Decision ID: 6560ee65-703f-42ac-b4bb-f99f92bdc243
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 22. März 2013 wegen Schlafstörungen, Angstzuständen,
Zittern, Depression, Nackenproblemen und Rückenschmerzen bei der IV-Stelle zum
Bezug von Leistungen an (IV-act. 1). Sie hatte am 9. November 2009 als Fahrerin einen
Autounfall erlitten, im Kreisverkehr in B._ sei das Fahrzeug ins Schleudern
gekommen, eine Böschung hinaufgefahren und habe sich zweimal überschlagen (IV-
act. 251-31). Gemäss dem Kurzaustrittsbericht des Spitals C._ erlitt sie eine
Schädelkontusion sowie eine HWS-Distorsion ohne Bewusstlosigkeit, Amnesie,
Erbrechen oder Kopfschmerzen (IV-act. 15-1). Nachdem sie seit Juni 2011
verschiedene Arbeitsunfähigkeiten ausgewiesen hatte, hatte ihr ihr Hausarzt Dr. med.
D._, Facharzt Innere Medizin FMH, ab 21. Februar 2013 eine Arbeitsunfähigkeit von
100% attestiert (IV-act. 18, 19.3 ff.). Ihre Arbeitgeberin hatte ihr das Arbeitsverhältnis
als Betriebsmitarbeiterin per Ende Juni 2013 gekündigt und sie ab 8. März 2013
freigestellt (IV-act. 5).
A.a.
RAD-Arzt Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt in
seiner Stellungnahme vom 17. Mai 2013 fest, dass bei der Versicherten auf Grund der
bisherigen Unterlagen ein komplexes Krankheitsbild vorliege, das neben somatischen
Leiden auch eine psychiatrische Komorbidität beherberge. Gemäss telefonischer
Rücksprache mit Dr. med. F._, Psychiatrie-Zentrum G._, bestehe aus
psychiatrischer Sicht keine wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Der RAD-
Arzt befand nach telefonischer Auskunft von Dr. D._, dass der Gesundheitszustand
stabil und relativ schlecht sei, der Versicherten aber trotzdem vom Behandler aktuell
eine etwa 70%ige Eingliederungsfähigkeit in die freie Wirtschaft zugemutet werde. Am
7. Juni 2013 beurteilte Dr. E._ nach Erhalt des Austrittsberichts der Klinik H._ vom
29. Januar 2013 bezüglich des stationären Aufenthalts der Versicherten vom 8.
A.b.
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Oktober bis 3. November 2012, dass auf Grund des Verlaufs die 70%ige
Eingliederungsfähigkeit nachvollziehbar sei (IV-act. 23-2).
Nachdem Dr. D._ der Versicherten mit Zeugnissen vom 21. Juni 2013 und 28.
Juni 2013 weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 100% bis 31. Juli 2013 attestiert hatte
(IV-act. 19-5, 18-1), hielt pract. med. I._ in Vertretung von Dr. D._ am 12. Juli 2013
zuhanden der Arbeitslosenversicherung fest, nach Neubeurteilung bestehe eine
Arbeitsunfähigkeit von 30% ab 15. Juli 2013 (IV-act. 21). Unter Bezugnahme auf diese
letzte Einschätzung kam RAD-Arzt Dr. E._ zum Schluss, dass bei der Versicherten
keine objektivierbare Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von mehr als 30% vorliege (IV-
act. 23-3).
A.c.
Im ärztlichen Zeugnis vom 29. Oktober 2013 hielt Dr. D._ fest, die Versicherte
sei auf Grund körperlicher und psychiatrischer Beschwerden dauerhaft arbeitsunfähig.
Da die Versicherte jedoch einen Belastungsversuch habe unternehmen wollen, habe er
ihr zuhanden der Arbeitslosenversicherung ab 15. Juli 2013 eine Arbeitsunfähigkeit von
30% attestiert. Aus aktueller Sicht müsse jedoch von einer durchgehend 100%igen
Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden. Eine psychiatrische Abklärung sei zu
empfehlen (IV-act. 37).
A.d.
Mit Schreiben vom 15. November 2013 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
das Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen werde abgewiesen, weil sie sich
nicht in der Lage fühle, an Eingliederungsbemühungen mitzuwirken (IV-act. 40).
A.e.
Mit Vorbescheid vom 8. Januar 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten gestützt
auf einen Invaliditätsgrad von 32% die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht (IV-
act. 50). Dagegen liess die Versicherte durch Rechtsanwältin Dr. iur. R. Kronenberg
Müller am 6. Februar 2014 Einwand erheben (IV-act. 52).
A.f.
Auf Grund der Stellungnahme von RAD-Arzt Dr. E._ vom 9. Dezember 2014,
wonach die von der Rechtsvertreterin erwähnten medizinischen Unterlagen keine
relevante Arbeitsunfähigkeit bestätigt hätten (IV-act. 82), teilte die IV-Stelle der
Versicherten am 8. Januar 2015 erneut mit, sie plane, das Leistungsgesuch
abzuweisen (IV-act. 83).
A.g.
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Mit Schreiben vom 10. Februar 2015 liess die Versicherte durch ihre
Rechtsvertreterin am Einwand gegen den Vorbescheid festhalten. Die Rechtsvertreterin
machte geltend, der Hausarzt der Versicherten habe u.a. eine psychiatrische Abklärung
in Auftrag gegeben, weshalb deren Untersuchungsergebnis abgewartet werden müsse.
Zudem sei der Vorbescheid zu früh ergangen, weil die Situation medizinisch noch nicht
vollständig abgeklärt sei (IV-act. 86).
A.h.
Am 6. Oktober 2015 liess die Rechtsvertreterin der IV-Stelle weitere Arztberichte
zukommen und teilte ihr mit, dass die Versicherte seit Sommer 2015 in psychiatrischer
und psychotherapeutischer Behandlung sei (IV-act. 108). Dr. med. J._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie, stufte die Versicherte im Bericht vom 17. November
2015 wegen einer mittelgradigen depressiven Störung (ICD-10, F33.1) und
persistierenden Schwankschwindels mit Übelkeit als nicht arbeitsfähig ein (IV-act. 111).
Demgegenüber befand RAD-Arzt Dr. E._ am 7. Dezember 2015, dass in den
Arztberichten seit dem Referenzzeitpunkt keine Veränderung des Gesundheitszustands
habe beschrieben werden können. Aus psychiatrischer Sicht werde auf Grund der
Dauer der Symptomatik eine nomenklatorische Änderung der Diagnose vorgenommen,
indem die Anpassungsstörung nun als mittelgradige depressive Störung bezeichnet
werde. Inhaltlich und qualitativ seien jedoch keine Veränderungen dokumentiert (IV-act.
112).
A.i.
Mit Verfügung vom 10. Dezember 2015 wies die IV-Stelle das Gesuch um
Invalidenleistungen gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 34% ab (IV-act. 113).
A.j.
Gegen diese Verfügung liess die Versicherte durch ihre Rechtsvertreterin am 26.
Januar 2016 Beschwerde erheben und die Durchführung einer polydisziplinären
Begutachtung beantragen (IV-act. 116).
A.k.
Mit Verfügung vom 15. März 2016 widerrief die IV-Stelle die Verfügung vom
10. Oktober 2015 (korrekt: 10. Dezember 2015), da sie ihren Entscheid nochmals
überprüfen wolle (IV-act. 130). In der Folge schrieb das Versicherungsgericht das
Beschwerdeverfahren mit Verfügung vom 21. April 2016 ab (IV-act. 177).
A.l.
Im November 2016 wurde die Versicherte durch die Gutachter der medexperts
ag, St. Gallen (nachfolgend: medexperts), polydisziplinär begutachtet. Im Gutachten
A.m.
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B.
vom 15. Dezember 2016 diagnostizierten die Gutachter mit Einschränkung der
zumutbaren Arbeitsfähigkeit ein chronisches posttraumatisches Syndrom nach
Autounfall 11/2009 mit möglichem Schädel-Hirn-Trauma (Scherverletzungen/
Balkenläsionen), mit chronischem Schwindel, mit chronischem posttraumatischem
Kopfschmerz, mit Schlafstörungen und depressiver Verstimmung, sowie eine
chronische Cervikobrachialgie (ICD-10 M53.1) bei degenerativen Veränderungen
ossärer (ICD-10 M47.82) und diskogener (ICD-10 M50.3) Art. Die Fachärzte gingen in
einer gut leidensadaptierten Tätigkeit aus orthopädischer Sicht von einer
Arbeitsfähigkeit von 90% aus (IV-act. 251-57, 251-61).
RAD-Arzt Dr. E._ befand das Gutachten mit Stellungnahme vom 19. Dezember
2016 als überzeugend, weshalb darauf abzustellen sei (IV-act. 255).
A.n.
Mit Vorbescheid vom 30. Januar 2017 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, das Leistungsbegehren gestützt auf einen IV-Grad von 24% abzuweisen (IV-
act. 260). Dagegen liess die Versicherte durch ihre Rechtsvertreterin am 24. Februar
2017 (IV-act. 276) bzw. mit Begründung vom 20. März 2017 Einwand erheben. Zur
Begründung reichte sie Berichte von Dr. J._ vom 17. Februar 2017 und von Dr. med.
K._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin FMH, wie Dr. J._ ebenfalls vom
Medizinischen Zentrum M._, vom 23. Februar 2017 ein. Beide Ärztinnen befanden
die Arbeitsfähigkeitsschätzung der medexperts-Gutachter als nicht überzeugend (IV-
act. 271). RAD-Arzt Dr. E._ hielt demgegenüber mit Stellungnahme vom 28. April
2017 daran fest, dass auf das Gutachten abgestellt werden könne (IV-act. 276).
A.o.
Mit Verfügung vom 12. Mai 2017 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
gestützt auf einen IV-Grad von 24% ab (IV-act. 277).
A.p.
Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 12. Juni
2017 mit dem Antrag auf deren Aufhebung und auf Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur Begründung macht die
Rechtsvertreterin geltend, dass das Gutachten der medexperts mit Verweis auf die
Berichte der behandelnden Ärztinnen nicht haltbar sei und daher insbesondere ein
unabhängiges psychiatrisches Teilgutachten sowie ein neurologisches
B.a.
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Zusatzgutachten bzw. die Stellung von Ergänzungsfragen an den neurologischen
Teilgutachter einzuholen seien. Zudem sei der Beschwerdeführerin für den
Einkommensvergleich ein Abzug vom Tabellenlohn von 25% zu gewähren (act. G 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 28. September 2017 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie hält daran fest, dass auf das
Gutachten der medexperts abzustellen und der Beschwerdeführerin beim
Einkommensvergleich lediglich ein Tabellenlohnabzug von 10% zu gewähren sei (act.
G 6).
B.b.
Am 3. Oktober 2017 wird das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche
Rechtspflege für das Beschwerdeverfahren bewilligt (act. G 7).
B.c.
Mit Schreiben vom 19. Januar 2018 ersucht die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin um eine einstweilige Sistierung des Beschwerdeverfahrens, da die
bestehenden Schwindel der Beschwerdeführerin genauer abgeklärt würden und nicht
feststehe, wann mit dem Ergebnisbericht zu rechnen sei (act. G 15).
B.d.
Am 23. Januar 2018 wird das Verfahren bis zum Vorliegen der für die Replik
nötigen ärztlichen Unterlagen bzw. bis vorläufig längstens am 30. Juni 2018 sistiert
(act. G 16). Auf Aufforderung vom 11. Juli 2018 hin erklärt die Rechtsvertreterin im
Besitz der Unterlagen zu sein, weshalb das Verfahren fortgesetzt wird (act. G 17ff.).
B.e.
Mit Replik vom 14. September 2018 reicht die Beschwerdeführerin die erwarteten
Unterlagen ein und hält an ihren Anträgen fest. Sie macht geltend, auf das Gutachten
der medexperts könne nicht abgestellt werden, sondern es müsse ein neues
polydisziplinäres Gutachten eingeholt werden. Sie habe seit der Erstattung des
Gutachtens diverse Therapieoptionen ergriffen, insbesondere habe sie einen
mehrwöchigen Reha-Aufenthalt im Reha Zentrum N._ absolviert. Dennoch habe
bisher nichts zu einer Besserung der Beschwerden geführt (act. G 20, 20.1).
B.f.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet mit Schreiben vom 16. Oktober 2018 auf das
Einreichen einer Duplik (act. G 22).
B.g.
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Erwägungen
1.
Vorliegend ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der
Invalidenversicherung streitig. Nach der Rechtsprechung stellt das
Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung einer Streitsache auf den bis zum
Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung (hier: 12. Mai 2017) eingetretenen
Sachverhalt ab (BGE 129 V 4 E. 1.2 mit Hinweis). Einige der mit der Replik vom 14.
September 2018 eingereichten Arztberichte (act. G 20.1.18 und 20.1.25-30) betreffen
hingegen teilweise den gesundheitlichen Zustand der Beschwerdeführerin nach diesem
Zeitpunkt, weshalb im vorliegenden Verfahren nicht weiter auf sie einzugehen ist.
1.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60%
invalid ist, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50% invalid ist, und auf eine
Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid ist. Der Grad der für einen allfälligen
Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
1.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit die
Erwerbsunfähigkeit bzw. den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung
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bzw. das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch
andere Fachleute zur Verfügung stellen. Aufgabe des Arztes bzw. der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeit die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
256 E. 4). Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz
der freien Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das Gericht
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtend ist
und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1 Zu prüfen ist vorab, ob die vorliegende medizinische Aktenlage für eine Beurteilung
der Restarbeitsfähigkeit ausreichend ist und die Beschwerdegegnerin zu Recht auf das
polydisziplinäre Gutachten der medexperts abgestellt hat.
2.2 Die Gutachter hielten nach Konsensbesprechung gestützt auf eine internistische,
eine pneumologische, eine psychiatrische, eine orthopädische und eine neurologische
Begutachtung zusammenfassend zur (aktuellen) Diagnosefindung fest, aus
neurologischer Sicht würden die Kopfschmerzen als chronischer posttraumatischer
Kopfschmerz klassifiziert. Darüber hinaus könne die Diagnose eines
Medikamentenübergebrauchskopfschmerzes gestellt werden. Bei chronischen
Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in den linken Arm bis in die linke Hand bestünden
keine Hinweise für eine Affektion neuraler Strukturen und hätten keine bestanden, z.B.
im Sinne einer Radikulopathie. Aus aktueller Sicht sei davon auszugehen, dass es sich
bei dem mittlerweile chronischen Schwindel um ein Mischbild eines benignen
posttraumatischen Lagerungsschwindels (aktuell des anterioren Bogenganges) und
eines phobischen Schwankschwindels handle. Die Chronifizierung dürfte auch durch
die fehlende kausale Behandlung des Lagerungsschwindels miterklärt sein. Hinweise
für ein zerebelläres Syndrom seien nicht gegeben. In einer Zusammenschau der
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Befunde seien die aktuell beklagten Beschwerden mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit als Traumafolge anzusehen. Retrospektiv sei die Intensität des
Traumas wohl unterschätzt worden. Eine adäquate Behandlung sei in Bezug auf den
vorliegenden posttraumatischen benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel nicht
erfolgt. Auch vestibuläre Physiotherapie sei nicht durchgeführt worden. Aus
orthopädischer Sicht würden bei der Beschwerdeführerin degenerative Veränderungen
im Bereich der HWS vorliegen, welche eine Verminderung der Belastbarkeit des
Achsenskelettes bedingten. Aus allgemein-internistischer und pneumologischer Sicht
fänden sich keine Erkrankungen von Relevanz und mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit.
Wie der Beschwerdeführerin schon vom behandelnden Endokrinologen vorgeschlagen
worden sei, sei eine operative Entfernung des Schilddrüsenknotens indiziert und
dringend zu empfehlen (IV-act. 252).
3.
3.1 Aus psychiatrischer Sicht befanden die Gutachter, es handle sich beim
Gesundheitsschaden der Beschwerdeführerin um eine chronische Anpassungsstörung
an die Unfallfolgen und die darauffolgenden Konsequenzen wie z.B. die Kündigung
ihrer langjährigen Arbeitsstelle. Diese sei für sie überraschend gekommen, nachdem sie
sich 17 Jahre lang an der Arbeitsstelle "wie in einer eigenen Familie" gefühlt habe.
Weitere Belastungen seien im Verlauf aufgetreten, wie z.B. der Tod des Ehemannes
(korrekt: des Ex-Ehemannes seit 2002, IV-act. 107-3) drei Jahre zuvor, der an einem
Pankreaskarzinom gelitten hatte, und die Arbeitslosigkeit ihres einzigen Sohnes, der _
Jahre alt sei, keinen Beruf erlernt habe und nun seit 10 Monaten arbeitslos sei.
Ausserdem sei der Sohn davon abhängig, dass die Mutter ihn zur Arbeit bringe und
dort abhole. Den Akten sei zu entnehmen, dass früher, um den Zeitpunkt des Unfalles
herum, Ehekonflikte bestanden hätten. Es seien Belastungen, die verschiedene
affektive Qualitäten betreffen würden, etwa wie ängstlich depressive Verstimmungen,
Besorgnis, Anspannung und Existenzängste vorhanden. Die Konflikte im
Zusammenhang mit Belastungen würden somatisiert bzw. in körperliche Symptome
umgewandelt: Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, allgemeines Unwohlsein. Auf
Grund dessen komme eine Somatisierungsstörung als Differentialdiagnose in Frage. Es
seien multiple, wiederholt auftretende und häufig wechselnde körperliche Symptome,
die über Jahre bestünden und nicht durch die Primärversorgung und durch
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spezialisierte medizinische Einrichtungen zur Zufriedenheit der Beschwerdeführerin
behandelt werden könnten. Der Verlauf der Somatisierungsstörung sei chronisch,
fluktuierend und häufig mit einer langdauernden Störung des sozialen, interpersonellen
und familiären Verhaltens verbunden. Bei der Untersuchung imponiere ein euthymes,
sthenisches Verhalten, die Schilderung der Beschwerden habe einen dissoziativen
Charakter, was zur Somatisierungsstörung auch passe. Es sei aktenkundig, dass nach
dem erlittenen Unfall eine Schädelkontusion mit Weichteilhämatom und oberflächlichen
Schürfungen am Kopf occipital und HWS-Distorsion bestanden hätten, aber
unmittelbar nach dem Unfall keine Bewusstlosigkeit, keine Amnesie, kein Erbrechen
und keine Kopfschmerzen aufgetreten seien. Ein Schädel-CT vom 10. August 2011
habe keinen pathologischen Befund nachweisen können. Die leichte Schlafapnoe sei
klinisch irrelevant. Aus orthopädischer Sicht sei von degenerativen Veränderungen in
der HWS auszugehen, die jedoch keine klaren neurologischen Ausfälle bedingt hätten.
Weder anamnestisch noch durch den aktuellen Befund gebe es Anhalt für
Panikattacken oder für eine ausgeprägte Angstsymptomatik im Sinne einer
Angststörung. Depressive Symptome seien im Rahmen der chronischen
Anpassungsstörung anzusehen. Aus der Lebensgeschichte der Beschwerdeführerin
ergäben sich keine Hinweise für eine psychische Fehlentwicklung. Eine
Suchterkrankung liege nicht vor (IV-act. 251-34f.).
3.2 Die Rechtsvertreterin bemängelt am psychiatrischen Gutachten, dass es
widersprüchlich zu den anderen Teilgutachten sei. So werde die Diagnose einer
chronischen Anpassungsstörung an die Unfallfolgen und die darauffolgenden
Konsequenzen gestellt. Differentialdiagnostisch werde eine Somatisierungsstörung
ausgemacht und der Gutachter erwähne, dass die Konflikte im Zusammenhang mit den
Belastungen somatisiert bzw. in körperliche Symptome umgewandelt würden. Diese
Feststellung widerspreche jedoch sowohl dem neurologischen als auch dem
orthopädischen Teilgutachten, wonach somatische Gesundheitsbeeinträchtigungen
tatsächlich vorlägen (act. G 1, Ziff. 7). Hierzu ist festzuhalten, dass bei einer
Somatisierungsstörung die Symptome bekannte medizinische Krankheiten begleiten
können oder auch nicht. Allein die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin auch unter
somatischen Beeinträchtigungen leidet, wird durch die Diagnose von Dr. med. O._,
Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, nicht ausgeschlossen.
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3.3 Weiter seien die neurologischen Gutachter von einer seit Jahren bestehenden
sozialen Zurückgezogenheit ausgegangen, wogegen Dr. O._ keine Einschränkungen
durch eine psychische Störung auszumachen vermöge. Diesen Widerspruch habe man
ebenfalls nicht diskutiert. Zudem habe die behandelnde Psychiaterin ausgeführt,
inwiefern die Beschwerdeführerin im Alltag eingeschränkt sei, wogegen der
psychiatrische Gutachter keine grossen Einschränkungen sehe (act. G 1 Ziff. 7.1).
Wenn im neurologischen Teilgutachten zu lesen ist, die Beschwerdeführerin habe sich
seit längerem sozial zurückgezogen und sei keiner Arbeitstätigkeit mehr nachgegangen
(IV-act. 251-51), bedeutet dies nicht, dass sie keine sozialen Kontakte mehr pflegt.
Jedoch allein schon durch den Verlust der Arbeitsstelle, wo sich die
Beschwerdeführerin "wie in einer eigenen Familie fühlte" (IV-act. 251-34), kam
nachvollziehbar ein gewisser Rückzug aus dem sozialen Leben zustande. Dennoch
erscheint die Beurteilung durch Dr. O._, sie gehe ihrem Alltag ohne grosse
Einschränkungen nach, gehe mit dem Hund spazieren, einkaufen, könne Autofahren,
schaue fern und unterhalte soziale Beziehungen (IV-act. 251-35), gestützt auf die Akten
korrekt zu sein. Auch wenn die körperlich anstrengenderen Arbeiten im Haushalt durch
ihren Sohn verrichtet werden, ist die Beschwerdeführerin in psychischer Hinsicht
bezüglicher sozialer Kontakte nicht stark eingeschränkt. Zudem sind Einschränkungen,
welche sich aus den schlechten Deutschkenntnissen ergeben (vgl. IV-act. 251-51),
nicht IV-relevant. Schliesslich wurde auch im definitiven Austrittsbericht des Reha
Zentrums N._, wo die Beschwerdeführerin vom 17. Juni bis 7. Juli 2017 stationär
behandelt wurde, festgehalten, dass sie zu Mitpatienten gute Kontakte habe knüpfen
können (act. G 20.1.28). Auch dies spricht wiederum für ausreichende Ressourcen
hinsichtlich der sozialen Kontaktfähigkeit. Dass die Beschwerdeführerin ihren Alltag auf
Grund der psychiatrischen Therapien durch Dr. J._ zusammen mit den weiteren
Disziplinen wieder besser bewerkstelligen könne, vermag die Feststellungen von Dr.
O._ zur Arbeitsfähigkeit aus psychischer Sicht ebenfalls nicht zu dementieren.
3.4 In neurologischer Hinsicht bemängelt die Rechtsvertreterin, dass die Diagnose des
chronischen posttraumatischen Syndroms Aufnahme in die Kategorie als
"Hauptdiagnose mit Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit" gefunden habe,
aber trotzdem keine Arbeitsunfähigkeit daraus resultiere (act. G 1, Ziff. 6.2). Dem ist mit
Dr. E._ (Stellungnahme vom 21. Juni 2017; IV-act. 289) entgegenzuhalten, dass die
Tatsache, dass eine Diagnose zwar Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hat und
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abschliessend dennoch keine Arbeitsunfähigkeit resultiert, von den Gutachtern
aufgeklärt wird. So befanden sie die Beschwerdeführerin allein aus neurologischer
Sicht in der angestammten Tätigkeit als zu 20% eingeschränkt, in einer angepassten
Tätigkeit demgegenüber vollständig arbeitsfähig. Da auf Grund dieser Diagnose
lediglich in qualitativer Hinsicht eine Einschränkung erfolgt, ist die Arbeitsfähigkeit in
leidensadaptierten Tätigkeiten nicht eingeschränkt. Weiter verweist die
Rechtsvertreterin darauf, dass die behandelnde Psychiaterin Dr. J._ auf Grund des
medexperts-Gutachtens die Frage aufgeworfen habe, ob ein Teil der Beschwerden
nicht auf ein organisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma (ICD:10 F07.2)
zurückzuführen sei. Es sei bekannt, dass es eine Korrelation zwischen
Schädelverletzungen und multiplen, auch psychiatrischen Beschwerden gebe, die nicht
mit dem Umfang der Verletzungen parallel gingen. Es sei aus diesem Grund noch eine
genaue neuropsychologische Testung sowie eine Stellungnahme eines mit
Schädelhirntrauma-Folgestörungen besonders vertrauten neurologischen Facharztes
einzuholen. Obwohl diese Stellungnahme der Beschwerdegegnerin im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens zugestellt worden sei, habe sie es weder für nötig befunden,
eine entsprechende Untersuchung zu veranlassen, noch - wenigstens - den
neurologischen Teilgutachtern, Dr. med. P._, Facharzt Neurologie, und Dr. med.
Q._, Assistenzärztin Neurologie, entsprechende Ergänzungsfragen zu stellen (act.
G 1, Ziff. 6.3). Hierzu hielt RAD-Arzt Dr. E._ bereits mit Stellungnahme vom 28. April
2017 fest, dass die Frage, ob ein organisches Psychosyndrom die diffuse Symptomatik
erklären könnte, eine diagnostische Frage sei, welche für das Ausmass der
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nicht relevant erscheine. Die komplexe klinische
Symptomatik sei von den Gutachtern polydisziplinär erfasst und im Konsens, im
Wissen um die erwähnten Läsionen gewertet worden. Da Dr. J._ keine weiteren
psychiatrischen Fakten anführe, die im individuellen Fall eine gravierendere als von den
Gutachtern festgestellte Schädigung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beweisen
würde, reduziere sich ihr Beitrag auf allgemeine Vermutungen und Zitate aus Studien,
deren Ergebnisse auch den Gutachtern bekannt sein müssten. In medizinischer
Hinsicht könne er deshalb nicht als relevanter Einwand verwertet werden. Eine
Aufzählung und klinische Bewertung der Schwere von konkreten Diagnosen bestehe
nicht (IV-act. 276). Da die Ausführungen der Gutachter unter Berücksichtigung des
gesamten Aktenmaterials und umfassend erhobener Exploration erfolgten, erscheinen
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die Schlussfolgerungen des RAD-Arztes gegen eine weitere neurologische Testung und
die Notwendigkeit zur Rückfrage an die neurologischen Gutachter überzeugend,
weshalb darauf verzichtet werden kann.
3.5 Hinsichtlich der Spezifikation der adaptierten Tätigkeiten weist die Rechtsvertreterin
allerdings zu Recht darauf hin, dass die Gutachter ihre Kriterien nicht sauber
aufeinander abgestimmt haben. So spezifizierten die neurologischen Gutachter als
adaptierte Tätigkeiten solche, die vorwiegend im Sitzen, ohne höhere Anforderungen
an das Gleichgewicht, ohne schwerere körperliche Belastung, ohne Zwangspositionen,
ohne häufigen Lagewechsel (insbesondere Bücken), mit der Möglichkeit zu
regelmässigen Pausen und ohne Schichtarbeit ausgeübt würden (IV-act. 251-52).
Demgegenüber hielt der orthopädische Gutachter Dr. med. R._, Facharzt
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, eine
wechselbelastende - d.h. alternierend im Sitzen, Gehen und Stehen ausgeübte -
körperlich leichte Tätigkeit als zumutbar. Allerdings kann dieser Mangel im Sinne beider
Teilgutachten dahingehend korrigiert werden, als auf Grund des Beschwerdebildes in
orthopädischer Hinsicht wohl kaum etwas gegen eine vorwiegend sitzende Tätigkeit
spricht, sofern es sich nicht um eine Zwangshaltung handelt und die
Beschwerdeführerin während kurzen Pausen zwischendurch wieder aufstehen kann.
Dagegen haben die Neurologen das Adaptionskriterium "im Sitzen" wohl gestützt auf
die Aussage der Beschwerdeführerin, gelegentlich verstärke sich der Schwindel im
Stehen und Gehen (vgl. IV-act. 251-45), aufgestellt. Allein dieser fehlende Abgleich der
Adaptionskriterien vermag die grundsätzliche Beweiskraft des Gutachtens nicht zu
schmälern.
3.6 Schliesslich führt die Rechtsvertreterin aus, dass entgegen der gutachterlichen
Therapieempfehlung aus neurologischer Sicht, wonach eine stationäre neurologische
Rehabilitation mit regelmässiger physiotherapeutischer Behandlung mit vestibulärem
Schwerpunkt und therapeutischen Lagerungsmanövern begonnen werden solle (vgl.
IV-act. 251-52), jegliche Therapien keine Besserung ergeben hätten und von einer
Therapieresistenz ausgegangen werden müsse (act. G 20). Demgegenüber erstaunt
und sei hier lediglich als Hinweis angefügt, dass die Behandler des Reha Zentrums
N._ im Austrittsbericht vom 4. August 2017 über den Aufenthalt der
Beschwerdeführerin vom 17. Juni bis 7. Juli 2017 und damit über einen nach der
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strittigen Verfügung eingetretenen und grundsätzlich vorliegend nicht mehr relevanten
Zeitraum (vgl. Erwägung 1) festhielten, ein Drehschwindel sei aktuell nicht mehr
vordergründig. Im Stations- und Therapiealltag seien dem Therapeutenteam keine
schwindelbedingten Limitationen, wie Gangunsicherheit oder Sturztendenzen
aufgefallen. Das Thema Schwindel habe sie im Gegensatz zu ihren geklagten
Schmerzen in der HWS und LWS sowie ihr frühmorgendliches Erwachen mit Ängsten
wenig aktiv thematisiert (act. G 20.1.28). Unabhängig davon vermögen die noch mit der
Replik eingebrachten verschiedenen Arztberichte von behandelnden Ärzten mit
teilweise von den gutachterlichen Diagnosen und Differentialdiagnosen abweichenden
Diagnosen bezüglich des geklagten Schwindels, der Schlafprobleme, Kopfschmerzen
und Schmerzen in Rücken und Nacken die Beweiskraft des Gutachtens der
medexperts nicht zu mindern, insbesondere da diese den Gutachtern entweder bereits
vorlagen (so: act. G 20.1.19-23 im Gutachten ab IV-act. 253-14) oder sie einen
Zeitpunkt deutlich nach der Verfügung beschlugen (act. G 20.1.18, 20.1.25-27,
20.1.29f.). Nachdem die Schwindelproblematik offenbar v.a. ein Problem darstellt,
wenn die Beschwerdeführerin im Bett liegt bzw. nach längerem Liegen morgens
aufsteht (IV-act. 251-41, 20.1.23, vgl. demgegenüber auch die Selbsteinschätzung der
Beschwerdeführerin bezüglich der "Schwindelereignisse", welche zu "tageweisen
Ausfällen führen" würden, IV-act. 251-44), erscheint für die Arbeitsfähigkeit daraus
auch keine grosse Einschränkung zu erfolgen. Zudem fährt die Beschwerdeführerin
weiterhin selber Auto, weshalb diese Probleme auch hier zu keinerlei Einschränkungen
führen dürften, ansonsten das Autofahren klar absolut zu unterlassen wäre. Auch wenn
bisher keine erklärbaren organischen Ursachen für den angegebenen Schwindel und
die Kopfschmerzen gefunden werden konnten, kann trotzdem auf die vorhandenen
nachvollziehbaren gutachterlichen Ausführungen zu Diagnosen, Ressourcen und
Arbeitsfähigkeit abgestellt werden. Wie die Gutachter in ihrer zusammenfassenden
Beurteilung festhielten, sei in einer gut leidensangepassten Tätigkeit aus
orthopädischer Sicht von einer Arbeitsfähigkeit von 90% auszugehen. Angesichts der
beklagten Beschwerden erscheine es gerechtfertigt, der Beschwerdeführerin auch in
einer derartigen Tätigkeit längere und betriebsunübliche Pausen zuzugestehen (IV-act.
251-61).
3.7 Zusammenfassend ist das Gutachten der medexperts hinsichtlich der
Diagnosestellung und der Schätzung einer Arbeitsfähigkeit in der angestammten
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Tätigkeit von 80% seit Unfalltag sowie in leidensadaptierten Tätigkeiten von 90% seit
der Begutachtung als schlüssig und nachvollziehbar zu beurteilen, weshalb darauf
abzustellen ist.
4.
4.1 Die Rechtsvertreterin rügt sodann die Bemessung des Invaliditätsgrads. Die
Beschwerdeführerin war bis Ende Juni 2013 als Betriebsmitarbeiterin angestellt und
hätte im Jahr 2013 gemäss Arbeitgeberfragebogen ohne Gesundheitsschaden
Fr. 4'300.-- bis Fr. 4'400.-- pro Monat verdient (vgl. IV-act. 5-3, worauf dieser Lohn
offenbar fälschlicherweise als "pro Jahr" angegeben wurde). Selbst wenn zu Gunsten
der Beschwerdeführerin von einem Monatslohn im Jahr 2013 von Fr. 4'400.-- und
damit von einem Jahreslohn von Fr. 57'200.-- (Fr. 4'400.-- x 13) ausgegangen würde,
ergäbe sich - wie nachfolgende Berechnung zeigen wird - kein Rentenanspruch. Die
Gutachter gingen hinsichtlich des Beginns der Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierten
Tätigkeiten von 90% vom Datum des Gutachtens, also dem 15. Dezember 2016 aus. In
der angestammten Tätigkeit bestehe seit November 2009 eine Arbeitsfähigkeit von
80% (IV-act. 251-61). Darauf ist abzustellen, auch wenn der behandelnde Hausarzt und
sein Stellvertreter pract. med. I._ zwischenzeitlich davon ausgingen, dass die
Beschwerdeführerin zu 70% arbeitsfähig sei bzw. direkt nach der Kündigung eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% attestiert wurde (IV-act. 21, 23-3). In einem ersten Schritt
ist daher der Invaliditätsgrad für die Zeit des frühestmöglichen Rentenbeginns zu
prüfen. Da die Arbeitsfähigkeit zwar ab November 2009 eingeschränkt war, die
Beschwerdeführerin jedoch bis Februar 2013 weiterhin bei ihrer Arbeitgeberin tätig war
und den vollen Lohn verdiente, kann offen bleiben, ob es sich bei einem Teil des
Lohnes - wie die Arbeitgeberin geltend macht (vgl. IV-act. 5-2) - um Soziallohn handelte
oder nicht. Da die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit zu 80%
arbeitsfähig war, ist ohnehin ein Prozentvergleich vorzunehmen, so dass ein nicht
rentenberechtigter IV-Grad von 20% resultiert.
4.2
4.2.1 Für den Einkommensvergleich ab Datum des Gutachtens vom Dezember 2016,
ab welchem die Gutachter die adaptierte Arbeitsfähigkeit von 90% bestätigen, wäre
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beim Invalideneinkommen sodann auf das durchschnittliche
Hilfsarbeiterinneneinkommen 2016 nach den Tabellenlöhnen der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamts für Statistik von Fr. 54'581.-- abzustellen.
4.2.2 Schliesslich bleibt die Frage der Höhe des Tabellenlohnabzugs zu klären. Mit dem
Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte
Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im Vergleich zu
voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren arbeitnehmenden Personen
lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit unterdurchschnittlichen Lohnansätzen
rechnen müssen. Sodann wird dem Umstand Rechnung getragen, dass weitere
persönliche und berufliche Merkmale einer versicherten Person, wie Alter, Dauer der
Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie
Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 129 V 481
E. 4.2.3, vgl. auch BGE 134 V 327 E. 5.2).
4.2.3 Dem Gutachten der medexperts ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführerin
vorwiegend im Sitzen ausgeübte körperlich leichte (mit maximal 10kg Heben und
Tragen) Tätigkeiten (vgl. Erwägung 3.5), ohne höhere Anforderungen an das
Gleichgewicht, ohne schwerere körperliche Belastung, ohne Zwangspositionen, ohne
häufigen Lagewechsel (insbesondere Bücken) und mit der Möglichkeit zu
regelmässigen Pausen sowie ohne Schichtarbeit zumutbar und in der freien Wirtschaft
umsetzbar seien (IV-act. 251-61). Mit der Einschätzung einer Arbeitsfähigkeit von 90%
sind auch bereits die längeren und betriebsunüblichen Pausen abgegolten, weshalb
sich dafür kein erneuter Abzug rechtfertigt. Weiter ist das Alter der Beschwerdeführerin
von im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung 54 Jahren gemäss der strengen
bundesgerichtlichen Rechtsprechung bei Hilfsarbeiterinnen (vgl. u.a. für das Alter 51
bei Frauen: Urteil vom 26. Mai 2011, 8C_283/2011, E. 4, und für das Alter 52
grundsätzlich: Urteil vom 22. September 2015, 9C_366/2015, E. 4.3.2) höchstens in
einem geringen Umfang zu berücksichtigen (vgl. Urteil des Versicherungsgerichts vom
2. Juni 2009, IV 2007/411, E. 4.2.2). Im Übrigen ist immer unter Berücksichtigung aller
konkreten Umstände des Einzelfalles zu prüfen, ob dieses Merkmal einen Abzug vom
Tabellenlohn rechtfertigt (Urteil 9C_455/2013 vom 4. Oktober 2013 E. 4.2 mit Hinweis).
Dies gilt insbesondere im Bereich der Hilfsarbeiten auf dem hypothetisch
ausgeglichenen Arbeitsmarkt, wo sich ein fortgeschrittenes Alter nicht zwingend
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lohnsenkend auswirken muss (Urteil vom 20. Februar 2014, 8C_672/2013, E. 3.3 mit
Hinweisen). Die ebenfalls angeführte langjährige Berufsabwesenheit betrifft die Frage
nach den Voraussetzungen für die Zumutbarkeit einer Arbeitsaufnahme, nicht aber
diejenige, ob Anhaltspunkte dafür bestehen, dass das aus gesundheitlichen Gründen
eingeschränkte Leistungsvermögen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit
unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwertbar sei (vgl. dazu Urteil
9C_621/2010 vom 22. Dezember 2010 E. 3). Auch die fehlenden Dienstjahre dürften
sich im Rahmen von Hilfsarbeiten - wenn überhaupt - höchstens geringfügig
auswirken. Nicht abzugsrelevant sind schliesslich auch die angeführten sprachlichen
Schwierigkeiten, da Hilfsarbeitertätigkeiten definitionsgemäss keine guten Kenntnisse
der deutschen Sprache erfordern (vgl. vom 18. August 2014, 9C_426/2014, E. 4.2)
4.2.4 Der von der Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung gewährte
Abzug von 10% erscheint auch unter Berücksichtigung der qualitativen
Einschränkungen insgesamt gestützt auf die bundesgerichtliche Praxis (vgl. u.a. Urteil
vom 29. April 2015, 9C_848/2014, E. 4.3.1) als Maximalabzug zulässig. Ein darüber
hinausgehender Abzug fällt mangels weiterer Abzugsgründe ausser Betracht.
4.3 Nach Hochrechnung eines maximal angenommenen Jahreseinkommens im Jahr
2013 von Fr. 57'200.-- auf das Jahr 2016, resultiert nach Anpassung an die
Nominallohnentwicklung (vgl. Bundesamt für Statistik, T 39 Entwicklung der
Nominallöhne, Frauen) ein Valideneinkommen von Fr. 58'518.-- (Fr. 57'200.-- / 2648 x
2709). Bei einer 10%igen Arbeitsunfähigkeit und unter Berücksichtigung eines
(höchstens) 10%igen Tabellenlohnabzugs resultiert folglich ein Invalideneinkommen
von Fr. 44'211.-- ([Fr. 54'581.-- x 90%] x 0.9), ein Erwerbsausfall von Fr. 14'307.--
(Fr. 58'518.-- - Fr. 44'211.--) und folglich ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad
von abgerundet 24% (100 / Fr. 54'581.-- x Fr. 14'307.--). Damit hat die
Beschwerdegegnerin das Rentengesuch zu Recht abgelehnt
5.
5.1 Auf Grund der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde gegen die
angefochtene Verfügung vom 12. Mai 2017 abzuweisen.
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5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der
unterliegenden Beschwerdeführerin sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.--
aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu
befreien.
5.3 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte
und Rechtsagenten (HonO; sGS 963.75; in der vorliegend anwendbaren, seit 1. Januar
2019 gültigen Fassung, siehe Art. 30 HonO) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--.
Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat am 4. November 2019 eine
Kostennote über den Betrag von Fr. 6'720.50 (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer)
eingereicht (act. G 24). Begründet wird dieser Betrag nicht mit konkretem
erforderlichem Zeitaufwand, sondern ausschliesslich mit Pauschalen. Der geltend
gemachte Betrag ist nach der Praxis des Versicherungsgerichts übersetzt. In der
vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit erscheint mit Blick auf vergleichbare Fälle
(vgl. etwa den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 26.
November 2018, IV 2017/54) eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
angemessen (vgl. auch Verfügung des Versicherungsgerichts vom 21. April 2016 im
Verfahren IV 2016/21, IV-act. 177.2). Diese ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31
Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Somit hat der Staat die Rechtsvertreterin
der Beschwerdeführerin pauschal mit Fr. 2'800.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
5.4 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).
bis
bis
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