Decision ID: ba7a77b9-58b9-5b23-9da5-2b25de43995f
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ist syrischer Staatsbürger arabischer Ethnie. Er ist
in der Stadt B._ geboren worden und hat eigenen Angaben zufolge
bis (...) 2012 im Elternhaus im südlichen Teil der Stadt gelebt, bevor er
seinen Heimatstaat nach Saudi-Arabien verliess.
B.
Am 15. August 2019 reiste der Beschwerdeführer über den Flughafen Zü-
rich in die Schweiz ein, woraufhin er dort am 17. August 2019 ein Asylge-
such einreichte. Die Grenzbehörden verweigerten ihm zunächst vorläufig
die Einreise in die Schweiz und wiesen ihm den Transitbereich des Flug-
hafens Zürich als Aufenthaltsort zu. Am 19. August 2019 reichte die dama-
lige Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers eine Stellungnahme ein.
Am 21. August 2019 wurde der Beschwerdeführer vom SEM summarisch
zu seiner Person, dem Reiseweg und seinen Asylgründen (BzP) befragt.
Am 26. August 2019 bewilligte das SEM ihm zur Prüfung des Asylgesuchs
die Einreise in die Schweiz. Er wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ)
C._ zugewiesen. Am 10. September 2019 fand die Anhörung nach
Art. 29 AsylG statt. Am 18. September 2019 wurde der Beschwerdeführer
dem erweiterten Verfahren zugewiesen. Am 22. Oktober 2019 wurde eine
ergänzende Anhörung durchgeführt.
C.
Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen geltend, er habe in Syrien keinen Militärdienst geleistet, da
er diesen aufgrund seines Studiums mehrmals habe verschieben können.
Dem Marschbefehl, den er anfangs 2012 erhalten habe, habe er nie Folge
geleistet. Zwar habe seine Schwester versucht, eine erneute Dienstver-
schiebung zu erwirken, ihre Bemühungen seien aber erfolglos geblieben.
Etwa zeitgleich sei sein Vater gestorben, und insbesondere der Imam des
Quartiers habe Druck auf ihn und seine Familie ausgeübt, indem er ihn
aufgefordert habe, sich an den örtlichen regimekritischen Demonstrationen
zu beteiligen respektive sich einer islamistischen bewaffneten Gruppierung
anzuschliessen. Deshalb sei er im (...) 2012 mit einem Besuchervisum
nach Saudi-Arabien gereist, wo er sich zusammen mit der Mutter und der
Schwester in D._ aufgehalten habe. An der Universität D._
habe er zwei weitere Studienjahre absolviert. Ein Studentenvisum sei ihm
jedoch verweigert worden und er habe lediglich über einen temporären Auf-
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enthaltstitel verfügt. Dessen Verlängerung habe er alle zwei Monate erkau-
fen müssen. Auch habe er seinen syrischen Pass alle zwei Jahre erneuern
müssen. Dies sei gegen Bezahlung möglich gewesen. Zuletzt habe er ille-
gal als (...) gearbeitet. lm Jahr 2019 sei sein Aufenthaltstitel nicht mehr
verlängert worden, weshalb er gezwungen gewesen sei, Saudi-Arabien zu
verlassen. Die Aufenthaltstitel der Mutter und der Schwester seien bereits
im Jahr 2017 nicht mehr verlängert worden. Die beiden seien damals nach
Syrien, in das Haus in B._ zurückgekehrt. Nachdem sie zurückge-
kehrt seien, seien sie von Personen aus islamistischen Kreisen kontaktiert
und behelligt worden. Zudem habe seine Mutter von einer Nachbarin, die
eine Verwandte des Imams sei, erfahren, dass sein Name auf einer Hin-
richtungsliste des Imams vermerkt sei, weil er als Verräter gelte. Eine Rück-
kehr nach Syrien sei für ihn daher nicht in Frage gekommen. Nach politisch
aktiven Familienmitgliedern gefragt, führte der Beschwerdeführer aus, ein
Cousin mütterlicherseits sei Mitglied der al-Nusra Front und ein Cousin vä-
terlicherseits sei an der Seite des Regimes gestanden und verstorben.
Zur Untermauerung seiner Angaben reichte der Beschwerdeführer im Ori-
ginal seinen syrischen Reisepass, seine syrische Identitätskarte, sein Mili-
tärbüchlein, sowie einen Marschbefehl zu den Akten.
D.
Mit Verfügung vom 9. Dezember 2019 stellte das SEM fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab
und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Gleichzeitig stellte es die
Unzulässigkeit der Wegweisung fest und ordnete die vorläufige Aufnahme
des Beschwerdeführers in der Schweiz an.
E.
Mit Eingabe vom 9. Januar 2020 (Datum Poststempel) erhob der Be-
schwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen den
vorinstanzlichen Entscheid. Dabei beantragte er, die angefochtene Verfü-
gung sei unter Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft und Gewährung
von Asyl aufzuheben; eventualiter sei er als Flüchtling anzuerkennen.
In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Bewilligung der unentgeltlichen
Prozessführung und um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht.
F.
Mit Verfügung vom 30. März 2020 hiess die zuständige Instruktionsrichterin
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das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und
verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
G.
Mit Eingabe vom 14. April 2020 liess sich das SEM zur Beschwerdeein-
gabe vernehmen und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
H.
Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 29. April 2020.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die Fragen
der Flüchtlingseigenschaft, des Asyls und der Wegweisung. Der Wegwei-
sungsvollzug ist nicht mehr zu prüfen, nachdem die Vorinstanz den Be-
schwerdeführer wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig
aufgenommen hat.
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3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen).
5.
5.1 Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid in der Sache teilweise mit
der fehlenden Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen des Beschwerdeführers,
teilweise mit der fehlenden Asylrelevanz. Namentlich führte sie aus, eine
Wehrdienstverweigerung oder Desertion vermöge die Flüchtlingseigen-
schaft im Sinne von Art. 3 AsylG für sich genommen nicht zu begründen.
Die Analyse verschiedener Quellen ergebe ferner, dass die syrischen Be-
hörden nicht per se allen Dienstverweigerern eine regimefeindliche Hal-
tung zuschreiben würden. Das Vorliegen spezifischer politischer Faktoren
könne indessen dazu führen, dass die genannten Behörden die Dienstver-
weigerung als Unterstützung der Opposition ansehen und die betroffene
Person entsprechend bestrafen würden. Im syrischen Kontext bedeute
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dies, dass eine Bestrafung wegen Wehrdienstverweigerung oder Desertion
dann aus flüchtlingsrechtlich relevanten Motiven im Sinne von Art. 3 AsylG
ausgesprochen werde, wenn weitere Risikofaktoren hinzukommen wür-
den. Im Falle des Beschwerdeführers seien solche zusätzliche Risikofak-
toren jedoch nicht auszumachen. Weder sein Wohnsitz in der Stadt
B._, noch der mehrjährige Aufenthalt in Saudi-Arabien, noch das
oppositionelle Engagement eines Cousins seiner Mutter vermöchten ein
solches Profil zu begründen. Allfällige Strafmassnahmen infolge der Wehr-
dienstverweigerung würden vor diesem Hintergrund keine Verfolgung im
Sinne von Art. 3 AsylG darstellen.
5.2 Bezüglich des Vorbringens des Beschwerdeführers, vom Imam der
Quartiermoschee aufgefordert worden zu sein, sich an regimekritischen
Demonstrationen zu beteiligen und sich einer bewaffneten Gruppierung an-
zuschliessen beziehungsweise nach seiner Weigerung vom Imam auf eine
"Hinrichtungsliste" genommen worden zu sein, hält das SEM im Wesentli-
chen fest, die diesbezüglichen Aussagen des Beschwerdeführers seien
insgesamt oberflächlich und widersprüchlich ausgefallen. In der BzP habe
er lediglich allgemein ausgeführt, dass er von jugendlichen Sympathisan-
ten islamistischer Gruppierungen aufgefordert worden sei, sich ihnen an-
zuschliessen, und dass Angehörige islamistischer Gruppierungen sich
nach der Rückkehr der Mutter im Jahr 2017 nach seinem Verbleib erkun-
digt hätten. Die angeblichen Probleme mit dem Imam der Quartiermoschee
habe er demgegenüber erstmals in der Anhörung erwähnt. In diesem Zu-
sammenhang falle auch auf, dass er in der Anhörung bis zu den abschlies-
senden Fragen mit der Geltendmachung der vom Imam ausgehenden
Probleme zugewartet habe. Dies erstaune insbesondere deshalb, weil er
zuvor eingehend zur Bedrohungslage, welche durch in der Region aktive
islamistische Gruppierungen entstanden sei, befragt worden sei. Auch auf
Nachfrage hin habe er keine überzeugende Begründung für das verspätete
Vorbringen liefern können. Ebenfalls als nachgeschoben müssten seine
Schilderungen angesehen werden, wonach er nach der Rückkehr seiner
Mutter davon erfahren habe, dass sein Name auf einer "Hinrichtungsliste"
des Imams vermerkt sei, weil er zu Beginn der Revolution unbewusst
Zeuge einer Hinrichtung eines Polizisten geworden sei und in den besag-
ten Kreisen als Verräter gelte. Überdies seien seine Schilderungen zu den
angeblichen persönlichen Kontakten mit dem Imam äusserst unsubstanzi-
iert ausgefallen. Sodann habe er in der Anhörung vom 10. September 2019
erklärt, dass seine Mutter von Saudi-Arabien aus Kontakt mit der Mutter
oder Ehefrau des Imams aufgenommen habe. Demgegenüber habe er in
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der ergänzenden Anhörung vom 22. Oktober 2019 erklärt, dass seine Mut-
ter mit der Schwester des lmams in Kontakt gestanden habe. Auch auf Vor-
halt hin habe er diese Ungereimtheiten nicht plausibel erklären können.
5.3 In seiner Rechtsmitteleingabe hält der Beschwerdeführer an der Glaub-
haftigkeit und Asylrelevanz seiner Vorbringen fest. Was die von der Vo-
rinstanz aufgezeigten Widersprüche betreffe, so seien diese von der Hand
zu weisen, zumal es im Rahmen der Anhörungen zu Verständnisschwie-
rigkeiten mit dem Dolmetscher gekommen und er angewiesen worden sei,
sich kurz zu fassen. Ausserdem habe die Vorinstanz es unterlassen, die
eingereichten Beweismittel zu würdigen. Wegen seiner Wehrdienstverwei-
gerung habe er begründete Furcht vor Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG
seitens der syrischen Behörden.
6.
Die in der Beschwerde erhobene formelle Rüge, wonach das SEM die Ab-
klärungspflicht verletzt und den Sachverhalt nicht hinreichend festgestellt
habe (Beschwerde S. 7), wurde nicht näher substanziiert. Auch nach Prü-
fung der Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte, welche den Schluss zu-
lassen würden, das SEM habe seine Abklärungspflicht verletzt. Nach dem
Gesagten besteht somit keine Veranlassung, die Verfügung des SEM aus
formellen Gründen aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen.
7.
Eine einlässliche Prüfung der Akten ergibt, dass die Vorbringen des Be-
schwerdeführers nicht geeignet sind, eine asylrelevante Verfolgung nach-
zuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Daran vermögen die Aus-
führungen auf Beschwerdeebene nichts zu ändern.
7.1 Der Beschwerdeführer leitet seine Flüchtlingseigenschaft zunächst aus
seiner Wehrdienstverweigerung ab.
7.2 Mit dem Grundsatzentscheid BVGE 2015/3 vom 18. Februar 2015 hat
das Bundesverwaltungsgericht festgestellt, eine Wehrdienstverweigerung
oder Desertion vermöge die Flüchtlingseigenschaft nicht per se zu begrün-
den, sondern nur dann, wenn damit eine Verfolgung im Sinne von Art. 3
Abs. 1 AsylG verbunden sei. Mit anderen Worten muss die betroffene Per-
son aus den in dieser Norm genannten Gründen (Rasse, Religion, Natio-
nalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder politische
Anschauungen) wegen ihrer Wehrdienstverweigerung oder Desertion eine
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Behandlung zu gewärtigen haben, die ernsthaften Nachteilen gemäss
Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt. In Bezug auf die spezifische Situation in
Syrien erwog das Gericht weiter, die genannten Voraussetzungen seien im
Falle eines syrischen Refraktärs erfüllt, welcher der kurdischen Ethnie an-
gehöre, einer oppositionell aktiven Familie entstamme und bereits in der
Vergangenheit die Aufmerksamkeit der staatlichen syrischen Sicherheits-
kräfte auf sich gezogen habe (BVGE 2015/3 E. 6.7.3).
Im vorliegenden Fall liegt keine mit BVGE 2015/3 vergleichbare Konstella-
tion vor. Die Familie des Beschwerdeführers gehört zur arabischen Mehr-
heitsbevölkerung und ist nicht oppositionell aktiv. Auch sonst vermag der
Beschwerdeführer kein politisches Profil darzutun. Damit ist es ihm nicht
gelungen, eine zum Zeitpunkt seiner Ausreise aus Syrien bestehende oder
drohende asylrechtlich relevante Gefährdung nachzuweisen oder glaub-
haft zu machen. Die Glaubhaftigkeit der Wehrdienstverweigerung kann da-
her offenbleiben.
7.3 Des Weiteren macht der Beschwerdeführer geltend, er sei nach dem
Tod seines Vaters vom Imam der Quartiermoschee aufgefordert respektive
unter Druck gesetzt worden, sich an regimekritischen Demonstrationen zu
beteiligen beziehungsweise sich einer bewaffneten islamistischen Grup-
pierung anzuschliessen.
7.4 Diesbezüglich ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass der Beschwer-
deführer im Rahmen der BzP lediglich vorbrachte, er sei vor seiner Aus-
reise in Syrien im Jahr 2012 von Islamisten unter Druck gesetzt worden;
die Probleme mit dem Imam seines Heimatortes erwähnte er hingegen mit
keinem Wort. Soweit der Beschwerdeführer in seiner Beschwerdeeingabe
versucht, die vom SEM festgestellten Widersprüche bezüglich seiner in
den Befragungen getätigten Aussagen damit zu entkräften, dass es im
Rahmen der Befragungen zu Verständigungsproblemen mit dem Dolmet-
scher gekommen sei (vgl. Beschwerde Ziff. 2), greift dieser Einwand nicht.
Es ergeben sich aus dem Protokoll keinerlei Hinweise auf entsprechende
Verständigungsprobleme (vgl. SEM-act. Flughafenverfahren (...)-14/16
S. 2 und 11; vgl. SEM-act. (...)-2/19, F1 und S. 19). Auch im Rahmen der
Anhörung mit diesen Widersprüchen konfrontiert, erwähnte der Beschwer-
deführer diese angeblichen Verständigungsprobleme nicht. Im Übrigen
wird es in der Beschwerdeschrift unterlassen, im Einzelnen aufzuzeigen,
inwiefern die Dolmetscherleistung beziehungsweise allfällige Missver-
ständnisse die im Entscheid angeführten Ungereimtheiten herbeigeführt
haben sollen. Auch das Argument, dass der Beschwerdeführer angehalten
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worden sei, sich bei der Schilderung seiner Asylgründe kurz zu fassen (vgl.
Beschwerde, Art. 2), lässt sich mit Blick auf die relevanten Textstellen im
Anhörungsprotokoll in keiner Weise bestätigen (vgl. SEM-act. (...)-14/16
7.01 f.). Auch wenn es sich bei der BzP um eine summarische Befragung
handelt, ist zu erwarten, dass eine asylgesuchstellende Person die wich-
tigsten Asylvorbringen zumindest kurz aufzeigt. Entsprechend entstehen
vorliegend bereits deshalb erhebliche Zweifel daran, dass sich der Sach-
verhalt tatsächlich so ereignet hat, wie vom Beschwerdeführer in der An-
hörung beschrieben. Dafür spricht auch, dass der Beschwerdeführer die
angeblichen Probleme mit dem Imam auch im Rahmen der Anhörung nicht
von selbst erwähnte, sondern erst als er zum Schluss der Anhörung im
Rahmen einer Standardfrage gefragt wurde, ob er Probleme mit den syri-
schen Behörden gehabt habe (vgl. SEM-act. (...)-2/19, F105 ff.). Weshalb
er diese Probleme nicht im freien Vortrag zu seinen Asylgründen, sondern
erst am Schluss der Befragung vorbrachte, vermochte er auf Nachfrage
nicht nachvollziehbar zu erklären. Vielmehr brachte er vor, dass er Angst
um seine Mutter und Schwester gehabt habe, welche lediglich fünf Meter
entfernt vom Imam wohnen würden (vgl. SEM-act. (...)-2/19, F105 ff.).
7.5 Was das Vorbringen des Beschwerdeführers betrifft, wonach er von
seiner Mutter erfahren habe, dass sein Name auf einer Hinrichtungsliste
des Imams vermerkt worden sei, weil er als Verräter gelte, ist Folgendes
festzustellen: Weder in der BzP noch in der ersten Anhörung erwähnte der
Beschwerdeführer dieses Sachverhaltselement. Einen plausiblen Grund
für diese Unterlassung vermochte er nicht zu nennen (vgl. SEM-act. (...)-
2/19, F105 ff.; (...)-15/9, F14 ff.). In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist
sodann festzuhalten, dass neben den festgestellten Ungereimtheiten vor
allem die oberflächliche Darstellung der Geschehnisse ins Gewicht fällt.
Der Beschwerdeführer bringt vor, dass er dank der heimlichen Unterstüt-
zung der Schwester des Imams eine Kopie des entsprechen Auszugs der
Hinrichtungsliste habe erhältlich machen können. Wie es dazu gekommen
sein soll, ist jedoch nicht einsichtig. Einerseits vermochte der Beschwerde-
führer die entsprechenden Vorgänge nicht detailliert und erlebnisnah zu
beschreiben. Andererseits wirkt das gesamte Vorbringen konstruiert und
es wird nicht nachvollziehbar aufgezeigt, weshalb die Schwester des
Imams sich mit dem Beschwerdeführer solidarisierte und ein derartiges Ri-
siko hätte eingehen sollen. Auch das vom Beschwerdeführer in diesem Zu-
sammenhang eingereichte Beweismittel, welches eine Kopie der Hinrich-
tungsliste darstellen soll, ist nicht geeignet, zu einer anderen Einschätzung
zu gelangen. Diesbezüglich ist festzustellen, dass Dokumente im syrischen
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Kontext leicht erhältlich sind. Sofern derartige Dokumente keine offensicht-
lichen Fälschungsmerkmale aufweisen, ist deren Beweiswert zwar nicht
von vornherein abzusprechen. Die Würdigung der Beweismittel muss je-
doch im Gesamtkontext erfolgen. Nachdem sich vorliegend die Vorbringen
des Beschwerdeführers als unglaubhaft erwiesen haben und der Be-
schwerdeführer im Übrigen auch keine plausiblen Erklärungen abgeben
kann, wie er an dieses Dokument gekommen sein will, muss dem Beweis-
mittel eine relevante Beweistauglichkeit abgesprochen werden. Erschwe-
rend kommt hinzu, dass es sich beim Beweismittel 3, der angeblichen Hin-
richtungsliste, um eine Kopie handelt. Auch das in diesem Zusammenhang
eingereichte Bestätigungsschreiben des Mukhtar (vgl. Beschwerde Bei-
lage 4), in welchem dieser die Frage und Suche nach dem Beschwerde-
führer und Rekrutierungsbemühungen des Imams schriftlich bestätigte,
vermag nichts zu ändern. Vielmehr ist es als Gefälligkeitsschreiben zu wer-
ten.
7.6 Sodann sind auch in Bezug auf den vom Beschwerdeführer erwähnten
Cousin seiner Mutter, bei welchem es sich um einen Oppositionellen han-
deln soll, keine konkreten Gefährdungselemente erkennbar. Der Be-
schwerdeführer machte denn auch keine konkreten Probleme geltend.
7.7 Festzuhalten ist schliesslich, dass sich der Beschwerdeführer in seiner
Beschwerdeschrift weitgehend darauf beschränkt, die allgemeine Situation
in Syrien zu erläutern. Ohne eine Verbindung zu seinen konkreten Erleb-
nissen herzustellen, schildert er, welche Behandlung Oppositionelle von
der syrischen Führung zu gewärtigen haben. Dass der Beschwerdeführer
von der syrischen Regierung als oppositionell eingestuft werden könnte, ist
jedoch – wie schon dargelegt – nicht anzunehmen. Auch sind keinerlei Be-
lege aktenkundig, die auf ein exilpolitisches Engagement hindeuten wür-
den.
7.8 Damit ergibt sich zusammengefasst, dass das SEM die Verfolgungs-
vorbringen des Beschwerdeführers zu Recht als unglaubhaft erachtet hat
bzw. von der fehlenden Asylrelevanz derselben ausgegangen ist. Es ist
deshalb davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr nach Syrien keiner
Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG ausgesetzt wäre.
8.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer nicht
gelungen ist, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest
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glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch daher zu Recht
abgelehnt.
9.
9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
9.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE
2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Nachdem ihm mit Zwi-
schenverfügung vom 30. März 2020 die unentgeltliche Prozessführung im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und sich aus den Akten
keinerlei Hinweise darauf ergeben, dass sich an seinen finanziellen Ver-
hältnissen etwas geändert hätte, ist auf die Erhebung von Verfahrenskos-
ten zu verzichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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