Decision ID: 2623c08a-c890-43c4-bce5-96f8959a9949
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Manfred Dähler, Poststrasse 12, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ hat keinen Beruf erlernt und war seit 1995 bei der B._ als Mitarbeiterin in
der Hausbäckerei tätig (IV-act. 5 und 9). Am 27. Oktober 2005 erlitt sie einen
Verkehrsunfall, wobei sie als Fussgängerin von einem Personenwagen erfasst und
einige Meter weit weggeschleudert wurde (vgl. Unfallprotokoll der Stadtpolizei St.
Gallen vom _. November 2005; act. G 4.2). Dabei erlitt sie eine RQW frontal und
Nasenrücken sowie diverse Prellungen und Schürfwunden (IV-act. 6-5 f.). Die SUVA
stellte ihre Leistungen per 31. Juli 2006 ein, da keine Unfallfolgen mehr vorlagen und
die Adäquanz der psychogenen Störungen verneint wurde (vgl. Einspracheentscheid
der SUVA vom 6. September 2007; act. G 4.2).
A.b Am 7. Januar 2007 meldete sich die Versicherte bei der IV-Stelle des Kantons St.
Gallen zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (berufliche Integration,
Rente) an (IV-act. 1). Die Klinik Valens bestätigte bei der Versicherten eine
posttraumatische Belastungsstörung mit bedeutsamer depressiv ängstlicher
Komorbidität, ein cervicobrachiales Syndrom linksseitig sowie ein
Lumbovertebralsyndrom (Bericht vom 12. Februar 2007; IV-act. 10-1 f.).
A.c Die IV-Stelle holte daraufhin beim Ärztlichen Begutachtungsinstitut GmbH (ABI),
Basel, ein internistisches, psychiatrisches und neurologisches Gutachten ein. Das
Gutachten ergab lediglich aus psychiatrischer Sicht eine Krankheit mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit - diagnostiziert wurden Angst und depressive Störung gemischt
(ICD-10 F41.2). Insgesamt sei die Versicherte zu 80% arbeitsfähig (ABI-Gutachten vom
14. Februar 2008; IV-act. 28).
A.d Gestützt auf das ABI-Gutachten wies die IV-Stelle das Rentenbegehren mit Ver
fügung vom 11. September 2008 ab (IV-act. 48). Die Verfügung blieb unangefochten.
B.
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B.a Am 7. Januar 2011 meldete sich die Versicherte wegen psychischen Beschwerden
erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (IV-act. 55). Der Regionale Ärztliche
Dienst (RAD), namentlich Dr. med. C._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, hielt nach Rücksprache mit dem Psychiatrischen Zentrum D._ eine
posttraumatische Belastungsstörung, vermutlich bei prämorbider
Persönlichkeitsstruktur, fest. Die Versicherte habe sich bei scheinbar vorherrschenden
unbewussten Widerständen in völliger Passivität verloren (FI-Gesprächsprotokoll RAD
vom 25. Januar 2011; IV-act. 67). In einer weiteren Aktennotiz bemerkte Dr. C._, dass
wegen der Passivität kein Eingliederungspotential auszumachen sei (Aktennotiz vom
25. Januar 2011; IV-act. 65).
B.b Die IV-Stelle stellte daraufhin fest, dass bei der Versicherten keine beruflichen
Massnahmen möglich seien. Es werde daher der Anspruch auf eine Rente geprüft
(Mitteilung vom 30. März 2011; IV-act. 78). Sie holte in der Folge weitere Arztberichte
ein (Bericht der Psychiatrischen Klinik E._ vom 14. Juli 2011; IV-act. 80) und
beauftragte Dr. med. F._, Arzt für Neurologie und Psychiatrie, mit einer
neurologischen und psychiatrischen Begutachtung. Dr. F._ stellte nach seiner
Untersuchung eine Verschlechterung des Gesundheitszustands der Versicherten fest
und attestierte ihr eine (Rest-) Arbeitsfähigkeit von 40% - angestammt, adaptiert und
im Haushalt. Er wies zugleich darauf hin, dass zumindest ein Teil der vorgetragenen
und demonstrierten Beschwerden als Aggravation oder Simulation zu bewerten sei
(Gutachten vom 21. November 2011; IV-act. 86). Am 20. Januar 2012 beantwortete Dr.
F._ Zusatzfragen des RAD (IV-act. 89).
B.c Nach erfolgtem Vorbescheid vom 7. August 2012 (IV-act. 95) und dagegen
erhobenem Einwand vom 28. August 2012 (IV-act. 96) bzw. 17. September 2012 (IV-
act. 99) wies die IV-Stelle mit Verfügung vom 16. Oktober 2012 einen Rentenanspruch
ab (IV-act. 100).
C.
C.a Mit Eingabe vom 19. November 2012 erhebt die Beschwerdeführerin gegen die
Verfügung vom 16. Oktober 2012 Beschwerde und beantragt, die Verfügung sei
aufzuheben und es sei ihr eine Invalidenrente auszurichten. Eventualiter sei die
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Angelegenheit zur Zusprache einer Invalidenrente an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zudem beantragt sie eine
mündliche Verhandlung (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 12. Dezember 2012 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Eventualiter sei bei der
Beschwerdeführerin eine psychiatrische Begutachtung durchzuführen (act. G 4).
C.c Mit Präsidialentscheid vom 14. Dezember 2012 gewährt das Versicherungsgericht
der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den
Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das
vorliegende Verfahren (act. G 5).
C.d Mit Replik vom 28. Januar 2013 hält die Beschwerdeführerin an ihren Begehren
und Ausführungen fest (act. G 7). Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik
verzichtet (act. G 9).
C.e Mit Schreiben vom 18. März 2015 verzichtet die Beschwerdeführerin auf eine
mündliche Verhandlung (act. G12).

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente.
Dabei stellt sich die Frage, ob die im Rahmen des Wiederanmeldeverfahrens
ergangene Abweisung des Leistungsbegehrens zu Recht erfolgte.Ausschlaggebende
und vorliegend besonders umstrittene medizinische Grundlage ist das Gutachten von
Dr. F._ vom 21. November 2011 (IV-act. 86) bzw. sein Ergänzungsbericht vom 20.
Januar 2012 (IV-act. 89).
1.1 Die Beschwerdegegnerin weist einen Rentenanspruch ab, obwohl Dr. F._ die
Arbeitsunfähigkeit auf 60% einschätzte. Sie verweist dabei auf die im Gutachten
deutlich festgestellte Aggravation und Simulation seitens der Beschwerdeführerin.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sei der invalidisierende Charakter einer
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Diagnose von vornherein ausgeschlossen oder stark zu relativieren, wenn die
präsentierte Symptomatik auf einer Aggravation oder ähnlicher Konstellation beruhe.
Wenn Dr. F._ geltend mache, er habe den Anteil der Simulation bei der
Arbeitsfähigkeitsschätzung ausgeklammert, so sei dies vor dem Hintergrund, dass die
Beschwerdeführerin bei der gesamten psychiatrischen Exploration ihr Verhalten
willentlich gesteuert und etwas vorgespielt habe, nicht nachvollziehbar (act. G 4).
1.2 Die Beschwerdeführerin macht zunächst eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
geltend. Die Beschwerdegegnerin habe sich mit ihren Argumenten aus dem
Einwandschreiben nicht ernstlich auseinandergesetzt. Die Begründung in der
angefochtenen Verfügung sei zudem mangelhaft. Insbesondere sei die Feststellung
fehlerhaft, dass der medizinische Sachverhalt aus juristischen Gründen nicht
berücksichtigt werden könne. Wenn dem so wäre, müsste die Beschwerdegegnerin
weitere medizinische Abklärungen vornehmen und nicht bloss die von ihr beauftragte
Expertise von Dr. F._ und die damit übereinstimmende Meinung des RAD als
unverwertbar erklären. Dr. F._ habe jedoch die Restarbeitsfähigkeit ausdrücklich
unter Berücksichtigung der Aggravation bzw. Simulation eingeschätzt. Es sei zudem
nicht mit genügender Beweissicherheit abgeklärt oder dargetan, ob überhaupt eine
Aggravation tatsächlich vorliege (act. G 1).
2.
Zu prüfen ist vorab, ob eine Verletzung des rechtlichen Gehörs vorliegt. Die
Beschwerdeführerin beanstandet, dass ihr Einwand vom 17. September 2012 (IV-act.
99) in der angefochtenen Verfügung vom 16. Oktober 2012 (IV-act. 100) nicht ernsthaft
berücksichtigt worden sei.
2.1 Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der
Schweizerischen Bundesverfassung; Art. 42 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Teil des rechtlichen
Gehörs ist der Anspruch der Parteien auf Begründung von Verfügungen (sog.
Begründungspflicht; Art. 49 Abs. 3 ATSG). Der Versicherungsträger ist mithin
verpflichtet, sich mit den Vorbringen der Parteien inhaltlich auseinanderzusetzen und
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seine Überlegungen wenigstens kurz zu begründen (vgl. Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 2. Aufl., Art. 42 N 5 und Art. 49 N 37 f.).
2.2 In ihrem Einwand weist die Beschwerdeführerin darauf hin, dass die
medizinischen Akten eine Einschränkung von 60% attestieren würden und sie daher
Anspruch auf eine Invalidenrente habe. Die Einwände des Rechtsdienstes der
Beschwerdegegnerin seien dagegen unsubstanziiert und könnten nicht relevant sein.
Inwiefern die Stellungnahme des Rechtsdienstes unsubstanziiert sein soll, führt sie
indes nicht weiter aus (vgl. IV-act. 99). Die Beschwerdegegnerin nimmt in der
angefochtenen Verfügung auf den Einwand ausdrücklich Bezug, hält aber an der
Stellungnahme ihres Rechtsdienstes vom 6. März 2012 (IV-act. 91) ausdrücklich fest.
Das psychiatrische Gutachten (von Dr. F._) ergebe keine verwertbaren Erkenntnisse
für eine Arbeitsfähigkeitsschätzung. Die Ergebnisse der medizinischen Untersuchung
beruhten insbesondere auf einer Aggravation seitens der Beschwerdeführerin (IV-act.
100).
2.3 Da die Beschwerdeführerin ihre Beanstandung gegen die Stellungnahme des
Rechtsdienstes nicht weiter ausführte, war der Hinweis in der Verfügung, dass an der
Stellungnahme des Rechtsdienstes festgehalten werde, ausreichend. Eine Verletzung
der Begründungspflicht und damit des rechtlichen Gehörs liegen somit nicht vor.
3.
3.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Sie kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor,
wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
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3.2 Anspruch auf eine Rente haben Versicherte, die a. ihre Erwerbsfähigkeit oder die
Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können; b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) sind; und c. nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens
40% invalid (Art. 8 ATSG) sind (Art. 28 Abs. 1 IVG).
3.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung bzw. das Gericht
auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute
zur Verfügung stellen. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeit die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
256 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise
begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a).
3.4 Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so ist
nach Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201)
eine neue Anmeldung nur zu prüfen, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser
Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass
sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
3.5 Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell
abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft
gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat
demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG
vorzugehen (vgl. BGE 130 V 71). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der
früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das
neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte
Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen,
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und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle
Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 130 V 71 E. 3.2.2. f., 117 V 198 E. 3a).
4.
4.1 Die erste Anmeldung der Beschwerdeführerin zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung wurde von der Beschwerdegegnerin rechtskräftig abgewiesen
(vgl. IV-act. 48). Auf die erneute Anmeldung vom 7. Januar 2011 ist die
Beschwerdegegnerin materiell eingetreten und hat das Leistungsbegehren erneut
abgewiesen. Es gilt somit zu prüfen, ob sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin insoweit verschlechtert hat, dass nunmehr ein Anspruch auf eine
Rentenleistung besteht.
4.2 Ob eine Änderung bzw. Verschlechterung eingetreten ist, beurteilt sich durch
Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der letzten, der versicherten Person
eröffneten rechtskräftigen Verfügung vorlag, mit demjenigen zur Zeit der streitigen
Revisionsverfügung respektive des Einspracheentscheids (BGE 133 V 108 E. 5.4).
Zeitliche Anhaltspunkte im vorliegenden Verfahren sind demnach einerseits
(nachfolgend E. 5) die rechtskräftige Verfügung vom 11. September 2008 (IV-act. 48)
und andererseits (nachfolgend E. 6) die Entwicklung des Gesundheitszustands bis zur
vorliegend angefochtenen Verfügung vom 16. Oktober 2012 (IV-act. 100).
5.
Bei Erlass der Verfügung vom 11. September 2008 präsentierte sich der medizinische
Sachverhalt im Wesentlichen wie folgt:
5.1 Nach dem Verkehrsunfall vom 27. Oktober 2005 wurde die Beschwerdeführerin in
der Klinik für Chirurgie der Spitalregion St. Gallen Rorschach stationär behandelt. Die
behandelnden Ärzte stellten folgende Verletzungen fest: RQW frontal und
Nasenrücken; Kontusion oberer Hemithorax rechts; Kontusion rechte Hand; Kontusion
Kniegelenke beidseits; und Schürfwunden rechter Unterschenkel am Malleolus medial.
Nach Besserung der Schmerzsymptomatik wurde die Beschwerdeführerin am 30.
Oktober 2005 wieder entlassen (Bericht vom 2. November 2005; IV-act. 6-5 f.).
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5.2 Nach einer ersten psychiatrischen Behandlung im Psychiatrischen Zentrum D._
(siehe Bericht vom 6. Februar 2006; IV-act. 104-4 f.) begab sich die
Beschwerdeführerin vom 11. April bis 2. Mai 2006 zur stationären Behandlung in die
Klinik Valens. Die behandelnden Ärzte der Klinik stellten fest, dass sich bei der
Beschwerdeführerin nach dem Unfall eine ausgeprägte phobische Ängstlichkeit mit der
Notwendigkeit einer psychiatrischen Mitbetreuung entwickelt habe. Nebst dem
Angstgefühl leide sie auch an Schmerzen im Bereich des Bewegungsapparates. Aus
psychiatrischer Sicht sei die Beschwerdeführerin zur Zeit 100% arbeitsunfähig; die
weitere Entwicklung müsse vom nachbehandelnden Psychiater beurteilt werden. Aus
somatischer Sicht sei nach Besserung der psychiatrischen Symptomatik eine
Wiedereingliederung in die bisherige Tätigkeit (Bäckerei) zu 50% zumutbar. Die Ärzte
stellten folgende Diagnosen: Posttraumatische Belastungsstörung mit bedeutsamer
depressiv ängstlicher Komorbidität; cervicobrachiales Syndrom linksseitig; und
Lumbovertebralsyndrom mit ausstrahlenden Schmerzen ins linke Bein ohne radikuläre
Symptomatik (Bericht vom 11. Mai 2006; IV-act. 10-6 ff.).
5.3
5.3.1 Die Beschwerdeführerin wurde nach dem Unfall auch vom
Traumatherapeuten Dr. phil. G._ ambulant behandelt. Nachdem der
Rehabilitationsaufenthalt in der Klinik Valens keine durchschlagende Besserung der
Symptomatik gebracht hatte, wies Dr. G._ die Beschwerdeführerin der Klinik für
Psychiatrie und Psychotherapie H._ zu einer weiteren stationären Behandlung zu. Die
Hospitalisation in dieser Klinik dauerte vom 26. Juni bis 26. Oktober 2006 (Bericht vom
26. Oktober 2006; IV-act. 33).
5.3.2 Bei Eintritt stellten die Ärzte fest, dass die Beschwerdeführerin von einem
vielschichtigen posttraumatischen Zustandsbild mit lebenseinschränkender
konstriktiver Symptomatik, erhöhter Schreckhaftigkeit, Intrusionen, intermittierenden
Angst- und Panikattacken, Albträumen, dissoziativen Bewegungsstörungen,
undifferenzierten Schmerzen sowie sozialen Rückzugstendenzen dominiert werde.
Darüber hinaus sei es im letzten Jahr zur Entwicklung intermittierender depressiver
Episoden gekommen. Der Verlauf habe gezeigt, dass momentan andere
intrapsychische Konflikte (wie die Herkunftsfrage und für die Beschwerdeführerin
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belastende familiäre Strukturen, Einzug der zukünftigen Schwiegertochter in die
gemeinsame Wohnung) im Vordergrund zu stehen schienen. Es verhärte sich die
Hypothese des Bindungsversuches der Beschwerdeführerin an den Sohn unter
Zuhilfenahme des Unfalles und der ausgelösten Regression. Im Ergebnis stellten die
Ärzte fest, dass es aus psychiatrisch-medizinischer Sicht keine Gründe gäbe, die
gegen eine berufliche Wiedereingliederung sprechen würden. Beim Austritt bestätigten
die Ärzte die Diagnosen der Klinik Valens (vgl. vorstehende E. 5.2).
5.4
5.4.1 Massgeblicher Arztbericht bei Erlass der ersten Verfügung vom 11.
September 2008 war das ABI-Gutachten vom 14. Februar 2008 (IV-act. 28). Dieses
wurde aufgrund einer internistischen, psychiatrischen und neurologischen
Untersuchung erstellt. Aus neurologischer und allgemeinmedizinischer Sicht konnten
die Gutachter keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit feststellen. Aus
psychiatrischer Sicht attestierten die Ärzte eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von
20%. Diese sei bedingt durch eine ängstlich-depressive Störung, welche zugleich als
einzige Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt wurde (Angst und
depressive Störung gemischt, ICD-10 F41.2). Die (ängstlich-depressive) Störung sei
indes nur geringgradig. Eine schwere depressive Störung liege nicht vor.
5.4.2 Die ABI-Gutachter wiesen ferner darauf hin, dass zwischen ihrer Beurteilung
und der Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin eine deutliche Diskrepanz
bestehe. Die Beschwerdeführerin zeige eine ausgeprägte subjektive
Krankheitsüberzeugung. Sie halte sich daher für gar nicht mehr arbeitsfähig. Ursächlich
für diese Diskrepanz seien wahrscheinlich sowohl die psychiatrischen Diagnosen als
auch invaliditätsfremde Faktoren wie die eher geringen Sprachkenntnisse, die fehlende
Berufsausbildung, der schwierige Arbeitsmarkt und ein wahrscheinlich vorhandener
sekundärer Krankheitsgewinn. Mit ihrer Beschwerde erreiche sie zudem eine hohe
Zuwendung seitens der Familie, teilweise verhindere sie so auch die notwendige
Ablösung von ihrem (inzwischen aus dem Elternhaus ausgezogenen) Sohn.
6.
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Im Zusammenhang mit der Neuanmeldung vom 7. Januar 2011 finden sich in den
Akten folgende (medizinischen) Berichte:
6.1
6.1.1 Das Psychiatrische Zentrum D._ stellte mit Bericht vom 3. August 2010
(IV-act. 56) fest, dass die posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) bei der
Beschwerdeführerin klar als Unfallfolge zum Verkehrsunfall vom 27. Oktober 2005 zu
verstehen sei. Als sekundäre Folge habe sich eine Benzodiazepinabhängigkeit (Störung
durch Sedativa oder Hypnotika: Abhängigkeitssyndrom, ICD-10 F13.2) entwickelt. Die
Benzodiazepinabhängigkeit habe bei ihnen auf der Kurztherapiestation stationär vom
11. September bis 16. Oktober 2009 mit Erfolg behandelt werden können. Seither sei
die Beschwerdeführerin benzodiazepinabstinent. Der psychische Gesundheitszustand
habe sich vor dem 16. Oktober 2009 fluktuierend bis sich verschlechternd gezeigt.
6.1.2 Weiter hielten die Ärzte fest, dass sich bei der Beschwerdeführerin eine
depressive Stimmungslage, rasche Ermüdung, Erschöpfung, Kraftlosigkeit, geringe
Belastbarkeit, Konzentrations- und Merkfähigkeitsschwäche, gesteigerte
Geräuschempfindlichkeit, schwere Ein- und Durchschlafstörungen mit Tagesmüdigkeit,
innere Unruhe und Anspannung zeigten. Sie leide ausserdem unter ausgeprägten
Angst- und Panikzuständen mit Herzklopfen, Zittern, Schweissausbrüchen, Atemnot
und Blockaden. Sie habe am ganzen Körper Schmerzsensationen mit
Bewegungseinschränkung und Parästhesien "Kribbeln wie Ameisen". Es sei ein
deutlicher Ruhetremor der oberen Extremitäten, v.a. des rechten Armes, festzustellen.
Wegen des psychischen Leidens sei die Beschwerdeführerin überhaupt nicht mehr in
der Lage, sich an der Haushaltsführung zu beteiligen. Sie liege überwiegend im Bett
und könne jeweils nur für kurze Zeit aufstehen. Insgesamt sei sie täglich etwa drei
Stunden auf. Seit dem Unfall habe sie auch nicht mehr alleine das Haus verlassen
können.
6.2 Nach der Wiederanmeldung vom 7. Januar 2011 holte die Beschwerdegegnerin
einen Bericht von der Psychiatrischen Klinik E._ ein. Diese hatte die
Beschwerdeführerin wegen leichten bis mittelgradigen depressiven Symptomen und
einem ausgeprägten Vermeidungsverhalten und Angst bereits zweimal stationär
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behandelt (vom 30. Oktober 2009 bis 28. Januar 2010 und vom 2. Mai bis 15. Oktober
2010). In ihrem Bericht vom 14. Juli 2011 diagnostizierte die Klinik eine rezidivierende
depressive Störung (ggw. mittelgradig depressive Episode [ICD-10 F33.11]), DD eine
posttraumatische Belastungsstörung sowie DD eine Somatisierungsstörung bei
Akzentuierung von ängstlich-vermeidenden und histrionischen Persönlichkeitsanteilen.
Das Vermeidungsverhalten der Beschwerdeführerin habe sich für den Alltag als sehr
einschränkend gezeigt. Zudem habe sie grosse Mühe, sich auf eine längerfristige
ambulante Therapie einzulassen. Während der stationären Behandlung seien keine
eindeutigen Anzeichen für eine posttraumatische Belastungsstörung wie Intrusionen
oder Albträume festgestellt worden. Es liege eindeutig eine depressive Symptomatik
vor (IV-act. 80).
6.3
6.3.1 Am 21. November 2011 erstellte Dr. F._ ein neurologisches und
psychiatrisches Gutachten (IV-act. 86). Darin diagnostizierte er eine maladaptive
Krankheitsverarbeitung (ICD10 F54), eine dissoziative Störung (ICD10 F44.9), eine
Somatisierungsstörung (ICD10 F45.0), eine Simulation (ICD10 F48.9) sowie besondere
Persönlichkeitszüge (ICD10 F60.8). Er betonte in seinen Ausführungen wiederholt, dass
die Beschwerdepräsentation beeinflusst sei von Aggravation oder Simulation, die sich
bei den Testungen der Beschwerdevalidität gezeigt hätten.
6.3.2 Beim Test zur Messung des Arbeitsgedächtnisses habe die
Beschwerdeführerin den Wert "sehr niedrig" erreicht. Dies weise entweder auf eine
erworbene Teilleistungsschwäche im Rahmen einer psychischen Störung hin oder aber
sei Ausdruck von verminderter Anstrengungsbereitschaft. Auch ansonsten habe die
Beschwerdeführerin immer wieder ein angestrengtes Nachsinnen auf einfache
biografische Fragen demonstriert. So habe sie auf die Frage des Gutachters, wie viele
Zimmer ihre Wohnung hätte, zunächst sofort den mehrfach demonstrierten ratlosen
Gesichtsausdruck gezeigt. Erst auf die latent vorwurfsvolle Intervention des Gutachters
hin, er könne nicht glauben, dass ihr die Zahl der Zimmer ihrer Wohnung nicht bekannt
sei, habe sie darauf eine klare Antwort gegeben. Auch in den durchgeführten
Beschwerdevalidierungstests habe sie entweder stark den Eindruck von Simulation
vermittelt oder deutliche Hinweise für die Aggravation kognitiver Defizite gezeigt.
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6.3.3 Der Gutachter hielt fest, es ergäben sich in nicht unerheblichem Ausmass
Zweifel an der Plausibilität der vorgetragenen und demonstrierten Beschwerden.
Sowohl die Prüfung auf interne Inkonsistenz wie auf externe Konsistenz würden
teilweise erhebliche Unstimmigkeiten aufweisen. Eine auch nur annähernd genaue
quantitative Abgrenzung des "bewusstseinsnah" verankerten Störungsanteils
("Simulation") gegenüber eher "bewusstseinsfern" gelegenen Störungsanteilen
("Somatisierung". "dissoziative Störung") gelinge gutachterlich nicht. Die
Beschwerdeführerin habe ihn von einem überwiegend oder vollständig
bewusstseinsfern verankerten Störungsbild ("Krankheit") nicht überzeugen können.
6.3.4 I Ergebnis hielt Dr. F._ fest, dass im Vergleich zum ABI-Gutachten (vom
14. Februar 2008; IV-act. 28) mit den aktuell erhobenen Befunden und unter
Berücksichtigung der Aggravation oder Simulation der Beschwerden von einer
Verschlechterung des Gesundheitsschadens der Beschwerdeführerin und einer
Änderung eines grossen Teils der Diagnosen ausgegangen werden könne. Im
Unterschied zu den früheren Ergebnissen müsse nun wohl ein depressives Syndrom
von schwerem Ausprägungsgrad festgestellt werden. Er attestierte daher sowohl in
angestammter Tätigkeit als auch im Haushalt eine Arbeitsfähigkeit von 40%. Eine
besser angepasste Tätigkeit mit resultierend höherer beruflicher Leistungsfähigkeit
könne er nicht benennen (IV-act. 86).
6.4 Die RAD-Ärztin Dr. C._ hielt zum Gutachten von Dr. F._ fest, dass darauf noch
nicht ohne Weiteres abgestellt werden könne. In der Gesamtsicht der Diagnosen und
der Testdiagnostik ergäbe sich zwar ein stimmiges Bild und eine nachvollziehbare
Einschätzung des Gesundheitsschadens und der Arbeitsfähigkeit. Zu bemängeln sei
aber die Übersichtlichkeit und Ausführlichkeit der Diagnostik. Die Befundung sei
mangelhaft. Die diagnostizierten Störungen seien mangelhaft erläutert. Zudem fehle in
der Diagnoseliste die an anderer Stelle ausdrücklich genannte schwergradige
depressive Störung. Deshalb sei eine Rückfrage an Dr. F._ erforderlich (RAD-
Stellungnahme vom 10. Januar 2012; IV-act. 87).
6.5 Mit Ergänzungsbericht vom 20. Januar 2012 (IV-act. 89) erklärte Dr. F._, dass
ihm ein Fehler unterlaufen sei. Die chronifizierte depressive Störung von schwerem
Ausprägungsgrad (ICD10 F32.2) sei in die Diagnosenliste aufzunehmen. Er erwähnte
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ferner, dass die Diagnose der besonderen Persönlichkeitsstruktur aus der Anamnese
und den Beobachtungen in der klinischen und in der Testuntersuchung abgeleitet
worden sei. Eine spezifische Persönlichkeitsdiagnostik sei angesichts der psychischen
Besonderheiten und der soziokulturellen Voraussetzungen nicht möglich. Schliesslich
wies der Gutachter darauf hin, dass in der vorliegenden Konstellation von
soziokulturellem Hintergrund, sprachlichem Ausdruck, besonderem persönlichem
Ausdrucksmodus und fortgeschrittenem sozialmedizinischem Prozess mit
zunehmender Bedeutung sekundärer Gesichtspunkte die Grenzen einer auch nur
annähernd exakten medizinischen gutachterlichen Bildbeurteilung möglicherweise
erreicht seien.
6.6 Die RAD-Ärztin Dr. C._ hielt daraufhin fest, dass bei der Beschwerdeführerin seit
Oktober 2010 ein stabiler, verschlechterter Gesundheitszustand vorliege. Dabei sei
unter anderem ein aktuell schwergradiges depressives Syndrom diagnostiziert worden.
Der Verdacht auf Parkinson könne dagegen aktuell ausgeschlossen werden. Die
gleichzeitig festgestellten Verdeutlichungs- und Aggravationsbemühungen würden in
der gutachterlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit medizintheoretisch
berücksichtigt bzw. subtrahiert (RAD-Stellungnahme vom 24. Februar 2012; IV-act. 90).
6.7 Am 28. Februar 2012 hielt der Rechtsdienst der Beschwerdegegnerin fest, dass
der invalidisierende Charakter von psychiatrischen Diagnosen von vornherein
ausgeschlossen oder stark zu relativieren sei, wenn die präsentierte Symptomatik auf
einer Aggravation oder ähnlichen Konstellationen beruhe. Das Gutachten von Dr. F._
überzeuge nicht. Seine Arbeitsfähigkeitsschätzung könne daher nicht übernommen
werden. Die RAD-Ärztin Dr. C._ erwiderte darauf, dass der Gutachter nachvollziehbar
eine zum Teil bewusstseinsnahe, zum Teil aber auch bewusstseinsferne
Dramatisierung beschreibe und auch, dass in der vorliegenden Konstellation eine
annähernd exakte gutachterliche Bildbearbeitung nicht ausreichend sicher möglich sei.
Trotz der diagnostizierten schweren depressiven Störung sei deshalb immerhin noch
eine Arbeitsfähigkeit von 40% eingeschätzt worden (IV-act. 91). Der Rechtsdienst der
Beschwerdegegnerin stellte daraufhin fest, dass die RAD-Stellungnahme keine neuen
Gesichtspunkte enthalte. Es sei von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen (IV-act.
91).
7.
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7.1 Aus den medizinischen Berichten ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin
Beschwerden (zumindest unbewusst) durch Aggravation verdeutlicht oder gar durch
Simulation vorgetäuscht hat. Dieser Befund ergibt sich aus dem Gutachten von Dr.
F._ (vgl. vorstehende E. 6.3). Bereits in früheren Untersuchungen durch das ABI (vgl.
vorstehende E. 5.4) und der Klinik H._ (vgl. vorstehende E. 5.3) waren
Verdeutlichungstendenzen festgestellt worden.
7.2 Eine auf Aggravation beruhende Leistungseinschränkung stellt regelmässig keine
versicherte Gesundheitsschädigung dar. Eine solche Ausgangslage ist etwa gegeben,
wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem
gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben
werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung
und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den
Sachverständigen unglaubwürdig wirken; schwere Einschränkungen im Alltag
behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist (BGE 131 V
49 E. 1.2 mit Hinweisen).
7.3 Dr. F._ hat in der Begutachtung eindeutige Hinweise auf Aggravation und
Simulation festgestellt. Zudem hat er festgehalten, dass ihn die Beschwerdeführerin
von einem überwiegend oder vollständig bewusstseinsfern verankerten Störungsbild
nicht habe überzeugen können. Die von ihm dennoch festgelegte Arbeitsunfähigkeit
von 60% gestützt auf ein "jetzt wohl" bestehendes depressives Syndrom von
schwerem Ausprägungsgrad überzeugt nicht. Zum einen hat die Klinik E._, wo sich
die Beschwerdeführerin zweimal mehrmonatig stationär aufgehalten hat, lediglich
jeweils leichte bis mittelgradige depressive Symptome festgestellt (vgl. IV-act. 80-1). Zu
Recht ist daher die RAD-Ärztin zunächst von keinen relevanten neuen psychiatrischen
Befunden gegenüber dem ABI-Gutachten ausgegangen (vgl. IV-act. 81). Zum anderen
scheint sich die Diagnose des Vorliegens eines schweren depressiven Syndroms zur
Hauptsache auf den Hamilton-Test abzustützen (vgl. IV-act. 86-9), was im vorliegenden
Fall, wo die Beschwerden eindeutig übertrieben dargestellt werden, nicht als
ausreichende Grundlage erscheint. Wenn der Gutachter in seinem Ergänzungsbericht
darauf hinweist, dass die Grenzen einer klaren Beurteilung möglicherweise erreicht
seien (IV-act. 89), führt dies unter Berücksichtigung der Aggravation und Simulation
einerseits und des ausgewiesenen sekundären Krankheitsgewinns andererseits dazu,
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dass eine allfällige Verschlechterung des Gesundheitszustands bzw. der medizinisch-
theoretischen Arbeitsfähigkeit beweislos bleibt.
7.4 Im Ergebnis ist damit festzustellen, dass bei dem von der Beschwerdeführerin
gezeigten regressiven und appellativen (aggravierenden) Verhalten, das - wie auch von
der Klinik H._ und dem ABI beschrieben - seinen Grund im familiären Gefüge und
soziokulturellen Gegebenheiten haben dürfte, die Diagnose einer chronifizierten
Depression schweren Grades mit konsekutiver Arbeitsfähigkeit von noch 40% nicht zu
überzeugen vermag. Eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustands im
Nachgang zum ABI-Gutachten bleibt vielmehr beweislos. Daran können auch weitere
medizinische Abklärungen nichts ändern. Der Rentenantrag der Beschwerdeführerin ist
daher zufolge Beweislosigkeit der von ihr behaupteten Arbeitsunfähigkeit zu Recht
abgelehnt worden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. August 2008, 9C_164/08, E.
4.3).
8.
8.1 Damit ist die Beschwerde abzuweisen.
8.2 Der Beschwerdeführerin wurde die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt (act. G 5).
Es ist darauf hinzuweisen, dass eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege
gewährt wurde, zur Nach- bzw. Rückzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der
Lage ist (Art. 99 Abs. 2 VRP [sGS 951.1] i.V.m. Art. 123 Abs. 1 ZPO [SR 272]).
8.3 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Praxisgemäss ist die Gerichtsgebühr für das
vorliegende Verfahren auf Fr. 600.-- festzulegen und der Beschwerdeführerin
aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu
befreien.
8.4 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
bis
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61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr.
12'000.--. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat keine Kostennote
eingereicht. Aufgrund der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand ist
praxisgemäss von einer Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen
und Mehrwertsteuer) auszugehen. Im Rahmen der unentgeltlichen Prozessführung sind
die Parteikosten um einen Fünftel herabzusetzen (Art. 31 Abs. 3 AnwG; sGS 963.70).
Die Entschädigung durch den Staat beträgt demnach noch Fr. 2'800.--.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP