Decision ID: cedf55f5-c5ea-4c19-8831-cdac7ada67ea
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer – ein Staatsangehöriger von Afghanistan – er-
suchte am 15. Juni 2021 im Bundesasylzentrum (BAZ) B._ um Ge-
währung von Asyl in der Schweiz. Dabei gab er im deutschen Teil des Per-
sonalienblattes an, er sei am (...) 2004 geboren. Im paschtunischen Teil
gab er als Geburtsdatum «Montag, (...) 1389» an.
A.b Das SEM nahm die Behandlung seines Gesuches im BAZ C._
an die Hand, wobei es ihn zunächst als Minderjährigen behandelte. Wäh-
rend des Verfahrens verfügte er über den Beistand der ihm zugewiesenen
Rechtsvertretung, welche auch als seine Vertrauensperson amtete.
A.c Am 18. Juni 2021 nahm das SEM einen Abgleich seiner Fingerabdrü-
cke mit der Eurodac-Datenbank vor. Der Abgleich ergab, dass er vor der
Schweiz von Rumänien (per 22. Mai 2021) und davor von Bulgarien (per
2. April 2021) als Asylantragsteller registriert worden war.
A.d Das SEM sandte vor diesem Hintergrund noch am gleichen Tag Aus-
kunftsbegehren respektive Ersuchen um Information an beide Staaten.
A.e In Beantwortung des Informationsersuchens bestätigte die bulgarische
Dublin-Behörde am 29. Juni 2021, dass der Beschwerdeführer am 2. April
2021 einen Asylantrag gestellt habe. Er sei in Bulgarien als D._,
geboren am (...) 2003, Afghanistan, registriert. Da er am 9. April 2021 un-
tergetaucht sei, sei sein Verfahren mit Entscheid vom 16. Juni 2021 been-
det worden. Er sei in Bulgarien als unbegleiteter Minderjähriger registriert;
dies gestützt auf seine Angaben. Dokumente habe er nicht vorgelegt und
es sei keine Altersprüfung durchgeführt worden.
B.
B.a Der Beschwerdeführer wurde am 9. Juli 2021 im Beisein seiner
Rechtsvertreterin zu seiner Person, zum Verbleib seiner Reise- und Iden-
titätspapiere und summarisch zu seinen Gesuchsgründen befragt. In die-
sem Rahmen gab er auf die einleitende Frage zu seinem Geburtsdatum
an, dass er jetzt rund (...) Jahre und 3 Monate alt sei, und auf gleich fol-
gende Frage nach seinem exakten Geburtsdatum, dass er am (...) 1383
(gemäss Umrechnung: [...] 2004) geboren sei. Dazu brachte er vor, er
habe eine Tazkira, womit er nachweisen könne, wie alt er sei, und er habe
auch einen Impfausweis, in welchem sein exaktes Geburtsdatum eingetra-
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gen sei. Dabei legte er eine Kopie (Foto) der Tazkira vor, worauf das Do-
kumente von der anwesenden Dolmetscherin übersetzt wurde. Von dieser
wurde ausgeführt, dass der Beschwerdeführer laut Tazkira "sechs Jahre alt
im Jahr 1389" sei, was dem Jahr 2010 entspreche. Auf anschliessenden
Vorhalt, dass er damit das angegebene exakte Datum nicht nachweisen
könne, brachte der Beschwerdeführer in der Folge vor, er habe ein Foto
seines Impfausweises auf seinem Mobiltelefon. Das sei das einzige was
ihm noch zur Verfügung stehe. Das Foto wurde während der Befragung
ausgedruckt und ebenfalls übersetzt, worauf von der Übersetzerin bestätigt
wurde, dass im Impfausweis der (...) 1383 ([...] 2004) als Geburts- und
erstes Impfdatum verzeichnet sei. Der Ausweis selber trage als Ausstel-
lungsdatum den (...)1384. In der Folge wurde der Beschwerdeführer damit
konfrontiert, dass er auf dem Personalienblatt den (...) 2004 als sein Ge-
burtsdatum eingetragen habe, wie auch mit dem Umstand, dass auf der
anderen Seite des Formulars unter der gleichen Rubrik «Tageslicht» be-
ziehungsweise «Montag», (...) 1389 eingetragen sei. Der Beschwerdefüh-
rer erklärte, er sei bei seiner Ankunft offensichtlich verwirrt gewesen und er
kenne sich mit dem gregorianischen Kalender nicht aus. Das Datum (...)
2004 habe er auf Auskunft von der Person der Security eingetragen, die er
um Umrechnung des Datums (...) 1383 gebeten habe. Daran anschlies-
send wurde dem Beschwerdeführer vorgehalten, dass auf seiner gemäss
Übersetzung im (...) 1389 ausgestellten Tazkira keine Beglaubigungsstem-
pel vorhanden seien, worauf er geltend machte, er sei damals sechs Jahre
alt gewesen und die Tazkira sei im Hinblick auf den angestrebten Schulein-
tritt in dieser Form ausgestellt worden. Erst wenn man älter sei, werde ei-
nem eine ordentliche Tazkira ausgestellt. Bezüglich des Impfausweises
wurde dem Beschwerdeführer vorgehalten, dass alle Impfungen und Impf-
daten mit derselben Handschrift und anscheinend auch mit demselben Ku-
gelschreiber und somit von der gleichen Person eingetragen worden seien,
worauf der Beschwerdeführer antwortete, er könne dazu nicht viel sagen.
Dem Beschwerdeführer wurde daraufhin eröffnet, es werde davon ausge-
gangen, dass sowohl die Tazkira als auch der Impfausweis gefälscht seien,
worauf er an deren Echtheit festhielt und die Beschaffung im Original in
Aussicht stellte.
Im Anschluss daran wurde der Beschwerdeführer kurz zu seinem Her-
kunftsort und zu seinem schulischen Werdegang befragt, wobei zu keinem
der beiden Themenbereiche Nachfragen gestellt wurden.
Daran anschliessend wurde der Beschwerdeführer ausführlich zu seinem
Reiseweg befragt, wobei er angab, er habe vor der Schweiz in Bulgarien,
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dann Rumänien und dann in "Tschecho-Slowakei" um Asyl ersucht. An die-
ser Stelle äusserte er sich auch umfassend zu den Gründen, welche ihn
zum Verlassen namentlich von Bulgarien und Rumänien veranlasst hätten.
Am Ende der Befragung wurde dem Beschwerdeführer das rechtliche Ge-
hör dazu gewährt, dass sein Alter respektive seine Minderjährigkeit auf-
grund seiner wenig überzeugenden Angaben zu seinen persönlichen und
familiären Verhältnissen, insbesondere aber wegen der offensichtlich ge-
fälschten Beweismittel und seinen widersprüchlichen Aussagen und Anga-
ben auf dem Personalienblatt nicht glaubhaft sei und dass das SEM daher
sein Geburtsdatum auf den (...) 2003 abändere und er im weiteren Asyl-
verfahren als volljährige Person behandelt werde. Der Beschwerdeführer
erklärte sich damit nicht einverstanden und wies darauf hin, dass er in Bul-
garien, Rumänien und der Tschechei als Minderjähriger gegolten habe. In
Tschechien sei auch ein Altersgutachten erstellt worden, nachdem man
sich erkundigen könne. Dem Beschwerdeführer wurde ausserdem das
rechtlichen Gehör zu einer möglichen Überstellung nach Rumänien
oder Bulgarien gewährt.
B.b Im Nachgang zur Anhörung wurden die Personendaten des Beschwer-
deführers im ZEMIS angepasst und als Geburtsdatum der (...) 2003 mit
Bestreitungsvermerk eingetragen.
B.c Mit Schreiben des SEM an die Rechtsvertreterin vom 14. Juli 2021
wurden diverse von ihr an der Befragung gestellte Anträge (Frist zur Nach-
reichung Tazkira, Dokumentenprüfung, Altersabklärung, Verbleib in UMA-
Strukturen, Bestreitungsvermerk und Erlass einer Verfügung betreffend
ZEMIS-Eintrag) abgelehnt.
C.
Am 16. Juli 2021 ging dem SEM aus Rumänien die Bestätigung zu, dass
der Beschwerdeführer dort am 9. Mai 2021 einen Asylantrag gestellt habe.
Dazu wurde vermerkt, dass er in Rumänien als E._, geboren am
(...) 2003, Afghanistan, registriert sei. Zu der vom SEM gestellten Frage,
ob vor Ort eine Altersprüfung durchgeführt worden sei, wurden keine An-
gaben gemacht. Angemerkt wurde hingegen, dass von Bulgarien ein Ge-
such um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers am 9. Juli 2021 wegen
dessen Minderjährigkeit respektive gestützt auf Art. 8 Abs. 4 der Verord-
nung [EU] Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung
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des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-
rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-
nationalen Schutz zuständig ist (Dublin-III-VO), abgelehnt worden sei.
D.
Das SEM sandte am 20. Juli 2021 ein Ersuchen um Wiederaufnahme des
Beschwerdeführers an die rumänische Dublin-Behörde; dies gestützt auf
Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. Dem Ersuchen wurde von Rumänien in
der Folge knapp zwei Wochen später – mit Erklärung vom 2. August 2021
– entsprochen.
E.
E.a Der Beschwerdeführer reichte derweil mit Eingabe seiner Rechtsver-
treterin vom 9. August 2021 zwei Fotos von Schulzeugnissen respektive
Schulbestätigungen zu den Akten, verlangte eine ZEMIS-Datenänderung
und hielt insbesondere an seinem Antrag um Einholung eines rechtsmedi-
zinischen Altersgutachtens fest.
E.b Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 6. Oktober 2021 bekräftigte
er diese Anträge nochmals ausdrücklich, da das SEM während mittlerweile
zwei Monaten untätig geblieben sei.
F.
Das SEM trat mit Verfügung vom 13. Oktober 2021 – eröffnet am 18. Ok-
tober 2021 – in Anwendung der Bestimmungen zum Dublin-Verfahren und
gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch
des Beschwerdeführers nicht ein und ordnete dessen Wegweisung aus der
Schweiz nach Rumänien an. Gleichzeitig setzte es dem Beschwerdeführer
eine Ausreisefrist auf den Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist an, beauf-
tragte den Kanton (...) mit dem Vollzug der Wegweisung, stellte dem Be-
schwerdeführer die gemäss Aktenverzeichnis editionspflichtigen Akten zu
und hielt fest, einer Beschwerde gegen diese Verfügung komme keine auf-
schiebende Wirkung zu. Zudem verfügte es respektive stellte fest, das Ge-
burtsdatum des Beschwerdeführers laute im ZEMIS auf den (...) 2003, mit
Bestreitungsvermerk.
G.
Der Beschwerdeführer erhob gegen den Nichteintretens- und Wegwei-
sungs- sowie ZEMIS-Datenänderungsentscheid am 25. Oktober 2021
– handelnd durch seine Rechtsvertreterin – beim Bundesverwaltungsge-
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richt Beschwerde. Er beantragt zur Hauptsache die Aufhebung der ange-
fochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz, ver-
bunden mit der Anweisung an das SEM, auf sein Asylgesuch einzutreten
und das materielle Asylverfahren durchzuführen (1), eventualiter zwecks
vollständiger und richtiger Sachverhaltsfeststellung sowie Neubeurteilung
der Sache durch das SEM (3). Gleichzeitig beantragt er, es sei sein Ge-
burtsdatum im ZEMIS auf den (...) 2004 zu ändern (2). In prozessualer
Hinsicht ersucht er um Erteilung der aufschiebenden Wirkung (4), nach
vorsorglicher Anordnung vollzugshemmender Massnahmen (5), sowie um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um Befreiung von der
Kostenvorschusspflicht (6).
H.
Mittels superprovisorischer Massnahme wurde der Vollzug der Überstel-
lung am 27. Oktober 2021 per sofort einstweilen ausgesetzt.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 29. Oktober 2021 hielt das Bundesverwal-
tungsgericht fest, es seien nach Eingang der Beschwerde zwei Verfahren
D-4665/2021 (Nichteintretens- und Wegweisungsentscheid) und
D-4686/2021 (ZEMIS-Datenänderung) eröffnet worden. Gleichzeitig wurde
das Gesuch um aufschiebende Wirkung gutgeheissen und festgestellt, der
Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz ab-
warten. Ebenso wurde das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung für beide Verfahren gutgeheissen, auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses verzichtet und das SEM eingeladen, sich zur Be-
schwerde vernehmen zu lassen.
J.
In seiner Vernehmlassung vom 5. November 2021 hielt das SEM vollum-
fänglich an seinen Erwägungen fest.
K.
Mit Replik vom 15. November 2021 nahm der Beschwerdeführer zur Ver-
nehmlassung des SEM Stellung.
L.
Mit Eingaben vom 23. Dezember 2021, 27. Januar 2022, 2. März 2022 und
12. April 2022 wurde auf den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
(psychische Beschwerden) aufmerksam gemacht und am 2. Juni 2022 ein
Arztbericht zu den Akten gereicht.
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Seite 7
M.
Am 17. September 2022 fragten das SEM und am 24. Oktober 2022 der Be-
schwerdeführer nach dem Stand des Verfahrens.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde. Auf dem Ge-
biet des Asyls entscheidet es in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Auf dem Gebiet des
Datenschutzes ist die Beschwerde an das Bundesgericht möglich.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1, 50 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
2.1 Die vorliegende Beschwerde richtet sich sowohl gegen den Nichtein-
tretensentscheid betreffend das Asylgesuch als auch gegen die ZEMIS-
Eintragung.
2.2 Mit Beschwerde kann in Bezug auf den Nichteintretensentscheid die
Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschrei-
ten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung
des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
Gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG ist das Bundesverwaltungsgericht nicht an
die Begründung der Begehren gebunden.
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Seite 8
2.3 Hinsichtlich der ZEMIS-Berichtigung entscheidet das Bundesverwal-
tungsgericht mit uneingeschränkter Kognition (Art. 49 VwVG).
3.
Die Vorinstanz führt zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben das ZEMIS,
welches der Bearbeitung von Personendaten aus dem Ausländer- und dem
Asylbereich dient. Wer Personendaten bearbeitet, hat sich über deren
Richtigkeit zu vergewissern (Art. 5 Abs. 1 DSG, SR 235.1). Werden Perso-
nendaten von Bundesorganen bearbeitet, kann jede betroffene Person ins-
besondere verlangen, dass unrichtige Personendaten berichtigt werden
(Art. 5 Abs. 2 i.V.m. Art. 25 Abs. 3 Bst. a DSG). Grundsätzlich hat die das
Berichtigungsbegehren stellende Person die Richtigkeit der von ihr ver-
langten Änderung, die Bundesbehörde im Bestreitungsfall dagegen die
Richtigkeit der von ihr bearbeiteten Personendaten, zu beweisen. Nach
den massgeblichen Beweisregeln des VwVG gilt eine Tatsache als bewie-
sen, wenn sie in Würdigung sämtlicher Erkenntnisse so wahrscheinlich ist,
dass keine vernünftigen Zweifel bleiben; unumstössliche Gewissheit ist da-
gegen nicht erforderlich. Die Vergewisserungspflicht bringt es sodann mit
sich, dass die Behörde auf ein substantiiertes Berichtigungsgesuch hin die
Richtigkeit der von ihr bearbeiteten Personendaten von Amtes wegen über-
prüfen muss (vgl. Art. 19 Abs. 3 ZEMIS-Verordnung; s. auch BVGE 2018
VI/3 E. 3.2).
4.
4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
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Seite 9
5.
5.1 Handelt es sich bei einem Antragsteller um einen unbegleiteten Min-
derjährigen, welcher weder über Familienangehörige oder Geschwister im
Antragsstaat noch über einen Verwandten in einem anderen Staat verfügt,
ist der Mitgliedstaat zuständig, in dem der unbegleitete Minderjährige sei-
nen Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat, sofern es dem Wohl des
Minderjährigen dient (vgl. Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO). Massgeblich ist der
Zeitpunkt der Asylgesuchstellung. Im vorliegenden Verfahren ist damit
vorab auf die Frage des Alters des Beschwerdeführers einzugehen, da die-
ser geltend macht, im Zeitpunkt der Asylgesuchstellung minderjährig ge-
wesen zu sein.
5.2 Diesbezüglich wird in der Beschwerde geltend gemacht, das SEM habe
den Sachverhalt in Bezug auf die Minderjährigkeit des Beschwerdeführers
nicht richtig festgestellt. Diese formelle Rüge ist vorab zu behandeln, da
sie zu einer Kassation führen kann.
5.3 Das SEM gab zur Begründung seiner Verfügung zunächst den Inhalt
der Befragung des Beschwerdeführers ausführlich wieder (vgl. Ba). Die an
der Befragung durch die Rechtsvertretung gestellten Anträge auf Durch-
führung einer Dokumenten- und Altersanalyse seien im Schreiben vom
14. Juli 2021 abgehandelt worden. Darin sei festgehalten worden, dass
sich die entscheidende Behörde trotz des Untersuchungsgrundsatzes in
der Regel darauf beschränke, Vorbringen einer asylsuchenden Person zu
würdigen und die von ihr angebotenen Beweise abzunehmen, ohne wei-
tere Abklärungen vorzunehmen. Eine Notwendigkeit für über die Befragung
hinausgehende Abklärungen bestehe insbesondere dann, wenn aufgrund
der Vorbringen der asylsuchenden Person und der von ihr eingereichten
oder angebotenen Beweismittel Zweifel und Unsicherheiten am Sachver-
halt weiterbestehen, die voraussichtlich mit Ermittlung von Amtes wegen
beseitigt werden könnten (vgl. BVGE 2009/50 E. 10.2.1). Demzufolge be-
stehe grundsätzlich kein Anrecht auf die Durchführung weiterführender Ab-
klärungen. Vorliegend könne festgehalten werden, dass keine Zweifel am
Sachverhalt bestünden, da die Angaben des Beschwerdeführers zur gel-
tend gemachten Minderjährigkeit die Anforderungen an die Glaubhaftigkeit
gemäss Art. 7 AsyIG nicht erfüllen würden. Folglich könne auf weitere Ab-
klärungen, namentlich eine Dokumentenanalyse oder eine Altersabklä-
rung, verzichtet werden. Die nachgereichten Schuldokumente vermöchten
an dieser Einschätzung nichts zu ändern. Die in Kopie und ohne Überset-
zung oder Betitelung eingereichten Schuldokumente würden die Ausfüh-
rungen des SEM anlässlich der Befragung bestätigen, wonach es sich bei
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der eingereichten Tazkira und dem Impfausweis um Fälschungen handle.
Im Widerspruch zum eingereichten Schuldokument mit vermerktem Ab-
schluss im Jahr 2020 habe er anlässlich der Befragung dargelegt, die
Schule wegen Corona nicht abgeschlossen zu haben. Überdies habe er
bislang trotz entsprechender Zusicherung an der Befragung, Kontakt zu
Angehörigen und genügend Zeit ohne weitere Begründung keine Tazkira
oder ein anderes Dokument im Original eingereicht. Ferner stehe aufgrund
der Antworten von Bulgarien und Rumänien auf die Informationsersuchen
des SEM fest, dass der Beschwerdeführer auch in jenen Ländern anders-
lautende Angaben als in der Schweiz zu seinem Alter gemacht habe. So
sei in Bulgarien als sein Geburtsdatum der (...) 2003 und in Rumänien der
(...) 2003 erfasst worden. Seine Aussage in der Befragung, in Bulgarien
2004 als Geburtsjahr genannt zu haben, stehe demzufolge in Widerspruch
zu den Fakten. Entgegen seiner wiederholten Behauptung in der Befra-
gung sei er also in Rumänien als Erwachsener registriert.
5.4 Dem wird in der Beschwerde entgegengehalten, das SEM habe den
Sachverhalt nicht richtig festgestellt. So verfüge die Fachspezialistin nicht
über die notwenige Qualifikation, um die Echtheit der Dokumente von blos-
sem Auge beurteilen zu können. Entsprechend müssten diese einer Prüf-
stelle vorgelegt werden, zumal der Beschwerdeführer neben der nicht fäl-
schungssicheren Tazkira weitere Dokumente (Impfausweis und Schuldo-
kumente) eingereicht habe, welche als Indiz auf seine Minderjährigkeit zu
werten seien. Die eingereichte Tazkira habe eine Dokumenten- bezie-
hungsweise Registernummer. Demnach hätte das SEM diese durch die
entsprechende Prüfstelle prüfen und allenfalls von den afghanischen Be-
hörden verifizieren lassen müssen. Bei Vorliegen von allfälligen Fäl-
schungsmerkmalen habe das SEM den Beschwerdeführer überdies einem
rechtsmedizinischen Altersgutachten zu unterziehen. Auch der medizini-
sche Sachverhalt sei weiter abzuklären, zumal am 4. Oktober 2021 der
Verdacht auf eine Angststörung und eine posttraumatische Belastungsstö-
rung diagnostiziert worden sei.
5.5 In seiner Vernehmlassung bezeichnete das SEM den Antrag der
Rechtsvertretung auf eine allfällige Verifizierung der in Kopie eingereichten
Tazkira durch die afghanischen Behörden als geradezu verwegen, da sich
der Beschwerdeführer in einem laufenden Verfahren befinde. Weiter habe
der Beschwerdeführer der ihn behandelnden Ärztin beim Kontrolltermin
vom 11. Oktober 2021 gesagt, dass es ihm deutlich bessergehe. Er sei
zwar in der Schweiz medizinisch behandelt worden, gleichzeitig sei aber
nicht von einer schweren Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes
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auszugehen, die eine fachärztliche psychologisch/psychiatrische Abklä-
rung benötigen würde.
5.6 In der Replik wurde auf die grundsätzliche Möglichkeit der Botschafts-
abklärungen verwiesen, welche auch während eines laufenden Asylverfah-
rens durchgeführt werden könne.
6.
6.1 Der in Art. 29 Abs. 2 BV garantierte und in den Art. 26 – 33 VwVG kon-
kretisierte Grundsatz des rechtlichen Gehörs umfasst alle Befugnisse, die
einer Partei einzuräumen sind, damit sie ihren Standpunkt wirksam zur
Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1).
Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich zur Sache zu
äussern, erhebliche Beweismittel beizubringen und mit Beweisanträgen
gehört zu werden sowie Einblick in die Akten zu erhalten und zu den für die
Entscheidung wesentlichen Punkten Stellung nehmen zu können. Der An-
spruch auf rechtliches Gehör dient einerseits der Sachaufklärung und stellt
andererseits ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht der Parteien
dar. Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vor-
bringen des vom Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen tatsäch-
lich zu hören, sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und in der Entscheidfin-
dung angemessen zu berücksichtigen (Art. 32 Abs. 1 VwVG). Das SEM hat
den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig abzuklären
(Art. 12 VwVG) und hierzu alle für das Verfahren rechtlich relevanten Um-
stände zu ermitteln und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Dabei
hat es auch nach Elementen zu forschen, die zugunsten der asylsuchen-
den Person sprechen. Eine Notwendigkeit für über die Befragung hinaus-
gehende Abklärungen besteht insbesondere dann, wenn aufgrund der Vor-
bringen der asylsuchenden Person und der von ihr eingereichten oder an-
gebotenen Beweismittel Zweifel und Unsicherheiten am Sachverhalt wei-
terbestehen, die voraussichtlich mit Ermittlungen von Amtes wegen besei-
tigt werden können (vgl. BVGE 2009/50 E. 10.2.1 und 2015/10 E. 3.2).
6.2 Für den vorliegenden Fall ist gemäss den nachfolgenden Erwägungen
festzustellen, dass die vorinstanzliche Verfügung den Anforderungen an
die Pflicht zur vollständigen und korrekten Feststellung des rechtserhebli-
chen Sachverhalts nicht zu genügen vermag. Die bestehende Aktenlage
erlaubt keine zuverlässige Beantwortung der Frage, welches Geburtsda-
tum ([...] 2003 oder [...] 2004 [[[...]]1383]) richtig oder zumindest wahr-
scheinlicher ist.
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Seite 12
6.2.1 Vorauszuschicken ist an dieser Stelle, dass das Asylverfahren im Zu-
sammenhang mit der Befragung von unbegleiteten Minderjährigen spezifi-
schen Anforderungen zu genügen hat (vgl. BVGE 2014/30 E. 2.3 m.w.H.).
So muss die befragende Person zu Beginn der Anhörung darum bemüht
sein, ein Klima des Vertrauens zu schaffen. Die befragende Person muss
sich durchwegs um eine wohlwollende und neutrale Haltung bemühen, da-
bei auch nonverbale Formen der Kommunikation (im Verhalten der minder-
jährigen Person) beachten und vermerken.
Vorliegend ist jedoch festzustellen, dass diese Vorgaben zur Befragung
von Minderjährigen kaum genügend berücksichtigt worden sind. So fällt
auf, dass der Beschwerdeführer gleich zu Beginn der Befragung, bereits
bei der Frage nach dem Geburtsdatum, mit Fragen und Ungereimtheiten
umfassend konfrontiert und zuweilen geradezu in die Ecke gedrängt
wurde. Von einem Klima des Vertrauens kann dabei kaum gesprochen wer-
den. Der Beschwerdeführer versuchte die Ungereimtheiten in einem Re-
deschwall zu klären, geriet zunehmend unter Druck und brach in der Be-
fragung mehrfach in Tränen aus und wurde laut (vgl. Akte 1099328-24/15
S. 3 ff.).
6.2.2 Die Angaben des Beschwerdeführers auf dem Personalienblatt ver-
mögen das Vorgehen des SEM dabei nicht zu rechtfertigen. Das Gericht
hält es für plausibel, dass es beim Ausfüllen des Personalienblattes für den
jungen Beschwerdeführer zu Unklarheiten gekommen sein kann, zumal
dieses ohne Dolmetscher und nur im Beisein von Sicherheitspersonal aus-
gefüllt wird. Die Erklärung, der (...) 1383 sei mit Hilfe des Personals auf
den (...) 2004 umgerechnet worden, erscheint jedenfalls nachvollziehbar.
Mit der Antwort «Montag» zum Tag der Geburt wird denn auch offensicht-
lich, dass von einer gewissen Verwirrung des Beschwerdeführers beim
Ausfüllen dieses Blattes auszugehen ist. Das Jahr 1389 stimmt wiederum
mit dem Ausstellungsjahr der Tazkira überein, weshalb auch in diesem Zu-
sammenhang eine Verwechslung nicht a priori auszuschliessen ist. Vor die-
sem Hintergrund kann den Angaben auf dem Personalienblatt nicht ein
derart gewichtiger Stellenwert beigemessen werden, dass andere Indizien,
die für oder gegen die Glaubhaftigkeit der Altersangaben sprechen würden,
völlig ausser Acht gelassen oder gar nicht abgeklärt werden.
6.2.3 Da die Sachbearbeiterin, noch bevor Fragen nach der Familie und
zum schulischen Werdegang gestellt werden konnten, die Unglaubhaf-
tigkeit der Altersangaben festgestellt hatte, wurde in der Folge auf das Stel-
len genauerer Fragen, die für die Feststellung des Alters wichtige Hinweise
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hätten liefern können, verzichtet und diesbezüglich nur sehr kurze allge-
meine Fragen gestellt. Eine Vertiefung an dieser Stelle wäre jedoch gerade
in Bezug auf die Umstände des Schulabbruchs in der zehnten Klasse, an-
gesichts der später eingereichten Schulzeugnisse, relevant gewesen.
6.2.4 In diesem Zusammenhang ist sodann darauf hinzuweisen, dass ei-
nige unabhängig voneinander gemachte Angaben eher für die Korrektheit
der Altersangaben sprechen insbesondere, dass er mit sechs Jahren in die
Schule eingetreten ist und im Hinblick darauf im Jahr 1389 die Tazkira aus-
gestellt wurde und er das zehnte Schuljahr wegen des Ausbruchs der
Corona-Pandemie nicht habe ordnungsgemäss abschliessen können.
6.2.5 Sodann hat der Beschwerdeführer Dokumente eingereicht, die seine
Altersangaben bestätigen. Die diesbezüglichen Erwägungen des SEM
über die angeblich geradezu offenkundige Fälschung dieser Beweismittel
vermögen das Gericht nicht zu überzeugen. Wie in der Beschwerde ange-
merkt, bezweifelt auch das Gericht, dass die Sachbearbeiterin befähigt ist,
eine solche Analyse ad hoc an der Befragung zu erstellen. Zwar ist dem
SEM zuzustimmen, dass eine Tazkira von geringem Beweiswert ist. Den-
noch ist dies das in Afghanistan gebräuchliche Ausweispapier und somit
ein amtliches Dokument zum Zweck des Nachweises der Identität. Sie
kann nicht ohne genauere Betrachtung als Fälschung deklariert werden
(vgl. BVGE 2013/30 E. 4.2.2), zumal nicht ausgeschlossen werden kann,
dass die Form nicht in allen Provinzen übereinstimmt. Auch der weiter zu
den Akten gereichte Impfausweis und die Schuldokumente müssen in die
Abwägung der Indizien einbezogen werden. Insbesondere der einge-
reichte Impfausweis weist denn auch einige Realkennzeichen auf.
6.2.6 Zwar wurde in Bulgarien und Rumänien das Geburtsjahr 2003 für den
Beschwerdeführer registriert, was tatsächlich eine weitere Ungereimtheit
darstellt. Aufgrund welcher Angaben dies erfolgte, bleibt jedoch unklar, zu-
mal es in beiden Staaten wohl nicht zu einer Anhörung kam. Schliesslich
gilt es in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass Bulgarien of-
sichtlich von der Minderjährigkeit des Beschwerdeführers ausging.
6.3 Diesen Erwägungen gemäss hat das SEM den Sachverhalt nicht ge-
nügend abgeklärt. Bereits ist fraglich, ob die Befragung als Grundlage für
eine Prüfung der Glaubhaftigkeit der Altersangaben zu genügen vermag.
Zusätzlich hat es das SEM unterlassen, Indizien, die für die entsprechen-
den Angaben sprechen würden, genügend abzuklären beziehungsweise
zu würdigen. Die Verweigerung des explizit mehrmalig, erstmals an der
D-4665/2021 und D-4686/2021
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Befragung, gestellten Antrages der Rechtsvertretung des Beschwerdefüh-
rers auf Anfertigung eines Altersgutachtens und einer Dokumentenprüfung
ist für das Gericht denn auch nicht nachvollziehbar. Dies zumal entspre-
chende Abklärungen vom SEM nicht nur sehr einfach, sondern auch zeit-
nah hätten veranlasst werden können.
6.4 Auch in Bezug auf den medizinischen Sachverhalt bleiben Fragen of-
fen. Bereits im vorinstanzlichen Verfahren wurde der Verdacht auf eine
Angststörung und eine posttraumatische Belastungsstörung geäussert.
Nach Beschwerdeeinreichung war der Beschwerdeführer zu Abklärungs-
gesprächen bei den psychiatrischen Diensten. In deren Bericht vom
18. Mai 2022 wurde eine Anpassungsstörung diagnostiziert, aufgrund der
fehlenden Sprachkenntnisse sowie des aktuellen Aufenthaltsstatus jedoch
auf eine ambulante Betreuung verzichtet.
7.
Nach dem Gesagten hat das SEM den Sachverhalt insgesamt nicht in
rechtsgenüglicher Weise erstellt. Es hat die Minderjährigkeit des Be-
schwerdeführers und damit auch sein Geburtsdatum nicht in einem ange-
messenen Verfahren abgeklärt.
8.
8.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet die Beschwerdeinstanz in
der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen Wei-
sungen an die Vorinstanz zurück.
8.2 Eine Kassation und Rückweisung an die Vorinstanz ist insbesondere
angezeigt, wenn weitere Tatsachen festgestellt werden müssen und ein
umfassendes Beweisverfahren durchzuführen ist. Die in diesen Fällen feh-
lende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar auch durch die Be-
schwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies im Einzelfall aus
prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie muss dies aber
nicht (vgl. BVGE 2012/21 E. 5 m.w.H.). Im vorliegenden Fall kommt ange-
sichts obiger Erwägungen ein reformatorischer Entscheid nicht in Frage.
9.
Die Beschwerde ist demzufolge sowohl hinsichtlich des Nichteintretens auf
das Asylgesuch und Wegweisung als auch der Datenänderung im ZEMIS
gutzuheissen, soweit die Aufhebung der angefochtenen Verfügung bean-
tragt wird. Die Verfügung vom 13. Oktober 2021 ist aufzuheben und die
Sache im Sinne obiger Ausführungen an das SEM zurückzuweisen.
D-4665/2021 und D-4686/2021
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10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63
Abs. 1 und 2 VwVG).
Dem vertretenen Beschwerdeführer ist keine Parteientschädigung auszu-
richten, da es sich vorliegend um eine zugewiesene unentgeltliche Rechts-
vertretung im Sinne von Art. 102h AsylG handelt, deren Leistungen vom
Bund nach Massgabe von Art. 102k AsylG entschädigt werden (vgl. auch
Art. 111ater AsylG).
11.
Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts auf dem Gebiet des Daten-
schutzes sind gemäss Art. 35 Abs. 2 der Verordnung vom 14. Juni 1993
zum Bundesgesetz über den Datenschutz (VDSG, SR 235.11) dem Eidge-
nössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) bekannt
zu geben.
(Dispositiv nächste Seite)
D-4665/2021 und D-4686/2021
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