Decision ID: d9b585f7-dd46-52a4-9281-2c38f8d87c04
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a Am 23. September 2013 stellte das B._ ein Gesuch um Kostengutsprache für die
Notplatzierung von A._ im C._. Vor dem Hintergrund akuter Verdachtsmomente
sexueller Übergriffe seitens des (damaligen) Lebenspartners der Mutter sei die
Jugendliche auf eigenen dringenden Wunsch über die Beiständin im C._ platziert
worden (act. G 7.1/1). Mit Schreiben vom 17. Oktober 2013 teilte die Opferhilfe SG-AR-
AI dem C._ mit, es sei Aufgabe der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde, eine
geeignete Unterbringung zu veranlassen. Im Übrigen sei nicht begründet, weshalb
A._ nicht zu Hause habe bleiben können, zumal der Lebenspartner der Mutter nicht
mehr im gleichen Haushalt wohne (act. G 7.1/2).
A.b In der Folge schaltete sich das Sozialamt D._ in das Verfahren ein und verlangte
eine anfechtbare Verfügung. Es führte aus, dass A._ am 16. September 2013 ins
C._ eingetreten sei. Sie sei während längerer Zeit vom Partner der Mutter sexuell
belästigt und es sei ihr psychische und physische Gewalt angetan worden. Der Partner
der Mutter wohne zwar nicht mehr in der gleichen Wohnung, jedoch im gleichen
Wohnblock. Die Sicherheit von A._ sei damit nicht gewährleistet. Sie habe Angst,
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dass sie ihm wieder begegne. Am 17. Oktober 2013 habe A._ in eine Pflegefamilie in
Z._ übertreten können. Die Heilpädagogische Schule Z._ (HPS) besuche sie
weiterhin. Derzeit werde ein Übertritt ins Sonderschulheim E._ in F._ geprüft (act. G
7.1/5). Mit einem weiteren Schreiben vom 18. Februar 2014 präzisierte das Sozialamt
D._ die Tatvorwürfe dahingehend, dass A._ gegenüber der Beiständin und auch
Drittpersonen geäussert habe, dass sie vom Lebenspartner der Mutter beschimpft,
geschlagen, geschubst und im Intimbereich und an den Brüsten angefasst worden sei.
Sie habe der Beiständin am 16. September 2013 mitgeteilt, dass sie nicht mehr nach
Hause wolle und sei daraufhin ins C._ eingetreten. Im Anschluss an den C._-Eintritt
sei das weitere Vorgehen in Rücksprache mit der KESB G._ bestimmt worden. Da
eine Rückkehr zur Mutter nach wie vor nicht möglich gewesen sei, sei A._ in einer
Timeout-Familie platziert worden, aus der sie die H._ weiterhin habe besuchen
können. Mittlerweile habe sie zwei Schnupperwochen im E._ absolviert und habe
sich für einen Übertritt entschieden (act. G 7.1/7). Am 16. Februar 2015 reichte die
Beiständin die Gefährdungsmeldung vom 22. Juli 2013 sowie den Kurzbericht vom 19.
September 2013 an die KESB G._ ein (act. G 7.1/14c - d). Am 18. März 2015 holte
die Opferhilfe SG-AR-AI die Akten der KESB G._ ein (act. G 7.1/15).
A.c Mit Schreiben vom 12. Mai 2015 teilte die Opferhilfe SG-AR-AI dem Sozialamt
D._ mit, es sei davon auszugehen, dass der Aufenthalt im E._ ab Februar 2014
durch die Schulgemeinde finanziert werde und es im Gesuch von A._ nur um den
C._-Aufenthalt vom 16. September bis 15. Oktober 2013 und um die anschliessende
Platzierung in der Pflegefamilie bis Februar 2014 gehe. Auf Grund der mangelnden
Bereitschaft der Mutter und der problematischen Familiensituation überwiege der
kindesschutzrechtliche Charakter der Fremdplatzierung (act. G 7.1/17). Mit
Stellungnahme vom 16. Juni 2015 machte das Sozialamt D._ geltend, zwar sei der
(mutmassliche) Täter aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen. Er habe aber
immer noch im selben Wohnblock in einer eigenen Wohnung gewohnt, weshalb die
Sicherheit von A._ nicht gewährleistet gewesen sei (act. G 7.1/19). Mit Verfügung
vom 23. November 2015 erteilte die Opferhilfe SG-AR-AI Kostengutsprache für den
C._-Aufenthalt vom 16. September 2013 bis zum 15. Oktober 2013, also für 30 Tage
à Fr. 25.--, total Fr. 750.--. Im Sinn einer Gesamtbeurteilung sei davon auszugehen,
dass die den Eintritt ins C._ auslösenden Straftaten für die Notwendigkeit der
anschliessenden Platzierung in der Timeout-Familie von untergeordneter Bedeutung
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gewesen seien und es dabei nicht um die Aufarbeitung der Folgen der Straftaten
gegangen sei. Im Vordergrund habe vielmehr das Finden einer langfristigen Lösung für
die schon lange bestehende angespannte Familiensituation, die schwierige Mutter-
Tochter-Beziehung sowie erzieherische Probleme bzw. die mangelnde
Erziehungsfähigkeit der Mutter gestanden (act. G 7.1/22).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich der vorliegende Rekurs vom 9. Dezember 2015
mit dem Antrag, die angefochtene Verfügung sei betreffend Nichtübernahme der
Kosten für die Platzierung in der Time Out-Familie aufzuheben. Die Vorinstanz sei zu
verpflichten, für die in der Timeout-Familie entstandenen Kosten vom 15. Oktober 2013
bis 15. Februar 2014 aufzukommen. Der Rekurrentin sei zudem die unentgeltliche
Rechtspflege und unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu bewilligen. Die Vorinstanz
habe verfügungsweise anerkannt, dass die Platzierung von A._ im C._ während der
gesamten Dauer von 30 Tagen als Soforthilfe kausal im Zusammenhang mit den dem
Partner der Mutter zur Last gelegten sexuellen Handlungen und körperlichen
Übergriffen gestanden und für die Rekurrentin während der ganzen Dauer dieses
Aufenthalts deswegen eine konkrete Gewalt- und Gefährdungssituation bestanden
habe. Daran habe sich auch im Zeitpunkt des Übertritts in die Timeout-Familie am 15.
Oktober 2013 nichts geändert. Zwar sei die Familie im August 2013 in eine eigene
Wohnung gezogen. Der Partner der Mutter habe jedoch von Beginn weg einen
Wohnungsschlüssel gehabt. Ab Oktober 2013 habe jener sodann im selben Wohnblock
eine Wohnung bezogen und er habe die Rekurrentin während der Abwesenheit der
Kindsmutter jeweils beaufsichtigt. Noch im September 2013 habe die Rekurrentin der
Beiständin mitgeteilt, dass sie mit dem Partner der Mutter jeweils alleine in der
Wohnung sei und weiterhin Übergriffe stattfänden. Dieselben Gründe, die zum Eintritt
in das C._ am 16. September 2013 geführt hätten, seien auch ursächlich für den
Übertritt in die Pflegefamilie am 15. Oktober 2013 gewesen. Das heisse, es habe
weiterhin dieselbe Gefährdungssituation für die Rekurrentin im Haushalt der Mutter
bestanden. Wäre die Rekurrentin direkt nach dem C._-Aufenthalt in die Obhut der
Mutter zurückgekehrt, hätte weiterhin eine erhebliche und konkrete opferhilferechtliche
Gefährdungssituation bestanden. Die Vorinstanz verhalte sich widersprüchlich, wenn
sie bei unveränderter Sach- und Gefährdungslage betreffend weiterer sexueller
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Übergriffe im Zeitpunkt des Austritts aus dem C._ und des nahtlosen Übertritts in die
Pflegefamilie keinen natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang mehr sehen
wolle. Es sei unter allen involvierten Personen klar gewesen, dass die Rekurrentin unter
den bekannten Umständen nicht zurück in die Obhut der Mutter gehen könne, solange
deren Partner weiterhin im selben Block wohnhaft sei. Bis Mitte Dezember 2013 sei der
Eintritt ins E._ per Februar 2014 aufgegleist gewesen und es habe sich noch die
Frage nach dem Verbleib an den Wochenenden gestellt. Erst im Dezember 2013 sei die
Kindsmutter mit der Mitteilung an die KESB gelangt, sie habe sich von ihrem Partner
getrennt, womit sich die Situation geändert habe. Die Anschlussplatzierung in der
Pflegefamilie sei damit unmittelbare Folge der Straftaten des Partners der Mutter. Bis
zum Eintritt ins E._ habe die Mutter die Übergriffe auf ihre Tochter ignoriert und
negiert, partnerschaftliche Beziehungen zu I._ unterhalten und solange habe dieser
unbeschränkten Zugang zu ihrer Wohnung gehabt. Die opferhilferechtliche
Bedrohungs- und Gefährdungslage habe für die Rekurrentin bis zum Zeitpunkt des
Übertritts ins E._ bestanden (act. G 1).
B.b Mit Vernehmlassung vom 30. März 2016 beantragt die Vorinstanz Abweisung des
Rekurses. Die behaupteten Straftaten von I._ seien für die Notwendigkeit einer
Platzierung in der Pflegefamilie - genauso wie diejenige im E._ ab 16. Februar 2014 -
von untergeordneter Bedeutung gewesen bzw. es habe der kindesschutzrechtliche
Charakter überwogen. Im Vordergrund habe das Finden einer langfristigen Lösung für
die schon lange bestehende angespannte Familiensituation, die schwierige Mutter-
Tochter-Beziehung sowie erzieherische Probleme gestanden. Letztere hätte auch
beinhaltet, dass die Mutter alles zum Schutz von A._ Notwendige vorkehre wie z.B.
die Verhinderung von Kontakten zwischen dem Täter und A._. In der Rekursschrift
werde anerkannt, dass die Kindsmutter damals wie auch später bei den erneuten
Übergriffen durch ihren neuen Lebenspartner ausserstande gewesen sei, ihre Tochter
vor Übergriffen und Retraumatisierungen zu schützen, weil sie die sexuellen Übergriffe
negiert und die Beziehung mit dem Täter aufrecht erhalten habe. Damit sei die
Notwendigkeit der Unterbringung von A._ jedoch nicht unmittelbar auf die Straftaten
zurückzuführen, sondern darauf, dass die Mutter ihre Fürsorge- und
Erziehungspflichten nicht wahrgenommen habe. Damit sei allenfalls der natürliche,
nicht aber der adäquate Kausalzusammenhang zwischen den Straftaten und den
Fremdplatzierungen gegeben. Bei Kindesschutzmassnahmen gehe es in der Regel um
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die Verhinderung von künftigen Gefährdungen mit mannigfaltigen Ursachen und nicht -
wie dies opferhilferechtliche Leistungen voraussetzen würden - um Massnahmen zur
Verarbeitung der Folgen einer bereits verübten Straftat. Für längerfristige Aufenthalte
genüge es sodann nicht, dass eine Rückkehr nach Hause nur deshalb nicht möglich
sei, weil dann dort wieder eine Gefährdungssituation bestehen würde. Für die Zeit nach
dem C._-Aufenthalt sei von Anfang zu entscheiden gewesen, ob A._ in der
Timeout-Familie lebe und von dort aus die HPS besuche oder ins E._ wechsle. Die
Timeout-Familie sei damit nicht als eine durch eine Straftat ausgelöste Notunterkunft
anzusehen, sondern habe eine von mehreren Möglichkeiten für eine längerfristige
Fremdplatzierung dargestellt, die zudem den Vorteil der schnellen Verfügbarkeit
aufgewiesen habe (act. G 7).
B.c Mit Replik vom 27. April 2016 führt die Rekurrentin aus, die Behauptung, die
Platzierung in der Timeout-Familie sei nicht auf die Straftat, sondern auf die
Erziehungsunfähigkeit der Mutter zurückzuführen, sei absurd. Es sei der Rekurrentin
nicht zumutbar gewesen, zur Mutter zurückzukehren, weil damit die Gefahr weiterer
Übergriffe bestanden hätte. Im Zeitpunkt des Übertritts in die Pflegefamilie sei die
Mutter nach wie vor mit I._ liiert gewesen, dieser habe einen Schlüssel zur Wohnung
gehabt und habe im selben Block gewohnt. Die Gefährdungslage habe sich erst im
Januar 2014 verringert, als sich die Mutter vom Partner getrennt habe und die KESB
dies habe verifizieren können. Deshalb habe die Rekurrentin erst ab Februar 2014 die
Wochenenden wieder zu Hause verbringen können. Die Rekurrentin sei primär aus
opferhilferechtlichen Gründen am 15. Oktober 2013 in die Pflegefamilie verbracht
worden, weil die opferhilferechtliche Bedrohungs- und Gefährdungslage und deren
Schutzbedürfnis weiter angehalten hätten (act. G 10).
B.d Am 6. Juni 2016 reicht die Vorinstanz eine Duplik ein. Ihre Ausführungen in der
Vernehmlassung würden bestätigt, wonach es von Anfang an um eine längerfristige
Lösung gegangen sei und die Rückkehr zur Mutter gar nicht in Betracht gezogen
worden sei. Auch nach Wegfall der Gefährdung durch den Täter habe die Rekurrentin
lediglich die Wochenenden bei der Mutter verbringen können. Die Gründe dafür wie
auch für die Fremdplatzierungen der Rekurrentin im Allgemeinen seien auf Seiten der
Mutter zu suchen, das heisse in ihrer mangelnden Erziehungsfähigkeit. Die Adäquanz
des Kausalzusammenhangs sei nicht gegeben. Es entspreche nicht dem gewöhnlichen
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Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung, dass die Rekurrentin wegen der
sexuellen Übergriffe nicht mehr in den Haushalt der Mutter zurückkehren könne. Ihr
Schutz hätte auch zu Hause sichergestellt werden können. Für Opferhilfeansprüche sei
die tatsächliche Situation massgebend. Die Trennung der Mutter vom Partner habe
bereits im November/Dezember 2013 stattgefunden, sodass faktisch ab diesem
Zeitpunkt keine Gefährdungssituation mehr bestanden habe und die opferhilferelevante
Kausalität ab diesem Zeitpunkt entfallen wäre (act. G 12).

Erwägungen
1.
1.1 Jede Person, die durch eine Straftat in ihrer körperlichen, psychischen oder
sexuellen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden ist (Opfer), hat Anspruch auf
Unterstützung nach dem Bundesgesetz über die Hilfe an Opfern von Straftaten (Art. 1
Abs. 1 OHG). Der Anspruch besteht unabhängig davon, ob der Täter oder die Täterin
ermittelt worden ist (Abs. 2 lit. a), sich schuldhaft verhalten hat (lit. b), vorsätzlich oder
fahrlässig gehandelt hat (lit. c). Die Opferhilfe umfasst Beratung und Soforthilfe (Art. 2
lit. a OHG), längerfristige Hilfe der Beratungsstellen (lit. b), Kostenbeiträge für
längerfristige Hilfe Dritter (lit. c), Entschädigung (lit. d), Genugtuung (lit. e) sowie die
Befreiung von den Verfahrenskosten (lit. f).
1.2 Die Beratungsstellen leisten dem Opfer und seinen Angehörigen sofort Hilfe für die
dringendsten Bedürfnisse, die als Folge der Straftat entstehen (Soforthilfe). Sie leisten
dem Opfer und dessen Angehörigen soweit nötig zusätzliche Hilfe, bis sich der
gesundheitliche Zustand der betroffenen Person stabilisiert hat und bis die übrigen
Folgen der Straftat möglichst beseitigt oder ausgeglichen sind (längerfristige Hilfe [Art.
13 Abs. 1 und 2 OHG]). Die Leistungen umfassen die angemessene medizinische,
psychologische, soziale, materielle und juristische Hilfe in der Schweiz, die als Folge
der Straftat notwendig geworden ist. Die Beratungsstellen besorgen dem Opfer oder
seinen Angehörigen bei Bedarf eine Notunterkunft (Art. 14 Abs. 1 OHG).
2.
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2.1 Während die Kosten des C._-Aufenthalts vom 16. September 2013 bis zum 17.
Oktober 2013 bzw. das von den Eltern zu zahlende Kostgeld von Fr. 25.-- pro Tag (vgl.
Art. 18 der Verordnung zur Interkantonalen Vereinbarung für soziale Einrichtungen
[IVSE; sGS 387.21]) von der Vorinstanz übernommen wurden, ist vorliegend umstritten,
ob die Vorinstanz auch für die Kosten der anschliessenden Platzierung der Rekurrentin
bei einer Pflegefamilie aufzukommen hat.
2.2 In Bezug auf die durch den Aufenthalt in der Pflegefamilie entstandenen Kosten
macht die Rekurrentin geltend, dieser Aufenthalt sei als Folge der von ihr
beschriebenen Straftaten des ehemaligen Lebenspartners der Mutter notwendig
geworden. Unzweifelhaft steht dabei die Gewährung von längerfristiger Hilfe nach Art.
2 lit. c OHG in Verbindung mit Art. 13 Abs. 2 OHG zur Debatte. Dabei stellt sich
zunächst die Frage nach der Opfereigenschaft der Rekurrentin, ist doch das Vorliegen
einer Straftat unabdingbare Voraussetzung für die Anerkennung der Opferqualität einer
durch ein Ereignis geschädigten Person. Unter einer Straftat ist ein
tatbestandsmässiges, rechtswidriges Verhalten im Sinn des Strafgesetzbuchs zu
verstehen. Dabei müssen grundsätzlich sowohl der objektive wie der subjektive
Tatbestand erfüllt sein. Im Unterschied zum Strafrecht muss das inkriminierte Verhalten
im Opferhilferecht jedoch nicht zusätzlich schuldhaft sein, um eine dadurch
geschädigte Person als Opfer anzuerkennen (PETER GOMM/DOMINIK ZEHNTNER
[Hrsg.], Handkommentar zum Opferhilfegesetz, 3. Aufl., N 3 zu Art. 1; BGE 134 II 37 E.
5.4 f.). An den Nachweis einer Straftat sind unterschiedlich hohe Anforderungen zu
stellen, je nachdem, ob es um die Gewährung von Soforthilfe oder längerfristiger Hilfe
geht. Bei der Gewährung von Soforthilfe genügt es, dass eine die Opferstellung
begründende Straftat in Betracht fällt. Damit die Soforthilfe ihren Zweck erfüllen kann,
muss sie rasch gewährt werden, bevor endgültig feststeht, ob ein tatbestandsmässiges
und rechtswidriges Verhalten des Täters zu bejahen ist oder nicht (vgl. Entscheid des
Bundesgerichts 1C_208/2011 vom 1. Februar 2012 E. 3.4.8 zu Art. 3 aOHG und
1C_348/2012 vom 8. Mai 2013 E. 2.4, wonach diese Rechtsprechung auch unter dem
neuen Recht gültig bleibt). Höhere Anforderungen an den Nachweis der
Opfereigenschaft sind hingegen bei der Gewährung von längerfristiger Hilfe zu stellen,
wobei es für die Beurteilung aber auch hier auf den Zeitpunkt der Inanspruchnahme der
Hilfe ankommt (vgl. 1C_348/2012 E. 2.4). Vorliegend leistete die Vorinstanz zunächst
Soforthilfe, indem sie das von der Rekurrentin bzw. von deren Eltern zu zahlende
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Kostgeld während des 30-tägigen Aufenthalts im C._ übernommen hatte. Dabei ging
die Vorinstanz zu Recht von den Angaben der Rekurrentin aus, wie sie sie offenbar
mündlich gegenüber der Beiständin geäussert hatte (vgl. Gefährdungsmeldung der
Beiständin vom 22. Juli 2013 [act. G 7.1/14c]). Es war damit zu jenem Zeitpunkt vom
möglichen Vorliegen einer tatbestandsmässigen und rechtswidrigen Straftat
auszugehen. Entgegen der Ansicht der Rekurrentin kann aus dem Umstand, dass die
Vorinstanz Soforthilfe geleistet hat, jedoch nicht automatisch geschlossen werden,
dass sie auch für die weitere Unterbringung der Rekurrentin in der Pflegefamilie
aufzukommen hat. Keine der involvierten Stellen bzw. Fachpersonen (Soziale Dienste
der Gemeinde D._, KESB, Beiständin, C._) hielt offenbar weitere Abklärungen oder
strafrechtliche Schritte für notwendig. Mithin wurde bereits zum Zeitpunkt des
Übertritts in die Pflegefamilie Mitte Oktober 2013 nicht mehr ohne weiteres vom
Vorliegen einer tatbestandsmässigen und rechtswidrigen Straftat ausgegangen.
2.3 Auch wenn von einer Straftat auszugehen ist, ist ein adäquater
Kausalzusammenhang zwischen den möglichen Straftaten und dem fraglichen
Aufenthalt in der Pflegefamilie zu verneinen. So ging es bereits anlässlich der Sitzung
vom 1. Oktober 2013 im C._, an welcher neben der KESB auch Vertreter des C._
sowie die Rekurrentin und deren Mutter samt Partner teilgenommen hatten, im
Wesentlichen um die schulische und berufliche Zukunft der Rekurrentin. Die Mutter war
bereits damals der Ansicht, die Rekurrentin müsse mittel- bis längerfristig ins E._
eintreten. Nach Einschätzung der Vertreterin der KESB erforderte ein solcher Schritt
indessen mehr Zeit, wofür die Rekurrentin zunächst in einer Timeout-Familie platziert
und von dort aus weitergesucht werden sollte. Die Rekurrentin selber gab damals an,
dass sie nicht nach Hause zurück wolle, auch nicht zur Mutter allein (act. G 7.1/16a-7).
Ebenso ergeben sich aus der Aktennotiz der Beiständin, die ebenfalls an der Sitzung
vom 1. Oktober 2013 teilnahm, keine Anhaltspunkte, dass der Übertritt in die
Pflegefamilie auf Grund von Straftaten erforderlich war. Auch gemäss deren Angaben
drehte sich das Gespräch um die schulische und berufliche Zukunft der Rekurrentin.
Dabei erwähnte sie, dass die Mutter der Rekurrentin für 9. Oktober 2013 einen
Besichtigungstermin im E._ vereinbart habe. Im Weiteren wurde darauf hingewiesen,
dass die Rekurrentin das C._ so schnell wie möglich verlassen solle, da es sich dabei
um eine Notunterkunft handle, die nicht für längere Aufenthalte gedacht sei. Gemäss
Angaben der Beiständin gab die Rekurrentin an, sie wolle nicht ins E._ sondern in der
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HPS bleiben und in einer Pflegefamilie wohnen. Quintessenz des Gesprächs war, dass
für die Rekurrentin eine Pflegefamilie gesucht werde und sie bis dahin im C._ bleibe
(act. G 7.1/16a-10). Auch aus einer weiteren Aktennotiz vom 21. Oktober 2013
betreffend ein Telefongespräch der KESB mit der Beiständin geht hervor, dass ein
allfälliger Übertritt ins E._ zur Debatte stand (act. G 7.1/16a-11). Am 13. November
2013 berichtete die Beiständin der KESB alsdann von einem weiteren, am 11.
November 2013 mit ihr durchgeführten Besichtigungstermin im E._. Dabei habe es
der Rekurrentin gut gefallen. Ein Schuleintritt wäre frühestens per 1. Februar 2014
möglich, allerdings sei zuvor eine schulpsychologische Abklärung notwendig (act. G
7.1/16a-12). Diese fand am 15. Januar 2014 statt, wobei der Schulpsychologische
Dienst den Wechsel ins E._ unterstützte. Es sei bereits im Vorfeld geplant gewesen,
dass die Rekurrentin nach der Oberstufe in eine Institution mit betreutem/begleitetem
Wohnen wechsle. Sie strebe eine Lehre im Gartenbau an und das E._ biete
entsprechende Ausbildungsplätze an. Die Rekurrentin könne somit im Idealfall in der
Institution bleiben und dort ihre Lehre absolvieren. Der Wechsel in diese Institution
müsse zu ihrem Wohl vorverlegt werden (act. G 7.1/16a-21). Die KESB ging am 12.
Dezember 2013 davon aus, dass, nachdem die weitere Ausbildung und Unterbringung
der Rekurrentin im E._ in die Wege geleitet sei, kein Handlungsbedarf von Seiten der
KESB mehr bestehe (act. G 7.1/16a-14). Obwohl am 8. Januar 2014 nochmals eine
Anhörung der Rekurrentin und ihrer Mutter stattgefunden hatte, wurden in der Folge,
d.h. bis zur Aufhebung des Aufenthaltsbestimmungsrechts am 23. Juli 2014 (act. G
7.1/16a-26), keine weiteren Massnahmen eingeleitet (act. G 7.1/16a-18).
2.4 Schliesslich bleibt unklar, welche auf die möglichen strafbaren Handlungen
zurückzuführenden physischen oder psychischen Folgen nach dem C._-Aufenthalt
über die Opferhilfe zu beseitigen gewesen wären, um den Status quo ante bzw. sine
wieder herzustellen. Selbst der Rechtsvertreter geht davon aus, dass es bei der
fraglichen
Platzierung in der Pflegefamilie in erster Linie darum ging, zukünftige, bloss mögliche
Übergriffe auf die Rekurrentin zu verhindern. Zusammenfassend ist davon auszugehen,
dass es im Oktober/November/Dezember 2013 primär darum ging, die schulische und
berufliche Zukunft der Rekurrentin zu regeln und entsprechende Schritte in die Wege
zu leiten. Insbesondere fühlten sich offenbar sowohl die Rekurrentin selber als auch
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ihre Mutter in Bezug auf einen allfälligen Wechsel ins E._ unsicher, äusserten sich
doch beide abwechselnd positiv und dann wieder kritisch zu einem solchen Schritt.
Nachdem man sich jedoch dazu entschlossen hatte, benötigte die Rekurrentin noch
eine Überbrückungsmöglichkeit bis zum Semesterbeginn im Februar 2014, bot doch
das C._ keine längerfristige Unterschlupfmöglichkeit. Dabei dürfte die ungünstige
familiäre Konstellation mit offenbar wechselnden Partnern der Mutter, die Ablösung der
Rekurrentin vom Elternhaus sowie eine gewisse Überforderung der Mutter mit der
Erziehung ihrer Kinder beim Entscheid, die Rekurrentin aus dem häuslichen Umfeld der
Mutter herauszuhalten, eine Rolle gespielt haben. Demgegenüber scheint das
Bestreben, die Rekurrentin von allfälligen physischen und psychischen Folgen, die auf
die geltend gemachten Straftaten zurückzuführen sind, zu rehabilitieren, bei den
beteiligten Institutionen nur eine untergeordnete Rolle gespielt zu haben. Wenn auch
der Übertritt in die Pflegefamilie von der KESB nicht verfügungsweise angeordnet
wurde, war sie doch in die Entscheidfindung stets miteinbezogen. Angesichts nicht
auszuschliessender weiterer Übergriffe auf die Rekurrentin ist die Entscheidung, die
Zeit bis zum Semesterbeginn im Februar 2014 auswärts zu überbrücken, durchaus
nachvollziehbar. Dabei stand jedoch klar die Prävention im Vordergrund, indem man
jedes Risiko weiterer Begegnungen mit dem möglichen Täter und damit verbundene
mögliche Übergriffe zu vermeiden suchte. Dies entspricht dem Charakter einer
Kindesschutzmassnahme, zumal eine blosse Gefährdung - selbst bei einem
Gefährdungsdelikt - in der Regel keine unmittelbare Beeinträchtigung der körperlichen,
sexuellen und psychischen Integrität im opferhilferechtlichen Sinn bewirkt (vgl.
Entscheid 1C_208/2011 E. 3.5.2).
3.
3.1 Nach dem Gesagten ist der Rekurs abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 30 Abs. 1 OHG).
3.2 Der Staat ist zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung zu verpflichten, für die
Kosten der Rechtsvertretung der Rekurrentin aufzukommen. Der Rechtsvertreter der
Rekurrentin hat keine Kostennote eingereicht. Die Entschädigung ist auf Fr. 3'000.--
festzulegen und um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Somit hat der Staat
den Rechtsvertreter der Rekurrentin mit Fr. 2'400.-- (inkl. Barauslagen und
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Mehrwertsteuer) zu entschädigen. Die Kosten für die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung sind nicht zurückzuerstatten (Art. 30 Abs. 3 OHG).