Decision ID: b8f9a53a-af94-4e15-8250-1c3fb5eb7a0d
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X und Y sind Eigentümer des Grundstücks Nr. 0000 an der Hauptstrasse 0 in Z. Da
die Entwässerung der Zufahrtsstrasse (Gemeindestrasse 3. Klasse) zu den insgesamt
sieben Grundstücken nicht mehr genügte, wurde bei grösserem Regenwasseranfall
das Untergeschoss der Liegenschaft des Grundstücks Nr. 1111 regelmässig überflutet.
Vom 2. bis 7. Oktober 2014 wurde deshalb von der A AG im Auftrag der Gemeinde Z
eine Meteorwasserableitung in den B-kanal erstellt. Am 16. Dezember 2015 stellte die
A AG dem Bauamt der Gemeinde Z für die Arbeiten Fr. 17'156.05 in Rechnung. Das
Gemeindekassieramt Z teilte den Betrag auf die sieben Grundstücke auf und stellte X
und Y am 2. März 2016 einen Siebtel (Fr. 2'450.90) in Rechnung. Dagegen erhoben X
und Y Rekurs, welcher vom Gemeinderat Z mit Entscheid vom 20. Juni 2016
abgewiesen wurde.
B.- Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 2. Juli 2016 erhoben X und Y Rekurs beim
Baudepartement des Kantons St. Gallen mit dem Antrag, der Entscheid des
Gemeinderates Z vom 20. Juni 2016 und die Rechnung Nr. 500.19/2016 des
Gemeindekassieramts Z vom 2. März 2016 seien aufzuheben, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Der Gemeinderat Z liess sich am 27. Oktober 2016 vernehmen
und beantragte die kostenfällige Abweisung des Rekurses. Am 27. Februar 2017
ersuchte das Baudepartement das Kantonale Strasseninspektorat um einen
Amtsbericht im Zusammenhang mit der Erstellung der Meteorwasserableitung,
insbesondere zur Qualifikation Strassenbau/-unterhalt. Das Strasseninspektorat
erstattete den Amtsbericht am 30. März 2017. Am 12. Juni 2017 reichte der
Rechtsvertreter von X und Y eine Stellungnahme zur Vernehmlassung des
Gemeinderates Z und zum Amtsbericht des Strasseninspektorats ein. Der inzwischen
ebenfalls anwaltlich vertretene Gemeinderat Z nahm mit Eingabe des Rechtsvertreters
vom 10. Juli 2017 zum Amtsbericht des Strasseninspektorats Stellung, wozu sich der
Rechtsvertreter von X und Y am 2. August 2017 nochmals äusserte. Am 27. November
2018 überwies das Baudepartement die Akten des Rekursverfahrens gestützt auf
Art. 11 Abs. 3 VRP der Verwaltungsrekurskommission.

Auf weitere Einzelheiten wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
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1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig (Art. 41 lit. h Ziff. 5 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Die Befugnis
zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 2. Juli 2016 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 45, 47 und 48 VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Angefochten ist der Entscheid der Vorinstanz vom 20. Juni 2016, mit welchem der
Antrag der Rekurrenten auf Aufhebung der Rechnung Nr. 500.19/2016 vom 2. März
2016 (Fr. 2'450.90) abgewiesen wurde.
a) aa) Die Rekurrenten machen geltend, dass die Bauherren der Grundstücke Nrn. 2222
und 3333 Verursacher des veränderten Ablaufs des Meteorwassers seien, indem sie
auf den Grundstücken eine Aufschüttung vorgenommen hätten und deshalb das
Wasser nicht mehr von der Strasse über die Schulter natürlich abfliessen könne. Damit
hätten sie Art. 689 ZGB verletzt. Aufgrund des Verursacherprinzips seien somit die
Bauherren der Grundstücke Nrn. 2222 und 3333 in die Pflicht zu nehmen. Die
Erstellung der Meteorwasserableitung stelle keinen Strassenunterhalt, sondern
Strassenbau dar. Beim Strassenbau seien die besonderen Verfahrensvorschriften
gemäss Art. 39 ff. des Strassengesetzes (sGS 731.1, abgekürzt: StrG) einzuhalten. Dies
sei vorliegend nicht geschehen, weshalb die Rechnung keine Rechtsgrundlage habe
und aufzuheben sei.
bb) Die Vorinstanz stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, es sei auf
mangelnden Strassenunterhalt zurückzuführen, dass das Wasser nicht mehr abgeleitet
werde und versickere. Die Strasse bestehe schon lange und sei schon immer – wenn
auch mangelhaft – entwässert worden, weshalb die Erstellung der
Meteorwasserableitung als Strassenunterhalt und nicht als Strassenbau zu qualifizieren
sei. Es sei lediglich die Funktionsfähigkeit der bestehenden Wasserableitung
wiederhergestellt und es seien weder neue Teile der Strasse entwässert noch die
Entwässerung ausgebaut worden. Damit entfalle das Planverfahren nach
Strassengesetz. Gemeindestrassen dritter Klasse würden gemäss Art. 55 Abs. 1 StrG
von den anstossenden Grundeigentümern unterhalten. Dafür werde ein Perimeter
errichtet (Art. 56 Abs. 1 StrG). Wenn die Kostentragung durch Vertrag geregelt sei,
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könne aufgrund von Art. 77 Abs. 3 StrG auf ein Kostenverlegungsverfahren verzichtet
werden. Vorliegend sei der Unterhalt der betroffenen Strasse im Nachtrag zum
Dienstbarkeitsvertrag vom 3. März 2010 geregelt. Diese Vereinbarung bilde die
Grundlage für die Verlegung der Kosten der Meteorwasserableitung. Selbst wenn es
sich bei der Erstellung der Meteorwasserableitung um Strassenbau handeln sollte,
hätte im vorliegenden Fall trotzdem gestützt auf Art. 41 Abs. 2 StrG auf eine öffentliche
Auflage verzichtet werden können. Über die Verlegung der Kosten bestehe gemäss
Ziffer 6 des Nachtrags zum Dienstbarkeitsvertrag eine vertragliche Einigung, bei der
Erstellung einer Meteorwasserableitung handle es sich um ein kleines und
unbedeutendes Projekt und der Erstellung stünden keine öffentlichen Interessen
entgegen, womit die Voraussetzungen von Art. 41 Abs. 2 StrG für einen Verzicht auf die
öffentliche Auflage erfüllt seien.
b) aa) Die Unterscheidung zwischen Strassenbau einerseits und Strassenunterhalt
anderseits ist von grosser rechtlicher Bedeutung. Dies sowohl hinsichtlich der
Zuständigkeiten und Mitsprachemöglichkeiten als auch insbesondere mit Bezug auf
das einzuleitende Verfahren (Schönenberger, in: Germann [Hrsg.], Kurzkommentar zum
st. gallischen Strassengesetz, St. Gallen 1989, Art. 31 N 3). All jene Massnahmen, die
nicht zum Strassenunterhalt gehören, sind als Strassenbau zu betrachten und
unterstehen damit den entsprechenden Verfahrensvorschriften. Für die Besorgung des
Strassenunterhalts sind demgegenüber keine besonderen Verfahrensvorschriften zu
beachten (Möhr, in: Germann [Hrsg.], a.a.O., Vorbemerkungen zu Art. 51-56 N 2). Als
Strassenbau gelten Neubau, Ausbau und Korrektion von Strassen (Art. 31 Abs. 1 StrG).
Die zur Erhaltung und zum Betrieb der Strassen erforderlichen Massnahmen gelten als
Strassenunterhalt (Art. 51 Abs. 1 StrG).
Bei einer Meteorwasserableitung handelt es sich um eine Entwässerungsanlage.
Sämtliche der Entwässerung dienende Anlagen wie Bordgesteine, Gräben, Durchlässe,
Sickerungen, Leitungen usw. sind Entwässerungsanlagen. Das Instandhalten von
Entwässerungsanlagen gilt als Strassenunterhalt. Unter Instandhalten ist der gesamte
Unterhalt, einschliesslich das Beheben von Schäden, zu verstehen. Soweit eine
Entwässerungsanlage erstellt oder erweitert werden muss, gilt die entsprechende
Massnahme als Strassenbau (Möhr, a.a.O., Art. 51 N 19).
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bb) Bei der im vorliegenden Fall betroffenen Zufahrtsstrasse erfolgte die Entwässerung
bis anhin über die Schulter ins anliegende Gelände. Nach der vollständigen
Überbauung der an die Strasse angrenzenden Grundstücke konnte das Meteorwasser
nicht mehr über die Schulter abfliessen, weshalb es im Untergeschoss der
Liegenschaft des Grundstücks Nr. 1111 regelmässig zu einer Überflutung kam.
Deswegen wurde eine Meteorwasserableitung gebaut. Diese wurde neu erstellt. Es
wurde weder eine bestehende Entwässerungsanlage instandgehalten, noch wurden
Schäden an einer solchen behoben. Die Erstellung der fraglichen
Meteorwasserableitung ist deshalb als Strassenbau zu qualifizieren.
c) Für den Strassenbau gelten die Verfahrensvorschriften von Art. 39 ff. StrG. Es ist
gemäss Art. 39 Abs. 1 StrG das sogenannte Planverfahren durchzuführen. Das Projekt
ist in der politischen Gemeinde unter Eröffnung einer Einsprachefrist von dreissig
Tagen öffentlich aufzulegen (Art. 41 Abs. 1 StrG). Wer Grundeigentümerbeiträge leisten
muss, ist mit persönlicher Anzeige von der öffentlichen Auflage und vom Beitragsplan
in Kenntnis zu setzen (Art. 42 Abs. 2 StrG). Bei Gemeindestrassen wird das Auflage-
und Anzeigeverfahren von der zuständigen Gemeindebehörde durchgeführt (Art. 43
StrG). Diese Verfahrensvorschriften wurden von der Vorinstanz nicht eingehalten. Diese
hat weder das Projekt der Erstellung der Meteorwasserableitung öffentlich aufgelegt
noch die Rekurrenten, welche sie zur Zahlung eines Beitrages verpflichtete, mit
persönlicher Anzeige davon in Kenntnis gesetzt. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz
hätte sie darauf nicht verzichten dürfen. Gemäss Art. 41 Abs. 2 lit. b StrG kann bei
kleinen und unbedeutenden Projekten (insbesondere bei Entwässerungsanlagen) auf
die öffentliche Auflage verzichtet werden, wenn kein Kostenverlegungsverfahren
durchgeführt wird. Es müssen dafür drei Voraussetzungen kumulativ erfüllt sein: Die
betroffenen Grundeigentümer werden nicht zur Kostentragung herangezogen oder
können sich darüber mittels Vertrag einigen, so dass kein Kostenverlegungsverfahren
durchzuführen ist, es muss sich um ein kleines und unbedeutendes Projekt handeln
und die Projektverwirklichung darf keine Abtretung privater Rechte erforderlich machen
(Schönenberger, a.a.O., Art. 41 N 3). Die erste Voraussetzung ist im vorliegenden Fall
nicht erfüllt. Die betroffenen Grundeigentümer wurden zur Kostentragung
herangezogen. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz besteht über die Verlegung der
Kosten keine vertragliche Einigung. Die betroffenen Grundeigentümer haben sich im
Nachtrag zur Grunddienstbarkeit vom 3. März 2010 in Ziffer 6 über den Unterhalt der
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ganzen Dienstbarkeitsanlage geeinigt. Wie bereits ausgeführt, handelt es sich bei der
Erstellung der Meteorwasserableitung aber gerade nicht um Strassenunterhalt. Die
Vorinstanz hätte somit nicht auf die öffentliche Auflage verzichten dürfen.
d) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz die für den Strassenbau
erforderlichen Verfahrensvorschriften von Art. 39 ff. StrG nicht eingehalten hat. Damit
fehlt es an einer Grundlage, den Rekurrenten einen Teil der Kosten für die Erstellung
der Meteorwasserableitung in Rechnung zu stellen. Der Rekurs erweist sich daher als
begründet und ist gutzuheissen. Die Rechnung Nr. 500.19/2016 des
Gemeindekassieramts Z vom 2. März 2016 und der angefochtene Entscheid der
Vorinstanz vom 20. Juni 2016 sind aufzuheben. An diesem Ergebnis würde die
Durchführung eines Augenscheins nichts ändern, weshalb darauf verzichtet wird.
Zudem ist im vorliegenden Verfahren unerheblich, ob die Eigentümer der Grundstücke
Nrn. 2222 und 3333 bei der Erstellung der Bauten Art. 689 ZGB verletzt haben.
3.- a) Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die amtlichen Kosten der
Vorinstanz aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'000.– ist
angemessen (Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf die
Erhebung der Gebühr ist nicht zu verzichten, da die Vorinstanz eigene finanzielle
Interessen verfolgt (Art. 95 Abs. 3 VRP). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'000.– ist den
Rekurrenten zurückzuerstatten.
b) Zufolge Obsiegens haben die Rekurrenten Anspruch auf eine volle Entschädigung
der ausseramtlichen Kosten (Art. 98 und Art. 98 VRP), soweit diese aufgrund der
Rechts- oder Sachlage als notwendig und angemessen erscheinen (Art. 98 Abs. 2
VRP). Im Rekursverfahren war der Beizug eines Rechtsbeistandes geboten. Der
Rechtsvertreter hat eine Kostennote eingereicht. Darin macht er, ausgehend von einem
Aufwand von knapp neun Stunden à Fr. 240.– ein Honorar von Fr. 2'120.– zuzüglich
Fr. 100.– Barauslagen geltend. Der Aufwand des Rechtsvertreters erscheint unter
Berücksichtigung des Aktenumfangs und der Schwierigkeit des Falls als tarifkonform;
die Barauslagen sind allerdings auf 4% festzusetzen (Art. 22 Abs. 1 lit. b und Art. 28
Abs. 1 der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75). Die
Entschädigung beträgt somit Fr. 2'204.80. Entschädigungspflichtig ist die Vorinstanz.