Decision ID: b22c52b5-5d32-5442-bc1c-f7a2d068791f
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
gegen
RAV St. Gallen, Unterstrasse 4, Postfach, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegner,
vertreten durch Amt für Arbeit, Unterstrasse 22, 9001 St. Gallen,
betreffend
Einstellung in der Anspruchsberechtigung (Arbeitsbemühungen und
arbeitsmarktliche Massnahmen)
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Sachverhalt:
A.
A.a Im Antrag auf Arbeitslosenentschädigung vom 20. Februar 2008 erhob A._ per
1. März 2008 Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung (act. G 7.1/C34; soweit nicht
anders vermerkt, werden im vorliegenden Entscheid die Akten aus dem Verfahren AVI
2009/23 angeführt). Seine bisherige Arbeitgeberin begründete die Kündigung des vom
1. März 2007 bis 29. Februar 2008 dauernden vollzeitlichen Arbeitsverhältnisses mit
einer Umstrukturierung (act. G 7.1/C35).
A.b Der Versicherte wurde am 14. Mai 2008 für ein Abklärungsgespräch vom 22. Mai
2008 betreffend Einsatzprogramm im RAV St. Gallen eingeladen (act. G 7.1/B159). Er
teilte dem RAV am 23. Mai 2008 mit, dass er einen Zwischenverdienst von 20%
gefunden habe und er deshalb keine Beratung wünsche (act. G 7.1/161). Ab 10. Juni
2008 erzielte der Versicherte einen Zwischenverdienst als Küchenangestellter/
Allrounder bei der B._ mit einem Monatspensum von 36 Stunden (act. G 7.1/C65 f.
und G 7.1/A11). Mit Schreiben vom 12. Juni 2008 wies das RAV den Versicherten an,
mit dem Einsatzprogramm Projektwerkstatt bis spätestens den 23. Juni 2008 einen
Vorstellungstermin zu vereinbaren (act. G 7.1/B158). Dieser Aufforderung kam der
Versicherte nicht nach, weshalb er mit Verfügung vom 11. August 2008 wegen
Nichtbefolgens einer amtlichen Weisung für fünf Tage in der Anspruchsberechtigung
eingestellt wurde (act. G 7.1/B154). Am 11. August 2008 wurde er zudem wegen
ungenügender Arbeitsbemühungen für die Kontrollperiode Juni 2008 für neun Tage
(act. G 7.1/B136) und am 28. August 2008 wegen Ablehnung einer zumutbaren Arbeit
für 31 Tage (act. G 7.1/B149) in der Anspruchsberechtigung eingestellt.
A.c Am 23. September 2008 wurde der Versicherte vom Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum St. Gallen (RAV) aufgefordert, bis spätestens 2. Oktober
2008 beim Einsatzprogramm Projektwerkstatt einen Vorstellungstermin zu vereinbaren.
Nach Angaben des Versicherten habe er den Zwischenverdienst auf ungefähr 50%
erhöht. Sobald das Einsatzprogramm begonnen habe, müssten die Einsätze im
Zwischenverdienst zusammen mit der Arbeitszeit im Einsatzprogramm 100% ergeben.
Vom Einsatzprogramm aus könne er seiner Arbeitgeberin weiterhin auch auf Abruf zur
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Verfügung stehen (act. G 7.1/B133). Die B._ kündigte das Arbeitsverhältnis mit dem
Versicherten anfangs Oktober 2008 fristlos (Der Beschwerdeführer gab an, dass ihm
am 3. Oktober 2008 fristlos gekündigt worden sei [act. G 7.1/C90 und C102]. Die
ehemalige Arbeitgeberin wiederum erklärt, am 1. Oktober mündlich und am 2. Oktober
2008 schriftlich fristlos gekündigt zu haben [act. G 7.1/B128 f.]). Die Kündigung
begründete sie mit einem zerstörten Vertrauensverhältnis (act. G 7.1/B129).
B.
B.a Mit Verfügung vom 8. Januar 2009 stellte das RAV St. Gallen den Versicherten für
4 Tage in der Anspruchsberechtigung ein, da er wegen ausschliesslich telefonisch
vorgenommener Bewerbungen in der Kontrollperiode Oktober 2008 keine genügenden
Arbeitsbemühungen aufweisen könne (act. G 7.1/B119). In der dagegen gerichteten
Einsprache vom 19. Januar 2009 stellte sich der Versicherte auf den Standpunkt, er sei
mehr als bemüht, eine Arbeitsstelle zu finden (act. G 7.1/B118). Mit Entscheid vom
11. Februar 2009 wurde diese Einsprache abgewiesen. Im Beratungsgespräch vom
21. August 2008 sei der Versicherte speziell darauf aufmerksam gemacht worden, dass
er auch schriftliche Bewerbungen tätigen müsse. Trotz dieser Verwarnung habe er sich
erneut nur telefonisch beworben, was als qualitativ ungenügend beurteilt werde (act.
G 7.1/B116).
B.b Am 10. Februar 2009 verfügte das RAV St. Gallen 15 Einstelltage, da der
Versicherte entgegen der amtlichen Weisung keinen Vorstellungstermin beim
Einsatzprogramm Projektwerkstatt vereinbart und am Einsatzprogramm nicht
teilgenommen habe. Es bestünden keine Gründe, weshalb ihm eine Teilnahme am
Einsatzprogramm während des Zwischenverdienstes nicht möglich gewesen wäre. Die
Arbeitgeberin habe bestätigt, dass keine Präsenzzeiten bestanden hätten (act. G 7.1/
B117). Dagegen brachte der Versicherte in der Einsprache vom 3. März 2009 vor, er
habe die Projektwerkstatt kontaktiert und sich über Einsatzmöglichkeiten erkundigt, um
dies mit der damaligen Arbeitgeberin besprechen zu können. Mit der Arbeitgeberin
habe aber keine Einigung gefunden werden können, da diese - obschon lediglich
90 Stunden im Monat entschädigt worden seien - eine ganztägige Präsenz verlangt
habe (act. G 7.1/A4). Das RAV St. Gallen wies die Einsprache mit Entscheid vom
30. März 2009 ab. Aus den Zwischenverdienstbescheinigungen gehe hervor, dass der
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Versicherte ab September 2008 zwischen 4 und 4.5 Stunden täglich gearbeitet habe,
mithin eine monatliche Arbeitszeit von 90 Stunden vereinbart worden sei. Es bleibe
somit unbestritten, dass es ihm möglich gewesen wäre, neben den 4 bis 4.5 Stunden
Arbeit bei seiner Arbeitgeberin und der höchstens 23 Minuten dauernden Fahrt zur
Projektwerkstatt die Arbeit in der Projektwerkstatt aufzunehmen. Dies umso mehr, als
es für ihn jederzeit möglich gewesen wäre, die Projektwerkstatt zu verlassen, wenn er
bei seiner Arbeitgeberin hätte arbeiten müssen. Dadurch wäre auch das Problem mit
der Präsenzzeit bzw. der Arbeit auf Abruf geregelt gewesen (act. G 7.1/B115).
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 11. Februar 2009 betreffend Einstellung
wegen ungenügender Arbeitsbemühungen richtet sich die Beschwerde vom 9. März
2009. Der Beschwerdeführer beantragt darin sinngemäss dessen Aufhebung. Zur
Begründung verweist er auf seine bisherigen Vorbringen (act. G 1). Der
Beschwerdegegner beantragt in der Beschwerdeantwort vom 11. Juni 2009 unter
Verweis auf die Begründung des Einspracheentscheids vom 11. Februar 2009 die
Beschwerdeabweisung (act. G 7).
C.b Am 29. April 2009 (Datum Postaufgabe) erhebt der Beschwerdeführer gegen den
Einspracheentscheid vom 30. März 2009 betreffend Einstellung wegen Nichtbefolgens
einer amtlichen Weisung Beschwerde. Er beantragt darin sinngemäss dessen
Aufhebung. Zur Begründung führt er aus, dass durch die amtliche Weisung, am
Einsatzprogramm teilzunehmen, Probleme am damaligen Arbeitsplatz entstanden
seien. Diese Problematik habe der Beschwerdegegner ausser Acht gelassen. Er habe
sich nicht weigern wollen, am Einsatzprogramm teilzunehmen, sondern er habe
lediglich zuvor nochmals ein Beratungsgespräch durchführen wollen, in welchem eine
geeignete Tätigkeit hätte gefunden werden können. Gegen eine Weigerung spreche
auch, dass er seit Januar 2009 in der Projektwerkstatt arbeite. Die vom
Beschwerdegegner eingeholten Auskünfte der ehemaligen Arbeitgeberin seien nicht
zutreffend (act. G 1 im Verfahren AVI 2009/37). In der Beschwerdeantwort vom 11. Juni
2009 beantragt der Beschwerdegegner unter Verweis auf die Begründung des
Einspracheentscheids vom 30. März 2009 die Beschwerdeabweisung (act. G 7 im
Verfahren AVI 2009/37).
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Erwägungen:
1.
Sowohl im Verfahren AVI 2009/23 als auch im Verfahren AVI 2009/37 bildet eine
Einstellung in der Anspruchsberechtigung Streitgegenstand. Es stehen sich auch
dieselben Parteien gegenüber. Es rechtfertigt sich daher, die Verfahren zu vereinigen.
2.
Gemäss Art. 30 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) ist eine
versicherte Person bei Vorliegen eines in lit. a bis g genannten ihr vorwerfbaren
Verhaltens in der Anspruchsberechtigung einzustellen. Die Dauer der Einstellung
bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30 Abs. 3 AVIG) und beträgt je
Einstellungsgrund 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30 Tage bei mittelschwerem und
31 bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 2 der Verordnung über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung [AVIV; SR 827.02]). Wird eine versicherte
Person innerhalb der Rahmenfrist für den Leistungsbezug wiederholt in ihrer
Anspruchsberechtigung eingestellt, ist die Einstellungsdauer angemessen zu erhöhen
(Art. 45 Abs. 2 AVIV).
3.
Mit Einspracheentscheid vom 11. Februar 2009 bestätigte der Beschwerdegegner die
Einstellung von vier Tagen wegen ungenügender Arbeitsbemühungen in der
Kontrollperiode Oktober 2008 (act. G 7.1/B116).
3.1 Nach Art. 30 Abs. 1 lit. c AVIG ist die versicherte Person in der
Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie sich persönlich nicht genügend um
zumutbare Arbeit bemüht. Im Rahmen der in Art. 17 Abs. 1 AVIG verankerten
Schadenminderungspflicht muss die versicherte Person, die Versicherungsleistungen
beanspruchen will, mit Unterstützung des zuständigen Arbeitsamtes alles Zumutbare
unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Insbesondere ist sie
verpflichtet, Arbeit zu suchen, nötigenfalls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufs.
bis
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Dabei hat sie alle sich bietenden und zumutbaren Möglichkeiten voll auszuschöpfen
(vgl. Gerhard Gerhards, Kommentar zum Arbeitslosenversicherungsgesetz [AVIG],
Bd. I, Bern/Stuttgart 1987, Art. 17 N 12). Sie muss ihre Bemühungen nachweisen
können. Bei der Beurteilung der Frage, ob diese Bemühungen genügend oder
ungenügend sind, kommt es nicht auf deren Erfolg an, sondern auf die Tatsache und
die Intensität des Bemühens. Zu berücksichtigen ist nicht nur die Quantität, sondern
auch die Qualität der Bemühungen (BGE 124 V 231 E. 4a mit Hinweis).
3.2 Die Stellenbemühungen des Beschwerdeführers ab Januar 2008 bis Oktober 2008
erfolgten überwiegend telefonisch, im Übrigen durch persönliche Vorsprache (act.
G 7.1/B170 - G 7.1/B178). Am Beratungsgespräch vom 21. August 2008 wurde der
Beschwerdeführer darauf aufmerksam gemacht, dass er in Zukunft auch schriftliche
und persönliche Arbeitsbemühungen nachweisen müsse bzw. dass ausschliesslich
telefonische Bewerbungen nicht mehr als ausreichende Bewerbungen angesehen
würden (act. G 7.1/B121), was von ihm nicht bestritten wird. Der Beschwerdeführer
nahm in der Kontrollperiode Oktober 2008 insgesamt zehn Bewerbungen vor. Diese
erschöpften sich in telefonischen Kontaktaufnahmen. Lediglich bei einer telefonischen
Bewerbung erfolgte zusätzlich ein persönliches Vorsprechen (act. G 7.1/B170). Derart
oberflächliche Bemühungen begründen keine intensive Stellensuche und können nicht
als qualitativ genügende Bewerbungen anerkannt werden. So wurde keine Bewerbung
mit den üblichen Bewerbungsunterlagen schriftlich eingereicht, wie es sich für eine
ernsthafte Stellenbewerbung im Allgemeinen gehört. Schriftliche Stellenbewerbungen
sind im Fall des Beschwerdeführers umso mehr angezeigt, als er selbst angab, dass für
ihn aufgrund seiner mangelhaften Deutschkenntnisse telefonische oder persönliche
Bewerbungen schwierig seien (Stellungnahme vom 15. Dezember 2008, act. G 7.1/
B120). Aus dem Umstand, dass der Beschwerdegegner die ausschliesslich mündlichen
Stellenbemühungen der vorangegangenen Monate (vgl. act. G 7.1/171 ff.) nicht
sanktionierte, vermag der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten abzuleiten.
Denn der Beschwerdegegner machte ihn unbestrittenermassen im Beratungsgespräch
vom 21. August 2008 ausdrücklich darauf aufmerksam, dass die entsprechenden
Bewerbungen ungenügend seien und er in Zukunft auch schriftliche sowie persönliche
Arbeitsbemühungen nachweisen müsse (vgl. act. G 7.1/B121), mithin seine bisherigen
Vorkehren zur Stellensuche nicht mehr toleriert würden. Mit seinem Verhalten hat der
Beschwerdeführer die Stellensuche in erheblicher Weise vernachlässigt und seine
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Schadenminderungspflicht gegenüber der Arbeitslosenversicherung verletzt, weshalb
es nicht zu beanstanden ist, dass die zuständige Behörde eine Einstellung in der
Anspruchsberechtigung von vier Tagen verfügt hat. Bei der Bemessung der
Einstellungsdauer ist der Beschwerdegegner mit vier Tagen im unteren Bereich des für
ein leichtes Verschulden vorgesehenen Rahmens geblieben, was mit Blick auf die
bereits vorangegangenen mit Einstellungstagen sanktionierten Verstösse des
Beschwerdeführers gegen das AVIG (vgl. act. G 7.1/B136 und B 149) nicht zu
beanstanden ist.
3.3 Der Beschwerdeführer rügt weiter, dass die Einstelltage noch vor dem Ablauf der
Einsprachefrist vollzogen worden seien. Gemäss Art. 45 Abs. 1 lit. c AVIV gilt die
Einstellung in der Anspruchsberechtigung ab dem ersten Tag nach der Handlung oder
Unterlassung, deretwegen sie verfügt wird. Die Arbeitslosenkasse durfte daher zu
Recht noch vor Ablauf der Einsprachefrist die Einstelltage vollziehen. Der Sinn dieses
schnellen Vollzugs noch vor rechtskräftiger Erledigung der Einstellungsstreitigkeit liegt
einerseits in der relativ kurzen sechsmonatigen Vollstreckungsfrist (Art. 30 Abs. 3
Satz 3 AVIG; vgl. BGE 114 V 350 ff.) und andererseits darin, dass die ungekürzte
Weiterausrichtung der von Einstellungen betroffenen Taggelder nach der
rechtskräftigen Erledigung der Einstellung zu Rückforderungen von Taggeldleistungen
führen könnte, die mit einem erheblichen Aufwand verbunden wären.
4.
Zu prüfen bleibt damit, ob der Beschwerdegegner den Beschwerdeführer zu Recht
wegen Nichtbefolgung einer Weisung im Zusammenhang mit einer arbeitsmarktlichen
Massnahme für 15 Tage in der Anspruchsberechtigung eingestellt hat (vgl.
Einspracheentscheid vom 30. März 2009, act. G 7.1/B115).
4.1 Vorab ist die Rüge des Beschwerdeführers zu prüfen, der Beschwerdegegner habe
sich nicht ernsthaft mit den eingereichten Stellungnahmen auseinandergesetzt (act. G 1
im Verfahren AVI 2009/37).
4.1.1 Gemäss Art. 42 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Verbindung mit Art. 29 Abs. 2 der
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Bundesverfassung (BV; SR 101) ist der Versicherungsträger verpflichtet, sich mit den
Vorbringen der Partei auseinander zu setzen, um dem Anspruch der Versicherten auf
rechtliches Gehör Genüge zu tun. Die Begründung entspricht den Anforderungen von
Art. 29 Abs. 2 BV, wenn die Betroffenen dadurch in die Lage versetzt werden, die
Tragweite der Entscheidung zu beurteilen und sie in voller Kenntnis der Umstände an
eine höhere Instanz weiterzuziehen. Die Behörde ist aber nicht verpflichtet, sich zu allen
Vorbringen der Parteien zu äussern. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid
wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (Häfelin/Müller, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 5. Auflage, Zürich 2006, N 1705 f.).
4.1.2 Im Einspracheentscheid vom 30. März 2009 gab der Beschwerdegegner
ausführlich den vom Beschwerdeführer in der Einsprache vom 3. März 2009 (act.
G 7.1/A4) vertretenen Standpunkt wieder. Auf S. 4 des Einspracheentscheids setzt sich
der Beschwerdegegner ausführlich mit den erhobenen Einwänden (Erkundigung
betreffend Zeiten für Einsatzmöglichkeiten, Auseinandersetzung mit ehemaliger
Arbeitgeberin, Länge Arbeitsweg und Weg zum Einsatzprogramm) auseinander und
legte im Weiteren unter Verweis auf die Zwischenverdienstbescheinigungen dar,
weshalb die 15-tägige Einstelldauer gerechtfertigt sei (act. G 7.1/B115). Damit hat der
Beschwerdegegner den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör
gewahrt.
4.2 Die versicherte Person ist u.a. dann in der Anspruchsberechtigung einzustellen,
wenn sie die Weisungen der zuständigen Amtsstelle nicht befolgt, namentlich eine
arbeitsmarktliche Massnahme ohne entschuldbaren Grund nicht antritt, abbricht oder
deren Durchführung oder Zweck durch ihr Verhalten beeinträchtigt oder verunmöglicht
(Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG). Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung kommt einer
Zwischenverdiensttätigkeit zwar Priorität vor einer vorübergehenden
Beschäftigungsmassnahme zu (BGE 125 V 366 E. 4b mit ausführlicher Begründung;
bestätigt im Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar
2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 14. Februar 2000,
C 323/99, E. 2a; Urteil des Bundesgerichts vom 1. Juli 2009, 8C_114/09, E. 4.2). Diese
Priorität bedeutet hingegen nicht, dass versicherte Personen, die einer
Zwischenverdiensttätigkeit nachgehen, nicht (mehr bzw. ergänzend) an zumutbaren
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arbeitsmarktlichen Massnahmen teilzunehmen haben bzw. den Umfang der Teilnahme
eigenmächtig bestimmen können.
4.3 Im vorliegend zu beurteilenden Fall wurde angestrebt, das Einsatzprogramm mit
der Zwischenverdiensttätigkeit des Beschwerdeführers abzustimmen. In der
schriftlichen Aufforderung vom 23. September 2008 zur Kontaktaufnahme bis
2. Oktober 2008 wurde dem Beschwerdeführer mitgeteilt, dass er im Rahmen des
Einsatzprogramms seiner damaligen Arbeitgeberin weiterhin auf Abruf zur Verfügung
stehen könne. Vom Beschwerdeführer wurde nicht verlangt, dass er bis zum
2. Oktober 2008 eine Tätigkeit im Einsatzprogramm aufzunehmen habe. Er wurde
lediglich angehalten, bis zum 2. Oktober 2008 einen Vorstellungstermin mit Blick auf
die Teilnahme an einem Einsatzprogramm zu vereinbaren (act. G 7.1/B133).
4.4 Gegen die Aufforderung des Beschwerdegegners brachte der Beschwerdeführer
am 29. September 2008 vor, dass von der Arbeitgeberin eine zusätzliche Präsenzzeit
erwünscht und erwartet werde. Diese werde nicht vergütet. Falls diese Präsenzzeit
nicht mehr erbracht würde, sähe die Arbeitgeberin keine weitere Zusammenarbeit
mehr. Ausser den sehr unregelmässigen Arbeitszeiten müssten auch der Arbeitsweg
und eine angemessene Ruhezeit berücksichtigt werden. Vor diesem Hintergrund sei es
ihm nicht möglich, am Einsatzprogramm teilzunehmen (act. G 7.1/B132). Diese
Begründung ergänzte er am 15. Dezember 2008 sinngemäss damit, dass er am
25. September 2008 mit der Projektwerkstatt telefoniert habe. Es habe sich aber
gezeigt, dass das Einsatzprogramm mit der damaligen Arbeitstätigkeit nicht zu
vereinbaren gewesen sei bzw. am Widerstand der damaligen Arbeitgeberin gescheitert
sei (act. G 7.1/A13).
4.4.1 Was das Argument der unregelmässigen Arbeitszeiten, des Arbeitswegs sowie
einer angemessenen Ruhezeit anbelangt, so ist darin kein Hinderungsgrund zu
erblicken, ein Vorstellungsgespräch mit der Projektwerkstatt zu vereinbaren und
durchzuführen. Vielmehr wäre ein Vorstellungsgespräch gerade dazu da gewesen,
diese Vorbringen mit dem Einsatzprogramm in Einklang zu bringen und den Einsatz
unter deren Berücksichtigung festzulegen. Zumindest hätte der Beschwerdeführer mit
dieser Argumentation nicht allein von sich aus die Durchführung eines
Vorstellungsgesprächs vereiteln und sämtliche weitere Mitwirkung mit Blick auf die
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Planung des Einsatzprogramms einstellen dürfen. Vor diesem Hintergrund kann die
Frage offen gelassen werden, ob der Beschwerdegegner den Arbeitsweg und die zu
dessen Zurücklegung erforderliche Zeit richtig berechnet hat.
4.4.2 Die Frage, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang der Beschwerdeführer
nebst den ausgewiesenen, entlöhnten Arbeitszeiten weitere Arbeitsstunden - von ihm
als "Präsenzzeit" bezeichnet (vgl. etwa act. G 7.1/A13) - für die ehemalige
Arbeitgeberin erbracht hat, kann aus den Akten nicht schlüssig beantwortet werden.
Insbesondere sind die entsprechenden Angaben der Arbeitgeberin widersprüchlich. So
gab sie im Kündigungsschreiben vom 2. Oktober 2008 an, der Beschwerdeführer sei
nie bereit gewesen, eine 100%-Stelle anzunehmen (act. G 7.1/B129) und er hätte trotz
entsprechendem Angebot mit der Begründung "Keine Zeit!" die Leistung von mehr
Arbeitsstunden abgelehnt (act. G 7.1/128). Demgegenüber führte sie in dem als
"Selbstanzeige" bezeichneten Schreiben vom 8. April 2009 aus, der Beschwerdeführer
habe nebst den gegenüber der Arbeitslosenversicherung ausgewiesenen
Arbeitsstunden auch noch Schwarzarbeit geleistet, ohne sich jedoch zu deren genauen
Umfang zu äussern (act. G 7.1/C79). Zumindest kann aber der genannten Aktenlage
nicht entnommen werden, dass der Beschwerdeführer insgesamt ein 100%iges
Arbeitspensum erreicht habe, das einer (teilzeitlichen) Teilnahme an einem
Einsatzprogramm von vornherein entgegen gestanden wäre. Dies umso weniger, als
der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben im telefonischen Gespräch mit der
Projektwerkstatt vom 25. September 2008 nicht ein bereits zu erbringendes
Vollzeitpensum gegen die Tätigkeit in der Projektwerkstatt einwendete. Vielmehr ging
er offenbar selbst trotz des bestehenden Arbeitsverhältnisses von der grundsätzlichen
Möglichkeit einer (teilzeitlichen) Teilnahme am Einsatzprogramm aus und erachtete
bloss noch Abstimmungen mit den Arbeits- und Ruhezeiten sowie dem Arbeitsweg für
erforderlich (act. G 7.1/A13). Im Lichte dieser Umstände konnte vom Beschwerdeführer
verlangt werden, dass er bis zum 2. Oktober 2008 ein Vorstellungsgespräch mit der
Projektwerkstatt vereinbart, um besprechen zu können, ob und in welchem Umfang
eine Teilnahme am Einsatzprogramm möglich ist. Es hätte von ihm wenigstens erwartet
werden dürfen, dass er nach der von ihm geltend gemachten "lautstarken
Auseinandersetzung" mit seiner ehemaligen Arbeitgeberin (act. G 7.1/A13) erneut an
die Projektwerkstatt gelangt wäre, um das weitere Vorgehen bei einem
Vorstellungsgespräch zu besprechen.
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4.5 Der Beschwerdeführer wendet gegen die Einstellung weiter ein, dass von einer
Weigerung, an einem Einsatzprogramm teilzunehmen, nicht die Rede sein könne, habe
er doch im Januar 2009 eine Arbeit in der Projektwerkstatt aufgenommen (act. G 1 im
Verfahren AVI 2009/37). Bei dieser Argumentation verkennt der Beschwerdeführer
indessen, dass für die vorliegende Streitigkeit einzig sein Verhalten bis zum 2. Oktober
2008 (Ende der Frist zur Vereinbarung eines Vorstellungsgesprächs bei der
Projektwerkstatt) massgebend ist. Daher ist vorliegend nicht von Belang, dass er
mehrere Wochen später eine Arbeit bei der Projektwerkstatt aufgenommen hat, zumal
ihm lediglich der Vorwurf gemacht wird, nicht bis 2. Oktober 2008 ein
Vorstellungsgespräch vereinbart zu haben.
4.6 Gegenstand des Vorstellungsgesprächs bei der Projektwerkstatt wäre gerade auch
die Frage gewesen, ob und in welchem Umfang der Beschwerdeführer für seine
Arbeitgeberin tätig sein musste. Entgegen der Annahme des Beschwerdeführers ist
eine zusätzliche unentgeltliche Tätigkeit für eine Arbeitgeberin aus
arbeitslosenversicherungsrechtlicher Sicht unerwünscht und würde entweder zu einer
Anrechnung eines ortsüblichen Lohnes führen (vgl. Art. 24 Abs. 3 AVIG) oder aber seine
Vermittlungsfähigkeit in Frage stellen.
4.7 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer die unterlassene
Vereinbarung eines Vorstellungsgesprächs bei der Projektwerkstatt nicht zu
rechtfertigen vermag. Die vom Beschwerdegegner verhängten 15 Einstelltage liegen
am oberen Ende der für leichtes Verschulden zu verhängenden Sanktion. Diese
Einstellung erscheint angemessen, zumal der Beschwerdeführer zuvor bereits
mehrmals in der Anspruchsberechtigung eingestellt wurde, unter anderem auch bereits
einmal für das gleiche Verhalten (vgl. act. G 7.1/B154).
5.
Nach dem Gesagten sind die vom Beschwerdegegner verhängten Einstelltage für
ungenügende Arbeitsbemühungen und Nichtbefolgung einer amtlichen Weisung nicht
zu beanstanden, was zur Abweisung der Beschwerden führt. Gerichtskosten sind keine
zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
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Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53
GerG entschieden:
1. Die Verfahren AVI 2009/23 und AVI 2009/37 werden vereinigt.
2. Die Beschwerden werden abgewiesen.
3. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 18.01.2010 Art. 30 Abs. 1 lit. c und d AVIG. Einstellung wegen ungenügender Arbeitsbemühungen (trotz Mahnung keine schriftlichen Bewerbungen) und Nichtbefolgen einer amtlichen Weisung betreffend Durchführung einer arbeitsmarktlichen Massnahme (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 18. Januar 2010, AVI 2009/23 und 37).
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2021-09-19T18:33:57+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen