Decision ID: 67f7e2a9-a874-4ada-904e-ec6c14d1100a
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend einfache Körperverletzung etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung, vom 10. Mai 2012 (GG120096)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 30. März 2012 (act. 13)
ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Das Verfahren betreffend den Anklagepunkt der Beschimpfung im Sinne von
Art. 177 Abs. 1 StGB wird eingestellt.
2. Der Beschuldigte ist schuldig
− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1
StGB,
− der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von
Art. 285 Ziff. 1 StGB sowie
− der Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286 StGB.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu
Fr. 10.–.
4. Der Vollzug der Geldstrafe wird nicht aufgeschoben.
5. Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom
20. Januar 2011 ausgefällten Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu Fr. 10.–
wird widerrufen.
6. Das Genugtuungsbegehren des Privatklägers B._ wird abgewiesen.
7. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 900.– Gebühr Strafuntersuchung
Fr. 160.– Untersuchungskosten
Fr. amtliche Verteidigung (ausstehend)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
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8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen derjenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten
auferlegt.
9. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO. Über die Höhe der Kosten der amtlichen Verteidigung wird mit sepa-
rater Verfügung entschieden.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 30 S. 2)
1. Der vorinstanzliche Entscheid des Bezirksgerichts Zürich vom 10. Mai
2012 sei mit Ausnahme von Ziff. 1 und 6 aufzuheben;
2. Der Berufungskläger sei vom Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen
Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB, vom Vorwurf
der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1
StGB sowie vom Vorwurf der Hinderung einer Amtshandlung im Sinne
von Art. 286 StGB freizusprechen;
3. Es sei dem Berufungskläger die unentgeltliche Prozessführung zu ge-
währen und es sei der Unterzeichnende als amtlicher Verteidiger des
Berufungsklägers zu bestellen;
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
b) Der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:
(Urk. 39 S. 1)
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung, vom 10. Mai 2012
sei mit Ausnahme von Ziff. 3 und 4 zu bestätigen.
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2. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten sowie ei-
ner Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 10.– zu bestrafen.
3. Kostenauflage des obergerichtlichen Verfahrens an den Beschuldigten.

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksge-
richts Zürich, 10. Abteilung – Einzelgericht, vom 10. Mai 2012 liess der
Beschuldigte gleichentags (Datum Poststempel) rechtzeitig Berufung anmelden
(Urk. 23). Das begründete Urteil wurde dem Verteidiger am 17. August 2012 zu-
gestellt (Urk. 26/2). Dieser reichte rechtzeitig die Berufungserklärung vom
6. September 2012 ein (Urk. 30), in welcher er erklärte, das vorinstanzliche Urteil
mit Ausnahme der Ziffern 1 und 6 anzufechten.
2. Mit Präsidialverfügung vom 24. September 2012 wurde den Parteien Frist
angesetzt, um Anschlussberufung zu erklären oder ein Nichteintreten auf die Be-
rufung zu beantragen. Gleichzeitig wurde dem Beschuldigten Frist zur Einrei-
chung von Unterlagen zu seinen finanziellen Verhältnissen angesetzt (Urk. 31).
Die Staatsanwaltschaft erhob mit Eingabe vom 26. September 2012 Anschlussbe-
rufung, welche sie auf die Strafzumessung beschränkte (Urk. 33). Die Verteidi-
gung reichte mit Eingabe vom 18. Oktober 2012 die gewünschten Unterlagen ein
(Urk. 35 und 36/1-8).
3. Gemäss Art. 402 in Verbindung mit Art. 437 StPO hat die Berufung im Um-
fang der Anfechtung aufschiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des ange-
fochtenen Urteils dementsprechend gehemmt. Vorliegend wurden die Dispositiv-
ziffern 1 (Einstellung betreffend Beschimpfung) und 6 (Abweisung der Genugtu-
ungsforderung des Privatklägers) nicht angefochten und wurde diesbezüglich kei-
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ne Anschlussberufung erhoben. Somit ist vorab mittels Beschluss festzustellen,
dass diese in Rechtskraft erwachsen sind.
II. Sachverhalt
1. Dem Beschuldigten wird zusammengefasst noch vorgeworfen, am 10. März
2011 bei der Bushaltestelle ... die Fahrertür des an genannter Haltestelle stehen-
den Kleinbusses der Verkehrsbetriebe Zürich aufgerissen und dem auf dem Fah-
rersitz sitzenden Buschauffeur seine rechte Faust ins Gesicht geschlagen zu ha-
ben, wobei dieser diverse Verletzungen erlitten habe. Kurze Zeit später habe er
sich körperlich gegen seine Festnahme durch die mittlerweile eingetroffene Poli-
zei zur Wehr gesetzt, indem er sich bäuchlings am Boden liegend immer wieder
umzudrehen versuchte und mit seinen Beinen strampelte (Urk. 13).
2. Die Vorinstanz hat die relevanten Aussagen der im Rahmen des Verfahrens
einvernommenen Personen umfassend dargestellt, sowie die allgemeinen Regeln
der Beweiswürdigung zutreffend dargelegt, weshalb zur Vermeidung unnötiger
Wiederholungen auf die erstinstanzlichen Ausführungen verwiesen werden kann
(Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 29 S. 5-12). Die nachfolgenden Ausführungen haben
deshalb zusammenfassenden und teilweise ergänzenden Charakter.
3. Der Beschuldigte bestritt in der Untersuchung sowie anlässlich der erstin-
stanzlichen Hauptverhandlung und auch heute die gegen ihn erhobenen Vorwürfe
teilweise. Unbestritten ist, dass der Beschuldigte die Strasse überquert und dabei
vor dem genannten VBZ-Bus durchgelaufen ist. Nachdem der Bus angehalten
hatte, öffnete der Beschuldigte die Fahrertür des Busses und versetzte dem Fah-
rer einen Schlag ins Gesicht (Urk. 4/1 S. 2 f.; Urk. 30 S. 4; Urk. 38 S. 7).
3.1 In Bezug auf den Sachverhalt ist somit bezüglich des Schlages nur strittig,
ob dieser als Ohrfeige mit dem Handrücken, wie der Beschuldigte es ausdrückte
(Urk. 4/1 S. 3; Urk. 30 S. 8) oder mit der Faust erfolgte.
3.2 Der Privatkläger schilderte die Vorkommnisse anlässlich seiner polizeilichen
und staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 16. März 2012 detailliert. Dabei
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gab er an, dass sich der Beschuldigte, nachdem er vor dem Bus über die Strasse
gelaufen war, umgedreht hat, zur Fahrertüre gekommen sei, diese geöffnet habe
und ihn dann mit der Faust in das Gesicht geschlagen habe (Urk. 2 S. 1; Urk. 4/2
S. 5). Dass der Beschuldigte seine Faust verwendete, bestätigte er auch auf
Nachfrage (Urk. 4/2 S. 5 und 10).
3.3 Der Beschuldigte bestreitet dies und gibt an, dem Privatkläger eine Ohrfeige
mit seiner rechten Hand "ausserkant", somit mit den Fingern des rechten Handrü-
ckens gegeben zu haben. Er glaube "weniger", dass er den Privatkläger verletzt
habe. Von Ohrfeigen gäbe es keine Verletzungen. Auf den Hinweis der Einver-
nehmenden, dass eine Ohrfeige ein Schlag mit der offenen Handfläche und nicht
mit dem Handrücken sei, erwiderte der Beschuldigte, für ihn sei es eine Ohrfeige
gewesen (Urk. 4/1 S. 3).
3.4 Zu den Verletzungen des Privatklägers liegt ein ärztlicher Befund des
...spitals ... bei den Akten, welches der Privatkläger am Tag des Vorfalls aufsuch-
te. Laut Befund erlitt der Privatkläger eine Druckschmerzhaftigkeit über dem rech-
ten Oberkiefer und leicht über dem Unterkiefer. Zudem zeige sich eine kleine
Rissquetschwunde an der inwendigen Oberlippe rechts. Diese Verletzungen sei-
en mit einem Faustschlag gut zu vereinbaren (Urk. 5/3). Weiter lässt sich dem
ärztlichen Bericht entnehmen, dass der Privatkläger von einem Taubheitsgefühl
am rechten Oberkiefer sowie einer leichten Blutung im Mund berichtet hatte. Zu-
dem bestehe keine Arbeitsunfähigkeit.
In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme des Privatklägers erklärte dieser zu-
dem, dass er lange Zeit an Kopfschmerzen gelitten habe (Urk. 4/2 S. 6).
3.5 Die Verteidigung macht geltend, es sei zu berücksichtigen, dass der Privat-
kläger den Beschuldigten, während dieser die Strasse überquerte, angefahren
habe, so dass sich dieser verletzt habe (rechtsseitige Beckenprellung). Aufgrund
des ärztlichen Befunds des Spitals ... (Urk. 6/3) und des im Polizeibericht (Urk. 1
S. 5, vgl. auch Urk. 4/4 S. 7) festgehaltenen Humpelns des Beschuldigten ist tat-
sächlich nicht auszuschliessen, dass der Bus den Beschuldigten beim Anhalten
des Busses touchierte. Da zu Gunsten des Beschuldigten von einer solchen Tou-
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chierung auszugehen ist, erübrigt sich die beantragte Einvernahme von C._
(Urk. 30 S. 8 f.). Die Verteidigung führt aus, dass dieser Unfall dazu führe, dass
der Schlag des Beschuldigten als entschuldbares Fehlverhalten betrachtet wer-
den müsse und festzuhalten sei, dass dieser nicht ohne Veranlassung erfolgte,
sondern aufgrund des Unfalls (Urk. 30 S. 10). Auf diese Argumentation ist im
Rahmen der rechtlichen Würdigung einzugehen.
3.6 Somit ist festzuhalten, dass der Privatkläger von Beginn an konstant angab,
der Beschuldigte habe ihn mit der Faust geschlagen, was auch mit dem ärztlichen
Bericht vereinbar ist. Der Schlag mit den Fingern des rechten Handrückens wie
der Beschuldigte dies angibt, erscheint eher aussergewöhnlich und ist sehr nahe
am Faustschlag. Der Beschuldigte selbst gibt an, "ein wenig ausgerastet" zu sein.
Dabei neigte er bei seinen Aussagen dazu, dass der Buschauffeur ihn angefahren
hatte, zu Übertreibungen, indem er bei der Staatsanwaltschaft aussagt, er sei
vom Bus ca. 5 Meter weggespickt worden und bei der ärztlichen Untersuchung
von 50 cm sprach (Urk. 4/1 S. 2; Urk. 6/3 S. 1). Zudem berichtete er, dass er, als
er wieder zum stehenden Bus zurückgekehrt sei, sofort durch die beiden Polizis-
ten gepackt und zweimal gegen die Heckscheibe des Polizeifahrzeuges, mit dem
Gesicht voraus, geschlagen worden sei (Urk. 4/1 S. 4). Dem ärztlichen Bericht
können jedoch ausser der Beckenprellung keine weiteren Verletzungen des Be-
schuldigten entnommen werden, was bei einem solchen Verhalten der Polizisten
zu erwarten gewesen wäre (Urk. 6/3). Somit ist davon auszugehen, dass es sich
bei der Behauptung, der Beschuldigte habe nicht die Faust, sondern die Finger
des rechten Handrückens für den Schlag verwendet, um eine Schutzbehauptung
handelt. Aufgrund des überraschenden Schlages kann jedoch auch nicht ausge-
schlossen werden, dass der Privatkläger nicht genau erkennen konnte, wie der
Beschuldigte den Schlag ausführte. Letztlich kann jedoch dahingestellt bleiben,
ob der Beschuldigte den Schlag mit der Faust oder dem Handrücken ausgeführt
hat, da beides eine ähnliche Intensität aufweist.
3.7 Hingegen ist weiter festzuhalten, dass die gemäss Aussage des Privatklä-
gers lange andauernden Kopfschmerzen nicht objektivierbar sind, da keine Anga-
ben zu deren Dauer und Intensität in den Akten, insbesondere nicht im ärztlichen
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Bericht zu seinen Verletzungen (Urk. 5/3) zu finden sind. Es ist somit davon aus-
zugehen, dass der Privatkläger über eine kurze Zeit Kopfschmerzen hatte. Eine
weitergehende Beeinträchtigung kann jedoch nicht erstellt werden.
4. Den weiteren Vorwurf betreffend Hinderung einer Amtshandlung bestritt der
Beschuldigte in der Untersuchung sowie anlässlich der erstinstanzlichen Haupt-
verhandlung und auch heute vollumfänglich (Urk. 4/1 S. 8; Urk. 20 S. 6; Urk. 38
S. 8).
4.1 Zur Festnahme des Beschuldigten liegen Aussagen der festnehmenden Po-
lizeibeamtin, der Zeugin D._, vor. Diese beschrieb, dass der Beschuldigte
schon von Anfang an sehr aggressiv gewesen sei. Da sie und ihr Kollege befürch-
tet hätten, dass der Beschuldigte ein weiteres Mal auf den Buschauffeur losgehen
würde, hätten sie ihn in Handschellen legen müssen. Dieser habe sich jedoch
auch weiterhin nicht beruhigt, weshalb sie ihn zu Boden gebracht hätten. Auf dem
Boden hätte der Beschuldigte immer versucht, sich zu drehen. Er sei nicht ruhig
gewesen und habe mit den Beinen gestrampelt (Urk. 4/4 S. 4). Sie selbst sei mit
ihrem Gewicht auf seine Beine, weil er so gestrampelt habe und sich zu drehen
versucht habe (Urk. 4/4 S. 7).
4.2 Es sind keinerlei Hinweise ersichtlich, weshalb die Zeugin D._ den Be-
schuldigten zu Unrecht belasten sollte. Ihre Aussagen sind in sich stimmig und
vermögen zu überzeugen. Insbesondere wäre es nicht notwendig gewesen, die
Beine des Beschuldigten mit ihrem Gewicht zu belasten, um diesen zu fixieren,
wenn dieser sich nicht gewehrt hätte. Zudem gibt der Beschuldigte selbst an,
auch anlässlich seiner Verhaftung "ein wenig ausgerastet" zu sein, dies sei jedoch
nur verbal gewesen (Urk. 4/1 S. 4). Er habe sich am Boden nicht immer wieder zu
drehen versucht, sondern nur Schmerzen gehabt (Urk. 4/1 S. 8). Bezüglich der
Schmerzen gab die Zeugin D._ an, dass der Beschuldigte erst, nachdem er
circa 5 Minuten am Boden gewesen sei, über Schmerzen im Bein geklagt habe,
worauf sie ihr Gewicht auf ihm erheblich reduziert habe (Urk. 4/4 S. 7). Zudem
bestätigt auch der Privatkläger B._, dass sich der Beschuldigte am Boden
gewehrt habe; es sei ein Gerangel gewesen (Urk. 4/2 S. 8). Somit ist aufgrund der
überzeugenden Aussagen der Zeugin D._, welche durch den Privatkläger
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B._ grundsätzlich bestätigt werden, davon auszugehen, dass sich der Sach-
verhalt, wie er in der Anklage dargestellt wird, ereignet hat. Die Bestreitung des
Beschuldigten erscheint als Schutzbehauptung.
5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der noch zu beurteilende Anklage-
sachverhalt mit Ausnahme der lange andauernden Kopfschmerzen des Privatklä-
gers erstellt ist. Ob der Schlag mit der Faust oder dem Handrücken erfolgte, kann
dahingestellt bleiben.
III. Rechtliche Würdigung
1. Eine einfache Körperverletzung liegt vor, wenn jemand einen Menschen in
anderer Weise an Körper oder Gesundheit schädigt (Art. 123 Ziff. 1 StGB). Sie ist
somit von der schweren Körperverletzung und der Tätlichkeit abzugrenzen. Vor-
liegend ist die Abgrenzung zur Tätlichkeit näher zu betrachten.
1.1 Die Tätlichkeit wird dadurch von der einfachen Körperverletzung abgegrenzt,
dass sie noch keine Schädigung des Körpers oder der Gesundheit zur Folge hat.
Die Abgrenzungen sind dabei fliessend, dem Gericht steht ein relativ grosses Er-
messen zu. Beispiele sind, Ohrfeigen, Faustschläge, Fusstritte etc., welche
höchstens eine vorübergehende Beeinträchtigung des Wohlbefindens mit sich
bringen. Genannt werden kleinere Schwellungen, Quetschungen, Schürf- und
Kratzwunden. Das Herbeiführen von selbst vorübergehenden Störungen, die ei-
nem krankhaften Zustand gleichkommen wie das Zufügen erheblicher Schmer-
zen, ist bereits als einfache Körperverletzung einzustufen (Roth/Keshelava, Bas-
ler Kommentar StGB II, N 5 zu Art. 126; Donatsch, Kommentar Schweizerisches
Strafgesetzbuch, 18. Auflage, N 3 zu Art. 123 und N 1 zu Art. 126).
1.2 Der Privatkläger erlitt durch den Schlag des Beschuldigten nachweislich eine
kleine Rissquetschwunde im Mund sowie eine Druckschmerzhaftigkeit über dem
rechten Oberkiefer. Diese kleinen Verletzungen sind klar als Tätlichkeiten zu qua-
lifizieren. Wie oben erwähnt erklärte er, auch Kopfschmerzen gehabt zu haben.
Deren Intensität und Dauer konnten aufgrund der ungenauen Angaben jedoch
nicht erstellt werden, weshalb nur von einer vorübergehenden Beeinträchtigung
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des Wohlbefindens auszugehen ist und auch hier die Grenze zur einfachen Kör-
perverletzung nicht überschritten wurde.
1.3 Das Verhalten des Beschuldigten war aber jedenfalls dazu geeignet, eine
einfache Körperverletzung zu bewirken. Das Bundesgericht beurteilte in seiner
jüngeren Rechtsprechung wiederholt Körperverletzungen mit Faustschlägen. Da-
bei zeigte es auf, dass die rechtliche Qualifikation von den konkreten Tatumstän-
den abhängt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 12. November 2012,
6B_388/2012, E. 2.4). Bei einem Faustschlag ins Gesicht einer Person ist dabei
ohne Weiteres in Betracht zu ziehen, dass diese Schädigungen erleiden wird,
welche als einfache Körperverletzungen zu qualifizieren sind. Es hängt dabei nur
vom Zufall ab, ob eine solche verwirklicht wird, oder es bei blossen Tätlichkeiten
bleibt. Ein Schlag mit dem Handrücken weicht wie oben erwähnt nur wenig von
einem Faustschlag ab, weshalb diese Ausführungen auch dafür Geltung bean-
spruchen. Wie schon die Vorinstanz zutreffend ausführte (Urk. 29 S. 16), musste
der Beschuldigte ernsthaft damit rechnen, dass durch den Schlag ins Gesicht er-
hebliche Verletzungen entstehen können bzw. nahm er dies zumindest in Kauf.
Damit erfüllt er den Tatbestand der versuchten einfachen Körperverletzung im
Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.
1.4 An dieser Stelle ist kurz auf die Ausführungen der Verteidigung einzugehen,
welche den Schlag des Beschuldigten als entschuldbares Fehlverhalten aufgrund
des Unfalls betrachtet (Urk. 30 S. 10). Dies kann im Rahmen der Strafzumessung
berücksichtigt werden, einen Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgrund stellt
der Unfall jedoch nicht dar. Zwar ist auch ein fahrlässiger Angriff grundsätzlich
denkbar (Trechsel/Geth, Schweizerisches Strafgesetzbuch Praxiskommentar,
2. Auflage, N 8 zu Art. 15), jedoch bestand nach der behaupteten Kollision keine
unmittelbare Gefahrensituation mehr. Weder Notwehr noch Notstand kommen
somit in Frage. Weitere Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe sind nicht
ersichtlich.
2. Zur rechtlichen Würdigung betreffend Gewalt und Drohung gegen Behörden
und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB ist auf die zutreffenden Ausfüh-
rungen der Vorinstanz zu verweisen (Urk. 29 S. 16 f.).
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2.1 Die Verteidigung macht geltend, dass ein VBZ-Lenker, welcher einen Fuss-
gänger anfahre, den Schutz der genannten Norm nicht verdiene. Es handle sich
dabei um einen Angriff aus persönlichen Gründen, die nicht mit der Amtshandlung
in Zusammenhang stehen würden. Dabei vergleicht er den vorliegenden Vorfall
mit dem Erstschlag eines Polizisten, bei welchem die darauf folgende Ohrfeige
des Geschlagenen nicht unter Art. 285 StGB subsumiert worden sei (Urk. 30
S. 20).
2.2 Der Vergleich der Verteidigung mit dem absichtlichen Erstschlag eines Poli-
zisten geht vorliegend fehl. Selbst die Verteidigung spricht von einem Unfall und
es finden sich keinerlei Hinweise in den Akten, dass der Privatkläger den Be-
schuldigten absichtlich angefahren haben könnte. Der Privatkläger fuhr den Lini-
enbus in Ausübung seiner amtlichen Tätigkeit und in dieser wurde er durch den
Beschuldigten auch tätlich angegriffen und konnte in der Folge die Buslinie nicht
weiter bedienen.
2.3 Da weder Rechtfertigungs- noch Schuldausschlussgründe ersichtlich sind,
ist der Beschuldigte der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im
Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen. Die verwirklichten Tätlich-
keiten werden dadurch konsumiert (Trechsel/Vest, StGB Praxiskommentar,
2. Auflage, N 16 zu Art. 285).
3. Bezüglich der rechtlichen Würdigung der Hinderung einer Amtshandlung
kann vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen
werden (Urk. 29 S. 17 ff.). Der Beschuldigte ist im Sinne von Art. 286 StGB schul-
dig zu sprechen.
IV. Strafzumessung
1. Die Vorinstanz hat den gesetzlichen Strafrahmen richtig aufgeführt und die
allgemeinen Regeln der Strafzumessung unter Hinweis auf Art. 47 und Art. 49
StGB zutreffend dargelegt. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann darauf ver-
wiesen werden (Urk. 29 S. 19 ff.). Ergänzend ist anzumerken, dass aufgrund der
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Qualifizierung des Schlages als versuchte einfache Körperverletzung der Straf-
rahmen nach unten offen ist (Art. 22 Abs. 1 StGB)
2. Vorliegend rechtfertigt es sich aufgrund des engen Zusammenhangs, den
Unrechtsgehalt für die durch den Schlag verwirklichten Delikte der versuchten ein-
fachen Körperverletzung und der Gewalt und Drohung gegen Beamte gemeinsam
zu beurteilen und für beide Delikte zusammen eine Einsatzstrafe festzusetzen.
2.1 Auch diesbezüglich ist auf die vorinstanzlichen Erwägungen zu verweisen
(Urk. 29 S. 22 f.). Hervorzuheben ist, dass der Beschuldigte den Privatkläger nicht
schwer verletzte und es sich um einen einzigen Schlag handelte. Obwohl zu sei-
nen Gunsten davon auszugehen ist, dass der Privatkläger ihn mit dem Bus tou-
chierte und der Beschuldigte darüber empört war, zeigt die Reaktion ein gewisses
Gewaltpotential des Beschuldigten auf. Mit der Vorinstanz ist jedoch davon aus-
zugehen, dass der Beschuldigte in einer entschuldbaren heftigen Gemütsbewe-
gung im Sinne von Art. 48 lit. c StGB handelte. Aufgrund dessen, dass die einfa-
che Körperverletzung im Versuchsstadium blieb, tatsächlich von einer Touchie-
rung des Beschuldigten durch den Bus sowie von eventualvorsätzlicher Tatbege-
hung auszugehen ist, ist von einer tieferen Einsatzstrafe auszugehen, als es die
Vorinstanz getan hat, nämlich von 60 Tagessätzen.
2.2 Bezüglich der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten kann auf die
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 29 S. 23). Der Biografie des
Beschuldigten lassen sich keine strafzumessungsrelevanten Faktoren entneh-
men. Jedoch weist der Beschuldigte zwei Vorstrafen auf (Urk. 11/4). Diese sind
deutlich straferhöhend zu berücksichtigen, da diejenige vom 20. Januar 2011 nur
rund anderthalb Monate vor dem heute zu beurteilenden Vorfall erfolgte und zu-
dem einschlägig ist. Der Beschuldigte delinquierte während dieser laufenden Pro-
bezeit. Zu seinen Gunsten ist jedoch zu berücksichtigen, dass er sich von Beginn
an teilweise geständig zeigte.
Weitere Straferhöhungs- oder -minderungsgründe sind nicht ersichtlich.
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2.3 In Würdigung aller massgeblichen Faktoren ist die Einsatzstrafe auf 90 Ta-
gessätze zu erhöhen.
2.4 Da, wie noch zu zeigen sein wird, im Ergebnis eine Geldstrafe auszufällen
ist, ist diese Einsatzstrafe aufgrund der Verwirklichung des Tatbestandes der Hin-
derung einer Amtshandlung unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips an-
gemessen zu erhöhen. Es kann vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen
der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 29 S. 24). Eine Erhöhung der Strafe um
10 Tagessätze auf 100 Tagessätze erscheint als angemessen.
3. Bei dieser Strafhöhe kommt die Ausfällung einer Freiheitsstrafe – wie die
Staatsanwaltschaft dies in ihrer Anschlussberufung beantragt – nur ausnahms-
weise in Betracht. Die Ausführungen der Staatsanwaltschaft betreffen das Ver-
hältnis von Geld- und Freiheitsstrafe im Bereich zwischen 6 und 12 Monaten
(Urk. 39), weshalb bei der auszufällenden Strafhöhe von 100 Tagessätze nicht
darauf einzugehen ist. Eine sogenannte kurze unbedingte Freiheitsstrafe bis zu 6
Monaten im Sinne von Art. 41 StGB ist nur auszufällen, wenn nicht damit zu rech-
nen ist, dass eine Geld- oder Arbeitsstrafe vollzogen werden können (Hug, Kom-
mentar StGB, 18. Auflage, N 2 zu Art. 41). Aus den Akten sind keinerlei Hinweise
dazu ersichtlich, dass eine Geld- oder Arbeitsstrafe nicht vollzogen werden könn-
te. Zwar lebt der Beschuldigte in schlechten finanziellen Verhältnissen, jedoch er-
wirtschaftet er ein geringes Einkommen und ist dem mit der entsprechenden
Festsetzung der Höhe des Tagessatzes Rechnung zu tragen. Die Voraussetzun-
gen für die Ausfällung einer kurzen unbedingten Freiheitsstrafe sind somit nicht
gegeben, weshalb eine Geldstrafe auszufällen ist.
4. Für die Berechnung der Höhe des Tagessatzes ist auf die Verhältnisse im
Urteilszeitpunkt abzustellen (Art. 34 Abs. 2 StGB). Dabei ist vom Einkommen
auszugehen, das dem Täter durchschnittlich an einem Tag zufliesst. Anlässlich
der Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte an, zur Zeit temporär als Kun-
dendienstmitarbeiter zu arbeiten und dabei zwischen Fr. 1'000.– und Fr. 3'000.–
zu verdienen. Er wohnt mit seiner Freundin und der gemeinsamen, 10 Monate al-
ten Tochter bei seinen Eltern, welchen er Fr. 420.– für die Wohnkosten abgibt.
Seine Krankenkassenprämie beträgt ca. Fr. 420.–. Aufgrund der schlechten fi-
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nanziellen Verhältnisse des Beschuldigten ist die Höhe des Tagessatzes ist somit
auf das Minimum von Fr. 10.– festzusetzen.
5. Die Vorinstanz hat die Geldstrafe mit überzeugender Begründung unbedingt
ausgesprochen. Auf ihre Erwägungen ist zu verweisen und der Vollzug der Geld-
strafe zu bestätigen (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 29 S. 25 f).
V. Widerruf
Bezüglich des Widerrufs der mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 20. Januar
2011 ausgefällten Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu Fr. 10.– kann vollumfäng-
lich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Art. 82
Abs. 4 StPO; Urk. 29 S. 26 f.). Die Strafe ist zu vollziehen.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Ausgangsgemäss ist das erstinstanzliche Kostendispositiv (Dispositivziffern 7 - 9)
zu bestätigen. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach
Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Im Beru-
fungsverfahren unterliegt der Beschuldigte mit Bezug auf seinen Hauptantrag auf
Freispruch und obsiegt im Eventualstandpunkt in geringem Umfang. Die Staats-
anwaltschaft unterliegt mit ihrer Anschlussberufung. Die Kosten des Berufungs-
verfahrens sind daher zu drei Vierteln dem Beschuldigten aufzuerlegen und zu ei-
nem Viertel auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Vereidi-
gung für das Berufungsverfahren sind auf die Gerichtskasse zu nehmen, vorbe-
halten bleibt eine Nachforderung im Umfang von drei Vierteln (Art. 135 Abs. 4
StPO).
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