Decision ID: 6df830eb-7dff-4bd6-9064-7e9c013e2387
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
Betrug
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon, Einzelgericht, vom 21. Juni 2017 (GG170016)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 6. April 2017
(Urk. 23) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 38 S. 25 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Die Beschuldigte ist schuldig des Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB.
2. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu
Fr. 30.00 (insgesamt Fr. 2'700.00).
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre fest-
gesetzt.
4. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'500.00; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'500.00 Gebühr für das Vorverfahren.
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
5. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der Be-
schuldigten auferlegt.
6. (Mitteilung)
7. (Rechtsmittel)"
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung der Beschuldigten:
(Urk. 53 S. 1)
1. In Abänderung von Ziff. 1 des angefochtenen Urteils sei die Appellantin vom
Vorwurf des Betruges nach Art. 146 Abs. 1 StGB von Schuld und Strafe frei-
zusprechen.
2. In Aufhebung von Ziff. 2 und 3 des angefochtenen Urteils sei keine Sanktion
zu verhängen.
3. In Abänderung von Ziffern 4 und 5 des angefochtenen Urteils seien die Kos-
ten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens auf die Staatskasse
zu nehmen und der Appellantin für das erstinstanzliche Verfahren eine Pro-
zessentschädigung über CHF 7'635.00 zuzusprechen.
4. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien vollumfänglich auf die Staats-
kasse zu nehmen und die Appellantin sei für ihre zweitinstanzlichen Ver-
teidigungskosten angemessen zu entschädigen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(schriftlich, Urk. 44)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil der Vorinstanz vom
21. Juni 2017 wurde die Beschuldigte A._ anklagegemäss des Betrugs
schuldig gesprochen und mit einer Geldstrafe bestraft, wobei ihr der bedingte
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Strafvollzug gewährt wurde (Urk. 38 S. 25). Gegen diesen Entscheid liess die Be-
schuldigte durch ihren erbetenen Verteidiger mit Eingabe vom 21. Juni 2017 in-
nert gesetzlicher Frist Berufung anmelden (Art. 399 Abs. 1 StPO; Urk. 33). Die
Berufungserklärung der Verteidigung ging ebenfalls innert gesetzlicher Frist bei
der Berufungsinstanz ein (Art. 399 Abs. 3 StPO; Urk. 40). Die Anklagebehörde hat
mit Eingabe vom 4. Januar 2018 innert Frist – sinngemäss – mitgeteilt, dass auf
Anschlussberufung verzichtet wird (Urk. 44; Art. 400 Abs. 2 f. und Art. 401 StPO).
Beweisergänzungsanträge wurden im Berufungsverfahren nicht gestellt (Art. 389
Abs. 3 StPO; Urk. 40 und 44). Die Verteidigung hat die Berufung in ihrer Be-
rufungserklärung nicht beschränkt (Urk. 40; Art. 399 Abs. 4 StPO). Die Anklage-
behörde beantragt die Bestätigung des angefochtenen Entscheides (Urk. 44).
2. Demnach ist im Berufungsverfahren das gesamte vorinstanzliche Urteil an-
gefochten und in keinem Punkt in Rechtskraft erwachsen (vgl. Art. 404 StPO).
3. Zur heutigen Berufungsverhandlung erschienen die Beschuldigte in Be-
gleitung ihres Verteidigers (Prot. II S. 4). Vorfragen waren keine zu entscheiden
und – abgesehen von der Einvernahme der Beschuldigten (Urk. 52) – auch keine
Beweise abzunehmen (Prot. II S. 5). Das Urteil erging im Anschluss an die Beru-
fungsverhandlung (Prot. II S. 10 f.).
4. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten
Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies
in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit Er-
wähnung findet. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die
urteilende Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinanderset-
zen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141
IV 249 E. 1.3.1; BGE 139 IV 179 E. 2.2; BGE 138 IV 81 E. 2.2, je mit Hinweisen).
Die Berufungsinstanz kann sich somit auf die für ihren Entscheid wesentlichen
Punkte beschränken.
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II. Schuldpunkt
1. Der Beschuldigten A._ wird in der Anklageschrift der Anklagebehörde
vom 6. April 2017 zusammengefasst vorgeworfen, sie habe im Rahmen der Prü-
fung ihres bei der Stadt Dietikon gestellten Antrags auf Sozialhilfe gegenüber
den zuständigen Behörden wissentlich und willentlich verschwiegen, dass sie im
massgeblichen Zeitraum aus der Untervermietung ihrer Wohnung ein Einkommen
erzielt habe. Durch diese arglistige Täuschung der Behörden habe sie eine um
Fr. 2'900.– zu hohe Auszahlung von Sozialhilfegeldern erwirkt (Urk. 23 S. 2-4).
2. Im Verlauf der Untersuchung wurden (nebst der Beschuldigten als beschul-
digte Person, Urk. 5, 9, 15; Prot. I S. 6 ff.) diverse Personen als Zeugen zum
massgeblichen Sachverhalt einvernommen, nämlich
- B._ und C._, die mutmasslichen Untermieter der Beschuldigten
(Urk. 7, 8, 14/1 und 14/3)
- D._, die Kollegin der Beschuldigten und mutmassliche Vermittlerin des
Untermietverhältnisses (Urk. 14/2)
- E._, der tatzeitaktuelle Lebenspartner der Beschuldigten (Urk. 14/4)
- F._, eine Bekannte der Familie B._C._ (Urk. 14/5)
- die Polizeibeamten G._ und H._, die anlässlich eines Disputs zwi-
schen den B._C._s und der Beschuldigten zur Wohnung der Be-
schuldigten ausgerückt sind (Urk. 14/6-9) sowie
- die Mitarbeiter der Privatklägerin, I._ und J._, welche für den Sozi-
alhilfeantrag der Beschuldigten zuständig waren und in ihrer Wohnung einen
Hausbesuch gemacht haben (Urk. 14/10-11).
3. Bei keiner dieser Einvernahmen kam es zu einer Konfrontation zwischen der
Beschuldigten und den Zeuginnen und Zeugen (vgl. Art. 147 StPO). Entgegen
den Ausführungen der Beschuldigten (Urk. 52 S. 8 f.), wurden die Einvernahmen
sämtlicher Zeugen sowohl der Beschuldigten persönlich als auch ihrem erbetenen
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Verteidiger schriftlich angezeigt (Urk. 18/9-10 und 18/16-17). Zu den Einvernah-
men vom 27. September 2016 sind offenbar sowohl Beschuldigte und Verteidiger
unentschuldigt nicht erschienen (vgl. die Rubra der jeweiligen Einvernahme-
protokolle). Nach der Anzeige der Einvernahmen vom 15. und 23. November
2016 monierte der Verteidiger, dass ihm eine Teilnahme an den Einvernahmen
vom 23. November 2016 nicht möglich sein werde (Urk. 18/18). Im Folgenden
verzichtete der Verteidiger dann jedoch auf eine Teilnahme (Urk. 18/19). Die Be-
schuldigte ist offenbar auch zu diesen Einvernahmen unentschuldigt nicht er-
schienen. Der Verteidigung wurden anschliessend sämtliche Einvernahmeproto-
kolle zugesandt (Urk. 18/23). Diese verlangte keine Weiterungen (vgl. Urk. 16).
Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung erklärte der Verteidiger, dass aus
Kostengründen auf eine Teilnahme an den Zeugeneinvernahmen verzichtet wor-
den sei (Prot. II S. 6).
Entsprechend wurden die Teilnahmerechte der Beschuldigten nicht verletzt und
sämtliche Einvernahmen sind auch gegen die Beschuldigte prozessual verwert-
bar, soweit diese darin überhaupt belastet wird.
4. Die Vorinstanz hat die Aussagen sämtlicher vorstehend genannter Personen
ausführlich wiedergegeben, worauf vorab verwiesen wird (Urk. 38 S. 7-16).
5. Mit der Vorinstanz ist vorliegend nicht strittig, dass B._ und C._
sowie ihr gemeinsames Kind für eine bestimmte Dauer in den Monaten Septem-
ber und Oktober 2015 in der Wohnung an der K._-Strasse ... in ... Dietikon
wohnten, deren Hauptmieterin zu dieser Zeit die Beschuldigte war. Nicht bestrit-
ten ist ferner, dass die Beschuldigte während der genannten Monate Sozialhilfe in
der Höhe von insgesamt Fr. 3'590.35 bezog und gegenüber der Sozialbehörde
nicht angab, dass sie in dieser Zeit hauptsächlich bei ihrem Freund lebte und ihre
Wohnung dem Ehepaar B._C._ und deren Kind überliess (Urk. 38 S. 4).
Die Vorinstanz hat richtig erkannt, dass vorliegend primär bestritten und zu erstel-
len ist, ob die Beschuldigte ihre Wohnung gegen Entgelt untervermietet oder
vielmehr den B._C._s kostenlos zur Verfügung gestellt hat.
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6. Die Verteidigung hat im Berufungsverfahren ihre bereits im Hauptverfahren
deponierte Argumentation wiederholt und auch konkret darauf verwiesen (Urk. 53;
Urk. 40 S. 2 f. m.V.a. Urk. 30). Damit hat sich weitgehend bereits die Vorinstanz
zutreffend auseinander gesetzt (Urk. 38).
7.1. Der Anklagevorwurf stützt sich namentlich auf die Aussagen von B._
und C._: Diese haben in ihren Einvernahmen erst als Auskunftspersonen
und anschliessend als Zeugen jeweils übereinstimmend ausgesagt, sie hätten der
Beschuldigten sowohl Anfang September wie Anfang Oktober 2015 einen Miet-
zins von Fr. 1'450.– übergeben (Urk. 7 S. 2; Urk. 8 S. 1; Urk. 14/1 S. 3 f.;
Urk. 14/3 S. 3).
7.2. Die Angaben der B._C._s weisen mit der Verteidigung (Urk. 53
S. 2 ff.) wohl gewisse Ungereimtheiten auf, jedoch vor allem auch zahlreiche auf-
fällige Detail-Schilderungen, was sie zum vorliegend zentralen Punkt der Mietzins-
frage glaubhaft und damit überzeugend macht: So schildert B._, sie habe die
Septembermiete in zwei Tranchen bezahlt, den zweiten Teil erst, nachdem sie ih-
ren ersten Lohn erhalten habe. Die B._C._s behaupten auch nicht, sie
könnten gegenseitig die Mietzinsübergaben bezeugen, sondern schildern viel-
mehr, die erste Miete sei durch B._ und die zweite durch C._ in der
Wohnung des Freundes der Beschuldigten übergeben worden, wobei der jeweils
andere nicht dabei gewesen sei. Dass C._ sich nicht mehr an den genauen
Betrag erinnern konnte, was er auch unumwunden zugab, spricht mit der Vo-
rinstanz gegen eine Absprache der B._C._s. Die Vorinstanz erwägt
auch völlig zurecht, allein die Tatsache, dass die B._C._s die genaue
Höhe des tatsächlichen, durch die Beschuldigten geschuldeten Mietzins kannten
(vgl. Urk. 4/7), indiziere, dass sie selber diesen auch bezahlt hätten. Hätte die Be-
schuldigte der B._ die Wohnung zinslos überlassen, hätten die
B._C._s die Höhe des Zinses gar nicht kennen müssen. Weshalb die
B._C._s für die Zinszahlungen keine Quittungen vorlegen können, ha-
ben sie detailliert erklärt: Die Beschuldigte habe eine Banküberweisung verwei-
gert, auf einer Bargeldzahlung bestanden und keine schriftlichen Belege gewollt,
was vor dem aktuellen Tatvorwurf auch sofort nachvollziehbar ist. C._ hat
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dazu wieder nachvollziehbar geschildert, er wisse nicht mehr genau, ob er auf ei-
ner Quittung insistiert habe; er glaube nicht; er habe aber jedenfalls die Situation
mit der Beschuldigten nicht eskalieren lassen wollen (Urk. 14/3 S. 3). Da die
B._C._s ohne die Mietgelegenheit in der Wohnung der Beschuldigten
auf der Strasse gestanden hätten, ist dies auch plausibel. Anschaulich ist
schliesslich die übereinstimmende Schilderung der B._C._s, sie seien
durch die Beschuldigte angehalten worden, sich an jenem Tag, welcher sich als
Besuchstermin der Vertreter der Privatklägerin erwies, nicht in der Wohnung der
Beschuldigten aufzuhalten und vorgängig die persönlichen Gegenstände von
C._ wegzuräumen.
7.3. Massiv gestützt werden die Aussagen der B._C._s durch den Um-
stand, dass sie keinerlei nachvollziehbares Motiv aufweisen, die Beschuldigte
falsch zu belasten. Den Gegenwert für den durch sie – behaupteterweise – be-
zahlten Mietzins haben sie erhalten: Sie haben in den Monaten September und
Oktober 2015 die Wohnung der Beschuldigten benutzt. Die B._C._s ha-
ben nie geltend gemacht, sie seien durch die Beschuldigte übervorteilt worden
respektive sie hätten noch finanzielle Ansprüche gegen die Beschuldigte. Ange-
zeigt wurde die Beschuldigte nicht durch die B._C._s, sondern vielmehr
durch die Privatklägerin (Urk. 3), die zwar auch durch eine Bekannte der
B._C._s, F._, angeschrieben worden war (Urk. 4/5), jedoch bereits
vorher aufgrund eigener Feststellungen Verdacht geschöpft hatte (Urk. 4/3).
F._ hat die Beschuldigte auch als Zeugin belastet (Urk. 14/5). Wenn die Be-
schuldigte zu einem möglichen Motiv für eine Falschbelastung durch F._ an-
gibt, sie habe der F._ – sinngemäss – einmal einen Mann weggeschnappt
(Urk. 15 S. 4), mutet dies sehr konstruiert an. Auf die schriftlichen Belastungen
und Zeugenaussagen von F._ (Urk. 4/5 und 14/5) muss aber zur zentralen
Frage, ob Mietzins bezahlt worden ist, gar nicht entscheidend abgestellt werden,
da sie ohnehin nicht selbst Erlebtes, sondern nur Gehörtes wiedergeben kann.
Indem die Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung neu erzählt, die
B._C._s hätten diese Lügengeschichte aus Rache erfunden, weil sie
ihnen die Wohnung nicht für längere Zeit überlassen habe (Urk. 52 S. 6), so ist
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dies offensichtlich eine reine Mutmassung und hält nicht Stand vor dem Hinter-
grund der vorliegend relevanten Geschehnisse. Vielmehr bestärkt das Vorgehen
der Eheleute B._C._ und auch die Handlungen der Beschuldigten den
Anklagesachverhalt: Dass die Beschuldigte schliesslich mit Schlüsseldienst und
Polizei in der Wohnung aufgekreuzt ist, lässt darauf schliessen, dass sich die
Eheleute B._C._ gegen die Beschuldigte zur Wehr gesetzt haben.
Wenn sie, wie es die Beschuldigte weis machen will, nur gratis und aufgrund ei-
nes vorübergehenden freundschaftlichen Dienstes in der Wohnung hätten woh-
nen dürfen, hätten die Eheleute B._C._ sich kaum derart gegen einen
drohenden Rausschmiss gewehrt, als dass die Anwesenheit eines Schlüssel-
dienstes und der Polizei erforderlich gewesen wäre. Einzig nachvollziehbarer
Schluss ist, dass sich die Eheleute B._C._ derart gewehrt haben, weil
sie zumindest bis Ende Oktober Mietzins bezahlt haben und deshalb, auch recht-
lich nachvollziehbar, die Wohnung nicht bereits zuvor verlassen wollten.
7.4. Die Darstellung der Beschuldigten, sie sei von einer Bekannten, D._,
auf die Wohnungsnot von B._ aufmerksam gemacht worden und habe der –
ihr persönlich völlig unbekannten – B._ anschliessend umgehend ihre Woh-
nung überlassen, ohne dafür etwas zu verlangen, ist in keiner Weise lebensnah:
Niemand räumt einfach ohne Not seine Wohnung und überlässt sie einer Wild-
Fremden, noch dazu völlig gratis. Dass dies auch in Russland nicht anders ist,
gab schliesslich auch die Beschuldigte zu; man mache das für Freunde und Be-
kannte (Urk. 52 S. 8). Dass D._, wie erwähnt eine Kollegin der Beschuldig-
ten, dies zu stützen versucht, indem sie schildert, sie habe B._ weinend und
obdachlos am Bahnhof Dietikon kennengelernt und ihr sofort die Wohnung der
Beschuldigten als kostenfreie Unterkunft organisiert (Urk. 14/2 S. 2), macht die
Behauptung nicht glaubhafter. Auch die Aussage von E._, dem tatzeit- und
aussagezeit-aktuellen Partner der Beschuldigten, entlastet diese nicht: Nachdem
er die B._C._s als Zeuge erst überhaupt nicht kennen wollte, hatte er
diese dann doch einmal gesehen, aber nicht verstanden. Im weiteren lavierte er
zu sämtlichen konkreten Fragen und insbesondere zum Vorhalt, er sei dabei ge-
wesen, als die B._C._s in seiner Wohnung den Mietzins übergeben hät-
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ten (Urk. 14/4 S. 3). Die Darstellung von E._ erweist sich genauso als Gefäl-
ligkeitsaussage wie diejenige von D._.
7.5. Im Rahmen der Prüfung ihres Sozialhilfeantrags erhielt die Beschuldigte am
21. September 2015 Besuch von zwei Vertretern der Privatklägerin, I._ und
J._. In der Falldokumentation der Privatklägerin wurde dazu notiert, die
Wohnung sei dermassen provisorisch möbliert, dass der Eindruck entstehe, die
Sozialbehörden sollten hintergangen werden (Urk. 4/3). Dies wurde durch die bei-
den Beamten I._ und J._ auch als Zeugen bestätigt (Urk. 14/10 und
14/11). J._ habe der Beschuldigten konkret vorgehalten, ob sie wirklich hier
wohne, was die Beschuldigte ausdrücklich bejaht habe (Urk. 14/11 S. 2).
Eine spartanische Einrichtung der Wohnung der Beschuldigten ist damit erstellt.
Dies allein würde die Beschuldigte im konkreten Tatvorwurf noch nicht über-
führen: Es wäre noch erklärbar, dass die Beschuldigte ihre Wohnung nur karg ein-
richtet, wenn sie vornehmlich in der nahegelegenen Wohnung ihres damaligen
Freundes wohnt. Dies könnte sogar indizieren, dass es ihr dadurch leichter gefal-
len wäre, ihre Wohnung Dritten zu überlassen. Solches hat die Beschuldigte aber
gerade nicht konsequent geltend gemacht: Gegenüber den Sozialbehörden sagte
sie ausdrücklich, sie bewohne die Wohnung dauernd (und ausschliesslich); im
Strafverfahren behauptet sie immerhin, auch während der Anwesenheit von
B._ regelmässig in ihrer Wohnung übernachtet zu haben (Prot. I S. 7).
Aus den Feststellungen der Vertreter der Privatklägerin ergibt sich – belastend –
immerhin, dass die Beschuldigte falsche Angaben gemacht hat. Das wider-
sprüchliche Aussageverhalten der Beschuldigten ist auch leicht nachvollziehbar:
Gegenüber den Sozialbehörden musste sie angeben, dauernd und allein in der
Wohnung zu leben, da sie sich sonst dem Vorwurf ausgesetzt hätte, für einen un-
nötigen Mietzins Unterstützung zu verlangen. Im Strafverfahren hätte die Aus-
sage, die Wohnung nicht mindestens teilweise selber zu benützen, darauf hinge-
deutet, dass bei einem kompletten Überlassen an Dritte realistischerweise auch
mit einer Mietzinszahlung des neuen Bewohners zu rechnen ist. Ihre lebensfrem-
de Behauptung, sie habe die Wohnung der ihr unbekannten B._ unentgeltlich
überlassen, versuchte sie dahingehend plausibel zu machen, sie habe die Woh-
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nung auch persönlich weiter benützt. Ins Bild passt ferner, dass die Beschuldigte
bereits nach kurzer Zeit auf die weitere Ausrichtung von Sozialhilfe verzichtete mit
der Begründung, sie fühle sich nicht wohl dabei (Urk. 4/4 S. 2). Wie seitens der
Privatklägerin dazu überzeugend ausgeführt wurde, passt dies erfahrungsgemäss
zu einem Bezüger, welcher "Angst hat, dass man auffliegt, dass man unrecht-
mässig Sozialhilfe bezieht" (Urk. 14/11 S. 3).
7.6. Immerhin bemerkenswert ist abschliessend, dass die Beschuldigte zu keiner
der Zeugeneinvernahmen erschien und es damit vermied, den sie belastenden
Personen zu begegnen, obwohl ihr das die Möglichkeit eröffnet hätte, diese direkt
mit dem Vorwurf der – behaupteterweise – falschen Anschuldigung zu konfron-
tieren und auch Ergänzungsfragen zu stellen.
7.7. Die beiden Polizeibeamten G._ und H._ – dies nur der Voll-
ständigkeit halber – konnten als Zeugen nichts Sachdienliches zur Erhellung der
massgeblichen Frage, ob die Beschuldigte von den B._C._s einen Miet-
zins einstrich, beitragen (Urk. 14/6 und Urk. 14/8). Dies hat bereits die Vorinstanz
richtig erkannt (Urk. 38 S. 14).
7.8. Zusammengefasst ist mit der Vorinstanz und entgegen der Verteidigung auf
die im entscheidenden Punkt überzeugenden Aussagen der B._C._s
abzustellen und sind die lebensfremden Schutzbehauptungen der Beschuldigten
und die diese – vermeintlich – stützenden Gefälligkeitsaussagen der Kollegin
D._ und des Lebenspartners E._ zu verwerfen. Damit ist zweifelsfrei er-
stellt, dass die Beschuldigte von den B._C._s für die Monate September
und Oktober 2015 insgesamt Fr. 2'900.– Mietzins erhalten und dies gegenüber
der Privatklägerin verschwiegen hat.
8. Zur rechtlichen Würdigung hat die Vorinstanz ausführlich und zutreffend er-
wogen, dass die Beschuldigte wissentlich und willentlich die Vertreter der Privat-
klägerin arglistig darüber getäuscht hat, dass sie im massgeblichen Tatzeitraum
ein Mietzinseinkommen von Fr. 2'900.– erzielte, was dazu führte, dass sie in die-
sem Umfang zu viel Sozialhilfe erhielt und somit unrechtmässig bereichert respek-
tive die Privatklägerin am Vermögen geschädigt wurde (Urk. 38 S. 18-22; Art. 146
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Abs. 1 StGB). Der von der Verteidigung im Berufungsverfahren platzierte Hinweis
auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach die Verletzung einer gesetz-
lichen Meldepflicht bei veränderten Verhältnissen für den Tatbestand des Be-
truges nicht tatbestandsmässig sei (Urk. 53 S. 11), ist zwar zutreffend, hilft der
Beschuldigten im vorliegenden Fall jedoch in keiner Weise. Das Bundesgericht
führte in dem von der Verteidigung erwähnten BGE 140 IV 11 nachvollziehbar
aus, es sei auszuschliessen, dass die blosse Verletzung der Meldepflicht eo ipso
Betrug sein kann. Denn die Strafbestimmungen in den Spezialgesetzen
(z.B. AHVG, IVG, ELG, etc.) hätten keinen Sinn bzw. wären überflüssig, wenn
man aus der Meldepflicht nach Art. 31 Abs. 1 ATSG eine Garantenpflicht ableiten
und die blosse Verletzung der Meldepflicht als Betrug qualifizieren wollte. Über
die Verletzung der Meldepflicht hinaus müssten deshalb weitere Umstände hinzu-
kommen (BGE 140 IV 11 E. 2.4.6). Dies ist vorliegend klar der Fall. Wie die Zeu-
gin B._ glaubhaft ausgeführt hat, hat sie der Beschuldigten den ersten Teil
des ersten Mietzinses (Fr. 1'000.–) am 8.oder 9. September 2015 übergeben
(Urk. 7 S. 2). Am 16. September 2015, mithin knapp eine Woche später, hat die
Beschuldigte persönlich bei der Privatklägerin angegeben, alleine an der
K._-Strasse ... in Dietikon zu einem Mietzins von Fr. 1'450.– zu wohnen
(Urk. 4/2). Damit hat die Beschuldigte aktiv eine Falschdeklaration gemacht; sie
gab wider besseres Wissens an, alleine in der Wohnung zu wohnen, obschon sie
gar nicht da wohnte und für die Untermiete bereits einen Mietzins einkassiert hat-
te. Dieses Vorgehen ist rechtlich deshalb klar als qualifiziertes Schweigen und
Deklarieren falscher Tatsachen der Beschuldigten zu qualifizieren. Der angefoch-
tene Schuldspruch ist deshalb zu bestätigen.
III. Sanktion
1. Am 19. Juni 2015 beschloss die Bundesversammlung diverse Änderungen
des Allgemeinen Teils des Strafgesetzbuches (AS 2016 1249 ff.), welche gemäss
Mitteilung des Bundesrates vom 29. März 2016 auf den 1. Januar 2018 in Kraft
gesetzt wurden. Die dadurch erfolgte Revision des Sanktionenrechts hat vorlie-
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gend auf die Sanktionsandrohung in Art. 146 Abs. 1 StGB und die damit einher
gehende Möglichkeit der Ausfällung einer Geldstrafe Auswirkung.
Denn da die mit der Revision vorgenommenen Änderungen primär den Anwen-
dungsbereich der Geldstrafe betreffen bzw. einschränken (Wegfall des teilbeding-
ten Vollzugs, Verkürzung der maximalen Anzahl Tagessätze auf 180, Festlegung
einer Tagessatzuntergrenze) bzw. die Wiedereinführung der kurzen Freiheitsstra-
fen (bis sechs Monate) mit sich bringen, was gegenüber dem bisherigen Recht
kaum als mildere Massnahmen qualifiziert werden kann (vgl. Art. 2 Abs. 2 StGB),
ist im Folgenden von der weiteren Anwendbarkeit des alten Sanktionenrechts
(Art. 34 aStGB) auszugehen. Dies insbesondere auch deshalb, weil die Beschul-
digte als Sozialhilfeempfängerin aufgrund des neu eingeführten Art. 41 Abs. 1
lit. b StGB, wonach das Gericht statt auf eine Geldstrafe auf eine Freiheitsstrafe
erkennen kann, wenn eine Geldstrafe voraussichtlich nicht vollzogen werden
kann, nach neuem Recht kaum mit der Ausfällung der im Gegensatz zur Frei-
heitsstrafe als milder geltenden Geldstrafe rechnen könnte.
2. Die Vorinstanz hat die Beschuldigte mit einer Geldstrafe von
90 Tagessätzen zu Fr. 30.– bestraft (Urk. 38 S. 25). Die Verteidigung hat sich im
Berufungsverfahren in keiner Weise kritisch mit der vorinstanzlichen Strafzu-
messung auseinander gesetzt (Urk. 40; Urk. 53). Im Hauptverfahren wurde
– eventualiter – noch kürzest und ohne jegliche Begründung eine Strafe von
30 Tagessätzen Geldstrafe zu Fr. 30.– verlangt (Urk. 30 S. 10).
3. Die Vorinstanz hat den anwendbaren Strafrahmen korrekt bemessen und
die notwendigen theoretischen Ausführungen zur Strafzumessung gemacht
(Urk. 38 S. 22 f.). Darauf wird verwiesen.
4. Zur Tatkomponente hat die Vorinstanz zutreffend erwogen, die Deliktssum-
me sei noch gering und die Deliktsdauer noch kurz gewesen; die Beschuldigte
habe noch nicht raffiniert, aber doch planmässig gehandelt und eine soziale Insti-
tution geschädigt. Das Motiv sei rein finanzieller Natur und damit egoistisch ge-
wesen (Urk. 38 S. 23).
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Das Ansetzen einer hypothetischen Einsatzstrafe nach der Beurteilung der Tat-
komponente hat die Vorinstanz unterlassen (vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.4. ff.). Wenn
sie anschliessend – vorab: Im Resultat zutreffend – die Täterkomponente als
"weder belastend noch entlastend" taxiert und eine Strafe von 90 Tagessätzen
Geldstrafe bemessen hat (Urk. 38 S. 23), lässt dies darauf schliessen, dass die
gedankliche Einsatzstrafe nach Beurteilung der Tatkomponente 90 Tagessätze
Geldstrafe betrug. Dies ist zwar eher milde, jedoch zu übernehmen.
5. Zur Täterkomponente hat die Vorinstanz den Werdegang und die persön-
lichen Verhältnisse der Beschuldigten angeführt (Urk. 38 S. 23). An der Beru-
fungsverhandlung wurde ergänzt, dass sie nun zwischen Fr. 1'000.– und
Fr. 1'500.– pro Monat verdiene, nach wie vor als Pflegehelferin bei der L._.
Die Sozialhilfe übernehme die Wohnungsmiete von Fr. 1'580.– sowie die Kosten
der Kindertagesstätte von monatlich Fr. 530.–. Sobald geklärt sei, welche Unter-
haltsbeiträge sie vom Vater der Tochter erhalte, würde die Sozialhilfeunterstüt-
zung entsprechend gestoppt (Urk. 52 S. 4).
Die persönlichen Verhältnisse wiegen in der Tat strafzumessungsneutral. Eine
gesteigerte Strafempfindlichkeit weist die Beschuldigte nicht auf. Eine Strafminde-
rung aufgrund eines positiven Nachtatverhaltens kann die Beschuldigte nicht re-
klamieren: Sie bestreitet den Tatvorwurf nach wie vor hartnäckig und zeigt keiner-
lei Eichsicht oder gar Reue. Die Vorinstanz hat erwogen, die zum Zeitpunkt ihrer
Urteilsfällung noch im Strafregister eingetragenen zwei Vorstrafen würden zu kei-
ner Straferhöhung führen, da diese nicht einschlägig seien (Urk. 38 S. 23). Der
Entscheid war im Resultat richtig (da es sich noch nicht um schwerwiegende Ver-
fehlungen handelte und diese bereits lange zurück lagen; vgl. Urk. 22/1), in der
Begründung jedoch falsch: Auch nicht-einschlägige Vorstrafen können auf eine
Geringschätzung der Rechtsordnung durch den Täter schliessen lassen und sind
zu berücksichtigen (BGE 136 IV 1 E. 2.6.2.). Der aktuelle Strafregisterauszug
weist jedoch keine Einträge mehr auf (Urk. 51; vgl. noch Urk. 39), weshalb die
Beschuldigte heute als Ersttäterin zu behandeln ist, was strafzumessungsneutral
wirkt (BGE 136 IV 1 E. 2.6.3.).
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6. Die Täterkomponente führt im Resultat mit der Vorinstanz weder zu einer
Erhöhung noch zu einer Reduktion der nach der Beurteilung der Tatkomponente
bemessenen hypothetischen Einsatzstrafe.
Da auch die bemessene Höhe des Tagessatzes von Fr. 30.– einerseits gemessen
an den aktuellen persönlichen Verhältnissen der Beschuldigten vertretbar ist
(vgl. Urk. 48; Art. 34 Abs. 2 StGB) und im übrigen auch dem Eventualantrag der
Verteidigung entspricht, ist die angefochtene Strafe zu bestätigen.
7. Die Vorinstanz hat der Beschuldigten den bedingten Strafvollzug gewährt,
was schon aufgrund des prozessualen Verbots der reformatio in peius zu bestäti-
gen ist (Art. 391 Abs. 2 StPO).
Da die Beschuldigte heute wie erwogen als Ersttäterin zu behandeln ist, lässt sich
eine Probezeit über dem gesetzlichen Minimum nicht mehr begründen (Art. 44
Abs. 1 StGB). Die Probezeit ist daher auf 2 Jahre festzusetzen.
IV. Kosten
1. Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Kostenregelung zu bestätigen
(Art. 426 StPO).
2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.– festzu-
setzen.
3. Im Berufungsverfahren unterliegt die appellierende Beschuldigte mit ihren
Anträgen weitestgehend. Daher sind ihr auch die Kosten dieses Verfahrens auf-
zuerlegen (Art. 428 StPO). Einzig die Reduktion der Probezeit von drei auf zwei
Jahre rechtfertigt noch keine andere Kostenregelung.
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