Decision ID: 8f5f8fce-7c81-4dbf-9402-b4e7a27b372b
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1957, war
zuletzt vom 1. März 2007
bis
14. März 2010 als selbständiger Betreibungsbeamter und Gemeindeammann für die Gemeinde
Y._
tätig (Urk. 6/2
Ziff.
5.4, Urk. 6/6).
Unter Hinweis auf
einen Er
schöpfungszustand mit unklarer Suizidalität und schweren psychischen Störun
gen, grossen Zukunftsängsten und Panik, Konzentrationsschwierigkeiten und Angstträumen
meldete sich
der
Versicherte
am
14. September 2010
bei der In
validenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
6/2
). Die
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerb
li
che Situation ab, zog Akten der
Krankentaggeldversicherung
(Urk.
6/17
, Urk. 6/42
) und der Unfallversicherung (Urk. 6/50
)
bei
und holte bei
Dr. med.
Z._
(Urk. 6/25) sowie
bei Dr. med.
A._
(Urk. 6/53)
je ein psychiatrisches
Gutachten ein,
welche
am
16. September 2011 beziehungsweise am 30. Dezember 2013
erstattet wurde
n
.
Nach
durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(Urk. 6/
61-67) verneinte
die IV-Stelle
mit Verfügung vom 2
2.
Juli 2014
einen Rentenanspruch
des Versicherten (Urk. 6/68 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 1
2.
September 2014
Beschwerde (Urk. 1)
g
egen die Verfügung vom 2
2.
Juli 2014
(Urk. 2) und be
antragte, diese sei aufzuheben
und es sei
ihm
eine angemessene Invalidenrente zuzusprechen (S. 2
Ziff.
1
) und es seien die UVG-Akten im Beschwerdeverfahren gegen die Zürich Versicherung am Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau für das vorliegende Verfahren bei
zuziehen (S. 2
Ziff.
2
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
16. Oktober 2014
(Urk.
5
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer
am
9. De
zember 2014 zur Kenntnis gebracht (Urk. 7
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit lieg
t zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Drei
vier
tels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant
gelten Einschränkun
gen
der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten
Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das
Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist,
ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätig
keit auf dem aus
ge
glichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchti
gung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsun
fähig
keit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Ar
beitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der ver
si
cherten Person so
zial-praktisch nicht mehr
zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
ak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351
E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
D
ie Beschwerdegegnerin ging in d
er angefochtenen Verfügung vom 22
.
Juli
2014
(Urk. 2) davon aus, ihre
umfassenden medizinischen und rechtlichen Abklärun
gen
hätten ergeben, dass
beim Beschwerdeführer keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vor
liege
. Es sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszuge
hen, dass er aufgrund der posttraumatischen Verbitterungsstörung und wegen einer mittelschweren depressiven Episode in seiner Arbeitsfähigkeit einge
schränkt sei beziehungsweise gewesen sei. Aus rechtlicher Sicht entsprächen diese Leiden jedoch keiner langdauernden, schweren Erkrankung mit erhebli
cher und dauerhafter Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die durch psychoso
ziale Belastungsfaktoren hervorgerufenen gesundheitlichen Einschränkungen könnten versicherungstechnisch nicht berücksichtigt werden, weshalb kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe
(S. 1 f.)
.
2.2
Der
Beschwerdeführer hielt dem beschwerdeweise (Urk. 1) entgegen,
dass z
usätz
lich zu den in den IV-Akten liegenden psychiatrischen Gutachten von Dr. med.
Z._
vom 16. September 2011 und von Dr. med.
A._
vom 30. De
zember 2013
auch das psychiatrische Gutachten von Dr. med.
B._
vom
31. Oktober 2012 aus dem UV-Verfahren beizuziehen
sei (S. 3)
.
D
ie Behauptung der Beschwerdegegnerin, es liege kein rechtlich relevanter medi
zinischer Gesundheitsschaden vor, könne mit Blick auf die psychiatrischen Gutachten in keiner Weise nachvollzogen werden, zumal auch der R
egionale Ärztliche
D
ienst der Beschwerdegegnerin
den Beweiswert der Gutachten
von
Dr.
Z._
und
Dr.
A._
bestätigt habe. Mit der Aussage, sämtliche von Dr.
Z._
und Dr.
A._
erhobenen psychischen und damit
gesundheitsre
levanten
Beschwerden seien psychosozial, setze die
Beschwerdegegnerin
in Überschreitung und Verletzung ihres verwaltungsrechtlichen Ermessens ihr ei
genes Urteil anstelle desjenigen der Mediziner. Gestützt auf die Gutachten
von Dr.
Z._
und
Dr.
A._
sei davon auszugehen, dass er von März 2010 bis Juli 2013 vollständig arbeitsunfähig gewesen und seit August 2013 in ange
passter Tätigkeit noch 50
%
arbeitsunfähig sei
(S.
6 f.)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist vorliegend
der Anspruch auf eine Invalidenrente, wo
bei insbesondere
die Arbeitsfähigkeit
aus psychiatrischer Sicht umstritten ist.
3.
3.1
Dr. med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Medizin,
berichtete am
5. Juni 2010 (Urk. 6/10/4-5)
und nannte folgende Diagnosen (S. 1
Ziff.
1):
z
ervi
ko
-brachial-Syndrom linksbetont
depressive Episode bei Verarbeitungsstörung
,
seit gut einem Jahr
Er führte aus, dass der Beschwerdeführer in der angestammten Tätigkeit
vom 15.
März bis zum 31. März 2010 und vom 3. Mai bis zum 30. Mai 2010 zu 30
%
und
- aufgrund der
Schilderung eines Überfallereignisses vom 30.
Mai 2010
mit Bedrohung und entsprechender panischer Reaktion mit Verarbeitungsstörung
-
seit dem 31. Mai 2010 auf unbestimmte Zeit zu 50
%
arbeitsunfähig sei.
3.2
Dr. med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
erstattete sein psychiatrisches Gutachten zuhanden der Krankentaggeldversicherung am
19. Dezember 2010
(
Urk. 6/42)
und führte aus, dass eine retrospektive Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit grundsätzlich schwierig sei und im vorliegenden Fall aufgrund der spärlichen Datenlage praktisch nicht vorgenommen werden könne. Hingegen könne klar festgestellt werden
, dass beim Beschwerdeführer
aktuell keine psychische Störung von Krankheitswert
bestehe. Der psychopa
thologische Befund sei unauffällig gewesen und es habe insbesondere keine Hinweise für eine depressive oder ängstliche Symptomatik oder eine kognitive Einschränkung gegeben
. Der Beschwerdeführer bedürfe offensichtlich bis auf die gelegentliche Einnahme einer Beruhigungstablette auch keiner
psycho
pharmakologischen
Behandlung
(
S. 9 oben
).
Der
Beschwerdeführer sei
in seiner Arbeitsfähigkeit als Gemeindeammann oder in einer anderen in Frage kommenden Tätigkeit nicht eingeschränkt
. E
s l
ä
gen keine ungünstigen äusseren Faktoren vor, die einer Arbeitsaufnahme entgegen wirk
t
en
(S. 9 unten)
.
3.3
Med.
pract
.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berich
tete am 9. Juni 2011 (Urk.
6/20) und nannte folgende
Diagnose
mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1
Ziff.
1.1)
Anpassungsstörung
Er führte aus, der Beschwerdeführer sei als
Stadtammann
seit dem 3. Juni 2010 zu
100
%
arbeitsunfähig (S. 2
Ziff.
1.6).
3.4
Dr. med.
Z._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
erstattete ihr psychiatrisches Gutachten zuhanden der Beschwerdegegnerin am
1
6.
September 2011 (Urk. 6/25)
und nannte folgende
Diagnosen mit Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 10)
:
chronifizierte
pos
ttraumatische Belastungsstörung (ICD-10
F43.1
)
andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung
(ICD-10
F62.0
)
mittelgradige bis schwere depressive Episode
(ICD-10
F32.1/2
)
Sie führte aus,
dass der Gesundheitszustand aktuell nach der stationären Behand
lung von April bis Juli 2011 etwas gebessert erscheine, aber noch nicht absolut stabil sei. Es bestehe weiterhin eine beträchtliche Depressivität mit la
tenter Suizidalität, die jederzeit wieder aufbrechen könne.
Von Seiten der post
traumatischen Belastungsstörung sei der Beschwerdeführer weite
r
hin sympto
matisch.
Der Gesundheitszustand sei noch zu wenig stabil für eine ursächlich wirksame
traumaspezifische
Behandlung (S. 12).
Die Leistungsfähigkeit sei einerseits durch die Depressivität und andererseits speziell und längerfristig auch durch die Symptomatik der posttraumatischen Belastungsstörung reduziert
(S. 12 unten)
.
Als Betreibungsbeamter sei der Beschwerdeführer seit März 2010 vollständig
ar
-
beitsunfähig
. S
olange insbesondere die
Traumafolgestörung
noch derart symptomatisch sei,
bestehe im angestammten Beruf weiterhin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. In einer noch zu definierenden, momentan wegen des schlechten Gesundheitszustandes noch nicht zu bestimmenden angepassten Tä
tigkeit sei ebenf
alls
seit 2010 von einer
vollständige
n
Arbeitsunfähigkeit
auszu
gehen (S. 13 unten).
3.5
Dr
. med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, R
egionaler Ärztlicher Dienst (R
AD
) der Beschwerdegegnerin, nahm am
2
5.
Oktober 2011
Stellung
(Urk. 6/59/4-6)
und führte aus, das
Gutachten
von
Dr.
Z._
sei
bezüglich
der Beurteilung
der medizinischen Zusammen
hänge einleuchtend und die medizinischen Schlussfolgerungen s
eien
begründet.
3.6
Dr. med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
erstattete sein psychiatrisches Gutachten zuhanden der Unfallversicherung am
3
1.
Oktober 2012
(
Urk. 6/50)
und nannte folgende
Diagnosen (S. 5)
:
chronifizierte
posttraumatische Belastungsstörung
(ICD-10
F43.1
)
andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung
(ICD-10
F62.0
)
leichte bis m
ittelgradige depressive Episode (ICD-10
F32.1
)
Er führte aus, es sei
definitiv nicht davon auszugehen, dass der Beschwerde
führer je wied
er einmal als Gemeindeammann wer
d
e
arbeiten können. Die ent
sprechende Arbeit
wäre
mit erneuten
Retraumatisierungen
verbunden.
Mittel- und längerfristig
sei
es durchaus möglich, dass der Beschwerdeführer einer Tei
lerwerbstätigkeit nachgehen könne (S. 8)
.
3.7
Dr. med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
, erstattete sein psychiatrisches Gutachten zuhanden der Beschwerdegegnerin am
3
0.
Dezember 2013 (Urk. 6/53)
und nannte folgende
Diagnosen mit Auswirkun
gen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 20)
:
posttrau
matische Verbitterungsstörung (
vorläufige ICD F43.21
)
durch die herabwürdigend erlebten Arbeitskonflikte
von
2007
bis 2
010 und damit verbundenen
V
erluste (Arbeitsplatz, Wohnung, An
sehen, finanzielle Re
s
sourcen),
mit Verbitterung, Selbst- und Fremdaggression
reaktive m
ittelschwere depressive Episode (ICD-10
F32.1
)
inzwischen weitgehend remittiert, noch knapp
leichtgradig
posttraumatische Belastungsstörung
(ICD-10
F43.1
)
nach 1998, verzögerte Reaktivierung, in
zwischen weitgehend remit
tiert
Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10
Z73.0
)
Auffälligkeiten im emotionalen und kognitiven Erleben sowie der
Be
-
zie
hungsgestaltung
Er führte aus,
dass beim Beschwerdeführer aktuell noch knapp eine leichte De
pression vorliege, was auch mit den Einschränkungen im Alltag und dem
Akti
vitätsniveau
vereinbar sei (S. 17 unten).
Seit August 2013 könne der Beschwer
deführer wieder einen Tag pro Woche in einer Apotheke arbeiten (S. 24 unten).
Beim Beschwerdeführer werde die Leistungsfähigkeit durch residuale depressive Beschwerden, residuale posttraumatische Symptome sowie eine posttraumati
sche Verbitterungsstörung eingeschränkt. Heute müsse man annehmen, dass im Betreibungsamt übliche Konflikte mit Klienten zu einer Reaktivierung der PTSD-Symptomatik mit starker innerer Bedrängnis und allenfalls auch gewalt
samen Fehlleistungen führen würden. Insofern wäre diese Tätigkeit unzumutbar
.
In der bisherigen Tätigkeit als Betreibungsbeamter bestehe seit dem angefragten Zeitpunkt (
1.
September 2010) deshalb krankheitsbedingt keine Arbeitsfähigkeit mehr.
In Verweistätigkeiten habe, soweit rekonstruierbar, bis Ende Juli 2013 keine Ar
beitsfähigkeit bestanden. Ab dem
1.
August 2013, mit Beginn der Tätigkeit in der erwähnten Apotheke
und unter Berücksichtigung der verschiedenen Hin
weise auf eine Verbesserung des Gesundheitszustandes im Vergleich zu den Vorgutachten, müsse von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden.
In Haushaltstätigkeiten bestehe keine Einschränkung. Im geschützten Rahmen wäre eine vollschichtige Präsenzzeit zumutbar (S. 25).
Durch die zeitliche Distanz zu den Ereignissen (Überfall, Konfliktsituationen am Arbeitsplatz, Anklage wegen Veruntreuung, Verlust der Eltern) sei bereits eine Besserung eingetreten, die sich unter anderen in der Teilzeittätigkeit in einer Apotheke seit August 2013 zeige. Eine weitere Besserung sei wahrscheinlich, insbesondere wenn berufliche Massnahmen durchgeführt würden (S. 27).
Im Zusammenhang mit den beschriebenen Arbeitskonflikten und erneuten be
drohlichen Ereignissen am Arbeitsplatz müsse ab zirka 2009 eine Reaktivierung der nach dem Überfall von 1998 zwischenzeitlich abgeklungenen Symptomatik stattgefunden haben, die dann mit dem Auslaufen des gemeindlichen Mandats Mitte Juli 2010
und dem Betrugsversuch im Juni 2010
exazerbiert
sei, dies im Zusammenhang mit weiteren psychosozialen Belastungsfaktoren.
Der
Gesund
heitsschaden
sei jedoch bereits wieder in Rückbildung, mit zunehmender Dis
tanz zu den Ereignissen (S. 27 f.).
Zusammenfassend besteh
e
also eine durchgängige Arbeitsunfähigkeit von 100
%
in der angestammten Tätigkeit und, unter Abzug
IV
-fremder Faktoren, eine durchgängige 50%ige Arbeitsunfähigkeit in angepassten Tätigkeiten
(S. 28)
.
3.8
D
ipl. med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD
der Beschwerdegegnerin
,
nahm am
2
4.
Januar 2014
Stellung
(Urk. 6/59/7-8)
und führte aus, d
as Gutachten
von Dr.
A._
erfüll
e
die formalen Qualitätskriterien und
sei
nachvollziehbar und in seinen medizinischen Schlussfolgerungen plau
sibel.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom 2
2.
Juli 2014 (
Urk.
2) entgegen der Einschätzung ihres RAD davon aus, dass beim Be
schwerdeführer
kein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliege
.
Die durch
psychosoziale Belastungsfaktoren hervorgerufenen gesundheitlichen Einschrän
kungen könnten versicherungstechnisch nicht berücksichtigt werden, weshalb kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe
(vgl. vorstehend E. 2.1).
4.2
Die Würdigung der medizinischen Akten ergibt, dass das psychiatrische Gutach
ten von Dr.
A._
(vgl. vorstehend E. 3.7)
vom
3
0.
Dezember 2013 (
Urk.
6/53)
die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden in angemessener Weise be
rück
sichtigt, in Kenntnis der und in Auseinanderset
zung mit den
Vorakten
er
stattet wurde und der konkreten medizinischen Situa
tion Rechnung trägt. So zeigte Dr.
A._
in nachvollziehbarer Weise auf, dass
sich ein weitgehend konsistentes Bild bezüglich der anamnestischen Angaben, dem beobachtbaren Verhalten, der objektiven Befunde und der subjektiven Beschwerdeäusserungen
ergeben habe. Hinweise auf
Simulanz
oder übermässige Aggravation habe es keine gegeben (S. 15).
Er legte ausserdem plausibel dar,
dass beim Beschwerde
führer aktuell noch knapp eine leichte Depression vorliege, was auch mit den Einschränkungen im Alltag und dem Aktivitätsniveau vereinbar sei (S. 16 f.). Weiter setzte sich Dr.
A._
differenziert mit
der Psychopathogenese und dem Störungsverständnis des Beschwerdeführers auseinander (S. 19 f.) und
äusserte sich
ausdrücklich zu
r Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers (S. 25).
Schliesslich nahm er ausführlich Stellung zu abweichenden medizinischen Be
urteilungen (S. 26 f.).
Die
Beurteilung leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammen
hänge ein und die vorgenommenen Schlussfolgerungen zu Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit werden ausführlich begründet. So zeigte der Gutachter in nachvollziehbarer Weise auf, dass
beim Beschwerdeführer bis Ende Juli 2013 keine Arbeitsfähigkeit bestanden habe und ab dem
1.
August 2013 von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit
in Verweistätigkeiten
ausgegangen werden könne
(S. 25).
D
ie Beurteilung
durch Dr.
A._
(vorstehend E. 3.
7
) ist nach dem Gesag
ten für die Beantwortung der gestellten Frage umfassend.
Das Gutachten erfüllt damit die
praxisgemässen
K
riterien (vgl. vorstehend E. 1.5
) vollumfäng
lich, so da
ss für die
Entscheidfindung
und – entgegen den Ausführungen der
Beschwerdegegne
rin
-
insbesondere
auch
für
die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit darauf abge
stellt werden kann.
4.3
Den Ausführungen der Beschwerdegegnerin, wonach
beim Beschwerdeführer keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vor
liege und
die
diagnostizierten Leiden
keiner langdauernden, schweren Erkrankung mit erheblicher und dauerhafter Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
entsprächen, kann nicht beigepflichtet wer
den.
So führte Dr.
A._
im Gutachten (
Urk.
6/53)
ausdrücklich und
in
nachvollzieh
barer Weise aus,
dass die psychosozialen Probleme die Störung ei
nerseits verschlechtert und auch teilweise direkt unterhalten
hätten
, andererseits trotzdem von einer eigenständigen Störung auszugehen sei
, wobei aktuell psy
chosoziale Probleme nur noch eine untergeordnete Rolle spielen würden. Die diagnostizierten Störungen seien heute alleine für die aktuelle Arbeitsunfähig
keit von 50
%
verantwortlich
(S. 26).
Für den Zeitraum von Juni 2010 bis Juli 2013 sei die 100%ige Arbeitsunfähigkeit in angepassten Tätigkeiten zu 50
%
über den direkten Effekt von psychosozialen Faktoren erklärbar und zu 50
%
krankheitsbedingt. Seit August 2013 könne kein Effekt psychosozialer Faktoren auf die Arbeitsfähigkeit mehr ausgemacht werden, wobei jedoch seit August 2013 eine Teilarbeitsfähigkeit von 50
%
bestehe (S. 28).
Weiter machte
Dr.
A._
ausdrücklich darauf aufmerksam, dass
die von ihm diagnostizierte
Ver
bitterungsstörung
zwar
noch nicht in der ICD enthalten sei, ihre Aufnahme in die ICD-11 jedoch beantragt sei.
Die Diagnose mache ausserdem psychiatrisch Sinn und sei sauber anhand konkreter Kriterien definiert. Sie beschreibe das persistierende Beschwerdebild mit den Kernsymptomen des Beschwerdeführers sehr gut, während die Kriterien einer Persönlichkeitsstörung oder –
änderung
nicht erfüllt seien
, weshalb die Verwendung dieser Diagnose gerechtfertigt er
scheine
(S. 27)
.
4.4
Dr.
A._
hat sich in seinem Gutachten vom 3
0.
Dezember 2013 demnach auf die objektiven Befunde gestützt und psychosoziale Belastungsfaktoren als IV-fremd markiert und nicht in seine Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit
mitein
bezogen
. T
rotzdem kam er zum Schluss, dass sich anhand der aktuellen Befunde aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
für angepasste Tä
tigkeiten ergebe. Der RAD bestätigte
sodann
am 2
4.
Januar 2014 (vgl. vorste
hend E. 3.8), dass auf das Gutachten von Dr.
A._
a
b
gestellt werden könne und seine medizinischen Schlussfolgerungen plausibel seien.
Somit ist der Be
urteilung der Arbeitsfähigkeit durch Dr.
A._
auch aus rechtlicher Sicht zu folgen, zumal die Begutachtung lege
artis
durchgeführt wurde
und
unter Be
rücksichtigung der normativen Vorgaben gemäss Rechtsprechung
(BGE 130 V 352)
erfolgt
e
.
Schliesslich
sind keine konkreten fallgebundenen Gesichtspunkte ersichtlich, die im Rahmen der Folgeabschätzung eine im Vergleich zum medi
zinisch-psychiatrischen Sachverständigen abweichende Ermessensausübung ge
bieten würde
n
, womit die
Beurteilung
durch Dr.
A._
auch materiell
mit der Rechtsprechung des Bundesgerichts vereinbar
ist
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_522/2014 vom 2
4.
Oktober 2014 E. 2.4.1).
N
ach dem Gesagten
er
schein
t
die von Dr.
A._
attestierte
50%ige
Arbeits
un
fä
higkeit angesichts der von ihm erhobenen Befunde und Diagnosen als
nachvoll
ziehbar.
4.5
Zusammenfassend
ist festzuhalten, dass auf die überzeugende, nachvollziehba
re und ausführ
lich begründete Einschätzung
durch
Dr.
A._
abzustellen und somit
seit Juni 2010
von einer
50%igen Arbeitsfähigkeit
in einer angepassten Tätigkeit auszugehen ist.
D
ie angefochtene Verfügung vom 22
.
Juli
2014
ist nach dem Gesagten
aufzuhe
ben
und die Angelegenheit
zu
r
Durchführung eines
Einkommensvergleichs
und hernach zu neuem Ent
scheid über das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
.
5
.
5
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen, weshalb der vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Prozessentschädi
gung
hat. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses und beim massgebenden Stundenansatz
für das Jahr 2014
von
Fr.
2
0
0.-- (zuzüg
lich Mehrwertsteuer) auf Fr. 1‘
9
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.