Decision ID: 9aaa1ab8-086d-495c-9335-531fbe7df93c
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1965,
verfügt über keine abgeschlossene
Berufsaus
bil
dung und war ab März 1988
bei der
Y._
AG
als
Hilfsbohrmeister angestellt (Urk. 7/5/4, Urk. 7/15
). A
m 18. November 1999
erlitt der Versicherte
einen
Auf
fahrunfal
l (Urk. 7/32/215), woraufhin
d
ie
Suva
die gesetzlichen
Unfallversiche
rungs
-Leistungen
erbrachte (Urk. 7/32/217-236)
.
A
m 20. November 2000 (Ein
gangs
datum)
meldete sich der Versicherte
unter Hinweis auf Nacken- und Rückenbeschwerden, Kraftlosigkeit in den Armen, Kopfschmerzen sowie Schlaf
losigkeit bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/5).
Mit Verfügung vom 12. November 2001 leistete die
Sozialversiche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
Kostengutsprache für eine Umschu
lung zum Technischen Zeichner bei
der Z._
AG
vom 3. Dezember 2001 bis
am 2. Dezember 2002 (Urk. 7/39). Die betreffende Umschulung wurde
per 20. Februar 2002 abgebrochen (Urk. 7/55).
Mit Verfügung vom 3. September 2003 sprach die Suva dem Versicherten ab dem 1. Mai 2003 eine Invalidenrente von 30
% sowie eine Integritätsentschädigung bei einer Integritätseinbusse von 10
% zu (Urk. 7/88)
.
D
ie
IV-Stelle
zog im Rahmen ihrer Sachverhaltsabklärungen
insbesondere die Akten der Unfallver
sicherung (Urk. 7/32, Urk. 7/67
, Urk. 7/112
)
bei
und beauftragte das Zentrum
A._
mit der
Begutachtung des Versicherten
in den Diszi
plinen Allgemeine Innere Medizin, Rheumatologie, Psychiatrie
und
Neuropsy
chologie (Gutachten vom 11. Juni 2008, Urk. 7/127). Mit Verfügung vom 9. Juni 2009 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren des Versicherten ab (Urk. 7/132).
1.2
Am 17. Mai 2018
(Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf beidseitige Schulterleiden sowie Nacken- und Rückenschmerzen erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 7/143).
Die vom Versicherten seit dem 2. November 2011 in einem 60%-Pensum ausgeübte Tätigkeit als Mitarbeiter
Be
treuung
bei der
B._
AG wurde
per
31. Juli 2018 gekündigt (Urk. 7/
1
56/1
).
Am 26. Oktober 2018 wurde
eine
Haushaltsabklärung durchgeführt (Urk. 7/160). Mit Mitteilung vom 12. Dezember 2018 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass zurzeit keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien und ein Renten
anspruch geprüft werde (Urk. 7/164).
Nachdem die IV-Stelle medizinische und erwerbliche Abklärungen vorgenommen und das Dossier ihrem Regionalen Ärzt
lichen Dienst (RAD) zur Stellungnahme vorgelegt hatte (Urk. 7/184/4-5), stellte
sie dem Versicherten mit Vorbescheid vom 25. Februar 2019 die Abweisung seines
Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 7/185).
Dagegen erhob der Versi
cher
te am
26. März 2019 Einwand (Urk. 7/187) und begründete diesen mit Eingabe vom
14. Mai 2019 unter Hinweis auf einen
am
31. März 2019
erlittenen Unfall
sowie unter Beilage weiterer medizin
is
cher Unterlagen (Urk. 7/192).
Nach erneuter Vorlage an
den
RAD (Urk. 7/197/3-4)
verneinte die IV-Stelle
mit Verfügung vom 3. Juli 2019
einen Anspruch des Versicherten auf eine Invalidenrente (Urk. 7/198 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 4. September 2019 Beschwerde und bean
tragte, die Verfügung vom 3. Juli 2019 sei aufzuheben und die
Sache
zu weiteren
Abklärungen (insbesondere einer polydisziplinären Begutachtung) an die IV-Stelle
zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 27. September 2019
schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6)
, wovon der
Be
schwerdeführer
in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 8)
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der
Invalidität
der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaub
haft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und her
nach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungs
pflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.4
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktio
nelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich unter
suchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
führte zur Begründung des angefochtenen Entscheides im Wesentlichen aus, aufgrund eines bereits im November 1999 erlittenen Unfalls sei es dem
Beschwerdeführer
nicht mehr möglich gewesen, die damals ausgeübte Tätigkeit als Hilfsbohrmeister auszuüben. Bei der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Betreuer habe es sich bereits um eine angepasste Tätigkeit gehandelt. Seit dem 13. November 2017 sei ihm die Ausübung der Tätigkeit als Betreuer nicht mehr möglich gewesen. Aus medizinischer Sicht sei dem
Beschwerdeführer
jedoch seit
Ende August 2018 (vor Ablauf der Wartezeit von einem Jahr) die Ausübung einer körperlich leichten wechselbelastenden Tätigkeit wieder vollumfänglich möglich und zumutbar. Da keine körperlich schweren Arbeiten mehr ausgeübt werden könnten, reduziere sich das Invalideneinkommen um 10
%. Bei einem Invalidi
tätsgrad von 18
% bestehe kein Rentenanspruch.
Aufgrund
der
im
Einwand
ver
fahren
geltend gemachten
neuen Befunde und Diagnosen sei keine Verschlech
terung der gesundheitli
chen Situation ersichtlich
(Urk. 2).
2.2
Dahingegen brachte der
Beschwerdeführer
vor,
d
urch den Unfall vom März 2019
habe er sich einen Bandscheibenvorfall mit Kompression der rechten S1-Wurzel zugezogen. Es sei
zumindest eine wesentliche Verschlechterung der bisherigen
Beschwerden eingetreten
.
Die Beschwerdegegnerin wäre verpflichtet gewesen, de
n definitiven Zustand abzuwarten, da erst in diesem Moment die Auswirkungen der Beschwerden auf die Arbeitsfähigkeit geprüft werden könnten.
T
rotz entspre
chenden Hinweisen
seien vorliegend
weder die Unfallakten der AXA noch die Beurteilungen der Ärzte der Krankentaggeldversicherung berücksichtigt worden. Vielmehr habe der RAD mittels mehrfacher oberflächlicher Beurteilungen be
hauptet, dass der
Beschwerdeführer
in einer angepassten Tätigkeit
vollständig arbeitsfähig sein soll.
Es
liege noch kein definitiver Gesundheitszustand vor, weshalb auch die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit no
ch nicht beur
teilt werden
könne und die
Streitigkeit zu weiteren Abklärungen an die
Be
schwer
degegnerin
zurückzuweisen
sei
. Der
Beschwerdeführer
leide an orthopädischen, rheumatologischen, neurologischen, neuropsychologischen und psychiatrischen Beschwerden, weshalb sicherlich in diesen Fachbereichen eine polydisziplinäre Begutachtung notwendig sei
(Urk. 1).
2.3
Streitig ist der Anspruch des
Beschwerdeführer
s auf eine
Rente der Invaliden
versicherung
.
Die
Beschwerdegegnerin
nahm diverse
eingereichte
Berichte zu den
Akten (
Urk. 7/144-145,
Urk. 7/
151,
Urk. 7/154,
Urk. 7/174, Urk. 7/176, Urk. 7
/17
8, Urk. 7/182, Urk. 7/192/3-12
) und holte zudem
selber
mehrere ärztliche Berichte
(Urk. 7/157,
Urk. 7/165, Urk. 7/177)
sowie
zweierlei
Stellungnahme
n des RAD
ein (Urk. 7/
184/4-5, Urk. 7/197/3-4
).
Damit ist sie
unbestritten
auf
die Neuanmel
dung des
Beschwerdeführer
s vom
17. Mai 2018 (Urk. 7/143
)
materiell
ein
getreten
,
hat
aber
eine massgebende Verschlechterung des Gesundheitszustandes
mit der angefochtenen Verfügung vom 3. Juli 2019 verneint.
3.
3.1
Die
Verfügung vom 9. Juni 2009
basierte insbesondere auf dem polydisziplinären Gutachten des
A._
vom 11. Juni 2008 (vgl. Urk. 7/131/8 ff.).
Die Gutachter s
tellten darin folgende Diagnose
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/127/41):
-
Chronisches subacrom
iales
Impingement
linke Schulter
Daneben stellten sie folgende Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/127/41):
-
Chronisches
myofasciales
Schmerzsyndrom
cervikothorakal
-
C
hronisch
intermittierendes lokales Lumbalsyndrom
-
Adipositas Grad I nach WHO
Bei der im Rahmen der polydisziplinären Begutachtung durchgeführten internis
tischen Untersuchung
wurde
n
eine Adipositas Grad I, ein erhöhter systolischer Blutdruckwert sowie leicht erhöhte Cholesterinwerte
ausgemacht
. Ein Gesund
heits
schaden von Dauer, der eine anhaltende Limitierung der Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Hilfsbohrmeister begründen könnte,
wurde verneint
(Urk. 7/12/44).
Im rheumatologisch-orthopädischen
Gutachten
wurde
ausgeführt, cervikal hätten sich weder unfallkausale noch unfallfremde Gesundheitsschäden von Dauer diagnostizieren lassen, die eine anhaltende Limitierung der Arbeitsfähigkeit, be
zogen auf die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Hilfsbohrmeister begründen könnten.
Die Untersuchung der LWS
habe
einen endgradigen
Reklinationsschmerz
erge
ben
, welcher auf eine Problematik der kleinen Wirbelgelenke hinweisen könnte, diese würden bildgebend allerdings nur diskrete degenerative Veränderungen auf
weisen
. Vor dem Hintergrund einer kräftig ausgeprägten
Rückenstreck
er
mus
kulat
u
r
thorakolumbal lasse sich anhand der objektivierbaren Befunde keine dauerhafte Limitierung der Arbeitsfähigkeit begründen
.
Z
usammenfassend und nach Auswertung aller klinischen und bildgebenden Befunde
sei
allein wegen der aktuell, wie auch prospektiv eingeschränkten Belastbarkeit der linken Schulter,
eine deutlich verminderte Restarbeitsfähigkeit von 20 % (80
% Arbeitsunfähig
keit) in der Tätigkeit als Bohrmeister
zu
bescheinigen
. Dagegen bestehe auf rheu
matologisch-orthopädischem Fachgebiet in einer angepassten Tätigkeit, ohne repetitive Schulterbelastungen und Arbeiten über der Horizontalen, abgesehen von den behandlungsbedingten Arbeitsunfähigkeits-Zeiten, seit jeher eine unli
mitiert
e Restarbeitsfähigkeit von 100
%
(Urk. 7/127/45).
Anlässlich der psychiatrischen Exploration habe sich ein insgesamt unauffälliger
Beschwerdeführer
gezeigt, ohne relevante psychopathologische Befunde oder psychische Funktionsstörungen, die für eine akute oder chronische psychische Erkrankung sprechen würden. Die leichtgradig gedrückte Stimmung erscheine vor
dem Hintergrund der psychosozialen Belastungsfaktoren adäquat und habe keinen
Krankheitswert. Zusammengefasst könne deshalb aus versicherungsmedizi
nis
cher Sicht auf psychiatrischem Fachgebiet keine Einschränkung de
r Arbeitsfähigkeit bescheinigt werden (Urk. 7/127/
45-
46).
Aus polydisziplinärer Sicht schlossen die Gutachter auf eine 80%ige Arbeits
un
fähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Hilfsbohrmeister und eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit (Urk. 7/127/46-48).
Diese Beurteilung legte die Beschwerdegegnerin der Verfügung vom 9. Juni 2009 zugrunde und bemass den Invaliditätsgrad mit 26 % (
Urk.
7/131/9 f., 7/132).
3.2
Im Rahmen der
hier zu beurteilenden
Neuanmeldung wurden insbesondere fol
gende Arztberichte aufgelegt:
3.2.1
Im Bericht der
Klinik C._
vom 13. Juni 2018
wurde eine Anpassungs
störung sowie eine längere depressive Reaktion (ICD-10 F43.21) diagnostiziert. Der
Eintritt sei aufgrund einer psychosozialen Dekompensation mit Schlafstö
rungen, diffusen Ängsten und ausgeprägter Grübelneigung erfolgt
. Beim
Be
schwerde
füh
rer
bestehe eine durch
die
belastende soziale Situation sowie chro
nische Schmerz
zustände getriggerte Anpassungsstörung sowie eine längere depres
sive Reaktion. Eine Evaluation der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Si
cht sei im Folgetermin geplant
(Urk. 7/174).
3.2.
2
Dr. med.
D._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates,
führte in seinem Bericht
vom 28. August 2018
aus, es würden chronische beidseitige Schulterbeschwerden bestehen, rechts
am 13. Dezember 2017 operativ versorgt
, links nicht operiert bei operations
be
dürftigem Befund. Zusätzlich bestehe ein
lumbospondylogenes
und
myofasziales Rückenschmerzsyndrom.
An der
HWS
bestehe eine
schmerzhaft eingeschränkte
Beweglichkeit.
Funktionseinschränkungen
würden an beiden Schultergelenken mit Einschränkungen für Arbeiten im Überkopfbereich sowie
für
repetitive Arbeitseinsätze beider Arme bestehen. Aktuell bestehe eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit des
Beschwerdeführer
s in sämtlichen handwerklichen Tätigkeiten mit schwerer und mittelschwerer körperlicher Belastung und Bedarf eines kraftvollen Armeinsatzes beidseits. Aufgrund des Rückenleidens sei eine ausschliesslich sitzende Tätigkeit ebenfalls nur eingeschränkt möglich. Auf einem abstrakten Arbeitsmarkt wäre eine einfach
e
körperliche Tätigkeit mit vorwiegend leichten bis maximal mittelschweren Arbeitseinsätzen
in einem Zeitraum von 3-6 Stun
den täglich
zumutbar. Bürotätigkeiten, welche wechselbelastend und in verschie
denen Sitzpositionen, bei Bedarf stehend an einem Stehpult
,
verrichtet werden könnten, wären vollschichtig zumutbar
(Urk. 7/157/7-10).
3.2
.3
Dr. med.
E._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, hielt in seiner
RAD-Stellungnahme vom 24. September 2018
fest, in Bezug auf die bisherige Tätigkeit als Betreuer in einer Notunterkunft
würden beim Versicherten Bewegungs- und Belastungseinschränkungen der rechten und der linken Schulter sowie
eine Belastungseinschränkung
der Wirbel
säule bestehen. Das Heben und Tragen von Lasten über 25 kg –
wie in der bis
herigen Tätigkeit gefordert – sei nicht mehr möglich. In der bisherigen Tätigkeit bestehe eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit seit dem 12. Dezember 2017 auf Dauer
. In einer angepassten Tätigkeit bestehe durchgehend (bis auf die
peri
- und postoperativen/posttraumatischen Rekonvaleszenzzeiten: 100%ige Arbeitsun
fähigkeit vom 12. Dezember 2017 bis 28. August 2018) keine Arbeitsunfähigkeit
(
Urk. 7/184/4-5).
3.2.
4
Die Ärzte der
Klinik C._
diagnostizierten in ihrem Bericht
vom 13. Dezember 2018
Anpassungsstörungen sowie eine
längere depressive Reaktion (ICD-10 F43.2)
. Es
bestehe aktuell eine allgemein
reduzierte Belastbarkeit
aus psychiatrischer Sicht
. Eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei aus psychia
tri
scher Sicht aktuell nicht möglich, da
die
Einschränkungen und Beschwerden laut dem
Beschwerdeführer
grossenteils
durch die körperlichen Erkrankungen verur
sacht würden (Urk. 7/165/4-8).
3.2
.
5
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, stellte in seinem Bericht
vom 21. Januar 2019
folgende Diag
nosen
(Urk. 7/182
/1
)
:
-
Lumbospondylogenes
Syndrom links
-
Persistierendes Funktionsdefizit beider Schultergelenke
-
Neu diagnostiziertes Obstruktives Schlafapnoesyndrom
Beim
Beschwerdeführer
liege
eine
lumbosp
o
ndylogene
Symptomatik verdächtig für eine Reizung der Nervenwurzel S1 vor.
Es
hätten in
erster Linie Schmerzen erfasst
werden können, die sowohl der L5-Wurzel als auch ein wenig der S1-Wurzel hätten zugeschrieben werden können. In den MRI-Bildern der LWS vom August 2018 hätten sich Hinweise auf einerseits eine
rezessale
Enge L5/S1 bei Facettengelenksarthrose links mit Affektion der Nervenwurzel S1 links gezeigt.
Wichtiger aber noch sei in diesem Segment das
Diskusbulging
mit
extra
fora
minalem
Kontakt zur Nervenwurzel L5 links. Klinisch hätten sich keine objek
tiven Anhaltspunkte für eine L5- oder S1-Wurzelaf
f
ektion finden lassen. Aller
dings könnten auf der einen Seite die Facettengelenkreizung und zum anderen eher noch die
extraforaminale
Affektion der Nervenwurzel L5 links als mögliche Ursache der ausstrahlenden Beschwerden gesehen werden. Aktuell habe sich keine relevante F
acettenreizung auslösen lassen
(Urk. 7/182).
3.2
.6
Dr.
D._
stellte
sich
in seinem Bericht vom 4. April 2019
auf den Standpunkt, die orthopädische Gesamtkonstellation mit deutlich eingeschränkter Schulter
funktion beidseits,
lumbospondylogenen
strukturellen Rückenschmerzen mit be
gleitend myofaszialen unspezifischen Rückenschmerzen würden zusammen mit der sicherlich die Leistungsfähigkeit nicht
fördernden
schweren Adipositas zu einer Einschränkung
von
50
% führen
. Aufgrund der dokumentierten Rücken
beschwerden könne es dem
Beschwerdeführer
nicht zugemutet werden, eine Tätigkeit in ausschliesslich sitzender Position auszuüben. Allerdings wäre für eine Arbeitstätigkeit mit Wechselbelastung aus orthopädischer Sicht auf einem ab
strakten Arbeitsmarkt eine
vollumfängliche Arbeitsfähigkeit
für einen 8.5 stündi
gen Arbeitstag zu attestieren. Einschränkend könnten in diesem Zusammenhang
aber
die rezidivierenden
Cervi
cocephalgien
mit
cervicocephalen
Kopfschmerzen s
owie
eine möglicherweise aus der
obstruktiven Schlafapnoe sich ergebende reduzierte Konzentrationsfähigkeit
sein
, so dass sich vermutlich aufgrund der Gesamtkonstellation doch eine weitere Einschränkung der Leistungsfähigkeit auch für einen Arbeitsplatz in einer angepassten Tätigkeit ergeben könnte. Hier würden allerdings fachfremde Diagnosen hineinspielen, welche nicht abschlies
send beurteilt werde
n könnten
(Urk. 7/192/3-
5).
3.2
.7
Am 11. April 2019 wurde ein
e
MR der LWS erstellt.
Dr.
med.
G._
, Facharzt FMH für Radiologie,
schloss in seinem Bericht auf eine nach kaudal gerichtete,
mediolateral
rechtsliegende
Diskusextrusion bei LWK
5/
SWK
1 mit Kompression von S1 rechts. Klinisch bestehe der Verdacht auf ein sensibles Ausfallsyndrom S1 rechts nach Sturz am 31. März 201
9.
Eine weitere Bildgebung wie CT
/Röntgen und klinische Abklärungen seien zu erwägen
(Urk. 7/192/10
= Urk. 3/8
)
.
3.2
.8
Am 16. April 2019 wurde ein MS-CT de
s
Beckens nativ erstellt. Dr.
med.
H._
, Facharzt FMH für Radiologie, stellte in seinem Bericht einen an L5/S1 kaudal hinter den SWK 1 luxierten
mediolateralen
Bandscheibenvorfall rechts mit Kompres
sion der rechten S1-Wurzel fest
(Urk. 7/192/9
= Urk. 3/7
)
.
3.2
.9
Dr.
F._
führte am
17. April 2019
eine Infiltration p
er
ir
adikulär S1 rechts durch
. Zur Indikation führte er aus, der
Beschwerdeführer
sei am 31. März 2019 verunfallt und habe danach eine dorsale Schmerzsymptomatik des rechten Beines mit sensiblen Ausfallsymptomen der kleinen drei äusseren Zehen des rechten Fuss
es
begleitet von einem Kältegefühl
im
rechten Fuss entwickelt. Korrespon
dierend dazu sei in einem MRI der LWS vom 11. April 2019 nun auch eine nach kaudal gerichtete medio-rechtslaterale Diskushernie L5/S1 mit Kompression der Nervenwurzel S1 rechts dokumentiert. Bei klarer Radikulopathie und entspre
chenden pathoanatomischen Veränderungen sei daher die probatorische Infiltra
tion
p
er
ir
adikulär
S1 aus diagnostischen und therapeutischen Gründen indiziert gewesen. Anlässlich der Infiltration habe sich bei der Kontrolle mittels Kon
trastmittel mit guter Darste
llung des Verlaufs der Nerven Hö
he S1 rechts nach kaudal und cranial gezeigt, hier aber mit einem klaren Stopp, der auf die Kompression an dieser Stelle schliessen lasse.
Bei ungenügendem Ansprechen auf die Infiltration müsse eine neurochirurgische Expertise eingeholt werden, da die Kompression doch recht akzentuiert erscheine
(Urk. 7/192/11
-12
)
.
3.2
.10
Dr.
med.
I._
, Facharzt FMH für Neurochirurgie, stellte in seinem Bericht
vom 17. Mai 2019
folgende Diagnosen
(Urk. 3/6)
:
-
Traumatischer Bandscheibenvorfall paramedian rechts nach Sturz am 31. März 2019 auf das Gesäss
-
Zustand nach erfolgloser Infiltration am 17. April 2019
-
Chronisches
Lumbovertebralsyndrom
-
Zustand nach HWS-Distorsionstrauma
-
Obstruktives Schlafapnoesyndrom
Der
Beschwerdeführer
sei am 31. März 2019 auf das Gesäss gestürzt. Danach hätten sich Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in das rechte Bein und eine Fühlstörung entwickelt. Wegen den Schmerzen und der neurologischen Ausfall
symptomatik sei eine Bildgebung durchgeführt worden. Hier habe sich eine para
mediane Diskushernie L5/S1 rechts nach caudal luxi
ert ergeben. Trotz konser
vativer
Massnahmen, Infiltration und ausgebauter Schmerztherapie sei es zu keiner anhaltenden Besserung der Symptomatik gekommen. Es werde vorderhand noch bis Mitte Juni 2019 empfohlen, die konservative Therapie weiterzuführen. Sollten sich dann die Beschwerden nicht bessern oder gar zunehmen, würde ein operatives Vorgehen mit Mikrodiskektomie L5/S1 rechts in Frage kommen
(Urk. 3/6).
3.2
.11
Dr.
E._
führte in
seiner
RAD-Stellungnahme vom 29. Mai 2019
aus, im Rahmen des Sturzes auf das Gesäss vom 31. März 2019 sei im MRI vom 11. April 2019 und im CT vom 16. April 2019 eine Diskushernie L5/S1 mit Kompression der S1-Wurzel festgestellt worden. M
it der Aussage,
wonach
eine Kompression vor
liege
, werde die vorliegende Bildgebung überstrapaziert; weder im MRI noch im CT würden Druckgradienten dargestellt, somit könne auch keine Kompression
erkannt werden. Sinnvollerweise sollte allenfalls von eine
r Impression gespro
chen
werden.
Dr.
F._
habe am 21. Januar und am 17. April 2019 ein sensibles Ausfallsyndrom S1 rechts diagnostiziert. Objektive Anhaltspunkte für eine L5- oder S1-Wurzelaffektion hätten sich jedoch nicht gefunden (Dr.
F._
vom 21. Januar 2019). Damit sei die Diagnose des sensiblen Ausfallsyndroms falsifi
ziert, womit die folgenden Therapien keinen Effekt
hätten
haben
können
. Ein fachneurologischer Befund liege nicht vor. Der Bandscheibenvorfall habe mit überwiegender Wahrscheinlichkeit schon vor dem Sturzereignis vom 31. März 2019 bestanden und sei der Grund für die vorbestehenden und bereits gewürdig
ten intermittierenden Rückenschmerzen.
Psychiatrischerseits
sei lediglich ein leichter depressiver Zustand als Reaktion auf eine länger anhaltende Belastungs
situation diagnostiziert worden. Eine Arbeitsunfähigkeit sei nicht attestiert worden
. Das neu diagnostizierte Schlafapnoesyndrom, so es denn Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit
habe
,
sei
gut
behandelbar und ziehe keine länger dauernde Arbeits
unfähigkeit nach sich.
Die neuen Arztberichte mit den neuen Befunden und Diagnosen könnten keine Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit im Vergleich zur Stellungnahme vom 24. September 2018 begründen (
Urk. 7/197/3-4)
.
3.2
.12
Dr.
D._
hielt in seinem
Bericht vom 11. Juli 2019
fest,
a
n beiden Schultern bestehe ein schmerzhaftes Funktionsdefizit, was zusammen mit dem Rücken
leiden, den
cervicobrachialen
Beschwerden und unter Umständen auch den inter
nistischen Diagnosen eine erhebliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit ergebe.
Die bereits zuvor abgegebene Beurteilung, wonach
dem
Beschwerdeführer
maximal eine 50-60%ige Arbeitsfähigkeit für eine körperlich angepasste Tätigkeit an einem Schonarbeitsplatz beziehungsweise einem Arbeitsplatz mit geringer körperlicher Belastung
zumutbar sei, bleibe
vollständig aufrecht
(Urk. 7/201 = Urk. 3/9).
4.
4.1
Neben den
bereits im ursprünglichen Verfahren
bekannten Beschwerden an der linken Schulter
bei Supraspinatussehnen-Ruptur
(E. 3.1)
lassen sich den
im Neu
anmeldungsverfahren
vor dem Unfall vom 31. März 2019 erstatteten medizini
schen Unterlagen
Beschwerden an der rechten Schulter
nach einer am 13. November 2017 durchgeführten
Rotatorenmanschetten
-Rekonstruk
t
ion
rechts mit persistierendem Funktionsdefizit beider Schultergelenke
entnehmen (Urk. 7/154
, E. 3.2.2-3.
2.3
, E. 3.2.
5-3.2.6
). Basierend auf einer schmerzhaft einge
schränkten Beweglichkeit
gingen die be
handelnden
Orthopäden
sodann
überein
stim
mend
von einem
lumbospondylogenen
Syndrom aus (E. 3.2.2, E. 3.2.
5
-3.2.
6
)
. RAD-Arzt Dr.
E._
hielt in seiner Stellungnahme vom 24. September 2018 zusammengefasst Bewegungs- und Belastungseinschränkungen der rechten und der linken Schulter sowie
eine Belastungseinschränkung
der Wirbelsäule
fest (E. 3.2.3
).
V
or diesem Hintergrund
ergeben sich
Anhaltspunkte für eine Ver
schlech
terung des somatischen Gesundheitszustandes
.
4.2
Aus psychiatrischer Sicht lässt sich den im Rahmen der vorliegenden Neuan
meldung aufgelegten Unterlagen die Diagnose einer Anpassungsstörung mit einer längeren depressiven Reaktion (ICD-10 F43.2) entnehmen (E. 3.2.1, E. 3.2.4). Die Ärzte der
Klinik C._
schlossen in ihrem Bericht vom 13. Dezember 2018 auf eine aus psychiatrischer Sicht allgemein reduzierte Belastbarkeit (E. 3.2.4). Auf der Befundebene hielten die Psychiater insbesondere leichtgradige
Auf
merk
samkeits
- und Konzentrationsstörungen sowie eine mittelgradig depressiv ent
gleiste Stimmungslage bei reduzierter Schwingungsfähigkeit mit einer deutlichen Ratlosigkeit im Affekt fest (Urk. 7/165/5, Urk. 7/174/2).
Anlässlich der psychiatrischen Begutachtung des
Beschwerdeführer
s im Jahr 2008 wurde lediglich eine leichtgradig gedrückte Stimmung ohne Krankheitswert festgehalten (E. 3.1). Die affektive Schwingungsfähigkeit war nicht wesentlich eingeschränkt, Aufmerksamkeit und Konzentration waren klinisch unauffällig (Urk. 7/127/34). Damit
ergeben
sich auch in psychiatrischer Hinsicht Hinweise auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes im Vergleich mit dem der Verfügung vom 9. Juni 2009 zugrundeliegenden medizinischen Sachverhalt.
4.3
Ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
sodann
im Zeitraum seit der Neuanmeldung vom 1
7.
Mai 2018 bis zum Erlass des hier angefochtenen Entscheids (zeitliche Grenze der gerichtlichen Überprüfungsbefugnis: BGE 130 V 445 E. 1.2, vgl. zum Wartejahr gemäss
Art.
28 Ab. 1
lit
. b IVG: abschliessende
Bemerkung unter E. 4.5
) in anspruchsrelevanter Weise verschlechtert hat, lässt sich gestützt auf die momentane Aktenlage nicht abschliessend beurteilen:
Am 31. März 2019 erlitt der
Beschwerdeführer
einen Unfall, als er beim Laufen aus dem Gleichgewicht geriet, mit dem Rücken gegen eine Betonwand prall
te und anschliessend direkt auf das
Gesäss stürzte
(Urk. 7/196/6, Urk. 7/196/38). Die daraufhin angefertigte Bildgebung (MRI LWS vom 11. April 2019 [Urk. 3/8], MS-CT Becken nativ [Urk. 3/7]) zeigte – gemäss der
übereinstimmenden
fachärzt
lichen Auswertung von Dr.
G._
und Dr.
H._
–
einen
mediolateralen
Bandscheibenvorfall rechts mit Kompression
der rechten S1-Wurzel (E. 3.2.7
-3.2.
8
).
Dr.
F._
führte am 17. April 2019 eine Infiltration
p
er
ir
adikulär
S1 rechts durch
und hielt daraufhin fest,
b
ei der Kontrolle des Kontrastmittels habe
sich
eine gute
Darstellung des Verlaufs der Nerven Höhe S1 rechts nach kaudal und cranial mit einem klaren Stopp, der auf die Kompression an dieser Stelle
schliessen
lasse, gezeigt
.
Bei ungenügendem Ansprechen auf die Infiltration müsse
eine neurochirurgische Expertise eingeholt werden, da die Kompression doch recht akzentuiert erscheine
(E. 3.2.9
).
Der aufgrund der erfolglosen Infiltration zu Rate gezogene Neurochirurg, Dr.
I._
, schloss daraufhin ebenfalls auf eine Diskushernie L5/S1 rechts nach caudal luxiert und erachtete bei fehlender Bes
serung ein operatives Vorgehen mit Mikrodiskektomie L5/S1 rechts als
allenfalls indiziert
(E. 3.2.10
).
Die gegenteilige Einschätzung des RAD
, wonach sich die Annahme einer Nerven
wurzelkompression und einer massgeblichen Ausfallsymptomatik nicht recht
fer
tige,
vermag
nicht zu überzeugen.
Dr.
E._
stützt
e
sich
bei seiner Einschätzung
insbesondere auf den Bericht von Dr.
F._
vom 21. Januar 2019, worin objektive Anhaltspunkte für eine L5- oder S1-Wurzelaffektion
noch
verneint
wurden
(E. 3.2.
5
)
, dies aber vor dem Unfall vom 31. März 2019 und der im Nachgang dazu ergangenen Bildgebung
.
Sodann
befasste
sich Dr.
F._
in seinem Bericht vom 21. Januar 2019
ausschliesslich mit
Affektionen
der linken Seite
der Wirbelsäule (Urk. 7/182)
, was Dr.
E._
ebenfalls verkannte
.
Die
neue
Bildgebung veranlasste
Dr.
F._
denn auch
dazu,
das Vorliegen
einer Diskus
hernie L5/S1 mit Kompression der Nervenwurzel S1
– nunmehr
rechts
–
in seinem Bericht vom 17. April 2019
– in Einklang mit Dr.
G._
und Dr.
H._
–
zu bejahen
.
Die Diskushernie mit Kompression der Nervenwurzel S1 korrespon
diert seines Erachtens sodann mit der dorsalen Schmerzsymptomatik des rechten Beines mit sensiblen Ausfallsymptomen der kleinen drei äusser
e
n Zehen des rechten Fusses.
Bekräftigend führte er an, dass es sich um e
ine klare Radiku
lopathie handle
. Durch die im Rahmen der Infiltration durchgeführte Kontrolle mittels Kontrastmittel
fanden sich sodann weitere objektive Anhaltspunkte für
das
Vorliegen einer Nervenwurzelkompression
(E. 3.2.9
).
Obwohl
ihm der Bericht
von Dr.
F._
vom 17. April 2019 vorgelegen hatte (vgl. Urk. 7/197/1),
setzte sich Dr.
E._
nicht mit
dessen
revidierten Beurteilung
auseinander.
Auch
eine eingehende Auseinandersetzung
mit der
Ausfallsymptomatik (E. 3.2.
7, E. 3.2.9-3.2.10
)
nahm
Dr.
E._
nicht
vor
,
zumal
er
diesbezüglich lediglich
festhielt, die Diagnose des sensiblen Ausfallsyndroms sei falsifiziert
(E. 3.
2.11
)
, was nach dem Gesagten nicht zutrifft
.
Dass Dr.
E._
– die Bedeutung des Rückenleidens rela
tivierend – ausführte, es
liege
kein fachneurologis
cher Befund vor (E. 3.2.11
)
,
ist
letztlich
darauf zurückzuführen, dass ihm die
neurochirurgische Beurteilung von Dr.
I._
vom 17. Mai 2019
nicht vorgelegen hat
(vgl. Urk. 7/197)
, worin dieser
ebenfalls
auf eine
Diskushernie L5/S1 sowie
eine neurologische Ausfallsympto
matik nach dem Unfall vom 31. März 2019
hingewiesen
hatte
(E. 3.2.1
0
)
.
4.4
Nach
dem Gesagten ergeben sich erhebliche Zweifel an der Aktenbeurteilung
von
RAD
-Arzt
Dr.
E._
, weshalb
darauf
nicht abgestellt werden kann. Auch die
weiteren medizinischen Berichte
erlauben
keine
abschliessende
Beurteilung
des Gesundheitszustandes des
Beschwerdeführer
s und insbesondere
auf
dessen Aus
wirkungen im hier interessierenden Zeitraum
,
zumal keine Einschätzung vorliegt, welche sowohl
den
somatischen
Entwicklungen
insbesondere
seit dem Unfall vom 31. März 2019 als auch den
psychischen
Leiden
Rechnung trägt
(vgl. insbe
sondere E. 3.2.2,
E. 3.2.6
,
E. 3.2.12, Urk. 3/5
)
.
Einzige aktuelle, auch den Folgen des Sturzes vom 3
1.
März 2019 Rechnung tragende Einschätzung der Leistungs
fähigkeit bildet
diejenige von
Dr.
D._
vom 1
1.
Juli 2019, in welcher er sich für eine 50-60%ige Arbeitsfähigkeit in einer körperlich angepassten Tätigkeit aussprach (E. 3.2.12). Dies begründete er aber im Wesentlichen unter Rückgriff auf seine Beurteilung im Bericht vom
4.
April 2019, in welchem er noch von einer 100%igen Restarbeitsfähigkeit aus orthopädischer Sicht ausgegangen war und seinen Schluss auf eine insgesamt doch nur 50%ige Arbeitsfähigkeit im Wesent
lichen fachfremd und damit nicht beweiskräftig mit der Adipositas und der kardiopulmonalen Einschränkung erklärte (E. 3.2.6).
Im Bereich der Psychiatrie fehlt es sodann gänzlich an einer fachärztlichen Einschätzung der Leistungs
fähigkeit (vgl. E. 3.2.1, E. 3.2.
4
).
Da
die aktuelle medizinische Aktenlage
vor diesem Hintergrund k
eine abschliessende Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers zu
lässt,
ist die
Sache zur Einholung eines polydiszi
plinä
ren (psychiatrisch, neurologisch
,
orthopädisch-rheumatologisch) Gutachtens
an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
Im Rahmen
der psychiatrischen Explo
ration sind dabei die Erfordernisse
des strukturierten Beweisverfah
rens nach
BGE 141 V 28
1
zu berücksichtigen und wird auch den
psychosoziale
n
Belastungsfak
toren Rechnung zu tragen sein.
Diese Erwägungen haben die Gutheissung der Beschwerde zur Folge.
4.5
Abschliessend hinzuweisen bleibt die Beschwerdegegnerin im Zusammenhang mit der Frage nach dem Verlauf des Gesundheitszustandes und der Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers seit der Neuanmeldung, welche im einzuho
lenden Gutachten ebenfalls zu beantworten sein wird, darauf, dass Bezugspunkt der für die Rentenentstehung relevanten Arbeitsunfähigkeit gemäss
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG einzig der
angestammte
Beruf, mithin vorliegend derjenige als Hilfsbohrmeister ist (BGE 130 V 97 E. 3.2 mit Hinweisen). Sofern sie im ange
fochtenen Entscheid die Auffassung vertrat (vgl.
Urk.
2 S. 2 erster Absatz), Anspruchserfordernis sei das Bestehen einer ab dem Zeitpunk
t der Neuanmeldung –
gleichsam «neu»
–
laufenden jährigen Wartezeit gemäss
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG, geht dies fehl. Es ist insoweit vielmehr erforderlich und hinreichend, dass im Zeitpunkt der rechtsgenüglich erwiesenen Verschlechterung des Gesundheits
zustandes
beziehungsweise
des festzusetzenden Rentenbeginns (vgl.
hiezu
: BGE 109 V 117 f. E. 4) das Wartejahr bestanden
ist
.
5.
5
.1
Die
Verfahrenskosten sind auf Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen
.
5
.2
Ausgangsgemäss steht dem
anwaltlich vertretenen Beschwerde
führer
gestützt auf Art. 61
li
t
.
g ATSG und § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes
über das Sozi
alver
sicherungsgericht (
GSVGer
)
eine Prozessentschädigung zu, welche ohne Rück
sicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
zu bemessen und auf Fr.
2'000.--
(inklusive Barauslagen und Mehr
wertsteuer) festzusetzen ist.