Decision ID: 0e7c9506-f7e4-4aaf-b488-dfb330a32264
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer stellte am (...) in der Schweiz ein Asylgesuch.
Am 4. November 2016 fand die Befragung zur Person (BzP) statt. Am
16. August 2019 wurde der Beschwerdeführer vom SEM einlässlich zu sei-
nen Asylgründen angehört.
Dabei führte der in B._ geborene Beschwerdeführer mit letztem
Wohnsitz in C._, einem Vorort von D._ aus, er fühle sich seit
seiner Kindheit von Männern angezogen. Als (...)jähriger habe er sich in
der Schule in einen Freund verliebt und ihn geküsst. Dies habe sein Lehrer
gesehen und in der Folge seinen Eltern mitgeteilt. Als er nach Hause ge-
kommen sei, hätten ihn seine Eltern getadelt und geschlagen. Sein Vater
sei enttäuscht und wütend gewesen und habe die Idee nicht ertragen kön-
nen, einen homosexuellen Sohn zu haben, da dies in seinem Kulturkreis
eine Sünde sei. Seine Eltern hätten ihn deshalb aus dem Haus geworfen
und seine anschliessenden Versuche, wieder mit ihnen Kontakt aufzuneh-
men, abgeblockt. Nach diesem Rauswurf habe er bei seiner (Nennung Ver-
wandte) gelebt, die ihn als Einzige in der Familie akzeptiert habe. Auf An-
raten eines Freundes habe er sich von (...) bis (...) in einer Schwulen-Or-
ganisation an zahlreichen Aktivitäten beteiligt. Nach dem Tod seiner (Nen-
nung Verwandte) sei er ins weiter entfernte C._ umgezogen und in
der Folge sei er dort bis zur Ausreise in der (Nennung Organisation) tätig
gewesen. Im Jahr (...) habe er die Matura abgeschlossen und anschlies-
send ein Studium zum (Nennung Studienrichtung) begonnen. Da er ge-
mobbt worden sei, habe er nach (Nennung Dauer) seine Studienrichtung
gewechselt und ein Studium zum (Nennung Studienrichtung) durchlaufen,
ohne jedoch einen Abschluss zu machen. Bis zur Ausreise habe er dann
als (Nennung Tätigkeit) gearbeitet. Im (Nennung Zeitpunkt) sei er zusam-
men mit Freunden im Ausgang gewesen. Bei seiner Rückkehr nach Hause
hätten dort (Nennung Anzahl) Polizisten auf ihn gewartet und ihn verhaftet.
In der Folge sei er geschlagen und von zwei dieser Polizisten vergewaltigt
worden, wobei ihn einer der Beamten mit der Pistole bedroht habe. Auf-
grund der Schläge habe er (Nennung Verletzung). Die Polizisten seien
weggegangen und hätten ihn liegen lassen. Nach (Nennung Dauer) habe
er sich aufgerafft und ins Krankenhaus begeben, wo er von einer Kranken-
schwester gepflegt worden sei. Überdies habe sie mit einem Polizisten des
Spitals über den Vorfall gesprochen. Dieser habe seine Aussage aufge-
nommen und seine Anzeige an die (Nennung Dienststelle) weitergeleitet.
Als er am nächsten Tag nach Hause gekommen sei, habe er unter seiner
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Tür einen (Nennung Beweismittel) vorgefunden, worin er zum Weggehen
aufgefordert worden sei, ansonsten er umgebracht würde. Er habe um sein
Leben gefürchtet, umgehend seine persönlichen Sachen gepackt und sich
zu einem Freund in eine andere Stadt begeben, wo er (Nennung Dauer)
geblieben sei. Da die angezeigten Polizisten ihn zu suchen begonnen hät-
ten, habe er sich zur Ausreise entschlossen. Er habe nämlich befürchtet,
bei einem weiteren Wohnortswechsel erneut gesucht und wahrscheinlich
getötet zu werden. Auch die von ihm kontaktierte Organisation (Nennung
Organisation) habe ihm geraten, das Land zu verlassen.
A.b Zum Beleg seiner Identität und seiner Vorbringen legte der Beschwer-
deführer (Aufzählung Beweismittel) ins Recht.
B.
Mit Verfügung vom 26. März 2021 stellte das SEM fest, der Beschwerde-
führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte sein Asylgesuch
ab. Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung des Beschwerdeführers aus
der Schweiz und den Wegweisungsvollzug an. Ferner händigte es ihm die
editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus.
C.
Mit Eingabe vom 5. Mai 2021 erhob der Beschwerdeführer beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragte, es sei die angefochtene
Verfügung vollumfänglich aufzuheben, es sei die Sache zur rechtsgenügli-
chen Sachverhaltsabklärung sowie zu neuem Entscheid an die Vorinstanz
zurückzuweisen, eventualiter sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen
und ihm Asyl zu gewähren, subeventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen,
die vorläufige Aufnahme anzuordnen, und ersuchte in prozessualer Hin-
sicht um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, um Verzicht auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Bestellung seiner
Rechtsvertreterin als unentgeltliche Rechtsbeiständin.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 10. Mai 2021 hiess die Instruktionsrichterin die
Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und unent-
geltlichen Rechtsverbeiständung – jeweils unter Vorbehalt des Nach-
reichens einer Fürsorgebestätigung – gut, verzichtete auf die Erhebung ei-
nes Kostenvorschusses und ordnete dem Beschwerdeführer eine amtliche
Rechtsbeiständin in der Person von Rechtsanwältin (Nennung Person) bei.
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E.
Mit Eingabe vom 17. Mai 2021 reichte der Beschwerdeführer (Nennung
Beweismittel) nach.
F.
Mit Schreiben vom 29. September 2021 erkundigte sich die Rechtsbeistän-
din nach dem Stand des Verfahrens und legte gleichzeitig ihre Honorarnote
ins Recht.
G.
Am 5. Oktober 2021 beantwortete die Instruktionsrichterin die Verfahrens-
standanfrage und teilte mit, dass die Akten der Vorinstanz zur Vernehmlas-
sung überwiesen worden seien.
H.
In ihrer Vernehmlassung vom 18. Oktober 2021 hielt die Vorinstanz - nach
einigen ergänzenden Bemerkungen - an ihren Erwägungen vollumfänglich
fest.
I.
Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 4. November 2021.
J.
Mit Schreiben vom 20. Januar 2022 ersuchte die damals mandatierte
Rechtsbeiständin um Entlassung aus ihrem Mandat und um Einsetzung
von lic. iur. Tarig Hassan als amtlicher Rechtsbeistand unter Abtretung ihrer
Honorarforderung für die erbrachte Leistung. Ferner sei Auskunft über den
Stand des Verfahrens zu erteilen.
K.
Mit Zwischenverfügung vom 25. Januar 2022 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um Entlassung von Rechtsanwältin (Nennung Person) aus der
amtlichen Rechtsvertretung gut und ordnete dem Beschwerdeführer für
das laufende Beschwerdeverfahren lic. iur. Tarig Hassan als amtlichen
Rechtsbeistand bei.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.2 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September
2015).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1
VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer rügt, das SEM habe sowohl den Untersu-
chungsgrundsatz als auch seinen Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt.
Diese verfahrensrechtlichen Rügen sind vorab zu prüfen.
3.1.1 Der mit Grundrechtsqualität ausgestattete Grundsatz des rechtlichen
Gehörs fordert, dass die verfügende Behörde die Vorbringen der Betroffe-
nen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfin-
dung berücksichtigt, was sich entsprechend in einer sachgerecht anfecht-
baren Entscheidbegründung niederzuschlagen hat (vgl. BVGE 2015/10,
E. 3.3, m.w.H.). Dem Bundesverwaltungsgericht obliegt gemäss Art. 49
Bst. b VwVG (beziehungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG) eine umfas-
sende Sachverhaltskontrolle (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozes-
sieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 2.188). Ermit-
telt das Bundesverwaltungsgericht eine fehler- oder lückenhafte Feststel-
lung des Sachverhalts, hebt es die Verfügung auf und weist die Sache an
die Vorinstanz zurück, damit diese den rechtserheblichen Sachverhalt neu
und vollständig feststellt (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz.
2.191; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-
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rechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1155). Der Untersuchungs-
grundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen des Verwaltungs- be-
ziehungsweise Asylverfahrens (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Dem-
nach hat die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Ver-
fahren notwendigen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten
Umstände abzuklären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen.
Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder wenn die Vor-
instanz nicht alle entscheidwesentlichen Gesichtspunkte des Sachverhalts
prüfte, etwa, weil sie die Rechtserheblichkeit einer Tatsache zu Unrecht
verneinte. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn nicht alle
für den Entscheid rechtsrelevanten Sachumstände berücksichtigt wurden
(vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1043).
3.1.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz habe es unter-
lassen, wichtige Sachverhaltselemente angemessen zu berücksichtigen
beziehungsweise zu würdigen. So habe sie zur Abklärung der Situation von
Homosexuellen in El Salvador lediglich veraltete Wikipedia-Artikel beige-
zogen und sich darauf beschränkt, die formelle Rechtslage in seiner Hei-
mat darzustellen, wobei sie gänzlich auf den Beizug von Statistiken und
Fallzahlen zur tatsächlichen Situation verzichtet habe. Zudem genüge es
nicht, eine Recherche zur Ombudsstelle für Menschenrechte beizulegen
und die Ombudsstelle als Anlaufstelle für Opfer homophober Gewalt zu be-
zeichnen, wenn diese Stelle offensichtlich keine Verfahren oder Untersu-
chungen einleiten könne. Die Vorinstanz habe es sodann unterlassen zu
prüfen, ob er bei einer Rückkehr nach El Salvador einer Behandlung im
Sinne von Art. 3 EMRK ausgesetzt wäre und ob die heimatlichen Behörden
in der Lage und willens wären, ihn vor Übergriffen zu schützen. Ferner
habe die Vorinstanz dem eingereichten (Nennung Beweismittel) den Be-
weiswert aberkannt, ohne dieses Dokument einer sachlichen respektive
rechtsgenüglichen Prüfung zu unterziehen.
Es ergeben sich nach Prüfung der Akten keine hinreichenden Anhalts-
punkte, welche den Schluss zulassen würden, das SEM habe den Sach-
verhalt unrichtig oder unvollständig abgeklärt, mithin den Untersuchungs-
grundsatz verletzt. Die Vorinstanz hat sich bei der Prüfung des Asylge-
suchs an den vorgebrachten Fluchtgründen und den zum Beleg derselben
eingereichten Beweismittel orientiert und diese entsprechend gewürdigt.
Dabei hat es explizit auf das geltend gemachte fluchtauslösende Ereignis,
auf die allgemeinen gesellschaftlichen Benachteiligungen Homosexueller
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in El Salvador durch Angehörige der Behörden oder der Zivilgesellschaft
und die damit einhergehende Befürchtung des Beschwerdeführers, des-
wegen diskriminierende Nachstellungen oder strafrechtlich relevante Über-
griffe zu erleiden, sowie auf die verschiedenen Einrichtungen und Möglich-
keiten, wie in seiner Heimat entsprechenden Übergriffen begegnet werden
könne, Bezug genommen und sich mit diesen Sachverhaltselementen aus-
einandergesetzt. Der Umstand, dass es nach einer gesamtheitlichen Wür-
digung der Parteivorbringen und der zur Stützung derselben ins Recht ge-
legten Beweismittel respektive der Situation in El Salvador und der für die
Beurteilung der – auch – in diesem Land vorhandenen Homophobie zu
Rate gezogenen öffentlichen Quellen zu einem anderen Schluss als der
Beschwerdeführer gelangte, stellt keine unrichtige oder unvollständige
Feststellung des Sachverhalts oder eine Verletzung des rechtlichen Ge-
hörs dar. Sodann nahm das SEM bei der Beurteilung der in Frage stehen-
den Sachverhaltselemente ausdrücklich Bezug auf den eingereichten
(Nennung Beweismittel) und verneinte dessen Beweiskraft aus mehreren
Gründen (vgl. act. A35, S. 5). Ebenso erörterte es die Frage einer staatli-
chen Schutzwilligkeit und Schutzfähigkeit (vgl. act. A35, S. 7) und schloss
ferner, dem Beschwerdeführer drohe keine durch Art. 3 EMRK verbotene
Strafe oder Behandlung (vgl. act. A35, Kap. III, Ziff. 1). Unter diesen Um-
ständen sind die Vorhalte, das SEM habe dem besagten (Nennung Be-
weismittel) den Beweiswert ohne rechtsgenügliche Prüfung aberkannt, es
habe nicht geprüft, ob die heimatlichen Behörden in der Lage und willens
wären, ihn vor Übergriffen zu schützen und ob er bei einer Rückkehr nach
El Salvador einer Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK ausgesetzt wäre,
unbehelflich. Im Übrigen ist auch keine Verletzung der Begründungspflicht
zu erkennen, weil es dem Beschwerdeführer möglich war, sich ein Bild über
die Tragweite des vorinstanzlichen Entscheides zu machen und diesen –
wie die vorliegende Beschwerde zeigt – sachgerecht anzufechten (vgl.
BGE 129 I 232 E. 3.2). Der rechtserhebliche Sachverhalt wurde vom SEM
insgesamt richtig und vollständig festgestellt und eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs liegt nicht vor.
3.2 Die Rüge der Verletzung formellen Rechts erweist sich als unbegrün-
det. Der Antrag auf Rückweisung der Sache an das SEM ist abzuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
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politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungs-
gericht hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in
verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Da-
rauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verwei-
sen).
5.
5.1 Das SEM kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die Vor-
bringen des Beschwerdeführers hielten weder den Anforderungen an die
Glaubhaftmachung gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flücht-
lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG stand.
Zur Begründung führte es an, der Beschwerdeführer habe das fluchtauslö-
sende Ereignis vom (Nennung Zeitpunkt) in der BzP und der Anhörung im
Kern jeweils gänzlich abweichend dargestellt. Die auf Vorhalt in der Anhö-
rung abgegebenen Erklärungsversuche seien als Schutzbehauptungen zu
qualifizieren und stellten sich teilweise als weitere Variierung des Sachver-
halts dar. So führe eine zeitlich gedrängte Darstellung der Ereignisse in der
BzP allenfalls zu einer Auslassung eines Sachverhaltselements, nicht je-
doch zu einer inhaltlich komplett abweichenden Sachverhaltsdarstellung.
Umgekehrt habe er angeblich in der Anhörung ein in der BzP ausführlich
geschildertes Sachverhaltselement (...) vergessen zu erwähnen, obwohl
es sich seinen Angaben zufolge dabei um ein Kernelement seiner Schilde-
rung handle. Unter diesen Umständen komme dem eingereichten hand-
schriftlichen (Nennung Beweismittel) offenkundig keine Beweiskraft zu;
überdies könne ein derartiges Schreiben durch jedermann als vermeintli-
ches Beweismittel "angefertigt" werden. In diesem Lichte vermöge das un-
mittelbar vor der Ausreise eingeholte (Nennung Beweismittel) keine Über-
zeugungskraft zu entfalten. Dieses bestätige lediglich (Nennung Inhalt),
gehe aber mit keinem Wort auf das eine Woche zurückliegende fluchtaus-
lösende Ereignis ein. Dies erscheine geradezu unverständlich, zumal er im
Zuge der Ausstellung des Schreibens dieses Ereignis der (Nennung Orga-
nisation) gegenüber ausdrücklich erwähnt habe. Soweit der Beschwerde-
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führer anführe, als Homosexueller einer bestimmten und exponierten sozi-
alen Gruppe im Sinne von Art. 3 AsylG anzugehören, habe er abgesehen
von den als unglaubhaft erkannten Vorbringen keine direkt von den staat-
lichen Behörden oder von deren Repräsentanten ausgehenden ernsthaf-
ten Nachteile geltend gemacht. Ergänzend sei anzuführen, dass in El Sal-
vador keine Homosexuelle verfolgende oder direkt diskriminierende ge-
setzliche – namentlich strafrechtliche – Bestimmungen bestünden. Unbe-
strittenermassen bestehe in gewissen Teilen der Gesellschaft El Salvadors
eine latente und mitunter offene Homophobie, die mit verschiedenen –
auch ernsthaften – Formen von Diskriminierungen verbunden sein könne.
Auch der Beschwerdeführer habe gesellschaftliche Benachteiligungen, je-
doch vom Ausmass her keine ernsthaften Nachteile geltend gemacht. Es
sei ihm möglich gewesen, nach dem Rauswurf aus dem elterlichen Haus
bei seiner (Nennung Verwandte) zu leben und seine schulische Ausbildung
mit dem Erhalt der Matura erfolgreich abzuschliessen. Zwar sei ihm die
Ausbildung als (Nennung Beruf) aus gesellschaftlichen Gründen verwehrt
geblieben. Demgegenüber habe er höhere Ausbildungskurse in (Nennung
Studienrichtung) besucht und sei in diesem Bereich beruflich erfolgreich
tätig gewesen. In El Salvador könne denn auch weder von einer systema-
tischen behördlichen Verfolgung Homosexueller noch vom Ausmass her
allenfalls ernsthaften, systematischen oder gar kollektiven und behördlich
geduldeten Übergriffen seitens privater Drittpersonen ausgegangen wer-
den. Der Beschwerdeführer wäre gegebenenfalls in der Lage, an die zu-
ständigen Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden zu gelangen und all-
fällige Drohungen oder gar Übergriffe Dritter anzuzeigen. Eine allfällige be-
hördliche Untätigkeit könnte der eigens behördlich geschaffenen "Ombuds-
stelle für Menschenrechte" (PDDH) zur Kenntnis gebracht werden. Dem-
gemäss sei von einer staatlichen Schutzwilligkeit und Schutzfähigkeit aus-
zugehen, um Homosexuelle vor diskriminierenden Nachstellungen oder
gar strafrechtlich relevanten Übergriffen seitens privater Dritter im Rahmen
des Möglichen zu schützen. Zudem bestünden in El Salvador aktive Kon-
taktnetze und mehrere legale Vereinigungen, welche die Interessen Homo-
sexueller vertreten würden, namentlich auch die vom Beschwerdeführer
erwähnte (Nennung Organisation), für welche er verschiedene Aktivitäten
entfaltet habe. Der Beschwerdeführer habe demnach als Homosexueller
keine ernsthaften (und glaubhaften) Nachteile erlitten und auch das Vorlie-
gen eines psychischen Drucks sei zu verneinen. Angesichts dessen und
im Lichte der sich seit einiger Zeit verbessernden Lage Homosexueller in
El Salvador sei auch das Bestehen einer begründeten Furcht vor ernsthaf-
ten Nachteilen zu verneinen.
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5.2 Der Beschwerdeführer entgegnete in der Rechtsmittelschrift, er habe
seine Kernvorbringen konsistent geschildert. Dieser Eindruck habe auch
der bei der Anhörung anwesende Hilfswerkvertreter gehabt. Zwar sei es
zutreffend, dass die Schilderungen zu den Erlebnissen nach dem flucht-
auslösenden Ereignis teilweise divergieren würden. Indes habe er das ei-
gentliche fluchtauslösende Erlebnis – namentlich die Bedrohung und Ge-
waltanwendung durch mehrere Polizisten – bereits in der BzP kohärent und
lebensnah geschildert. Für die Glaubhaftigkeit seiner Ausführungen an der
BzP spreche zudem, dass er am Ende derselben nach einem HIV-Test ge-
fragt habe. Anlässlich der Anhörung habe er seine Gefühlslage und Ängste
während des Übergriffs sehr anschaulich und lebensnah geschildert. Wei-
ter lasse sich der Vorhalt einer widersprüchlichen Aussage zum Ort des
Tathergangs leicht auflösen, zumal er bereits in der BzP angegeben habe,
(Ausführungen zum Ort des Tathergangs). Seine Ausführungen zum Auf-
finden des (Nennung Beweismittel) seien sodann ebenfalls in sich stimmig
ausgefallen. Weiter würden andere Schilderungen, so zu den erlittenen ge-
sellschaftlichen Diskriminierungen in seiner Jugend, seinem Engagement
für die Rechte von LGBT-Personen und der Schwierigkeiten, in seiner Hei-
mat ein einigermassen angenehmes Leben zu führen, für die Glaubhaf-
tigkeit seiner Fluchtgeschichte sprechen. Ferner habe er in der BzP seine
Asylgründe nur verkürzt darstellen können. Die Vorinstanz habe selber an-
gegeben, dass die zeitlich gedrängte Darstellung zu einer "Auslassung ei-
nes Sachverhaltselements" führen könne, was hier offenbar geschehen
sei. Zudem sei der summarische Charakter der BzP hervorzuheben und
auf den Umstand hinzuweisen, dass gemäss der Rechtsprechung – so
auch des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) – wi-
dersprüchliche Aussagen zwischen BzP und Anhörung nicht stark gewich-
tet werden dürften. Weiter sei gemäss EGMR die kurze Zeitspanne zwi-
schen den fluchtauslösenden traumatischen Ereignissen und der BzP so-
wie der langen Dauer zwischen BzP und der Anhörung zu berücksichtigen,
zumal dies ungereimte Aussagen zu erklären vermöge. Sodann sei bei ihm
als Opfer sexueller Gewalt von einer ein Vermeidungsverhalten auslösen-
den Traumatisierung auszugehen. Zwar habe er zum eigentlichen trauma-
tisierenden Ereignis kohärente Aussagen machen können, jedoch sei es
ihm nicht mehr gelungen, die auf das Ereignis folgenden Geschehensab-
läufe in eine stringente, chronologische Abfolge zu bringen. Es treffe zwar
zu, dass er die in der BzP erwähnte Passantin in der Anhörung nicht mehr
beziehungsweise erst auf Vorhalt erwähnt habe. Jedoch habe er in der An-
hörung seine weiteren Schritte nach dem Vorfall schlüssig und überzeu-
gend dargelegt. In der BzP habe er wohl von einem Polizeiposten gespro-
chen. Aufgrund der Hektik könne es durchaus sein, dass er damit den im
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Spital stationierten Polizisten gemeint habe. Weiter treffe es auch zu, dass
er das Schicksal der Polizisten nur in der BzP von sich aus erwähnt habe.
Er sei davon ausgegangen, dass diese Ausführungen bereits aktenkundig
seien. Zudem seien sie für ihn auch nicht fluchtauslösend gewesen. Bei
diesem Teil der Ausführungen handle es sich auch nicht "offenkundig" um
ein "Kernelement" seiner Berichterstattung, sondern vielmehr um eine
Folge der Ereignisse, die zu seiner Furcht vor weiteren Übergriffen und zur
Flucht geführt hätten. Ohnehin habe er gute Gründe gehabt, nicht an eine
effektive Strafverfolgung der Polizisten zu glauben. Hinsichtlich der Abwei-
chung bei der Datumsangabe der (Nennung Übergriff) sei anzuführen,
dass er bei der BzP gerade erst in der Schweiz angekommen und noch
sehr nervös gewesen sei. Ohnehin handle es sich um eine geringfügige
Abweichung von einem Tag, was noch nicht als Widerspruch erachtet wer-
den könne. Weiter sei betreffend die Zahl und Abfolge der beherbergenden
Freunde kein Widerspruch ersichtlich. Zu den Beweismitteln sei anzufüh-
ren, dass er zum Erhalt des (Nennung Beweismittel) kohärente Aussagen
gemacht habe. Es sei daher nicht ersichtlich, weshalb die allfälligen Unge-
reimtheiten betreffend andere Vorkommnisse dessen Beweiskraft minimie-
ren sollten. Stossend sei sodann die Annahme, diesem Dokument komme
wegen seiner Handschriftlichkeit kaum Beweiskraft zu, ansonsten jedes
handschriftliche Dokument nicht beweiskräftig wäre, da diese nicht amtlich
ausgestellt oder beglaubigt würden. Weiter sei nicht erstaunlich, dass das
Schreiben der (Nennung Organisation) keinen Bezug zum fluchtauslösen-
den Ereignis enthalte, müsste die Vereinigung doch andernfalls um ihre
Sicherheit besorgt sein. Auch habe er explizit nur um eine Bestätigung sei-
ner Mitgliedschaft gebeten. Insgesamt sei die angeführte Verfolgung seiner
Person in ihrem Kern als glaubhaft gemacht zu erachten.
Die aktive Mitgliedschaft in einer Vereinigung, die sich für die Rechte der
LGBT-Personen einsetze, könne im länderspezifischen Kontext von El Sal-
vador für die Annahme einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung aus-
reichen. Im Lichte der zitierten Berichte – so insbesondere eines Berichts
von Human Rights Watch (HRW) vom Januar 2021 zur Situation von
LGBT-Personen in El Salvador – sei durchaus von einer zumindest behörd-
lich geduldeten Verfolgung von LGBT-Personen auszugehen, weshalb die
staatlichen Behörden weder als schutzwillig noch als schutzfähig bezeich-
net werden könnten. Bei einer Rückkehr müsse er Racheakte der von ihm
angezeigten Polizisten, gesellschaftliche Diskriminierung und weitere
Übergriffe durch kriminelle Banden oder durch Polizeikräfte befürchten.
Weder der Staat noch Institutionen wie die Ombudsstelle für Menschen-
rechte vermöchten der täglichen Gewalt entgegenzuwirken. In Verbindung
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mit der bereits erlebten Gewalt und der ihm drohenden Gefahr für Leib und
Leben habe er im Fall einer Wegweisung einen unerträglichen psychischen
Druck, mithin eine asylrelevante Verfolgung seiner Person zu gewärtigen.
5.3 Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung fest, zwar treffe es zu, dass
der Beschwerdeführer das Kernvorbringen im engsten Sinne – die Gewalt-
anwendung durch mehrere Polizisten – in der BzP und in der Anhörung im
Wesentlichen übereinstimmend geschildert habe. Indessen erweise sich
die Schilderung der unmittelbar nachfolgenden und mit dem Kernvorbrin-
gen eng zusammenhängenden Ereignisse als derart krass abweichend,
dass die Glaubhaftigkeit des gesamten Vorbringens zu verneinen sei. Eine
derartige Abweichung lasse sich auch nicht mit Zeitdruck während der BzP
oder der schwierigen psychischen Verfassung kurz nach seiner Ankunft in
der Schweiz erklären. Vielmehr enthalte das Protokoll der BzP eine aus-
führliche Schilderung des gesamten Ereignisablaufes in freier Rede. Die
dort protokollierten Aussagen des Beschwerdeführers seien zudem rück-
übersetzt und deren Richtigkeit durch ihn unterschriftlich bestätigt worden.
Darauf müsse er sich nunmehr behaften lassen. In diesem Lichte vermöch-
ten die entsprechenden Ausführungen auf den Seiten 7-9 der Beschwer-
deschrift nicht zu überzeugen. So würden sich ein "Schockzustand und ein
allfälliges "Vermeidungsverhalten" bei Opfern namentlich von sexueller
Gewalt ja in erster Linie auf die Schilderung der sexuellen Vorgänge an
sich beziehen, nicht jedoch auf die Schilderung der nachfolgenden Ereig-
nisse und des nachfolgenden Verhaltens. Im Weiteren handle es sich auch
bei der Schilderung des nachfolgenden Schicksals der verantwortlichen
Polizisten um ein zentrales Sachverhaltselement. Einerseits hätte nämlich
eine allfällige und umgehende Festnahme dieser Polizisten potenziell eine
unmittelbare Auswirkung auf deren weitere Verhaltensweise, mithin auch
auf eine mögliche weitere Gefährdung des Beschwerdeführers. Anderer-
seits bildete eine derartige umgehende Festnahme ein deutliches Indiz für
einen tatsächlichen Schutzwillen der zuständigen Behördenstellen; gerade
auch, weil es sich bei den mutmasslichen Straftätern um Polizisten handle.
Im Schreiben der (Nennung Organisation) werde sodann der unmittelbare
Ausreiseanlass mit keinem Wort erwähnt, obwohl dieses vom Beschwer-
deführer gegenüber der (Nennung Organisation) ausdrücklich geschildert
worden sei und er um ein entsprechendes Bestätigungsschreiben im Hin-
blick auf seine Ausreise ersucht habe. Es sei nach wie vor nicht nachvoll-
ziehbar, weshalb darin ausgerechnet die Erwähnung des fluchtauslösen-
den Ereignisses unterlassen worden sei. Bezeichnenderweise habe der
Beschwerdeführer bislang kein weiteres, ausführlicheres und die unmittel-
baren Ausreisegründe erläuterndes Schreiben der (Nennung Organisation)
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Seite 13
eingereicht.
Im Weiteren sei in EI Salvador eine Kollektivverfolgung Homosexueller
nach wie vor klarerweise zu verneinen, auch wenn der Weg zu einer tat-
sächlich diskriminierungsfreien Gesellschaft – nicht nur in Lateinamerika –
mitunter noch ein weiter sei. Umgekehrt existiere in den meisten lateiname-
rikanischen Staaten gleichzeitig auch eine lebendige und offene "Schwu-
lenszene", so auch in EI Salvador. In diesem Lichte sei bezüglich des Be-
schwerdeführers auch das Bestehen eines objektiv unerträglichen psychi-
schen Drucks zu verneinen, zumal sich sein Kernvorbringen als unglaub-
haft herausgestellt habe. Gerade auch die in der Rechtsmitteleingabe zi-
tierte Einschätzung des UNHCR betreffend das Risikoprofil von LGBT-Per-
sonen in EI Salvador betone im Übrigen die Notwendigkeit einer Einzelfall-
prüfung. Eine derartige Einzelfallprüfung setze in allen Fällen eine vorgän-
gige Prüfung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen voraus, die beim Be-
schwerdeführer in Bezug auf sein Kernvorbringen negativ ausfalle.
5.4 In seiner Replik führte der Beschwerdeführer aus, es erkenne nun auch
die Vorinstanz, dass er sein Kernvorbringen zu den fluchtauslösenden Er-
eignissen glaubhaft vorgetragen habe. Bereits angesichts dieser Erleb-
nisse sei von einer in seiner Heimat drohenden flüchtlingsrechtlich relevan-
ten Verfolgungssituation auszugehen. So könne er keinen Schutz seitens
der Polizei vor gewalttätigen Übergriffen erwarten, zumal er selber Opfer
eines polizeilichen Übergriffs geworden sei. Entsprechend begründe sich
auch seine subjektive Furcht vor künftiger Verfolgung anhand objektiver
Gegebenheiten. Die vorgehaltenen Ungereimtheiten – welche nicht als
krass bezeichnet werden könnten – liessen sich mit der Befragungssitua-
tion und insbesondere mit seiner psychischen Verfassung erklären. So
könnten Gedächtnisverluste im Zusammenhang mit traumatischen Erleb-
nissen auch nur bestimmte Aspekte eines Ereignisses oder bestimmte Er-
eignisse in einem Zeitraum (selektive Amnesie) erfassen. Da er nach dem
sexuellen Übergriff durch die Polizisten in einem absoluten Ausnahmezu-
stand gewesen sei, sei es zu Erinnerungslücken und Verwirrung in Bezug
auf chronologische Abläufe von Ereignissen gekommen. Das fluchtauslö-
sende Ereignis sei die Gewaltausübung und (Nennung Übergriff) durch die
Polizisten gewesen. Ohnehin könne er nur spekulieren, weshalb er durch
(Nennung Beweismittel) bedroht worden sei. Ferner würde die vorüberge-
hende Festnahme der verantwortlichen Polizisten noch kein Indiz für einen
tatsächlichen Schutzwillen der Behörden darstellen, falls diese kurz darauf
wieder entlassen und strafrechtlich nicht weiter verfolgt worden wären.
Auch mute es zynisch an, dass er sich laut SEM nicht um ein weiteres
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Schreiben der (Nennung Organisation) bemüht habe, zumal sich die Vor-
instanz nach seiner Ausreise (Nennung Dauer) Zeit gelassen habe, um ihn
vertieft anzuhören. Zudem pflege er (spätestens) seit der Ausreise keinerlei
Kontakte zur Familie, zu Freunden und Bekannten und habe entsprechend
auch keine Verbindungen mehr zur (Nennung Organisation). Sodann be-
lege die Vorinstanz ihre Ansicht, dass eine Kollektivverfolgung in El Salva-
dor zu verneinen sei, weiterhin nicht. In der Beschwerdeschrift habe an-
hand zahlreicher länderspezifischer Berichte dargelegt werden können,
dass in seiner Heimat LGBT-Personen systematischer Diskriminierung
ausgesetzt seien.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Abwägung der Argu-
mente zum Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwer-
deführers zu Recht abgelehnt hat. Der Beschwerdeführer vermag mit sei-
nen Entgegnungen auf Beschwerdestufe die vom SEM getroffene Ein-
schätzung nicht umzustossen.
6.1.1 Die Schilderungen des Beschwerdeführers zum fluchtauslösenden
Ereignis (Nennung Vorfall) erweisen sich in den wesentlichen Punkten als
widersprüchlich. Die Vorinstanz erwog mit zutreffender Begründung, dass
der Beschwerdeführer diesbezüglich in der BzP und der späteren Anhö-
rung jeweils eine gänzlich unterschiedliche Ereigniskette geschildert hat,
die sich weder durch den Zeitablauf noch durch den Zeitraum zwischen
BzP und Anhörung erklären lassen. Seine Hinweise auf den summarischen
Charakter der BzP, die kurze Zeitspanne zwischen den fluchtauslösenden
traumatischen Ereignissen und der BzP, die lange Dauer zwischen BzP
und der Anhörung und – da er Opfer sexueller Gewalt geworden sei – auf
seine ein Vermeidungsverhalten auslösende Traumatisierung sind als nicht
stichhaltig zu erachten. Zu Beginn der BzP wurde dem Beschwerdeführer
erklärt, dass eine Zusammenfassung der wichtigsten Fakten, die ihn zum
Verlassen der Heimat veranlasst hätten, erstellt werde und seine Argu-
mente in einer späteren Anhörung weiter vertieft werden könnten. Bezüg-
lich des Dolmetschers wurde festgehalten, dass dieser die Fragen des Be-
fragers und die Antworten des Beschwerdeführers Wort für Wort überset-
zen werde. Der Dolmetscher sei neutral und unparteiisch, stelle aus eige-
nem Antrieb keine Fragen und habe keinen Einfluss auf den Asylentscheid
(vgl. act. A8, S. 1). Weiter wurde er darüber in Kenntnis gesetzt, dass alle
bei der Befragung beteiligten Personen bezüglich ihrer Aussagen an die
Schweigepflicht gebunden seien. Es wurde ihm zudem versichert, dass die
Behörden in seinem Land von seinen Aussagen nicht erfahren würden und
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er ohne Angst sprechen könne. Sodann unterstehe er einer Mitwirkungs-
und Wahrheitspflicht und sei verpflichtet, die ihm gestellten Fragen nach
bestem Wissen und Gewissen zu beantworten. Widersprüche, unsubstan-
tiierte Aussagen und gefälschte Dokumente würden sich negativ auf seinen
Asylentscheid auswirken. Auf Nachfrage erklärte der Beschwerdeführer
denn auch explizit, alle einleitenden Punkte respektive Erklärungen ver-
standen zu haben und den Dolmetscher gut zu verstehen (vgl. act. A8,
S. 2), weshalb er sich darauf behaften lassen muss. Dem Protokoll ist zu
entnehmen, dass der Beschwerdeführer zunächst in freiem Vortrag Aus-
führungen machte, welche anschliessend durch weitere Nachfragen ver-
tieft wurden. Am Ende der BzP bestätigte er nach Rückübersetzung in sei-
ner Muttersprache die Korrektheit und Wahrheit der Aussagen mit seiner
Unterschrift (vgl. act. A8, S. 10). Gleiches gilt zunächst auch hinsichtlich
der Anhörung, anlässlich welcher der Beschwerdeführer von der Möglich-
keit, im Rahmen der Rückübersetzung Ergänzungen und Korrekturen an
seinen Aussagen anzubringen, Gebrauch machte (vgl. act. A30, S. 1, 2,
10, 12, 15 und 16). Am Schluss derselben bestätigte er überdies die Voll-
ständigkeit des Protokolls und dass er seinen Ausführungen nichts Wichti-
ges mehr beizufügen habe (vgl. act. A30, F74 und S. 16). Soweit er auf die
lange Dauer zwischen BzP und der Anhörung hinweist, ist im Sinne der
Ausführungen in der Beschwerdeschrift festzuhalten, dass es durchaus
wünschenswert ist, wenn zwischen der BzP und der Anhörung ein relativ
kurzer Zeitraum liegt. Jedoch existiert keine zwingende, mit Rechtsfolgen
versehene gesetzliche Verpflichtung des SEM, die Anhörung innerhalb ei-
nes gewissen Zeitraums nach der BzP durchzuführen. Allerdings ist der
Länge des zwischen BzP und Anhörung verstrichenen Zeitraums bei der
Würdigung der Aussagen Rechnung zu tragen. Aus den Akten sind vorlie-
gend keine Anhaltspunkte ersichtlich, dass der zwischen den beiden Be-
fragungen verstrichene Zeitraum einen Einfluss auf das Aussageverhalten
des Beschwerdeführers gehabt hätte, solches hat er im Übrigen im Rah-
men der Anhörung auch nicht geltend gemacht. Bezüglich der angeführten
Traumatisierung liefert eine Durchsicht der Befragungsprotokolle (BzP und
Anhörung) keine Anhaltspunkte, welche an deren Verwertbarkeit ernsthafte
Zweifel aufkommen lassen. Der Beschwerdeführer machte weder in der
BzP noch während der Anhörung geltend, seine gesundheitliche Situation
hätte ihn daran gehindert, seine Asylgründe vollständig, detailliert und kor-
rekt darzulegen. Aus den entsprechenden Protokollen sind denn auch
keine solchen Probleme erkennbar. Am Ende der BzP führte er auf die ex-
plizite Frage nach seiner psychischen und physischen Gesundheit keine
Beeinträchtigung oder Erkrankung seines psychischen Gesundheitszu-
standes an, sondern führte einzig aus, er habe Angst HIV-positiv zu sein
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und würde gerne einen Test machen (vgl. act. A8, Ziff. 8.02, S. 10). Im Üb-
rigen hält die Vorinstanz zu Recht fest, dass sich ein "Schockzustand und
ein allfälliges "Vermeidungsverhalten" bei Opfern namentlich von sexueller
Gewalt in erster Linie auf die Schilderung der sexuellen Vorgänge an sich
beziehen, nicht aber auf die Schilderung von damit in Zusammenhang ste-
henden weiteren Begebenheiten oder Verhaltensweisen. Auch der Ein-
wand, er habe sich nach dem sexuellen Übergriff durch die Polizisten in
einem absoluten Ausnahmezustand befunden, ist als nicht stichhaltig zu
erachten, nachdem der Beschwerdeführer über (Nennung Dauer) nach
dem angeblichen Vorfall von den Schweizer Behörden erstmals befragt
wurde. Dies gilt umso mehr, als der Beschwerdeführer sich vor seiner Ein-
reise in die Schweiz (Nennung Dauer) in E._ aufhielt und sich of-
fensichtlich nicht veranlasst sah, in F._ ein Asylgesuch einzu-
reichen. Soweit der Beschwerdeführer auf wissenschaftliche Untersuchun-
gen verweist, welche zeigen würden, dass Opfer den Ablauf eines körper-
lichen Angriffs zu schildern vermöchten, ohne den Hergang oder die Folgen
dieses Ereignisses genauer beschreiben zu können, vermag er daraus
nichts zu seinen Gunsten herzuleiten. So hat er sowohl anlässlich der BzP
als auch in der Anhörung gerade Ausführungen zum Hergang und den Fol-
gen des Übergriffs gemacht, welche jedoch total unterschiedlich ausgefal-
len sind (vgl. act. A35, S. 4 f.). Angesichts vorstehender Ausführungen
kann der pauschale Einwand, wonach seine erst in der Anhörung gemach-
ten Ausführungen zum Spitalbesuch der Aufforderung, sich in der BzP auf
die wesentlichen Vorbringen zu beschränken, zum Opfer gefallen sein
könnten, nicht gehört werden. Zudem ist dieses Sachverhaltselement –
entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht – angesichts des un-
trennbaren Zusammenhangs mit dem Übergriff der Polizisten ebenfalls als
ein Kernelement seiner Begründung zu betrachten.
6.1.2 Gemäss ständiger Rechtsprechung ist es sodann zulässig, Wider-
sprüche für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit heranzuziehen, wenn klare
Aussagen in der BzP in wesentlichen Punkten der Asylbegründung von den
späteren Aussagen in der Anhörung bei der Vorinstanz diametral abwei-
chen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche später
als zentrale Asylgründe genannt werden, nicht bereits im Empfangszent-
rum zumindest ansatzweise erwähnt werden (vgl. statt vieler: Urteil des
BVGer D-3114/2018 vom 28. Juni 2019 E. 5.1 m.w.H; EMARK 1993 Nr. 3).
In der angefochtenen Verfügung hat sich das SEM nicht in unzulässiger
Weise auf das Protokoll der BzP abgestützt. Zu Recht führte es an, dass
der Beschwerdeführer das Ereignis, wonach er (Nennung Ereignis), in den
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Seite 17
Kernpunkten komplett unterschiedlich geschildert hat. Soweit der Be-
schwerdeführer behauptet, auch das SEM anerkenne nun in seiner Ver-
nehmlassung, dass er sein Kernvorbringen zu den fluchtauslösenden Er-
eignissen glaubhaft vorgetragen habe, ist dieser Ansicht nicht beizupflich-
ten. Diesbezüglich ignoriert er die differenzierte Argumentation der Vor-
instanz, wonach er das Kernvorbringen im engsten Sinne – (Nennung
Kernvorbringen) – im Wesentlichen übereinstimmend geschildert habe; da
jedoch speziell die Schilderung der unmittelbar nachfolgenden und mit dem
Kernvorbringen eng zusammenhängenden Ereignisse derart krasse Ab-
weichungen enthalte, sei die Glaubhaftigkeit des gesamten Vorbringens zu
verneinen (vgl. act. A43, S. 1). Soweit der Beschwerdeführer zum Vorhalt
einer widersprüchlichen Aussage zum Ort des Tathergangs einwendet, er
habe bereits in der BzP angegeben, zunächst auf dem Nachhauseweg von
der (Nennung Örtlichkeit) verhaftet worden zu sein und das in der späteren
Anhörung verwendete Wort "genommen" habe die gleiche Bedeutung wie
"verhaftet", bleibt dieser Einwand unbehelflich. Anlässlich der BzP führte er
an, er sei in C._ verhaftet worden, als er nach einem (Nennung
Länge) Fussmarsch bei (Nennung Örtlichkeit) angekommen sei, ohne in
diesem Zusammenhang einen späteren Ortswechsel auch nur andeu-
tungsweise zu erwähnen (vgl. act. A8, Ziffn. 7.01 und 7.02, S. 9). Hingegen
führte er in der Anhörung aus, die Polizisten hätten ihn festgenommen,
nachdem er von der (Nennung Örtlichkeit) aus (Nennung Strecke) gegan-
gen sei, und an einen anderen Ort gebracht, wo eine G._ gewesen
sei (vgl. act. A30, F25, S. 5). Weiter gesteht der Beschwerdeführer selber
ein, die in der BzP erwähnte Passantin in der Anhörung nicht mehr bezie-
hungsweise erst auf Vorhalt erwähnt zu haben. Diese Ungereimtheit ver-
mag er mit dem blossen Hinweis, er habe dafür in der Anhörung seine wei-
teren Schritte nach dem Vorfall schlüssig und überzeugend dargelegt, nicht
zu entkräften. Sodann kann auch der Einwand, wonach es sich beim Er-
klärungsversuch zur Frage 69 nicht um eine weitere Sachverhaltsversion
handle, da er sich bloss an den Ablauf der Geschehnisse zu erinnern ver-
sucht habe, was für ihn schwierig gewesen sei, angesichts der in E. 6.1.1
enthaltenen Erwägungen und Schlussfolgerungen zur geltend gemachten
Traumatisierung nicht gehört werden. Weiter anerkennt der Beschwerde-
führer, dass er das weitere Schicksal der Polizisten nur in der BzP von sich
aus erwähnt hat. Da ihm zu Beginn der Anhörung Sinn und Zweck dersel-
ben erklärt wurde und er insbesondere darauf hingewiesen wurde, alle für
sein Asylgesuch wichtigen Geschehnisse zu nennen (vgl. act. A30, S. 2),
vermag er seine Unterlassung nicht mit dem Hinweis, er sei davon ausge-
gangen, dass diese Ausführungen bereits aktenkundig seien, plausibel zu
erklären. Zudem hat die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung einlässlich
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und mit zutreffender Begründung dargelegt, weshalb es sich auch in die-
sem Punkt um ein zentrales Sachverhaltselement handelt. Der Beschwer-
deführer vermag diesen Ausführungen, ausser der nicht weiter konkreti-
sierten Behauptung, dies sei für ihn nicht fluchtauslösend gewesen, nichts
Stichhaltiges entgegenzusetzen. Wenig überzeugend ist sodann das Vor-
bringen, die widersprüchliche Angabe des Datums der (Nennung Übergriff)
lasse sich durch seine Nervosität in der BzP erklären, da er erst kurz vorher
in die Schweiz eingereist sei. Es ist erneut auf den vor seiner Einreise lie-
genden (Nennung Dauer) Aufenthalt in F._ hinzuweisen, wo er
zweifelsohne Zeit und Gelegenheit hatte, sich mit den europäischen Ge-
pflogenheiten vertraut zu machen, zur Ruhe zu finden und von aus er nur
noch ein kurzes Wegstück bis in die Schweiz zurücklegen musste. Der wei-
tere Einwand zum Vorhalt widersprüchlicher Angaben zu Zahl und Abfolge
der ihn bis zur Ausreise aus El Salvador beherbergenden Freunde ist so-
dann als blosse Anpassung des Sachverhalts an seine in der BzP gemach-
ten Aussagen zu werten. So will er anlässlich der Anhörung nur denjenigen
Freund erwähnt haben, der ihn am längsten beherbergt und von dem aus
er das Land verlassen habe (vgl. act. A30, F73). Kurz vorher bestätigte der
Beschwerdeführer jedoch auf Nachfrage, er habe nach dem Auffinden des
(Nennung Beweismittel) die Koffer gepackt und sei umgehend zu seinem
Freund in H._ gegangen, wo er bis zur Ausreise geblieben sei (vgl.
act. A30, F67). Schliesslich weisen auch die Ausführungen zum eigentli-
chen Grund, warum der Beschwerdeführer das Lokal verliess, in welchem
er zusammen mit Freunden im (Nennung Zeitpunkt) gefeiert habe, erheb-
liche Ungereimtheiten auf. So hat er laut Angaben in der BzP in einer Bar
(Nennung Grund) gefeiert und sei nach dieser Feier – wie alle anderen –
nach Hause gegangen, wo er alleine in einer Wohnung in C._ ge-
lebt habe (vgl. act. A8, Ziff. 2.01 sowie Ziff. 7.01, S. 9). Demgegenüber
brachte er in der Anhörung vor, er sei während des Zusammenseins mit
seinen Freunden von zuhause angerufen worden; es sei ihm gesagt wor-
den, dass Kontrollen stattfinden würden, worauf er nach Hause gegangen
sei (vgl. act. A30, F25, 1. Absatz).
6.1.3 Der Beschwerdeführer vermag aus der dargelegten Einschätzung
des bei der Anhörung anwesenden Hilfswerkvertreters nichts zu seinen
Gunsten abzuleiten. Es handelt sich dabei um eine persönliche Einschät-
zung der Hilfswerkvertretung zur Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Be-
schwerdeführers und zu den Voraussetzungen an die Flüchtlingseigen-
schaft gemäss Art. 3 AsylG, die vom gesetzlichen Auftrag und Kompetenz-
umfang nach aArt. 30 Abs. 4 AsylG nicht erfasst wird. Sie ist Aufgabe der
Vorinstanz und letztlich des Gerichts.
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6.1.4 Aufgrund des Gesagten kann der (Nennung Beweismittel) in der Tat
keinerlei Beweiskraft beigemessen werden. Daran vermag nichts zu än-
dern, dass der Beschwerdeführer laut seinen Angaben zum Erhalt des
(Nennung Beweismittel) kohärente Aussagen gemacht hat, erschöpfen
sich diese Aussagen doch darin, dass er die Notiz respektive den (Nen-
nung Beweismittel) unter seiner Tür gefunden habe, als er nach Hause zu-
rückgekehrt sei (vgl. act. A8, S. 9; A30, S. 6, 1. Absatz). Unter diesen Um-
ständen erübrigt es sich, auf den weiteren Einwand zur Beweiskraft von
handschriftlichen Dokumenten im Allgemeinen einzugehen. Auch das
Schreiben der (Nennung Organisation) vom (...) vermag keinen Beleg für
die vorgebrachten Fluchtgründe darzustellen. Es werden darin keinerlei
Verbindungen zu den Schilderungen des Beschwerdeführers, die letztlich
zu seiner Ausreise geführt haben sollen, hergestellt, sondern lediglich
(Nennung Inhalt) aufgeführt. Soweit der Beschwerdeführer die Nichtnen-
nung des fluchtauslösenden Ereignisses darauf zurückführt, dass die Ver-
einigung andernfalls um ihre Sicherheit besorgt sein müsste, vermag diese
allgemein gehaltene Entgegnung nicht zu überzeugen. So hat sich diese
Vereinigung gemäss ihrer Webseite zum Ziel gesetzt, (Nennung Ziel). Es
wäre somit zu erwarten gewesen, dass die dargelegte Verletzung der Men-
schenrechte des Beschwerdeführers eine entsprechende Resonanz in der
erwähnten Bestätigung gefunden hätte. Das Vorbringen des Beschwerde-
führers, er habe explizit nur um eine Bestätigung seiner Mitgliedschaft ge-
beten, lässt sich durch die Akten nicht stützen. Anlässlich der Anhörung
gab er dazu nämlich an, er habe bei der (Nennung Organisation) angeru-
fen, um eine Lösung zu finden. Es sei ihm unter anderem ein Schreiben in
Aussicht gestellt worden, in welchem seine aktive Mitgliedschaft bestätigt
würde (vgl. act. A30, F57). Es wäre jedoch angesichts der angeblich lang-
jährigen Mitgliedschaft des Beschwerdeführers sowohl in seinem Interesse
als auch in demjenigen der (Nennung Organisation) gewesen, den ausrei-
serelevanten Vorfall schriftlich festzuhalten, um diesen Dritten beziehungs-
weise der Öffentlichkeit zur Kenntnis zu bringen. Sodann bleibt der Hin-
weis, er pflege seit der Ausreise keinerlei Kontakte zu Personen in der Hei-
mat, weshalb er dementsprechend auch keine Verbindungen mehr zur
(Nennung Organisation) habe, unbehelflich. Aus seinen Ausführungen in
der Anhörung erschliesst sich, dass er aus eigenem Entschluss keinen
Kontakt mit Freunden oder Angehörigen mehr pflegt, da sein Leben gefähr-
det sei und diese nicht wissen sollen, dass er sich in der Schweiz aufhält
(vgl. act. A30, F6-8). Daraus kann nicht geschlossen werden, er verfüge
über keine Kontakte mehr in der (Nennung Organisation) und es sei ihm
verwehrt, vorbestandene Kontakte zu reaktivieren. Überdies hatte er die
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Vereinigung bereits über die Gründe seiner Flucht und die Ausreise als sol-
che informiert (vgl. act. A30, F57-59). Ohnehin will er den Kontakt zu seiner
Familie bereits im Alter von (...) Jahren komplett abgebrochen haben, wes-
halb seine obige Begründung zum Grund der Nichtwiederaufnahme von
Kontakten mit Personen in der Heimat – soweit seine Angehörigen betref-
fend – kaum zu überzeugen vermag (vgl. act. A8. S. 5; A30, S. 5).
6.1.5 Der Beschwerdeführer vermag das gemäss seinen Ausführungen
ausreiserelevante Vorkommnis vom (Nennung Zeitpunkt) und die daraus
resultierenden weiteren Begebenheiten somit insgesamt nicht glaubhaft zu
machen.
6.2 Das geltend gemachte Verfolgungsmotiv der Homosexualität lässt sich
unter der in Art. 3 AsylG erwähnten „sozialen Gruppe“ erfassen (vgl. Urteil
des BVGer D-6758/2017 vom 5. Juli 2019 E. 5.2.2). Dies steht in Überein-
stimmung mit der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH)
vom 7. November 2013 (C-199/12, C-200/12, C-201/12), wonach homose-
xuelle Asylsuchende eine bestimmte soziale Gruppe bilden können, die der
Verfolgung wegen ihrer sexuellen Ausrichtung ausgesetzt ist. So sei die
sexuelle Orientierung ein bedeutendes Merkmal der Identität, weshalb von
einem Asylsuchenden nicht erwartet werden könne, dass er seine Homo-
sexualität geheim halte oder sich beim Ausleben dieser sexuellen Ausrich-
tung zurückhalte, um eine Verfolgung zu vermeiden.
In El Salvador sind gleichgeschlechtliche Beziehungen nicht verboten, die
gleichgeschlechtliche Ehe wird jedoch nicht anerkannt. Gemäss Strafge-
setzbuch sind sogenannte "Hassdelikte", zu welchen auch Delikte auf-
grund der sexuellen Identität, des Ausdrucks der Geschlechtszugehörigkeit
und der sexuellen Orientierung gehören, mit einer Strafe zwischen drei und
sechs Jahren bedroht. Das am 12. Mai 2010 in Kraft getretene Dekret
Nr. 56 macht deutlich, dass aus rechtlicher Sicht behördlich gegen Diskri-
minierung aufgrund der sexuellen Orientierung von Personen vorgegangen
wird. Laut der kanadischen Migrationsbehörde können sich Opfer von
Übergriffen an die Polizei oder die Staatsanwaltschaft wenden. Polizeige-
walt könne auch beim Ombudsmann für Menschenrechte gemeldet wer-
den (vgl. El Salvador: Information Gathering Mission Report – Part 2 – The
Situation of Women Victims of Violence and of Sexual Minorities in El Sal-
vador, 09.2016, https://www.justice.gov/eoir/page/file/905681/download.,
abgerufen am 28.03.2022). Es existieren verschiedene Berichte über Ge-
walt gegen und Diskriminierung von homosexuellen Personen, wobei es
offenbar vorkommt, dass die Polizei auf konkrete Anzeigen nicht reagiert
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(vgl. Human Rights Institute – Georgetown University, Uniformed Injustice:
State Violence Against LGBT People in El Salvador, 04.2017,
https://www.law.georgetown.edu/human-rights-institute/wp-content/uplo-
ads/sites/7/2017/07/2017-HRI-Report-Uniformed-Injustice.pdf, abgerufen
am 28.03.2022;). Weiter ist anzunehmen, dass ein nicht unbeträchtlicher
Teil der Bevölkerung von El Salvador eine ablehnende Haltung gegenüber
homosexuellen Personen einnimmt und deren sexuelle Orientierung miss-
billigt, welche oft als Verstoss gegen traditionelle Normen und Werte be-
trachtet wird (vgl. Human Rights Watch [HRW], “Every Day I Live in Fear”:
Violence and Discrimination Against LGBT People in El Salvador, Guate-
mala, and Honduras, and Obstacles to Asylum in the United States,
07.10.2020, https://www.hrw.org/report/2020/10/07/every-day-i-live-fear/
violence-and-discrimination-against-lgbt-people-el-salvador, abgerufen am
28.03.2022; Norwegian Refugee Council (NRC), The impact of violence on
LGBTI people in the North of Central America, 15.11.2019, abgerufen auf
https://reliefweb.int/sites/reliefweb.int/files/resources/Protection%20Snap-
shot%206%20-%20English%20-%20September%202019.pdf, abgerufen
am 28.03.3022). Entsprechende Diskriminierungen – so insbesondere im
familiären und im schulischen Bereich – hat der Beschwerdeführer denn
auch in seinem Fall geschildert. Es ist jedoch davon auszugehen, dass ho-
mosexuelle Personen in El Salvador von Seiten des Staates grundsätzlich
geduldet sind und ihnen ein gewisser Schutz nicht verwehrt wird. Nach
dem Gesagten ist eine asylrelevante Verfolgung aufgrund der Homosexu-
alität des Beschwerdeführers zu verneinen (vgl. dazu auch Urteil des
BVGer E-1115/2018 vom 24. Februar 2020 E. 6.1 ff.).
6.3 Eine subjektiv empfundene Furcht vor Benachteiligung (respektive vor
staatlicher Schutzverweigerung bei Übergriffen) stellt erst dann eine flücht-
lingsrechtlich bedeutsame Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG dar, wenn
sie auch objektiv nachvollziehbar und mithin begründet ist. Zumindest letz-
teres Element liegt angesichts der Vorbringen des Beschwerdeführers
nicht vor. Die ihm widerfahrene Polizeigewalt anlässlich eines Vorfalls im
(Nennung Zeitpunkt) konnte er aufgrund erheblicher Widersprüche in we-
sentlichen Punkten seines Sachverhaltsvortrags nicht glaubhaft machen
(vgl. E. 6.1 oben). In Ermangelung einer glaubhaft gemachten gegenteili-
gen persönlichen Erfahrung kann demnach nicht mit hoher Wahrschein-
lichkeit davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer Opfer se-
xueller Gewalt durch Beamte geworden ist und ihm im Nachgang durch die
Strafverfolgungsbehörden der Schutz verweigert wurde.
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6.4 Zur aufgeworfenen Frage einer Kollektivverfolgung von homosexuellen
Personen in El Salvador durch die Regierung, durch kriminelle Banden
oder durch private Dritte ist auf die hohen Anforderungen zur Annahme
einer Kollektivverfolgung zu verweisen (vgl. BVGE 2011/16: gezielte und
intensive gegen das Kollektiv gerichtete Verfolgungsmassnahmen, die eine
genügende Dichte aufweisen und über das hinausgehen, was andere Teile
der Bevölkerung hinzunehmen haben). Diese Voraussetzungen sind vor-
liegend nicht erfüllt (vgl. E. 6.2).
6.5 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, was
geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch zu Recht abge-
lehnt.
7.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG).
Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der
Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im
Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-
krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist
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schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder
in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei-
sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach El
Salvador ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. We-
der aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten erge-
ben sich Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung nach
El Salvador dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3
EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt
wären. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschen-
rechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der
Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-
gen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in El Salvador lässt
den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als un-
zulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung
sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen
zulässig.
8.3
8.3.1 Die politische Lage in El Salvador ist stabil. Das Land kämpft jedoch
mit grossen wirtschaftlichen Schwierigkeiten und mit einer sehr hohen Kri-
minalitätsrate. Jeden Tag sterben in El Salvador im Durchschnitt mehrere
Menschen bei Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den im
Land weit verbreiteten Jugendbanden, den sogenannten "Maras". Die Re-
gierung versucht, mit einer Politik der "Harten Hand" dieser Unsicherheit
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zu begegnen, weshalb Polizei und Militär mit äusserster Härte gegen mut-
massliche Straftäter vorgehen. Die Opposition und viele zivilgesellschaftli-
che Organisationen fordern, mehr Geld für Präventionsprogramme und
Resozialisierungsmassnahmen auszugeben, anstatt die Militär- und Poli-
zei-Etats weiter aufzustocken. Die aktuelle Politik der "Harten Hand" ver-
mochte bislang nicht zu verhindern, dass die Gewaltrate weiter angestie-
gen ist. Die restliche Bevölkerung ist von der Bandenkriminalität unter-
schiedlich betroffen; diejenigen mit einem monatlichen Familieneinkom-
men von mehr als USD 500 können sich der schlimmsten Gewalt mittels
Bezahlung von privaten Schulen, Gesundheitsvorsorge und Nachbar-
schaftssicherheitspatrouillen entziehen (vgl. https://www.eda.admin.ch
/eda/de/home/laender-reise-information/el_salvador/reisehinweise-el-sal-
vador.html; Bundeszentrale für politische Bildung: El Salvador,
https://www.bpb.de/themen/mittel-suedamerika/lateinamerika/44868/el-
salvador-juengste-geschichte-und-gegenwart/; International Crisis Group,
Mafia of the Poor: Gang Violence and Extortion in Central America,
06.04.2017, https://www.crisisgroup.org/latin-america-caribbean/central-
america/62-mafia-poor-gang-violence-and-extortion-central-america; ab-
gerufen je am 23.03.2022). Trotz der sehr schlechten Sicherheitslage
herrscht in El Salvador weder Krieg noch eine landesweite Situation allge-
meiner Gewalt. Der Wegweisungsvollzug ist daher in allgemeiner Hinsicht
grundsätzlich zumutbar.
8.3.2 Den Akten lassen sich auch keine konkreten Anhaltspunkte dafür ent-
nehmen, dass der Beschwerdeführer aus individuellen Gründen wirtschaft-
licher, sozialer oder gesundheitlicher Natur bei einer Rückkehr nach El Sal-
vador in eine existenzbedrohende Situation geraten würde. So besuchte er
– mit einem Unterbruch – während (Nennung Dauer) die Schule und
schloss diese mit der Matura ab (vgl. act. A8, Ziff. 1.17.04 und 2.01). An-
schliessend absolvierte er ein Studium zum (Nennung Studienrichtung),
arbeitete in der Folge während (Nennung Dauer) auf diesem Beruf in der
(Nennung Branche) und erzielte dabei gemäss seinen Darlegungen ein gu-
tes Einkommen; dies ermöglichte ihm vor seiner Ausreise auch ein gutes
Leben (vgl. act. A8, Ziff. 1.17.04; A30, F16-21). Zwar pflegt der Beschwer-
deführer eigenen Angaben zufolge keinen Kontakt mehr zu seinen Fami-
lienangehörigen, indes ist davon auszugehen, dass er über zahlreiche Be-
ziehungen zur Schwulen-Gemeinschaft in seiner Heimat verfügt, nachdem
er während (Nennung Dauer) in entsprechenden Organisationen aktiv war
(vgl. act. A8, Ziffn. 3.01 und 7.01; A30, F6 ff.). Es ist ihm daher möglich,
das vorbestandene Beziehungsnetz zu reaktivieren respektive verschie-
dene Kontakte wieder aufzunehmen und sich in seinem Heimatland – auch
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mit Unterstützung seiner in El Salvador bestehenden Kontakte – erneut
eine wirtschaftliche Existenz aufzubauen. Den Akten sind auch keine ge-
sundheitlichen Probleme zu entnehmen und solche werden auf Beschwer-
deebene auch nicht geltend gemacht.
8.3.3 Der Beschwerdeführer verweist sodann auf seine fortgeschrittene In-
tegration in der Schweiz, welche bei der Prüfung der Zumutbarkeit zu be-
rücksichtigen sei. Der Grad der Integration bildet jedoch grundsätzlich kein
Kriterium für die Beurteilung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG (vgl. BVGE 2009/52 E. 10.3 m.w.H.), wes-
halb auch seine Integrationsbestrebungen in der Schweiz nicht zu einer
anderen Schlussfolgerung führen. Die Beurteilung einer Härtefallsituation
infolge fortgeschrittener Integration gemäss Art. 14 Abs. 2 Bst. c AsylG fällt
in die Zuständigkeit der kantonalen Migrationsbehörden.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch in in-
dividueller Hinsicht als zumutbar.
8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dem Beschwerdeführer
die Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 VwVG). Da das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung mit Zwischenverfügung
vom 10. Mai 2021 gutgeheissen wurde und den Akten keine Hinweise auf
eine Veränderung seiner finanziellen Verhältnisse zu entnehmen sind, ist
von einer Kostenauflage abzusehen.
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10.2 Mit Verfügung vom 10. Mai 2021 wurde ausserdem das Gesuch um
amtliche Verbeiständung gutgeheissen (aArt. 110a Abs. 1 AsylG). Dem-
nach ist der Rechtsvertretung ein amtliches Honorar für die notwendigen
Aufwendungen im Beschwerdeverfahren auszurichten. Mit der Replik vom
4. November 2021 wurde von der damaligen Rechtsbeiständin, Rechtsan-
wältin (Nennung Person), eine Kostennote ins Recht gelegt, wonach sich
die Bemühungen auf 16,8 Stunden bei einem Stundenansatz von Fr. 300.–
belaufen. Zusätzlich werden Auslagen in der Höhe von Fr. 38.10 aufge-
führt. Nach Praxis des Bundesverwaltungsgerichts werden amtlich einge-
setzte anwaltliche Vertreterinnen und Vertreter mit einem Stundensatz von
Fr. 200.– bis 220.– entschädigt (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE),
worauf mit Zwischenverfügung vom 10. Mai 2021 aufmerksam gemacht
wurde. Der Stundenansatz ist entsprechend auf Fr. 220.– herabzusetzen.
Der ausgewiesene Aufwand ist als angemessen zu erachten. Unter Be-
rücksichtigung der massgebenden Bemessungsfaktoren ist das – dem
rubrizierten Rechtsvertreter abgetretene (vgl. Bst. J f. hievor) – Honorar
demnach gerundet auf insgesamt Fr. 4021.60 (inkl. Auslagen und Mehr-
wertsteuerzuschlag) festzulegen.
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