Decision ID: a67d07ef-59e3-4233-8de8-e0cef27bd49a
Year: 2009
Language: de
Court: ZH_SRK
Chamber: ZH_SRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A. 1. A (nachfolgend der Pflichtige) ist seit 1987 bei der D, welche zur E ge-
hört, angestellt und seit vielen Jahren Mitglied des Managements. In dieser Funktion
erhielt er (soweit vorliegend interessierend) in den Jahren 2004 - 2006 Mitarbeiteropti-
onen zugeteilt, die Bestandteil des Bonus bildeten und ihn zum Erwerb von Namenak-
tien der E berechtigten. Die Ausgestaltung der Optionen richtete sich dabei nach einem
Reglement der E aus dem Jahr 2001 bzw. 2004 und beinhaltete u.a. eine dreijährige
Sperrfrist der Optionen.
Im Juli 2006 erliess der Verwaltungsrat der E ein abgeändertes Reglement,
welches rückwirkend auch für die bisherigen Optionsprogramme 2004 - 2006 gültig
war. Dabei wurde die Bestimmung, wonach das Management in bestimmten Fällen
bereits zugeteilte Optionen wieder verlieren konnte, gestrichen.
2. Das kantonale Steueramt nahm diese Reglementsänderung zum Anlass,
um den geldwerten Vorteil der in den Jahren 2004 - 2006 dem Pflichtigen zugeteilten
Mitarbeiteroptionen als bei diesem im Jahr 2006 zugeflossen einzustufen und als steu-
erbare Einkunft zu erfassen. Auf dieser Grundlage schätzte es den Pflichtigen und sei-
ne Ehefrau (zusammen die Pflichtigen) am 19. Februar 2008 für die Steuerperiode
2006 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. ... (Staats- und Gemeindesteuern)
bzw. Fr. ... (direkte Bundessteuer) sowie einem steuerbaren Vermögen von Fr. ...
(Staats- und Gemeindesteuern) ein.
Die Veranlagung der direkten Bundessteuer wurde mit Steuerrechnung vom
7. April 2008 formell eröffnet.
B. Hiergegen liessen die Pflichtigen am 25. März bzw. 15. April 2008 Einspra-
che erheben und beantragen, die Besteuerung des mit den 2004 und 2005 zugeteilten
Mitarbeiteroptionen verbundenen geldwerten Vorteils fallen zu lassen. Die Erfassung
des entsprechenden Vorteils der 2006 zugeteilten Optionen werde nicht bestritten. In-
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dessen seien die Vermögenssteuerwerte aller Optionen der dreijährigen Sperrfrist an-
zupassen.
Das kantonale Steueramt hiess die Einsprachen am 25. Februar 2009 hin-
sichtlich der Vermögenssteuerwerte der Optionen gut und wies sie bezüglich der ge-
samthaften Besteuerung des damit verbundenen geldwerten Vorteils als Einkommen
im Jahr 2006 ab.
C. Mit Rekurs bzw. Beschwerde vom 30. März 2009 liessen die Pflichtigen
beantragen, von der Aufrechnung eines geldwerten Vorteils hinsichtlich der 2004 und
2005 zugeteilten Mitarbeiteroptionen abzusehen, da ein solcher Vorteil – wenn über-
haupt – schon bei der Zuteilung und nicht erst im Jahr 2006 zugeflossen sei. Zudem
sei ihnen eine Parteientschädigung zuzusprechen.
Das kantonale Steueramt schloss am 28. April 2009 auf Abweisung der
Rechtsmittel. Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) liess sich nicht verneh-
men.
Auf die Ausführungen der Parteien in diesen Rechtsschriften sowie auf die
Begründung der Einspracheentscheide wird – soweit erforderlich – in den nachfolgen-
den Erwägungen eingegangen.

Die Rekurskommission zieht in Erwägung:
1. a) Unter Einkommen aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit im Sinn von
§ 17 Abs. 1 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) bzw. Art. 17 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes über die direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 1990 (DBG) fällt unter
anderem auch die Zuteilung von Beteiligungsrechten an Mitarbeiter, sofern und soweit
die Beteiligungsrechte unentgeltlich oder zu einem Vorzugspreis überlassen werden
(RB 1995 Nr. 34; BGr, 21. Mai 2003 = ASA 73, 545, beide auch zum Folgenden). Er-
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fasst wird diesfalls beim Mitarbeiter die Differenz zwischen dem Verkehrswert und ei-
nem allfälligen (günstigeren) Bezugspreis.
b) Der Pflichtige hat von seiner Arbeitgeberin, der D, in den Jahren 2004 -
2006 als Bonusbestandteil folgende Mitarbeiteroptionen der E zugeteilt erhalten: 2004:
2'750 Stück, 2005: 386 Stück und 2006: 110 Stück.
Dass diesen Papieren im vorstehenden Umfang (E.1a) Einkommensqualität
zukommt, ist unbestritten. Der vorliegende Streit dreht sich allein um die Frage, in wel-
chem Zeitpunkt die Einkommensbesteuerung zu erfolgen hat.
2. a) Einkünfte fliessen dem Steuerpflichtigen grundsätzlich im Zeitpunkt zu, in
welchem der Rechtserwerb vollendet ist; erst dann wird ein fester Rechtsanspruch auf
das Vermögensrecht erworben (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Kommentar zum har-
monisierten Zürcher Steuergesetz, 2. A., 2006, § 50 N 23 sowie Richner/Frei/Kauf-
mann, Handkommentar zum DBG, 2003, Art. 210 N 5, je mit Verweisungen, auch zum
Folgenden). Voraussetzung des Zuflusses ist somit ein abgeschlossener Rechtser-
werb, der Forderungs- oder Eigentumserwerb sein kann, wobei der Forderungserwerb
in der Regel die Vorstufe des Eigentumserwerbs darstellt. Die Fälligkeit des Rechtsan-
spruchs ist für die Bestimmung des Zeitpunkts des steuerlich massgeblichen Zuflus-
ses – von hier nicht relevanten Ausnahmen (Kapitalzinsen, Mietzinsen) abgesehen – in
der Regel nicht erforderlich (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, § 50 N 27; Rich-
ner/Frei/Kaufmann, Art. 210 N 9).
In Literatur und Rechtsprechung findet der dargelegte Grundsatz der Ein-
kommensrealisation mit dem Forderungserwerb indessen dann eine Einschränkung,
wenn die Erfüllung der Forderung besonders unsicher ist (Richner/Frei/Kaufmann/Meu-
ter, § 50 N 24; Richner/Frei/Kaufmann, Art. 210 N 6). In diesen Fällen wird auf den
Zeitpunkt der Erfüllung des Anspruchs abgestellt.
b) Bei Mitarbeiteraktien erfolgt der Zufluss mit der Erklärung des Arbeitgebers
(Offerte), der Mitarbeiter könne solche Titel zu bestimmten Bedingungen beziehen, und
der Annahme dieser Offerte durch den Mitarbeiter (RB 1995 Nr. 34 = StE 1996 B 22.2
Nr. 11 = ZStP 1996, 39, auch zum Folgenden). Der Rechtserwerb ist auch bei unent-
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geltlicher Übertragung demnach frühestens dann vollendet, wenn der Mitarbeiter ein
Angebot zum Aktienbezug ausdrücklich oder durch konkludentes Verhalten angenom-
men hat oder – z.B. bei unbenütztem Ablauf der vom Arbeitgeber hierfür gesetzten
Frist – im Zeitpunkt einer allenfalls von Letzterem selbstständig veranlassten Übertra-
gung des Eigentums an den Aktien (RB 2002 Nr. 95 = ZStP 2003, 40).
c) Bei Mitarbeiteroptionen stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob
sie im Zeitpunkt der Zuteilung als genügend sichere Einkunft anzusehen sind, so dass
sie in steuerlicher Hinsicht als realisiert betrachtet werden können.
aa) Gemäss präjudiziellem Entscheid des Verwaltungsgerichts vom 4. Juli
1995 war für den steuerlich relevanten Zufluss auf den Zeitpunkt der Zuteilung der Op-
tionen abzustellen, und zwar unabhängig davon, ob die zugeflossenen Rechte markt-
fähig, d.h. veräusserbar waren. Dies hatte lediglich Auswirkungen auf die Frage der
Bewertung; hingegen berührte die Verkäuflichkeit oder Nichtverkäuflichkeit von Mitar-
beiteroptionen deren Steuerobjektqualität nicht (RB 1995 Nr. 34 = StE 1996 B 22.2
Nr. 11).
bb) Die Einschätzungspraxis im Kanton Zürich ist dieser Rechtsprechung ge-
folgt. Einzig bei (im Sinn der nachstehenden Definition der ESTV) nicht bewertbaren
Optionen wurde entgegen der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung erst im Zeit-
punkt der Ausübung der Option zur Besteuerung geschritten (vgl. Merkblatt zur Be-
steuerung von Mitarbeiterbeteiligungen vom 28. November 1997, aZStB I A Nr. 18/40,
Ziff. 2.1 b).
cc) Nachdem die ESTV im inzwischen überholten Kreisschreiben vom 17. Mai
1990 (Kreisschreiben Nr. 5 zu Direkte Bundessteuer Veranlagungsperiode 1991/92,
aZStB II Nr. 52/18 = ASA 59, 172 ff.) erstmals Richtlinien für die Besteuerung von Mit-
arbeiteroptionen aufgestellt hatte, erliess sie am 30. April 1997 das heute noch mass-
gebende Kreisschreiben Nr. 5 zu Direkte Bundessteuer Steuerperiode 1997/98 über
die Besteuerung von Mitarbeiteraktien und Mitarbeiteroptionen (aZStB II Nr. 69/54-p =
ASA 66, 130 ff., nachfolgend Kreisschreiben Nr. 5), welches unter Ziff. 4 Grundsätze
für die einkommenssteuerliche Behandlung von Mitarbeiteroptionen enthält. Das Kreis-
schreiben unterscheidet zwischen bewertbaren und nicht bewertbaren Optionen. Als
nicht bewertbar gelten Optionen mit einer Laufzeit von mehr als zehn Jahren, Optionen
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mit einer Verfügungssperre von mehr als fünf Jahren sowie Optionen mit zahlreichen
individuellen Bedingungen. Bewertbare Optionen stellen gemäss Kreisschreiben im
Augenblick der Zuteilung steuerbares Einkommen dar, und zwar im Umfang der Diffe-
renz zwischen dem Abgabepreis und dem tatsächlichen Wert der Option bei Abgabe
an den Mitarbeiter; bei gesperrten Optionen ist dem Umstand der Sperrung bei der
Berechnung des Werts der Optionen aufgrund der im Bankensektor üblichen mathe-
matischen Modelle dadurch Rechnung zu tragen, dass beim Parameter "aktueller Bör-
senkurs" in gleicher Weise wie bei gesperrten Mitarbeiteraktien der diskontierte Bör-
senkurs zugrunde zu legen ist (Kreisschreiben Nr. 5 Ziff. 4.3). Nicht bewertbare
Optionen stellen gemäss Kreisschreiben Nr. 5 Ziff. 4.1 Abs. 4 im Zeitpunkt der Abgabe
eine blosse Anwartschaft dar und sind damit einkommenssteuerrechtlich irrelevant.
Aus solchen Optionen erzielt der Mitarbeiter erst im Zeitpunkt der Ausübung steuerba-
res Einkommen.
dd) Mit Entscheid vom 20. November 2002 hat das Verwaltungsgericht seine
Praxis mit Bezug auf solche Mitarbeiteroptionen, welche mit aufschiebenden Bedin-
gungen ausgestaltet sind, präzisiert bzw. ergänzt. Es hat erkannt, dass solche Optio-
nen nicht im Zeitpunkt der Zuteilung, sondern erst anlässlich ihres unwiderruflichen
Rechtserwerbs, d.h. bei Eintritt der aufschiebenden Bedingung (Vesting), zu besteuern
sind (RB 2002 Nr. 96 = StE 2003 B 21.2 Nr. 16).
ee) Ausgelöst durch diesen Entscheid hat die ESTV im Hinblick auf die Steu-
erharmonisierung ihr Kreisschreiben Nr. 5 ebenfalls präzisiert bzw. ergänzt. Hierzu
erliess sie am 6. Mai 2003 das Rundschreiben über die Besteuerung von Mitarbeiter-
optionen mit Vesting-Klauseln vom 6. Mai 2003 (nZStB II Nr. 62/201). In diesem wurde
darauf hingewiesen, dass die Besteuerungsgrundsätze des Kreisschreibens Nr. 5 un-
verändert gültig seien. Alsdann wurde für den Spezialfall der Optionen mit Vesting-
Klauseln festgehalten, dass diese im Zeitpunkt der Zuteilung noch nicht unwiderruflich
erworben seien. In der Regel sei dies aber auch nach Ablauf der Vestingperiode noch
nicht der Fall, weil der unwiderrufliche Rechtserwerb häufig davon abhängig gemacht
werde, dass der Mitarbeiter bis zur Ausübung der Option in der Unternehmung be-
schäftigt bleibe und dieser bis zur Ausübung der Option also gar keine Möglichkeit ha-
be, den darin verkörperten Wert zu realisieren. Soweit es sich bei gevesteten Optionen
in diesem Sinn um blosse Anwartschaften handle, habe die Besteuerung im Sinn des
Kreisschreibens Nr. 5 erst bei Ausübung zu erfolgen.
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Als Vesting-Periode gebundener Mitarbeiteroptionen wird die Zeitdauer be-
zeichnet, während der die bereits zugeteilte Option "verdient" werden muss. Das "Ver-
dienen" der Option kann von der Fortdauer des Arbeitsverhältnisses oder von der Er-
reichung von Leistungszielen abhängig sein. Der Mitarbeiter kann seine Option bis zum
Vesting (= Ablauf der Vesting-Periode) verlieren, wenn er seine Leistungsziele nicht
erreicht oder das Arbeitsverhältnis (z.B. durch Kündigung) aufgelöst wird (RB 2002
Nr. 96 = StE 2003 B 21.2 Nr. 16 sowie Andreas Risi, Mitarbeiteroptionen und -aktien,
Bewertung – Rechnungslegung – Besteuerung, 1999, S. 96). Solche Optionen weisen
eine suspensive bzw. aufschiebende Bedingung nach Art. 151 OR auf, sodass die Op-
tion erst im Zeitpunkt des Vestings, d.h. wenn die Bedingung in Erfüllung geht, als defi-
nitiv erworben gilt (Ziff. 6.1.1. des Berichts der gemischten Arbeitsgruppe "Besteuerung
von Mitarbeiteroptionen zu Handen des Eidg. Finanzdepartements vom 21. Dezember
2001). Der mit den Optionen verbundene geldwerte Vorteil ist vom Mitarbeiter daher
erst in diesem Zeitpunkt und nicht schon bei Zuteilung der Option als Einkommen zu
versteuern.
ff) Das kantonale Steueramt hat sich in der Folge mit dem Merkblatt über die
Besteuerung von Mitarbeiteroptionen zum Zweck der Staats- und Gemeindesteuern
und der direkten Bundessteuer vom 1. September 2003 (nZStB I Nr. 13/300) dem
Rundschreiben der ESTV grundsätzlich angeschlossen und gestützt darauf folgende
nunmehr geltenden Besteuerungsregeln formuliert:
Im Zeitpunkt der Zuteilung werden Mitarbeiteroptionen besteuert, welche mit
der Zuteilung unwiderruflich erworben werden und in diesem Zeitpunkt objektiv bewer-
tet werden können; blosse Ausübungssperrfristen stehen dabei weder einem unwider-
ruflichen Rechtserwerb noch einer objektiven Bewertbarkeit entgegen. Im Vesting-
Zeitpunkt werden sodann Mitarbeiteroptionen besteuert, welche mit der Zuteilung bloss
bedingt bzw. erst mit Eintritt dieser Bedingung unwiderruflich erworben werden und in
diesem Zeitpunkt objektiv bewertet werden können; die Mitarbeiteroption gilt dabei
als unwiderruflich erworben, wenn ihr Rechtserwerb und/oder Rechtsbestand insbe-
sondere nicht mehr vom Bestand eines Arbeitsverhältnisses abhängig gemacht wird
(Ziff. 2.1.3 Abs. 2 des Merkblatts). Im Zeitpunkt der Ausübung bzw. bei Verkauf werden
alle Mitarbeiteroptionen besteuert, welche nicht bei Zuteilung oder Vesting zu besteu-
ern sind.
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3. a) Die dem Pflichtigen in den Jahren 2004 – 2006 zugeteilten Mitarbeiterop-
tionen der E unterlagen gemäss dem massgeblichen Reglement dieser Firma aus dem
Jahr 2001 bzw. 2004 einer dreijährigen Sperrfrist. Während dieser Frist durften die
Titel weder veräussert noch ausgeübt noch verpfändet werden. Danach war der Pflich-
tige als Optionsempfänger frei, über sie zu verfügen, d.h. sie entweder auszuüben oder
zu veräussern. Bei Anwendung nur dieser Reglementsbestimmungen handelte es sich
bei den streitbetroffenen Optionen des Pflichtigen demnach um Titel, die bei der Zutei-
lung als definitiv erworben galten, weil die Sperrfrist den Erwerb und damit den Zufluss
beim Berechtigten nicht hinderte, sondern lediglich den Wert der Papiere minderte.
Gleiches gilt sodann auch noch hinsichtlich Ziff. 9 Abs. 1 und 2 des Regle-
ments, wonach die Optionen bei Nichtausübung bis zum Ende der Laufdauer entschä-
digungslos verfallen bzw. beim Tod des Berechtigten als per Todestag verfallen gelten
und Anspruch der Erben auf Ersatz eines näher bestimmten Werts begründeten. Denn
bis zum Verfall erfuhren die Optionen durch diese Vorgänge keinerlei Einschränkungen
und konnte der Berechtigte frei über sie verfügen. Ebenfalls keine Einschränkung hatte
schliesslich der Verwaltungsrat bei Aufgabe seines Mandats hinzunehmen, konnte er
über die ihm in dieser Funktion zugeteilten Optionen während der Restlaufzeit doch
kraft ausdrücklicher Regelung im Reglement jederzeit frei verfügen.
b) aa) Bei Optionen von Angehörigen des Managements, zu denen der Pflich-
tige zählt, galten indessen besondere Regeln. Im Fall von Invalidität oder Pensionie-
rung (einschliesslich Frühpensionierung) konnten die Optionen zwar ab dem Zeitpunkt
des Eintretens der Invalidität bzw. der Pensionierung ebenfalls während der gesamten
Restlaufzeit frei veräussert oder ausgeübt werden. Wurde das Arbeitsverhältnis jedoch
während der Sperrfrist aus anderen Gründen als durch Tod, Invalidität oder Pensionie-
rung beendet, verfielen die Optionen entschädigungslos. Der Verwaltungsrat konnte
lediglich Ausnahmen bewilligen.
Zwischen den Parteien ist streitig, welche Folgen diese Bestimmung für die
Frage des Zuflusses der Optionen beim Pflichtigen hatten. Das kantonale Steueramt
erblickt in ihr eine aufschiebende (suspensive) Bedingung für den Erwerb der Titel bzw.
eine entsprechende, den Erwerb vorläufig hindernde Vestingklausel, deren Dahinfallen
mit der entsprechenden Reglementsänderung aus dem Jahr 2006 erst den definitiven
Erwerb beim Pflichtigen bewirkt habe. Demgegenüber sehen die Pflichtigen darin eine
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auflösende (resolutive) Bedingung in dem Sinn, dass die Angehörigen des Manage-
ments die Option bereits im Zeitpunkt der Zuteilung definitiv erwarben und im Fall der
Auflösung des Arbeitsverhältnisses durch andere Gründe als Tod, Invalidität oder Pen-
sionierung (z.B. Kündigung) nachträglich wieder verloren. Dementsprechend hat die
Reglementsänderung 2006 bei dieser Betrachtungsweise keine Auswirkungen mehr,
da der Zufluss bereits bei der Zuteilung erfolgt ist.
bb) Sowohl Praxis als auch Lehre und Rechtsprechung gehen nach dem Ge-
sagten vom Vorliegen einer Vestingklausel aus, wenn die Option zuerst während einer
gewissen Zeit "verdient" werden muss. Unter dem Begriff des "Verdienens" wird dabei
nicht nur das Erreichen von bestimmten Leistungszielen, sondern auch die Fortdauer
des Arbeitsverhältnisses verstanden und als "nicht verdient" demzufolge die Auflösung
des Arbeitsverhältnisses z.B. durch Kündigung in der fraglichen Zeit (Vestingperiode)
betrachtet (RB 2002 Nr. 96 = StE 2003 B 21.2 Nr. 16 sowie Risi, S. 96). Dementspre-
chend gelten Mitarbeiteroptionen gemäss dem erwähnten Merkblatt des kantonalen
Steueramts zutreffend erst dann als unwiderruflich erworben, wenn ihr Rechtserwerb
und/oder Rechtsbestand insbesondere nicht mehr vom Bestand eines Arbeitsverhält-
nisses abhängig gemacht wird. Die Fortdauer des Arbeitsverhältnisses wird daher kon-
sequent als aufschiebende Bedingung behandelt.
Im vorliegenden Fall verfielen die Optionen des Managements gemäss bisher
gültigem Reglement entschädigungslos, wenn das Arbeitsverhältnis während der drei-
jährigen Sperrfrist aus andern Gründen als durch Tod, Invalidität oder Pensionierung
(z.B. durch Kündigung) beendet wurde. Demnach wiesen diese Optionen eine
Vestingklausel auf, welche den Weiterbestand des Arbeitsverhältnisses während der
Sperrfrist zum Gegenstand hatte, mit der Folge, dass sie erst als "verdient" galten,
wenn die Sperrfrist abgelaufen war und das Arbeitsverhältnis noch bestand bzw. nicht
durch eines der genannten drei Ereignisse beendet worden war. Die dem Pflichtigen in
den Jahren 2004 – 2006 zugeteilten Optionen wiesen daher eine entsprechende
Vestingklausel auf und bildeten bei ihm vorerst lediglich eine Anwartschaft. Der damit
verbundene geldwerte Vorteil ist ihm demnach nicht schon bei der Zuteilung, sondern
erst nach Ablauf der dreijährigen Sperrfrist (= Vestingperiode) zugeflossen. Ihr Erwerb
war aufschiebend bedingt.
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2006 änderte der Verwaltungsrat der E das Reglement insofern ab, als bei
den Optionen des Managements die Vestingklausel gestrichen wurde und diese Titel
daher bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses innert Sperrfrist nicht mehr verfallen.
Die Änderung bezog sich unstreitig auch auf die bereits zugeteilten (noch gesperrten)
Optionen. Demnach unterlagen auch sämtliche dem Pflichtigen in den Jahren 2004 -
2006 zugeteilten Optionen der Vestingklausel ab sofort nicht mehr, weshalb ihm der
damit verbundene geldwerte Vorteil gesamthaft in diesem Zeitpunkt zugeflossen ist.
Die Besteuerung dieses Vorteils in der Steuerperiode 2006 auch hinsichtlich der 2004
und 2005 zugeteilten Titel hat damit Bestand. Bezüglich der 2006 zugeteilten Optionen
ist die Besteuerung zu Recht nicht streitig, weil sich die Frage des Zuflusses wegen
Wegfalls der Vestingklausel noch im Jahr der Zuteilung gar nicht stellt.
c) Entgegen der Auffassung des Pflichtigen verhält es sich nicht so, dass er
die Mitarbeiteroptionen mit der Zuteilung schon definitiv erworben hatte und aufgrund
des bisherigen Reglements lediglich noch das Risiko trug, sie wieder zu verlieren. Es
liegt keine auflösende Bedingung vor. Das Reglement ist vielmehr so ausgestaltet,
dass die Optionen eine Vestingklausel im Sinn des Fortdauerns des Arbeitsverhältnis-
ses während der Sperrfrist aufwiesen und ihre Zuteilung insofern aufschiebend bedingt
war. Erst nach Ablauf der Sperrfrist war ihr Erwerb somit definitiv.
d) Im Quantitativen ist der geldwerte Vorteil, der dem Pflichtigen bei definiti-
vem Erwerb der 2004 und 2005 zugeteilten Optionen im Jahr 2006 als Einkommen
zugeflossen ist, nicht streitig und beträgt Fr. ... (= 2'750 Optionen à Fr. ... + 386 Optio-
nen à Fr. ...).
4. Der Vermögenssteuerwert per Ende 2006 der 2004 - 2006 zugeteilten Opti-
onen unter Berücksichtigung der dreijährigen Sperrfrist ist nicht mehr streitig und von
der Vorinstanz korrekt ermittelt worden.
5. Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Rechtsmittel. Ausgangsge-
mäss sind die Kosten des Verfahrens den Pflichtigen aufzuerlegen (§ 151 Abs. 1 StG,
Art. 144 Abs. 1 DBG) und entfällt die Zusprechung einer Parteientschädigung (§ 152
StG i.V.m. § 17 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959/8. Juni
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1997, Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verwal-
tungsverfahren vom 20. Dezember 1968).