Decision ID: 4b815d5d-0364-4831-a4fe-09160e6a94f4
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1968, ist diplomierte Krankenschwester für allge
meine Krankenpflege und war als solche ab dem 2. Mai 1990 bei der
Y._,
Z._
, angestellt (Urk. 6/6/11 f., 6/7/4 und
6/11/1 f.). Am 5. Juli 2011 meldete sie sich unter Hinweis auf Rückenschmerzen mit Lähmungserscheinungen bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/7). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog daraufhin nebst den Akten des Krankentaggeldversicherers (Urk. 6/13) einen Arbeitgeberfragebogen (Urk. 6/11), einen Auszug aus dem individuellen Konto der Versicherten (IK-Auszug, Urk. 6/12) sowie diverse Arztberichte bei (Urk. 6/14/6 ff., 6/15, 6/20, 6/30, und 6/40). Mit Schreiben vom 7. Februar 2012 teilte sie der Versicherten sodann mit, dass keine beruflichen Eingliederungs
massnahmen möglich oder angezeigt seien (Urk. 6/48). Ausserdem gab sie bei
m
A._
,
B._
, ein interdisziplinäres Gutachten in Auftrag (
A._
-Gutachten vom 2. Februar 2012, Urk. 6/49). Mit Schreiben vom 29. Februar 2012 auferlegte die IV-Stelle der Versicherten eine Schaden
minde
rungspflicht in Form einer fachärztlichen psychiatrischen Behandlung während zwei
er
Jahre (Urk. 6/53). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 6/56) sprach sie der Versicherten mit Verfügung vom 19. Oktober 2012 rückwirkend ab Januar 2012 eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu (Urk. 6/7
4
).
1.2
Im Rahmen eines von Amtes wegen durchgeführten Rentenrevisionsverfahrens holte die IV-Stelle ab Mai 2013 insbesondere einen von der Versicherten ausge
füllten Fragebogen (Urk. 6/90) sowie zahlreiche Arztberichte ein (Urk. 6/91, 6/97 f., 6/101, 6/104 f., 6/107, 6/109/6 ff., 6/114/5 ff., 6/115, 6/117 und 6/121). Über
d
ies gab sie bei Dr. med. C._
, Facharzt für Rheumatologie und Allge
meine Innere Medizin, u
nd Prof. Dr. med. D._
, Facharzt für Neurologie sowie Psychiatrie und Psychotherapie, ein
bidisziplinäres
Gutachten in Auftrag (Gutachten vom 16. Juni 2015, Urk. 6/132). Nach Eingang einer Stel
lungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD, Urk. 6/139/8 ff.) stellte die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom 17. November 2015 die Einstel
lung der Invalidenrente in Aussicht (Urk. 6/140), wogegen
jene
am 20. November 2015 (Urk. 6/143) sowie ergänzend am 11. Januar 2016 (Urk. 6/151) Einwand er
hob. Mit Verfügung vom 27. April 2016 entschied die IV-Stelle im angekündigte Sinne (Urk. 6/158).
Die von der Versicherten dagegen am
2
4.
Mai 2016
erhobene Beschwerde (
Urk.
6/165/3 ff.
)
hiess
das Sozialversicherungsgericht mit Urteil IV.201
6.00602
vom
3
1.
Oktober 2017
in dem Sinne gut, dass es die Sache an die
IV-Stelle zurückwies, damit diese
ergänzende medizinische
Abklärungen vor
nehme und hernach über den Leistungsanspruch neu
entscheide (
Urk.
6/173
). Dieses Urteil erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.3
Im Zuge der Umsetzung dieses Urteils
holte die IV-Stelle Berichte der behandeln
den Ärzte ein (
Urk.
6/184, 6/187 und 6/190) und gab bei Prof. Dr.
D._
ein psychiatrisches Verlaufsgutachten in Auftrag, welches am 2
1.
Juni 2018 vorge
legt wurde (
Urk.
6/198).
Im Folgenden prüfte sie den Anspruch auf Eingliede
rungsmassnahmen (vgl.
Urk.
6/206 ff.). Davon ausgehen
d
, dass solche nicht mög
lich seien, teilte sie der Versicherten sodann mit Schreiben vom 2
0.
Februar 2019 mit, dass die Eingliederungsberatung abgeschlossen und erneut der Rentenan
spruch geprüft werde (
Urk.
6/213).
Mit Vorbescheid vom
2
7.
Februar 2019 stellte sie der
Versicherten in Aussicht, die Rente per
Ende Mai
2016 aufzuheben (
Urk.
6
/217
),
wogegen
jene
Einwand
erhob (Urk. 6/219, 6/221
).
Mit Verfügung vom 2
7.
Mai 2019 hob die IV-Stelle die Rente in Abweichung vom Vorbescheid per Ende Juni 2016 auf
(
Urk.
6
/2
23 = Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 2
7.
Juni 2019 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, die angefochtene Verfügung sei ersatzlos aufzuheben (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 2
2.
August 2019 schloss die Beschwerdegeg
nerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), worüber die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 2
3.
August 2019 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
7).
Mit Ver
fügung vom
4.
Dezember 2019 wurde die Schweizerische Mobiliar
Lebensversi
cherungs
-Gesellschaft zum Prozess beigeladen (
Urk.
8). Diese ersuchte mit Ein
gabe vom 1
7.
Dezember 2019 um Entlassung aus dem Verfahren, da sie keine berufliche Vorsorgeeinrichtung, sondern Risikoversicherer der Pensionskasse
E._
sei, bei welcher die Beschwerdeführerin berufsvorsorge
versichert sei (
Urk.
10). Mit Verfügung vom
9.
Januar 2020 wurde die Schweize
rische Mobiliar Lebensversicherungs-Gesellschaft aus dem Prozess entlassen
. Auf eine Beiladung der Pensionskasse
E._
wurde verzichtet (
Urk.
11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
,
IVG
).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Die
Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer In
validität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Er
werbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 2
7.
Mai 2019 zog die Beschwerdegegnerin zusammengefasst in Erwägung, dass nach dem Rückweisungsurteil des Sozial
versicherungsgerichts vom 3
1.
Oktober 2017 weitere medizinische Abklärungen getätigt worden seien. Aus somatischer Sicht liege seit der Begutachtung durch
Dr.
C._
ein unveränderter Gesundheitszustand vor. Es sei in diesem Kontext weiterhin von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auszu
gehen.
Von psychiatrischer Seite
sei im Rahmen der erneuten Begutachtung eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden
. Dieser Einschätzung könne aus Sicht des Rechtsanwenders jedoch mit Blick auf die vorhandenen Ressourcen nicht
gefolgt
werden. Vielmehr sei eine volle Arbeitsfähigkeit in einer angepass
ten Tätigkeit ausgewiesen. Folglich werde an der Verfügung vom 2
7.
April 2016 festgehalten und die Rente bleibe per Ende Juni 2016 eingestellt
(
Urk.
2 S. 2 f.).
Im Übrigen sei festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen der Prüfung von Eingliederungsmassnahmen ihrer Mitwirkungspflicht aus nicht nachvoll
ziehbaren Gründen nicht nachgekommen sei. Ein Rentenanspruch
sei
daher
be
reits aufgrund der Verletzung der Mitwirkungspflicht nicht gegeben (
Urk.
2 S. 4).
2.2
Dieser Argumentation hielt die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerdeschrift vo
m 2
7.
Juni 2019 im Wesentlichen
entgegen, dass
letztlich eine Neueinschät
zung desselben Gesundheitszustandes unter Anwendung einer neuen Rechtspre
chung vorliege, was revisionsrechtlich keine Aufhebung der Rente rechtfertige
.
Davon abgesehen habe die Beschwerdegegnerin zu Unrecht abweichend vom
Gutachter und ausgehend von ihrer eigenen
Indikatorenprüfung
auf eine Verbes
serung der Arbeitsfähigkeit auf 100 % geschlossen
(
Urk.
1 S. 14
f.
).
Prof.
Dr.
D._
habe die Arbeitsfähigkeit aufgrund eines bio
-
psychosozialen Krankheitsbil
des ohne Einbezug von soziokulturellen und psychosozialen Faktoren auf 30
%
geschätzt. Auf ausdrücklichen Wunsch der Beschwerdegegnerin habe er zudem die Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung der Standardindikatoren beurteilt und auf 50
%
festgelegt. Dabei scheine er jedoch das strukturierte Beweisverfah
ren mit ergebnisoffener Beurteilung sowie die Überwindbarkeit
s
praxis vermischt zu haben. Mangels Nachvollziehbarkeit der 50%igen Arbeitsfähigkeit sei daher von einer
solchen in der Höhe von 30
%
auszugehen, was ungefähr auch dem Aktivitätsniveau von rund drei Stunden pro Tag entspreche. Allerdings sei die Verwertung dieser Arbeitsfähigkeit gegenwärtig nicht zumutbar, da es nicht ein
mal Nischenarbeitsplätze gebe, wo sie alle 10 bis 20 Minuten eine Pause einlegen könne
(
Urk.
1 S. 25 f.)
.
Falls das Gericht zum Schluss kommen sollte, dass eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit vorliege, so be
stünde im Übrigen bei korrekter Durchführung des Einkommensvergleichs ein Invaliditätsgrad von 61
%
und dementsprechend weiterhin Anspruch auf eine Rente (
Urk.
1 S. 26 ff.).
3.
3.1
Wie im Urteil vom
3
1.
Oktober 2017
festgehalten
(
vgl.
Urk.
6/173
E. 3.1), ist die
Verfügung
vom
1
9.
Oktober 2012
(
Urk.
6/71
)
, mit welcher der Beschwerdeführe
rin ab dem
1.
Januar 2012 eine ganze Rente zugesprochen wurde,
als zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des In
validitätsgrades heranzuziehen.
Damals
wurde die gesundheitliche Situation
der Beschwerdeführerin
von den
A._
-Gutachtern
abgeklärt. Der
polydisziplinären
Expertise vom
2.
Februar 2012 (Urk. 6/49)
können die folgenden Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit entnommen werden
(
Urk.
6/49/17):
-
degenerative Veränderungen der Hals- und Lendenwirbelsäule (
Dis
kusprotrusion
C5-C6, flache
dorsomediane
Diskushernie L1-L2 und L5-S1 ohne neurologische Ausfallzeichen)
-
mögliche chronische intermittierende
Radikulopathie
S1 links
-
dissoziative Bewegungsstörung, hauptsächlich mit persistierender Ataxie in den Beinen, vorübergehende Lähmung der Beine und Akinesie, Fin
ger
tremor (ICD-10 F44.4)
-
mittelgradige depressive Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10 F32.11).
Kein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurde dagegen namentlich folgenden Diagnosen beigemessen (Urk. 6/49/17):
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
Wirbelsäulenfehlhaltung (
dekompensierte
rechtskonvexe
Skoliosierung
der Brustwirbelsäule,
kurzstreckige
linkskonvexe
Skoliosierung
der Len
denwirbelsäule mit globaler Wirbelsäulenanteflexion)
-
Haltungsinsuffizienz.
In neurologischer Hinsicht hielt Dr. med.
F._
, Facharzt für Neurologie, fest,
dass a
nlässlich der Untersuchung insbesondere das groteske Gangbild auf
gefallen
sei. Die Explo
randin habe sich mit einem um 90 Grad v
orgeneigten Ober
körper sehr ver
langsamt bewegt. Das Stehen sei nur mit Gehstöcken möglich ge
wesen. Der Muskeltonus und die
Muskeltrophik
seien
indes erhalten gewesen. Die
Beschwerdeführerin
habe die Muskeln während der Kraftuntersuchung jedoch nur minimal aktiviert. Es habe sich eine deutliche Seitendifferenz des Achillessehnen
reflexes ergeben; dieser sei rechts mittellebhaft und links nicht auslösbar gewesen (Urk. 6/49/35). Ferner hätten sich Zeichen einer leichtgradigen
Radikulopathie
S1 links gezeigt. Es sei jedoch sehr schwer zu beurteilen, inwiefern diese an der Symptomatik und den subjektiven Beschwerden der Explorandin beteiligt sei. Zu unterstreichen sei, dass die
Beschwerdeführerin
eindeutig eine vor allem rechts
seitige Schmerzsymptomatik der unteren Extremitäten beschreibe, ohne dass es auf dieser Seite einen objektivierbaren Befund einer neurogenen Genese geben würde. Eine linksseitige, intermittierende Schmerzsymptomatik der unteren Extremitäten sei aber aufgrund des klinischen Befundes in der Tat möglich. Diese würde aber zu keiner Zeit zu dem grotesken Gangbild führen, welches neurolo
gisch nicht zu erklären sei und alle Zeichen eines psychogenen Ursprungs trage. Vor diesem Hintergrund sei für die angestammte Tätigkeit von einer 60%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. In anderen wechselbelastenden Tätigkeiten, die eine ergonomische Haltung des Rückens erlauben und keine
grösseren
Kraftanstren
gungen erfordern würden, sei aus neurologischer Sicht von einer 20%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (Urk. 6/49/36).
Dr. med. G._
, Facharzt für Rheumatologie und Allgemeine Innere Me
dizin, führte in seiner rheumatologischen Teilexpertise aus,
dass die Beschwerde
führerin
während der gutach
terlichen Untersuchung eine mas
sive Wirbelsäulen
fehlhaltung gezeigt
habe
. Vorwiegend im Stehen
,
aber auch im Sitzen habe sie eine globale Wirbelsäulenanteflexion von circa 40 Grad und eine groteske
dekompensierte
rechtskonvexe
Skoliosierung
der Brustwirbelsäule sowie eine
kurzstreckige
linkskonvexe
Skoliosierung
der Lendenwirbelsäule eingenommen. Der lumbale Muskelgürtel sei
dekonditioniert
. Die aktiven
Flexi
onsbewegungen
der Brust- und Lendenw
irbelsäule seien normal erschie
nen. Die
Beschwerde
-
führerin
habe jedoch deren passive Extension durch massive Gegenspannung verunmöglicht.
Lumboradikuläre
Ausfallzeich
en würden fehlen und die angege
benen Beschwerden würden sich nur bedingt
mit den degenerati
ven Bandschei
benveränderungen L1/L2 und L5/S1 erklären lassen. Die Funk
tionsprüfung der Hüft- und Kniegelenke sei des Weiteren durch aktive Gegen
spannung stark erschwert worden. Insgesamt bestehe eine deutliche Inkongruenz zwischen den angegebenen Beschwerden, dem klinischen Eindruck und den objektivierbaren Befunden (Urk. 6/49/44). Aus rheumatologischer Sicht sei für die angestammte Tätigkeit als Pflegeassistentin von einer 5
0%igen Arbeitsunfähig
keit auszu
gehen. Demgegenüber sei die
Beschwerdeführerin
in ei
ner krankheits
adaptierten Tätig
keit ab Januar 2010 zu 100 % arbeitsfähig (Urk. 6/49/45).
Gegenüber Dr. med. H._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho
therapie, habe die Beschwerdeführerin über Übermüdung und grosse Schmerzen geklagt. Letztere seien unerträglich und würden ihr Leben zerstören. Sie schlafe auch schlecht deswegen und habe weniger Appetit aufgrund der Medikamente. Abklärungen, Spitalaufenthalte und ambulante Therapien hätten ihr nicht gehol
fen; nur die verschiedenen Schmerzmedikamente würden ihr vorüberge
hend Lin
derung verschaffen. Eine Operation sei ihr nie vorgeschlagen worden und sie möchte eine solche vermeiden. Im Rahmen der Befragung zur psychi
schen Situ
ation habe die Versicherte sehr abwehrend gewirkt und depressive Verstimmun
gen verneint. Sie habe bisher nie psychische Probleme gehabt (Urk. 6/49/24 f.). Zur Exploration sei die Beschwerdeführerin mit sehr lang
samen Schritten, stark
vornübergeneigt
und unsicher wackelnd an zwei Stöcken erschienen. Die Erschei
nung sei eindrücklich respektive bizarr gewesen. Die
Beschwerdeführerin
habe umständlich mit schmerzverzerrtem Gesicht Platz genommen. Anlässlich des Ge
sprächs habe sie mit lei
ser, kaum modulierter Stimme ge
sprochen und nicht dra
matisierend oder theatralisch gewirkt. Sie sei allseits orientiert gewesen. Die Auf
merksamkeit und Konzentrationsfähigkeit sei
en
gut gewesen. Inhaltliche Denk
störungen mit wahnhaften Störungen hätten nicht eruiert werden können. Die emotionale Schwingungsfähigkeit sei stark einge
schränkt gewesen. Die
Be
schwerdeführerin
habe monoton gesprochen und dabei distan
ziert gewirkt. Es könne von einer starken Abwehr emotionaler Inhalte ausge
gangen werden. Die wiederholte Äusserung, sich
manchmal plötzlich und vor
über
gehend wie ein Brett oder komplett g
elähmt zu fühlen, könne ein Hin
weis für ein dissoziiertes Erleben sein. Die Stimmung habe depressiv gewirkt, je nach Gesprächsthema auch ängst
lich. Suizidgedanken seien verneint worden. Anhaltspunkte für Zwangsgedanken oder -handlungen hätten sich nicht finden lassen (Urk. 6/49/26). Im Rahmen der
psychiatrischen Beurteilung gelangte Dr.
H._
zum Schluss, dass das starre und auffällig ausweichende Ver
halten in Bezug auf die familiären Beziehungen eine psychologische Abwehr von wahrscheinlich traumatisierenden oder mi
ndes
tens sehr belastenden Situa
tionen vermuten lasse. So habe die
Beschwerdeführe
rin
die familiären Beziehungen als
«
normal
»
bezeichnet, ohne emotionale Schwingung, ohne Anekdoten und ohne weitere Details. Den Unfalltod ihres ers
ten Ehemannes habe sie ebenfalls ohne emotionale Reaktion kaum erwähnt (Urk. 6/49/27). Der Verdacht sei gross, dass es sich hierbei um eine Konversions
störung ha
ndle. Ob diese dissoziative Stö
rung im Zusammenhang mit einem akut traumatisierenden, verdrängten Lebensereignis in Verbindung stehe oder sich auf dem Boden von unlösbar scheinenden Problemen - am ehesten im familiären Bereich - chronisch ent
wickelt habe, bleibe unklar. Angst und depressive Gefühle wehre die
Beschwerdeführerin
massiv ab; diese seien jedoch bewusst oder unbe
wusst präsent. Sowohl negative als auch positive Gefühlsäusserungen über die psychosoziale Situation würden unterdrückt. Es entstehe dabei ein gefühlsarmer Eindruck, der Ausdruck einer dissoziativen Abspaltung aber auch einer depressi
ven Verstimmung sein könne (Urk. 6/49/28). Insgesamt verunmögliche d
ie beste
hende Schmerz- und Bewe
gungsstörung mit Ausweitungstendenz selbst eine teil
zeitliche Arbeitsaufnahme. Diese Störung habe bisher aufgrund der depressiven und dissoziativen Pro
ble
matik nicht überwunden werden können. E
ine Behand
lung auf einer psycho
therapeutischen Station könnte durch eine längere Beobachtung und Abklärung die Diagnose erhärten und zudem erlauben, einen differenzierten Therapieplan zu erstellen (Urk. 6/49/29).
Im interdisziplinären Konsens gelangten die
Sachverständigen
zum Schluss, dass die
Beschwerdeführerin
aus vorwiegend psychischen Grün
den bei funktionellen Einschrän
kungen der Wirbelsäule und der depressiven sowie
dyssozialen
Proble
matik in ihrer angestammten Tätigkeit als Pflegeassistentin zu 100 % arbeitsun
fähig sei. Aus rheumatologischer Sicht sei sie zu 50 % ein
setzbar. Für eine dem
Belastungsprofil angepasste Tätigkeit bestehe aus neurologischer und rheumato
logischer Sicht eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht sei die
Beschwerdeführerin
zum jetzigen Zeitpunkt
jedoch nicht in der Lage, alter
native Tätigkeiten auszuüben (Urk. 6/49/22).
3.2
3.2.1
Im zu beurteilenden Rentenrevisionsverfahren veranlasste die Beschwerdegegne
rin zunächst eine rheumatologisch-psychiatrische Begutachtung durch
Dr.
C._
sowie Prof.
Dr.
D._
(
Urk.
6/132).
In somatischer Hinsicht gelangte ersterer zum Schluss,
dass der Beschwerdeführerin die angestammte Tätigkeit in der Pflege nicht mehr zumutbar sei. Er begründete dies insbesondere damit, dass ge
wisse
belastungsabhängige Beschwerden durch die
Diskopathie
L5/S1 erklärbar seien und sich eine verminderte Belastbarkeit aufgrund von muskulären Defiziten in Kombination mit einer Haltungsinsuffizienz ergebe
. Für eine angepasste, wechselbelastende und rückenschonende Tätigkeit lasse sich hingegen keine län
gerdauernde Arbeitsunfähigkeit begründen. Unter Berücksichtigung des struktu
rellen Wirbelsäulenschadens müsste dabei zumindest teilweise auch eine mittel
schwere Tätigkeit möglich sein. Sinnvoller erscheine jedoch eine körperlich sehr leichte Tätigkeit mit regelmässigem Heben von Gewichten bis fünf Kilogramm, wobei nach entsprechenden rehabilitativen Massnahmen durchaus Gewichte bis zehn Kilogramm möglich sein sollten (
Urk.
6/132/54 ff., 6/132/61).
Im Urteil des Sozialversicherungsgerichts IV.201
6.00602
vom
3
1.
Oktober 2017
w
urde
festge
stellt, dass der Teilexpertise von
Dr.
C._
voller Beweiswert zukomme. Die gut
achterlichen Darlegungen
waren
von den
Parteien im Wesentlichen
auch
nicht in Zweifel
gezogen worden
(vgl.
Urk.
6/173 E. 4.2 und 4.4.1).
3
.2.2
Hingegen war das Sozialversicherungsgericht im genannten Urteil zur Auffas
sung gelangt, dass auf das psychiatrische Teilgutachten von
Prof.
Dr.
D._
– namentlich hinsichtlich der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit –
nicht abgestellt werden könne, weswegen
ergänzende
Abklärungen
für
nötig
erachtet wurden
(Urk.
6/173
E. 4.
4.3
). Nach erfolgter Rückweisung holte die Beschwerdegegnerin bei
Prof.
Dr.
D._
ein psychiatrisches
Verlaufsg
utachten ein, welches am
21.
Juni 2018
vorgelegt wurde. Diesem sind folgende Diagnosen zu entnehmen (Urk.
6/198/96
):
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
dissoziative Bewegungsstörung (ICD-10 F44.4)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z73.1).
Anl
ässlich der Exploration habe die
Beschwerdeführer
in
berichtet, dass Schmer
zen aktuell ganz im Vordergrund ihrer Beschwerden stünden. In dieser Hinsicht habe sie in all den Jahren nie eine Linderung erfahren, was durch den Gutachter
Dr.
C._
damals missverstanden worden sei.
Der gesamte Rücken bis zum Kopf sowie beide Beine
– rechtsbetont –
seien von den Schmerzen betroffen
. Schmer
zen seien ebenfalls rechtsbetont an den Armen vorhanden. Sie müsse sich mithilfe von Gehstöcken fortbewegen; frei laufen könne sie nur kurze Strecken in gebück
tem Zustand. Der aufrechte Gang sei völlig unmöglich.
Es bestehe ein Dauer
schmerz; schmerzfreie Zeiten habe sie seit dem Jahr 2011 nicht mehr erlebt (
Urk.
6/198/78 f.). Auf entsprechende Nachfrage habe die Beschwerdeführerin
eine Abhängigkeit der Schmerzintensität respektive der Ausweitung der Schmer
zen
von
psychosozialen oder emotionalen Faktoren bejaht. Die Aberkennung der Rente habe zu einer Verschlechterung der Depression geführt. Sie fühle sich durch die IV-Stelle ungerecht und unmenschlich behandelt. Sie leide unter Zukunfts
ängsten und käme ohne ihre Familie im Leben überhaupt nicht mehr zurecht. Zum Krankheitskonzept habe die Beschwer
deführerin ausgeführt, dass sie
soma
tisch krank sei. Die Frage, ob sie einen Bezug zwischen psychischen Traumatisie
rungen in ihrem Leben und ihren Beschwerden herstellen könne, habe sie empört zurückgewiesen. Sie sei psychisch vollkommen gesund; ihr Rücken sei krank (
Urk.
6/198/80).
Aus psychiatrischer Sicht habe im Rahmen der Untersuchung eine hohe Rigidität in der Abwehr emotionaler Inhalte mit Verweigerung der Angabe belastender biografischer Ereignisse festgestellt werden können.
Das Auftreten der Beschwer
deführerin sei zumindest zu Beginn theatralisch, übertreibend und gestikulierend gewesen und habe Hinweise auf
histrionieforme
Verhaltensweisen gezeigt. Der Erzählstil sei unsachlich, verdeutlichend und vorwurfsvoll gewesen. Dies sei ein deutlicher Unterschied im Vergleich zur Erstuntersuchung (Urk. 6/198/87).
Es hätten keine Bewusstseins- oder Orientierungsstörungen eruiert werden können.
In Bezug auf das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit
seien
Beeinträchtigungen weder
g
eklagt
worden, noch hätten sich solche objektivieren lassen.
Der formale Gedankengang sei hinsichtlich Kohärenz und Stringenz intakt gewesen, im Tempo wechselhaft. Das inhaltliche Denken sei zu Beginn der Exploration stark auf das Kränkungserleben durch die Einstellung der Rentenzahlungen fixiert ge
wesen. Im weiteren Verlauf sei das subjektive Schmerzerle
ben in den Vorder
grund gerückt, welches
katastrophisierend
berichtet worden sei.
Die Beschwerde
führerin sei von einer somatischen Genese ihrer Schmerzen felsenfest überzeugt. Sie habe zudem über Hoffnungslosigkeit, zeitweilige
Grübelzwänge
, Gedanken
drängen sowie innere Unruhe geklagt.
Der Affekt sei zum negativen Pol verscho
ben gewesen. Anfangs sei die Beschwerdeführerin wütend und vorwurfsvoll, danach anklagend gewesen. Wiederholt sei eine affektive Inkontinenz aufgefal
len. Die Schwingungsfähigkeit sei stark verflacht gewesen und eine Minderung der Vitalgefühle sei geschildert worden. Gegenüber der Schmerzwahrnehmung habe sich ein
dysthymer
Affekt gezeigt. Es sei von einer subjektiven Lustlosigkeit und einem weitgehenden Interessenverlust mit Ausnahme von Familienbelangen berichtet worden.
Teilweise bestehe
ausserdem
ein sozialer Rückzug.
Der Antrieb habe allenfalls leicht vermindert gewirkt; psychomotorisch sei die Beschwerde
führerin unruhig gewesen. Eine
Libidostörung
oder ein Appetitverlust seien nicht
geklagt worden. Das Selbstwertempfinden sei demgegenüber vermindert mit Ge
fühlen der Wertlosigkeit und Verzweiflung sowie Zukunftsängsten. Ferner seien schmerzbedingte Ein- und Durchschlafstörungen angegeben worden. Anhalts
punkte für suizidale Ideationen hätten sich nicht ergeben; von passiven Todes
wünschen sei jedoch berichtet worden. In Bezug auf die Persönlichkeit fänden sich klinisch Hinweise auf eine Akzentuierung mit leistungsorientierten Anteilen. Zudem habe die Beschwerdeführerin ein
histrionisches
Verhalten mit demonstra
tivem Auftreten, vorwurfsvollem Ton und theatralischem Gehabe gezeigt. Es liege eine massive narzisstische Kränkung durch die Einstellung der Rente vor (
Urk.
6/198/88 f.).
Vor diesem Hintergrund
sei festzuhalten, dass unverändert das Krankheitsbild einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) vorliege. Die Beschwerdeführerin habe ein streng somatisches Krankheitskonzept und
lehne
den Einfluss psychischer Faktoren kategorisch ab. Das Schmerzlevel sei hoch und es bestehe eine geringe Variabilität
der Schmer
zen. Es bestehe ein Zusammenhang zwischen psychosozialen und emotionalen Belastungsfaktoren sowie der subjektiv empfundenen Schmerzintensität. In Be
zug auf die dissoziative Bewegungsstörung sei festzuhalten, dass die Beschwer
deführerin körperlich krank wirke, ohne dass jedoch eine körperliche Ursache zur Erklärung der Symptome nachweisbar sei. Durch den psychopathologischen Be
fund verdeutliche sich, dass die Behinderung durch den Funktionsverlust der Be
schwerdeführerin helfe, eine innerseelische Konfliktlösung zu umgehen, welche verleugnet werde. In Bezug auf die depressive Störung liege im Unterschied zum Vorgutachten keine Remission mehr vor. Aktuell sei auf eine mittelgradige Epi
sode zu schliessen, welche sich durch eine gedrückte Stimmung, Freud- und In
teresselosigkeit sowie Schlafstörungen, Hoffnungslosigkeit und vermindertes Selbstwertgefühl auszeichne. Gemäss Äusserungen der Beschwerdeführerin sei die depressive Episode nach Aberkennung der Rente eingetreten und stehe somit eindeutig im Zusammenhang mit einer psychosozialen Belastung. Betreffend die Persönlichkeitsakzentuierung sei anzumerken, dass nebst leistungsorientierten Anteilen auch Hinweise für
histrionieforme
Züge vorhanden seien. Die behan
delnde Psychiaterin habe ausserdem narzisstische Züge umschrieben (
Urk.
6/198/94 f.).
Aus medizinischer Sicht zeige sich im Vergleich zum Revisionszeitpunkt ein gra
duell leicht gebesserter psychischer Gesundheitszustand bis zur Begutachtung im Jahr 2015, welcher sich inzwischen wieder verschlechtert habe. Dies sei eine reaktive Folge auf die Einstellung der Rentenzahlungen.
Die Beschwerdeführerin sei insbesondere in der Dauerbelastbarkeit
, der Durchhaltefähigkeit sowie der
Spontanität eingeschränkt. Aufgrund der Störungen in der Motorik dürfte auch die Verkehrsfähigkeit beeinträchtigt sein. Die Einschränkung fachlicher Kompe
tenzen sei sehr abhängig vom Aufgabengebiet und wirke sich im motorischen Bereich relevanter aus als im Intellektuellen. Die mittel- und langfristige Arbeits
fähigkeit sei vor diesem Hintergrund sowohl für die bisherige als auch für lei
densadaptierte Tätigkeiten auf 30
%
einzuschätzen.
Diese sei
seit
Ablauf der mit der Rückenoperation verbundenen Rekonvaleszenz anzunehmen (
Urk.
6/198/103 f
f
.).
Die Standardindikatoren seien aus medizinischer Sicht nur teilweise erfüllt und eine gewisse Überwindbarkeit der Folgen der psychischen Störungen sei gegeben. Dennoch sei die Arbeitsfähigkeit auch unter Anwendung der Indikato
ren in erheblichem Masse, konkret schätzungsweise zu 50%, eingeschränkt. Dies gelte sowohl für die angestammte als auch für eine leidensangepasste Tätigkeit (
Urk.
6/198/109).
4.
4.1
Mit Urteil vom 2
2.
Januar 2018 wurde festgestellt, dass dem
bidisziplinären
Gut
achten
vom
1
6.
Juni 2015
in
rheumatologischen
Belangen voller Beweiswert zu
kommt (
Urk.
6/173
E. 4.
4.
1). Auch
das nach dem Rückweisungsurteil eingeholte Verlaufsgutachten
von Prof.
Dr.
D._
erfüllt die in diesem Zusammenhang seitens des Bundesgerichts festgelegten formellen Kriterien (vgl. E. 1.5 vorste
hend). Einerseits beruht das Gutachten auf umfassenden psychiatrischen Abklä
rungen und wurde in detaillierter Kenntnis der
Vorakten
erstellt (Urk.
6/198/7 ff
.). A
ndererseits war es der
Beschwerdeführer
in
möglich,
ihre
aktuellen Be
schwerden zu schildern, wobei
sie
vom Gutachter auch zu weiteren Themenbe
reichen wie der Krankheits- und Berufsentwicklung eingehend befragt wurde (
Urk.
6/198/70 ff
.). Die geklagten Leiden fanden im Rahmen der Feststellung der Diagnosen Berücksichtigung, wobei sowohl diese wie auch die aus medizinischer Sicht resultierenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit überzeugend darge
legt und erläutert wurden (
Urk.
6/198/94 ff.
). Überdies erfolgte eine Auseinander
setzung mit vorangegangenen ärztlichen Beurteilungen (Urk.
6/198/92 ff.
).
4.2
Eine Rente ist insbesondere revidierbar, falls eine wesentliche Änderung des Ge
sundheitszustandes eingetreten ist, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und da
mit den Rentenanspruch zu beeinflussen.
Soweit die Beschwerdeführerin argu
mentiert, dass lediglich eine abweichende Beurteilung eines unveränderten me
dizinischen Sachverhalts vorliege (
Urk.
1 S. 14), kann ihr nicht beigepflichtet werden.
Bereits mit Urteil vom 3
1.
Oktober 2017 wurde festgestellt, dass im Ver
gleich zum Zeitpunkt der Rentenzusprechung von einer
anspruchs
relevanten Bes
serung des Gesundheitszustandes auszugehen ist
(
Urk.
6/173 E. 4.3)
.
Daran ver
mag insbesondere auch nichts zu ändern, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der erneuten Begutachtung durch Prof.
Dr.
D._
bestritt, dass die am
5.
De
zember 2013 in der
I._
durchgeführte Rückenoperation
(vgl.
Urk.
6/109/6 f.)
zu einer Schmerzlinderung geführt habe (
Urk.
6/198/78).
Ent
sprechendes war nicht nur in der Teilexpertise von
Dr.
C._
, sondern auch in derjenigen von Prof.
Dr.
D._
vermerkt worden (Urk. 6/132/38, 6/132/112).
Ferner hatte die Beschwerdeführerin auch gegenüber den behandelnden Ärzten im Rahmen der postoperativen Verlaufskontrollen von einem
deutlichen
Rück
gang der Schmerzen berichtet (
Urk.
6/114/8, 6/121/20-22).
Davon abgesehen g
elangte Prof.
Dr.
D._
aus psychiatrischer Sicht auch im Zuge der zweiten Begutachtung zum Schluss, dass sich der Gesundheitszustand im Vergleich zum Zeitpunkt der Untersuchung durch d
en
A._
leichtgradig ver
bessert habe (
Urk.
6/198/103, 6/198/105; vgl. ferner
Urk.
6/132/121 f., 6/132/127).
Die
nun
wiederum festgestellte Verschlechterung im affektiven Be
reich
ist
gemäss seiner überzeugenden Einschätzung
direkt (reaktiv) auf die
Ein
stellung der Rentenzahlung durch die Beschwerdegegnerin
zurückzuführen
(Urk.
6/198/80,
6/198/
95 und
6/198/105).
Die diagnostizierte mittelgradige de
pressive Episode s
teht somit massgeblich
in Verbindung mit einem psychosozia
len Belastungsfaktor, w
as gegen einen invalidisierenden psychischen Gesund
heitsschaden spricht (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Unabhängig davon
liegt insgesamt
jedenfalls
eine
anspruchsrelevante Verbesserung
des Gesundheitszustandes und
somit
ein Revisions
grund im Sinne von
Art.
17 Abs.
1 ATSG vor, weshalb der Rentenanspruch im Folgenden in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfas
send und ohne Bindung an frühere Beurteilungen zu prüfe
n ist (vgl. E. 1.3 vor
stehend).
5.
5.1
In rein somatischer Hinsicht ist gestützt auf das
rheumatologische Teilgutachten von
Dr.
C._
vom
1
6.
Juni 2015
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausge
wiesen, dass
der
Beschwerdeführer
in
die angestammte Tätigkeit als
Pflegefach
frau
nicht mehr zumutbar ist. Im Gegensatz dazu liegt in Bezug auf eine dem medizinischen Belastungsprofil angepasste Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähig
keit vor (vgl. Urk.
6/132/56, 6/132/61
; vgl. ferner das Urteil vom
3
1.
Oktober
2017
,
Urk.
6/173
E. 4.
4.
1). Weiterungen erübrigen sich insbesondere in Anbe
tracht dessen, dass die Parteien dies weiterhin nicht in Zweifel ziehen
und seitens der Beschwerdeführerin
nicht geltend gemacht wird, dass sich
ihr
körperlicher Gesundheitszustand se
it der Begutachtung im Jahr 2015
dauerhaft massgeblich verändert hat.
Dies lässt sich im Übrigen auch nicht aus den von der Beschwer
degegnerin eingeholten Arztberichten ableiten.
Dr.
med.
J._
, Fach
ärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation,
hatte bereits vor der Begut
achtung durch
Dr.
C._
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeit attestiert (
Urk.
6/115/2) und wiederholte dies in
ihrem Bericht vom 1
2.
März 2018
bei grundsätzlich unverändert
en
Diagnosen.
Eine nachvollziehbare Begründung, weshalb insbesondere auch keine körperlich leichten Tätigkeiten möglich sein sollten, lässt sich dem Bericht indes nicht entnehmen (
Urk.
6/187/2 ff.). Auch
die Einschätzung
von
Dr.
med. K._
, Facharzt für Radio-Onkologie / Strahlentherapie, vom 30. April 2018 vermag die Beurteilung von
Dr.
C._
nicht in Frage zu stellen, zumal die Beschwerdeführerin
Dr.
K._
in erster Linie nur aufsucht, um Schmerzmittel zu beziehen
und dieser nicht über die notwendige fachärztliche Qualifikation verfügt
, um die Auswirkungen der objektivierbaren Rückenleiden auf die Leistungsfähigkeit zu beurteilen
(vgl.
Urk.
6/190/2 ff.).
5.2
5.2.1
Uneinigkeit besteht demgegenüber hinsichtlich der Frage, ob auf die Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit durch
Prof.
Dr.
D._
abgestellt werden kann oder ob aus rechtlicher Sicht von einem nicht invalidisierenden Gesundheitsschaden auszu
gehen ist. In diesem Kontext ist vorab festzuhalten, dass das Bundesgericht in BGE 143 V 418 erkannt hat, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieser Praxisänderung hat
Prof.
Dr.
D._
Rechnung getragen (vgl. Urk.
6/198/97 ff., 6/198/106 und 6/198/108 f.
).
5
.2.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
5.2.3
Dies
e Standardindikatoren erlauben –
unter Berücksichtigung leistungshindern
der
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sourcen) anderseits –
das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschät
zen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_260/2017 vom 1. Dezember 2017 E. 4.2.3). Die Anerkennung eines rentenbe
gründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die materiell beweisbe
lastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; 141 V 547 E. 2).
5.3
5.3.1
Zum Komplex «Gesundheitsschädigung» ist festzuhalten, dass
Prof.
Dr.
D._
nebst einer
chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fak
toren
(ICD-10
F45.41
) eine
dissoziative Bewegungsstörung
(ICD-10
F44.4
)
, eine rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig mittelgradiger Episode (ICD-10 F33.1)
sowie eine Persönlichkeitsakzentuierung
mit leistungsorientierten An
teilen
(ICD-10 Z73.1)
diagnostizierte (
Urk.
6/198/94 ff.
).
Aus gutachterlicher Sicht habe dies insbesondere Einschränkungen im Bereich der Dauerbelastbarkeit, der Durchhaltefähigkeit, der Spontanität sowie der Verkehrsfähigkeit zur Folge (
Urk.
6/198/102 f.).
Dies deutet
insgesamt auf eine nicht mehr leichte psychische Gesundheitsschädigung hin, die sich grundsätzlich invalidisierend auswirken kann (vgl. BGE 143 V 418 E. 5.2.2).
Entscheidend und zusätzlich zu prüfen ist rechtsprechungsgemäss allerdings, ob nach den übrigen Standardindikatoren auf einen funktionellen Schweregrad der psychischen Störung zu schliessen ist, der sich nach dessen konkreten Auswir
kungen und insbesondere danach beurteilt, wie stark die versicherte Person in
sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen dadurch beein
trächtigt ist (BGE 143 V 418 E. 5.2.3).
5.3.2
Zum Indikator der «Therapieresistenz» ist vorab anzumerken, dass allein die feh
lende Ausschöpfung aller Behandlungsmöglichkeiten nicht mehr ausreicht, um einen invalidisierenden Gesundheitsschaden zu verneinen. Dennoch ist auch in Nachachtung der aktuellen bundesgerichtlichen Praxis zu berücksichtigen, dass
Prof.
Dr.
D._
eine Intensivierung der psychiatrischen Behandlung für ange
zeigt und zumutbar erachtete
.
Eine krankheitsbedingte Unfähigkeit zur Therapie
adhärenz bestehe nicht. Allerdings sei infolge der hohen Rigidität der Beschwer
deführerin in der innerpsychischen Abwehr
und in Anbetracht der fehlenden Introspektionsfähigkeit
weiterhin nicht davon auszugehen, dass psychologisch-psychotherapeutische Massnahmen zu
m Erfolg führen (Urk.
6/198/100
f.
, 6/198/104
).
Im Vergleich zu 2015 sei die
Chronifizierung
des Störungsbilds vorangeschritten (
Urk.
6/198/99).
Zum Eingliederungserfolg respektive zur Eingliederungsresistenz ist festzuhalten, dass
die Beschwerdeführerin selbst keine Anstrengungen unternommen hat, um sich wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Im Rahmen der ab Januar 2019 durchgeführten Eingliederungsberatung zeigte sie keine
Motivation, an Einglie
derungsmassnahmen teilzunehmen (vgl.
Urk.
6/212/1)
, was grundsätzlich als In
diz für eine nicht invalidisierende Beeinträchtigung zu werten ist (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2).
Dies ist jedoch insofern zu relativieren, als fraglich
erscheint
, ob der konkret aufgestellte Eingliederungsplan den von medizinischer Seite ge
stellten Anforderungen entsprach. So empfahl Prof.
Dr.
D._
–
ausgehend von einer deutlich verminderten Leistungsfähigkeit –
eine schrittweise berufliche Wiedereingliederung (
Urk.
6/198/108), während die Beschwerdegegnerin von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptier
t
en Tätigkeit ausging und sämtliche angepassten Eingliederungsmassnahmen uneingeschränkt für zumut
bar erachtete (Ur
k.
6/206/1).
5.3.3
In Bezug auf den Indikator «Komorbiditäten» ist zu bemerken, dass
körperliche Begleiterkrankungen im Bereich der lumbalen Wirbelsäule vorliegen (vgl. Urk. 6/132/41 ff.). Es ist naheliegend, dass diese in ungünstiger Wechselwirkung zur chronischen Schmerzstörung stehen.
Ob und inwiefern sich die psychischen Erkrankungen gegenseitig beeinflussen, lässt sich anhand der Akten nicht ab
schliessend
beurteilen
.
5.3.4
Was den Komplex «Persönlichkeit
»
anbelangt, gilt es zu beachten, dass
zwar keine Persönlichkeitsstörung
vorliegt
, aber akzentuierte Persönlichkeitszüge
festgestellt werden konnten.
Von gutachterlicher Seite wurde auf leistungsorientierte sowie
histrionieforme
Anteile geschlossen (
Urk.
6/198/
89, 6/198/
95).
Positiv
einzustu
fen
ist die vorhandene kognitive Begabung im mittleren bis oberen Normbereich (Urk. 6/198/88).
5.3.5
Zum sozialen Lebenskontext
ist aktenkundig, dass die Beschwerdeführerin mit der jüngsten Tochter aus zweiter Ehe und ihrem Ehemann zusammenwohnt. Sie selbst äusserte sich
dahingehend,
dass
sie einen guten Austausch mit allen Fami
lienangehörigen pflege. Zudem habe sie noch Kontakt zu wenigen Freundinnen, welche zu ihr halten würden. Besuch erhalte sie jedoch nur selten, rund ein
mal
pro Monat
. Sie fühle sich sozial isoliert und habe sich auch wegen der Schmerzen zurückgezogen
(
Urk.
6/198/74 f.).
Die Beschwerdeführerin verfügt somit über ein intaktes Beziehungsnetz innerhalb der Familie und wird durch die Angehörigen auch unterstützt (vgl.
Urk.
6/198/81 f.).
Insofern sind Ressourcen vorhanden, was auch Prof.
Dr.
D._
erkannte (
Urk.
6/198/99).
Ein gewisser krankheitsbeding
ter sozialer Rückzug ist erkennbar, da die Beschwerdeführerin
angesichts des
ge
wöhnlichen Tagesablauf
s
keine ausserhäuslichen Kontakte zu pflegen scheint und nur selten von Freundinnen Besuch erhält (vgl. Urk. 6/198/81). Die Gefahr einer sozialen Isolation besteht
allerdings
nicht.
5.3.6
Hinsichtlich der beweisrechtlich entscheidenden Kategorie «Konsistenz» ist
zu
nächst
festzuhalten, dass
sich die Beschwerdeführerin anlässlich der Begutach
tung zwar demonstrativ und verdeutlichend verhielt. Prof.
Dr.
D._
konnte jedoch keine Hinweise für eine Aggravation oder Simulation erkennen (
Urk.
6/198/101). Im Weiteren führte er aus, dass das private Aktivitätsniveau bescheiden sei
und nur eine gewisse Restfunktionalität beinhalte (
Urk.
6/198/99, 6/198/101).
Dem kann grundsätzlich beigepflichtet werden.
Zwar ist eine Tages
struktur vorhanden,
indem
sich die Beschwerdeführerin insbesondere um ihre
jüngste
Tochter kümmert
und mit regelmässigen Ruhepausen einige Aufgaben im Haushalt
über
nimmt.
Zahlreiche Haushaltstätigkeiten wie der Einkauf sowie die Küchen- und Reinigungsarbeiten werden jedoch vorwiegend durch den Ehemann und die erwachsene Tochter, welche bereits ausgezogen ist, wahrgenommen (Urk. 6/198/81 f.).
Hobbies geht die Beschwerdeführerin nicht nach
; den Schre
bergarten suche sie krankheitsbedingt ebenfalls seit rund drei Jahren nicht mehr auf (
Urk.
6/198/75).
Ein
gewisser
Leidensdruck ist behandlungsanamnestisch
dadurch ausgewiesen, dass die
Beschwerdeführerin seit 2011/2012 psychiatrisch-psychotherapeutische
Sitzungen
in Anspruch nimmt.
Die
Gesprächstherapie finde
t
aktuell allerdings – unter anderem aus finanziellen Gründen – nur noch alle vier bis sechs Wochen statt (
Urk.
6/184/2, 6/198/78). Im Weiteren fällt auf, dass die Werte in Bezug auf
Analgetika
und Antidepressiva ausgehend von der von Prof.
Dr.
D._
in Auf
trag
gegebenen Blutanalyse allesamt nicht im Referenzbereich lagen (Urk. 6/198/91).
Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang allerdings wie
derum, dass
psychiatrisch-psychotherapeutische Massnahmen aus gutachterli
cher Sicht mit hoher Wahrscheinlichkeit infolge der hohen Rigidität der Be
schwerdeführerin
in Bezug auf die
Abwehr innerpsychischer Vorgänge
und in Anbetracht der fehlenden
Introspek
tionsfähigkeit kaum Aussicht auf
Erfolg haben (Urk. 6/198/100 f.).
5.4
Nach dem Gesagten ist in Anbetracht der geprüften Standardindikatoren und deren Gesamtwürdigung festzuhalten, dass
gestützt auf die nachvollziehbaren gutachterlichen Ausführungen
aus rein psychiatrischer Sicht eine 50%ige Ar
beitsfähigkeit
für Tätigkeiten im angestammten und adaptierten Erwerbsbereich
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
als realistisch erscheint
(vgl.
Urk.
6/198/109)
. Für eine mittelgradige funktionelle Leistungsbeeinträchtigung spricht nicht nur das Vorhandensein mehrerer psychischer Störungen
, sondern auch deren
erheblich erschwerte Behandelbarkeit
infolge der fehlenden Intro
spektionsfähigkeit respektive Krankheitseinsicht
. Im Weiteren stehen
insbeson
dere der leichte soziale Rückzug sowie
die
erkennbaren
Einschränkungen im aus
sererwerblichen Aktivitätsniveau in keinem Missverhältnis zur attestierten Ein
schränkung der Leistungsfähigkeit.
Unter weiterer Berücksichtigung dessen, dass die psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann und dem begutachtenden Psychiater praktisch immer einen gewis
sen Spielraum eröffnet, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatri
sche Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern lege
artis
vorgegangen wird (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_146/2017 vom 7. Juli 2017 E. 4.2.2 mit Hinweis), besteht
daher
kein begründeter Anlass, von der Beurteilung
von Prof.
Dr.
D._
abzuweichen
.
Ergänzend bleibt anzumerken, dass
auf die vom psychiatrischen Sachverständi
gen ebenfalls genannte Arbeitsunfähigkeit von 70
%
(Urk. 6/198/104 f.)
nicht abgestellt werden kann. Soweit die Beschwerdeführerin dies verlangt (
Urk.
1 S. 25 f.), lässt sie ausser Acht, dass
diese Einschätzung explizit auf dem bio-psycho
-
sozialen Krankheitsbegriff beruht (
Urk.
6/198/104)
. Dieser ist gemäss höchstrich
terlicher Praxis jedoch rechtlich mit Blick auf die Arbeitsunfähigkeit nach
Art.
6 ATSG nicht massgebend (BGE 143 V 418 E. 6 mit Hinweisen, BGE 142 V 106 E. 4.2).
6.
6.1
Auf der Grundlage der obigen Ausführungen ist der Invaliditätsgrad der Be
schwerdeführerin zu ermitteln.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist
dieser
gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkom
mensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versi
cherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizini
schen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
ihr zu
mutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. In
valideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzie
len könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensver
gleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
6.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an
gepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 135 V 58 E. 3.1; 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
Str
ittig ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin
ab dem
1.
Juli 201
6.
V
or Eintritt des Gesundheitsschadens
im Januar 2011
war sie
als
Pflegefachfrau bei der
Y._
angestellt
(
Urk.
6/11 f.). Beide Parteien gehen übereinstimmend davon aus, dass sie diese Tätigkeit im Gesundheitsfall
mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit
weiterhin ausgeübt hätte.
Dem ist insbesondere in Anbetracht dessen, dass die Beschwerdeführerin bereits seit Mai
1990 für die glei
che Arbeitgeberin tätig war und somit ein sehr stabiles Arbeitsverhältnis vorlag, ohne Weiteres beizupflichten (vgl.
Urk.
6/11/1, 6/12).
Differenzen bestehen je
doch in Bezug auf die
konkrete Höhe
des
Valideneinkommens
(vgl.
Urk.
1 S.
26 f.,
Urk.
6/155, 6/158
/2
und 6/215/12).
G
emäss IK-Auszug
erzielte die Beschwer
deführerin
zuletzt im Jahr 2010
ein Bruttojahreseinkommen von
Fr.
100’745
.--
(Urk. 6/12/1
).
Dieses kann allerdings nicht als Grundlage herangezogen werden, da
darin einerseits ein Dienstaltersgeschenk von
Fr.
6'965.-- enthalten war (
Urk.
6/11/12). Andererseits teilte die Arbeitgeberin mittels Fragebogen am
1
8.
Juli 2011 mit, dass die Beschwerdeführerin in jenem Jahr
Fr.
91'358.90 ver
dient hätte (
Urk.
6/11/3). Davon ist auszugehen, zumal dies
hochgerechnet auf ein Jahr
dem ab September 2010 erzielten monatlichen Bruttoeinkommen von
Fr.
7'027.60
plus
13.
Monatsl
ohn entspricht (vgl. Urk.
6/11/10, 6/11/12).
Entge
gen der Auffassung der Beschwerdegegnerin rechtfertigt es sich nicht, auf den
innert
drei Jahren
erzielten Durchschnittsv
erdienst abzustellen (vgl. Urk.
6/155), da das zuletzt erzielte Einkommen
ab 2002
–
ohne Berücksichtigung der Dienst
altersgeschenke
–
keine starken und verhältnismässig kurzfristig in Erscheinung getretene
n
Schwankungen aufwies (vgl.
Urk.
6/12/1 f.; vgl. Urteil des Bun
desge
richts 9C_225/2019 vom 11.
September 2019 E. 4.2.1 mit Hinweisen).
A
ngepasst an die Entwicklung der Nominallöhne für
weibliche
Arbeitskräfte von 2’
604
Punkten im Jahr 2011 auf 2’
709
Punkte im Jahr 2016
ist das
Validenein
kommen
ausgehend von einem
Arbeitspensum von 100 %
im Gesundheitsfall somit auf
Fr.
95‘042.75 festz
ulegen
(Fr.
91‘358.90
.-- /
2‘604 * 2‘709
).
6.3
6.3.1
Für die Festsetzung des trotz Gesundheitsschädigung
zumutbarerweise
noch rea
lisierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist nach der Rechtsprechung pri
mär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versi
cherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstä
tigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumut
barer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Ar
beitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tat
sächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 139 V 592 E. 2.3; 135 V 297 E. 5.2; 129 V 472 E. 4.2.1; 126 V 75 E. 3b/
aa
).
Mangels Vorliegens eines stabilen Arbeitsverhältnisses nach Eintritt der Invalidi
tä
t ist das Invalideneinkommen der Beschwerdeführerin
nach den
Lohnstruk
turerhebungen des Bundesamtes für Statistik
zu bestimmen
, wobei
grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu ver
wenden
sind
(BGE 143 V 295 E. 4.1.3
).
Dabei ist dem Umstand Rechnung zu tra
gen, dass die Beschwerdeführerin zwar ihrer angestammten Tätigkeit als Pflege
fachfrau aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr nachgehen kann. Mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit konnte sie sich aber nicht nur während ihrer Aus
bildung zur Krankenschwester, sondern namentlich auch
im Rahmen ihrer
über
20-jährigen Tätigkeit im Gesundheitswesen besondere
Kenntnisse
und Fertigkei
ten aneignen.
Darauf lässt
zum einen
das vor Eintritt der Invalidität ausgeübte
,
vielseitige Aufgabengebiet schliessen
(vgl.
Urk.
6/11/7). Zum anderen
erzielte die
Beschwerdeführerin
zuletzt einen monatlichen Bruttoverdienst von über
Fr.
7'000.--, was ein überdurchschnittliches Einkommen für
eine
Tätigkeit in der Pflege darstellt.
Insgesamt rechtfertigt
sich daher die Anwendung des LSE-Kompetenzniveaus 2
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_732/2018 vom 2
6.
März 2019 E. 8.2.1 mit Hinweisen).
Abzustellen ist sodann auf den Wirtschaftszweig «Gesundheits- und Sozialwesen»,
da in diesem Bereich nicht nur körperlich mit
telschwere bis schwere Tätigkeiten, sondern auch dem medizinischen Belastungs
profil angepasste leichte und wechselbelastende Tätigkeiten – etwa im admi
nistrativen Bereich – vorhanden sind. Solche hatte die Beschwerdeführerin
unter anderem
schon im Rahmen ihrer letzten Anstellung zu erledigen (vgl.
Urk.
6/11/6 f.).
Folglich ist
von einem
monatlichen Bruttolohn von
Fr.
5'
240
.--
auszugehen
(LSE 2016
T1_tirage_skill_level
[korrigierte Fassung vom
8.
November 2018]
, Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Wirtschaftszweigen, K
ompetenz
niveau und Geschlecht, P
rivater
und ö
ffentlicher Sektor,
Ziff.
86-88 [
Gesund
heits
- und Sozialwesen], Kompetenzniveau 2
,
Frauen
).
Aufgerechnet auf die durchschnittliche betr
iebsübliche Arbeitszeit von 41.6
Stunden pro Woche
(vgl. Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, A-S)
ergibt dies bei einem zumutbaren 50%-Pensum ein
hypothetisches
Invali
deneinkommen
von
Fr.
32‘697.60
jä
hrlich (Fr.
5‘240.-- / 40 * 41.6
* 12 /
* 0.5).
6.3.2
Zwischen den Parteien ist umstritten, ob ein leidensbedingter Abzug vom Invali
deneinkommen vorzunehmen ist. Während die Beschwerdegegnerin dies nicht für gerechtfertigt erachtet (vgl.
Urk.
6/155/1 f.), vertritt die
Beschwerdeführer
in
die
Sichtweise
, dass
ein Tabellenlohnabzug von 25
%
ang
emessen sei (
Urk.
1 S. 27 f.
).
Mit dem Abzug vom Tabellenlohn soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinde
rung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Be
schäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach Ausprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann (BGE 135 V 297 E. 5.2).
Entgegen der Argumentation der Beschwerdeführerin rechtfertigt der Umstand, dass die Stellensuche altersbedingt erschwert sein mag, keinen Abzug vom Ta
bellenlohn (Urteil des Bundesgerichts 8C_227/2018 vom 1
4.
Juni 2018 E. 4.2.3.4).
Auch de
r Hinweis auf höhere Lohnnebenkosten
etwa in Bezug auf die berufliche Vorsorge
ist in diesem Zusammenhang nicht stichhaltig, da rechtsprechungsge
mäss
feststeht, dass sich das Alter bei Frauen im Alterssegment von 40 bis 64/65
bei Stellen ohne Kaderfunktion eher lohnerhöhend auswirkt
(Urteil des Bundes
gerichts
8C_558/2017
vom
1.
Februar 2018 E. 5.3
.2
mit Hinweisen
).
Der
Aspekt
, dass
die Beschwerdeführerin
einer leidensadaptierten Tätigkeit nur noch in einem Teilzeitpensum nachgehen kann, rechtfertigt unter Berücksichtigung der gestützt auf die LSE 2016 erstellten Tabelle
(T18)
zu den
nach Beschäftigungsgrad, beruf
licher Stellung und Geschlecht differenzierten monatlichen Durchschnittsbrutto
löhnen
ebenfalls
keinen leidensbedingten Abzug. So besteht bei
Frauen
ohne Ka
derfunktion zwischen dem Durchschnittslohn bei einem Teilzeitpensum von 50-74 % proportional bezogen auf ein 100 %-Pensum
keine Lohneinbusse.
Im Übri
gen
wurde bereits bei der Festlegung des Kompetenzniveaus
berücksichtigt
, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer körperlichen Einschränkungen nur noch teilweise auf ihre beruflichen Erfahrungen zurückgreifen kann und
im ihr be
kannten Wirtschaftszweig
primär auf
leichte
administrative Tätigkeiten angewie
sen ist, welche auch in Wechselbelastung ausgeübt werden können.
Eine doppelte Anrechnung dieses Gesichtspunkts ist nicht statthaft. Insgesamt
ist somit nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin keinen Abzug vom Tabellenlohn gewährt hat.
6.4
Ausgehend von einem
Valideneinkommen
von
Fr.
95'042.75
und einem Invali
deneinkommen von
Fr.
32
'
697.6
0
resultiert ein Invaliditätsgrad von
65.60 % respektive 66
%
(zu den Rundungsregeln vgl. BGE 130 V 121). Entsprechend besteht ab dem
1.
Juli 2016
– dem ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung vom
2
7.
April 2016
(
Urk.
6/158
) folgenden Monats (vgl.
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. a
Verordnung über
die Invalidenversicherung, IVV) – Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
der
Invalidenversicherung (vgl. E. 1.2). Zu diesem Zeitpunkt dauerte die Besserung des psychischen Gesundheitszustandes bereits über drei Monat
e an (
Art.
88a
Abs.
1 IVV; Urk.
6/198/
105 f.
). Aus somatischer Sicht war der
Beschwerdeführ
erin
seit
der
erstmaligen
Zusprechung der Rente eine ange
passte Tätigkeit uneingeschränkt zumutbar (
Urk.
6
/49/22
, 6/132/61
).
7
.
Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin die der Beschwerdeführerin
mit Verfügung
vom
1
9.
Oktober 2012
(
Urk.
6/71)
zugesprochene ganze Rente zu Un
recht aufgehoben. Gestützt auf die neuen medizinischen Erkenntnisse hätte statt
dessen eine Herabsetzung auf eine
Dreiviertelsrente
erfolgen müssen.
Der Voll
ständigkeit halber bleibt festzuhalten, dass die Aufhebung der Rente per Ende Juni 2016 auch nicht
mit
einer Verletzung der Mitwirkungspflicht im Rahmen der Eingliederungsmassnahmen
zu rechtfertigen ist
(vgl.
Urk.
2 S. 4). Einerseits
ging die Beschwerdegegnerin
bei der Festlegung des Eingliederungsplans im Wi
derspruch zur überzeugenden gutachterlichen Einschätzung davon aus, dass eine
100%ige Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten vorliege (Urk. 6/206/1). Insofern
war
die Zumutbarkeit des konkret in Aussicht genomme
nen Arbeitsversuchs, welcher bereits mit einem 50%-Pensum beginnen sollte
(
Urk.
6/206/2)
, fraglich.
Andererseits ist anzumerken, dass
die Eingliederungs
massnahmen erst ab Januar 2019 geprüft wurden
. Eine allfällige Verletzung der Mitwirkungspflicht in diesem Zusammenhang könnte folglich nicht als Rechtfer
tigung für eine Rentenaufhebung ab Juli 2016 herangezogen werden
, da sich eine solche Sanktion nur w
ährend jener Zeitspanne auswirken darf
, in der die versi
cherte Person eine zumutbare Zusammenarbeit verweigert (vgl. Urteil des Bun
desgerichts 8C_569/2011 vom 2
6.
Januar 2012 E. 3.1.2).
In
teilweiser
Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
2
7.
Mai 2019
(
Urk.
2) daher mit der F
eststellung aufzuheben, dass die
Beschwer
deführer
in
ab dem
1.
Ju
li
2016
Anspruch auf eine
Dreiviertelsr
ente
der Invali
denversicherung hat. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
8
.
8
.1
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rensaufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69 Abs. 1
bis
IVG) und auf
Fr.
1’0
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
8
.2
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Pro
zesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Unter Berücksichtigung der genannten Kriterien
ist die von der Beschwerdegeg
nerin an die Beschwerdeführerin zu leistende Entschäd
igung ermessensweise auf
Fr.
2'7
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. Diese ist nicht zu reduzieren, da
das Hauptbegehren der Beschwerdeführerin, soweit über die zuzusprechende
Dreiviertelsrente
hinausgehend (sog. Überklagen), den Prozess
aufwand nicht wesentlich beeinflusst hat (BGE 117 V 401 E. 2c; Urteil des Bun
desgerichts 9C_846/2015 vom
2.
März 2016 E. 3).