Decision ID: c188ee3a-0722-45ca-9538-cbb68329c9dc
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1973, meldete sich am 14. Juli 2008 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
unter Hinweis auf eine am 14. März 2008 erlittene Radiusfraktur rechts
zum Leistungsbezug an (Urk. 8/4). Nach medizinischen und erwerblichen Abklärungen wies die
IV-Stelle das Leistungsbegehren der Versicherten mit Verfügung vom 20. Dezember 2010 (Urk. 8/56) ab
mit der Begründung, es liege
keine längerdauernde Arbeitsunfähigkeit vo
r
.
1.2
Die von der Versicherten dagegen erhobene Beschwerde hiess das Sozialversiche
rungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil vom 15. Februar 2012 (Urk. 8/64) i
n
dem Sinne gut,
dass
es die IV-Stelle zu ergänzenden medizini
s
chen Abklärungen verpflichtete.
In Nachachtung dieses Urteils liess die IV-Stelle die Versicherte durch
die
Y._
in
Z._
bidisziplinär
(orthopädisch/psychiatrisch)
begutachten (
Untersuchung
en
vom 17. Oktober 2012
und
11. Februar 2013;
Gutachten vom 21. Februar 2013, Urk. 8/82).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 8/87-94) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 7. Juni 2013
erneut
ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 8. Juli 2013 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufz
uheben und es sei
en
ihr eine Rente zuzusprechen sowie berufliche Massnahmen zu gewähren. Eventualiter seien weitere Abklärunge
n vorzunehmen
. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um Bestel
lung von Rechtsanwalt Tomas Kempf zum unentgeltlichen Rechtsvertreter
(Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 9. September 2013 (Urk. 6 unter Bei
lage ihrer Akten Urk. 7/1-3 und Urk. 8/1-104) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde.
Mit Verfügung vom 12. September 2013 (Urk. 9) wurde der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung gewährt und Rechtsanwalt Tomas Kempf als unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt.
Die Beschwerdeführerin hielt mit Replik vom 23. Dezember 2013 (Urk. 13) an ihren Anträgen fest. Mit Eingabe vom 11. Februar 2014 (Urk. 17) teilte die Beschwerdegegnerin mit, dass sie auf die Einreichung einer Duplik verzichte, was der Beschwerdeführerin am 13. Februar 2014 mitgeteilt wurde (Urk. 18).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdegegnerin hielt zur Begründung der angefochtenen Verfügung
fest
, es sei kein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen. Eine Tätigkeit einfacher geistiger Art mi
t mittelschweren Anfor
derungen sei
der Beschwerdeführerin zu 100 % zumutbar. Wegen psychischer Minderbelastbarkeit seien Arbeiten unter besonderem Zeitdruck und unter Nachtarbeitsbedingungen jedoch möglichst zu vermeiden. Soweit in der Ver
gang
en
heit durch den behandelnden Arzt eine Arbeitsunfähigkeit bescheinigt worden sei, stehe diese mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im Zusammen
hang mit dem jahrelang besteh
enden Suchtgeschehen und habe
damit
aus ver
sicherungsrechtlicher Sicht ausser Betracht zu bleiben (Urk. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 9. September 2013 (Urk. 6) teilte die Beschwerdegeg
nerin ausserdem m
it, dass bereits die versicherungsmässigen Voraussetzungen für einen Anspruch auf eine ordentliche Rente nicht vorlägen, da am 13. März 2009
(Eintritt Versicherungsfall „Rente“)
die Mindestbeitrags
dauer von drei Jahren gemäss Art. 36 des Bundesgesetzes über die Invaliden
versicherung (IVG) nicht erfüllt gewesen sei. Die rückwirkend in Rechnung gestellten Beiträge für die Jahre 2004 bis 2009 für Nichterwe
r
bstätige seien nach erfolgloser Betreibung der Beschwerdeführerin abgeschrieben worden.
Die Beschwerdeführerin könne die Beitragsdauer auch nicht durch die vom ehema
ligen Ehemann hinzugesplitteten Einkommen erfüllen, da diese das Minimalein
kommen zur Beitragserfüllung nicht erreichen würden.
1.2
Die Beschwerdeführerin machte
demgegenüber
im Wesentlichen geltend, sie sei in jeglicher Tätigkeit vollständig arbeitsunfähig und habe Anspruch auf eine Rente (Urk. 1
Rz. 9
).
Hinsichtlich der fehlenden Beiträge brachte sie vor, die Nachzahlungsverfügun
gen hätten ihrem Rechtsvertreter und nicht ihr persönlich zugestellt werden müssen und seien somit nicht rechtsgültig eröffnet worden (Urk. 13 S. 2).
2.
2.1
2.1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
2.1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
2.1.3
Alkoholismus (wie auch Drogensucht und Medikamentenabhängigkeit) begrün
det für sich allein keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Vielmehr wird er invalidenversicherungsrechtlich erst relevant, wenn er eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher, geistiger oder psychi
scher, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn er selber Folge eines körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschadens ist, dem Krankheitswert zukommt (Urteil des Bundesge
richts 8C_694/2008 vom 5. März 2009 E. 2).
2.
1.
4
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerzstörung begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung
einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprä
gung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllte Faktoren, so: chronische körperliche Begleiterkrankun
gen; ein mehrjähriger, chronifizierter Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung; ein ausgewiese
ner sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeu
tisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich miss
glückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krank
heitsgewinn;
„
Flucht in die Krankheit"); ein
unbefriedigendes Behandlungser
gebnis
trotz konsequent durchgeführter ambulanter und/oder stationärer Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und gescheiterte Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung (kooperative Haltung) der versicherten Person. Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde dar
stellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Voraussetzungen für eine zumut
bare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352, 131 V 49 E. 1.2,
BGE 139 V 547 E. 3 ff.
).
2.2
2.2.1
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt
was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist
, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer
Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H. Fredenhagen, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.2.2
Der erstinstanzliche Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungs
grund
satz beherrscht (
Art.
61 lit. c ATSG). Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheb
lichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indes
sen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korre
lat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2 S. 195; 122 V 157 E. 1a S. 158; vgl. BGE 130 I 180 E. 3.2 S. 183).
Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne einer Beweis
führungslast begriffsnotwendig aus. Im So
zialversicherungsprozess tragen mit
hin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweis
losigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei aus
fällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ablei
ten wollte. Diese Be
weisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als un
möglich erweist, im Rahmen des Untersu
chungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sach
verhalt zu ermit
teln, der zumindest die Wahr
schei
nlichkeit für sich hat, der Wirk
lichkeit zu entspre
chen (BGE 117 V 261 E. 3b S. 264).
2.
2.3
Die Verwaltung als verfügende Instanz und
im Be
schwe
r
defall
das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen über
zeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abwei
chendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der über
wiegenden Wahr
scheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglich
keit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanfor
derungen nicht. Das Gericht folgt vielmehr jener Sachver
halts
darstel
lung, die es von allen möglichen Ge
schehensabläu
fen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126
V
353 E. 5b S. 360 mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3 S. 324 f.).
3.
3.1
3.1.1
Dr. med.
A._
, Oberärztin in Vertretung an der Chirurgischen Klinik des
B._
,
C._
, führte in ihrem Bericht vom 28. Juli 2008
(Urk. 8/9)
zuhanden der Beschwerdegegnerin als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine distale Radiusfraktur rechts, eine Plattenosteosyn
these am 14. März 2008 mit Spal
tung des Karpalkanals links und eine Medianussympto
matik an
(Urk. 8/9/2
). In der zuletzt ausge
übten Tätigkeit als Hausfrau bestehe zumindest eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 8/9/2). Der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin
sei besserungs
fähig (Urk. 8/9/4).
3.1.2
Dr.
med.
D._
,
FMH Psychiatrie/Psychotherapie und
damaliger behan
delnder Arzt der Beschwerdeführerin,
nannte in seinem Bericht vom 23. Oktober 2008 zuhanden der Beschwerdegegnerin
folgende
Diagnose
n
mit Ausw
irkung auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk. 8/18/8)
:
posttraumatische Belastungsreaktion
(
ICD-10 F43.1
)
, bestehend seit März 2008;
Störung durch Alkohol, gegenwärtiger Substanzgebrauch
(
ICD-10 F10.24
)
, bestehend seit mehreren Jahren;
Störung durch Kokain,
gegenwärtiger Substanzgebrauch
(
ICD-10 F14.24
)
, bestehend seit mehreren Jahren;
Status nach Operation einer distalen Radiusfraktur, bestehend seit dem 14. März 2008.
Als Hausfrau sei die Beschwerdeführerin seit dem 14. März 2008 zu 100 % arbeitsunfähig (Urk. 8/18/8).
Auch in einer behin
derungsangepassten Tätigkeit bestehe seit dem 14. März 2008 eine 100%ige Arb
eitsunfähigkeit (Urk. 8/18/11).
Den Gesundheitszustand bezeichnete der Arzt ebenfalls als besserungsfähig (
Urk.
8/18/10).
3.1.3
Die Ärzte der Chirurgischen Klinik des
B._
berichtete
n
mit Abschlussbericht vom
14. Juli 2009
über
folgende Diagnosen
(Urk. 8/35/6)
:
Status nach palmarer Plattenosteosynthese bei distaler Radiusfraktur rechts mit Abriss des Processus styloideus ulnae am 14. März 2008 und Spaltung des Retinakulum flexorum bei Medianussymptomatik;
Status nach Osme im März 2009 mit Entfernung des Processus styloideus ulnae.
Sie hielten fest, r
adiologisch zeig
ten
sich eine regelrechte Kno
chenstruktur im Bereich der ehe
maligen distalen Radiusfraktur, eine leic
hte Arthrose des distalen Radioulnar
gelenks sowie eine kleine diffuse Verkalkung im Bereich des
ent
fernten Pro
cessus styloideus ulnae. Es zeige sich klinisch ein zeitgerechtes Ergebnis. Die Behandlung werde
daher
a
ktuell als abgeschlossen, w
eitere Ergo
therapie als nicht sinnvoll betrachtet (Urk. 8/35/6)
.
3.1.4
In seinem Bericht vom 18. Juni 2010 zuhanden der Beschwerdegegnerin hielt Dr.
D._
an
den
am 23. Oktober 2008 (E.
3.1
.1
) gestellten Diagnosen fest (Urk. 8/38/1).
Er berichtete, eine konsequente Entzugsbehandlung bezüglich des
Alkohol- und Kokainkonsums sei wegen dem unregelmässigen Erscheinen und der mangelnden Einsicht in die grundsätzliche Bedeutung der Massnahme nicht zu realisieren gewesen. Dennoch sei die Beschwerdeführerin gemäss eigenen Aussagen glaubhaft in der Lage gewesen, den Alkohol- und Kokainkonsum zu reduzieren. Trotz eingeschränkter Durchführbarkeit der Entzugsbehandlung habe sich damit ihr Gesundheitszustand psychisch deutlich verbessert. Die im Jahr 2008 gezeigte Angstsymptomatik habe sich bis auf eine Restsymptomatik zurückgebildet. Hinsichtlich somatischer Einschränkungen sei die Beschwerde
führerin aber noch orthopädisch abzuklären.
Aus psychiatrischer Sicht habe vom 14. März 2008 bis ca. August 2009 eine 100%ige, von ca. August 2009 bis im Februar 2010 eine 50%ige sowie ab März 2010 eine 0-10%ige Arbeitsunfä
higkeit bestanden.
3.2
3.2.1
Mit
Urteil des hiesigen Gerichts vom 15. Februar 2012 (Urk. 8/64) wurde erwo
gen, dass die
bisher
eingeholten Berichte der behandelnden Ärzte
(E. 3.1.1-3.1.4 vorstehend)
keine abschliessende Beurteilung der gesundheitsbedingten Ein
schränkungen der Beschwerdeführerin seit Mitte März 2008 zuliessen. Die Sache wurde deshalb an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, damit diese die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ab Mitte März 2008 abkläre.
Darauf kann verwiesen werden (Urk. 8/64 E. 4.1-2).
3
.
2.2
Die Beschwerdeführerin wurde in der Folge am 17. Oktober 2012 orthopädisch
sowie
am
11. Februar 2013 psychiatrisch untersucht (Gutachten vom 21. Februar 2013, Urk. 8/82).
Die
Y._
-Gutachter kamen
zum Schluss, dass in der
zuletzt ausgeübten
Tätigkeit
(Raumpflegerin, Urk. 8/82/3)
keine gesundheit
liche Beeinträchtigung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehe. Als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit
stell
ten sie
die folgenden Diagnosen (Urk. 8/82/17):
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
;
Zustand nach Osteosynthese einer distalen Radiusfraktur rechts am 14. März 2008 mit residueller funktio
neller Flexionseinschränkung der
DIP
-Gelenke
an Zeige- und Mittelfinger; Zustand nach Implantat
ent
fer
nung
im März 2009
;
Polytoxikomanie mit Alkohol-, Nikotin- und Kokainabhängigkeit, mittler
weile nach Entzugsbehandlung abstinent von Kokain, kontrol
lierter Konsum von Alkohol
(ICD-10 F19)
;
Narzisstisch
akzentuierte Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73)
;
Verdacht auf durchgemachte, mittl
er
weile remittierte posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1).
Im Gutachten wurde festgehalten
, aus orthopädischer Sicht zeige sich ein befriedi
gendes Ergebnis nach osteosynthetisch versorgter distaler Radiusfraktur rechts vom 14. März 2008 mit geringfügigen, residuellen Funktionseinschrän
kungen, welche jedoch für die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht von Belang seien. Die Persistenz der geklagten Schmerzen von subjektiv invali
disierendem Ausmass sei
vor dem Hintergrund der zahlreichen Belastungsfak
toren und innerseelischen Konflikte als Ausdruck einer anhaltenden somato
formen Schmerzstörung zu interpretieren. Letztere sei jedoch sozialmedizinisch für die Arbeitsfähigkeit nicht relevant
, da weder eine ausgewiesene sozialmedi
zinisch relevante Komorbidität noch ein sozialer Rückzug in allen Lebensberei
chen vorliege und auch kein primäre
r
Krankheitsgewinn oder eine Therapiere
sistenz
bestehe
(Urk. 8/82/17).
Die Diagnose einer
posttraumatischen Belas
tungsstörung
könne sodann nicht gestellt werden
.
Zusammengefasst
sei
en
die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Reinigungskraft wie auch andere Tätigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
aus medizinisch-theoretischer Sicht
vollschichtig
und ohne Leistungsminderung zumutbar
(Urk. 8/82/18). Die Beschwerdeführerin könne Tätigkeiten einfacher geistiger Art mit mittelschweren Anforderungen, wie sie auch im Reinigungs- und Hausdienst erforderlich seien, verrichten. Wegen der psychischen Minderbelastbarkeit seien Arbeiten unter besonderem Zeitdruck und unter Nachtarbeitsbedingungen möglichst zu vermeiden. Dabei sollten der Beschwerdeführerin Tätigkeiten mit möglichst vorstrukturiertem Aufgabenspektrum zugeteilt werden (Urk. 8/82/18).
Bezugnehmend auf
den Arztbericht
von Dr.
D._
vom Oktober 2008
hiel
ten
die
Y._
-
Gutachter fest
,
die in diesem Bericht
beschriebenen ängstlich-depressiven Symptome und kognit
iven Einschränkungen würden im W
esentli
chen
im
Zusammenhang mit dem damals betriebenen erheblichen Suchtmittel
konsum interpretiert. Wenn daneben eine psychische Traumafolgestörung, bei
spielsweise im Sinne einer posttraumatischen Belastu
ngsstörung vorgelegen habe, so habe
diese hinter den Folgen des Suchtmittelkonsums eher im Hinter
grund gestanden (Urk. 8/82/18-19).
Zum retrospektiven Verlauf der Arbeitsfähigkeit hielten die Gutachter
dafür
, mit Blick auf den Bericht von Dr.
D._
vom 18. Juni 2010 sei ab März 2010 keine Arbeitsunfähigkeit
– weder psychiatrisch noch orthopädisch-traumatolo
gisch -
mehr zu begründen. Über die weiter zurückliegenden Zeiträume könne mangels objektiver Befunderhebungen allenfalls auf die Berichte der behan
delnden Ärzte
abge
stellt
werden. Allerdings
seien Zweifel daran angebracht, dass
die von Dr.
D._
attestierte Arbeitsunfähigkeit auf einer posttrauma
tischen Belastungsstörung
respektive
einer ängstlich-depressiven Erkrankung beruh
t
e. Vielmehr
sei
ein
Zusammenhang mit dem damals jahrelang bestehen
den
Suchtgeschehen
zu
sehen, zumal offenbar einhergehend mit der Entzugsbe
handlung eine deutlich
e Besserung eingetreten sei (Urk. 8/82/19).
Bis August 2009 sei noch von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszuge
hen. Nach diesem Zeitpunkt lasse sich aus chirurgisch-orthopädischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit mehr begründen. Ob
nach August 2009
aus psychiat
rischer Sicht lediglich eine Teilarbeitsfähigkeit vorgelegen habe, sei retrospektiv nicht mehr schlüssig zu klären.
Die Befunde sprächen
mehr für das Vorliegen eines – sozialmedizinisch nicht relevanten – primären Suchtgeschehens, welches sich unter der Entzugsbehandlung dann auch gebessert habe. Kognitive Ein
schränkungen, affektive Störungen, Ängste und depressive Gefühle seien nicht selten mit Suchtgeschehen verknüpft. Symptome einer Traumafolgestörung seien allerdings nicht auszuschliessen. Über den Zeitraum von September 2009 bis 28. Februar 2010 lasse sich demnach nur spekulieren (Urk. 8/82/21).
4
.
4.1
Die
Y._
-Gutachter tätigten eigene, umfassende Abklärungen und berücksich
tigten die geklagten Beschwerden.
Ihre Einschätzung, wonach die Beschwerde
führerin im Reinigungs- und Hausdienst zu 100 % arbeitsfähig ist,
begründeten sie in nachvollziehbarer Weise. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin (Urk. 1 Rz. 7) setzte sich der psychiatrische Gutachter insbesondere mit der frü
her vorgelegenen Sucht auseinander
und legte schlüssig dar
, dass
d
i
ese
kein
en
die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigende
n
Gesundheitsschaden bewirkt hat (vgl. insbesondere Urk. 8/82/16).
Dass der orthopädische Gutachter keine bildgebenden Untersuchungen durchge
führt hat, vermag entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin (Urk. 1 Rz. 3) den Beweiswert
des Gutachtens
nicht zu schmälern. Der orthopädische Gutach
ter untersuchte die Hand
der Beschwerdeführerin
eingehend (Urk. 8/82/25) und
kam gestützt darauf sowie
in Auseinandersetzung mit den Vorakten
zum Schluss, dass
keine Beeinträchtigung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehe (Urk. 8/82/27-28).
Nachdem sich mittels klinischer Untersuchungsbe
funde das mit Bericht vom 1
4.
Juli 2009 (E. 3.1.3) erhobene zeitgerechte Behandlungsergebnis hat bestätigen lassen und Hinweise auf eine Nervenschä
digung haben ausgeschlossen werden können (
Urk.
8/82/27), ist es nicht zu beanstanden, dass der orthopädische Gutachter von bildgebenden Untersuchun
gen abgesehen hat.
Weshalb bei dieser Sachlage noch
solche hätten
durchge
führt werden müssen,
ist
damit
nicht ersichtlich und
wird von der
Beschwerde
führerin
auch
nicht
begründet
.
Anhaltspunkte dafür, dass die bei der psychiatrischen Untersuchung anwesende Dolmetscherin falsch übersetzt hätte (Urk. 1 Rz. 6), gibt es sodann keine. Die Beschwerdeführerin
macht zwar geltend,
sie erkenne sich im Gutachten nicht wieder, führt denn aber nicht aus, was von der Dolmetscherin falsch wiederge
geben worden wäre.
Es ist damit auf die Einschätzung der
Y._
-Gutachter, wonach die Beschwerde
führerin spätestens ab Begutachtungszeitpunkt im Reinigungs- und Hausdienst
– mithin in ihrer angestammten Tätigkeit -
zu 100 % arbeitsfähig ist, abzustellen.
4.2
Hinsichtlich der
Arbeitsfähigkeit im
Zeitraum vom
Unfall im März 2008 bis zur
Begutachtung kann indessen
der
retrospektiven
Beurteilung
durch die
Y._
-Gutachter
aus versicherungsrechtlicher Sicht
insoweit nicht gefolgt werden, als sie von einer - zumindest bis August 2009 andauernden - Arbeitsunfähigkeit ausgingen (E. 3.2.2). So notierten sie, über den Zeitraum vor März 2010 - ab diesem Zeitpunkt lasse sich eine Arbeitsunfähigkeit nicht mehr begründen - könne mangels objektiver Befunderhebung allenfalls auf die Berichte der behandelnden Ärzte abgestellt werden, wobei eine Einschätzung von September 2009 bis Februar 2010 rein spekulativer Art sei (E. 3.2.2). Mit Urteil vom 15. Februar 2012 (Urk. 8/64) hat das hiesige Gericht festgestellt, dass die Berichte der behandelnden Ärzte eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit - weder aus psychischer noch aus orthopädischer Sicht - zuliessen (Urk. 8/64 E. 4.1-2). Mithin verbietet sich gestützt auf diese Berichte der Schluss auf eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin (E. 2.2.2). Hinzu kommt, dass die Gutachter ausführten,
die
in der Vergangenheit
von Dr.
D._
attestierten Arbeitsunfähigkeiten
seien
durch das Suchtgeschehen bedingt gewesen (E. 3.2.2). Mit Blick darauf, dass offenbar einhergehend mit der Entzugsbe
handlung aus psychiatrischer Sicht eine deutliche Besserung eingetreten ist
und gemäss den Gutachtern kognitive Einschränkungen, affektive Störungen, Ängste und depressive Gefühle nicht selten mit Suchtgeschehen verknüpft sind
(E. 3.2.2),
erscheint diese Schlussfolgerung als schlüssig.
Selbst wenn in der Vergangenheit psychiatrisch begründete Arbeitsunfähigkeiten vorgelegen hät
ten, haben diese demnach ausser Betracht zu bleiben, kommt der Sucht invali
denversicherungsrechtlich doch keine Relevanz zu (E. 2.1.3). Weil wie dargelegt auch in orthopädischer Hinsicht eine erhebliche Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit (E. 2.2.3) belegt ist (vgl.
E.
3.1; Urteil des hiesigen Gerichts vom 15. Februar 2012, E. 4.1), entfällt ein all
fälliger Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin auch für den Zeitraum vor der Begutachtung durch das
Y._
.
4.3
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass weder für den Zeitraum vor der Begut
achtung (E. 4.2) noch für jenen danach (E. 4.1) eine Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin erstellt ist. Ein Anspruch auf Rente fällt damit ebenso aus
ser Betracht wie ein solcher auf berufliche Massnahmen.
Wie nachfolgend aufgezeigt, fehlte es darüber hinaus für einen Rentenanspruch auch an den versicherungsmässigen Voraussetzungen.
5
.
5.1
Anspruch auf eine ordentliche Rente haben gemäss
Art. 36 Abs. 1
IVG
diejeni
gen
Versicherten, die bei Eintritt der Invalidität während mindestens drei Jahren Beiträge geleistet haben.
5.2
Die
Beschwerdeführerin bezahlte unbestrittenermassen nie Beiträge ein
(vgl. Urk. 8/1)
.
Mit Verfügungen
vom
6. März 2009 (Urk. 7/1) forderte die Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse
,
zwar
die
Beiträge für Nichterwerbstätige rückwirkend für die Jahre 2004 bis 2009 nach
.
D
iese Beträge
mussten
in der Folge
jedoch als uneinbringlich abgeschrieben werden (Urk. 7/3). Da im Rahmen der Ermittlung der Beitragszeit nur Beiträge berücksichtigt wer
den können, welche auch tatsächlich erbracht wurden
(Urteil des Bundesge
richts 8
C_721/2013
vom 4. März 2014
E.
4.1 und 4.3), bleibt es
daher
bei der Nichterfüllung der Mindestbeiträge. Dem Einwand des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin, die Nachzahlungsverfügungen hätten ihm zugestellt wer
den müssen (Urk. 13 Rz. 2), kann nicht gefolgt werden. Der Rechtsvertreter
legitimierte sich gegenüber der Beschwerdegegnerin lediglich für das vorlie
gende Leistungsverfahren im Zusammenhang mit dem Vorfall vom 14. März 2008 (Urk. 8/2 in Verbindung mit Urk. 8/4/1). Wenn die Sozialversicherungs
anstalt
des Kantons Zürich
somit
in beitragsrechtlichen
Angelegenheiten
die Korrespondenz direkt an die Beschwerdeführerin richtete, ist dagegen
nichts
einzuwenden.
5.3.
Da der vormalige Ehemann der Beschwerdeführerin sodann wä
hrend den Ehejah
ren nicht Beiträ
g
e
von mindestens der doppelten Höhe des Mindestbei
trages geleistet hat (vgl.
hierzu die hinzugesplitteten Einkommen,
Urk. 8/85),
kann
die Beschwerdeführerin das gesetzliche Erfordernis der Mindestbeitrags
dauer auch dadurch nicht erfüllen (BGE 125 V 253). Die Beschwerdegegnerin hat damit
das Vorliegen
der erforderlichen Beitragsdauer gemäss Art. 36 IVG und damit einen Anspruch auf eine Rente
auch aus diesem Grund
zu Recht ver
neint.
6.
Diese Erwägungen führen zur vollumfänglichen Abweisung der Beschwerde.
7
.
7
.1
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 600.-- festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdeführerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), zufolge Gewäh
rung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse zu nehmen.
7
.2
Der unentgeltliche Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, Rechtsanwalt Tomas Kempf, machte mit
Honorarnote vom
6. Juni 2014 (Urk. 19
)
einen Aufwand von
9,7
Stunden sowie Barauslagen in Höhe von Fr.
60.60
und damit insgesamt Fr.
2‘160.65
(inkl. MWSt) geltend, was
gerade noch
als angemessen erscheint. Rechtsanwalt Kempf ist daher mit einem Betrag von
Fr. 2‘160.65
(inkl. Baraus
lagen und MWSt) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
7
.3
Die Beschwerdeführerin ist auf § 16
Abs.
4 GSVGer hinzuweisen, wonach
sie
zur Nachzahlung der Gerichtskosten sowie der Entschädigung an Rechtsanwalt Kempf verpflichtet ist, sobald
sie
dazu in der Lage ist.