Decision ID: 51c9705b-4448-5c0d-b9ef-f04436b51ee9
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
Erbengemeinschaft des C._ sel.,
bestehend aus:
1. RaC._
2. MiC._ und
3. MaC._
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Fäh, Waisenhausstrasse 17, Postfach,
9001 St. Gallen,
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gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a C._ zog sich am 26. Juni 2002 bei einem Fussballspiel Verletzungen am linken
Knie zu. Mit Verfügung vom 2. September 2004 sprach ihm die SUVA ab 1. September
2004 eine Invalidenrente auf der Basis einer Erwerbsunfähigkeit von 16% sowie eine
Integritätsentschädigung von 10% zu. Dies wurde mit Einspracheentscheid der SUVA
vom 24. Februar 2005 sowie Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 10. Januar 2006 bestätigt (act. G 11.2).
A.b Am 6. Juli 2004 meldete sich der Versicherte zum Bezug von IV-Leistungen (Rente)
an. Er gab an, an einer Knieverletzung und unter Rückenbeschwerden zu leiden (act. G
11.1.1). Im Arztbericht vom 21. Juli 2004 attestierte Dr. med. A._, Spezialarzt für
Orthopädische Chirurgie FMH, dem Versicherten in seiner angestammten Tätigkeit eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit seit 19. Mai 2004. Davor habe sich die Arbeitsunfähigkeit
des Versicherten seit 23. September 2002 zwischen 25 und 100% bewegt. Eine
vorwiegend sitzende Tätigkeit müsste zumindest teilweise realisierbar sein (act. G
11.1.9).
A.c Vom 27. bis 29. März 2006 wurde der Versicherte durch die MEDAS Ostschweiz
(nachfolgend: MEDAS) rheumatologisch und psychiatrisch untersucht und begutachtet.
Im Gutachten vom 7. Juni 2006 wurden folgende Diagnosen mit Einschränkung der
zumutbaren Arbeitsfähigkeit gestellt: 1. ein chronifiziertes Schmerzsyndrom Knie links
mit/bei medialer Meniskusläsion links, Ruptur des vorderen Kreuzbands links und
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Spongiosa-Mikrofrakturierung Tibiakopf/lateraler Femurcondylus links bei Knietrauma
06/2002, Kniegelenksarthroskopie links mit Teilmeniskektomie medial 09/2002,
Chondroplastik des medialen Femurcondylus links mit Carbonstiftung wegen
osteochondralem Defekt am medialen Femurcondylus links 11/2003, leichter bis
mässiger medialer Gonarthrose links; 2. ein chronifiziertes lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom links und leichtes thorakovertebrales Schmerzsyndrom mit/bei
leichter bis mässiggradiger Osteochondrose L5/S1, geringgradiger Chondrose L4/5,
initialen Spondylarthrosen L4/5 und L5/S1, kleiner breitflächiger medianer
Diskusprotrusion L4/5 ohne Neurokompression, leichter Skoliose, tiefgezogener BWS-
Kyphose mit leichter konsekutiver Hyperlordose lumbal, muskulärer Dysbalance sowie
3. eine Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten
nach einem Unfall mit Knieverletzung links. Als Diagnosen ohne wesentliche
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit hielten die Gutachter eine Adipositas I, einen
Nikotinabusus, einen Verdacht auf Tenovaginitis stenosans Dig. I links sowie einen
Status nach Inguinalherniotomie (links?) und operativem Eingriff wegen
Hämorrhoidalleiden fest. Sowohl in der zuletzt ausgeführten Berufstätigkeit wie auch in
anderen, körperlich leichten bis mittelschweren Berufstätigkeiten schätzten sie die
Arbeitsfähigkeit des Versicherten auf 60%. Die Einschränkung von 40% wurde mit der
psychischen Gesundheitsstörung begründet (act. G 11.1.27).
A.d Mit Vorbescheid vom 20. Dezember 2006 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, dass er ab 1. Mai 2005 Anspruch auf eine Viertelsrente habe (act. G 11.1.36).
Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Andreas Fäh, am 9.
Januar 2007 Einwand und beantragte mindestens eine halbe Invalidenrente. Er wies
u.a. darauf hin, dass den MEDAS-Gutachtern die SUVA-Akten nicht zur Verfügung
gestanden hätten, weshalb das Gutachten unvollständig sei (act. G 11.1.37 und
11.1.40). Daraufhin legte die IV-Stelle der MEDAS am 10. April 2007 das Dossier samt
SUVA-Akten zur Stellungnahme vor (act. G 11.10.45). Mit Stellungnahme vom 12. Juni
2007 hielten die MEDAS-Gutachter an ihrer ursprünglichen Beurteilung fest (act. G
11.1.46). In der Folge hielt die IV-Stelle an ihrer Beurteilung unverändert fest; der Erlass
einer Verfügung verzögerte sich (vgl. act. G 11.1.48, 11.1.69).
B.
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B.a Mit Schreiben vom 8. Januar 2008 teilte der Vertreter des Versicherten der IV-Stelle
unter Beilage des Kurzaustrittsberichts des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) vom
24. Dezember 2007 mit, der Versicherte sei an einem Karzinom erkrankt. Es müssten
aktuell Chemotherapien durchgeführt werden. Es sei von einer vollen Arbeitsunfähigkeit
auszugehen (act. G 11.1.50 f.). Am 25. Januar 2008 reichte der Versicherte erneut ein
Anmeldeformular zum Bezug einer Invalidenrente ein (act. G 11.1.54). Die IV-Stelle
nahm diese Anmeldung als Revisionsgesuch entgegen (act. G 11.1.57). Am 12. Februar
2008 verstarb der Versicherte (act. G 11.1.59, 11.1.62).
B.b Mit Vorbescheid vom 5. März 2008 stellte die IV-Stelle der Ehefrau des
Versicherten in Aussicht, dass für die Zeit vom 1. Januar bis 29. Februar 2008 eine
ganze Invalidenrente ausgerichtet werde (act. G 11.1.66). Hiergegen erhob
Rechtsanwalt Fäh am 21. April 2008 Einwand. Verfahrensrechtlich sei das
Einwandverfahren vom 20. Dezember 2006 noch nicht abgeschlossen. Nachdem der
Versicherte aufgrund der neu eingetretenen Krebserkrankung eine Neuanmeldung
eingereicht habe, diese jedoch noch während des laufenden Einwandverfahrens erfolgt
sei, gehe er (der Vertreter) davon aus, dass die mit der Neuanmeldung eingereichten
medizinischen Unterlagen im Rahmen des bereits laufenden Einwandverfahrens zu
prüfen seien. Durch die Krebserkrankung hätten sich der Gesundheitszustand und die
Arbeitsfähigkeit des Versicherten schleichend verschlechtert. Es seien weitere
Abklärungen angezeigt (act. G 11.1.73).
B.c Mit Verfügung vom 29. April 2008 wurde mit Wirkung vom 1. Mai 2005 bis 29.
Februar 2008 eine Viertelsrente zugesprochen (act. G 11.1.74). Mit Schreiben vom 22.
Mai 2008 teilte Rechtsanwalt Fäh der IV-Stelle mit, er sei nach wie vor der Auffassung,
dass die Verschlechterung der gesundheitlichen Situation des Versicherten im
bisherigen und mittlerweile durch Verfügung vom 29. April 2008 abgeschlossenen
Verfahren zu prüfen sei. Er bitte sie um Mitteilung, ob sie auf diese Verfügung
zurückkomme, ansonsten er Beschwerde erheben werde (act. G 11.1.79).
C.
C.a Mit Eingabe vom 28. Mai 2008 erhebt Rechtsanwalt Fäh als Vertreter der
Erbengemeinschaft des Versicherten Beschwerde und beantragt, die Verfügung vom
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29. April 2008 sei aufzuheben. Die Angelegenheit sei zur Neubeurteilung unter
Berücksichtigung der im Januar 2008 geltend gemachten Verschlechterung des
Gesundheitszustands des Versicherten an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Eventualiter sei den Beschwerdeführern eine ganze Invalidenrente zuzusprechen.
Zudem ersucht er um eine Nachfrist zur Beschwerdeergänzung und beantragt die
unentgeltliche Prozessführung (act. G 1).
C.b Am 25. Juni 2008 erlässt die IV-Stelle eine neue Verfügung, welche die Verfügung
vom 29. April 2008 ersetze, und spricht den Beschwerdeführern für die Zeit vom 1.
Januar bis 29. Februar 2008 eine ganze Invalidenrente zu, welche die bisherige
Viertelsrente ab 1. Januar 2008 umwandle (act. G 11.1.81).
C.c Mit Beschwerdeergänzung vom 25. September 2008 zieht der Vertreter der
Beschwerdeführer das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung zurück. Die
Beschwerdegegnerin habe die vom Versicherten geltend gemachte Verschlechterung
seines Gesundheitszustands als Neuanmeldung/Revision entgegengenommen.
Entgegen ausdrücklichem Antrag sei die "Neuanmeldung" nicht mit dem laufenden
Abklärungs- bzw. Einwandverfahren zusammen beurteilt worden, obwohl die
diesbezüglichen Voraussetzungen klar erfüllt gewesen seien. Aus
verfahrensökonomischen Gründen sei auf eine Beschwerde gegen die Verfügung vom
25. Juni 2008 verzichtet worden, nachdem damit lediglich über die "Neuanmeldung
bzw. Revision" entschieden worden sei. Entsprechend beschränke sich die vorliegende
Beschwerde auf die Frage der Berentung bis 31. Dezember 2007. Es sei bei Dr. med.
B._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ein Verlaufsbericht einzuholen.
Auch sei der Sachverhalt in Bezug auf die Krebserkrankung und die damit verbundene
Arbeitsfähigkeit zu wenig abgeklärt. Diesbezüglich sei ein umfassender Bericht des
KSSG einzuholen (act. G 8).
C.d Mit Beschwerdeantwort vom 24. Dezember 2008 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung bringt sie im
Wesentlichen vor, in seinem Schreiben vom 8. Januar 2008 sei der Vertreter der
Beschwerdeführer offensichtlich von einer erst kürzlich eingetretenen vollen
Arbeitsunfähigkeit ausgegangen. Aus dem Umstand, dass der Versicherte kurze Zeit
später verstorben sei, dürfe nicht eine bereits länger dauernde volle Arbeitsunfähigkeit
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konstruiert werden. Eine Abklärung des genauen Beginns der vollen Arbeitsunfähigkeit
sei nicht mehr möglich. Eine Verschlechterung mehr als zwei Monate vor der
Hospitalisation erscheine jedoch mangels ärztlicher Behandlung wenig - auf jeden Fall
nicht überwiegend - wahrscheinlich (act. G 11).
C.e Mit Replik vom 31. März 2009 hält der Vertreter der Beschwerdeführer an seinen
Anträgen fest. Aufgrund des ausserordentlich langen Zeitablaufs könne das MEDAS-
Gutachten keine verbindliche Grundlage für die Feststellung der gesundheitlichen
Situation des Versicherten im Verfügungszeitpunkt mehr bilden. Sowohl Dr. med. E._,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, als auch Dr. B._ hätten beim
Versicherten schwere depressive Episoden festgestellt. Insbesondere bei Dr. B._ sei
der Versicherte in langjähriger Behandlung gewesen. Auch der Verlauf der
Krebserkrankung sei nach wie vor ungeklärt (act. G 19).
C.f Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf das Einreichen einer Duplik (act. G 21).

Erwägungen:
1.
In zeitlicher Hinsicht ist der Sachverhalt massgebend, wie er sich bis zum Erlass der
angefochtenen Verfügung entwickelt hat. Die Beschwerdegegnerin hat in der
angefochtenen Verfügung denn auch den Sachverhalt bis zum Tod des Versicherten
beurteilt und die Eingabe von Rechtsanwalt Fäh vom 8. Januar 2008 (act. G 11.1.50)
sowie die erneute Anmeldung des Versicherten vom 25. Januar 2008 faktisch nicht als
Revisionsgesuch entgegengenommen, sondern in ihre Verfügung vom 29. April 2008
miteinbezogen (act. G 11.1.74). In der Folge hat sie diese Verfügung während des
laufenden Beschwerdeverfahrens widerrufen und durch die Verfügung vom 25. Juni
2008 ersetzt (act. G 11.1.81). Die zweite, pendente lite erlassene Verfügung umfasst
nach ihrer sinngemässen Bedeutung trotz verkürzter Darstellung ebenfalls den ganzen
Zeitraum vom 1. Mai 2005 bis 29. Februar 2008, wobei für die letzten zwei Monate statt
einer Viertelsrente eine ganze Rente zugesprochen wird. Die rückwirkende
Rentenzusprache ist materiell ein einziges Rechtsverhältnis, über das nicht in zeitlich
gestaffelten Verfügungen entschieden werden darf (BGE 131 V 164 E. 2.2.3, mit
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Hinweisen). Nachfolgend ist der Rentenanspruch seit der IV-Anmeldung bis zum Tod
des Versicherten zu prüfen.
2.
Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz,
dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den
materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467 E.
1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung erging am 29. April
bzw. 25. Juni 2008, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten
der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat.
Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über
welche noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen
intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals
geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-
Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des
Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Nachfolgend werden, soweit nicht
anders angegeben, die seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG, des IVG
und der IVV wiedergegeben.
3.
3.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 ATSG). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Der Grad der
für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16
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ATSG durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu
70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein
Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente
und bei einem IV-Grad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
3.2 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Die Rechtsprechung hat es mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte
Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholte Gutachten von externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen,
besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb).
4.
4.1 In medizinischer Hinsicht stützt sich die Beschwerdegegnerin in erster Linie auf das
MEDAS-Gutachten vom 7. Juni 2006 (act. G 11.1.27) sowie die Ergänzung vom 12.
Juni 2007 (act. G 11.1.46). Das Gutachten (einschliesslich Ergänzung) erfüllt die oben
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genannten Kriterien, die gemäss Rechtsprechung für beweistaugliche Gutachten
erforderlich sind, weshalb grundsätzlich darauf abgestellt werden kann. Dies wird von
den Beschwerdeführern an sich auch gar nicht bestritten. Sie weisen jedoch zu Recht
darauf hin, dass sich die Aussagekraft des Gutachtens im Wesentlichen auf den
Zeitraum der Begutachtung im März 2006 beschränkt. So hielten denn die Gutachter
auch ausdrücklich fest, eine retrospektive Datierung des Beginns der von ihnen
attestierten 40%igen Arbeitsunfähigkeit sei aufgrund der ihnen zur Verfügung
stehenden Akten nicht bzw. kaum möglich (act. G 11.1.27-15, 11.1.46-9). Daher
vermag es nicht zu überzeugen, wenn die Gutachter die von Dr. B._ und allenfalls
Dr.E._ (vgl. act. G 11.1.27-6) attestierte höhere Arbeitsunfähigkeit für die Zeit vor der
Begutachtung anzweifeln und lediglich für den Zeitraum von November 2004 bis Mai
2005 auf deren Beurteilung (70-100%ige Arbeitsunfähigkeit) abstellen wollen (vgl. act.
G 11.1.27-15, 11.1.46-9). Entsprechend hielt es der Regionale Ärztliche Dienst der
Invalidenversicherung (RAD) für angezeigt, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des
Versicherten ab Juni 2005 bis zum Gutachten mit Dr. B._ Rücksprache zu nehmen,
da er der einzige sei, der über diesen Zeitraum etwas wisse (act. G 11.1.41-2). Auf
Anfrage der Beschwerdegegnerin attestierte Dr. B._ dem Versicherten am 2. Mai
2007 (Eingang SVA) eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit für die Zeit von Juni 2005 bis 31.
März 2006 sowie eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit vom 1. April bis 7. Juni 2006 (act. G
11.1.62). Insgesamt ist daher davon auszugehen, dass der Versicherte von November
2004 bis und mit März 2006 zu mindestens 70% arbeitsunfähig war.
Gestützt auf die Akten kann in diesem Zusammenhang davon ausgegangen werden,
dass sich der psychische Gesundheitszustand des Versicherten Ende März/Anfang
April 2006 verbessert hat. So attestierte Dr. B._ dem Versicherten ab 1. April noch
eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit, während der MEDAS-Psychiater bei seiner
Untersuchung vom 29. März 2006 zum Schluss gelangte, es liege gegenwärtig keine
schwere depressive Störung vor, und dem Versicherten eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit
attestierte (act. G 11.1.28). Da sich von Dr. B._ kein ärztlicher Bericht in den Akten
befindet, kann nicht genau eruiert werden, worin die unterschiedlichen
Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen durch Dr. B._ und den MEDAS-Psychiater begründet
liegen. Diesbezüglich erübrigen sich jedoch weitere Abklärungen, da eine
psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen
kann. Sie eröffnet dem begutachtenden Psychiater deshalb praktisch immer einen
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gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische
Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege
artis vorgegangen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 18. April 2006, I 783/05, E. 2.2,
mit Hinweisen). Nachdem das MEDAS-Gutachten grundsätzlich den Anforderungen an
beweiskräftige Gutachten genügt und der MEDAS-Psychiater keine schwere
depressive Störung mehr feststellen konnte, ist davon auszugehen, dass der
Versicherte ab Ende März/Anfang April 2006 noch zu 40% arbeitsunfähig war, zumal
auch Dr. B._ von einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit ab jenem Zeitpunkt ausging.
4.2 Unklar ist der weitere Verlauf der Arbeitsfähigkeit des Versicherten in der Zeit nach
der MEDAS-Begutachtung bzw. ab Juni 2006 bis zum Zeitpunkt des Erlasses der
angefochtenen Verfügung bzw. bis zum Tod des Versicherten am 12. Februar 2008. So
machte der Vertreter der Beschwerdeführer bereits im Einwand vom 5. Februar 2007
geltend, der psychische Gesundheitszustand des Versicherten habe sich wieder
verschlechtert. Ausgehend von der Beurteilung von Dr. B._ sei ohne weiteres davon
auszugehen, dass die Voraussetzungen für die Zusprache einer ganzen Invalidenrente
erfüllt seien (act. G 11.1.40). In den Akten findet sich jedoch kein Arztbericht von Dr.
B._.
Am 8. Januar 2008 teilte der Vertreter der Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin
mit, der Versicherte sei an einem Karzinom erkrankt (act. G 11.1.50). Im
Kurzaustrittsbericht vom 24. Dezember 2007 attestierten die behandelnden Ärzte am
KSSG dem Versicherten in diesem Zusammenhang eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
seit 11. Dezember 2007 (Datum des Spitaleintritts). Diesbezüglich ist umstritten, wann
von einer wesentlichen Verschlechterung des Gesundheitszustands des Versicherten
auszugehen ist. Der RAD hielt in seiner Stellungnahme vom 22. Februar 2008 hierzu
fest, eine Verschlechterung sei seit 12. Dezember 2007 sicher ausgewiesen. Auch sei
überwiegend sicher, dass drei Monate vor der Anmeldung "RR" (wohl: Rentenrevision,
womit die "Neuanmeldung" vom Januar 2008 gemeint sein dürfte) bereits eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten vorgelegen habe (act. G 11.1.61).
Diese Stellungnahme erscheint nicht geeignet, den Beginn der relevanten
Verschlechterung des Gesundheitszustands des Versicherten mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit zeitlich festzulegen, zumal der RAD-Arzt selbst für genauere
Angaben die Einholung entsprechender Zeugnisse und Berichte empfahl. Die Sache ist
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daher zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Diese
wird den Verlauf des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit des Versicherten
seit Juni 2006 abzuklären haben. Hierzu wird sie einerseits einen Verlaufsbericht bei Dr.
B._ einholen müssen. Andererseits wird sie auch Berichte der (im fraglichen
Zeitraum) behandelnden Ärzte sowie zusätzliche Berichte der Onkologie des KSSG
sowie von Dr. med. D._, Fachärztin FMH für Medizinische Onkologie und Innere
Medizin, die den Versicherten ab Januar 2008 behandelt hat (vgl. act. G 11.1.60),
beiziehen müssen.
4.3 Es ist unbestritten, dass das Wartejahr i.S.v. aArt. 29 Abs. 1 lit. b IVG am 1. Mai
2005 abgelaufen ist. Nach dem oben Gesagten war der Beschwerdeführer zu jenem
Zeitpunkt zu mindestens 70% arbeitsunfähig. Eine genauere Abklärung der
Arbeitsunfähigkeit zu jenem Zeitpunkt drängt sich nicht auf, da das
Invalideneinkommen des Versicherten (berechnet auf der Basis einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit) maximal gleich gross war wie das Valideneinkommen, weshalb
mindestens ein 70%iger Invaliditätsgrad resultierte und somit ab 1. Mai 2005 Anspruch
auf eine ganze Invalidenrente bestand (aArt. 28 Abs. 1 IVG).
4.4 Bei einer rückwirkenden stufenweisen Rentenzusprache richtet sich der Zeitpunkt
einer Rentenherabsetzung oder -aufhebung ausschliesslich nach Art. 88a Abs. 1 IVV,
derjenige einer Erhöhung nach Art. 88a Abs. 2 IVV. Art. 88 Abs. 2 IVV findet keine
Anwendung (vgl. BGE 106 V 16; BGE 109 V 125). Nach Art. 88a Abs. 1 IVV ist die
anspruchsbeeinflussende Änderung bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit für
die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu
berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere
Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne
wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat und voraussichtlich weiterhin
andauern wird. Nach Art. 88a Abs. 2 IVV ist die anspruchsbeeinflussende Änderung bei
einer Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit zu berücksichtigen, sobald sie ohne
wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat. aArt. 29 IVV ist sinngemäss
anwendbar.
Vorliegend ist von einer Verbesserung des Gesundheitszustands des Versicherten per
Ende März/Anfang April 2006 auszugehen, wobei nach dem Gesagten unklar ist, ob
bis
bis
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diese Verbesserung von relevanter Dauer war oder nicht. Sollte dies aufgrund der von
der Beschwerdegegnerin zu tätigenden Abklärungen zu bejahen sein, wäre die Rente
somit per 1. Juli 2006 entsprechend herabzusetzen. Die spätestens im Zusammenhang
mit der Krebserkrankung eingetretene Verschlechterung wäre ebenfalls erst nach einer
dreimonatigen Dauer zu berücksichtigen.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, die angefochtene Verfügung
vom 29. April bzw. 25. Juni 2008 ist aufzuheben, und die Sache zur weiteren Abklärung
und neuen Verfügung im Sinn der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Diese Kosten sind von der unterliegenden Beschwerdegegnerin zu
bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird den Beschwerdeführern
zurückerstattet.
5.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.--
bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführer verzichtete auf das
Einreichen einer Kostennote. Im vorliegenden Fall erscheint eine Parteientschädigung
von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG