Decision ID: c6456af0-0bc9-5869-8cf3-6679ab95c260
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war über die B._ GmbH obligatorisch bei der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) unfallversichert, als er am 30. April
2015 bei der Arbeit von einem Hausdach aus der Höhe von etwa sechs oder sieben
Metern stürzte (Suva-act. I-1, 20, 24 und 28). (...) wurde der Versicherte mit der Rega
ins Kantonsspital St. Gallen (KSSG) eingeliefert (Suva-act. I-20), wo eine Commotio
cerebri, ein Psoashämatom rechtsseitig, Frakturen der 10. und 12. Rippe dorsal rechts,
Frakturen der Processi transversi BWK 11 und LWK 1-4 rechts, eine Zungenverletzung
mit Fremdkörper in der Zunge sowie im Verlauf eine posttraumatische
Anpassungsstörung diagnostiziert wurden. Am _. Mai 2015 konnte der Versicherte in
gebessertem Allgemeinzustand nach Hause entlassen werden (Suva-act. I-13). Mit
Schreiben vom 7. Mai 2015 teilte die Suva dem Versicherten mit, dass sie für die
Folgen des Berufsunfalls vom 30. April 2015 die Versicherungsleistungen übernehme
(Suva-act. I-5).
A.a.
Vom 28. Juli bis 31. August 2015 nahm der Versicherte an einer stationären
Rehabilitation in der Rehaklinik I._ teil. Im Austrittsbericht vom 1. September 2015
nannten die Behandlenden im Wesentlichen dieselben somatischen Diagnosen, wie sie
bereits im Austrittsbericht des KSSG aufgeführt waren. Als psychiatrische Diagnosen
erwähnten sie eine Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und
Sozialverhalten sowie impulsive, passiv-aggressive Persönlichkeitszüge. Weiter wurde
A.b.
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festgehalten, dass eine erhebliche Symptomausweitung beobachtet worden sei. Infolge
Selbstlimitierung und ungenügender Kooperation im Behandlungsprogramm hätten die
zu erwartenden Verbesserungen bezüglich Funktion und Belastbarkeit nicht erreicht
werden können. Die Resultate der physischen Leistungstests seien für die Beurteilung
der zumutbaren körperlichen Belastbarkeit daher nicht verwertbar. Das Ausmass der
demonstrierten physischen Einschränkungen lasse sich mit den objektivierbaren
pathologischen Befunden der klinischen Untersuchung und der bildgebenden
Abklärung sowie den Diagnosen nur zum Teil erklären. Die Beurteilung der
Zumutbarkeit stütze sich deshalb primär auf medizinisch-theoretische Überlegungen
unter Berücksichtigung der Beobachtungen bei den Leistungstests und im
Behandlungsprogramm. Aus medizinisch-theoretischer Sicht und unter
ausschliesslicher Berücksichtigung der Unfallfolgen sei die berufliche Tätigkeit als (...)
infolge zu hoher Anforderungen (sehr schwere Arbeit) nicht zumutbar. Andere leichte
Tätigkeiten seien ganztags zumutbar. Es sollte sich um wechselbelastende Tätigkeiten
ohne wiederholte Rumpfrotationen und ohne Zwangshaltungen für die Wirbelsäule
handeln. Die festgestellte psychische Störung begründe keine arbeitsrelevante
Leistungsminderung (Suva-act. I-42).
Mit Schreiben vom 21. September 2015 stellte die Suva ihre Taggeldleistungen
unter Berücksichtigung einer dreimonatigen Anpassungsfrist mit dem 1. Januar 2016
ein, da gemäss Austrittsbericht der Rehaklinik I._ eine ganztägige Beschäftigung
zumutbar sei (Suva-act. I-43). In einem Telefonat vom 6. Januar 2016 erklärte der
Versicherte, dass er noch immer erhebliche Schmerzen habe und der Ansicht sei, dass
nochmals eine Abklärung in die Wege geleitet werden sollte. Die Suva informierte ihn,
dass gemäss dem Austrittsbericht der Rehaklinik I._ durch weitere Behandlungen
keine Besserung mehr zu erwarten sei. Auch sei im Bericht Stellung dazu genommen
worden, welche Tätigkeiten ihm noch zumutbar seien. Die Suva habe eine
angemessene Übergangsfrist gewährt. Weitere Taggeldleistungen würden nicht mehr
ausgerichtet. Von Seiten der Suva werde der Fallabschluss geprüft. Zu diesem Zweck
werde noch eine kreisärztliche Abschlussuntersuchung durchgeführt werden (Suva-act.
I-46).
A.c.
Im Bericht zur kreisärztlichen Abschlussuntersuchung vom 18. Januar 2016 hielt
med. pract. C._, Fachärztin für Chirurgie FMH, fest, dass noch eine gewisse
A.d.
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B.
muskuläre Insuffizienz und auch ein gewisser paravertebraler Hartspann rechts lumbal/
lumbosacral ohne neurologische Auffälligkeiten beständen. In der Rehaklinik I._ habe
sich der Versicherte provoziert gefühlt, was wohl seiner Persönlichkeitsstruktur
geschuldet sei. Daher habe wohl auch eine gewisse Incompliance bezüglich der
Therapie bestanden. Aufgrund der Gesamtsituation und der erhobenen Befunde sei
aber eine weitere Serie medizinische Trainingstherapie (MTT) zu befürworten.
Anschliessend sei durch die zuständige Sachbearbeitung der Suva noch eine
Beteiligung an einem Fitnessabo im Umfang von Fr. 300.-- zu erwägen. Der Versicherte
könne sich dadurch mit hoher Wahrscheinlichkeit betreffend Haltung und Belastbarkeit
doch noch etwas verbessern. Gesamthaft sei aber von einem Endzustand auszugehen.
Gegebenenfalls müsse allerdings noch eine Zahnbehandlung durchgeführt werden.
Aus unfallchirurgisch-orthopädischer Sicht werde die Erheblichkeitsgrenze zur
Ausrichtung einer Integritätsentschädigung nicht erreicht. Ganztägig zumutbar seien
dem Versicherten mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten, die keine
wiederholten Rumpfrotationen und keine Zwangshaltungen für die Wirbelsäule
erforderten (Suva-act. I-49). Am 27. Januar 2016 leistete die Suva Kostengutsprache
für eine weitere Serie MTT (Suva-act. I-50).
Mit Schadenmeldung UVG vom 26. Oktober 2018 meldete die D._ GmbH, bei
welcher der Versicherte seit ._ als (...) angestellt war, der Suva einen Unfall vom 18.
Oktober 2018. Dem Versicherten sei etwas auf den Kopf gefallen, woraufhin er
hingefallen sei. Dabei hätten sich Schrauben, die sich in der Nageltasche des
Versicherten befunden hätten, in dessen Rücken gebohrt (Suva-act. II-3). Noch am
Unfalltag war eine ca. 15 cm lange Schraube, die ca. 10 cm in die Weichteile
paravertebral links bis in den Musculus iliacus eingedrungen war, operativ entfernt
worden (Suva-act II-2). Organverletzungen waren mittels CT ausgeschlossen worden
(Suva-act. II-2 und II-20). Bei problemlosem postoperativem Verlauf war der
Versicherte am _. Oktober 2018 aus dem KSSG entlassen worden, wobei im
Austrittsbericht angemerkt worden war, dass im Falle eines weiterhin problemlosen
Verlaufs keine weiteren Kontrollen im Spital mehr geplant seien (Suva-act. II-8). Mit
Schreiben vom 30. Oktober 2018 teilte die Suva dem Versicherten mit, für die Folgen
des Berufsunfalls vom 18. Oktober 2018 die Versicherungsleistungen auszurichten
B.a.
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(Suva-act. II-5). Anfangs November 2018 nahm der Versicherte seine Arbeit wieder in
vollem Pensum auf (Suva-act. II-9 ff.).
In einem Telefonat vom 30. Januar 2019 teilte der Versicherte der Suva mit, dass
er wieder starke Beschwerden habe, weshalb er einen Arzt aufgesucht habe. Der Arzt
habe ihm empfohlen, die Arbeit nochmals auszusetzen und Physiotherapie zu
absolvieren. Bis zum aktuellen Zeitpunkt habe er aber noch kein Arztzeugnis erhalten,
da er gedacht habe, es würde mit der Arbeit schon irgendwie klappen (Suva-act. II-15).
B.b.
Am 19. Februar 2019 ging bei der Suva ein Kostenvoranschlag für die Behandlung
eines Zahnfolgeschadens des Unfalls vom 30. April 2015 ein (Suva-act. I-53 f.). Am 27.
Februar 2019 erteilte die Suva für die entsprechende Zahnbehandlung
Kostengutsprache (Suva-act. I-55).
B.c.
In einem Bericht vom 5. März 2019 erläuterte Dr. med. E._, Allgemeine Innere
Medizin FMH, dass die Behandlung der Folgen des Unfalls vom 18. Oktober 2018 nach
der Fadenentfernung in seiner Praxis am 2. November 2018 abgeschlossen gewesen
sei. Am 23. Januar 2019 habe der Versicherte einen Rückfall gemeldet. Er habe über
lumbovertebrale Schmerzen links im Bereich der früheren Schraubenverletzung
paravertebral links geklagt. Die Einstichstelle habe sich reizlos präsentiert, die LWS
habe keine Fehlhaltung aufgewiesen, die Lateralreflexion sei leicht eingeschränkt
gewesen mit Endschmerz, die Extension ohne Endschmerz. Der Neurostatus der
unteren Extremität sei blande gewesen. Als Diagnosen nannte Dr. E._ rezidivierende
lumbovertebrale Schmerzen links bei Status nach tiefer Schraubenverletzung vom 18.
Oktober 2018 sowie eine muskuläre Dysbalance bei Schonungsverhalten nach dem
Unfall. Er verordnete Physiotherapie sowie MTT, attestierte jedoch keine
Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. II-18 und I-57).
B.d.
Am 9. April 2019 wurde im Auftrag der Suva (Suva-act. II-21) eine MRT-
Untersuchung der Wirbelsäule und der Abdominalwand des Versicherten durchgeführt.
Der untersuchende Radiologe hielt in seiner Beurteilung folgende Befunde fest: feine,
nur direkt subepidermal geringfügig gereizte Schleifspuren auf Höhe der ehemaligen
Schrauben-Inokulation, kein Abszess, keine massive Raumforderung und regelrechte
muskuläre Anteile. Eine feine granuläre Reaktion bzw. ein kleines Narbengranulom sei
B.e.
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nicht auszuschliessen. Die LWS sei unauffällig, ebenso seien es die
Zwischenwirbelräume. Aktuell gebe es keine Hinweise auf ein unfallunabhängiges
lumbales Geschehen (Suva-act. II-24 und I-58).
In seiner Beurteilung vom 29. April 2019 kam Kreisarzt Dr. med. F._, Facharzt für
Chirurgie, zum Schluss, dass die geltend gemachten Rückenbeschwerden
wahrscheinlich auf den Unfall vom 18. Oktober 2018 zurückzuführen seien, da in der
MRT-Untersuchung noch ein leichter Reizzustand nachgewiesen worden sei. Dieser
dürfte sich jedoch innerhalb weniger Wochen zurückbilden. Die von Dr. E._
festgestellte muskuläre Dysbalance werde bereits adäquat therapiert, sodass die
Vornahme des Fallabschlusses nach Beendigung der Physiotherapie bzw. der MTT
empfohlen werde (Suva-act. II-25).
B.f.
In einem Verlaufsbericht vom 4. Juni 2019 hielt Dr. E._ fest, dass der Versicherte
von weiter andauernden Schmerzen im Bereich der Schraubeneinstichstelle
paravertebral links berichtet habe. Daneben habe er auch über Beschwerden infolge
älterer Unfälle im Bereich des AC-Gelenks links, der Rippen rechts und des Knies links
geklagt. Dr. E._ empfahl eine kreisärztliche Untersuchung, um das weitere Prozedere
festzulegen (Suva-act. II-29 und I-59). In einem Telefonat vom 30. Juli 2019 teilte der
Versicherte der Suva mit, dass die Physiotherapie sowie die MTT abgeschlossen
worden seien. Dies aber nicht aufgrund von Beschwerdefreiheit, sondern weil sie nicht
den erwünschten Erfolg gebracht hätten. Nun stelle sich die Frage nach dem weiteren
Vorgehen. Er denke, dass wohl die Behandlung durch einen Chiropraktiker am
sinnvollsten wäre. Dies sei auch der Grund, weshalb sowohl Dr. E._ als auch er eine
kreisärztliche Untersuchung wünschten (Suva-act. II-30).
B.g.
Am 14. August 2019 erfolgte eine kreisärztliche Untersuchung durch Dr. F._.
Dieser hielt im gleichentags verfassten Bericht fest, dass subjektiv Schmerzen im
unteren Rückenbereich mit Ausstrahlungen in die Oberschenkel dorsal, rechts mehr als
links, und teils Gefühlsstörungen sowie Einschlafgefühle im Bereich der Beine
persistierten. Objektiv fänden sich reizlose Wundverhältnisse im Bereich der
Einstichstelle links paravertebral (klinisch ohne Anhalt für ein Granulom) sowie
ausgeprägte muskuläre Verspannungen paravertebral entlang der gesamten LWS und
BWS. Mit dem Versicherten sei besprochen worden, dass die von ihm geklagten
B.h.
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Beschwerden nicht auf die Fremdkörper-Inkorporation zurückzuführen seien. Diese
Verletzung sei abgeheilt. Die geklagten Leiden seien überwiegend wahrscheinlich
muskulärer Natur bei ausgeprägtem muskulärem Hartspann paravertebral beidseits.
Insbesondere aufgrund des im Jahr 2015 stattgehabten Unfallereignisses empfahl Dr.
F._ aber eine neurologische Untersuchung zum Ausschluss einer radikulären
Symptomatik (Suva-act. II-36 und I-60).
Am _. Oktober 2019 sprach der Versicherte bei der Suva vor und erklärte, dass
die Arbeitgeberin den Termin für die neurologische Untersuchung verschoben habe, da
bei der Arbeit zu viel zu tun gewesen sei. Er könne nicht mehr in seinem Beruf arbeiten.
Er möchte die neurologische Untersuchung nun endlich durchführen. Er könne mit
seinen Beschwerden die Arbeit nicht mehr verrichten und das Verhältnis zu seiner
Arbeitgeberin sei aktuell nicht gut. Noch am selben Tag werde er die Anstellung
kündigen (Suva-act. II-50). Gleichentags wurde das Arbeitsverhältnis seitens der
Arbeitgeberin infolge nicht mehr tragbarer Arbeitseinstellung des Versicherten fristlos
gekündigt (Suva-act. II-49). Mit Schreiben vom 4. November 2019 bat die Suva die
Krankenversicherung des Versicherten (in Kopie an den Versicherten) um Vorleistung
bis zum Abschluss der Abklärungen (Suva-act. II-54). In einem Arztzeugnis vom 6.
November 2019 erklärte Dr. E._, dass der Versicherte ihn am ._ 2019 aufgesucht
und angegeben habe, nicht mehr am bisherigen Arbeitsplatz arbeiten zu können. Er
wolle kündigen, jedoch sei ihm seitens der Suva davon abgeraten worden. Dr. E._
schrieb den Versicherten für ca. drei Wochen zu 100 % arbeitsunfähig und gab an,
dass nicht ausschliesslich Unfallfolgen, sondern vermutlich auch anderweitige
Probleme mit der Arbeitgeberin vorlägen (Suva-act. II-56). Am 21. November 2019
orientierte der Versicherte die Suva über die Kündigung der Arbeitgeberin, die er als
nicht rechtmässig erachte (Suva-act. II-63; vgl. ferner Suva-act. II-62). In einem
Telefonat vom 25. November 2019 erkundigte sich der Versicherte nach dem Stand
des Verfahrens und erklärte, dass die Beschwerden vom Unfall aus dem Jahr 2015
herrührten (Suva-act. II-66). In einer gleichentags verfassten E-Mail beteuerte der
Versicherte erneut, dass er nicht wegen des Unfalls vom Jahr 2018, sondern wegen
des Unfalls aus dem Jahr 2015 starke Schmerzen an den Beinen und am Rücken habe
(Suva-act. II-69). Gleichentags antwortete die Suva per E-Mail, dass sie das Dossier
betreffend den Unfall vom 30. April 2015 nochmals ihrem ärztlichen Dienst vorgelegt
B.i.
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habe. Erst wenn dieser definitiv beurteilen könne, ob die Beschwerden Folgen des
Unfalls vom 30. April 2015 seien, könne die Suva den Rückfall anerkennen oder
allenfalls definitiv ablehnen (Suva-act. II-70). Kurze Zeit später teilte die Suva dem
Versicherten in einer weiteren E-Mail mit, dass der interne ärztliche Dienst soeben
geantwortet habe (zur ärztlichen Stellungnahme vgl. Suva-act. I-66). Zur definitiven
Stellungnahme sei die geplante neurologische Abklärung notwendig. Bis dahin könne
die Suva keine Leistungen erbringen (Suva-act. II-71 und I-67).
Am 11. Dezember 2019 fand die im Auftrag der Suva durch Dr. E._ veranlasste
konsiliarische Beurteilung durch Dr. med. G._, Facharzt Neurologie FMH, statt. In
seiner Beurteilung vom 12. Dezember 2019 hielt Dr. G._ fest, dass die vom
Versicherten beschriebenen wiederkehrenden und zum Teil belastungsabhängigen
Schmerzen thorako-lumbal rechts mit Ausstrahlung über das Gesäss in den rechten
dorsolateralen Oberschenkel neurologisch nicht erklärt werden könnten. Insbesondere
bestünden klinisch und elektrodiagnostisch keine Anhaltspunkte für ein
lumboradiukläres Reiz- oder sensomotorisches Ausfallsyndrom. Im bereits
durchgeführten Kernspintomogramm der LWS und der Abdominalwand vom 9. April
2019 zeigten sich ebenfalls keine Besonderheiten, sondern ein unauffälliger Befund der
LWS ohne Kompression neuraler Strukturen und ohne Auffälligkeit der Stichverletzung
durch die Schraube in der Flanke links. Am ehesten sei davon auszugehen, dass die
aktuellen rechtsseitigen thorako-lumbalen Schmerzen mit Ausstrahlung in das rechte
Bein muskulo-skelettal bedingt seien, dies posttraumatisch durch die nicht
unerheblichen Verletzungen durch den Sturz am 30. April 2015. Nicht auszuschliessen
sei, dass auch eine psychische Komponente (mit der von der Rehaklinik I._
beschriebenen Anpassungsstörung und den Persönlichkeitszügen) mit anhaltenden
Symptomen zu berücksichtigen sei (Suva-act. II-89 und I-72).
B.j.
In seiner kreisärztlichen Beurteilung vom 23. Dezember 2019 kam Dr. F._ zum
Schluss, dass die geltend gemachten Rücken- und Beinbeschwerden nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom 30. April 2015 zurückzuführen
seien (Suva-act. II-90 und I-73).
B.k.
Mit Verfügung vom 3. Januar 2020 stellte die Suva ihre Versicherungsleistungen
rückwirkend per 15. August 2019 ein, wobei sie auf die Rückforderung der bereits
B.l.
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C.
D.
bezahlten Rechnung von Dr. E._ vom 16. August 2019 verzichtete und beteuerte, die
Kosten der von ihr in Auftrag gegebenen neurologischen Untersuchung
selbstverständlich zu übernehmen. Zur Begründung führte sie an, dass gemäss der
Beurteilung ihres ärztlichen Dienstes bereits am 14. August 2019 kein wahrscheinlicher
Kausalzusammenhang mehr zwischen dem Ereignis vom 18. Oktober 2018 und den
gemeldeten Beschwerden bestanden habe. Auch seien die Beschwerden nicht
überwiegend wahrscheinlich auf das Ereignis vom 30. April 2015 zurückzuführen
(Suva-act. II-93 und I-74).
Gegen die Verfügung vom 3. Januar 2020 liess der Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwalt lic. iur. L. Gmünder, St. Gallen, am 3. Februar 2020 Einsprache erheben
(Suva-act. II-106).
C.a.
Mit Einspracheentscheid vom 29. April 2020 wies die Suva die Einsprache vom 3.
Januar 2020 ab (Suva-act. II-113 und Suva-act. I-77).
C.b.
Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der weiterhin durch Rechtsanwalt
Gmünder vertretene Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 2. Juni 2020
Beschwerde. Er beantragte, der angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben
und ihm seien weiterhin die gesetzlichen Leistungen auszurichten. Eventualiter seien
weitere medizinische Abklärungen durchzuführen. Alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zulasten der Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) (act. G
1). In der Beschwerdeergänzung vom 5. Juni 2020 hielt er an den bereits gestellten
Anträgen fest. In prozessualer Hinsicht beantragte er eine mündliche, öffentliche
Verhandlung (act. G 2).
D.a.
Mit Eingabe vom 28. August 2020 beantragte die Beschwerdegegnerin die
Sistierung des Beschwerdeverfahrens bis zum Vorliegen eines durch die IV-Stelle in
Auftrag gegebenen polydisziplinären Gutachtens (act. G 6). Am 2. September 2020
erklärte sich der Beschwerdeführer mit einer Sistierung des Verfahrens, einverstanden
(act. G 8). Am 3. September 2020 entsprach der verfahrensleitende Richter dem
Gesuch um Sistierung des Verfahrens, bis die durch die Invalidenversicherung (IV)
D.b.
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Erwägungen
1.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre
Versicherungsleistungen zu Recht per 15. August 2019 eingestellt hat bzw. ob sie eine
über den 15. August 2019 hinausgehende Leistungspflicht trifft (Suva-act. II-93 und
I-74).
2.
veranlasste polydisziplinäre Begutachtung abgeschlossen sei, vorläufig jedoch
längstens bis Ende Dezember 2020 (act. G 9).
Mit Eingabe vom 10. November 2020 reichte der Beschwerdeführer das durch die
IV-Stelle veranlasste polydisziplinäre Gutachten sowie weitere Unterlagen ein (act. G 10
und 10.1 ff.).
D.c.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 1. Dezember 2020 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde vom 2. Juni 2020 und die
Bestätigung des Einspracheentscheids vom 29. April 2020 (act. G 12).
D.d.
In seiner Replik vom 22. März 2021 hielt der Beschwerdeführer an den bisher
gestellten Anträgen fest (act. G 20).
D.e.
Mit Schreiben vom 6. Mai 2021 erneuerte die Beschwerdegegnerin ihren Antrag
auf Abweisung der Beschwerde und verzichtete auf die Einreichung einer umfassenden
Duplik (act. G 22).
D.f.
Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) werden Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt. Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung
bildet somit die Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht
demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit einem
versicherten Unfallereignis zusammenhängen (Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre
Holzer, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer
[Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl.
2.1.
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2012, S. 53 ff.). Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher
Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel auf
Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht
nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (BGE 123 III 110,
112 V 30 und 107 V 173, Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54 f.). Bei physischen
Unfallfolgen spielt indessen die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem
natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers
praktisch keine Rolle (BGE 117 V 365 mit Hinweisen; SRV 2000 UV Nr. 14 S. 45).
Gemäss Art. 11 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202)
werden Versicherungsleistungen auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt, wobei
Rückfälle und Spätfolgen besondere revisionsrechtliche Tatbestände darstellen (vgl.
BGE 118 V 293; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326). Praxisgemäss handelt es sich bei einem
Rückfall um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krankheit bzw.
vermeintlich geheilter Unfallfolgen, sodass es erneut zu ärztlicher Behandlung und
möglicherweise zu einer weiteren Arbeitsunfähigkeit kommt. Von Spätfolgen wird dann
gesprochen, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Lauf längerer Zeit organische oder
psychische Folgen bewirkt, die zu einem andersgearteten Krankheitsbild führen
können. Rückfälle und Spätfolgen schliessen begrifflich an ein bestehendes
Unfallereignis an. Dementsprechend können sie eine Leistungspflicht des (damaligen)
Unfallversicherers nur auslösen, wenn zwischen den erneut vorgebrachten
Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen
Gesundheitsschädigung ein natürlicher und ein adäquater Kausalzusammenhang
besteht (BGE 129 V 181 E. 3.1 und 118 V 296 f. E. 2c).
2.2.
Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht von Amtes wegen für
die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen.
Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den
Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 122 V 158 E. 1a und 121 V 210 E. 6c). Der
Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast
begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsrecht tragen mithin die Parteien in der
Regel eine Beweislast nur insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu
Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt
Rechte ableiten wollte (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen). Während bei der Frage,
ob ein Kausalzusammenhang überhaupt jemals gegeben ist, die versicherte Person
beweisbelastet ist, trägt die Beweislast für einen behaupteten Wegfall der Kausalität
2.3.
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3.
der Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326; Urteil des Bundesgerichts vom 6.
August 2008, 8C_101/2008, E. 2.2; BGE 117 V 264 E. 3b; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O.,
S. 54 f.). Bei einem Rückfall trägt der Leistungsansprecher hinsichtlich der Kausalität
des als Rückfall postulierten Beschwerdebildes die Beweislast (vgl. Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichtes vom 20. Februar 2006, U 249/05, E. 1).
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
medizinischen Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
2.4.
Zunächst ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer zwei Unfälle erlitten hat, für
deren Folgen die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht initial anerkannt hat (vgl.
Suva-act. I-5 und II-5).
3.1.
Für den Unfall vom 30. April 2015 hat die Beschwerdegegnerin die
Taggeldleistungen mit Schreiben vom 21. September 2015 auf den 1. Januar 2016
eingestellt (vgl. Suva-act. I-43). In einem Telefonat vom 6. Januar 2016 hat sie dem
Beschwerdeführer sodann erläutert, dass in einer kreisärztlichen
Abschlussuntersuchung der Fallabschluss geprüft werde (Suva-act. I-46). Anlässlich
der kreisärztlichen Abschlussuntersuchung vom 18. Januar 2016 hat med. pract. C._ -
abgesehen von allfällig noch notwendigen Zahnbehandlungen und einer Serie MTT -
den medizinischen Endzustand festgestellt (Suva-act. I-49). Mit Ausnahme einer Serie
MTT, für welche die Beschwerdegegnerin am 27. Januar 2016 Kostengutsprache
geleistet hat (vgl. Suva-act. I-50), sind bis zu den zahnärztlichen Behandlungen des
Zahnfolgeschadens anfangs des Jahres 2019 (vgl. Suva-act. I-53 ff.) keine weiteren
medizinischen Behandlungen der Folgen des Unfalls vom 30. April 2015 mehr
dokumentiert, sodass grundsätzlich von einem formlosen Fallabschluss nach Ende der
MTT-Serie auszugehen ist.
3.2.
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Das zweite Unfallereignis hat sich am 18. Oktober 2018 ereignet (vgl. Suva-act.
II-3). Anfangs November 2018 hat der Beschwerdeführer seine Arbeitstätigkeit wieder
voll aufgenommen (vgl. Suva-act. II-9 ff.) und die Behandlung der Folgen des Unfalls
vom 18. Oktober 2018 scheint zu diesem Zeitpunkt gemäss Angaben von Dr. E._
abgeschlossen gewesen zu sein (vgl. Suva-act. II-18). Von einem bereits damals
erfolgten Fallabschluss ist jedoch nicht auszugehen, da der Beschwerdeführer schon
im Januar 2019 telefonisch mitgeteilt hat, dass er wieder starke Beschwerden habe
und zum Arzt müsse (Suva-act. II-15). Gemäss dem Bericht von Dr. E._ vom 5. März
2019 hat es sich um eine Beschwerdezunahme in jenem Bereich gehandelt, der durch
die beim Unfallereignis vom 18. Oktober 2018 erlittene Schraubenverletzung links
betroffen war (vgl. Suva-act. II-18). Nach der Durchführung einer MRT-Untersuchung,
welche im Wesentlichen lediglich leichte Schleifspuren auf der Höhe der Einstichstelle
links gezeigt hatte (vgl. Suva-act. II-24), ist Dr. F._ am 29. April 2019 zum Schluss
gekommen, dass die geltend gemachten Rückenbeschwerden aufgrund des in der
MRT-Bildgebung sichtbaren leichten Reizzustandes überwiegend wahrscheinlich auf
das Unfallereignis vom 18. Oktober 2018 zurückzuführen seien (Suva-act. II-25).
3.3.
Ein Rückfall zum Unfall vom April 2015 ist (abgesehen von den Zahnbehandlungen,
deren Kostenübernahme bereits in der kreisärztlichen Abschlussuntersuchung vom 18.
Januar 2016 in Aussicht gestellt worden ist, weshalb es sich dabei nicht wirklich um
einen Rückfall handeln dürfte; vgl. Suva-act. I-53 ff. und I-49) erstmals im Arztbericht
von Dr. E._ vom 4. Juni 2019 implizit geltend gemacht worden. Dr. E._ hat darin
ausgeführt, der Beschwerdeführer habe auch über Beschwerden betreffend frühere
Unfälle geklagt (vgl. Suva-act. II-29 und I-59). Anlässlich der kreisärztlichen
Untersuchung vom 14. August 2019 hat Dr. F._ sodann festgestellt, dass die
Fremdkörperverletzung des Unfalls vom 18. Oktober 2018 abgeheilt sei. Gleichzeitig
hat er zum Ausschluss allfälliger neurologischer Unfallfolgen, namentlich aufgrund des
Ereignisses vom Jahr 2015, noch eine neurologische Abklärung empfohlen (Suva-act.
II-36 und I-60). Im Anschluss an die kreisärztliche Untersuchung vom 14. August 2019
hat der Beschwerdeführer gegenüber der Beschwerdegegnerin neuerdings betont, er
sei der Ansicht, dass seine Beschwerden auf das Unfallereignis aus dem Jahr 2015
zurückzuführen seien (vgl. Suva-act. II-66 und II-69). Aus der Aktenlage geht indes
nicht hervor, dass die Beschwerdegegnerin bezüglich der Rücken- und
Beinbeschwerden einen Rückfall zum Ereignis vom Jahr 2015 jemals anerkannt hätte.
Vielmehr hat sie den Beschwerdeführer in der E-Mail-Korrespondenz vom 25.
November 2019 darauf hingewiesen, dass sie den Rückfall erst anerkennen oder
allenfalls definitiv ablehnen könne, wenn der ärztliche Dienst definitiv beurteilen könne,
ob die Beschwerden Folgen des Unfalls vom 30. April 2015 seien (vgl. Suva-act. II-70 f.
3.4.
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4.
und I-66 f.). Aus diesem Grund hat sie auch die Krankenversicherung um Vorleistung
gebeten (vgl. Suva-act. II-54).
Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin zwar
die Beweislast für die Einstellung der Versicherungsleistungen in Bezug auf das
Unfallereignis vom 18. Oktober 2018 trägt. Mangels Anerkennung eines Rückfalls
durch die Beschwerdegegnerin ist der Beschwerdeführer jedoch hinsichtlich des
kausalen Zusammenhangs der Beschwerden zum Unfallereignis vom April 2015
beweisbelastet (vgl. E. 2.3).
3.5.
Zunächst zu prüfen ist demnach, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen für
das Unfallereignis vom 18. Oktober 2018 zu Recht per 15. August 2019 eingestellt hat.
Hierzu ist zunächst festzustellen, welche objektivierbaren Unfallrestfolgen im Zeitpunkt
der Leistungseinstellung noch vorgelegen haben.
4.1.
Für die Annahme unfallkausaler somatischer Restfolgen wird im Regelfall eine
strukturelle Läsion bzw. eine schlecht verheilte strukturelle Läsion als objektivierbares
Korrelat verlangt. Objektivierbar sind Untersuchungsergebnisse, die reproduzierbar und
von der Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabhängig sind.
Von objektiv ausgewiesenen organisch-strukturellen Unfallfolgen kann grundsätzlich
erst dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen/
bildgebenden Untersuchungsmethoden bestätigt worden sind und die dabei
angewendeten Untersuchungsmethoden wissenschaftlich anerkannt sind (vgl. BGE
134 V 121 f. E. 9, 134 V 232 f. E. 5.1 mit Hinweisen und 117 V 363 E. 5d/aa; SVR 2007
UV Nr. 25 S. 81 E. 5.4 mit Hinweisen [U 479/05]; Urteil des Bundesgerichts vom 7.
August 2008, 8C_806/2007, E. 8.2 mit zahlreichen Hinweisen). Verhärtungen und
Verspannungen der Muskulatur können gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
für sich allein grundsätzlich nicht als klar ausgewiesenes organisches Substrat der
Beschwerden qualifiziert werden (Urteile des Bundesgerichts vom 17. Oktober 2008,
8C_124/2008, E. 6 mit vielen Hinweisen, und 7. Februar 2008, U 13/07, E. 3.2 und 3.3).
4.2.
Als objektivierbaren Befund haben sich in einer MRT-Untersuchung vom 9. April
2019 auf der Höhe der unfallbedingten ehemaligen Schrauben-Inokulation geringfügig
gereizte Schleifspuren gezeigt. Eine granuläre Reaktion bzw. ein kleines
Narbengranulom hat der untersuchende Radiologe nicht ausschliessen können.
Ansonsten haben sich die Wirbelsäule sowie die Zwischenwirbelräume unauffällig
dargestellt (Suva-act. II-24). Aufgrund dieses objektivierbaren MRT-Befundes hat Dr.
F._ in seiner Beurteilung vom 29. April 2019 in nachvollziehbarer Weise ausgeführt,
4.3.
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dass die geltend gemachten Rückenbeschwerden wahrscheinlich auf den Unfall vom
18. Oktober 2018 zurückzuführen seien, da ein leichter Reizzustand nachgewiesen
worden sei. Dr. F._ ist aber bereits damals davon ausgegangen, dass sich dieser
Reizzustand innert weniger Wochen zurückbilden dürfte (Suva-act. II-25). Mit anderen
Worten hat die MRT-Untersuchung gemäss Dr. F._ keinen strukturellen Schaden zur
Darstellung gebracht, sondern lediglich einen vorübergehenden Reizzustand. Diese
Einschätzung hat denn grundsätzlich auch zu derjenigen von Dr. E._ vom 5. März
2019 gepasst, wonach rezidivierende lumbovertebrale Schmerzen links bei Status nach
tiefer Schraubenverletzung vom 18. Oktober 2018 sowie eine muskuläre Dysbalance
bei Schonungsverhalten nach dem Unfall bestünden, während sich die Einstichstelle
reizlos präsentiert und die LWS keine Fehlhaltung aufgewiesen habe (Suva-act. II-18).
Auch die übrige medizinische Aktenlage enthält keine Hinweise für durch den Unfall
vom 18. Oktober 2018 bewirkte bleibende strukturelle Schädigungen, welche die
geklagten Beschwerden objektivieren könnten. Vielmehr haben die Sachverständigen
der Neurologie Toggenburg AG im interdisziplinären Konsens des Gutachtens vom
August 2020 festgehalten, dass sich aus orthopädischer und neurologischer Sicht
durchwegs normale Befunde gezeigt hätten. Die beklagten lokalen und lumbalen
Beschwerden könnten im Lichte allgemeingültiger fachärztlicher Erfahrungswerte nicht
auf strukturelle Ursachen abgestützt werden, obwohl lokal natürlich Narben bzw.
abgeheilte Läsionen von den Unfällen vorhanden seien (act. G 10.2 S. 5).
Übereinstimmend dazu hat auch Dr. G._ in seiner Untersuchung vom 11. Dezember
2019 keine neurologischen Diagnosen erhoben (Suva-act. II-89). Schliesslich weisen
auch die vom Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren eingereichten medizinischen
Berichte der Behandler keine strukturellen Unfallfolgen aus, sondern beschreiben im
Wesentlichen muskuläre Verspannungen und Schmerzzustände (vgl. act. G 10.1 ff. und
2.6). Folglich bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht davon
ausgegangen ist, dass der durch die MRT-Untersuchung vom 9. April 2019
objektivierte unfallkausale Reizzustand im Zeitpunkt der Leistungseinstellung vom 15.
August 2019 überwiegend wahrscheinlich abgeklungen ist bzw. dass die über den 15.
August 2019 hinaus geklagten Beschwerden überwiegend wahrscheinlich nicht mehr
auf das Unfallereignis vom 18. Oktober 2018 zurückzuführen sind.
Wie bereits erwähnt, hat Dr. F._ in seiner Beurteilung vom 29. April 2019 zwar
einen Reizzustand angenommen, ist jedoch bereits damals davon ausgegangen, dass
sich dieser innert weniger Wochen zurückbilden dürfte (Suva-act. II-25). Diese
Beurteilung erscheint angesichts des Heilungsverlaufs bis zu diesem Zeitpunkt, der
durch Dr. F._ veranlassten MRT-Untersuchung vom April 2019 (Suva-act. II-24) sowie
der Einschätzung von Dr. E._ vom 5. März 2019 (Suva-act. II-18) plausibel.
4.4.
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In einem Verlaufsbericht vom 4. Juni 2019 hat Dr. E._ sodann festgehalten, dass
der Beschwerdeführer neben den andauernden Schmerzen im Bereich der
Schraubeneinstichstelle paravertebral links neu auch über Beschwerden infolge älterer
Unfälle berichtet habe (Suva-act II-29). Die Beschwerden scheinen sich also nach der
MRT-Untersuchung vom April 2019 auf andere Bereiche des Körpers, die vom Unfall
vom 18. Oktober 2018 nicht nachweislich betroffen gewesen sind bzw. nicht mit dem
bildgebend nachgewiesenen Reizzustand übereinstimmen, ausgedehnt zu haben.
4.5.
Anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 14. August 2019 scheinen
sodann ebenfalls nicht mehr die linksseitigen Beschwerden im Bereich der Schrauben-
Inokulation im Vordergrund gestanden zu haben. Dr. F._ hat in seiner Beurteilung
nämlich festgehalten, dass subjektiv Schmerzen im unteren Rückenbereich mit
Ausstrahlungen in die Oberschenkel dorsal, rechts mehr als links, teilweise mit
Gefühlsstörungen, und Einschlafgefühle im Bereich der Beine persistierten. Objektiv
fänden sich reizlose Wundverhältnisse im Bereich der Einstichstelle links paravertebral,
klinisch ohne Anhalt für ein Granulom, und ausgeprägte muskuläre Verspannungen
paravertebral entlang der gesamten LWS und BWS. Mit dem Beschwerdeführer sei
besprochen worden, dass die von ihm geklagten Beschwerden nicht auf die
Fremdkörper-Inkorporation zurückzuführen seien, diese Verletzung sei abgeheilt. Die
geklagten Beschwerden seien überwiegend wahrscheinlich muskulärer Natur bei
ausgeprägtem muskulärem Hartspann paravertebral beidseits (Suva-act. II-36). Diese
Schlussfolgerung erscheint angesichts des bereits im April 2019 von Dr. F._
angenommenen vorübergehenden Reizzustandes mit Abheilung innert weniger
Wochen (vgl. Suva-act. II-25) sowie der anlässlich der Untersuchung vom 14. August
2019 erhobenen unauffälligen objektiven Befunde und der neu rechtsseitig dominanten
Beschwerden (vgl. Suva-act. II-36) durchaus einleuchtend. In seiner kreisärztlichen
Beurteilung vom 23. Dezember 2019 hat Dr. F._ übereinstimmend mit seiner
Einschätzung vom 14. August 2019 nochmals festgehalten, dass die muskulären
Verspannungen nicht auf das Trauma vom 18. Oktober 2018 zurückgeführt werden
könnten. Wie auch Dr. G._ festgestellt habe, habe die MRT-Untersuchung vom 9. April
2019 einen unauffälligen Befund in Bezug auf die muskulären Anteile, die LWS und die
Zwischenwirbelräume gezeigt (Suva-act. II-90).
4.6.
Die vom Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren eingereichten Berichte stehen
der Einschätzung von Dr. F._ nicht entgegen. Dr. H._ hat die über den 15. August
2019 hinaus geklagten Beschwerden in Übereinstimmung mit Dr. F._ nicht auf das
Unfallereignis vom 18. Oktober 2018 zurückgeführt, ist er doch von einer
Unfallkausalität zum Ereignis vom April 2015 ausgegangen (vgl. act. G 10.1). Dr. E._
4.7.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 17/21
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hat in seinem Bericht vom 30. September 2020 zwar festgehalten, dass seit den
Arbeitsunfällen in den Jahren 2015 und 2018 belastungsabhängige Schmerzen
thorako-lumbal rechts bestünden, ohne sich jedoch näher zu deren Kausalität zu
äussern (act. G 10.4). Im Übrigen sprechen die rechtsseitigen Schmerzen vermutlich
eher gegen einen Zusammenhang zu den im Januar 2019 geltend gemachten
linksseitigen Schmerzen im Bereich der Einstichstelle (vgl. Suva-act. II-18). Im Bericht
des KSSG vom ._ September 2020 ist zwar ein Thorakolumbovertebralsyndrom
diagnostiziert worden, ohne dass jedoch zu dessen Unfallkausalität Stellung
genommen worden wäre (act. 10.3). Schliesslich ist bemerkenswert, dass selbst der
Beschwerdeführer seine über den 15. August 2019 hinaus bestehenden Beschwerden
nicht auf den Unfall vom 18. Oktober 2018 zurückzuführen, mithin die kreisärztliche
Beurteilung von Dr. F._ vom 14. August 2019 zu teilen scheint. Er hat in der
Korrespondenz mit der Beschwerdegegnerin nämlich mehrfach darauf hingewiesen,
dass er und Dr. E._ die Beschwerden nicht auf den Unfall vom 18. Oktober 2018,
sondern auf denjenigen im April 2015 zurückführen würden (vgl. Suva-act. II-66 und
II-69). Allerdings kann vom Beschwerdeführer als medizinischen Laien selbstredend
nicht erwartet werden, dass er die Ursachen der Beschwerden zutreffend einordnen
kann.
Die Gutachter der Neurologie Toggenburg AG sind retrospektiv davon
ausgegangen, dass die Unfallfolgen höchstens (gemeint wohl: spätestens) ein Jahr
nach dem Unfallereignis vom 18. Oktober 2018, sprich am 18. Oktober 2019, abgeheilt
gewesen seien, und spätestens ab dann auch wieder eine volle Arbeitsfähigkeit
bestanden habe (vgl. act. G 10.2 S. 6). Damit steht ihre retrospektive Einschätzung der
echtzeitlichen Beurteilung von Dr. F._, wonach die Verletzungen des Unfalls vom 18.
Oktober 2018 bereits am 14. August 2019 abgeheilt gewesen seien (vgl. Suva-act.
II-36), grundsätzlich ebenfalls nicht entgegen.
4.8.
Soweit der Beschwerdeführer psychische Beschwerden auf das Unfallereignis vom
18. Oktober 2018 zurückführen sollte, ist dem entgegenzuhalten, dass gemäss dem
Gutachten der Neurologie Toggenburg AG keine psychiatrischen Diagnosen gestellt
worden sind (act. G 10.2 S. 5 und 77) und auch die übrige medizinische Aktenlage
keine Anhaltspunkte für eine massgebende psychische Störung liefert, zumal im
Anschluss an das Unfallereignis vom 18. Oktober 2018 keine psychiatrischen
Behandlungen dokumentiert sind.
4.9.
Nach dem Gesagten ist die von der Beschwerdegegnerin hinsichtlich des Unfall
ereignisses vom 18. Oktober 2018 vorgenommene Leistungseinstellung per 15. August
2019 nicht zu beanstanden.
4.10.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 18/21
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5.
Weiter zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin einen Kausalzusammenhang
zwischen den über den 15. August 2019 hinaus geklagten Beschwerden und dem
Unfallereignis vom 30. April 2015 zu Recht abgelehnt hat, mithin ob sie einen Rückfall
zum Unfall vom April 2015 zu Recht verneint hat.
5.1.
Hinsichtlich des Unfallereignisses vom April 2015 ist aufgrund der Aktenlage von
keinen unfallkausalen strukturellen Schädigungen auszugehen, welche die geklagten
Beschwerden erklären könnten (vgl. E. 4.3). So haben namentlich die Gutachter der
Neurologie Toggenburg AG ausgeführt, dass die beklagten lokalen und lumbalen
Beschwerden (auch im Sinne tiefsitzender banaler Rückenschmerzen bzw. im Sinne
eines lumboradikulären Syndroms) im Lichte allgemeingültiger fachärztlicher
Erfahrungswerte nicht auf strukturelle Ursachen abgestützt werden könnten, obwohl
natürlich lokal Narben bzw. abgeheilte Läsionen von den Unfällen aus den Jahren 2015
und 2018 vorhanden seien (act. G 10.2 S. 5). Die seitens des Rechtsvertreters des
Beschwerdeführers aus der Sicht eines medizinischen Laiens gemachten
Ausführungen zur allfälligen Unfallkausalität einer Facettengelenksarthrose vermögen
daran nichts zu ändern (vgl. act. G 2 S. 7 f.). Der in den Akten auftauchende strukturelle
Befund eines Narbenhernienrezidivs (vgl. act. G 10.2 S. 5) scheint ebenfalls in keinem
Kausalzusammenhang zu den Unfallereignissen zu stehen, hat der Beschwerdeführer
doch bereits im Jahr 2005 eine Nabelbruch-OP gehabt (vgl. act. G 10.2 S. 18) und wird
ein entsprechender unfallkausaler Zusammenhang, soweit ersichtlich, weder von den
Ärzten noch vom Beschwerdeführer behauptet. In dem vom Beschwerdeführer im
Beschwerdeverfahren eingereichten Bericht von Dr. H._ vom 28. Februar 2020 (act. G
10.1), demjenigen des KSSG vom ._ September 2020 (act. G 10.3) sowie demjenigen
von Dr. E._ vom 30. September 2020 (act. G 10.4) werden ebenfalls keine strukturellen
Schädigungen, sondern Schmerzsyndrome und muskuläre Verspannungen
beschrieben.
5.2.
Zwar ist es nicht ausgeschlossen, dass allfällige nach dem 15. August 2019
aufgetretene bzw. bestehende muskuläre Verspannungen und Beschwerden in einem
kausalen Zusammenhang zum Unfallereignis vom 30. April 2015 stehen könnten. Dr.
G._ hat in seiner Beurteilung vom 12. Dezember 2019 die rechtsseitigen thorako-
lumbalen Schmerzen mit Ausstrahlung ins rechte Bein am ehesten als muskulo-
skelettal bedingt aufgrund der nicht unerheblichen Verletzungen durch den Sturz vom
30. April 2015 eingestuft (Suva-act. II-89) und Dr. H._ hat in seinem Bericht vom 28.
Februar 2020 den mechanischen Teil des Beschwerdebildes auf den Unfall
zurückgeführt (act. G 10.1). Eine Begründung, warum diese Beschwerden zunächst
5.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 19/21
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abgeklungen und nun plötzlich wieder aufgetreten sein sollen, haben diese Ärzte
jedoch nicht angeführt. Auch hat Dr. G._ in seinem Bericht vom 12. Dezember 2019
durch die Wortwahl "am ehesten" bereits zum Ausdruck gebracht, dass in Bezug auf
die Unfallkausalität der Beschwerden Unsicherheiten bestehen. Er hat namentlich auch
darauf aufmerksam gemacht, dass eine psychische Komponente das Beschwerdebild
beeinflussen könnte (Suva-act. II-89), mithin hat Dr. G._ also auch unfallfremde
Ursachen für die geklagten Beschwerden in Erwägung gezogen. Zumindest bei den
von Dr. G._ angesprochenen Persönlichkeitszügen dürfte es sich um einen
unfallfremden Aspekt handeln (vgl. Suva-act. II-89). Dazu passend hatte Dr. E._
bereits in seinem Arztzeugnis vom 6. November 2019 erklärt, dass es sich bei den
geklagten Beschwerden nicht ausschliesslich um Unfallfolgen handle, sondern
vermutlich auch anderweitige Probleme mit der Arbeitgeberin vorlägen (Suva-act.
II-56). Dr. F._ ist in seiner Beurteilung vom 23. Dezember 2019, in welcher er sich auch
mit der Einschätzung von Dr. G._ auseinandergesetzt hat, sodann zum Schluss
gelangt, dass die geltend gemachten muskulären Verspannungen sowie die Rücken-
und Beinbeschwerden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom
30. April 2015 zurückzuführen seien (Suva-act. II-90). Gestützt wird die Beurteilung von
Dr. F._ sodann in gewisser Weise auch durch das Gutachten der Neurologie
Toggenburg AG vom August 2020, in welchem abgesehen von der Diagnose "Neigung
zu lumbalen Rückenbeschwerden" keine Diagnosen bezüglich der geltend gemachten
Beschwerden/Verspannungen im Bereich des Rückens und der Beine gestellt worden
sind. Vielmehr haben die Sachverständigen in ihrem interdisziplinären Konsens
festgehalten, dass sich aus orthopädischer und neurologischer Sicht durchwegs
normale Befunde gezeigt hätten (vgl. act. G 10.2 S. 5). Erklärend dazu ist im
orthopädischen Fachgutachten ausgeführt worden, dass im Rahmen der
Befunderhebung keine wesentlichen Funktionsstörungen im Bereich des Achsenorgans
festgestellt worden seien. Sowohl HWS, BWS als auch LWS seien in allen Ebenen frei
beweglich gewesen. Die segmentale Entfaltung von BWS und LWS sei
uneingeschränkt gewesen. Eine schmerzbedingte Tonuserhöhung der an der
Wirbelsäule gelegenen Muskulatur habe nicht bestanden.
Nervenwurzelreizerscheinungen hätten weder im Bereich der oberen noch im Bereich
der unteren Extremitäten vorgelegen. Sämtliche Extremitätengelenke seien frei
beweglich und ohne erkennbare Beeinträchtigung gewesen. Schliesslich hätten sich
die Umfänge der beiden oberen und unteren Extremitäten seitengleich und ohne
schonungsbedingtes Muskelmindermass präsentiert (act. G 10.2 S. 54 f.). Weiter hat
der internistische Gutachter in seinem Fachgutachten ausgeführt, dass aufgrund der
Aktenlage, der aktuellen Angaben zur effektiven Leistung am Arbeitsplatz nach den
beiden Unfällen und der Alltagsaktivitäten nach den Unfällen aus somatischer Sicht
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 20/21
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keine objektivierbaren Einschränkungen bestünden. Der Beschwerdeführer habe denn
auch während der gut einstündigen Beobachtung keine Schmerzäusserungen gezeigt,
was seiner Angabe, er würde den ganzen Tag an Schmerzen leiden, widerspreche (act.
G 10.2 S. 22). Psychiatrische Diagnosen, die auf das Unfallereignis zurückgehen und
die Schmerzsituation allenfalls beeinflussen könnten, liegen gemäss dem Gutachten
der Neurologie Toggenburg AG ebenfalls nicht vor (vgl. act. G 10.2 S. 5 und S. 77).
Zusammenfassend können zwar muskuläre Verspannungen oder subjektive
Beschwerden, die auf das Unfallereignis vom 30. April 2015 zurückgehen könnten,
nicht ausgeschlossen werden, jedoch sind sie bzw. eine durch entsprechende
Beschwerden ausgelöste Arbeitsunfähigkeit oder Behandlungsbedürftigkeit aufgrund
der vorliegenden Aktenlage nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt. Von
weiteren diesbezüglichen Abklärungen sind keine namhaften Erkenntnisse mehr zu
erwarten, zumal subjektive Beschwerden und deren Kausalität zu einem Unfallereignis
naturgemäss schwierig zu beweisen sind. Dies dürfte umso mehr gelten, wenn es sich
wie vorliegend um einen zu beurteilenden Rückfall zu einem Unfallereignis, das bereits
Jahre zuvor stattgefunden hat, handelt. Auf weitere Abklärungen kann folglich in
antizipierter Beweiswürdigung verzichtet werden (vgl. BGE 122 V 162 E. 1d). Dies gilt
auch für die seitens des Beschwerdeführers beantragten Befragungen (vgl. act. G 2),
zumal namentlich von Dr. E._ und Dr. G._ bereits Berichte aktenkundig sind. Der vom
Beschwerdeführer in der Beschwerdeergänzung vom 5. Juni 2020 gestellte und nicht
weiter begründete Antrag auf eine mündliche Verhandlung mit Parteibefragung ist
offenkundig mit dem Ziel weiterer Beweiserhebung und nicht unter dem Gesichtspunkt
der Gewährleistung des in Art. 6 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der
Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) verankerten
Öffentlichkeitsprinzips erfolgt (vgl. act. G 2 S. 2 f.). Da von einer solchen
Parteibefragung ebenfalls keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind und kein
Anspruch auf die Durchführung einer Verhandlung primär im Hinblick auf eine
Beweisabnahme besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 16. Oktober 2018,
9C_321/2018, E. 4.1 mit weiteren Hinweisen), ist auch darauf zu verzichten (vgl.
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 13. Dezember 2019,
UV 2020/37, E. 3.9).
5.4.
Nach dem Gesagten sind unfallkausale Beschwerden im Sinne eines Rückfalls
zum Unfall vom 30. April 2015 nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt. Die
Folgen der Beweislosigkeit hat der Beschwerdeführer zu tragen (vgl. E. 2.3).
Ausführungen zum adäquaten Kausalzusammenhang erübrigen sich damit. Die
Beschwerdegegnerin hat in ihrer Verfügung vom 3. Januar 2020 (Suva-act. I-74) bzw.
5.5.
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6.