Decision ID: 478d5ec2-3bb3-5450-9998-08843b7535ef
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ I., geboren am 17. Juni 1992, bulgarischer Staatsangehöriger, reiste am
6. Dezember 2000 zu seiner Mutter T., die ihrerseits am 24. Dezember 1999 in die
Schweiz eingereist war und am 29. Dezember 1999 den Schweizer P. geheiratet hatte.
I. und sein fünf Jahre älterer Bruder, der ein halbes Jahr zuvor in die Schweiz eingereist
war, erhielten im Rahmen des Familiennachzugs eine Jahresaufenthaltsbewilligung
zum Verbleib bei der Mutter. Weil sich diese im Juli 2001 bereits wieder von ihrem
Ehemann getrennt hatte, verlängerte das Ausländeramt die Aufenthaltsbewilligungen
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am 9. Juni 2004 nicht mehr und setzte die Ausreisefrist auf den 31. August 2004 an.
Die dagegen erhobenen Rechtsmittel wiesen das Justiz- und Polizeidepartement (heute
Sicherheits- und Justizdepartement, abgekürzt SJD) und das Verwaltungsgericht des
Kantons St. Gallen rechtskräftig ab.
Trotz neuer Ausreisefrist bis 23. September 2005 reisten T. und ihre beiden Söhne
nicht aus. Stattdessen heiratete sie am 14. Oktober 2005 den mittlerweile zum vierten
Mal verheirateten Schweizer R., worauf sie wiederum eine Aufenthaltsbewilligung
erhielt. Für die beiden Söhne stellte das Ausländeramt vorerst keine Bewilligung in
Aussicht, weil T. keiner Erwerbstätigkeit nachging, bereits mit über Fr. 103'000.-- vom
Sozialamt unterstützt werden musste und ihr neuer Ehemann ebenfalls nicht in der
Lage war, für sie aufzukommen. Dieser lebte von einer IV-Rente und
Ergänzungsleistungen und hatte seinerseits nebst offenen Betreibungen bereits über
30 Verlustscheine. T. wies in der Folge eine Vollzeitbeschäftigung nach, worauf der
Familiennachzug für I. bewilligt wurde. Seinem zwischenzeitlich volljährigen Bruder
wurde eine humanitäre Härtefallbewilligung erteilt.
B./ I. besuchte zunächst die Eingliederungsklasse für Ausländer, hernach die
Regelklasse. Ende des Jahres 2004 wurde er in eine Kleinklasse umgeteilt und
zusätzlich bis Februar 2007 kinderpsychiatrisch behandelt. In den Monaten November
2006 bis Januar 2007 wurde er wegen Verdachts auf Tätlichkeiten und Widerhandlung
gegen das Waffengesetz (Tragen eines Schlagrings) verzeigt. Am 11. Januar 2007
musste er auf Grund seines untragbaren Verhaltens aus der öffentlichen Schule
ausgeschlossen werden. Anfangs Februar 2007 platzierte ihn die
Vormundschaftsbehörde im Kantonalen Jugendheim Platanenhof, Oberuzwil. Nachdem
er von dort mehrere Male davongelaufen war, musste die Massnahme abgebrochen
werden, worauf der mittlerweile 15-Jährige ohne Tagesstruktur zu Hause herumhing.
Am 2. Mai 2007 wurde er wegen des Verdachts, im Raum St. Gallen mehrere
Raubüberfälle begangen zu haben, verhaftet und während dreier Monate vorsorglich in
die geschlossene Abteilung des Jugendheims Platanenhof und anschliessend in die
Schule Bernrain in Kreuzlingen eingewiesen. Eine psychiatrische Expertise des Instituts
für Forensisch-Psychologische Begutachtung, St. Gallen, vom 5. September 2007
zeigte das Manko bei den Fähigkeiten zur Entwicklung eines integrierten Selbstbildes
und bei der Impulskontrolle sowie den Verlust der emotionalen und psychosozialen
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Kompetenz auf. Die deswegen aufgenommene psychotherapeutische Behandlung
musste nach einem halben Jahr wieder abgebrochen werden, weil der Jugendliche
seine Mitwirkung verweigerte. Am 1. Februar 2008 wurde er wegen des erneuten
Verdachts auf Raubüberfall und Sachbeschädigung festgenommen. Die Schule
Bernrain nahm ihn wieder auf, wobei die Wochenend- und Ferienbetreuung bei einer
Pflegefamilie, der Organisation Team-Werk, und ab März 2008 bei der Organisation
Erlebniswelten in Trogen organisiert wurde. Am 26. Mai 2008 musste er wegen
Drohung gegen Betreuer der Schule Bernrain verzeigt und die vorsorgliche Massnahme
abermals abgebrochen werden. Bis zur Unterbringung im Jugendheim P. war er bis am
12. August 2008 übergangsmässig bei einer Pflegefamilie der Betreuungsstelle
ombrello in Italien platziert.
Am 9. Dezember 2008 verurteilte ihn das Kreisgericht S. wegen mehrfachen Raubs,
versuchten Raubs, Nötigung, Drohung, falscher Anschuldigung, geringfügiger
Sachbeschädigung und wegen Vergehens gegen das Waffengesetz zu einer
unbedingten Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Gleichzeitig ordnete es die
Unterbringung in einer Erziehungseinrichtung und eine ambulante Behandlung an. Die
Freiheitsstrafe wurde zu Gunsten der Unterbringung aufgeschoben. Das Gericht
verurteilte ihn zudem zu zahlreichen Schadenersatz- und Genugtuungszahlungen.
Ungeachtet der Verurteilung brach I. zwischen dem 26. und 29. Dezember 2008 in ein
Clubhaus ein. Obwohl er versicherte, nie dort gewesen zu sein, konnte er auf Grund
von Fingerabdruckspuren überführt werden, worauf ihn die Jugendanwaltschaft S. am
27. April 2009 wegen Diebstahls, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs zu einer
bedingten Freiheitsstrafe von fünf Tagen verurteilte. Für die Dauer der einjährigen
Probezeit wurde eine Bewährungsbegleitung angeordnet. Am 26. Dezember 2009
entwich er aus dem Massnahmenzentrum. Als die Polizei ihn am 18. Februar 2009 am
Wohnort seiner Mutter verhaften wollte, entwich er durch das Fenster. Kurz darauf
konnte er festgenommen werden. In der Folge wurde er überführt, am 27. Januar 2009
im Jugendhaus in S. eingebrochen zu sein. Die Jugendanwaltschaft erklärte ihn
deswegen des Hausfriedensbruchs für schuldig und verurteilte ihn mit Zusatzurteil vom
22. April 2010 zu einer bedingten Busse. Betreffend der weiteren Vorwürfe, er habe
eine Sozialarbeiterin bedroht und Cannabis konsumiert sowie eine Leistung erschlichen
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und einen Diebstahl versucht, wurde das Verfahren mangels Beweisen bzw. wegen
Verjährung aufgehoben.
C./ Das Ausländeramt verlängerte die Aufenthaltsbewilligung für I. am 23. November
2007 letztmals bis 1. November 2008, mit Blick auf die angezeigten Gewaltverbrechen
aber bloss noch unter Vorbehalt. Mit Schreiben vom 19. März 2009 und 28. Mai 2009
stellte es in Aussicht, die Bewilligung auf Grund seines kriminellen Verhaltens nicht
mehr zu verlängern. Am 9. Juli 2009 wies es das Gesuch um eine weitere Verlängerung
ab und ordnete an, dass der nunmehr Siebzehnjährige die Schweiz nach Entlassung
aus der Massnahme zu verlassen habe.
D./ Gegen diese Verfügung erhoben I. und seine Mutter mit Eingaben ihres
gemeinsamen Rechtsvertreters vom 24. Juli und 21. August 2009 beim SJD mit den
Anträgen Rekurs, die angefochtene Verfügung sei kostenpflichtig aufzuheben und die
Aufenthaltsbewilligung zu verlängern. Die Rekursinstanz wies den Rekurs am
20. Oktober 2009 ab, wobei es im wesentlichen erwog, dass der Rekurrent
schwerwiegend gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen und sich in
der Schweiz trotz seines relativ langen Aufenthalts nicht integriert habe. Mit seinem
anhaltenden straffälligen Verhalten habe er gezeigt, dass er auch nach der Entlassung
aus der Massnahme eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung darstellen werde. Seine
Rückreise in seine Heimat liege im öffentlichen Interesse und überwiege das private
Interesse, weiterhin in der Schweiz bleiben zu dürfen.
E./ Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 5. November 2009 erhoben I. und seine
Mutter beim Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen mit folgenden Anträgen
Beschwerde:
"1. Der Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements des Kantons St. Gallen
vom 20. Oktober 2009 sowie die Verfügung des Ausländeramtes vom 9. Juli 2009 seien
aufzuheben.
2. Die Aufenthaltsbewilligung von I. sei zu verlängern.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge."
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Mit Beschwerdeergänzung vom 17. Dezember 2009 anerkennen sie zwar, dass der
Beschwerdeführer Anlass zu Klagen gegeben hat. Ihrer Meinung nach muss aber
berücksichtigt werden, dass er die meisten Delikte vor Erreichen des 15. Altersjahrs
verübt habe. Diese Taten hätten im Zusammenhang mit seiner Adoleszenzkrise
gestanden, die er nun überwinden werde. Mit Blick auf das Abkommen zwischen der
Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft
und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (SR 0.142.112.681;
abgekürzt FZA) dürfe er nur ausgewiesen werden, wenn die Straftaten und sein
Verschulden auf eine anhaltende und schwere Gefährdung der öffentlichen Ordnung
schliessen liesse. Der Aufenthalt im Jugendheim P. sei aber bis anhin erfolgreich
verlaufen und er habe in der Heimküche eine Attestlehre beginnen können. Der
Entscheid darüber, dass er die Schweiz nach der Entlassung aus der Massnahme
verlassen müsse, erweise sich deshalb als unverhältnismässig. Auch habe die
Vorinstanz nicht geprüft, ob statt der Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung eine
blosse Verwarnung angemessen gewesen wäre. Zudem verstosse der Entscheid gegen
die Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101,
abgekürzt EMRK) und das Übereinkommen über die Rechte des Kindes (SR 0.107,
abgekürzt UN-KVK). Er sei hauptsächlich in der Schweiz aufgewachsen und spreche
selbst mit seiner Mutter nur Deutsch. Auf Bulgarisch könne er sich nur mündlich
verständigen. In seinem Heimatland kenne er lediglich seine zwischenzeitlich
pensionierte Grossmutter.
Die Vorinstanz beantragte am 22. Dezember 2009 die kostenpflichtige Abweisung der
Beschwerde und verwahrte sich gegen den Vorwurf, ihre Praxis sei widersprüchlich.
Der angesprochene Fall sei mit dem vorliegenden nicht vergleichbar. Anders als der
Beschwerdeführer habe jener Ausländer ausserordentliche Schicksalsschläge erlitten
und sei bei den Straftaten unter grossem Druck eines Mittäters gestanden. I. dagegen
sei bei den Raubüberfällen jeweils an vorderster Front gestanden. Den angebotenen
Therapien und verordneten Massnahmen habe er sich verweigert, und sie zum
Scheitern gebracht und sei sogar noch während laufender Massnahme wieder
rückfällig geworden. Eine günstige Prognose könne ihm unter diesen Umständen nicht
gestellt werden.
F./ Auf die weiteren von den Verfahrensbeteiligten vorgebrachten Ausführungen wird,
soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
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Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichtes ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 5. November und
17. Dezember 2009 entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2
VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Die Beschwerdeführer rügen eine Verletzung der UN-KRK, weil der jugendliche I.
nicht persönlich angehört worden ist.
Art. 12 UN-KRK sichert dem Kind, das fähig ist, sich eine eigene Meinung zu bilden,
das Recht zu, seine Meinung frei zu äussern und diese angemessen und entsprechend
seines Alters und seiner Reife zu berücksichtigen. Zu diesem Zweck wird diesem
Gelegenheit gegeben, in allen ihn berührenden Gerichts- oder Verwaltungsverfahren
entweder unmittelbar oder durch einen Vertreter oder eine geeignete Stelle im Einklang
mit den innerstaatlichen Verfahrensvorschriften gehört zu werden. Indessen ist es auch
nach der UN-KRK nicht zwingend, das Kind persönlich bzw. mündlich, sondern
lediglich in angemessener Weise anzuhören. Die Anhörung kann insbesondere auch
schriftlich oder über einen Vertreter vorgenommen werden (BGE 5A_764/2009 vom
11. Januar 2010 E. 5.2, BGE 124 II 361 E. 3c).
I. und seine Mutter waren während des ganzen Verfahrens anwaltlich vertreten. Die
Meinung des Beschwerdeführers kommt in den Rechtsschriften seines
Rechtsvertreters genügend zum Ausdruck. Die Vorinstanz hat somit die UN-KRK nicht
verletzt, indem sie ihn nicht auch noch persönlich angehört hat.
3. Für Ausländer gilt das Bundesgesetz über die Ausländer (SR 142.20; abgekürzt
AuG), soweit keine anderen Bestimmungen des Bundesrechts oder von der Schweiz
abgeschlossene völkerrechtliche Verträge zur Anwendung gelangen. Für Angehörige
der EU- und EFTA-Staaten und ihre Familienmitglieder sowie gewisse
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Dienstleistungserbringer kommt es subsidiär zur Anwendung, soweit nicht das FZA
bzw. die entsprechenden Assoziierungsabkommen mit den EFTA-Staaten
abweichende Bestimmungen enthalten oder wenn es günstigere Bestimmungen
vorsieht (Art. 2 AuG; Spescha/Thür/Zünd/Bolzli, Migrationsrecht, 2. Auflage, Zürich
2009, Rz. 2 zu Art. 2 AuG). Auf Bulgaren und Rumänen ist das Abkommen seit 1. Juni
2009 anwendbar.
4. Nach Art. 4 FZA in Verbindung mit Art. 3 Anhang I FZA hat I., ein noch nicht 21-
jähriger Sohn einer Bulgarin, Anspruch darauf, bei seiner Mutter in der Schweiz
Wohnung zu nehmen. Dieses Recht darf nur durch Massnahmen, die aus Gründen der
öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Gesundheit gerechtfertigt sind, eingeschränkt
werden (Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA). Als derartige Massnahmen gelten alle
Handlungen, die das Recht auf Einreise und Aufenthalt berühren. Folglich wird auch
das Nichtverlängern einer Aufenthaltsbewilligung davon erfasst (BGE 2C_799/2009
vom 21. Juni 2010 E. 2.1). Mit Blick auf das Diskriminierungsverbot nach Art. 2 FZA
und die Meistbegünstigungsklausel nach Art. 1 FZA kann Art. 5 Anhang I FZA aber
nicht zu Massnahmen gegen eine in der Schweiz befindliche Personen ermächtigen,
die über diejenigen hinausgehen, die im schweizerischen Recht, namentlich im AuG,
vorgesehen sind. Daher ist zunächst zu untersuchen, ob es ausserhalb des FZA eine
Rechtsgrundlage gibt, auf welche die Verweigerung eines weiteren Verbleibs des
Beschwerdeführers in der Schweiz gestützt werden kann. Bei Bejahung dieser Frage ist
in einem zweiten Schritt zu prüfen, inwiefern das FZA den Behörden zusätzliche
Schranken auferlegt (BGE 130 II 176 E. 3.2).
4.1. Nach Art. 42 Abs. 1 AuG hat der Beschwerdeführer unter dem Titel des
Familiennachzugs grundsätzlich den Anspruch auf Erteilung und Verlängerung seiner
Aufenthaltsbewilligung. Der Anspruch erlischt, wenn Widerrufsgründe nach Art. 63 AuG
vorliegen (Art. 51 Abs. 1 lit. b AuG). Die gesetzlich vorgesehenen Widerrufsgründe
unterliegen keinen altersmässigen Beschränkungen, auch Minderjährige können sie
erfüllen (Bundesamt für Migration, Weisung betreffend Entfernungs- und
Fernhaltemassnahmen, Stand 1. Juli 2009, Rz 8.2.1.6).
4.2. Gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 62 lit. b bzw. Art. 63 Abs. 1 lit. b
AuG kann die Niederlassungsbewilligung bzw. der Anspruch auf Familiennachzug unter
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anderem widerrufen werden, wenn ein Ausländer zu einer Freiheitsstrafe von über
einem Jahr oder einer strafrechtlichen Massnahme verurteilt wurde (BGE 135 II 377
E. 4.2 und 4.5) oder wenn dieser in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche
Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder diese
gefährdet oder die innere oder die äussere Sicherheit gefährdet hat.
4.3. Der damals noch minderjährige Beschwerdeführer wurde unter anderem am
9. Dezember 2008 wegen mehrerer Gewaltdelikte zu einer unbedingten Freiheitsstrafe
von einem halben Jahr verurteilt, die zu Gunsten einer Unterbringung aufgeschoben
wurde, in der sich der Beschwerdeführer damals bereits befand und sich trotz seiner
zwischenzeitlich erreichten Volljährigkeit nach wie vor befindet. Der
Massnahmenvollzug kann grundsätzlich noch bis zu seinem vollendeten 22. Altersjahr,
mithin bis am 17. Juli 2014, andauern (Art. 19 Abs. 2 des Jugendstrafgesetzes,
SR 311.1, abgekürzt JStGB).
4.4. Neben den aufgezählten Delikten fällt zudem ins Gewicht, dass sich der
Beschwerdeführer trotz laufendem Strafverfahren, trotz der genannten Verurteilung und
des Hinweises des Ausländeramtes, dass ihm die fremdenpolizeiliche Bewilligung mit
Blick auf seine Straftaten nur noch unter Vorbehalt verlängert werde, nicht davon
abhalten liess, selbst während des laufenden Massnahmenvollzugs weiterhin zu
delinquieren und aus dem Massnahmenzentrum zu entweichen. Damit sind die oben
genannten Widerrufsgründe erfüllt.
5. Ein Widerruf bzw. die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung rechtfertigt sich
nur, wenn die jeweils im Einzelfall vorzunehmende Interessenabwägung die
entsprechende Massnahme als verhältnismässig erscheinen lässt, wobei namentlich
die Schwere des Verschuldens, die Dauer der Anwesenheit sowie die dem Betroffenen
und seiner Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen sind (Art. 96 AuG, BGE
2C_515/2009 vom 27. Januar 2010 E. 2.2).
5.1. Die Notwendigkeit einer Verhältnismässigkeitsprüfung ergibt sich auch aus dem
Anspruch auf Achtung des Familienlebens. Hat der Ausländer nahe Verwandte mit
einem gefestigten Anwesenheitsrecht in der Schweiz und wird die intakte familiäre
Beziehung tatsächlich gelebt, kann es Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 der
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Bundesverfassung (SR 101) verletzen, wenn ihm die Anwesenheit in der Schweiz
untersagt und sein Familienleben vereitelt wird. Der Anspruch ist aber nicht absolut. Ein
Eingriff ist vielmehr statthaft, soweit er - wie vorliegend - gesetzlich vorgesehen ist und
eine Massnahme darstellt, die in einer demokratischen Gesellschaft für die nationale
Sicherheit, die öffentliche Ruhe und Ordnung, das wirtschaftliche Wohl des Landes, die
Verteidigung der Ordnung und zur Verhinderung von strafbaren Handlungen, zum
Schutz der Gesellschaft und Moral sowie der Rechte und Freiheiten anderer notwendig
ist (BGE 2C_799/2009 vom 21. Juni 2010 E. 2.3).
5.2. Der Verurteilung des Beschwerdeführers vom 9. Dezember 2008 liegen unter
anderem mehrere Gewaltverbrechen zugrunde, wobei sein Verschulden schwer wiegt.
Namentlich hat er eine ganze Serie von Raubüberfällen begangen, wobei er seine Opfer
eingeschüchtert, drangsaliert, zu Boden gerissen sowie mit Fäusten, Knien und Füssen
auf sie eingeschlagen hat. Dabei hat er zufällig ausgewählte Jugendliche zur
Herausgabe von Geld, Zigaretten und Wertgegenständen gezwungen oder aber gezielt
Opfer ausgesucht und diese in einen Hinterhalt gelockt, wo er diese zusammen mit
seinen Mittätern zusammengeschlagen und ausgeraubt hat. Selbst während des
Massnahmenvollzugs schüchterte er Mitinsassen und seine Betreuer ein. Letzteren
drohte er gar damit, dass er zurückkommen und sie erschiessen werde. Im
Strafverfahren konnte einzig die gutachterlich diagnostizierte hyperkinetische Störung
des Sozialverhaltens berücksichtigt werden. Dem stand allerdings gegenüber, dass er
die Straftaten von langer Hand geplant hatte und ihm durchaus bewusst war,
gesetzeswidrig zu handeln. Bei den gemeinschaftlich begangenen Delikten spielte er
zudem regelmässig eine tragende Rolle. Seine Geständnisbereitschaft konnte nicht
strafmindernd berücksichtigt werden, weil die Beweislage schlichtweg erdrückend war.
Ohnehin wies er die Verantwortung für seine Straftaten weitgehend von sich bzw.
schob diese auf seine Kollegen. Die ausgesprochene Freiheitsstrafe blieb einzig
deshalb bei einem halben Jahr unbedingt, weil er vom Jungendstrafrecht profitieren
konnte (Art. 25 Abs. 1 JStG).
5.3. Damit ist auch im Administrativverfahren von einem schwerwiegenden
Verschulden auszugehen. Insbesondere bei Betäubungsmittel- und Gewaltdelikten gilt
grundsätzlich eine strenge Praxis (BGE 136 II 5 E. 4.2, BGE 2C_799/2009 vom 21. Juni
2010 E. 3.2). Den Beschwerdeführer hielten weder das laufende Strafverfahren, die
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verschiedenen Massnahmen, die fachmännische Betreuung, noch die
fremdenpolizeiliche Verwarnung oder die strafrechtliche Verurteilung von weiteren
Straftaten ab. Angesichts der zahlreichen Gewalttaten und des renitenten Verhaltens
während der verschiedenen Massnahmen kann deshalb nicht ausgeschlossen werden,
dass der Beschwerdeführer auch weiterhin Personen an Leib und Leben gefährden und
erheblich gegen die hiesige Rechtsordnung verstossen wird.
5.4. Der mittlerweile 18-Jährige lebt seit zehn Jahren in der Schweiz. An sich trifft es
zu, dass der Widerruf des Anwesenheitsrechts von Ausländern, die sich schon seit
langer Zeit in der Schweiz aufhalten, nur mit Zurückhaltung erfolgen soll. Bei
wiederholter bzw. schwerer Straffälligkeit ist diese Massnahme aber selbst dann nicht
ausgeschlossen, wenn ein Ausländer hier geboren ist und sein ganzes bisheriges
Leben in der Schweiz verbracht hat (BGE 2C_832/2009 vom 29. Juni 2010 E. 4.3 mit
Hinweisen). Auch aus Art. 8 Ziff. 1 EMRK lässt sich kein absoluter Anspruch ableiten,
ein Recht auf Verbleib im Land ergibt sich nur unter besonderen Umständen und nicht
bereits auf Grund einer langen Anwesenheit und der damit verbundenen normalen
Integration. Nötig sind besonders intensive Beziehungen beruflicher oder
gesellschaftlicher Natur (BGE 130 II 281 E. 3.2.1). Solche qualifizierte Bindungen zur
Schweiz fehlen beim ledigen und kinderlosen Beschwerdeführer gänzlich, auf Grund
seines asozialen Verhaltens hat er es nicht einmal geschafft, trotz intensiver
Unterstützung von Fachleuten die obligatorische Schulzeit zu beenden. Auch der
Massnahmenvollzug ist nicht erfolgreich verlaufen, wie die Beschwerdeführer
vorbringen. Nebst dem, dass diverse Therapien und Massnahmen abgebrochen
werden mussten, ist er immer wieder aus dem Massnahmenvollzug weggelaufen,
letztmals anfangs des Jahres 2009. Der Beschwerdeführer weist zwar auf sein
positives Verhalten im Massnahmenvollzug hin bzw. darauf, dass er zwischenzeitlich
eine Attestlehre in der Heimküche anfangen konnte. Dem Wohlverhalten in Unfreiheit
kommt praxisgemäss jedoch bloss untergeordnete Bedeutung zu (BGE 2C_194/2008
vom 18. April 2008 E. 5.3., BGE 114 Ib E. 3b). Zudem spielt das Fehlen einer
Rückfallgefahr bei der fremdenpolizeilichen Interessenabwägung - zumindest nach
Bundesrecht - keine ausschlaggebende Rolle. Bei Gewaltverbrechen wie Raub kann
selbst ein relativ geringes Restrisko nicht hingenommen werden (Nägeli/Schoch in
Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, Ausländerrecht, Basel 2009, Rz. 22.192).
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5.5. Das in Art. 8 Ziff. 1 EMRK verankerte Recht auf Achtung des Familienlebens
beschränkt sich grundsätzlich auf die Kernfamilie, d.h. die Gemeinschaft der Ehegatten
mit ihren minderjährigen Kindern (BGE 129 II 11 E. 2), selbst wenn der Europäische
Gerichtshof für Menschenrechte verschiedentlich ausgeführt hat, dass sich unter
bestimmten Voraussetzungen auch junge Erwachsene auf diese Bestimmung berufen
können (BGE 2C_832/2009 vom 29. Juni 2010 E. 5). Jedenfalls gilt aber auch dieser
Anspruch nicht absolut, so dass in begründeten Fällen in das geschützte Rechtsgut
eingegriffen werden kann. Da die EMRK in diesem Zusammenhang die nahezu
identischen Entscheidungskriterien wie das Bundesrecht anwendet, hält eine
Ausweisung, die sich im Sinn von Art. 96 Abs. 1 AuG als verhältnismässig erweist,
grundsätzlich auch vor Art. 8 EMRK stand. Konkret lebt der Beschwerdeführer bereits
seit Februar 2007 in verschiedenen staatlichen Einrichtungen und damit nicht mehr bei
seiner Mutter und muss zudem wegen seines auffälligen Verhaltens auch am
Wochenende und während der Ferienzeit intensiv fremdbetreut werden. Dazu kommt,
dass mit Inkrafttreten des neuen Ausländergesetzes per 1. Januar 2008 das Instrument
der Ausweisung - mit Ausnahme der politischen Ausweisung - abgeschafft wurde und
somit keine Fernhaltemassnahme mehr darstellt (BGE 2C_832/2009 vom 29. Juni 2010
E. 5). Das bedeutet, dass der mittlerweile volljährige Beschwerdeführer grundsätzlich
trotz widerrufener Aufenthaltsbewilligung zu Besuchszwecken in die Schweiz einreisen
und hier seine Mutter und seinen Bruder treffen kann, nebstdem sie sich auch in
seinem Heimatland sehen oder miteinander telefonieren können.
5.6. Bei einer Gesamtbetrachtung des bisherigen Verhaltens des Beschwerdeführers
und seiner persönlichen Umstände muss damit davon ausgegangen werden, dass
seine weitere ständige Anwesenheit in der Schweiz eine unzumutbare Beeinträchtigung
der öffentlichen Sicherheit und Ordnung darstellen würde und es deshalb nicht gegen
das Bundesrecht und die EMRK verstösst, wenn die Verhältnismässigkeit des
Widerrufs der Aufenthaltsbewilligung bejaht wird. Dabei darf insbesondere
berücksichtigt werden, dass der Beschwerdeführer in ein EU-Land zurückkehren wird,
wo er die ersten acht Jahre seines Lebens verbracht hat. Nebst dem, dass er sich auf
Bulgarisch mündlich verständigen kann, dürfte seine Familie dort, wo sie vor zehn
Jahren noch gelebt hat, ehemalige Bekannte und Verwandte haben. Zumindest seine
Grossmutter, bei welcher er vor seiner Einreise gelebt hat, wohnt noch dort. Kein
Kriterium sind dabei die im Vergleich zur Schweiz allenfalls verminderten
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Resozialisierungschancen (Nägeli/Schoch, a.a.O., Rz. 22.194). Bis zu seiner Ausreise
wird er zumindest eine zweijährige Anlehre im Küchenbereich abgeschlossen haben
und mit diesem Abschluss in seinem Heimatland eine weiterführende Lehre oder Arbeit
finden können.
6. Der Beschwerdeführer rügt, dass die Vorinstanz eine Rückfallgefahr im Sinn des FZA
angenommen habe, obwohl die angeordnete strafrechtliche Schutzmassnahme noch
auf unbestimmte Zeit andaure.
6.1. Das Bundesrecht schreibt nicht vor, in welchem Zeitpunkt über die Wegweisung
zu befinden ist, wenn der Täter eine längere Freiheitsstrafe absitzen muss oder für
längere Zeit in einem Massnahmenzentrum untergebracht ist. Zumindest soll die
Regelung des Verbleibens in der Schweiz vor der Entlassung getroffen werden, damit
der Ausländer seine Rückkehr in die Freiheit bzw. in sein Heimatland rechtzeitig
vorbereiten kann (BGE 131 II 329 neues Fenster E. 2.1 ff.). Der richtige Zeitpunkt hängt
von den Umständen des Einzelfalls ab, wobei auf eine vernünftige zeitliche Distanz zur
Entlassung zu achten ist; in der Regel sollte die Zeitspanne zwischen der Regelung des
künftigen Aufenthalts und der Entlassung aus dem Vollzug die voraussichtliche Dauer
eines Rechtsmittelverfahrens nicht überschreiten (BGE 131 II 329 E. 2.4). Diese Praxis
ist mit dem FZA vereinbar (BGE 131 II 329 E. 3). Eine frühzeitige Entscheidung ist im
Hinblick auf eine effektive Resozialisierung dann wünschenswert, wenn das allfällige
Wohlverhalten des Täters während des Vollzugs angesichts der Schwere des
Verschuldens nicht mehr ins Gewicht fallen würde (Nägeli/Schoch, a.a.O., Rz. 22.186).
So bleibt dem Ausländer mehr Zeit, sich auf die Rückkehr in sein Heimatland
vorzubereiten. Konkret wird der Beschwerdeführer bei einem frühzeitigen
Negativentscheid die verbleibende Aufenthaltsdauer nutzen können, seine ehemalige
Muttersprache zu verbessern bzw. Bulgarisch auch noch lesen und schreiben zu
lernen.
6.2. Im Gegensatz zum Bundesrecht wird unter dem Anwendungsbereich des FZA
zusätzlich die hinreichende Wahrscheinlichkeit einer künftigen Rechtsgüterverletzung,
mithin eine gewisse Rückfallgefahr verlangt (Nägeli/Schoch, a.a.O., Rz. 22.206). Eine
strafrechtliche Verurteilung darf deshalb nur insofern zum Anlass für Entfernungs- oder
Fernhaltemassnahmen genommen werden, als die ihr zugrunde liegenden Umstände
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ein persönliches Verhalten erkennen lassen, das eine gegenwärtige Gefährdung der
öffentlichen Ordnung darstellt. Art. 5 Anhang I FZA steht somit Massnahmen entgegen,
die (allein) aus generalpräventiven Gründen verfügt werden (BGE 129 II 215 E. 7). Der
Umstand allein, dass ein Ausländer im Strafvollzug zu keinen Klagen Anlass gegeben
hat, genügt für sich allein aber nicht, eine Rückfallgefahr auszuschliessen (BGE 2A.
688/2005 vom 4. April 2006 E. 3.1.3, BGE 2C_201/2007 vom 3. September 2007 E. 5).
Wohlverhalten wird vielmehr erwartet. Während die Prognose über das künftige
Verhalten im Rahmen der Interessenabwägung nach rein nationalem Ausländerrecht
zwar mitzuberücksichtigen, aber nicht ausschlaggebend ist, kommt es bei Art. 5
Anhang I FZA wesentlich auf das eigentliche Rückfallrisiko an (BGE 130 II 176 E. 4.2).
Zu verlangen ist eine nach Art und Ausmass der möglichen Rechtsgüterverletzung zu
differenzierende hinreichende Wahrscheinlichkeit, dass der Ausländer künftig die
öffentliche Sicherheit und Ordnung stören wird. Je schwerer die möglichen
Rechtsgüterverletzungen aber sind, desto niedriger sind auch im FZA die
Anforderungen an die in Kauf zu nehmende Rückfallgefahr (BGE 136 II 5 E. 4.2 mit
Hinweisen).
6.3. Der Vorinstanz ist zuzustimmen, dass die wiederholten Gewalttaten und das
bisherige Verhalten des Beschwerdeführers während des Massnahmenvollzugs in der
Tat die Befürchtung schürt, er werde auch weiterhin eine Gefährdung für die öffentliche
Ordnung darstellen. Der vorliegende Fall liegt aber insofern speziell, als er die
Straftaten im Alter von vierzehn bis sechszehneinhalb Jahren verübt hat und sich
seither im Massnahmenvollzug befindet, der grundsätzlich noch mehrere Jahre
andauern kann. Jugendkriminalität verläuft nicht selten episodenhaft begrenzt auf einen
Lebensabschnitt. Zahlreiche straffällig gewordene Jugendliche beginnen keine
kriminelle Karriere. Das bedeutet nicht unbedingt, dass Jugendliche als Erwachsene
keine Straftaten mehr begehen. Jedoch ändern sich ihre Motivation und die Deliktarten.
Bei jugendlichen Migranten kommt dazu, dass sie neben jugendtypischen
Entwicklungsaufgaben auch migrationsspezifische Herausforderungen bewältigen
müssen, die insgesamt zu einer höheren psychosozialen Belastung beitragen. Beim
Beschwerdeführer wird zudem eine hyperkinetische Störung ambulant behandelt. Mit
Blick darauf, dass das FZA der Rückfallgefahr eine besondere Bedeutung zumisst, ist
namentlich bei jungen Ausländern ein besonderes Augenmerk auf deren Entwicklungs-
und Behandlungsverlauf zu werfen. So überprüft auch die Vollzugsbehörde die
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Massnahme von Gesetzes wegen jährlich auf ihre erzieherische und therapeutische
Wirkung hin (nach Art. 19 Abs. 1 JStGB).
6.4. Der Beschwerdeführer befindet sich bereits seit Anfang des Jahres 2007
mehrheitlich in Erziehungsheimen und wird seit 12. August 2008 im Jugendheim P.
betreut. Gleichwohl liegt kein aussagekräftiger Fachbericht bei den Akten, der detailliert
über die Entwicklung des straffälligen Ausländers und den Verlauf der Massnahme und
der angeordneten Behandlung Auskunft gäbe. In den sonst umfangreichen Unterlagen
befinden sich einzig zwei kurze Schreiben eines Ausbildungsverantwortlichen des
Jugendheims P. vom 19. Mai 2009 bzw. 18. August 2009, der I. bzw. seiner Mutter
gegenüber bestätigt, dass sich der Beschwerdeführer im Rahmen eines angeordneten
Massnahmenvollzugs auf unbestimmte Zeit in ihrem Heim befinde und am 1. August
2008 eine Attestlehre in der heiminternen Küche begonnen habe, wobei er ausser
einem notenabhängigen Pekulium von Fr. 100.-- bis Fr. 250.-- pro Monat keinen
steuerpflichtigen Lohn erhalte. Dabei mache er regelmässig Fortschritte und sei im
Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten angenehm. Diese kurzen Anwesenheits- und
Arbeitsbestätigungen zuhanden der Beschwerdeführer sind offensichtlich nicht
geeignet, über den bisherigen Verlauf der Massnahme und die durchgeführten
Therapien sowie über sein künftiges Verhalten Auskunft zu geben. Ohne eine
entsprechende fachkundige und aussagekräftige Grundlage kann das Gericht nicht
überprüfen, ob der Beschwerdeführer, der als Jugendlicher - wenn auch massiv -
delinquiert hat, nach Beendigung der mehrjährigen Schutzmassnahme auch noch als
Erwachsener eine gegenwärtige Gefahr für die öffentliche Ordnung darstellen wird oder
nicht.
6.5. Auf Grund der vorstehenden Ausführungen kommt das Verwaltungsgericht somit
zum Schluss, dass der Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist. Ohne aussagekräftigen
Therapie- und Vollzugsbericht kann die einzig noch offene Frage, ob beim
Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Entlassung noch ein Rückfallrisiko bestehe, nicht
entschieden werden.
Mithin sind ergänzende Sachverhaltsfeststellungen vorzunehmen, zumal der
Massnahmenvollzug theoretisch erst im Juni 2014 endet. Diese sind von der Vorinstanz
einzuholen, damit der Beschwerdeführer die Möglichkeit hat, gegen einen neuen
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Entscheid ein Rechtsmittel zu ergreifen (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im
Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 1032).
6.6. Aus dem Gesagten folgt, dass der angefochtene Entscheid vom 20. Oktober 2009
aufzuheben ist. Die Angelegenheit ist gestützt auf Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art.
56 Abs. 2 VRP zur weiteren Feststellung des Sachverhalts im Sinn der vorstehenden
Erwägungen, insbesondere zur Einholung bzw. zum Beizug eines aussagekräftigen
Therapie- und Vollzugsberichts sowie zur neuen Beurteilung und Entscheidung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Dies entspricht einer Gutheissung der Beschwerde.
7. Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zu Lasten des Staates (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Art. 13 Ziff. 622 Gerichtskostentarif,
sGS 941.12). Auf deren Erhebung ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Den
Beschwerdeführern ist der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 2'000.--
zurückzuerstatten.
Die Beschwerdeführer haben Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung (Art. 98
Abs. 1 und Art. 98bis VRP). Der Rechtsvertreter hat für das Rekurs- und
Beschwerdeverfahren Kosten von Fr. 4'652.60 ausgewiesen. Eine entsprechende
Entschädigung ist tarifkonform und angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. a und b der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt HonO).
Die Mehrwertsteuer ist zum Honorar und zu den Barauslagen hinzuzurechnen (Art. 29
HonO).
Demnach hat das Verwaltungsgericht