Decision ID: bbf1577f-d706-59cb-8614-8313f7db0b5c
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 17. März 2015 wegen Depression zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 1). Die am Psychiatrie-Zentrum B._ seit Dezember 2014
ambulant behandelnden medizinischen Fachpersonen diagnostizierten eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige bis schwere Episode mit
Dissoziationen (ICD-10: F32.1), DD: fraglich psychotische Störung bei positiver
Familienanamnese (Schizophrenie), und eine Persönlichkeitsveränderung nach
Extrembelastung im Kindes- und Jugendalter in Folge einer posttraumatischen
Belastungsstörung im Sinn einer komplexen Traumastörung (ICD-10: F62.0). Die
Behandlung sei auf Empfehlung der Beratungsstelle C._ mit dem Hinweis erfolgt,
dass nach der Geburt des ersten Kinds (2. August 2014, IV-act. 1-2) eine schwere
depressive Symptomatik bestehe und es zur Reaktivierung von traumatischen
Erlebnissen aus der Kindheit gekommen sei. Fremdanamnestisch sei zu erheben, dass
bereits im Jahr 2009 eine kurzzeitige ambulante Behandlung im psychiatrischen
Ambulatorium D._ erfolgt und bereits dort eine rezidivierende depressive Störung
diagnostiziert worden sei. Seit Dezember 2014 bestehe eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit. Unter einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung sei
davon auszugehen, dass sich das Zustandsbild der Versicherten verbessern könne
(Bericht vom 4. Mai 2015, IV-act. 13).
A.a.
Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte im Bericht
vom 20. Juli 2015 aus, dass die Versicherte seit 14. April 2015 wöchentliche
Konsultationen beim Psychologen lic. phil. F._ wahrnehme (Psychotherapie im
delegierten Verfahren). Gegenwärtig bestünden folgende Symptome: diffuse Ängste,
Ein- und Durchschlafstörungen, gedrückte Stimmung, Hoffnungslosigkeit,
Insuffizienzgefühle, Schuldgefühle, rasche Reizbarkeit, Depersonalisation und
Gedankenausbreitung. Der Allgemeinzustand sei reduziert. Die Versicherte sei
A.b.
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vollständig arbeitsunfähig (IV-act. 21). Der RAD-Arzt Dr. med. G._, Facharzt u.a. für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vertrat in der Stellungnahme vom 6. August 2015
die Auffassung, es sei mit einer längeren vollen Arbeitsunfähigkeit zu rechnen (IV-
act. 23). Der behandelnde Dr. med. H._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin
FMH, der die Versicherte am 9. Juni 2015 zuletzt gesehen hatte, berichtete am
7. Dezember 2015, es seien ihm keine Arbeitsunfähigkeiten der Versicherten bekannt.
"Pat. war bei mir nicht arbeitsunfähig". Körperliche, geistige oder psychische
Einschränkungen seien ihm keine bekannt. Er hielt die Versicherte für uneingeschränkt
arbeitsfähig (IV-act. 29). Lic. phil. F._ nannte im Bericht vom 9. Januar 2016 folgende
Diagnosen, denen er eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit beimass: "F.07.2. Z.73.0.
Flüchtlingskind (ehem.) mit massivem I._-ischen Kriegstrauma" und eine
"Kindsbettdepression F53.0". Die Behandlung (stützende Psychotherapie und soziale
Therapie "zur Integration als Mutter in der St. Gallischen Gesellschaft") finde
gegenwärtig alle zwei Wochen statt. Die Versicherte sei nicht arbeitsfähig. Er schlug
eine "baldige Berentung als Kriegsopfer + Traumaopfer zur Stützung ihrer
Mutterschaft" vor (IV-act. 35). Auf Anfrage der IV-Stelle gab die Versicherte am
24. Februar 2016 Auskünfte zu ihren Haushaltsaktivitäten (IV-act. 37).
Der RAD-Arzt Dr. G._ empfahl zur Rentenprüfung eine monodisziplinäre
Begutachtung der Versicherten (Stellungnahme vom 19. April 2016, IV-act. 39). Im
Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte am 12. September 2016 durch med. pract.
J._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, begutachtet. Die
Gutachterin stellte keine die Arbeitsfähigkeit der Versicherten beeinträchtigenden
Diagnosen fest. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden: akzentuierte
Persönlichkeitszüge mit histrionischen und emotional instabilen Anteilen (ICD-10:
Z73.1); ein Status nach Anpassungsstörung, Angst und depressive Reaktion, gemischt
(ICD-10: F43.22), DD: depressive Episode Ende 2014, gegenwärtig voll remittiert
(ICD-10: F32.4). Sowohl für die angestammte Tätigkeit als Verkäuferin als auch für
andere leidensangepasste Tätigkeiten bescheinigte die Gutachterin eine vollständige
Arbeitsfähigkeit. In der Haushaltsführung sei die Versicherte ebenfalls nicht
eingeschränkt. Eine vollständige Arbeitsfähigkeit sei schon länger, mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit seit spätestens Mai 2016 und mit Sicherheit seit der aktuellen
gutachterlichen Untersuchung ausgewiesen. Unter Berücksichtigung des
A.c.
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Längsschnittverlaufs stelle sich aus gutachterlich-psychiatrischer Sicht die Frage, ob
bei der Versicherten überhaupt eine länger andauernde Arbeitsunfähigkeit im IV-
rechtlichen Sinn vorgelegen habe (Gutachten vom 30. September 2016, IV-act. 46).
Am 30. September 2016 wandte sich lic. phil. F._ an die IV-Stelle und brachte -
unter Hinweis auf ein (nicht in den Akten dokumentiertes) mit dem zuständigen
Sachbearbeiter der IV-Stelle am 19. Juni 2016 geführtes Telefongespräch - vor, die
Begutachtung sei für die Versicherte sehr schwierig zu ertragen gewesen und sie habe
die dreieinhalbstündige Befragung als re-traumatisierend empfunden. Die
gutachterlichen Fragen über Alltagsaktivitäten (etwa bezüglich Smartphone-Benützung,
Coiffure-Besuche und Shopping) seien für die Versicherte irritierend gewesen. Solche
Fragen "irritieren" auch ihn. Die "Ausfragerei und die darauffolgenden Kommentare"
der Gutachterin seien laut der Versicherten verletzend gewesen (IV-act. 47).
A.d.
Der RAD-Arzt Dr. G._ vertrat in der Stellungnahme vom 20. Dezember 2016 die
Auffassung, das psychiatrische Gutachten entspreche den versicherungsmedizinischen
Kriterien (IV-act. 51). Gestützt auf die gutachterliche Beurteilung verneinte die IV-Stelle
eine rentenbegründende Invalidität und stellte der Versicherten mit Vorbescheid vom
3. Januar 2017 die Abweisung ihres Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 53). Dagegen
erhob die Versicherte am 6. Januar 2017 Einwand (IV-act. 54). In der ergänzenden
Eingabe vom 27. Februar 2017 (IV-act. 62) verwies sie zur Begründung auf die
Stellungnahme von Dr. E._ vom 23. Februar 2017, worin dieser die gutachterliche
Beurteilung unter verschiedenen Gesichtspunkten kritisiert und an seiner eigenen
Einschätzung festhält (IV-act. 63). Med. pract. J._ äusserte sich am 14. März 2017 zu
den Stellungnahmen von lic. phil. F._ vom 30. September 2016, des RAD-Arztes
Dr. G._ vom 20. Dezember 2016 und von Dr. E._ vom 23. Februar 2017. Sie
gelangte nach deren Diskussion zum Schluss, dass sie unverändert an ihrer
gutachterlichen Einschätzung festhalte (IV-act. 66). Nachdem die IV-Stelle der
Versicherten das rechtliche Gehör gewährt hatte (zur Stellungnahme der Versicherten
vom 27. März 2017 siehe IV-act. 69), verfügte sie am 27. April 2017 die Abweisung des
Rentengesuchs (IV-act. 70).
A.e.
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B.
Gegen die Verfügung vom 27. April 2017 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 29. Mai 2017. Die Beschwerdeführerin beantragt darin deren Aufhebung und die
Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen. Eventualiter sei die Sache zur Durchführung
von weiteren medizinischen Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Im Wesentlichen macht sie geltend, dass
die gutachterliche Beurteilung mangelhaft sei. Wenn nicht den während längerer Zeit
behandelnden Fachpersonen in ihrer Beurteilung gefolgt und eine Invalidenrente
zugesprochen werden sollte, so müsse die Sache wenigstens an die
Beschwerdegegnerin zur weiteren Abklärung des medizinischen Sachverhalts
zurückgewiesen werden (act. G 1).
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom
11. September 2017 die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung bringt sie im
Wesentlichen vor, dass die gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
beweiskräftig und das Rentengesuch gestützt darauf zu Recht abgewiesen worden sei
(act. G 4).
B.b.
In der Replik vom 20. Oktober 2017 hält die Beschwerdeführerin an den bisherigen
Anträgen unverändert fest. Zusätzlich beantragt sie die Durchführung einer mündlichen
Verhandlung. Dr. E._ wäre bereit, an einer solchen Verhandlung persönlich
teilzunehmen und seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit darzulegen. Auch sie selbst
würde persönlich teilnehmen und stünde für eine mündliche Befragung durch das
Gericht zur Verfügung. Die Beschwerdeführerin rügt die Vergabe des
Gutachtensauftrags an med. pract. J._. Diese sei weder nach dem Zufallsprinzip
noch im Rahmen von Einigungsbemühungen erfolgt (act. G 7).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 9).B.d.
Am 24. September 2019 teilt die Beschwerdeführerin den Verzicht auf eine
mündliche/öffentliche Verhandlung mit (act. G 12).
B.e.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.1.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.2.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.3.
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2.
Zunächst ist die zwischen den Parteien umstrittene Frage zu beantworten, ob der
medizinische Sachverhalt rechtsgenüglich abgeklärt worden ist. Die
Beschwerdegegnerin stützt die Rentenabweisung in medizinischer Hinsicht auf das
Gutachten von med. pract. J._ vom 30. September 2016 (siehe hierzu IV-act. 46). Die
Beschwerdeführerin zieht dessen Beweiskraft in Zweifel (siehe etwa act. G 1, Rz 30 ff.).
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a).
1.4.
In formeller Hinsicht rügt die Beschwerdeführerin die Vergabe des Gutachtens, die
weder im Rahmen eines Zufallsprinzips noch gestützt auf Einigungsbemühungen
erfolgt sei (act. G 7, Rz 4 ff.).
2.1.
Bezüglich der Auswahl der Gutachterin ist zunächst zu bemerken, dass der RAD-
Arzt Dr. G._ aufgrund der im Dossier geschilderten Traumatisierung in der
Vorgeschichte ausdrücklich darum ersuchte, die Begutachtung durch eine Frau
durchführen zu lassen (Stellungnahme vom 19. April 2016, IV-act. 39-3). Diesem
Anliegen ist die IV-Stelle mit der Wahl von med. pract. J._ nachgekommen. Von
Bedeutung ist, dass der Beschwerdeführerin am 19. Mai 2016 sowohl die
massgebliche Fachdisziplin (Psychiatrie) als auch die Person der Gutachterin mitgeteilt
und ihr Gelegenheit zur Stellungnahme geboten wurde. Dabei wurde die
Beschwerdeführerin ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie die Möglichkeit habe,
triftige Einwendungen gegen die Art der Begutachtung, die vorgesehene Fachdisziplin
sowie die begutachtende Person vorzubringen. Ohne Gegenbericht innert der
eingeräumten Frist werde der definitive Auftrag an die Gutachterin erteilt (IV-act. 40).
Die Beschwerdeführerin brachte indessen weder nach der Mitteilung noch nach dem
2.1.1.
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Aufgebot von med. pract. J._ vom 12. August 2016 (IV-act. 44) irgendwelche
Einwände vor. Deshalb war nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung auch kein
Einigungsversuch erforderlich (BGE 142 V 565 E. 7.3.2.3). Die Beschwerdeführerin
nahm zudem vorbehaltlos an der Begutachtung teil, weshalb zumindest von einem
stillschweigenden Einverständnis der Beschwerdeführerin mit der Begutachtung durch
med. pract. J._ ausgegangen werden kann.
Ausserdem bestanden keine Hinweise, dass die Beschwerdeführerin nebst den
geklagten psychischen Leiden an zusätzlichen die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden
Krankheiten litt, die einen Beizug weiterer medizinischer Fachdisziplinen erforderlich
gemacht hätten. Deshalb liegt der Beschränkung auf ein monodisziplinäres
psychiatrisches Gutachten keine erkennbare Absicht zur Umgehung der für
polydisziplinäre Begutachtungen zu beachtenden Vergabe nach Art. 72 der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) zugrunde.
2.1.2.
bis
Auch wenn die Kritik der Beschwerdeführerin an der vom Bundesgericht
geschützten (BGE 142 V 565 E. 7.3.2.3) und von der Beschwerdegegnerin geübten
Praxis bei der Vergabe monodisziplinärer Gutachten an sich - insbesondere unter dem
Aspekt der (für die Versicherten nicht leichthin erkennbaren) Gefahr von finanziell
zielgerichteten Auftragsvergaben und von relevanten wirtschaftlichen
Abhängigkeitsverhältnissen (siehe hierzu etwa den Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 9. Januar 2019, IV 2018/181, E. 2.2 f.) - nachvollziehbar ist,
so bestehen im vorliegenden Fall keine konkreten Hinweise, welche die
Gutachtensvergabe als unsachlich oder med. pract. J._ als voreingenommen
erscheinen lassen.
2.1.3.
Die Beschwerdeführerin hält die gutachterliche Einschätzung für mangelhaft, da sie
den Beurteilungen der behandelnden psychiatrischen Fachpersonen des Psychiatrie-
Zentrums B._, von Dr. E._ und von lic. phil. F._ diametral widerspreche (act. G 1,
Rz 30 und Rz 35 ff., und act. G 7, Rz 4 und Rz 8 ff.).
2.2.
Vorab rügt die Beschwerdeführerin, dass Ermessen immer subjektiv sei. Es gebe
kein objektives Ermessen. Die Beschwerdegegnerin führe gegen Einschätzungen der
behandelnden medizinischen Fachpersonen ins Feld, sie hätten sich primär auf die
subjektiven Angaben der Patientin gestützt. Einerseits stelle sich die Frage, wie man für
eine Diagnosestellung bei einer psychischen Erkrankung nicht auf subjektive
Äusserungen der erkrankten Person zurückgreifen solle. Andererseits werde ein
subjektives Ermessen der Gutachterin verteidigt und anschliessend genau diese
Subjektivität wieder kritisiert. Wenn die Beschwerdegegnerin das subjektive Element
2.2.1.
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einer Diagnose nicht gelten lassen wolle, dann könne sie gleichzeitig nicht ein
Ermessen für die Gutachterin fordern. Offenbar wisse die Beschwerdegegnerin selbst
nicht, wie sie das fragwürdige Gutachten noch rechtfertigen sollte (act. G 7, Rz 6).
Aufgrund dieses Vorbringens erscheint es angezeigt, die Thematik von sich
widersprechenden Einschätzungen von begutachtenden und behandelnden
medizinischen Fachpersonen näher zu beleuchten. Ein den Beweisanforderungen
grundsätzlich genügendes medizinisches Gutachten (BGE 125 V 351 f. E. 3a und b)
kann nicht in Frage gestellt werden und Anlass zu weiteren Abklärungen bieten, wenn
und sobald die behandelnden medizinischen Fachpersonen nachher zu einer
unterschiedlichen Beurteilung gelangen oder an vorgängig geäusserten abweichenden
Auffassungen festhalten. Anders verhält es sich nur, wenn objektiv feststellbare
Gesichtspunkte vorgebracht werden, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt
geblieben waren und die geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung zu führen (Urteil
des Bundesgerichts vom 29. Juli 2008, 9C_830/2007, E. 4.3 mit Hinweisen). Ferner
kann eine psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei
erfolgen. Sie eröffnet einer psychiatrischen Fachperson - sei sie nun in therapeutischer
oder in begutachtender Funktion - daher praktisch immer einen gewissen Spielraum,
innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich,
zulässig und zu respektieren sind, sofern die Beurteilung des Experten oder der
Expertin die Beweisanforderungen erfüllt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 5. März
2009, 8C_694/2008, E. 5.1.1). Die Einschätzung eines psychischen Krankheitsbilds und
dessen allfällige Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit muss sich - mangels
zuverlässiger bzw. bewährter Messmethodik - zwangsläufig zunächst auf die Angaben
und das Verhalten der versicherten Person stützen. Um Beweiskraft erlangen zu
können, muss eine objektive fachmedizinische Beurteilung insbesondere diesem
Umstand Rechnung tragen. Deshalb ist eine umfassende Prüfung der Konsistenz und
der Plausibilität der Leidensschilderung sowie -präsentation für die Gewährleistung
einer möglichst objektiven fachmedizinischen Beurteilung der gesundheitlichen
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit von zentraler Bedeutung. Gemäss
Qualitätsleitlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten der Schweizerischen
Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie SGPP (3. vollständig überarbeitete und
ergänzte Auflage, 16. Juni 2016) ist eine Stellungnahme zur Authentizität von
Beschwerden, von präsentierten Symptomen und von Leistungseinschränkungen denn
auch obligatorischer Bestandteil eines versicherungspsychiatrischen Gutachtens. Das
beinhaltet eine Stellungnahme zur Frage, ob die berichteten Beschwerden und
präsentierten Symptome in sich konsistent sind oder ob Diskrepanzen, allenfalls sogar
Widersprüche bestehen. Dies gelingt am ehesten durch eine Gegenüberstellung der
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erhobenen Informationen mit Hilfe der verschiedensten methodischen Zugänge.
Diesbezüglich sind Hinweise aus der Verhaltensbeobachtung und dem
Anamneseverlauf relevant. Hierzu können z.B. eine auffallend diffuse
Beschwerdeschilderung, die fehlende Angabe von Details oder Beispielen zu den
Beschwerden auch auf Nachfrage, Widersprüchlichkeiten innerhalb der Anamnese,
zwischen Anamnese und Verhalten, zu Auskünften von Dr. F._, zwischen
Anamneseverlauf sowie zwischen Verhalten und Testsituation gehören (Leitlinien,
S. 29). Eine besondere Bedeutung bei der Exploration kommt der detaillierten
Beschreibung eines üblichen Tagesablaufs durch die versicherte Person zu, da sich
hieraus häufig Hinweise auf Interessen, Aktivitäten, Alltagsgewohnheiten und damit
Potential und Ressourcen, jedoch auch Diskrepanzen zu anderen Angaben oder zum
Verhalten in der Untersuchung ergeben (Leitlinien, S. 16). Nach dem Gesagten ist eine
fachpsychiatrische Arbeitsfähigkeitsschätzung lediglich dann beweiskräftig, wenn die
zugrundeliegende Ausübung des zwangsläufig vorhandenen Interpretationsspielraums
die genannten Anforderungen erfüllt. Die Beschwerdeführerin verkennt bei ihrer Kritik
am Ermessens- bzw. Interpretationsspielraum (siehe hierzu act. G 7, Rz 6), dass die
Selbsteinschätzung einer versicherten Person und die vorbehaltlos darauf abstellende
Beurteilung medizinischer Fachpersonen für sich allein die Anforderungen an eine lege
artis vorgenommene Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht erfüllen und insbesondere keine
rechtskonforme Ermessens- bzw. Interpretationsausübung darstellen. Dies gilt
vorliegend umso mehr, als sich aus den Akten Inkonsistenzen und Diskrepanzen in der
Leidensschilderung und -präsentation der Beschwerdeführerin ergeben, die sich etwa
mit ihrem Aktivitätsniveau im Haushalt und Alltag nicht vereinbaren lassen (siehe hierzu
nachstehende E. 2.2.2).
Die Beschwerdeführerin gab im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend
Erwerbstätigkeit/Haushalt weder unter dem Aspekt der Ernährung bzw.
Nahrungszubereitung, der Wohnungspflege, der Einkäufe noch der Wäsche und
Kleiderpflege relevante Einschränkungen im Funktionsniveau an. Bezüglich der
Betreuung von Kindern oder Krankenpflege von Familienangehörigen und Dr. F._ gab
sie lediglich an, sie habe "keine Nerven für Administration". Die angegebenen
Einschränkungen bei der Planung und Organisation sowie den Grosseinkäufen, bei der
sie vom Ehemann unterstützt werde, seien seit Dezember 2013 vorhanden (IV-act. 37).
Gegenüber der Gutachterin schilderte sie ein damit zu vereinbarendes Funktionsniveau
(siehe etwa IV-act. 46-19 f.).
2.2.2.
Die von der Beschwerdeführerin zur Bestätigung ihrer Selbsteinschätzung ins
Feld geführten Berichte - insbesondere die Stellungnahme von Dr. E._ vom
2.2.3.
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23. Februar 2017 (IV-act. 63) - beruhen allesamt weder auf einer Konsistenzprüfung
noch beschäftigen sie sich erkennbar mit dem von der Beschwerdeführerin im Alltag
und Haushalt geleisteten hohen Aktivitätsniveau bzw. den entsprechenden Ressourcen
(siehe hierzu vorstehende E. 2.2.2). Allein schon deshalb vermögen sie für die
sozialversicherungsrechtliche Leistungsprüfung keine taugliche Beweisgrundlage für
die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zu bilden, weshalb sich Weiterungen zu der von der
Beschwerdeführerin zitierten, das Privatversicherungsrecht betreffenden
Rechtsprechung (Urteil des Bundesgerichts vom 17. Dezember 2014, 4A_526/2014,
E. 2.4; siehe act. G 1, Rz 36) erübrigen. Bezüglich der Beurteilung durch die
medizinischen Fachpersonen des Psychiatrie-Zentrums B._ vom 4. Mai 2015 (IV-
act. 13) kann im Übrigen mangels Relevanz für den Rentenanspruch (siehe zum frühest
möglichen Rentenbeginn Art. 29 Abs. 1 IVG; zur Anmeldung vom 17. März 2015 siehe
IV-act. 1) offenbleiben, ob die bis zum Behandlerwechsel im April 2015 (siehe hierzu IV-
act. 13-4 und IV-act. 21-2) bescheinigte 100%ige Arbeitsunfähigkeit aufgrund der
damals präsentierten Symptomatik - u.a. (fraglich) psychotische Störung (IV-act. 13-1) -
überzeugend ist. Schlechterdings nicht mit dem von der Beschwerdeführerin
angegebenen hohen Funktionsniveau im Alltag ist die nicht näher begründete
Beurteilung des behandelnden Psychologen vom 9. Januar 2016 zu vereinbaren, der
praktisch sämtliche körperliche Verrichtungen (wie etwa wechselbelastende Tätigkeiten
oder Rotation im Sitzen/Stehen) für nicht mehr zumutbar hält. Dabei bleibt unklar, auf
welcher Grundlage lic. phil. F._ die entsprechenden Schlüsse zog, weshalb er
ausgerechnet für das "Treppen steigen" keine Einschränkung bescheinigte und die
Fragen nach dem kognitiven Leistungsvermögen offenliess (IV-act. 35-5). Dass lic. phil.
F._ im Rahmen der von ihm vorgenommenen Arbeitsfähigkeitsbeurteilung der
Abklärung des Funktionsniveaus der Beschwerdeführerin im Alltag keine Bedeutung
zumass, geht zudem aus seiner Stellungnahme vom 30. September 2016 hervor, worin
er seine Irritation über entsprechende von med. pract. J._ gestellte Fragen
gegenüber der Beschwerdegegnerin kundgab (IV-act. 47).
Die von lic. phil. F._ genannten Diagnosen "F.07.2. Z.73.0. Flüchtlingskind
(ehem.) mit massivem I._-ischen Kriegstrauma" und "Kindsbettdepression F53.0"
werfen Fragen auf und lassen sich mit sämtlichen fachpsychiatrischerseits erhobenen
Diagnosen nicht vereinbaren (siehe auch die Kritik von med. pract. J._ in IV-
act. 46-31 oben). So wird mit ICD-10: F07.2 ein "Organisches Psychosyndrom nach
Schädelhirntrauma" codiert, wobei ein Schädelhirntrauma nicht aktenkundig ist.
ICD-10 Z73 erfasst Probleme mit Bezug auf die Schwierigkeiten bei der
Lebensbewältigung. Bei diesen Z-Kodierungen handelt es sich um Faktoren, die den
2.2.4.
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Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens
führen. Die Kategorien Z00-99 sind für Fälle vorgesehen, in denen Sachverhalte als
"Diagnosen" oder "Probleme" angegeben sind, die nicht als Krankheit, Verletzung oder
äussere Ursache unter den Kategorien A00-Y89 klassifizierbar sind (siehe hierzu das
Urteil des Bundesgerichts vom 15. November 2010, 8C_663/2010, E. 5.2.4 mit
Hinweis). ICD-10 F53.0 codiert - lediglich - leichte psychische und Verhaltensstörungen
im Wochenbett, wobei unklar ist, weshalb lic. phil. F._ knapp eineinhalb Jahre nach
der Geburt (siehe hierzu IV-act. 1-2) immer noch diese Diagnose zur Begründung der
Arbeitsunfähigkeit hinzuzieht. Sein Vorschlag "baldige Berentung als Kriegsopfer +
Traumaopfer zur Stützung ihrer Mutterschaft" legt ferner nahe, dass er auch
fachfremde sozioökonomische Überlegungen zugunsten der Beschwerdeführerin
berücksichtigte, und weckt Zweifel an der Unvoreingenommenheit seiner
Einschätzung.
Entscheidend ist des Weiteren, dass sich die Gutachterin plausibel mit den
abweichenden medizinischen Berichten auseinandersetzte (IV-act. 46-29 ff. und IV-
act. 46-34) und auch schlüssig zur Kritik von Dr. E._ und lic. phil. F._ Stellung
nahm (siehe die ergänzende Stellungnahme vom 14. März 2017, IV-act. 66).
2.2.5.
Entgegen der Sichtweise der Beschwerdeführerin (act. G 7, Rz 11) hat sich die
Gutachterin gestützt auf die Ergebnisse der klinischen Untersuchung, die dort von der
Beschwerdeführerin - grösstenteils erst auf Nachfrage hin - gemachten Aussagen und
in Übereinstimmung der Angaben der Beschwerdeführerin zu ihrer Leistungsfähigkeit
im Haushalt (siehe hierzu die Angaben im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend
Erwerbstätigkeit/Haushalt vom 24. Februar 2016; IV-act. 37) schlüssig zur
Leistungsfähigkeit und dem Aktivitätsniveau geäussert.
2.3.
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Aus der Sicht der Beschwerdeführerin hat die Gutachterin übersehen, dass es
gerade zu ihrem Krankheitsbild gehöre, dass sie viele Dinge vergesse oder schlicht
verdränge. Dass die Gutachterin die wiederholten Nachfragen und das
Aussageverhalten von ihr (der Beschwerdeführerin) zulasten der Glaubwürdigkeit der
Aussagen interpretiere, sei nicht nachvollziehbar (act. G 1, Rz 32). Des Weiteren
kritisiert sie, der Befragungsstil der Gutachterin erinnere eher an eine Einvernahme im
Strafrecht als an ein Explorationsgespräch. Ein Gutachtensauftrag sei kein Freipass,
um psychisch stark in Mitleidenschaft gezogene Exploranden mit Fragen derart zu
bedrängen, dass sie die traumatischen Erlebnisse erneut wiedergeben müssten (act.
G 1, Rz 34).
2.4.
Vorweg ist zu bemerken, dass die mit einer Arbeitsfähigkeitsbeurteilung
beauftragte medizinische Fachperson das "jetzige Leiden" der versicherten Person
detailliert - gegebenenfalls mit strukturierter Nachfrage - zu erheben hat. Dies gilt
insbesondere bezüglich des Umgangs mit den Beschwerden im Alltag, des
Tagesablaufs, Freizeitgestaltung, Hobbys usw. (Leitlinien, a.a.O., S. 9 f.). Dabei kommt
der detaillierten Beschreibung eines üblichen Tagesablaufs durch die versicherte
Person eine besondere Bedeutung zu (Leitlinien, a.a.O., S. 16 [Hervorhebung gemäss
Original]). Die medizinische Fachperson hat die Auswirkung der Störung auf alle
Lebensbereiche abzuklären (Leitlinien, a.a.O., S. 27). Für die Beurteilung der
Konsistenz wichtig und deshalb bei der Abklärung zu beachten sind u.a. folgende
Faktoren: die fehlende Angabe von Details oder von Beispielen zu den Beschwerden,
auch auf Nachfrage; Widersprüchlichkeiten innerhalb der Anamnese; Widersprüche
zwischen Anamnese und Verhalten bzw. zwischen Anamneseverlauf und Verhalten
bzw. Testsituation (Leitlinien, a.a.O., S. 20). Nicht zuletzt mit Blick darauf, dass
medizinische Beurteilungen der Arbeitsfähigkeit im Kontext der Prüfung
sozialversicherungsrechtlicher Leistungsansprüche primär für den Rechtsanwender
und damit für medizinische Laien bestimmt sind, sind verständliche, umfassende und
detaillierte Angaben seitens der medizinischen Fachperson - bei allem Verständnis für
die mit einer psychiatrischen Begutachtung zwangsläufig verbundenen emotionalen
Belastungen - unabdingbar. Dies scheint Dr. E._ bei seiner Kritik an der Nachfrage
durch die Gutachterin etwa bezüglich der von der Beschwerdeführerin
wahrgenommenen Gefühle (IV-act. 63-2, 2. Absatz) zu verkennen. Ergänzend kann auf
die zutreffenden Ausführungen des RAD-Arztes Dr. G._ in der Stellungnahme vom
20. Dezember 2016 verwiesen werden (IV-act. 51).
2.4.1.
Bei ihrer Kritik am Vorgehen der Gutachterin übersieht die Beschwerdeführerin
zunächst, dass das Ziel der Begutachtung nicht die vorbehaltlose Übernahme der
2.4.2.
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subjektiven Leidensschilderung, sondern eine möglichst objektive fachmedizinische
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit bildete, die zwingend eine kritische Prüfung von
Konsistenz, Validität und Plausibilität der geklagten Leiden und Einschränkungen in
einer für den medizinischen Laien verständlichen Weise voraussetzt (siehe vorstehende
E. 2.4.1 am Schluss). Die Angaben der Beschwerdeführerin zu den von der Gutachterin
leitliniengerecht gestellten Fragen (siehe hierzu vorstehende E. 2.4.1) waren oftmals
vage. Deshalb und nicht wegen einer unsachlichen Fragetechnik sah sich die
Gutachterin wiederholt im Rahmen einer umfassenden Abklärung gezwungen,
Nachfragen zu stellen. Hinzu kommt vorliegend, dass die Erstangaben der
Beschwerdeführerin teilweise im Widerspruch standen zu den Antworten auf die
Nachfragen (siehe etwa bezüglich Autofahren IV-act. 46-13 unten und bezüglich
Internetnutzung IV-act. 46-15; bezüglich E-Mail-Adresse siehe IV-act. 1). Gerade bei
Fragen bezüglich der gegenwärtigen Alltagsaktivitäten leuchtet der Standpunkt der
Beschwerdeführerin nicht ein, dass sie aufgrund ihres Krankheitsbilds Dinge vergesse
und verdränge. Med. pract. J._ legte ausserdem einleuchtend dar, dass die
Beschwerdeführerin bei Themen, die ihr selbst wichtig waren (belastende Kindheit,
Familienangehörige, aktuelle Beschwerden) umfangreiche Angaben gemacht habe,
wogegen sie viele der ihr gestellten Fragen nur vage, allgemein, kurz oder ausweichend
beantwortet habe (IV-act. 46-22). Gegen eine leistungsbeeinträchtigende
Vergesslichkeit spricht im Übrigen, dass die Beschwerdeführerin detaillierte Angaben
etwa über den Kaufpreis für ihr erstes Auto (IV-act. 46-14) oder bezüglich des Beginns
des Zigarettenkonsums (IV-act. 46-21 oben) zu nennen vermochte (siehe eingehend zur
von med. pract. J._ beurteilten Konzentration und Aufmerksamkeit IV-act. 46-22).
Nicht zu beanstanden ist ferner, dass med. pract. J._ allfällige sichtbare Folgen der
Selbstschädigungshandlungen der Beschwerdeführerin (u.a. sehr oft Haare ausreissen,
IV-act. 46-18) - mit vorgängig eingeholtem Einverständnis der Beschwerdeführerin (IV-
act. 46-23 Mitte) - untersuchte und deren Vorhandensein verneinte (IV-act. 46-29).
Die Ansicht der Gutachterin, die gestellten Diagnosen liessen sich nicht mit der
medikamentösen Behandlung vereinbaren, hält die Beschwerdeführerin für
unzutreffend (act. G 1, Rz 33). Entgegen der nicht näher begründeten Sichtweise der
Beschwerdeführerin ist nicht erkennbar, dass die gutachterliche Beurteilung mit ihrem
"Selbstbestimmungsrecht über die eingenommene Medikation" in Konflikt geraten
würde (act. G 1, Rz 33). Selbstverständlich steht es der Beschwerdeführerin frei,
welche der verschriebenen Medikamente sie einnehmen oder welche Therapien sie in
Anspruch nehmen will. Dies ändert allerdings nichts daran, dass etwa der ärztlich
beschriebene Therapiebedarf oder eine allfällige mangelhafte Compliance durch die
Gutachterin zu würdigen ist. Der Umgang mit den Beschwerden ("Coping") und die
2.5.
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Inanspruchnahme des Gesundheitssystems bzw. von Therapiemassnahmen sind denn
auch wesentliche Gesichtspunkte für die Beurteilung der Art und des Schweregrads
einer psychischen Störung (Leitlinien, a.a.O., S. 27) sowie des Leidensdrucks der
versicherten Person. Med. pract. J._ hat die von Dr. E._ angeordnete Medikation
ausführlich und plausibel diskutiert (IV-act. 46-30). Die Beschwerdeführerin macht denn
auch keine konkreten inhaltlichen Mängel geltend. Zu ergänzen bleibt, dass die
Beschwerdeführerin offenbar die angeordnete Medikation nicht immer - zumindest
nicht wie vorgeschrieben - einnimmt. So gab die Beschwerdeführerin am 24. Februar
2016 an, keine Medikamente einzunehmen (IV-act. 37-1), obschon lic. phil. F._ am
9. Januar 2016 noch eine laufende Therapie mit Risperdal erwähnte (IV-act. 35-3).
Ferner bringt der Rechtsvertreter vor, dass "ihm schon nach einer Minute in der
ersten Besprechung mit der Beschwerdeführerin klar" geworden sei, dass diese
psychisch massiv beeinträchtigt sei. Sie habe ausgesprochen leise gesprochen,
ständig nur auf die Tischplatte mit gesenktem Haupt geschaut. Zudem habe sie immer
mit ihren Fingern gespielt und äusserst nervös sowie eingeschüchtert gewirkt. Es sei
auch der Eindruck entstanden, dass die Beschwerdeführerin viele Dinge nicht habe
verstehen können, die er gesagt habe (act. G 1, Rz 31). Med. pract. J._ beschrieb ein
ähnliches Verhalten: Nachdem sich die Beschwerdeführerin auf einen Stuhl hingesetzt
habe, sei sie zunächst mit gesenktem Kopf dagesessen und habe den Blickkontakt
vermieden. Sie habe zunächst nur wenig geredet, dabei auch sehr leise. Dabei habe sie
sich scheinbar ängstlich gezeigt. Allerdings wies sie darauf hin, dass sich dieses
Verhalten rasch geändert habe, als die Beschwerdeführerin nach der allgemeinen
Einführung die Gelegenheit erhalten habe, über ihre gesundheitlichen und familiären
Probleme zu reden. Sie sei dann entspannt auf ihrem Stuhl gesessen und habe normal
geredet. Der Blickkontakt sei fortan von ihr aufrechterhalten worden. Auch beim
Erstkontakt im Rahmen der Begrüssung im Eingangsbereich der Praxis sei die
Beschwerdeführerin in ihrem Verhalten, Reden und der Körperhaltung noch
weitestgehend unauffällig gewesen. Ihr Verhalten habe sich plötzlich nach dem
Betreten des Untersuchungszimmers geändert: "Auf einmal zeigte sie sich scheinbar
verängstigt" (siehe zum Ganzen IV-act. 46-22). Die Begutachtung dauerte insgesamt
unbestrittenermassen 3,5 Stunden. Gestützt darauf war med. pract. J._ in der Lage,
aussagekräftige Feststellungen zum Verhalten, zu den Leidensschilderungen und zur
Leidenspräsentation der Beschwerdeführerin zu machen, die sie im Gutachten
ausführlich beschrieb (IV-act. 46-22). Sie würdigte plausibel die trotz relativ langer
Untersuchungsdauer stabil gebliebenen kognitiven Fähigkeiten der Beschwerdeführerin
(IV-act. 46-22). Nur schwerlich mit der von der Beschwerdeführerin geltend gemachten
starken Verängstigung lassen sich zudem ihre wiederholten, einen resoluten Eindruck
2.6.
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hinterlassenden Gegenfragen vereinbaren (siehe hierzu etwa IV-act. 46-17 unten oder
IV-act. 46-18 oben). Dass Dr. E._ und lic. phil. F._ die Beschwerdeführerin konstant
in einem vergleichsweise erheblich schlechteren Gefühlszustand wahrgenommen
haben, vermag deshalb für sich allein nichts daran zu ändern, zumal die jeweiligen
Termine wohl nicht 3,5 Stunden am Stück gedauert haben dürften und im
therapeutischen Verhältnis eine Konsistenzprüfung - wenn überhaupt - bloss im
Hintergrund steht. Bezüglich des affektiven Zustands kommt hinzu, dass bei
psychotherapeutischen Sitzungen im Rahmen eines besonderen
Vertrauensverhältnisses eine Aufarbeitung bzw. Auseinandersetzung mit Leiden und
Sorgen stattfindet, die auch psychisch gesunde Versicherte als belastend empfinden.
In damit zu vereinbarender Weise wies der RAD-Arzt Dr. G._ darauf hin, "ein weiterer
wichtiger, oft vergessener Punkt ist die Tatsache, dass auch die Versicherte im Kontakt
mit dem Gutachter als Proband eine andere Rolle hat und einnimmt, als sie dies beim
Arzt und Therapeuten tut. Dies bedeutet für alle bisher im Verfahren Involvierte
tatsächlich ein neues, beobachtbares informatives Element und kann auch für Arzt und
Therapeut ein so bisher noch nicht sichtbares, qualitativ neues Licht auf das
Ressourcenmuster und -niveau werfen" (Stellungnahme vom 21. März 2017, IV-
act. 67). Die sich in diesem emotional anforderungsreichen therapeutischen Rahmen
zeigenden Leidensschilderungen, Gefühle und Befunde sind daher für sich allein nicht
repräsentativ für das Verhalten und die affektiven Ressourcen ausserhalb der
besonderen Therapiesituation im Alltag. Dem Funktionsniveau der Beschwerdeführerin
im Alltag (siehe hierzu vorstehende E. 2.2.2), das mit einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit nicht zu vereinbaren ist, trugen Dr. E._ und lic. phil. F._ - im
Gegensatz zur Gutachterin - aber gerade nicht Rechnung. Der Vollständigkeit halber
bleibt anzufügen, dass die vom Rechtsvertreter beschriebene, selbst dem
medizinischen Laien ins Auge springende "massive" psychische Beeinträchtigung
Dr. H._, obschon er nicht über eine fachpsychiatrische Ausbildung verfügt, wohl nicht
entgangen wäre. Aus seinem Bericht vom 7. Dezember 2015 ergeben sich jedoch keine
Hinweise auf eine relevante psychische Symptomatik. Vielmehr bescheinigte er - wie
med. pract. J._ - ein uneingeschränktes Konzentrations- sowie
Auffassungsvermögen sowie eine uneingeschränkte Anpassungsfähigkeit und
Belastbarkeit (IV-act. 29).
Bei der Würdigung der Beurteilung von med. pract. J._ fällt des Weiteren ins
Gewicht, dass sie auf einer umfassenden persönlichen Untersuchung mit sachlich
gerechtfertigten detaillierten Fragen und Nachfragen beruht, darin die von der
Beschwerdeführerin ausführlich geklagten Leiden unvoreingenommen gewürdigt
werden sowie eine gründliche objektive Konsistenz- (IV-act. 46-28) und
2.7.
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3.
Bei einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für die angestammte sowie eine andere
leidensangepasste Tätigkeit kann die konkrete Ermittlung des Status sowie der
Vergleichseinkommen offenbleiben. Denn selbst wenn zugunsten der
Beschwerdeführerin ein Prozentvergleich (siehe zum Prozentvergleich etwa Urteil des
Bundesgerichts vom 6. April 2016, 8C_628/2015, E. 5.3.1 mit Hinweisen) und der nach
der bundesgerichtlichen Praxis höchstzulässige Tabellenlohnabzug von 25% (BGE 126
V 75) gewährt würde, resultierte ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von
höchstens 25%.
4.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG).
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Ressourcenprüfung (IV-act. 46-28 Mitte und IV-act. 46-32 Mitte) beinhaltet. Die
Gutachterin setzte sich ausserdem schlüssig mit den abweichenden Beurteilungen der
medizinischen Fachpersonen auseinander (IV-act. 46-29 ff. und IV-act. 46-34), denen
keine objektiven Gesichtspunkte zu entnehmen sind, die im Rahmen der
gutachterlichen Beurteilung ausser Acht geblieben wären. Ferner klammerte med.
pract. J._ die rein psychosozialen Belastungsfaktoren bei der Beurteilung aus (IV-
act. 46-34 unten). Insgesamt leuchten die von ihr gezogenen, ausführlich begründeten
Schlüsse und die spätestens ab Mai 2016 bescheinigte 100%ige Arbeitsfähigkeit für
die angestammte Tätigkeit ein (IV-act. 46-33). Für die Zeit davor vermutet med.
pract. J._ ebenfalls eine vollständige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 46-33). Angesichts
dessen, dass sowohl Dr. E._ als auch lic. phil. F._ seit Aufnahme der Behandlung
im April 2015 von einem seither unveränderten Gesundheitszustand auszugehen
scheinen, kann spätestens ab April 2015 von der gutachterlich bescheinigten
Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Dies gilt umso mehr, als auch Dr. H._, der die
Beschwerdeführerin letztmals am 9. Juni 2015 sah, keine psychischen Symptome
erwähnte und eine uneingeschränkte kognitive Leistungsfähigkeit bescheinigte (Bericht
vom 7. Dezember 2015; IV-act. 29). Da ein Rentenanspruch vorliegend frühestens am
1. September 2015 beginnen würde (Art. 29 Abs. 1 IVG) bzw. bei einer
Arbeitsunfähigkeit ab Dezember 2014 das Wartejahr frühestens im Dezember 2015
erfüllt wäre (Art. 28 Abs. 1 IVG), kann offenbleiben, ob die Beschwerdeführerin vor
Abschluss der Behandlung im Psychiatrie-Zentrum B._ arbeitsunfähig war.
bis
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Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie
vollumfänglich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss
von Fr. 600.-- ist ihr daran anzurechnen. Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.