Decision ID: 3235aa06-9653-5e93-8d86-52a6103e400f
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A.Y. (geboren 1950) und ihr ehemaliger Ehemann, K.Y. (geboren 1950), leben seit
dem Jahre 2008 getrennt. Betreffend die Kantons- und Gemeindesteuern 2003 bis
2007 sowie für die direkte Bundessteuer 2003 bis 2007 wurden sie rechtskräftig
veranlagt.
B. A.Y. liess dem Kantonalen Steueramt am 2. Oktober 2012 eine Selbstanzeige über
bisher nicht deklarierte Einkommens- und Vermögenswerte einreichen (act. 7/7-II/12).
Das Nachsteuerverfahren betreffend die Jahre 2008 bis 2011 in Sachen A.Y. (getrennt
lebend) wurde am 20. Februar 2015 abgeschlossen (act. 7/7-II/1). Das
Nachsteuerverfahren betreffend die Kantons- und Gemeindesteuern (2003 bis 2007)
und die direkte Bundessteuer (2003 bis 2007) gegen K.Y., S., und A.Y., X., wurde am
13. Dezember 2013 eingeleitet (act. 7/7-I/28). Grund dafür waren, nebst der
Selbstanzeige, Untersuchungen beim Untersuchungsrichteramt und ein
Gerichtsverfahren, welche durch deliktische Handlungen des Ehemanns ausgelöst
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wurden (act. 7/7-I/1). Nach Abschluss des Nachsteuerverfahrens betreffend die Q. AG
stellte das Kantonale Steueramt dem Ehepaar A.Y. und K.Y. am 17./18. November
2016 die Veranlagungsvorschläge für die Nachsteuern der Steuerperioden 2003 bis
2007 zu (act. 7/7-I/20 und 21). Am 23. Dezember 2016 ergingen korrigierte
Veranlagungsverfügungen für das Steuerjahr 2003, 2004, 2006 und 2007 an A.Y. und
ihren Ehemann (act. 7/7-I/11 und 12). Darin verfügte das Kantonale Steueramt folgende
Nachsteuern samt Zinsen: Für die Kantons- und Gemeindesteuern 2003 der Stadt X.
CHF 945.40, für die Kantons- und Gemeindesteuern 2003 der Gemeinde T.
CHF 757.25, für die direkte Bundessteuer 2003 CHF 10‘158, für die Kantons- und
Gemeindesteuern 2004 der Stadt X. CHF 26‘019.15, für die Kantons- und
Gemeindesteuern 2004 der Gemeinde T. CHF 261.30, für die direkte Bundessteuer
2004 CHF 15‘472.65, für die Kantons- und Gemeindesteuern 2006 CHF 19‘263.70, für
die direkte Bundessteuer 2006 CHF 11‘210.80, für die Kantons- und Gemeindesteuern
2007 CHF 15‘209.70 und für die direkte Bundessteuer 2007 CHF 8‘892.25 (act. 7/24-5
bis 24). Für das Steuerjahr 2005 wurden offenbar keine Nachsteuern verfügt.
Am 26. Januar 2017 liess A.Y. gegen die Veranlagungsverfügungen beim Kantonalen
Steueramt Einsprache erheben. Gleichzeitig ersuchte sie um Entlassung aus der
Solidarhaftung beziehungsweise um Stundung oder Erlass (act. 7/7-I/I6). Die
Einsprache wurde mit Entscheid vom 14. Februar 2017 abgewiesen (act. 7/7-I/1).
C. Die Verwaltungsrekurskommission wies die gegen den Einspracheentscheid
erhobenen Rechtsmittel (Rekurs für die Kantons- und Gemeindesteuern, Beschwerde
für die direkte Bundessteuer) am 12. Dezember 2017 ab, soweit sie darauf eintrat.
D. A.Y. (Beschwerdeführerin) liess gegen den am 13. Dezember 2017 versandten
Entscheid der Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) mit Eingabe ihres
Rechtsvertreters vom 12. Januar 2018 Beschwerden beim Verwaltungsgericht mit den
Anträgen erheben, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei der Entscheid der
Vorinstanz aufzuheben (Antrag 1), es seien die Nachsteuern der Ehefrau aufgrund der
Selbstdeklaration der Ehefrau Dossier act. II zu verfügen (Antrag 2), es sei davon
„Vormerk“ zu nehmen, dass das Verfahren betreffend Aufhebung der Solidarität nach
rechtskräftigem Abschluss des vorliegenden Verfahrens erfolgen soll (Vorinstanz E. 5
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letzter Satz) (Antrag 3); eventuell sei der Entscheid zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen (Antrag 4).
In der Vernehmlassung vom 2. Februar 2018 verwies die Vorinstanz auf die
Erwägungen des angefochtenen Entscheides und beantragte die Abweisung der
Beschwerden. Das Kantonale Steueramt (Beschwerdegegner) verzichtete am
7. Februar 2018 auf eine Vernehmlassung und beantragte die Abweisung der
Beschwerden. Die Eidgenössische Steuerverwaltung (Beschwerdebeteiligte)
verzichtete stillschweigend auf eine Vernehmlassung.
Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids und die Ausführungen der
Beschwerdeführerin zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Da die steuerrechtlichen Vorschriften des Bundes und der Kantone zur Veranlagung
des Einkommens hinsichtlich der Einkünfte und der Abzüge sowie der
Voraussetzungen zur Veranlagung von Nachsteuern vereinheitlicht sind, hat die
Vorinstanz die Rekurse betreffend die Kantons- und Gemeindesteuern 2003, 2004,
2006, 2007 einerseits und die Beschwerden betreffend die direkten Bundessteuern
2003, 2004, 2006, 2007 andererseits zu Recht im gleichen Urteil, aber mit getrennten
Dispositivziffern erledigt (BGE 135 II 260 E. 1.3). Ebenso ist es zulässig, dass das
Verwaltungsgericht über die Beschwerden im gleichen Akt entscheidet (vgl. BGer
2C_440 und 441/2014 vom 10. Oktober 2014 E. 1.2; VerwGE B 2014/222 und 223 vom
25. Februar 2016 E. 1; www.gerichte.sg.ch). Die Verfahren können dementsprechend
vereinigt und in einem einzigen Entscheid erledigt werden.
2. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP; Art. 196 Abs. 1 des
Steuergesetzes, sGS 811.1, StG; Art. 1 Abs. 3 und Art. 7 Abs. 2 der Verordnung zum
Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 145 des Gesetzes über
die direkte Bundessteuer, SR 642.11, DBG). Die Beschwerdeführerin ist in den im Streit
liegenden Jahren als Ehepartnerin in rechtlich und tatsächlich ungetrennter Ehe (Art. 9
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Abs. 1 DBG und Art. 20 Abs. 1 StG) zur Beschwerde legitimiert, und ihre Eingabe vom
12. Januar 2018 entspricht zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen
Anforderungen (Art. 196 Abs. 1 StG in Verbindung mit Art. 64 und Art. 48 Abs. 1 VRP;
Art. 145 in Verbindung mit Art. 140 Abs. 1 und 2 DBG). Auf die Beschwerden ist somit
einzutreten.
Die Kognition des Verwaltungsgerichts ist auf Rechtsverletzungen beschränkt; die
beschwerdeführende Person kann sich sodann auch darauf berufen, die angefochtene
Verfügung oder der angefochtene Entscheid beruhe auf einem unrichtig oder
unvollständig festgestellten Sachverhalt (Art. 61 VRG). Das Verwaltungsgericht ist im
Steuerrecht nicht an die Begehren der Verfahrensbeteiligten gebunden (Art. 196 Abs. 2
StG) und das Novenverbot im Sinne von Art. 61 Abs. 3 VRP gilt in diesem
Rechtsbereich nicht (vgl. VerwGE B 2007/218 vom 13. März 2008 E. 2.1, B 2012/266
vom 12. Februar 2014 E. 2.4.1 und B 2013/8 und 9 vom 12. Februar 2014 E. 4.1,
www.gerichte.sg.ch).
3. Vor der Vorinstanz stellte die Beschwerdeführerin die Anträge, die Entscheide des
Kantonalen Steueramtes vom 14. Februar 2017 und die solidarische Haftung zwischen
den Ehegatten seien aufzuheben und es seien die Nachsteuern der Ehefrau aufgrund
der Selbstdeklaration der Ehefrau zu verfügen (act. 2 Sachverhalt C; act. 7/1 und 7/17).
Diese Anträge wurden von der Vorinstanz gemäss Dispositiv (Ziffern 1 und 2)
abgewiesen, soweit darauf eingetreten wurde. Die Vorinstanz hält in ihren Erwägungen
fest, dass die Nachsteuern der Jahre 2003, 2004, 2006 und 2007 betreffend die
Kantons- und Gemeindesteuern sowie die direkten Bundessteuern zu Recht erhoben
worden seien; zudem sei nichts vorgebracht worden, was eine Änderung der Höhe der
veranlagten Nachsteuern zur Folge habe. Da sich die Beschwerdeführerin und ihr
Ehemann erst im Jahr 2008 getrennt hätten, sei die gemeinsame Veranlagung in den
strittigen Steuerjahren zu Recht erfolgt (E. 3); eine separate Veranlagung der Ehefrau
sei nicht möglich (E. 4). Nicht eingetreten wurde auf den Antrag, es sei die solidarische
Haftung zwischen den Ehegatten aufzuheben (E. 5). Über diese Frage sei bei einem
Nachsteuerverfahren erst im Bezugsverfahren zu entscheiden. Dementsprechend habe
die Vorinstanz darüber erst nach rechtskräftigem Abschluss des vorliegenden
Verfahrens zu befinden.
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4. Die Beschwerdeführerin beantragt, es sei davon „Vormerk“ zu nehmen, dass das
Verfahren betreffend Aufhebung der Solidarität nach rechtskräftigem Abschluss des
vorliegenden Verfahrens erfolgen soll (Antrag 3).
Die Vorinstanz hält in ihrem Entscheid (E. 5) fest, dass zum Erlass einer
Haftungsverfügung der Beschwerdegegner zuständig sei. Diese Frage sei beim
Nachsteuerverfahren im Bezugsverfahren zu klären. Die Beschwerdeführerin
widerspricht diesen Ausführungen nicht. Sie verlangt denn auch einzig in ihrem
Rechtsbegehren, es sei „Vormerk“ zu nehmen, dass das Verfahren betreffend
Aufhebung der Solidarität nach rechtskräftigem Abschluss des vorliegenden Verfahrens
erfolgen soll. Das vorliegende Verfahren betrifft einzig die Veranlagungen respektive die
Veranlagungsverfahren der Jahre 2003, 2004, 2006, 2007. Der verlangte „Vormerk“
bezieht sich jedoch auf das Bezugsverfahren dieser Veranlagungen, welches nicht
Gegenstand dieses Verfahrens ist. Deshalb kann auf diesen Antrag nicht eingetreten
werden.
5. Zu prüfen ist, ob die Nachsteuern der Ehefrau aufgrund der Selbstdeklaration der
Ehefrau (act. 7/7-I/5) zu verfügen seien. Die Vorinstanz hat entschieden, die
Nachbesteuerung habe mit dem Ehemann gemeinsam – so wie in den angefochtenen
Einspracheentscheiden 2003, 2004, 2006, 2007 angewandt – zu erfolgen.
5.1. Der Vertreter der Beschwerdeführerin bringt zur Begründung in seiner Beschwerde
im Wesentlichen vor, es fehle ein Nachweis, dass der Ehefrau Mittel aus der Delinquenz
des Ehemanns in irgendeiner Weise zugeflossen seien. Auch fehle es an der
diesbezüglichen Beweisbeschaffung durch die Vorinstanz, was ein grober Fehler in der
Sachverhaltsermittlung sei. Die Vorgehensweise von K.Y. entspreche einem
patriarchalischen Verhalten, weshalb ein „Gefälle“ zwischen den Ehegatten bestehe. In
der Begründung würde die unvollständige Wiedergabe eines Zitates der
Beschwerdeführerin in Bezug auf die Gehilfenschaft einer Straftat vorgebracht, womit
der Grundsatz von Treu und Glauben verletzt werde. Zudem habe sich die
Beschwerdeführerin an der Delinquenz des Ehemanns nicht beteiligt. Auch sei der
Geldfluss der unversteuerten Gelder durch Bankkontos – nicht wie beantragt – durch
den Beizug entsprechender Akten untersucht worden. Die Finanzmittel seien der
Eigengutsfirma des Ehemanns auf unterschiedliche Weisen wieder zugeflossen. Dies
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könne aus den Bankakten, den Untersuchungsakten und den Aussagen des Ehemanns
in den Strafakten und den übrigen Behauptungen aus dem Verfahren sowie aus den
Beilagen 17 und 18 entnommen werden. Auch aus den Untersuchungen der
Strafbehörden sei nicht mit einem Dokument nachgewiesen worden, dass Mittel an die
Ehefrau zugeflossen seien oder sie dadurch bereichert sei. Angesichts des nicht
nachgewiesenen Mittelzuflusses könne der Ehefrau kein Einkommen aufgerechnet
werden. Jede andere Vorteilszurechnung an die Beschwerdeführerin sei aus den
gesamten Akten nicht ersichtlich und von der Vorinstanz nicht nachgewiesen.
5.2. Das Einkommen der Ehegatten, die in rechtlich und tatsächlich ungetrennter Ehe
leben, wird ohne Rücksicht auf den Güterstand zusammengerechnet (Art. 9 Abs. 1
DBG und Art. 20 Abs. 1 StG).
5.3. Das Legalitätsprinzip ist als einer der wichtigsten Grundsätze im Steuer- und
Abgaberecht in Art. 127 Abs. 1 Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (SR 101, BV) ausdrücklich verankert und inhaltlich umschrieben. Es
verwirklicht einerseits die Ideen der Rechtssicherheit und Rechtsgleichheit und dient
andererseits der demokratischen Legitimation staatlichen Handelns. Für die Steuern
gilt ohne Ausnahmen, dass ihre wesentlichen Elemente durch ein Gesetz im formellen
Sinn festzulegen sind. Der Gesetzgeber ist verpflichtet, mit hinreichender Bestimmtheit
diejenigen Elemente des Steuerrechtsverhältnisses selbst zu regeln, die für die
betroffenen Bürgerinnen und Bürger das Ausmass, den Umfang und die Grenzen der
Steuerpflicht festlegen (Vallender/Wiederkehr, in: Ehrenzeller et al. [Hrsg.], Die
Schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014, N 5 ff. zu
Art. 127 BV).
5.4. Das Kreisschreiben der Eidgenössischen Steuerverwaltung (EStV) Nr. 30 (zitiert
KS 30) konkretisiert den Grundsatz der gemeinsamen Veranlagung von Ehepaaren
nach Art. 9 DBG. Danach betrachtet der Gesetzgeber die Familie als wirtschaftliche
Gemeinschaft. Sie bildet auch in steuerlicher Hinsicht eine Einheit. Die
Gemeinschaftsbesteuerung wird durch die Heirat ausgelöst. Die Ehegatten unterliegen
für die ganze entsprechende Steuerperiode der Gemeinschaftsbesteuerung. Bei Tod
enden die Ehe und somit auch die Gemeinschaftsbesteuerung. Bei Scheidung sowie
bei rechtlicher oder tatsächlicher Trennung werden die Ehegatten für die ganze
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Steuerperiode getrennt besteuert (Art. 42 Abs. 2 DBG). So ist auch ein Ehepaar, das
zwar rechtlich noch in ungetrennter Ehe lebt, aber faktisch getrennt ist, nicht mehr
zusammen zu veranlagen. Eine solche faktische Trennung liegt dann vor, wenn
folgende Voraussetzungen kumulativ erfolgt sind: (1) Keine gemeinsame eheliche
Wohnung, Aufhebung des gemeinsamen Haushaltes, Bestehen eines eigenen
Wohnsitzes für jeden Ehegatten; (2) keine gemeinschaftlichen Mittel für Wohnung und
Unterhalt mehr vorhanden; (3) kein gemeinsames Auftreten des Ehepaares in der
Öffentlichkeit mehr; (4) die Trennung muss von Dauer sein (mindestens 1 Jahr) oder mit
der Auflösung der Ehe enden. Der Beweis über das Bestehen einer faktischen
Trennung ist von den Ehegatten zu erbringen (KS 30, Ziffer 1).
Diese Ausführungen werden von der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gestützt
und ergänzt. Danach hat der Bundesgesetzgeber zwar die Gedanken der
Gleichberechtigung der Ehegatten im neuen Recht voll verwirklicht, doch bleiben die
Ehegatten weiterhin nicht nur zu einer rechtlich-sittlichen, sondern auch zu einer
wirtschaftlichen Gemeinschaft verbunden. Obwohl die Errungenschaftsbeteiligung als
neuer ordentlicher Güterstand innerhalb der ehelichen Gemeinschaft klarere Nutzungs-
und Vermögensverhältnisse geschaffen und besonders den Grundsatz der bloss
individuellen Haftung verwirklicht hat, bilden die Ehegatten weiterhin eine Erwerbs- und
Verbrauchergemeinschaft. Daran knüpft auch das Steuerrecht an. Auch wenn der
Bundesgesetzgeber in den harmonisierten Steuergesetzen den Gedanken der
Gleichberechtigung und Partnerschaft der Ehegatten voll verwirklicht hat, behandelt er
die Ehegatten nicht als voneinander völlig unabhängige Steuersubjekte. So hat er sich
gegen die Individualbesteuerung der Ehegatten und für die Beibehaltung des Instituts
der Familienbesteuerung, d.h. für die Zusammenrechnung der Steuerfaktoren,
entschieden, was auch in der Doktrin als zulässig erachtet wird. Ferner hat er in Art. 13
DBG eine spezifische Haftungsnorm eingeführt, welche die Solidarhaftung bei den
Ehegatten für die Gesamtdauer begründet. Zudem berücksichtigt das Steuerrecht
nicht, unter welchem Güterstand die Ehegatten leben. Das kommt namentlich in der
Faktorenaddition zum Ausdruck. Die Steuerfaktoren der in rechtlich und tatsächlich
ungetrennter Ehe lebenden Ehegatten werden für die Steuerberechnung „ohne
Rücksicht auf den Güterstand“ zusammengerechnet (so ausdrücklich Art. 3 Abs. 3 des
Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und
Gemeinden, SR 642.14, StHG, und Art. 9 Abs. 1 DBG; BGE 112 I 139 E. 4). Dank der
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Faktorenaddition gibt es keine steuerlichen Schranken innerhalb der
Ehegattengemeinschaft. Die Einkünfte eines Ehepartners werden nur einmal, nämlich
anlässlich ihres Zuflusses bei einem der Partner, steuerlich erfasst (Richner/Frei/
Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl. 2016, N 25 zu Art. 9 DBG).
5.5. Gemäss obigen Ausführungen zur Ehegattenbesteuerung nach Art. 9 Abs. 1 DBG
und Art. 25 Abs. 1 StG kann nach dem klaren Wortlaut von der Zusammenrechnung
der Steuerfaktoren nur dann abgewichen werden, wenn die Ehegatten in rechtlich und
tatsächlich beziehungsweise faktisch getrennter Ehe leben oder einer der Beiden stirbt.
Dies sind die einzigen Voraussetzungen, welche der Gesetzgeber vorsieht, um von der
gemeinsamen Besteuerung der Ehegatten abzuweichen. Das Legalitätsprinzip bindet
den Rechtsanwender an die vom Gesetz vorgesehenen Voraussetzungen.
5.6. Die Beschwerdeführerin bringt nicht vor, dass sie rechtlich oder tatsächlich in den
im Streit liegenden Steuerjahren in getrennter Ehe gelebt habe. Ebenso ist der
Ehemann in diesen strittigen Steuerperioden nicht verstorben. Sie macht im
Wesentlichen geltend, dass sie von dem an den Ehmann zugeflossenen Einkommen
aus Delikten nichts erhalten habe.
Gemäss Art. 9 Abs. 1 DBG und Art. 25 Abs. 1 StG ist es unerheblich für die
gemeinsame Besteuerung von Ehegatten, ob der Einkommenszufluss aus Delikt erfolgt
und ob das entsprechende Einkommen nur einem der Ehegatten tatsächlich
zugeflossen ist. Somit sind die Vorbringen der Beschwerdeführerin nicht geeignet, eine
getrennte Besteuerung betreffend die im Streit liegenden Nachsteuern zu bewirken.
Deshalb sind auch die Rügen betreffend die Sachverhaltsermittlung in Bezug auf die
Delinquenz sowie betreffend die unvollständige Wiedergabe eines Zitates der
Beschwerdeführerin in Bezug auf die Gehilfenschaft unerheblich. Die
Beschwerdeführerin rügt zudem die Höhe der Nachsteuerveranlagungen nicht,
weshalb darauf nicht weiter einzugehen ist.
6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Gesetzgeber betreffend die
gemeinsame Veranlagung und Besteuerung von Ehegatten eine abschliessende
Ordnung erlassen hat. Da die Ehegatten in den im Streit liegenden Steuerjahren in einer
rechtlich und tatsächlich ungetrennten Ehe gelebt haben, hat der Beschwerdegegner in
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den Nachsteuerverfügungen zu Recht die Beschwerdeführerin und ihren Ehegatten
gemeinsam veranlagt. Deshalb hat die Vorinstanz folgerichtig den Antrag, die
Beschwerdeführerin sei aufgrund ihrer Selbstdeklaration eigenständig zu veranlagen,
abgewiesen. Zu Recht ist die Vorinstanz auch nicht auf den Antrag eingetreten, die
solidarische Haftung sei in den im Streit liegenden Steuerjahren zwischen den
Ehegatten aufzuheben. Ein entsprechender „Vormerk“ für ein künftiges Verfahren kann
in diesem Beschwerdeverfahren nicht erfolgen, da das Bezugsverfahren nicht
Gegenstand ist. Auf dieses Rechtsbegehren ist deshalb nicht einzutreten.
7. Aufgrund obiger Erwägungen ergibt sich:
7.1. Die Beschwerden betreffend die Kantons- und Gemeindesteuern 2003, 2004,
2006, 2007 sowie der direkten Bundessteuern 2003, 2004, 2006, 2007 sind
abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
7.2. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der
Beschwerdeverfahrens von der Beschwerdeführerin zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP;
Art. 144 Abs. 1 DBG). Entscheidgebühren für das Verfahren betreffend Kantons- und
Gemeindesteuern 2003, 2004, 2006, 2007 von CHF 1‘500 und für das Verfahren
betreffend direkte Bundessteuer 2003, 2004, 2006, 2007 von CHF 1‘000, insgesamt
CHF 2‘500, sind angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung;
sGS 941.12, GKV; Art. 144 Abs. 5 DBG in Verbindung mit Art. 7 Ziff. 222 GKV). Sie sind
mit den von der Beschwerdeführerin in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschüssen
zu verrechnen. Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1 und
Art. 98 VRP; Art. 144 Abs. 4 DBG in Verbindung mit Art. 64 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren, SR 172.021).