Decision ID: eef87b0d-aea6-44bd-b4e8-73f8d1c3ce74
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Am 19. Juli 2010 ermächtigte der Vorsteher des Eidgenössischen Finanzdepartements
die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) gestützt auf den Verdacht auf eine Steuerwi-
derhandlung bzw. auf Beihilfe dazu eine besondere Steueruntersuchung nach Artikel
190 ff. DBG gegen A._ und weitere natürliche und juristische Personen. Im Zuge der Er-
mittlungen nahm die ESTV verschiedene Hausdurchsuchungen vor und beschlagnahmte
unter anderem 60 Inhaberaktien der S._ AG, H._, und sämtliche auf A._ lautenden Ver-
mögenswerte (Depot und Konten) bei der X._Bank im Gesamtwert von rund Fr. _.
B.- Am 24. Mai 2011 bzw. 30. Mai 2012 (jeweils Eingang bei der Steuerbehörde) reichte
das Ehepaar A._ und B._ die Steuererklärungen für die Jahre 2010 und 2011 ein. Sie
deklarierten steuerbare Einkommen von Fr. _ (2010) und Fr. _ (2011) und steuerbare
Vermögen von Fr. _ (2010) und Fr. _ (2011).
C.- Mit Schreiben vom 21. Dezember 2015 schloss das Kantonale Steueramt das Untersu-
chungsverfahren gegen A._ ab und stellte diesem hinsichtlich der Steuerjahre 2001 bis
2009 Bussen wegen versuchter und vollendeter Steuerhinterziehung sowie Anstiftung und
Gehilfenschaft zur Steuerhinterziehung in der Gesamthöhe (Bund und Kanton) von Fr. _
in Aussicht. Mit Strafbefehl (Kanton) und Bussenverfügung (Bund) vom 30. November 2016
wurde A._ hinsichtlich der Jahre 2001 bis 2006 der mehrfachen vorsätzlichen Steuerhin-
terziehung und der Anstiftung und Gehilfenschaft zur Steuerhinterziehung schuldig gespro-
chen und mit Bussen von total Fr. _ (Kanton) und Fr. _ (Bund) bestraft. Sodann wurden
A._ im Untersuchungsverfahren betreffend die Jahre 2007 bis 2009 am 17. März 2020
Bussen von insgesamt Fr. 48'523.– in Aussicht gestellt.
D.- Am 12. Februar 2020 forderte das Kantonale Steueramt das Ehepaar auf, die Zins- und
Saldoausweise der Vermögenswerte bei der X._Bank einzureichen, und zwar für die Jahre
2010 bis 2016 (Konto Nr. _ und Stamm-Nr. _). Die Steuerpflichtigen reichten daraufhin
je zwei Steuerauszüge der X._Bank mit folgenden Werten ein:
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2010 2011
Kunden-Nr. _
Vermögen
Ertrag für Staatssteuer
Ertrag für Bundessteuer
Kunden-Nr. _
Vermögen
Ertrag für Staatssteuer
Ertrag für Bundessteuer
Total Vermögen
Tatal Ertrag
Das Kantonale Steueramt rechnete diese Vermögenswerte bzw. Erträge den steuerbaren
Einkommen und Vermögen 2010 und 2011 zu und veranlagte A._ und B._ – unter Be-
rücksichtigung weiterer, hier nicht interessierender Korrekturen – am 16. September 2020
für die Kantons- und Gemeindesteuern 2010 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. _
und einem steuerbaren Vermögen von Fr. ._, für die direkte Bundessteuer 2010 mit einem
steuerbaren Einkommen von Fr. _, für die Kantons- und Gemeindesteuern 2011 mit einem
steuerbaren Einkommen von Fr. _ und einem steuerbaren Vermögen von Fr. _ sowie für
die direkte Bundessteuer 2011 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. _. Die am 13.
Oktober 2020 dagegen erhobene Einsprache wurde teilweise gutgeheissen. Das Kantonale
Steueramt erwog, die Steuerschulden aus den Jahren 2004 bis 2010 in der Höhe von rund
Fr. _ seien in der Steuerperiode 2010 beim steuerbaren Vermögen zum Abzug zuzulassen
und diejenigen aus den Jahren 2004 bis 2011 in der Höhe von _ im Jahr 2011. Weiter
wurden Vermögensverwaltungskosten von Fr. _ (2010) und Fr. _ (2011) angerechnet.
Daraus ergaben sich folgende Steuerfaktoren
2010 2011
Kantons- und Gemeindesteuern
Steuerbares Einkommen
Steuerbares Vermögen
direkte Bundessteuer
Steuerbares Einkommen
E.- Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 1. November 2021 erhoben A._ und B._ bei
der Verwaltungsrekurskommission (VRK) Rekurs und Beschwerde und beantragten Fol-
gendes:
1. "Es sei der Einspracheentscheid der Vorinstanz vom 12.10.2021 betreffend die Veranlagung 2010 für das Steuerjahr 2010 (Kantons- und Gemeindesteuern sowie Direkte Bundessteuer), Register-Nr. _, aufzuheben und die Rekurrenten seien wie folgt zu besteuern:
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(i) Die Einkünfte und Vermögenswerte bei der X._Bank AG für die . _ und _ seien bei der Veranlagung 2010 (Staats-und  sowie direkte Bundessteuer) in Höhe von voraussichtlich CHF _ beim Einkommen gemäss Veranlagungsberechnung vom 16.09.2020 resp. CHF _ beim Vermögen (Kantons- und Gemeindesteuern) nicht zu berücksichtigen resp. die Aufrechnungen zu streichen.
(ii) Die Inhaberaktien der S._ AG seien aus dem Wertschriftenverzeichnis herauszunehmen und entsprechend ist der Vermögenssteuerwert der  bis zum Abschluss der Kraftloserklärung der Akten nicht als  zu erfassen.
(iii) Es seien die voraussichtlichen gesamthaften Steuerschulden der Jahre 2001- 2009 bei den Kantons- und Gemeindesteuern 2010 als  und damit für abzugsfähig in der Veranlagung per 31.12.2010 zu berücksichtigen.
(iv) Es seien ebenfalls die voraussichtlichen Steuerbussen gemäss  31.12.2010 bei den Kantons- und Gemeindesteuern als Schulden zuzulassen.
(v) Die Ausgleichszinsen ab 01.01.2010 seien bei den Vermögenssteuern ebenfalls als Schulden zu berücksichtigen.
(vi) Bei Gutheissung von Ziff. 1 (i) seien die in Abzug gebrachten  in Höhe von CHF _ zu Lasten der Rekurrenten zu .
2. Es sei der Einspracheentscheid der Vorinstanz vom 12.10.2021 betreffend die Veranlagung 2011 für das Steuerjahr 2011 (Kantons- und Gemeindesteuern sowie Direkte Bundessteuer), Register-Nr. _, aufzuheben und die Rekurrenten seien wie folgt zu besteuern:
(i) Die Einkünfte und Vermögenswerte bei der X._Bank AG für die . _ und _ seien bei der Veranlagung 2011 (Staats-und  sowie direkte Bundessteuer) in Höhe von voraussichtlich CHF _ beim Einkommen gemäss Veranlagungsberechnung vom 16.09.2020 resp. neu CHF _ beim Vermögen (KGST) nicht zu berücksichtigen resp. die Aufrechnung zu streichen.
(ii) Die Inhaberaktien der S._ AG seien aus dem Wertschriftenverzeichnis  und entsprechend ist der Vermögenssteuerwert der  bis zum Abschluss der Kraftloserklärung der Akten nicht als  zu erfassen.
(iii) Es seien die voraussichtlichen gesamthaften Steuerschulden der Jahre 2001 - 2011 bei den Kantons- und Gemeindesteuern 2010 als  und damit für abzugsfähig in der Veranlagung per 31.12.2011 zu berücksichtigen.
(iv) Es seien ebenfalls die voraussichtlichen Steuerbussen gemäss  31.12.2011 bei den Kantons- und Gemeindesteuern als Schulden zuzulassen.
(v) Die Ausgleichszinsen ab 01.01.2010 seien bei den Vermögenssteuern ebenfalls als Schulden zu berücksichtigen.
(vi) Bei Gutheissung von Ziff. 1 (i) seien die in Abzug gebrachten  in Höhe von CHF _ zu Lasten der Rekurrenten zu .
3. Es sei zu den Akten zu nehmen, dass die beim Rekurrenten 2010  60% der Aktien der S._ AG spätestens im Jahre 2020 durch das KSTA SG «verloren» wurden.
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4. Kosten- und Entschädigungsfolge inkl. 7.7% MWST."
Das Kantonale Steueramt beantragte mit Vernehmlassung vom 8. Dezember 2021 die Abwei-
sung der Rechtsmittel. Dazu äusserten sich A._ und B._ am 14. Januar 2022. Das Kantonale
Steueramt sah mit Schreiben vom 26. Januar 2022 von einer weiteren Stellungnahme ab. Die
Eidgenössische Steuerverwaltung verzichtete stillschweigend auf eine Vernehmlassung zur Be-
schwerde.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten und die Akten wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
I. Prozessuales
1.- [Verfahrensvereinigung]
2.- [Eintretensvoraussetzungen]
II. Kantons- und Gemeindesteuern
3.- Steuerbares Einkommen und Vermögen 2010 und 2011
a) Im Rekursverfahren ist streitig, ob die Vorinstanz die von der ESTV beschlagnahmten
Vermögenswerte in den Jahren 2010 und 2011 zu Recht dem steuerbaren Vermögen
bzw. dem steuerbaren Einkommen zurechnete.
aa) Die Vorinstanz erwog, durch eine Beschlagnahme würden die zivilrechtlichen Eigen-
tumsverhältnisse an Vermögenswerten nicht tangiert. Das Eigentum an den Vermögens-
werten sei trotz Beschlagnahmung in den relevanten Steuerperioden 2010 und 2011 bei
den Rekurrenten verblieben. Diese steuerrechtliche Behandlung widerspreche weder dem
Grundsatz der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit noch der Reinver-
mögenszugangstheorie. So seien die Vermögenserträge den Rekurrenten zugute gekom-
men. Der Umstand, dass die beschlagnahmten Vermögenswerte zu einem späteren Zeit-
punkt teilweise der Tilgung der Steuerschulden und Steuerbussen gedient hätten, ändere
nichts an der Tatsache, dass diese Werte im Vermögen der Rekurrenten steuerlich zu er-
fassen gewesen seien.
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bb) Die Rekurrenten brachten dagegen vor, es habe sich um eine Einziehungsbeschlag-
nahme gemäss Art. 263 Abs. 1 lit. d der Schweizerischen Strafprozessordnung (SR 312.0,
abgekürzt: StPO) gehandelt. Sie hätten dadurch keinen Zugriff auf die Erträge und Vermö-
genswerte bei der X._Bank gehab und die Eigentumsrechte nicht mehr ausüben können.
Mit der Verfügungssperre habe man die noch zu ermittelnde Steuerforderung begleichen
wollen. Gemäss der Reinvermögenszugangstheorie sei Einkommen die Gesamtheit derje-
nigen Wirtschaftsgüter, die einem Individuum während der massgeblichen Steuerperiode
zufliesse, und die es ohne Schmälerung seines Vermögens zur Befriedigung seiner per-
sönlichen Bedürfnisse und für seine laufende Wirtschaft verwenden könne. Die Verfügungs-
sperre habe dies jedoch verhindert. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass die gesperr-
ten Vermögenswerte zur Tilgung von noch zu eruierenden Steuerschulden verwendet wür-
den.
b) aa) Der Einkommenssteuer unterliegen alle wiederkehrenden und einmaligen Einkünfte
(Art. 29 Abs. 1 StG). Als Einkommen gelten auch Naturalbezüge jeder Art, insbesondere
freie Verpflegung und Unterkunft sowie der Wert selbstverbrauchter Erzeugnisse und Wa-
ren des eigenen Betriebs (Abs. 2). Die Kapitalgewinne aus der Veräusserung von Grund-
stücken des Privatvermögens unterliegen der Grundstückgewinnsteuer (Abs. 3). Steuerbar
sind auch die Erträge aus beweglichem Vermögen, insbesondere Zinsen aus Guthaben
(Art. 33 Abs. 1 lit. a StG). Der Vermögenssteuer unterliegt das gesamte Reinvermögen
(Art. 53 Abs. 1 StG). Unter "Vermögen" sind die geldwerten Rechte an (beweglichen und
unbeweglichen) Sachen, an Forderungen und Beteiligungen zu verstehen, die dem Steu-
erpflichtigen als Eigentümer oder Nutzniesser zustehen. In der Regel ist nur das Reinver-
mögen, also die um die Passiven verminderten Aktiven, steuerbar (Schweizerische Steuer-
konferenz SSK, Steuerinformation, Vermögenssteuer natürlicher Personen, April 2021,
S. 4, SSK-Information). Das steuerbare Einkommen bemisst sich nach den Einkünften in
der Steuerperiode (Art. 67 Abs. 1 StG) und das steuerbare Vermögen nach dem Stand am
Ende der Steuerperiode oder der Steuerpflicht (Art. 68 Abs. 1 StG).
bb) Art. 29 Abs. 1 StG bringt im Bereich der Besteuerung des Einkommens natürlicher Per-
sonen das Konzept der Reinvermögenszugangstheorie zum Ausdruck. Danach unterliegen
aufgrund dieser Generalklausel und des nicht abschliessenden Positivkatalogs alle wieder-
kehrenden und einmaligen Einkünfte den Kantons- und Gemeindesteuern. Vorbehalten
bleiben die im Negativkatalog von Art. 37 StG abschliessend aufgezählten Fälle, namentlich
die Kapitalgewinne aus der Veräusserung von beweglichem Privatvermögen (Art. 37 lit. a
StG). Der Reinvermögenszugang besteht in einer Nettogrösse. Er entspricht dem Über-
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schuss aller Vermögenszugänge gegenüber den Vermögensabgängen derselben Steuer-
periode. Einkommen ist demgemäss die Gesamtheit derjenigen Wirtschaftsgüter, die einem
Individuum während der massgeblichen Steuerperiode zufliessen – dazu gehören nament-
lich Zugänge aus Erbschaft und Schenkung, aus öffentlicher oder privater Unterstützung
sowie der Fund oder gar der Diebstahl (REICH/WEIDMANN, in: Zweifel/Beusch [Hrsg.],
4. Aufl. 2022, Art. 7 StHG N 9) –, und die es ohne Schmälerung seines Vermögens zur
Befriedigung seiner persönlichen Bedürfnisse und für seine laufende Wirtschaft verwenden
kann (BGE 140 II 353 E. 2.1 mit Hinweisen; M. REICH, Steuerrecht, 3. Aufl. 2020, § 10
N 28g). Dies ist dann nicht der Fall, wenn der Zufluss von Vermögenswerten – bspw. aus
unerlaubter Handlung – durch die Ablieferungspflicht neutralisiert wird. Vorauszusetzen ist
allerdings, dass mit der Erfüllung der Ablieferungspflicht ernstlich zu rechnen ist, da nur ein
liquider Anspruch auf Ablieferung, dessen Durchsetzung unmittelbar bevorsteht, den Ein-
kommenszufluss hindern kann (SGE 2006 Nr. 12 E. 3b/dd; REICH/WEIDMANN, a.a.O., Art. 7
StHG N 9 und 33). Zum anderen muss der nachträgliche Vermögensabgang in der Form
der Rückerstattung, der Herausgabe oder der Einziehung mit dem früheren Vermögenszu-
gang – der, wie sich im Nachhinein herausstellte, nicht einkommensbildend war – korrelie-
ren (M. REICH, Rückerstattung von übersetzten Boni und anderen Lohnzahlungen, in: ASA
80 Nr. 3 2011/2012, S. 126; REICH, Steuerrecht, a.a.O., § 10 N 28g; RICHNER/FREI/KAUF-
MANN/MEUTER, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl. 2016, Art. 16 N 39 ff.).
cc) Die streitigen Vermögenswerte wurden im Rahmen einer besonderen Untersuchung
gemäss Art. 190 ff. DBG beschlagnahmt. Gemäss Art. 191 Abs. 1 DBG richtet sich dieses
Verfahren nach den Artikeln 19–50 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsstrafrecht
(SR 313.0, abgekürzt: VStrR). Nacht 46 Abs. 1 VStrR sind vom untersuchenden Beamten
mit Beschlag zu belegen: Gegenstände, die als Beweismittel von Bedeutung sein können
(lit. a), Gegenstände und andere Vermögenswerte, die voraussichtlich der Einziehung un-
terliegen (lit. b) sowie die dem Staate verfallenden Geschenke und anderen Zuwendungen
(lit. c). Die Beschlagnahme nach Art. 46 Abs. 1 lit. b VStrR stellt eine provisorische pro-
zessuale Massnahme zur vorläufigen Sicherstellung der allenfalls der Einziehung unterlie-
genden Vermögenswerte oder von als Beweismittel geeigneten Gegenständen oder Ver-
mögenswerten dar und greift dem Entscheid über deren spätere Verwendung nicht vor
(BGer 6B_899/2017 vom 3. Mai 2018 E. 1.6; BGE 120 IV 365 E. 1c). Die Einziehung selbst
erfolgt nach Art. 2 VStrR i.V.m. Art. 69 ff. des Schweizerischen Strafgesetzbuches (SR
311.0, abgekürzt: StGB; EICKER/FRANK/ACHERMANN, Verwaltungsstrafrecht und Verwal-
tungsstrafverfahrensrecht, Bern 2012, S. 195). Die vorläufige Einziehungsbeschlagnahme
nach Art. 46 Abs. 1 lit. b VStrR dient somit der Sicherung einer allfälligen vom Strafrichter
anzuordnenden Vermögenseinziehung, wobei dieser alle wirtschaftlichen Vorteile, die sich
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rechnerisch ermitteln lassen und die direkt oder indirekt durch die strafbare Handlung er-
worben sind, unterliegen. Bei der Steuerhinterziehung betrifft dies den deliktisch erlangten
Vermögensvorteil im Gegenwert der hinterzogenen Steuern (BGer 1S.8/2006 vom 12. De-
zember 2006 E. 5).
c) aa) Es ist nicht streitig, dass die X._Bank der ESTV am 22. September 2010 mitteilte
(act. 2/3), sie habe gestützt auf deren Beschlagnahmeverfügung folgende auf den Rekur-
renten lautende Vermögenswerte gesperrt:
Credit Suisse: Kunden-Nr. _
Privatkonto CHF CHF
Depot CHF
Credit Suisse: Kunden-Nr. _
Privatkonto CHF CHF
Transaktionskonto CHF CHF
Transaktionskonto EUR EUR
Transaktionskonto GBP GBP
Transaktionskonto JPY JPY
Transaktionskonto USD USD
Depot CHF
Dazu hielt die Abteilung Strafsachen und Untersuchungen (ASU) der ESTV im Bericht in
der besonderen Untersuchung gemäss Art. 190 ff. DBG gegen den Rekurrenten vom
30. Juni 2014 (ASU-Bericht) fest, die Vermögenswerte seien im Hinblick auf die Einziehung
beschlagnahmt worden. Diese Werte dienten zur Sicherung der im Strafverfahren festge-
stellten hinterzogenen Steuern. Die Beschlagnahme werde bis zum rechtskräftigen Ab-
schluss des kantonalen Hinterziehungsverfahrens aufrechterhalten. Gemäss Art. 70 Abs. 1
StGB würden Vermögenswerte, die durch eine Straftat erlangt worden seien, nur dann ein-
gezogen, wenn sie nicht dem Verletzten zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zu-
stands ausgehändigt würden. Im Fall einer Steuerhinterziehung sei der Verletzte das Ge-
meinwesen, welchem Steuern vorenthalten worden sei. In dem Umfang, in welchem der
Staat die beschlagnahmten Mittel zugewiesen erhalte, reduziere sich diese Nachsteuerfor-
derung. In analoger Anwendung von Art. 70 StGB sei deshalb im Rahmen des Strafent-
scheids des Kantonalen Steueramts für die direkte Bundessteuer über die Einziehung der
beschlagnahmten Werte zu entscheiden (ASU-Bericht, S. 13 und 31 f.).
bb) Es wurde nicht bestritten, dass die von der ESTV gesperrten Vermögenswerte im 2010
einen Ertrag von Fr. _ und im 2011 einen solchen von Fr. _ abwarfen. Da auch mutmass-
lich rechtswidrig erlangte Einkünfte steuerbar sind, stellt sich die Frage, ob eine neutralisie-
rende Ablieferungspflicht bestand. Dies ist zweifellos zu bejahen, da die Guthaben bei der
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X._Bank beschlagnahmt wurden, und zwar mit dem Hinweis, die beschlagnahmten Werte
dienten zur Deckung der mutmasslich geschuldeten Nachsteuern und Verzugszinsen
(ASU-act. 114.130.002). Somit bestand eine enge sachliche und zeitliche Verknüpfung zwi-
schen dem Vermögenszufluss und der in Aussicht stehenden Einziehung. Daran ändert
nichts, dass die Rekurrenten nach eigenen – von der Vorinstanz nicht bestrittenen – Anga-
ben erst im Jahr 2020 zu einer die Steuerperioden 2001 bis 2009 betreffenden Zahlung von
Fr. _ verpflichtet wurden. Im zwischenzeitlich bestehenden Schwebezustand durfte steu-
errechtlich nicht abgerechnet werden. Folglich bestand im Zeitpunkt der Beschlagnahmung
eine Ablieferungspflicht, die geeignet war, die Vermögenszugänge in den beiden streitbe-
troffenen Jahren zu neutralisieren (vgl. BGer 2C_1172/2014 E. 3.2 und 2C_616/2016,
2C_617/2016 vom 3. November 2016 E. 2.2.4 ff., in: StR 72/2017 S. 153;).
cc) Anders stellt sich die Situation hinsichtlich der per 31. Dezember 2009 bestehenden
Vermögenswerte dar. Diese stammen aus in früheren Jahren erzielten, bereits rechtskräftig
veranlagten und vor allem unbelasteten Vermögenszuflüssen. Eine sich daraus ergeben-
den Steuerforderung ist grundsätzlich unabänderlich und lässt sich nicht durch Rückab-
wicklung des Sachverhalts, der die Steuer ausgelöst hat, aus der Welt schaffen (BGer
2C_692/2013, 2C_693/2013 vom 24. März 2014 E. 4.2). Zudem machen die Rekurrenten
nicht substantiiert geltend, ihnen seien die Vermögenswerte entzogen worden. Somit be-
stand in den Jahren 2010 und 2011 immer noch ein rechtlich realisierbarer Anspruch auf
die streitigen Aktiven, weshalb sie in diesen Steuerperioden als geldwerte Rechte dem
Reinvermögen der Rekurrenten zuzurechnen sind. Dass sie beschlagnahmt waren, ist nicht
ausschlaggebend, da eine aktuelle Veräusserbarkeit nicht notwendig ist. Auch gesperrte
Guthaben stellen einen steuerbaren Vermögenswert dar (TEUSCHER/LOBSIGER, in: Zwei-
fel/Beusch [Hrsg.], 4. Aufl. 2022, Art. 13 StHG N 5). Allfällige durch die Beschlagnahme
verursachte Schäden betreffen die Staatshaftung und sind nicht in diesem Verfahren zu
prüfen.
d) Die Anträge 1 (i) und 2 (i) des Rechtsbegehrens sind somit hinsichtlich der Einkünfte
gutzuheissen und im Übrigen abzuweisen. Die Anträge 1 (ii) und 2 (ii) sind abzuweisen. Ob
der Vorinstanz in diesem Zusammenhang eine Verletzung des rechtlichen Gehörs vorzu-
werfen ist, wie die Rekurrenten geltend machen, kann offen gelassen werden, weil ein all-
fälliger Mangel durch die gerichtliche Beurteilung ohnehin geheilt würde.
4.- Steuerschulden, Bussen und Ausgleichszinsen
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a) Die Rekurrenten beantragen, in den Steuerveranlagungen 2010 und 2011 seien beim
steuerbaren Reinvermögen die voraussichtlich gesamten Steuerschulden der Jahre 2001
bis 2009 sowie die voraussichtlichen Steuerbussen zu berücksichtigen. Die Vorinstanz liess
dagegen nur die Steuerschulden ab dem Jahr 2004 zum Abzug zu, und zwar mit der Be-
gründung, die Nachsteuerforderungen 2001 bis 2004 seien verjährt.
aa) Der harmonisierungsrechtlichen Ausgestaltung als Reinvermögenssteuer entspre-
chend können nur die effektiven, d.h. am Stichtag tatsächlich bestehenden Schulden, für
welche die steuerpflichtige Person als Hauptschuldnerin rechtlich haftbar ist, abgezogen
werden. Voraussetzung ist somit, dass am massgebenden Stichtag eine feste, durchsetz-
bare Schuld besteht, mit deren Erfüllung die steuerpflichtige Person ernsthaft rechnen
muss, wobei Fälligkeit nicht erforderlich ist. Nicht abzugsfähig sind demzufolge bloss vor-
aussehbare, anwartschaftliche Schulden wie beispielsweise Bürgschaftsverpflichtungen;
eine abzugsfähige Bürgschaftsschuld besteht somit erst, wenn der Hauptschuldner nicht
mehr zahlungsfähig ist, und der Bürge für die Schuld aufkommen muss. In der Regel eben-
falls nicht abzugsfähig sind verjährte Schulden, denn nach Ablauf der Verjährungsfrist be-
steht keine rechtlich durchsetzbare Schuldverpflichtung mehr. Sodann können nur Steuer-
schulden zum Abzug zugelassen werden, deren Rechts- und Entstehungsgrund in dem für
die Vermögensbemessung massgeblichen Zeitpunkt bereits gegeben sind. Künftige Schul-
den, namentlich solche öffentlich-rechtlicher Natur wie Steuerforderungen oder Bussen,
sind bei der Ermittlung des Vermögensstandes nicht zu berücksichtigen und können auch
nicht als "Wertberichtigung" vom steuerbaren Vermögen in Abzug gebracht werden (StE
1996 B 52.7 Nr. 1). Am Stichtag bestehende Steuerschulden können andererseits auch
dann abgezogen werden, wenn die Veranlagung noch nicht rechtskräftig abgeschlossen
oder das Veranlagungsverfahren noch nicht einmal eingeleitet worden ist, wobei letzteres
namentlich bei aperiodischen Steuern vorkommen kann. Nötigenfalls ist der mutmassliche
Steuerbetrag zu schätzen. Nachsteuerschulden können vom Bruttovermögen in Abzug ge-
bracht werden, auch wenn sie am Stichtag noch nicht ziffernmässig festgestanden haben
(vgl. TEUSCHER/LOBSIGER, a.a.O., Art. 13 StHG N 1 ff.).
bb) Das Reinvermögen der Rekurrenten per 31. Dezember 2010 bzw. 2011 wurde im Jahr
2020 ermittelt. Zu diesem Zeitpunkt war klar, dass die Nachsteuern für die Jahre 2001 bis
2003 infolge Verjährung nicht mehr eingefordert werden konnten. Entsprechend waren die
Reinvermögen der Jahre 2010 und 2011 mit diesen Beträgen nicht belastet und waren ent-
gegen den Vorbringen der Rekurrenten bei der Berechnung der steuerpflichtigen Reinein-
kommen dieser beiden Jahre nicht zu berücksichtigen (BGer 2C_1172/2014 vom 22. Juni
2015 E. 3.2).
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b) Der Rekurrent macht weiter geltend, er sei mit Bussen in der Höhe von Fr. _ worden.
Bussenforderungen entstehen jedoch, anders als die Nachsteuerforderungen, erst mit de-
ren rechtskräftiger Festsetzung, was einen Abzug vor dem Eintritt der Rechtskraft aus-
schliesst (TEUSCHER/LOBISGER, a.a.O., N 19 ff.). Gemäss Vorinstanz wurden die Bussen-
verfügungen für die Jahre 2004 bis 2009 erst im Jahr 2020 rechtskräftig, weshalb diese bei
den steuerbaren Vermögen 2010 und 2011 nicht berücksichtigt werden können. Die Rekur-
renten legten nichts ins Recht, was dies zu widerlegen vermöchte.
c) Schliesslich kritisieren die Rekurrenten die Praxis der Vorinstanz, wonach die Verzugs-
bzw. Ausgleichszinsen erst mit der Schlussrechnung erhoben werden und in den ursprüng-
lichen Veranlagungsperioden keine Berücksichtigung finden. Sie beantragen, die Aus-
gleichszinsen ab 1. Januar 2010 seien ebenfalls als Schulden zu berücksichtigen und vom
steuerbaren Vermögen abzuziehen. Dieser Sachverhalt ist weder durch das DBG noch
durch das StHG geregelt. Gemäss Bundesgericht könnten die Verzugszinsen daher entwe-
der auf dem Nachsteuerbetreffnis der nachsteuerbetroffenen Ursprungsperiode oder erst
in der Steuerperiode, in welcher die Nachsteuer veranlagt werde, abgezogen werden (BGer
2C_435/2017 vom 18. Februar 2019 E. 2.4.1). Die Praxis der Vorinstanz erscheint sachge-
recht und ist gestützt auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung nicht zu beanstanden.
d) Die Anträge 1 (iii), (iv) und (v) sowie 2 (iii), (iv) und (v) des Rechtsbegehrens sind abzu-
weisen.
5.- Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz die Erträge aus den beschlagnahm-
ten Vermögenspositionen Nrn. _ und _ bei der X._Bank in der Höhe von Fr. _ (Jahr
2010) und Fr. _ (Jahr 2011) zu Unrecht den steuerbaren Einkommen 2010 und 2011 zu-
rechnete. Der Rekurs ist daher teilweise gutzuheissen und der Einspracheentscheid vom
12. Oktober 2021 aufzuheben. Die Angelegenheit ist gestützt auf Art. 56 Abs. 2 VRP zu
neuer Verfügung im Sinn der Erwägungen und neuem Entscheid an die Vorinstanz zurück-
zuweisen.
III. Direkte Bundessteuer
6.- Die Rechtslage des StG entspricht im Wesentlichen derjenigen des DBG. Daraus folgt,
dass die Erwägungen zu den Kantons- und Gemeindesteuern für die direkte Bundessteuer
analog massgebend sind, soweit sie das steuerbare Einkommen betreffen. Für die direkte
Bundessteuer ergibt sich dasselbe Ergebnis wie bei den Kantons- und Gemeindessteuern.
Demnach ist die Beschwerde gutzuheissen und der angefochtene Einspracheentscheid der
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Vorinstanz vom 12. Oktober 2021 aufzuheben. Die Angelegenheit ist gestützt auf Art. 56
Abs. 2 VRP zu neuer Verfügung im Sinn der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen.
IV. Kosten
7.- a) [amtliche Kosten]
b) [ausseramtliche Kosten]