Decision ID: b826c1e9-eddb-491c-854f-551502b8ed2e
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1960 geborene
X._
meldete sich am
1.
April 1993
(Eingangsdatum)
erstmals bei der
IV-Stelle
zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/2).
Nach Vornahme medizinischer und erwerblicher Abklärungen wies die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
8.
Februar 1995 das Leistungsbegehren ab (
Urk.
11/38). Dagegen erhob der Versicherte beim hiesigen Gericht Beschwerde (
Urk.
11/41/3). Da die IV-Stelle die angefochtene Verfügung vom 2
8.
Februar 1995 am
7.
Juni 1995 wiedererwä
gungsweise
aufhob
(
Urk.
11/40)
,
wurde der Prozess
vom hiesigen Gericht
als ge
genstandslos geworden abgeschrieben (
Urk.
11/44).
Die
IV-Stelle
holte in der Folge
ein psychiatrisches Gutachten ein (
Urk.
11/46) und
verneinte
nach durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
11/49) mit Verfügung vom 31.
Oktober 1995 einen Rentenanspruch des Versicherten (
Urk.
11/50).
Am 2
4.
März 1997 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte
wieder
bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/52). Die IV-Stelle nahm
abermals
medi
zinische und erwerbliche Abklärungen vor und verneinte nach durchge
führ
tem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
11/64
,
Urk.
11/65
) mit Verfügung vom
3.
Febru
ar 1999
einen Rentenanspruch des Versicherten (
Urk.
11/69).
Am 1
4.
Februar 2005 (Eingangsdatum) meldete sich
d
er Versicherte
,
welcher in
zwischen an einer akuten
myeloischen
Leukämie erkrankt war (
Urk.
11/84),
erneut
zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/72).
Nach Vornahme medizinischer und erwerblicher Abklärungen sprach
ihm
die IV-Stelle
mit Verfügungen vom 10. November
bzw. vom
8.
Dezember 2005 für die Zeit
vom
1.
September 2004 bis
3
1.
März 2005 eine befristete halbe Invalidenrente zu (
Urk.
11/87,
Urk.
11/97,
Urk.
11/103). Auf die vom Versicherten erhobene Einsprache (
Urk.
11/98) trat die IV-Stelle mit
Einspracheentscheid
vom 2
6.
Januar 2006
nicht ein (Urk.
11/105).
1.2
Am 2
7.
Juli 2018 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte wiederum bei der IV-Stel
l
e zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/117). Die IV-Stelle lud
ihn
daraufhin
mehrmals
zu einem persönlichen Gespräch ein (
Urk.
11/119)
, zu welche
m
er
jedoch ni
cht
erschien (
Urk.
11/119
,
Urk.
11/121,
Urk.
11/122,
Urk.
11/175/1)
.
Die IV-Stelle holte ärztliche Berichte (
Urk.
11/126,
Urk.
11/130,
11/139, Urk
.
11/140,
Urk.
11/142,
Urk.
11/152,
Urk.
11/153,
Urk.
11/154
,
Urk.
11/159,
Urk.
11/167,
Urk.
11/174)
sowie
einen Leistungsauszug der Krankenkasse des Versicherten ein (
Urk.
11/147)
und stellte
dem Versicherten, bei welchem im Juli 2019 ein
papil
läres
Urothelkarzinom
diagnostiziert worden war (
Urk.
11/154, Urk. 11/159),
mit Vor
be
scheid vom 2
5.
August 2020 in Aussicht, einen Leistungsanspruch zu ver
neinen (
Urk.
11/177). Dagegen liess der Versicher
te unter Einreichung eines
Gut
ach
tens
von
Dr.
med. Y._
, Facharzt
für
Psychiatrie und Psycho
therapie, Einwand erheben (
Urk.
11/178
,
Urk.
11/180,
Urk.
11/181
). Nachdem RAD-Arzt
Dr.
med. Z._
,
Facharzt für Chirurgie, am 12.
Dezember 2020 Stellung genommen
ha
tte (
Urk.
11/184)
,
verneinte die IV-Stelle mit Ver
fügung vom 1
6.
Dezember 2020 einen Anspruch des Versicherten auf Leistungen der Invalidenversicherung (
Urk.
2).
2.
Dagegen
liess
X._
mit Eingabe vom 2
8.
Januar 2021 (
Urk.
1) Be
schwerde
erheben und beantragen
, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zu ergänzende
n
medizinische
n
Abklärungen und zum Neuent
scheid über die Invalidenrente an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte
er
um unentgeltliche Prozessführung und um Be
stellung von Rechtsanwalt Daniel
Christe
als unentgeltlichen Rechtsvertreter. Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom
8.
März 2021 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 1
1.
März 2011 angezeigt wurde (
Urk.
12).
Mit Eingabe vom 2
3.
März 2021 (
Urk.
13) reichte Rechtsanwalt Daniel
Christe
seine Honorarnote ein (
Urk.
14).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderer
seits
-
er
lau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines renten
be
gründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrund
lage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E
. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erklärte zur Begründung der Verneinung
eines
Renten
anspruchs
des Beschwerdeführers
im Wesentlichen
(
Urk.
2)
, im Zusammenhang mit
dem Blasenkarzinom sei zwar von einer kurzfristigen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen, um eine langandauernde Arbeitsunfähigkeit habe es sich jedoch nicht g
ehandelt. Das Gutachten von Dr.
Y._
sei
ein
Gut
achten zu
gunsten
des Beschwerdeführers in einer privatrechtlichen Auseinan
der
setzung. Die nun auch gestellt
e
psychiatrische Diagnose
einer
rezidivierenden depressiven Störung sei
zwar nachvollziehbar, b
ei entsprechendem Belastungs
profil könne
dem Beschwerdeführer
jedoch weiterhin eine 100%ige Arbeitsfähig
keit angepasst zugemutet werden.
2.2
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers brachte dagegen im Wesentlichen vor
(
Urk.
1)
,
der Beschwerdeführer
sei neu an einem Blasentumor
erkrankt
. Zu dieser Erkrankung
lägen
keine aktuellen Arztberichte
vor
. Gemäss Bericht
der Klinik für Urologie des
Universitätsspitals A._
vom
5.
August 2019 sei aber von einem ernsthaften Krankheitsbild auszugehen. Offenbar sei eine entsprechende Nachbehandlung, auch mit Chemotherapie, empfohlen worden, welcher sich
der Beschwerdeführer
indessen verweigert habe. Wie sich die diesbezügliche Situa
tion aktuell darstelle, sei
völlig unklar. Eine
Auswirkung
dieser Erkrankung
auf die A
rbeitsfähi
g
k
eit könne nicht beweis
genügend ausgeschlossen werden.
Aus rheumatologischer Sicht sei von zusätzlichen Schulterproblemen rechts und links
die Rede. Die betreffenden Berichte der
Klinik für Rheumatologie des A._
seien jedoch
ebenfalls
nicht mehr aktuell.
Von zentraler Bedeutung sei, dass
der Beschwerdeführer
inzwischen unte
r psy
chischen Beschwerden leide
.
Dass in der angefochtenen Verfügung angesichts der fachärztlich festgestellten psychischen Problematik ohne ergänzende Abklä
run
gen von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit aus
gegangen werde, sei nicht nachvollziehbar. Aufgrund der psychiatrischen Berichte
von
Dr.
med. B._
und
Dr.
med. C._
, beide Fachärzte FMH für Psy
chiatrie und Psychotherapie,
könne auch nicht davon ausgegangen werden, dass es sich um bloss reaktive depressive Episoden infolge der Krebserkrankungen gehandelt habe. Dagegen spreche insbesondere der Bericht von
Dr.
B._
,
welcher
trotz
vor vielen Jahren eingetretener Remission der Leukämie
bereits
vor Dia
gno
sestellung des Blasentumors von einer
chronifizierten
depressiven Entwick
lung ausgegangen sei.
Es
bestünden klare Anhaltspunkte für ein m
assiv inva
lidi
sie
rendes Leiden.
Es
drängten sich
nach dem Gesagten
weitere medizinische Abklärungen auf, in erster Linie ein psychiatrisches Gutachten, aber auch eine aktuelle Untersuchung bezüglich der Mitte 2019
festgestellten Tumorerkrankung.
3.
3.1
Die Ärzte des Zentrums für H
ämatologie und Onkologie des A._
hielten mit Bericht an den
damaligen
Hausarzt des Beschwerdeführers
vom 1
8.
April 2018
fest
(
Urk.
11/130/9-10), die selbständige Zuweis
ung des Beschwerdeführers
sei
zur Verlaufskontrolle bei im Jahre 2003 diagnostizierter akuter
myeloischer
Leu
kämie sowie aktuell geplantem Hausarztwechsel
erfolgt
. Bis auf Schmerzen in beiden Schultern, die aktuell in rheumatologischer Abklärung seien, sei der Be
schwerdeführer zum aktuellen Zeitpunkt beschwerdefrei. Insbesondere bestehe keine B-Symptomatik sowie keine Blutungsneigung oder zunehmende Müdigkeit. Der Beschwerdeführer nehme weiterhin
Zolpidem
am Abend. Die vorbestehende Therapie mit
Remeron
habe er abgesetzt.
In der klinischen Untersuchung zeigten sich keine auffälligen Befunde, insbesonde
r
e auch keine
He
patosplenomegalie
und keine periphere
Lymphadenopathie
. Das periphere Blutbild sei unauffällig gewesen, insbesondere habe sich in der mikroskopischen Beurteilung kein Anhalt für
Blasten
oder
myeloische
Vorstufen gezeigt. Laborchemisch seien die Nieren
reten
t
ionsparameter
,
die Entzündungsparameter sowie die Leberparameter unauf
fällig. Somit könne 15 Jahre nach Erstdiagnose einer akuten
myeloischen
Leu
kämie weiterhin eine komplette Remission festgehalten werden.
3.2
Nach Eingang der Anmeldung zum Leistungsbezug
ersuchte die Beschwerde
geg
nerin die
Klinik für Rheumatologie des A._
um Berichterstattung
, worauf der Beschwerdegegnerin am 2
1.
September 2018
von der Klinik für Rheumatologie
mit
geteilt wurde
, dass d
er Beschwerdeführer nur
zweimal
bei ihnen in Behand
lung gewesen sei. Den letzten Termin im Mai 2018 habe er unentschuldigt nicht wahrgenommen (
Urk.
11/125). Die Klinik für Rheumatologie stellte der Beschwer
degegnerin den Bericht vom 1
6.
Mai 2018 zu, welchen sie dem
damaligen
Haus
arzt des Beschwerdeführers gesandt hatte (
Urk.
11/126). In diesem Bericht
wurden
die folgenden Diagnosen
genannt
:
-
l
umboradikuläres
sensomotorisches Schmerzsyndrom L4/5 links
-
a
ktuell
:
Hypästhesie Unterschenk
el later
al,
Zehenheberschwäche
M4a
,
Lasèg
ue
links positiv
-
MRI LWS geplant auf 2
3.
April 2018: vom Beschwerdeführer nicht wahrgenommen
-
Periarthropathia
humeroscapularis
tendinopathica
, aktuell linksbetont
-
Status nach Traktionstrauma etwa August 2013
-
k
linisch
Impingement
Symptomatik und pathologische Funktionstests (M.
Supraspinatus
und M.
Infraspinatus
)
-
Sonographie Schultergelenke Juli 2014: links: Tendinitis der langen
Bicepssehne
, kleine
Humeruskopf
-nahe & intramurale Partialruptur der
Supraspinatussehne
, Bursitis
subacromialis
, AC-Gelenksarthrose, kein funktionelles
Impingement
; rechts: AC-Gelenksarthrose,
Impingement
aufgrund eines
breitbasig
en
kleinen
Osteophyt
s
am
Tuberculum
majus
-
Sonographie Schultergelenke 1
8.
April 2018:
a
usgedünnte SSP-Sehne beidseits, keine relevante Bursitis
-
a
k
ute
myeloische
Leukäm
i
e M4, Erstdiagnose September 2003
-
Chemotherapie bis 2004
-
e
rfolglose Stammzelltransplantation
-
s
oweit bekannt Remission
-
b
ekannte Depression
-
l
inksseitige
Thoraxschmerzen
-
a.e
.
muskuloskelettal
, Diff
erentialdiagnose bei obstruktiv
er B
ronchiti
s
-
cvRF
: Nikotinkonsum (70 pack
year
s
), positive Familienanamnese
-
Verdacht auf COPD
Der Beschwerdeführer habe sich selbst zugewiesen.
Er
klage aktuell über im Vordergrund stehende Schul
t
erschmerzen beidseits, wobei aktuell die linke Seite mehr Probleme bereite. Vom Schmerzcharakter her passten die angegebenen Beschwerden sehr gut zur bekannten
Periarthropathia
humeroscapularis
tendino
pathica
. Klinisch habe sich jedoch eine gute Beweglichkeit bei lediglich ange
deutetem
Impingement
links gefunden. Passend hierzu habe sich
sonographisch
kein Hinweis auf eine
höhergradige
Bursitis im Bereich der Schultergelenke und
lediglich eine Ausdünnung des
Supraspinatus
beidseits gezeigt. Sie hätten sich daher entschlossen, primär auf eine Infiltration zu verzichten und hätten eine konservative Therapie mit NSAR sowie eine physiotherapeutische Behandlung
begonnen, welche
in der Vergangenheit wohl immer sehr gut angeschlagen habe. Weiterhin leide der Beschwerdeführer an Schmerzen lumbal mit Ausstrahlung ins linke Bein. Nachdem bereits im Jahr 2016 eine
lumboradikuläre
Sym
ptomatik L4/L5 links diagnostiz
i
e
rt worden sei, sei das geplante M
RI
jedoch damals nicht erfolgt. Aktuell finde sich klinisch weiterhin eine zu den Nervenwurzeln L4 bzw. L5 passende Symptomatik mit nun auch leichter Schwäche der Zehenhebung links. Sie hätten daher ein MRI veranlasst, welches jedoch vom Beschwerdeführer nicht wahrgenommen worden sei. Zur geplanten Verlaufskontrolle sei der Be
schwer
deführer ebenfalls nicht erschienen.
3.3
Dr.
B._
berichtete am 1
0.
März 2019 der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
11/142/16-18
)
, der Beschwerdeführer stehe seit dem
8.
November 2017 in seiner Abklä
rung/
Behandlung. Anamnestisch seien diverse, zum Teil schwerwiegende Krankheiten bekannt. Eine akute
myeloische
Leukämie sei im September 2003 entdeckt und mit Erfolg behandelt worden. Es sei zudem ein
lumboradikuläres
, sensomo
to
risches Schmerzsyndrom L4/L5 links bekannt. Darüber hinaus sei ein
subacro
mialis
Impingement
Schulter beidseits diagnostiziert worden, und zwar in den Jahren 2013/201
4.
Diese Krankheiten, insbesondere die Leukämie, hätten
zu
psy
chiatrischen Komplikationen geführt.
Es habe sich ein sogenannte
s
Fatigue
-Syn
drom entwickelt. Z
u
d
em sei es zu
einer langgezogenen, therapieresistenten de
pressiven Episode mittleren, intermittierend auch schweren Grades gekommen. Ferner habe sich ein Abhängigkeitssyndrom, insbesondere wa
s
Dormicum
anbe
lange, entwickelt.
Ei
ne chronische Schmerzstörung
sei ebenfalls vorhanden
. Das klinische Bild werde vom
Fatigue
-Syndrom, das nach der Chemotherapie auf
getreten sei, von der depressiven Episode, die ebenfalls zur Antriebsminderung
führe, vom chronischen Schmerzsyndrom, das die Antriebsschwäche augmentiere
,
und von
den
sich zuspitzenden Ehekonflikten bestimmt. Es sei weder mögl
ich noch sinnvoll, die Auswirku
n
g
en der einzelnen Diagnosen prozentual gegenein
ander abzugrenzen. Wic
htig sei die Feststellung, dass
eine mehrfache Komor
bi
dität vorli
ege, sowohl auf der somatischen, der psychischen als auch
der psy
chosozialen Ebene. Die Komorbidi
tät bedeute, dass psychiatrisch
die Behandlung
schwierig
werde und die Progn
ose düster
sei
.
Da die Symptome einander negativ verstärkten, sei auch die Behandelbarkeit gering. Es dürfe nicht vergessen werden, dass
das
E
rw
erbsalter
des Beschwerdeführers
mit Jahrgang 1960 recht hoch sei. Das heisse nun, dass auch seine Bewältigungsmöglichkeiten reduziert seien.
Der Beschwerdeführer bekomme auch
keine familiäre Unterstützung, im Gegenteil. Er
stehe in einer schweren Konfliktsituation. Aus dem Ausgeführten erhelle sich, dass die Störungen invalidisierend verliefen. Alle
Pathologien zusammen be
trachtet
dürfte es sich um eine vollständ
ige Arbeitsunfähigkeit handeln.
3.4
RAD-Arzt
Dr.
Z._
erklärte mit Stellu
ngnahme vom
1.
April
2019 (Urk.
11/175/
3-
4), es lägen folgende Diagnosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor:
-
lumboradikuläres
s
ensomotorisches Schmerzsyndrom L4 (LS) links
-
mehrere
Myogelosen
lumbal, Haltungsinsuffizienz
-
Osteochondrose
L3-S1 mit
Diskusprotrusion
en
und Wurzelkompression L4/5 links
-
akute
m
yeloische
Leukämie M4 (Erstdiagnose September 2003)
-
Chemotherapie bis 2004
-
erfolglose Stammzelltransplantation
-
soweit bekannt in Remission
-
s
ubac
ro
miales
Impingement
Schulter beidseits (Erstdiagnose Januar 2004, Erstmanifestation August 2013)
-
l
inks: Tendinitis der langen
Bicepssehne
, kleine
Humeruskopf
-nahe und
intramulare
Partialruptur
der
Supraspinatussehne
, Bursiti
s
suba
c
r
omialis
, AC-Gelenksarthrose, kein funktionelles
Impingement
-
rechts: AC-Gelenksarthrose,
Impingement
aufgrund eines
breitbasigen
kleinen
Osteophyt
am
Tuberculum
majus
Als Diagnose ohne dauerhafte Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit nannte Dr.
Z._
einen Verdacht auf COPD.
Es seien keine Arztzeugnisse betreffend die Arbeitsfähigkeit in der angestammten oder einer angepassten Tätigkeit vorhan
den. Die vorliegenden Arztberichte seien schlüssig, die angeführten medizini
schen Fakten seien nachvollziehbar und es könne auf diese abgestellt werden. Zur Verbesserung des Gesundheitszustandes werde ein stationärer Entzug bei Abhängigkeit von
Dormicum
empfohlen. Gleichzeitig sollte ein Medikamen
ten
plan bei den Behandlern eingeho
lt werden. Auch werde empfohlen,
nachzu
fra
gen, w
er
das
Dormicum
verschreibe. Ebenso werde empfohlen, einen Leistungs
auszug der letzten fünf Jahre bei der zuständigen Krankenkasse einzuholen.
3.5
PD
Dr.
med.
D._
, Leitender Arzt
,
Klinik für Urologie des
A._
,
erklärte mit Bericht an die Beschwerdegegnerin vom 2
2.
Juli 2019 (
Urk.
11/154), dass beim Beschwerdeführer neu ein Blasenkarzinom entdeckt worden
sei
. Zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers machte er keine Angaben.
3.6
Mit Bericht
an die damalige Hausärztin des Beschwerdeführers
vom
5.
August 2019 hielt
Dr.
med. E._
, Oberärztin, Klinik für Urologie
des
A._
, als Diagnosen fest (
Urk.
11/159
/1-2
)
:
-
m
uskelinvasives
Urothelkarzinom
der Harnblase
mit
platten
e
p
ithelialer
Differenzierung pT2
cMx
cNO
high
-grade
,
Erstdiagnose Juli 2019
-
MRI Leber am
2.
August 2019: Hämangiom
-
Status nach
transure
thraler
bipolarer H
a
rnblasentumo
r-Resekt
ion und
parakollikulärer
Biopsie beidseits am 2
5.
Juli 2019
-
CT am 1
7.
Juli 2019: unklare
hypodense
Leberläsion im Segment 1, Metastas
e
hier nicht ausgeschlossen. Abklär
ung mittels MRI Leber empfohlen.
Kein Anhalt für Lymphknoten oder Fernmetastasen abdo
minal
-
Zystoskopie Juli 2019: grosse
intrav
e
s
ikale
Raumforderung
-
Spülzytologie:
m
alig
n
e Zellen eines
Urothelkarzinoms
-
c
ervico
-brachiales Syndroms rechts
-
lumboradikuläres
sensomotorisches Schmerzsyndrom L4/5 links
-
a
kute
myeloische
Leukämie M4, Erstdiagnose September 2003
-
l
inksseitige
Thoraxschmerzen
-
b
ekannte ausgeprägte Depression
Es sei dem Beschwerdeführer die Therapie gemäss Guidelines mittels Zystektomie
und
neoadjuvanter
Chemotherapie nach unauffälligem CT Thorax erläutert worden
. Aufgrund der ausgeprägten Depression komme der Beschwerdeführer mit der Diagnose aktuell nicht zurecht. Er verweigere jegliche Therapie.
Angesichts
der Akutsituati
on
sei er am Vorstellungstag den Kollegen der Psychiatrie im Haus zur akuten Beurteilung zugewiesen worden.
Er
werde nach durc
hgeführtem CT Thorax erneut
zur Bespr
echung des weiteren Prozederes
aufgeboten werden.
3.7
Am 2
5.
Februar 2020 wurden der Beschwerdegegnerin zwei Bericht
e
der Klinik für
Konsiliarpsych
iatrie
und Psychosomatik des A._
vom 2
6.
Juli und vom 14.
August 2019
zugestellt (
Urk.
11/167)
.
M
.
Sc
.
F._
, Psychologe
, hatte mit
Be
richt vom 1
4.
August 2019
festgehalten
, a
n
han
d von Anamnese und psy
chopathologischem Befund liesse sich ein affektives Syndrom mit Verlust an Freud
e
und Interesse, Energielosigkeit, ge
d
rückter Stimmung, gestörtem Schlaf und beeinträchtigtem Selbstwertgefühl objektivieren, welches sich am besten als rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, beschrei
ben lasse (
Urk.
11/167/2
-3
).
Im Rahmen eines Konsiliums
Konsiliarpsychiatrie
und Psychosomatik vom 2
6.
Juli 2019 war demgegenüber
von
Dr.
med. G._
und
Dr.
phil. H._
als Diagnose eine rezidivierende depressive Episode, gegen
wärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0)
,
erhoben worden
(
Urk.
11/167/6-7).
3.
8
Dr.
C._
, bei dem der Beschwerdeführer seit 31. Oktober 2019 in Behandlung steht,
nannte mit Bericht an die Beschwerde
gegnerin vom
9.
Juli 2020 (Urk.
11/174) als Diagnosen:
-
m
ittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.11),
chronifiziert
-
Status nach Leukämie
-
Blasenkarzinom
Der Beschwerdeführe
r
sei seit dem
1.
Oktober 2019 zu 100
%
arbeitsunfähig.
E
r
sehe den Beschwerdeführer etwa alle zwei bis vier Wochen.
3.
9
Dr.
Y._
verfasste am
2.
April 2020 ein vom Beschwerdeführer selber in Auftrag gegebenes Gutachten
(
Urk.
11/180)
, welches zum Zwecke der retro
spektiven Beurteilung der Urteilsfähigkeit des Beschwerdeführers im Zeitpunkt de
r
Unterzeichnung eines Ehevertrages am 2
7.
April 2006 in Auftrag gegeben worden war
(
Urk.
11/180
/1
).
Dr.
Y._
erklärte, es sei die Diagnose einer chronischen Depression beginnend in den 90er Jahren zu stellen. Diese sei ge
kennzeichnet durch ein depressives Residualsyndrom, welch
e
s in Form einer
Dysthymia
(ICD-10 F31.1) im Verlauf einer rezidivierenden depressiven Störung (IDC-10 F33) entstanden sei. Differentialdiagno
sti
sch sei eine depressive Störung aufgrund eines medizinischen Krankheitsfaktors (ICD-10 F06.32) bei Status nach akuter
myeloischer
Leukämie und Status nach Chemotherapie anzunehmen. Hinzu kämen psychosoziale B
e
l
a
stungen wie Arbeitslosigkeit (ICD-10 Z56), Sta
tus nach Familienzerrüttung durch Scheidung (ICD-10 Z63) und eine chronische somatische Erkrankung (rezidivierendes
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom, akute
myelo-monozytäre
Leukämie), welche die De
pression auslös
en und auf
recht
erhalten könnten. Zusätzlich
nannte
Dr.
Y._
als Diagnosen eine an
haltende Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) und eine Störung durch
Hypnoti
ka
konsum
(ICD-10 F13.1). Die gutachterliche Konsistenzprüfung ergebe Hinweise auf nicht im geklagten Umfang vorhandene Funktionsbeein
t
rächtigungen: Dis
kre
pa
nzen zw
i
s
chen dem Ausmass der geschilderten Beschwerden und Intensität
der bisherigen Inanspruchnahme therapeutischer Hilfe. Diese seien erklärbar durch
eine regressive Haltung, welche im Rahmen der depressi
v
en Störung entstanden und neurobiologisch mitbedingt und somit nicht ohne Weiteres willentlich über
windbar sei.
Insgesamt
gäben die vorliegenden Befunde bei kritischer Würdigung ein in sich schlüssiges, konsistentes Bild (Aktenlage, Eigenan
a
mnese, Beobach
tung, Untersuchungsbefunde
;
Urk.
11/180/9
).
Es sei
aus heutiger Sicht davon auszugehen, dass beim Beschwerdeführer eine chronische Depression (ICD-10 F31.1, F33.2, F06.32) beginnend in den 90er Jahren vorliege. Infolgedessen sei er zum Zeitpunkt der Unterzeichnung der Gütertrennungsvereinbarung am 2
7.
April 2006 nicht in der Lage gewesen, sich ein adäquates Bild von der Realität zu ver
schaffen, sich über die Tragweite und die Opportunität seiner Unterschrift unter die Gütertrennungsvereinbarung ein vernünftiges Urteil zu bilden, auf
grund der
gewonnenen Einsicht bei verschiedenen denkbaren Möglichkeiten eine Entschei
dung zu treffen und gemäss dieser Einsicht auch dem Versuch einer fremden Willensbeeinflussung durch seine Ex-Ehefrau Widerstand zu lei
s
ten
(
Urk.
11/180/10)
.
3.1
0
Dr.
Z._
erklärte mit Stellungnahme vom 1
2.
Dezember 2020 (
Urk.
11/184/3), das Gutachten von
Dr.
Y._
sei ein Gutachten zugunst
en des Beschwer
de
führers in einer privatrechtlichen Auseinandersetzung. Die nun auch gestellte psychiatrische Diagnose
einer
rezidivierenden depressiven Störung sei versiche
rungsmedizinisch nachvollziehbar, jedoch bei entsprechendem Belastungsprofil (zeitlich flexible Tätigkeiten ohne permanenten Zeit- und Termindruck, bei nur
geringem Publikumsverkehr, ohne besondere Anforderungen an das
Umstel
lungs
-
und Anpassungsvermögen in einer wohlwollenden und konfliktarmen Arbeits
atmosphäre) könne aus versicherungsmedizinischer Sicht weiterhin eine 100%ige Arbeitsfähigkeit angepasst zugemutet werden.
Am
bisherigen Entscheid mit Be
urteilung einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in bisheriger und voller Arbeits
fähig
keit in einer körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit mit Inklusion der oben genannten Kriterien könne daher aus versicherungsmedizinischer Sicht festgehalten werden.
4.
4.1
4.1.1
Die Beschwerdegegnerin ging, wie dargelegt (E. 2.1), davon aus, dass der Be
schwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig sei. Sie stützte sich dabei auf die Einschätzung ihres RAD-Arztes D
r.
Z._
(Urk.
11/184/3).
4.1.2
Die RAD stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraus
setz
ungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invali
den
versicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungs
fähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgaben
bereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzel
fall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
des Bundesgesetzes über die Invaliden
versiche
rung, IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizi
nischen Voraus
setzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungs
ergebnisse schriftlich
fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
4.1.3
Die Einschätzung von Dr.
Z._
beruht auf einer Beurteilung der Aktenlage. Bei seinen Ausführungen handelt es sich mangels selber durchgeführter Unter
su
chungen mithin nicht um Stellungnahmen im Sinne von Art. 49 Abs. 2 IVV. Es sind damit keine medizinischen Befunde erhoben worden, sondern die vorhande
nen Befunde wurden von ihm gewürdigt. Es liegt folglich eine Empfehlung zur weiteren Bearbeitung des Leistungsbegehrens aus medizinischer Sicht im Sinne von Art. 59 Abs. 2
bis
IVG und Art. 49 Abs. 1 IVV vor. Sein Bericht vermag daher lediglich dazu Stellung zu nehmen, ob der einen oder anderen Ansicht zu folgen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Soll ein Versiche
rungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens ent
schieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1 mit Hinweisen).
4.2
RAD-Arzt
Dr.
Z._
ging davon aus, dass der Beschwerdeführer aus psy
chi
schen Gründen lediglich eine zeitlich flexible Tätigkeit ohne permanenten Zeit- und Termindruck, bei nur geringem Publikumsverkehr, ohne besondere Anforde
rungen an das Umstellungs- und Anpassungsvermögen in einer wohlwollenden und konfliktarmen Arbei
tsatmosphäre ausüben kann (Urk.
11/184/3).
Zum psychischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers ha
ben
sich im Rahmen des Neuanmeldeverfahrens neben Dr.
Z._
im Wesentlichen
Dr.
B._
(E. 3.3),
M
.
Sc
.
F._
(E. 3.
7
)
, die
Dres
. I._
und
H._
(E. 3.
7
),
Dr.
C._
(E.
3.
8) und
Dr.
Y._
(E. 3.9
) geäussert.
Während M
.
Sc
.
F._, die
Dres
. I._ und H._
(E. 3.
7
)
sowie
Dr.
Y._
(E. 3.
9
)
keine Angaben zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers machten,
hielten
Dr.
B._
(E. 3.3)
und Dr
.
C._
(E. 3.
8
) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit fest.
Dr.
Z._
erklärte
in seiner abschliessenden
Stellungnahme vom 1
2.
Dezember 2020 (
Urk.
11/184/3)
zwar, dass die von
Dr.
Y._
gestellte Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung aus versicherungsmedizinischer Sicht nachvollziehbar sei, er ging jedoch von einer
100%ge
n
Arbeitsfähigke
it in angepasster Tätigkeit aus.
Dr.
Z._
, welcher Facharzt für Chirurgie, aber nicht für Psychiatrie ist,
begründete
seine Einschätzung, dass trotz psychischer Erkrankung eine
100%ige
Arbeits
tätigkeit
in angepasster Tätigkeit möglich sei, nicht.
Es fehlt entsprechend
seinen
Stel
lung
nahmen nicht nur
an
einer Auseinandersetzung mit den abweichenden Beur
tei
lungen der behandelnden Psychiater, sondern es ergibt sich aus
seine
n
Stel
lung
nahme
n
auch in keiner Weise, ob bzw. in welcher Weise er die Leistungs
fähigkeit
unter Berücksichtigung der Standardindikatoren beurteilt hat (vgl. E. 1.2).
Seine
Beurteilung d
es psychischen Gesundheitszustandes
des Beschwerdeführers ist da
her nicht
nachvollziehbar.
Gestützt auf die übrigen psychiatrischen Berichte lässt sich die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers ebenfalls nicht rechtsgenügend feststellen, was vom Be
schwerdeführer denn auch nicht infrage gestellt
wird
(vgl.
Urk.
1
S. 6
). Der psy
chische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers erweist sich dementspre
chend
als ungenügend abgeklärt.
4.3
Aus somatischer Sicht
wurde
im Juli 2019 ein
m
uskelinvasives
Urothelkarzinom
diagnostiziert (E. 3.5 und E. 3.6).
Am
2
5.
Juli 2019
wurde
n
eine
transureth
r
ale
biopolare Harnblasentumorr
esektion und
parakollikuläre
Biopsie
n
durchgeführt
(
Urk.
11/159/
7-9
).
Der letzte ärztliche Bericht, welcher sich zum
Urothelkarzinom
äussert, ist der Ber
icht von
Dr.
E._
vom
5.
August 2019 (E. 3.6
).
Dr.
E._
hielt dabei
im Rahmen der Beurteilung fest, dass der Beschwerdeführer eine Therapie verweigere, obwohl eine Therapie mittels Zystektomie und
neoadjuvanter
Che
motherapie empfohlen sei (
Urk.
11/159/2)
. Gl
eichzeitig ergibt sich aus dem Be
richt im Rahmen der Diagnosestellung jedoch auch, dass am 2
5.
Juli 2019
die
Harnblasentumor
r
esektion durch
geführt worden ist
und dass das MRI Leber vom
2.
August 2019 – lediglich – ein
Hämangiom gezeigt ha
t
(
Urk.
11/159/1). Diese Widersprüche lassen vermuten, dass die Beurteilung sich auf einen früheren Zeitpunkt als die Diagnosestellung bezieht.
Auch wenn sich aus dem Bericht von
Dr.
E._
ni
cht eindeutig
ergibt, ob durch die Harnblasentumorr
esektion und das MRI Leber vom
2.
August 2019 weitere Behandlungsmassnahmen, das heisst insbesondere die
neoadjuvante
Chemotherapie
obsolet geworden sind, steht fest,
dass der Beschwerdeführer nach
August 2019 keine Termine im A._
mehr wahr
genommen hat (
Urk.
11/163,
Urk.
11/165,
Urk.
11/166) und er sich auch sonst nicht aufgrund eines Tumorleidens in Behandlung befindet (
Urk.
11/175/8).
Nachdem der Beschwerdeführer im Rahmen der vorinstanzlichen Verfahren nach August 2019 zudem auch keine durch das Karzinom bedingte Einschränkung der Leistungsfähigkeit geltend gemacht hat (vgl.
Urk.
11/175,
Urk.
11/181)
,
erweist es sich als
widersprüchlich, wenn
er
nun beschwerdeweise beanstande
n lässt
, die Beschwerdegegnerin hätte betreffend
Urothelkarzinom
den
Sach
v
erhalt ungenü
gend abgeklärt
.
4.4
Hinsichtlich der weiteren somatischen Beschwerden, insbesondere aus rheuma
tologischer Sicht
und betreffend Leukämie
, ging die Beschwerdegegnerin von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit in einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit aus (
Urk.
2). Diese Einschätzung stützt sich auf die Beurte
ilung von
RAD-Arzt
Dr.
Z._
(
Urk.
11/184/3
) und wird vom Beschwerdeführer zu Recht nicht infrage gestellt (
Urk.
1 S. 4).
4.5
Nach dem Gesagten steht aus somatischer Sicht fest, dass der Beschwerdeführer für leichte, wechselbelastende Tätigkeiten weiterhin zu 100
%
arbeitsfähig ist. Der psychische Gesundheitszustand erweist sich hingegen als ungenügend abgeklärt. Die angefochtene Verfügung vom 1
6.
Dezember 2020 (Urk. 2) ist daher aufzu
heben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Sie hat ein psychiatrisches Gutachten einzuholen und hernach über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu zu entscheiden. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen.
5
.
5
.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.
festgelegt. Vorlie
gend sind sie auf Fr.
8
00.-- festzu
setzen.
Die Rückweisung an die Verwaltung gilt nach ständiger Rechtsprechung als voll
ständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der Be
schwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
5
.2
Der vertretene Beschwerdeführer hat Anspruch auf eine Prozessentschädigung (§ 34 Abs. 1
des Gesetzes über das Soz
ialversicherungsgericht,
GSVGer
).
Diese wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Mit Honorarnote
vom 2
3.
März 2021 (
Urk.
14) machte Rechtsanwalt Daniel
Christe
einen zeitlichen Aufwand von 7 Stunden 45 Minuten und Barauslagen von Fr. 53.10 geltend. Dieser Aufwand erweist sich der Streitsache als ange
messen, weshalb dem Beschwerdeführer antragsgemäss eine Entschädigung in Höhe von Fr. 1'893.45
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
zuzusprechen ist.
5
.3
Bei diesem Ausgang des Verfahrens erweist sich das vom Beschwerdeführer ge
stellt
e
Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und um Bestellung von Rechts
anwalt Daniel
Christe
als unentgeltlichen Rechtsvertreter als gegenstandslos.