Decision ID: 1fe80868-9251-438f-bf02-83fd08965b30
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, gebor
en am
2.
April 2005, wurde am
22. Dezember 2017 durch seine Mutter unter Hinweis auf das Geburtsgebrechen
Ziff.
210
gemäss dem Anhang zur Verordnung üb
er Geburtsgebrechen (
GgV
-Anhang;
Prognathia
infe
rior
congenita
)
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug angemeldet (Urk. 8/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
,
tätigte medizinische Abklärungen und leistete mit Mitteil
ung vom 24.
Januar 2018
(Urk. 8/6) Kostengutsp
rache für medizinische Massnahmen im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziff.
21
0.
1.2
Am 2
0.
Januar 2020 erlitt der Versicherte im Rahmen eines Suizidversuchs Ver
brennungen im Grad 3 an 95
%
der Körperoberfläche.
Am 2
0.
März 2020 reichte die Mutter des Versicherten ein Gesuch
für ein
Hilfsmittel
(Kommunikationsgerät)
ein (Urk. 8/7)
.
Das Gesuch wurde in der Folge zurückgezogen (Urk. 8/11), weshalb
es
die IV-Stelle ad acta
legte
(Urk. 8/10).
1.3
Am 23. Dezember 2020
reichte die Mutter des Versicherten erneut ein Gesuch für Hilfsmittel (Rückenliegeschale,
Quengelschienen
) ein
(Urk. 8/12). Am 27.
Januar 2021
erfolgte die Anmeldung für
Massnahmen für die berufliche Eingliederung (Urk. 8/19)
und
für eine Hilflosenentschädigung Minderjährige (Urk. 8/20). Am 9. Februar 2021 wurde der Versicherte durch die Mutter für medizinische Mass
nahmen angemeldet (Urk. 8/32).
Am 19.
April 2021 reichte die Mutter des Ver
si
cherten ein Zusatzgesuch betreffend
Badewannenlifter
ein (Urk. 8/62)
, welches die IV-Stelle am 1
0.
Juni 2021 guthiess (Urk. 8/75). Mit Verfügung vom 4. Mai 2021 sprach die IV-Stelle dem Versicherten eine
Entschädigung für eine
mittlere
Hilflosigkeit und einen Intensivpflegezuschlag
zu (Urk. 8/66).
Die IV-Stelle
lehnte nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 8/65)
mit Verfügung vom 14.
Juni 2021 (Urk. 8/76 = Urk. 2)
eine Kostengutsprache für
medizinische Mass
nahmen ab.
2.
Der Vater
de
s
Versicherten erhob am
16. August 2021
Beschwerde gegen die Ver
fügung vom
1
4.
Juni 2021
(
Urk.
2) und beantragte, die Verfügung sei aufzuheben
und
die Kosten für die medizinischen Massnahmen seien im Sinne von
Art.
12 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
durch die IV-Stelle zu über
nehmen (Urk. 1 S. 2).
Am
27. Oktober 2021 (Urk. 7
) beantragte die IV-Stelle die
Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Vater des Versicherten am
2.
Novem
ber 2021 zur Kenntnis gebracht (Urk. 9
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art.
12
IVG
und Art.
2
Abs.
1 der Verordnung über die Invaliden
ver
sicherung (IVV) besteht ein Anspruch auf Übernahme medizinischer Massnahmen durch die Invalidenversicherung, wenn durch diese Vorkehr stabile oder wenig
s
tens relativ stabilisierte Folgezustände von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Un
fall (im Einzelnen: Beeinträchtigungen der Körperbewegung, der Sinneswahr
neh
mung oder der Kontaktfähigkeit) behoben oder gemildert werden, um die Erwerbs
fähigkeit dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren. Der Eingliederungserfolg ist bei jüngeren Ver
si
cherten als dauernd zu betrachten, wenn er wahrscheinlich während eines be
deu
tenden Teils der konkreten Aktivitätserwartung, welche ihrerseits nicht wes
ent
lich herabgesetzt sein darf, erhalten bleiben wird. Bestehen Nebenbefunde, welche geeignet sind, die Aktivitätserwartung trotz der medizinischen Mass
nah
me wesentlich herabzusetzen, ist die Dauerhaftigkeit des Eingliederungser
folgs
zu verneinen (Urteil des Bundesgerichts
9C_695
/2009 vom
1.
Dezember 2009 E.
2.1
). Ob der Eingliederungserfolg dauerhaft sein wird, ist prognostisch zu beur
teilen. Massgebend ist der medizinische Sachverhalt vor Durchführung der Mass
nahme in seiner Gesamtheit. Die erforderliche Prognose bei einem Kind muss zwei Aus
sagen enthalten: Zunächst muss erstellt sein, dass ohne die vorbeugende Behand
lung in naher Zukunft mit Wahrscheinlichkeit eine bleibende Beein
träch
tigung eintreten würde; zugleich muss erstellt sein, dass durch die Behandlung ein stabi
ler Zustand herbeigeführt werden kann, in welchem vergleichsweise erheblich verbesserte Voraussetzungen für die spätere Ausbildung und Erwerbs
fähigkeit bestehen (Urteile des Bundesgerichts
9C_677
/2017 vom
8.
Juni
2018 E.
2.2
und
8C_
632
/2017 vom
6.
März 2018 E. 5.3.1; Silvia Bucher, Eingliede
rungsrecht der Invalidenversicherung, Bern 2011, S. 155 Rz 245).
1.
2
Nicht erwerbstätige Personen vor dem vollendeten 20. Altersjahr gelten als inva
lid, wenn die Beeinträchtigung ihrer körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit voraussichtlich eine ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit zur Folge haben wird (Art. 5 Abs. 2 IVG in Verbindung mit
Art.
8
Abs.
2
des Bundes
ge
setzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Gemäss Art. 12 Abs. 1 IVG haben sie Anspruch auf medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, sondern unmittelbar auf die Einglie
de
rung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren.
Eine therapeutische Vorkehr, deren Wirkung sich in der Unterdrückung von Symptomen erschöpft, kann nicht als medizinische Massnahme im Sinne des Art. 12 IVG gelten, selbst wenn sie im Hinblick auf die schulische und erwerbliche Eingliederung unabdingbar ist. Denn eine solche dient weder der Herbeiführung eines stabilen Zustandes, in welchem vergleichsweise erheblich verbesserte Vor
aus
setzungen für die spätere Ausbildung und Erwerbsfähigkeit bestehen, noch ändert sie etwas am Fortdauern eines labilen Krankheitsgeschehens und dient dementsprechend nicht der Verhinderung eines stabilen pathologischen Zustan
des. Deswegen genügt eine günstige Beeinflussung der Krankheitsdynamik allein nicht, wenn eine spontane, nicht kausal auf die therapeutische Massnahme zu
rückzuführende Heilung zu erwarten ist, oder wenn die Entstehung eines stabilen Defekts mit Hilfe von Dauertherapie lediglich hinausgeschoben werden soll. Ein Zustand, der sich nur dank therapeutischer Massnahmen einigermassen im Gleichgewicht halten lässt, ist keine stabile Folge von Krankheit, Unfall oder Geburtsgebrechen. Ein solcher Zustand ist zwar, solange er im Gleichgewicht bewahrt werden kann, stationär, nicht aber im Sinne der Rechtsprechung stabil. Um eine von der Invalidenversicherung nicht zu übernehmende Behandlung des Leidens an sich geht es somit in der Regel bei der Heilung oder Linderung eines labilen pathologischen Geschehens. Eine Psychotherapie bei Minderjährigen kann von der Invalidenversicherung nur übernommen werden, wenn sie keinen Dauer
charakter hat, also nicht – wie dies etwa bei Schizophrenien oder manisch-de
pressiven Psychosen zutrifft – zeitlich unbegrenzt erforderlich sein wird (Urteil des
Bundesgerichts
8C_106
/2014 vom 9. April 2014 E. 5.2 mit weiteren Hinweisen).
Nach der Rechtsprechung hat die Invalidenversicherung nicht nur medizinische Massnahmen zu übernehmen, die unmittelbar auf die Beseitigung oder Korrektur
stabiler Defektzustände oder Funktionsausfälle gerichtet sind, sondern auch solche
, die bei einstweilen noch labilem Leidenscharakter einen die berufliche Ausbil
dung oder die künftige Erwerbsfähigkeit beeinträchtigenden Defektzustand vor
beu
gen. Dies ist der Fall, wenn ohne die betreffende Vorkehr in absehbarer Zeit eine Heilung mit Defekt oder ein sonst wie stabilisierter Zustand einträte, wo
durch die Berufsbildung oder die Erwerbsfähigkeit oder beide beeinträchtigt würden
(Urteil des Bundesgerichts
9C_393
/2012 vom 20. August 2012 E. 3 mit Hinwei
sen). Die entsprechenden Kosten werden bei Minderjährigen also von der Invali
denversicherung getragen, wenn das Leiden mit hinreichender Wahrschein
lich
keit zu einem schwer korrigierbaren, die spätere Ausbildung und Erwerbsfähigkeit erheblich behindernden stabilen pathologischen Zustand führen würde (BGE 131 V 9 E. 4.2 mit Hinweisen).
1.3
Die medizinischen Massnahmen umfassen gemäss Art. 14 Abs. 1 IVG die Be
hand
lung, die vom Arzt oder von der Ärztin selbst oder auf ihre Anordnung durch medizinische Hilfspersonen in Anstalts- oder Hauspflege vorgenommen wird, mit Ausnahme von logopädischen und psychomotorischen Therapien (lit. a) sowie die Abgabe der vom Arzt oder der Ärztin verordneten Arzneien (lit. b). Beim Ent
scheid über die Gewährung von ärztlicher Behandlung in Anstalts- oder Haus
pflege ist auf den Vorschlag des behandelnden Arztes oder der behandelnden Ärztin und auf die persönlichen Verhältnisse der versicherten Person in ange
messener Weise Rücksicht zu nehmen (
Art.
14
Abs.
3 IVG).
Der Anspruch umfasst ferner die erforderlichen Behandlungsgeräte (BGE 109 V 166).
1.
4
Art.
12 IVG strebt insbesondere eine Abgrenzung zwischen dem Geltungsbereich der Invalidenversicherung und dem der
sozialen
Krankenversicherung und der Unfallversicherung an. Grundsätzlich erfolgt die Behandlung
einer Krankheit oder einer Verletzung
unabhängig von der Dauer
des Leidens
zunächst im Bereich der
Kranken- oder
Unfallversicherung (BGE 140 V 246 E. 7.5.1; Urteil des Bun
desgerichts
8C_648
/2010 vom 1
2.
Januar 2011 E. 2.3). Gemäss
Art.
2
Abs.
4 IVV gilt die Behandlung von Verletzungen denn auch nicht als medizinische Mass
nahme im Sinne von Artikel 12 IVG. Stabile - oder relativ stabilisierte
–
unfall
bedingte Defekte können hingegen Anlass zu Eingliederungsmassnahmen nach
Art.
12 IVG geben, sofern kein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang mit den primären Unfallfolgen besteht (Urteile des Bundesgerichts
9C_748
/2012 vom 1
2.
April 2013 E. 2.1 und U 91/02 vom 2
1.
Oktober 2003 E. 3.2; BGE 102 V 69 E. 1 S. 70). Gemäss der Rechtsprechung ist ein enger sachlicher Zusammen
hang mit den primären Unfallfolgen gegeben, wenn die medizinische Vorkehr mit der Unfallbehandlung einen einheitlichen Komplex bildet, wobei für die Beur
teilung ausschliesslich der Zeitpunkt der Entstehung des Defektes und nicht der Zeitpunkt der Diagnosestellung oder der Durchführung der Massnahme aus
schlag
gebend ist. Eine Massnahme, die schon während der Unfallbehandlung als voraussichtlich notwendig erkennbar war, ist keine Eingliederungsmassnahme der Invalidenversicherung (BGE 140 V 246 E. 7.5.1 und 114 V 18 E.
1b
). Wenn
noch
ein enger und sachlicher Zusammenhang mit den Unfallfolgen besteht, fällt die Leistungspflicht der Invalidenversicherung daher ausser Betracht (Urteil des Bundesgerichts
9C_748
/2012 vom 1
2.
April 2013 E. 2.2). Der zeitliche Zusam
men
hang mit der Unfallbehandlung wird von der Rechtsprechung als unter
bro
chen betrachtet, wenn der Defekt ohne Behandlung länger, das heisst in der Regel während 360 Tagen, stabil war und die versicherte Person im Rahmen der noch vorhandenen Arbeitsfähigkeit tätig sein konnte, wobei die massgebende Zeit
spanne für die Beurteilung des zeitlichen Zusammenhanges mit dem Eintritt des
stabilen Defektzustandes nach Abschluss der primären Unfallbehandlung be
ginnt und zum Zeitpunkt der erstmaligen Indikation der neuen Behand
lungs
vor
kehr endet (Urteil des Bundesgerichts
9C_748
/2012 vom 1
2.
April 2013 E. 2.3.1; BGE 114 V 18).
1.5
In einem Entscheid aus dem Jahre 2013 betreffend ein unter einem unfall
be
ding
ten
Hemisyndrom
nach Schädel-Hirntrauma leidenden versichertes Kind (Urteil
9C_748
/2012 vom 1
2.
April 2013) erwog das Bundesgericht, dass eine Zeit
spanne zwischen dem Unfallereignis und dem Beginn eines stationären Reha
bilitations
aufenthaltes von rund 10 Wochen Dauer den engen zeitlichen Zu
sammenhang zwischen der 11 Tage nach dem Unfall begonnenen Frühre
habi
litation und dem anschliessenden stationären Rehabilitationsaufenthalt nicht in Frage zu stellen vermöge, und dass von einem längere Zeit ohne Behandlung stabilen Defekt, welcher den zeitlichen Zusammenhang mit der Unfallbehandlung allenfalls zu unterbrechen vermöchte, bei einer Zeitspanne von 10 Wochen keine Rede sein könne (E. 4.2). Der stationäre Rehabilitationsaufenthalt habe vielmehr in einem hinreichend engen zeitlichen und sachlichen Zusammenhang mit den Unfallfol
gen gestanden. Auch aus dem Umstand, dass die behandelnden Ärzte nebst der Ergotherapie auch die Weiterführung von Logopädie und der heilpä
da
gogischen Frühförderung empfohlen hätten,
lasse
sich nicht darauf schliessen, dass die an
lässlich des fraglichen stationären Rehabilitationsaufenthaltes durch
geführten Therapien nicht mehr hauptsächlich die Unfallfolgen betroffen hätten. Sodann gelte es zu berücksichtigen, dass die Unfallbehandlung im Rechtssinn unvollstän
dig sei, wenn sich an die unfallmedizinische Akutversorgung nicht eine ebenso intensive Rehabilitation anschliessen würde, zumal aus medizinischer Sicht aus
ser Zweifel stehe, dass Schädel-
Hirntraumatiker
nicht nur auf der Inten
sivstation versorgt, sondern auch rehabilitativ betreut werden müssten, was grundsätzlich Sache des Unfallversicherers sei (E. 4.4 mit Hinweis auf BGE 114 V
18 E.
2b
).
In BGE 114 V 18
hielt das Bundesgericht sodann fest
, dass der enge zeitliche Zusammenhang der (rund einjährigen) Rehabilitation offensichtlich ge
geben sei, da die Therapien unmittelbar im Anschluss auf die (knapp sechs Monate dauernde) Spitalbehandlung erfolgt sei (E.
2.c
).
1.6
Gemäss
Art.
2
Abs.
2 IVV sind medizinische Massnahmen bei Lähmungen und andern motorischen Funktionsausfällen von dem Zeitpunkt an zu gewähren, in dem nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft im Allgemeinen
die Behandlung des ursächlichen Gesundheitsschadens als abgeschlossen gilt o
der untergeordnete Bedeutung erlangt hat. Laut der Verwaltungspraxis zur Kosten
über
nahme bei Behandlung von Lähmungen nach Hirnverletzungen und Erkran
kungen des Gehirns oder des Rückenmarks (Kreisschreiben des
BSV
über die
medizinischen Eingliederungsmassnahmen,
KSME
, Fassung ab
1.
Januar
2021
, Rz 655-657/855-857.1) sind bei Lähmungen nach Hirnverletzungen Eingliede
rungs
massnahmen der Invalidenversicherung gerechtfertigt, sobald die Behand
lung des Grundleidens abgeschlossen oder nur noch nebensächlich geworden ist und der Allgemeinzustand eine Eingliederung erlaubt, was frühestens sechs Wochen nach Wiedererlangen des vollen Bewusstseins beurteilt werden kann; vorher sind Massnahmen der Invalidenversicherung ausgeschlossen. Eingliede
rungs
massnahmen können frühestens vier Wochen nach Erlangen des vollen Bewusstseins zugesprochen werden.
1.7
Verwaltungsweisungen richten sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Entschei
dung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstel
len. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwendung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE
133 V 587 E. 6.1; 133 V 257 E. 3.2 mit Hinweisen; vgl. BGE 133 II 305 E. 8.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte den Anspruch auf Übernahme der Kosten für medizinische Massnahmen
mit der Begründung (Urk.
2),
es liege kein von der Invalidenversicherung anerkanntes Geburtsgebrechen vor und es fehlten auch die Anspruchsvoraussetzungen für eine Kostengutsprache nach
Art.
12 IVG. Die ge
sundheitliche Beeinträchtigung sei auf einen schweren Verbrennungs
un
fall zu
rückzuführen. Die Kosten für die stationäre Rehabilitation sowie für die in diesem Zusammenhang notwendigen Behandlungsgeräte
(Lagerungsschale mit
Quengel
funktion
und Unterarmorthesen)
und auch die notwendige weitere Behandlung
(allfällige Therapien)
gingen deshalb nicht zu ihren Lasten (
S
. 2). Aus näher genannten Gründen (Urk.
7
S. 2) habe im Zeitpunkt des Reha-Aufenthaltes kein stabiler oder wenigstens ein relativ stabilisierter Folgezustand im Sin
ne von Art.
12 IVG vorgelegen. Der Reha-Aufenthalt
diene der Verhinderung eines stabi
len Defektzustands
im Sinne einer Behandlung der Unfallfolgen
,
sei
somit
als Leidensbehandlung anzusehen und sei nicht unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben gerichtet.
2.2
Dagegen wandte der Vater des Versicherten ein, es bestehe
angesichts der weit
gehend abgeschlossenen Heilung der Verbrennungsfolgen
ein relativ stabilisierter Zustand
, aktuell gehe es um die Verbesserung der Beweglichkeit. Im Übrigen seien medizinische Vorkehren bei Jugendlichen selbst bei einem noch labilen Leiden zu übernehmen, wenn ohne diese eine Heilung mit Defekt einträte, wodurch die Berufsbildung oder die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt würde (
Urk.
1 S. 4 f.)
. Wenn das Gericht nicht ohnehin zum Schluss komme, dass vorliegend die Vor
aussetzungen von
Art.
12 IVG zu bejahen seien, müsste vorliegend
Art.
2
Abs.
2 IVV mindestens analog angewendet werden (S. 6).
2.3
Zu prüfen ist ein Anspruch auf medizinische Massnahmen im Sinne von
Art.
12 IVG
, und dabei insbesondere die Frage, ob die Beschwerdegegnerin die Über
nahme der Kosten für die stationäre Rehabilitation
vom
2.
November 2020 bis 3
0.
Juli 2021
sowie für die in diesem Zusammenhang notwendigen Behandlungs
geräte zu Recht abgelehnt hat.
3.
3.1
Die Ärzt
innen
des Spitals Z._, Rehabilitationszentrum A._, B._
, nannten mit Bericht vom 22. Februar 2021 (Urk. 8/36 = Urk. 8/67) folgende, hier gekürzt aufgeführte Diagnosen (S. 1 f.):
-
Verbrennung Grad 3 von 95 % Körperoberfläche (
KOF
) vom 20. Januar 2020
-
schweres obstruktive Schlafapnoe-Syndrom
-
Status nach
undislozierter
,
subcapitaler
Humerusfraktur
rechts vom 10. Dezember 2020
Beim Versicherten sei es am 2
0.
Januar 2020 im Rahmen eines Suizidversuches
mit Brandbeschleuniger zu oben genannten Verbrennungen von 95 %
der Kör
per
oberfläche gekommen. Vom 20.
Januar bis 10.
Juni 2020 habe ein intensiv
medi
zinischer Aufenthalt stattgefunden mit zahlreichen Operationen und Haut
trans
plantationen. Seit dem 10.
Juni 2020 sei
der Versicherte
im Zentrum für brand
ve
rletzte Kinder des Spitals
hospitalisiert gewesen.
Er
sei vom Spital Z._
zur stationären Rehabilitation zugewies
en worden und nehme seit dem 2.
November 2020 im Rehabilitationszentrum an einem ärztlich geleiteten, intensiven und multimodalen Therapieprogramm teil, welches aktuell Physio
the
rapie, Ergothera
pie, Logopädie, medizinische Trainings- und Sporttherapie und Rehabilitations
pflege sowie psychologische Begleitung beinhalte. Das Ziel
der Rehabilitation sei die Rückkehr nach Hause mit Eintritt in eine für ihn geeignete Schule sowie selb
ständiges Essen und eine möglichst grosse Selbständigkeit in den
activities
of
daily
living
(
ADL
). Der Versicherte sei aufgrund der Kontrakturen und der vielen Narben weiterhin vollständig auf Hilfe bei pflegerischen Mass
nahmen angewie
sen, wobei er jedoch zunehmend assistieren könne, so schaffe er es nun schon
,
selbständig die Zähne zu putzen (S. 2 f.). Hohe Priorität habe im Moment die Erlangung eines möglichst grossen Bewegungsumfangs, sowie die psychothera
peutische Aufarbeitung des traumatischen Erlebnisses. Die Selbständig
keit, die ihm dies im Alltag bringe, werde ausschlaggebend sein für jegliche zukünftige Beteiligung im Berufsleben, wie auch für seine schulische Zukunft
(S. 4)
.
3.
2
Die Är
ztinnen des Spitals Z._, Rehabilitationszentrum A._, B._
, führten mit Bericht vom
4.
März 2021 (Urk. 8/52
/
5
)
aus,
aufgrund des schweren Verbren
nungsunfalls sei weiterhin eine sehr hohe Frequenz der verschiedenen Therapien notwendig, um die Gelenkfunktionen des Versicherten zu verbessern und zu er
halten. Durch die Verbrennung dritten Grades an 95 % der Körper
oberfläche neige diese dazu, Narben zu bilden und sich zusammenzuziehen, wo
durch es zu Bewegungseinschränkungen beziehungsweise Zwangsfehlstellungen in anliegen
den Gelenken kommen könne. Da Kontrakturen
und Wundheilungs
störungen die Selbständigkeit des Versicherten und spätere Möglichkeit, einen Beruf zu erlernen und ausüben zu können stark einschränken würde
n
, brauche er jetzt intensive, tägliche Physio- und E
rgotherapie, inklusive Training in der Robotik um die Gelenkbeweglichkeit zu erhalten und zu verbessern. Zudem werde an der Kraft und Koordination gearbeitet. Das intensive Therapiesetting sei auf Grund der ver
hältnismässig noch frischen Verletzungen mit sich noch im Rege
nerationsprozess befindlichen Hautstrukturen noch
notwendig
und in diesem Um
fang aktuell nur stationär denkbar. Abgesehen von dem intensiven Thera
piesetting bedürfe es noch einer kompetenten Wundpflege durch das geschulte Pflegepersonal, sowie
der
weitere
n
Instruktion des Versicherten. Zudem benötige er noch enge psycho
logische Betreuung.
3.
3
Dr.
med. C._
,
Oberärztin, Fachärztin für
Kinder- und Jugend
me
dizin
, Rehabili
tationszentrum A._, B._
, führte mit Bericht vom
2
9.
März 2021 (Urk. 8/56
= Urk. 8/68
)
ergänzend aus, der Versicherte sei bis voraussichtlich Ende April stationär in der Kinderrehabilitation (Ziff. 2.7).
Die Rückenliegeschale sei drin
gend notwendig, um Kontrakturen entgegenzuwirken, dem Versicherten im All
tag eine bessere Beweglichkeit zu gewähren und eine Verbesserung der Atem
situation zu erzielen. Die Unterarmorthesen seien verord
net worden, um den Bewegungsumfang des Ellenbogengelenks zu erhalten bezie
hungsweise zu ver
bessern, einerseits durch das Strecken der Haut, andererseits auch durch Strecken von Sehnen und Muskeln (
Urk.
8/56/4).
3.
4
Kurz nach Verfügungserlass ging folgender Bericht bei der Beschwerdegegnerin ein:
Di
e Ärzte des Spitals Z._
führten mit Bericht vom 1.
Juni 2021 (Urk.
8/80
) aus,
der Versich
erte sei aktuell noch stationär nach mehreren Narben
release und Z-Plastiken am Hals zur Verbesserung der Mobilisation im Rumpf und Schulter
(Ziff. 1.6)
.
E
ine Verlegung in
die Rehabilitation in B._
sei vorgesehen (Ziff. 2.7).
3.
5
Im Beschwerdeverfahren wurden folgende Berichte eingereicht:
Prof.
Dr.
med. D._
,
Leiter Plastische und
Rekonstruktive
Chirurgie, Facharzt für Kinderchirurgie,
Universitätskinderklinik E._
, Zentrum für brand
verletzte Kinder,
führte mit E-Mail vom 2
6.
Juli 2021 (Urk.
3/2
)
auf Fragen der Re
chtsver
treterin des Vaters des Versicherten
aus, ein stabiler Defektzustand sei bei einer schweren Verbrennung dann erreicht, wenn die Hautoberfläche wieder stabil ver
heilt sei. Dies sei der Fall gewesen
,
als der Versicherte in die Reha über
getreten sei. Bewegungseinschränkungen durch den Zug der verpflanzten Haut und den Verlust von Fingern machten eine Rehabilitation unabdingbar. Der Ver
sicherte sei zu einem Zeitpunkt nach
B._
gegangen, als seine
Frühreha
im Spital Z._
abgeschlossen gewesen sei.
Auf die Frage, ab wann die
Behandlung des ursäch
lichen Gesundheitsschadens
(weitgehend) abgeschlossen gewesen
sei
, führte Prof.
Dr.
D._
aus, dies sei
beim Übertritt nach
B._
gewesen. Zu
dem führte er aus, d
ie Behandlung eines schwerbrandverletzten Jugendlichen wie
des Versicherten bestehe aus der
l
ebensrettenden Akutbehandlung, welche bei ih
m viele Monate in Anspruch genommen habe. Daran schliesse sich eine Frühre
ha
bilitation im Spital Z._
an, die noch teilweise Haut müsse stabil werden, die Ernährung, Physio
therapie und Ergotherapie seien notwendig. Als diese nach Monaten auch abge
schlossen gewesen sei, sei es zur eigentlichen Rehabilitation gekommen, welche darauf abziele, den Versicherten in einen normalen Familien
alltag und Schulall
tag zu
reintegrieren
. Wenn eine Rehabilitation eines Patienten wie des Versicher
ten nicht gelinge, komme es zur schrittweisen Verschlechterung der Selbständig
keit, Rollstuhlpflicht, Hilfe beim Essen, Toilettengang usw. seien die Folge (S. 2).
Prof.
Dr.
med. F._
, Chefarzt,
Facharzt für Kinder- und Jugend
medizin,
Rehabi
litationszentrum A._
,
Spital Z._
,
B._
, führte mit E-Mail vom 16. August 2021 (Urk.
3/3
)
auf Fragen der Recht
s
vertreterin des Vaters des Versicherten
aus, die Ziele der Rehabilitation seien Reintegration und Rückkehr in den schulischen (inkl. Schulweg) und familiären Alltag, Verbesserung der Selbständigkeit und Mobilität.
Durch ergotherapeutische und psychotherapeutische Massnahmen soll
ten bei inzwischen stabilisiertem Zu
stand und Abschluss des Leidens an sich die Gelenksbeweglichkeit erhalten wer
den, zur Bewältigung des Alltags (Selbstver
sorgung, Schule inklusive
Grapho
mo
torik
(Bedienung Computer, Benutzung
OeV
, Umgang mit Kreditkarte, Mund
mo
torik etc.)
)
. Auf die Frage, ob eine wesentliche
und dauerhafte Verbesserung der künftigen Erwerbsfähigkeit durch die Reha gegeben sei, wurde ausgeführt, durch häufiges Anwenden beziehungsweise Ein
bindung von Bewegungen in den Alltag ergebe sich ein positive
r
Trainingseffekt. Allerdings sei hierfür - insbesondere in der Adoleszenz (pub
ertärer
Wachstum
schub
) eine erhaltende Therapie notwendig, um eine
m
drohenden stabilen Defekt (Einschränkung der Gelenksbeweglichkeit) vorzubeugen.
Es müsse alles
daran gesetzt
werden, diesen Jugendlichen in den be
ruflichen Arbeitsprozess (mit ent
sprechenden Anpassungen) zu integrieren, was aufgrund der Erfahrung in der Beschulung in den Spitalschulen der Reha
bilitation und im Spital Z._
gelingen sollte (S. 2).
Für die richterliche Beurteilung eines Falles sind grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens massgebend. Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, sind jedoch insoweit zu berücksich
tigen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beeinflussen (BGE 121 V 362 E.
1b
; 99 V 98).
Diese Voraussetzungen sind hinsichtlich der nach Verfügungserlass eingereichten Berichte erfüllt, weshalb diese vorliegend berücksichtigt werden können.
4.
4.1
Dass die streitigen medizinischen Massnahmen
,
wie von der IV
-Stelle ausgeführt (vgl. Urk. 2 S. 2
), mangels Vorliegens eines Geburtsgebrechens nicht gestützt auf
Art.
13 IVG übernommen werden können, wird
vom
Beschwerdeführer vorlie
gend
zu Recht nicht bestritten.
Bereits aufgrund des Alters
ist davon auszugehen, dass der 14-jährige Versicherte in Bezug auf die konkrete Suizidhandlung
nicht urteilsfähig war und ein Unfall vorliegt
.
Zu prüfen ist folglich, ob der Rehabilitationsaufenthalt in einem engen sachlichen und zeitlichen Zusammenhang mit den primären Unfallfolgen stand, mithin ob der Rehabilitationsaufenthalt mit der Unfallbehandlung einen einheit
lichen Komplex
bildete (vgl. vorstehend E. 1.4
f.).
4.2
Dem
Bericht
der
Är
ztinnen des Spitals Z._, Rehabilitationszentrum A._
,
B._
, vom
2
2.
Februar 2021
(vorstehend E. 3.1), ist zu entnehmen, dass
es beim Versicherten am 20. Januar 2020 im Rahmen eines Suizidversuches mit Brand
beschleuniger
zu
einer
Verbrennung
Grad 3 von 95 % der Körperoberfläche gekommen ist. Vom 20.
Januar bis 10.
Juni 2020 fand ein intensivmedizinischer Aufenthalt statt, mit zahlreichen Operationen und Hauttransplantationen. Ab
dem 10.
Juni 2020 war der Versicherte im Zentrum für brandve
rletzte Kinder des Spitals Z._
hospitalisiert. Ab dem
2.
November 2020 befand er sich im Reha
bi
litationszentrum
A
._
. Dies
wohl bis April 2021 (vgl. vorstehend E. 3.
3-3.
4).
Danach fand nach mehreren Narbenreleases und Z-Plastiken am Hals zur Ver
besserung der Mobilisation im Rumpf und Schulter wieder ein stationärer A
uf
enthalt im Spital Z._
statt. Im Anschluss war eine Verlegung in die Rehabilita
tion in
B._
vorgesehen (vorstehend E.
3.5).
Am 30. Juli 2021 wurde er gemäss Angaben seiner Mutter aus der Reha in
B._
entlassen (vgl. Urk. 8/88).
Gemäss den Är
ztinnen des Spitals Z._, Rehabilitationszentrum A._
,
B._
,
war das Ziel der Rehabilitation die Rückkehr nach Hause mit Eintritt in eine für den Versicherten geeignete Schule sowie selbständiges Essen und eine möglichst grosse Selbständigkeit in den
activities
of
daily
living
(
ADL
). Der Ver
sicherte war im Berichtszeitpunkt im Februar 2021 aufgrund der Kontrakturen und der vielen Narben weiterhin vollständig auf Hilfe bei pflegerischen Mass
nahmen angewie
sen (vorstehend E. 3.1). Im März 2021 gaben sie an,
aufgrund
des schweren Ver
brennungsunfalls sei weiterhin eine sehr hohe Frequenz der ver
schiedenen Thera
pien notwendig, um die Gelenkfunktionen des Versicherten zu verbessern und zu erhalten. Das intensive Therapiesetting sei auf Grund der ver
hältnismässig noch frischen Verletzungen mit sich noch im Regenerations
pro
zess befindlichen Hautstrukturen noch notwendig. Abgesehen von dem inten
siven Therapiesetting bedürfe es noch einer kompetenten Wundpflege durch das ge
schulte Pflegeper
sonal sowie die weitere Instruktion des Versicherten. Zudem benötige er noch enge psychologische Betreuung (vorstehend E. 3.
2
).
4.3
Nach dem Gesagten
steht fest, dass der Rehabilitationsaufenthalt des Versicherten am 2.
November 2020
gut
neun Monate nach dem Unfall vom 2
0.
Januar 2020
angetreten wurde, dies nach einem intensivmedizinischen Aufenthalt
und einer Hospitalisierung im Zentrum für brandve
rletzte Kinder des Spitals Z._
. M
it der Rehabilitation
wurde
folglich unmittelbar nach der akutmedizinischen Behand
lung
und Frührehabilitation
begonnen.
Von
einem längere Zeit
ohne Behandlung
bestehenden
stabilen Defekt, welcher den zeitlichen Zusammenhang mit der Unfallbehandlung allenfalls zu unterbrechen vermöchte (
vorstehend E. 1.4
), kann auch bei einer Zeitspanne von rund neun Monaten keine Rede sein, namentlich nicht mit Blick auf die schweren Verletzungen des Versicherten. Auch mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach ein zeitlicher Unterbruch zu bejahen ist,
wenn ein Defekt ohne Behandlun
g während 360 Tagen stabil war (vgl. vorstehend E. 1.
4
)
,
liegt
noch
kein zeitlicher Unterbruch vor.
Zudem
war die
B
ehandlung
während des Rehabilitationsaufenthaltes noch nicht abgeschlossen und es stand während des Aufenthaltes die Behandlung der
Ver
brennungs
folgen im Vordergrund, was sich bereits daraus ergibt, dass
der Ver
si
cherte
aufgrund der Kontrakturen und der vielen Narben weiterhin vollständig auf Hilfe bei pflegerischen Massnahmen angewiesen war
und eine sehr hohe Frequenz der verschiedenen Therapien notwendig war, um die Gelenkfunktionen des Versicherten zu verbessern und zu erhalten. Die Rehabilitation diente dem
nach der Behebung unfallbedingter Funktionseinschränkungen.
Der Versicherte nahm im Rehabilitationszentrum an einem ärztlich geleiteten, intensiven und
multimodalen Therapieprogramm teil, welches (im Berichtszeitpunkt Februar 2021
) Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, medizinische Trainings- und Sportthe
rapie und Rehabilitationspflege sowie psychologische Begleitung beinhaltete. Das Ziel der Rehabilitation war wie erwähnt die Rückkehr nach Hause mit Eintritt in eine für ihn geeignete Schule sowie selbständiges Essen und eine möglichst grosse Selbständigkeit in den
activities
of
daily
living
(
ADL
). Vor diesem Hintergrund ist nicht überwiegend wahrscheinlich, dass die Behandlung des Grundleidens bereits vor dem
2.
November 2020 abgeschlossen oder nur noch nebensächlich gewesen wäre. Die Rehabilitationsmassnahmen in
B._
standen vielmehr in hinrei
chend engem zeitlichen und sachlichen Zusammenhang mit den Unfallfolgen.
Soweit beschwerdeweise geltend gemacht wird, gemäss dem Bericht von Prof.
Dr.
D._
sei die Leidensbehandlung Anfang November 2020 abgeschlossen gewesen (vgl. Urk. 1 S. 6 Rz 1.4), geht dies aus seinem Bericht
so
nicht hervor.
S
einem Bericht kann entnommen werden, dass Bewegungseinschränkungen du
rch den Zug der verpflanzten Haut und den Verlust von Fingern eine Rehabilitation unabdingbar machten
(vorstehend E. 3.6)
. Insofern gilt somit
vorliegend
dasselbe wie im BGE 114 V 18 (E.
2b
S. 21), wo das Bundesgericht erwog, die Unfall
be
handlung im Rechtssinn wäre unvollständig, wenn sich an die unfallmedizinische Akutversorgung nicht
eine ebenso intensive Rehabilitation anschliessen würde, zumal aus medizinischer Sicht ausser Zweifel steh
e
, dass
Schädel-Hirn-Trau
ma
tiker
nicht nur auf der Intensivstation versorgt, sondern auch rehabilitativ betreut werden müss
t
en, was grundsätzlich Sache des Unfallversicherers
sei
(
vor
stehend E. 1.5
).
Gleiches muss analog auch für die schweren Verbrennungen gelten.
Es widerspricht der angeführten Rechtsprechung (
vorstehend E. 1.
4
), den engen sachlichen Zusammenhang mit der primären Unfallbehandlung zu verneinen, sobald die Rehabilitationsmassnahmen über die medizinische Heilbehandlung im engsten Sinne - hier insbesondere
lebensrettende Akutbehandlung und Früh
reha
bili
tation im Spital Z._
- hinausgehen.
Insofern kann der Versicherte aus den
Berichten von
Prof.
Dr.
D._
und Prof.
Dr.
F._
nichts zu seinen Gunsten ableiten
.
Soweit sich der Beschwerdeführer
auf den Standpunkt stellt, dass nichterwerbs
tätige minderjährige Versicherte als invalid gelten, wenn ihr Gesundheitsschaden künftig wahrscheinlich eine Erwerbsunfähigkeit zur Folge haben werde, und hierzu auf die Berichte von Prof.
Dr.
D._
und Prof.
Dr.
F._
verweist (Urk. 1 S. 5 Rz 1.2), ist festzuhalten, dass
die Invalidenversicherung eine Vorkehr, die der Behandlung des Leidens an sich zuzuzählen ist, auch dann nicht zu über
nehmen
hat
, wenn ein wesentlicher Eingliederungserfolg vorausgesehen werden kann. Der Eingliederungserfolg, für sich allein betrachtet, ist im Rahmen von
Art.
12 IVG kein taugliches Abgrenzungskriterium, zumal praktisch jede ärztliche Vorkehr, die medizinisch erfolgreich ist, auch im erwerblichen Leben eine ent
sprechende Verbesserung bewirkt (BGE 120 V 277 E.
3a
mit Hinweisen; AHI 2003 S. 104 E. 2, 2000 S. 64 E. 1, S. 295 E.
2a
und S. 298 E.
1a
je mit Hinweisen)
4.4
Beschwerdeweise wurde die analoge Anwendung von
Art.
2
Abs.
2 IVV beantragt (vgl. vorstehend E. 2.2).
Den
medizinischen Akten sind keine Hinweise zu ent
neh
men, dass der Versicherte infolge des Unfalls vom 20. Januar 2020 jemals unter Lähmungen gelitten hätte.
Demzufolge kommt die Bestimmung von
Art.
2
Abs.
2 IVV, wonach medizinische Massnahmen bei Lähmungen und andern motorischen Funktionsausfällen von dem Zeitpunkt an zu gewähren sind, in dem nach be
währter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft im Allgemeinen die Behand
lung des ursächlichen Gesundheitsschadens als abgeschlossen gilt oder unter
g
e
ordnete Bedeutung erlangt hat, vorliegend nicht zur Anwendung und der erwähn
ten Verwaltungspraxis zur Kostenübernahme bei Behandlung von Läh
mungen nach Hirnverletzungen (
KSME
Rz 655-657/855-857.1; vorstehend E.
1.6) kommt i
m
vorliegende
n
Fall grundsätzlich keine Relevanz zu.
Eine analoge Anwendung von
Art.
2
Abs.
2 IVV ist mit Blick auf die bundesgerichtliche Recht
sprechung ausgeschlossen (vgl. Urteil
9C_748
/2
012 vom 12. April 2013 E. 4.1).
4.5
Zusammenfassend sind somit die Voraussetzungen für die Gewährung medizi
ni
scher Massnahmen
(Kosten für die stationäre Rehabilitation
vom
2.
November 2020 bis 3
0.
Juli 2021
sowie für die in diesem Zusammenhang notwendigen Behandlungsgeräte
)
gemäss
Art.
12 IVG nicht gegeben, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
Dem Versicherten steht es frei, für weitere medizinische Massnahmen
ein neues Gesuch einzureichen.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
de
r
u
nterliegenden
Partei
aufzuerlegen.