Decision ID: c802c6a6-d5ff-5ee6-8da7-f54bb3c0f3db
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherte oder Klägerin) war als Arbeitnehmerin über ihre
Arbeitgeberin, die B._ AG, einer Kollektiv-Lohnausfallversicherung nach VVG bei der
innova Versicherungen AG mit Sitz in Muri bei Bern angeschlossen. Am 31. August
2013 liess die Arbeitgeberin der Versicherung melden, dass die am 1. August 2013 mit
vollem Pensum in die Unternehmung eingetretene Versicherte seit 23. August 2013 voll
arbeitsunfähig sei (act. G 3.7). Dr. med. C._, Arzt mbF an der Klinik für Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates des Kantonsspitals St. Gallen
(KSSG), nannte gegenüber der Versicherung am 4. September 2013 die Diagnose
Skoliose, bestehend seit 2006, und wies auf eine durchgeführte Operation hin. Die
Versicherte sei ab 23. August 2013 voraussichtlich für sechs bis acht Wochen voll
arbeitsunfähig (act. G 3.8). Am 10. September 2013 berichteten die Ärzte dieser Klinik
über eine am 26. August 2013 durchgeführte dorsale Aufrichtespondylodese Th2 bis
Th12 und eine Narbenkorrektur. Die Versicherte sei bis 6. Oktober 2013 voll
arbeitsunfähig (act. G 3.12). Dr. med. D._ attestierte bis 5. Dezember 2013 eine volle
Arbeitsunfähigkeit, ab 6. Dezember 2013 bis 10. Februar 2014 eine solche von 50%
und ab 11. Februar 2014 ein volle Arbeitsfähigkeit (act. G 3.18). Seitens des KSSG
wurde der Versicherten am 10. Dezember 2013 eine volle Arbeitsunfähigkeit bis Ende
Jahr und ab 1. Januar 2014 eine solche von 50% attestiert (act. G 3.22).
A.b Die Versicherung liess der Arbeitgeberin am 19. Dezember 2013 mitteilen, dass
sie für die seit 26. August 2013 bestehende Arbeitsunfähigkeit der Versicherten keine
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Leistungen erbringe. Die Versicherte leide an einer vorbestehenden Krankheit, die auch
Ursache der geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit darstelle. Aufgrund des
Rückwärtsversicherungsverbots sei diese Krankheit nicht versicherbar (act. G 3.23).
Interventionen der Rechtsschutzversicherung der Arbeitgeberin (act. G 3.24, 3.25, 3.27)
blieben erfolglos (act. G 3.26).
B.
B.a Am 22. September 2014 erhob Rechtsanwalt Daniel Küng für die Versicherte
Klage gegen die Versicherung mit dem Antrag, die Beklagte sei unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zu verpflichten, der Klägerin die vertraglichen Taggelder vom
22. September 2013 bis 3. Dezember 2013 basierend auf einer Arbeitsunfähigkeit von
100% und vom 4. Dezember 2013 bis 24. Januar 2014 basierend auf einer
Arbeitsunfähigkeit von 50%, mithin Fr. 10‘434.60 zuzüglich Zins zu 5% ab dem
19. Dezember 2013 zu bezahlen. Beantragt wurde zudem der Beizug der IV-Akten. Für
das Bestehen einer Leistungspflicht der Beklagten müsse eine Arbeitsunfähigkeit
vorliegen und diese müsse auf eine Erkrankung zurückzuführen sein. Nicht
massgebend sei, ob im Zeitpunkt des Abschlusses des Versicherungsvertrags eine
Krankheit bestanden habe. Einen Versicherungsvorbehalt habe die Beklagte im
Übrigen nicht angebracht. Die Arbeitsunfähigkeit der Klägerin sei am 23. August 2013
eingetreten. Daran ändere auch der Umstand nichts, dass sie gemäss einem Bericht
des KSSG vom 26. Juni 2013 die Operation so rasch wie möglich gewünscht haben
solle. Eine Operation sei bereits früher thematisiert worden, aber lange Zeit sei nichts
geschehen (act. G 1).
B.b Die Beklagte beantragt in der Stellungnahme vom 6. Oktober 2014 die
Abweisung der Klage. Die Klägerin sei bereits im Jahr 2008 mit einer ventralen
Derotationsspondylodese versorgt worden. Der zeitlich kurze Intervall zwischen
Arbeitsbeginn am 1. August 2013 und Eintritt der Arbeitsunfähigkeit am 23. August
2013 zeige in Verbindung mit den medizinischen Unterlagen, insbesondere dem
Operationsbericht vom 26. August 2013, klar auf, dass die versicherte Gefahr beim
Eintritt in den Kollektivvertrag bereits eingetreten gewesen sei. Die sog.
Rückwärtsversicherung sei unzulässig (act. G 3).
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B.c Die Parteien haben auf die Durchführung einer mündlichen Verhandlung
(act. G 4, 5) und die Klägerin zudem auf die Einreichung einer Replik verzichtet (act. G
10).
B.d Auf Aufforderung der Verfahrensleitung (act. G 13) liess die Klägerin am
1. Februar 2016 Bankkontoauszüge betreffend den Zeitraum August 2013 bis Februar
2014 einreichen (act. G 14).

Erwägungen
1.
1.1 Das vorliegende Verfahren beschlägt Leistungen aus einer Zusatzversicherung
zur sozialen Krankenversicherung. Die Versicherungsbedingungen und -leistungen
richten sich insbesondere nach der zwischen der Beklagten und der Arbeitgeberin
abgeschlossenen Versicherungspolice Nr. XXXXXXX und den Allgemeinen
Versicherungsbedingungen für die Kollektiv-Lohnausfallversicherung nach VVG,
Ausgabe 1. Januar 2013 (nachfolgend AVB; act. G 3.1, 3.2).
1.2 Gemäss Art. H4 der AVB kann die versicherte Person u.a. an ihrem
schweizerischen Wohnort Klage erheben. Die Klägerin wohnt im Kanton St. Gallen,
womit die örtliche Zuständigkeit des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
gegeben ist. Das Versicherungsgericht entscheidet gemäss Art. 9 des
Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Zivilprozessordnung (EG-ZPO; sGS 961.2) in
Verbindung mit Art. 7 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO; SR 272) als
einzige kantonale Instanz über Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen
Krankenversicherung nach dem Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG; SR
832.10). Darunter werden praxisgemäss auch Zusatzversicherungen subsumiert, auf
die das Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG; SR 221.229.1) zur
Anwendung gelangt (vgl. etwa BGE 138 III 2 E. 1.1). Damit ist vorliegend auch die
Voraussetzung der sachlichen Zuständigkeit erfüllt.
1.3 Vor der Klageanhebung beim Versicherungsgericht muss kein
Schlichtungsverfahren gemäss Art. 197 ff. ZPO durchgeführt werden (vgl. BGE 138 III
558 E. 4.6).
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1.4 Die Eintretensvoraussetzungen sind erfüllt. Auf die Klage ist einzutreten.
1.5 Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung unterstehen gemäss
Art. 12 Abs. 2 und 3 KVG dem VVG. Streitigkeiten aus solchen Versicherungen sind
privatrechtlicher Natur (BGE 133 III 439 E. 2.1). Nach Art. 243 Abs. 2 lit. f ZPO gilt für
vermögensrechtliche Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen
Krankenversicherung nach KVG ohne Rücksicht auf den Streitwert das vereinfachte
Verfahren.
2.
2.1 Zwischen den Parteien ist umstritten, ob das in Art. 9 VVG enthaltene sog.
Rückwärtsversicherungsverbot vorliegend die Versicherungsdeckung für die Klägerin
ausschliesst.
2.2 Nach dem zwingenden Art. 9 VVG ist der Versicherungsvertrag unter Vorbehalt
der Fälle nach Art. 100 Abs. 2 (der vorliegend nicht relevant ist) nichtig, wenn im
Zeitpunkt des Abschlusses der Versicherung die Gefahr bereits weggefallen oder das
befürchtete Ereignis schon eingetreten war. Unter dem Begriff Ereignis ist das Eintreten
des versicherten Risikos zu verstehen; das Ereignis ist der Eintritt des befürchteten
Vorfalls, der beim Abschluss des Versicherungsvertrages im Blickfeld lag (BGE 136 III
339 E. 3).
2.3 In BGE 127 III 21 hat das Bundesgericht festgehalten, dass die Gefahr, gegen
deren Folgen versichert werde, in der Krankenversicherung in der Erkrankung der
versicherten Person bestehe. Die in jenem Verfahren involvierte Versicherung hatte in
ihren AVB die Krankheitsdefinition des damaligen Art. 2 Abs. 1 KVG übernommen, die
weitgehend dem heutigen Art. 3 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) entsprach. Danach war Krankheit
definiert als "jede Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit, die
nicht Folge eines Unfalles ist und die eine medizinische Untersuchung oder
Behandlung erfordert oder eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat". Sei eine Krankheit im
Sinn dieser Definition bei Vertragsschluss bereits ausgebrochen, so sei die
Versicherung gegen ihre Folgen nach Art. 9 VVG ausgeschlossen, unbekümmert
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darum, ob sie noch andauere, so das Bundesgericht (BGE 127 III 21 E. 2b/aa). Dieses
Urteil, auf das sich der im vorliegenden Verfahren von beiden Parteien referenzierte
Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft vom 18. April 2013 (731 12 385/80)
bezog und das in der Lehre auf breite Kritik gestossen ist (vgl. etwa die Übersicht bei
BSK VVG Nachführungsband, 2012 – Nef/von Zedwitz, Art. 9, ad N14/15 lit. a S. 74),
betraf keine Krankentaggeldversicherung, sondern strittig waren dort vom KVG nicht
gedeckte Heilbehandlungsleistungen, für die die Krankenzusatzversicherung
grundsätzlich leistungspflichtig gewesen wäre. Diese höchstrichterliche
Rechtsprechung kann somit von Vornherein nicht unbesehen auf die
Krankentaggeldversicherung übertragen werden.
2.4 Ein Arbeitgeber schliesst eine kollektive Krankentaggeldversicherung zentral mit
dem Zweck ab, Kosten, die ihm aufgrund seiner arbeitsrechtlichen
Lohnfortzahlungspflicht bei Arbeitsunfähigkeit seiner Arbeitnehmenden entstehen,
abzusichern bzw. das Risiko des Anfalls dieser Kosten überwiegend (in der Regel im
Ausmass von 80%) auf eine Versicherung zu überwälzen. In der
Krankentaggeldversicherung ist das versicherte Gut die Arbeitsfähigkeit der
Arbeitnehmenden. Das versicherte Risiko liegt im Verlust derselben, also in der
Arbeitsunfähigkeit. Diese Arbeitsunfähigkeit ist eine der wirtschaftlichen Folgen von
Krankheit, gegen die auch die Beklagte Versicherungsschutz gewährt (Art. A1 AVB).
Gemäss Art. B1 Abs. 1 AVB werden die versicherten Leistungen bei ärztlich
bescheinigter, vollständiger oder teilweiser Arbeitsunfähigkeit nach Ablauf einer
allfälligen Wartezeit bezahlt. Das versicherte Risiko liegt also klarerweise (und
systemimmanent auch erforderlich) in der Arbeitsunfähigkeit. Diese definiert Art. B2
AVB als die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich
zumutbare Arbeit zu leisten.
2.5 Gemäss dem Rückwärtsversicherungsverbot des Art. 9 VVG ist eine
Versicherung nicht möglich, wenn bei Vertragsabschluss das befürchtete Ereignis
schon eingetreten war. In der Krankentaggeldversicherung liegt das befürchtete
Ereignis nach dem Gesagten in der Arbeitsunfähigkeit von Arbeitnehmenden und nicht
etwa in der Krankheit von Arbeitnehmenden (siehe dazu auch Eugster, Vergleich der
Krankentaggeldversicherung [KTGV] nach KVG und nach VVG, in: von Kaenel,
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Krankentaggeldversicherung: Arbeits- und versicherungsrechtliche Aspekte, 2007,
S. 56). Denn ein Arbeitnehmer kann ohne weiteres die Krankheitsdefinition der AVB
erfüllen – insbesondere mit einer körperlichen behandlungs- oder auch nur
untersuchungsbedürftigen Beeinträchtigung der Gesundheit –, ohne deswegen in den
Genuss von Versicherungsleistungen zu gelangen. Sehr viele ICD-10-klassifizierte
Krankheiten, die die vertragliche Krankheitsdefinition erfüllen, wirken sich nicht auf die
Arbeitsfähigkeit der Arbeitnehmenden aus (z.B. Astigmatismus [Hornhautverkrümmung,
ICD-10 H52.2], Herpes simplex [ICD-10 B00] oder akute Rhinopharyngitis
[Erkältungsschnupfen; ICD-10 J00]). Die Krankheit stellt bei der
Krankentaggeldversicherung jedenfalls nicht das „befürchtete Ereignis“ im Sinn von
Art. 9 VVG dar.
2.6 Zwar sind mitunter nicht auf die Krankentaggeldversicherung bzw. das dort
versicherte Risiko (bzw. befürchtete Ereignis) zugeschnittene Textbausteine der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung – wohl unreflektiert – in
krankentaggeldversicherungsrechtliche Fälle eingeflossen (ausführlich dazu Häberli/
Husmann, Krankentaggeld, versicherungs- und arbeitsrechtliche Aspekte, 2015, S. 42
ff., insbes. S. 43 f. Rz. 153 ff.). Dennoch kann nicht konstatiert werden, das
Bundesgericht betrachte systematisch gestützt auf Art. 9 VVG Taggeldversicherungen
als nichtig, wenn eine erst während der Versicherungsdeckung aufgetretene
Arbeitsunfähigkeit auf einer „vorbestehenden“ Diagnose bzw. Krankheit beruht (siehe
etwa BGE 136 III 334 E. 3, in dem ein Versicherter mit vorbestehenden
Zwangsstörungen lediglich als „mauvais risque“ für die Versicherung bezeichnet und
festgehalten wurde: „Le rôle de l'assurance est précisément d'assumer des risques, en
opérant une sorte de compensation entre les bons et les mauvais cas.“). Ob bzw. wann
eine Krankheit, die bei Versicherungsbeginn unstrittig keine Arbeitsunfähigkeit bewirkt
hat, diagnostiziert wurde, kann keine entscheidende Relevanz haben (gleicher Meinung
sinngemäss Häberli/Husmann, a.a.O., S. 44 f. Rz. 156 f.). So kann beispielsweise eine
angeborene Spastik bereits kurz nach der Geburt diagnostiziert werden, sich aber
unter Umständen erst im Alter von 50 Jahren auf die Arbeitsfähigkeit des
Arbeitnehmers auswirken. Hier wäre eine Nichtigkeit des Versicherungsvertrags
gestützt auf Art. 9 VVG absurd. Wären Arbeitsunfähigkeiten, die auf vor
Versicherungsbeginn diagnostizierte Krankheiten zurückzuführen sind, nicht
versicherbar, ist zudem offenkundig, dass der Abschluss einer
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Kollektivtaggeldversicherung für den Arbeitgeber deutlich weniger attraktiv wäre,
könnte er die Kosten seiner Lohnfortzahlungspflicht (die ihn in jedem Fall bzw.
ungeachtet allfälliger Vorzustände trifft; dazu auch Häberli/Husmann, a.a.O., S. 45
Rz. 158) doch in vielen Fällen nicht an die Versicherung überwälzen.
2.7 Zusammenfassend ist gestützt auf die obigen Erwägungen festzuhalten, dass
das Rückwärtsversicherungsverbot des Art. 9 VVG im Bereich der
Krankentaggeldversicherung grundsätzlich nur Fälle erfasst, in denen das (in der Regel)
versicherte Ereignis der Arbeitsunfähigkeit bei Vertragsbeginn bereits eingetreten ist
und andauert.
3.
3.1 Ausgeschlossen von der Versicherung sind gemäss Art. D1 Abs. 1 lit. b AVB
Krankheiten, Gebrechen und Unfallfolgen, die bei Vertragsbeginn oder Eintritt in das
Unternehmen bestehen, solange sie eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge haben (identisch
auch Art. E2 Abs. 2 Satz 2 AVB). Der Formulierung „solange“ kommt nach Treu und
Glauben im Kontext eine zeitliche Bedeutung zu. Sobald eine bei Vertragsbeginn
bestehende Krankheit die Arbeitsfähigkeit nicht mehr einschränkt, gilt der Ausschluss
folglich nicht mehr. Bei voller Arbeitsfähigkeit bei Vertragsbeginn kommt ein solcher
krankheitsspezifischer Ausschluss von Vornherein nicht in Frage.
3.2 Vorliegend ist unbestritten, dass die Klägerin bereits vor Eintritt in die Kollektiv-
Taggeldversicherung am 1. August 2013 an einer Skoliose litt. Ebenso ist unstrittig,
dass diese bzw. die deswegen am 26. August 2013 durchgeführte Operation und deren
Rehabilitationszeit die Arbeitsunfähigkeit ausgelöst haben, derentwegen die Klägerin
von der Beklagten Taggeldleistungen beantragt. Sollte erstellt sein, dass die Klägerin
bei Versicherungsbeginn am 1. August 2013 voll arbeitsfähig war, so liegt gemäss den
vorstehenden Erwägungen weder ein Anwendungsfall von Art. 9 VVG noch ein
Ausschlussgrund gemäss Art. D1 Abs. 1 lit. b AVB vor.
3.3 Die von den Parteien ins Recht gelegten Akten belegen keine vor dem
23. August 2013 bestehende Arbeitsunfähigkeit. Gemäss dem Bericht von Dr. C._
vom 26. Juni 2013 (act. G 3.4) sollte die Operation vornehmlich aus kosmetischen
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Gründen erfolgen, Schmerzen oder objektive Funktionseinschränkungen, die die
Arbeitsfähigkeit der Klägerin vor der Operation bereits beeinträchtigt hätten, ergeben
sich weder aus diesem Bericht noch aus dem Operationsbericht (vgl. dort
insbesondere die Indikationsbeschreibung, act. G 3.6). Im Bericht vom 26. Juni 2013
prognostiziert Dr. C._ lediglich eine ab Operationsdatum bestehende
Arbeitsunfähigkeit. Im Austrittsbericht des KSSG vom 10. September 2013 (act. G 3.12)
ist erwähnt, die Klägerin sei präoperativ kosmetisch „und funktionell“ durch den Befund
gestört gewesen. Daraus kann jedoch nicht der Schluss auf eine bereits vor der
Operation bestehende Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit gezogen werden. Damit
ist davon auszugehen, dass die Klägerin am 1. August 2013 in ihrer Arbeitsfähigkeit
nicht eingeschränkt war. Da weder das Rückversicherungsverbot greift, noch ein
vertraglicher Ausschlussgrund gegeben ist, wäre die Leistungspflicht der Beklagten
grundsätzlich zu bejahen.
3.4 In der Lehre wird zu Recht gefordert, alle unbekannten Krankheiten als
versichert zu behandeln und alle bekannten unter die Regelung der Anzeigepflicht zu
fassen (m.H. Häberli/Husmann, a.a.O., S. 45 Rz. 157). Dies erscheint sachgerecht. Die
in Art. 4 VVG kodifizierte Anzeigepflicht ist umfassend. Diese Vorschrift ist nicht
zwingend, sodass die Versicherung auf jede Gesundheitserklärung verzichten kann,
wie dies heute bei Kollektivversicherungen Standard ist (Häberli/Husmann, a.a.O.,
S. 33 f. Rz. 115; S. 37 Rz. 128). Die Beklagte hat im Internet einen
Gesundheitsfragebogen für Arbeitnehmer aufgeschaltet (abrufbar unter https://
www.innova.ch/dam/jcr:38f1eaf5-2858-41e9-9b32-40ace9b8e3b4/
Gesundheitsfragebogen%20f%C3%BCr%20Arbeitnehmer.pdf, abgerufen am
26. Januar 2016). Dieser enthält umfassende Fragen zum Gesundheitszustand, so auch
zu bestehenden Krankheiten und bevorstehenden Operationen. Ob die Klägerin von
der Beklagten angehalten wurde, diesen Fragebogen auszufüllen, ist nicht aktenkundig.
Die Beklagte macht jedoch weder geltend, die Klägerin habe ihre Anzeigepflicht
verletzt, noch behauptet sie, einen Vorbehalt angebracht zu haben. Vor diesem
Hintergrund ist die Klägerin grundsätzlich als vollumfänglich versichert zu betrachten.
4.
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Die Klägerin wusste bereits vor Antritt der Stelle bei der B._ AG, dass voraussichtlich
im August 2013 die Operation mit anschliessender Rehabilitationszeit von geschätzt
sechs bis zehn Wochen anstehen würde. Darüber sprach sie mit dem behandelnden
Arzt bereits im Rahmen der Kontrolle vom 25. Juni 2013 (act. G 3.4). Den Arbeitsvertrag
mit der B._ AG unterzeichnete sie am 8. Juli 2013 (act. G 3.3). Die Klägerin verdankte
diese Anstellung offenkundig familiären Beziehungen. Konkrete Anhaltspunkte dafür,
dass das Arbeitsverhältnis – aus versicherungsrechtlichen Überlegungen – nur fingiert
worden wäre, liegen jedoch nicht vor. So konnte die Klägerin insbesondere einen
effektiven Lohnfluss ab August 2013 belegen (act. G 14.1). Vor diesem Hintergrund
bleibt kein Raum dafür, von rechtsmissbräuchlichem Eingehen des
Versicherungsverhältnisses auszugehen. Dies bringt die Beklagte denn auch nicht vor.
5.
5.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen besteht ein Taggeldanspruch der
Klägerin gegenüber der Beklagten.
5.2 Die Klägerin hatte am 23. August 2013, einem Freitag, ihren letzten Arbeitstag
(act. G 3.7). Die Operation fand am darauffolgenden Montag, 26. August 2013 statt,
sodass ab diesem Tag eine volle Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen ist. Der
Taggeldanspruch beginnt nach Ablauf der vertraglichen Wartefrist von 30 Tagen (act.
G 3.1), vorliegend folglich am 25. September 2013.
5.3 Dr. med. D._ attestierte der Klägerin bis 5. Dezember 2013 weiterhin eine volle
Arbeitsunfähigkeit und ab 6. Dezember 2013 eine Arbeitsfähigkeit von 50%. Ab
11. Februar 2014 war die Klägerin wieder voll arbeitsfähig (act. G 3.18, vgl. auch act.
G 3.22, wo der Klägerin sogar bis Ende 2013 eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert
wurde). Die Klägerin beantragt in der Klage Taggeld basierend auf einer
Arbeitsfähigkeit von 100% vom 23. August bis 3. Dezember 2013 und von 50% vom
4. Dezember 2013 bis 24. Januar 2014. Arbeitsunfähigkeiten in dieser Höhe sind in
diesen Zeiten – mit Ausnahme des Beginns – jedenfalls ausgewiesen. Folglich ist der
Klägerin vom 25. September bis 3. Dezember 2013 ein ungekürztes und vom
4. Dezember 2013 bis 24. Januar 2014 ein hälftiges Taggeld zuzusprechen.
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5.4 Das Taggeld beläuft sich auf 80% des Lohnes (act. G 3.1). Die Klägerin erzielte
einen Bruttomonatslohn von Fr. 3‘700.-. Anspruch auf einen 13. Monatslohn hatte sie
nicht. Gemäss Arbeitsvertrag wird jedoch im Normalfall eine Gratifikation in der Form
eines 13. Monatslohns entrichtet (act. G 3.3). Die Gratifikation bildet AHV-
beitragspflichtigen Lohn (Art. 5 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung [AHVG; SR 831.10]). Gemäss Art. B7 Abs. 1 AVB ist der
effektive AHV-Lohn versichert. Die Beklagte hat anerkannt, dass die Gratifikation zum
massgebenden Lohn hinzuzurechnen ist (vgl. act. G 1.3). Folglich bemisst sich das
Taggeld auf der Basis eines Jahreseinkommens von Fr. 48‘100.- (Fr. 3‘700.- x 13) und
beläuft sich – wie in der Klage geltend gemacht – auf 105.40 (Fr. 48‘100.- x 0.8 / 365).
5.5 Während 70 Tagen hat die Klägerin Anspruch auf ein Taggeld von Fr. 105.40
und während 52 Tagen von Fr. 52.70, was Fr. 10‘118.40 ergibt.
6.
6.1 Die Klägerin beantragt die Verzinsung zu 5% ab dem 19. Dezember 2013.
6.1.1 Gemäss Art. 102 des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht, OR; SR 220) setzt
der Schuldnerverzug die Fälligkeit der Forderung und eine Mahnung oder einen
bestimmten Verfalltag voraus (vgl. auch BSK OR I, 5. Aufl. 2011 – Wiegand, Art. 102
N 3). Lehnt die Versicherung zu Unrecht ihre Leistungspflicht definitiv ab, bedarf es
keiner Mahnung der versicherten Person. Fälligkeit und Verzug treten dann sofort ein,
und eine Deliberationsfrist wird überflüssig (BSK VVG Nachführungsband – Grolimund/
Villard, Art. 41 ad N 20, 2. Abschnitt). Denn diesfalls erklärt der Schuldner
unmissverständlich, dass er nicht leisten werde, weshalb sich eine Mahnung als
überflüssig erweisen würde. Der Gläubiger kann daher analog Art. 108 Ziff. 1 OR auf sie
verzichten. Dies gilt auch dann, wenn die eindeutige und definitive
Verweigerungserklärung schon vor Fälligkeit der Forderung abgegeben wurde
(antizipierter Vertragsbruch; BSK OR I – Wiegand, Art. 102 N 11).
6.1.2 Die Beklagte brachte in ihrem Schreiben vom 19. Dezember 2013 zuhanden der
Vertretung der Arbeitgeberin der Klägerin zum Ausdruck, dass sie keine
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Versicherungsleistungen erbringen werde (act. G 3.23). Ab diesem Tag war eine
Mahnung folglich nicht mehr nötig. Wie in der Klage beantragt, ist das geschuldete
Taggeld ab diesem Tag zu 5% (vgl. Art. 100 VVG i.V.m. Art. 104 Abs. 1 OR) zu
verzinsen.
6.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (vgl. Art. 114 lit. e ZPO).
6.3 Die obsiegende anwaltlich vertretene Klägerin hat eine Parteientschädigung
beantragt. Diese spricht das Gericht nach den kantonalen Tarifen zu (Art. 105 Abs. 2
i.V.m. Art. 96 ZPO). Das mittlere Honorar im Zivilprozess beträgt nach Art. 14 Abs. 1
lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO; sGS 963.75)
bei einem Streitwert über Fr. 5‘000.- bis Fr. 20‘000.- Fr. 1‘230.- zuzüglich 15.4% des
Streitwerts. Der Streitwert richtet sich laut Art. 13 Abs. 1 HonO nach den
Bestimmungen der ZPO. Gemäss Art. 91 ZPO wird der Streitwert durch das
Klagebegehren bestimmt. Beim Streitwert von Fr. 10‘434.60 resultiert ein mittleres
Honorar von Fr. 2‘836.90 (Fr. 1‘230.- + 15.4% von Fr. 10‘434.60). Da das
Versicherungsgericht in Streitigkeiten betreffend Krankenzusatzversicherung anstelle
des Kantonsgerichts als erste Instanz im Sinne von Art. 15 HonO entscheidet, ist die
Parteientschädigung um einen Fünftel zu erhöhen, womit sich ein mittleres Honorar von
Fr. 3‘404.30 ergibt. Die Klägerin obsiegt fast vollständig, im Ausmass von 97%. Die
durch die Beklagte auszurichtende Parteientschädigung beläuft sich folglich auf
Fr. 3‘302.15 (vgl. Art. 106 Abs. 2 ZPO). Gemäss Art. 28 Abs. 1 HonO besteht
Anspruch auf den pauschalen Ersatz für Barauslagen von 4% des Honorars, höchstens
Fr. 1‘000.-. Beim Honorar von Fr. 3‘302.15 beträgt dieser Fr. 132.10. Die
Mehrwertsteuer von 8% wird zum Honorar und zu den Barauslagen hinzugerechnet
(Art. 29 HonO) und beträgt vorliegend Fr. 274.75. Die Entschädigung inkl. Barauslagen
und Mehrwertsteuer beläuft sich somit auf Fr. 3‘709.-.
6.4 Die Beklagte hat die Abweisung der Klage unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zu Lasten der Klägerin beantragt. Das Verfahren wurde nicht von
einer berufsmässigen Vertretung im Sinn von Art. 95 Abs. 3 lit. b ZPO geführt (vgl.
BSK-ZPO – Rüegg, Art. 95 N 18, und Suter/von Holzen, Art. 95 N 36, in: ZPO
Kommentar, 2. Aufl. 2013, hrsg. von Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, je mit
Hinweisen), sodass kein Anspruch auf eine Parteientschädigung besteht. Es liegt auch
bis
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kein begründeter Fall gemäss Art. 95 Abs. 3 lit. c ZPO vor, wonach der Beklagten eine
angemessene Umtriebsentschädigung zuzusprechen wäre. Ersatz für notwendige
Auslagen gemäss Art. 95 Abs. 3 lit. a ZPO wird ebenfalls nicht geltend gemacht. Die
Beklagte hat daher keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.