Decision ID: 01a58c43-aaab-4136-8fc7-bf7603c829a7
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein Tamile mit letztem offiziellen Wohnsitz in
B._, verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am
(...). Mai 2016 auf dem Luftweg. Am 4. Oktober 2016 sei er in die Schweiz
eingereist, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte.
B.
B.a Die Befragung zur Person (BzP) fand am 10. Oktober 2016 statt. Am
10. April 2019 und am 17. Mai 2019 wurde der Beschwerdeführer einge-
hend zu seinen Asylgründen angehört. Dabei machte er im Wesentlichen
folgenden Sachverhalt geltend:
B.b Er habe im Jahr 2013 angefangen, die Tamil National Alliance (TNA)
zu unterstützen, ohne jedoch Mitglied einer Partei zu sein. So habe er etwa
Plakate verteilt und aufgehängt, eine Gedenkfeier mitorganisiert und im
Vorfeld des Besuchs eines Gesandten der Vereinten Nationen Informatio-
nen über verschollene Personen und Menschenrechtsverletzungen ge-
sammelt. Im Dezember 2013 habe er auf Bitte eines Kollegen hin eine ihm
unbekannte Person für eine Nacht beherbergt. Wenige Tage darauf sei er
von Unbekannten entführt und mutmasslich zu einem Armee-Camp ver-
bracht worden. Dort habe man ihn geschlagen und während zweier
Wochen zu seinem Übernachtungsgast, bei dem es sich um einen Terro-
risten gehandelt haben solle, und seinem Kollegen befragt. Anschliessend
sei er freigelassen worden. In der Folge habe er sich etwa sieben Monate
in C._ aufgehalten und in Vorbereitung auf die Wiederholung seiner
Abschlussprüfungen im Spätsommer 2014 eine Privatschule besucht.
Ab September 2014 habe er zunächst bei seiner Grossmutter gelebt und
sich dort einem lokalen Jugendverein angeschlossen. Über diesen Verein
habe er einen Sozialarbeiter kennengelernt, den er anschliessend bis im
Frühling 2015 zu Hausbesuchen begleitet habe, anlässlich derer sie Infor-
mationen über verschollene Personen zusammengetragen hätten. Auf der
Rückfahrt von einem Familienbesuch in C._ sei während einer Kon-
trolle seine Identitätskarte von der Polizei beschlagnahmt worden. Als er
diese einige Tage später abgeholt habe, sei er zum Sozialarbeiter und des-
sen Aktivitäten befragt worden. Dieser Mann sei im (...) 2015 von Unbe-
kannten erschossen worden. Ein Kollege, der ebenfalls mit dem Sozialar-
beiter zusammengearbeitet habe, sei Ende 2015 respektive Anfang 2016
fest-genommen worden. Er selbst sei mehrmals zu Hause gesucht worden,
habe sich aber bereits seit September 2014 jeweils bei Verwandten und
nicht mehr bei seinen Eltern aufgehalten.
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B.c Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte er unter anderem ein
Schreiben des Hindu-Jugendvereins von D._ vom 6. Juni 2017, das
Schreiben eines Parlamentsmitglieds vom 2. März 2015, ein undatiertes
Schreiben eines weiteren Parlamentsmitglieds, ein Schreiben des Dorfvor-
stehers vom 9. Dezember 2017, eine undatierte Zeitungsmeldung über ei-
nen erschossenen Sozialarbeiter in B._ sowie ein undatiertes
Schreiben eines Friedensrichters zu den Akten.
C.
Mit Verfügung vom 19. Februar 2020 – eröffnet am 21. Februar 2020 – ver-
neinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte
sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie
den Vollzug an.
D.
D.a Der Beschwerdeführer liess mit Eingabe an das Bundesverwaltungs-
gericht vom 20. März 2020 Beschwerde gegen die vorinstanzliche Verfü-
gung erheben. Darin beantragte er die Aufhebung der angefochtenen Ver-
fügung und die Asylgewährung; eventualiter sei er infolge Unzulässigkeit
beziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der
Schweiz vorläufig aufzunehmen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses sowie um Beiordnung seiner Rechtsvertreterin als amtliche
Rechtsbeiständin.
D.b Mit seinem Rechtsmittel reichte der Beschwerdeführer eine tabellari-
sche Darstellung vermisster Personen der Division E._ ein, die er
in Zusammenarbeit mit dem Sozialarbeiter erstellt habe.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 9. April 2020 hiess der Instruktionsrichter das
Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
und setzte antragsgemäss die damalige Rechtsvertreterin des Beschwer-
deführers, MLaw Cora Dubach, als dessen amtliche Rechtsbeiständin ein.
Die Vorinstanz wurde überdies zur Vernehmlassung eingeladen.
F.
Die Vorinstanz liess sich am 24. April 2020 zur Beschwerde vernehmen
E-1639/2020
Seite 4
und hielt dabei vollumfänglich an ihren Erwägungen in der angefochtenen
Verfügung fest.
G.
Auf Einladung des Instruktionsrichters vom 30. April 2020 hin replizierte
der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 29. Mai 2020 und hielt an seinen
Rechtsbegehren fest. Mit der Replik sowie einer ergänzenden Eingabe
vom 12. Juni 2020 reichte der Beschwerdeführer die Originale zweier Vor-
ladungen vom (...). Februar 2016 und (...). März 2016, Fotos seiner Fami-
lie, eine Sprachnachricht seines Vaters und ein Video einer Überwa-
chungs-kamera zu den Akten.
H.
Der Vorinstanz wurde mit Zwischenverfügung vom 26. Juni 2020 Gelegen-
heit gegeben, sich im Rahmen eines weiteren Schriftenwechsels zum Ver-
fahren zu äussern.
I.
Die Vorinstanz nahm am 13. Juli 2020 Stellung.
J.
Die zweite Vernehmlassung der Vorinstanz wurde dem Beschwerdeführer
am 14. August 2020 zusammen mit einer Einladung zur Stellungnahme
übermittelt.
K.
Der Beschwerdeführer nahm mit Eingabe vom 31. August 2020 Stellung.
L.
Mit Eingaben vom 10. Dezember 2020 und 26. April 2022 reichte der Be-
schwerdeführer zwei weitere Sprachnachrichten inklusive schriftlicher
Übersetzung und ein Video einer Überwachungskamera zu den Akten.
In der Eingabe vom 26. April 2022 ersuchte die aktuelle Rechtsvertreterin
des Beschwerdeführers, MLaw Linda Spähni, ausserdem um Einsetzung
als amtliche Rechtsbeiständin, weil die bisherige Rechtsbeiständin ihr Ar-
beitsverhältnis gekündigt und sie in der Folge ihre Fälle übernommen habe.
E-1639/2020
Seite 5
M.
Der Instruktionsrichter forderte die amtliche Rechtsbeiständin des Be-
schwerdeführers mit Zwischenverfügung vom 3. Mai 2022 auf, innert Frist
ein begründetes Gesuch um Entlassung aus ihrem amtlichen Mandat ein-
zureichen.
N.
Linda Spähni ersuchte mit Eingabe vom 10. Mai 2022 – unter Vorlage einer
entsprechenden Vollmacht – um Einsetzung als amtliche Rechtsbeistän-
din, wobei dieser Eingabe ein Schreiben von Cora Dubach vom 6. Mai
2022 beilag, in welchem diese unter Bezugnahme auf eine ebenfalls bei-
gelegte Kündigungsbestätigung vom 28. Dezember 2021 mitteilte, sie sei
per 31. März 2022 aus F._ ausgeschieden, und um Entlassung aus
ihrem Amt ersuchte.
O.
Die amtliche Rechtsbeiständin Cora Dubach wurde mit Zwischenverfügung
vom 13. Mai 2022 aus ihrem Mandat entlassen. Auf die Beiordnung der
aktuellen Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers als dessen amtliche
Rechtsbeiständin verzichtete der Instruktionsrichter, zumal das Beschwer-
deverfahren in diesem Zeitpunkt spruchreif erschien und sich keine Not-
wendigkeit weiterer Instruktionshandlungen abzeichnete. Vom neuen Ver-
tretungsverhältnis wurde Kenntnis genommen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
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Seite 6
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres ablehnenden Asylent-
scheids im Wesentlichen aus, es werde aus den Schilderungen des Be-
schwerdeführers weder ein sachlicher noch ein zeitlicher Kausalzusam-
menhang zwischen seiner geltend gemachten Festnahme von Ende 2013
und der vorgebrachten Befragung zum Sozialarbeiter im Jahr 2015 sowie
zu seiner Ausreise im Mai 2016 erkennbar. Entsprechend erweise sich die
damalige Festnahme als asylrechtlich nicht relevant, womit sich eine
Prüfung der Glaubhaftigkeit dieses Vorbringens erübrige. Bezüglich seiner
Tätigkeiten in Zusammenarbeit mit dem Sozialarbeiter und dem angeblich
darauf gründenden Verfolgungsinteresse der staatlichen Sicherheitsbehör-
den an seiner Person würden die bisweilen widersprüchlichen und ober-
flächlichen Aussagen des Beschwerdeführers kein klares Bild über die
Situation zulassen. Es sei ihm nicht gelungen, angeblich gegen ihn gerich-
tete Verfolgungshandlungen glaubhaft zu machen. Die eingereichten nicht
fälschungssicheren Beweismittel seien ebenfalls nicht geeignet, den gel-
tend gemachten Sachverhalt zu belegen, zumal sie sich lediglich vage zu
einer allfälligen Verfolgungsgefahr für den Beschwerdeführer und den
Gründen dafür äussern würden. Ausserdem seien sie teilweise kaum mit
seinen protokollierten Aussagen in Einklang zu bringen, weshalb insge-
samt davon auszugehen sei, es handle sich um Gefälligkeitsschreiben.
Den Akten seien überdies keine Hinweise dafür zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer angesichts der politischen Entwicklungen in Sri Lanka
oder aufgrund eines allfälligen – bei ihm nicht vorhandenen – Risikoprofils
mit asylbeachtlichen Verfolgungsmassnahmen zu rechnen hätte.
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Seite 7
3.2 Der Beschwerdeführer hielt der Einschätzung der Vorinstanz in seinem
Rechtsmittel entgegen, seine Aussagen seien nachvollziehbar, schlüssig
und betreffend die zentralen Punkte seiner Vorbringen widerspruchsfrei
ausgefallen. Seine Tätigkeiten in Zusammenarbeit mit dem Sozialarbeiter
habe er eingehend dargetan. Zur Veranschaulichung reiche er mit der Be-
schwerde eine Liste mit Informationen zu verschollenen Personen zu den
Akten, wie er sie jeweils mit dem Sozialarbeiter erarbeitet habe. Ein unmit-
telbares Interesse der Behörden – das sich auch in offiziellen Vorladungen
manifestiert habe – an seiner Person sei gegeben, zumal er Informationen
über Kriegsverbrechen der damaligen und aktuellen Regierung zusam-
mengetragen habe. Dadurch habe er sich politisch exponiert und sei nun
– insbesondere vor dem Hintergrund der veränderten Machtverhältnisse in
Sri Lanka seit seiner Ausreise – einer erhöhten Gefahr für erneute asylre-
levante Verfolgung ausgesetzt.
3.3 Die Vorinstanz hielt in ihrer Vernehmlassung vollumfänglich an der an-
gefochtenen Verfügung fest und qualifizierte die Einwände und Erklärun-
gen auf Beschwerdeebene als unbehelflich. Der mit der Beschwerde ein-
gereichten Liste komme ausserdem nur eingeschränkter Beweiswert zu.
3.4 In seiner Replik wies der Beschwerdeführer erneut auf die Glaubhaf-
tigkeit seiner Vorbringen hin. Zwischenzeitlich habe er ausserdem die bei-
den in der Beschwerde erwähnten Vorladungen, welche im Februar und
März 2016 dem Dorfvorsteher und seiner Familie zugestellt worden seien,
erhältlich machen können. In einer weiteren Eingabe führte der Beschwer-
deführer zudem aus, das behördliche Interesse an seiner Person halte an;
eine Videoaufnahme einer Überwachungskamera zeige, wie Polizisten
sich im Mai 2020 bei seinen Eltern nach ihm erkundigt hätten.
3.5 Nachdem die Vorinstanz in ihrer ergänzenden Vernehmlassung die
Authentizität der eingereichten Vorladungen mit Verweis auf ein internes
Consulting anzweifelte und feststellte, weder das eingereichte Über-
wachungsvideo noch eine Sprachnachricht des Vaters seien zum Beleg
des geltend gemachten Sachverhalts geeignet, reichte der Beschwerde-
führer im weiteren Verfahrensverlauf zusätzliche Sprachnachrichten seiner
Eltern und ein weiteres Überwachungsvideo zu den Akten. Daraus gehe
unzweifelhaft hervor, dass die sri-lankischen Behörden ein anhaltendes In-
teresse an ihm hätten und er bei einer Rückkehr Gefahr laufe, ernsthaften
Nachteilen ausgesetzt zu sein. Ferner ersuchte der Beschwerdeführer um
Einsichtnahme in den internen Consulting-Bericht der Vorinstanz, zumal
ihm eine Stellungnahme zur Einschätzung des SEM ansonsten verunmög-
licht werde.
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Seite 8
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
5.
5.1 Nach Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Vorinstanz die Vorbringen zu Recht als unglaubhaft res-
pektive als nicht asylrelevant qualifiziert hat. Die Ausführungen auf Be-
schwerdeebene vermögen der vorinstanzlichen Einschätzung in der ange-
fochtenen Verfügung – auf die vorab verwiesen werden kann – letztlich
nichts Stichhaltiges entgegenzusetzen.
Ergänzend hält das Bundesverwaltungsgericht Folgendes fest:
5.2 Der Vorinstanz ist darin zuzustimmen, dass sich die Ausführungen des
Beschwerdeführers betreffend seine geltend gemachte Tätigkeit mit einem
Sozialarbeiter und einem angeblich daraus folgenden Verfolgungsinte-
resse der sri-lankischen Behörden nicht zu einem stimmigen Gesamtbild
zusammenfügen.
E-1639/2020
Seite 9
5.2.1 Zunächst ist festzuhalten, dass sich die mit der Beschwerde einge-
reichte Liste verschollener Personen, welche der Beschwerdeführer in Zu-
sammenarbeit mit dem Sozialarbeiter erstellt haben will, nicht mit seinen
protokollierten Aussagen zu ihren gemeinsamen Tätigkeiten in Einklang
bringen lässt: Seinen Ausführungen zufolge haben der Sozialarbeiter und
er Personen in der Region um G._ besucht und dabei Listen mit
Informationen zu verschollenen Personen erstellt (vgl. act. A6/11 7.01 so-
wie act. A13/12 F48 und F51 f.). Die auf der Liste eingetragenen Personen
stammen jedoch – soweit überprüfbar – allesamt aus dem Gebiet des
Division Secretariat E._ und sie wurden grösstenteils auch in dieser
Region letztmals gesehen. In diesem Zusammenhang fällt auf, dass der
Vater des Beschwerdeführers für das erwähnte Division Secretariat arbei-
tet (vgl. act. A13/12 F 23 f.), wobei dieses – jedenfalls was das Erstellen
dieser Personenlisten angeht – mehrere hundert Kilometer vom angebli-
chen Wirkungsbereich des Sozialarbeiters entfernt liegt.
Insgesamt entsteht der Eindruck, die Liste basiere auf Informationen, die
dem Vater des Beschwerdeführers aufgrund seiner Arbeitstätigkeit zu-
gänglich waren und sei nicht, wie behauptet, das Ergebnis von Hausbesu-
chen und Gesprächen des Sozialarbeiters und des Beschwerdeführers mit
betroffenen Familien. Im Übrigen fällt einerseits auf, dass die einzelnen
Einträge und der Beginn der Schlusszeile ("Prpared [sic] by:") nicht die
gleiche Schriftgrösse und/oder Schriftart aufweisen, was so aussieht, als
sei der Name "H._" nachträglich eingefügt worden. Andererseits ist
auffälligerweise gleich hinter diesem Namen die Nummer der Natio-
nal Identity Card des Beschwerdeführers (in gleicher Schrift wie der Name)
angeführt; dass eine – offenbar ehrenamtlich tätige (vgl. act. A13/12
F 45 ff.) – Person, die eine so brisante Liste anfertigt, sich gegenüber den
heimatlichen Behörden derart eindeutig identifizieren würde, erscheint
schwer vorstellbar (vgl. in diesem Sinn auch die Eingabe vom 29. Mai 2020
S. 4: "Man kann sich vorstellen, dass eine solche Liste [...] den Behörden
nicht gefallen wird [...]"). Insofern erscheint auch die gegenteilige Darstel-
lung in der Beschwerde unverständlich, der Beschwerdeführe habe in die-
sem Zusammenhang keine exponierte Stellung eingenommen und sei sich
auch gar nicht bewusst gewesen, dass seine Tätigkeit "überhaupt zu Prob-
lemen mit den Behörden führen könnte" (vgl. Beschwerde S. 10).
5.2.2 Dem Beschwerdeführer ist es nicht gelungen, seine Aufenthaltsorte
zu der Zeit, als anfangs 2015 seine Identitätskarte bei einer Polizeikontrolle
beschlagnahmt worden sein soll, konsistent zu schildern. Aus seiner Be-
schreibung der Polizeikontrolle geht hervor, dass er jedenfalls sowohl nach
der Kontrolle als auch nach der darauffolgenden Befragung auf einem
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Seite 10
Polizeiposten von seinem Vater nach I._ gebracht worden sein will
(vgl. act. A13/12 F69). Zuvor gab er allerdings an, erst nach dem Tod des
Sozialarbeiters – und somit im Mai 2015 – bei einem Verwandten väterli-
cherseits in I._ untergekommen zu sein und sich dort bis zu seiner
Ausreise versteckt gehalten zu haben (vgl. act. A13/12 F27). Vorher habe
er zwischen Februar und Mai 2015 bei einem Verwandten mütterlicherseits
in B._ gelebt (vgl. act. A13/12 F30 ff.). Es wäre durchaus zu erwar-
ten gewesen, dass der Beschwerdeführer in der Lage ist, seine Aufent-
haltsorte während der Ereignisse, die unmittelbar zu seinem Ausreiseent-
schluss geführt haben sollen (Polizeikontrolle, Befragung, Tod Sozialarbei-
ter), zuverlässig und konsistent zu verorten. Die diesbezüglichen Entgeg-
nungen im Beschwerdeverfahren vermögen vor diesem Hintergrund nicht
zu überzeugen.
5.2.3 Es ist dem Beschwerdeführer insgesamt nicht gelungen, plausibel zu
machen, weshalb die sri-lankischen Sicherheitskräfte schliesslich anfangs
2016 ihre Bemühungen auf der Suche nach ihm wieder intensiviert haben
sollten, nachdem er sowohl nach der Polizeibefragung im Frühjahr 2015
als auch dem Tod des Sozialarbeiters unbehelligt geblieben war. Ausser-
dem handelt es sich bei seinen Vermutungen, die sri-lankischen Behörden
hätten den Sozialarbeiter aus Befürchtungen getötet, er könnte sich für den
Wiederaufbau der tamilischen Widerstandsbewegung einsetzen, letztlich
bloss um unbegründete Spekulationen (vgl. act. A6/11 7.02 und act. A16/13
F50).
5.3
5.3.1 Sodann zeichnen auch die eingereichten Beweismittel kein Bild einer
konkreten Verfolgungsgefahr für den Beschwerdeführer, zumal die Doku-
mente sich teilweise nicht mit den von diesem geschilderten Aktivitäten res-
pektive Bedrohungen vereinbaren lassen (vgl. zum Ganzen auch die über-
zeugenden Ausführungen des SEM in der angefochtenen Verfügung
S. 5 f.)
5.3.2 Die eingereichten Vorladungen vom (...). Februar 2016 und
(...). März 2016, bei denen es sich um Originale handeln soll, sind nicht
geeignet, ein Verfolgungsinteresse der sri-lankischen Behörden zu bele-
gen. Im Laufe des erstinstanzlichen Verfahrens erklärte der Beschwerde-
führer zunächst, er sei im März 2016 von Angehörigen des Criminal Inves-
tigation Department (CID) zuhause gesucht worden. Anschliessend hätten
diese die Umgebung beobachtet und kontrolliert, weshalb er erst im Mai
2016 habe ausreisen können (vgl. act. A16/13 F20). Später gab er an, von
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Seite 11
seinem Bruder erfahren zu haben, dass er im März 2016 zu Hause von
Personen gesucht worden sei, die sich als Polizisten ausgegeben hätten
(vgl. act. A16/13 F55 f.). Schliesslich bekräftigte er, die Personen hätten
sich nicht ausgewiesen und auch kein Schreiben abgegeben (vgl. act.
A16/13 F65). Diese Aussage steht im Widerspruch zur polizeilichen Vorla-
dung, die seinen Eltern angeblich am (...). März 2016 direkt übergeben
worden sein soll (vgl. Replik Ziff. 6). Ohnehin erstaunt es, dass der Be-
schwerdeführer die beiden Vorladungen erst im Jahr 2020 eingereicht hat
("weil die Familie geglaubt hat, nicht mehr im Besitz der Vorladungen zu
sein. Sobald diese aber wieder gefunden wurden, wurden diese in die
Schweiz geschickt und nachgereicht"; vgl. Stellungnahme vom 31. August
2020). Diese Darstellung lässt sich kaum mit dem Vorbringen des Be-
schwerdeführers vereinbaren, seit seiner Festnahme im Jahr 2013 in stän-
diger Angst vor weiteren Kontakten mit den Sicherheitskräften gelebt zu
haben. Vor dem Hintergrund, dass andere – weit weniger konkrete – Be-
weismittel eingereicht werden konnten, verwundert es, dass die Polizeivor-
ladungen im erstinstanzlichen Verfahren nicht einmal ansatzweise erwähnt
wurden. Entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers in der zitierten
Stellungnahme konnte er keine plausiblen Erklärungen zu den Umständen
liefern, unter denen er die Vorladungen rund vier Jahre nach deren angeb-
licher Ausstellung schliesslich erhältlich machen konnte.
5.3.3 Der Einsicht in das vom SEM erstellte Dokumentenanalyse-Control-
ling vom 13. Juli 2020 stehen öffentliche Geheimhaltungsinteressen ge-
mäss Art. 27 Abs. 1 Bst. a VwVG entgegen (Vermeidung Lerneffekt). Nach-
dem – wie in der Vernehmlassung zu Recht erwähnt – bereits aufgrund der
Umstände der Einreichung der Vorladungen berechtigte Zweifel an deren
Authentizität bestehen, können die Fragen offenbleiben, ob zusätzlich noch
formale Fälschungsmerkmale vorliegen, und ob diesfalls deren wesentli-
cher Inhalt vom SEM in geeigneter Form zusammenfassend hätten wie-
dergegeben werden müssen (Art. 28 VwVG).
5.3.4 Schliesslich ist nicht anzunehmen, dass der Beschwerdeführer am
2. Mai 2016 mit einem auf seinen Namen lautenden Pass auf dem Luftweg
kontrolliert hätte ausreisen können (vgl. act. A6/11 4.02 und 5.01 f.) – und
überhaupt das damit verbundene Verfolgungsrisiko eingegangen wäre –,
wenn er tatsächlich zwei Polizeivorladungen auf den (...). Februar 2016
und (...). März 2016 keine Folge geleistet hätte.
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Seite 12
5.4 Soweit der Beschwerdeführer vorbrachte, auch nach seiner Ausreise
regelmässig von Angehörigen der sri-lankischen Sicherheitskräfte gesucht
worden zu sein, vermochte er dies nicht überzeugend darzulegen. Die Be-
weismittel, die er in diesem Zusammenhang zu den Akten reichte, erwei-
sen sich als wenig aussagekräftig. Die eingereichten Videoaufnahmen der
Überwachungskamera lassen keine Rückschlüsse über den Grund für die
beiden Polizeibesuche beim Haus seiner Eltern zu. Es gibt – mit Ausnahme
der Sprachnachrichten seiner Eltern – keine Hinweise dafür, dass tatsäch-
lich eine allfällige Suche nach dem Beschwerdeführer zum Besuch der Po-
lizisten geführt hat. Diesen Sprachnachrichten kommt schliesslich kaum
Beweiswert zu, zumal der darin vorgetragene Sachverhalt durch nichts
Weiteres untermauert wird. Somit konnte der Beschwerdeführer nicht
glaubhaft machen, dass die sri-lankischen Behörden nach seiner Ausreise
wiederholt Interesse an seiner Person bekundet hätte.
5.5 Angesichts der festgestellten Unglaubhaftigkeit der Ereignisse im Zu-
sammenhang mit dem Sozialarbeiter weist die geltend gemachte Fest-
nahme und Inhaftierung im Jahr 2013 – selbst bei unterstellter Glaubhaf-
tigkeit (wobei die diesbezüglichen Schilderungen eher knapp und pauschal
ausgefallen sind) – weder einen zeitlichen noch einen kausalen Zusam-
menhang zur Ausreise des Beschwerdeführers auf. Diesem Vorbringen
mangelt es damit letztlich an asylrechtlicher Relevanz.
5.6
5.6.1 Zutreffend verneinte das SEM sodann auch das Vorliegen von Risi-
kofaktoren, welche im sri-lankischen Kontext zur Bejahung einer begrün-
deten Furcht vor zukünftiger Verfolgung führen könnten. Im Referenzurteil
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 hat das Bundesverwaltungsgericht sich zu
entsprechenden Risikofaktoren geäussert und festgehalten, solche seien
in einer Gesamtschau und in ihrer Wechselwirkung sowie unter Berück-
sichtigung der konkreten Umstände in einer Einzelfallprüfung zu berück-
sichtigen, mit dem Ziel, zu erwägen, ob mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung bejaht werden müsse
(E. 8.5.5).
5.6.2 Die Vorinstanz kam richtigerweise zum Schluss, dass der Beschwer-
deführer keine Faktoren aufweist, die im Falle einer Rückkehr in den Hei-
matstaat ein besonderes behördliches Interesse an ihm vermuten lassen.
So macht der Beschwerdeführer insbesondere keine Verbindungen zu den
LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) oder anderweitige politische Akti-
vitäten geltend, im Zuge derer er sich in irgendeiner Weise exponiert hätte.
E-1639/2020
Seite 13
5.6.3 Alleine aus der tamilischen Ethnie und der mittlerweile rund sechs-
jährigen Landesabwesenheit kann der Beschwerdeführer keine Gefähr-
dung ableiten.
5.6.4 Es ist somit nicht anzunehmen, dass ihm persönlich im Falle einer
Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG
drohen.
5.6.5 An dieser Einschätzung vermag auch die aktuelle – als volatil zu be-
zeichnende – Lage in Sri Lanka nichts zu ändern (vgl. Beschwerde
Ziff. 11 ff., S. 11). Das Bundesverwaltungsgericht ist sich der Veränderun-
gen in Sri Lanka bewusst, beobachtet die aktuellen Entwicklungen
aufmerksam und berücksichtigt diese bei seiner Entscheidfindung. Weder
aus dem Machtwechsel 2019 noch aus dem Vorfall betreffend eine Mit-
arbeiterin der Schweizerischen Botschaft in Sri Lanka vermag der
Beschwerdeführer für sein Asylverfahren etwas zu seinen Gunsten abzu-
leiten. Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise, wonach speziell er
einer erhöhten Gefahr ausgesetzt wäre. Ebenso gibt es zum heutigen Zeit-
punkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri
Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr aus-
gesetzt wären.
5.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigen-
schaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt.
6.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht ange-
ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
E-1639/2020
Seite 14
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
7.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
7.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
7.2.3 Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Ak-
ten ergeben sich Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaf-
fung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
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nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-
gesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men-
schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste
der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-
gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.). Es ergeben sich aus den Akten keine konkreten Anhaltspunkte
dafür, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die
über einen sogenannten "Background Check" (Befragung und Überprü-
fung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass
er persönlich gefährdet wäre.
7.2.4 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt zur Einschätzung, dass sich
die jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka nicht in relevanter
Weise auf den Beschwerdeführer auswirken dürften und entsprechendes
vermag der Beschwerdeführer – wie bereits dargelegt – auch in seinem
Rechtsmittel nicht darzutun. Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri
Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt weiterhin
nicht als unzulässig erscheinen.
7.2.5 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich sowohl im Sinn der asyl-
als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig.
7.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.3.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der Regierung und den LTTE ist im
Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka weder Krieg
noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Nach einer eingehenden Analyse
der sicherheitspolitischen Lage in Sri Lanka ist das Bundesverwaltungsge-
richt zum Schluss gekommen, dass der Vollzug von Wegweisungen in die
Ostprovinz zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbar-
keitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder so-
zialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkom-
mens- und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil
E-1866/2015, a.a.O., E. 13.4).
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7.3.2 In Bezug auf das Vorliegen individueller Zumutbarkeitskriterien kann
mit Verweis auf die Akten festgehalten werden, dass es sich beim Be-
schwerdeführer um einen gesunden Mann mit guter Schulbildung und
einem tragfähigen familiären Beziehungsnetz im Heimatstaat handelt (vgl.
act. A13/12 F20 und F23). Es gibt keine Hinweise darauf, dass der Be-
schwerdeführer bei einer Rückkehr in eine existenzielle Notlage geraten
könnte.
7.3.3 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit als zumutbar.
7.4 Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung steht auch die
Corona-Pandemie dem Wegweisungsvollzug nicht entgegen. Die Anord-
nung einer vorläufigen Aufnahme setzt gemäss konstanter Praxis voraus,
dass ein Vollzugshindernis nicht nur vorübergehender Natur ist, sondern
voraussichtlich eine gewisse Dauer – in der Regel mindestens zwölf Mo-
nate – bestehen bleibt. Ist dies nicht der Fall, so ist dem temporären Hin-
dernis bei den Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tragen (vgl. bereits Ent-
scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e). Bei der Corona-Pandemie handelt es
sich – wenn überhaupt – um ein temporäres Vollzugshindernis, welchem
somit im Rahmen der Vollzugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden
Rechnung zu tragen ist, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situa-
tion im Heimatland angepasst wird. Ebenfalls gibt es in diesem Zusammen-
hang keine Hinweise auf eine allfällige medizinische Notlage des Be-
schwerdeführers (vgl. Beschwerde Ziff. 25 f.).
7.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
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9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mit Instrukti-
onsverfügung vom 9. April 2020 sein Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen
wurde und den Akten keine Anhaltspunkte für eine relevante Veränderung
seiner finanziellen Lage zu entnehmen sind, ist von der Auflage von Ver-
fahrenskosten abzusehen.
9.2 Mit Instruktionsverfügung vom 9. April 2020 wurde dem Beschwerde-
führer ausserdem MLaw Cora Dubach als amtliche Rechtsbeiständin bei-
geordnet, die in der Folge auf Gesuch hin am 13. Mai 2022 aus ihrem amt-
lichen Mandat entlassen wurde, wobei sie erklärte hatte, ein allfälliges
Honorar an die F._ abzutreten. Demnach ist dieser Organisation ein
Honorar für die notwendigen Aufwendungen im Beschwerdeverfahren aus-
zurichten. Gestützt auf die mit der Beschwerde und der Replik eingereich-
ten Kostennoten, die angesichts des Umfangs der Ein-gaben sowie der nur
leicht überdurchschnittlichen Fallkomplexität zu hoch
erscheinen, sowie der nachträglichen Eingaben und die in Betracht zu zie-
henden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]) ist das Honorar auf insgesamt Fr. 2'000.–
(inkl. Auslagen) festzulegen.
(Dispositiv nächste Seite)
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