Decision ID: 6ca36cdc-c882-441e-9208-16ed40a58d6c
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1971 geborene
X._
, gelernter Elektromonteur, arbeitete zuletzt
ab
2000 in einem Pensum von 20
%
in seiner eigenen Firma
Y._
GmbH im Lichtverkauf und
in der
Planung sowie
ab
Oktober 2011 in einem Pensum von 80
%
als bauleitender Elektromonteur für Neubau-Projekte und Grossba
ustellen
für die
Z._
GmbH (
Urk.
7/14/1), wobei ihm Letztere per 3
1.
Mai 201
4 (
Urk.
7/24/3) kündigte.
Ab 18.
März
2013 war der Versicherte
a
rbeitsunfähig geschrieben worden Urk.
7/3).
Am
1.
Oktober 2013 (
Urk.
7/3) meldete
er
sich wegen Überarbei
tung,
Lust
losig
keit sowie einem Burnout bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons
Zürich, IV-Stelle (nachfolgend: IV-Stelle), zum Leistungsbezug an
.
Daraufhin klärte die IV-Stelle die erwerblichen und medizinischen Verhältnisse des Ver
sicherten ab, in
dem sie einen Auszug aus dem individuellen Konto (
Urk.
7/12)
und
verschiedene Arztberichte (
Urk.
7/9, 7/15, 7/17) einholte,
Versicherungs
akten
der Kranken
kasse
n
ÖKK und CSS Versicherung (
Urk.
7/18, 7/23) beizog sowie ein
Standort
gespräch
mit dem Versicherten (
Urk.
7/14) durchführte. Mit Vorbe
scheid vom 2
1.
März 2014 (
Urk.
7/21) stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Ab
lehnung
sowohl
des Anspruc
hs auf eine Rente als auch jenes
auf berufliche Massnah
men in Aussicht. Mit Eingabe vom 3
0.
April 2014 (
Urk.
7/25) erhob der
Versicherte
dagegen Einwand und verlangte die Gewährung von beruflichen Mass
nahmen. Anschliessend reichte er den Bericht der
A._
,
B._
(nachfolgend:
B._
) vom
5.
Juni 2014 (
Urk.
7/27)
ein
.
M
it Verfügung vom
7.
November 2014 (
Urk.
2)
entschied die IV-Stelle im angekündigten Sinn
.
2.
Gegen die Verfügung erhob der Versicherte mit Eingabe vom 2
8.
November 2014
(
Urk.
1) Beschwerde und
beantragte
die Zuspre
chung von beruflichen Massnah
men.
Er
reichte
am 2. Februar 2015
den be
reits in der Beschwerdeschrift an
ge
kündigten Bericht des
B._
vom
5.
Januar 2015 (
Urk.
5)
ein
. In der Beschwerdeantwort vom 3
0.
Januar 2015 (
Urk.
6) schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Be
schwerde und nahm anschliessend mit Eingabe vom 2
7.
Februar 2015 (
Urk.
9) Stellung zum Bericht des
B._
vom
5.
Januar 2015.
S
ie
hielt
weiterhin an der Ablehnung jeglicher Ansprüche auf Versicherungs
leistungen fest
.
Im Rahmen einer
Akteneinsichts
nahme
am
9.
September 2015 (
Urk.
1
5
) reichte der Beschwerdeführer Röntgen
bilder bezüglich seiner Schulter
(
Urk.
14) ein
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG).
Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesge
setzes über die Invalidenversicherung IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be
ei
nträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkun
gen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung
einer Erwerbstätig
keit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen
Beeinträchti
gung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden
kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versicherten Person
so
zial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E.
1.2 mit Hinwei
sen).
Alkoholismus (wie auch Drogensucht und Medikamentenabhängigkeit) begrün
det
für sich allein keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Vielmehr wird er
in
va
lidenversicherungsrechtlich
erst relevant, wenn er eine Krankheit bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher, geistiger oder psychischer, die Erwerbsfähigkeit
be
einträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn er selber Fol
ge
eines körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschadens ist, dem Krank
heitswert zukommt (Urteil des Bundesgerichts 8C_694/2008 vom 5. März
2009 E.
2). Dabei ist das ganze für die Alkoholsucht massgebende Ursachen- und
Folgespektrum in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen, was impliziert, dass
einer allfälligen Wechselwirkung zwischen Suchtmittelabhängigkeit und psychi
scher Begleiterkrankung Rechnung zu tragen ist (Urteile des Bundesgerichts I 758/01 vom 5. November 2002 E. 3.2, und I 390/01 vom 19. Juni 2002 E. 2b).
1.3
Invalide oder von einer Invalidität (
Art.
8 ATSG) bedrohte Versicherte haben ge
mäss
Art.
8 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähig
keit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu er
halten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen er
füllt sind (
Abs.
1).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen in (
Abs.
3):
medizinischen Massnahmen (
lit
. a);
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliede
rung (
lit
.
a
bis
);
Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Aus
bildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe,
lit
. b);
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.
4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie
stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorlie
gen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledi
gen,
ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
rum
es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK
1986 S.
188 E.
2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gut
achtens ist
im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beantwor
tung der ge
stellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Un
tersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei
psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in
Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Dar
legung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Ex
per
te oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S.
24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich
in der Verfügung
auf den Standpunkt, ihre
Abklärungen hät
ten ergeben, dass sich die depressive Symptomatik des Be
schwer
deführers ver
bessert habe und diesbezüglich langandauernd keine Beein
trächtigung der Ar
beitsfähigkeit bestehe. Der Schulterschmerz,
der
auf eine
m
20 Jahre zurück
liegenden Sportunfall basiere, begründe keine IV-Leistungen, da durch die an
gegebenen klinischen Minimalbefunde keine Einschränkung
in
der Arbeitsfähig
keit nachvollziehbar sei (
Urk.
2 S.
1-2). In der Beschwerdeantwort ergänzte die IV-Stelle zudem, die depressive Erkrankung beruhe zum einen auf nicht versi
cherte
n
psychosoziale
n
Belastungsfaktoren und zum anderen sei da
von auszuge
hen, dass die depressive Erschöpfung bei Fortsetzung psychiatrisch-
psychothe
rapeutischer Behandlung sowie psychopharmakologischer Unterstütz
ung be
hand
elbar und damit vorübergehend sei
und damit nicht
invalidi
sie
ren
de
r Natur sei (
Urk.
6 S. 1).
2.2
Dagegen wird seitens des Beschwerdeführers zusammengefasst vorgebracht, er sei seit über
einein
halb Jahren arbeitsunfähig sowie seit längerem in psychiat
rischer Behandlung bei der
A._
,
B._
, wo die Ärzte neu die Diagnose einer vermeidenden Persönlichkeitsstörung
ge
stellt
hätten.
Er
be
finde sich seit 26. März 2014 in der tagesklinischen Behand
lung und werde in einer Woche in d
i
e Klinik
C._
eintreten. Weiter leide er an
Schulterproblemen
, bei Überkopfarbeiten wie Lam
pen montieren, Dosen ver
drah
ten etc. habe er stets Unterstützung durch Hilfsar
beiter oder Lehrlinge gebraucht (
Urk.
1 S. 1).
3.
3.1
Der Beschwerdeführer, Vater von drei Kindern, hat sich nach eigenen Angaben bei einem Bauprojekt, bei welchem 15 Wohnungen elektrisch auszustatten wa
ren, übernommen, sodass er zuletzt keine geregelten Arbeitszeiten mehr hatte. Mit zunehmender Anspannung und
zunehmendem
Leistungsdruck habe er be
gonnen
Alkohol zu trinken. Seit Ende 2012 hätten sich zunehmende Lust- und Antriebslosigkeit sowie Tagesmüdigkeit bei ausgeprägter und latenter Gereizt
heit bemerkbar ge
macht.
Ab
1
8.
März 2013
wurde
er krankgeschrieben. Vom
8.
bis 2
6.
April 2013 machte der Beschwerdeführer in der
A._
einen Alkoholentzug (vgl. Bericht des
B._
vom 2
0.
November 2013;
Urk.
7/15/2).
3.2
Im Bericht vom 29. August 2013 (Urk. 7/2/1) diagnostizierte der Hausarzt Dr. med.
D._
, Facharzt für Innere Medizin, eine mittelgradige depressive Episode
bei psychosozialer Belastung und einen Status nach Alkoholentzug bei sekun
dä
rem Alkoholabusus und bestätigte die seit 18. März 2013 bestehende Arbeitsun
fähigkeit.
Vom 2
2.
Juli bis 3
1.
August 2013 war der Beschwerdeführer in stationärer psy
chiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung in der
E._
.
Im Austrittsbericht vom 1
3.
September 2013 (
Urk.
7/23/7 ff.) diagnostizierten die
behandelnden Ärzte eine rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.1), der
zeit mittelgradige
r
Episode
und
multifaktorieller Genese bei wachsender berufli
cher Überforderung und familiären Belastungen (ICD-10 Z56, Z50.2, Z73.2) bei Verdacht auf abhängige Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 F32.1273
.1
) res
pektive Verdacht auf Persönlichkeitsänderung nach chronischem Cannabis-Konsum mit Entwicklung eines Erschöpfungssyndroms (ICD-10 Z73.0), Status nach einer Alkoholentzugsbehandlung bei sekundärem Alkoholabusus, linkssei
tiger
Tinnitus
aureum
, Vitamin-B12-Mangel, ein
thorakolumbales
Schmerz
syn
drom
mit Wirbelsäulenfehlhaltung, muskulärer
Dysbalance
und
Kopfprotra
xion
beim Gehen (
Urk.
7/23/7).
Die Ärzte stellten fest, dass es dem Versicherten gegen Ende der Behandlung besser gegangen sei, es sei zu einem Rückgang der depressiven Symptomatik gekommen. Die Ärzte empfahlen dringend, die ambu
lante Psychotherapie weiterzuführen und eine berufliche Reintegration bzw. eine
berufliche Neuorientierung anzustreben (Urk. 7/23/10).
3.3
Im Bericht vom 2
0.
Dez
ember 2013 diagnostizierten die behandeln
den Ärzte des
B._
,
Dr.
med.
F._
, Oberarzt, und
lic
. phil.
G._
, Psychologin, mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidi
vierende de
pres
si
ve Episode (ICD-10 F33.1), gegenwärtig mittelgradig bis schwer, mit einem
Erschöpfungssyndrom (ICD-10 Z73.0;
Urk.
7/15/1). Sie attes
tierten dem Be
schwer
deführer, der seit dem
9.
September 2013 in ihrer ambu
lanten Betreuung
sei,
seit diesem Tag und weiterhin
eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit (
Urk.
7/15/2).
Aus psychiatrischer Sicht bestünden Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit, eine verringerte Konzentrationsfähigkeit und Aus
dauer, eine erhöhte
Erschöpf
barkeit
, eine Neigung zum Grübeln, ein
Stim
mungseinbruch
sowie ein verring
er
ter Selbstwert (
Urk.
7/15/4). Die depressive Symptomatik könne mit regel
mässi
ger psychotherapeutischer Behandlung sowie medikamentöser Unterstütz
ung verbessert werden (
Urk.
7/15/5), sodass mit ei
ner Rückkehr in den Arbeits
prozess grundsätzlich zu rechnen sei, wenn auch der Zeitpunkt gegenwärtig
noch nicht absehbar sei. Allerdings ziehe der Be
schwerdeführer eine Umschu
lung in einen mehr sozial ausgerichteten Bereich in Betracht (
Urk.
7/15/3).
3.4
D
ie CSS
Krankenversicherung AG
,
der Taggeldversicherer
,
liess den Beschwer
de
führer durch
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, so
wie
pharmazeutische Medizin, am 1
4.
Januar 2014
b
egutachten
(
Urk.
7/23
/1 ff.
). In seinem Gutachten vom 2
7.
Januar 2014 (
Urk.
7/23/2 ff.) er
hob
Dr.
H._
die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung
,
aktuell mittelgradige Epi
sode (ICD-10 F33.1). Der Beschwerdeführer habe angegeben,
er
sei
nach wie vor
dünnhäutig, gereizt und lärmempfindlich. Nachts schlafe er schlecht, schwitze stark
und habe sehr intensive Träume
(Urk. 7/23/4)
.
Der Beschwerdeführer klage darüber, sein Befinden sei nach wie vor eine Achterbahnfahrt. Er ziehe sich zu Hause oft zurück, er versuche den Haushalt zu machen, doch komme er nicht
vom Fleck. Das Lesen von bereits einfachen Texten bereite ihm Mühe, er leide an
Konzentrationsstörungen und schon zur Mittagszeit sei er erschöpft und müde, sein Selbstvertrauen sei gering
. Der Arzt stellte fest, der
psy
chopatho
logische Befund sei gegenwärtig durch
eine leichte Verschiebung der Stimmungslage zum
depressiven Pol gekenn
zeich
net. Weiterhin liege ein
flori
des
Krank
heits
ge
schehen
vor (
Urk.
7/23/3). Um das stagnierende Krankheitsbild in Bewegung zu bringen, empfehle er einen
tages
klinischen
Aufenthalt. Die dem Beschwerde
füh
rer attestierte Arbeitsunfähigkeit von 100
%
sei mindestens bis zum Ab
schluss der teilstationären Behandlung im
B._
ausgewiesen (
Urk.
7/23/
5).
3.5
Auf Veranlassung der Krankenkasse ÖKK
,
die ebenfalls Taggelder bezahlte,
beurteilte
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, den Be
schwer
deführer am 2
2.
Januar 2014 (vgl. Gutachten vom
3.
März 2014;
Urk.
7/18).
Nach der anamnestischen Darstellung (
Urk.
7/18/8-9) hielt
Dr.
I._
fest, aktuell liessen sich beim Beschwerdeführer keine depressiven Symptome objektivieren, er habe einen elastischen, raumgreifenden Gang, sitze normal und
nicht vorn
übergebeugt auf seinem Stuhl, könne emotional gut mitschwingen und
sich auf die Unterhaltung konzentrieren, sei aufmerksam und die Sprech
weise bezüglich Lautstärke und Melodie
sei
unauffällig. Der Beschwerdeführer habe
zu
dem selber eine deutliche Besserung der depressiven Symptomatik ein
ge
räumt,
seit er das Antidepressivum
Efexor
einsetze. Er klage lediglich über
Ein
schlaf
störungen
und dass es ihm schwerfalle, telefonisch oder persönlich mit anderen Menschen zu sprechen. Somit dürfte eine depressive Symptomatik vor
l
iegen,
welche sich irgendwo zwischen leicht und höchstens mittelgradig bewege (
Urk.
7/18/10).
Dr.
I._
kam zum Schluss, dass
ab dem jetzigen Zeitpunkt sowohl für die angestammte Tätigkeit als Elektromonteur als auch für sämtliche zumut
baren Verweistätigkeiten von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen wer
den
könne
. Aufgrund des bisherigen Verlaufs könne mit einer
baldigen Steige
rung der Arbeitsfähigkeit in einem
tag
geldausschliessendem
Umfang
gerechnet werden (
Urk.
7/18/11).
3.6
Nach einer häuslichen Dekompensation und einer Verschlechterung der depressiven Symptomatik begab sich der Versicherte ab 26. März 2014 in die
tagesklinische Behandlung des
B._
. Dr. med.
J._
, Oberärztin, berichtete der IV-Stelle, es zeigten sich im tagesklinischen Setting deutliche Defizite, die einen Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt zum aktuellen Zeitpunkt unrealistisch erscheinen liessen. Der Versicherte weise
eine geringe Belastbarkeit und wechselhafte Stimmungen auf, er sei flüchtig un
d habe Mühe, an einer Sache dran zu bleiben. Er weise ein ausgeprägtes
Ver
meidungsverhalten
hinsichtlich von notwendigen, auch unangenehmen Dingen auf. Wegen vermehrten Ängsten nehme er gegenwärtig ein Medikament zusätz
lich ein. Er trinke auch wieder Alkohol als dysfunktionale Bewältigungsstrategie in schwierigen Situationen. Es sei eine Abklärung wegen eines ADHS-Syndroms im Gange. Eine Unterstützung durch die Invalidenversicherung in Form einer Arbeitsintegration oder von beruflichen Massnahmen werde aus ärztlicher Sicht
als dringend angesehen. Die Ärzte diagnostizierten eine rezidivierende depressi
ve
Störung, mittelgradiger Episode (ICD-10 F33.1) mit Ausgebrannt-Sein (ICD-10 Z73), einen Verdacht auf ADHS im Erwachsenenalter, eine
Persönlich
keits
akzentuierung
mit ängstlich vermeidenden Anteilen (ICD-10 Z73.0) und eine Störung durch Alkohol, schädlicher Gebrauch, gegenwärtig Substanzgebrauch (ICD-10 F10.1) (Urk. 7/27).
3.7
Im
Bericht des
B._
vom
5.
Januar 2015 (
Urk.
5) be
treffend
die tagesklinische
Behandlung vom
4.
August bis 2
8.
November 2014
blieben die Ärzte im Wesentlichen bei ihren Diagnosen, ergänzten sie durch den schädlichen Gebrauch von Kokain (ICD-10 F14.1) und diagnostizierten nun eine ängstliche vermeidende Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.6).
Der Versicherte zeige eine reduzierte Aufmerksamkeit und eine verminderte Kon
zentration. Im Affekt sei er depressiv und grüblerisch, habe ausgeprägte Stimmungsschwankungen, er leide an grosser innerer Anspannung, Nervosität,
ge
ringer Belastbarkeit und er vermeide mögliche oder tatsächliche unan
ge
neh
me
Situationen (Telefonate etc.). Er sei nach einem erneuten Alkoholentzug zwi
schen 14. und 30. Juli 2014 wieder in die Tagesklinik eingetreten. Die Ärzte er
wähnten, dass der Versicherte seither motiviert und regelmässig am
multimo
da
len
Therapieprogramm teilnehme. Die Verdachtsdiagnose eines ADHS im Erwach
senenalter habe wegen Substanzkonsums und der depressiven Symptomatik nicht
eindeutig bestätigt werden können, weshalb eine erneute Testung im Verlauf empfohlen werde. Der Versicherte werde aufgrund von erneuten Rückfällen in
seine Suchtproblematik ab 3.
Dezember
2014 in der Klinik
C._
eine
suchtspe
zifische
stationäre Behandlung beginnen.
Anschliessend empfehle man eine wei
ter
führende ambu
lante psychotherapeutische Behandlung und eine Unter
stützung bei einer mög
lichst raschen Eingliederung in den Arbeitsmarkt (
Urk.
5 S. 3).
4.
4.1
Die IV-Stelle verneinte einen invalidisierenden Gesundheitsschaden des Be
schwerdeführers, wobei sie sich in ihrer Beurteilung auf den
Regionalen Ärzt
lichen Dienst
(
RAD
)
stützte. In seiner Stellungnahme vom 2
1.
März 2014 (
Urk.
7/20/4 f.) hielt
Dr.
med.
pract
.
K._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie, fest, es sei auf das Gutachten von
Dr.
I._
(vgl.
Urk.
7/18) abzu
stellen.
Dieser habe
ab Begutachtungsuntersuchung vom 2
2.
Januar 2014 sowohl in der bisherigen als auch in einer leidensangepassten Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsfähigkeit attestiert und
gehe
ab
A
nfang März 2014 von einer 1
00%igen Arbeitsfähigkeit aus
. Eine Diagnose mit einer dauerhaften Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit werde nicht gestellt.
4.2
Obwohl die beiden Gutachten der
Dres
.
H._
und
I._
zeitlich sehr eng beiein
an
derliegen -
sie sind lediglich etwas mehr als einen Monat auseinander
,
Dr.
H._
hat seines am 2
7.
Januar (vgl.
Urk.
7/23/1 ff.) und
Dr.
I._
seine
s
am
3.
März 2014 (
Urk.
7/18) verfasst -
kommen sie zu signifikant unterschiedlichen Ergeb
nissen.
W
ährend Dr.
I._
von einer „depressiven Symptomatik“, „irgendwo zwischen leicht- und höchstens mittelgradig“, spricht, geht Dr.
H._
in Über
einstimmung mit den behandelnden Psychiatern von einer nach ICD-10 defi
nier
ten, rezidivierenden depressiven Störung mittelgr
adigen Ausmasses (ICD-10 F33.1)
aus. Dr.
I._
’s
Ausführungen vermögen dabei nicht zu überzeugen, sie sind mehr deskriptiver denn medizinisch-analytischer Art. Ihm lag denn auch gemäss eigenen Ausführungen
einzig der Bericht der
E._
vom 1
3.
September 2013
vor
(
Urk.
7/23/7 ff), weshalb
er sich auf einen
im
Zeitpunkt seiner Begutachtung nicht mehr aktuel
len medizinischen Bericht stützt
e
.
Weder
lagen ihm der Bericht des
B._
vom 2
0.
November 2013 (
Urk.
7/15) noch das Gut
achten von
Dr.
H._
vom 2
7.
Janu
ar 2014 (
Urk.
7/23/1 ff.) vor, so das eine fundierte Auseinandersetzung m
it den anderen Fachärztlichen An
sichten fehlt.
Sodann besteht
auch
ein ge
wisser Widerspruch zwischen seinem psychischen Befund, dass sich aktuell keine
depressiven Symptome objektivieren liessen (
Urk.
7/18/10)
,
und seiner Atte
stie
rung einer immerhin nur 50%igen Arbeitsfähigkeit sowohl in der bisherigen Tätigkeit als Elektromonteur als auch für eine Verweistätigkeit (
Urk.
7/18/11). Schliesslich zeigt der Fortgang der
Anamnese, so etwa der Be
richt des
B._
vom
5.
Juni 2014 (
Urk.
7/27) oder je
ner vom
5.
Januar 2015 (
Urk.
5), dass sich
Dr.
I._
`s
Prognose, die Arbeitsfähig
keit des Beschwerde
führers werde bald einen taggeldausschliessenden Umfang erreichen (
Urk.
7/18/11), nicht bewahrheitet hat.
Damit entfällt die Grundlage, auf die sich die Beschwerdegegnerin für ihren
Ent
scheid stützt
. Es kann ihrer Ansicht, dass kein invalidisierendes
Krank
heits
leiden
vorliege (
Urk. 2), nicht gefolgt werden.
4.3
An
ders als Dr.
I._
diagnostizierten die behandelnden Ärzte und auch Dr.
H._
durchwegs eine rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33), und zwar jeweils
mittelschwerer Episode (ICD-10 F33.1), was eine längerdauernde Depression be
deutet und durchaus ein invalidisierendes Krankheitsgeschehen darstellen kann
, zumal sich der Beschwerdeführer einsichtig zeigt und sich mehrfach in psy
chotherapeutische Behandlung begab
(Urteile des Bundesgerichts 9C_980/2010
vom 20. Juni 2011, 9C_947/2012). Sodann wurden von den behandelnden Ärzten
Suchtmittelabhängigkeiten
(Alkohol/Cannabis/Kokain) erwähnt, deren Rolle für das Beschwerdebild allerdings nicht hinreichend genau dargelegt wurde.
Dies ist jedoch für die Frage von deren invalidisierender Bedeutung wichtig (vgl. E. 1.2).
Es wurde auch der Verdacht eines ADHS im Erwachsenenalter geäussert, der
,
soweit ersichtlich, bis anhin
nicht abgeklärt werden konnte.
Bei diesen rele
van
ten, offenen Faktoren ist der von der Beschwerdegegnerin gezogene Schluss, dass ausgeprägte berufliche und familiäre Belastungen und somit psychosoziale Belastungsfaktoren für die psychische Beeinträchtigung verantwortlich seien, nicht erhärtet und fraglich, zumal die beruflich belastenden Umstände seit gerau
mer Zeit weggefallen sind, ohne dass eine anhaltende Verbesserung im Gesund
heitszustand eingetreten wäre.
4.4
Die von den behandelnden Ärzten und dem Gutachter Dr.
H._
attestierte
gänzliche
Arbeitsunfähigkeit in
allen
Bereichen kontrastiert allerdings
etwas
– und darin ist Dr.
I._
beizupflichten – mit dem von Dr.
H._
beschriebenen Bild von einer leichten Verschiebung der Stimmungslage zum depressiven Pol, einer leicht eingeschränkten affektiven Auslenkbarkeit,
einer leichten psycho
motorischen Einschränkung, während er die kognitiven Fähigkeiten wie Auf
fassung und Erinnerung, sodann die Konzentration und Merkfähigkeit als intakt bezeichnete (Urk. 7/23). Das von den behandelnden Ärzten beschriebene Bild des Versicherten weicht in dem Sinne davon ab, dass es als gravierender dar
gestellt wird. Die Frage, wie sehr der Beschwerdeführer in der angestammten Tätigkeit als Elektromonteur sowohl als Angestellter in einer anderen Firma als
auch
als
Selbständigerwerbender
und auch in einer angepassten anderen Tätig
keit eingeschränkt ist, ist näher abzuklären. Dabei ist in somatischer Hinsicht die seit langer Zeit vorhandene Schulterverletzung einzubeziehen (Urk. 14). Erst dann kann entschieden werden, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf beruf
liche Massnahmen oder/und gegebenenfalls eine Invalidenrente hat. Für die Ab
klärungen ist eine polydisziplinäre Begutachtung angezeigt, die bis anhin nicht vorgenommen wurde und die den somatischen und psychiatrischen Fragestell
ungen Rechnung trägt. Hierfür ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen und die Beschwerde in diesem Sinne gutzuheissen.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG in der seit dem 1. Juli 2006 in Kraft stehenden Fassung) und auf Fr. 700.-- anzu
setzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegen
den Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.