Decision ID: 9250e0a7-8a4c-4f0e-8753-49858416ec68
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1996, wurde am 2
7.
November 2002 durch seine Mutter
unter Hinweis auf ein Geburtsgebrechen bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug angemeldet (Urk. 6/1).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische Situation ab und sprach dem Versi
cherten mit
Verfügung vom
1.
April
2003 vom
3.
September
2002 bis 30. Septe
m
ber 2007 medizinische Massnahmen zur
Behandlung des
Geburts
gebrechens
Ziff.
404
(infantiles psychoorganisches Syndrom) gemäss dem An
hang zur Verordnung über Geburtsgebrechen (
GgV
-Anhang) zu (Urk. 6/5).
Am 2
3.
Augu
st 2006 teilte die IV-Stelle der Mutter des
Versicherten mit, dass sie
die Kosten für
eine
ambulante Psychotherapie nach ärztlicher Verordnung im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen
Ziff.
404
GgV
-Anhang
vom
8.
Juni 2006 bis 30.
September 2007 übernehme (Urk. 6/28).
In der Folge verlängerte die IV-Stelle die Kostenübernahme für medizinische Massnahmen
,
als
o
auch für ambu
lante Psychotherapien
,
mehrmals bis und mit 3
1.
August 2016
, mithin bis zur Vollendung des 2
0.
Altersjahres
des Versicherten
(Urk. 6/34-35, Urk. 6/50, Urk. 6/72-73).
1.2
Der Versicherte wurde
vom 1
6.
Januar bis 3
1.
Dezember
2013 in den
Y._
stationär behandelt (
vgl. Urk. 6/77/7-8, Urk. 6/89/3-4
).
Die
obligatorische
Krankenversicherung
des Ver
sicherten, die SWICA Krankenversicherung AG
(nachfolgend SWICA)
,
übernahm
die Zwi
schenrechnung für die stationäre
Behandlung
in der
Y._
für den Zeit
raum vom 16.
Januar bis 1
5.
Mai 2013
im Betrag von Fr. 38‘808.--
und stellte am 1
8.
Juli 2014 bei der IV-Stelle ein Gesuch um Kostenübernahme durch die Invalidenversicherung
im Zusammenhang mit
bewilligten medizini
schen Massnahmen betreffend das
Geburtsgebrechen
Ziff.
404
GgV
-Anhang
(Urk. 6/77/1
, vgl. Urk. 6/77/7-8
).
Dies wurde der Mutter des Versicherten am 2
4.
Juli 2014 zur Kenntnis gebracht (Urk. 6/79).
Am 4.
Dezember 2014 teilte
die
SWICA
der IV-Stelle mit, dass sie die
zweite Zwischenrechnung
f
ür die statio
näre Behandlung in der
Y._
für den Zeitraum vom 1
6.
Mai bis 3
1.
De
zem
ber 2013 im Betrag von Fr. 68‘237.40 ebenfalls
übernommen
h
abe
(Urk. 6/89
/1, vgl. Urk. 6/89/3-4
).
Die IV-Stelle teilte der Mutter des Versicherten am
6.
Mai 2015 mit, dass sie d
ie Kosten im Betrag von Fr. 68‘2
37.40 für den stationären Aufenthalt in der
Y._
vom 1
6.
Mai bis 3
1.
Dezember
2013
übernehme (Urk. 6/92).
Nach ergangenem Vorbescheid an die Mutter des Versicherten (Urk. 6/94) erhob die
SWICA
Einwand (Urk. 6/97). Mit Verfügung vom 1
4.
Juli 2015 lehnte die
IV-Stelle die Kostenübernahme für die stationäre Behandlung in der
Y._
für den Zeitraum vom 1
6.
Januar bis 1
5.
Mai 2013
ab (Urk. 6/101 = Urk. 2).
2.
Die SWICA erhob am
9.
September 2015 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
4.
Juli 2015 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und die IV-Stelle sei zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. Zudem sei die IV-Stelle zu verpflichten, ihr die erbrachten Gel
dleistungen in der Höhe von Fr.
38‘808.-- zurückzuerstatten (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1-3). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
9.
Oktober 2015 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 5). Dies wurde der Beschwerdeführerin am 2
6.
Oktober 2015 zur Kenntnis gebracht (Urk. 7)
. Mit Verfügung vom
7.
Januar 2015 wurde der Versicherte
, der in der Zwischenzeit volljährig ist,
zum Prozess beigeladen (Urk. 8). Der Versi
cherte reichte innert Frist keine Stellungnahme ein, was den Parteien mit Ver
fügung vom 2
2.
Februar 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Versicherte haben bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen (
Art.
3
Abs.
2
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
) notwendigen medi
zini
schen Massnahmen (
Art.
13
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
cherung, IVG
). Der Bundesrat bezeichnet die Gebrechen, für welche diese Massnahmen gewährt werden. Er kann die Leistung ausschliessen, wenn das Gebre
chen von geringfügiger Bedeutung ist (
Art.
13 Abs. 2 IVG).
Als Geburtsgebrechen gelten diejenigen Krankheiten, die bei vollendeter Geburt bestehen (
Art.
3
Abs.
2 ATSG in Verbindung mit
Art.
1
Abs.
1 Satz 1
der Ver
ordnung über Geburtsgebrechen,
GgV
). Die blosse Veranlagung zu einem Leiden gilt nicht als Geburtsgebrechen. Der Zeitpunkt, in dem ein Geburtsgebrechen als solches erkannt wird, ist unerheblich (
Art.
1
Abs.
1
GgV
). Die Geburtsgebrechen sind in der Liste im Anhang aufgeführt. Das Eidgenössische Departement des Innern kann die Liste jährlich anpassen, sofern die Mehrausgaben einer solchen
Anpassung für die Versicherung insgesamt drei Millionen Franken pro Jahr nicht
übersteigen (
Art.
1
Abs.
2
GgV
). Als medizinische Massnahmen, die für die Be
handlung eines Geburtsgebrechens notwendig sind, gelten sämtliche Vor
kehren, die nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft ange
zeigt sind
und den therapeutischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstr
e
ben (
Art.
2
Abs.
3
GgV
).
1.2
Die medizinischen Massnahmen umfassen gemäss Art. 14 Abs. 1 IVG die Be
handlung, die vom Arzt oder von der Ärztin selbst oder auf ihre Anordnung durch medizinische Hilfspersonen in Anstalts- oder Hauspflege vorgenommen wird (
lit
. a), mit Ausnahme von logopädischen und psychomotorischen Thera
pien sowie die Abgabe der vom Arzt oder der Ärztin verordneten Arzneien (
lit
. b). Beim Entscheid über die Gewährung von ärztlicher Behandlung in
An
stalts
- oder Hauspflege ist auf den Vorschlag des behandelnden Arztes oder der behandelnden Ärztin und auf die persönlichen Verhältnisse der versicherten Person in angemessener Weise Rücksicht zu nehmen (
Art.
14
Abs.
3 IVG).
Als medizinische Massnahmen im Sinne dieser Bestimmung gelten sämtliche Vorkehren, die nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft an
gezeigt sind und den therapeutischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (
Art.
2
Abs.
3
GgV
). Nicht zu den medizinischen Massnahmen im Sinne von
Art.
2
Abs.
3
GgV
gehört die tägliche Krankenpflege, weil ihr kein therapeutischer Charakter im eigentlichen Sinn zukommt. Dies bedeutet, dass die Invalidenversicherung nur so weit für die Spitalpflege eines Kindes aufzu
kommen hat, als die eigentliche Behandlung den Aufenthalt in einem Kranken
haus erfordert. Immerhin genügt zur Gewährung der vollen Spitalleistungen, dass eine einzige Vorkehr, die vom Arzt oder auf seine Anordnung durch medi
zinische Hilfspersonen vorgenommen wird, die Behandlung in einer Heilanstalt notwendig macht (BGE 102 V 45 E. 1 mit Hinweisen;
Pra
1991 Nr. 214 S. 903, I 318/90 E.
5b; ZAK 1982 S.
323, I 306/81 E.
2). Nicht zu den medizinischen Massnahmen im genannten Sinn zählt eine Vorkehr – auch lebenserhaltender Art –, wenn eine medizinisch nicht geschulte Person in der Lage ist (oder dazu angeleitet werden kann), sie vorzunehmen (BGE 136 V 209 E. 7 mit Hinweisen).
1.3
Nach
Art.
64 ATSG wird die Heilbehandlung, soweit Leistungen gesetzlich
vorgeschrieben sind, ausschliesslich von einer einzigen Sozialversicherung üb
er
nommen (
Abs.
1). Die Heilbehandlung geht,
wenn die Voraussetzungen des jeweiligen Einzelgesetzes erfüllt sind, im gesetzlichen Umfang und in nach
stehender Reihenfolge zu Lasten der Militärversicherung (
lit
. a), der Unfallver
sicherung (
lit
. b), der Invalidenversicherung (
lit
. c) und der Krankenversicherung (
lit
. d). Der leistungspflichtige Sozialversicherungsträger übernimmt auch dann
allein und uneingeschränkt die Heilungskosten bei stationärer Behandlung, we
nn der Gesundheitsschaden nur zum Teil auf einen von ihm zu deckenden Ver
sicherungsfall zurückzuführen ist (Abs. 3).
Nach dem in
Art.
64
Abs.
1 ATSG verankerten Grundsatz der absoluten Priorität hat
ausschliesslich
eine einzige Sozialv
ersicherung die Heilbehandlung –
soweit die Leistungen
gesetzlich vorgeschrieben sind –
zu übernehmen. Ein in der Prioritätenordnung von
Art.
64
Abs.
2 ATSG subsidiärer
Sozialversicherungs
träger
wird nicht leistungspflichtig (BGE 134 V 1 E. 6.1).
1.4
Art.
70
ATSG
sieht vor, dass wenn ein Versicherungsfall einen Anspruch auf Sozial
versicherungsleistungen begründet, aber Zweifel darüber bestehen, welche Sozialversicherung die Leistungen zu erbringen hat, die berechtigte Person Vorleistung verlangen kann (
Abs.
1). Die Krankenversicherung ist für Sach
leis
tungen und Taggelder vorleistungspflichtig, deren Übernahme durch die Kran
kenversicherung, die Unfallversicherung, die Militärversicherung oder die Inva
lidenversicherung umstritten ist (
Abs.
2). Die berechtigte Person hat sich bei den in Frage kommenden Sozialversicherungen anzumelden (
Abs.
3).
2.
2.1
Zur Begründung ihres Entscheids bringt die Beschwerdegegnerin vor
(Urk. 2), dass die Rechnung der
Y._
vom
4.
Juli 2013 bei der Beschwerdeführerin am 10. Juli 2013 eingegangen sei. Zwei weitere
Eingangsstempel würden vom 2
8.
und 2
9.
August 2013 datieren. Die Rechnung sei am 1
2.
September 2013 be
zahlt worden. Fast ein Jahr später habe die Beschwerdeführerin am 1
8.
Juli
201
4
einen Antrag um Kostenübernahme gestellt. Die Beschwerdeführerin habe Kenntnis darüber gehabt, dass
die IV-Stelle
gemäss Mitteilung vom 2
0.
April 2010 eine ambulante Therapie übernommen habe, gleichzeitig jedoch ausdrück
lich darauf hingewiesen habe, dass für eine stationäre Therapie ein neues Ge
such zur Prü
fung einzureichen sei (S. 2 oben).
Der Versicherte sei vom
1.
Januar bis 3
1.
Dezember 2013 bei der Beschwerde
führerin versichert gewesen.
Gestützt auf die Akten sei
die IV-Stelle
nicht über den
Kran
kenkassenwechsel
informiert worden. Erst mit der Anmeldung vom 23. November
2011 habe
die IV-Stelle
Kenntnis über den Wechsel zur Be
schwer
deführe
rin gehabt. Die Beschwerdeführerin habe keine Beweise einrei
ch
en können, die belegen würden, dass sie im Zeitpunkt der Leistungserbringung (September 2013) Zweifel an der Leistungspflicht gehabt habe.
Es liege somit kein
Anwen
dungsfall
von
Art.
70 ATSG
vor, denn ein solcher setz
e gerade voraus, dass die Zweifel bereits bestanden
hätten
,
als die Leistung erbracht worden sei
. Bei der von der Beschwerdeführ
erin erbrachten Leistung handle
es sich nicht um eine Vorleistung. Eine Rückerstattung könne demnach nicht auf
Art.
71 ATSG ge
stützt werden.
Folglich könnten die Kosten von Fr.
38‘808.--
für die stationäre Therapie vom 1
6.
Januar bis 1
5.
Mai
2013 nicht durch die Invalidenversiche
rung übernommen werden (S. 2 Mitte).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte si
ch hingegen auf den Standpunkt (Urk. 1),
dass aus den Akten der Beschwerdegegnerin klar hervor gehe, dass die Kostengut
sprache für
eine
ambulante Psychotherapie vom 2
0.
April 2010 zur Kenntnis
nahme lediglich an den Vorversicherer
, die Helsana Versicherungen
AG
(nach
folgend Helsana)
, geschickt worden sei. Es sei anzunehmen, dass der Versicherte der Beschwerdegegnerin den Wechsel des Grundversicherers nicht rechtzeitig gemeldet habe und der Vorversicherer es für nicht nötig erachtet habe, die Beschwerdegegnerin über den Krankenkassenwechsel des Versicherten zur Beschwerdeführerin zu informieren. Sie habe entgegen den Ausführungen der Beschwerdegegnerin erst durch
ihre
Mitteilung vom 11.
Juli 2014, wonach die Kosten für die Behan
dlung des Geburtsgebrechens
Ziff.
404
GgV
-Anhang
wei
ter
hin übernom
men würden, erfahren, dass die Beschwerdegegnerin diesbezüg
lich die gesetzli
chen Leistungen erbringe. Am 18.
Juli 2014 habe sie schliesslich die Rückfor
derung der erbrachten Geldleistungen betreffend den Aufenthalt in der
Y._
vom 1
6.
Januar bis 1
5.
Mai 2013 bei der Beschwerdegegnerin geltend gemacht (S. 4 f. Ziff.
IV.2).
Die Beschwerdegegnerin sei
z
ur Erbringung der gesetzli
chen IV-Leistungen betreffend das Geburtsgebrechen
Ziff.
404
GgV
-Anhang
des Versicherten ver
pflichtet. Bis zum stationären Aufenthalt in der
Y._
habe sie die ge
setz
lichen Leistungen erbracht. Da auch der stationäre Aufenthalt vom 1
6.
Januar
bis 3
1.
Dezember
2013 in der
Y._
der Behandlung des genannten
Gebur
ts
gebrechens
gedient habe, habe die
Be
schwerdegegnerin
auch für die dadurch entstandenen Kosten von Gesetzes we
gen aufzukommen (S. 5 f. Ziff. IV.4).
Retro
spektiv sei daher von einer zweifel
losen Unrichtigkeit der
Kostenüber
nahme
auszugehen. Die Rückforderung der Geldleistungen in der Höhe von
Fr.
38‘808.-- gegenüber der
Beschwerdegegne
rin
sei demnach zu Recht erfolgt (S. 6 Ziff. IV. Ziff. 5).
Zudem hätten
keine Zweifel über eine L
eistungspflicht bestanden
, weil die
Be
schwerdegegnerin
für die Kosten des stationären Aufenthalts zweifellos einzu
stehen habe.
Dies habe sie mit der ansatzlosen Kostenübernahme des zweiten Teils des stationären Aufenthalts in der
Y._
auch bestätigt. Wenn die Beschwerdegegnerin gleichzeitig die Kostenübernahme betreffend den ersten Teil des s
tationären Aufenthalts in der
Y._
ablehne, handle sie wider
sprüchlich und verstosse gegen das Gesetz (S. 6 Ziff. IV.
6).
2.3
Streitig
und zu prüfen ist die Frage, ob die Beschwerdegegnerin die
Übernahme der
Kosten für die
stationäre Behandlung des Versicherten vom 1
6.
Januar bis 1
5.
Mai 2013 in der
Y._
im Betrag von
Fr.
38‘808.-- zu Recht verweigert hat.
3.
3.1
D
ie Beschwerdegegnerin
kommt
seit
3.
September 2002 für die medizinischen
Massnahmen zur Behandlung des Geburtsgebrechens
Ziff.
404
GgV
-Anhang
und
seit
8. Juni 2006
für die Kosten ambulanter Psychotherapien im Zusammenhang mit dem Ge
burtsgebrechen
Ziff.
404
GgV
-Anhang
des Versicherten
auf
. Die
Kostenübernahme begrenzte sie
mit der
Vollendung des 20. Altersjahres des Ve
r
sicherten, mithin bis zum 31.
August 2016 (vgl. Urk. 6/5, Urk. 6/28, Urk. 6/34-35
, Urk. 6/50, Urk.
6/
72-73).
Daraus folgt, dass die Beschwerdegegnerin grundsätz
lich für die Kosten der medizinischen Massnahmen im Zusammenhang mit dem
Geburtsge
brechen
Ziff.
404
GgV
-Anhang
des Versicherten
im massgeblichen Zeit
raum vom 16. Januar bis 15. Mai 2013
leistungspflichtig war
(vgl. vor
stehend E. 1.1)
.
Aus dem Antrag
der
Y._
zur Kostenübernahme für die stationäre
Be
handlung des Versicherten
an die
Beschwerdeführerin
vom 1
3.
März 2014 (Urk. 6/77/2-6) geht hervor, dass die stationäre Behandlung im Zusammenhang mit de
m Geburtsgebrechen
Ziff.
404
GgV
-Anhang
stand
(S. 4 unten).
Dies anerkannte auch die Beschwerdegegnerin, indem sie d
ie Kosten im Betrag von Fr. 68‘2
37.40 für den stationären Aufenthalt in der
Y._
vom 1
6.
Mai bis 3
1.
Dezember
2013
übernahm
(Urk. 6/92).
Es steht somit fest
, dass
die stationäre Be
handlung des Versicherten in der
Y._
vom 16. Januar bis 15. Mai 2013
im Zusammenhang mit dem
Ge
burtsgebrechen
Ziff.
404
GgV
-Anhang stand
(vgl.
Urk. 6/93 S. 3 unten)
.
3.2
D
er Versicherte
war
vom
1.
Januar 2010 bis zum 3
1.
Dezember 2013 bei der Beschwerdeführerin
obligatorisch krankenversichert
.
Zuvor war der
Versicherte bei der Helsana
krankenversichert
gewesen
(vgl. Urk. 1 S. 3 Ziff. III.1)
.
Aus den Akten ist
ersichtlich, dass die Beschwerdegegnerin
weder durch den Versicherten noch durch den Vorversicherer
über den Krankenkassenwechsel informiert worden ist.
D
ie
Beschwerdegegnerin
hatte erst mit der
IV-Anmeldung für Massnahmen bezüglich
die berufli
che Eingliederung vom 23. November 2011 (Urk. 6/56) Kenntnis über den Wechsel des Krankenversicherers
von der Helsana
zur Beschwerdeführerin (Ziff. 4.4).
Die Beschwerdegegnerin stellte jeweils
dem
vermeintlich
aktuellen
Kranken
ver
sicherer
eine Kopie
ihre
r
erlassenen Verfügungen und ausgestellten
Mittei
lung
en
im Zusam
menhang mit der Kostengutsprache für medizinische Massnahmen und ambu
lante Psychotherapien
zu. Da die Beschwerdegegnerin erst mit
der IV-
Anmel
dung vom 23. November 2011
für Massnahmen bezüglich die berufliche Ein
gliederung
über den Krankenversicherungswechsel
informiert wurde
, stellte sie dem
Vorversicherer, der
Helsana
,
diese Kopien bis zu diesem Zeitpunkt zu (vgl. Urk. 6/5, Urk. 6/10, Urk. 6/15, Urk. 6/28, Urk. 6/34-35, Urk. 6/50). Aus den Ak
ten geht klar hervor, dass die Kostengutsprache für ambulante Psycho
th
e
ra
pie vom 2
0.
April 2010
entgegen der Behauptung der Beschwerdegegnerin (
vorste
hend E. 2.1
) nicht der Beschwerdeführerin, sondern der Helsana zur Ken
nt
nis
nahme zugestellt wurde
(Urk. 6/50). Erst die nachfolgenden und auch gleich
zeitig letzten Mitteilungen vom 1
1.
Juli 2014
bezüglich der
Verlängerung der Kostengutsprache für ambulante Psychotherapien und für medizinische Mass
nahmen
bis zum
3
1.
August 2016 wurden der Beschwerdeführerin zur Kennt
nisnahme zugestellt (Urk. 6/72-73).
Die Beschwerdeführerin erfuhr somit – wie sie zu Recht geltend
machte (
vorstehend E. 2.2
) – erst durch die Mitteilung vom 1
1.
Juli 2014, dass die Beschwerdegegnerin gesetzliche Leistungen bezüg
lich der Behandlung des Geburtsgebrechens
Ziff.
404
GgV
-Anhang
des Ver
sicherten über
nahm
.
Die Zwischenrechnung der
Y._
für die stationäre Behandlung für den Zeitraum vom 1
6.
Januar bis 1
5.
Mai 2013 im Betrag von Fr. 38‘808.-- ging am
1
0.
Juli 2013 (RD Basel) bei der Beschwerdeführerin ein. Zwei weitere Eingangsstempel datieren vom 2
8.
August 2013 (Agentur Uster) und vom 29.
August 2013 (RD Zürich). Die Beschwerdeführerin bezahlte die Zwischen
rechnung am 1
2.
Se
ptember 2013 (Urk. 6/77/7
oben). In den Akten sind keine Hinweise ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der
Leis
tungs
erbringung
Zweife
l an der Leistungspflicht hatte
, diese erfolgte vorausset
zungs
los.
Dies
erstaunt im
Hinblick auf die Tatsache, dass
die Beschwerdefüh
rer
in erst mit Mitteilung vom 1
1.
Juli 2014
von der Leistungspflicht der
Be
schwerde
geg
nerin
im Zusammenhang mit
der Behandlung des
Geburtsgebre
chens
Ziff.
404
GgV
-Anhang
erfuhr
,
nicht.
Somit liegt vorliegend
kein Anwendungsfall von
Art.
70 ATSG vor, denn die Bestimmung knüpft daran an
, dass die Zweifel im
Zeitpunkt
der Leistungser
bringung
vorlagen
. Eine ohne Zweifel und also in diesem Sinne definitiv er
brachte Leistung kann nicht rückwirkend zu einer „Vorleistung“ werden
(
vgl.
Kieser
, ATSG-Kommentar, 3.
Auflage, Zürich/Basel/Genf 2015,
Art.
70 N 8).
3.3
Hingegen ist festzuhalten
, dass
die Beschwerdegegnerin die Kosten
für die
sta
tio
näre Behandlung des Versicherten in der
Y._
auch
vom 16.
Januar bis 1
5.
Mai 2013 im Betrag von
Fr.
38‘808.
--
aufgrund der im Zusammenhang mit
dem Geburtsgebrechen Ziff. 404
GgV
-Anhang grundsätzlich bejahten
Leis
tun
gs
pflicht
sowie im speziellen der Kostengutsprache für die stationäre Behandlung in der
Y._
vom 16. Mai bis 3
1. Dezember 2013 (Urk. 6/72-73, Urk. 6/92) hätte übernehmen müssen
.
Sie hat die
Kostenübernahme
daher
zu Unrecht
ver
weigert
.
Diese Schlussfolge
rung steht im Übrigen
im Einklang mit dem in
Art.
64
Abs.
1 ATSG verankerten Grundsatz der absoluten Priorität, wonach aus
schliess
lich eine einzige Sozial
versicherung die Heilbehandlung zu über
nehmen hat (vorstehend E. 1.3).
3.4
Wie es sich mit der von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Rückerstat
tung der bezahlten Zwischenrechnung im Betrag von Fr. 38‘808.-- verhält, braucht vorliegend nicht geprüft zu werden. Denn mit der angefochtenen Verfügung vom 1
4.
Juli 2015 entschied die Beschwerdegegnerin über ihre Leistungspflicht und nicht über ihre allfällige Rückerstattungspflicht gegenüber der Beschwerdeführerin
(vorstehend E. 2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_236/2008
vom 14. Oktober
2008
E. 8.1
). Bezüglich einer allfälligen
Rücker
stat
tungspflicht
der Beschwerdegegnerin fehlt es daher an einem
Anfechtungs
ob
jekt
, weshalb in diesem Punkt nicht auf die Beschwerde einzutreten ist.
3.5
Dementsprechend ist die
Beschwerde teilweise gutzuheissen und die
angefoch
tene Verfügung
dahingehend abzuändern, dass
die
Beschwerdegegnerin für die stationäre Behandlung von
X._
in der
Y._
auch
vom 1
6.
Januar bis 1
5.
Mai 2013 leistungspflichtig ist.
4.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
6
00.-- anzusetzen.
Da die
Beschwerdeführer
in
nur teilweise obsiegt, sind
ihr die Kosten zu einem Drittel und der
Beschwerde
gegnerin
zu zwei Dritteln aufzuerlegen.