Decision ID: d5204efa-243a-4080-b9a4-52858ddeded7
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1954, ist seit 1996 als Parfumverkäuferin bei der
Y._
AG tätig. Am 3
0.
November 2009 meldete sie sich wegen
Kniebe
schwer
den
bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/1). Mit Verfügung vom 2
5.
Juli 2012 sprach die
Sozialversicherungsan
stalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, der Versicherten für die Zeit vom
1.
Juni bis 3
1.
Oktober 2010 eine befristete halbe Invalidenrente und für die Zeit vom
1.
November bis 3
1.
Dezember 2010 eine befristete ganze Invalidenrente zu. Sie hielt fest, ab dem
1.
Januar 2011 bestehe kein Rentenanspruch mehr
(
Urk.
6/64,
Urk.
6/67)
.
Die Versicherte liess am 1
3.
September 2012 gegen diese Verfügung Beschwerde erheben (
Urk.
6/70/3-12). Das Sozialversicherungsgericht des Kan
tons Zürich hiess die Beschwerde
mit Urteil vom 2
5.
April 2014
in dem Sinne teilweise gut, dass
es
die Verfügung vom 2
5.
Juli 2012 aufhob,
soweit
diese den Rentenanspruch ab
dem
1.
Januar 2011 verneinte. Die Sache wurde zur ergän
zen
den medizinischen Abklärung und zum Neuentscheid an die IV-Stelle zurück
gewiesen (
Urk.
6/79).
1.2
In Umsetzung des Urteils vom 2
5.
April 2014
teilte die IV-Stelle der Versicher
ten
mit Schreiben vom 1
5.
Oktober 2014
mit, dass eine medizinische Begut
ach
tung im Fachbereich Rheumatologie notwendig sei. Die Begutachtung werde durch
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für Rheumatologie, durchgeführt. Triftige Einwendungen gegen die Art der Begutachtung, die vorgesehene Fachdisziplin
so
wie die begutachtende Person seien bis am 2
9.
Oktober 2014 schriftlich ein
zureichen. Innert der gleichen Frist seien allfällige Zusatzfragen zu stellen (
Urk.
6/94)
. Dem Schreiben legte sie den Fragekatalog an die Gutachterin bei (
Urk.
6/92/3,
Urk.
6/93). Mit Schreiben vom 2
7.
Oktober 2014 erklärte sich der Rechtsvertreter der Versicherten mit einer monodisziplinären rheumatologischen
Begutachtung nicht einverstanden und verlangte
eine polydisziplinäre Abklä
rung.
Es sei die Fachdisziplin Orthopädie miteinzubeziehen, da eine Gonarthrose und lumbale Beschwerden zu berücksichtigen seien. Zudem leide die Versicherte an multiplen Beschwerd
en, weshalb auch eine allgemein
internistische Abklä
rung notwendig sei (
Urk.
6/95). Mit Verfügung vom
7.
November 2014 hielt die IV-St
elle an einer monodisziplinären
rheumatologischen Begutachtung fest (
Urk.
2).
2.
Hiergegen liess die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Walter Keller, mit Eingabe vom 1
2.
Dezember 2014 Beschwerde erheben mit dem Antrag, die Ver
fügung vom
7.
November 2014 sei aufzuheben und die vorgesehene Begut
achtung sei polydisziplinär (orthopädisch, rheumatologisch,
allgemein
internis
tisch
) durchzuführen (
Urk.
1). Die IV-Stelle schloss am 2
2.
Januar 2015 auf Ab
weisung der Beschwerde (
Urk.
5).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Das Bundesamt für Sozialversicherungen hat in seinem Kreisschreiben über das Verfahren in der Invalidenversicherung (KSVI, Stand
1.
Januar 2014) festge
halten, wie bei der Auftragsvergabe für eine Begutachtung vorzugehen ist (KSVI
Rz
2074 ff.). Erachtet die IV-Stelle ein Gutachten als erforderlich, so hat sie der versicherten Person in einer ersten Phase mit einer schriftlichen Mitteilung Fol
gendes bekannt zu geben (KSVI
Rz
2076 und 2083 f.):
1.
Welche Art Gutachten erforderlich ist (monodisziplinär,
bidisziplinär
oder
polydisziplinär)
2.
Die am Gutachten beteiligten medizinischen Fachdisziplinen
3.
Frage
n
katalog
4.
Hinweis auf die Möglichkeit, schriftlich Zusatzfragen zu stellen
5.
Bei mono- oder
bidisziplinären
Gutachten zusätzlich Name und
Facharzttitel der mit dem Gutachten zu beauftragenden Personen (KSVI
Rz
2083).
Überdies ist mit der Mitteilung eine Frist von zehn Tagen für die Erhebung von Einwänden gegen die Begutachtung und die vorgesehenen Fachdisziplinen, bei mono- oder
bidisziplinären
Gutachten zusätzlich auch gegen die Gutachter, so
wie für die Einreichung von Zusatzfragen einzuräumen. Diese Frist kann auf begründetes Gesuch hin verlängert werden (KSVI
Rz
2076.1 und
Rz
2083.2 mit Hinweis auf BGE 139 V 349 E. 5.2.3).
1.2
Bei mono- und
bidisziplinären
Gutachten ist gemäss bundesgerichtlicher Recht
sprechung im Falle aller zulässigen Einwendungen konsensorientiert vorzuge
hen.
Erst wenn eine Einigung ausbleibt, ist eine (einheitliche)
Zwischenverfü
gung
über
die Beweisvorkehr an sich (Notwendigkeit einer Begutachtung, Be
schrän
kung auf ein oder zwei Fachdisziplinen, Bezeichnung der Disziplin
en
) und die Person der Gutachter zu erlassen (BGE 139 V 349 E. 5.2.2.3). Mit ande
ren Worten ist ein Einig
ungsversuch zu unternehmen, sob
ald ein zulässiger Einwand erhoben
wurde. Ein solcher kann formeller (fa
ll
bezogenes formelles
Ablehnungs
begeh
ren
)
oder materieller (fachbezogener) Natur sein (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_560/2013 vom
6.
September 2013 E.
2.3 mit Hinweis auf Urteil 9C_207/2012
E. 1.2.4 in Verbindung mit E. 5.2.2.3 [teilweise publiziert BGE 139 V 349]
)
.
Im KSVI findet sich eine exemplarische Liste von zulässigen formellen oder materiellen Einwänden (KSVI
Rz
2083.3):
Die begutachtende Person hat in der Sache ein persönliches Interesse;
Die begutachtende Person ist mit einer Partei in gerader Linie oder in der Seitenlinie bis zum dritten Grade verwandt oder verschwägert oder durch Ehe, Verlobung oder Kindesannahme verbunden;
Die begutachtende Person ist aus anderen Gründen in der Sache befan
gen;
Der begutachtenden Person fehlt es an der nötigen Fachkompetenz;
Es ist ein Gutachten aus einer anderen medizinischen Fachrichtung not
wendig;
Der Sachverhalt ist genügend abgeklärt und die Einholung eines neuen Gutachtens ist nicht notwendig.
Ebenso trägt das KSVI der erwähnten Rechtsprechung Rechnung, indem es für den Fall, dass ein zulässiger Einwand erhoben wurde, ausdrücklich einen
Eini
gungsversuch
verlangt (KSVI
Rz
2084). Ein solcher setzt gemäss KSVI voraus, dass ein mündlicher oder schriftlicher Austausch zwischen der IV-Stelle und der versicherten Person stattfindet. Dieser Austausch muss
in
den Akten hinterlegt sein (KSVI
Rz
2084.1).
1.3
Wird keine Einigung gefunden, so erlässt die IV-Stelle eine Zwischenverfügung, worin sie die Art der Begutachtung, die
vorgesehene Fachdisziplin oder die
vor
gesehenen Fachdisziplinen sowie den oder die Namen der begutachtenden Per
son beziehungsweise Personen festhält und begründet, weshalb den Einwänden nicht Rechnung getragen wurde (KSVI
Rz
2084.2; vgl. auch BGE 139 V 349 E.
5.2.2.3).
2.
2.1
Die IV-Stelle gab der Versicherten mit Mitteilung vom 1
5.
Oktober 2014
(
Urk.
6/94)
alle notwendigen Modalitäten der Begutachtung bekannt (vgl. KSVI
Rz
2076 und 2083 f.). Die Notwendigkeit einer Begutachtung ist unbestritten. Gegen die Gutachterin
Dr.
Z._
brachte die Versicherte keine Einwen
dungen vor und Zusatzfragen stellte sie keine. Doch die Versicherte brachte Ein
wen
dungen dagegen vor, dass die Begutachtung bloss in der Fachrichtung
Rheumatologie und somit als monodisziplinäres Gutachten durchgeführt werden sollte
(
Urk.
6/
95)
.
Anfechtungsgegenstand ist die Verfügung vom
7.
November 2014
(
Urk.
2)
, mit welcher die Beschwerdegeg
nerin an der monodisziplinären rheumatologischen
Begutachtung festgehalten hat.
Mit der Verfügung wurde somit über sämtliche vorgebrachten Einwendungen entschieden
.
In der Verfügung wurde zwar
er
wähnt
, die Gutachterstelle werde nach Eintritt der Rechtskraft der Verfügung
bekannt gegeben. Doch
die Gutachterin war der Versicherten mit Mitteilung vom
1
5.
Oktober 2014 bekannt gegeben worden (
Urk.
6/94). Aus
dem von der IV-Stelle
an
Dr.
Z._
gerichteten Mail vom 1
9.
Dezember 2014, mit wel
chem dieser mitgeteilt wurde, dass gegen die Zwischenverfügung vom
7.
November 2014 Beschwerde eingereicht worden sei und ihr Bescheid gegeben werde, so
bald sie mit der Begutachtung weitermachen könne (
Urk.
6/99),
lässt sich ent
nehmen, dass
auch
weiterhin eine Erstellung des monodisziplinären
Gutachten
s
durch
Dr.
Z._
vorgesehen war
.
2.2
Es handelt sich dahe
r bei der Verfügung vom
7
.
November 2014
um eine
Zwi
schenverfügung
im Sinne von
Art.
55
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Verbindung mit
Art.
5
Abs.
2 und
Art.
46 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
), welche selbständig mit Beschwerde anfechtbar ist, da sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken kann (
Art.
46
Abs.
1
lit
. a
VwVG
, BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7 und 139 V 349 E. 5.4). Auf die Beschwerde ist folglich einzu
treten.
3.
3.1
Im vorinstanzlichen Verfahren wurde innert der angesetzten Frist seitens der Beschwerdeführerin der Einwand vorgetragen, dass wegen der bestehenden Be
schwerden (Gonarthrose, lumbale Beschwerden, multiple Beschwerden) auch eine orthopädische und
allgemein
internistische Abklärung, also ein
polydiszip
linäres
Gutachten notwendig sei (
Urk.
6/95)
.
Indem beantragt wurde, die Begut
achtung um zwei weitere medizinische Fachrichtungen zu erweitern, wurde ein zulässiger materieller Einwand erhoben, der zu einem Einigungsversuch hätte führen müssen. Es lässt sich den Akten nicht entnehmen, dass entsprechende Schritte unternommen wurden und die Beschwerdegegnerin brachte im
Be
schwerdeverfahren
auch nichts Entsprechendes vor (vgl.
Urk.
5). Die
Partizipa
tions
- und Gehörsrechte der Beschwerdeführerin wurden somit verletzt und das Verfahren erweist sich dementsprechend als mangelhaft.
3.2
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann eine Verletzung der gestützt auf
Art.
55 ATSG für den
Beizug
externer Gutachten im Verwaltungsverfahren anwendbaren Verfahrensregeln gemäss
Art.
19
VwVG
in Verbindung mit
Art.
57 ff. des Bundesgesetzes über den Bundeszivilprozess (BZP; BGE 137 V 210 E. 3.4) als geheilt gelten, wenn das Gericht den angefochtenen Entscheid in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht frei überprüfen kann
Eine Heilungsmöglichkeit entfällt rechtsprechungsgemäss jedoch bei schwer wie
genden Verletzungen der in den
Art.
57 ff. BZP garantierten Gehörs- und Mitwirkungsrechte. Davon abgesehen ist im sozialversicherungsrechtlichen
Ver
fügungsverfahren
jeweils sorgfältig zu prüfen, ob eine Missachtung der
Verfah
rensgarantien
von
Art.
57 ff. BZP, insbesondere von
Art.
58
Abs.
2,
Art.
59
Abs.
1 und
Art.
60 BZP nicht an sich einen schwer wiegenden
Verfah
rens
mangel
darstellt, bei dem eine Heilungsmöglichkeit entfällt (BGE 126 V 130 E.
2b, 120 V 357 E. 2b mit Hinweisen).
3.3
In seinem Entscheid BGE 139 V 349 hat das Bundesgericht die Wichtigkeit der Beachtung der Verfahrensgarantien bei mono- und
bidisziplinären
Expertisen betont (BGE 139 V 349 E. 5.4). Der Verzicht auf einen Einigungsversuch stellt daher eine schwerwiegende Verletzung der Mitwirkungsrechte dar, welche un
geachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhe
bung der angefochtenen Verfügung führt. Es kommt mit anderen Worten nicht darauf an, ob der Einigungsversuch im konkreten Fall für den Ausgang der materiellen Streitentscheidung von Bedeutung ist, das heisst ob die Behörde zu einer Änderung ihres Entscheides veranlasst wird oder nicht. Insbesondere spielt es auch keine Rolle, ob der Einigungsversuch selbst aussichtsreich erscheint. Die Sache ist daher an die Verwaltung zurückzuweisen, damit sie zur Frage der für das Gutachten notwendigen medizinischen Fachbereiche einen Einigungsver
such vornehme und hernach gegebenenfalls neu darüber verfüge.
3.4
Aufgrund der dargelegten Erwägungen ist die Beschwerde in dem Sinne gutzu
heissen, dass die angefochtene Verfügung vom
7.
November 2014 aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese im Sinne der Erwägungen vorgehe.
4.
4.1
Da es vorliegend nicht um die Bewilligung oder Verweigerung von Versiche
rungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenlos (
Art.
61
lit
. a ATSG in Ver
bindung mit
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversiche
rung)
.
4.2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Partei Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§34
Abs.
3
GSVGer
).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz als vollständiges Obsiegen (Urteil des Bundesgerichts U 199/02 vom 1
0.
Februar 2004 E. 6 mit Hinweis auf BGE 110 V 57; SVR 1999 IV Nr. 10 S. 28 E. 3).
Dem Ausgang des Beschwer
deverfahrens entsprechend hat die
durch einen Rechts
anwalt vertretene
Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine
Parteientschä
digung
, wobei
unter Berücksichtigung des bis Ende 2014 üblichen
Stundenan
satzes
in der Höhe von
Fr.
200.-- ein Gesamtbetrag von
Fr.
1‘100.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
als angemessen erscheint.