Decision ID: 312b3d82-cf13-53d1-88b5-15376ff8c893
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
E._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch seinen Vater,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
Der 1979 geborene E._ wurde von seinem Vater am 21. Februar 2008 zum Bezug
von IV-Leistungen angemeldet. Der Versicherte hatte früher medizinische Massnahmen
zur Behandlung des Geburtsgebrechens Nr. 404 erhalten. Im Jahr 2001 hatte er eine
Anlehre als Karrosserie-Handwerker abgeschlossen. Zuvor hatte er eine Lehre als
Karrosseriespengler wegen Überforderung abbrechen müssen. Seit dem Abschluss der
Anlehre war er bei der Garage A._ AG beschäftigt. Der Vater des Versicherten führte
in einem Begleitschreiben vom 22. Februar 2008 zur Anmeldung aus, mangelndes
Selbstwertgefühl und grosse Unsicherheit prägten den Versicherten. Der Arbeitgeber
sei der Ansicht, dass der bisher ausbezahlte Lohn nicht der Arbeitsleistung entspreche,
weil massive Einschränkungen im zeitlichen Arbeitsablauf bestünden und weil der
Versicherte bei der Arbeit genaueste Anweisungen und eine intensive Überwachung
benötige. Gemäss einem von Dr. med. B._ vom RAD Ostschweiz erstellten
Gesprächsprotokoll vom
29. Februar 2008 litt der Versicherte an einer gehemmten Persönlichkeitsentwicklung
im Rahmen eines POS. Er machte einen mental leicht retardierten Eindruck und litt
unter mangelndem Selbstwertgefühl und unter Unsicherheit. Aus der Sicht von Dr.
med. B._ bestand im angelernten Beruf eine Arbeitsunfähigkeit von ca. 20%, weitere
medizinische Abklärungen waren nicht erforderlich. Die Garage A._ AG berichtete in
einem Fragebogen zur beruflichen Integration am 11. März 2008, dem Versicherten
werde ein Monatslohn von Fr. 3700.- ausgerichtet. Der Arbeitsleistung entspräche aber
ein Lohn von lediglich ca. Fr. 1850.-. Die Leistung sei schleichend über die Jahre
hinweg schlechter geworden. Dennoch sei aus sozialen Aspekten immer ein voller
Lohn ausbezahlt worden. Der Versicherte könne die Vorgabezeiten nicht einhalten. Er
benötige zwei- bis dreimal mehr Zeit.
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B.
In einem FI-Assessmentprotokoll/Verlauf hielt die Eingliederungsverantwortliche der IV-
Stelle am 23. April 2008 fest, für Dr. med. B._ sei es nicht nachvollziehbar, weshalb
plötzlich eine Leistungseinbusse bestehen sollte. Der Versicherte habe dazu nicht
Stellung nehmen können. Weiter gab die Eingliederungsverantwortliche an, sie habe
gegenüber dem Vater des Versicherten angegeben, ein Lohn von Fr. 2200.- sei zu tief
angesetzt. Am 23. Juli 2008 hielt die Eingliederungsverantwortliche fest, anlässlich
eines Gesprächs mit dem Arbeitgeber habe dieser angegeben, der Versicherte erbringe
im Verhältnis zu den Zeitvorgaben für die einzelnen Arbeiten eine Leistung von
50-60%. Der Arbeitgeber habe vorgeschlagen, dem Versicherten eine halbe Rente zu
gewähren und dazu einen Lohn von Fr. 2000.- bis Fr. 2200.- auszurichten. Die
Eingliederungsverantwortliche wies in ihrer Notiz darauf hin, dass die Leitung der
Arbeitgeberfirma kürzlich vom Vater auf den Sohn gewechselt habe. Sie schloss die
Frühinterventions-Phase (sog. FI-Phase) ab, weil der Versicherte seinen Arbeitsplatz
auf jeden Fall werde behalten können. Der Vater des Versicherten teilte am 5. August
2008 mit, seit dem 1. April 2008 betrage der Lohn nur noch Fr. 2200.-. Er ersuchte die
IV-Stelle, eine genaue Abklärung des aktuellen Standes durch einen Arzt oder eine
MEDAS vornehmen zu lassen. In einem Telephongespräch vom 27. August 2008 teilte
die Eingliederungsverantwortliche dem Vater des Versicherten u.a. mit, sie habe den
Eindruck, dass man auf Kosten des schwächsten Gliedes bzw. der
Invalidenversicherung Einsparungen vornehmen wolle.
C.
Mit einem Vorbescheid vom 7. Oktober 2008 teilte die IV-Stelle dem Vater des
Versicherten mit, dass sie beabsichtige, das Rentengesuch abzuweisen, da ein
Invaliditätsgrad von lediglich 17% vorliege. Der Vater des Versicherten führte in seiner
Stellungnahme vom
28. Oktober 2008 aus, der Hausarzt Dr. med. C._ habe sich bereit erklärt, den
Versicherten für eine neurologische und psychiatrische Abklärung anzumelden. Er
ersuche darum, den entsprechenden Bericht der psychiatrischen Klinik Wil abzuwarten.
Dr. med. C._ hatte am 27. Oktober 2008 gegenüber der Klinik Wil u.a. angegeben,
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die Arbeitsfähigkeit des Versicherten scheine behinderungsbedingt in rentenrelevantem
Ausmass eingeschränkt. Die Arbeitsunfähigkeit dürfte 40-50% betragen. Die
psychiatrische Klinik Wil führte am 22. Dezember 2008 gegenüber Dr. med. C._ aus,
die testpsychologische Untersuchung habe am 2. Dezember 2008 stattgefunden. Der
Versicherte habe dabei u.a. angegeben, er arbeite schon zehn Jahre in einer
Autogarage. Nun habe der Arbeitgeber gesagt, er arbeite zu langsam. Tatsächlich sei
er schon immer langsam gewesen. Er versuche ja, schneller zu arbeiten, aber er habe
zu wenig Energie. Wenn er schneller arbeiten würde, würde er zudem mehr Fehler
machen. Zusammenfassend wurde im Bericht über die Abklärung ausgeführt, die
aktuelle Intelligenzleistung des Versicherten liege im knapp durchschnittlichen Bereich.
Es sei jedoch von einem höheren Leistungspotential auszugehen. Das kognitive
Leistungsprofil habe Teilleistungsschwächen mit leicht reduzierten Leistungen bei der
komplexeren und mittelgradig reduzierte Leistungen bei der Geschwindigkeit der
Informationsverarbeitung aufgezeigt. Bei den komplexeren Funktionen seien die
Handlungsplanung, die mentale Flexibilität und das Arbeitsgedächtnis diskret reduziert.
Alle übrigen getesteten Funktionen seien unauffällig gewesen. Die schon in der Schule
und nun am Arbeitsplatz beobachtete Verlangsamung sei in der Testung nicht
durchgehend nachweisbar gewesen. Die Tempoleistungen seien sehr unterschiedlich
gewesen, was einerseits aufgabenspezifisch sei, andererseits aber auch mit dem
zwanghaft anmutenden Arbeitsstil des Versicherten zusammenhänge. Auffallend seien
Aussetzer bei der Aufmerksamkeitszuwendung in einigen Tests, die organisch bedingt
sein könnten und sowohl im alltäglichen wie im beruflichen Kontext ein deutliches
Handicap darstellten. Klinisch hätten sich deutliche Kontakt- und
Kommunikationsstörungen gezeigt. Diese Problematik könne im Rahmen einer Cluster-
C-Persönlichkeitsstörung mit vermeidend-selbstunsicheren, zwanghaften und
insbesondere dependenten Zügen erklärt werden. Differentialdiagnostisch sei auch an
Entwicklungsstörungen oder an Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in
der Kindheit oder der Jugend zu denken. Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
dürften insgesamt weniger die kognitiven Defizite und mehr die auffälligen
Persönlichkeitsmerkmale ausschlaggebend sein. Dr. med. C._ hielt in seinem Bericht
vom 22. Januar 2009 an die IV-Stelle fest, der ehemalige Besitzer der Autowerkstätte
habe einen geistig behinderten Sohn gehabt. Es sei denkbar, dass sich in den früheren
grosszügigen Bewertungen der Arbeitsfähigkeit des Versicherten ein gewisses soziales
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Engagement widerspiegelt habe, um eine Diskriminierung des Versicherten gegenüber
leistungsfähigeren Berufskollegen zu vermeiden. Er schätze die Arbeitsunfähigkeit des
Versicherten auf 40%. Dr. med. B._ vom RAD hielt dazu am 4. Februar 2009 fest, die
beschriebene Leistungsminderung hänge wesentlich mit gesteigerten beruflichen
Anforderungen zusammen, die insbesondere durch den Wechsel des Arbeitgebers
verstärkt worden seien. Der Versicherte sei sehr leicht zu verunsichern und reagiere
unter gesteigertem Druck mit Versagensängsten und noch mehr Unsicherheit. In einem
unterstützenden und wohlwollenden Arbeitsumfeld sei eine höhere Leistung möglich.
Hier betrage die Arbeitsfähigkeit des Versicherten sogar 100%. Mit einer Verfügung
vom 4. Februar 2009 wies die IV-Stelle das Rentengesuch ab.
D.
Am 26. Februar 2009 erhob der Vater des Versicherten für diesen Beschwerde gegen
die Abweisungsverfügung. Er machte geltend, gemäss den Angaben des Arbeitgebers
betrage der Soziallohnanteil 50%. Dieser hohe Anteil sei dadurch begründet, dass der
Arbeitgeber in der Familie selbst eine geistig behinderte Person habe. Unter diesem
Blickwinkel seien die testpsychologische Untersuchung durch die Klinik Wil und der
Bericht von Dr. med. C._ neu zu beurteilen. Es sei nach wie vor keine
praxisbezogene Abklärung am Arbeitsplatz erfolgt.
E.
Die IV-Stelle beantragte am 29. April 2009 die Abweisung der Beschwerde. Sie machte
geltend, im Januar und Februar 2008 seien sowohl der Arbeitgeber als auch Dr. med.
C._ von einer minimalen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgegangen. Nun
werde plötzlich mit Wirkung ab März 2008 ein Soziallohn von 50% geltend gemacht.
Da sich der Gesundheitszustand zwischen Januar und März 2008 nicht verändert habe,
sei die ab Oktober 2008 bescheinigte hohe Arbeitsunfähigkeit medizinisch nicht
nachvollziehbar. Bei der testpsychologischen Untersuchung seien keine wesentlichen
kognitiven Defizite festgestellt worden. Gleichzeitig sei das Vorliegen einer manifesten
Persönlichkeitsstörung ausgeschlossen worden. Eine grössere Einschränkung als 20%
sei nicht ausgewiesen.
F.
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Der Vater des Versicherten wandte am 27. Mai 2009 ein, dieser habe bereits während
der Schulzeit die für die Aufgaben vorgesehene Zeit überschritten. Deshalb habe der
Versicherte die Gewerbeschule für Automechaniker bzw. Karrosseriespengler nicht
absolvieren können. Die Folge sei gewesen, dass der Versicherte nur eine Anlehre habe
machen können. Der Vater des Versicherten ersuchte um eine nochmalige Befragung
des Hausarztes und um eine praxisbezogene Abklärung am Arbeitsplatz.
G.
Die IV-Stelle verzichtete am 4. Juni 2009 auf eine Duplik.

Erwägungen:
1.
Der Grad der für den Rentenanspruch massgebenden Invalidität ist gemäss Art. 16
ATSG durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln, bei dem das Einkommen, das
der Beschwerdeführer nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihm
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Erwerbseinkommen, das er
erzielen könnte, wenn er nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
Ausschlaggebendes Element der Bemessung des Invalideneinkommens bildet in aller
Regel die Arbeitsfähigkeitsschätzung. Es liegen ärztliche Arbeitsfähigkeitsschätzungen
vor, die erheblich voneinander abweichen. Dr. med. B._ ist von einer Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers am bestehenden Arbeitsplatz von 80% und an einem idealen
Arbeitsplatz (mit wohlwollendem und stützenden Arbeitsumfeld) von 100%
ausgegangen. Demgegenüber hat Dr. med. C._ einen Arbeitsunfähigkeitsgrad von
40% angegeben, allerdings ohne zu spezifizieren, ob sich dies auf den bestehenden
Arbeitsplatz oder auf einen idealen Arbeitsplatz bezog. Beide Ärzte haben sich auf das
Gutachten der psychiatrischen Klinik Wil berufen. In diesem Gutachten fehlt aber eine
Arbeitsfähigkeitsschätzung. Es ist dort nur angegeben worden, die Aussetzer bei der
Aufmerksamkeitszuwendung stellten für den Beschwerdeführer im beruflichen Umfeld
ein deutliches Handicap dar. Inwieweit andere gesundheitliche Beeinträchtigungen,
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über die im Gutachten berichtet worden ist, ebenfalls die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers tangieren, ist vom Sachverständigen nicht ausgeführt worden. Er
hat lediglich zusammenfassend darauf hingewiesen, dass für die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers weniger die kognitiven Defekte und mehr die
auffälligen Persönlichkeitsmerkmale ausschlaggebend seien. Das Gutachten löst also
den Widerspruch zwischen der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. B._ und
derjenigen von Dr. med. C._ nicht auf. Entgegen der Auffassung der
Beschwerdegegnerin ist die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. B._ nicht
überzeugend, jedenfalls nicht plausibler als diejenige von Dr. med. C._. Die
Schätzung von Dr. med. B._ beruht nämlich nicht auf einer Untersuchung oder auch
nur auf einer Beobachtung des Beschwerdeführers während eines Gesprächs im
Rahmen der Frühintervention, sondern nur auf einer Interpretation alter medizinischer
Akten der Beschwerdegegnerin und auf einem Bericht von Dr. med. C._. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. C._ beruht zwar auf einer langen
Beobachtung, aber nicht auf einer spezialärztlichen Untersuchung. Zudem vermag sie
schon deshalb nicht zu überzeugen, weil sie von einem behandelnden Arzt stammt, der
zum vornherein die Anforderungen an einen unabhängigen medizinischen
Sachverständigen nicht erfüllen kann. Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass
die vorhandenen medizinischen Akten nicht ausreichen, um den Arbeitsfähigkeitsgrad
des Beschwerdeführers mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu bestimmen. Die Sache muss deshalb zur weiteren Abklärung an
die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen werden.
2.
2.1 Damit die von der Beschwerdegegnerin nachzuholenden Abklärungen zur
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers einen aussagekräftigen Einkommensvergleich
ermöglichen werden, ist vorab zu klären, wie das Valideneinkommen zu ermitteln ist.
Da der Beschwerdeführer aufgrund seines Geburtsgebrechens nicht in der Lage
gewesen ist, eine qualifizierte Berufsausbildung zu absolvieren, ist die von ihm effektiv
eingeschlagene Berufskarriere bereits durch die Behinderung beeinflusst. Im fiktiven
"Gesundheitsfall" hätte der Beschwerdeführer keine Anlehre gemacht, sondern er hätte
einen Beruf erlernt. Da keine Hinweise für eine andere, höher qualifizierte Berufswahl
vorliegen, muss – gemäss dem beim Beschwerdeführer liegenden Nachteil der
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Beweislosigkeit – davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer den Beruf
des Autospenglers erlernt hätte und dass er diesen Beruf nach wie vor ausüben würde.
Das Valideneinkommen bemisst sich also nicht an dem vom Beschwerdeführer vor der
Lohnreduktion erzielten Einkommen, sondern nach dem Erwerbseinkommen, das er im
massgebenden Zeitpunkt als qualifizierter Autospengler erzielt hätte. Sollte dieses
Einkommen tiefer sein als das Pauschaleinkommen nach Art. 26 IVV, müsste auf
letzteres abgestellt werden.
2.2 Zur Berechnung des zumutbaren Invalideneinkommens wird die
Beschwerdegegnerin die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im Jahr 2008 zu
ermitteln haben. Diese Abklärung wird sich nicht auf die quantitative Komponente der
Arbeitsfähigkeit beschränken können. Vielmehr wird durch die medizinischen
Sachverständigen vorab zu klären sein, ob der Beschwerdeführer allenfalls in einer
anderen, seiner Behinderung besser angepassten Erwerbstätigkeit eine höhere
Arbeitsfähigkeit erreichen könnte als in der jetzigen Tätigkeit. Dr. med. B._ hat zwar
keinen anderen Beruf, sondern nur ein unterstützendes und wohlwollendes
Arbeitsumfeld empfohlen, um die Arbeitsfähigkeit auf 100% zu steigern. Aber im
Autospenglergewerbe gibt es keine solchen Arbeitsstellen, denn es handelt sich um
eine sehr kompetitive Branche, in der nur die Leistung des Arbeitnehmers zählt. Sollte
der Beschwerdeführer also zur Steigerung seiner Arbeitsfähigkeit zwingend auf ein
unterstützendes und wohlwollendes Arbeitsumfeld angewiesen sein, bliebe ihm nur
eine berufliche Umstellung, d.h. er müsste sich einer Umschulung unterziehen. Ob dies
zumutbar und erfolgsversprechend wäre, müsste durch berufsberaterische und
allenfalls auch durch medizinische Sachverständige geklärt werden. Dabei wäre dem
Umstand, dass eine Kündigung der bisherigen Arbeitsstelle zur Durchführung einer
Umschulung letztlich mit grosser Wahrscheinlichkeit in einer Langzeitarbeitslosigkeit
enden würde, Rechnung zu tragen. Die Ermittlung der Arbeitsfähigkeit des Jahres 2008
umfasst also in einem ersten Schritt die Erhebung der qualitativen Arbeitsfähigkeit.
Allenfalls wird die Prüfung des Rentengesuchs also zurückzustellen sein, bis eine
berufliche Eingliederung abgeschlossen ist. Die quantitative Bemessung der
Arbeitsfähigkeit durch medizinische Sachverständige und die Invaliditätsbemessung
nach Art. 16 ATSG ist somit erst möglich, wenn feststeht, dass es bei einer
Beschäftigung im angelernten Beruf bliebt, oder wenn die berufliche Eingliederung
abgeschlossen ist.
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3.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Verfügung vom 4. Februar 2009
aufzuheben und die Sache ist zur weiteren Abklärung des massgeblichen Sachverhalts
und zur anschliessenden neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1 IVG).
Die als Folge der Aufhebung der angefochtenen Verfügung vollumfänglich
unterliegende Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten zu übernehmen. Da ein
unterdurchschnittlicher Verfahrensaufwand vorliegt, erscheint eine Gerichtsgebühr von
Fr. 400.- als angemessen. Der geleistete Kostenvorschuss ist dem Beschwerdeführer
zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG