Decision ID: 42304d4d-f92e-4cfa-b5a8-a93c0f2d5095
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 19
67
geborene
X._
, Vater
von vier Kindern
(Jahrgang
2009, 2009, 2011, 2013
),
arbeitet
e zuletzt
seit dem
1.
April 2002 als Augenoptiker und Ge
schäftsführer bei der
Y._
GmbH
. Am
1. Februar 2018
(Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf eine seit dem 3. Oktober 2017
bestehende Depression zum Rentenbezug an (Urk.
8
/6).
Mit der Anmeldung erhielt
die IV-Stelle Akten
der Krankentaggeldversicherung
Helsana
(Urk.
8
/8-
19
).
Z
ur Abklärung der medizinischen
und erwerblichen Verhältnisse zog die IV-Stelle Buchhaltungsabschlüsse
der
Y._
GmbH
(Urk.
8
/24) sowie
Auszüge
aus dem Individuellen Konto bei (Urk.
8
/
25-
26)
.
Mit Vorbescheid vom 2
1.
Juni 2018
stellte die
IV-Stelle
dem Versicherten die Ablehnung
seines Leistungsbegehrens
in Aussicht
(Urk.
8
/32).
Dagegen erhob der Versicherte am
12. September
2018
unter Beilage von
drei Arztberichten
Einwand
(Urk.
8
/42-43).
Daraufhin holte die IV-Stelle eine Stellungnahme beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) ein (
Urk.
8/45
/3-4
) und verneinte anschliessend m
it Verfügung vom 9. Oktober 2018 einen Rentenanspruch (Urk.
2
).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 9. November 2018
Beschwerde
und bean
tragte
, ihm sei in Aufhebung der angefochtenen Verfügung seit 1. Oktober 2018 eine ganze Invalidenrente auszurichten, eventualiter sei ein polydisziplinäres Gutach
ten unter Beachtung der neuen Schmerzrechtsprechung
in Auftrag zu geben (Urk.
1 und Urk. 5). Die IV-Stelle schloss mit Beschwerdeantwort vom 11. Dezem
ber 2018 auf
Abweisung der Beschwerde (Urk.
7), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 13. Dezember 2018 angezeigt wurde (
Urk.
9).
Mit Eingabe vom
3. Juni
2019 reichte
der Beschwerdeführer
einen weiteren Arztbericht von
Dr.
Z._
vom
24. Mai
2019 ein (
Urk.
1
0
und
Urk.
1
1
).
3.
Auf Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG
). Sie kann Folge von Geburtsge
brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.4
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkran
kungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärzt
licherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und sozio
kulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste
(etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten
und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeu
tet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde De
pression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psy
chi
schen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit
über
haupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Per
so
n dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gege
ben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen verselb
ständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen ver
schlimmern, können sie sich mittelbar
invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.6
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktio
nelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
Ver
ordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
beurteilen die RAD die medizini
schen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1).
Nicht zwingend erforderlich ist, dass die versicherte Person untersucht wird, sofern es im Wesent
lichen um die Beurteilung eines feststehenden medizinischen Sachverhalts geht (Urteil des Bundesgerichts vom
2
7.
Oktober 2015
,
9C_309/2015
, E.
1 mit Hinweis auf
Urteil des Bundesgerichts vom 1. Mai 2015 9C_25/2015 E. 4.1
).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu
namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung
vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzu
stellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxis
gemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Okto
ber 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
1.7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
di
ger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt
hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2)
.
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid wurde erwogen, dass gemäss den Abklärungen keine Diagnosen mit bleibender Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorlägen. Da die gesundheitlichen Beeinträchtigungen keinen bleibenden und erheblichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten, entstehe im Sinne des Gesetzes kein Anspruch auf berufliche Massnahmen oder Rentenleistungen der Invalidenversicherung. Die vom Beschwerdeführer im Einwand erwähnten orthopädischen Beschwerden bestünden
bereits
seit 25 Jahren und hätten bisher die Erwerbstätigkeit nicht nachhaltig
beeinflusst
. Aus den medizinischen Unterlagen gehe hervor, dass die Rückenschmerzen gut auf die medikamentöse Behandlung ansprächen und zu
letzt sogar als gering eingestuft worden seien. Der Beschwerdeführer sei im Juni 2016 Opfer einer Straftat geworden. Daraus
sei
ein
Gerichtsverfahren resultiert
. Die gesundheitlichen Einschränkungen seien auf diese Erfahrung sowie auf die familiäre
Situation
zurückzuführen. Es liege keine Diagnose und kein Kr
a
nk
heits
gescheh
e
n vor, welche
eine langandauernde
Einschränkung der
Arbeitsfähig
keit
begründen würden
. Es
besteh
e
somit kein Anspruch auf eine Invalidenrente (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend, anhand der vorhandenen Akten sei erstellt, dass der Beschwerdeführer spätestens
seit
dem
3.
Oktober
2017 krankheitsbedingt zu 100% arbeitsunfähig sei. Eine langandauernde Erkrankung
liege nachweislich vor. Die Krankentaggeldversicherung Helsa
na anerkenne ebe
n
falls die 100%
-
ige
Arbeitsunfähigkeit. Die Anmeldung zur beruflichen Integra
tion/
Rente sei am 2
6.
Januar 2018
fristgerecht
erfolgt. Der Rentenanspruch be
ginne somit spätestens ein
Jahr nach Eintritt der krankheitsbedingen Arbeitsun
fähigkeit,
vorliegend
spätestens ab dem
1.
Oktober 201
8.
Aufgrund des kom
plex
en Krankheitsbildes, somatische und psychische Leiden, hätte die Beschwerde
gegnerin zwingend ein neutrales, umfassendes, polydisziplinäres Gutachten, wel
ches die Kriterien von BGE 141 V 281 erfülle, in Auftrag geben müssen. Hingegen habe die Beschwerdegegnerin den medizinischen Sachverhalt überhaupt nicht überprüft, weshalb in krasser Art und Weise gegen die Untersuchungsmaxime ge
mäss
Art.
43 ATSG verstossen worden sei
. Vorliegend seien allfällige von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
erwähnte psy
chosoziale Belastungsfaktoren höchstens teilursächlich für die schwere seelische Erkrankung, weshalb ein invalidenversicherungsrelevanter Gesundheitsschaden vorliege
(
Urk.
1
).
3.
3.1
Dr.
Z._
erhob
in seinem Bericht vom 3
0.
Oktober 2017
die Diagnose einer depressiven
Entwicklung in
Überforderungssituation am Arbe
i
t
splatz
(
ICD-10:
F32.1
-
32.2
)
, d
ifferenzialdiagnos
tisch eine
Anpassungsstörung
(
ICD-10: F43.2
)
.
Der Beschwerdeführer leide unter einem Erschöpfungszustand nach einem
Ein
bruch mit grossem Schaden in sein Brillen
g
eschäft, welchen die Versicherung versucht habe, ihm selber anzulasten.
Der Beschwerdeführer
habe die Versiche
rung eingeklagt und die erste Gerichtsverhandlung finde im kommenden Dezem
ber statt
.
Seit dem
3.
Oktober 2017
sei
d
er
Beschwerdeführer
vorerst bis auf weiteres
zu
100% arbeitsunfähig. Die Beurteilung der weiteren Arbeitsunfähigkeit sei offen (Urk.
8/
8/8
-9
).
3.2
Im Bericht
der Klinik Orthopädie
des Spitals
A._
vom 8. Februar 2018 wird als Diagnose ein chronisches,
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom mit gelegent
licher
Radikulopathie
bei kleiner Diskushernie L5/S1 rechts festgehalten.
Bei
fehlenden neurologischen
Auffälligkeiten
sei
auf jeden Fall ein konservatives Vorgehen mittels analgetischer
Therapie
und
Physiotherapie
angezeigt
. Bei
zu
nehmenden
Beschwerden
könne
als nächster
Schritt
eine
e
pidural
e
I
nfiltration mittels Lokalanästhesie und Kortison
durchgeführt werden und erst danach sei
eine Operations
besprechung möglich. Eine Arbeitsunf
ähigkeit wurde nicht ange
geben
(
Urk. 7/42/3-4).
3.
3
Dr.
med.
B._
, Fachärzten für Allgemeine I
nnere Medizin,
führte in ihrem Bericht vom
1.
März 2018
aus
, dass der Beschwer
deführer an einem chro
nischen,
lumbospondylogenem
Schmerzsyndrom mit
Radikulopathie
bei einer Dis
kushernie L5/S1 rechts leide.
Die ersten Rückenschmerzen seien vor ca. 25 Jahren aufgetreten. Die Diagnose sei mittels Bildgebung im Februar 2018 festgestellt worden.
Daher seien orthopädische Serienschuhe angezeigt
(Urk.
8/27/1
-2
).
3.4
Im Bericht des
Zentrum
s
f
ür Rheuma- und K
n
o
chenerkrankungen der Klinik
C._
vom 26. März 2018 wurde die vom Spital
A._
gestellte Diagnose be
stätigt
. Im Vordergrund stünden physiotherapeutische Massnahmen zur segmen
talen Stabilisation lumbal. Unterstützend solle der Beschwerdeführer weiterhin be
darfsmässig bei sehr gutem Ansprechen Voltaren einnehmen. Zumal die Be
schwerden aktuell eher gering ausgeprägt seien, werde nach Absprache mit dem Beschwerdeführer von einer
epiduralen
Infiltration abgesehen
(Urk. 8/42/5-6).
3.
5
Im Bericht vom 29. August 2018
zuhanden
von TCL Treuhand und Versich
erungen nannte
Dr.
Z._
als Diagnose
eine depressiv-ängstliche Entwicklung
(ICD-10:
F32.1 - 32.2)
nach Einbruch in eigenes Geschäft mit Überforde
rungs
situation und lang andauernder gerichtlicher Auseinandersetzung. Psychosoziale Belastungsfaktoren (Existenzängste nach Diebstahleinbruch und anschliessendem Rechtsstreit mit Haftpflichtversicherung)
hätten
zur
Entstehung
und Aufrechter
haltung der
psychischen
Faktoren beigetragen
.
Es fühle sich an, wie
wenn sein Selbstvertrauen durch die depressiv
e Entwicklung zerstört worden s
e
i
. So habe sich eine enorme Ängstlichkeit (Existenz- und Zukunftsangst) von sich und seiner Familie ergeben. Der Versicherte se
i
seit dem 3. Oktober 2017 und bis auf Wei
teres für jegliche Tätigkeiten zu 100% arbeitsunfähig (Urk.8/42/1-2).
3.
6
Am 5. Oktober 2018 nahm
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Ortho
pädische Chirurgie, des RAD Stellung. Der psychiatrische Teilaspekt sei heute mit dem Facharzt für Psychiatrie
E._
besprochen worden. Seiner Mei
nung nach deuteten die vorhandenen Unterlagen eher auf eine Anpassungs
stö
rung psychosozialer Begleitumstände
hin
, welche üblicherweise als behandelbar un
d in diesem Rahmen noch nicht als dauer
haft gelten
würden
. Bezüglich der orthopädischen Beschwerden sei zu kommentieren, dass diese bereits seit 25 Jah
ren bestanden hätten und bisher die Erwerbstätigkeit nicht nachhaltig be
einflusst hätten. Laut Facharzt sprächen die Rückenschmerzen gut
auf die
medi
kamentös
e Behandlung
an und seien zuletzt sogar als gering eingestuft worden. Gesamthaft lasse sich deshalb noch kein
dauerhafter
arbeitsunfähigkeits
rele
van
ter Gesund
heits
schaden schlussfolgern. Eine Ergänzung der letzten IV-Stel
lung
nahme sei nach jetziger Akte
nlage
nicht erforderlich
(
Urk.
8/45/3-4)
.
4
.
4.1
I
n
somatischer Hinsicht
liegen, entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers,
keine Berichte vor, die auf eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit schliessen lassen würden. Im Bericht des Zentrums für Rheuma- und Knochenerkrankungen vom 2
6.
März 2018
der Klinik
C._
wurde keine Arbeitsunfähigkeit attestiert. Weiter wurde ausgeführt, dass die Beschwerden aktuell eher gering ausgeprägt seien, weshalb von weiteren Inter
ventionen, bis auf die physiotherapeutisc
hen Massnahmen, abgesehen werde. Zu
dem werde der Beschwerdeführer bei gutem Ansprechen
bedarfsmässig Voltaren einnehmen
(E. 3.
4
). Somit
ergeben sich keine Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der Aktenbeurteilung von
Dr.
D._
, welcher als Facharzt für Orthopädische Chirurgie, über die erforderlichen persönlichen und fach
lichen Qualifikationen verfügt
,
und
zum Schluss kam, dass die Rückenschmerzen die Erwerbstätigkei
t nicht nachhaltig beeinflussen
(E. 3.6). Demnach ist
nicht zu be
anstanden, dass
die
Beschwerdegegnerin
i
hren Entscheid auf seine Beurteilung abstü
t
zte.
4.2
Hingegen a
us psychiatrischer Sicht begründet
e
d
ie Beschwerdegegnerin
i
hre Ab
wei
sung des Leistungsbegehrens damit,
dass die
psychische
Einschränkung auf
grund
einer
schwierigen Situation am Arbeitsplatz und auf die familiäre Situation zurückzuführen sei, führte mithin psychosoziale Faktoren als Grund für die Be
schwerden des Beschwerdeführers an. Es ist der Beschwerdegegnerin dahingeh
end beizupflichten,
dass
g
emäss Arztberichten
von
Dr.
Z._
der
Einbruch
in
das
Brillengeschäft
und die anschliessende Gerichtsverhandlung
die
Auslöser
der
Beeinträchtigungen
des Beschwerdeführers
waren
.
Sodann gab auch
der Be
schwerdeführer im Schadeninspektoren-Bericht des Krankentaggeldversicherers Helsana vom 15. Januar 2018
an
, er sei aufgrund einer Kumulation
von privaten Problemen, d.h. des
Einbruch
s
in sein Brillengeschäft und der anschliessenden Gerichtsverhandlung
, des
Tod
es seines Vaters, des
Tod
es
der Mutter seiner Frau sowie der Autismus-Diagnose seiner jüngsten Tochter, arbeitsunfähig geworden (
Urk.
8/8/13)
. Dies mag
auf psychosoziale Faktoren
hinweisen
, was jedoch vor
liegend aufgrund der Akten nicht ohne Weiteres gestützt wird
.
Der
RAD-Arzt
hielt
diesbezüglich
lediglich fest, dass die vorhandenen Unterlagen eher auf eine Anpassungsstörung psychosozialer
Begleitumstände hindeuten würde
n
(E. 3.6)
.
Dr.
Z._
ging
bereits
im Bericht vom 3
0.
Oktober 2017 davon aus, dass es sich bei den Beschwerden des Beschwerdeführers um eine
mittel
gradige
bis
schwere depressive Entwicklung
in
Überforderungssituation am Arbeitsplatz
handle
. Lediglich
differenzialdiagnostisch
hielt er eine
Anpassungsstörung
fest
(E.
3.1)
.
Er beschrieb auch Befunde wie schwere Schlaf-, Konzentrations- und Antriebsstörungen (Urk. 7/8/9). Im
Schreiben
vom 2
9.
August 2018 nannte er
schliesslich a
ls Diagnose
eine
mittel
gradige
bis schwer
e
d
e
pressiv-
ängstliche
Ein
wicklung
(E. 3.5)
und
verdeutlichte die Situation nochmals dahingehend, dass
der Beschwerdeführer auch unter schneller Erschöpfung, innerer Unruhe, unter Reiz
barkeit, mangelnder Entscheidungsfähigkeit und unter ausgeprägtem Rückzug leide
(
Urk.
7/42/1
).
Schliesslich ist dem Bericht
vom
2
4.
Mai 2019
, der nach Ver
fügungserlass im Oktober 2018 erstellt wurde, sich aber auf die psychotherapeu
tische Behandlung seit 2017 bezieht,
die Diagnose eine
r
mittelgradig
en
bis z
eitweise schwere
n
depressive
n
Episode mit Tendenz zu paranoidem Erleben zu ent
nehmen
. Z
udem beschrieb
Dr.
Z._
eine ausgeprägte Psychopathologie
(
Urk.
11
)
.
Somit ist insgesamt, entgegen der Darstellung der Beschwerdegegnerin, ein krankhaftes Geschehen nicht ohne Weiteres von der Hand zu weisen.
Aufgrund der vorliegenden Arztberichte ist nicht auszuschliessen, dass die be
scheinigte Arbeitsunfähigkeit auf eine von den Folgen der belastenden psycho
sozialen Faktoren verselbständigte psychische Störung mit Krankheitswert zu
rückzuführen ist und damit die medizinischen Voraussetzungen für das Entstehen
eines (allenfalls vorübergehenden) Rentenanspruchs erfüllt sein könnten. Um üb
er den Leistungsanspruch befinden zu können, sind weitere Abklärungen notwen
dig. Bislang liegen Berichte
des
behandelnden
Psychiaters
vor. Erforderlich ist nunmehr ein ärztliches Gutachten, das sich in umfassender Würdigung der rele
vanten Aspekte des Leidens der Beschwerdeführerin dazu äussert, welche erwerb
lichen Ressourcen vorhanden sind. Zur Vornahme dieser Abklärungen ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Im Rahmen der weiteren Abklärungen wird sodann gegebenenfalls den Erfordernissen des
strukturierten Beweisverfahrens Beachtun
g zu schenken sein.
5
.
Der angefochtene Entscheid ist somit aufzuheben und die Sache ist zur Durch
führung der notwendigen
psychiatrischen
Abklärungen und zu neuer Entschei
dung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In diesem Sinne ist die Be
schwerde gutzuheissen.
6
.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
6
00.-- anzusetzen. Nach ständiger Recht
sprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E.
2.2), weshalb die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
6.2
Überdies hat der obsiegende Beschwerdeführer Anspruch auf den Ersatz der Parteikosten (
§
34
Abs.
1
GSVGer
in Verbindung mit
Art.
61
lit
. g ATSG). Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Nach Massgabe dieser Kriterien
erweist sich eine Parteientschädigung von
Fr.
1’500.-- (inkl. Bar
auslage und Mehrwertsteuer) als angemessen.