Decision ID: e2ec82a1-b805-58f0-862b-5deddb406604
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Manfred Dähler, Poststrasse 12, 9000 St. Gallen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Begutachtung und Rechtsverweigerung
Sachverhalt:
A.
A.a A._ war bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert, als
sie am 9. April 2003 in einen Auffahrunfall verwickelt wurde und dabei ein HWS-
Distorsionstrauma erlitt (UV-act. 1 und 2). Die Suva erbrachte in der Folge die
gesetzlichen Leistungen. Mit Verfügung vom 4. August 2005 teilte die Suva der
Versicherten mit, dass die Versicherungsleistungen (Taggeld und Heilkosten) per 7.
August 2005 eingestellt würden. Aufgrund der medizinischen Unterlagen seien die
bestehenden Beschwerden nicht mehr unfallbedingt, sondern ausschliesslich
krankhafter Natur (UV-act. 103). Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache (UV-
act. 108) wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 15. September 2005 ab (UV-act.
111). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hob diesen Entscheid mit Urteil
vom 21. August 2006 (UV 2005/95) in teilweiser Gutheissung der dagegen erhobenen
Beschwerde auf und wies die Sache zur Vornahme weiterer medizinischer und
biomechanischer Abklärungen an die Suva zurück. Die dagegen erhobene
Verwaltungsgerichtsbeschwerde wies das Bundesgericht mit Urteil vom 16. März 2007
(U 457/06) ab (UV-act. 116).
A.b Aufgrund des Urteils des Versicherungsgerichts vom 21. August 2006 veranlasste
die Suva weitere Abklärungen. Entsprechend finden sich in den Akten eine technische
Unfallanalyse und eine biomechanische Beurteilung der D._ vom 21. November 2008
(UV-act. 157 und 158), ein neuropsychologisches Gutachten des Schweizerischen
Epilepsie-Zentrums vom 31. Juli 2009 (UV-act. 190) und ein neurologisches Gutachten
von Dr. med. B._, Facharzt für Neurologie FMH, vom 25. August 2010 (UV-act. 221).
A.c Mit Schreiben vom 12. Mai 2011 teilte die Suva dem Rechtsvertreter der
Versicherten, Rechtsanwalt lic. iur. Manfred Dähler, St. Gallen, mit, dass sie
beabsichtige, bei der Versicherten eine psychiatrische Begutachtung durch Dr. C._,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, zur Frage der Überwindbarkeit der
von ihr noch geklagten Beschwerden durchzuführen (UV-act. 228). Mit einer vorläufigen
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Stellungnahme vom 26. Mai 2011 stellte der Rechtsvertreter der Versicherten die
Zulässigkeit der geplanten Begutachtung in Abrede und ersuchte um einen
Terminvorschlag für eine einvernehmliche Lösungssuche (UV-act. 233). Mit Schreiben
vom 7. Juli 2011 äusserte sich die Suva zu den Einwänden in der Stellungnahme vom
26. Mai 2011. Sie hielt sowohl an der beabsichtigten Begutachtung sowie dem dafür
vorgesehenen Fragenkatalog fest und eröffnete dem Rechtsvertreter der Versicherten
für eine ausführliche Stellungnahme eine Frist bis 2. August 2011. Am 17. August 2011
erteilte die Suva den Auftrag zur psychiatrischen Begutachtung der Versicherten an
Dr. C._ (UV-act. 235). Mit Schreiben vom 18. August 2011 stellte der Rechtsvertreter
der Versicherten unter Verweis auf das Schreiben der Suva vom 7. Juli 2011 fest, dass
"keinerlei Einigkeit über Art, Umfang, Begutachtungsstelle und Fragestellung hergestellt
werden konnte", weshalb im Sinn der Entscheidung 9C_243/2010 um Erlass einer
anfechtbaren Verfügung gebeten werde (UV-act. 236). Mit Schreiben vom 24. August
2011 teilte die Suva dem Rechtsvertreter der Versicherten darauf hin mit, dass das
Urteil 9C_243/2010 und seine Konsequenzen nach ihrer Auffassung auf die
Begutachtungspraxis der Unfallversicherung keine Anwendung finde. Demnach werde
auch der Gutachtensauftrag vom 17. August 2011 aufrecht erhalten (UV-act. 237).
B.
B.a Am 8. September 2011 erhob Rechtsanwalt Dähler für die Versicherte beim Ver
sicherungsgericht Beschwerde gegen die Suva betreffend "Anordnung einer Expertise
und Rechtsverweigerung und -verzögerung" mit dem Hauptantrag, "die Verfügung vom
17.08.2011/24.08.2011, mit der eine psychiatrische Begutachtung bei Dr. C._
angeordnet wurde", sei aufzuheben. Im Weiteren sei festzustellen, dass sich die Suva
bei der Bearbeitung dieses Falls in rechtsverweigernder Weise in Verzug befinde, und
sie sei anzuweisen, für die Zeit seit dem 7. August 2005 innert Monatsfrist eine
angemessene Vorschusszahlung auf die aufgelaufenen Taggelder auszurichten; unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. In verfahrensmässiger Hinsicht wird beantragt, es
sei eine mündliche Verhandlung durchzuführen und der Beschwerde sei bezüglich der
angeordneten Begutachtung die aufschiebenden Wirkung zu gewähren (act. G 1).
B.b Mit Schreiben vom 29. September 2011 nahm die Beschwerdegegnerin zur Zu
lässigkeit der Beschwerde und den Verfahrensanträgen Stellung, wobei sie im
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Wesentlichen wiederum geltend machte, das mittlerweile unter der Referenz BGE 137
V 210 veröffentlichte, in einer invalidenversicherungsrechtlichen Angelegenheit
ergangene Urteil 9C_243/2010 des Bundesgerichts finde im Unfallversicherungsrecht
keine Anwendung, weshalb die Suva nicht verpflichtet sei, bei Uneinigkeit über den
Experten und die Begutachtung eine anfechtbare Verfügung zu erlassen. Gemäss der
im Unfallversicherungsrecht geltenden Rechtsprechung komme der Anordnung einer
Begutachtung durch den Sozialversicherer kein Verfügungscharakter zu (Verweis auf
BGE 132 V 93 E. 5). Da vorliegend keine Verfügung und somit auch kein
Anfechtungsgegenstand existiere, sei folgerichtig auch keine Beschwerde möglich.
Sofern die Eingabe der Versicherten bezüglich Anordnung des Gutachtens als
Rechtsverweigerungsbeschwerde qualifiziert werden sollte, wäre diese im Sinn der
vorgängig gemachten Ausführungen zur Verfügungspflicht abzuweisen. Die Prüfung
des Anspruchs auf Versicherungsleistungen ab dem 8. August 2005 sei noch nicht
abgeschlossen. Im Umstand, dass diesbezüglich noch keine Verfügung erlassen
worden sei, könne kein rechtsverzögerndes Verhalten erblickt werden (act. G 3).
B.c Die Beschwerdeführerin hat auf eine weitere Stellungnahme verzichtet (act. G 5).
B.d Mit Schreiben vom 27. Oktober 2011 teilte die Gerichtsleitung den Parteien den
Abschluss des Schriftenwechsels mit und wies gleichzeitig darauf hin, dass in diesem
Verfahrensstadium eine mündliche Verhandlung nicht vorgesehen sei (act. G 6).

Erwägungen:
1.
1.1 Vorab gilt es zu prüfen, ob auf die Beschwerde eingetreten werden kann, nachdem
die Beschwerdeführerin die Gutachtensanordnung durch die Suva vom 17. August
2011 und das ergänzende Schreiben vom 24. August 2011 als Anfechtungsobjekt der
anhängig gemachten Beschwerde betrachtet.
1.2 Nach Art. 56 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann gegen Einspracheentscheide oder
Verfügungen, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist, Beschwerde erhoben
werden. Ausgenommen vom Einspracheverfahren sind dabei insbesondere prozess-
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und verfahrensleitende Verfügungen (Art. 52 Abs. 1 ATSG). Beschwerde kann nach
Art. 56 Abs. 2 ATSG ebenfalls erhoben werden, wenn der Versicherungsträger
entgegen dem Begehren der betroffenen Person keine Verfügung oder keinen
Einspracheentscheid erlässt.
1.3 Das Schreiben der Suva vom 17. August 2011 mit der Anordnung der
psychiatrischen Begutachtung bei Dr. C._ kann entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführerin nicht als Verfügung im Sinn von Art. 49 ATSG betrachtet werden.
Abgesehen davon, dass die formellen Anforderungen an eine Verfügung nicht erfüllt
sind (vgl. dazu Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl., Art. 49 N 2), fehlt es dabei
insbesondere am Verfügungswillen der Suva. Noch viel weniger kann dem Schreiben
der Suva vom 24. August 2011 (materieller) Verfügungscharakter zuerkannt werden,
handelt es sich dabei doch einzig um die Begründung der Suva, weshalb sie dem
Begehren der Beschwerdeführerin um Erlass einer anfechtbaren Verfügung nicht
nachkommen will. Soweit die Beschwerdeführerin somit ihre Beschwerde auf die
Regelung von Art. 56 Abs. 1 ATSG zurück führen will, fehlt es an einem
Anfechtungsobjekt, weshalb auf die Beschwerde nicht eingetreten werden könnte.
Nachdem aber die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 18. August 2011
ausdrücklich eine anfechtbare Verfügung verlangt und die Suva umgekehrt den Erlass
einer solchen Verfügung mit Schreiben vom 24. August 2011 abgelehnt hat, ist die
Beschwerde vom 8. September 2011 als Rechtsverweigerungsbeschwerde im Sinn
von Art. 56 Abs. 2 ATSG entgegen zu nehmen und durch das angerufene Gericht
bezüglich der geltend gemachten Rechtsverweigerung zu prüfen.
2.
2.1 Mit dem Urteil 9C_243/2010 (BGE 137 V 210) hat das Bundesgericht u.a. erkannt,
dass bei fehlendem Konsens über die Anordnung einer Expertise (und deren Inhalt)
nicht länger an der Rechtsprechung gemäss BGE 132 V 93 festgehalten werden könne,
wonach dafür eine blosse Mitteilung genüge. Vielmehr sei die Anordnung, eine Exper
tise einzuholen, in die Form einer Verfügung zu kleiden (Art. 49 ATSG), welche dem
Verfügungsbegriff gemäss Art. 5 VwVG entspreche (E. 3.4.2.6). Zu prüfen ist vorliegend
aufgrund der unterschiedlichen Standpunkte der Parteien die Frage, ob diese in einer
invalidenversicherungsrechtlichen Angelegenheit ergangene höchstrichterliche
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Rechtsprechung auch auf das Verfahren in der Unfallversicherung Anwendung findet
(wie dies der Auffassung der Beschwerdeführerin entspricht) oder ob für den Bereich
der Unfallversicherung weiterhin die bisherige Praxis gilt, wonach die Anordnung einer
Begutachtung durch den Sozialversicherer kein Verfügungscharakter zukommt und
Rügen, welche über die gesetzlichen Ausstandsgründe hinaus gehen, erst im Rahmen
der Beweiswürdigung Rechnung zu tragen ist (so die Auffassung der Suva unter
Verweis auf BGE 132 V 93).
2.2 Die Suva beruft sich für ihren Standpunkt insbesondere darauf, dass der Entscheid
9C_243/2010 in einer invalidenversicherungsrechtlichen Angelegenheit ergangen sei
und sich die darin entwickelte Rechtsprechung ausschliesslich auf Fälle beziehe, in
welcher die Invalidenversicherung eine MEDAS-Begutachtung durchführe bzw.
durchführen wolle. Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. So gilt es
insbesondere zu berücksichtigen, dass das Bundesgericht mit seinem Entscheid die
Respektierung des Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG)
sowie der verfassungsrechtlich garantierten (Art. 29ff. der Bundesverfassung [BV; SR
101]; siehe auch Art. 19 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren [VwVG;
SR 172.021] i.V.m. Art. 57 ff des Bundesgesetzes über den Zivilprozess [BZP; SR 273])
Partizipationsrechte auf Stufe der Verwaltung und auf derjenigen der Gerichte
garantieren wollte. Unter Letztere fallen namentlich das rechtliche Gehör (Art. 42
ATSG), die Mitwirkung bei der gutachterlichen Abklärung des medizinischen
Sachverhalts (Art. 44 ATSG) und die Akteneinsicht (Art. 47 ATSG), mithin
Bestimmungen des ATSG, die nicht nur für das Verfahren in der Invalidenversicherung,
sondern ganz allgemein im Sozialversicherungsrecht gelten. Diese Beteiligungsrechte
sind so auszugestalten, dass die in der Verfassung und der Europäischen
Menschenrechtskonvention (EMRK) enthaltenen Garantien des fairen Verfahrens
insgesamt gewährleistet sind (vgl. BGE 137 V 210 E. 2.1.1). Im Weiteren weist auch die
aktuelle Rechtsprechung des Bundesgerichts klar darauf hin, dass die in BGE 137 V
210 entwickelte Rechtsprechung für alle Bereiche des Sozialversicherungsrechts gelten
soll, verweist es doch auch in UVG-Streitigkeiten bei Rückweisungen an das Kantonale
Versicherungsgericht zur Einholung eines Gerichtsgutachtens ausdrücklich auf seine
Ausführungen in BGE 137 V 210 über die dabei zu beachtenden Verfahrensgrundsätze
(vgl. Entscheide des Bundesgerichts vom 19. Oktober 2011, 8C_515/2011 E. 4.6 und
vom 5. Dezember 2011, 8C_476/2011 E. 7.4). Es sind keine Gründe ersichtlich,
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weshalb zwar der Teil betreffend Gerichtsgutachten von BGE 137 V 210 für die
Unfallversicherung gelten solle, jener betreffend Anordnung einer Admini
strativbegutachtung mittels Zwischenverfügung und Mitwirkungsrechte hingegen nicht;
dies insbesondere vor dem Hintergrund der angestrebten Erhöhung der
Verfahrensfairness. Diesbezüglich hielt das Bundesgericht im BGE 137 V 210 in E.
4.4.1.3 denn auch fest, die Einschränkung der Befugnis der
Sozialversicherungsgerichte, eine Streitsache zur neuen Begutachtung an die
Verwaltung zurückzuweisen, verhalte sich komplementär zu den (gemäss geänderter
Rechtsprechung) bestehenden partizipativen Rechten der versicherten Person im
Zusammenhang mit der Anordnung eines Administrativgutachtens. Schliesslich weist
auch der Schlusssatz von E. 3.4.2.8 in BGE 137 V 210 S. 258 klar darauf hin, dass die
Pflicht zum Erlass einer Zwischenverfügung bei Uneinigkeit generell für alle
Sozialversicherungsbereiche gelten soll, würde der Hinweis auf das Fehlen einer
Einsprachemöglichkeit gegen eine solche Verfügung "ausserhalb der
Invalidenversicherung" doch sonst keinen Sinn machen .
2.3 Die Argumentation der Suva geht aber auch insoweit fehl, als die mit dem Urteil
BGE 132 V 93 begründete Rechtsprechung, auf die sie sich für ihre Praxis beruft, mit
dem Urteil BGE 137 V 210 ausdrücklich geändert wurde (E. 3.4.2.6; vgl. auch die
entsprechende Regeste). Sie übersieht dabei, dass das Urteil BGE 137 V 210 zwar
unter dem Titel "Invalidenversicherung" publiziert wurde (wobei die Gründe dafür in den
ausführlichen MEDAS-spezifischen Erwägungen liegen dürften), dass damit aber eine
Rechtsprechung abgeändert wurde (BGE 132 V 93), die – obwohl ebenfalls in einer
invalidenversicherungsrechtlichen Angelegenheit ergangen – unter dem Titel
"Verfahren"(srecht) publiziert wurde und entsprechend nicht nur für einen einzelnen
Sozialversicherungsbereich Gültigkeit hat.
2.4 Zusammenfassend ergibt sich damit, dass aufgrund der geänderten
Rechtsprechung von BGE 137 V 210 auch im Verfahren der Unfallversicherung die
Anordnung einer Expertise bei Uneinigkeit grundsätzlich in die Form einer
Zwischenverfügung zu kleiden ist, auch wenn andere als (gesetzliche)
Ausstandsgründe geltend gemacht werden. Entsprechend ist die vorliegende
Rechtsverweigerungsbeschwerde gutzuheissen und die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie über die Anordnung der
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psychiatrischen Begutachtung der Beschwerdeführerin im Sinn von BGE 137 V 210
formell verfüge. Bei diesem Verfahrensausgang erübrigen sich Weiterungen über die
von der Beschwerdeführerin beantragte aufschiebende Wirkung bezüglich Anordnung
und Durchführung der Begutachtung. Ebenfalls nicht zu beurteilen ist in diesem
Verfahrensstadium vom Gericht die Frage der Notwendigkeit einer weiteren
Begutachtung der Beschwerdeführerin (vgl. Kieser, ATSG-Kommentar, Art. 56 N 14).
3.
3.1 Zu prüfen bleibt hingegen, ob eine Rechtsverzögerung oder -verweigerung vorliegt
und ob ein Anspruch auf Vorschussleistungen besteht.
3.2 Eine Verletzung von Art. 29 Abs. 1 BV liegt nach der Rechtsprechung unter
anderem dann vor, wenn eine Gerichts- oder Verwaltungsbehörde ein Gesuch, dessen
Erledigung in ihre Kompetenz fällt, nicht an die Hand nimmt und behandelt. Ein solches
Verhalten einer Behörde wird als formelle Rechtsverweigerung bezeichnet. Art. 29 Abs.
1 BV ist aber auch verletzt, wenn die zuständige Behörde sich zwar bereit zeigt, einen
Entscheid zu treffen, diesen aber nicht binnen der Frist fasst, welche nach der Natur
der Sache und nach der Gesamtheit der übrigen Umstände als angemessen erscheint
(so genannte Rechtsverzögerung). Für die Rechtsuchenden ist es unerheblich, auf
welche Gründe die Rechtsverweigerung oder Rechtsverzögerung zurückzuführen ist;
entscheidend ist ausschliesslich, dass die Behörde nicht oder nicht fristgerecht handelt
(RKUV 2004 Nr. U 506 S. 255 E. 3; SVR 2001 IV Nr. 24 S. 73 f. E. 3a und b). Eine
unzulässige Rechtsverzögerung liegt vor, wenn die Behörde ihren Entscheid in objektiv
nicht gerechtfertigter Weise hinauszögert. Ob dies zutrifft, beurteilt sich auf Grund der
konkreten Umstände des Einzelfalls. Massgebend sind in diesem Zusammenhang
namentlich die besondere Bedeutung und die Art des Verfahrens, die Komplexität und
Schwierigkeit der Sache sowie das prozessuale Verhalten der Beteiligten (BGE 125 V
191 f. E. 2a).
3.3 Der vorliegenden Aktenlage ist zu entnehmen, dass die Beschwerdegegnerin innert
angemessener Frist die vom Versicherungsgericht angeordneten weiteren Abklärungen
veranlasste und weiterhin solche Abklärungen durchführt (vgl. zum Sachverhalt A.b und
A.c). Ein unzulässiges, absichtliches Hinauszögern des Entscheids ist nicht ersichtlich
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und wird von der Beschwerdeführerin auch nicht substantiiert geltend gemacht,
weshalb die Rechtsverzögerungsbeschwerde abzuweisen ist.
3.4 Voraussetzung für die Erbringung von Vorschusszahlungen ist einerseits, dass der
Anspruch auf Leistungen als nachgewiesen erscheint (vgl. Kieser, ATSG-Kommentar,
Art. 19 Rz 27). Da vorliegend gerade umstritten ist, ob die Beschwerdegegnerin ab
7. August 2005 weiterhin Versicherungsleistungen auszurichten hat, rechtfertigt sich
keine Zusprache von Vorschussleistungen im Sinn von vorsorglichen Massnahmen ab
diesem Zeitpunkt.
4.
4.1 Im Sinn der Erwägungen ist die Beschwerde insoweit gutzuheissen, als die Sache
an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird, damit sie über die Anordnung der
psychiatrischen Begutachtung der Beschwerdeführerin im Sinn von BGE 137 V 210
formell verfüge. Bezüglich der geltend gemachten Rechtsverzögerung und der
beantragten Vorschusszahlungen ist die Beschwerde abzuweisen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
4.3 Da die Beschwerdeführerin teilweise obsiegt, hat sie einen reduzierten Anspruch
auf eine Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen,
wobei insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu
tragen ist (Art. 61 lit. g ATSG). Es rechtfertigt sich, diese in Würdigung der gesamten
Umstände auf Fr. 2'000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzu
setzen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Die Beschwerde wird in dem Sinn gutgeheissen, dass die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird, damit diese über die Anordnung der
psychiatrischen Begutachtung der Beschwerdeführerin eine rechtsmittelfähige
Verfügung (im Sinn von BGE 137 V 210) erlasse.
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2. Bezüglich der geltend gemachten Rechtsverzögerung und der beantragten
Vorschusszahlungen wird die Beschwerde abgewiesen.
3. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
4. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von
Fr. 2'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 29.02.2012 Anordnung einer psychiatrischen Begutachtung. BGE 137 V 210 auch im UV-Verfahren anwendbar, weshalb der Unfallversicherer die Anordnung einer Expertise als Zwischenverfügung zu erlassen hat. Keine Rechtsverzögerung und kein Anspruch auf Vorschusszahlungen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 29. Februar 2012, UV 2011/65).
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2021-09-19T14:49:36+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen