Decision ID: a6c78340-474a-4b85-924e-09e6d2f4f82a
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1980 geborene X._, seit 2004 als Serviceangestellte bei der A._ AG tätig, meldete sich am 17. August 2011 unter Hinweis auf Ver
brennungen mit kochendem Wasser im 2. Lebensjahr bei der Invaliden
ver
siche
rung zum Leistungsbezug an (Urk. 10/2). Die Sozialversiche
rungs
anstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und zog unter anderem die Akten des Krankentaggeldversicherers (Urk. 10/11) bei. Am 11. Mai 2012 erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für ein Aufbautraining vom 4. Juni bis 2. September 2012 bei der Stiftung B._ (Urk. 10/30) und informierte die Versicherte am 28. November 2012 darüber, dass weiter
führende berufliche Massnahmen aus gesundheitlichen Gründen nicht durch
führbar seien (Urk. 10/50). Die IV-Stelle tätigte neuerliche medizinische und erwerbliche Erhebungen. Unter Hinweis darauf, dass die Versicherte seit 1. Januar 2015 bei Dr. C._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, arbeite, teilte die IV-Stelle der Versicherten am 11. September 2015 mit, dass kein Anspruch auf berufliche Massnahmen bestehe (Urk. 10/67).
In der Folge veranlasste die IV-Stelle bei der MEDAS
D._
(MEDAS) eine polydisziplinäre Begutachtung (Allgemeine/Innere Medizin, Psychiatrie, Rheuma
tologie; Expertise vom 28. Februar 2017 [Urk. 10/84/2-21]) und infor
mierte die Versicherte am 29. März 2017 unter Hinweis auf die Tätigkeit bei Dr.
C._
, dass berufliche Massnahmen nicht notwendig seien (Urk. 10/87). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 10/91
, Urk. 10/95
) gewährte die IV-Stelle mit Verfügung vom 27. Juni 2017 (Urk. 2) eine
Viertels
rente
ab September 2012.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 28. August 2017 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, es sei die Verfügung vom 27. Juni 2017 aufzuheben und die Sache unter Feststellung eines Anspruchs auf eine
Dreiviertelsrente
zum Erlass einer neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In formeller Hin
sicht stellte sie das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertre
tung (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 25. September 2017 (Urk. 9) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführe
rin am 28. September 2017 (Urk. 11) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Re
nte haben gemäss Art. 28 Abs. 1
IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre
(sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbs
einkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung (Urk. 2) damit, dass die Beschwerdeführerin seit 3. März 2011 ihre angestammte Tätigkeit als stellvertretende Geschäftsführerin bei der A._ AG nicht mehr ausüben könne, ihr es aber seit März 2012 möglich sei, eine leicht- bis mittelschwere Tätigkeit mit einem Pensum von 50 % aufzunehmen. Gestützt auf ein
Valideneinkommen
von Fr. 56'402.35 und ein Invalideneinkommen von Fr. 33'178.08 resultiere ein Invaliditätsgrad von 41 %, weshalb der Beschwerdeführerin ab Abschluss des Aufbautrainings im September 2012 eine
Viertelsrente
zustehe (S. 3).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (Urk. 1), es sei gestützt auf die Tabellenlöhne
der vom Bundesamt für Statistik herausge
gebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE)
von einem Invali
den
ein
kommen von Fr. 27'876.-- auszugehen. Im Weiteren sei ein Leidensabzug von 25 % vorzunehmen, so dass sich ein Invaliditätsgrad von über 60 % ergebe und ihr damit ein Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
zustehe (S. 7 f.).
3.
Unbestritten blieb der medizinische Sachverhalt und die seit März 2011 beste
hende 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit respektive das seit März 2012 zumutbare Arbeitspensum von 50 % in einer angepassten Tätig
keit (Urk. 1 S. 6, Urk. 2 S. 3). Die MEDAS-Gutachter nannten folgende Diagno
sen mit wesentlicher Einschränkung der Arbeits
fähigkeit: rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige bis schwere depressive Episode mit somati
schem Syndrom (ICD-10 F33.11), psychologische Faktoren oder Ver
haltens
fakto
ren bei andernorts klassifizierten Erkrankungen (ICD-10 F51.5) sowie multiple, teils indurierte, teils hypersensible, teils schmerzhaft vernarbte Hautareale links
betont, an Kopf, linker Schulter, linkem Arm, Rücken und linkem Unterschenkel (Urk. 10/84/2-21 S. 19). Ausschliesslich aus psychiatrischen Grün
den attestierten die Gutachter ab März 2012 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in der aktuellen Tätig
keit als Mitarbeiterin in einer
Psychiatriepraxis respektive für andere körperlich leichte und mittelschwere Verrichtungen ohne repetitives Heben von Lasten über 5 kg kranial der Schulterhöhe beziehungsweise über 10 kg kranial der Gürtel
höhe. Körperlich schwere Arbeiten, insbesondere die frühere Tätigkeit als stell
vertretende
Gerantin
einer Cafeteria, schlossen sie hingegen seit März 2011 aus (Urk. 10/84/2-21 S. 19, S. 20 und S. 21). Dies entspricht der vom behandelnden Psychiater und Arbeitgeber Dr. C._ attestierten 50%igen Arbeits
fähig
keit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit (Urk. 10/71/4-8 S. 3 und S. 4). Darauf ist im Folgenden abzustellen.
Strittig ist demgegenüber die Invaliditätsbemessung, namentlich die Höhe des Invalideneinkommens (Urk. 1 S. 7 f.).
4.
4.1
Mit
BGE 143 V 409 und
BGE 143 V 418 änderte das Bundesgericht se
ine bisherige Praxis insofern
, als es er
kannte, dass die für somato
forme Schmerzstörungen ent
wickelte Rechts
prechung, wonach in einem struk
turierten Beweisverfahren anhand von Indikatoren die tatsächliche Arbeits- und Leistungsfähigkeit der betroffenen Person zu ermitteln ist, künftig auf sämtliche psychischen Erkran
kungen Anwendung findet.
Die aus ärztlicher Sicht aus psychiatrischen Gründen bescheinigte 50%ige Arbeitsunfähigkeit ist daher anhand der Indikatoren zu überprüfen (BGE 143 V 418 E. 6).
4.2
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen einer anhaltenden soma
to
formen Schmerzstörung oder eines damit vergleichbaren psychosoma
tischen Leidens (BGE 141 V 281 E. 4.2) sind Indikatoren beachtlich, die das Bundesgericht wie folgt systematisiert hat (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad"
-
Komplex „Gesundheitsschädigung"
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Komplex „Sozialer Kontext"
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Lei
dens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensations
potenzialen (Ressour
cen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsver
mögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
Beweisrechtlich entscheidend ist der Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4):
Der Indikator einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen zielt auf die Frage ab, ob die diskutierte Ein
schränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgabenbe
reich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (z.B. Freizeitgestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist. Dabei ist das bisherige Kriterium des sozialen Rückzugs (wiederum) so zu fassen, dass neben Hinweisen auf Einschränkungen auch Ressourcen erschlossen werden; umgekehrt kann ein krankheitsbedingter Rückzug aber auch Ressourcen zusätzlich vermindern. Soweit erhebbar, empfiehlt sich auch ein Vergleich mit dem Niveau sozialer Aktivität vor Eintritt der Gesundheitsschädigung. Das Aktivitätsniveau der versicherten Person ist stets im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Die Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das heisst das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden, weist (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder
re
sistenz
unter dem Komplex
«
Gesundheitsschädigung
»
) auf den tatsächli
chen Leidensdruck hin. Dies gilt allerdings nur, solange das betreffende Verhalten nicht durch das laufende Versicherungsverfahren beeinflusst ist. Nicht auf fehlenden Leidensdruck zu schliessen ist, wenn die Nichtinanspruchnahme einer empfohle
nen und zugänglichen Therapie oder die schlechte Compliance klarerweise auf eine (unabwendbare) Unfähigkeit zur Krankheitseinsicht zurückzuführen ist. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Eingliederung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Einschränkung sei anders begründet als durch eine versicherte Gesundheitsbe
einträchtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
4.3
In Bezug auf den funktionellen Schweregrad erweist sich der Komplex Gesund
heitsschädigung in psychiatrischer Hinsicht als mittel- bis
schwergradig
ausge
prägt,
wobei als depressive Hauptsymptome eine Beeinträchtigung der Ausdauer, des Selbstvertrauens, der kognitiven Fähigkeiten (insbesondere der Kon
zentra
tions
fähigkeit und der Gedächtnisfunktionen), des Arbeitstempos, der Kontakt- und Verkehrsfähigkeit, des Antriebs, der Flexibilität und des Selbst
vertrauens sowie Schlafstörungen und eine
Müdig
- und Kraftlosigkeit geschildert wurden (Urk. 10/84/31-46 S. 14). In somatischer Hinsicht sind die im Zusammenhang mit den vernarbten Hautarealen stehenden Schmerzlokalisa
tionen als funktionell ein
zustufen und es besteht eine leichtgradige
Periarthro
pathia
genuum
(Urk. 10/84/2-21 S. 18, Urk. 84/25-29 S. 4).
Hinsichtlich des Indikators
„
Behandlungs- und Eingliederungserfolg
"
ist zu bemerken, dass die Beschwerdeführerin seit Juni 2011 in regelmässiger ambu
lan
ter psychotherapeutischer respektive psychiatrischer Behandlung (zuletzt ein- bis zweiwöchentlich Einzeltherapie, zweimonatlich Gruppentherapie und regel
mässige Teamsitzungen) steht und sich einer Pharmakotherapie unterzieht (Urk. 10/84/31-46 S. 2, Urk. 10/71/4-8 S. 2 und S. 4). Im Jahre 2013 wurde eine tagesklinische Behandlung durchgeführt, welche sich gemäss den Angaben des behandelnden Psychiaters Dr. C._ als kontraproduktiv erwies (Urk. 10/61/5-18 S. 12 f.). Gemäss dem psychiatrischen Gutachter wird die Psy
cho
therapie lege
artis
durchgeführt und die Compliance der Beschwerde
führerin ist gut, wobei er lediglich auf die Möglichkeit hinwies, das bisherige Antide
pressivum
Duloxetin
durch eine andere Substanz zu ersetzen (Urk. 10/84/31-46 S. 15 f.). Die seit Jahren regelmässig beanspruchten Behandlungen sprechen für einen mittelmässigen Leidensdruck.
Als Komorbiditäten werden insbesondere die neurasthenischen Symptome wie Ermüdbarkeit, Konzentrationsstörungen, erhöhter Pausenbedarf sowie die Angst
symptomatik genannt (Urk. 10/84/31-46 S. 12).
Hinsichtlich der Persönlichkeit gilt es anzumerken, dass der psychiatrische Gut
achter kein eigenständiges, die Persönlichkeit betreffendes Krankheitsbild fest
stellen konnte (Urk. 10/84/31-46 S. 12). Er hielt indessen fest, dass sich in der Vorgeschichte gewisse persönliche und familiäre Risikofaktoren - namentlich die länger andauernde Trennung der Beschwerdeführerin von ihren Eltern in der Kindheit, der lange Spitalaufenthalt als Kleinkind sowie die geringe schulische und berufliche Förderung – finden, welche die Ressourcen überwiegen. Des Weiteren wies der Gutachter darauf hin, dass die Beschwerdeführerin nie respek
tive erst sehr spät gelernt hat, die Signale ihres Körpers zu beachten und auf sich selber und ihre Grenzen Rücksicht zu nehmen (S. 6 f.).
Beim sozialen Kontext ist zu berücksichtigen, dass sich das soziale Beziehungs
netz der Beschwerdeführerin auf ihre Familie (Mutter, Geschwister und Schwäge
rin) sowie ihren Arbeitgeber und behandelnden Psychiater Dr. C._ beschränkt (Urk. 10/84/2-21 S. 10 f., Urk. 10/84/31-46 S. 7). An Arbeitstagen steht die Beschwerdeführerin, welche zusammen mit ihrer Mutter wohnt, um 7.45 Uhr auf und fährt alsdann mit dem Tram in die Arztpraxis nach Zürich, wo sie von 10 bis 15 Uhr arbeitet. Danach kehrt sie, eventuell noch Kleineinkäufe oder andere Besorgungen machend, nach Hause zurück, wo sie mit der Mutter das Mittagessen einnimmt. Danach legt sie sich manchmal hin und fertigt dann die etwa 20 täglich gerauchten Zigaretten von Hand an und hört dabei zuweilen Musik. Abends sitzt sie vor dem Fernseher und geht zwischen 21 und 24 Uhr zu Bett. Hobbies hat sie keine (Urk. 10/84/2-21 S. 10 f.). Die Beschwerdeführerin erträgt keine Menschenansammlungen und muss sich stets überwinden, wenn sie die Wohnung verlässt. Sie getraut sich nicht, Kontakt mit fremden Leuten aufzu
nehmen und fühlt sich unwohl, wenn sie angesprochen oder geschubst wird. Wenn sie in der Arztpraxis telefonieren muss, fühlt sie sich unwohl, wenn eine andere Person zuhört; ebenso beim Schreiben von kurzen Briefen, wenn sich jemand im gleichen Raum befindet (S. 12 f.). Vor diesem Hintergrund wird deut
lich, dass sich die soziale Interaktion der Beschwerdeführerin auf ihre Familie und ihren Arbeitsplatz beschränkt und sie ausserhalb ihrer Wohnung Symptome einer sozialen Phobie und Agoraphobie entwickelt (Urk. 10/84/31-46 S. 11 f.). Entspre
chend ist von einem mittelmässigen sozialen Rückzug auszugehen.
Im Zusammenhang mit der Kategorie
„
Konsistenz
"
ist zu bemerken, dass von einer gleichmässigen Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in Beruf und Erwerb einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen andererseits auszugehen ist. Die Beschwerdeführerin verbringt den Alltag entweder bei der Arbeit oder in ihrer Wohnung und ihr soziales Netzwerk beschränkt sich auf ihre Mutter, Geschwister und ihren Arbeitgeber, wobei sie keine Hobbies hat. Eine auf Aggravation beru
hende Leistungseinschränkung ist zu verneinen, vielmehr entstand beim psychi
atrischen Gutachter der Eindruck, dass eine Neigung zur Dissimulation vor
herrscht und bei der Beschwerdeführerin ein starker Wunsch besteht, sich so zu verhalten, wie es in den Augen Dritter sozial erwünscht ist (Urk. 10/84/31-46 S. 13).
Zum Indikator
„
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck
"
ist schliesslich festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin wie dar
gelegt seit Juni 2011 in psychologischer respektive psychiatrischer Behandlung steht. Die Einzeltherapie findet ein- bis zweiwöchentlich beziehungsweise die Gruppentherapie
zweimonatlich statt und der Serumspiegel wies auf eine regel
mässige Einnahme des Antidepressivums hin. Die Beschwerdeführerin nahm vom Juli bis September 2012 an einem Aufbautraining teil (Urk. 10/46), wobei weiter
führende berufliche Massnahmen aufgrund ihres Gesundheitszustands nicht möglich waren (Urk. 10/50). Vom Oktober bis November 2012 absolvierte sie zudem eine ambulante arbeitsbezogene Rehabili
tation (Urk. 10/53/16-22).
4.4
Nach dem Gesagten überzeugt unter Berücksichtigung der Standardindikatoren die gutachterliche Einschätzung einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit.
5.
5.1
5.1.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; BGE 135 V 58 E. 3.1; BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
5.1.2
Gemäss dem IK-Auszug vom 22. März 2012 (Urk. 10/22/1) erzielte die Beschwer
deführerin als stellvertretende Geschäftsführerin bei der A._ AG im Jahre 2010 – vor der per Oktober 2011 aus gesundheitlichen Gründen erfolgten Kündigung (Urk. 10/4/1) - ein Einkommen von Fr. 55'291.--.
Davon ging die Beschwerdegegnerin zu Gunsten der Beschwerdeführerin zu Recht aus (Urk.
10/89), da der von der
A._
AG angegebene Jahreslohn von Fr. 54'990.
(Fr. 4'230.-- x 13; Urk. 10/4/2) nur geringfügig darunter liegt.
Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung für Frauen (vgl. Tabelle T 39, Entwicklung der Nominallöhne der Konsumentenpreise und der Reallöhne, 1976
2016; 2010: 2579; 2012: 2630) resultiert ein
Valideneinkommen
von Fr. 56'384.-- bei Rentenbeginn im Jahr 2012 (vgl. auch Urk. 10/89).
5.2
5.2.1
Für die Festsetzung des trotz Gesundheitsschädigung
zumutbarerweise
noch realisierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die ver
sicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbs
tätigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumut
barer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 139 V 592 E. 2.3; BGE
135 V 297 E. 5.2; BGE 129 V 472 E. 4.2.1; BGE 126 V 75 E. 3b/
aa
).
Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung die Tabellenlöhne der vom Bundesamt für Statistik herausgege
benen Lohnstrukturerhebung (LSE) herangezogen werden (BGE 135 V 297 E. 5.2
).
5.2.2
Im Zeitpunkt des Rentenbeginns im Jahr 2012 übte die Beschwerdeführerin keine Erwerbstätigkeit aus. Die Beschwerdegegnerin ermittelte das Invalidenein
kommen daher grundsätzlich zu Recht gestützt auf die LSE 2012, wobei sie gestützt auf die Tabelle TA1 von einem Lohn von Fr. 5'317.-- ausging (Total Frauen; Urk. 10/89) und unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung und der betriebsüblichen Arbeitszeit bei einem Pensum von 50 % ein Invaliden
einkommen von Fr. 33'178.08 ermittelte (Urk. 10/89). Allerdings übersah die Beschwerdegegnerin, dass nicht das Total aller Einkommen, sondern der Lohn aus dem den Umständen angepassten Kompetenzniveau heranzuziehen ist.
Nach Ansicht der Beschwerdeführerin ist auf die LSE 2012, Tabelle TA1, Kompe
tenzniveau 2, abzustellen (Urk. 1 S. 8), was bei zwar fehlender Berufsausbildung, aber langjähriger Erfahrung als Allrounderin beziehungsweise Stellvertreterin des Geschäftsführers (Urk. 10/1/1-7) angemessen scheint. Ausgehend von einem Mo
natslohn von Fr. 4'646.
resultiert bei einer betriebsüblichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden und einem Pensum von 50 % ein Invalideneinkommen von Fr. 29'060.-- (Fr. 4'646.-- x 12 : 40 x 41.7 : 2). Entgegen der Darstellung der Beschwerde
führerin liegen keine Gründe vor, die einen Abzug vom Tabellenlohn rechtferti
gen würden, da die gesundheitlichen Einschränkungen bereits im redu
zierten Pensum berücksichtigt wurden. Insbesondere ist nicht ersichtlich, wes
halb ihr nur Anstellungen in der Administration und im Verkauf offen stehen sollten, da sie immerhin auch
Computerkurse erfolgreich durchlaufen hat (Urk. 10/1/6
7). Weitere Gründe, die einen Abzug rechtfertigen könnten, sind weder ersichtlich noch geltend gemacht.
In Anbetracht der Einkommenseinbusse von Fr. 27'324.-- (Fr. 56'384.-- ./. Fr. 29'060.--) resultiert bei Rentenbeginn im Jahr 2012 ein Invaliditätsgrad von 48 %, was einen Anspruch auf eine
Viertelsrente
begründet.
5.2.3
Die Beschwerdeführerin ist seit 1. Januar 2015 bei Dr. C._ als Mit
arbeiterin des Arztsekretariats mit einem Pensum von 50 % angestellt (Urk. 10/65), wobei diese Arbeit gemäss dem MEDAS-Gutachten einer behinde
rungsangepassten Tätigkeit entspricht (Urk. 10/84/2-21 S. 19; vgl. auch E. 3
hievor
). Das diesbezügliche Einkommen belief sich im Jahre 2016 gemäss dem IK-Auszug vom 14. August 2017 (Urk. 10/111) auf Fr. 30'000.--.
5
.3
Selbst unter Berücksichtigung dieses effektiv erzielten Einkommens resultiert in Anbetracht der Einkommenseinbusse von Fr. 26'384.-- ein Invaliditätsgrad von gerundet 47 % (BGE 130 V 212), weshalb der Beschwerdeführerin eine
Viertels
rente
zusteht (vgl. E. 1.2
hievor
).
Die angefochtene Verfügung erweist sich damit als rechtens, weshalb die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.
6.
6.1
In
prozessualer
Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsvertretung (Urk. 1 S. 2).
6.2
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraussetzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Bedürftig im Sinne von Art. 64 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) ist eine Person, wenn sie ohne Beeinträchtigung des für sie und ihre Familie nötigen Lebensunterhaltes nicht in der Lage ist, die Prozesskosten zu bestreiten (BGE 128 I 225 E. 2.5.1). Massgebend sind die wirtschaftlichen Verhältnisse im Zeitpunkt, in dem das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (§ 28
lit
. a des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
]
i.V.m
. Art. 119 der Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO]) eingereicht wird (BGE 120
Ia
179 E. 3a), oder – bei seither eingetretenen Veränderungen – auch in demjenigen der
Entscheidfindung
(BGE 108 V 265 E. 4).
6.3
Aus dem Formular zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit der Beschwer
de
führerin vom 19. September 2017 (Urk. 7) und den eingereichten Akten (Urk. 3/3-6, Urk. 8/2-37) ergibt sich folgendes Bild ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit: Ihr monatlicher Nettolohn beträgt Fr. 2'270.25 (Urk. 8/4-7). Im Weiteren bezieht sie eine monatliche
Viertelsrente
der Invalidenversicherung von Fr. 447.-- (Urk. 8/8) sowie eine Invalidenrente aus der Pensionskasse von Fr. 254.-- pro Monat (Urk. 8/10). Somit verfügt die Beschwerdeführerin über ein monatliches Nettoeinkommen von total Fr. 2'971.25.
Bei der Berechnung des Existenzminimums ist gestützt auf die Angaben der Beschwerdeführerin und die beigelegten Akten von folgenden Auslagen auszu
gehen: Zum Grundbetrag für alleinstehende Personen mit Haushalts
gemeinschaft (die Beschwerdeführerin wohnt zusammen mit der Mutter, Urk
. 7/84/2-21 S. 9)
von Fr. 1'100.-- sind monatliche Mietkosten von Fr. 748.-- (1/2 von Fr. 1'496.
, Urk. 3/4), die Monatsprämien für die obliga
torische Krankenpflege
versicherung abzüglich Prämienverbilligungen von Fr. 248.-- (Fr. 370.25 [Urk. 8/16] ./. Fr. 122.-- [1/12 von Fr. 1’464.--, Urk. 8/17]), die Kosten für den ZVV-9-Uhr-Pass von monatlich Fr. 97.-- (Urk. 8/36) sowie monatliche Mehraus
lagen für berufs
bedingte auswärtige Verpflegung von Fr. 15.-- (Urk. 7 S. 4) hin
zuzurechnen. Die Prämien für Hausrat- und Privathaftpflichtver
sicherungen sind aus dem Grun
d
bedarf zu decken (Urteil des Bundesgerichts 8C_157/2008 vom 11. Oktober 2018 E. 7).
Im Zusammenhang mit der Rück
zahlung von Schulden ist ein monatlicher Betrag von Fr. 100.-- anzu
rechnen (Urk. 8/23-24). Die übrigen von der Beschwerdeführerin aufgeführten Schulden sind nicht zu berücksichti
gen, da keine entsprechenden Nachweise für eine regelmässige Schuldtilgung oder
amor
ti
sation
vorliegen (Urk. 8/22) respektive die Abzahlungsraten nicht lebens
not
wendige Konsumgüter (Urk. 8/11) betreffen (vgl. hierzu
Spühler
K./
Tenchio
L./Infanger D., Basler Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozess
ordnung, 2010, Rüegg V., Art. 117 N 14). Entsprechend resultiert ein Existenzmi
nimum von Fr. 2'308.--.
Das Nettoein
kommen der Beschwerdeführerin übersteigt somit ihr Existenzminimum um Fr. 663.--, weshalb sie selbst unter Berücksichti
gung eines Freibetrages von praxisgemäss Fr. 400.-- in der Lage ist, innert einer angemessenen Frist selbst für die Anwalts- und Gerichtskosten aufzukommen (vgl. hierzu Urteil des Bundes
gerichts 5A_26/2008 vom 4. Februar 2008 E. 3.1). In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin im Sommer 2017 von ihrer Pensionskasse einen Betrag von Fr. 8’041.25 erhalten hat (Urk. 8/10) und im Juli respektive August 2017 in der Lage war, ihrem Rechts
vertreter Kostenvorschüsse von
insgesamt Fr. 2'700.-- (Urk. 8/13, Urk. 8/15) zu bezahlen. Das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltli
chen Prozessführung und Rechts
vertretung ist demnach mangels Bedürftigkeit abzuweisen.
6.4
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
) und auf Fr. 800.-- festzusetzen
.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.