Decision ID: c57e53dc-b515-41bf-8364-ebe98c44dcaa
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_BRK
Chamber: ZH_BRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A.
Mit Verfügung [...] stellte die Baudirektion Kanton Zürich, Amt für Abfall,
Wasser, Energie und Luft (AWEL) fest, dass die bis zum Zeitpunkt des Kos-
tenverteilungsgesuchs anrechenbaren und zu verteilenden Kosten für altlas-
tenrechtliche Massnahmen betreffend den belasteten Standort Nr. [...] (Kat.-
Nrn. 1 und 2, L. 111, X) Fr. 81'782.35 exkl. MWST betragen (Dispositiv-Ziffer
I.1) und verlegte diese auf die A AG (Fr. 16'356.45; 20 %), die B AG (Fr.
56'429.80; 69 %) sowie - als Ausfallkosten - den Kanton Zürich (Fr. 8'996.10;
11 %) (Dispositiv-Ziffer I.2). Die A AG wurde verpflichtet, dem Kanton Zürich
innert 30 Tagen nach Rechtskraft der Verfügung und Rechnungsstellung ih-
ren Kostenanteil von Fr. 16'356.45 zu bezahlen, zuzüglich Verzugszins von
5 % nach Ablauf dieser Frist (Dispositiv-Ziffer I.3). Der Kanton Zürich wurde
zur Erstattung von Fr. 25'352.55 an die B AG innert 30 Tagen nach Rechts-
kraft der Verfügung verpflichtet (Dispositivziffer I.4). Sodann wurde festge-
halten, künftig anfallende altlastenrechtliche Kosten auf dem genannten be-
lasteten Standort würden gemäss Dispositivziffer I.2 verteilt, wobei die anre-
chenbaren Kosten im Rahmen eines separaten Verfahrens festgestellt wür-
den; sollten weitere Untersuchungen neue Erkenntnisse zu Tage fördern,
bleibe eine abweichende Kostenauflage vorbehalten (Dispositivziffer I.5).
Weiter wurde die B AG zur Leistung einer Sicherheit verpflichtet (Dispostiv-
Ziffer II). Schliesslich wurden die Gebühren für die Verfügung festgesetzt
(Dispositiv-Ziff. III.1), entsprechend den jeweiligen Verursacheranteilen der
A AG und der B AG überbunden (Dispositiv-Ziff. III.2) und im Übrigen auf die
Staatskasse genommen (Dispositiv-Ziff. III.3).
B.
Mit Eingabe vom 18. Oktober 2021 erhob die A AG fristgerecht Rekurs an
das Baurekursgericht des Kantons Zürich und stellte folgende Anträge:
" 1. a) Die Rekurrentin sei von der Tragung von Kosten für  Massnahmen betreffend den Standort KbS-Nr. [...] (L. 111, X) unter Anpassung der Kostenanteile und Kosten der übrigen  zu befreien (und der mit Ziff. I./2 der Verfügung vom 16.  2021 festgesetzte Kostenanteil der Rekurrentin somit auf 0% resp. CHF 0.00 festzulegen).
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b) Ziff. I./3 der Verfügung vom 16. September 2021 sei ersatzlos .
2. Ziff. III./2 sei so anzupassen, dass die A AG nicht zur Gebührentragung verpflichtet wird.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Gunsten der Rekurrentin."
C.
Mit Präsidialverfügung vom 20. Oktober 2021 wurde vom Rekurseingang
Vormerk genommen und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet. Die B AG,
die C AG und die D AG wurden als Mitbeteiligte in das Verfahren einbezogen.
D.
Mit Eingabe vom 15. November 2021 beantragte die Baudirektion unter Ver-
weis auf den Mitbericht des AWEL vom 12. November 2021 die Abweisung
des Rekurses. Die Mitbeteiligten verzichteten stillschweigend auf Einrei-
chung einer Vernehmlassung.
E.
Mit Replik vom 16. Dezember 2021 und Duplik vom 20. Januar 2022 (unter
Verweis auf den Mitbericht des AWEL vom 18. Januar 2022) hielten die Par-
teien an ihren Anträgen fest. Die Mitbeteiligten liessen sich nicht vernehmen.
F.
Auf die Vorbringen der Parteien wird, soweit zur Entscheidbegründung erfor-
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen.

Es kommt in Betracht:
R1S.2021.05133 Seite 4
1.
Die Rekurrentin ist als Adressatin der angefochtenen Verfügung und Eigen-
tümerin des Grundstücks Kat.-Nr. 1, auf welchem sich der ganz überwie-
gende Teil des belasteten Standorts befindet, ohne Weiteres gemäss § 21
des Verwaltungsrechtspflegegesetzes (VRG) zur Rekurserhebung legiti-
miert. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf den
Rekurs einzutreten. Dies muss insbesondere auch mit Blick auf die Qualifi-
kation des Anfechtungsobjekts gelten: Zwar ging das Verwaltungsgericht des
Kantons Zürich in einem Entscheid betreffend eine Kostenverteilung für alt-
lastenrechtliche Massnahmen, mit der - wie vorliegend - einerseits generell
ein Verteilschlüssel festgelegt und andererseits für die bereits bekannten
Kosten auch eine betragsmässige Aufteilung vorgenommen worden war, da-
von aus, dass es sich bei der angefochtenen Verfügung insgesamt um einen
Zwischenentscheid im Sinne von § 19a Abs. 2 VRG in Verbindung mit
Art. 92 f. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) handle, und bejahte eine - aus-
nahmsweise - Anfechtbarkeit lediglich unter Hinweis darauf, der Beschwer-
deführerin sei es angesichts eines Sanierungsunterbruchs und der voraus-
sichtlich erst in einem Zeitraum von zwei Jahrzehnten erfolgenden Sanierung
nicht zumutbar, sie auf die Anfechtung des Endentscheids zu verweisen
(VB.2017.00618 vom 28. Februar 2019, E. 1, insb. E. 1.4). Indessen lässt
sich der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Folgendes entnehmen: Von
einem Zwischenentscheid im Sinne des BGG wird ausgegangen, wenn eine
ausschliesslich prozentuale Festlegung der Kostenanteile erfolgt (BGr
1C_315/2020 vom 22. März 2021, E. 1.1); sind die Kostenanteile nicht nur
prozentual, sondern auch betragsmässig bzw. mit dem voraussichtlichen Be-
trag bestimmt worden, handelt es sich um einen Endentscheid (BGr
1C_515/2015 vom 2. Juni 2016, E. 1). In Konstellationen, in denen - wie vor-
liegend - neben einer teilweisen betragsmässigen Verteilung auch eine pro-
zentuale Verteilung festgelegt und für zukünftige Kosten als anwendbar er-
klärt wird, geht das Bundesgericht von einem Endentscheid aus (BGr
1C_18/2016 vom 6. Juni 2016, Sachverhalt lit. A und E. 1.1, unter Hinweis
darauf, die noch nicht feststehenden Kosten liessen sich mit hoher Genauig-
keit schätzen; BGE 142 II 232, Sachverhalt lit. A und nicht publizierte E. 1,
wobei die ausstehenden Kosten betreffend lediglich festgehalten wird, mit
welchem Betrag "schätzungsweise zu rechnen" sei). Für das vorliegende
Verfahren (in welchem in der angefochtenen Verfügung ebenfalls eine
Schätzung der zukünftigen Kosten erfolgt [Fr. 507'000.-- gemäss act. 3
S. 15]) ergibt sich somit, dass ein Eintreten auf den Rekurs nicht von der
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Erfüllung der - im kantonalen Recht ohnehin nur sinngemäss anwendbaren
- Voraussetzungen gemäss Art. 93 BGG abhängig ist. Dies erscheint inso-
fern sachgerecht, als es sich jedenfalls bei der betragsmässigen Verlegung
der bereits feststehenden Kosten zumindest um einen Teilendentscheid han-
delt, der mit Blick auf die ebenfalls statuierte Zahlungsverpflichtung unmittel-
bar anfechtbar sein muss. Insbesondere kann der Umstand, dass sich die
beantragte Abänderung der Quotenanteile aufgrund des Verweises in der -
formell nicht angefochtenen - Dispositiv-Ziffer I.5 auch auf die zukünftige
Kostenverteilung auswirken würde, nicht dazu führen, dass dem Rekurren-
ten eine Überprüfung der betragsmässig verlegten Kosten im jetzigen Zeit-
punkt gänzlich verwehrt bliebe. Zugleich erschiene aber eine verfahrensmäs-
sige Auftrennung der Anfechtbarkeit in dem Sinne, dass nur bezüglich der
betragsmässig verlegten Kosten eine Überprüfung der prozentualen Anteile
verlangt werden könnte, hinsichtlich der erst zukünftig betragsmässig festge-
stellten Kosten die Quoten aber als noch unüberprüft gelten würden, künst-
lich und prozessökonomisch unsinnig, nachdem in beiden Konstellationen
bezüglich der Quotenanteile grundsätzlich die gleichen Fragen zu beantwor-
ten sind. Entsprechend ist - in Übereinstimmung mit der Formulierung des
Rechtsbegehrens - davon auszugehen, dass mit der vorliegend beantragten
Abänderung des Kostenanteils der Rekurrentin letztlich generell deren Be-
freiung von einer Beteiligung an den Kosten altlastenrechtlicher Massnah-
men intendiert und bei Gutheissung des Rekurses auch erreichbar ist. Aus
diesem Grund besteht denn auch trotz eines betragsmässig festgelegten An-
teils von weniger als Fr. 20'000.-- keine Einzelrichterzuständigkeit im Sinne
von § 335 Abs. 2 lit. b des Planungs- und Baugesetzes (PBG).
2.
Dem Rekursverfahren liegt der folgende Sachverhalt zugrunde:
Der ca. 347 m2 umfassende belastete Standort Nr. [...] liegt zur Hauptsache
auf dem Grundstück Kat.-Nr. 1, im Umfang von ca. 12 m2 bzw. 3,5 % auf
dem Nachbargrundstück Kat.-Nr. 2 (weshalb auch dessen Eigentümerin, die
C AG als Mitbeteiligte in das vorliegende Rekursverfahren einbezogen
wurde). Bezüglich des Grundstücks Kat.-Nr. 1 bestanden seit 1932 die fol-
genden Nutzungsverhältnisse: Von 1932 bis 1944 war die G Garage auf dem
Grundstück tätig, während die Nutzung zwischen 1944 und 1970 unbekannt
R1S.2021.05133 Seite 6
ist. Anschliessend betrieb die E AG (welche später von der D AG übernom-
men wurde) bis 1975 ein Pneuhaus und in der Folge bis 1977 ein unbekann-
ter Nutzer eine Garage. Von 1977 bis 1979 diente das Grundstück der - mitt-
lerweile liquidierten - F AG als Betriebsstandort einer Autogarage. Seit 1979
betreibt die B AG auf dem Grundstück ein Pneuhaus.
Nachdem auf einem Nachbargrundstück der Parzelle Kat.-Nr. 1 eine starke
Verschmutzung des Grundwassers mit den chlorierten Kohlenwasserstoffen
(CKW) Trichlorethen (bzw. Trichlorethylen; Tri) und insbesondere Tetrachlo-
rethen (bzw. Tetrachlorethylen oder Perchlorethylen; Per) festgestellt wor-
den war, fanden bezüglich des Grundstücks Kat.-Nr. 1 zunächst eine histo-
rische Altlastenvoruntersuchung (vgl. act. 10.3 vom 10. August 2005) sowie
technische Voruntersuchungen statt (vgl. act. 10.5 vom 12. Dezember 2008
und act. 10.8 vom 23. Dezember 2010). Mit Verfügung vom 5. April 2011
(act. 10.9) hielt die Baudirektion fest, eine abschliessende Beurteilung be-
züglich Quelle und Herkunft der CKW-Belastung auf dem Areal L. 111 könne
mit den vorliegenden, sich teils widersprechenden Untersuchungsergebnis-
sen nicht vorgenommen werden. Da der Untergrund unter dem westlichen
Grundstückbereich mit grosser Wahrscheinlichkeit Belastungen über den
Grenzwerten "unverschmutzt" aufweise, wäre die Grundlage für einen belas-
teten Standort im Sinne von Art. 32c des Umweltschutzgesetzes (USG) ge-
geben. Die Baudirektion stütze jedoch die - gutachterliche - These einer ex-
ternen CKW-Quelle bis zum Vorliegen weiterer Erkenntnisse, weshalb sie
altlastenrechtliche Untersuchungen auf potenziellen weiteren CKW-
Standorten im Oberstrombereich auslöse. Bis zum Vorliegen neuer Erkennt-
nisse, die einen grossräumigen Zusammenhang der CKW-Verunreinigung
im Untergrund und Grundwasser ermöglichen würden, verzichte die Baudi-
rektion auf einen Eintrag der Liegenschaft in den Kataster der belasteten
Standorte (KbS). Basierend auf den Resultaten der erwähnten Untersuchun-
gen oder im Rahmen eines Bauvorhabens auf dem Grundstück Kat.-Nr. 1
behalte sich die Baudirektion die Anordnung von altlasten- und/oder abfall-
rechtlichen Massnahmen vor. Mit Kaufvertrag vom 4. Dezember 2014
(act. 5.4) verkaufte die B AG das Grundstück Kat.-Nr. 1 der A AG. Am 3. Juni
2015 verfügte das AWEL, ein Teilbereich des Grundstücks Kat.-Nr. 1 werde
gemäss Art. 8 Abs. 2 lit. b der Altlastenverordnung (AltlV) als belasteter und
sanierungsbedürftiger Standort beurteilt und neu im KbS unter der Nummer
[...] geführt; zugleich wurden zusätzliche Untersuchungen sowie eine Grund-
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wasserüberwachung angeordnet (act. 10.11). Nachdem die A AG mit Schrei-
ben vom 31. August 2017 (act. 10.18) die Einleitung eines Kostenvertei-
lungsverfahrens beantragt hatte, erliess das AWEL - nach vorgängiger Ge-
währung des rechtlichen Gehörs - die angefochtene Verfügung.
3.1
Gemäss Art. 32d USG trägt der Verursacher die Kosten für notwendige Mas-
snahmen zur Untersuchung, Überwachung und Sanierung belasteter Stand-
orte (Abs. 1). Sind mehrere Verursacher beteiligt, so tragen sie die Kosten
entsprechend ihren Anteilen an der Verursachung (Abs. 2 Satz 1). In erster
Linie trägt die Kosten, wer die Massnahmen durch sein Verhalten verursacht
hat (Abs. 2 Satz 2). Wer lediglich als Inhaber des Standortes beteiligt ist,
trägt keine Kosten, wenn er bei Anwendung der gebotenen Sorgfalt von der
Belastung keine Kenntnis haben konnte (Abs. 2 Satz 3). Das zuständige Ge-
meinwesen trägt den Kostenanteil der Verursacher, die nicht ermittelt wer-
den können oder zahlungsunfähig sind (Abs. 3). Die Rechtsprechung knüpft
für die Umschreibung des Verursacherbegriffs an den polizeirechtlichen Stö-
rerbegriff an und unterscheidet den Verhaltens- und den Zustandsstörer bzw.
-verursacher: Verhaltensverursacher im Sinne von Art. 32d USG ist, wer den
Schaden oder die Gefahr selbst oder durch das unter seiner Verantwortung
erfolgende Verhalten Dritter unmittelbar verursacht (bzw. mitverursacht) hat.
Als Zustandsstörer wird bezeichnet, wer über die Sache, die den ordnungs-
widrigen Zustand verursacht, rechtliche oder tatsächliche Gewalt hat. Dazu
gehört insbesondere derjenige, der im Zeitpunkt der Sanierung Inhaber des
belasteten Grundstücks ist (BGE 144 II 332, E. 3.1, mit weiteren Hinweisen).
Die Behörde hat im Kostenverteilungsverfahren den rechtserheblichen Sach-
verhalt von Amtes wegen abzuklären, wobei die Parteien eine Mitwirkungs-
pflicht trifft (Art. 46 Abs. 1 USG). Während in der Regel der Beweis als er-
bracht gilt, wenn die Behörde bzw. der Richter nach objektiven Massstäben
von der Verwirklichung einer Tatsache überzeugt ist, gilt in gewissen Rechts-
bereichen der Beweismassstab der überwiegenden Wahrscheinlichkeit, weil
ein strikter Beweis nach der Natur der Sache nicht möglich oder nicht zumut-
bar erscheint. Im Bereich des Altlastenrechts hat das Bundesgericht die
überwiegende Wahrscheinlichkeit für den Anteil der Mitverursachung bzw.
die Kausalität genügen lassen, die sich - vorab wegen des Zeitablaufs - nicht
mit letzter Sicherheit bestimmen lasse (BGE 144 II 332, E. 4.1.2, mit weiteren
Hinweisen).
R1S.2021.05133 Seite 8
3.2
In der angefochtenen Verfügung wird die Kostenverteilung wie folgt begrün-
det: Weil die G Garage von nicht im - für einen altlastenrechtlich relevanten
Einsatz von CKW - kritischen Zeitraum von 1950 bis 1985 betrieben worden
sei, könne eine Verursachung der Belastung durch den Betrieb dieser Ga-
rage ausgeschlossen werden. Auch sei nicht belegbar bzw. nicht überwie-
gend wahrscheinlich, dass die D AG CKW-haltige Substanzen eingesetzt
und dadurch die CKW-Belastung am Standort verursacht habe. Demgegen-
über sei belegt, dass die B AG CKW-haltige Mittel eingesetzt habe. Zwar
gebe diese an, sie habe nur Lösungsmittel, die Tri enthalten, verwendet,
weshalb sie nicht Verursacherin der Grundwasserbelastung mit dem Haupt-
schadstoff Per sein könne. Als Nachweis würden lediglich drei Bestell-/Lie-
ferscheine aus den Jahren 2005 bis 2007 eingereicht (vgl. act. 10/17, An-
hang G). Aufgrund der Branchenüblichkeit gehe das AWEL davon aus, dass
auf dem fraglichen Grundstück von etwa 1975 bis mindestens 2007 CKW-
haltige Produkte und dabei bis 2004 Per-haltige Produkte eingesetzt worden
seien. Da zwei Jahre des letztgenannten Zeitraums auf den Betrieb eines
Unbekannten (1975-1976), weitere zwei Jahre auf den Betrieb der F AG
(1977-1978) und 25 Jahre auf die B AG (1979-2004) entfallen würden, sei
die fragliche Zeitdauer zu 86 % der B AG und zu je 7 % der F AG und dem
unbekannten Nutzer zuzuschreiben.
Neben diese Verhaltensstörer trete aufgrund der Grundeigentümerstellung
die Rekurrentin als Zustandsstörerin. Diese könne sich von der Kostentra-
gungspflicht nicht befreien, da im Erwerbszeitpunkt zwar das Grundstück
nicht im KbS eingetragen gewesen sei, jedoch altlastenrechtliche Untersu-
chungen seit 2004 im Gang gewesen seien und der Rekurrentin zudem be-
kannt gewesen sei, dass auf dem Grundstück seit langer Zeit eine Autowerk-
statt (Garage) betrieben werde, welche noch immer in Betrieb sei. Die Re-
kurrentin hätte mit der Möglichkeit der Belastung rechnen können und dem-
entsprechend Abklärungen durchführen müssen. Daran ändere auch die Be-
rufung auf vor Vertragsschluss erfolgte Kontakte mit dem AWEL, bei denen
der fehlende Eintrag im KbS kommuniziert worden sei, nichts, zumal es nicht
Aufgabe des AWEL sei, im Rahmen von Grundstücksverkäufen eine Ein-
schätzung für mögliche altlastenrechtlich relevante Belastungen bei nicht
vorhandenem KbS-Eintrag abzugeben. Nicht zu berücksichtigen sei auch die
im Kaufvertrag enthaltene Klausel, wonach der Verkäufer erkläre, dass ihm
R1S.2021.05133 Seite 9
keine Abfall- oder Schadstoffbelastungen bekannt seien, und wonach bei wi-
der Erwarten hervortretenden Altlasten der Verkäufer sich verpflichte, für die
Kosten der Beseitigung aufzukommen; dies insbesondere deshalb, weil es
nicht Gegenstand der angefochtenen Verfügung sein könne, die fragliche
Klausel auszulegen und die vertragsrechtlichen Folgen des Umstands zu er-
örtern, dass die verkäuferseitige Zusicherung offenbar wider besseres Wis-
sen erfolgt sei.
Hinsichtlich der Festlegung der Kostenanteile wird sodann ausgeführt, es sei
naheliegend, dass ein saniertes Grundstück wertmässig höher zu bewerten
sein werde als ein potentiell sanierungsbedürftiges; der Grundstückswert
dürfte sich grundsätzlich mit jeder durchgeführten altlastenrechtlichen Mas-
snahme um deren Kosten erhöhen. Den Kaufpreis betreffend sei zu berück-
sichtigen, dass die Rekurrentin aufgrund des Unternehmenszwecks als bran-
chenkundige Fachperson gelten könne, wobei bei Mitwirkung von Fachper-
sonen grundsätzlich davon auszugehen sei, dass sich die Belastung bzw.
das sich aus ihr ergebende finanzielle Risiko im Kaufpreis niedergeschlagen
habe. Im Kaufvertrag würden sich keine ausdrücklichen Angaben finden, ob
der bezahlte Kaufpreis untersetzt sei. Die Rekurrentin habe jedoch nach ei-
gener Darstellung (im Rahmen der Standortdokumentation [act. 10.17]) ei-
nen vertraglichen Anspruch auf Rückvergütung der "mit der Beseitigung sol-
cher Altlasten entstehenden Kosten". Damit werde die Rekurrentin einerseits
von der Wertsteigerung des Grundstücks profitieren und andererseits die
entstehenden Kosten zumindest teilweise von der B AG (als Verkäuferin) zu-
rückverlangen können. Im Endeffekt bewirke diese Klausel das Gleiche wie
ein untersetzter Kaufpreis, weshalb von einem wirtschaftlichen Vorteil aus-
zugehen sei. Dieser sei aufgrund der Lage des Grundstücks und dessen
Baulandeigenschaft zudem nicht unwesentlich. Das Bonitätsrisiko der Ver-
einbarung müsse die Rekurrentin tragen. Damit rechtfertige sich eine Kos-
tentragung der Rekurrentin als reine Standortinhaberin von insgesamt 20 %.
Entsprechend würden 69 % auf die B AG und je 5,5 % auf die F AG und den
unbekannten Nutzer entfallen, wobei die Kostenanteile der beiden Letztge-
nannten, mithin insgesamt 11 % der Kosten, der Kanton als Ausfallkosten
übernehme.
R1S.2021.05133 Seite 10
4.1.1
Die Rekurrentin rügt zunächst, dass sie zu Unrecht nicht gestützt auf Art. 32d
Abs. 2 Satz 3 USG von der Kostentragungspflicht befreit worden sei. Im Zeit-
punkt der Veräusserung habe die B AG als Verkäuferin auf dem Grundstück
"ein Pneuhaus / einen Pneuwechsel" betrieben, d.h. Felgen und Reifen von
Fahrzeugen gewechselt. Entgegen der angefochtenen Verfügung habe sie
somit keine "Werkstatt (Garage)" betrieben. Insoweit sei der Sachverhalt feh-
lerhaft festgestellt worden. Aufgrund einer Besichtigung des Grundstücks sei
die Rekurrentin über den Pneuwechselbetrieb informiert gewesen; weitere
Kenntnisse habe sie jedoch nicht gehabt und aufgrund der Tätigkeit der B
AG auch nicht haben können. Auf Erkundigung der Rekurrentin habe ihr die
Verkäuferin sodann mitgeteilt, dass sie keine Kenntnisse von Schadstoffbe-
lastungen auf dem Grundstück habe und dieses nicht im KbS eingetragen
sei. Entsprechend hätten die Parteien die fragliche Klausel im Kaufvertrag
formuliert. Die Rekurrentin habe keinen Grund gehabt, diesen Angaben nicht
zu trauen oder sie zu hinterfragen. Schliesslich habe die Rekurrentin auch
eigene Abklärungen vorgenommen: UN, der für sie kollektiv zeichnungsbe-
rechtigt sei, habe sich in ihrem Auftrag beim AWEL telefonisch und anlässlich
eines spontanen persönlichen Besuchs nach möglichen Belastungen und
der Altlastensituation des Grundstücks erkundigt. Dabei sei ihm stets kom-
muniziert und dokumentiert worden, dass das Grundstück nicht im KbS ein-
getragen sei. Hinweise, wonach eine Belastung zu erwarten sei, seien nicht
mitgeteilt worden. Dies sei wohl darauf zurückzuführen, dass auch die ange-
fragte Person im AWEL aufgrund des fehlenden Eintrags im KbS (bzw. im
ursprünglichen Verdachtsflächenkataster [VFK]) davon ausgegangen sei,
dass für die fragliche Liegenschaft kein Altlastenverdacht vorliege. Nicht
nachvollziehbar sei, weshalb es das AWEL in den Jahren 2008 bis 2010 trotz
der durchgeführten Altlastenuntersuchungen unterlassen habe, einen Ein-
trag im KbS vorzunehmen, wäre ein solcher doch zwingend angezeigt gewe-
sen, da mit grosser Wahrscheinlichkeit zu erwarten gewesen sei, dass auf
der Parzelle ein belasteter Standort vorliegen könnte. Nach Erlass der Ver-
fügung vom 5. April 2011 (act. 10.9; vgl. dazu E. 2) habe es bis zum Eintrag
im KbS mit Verfügung vom 3. Juni 2015 (act. 10.11) in Bezug auf die Belas-
tung des Standorts keine neuen Erkenntnisse mehr gegeben. Es sei nicht
nachvollziehbar, weshalb der Eintrag nicht bereits 2011 oder zumindest 2013
erfolgt sei. Der fehlende Eintrag im VKF bzw. KbS vor dem 3. Juni 2015 be-
weise, dass ein Altlastenverdacht sogar für die Fachpersonen des AWEL
R1S.2021.05133 Seite 11
aufgrund der Betriebe am Standort nicht zu erwarten gewesen sei. Der Ein-
trag sei denn auch nicht aufgrund der Kenntnisse des AWEL über die Be-
triebe, sondern über die nachgewiesenen Grundwasserbelastungen, die der
Rekurrentin aber im Erwerbszeitpunkt nicht bekannt gewesen seien, erfolgt.
Der weniger fachkundigen Rekurrentin könnten die fehlenden Kenntnisse
nicht zum Vorwurf gemacht werden. Der an die Rekurrentin gerichtete Vor-
wurf eines unsorgfältigen Vorgehens treffe nicht zu resp. falle aufgrund der
unterlassenen Eintragung des Standorts im KbS auf die Vorinstanz zurück.
Die Rekurrentin habe bei Anwendung der gebotenen Sorgfalt von der Belas-
tung keine Kenntnis haben können.
4.1.2
In ihrer Vernehmlassung entgegnet die Vorinstanz ergänzend zur angefoch-
tenen Verfügung, bei der Rekurrentin handle es sich um eine professionelle
Immobiliengesellschaft. Es könne seit Längerem als allgemein bekannt gel-
ten, dass Betriebe im Zusammenhang mit Motorfahrzeugen ("allgemeines
Autogewerbe") umweltgefährdende Stoffe verwenden würden; dies gelte un-
abhängig davon, ob es sich um eine eigentliche Werkstatt oder um ein Pneu-
haus handle, würden doch CKW zum Reinigen und Entfetten eingesetzt (wo-
bei die Vorinstanz in diesem Zusammenhang auf den Leitfaden Chlorierte
Kohlenwasserstoffe [CKW], Stoffeigenschaften, von Mai 2008, aktualisierte
Version September 2009 [im Folgenden: ChloroNet Leitfaden] verweist). Das
Pneuhaus und die dafür eingerichteten Garagenräumlichkeiten seien im Zeit-
punkt des Grundstückerwerbs noch vorhanden und für die Rekurrentin er-
kennbar gewesen, weshalb diese mit der Möglichkeit einer Belastung habe
rechnen müssen. Auch habe sie nicht darauf vertrauen dürfen, dass in der
Vergangenheit keine Reparaturen und dergleichen durchgeführt worden
seien. Dem Vorwurf, wonach das AWEL nicht die nötigen Auskünfte erteilt
habe, sei entgegenzuhalten, dass bei Erkundigung danach, ob ein Kataster-
Eintrag bestehe, die entsprechende Auskunft ("ja/nein") erteilt werde. Aus-
kunft darüber, ob allenfalls bereits Untersuchungen vorgenommen worden
seien und ein Katastereintrag drohe, könnten - wenn dies nicht spezifisch
verlangt werde - jedoch nicht erteilt werden, da dafür Nachforschungen er-
forderlich wären, zu denen nur bei entsprechender Nachfrage Anlass be-
stehe. Dass die Rekurrentin generell solche Informationen angefragt und
diese nicht erhalten habe, scheine äusserst zweifelhaft und werde bestritten.
Auch aus dem Umstand, dass der Standort erst nach dem Erwerb des
Grundstücks in den KbS eingetragen worden sei, könne die Rekurrentin
R1S.2021.05133 Seite 12
nichts herleiten. Ein fehlender Katastereintrag führe nicht per se zum Gelin-
gen des Sorgfaltsbeweises, zumal sich die Frage der Kenntnis einer mögli-
chen Belastung fast immer bei im Erwerbszeitpunkt nicht eingetragenen
Grundstücken stellen dürfte, da ein KbS-Eintrag einer Befreiung von vornhe-
rein entgegenstünde. Unzutreffend sei, dass das AWEL keine mögliche Be-
lastung erkannt habe, andernfalls keine Untersuchungen angeordnet worden
wären. Die Belastungssituation sei aber lange mit Unklarheiten bezüglich Ur-
sache, Ausmass und Ausdehnung verbunden gewesen; zudem seien neue
wissenschaftliche Erkenntnisse abgewartet worden, die auf der Plattform
ChloroNet erschienen seien. Es mache keinen Sinn, gestützt auf eine un-
klare Faktenlage einen Standort auf Vorrat im KbS einzutragen. Zudem sei
es schlicht nicht möglich, sämtliche möglichen belasteten Standorte gleich-
zeitig und innert derselben Frist zu erfassen und zu untersuchen.
4.1.3
Die Rekurrentin bringt in der Replik ergänzend vor, es werde bestritten, dass
bekannt sei, dass Betriebe im Zusammenhang mit Motorfahrzeugen umwelt-
gefährdende Stoffe verwendeten. Dies treffe auf den Pneuwechsel und
Pneuhandel nicht zu. Beim im Handelsregisterauszug der B AG genannten
"Handel mit Autoreifen, Felgen und weiteren branchenbezogenen Artikeln"
handle es sich nicht um einen Betrieb im Zusammenhang mit Motorfahrzeu-
gen, für den Wechsel und Verkauf von Pneus und Felgen würden in der Re-
gel keine Lösungsmittel eingesetzt und vor Ort sei keine Werkstatt zu erken-
nen gewesen, was noch heute so sei und nötigenfalls an einem Augenschein
verifiziert werden könne. Weiter sei das Mass der gebotenen Sorgfalt tiefer,
wenn einem Käufer seitens des Verkäufers eine Zusicherung gemacht
werde, dass keine Belastungssituation bekannt sei. Hinsichtlich der Anfrage
beim AWEL wird geltend gemacht, dieses wäre gestützt auf Art. 10e ff. USG
und das Öffentlichkeitsprinzip zur umfassenden Information verpflichtet ge-
wesen. Sodann habe die Rekurrentin vom Leitfaden ChloroNet keine Kennt-
nis gehabt. Die Rekurrentin macht überdies Ausführungen zur Erhebung des
VFK und dessen Überführung in den KbS und wiederholt in diesem Zusam-
menhang, der Nicht-Eintrag durch das AWEL sei bewusst erfolgt, weil bei
einem Pneuhaus gerade nicht von einer Belastung auszugehen sei. Weiter
vermöge das AWEL nicht zu erklären, welche neuen wissenschaftlichen Er-
kenntnisse zu einer Neubewertung der Situation geführt haben sollten; dies
werde somit bestritten. Es sei nicht erklärbar, weshalb das AWEL, nachdem
ihm die - gemäss Verfügung vom 3. Juni 2015 (act. 10.11; vgl. E. 2) zur
R1S.2021.05133 Seite 13
Hauptsache relevante - Porenluftuntersuchung vom 7. Juni 2011 (act. 10.10)
vorgelegen habe, fast vier Jahre mit einem Eintrag im KbS zugewartet habe.
Die Vorinstanz weist demgegenüber in ihrer Duplik darauf hin, mindestens
die Möglichkeit einer umweltrechtlich relevanten Belastung sei offensichtlich
auch für die Rekurrentin erkennbar gewesen, andernfalls keine Altlasten-
klausel im Kaufvertrag vereinbart worden wäre. Hinsichtlich der vor dem
Grundstückserwerb erfolgten Erkundigung beim AWEL sei zu beachten,
dass sich eine umfassende Anfrage (bzw. die Offenlegung aller Dokumente)
nach dem Gesetz über die Information und den Datenschutz (IDG) gerichtet
hätte und daher ohnehin schriftlich zu stellen gewesen wäre, wobei zudem
insbesondere die Einwilligung der Grundeigentümerin einzuholen gewesen
wäre.
4.2.1
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum Sorgfaltsbeweis im
Sinne von Art. 32d Abs. 2 Satz 3 USG kann sich der Standortinhaber auf
eine Unkenntnis der Belastung nur berufen, wenn ihm keine Anhaltspunkte
bekannt waren oder hätten bekannt sein müssen, aufgrund derer nach der
Verkehrsanschauung mit der Möglichkeit einer Belastung zu rechnen war.
Derartige Anhaltspunkte können sich beispielsweise aus dem Nutzungsplan,
aus dem Grundbuch oder aus dem Kataster der belasteten Standorte, aber
auch aufgrund der tatsächlichen Nutzung des Grundstücks durch Rechtsvor-
gänger oder sonstiger Umstände des Einzelfalls ergeben (BGE 142 II 232,
E. 4.3).
4.2.2
Wie die Rekurrentin selbst festhält, war ihr im Erwerbszeitpunkt bekannt,
dass auf dem Grundstück im damaligen Zeitpunkt ein von der B AG geführter
Pneuwechselbetrieb bestand. Dass lediglich ein reiner Pneuhandel betrie-
ben worden wäre - wovon bei isolierter Betrachtung des Handelsregisteraus-
zugs (vgl. act. 5.3) unter Umständen hätte ausgegangen werden können -,
macht sie damit zu Recht nicht geltend. Entgegen den rekurrentischen Vor-
bringen muss nun aber bereits im Zusammenhang mit einem Pneuwechsel-
betrieb mit dem Einsatz von CKW-haltigen Substanzen gerechnet werden.
Entsprechend weist bezüglich der vorliegend betroffenen Parzelle denn auch
bereits die Verfügung vom 5. April 2011 darauf hin, die Betriebsgeschichte
R1S.2021.05133 Seite 14
zeige, dass die B AG für die Befestigung von Auswuchtblei an Aluminiumfel-
gen das Lösungsmittel Tri für das Entfetten von Klebstellen verwendet habe,
wobei die 5-Liter-Gebinde (Blechkanister) im ebenerdigen Anbau des Wohn-
hauses gelagert worden seien (act. 10.9 S. 2; vgl. im Detail die historische
Altlastenvoruntersuchung vom 10. August 2005 [act. 10.3], S. 4 f.). In glei-
cher Weise wird die Verwendung von Tri in der - von der Rekurrentin zusam-
men mit dem Kostenverteilungsgesuch eingereichten - Standortdokumenta-
tion aufgeführt, unter Verweis auf entsprechende Angaben eines seit 1985
im Betrieb tätigen Mitarbeiters sowie der in E. 3.2 bereits erwähnten Bestell-
und Lieferscheine (act. 10.17 S. 8 und Anhang G).
Hinzu kommt nun, dass mit der im Erwerbszeitpunkt bestehenden und der
Rekurrentin unbestrittenermassen bekannten Nutzung des Areals unter an-
derem als Pneuwechselbetrieb eine Nähe zum Autogewerbe bestand, die
ihrerseits dazu führte, dass ohne weitergehende Abklärungen (namentlich
zur Betriebsgeschichte) auch mit der Möglichkeit des Einsatzes anderer
CKW-haltiger Substanzen und damit einer entsprechenden Belastung ge-
rechnet werden musste. Insofern kann es daher auch nicht darauf ankom-
men, dass vorliegend die massgebliche Belastung mit Per erfolgte, da auf-
grund der genannten Umstände auch für den Einsatz dieses Stoffes Anhalts-
punkte im Sinne der zitierten Rechtsprechung bestanden. Die im Leitfaden
Chloronet enthaltene Übersicht der möglichen CKW-Anwendungen nach
Branchen bestätigt, dass für das Allgemeine Autogewerbe sowohl bezüglich
Tri als auch bezüglich Per eine Verwendung als wahrscheinlich erachtet wird
(Leitfaden Chloronet, S. 4). Unerheblich ist, ob die Rekurrentin konkret vom
genannten - aus den Jahren 2008/2009 stammenden - Leitfaden Kenntnis
hatte; entscheidend ist allein, dass im Erwerbszeitpunkt (2014) aufgrund des
damaligen Kenntnisstandes bezüglich CKW-Belastungen jedenfalls eine
professionelle Immobiliengesellschaft wie die Rekurrentin ausgehend von
der tatsächlichen Nutzung des Grundstücks - und zwar wie aufgezeigt so-
wohl der spezifischen Nutzung als Pneuwechselbetrieb als auch der damit
bestehenden Nähe zum allgemeinen Autogewerbe im Sinne möglicher
früherer Nutzungen - Anhaltspunkte für die Verwendung entsprechender um-
weltrelevanter Stoffe hätte haben müssen. Unter diesen Umständen, na-
mentlich mit Blick auf die unstrittige Nutzung als Pneuwechselbetrieb, er-
weist sich denn auch der in der Replik erwähnte Augenschein (bezüglich der
Frage, ob auf dem Grundstück eine Werkstatt vorhanden sei) als entbehrlich,
R1S.2021.05133 Seite 15
umso mehr, als damit die allein massgeblichen Verhältnisse im Erwerbszeit-
punkt ohnehin nicht eruierbar wären.
4.2.3
An dieser Einschätzung vermögen sodann die seitens der Rekurrentin ange-
führten Erkundigungen bei der Verkäuferin und die von dieser abgegebene
Zusicherung nichts zu ändern. Im Kaufvertrag (act. 5.4) wird insoweit in
Ziff. V.1 unter dem Titel "Gewährleistung / Altlasten" unter anderem Folgen-
des festgehalten: "Nach Einsicht durch den Käufer in den Kataster der be-
lasteten Standorte und Altlastenverdachtsflächen-Kataster (Stand
30.05.2014) des GIS-Zentrum, S.-Strasse 14 in X, kann festgestellt werden,
dass sich das Kaufobjekt nicht darin befindet. [Absatz] Der Verkäufer erklärt
somit, dass kein Verdacht auf verborgene Mängel besteht und ihm insbeson-
dere keine Abfall- oder Schadstoffbelastungen bekannt sind, welche zu einer
Qualifikation des Kaufobjektes als belasteter Standort bzw. als Altlast i.S. der
Umweltschutzgesetzgebung (USG) führen würden, und sich das Kaufobjekt
nicht im Kataster der belasteten Standorte bzw. über die Altlasten befindet.
[Absatz] Sollten wider Erwarten Altlasten (Abfall) im Sinne des Amtes für Ab-
fall, Wasser, Energie und Luft (AWEL), Zürich, respektive nach der Umwelt-
schutzgesetzgebung hervortreten, verpflichtet sich der Verkäufer für die mit
der Beseitigung solcher Altlasten entstehenden Kosten alleine aufzukom-
men."
Festzuhalten ist vorab, dass eine solche vertragliche Regelung der privat-
rechtlichen Gewährleistung nicht per se zu einer Befreiung des Käufers von
der öffentlich-rechtlichen Kostenbeteiligung nach Massgabe des Altlasten-
rechts führen kann, hätten es doch die privaten Parteien andernfalls in der
Hand, durch entsprechende Vertragsgestaltung die Kostenbeteiligung des
Standortinhabers und Zustandsstörers bzw. die spezifischen altlastenrecht-
lichen Voraussetzungen eines allfälligen Verzichts auf dessen Inanspruch-
nahme zu unterlaufen. Entsprechendes macht die Rekurrentin zu Recht
auch gar nicht geltend, wobei im Übrigen darauf hinzuweisen ist, dass auch
der grundsätzlich anerkannten Berücksichtigung eines liquiden zivilrechtli-
chen Innenverhältnisses im Rahmen der Kostenverteilung (vgl. Pierre
Tschannen, Kommentar zum Umweltschutzgesetz, 2. Aufl., Hrsg. Vereini-
gung für Umweltrecht/Helen Keller, Zürich 1998 ff., Art. 32d Rz. 31) vorlie-
gend keine gesonderte Bedeutung zukäme, da sie sich mit der Frage der
Berücksichtigung der Belastung im Rahmen der Preisfindung überschneidet
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(vgl. zu Letzterem E. 5.3). Soweit die Rekurrentin demgegenüber wie aufge-
zeigt davon ausgeht, die fragliche Zusicherung wirke sich zu ihren Gunsten
auf die Möglichkeit, den Sorgfaltsbeweis im Sinne von Art. 32d Abs. 2 Satz
3 USG zu führen, aus, ist ihr zu widersprechen. Unzutreffend ist zunächst,
dass bei erfolgter Zusicherung seitens des Verkäufers von vornherein das
Mass der gebotenen Sorgfalt tiefer anzusetzen wäre. Eine solche Differen-
zierung findet weder im Gesetz noch in der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung eine Stütze und erscheint - mit Blick auf die vorstehend erwähnte
Problematik einer Parteidisposition über die Voraussetzungen der altlasten-
rechtlichen Kostenbeteiligung - auch nicht sachgerecht. Soweit sich die Re-
kurrentin sodann darauf beruft, sie habe keinen Grund gehabt, die Angaben
der Verkäuferin zu hinterfragen, so erweist sich auch dieses Argument als
unbehelflich, nachdem - wie in E. 4.2.2 dargelegt - gerade Anhaltspunkte für
eine mögliche Belastung bestanden und sich die Rekurrentin als Käuferin
hinsichtlich der dadurch gebotenen weitergehenden Abklärungen selbstre-
dend nicht mit einer blossen gegenteiligen Zusicherung der anderen Ver-
tragspartei zufriedengeben durfte.
4.2.4
Nichts anderes gilt hinsichtlich der von der Rekurrentin angeführten Erkundi-
gungen beim AWEL. Zu Recht weist die Vorinstanz insoweit darauf hin, dass
eine blosse Anfrage betreffend Erfassung des Grundstücks im Kataster der
belasteten Standorte keine umfassende spontane Informationspflicht der Be-
hörde auszulösen vermag. Etwas anderes ergibt sich weder aus Art. 10e ff.
USG noch aus dem Öffentlichkeitsprinzip. Im Gegenteil ist der Vorinstanz
auch insoweit zuzustimmen, als die fraglichen Auskünfte - nebst einer ent-
sprechenden Formulierung der Anfrage - an weitergehende Voraussetzun-
gen (namentlich betreffend die Zustimmung der damaligen Grundeigentüme-
rin) gebunden gewesen wären. Die Rekurrentin hat jedoch nicht substantiiert
dargetan, dass sie überhaupt eine entsprechende, über die blosse Abfrage
des Eintrags im KbS hinausgehende Anfrage gestellt hätte. Darauf, dass sol-
ches nicht der Fall gewesen sein dürfte, weist neben der (trotz der in Art. 46
Abs. 1 USG statuierten Mitwirkungspflicht) fehlenden Dokumentation auch
die in E. 4.2.3 zitierte Formulierung im Kaufvertrag hin, die lediglich eine Ein-
sicht der Käuferin in den KbS, jedoch keine weitergehenden Anfragen an das
AWEL erwähnt. Gleiches gilt für die seitens der Rekurrentin zitierte E-Mail
von UN (vgl. act. 10.39 [Beilage 4]). Bei dieser Sachlage kann im Sinne einer
antizipierten Beweiswürdigung auf die von der Rekurrentin als Beweisofferte
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genannte Zeugenbefragung von UN verzichtet werden (was im Übrigen - im
Lichte des in E. 4.2.3 Ausgeführten - in gleicher Weise auch für die Zeugen-
befragung von UN zum Gegenstand der Angaben der Verkäuferin gilt).
Unbehelflich ist schliesslich auch die rekurrentische Argumentation betref-
fend den im Erwerbszeitpunkt fehlenden Eintrag im KbS (sowie das vorgän-
gige Fehlen eines Eintrags im VFK). Zunächst kann aus dem blossen Fehlen
eines entsprechenden Eintrags nicht abgeleitet werden, dass keine Hinweise
auf eine mögliche Belastung bestanden hätten, wäre doch andernfalls der in
Art. 32d Abs. 2 Satz 3 USG vorgesehene Sorgfaltsbeweis letztlich deckungs-
gleich mit der Frage des Vorliegens oder Nichtvorliegens eines KbS-Ein-
trags, was weder der gesetzlichen Konzeption noch der in E. 4.2.1 wieder-
gegebenen bundesgerichtlichen Rechtsprechung entspricht. Zu beachten ist
dabei, dass im Gegensatz zum Misslingen des Sorgfaltsbeweises - für das
es bereits genügt, dass Anhaltspunkte hätten bekannt sein müssen, auf-
grund derer mit der Möglichkeit einer Belastung zu rechnen war - für den
Eintrag in den KbS vorausgesetzt wird, dass bei einem bestimmten Standort
feststeht oder mit grosser Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist, dass er belas-
tet ist (Art. 5 Abs. 3 AltlV). Was sodann den konkret in Frage stehenden
Standort betrifft, so ergibt sich bereits aus der Verfügung vom 5. April 2011
(act. 10.9), dass entgegen der Rekurrentin eine Belastung nicht ausge-
schlossen, sondern im Gegenteil als möglich erachtet wurde, jedoch eine
abschliessende Beurteilung noch nicht vorgenommen werden konnte (vgl.
hierzu bereits E. 2). Diese Einschätzung ist plausibel, stand doch aufgrund
der damals vorliegenden Messungen, die im Oberstrombereich eine höhere
CKW-Summenkonzentration als im Abstrombereich auswiesen, die These
einer ausserhalb des Grundstücks Kat.-Nr. 1 zu verortenden Quelle der Be-
lastung im Raum (vgl. act. 10.9, insbesondere S. 2 f.). Auch wenn zugleich
für die Per-Konzentration das umgekehrte Verhältnis ermittelt worden war,
liess sich insoweit erst sagen, dass dieser Sachverhalt tendenziell für die
These einer Per-Quelle unter dem Wohn- und Bürogebäude oder aber knapp
westlich davon (im Strassenbereich) sprechen würde und zumindest davon
ausgegangen werden könne, dass sich die Quelle oder eine von mehreren
Quellen im flachen Grundwassergebiet befinde (act. 10.9 S. 4). Dass daher
nicht umgehend ein KbS-Eintrag erfolgte, sondern zunächst die These einer
externen CKW-Quelle gestützt und altlastenrechtliche Untersuchungen auf
potenziellen weiteren CKW-Standorten im Oberstrombereich ausgelöst wur-
den (act. 10.9 S. 5), ist daher nicht zu beanstanden. Wie sich der Verfügung
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des AWEL vom 3. Juni 2015 entnehmen lässt, ergab die Anfang Juni 2011
auf der entgegengesetzten Strassenseite im Abschnitt [...] (und damit noch
nicht im gesamten Oberstrombereich [vgl. zu dessen Lage act. 10.5, insb.
Anhang 3 und act. 10.8, insb. Anhang 1]) durchgeführte Porenluft-Messkam-
pagne (vgl. dazu act. 10.10) keine bzw. nur Spurenbelastungen mit CKW. In
der genannten Verfügung wird sodann festgehalten, auch weitere, in jünge-
rer Vergangenheit durchgeführte Untersuchungen von untersuchungsbe-
dürftigen Standorten im näheren und weiteren Umfeld der Liegenschaft L.
111 hätten keine Hinweise auf Schadstoffmigrationen, die sich nachteilig auf
diesen Standort auswirken würden, gezeigt. Basierend auf der aktuellen Da-
tenlage müsste die These des Standortgutachters betreffend externe CKW-
Quelle weitestgehend widerlegt werden. Schliesslich seien zwischenzeitlich
auf der ChloroNet-Plattform die Standortabgrenzungs- bzw. -eintragungskri-
terien festgelegt worden. Gestützt auf die entsprechende Publikation würden
die im Rahmen der Porenluftmessungen ermittelten Konzentrationswerte ei-
nen Eintrag in den KbS als belasteter Betriebsstandort rechtfertigen. In der
gleichen Verfügung wird schliesslich auch dargelegt, im Bereich der Liegen-
schaft L. 111 sei eine eindeutige Grundwasserfliessrichtung nicht erkennbar,
weshalb eine recht hohe Wahrscheinlichkeit bestehe, dass die in der Ober-
strommessstelle gemessenen CKW-Konzentrationen vom Standort "L. 111"
stammten und durch den pumpbedingten Absenktrichter angezogen worden
seien (vgl. zum Ganzen act. 10.11 S. 2 f.). Wie sich den zitierten Erwägungen
entnehmen lässt, ist entgegen dem rekurrentischen Vorbringen nachvollzieh-
bar, weshalb der Eintrag des streitbetroffenen Standorts erst mit Verfügung
vom 3. Juni 2015 erfolgt ist und weshalb dieser insbesondere auch nicht un-
mittelbar nach Vorliegen der Porenluftuntersuchungen betreffend L. 114 und
120 im Jahr 2011 vorgenommen wurde. Vor allem aber ist klar erkennbar,
dass der Eintrag vorgängig nicht deshalb unterblieben war, weil das AWEL
keine Anhaltspunkte, aufgrund derer mit der Möglichkeit einer Belastung zu
rechnen war, erkannt hätte. Ausschlaggebend war vielmehr die Notwendig-
keit einer die Umgebung miteinbeziehenden Gesamtbetrachtung, um Klar-
heit über die Quelle der Belastung zu erlangen und die ursprüngliche gut-
achterliche These einer externen Quelle ausschliessen zu können. Kann so-
mit entgegen der Rekurrentin aus dem im Erwerbszeitpunkt fehlenden KbS-
Eintrag nicht darauf geschlossen werden, dass die Fachpersonen des AWEL
damals die Möglichkeit einer Belastung noch nicht erkannt hätten, so geht
auch das daraus abgeleitete Argument, wonach entsprechend auch die Re-
kurrentin solches nicht habe erkennen können, fehl.
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