Decision ID: 3af7d351-7b18-5ce6-8722-60676a36e318
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a A._ betreibt ein Maler- und Gipsergeschäft (Einzelfirma). Des-
sen Mitarbeitende sind bei der Schweizerischen Unfallversicherungsan-
stalt (nachfolgend: Suva oder Vorinstanz) gegen die Folgen von Berufs-
und Nichtberufsunfällen obligatorisch versichert. Mit Verfügung vom
15. August 2018 (Suva-act. 175) teilte die Suva A._ die neuen Prä-
miensätze per 1. Januar 2019 mit; der Bruttoprämiensatz in der Berufsun-
fallversicherung (BUV) betrage per 1. Januar 2019 2,2506 % (im 2018:
2,3360 %) und derjenige in der Nichtberufsunfallversicherung (NBUV)
2,2700 % (im 2018: 2,4800 %) der Lohnsumme. Zur Begründung führte die
Suva im Wesentlichen aus, der Suva-Rat habe die Grundsätze der Prämi-
enbemessung neu geregelt. Namentlich habe er den Basissatz, die Be-
stimmung der Basisprämie sowie die Untergrenze für die Anwendung der
BMS-Modelle angepasst. Zudem seien das Bonus-Malus-System (BMS)
und die Erfahrungstarifierung überarbeitet worden. Der Basissatz in der
BUV und NBUV seien aufgrund des Prämienbedarfs der Risikogemein-
schaft, welcher gegenwärtig über den Einnahmen aus den Nettoprämien
liege, je um eine Stufe erhöht worden.
A.b Gegen die Verfügung vom 15. August 2018 erhob A._, vertre-
ten durch den Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verband,
mit Eingabe vom 17. September 2018 Einsprache bei der Suva (Suva-
act. 176). Er beantragte sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung und die Neueinreihung beziehungsweise Neueinstufung unter
Berücksichtigung der äusserst positiven Schadensbilanz. Zur Begründung
führte er aus, es sei nicht nachvollziehbar, dass sich die Prämien aufgrund
einer Neueinstufung in der Klasse 44D derart erhöhen würden, obwohl bei
ihm in den letzten Jahren lediglich ein (Bagatell-)Schadenfall zu verzeich-
nen gewesen sei.
A.c Mit Einspracheentscheid vom 19. Oktober 2018 (Suva-act. 179) wies
die Suva die Einsprache von A._ ab. Zur Begründung führte sie aus,
vorliegend sei die Prämiensatzerhöhung um zwei Stufen in der BUV auf
die Erhöhung des Basissatzes um eine Stufe der Klasse 44D, Unterklas-
senteil A0 (Malergeschäfte), und auf die Anwendung von nur noch einer
Bonus-Malus-Berechnung für alle Leistungen (Heilkosten, Taggeld, Invali-
ditäts- und Todesfallleistungen), verbunden mit einer tendenziell sinkenden
Lohnsumme seit 2013, welche zu einer tieferen Kredibilität des Betriebs
führe, zurückzuführen. Der Grund für die Prämiensatzerhöhung um eine
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Stufe in der NBUV liege bei der Erhöhung des Basissatzes um eine Stufe
der Klasse 44D (Malen und Gipsen).
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 19. Oktober 2018 erhob
A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 13. Novem-
ber 2018 (BVGer-act. 1) Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er
beantragte sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und
die Neuberechnung der Prämie. Zur Begründung führte er aus, es sei nicht
nachvollziehbar, dass die Prämien trotz geringer Schadenfälle derart er-
höht würden. Die Begründung der Suva (namentlich der Hinweis auf die
sinkende Lohnsumme) deute darauf hin, dass kleine Betriebe benachteiligt
würden, was nicht sachgerecht sei.
B.b Am 28. November 2018 ist der mit Zwischenverfügung vom 22. No-
vember 2018 (BVGer-act. 2) einverlangte Kostenvorschuss in der Höhe
von Fr. 2'000.- beim Bundesverwaltungsgericht eingegangen (BVGer-
act. 3).
B.c Mit Vernehmlassung vom 18. Januar 2019 (BVGer-act. 5) beantragte
die Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung legte die
Vorinstanz die Prämienberechnung ausführlich dar und bestätigte, dass die
verfügten Prämiensätze korrekt seien.
B.d Mit Replik vom 28. Januar 2019 (BVGer-act. 7) hielt der Beschwerde-
führer an seinen bisherigen Anträgen fest.
B.e Mit Eingabe vom 11. März 2019 (BVGer-act. 9) verzichtete die Vor-
instanz auf weitere Ausführungen.
C.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Beweis-
mittel ist – soweit für die Entscheidfindung erforderlich – in den nachfolgen-
den Erwägungen einzugehen.
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Seite 4

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, sofern keine Ausnahme
nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 VGG ge-
nannten Behörden. Die Suva ist eine Vorinstanz im Sinne von Art. 33 Bst.
e VGG. Die Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Einspracheentscheide über die Zuteilung der Be-
triebe und der Versicherten zu den Klassen und Stufen der Prämientarife
ist in Art. 109 Bst. b UVG (SR 832.20) ausdrücklich geregelt und vorliegend
gegeben.
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz nichts anderes be-
stimmt (Art. 37 VGG). Vorbehalten bleiben gemäss Art. 3 Bst. dbis VwVG
die besonderen Bestimmungen des ATSG (SR 830.1).
1.3 Anfechtungs- und Streitgegenstand bildet der Einspracheentscheid der
Suva vom 19. Oktober 2018 betreffend die Einreihung in den Prämientarif
ab 1. Januar 2019.
1.3.1 Die Beschwerdeführenden können im Rahmen des Beschwerdever-
fahrens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Missbrauchs
oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollstän-
dige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Unange-
messenheit des Entscheids beanstanden (Art. 49 VwVG).
Nach der Rechtsprechung hat auch eine Rechtsmittelbehörde, der volle
Kognition zusteht, in Ermessensfragen einen Entscheidungsspielraum der
Vorinstanz zu respektieren. Sie hat eine unangemessene Entscheidung zu
korrigieren, kann aber der Vorinstanz die Wahl unter mehreren angemes-
senen Lösungen überlassen (BGE 133 II 35 E. 3). Das Bundesverwal-
tungsgericht hat daher nur den Entscheid der unteren Instanz zu überprü-
fen und sich nicht an deren Stelle zu setzen (vgl. BGE 126 V 75 E. 6).
Insbesondere dann, wenn die Ermessensausübung, die Anwendung unbe-
stimmter Rechtsbegriffe oder die Sachverhaltswürdigung hochstehende,
spezialisierte technische, wissenschaftliche oder wirtschaftliche Kennt-
nisse erfordert, ist eine Zurückhaltung des Gerichts bei der Überprüfung
vorinstanzlicher Bewertungen angezeigt (vgl. BGE 135 II 296 E. 4.4.3, BGE
133 II 35 E. 3, BGE 128 V 159 E. 3b/cc). Es stellt daher keine unzulässige
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Kognitionsbeschränkung dar, wenn das Gericht − das nicht als Fachgericht
ausgestaltet ist − nicht ohne Not von der Auffassung der Vorinstanz ab-
weicht, soweit es um die Beurteilung technischer, wirtschaftlicher oder wis-
senschaftlicher Spezialfragen geht, in denen die Vorinstanz über ein be-
sonderes Fachwissen verfügt (vgl. BGE 135 II 296 E. 4.4.3, BGE 133 II 35
E. 3 mit Hinweisen; siehe zum Ganzen auch YVO HANGARTNER, Behörden-
rechtliche Kognitionsbeschränkungen in der Verwaltungsrechtspflege, in:
Bovay/Nguyen [Hrsg.], Mélanges en l'honneur de Pierre Moor, Bern 2005,
S. 319 ff.; RETO FELLER/MARKUS MÜLLER, Die Prüfungszuständigkeit des
Bundesverwaltungsgerichts – Probleme in der praktischen Umsetzung,
Schweizerisches Zentralblatt für Staats- und Verwaltungsrecht [ZBl]
110/2009 S. 442 ff.). Dies gilt jedenfalls insoweit, als die Vorinstanz die für
den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte geprüft und die erforderlichen
Abklärungen sorgfältig und umfassend durchgeführt hat (BGE 139 II 185
E. 9.3; BGE 138 II 77 E. 6.4).
1.3.2 Im Bereich der Prämientarife besteht die Überprüfungsbefugnis des
Bundesverwaltungsgerichts einerseits darin, die richtige Anwendung des
Tarifs zu kontrollieren; andererseits kann es − im Rahmen der konkreten
Normenkontrolle − die der Verfügung zu Grunde liegenden Tarifpositionen
auf ihre Gesetz- und Verfassungsmässigkeit überprüfen.
Dem Unfallversicherer steht bei der Festsetzung des Prämientarifs für die
Berufsunfallversicherung ein weiter Ermessensspielraum zu. In diesen
greift das Gericht nur mit grosser Zurückhaltung ein; in der Regel lediglich,
wenn die Anwendung einer Tarifposition mit dem Gleichbehandlungsgebot
(Art. 8 Abs. 1 BV) unvereinbar ist, dem Gedanken der Risikogerechtigkeit
(Art. 92 Abs. 1 UVG) widerspricht oder wenn der Tarif sich nicht von objek-
tiven Überlegungen leiten lässt (vgl. BGE 126 V 344 E. 4a; RKUV 1998 Nr.
U 294 S. 230 E. 1c). Es darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass bei
der Festsetzung von Tarifen unter Umständen komplexe und allenfalls in
der Zielrichtung widersprüchliche Aspekte auf einen Nenner zu bringen
sind. Das kann zur Folge haben, dass eine bestimmte Tarifposition, die für
sich allein genommen diskutabel erscheint, im Kontext des Tarifs trotzdem
nicht zu beanstanden ist (Urteil des Bundesgerichts [BGer] U 240/03 vom
2. Juni 2004, E. 3.2.2). Eine Tarifposition darf deshalb nicht losgelöst von
den übrigen Tarifbestimmungen gewürdigt werden, sondern ist im Gesamt-
zusammenhang zu beurteilen (BVGE 2007/27 E. 3.2; Urteil der Eidgenös-
sischen Rekurskommission für die Unfallversicherung [im Folgenden: Re-
kurskommission] vom 13. Dezember 2004, publiziert in VPB 69.73, E. 3).
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Seite 6
1.3.3 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft ansonsten den angefochte-
nen Entscheid frei, dies unter Berücksichtigung der vorgebrachten Rügen.
Die Beschwerdeinstanz hat mithin nicht zu untersuchen, ob sich die ange-
fochtene Verfügung unter schlechthin allen in Frage kommenden Aspekten
als korrekt erweist, sondern untersucht im Prinzip nur die vorgebrachten
Beanstandungen. Von den Verfahrensbeteiligten nicht aufgeworfene
Rechtsfragen werden nur geprüft, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbrin-
gen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinrei-
chender Anlass besteht (BGE 119 V 347 E. 1a; ALEXANDRA RUMO-JUNGO,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bun-
desgesetz über die Unfallversicherung, 3. Aufl., Zürich 2003, S. 348).
1.4 Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht (vgl.
Art. 38 ff. und Art. 60 ATSG, Art. 52 VwVG). Als Adressat des Einsprache-
entscheides ist der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung
berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder
Abänderung (Art. 59 ATSG, Art. 48 Abs. 1 VwVG). Nachdem auch der Kos-
tenvorschuss fristgerecht geleistet wurde, ist auf die Beschwerde einzutre-
ten.
2.
Zunächst sind die für die Einreihung von Betrieben wichtigsten gesetzli-
chen Bestimmungen, massgebenden Grundsätze sowie die massgebli-
chen Tarifbestimmungen wiederzugeben.
2.1 Für die Durchführung der Unfallversicherung sind einheitliche Rech-
nungsgrundlagen zu verwenden. Der Bundesrat erlässt Richtlinien (Art. 89
Abs. 1 UVG).
Gemäss Art. 92 Abs. 1 UVG werden die Prämien von den Versicherern in
Promille des versicherten Verdienstes festgesetzt. Sie bestehen aus einer
dem Risiko entsprechenden Nettoprämie und aus Zuschlägen für die Ver-
waltungskosten, für die Kosten der Verhütung von Unfällen und Berufs-
krankheiten und für die nicht durch Zinsüberschüsse gedeckten Teue-
rungszulagen. Die Versicherer können für die beiden obligatorischen Ver-
sicherungszweige je eine vom jeweiligen Risiko unabhängige Minimalprä-
mie erheben; der Bundesrat legt die Höchstgrenze der Minimalprämie fest.
Laut Art. 92 Abs. 2 UVG werden für die Bemessung der Prämien in der
Berufsunfallversicherung die Betriebe nach ihrer Art und ihren Verhältnis-
sen in Klassen des Prämientarifs und innerhalb dieser in Stufen eingereiht.
Massgebend sind dabei insbesondere die Unfallgefahr und der Stand der
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Seite 7
Unfallverhütung. Aufgrund der Risikoerfahrungen kann der Versicherer von
sich aus oder auf Antrag von Betriebsinhabern die Zuteilung bestimmter
Betriebe zu den Klassen und Stufen des Prämientarifs jeweils auf den Be-
ginn des Rechnungsjahres ändern (Art. 92 Abs. 5 UVG). Für die Bemes-
sung der Prämien in der Nichtberufsunfallversicherung können Tarifklas-
sen gebildet werden. Die Prämien dürfen nicht nach dem Geschlecht der
versicherten Personen abgestuft werden (Art. 92 Abs. 6 UVG).
2.2 Die Prämienzuschläge für Verwaltungskosten dienen der Deckung der
ordentlichen Aufwendungen, die den Versicherern aus der Durchführung
der Unfallversicherung erwachsen, einschliesslich der nicht der Heilbehan-
dlung dienenden Aufwendungen für Dienstleistungen Dritter wie Rechts-,
Beratungs- und Begutachtungskosten (Art. 92 Abs. 7 UVG; Art. 114 Abs. 1
UVV). Gemäss Art. 115 Abs. 1 UVV werden die Prämien – unter Vorbehalt
der in den Bst. a bis d genannten Abweichungen – auf dem versicherten
Verdienst im Sinne von Art. 22 Abs. 1 und 2 UVV erhoben.
2.3 Die Betriebe oder Betriebsteile sind so in Klassen und Stufen des Prä-
mientarifs einzureihen, dass die Kosten der Berufsunfälle und Berufskrank-
heiten einer Risikogemeinschaft voraussichtlich aus den Nettoprämien be-
stritten werden können (Art. 113 Abs. 1 UVV). Die Betriebe oder Betriebs-
teile sind folglich nach Massgabe ihres Risikos in die Klassen und Stufen
des Prämientarifs einzuteilen (Grundsatz der risikogerechten Prämien).
2.3.1 Als Risikoeinheit gelten Betriebe, Betriebsteile und Prämienkonzerne
(Art. 7 Abs. 1 des ab 1. Januar 2019 gültigen, vorliegend anwendbaren
Prämientarifs der Suva [Reglement des Verwaltungsrats der Suva vom
14. November 2008 betreffend die Einreihungsregeln zur Prämienbemes-
sung in der obligatorischen Unfallversicherung {im Folgenden: Prämien-
tarif}]). Die Prämienbemessung erfolgt für jede Risikoeinheit separat (Art. 7
Abs. 2 Prämientarif). Die Risikogemeinschaften der BUV bestehen bei der
SUVA aus Klassen, Unterklassen und Unterklassenteilen (Art. 13 Abs. 1
Prämientarif). Klassen sind Risikogemeinschaften, in welchen zum Zweck
der langfristigen Finanzierung Unterklassen desselben Wirtschaftszweigs
zusammengefasst werden (Abs. 2). Unterklassen sind Risikogemeinschaf-
ten, in welchen zum Zweck der statistischen Auswertung Unterklassenteile
derselben Branchen zusammengefasst werden (Abs. 3). Unterklassenteile
sind Risikogemeinschaften, in welchen zum Zweck der Prämienbemes-
sung gleichartige Betriebe und Betriebsteile mit gleichartigem Unfallrisiko
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Seite 8
zusammengefasst werden (Abs. 4). Jeder Unterklassenteil verfügt über ei-
nen Basissatz. Die Basissätze entsprechen jeweils einem Nettosatz im
Suva-Grundtarif (Abs. 5).
2.4
2.4.1 Die Suva stellt für die verschiedenen Kundensegmente geeignete
Prämienmodelle zur Verfügung. Für Betriebe, welche eine ausreichende
statistische Grösse aufweisen, wendet sie Prämienmodelle mit Erfahrungs-
tarifierung an (Art. 19 Prämientarif). Massgebend für die Bestimmung des
anwendbaren Prämienmodells ist die Basisprämie einer Risikoeinheit.
Diese berechnet sich aus den Lohnsummen der Risikoeinheit multipliziert
mit den Basissätzen der jeweiligen Risikogemeinschaft, aufsummiert über
die letzten sieben Jahre (Art. 20 in Verbindung mit Art. 53 Abs. 6 Prämien-
tarif). Eine Risikoeinheit wird zum Basissatz eingereiht, wenn sie in der Be-
rufsunfallversicherung eine Basisprämie von weniger als 35'000 Franken
bzw. in der Nichtberufsunfallversicherung eine Basisprämie von weniger
als 420'000 Franken aufweist (Art. 21 Bst. c in Verbindung mit Art. 53
Abs. 7 Prämientarif). Eine Risikoeinheit wird nach dem Bonus-Malus-Sys-
tem eingereiht, wenn sie in den letzten zwei Jahren der Beobachtungspe-
riode jährlich eine prämienpflichtige Lohnsumme aufwies und ihre Basis-
prämie in der Berufsunfallversicherung mindestens 35'000 Franken bzw. in
der Nichtberufsunfallversicherung mindestens 420'000 Franken beträgt
(Art. 22 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 53 Abs. 7 und 9 Prämientarif). Sinkt
die Basisprämie einer nach dem Bonus-Malus-System eingereihten Risi-
koeinheit unter 95 % der unteren Grenze gemäss Absatz 1, wird sie zum
Basissatz eingereiht (Art. 22 Abs. 2 Prämientarif). Ab einer Basisprämie
von 2,1 Millionen Franken gelangt in der Berufsunfallversicherung bzw. der
Nichtberufsunfallversicherung die Erfahrungstarifierung zur Anwendung
(Art. 23 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 53 Abs. 7 Prämientarif).
2.4.2 Im Bonus-Malus-System werden für die Prämienbemessung die indi-
viduellen Risikoerfahrungen der Risikoeinheiten mitberücksichtigt. Die Kre-
dibilität ist das Ausmass für die Mitberücksichtigung der individuellen Risi-
koerfahrungen (Art. 37 Abs. 1 Prämientarif). Die Kredibilität berechnet sich
aus der Basisprämie dividiert durch die Basisprämie plus 225'000 Franken
(Art. 37 Abs. 2 Prämientarif). Massgebend für die Bestimmung der mit ei-
ner Risikoeinheit gemachten Risikoerfahrungen ist der während einer Be-
obachtungsperiode von sieben Jahren entstandene Aufwand für die Kurz-
und Langfristleistungen bis 90'000 Franken pro Unfallereignis und Berufs-
krankheit nach Rückversicherung (Art. 37 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 53
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Seite 9
Abs. 6 Prämientarif). Zum Aufwand zählen die bereits angefallenen Kosten
und die für die erwarteten zukünftigen Kosten vorzunehmenden Rückstel-
lungen (Art. 37 Abs. 4 Prämientarif). Die Risikoerfahrungen der Risikoein-
heit werden mit den Risikoerfahrungen der Risikogemeinschaft verglichen.
Die Abweichungen werden nach der Kredibilität der Risikoeinheit gewichtet
(Art. 37 Abs. 6 Prämientarif). Die gewichteten Abweichungen bestimmen
einen allfälligen Bonus oder Malus, der zum Basissatz der Risikogemein-
schaft oder zum Mischsatz addiert oder von diesem abgezogen wird. Dar-
aus ergibt sich der Bedarfssatz der Risikoeinheit (Art. 37 Abs. 7 Prämien-
tarif). Der Nettoprämiensatz der Risikoeinheit entspricht dem ihrem Be-
darfssatz am nächsten liegenden Nettosatz des Suva-Grundtarifs (Art. 37
Abs. 8 Prämientarif).
2.5
2.5.1 Bei der Prämienbemessung ist weiter das in Art. 61 Abs. 2 UVG vor-
gesehene Prinzip der Gegenseitigkeit zu berücksichtigen. Dieses Prinzip
verlangt, dass die Suva und die weiteren an der obligatorischen Unfallver-
sicherung beteiligten Versicherer einerseits keine Gewinne aus dem Versi-
cherungsgeschäft erzielen, andererseits finanziell autonom sein sollen.
Neben diesen im Gesetz explizit geregelten Prinzipien müssen sich die
Versicherer bei der Aufstellung der Tarife an die allgemeinen Grundsätze
halten, welche aus dem Sozialversicherungsrecht des Bundes, dem Ver-
waltungsrecht und der Bundesverfassung fliessen. Unter die allgemeinen
Prinzipien, welche bei der Tarifgestaltung zu berücksichtigen sind, fällt na-
mentlich der Grundsatz der Solidarität. Demnach muss das Unfallrisiko
durch eine grosse Zahl von Versicherten getragen werden (BGE 112 V 316
E. 5c). In eine ähnliche Richtung geht das Versicherungsprinzip, wonach
das Risiko durch eine Mehrzahl von Versicherten zu tragen ist. Weiter ist
der Grundsatz der Verwaltungsökonomie zu beachten (Urteile des BVGer
C-541/2011 vom 16. Mai 2013 E. 2.3 und C-539/2009 vom 20. August 2012
E. 3.4.1 mit Hinweisen), sollen doch die Prämieneinnahmen nicht durch
übermässige Verwaltungsaufwendungen geschmälert werden.
2.5.2 Das Prinzip der Solidarität und jenes der Risikogerechtigkeit sind ei-
nander entgegengesetzt. Grösstmögliche Solidarität wäre durch eine für
alle Betriebe geltende Einheitsprämie zu erreichen, während grösstmögli-
che Risikogerechtigkeit eine für jeden Betrieb individuell bestimmte Prämie
bedingen würde. Die Ausgestaltung des Prämientarifs hat sich zwischen
diesen zwei Polen zu bewegen. Aus dem Gegensatz dieser zwei Grund-
sätze fliesst denn auch, dass das Gleichbehandlungsgebot nicht zur Folge
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Seite 10
haben kann, dass für jeden einzelnen Betrieb ein individueller Risikosatz
bestimmt wird; es fliessen zwangsläufig Faktoren anderer − nicht identi-
scher − Betriebe für die Einreihung mit ein, sei dies im Rahmen der Zutei-
lung zu den Klassen oder bei der Berücksichtigung von Vergleichswerten
(BVGE 2007/27 E. 5.6).
2.5.3 Ein Prämientarif hat sodann den Grundsätzen der Verfassung zu ent-
sprechen, insbesondere dem Prinzip der Gleichbehandlung (Art. 8 BV) und
dem Willkürverbot (Art. 9 BV). Nach ständiger Rechtsprechung ist der
Grundsatz der rechtsgleichen Behandlung verletzt, wenn rechtliche Unter-
scheidungen getroffen werden, für die ein vernünftiger Grund in den zu re-
gelnden Verhältnissen nicht ersichtlich ist, oder wenn Unterscheidungen
unterlassen werden, welche sich aufgrund der Verhältnisse aufdrängen.
Die Rechtsgleichheit wird insbesondere dann verletzt, wenn Gleiches nicht
nach Massgabe seiner Gleichheit gleich oder Ungleiches nicht nach Mass-
gabe seiner Ungleichheit ungleich behandelt wird. Vorausgesetzt ist, dass
sich die ungerechtfertigte Gleich- bzw. Ungleichbehandlung auf eine we-
sentliche Tatsache bezieht (BGE 131 V 107 E. 3.4.2). Willkürlich ist eine
Bestimmung, wenn sie sich nicht auf ernsthafte Gründe stützen lässt oder
wenn sie sinn- oder zwecklos ist (BGE 132 I 157 E. 4.1; siehe auch BGE
133 V 42 E. 3.1 mit Hinweisen). Das Bundesgericht hat im Übrigen festge-
stellt, dass im Bereich der Prämientarifgestaltung das Gleichbehandlungs-
gebot und das Prinzip der Risikogerechtigkeit deckungsgleich sind (vgl.
RKUV 1998 Nr. U 294 S. 228 E. 1c). Lässt sich also für eine Betriebsart
oder einen Betrieb ein gegenüber anderen Betriebsarten unterschiedliches
Risiko feststellen, so gebietet dieser Unterschied, diese Betriebsart un-
gleich zu behandeln. Bei gleichen Verhältnissen müssen auch gleiche Leis-
tungen beziehungsweise Prämien resultieren (BGE 112 V 291 E. 3b mit
Hinweisen), wobei unter Gleichheit nicht Identität zu verstehen ist.
3.
Materiell streitig und zu prüfen ist, ob die Vorinstanz die Berechnung der
Prämiensätze für das Jahr 2019 korrekt vorgenommen hat.
3.1 Die Vorinstanz hat den Beschwerdeführer in der BUV in der Risikoge-
meinschaft 44D A0 Malen und Gipsen (Malergeschäft) zu einem Basissatz
von 2,3860 % eingereiht. Dies ist nicht zu beanstanden und wurde vom
Beschwerdeführer auch nicht bestritten. Die massgebliche Lohnsumme für
die Jahre 2011 bis 2017 bezifferte die Vorinstanz zutreffend auf
Fr. 2'251'994.-. Die Basisprämie beträgt in der BUV demzufolge
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Seite 11
Fr. 47'553.-. Anwendbar ist vorliegend in der BUV das Bonus-Malus-Sys-
tem. Der Aufwand (Heilkosten- und Taggeld sowie Rückstellungen) für den
Beschwerdeführer betrug in den Jahren 2011 bis 2017 Fr. 7'288.-. Gegen-
über dem Vergleichswert der Risikogemeinschaft (Fr. 27'962.-) resultierte
eine Kredibilität von 17 % und damit ein Bonus von -0,1993 %. Im Vergleich
zum Vorjahr wurden für die Berechnung der Kredibilität neu die Heilkosten
und die Kosten für Taggeld sowie die Kosten für Invaliditäts- und Todesfall-
leistungen zusammengefasst. Deshalb fielen die Risikoerfahrungen des
Betriebs für Heilkosten und Taggeld im Vergleich zu den Vorjahren weniger
stark ins Gewicht. Dies ist eine Folge der Anpassung der Berechnungs-
grundlagen. Die Vorinstanz erläuterte in ihrer Vernehmlassung die Hinter-
gründe dieser Änderungen und wies darauf hin, dass die neuen Berech-
nungsgrundlagen dem Schutz der kleineren Betriebe dienten, da
«schlechte Zahlen», beispielsweise wegen eines schweren Unfalls, nicht
so stark ins Gewicht fallen würden. Im Gegenzug hätten indes auch «gute
Zahlen», wie sie der Beschwerdeführer hat, einen weniger grossen Ein-
fluss auf die eigenen Prämien. Die Berechnung der Vorinstanz erfolgte so-
mit korrekt gemäss den reglementarischen Bestimmungen. Die aus der
Änderung der Berechnungsgrundlagen erfolgende Erhöhung des Prämien-
satzes beim Beschwerdeführer ist nicht zu beanstanden. Es ist demzufolge
von einem BMS-Bedarfssatz für den Betrieb von 2,1867 % (2,3860 % [Ba-
sissatz] - 0,1993 % [Bonus]) auszugehen. Daraus resultiert gemäss Art. 37
Abs. 8 Prämientarif in Verbindung mit dem Grundlagenblatt BUV 2019
Stufe 97 mit einem Nettosatz von 2,1640 %.
3.2 In der NBUV ermittelte die Vorinstanz einen Betrag von Fr. 44'785.- als
massgebliche Basisprämie. Dies ist korrekt und wurde nicht bestritten. Es
kommt vorliegend daher das Prämienmodell «Basissatz» zur Anwendung
(vgl. E. 2.4.1 hiervor). Der Beschwerdeführer ist somit in der NBUV zum
Basissatz der Risikogemeinschaft 44D Malen und Gipsen einzureihen. Auf-
grund des gestiegenen Prämienbedarfs, welcher nicht bestritten wird, er-
höhte die Vorinstanz in der Risikogemeinschaft die Stufe von 97 auf 98 und
daher beträgt der Basissatz neu 2,2720 %. Somit ist auch diese Festset-
zung nicht zu beanstanden.
3.3 In Bezug auf die durch den Beschwerdeführer vorgebrachte Rüge, die
kleineren Betriebe, und somit auch diejenigen mit einer tieferen Lohn-
summe, würden durch die neue Berechnungsweise benachteiligt, ist fest-
zuhalten, dass die neue Berechnungsweise – wie die Vorinstanz ausge-
führt hat – die individuelle Schadensbilanz der Unternehmen weniger be-
C-6465/2018
Seite 12
rücksichtigt und so insgesamt zu stabileren Prämien beitragen soll. Im vor-
liegenden Fall wirkt sich dies nachteilig auf den Beschwerdeführer aus, weil
er in den letzten Jahren nur einen kleinen Schadenfall zu verzeichnen
hatte. Hätte er allerdings einen grösseren Schadenfall erlitten, würde er
von der neuen Regelung profitieren, da der erlittene Schadenfall nicht so
grosse Auswirkungen auf die eigene Prämie hätte. Mit Blick auf die in der
Unfallversicherung geltenden Regeln der Solidarität und der Risikogerech-
tigkeit sind die neuen Regelungen durchaus zu vereinbaren und nicht ein-
seitig begünstigend oder benachteiligend, sodass auch unter diesem Titel
kein Anlass für eine Korrektur der festgesetzten Prämien besteht.
Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz zu
den vorgenannten Prämiensätzen der BUV und NBUV die üblichen Zu-
schläge für Verwaltungskosten und Prävention erhoben und ferner einen
Abzug für ausserordentliche Anlageerträge erhoben hat. Diese wurden
nicht beanstandet und sind nicht weiter zu prüfen. Somit resultierten die
Bruttoprämiensätze von 2,2506 % in der BUV und von 2,2700 % in der
NBUV.
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Vorinstanz die Prämien
korrekt festgesetzt hat und die gegen den Einspracheentscheid vom
19. Oktober 2018 erhobene Beschwerde abzuweisen ist.
4.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-
schädigung.
4.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG sind die Verfahrenskosten der unterlie-
genden Partei aufzuerlegen. Die Verfahrenskosten bemessen sich nach
Umfang und Schwierigkeit der Streitsache, Art der Prozessführung und fi-
nanzieller Lage der Parteien (vgl. Art. 2 Abs. 1 des Reglements vom 21.
Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver-
waltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Die Verfahrenskosten sind vorliegend auf Fr. 1'200.- festzusetzen und dem
geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2'000.- zu entnehmen.
Die Differenz von Fr. 800.- ist dem Beschwerdeführer nach Eintritt der
Rechtskraft des vorliegenden Entscheids auf ein von ihm bekannt zu ge-
bendes Konto zurückzuerstatten.
4.2 Der obsiegenden Partei kann von Amtes wegen oder auf Begehren
eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig
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hohe Kosten zugesprochen werden (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Die Parteient-
schädigung umfasst die Kosten der Vertretung sowie allfällige weitere Aus-
lagen der Partei (Art. 8 VGKE).
Die Vorinstanz hat als mit einer öffentlichen Aufgabe betraute Organisation
jedoch keinen Anspruch auf Parteientschädigung (vgl. Art. 7 Abs. 3 VGKE
sowie BGE 128 V 124 E. 5b).
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