Decision ID: c4559f33-f1e1-5b8c-9b31-2449ea94edeb
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1997 geborene
X._
schloss im Juni 2016 ihre kauf
männische Lehre ab. Im Anschluss daran weilte sie in den Ferien und absolvierte einen Sprachaufenthalt. Nachdem sie den am
1.
August 2016 begonnenen Lehr
gang der kaufmännischen Berufsmaturität nach drei Monaten abgebrochen hatte, fand sie ab
6.
Februar 2017
eine Stelle bei der
Y._
AG
. Für jene führte sie am 2
1.
Juli 2017 ihren letzten Dienst aus (
Urk.
3/4).
Vom 21.
August 2017 bis am 1
9.
Juni 2018
besuchte sie die
Z._
und erlangte dabei die Berufsmaturität
. Danach erlitt sie während ihrer Ferien einen Unfall und suchte
– während ihrer Genesungszeit – eine
Arbeitsstelle.
Vom 1
5.
Oktober 2018 bis am 3
1.
März 2019 arbeitete sie bei der
A._
AG. Vom
1.
April bis am 20. Juni 2019 war sie bei der
B._
AG tätig (
Urk.
1 S. 2 f. und
Urk.
3/1
; siehe auch
Urk.
3/2-3, 3/5 und 3/7
)
. Am
9.
Juli 2019
meldete sie sich beim Regionalen Arbe
itsvermittlungszentrum (RAV)
zur
Arbeitsvermittlung an (
Urk.
6/165
) und stellte am
2
2.
Juli 2019
Antrag auf Arbeitslosenentschädi
gung ab dem
2
0.
Juni 2019
bei der
Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich (
Urk.
6/148-151
). Mit Verfügung vom
2
0.
August 2019
verneinte diese – unter Hinweis darauf, dass
die Rahmenfrist für die Beitragszeit nicht erfüllt sei
–
die Anspruchsberechtigung ab
9.
Juli 2019 (
Urk.
6/68-69)
. Daran hielt sie auf Ein
sprach
e des Versicherten hin (
Urk.
6/60-66) am
7.
November 2019
fest (
Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
7.
November 2019 erhob
X._
am
2.
Dezember 2019 Beschwerde und ersuchte um Anerkennung ihres Anspruchs auf Arbeitslosenentschädigung (
Urk.
1). Die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 1
2.
Dezember 2019 (Urk. 5) auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit Ge
richtsverfügung vom 1
3.
Dezember 2019 (
Urk.
9) zur Kenntnis gebracht wurde.
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
9
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversi
cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
gelten - soweit das Gesetz nichts
anderes
vorsieht - für den Leistungsbezug und für die Beitragszeit zweijährige Rahmenfristen. Die Rahmenfrist für den Leistungsbezug beginnt mit dem ersten Tag, für den sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind (
Art.
9
Abs.
2 AVIG), und die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor diesem Tag (
Art.
9
Abs.
3 AVIG).
1.2
Eine der gesetzlichen Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosenent
schädigung besteht darin, dass die versicherte Person die Beitragszeit erfüllt hat
oder von der Beitragspflicht befreit ist
(Art. 8 Abs. 1
lit
. e AVIG). Die Beitragszeit hat erfüllt, wer innerhalb der dafür vorgesehenen Rahmenfrist für die Beitragszeit (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während mindestens zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (Art. 13 Abs. 1 AVIG).
1.3
Von der Erfüllung der Beitragszeit befreit sind gemäss
Art.
14
Abs.
1 AVIG Per
sonen, die innerhalb der Rahmenfrist (
Art.
9
Abs.
3) während insgesamt mehr als zwölf Monaten nicht in einem Arbeitsverhältnis standen und die Beitragszeit nicht erfüllen konnten wegen:
a.
einer Schulausbildung, Umschulung oder Weiterbildung, sofern sie während mindestens zehn Jahren in der Schweiz Wohnsitz hatten;
b.
Krankheit (
Art.
3 ATSG), Unfall (
Art.
4 ATSG) oder Mutterschaft (
Art.
5 ATSG), sofern sie während dieser Zeit Wohnsitz in der Schweiz hatten;
c.
eines Aufenthaltes in einer schweizerischen Haft- oder Arbeitserziehungsan
stalt oder in einer ähnlichen schweizerischen Einrichtung.
Nach dem klaren Wortlaut von
Art.
14
Abs.
1 AVIG muss die versicherte Person durch einen der in dieser Bestimmung genannten Gründe an der Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftigung gehindert worden sein. Zwischen dem Befrei
ungsgrund und der Nichterfüllung der Beitragszeit muss ein Kausalzusammen
hang bestehen. Dabei muss das Hindernis während mehr als zwölf Monaten be
standen haben. Da eine Teilzeitbeschäftigung mit Bezug auf die Erfüllung der Beitragszeit einer Vollzeitbeschäftigung gleichgestellt ist (
Art.
11
Abs.
4 Satz 1 AVIV), liegt die erforderliche Kausalität zudem nur vor, wenn es der versicherten Person aus einem der in
Art.
14
Abs.
1
lit
. a bis c AVIG genannten Gründe auch nicht möglich und zumutbar war, ein Teilzeitarbeitsverhältnis einzugehen (BGE 139 V 37 E. 5.1 mit Hinweisen).
1.4
Die Befreiungstatbestände von
Art.
14
Abs.
1 AVIG sind im Verhältnis zur Bei
tragszeit subsidiär. Sie gelangen daher nur zur Anwendung, wenn die in Art. 13
Abs.
1 AVIG verlangte Erfüllung der Mindestbeitragszeit aus den in Art. 14
Abs.
1 AVIG g
enannten Gründen nicht möglich
ist (BGE 141 V 674 E. 2.1 mit weiterem Hinweis).
2.
2.1
Prozessthema ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Arbeitslosenentschä
digung ab
9.
Juli 201
9.
Die zweijährige Rahmenfrist für die Beitragszeit dauerte damit vom
9.
Juli 2017 bis am
8.
Juli 2019 (
Art.
9
Abs.
2 und
Abs.
3 AVIG). Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen
Einspracheentscheid
davon aus, dass die Beschwerdeführerin in dieser Zeit weder eine Betragszeit von mindestens 12 Monaten ausweisen konnte noch ein Grund zur Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit vorlag
(
Urk.
2)
.
2.2
Nach Lage der Akten steht fest, dass die Beschwerdeführerin in der Rahmenfrist für die Beitragszeit (
9.
Juli 2017 bis
8.
Juli 2019) bei der
Y._
AG, der
A._
AG und der
B._
AG einer beitragspflichtigen Beschäftigung nachgegangen ist (
Urk.
1 S. 2)
. Dabei ergibt sich eine Beitragszeit von 8.727 Monaten (
Urk.
6/68-69 S. 2), was von der Beschwerdeführerin
zu Recht
unbestritten blieb (
Urk.
1 S. 2 ff.).
Die Mindestbeitragszeit von 12 Monaten ist damit nicht erfüllt.
Damit bleibt zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine Be
freiung von der Erfüllung der Beitragszeit (
Art.
14 AVIG) gegeben sind.
2.3
Vom 21. August 2017 bis am 1
9.
Juni 2018 besuchte die Beschwerdeführerin die
Z._
und erlangte dabei die Berufsmaturität (
Urk.
3/1).
Diese zwar grundsätzlich unter den Befreiungsgrund gemäss
Art.
14
Abs.
1
lit
. a AVIG fallende Ausbildung dauert
e
indes nur knapp zehn Monate. Diesbezüglich bleibt ohne Belang, dass
besagter Lehrgang nicht während der geforderten zwölf Monate absolviert werden konnte (vgl.
Urk.
1 S. 4).
Für
den
Zeitraum nach der
von der
B._
AG per 2
0.
Juni 2019 ausgesprochenen Kündigung (
Urk.
3/3)
findet sich in den Akten das von
Dr.
C._, P
raxis
D._
, am
9.
Juli 2019 ausgestellte Zeugnis, das eine Arbeitsunfähigkeit
aufgrund von
Krankheit vom 1
7.
Juni bis am 2
1.
Juni 2019 attestiert (
Urk.
3/5).
Anhalts
punkte für eine weitere begründete Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit
sind nicht zu sehen
und werden von der Beschwerdeführerin auch nicht geltend gemacht. Ein Befreiungstatbestand im Sinne von
Art.
14 AVIG liegt damit nicht vor.
2.4
Was den am 2
9.
Juli 2018 in Griechenland erlittenen Autounfall
– die Beschwer
deführerin stand
dazumals
noch in einem Arbeitsverhältnis mit der
Y._
AG,
hatte ihren letzten Dienst aber bereits am 2
1.
Juli 2017 ausgeführt (
Urk.
3/4) –
anbelangt (Urk.
3/11 S. 2), bestand die nach der Rückkehr in die Schweiz am
2.
August 2018 ind
i
zierte Therapie in der Abgabe von
Fucicort
(Urk. 3/12)
,
das heisst
einer Crème zur Behandlung von entzündlichen Dermatosen (
www.compendium.ch
;
zuletzt besucht am
9.
Januar 2020).
Eine
massgebliche Beeinträchtigung des Gesundheitszustands ist damit nicht zu sehen. Vor diesem
Hintergrund fällt eine Anrechnung gestützt auf
Art.
14
Abs.
1
lit
. b AVIG
(respektive
Art.
13
Abs.
2
lit
. c AVIG)
ausser Betracht.
3.
Zusammenfassend fehlt es nach dem Ausgeführten innerhalb der massgebenden Rahmenfrist sowohl an der erforderlichen Beitragszeit von mindestens zwölf Mo
naten als auch an einem Befreiungstatbestand. Die Beschwerdegegnerin hat dem
nach den Anspruch der Beschwerdeführerin auf Arbeitslosenentschädigung ab dem
9.
Juli 2019 zu Recht verneint. Folglich ist die Beschwerde abzuweisen.