Decision ID: 7e0aa2b2-7000-42e4-a893-1a4786eeb5e8
Year: 2011
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
mehrfacher Raub etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, Jugendgericht, vom 9. Dezember 2010 (DJ100018)
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Anklage und Nachtragsanklage:
Die Anklageschrift der Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis vom 12. August 2010
(Urk. 38) sowie die Nachtragsanklageschrift der Jugendanwaltschaft Limmattal/
Albis vom 18. Oktober 2010 (Urk. 43) sind diesem Urteil beigeheftet.
Urteil und Beschluss der Vorinstanz:
Das Jugendgericht erkennt:
1. Der Angeklagte ist schuldig
− des mehrfachen Raubs im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 und Ziff. 2, teilweise in Verbindung mit Art. 25 StGB
− des mehrfachen Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
− der strafbaren Vorbereitungshandlungen zu einem Raub im Sinne von Art. 260bis Abs. 1 StGB
− des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 StGB
− der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB
− der Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286 StGB
− der mehrfachen Entwendung eines Motorfahrzeugs zum Gebrauch im Sinne von Art. 94 Ziff. 1 Abs. 1 SVG, teilweise in Verbindung mit Art. 22 StGB
− des mehrfachen Missbrauchs von Ausweisen und Schildern im Sinne von Art. 97 Ziff. 1 Abs. 7 SVG.
2. Der Angeklagte wird bestraft, mit einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren und
6 Monaten (wovon 549 Tage durch Haft und durch vorsorgliche Unter-
bringung erstanden sind).
3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
4. Es wird eine ambulante Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB angeordnet.
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5. Die mit Vollzugsverfügung der Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis vom
26. Juli 2008 gewährte bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug wird
widerrufen und die Reststrafe von 43 Tagen wird vollzogen.
6. Es wird vorgemerkt, dass der Angeklagte das Schadenersatzbegehren der
Geschädigten 18 in der Höhe von Fr. 40.– nebst Zins zu 5% seit dem
18. Februar 2010 anerkannt hat.
7. Die Schadenersatzbegehren der nachfolgenden Geschädigten werden voll-
umfänglich auf den Weg des ordentlichen Zivilprozesses verwiesen:
Geschädigter 1 Fr. 1'379.–
Geschädigter 2 Fr. 2'000.–
Geschädigter 3 Fr. 2'000.–
Geschädigte 8 Fr. 200.–
Geschädigte 9 Fr. 1'269.70
Geschädigte 10 Fr. 6'000.–
Geschädigte 12 Fr. 2'100.–
Geschädigte 17 Fr. 1'870.45.
8. Der Angeklagte wird verpflichtet, den nachfolgenden Geschädigten die
angeführten Beträge zu bezahlen:
Geschädigte 14 Fr. 520.90
Geschädigte 16 Fr. 200.–
Im Mehrbetrag wird das Schadenersatzbegehren der Geschädigten 14 auf
den Weg des ordentlichen Zivilprozesses verwiesen.
9. Auf das Schadenersatzbegehren des Geschädigten 15 wird nicht einge-
treten.
10. Der Angeklagte wird verpflichtet, der Geschädigten 18 eine Genugtuung in
der Höhe von Fr. 500.– zu bezahlen.
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11. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 400.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 22'259.70 Auslagen Untersuchung
Fr. 500.– Geschädigtenvertretung
Fr. ..... amtliche Verteidigung
12. Die Kosten, inklusive derjenigen der amtlichen Verteidigung und der Ver-
tretung der Geschädigten 18, werden dem Angeklagten auferlegt, jedoch im
Fr. 200.– übersteigenden Betrag auf die Gerichtskasse genommen und
definitiv abgeschrieben.
13. (Mitteilung)
14. (Rechtsmittel)
15. (Rechtsmittel Rekurs)
Sodann beschliesst das Jugendgericht:
1. Die durch die Kantonspolizei Zürich sichergestellten und bei den Akten
befindlichen 8 Kabelbinder, die Rolle Klebeband und das Messer (schwarz/
silbern) werden definitiv eingezogen und vernichtet.
2. (Mitteilung)
3. (Rechtsmittel)
4. (Rechtsmittel)
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Angeklagten:
(schriftlich, Urk. 87)
1. Die als stationäre Massnahme bzw. vorsorgliche Unterbringung in der
B._ verbrachten 362 Tage seien dem Berufungskläger vollum-
fänglich als Untersuchungshaft auf die ausgefällte Freiheitsstrafe anzu-
rechnen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Vorinstanz bzw.
des Staates.
b) Des Vertreters der Oberjugendanwaltschaft:
(schriftlich, Urk. 113)
1. Die Berufung sei vollumfänglich abzuweisen.
2. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien dem Beschuldigten aufzu-
erlegen.

Das Gericht erwägt:
I. Prozessuales
1. Anwendbares Recht
Die Schweizerische Strafprozessordnung ist am 1. Januar 2011 in Kraft getreten.
Da das vorinstanzliche Urteil vor deren Inkrafttreten gefällt wurde, beurteilt sich
das dagegen erhobene Rechtsmittel gestützt auf Art. 453 Abs. 1 StPO und Art. 51
Abs. 1 JStPO nach bisherigem kantonalem Prozessrecht (StPO/ZH und
GVG/ZH).
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2. Gegenstand des Berufungsverfahrens
Mit Urteil des Jugendgerichtes des Bezirkes Horgen vom 9. Dezember 2010
wurde der Angeklagte des mehrfachen Raubes, der strafbaren Vorbereitungs-
handlungen zu einem Raub, des mehrfachen Diebstahls, der mehrfachen Sach-
beschädigung, der Hinderung einer Amtshandlung, der mehrfachen Entwendung
eines Motorfahrzeuges zum Gebrauch sowie des mehrfachen Missbrauchs von
Ausweisen und Schildern schuldig gesprochen. Er wurde bestraft mit einer
Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 6 Monaten. An die Freiheitsstrafe angerechnet
wurden 548 Tage Haft und vorsorgliche Unterbringung. Es wurde der Vollzug der
Freiheitsstrafe und eine vollzugsbegleitende ambulante Massnahme im Sinne von
Art. 63 StGB angeordnet. Die bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug gemäss
Vollzugsverfügung der Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis vom 26. Juli 2008
wurde widerrufen und die Reststrafe von 43 Tagen vollzogen. Ferner hat die Vo-
rinstanz über verschiedene Zivilforderungen entschieden.
Gegen das Urteil hat der Angeklagte Berufung erhoben und diese beschränkt auf
die Festlegung der auf die Freiheitsstrafe anrechenbaren Tage Haft und vorsorgli-
che Unterbringung (Urk. 72). Die Untersuchungsbehörde hat weder eigenständig
Berufung noch Anschlussberufung erhoben. Demzufolge ist das vorinstanzliche
Urteil in Rechtskraft erwachsen mit Ausnahme der auf die Freiheitsstrafe
anrechenbaren Anzahl Tage, welche durch vorsorgliche Unterbringung des
Angeklagten in der B._ erstanden sind.
Der Angeklagte beantragt im Berufungsverfahren, es seien ihm die als stationäre
Massnahme bzw. vorsorgliche Unterbringung in der B._ verbrachten 362 Ta-
ge vollumfänglich als Untersuchungshaft auf die ausgefällte Freiheitsstrafe anzu-
rechnen (Urk. 87). Die von der Vorinstanz ermittelten 458 Tage anrechenbare
Haft (vorläufige Festnahme 8 Tage, Untersuchungshaft 49 Tage, Unterbringung
im Aufnahmeheim D._ 120 Tage, Gefängnisaufenthalt C._ 117 Tage
und Gefängnisaufenthalt E._ 164 Tage) sind unbestritten (Urk. 87 S. 3).
Gegenstand des Berufungsverfahrens bildet einzig die Frage, in welchem Umfang
die Zeit, welche der Angeklagte in der B._ verbrachte, auf die ausgefällte
Strafe anzurechnen ist. Über die genaue Anzahl Tage, welche der
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Angeklagte in der B._ verbracht hat, werden nachfolgend noch
Ausführungen zu machen sein.
3. Beweisanträge
Die Untersuchungsbehörde stellte im Berufungsverfahren keine Beweisanträge
(Urk. 101). Der Angeklagte liess die Zeugeneinvernahme der Verantwortlichen
des B._ über das Einschliessungsregime beantragen sowie die Befragung
seines Vaters bezüglich der faktischen Einschliessung seines Sohnes (Urk. 103).
In der Berufungsverhandlung vom 27. Oktober 2011 wurde F._, stellvertre-
tender therapeutischer Leiter der B._, als Zeuge betreffend das konkrete
Einschliessungsregime des Angeklagten im B._ befragt. Von
einer Befragung des Vaters des Angeklagten ist abzusehen, da die Aussagen von
F._ bereits hinreichende und zuverlässige Angaben über die
Einschliessung enthalten. Es ist nicht zu erwarten, dass die Befragung des Vaters
des Angeklagten zu dieser Frage zusätzliche oder abweichende Erkenntnisse
ergeben könnte.
II. Materiellrechtliches
1. Standpunkt der Vorinstanz und des Angeklagten
Die Vorinstanz hat festgestellt, dass der Angeklagte vom 17. Februar 2009 bis
3. März 2010 in der B._ vorsorglich untergebracht war, wobei er sich von
diesen insgesamt 380 Tagen während 18 Tagen auf der Flucht befand. Vom ef-
fektiven Aufenthalt in der Institution von 362 Tagen rechnete die Vorinstanz dem
Angeklagten lediglich einen Viertel (90.5 Tage bzw. aufgerundet 91 Tage) an die
Freiheitsstrafe an, mit der Begründung, beim B._ handle es sich um eine
offene Institution, weshalb der Angeklagte während dieses Aufenthaltes weniger
stark in seiner persönlichen Freiheit beschränkt worden sei (Urk. 93 S. 13).
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Der Angeklagte macht demgegenüber in seinen Beanstandungen geltend, der
B._ stelle zwar eine offene Anstalt dar, jedoch sei dies stark zu relativeren,
da er aufgrund seiner fünf Entweichungen wiederholt für längere Zeit sowohl
nachts als auch tagsüber im B._ eingesperrt worden sei. Darüber hinaus sei
seine Freiheit während den 362 Tagen derart massiv eingeschränkt worden, dass
die Beschränkung mit dem Vollzug von Untersuchungshaft bzw. dem Vollzug ei-
ner Massnahme in einer geschlossenen Anstalt ohne weiteres gleichzusetzen sei.
Er habe das Gelände des B._ auch während der Zeit als er nicht eingesperrt
gewesen sei nicht verlassen können, ohne einen Fluchtalarm auszulösen. Er sei
24 Stunden pro Tag überwacht und kontrolliert gewesen. Aufgrund seiner
diversen Fluchten sei er stets im strengen Regime der Anfangszeit verhaftet ge-
blieben und habe nicht von der mit der Zeit gewährten immer grösseren
Freiheit profitieren können (Urk. 87 S. 5 f.).
An der Berufungsverhandlung führte der Angeklagte aus, dass er im B._ ein
Einzelzimmer gehabt habe, dessen Fenster nicht vergittert gewesen seien und
dessen Tür nicht abgeschlossen worden sei. Es sei problemlos gewesen, vom
B._ zu flüchten, jedoch habe jedes Verlassen des Geländes der Institution
und jede Abwesenheit ohne Abmeldung als Flucht gegolten. Er sei im B._
permanent unter Kontrolle gewesen: Die Sozialpädagogen hätten immer gewusst,
wo man sich aufhalte und wenn man das Haus verliess, habe man sich immer
abmelden müssen, im Eintrittspavillon sogar, wenn man bloss in der Cafeteria
etwas habe trinken wollen. In der Nacht habe ein Nachtdienst auf einer bis zwei
Runden die Zimmer kontrolliert, um zu schauen, ob die Bewohner anwesend
gewesen seien (Prot. II S. 9 ff.). Der Angeklagte legte dar, dass er aufgrund
seiner diversen Fluchten immer wieder für eine gewisse Zeit in das sogenannte
Einschliesszimmer gekommen sei. Dort seien die Fenster vergittert gewesen und
während der Nacht sei die Tür abgeschlossen worden (Prot. II S. 7). Aufgrund
seines Verhaltens sei er nicht in den Genuss von Freiheiten gekommen, so habe
er in der ganzen Zeit, welche er im B._ verbracht habe, nur zwei Mal zu
Hause übernachten dürfen. Ebenfalls habe er auch nur zweimal probeweise und
in Begleitung eines Sozialpädagogen bzw. zweier Mitinsassen in den Ausgang
gehen können (Prot. II S. 8). Der Angeklagte bestätigte sodann, dass er genau so
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behandelt worden sei wie alle anderen Bewohner, welche eine eigentliche Mass-
nahme absolvierten (Prot. II S. 11).
2. Anrechnung einer jugendstrafrechtlichen Schutzmassnahme an eine Strafe nach Erwachsenenstrafrecht
2.1. Grundsatz
Der Aufenthalt des Angeklagten in der B._ erfolgte im Rahmen einer mit Ver-
fügung der Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis vom 20. Oktober 2008 angeord-
neten vorsorglichen Unterbringung gestützt auf Art. 15 Abs. 1 JStG (Urk. 26/1).
Wenn eine solche Unterbringung aus einem anderen Grund als der Zweckerrei-
chung aufgehoben wird, entscheidet die zuständige Behörde, ob und wieweit der
Freiheitsentzug noch zu vollziehen ist. Dabei ist die mit der Unterbringung ver-
bundene Freiheitsbeschränkung anzurechnen (Art. 32 Abs. 3 JStG).
Auch bei Zusammentreffen einer Schutzmassnahme nach Jugendstrafrecht mit
Strafen nach Erwachsenenstrafrecht ist der mit der jugendstrafrechtlichen
Schutzmassnahme verbundene Freiheitsentzug gestützt auf Art. 32 Abs. 3 JStG
und Art. 57 Abs. 3 StGB auf die erwachsenenstrafrechtliche Strafe anzurechnen
(Gürber/Hug/Schläfli, Basler Kommentar, Strafrecht I, 2. A., Basel 2007, N 8 zu
Art. 32 JStG).
Die mit Verfügung der Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis vom 20. Oktober 2008
angeordnete Unterbringung wurde von der Vorinstanz mit Urteil vom 9. Dezember
2010 implizit im Sinne von Art. 32 Abs. 3 JStG aufgehoben indem sie eine voll-
ziehbare Freiheitsstrafe ausfällte und eine vollzugsbegleitende ambulante Mass-
nahme anordnete. Entsprechend ist nun über die Anrechnung der Massnahme an
die Strafe zu entscheiden (BGE 137 IV 12).
2.2. Anrechenbare Massnahmedauer
Bei der Bestimmung der anrechenbaren Massnahmedauer ist der Grad der
Beschränkung der persönlichen Freiheit zu berücksichtigen. Bei einer Mass-
nahme in einer geschlossenen Anstalt ist die Beschränkung der persönlichen
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Freiheit unabhängig von der inneren Anstaltsordnung mit derjenigen im Strafvoll-
zug vergleichbar (BGE 117 IV 225).
Auch der Umfang der Anrechnung einer jugendstrafrechtlichen Schutzmassnah-
me richtet sich nach dem Mass der Beschränkung in der persönlichen Freiheit
(Gürber/Hug/Schläfli, a.a.O., N 6 zu Art. 32 JStG). Ist der Massnahmevollzug
unter dem Aspekt der tatsächlichen Beschränkung der persönlichen Freiheit dem
Strafvollzug ungefähr gleichzusetzen, ist die ganze Massnahmedauer anrechen-
bar, bei weniger starker Beschränkung der persönlichen Freiheit kann nur eine
teilweise Anrechnung erfolgen. Dabei ist massgebend, inwieweit das Recht des
Betroffenen beeinträchtigt ist, sich frei zu bewegen, seinen Aufenthalts- und Woh-
nort frei zu bestimmen (BGE 6S.329/2002 vom 9. Januar 2003, E. 1.2.).
3. Umfang der Anrechnung in concreto
3.1. Ausgangspunkt Dauer der Unterbringung
Der Angeklagte wurde mit Verfügung der Jugendanwaltschaft vom 11. Februar
2009 ab 17. Februar 2009 im Rahmen einer vorsorglichen Unterbringung gestützt
auf Art. 15 Abs. 1 JStG in die B._ eingewiesen (Urk. 26/2). Per 3. März 2010
wurde er mit Verfügung der Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis vom 2. März
2010 zur Weiterführung der vorsorglichen Unterbringung in das
Untersuchungsgefängnis C._ eingewiesen (Urk. 26/3). Der Aufenthalt des
Angeklagten in der B._ dauerte demzufolge vom
17. Februar 2009 bis zum 3. März 2010 insgesamt 380 Tage. Die Vorinstanz zog
davon die 18 Tage, welche der Angeklagte auf der Flucht verbrachte ab und kam
so zum Schluss, dass über die Anrechnung von 362 Tagen zu befinden sei. Dabei
ist ihr jedoch entgangen, dass sich drei der vorläufigen Festnahmen, welche sie
mit insgesamt acht Tagen berechnete, in der Zeit befanden, in welcher der Ange-
klagte grundsätzlich im B._ eingewiesen war. Es betrifft dies die Festnahmen
vom 15. bis 16. Mai 2009, vom 27. bis 29. Januar 2010 und vom 25. bis
26. Februar 2010. Diese sechs Tage hat sie sowohl im Rahmen der vorläufigen
Festnahmen als auch bei der vorsorglichen Unterbringung und damit doppelt be-
rücksichtigt. Dasselbe gilt für die Untersuchungshaft, für welche die Vorinstanz
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insgesamt 49 Tage als erstandene Haft auf die ausgesprochene Strafe anrechne-
te. Die Untersuchungshaft, welche der Angeklagte vom 16. bis 28. Mai 2009
(12 Tage) und vom 29. Januar bis 15. Februar 2010 (18 Tage) verbüsste, wurden
ebenfalls sowohl als Untersuchungshaft als auch als vorsorgliche Unterbringung
und damit doppelt berücksichtigt. Diese insgesamt 36 Tage, welche der Ange-
klagte während er im Massnahmezentrum B._ eingewiesen war als vorläufi-
ge Festnahme und Untersuchungshaft erstanden hat, sind auf jeden Fall voll an
die auszusprechende Strafe anzurechnen und von der Dauer der vorsorglichen
Unterbringung nach Art. 15 JStG abzuziehen.
Weiter ergibt sich aus dem Abschlussbericht des Massnahmezentrums B._
vom 20. Juni 2010 (Urk. 34/1), dass sich der Angeklagte sogar während 23 Tagen
auf der Flucht befand. Diese sind von der Aufenthaltsdauer im B._ ebenfalls
abzuziehen. Daraus ergibt sich, dass im vorliegenden Verfahren noch über
321 Tage zu entscheiden ist, welche der Angeklagte im Rahmen der vorsorg-
lichen Unterbringung in der B._ verbracht hat.
3.2. Ausmass der Beschränkung der persönlichen Freiheit
Bei der B._ handelt es sich um ein Massnahmezentrum für junge Erwachse-
ne. Sie stellt eine offene Anstalt dar. Gemäss Auskunft des therapeutischen Lei-
ters, G._, vom 2. Februar 2011, handelt es sich beim
B._ um eine vollständig offene Einrichtung, die Türen der Wohneinrichtungen
werden abends nicht abgeschlossen und der Angeklagte wurde auf dem Gelände
der Institution nicht geschlossen untergebracht (Urk. 88/1). In den B._ aufge-
nommen werden junge Erwachsene, welche für eine Massnahme gemäss Art. 61
StGB eingewiesen werden sowie solche mit einer Suchproblematik, für welche
eine Massnahme nach Art. 60 StGB angeordnet wurde. Ferner werden Jugendli-
che im Rahmen vorsorglicher Unterbringungen im Sinne von Art. 15 JStG in der
Institution untergebracht (Heer, Basler Kommentar, a.a.O; N 55 zu Art. 61).
Letzteres war beim Angeklagten der Fall.
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Der anlässlich der Berufungsverhandlung als Zeugen einvernommene stellver-
tretende therapeutische Leiter des B._, F._, bestätigte, dass der
B._ ein offenes Massnahmezentrum sei, ohne Zäune und Bewachung, was
es für die Bewohner grundsätzlich einfach mache, die Institution zu verlassen. Ein
Verlassen des Geländes zähle jedoch als Flucht und der Abwesende werde sofort
bei der Polizei zur Fahndung ausgeschrieben (Prot. II S. 13 und 17). Jeder neu
Eingewiesene komme zunächst in den Eintrittspavillon, wo die Kontrolle enger sei
als im späteren Stammpavillon. Im Eintrittspavillon gehe es darum, den Bewohner
an das neue Umfeld zu gewöhnen und zu stabilisieren, die Fluchtgefahr der ein-
zelnen Bewohner sei dort auch noch grösser (Prot. II S. 15). Der Zeuge führte
aus, dass es im B._ immer Personenkontakt gebe. Die Betreuer wüssten,
wer als Bewohner im B._ sei und sie nähmen diese auf dem Gelände auch
wahr. Dadurch werde eine gewisse Kontrolle gewährleistet. In der Nacht werde
die Anwesenheit der Bewohner durch den Nachtdienst kontrolliert, welcher jede
Nacht zwei Rundgänge mache. Bei einer Abwesenheit werde der Betroffene
sofort zur Fahndung ausgeschrieben. Wenn jemand fliehe, habe dies zur Folge,
dass die betreffende Person den von ihr erarbeiteten Status verlieren könne und
damit auch gewisse Freiheiten verliere. Im Eintrittspavillon gäbe es zudem ein
Einschliesszimmer, wo fluchtgefährdete Personen über Nacht eingeschlossen
werden könnten. Der Disziplinararrest werde im Untersuchungsgefängnis voll-
zogen. Der Zeuge bestätigte auf Frage, dass der Angeklagte im Einschliesszim-
mer gewesen sei (Prot. II S. 16 ff.). Weiter führte der Zeuge aus, dass im B._
grundsätzlich niemand aufgenommen werde, der überhaupt nicht bereit sei, in die
Institution einzutreten. Eine geschlossene Unterbringung im Sinne von Art. 15
Abs. 2 JStG sei bei der B._ nicht möglich. Abgesehen davon komme allen
Bewohnern im B._ dieselbe Behandlung zu. Hinsichtlich der Beschränkung
der persönlichen Freiheit gäbe es insbesondere keine unterschiedliche
Behandlung zwischen Jugendlichen, welche gemäss Art. 15 Abs. 1 JStG im
Sinne einer vorsorglichen Unterbringung eingewiesen würden, und jungen
Erwachsenen, welche eine Massnahme nach Art. 60 oder Art. 61 StGB absolvier-
ten (Prot. II S. 14 und 20).
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Betreffend das Ausmass der Beschränkung der persönlichen Freiheit des Ange-
klagten kann vorweg festgehalten werden, dass er hinsichtlich der Wahl seines
Aufenthalts- und Wohnortes im Rahmen seiner Unterbringung im B._ einge-
schränkt war und zwar unabhängig davon, ob er nun eingeschlossen wurde oder
nicht. Es handelt sich bei der von der Jugendanwaltschaft verfügten vorsorglichen
Unterbringung im B._ um eine stationäre Massnahme. Zwar war noch keine
Massnahme für junge Erwachsene im Sinne von Art. 61 StGB angeordnet, jedoch
ist dem Schlussbericht des B._ vom 20. Juni 2010 (Urk. 34/1) zu entnehmen,
dass der Angeklagte stark in den Massnahmebetrieb eingebunden war mit Einzel-
therapie, Gruppentherapie und Familientherapie. Ferner hat der Angeklagte im
B._ eine Lehre als Schlosser angefangen. Aus den Aussagen des Angeklag-
ten und des Zeugen F._ ergibt sich weiter, dass die Anwesenheit des Ange-
klagten im B._ sowohl tags- als auch nachtsüber kontrolliert wurde. Durch
die Präsenz der Betreuer und Sozialpädagogen fand eine Art ständige Überwa-
chung statt, man hat zumeist gewusst, wo der Angeklagte sich aufhielt. In der ge-
samten Zeit im B._ und somit während über einem Jahr durfte der Angeklag-
te nur zwei begleitete Ausflüge unternehmen und zweimal zuhause übernachten.
Ein Verlassen des Areals hatte zur Folge, dass der Angeklagte als flüchtig galt
und zur Fahndung ausgeschrieben wurde. Kommt hinzu, dass der Angeklagte
wegen seiner Fluchten mehrere Disziplinararreste im Untersuchungsgefängnis zu
absolvieren hatte und da er fluchtgefährdet war, auch mehrmals im sogenannten
Einschliesszimmer übernachten musste, wo er nachtsüber eingeschlossen wurde.
Daraus ergibt sich, dass der Angeklagte in seiner persönlichen Freiheit erheblich
beschränkt war. Zwar war die Tür zu seinem Zimmer, soweit er nicht im
Einschliesszimmer übernachten musste, nicht abgeschlossen und auf dem
Gelände des B._ konnte er sich frei bewegen. Er durfte jedoch das Areal der
Institution nicht verlassen, musste dort übernachten und war tagsüber in strenge
Strukturen eingebunden. In der ganzen Zeit, die der Angeklagte im B._ ver-
bracht hat, kam er praktisch kaum in den Genuss von Freiheiten. Es ist daher
nicht ersichtlich, inwiefern dieses Regime den Angeklagten weniger stark in seiner
persönlichen Freiheit beschränkt haben soll als es beispielsweise der Vollzug
einer Halbgefangenschaft tut, welcher auf die Strafe voll angerechnet wird. Das
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Mass der Beschränkung der persönlichen Freiheit des Angeklagten im B._
war mit demjenigen im Strafvollzug durchaus vergleichbar.
Entscheidend ist auch, dass der Zeuge F._ aussagte, dass sich der Vollzug
für den Angeklagten, welcher im Sinne einer vorsorglichen Unterbringung gemäss
Art. 15 Abs. 1 JStG im B._ eingewiesen war, in keiner Weise von demjenigen
für einen jungen Erwachsenen, welcher eine Massnahme nach Art. 60 oder
Art. 61 StGB zu absolvieren hatte, unterschied. Auch hinsichtlich seiner persönli-
chen Freiheit war er nicht minder beschränkt als ein junger Erwachsener (Prot. II
S. 14). Inhaltlich kam die vorsorgliche Unterbringung im B._ damit einem
vorzeitigen Massnahmeantritt einer Massnahme für junge Erwachsene im Sinne
von Art 61 StGB gleich. Entsprechend ist nach zutreffender Auffassung eine ju-
gendstrafrechtliche vorsorgliche Einweisung in ein Massnahmezentrum für junge
Erwachsene unbesehen auf die Strafe anzurechnen (Heer, a.a.O., N 76 zu
Art. 61 StGB).
Die Oberjugendanwaltschaft machte geltend, dass die B._ nicht mehr als of-
fene Massnahmeeinrichtung angesehen werden könne, wenn die
erkennende Kammer zum Schluss käme, dass der Vollzug im B._ voll anzu-
rechnen sei. Denn lediglich eine geschlossene Unterbringung eines Jugendlichen
könne zu 100 % an die Strafe angerechnet werden und unter diesem Titel könn-
ten keine Jugendlichen im B._ platziert werden (Prot. II S. 21 und Urk. 113
S. 2). Diese Argumentation überzeugt jedoch nicht: Es darf nicht relevant sein, ob
eine Vollzugsanstalt als offen oder geschlossen bezeichnet wird und so darf auch
nicht alleine entscheidend sein, unter welchem Titel jemand in eine Vollzugs-
anstalt eingewiesen wird, relevant sind in erster Linie die vorherrschenden tat-
sächlichen Bedingungen. Es kann demnach nicht angehen, dass der Vollzug im
B._, welcher sich für alle Bewohner ausnahmslos gleich gestaltet, einem
jungen Erwachsenen ganz angerechnet wird, weil er im Rahmen einer Mass-
nahme nach Art. 60 oder 61 StGB eingewiesen worden ist, einem Jugendlichen,
welcher unter dem Titel "vorsorgliche Unterbringung" im Sinne von Art. 15 JStG
im B._ weilt, jedoch nur teilweise.
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Daher rechtfertigt sich vorliegend eine volle Anrechnung der Unterbringung des
Angeklagten in der B._ im Umfang von 321 Tagen.
4. Fazit
Auf die mit Urteil des Jugendgerichtes des Bezirkes Horgen vom 9. Dezember
2010 ausgefällte Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 6 Monaten sind demgemäss
779 Tage (458 Tage Haft und 321 Tage Unterbringung) anzurechnen.
III. Kostenfolgen
Der Angeklagte obsiegt im Berufungsverfahren vollumfänglich. Die Kosten des
Berufungsverfahrens inklusive derjenigen der amtlichen Verteidigung sind daher
auf die Gerichtskasse zu nehmen (§ 396a StPO/ZH).