Decision ID: d9db0f94-50aa-400a-83b4-e4c276faae7b
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1961, arbeitet
e
seit 2011 bei der
Y._
AG als Ge
bäudereiniger und war
in dieser Funktion bei der Suva gegen Berufs- und Nicht
berufsunfälle versichert. Am 20. März 2019 wurde der Suva angezeigt, dass der Versicherte am 15. März 2019 auf der Treppe gestürzt sei (Bagatellunfall-Meldung vom 20. März 2019, Urk. 9/1).
Med.
pract
.
Z._
, Assistentin von
Dr. med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
hielt in ihrem
Bericht vom 26. März 2019
fest
, dass der Versicherte am 4. Februar 2019 auf Schnee ausgerutscht sei
und starke Schmerzen an der rechten Schulter habe. Er habe auch in der linken
Scapula
Schmerzen seit diesem Unfall
. Am 18. März 2019 sei ein MRI
der rechten Schulter
erfolgt, welches einen vollständigen,
trans
mu
ralen
Riss der
Supraspinatussehne
sowie der
Infraspinatussehne
mit konsekutiver kranialer
Dezentrierung
des
Humeruskopfes
gezeigt habe. Anlä
sslich der Be
sprechung des MRI
vom 20. März 2019 habe der Versicherte erstmals über einen Autounfall am 25. Februar 2019 und den erneuten Sturz vom 15. März 2019 berichtet
. Da er infolge dieser Unfälle keine neuen Beschwerden gehabt habe, sei keine neue Untersuchung erfolgt
(Urk. 9/6).
Die Suva trat auf den Schaden ein und erbrachte die gesetzlichen Leistungen (vgl. Schreiben vom 25. März 2019, Urk. 9/5).
Am 4. Juli 2019 reichte der Versicherte eine weitere Unfallmeldung ein, wo er angab, dass er am 4. Februar 2019 beim Einladen des Staubsaugers auf Eis au
s
ge
rutscht und mit dem Hinterkopf und der Schulter aufgeschlagen s
ei (Urk. 9/51
/2
f.).
Mit Verfügung vom 24. Januar 2020 teilte die Suva dem Versicherten mit, dass die Schulterbeschwerden links nicht mehr unfallbedingt seien und die Leistungen per 24. Januar 2020 eingestellt würden. Für die Operation vom 5. Dezember 2019 könnten sie nicht mehr aufkommen (Urk. 9/103). Hiergegen erhoben die zu
stän
dige Krankenversicherung am 13. Februar 2020 (Urk. 9/119) sowie der Versicherte am 21. Februar 2020 (Urk. 9/127) Einsprache. Die Krankenversicherung zog die Einsprache am 25. Februar 2020 zurück (Urk. 9/131).
Mit
Einspracheentscheid
vom 29. Mai 2020 wies die Suva die Einsprache voll
umfänglich ab und entzog einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wir
kung (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 26. Juni 2020 Beschwerde und beantragte, es sei der
Einspracheentscheid
aufzuheben und es seien ihm für das Schulterleiden links die gesetzlichen Leistungen, insbesondere Taggelder und Heilungskosten,
bis zur Erlangung des medizinischen Endzustandes weiterhin auszurichten. Even
tualiter sei ein neutrales orthopädisches Gerichtsgutachten im Sinne von Art. 44
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (AT
SG)
anzuordnen (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 29. Juli 2020 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 8 unter Beilage ihrer Akten, Urk. 9/1-178), worüber der Beschwerdeführer am 3. August 2020 in
Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 10). Am 10. August 2020 liess sich der Beschwer
de
führer erneut vernehmen (Urk. 11), wozu die Beschwerdegegnerin am 4. Septem
ber 2020 Stellung nahm (Urk. 13), was dem Beschwerdeführer am 21. September 2020 mitgeteilt wurde (Urk. 14).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin hielt dafür, dass
sie für die Beschwerden an der rechten S
chulter, welche am 6. Juni 2019
operiert worden sei, eine Unfallkausalität aner
kannt habe und auch im Zeitpunkt des Erlasses des
Einspracheentscheids
dafür noch die gesetzlichen Versicherungsleistungen ausrichte. Für die Beschwerden an der linken Schulter seien ebenfalls Leist
ungen erbracht worden. Gestützt auf die Ausführungen der Kreisärztin Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Chirurgie
, seien die Leistungen per 24. Januar 2020 eingestellt worden seien. Die Kosten für die Operation vom 5. Dezember 2019 könnten ebenfalls nicht übernommen werden. Dr.
B._
habe dargelegt, dass gestützt auf die medizinische Aktenlage sowie die Schilderungen der Unfälle durch den Beschwerdeführer von einer Kontu
sion/
Prellung der linken Schulter bei vorbestehenden degenerativen Veränderungen der
Rotatorenmanschette
auszugehen sei. Diese heilten in der Regel innerhalb von ein paar Tagen/Wochen ab. Aufgrund der vorbestehenden degenerativen Verän
de
rungen sei ein protrahierter Schmerzverlauf nachvollziehbar, allerdings seien die Prellungen spätestens 4-6 Wo
chen nach Ent
stehung abgeheilt (Urk. 2).
Der Beschwerdeführer brachte demgege
nüber im Wesentlichen vor, dass insbe
sondere unklar sei, warum die Beschwerdegegnerin die Operation vom 5. Dezem
ber 2019 nicht übernehme, wenn die Leistungseinstellung per 24.
Dezember
[richtig: Januar]
2020
erfolge.
Es liege ein Unfall im Sinne des Gesetzes vor und die behandelnden Ärzte hätten klar dargelegt, dass die Beschwerden
an
der linken
Schulter unfallkausal seien. Der Eintritt des
status
quo sine/quo ante sei nicht überwiegend wahrscheinlich bewiesen worden, womit die Beschwerdegegnerin weiterhin leistungspflichtig sei. Darüber hinaus liege eine Listenverletzung im Sinne von Art. 6 Abs. 2
des
Bundesgesetz
es
über die Unfallversicherung (UVG)
vor, womit gesetzlich vermutet werde, dass es sich um eine unfallähnliche Kör
perschädigung handle. Die Beschwerdegegnerin habe den Beweis nicht erbracht, dass die Körperschädigung vorwiegend auf Abnützung oder Krankheit zurück
zuführen sei.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung reiche des Weiteren eine reine Aktenbeurteilung nicht aus, so dass eventualiter ein neutrales ortho
pädisches Gutachten einzuholen sei (Urk. 1).
In der Beschwerdeantwort vom 29. Juli 2020 führte die Beschwerdegegnerin ergänzend aus,
dass es an einer unfallbedingten traumatischen strukturellen Läsion mangle, womit der Status quo ante/quo sine 4-6 Wochen nach dem Ereignis eingetreten sei. Die geschilderten Ereignisse seien - im Einklang mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung - nicht geeignet gewesen, eine traumatisch bedingte
Rotatorenmanschettenläsion
auszulösen. Die Prüfung einer Leistungs
pflicht nach Art. 6 Abs. 2 UVG erübrige sich damit.
Entsprechend sei in anti
zipierter Beweiswürdigung auch kein Erkenntnisgewinn durch ein externes Gut
achten zu erwarten (Urk. 8; vgl. auch Stellungnahme vom 4. September 2020, Urk. 13).
Der Beschwerdeführer führte in seiner Stellungnahme vom 10. August 2020 aus, dass er am 15. März 2019 ausgerutscht und auf den linken Arm gestürzt sei,
mit welchem er sich sozusagen abgefedert habe. Dies sei ein klassischer Mechanismus, welcher eine
Rotatorenmanschettenläsion
hervorrufen könne. Die Operation am linken Arm habe am 5. Dezember 2019 stattgefunden und damit vor der Leistungsterminierung am 24. Januar 2020, womit die Kosten zu über
nehmen seien (Urk. 11).
2.
2.1
Ein Unfall ist gemäss Art. 4 ATSG die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
2.2
Gemäss Art. 6 UVG werden -
soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt - die
Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krank
heiten gewährt.
2.3
2.3.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invali
dität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
2.3.2
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursa
chen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vor
zustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr.
U 142 S.
75 E.
4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U
172/94 vom 26.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwie
genden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr.
U 363 S.
45; BGE
119 V 7 E. 3c/
aa
). Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast –
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzu
sam
menhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfall
versicherer (RKUV 1994 Nr.
U 206 S.
328
f. E.
3b, 1992 Nr.
U 142 S. 76). Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spät
folgen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteil des Bundesge
richts 8C_637/2013 vom 11.
März 2014 E. 2.3.1 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der Status quo sine
vel
ante noch nicht wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die Heilbehandlungskosten nach Art. 10 UVG fallen (Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11. März 2014 E. 2.3.2).
2.3.3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
2.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das
Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungs
träger
alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur
geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
inter
nen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
3.
Die relevante medizinische Aktenlage in Bezug auf die linke Schulter stellt sich folgendermassen dar:
3.1
Med.
pract
.
C._
, Praktischer Arzt FMH, hielt in der
Kranken
geschichte
vom 12. März 2019 fest (Urk. 3), dass der Beschwerdeführer am 4.
Februar 2019
auf Schnee
gefallen und auf den Rücken gestürzt sei. Seitdem habe er starke Schmerzen in der rechten Schulter. Er habe auch in der linken
Scapula
und Schulter Schmerzen seit dem Unfall
und seit
einer Woche, diese Schmerzen seien schlimmer. Die linke Schulter sei beim Abtasten des Schulter
gelenks und
processus
Coracoid
schmerzhaft. Passive Bewegungen seien ohne Schmerzen möglich. Aktive Bewegungen seien
schmerzhaft. Der
Jobe
-Test sei
negativ, die
Belly
-press in Ordnung und der lift-off sei schmerzhaft. Die
extrenale
Rotation und der Bi
z
eps-Test seien in Ordnung, der
Impingement
-Test sei positiv (mit Dr.
A._
untersucht). Es liege ein Verdacht auf ein
Schulterimpingement
vor.
3.2
Med.
pract
.
Z._
führte in ihrem Bericht vom 26. März 2019 aus, dass der Beschwerdeführer am 4. Februar 2019 auf Schnee ausgeglitten sei. Er sei auf etwas Hartes gefallen mit dem Rücken. Seitdem habe er starke Schmerzen an der rechten Schulter, meistens bei Bewegungen. Er kö
n
ne seinen rechten Arm nicht anheben ohne Schmerzen und klage über Kraftlosigkeit im Arm. Er habe auch in der linken
Scapula
Schmerzen seit dem Unfall. Einen Monat nach dem Unfall sei er vorstellig geworden, weil die Situation
sich
nicht gebessert habe. Die klinische Untersuchung habe einen wahrscheinlichen Riss der Sehnen der Muskeln
Sub
scapularis
und
Supraspinatus
an der rechten Schulter gezeigt. Im Röntgen sei nichts ersichtlich. Am 18. März 2019 habe ein MRI der rechten Schulter statt
gefund
en, welches einen vollständigen
transmuralen
Riss der
Supraspinatussehne
sowie der
Infraspinatussehne
mit konsekutiver kranialer
Dezentrierung
des
Hume
ruskopfes
zeige. Anlässlich der Konsultation vom 20. M
ä
rz 2019 berichte der Beschwerdeführer erstmals über einen Autounfall am 25. Februar 2019, er
sei
gegen ei
n anderes Auto gefahren
,
sowie
einen erneuten Sturz am 15. März 2019. Diese beiden Unfälle hätten keine neuen Beschwerden zur Folge (Urk. 9/6).
3.3
Anlässlich der Untersuchung in der Schulter-Sprechstunde in der Universitäts
klinik
D._
vom 27. März 2019 wurde eine grosse
posterosuperiore
acute
-on-
chronic
Rotatorenmanschettenruptur
rechts bei Status nach Sturz am 4. Februar
2019 diagnostiziert.
Befunde oder Diagnosen bezüglich der linken Schulter wurden
nicht erhoben (Urk. 9/7).
3.
4
Am 2. April 2019 verordnete Dr. med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Physiotherapie aufgrund eines
Impingements
der linken Schulter nach Unfall (Urk. 9/10).
3.5
Am 10. Mai 2019 wurde der Beschwerdeführer erneut in der Schultersprechstunde im
D._
untersucht. Die Ärzte diagnostizierten dabei neu eine
posterosuperiore
Rotatorenmanschettenruptur
(SSP komplett, ISP obere 1/3) links. In der linken Schulter sei die Situation im Vergleich zu rechts noch knapp kompensiert, jedoch ebenso schmerzhaft und schwach. Die rechte Seite sei vordergründig.
Die Inspektion der linken Schulter sei unauffällig. Es bestünden keine
Druck
dolenzen
.
Jobe
- und Whipple-Test seien positiv, die Aussenrotation gegen Wider
stand sei kräftig ohne Lag, der Lift-off Test sei negativ. Die Haltefunktion in
Abduktion und
Ausserotationspositionierung
sei gut erhalten, das PDMS sei intakt
.
Im
Arthro
-MRI der linken Schulter vom 29. April 2019
(vgl. Urk.
9/23)
sei eine ebenso
posteriore
superiore
Rotatorenmanschettenruptur
mit kompletter Mitbe
teiligung der
Supraspinatussehne
und zumindest dem oberen Drittel der
Infra
spinatussehne
ersichtlich. Die
Supraspinatussehne
sei deutlich
retrahiert
(Patte Grad II-III). Die
Subscapularis
sei intakt. Der
Supraspinatus
sei leicht verfettet (Grad I nach
Goutallier
). Die restliche
Rotatorenmanschette
sei von guter Muskel
qualität.
Die linke Schuler sei wohl noch operativ reparabel, sie würden aber noch zu
war
ten und nach positivem Verlauf auf der rechten Seite die Rekonstruktion anstre
ben (Urk. 9/16).
3.6
Am 6. Juni 2019 wurde die
Rotatorenmanschette
rechts am
D._
arthrosko
pisch
rekonstruiert. Der postoperative Verlauf gestaltete sich komplikationslos (Austrittsbericht vom 9. Juni 2019, Urk. 9/27).
Anlässlich der postoperativen Verlaufskontrolle berichtete der Beschwerdeführer über einen sehr guten Verlauf bezüglich der rechten Schulter. Die Ärzte kon
statierten, dass die aktive Mobilisation erfolgen könne (Urk. 9/45).
Im Rahmen der Verlaufskontrolle 4.5 Monate postoperativ am 1. November 2019 führten die Ärzte aus, dass ein deutlich verzögerter Heilungsverlauf mit schmerzhafter Schulter und eine Bewegun
g
s- und Krafteinschränkung vorliege (Urk. 9/72).
3.7
Die Ärzte des
D._
hielten in ihrem Bericht vom 22. November 2019 fest, dass unverändert zur letzten Kontrolle vor drei Wochen deutliche Schmerzen in beiden Schultern bestehen würden, wobei mittlerweile die linke Schulter überwiegen würde. Bei Bewegungen sei diese äusserst schmerzhaft, es komme auch zu Krepi
tationen.
Unter Würdigung des MRI der linken Schulter vom 21. November 2019 (vgl. Urk. 9/79) führten die Ärzte aus, dass sich hinsichtlich der
Rotatorenman
schettenruptur
links leider eine
Rupturprogredienz
mit bereits deutlicher Retra
k
tion des
Supraspinatussehnenstumpfes
zeige. Aufgrund dessen sollte nicht mehr zu lange mit der operativen Versorgung gewartet werden. Die
arthroskopische
Rotatorenmanschettenrekonstruktion
werde für den 5. Dezember 2019 geplant (Urk. 9/78).
Am 5. Dezember 2019 erfolgte die
arthroskopische
Rotatorenmanschetten
rekon
struktion
am
D._
(Austrittsbericht vom 8. Dezember 2019, Urk. 9/86).
Der intra- und postoperative Verlauf wurde von den Ärzten als komplikationslos bei gut therapierbaren Schmerzen beurteilt.
3.8
In der Folge ersuchte die Beschwerdegegnerin die Kreisär
ztin Dr.
B._
erneut um Stellungnahme. Dr.
B._
führte am 17. Januar 2020 aus
(Urk. 9/95)
, dass sich anlässlich des
Arthro
-MRI links vom 29. April 2019 ausschliesslich dege
nerative Veränderungen im Bereich der
Rotatorenmanschette
mit Retraktion der Sehnenstümpfe bis zum
superioren
Labrum sowie eine Muskelatrophie Grad II und
Tendinopathie
der Sehnen ohne traumatische strukturelle Veränderungen im Bereich des Knochens, der Bänder und Sehnen gezeigt habe. Im Bericht von Dr.
A._
werde bezüglich der linken Schulter bei der Erstkonsultation keine Bewe
gungseinschränkung dokumentiert, sondern lediglich Schmerzen im Bereich der linken
Scapula
. Ebenso finde die linke Schulter keine Erwähnung im Bericht des
D._
vom 27. März 2019.
In der Konsultation vom 10. Mai 2019 finde die linke Schulter erstmals Erwäh
nung, wobei bezüglich der Bewegung keine Einschränkung dokumentiert sei, es werde eine Aussenrotation gegen Widerstand, kräftig ohne Lag dokumentiert sowie eine gute Haltefunktion in Abduktion und Aussenrotationspositionierung.
Gemäss Aussendienstbericht vom 11. September 2019 werde bezüglich Unfall
hergang vom 4. Februar 2019 lediglich eine Verletzung der rechten Schulter angegeben. Bezüglich Unfalldatum vom 25. Februar 2019 gebe der Versicherte an, dass er beim Rückwärtsfahren in ein parkiertes Auto gefahren sei, das Steuerrad habe er mit der linken Hand betätigt. Zu diesem Zeitpunkt habe er keine Schmerzen gehabt, ausser den bereits bestehenden Schulterbeschwerden. Am 15. März 2019 sei er auf einem Tritt ausgerutscht,
und
um nicht auf die bereits
geschädigte Schulter zu fallen, habe er sich auf
die linke Schulter gedreht, so dass
er entsprechend darauf gefallen
sei
und den Hinterkopf angeschlagen
habe
.
In Zusammenschau der Konsultationsberichte und des Aussendienstberichtes zu den Unfallhergängen könne man von einer direkten Kontusion/Prellung der linken Schulter ausgehen bei vorbestehenden degenerativen Veränderungen der
Rotatorenmanschette
.
Die operative Versorgung der linken Schulter am 5. Dezember 2019 sei nicht unfallkausal, da in der bildgebenden Diagnostik ausschliesslich degenerative Ver
änderungen nachweisbar seien. Des Weiteren sei der angegebene Unfallher
gang nicht geeignet, eine
Rotatorenmanschettenruptur
zu verursachen und im Bericht des Hausarztes bzw. Konsultationsbericht des
D._
s werde keine Bewegungs
einschränkung oder Kraftlosigkeit der linken Schulter angegeben.
Prellungen ohne nachweisbare frische traumatische strukturelle Läsionen heilten in der Regel innerhalb von ein paar Tagen/Wochen folgenlos ab. Im vorliegenden Falle liege eine ausgeprägte degenerative Veränderung vor, sodass ein protra
hier
ter Schmerzverlauf nachvollziehbar sei. Spätestens nach 4-6 Wochen seien die Prellungen im Bereich der linken Schulter abgeheilt.
3.9
Am 17. Januar 2020 fand die klinische Verlaufskontrolle 6 Wochen postoperativ am
D._
statt. Die behandelnden Ärzte konstatierten, dass der Beschwerde
führer über einen regelrechten Verlauf berichte. Er könne ab sofort mit Physio
therapie beginnen und sei bezüglich Selbstmobilisation, Aufbautraining und
Be
lastungslimiten
des Schultergelenkes beraten und instruiert worden (Urk. 9/106).
3.10
Mit Bericht vom 28. Januar 2020 liess sich Dr.
A._
vernehmen (Urk. 9/107). Er führte aus, dass er mit der Einschätzung von Dr.
B._
nicht einverstanden sei. Der Beschwerdeführer habe nach dem Unfall vom 4. Februar 2019 sehr wohl auch Schmerzen im Bereich der linken Schulter, speziell der linken
Scapula
, angegeben. Auch beim Unfallereignis vom 15. März 2019, wo er auf die linke Schulter gefallen sei, habe der Beschwerdeführer Schmerzen im Bereich der linken Schulter angegeben. Er selbst habe ihn erst am 23. April 2019 gesehen, vorher sei er bei seiner Assistentin, Dr.
Z._
,
gewesen. Der Beschwerdeführer habe dort vor allem Symptome passend zu einem
Impingement
der linken Schulter angegeben. Er verweise diesbezüglich auf den Bericht des
D._
vom 10. Mai 2019.
Im MRI vom 29. April 2019 seien nicht degenerative Läsionen beschrieben, sondern Rupturen des
Musculus
supraspinatus
, eines Anteils des
Musculus
infra
spinatus
. Im Operationsbericht vom 5. Dezember 2019 sei zudem noch eine kom
plette Ruptur des
Musculus
subscapularis
erwähnt. Derart ausgedehnte Rupturen
seien aus degenerativen Gründen sehr unwahrscheinlich. Vielmehr müsse es sich um eine Folge eines Unfalles gehandelt haben, ob von jenem im Februar oder vom April [richtig: März] 2019, spiele letztlich keine Rolle.
3.11
Zum Schreiben von Dr.
A._
liess sich Dr.
B._
am 29. Januar 2020 erneut vernehmen (Urk. 9/109).
Dr.
B._
konstatierte, dass sie die von Dr.
A._
vor
gebrachten Beschwerden berücksichtigt habe. Auch zeigten sich ihres Erachtens nach nochmaliger Durchsicht der MRI-Bilder vom 29. Mai [richtig: April] 2019 ausschliesslich degenerative Veränderungen. Das MRI sei knapp 5 Wochen nach dem Ereignis durchgeführt worden. Es zeige sich ein Zurückweichen der Sehnen
stümpfe des
Musculus
supraspinatus
bis auf Höhe des Labrums, welches als Stadium III ge
wertet werde und ein Zeichen einer
länger zurückliegenden Ver
änderung der
Supraspinatussehne
/Muskulatur sei. Des Weiteren zeige sich auch im Bereich der Sehne/Muskels des
Subscapularis
bereits eine Muskelatrophie Grad II, welche gemäss Literatur 6-12 Monate brauche, um sich zu entwickeln, sowie eine
Tendinopathie
/degenerative Veränderung der Sehne. Es zeige sich auch eine
Tendinopathie
/degenerative Veränderung der
Bizepssehne
. Ebenso seien die klei
neren
Fibroostosen
/Verkalkungen am
Tuberculum
majus
und
Sulcus
bicipitalis
degenerativ bedingt.
Entsprechend der vo
r
liegenden bildgebenden Diagnostik seien ausschliesslich de
generative Veränderungen nachweisbar. Intraoperativ werde der zurückgezogene
Supraspinatus
bestätigt. Bezüglich Muskelatrophie/Verfettung sei die Bildqualität im MRI höher zu bewerten als die makroskopische Betrachtung intraoperativ. Im OP-Bericht werde auch eine
Chondromalazie
Grad I-II grossflächig, sowohl
humeral
als auch
glenoidal
dokumentiert, was ebenfalls eine degenerative Ver
änderung sei, welche nicht auf das Ereignis zurückgeführt werden könne. Ent
sprechend halte sie an ihrer Beurteilung fest.
3.12
Dr. med.
E._
, Oberarzt Orthopädie am
D._
, führte in seinem Sprech
stundenbericht vom 14. Februar 2020 aus, dass er hinsichtlich der Ablehnung der Kostenübernahme für die weitere Behandlung der linken Schulter sehr verwun
dert sei. Der Beschwerdeführer habe klar eine traumatische
Rotatorenman
schet
ten-Massenruptur
erlitten, dies infolge des Sturzes in einem nassen Treppen
haus am 15. März 2019, als er ausgerutscht und auf den linken Arm gestürzt sei und sich mit diesem sozusagen abgefedert habe. Dies sei ein klassischer Mechanismus. Dies habe auch die MRI-Untersuchung am 29. April 2019 gezeigt, wo sich keine wesentliche fettige Infiltration der
Rotatorenmanschettenmuskulatur
(lediglich
Gouttalier
Grad I) gezeigt habe. Entsprechend sei hier mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit von einem Unfallgeschehen auszugehen. Eine
Rotatoren
man
schet
ten-Massenruptur
mit Trauma in der Anamnese und guter Muskelqualität sei
klar traumaassoziiert (Urk. 9/132
).
3
.13
Im Sprechstundenbericht vom 22. April 2020 führte Dr.
E._
bezüglich der linken Schulter aus, dass sich eine
sonographisch
intakte
Rotatorenmanschetten
-Rekonstruktion links zeige. Radiologisch habe sich rechts eine Dislokation eines
ReelX
-Ankers gezeigt, wobei der
Beschwerdeführer ein zuwartendes
Vorgehen wünsche, da es ihm hier eigentlich
besser gehe
. Die Physiotherapie links sollte intensiviert werden, da noch ein deutliches Kraftdefizit bestehe. Hinsichtlich der AC-Gelenksbeschwerden veranlasse er eine Infiltration durch die Kollegen der Radiologie (Urk. 9/141).
4.
Strittig und zu prüfen ist, ob die
Rotatorenmanschetten
-Massenruptur links, we
lche am 5. Dezember 2019 operativ saniert wurde, bzw. die weiterhin bestehenden Beschwerden
in
der linken Schulter unfallkausal sind.
4.1
4.1.1
Anlässlich des Aussendienstrapportes vom 11. September 2019
(Urk. 9/57)
gab der Beschwerdeführer zum Unfall vom 4. Februar 2019 an, dass er aus seinem Fahrzeug einen Rückentragsauger geholt habe und diesen auf der rechten Schulter umgehängt habe. Anschliessend sei er losgelaufen. Es hätte Schnee am Boden gehabt und sei rutschig gewesen. Er sei mit den Füssen unkontrolliert ausgerutscht und auf die rechte Seite nach hinten gestürzt. Er sei mit der Schulter direkt auf den Staubsauger aufgeschlagen und habe starke Schmerzen gehabt.
Am 25. Februar 2019 sei er beim Rückwärtsparkieren mit dem Heck in ein par
kiertes Fahrzeug gefahren. Die Geschwindigkeit sei ihm nicht bekannt. Das Steuerrad habe er mit links betätigt gehabt. Er habe zu diesem Zeitpunkt keine Schmerzen gehabt ausser
die bereits bestehenden Schulterbeschwerden
. Er habe die Schulter nicht angeschlagen. Nach drei bis vier Stunden habe er leichte Kopf
schmerzen gehabt.
Am 15. März 2019 habe sich ein weiterer Unfall ereignet, als er eine Aussentreppe putzen wollte. Die Treppe sei rutschig und nass gewesen und als er sie ohne Material
he
runtergelaufen sei, sei er ausgerutscht. Um nicht auf die bereits ge
schädigte rechte Schulter zu fallen
,
habe er sich auf die linke Seite gedreht und sei entsprechend rückwärts auf die linke Schulter gefallen und habe den Hinter
kopf noch aufgeschlagen. Danach habe er sehr starke Schmerzen gehabt und sei nicht mehr in der Lage gewesen, seine Arbeit fortzuführen.
4.1.2
Mit Stellungnahme vom
10. August 2020 führte der Rechtsvertreter aus (Urk. 11), dass er im Unterschied zum Aussendienstmitarbeiter erfragt habe, ob der Be
schwerdeführer beim Unfall vom 15. März 2019 versucht habe
sich
abzufedern. Dies habe der Beschwerdef
ü
hrer klar und absolut nachvollziehbar bejaht und ausgeführt, dass er versucht habe, den Sturz abzufedern. Entsprechend habe Dr.
E._
im Bericht vom
18. Februar
festgehalten
, dass der Beschwerdeführer auf den linken Arm gestürzt sei und sich sozusagen abgefedert habe, was ein klassischer Mechanismus sei (vgl. E. 3.12).
4.1.3
Praxisgemäss stellen die Gerichte im Bereich des Sozialversicherungsrechts in der Regel auf die «Aussagen der ersten Stunde» ab, denen in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbe
wusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis).
Entsprechend ist davon auszugehen, dass - wie im Rahmen des Aussen
dienst
rapportes erhoben - der Beschwerdeführer
beim in Frage stehenden Ereignis
vom 15. März 2019 rückwärts auf die linke Schulter gefallen ist.
Beim Sturz vom 4.
Februar 2019 sowie dem Autounfall vom 25. Februar 2019 wurde die linke Schulter gemäss seinen Angaben nicht zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen.
Die Schädigung der
Rotatorenmanschette
aufgrund eines Traumas setzt voraus
, dass das Schultergelenk unter Einsatz der
Rotatorenmanschette
unmittelbar vor der Einwirkung muskulär fixiert gewesen
ist
und eine plötzliche p
assive Bewe
gung hinzukommt
, die überfallartig eine Zugbelastung der Sehnen der
Rotato
renmanschette
bewirkt.
Die direkte Krafteinwirkung auf die Schulter ist ein ungeeigneter Hergang zur Schädigung der
Rotatorenmanschette
, da diese
durch den knöchernen Schutz der Schulterhöhe (
Akromion
) und
den Delta-Muskel gut abgeschirmt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_446/2019 vom 22. Oktober 2019 E. 5.2.3).
Damit liegt in
casu
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit kein geeignetes Unfallereignis vor, welches die Schädigung der
Rotatorenmanschette
der linken Schulter zur Folge hätte haben können.
4.2
Selbst davon ausgehend, dass
dem Kriterium des Unfallmechanismus zur Beur
teilung der Unfallkausalität gemäss bundesgerichtlicher R
echtsprechung
keine übergeordnete Bedeutung mehr beigemessen wird
, ist die Unfallkausalität zu ver
neinen
(
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_59/2020
vom 14. April 2020 E. 5.3-5.4):
4.2.1
In Bezug auf den Verlauf ist darauf hinzuweisen,
dass im Bericht von med.
pract
.
C._
vom 12. März 2019 (vgl. E. 3.1) sowie im Bericht von med.
pract
.
Z._
zwar Schmerzen in der linken
Scapula
angegeben werden, allerdings keine Bewegungseinschränkungen
dokumentiert wurden
. Die Ärzte des
D._
erhoben keinerlei Befunde oder Anamnese bezüglich der linken Schulter an
lässlich der Untersuchung vom 27. März 2019 (vgl. E. 3.3).
Erstmals Erwähnung in einem Bericht des
D._
findet die linke Schulter am 10. Mai 2019
, wobei auch da
eine gegen Widerstand kräftige Aussenrotation ohne Lag sowie eine gute
Haltefunktion in Abduktion- und Aussenrotationspositionierung angegeben wurde
(E. 3.5; Urk. 9/16). Der Verlauf spricht damit mit überwiegender Wahr
schein
lichkeit dafür, dass die in Frage stehenden Ereignisse keine zusätzlichen struk
turellen Läsionen in der linken Schulter
zur Folge hatten
.
4.2.2
Im Weiteren sind gestützt auf die Akten
bzw. die MRI-Bilder vom 29. Mai 2019
zahlreiche degenerative Veränderungen erstellt, welche Dr.
B._
in ihrem Bericht vom 29. Januar
2020 ausführlich darlegte: So sei das Zurückweichen der Sehnenstümpfe des M.
supraspinatus
bis auf Höhe des Labrums ein Zeichen der länger zurückliegenden Veränderung der
Supraspinatussehne
/Muskulatur. Es zeigten sich daneben noch eine Muskelatrophie Grad II im Bereich des
Sub
sca
pularis
sowie eine
Tendinopathie
der Sehne beidseits sowie der
Bizepssehne
. Auch die
Fibroostosen
/Verkalkungen am
Tuberculum
majus
und
Sulcus
bicipitalis
seien degenerativ und nicht unfallbedingt (E. 3.11; Urk. 9/109).
Dr.
E._
hielt dagegen, dass der Unfallmechanismus, bei welchem sich der Beschwerdeführer abgestützt habe sowie die nur unwesentliche fettige Infilt
r
ation der
Rotatorenmanschettenmuskulatur
klar für eine traumatische Genese sprächen (vgl. E. 3.12). Allerdings ist - wie bereits gezeigt - nicht überwiegend wahrschein
lich von einem geeigneten Unfallereignis auszugehen (vgl. E.3.12), womit diese Ausführungen keine Zweifel an der Einschätzung von Dr.
B._
au
fkommen lassen.
4.2.3
Zusammenfassend basieren d
ie Einschätzungen von Dr.
B._
vom 17. und 29.
Januar 2019 auf fundierter Aktenkenntnis, so lag ihr insbesondere die voll
ständige Bildgebung vor (E. 3.8 und E. 3.11). Die Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ist schlüssig und die Beurteilungen der medizinischen Situation leuchten ein. Die Schlussfolgerung, dass die anhalten Beschwerden in der linken Schulter nur möglicherweise, nicht aber überwiegend wahrscheinlich auf die dokumentierten Ereignisse zurückgehen, ist gut nachvollziehbar. Indizien, die gegen die Zuverlässigkeit der Stellungnahmen sprechen, bestehen keine.
Dass Dr.
B._
eine reine Aktenbeurteilung vornahm, ist nicht zu beanstanden, da es vorliegend lediglich um die Beurteilung des Kausalzusammenhangs zwischen den
in Frage stehenden Ereignissen im Februar und März 2019 und einem im Wes
entlichen feststehenden medizinischen Sachverhalt geht, was
rechtsprechungs
ge
mäss
in einem
Aktengutachten
erörtert werden kann (Ur
teil des Bun
desgerichts 8C_540/2007 vom 27. März 2008 E. 3.2 mit Hinweisen).
Die Einschätzungen von Dr.
B._
erfüllen daher die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an beweistaugliche ärztliche Entscheidungsgrundlagen (vgl. E. 2.4).
Da Zweifel an der medizinischen Beurteilung demnach nicht angebracht sind, ist in antizipierter Beweiswürdigung auf weitere medizinische Abklärungen zu ver
zichten (BGE 127 V 491 E. 1b mit Hinweisen).
4.2.4
Nachdem das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit darüber zu befinden hat, ob ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung gegeben ist und die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs für die Begrün
dung eines Le
istungsanspruches nicht genügt
, ist mit der Beschwerdegegnerin gestützt auf die Beurteilungen
von Dr.
B._
davon auszugehen, dass
die Ereig
nisse von Februar und März 2019
zu keinen mit
überwiegender Wahrscheinlich
keit
zusätzlichen strukturellen Läsionen in der linken Schulter geführt haben
, sondern lediglich zu einer vorübergehenden Verschlimmerung eines degenera
ti
ven Vorzustandes.
Entsprechend ist
mit
Dr.
B._
unter Berücksichtigung der degenerativen Ver
änderungen davon aus
zugehen
, dass die in Frage stehenden Prellungen spätes
tens
nach 4-6 Wochen folgenlos abgeheilt waren.
Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin d
ie Leistungen
per 24. Janu
ar 2020 abschloss
und die Kostenübernahme für die Operatio
n vom 5. Dezember 2020 ablehnte
.
5.
5.1
Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdegegnerin gestützt auf Art. 6 Abs. 2 UVG leistungspf
lichtig ist, da die
posterosuperiore
Rotatorenmanschettenruptur
links (Urk. 9/16
) unter die in Art. 6 Abs. 2 UVG aufgelisteten Körperschädigungen im Sinne von Sehnenverletzungen
fallen
(
vgl.
BGE
123 V 43
).
5.2
Seit dem Inkrafttreten der Revision des UVG und der dazugehörigen
Verordnung über die Unfallversicherung (UVV)
per 1. Januar 2017 ist das Bestehen einer vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung nicht länger vom Vorliegen eines äusseren Ereignisses abhängig. Die Tatsache, dass
eine in Art. 6 Abs. 2 UVG genannte Körperschädigung vorliegt, führt zur Ver
mutung, dass es sich hierbei um eine unfallähnliche Körperschädigung handelt, die vom Unfallversicherer übernommen werden muss. Dieser kann sich aber von der Leistungspflicht befreien, wenn er beweist, dass die Körperschädigung vor
wiegend auf Abnützung oder Krankheit zurückzuführen ist (Zusatzbotschaft zur Änderung des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [Unfallversicherung und Unfallverhütung; Organisation und Nebentätigkeiten der Suva] vom 19. September 2014,
BBl
2014 7922 7934 f.).
Gemäss BGE 146 V 51 ergibt sich aus der in Art. 6 Abs. 2 UVG vorgesehenen Möglichkeit des Gegenbeweises weiterhin die Notwendigkeit der Abgrenzung der vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung von der abnützungs- und erkrankungsbedingten Ursache einer Listenverletzung und damit letztlich zur Leistungspflicht des Krankenversicherers. Insoweit ist die Frage nach einem initialen
erinnerlichen
und benennbaren Ereignis - nicht zuletzt auch aufgrund der Bedeutung eines zeitlichen Anknüpfungspunktes (Ver
sicherungsdeckung; Zuständigkeit des Unfallversicherers; Berechnung des versi
cherten Verdienstes; intertemporalrechtliche Fragestellungen) - auch nach der UVG-Revision relevant. Lässt sich dabei kein initiales Ereignis erheben oder lediglich ein solches ganz untergeordneter respektive harmloser Art, so verein
facht dies zwangsläufig in aller Regel den Entlastungsbeweis des Unfallver
sicherers. Denn bei der in erster Linie von medizinischen Fachpersonen zu beur
teilenden Abgrenzungsfrage ist das gesamte Ursachenspektrum der in Frage stehenden Körperschädigung zu berücksichtigen. Nebst dem Vorzustand sind somit auch die Umstände des erstmaligen Auftretens der Beschwerden näher zu beleuchten. Die verschiedenen Indizien, die für oder gegen Abnützung oder Erkrankung sprechen, müssen aus medizinischer Sicht gewichtet werden. Damit der Entlastungsbeweis gelingt, hat der Unfallversicherer gestützt auf beweis
kräftige ärztliche Einschätzungen - mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit - nachzuweisen, dass die fragliche Listenverletzung vorwie
gend, das heisst im gesamten Ursachenspektrum zu mehr als 50 %, auf Abnüt
zung oder Erkrankung zurückzuführen ist. Besteht das Ursachenspektrum einzig aus Elementen, die für Abnützung oder Erkrankung sprechen, so folgt daraus unweigerlich, dass der Entlastungsbeweis des Unfallversicherers erbracht ist und sich weitere Abklärungen erübrigen (E. 8.6).
5.3
Im hier zu beurteilenden Fall verhält es sich so,
dass die
medizinischen Abklä
rungen ergaben,
dass die Ereignisse vom Februar und März 2019 keine zu
sätzlichen strukturellen Läsionen an der linken Schulter nach sich gezogen haben, sondern es aufgrund einer direkten Kontusion/Prellung der linken Schulter ledig
lich zu
einer vorübergehenden Verschlimmerung eines degenerativen Vorzustan
des
gekommen ist
(v
gl. E. 4.2
). Mit anderen Worten hat die Beschwerde
geg
nerin den Nachweis dafür erbracht, dass
die Ereignisse von Februar und März 2019
keine auch nur geringe Teilursache der
strukturellen Läsionen an der linken Schulter
bildet. Damit ist aber gleichzeitig auch erstellt, dass diese Listenver
letzung vorwiegend, das heisst zu mehr als 50 % auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist. Die Vermutung der Leistungspflicht gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG ist demnach umgestossen und der Unfallversicherer von seiner Pflicht be
freit.
6.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
vom
29. Mai 2020
erweist sich damit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7
.
Das Verfahren ist kostenlos.