Decision ID: b4c4b808-2a3a-5b2e-be61-dae71c23fca5
Year: 2017
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdegegner reichte am 12. Juli 2016 bei der Gemeinde Seeberg ein
Baugesuch ein für den Umbau des bestehenden Rinderstalls auf der Parzelle Seeberg
Grundbuchblatt Nr. C._ in eine Vierzimmerwohnung. Die Parzelle liegt in der
Landwirtschaftszone. Gemäss dem kantonalen Richtplan gehört sie zudem zum
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Streusiedlungsgebiet. Der "Umbau" sieht vor, den bestehenden Stall abzubrechen und die
Wohnung auf der gleichen Grundfläche wieder neu aufzubauen. Gegen das Bauvorhaben
gingen keine Einsprachen ein.
Das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) gewährte dem Bauvorhaben mit
Verfügung vom 1. November 2016 eine Ausnahmebewilligung für das Bauen ausserhalb
des Baugebietes. Zur Begründung führte es aus, die Erweiterung der Bruttogeschossfläche
erfolge innerhalb des bestehenden Bauvolumens und das Bauvorhaben stelle daher eine
zulässige massvolle Erweiterung dar. Es erfülle die Voraussetzungen von Art. 42 Abs. 3
RPV. Mit Entscheid vom 3. November 2016 erteilte die Gemeinde Seeberg dem
Bauvorhaben die Baubewilligung.
2. Gegen den Bauentscheid und die gleichzeitig eröffnete Verfügung des AGR reichte
das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) am 5. Dezember 2016 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Es beantragt die
Aufhebung des Bauentscheides vom 3. November 2016 sowie der Verfügung des AGR
vom 1. November 2016 und die Erteilung des Bauabschlags. .
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte bei der
Gemeinde die Vorakten ein und gab dieser sowie dem AGR und dem Beschwerdegegner
Gelegenheit zur Stellungnahme zur Beschwerde. Danach führte es im Beisein der Parteien
einen Augenschein mit Instruktionsverhandlung durch. Anlässlich dieses Augenscheins
stellte das Rechtsamt fest, dass der Beschwerdegegner den alten Rinderstall bereits
abgebrochen und mit dem Neubau der Wohnung begonnen hatte.
Die Parteien erhielten Gelegenheit, sich zum Protokoll des Augenscheins zu äussern und
Schlussbemerkungen einzureichen.
4. Auf die Rechtsschriften sowie auf das Ergebnis des Augenscheins wird, soweit für
den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
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II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Angefochten sind ein Bauentscheid der Gemeinde sowie eine Verfügung für das Bauen
ausserhalb der Bauzone des AGR. Bauentscheide können nach Art. 40 Abs. 1 BauG2
innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden.
Wenn neben der Baubewilligung weitere Bewilligungen angefochten werden, sind die
Verfahren im Baubeschwerdeverfahren zu vereinigen und mit einem Gesamtentscheid zu
erledigen (Art. 2a Abs. 2 Bst. d BauG). Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde
gegen den Bauentscheid sowie gegen die Verfügung des AGR zuständig. Die beiden
gemeinsam eingereichten Anträge wurden in einem Verfahren behandelt. Die
Beschwerdeführerin ist gemäss Art. 111 Abs. 2 BGG3 i.V.m. Art. 89 Abs. 2 Bst. a BGG und
Art. 48 Abs. 4 RPV4 zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf ihre form- und fristgerecht
eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Bauen ausserhalb der Bauzone
a) Auf der Parzelle des Beschwerdegegners, wo das Bauvorhaben realisiert werden
soll, befindet sich ein altes Bauernhaus. Der Beschwerdegegner, resp. sein Vater, führten
bis 2005 zumindest teilweise einen landwirtschaftlichen Betrieb. Heute wird das Gebäude
nicht mehr landwirtschaftlich genutzt. Es wird vom Beschwerdegegner sowie dessen
Mutter bewohnt.5 Die ursprüngliche Baute umfasste sowohl einen Wohn- als auch einen
Ökonomiebereich. Im Jahr 1966 erweiterte der Vater des Beschwerdegegners die
bestehenden Wohnräumlichkeiten auf eine Bruttogeschossfläche von 216.8 m2. Der
Ökonomiebereich umfasste zu diesem Zeitpunkt einen Stall, eine Scheune, einen
Abstellraum sowie eine Jauchgrube.6 1975 vergrösserte der Vater des Beschwerdegegners
den Stall innerhalb des bestehenden Gebäudevolumens; neu benutzte er auch den
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721). 3 Bundesgesetz vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110). 4 Raumplanungsverordnung des Bundesrates vom 28. Juni 2000 (RPV; SR 700.1). 5 Vgl. Augenscheinprotokoll vom 7. Februar 2017, Voten B._, S. 6. 6 Vgl. Baubewilligungsakten der Gemeinde Seeberg, 31/1966; sowie Augenscheinprotokoll vom 7. Februar 2017, Votum Frau B._, S. 3.
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früheren Abstellraum für die Schweine- und Rinderzucht.7 1981 erfolgte eine erneute
Erweiterung der bestehenden Ställe. Dabei wurden im Innern des Gebäudes verschiedene
Wände abgebrochen. Ein Teil der Erweiterung erfolgte dieses Mal aber auch ausserhalb
des bestehenden Gebäudevolumens.8 Dadurch entstand der im vorliegend zu
beurteilenden Baugesuch als "Rinderstall" bezeichnete Stall.9 Dieser war zum damaligen
Zeitpunkt mit dem heutigen "Aufenthaltsraum" verbunden, beide Räumlichkeiten dienten
als Ställe. Wann der hintere Teil des Stalles zum heutigen "Aufenthaltsraum" umfunktioniert
und damit der Stall wieder verkleinert wurde, geht aus den Baubewilligungsakten nicht
hervor. In den Neunzigerjahren kam schliesslich noch ein gedeckter Laufstall hinzu.10 Mit
dem vorliegend zu beurteilenden Baugesuch ersucht der Beschwerdegegner um Erteilung
der Baubewilligung, um den 1981 erstellten Rinderstall abbrechen und auf derselben
Grundfläche eine Vierzimmerwohnung errichten zu dürfen.
b) Bauten und Anlagen können nur bewilligt werden, wenn sie dem Zweck der
Nutzungszone entsprechen (Art. 22 Abs. 2 RPG11). Das Bauvorhaben liegt in der
Landwirtschaftszone und damit im Nichtbaugebiet. In dieser Zone sind grundsätzlich nur
Bauten und Anlagen zonenkonform, wenn sie zur landwirtschaftlichen Bewirtschaftung
oder für den produzierenden Gartenbau nötig sind (Art. 16a RPG). Ist ein Bauvorhaben in
der Landwirtschaftszone nicht zonenkonform, kann eine Bewilligung nur erteilt werden,
wenn es die Voraussetzungen eines Ausnahmetatbestandes gemäss Art. 24 ff. RPG erfüllt.
c) Die zukünftigen Räumlichkeiten im ehemaligen Rinderstall sollen dem Sohn des
Beschwerdegegners als Wohnung dienen. Er ist nicht in der Landwirtschaft tätig, sondern
arbeitet als Zimmermann. Den Landwirtschaftsbetrieb hat der Beschwerdegegner im Jahr
2005 definitiv aufgegeben. Das Bauvorhaben dient daher nicht der landwirtschaftlichen
Nutzung und ist nicht zonenkonform. Da sich das Bauvorhaben im Streusiedlungsgebiet
befindet, kommt einerseits eine Ausnahmebewilligung gemäss Art. 24 Bst. a RPG in
Verbindung mit Art. 39 RPV in Frage. Anderseits ist zu prüfen, ob die Voraussetzungen
7 Vgl. Baubewilligungsakten der Gemeinde Seeberg, 14/1975. 8 Vgl. Baubewilligungsakten der Gemeinde Seeberg, 24/1981; Augenscheinprotokoll vom 7. Februar 2017, Votum B._, S. 4. 9 Vgl. Plan als Beilage zum Protokoll des Augenscheins vom 7. Februar 2017. 10 Vgl. Baubewilligungsakten der Gemeinde Seeberg, 1994.19; sowie Augenscheinprotokoll vom 7. Februar 2017, Votum B._, S. 4. 11 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700).
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von Art. 24c RPG erfüllt sein könnten, da die bestehende Wohnnutzung erweitert werden
soll.
3. Bauten in Streusiedlungsgebieten
a) Gemäss Art. 39 Abs. 1 Bst. a RPV können die Kantone in Gebieten mit traditioneller
Streubauweise, die im kantonalen Richtplan räumlich festgelegt sind und in denen die
Dauerbesiedlung im Hinblick auf die anzustrebende räumliche Entwicklung gestärkt
werden soll, die Änderung der Nutzung bestehender Bauten, die Wohnungen enthalten, zu
landwirtschaftsfremden Wohnzwecken als standortgebunden (Art. 24 Bst. a RPG)
bewilligen, wenn sie nach der Änderung ganzjährig bewohnt werden. Die äussere
Erscheinung und die bauliche Grundstruktur müssen im Wesentlichen unverändert bleiben
(Art. 39 Abs. 3 RPV).
b) Diese Bestimmung verfolgt das Ziel, die Dauerbesiedlung in Gebieten mit
traditioneller Streubauweise (Streusiedlungsgebiete) zu erhalten und zu stärken. Die
Wohnnutzung darf sich in diesen Fällen in den bisherigen angrenzenden Ökonomieteil
ausdehnen, ohne an bestimmte maximale Flächen gebunden zu sein. Dementsprechend
sind Umbauten zulässig, allerdings schliesst dieser Artikel Erweiterungen des Volumens
und Neubauten, auch Abbruch und Wiederaufbau, aus.12
c) Für die Umnutzung des ehemaligen Rinderstalls in eine Vierzimmerwohnung
beabsichtigt der Beschwerdegegner, die bestehende Bausubstanz abzubrechen und neu
wieder aufzubauen. Damit greift das Bauvorhaben in die bauliche Grundstruktur der
ursprünglichen Baute ein. Diese Neugestaltung ist vom Anwendungsbereich von Art. 39
RPV nicht erfasst. Da der Beschwerdegegner mit der Ausführung des Bauvorhabens
bereits begonnen hat, kommt ein anderes Vorgehen zudem nicht mehr in Betracht. Das
Bauvorhaben widerspricht damit den Voraussetzungen von Art. 39 RPV. Dem
Bauvorhaben kann daher gestützt auf diese Bestimmung keine Ausnahmebewilligung
erteilt werden.
4. Ausnahmebewilligung gemäss Art. 24c RPG
12 Vgl. Merkblatt des Amts für Gemeinden und Raumordnung, Abteilung Bauen, Bauwerke in Streusiedlungsgebieten - Wohnen oder örtliches Kleingewerbe; Muggli in: Praxiskommentar RPG: Bauen ausserhalb der Bauzone, Aemisegger/Moor/Ruch/Tschannen (Hrsg), 2017, Art. 24 N. 36.
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a) Gemäss Art. 24c Abs. 1 RPG werden bestimmungsgemäss nutzbare Bauten und
Anlagen ausserhalb der Bauzone, die nicht mehr zonenkonform sind, in ihrem Bestand
grundsätzlich geschützt. Der Anwendungsbereich von Art. 24c RPG bezieht sich nur auf
altrechtliche Bauten (vgl. Art. 41 Abs. 1 und Art. 42 RPV). Altrechtlich bedeutet einerseits,
dass die Bauten vor der Einführung der Trennung der Bauzonen von den Nichtbauzonen
am 1. Juli 1972 in Übereinstimmung mit dem materiellen Recht erstellt worden sind oder
zwar nach dem 1. Juli 1972 erstellt, aber nachträglich zum Nichtbaugebiet geschlagen
worden sind. Andererseits fallen seit der Revision 2011 auch landwirtschaftliche
Wohnbauten und zusammengebaute Ökonomiegebäude, die vor dem 1. Juli 1972
rechtmässig erstellt worden sind, in den Anwendungsbereich von Art. 24c RPG. Vom
Anwendungsbereich nicht erfasst sind hingegen insbesondere Bauten, die nach dem 1. Juli
1972 als zonenkonforme Bauten erstellt worden sind.13
Bauten, die in den Anwendungsbereich von Art. 24c RPG fallen, können mit Bewilligung
der zuständigen Behörde erneuert, teilweise geändert, massvoll erweitert oder
wiederaufgebaut werden (Art. 24c Abs. 2 RPG). Eine Änderung gilt dann als teilweise und
eine Erweiterung als massvoll, wenn die Identität der Baute einschliesslich ihrer Umgebung
in den wesentlichen Zügen gewahrt bleibt (Art. 42 Abs. 1 RPV). Massgeblicher
Vergleichszustand für die Beurteilung der Identität ist der Zustand, in dem sich die Baute
oder Anlage im Zeitpunkt der Zuweisung zum Nichtbaugebiet befand (Art. 42 Abs. 2 RPV),
das heisst in erster Linie der Zustand der Baute, wie sie sich am 1. Juli 1972 präsentierte.14
Ob trotz einer geplanten Änderung die Identität der ursprünglichen Baute oder Anlage im
Wesentlichen gewahrt bleibt, ist unter Würdigung der gesamten Umstände zu beurteilen.
Bei einer Erweiterung der Wohnfläche ist allerdings in jedem Fall die quantitative Regel zu
berücksichtigen, wonach eine Erweiterung ausserhalb des Gebäudevolumens sowohl
bezüglich der anrechenbaren Bruttogeschossfläche als auch bezüglich der Gesamtfläche
(Summe von anrechenbarer Bruttogeschossfläche und Brutto-Nebenfläche) weder 30 %
der ursprünglichen anrechenbaren Fläche, noch 100 m2 überschreiten darf; Erweiterungen
innerhalb des bestehenden Gebäudevolumens werden nur halb angerechnet (Art. 42 Abs.
3 Bst. b RPV). Werden diese quantitativen Obergrenzen überschritten, gilt die Identität der
Baute auf jeden Fall als nicht gewahrt und eine Bewilligung kann nicht erteilt werden.
13 Vgl. Muggli, a.a.O., Art. 24c N. 17 ff. 14 BGer 1C_415/2014 vom 1. Oktober 2015, E. 3.6.
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Eine altrechtliche Baute darf nur dann abgebrochen und wieder aufgebaut werden, wenn
sie im Zeitpunkt der Zerstörung oder des Abbruchs noch bestimmungsgemäss nutzbar war
und an ihrer Nutzung ein ununterbrochenes Interesse besteht. Erfolgt mit dem
Wiederaufbau eine Erweiterung der Bruttogeschossfläche darf das Gebäudevolumen aber
nur soweit wieder aufgebaut werden, dass es die nach Absatz 3 zulässige Fläche
umfassen kann (Art. 42 Abs. 4 RPV). Bei einem Abbruch altrechtlicher Bauten gilt das
wieder aufzubauende Gebäudevolumen insoweit als Erweiterung innerhalb des
bestehenden Gebäudevolumens und ist an die Obergrenze nur halb anzurechnen, als es
nicht über das im Zeitpunkt der massgeblichen Rechtsänderung (1972) existierende
Volumen hinaus ragt.15 Bei einem Abbruch und Wiederaufbau von nicht altrechtlichen
Gebäudeteilen zwecks Erweiterung der Bruttogeschossfläche, müssen dagegen immer die
Voraussetzungen von Erweiterungen ausserhalb des bestehenden Gebäudevolumens
erfüllt sein.
b) Beim ursprünglichen Bauernhaus des Beschwerdegegners handelt es sich um eine
altrechtliche Baute. Seit 1966 wurde der Wohnbereich des Gebäudes flächenmässig nicht
mehr angepasst. Um beurteilen zu können, wie gross die maximal zulässige Erweiterung
der Wohnfläche sein darf, ist daher der damalige Zustand massgebend.
Das Bauernhaus wies respektive weist eine Bruttogeschossfläche, d.h. die Fläche, die der
tatsächlichen Wohnnutzung dient, von 216.8 m2 auf.16 Die Obergrenze der quantitativen
Erweiterung für Wohnflächen, bei deren Überschreitung die Identität sicher nicht mehr
gewahrt wäre, liegt gemäss Art. 42 Abs. 3 RPV bei maximal 30 %, das heisst, die
Bruttogeschossfläche kann um maximal 65.04 m2 erweitert werden. Das bedeutet, dass
eine Erweiterung ausserhalb des bestehenden Gebäudevolumens mit der
Identitätswahrung der ursprünglichen Baute sicher dann nicht mehr vereinbar ist, wenn sie
eine Fläche von 65.04 m2 übersteigt. Eine Erweiterung der Bruttogeschossfläche innerhalb
des bestehenden Bauvolumens dürfte eine Fläche von maximal 130.08 m2 aufweisen.
c) Der Rinderstall, der abgebrochen und wiederaufgebaut werden soll, wurde erst im
Zusammenhang mit der Erweiterung der Ställe 1981 bewilligt und erstellt. Dafür hat der
15 Erläuterungen zur Revision der Raumplanungsverordnung (RPV) vom 4. Juli 2007, Fn 14; vgl. auch BGer 1C_415/2014 vom 1. Oktober 2015, E. 3.6. 16 Vgl. Beilage 1 zur Stellungnahme des AGR vom 9. Januar 2017; Vorakten pag. 43 sowie Augenscheinprotokoll vom 7. Februar 2017, Votum Vorsitzende, S. 4.
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Vater des Beschwerdegegners zum damaligen Zeitpunkt einen Teil des alten Stalles
abgebrochen. Obwohl daher ein Teil des Rinderstalls auf einer Fläche steht, die zum
Zeitpunkt der massgeblichen Rechtsänderung (1972) bereits bebaut war (ca. ein Drittel),
handelt es sich beim Rinderstall insgesamt nicht um eine altrechtliche Baute, da die
Bausubstanz erst von 1981 datiert. Dieser ganze Gebäudeteil ist daher von der erweiterten
Besitzstandsgarantie von Art. 24c RPG nicht erfasst. Dementsprechend erübrigt sich die
Prüfung, ob die Voraussetzungen für einen Abbruch und Wiederaufbau gemäss Art. 42
Abs. 4 RPV erfüllt wären oder nicht. Es fehlt bereits an der ersten Voraussetzung, der
altrechtlichen Baute. Bei einem Abbruch und Wiederaufbau dieses Gebäudeteils zu
Wohnzwecken, handelt es sich daher immer um eine Erweiterung der
Bruttogeschossfläche ausserhalb des bestehenden Bauvolumens. Diese Fläche ist folglich
an die maximal zulässige Erweiterungsfläche voll anzurechnen.
Die neue Wohnung weist eine Bruttogeschossfläche von 104.2 m2 auf. Diese Erweiterung
liegt damit über der maximal zulässigen anrechenbaren Bruttogeschossfläche von
65.04 m2. Selbst wenn ein Drittel der neuen Bruttogeschossfläche, d.h. die Fläche in jenem
Bereich, der 1972 bereits bebaut gewesen war, als Erweiterung innerhalb von
bestehendem, altrechtlichem Volumen betrachtet und nur halb angerechnet würde,
überstiege das Bauvorhaben diese maximal zulässige Erweiterungsfläche immer noch
deutlich. Die geplante Erweiterung der Wohnnutzung widerspricht daher in jedem Fall Art.
42 Abs. 3 RPV. Dementsprechend ist der Abbruch und Wiederaufbau des ehemaligen
Rinderstalls und die Umnutzung in eine Wohnung mit der Identitätswahrung der
ursprünglichen Baute von vornherein nicht vereinbar. Ob die Wesensgleichheit im Übrigen
gewahrt wäre oder nicht, muss daher nicht mehr überprüft werden. Die Erweiterung erweist
sich in jedem Fall als nicht massvoll. Das Bauvorhaben kann bereits aus diesem Grund
nicht bewilligt werden.
d) Im Übrigen ist das Bauvorhaben auch mit Veränderungen am äusseren
Erscheinungsbild verbunden: So sieht der Wiederaufbau unter anderem mehr Fenster vor,
als der bisherige Rinderstall aufwies. Diese Veränderung wäre nur zulässig, falls sie für
eine zeitgemässe Wohnnutzung oder für die energetische Sanierung nötig oder darauf
ausgerichtet wäre, die Einpassung in die Landschaft zu verbessern (Art. 24c Abs. 4 RPG).
Das Bauernhaus weist mit einer Bruttogeschossfläche von 216.8 m2 einen grosszügigen
Grundriss auf. Insbesondere da es "nur" vom Beschwerdegegner sowie dessen Mutter
bewohnt ist, genügt es flächenmässig den Anforderungen an das zeitgemässe Wohnen
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mehr als genügend. Es besteht kein Anspruch darauf, dass der erwachsene Sohn, der
keinen landwirtschaftlichen Beruf ausübt, nebenan in einer separaten Wohnung Platz
finden kann. Das Bauvorhaben widerspricht damit auch den zusätzlichen Anforderungen
gemäss Art. 24c Abs. 4 RPG. Dem Bauvorhaben kann dementsprechend keine
Ausnahmebewilligung gemäss Art. 24c RPG erteilt werden. Es kann daher nicht bewilligt
werden. Ihm ist der Bauabschlag zu erteilen.
e) Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist nur das Baubewilligungsverfahren.
Obwohl der Beschwerdegegner mit den Bauarbeiten bereits begonnen hat und das
Bauvorhaben nicht bewilligungsfähig ist, sind allfällige Wiederherstellungsmassnahmen
nicht Verfahrensgegenstand und die BVE kann daher nicht erstmals darüber befinden. Bei
widerrechtlichen Bautätigkeiten hat die Baupolizeibehörde der Gemeinde jedoch von
Amtes wegen tätig zu werden. Die Gemeinde wird dementsprechend ein
Wiederherstellungsverfahren einleiten müssen.
5. Kosten
a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr.
Für besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 1'200.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV17). Für den Augenschein vom
7. Februar 2017 wird in Anwendung von Art. 20 Abs. 1 GebV eine zusätzliche Gebühr von
Fr. 400.– erhoben. Die Verfahrenskosten betragen somit Fr. 1'600.–.
b) Die amtlichen Kosten für das erstinstanzliche Baubewilligungsverfahren von
Fr. 2'813.10 hat der Beschwerdegegner auch im Falle eines Bauabschlages als
Baugesuchsteller zu tragen (Art. 52 Abs. 1 BewD18). Aufgrund des Bauabschlages erübrigt
sich allerdings die Baukontrolle. Die von der Gemeinde dafür vorgesehenen Kosten von
Fr. 60.– sind daher von den erstinstanzlichen Gebühren in Abzug zu bringen. Die amtlichen
Kosten für das erstinstanzliche Baubewilligungsverfahren belaufen sich auf Fr. 2'753.10.
Diese bleiben dem Beschwerdegegner auferlegt.
17 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21). 18 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1).
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c) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Parteikosten umfassen den durch die
berufsmässige Parteivertretung anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Die
obsiegende Beschwerdeführerin ist nicht anwaltlich vertreten. Es werden keine
Parteikosten gesprochen.