Decision ID: 3a04ed5d-94a2-45fd-b80c-1a547869ea22
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X erwarb am 2. Dezember 1974 den Führerausweis für die Fahrzeugkategorie B.
Am Donnerstag, 10. Dezember 2015, um 08.20 Uhr bog er in Niederuzwil von der
Felseggstrasse in die Brumoosstrasse Richtung Uzwil nach rechts ab. Dabei schnitt er
A, der mit seinem Mofa auf dem Radweg in dieselbe Richtung unterwegs war, den Weg
ab. In der Folge prallte A mit dem Mofa frontal gegen den rechten hinteren Kotflügel
des Personenwagens von X. Mit Strafbefehl vom 3. Februar 2016 wurde X der
einfachen Verletzung von Verkehrsregeln schuldig gesprochen und zu einer Busse von
Fr. 300.– verurteilt. Mit Verfügung vom 8. März 2016 entzog ihm das
Strassenverkehrsamt aufgrund des Vorfalls vom 10. Dezember 2015 den
Führerausweis für sämtliche Kategorien, mit Ausnahme der Spezialkategorien G und M,
für die Dauer eines Monats. Die Verwaltungsrekurskommission wies mit Entscheid
IV-2016/42 vom 4. Juli 2016 einen dagegen erhobenen Rekurs ab. X gelangte
anschliessend ans Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen, das seine Beschwerde
mit Zirkulationsentscheid B 2016/163 vom 18. Oktober 2017 abwies. Am 15. November
2017 erhob X gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts vom 18. Oktober 2017
Beschwerde beim Bundesgericht, welches mit Urteil 1C_625/2017 vom 24. November
2017 auf die Beschwerde nicht eintrat.
B.- Mit Schreiben vom 28. Dezember 2017 teilte das Strassenverkehrsamt X mit, dass
aufgrund seiner Schilderungen in der Beschwerde an das Bundesgericht vom
15. November 2017 Zweifel an seiner Fahreignung bestünden. Es stellte eine
verkehrsmedizinische Untersuchung in Aussicht und gewährte X das rechtliche Gehör.
Dieser nahm dazu am 5. Januar 2018 Stellung. Mit Zwischenverfügung vom 22. Januar
2018 ordnete das Strassenverkehrsamt eine verkehrsmedizinische Untersuchung beim
Institut für Rechtsmedizin (IRM) am Kantonsspital St. Gallen an.
C.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe vom 31. Januar 2018 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem sinngemässen Antrag, die Zwischenverfügung
des Strassenverkehrsamts vom 22. Januar 2018 sei aufzuheben. Das
Strassenverkehrsamt verzichtete am 21. Februar 2018 auf eine Vernehmlassung zum
Rekurs.
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Auf die Ausführungen des Rekurrenten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 31. Januar 2018 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekurs ist umstritten, ob die Vorinstanz zu Recht an der Fahreignung des
Rekurrenten zweifelte und mit der angefochtenen Zwischenverfügung eine
verkehrsmedizinische Untersuchung anordnete.
a) Eine Grundvoraussetzung für die Erteilung des Führerausweises ist neben der
Fahrkompetenz die Fahreignung (Art. 14 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes, SR
741.01, abgekürzt: SVG). Dieser Begriff umschreibt die körperlichen und geistigen
Voraussetzungen, um ein Fahrzeug im Strassenverkehr sicher lenken zu können. Die
Fahreignung muss grundsätzlich dauernd vorliegen (BGE 133 II 384 E. 3.1). Gemäss
Art. 14 Abs. 2 SVG verfügt über Fahreignung, wer das Mindestalter erreicht hat (lit. a),
die erforderliche körperliche und psychische Leistungsfähigkeit zum sicheren Führen
von Motorfahrzeugen hat (lit. b), frei von einer Sucht ist, die das sichere Führen von
Motorfahrzeugen beeinträchtigt (lit. c), und wer nach seinem bisherigen Verhalten
Gewähr bietet, als Motorfahrzeugführer die Vorschriften zu beachten und auf die
Mitmenschen Rücksicht zu nehmen (lit. d).
Ausweise und Bewilligungen sind zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die
gesetzlichen Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16
Abs. 1 SVG). Art. 16d SVG regelt den Führerausweisentzug wegen fehlender
Fahreignung. Danach werden der Lern- oder Führerausweis einer Person unter
anderem dann auf unbestimmte Zeit entzogen, wenn ihre körperliche und geistige
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Leistungsfähigkeit nicht oder nicht mehr ausreicht, ein Motorfahrzeug sicher zu führen
(Abs. 1 lit. a). Darunter fallen alle die Fahreignung ausschliessenden medizinischen und
psychischen Gründe (BGE 133 II 384 E. 3.1; BBl 1999 S. 4491). Die exakte Diagnose
einer Krankheit oder eines Gebrechens wird für den Sicherungsentzug nicht
vorausgesetzt; entscheidend ist, ob aufgrund der körperlichen oder psychischen
Leistungsfähigkeit die Fahreignung ausgeschlossen ist (Verkehrssicherheitsrelevanz).
Die Leistungsunfähigkeit muss dabei von einer gewissen Dauer sein. Die körperliche
Leistungsfähigkeit bezieht sich auf die rein physische Fähigkeit, ein Fahrzeug sicher zu
führen. Demgegenüber sind mit psychischer Leistungsfähigkeit die für den
Strassenverkehr relevanten kognitiven Hirnleistungsfunktionen gemeint (vgl. BSK SVG-
Rütsche/D’Amico, Basel 2014, Art. 16d N 40 ff.). Die Fahreignung kann auch durch das
Zusammenspiel verschiedener derartiger Beeinträchtigungen entfallen, selbst wenn die
einzelnen Faktoren für sich genommen keine fehlende Fahreignung zu begründen
vermöchten (Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen
2015, Art. 16d N 19). Weil der Sicherungsentzug tief in den Persönlichkeitsbereich des
Betroffenen eingreift, sind in jedem Fall und von Amtes wegen die persönlichen
Verhältnisse genau abzuklären. Das Ausmass der notwendigen behördlichen
Nachforschungen, namentlich die Frage, ob ein medizinisches Gutachten eingeholt
werden soll, richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls und liegt im
pflichtgemässen Ermessen der Entzugsbehörde (Weissenberger, a.a.O., Art. 16d N 3).
Bestehen Zweifel an der Fahreignung einer Person, so wird diese einer
Fahreignungsuntersuchung unterzogen (Art. 15d Abs. 1 SVG). Absatz 1 von Art. 15d
SVG nennt in den lit. a bis e beispielhaft die fünf wichtigsten Fälle, die Zweifel an der
Fahreignung begründen und deren Abklärung in der Regel obligatorisch machen, und
zwar bei Fahren in angetrunkenem Zustand mit einer Blutalkoholkonzentration von
1,6 Gewichtspromille oder mehr oder mit einer Atemalkoholkonzentration von 0,8 mg
Alkohol oder mehr (lit. a), Fahren unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln oder bei
Mitführen von Betäubungsmitteln, welche die Fahrfähigkeit stark beeinträchtigen oder
ein hohes Abhängigkeitspotenzial aufweisen (lit. b), Verkehrsregelverletzungen, die auf
Rücksichtslosigkeit schliessen lassen (lit. c), der Meldung einer IV-Stelle nach Art. 66c
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (SR 831.20; lit. d) oder der
Meldung eines Arztes, dass eine Krankheit vorliege, die das sichere Führen von
Motorfahrzeugen ausschliesst (lit. e). Die Liste in Art. 15d Abs. 1 SVG ist nicht
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abschliessend (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_445/2012 vom 26. April 2013 E.
3.2; BBl 2010 S. 8500). Sofern kein Sondertatbestand nach Art. 15d Abs. 1 lit. a bis e
SVG vorliegt, kann eine Fahreignungsuntersuchung auch gestützt auf die
Generalklausel in Abs. 1 angeordnet werden. Die Behörden dürfen somit auch eine
Fahreignungsabklärung anordnen, wenn kein Grund nach lit. a bis e vorliegt. Anlass für
die Abklärung der Fahreignung können deshalb grundsätzlich alle Hinweise auf eine
Einschränkung der körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit geben, und zwar
unabhängig davon, ob sie einen Bezug zum Strassenverkehr aufweisen oder nicht. So
verhält es sich etwa bei einer Verlangsamung der Reaktionen (vgl. etwa BGer 6A.
17/2006 vom 12. April 2006), bei geistigen Absenzen oder bei Krankheiten wie
Epilepsie, Diabetes, Alzheimer, Parkinson, Schizophrenie und dergleichen
(Weissenberger, a.a.O., Art. 15d N 53). Ein verkehrsmedizinisches Gutachten drängt
sich immer dann auf, wenn hinreichend konkrete Anhaltspunkte vorliegen, die
ernsthafte Zweifel an der Fahreignung des Betroffenen aufkommen lassen (BGer
1C_445/2012 vom 26. April 2013 E. 3.2).
b) Die Vorinstanz hält in der angefochtenen Verfügung fest, dass aufgrund der
Schilderungen in der Beschwerde des Rekurrenten vom 15. November 2017 an das
Bundesgericht Zweifel an dessen Fahreignung bestünden. Von einer Überprüfung der
Fahreignung könne nicht abgesehen werden, weshalb eine verkehrsmedizinische
Untersuchung anzuordnen sei.
Der Rekurrent bringt demgegenüber vor, er habe in der Beschwerde an das
Bundesgericht die objektive Wahrheit über den Vorfall vom 10. Dezember 2015,
welcher kein Unfall gewesen sei, dargestellt. Die Beschwerde enthalte keinesfalls einen
Grund für eine verkehrsmedizinische Untersuchung. Da bei ihm im Normalfall das
Postregal verletzt werde, habe die Vorinstanz wahrscheinlich aufgrund einer
gefälschten Version der Beschwerde an das Bundesgericht eine verkehrsmedizinische
Untersuchung angeordnet. Er sei in den letzten 24 Jahren nie an einem Autounfall
beteiligt gewesen. Für eine verkehrsmedizinische Untersuchung gebe es keinen
vernünftigen Grund.
c) aa) In der Beschwerde vom 15. November 2017 an das Bundesgericht führte der
Rekurrent unter anderem aus, bei der St. Galler Kantonspolizei sei aktenkundig, dass
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sich A unsichtbar machen könne und so schon einige Unfälle verursacht habe. Am
10. Dezember 2015 habe jedoch keine Kollision stattgefunden, weshalb diese Tatsache
nicht relevant sei. A habe für seine Lügen von B sehr viel Geld erhalten und sei offenbar
das willfährige Werkzeug von bösen Menschen. Wahrscheinlich habe dieser von seinen
grössten Feinden über hunderttausend Franken für seine Lügen erhalten. Seit
Jahrzenten würden die Medien gegen ihn hetzen. Deshalb sei das Risiko gross, wenn
er aufgrund des Führerausweisentzugs mit dem Velo oder Velotöff zum Einkaufen
fahren müsse oder zu Fuss unterwegs sei, dass er über den Haufen gefahren werde. In
Y sei es für ihn lebensgefährlich einzukaufen. Man wolle ihn vergiften. Wenn er nicht in
seiner Wohnung sei, würden sich andere Menschen, die ihm uferlos böse wollen, in
seiner Wohnung aufhalten. Diese würden sein über 3'000-seitiges Datenmaterial zu
torpedieren versuchen. Weil er aber weltbekannt sei, sollte dieses Datenmaterial
unverfälscht bleiben. Nach über elf Jahren stehe er vor der Drucklegung seiner
wichtigen Lebensgeschichte. Er sei der verdienstvollste Mensch, den die freie Welt in
den letzten sechzig Jahren gehabt habe. Ohne ihn wäre der dritte Weltkrieg nicht mehr
zu verhindern gewesen. Im Polizeirapport vom 29. Dezember 2015 werde schamlos
gelogen. Offenbar hätten einflussreiche Menschen, zum Beispiel Altbundesrat Kurt
Furgler, die ihm sehr böse wollen, die Polizei dazu aufgefordert, schamlos zu lügen.
bb) Die Ausführungen des Rekurrenten in der Beschwerde vom 15. November 2017 an
das Bundesgericht erscheinen merkwürdig und können nicht nachvollzogen werden.
Sie muten auch für medizinische Laien manisch und wahnhaft an und erwecken den
starken Verdacht einer Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit des Rekurrenten.
Das Vorliegen einer psychischen Krankheit stellt einen Verdachtsgrund fehlender
Fahreignung dar und kann somit Anlass für eine entsprechende Abklärung geben (vgl.
Leitfaden "Verdachtsgründe fehlender Fahreignung" der Expertengruppe
Verkehrssicherheit des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie
und Kommunikation vom 26. April 2000, S. 4). Auch die vom Rekurrenten vorgebrachte
Erklärung für die Ausführungen in der Beschwerde, wonach Doppelgänger B und
andere in seinem Namen Briefe verfassen würden und seine Version der Beschwerde
an das Bundesgericht "durch den Schrott anderer" ausgetauscht worden sei, so dass
der Vorinstanz wahrscheinlich eine gefälschte Version der Beschwerde vorliege, ist wirr
und wirkt ebenso befremdend wie die Ausführungen in der Beschwerde selber. Die
Äusserungen des Rekurrenten legen insgesamt die Vermutung einer psychischen
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Störung nahe. Eine solche kann die Fahreignung dauerhaft oder vorübergehend
ausschliessen. Insbesondere kann dadurch die realitätsgerechte Wahrnehmung (mit
allen ihren Unterfunktionen wie Sinneswahrnehmung, Orientierung, Konzentration und
Aufmerksamkeit), die Informationsverarbeitung und -bewertung (u.a. Auffassungsgabe,
allgemeines intellektuelles Leistungsvermögen), das Reaktionsvermögen (u.a.
Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit der Reizbeantwortung, Genauigkeit der
motorischen Steuerung) oder die situationsadäquate Verhaltenssteuerung (und damit
Faktoren wie Risikobewertung, Rücksichtnahme, Impulskontrolle, Abwarten etc.)
beeinträchtigt sein (Dittmann/Seeger, Psychische Störungen und Fahreignung, in:
Handbuch der verkehrsmedizinischen Begutachtung, Bern 2005, S. 47). Damit ist es
ohne Weiteres angezeigt, die Fahreignung des Rekurrenten zu hinterfragen und ihn
diesbezüglich einer ärztlichen Untersuchung zu unterziehen. Eine solche
Fahreignungsabklärung erscheint insbesondere auch verhältnismässig, weil sie den
Rekurrenten nur geringfügig belastet, aber gleichzeitig geeignet ist, höherstehende
Rechtsgüter wie Leib und Leben anderer Verkehrsteilnehmer sowie den Rekurrenten
selber zu schützen (siehe Kai Knöpfli, Die heutige Bedeutung und Praxis von
Fahreignungsuntersuchungen, in: Probst/Werro [Hrsg.], Strassenverkehrsrechts-
Tagung vom 21.-22. Juni 2016, Bern 2016, S. 219 ff., S. 237 f.).
d) Insgesamt liegen konkrete Zweifel an der Fahreignung des Rekurrenten vor, weshalb
die Vorinstanz zu Recht eine ärztliche Abklärung der Fahreignung anordnete. Der
Rekurs ist dementsprechend abzuweisen.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist zu verrechnen.