Decision ID: 850a2407-d42b-5e75-b655-428ce04ba7e9
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X erwarb den Führerausweis für die Kategorien B und BE sowie die Unterkategorien
D1 und D1E am 30. Mai 1983 und jenen für die Kategorie A am 12. Oktober 1998. Im
Administrativmassnahmen-Register (ADMAS) bestehen seit Mitte 1984 diverse
Einträge, wobei X der Führerausweis unter anderem im Zusammenhang mit einer
Alkoholproblematik bereits mehrfach über mehrere Monate oder auf unbestimmte Zeit
entzogen wurde, zuletzt infolge einer Geschwindigkeitsübertretung innerorts von
25 km/h für drei Monate (Verfügung des Strassenverkehrsamtes des Kantons St.
Gallen vom 10. April 2018). Der Beginn des Führerausweisentzugs wurde mit
Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 8. Mai 2018 spätestens auf den 10. Oktober
2018 festgesetzt.
B.- Am 27. Mai 2018, 12.30 Uhr, wurde X als Lenker eines Personenwagens an der
Turnerstrasse in St. Gallen polizeilich kontrolliert. Bei der Durchsuchung des Fahrzeugs
wurde ein Kokainkügelchen (ca. 3,3 Gramm) gefunden, welches X gemäss eigenen
Angaben unmittelbar zuvor für Fr. 200.– zum Eigenkonsum erworben hatte. Anlässlich
der polizeilichen Befragung gab er zu Protokoll, dass er ungefähr alle zwei bis drei
Monate Kokain konsumiere.
C.- Am 6. Juni 2018 teilte das Strassenverkehrsamt X mit, dass angesichts seines
Drogenkonsums Zweifel an seiner Fahreignung bestünden und deshalb eine
verkehrsmedizinische Untersuchung (Stufe 4) beim Institut für Rechtsmedizin am
Kantonsspital St. Gallen (IRM) vorgesehen sei. Hierauf nahm X am 14. Juni 2018
Stellung und stellte den sinngemässen Antrag, von einer verkehrsmedizinischen
Untersuchung zugunsten einer regelmässigen Urinabgabe beim Hausarzt abzusehen.
Mit Verfügung vom 25. Juni 2018 ordnete das Strassenverkehrsamt die Abklärung der
Fahreignung beim IRM an.
D.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe vom 7. Juli 2018 (Datum der
Postaufgabe) Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte
sinngemäss, die Verfügung sei aufzuheben; eventualiter sei eine regelmässige Urin-
und/oder Blutabgabe anzuordnen. Das Strassenverkehrsamt verzichtete am 27. August
2018 auf eine Vernehmlassung. Die Gerichtsleitung teilte dem Rekurrenten am 26.
September 2018 mit, dass im Rekursverfahren zusätzlich geprüft werde, ob eine
verkehrsmedizinische Untersuchung wegen des Kokaintransports anzuordnen sei. Das
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Strassenverkehrsamt verzichtete am 28. September 2018 auf eine zusätzliche Eingabe.
Der Rekurrent hielt in seiner weiteren Stellungnahme vom 11. Oktober 2018
sinngemäss an seinen bisherigen Anträgen und Ausführungen fest.
Auf die Ausführungen des Rekurrenten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 7. Juli 2018 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS
951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekursverfahren ist umstritten, ob die Vorinstanz zu Recht eine
verkehrsmedizinische Untersuchung angeordnet hat.
a) Die Vorinstanz hält in der angefochtenen Verfügung fest, dass angesichts des
polizeilich festgestellten Drogenkonsums Zweifel an der Fahreignung des Rekurrenten
bestünden. Aufgrund des Suchtpotenzials von Kokain gebe es bereits schon bei
Kenntnis eines erstmaligen Konsums einen Abklärungsbedarf der Fahreignung. Ein
Bezug zum Strassenverkehr sei nicht erforderlich.
b) Der Rekurrent hält dem im Wesentlichen entgegen, dass er gegenüber der Polizei
"einfach schnell etwas ausgesagt" habe, um schnell wieder gehen zu können. In
seinem Leben habe er bisher noch nie mit einer polizeilichen oder rechtlichen
Angelegenheit wegen Drogen zu tun gehabt. Die Massnahme sei deshalb nicht
verhältnismässig. Unter Verweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung (Urteil des
Bundesgerichts [BGer] 1C_445/2012 vom 26. April 2013 E. 3.2) bringt der Rekurrent
vor, dass keinesfalls hinreichend konkrete Anhaltspunkte vorlägen, die ernsthafte
Zweifel an seiner Fahreignung aufkommen lassen würden.
bis
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3.- a) Eine Grundvoraussetzung für die Erteilung des Führerausweises ist neben der
Fahrkompetenz die Fahreignung (Art. 14 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes, SR
741.01, abgekürzt: SVG). Dieser Begriff umschreibt die körperlichen und geistigen
Voraussetzungen, um ein Fahrzeug im Strassenverkehr sicher lenken zu können. Die
Fahreignung muss grundsätzlich dauernd vorliegen (BGE 133 II 384 E. 3.1). Gemäss
Art. 14 Abs. 2 SVG verfügt über Fahreignung, wer das Mindestalter erreicht hat (lit. a),
die erforderliche körperliche und psychische Leistungsfähigkeit zum sicheren Führen
von Motorfahrzeugen hat (lit. b), frei von einer Sucht ist, die das sichere Führen von
Motorfahrzeugen beeinträchtigt (lit. c), und wer nach seinem bisherigen Verhalten
Gewähr bietet, als Motorfahrzeugführer die Vorschriften zu beachten und auf die
Mitmenschen Rücksicht zu nehmen (lit. d). Bestehen Bedenken über die Fahreignung
des Lenkers, ist eine geeignete Abklärungsmassnahme anzuordnen (Art. 15d Abs. 1
und 5 SVG).
b) aa) Gemäss Art. 15d Abs. 1 SVG wird eine Person einer Fahreignungsuntersuchung
unterzogen, wenn Zweifel an ihrer Fahreignung bestehen. In einer nicht
abschliessenden Aufzählung nennt Art. 15d Abs. 1 SVG die fünf wichtigsten Fälle bzw.
Fallgruppen, die Zweifel an der Fahreignung begründen und deren Abklärung in der
Regel obligatorisch machen (vgl. Ph. Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2.
Aufl. 2015, Art. 15d N 4). Nach Art. 15d Abs. 1 lit. b Halbsatz 2 SVG ist die Fahreignung
abzuklären, wenn Betäubungsmittel mitgeführt werden, die die Fahrfähigkeit stark
beeinträchtigen oder ein hohes Abhängigkeitspotenzial aufweisen. Das grosse
Abhängigkeitspotenzial, welches von diesen ausgeht, rechtfertigt die Abklärung selbst
bei Personen, die bei der Kontrolle nicht unter Drogeneinfluss standen. Wer dagegen
"weiche Drogen" (z.B. Cannabis) im Auto mitführt, soll nur dann einer
Fahreignungsuntersuchung unterworfen werden, wenn er oder sie in fahrunfähigem
Zustand am Steuer sitzt (vgl. Botschaft zu Via Sicura vom 20. Oktober 2010, BBl 2010,
8500). Hieraus ergibt sich, dass allein das Mitführen harter Drogen Zweifel an der
Fahreignung begründet und ohne Weiteres die Anordnung einer verkehrsmedizinischen
Untersuchung rechtfertigt. Erforderlich ist einzig, dass das Mitführen in Fahrzeugen
geschieht und die Besitzverhältnisse zumindest mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit bestimmt werden können (Knöpfli, Die heutige Bedeutung und
Praxis von Fahreignungsuntersuchungen, in: Probst/Werro [Hrsg.],
Strassenverkehrsrechtstagung 21. - 22. Juni 2016, Bern 2016, S. 228).
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bb) Kokain hat ein hohes Abhängigkeitspotenzial. Seine im Hinblick auf die Teilnahme
am Strassenverkehr relevante Wirkung liegt in erster Linie in der Enthemmung und der
subjektiv empfundenen Leistungssteigerung bei herabgesetzter Selbstkritik. Dies kann
zu erhöhter Risikobereitschaft (Selbstüberschätzung) und einer erhöhten
Aggressionsneigung verbunden mit einer Fahrigkeit sowie mangelnder zielgerichteter
Aufmerksamkeit führen. Ferner wirkt sich die erhöhte Blendempfindlichkeit aufgrund
der Erweiterung der Pupillen negativ auf die Fahrfähigkeit aus. Aber auch nach dem
Abklingen des Kokainrauschs fallen Erschöpfung und nicht selten auch Angstzustände
ins Gewicht. Ein erhöhtes Müdigkeitsgefühl und eine Antriebsschwäche mehrere
Stunden nach einem Kokainkonsum wurden ebenso beschrieben (Thiele, Neue
Aspekte in der Fahreignungsbegutachtung beim Drogenkonsum, in: Schaffhauser
[Hrsg.], Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2005, Band 34, St. Gallen 2005, S. 110,
112 f.).
c) Im Fahrzeug des Rekurrenten wurde anlässlich der Kontrolle vom 27. Mai 2018 ein
Kokainkügelchen (ca. 3,3 Gramm) sichergestellt, welches nach eigenen Aussagen für
den (gelegentlichen) Eigenkonsum bestimmt war (vgl. act. 8/141, 8/144). Dies
bestätigte der Rekurrent gegenüber dem Strassenverkehrsamt und auch im
Rekursverfahren (act. 2/2, act. 1). Dass er dieses Eingeständnis lediglich deshalb
gemacht haben will, um bei der Polizei schnell wieder gehen zu können, erscheint auch
deshalb nicht glaubwürdig, weil er darüber hinaus detailliert zu Protokoll gab, wie er
von den gleichen Leuten bereits mehrfach Kokain gekauft habe und alle zwei bis drei
Monate Kokain konsumieren würde (vgl. act. 144). Auch wenn dem Kauf ein "grosser
Ärger" vorausgegangen sein sollte (vgl. act. 2/2), vermag dies den Rekurrenten nicht zu
entlasten. Im Gegenteil, dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass er auch versucht ist,
allfälligen Problemen generell mit dem Konsum fahrleistungsrelevanter Substanzen zu
begegnen. Für die Anordnung einer Fahreignungsprüfung kann jedoch offenbleiben,
inwiefern der Kokainkonsum des Rekurrenten Zweifel an dessen Fahreignung
begründet. Der Tatbestand von Art. 15d Abs. 1 lit. b Halbsatz 2 SVG verlangt einzig,
dass ein Fahrzeuglenker Betäubungsmittel mitführt, die die Fahrfähigkeit stark
beeinträchtigen oder ein hohes Abhängigkeitspotenzial aufweisen. Hinzu kommt, dass
vorliegend auch ein Zusammenhang zwischen den mitgeführten Betäubungsmitteln
und einem zumindest zeitweiligen Konsum durch den Rekurrenten erstellt ist (vgl.
Liniger, Verkehrsmedizinische Aspekte betreffend Art. 15d Abs. 1 lit. b Halbsatz 2 SVG,
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in: Schaffhauser [Hrsg.], Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2017, Zürich/St. Gallen
2017, S. 305, 307 f.).
4.- Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Kokainkonsum des Rekurrenten zwar
Anlass für eine Fahreignungsprüfung geben kann, selbst wenn dieser nicht im
Zusammenhang mit dem Strassenverkehr stattfand und der Rekurrent vorgibt, nur
gelegentlich Kokain zu konsumieren. Vorliegend ist jedoch bereits deshalb eine
Fahreignungsuntersuchung anzuordnen, weil er im Auto Kokain mit sich führte (Art. 15d
Abs. 1 lit. b Halbsatz 2 SVG); dass es sich dabei nicht um eine grosse Menge handelte,
spielt keine Rolle. Damit kann offenbleiben, ob die Anordnung einer
Fahreignungsuntersuchung auch aufgrund des zugegebenen Kokainkonsums
gerechtfertigt wäre. Der Rekurs ist dementsprechend abzuweisen und die Anordnung
der verkehrsmedizinischen Untersuchung zu bestätigen.
5.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist damit zu verrechnen.