Decision ID: 65e39076-6543-48bf-a1dc-13d6264c3987
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1957,
verfügt über
keine Berufsausbildung und lebt seit 1979 in der Schweiz.
Sie arbeitete stets Vollzeit und war
a
ls Raumpflegerin,
später
als Serviererin und a
b
August
1999
als Kassierer
i
n bei der
Y._
tätig
(
Urk.
11/17 S. 2
,
Urk.
11/66 S.
1
2
und 22
)
.
Im Alter von 45 Jahren entwickelte sie
erste
psychische Beschwerde
n
,
die
im Herbst 2011 zu einem Kuraufenthalt in
Z._
führten.
In der Folge
s
teigerte
die Versicherte ihr
Arbeitspensum
wieder
auf 100
%
(
Urk.
11/7 S. 3)
. Seit 19. Oktober 2012 ist sie in der
bisherigen
Tätig
keit
z
u 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
11/66 S. 30). Infolgedessen
beendete d
ie Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis per 31
. Juli 2013 (
Urk.
11/18)
.
Während
ihres
Aufenthalt
s
in der
A._
vom 18. Januar 2013
bis 26. März 2013 (
Urk.
11/38 S. 10
)
meldete
sich die Versicherte
a
m 6. Februar 2013
wegen Depressionen zur beruflichen Integration
und zum Rentenbezug bei der
Sozial
-
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfolgend: IV-Stelle)
,
an (
Urk.
11/1,
Unterschrift
Urk.
11/8).
Die IV-Stelle führte eine Eingliederungs
-
beratung durch (
Urk.
11/22
,
Urk.
11/34
)
und leistete Kostengutsprache für ein Belastbarkeitstraining (
Urk.
11/20 S. 1)
. Dieses brach
die
Versicherte
im Juni 2013
nach
wenigen
Tagen
ab
(
Urk.
11/33 S. 1).
Weiter holte die IV-Stelle
Berichte bei der behandelnden Ärztin (
Urk.
11/38), der Klinik (
Urk.
11/14) und der
ehemaligen
Arbeitgeberin
(
Urk.
11/31)
ein,
beteiligte sich
an
einem
Gut
achten
der Krankentaggeldversicherung
der Versicherten
(
Urk.
11/54
,
Urk.
11/49 S. 3-14) und
gab
letztlich
ein polydisziplinäres Gutachten
bei der MEDAS
B._
in Auftrag
(
Urk.
11/66)
.
Schliesslich stellte sie
im
Vorbescheid vom 10. September 2014
eine
Verneinung des Rentenanspruchs in Aussicht
(
Urk.
11/69). Dagegen
liess die
Versicherte
am 10. Oktober 2014 Einwand erheben
unter Hinweis
auf eine
n
erneute
n
Klinikau
fenthalt
(
Urk.
11/74)
.
Die
zweite
stationäre Behandlung
in der
A._
dauerte
vom 8. Oktober 2014 bis 20. November 2014
. Am 28. Oktober 2014
unternahm die Versicherte
einen Suizidversuch.
Die IV-Stelle holte
daraufhin
einen Bericht der Klinik ein (
Urk.
11/79)
und
verneinte
mit Verfügung vom
27. Januar 2015
den Rentenanspruch
im Sinne des Vorbescheids
(
Urk.
2).
2.
Gegen diese Verfügung liess die Versicherte mit Eingabe vom 27. Februar 2015, vertreten durch Milosav Milovanovic
,
Beratungsstelle für Ausländer (Vollmacht
,
Urk.
4), Beschwerde erheben und verlangte die Zusprechung einer ganzen I
nvalidenre
nte (
Urk.
1).
Die IV-Stelle
schloss
mit
Beschwerdeantwort vom 23. April 2015
auf
Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10).
Des Weiteren
bewilligte das
Sozialversicherungsgericht
das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung
(
Urk.
5-9 und
12)
. Schliesslich reichte
die Versicherte m
it Ein
gabe vom 18. Mai
2015
(
Urk.
13)
einen weiteren Arztbericht (
Urk.
14) ein
. D
ie
IV-Stelle
verzichtete
auf eine Stellungnahme
dazu
(
Urk.
17).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invaliden
-
ver
sicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkungen der Erwerbs
-
fähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustel
len ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen Beein
trächtigung verein
bar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwer
tung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versicherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen
festzu
-
stel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
-
liegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen
Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls
in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten, 3. Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Gegenstand der angefochtenen Verfügung
vom 27. Januar 2015
ist der Anspruch auf eine I
nvalidenr
ente. Die Beschwerdegegnerin zog
sinngemäss
in Betracht
,
dass es der diagnostizierten
psychischen Störung
bereits an der erfor
derlichen Erheblichkeit fehle, um als invalidisierend zu gelten
–
zumal
von einem verbesserten Gesundheitszustand nach dem
letzten
Klinikaufenthalt aus
zugehen sei.
Aus medizinischer Sicht
sei
diese
zudem
nur mit Belastung
en
im sozialen Umfeld zu erklären
, welche
indes
nicht IV-relevant
seien
(
Urk.
2).
2.2
D
ie Beschwerdeführerin
beantragt
demgegenüber
die Zusprechung einer gan
ze
n
Invalidenr
ente
. Zur Begründung führte sie sinngemäss aus
, sie
habe ein schweres Leben
hinter sich
und sei suizidgefährdet
.
Die Pflege der Familienmit
glieder sei nur eine Teilursache
ihrer
Erkrankung.
Zudem sei d
ie Prognose
gestützt auf die
Arztberichte
ungünstig.
In
s
besondere
hätten d
ie
Ärzte der MEDAS
festgestellt
, dass sie
aufgrund ihrer depressiven Störung ihre Leis
tungsfähigkeit
nur ungenügend steuern
könne
,
erst nach einem Arbeits-
oder
Eingliederungsversuch in einer adaptierten Tätigkeit
zu 50
%
arbeitsfähig sei und
d
ie Erkrankung nicht allein durch psychosoziale Faktoren verursacht
wor
den
sei
(
Urk.
1).
3.
3.1
Nach dem ersten Klinikaufenthalt der Beschwerdeführerin holte zunächst deren
Krankentaggeldversicherung
ein Gutachten
beim
C._
ein
. Diese
s
wurde
von
Dr.
med. D._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
am 23. November 2013
erst
attet und am 2.
Januar 2014
sowie 3. März 2014
präzisierend
ergänzt
(
Urk.
11/49 S. 6-17
;
Urk.
11/57
)
.
Sie
diagnostizierte gestützt auf die
ihr zuge
stellten
Akten sowie eine Exploration der Beschwerdeführerin am 28. Oktober 2013 (
Urk.
11/49 S. 7) eine
„
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Symptom (ICD-10: F 32.2)
“.
In ihrer Beurteilung hielt die Gutachterin
unter anderem
fest,
es
liege ein chronisch ausgebildetes depressives Symptombild vor. Trotz intensiver psychi
atrischer Behandlung mit diverser antidepressiver Medikation in angemessenen Dosierungen sowie einer
Hospitalisation
habe
die Beschwerdeführerin
bisher keine vollkommene Remission erreicht. Die eigenen und fremdanamnestischen Angaben hinsichtlich des psychopathologischen
Befundes mit ausgeprägter Freu
dlosigkeit, Lustlosigkeit, Leistungsminderung und Insuffizienzgefühlen, die seit Jahren episodisch aufgetreten seien, würden für eine rezidivierende depres
sive Erkrankung, aktuell mittelgradiger Ausprägung sprechen. Als
krankheits
unterstützende
Faktoren seien ausdrücklich psychosoziale Stressfaktoren gege
ben wie die schwere Erkrankung des Ehemannes und die Kündigung des Arbeitsverhältnisses.
Aus psychiatrischer Sicht sei ein erneuter Arbeitsversuch zu befürworten, da sich die Beschwerdeführerin durch ihre Leistung selbst defi
niere und die aktuelle Arbeitslosigkeit die depressiven Symptome eher verstärke (
Urk.
11/49 S.12).
Die Gutachterin
attestierte
der Beschwerdeführerin
eine 50%ige Arbeitsfähig
keit
als Kassiererin
. Das
50%-
Pe
nsum sei langsam aufzubauen. Zudem sei zu befürchten, dass die Beschwerdeführerin
o
hne angemessene Betreuung an einem geeigneten Arbeitsplatz
(nicht hoch frequentiert, geringere Kundendichte)
jegliche Tätigkeit abbreche.
Negativ
wirke
sich das
Ausmass
der rezidivierenden depressiven Störung
aus
mit herabgesetzter Belastbarkeit, Konzentrations
-
st
örungen und depressiver Grund
stimmung
.
D
ie Beschwerdeführerin
besitze
nicht mehr die Fähigkeit, hinreichend ausdauernd zu arbeiten. Die psychische Energie und der Antrieb seien deutlich eingeschränkt.
Es liege ein mehrjähriger Verlauf mit progredienter Symptomatik vor.
Die Prognose sei ungewiss. Der bisherige Verlauf habe
aber
gezeigt, dass nicht davon auszugehen sei, dass
sie
langfristig ein volles Pensum erlange
n könne
. Trotzdem könne
sich
ein Arbeits
-
coaching vor Ort
positiv
auf die Erlangung einer höheren
Arbeitsfähigkeit aus
wirken
. Psychosoziale Belastungsfaktoren hätten aktuell einen Einfluss von bis zu 10
%
, d.h.
lasse man diese
ausser
Acht, s
ei
die Beschwerdeführerin zu
geschätzt
60
%
arbeitsfähig
(
Urk.
11/49 S. 13 un
d
15 f.)
.
3.2
Nach Vorliegen des Gutachtens holte die Beschwerdegegnerin eine Stellung-
nahme
des regio
nalen ärztlichen Dienst
es
(RAD)
ein.
Die RAD-Ärztin
Dr.
med.
E._
, Fachärz
t
in für Allgemeine Innere Medizin,
gelan
g
te zum Schluss
, Wortlaut und
K
odifizierung
der Diagnose
würden
nicht übereinstimmen und die Widersprüche zu den
Vorakten
nicht diskutiert
(
Urk.
11/68 S. 5 f.)
3.3
D
ie IV-Stelle
gab
deshalb
ein polydisziplinäres (
psychiatrisch, orthopädisch
,
internistisch) Gutachten bei der MEDAS
B._
in Auftrag (
Urk.
11/63 S. 1
). Die Gutachter untersuchten die
Beschwerdeführerin
am
26., 27.
u
nd 28
.
Mai 2014
(
Urk.
11/63
) und erstatteten ihr Gutachten am
26. Juni 2014 (
Urk.
11/66
).
Als objektiver Befund
wurde im Teilgutachten Psychiatrie
festgehalten,
die Beschwerdeführerin
sei
stets wach, bewusstseinsklar, allseits orientiert, auf
merksam und konzentriert gewesen. Merkfähigkeitsstörungen
seien keine beobachtet worden. Das Ergebnis des Mini-Mental-Tests spreche gegen gröbere kognitive Störungen. Das Denken sei formal intakt
.
Abnorme Befürchtungen, Ängste oder Zwänge ebenso Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen seien keine
eruierbar
gewesen. Sie leide an keinen Phobien, Wahnstimmungen,
Wahnwahr
nehmungen
oder Wahngedanken.
Sie
habe während der Untersuchung einen guten affektiven Rapport aufrechterhalten und alle Fragen sachlich beantwortet. Affektiv habe sie z
umeist
einen deprimierten Eindruck gemacht und s
ich etwas hoffnungslos gezeigt.
Dysphorisch
oder gereizt sei sie jedoch nicht gewesen
.
Sie
habe sich sehr über ihr Schicksal beklagt, einige Male geweint und betont, keine Lust zum Leben zu haben, so wie es jetzt sei. Sie habe praktisch ununterbrochen geredet, sei mit ihrem Leid beschäftig
t
gewesen, habe viel Selbstmitleid gezeigt und sich sehr bemüht, ihre Not zu kommunizieren. Sie sei indes affektiv noch schwingungsfähig gewesen. Mimik, Gestik und Stimme seien den Inhalten ent
sprechend adäquat gewesen. Antriebs- oder psychomotorische Störungen hätten si
ch
währen
d
des Gesprächs keine gezeigt.
Gegenwärtig sei sie nicht suizidal und würde sich auch aus Rücksicht auf die Familie nichts antun.
Sie
habe glaubwürdig einen Verlust an Lebensfreude, teilweise Interessenverlust und eine allgemeine Erschöpfung geäussert. Ein niedriges Selbstwertgefühl oder Selbst
vertrauen habe nicht im Vordergrund gestanden. Sie habe jedoch die Befürch
tung geäussert, sie würde sich als Versagerin fühlen, sollte s
i
e bei einem erneu
ten Arbeitsversuch scheitern. Schuldgefühle oder allgemein pessimistische Zukunftsperspektiven seien nicht ausgeprägt gewesen. Schlafstöru
ngen hätten
sich keine gezeigt
. Alsdann habe sie von einem
Libidoverlust
in den letzten Jahren berichtet
(
Urk.
11/66 S. 17)
.
In der polydisziplinären Zusammenfassung
hielten
die Gutachter
als
Hauptdiag
nose
mit Einschränkung
der zumutbaren Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, mit teilweisem
somati
schem
Syndrom (ICD-10: F
33.11) fest.
Als
Nebend
iagnosen, welche die Arbeitsfähigkeit nicht wesentlich einschränkten,
nannten sie:
mittelgradige
medialbetonte
Gonarthrose beidseits, links
mehr als
rechts, aktuell asymptoma
tisch
;
Insertionstendopathie
Kniegelenk links
;
Genua
valga
beidseits
;
Hüftge
lenksfunktionsstörung
links, bei muskulärer
Dysbalance
;
Spondylarthrose
L5/S1
asymptomatisch
;
Knick-Senk-Spreizfuss beidseits
;
Hallux
valgus
beidseits
;
Adipositas, BMI 33.2 kg/m
2
(ICD-10:
E66.00
)
;
Hypercholesterinämie (ICD-10: E78)
und
Dyspepsie (ICD-10: K30)
. Zur Arbeitsfähigkeit
hielten die Gutachter fest, dass
sich aus allgemein-internistischer und orthopädischer Sicht keine Einschränkungen in Bezug auf die Leistungsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Kassierin ergäben. Es bestünden allenfalls qualitative Einschrän
kungen des positiven Leistungsbildes für ständiges Treppengehen, Leiternsteigen und ständiges Heben von Lasten über 15 kg. Dementsprechend könne die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als adaptierte angenommen werden. Allerdings bestehe als Kassiererin eine Arbeit
sunfähigkeit von 100
%
seit 19.
Oktober 2012,
da die Beschwerdeführerin der
damit verbundenen
Hektik und dem Zeit
druck nicht gewachsen sei. P
olydisziplinär sei damit die psychiatrische Beurtei
lung führend
(
Urk.
11/66 S. 30). In einer adaptierten Tätigkeit resultiere ein
e
Reduktion
der Arbeitsfähigkeit
um 50
%
aus der depressiven Störung mit redu
zierter Energie, Durchhaltefähigkeit und vermehrtem Pausen-
bzw.
Erholungs
bedarf
. Die Beschwerdeführerin könne eine adaptierte Tätigkeit nach einem Arbeitsversuch bzw. Wi
e
dereinglie
de
rungs
versuch anfangen. Diese sollte sie in einer ruhigen, nicht hektischen Umgebung ohne Zeitdruck ausführen können
(
Urk.
11/66 S. 31).
3.4
Die RAD-Är
z
t
in
erklärte
am 15. Juli 2014
, aus medizinische
r Sicht sei dem neuen Gutachten
zu folgen.
Sie
hob
unter anderem
hervor, dass die Prognose ein
geschränkt beurteilt werde und die psychiatrische Behandlung massgeblich der Erhaltung der 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit diene
(
Urk.
11/68 S. 7
f.
).
3.5
Im Herbst 2014 wurde die Beschwerdeführerin zum zweiten Mal stationär behan
delt.
Im Austrittsbericht der
A._
vom 17. Dezember 2014
wurde
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome
diagnostiziert
(
Urk.
11/79 S. 9).
Unter dem Titel „Diagnostik, Therapie und Verlauf“ wurde darauf hingewiesen, dass die Beschwerdeführerin am 28. Oktober 2014 in suizidaler Absicht 200 mg
Quetiapin
eingenommen habe, welches sie von zuhause mitgenommen habe. Die
Suizidalitätseinschätzung
habe am
2.
Tag gestoppt werden können. Auslöser für die Krise sei eine starke Hoffnungslosigkeit auf Besserung der depressiven Symptomatik und die Tabletteneinnahme eine Handlung im Affekt gewesen. Die Reduktion des Therapieplanes habe der Beschwerdeführerin viel Druck weg
ge
nommen.
Somit seien positive Aktivitäten (Stricken, Spazierengehen) erarbeitet worden, die ihr sehr geholfen hätten. Die Beschwerdeführerin sei in gebessertem Zustand mit insbesondere
Regredienz
der niedergeschlagenen Stimmung, sowie einer leichten Verbesserung der Antriebs- und Freudlosigkeit, ohne Anhalts
punkte für Selbst- oder Fremdgefährdung in die ambulante Weiterbehandlung entlassen worden (
Urk.
11/79 S. 11).
4
.
4.1
Die Argumentation der Beschwerdegegnerin stützt sich in erster Linie auf die im Gutachten der MEDAS gestellte Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit teilweise somatischem Syndrom (
Urk.
11/66 S. 27). Diese sei nicht als invalidisierend zu beurteilen. Auch die spätere Diagnose einer schweren depressiven Störung zufolge Ablehnung der IV-Leistungen sei nicht IV-relevant, zumal beim Klinikaustritt von einem ver
besserten Gesundheitszustand und einer klaren Distanzierung von Suizid-gedanken ausgegangen werden könne (
Urk.
2 S. 1).
Na
ch der Rechtsprechung
ist
eine
leichte depressive Episode mit somatischen Symptomen
praxisgemäss
prinzipiell
nicht geeignet, eine leistungsspezifische Invalidität zu begründen (Urteil des Bundesgerichts 9C_506/2014 vom
10. November 2014 E. 4.2). Leichte bis höchstens mittelschwere psychische Störun
gen aus dem depressiven Formenkreis gelten zudem grundsätzlich als therapeu
tisch
angehbar
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_759/2013 vom 4. März 2014
E. 3.6.1
mit Hinweisen). Bei mittelschweren depressiven Episoden (ICD-10 F32.1)
oder Störungen
verneint das Bundesgericht
ebenfalls
regelmässig
deren invalidisierende Wirkung
,
schliesst
diese jedoch nicht schlechthin aus. Konkret führte es dazu bis
anhin
aus, deren Annahme bedinge, dass
es sich nicht bloss um eine Begleiterscheinung einer Schmerzkrankheit handl
e
und im Weiteren, dass eine konsequente Depressionstherapie befolgt
werde
, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweis
e
(
Urteil
e
des Bundesgerichts 8C_774/2013 vom
3. April 2014 E.
4.2
und 8C_842/2013 vom 11. März 2014 E. 4.2 jeweils
mi
t
Hin
weisen).
4.2
Indessen hat
das Bundesgericht die vorrangige
Beachtlichkeit
der psychischen Komorbidität kürzlich im Rahmen einer Anpassung seiner Rechtsprechung zu
Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursache und
zu
vergleichbare
n
psychosomatische
n
Leiden
aufgegeben. Der neue Entscheid beruht auf der Idee, dass die Invaliditätsbemessung stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen der Beschwerden zu berücksichtigen hat (vgl. zur neuen Recht
sprechung
Urteil
des Bundesgerichts
9C_
492/2013 vom 3. Juni 2015
insbeson
dere E. 3.6 und 4.1.1)
. In diesem Sinne ist auch der Hinweis des Bundesgerichts in einzeln
en seiner bisherigen Entscheide
zu verstehen, es habe die Annahme, dass eine leichte bis mittelgradige depressive Episode eine IV-rechtlich relevante Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit bewirke, nicht als offensichtlich un
richtig qualifiziert. Es könne daher kein anderes Ergebnis resultieren, wo eine mittelschwere depressive Episode respektive Störung vorliege (
Urteil des Bundesgerichts
9C_980/2010
vom
20. Juni 2011
E.
5.3
mit Hinweis
).
Demzu
folge kann der Rentenanspruch bei einer mittelgradigen depressiven Episode nicht allgemein, d.h.
einzig
gestützt auf die Diagnose und unbesehen der erwerbsbezogenen Auswirkungen im Einzelfall verneint werden.
4
.
3
Es kommt hinzu, dass für die gerichtliche Beurteilung eines Falles die tatsächli
chen Verhältnisse zur Zeit des Erlasse
s der angefochtenen
Verwaltungs
verfü
gung
massgebend
sind (
BGE 121 V 362 E. 1b,
Urteil des Bundesgerichts
9C_67/2012
vom
4. Juli 2012 E.2.2
)
.
Daraus folgt, dass
die
Beschwerdegegnerin
Sachverhaltsentwicklungen
wie etwa eine Verbesserung oder eine Verschlech
terung des Gesundheitszustandes, die im
Laufe des IV-Abklärungsverfahrens eintreten, in der zu erlassenden Verfügung bei der Beurteilung
des
Leistungs
anspruchs
zu berücksichtigen
hat. Es ist deshalb dem Umstand Rechnung zu tragen, dass sich die Beschwerdeführerin rund fünf Monate nach der Begutach
tung durch die
Ärzte
der MEDAS erneut in stationäre Behandlung begab.
Dem Austrittsbericht der
A._
vom 17. Dezember 2014 ist
in diesem Zusammenhang
kein weitgehendes Abklingen der
nunmehr
als
schwer
diagnostizierten
depressive
n
Episode
zu entnehmen. Festgestellt wurde nur eine Verbesserung der Symptomatik, welche die Entlassung in eine ambulante Weiterbehandlung erlaubte (vgl. E. 3.5). Im
undatierten und nicht unter
-
zeichneten
Bericht zuhanden der Beschwerdegegnerin wies die Klinik
sodann
explizit darauf hin, dass die Beschwerdeführerin am 20. November 2014 zu 100 % arbeitsunfähig entlassen worden sei. Für eine weitere Prognose sowohl bezüglich der Arbeitsfähigkeit in der angestammten als auch in einer ange
passten Tätigkeit bitte man um Kontaktaufnahme mit der ambulanten
Behand
lerin
(
Urk.
11/79 S. 2 f.).
Eine solche ist nicht erfolgt.
Umgekehrt
ist auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, das behandelnde Ärzte und Therapiekräfte
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zwei
felsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc)
.
Die derzeit verfügbaren medizinischen Akten erlauben somit
noch
keine
ausrei
chend
zuverlässige Beurteilung der Schwere der depressiven Erkrankung und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit im Zeitpunkt des Erlasses der Rentenverfügung.
4.4
Der
von der Beschwerdeführerin im Laufe des Gerichtsverfahrens eingeholte Bericht der
A._
vom 17. April 2015
(
act
. 14) vermag daran nichts zu ändern
.
Tatsachen, die
sich nach Erlass der Rentenverfügung
verwirk
lichen, sind
nur
insoweit zu
berücksichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang
stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des Verfügungserlasses
zu beeinflussen (BGE 99 V 98 S. 102
,
Urteil des Bundesgerichts
9C_67/2012
vom
4. Juli 2012 E.2.2). Einerseits ist unklar, auf welchen Zeitpunkt sich di
e
Feststellungen der Är
zte
in diesem Bericht
beziehen. Andererseits ergibt sich
daraus
im Vergleich zu
den früheren
Berich
t
en
nichts
Neues (vgl.
Urk.
11/14/3,
Urk.
11/79)
.
4.5
Nicht gefolgt werden kann
sodann
der Beschwerdegegnerin, welche
mit dem Hinweis auf den
Auslöser der Episo
de, den
negative
n
Renten-
Vorbescheid
,
sowie
auf d
en verbesserten Gesundheitszustand nach dem Klinikaufenthalt
sinngemäss
eine höchstens vorübergehende Verschlechterung der depressiven Erkrankung geltend machte
und trotzdem auf die Diagnose im Gutachten der MEDAS abstellt
e
.
Einerseits häuf
t
en sich
jedoch
die Klinikaufenthalte (Eintritte August 2011, Januar 2013 und Oktober 2014) und die Schwere der Episoden
nahm
weiter zu. Anderseits
wurde
bereits
in den bisherigen Gutachten
ein eher ungünstiger Verlauf prognostiziert.
I
m Gutachten des
C._
wurde
etwa
festgehalten, dass ein chronisch ausgebildetes depressives Symptombild vorliege und trotz intensiver psychiatrischer Behandlung mit diverser antidepressiver Medikation in ange
messenen Dosierungen sowie einer
Hospitalisation
keine vollkommene Remission erreicht worden sei (
Urk.
11/49 S. 11).
Es liege ein mehrjähriger Ver
lauf mit progrediente
r Symptomatik vor.
Es sei nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin längerfristig ein volles Arbeitspensum erlangen könne (
Urk.
11/49 S. 15 f.).
Die Ärzte der MEDAS stellten ebenfalls fest, dass die Beschwerdeführerin an einer chronisch rezidivierenden Depression leide (
Urk.
11/66 S. 29
)
, nur zu 50
%
in einer adaptieren Tätigkeit arbeitsfähig sei
und die Prognose in Anbetracht der psychischen Entwicklung eher ungünstig sei (
Urk.
11/66 S. 31). Zu diesem Schluss kamen sie, obgleich die Blutspiegel-Untersuchung der Psychopharmaka zeigte, dass die Beschwerdeführerin ihre Medikamente anweisungsgerecht einnahm (
Urk.
11/66 S. 17)
,
und
sie
nach eigenen Angaben
wöchentlich ihre Psychiaterin und bei Bedarf den Hausarz
t aufsuchte (
Urk.
11/66 S. 14).
Aufgrund dieser Feststellungen
kann eine
länger dauernde
Arbeitsunfähigkeit
übrigens
auch vor dem Hinter
grund, dass es sich unbestritten um eine
rezidi
vierende depress
ive Störung handelt, nicht
ohne
Weiteres
ausgeschlossen wer
den.
5.
5
.1
Die Beschwerdegegnerin
argumentiert weiter
, gestützt auf die Akten sei die Depression einzig damit zu begründen, dass die Beschwerdeführerin neben der Arbeit noch ihren Ehemann pflegen müsse und der 39jährige, ebenfalls depres
sive Sohn noch zu Hause wohne. So habe diese bis ins Jahr 2013 100 % gear
beitet, obwohl ihr Vater Alkoholiker gewesen und ihre Schwester bereits mit 39 Jahren verstorben sei. Die letzte stationäre Massnahme sei eine Folge des nega
tiven
Vorbescheids betreffend eine
Rente gewesen. Medizinisch sei somit zwar eine volle Arbeitsunfähigkeit gegeben, aus rechtlicher Sicht sei diese aber nicht nachvollziehbar (
Urk.
2 S. 2).
5.2
Zur Annahme der Invalidität nach Art. 8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkran
kungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psycho-soziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausge
prägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von
Krankheits
wert
vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht ein
zig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden sozio-kulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterschei
dende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstim
mungszuständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im
fachmedizi
nischen
Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invali
dität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im
Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokul
turellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden
gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a,
Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität füh
ren, indem sie einen ver
selbst
ändigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner
–
unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden
–
Folgen verschlimmern, können sie sich
indessen
mittelbar
invaliditätsbegrün
dend
auswirken (Urteil
des Bundesgerichts
9C_
537/2011
vom
28
. Juni 20
12
E. 3.2
mit Hinweisen).
5.3
Dies ist eine Folge davon
, dass es sich bei der Invalidenversicherung um eine finale Versicherung handelt
.
Liegt ein
verselbständigter Gesundheitsschaden
vor, ist für dessen Anspruchserheblichkeit
also nicht
bedeutsam, ob soziale Umstände bei seiner Entstehung eine
massgebende
Rolle spielten. Eine
renten
begründende
Invalidität kann
deshalb
nicht allein mit dem Hinweis auf das Vorhandensein soziokultureller oder psychosozialer Belastungsfaktoren verneint werden
. Besteht erst ein verselbständigter Gesundheitsschaden, können soziale Umstände zudem einen Einfluss auf dessen Folgen haben und sich somit indirekt auf die Leistungen der Invalidenversicherung auswirken.
Kein verselb
ständigter
bzw. invalidenversicherungsrechtlich relevanter
Gesundheitsschaden liegt demgegen
über jedenfalls dann
vor,
soweit
durch soziale Umstände verur
sachte psychische Störungen wieder verschwinden,
wenn
die Belastungs
-
faktoren
wegfallen
(vgl. Urteile des
Bundesgerichts
8C_2013
vom
29
.
April 2014
E.
5.2.3, 9C_736/2011 vom 7. Februar 2012 E. 2.3.3 und 9C_766/2010 vom
20. Dezember 2012 E. 2.3.3 jeweils mit Hinweisen).
5.4
Im
Gutachten des
C._
wurde
diesbezüglich
neben der
Chroni
fizierung
und Progredienz der Beschwerden
ausdrücklich
festgehalten, dass als krankheitsunterstützende Faktoren psychosoziale Stressfaktoren gege
ben seien wie die schwere Erkrankung des Ehemannes und die Kündigung des Arbeitsverhältnisses (
Urk.
11/49 S. 11). Die Gutachterin attestierte der Beschwerdeführerin eine 50%ige Arbeitsfähigkeit als Kassiererin, das Pensum
sei
langsam aufzubauen und ein geeigneter Arbeitsplatz (weniger frequentiert, geringere Kundendicht
e
) sowie ein Arbeitscoaching nötig. Als Einschränkungen bezeichnete sie die herabgesetzte Belastbarkeit, Konzentrationsstörungen und eine depressive Grundstimmung. Es fehle der Beschwerdeführerin an der
Durch
haltefähigkeit
.
Die p
sychische Energie und der Antrieb seien deutlich ein
-
geschränkt. Psychosoziale Belastungsfaktoren hätten Einfluss auf die Schwere der Depression vor allem hinsichtlich der Leistungsfähigkeit. Diesen Einfluss quantifizierte die Gutachterin
mit
bis zu 10
%
. Bei
A
usser
a
chtlassen
dieser Faktoren sei die Beschwerdeführerin somit zu geschätzt 60
%
arbeitsfähig. Ein Arbeitscoaching könne sich zudem positiv auf die Erlangung einer höheren Arbeitsfähigkeit auswirken, indes sei aufgrund des bisherigen Verlaufs nicht mit der Erlangung eines vollen Pensums zu rechnen (
Urk.
11/49 S. 13 und 15 f.).
Demnach
ging
die Gutachterin
zweifellos
von einem
inzwischen
verselb
-
ständig
ten
Gesundheitsschaden aus, der auch bei Wegfall der belastenden
Umstände
weiter
bestehen würde
,
und
schätzt
e
die daraus folgende Arbeits
-
unfähigkeit auf mindestens 40
%
.
Gestützt auf diese Angaben lässt sich der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin jedoch nicht klären.
Einerseits hielt
die Gutachterin
eine nicht näher quantifizierte Erhöhung der Arbeitsfähigkeit in einem nicht näher spezifizierten Zeitraum mittels
Wiedereingliederungsmass
nahmen
für
m
öglich.
Andererseits
erfolgte
ihre
Beurteilung vor der letzten
und
soweit ersichtlich schwersten
depressiven Episode
im Herbst 2014
und berück
sichtigt
e
folglich nicht alle medizinischen Fakten
.
Nicht zuletzt
ist
auch
der
RAD-Ärztin beizupflichten, dass sich
d
ie Gutachterin
zunächst
nicht
mit den
Vorakten
auseinandersetzte. Im Schreiben vom 3. März 2014 verwies
sie als Ursache
für die unterschiedlichen Beurteilungen zumindest auf das fluktuie
rende Krankheitsbild (
Urk.
11/57 S. 4 f.).
Darüber hinaus äussert
e
sie sich
nur bedingt
zu den aus dem Gesundheitsschaden resultierenden Einschränkungen
. Es ist beispielsweise unklar,
ob Belastbarkeit
und Konzentrationsfähigkeit
leicht, mittel oder erheblich
beeinträchtigt sind
.
Insgesamt erfüllt das Gutachten die beweisrechtlichen Anforderungen somit nicht.
5.5
Dem Teilgutachten Psychiatrie der MEDAS ist
neben der vorerwähnten
Chronifi
zeriung
zu entnehmen, dass psychosoziale Faktoren auf den Verlauf, wie bei jeder Depression, einen gewissen Einfluss h
a
tten (
Urk.
11/66 S. 18). Bei der psychiatrischen Diagnose wies der untersuchende
Gutachter
jedoch
explizit darauf hin, die depressive Erkrankung sei primär und nicht alleine durch psychosoziale Faktoren verursacht (
Urk.
11/66 S. 19). Im Rahmen der
polydis
ziplinären
versicherungsmedizinischen
Beurteilung
stellten die
Gutachter
fest
, die Beschwerdeführerin leide seit über zehn Jahren an rezidivierenden Depressi
onen, diese würden durch psychosoziale Belastungen und Schicksalsschläge zusätzlich verstärkt (
Urk.
11/66 S. 28
).
Sie kamen zum Schluss, p
olydisziplinär führend sei die psychiatrische Beurteilung. Die Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit betrage 0
%
. Die Reduktion der Arbeitsfähigkeit um 50
%
in einer adaptierten Tätigkeit resultiere aus der depressiven Störung mit redu
zierter Energie, Durchhaltefähigkeit und vermehrtem Pausen- bzw.
Erholungs
bedarf
(
Urk.
11/66 S. 29 f.).
Zu den konkreten Einschränkungen
äusserten
sich die Gutachter wie folgt:
D
ie Beschwerdeführerin
sei
in der Lage, sich an Regeln und Routinen anzupassen. Ihre Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben sei durch die depressive Stimmung leicht reduziert. Grundsätzlich sei sie eine flexible und umstellungsfähige Person, durch die depressive Stimmung seien diese Eigenschaften jedoch leicht beeinträchtigt. Das Gleiche gelte für die Fähigkeit zur Anwendung fachlicher Kompetenzen. Durch die depressive Stim
mung sei die Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit leicht eingeschränkt, die Durch
h
alte- und Selbstbehauptungsfähigkei
t seien ebenfalls eingeschränkt,
d
ie Kontaktfähigkeit zu Dritten und die Gruppenfähigkeit hingegen
nicht
. Die Beschwerdeführerin sei zudem in der Lage, die öffentlichen Verkehrsmittel uneingeschränkt zu benützen (
Urk.
11/66 S. 19).
I
n diesem
Gutachten wird ein verselbständigter Gesundheitsschaden
also
eben
falls bejaht
. Weitere Ursachen neben den psychosozialen Faktoren werden dabei impliziert, aber nicht ausdrücklich genannt.
Nicht ersichtlich ist, ob die Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit auch die aktuelle Belastungssituation mitbe
rücksichtigt oder nicht. Zumindest fällt auf
, dass die Gutachter der Beschwer
deführerin eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
attestierten, obwohl sie sämtliche aus der dep
ressiven Erkrankung
fliessenden
Beeinträchtigungen
nur
als leicht qualifiziert
en.
Dies lässt sich nur mit der Berücksichtigung weiterer Faktoren schlüssig erklären.
Mit der Einschätzung im früheren Gutachten, dass die aktu
elle Belastungssituation nur geringfügig bzw. bis zu
10
%
zur Arbeitsunfähig
keit
be
i
trage, setzten sich die Gutachter
nicht auseinander.
Im Übrigen gilt
auch für dieses Gutachten, dass es
die letzte und schwerste Episode bis zum
Erlass
der Rentenverfügung nicht berücksichtigt
e
.
Ansonsten vermag es den formellen Anforderungen jedoch zu genügen und diskutiert insbesondere auch die Arbeitsfähigkeitseinschätzungen in den
Vorakten
(
Urk.
11/66 S. 21)
5.6
Schliesslich
ergeben sich aus dem Schreiben der ambulanten
Behandlerin
der Beschwerdeführerin,
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho-therapie, vom 3. Februar 2014 Hinweise darauf, dass die Depression erblich (mit-)bedingt sein könnte. So soll bereits der Vater der Beschwerdeführerin unter schweren Depressionen gelitten und ihr Sohn wegen desselben Leidens bereits mehrere Suizidversuche unternommen haben (
Urk.
11/52).
In den Gut
achten finden sich dazu jedoch keine Ausführungen.
5.7
Festzuhalten ist, dass sich das Gericht auch im Rahmen der freien Beweis-
würdi
gung
(Art. 61
lit
. c ATSG) weder über die den beweisrechtlichen
Anfor
derungen
genügende
n
medizinischen Tatsachenfeststellungen hinwegsetzen noch sich die ärztlichen Einschätzungen und Schlussfolgerungen zur
(Rest-)Arbeitsfähigkeit unbesehen ihrer konkreten sozialversicherungsrecht
-
lichen
Relevanz und Tragweite zu eigen machen
darf
(
Urteil
des Bundesgerichts
8C_842/2013 vom 11. März 2014
E.
4.3.2 mit Hinweisen
).
Die Beschwerdeführerin leidet seit über zehn Jahren an
psychischen Beschwer
den
, welche als chronische rezidivierende Depression mit zuletzt schwerer depressiver Episode ohne psychotische Symptome qualifiziert wurde
n
. Auch wenn die Beschwerdeführerin zunächst mit Hilfe von Medikamenten weiter 100
%
arbeiten konnte und psychosoziale
Faktoren
zweifellos stark zur Entste
hung des psychischen Krankheitsbildes beigetragen bzw. dieses (mit)verursacht haben, kann daraus allein noch nicht gefolgert werden, dass sich zwischenzeit
lich nicht eine verselbständigte psychische Störung herausgebildet hat. Ein von der aktuellen Belastungssituation unabhängiger Gesundheitsschaden wird denn auch
in
beiden Gutachten
bejaht.
Allerdings kann aus den dargelegten Gründen nicht auf
diese
abgestellt werden, so
weit es um die Frage geht, ob d
er
Gesund
heitsschaden
einen massgeblichen Einfluss auf die attestierte Arbeitsunfähig
keit hat oder diese mehr oder weniger
allein
auf die aktuelle Belastungssituation zurückzuführen ist.
5.8
Im Übrigen ist
aber
hervorzuheben, dass sämtliche Gutachter eine
Chronifizie
rung
und Zunahme der Beschwerden trotz regelmässiger Psychotherapie und zuverlässiger Medikamenteneinnahme feststellten
(vgl. E. 4.5
)
. Dem Gutach
ten der MEDAS ist ausserdem zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin durch ihre depressive Störung in ihrer
leistbaren
Willensanstrengung beeinträchtigt sei. Allein durch ihren Willen könne sie weder ihre Stimmung noch ihre verfüg
bare Energie kontrollieren und somit auch ihre Leistungsfähigkeit nur ungenü
gend steuern (
Urk.
11/66 S. 19). Therapieresistenz
,
verminderte
Steuerungsfä
higkeit
und Nebenwirkungen der regelmässig eingenommen Medikamente
lassen es nicht als überwiegend wahrscheinlich erscheinen, dass die Beschwer
deführerin ihr psychisches Leiden vollständig überwinden kann.
6.
6.1
Zusammengefasst
ist bis anhin
nicht schlüssig und somit
ungenügend geklärt
,
in welchem
Verhältnis psychische
Störung
und
aktuelle
Belastungssituation
bezüglich der
Arbeitsunfähigkeit
stehen,
weshalb der Rentenanspruch nicht beurteilt werden kann. Darüber hinaus geben die medizinischen Unterlagen keinen Aufschluss über den
medizinische
n
Sachverhalt zum Zeitpunkt der Rentenverfügung
, obwohl der letzte Klinikeintritt damals bereits mehr als drei Monate zurück lag (vgl. Art. 88a
Abs.
2
Verordnung über die Invalidenversi
cherung
; IVV
).
6.2
Be
i
ungenügenden Abklärungen
durch den Versicherungsträger holt
die Beschwer
deinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein
. E
ine Rückweisung an den Versicherungsträger
gestützt auf
§ 26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
)
bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten
Frage begründet
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurückzuweisen, wenn lediglich eine Klarstel
lung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE 137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3
).
Da die zu tätigenden Abklärungen
primär
eine Präzisierung und Ergänzung de
s Gutachtens der MEDAS
beinhalten, sind sie von der Beschwerdegegnerin vorzunehmen.
Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen und die Sache zur Durchführung der n
otwendigen Abklärungen und neuen
Entscheidung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
6.
3
Es bleibt hinzuzufügen, dass sich
in den medizinischen Unterlagen Hinweise
auf
möglicherweise
subjektive Auffassungen und Aggravation der Beschwerde
-
führerin ergeben, welche die Arbeitsfähigkeit negativ beeinflussen.
So ist dem pathologischen Befund des Teilgutachtens Psychiatrie der MEDAS zu
ent
-
nehmen, dass
sie
sich sehr über ihr Schicksal beklagt habe. Sie sei sehr mit ihrem Leid beschäftigt gewesen, habe viel Selbstmitleid gezeigt und sei bemüht gewesen, dem Gutachter ihre Not zu kommunizieren (
Urk.
11/66 A. 17).
Gemäss
eigenen Angaben der Beschwerdeführerin gegenüber dem Gutachter brach sie das Belastbarkeitstraining
darüber hinaus
nicht wegen ihrer Gesundheit ab, sondern weil sie die Arbeit zu eintönig und einfach gefunden habe und ihr der lange Arbeitsweg von jeweils einer Stunde zu aufwendig gewesen sei (
Urk.
11/66 S. 19). In diesem Lichte genauer zu prüfen
sein wird
auch der Suizidversuch in einem kontrollierten Umfeld und einer
offenbar
untauglichen
Medikamtendosis
kurz nach dem negativen Vorbescheid betreffend eine IV-Rente.
7.
7.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200
.–
bis
Fr.
1‘000.– festzulegen (Art. 69
Abs.
1
bis
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung; IVG
) und auf
Fr.
800.– anzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die
Rückwei
sung
der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfü
gung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
die
die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
7.2
Nach
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Unter Berück
sichtigung dieser Grundsätze ist de
r
Beschwerdeführer
in
eine
Prozesse
ntschädi
gung
von Fr.
1'000
.
–
(inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) zuzusprechen.