Decision ID: aaad7d35-f609-4a98-a7fb-835669368d78
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Peter Rösler, Aeplistrasse 7, Postfach, 9008 St.
Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a Der Personaldienst des B._ meldete A._ am 25. Juni 2009 bei der
Invalidenversicherung zur Früherfassung an (act. G 4.2). Auf Aufforderung der IV-Stelle
hin (vgl. Schreiben vom 3. Juli 2009, act. G 4.5) reichte die Versicherte am 7. Juli 2009
(Datum Posteingang IV-Stelle) die Anmeldung zum Bezug von IV-Leistungen ein (act.
G 4.7). Anlässlich des Gesprächs zwischen RAD-Arzt C._ und dem behandelnden
Dr. med. D._ vom 22. Juli 2009 gab letzterer an, die Versicherte leide primär an
Kniegelenksbeschwerden rechts (Arthrose; zur am 16. April 2009 durchgeführten
Arthroskopie und Infiltration wegen fortgeschrittener Gonarthrose vgl. Austrittsbericht
der Klinik für Orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen vom 21. April
2009, act. G 4.21-19 f.). Zusätzlich bestünden Rückenprobleme, Schulterschmerzen
rechts, Ellbogenschmerzen rechts sowie ein Status nach Varizenstripping. Für die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit im Reinigungsdienst bestehe derzeit keine Arbeitsfähigkeit
(Gesprächsprotokoll vom 22./27. Juli 2009, act. G 4.19). Im Bericht vom 17. Oktober
2009 vertrat Dr. D._ die Auffassung, eine leidensangepasste Tätigkeit sei der
Versicherten seit Dezember 2008 während vier Stunden täglich zumutbar (act.
G 4.21-1 ff.). Der behandelnde Dr. med. E._, FMH Orthopädische Chirurgie/
Traumatologie, berichtete am 8. Dezember 2009, die Versicherte leide an einer
symptomatischen Retropatellararthrose und Chondropathie des medialen und lateralen
Kompartiments links sowie an einem Status nach Kniegelenksarthroskopie. Für die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit bestehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (act. G 4.31).
A.b Die Versicherte teilte der IV-Stelle am 16. Dezember 2009 mit, sie fühle sich aktuell
nicht arbeitsfähig (act. G 4.33). Daraufhin wurden die beruflichen Eingliederungsbe
mühungen eingestellt (Mitteilung vom 29. Dezember 2009, act. G 4.36).
A.c Am 9. März 2010 fand eine Abklärung im Haushalt der Versicherten statt. Die
Abklärungsperson hielt im Bericht vom 11. Mai 2010 fest, die Versicherte hätte nach
eigenen Angaben im Gesundheitsfall weiterhin zu 70% gearbeitet, und stellte unter
Berücksichtigung der zumutbaren Mithilfe der Familienangehörigen eine Einschränkung
im Haushalt von 10.49% fest (act. G 4.45).
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A.d Der im Spital F._ das chronische Venenleiden der Versicherten behandelnde
Dr. med. G._ berichtete am 27. Mai 2010, in der bisherigen Tätigkeit bestehe eine
Arbeitsunfähigkeit von 30% wegen der Gonarthrose. Eine behinderungsangepasste
Tätigkeit sei zu ca. 30% leistbar, wenn voll belastet werde (act. G 4.46). Im
Verlaufsbericht vom 4. Juni 2010 gab Dr. D._ an, der Gesundheitszustand der Ver
sicherten sei stationär geblieben. Leichte Arbeiten mit Wechselbelastung seien der
Versicherten ca. zwei Stunden täglich zumutbar (act. G 4.47).
A.e Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte am 18. Januar 2011 von Dr. med.
H._, Orthopädische Chirurgie FMH, untersucht. Der Experte diagnostizierte im
Gutachten vom 7. Februar 2011 eine medialbetonte Gonarthrose rechts, eine
beginnende mediale Gonarthrose links, eine Osteochondrose L3/L4 und L5/S1, eine
breitbasige Discushernie C5/6 mit foraminaler Einengung sowie eine Varicosis beider
Beine. Aufgrund dieses komplexen Beschwerdebilds sei die zuletzt ausgeübte
Reinigungstätigkeit nicht mehr zumutbar. Für leidensangepasste Tätigkeiten bestehe
eine Leistungsbeeinträchtigung von einem Drittel (act. G 4.52).
A.f Die IV-Stelle ermittelte, ausgehend von einer 70%igen Erwerbs- und 30%igen
Haushaltstätigkeit im Gesundheitsfall, einen Gesamtinvaliditätsgrad von 12% und
stellte der Versicherten mit Vorbescheid vom 28. Juni 2011 in Aussicht, das
Rentengesuch abzuweisen (act. G 4.58). Dagegen erhob die Versicherte am
5. September 2011 Einwand. Sie beantragte darin die Vornahme einer orthopädischen
Zweitbegutachtung. Ferner rügte sie die von der IV-Stelle ermittelte Einschränkung im
Haushaltsbereich. Des Weiteren sei die gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
mit denjenigen der behandelnden Ärzte nicht zu vereinbaren (act. G 4.59). Der RAD
legte in der Stellungnahme vom 3. Dezember 2011 dar, weshalb er das orthopädische
Gutachten für schlüssig halte (act. G 4.60). Am 21. Februar 2012 verfügte die IV-Stelle
die
Abweisung des Rentengesuchs (act. G 4.61).
B.
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B.a Gegen die Verfügung vom 21. Februar 2012 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 30. März 2012, worin die Beschwerdeführerin unter Kosten- und
Entschädigungsfolge deren Aufhebung und die Zusprache einer ganzen Rente ab
Dezember 2009 beantragt. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Ergänzung des
Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zur Begründung bringt sie vor, dass
sie lediglich noch einen geringen Teil an Hausarbeiten selbst ausführen könne. Die
Abklärung sei offenkundig unrichtig und müsse korrekt wiederholt werden, zumal sich
die gesundheitliche Situation seit März 2010 nochmals deutlich verschlechtert habe.
Das Gutachten stütze die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht auf eine eigene
Beurteilung, sondern auf das Resultat der Haushaltsabklärung. Sofern nicht auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der behandelnden Ärzte abgestellt werde, müsse die
orthopädische Begutachtung wiederholt werden. Ferner rechtfertigten die Umstände
einen Leidensabzug von 20%. Da sich die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen
Verfügung nicht zu den einwandweise vorgebrachten Rügen gegen die
Haushaltsabklärung und das Gutachten äussere, liege eine Verletzung des Anspruchs
auf rechtliches Gehör vor (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt die Abweisung der Beschwerde. Sie stellt sich
auf den Standpunkt, sowohl der Haushaltsabklärungsbericht wie auch das
orthopädische Gutachten seien beweiskräftig. Die gestützt darauf ergangene
Rentenabweisung sei daher korrekt. Der gewährte 10%ige Leidensabzug sei den
Umständen angemessen. Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör sei
nicht auszumachen. Falls gleichwohl eine solche vorliegen würde, so würde diese
praxisgemäss geheilt werden (Beschwerdeantwort vom 7. Juni 2012, act. G 4).
B.c Innert mehrfach erstreckter Frist reicht die Beschwerdeführerin am 15. Oktober
2012 die Replik ein, worin sie unverändert an ihren Anträgen festhält (act. G 13).
B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 15).

Erwägungen:
1.
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In formeller Hinsicht ist zunächst die Gehörsrüge der Beschwerdeführerin (vgl. hierzu
act. G 1) zu prüfen.
1.1 Die Beschwerdeführerin rügt, ihr Anspruch auf rechtliches Gehör sei verletzt
worden, da sich die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung nicht mit der
vorgebrachten Kritik an der Haushaltsabklärung und am Gutachten auseinandergesetzt
habe (act. G 1, S. 8).
1.2 Verfügungen sind zu begründen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll
entsprechen (Art. 49 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die grundsätzliche Pflicht einer Behörde,
ihren Entscheid zu begründen, folgt aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör. Dabei
darf sich die Verwaltung nicht damit begnügen, die von der betroffenen Person
vorgebrachten Einwendungen zur Kenntnis zu nehmen und zu prüfen. Die Verwaltung
hat vielmehr ihre Überlegungen auch namhaft zu machen und sich dabei ausdrücklich
mit den Einwendungen auseinander zu setzen oder zumindest die Gründe anzugeben,
weshalb sie gewisse Gesichtspunkte nicht berücksichtigen kann (BGE 124 V 183
E. 2b). Mit Erlass von Art. 57a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(IVG; SR 831.20), worin in der Invalidenversicherung das Vorbescheidverfahren wieder
eingeführt wurde, sind an die Begründungsdichte von Verfügungen, die nach
Durchführung eines Vorbescheidverfahrens gemäss Art. 57a IVG ergehen, erhöhte
Anforderungen zu stellen (vgl. hierzu eingehend Urteil des Sozialversicherungsgerichts
des Kantons Zürich vom 30. Mai 2007, IV.2007.00436, E. 1.8 ff.). Eine – nicht
besonders schwerwiegende – Verletzung des rechtlichen Gehörs kann dann als geheilt
gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer
Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei
überprüfen kann. Diese Voraussetzung ist im Fall des Versicherungsgerichts erfüllt (vgl.
Art. 61 lit. c ATSG i.V.m. Art. 46 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP;
sGS 951.1]).
1.3 Die Beschwerdeführerin hat im Einwand vom 5. September 2011 u.a. Kritik an den
Ergebnissen der Haushaltsabklärung vom 9. März 2010 (zum Bericht vom 11. Mai 2010
vgl. act. G 4.45) und am Gutachten vorgetragen (act. G 4.59).
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1.4 Entgegen der Darstellung der Beschwerdeführerin hat sich die
Beschwerdegegnerin - wenn auch knapp - mit der einwandweise vorgebrachten Kritik
auseinandergesetzt. Sie führte in der angefochtenen Verfügung Folgendes aus:
"Anlässlich der Haushaltsabklärung werden die von Ihnen geschilderten subjektiven
Schilderungen der Einschränkungen im Bericht erwähnt. Das ist aber nicht mit einer
Anerkennung der Einschränkungen durch die IV gleichzusetzen. Es ist den
Familienangehörigen zumutbar, dass sie die Mutter und Ehefrau im Rahmen der
Schadenminderungspflicht unterstützen". Des Weiteren setzte sie sich mit der
Beweiskraft des Gutachtens und der Einschätzungen der behandelnden Ärzte
auseinander (act. G 4.61-2). Auch wenn die Verfügungsbegründung kurz gefasst ist
und auf die einzelnen Vorbringen der Beschwerdeführerin nicht detailliert eingegangen
wird, wurde damit der Begründungspflicht - wenn auch knapp - entsprochen. Eine
Verletzung des Anspruchs der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör ist daher zu
verneinen.
2.
Zwischen den Parteien materiell umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
2.1 Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 ATSG die ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit, es sei denn, eine versicherte Person sei vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht erwerbstätig gewesen und es habe ihr auch nicht
zugemutet werden können, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. In diesem Fall gilt
gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG die Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
als Invalidität. Die Invalidität im Sinn von Art. 8 Abs. 1 ATSG wird durch einen
Einkommensvergleich ermittelt (Art. 16 ATSG). Die Methode zur Bemessung der
konkreten Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wird vom ATSG nicht
geregelt. Diese Lücke füllt Art. 28a Abs. 2 IVG: Es ist darauf abzustellen, in welchem
Mass die betreffende Person behindert ist, sich im Aufgabenbereich zu betätigen. Als
Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen Person gelten insbesondere die übliche
Tätigkeit im Haushalt, die Erziehung der Kinder sowie gemeinnützige und künstlerische
Tätigkeiten (Art. 27 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]).
Die Bestimmung von Art. 28a Abs. 3 IVG regelt die sogenannte gemischte Methode der
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Invaliditätsbemessung bei Personen, die zum Teil erwerbstätig und zum Teil im
Aufgabenbereich tätig sind. In einem solchen "gemischten" Fall sind der Anteil der
Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der
Invaliditätsgrad ist entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen.
Ist bei einer Person, die nur zum Teil erwerbstätig ist, anzunehmen, dass sie im
Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruchs ohne den Gesundheitsschaden vollzeitlich
erwerbstätig wäre, so ist die Invaliditätsbemessung ausschliesslich nach den
Grundsätzen für Erwerbstätige zu bemessen (Art. 27 IVV).
2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente.
2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Diese
Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen
Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (vgl. SVR 2001 IV
Nr. 10 S. 28 E. 4b mit Hinweisen).
3.
Zunächst ist zu klären, ob der Sachverhalt in medizinischer Hinsicht rechtsgenüglich
abgeklärt ist. Die Beschwerdegegnerin stellte bei ihrer Rentenabweisung auf das
Gutachten von Dr. H._ vom 7. Februar 2011 ab (act. G 4.52). Die Beschwerdeführerin
hält diese medizinische Beurteilung für nicht beweiskräftig (act. G 1).
bis
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3.1 Die Rechtsprechung hat es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als
vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und
Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das
im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten von externen
Spezialärzten, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie
nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu
schlüssigen Ergebnissen gelangen, besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft,
solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE
125 V 351 E. 3b/bb). Die in BGE 137 V 210 definierten Anforderungen an die Einholung
von MEDAS-Gutachten durch die Invalidenversicherung gelten grundsätzlich auch in
laufenden Verfahren. Das vorliegende Gutachten wurde bereits vor diesem (am 28. Juni
2011 ergangenen) Urteil am 7. Februar 2011 erstellt; die Mitwirkungsrechte der
versicherten Person nach neuer Rechtsprechung (vgl. BGE 137 V 256 ff. E. 3.4.2.6 und
E. 3.4.2.9) konnten demnach noch nicht zum Tragen kommen. Dieser Umstand führt
indes nicht zwangsläufig zu einer neuen Begutachtung. Es wäre nicht verhältnismässig,
wenn nach den alten Regeln eingeholte Gutachten ungeachtet ihrer jeweiligen
Überzeugungskraft den Beweiswert einbüssten (BGE 137 V 266 E. 6). Allerdings ist
dem Umstand, dass ein nach altem Standard in Auftrag gegebenes Gutachten eine
massgebende Entscheidungsgrundlage bildet, unter Umständen bei der
Beweiswürdigung Rechnung zu tragen. In dieser speziellen Übergangssituation lässt
sich die beweisrechtliche Situation der versicherten Person mit derjenigen bei
versicherungsinternen medizinischen Entscheidungsgrundlagen vergleichen. In solchen
Fällen genügen schon relativ geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit
der ärztlichen Feststellungen, um eine (neue) Begutachtung anzuordnen (Urteil des
Bundesgerichts vom 17. September 2012, 9C_148/2012, E. 1.3 f. mit Hinweisen).
3.2 Zunächst wendet die Beschwerdeführerin gegen das Gutachten ein, der Experte
habe die Frage nach der Arbeitsfähigkeit nicht aufgrund eigener Beurteilung, sondern
aufgrund des Resultats der (unbrauchbaren) Haushaltsabklärung beantwortet (act. G 1,
S. 7). Der Gutachter habe nur deshalb auf eine Arbeitsfähigkeit von 66% geschlossen,
weil er zwischen der Auffassung von Dr. D._ und dem fehlerhaften Haushaltsbericht
eine vermittelnde Stellung habe einnehmen wollen (act. G 13, S. 2 f.). Dieser Sichtweise
kann nicht gefolgt werden. Das Gutachten stützt sich namentlich auf eine eingehende
Anamneseerhebung und eigene umfassende, u.a. auch bildgebende (vgl. zur MRT-
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HWS vom 28. Januar 2011 sowie zu den weiteren gesichteten Röntgenbildern act.
G 4.52-4 und -5), Abklärungen. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit beruht auf
plausiblen Erwägungen des Gutachters. Dass er sich dabei in sachlich nicht
gerechtfertigter Weise von den Ergebnissen der Haushaltsabklärung leiten liess, ist
nicht ersichtlich. Damit geht einher, dass sich der Gutachter nicht bei der Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit zu den Ergebnissen der Haushaltsabklärung äussert, sondern erst
nach deren Vornahme im Rahmen der Begründung seiner davon abweichenden
Beurteilung (act. G 4.52-6).
3.3 Die Beschwerdeführerin hält die gutachterlichen Aussagen, wonach sie zu 67%
"mehrheitlich im Sitzen" arbeiten könne bzw. "auch im Sitzen ... für die Knie das Ver
harren in der gleichen Stellung ungünstig" sei, für widersprüchlich (act. G 1, S. 7).
Vorab ist darauf hinzuweisen, dass der Gutachter betreffend die Anforderung des
mehrheitlichen Sitzens anfügte, dass "zwischendurch auch Positionswechsel möglich"
sein sollten, womit er gerade der späteren Aussage Rechnung getragen hat, dass "das
Verharren in gleicher Stellung" auch im Sitzen ungünstig sei (act. G 4.52-6). Ein Mangel
an der gutachterlichen Begründung ist daher nicht ersichtlich. Dies umso weniger, als
auch Dr. G._ im Bericht vom 27. Mai 2010 rein "sitzende" und wechselbelastende
Tätigkeiten für zumutbar hielt (act. G 4.46).
3.4 Schliesslich sieht die Beschwerdeführerin die Beweiskraft des Gutachtens durch
die davon abweichenden Beurteilungen der behandelnden Ärzte erschüttert, mit denen
sich der Gutachter nicht auseinandergesetzt habe (act. G 1, S. 8, und act. G 13, S. 3).
3.4.1 Dr. E._ bescheinigte im Bericht vom 8. Dezember 2009 - von dem der
Gutachter Kenntnis nahm (act. G 4.52-3) - lediglich für die angestammte Tätigkeit eine
50%ige Arbeitsunfähigkeit. Kniebelastende Tätigkeiten sollten vermieden werden. Rein
sitzende Tätigkeiten sowie die Rotation im Sitzen/Stehen hielt er ohne Angabe einer
quantitativen Einschränkung für zumutbar (act. G 4.31-5). Aus dem Bericht von
Dr. E._ ergeben sich keine objektiven Gesichtspunkte, die der Gutachter bei seiner
Einschätzung ausser Acht gelassen hätte.
3.4.2 Aus den kurz begründeten Berichten von Dr. D._ vom 17. Oktober 2009 (worin
leidensangepasste Tätigkeiten während vier Stunden täglich als zumutbar betrachtet
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wurden, act. G 4.21-5) und vom 4. Juni 2010 (worin leidensangepasste Tätigkeiten
während zwei Stunden täglich als zumutbar angesehen wurden, act. G 4.47) ergeben
sich keine objektiven Gesichtspunkte, die der Gutachter ausser Acht gelassen hätte.
Hinzu kommt, dass es nicht nachvollziehbar ist, wenn Dr. D._ im Verlaufsbericht vom
4. Juni 2010 für leidensangepasste Tätigkeiten die gleiche Einschränkung bescheinigt
wie für die angestammte Reinigungstätigkeit. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass
Dr. D._ am 2. Juli 2009 noch davon ausgegangen war, es liege kein stabiler Zustand
vor, der eine Rente begründen würde (Schreiben vom 2. Juli 2009, act. G 4.37-11). Die
Einschätzungen von Dr. D._ waren dem Gutachter des Weiteren bekannt. Dieser
begründete allerdings seine davon abweichende Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht (act.
G 4.52-6). Dies vermag vorliegend indessen die Beweiskraft des Gutachtens nicht zu
erschüttern, waren doch die von Dr. D._ vorgenommenen
Arbeitsfähigkeitsschätzungen weder näher begründet noch stützten sie sich auf
Aspekte, die der Gutachter unberücksichtigt gelassen hätte. Einer eigentlichen
Auseinandersetzung waren sie deshalb nicht zugänglich.
3.4.3 Was den Bericht von Dr. G._ vom 27. Mai 2010 anbelangt, so ist mit den
Parteien festzustellen, dass die darin enthaltenen Angaben widersprüchlich sind. So
gab Dr. G._ bezogen auf die zuletzt ausgeübte Reinigungstätigkeit an, dass die
hierfür bestehende Arbeitsfähigkeit wegen der Gonarthrose ca. 30% betrage (act.
G 4.46-3). Die Frage, in welchem Umfang eine behinderungsangepasste Tätigkeit der
Beschwerdeführerin zumutbar sei, beantwortete er wie folgt: "Ca. 30% der Tätigkeit
sind leistbar, wenn voll belastet werde" (act. G 4.46-4). Bei der detaillierten Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten bescheinigte er lediglich
hinsichtlich rein stehender Tätigkeiten, vorwiegend im Gehen ausgeübter Tätigkeiten,
Tätigkeiten mit Kauern, Knien, auf Leitern/Gerüste sowie Treppen steigen eine
eingeschränkte Arbeitsfähigkeit von 30%. Für die übrigen Tätigkeiten wie etwa rein
sitzende Tätigkeiten oder wechselbelastende Tätigkeiten bestätigte er keine
quantitativen Beeinträchtigungen (act. G 4.46-5). Dem Gericht erscheint es mit der
Beschwerdegegnerin (act. G 4) bei näherer Betrachtung des Berichts und im Kontext
der darin enthaltenen Ausführung überwiegend wahrscheinlich, dass sich die
bescheinigte 30%ige Restarbeitsfähigkeit lediglich auf die zuletzt ausgeübte,
kniebelastende Reinigungstätigkeit bezieht. Hierfür spricht einerseits, dass die
bescheinigte Arbeitsfähigkeit unter Ziffer 1.7 des Berichts sowohl für die zuletzt
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ausgeübte wie für eine behinderungsangepasste Tätigkeit mit der exakt gleichen
Quantität umschrieben wird und bei der Antwort zur behinderungsangepassten
Tätigkeit der Zusatz "wenn voll belastet wird" (act. G 4.46-5) gemacht wurde. Es ist
aber nicht nachvollziehbar, weshalb in einer den Knieleiden angepassten Tätigkeit die
gleich hohe Arbeitsunfähigkeit bestehen soll wie in einer kniebelastenden Tätigkeit.
Dies deutet darauf hin, dass Dr. G._ die letzte Frage der Ziffer 1.7 - deren Fragen sich
abgesehen von der letzten auf die angestammte Tätigkeit beziehen (act. G 4.46-4)-
wohl dahingehend missverstand, als er sich auch hier zur zuletzt ausgeübten Tätigkeit
äussert. Selbst wenn im Übrigen von einer bestätigten 30%igen Restarbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten ausgegangen würde, würde dies keine Zweifel am
Gutachten von Dr. H._ entstehen lassen, da sich aus den Ausführungen von
Dr. G._ keine objektiven Gesichtspunkte ergeben, die Dr. H._ ausser Acht gelassen
hätte. Solche werden denn auch nicht von der Beschwerdeführerin benannt. Zudem
handelt es sich bei Dr. G._ um den für das Venenleiden zuständigen Chirurgen und -
entgegen verschiedener Annahmen in den Akten - nicht um einen Orthopäden. Die
Varikosis selbst hat jedoch - auch nach Meinung des Hausarztes Dr. D._ - keinen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (vgl. act. G 4.47-1).
3.4.4 Zwar hatte Dr. H._ offenbar keine Kenntnis vom Bericht von Dr. G._ vom
27. Mai 2010. Zumindest wird dieser Bericht in seinem Gutachten nicht aufgeführt. Mit
Blick darauf, dass Dr. H._ sämtliche übrigen relevanten Akten berücksichtigte (act.
G 4.52-3 f.), sich aus dem Bericht von Dr. G._ keine davon abweichenden objektiven
Aspekte ergeben und das Gutachten auf umfassenden eigenen Untersuchungen
gründet, stellt die Unkenntnis des Berichts von Dr. G._ lediglich einen nicht
wesentlichen formellen Mangel dar, der für sich allein keine Zweifel an der
gutachterlichen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit entstehen lässt, umso mehr als es sich
bei Dr. G._ nicht um einen orthopädischen, sondern um einen auf Gefässchirurgie
spezialisierten Facharzt handelt.
3.5 Nach dem Gesagten ist gestützt auf die gutachterliche Beurteilung davon auszu
gehen, dass die Beschwerdeführerin für eine leidensangepasste Tätigkeit über eine
aufgerundet 67%ige Restarbeitsfähigkeit verfügt.
4.
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Aus den Akten ergibt sich (act. G 4.45-3) und ist im Übrigen von den Parteien
unbestritten, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall weiterhin zu 70% einer
Erwerbstätigkeit nachgegangen und zu 30% im Haushalt tätig gewesen wäre.
5.
In einem ersten Schritt ist gestützt auf die gutachterlich bescheinigte
Restarbeitsfähigkeit von aufgerundet 67% der Invaliditätsgrad für den Erwerbsbereich
zu ermitteln.
5.1 Vorliegend ist zu beachten, dass die Beschwerdegegnerin die vom Bundesgericht
praktizierte - vom hiesigen Gericht kritisierte (vgl. etwa Urteil des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen vom 9. August 2005, IV 2005/21) - sogenannte gemischte
Methode zur Invaliditätsbemessung vornahm (vgl. hierzu BGE 131 V 51). Bei deren
Anwendung wird zur Bestimmung der Vergleichseinkommen auf dasjenige
Erwerbspensum abgestellt, das die versicherte Person im Gesundheitsfall ausüben
würde. Im Gegensatz zur Praxis etwa in der Unfallversicherung wird damit nach der
bundesgerichtlichen Methode bei teilzeitlich Erwerbstätigen das Valideneinkommen im
Bereich der Invalidenversicherung nicht auf ein 100%iges Pensum aufgerechnet, was
auch unter dem Blickwinkel des Grundsatzes der Einheitlichkeit der
Invaliditätsbemessung (vgl. hierzu BGE 126 V 291 E. 2a) nicht unbedenklich scheint.
5.2 Da sowohl das Valideneinkommen als auch die Grundlage zur Bemessung des
Invalideneinkommens nicht bestritten sind und sich aus den Akten auch keine
Berechnungsfehler ergeben (vgl. hierzu Feststellungsblatt vom 16. Juni 2011, act.
G 4.56), kann an den entsprechenden Beträgen festgehalten werden. Zu korrigieren ist
einzig ein offensichtlicher Verschrieb beim Valideneinkommen. Gemäss IK-Auszug
betrug das Einkommen der Beschwerdeführerin im Jahr 2008 Fr. 36'568.-- (vgl. act.
G 4.14-2). Zu prüfen bleibt die Höhe des Tabellenlohnabzugs.
5.3 Nach der Rechtsprechung hängen die Fragen, ob und in welchem Ausmass
Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen
Umständen des konkreten Einzelfalles ab (etwa leidensbedingte Einschränkung, Alter,
Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach
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pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind, wobei der maximal zulässige
Abzug auf 25% festzusetzen ist. Eine schematische Vornahme des Tabellenlohnabzugs
ist unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b und 129 V 481 E. 4.2.3 mit Hinweisen).
5.4 Vor allem mit Blick auf die verbliebene Restarbeitsfähigkeit von 67%, auf das nicht
weitgehend eingeschränkte Spektrum an zumutbaren Tätigkeiten (zu den
Anforderungen an leidensangepasste Tätigkeiten vgl. act. G 4.52-6) und auf das noch
nicht fortgeschrittene Alter der Beschwerdeführerin (geboren 1970, act. G 4.2),
erscheint der von der Beschwerdegegnerin gewährte Tabellenlohnabzug von 10% den
Umständen angemessen. Zwar fiele auch eine Erhöhung auf 15% in Betracht.
Allerdings würde selbst ein 15%iger Tabellenlohnabzug nicht zu einem
rentenbegründenden Invaliditätsgrad führen.
5.5 Für den Erwerbsbereich ist daher in Nachachtung der höchstrichterlichen
Rechtsprechung zur gemischten Methode unter Verweis auf die von der
Beschwerdegegnerin vorgenommene Berechnung (vgl. act. G 4.56-2) sowie in
Berücksichtigung des um Fr. 1'000.-- höheren Valideneinkommens und eines max.
15%igen Tabellenlohnabzugs von einem Invaliditätsgrad von aufgerundet max. 20%
bzw. von einem an das Pensum gewichteten Invaliditätsgrad von gerundet max. 14%
(zu den Rundungsregeln vgl. BGE 130 V 121 ff.) auszugehen.
6.
In einem zweiten Schritt ist der Invaliditätsgrad im Haushaltsbereich zu bestimmen.
Vorliegend erscheint zwar in der Tat fraglich, ob die Beschwerdeführerin selbst unter
Einbezug der angerechneten Mithilfe durch die Verwandten lediglich zu 10,49% im
Haushalt eingeschränkt ist, da die meisten der im Haushalt zu verrichtenden
Tätigkeiten gerichtsnotorisch wohl kaum sitzend erledigt werden können bzw. nicht
leidensangepasst sind. Die Frage der exakten Bestimmung kann indessen offen
bleiben. Denn selbst wenn zugunsten der Beschwerdeführerin von einer 50%igen
Invalidität im Haushaltsbereich ausgegangen würde, resultierte für diesen Bereich ein
gewichteter Invaliditätsgrad von höchstens 15% (50% x 30%), der unter
Berücksichtigung des für den Erwerbsbereich ermittelten gewichteten Invaliditätsgrads
von max. 14% (vgl. vorstehende E. 5.5) zu einem nicht rentenbegründenden
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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St.Galler Gerichte
Gesamtinvaliditätsgrad von 29% (15% + 14%) führen würde. Damit erweist sich die
verfügte Rentenabweisung als richtig.
7.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG).
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Ange
legenheit als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind sie
vollumfänglich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss
von Fr. 600.-- ist ihr daran anzurechnen. Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39