Decision ID: a3be6ac6-5c72-5f53-882e-11e4c8db885d
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 18. Juni 2015 wegen schwerer Folgeschäden seines
Diabetes bei der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (IV-act. 18).
A.a.
Der Versicherte hatte am 3. September 2009 ein erstes Gesuch um berufliche
Massnahmen gestellt, nachdem ihm die damalige Stelle als Industriemeister bei der
B._ AG aus wirtschaftlichen Gründen (Verkauf des Betriebs) nach 29 Jahren
Betriebszugehörigkeit gekündigt worden war (vgl. Angaben Arbeitgeberin vom
24. September 2009, IV-act. 12-1 ff., und IV-act. 83-13). Dr. med. C._, Facharzt FMH
für Psychiatrie und Psychotherapie, hatte den Versicherten im Auftrag des
Krankentaggeldversicherers begutachtet und eine Anpassungsstörung mit
vorwiegender Störung von anderen Gefühlen (ICD-10: F43.23) diagnostiziert, welche
auf dem freien Arbeitsmarkt keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründe
(Gutachten vom 7. September 2009, Fremdakten, act. 1-2 ff.). Die IV-Stelle hatte mit
Verfügung vom 26. November 2009 einen Anspruch auf Arbeitsvermittlung verneint, da
keine gesundheitsbedingte Beeinträchtigung bei der Stellensuche bestehe (IV-act. 16).
Ab 5. Juli 2010 war der Versicherte als Mitarbeiter Qualitätssicherung bei der D._ AG
tätig (Angaben Arbeitgeberin vom 22. Juli 2015, IV-act. 32).
A.b.
Beim Versicherten war im Jahre 2005 ein schwer einstellbarer Diabetes mellitus
Typ 2 erstdiagnostiziert worden (Bericht der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie,
Osteologie und Stoffwechselerkrankungen des Kantonsspitals St. Gallen [KSSG] vom
A.c.
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10. Oktober 2014, IV-act. 46-2). Im November 2006 war ein akutes Koronarsyndrom
mit minimaler Nekrose festgestellt worden und im Mai 2007 ein akut PCI/Stenting des
mittleren RIVA bei schwerer Stenose erfolgt (Berichte der Klinik für Kardiologie des
KSSG vom 11. Dezember 2014, IV-act. 54, und vom 28. April 2015, IV-act. 34). Seit
einer Bursektomie wegen chronischer Bursitis olecrani im Juni / Juli 2014 hatte sich der
Versicherte nach eigener Angabe müde, kraftlos und weniger leistungsfähig gefühlt und
die Blutdruckwerte waren deutlich erhöht (Bericht der Klinik für Endokrinologie,
Diabetologie, Osteologie und Stoffwechselerkrankungen des KSSG vom 10. Oktober
2014, IV-act. 46-2). In der Klinik für Nephrologie / Transplantationsmedizin des KSSG
war gemäss Bericht vom 30. Oktober 2014 eine chronische Niereninsuffizienz KDIGO
Stadium G3b A3 bei hochgradigem Verdacht auf diabetische Nephropathie
diagnostiziert worden (IV-act. 55). Im Zentrum für Schlafmedizin des KSSG hatte sich
im Januar 2015 ein schwergradiges obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom gezeigt
(CPAP-Kurzbrief vom 3. Juli 2015, IV-act. 36). Gemäss Dr. med. E._, Innere Medizin
FMH, war der Versicherte ab Februar 2015 arbeitsunfähig geschrieben wegen einer
Verschlechterung des Allgemeinzustandes mit Durchblutungsstörungen im Gehirn,
Erhöhung der Nierenwerte sowie einer Herzgefässerkrankung (ärztliches Zeugnis vom
25. Juni 2015, IV-act. 24). Im Bericht der Klinik für Neurologie KSSG vom 16. März
2015 war festgehalten worden, der Versicherte beklage seit September oder Oktober
2014 ein "nebliges Gefühl" im Kopf und sei seither gangunsicher. In Phasen
ausgeprägter Gangunsicherheit seien ihm manchmal Koordinationsstörungen der
rechten Hand aufgefallen, welche jeweils ca. 5 bis 15 Minuten andauerten. In letzter
Zeit habe er häufig Arbeitsausfälle wegen der Gangunsicherheit. Diagnostiziert wurden
mehrzeitige cerebrale Ischämien vorwiegend im Mediastromgebiet rechts
(Erstdiagnose MRI vom 15. März 2015) sowie eine ausgeprägte vaskuläre
Leukenzephalopathie mit klinischer Gangunsicherheit und "nebligem Gefühl" im Kopf
und es wurde der Verdacht auf eine Polyneuropathie, am ehesten diabetisch bedingt,
erhoben (IV-act. 50). Die neurologische Klinik des KSSG hatte den Versicherten zur
Abklärung der festgestellten Ischämien an die Klinik für Kardiologie des KSSG
überwiesen. Dort wurde als Diagnose eine koronare und hypertensive Herzkrankheit
festgehalten. Der kardiopulmonale Zustand sei kompensiert. Als mögliche
Emboliequelle wurden arteriosklerotische Plaques im Bereich des Aortenbogens in
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Betracht gezogen (Bericht Klinik für Kardiologie KSSG vom 28. April 2015, IV-
act. 34-2 ff.).
RAD-Arzt Dr. med. F._, Facharzt für Chirurgie FMH, nahm am 22. Juli und
21. Oktober 2015 im Wesentlichen dahingehend Stellung, dass sich der
Gesundheitszustand seit der Referenzsituation spätestens ab der Bescheinigung einer
100%-igen Arbeitsunfähigkeit verändert habe (IV-act. 30-2, IV-act. 57). Auf Anfrage des
RAD bzw. der IV-Stelle (IV-act. 59) führte Dr. E._ am 7. Januar 2016 aus, nach wie
vor klage der Versicherte über ausgeprägten Schwindel, ein Gefühl, "wie im Nebel zu
sein", eine Geh-unsicherheit sowie eine Hypästhesie und Dysästhesie armbetont an
der rechten Körperhälfte. Hingegen könne die Einstellung des Blutzuckers als
befriedigend angesehen werden. Die Nierenfunktion sei in etwa konstant. Die Krankheit
wie auch die Medikation führten zu einer ausgeprägten Müdigkeit, auch zu einer
Verminderung des Antriebs, die auf eine latent bestehende Depression hindeute (IV-
act. 64-1).
A.d.
Die IV-Stelle wies mit Mitteilung vom 8. Juni 2016 das Gesuch bezüglich
beruflicher Massnahmen ab, da solche aufgrund des Gesundheitszustandes aktuell
nicht möglich seien (IV-act. 77).
A.e.
Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte durch die Ärztliches
Begutachtungsinstitut (ABI) GmbH Basel begutachtet (Gutachten vom 27. September
2016; Dr. med. G._, Allgemeine innere Medizin und Nephrologie; Dr. med. H._,
Psychiatrie; Dr. med. I._, Neurologie; Dr. phil. J._, Neuropsychologie; Dr. med.
K._, Rheumatologie; Dr. med. L._, Ophthalmologie; Untersuchungen 22. bis
24. August 2016). Der neurologische Gutachter führte aus, es ergebe sich eine Vielzahl
qualitativer Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit. Für adaptierte körperlich leichte
Arbeiten sei aufgrund der Verlangsamung auch bei ganztägiger Präsenz nur mit der
Leistung von vier bis fünf Stunden eines vergleichbaren Gesunden zu rechnen.
Neurologischerseits sei eine Arbeitsfähigkeit von 60% anzunehmen (IV-act. 83-24,
34 f.). Die nephrologische Gutachterin attestierte für körperlich leichte bis mittelschwer
belastende Tätigkeiten eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20% (IV-act. 83-25,
34) und die ophthalmologische Expertin eine solche von 10% für Tätigkeiten, welche
ein durchschnittliches Sehvermögen erforderten (IV-act. 83-32). Aus Sicht der übrigen
A.f.
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Fachrichtungen wurde für leidensangepasste Tätigkeiten keine quantitative
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert. Aus polydisziplinärer Sicht wurde
ausgeführt, für körperlich schwere und mittelschwere Tätigkeiten bestehe bleibend eine
volle Arbeitsunfähigkeit. In einer körperlich leichten, optimal adaptierten Tätigkeit
bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50%, über fünf bis acht Stunden pro Tag bzw.
vollschichtig realisierbar, je nach Möglichkeit, Pausen einzuschalten oder stundenweise
zu arbeiten. Die Einschränkungen aus polydisziplinärer Sicht ergänzten sich
überwiegend, seien aber bei der ausgesprochenen Polymorbidität partiell additiv (IV-
act. 83-34, 36). Die Anforderungen an eine geeignete Tätigkeit seien relativ hoch, so
dass die Aussicht, eine solche Tätigkeit in der freien Marktwirtschaft zu finden, relativ
gering sei (IV-act. 83-34).
RAD-Arzt Dr. F._ würdigte am 11. Oktober 2016 das Gutachten: Die
versicherungsmedizinischen Anforderungen seien erfüllt, es könne darauf abgestellt
werden (IV-act. 84).
A.g.
Im Protokoll des Assessmentgesprächs vom 3. November 2016 vermerkte die
Eingliederungsverantwortliche, der Versicherte fühle sich subjektiv keineswegs in der
Lage, irgendwann wieder einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Auch einen
Arbeitsversuch könne er sich nicht vorstellen, da er ja nicht einmal zu Hause "etwas
machen" könne (IV-act. 90-3). Nach nochmaligem Gespräch mit dem Versicherten und
mit Dr. E._ schloss sie den Fall am 13. Dezember 2016 ab (IV-act. 90-5), worauf die
IV-Stelle das Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen abwies (Mitteilung vom
3. Januar 2017, IV-act. 95).
A.h.
Mit Vorbescheid vom 23. Januar 2017 gewährte die IV-Stelle dem Versicherten das
rechtliche Gehör zur vorgesehenen Zusprache einer halben Rente mit Wirkung ab
1. Januar 2016 (IV-act. 99). Mit Einwand vom 31. März 2017 liess der Versicherte
geltend machen, er verfüge auch in einer optimal angepassten Tätigkeit über keine
verwertbare Restarbeitsfähigkeit. Dem Gutachten sei keine nachvollziehbare
Gesamtbeurteilung und kein ausführlicher Beschrieb der angeblich zumutbaren
Verweistätigkeit zu entnehmen. Die aus neurologischer Sicht angegebene
Arbeitsfähigkeit von 60% beziehe sich auf die maximale Leistungsfähigkeit vom 5
Stunden. Es sei jedoch vom Durchschnitt von 4,5 Stunden auszugehen, so dass sich
A.i.
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lediglich eine Arbeitsfähigkeit von 53,9% ergebe. Unter Berücksichtigung der übrigen
gemäss Gutachten partiell additiven Teilarbeitsunfähigkeiten resultiere eine
Restarbeitsfähigkeit von 43,9%. Bei realistischer Betrachtungsweise könne aufgrund
der enormen qualitativen Einschränkungen nicht mehr von einer Verwertbarkeit der
medizinisch-theoretischen Restarbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Somit stehe ihm
ab 1. Januar 2016 eine ganze Rente zu. Werde dem nicht gefolgt, rechtfertige sich ein
Tabellenlohnabzug von 20%. Damit resultiere ein Invaliditätsgrad von 65% (IV-
act. 108).
Am 11. April 2017 reichte der Versicherte eine Stellungnahme von Dr. E._ vom
Vortag ein (IV-act. 111-1 f.). Gemäss dieser sei er mit Sicherheit nicht arbeitsfähig.
Einerseits liege ein Diabetes mellitus mit Polyneuropathie, Nephropathie und
Retinopathie vor. Dies erkläre die Gefühlsstörungen in den Extremitäten sowie die
Sehverminderung. Die ebenfalls ausgeprägte Müdigkeit sei auf die Folgen des
Nierenschadens und der Zuckerkrankheit zurückzuführen. Daneben hätten mehrere
kleine Hirninfarkte zu einer auch im MRI feststellbaren Veränderung geführt. Sie gehe
einher mit ausgeprägten Schwindelzuständen und Gangunsicherheit. Auch seien die
Gedächtnis- und kognitiven Leistungen deutlich eingeschränkt. Der Versuch der
Eingliederung in den Arbeitsprozess sei aus medizinischen Gründen sinnlos (IV-
act. 111-3).
A.j.
Mit Verfügung vom 25. Juli 2017 sprach die IV-Stelle dem Versicherten ab
1. Januar 2016 eine halbe Rente zu. Das Gutachten sei durch den RAD beurteilt
worden. Es entspreche den versicherungsmedizinischen Anforderungen, weshalb
darauf abzustellen sei. Gesamtmedizinisch bestehe unter den genannten
Adaptationskriterien eine Leistungsfähigkeit von 50%. Ein Teilzeitabzug sei nicht
anzurechnen, da grundsätzlich eine volle Präsenzzeit zumutbar sei. Ein Leidensabzug
sei nicht zu gewähren, weil auch mit den genannten Adaptationskriterien auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt genügend Tätigkeiten offenstünden. Bis zur ordentlichen
Pensionierung verbleibe dem Versicherten genügend Zeit, um sich in eine neue
Tätigkeit einzuarbeiten. Die zusätzlich benötigten Pausen seien in der attestierten
Leistungsfähigkeit von 50% bereits berücksichtigt. Die Stellungnahme von Dr. E._
umschreibe im Wesentlichen dieselben Symptome und Diagnosen, die bereits im
Gutachten ausführlich und kritisch untersucht worden seien (IV-act. 114, 112).
A.k.
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B.
Auf Veranlassung des RAD wurde die ABI zur Stellungnahme aufgefordert (IV-
act. 119; IV-act. 120). Sie führte am 27. Oktober 2017 im Wesentlichen aus, Dr. E._
erwähne keine weiteren Diagnosen und setze sich nicht mit dem Gutachten
auseinander. Es sei nicht ersichtlich, weshalb die hausärztliche Meinung die
polydisziplinäre gutachterliche Einschätzung in irgendeiner Weise umstossen oder
tangieren könnte (IV-act. 126). Der RAD schloss sich dem am 7. November 2017
vorbehaltlos an. Auf das Gutachten könne weiterhin vollumfänglich abgestützt werden
(IV-act. 127).
A.l.
Gegen die Verfügung vom 25. Juli 2017 lässt A._, vertreten durch Rechtsanwalt
lic. iur. M. Kuhn, am 31. August 2017 Beschwerde erheben. Er beantragt, die
angefochtene Verfügung sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben und
ihm ab 1. Dezember 2015 eine ganze Invalidenrente auszurichten. Eventualiter sei die
Angelegenheit zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Dass bei den im Gutachten aufgeführten Diagnosen lediglich eine 50%-ige
Arbeitsunfähigkeit resultiere, sei nicht nachvollziehbar. Ausgehend von einer
Leistungsfähigkeit während 4,5 Stunden täglich aus neurologischer Sicht ergebe sich
insgesamt lediglich eine Arbeitsfähigkeit von 43,9%. Die notwendige fachliche
Qualifikation des neuropsychologischen Gutachters sei anzuzweifeln. Die
gutachterliche Arbeitsfähigkeitsschätzung beruhe bis zum Zeitpunkt der Begutachtung
auf einer Annahme und sei erst ab diesem Zeitpunkt überwiegend wahrscheinlich.
Somit habe er ab 1. Dezember 2015 bis mindestens Ende Dezember 2016 Anspruch
auf eine ganze Invalidenrente. Es stehe ihm ein Teilzeitabzug vom Invalideneinkommen
von mindestens 10% zu; eine volle Präsenzzeit könne ihm nicht zugemutet werden. Er
unterliege selbst für leichte Tätigkeiten zahlreichen Einschränkungen. Sodann verfüge
er nur noch über einige Jahre zur Ausübung einer aktiven Berufstätigkeit und der
erforderliche Berufswechsel wirke sich ebenfalls nachteilig auf den Lohn aus.
Insgesamt erscheine ein Tabellenlohnabzug von 20% als angemessen, womit er
Anspruch auf eine Dreiviertelsrente habe. Aufgrund der enormen qualitativen
Einschränkungen sei die medizinisch-theoretische Restarbeitsfähigkeit nicht mehr
verwertbar, zumal die zuletzt ausgeübte Kontrolltätigkeit in der Qualitätssicherung
B.a.
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aktenkundig nicht mehr zumutbar sei. Zusätzlich sei sein Alter zu berücksichtigen. Dies
habe die Zusprache einer ganzen Rente ab 1. Dezember 2015 zur Folge (act. G 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 17. November 2017 beantragt die
Beschwerdegegnerin, es sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer ab Dezember
2015 Anspruch auf eine halbe IV-Rente habe. Im Übrigen sei die Beschwerde
abzuweisen. Das MEDAS-Gutachten sei ausführlich abgefasst und die
Schlussfolgerungen zusammen mit der Arbeitsfähigkeitsschätzung seien in jeder
Hinsicht nachvollziehbar. Die Gesamtarbeitsfähigkeit von 50% sei von allen Gutachtern
im Konsens festgelegt worden. Es gebe keine Hinweise, dass die neurologischen
Leiden zuwenig gewichtet worden seien. Die jeweils fachärztlich festgestellten Grade
der Arbeitsunfähigkeit dürften wegen der Wechselwirkungen nicht einfach addiert
werden. Der Umstand alleine, dass der neuropsychologische Gutachter offenbar
keinen fachpsychologischen Titel als Neuropsychologe aufweise, mindere die
Beweiskraft seiner Beurteilung nicht. Der Gesundheitszustand habe sich zwischen
Dezember 2015 und der Begutachtung vom 22. bis 24. August 2016 nicht wesentlich
verändert, so dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung gemäss Gutachten auch
rückwirkend gelte. Für den Beschwerdeführer geeignet seien etwa leichtere
Maschinenbedienungs-, Kontroll-, Sortier-, Prüf- sowie Verpackungsarbeiten, leichtere
Arbeiten bei der Lager- und Ersatzteilbewirtschaftung, eine Beschäftigung an einem
Empfang, als Telefonist sowie Kurier- und leichtere Lieferdienste. Der
Beschwerdeführer könne schwergewichtig nur noch leichte Hilfstätigkeiten ausführen;
demnach sei ein Leidensabzug von 10% vorzunehmen. Da keine bedeutenden
weiteren gesundheitsbedingten Einschränkungen des Leistungsvermögens bestünden,
sei ein höherer Leidensabzug nicht gerechtfertigt. Ein Teilzeitabzug sei nur
vorzunehmen, wenn die Restarbeitsfähigkeit nur noch in einer Teilzeittätigkeit verwertet
werden könne, was vorliegend nicht der Fall sei. Aus dem Einkommensvergleich
resultiere ein Invaliditätsgrad von 56%. Somit habe der Beschwerdeführer ab
Dezember 2015 Anspruch auf eine halbe Rente (act. G 6).
B.b.
Mit Replik vom 12. Januar 2018 trägt der Beschwerdeführer vor, die
neurologischen Einschränkungen seien polydisziplinär unzureichend berücksichtigt
worden. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sei von einer Restarbeitsfähigkeit von
höchstens 43,9% auszugehen. Die rückwirkende Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
B.c.
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Erwägungen
1.
durch die ABI-Gutachter erfülle den Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nicht ansatzweise. Bei der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit von 50% während
einer Präsenzzeit von fünf bis acht Stunden sei zwingend ein Teilzeitabzug
vorzunehmen. Aufgrund der Formulierung der Gutachter könne nicht von einer
ganztägigen Präsenzzeit ausgegangen werden (act. G 8).
Am 7. Februar 2018 reicht der Beschwerdeführer einen Bericht des M._ vom
11. Dezember 2017 (act. G 10.1) ein, wonach er in dieser Institution vom 31. Oktober
bis 22. Dezember 2017 ein Einsatzprogramm über das RAV mit einem Pensum von
50% absolviert und sich dabei herausgestellt habe, dass er den Anforderungen des
ersten Arbeitsmarktes nicht mehr gewachsen sei (act. G 10).
B.d.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60%, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50%, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40% invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
1.2.
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Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne einer Richtlinie
ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
1.3.
Für die Invaliditätsbemessung ist nicht massgeblich, ob eine invalide Person unter
den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig, ob
sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn ein
Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften bestünde
(ausgeglichener Arbeitsmarkt, Art. 16 ATSG). Der als ausgeglichen unterstellte
Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und
Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen
vonseiten des Arbeitgebers rechnen können. An der Massgeblichkeit des theoretisch
ausgeglichenen Arbeitsmarkt vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass es für
die versicherte Person im Einzelfall schwierig oder gar unmöglich ist, im tatsächlichen
Arbeitsmarkt eine entsprechende Stelle zu finden. Von einer Arbeitsgelegenheit kann
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nur dann nicht mehr gesprochen werden,
wenn die zumutbare Tätigkeit nurmehr in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie
der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht
realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre
und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen
erscheint (Urteil des Bundesgerichts vom 28. November 2014, 9C_485/2014 E. 2 und
E. 3.3.1 mit Hinweisen). Fehlt es an einer wirtschaftlich verwertbaren
1.4.
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2.
Zunächst ist über die Beweistauglichkeit des ABI-Gutachtens vom 27. September 2016
zu befinden.
Resterwerbsfähigkeit, liegt eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor, die einen
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente begründet (BGE 138 V 460 E. 3.1).
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat
das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V
360 E. 5b; BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
1.5.
Der Beschwerdeführer beschrieb den Gutachtern eine Symptomatik, die im Oktober
und Dezember 2014 mit Anfällen bzw. Hinfallen begonnen habe. Später seien ein
allgemeines "Nebelgefühl im Kopf", ein Taubheitsgefühl mit gelegentlich
elektrisierendem Gefühl bzw. Schmerzen und Kraftlosigkeit an der rechten Hand bzw.
am rechten Vorderarm bis in die Fingerspitzen, Gefühlsstörungen in der rechten
Gesichtshälfte sowie eine ausgeprägte Gangstörung aufgrund einer leichten
Sensibilitätsstörung an beiden Füssen aufgetreten. Die Kraft im Arm fehle, selbst
leichte Belastungen wie das Öffnen einer Flasche seien schwierig. Für Gehstrecken
über 300 bis 500 m fehle ihm die Energie. Treppengehen sei schwierig und
anstrengend, er müsse sich festhalten. Seit März 2015 habe die Problematik deutlich
zugenommen. Vorwiegend bei längerem Sitzen träten tieflumbale Rückenschmerzen
und beim Gehen teilweise Schmerzen im lateralen Hüftbereich beidseits auf. Aus
kardialer Sicht sei er beschwerdefrei mit Ausnahme von wenige Sekunden dauernden,
punktförmigen, stechenden Schmerzen, die er von körperlicher Anstrengung verspüre.
Bezüglich der operativen Exzision der Bursa olecrani links im Juni 2014 bestünden
keine Beschwerden mehr. Gelegentlich träten Unterschenkelödeme auf. Seit anfangs
2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/21
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2016 leide er unter Schulterschmerzen beidseits und könne die Arme nur mit Mühe
über die Horizontale heben. Die Schmerzen führten auch zum Erwachen zum Teil alle
ein bis zwei Stunden und seien in den letzten acht Monaten eher progredient. Die
Behandlung erfolge mittels lokaler Salbenapplikation (IV-act. 83-8 f., 13 f., 15, 19, 22).
Eine Einschlaftendenz tagsüber bestehe nicht, aber eine allgemeine Müdigkeit. Er sei
tagsüber körperlich nicht belastbar. Er könne den Garten nicht mehr besorgen, nicht
mehr Rad fahren, habe kaum noch soziale Kontakte und Hobbys; er beschäftige sich
mit der Zeitung, dem TV und dem Computer. Er verrichte kleinere Hausarbeiten und
füttere die Katzen. Einkäufe seien sehr anstrengend. Die Konzentration sei auch nicht
mehr so gut. Er fahre mit dem Auto kürzere Strecken, z.B. zum Hausarzt ins
übernächste Dorf (IV-act. 83-9, 13, 15).
Die internistische und kardiologische Gutachterin diagnostizierte bzw. bestätigte
(gekürzt) ein metabolisches Syndrom mit arterieller Hypertonie und bei Diabetes
mellitus Typ 2, eine koronare und hypertensive Herzkrankheit, eine progrediente
chronisch schwere Niereninsuffizienz KDIGO Stadium G4 A3 bei diabetischer
Nephropathie, ein schwergradiges obstruktives Schlafapnoesyndrom (Erstdiagnose
Januar 2015, CPAP-Behandlung seit Juli 2015) sowie einen Status nach mehrzeitigen
zerebralen Ischämien vorwiegend im Mediastromgebiet rechts bei ausgeprägter
vaskulärer Leukenzephalopathie (IV-act. 83-11 f., 32 f.). Sie führte aus, aus
allgemeininternistischer Sicht stehe ein voll ausgeprägtes metabolisches Syndrom im
Vordergrund. In diesem Kontext bestehe ein Diabetes mellitus, als dessen Folge eine
Polyneuropathie, eine Nephropathie und eine Retinopathie aufgetreten seien. Ferner
leide der Beschwerdeführer unter einer Mikroangiopathie (Leukenzephalopathie) sowie
einer Makroangiopathie (koronare Herzkrankheit). Aufgrund der Aktenlage bestehe eine
koronare und hypertensive Kardiopathie mit erhaltener linksventrikulärer Funktion bei
nachgewiesener linksventrikulärer Hypertrophie. Der Beschwerdeführer sei bis zur
definitiven Arbeitsniederlegung im Jahr 2014 aus kardialer Sicht voll arbeitsfähig
gewesen und aus kardiologischer Sicht beschwerdefrei; eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit aus kardiologischer Sicht könne nicht bestätigt werden (IV-act. 83-12).
Übereinstimmend damit hatte die Klinik für Kardiologie des KSSG im Bericht vom
28. April 2015 ausgeführt, der kardiopulmonale Zustand sei kompensiert (IV-act. 34).
Aufgrund des Diabetes mellitus seien Tätigkeiten mit einer erhöhten
Selbstverletzungsgefahr (Arbeiten an schnellen, sich drehenden Maschinen, Begehen
und Besteigen von Leitern und Gerüsten) sowie Schichtarbeit nicht mehr zumutbar.
Wegen des obstruktiven Schlafapnoesyndroms, welches seit Juli 2015 suffizient
behandelt werde, könne keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit formuliert werden.
2.2.
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Weitere, die Arbeitsfähigkeit tangierende Krankheiten könnten (aus internistischer und
kardiologischer Sicht) nicht diagnostiziert werden (IV-act. 83-12 f., 34).
Der neurologische Gutachter erhob klinisch, dass der Beschwerdeführer bei
angegebener Hyposmie Menthol nicht benannt habe. Es finde sich eine
Mundwinkelasymmetrie zu Ungunsten von rechts (IV-act. 83-22). Er beschrieb im
Wesentlichen ein ataktisches Gangbild bei unbemerktem mehrfachem Festhalten an
der Wand oder am Tisch. Das Vibrationsempfinden an den Innenknöcheln sei
vermindert. Merkfähigkeit und Aufmerksamkeit seien erhalten, es bestünden keine
mnestischen Defizite. Antworten erfolgten oft mit zeitlicher Verzögerung, mehrfach
seien Wortfindungsstörungen aufgefallen (IV-act. 83-23). Die aktuelle Untersuchung
zeige eine leichte Halbseitenstörung rechts mit Mundwinkelasymmetrie, rechtsseitiger
Hemihypästhesie und positivem Pyramidenbahnzeichen, eine Ataxie und
Bradydiadochokinese beidseits, Wortfindungsstörungen und leichte kognitive Defizite
(IV-act. 83-23 f.). Gemäss Bericht der Klinik für Neurologie des KSSG vom 16. März
2015 hatten sich kernspintomographisch mehrzeitige cerebrale Ischämien im
Mediastromgebiet rechts und eine cerebrale Ischämie in der linken
Grosshirnhemisphäre sowie eine ausgeprägte vaskuläre Leukenzephalopathie
dargestellt. In den elektrophysiologischen Untersuchungen hatte sich eine sensible und
motorische, gemischt axonale und demyelisierende Polyneuropathie mit leichter
subacuter Denervierung, passend zu einer Polyneuropathie im Rahmen eines nicht
optimal eingestellten Diabetes mellitus, gezeigt. Der neurologische Gutachter stellte die
Diagnosen eines zerebralen Gefässprozesses mit Zustand nach kleinen Ischämien im
Mediagebiet links mit persistierender leichter Halbseitenstörung rechts,
Wortfindungsstörung und kognitiven Defiziten und einer Ataxie bei Zustand nach
zerebralen Ischämien und diabetischer Polyneuropathie (IV-act. 83-23, 32 f.). Er legte
dar, der Diabetes mellitus habe auf neurologischem Gebiet zu einer Polyneuropathie
geführt. Diese finde sich auch in der aktuellen Untersuchung wieder bei allerdings noch
schwach erhältlichem ASR und fehlenden trophischen Störungen. Sie erkläre die
Gangunsicherheit, die "Nebligkeit" und die Halbseitenstörung rechts nicht hinreichend.
Hierfür sei, ebenfalls entsprechend den Abklärungen des KSSG, als Ursache eine
ausgeprägte Leukenzephalopathie mit mehrzeitigen cerebralen Ischämien, vorwiegend
im Mediastromgebiet rechts, festgestellt worden (IV-act. 83-23). Damit
übereinstimmend war im Bericht der Klinik für Neurologie des KSSG vom 16. März
2015 ausgeführt worden, die beschriebene Symptomatik sei am ehesten im Rahmen
der ausgeprägten vaskulären Leukenzephalopathie zu interpretieren. Für die
rechtsseitigen cerebralen Ischämien zeige sich anamnestisch und klinisch kein Korrelat
(IV-act. 50-4). Der neurologische Gutachter kam zum Schluss, es ergebe sich eine
2.3.
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Vielzahl qualitativer Einschränkungen. Diese beträfen Tätigkeiten mit Anforderungen an
das Gleichgewichtsvermögen, mit Absturzgefahr und mit Anforderungen an eine gute
Feinmotorik beider Hände. Wortfindungsstörungen und leichte kognitive Defizite
bedingten auch Einschränkungen für Arbeiten mit Publikumsverkehr oder als
Telefonist. Für die verbleibenden körperlich leichten Arbeiten sei aufgrund der
Verlangsamung auch bei ganztägiger Präsenz nur mit der Leistung von vier bis fünf
Stunden eines vergleichbaren Gesunden zu rechnen. Neurologischerseits sei eine
Arbeitsfähigkeit von 60% anzunehmen. Die Einschränkung könne ab November 2014
angenommen werden (IV-act. 83-24, 34 f.).
Die nephrologische Gutachterin diagnostizierte eine chronisch progrediente
schwere Niereninsuffizienz Stadium G4 A3 nach KDIGO bei diabetischer Nephropathie.
Als renale Folgeerkrankung habe eine renale Anämie objektiviert werden können. Aus
nephrologischer Sicht könne aktuell eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20%
für körperlich leicht bis mittelschwer belastende Tätigkeiten abgeleitet werden.
Körperlich anhaltend schwere Tätigkeiten seien nicht mehr zumutbar. Die erwähnte
Einschränkung könne seit spätestens der aktuellen Untersuchung bestätigt werden.
Gemäss Aktenlage sei im April 2015 noch eine eGFR von 40 ml/min./1,73 m ermittelt
worden, so dass damals noch keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorgelegen
habe (IV-act. 83-25 f.; vgl. Bericht der Klinik für Nephrologie / Transplantationsmedizin
des KSSG vom 27. März 2015, Fremdakten, act. 2-8 ff., wo noch ein Stadium G3b A3
der Erkrankung festgehalten worden war). Auch wenn dies im Gutachten nicht
ausdrücklich ausgeführt wird, dürfte die Anämie zu einer Erschöpfung bzw.
Erschöpfbarkeit führen und die attestierte Arbeitsunfähigkeit sich dadurch erklären.
2.4.
2
Der psychiatrische Gutachter diagnostizierte eine leichte depressive Episode
(ICD-10: F32.0; IV-act. 83-16, 33). Die als Folge des kränkend empfundenen
Stellenverlusts im Jahre 2009 diagnostizierte Anpassungsstörung (vgl. dazu
psychiatrisches Gutachten Dr. med. C._ vom 7. September 2009, Fremdakten,
act. 1-2 ff.) hält er für gut möglich. Seither habe sich der Gesundheitszustand leicht
verschlechtert. Indes könne eine längerfristige Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer
Sicht vor allem gemittelt über den Verlauf nicht begründet werden (IV-act. 83-17). Dies
erscheint nachvollziehbar, da der Beschwerdeführer nicht in psychiatrisch-
psychotherapeutischer Behandlung steht und im Bericht des M._ vom 11. Dezember
2017 vermerkt wurde, er sei psychisch stabil (act. G 10-1 S. 3).
2.5.
Der neuropsychologische Gutachter legte dar, das Testprofil zeige eine kognitive
Leistungsbeeinträchtigung im Bereich der Intelligenz. Die geteilte und die selektive
Aufmerksamkeit seien deutlich unterdurchschnittlich. Die Arbeitsgeschwindigkeit sei
2.6.
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reduziert. Die Frontalhirnfunktionen des planmässigen Vorgehens, der visuo-spatialen
Konstruktionen, der phonetischen Wortfluenz, der figuralen Fluenz und der
Merkfähigkeit für Symbole seien beeinträchtigt. Somit finde sich eine mittelschwere
neurokognitive Störung. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung sei in der neurologischen
enthalten (IV-act. 83-29, 34 f.). Was die fachliche Qualifikation des
neuropsychologischen Gutachters anbelangt, wird diese im Gutachten als
"Neuropsychologe" aufgeführt (IV-act. 83-37). Die neuropsychologische Begutachtung
fand im August 2016 statt. Für die neuropsychologische Begutachtung in der Invaliden-
und Krankenversicherung wird erst seit dem 1. Juli 2017 ein Fachtitel in
Neuropsychologie vorausgesetzt (Bundesamt für Sozialversicherungen, IV-
Rundschreiben 367 vom 21. August 2017). Damit verliert das Teilgutachten von lic. phil.
J._ wegen des ihm fehlenden Fachtitels nicht per se seine Beweiskraft. Es wird denn
auch nicht bestritten, dass lic. phil. J._ die erforderlichen Voraussetzungen, welche
gemäss Vereinbarung vom 4. April 2012 betreffend die Durchführung von
polydisziplinären medizinischen Gutachten nach Art. 72 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) galten, bis zu deren Änderung vom 1. Juli
2017 nicht erfüllt hätte. Gemäss SuisseMED@P-Reporting 2018 bescheinigte die
Gutachterstelle gegenüber dem Bundesamt für Sozialversicherungen die erforderliche
fachliche Qualifikation.
bis
Der rheumatologische Gutachter diagnostizierte ein Impingement-Syndrom
Schulter beidseits, differenzialdiagnostisch eine partielle Frozen Shoulder beidseits,
eine Periarthropathia coxae beidseits, anamnestisch ein intermittierendes leichtes
Lumbovertebralsyndrom sowie einen Status nach Exzision der Bursa olecrani links
2014 (IV-act. 83-20, 33). Klinisch entspreche das Beschwerdebild einem Impingement-
Syndrom. Klinisch finde sich ein Rundrücken und die Beweglichkeit der LWS sei
indolent leicht vermindert. An den Hüftgelenken sei die Innenrotation beidseits
schmerzhaft um einen Drittel vermindert unter Schmerzangabe an der lateralen
Hüftregion bei auch Druckdolenz am Trochanter maior beidseits. Ätiologisch handle es
sich bei den Beschwerden in der Lenden-Hüftregion um ein leichtes lumbovertebrales
Schmerzsyndrom. Funktionell bestünden eine leicht- bis mässiggradig eingeschränkte
allgemein-körperliche Belastbarkeit und eine mässiggradig eingeschränkte
Belastbarkeit beider Schultergelenke (IV-act. 83-21). Aufgrund der Befunde und
Diagnosen seien körperlich schwere Tätigkeiten nicht mehr zumutbar. Für körperlich
leichte bis intermittierend mittelschwere Tätigkeiten bestünden keine relevanten
Einschränkungen, wobei jedoch der Einsatz der Arme über der Horizontalen vermieden
werden müsse (IV-act. 83-21, 34).
2.7.
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3.
Die augenärztliche Gutachterin führte aus, es bestehe am rechten Auge mehr als
am linken eine diabetische Makulopathie und eine beginnende Linsentrübung, die eine
Herabsetzung der Sehschärfe und eine vermehrte Blendungsempfindlichkeit
verursachten (IV-act. 83-32). Aktuell bestehe aufgrund der Sehschärfenminderung und
der vermehrten Blendungsempfindlichkeit eine 10%-ige Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit für alle Tätigkeiten, die ein durchschnittliches Sehvermögen
erforderten. Sie begründe sich durch einen erhöhten Pausenbedarf, welcher der etwas
erhöhten Anstrengung bzw. Kompensationsleistung geschuldet sei (IV-act. 83-32, 34).
2.8.
Zusammenfassend leidet der Beschwerdeführer unter einem Diabetes mellitus.
Dieser führte zu einer Polyneuropathie, zu einer chronischen Niereninsuffizienz, welche
ihrerseits eine Anämie zur Folge hat, und zu einer diabetischen Makulopathie. Daneben
besteht eine Leukenzephalopathie, welche die klinisch objektivierte Gangunsicherheit,
das vom Beschwerdeführer angegebene "neblige Gefühl" und die leichte
Halbseitensymptomatik rechts erklärt (vgl. IV-act. 83-23; IV-act. 50-4). Polydisziplinär
schätzten die Gutachter die Arbeitsfähigkeit auf 50%, realisierbar über fünf bis acht
Stunden pro Tag (Pausen oder stundenweise Arbeit). Die Einschränkungen aus Sicht
der einzelnen Fachgebiete seien partiell additiv (IV-act. 83-35).
2.9.
Das Gutachten berücksichtigt die beklagten Beschwerden und die medizinischen
Vorakten vollumfänglich. Die diagnostische Zuordnung einschliesslich Ätiologie der
objektivierten Beschwerden erscheint nachvollziehbar und schlüssig. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung erfolgt unter Einbezug der sozialen Belastungen -
Aufwachsen ohne Vater, Enttäuschung über die Kündigung im Jahr 2009 und die
bisher nicht eingetroffene Beschwerdefreiheit - und der Ressourcen - langjährige
Berufserfahrung, gute Kontakte innerhalb der Familie, zur jetzigen zweiten Ehefrau,
deren Sohn und den Enkelkindern (IV-act. 83-17 f.). Auf das Gutachten ist daher
abzustellen. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, aus neurologischer Sicht sei
von einer Arbeitsfähigkeit von lediglich 54% - entsprechend einem durchschnittlichen
Pensum von 4,5 Stunden - auszugehen und unter teilweiser Berücksichtigung der
Arbeitsunfähigkeit aus nephrologischer und ophthalmologischer Sicht resultiere
polydisziplinär eine Restarbeitsfähigkeit von 44%, ist anzumerken, dass vorliegend
nicht ausschliesslich eine Bandbreite der Arbeitsfähigkeit bzw. der Leistungsfähigkeit,
sondern einerseits ein Rendement von vier bis fünf Stunden täglich und andererseits
eine Arbeitsfähigkeit von 60% angegeben wird. Aus dem Folgenden ergibt sich jedoch,
dass diese Frage offen gelassen werden kann.
2.10.
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Gemäss polydisziplinärem Konsens ist die geschätzte Einschränkung seit der
hausärztlichen Krankschreibung im November 2014 anzunehmen und mit Sicherheit ab
August 2016 zu bestätigen (IV-act. 83-34, 36). Fachmedizinische Abklärungen der
Beschwerden sind ab Oktober 2014 dokumentiert (Berichte der Klinik für
Endokrinologie, Diabetologie, Osteologie und Stoffwechselerkrankungen vom
10. Oktober 2014, IV-act. 46, und der Klinik für Nephrologie / Transplantationsmedizin
KSSG vom 30. Oktober 2014, IV-act. 55). Es ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
davon auszugehen, dass damals (Oktober 2014 bis Oktober 2015) schon eine
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40% bestand und das Wartejahr gemäss Art. 28
Abs. 1 lit. b IVG im Oktober 2015 abgeschlossen war. Aufgrund der Anmeldung am
18. Juni 2015 (IV-act. 18) besteht der Rentenanspruch ab 1. Dezember 2015 (Art. 29
Abs. 1 und 3 IVG; vgl. Beschwerdeantwort, act. G 6, a.E.). Der Rentenbeginn am
1. Dezember 2015 ist denn auch im Beschwerdeverfahren unbestritten
(vgl. Beschwerdeschrift, act. G 1, und Beschwerdeantwort, act. G 6).
4.
Im polydisziplinären Konsens schätzten die Gutachter die Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit schlüssig und nachvollziehbar auf medizin-theoretisch 50% und
kamen zum Schluss, die Anforderungen an eine geeignete Tätigkeit seien relativ hoch,
so dass die Aussicht, eine solche Tätigkeit in der freien Marktwirtschaft zu finden,
relativ gering sei (IV-act. 83-34). Die Beschwerdegegnerin hält diese Arbeitsfähigkeit für
verwertbar, da dem Beschwerdeführer leichtere Maschinenbedienungs-, Kontroll-,
Sortier-, Prüf- sowie Verpackungsarbeiten, leichtere Arbeiten bei der Lager- und
Ersatzteilbewirtschaftung, eine Tätigkeit am Empfang oder als Telefonist sowie leichte
Kurier- und Lieferdienste zumutbar seien (Beschwerdeantwort, act. G 6- Ziff. 4).
Während des Einsatzprogramms im M._ vom 31. Oktober bis 22. Dezember 2017
führte der Beschwerdeführer im 50%-Pensum eine sitzend zu verrichtende, körperlich
leichte Tätigkeit aus (Bestücken von Insektenhotels). Die Betreuenden hielten fest, die
Koordination und die körperliche Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers seien stark
eingeschränkt. Der 50%igen Anwesenheit sei er nur bedingt gewachsen gewesen. Bei
einer leichten, gleichförmigen Arbeit, welche eher als Beschäftigung bezeichnet werden
könne, entspreche das Arbeitstempo knapp den Anforderungen. Leistungsmässig sei
er relativ weit von den Normen einer Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt entfernt. Den
Anforderungen der freien Wirtschaft sei er nicht mehr gewachsen (act. G 10.1).
4.1.
Zum Einsatzprogramm im M._ ist zu bemerken, dass der Beschwerdeführer nie
zu spät erschien. Es wurden ihm eine hohe Zuverlässigkeit, Einsatzbereitschaft,
Initiative und eine grundsätzlich positive Einstellung bescheinigt (act. G 10.1). Im
4.2.
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Gegensatz zu den anlässlich der Begutachtung (IV-act. 83-35) sowie gegenüber der
Eingliederungsberaterin (IV-act. 90) gemachten Äusserungen hat sich die subjektive
Eingliederungsbereitschaft offenbar positiv verändert. Dass er sich um seine
Gesundheit bemüht, kommt auch im Bericht der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie,
Osteologie und Stoffwechselerkrankungen des KSSG vom 19. November 2015 zum
Ausdruck, wonach er ein gutes Essverhalten pflege und den Tabakkonsum auf fünf
Zigaretten täglich reduzieren konnte (IV-act. 64-2 ff.). Die Beurteilung des M._ hatte
die Leistungsabklärung zum Ziel (act. G 10.1 S. 5) und gründet nicht massgeblich auf
subjektivem Unvermögen des Beschwerdeführers, so dass sie beweisrechtlich
Relevanz besitzt (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 16. Oktober 2012, 9C_737/2011,
E. 3.3, vom 28. Mai 2009, 9C_332/2009, E. 3.4, vom 20. November 2013,
8C_142/2013, E. 3.5, vom 15. Dezember 2015, 9C_554/2015, E. 3.4 und vom
15. Februar 2019, 9C_534/2018, E. 2.2). Zudem absolvierte der Beschwerdeführer das
Einsatzprogramm ab Oktober 2017, also drei Monate nach Verfügungserlass und ein
gutes Jahr nach der Begutachtung, womit keine lange Zeitspanne verging und mangels
geltend gemachter Verschlechterung des Gesundheitszustands sowie entsprechender
Belege die Ergebnisse des Einsatzprogramms ergänzend zum Gutachten gewertet
werden können. Die Betreuenden des M._ hielten fest, es hätten sich starke
Einschränkungen gezeigt, indem der Beschwerdeführer nur sehr langsam gehen könne
und ihm das Treppensteigen extrem schwerfalle und seine Koordination und
körperliche Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt seien (act. G 10.1). Diese
Einschränkungen wurden auch von den Gutachtern beschrieben und sind in ihre
medizinisch-theoretische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit eingeflossen. Aus
medizinischer Sicht ergeben sich aus dem Einsatzprogramm somit keine neuen
Standpunkte, die weiter abzuklären wären. Bereits die Gutachter selbst stellten deren
Verwertbarkeit im "freien" Arbeitsmarkt in Frage, was sich durch den Arbeitsversuch im
M._ bestätigte. Es stellt sich somit die Frage, ob auf dem als ausgeglichen zu
betrachtenden Arbeitsmarkt Tätigkeiten angeboten werden, welche den Leiden des
Beschwerdeführers noch besser adaptiert sind als die im M._ ausgeübte Arbeit,
zumal das Bestücken der Insektenhotels gewisse Anforderungen an Koordination und
(Fein-)motorik stellen dürfte.
Der Beschwerdeführer leidet unter den Folgen eines Diabetes mellitus und einer
durch diesen verursachten Polyneuropathie, Nephropathie und Makulapathie sowie
unter den Auswirkungen cerebraler Ischämien und einer Leukenzephalopathie. Er ist
beim Gehen, insbesondere auf Treppen, stark eingeschränkt. Weiter besteht eine
Halbseitensymptomatik mit reduzierter Feinmotorik. Aufgrund des Nierenleidens ist
seine Belastbarkeit eingeschränkt, wobei gemäss der nephrologischen Gutachterin
4.3.
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längerfristig mit einer weiteren Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit zu rechnen ist (IV-
act. 83-26, 34). Rheumatologisch und nephrologisch betrachtet sind ihm lediglich
körperlich leichte bis intermittierend mittelschwere Tätigkeiten zumutbar (IV-act. 83-21,
25). Sodann bestehen mittelschwere neurokognitive Einschränkungen, insbesondere
auch Wortfindungsstörungen, die sich auf die Arbeitsgeschwindigkeit auswirken und
den Beschwerdeführer für Tätigkeiten mit Publikumsverkehr ungeeignet erscheinen
lassen (IV-act. 83-24, 29). Das Impingementsyndrom beider Schultern macht Arbeiten
über der Horizontalen unzumutbar (IV-act. 83-21). Aus augenärztlicher Sicht ist die
Belastbarkeit bei Tätigkeiten, die ein durchschnittliches Sehvermögen erfordern,
eingeschränkt (IV-act. 83-32). Ausgeschlossen sind weiter Tätigkeiten mit erhöhter
Selbstverletzungsgefahr sowie Schichtarbeiten (IV-act. 83-12).
Die bisherige Tätigkeit des Beschwerdeführers beinhaltete häufiges Gehen und
erforderte unter anderem eine grosse Konzentration und Aufmerksamkeit (Angabe
Arbeitgeberin vom 22. Juli 2015, IV-act. 32-7). Sie ist aufgrund der Einschränkung beim
Gehen, aber auch wegen der neurokognitiven Beeinträchtigung (deutlich
unterdurchschnittliche geteilte und selektive Aufmerksamkeit, IV-act. 83-29) nicht
adaptiert. Das selbe ist für Kuriertätigkeiten anzunehmen, vorallem weil diese mit
Gehen und Treppensteigen verbunden sind. In einer Tätigkeit an einem Empfang oder
einer Billettkasse (beispielsweise in einem Kino) müsste der Beschwerdeführer die
wartende (anstehende) Kundschaft zügig bedienen und insbesondere in hohem Tempo
kassieren können, was aufgrund seiner Verlangsamung und seiner kognitiven
Beeinträchtigung kaum möglich wäre. Selbst in Kontroll- und Überwachungstätigkeiten
müsste er in geeigneter Weise einschreiten und sich rasch an den Ort der Störung
begeben können, sofern dies erforderlich würde, was vor allem in Anbetracht der stark
eingeschränkten Gehfähigkeit und auch wegen der kognitiv und ermüdungsbedingten
Verlangsamung kaum gewährleistet wäre. In der Lager- und Ersatzteilbewirtschaftung
wird durch die weitgehende Automatisierung ein hohes Arbeitstempo und eine hohe
Aufmerksamkeit gefordert, welcher die eingeschränkte Belastbarkeit des
Beschwerdeführers nicht zu genügen vermöchte. Schliesslich ist mit einer
Verschlechterung des Zustands vor allem seitens des Nierenleidens und damit mit
einer weiteren Zunahme der Erschöpfung bzw. Abnahme der Leistungsfähigkeit zu
rechnen, die sämtliche in Betracht kommenden Tätigkeiten betrifft. Zusammenfassend
ist der Beschwerdeführer in seiner Belastbarkeit, im Gehen, motorisch und kognitiv
beträchtlich sowie auch im Sehvermögen eingeschränkt. Die Anzahl, Kombination und
Mannigfaltigkeit der Leiden und Einschränkungen übersteigt soweit überblickbar das
Ausmass jener Fälle, in denen das Bundesgericht die Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit noch bejaht hat. Das im M._ erzielte Rendement war von jenem
4.4.
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5.