Decision ID: 67f585a2-1f01-4db4-9437-34b542484797
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Jürg Jakob, Rosenbergstrasse 42b,
9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 11. Dezember 2007 zum Bezug von IV-Leistungen an (act.
G 4.1/1). Ihr Hausarzt Dr. med. B._, Allgemeine Medizin FMH, attestierte ihr im
Arztbericht vom 3. Januar 2008 auf Grund eines lumboradikulären Syndroms L4/5,
einer grossen Diskushernie LWK4/5 rechts, einer leichten Duralschlauchimpression,
einer Adipositas sowie einer Depression und Hypertonie eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit von Januar bis 18. Juni 2007 sowie eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
ab 19. Juni 2007 (act. G 4.1/14-1). Vom 26. Februar bis 24. März 2007 war die
Versicherte zur Erlernung von Schmerzcoping-Strategien in der Rheinburg-Klinik
hospitalisiert (act. G 4.1/14-6ff.). Per 30. November 2007 kündigte die Arbeitgeberin der
Versicherten die Stelle als Sortiererin von Fertigparkett aus gesundheitlichen Gründen
(act. G 4.1/15-2, 4.1/15-27).
A.b Im Bericht vom 30. Januar 2008 diagnostizierte Dr. med. C._, FMH Psychiatrie
und Psychotherapie, bei welcher die Versicherte seit 27. März 2007 in Behandlung war,
eine anhaltende depressive Störung mittelschwerer Ausprägung mit im Vordergrund
stehenden generalisierten Schmerzen, emotionaler Labilität, Störung der Vitalgefühle,
eine Isolationstendenz und schwere Schlafstörungen (ICD-10 Z73.1). Die
Arbeitsfähigkeit schätzte die Psychiaterin für leidensangepasste Tätigkeiten auf 50%
(act. G 4.1/16ff.).
A.c Vom 28. Januar bis 31. Juli 2008 erfolgte ein Eingliederungsversuch über ein
Einsatzprogramm des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) Heerbrugg im
Projekt "Sohomet", wo die Versicherte bei Holzbearbeitungsarbeiten offenbar eine
Leistungsfähigkeit von 30% zeigte (act. G 4.1/20). Während des Einsatzes war die
Beschwerdeführerin durchgehend zu 50% arbeitsunfähig und an 13 Tagen wegen
Rücken-, Kopf-, Fersenschmerzen und psychischen Problemen krankheitsabwesend
(act. G 1.8).
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A.d Am 17. und 28. Oktober 2008 fand eine interdisziplinäre Begutachtung durch
Dr. med. D._, Psychiatrie/Psychotherapie FMH, und Dr. med. E._, Innere Medizin
FMH spez. Rheumaerkrankungen, statt. Im psychiatrischen Gutachten mit
interdisziplinärer Zusammenfassung vom 13. November 2008 befanden die Gutachter
die Versicherte in adaptierten Tätigkeiten zu 60% arbeitsfähig (act. G 4.1/34 und
4.1/35).
A.e Mit Vorbescheid vom 31. August 2009 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, einen Anspruch auf Rentenleistungen zu verneinen (act. G 4.1/45). Die
Versicherte liess dagegen durch Rechtsanwalt lic. iur. J. Jakob am 12. Oktober 2009
Einwand erheben (act. G 4.1/49).
A.f Nach Einholung einer Stellungnahme beim RAD-Arzt Dr. med. F._ vom
26. Oktober 2009 verfügte die IV-Stelle am 27. Oktober 2009 im Sinn des Vorbescheids
(act. G 4.1/64).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde vom 25. November 2009 mit
den Anträgen, die Verfügung vom 27. Oktober 2009 sei aufzuheben und der
Beschwerdeführerin sei eine halbe Rente der Invalidenversicherung auszurichten.
Eventualiter sei die Beschwerdeführerin von einer unabhängigen ärztlichen Fachperson
erneut psychiatrisch begutachten zu lassen und das Verfahren sei bis zum Vorliegen
des ärztlichen Sachverständigenberichts zu sistieren; unter Kostenfolge. Der
Rechtsvertreter begründete dies im Wesentlichen damit, dass obgleich die ärztlichen
Diagnosen der Gutachter mit denjenigen der Berichte des Hausarztes und der
behandelnden Psychiaterin übereinstimmten, die Beurteilungen bezüglich der
Auswirkungen auf die Restarbeitsfähigkeit weit auseinanderklafften. Zudem sei die
vorgenommene Parallelisierung absolut realitätsfremd, und es sei der
Beschwerdeführerin auf Grund der körperlich beschränkten Einsatzmöglichkeiten, einer
hohen krankheitsbedingten Ausfallwahrscheinlichkeit und der Unzumutbarkeit,
weiterhin Schichtarbeit zu leisten, ein Leidensabzug von mindestens 15% zu gewähren
(act. G 1).
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B.b Mit Beschwerdeantwort vom 12. Februar 2010 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung machte sie neu
geltend, dass das Schmerzempfinden bei der Beschwerdeführerin dominiere und sich
die depressive Störung aus der anhaltenden Schmerzproblematik entwickelt habe.
Daher stelle die anhaltende mittelgradige depressive Episode kein von diesem
Schmerzempfinden losgelöstes Leiden von erheblicher Schwere, Ausprägung und
Dauer dar. Auf Grund des Nichterfüllens der gemäss Rechtsprechung relevanten
Kriterien sei nicht von einer invalidisierenden Gesundheitsschädigung auszugehen.
Zusammengefasst erfülle das bidisziplinäre Gutachten zwar im Grundsatz die
Anforderungen der Rechtsprechung an eine beweiskräftige medizinische
Entscheidgrundlage, bezüglich der Arbeitsfähigkeit sei jedoch in Abweichung von den
gutachterlichen Schlussfolgerungen von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für somatisch
adaptierte Tätigkeiten auszugehen. Dadurch sei in erwerblicher Hinsicht nicht mit einer
invaliditätsbedingten Erwerbseinbusse zu rechnen, welche zum Anspruch auf eine
Rente berechtigen würde. Eine Stellungnahme bezüglich der weiter geltend gemachten
Kritikpunkte erübrige sich folglich (act. G 4).
B.c In der Replik vom 29. April 2010 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
fest. Mit Verweis auf die ärztlichen Berichte führte ihr Rechtsvertreter aus, dass es sich
beim psychischen Leiden um ein solches von erheblicher Schwere, Ausprägung und
Dauer handle, welches offensichtlich zur Invalidität geführt habe (act. G 10).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 12).

Erwägungen:
1.
Vorliegend streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Invalidenrente hat.
2.
2.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
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über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.2 Anspruch auf eine Invalidenrente besteht, wenn die versicherte Person u.a.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen ist (Art. 28 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Es besteht ein Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70% und auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50% besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente (Art. 28 Abs. 2
IVG).
2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss kommt
einem Gutachten oder anderen medizinischen Beurteilungen schon dann kein voller
Beweiswert zu, wenn Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen; es muss nicht
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feststehen, dass die medizinischen Beurteilungen effektiv nicht den Tatsachen
entsprechen, was nicht mit medizinischen Fachpersonen besetzte Behörden in der
Regel nicht beurteilen können (Urteil des EVG vom 16. Oktober 2002, I 779/01, E. 4.2).
3.
3.1 Zu klären ist vorweg die Frage, ob die medizinische Aktenlage eine
rechtsgenügliche Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt.
3.2 Als medizinische Grundlage dienten der angefochtenen Verfügung vom
27. Oktober 2009 (act. G 4.1/64) die beiden Gutachten der Dres. D._ und E._ (act.
G 4.1/34 und 4.1/35). Diese führten in der bidisziplinären Zusammenfassung im
Gutachten der Klinik Teufen vom 13. November 2008 als Diagnosen mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit eine anhaltende mittelgradige depressive Episode mit somatischen
Symptomen (ICD-10: F32.11), einen Verdacht auf anhaltende somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) sowie ein Lumbovertebralsyndrom bei Status nach
lumboradikulärem Syndrom L4 und L5 rechts mit grosser medio-rechtsseitiger und
rechts rezessaler Diskushernie L4/L5 rechts mit Kompression der Nervenwurzel L5
rechts und mittelgradiger Spinalkanalstenose, bei kleiner Protrusion L3/L4 rechts mit
leichter Duralschlauchimpression ohne Nervenkompression und mit nur leichtgradiger
relativer Spinalkanalenge, bei stationärem Befund in der CT-Untersuchung der LWS
10/2008 gegenüber 01/2007, klinisch ohne radikuläre Zeichen, BWS-Hypokyphose und
Mammahyperplasie bei starker Adipositas (BMI 35kg/m2) und lumbosakraler
Übergangsanomalie mit anlagebedingt schmaler Bandscheibe auf. Als Diagnosen ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden eine starke Adipositas, leichter Vitamin-D-
Mangel und arterielle Hypertonie festgehalten. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit sei der
Beschwerdeführerin aus rheumatologischer Sicht das Heben und Tragen von Lasten
bis zu 10kg möglich. Falls die bisherige Tätigkeit die Herstellung von Paketen bis 10kg
beinhalte oder entsprechend adaptiert werden könne, sei die Beschwerdeführerin in
der bisherigen Tätigkeit zu 60% arbeitsfähig. Die 40%ige Arbeitsunfähigkeit sei auf
formale Denkstörungen, reduzierte psychische Belastbarkeit, Antriebsstörungen,
rasche Ermüdbarkeit und allgemeine Erschöpfung zurückzuführen. Dabei sei der
Beschwerdeführerin trotz Einschränkung die Willensanstrengung für eine 60%ige
Arbeit zumutbar. Bezüglich den Leiden ideal angepassten (adaptierten) Tätigkeiten sei
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zu berücksichtigen, dass sich Rückenfunktionseinschränkungen je nach Art und
Ausmass unterschiedlich auf die Fähigkeit auswirken könnten, häufig Lasten ohne
Hilfsmittel zu heben und zu tragen. Bei HWS-Problemen seien oft zusätzlich
Überkopfarbeiten sowie Vibrationen, bei Problemen am thorakolumbalen Übergang
Arbeiten mit repetitiven Rotationsbewegungen des Oberkörpers zu meiden. Das
längere Verharren in vornüber geneigter Haltung - ob stehend oder sitzend - sei zu
vermeiden. Ebenso seien unerwartete, asymmetrische Lasteneinwirkungen
auszuschliessen. Eher günstig seien wechselbelastende Tätigkeiten. Ausserdem seien
Tätigkeiten mit sehr hohen intellektuellen Anforderungen, sehr hohen Anforderungen an
die Konzentration und Eigeninitiative sowie Schichtarbeiten nicht zu empfehlen. In
zeitlicher Hinsicht habe von April 2007 bis 17. Oktober 2008 eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit und ab 17. Oktober 2008 eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden
(act. G 35/10f.).
3.3
3.3.1 In der rheumatologischen Beurteilung gab Dr. E._ im Teilgutachten vom
7. November 2008 an, dass die Beschwerdeführerin am Untersuchungstag unter
Rückenschmerzen ohne Ausstrahlung gelitten habe. Da klinisch keine radikulären
Zeichen vorhanden seien, sei die aktuelle Diagnose ein Lumbovertebralsyndrom und
nicht ein radikuläres Syndrom. Auf Grund der Beschwerden, der Anamnese und den
stationären radiologischen Befunden seien stark rückenbelastende Tätigkeiten nicht
ausübbar, andere dagegen zu 100%. Ausserdem hielt die Rheumatologin eine
Verschlimmerung der Mammahyperplasie durch die starke Adipositas fest. Günstig sei
hier die Aufnahme einer Schulter-Arm-betonten Sportart und als ultima ratio könnte
eine Mammareduktionsplastik meist zu einer deutlichen Linderung der Beschwerden
führen. Es sei wahrscheinlich, dass durch diese Massnahmen die Arbeitsfähigkeit auch
bei vornübergeneigter Körperhaltung deutlich bessere. Allerdings sei die Besserung ein
langsamer Prozess, der ein bis zwei Jahre dauern könne. Im Weiteren würden die
Schwielen in der Handinnenfläche rechts und an den Fingerkuppen von Daumen- und
Zeigefinger rechts mehr als links zeigen, dass die Beschwerdeführerin mit der rechten
Hand und den Fingern beidseits regelmässig kraftvoll zupacke, wozu die von ihr
gezeigte Handkraft nicht passe. Schliesslich habe sie auch eine Tablettenpackung mit
Kinderschutz problemlos aufmachen können, wofür eine gute Handkraft und -motorik
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nötig sei. Hier liege am ehesten eine Selbstlimitierung vor. Im Weiteren hätten
Untersuchungen gezeigt, dass keines der von der Beschwerdeführerin angegebenen
vier Medikamente im Blut vorhanden gewesen sei. Da auch die tatsächlichen
Medikamentenbezüge gestützt auf die Krankenkassenunterlagen sehr gering gewesen
seien, bestünde kaum eine Übereinstimmung zwischen der Höhe der
Medikamentenbezüge und ihren Angaben zu deren Einnahme. Schliesslich seien auch
die vom Hausarzt im Schreiben vom 11. Juni 2008 an die IV erwähnten gelegentlichen
Schmerzspritzen von der Krankenkasse nie bezahlt worden (act. G 4.1/34-17f.). Die
Gutachterin begründete die von ihr attestierte volle Arbeitsfähigkeit in adaptierter
Tätigkeit aus somatischer Sicht damit, dass die Beschwerdeführerin bereits von den
Ärzten der Rheinburg-Klinik nach der Rehabilitation in einer adaptierten Tätigkeit mit
Wechselbelastung, Heben bis 5kg und Möglichkeit von Pausen - was einem sehr
leichten Belastungsniveau entspreche - ab dem 16. April 2007 als voll arbeitsfähig
eingestuft worden sei. Da unterdessen keine radikulären Beschwerden mehr
bestünden, sei ein leichtes Belastungsniveau (Heben bis 10kg) vertretbar (act.
G 4.1/34-20). Während RAD-Arzt Dr. med. G._, das rheumatologische Gutachten mit
Stellungnahme vom 23. Dezember 2008 als vollumfänglich nachvollziehbar erachtete
(act. G 4.1/38-2), hielt RAD-Arzt Dr. F._ am 26. Oktober 2009 fest, dass er die
vorgeschlagene Operation zur Brustverkleinerung als nicht sinnvoll erachte. In
Übereinstimmung mit dem Gutachten führte er jedoch aus, dass ein radikuläres
Symptom, d.h. eine Wurzelreizung, typischerweise im Laufe der Zeit verschwinde. Es
verwundere daher nicht, dass eine solche Symptomatik im Jahr 2007 noch gesehen
worden sei, im 2008 jedoch nicht mehr. Dies stelle ganz einfach einen möglichen
medizinischen Verlauf dar. Als Folge des im Blut nachgewiesenen geringen
Medikamentenspiegels stellte Dr. F._ prinzipiell die Glaubwürdigkeit aber auch den
Leidensdruck der Beschwerdeführerin in Frage (act. G 4.1/51-1).
3.3.2 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hält der gutachterlichen
rheumatologischen Beurteilung entgegen, dass eine 100%ige Arbeitsfähigkeit nur mit
wesentlichen Einschränkungen möglich sei. So hätten die Ärzte der Rheinburg-Klinik
die Arbeitsfähigkeit ab 15. April 2007 in adaptierter Tätigkeit lediglich mit der
Möglichkeit von Pausen als realisierbar erklärt (act. G 4.1/14-8). Damit müsse die
jederzeitige Realisierbarkeit von Arbeitspausen gemeint sein, weshalb auch bei einem
Arbeitspensum von 100% die Resterwerbsfähigkeit auf Grund der vermehrten Pausen
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lediglich maximal 80% betragen könne. Dr. E._ begründete den Wechsel von einem
sehr leichten Belastungsniveau zu einem leichten bezugnehmend auf den Bericht der
Rheinburg-Klinik nachvollziehbar mit dem Wegfall der radikulären Beschwerden (act.
G 4.1/34-20). Sie nahm jedoch keine Stellung zur Frage, in welchem Ausmass Pausen
einzuschalten seien. Diesbezüglich kann aber auf die Stellungnahme des RAD-Arztes
Dr. F._ vom 11. Januar 2010 verwiesen werde, welcher aus körperlicher Sicht auf
Grund vermehrter Pausen eine Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von 80% als
nachvollziehbar erachtete (vgl. act. G 4.1/64). Insgesamt erscheint diese Einschätzung
gestützt auf die somatischen Beschwerden als wohlwollende maximale untere Grenze
im Sinn der Beschwerdeführerin. Im Übrigen erweisen sich die Ausführungen von
Dr. E._ als schlüssig und sorgfältig abgestützt. Da sich auch mit Blick auf die übrigen
medizinischen Akten keine inhaltlichen Widersprüche ergeben, kann auf das
rheumatologische Gutachten sowie die sich darauf beziehende Stellungnahme von
Dr. F._ vom 11. Januar 2010 abgestellt werden.
3.4
3.4.1 In psychiatrischer Hinsicht befand Dr. D._, dass die Beschwerdeführerin
wie praktisch alle Menschen mit bescheidener Ausbildung zur Körpersprache neige.
Die emotionalen Belastungen seien kaum thematisiert, sondern auf die körperliche
Ebene projiziert worden. Deswegen sei es seines Erachtens zur Chronifizierung der
Rückenschmerzen mit dem Verdacht auf die Bildung einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung gekommen. Im Rahmen der ständigen Schmerzen, der emotionalen
Vorbelastungen und der Zunahme der Selbstwertproblematik bei massiver
Gewichtszunahme sei es ungefähr im Februar 2007 zur Entwicklung einer depressiven
Störung gekommen, die anhaltend seit April 2007 im mittelgradigen Ausmass
vorhanden sei. Die Beschwerdeführerin habe zwar über eine leichte Verbesserung ihrer
depressiven Symptomatik im letzten Jahr berichtet, wobei während seiner Exploration
vom 17. Oktober 2008 die depressive Symptomatik im mittelgradigen Ausmass
festzustellen gewesen sei. Die sinnvolle Tagesstruktur während des halbtägigen
Einsatzprogramms des RAV von Januar bis Ende Juli 2008 habe seines Erachtens
neben der fachlich kompetenten psychiatrischen Behandlung zur Beruhigung und
sogar subjektiven Verbesserung ihres Zustands geführt. Deshalb könne der
Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht seit April 2007 bis zum
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Untersuchungstag eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit und ab dem Untersuchungstag eine
solche von 40% attestiert werden. Diese 40%ige Arbeitsunfähigkeit sei auf formale
Denkstörungen, reduzierte psychische Belastbarkeit, Antriebsstörungen, rasche
Ermüdbarkeit und allgemeine Erschöpfung zurückzuführen (act. G 4.1/35-8).
3.4.2 Im Widerspruch zu dieser gutachterlichen Beurteilung gingen die
behandelnden Ärzte Dr. C._ und Dr. B._ von einer Verschlechterung des
Gesundheitszustands aus. So hatte Dr. C._ der IV-Stelle am 30. Januar 2008
geschrieben, dass eine anhaltende depressive Störung mittelschwerer Ausprägung mit
im Vordergrund stehenden generalisierten Schmerzen, emotionaler Labilität, Störung
der Vitalgefühle, Isolationstendenz und schweren Schlafstörungen bestehe, wobei die
Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und einer adaptierten Tätigkeit 50% betrage mit einer
verminderten Leistungsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit von 20 - 30% (act.
G 4.1/16). Obgleich die Psychiaterin im Verlaufsbericht vom 18. Juni 2008 keine
Änderung der Diagnose festhielt und den Gesundheitszustand als stationär befand,
stufte sie die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin nun als zu 100% vermindert
ein, dies auf Grund einer Intensivierung der generalisierten Schmerzen sowie aktuell
intensiven Schmerzen in den Fersen (act. G 4.1/26). Auch der Hausarzt Dr. B._
dokumentierte in seinem Bericht vom 11. Juni 2008 keine Veränderung der Diagnose,
jedoch eine Zunahme der bereits diagnostizierten Depression und damit eine
Verschlechterung des Gesundheitszustands. Er hielt fest, dass die psychiatrische
Medikation zu einer weiteren Gewichtszunahme, Inaktivierung und Verschlechterung
der Gesamtsituation geführt habe, wobei er die verbleibende Leistungsfähigkeit in
zumutbarer Tätigkeit trotzdem weiterhin auf 50% schätzte (act. G 4.1/25). Dass
Dr. D._ diese früheren ärztlichen Einschätzungen, welche von seiner eigenen
Beurteilung wesentlich abweichen, dennoch ausdrücklich als fachlich korrekt und
damit plausibel bezeichnete (act. G 4.1/34-9), ist widersprüchlich. Obgleich Dr. C._
die von ihr attestierte volle Arbeitsunfähigkeit unbegründet liess, weshalb auch dieser
Beurteilung nicht ohne Weiteres gefolgt werden kann, hätte sich Dr. D._ mit der
beträchtlichen Abweichung hinsichtlich der Arbeitsunfähigkeitseinschätzung
auseinandersetzen müssen bzw. diese sicherlich nicht als plausibel bezeichnen dürfen.
Das psychiatrische Teilgutachten erscheint daher ziemlich oberflächlich verfasst und
wenig mit den Vorakten abgestimmt. Vielmehr entsteht der Eindruck, der Gutachter
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habe zwar die Person der Beschwerdeführerin in psychiatrischer Hinsicht untersucht,
die Vorakten demgegenüber kaum beachtet.
3.4.3 Als weiterer Mangel ist festzuhalten, dass die psychiatrische Begutachtung
am 17. Oktober 2008 und damit zeitlich vor der rheumatologischen vom 28. Oktober
2008 stattgefunden hat (vgl. act. G 4.1/35-1). Gemäss den Leitlinien der
Schweizerischen Gesellschaft für Versicherungspsychiatrie für die Begutachtung
psychischer Störungen ist die Erhebung objektiver somatischer Befunde in den
meisten Fällen gegenüber der psychiatrischen Diagnostik im zeitlichen Ablauf
vorrangig. Grund dafür ist, dass gerade bei der Beurteilung psychosomatischer
Krankheitsbilder eine valide somatische Befunderhebung notwendig ist, zumal etliche
ICD-10-Diagnosen des Kapitels F den Ausschluss organischer Ursachen verlangen
(vgl. SÄZ 2004/85, Nr. 20 S. 1050). Vorliegend konnte Dr. D._ somit nicht auf eine
verbindliche somatische Beurteilung abstellen, weshalb er wohl auch "lediglich" den
Verdacht auf eine somatoforme Schmerzstörung äusserte. Diese Diagnose kann erst
dann gestellt werden, wenn feststeht, dass die somatischen Beschwerden nicht oder
nicht im vollen Umfang objektiviert sind. Insgesamt führen die genannten
Unstimmigkeiten und Widersprüche betreffend das psychiatrische Gutachten vom
13. November 2008 dazu, dass darauf nicht abgestellt werden kann.
3.4.4 Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass das psychiatrische
Gutachten von Dr. D._ zu wenig schlüssig und nicht mit dem rheumatologischen
Gutachten abgestimmt ist, weshalb es nicht zu überzeugen vermag. Da auch die
übrigen Berichte der behandelnden Ärzte keine ausreichende Grundlage bieten und in
psychiatrischer Hinsicht somit ein in allen Teilen nachvollziehbares, überzeugendes
Gutachten fehlt, rechtfertigt es sich, die Sache zur Vornahme einer weiteren
psychiatrischen Begutachtung durch eine noch nicht mit dem Fall befasste
Gutachterstelle an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.
Während die Beschwerdeführerin im Eventualbegehren der Beschwerde noch die
Vornahme einer neuen Begutachtung mit Verfahrenssistierung beantragt hatte (act. G 1
S. 2), begehrte sie in der Replik vom 29. April 2010, dass auf das bidisziplinäre
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Gutachten von Dr. D._ und Dr. E._ als beweiskräftige medizinische
Entscheidgrundlage dem Grundsatz nach abzustellen sei. Einzig die aktenwidrige und
nachweislich widerlegte "Verbesserung des Gesundheitszustands zwischen Januar
und Juli 2008" sei ausser Acht zu lassen und die zumutbare Restarbeitsfähigkeit sei für
die gesamte Zeitdauer auf 50% festzulegen (act. G 10 S. 9). Im Entscheid vom 28. Juni
2011, 9C_243/2010, hat das Bundesgericht jüngst festgehalten, dass die
erstinstanzlichen Gerichte die Befugnis zur Einholung gerichtlicher Expertisen nicht
ohne Not durch Rückweisung an die Verwaltung delegieren dürfen (E. 4.4.1.1). Würde
das Versicherungsgericht vorliegend jedoch selber ein medizinisches Gutachten
einholen, wäre dadurch der psychische Gesundheitsverlauf lediglich bis zum Zeitpunkt
der angefochtenen Verfügung vom 27. Oktober 2009 zu überprüfen bzw. festzustellen,
weil die Sozialversicherungsgerichte bei der Beurteilung einer Streitsache grundsätzlich
auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung eingetretenen
Sachverhalt abzustellen haben (vgl. BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). Nachdem
Dr. D._ in seinem Gutachten jedoch auf eine günstige Prognose hinsichtlich der
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit geschlossen und eine baldige Verlaufsbegutachtung
empfohlen hat (vgl. act. G 4.1/35-8), rechtfertigt sich vorliegend eine Rückweisung an
die Beschwerdegegnerin. Diese hat sodann ein psychiatrisches Gutachten bezüglich
des Gesundheitsverlaufs bis zum Zeitpunkt der Neuverfügung vorzunehmen und damit
direkt über den gesamten Verlauf zu entscheiden. Damit wird vorliegend gegenüber
dem selbständigen Einholen eines Gutachtens die Verfahrensstraffung begünstigt.
Zudem dürften der Beschwerdeführerin keinerlei Nachteile erwachsen, da auch die
Beschwerdegegnerin deren Verfahrensrechte (Mitwirkungsrechte im
Verwaltungsverfahren) umfassend zu wahren hat (vgl. Urteil vom 28. Juni 2011, a.a.O.,
E. 3.4.2.6ff.).
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde unter Aufhebung der angefochtenen
Verfügung vom 27. Oktober 2009 teilweise gutzuheissen. Die Sache ist zur weiteren
Abklärung und zu neuer Verfügung im Sinn der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
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5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu
bezahlen.
5.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei ins-
besondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen ist
(Art. 61 lit. g ATSG). Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat mit der Replik
vom 29. April 2010 eine Honorarnote über Fr. 3'228.-- (Fr. 3'000.-- Entschädigung +
Fr. 228.-- Mehrwertsteuer) eingereicht (act. G 10). Diese erscheint angesichts der Art
und des Umfangs der Bemühungen angemessen. Somit hat die Beschwerdegegnerin
der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von Fr. 3'228.-- (inklusive
Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht