Decision ID: 32ab92d8-4184-4e73-99ba-bee35d4deb50
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Fürsprecher Marco Büchel, LL.M., c/o K & B Rechtsanwälte,
Freudenbergstrasse 24, Postfach 213, 9240 Uzwil,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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berufliche Massnahmen / Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 31. Mai 2007 wegen einer Erschöpfungsdepression zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung – Umschulung oder Rente – bei der
IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1).
A.b Die Krankentaggeldversicherung des Versicherten liess der IV-Stelle in der Folge
unter anderem einen Bericht des behandelnden Psychiaters Dr. med. B._, Facharzt
FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 11. April 2007 zugehen. Darin hatte
Dr. B._ eine Erschöpfungsdepression im Sinne einer Anpassungsstörung mit
anamnestisch ersten Symptomen im Herbst 2004 diagnostiziert (Behandlungsbeginn
durch Dr. B._ im Oktober 2006) und ab 30. Oktober 2006 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit bis voraussichtlich mindestens Ende April 2007 attestiert. Die
Erschöpfungsdepression sei durch psychosoziale Belastungsfaktoren verursacht
worden (Kampfscheidung, finanzielle Drucksituation, problematische und belastende
Beziehung zu einer psychisch beeinträchtigten Partnerin), habe aber einen
Schweregrad erreicht, der die Bescheinigung einer Arbeitsunfähigkeit aus
medizinischer Sicht rechtfertige. Prinzipiell sei von einer nachhaltigen Besserung des
Zustands bei Wegfall der psychosozialen Belastungsfaktoren zu rechnen (IV-act. 5–
4 ff.).
A.c Am 4. Juli 2007 erstattete Dr. B._ einen Arztbericht zuhanden der IV-Stelle. Er
diagnostizierte eine Erschöpfungsdepression im Sinne einer Anpassungsstörung und
attestierte ab 30. Oktober 2006 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bis 18. Juni 2007
und eine solche von 80 % ab 19. Juni 2007. Die bisherige Arbeitstätigkeit – die
Führung einer eigenen Apotheke – sei noch zumutbar; im Juni 2007 sei ein
Arbeitsversuch von 20 % begonnen worden (IV-act. 11).
A.d Am 28. Dezember 2007 erstattete Dr. B._ einen Verlaufsbericht. Der Zustand sei
seit dem 4. Juli 2007 stationär geblieben, doch seien neu zusätzlich narzisstische
Persönlichkeitszüge zu diagnostizieren, die indessen kaum das Ausmass einer voll
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ausgebildeten Persönlichkeitsstörung erreichen würden. Aufgrund der depressiven
Symptomatik sei eine Arbeitsfähigkeit von etwa drei Stunden pro Tag zumutbar. Die
Prognose hänge davon ab, ob und wann die Belastungsfaktoren wegfallen bzw.
verändert werden könnten. Prinzipiell sei aber kein bleibender Gesundheitsschaden zu
erwarten (IV-act. 21).
A.e Am 25. April 2008 und am 30. September 2008 erstattete Dr. B._ zwei weitere
Verlaufsberichte, in denen er einen weitgehend unveränderten Zustand beschrieb (IV-
act. 25 und 29).
A.f Im Auftrag der IV-Stelle erstattete Dr. med. C._, Facharzt FMH für Psychiatrie
und Psychotherapie, am 27. November 2008 ein psychiatrisches Gutachten. Darin
diagnostizierte er depressive Verstimmungszustände im Rahmen einer
Anpassungsstörung nach einer Ehekrise bei Kampfscheidungsprozess. Er attestierte
„keine grössere Arbeitsunfähigkeit“ („etwa 30–40 %“). Der Gesundheitszustand sei
noch nicht stabil. In den nächsten sechs bis neun Monaten sei mit einer Besserung zu
rechnen; die Prognose dürfte gut sein, hänge aber weitgehend vom Abschluss des
Scheidungsprozesses ab (IV-act. 35).
A.g Am 22. Januar 2009 und am 22. April 2009 erstattete Dr. B._ zwei weitere
Verlaufsberichte, in denen er einen weitgehend unveränderten Zustand beschrieb (IV-
act. 38 und 44).
A.h Am 14. Oktober 2009 erstattete Dr. med. D._, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie, vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) einen ärztlichen
Bericht über die Untersuchung des Versicherten vom 28. September 2009. Darin
verneinte Dr. D._ das Vorliegen von Diagnosen mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine
Migräne, eine unklare subcortical-corticale Läsion im Bereich des Lobulus paracentralis
rechts, eine akzentuierte Persönlichkeit, eine Familienzerrüttung durch Trennungs-/
Scheidungsverfahren mit Problemen in der Beziehung zum Ehepartner und Regelung
des Sorgerechtsverfahrens sowie den Verdacht auf passager schädlichen Gebrauch
von Alkohol. Die erwähnte Läsion im Bereich des Lobulus paracentralis sei anlässlich
einer Magnetresonanztomographie des Schädels am 22. September 2009 festgestellt
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worden (vgl. IV-act. 50), könne jedoch nicht mit einer daraus resultierenden
Funktionsbehinderung des Gehirns in Zusammenhang gebracht werden. Die in der Zeit
vor der Untersuchung verstärkt aufgetretenen Kopfschmerzen könnten mit einem
abgelaufenen entzündlichen Geschehen im Gehirn in Zusammenhang stehen, doch
gebe es für eine systemisch demyelisierende Erkrankung weder klinische Befunde
noch Vorläufersymptome. In der angestammten Tätigkeit sei der Versicherte voll
arbeitsfähig (IV-act. 52).
A.i Mit Vorbescheid vom 17. November 2009 teilte die IV-Stelle mit, dass die
Abweisung des Gesuchs um berufliche Massnahmen vorgesehen sei (IV-act. 56). Mit
Vorbescheid vom 18. November 2009 teilte die IV-Stelle mit, dass die Abweisung des
Rentengesuchs vorgesehen sei (IV-act. 58).
A.j Gegen den Vorbescheid vom 18. November 2009 erhob der Versicherte am
31. Dezember 2009 Einwand. Er führte insbesondere an, er leide seit bald einem Jahr
an heftigen, immer wieder auftretenden Kopfschmerzen, befände sich deshalb in
medizinischer Untersuchung und Behandlung und könne deshalb zur Zeit unmöglich
eine regelmässige berufliche Tätigkeit ausüben (IV-act. 59).
A.k Am 2. Februar 2010 erstattete die Klinik für Neurologie des Kantonsspitals
St. Gallen einen Bericht, in dem im Wesentlichen eine Migräne ohne Aura, eine unklare
subcorticale/corticale Läsion im Bereich des rechten Lobulus paracentralis mit
punktförmiger Schrankenstörung sowie eine Depression diagnostiziert wurden (IV-
act. 65).
A.l Mit Verfügungen vom 16. Februar 2010 wies die IV-Stelle sowohl das Gesuch um
berufliche Massnahmen als auch das Rentengesuch ab (IV-act. 67 f.).
B.
B.a Gegen diese Verfügungen richtet sich die am 12. März 2010 erhobene
Beschwerde, mit der die Zusprache einer ganzen Rente, eventualiter die Durchführung
einer Umschulung und subeventualiter die Einholung eines Obergutachtens unter
Einbezug der Migräne-Problematik und deren Auswirkungen auf die
Resterwerbsfähigkeit beantragt werden (act. G 1). Zur Begründung wird im
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Wesentlichen ausgeführt, der Beschwerdeführer sei aufgrund der depressiven
Symptomatik sowie der häufigen Migräne-Anfälle nicht arbeitsfähig; zudem sei das
Risiko für Fehlleistungen im Beruf als Apotheker für die Kundschaft zu gross, weshalb
eine Umschulung erfolgen sollte. Nachdem die Beschwerdegegnerin von den Migräne-
Anfällen Kenntnis erlangt habe, hätte sie schliesslich ein polydisziplinäres Gutachten
unter Einbezug eines Neurologen in Auftrag geben sollen (Beschwerdeergänzung vom
3. Mai 2010; act. G 3).
B.b Die Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St.Gallen hatte zwischenzeitlich zwei
weitere Berichte erstattet. Im Bericht vom 11. März 2010 waren wiederum im
Wesentlichen eine Migräne ohne Aura (mit damals mehr als zehn Migräneattacken pro
Monat), eine unklare subcorticale/corticale Läsion im Bereich des rechten Lobulus
paracentralis mit punktförmiger Schrankenstörung (DD: Heterotopie im Sinne eines
Hamartoms) sowie eine Depression diagnostiziert worden (IV-act. 73). Im Bericht vom
30. April 2010 war eine Migräne mit Aura diagnostiziert und bezüglich
migränebedingter Arbeitsunfähigkeit ausgeführt worden, aus neurologischer Sicht
bestünde bei noch nicht ausgereizten medikamentösen Therapieoptionen keine
andauernde Arbeitsunfähigkeit; bei allfälligen Migräneanfällen könne die
Arbeitsfähigkeit jedoch kurzfristig für die Dauer der Attacke bis zu 100 % eingeschränkt
sein (act. G 3.1).
B.c Die Beschwerdegegnerin beantragt die Abweisung der Beschwerde. Zur
Begründung führt sie im Wesentlichen aus, da die medikamentösen
Behandlungsoptionen noch nicht ausgeschöpft seien, beeinträchtige die Migräne die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht; da die depressive Symptomatik einzig
auf psychosoziale Belastungsfaktoren zurückzuführen sei, begründe diese keine
Invalidität; weitere Abklärungen seien nicht notwendig; es fehle klarerweise an einem
rentenbegründenden bzw. einen Anspruch auf Umschulung begründenden
Invaliditätsgrad (Beschwerdeantwort vom 8. Juni 2010; act. G 6).
B.d Mit Replik vom 29. Juni 2010 hielt der Beschwerdeführer an seinen mit
Beschwerde vom 12. März 2010 gestellten Anträgen fest (act. G 8).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 10).
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Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin einen Anspruch des
Beschwerdeführers auf berufliche Massnahmen, insbesondere eine Umschulung, oder
eine Rente zu Recht verneint hat.
2.
2.1 Am 1. Januar 2008 sind die im Zug der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten.
Obwohl der hier zu beurteilende Sachverhalt teilweise den Zeitraum vor deren
Inkrafttreten beschlägt, sind grundsätzlich die neuen Bestimmungen anzuwenden (vgl.
Ralph Jöhl, Übergangsrechtliche Probleme im Leistungsrecht der Sozialversicherung,
Diss., St. Gallen 1996, S. 2 f.). Hinsichtlich der hier einzig relevanten Änderung
bezüglich des Beginns des Rentenanspruchs ginge damit indessen eine erhebliche
Schlechterstellung und stossende Ungleichbehandlung gegenüber Versicherten, deren
Leistungsgesuch vor Inkrafttreten der neuen Bestimmungen beurteilt wurde, einher.
Dass es angesichts dessen an einer übergangsrechtlichen Regelung fehlt, wird zu
Recht als auslegungsbedürftige Lücke angesehen (vgl. den Entscheid IV 2009/5 des
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen vom 28. Oktober 2009, E. 2).
Diesbezüglich ist deshalb vorliegend altes Recht anzuwenden (vgl. auch das
Rundschreiben Nr. 253 des Bundesamtes für Sozialversicherungen vom 12. Dezember
2007 sowie den Entscheid 8C_312/2009 des Bundesgerichts vom 1. Dezember 2009,
E. 5.1, mit zahlreichen Hinweisen); im Übrigen kommt neues Recht zur Anwendung.
2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG), das heisst der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach ärztlicher Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
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Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG).
2.3 Die Invalidität gilt als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des
Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat (Art. 4
Abs. 2 IVG). Bezüglich Umschulung (Art. 17 IVG) gilt eine versicherte Person als invalid,
wenn sie wegen der Art und Schwere des eingetretenen Gesundheitsschadens in den
bisher ausgeübten und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung
offenstehenden noch zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit
dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20 % erleidet, wobei sich die Erwerbseinbusse an
dem vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielten Erwerbseinkommen bemisst
(Ulrich Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 2. Aufl., Zürich 2010,
S. 191). Bezüglich Rente (Art. 28 IVG) gilt eine voll erwerbstätige versicherte Person als
invalid, wenn ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder hergestellt, erhalten oder verbessert werden kann, sie während eines Jahres
ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig
gewesen ist und sie nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid ist (Art. 28
Abs. 1 IVG).
2.4 Die Feststellung des Gesundheitsschadens, das heisst die Befunderhebung und
die gestützt darauf gestellte Diagnose, aber auch die Prognose und die Ätiologie, die
durch den festgestellten Gesundheitsschaden verursachte Arbeitsunfähigkeit sowie
das noch vorhandene funktionelle Leistungsvermögen oder das Vorhandensein und die
Verfügbarkeit von Ressourcen sind Tatfragen (BGE 132 V 398 E. 3.2), deren
Beantwortung entsprechendes Fachwissen voraussetzt. Im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) hat die IV-Stelle daher in aller Regel
ärztliche Sachverständige zur Beantwortung dieser Fragen beizuziehen (vgl. Art. 43
Abs. 2 ATSG und Art. 69 Abs. 2 und 4 IVV), so etwa jene des IV-internen regionalen
ärztlichen Dienstes (RAD; vgl. Art. 49 Abs. 1 IVV) oder solche einer MEDAS. Aufgabe
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der IV-Stelle und des Versicherungsgerichts ist es, diese Tatsachen rechtlich zu
würdigen, das heisst zu beurteilen, ob die ärztlichen Aussagen und Schätzungen die
zuverlässige Beurteilung des Leistungsanspruchs erlauben und, falls dies der Fall ist,
gestützt auf diese Feststellungen sowie die Feststellungen zu den beiden
Vergleichseinkommen den Invaliditätsgrad zu bemessen (vgl. BGE 132 V 398 f.
E. 3.2 f.).
2.5 Verwaltung und Gericht haben aufgrund des im Sozialversicherungsrecht
allgemein geltenden Untersuchungsgrundsatzes von sich aus für die richtige und
vollständige Abklärung des Sachverhalts zu sorgen (vgl. Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c
ATSG). Diese Abklärungspflicht bezieht sich auf den im Rahmen des streitigen
Rechtsverhältnisses rechtserheblichen Sachverhalt. Rechtserheblich sind alle
Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder
anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und
Sozialversicherungsrichter zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen oder zu
veranlassen, wenn hiezu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den
Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 f. E. 4a
mit Hinweisen).
3.
3.1 In medizinischer Hinsicht vermag der Bericht des RAD-Arztes Dr. D._
grundsätzlich zu überzeugen, nachdem er in Kenntnis der und Auseinandersetzung mit
den Vorakten, nach eigener Untersuchung des Beschwerdeführers und unter
Berücksichtigung der geklagten Beschwerden abgegeben worden ist und die
Schlussfolgerungen nachvollziehbar sind. Bezüglich Befunden und Diagnosen besteht
zudem weitgehende Übereinstimmung mit den Berichten des behandelnden
Psychiaters Dr. B._ und dem Gutachten von Dr. C._. Allerdings diagnostizierte
Dr. D._ keine depressive Erkrankung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit,
sondern vielmehr lediglich eine Familienzerrüttung durch Trennungs-/
Scheidungsverfahren mit Problemen in der Beziehung zum Ehepartner und Regelung
des Sorgerechtsverfahrens; entsprechend attestierte er auch keine Beeinträchtigung
der Arbeitsfähigkeit (vgl. IV-act. 52–8), während Dr. B._ zunächst eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit (vgl. IV-act. 5–4 ff.), später eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit (vgl. IV-
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act. 11) und zuletzt eine mindestens 65%ige Arbeitsunfähigkeit (vgl. IV-act. 21)
attestiert hatte und Dr. C._ zwar „keine grössere Arbeitsunfähigkeit“ attestiert hatte,
diese schliesslich aber doch auf immerhin 30–40 % geschätzt hatte (vgl. IV-act. 35–5).
3.2 Das Gutachten von Dr. C._ bildet indessen nicht nur aufgrund der eben
erwähnten Unklarheit bezüglich Arbeitsfähigkeitsschätzung – eine Arbeitsunfähigkeit
von 30–40 % kann nicht als unerheblich qualifiziert werden – keine hinreichend
nachvollziehbare Grundlage für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit. Angesichts der
bereits damals lang andauernden erheblichen Beeinträchtigung ist nämlich zudem die
Einschätzung von Dr. C._, mit Abschluss des Scheidungsprozesses sei mit einer
erheblichen Besserung des Zustandes zu rechnen (IV-act. 35–6), ebenso wenig
nachvollziehbar wie die Prognose, es sei mit einer Besserung des gesundheitlichen
Zustandes innerhalb von sechs bis neun Monaten zu rechnen (IV-act. 35–6). Jedenfalls
besteht kein Grund, aufgrund des Gutachtens von Dr. C._ die Schlussfolgerungen
von Dr. D._ in Zweifel zu ziehen.
3.3 Was sodann die Berichte von Dr. B._ betrifft, so erweisen sich diese zwar als
durchaus differenziert. So wies Dr. B._ bereits im ersten bei den Akten liegenden
Bericht darauf hin, dass das soziale Umfeld „eine wichtige auslösende und
aufrechterhaltende Rolle“ spiele, die Schwere der Symptome indessen die von ihm
bescheinigte Arbeitsunfähigkeit medizinisch rechtfertigen würde (IV-act. 5–6). Sodann
ermutigte Dr. B._ den Beschwerdeführer offensichtlich, einen Arbeitsversuch im
Rahmen von 20 % zu beginnen (IV-act. 11–3) und Präsenz und Leistung anschliessend
zu steigern (vgl. IV-act. 21). Allerdings attestierte Dr. B._ dem Beschwerdeführer eine
erhebliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit – immerhin mindestens 65 % – über
einen Zeitraum von mehreren Jahren hinweg (die ersten Symptome sollen im Herbst
2004 aufgetreten sein; vgl. IV-act. 5–4; vgl. auch IV-act. 1–6), was angesichts der
Diagnose einer Erschöpfungsdepression im Zuge einer Anpassungsstörung allein nicht
zu überzeugen vermag. Dies umso weniger, als der Beschwerdeführer Dr. B._
offensichtlich nur in eher lockeren Abständen (rund einmal pro Monat) konsultiert und
schliesslich die Behandlung gänzlich abgebrochen hat und als Dr. C._ und Dr. D._
die Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit aufgrund der Anpassungsstörung bzw. der
Erschöpfungsdepression als deutlich weniger gravierend beurteilt haben. Diesbezüglich
gilt auch zu berücksichtigen, dass behandelnde Ärzte in der Regel eher in Bezug auf
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ihre Patienten befangen und daher weniger geeignet sind, eine
versicherungsmedizinisch überzeugende Einschätzung der Arbeitsfähigkeit abzugeben
(vgl. Hermann Fredenhagen, Das ärztliche Gutachten, 3. Aufl., Bern 1994, S. 18, und
Larry H. Strasburger et al., On Wearing Two Hats: Role Conflict in Serving as Both
Psychotherapist and Expert Witness, in: Am J Psychiatry 4/1997, S. 448 ff.). Aus diesen
Gründen lassen auch die Berichte von Dr. B._ keine konkreten Zweifel am Bericht
des RAD-Arztes Dr. D._ aufkommen.
3.4 Gesamthaft ist daher grundsätzlich auf den Bericht des RAD-Arztes Dr. D._
abzustellen. Zu prüfen bleibt indessen folgender Punkt: Die offensichtlich jahrelang
vorbestehenden Migräne-Anfälle sollen sich in den letzten beiden Jahren vor
Verfügungserlass massiv gehäuft haben. Gemäss Bericht der Klinik für Neurologie des
Kantonsspitals St. Gallen vom 30. April 2010 beeinträchtigen diese Attacken die
Arbeitsfähigkeit jeweils kurzfristig erheblich, auch wenn bei korrekter medikamentöser
Therapie ansonsten keine andauernde Arbeitsunfähigkeit zu attestieren sei (vgl.
act. G 3.1). Gemäss Bericht der Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen vom
11. März 2010 war eine medikamentöse Therapie mit Propanol wegen schlechter
Verträglichkeit gescheitert und wurde eine weitere mit Topiramat gar nicht versucht. Ein
weiterer Versuch einer alternativen medikamentösen Behandlung mit Flunarizin
(Sibelium ) stand noch aus; ebenso wie die Protokollierung der Attacken mittels
Kopfschmerztagebuchs (vgl. IV-act. 73). Aus den aktuell vorliegenden Akten geht nicht
hervor, ob die medikamentöse Behandlung zwischenzeitlich erfolgreich eingeleitet
werden konnte, wie häufig die Attacken
effektiv sind und inwieweit die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers allenfalls durch
die Migräne-Attacken effektiv beeinträchtigt wird.
3.5 Da der Bericht des RAD-Arztes Dr. D._ grundsätzlich überzeugt und lediglich
noch zu klären ist, ob sich aufgrund der erwähnten neuen Erkenntnisse allenfalls doch
noch eine Anpassung der Arbeitsfähigkeitsschätzung aufdrängt, wird die Sache an die
Beschwerdegegnerin zur Klärung dieser Fragen mittels Einholung einer
entsprechenden Stellungnahme seitens des RAD zurückgewiesen. Die Rückweisung
rechtfertigt sich mit Blick auf BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4 S. 264, handelt es sich dabei
doch um die Einholung einer ergänzenden Abklärung bzw. Überprüfung.
4.
®
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4.1 Zu den Ausführungen der Beschwerdegegnerin zu den „pathogenetisch bzw.
ätiologisch unklaren syndromalen Zuständen“ (vgl. act. G 6) ist der Vollständigkeit
halber festzuhalten, dass Migräneattacken als neurologische Erkrankungen (Kapitel VI
des ICD-10) und nicht als psychiatrische (Kapitel V des ICD-10) zu qualifizieren sind.
Bereits aus diesem Grund sind sie nicht den „pathogenetisch bzw. ätiologisch
syndromalen unklaren Zuständen“ zuzurechnen. Sollten die noch vorzunehmenden
Abklärungen ergeben, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aufgrund der
regelmässigen Migräneattacken aus medizinischer Sicht qualitativ oder quantitativ
beeinträchtigt wird, wäre dieser Beeinträchtigung bei der Bemessung des
Invaliditätsgrades Rechnung zu tragen (vgl. auch das Urteil des Bundesgerichts
U 194/06 vom 22. Februar 2007 E. 4.3).
4.2 Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdegegnerin nach
Vornahme der ergänzenden medizinischen Abklärungen – je nach deren Ergebnis –
allenfalls auch berufliche Massnahmen vertieft zu prüfen und gegebenenfalls
anzuordnen haben wird.
5.
5.1 Die Beschwerde wird mithin teilweise gutgeheissen.
5.2 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festgelegt.
Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint vorliegend angemessen. Nach Art. 95
Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren
ganz oder teilweise abgewiesen werden. Die Rückweisung einer Sache an die
Verwaltung zu weiterer Abklärung und neuer Verfügung gilt praxisgemäss als volles
Obsiegen der Beschwerde führenden Partei (BGE 132 V 235 E. 6.1 mit zahlreichen
Hinweisen). Angesichts des in diesem Sinn vollen Unterliegens der
Beschwerdegegnerin rechtfertigt es sich, ihr die Gerichtskosten gesamthaft
aufzuerlegen. Der Kostenvorschuss im Betrag von Fr. 600.-- ist dem Beschwerdeführer
zurückzuerstatten.
bis
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5.3 Der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer hat sodann Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung
der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen werden (Art. 61
lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP). In einem Fall mit mittlerem Aufwand und
Schwierigkeitsgrad wird praxisgemäss eine Pauschalentschädigung von Fr. 3’500.--
ausgerichtet. Insgesamt rechtfertigt sich in der vorliegenden Sache, die Entschädigung
auf pauschal Fr. 3’500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht