Decision ID: 258a49c8-1f40-45e9-8b98-cdcc9b16a688
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ E. S., geb. 1976, ist Staatsangehörige von Montenegro. Sie heiratete am 31. Juli
2003 in ihrer Heimat den in der Schweiz niedergelassenen, in W. wohnhaften
Landsmann D. S. Am 20. Februar 2004 reiste die Ehefrau in die Schweiz ein. In der
Folge wurde ihr im Rahmen des Familiennachzugs eine Aufenthaltsbewilligung erteilt.
Am 23. Oktober 2005 brachte sie den Sohn D. zur Welt.
Die Eheleute reisten am 19. Mai 2006 gemeinsam nach Montenegro, um am
Referendum über die Unabhängigkeit teilzunehmen. Der Ehemann kehrte am 21. Mai
2006 allein in die Schweiz zurück. Die Ehefrau blieb zunächst in Montenegro und
begab sich danach zu ihrem Bruder nach Langenthal. Am 25. September 2006 trat sie
in das Frauenhaus St. Gallen ein.
E. S. beantragte am 17. Oktober 2006 Eheschutzmassnahmen. Mit Entscheid vom 5.
Dezember 2006 nahm der Familienrichter des Kreisgerichts Ober-/Neutoggenburg von
der Berechtigung zum Getrenntleben Vormerk, regelte das Getrenntleben und ordnete
das Besuchsrecht des Vaters. Die elterliche Sorge für den Sohn wurde der Mutter
übertragen und eine Erziehungsbeistandschaft angeordnet.
Mit Verfügung vom 5. Juni 2007 wies das Ausländeramt das Gesuch von E. S. um
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung ab.
B./ Gegen die Verfügung des Ausländeramts erhob E. S. durch ihren Rechtsvertreter
am 19. Juni 2007 Rekurs, der vom Justiz- und Polizeidepartement (heute Sicherheits-
und Justizdepartement) mit Entscheid vom 30. November 2007 abgewiesen wurde.
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C./ Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 3. Januar 2008 erhob E. S. Beschwerde
beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Rekursentscheid sei aufzuheben und ihre
Aufenthaltsbewilligung sei zu verlängern, eventuell sei die Sache zur Vornahme weiterer
Abklärungen zurückzuweisen, ausserdem sei ihr die unentgeltliche Prozessführung zu
gewähren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Mit Verfügung vom 7. Januar 2008 gewährte der Präsident des Verwaltungsgerichts E.
S. die unentgeltliche Prozessführung und bestimmte ihren Rechtsvertreter als
unentgeltlichen Rechtsbeistand.
Am 24. Januar 2008 reichte der Rechtsbeistand der Beschwerdeführerin die
Beschwerdeergänzung ein.
In ihrer Vernehmlassung vom 1. Februar 2008 beantragte die Vorinstanz die Abweisung
der Beschwerde.
Die Beschwerdeführerin äusserte sich mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 28.
Februar 2008 zur vorinstanzlichen Vernehmlassung.
Auf die zur Begründung ihrer Anträge gemachten Ausführungen der Beteiligten wird,

soweit wesentlich, in den folgenden Erwägungen eingegangen.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführerin ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 3. und 24. Januar
2008 wurden rechtzeitig eingereicht und erfüllen formal und inhaltlich die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und
2 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Die Beschwerdeführerin macht eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend. Die
Vorinstanz habe ihr die
Edition ihres Leitfadens "Häusliche Gewalt im Rahmen der Migrationsproblematik"
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verweigert. Dieser Vorwurf ist unberechtigt. In der Rekursbegründung nahm die
Beschwerdeführerin ausdrücklich Bezug auf den Leitfaden, weshalb die Vorinstanz
davon ausgehen durfte, dass ihr Rechtsvertreter darüber verfügte. Im Rekurs wurde
jedenfalls kein Antrag auf Edition gestellt, weshalb der Vorinstanz keine Verletzung des
rechtlichen Gehörs vorgeworfen werden kann. Im übrigen wurde der Leitfaden mit der
Beschwerdevernehmlassung eingereicht, und die Beschwerdeführerin konnte sich in
der Stellungnahme zur Beschwerdevernehmlassung dazu äussern.
3. Am 1. Januar 2008 trat das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer
(SR 142.20, abgekürzt AuG) in Kraft. Gemäss Art. 126 Abs. 1 AuG bleibt für Gesuche,
die vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes eingereicht worden sind, das bisherige Recht
anwendbar. Das Verfahren richtet sich dagegen nach dem neuen Recht (Abs. 2). Im
vorliegenden Fall ist die Abweisung eines vor dem 1. Januar 2008 gestellten Gesuchs
um Verlängerung einer Aufenthaltsbewilligung streitig. Das Gesuch wurde somit vor
dem Inkrafttreten des AuG eingereicht, weshalb die Streitsache nach altem Recht zu
beurteilen ist.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, im vorliegenden Streitfall sei das neue Recht
im Vergleich zur früheren Regelung milder, weshalb es als Ausnahme vom Grundsatz
der Nicht-Rückwirkung zur Anwendung gelange (lex mitior).
Das Prinzip der lex mitior gilt in erster Linie im Bereich des Strafrechts (Art. 2 Abs. 2
des Schweizerischen Strafgesetzbuches, SR 311.0). Im Verwaltungsrecht kommt
dagegen dem Grundsatz der Nichtrückwirkung eines Erlasses vorrangige Bedeutung
zu. Mit Blick auf die Rechtsgleichheit und die Gesetzmässigkeit sollte die lex mitior
daher im Verwaltungsrecht nur unter den gleichen Voraussetzungen wie die
Rückwirkung und lediglich auf abgeschlossene Sachverhalte angewendet werden. Eine
Ausnahme gilt im Fall, wo die Verweigerung der lex mitior wie bspw. gelegentlich im
öffentlichen Baurecht absurde tatsächliche Konsequenzen hätte (A. Kölz,
Intertemporales Verwaltungsrecht, ZSR 102/1983 II S. 176 f. mit Hinweis auf BGE 102
Ib 69; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts H.319/01 vom 28. Januar
2003, Erw. 6).
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Vorliegend besteht keine Grundlage für die Annahme eines Ausnahmefalls. Namentlich
kann nicht von einem abgeschlossenen Sachverhalt die Rede sein, da nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung bei der Prüfung der materiellen Rechtmässigkeit
eines ausländerrechtlichen Entscheids in der Regel die tatsächlichen Verhältnisse
massgebend sind, wie sie zum Zeitpunkt des Entscheids des Verwaltungsgerichts
herrschten (BGE 128 II 149 neues Fenster) und nicht der Sachverhalt im Zeitpunkt des
angefochtenen Rekursentscheids (vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im
Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 637). Das AuG hat zudem für Verfahren über
Gesuche ausdrücklich das frühere Recht massgebend erklärt. Daher ist in materieller
Hinsicht auf die altrechtlichen Bestimmungen abzustellen.
Das neue Recht sieht bei Auflösung der Ehe oder der Familiengemeinschaft einen
Anspruch auf Erteilung der Aufenthaltsbewilligung vor, wenn u.a. die Ehegemeinschaft
mindestens drei Jahre bestanden hat (Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG). Nach der Praxis zum
früheren Recht muss die eheliche Gemeinschaft mindestens fünf Jahre bestanden
haben (vgl. statt vieler VerwGE B 2007/134 vom 19. September 2007 i.S. I.S., in:
www.gerichte.sg.ch; ABl 2001 S. 32). Insofern liesse sich das neue Recht als milder
bezeichnen. Die Frist von fünf Jahren war allerdings im alten Recht nicht explizit
verankert. Im neuen Recht wird ausserdem zusätzlich eine erfolgreiche Integration
verlangt (Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG). Es ist daher fraglich, ob das neue Recht gegenüber
der früheren Praxis milder ist. Vorliegend kann diese Frage aber offen bleiben, da im
Streitfall die Ehegemeinschaft weniger als drei Jahre bestand (vgl. unten E. 4.3.2.).
4. Nach Art. 4 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer
(BS 1, 121 mit seither ergangenen Aenderungen, abgekürzt ANAG) entscheidet die
Behörde im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften und der Verträge mit dem Ausland
nach freiem Ermessen über die Bewilligung von Aufenthalt und Niederlassung. Die
Aufenthaltsbewilligung ist stets befristet (Art. 5 Abs. 1 ANAG).
4.1. Eine Ausländerin hat nach Art. 4 ANAG grundsätzlich keinen Anspruch auf
Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung. Eine Ausnahme besteht nach Art. 17 Abs. 2
ANAG unter anderem dann, wenn sie mit einem Niedergelassenen verheiratet ist. Die
Ehegattin eines niedergelassenen Ausländers hat Anspruch auf Erteilung und
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, solange die Ehegatten zusammen wohnen.
https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=BGEx128xIIx145_155&AnchorTarget=BGEx128xIIx149
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Die Beschwerdeführerin kann sich daher nicht auf Art. 17 Abs. 2 ANAG berufen, da sie
am 29. Dezember 2006, als sie das Gesuch um Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung stellte, nicht mehr mit ihrem Ehemann zusammen lebte.
4.2. Die Beschwerdeführerin kann sich als Mutter eines Kindes mit einer
Niederlassungsbewilligung allerdings auf Art. 8 Ziff. 1 der Europäischen
Menschenrechtskonvention (SR 0.101, abgekürzt EMRK) stützen. Diese Bestimmung
sowie Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt BV) gewährleisten das
Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens. Darauf kann sich im Rahmen eines
ausländerrechtlichen Bewilligungsverfahrens berufen, wer nahe Verwandte mit einem
gefestigten Anwesenheitsrecht in der Schweiz hat. Dies ist der Fall, wenn die
verwandte Person das Schweizer Bürgerrecht oder eine Niederlassungsbewilligung
besitzt oder über eine Aufenthaltsbewilligung verfügt, die ihrerseits auf einem
gefestigten Rechtsanspruch beruht (vgl. statt vieler BGE 130 II 285). Soweit eine
familiäre Beziehung tatsächlich gelebt wird und intakt ist, wird das der zuständigen
Behörde grundsätzlich eingeräumte freie Ermessen beschränkt (vgl. BGE 129 II 218 f.).
Fest steht, dass der Sohn der Beschwerdeführerin über eine
Niederlassungsbewilligung verfügt und sie die elterliche Obhut über ihn hat. Die
Beschwerdeführerin kann daher grundsätzlich einen Anspruch gestützt auf Art. 8 Ziff. 1
EMRK geltend machen. Diese Bestimmung wird aber nicht verletzt, wenn es dem
anwesenheitsberechtigten Familienmitglied zumutbar ist, mit dem Ausländer, dem eine
Bewilligung verweigert wird, auszureisen. Dabei ist grundsätzlich davon auszugehen,
dass es einem Kind zugemutet werden kann, seinen Eltern bzw. dem für ihn sorgenden
Elternteil ins Ausland zu folgen, wenn es sich noch in einem anpassungsfähigen Alter
befindet. Bei einem Kleinkind ist dies – besondere Umstände vorbehalten - der Fall
(BGE 122 II 297 f. mit Hinweisen). Im vorliegenden Fall leben die Eltern getrennt, und
der Vater wurde zur Zahlung von Unterhaltsbeiträgen verpflichtet. Als rund
zweieinhalbjähriges Kleinkind ist der Sohn noch gar nicht in der Lage, zu seinem von
der Mutter getrennt lebenden Vater eine besonders intensive Beziehung zu pflegen.
Daran ändert der Umstand nichts, dass der Vater den Sohn regelmässig besucht. Die
Beziehung zum nicht sorgeberechtigten Elternteil kann nur in einem beschränkten
Rahmen, nämlich durch Ausübung des Besuchsrechts, gelebt werden. Den
Anforderungen von Art. 8 EMRK ist Genüge getan, wenn das Besuchsrecht im Rahmen
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von Kurzaufenthalten vom Ausland her ausgeübt werden kann. Ein weitergehender
Kontaktanspruch des Sohnes kann nicht auf Art. 8 EMRK gestützt werden.
Zusammenfassend beschränkt sich im vorliegenden Fall die persönliche Beziehung des
Vaters zum Sohn auf Besuche, wie sie im Rahmen der Eheschutzmassnahmen
festgelegt wurden. Das Kind ist zudem erst rund zweieinhalb Jahre alt. Eine enge
affektive Beziehung des Kindes zum Vater liegt unter diesen Umständen nicht vor. Die
Beschwerdeführerin kann sich daher nicht auf Art. 8 Ziff. 1 EMRK berufen, um aus der
Beziehung zu ihrem niedergelassenen Kind einen Aufenthaltsanspruch geltend zu
machen.
4.3. Die Beschwerdeführerin beruft sich weiter darauf, dass wichtige persönliche
Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen. Sie sei als
Ehefrau Opfer von häuslicher Gewalt geworden. Zudem erscheine ihre soziale
Wiedereingliederung im Heimatland stark gefährdet.
4.3.1. Nach Ziff. 654 der Weisungen und Erläuterungen über Einreise, Aufenthalt und
Arbeitsmarkt des Bundesamtes für Migration kann die Aufenthaltsbewilligung in
gewissen Fällen auch nach der Auflösung der ehelichen Gemeinschaft verlängert
werden. Als massgebend werden dabei unter anderem die Dauer der Anwesenheit in
der Schweiz, die persönlichen Beziehungen zur Schweiz (insbesondere wenn Kinder
vorhanden sind), die berufliche Situation, die Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage sowie
das persönliche Verhalten und der Integrationsgrad beachtet. Zu berücksichtigen sind
ferner die Umstände, die zur Auflösung der Ehe oder der ehelichen Gemeinschaft
geführt haben. Steht fest, dass der im Familiennachzug zugelassenen Person,
namentlich wenn sie misshandelt worden ist, eine Fortführung der ehelichen Beziehung
nicht länger zugemutet werden kann, ist dies beim Entscheid besonders in Rechnung
zu stellen. Härtefälle sind zu vermeiden. Erfolgt die Scheidung oder die Auflösung der
ehelichen Gemeinschaft nach einem ordnungsgemässen und ununterbrochenen
Aufenthalt von fünf Jahren, ist die Nichtverlängerung der Bewilligung sodann nur in
Erwägung zu ziehen, wenn die Bewilligung erschlichen wurde oder ein
Ausweisungsgrund oder ein Verstoss gegen die öffentliche Ordnung vorliegt.
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4.3.2. Die Beschwerdeführerin heiratete am 31. Juli 2003 und reiste am 20. Februar
2004 in die Schweiz ein. Am 19. Mai 2006 reisten die Eheleute nach Montenegro. Am
21. Mai 2006 kehrte der Ehemann allein in die Schweiz zurück. In der Beschwerde wird
im einzelnen vorgebracht, der Ehemann sei zwei Tage nach der gemeinsamen Reise
nach Montenegro allein in die Schweiz gefahren, um seiner Arbeit nachzugehen. Die
Beschwerdeführerin sei wie vorgesehen zurückgeblieben, um die Abschlussprüfungen
ihres Biologiestudiums an der Universität Pristina vorzubereiten. Die Ehegatten seien
damals nicht davon ausgegangen, künftig getrennte Wege zu gehen. Entgegen der
Absprache habe der Ehemann der Beschwerdeführerin nicht gestattet, sich bei ihren
Eltern auf die Prüfung vorzubereiten. Sie habe gemeinsam mit der Schwiegermutter zu
Verwandten gehen müssen, wo sie mit der Aufsicht über die Kinder der Familie betraut
worden sei. Die Situation sei derart belastend gewesen, dass sie entgegen den
Weisungen der Schwiegermutter und des Ehemannes zu ihren eigenen Eltern
zurückgekehrt sei. Der Ehemann habe daraufhin verlangt, dass sie sofort zu seinen
Verwandten oder in die Schweiz zurückkehren müsse. Trotz mehrerer Aufforderungen
habe sie eine Rückkehr verweigert. Schliesslich sei sie aufgrund dieser Umstände
durch die Prüfungen gefallen. Nachdem der Ehemann jegliche Kontaktversuche
ignoriert habe, sei sie anfang September zu ihrem Bruder nach Langenthal gereist.
Anschliessend sei sie von der Stiftung Opferhilfe an das Frauenhaus St. Gallen
verwiesen worden.
Diese Ausführungen sind aktenmässig nicht belegt. Es wurden keine Beweismittel
eingereicht oder bezeichnet, aus denen hervorgeht, dass die Beschwerdeführerin an
der Universität Pristina eingeschrieben war, dort Prüfungen absolvierte und diese nicht
bestand. Die Sachdarstellung ist vage und allgemein gehalten. Es werden keine
näheren Angaben zu den Daten bzw. zur Dauer der Aufenthalte bei den verschiedenen
Verwandten gemacht. Auch deren Namen und Wohnorte werden nicht genannt. Hinzu
kommt, dass auch der Familienrichter in seinem Entscheid vom 5. Dezember 2006
davon ausging, die Ehegatten hätten den gemeinsamen Haushalt am 21. Mai 2006
aufgehoben. Im Bericht des Frauenhauses wird festgehalten, dass die
Beschwerdeführerin im Mai 2006 bei ihrem Bruder in Langenthal Unterschlupf
gefunden habe und schliesslich im September 2006 in das Frauenhaus eingetreten sei.
Dies steht in einem gewissen Widerspruch zu den Ausführungen in der Beschwerde,
wonach die Beschwerdeführerin nach der Rückkehr des Ehemannes am 21. Mai 2006
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zu dessen Verwandten habe ziehen müssen, anschliessend zu ihren Eltern
zurückgekehrt sei und zudem auch noch Prüfungen an der Universität absolviert habe.
Aufgrund der dargelegten Sachlage ist somit davon auszugehen, dass nach der
Rückkehr des Ehemannes in die Schweiz das eheliche Zusammenleben nicht mehr
aufgenommen wurde. Damit dauerte die eheliche Gemeinschaft weniger als drei Jahre.
4.3.3. Das Kind der Beschwerdeführerin ist weniger als drei Jahre alt und somit in
einem anpassungsfähigen Alter. Unbestritten ist weiter, dass die Eltern der
Beschwerdeführerin in ihrer Heimat leben. Nach Angaben der Beschwerdeführerin ist
ihr Elternhaus liberal geprägt. Sie absolvierte im Alter von rund 30 Jahren offenbar ein
Biologiestudium und beabsichtigte, sich bei ihren Eltern auf die Prüfungen
vorzubereiten. Ihren Befürchtungen, die Familie ihres Ehemannes könnte versuchen, ihr
die Sorge über das Kind zu entziehen, liegen keine konkreten Anhaltspunkte zugrunde.
Eine starke Gefährdung der sozialen Wiedereingliederung im Herkunftsstaat besteht
unter solchen Umständen nicht.
4.3.4. Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, sie sei Opfer ehelicher Gewalt
geworden. Das Vorbringen von Misshandlungsvorwürfen gegenüber dem Ehegatten
kann nicht leichthin zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach Auflösung der
Ehe führen (vgl. VerwGE vom 18. Juni 2002 i.S. A. R. und VerwGE B 2003/203 vom 16.
März 2004 i.S. A.L., letzterer publiziert in: www.gerichte.sg.ch). Es sind konkrete
Hinweise erforderlich, dass derjenige Ehegatte, der sich darauf beruft, vom andern
misshandelt worden ist. Verbale, tätliche und andere Angriffe müssen sodann so
massiv sein, dass die Fortführung der ehelichen Beziehung für den davon betroffenen
Ehegatten unzumutbar wird. Andernfalls bestünde die Gefahr der
rechtsmissbräuchlichen Berufung auf häusliche Gewalt. Daran vermag grundsätzlich
nichts zu ändern, dass die Beschwerdeführerin zu Recht geltend macht, die
Beweisführung sei insbesondere bei psychischer Misshandlung im Rahmen von
häuslicher Gewalt schwierig.
Vorliegend macht die Beschwerdeführerin geltend, sie sei von ihrem Ehemann
geohrfeigt worden. Ausserdem sei sie von ihren Schwiegereltern mit tatkräftiger
Unterstützung des Ehemannes als eigentliche Dienstmagd missbraucht worden.
Körperliche Gewaltanwendungen sind indessen nicht hinreichend glaubhaft dargetan.
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Der Ehemann bestritt im Scheidungsverfahren Tätlichkeiten. Namentlich hat die
Beschwerdeführerin keine Strafanzeige erhoben. Eine solche würde ein Indiz bilden,
dass eine Gewalttat begangen wurde, denn erfahrungsgemäss werden gegenüber
nahestehenden Personen oder unter Ehegatten nicht leichthin Strafanzeigen erhoben.
Jedenfalls kann allein aus dem Umstand, dass Frauen aus Einwandererfamilien
vergleichsweise häufig Gewalt erleiden, keine hinreichende Glaubhaftigkeit einer
entsprechenden Behauptung angenommen werden. Auch gegenüber der Aerztin
machte die Beschwerdeführerin keine Angaben über erlittene häusliche Gewalt.
Gegenüber der Aerztin hätte sie keine Befürchtungen hegen müssen, ihre Aussagen
würden Drittpersonen zur Kenntnis gebracht. Allein der Umstand, dass die Aerztin
Fragen zu allfälliger Gewaltanwendung stellte, bildet kein Indiz für eine solche. Der
Bericht des Frauenhauses beruht zudem nicht auf eigenen Feststellungen der
Berichterstatterin oder Mitarbeiterinnen des Frauenhauses, sondern ausschliesslich auf
den Schilderungen der Beschwerdeführerin sowie auf allgemeinen Ausführungen zur
Situation von Frauen in Einwandererfamilien. Es kann sich möglichweise so verhalten
haben, wie behauptet wird, aber dies reicht nicht aus, um die Anwendung häuslicher
Gewalt hinreichend glaubhaft zu machen. Es würde daher auch nichts zur Klärung des
Sachverhalts beitragen, wenn im Herkunftsland der Beschwerdeführerin ein Bericht
über die Lebensumstände verheirateter Frauen eingeholt oder beim Frauenhaus eine
Stellungnahme zur Glaubwürdigkeit der Aussagen der Beschwerdeführerin verlangt
würde. Ohnehin ist davon auszugehen, dass das Frauenhaus in seinem Bericht
vermerkt hätte, wenn es die Angaben der Beschwerdeführerin als unglaubwürdig
erachtet hätte. Solche Berichte werden im Leitfaden betreffend "Häusliche Gewalt im
Rahmen der Migrationsproblematik" als mögliche Indizien genannt. Als einziges Indiz
genügt ein solcher Bericht jedenfalls nicht, um eheliche Gewalt hinreichend glaubhaft
zu machen. Die Angaben der Beschwerdeführerin sind zudem widersprüchlich.
Gemäss Entscheid des Familienrichters liess die Ehefrau im Eheschutzbegehren
anführen, sie sei aufgrund von Misshandlungen durch den Ehemann aus der ehelichen
Wohnung geflohen und ins Frauenhaus eingetreten. Sie machte aber auch geltend, sie
sei zum Zeitpunkt ihres Eintritts in das Frauenhaus nicht akut von Gewalt bedroht
gewesen, und in der Beschwerde hält sie fest, sie sei direkt von Montenegro zu ihrem
Bruder nach Langenthal gezogen. Die geltend gemachten familiären Verhältnisse,
namentlich die Einschränkung der Bewegungsfreiheit sowie die Verpflichtung zur
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Haushaltführung bei den Schwiegereltern, mögen im übrigen zwar Zeichen mangelnder
Integration der Schwiegereltern oder des Ehemannes sein. Als Ausdruck ehelicher
Gewalt können solche Lebensumstände aber nicht bezeichnet werden.
4.4. Aufgrund der vorstehenden Ausführungen kommt das Verwaltungsgericht zum
Schluss, dass weder eheliche Gewalt noch eine starke Gefährdung der
Wiedereingliederung im Herkunftsstaat hinreichend glaubhaft gemacht sind. Ein
Härtefall im Sinne des Kreisschreibens des Bundesamts für Migration liegt damit nicht
vor. Aufgrund der kurzen Dauer des Aufenthalts und der ehelichen Gemeinschaft sowie
des Fehlens besonderer wirtschaftlicher und arbeitsmarktlicher Gründe für eine
Verlängerung der Bewilligung durften Ausländeramt und Vorinstanz ohne
Rechtsverletzung die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung verweigern. Daher
erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist abzuweisen.
5. Da die Beschwerde abzuweisen ist, gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens grundsätzlich zulasten der Beschwerdeführerin (Art. 95 Abs. 1
VRP). Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege trägt indes der Staat die
amtlichen Kosten. Eine Gebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382
Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Auf die Erhebung ist vorläufig zu verzichten (Art. 99
Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 288 des Zivilprozessgesetzes, sGS 961.2).
Im weiteren wurde der Beschwerdeführerin mit verfahrensleitender Verfügung vom 7.
Januar 2008 die unentgeltliche Rechtsverbeiständung gewährt. In der Kostennote wird
ein Aufwand von Fr. 2'039.25 (Honorar Fr. 1'840.-- zuzügl. Barauslagen und MWSt)
ausgewiesen. Es entspricht dem Tarif gemäss Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung
für Rechtsanwälte und Rechtsagenten (sGS 963.75) in Verbindung mit Art. 31 Abs. 3
des Anwaltsgesetzes (sGS 963.70) und ist angemessen. Der Anspruch des
unentgeltlichen Rechtsbeistands ist daher entsprechend der Kostennote festzusetzen.
Demnach hat das Verwaltungsgericht