaliger Schulterluxation links. Für leichte bis
mittelschwere Tätigkeiten ohne schweres Heben und ohne Über-Kopf-Arbeiten
bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit (IV-act. 52-15). Mit Verfügung vom 24. Februar 1997
verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch (IV-act. 56-1).
B.
B.a Im März 2001 ersuchte der Versicherte erneut um IV-Leistungen (IV-act. 57). Die IV-
Stelle holte Arztberichte ein und gab bei der MEDAS Ostschweiz ein weiteres
Gutachten in Auftrag, das am 23. August 2002 erstellt wurde. Darin finden sich
insbesondere die Diagnosen eines chronischen Schmerzsyndroms Schulter rechts und
einer glenohumerale Instabilität links mit anamnestisch habitueller (Sub-)Luxation
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Schulter links. Psychiatrischerseits wurde erneut eine emotional instabile
Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typus (ICD-10 F60.30) attestiert, weswegen die
Arbeitsfähigkeit um 20% eingeschränkt sei (IV-act. 73-3). Aus somatischer Sicht
bestehe für körperlich leichte Tätigkeiten unter Vermeidung schulterbelastender
Arbeiten keine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit (IV-act. 74-11). Die IV-Stelle
verweigerte daraufhin mit Verfügung vom 13. Februar 2003 die Kostengutsprache für
berufliche Massnahmen (IV-act. 81). Dagegen erhob Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Fäh
in Vertretung des Versicherten am 20. März 2003 Einsprache (IV-act. 82), woraufhin die
IV-Stelle die Verfügung am 27. Mai 2003 widerrief und die Durchführung weiterer
Abklärungen in Aussicht stellte (IV-act. 89). Dr. med. C._, Facharzt FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete im Schreiben vom 6. Januar 2004 von einer
depressiven Störung auf dem Boden einer emotional unstabilen Persönlichkeit vom
impulsiven Typus. Der Versicherte sei aus rein psychiatrischer Sicht seit Januar 2001
zu mindestens 60% arbeitsunfähig (IV-act. 99). Trotz dieser Einschätzung verweigerte
die IV-Stelle mit Verfügung vom 23. Januar 2004 die Kostengutsprache für berufliche
Massnahmen erneut (IV-act. 102).
B.b Im Februar 2004 meldete sich der Versicherte ein weiteres Mal zum Bezug von IV-
Leistungen an und beantragte eine Rente (IV-act. 105). Am 25. Februar 2004 erhob er
zudem Einsprache gegen die ablehnende Verfügung betreffend berufliche
Massnahmen (IV-act. 111). Mit Schreiben vom 29. Juli 2004 sistierte die IV-Stelle das
Einspracheverfahren unter Hinweis auf weitere Abklärungen (IV-act. 128). Im Auftrag
der IV-Stelle erstattete das Zentrum für Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene AG
(AEH), Zürich, am 18. September 2006 ein Gutachten. Darin werden insbesondere die
folgenden Diagnosen genannt: chronische rechtsseitige Schulterschmerzen, störende
linksseitige Schulterschmerzen und panvertebrale Schmerzen mit thorakaler Betonung.
Aus rheumatologischer Sicht könnten keine Gründe genannt werden, die gegen eine
mittelschwere Tätigkeit ganztags sprechen würden. Längeres Stehen und Sitzen
vorgeneigt sowie Arbeiten über Kopf seien zu vermeiden (IV-act. 155-8 f.). Dr. med.
D._, psychiatrische Universitätsklinik Zürich, erstattete am 7. Mai 2007 ein
psychiatrisches Gutachten. Eine psychische Störung im Sinn des Kapitels F der ICD-10
sei nicht zu stellen. Gesprochen werde hingegen von einer ganzen Reihe
psychosozialer Belastungsmomente, die gemäss Kapitel XXI der ICD (Z) "Faktoren"
bezeichneten, "die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme
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von Gesundheitsdiensten führen", ihrerseits aber keine psychischen Störungen
darstellten. Aus psychiatrischer Sicht seien dem Versicherten alle Tätigkeiten zumutbar,
die ihm auch aus orthopädisch-chirurgischer Sicht zumutbar seien (IV-act. 161-54 f.).
B.c Gestützt auf die Beurteilungen des AEH und von Dr. D._ kündigte die IV-Stelle
mit Vorbescheid vom 22. August 2007 an, sie gedenke, den Rentenanspruch zu
verneinen (IV-act. 168). Im Einwand vom 21. September 2007 liess der Versicherte
bemängeln, dass das psychiatrische Gutachten von Dr. D._ ohne Einholung der
Krankengeschichten bei Dr. med. E._ und Dr. C._ erfolgt sei (IV-act. 171). Am
26. November 2007 ergänzte der Rechtsvertreter des Versicherten den Einwand mit
weiterer Kritik am Gutachten von Dr. D._ (IV-act. 174).
B.d Auf Anraten des zuständigen Arztes des IV-internen Regionalen Ärztlichen Dienstes
(RAD) vom 20. Dezember 2007 gelangte die IV-Stelle mit Rückfragen an Dr. D._ (IV-
act. 176) und holte bei Dr. E._ einen Verlaufsbericht ein (IV-act. 178). Dr. D._ liess
sich am 28. Januar 2008 ausführlich vernehmen (IV-act. 179). Dr. med. A. Klipstein vom
AEH nahm mit Schreiben vom 14. April 2008 unter anderem zum Verlaufsbericht von
Dr. E._ vom 20. Dezember 2007 (richtig: 4. Februar 2008; IV-act. 180) Stellung (IV-
act. 183).
B.e Mit Verfügung vom 17. Juni 2008 lehnte die IV-Stelle Ansprüche des Versicherten
auf berufliche Massnahmen und eine Invalidenrente ab. Sie habe den Rentenanspruch
aufgrund der vom Versicherten im Schreiben vom 26. November 2007 vorgebrachten
Einwände erneut geprüft, einen Arztbericht bei Dr. E._ und eine Stellungnahme von
Dr. D._ eingeholt. Gesamthaft hätten die involvierten Gutachter ausführlich und
nachvollziehbar dargelegt, welche Überlegungen sie in Bezug auf die vorliegenden
Krankheitsbilder und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gemacht hätten. Eine
gesundheitsbedingte Einschränkung in der Stellensuche bestehe nicht (act. G 1.1).
C.
C.a Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde des Versicherten vom
19. August 2008. Er beantragt die Aufhebung der Verfügung. Die Sache sei zur
Gewährung des rechtlichen Gehörs und zur Neubeurteilung an die IV-Stelle
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zurückzuweisen. Eventualiter sei dem Beschwerdeführer eine Invalidenrente
zuzusprechen. Ihm sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. Zudem sei ihm
eine Nachfrist zur ergänzenden Begründung anzusetzen, alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Die Resultate der ergänzenden Abklärungen seien dem
Beschwerdeführer vor Erlass der angefochtenen Verfügung nie eröffnet worden. Die
neuen Akten seien ihm erst auf Ersuchen des Rechtsvertreters am 19. August 2008 zur
Kenntnis gebracht worden. Diese Verletzung des rechtlichen Gehörs könne im
Beschwerdeverfahren nicht geheilt werden, zumal es sich beim Versicherungsgericht
um die letzte Instanz mit voller Kognition handle und der Beschwerdeführer Anspruch
darauf habe, dass ihm die verfügende Behörde das rechtliche Gehör vollumfänglich
einräume (act. G 1).
C.b Innert der angesetzten und verlängerten Nachfrist lässt der Beschwerdeführer am
12. November 2008 an seinen Anträgen festhalten. Er sei über den Auftrag der
Beschwerdegegnerin an Dr. D._ zur Ergänzung des Gutachtens nicht orientiert
worden. An den Gutachter wäre die Frage zu stellen gewesen, wie sich die von ihm
erkannten speziellen Persönlichkeitszüge, die auch er in einen direkten Zusammenhang
zu seiner Erwerbsfähigkeit setze, auf dessen Arbeitsfähigkeit auswirkten. Des Weiteren
wäre dem Gutachter die Frage zu unterbreiten gewesen, ob der Beschwerdeführer
aufgrund seiner seit mehreren Jahren andauernden speziellen psychischen Situation
überhaupt einem Arbeitgeber zumutbar gewesen wäre, respektive ob überhaupt die
Chance bestehen würde, dass ein Arbeitsverhältnis nicht von Vornherein an der
aktenkundigen Persönlichkeitsstruktur des Beschwerdeführers scheitern würde. Zwar
komme Dr. D._ betreffend die Diagnose zu einem anderen Schluss als die MEDAS
Ostschweiz, gleichwohl erwähne aber auch er Persönlichkeitszüge des
Beschwerdeführers, die völlig unabhängig von einer psychiatrischen Diagnose
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Allein schon Dr. D._'s Beschreibung
der Persönlichkeit des Beschwerdeführers könne den Schluss zulassen, dass der
Beschwerdeführer in seiner Fähigkeit, Arbeit zu finden und eine solche auch zu
behalten, ganz massgeblich eingeschränkt sei. Dem Beschwerdeführer mangle es nach
mehreren Jahren der Arbeitslosigkeit schlichtweg am notwendigen Selbstvertrauen in
seine Gesundheit, um sich erfolgreich wieder ins Arbeitsleben zu integrieren. Auch
aufgrund des Gutachtens von Dr. D._ sei davon auszugehen, dass dem
Beschwerdeführer der Wiedereinstieg ins Berufsleben aus Gründen, die in seiner
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Persönlichkeit liegen, nicht gelingen werde. Zumindest müsse aber davon
ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer in seiner Arbeitsfähigkeit dergestalt
eingeschränkt sei, dass er für die Wiedereingliederung ins Berufsleben dringend auf
berufliche Massnahmen angewiesen sei (act. G 11).
C.c Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 27. Januar
2009 die Abweisung der Beschwerde. In Gesetz und Rechtsprechung sei nicht
festgelegt, dass nach erfolgtem Einwand vor Erlass der Verfügung noch eine
Aktenzustellung vorzunehmen oder nochmals ein Vorbescheid zu erlassen sei. In der
Verfügung müsse lediglich eine nachvollziehbare Begründung vorhanden sein. Man
habe in der angefochtenen Verfügung geschildert, welche weiteren Abklärungen man
vorgenommen habe und zu welchen Schlüssen die Ergebnisse geführt hätten. Somit
sei nachvollziehbar, weshalb man bei der im Vorbescheid angekündigten Ablehnung
der Ansprüche geblieben sei. Zugegebenermassen wäre es zu einer umfangreichen
Wahrung des rechtlichen Gehörs durchaus möglich gewesen, dem Rechtsvertreter
noch Gelegenheit zur Stellung von allfälligen Ergänzungsfragen zu geben und ihm vor
Erlass der Verfügung die neu aufgelaufenen Akten zur Stellungnahme zu überlassen.
Andererseits habe er in der Einwandbegründung bereits Gelegenheit gehabt, auf die
ihm wichtig erscheinenden Punkte hinzuweisen und er hätte nach Einreichung des
Einwands jederzeit die Akten bestellen können. Die Beschwerdegegnerin beteuert ihre
Ansicht, der Fall sei umfangreich abgeklärt worden und die eingeholten
Stellungnahmen zum Einwand würden auch die vom Beschwerdeführer angeblich noch
unbeantworteten Punkte vollumfänglich abdecken. Demnach bestehe weder Anlass,
den Fall zur Wahrung des rechtlichen Gehörs zurückzuweisen, noch weitere
Abklärungen durchzuführen (act. G 15).
C.d In der Replik vom 17. Februar 2009 lässt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen
festhalten. Die offensichtliche Verletzung des rechtlichen Gehörs werde nicht damit
geheilt, dass es dem Beschwerdeführer grundsätzlich möglich gewesen wäre, nach
Erhebung der Einsprache (richtig: des Einwands) jederzeit die Akten bestellen zu
können. Er habe keinen Anlass gehabt davon auszugehen, dass die
Beschwerdegegnerin umfassende neue Berichte einhole bzw. Akten produziere. Nach
wie vor sei davon auszugehen, dass aufgrund der speziellen Persönlichkeitszüge des
Beschwerdeführers eine Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht
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gegeben sei. Es seien entsprechende Berichte einzuholen, insbesondere auch bei Dr.
C._ (act. G 18).
C.e Die Beschwerdegegnerin hält mit Schreiben vom 16. März 2009 an ihrem Antrag
fest und verzichtet auf weitere Ausführungen (act. G 20).

Erwägungen:
1.
1.1 Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV; SR 101) sowie Art. 42 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör
dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes
Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, der in die Rechtsstellung einer
Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass des in ihre
Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zu Sache zu äussern, erhebliche Beweise
beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört
zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich
zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid
zu beeinflussen (anstatt vieler vgl. BGE 129 II 504 E. 2.2; BGE 127 I 56 E. 2b). Gemäss
Art. 42 Satz 2 ATSG kann auf eine Anhörung vor Verfügungserlass nur dann verzichtet
werden, wenn die Verfügungen durch Einsprache anfechtbar sind, was hier
unbestrittenermassen nicht der Fall ist.
1.2 Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verletzung des rechtlichen
Gehörs führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur
Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Es kommt mit anderen Worten nicht darauf
an, ob die Anhörung im konkreten Fall für den Ausgang der materiellen
Streitentscheidung von Bedeutung ist, d.h. die Behörde zu einer Änderung ihres
Entscheides veranlasst wird oder nicht (BGE 127 V 437 E. 3d/aa).
1.3 Die Praxis der "Heilung" der Gehörsverletzung zeigt, dass das hinter dem
Anspruch auf rechtliches Gehör stehende Interesse immer gegen andere, gegenläufige
Interessen der versicherten Person, aber allenfalls auch der Verwaltung abgewogen
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werden muss, bevor über die Frage entschieden wird, ob die Verfügung als Folge der
Verletzung des rechtlichen Gehörs aufzuheben oder ob die Verletzung des rechtlichen
Gehörs zu heilen und die Verfügung materiell zu beurteilen ist. Dieses Interesse ist nicht
so stark, dass es alle anderen, gegenläufigen Interessen ohne weiteres immer
überwiegen würde. Das gegen den Anspruch auf rechtliches Gehör abzuwägende
Interesse ist regelmässig jenes an einem beförderlichen Verfahrensabschluss. Letzteres
überwiegt in der Regel dann, wenn die Beschwerde führende versicherte Person nicht
ausdrücklich erklärt, sie verlange nur die rein verfahrensrechtliche Beurteilung und
damit die Aufhebung der verfahrensrechtlich rechtswidrigen Verfügung und die
Rückweisung zum Erlass einer neuen Verfügung unter Beachtung jener
Verfahrensnorm, welche die Gewährung des rechtlichen Gehörs vorschreibt (vgl. die
Urteile des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen IV 2007/464 vom
18. September 2008, Erw. 3.2; IV 2007/94 vom 12. Dezember 2007, Erw. 1).
1.4 Es kann nicht der Sinn des Instituts der Heilung des rechtlichen Gehörs sein, dass
Verwaltungsstellen sich über den elementaren Grundsatz des rechtlichen Gehörs
hinwegsetzen und darauf vertrauen, dass solche Verfahrensmängel in einem von den
durch den Verwaltungsakt Betroffenen allfällig angehobenen Gerichtsverfahren
behoben würden. Denn die Heilung eines solchen Verfahrensmangels soll die
Ausnahme bleiben, zumal die nachträgliche Gewährung des rechtlichen Gehörs häufig
nur einen unvollkommenen Ersatz für deren vorgängige Unterlassung bildet.
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin legte den Einwand des Rechtsvertreters des
Beschwerdeführers dem zuständigen RAD-Arzt Dr. med. F._ zur Stellungnahme vor.
Dieser hielt am 20. Dezember 2007 fest, um alle Gesichtspunkte dieses komplexen
Entscheids würdigen zu können, seien weitere Abklärungen angezeigt (IV-act. 175-2).
Daraufhin stellte die Beschwerdegegnerin den Einwand Dr. D._ zu mit der Auf
forderung, dazu Stellung zu nehmen. Dr. D._ liess sich dazu am 28. Januar 2008 in
einem elfseitigen Schreiben vernehmen (IV-act. 179). Weiter holte die
Beschwerdegegnerin bei Dr. E._ einen Verlaufsbericht ein (IV-act. 178; 180). Auch
ans AEH gelangte die Beschwerdegegnerin mit der Bitte um Stellungnahme zum
Einwand des Beschwerdeführers. Dieses liess sich am 14. April 2008 vernehmen (IV-
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act. 181; 183). Gestützt auf diese weiteren Abklärungen gab der RAD-Arzt Dr. F._ am
19. Mai 2008 eine weitere Beurteilung ab (IV-act. 184). Diese umfangreichen
Abklärungen hätten dem Beschwerdeführer zweifellos zur Stellungnahme unterbreitet
werden müssen; ja bereits der Entschluss, nochmals Abklärungen zu veranlassen,
hätte die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer zur Kenntnis bringen müssen.
Anstatt den Gutachtern den Einwand des Beschwerdeführers pauschal zur
Stellungnahme zu unterbreiten, wäre es von Vorteil gewesen, die interessierenden
Ergänzungsfragen konkret zu formulieren und diese vorab nochmals dem
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers zuzustellen, damit dieser seinerseits allfällige
Ergänzungen hätte anbringen können. Zwingend wäre jedenfalls die Zustellung der
Vernehmlassungen von Dr. D._, Dr. E._ und des AEH zur Stellungnahme vor Erlass
der Verfügung gewesen. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ist zu bejahen.
2.2 Die zuständige Sachbearbeiterin der IV-Stelle hielt in einer internen Notiz vom
19. November 2008 fest, es sei das übliche Verfahren, nach Eingang des Einwands
eingeholte Akten nicht zuzustellen. Nach Erhalt des Einwands würden dem
Rechtsvertreter die nachträglich einverlangten Unterlagen nur auf ausdrücklichen
Wunsch hin zugestellt (IV-act. 195). Diese Auffassung lässt sich mit dem von Amtes
wegen zu gewährenden rechtlichen Gehör der Parteien nicht vereinbaren. Der
Rechtsvertreter war nicht darüber informiert worden, dass aufgrund seines Einwands
weitere Beweismassnahmen vorgekehrt worden waren; er hatte keine Veranlassung,
von sich aus bei der Beschwerdegegnerin nachzufragen, ob allfällige ihn
interessierende Unterlagen eingeholt worden seien. Weil gemäss Dr. F._ nach
Eingang des Einwands Bedarf für doch recht umfassende weitere Abklärungen
bestanden hatte, wäre das Ergebnis derselben dem Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers zwingend mitzuteilen gewesen, auch wenn sich am Dispositiv
gemäss Vorbescheid keine Änderungen ergeben hatten. Ob die IV-Stelle einen zweiten
Vorbescheid erlassen will oder ob sie das rechtliche Gehör auf andere Weise – mit
gewöhnlichem Brief – gewährt, ist ihr überlassen.
2.3 Entgegen der von der Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort vom
27. Januar 2009 vertretenen Ansicht reicht es nicht aus, lediglich in der
Verfügungsbegründung auf die neu eingeholten Akten zu verweisen und darin eine
nachvollziehbare Begründung zu liefern. Gerade bei – umfassenden –
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Ergänzungsfragen an Gutachter muss auch die beschwerdeführende Partei
Gelegenheit erhalten, sich mit sämtlichen Akten auseinanderzusetzen und sich
ihrerseits konkret zu den Ergänzungsfragen zu äussern bzw. diese zu ergänzen, bevor
ein Entscheid der Verwaltung ergeht.
2.4 Der Beschwerdeführer lässt die Rückweisung der Streitsache an die
Beschwerdegegnerin zur formgerechten Durchführung des Beweisverfahrens
beantragen. Das Interesse an einem korrekten Verfahren überwiegt für den
Beschwerdeführer erklärtermassen über das Interesse an einer beförderlichen
materiellen Beurteilung seines Anspruchs. Nach den oben erläuterten Grundsätzen
steht es ihm frei, auf die korrekte Durchführung des Verfahrens zu bestehen.
3.
3.1 Gemäss den obigen Erwägungen ist die Beschwerde gutzuheissen, die
angefochtene Verfügung vom 17. Juni 2008 aufzuheben und die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese dem Beschwerdeführer das ihm
zustehende rechtliche Gehör im Beweisverfahren einräume, allfällig notwendige weitere
Abklärungen veranlasse und erst nach deren verfahrensrechtlich sauberen Abwicklung
über die Leistungsansprüche des Beschwerdeführers neu verfüge.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint
als angemessen. Die Beschwerdegegnerin unterliegt vollumfänglich, sodass ihr als
nicht von der Pflicht zur Übernahme amtlicher Kosten befreiter selbstständiger
öffentlich-rechtlicher Anstalt die ganze Gerichtsgebühr aufzuerlegen ist.
3.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Angemessen erscheint
eine Parteientschädigung von Fr. 2'500.- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer).
bis
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Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG