Decision ID: e403f5d3-3943-4e30-9659-561b412107f0
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1.1. Am 20. Dezember 2012 erteilte die Gemeinde B._ (ehemals
Gemeinde C._) D._ die Bewilligung zum Umbau des in
der Dorfzone liegenden Stalles E._ auf Parzelle F._ in der
Gemeinde C._ (heute B._). In dieser Bewilligung wies die
Gemeinde D._ darauf hin, dass die Süd- und Ostfassade mit
Art. 37 Abs. 3 des kommunalen Baugesetzes C._ (BG) nicht zu
vereinbaren sei und die Pläne entsprechend anzupassen seien. Mit den
Bauarbeiten dürfe deshalb erst begonnen werden, wenn die Pläne
hinsichtlich der Fassaden vom Gemeinderat genehmigt worden seien. Am
13. Februar 2013 wurden die nachgereichten Pläne von der Gemeinde
genehmigt. Danach wurde die Liegenschaft durch die G._ GmbH
(nachfolgend Bauherrschaft) erworben. Einziger Gesellschafter war und ist
gemäss Handelsregisterauszug H._. Mit Kaufvertrag vom
22. Januar 2016 erwarben A._ an vorgenanntem Grundstück (neu
Parzelle I._) einen Miteigentumsanteil mit einem Sonderrecht an
der 31⁄2-Zimmerwohnung im 3. Obergeschoss mit Keller als Nebenraum im
Erdgeschoss.
2. Die Baukommission der Gemeinde führte am 14. November 2016 die
Schlussabnahme des erfolgten Umbaus durch und stellte Nachstehendes
fest:
 Die Raumeinteilung sei in allen vier Wohnungen abgeändert worden.  An der Nordfassade seien zwei anstatt nur eine Türe erstellt worden.  An der Ostfassade sei die Fenstereinteilung geändert, die Geländer
seien mit Staketen anstatt mit einer Brüstung versehen und der Handlauf sei in der Mitte um ca. 30 cm erhöht worden.
 An der Südfassade sei die Fenstereinteilung geändert, die Geländer seien mit Staketen anstatt mit einer Brüstung versehen, der Handlauf sei in der Mitte um ca. 30 cm erhöht worden und die Holzlamellen vor dem Fenster seien nicht erstellt worden.
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3. Mit Schreiben vom 16. November 2016 reichte die Bauherrschaft der
Gemeinde die Ausführungspläne mit den Projektabweichungen nach. Am
9. März 2017 zeigte die Gemeinde der Bauherrschaft die zuvor genannten
Abweichungen von den Plänen vom 20. Dezember 2012 bzw. vom
13. Februar 2013 schriftlich an und wies sie darauf hin, dass gemäss Art. 7
BG und Art. 86 des Raumplanungsgesetzes für den Kanton Graubünden
(KRG; BR 801.100) Bauten und Anlagen nur mit schriftlicher Bewilligung
der kommunalen Baubehörden geändert werden dürften. Eine solche
Bewilligung liege nicht vor, weshalb davon auszugehen sei, dass die
Baubehörde wegen Verletzung von baugesetzlichen Vorschriften und
Bestimmungen die Aussprechung einer Busse in Betracht ziehen müsse.
Zeitgleich wurde der Bauherrschaft Gelegenheit gegeben, sich innert
10 Tagen schriftlich zu den festgestellten Abweichungen zu äussern.
4. Zu den von der Gemeinde festgestellten Abweichungen nahm die
Bauherrschaft am 21. März 2017 Stellung. Im Wesentlichen brachte die
Bauherrschaft vor, sie habe keine baugesetzlichen Vorschriften verletzt.
Die von der Gemeinde vorgebrachten Einwände beträfen rein ästhetische
Details, die in Material und Form nicht anders ausgeführt worden seien, als
die Gemeinde es in ihrem Bewilligungsschreiben 2012.38 empfohlen habe
und es in der Gemeinde üblich sei. Insbesondere sei ein von der
Bauherrschaft unlängst gezeichnetes Umbauprojekt einer Scheune mit
demselben Geländerbild vor der Fensterfront bewilligt worden.
5. Mit Schreiben vom 9. Juni 2017 übermittelte die Gemeinde der
Bauherrschaft den Bericht ihrer Bauberatung vom 10. Mai 2017 zur
Kenntnisnahme und forderte sie zugleich auf, ihr Terminvorschläge zu
unterbreiten, damit die gesamte Problematik besprochen werden könne.
Die Bauberatung der Gemeinde gelangte im vorgenannten Bericht zum
Ergebnis, dass es sich beim fraglichen Stall um eine für das Ortsbild sehr
wichtige Baute handle. Damit der ehemalige Stallteil auch künftig als
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solcher erkennbar sei, müsse eine massgebende Fläche in Holz belassen
werden. Dies sei an der Ostfassade mehr oder weniger erreicht. Anders sei
dies bei der Südfassade. Durch die leichte, durchlässige Brüstung und das
Weglassen der Holzflächen erscheine die Fassade als gläserne Fläche.
Dieser Schritt gehe aus gestalterischer Sicht zu weit und sei nicht
akzeptabel.
6. Mit Entscheid vom 17. Oktober 2017, mitgeteilt am 23. November 2017,
verfügte die Gemeinde, die Holzlamellen vor dem Fenster an der
Südfassade seien so wie in den Plänen vom 13. Februar 2013 bewilligt, bis
spätestens am 1. Juni 2018 auszuführen; die übrigen erfolgten
Projektänderungen würden nachträglich bewilligt; wegen Missachtung des
Baugesetzes werde H._ mit einer Busse von CHF 3'000.00
gebüsst und die Busse sei innert 30 Tagen zahlbar; die Verfahrenskosten
in Höhe von CHF 2'000.00 gingen zu Lasten der Bauherrschaft und seien
gleichzeitig mit der Busse zu bezahlen.
7. Dagegen erhoben die Bauherrschaft und deren einziger Gesellschafter
H._ am 11. Januar 2018 Beschwerde beim Verwaltungsgericht
des Kantons Graubünden (nachfolgend Verwaltungsgericht) und
beantragten was folgt:
1. Ziff. 1, 3 und 4 des Entscheids des Gemeindevorstandes der Gemeinde B._ vom 17. Oktober 2017 i.S. Wiederherstellungs- und Bussverfahren wegen Projektabweichung von der Baubewilligung bzw. der bewilligten Pläne seien aufzuheben und zu neuem Entscheid und zur Durchführung eines ordnungsgemässen Bussstrafverfahrens an die Vorinstanz zurückzuweisen.
2. Eventualbegehren zu Ziff. 1: Ziff. 1, 3 und 4 des Entscheids des Gemeindevorstandes der Gemeinde B._ vom 17. Oktober 2017 i.S. Wiederherstellungs- und Bussverfahren wegen Projektabweichung von der Baubewilligung bzw. der bewilligten Pläne seien aufzuheben und der Beschwerdeführerin sei entsprechend den am 16. November 2016 eingereichten Plänen die Bewilligung für die Projektänderung der Südfassade gegenüber der Baubewilligung vom 20. Dezember 2012 zu erteilen.
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3. Subeventualbegehren zu Ziff. 1 und 2: Ziff. 1, 3 und 4 des Entscheids des Gemeindevorstandes der Gemeinde B._ vom 17. Oktober 2017 i.S. Wiederherstellungs- und Bussverfahren wegen Projektabweichung von der Baubewilligung bzw. der bewilligten Pläne seien aufzuheben und zu neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die Vorinstanz sei anzuweisen, der Beschwerdeführerin 1 entsprechend den am 16. November 2016 eingereichten Plänen die Bewilligung für die Projektänderung der Südfassade gegenüber der Baubewilligung vom 20. Dezember 2012 zu erteilen.
4. Subsubeventualbegehren zu Ziff. 1, 2 und 3: Ziff. 1, 3 und 4 des Entscheids des Gemeindevorstandes der Gemeinde B._ vom 17. Oktober 2017 i.S. Wiederherstellungs- und Bussverfahren wegen Projektabweichung von der Baubewilligung bzw. der bewilligten Pläne seien aufzuheben und zu neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die Vorinstanz sei anzuweisen, eine Duldungsverfügung zu erlassen.
5. Verfahrensantrag: Es sei ein Augenschein vor Ort in C._, J._, durchzuführen.
6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich gesetzliche Mehrwertsteuer).
8. Mit Urteil des Verwaltungsgerichts vom 30. Oktober 2018 (R 18 2) wurden
die Ziffern 1, 3 und 4 des angefochtenen Entscheids aufgehoben und die
Gemeinde angewiesen, das Wiederherstellungs- und Bussverfahren im
Sinne der Erwägungen weiterzuführen und neu zu entscheiden.
Begründend wurde insbesondere ausgeführt, dass sich weder der
Begründung im angefochtenen Entscheid noch dem Bericht der
Bauberaterin vom 10. Mai 2017 entnehmen lasse, welche in Art. 37 Abs. 3
BG genannten ästhetischen Vorgaben die Bauherrschaft und H._
an der Südfassade der fraglichen Liegenschaft mit den
Projektabweichungen verletzt haben sollten.
9. Gestützt auf dieses in Rechtskraft erwachsene Urteil holte die Gemeinde
bei der Bauberaterin einen ergänzenden Bericht ein, welcher ihr am 5. April
2019 vorgelegt wurde. Darin wurde im Wesentlichen festgehalten, dass die
ehemalige Scheune auch inskünftig als solche erkennbar sein müsse. Für
die Erkennbarkeit sei erforderlich, dass eine massgebende Fläche der
Holzausfachung zwischen den Pfeilern in Holz belassen werde.
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Entsprechend sei auch eine Holzfassade in Form von Schräglamellen
bewilligt worden. Damit könne ein natürlicher Lichteinfall ermöglicht
werden, ohne dass zugleich der gewünschte Eindruck einer vollflächigen
Holzfassade beeinträchtigt werde. An der nun umgebauten Südfassade der
fraglichen Liegenschaft würden indes die Glasflächen und die grauen
Rollläden dominieren. Damit werde Art. 37 Abs. 3 BG sowohl in Bezug auf
das verwendete Material als auch die Farbe verletzt.
10. Mit separaten Schreiben vom 19. Juli 2019 stellte die Gemeinde der
Bauherrschaft und H._ sowie den Stockwerkeigentümer der
fraglichen Liegenschaft ein Wiederherstellungsverfahren in Aussicht, mit
der Verpflichtung zum Anbringen von Schräglamellen aus Holz (i) vor den
beiden schmalen vertikalen Fenstersegmenten (auf einer Breite von ca. 1.5
m) im westlichen Bereich der Wohnungen im 2. und 3. Geschoss (STWE-
Einheiten Nrn. 481-3 und 481-4) sowie (ii) vor dem Fenstersegment auf der
Westseite der Wohnung im 1. Geschoss (STWE-Einheit Nr. 481-2).
Gleichzeitig wurden die Bauherrschaft und H._ unter Angabe des
gesetzlichen Strafrahmens auf die einschlägigen Vorschriften und
Strafbestimmungen gemäss Art. 93 ff. KRG hingewiesen. Die genannten
Personen erhielten mit Schreiben vom 19. Juli 2019 die Gelegenheit, sich
zur Angelegenheit vernehmen zu lassen.
11. In ihrer Stellungnahme vom 17. September 2019 beantragten die
Bauherrschaft und H._, dass auf die in Aussicht gestellte
Wiederherstellung zu verzichten und der Bauherrschaft die Baubewilligung
für die Projektänderung gemäss den eingereichten Plänen vom 16.
November 2016 zu erteilen sei; eventualiter sei in Bezug auf die Gestaltung
der Südfassade eine Duldungsverfügung zu erlassen. Am 18. November
2019 liessen sich unter Verweis auf die Stellungnahme der Bauherrschaft
und H._ vom 17. September 2019 auch A._ vernehmen.
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12. Mit separaten Entscheiden vom 2. März 2020, mitgeteilt am 11. März 2020,
verfügte die Gemeinde, dass die Bauherrschaft und H._ einerseits
und die Stockwerkeigentümern der fraglichen Liegenschaft andererseits
unter solidarischer Haftbarkeit zu verpflichten seien, sowohl vor den beiden
schmalen vertikalen Fenstersegmenten auf einer Breite von ca. 1.5 m im
westlichen Bereich der Wohnungen im 2. und 3. Geschoss (STWE-
Einheiten Nrn. 481-3 und 481-4) als auch beim zusätzlich erstellten
Fenstersegment auf der Westseite der Wohnung im 1. Geschoss (STWE-
Einheit Nr. 481-2) Schräglamellen aus Holz anzubringen; wegen
vorsätzlicher Widerhandlung gegen Art. 86 KRG werde H._ mit
einer Busse von CHF 3'000.-- gebüsst und diese Busse sei innert 30 Tagen
zu bezahlen; die Verfahrenskosten in Höhe von insgesamt CHF 3'762.70
gingen unter solidarischer Haftbarkeit zulasten der Bauherrschaft und
H._ und seien ebenfalls innert 30 Tagen zu bezahlen.
13. Dagegen erhoben die Beschwerdeführer am 11. Mai 2020 Beschwerde
beim Verwaltungsgericht und beantragten die kostenfällige Aufhebung der
Wiederherstellungsverfügung vom 11. März 2020 sowie die Genehmigung
der Südfassade des Wohnhauses auf Parzelle Nr. I._ in
C._ – wie bei der Gemeinde mit den bereits am 1. September 2015
eingereichten Plänen beantragt und in der Folge erstellt. In formeller
Hinsicht beantragten die Beschwerdeführer die Erteilung der
aufschiebenden Wirkung. Zudem rügten sie die Verletzung des rechtlichen
Gehörs, weil zu keinem Zeitpunkt die Möglichkeit bestanden habe, Fragen
an die Bauberaterin zu stellen bzw. an der Beweiserhebung teilzunehmen
und die Aktenführung nicht vollständig, ungeordnet und unübersichtlich
gewesen sei. In beweisrechtlicher Hinsicht stellten die Beschwerdeführer
den Antrag, dass H._ als Zeuge einzuvernehmen sei. Begründend
wurde im Wesentlichen geltend gemacht, dass in der angefochtenen
Wiederherstellungsverfügung in willkürlicher Weise von einer
ortsbildprägenden Baute ausgegangen worden sei. Zudem verstosse diese
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Verfügung gegen das Legalitätsprinzip; schliesslich existiere für eine
nachträgliche Klassifizierung einer Baute als ortsbildprägend keine
rechtliche Grundlage. Ferner wurde vorgebracht, dass aus der Untätigkeit
der Gemeinde hätten geschlossen werden müssen und dürfen, dass die
Gemeinde die Projektänderung gemäss Fassadenplan vom 1. September
2015 für zulässig erachten bzw. genehmigen würde. Mit dieser Untätigkeit
habe die Beschwerdegegnerin eine Vertrauensgrundlage geschaffen,
weshalb die angefochtene Wiederherstellungsverfügung gegen das
Vertrauensprinzip verstosse. Überdies verletzte diese Verfügung das
Gleichbehandlungsgebot. Es verhalte sich nämlich so, dass in C._
Bauprojekte bewilligt worden seien, welche mit dem Erscheinungsbild des
hier zur Diskussion stehenden und realisierten Bauprojekts vergleichbar
seien. Ausserdem wiesen die Gutachten der Bauberaterin vom 10. Mai
2017 sowie vom 5. April 2019 inhaltliche Mängel auf, weshalb die
angefochtene Wiederherstellungsverfügung, welche sich auf diese
Gutachten stütze, auch aus diesem Grund aufzuheben sei. Dass das
Gutachten vom 10. Mai 2017 mangelhaft sei, habe bereits das
Verwaltungsgericht festgestellt. Im Ergänzungsgutachten vom 5. April 2019
habe die Bauberaterin auf die Wegleitung des Amtes für Raumentwicklung
des Kantons Graubünden Bezug genommen. Diese Bezugnahme sei
willkürlich, zumal diese Wegweisung ausschliesslich auf geschützte und
ortsbildprägende Bauten Anwendungen finden würde. Im vorliegenden Fall
stehe zudem nicht die Ausscheidung einer Liegenschaft als geschützte
und/oder ortsbildprägende Baute zur Diskussion. Mit ihrem Vorgehen habe
sich die Bauberaterin so verhalten, als ob sie eine Gestaltungsberatung im
Hinblick auf die Erteilung einer Baubewilligung bei einer bereits als
ortsbildprägenden Baute vorgenommen hätte. Damit habe sie ihr eigenes
Ermessen anstelle des Ermessens der Beschwerdegegnerin gesetzt, was
unzulässig sei. Zudem sei zu berücksichtigen, dass der Gutachterauftrag
nicht klar gewesen sei. Es sei zu keinem Zeitpunkt die Aufgabe der
Bauberaterin gewesen, in Bezug auf das konkrete Projekt eine
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Bauberatung im Sinne der Fortentwicklung des Baurechts zwecks Schutz
von Ortsbilden vorzunehmen. Damit genüge das Ergänzungsgutachten
den rechtlichen Anforderungen ebenfalls nicht, weshalb es auch aus
diesem Grund nicht verwertbar sei.
14. Am 22. Juni 2020 reichte die Gemeinde (nachfolgend
Beschwerdegegnerin) ihre Vernehmlassung ein. Darin beantragte sie die
vollumfängliche Abweisung der Beschwerde unter solidarischer Kosten-
und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdeführer. In formeller
Hinsicht beantragte die Beschwerdegegnerin die Durchführung eines
Augenscheins sowie die Parteibefragung des Bauamtsleiters und der
Bauberaterin. In materieller Hinsicht stellte sie sich im Wesentlichen auf
den Standpunkt, dass die weitgehend als Glasfassade wahrnehmbare
Hausfront den vormaligen Heustall nicht mehr erkennen lasse und damit
untypisch für das Ortsbild im Dorfkern sei. Damit verstosse die realisierte
Fassadengestaltung nicht nur gegen die bewilligten Pläne vom 13. Februar
2013, sondern auch gegen Art. 37 Abs. 3 BG. Es könne durchaus sein,
dass in der Vergangenheit – insbesondere noch vor der Fusion der
Gemeinde B._ – in Einzelfällen Glasfassaden an ausgebauten
Heuställen bewilligt worden seien, welche rückblickend betrachtet,
insbesondere in ihren Ausmassen nicht hätten akzeptiert werden sollen. Im
Hinblick auf die laufende Umsetzung von Art. 9 Abs. 1 ZWG sei für die
Zukunft eine restriktive Praxis zu Glasfassadenflächen zentral. Die von den
Beschwerdeführern ins Feld geführten Vergleichsprojekte seien im Übrigen
nicht durchgehend einschlägig, wie z.B. die landwirtschaftliche Remise des
Gemeindepräsidenten. Diese befinde sich nämlich nicht im besonders
schützenden Dorfkern von C._, sondern ausserhalb der Bauzone.
Was die Verhältnismässigkeit der verfügten Wiederherstellung und der
Baubusse anbelange, werde auf die Erwägungen in der angefochtenen
Verfügung verwiesen. Soweit die Beschwerdeführer geltend machten, dass
die angeordnete Wiederherstellung nicht vollstreckt werden könne, sei auf
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die Duldungsverfügung vom 15. Juni 2020 zu verweisen. Darin sei die
Stockwerkeigentümergemeinschaft Parzelle Nr. I._ verpflichtet
worden, die mit Entscheid vom 2. März 2020 verfügte Wiederherstellung zu
dulden, sollten die Verfügungsadressaten ihren Verpflichtungen nicht
nachkommen.
15. Nachdem die Beschwerdegegnerin in ihren Vernehmlassungen vom 22.
Juni 2020 keine Einwände erhoben hatte, wurde der Beschwerde die
aufschiebende Wirkung zuerkannt.
16. Am 17. August sowie am 25. August 2020 hielten die Beschwerdeführer
replicando an ihren Anträgen fest. Die Repliken enthielten nichts
rechtsrelevantes Neues, lediglich eine Vertiefung der bereits bezogenen
Positionen.
17. Mit Dupliken vom 16. September 2020 hielt auch die Beschwerdegegnerin
duplicando an ihren Anträgen fest. Dem Vorwurf der Beschwerdeführer,
wonach die von der Bauberaterin eingeholten Gutachten inhaltlich
mangelhaft seien, hielt die Beschwerdegegnerin entgegen, dass es dabei
nicht um eine förmliche Expertise handle. Vielmehr handle es sich um die
Einholung einer Information bei einer Auskunftsperson gestützt auf Art. 12
lit. d des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100),
wie dies in Bausachen regelmässig der Fall sei. Solche Informationen
dürfe sie jederzeit in Anspruch nehmen – wie vorliegend – auch nach der
Realisierung eines Bauprojektes. Des Weiteren wurde in den Dupliken auf
die Argumente der Beschwerdeführer eingegangen und die bereits
bezogenen Positionen weiter vertieft. In der Duplik war im Übrigen nichts
Neues oder Rechtsrelevantes enthalten.
18. Am 22. November 2021 führte das Verwaltungsgericht einen Augenschein
vor Ort durch, an welchem K._ sowie die beschwerdeführerische
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Rechtsvertreterin anwesend waren. Von Seiten der Beschwerdegegnerin
nahmen L._ (Vizegemeindepräsident), M._ (technischer
Leiter/Mitglied der Geschäftsleitung Bauamt) sowie der
beschwerdegegnerische Rechtsvertreter am Augenschein teil. Allen
Anwesenden wurde dabei an verschiedenen Standorten Gelegenheit
geboten, sich anhand der Örtlichkeiten auch noch mündlich zu den
aufgeworfenen Fragen zu äussern, wovon allseits Gebrauch gemacht
wurde.
Auf die Ausführungen der Parteien am Augenschein, in ihren
Rechtsschriften sowie in den angefochtenen
Wiederherstellungsverfügungen wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt im vorliegenden Fall bildet der baurechtliche Entscheid
der Beschwerdegegnerin vom 2./11. März 2020 betreffend
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands und Busse, wonach
sämtliche Eigentümer der Stockwerkeinheiten Nrn. 481-1 bis 481-4, also
auch die Beschwerdeführer, sowie die Bauherrschaft und H._
unter solidarischer Haftbarkeit verpflichtet worden sind, an der Südfassade
sowohl vor den beiden schmalen vertikalen Fenstersegmenten auf einer
Breite von ca. 1.5 m im westlichen Bereich der Wohnungen im 2. und 3.
Obergeschoss (Stockwerkeinheiten Nrn. 481-3 und 481-4) als auch vor
dem zusätzlich erstellten Fenstersegment im westlichen Bereich der
Wohnung im 1. Obergeschoss Schräglamellen aus Holz anzubringen. Das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden ist aufgrund von Art. 49 Abs.
1 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100)
vorliegend zur Beurteilung der Beschwerde zuständig. Die
Beschwerdeführer sind als Verfügungsadressaten beschwert und folglich
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zur Erhebung der Beschwerde legitimiert. Auf die im Übrigen frist- und
formgerecht eingereichte Beschwerde ist demnach einzutreten.
2. Gemäss Art. 34 Abs. 1 VRG kommt einer Beschwerde grundsätzlich keine
aufschiebende Wirkung zu. Nach Art. 34 Abs. 2 VRG kann die Behörde im
Einzelfall jedoch von Amtes wegen oder auf Antrag die aufschiebende
Wirkung erteilen. Die Gewährung dieser Rechtswohltat setzt insbesondere
die Vermeidung erheblicher, für die betroffene Person nicht leicht
wiedergutzumachende Rechtsnachteile voraus. Die Beschwerdeführer
beantragten die aufschiebende Wirkung. Die Beschwerdegegnerin erhob
dagegen keine Einwände. Aus diesem Grund erteilte der Instruktionsrichter
den Beschwerdeführern mit Schreiben vom 30. Juni 2020 die
aufschiebende Wirkung.
3. In beweisrechtlicher Hinsicht stellen die Beschwerdeführer den Antrag,
dass H._, einziger Gesellschafter der Bauherrschaft, und
Projektverfasser als Zeuge einzuvernehmen sei. Mit diesem Beweisantrag
wollen die Beschwerdeführer unter Beweis stellen, dass M._
bereits Ende August 2015 den Rohbau besichtigt und anlässlich dieser
Besichtigung festgestellt hatte, dass die Südfassade mit raumhohen
Fenster und mit vorgelagerten Holzgeländern realisiert worden war. Die
Beschwerdegegnerin bestreitet diese Darstellungen der Beschwerdeführer
und macht geltend, dass M._ erst am 15. September 2015
festgestellt habe, dass die realisierte Südfassade nicht den bewilligten
Plänen vom 24. Januar 2013 entspreche. Auf dem am 1. September 2015
von der Bauherrschaft nachgereichten Fassadenplan notierte M._
am 15. September 2015 handschriftlich, dass die realisierte Südfassade
nicht den bewilligten Plänen entspreche und sich H._ dieser
Tatsache bewusst sei. Diese Notiz spricht nach Auffassung des
Verwaltungsgerichts dafür, dass M._ die Projektabweichungen an
der realisierten Südfassade erstmals am 15. September 2015
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wahrgenommen hatte (vgl. nachstehende Erw. 7.3.2.). Vor diesem
Hintergrund ist die beantragte Zeugeneinvernahme von H._ in
antizipierter Beweiswürdigung abzuweisen.
4.1. In formeller Hinsicht rügen die Beschwerdeführer die Verletzung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör, weil ihnen im Vorfeld des Beizugs von
N._ keine Möglichkeit geben worden sei, sich zu ihrer Person und
zu den ihr unterbreiten Fragen zu äussern. Auch hätten sie keine
Möglichkeit gehabt, Abänderungs- oder Ergänzungsfragen an N._
zu stellen und sich nachträglich zu den ihr eingereichten Berichten zu
äussern. Diese Rüge verfängt nicht.
4.2. Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR
101) haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Dieser ist
formeller Natur. Seine Verletzung führt ungeachtet der materiellen
Begründetheit des Rechtsmittels zur Gutheissung der Beschwerde und zur
Aufhebung des angefochtenen Entscheids (BGE 144 I 11 E.5.3. mit
Hinweis auf BGE 137 I 195 E.2.2.). Nach der Rechtsprechung kann eine
nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs als
geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor
einer Instanz zu äussern, welche sowohl die Tat- als auch die Rechtsfragen
uneingeschränkt überprüft (BGE 142 II 218 E.2.8., BGE 137 I 195 E.2.3.2.,
BGE 135 I 279 E. 2.6.1. je mit Hinweisen). Unter dieser Voraussetzung ist
selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör von einer Heilung des Mangels auszugehen, wenn die
Rückweisung der Sache zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu
unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem Interesse der
betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu
vereinbaren wären (BGE 142 II 218 E.2.8.1; BGE 137 I 195 E. 2.3.2. je mit
Hinweisen). Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung,
andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim
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Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtstellung des Einzelnen
eingreift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor
Erlass eines solches Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise
beizubringen und Einsicht in die Akten zu nehmen. Der Anspruch auf
rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die
einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren
Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann. Voraussetzung des
Äusserungsrechts sind genügende Kenntnisse über den
Verfahrensverlauf, was auf das Recht hinausläuft, in geeigneter Weise
über die entscheidwesentlichen Vorgänge und Grundlagen vorweg
orientiert zu werden. Wie weit dieses Recht geht, lässt sich nicht generell,
sondern nur unter Würdigung der konkreten Umstände beurteilen (BGE
144 I 11 E.5.3 mit Hinweisen).
4.3. Sofern die Beschwerdeführer geltend machen, sie hätten über den Auftrag
der Beschwerdegegnerin an die Bauberaterin, die ihr unterbreiteten Fragen
sowie zu den von der Bauberaterin redigierten Berichten angehört werden
müssen, verkennen sie, dass N._ von der Beschwerdegegnerin
nicht als externe Sachverständige, sondern als Beraterin zur internen
Meinungsbildung beigezogen wurde. Dabei ist zu berücksichtigen, dass
weder das kantonale noch das kommunale Recht vorsehen, dass die
Bauberatung (nachträgliche) Baugesuche im Auftrag der Baubehörde
schriftlich begutachtet. Bereits vor diesem Hintergrund kann den Berichten
vom 10. Mai 2017 bzw. vom 5. April 2019 nicht die Qualität eines externen
Gutachtens zukommen. Die Baubehörde ist im Baubewilligungsverfahren
allerdings berechtigt, Fachpersonen zur Beratung bzw. zur internen
Meinungsbildung heranzuziehen. Von dieser Möglichkeit hatte die
Beschwerdegegnerin vorliegend Gebrauch gemacht, indem sie
N._ als Fachperson zur Beantwortung der Frage, ob die realisierte
Südfassade der traditionellen Bauweise in der "zona O._"
entspricht und somit nachträglich bewilligt werden kann, zur Beratung
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herangezogen hatte. Im Rahmen dieser Beratung reichte N._ der
Beschwerdegegnerin zwei Berichte, datierend vom 10. Mai 2017 bzw. vom
5. April 2019, ein. Den Inhalt dieser Berichte hat die Beschwerdegegnerin
alsdann als ihre interne Meinung materiell in den angefochtenen Entscheid
einfliessen lassen. Dieses Vorgehen ist nicht zu beanstanden.
Zusammenfassend stösst die von den Beschwerdeführern geltend
gemachte Gehörsverletzung somit ins Leere; schliesslich handelt es sich
bei den genannten Berichten – wie bereits gesagt – nicht um externe
Gutachten. Aus diesem Grund war die Beschwerdegegnerin auch nicht
verpflichtet, die Beschwerdeführer vor Erteilung des Auftrages über die
Person von N._ zu informieren und ihnen die Möglichkeit
einzuräumen, Abänderungs- oder Ergänzungsfragen zu stellen bzw. sich
nachträglich zu den von N._ verfassten Berichten, so
insbesondere zum Bericht vom 5. April 2019, zu äussern. Des Weiteren ist
zu berücksichtigen, dass die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 19.
Juli 20219 sämtliche Stockwerkeigentümer, wohlgemerkt unter
Bezugnahme auf die von N._ eingereichten Berichte, über die
beabsichtigte Wiederherstellung in Kenntnis setzte (vgl. Bg-act. 42).
Gleichzeitig wurde den Stockwerkeigentümern die Möglichkeit eingeräumt
zur beabsichtigten Wiederherstellung bzw. zu den Berichten von
N._ Stellung zu nehmen. Von dieser Möglichkeit machten sie im
Rahmen der von ihnen am 18. November 2019 eingereichten
Stellungnahme (vgl. Bg-act. 45) Gebrauch, indem sie den Bericht von
N._ vom 10. Mai 2017 ohne nähere Begründung als mangelhaft
bezeichneten und die Fachkompetenz von N._ in Frage stellten.
Gegen die Instruktion von N._ erhoben die Beschwerdeführer
dagegen keine Einwände. Auch beantragten sie in ihrer Vernehmlassung
keine Abänderungs- oder Ergänzungsfragen. Auch vor diesem Hintergrund
scheidet eine Gehörsverletzung in jedem Fall aus.
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5.1. Des Weiteren beanstanden die Beschwerdeführer in formeller Hinsicht die
Aktenführung der Beschwerdegegnerin. Es sei unklar, ob überhaupt eine
Aktenführung mitsamt Aktenverzeichnis bestehe. Auch sei unklar, ob sie
sämtliche Akten erhalten hätten. Ferner sei die Paginierung nicht
konsistent. Darin sei eine Gehörsverletzung zu erblicken. Diese Rüge geht
ebenfalls ins Leere.
5.2. Die Aktenführungspflicht der Verwaltung stellt das Gegenstück zum -
Bestandteil des rechtlichen Gehörs nach Art. 29 Abs. 2 BV bildenden -
Akteneinsichtsrecht der Parteien dar. Die Behörde ist verpflichtet, ein
vollständiges Aktendossier über das Verfahren zu führen, um
gegebenenfalls ordnungsgemäss Akteneinsicht gewähren und bei einem
Weiterzug diese Unterlagen an die Rechtsmittelinstanz weiterleiten zu
können. Die Behörde hat alles in den Akten festzuhalten, was zur Sache
gehört und entscheidwesentlich sein kann. Der verfassungsmässige
Anspruch auf eine geordnete und übersichtliche Aktenführung verpflichtet
die Behörden und Gerichte, die Vollständigkeit der im Verfahren
eingebrachten und erstellten Akten sicherzustellen (vgl. BGE 138 V 218 E.
8.1.2).
5.3. Die Beschwerdegegnerin hat im Rahmen ihrer Vernehmlassung vom 22.
Juni 2020 einen grünen Ordner mit den vorinstanzlichen bzw.
beschwerdegegnerischen Akten (Bg-act.) 1 – 53 eingereicht. Aus Sicht des
Verwaltungsgerichts sind die Akten vollständig, durchpaginiert und
grundsätzlich chronologisch geordnet. Es ist nicht ersichtlich noch wird es
in der Beschwerde konkret dargetan, dass den Beschwerdeführern die
Einsichtnahme in Akten verunmöglich worden wäre, welche für die
Verfechtung ihrer Standpunkte wichtig gewesen wäre; dies verdeutlicht
auch, dass die Beschwerdeführer ohne Weiteres in der Lage gewesen sind,
den ihnen missliebigen Entscheid der Beschwerdegegnerin sachgerecht
anzufechten. In diesem Zusammenhang verfängt insbesondere die Rüge
- 17 -
der Beschwerdeführer nicht, es hätte bei den Akten der von H._
am 1. September 2015 bei der Beschwerdegegnerin eingereichte
Fassadenplan gefehlt. Dieser Plan ist nämlich als Bg-act. 13 in dem von
der Beschwerdegegnerin eingereichten grünen Ordner enthalten. Auch
können sie nicht erfolgreich geltend machen, sie hätten diesen
Fassadenplan nicht gekannt. Es verhält sich nämlich so, dass die
Beschwerdeführer den Fassadenplan vom 1. September 2015 selber als
beschwerdeführerische Akte (Bf-act.) 8 ins Recht gelegt haben. Damit
können sie in jedem Fall nicht vorbringen, dass sich der angefochtene
Entscheid auf Unterlagen stützte, die ihnen nicht bekannt gewesen seien.
5.4. Der von der Beschwerdegegnerin im grünen Ordner eingereichte
Fassadenplan vom 1. September 2015 trägt – wie bereits gesagt – die
Ziffer 13. Gemäss Ausführungen der Beschwerdeführer wurden ihnen auf
Verlangen einzelne Aktenstücke zugestellt, was von der
Beschwerdegegnerin in ihrer Vernehmlassung vom 22. Juni 2020 auch
nicht bestritten wird. So soll den Beschwerdeführern unter anderem auch
das Schreiben der Beschwerdegegnerin an die Bauherrschaft vom 9.
August 2017 zugestellt worden sein. Dieses Schreiben trägt nun – wie der
Fassadenplan vom 1. September 2015 – ebenfalls die Ziffer 13 (Bf-act.
7/13). Diese Paginierung ist nun in der Tat nicht ganz nachvollziehbar.
Aufgrund der E-Mailkorrespondenz vom 21./24. März 2020 (Bg-act. 53)
liegt allerdings die Vermutung nahe, dass die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführer einzelne ausgewählte Aktenstücke zustellte und diese
Aktenstücke von 1 – 18 (Bf-act. 7) durchpaginierte. Es ist aber davon
auszugehen, dass diese inkonsistente Paginierung die Beschwerdeführer
bei der Ausübung ihres Rechts auf Akteneinsicht nicht in wesentlicher
Weise behinderten hatte; dies umso weniger, als die Paginierung der im
grünen Ordner abgelegten vorinstanzlichen bzw.
beschwerdegegnerischen Akten, in welche die Beschwerdeführer gemäss
Schreiben des Verwaltungsgerichts vom 3. Juli 2020 Einsicht nehmen
- 18 -
konnten, nicht zu beanstanden ist. Es verhält sich nämlich so, dass gemäss
diesen Akten der Fassadenplan vom 1. September 2015 die Ziffer 13 und
das Schreiben der Beschwerdegegnerin an die Bauherrschaft vom 9.
August 2017 die Ziffer 20 trägt. Zusammenfassend kann somit nicht von
einem wesentlichen Mangel gesprochen werden. Allerdings ist die
Beschwerdegegnerin darauf hinzuweisen, dass dahingehend
Optimierungsbedarf besteht, dass inskünftig inkonsistente Paginierungen
zu vermeiden sind.
5.5. Die Beschwerdeführer bezweifeln, dass überhaupt ein Aktenverzeichnis
besteht bzw. bestanden hatte. Dem von der Beschwerdegegnerin im
vorliegenden Beschwerdeverfahren eingereichten grünen Ordner ist ein
Aktenverzeichnis beigelegt. Die Zweifel der Beschwerdeführerin sind somit
unberechtigt. Doch selbst dann, wenn davon ausgegangen werden würde,
dass vor der Vorinstanz noch kein Aktenverzeichnis existierte, wofür indes
keine konkreten Anhaltspunkte bestehen, würde dies nicht schaden.
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist ein Aktenverzeichnis
zwar wünschenswert, indessen nicht in jedem Fall zwingend (Urteil des
Bundesgerichts 8C_319/2010 vom 15. Dezember 2010 E. 2.2.2). Durch
das Fehlen eines Aktenverzeichnisses wäre die Wahrnehmung des
Akteneinsichtsrechts für die Beschwerdeführer möglicherweise erschwert,
aber sicherlich nicht unmöglich gewesen. Eine nicht heilbare Verletzung
des rechtlichen Gehörs, welche mit der Kassation des vorinstanzlichen
Entscheids zu ahnden wäre, wäre darin jedenfalls nicht zu erblicken. Hätte
die Beschwerdeführer im Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens noch
kein Aktenverzeichnis erstellt, würde auch diesbezüglich
Optimierungsbedarf bestehen. Es ist allerdings nochmals darauf
hinzuweisen, dass keine konkreten Anhaltspunkte bestehen, dass kein
Aktenverzeichnis erstellt wurde.
- 19 -
6.1. In materieller Hinsicht ist strittig und in einem ersten Schritt zu prüfen, ob
die Beschwerdegegnerin die gemäss den nachgereichten Fassadenplänen
vom 1. September 2015 (vgl. Bg-act. 13) bzw. vom 16. November 2016
(vgl. Bg-act. 23) – und damit in Abweichung zum bewilligten Fassadenplan
vom 24. Januar 2013 (vgl. Bg-act. 6) – realisierte Südfassade zu Recht
nicht nachträglich bewilligt hat. In einem zweiten Schritt ist alsdann zu
prüfen, ob die von der Beschwerdegegnerin zur Herstellung des
rechtmässigen Zustandes angeordnete Anbringung der Schräglamellen
aus Holz vor den Fenstersegmenten im westlichen Bereich der 1. bis 3.
Obergeschosse rechtens ist. Die auferlegte Baubusse von CHF 3'000.--
betrifft ausschliesslich den einzigen Gesellschafter der Bauherrschaft,
namentlich H._. Die Rechtmässigkeit dieser Busse bildet somit
nicht Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens.
6.2. Für das streitberufene Gericht steht vorweg fest, dass die Bestimmungen
betreffend gestalterische Einordnung einer Baute ins zeitlich gewachsene
Orts- und Landschaftsbild naturgemäss einen relativ weiten
Ermessensspielraum der Bewilligungsbehörden mit sich bringt, da diese
mit dem jeweils vorherrschenden Baustil, der historischen Bau- und
Ortsentwicklung sowie den architektonischen Gepflogenheiten und
Besonderheiten in ihrer Gemeinde einschliesslich den ganzen Talschaften
am besten vertraut sind. Nach gefestigter Rechtsprechung auferlegt sich
das Verwaltungsgericht bei einzelfallbezogenen Überprüfung von Fragen
der Ästhetik und Gestaltung selbst eine gewisse Zurückhaltung, was
bedeutet, dass es nur aus ganz triftigen Gründen bzw. nicht ohne Not in
das beträchtliche Ermessen der lokalen Baubehörden eingreift, was im
Ergebnis auf eine weniger strenge Willkürprüfung hinausläuft (vgl. statt
vieler: Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU] R
16 35 vom 4. November 2016 E.2d und R 15 12 vom 11. Juni 2015 E.3b).
Im konkreten Fall hat die von der Beschwerdegegnerin beanstandete
Ästhetik anhand der Bestimmungen gemäss Art. 73 Abs. 1 KRG und Art.
- 20 -
37 Abs. 3 des kommunalen Baugesetzes (BG) zu erfolgen. Während
erstgenannte Bestimmung verlangt, dass Bauten und Anlagen nach den
Regeln der Baukunst zu gestalten seien und sich so einzuordnen hätten,
dass mit der Umgebung und der Landschaft eine gute Gesamtwirkung
entstehen würde, ist die kommunale Bestimmung offensichtlich strenger
formuliert. Nach Art. 37 Abs. 3 BG haben sich Umbauten und
Renovierungen in der "zona O._" hinsichtlich des Materials,
Grösse, Proportionen, Positionen, Form des Dachs und der Farbe an die
traditionelle Bauweise der Gemeinde anzupassen.
6.3. Vorgängig ist zu bemerken, dass die Beschwerdegegnerin mit Entscheid
vom 17. Oktober 2017 – mit Ausnahme der Anbringung von
Schräglamellen aus Holz an der Südfassade – sämtliche anlässlich der
Schlussabnahme vom 14. November 2016 vorgebrachten
Beanstandungen (Raumeinteilung in sämtlichen Wohnungen; zwei anstatt
eine Türe an der Nordfassade; Fenstereinteilung, Staketen anstatt
vollflächige Holzbrüstungen sowie Erhöhung des Handlaufs um ca. 30 cm
an der Ostfassade; Fenstereinteilung, Staketen anstatt vollflächige
Holzbrüstung sowie Erhöhung des Handlaufs um ca. 30 cm an der
Ostfassade) nachträglich bewilligt hat. Diese Beanstandungen können bei
der Prüfung der Frage, inwiefern die realisierte Südfassade Art. 37 Abs. 3
BG verletzt, somit nicht berücksichtigt werden. Ob diese Bestimmung
verletzt wurde, beurteilt sich somit ausschliesslich daran, ob durch das
Nichtanbringen der Schräglamellen aus Holz sowie dem Anbringen der
grauen Rollstoren an der Südfassade die traditionelle Bauweise der
Gemeinde nicht eingehalten wurde. Dabei ist allerdings zu konkretisieren,
dass es vorliegend ausschliesslich um die Nichtanbringung der
Schräglamellen aus Holz vor den Fenstersegmenten im 2. und 3.
Obergeschoss gehen kann (vgl. nachstehende Erw. 6.4.).
- 21 -
6.4. Der am 24. Januar 2013 eingereichte Fassadenplan wurde von der
Beschwerdegegnerin am 13. Februar 2013 bewilligt (vgl. Bg-act. 6).
Diesem Plan kann entnommen werden, dass ausschliesslich vor den
Fenstersegmenten im westlichen Bereich des 2. und 3. Obergeschosses
Schräglamellen aus Holz geplant waren (vgl. Bg-act. 6). Für das
Fenstersegment im westlichen Bereich des 1. Obergeschosses waren
solche Schräglamellen gemäss am 13. Februar bewilligtem Fassadenplan
vom 24. Januar 2013 indes nicht vorgesehen (vgl. Bg-act. 6). Vor diesem
Hintergrund kann seitens der Beschwerdegegnerin nicht beanstandet
werden, vor dem Fenstersegment im 1. Obergeschoss seien
fälschlicherweise keine Schräglamellen aus Holz angebracht worden;
schliesslich war dies gemäss bewilligtem Fassadenplan vom 24. Januar
2013 auch nicht vorgesehen. Mithin ist zu konkretisieren, dass einzig und
allein zu prüfen ist, ob die Nichtanbringung von Schräglamellen vor den
Fenstersegmenten im 2. und 3. Obergeschoss sowie die Anbringung der
grauen Rollstoren die gestalterischen Vorgaben gemäss Art. 37 Abs. 3 BG
verletzen.
6.5. Im angefochtenen Entscheid macht die Beschwerdegegnerin geltend,
durch das Nichtabringen der Schräglamellen aus Holz an der Südfassade
und die grauen Rollstoren würde der Stallcharakter nicht mehr gewahrt
werden. Begründend wird im Wesentlichen vorgebracht, die realisierte
Südfassade würde grosse sichtbare Glasflächen aufweisen, was
hinsichtlich Materialisierung und Farbe mit der traditionellen Bauweise
gemäss Art. 37 Abs. 3 BG in keinem Zusammenhang stehe. Infolge der
grossen Glasflächen leuchteten die Wohnräume nachts sehr stark, was
genau das Gegenteil von dem sei, was die ehemalige Stallscheune nachts
wiedergegeben habe. Die Funktion des Stalles sei nach dem Umbau
wegen falscher Materialisierung (viel zu viel Glas und viel zu wenig Holz)
kaum noch lesbar. Die im Wesentlichen als Glasfront realisierte
Südfassade des vormaligen Stalles könnte genauso gut anderswo in der
- 22 -
Schweiz oder im Ausland als Fassade eines "geschichtslosen" modernen
Mehrfamilienhauses stehen. Der Fassadenplan vom 24. Januar 2013 (vgl.
Bg-act. 6), wonach das Bauvorhaben Glasfassadenelemente aufgewiesen
habe, habe unter Berücksichtigung von Art. 37 Abs. 3 BG nur deshalb
bewilligt werden können, weil die Fenstersegmente im westlichen Bereich
der 2. und 3. Obergeschosse mit Schräglamellen aus Holz, einem
traditionellen Baustoff, verblendet worden seien. Diese Begründung stützt
die Beschwerdegegnerin auf den Bericht von N._ vom 5. Mai 2019
(Bg-act. 36). Darin wurde festgehalten, dass die Stallwände zwischen den
gemauerten Eckpfeilern vollflächig aus Holzbrettern bestanden hätten und
ortstypisch gewesen seien. Die ehemalige Bauernhausanlage sei für das
Ortsbild von hoher Bedeutung gewesen. Vor dem Umbau seien an den
Fassaden der Stallscheune nur zwei Materialen vorherrschend gewesen,
nämlich verputztes Mauerwerk und unbehandeltes, einheimisches Holz.
Ziel müsse es sein, den ehemaligen Stall nach dem Umbau weiterhin als
solchen zu erkennen. Hierfür müsse zumindest eine massgebende Fläche
der Holzausfachung zwischen den Pfeilern in Holz belassen werden. Glas,
vor allem in grossen Flächen, sei ein modernes, optisch sehr hartes
Material. Im Gegensatz zu Holz altere Glas nicht. Zudem bilde es einen
Kontrast zu den historischen Materialien. Zusammenfassend hielt die
Bauberaterin fest, dass an der Südfassade die Glasflächen deutlich
dominieren würden, weshalb Art. 37 Abs. 3 BG hinsichtlich des
verwendeten Materials nicht eingehalten worden sei. Diese Auffassung
vertrat N._ bereits in ihrem ersten Bericht vom 10. Mai 2017 (Bg-
act. 35). Daraus kann insbesondere entnommen werden, dass die
Stallbauten von einer durch die Landwirtschaft geprägte Lebensweise und
Kultur vergangener Zeiten zeugten. Mit den dazugehörigen Wohnbauten
hätten sie bauliche Ensembles gebildet, welche für das Ortsbild der Dörfer
bis heute prägend seien. Aus diesem Grund müsse gemäss Bund und
Kanton bei ortsbildprägenden Stallbauten die äussere Erscheinung und die
bauliche Grundstruktur erhalten werden. Beim Stall E._ handle es
- 23 -
sich in jedem Fall um eine für das Ortsbild bedeutende Baute. Damit der
ehemalige Stall auch in Zukunft als zum Wohnteil gehörender Stall zu
erkennen sei, sei es wichtig, eine massgebende Fläche in Holz zu
belassen. Dies sei bei der Ausführung der Ostfassade mehr oder weniger
erreicht, jedoch nicht an der Südfassade. Durch die leichte, durchlässige
Brüstung und das Weglassen der Holzflächen erscheine die Südfassade
als gläserne Fläche. Aus gestalterischer Sicht gehe dieser Schritt deutlich
zu weit, was inakzeptabel sei. Zusammenfassend empfahl die
Bauberaterin, eine massgebliche Fläche an der Südfassade mit Holz
schliessen zu lassen.
6.6. Die Beschwerdeführer rügen zunächst, dass die Berichte von N._
vom 10. Mai 2017 bzw. 5. April 2019 fälschlicherweise von einer
ortsbildprägenden Baute gemäss Art. 35a der Raumplanungsverordnung
für den Kanton Graubünden (KRVO; BR 801.110) ausgehen würden. Damit
habe sie ihre rechtlichen Befugnisse überschritten, zumal die
Beschwerdegegnerin zu keinem Zeitpunkt von einer solchen Baute
ausgegangen sei. Diese Rüge verfängt nicht. Gemäss dem Bericht vom 5.
April 2019 (vgl. Bg-act. 36) wurde N._ augenscheinlich damit
beauftragt, zu beurteilen, ob der Stallumbau der traditionellen Bauweise
gemäss Art. 37 Abs. 3 BG entspricht. In diesem Sinne wurde darin folgende
Ausgangslage formuliert: "Art. 37 Abs. 3 BG schreibt vor, dass in der zona
O._ Umbauten und Renovierungen sich der traditionellen
Bauweise der Gemeinde hinsichtlich Material, Grösse, Proportionen,
Positionen, Form des Daches und der Farbe anzupassen haben". Um
beurteilen zu können, ob der Stallumbau der traditionellen Bauweise
entspricht, musste sich N._ insbesondere auch mit dem
vorherrschenden Baustil, der historischen Bau- und Ortsentwicklung sowie
den architektonischen Gepflogenheiten und Besonderheiten
auseinandersetzen. Dies hat sie in ihrem Bericht vom 5. April 2019 unter
dem Titel "Situation, Stallscheunen als Zeitzeugen" getan. Darin kam sie
- 24 -
zum Schluss, dass die ehemalige Bauernhausanlage für das Ortsbild von
hoher Bedeutung gewesen sei. Dass der Stall ortsbildprägend gemäss Art.
35 KRVO gewesen sei, wird im Bericht vom 5. April 2019 indes nicht
ansatzweise gesagt. Das Gegenteil ist der Fall. So hielt N._ unter
Titel "Umnutzung von Stallscheunen" fest, dass die Stallscheune nicht als
ortsbildprägende Baute zu qualifizieren sei. Vor diesem Hintergrund kann
keine Rede davon sein, dass N._ den Stall als ortsbildprägend
gemäss Art. 35a KRVO qualifiziert hatte; dies umso weniger, als
Gegenteiliges grundsätzlich auch nicht dem Bericht vom 10. Mai 2017
entnommen werden kann. Darin ist unter dem Titel "Folgen aus
gestalterischer Sicht" – wie im Bericht vom 5. April 2019 – nämlich
zusammenfassend festgehalten, dass es sich bei der Stallscheune unter
Berücksichtigung der historischen architektonischen Gepflogenheiten um
eine für das Ortsbild wichtige Baute handle. Mit diesen Feststellungen hat
N._ ausgenscheinlich die Bedeutung der ehemaligen
Bauernhausanlage für das Ortsbild aufzeigen wollen, was zwecks
Beurteilung der Frage, ob der Umbau der traditionellen Bauweise
entspricht, von Relevanz ist. Vor diesem Hintergrund kann nicht davon
gesprochen werden, dass N._ von einer ortsbildprägenden Baute
gemäss Art. 35a KRVO ausgegangen ist bzw. sie ihre Befugnisse
überschritten hätte. Dies hat zur Konsequenz, dass der angefochtene
Entscheid auch nicht gegen das Legalitätsprinzip verstösst; schliesslich
basiert dieser Entscheid nicht auf einer nachträglichen Qualifikation des
Stallumbaus als ortsbildprägend gemäss Art. 35a KRVO. Damit
einhergehend ist die Beschwerdegegnerin auch zu keinem Zeitpunkt von
einer solchen Baute ausgegangen, weshalb sie auch zu Recht nicht das in
Art. 35a ff. KRVO statuierte Vorgehen beschritten hatte.
6.7. Des Weiteren beanstanden die Beschwerdeführer die von N._
verfassten Berichte in materieller Hinsicht. Der Bericht vom 10. Mai 2017
sei mangelhaft, was das Verwaltungsgericht bereits festgestellt habe. Im
- 25 -
Bericht vom 5. April 2019 sei zudem auf die Wegleitung des Amtes für
Raumplanung des Kantons Graubünden Bezug genommen worden. Diese
Bezugnahme sei willkürlich, zumal diese Wegleitung ausschliesslich auf
geschützte und ortbildprägende Bauten Anwendung finden würde.
Vorliegend stehe nicht die Ausscheidung einer Liegenschaft als geschützte
und/oder ortsbildprägende Baute zur Diskussion. Mit ihrem Vorgehen habe
sich die Bauberaterin so verhalten, als ob sie eine Gestaltungsberatung im
Hinblick auf die Erteilung einer Baubewilligung bei einer bereits
ortsbildprägenden Baute vorgenommen hätte. Damit habe sie ihr
Ermessen anstelle des Ermessens der Beschwerdegegnerin gesetzt, was
unzulässig sei. Die Beanstandungen der Beschwerdeführer sind nicht zu
hören.
6.8. Im rechtskräftigen Urteil des Verwaltungsgerichts vom 30. Oktober 2018
(VGU R 18 2) wurde festgehalten, dass die Beschwerdegegnerin ihrer
Begründungspflicht nicht nachgekommen sei, weil sich weder aus dem
Bericht vom 10. Mai 2017 noch aus dem Entscheid vom 17. Oktober 2017
ergeben habe, welche in Art. 37 Abs. 3 BG genannten ästhetischen
Vorgaben an der Südfassade der fraglichen Liegenschaft verletzt worden
sein sollen. Aus diesem Grund liess die Beschwerdegegnerin bei
N._ einen (Ergänzungs-)Bericht einholen. Die
Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Entscheid – unter
Auseinandersetzung mit den von N._ in ihrem Bericht vom 5. April
2019 – alsdann dargelegt, welche in Art. 37 Abs. 3 BG genannten
ästhetischen Vorgaben an der Südfassade mit den Projektänderungen
verletzt worden sind. In diesem Sinne wird darin dargelegt, dass sich der
realisierte Umbau insbesondere wegen den grossen sichtbaren
Glasflächen als gesetzeswidrig erweise. Diese Glasflächen würden sowohl
hinsichtlich Materialisierung und Farbe keinen Zusammenhang mit der
traditionellen Bauweise aufweisen. Dasselbe habe auch für die
grossflächigen grauen Metallstoren zu gelten. Die Funktion des
- 26 -
ehemaligen Stalls sei nach dem Umbau wegen falscher Materialisierung
(zu viel Glas und viel zu wenig Holz) kaum noch lesbar. Infolge der grossen
Glasflächen würden die Wohnräume zudem nachts sehr stark leuchten,
was das Gegenteil von dem sei, was die ehemalige Scheune nachts
wiedergegeben habe. Dieser bauliche Zustand verletze Art. 37 Abs. 3 BG.
Diesen Darlegungen der Beschwerdegegnerin schliesst sich das
Verwaltungsgericht an. An den Fassaden des Stalls waren verputztes
Mauerwerk und unbehandeltes, einheimisches Holz vorherrschend
gewesen (vgl. Bg-act. 36). Damit kann die realisierte Südfassade nicht als
der traditionellen Bauweise angepasst gelten. Zur Frage der Ästhetik des
realisierten Umbaus in der "zona O._" bzw. seiner Anpassung an
die traditionelle Bauweise insbesondere hinsichtlich Material und Farbe hat
der gerichtliche Augenschein vom 22. November 2021 nämlich gezeigt,
dass die Glasflächen an der Südfassade im Vergleich zum Holz dominant
sind; dies insbesondere deshalb, weil die Beschwerdeführer in Abweichung
zum bewilligten Fassadenplan vom 24. Januar 2013 (vgl. Bg-act. 6) auf die
Anbringung der projektierten Schräglamellen aus Holz im 2. und 3.
Obergeschoss verzichtet und grossflächige graue Rollstoren angebracht
haben. Was die Rollstoren anbelangt, ist zu berücksichtigen, dass diese –
wie der Augenschein gezeigt hat – meistens heruntergelassen sind;
schliesslich handelt es sich um Zweitwohnungen, deren Inhaber nur zeitlich
beschränkt anwesend sind. Durch die heruntergelassenen grauen
Rollstoren, wodurch eine graue dominierende Fassadenfront entsteht, und
das Nichtanbringung der hier zur Diskussion stehenden Schräglamellen
aus Holz, lässt sich der ehemalige Stall – entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführer – nicht mehr als solcher erkennen. Vor diesem
Hintergrund ist die Auffassung der Beschwerdegegnerin, wonach es sich
bei der realisierten Südfassade auch um eine Fassade eines
"geschichtslosen" und modernen Mehrfamilienhauses handeln könnte,
nicht zu beanstanden. Bei dieser Betrachtungsweise muss deshalb gesagt
werden, dass die realisierte Südfassade hinsichtlich Material und Farbe
- 27 -
sich nicht an die traditionelle Bauweise gemäss Art. 37 Abs. 3 BG anpasst.
Erweist sich der angefochtene Entscheid und damit auch der ihm
zugrundeliegende Bericht von N._ vom 5. April 2019 als rechtens,
hat das Verwaltungsgericht auch keine Veranlassung einzuschreiten.
Dabei sei nochmals auf die gefestigte Rechtsprechung des streitberufenen
Gerichts hinzuweisen, wonach den mit den lokalen Verhältnissen und den
historischen Gegebenheiten am besten vertraute Gemeinde in
Ästhetikfragen grundsätzlich ein weites Ermessen eingeräumt wird, in
denen das Gericht nicht ohne Not eingreift bzw. nur bei
Ermessensmissbrauch oder Ermessensüberschreitung (vgl. statt vieler:
VGU R 16 5 vom 8. September 2016 E.2r, R 15 12 vom 11. Juni 2015 E.3b;
PVG 1995 Nr. 25, 1994 Nrn. 19/20, 1991 Nr. 75, 1990 Nr. 18; Urteile des
Bundesgerichts 1C_434/2012 vom 28. März 2013 E.3, 3.2 und 3.3,
1C_115/2011 vom 17. Mai 2011 E.3, 3.1-3.3, 1A.9/2007 vom 4. Dezember
2007 E.2.2.1, 2.2.2, 3.4 am Ende, 1A.174/2003 vom 4. Mai 2004 E.3.2).
Vorliegend ist dies nicht der Fall, weshalb auch keine Korrekturen
notwendig sind. Daran, dass der angefochtene Entscheid und damit der
ihm zugrundeliegende Bericht von N._ vom 5. April 2019 nicht zu
beanstanden ist, ändern auch die weiteren beschwerdeführerische
Vorbringen nichts (vgl. nachstehende Erw. 6.9. f.).
6.9. Die Beschwerdeführer bringen vor, dass es im Bericht von N._
vom 5. April 2019 überhaupt nicht um die Abweichungen zwischen der im
Februar 2013 erteilten Baubewilligung und dem realisierten Bau gegangen
sei und dies obschon gemäss E-Mail von M._ vom 26. März 2020
(vgl. Bf-act. 10) gerade diese Abweichungen hätten beurteilt werden
müssen. Dieses Vorbringen ist falsch. Im Rahmen des Berichts vom 10.
Mai 2017 nahm N._ unter anderem dazu Stellung, ob bzw.
inwiefern die realisierte Südfassade von den am 13. Februar 2013
bewilligten Fassadenplänen abwich. Damit einhergehend wurden
N._ die "bewilligten Baueingabepläne" sowie die
- 28 -
"Ausführungspläne" zur Einsichtnahme beigebracht (vgl. Bg-act. 35). Mit
"bewilligte Baueingabepläne" kann gemäss Auffassung des
Verwaltungsgerichts ausschliesslich der am 13. Februar 2013 bewilligte
Fassadenplan (vgl. Bg-act. 6) gemeint sein. Ein anderer bewilligter
Fassadenplan liegt nämlich nicht im Recht. Mithin steht fest, dass es bereits
im Bericht vom 10. Mai 2017 um die Abweichungen zwischen der am 13.
Februar 2013 bewilligten und der realisierten Südfassade gegangen ist. Im
Anschluss liess die Beschwerdegegnerin bei N._ einen
ergänzenden Bericht einholen. In diesem (Ergänzungs-)Bericht vom 5.
April 2019 beurteilte N._ die Frage, ob die realisierten Südfassade,
welche von den am 13. Februar 2013 bewilligten Fassadenplänen
abweicht, unter Berücksichtigung von Art. 37 Abs. 3 BG nachträglich
bewilligt werden kann. Um beurteilen zu können, ob die realisierte
Südfassade in gestalterischer Hinsicht nachträglich bewilligt werden kann,
ist geradezu erforderlich, dass N._ (vorab) die Abweichungen
zwischen bewilligter und realisierter Südfassade zu beurteilen hatte. Vor
diesem Hintergrund kann nicht davon gesprochen werden, im Bericht vom
5. April 2019 sei es nicht um die Abweichungen zwischen der im Februar
2013 erteilter Baubewilligung und dem realisierten Bau gegangen.
6.10. Die Beschwerdeführer wenden überdies ein, N._ habe in ihrem
Bericht vom 5. April 2019 – wie in Art. 35d KRVO vorgesehen – eine
Gestaltungsberatung im Hinblick auf die Erteilung einer Baubewilligung bei
einer bereits als ortsbildprägenden Baute vorgenommen; dies sei rechtlich
unzulässig. Dabei verkennen die Beschwerdeführer, dass N._ von
der Beschwerdegegnerin nicht zur Gestaltungsberatung gemäss Art. 74
KRG i.V.m. Art. 35a KRVO beigezogen wurde, sondern zur internen
Meinungsbildung darüber, ob die realisierte Südfassade gestützt auf Art.
37 Abs. 3 BG nachträglich bewilligt werden kann. Angesichts der Tatsache,
dass diese Bestimmung auf die traditionelle Bauweise abstellt, ist
nachvollziehbar, dass sich der Bericht vom 5. April 2019 sowohl mit der
- 29 -
historischen Bauentwicklung in C._ als auch mit der Bedeutung
der Stallbauten als Zeitzeugen der landwirtschaftlichen Arbeits- und
Wirtschaftsweise auseinandersetzt. Allein daraus kann somit nicht darauf
geschlossen werden, dass es sich beim Bericht vom 5. April 2019 um eine
Gestaltungsberatung gemäss Art. 35d KRVO handelt. Der Bericht vom 5.
April 2019 ist unter diesem Gesichtspunkt somit nicht als inhaltlich
mangelhaft zu qualifizieren.
6.11. Einen weiteren inhaltlichen Mangel glauben die Beschwerdeführer darin
zu erkennen, dass sich N._ zur Beantwortung der Frage, welche
gestalterischen Kriterien für die Umnutzung von ehemaligen Ställen gelten
sollten, an die Wegleitung des Amtes für Raumentwicklung anlehnte.
Gemäss Auffassung der Beschwerdeführer regle diese Wegleitung die
Ausscheidung von geschützten und ortsbildprägenden Bauten. Eine
solche Ausscheidung liege hier indes nicht vor, weshalb der Bericht vom
5. April 2019 den rechtlichen Anforderungen ebenfalls nicht genüge. In
ihrem Bericht vom 5. April 2019 führt N._ aus, in der Wegleitung
des Amtes für Raumentwicklung des Kantons Graubünden würden – unter
Berücksichtigung der Sicherstellung der Bauqualität in historischen
Dorfkernen – die gestalterischen und architektonischen Möglichkeiten für
die Umnutzung von Stallscheunen aufgezeigt werden. Auch wenn die
Stallscheune P._ nicht als ortsbildprägende Baute definiert
werde, gebe diese Wegleitung die Richtung an, wie Stallscheunen – bei
sorgfältigem Umgang mit der bestehenden Bausubstanz – zu
unverwechselbaren Bauten mit hoher Wohnqualität ausgebaut werden
könnten. Aus diesem Ausführungen ergibt sich, dass N._ die
Wegleitung des Amtes für Raumentwicklung des Kantons Graubünden
lediglich hilfsweise herangezogen hat. Dabei ist zu konkretisieren, dass es
sich dabei augenscheinlich um die Wegleitung "Geschützte und
ortsbildprägende Bauten Wegleitung Bauprojekte" und nicht um die von
der Beschwerdegegnerin eingereichte Wegleitung "Geschützte und
- 30 -
ortsbildprägende Bauten Wegleitung Nutzungsplanung" (vgl. Bf-act. 16)
gehandelt hat. Ausschliesslich die erste Wegleitung behandelt nämlich die
Umnutzung von historischen Stallscheunen. Ziel dieser Wegleitung ist es,
dass die äussere Erscheinung und die bauliche Grundstruktur durch einen
Stallumbau im Wesentlichen unverändert beibehalten wird. Der Beizug
dieser Wegleitung erweist sich nach Auffassung des Verwaltungsgerichts
vorliegend durchaus als gerechtfertigt. Dabei ist zu berücksichtigten, dass
sich gemäss Art. 37 Abs. 3 BG Umbauten und Renovierungen in der "zona
O._" der traditionellen Bauweise der Gemeinde hinsichtlich
Materials, Grösse, Proportionen, Positionen, Form des Daches und der
Farbe anzupassen haben. Die Anpassung an die traditionelle Bauweise
bringt zum Ausdruck, dass durch den Umbau von historischen
Stallscheunen der Stallcharakter weiterhin beibehalten werden soll. Damit
verlangt Art. 37 Abs. 3 BG dem Grundsatz nichts anderes, als mit der
Wegleitung "Geschützte und ortbildprägende Bauten Wegleitung
Bauprojekte" beabsichtigt wird. Der hilfsweise Beizug dieser Wegleitung
zur Beurteilung des Stallumbaus in gestalterischer Hinsicht ist somit nicht
zu beanstanden. Der Bericht von N._ vom 5. April 2019 leidet
unter diesem Gesichtspunkt daher nicht an einem inhaltlichen Mangel.
6.12. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass der angefochtene
Entscheid sowie insbesondere der ihm zugrundliegende Bericht von
N._ vom 5. April 2019 nicht zu beanstanden sind. Die realisierte
Südfassade passt sich demnach hinsichtlich Material und Farbe nicht an
die traditionelle Bauweise gemäss Art. 37 Abs. 3 BG an, weshalb sie
nachträglich nicht bewilligt werden kann.
7. Hat die Beschwerdegegnerin die realisierte Südfassade infolge Verletzung
von Art. 37 Abs. 3 BG nachträglich zu Recht nicht bewilligt, liegt eine
materielle Baurechtsverletzung vor. Entsprechend stellt sich die Frage, ob
die Beschwerdegegnerin zu Recht die Wiederherstellung des
- 31 -
gesetzmässigen Zustands verlangt hat, indem sie die Beschwerdeführer
wie folgt verpflichtete:
1. Zur Herstellung des rechtmässigen Zustands sind Schräglamellen aus Holz vor den beiden schmalen vertikalen Fenstersegmenten auf einer Breite von ca. 1.5 m im westlichen Bereich der Wohnungen im 2. und 3. Geschoss (StWE-Einheiten Nrn. 481-3 und 481-4) sowie Schräglamellen aus Holz bei der Wohnung im 1. Geschoss (StWE-Einheit Nr. 481-2) beim zusätzlichen Fenstersegment auf der Westseite anzubringen.
(...)
7.1. Dem überarbeiteten Fassadenplan vom 24. Januar 2013 (Bg-act. 6) kann
entnommen werden, dass an der Südfassade ausschliesslich vor den
beiden schmalen vertikalen Fenstersegmenten auf einer Breite von ca. 1.5
m im westlichen Bereich der Wohnungen im 2. und 3. Obergeschoss
Schräglamellen auf Holz vorgesehen waren. Im 1. Obergeschoss waren
hingegen keine solche Schräglamellen geplant (vgl. Bg-act. 6). Am 13.
Februar 2013 bewilligte die Beschwerdegegnerin diesen Fassadenplan.
Die entsprechende Baubewilligung ist in der Folge in Rechtskraft
erwachsen (vgl. Bg-act 8). Hat die Beschwerdegegnerin im angefochtenen
Entscheid angeordnet, es müssten auch beim Fenstersegment im
westlichen Bereich der Wohnung im 1. Obergeschoss Schräglamellen aus
Holz angebracht werden, kommt sie auf den rechtskräftigen Fassadenplan
vom 24. Januar 2013 bzw. die entsprechende Baubewilligung zurück.
Hierfür besteht kein Anlass. Gemäss Art. 67 Abs. 1 VRG revidiert die
Behörde, die zuletzt entschieden hat, rechtskräftige Entscheide von Amtes
wegen oder auf Antrag, wenn: a) die Partei nachträglich erhebliche
Tatsachen oder Beweismittel entdeckt, deren rechtzeitige Beibringung ihr
nicht möglich war, b) durch ein Verbrechen oder Vergehen auf den
Entscheid eingewirkt wurde, c) eine von der Behörde beurteilte zivil- oder
strafrechtliche Vorfrage vom zuständigen Zivil- oder Strafgericht anders
entschieden worden ist, d) die Behörde aktenkundige erhebliche
Tatsachen aus Versehen nicht gewürdigt hat, e) einzelne Punkte des
- 32 -
Rechtsbegehrens unbeurteilt geblieben sind. Es verhält sich nun so, dass
keiner dieser Revisionsgründe einschlägig sind, was von der
Beschwerdegegnerin auch nicht geltend gemacht wird. Dies hat zur
Konsequenz, dass die Beschwerdegegnerin die rechtskräftige
Baubewilligung (vgl. Bg-act. 8) nicht dahingehend in Revision ziehen kann,
dass sie die Anbringung von "Schräglamellen aus Holz bei der Wohnung
im 1. Geschoss (StWE-Einheit Nr. 481-2) beim zusätzlich erstellten
Fenstersegment auf der Westseite" verlangen kann. Die Beschwerde ist
insofern gutzuheissen; dies umso mehr, als auch die Voraussetzungen für
einen Widerruf gemäss Art. 25 Abs. 1 VRG nicht gegeben sind.
7.2.1. Aufgrund des Darlegten ist demnach ausschliesslich zu beurteilen, ob im
Sinne einer Wiederherstellung Schräglamellen aus Holz vor den beiden
schmalen vertikalen Fenstersegmenten auf einer Breite von ca. 1.5 m im
westlichen Bereich der Wohnungen im 2. und 3. Obergeschoss (StWE-
Einheiten Nrn. 481-3 und 481-4) anzubringen sind. Gemäss Art. 94 Abs.
1 KRG sind materiell rechtswidrige Zustände auf Anordnung der
kommunalen Baubehörde zu beseitigen, gleichgültig, ob für deren
Herbeiführung ein Bussverfahren durchgeführt wurde oder nicht. Die
Pflicht zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands obliegt gemäss
Art. 94 Abs. 3 KRG sowohl dem Eigentümer als auch der Person, die den
rechtswidrigen Zustand herbeigeführt hat. Nur ausnahmsweise kann
gemäss Art. 94 Abs. 4 KRG aus Gründen der Verhältnismässigkeit oder
des Vertrauensschutzes von der Anordnung von
Wiederherstellungsmassnahmen ganz oder teilweise abgesehen werden,
weshalb über eine Duldungsverfügung der gesetzwidrige Zustand
hingenommen werden muss. Die Bestimmung von Art. 94 Abs. 3 KRG,
welche vorschreibt, dass der Bauherr einen vorschriftswidrigen Zustand
zu beseitigen hat, gleichgültig ob er für dessen Herbeiführung bestraft
worden ist oder nicht, gilt nicht absolut, sondern ist entsprechend dem
Grundsatz der Verhältnismässigkeit so zu handhaben, dass ein blosser
- 33 -
Verstoss gegen formelle Baupolizeivorschriften für sich allein die
Anordnung der Beseitigung von Bauteilen nicht nach sich zieht; für einen
solchen Eingriff ist nach ständiger Rechtsprechung des
Verwaltungsgerichts vielmehr auch eine Verletzung materieller
Bauvorschriften Voraussetzung (PVG 1993 Nr. 29 E. 2, PVG 1981 Nr. 22
R.3).
7.2.2. Ein weiteres Kriterium, welches das Bundesgericht bei der
Wiederherstellung berücksichtigt, ist die Frage, ob der Bauherr zur
Bauausführung ermächtigt war. Diese Frage wäre zu bejahen, wenn die
Bauherrschaft sich erfolgreich auf den Schutz des guten Glaubens berufen
könnten. Es ist aktenkundig, dass die Bauherrschaft – entgegen dem
bewilligten Fassadenplan vom 24. Januar 2013 (vgl. Bg-act. 6) – an den
hier zur Diskussion stehenden Fenstersegmenten im 2. und 3.
Obergeschoss keine Schräglamellen aus Holz angebracht hat. Gemäss
Art. 60 Abs. 4 KRG hätte das Bauvorhaben indes den bewilligten Plänen
entsprechend ausgeführt werden müssen. In diesem Zusammenhang
machen die Beschwerdeführer geltend, die Bauherrschaft habe
M._ am 1. September 2015 (vgl. Bg-act. 13), mithin während der
Bauphase, einen neuen Fassadenplan eingereicht, gemäss welchem die
Südfassade realisiert worden sei. Zu diesem neuen Fassadenplan habe
sie von der Beschwerdegegnerin nie eine Rückmeldung erhalten. Sofern
die Beschwerdeführer damit geltend machen wollen, die Bauherrschaft
hätte darauf vertrauen dürfen, dass die Beschwerdegegnerin die vom
bewilligten Fassadenplan vom 24. Januar 2013 (vgl. Bg-act. 6)
abweichenden Projektänderungen dulden würde, weil sie auf den neu
eingereichten Fassadenplan vom 1. September 2015 während rund 15
Monaten nicht reagierte, ist dies nicht zu hören. Grundsätzlich hindert die
vorübergehende Duldung eines rechtswidrigen Zustandes die Behörde
nicht an der späteren Behebung dieses Zustands. Eine
Vertrauensgrundlage, die der Wiederherstellung der Rechtmässigkeit
ganz oder teilweise entgegensteht, wird durch behördliche Untätigkeit nur
- 34 -
in Ausnahmefällen geschaffen (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 8. Aufl., Zürich/St. Gallen 2020, Rz 651). Den Akten
kann entnommen werden, dass die Bauherrschaft M._ den
Fassadenplan, gemäss welchen die Südfassade realisiert wurde, am 1.
September 2015 eingereicht hatte. Mit Schreiben vom 9. März 2017 setzte
die Beschwerdegegnerin die Bauherrschaft alsdann darüber in Kenntnis,
dass ihr anlässlich der Bauabnahme vom 14. November 2016 angezeigt
worden sei, dass vor den Fenstern fälschlicherweise keine Schräglamellen
aus Holz angebracht worden seien. Gleichzeitig teilte die
Beschwerdegegnerin mit, dass eine solche Bauausführung nicht bewilligt
werden könne (vgl. Bg-act. 16). Vor diesem Hintergrund musste der
Bauherrschaft am 14. November 2016, spätestens aber am 9. März 2017,
klar gewesen sein, dass der Fassadenplan vom 1. September 2015 nicht
bewilligt werden würde. Selbst wenn in diesem Verhalten eine
(vorübergehende) behördliche Untätigkeit zu erblicken wäre, vermöchte
dadurch noch keine Vertrauensgrundlage geschaffen werden; schliesslich
hätte diese Untätigkeit lediglich maximal rund 18 Monate gedauert. Diese
Zeitdauer vermag bei weitem keinen Ausnahmefall zu begründen, wonach
behördliche Untätigkeit eine Vertrauensgrundlage darstellt. Auf
Vertrauensschutz kann sich zudem nur derjenige berufen, der von der
Vertrauensgrundlage Kenntnis hatte und ihre allfällige Fehlerhaftigkeit
nicht kannte und auch nicht hätte kennen müssen
(HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz 654 f.). Grundsätzlich muss in
diesem Zusammenhang davon ausgegangen werden, dass sich der
Bauwillige selber um die Zulässigkeit seines Tuns zu kümmern hat (vgl.
PVG 1993 Nr. 29 E.2). Der Schutz des Vertrauens rechtfertigt sich nur,
wenn der Bauherr die ihm nach den Umständen zumutbare Sorgfalt und
Aufmerksamkeit hat walten lassen. Wer trotz vorhandener und sich nach
objektiven Massstäben aufdrängenden Zweifeln über die Tragweite einer
Baubewilligung ohne entsprechende Abklärungen bei der verfügenden
Behörde Bauarbeiten vornimmt, kann sich gegenüber einem
- 35 -
Abbruchbefehl nicht mit Erfolg auf den Schutz seines Glaubens berufen
(BGE vom 14. Februar 1979 in ZBl 80/1979 S. 312 f. E.4b). Der bewilligte
Fassadenplan vom 24. Januar 2013 (vgl. Bg-act. 6) sah an der
Südfassade unbestrittenermassen Schräglamellen aus Holz vor den
beiden schmalen vertikalen Fenstersegmenten auf einer Breite von ca. 1.5
m im westlichen Bereich der Wohnungen im 2. und 3. Obergeschoss vor.
Dieser Fassadenplan wurde wohlgemerkt von H._, einziger
Gesellschafter der Bauherrschaft, gezeichnet (vgl. Bg-act. 6). Auf dem am
1. September 2015 von der Bauherrschaft nachgereichten Fassadenplan
notierte M._ am 15. September 2015, dass sich H._
bewusst seien, dass die realisierte Südfassade nicht dem bewilligten
Fassadenplan vom 24. Januar 2013 entspreche. Der Bauherrschaft
musste somit bekannt sein, dass sie die Südfassade nicht entsprechend
den bewilligten Fassadenplan vom 24. Januar 2013 ausgeführt hat. Vor
diesem Hintergrund kann der Bauherrschaft der gute Glaube nicht
zugebilligt werden; dies umso weniger als die Bauherrschaft in ihrer im
Parallelverfahren (R 20 36) eingereichten Eingabe vom 8. Mai 2020 selber
ausführen, dass "lediglich aus wohnhygienischen Gründen von der
Anbringung der Schräglamellen (...)" abgesehen worden sei. Daraus
ergibt sich, dass die Bauherrschaft in vollem Bewusstsein vom bewilligten
Fassadenplan vom 24. Januar 2013 (vgl. Bg-act. 6) abgewichen ist, indem
sie an der Südfassade auf die Anbringung von Schräglamellen aus Holz
verzichtet hat. Unbehelflich ist auch der Einwand, wonach M._
der Bauherrschaft dahingehend Auskunft gegeben haben solle, dass die
Projektanpassungen als Nachtrag bewilligt werden würden. Der
Vertrauensschutz schreibt vor, dass die Amtsstelle, die die Auskunft gab,
zur Auskunftserteilung zuständig gewesen sein müsse. Die Kompetenz
zum Entscheid schliesst grundsätzlich auch diejenige zur
Auskunftserteilung ein (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz 676 f). Bei
der Frage, ob sich in diesem Zusammenhang der Vertrauensschutz
rechtfertigt, ist zu berücksichtigten, dass die Bauherrschaft in der
- 36 -
Gemeinde bereits mehrere Bauprojekte realisiert hat. Es hätte ihr somit
bewusst sei müssen, dass über (nachträgliche) Baugesuche
ausschliesslich der Gemeindevorstand entscheidet, zu welchem
M._ indes nicht gehörte. Um eine verbindliche Zusicherung zu
erhalten, ob die Abänderungen als Nachtrag bewilligt werden würden,
hätte sich die Bauherrschaft somit an den Gemeindevorstand wenden
müssen; schliesslich schliesst die Entscheidkompetenz des
Gemeindevorstands auch die Zuständigkeit zur Auskunftserteilung mit ein.
Hat sie dies nicht getan, hat sie auch nicht die von ihr geforderte nötige
Sorgfalt und Aufmerksamkeit walten lassen, so dass sich der
Vertrauensschutz auch unter diesem Aspekt nicht rechtfertigt. Sofern die
Beschwerdeführer unter dem Aspekt des Vertrauensschutzes überdies
vorbringen, die Beschwerdegegnerin hätte gestützt auf Art. 60 Abs. 4
KRVO einen Baustopp verfügen müssen, verfängt dieses Vorbringen
ebenfalls nicht. Es ist aktenkundig, dass der von der Bauherrschaft
nachgereichte Fassadenplan, gemäss welchem die Südfassade realisiert
worden ist, am 1. September 2015 bei der Beschwerdegegnerin einging.
Am 15. September 2015 notierte M._ auf diesem Plan, dass die
Südfassade entgegen den bewilligten Plänen ausgeführt worden sei und
die Bauherrschaft sich dieser Tatsache bewusst sei (vgl. Bg-act. 13).
Diese Notiz spricht dafür, dass M._ sich erstmals am 15.
September 2015 – während des Jagdunterbruchs – mit eigenen Augen
davon überzeugen konnte, dass die realisierte Südfassade nicht den
bewilligten Plänen entspricht. Dass zwischen der Einreichung des
Fassadenplans am 1. September 2015 und dem Augenschein vor Ort 14
Tage verstrichen sind, ist insofern nachvollziehbar, als M._ sich
auf der Hochjagd befand, welche gemäss Art. 11 des kantonalen
Jagdgesetzes (KJG; BR 740.000) jeweils im Monat September für die
Dauer von höchstens 21 Tage mit der Möglichkeit eines Jagdunterbruchs
für die Dauer von mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen angesetzt
wird. Stellte M._ am 15. September 2015 erstmals mit eigenen
- 37 -
Augen fest, dass die fertiggestellte Südfassade nicht den bewilligten
Plänen entspricht, wäre ein Baustopp zum Vornherein ins Leere gelaufen.
Der Vorwurf der Beschwerdeführer, wonach der unterlassene Baustopp
begründetes Vertrauen dahingehend hervorgerufen habe, dass die
realisierte Südfassade nachträglich bewilligt werden würde, verfängt somit
nicht.
7.2.3. Die Beschwerdeführer machen geltend, dass sie die Wohnung am 22.
Januar 2016 gekauft hätten und bis zum Eingang des Schreibens der
Beschwerdegegnerin vom 19. Juli 2019 in guten Treuen davon
ausgegangen seien, dass das Bauvorhaben bewilligt werden würde. In
diesem Vertrauen seien sie zu schützen. Die Beschwerdeführer haben die
3.5-Zimmerwohnung in der hier zur Diskussion stehenden Liegenschaft
am 22. Januar 2016 gekauft (vgl. Bf-act. 3). Am 14. November 2016, also
vier Monate später, fand die Bauabnahme statt, anlässlich welcher
festgestellt worden war, dass die Südfassade entgegen dem bewilligten
Plänen vom 24. Januar 2013 realisiert worden ist (vgl. Bg-act. 12).
Bemerkenswert ist nun, dass H._ anlässlich der Bauabnahme
vom 14. November 2016 als Vertreter ("rapreschantant") – zumindest für
die Beschwerdeführer – fungierte (vgl. Bg-act. 12). Entsprechend waren
die Beschwerdeführer damals auch nicht vor Ort, was sich aus dem
Kollaudationsprotokoll ergibt (vgl. Bg-act. 12). Vor Ort waren auf Seiten
der Bauherrschaft und der Stockwerkeigentümer ausschliesslich
H._. Handelte H._ anlässlich der Bauabnahme vom 14.
November 2016 als Vertreter der Beschwerdeführer, können sie nicht
vorbringen, sie seien gutgläubig gewesen. Es verhält sich nämlich so,
dass die Beschwerdeführer sich das Wissen ihres Vertreters anrechnen
lassen müssen. H._ musste aufgrund der ihm anlässlich der
Bauabnahme vom 14. November angezeigten Beanstandungen
zumindest damit rechnen, dass die Südfassade nicht wie realisiert,
bewilligt werden würde. Dieses Wissen ist den Beschwerdeführern
- 38 -
anzurechnen, weshalb sie nicht erfolgreich auf den Vertrauensschutz
berufen können.
7.2.4. Sofern die Beschwerdeführer einwenden, dass die angeordnete
Anbringung von Schräglamellen aus Holz vor den Fenstern an der
Südfassade nicht verhältnismässig sei, ist dies nicht zu hören. Im Hinblick
auf die generelle Rechtmässigkeit der Wiederherstellungsverfügung hat
eine Abwägung zwischen den öffentlichen und privaten Interessen an der
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands und den privaten
Interessen am Festhalten am gesetzwidrigen Zustand zu erfolgen. Da
generell ein sehr gewichtiges öffentliches Interesse an der Einhaltung der
baurechtlichen Ordnung besteht, sind kaum Fälle denkbar, in denen es
trotz grösseren Abweichungen von den Bauvorschriften als durch ein
schützenswertes Interesse abgedeckt erscheint, eine widerrechtliche
Baute stehen zu lassen. Es darf deshalb bei materiell rechtswidrigen
Bauten höchstens dann von einer Wiederherstellung abgesehen werden,
wenn die Abweichung sehr geringfügig ist und die berührten allgemeinen
Interessen den aus der Wiederherstellung für den Eigentümer
erwachsenen Schaden nicht zu rechtfertigten vermögen (BGE 111 Ib 224
E.6b; VGU R 15 58 vom 4. Oktober 2016 E.5.c; BEELER, Die
widerrechtliche Baute, Diss. Zürich 1984, S. 79). Weiter wird die Ansicht
vertreten, dass es selbst bei Geringfügigkeit der Rechtsverletzung nicht
angehe, die Einhaltung klarer Gesetzesbestimmungen mit Berufung auf
den Grundsatz der Verhältnismässigkeit aufzugeben. Das
Verhältnismässigkeitsprinzip dürfe nicht dazu führen, ein zweites Mal
materielle Gesichtspunkte anzuwenden; es gehe nicht um Kapitulation vor
faktischen Zwängen, sondern um ein in Extremfällen gebotenes
Abweichen vom starren Recht (RHINOW/KRÄHENMANN, Schweizerische
Verwaltungsrechtsprechung, Ergänzungsband, Basel 1990, Nr. 56 B VI d,
S. 174). Das öffentliche Interesse an der Durchsetzung der
Baugesetzgebung ist bekanntlich gross. Zum einen soll verhindert werden,
- 39 -
dass die Verletzung von gesetzlichen Vorschriften honoriert wird und
damit letztlich die Glaubwürdigkeit von Raumplanung und Rechtsstaat
gewahrt werden (vgl. BGE 111 Ib 2013 E.6b). Zum anderen spielt aber
auch der Aspekt der Rechtsgleichheit eine Rolle. Grundsätzlich kann
festgehalten werden, dass für den Erlass einer
Wiederherstellungsverfügung im Rahmen der
Verhältnismässigkeitsprüfung nicht eine schwere Verletzung öffentlicher
Interessen vonnöten ist. Vielmehr erweist sich eine solche Massnahme
bereits als gerechtfertigt, wenn die Abweichung vom Gesetz nicht mehr
als gering bezeichnet werden kann und die allgemeinen Interessen an der
Einhaltung der Bauordnung den dem Bauherrn erwachsenen Schaden zu
rechtfertigen vermöge. Nach der Rechtsprechung kann sich selbst ein
Bauherr, der sich nicht in gutem Glauben befindet, gegenüber einer
Wiederherstellung auf den Grundsatz der Verhältnismässigkeit berufen.
Er muss aber in Kauf nehmen, dass die Behörde aus grundsätzlichen
Erwägungen, nämlich zum Schutz der Rechtsgleichheit und der
baurechtlichen Ordnung, dem Interesse an der Wiederherstellung des
gesetzmässigen Zustandes erhöhtes Gewicht beimessen und die dem
Bauherrn allenfalls erwachsenden Nachteile nicht oder nur in verringertem
Masse berücksichtigen (BGE 111 Ib 224 E.6, 108 Ia 218 E.4b).
7.2.5. Um beantworten zu können, ob die Bauherrschaft gut- oder bösgläubig
war, muss erst geprüft werden, ob sie sich an den am 13. Februar 2013
bewilligten Fassadenplan vom 24. Januar 2013, welcher Schräglamellen
aus Holz vorsah, hätte halten müssen oder nicht, was klar zu bejahen ist;
dies umso mehr, als sie sich – wie dargelegt – auch nicht erfolgreich auf
den Vertrauensschutz berufen kann (vgl. vorstehende Erw. 7.3.2.). Die
Bauherrschaft hat mithin nicht als gut-, sondern als bösgläubig zu gelten.
An der Einhaltung der Ästhetikvorschrift gemäss Art. 37 Abs. 3 BG, welche
vorliegend mangels Anbringung der Schräglamellen aus Holz verletzt
wurde, besteht ein öffentliches Interesse, da damit das traditionelle
- 40 -
ursprüngliche Ortsbild in der "zona O._", welches von verputztem
Mauerwerk und Holz geprägt war (vgl. Bg-act. 35 und 36), beibehalten
werden soll. Daran ändert auch das anlässlich des Augenscheins
vorgetragene Argument nichts, wonach die Südfassade nicht einsehbar
sei. Wie der Augenschein gezeigt hat, verfängt dieses Argument nämlich
nicht. Es verhält sich vielmehr so, dass die Südfassade insbesondere von
der Verbindungsstrasse zwischen "Q._" und "R._"
ganzflächig einsehbar ist (vgl. Foto 9 des Augenscheinprotokolls).
Daneben ist die Südfassade – wenn auch nicht in ihrer gesamten Fläche
– auch vom Dorfbrunnen beim "Q._" sowie vom "Q._"
selber einsehbar (vgl. Foto 8 und 10 des Augenscheinprotokolls).
7.2.6. Falls es sich jedoch so verhält, dass eine grosse Anzahl von
Stallumbauten in der "zona O._" nicht der Gestaltungsvorschrift
von Art. 37 Abs. 3 BG entspricht, kann unter Umständen ein Anspruch der
Beschwerdeführer auf Gleichbehandlung im Unrecht bestehen. Die Lehre
und Rechtsprechung äussern sich dahingehend, dass wenn eine Behörde
in einem Fall eine vom Gesetz abweichende Entscheidung getroffen hat,
dies den Privaten, die sich in der gleichen Lage befinden, grundsätzlich
keinen Anspruch darauf gibt, ebenfalls abweichend von der Norm
behandelt zu werden (vgl. HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz 599; BGE
139 II 49 E.7.1, 124 IV 44 E.2.c). Dies gilt allerdings nur dann, wenn die
abweichende Behandlung lediglich in einem einzigen Fall oder in einigen
wenigen Fällen erfolgt ist. Besteht hingegen eine eigentliche ständige
gesetzeswidrige Praxis und lehnt es die Behörde ab, diese aufzugeben,
so können Private verlangen, dass die widerrechtliche Begünstigung, die
Dritten zuteilwurde, auch ihnen gewährt wird (vgl.
HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz 599; BGE 139 II 49 E.7.1, 136 I 65
E.5.6). In diesem Zusammenhang führen die Beschwerdeführer aus, dass
sich der hier zur Diskussion stehende Stallumbau insbesondere mit dem
Projekt "S._", welches sich ebenfalls in derselben Dorfkernzone
- 41 -
in C._ befinde, vergleichen lasse (vgl. Bf-act. 12). Im vorliegenden
Verfahren sowie im Parallelverfahren (R 20 36) können neben dem Projekt
"S._" nur noch einige wenige angebliche Vergleichsobjekte,
welche – wie der hier zur Diskussion stehende Stall – in der "zona
O._" in C._ liegen, ins Feld geführt werden (vgl. Bf-act.
10). Selbst wenn diese Vergleichsprojekte mit der hier zur Diskussion
stehenden Baute vergleichbaren wären, was für das Verwaltungsgericht
nicht ohne Weiteres augenfällig ist, könnte somit höchstens von einer
falschen Rechtsanwendung in einigen wenigen Fällen gesprochen
werden. Da im vorliegenden Fall keine ständige Praxis der
Beschwerdegegnerin ausgemacht werden kann, Art. 37 Abs. 3 BG
verletzende Stallumbauten zu tolerieren, kann den Beschwerdeführern
auch keine Begünstigung gewährt werden.
8. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass das Nichtanbringen von
Schräglamellen aus Holz vor den beiden schmalen vertikalen
Fenstersegmenten auf einer Breite von ca. 1.5 m im westlichen Bereich
der Wohnungen im 2. und 3. Obergeschoss (StWE-Einheiten Nrn. 481-3
und 481-4) materiell rechtswidrige bauliche Massnahmen darstellen. Da
generell ein gewichtiges öffentliches Interesse an der Einhaltung der
baurechtlichen Ordnung vorliegt und die Beschwerdeführer keine
besonderen Umstände geltend machen können, ist dieses vorliegend
gegeben. Im Sinne des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes wurde von der
Beschwerdegegnerin das mildeste Mittel angewendet. Es ist nicht
ersichtlich, welche andere, weniger weit in die Rechtsposition
eingreifenden Rechtsinstitute zur Durchsetzung der Rechtsordnung zur
Verfügung stünden. Die von der Bauherrschaft und H._ im
Parallelverfahren (R 20 36) vorgebrachten finanziellen und faktischen
Interessen der Stockwerkeigentümer und des damit verbundenen
Festhaltens am gesetzwidrigen Zustand vermag dem öffentlichen
Interesse an der Durchsetzung der Zwangsmassnahme nicht entgegen zu
- 42 -
stehen. Was die faktischen Interessen anbelangt, hat der Augenschein
gezeigt, dass trotz Schräglamellen aus Holz – wenn auch eingeschränkt –
dennoch eine angemessene Aussicht besteht. Entscheidrelevant ist aber
vor allem, dass der Verkaufsdokumentation (vgl. Bg-act. 48) entnommen
werden konnte, dass vor den hier zur Diskussion stehenden Fenstern an
der Südfassade Schräglamellen aus Holz angebracht werden würden.
Entsprechend ist im Baubeschrieb zu den Kaufverträgen (vgl. Bg-act. 49)
auch festgehalten, dass "alle Fenster, deren Fläche nicht von der
Holzbretterverschalung" verkleidet sind, Lamellenstoren erhalten. Vor
diesem Hintergrund hätte den Stockwerkeigentümern – so auch den
Beschwerdeführern – als Käufer der Wohnungen bewusst sein müssen,
dass Schräglamellen aus Holz geplant waren. Vor diesem Hintergrund
kann nicht vorgebracht werden, die Stockwerkeigentümer würden durch
das Anbringen der Holzlamellen ihrer Aussicht beraubt werden. Ob die
Wiederherstellung beträchtliche finanzielle Kosten für die
Stockwerkeigentümer mit sich bringen wird, kann nicht beurteilt werden.
Diese Frage kann letztlich offengelassen werden; schliesslich stehen den
Stockwerkeigentümern als Käufer der Wohnungen allenfalls
Gewährleistungsansprüche aus Kaufvertrag gegen die Beschwerdeführer
zu, womit sie die Kosten einer Wiederherstellung auf die Bauherrschaft
bzw. H._ überwälzen könnten. Dass die Anbringung der
Schräglamellen aus Holz an sich technisch nicht möglich sei, wird im
Übrigen nicht behauptet.
9. Die Beschwerde wird bezüglich der Wiederherstellung somit teilweise
gutgeheissen, im Übrigen jedoch abgewiesen. Bei diesem Ausgang des
Verfahrens gehen die Verfahrenskosten zu 4/5 zu Lasten der solidarisch
haftenden Beschwerdeführer und zu 1/5 zu Lasten der
Beschwerdegegnerin, welche überdies den anwaltlich vertretenen
Beschwerdeführern eine entsprechend dem Verfahrensausgang reduzierte
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Parteientschädigung zu bezahlen hat. Diese wird entsprechend der
eingereichten Honorarnote auf CHF 2'755.70 (inkl. MWST) festgesetzt.
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