Decision ID: 72f7f369-b743-5f9d-9041-8d3cffa6ab16
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden ersuchten am 19. September 2015 in der
Schweiz um Asyl. Mit Verfügung vom 30. August 2017 verneinte das SEM
mangels Glaubhaftigkeit die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdefüh-
renden und wies ihre Asylgesuche ab. Gleichzeitig ordnete es ihre Weg-
weisung aus der Schweiz und den Vollzug an. Die dagegen erhobene Be-
schwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-5393/2017 vom
23. März 2018 ab.
B.
Am 5. Juni 2018 (Posteingang SEM: 7. Juni 2018) reichten die Beschwer-
deführenden beim SEM ein als Wiedererwägungsgesuch bezeichnetes
Schreiben ein und beantragten, der Asylentscheid vom 30. August 2017
sei in Wiedererwägung zu ziehen, die Anordnung des Wegweisungsvoll-
zugs sei aufzuheben und sie seien vorläufig aufzunehmen. Eventualiter sei
ihnen Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht ersuchten sie um Aus-
setzung des Wegweisungsvollzugs bis zum Entscheid über das Wiederer-
wägungsgesuch.
Als Beweismittel reichten die Beschwerdeführenden unter anderem fol-
gende Dokumente ein:
 einen Verlegungsbericht des Bürgerspitals E._ vom 17. Juni
2017 die Beschwerdeführerin betreffend;
 Arztberichte vom 6. Dezember 2017 und 19. April 2018 den Sohn
der Beschwerdeführenden betreffen;
 zwei Arztberichte vom 1. Mai 2018 die Tochter der Beschwerdefüh-
renden betreffend;
 einen Arztbericht vom 18. Mai 2018 den Beschwerdeführer betref-
fend;
 diverse medizinische Akten des Bruders des Beschwerdeführers;
 ein notariell beglaubigtes Schreiben vom 8. Mai 2018 und
 eine Ausgabe des Daily Nabo Abhijan vom (...) Februar 2018
inklusive Übersetzung eines Zeitungsartikels ins Englische.
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C.
Mit Verfügung vom 23. August 2018 wies das SEM die Eingabe der Be-
schwerdeführenden ab, soweit es darauf eintrat, und stellte fest, die Verfü-
gung vom 30. August 2017 sei rechtskräftig und vollstreckbar. Sodann er-
hob es eine Gebühr in der Höhe von Fr. 600.– und verfügte, einer allfälligen
Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu.
D.
Mit Beschwerde vom 24. September 2018 an das Bundesverwaltungsge-
richt beantragten die Beschwerdeführenden durch ihren Rechtsvertreter
die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Anweisung der Vor-
instanz, auf das Wiedererwägungsgesuch einzutreten; eventualiter sei die
Anordnung des Wegweisungsvollzugs aufzuheben und die Beschwerde-
führenden seien vorläufig aufzunehmen; subeventualiter sei den Be-
schwerdeführenden Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht ersuchten
sie um Aussetzung des Vollzugs bis zum Entscheid über die Beschwerde,
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Beiordnung
des rubrizierten Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbeistand.
Als Beweismittel reichten die Beschwerdeführenden eine Verfügung der IV
Stelle E._ vom 20. September 2018 und einen Arztbericht vom
14. September 2018 ein.
E.
Mit superprovisorischer Massnahme vom 25. September 2018 setzte die
Instruktionsrichterin gestützt auf Art. 56 VwVG den Vollzug der Wegwei-
sung per sofort einstweilen aus.
F.
Mit Eingabe vom 27. September 2018 reichten die Beschwerdeführenden
Kopien einer (undatierten) Anschuldigung gegen den Beschwerdeführer
wegen eines Sprengstoffdelikts und eines First Information Report vom
(...) Juni 2014 (beides mit Übersetzung) sowie einen Präsidialentscheid
der KESB vom (...) September 2018 zu den Akten.
G.
Mit Verfügung vom 1. Oktober 2018 stellte die Instruktionsrichterin die auf-
schiebende Wirkung der Beschwerde her und stellte fest, dass die Be-
schwerdeführenden den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten
dürfen. Gleichzeitig hiess sie das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
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chen Prozessführung inklusiv Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses gut. Das Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung wies sie ab.
Ferner lud sie die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung innert
Frist ein.
H.
Mit Eingabe vom 5. Oktober 2018 reichten die Beschwerdeführenden die
angeblichen Originale (inklusiv Umschlag) der zuvor in Kopie eingereichten
Beweismittel nach.
I.
In ihrer Vernehmlassung vom 11. Oktober 2018 führte die Vorinstanz aus,
weshalb sie an ihrer Verfügung festhalte und würdigte die auf Beschwer-
deebene neu eingereichten Beweismittel.
J.
Mit innert verlängerter Frist eingereichter Replik vom 5. November 2018
nahmen die Beschwerdeführenden zur Vernehmlassung Stellung und
reichten ein Schreiben der Ausgleichskasse des Kantons E._ zu
den Akten.
K.
Mit Eingabe vom 16. Juli 2019 reichten die Beschwerdeführenden Kopien
weiterer Zeitungsartikel zu den Akten. Am 23. August 2019 reichten sie die
Originale derselben Zeitungsartikel inklusiv teilweiser Übersetzung nach.
L.
Mit Schreiben vom 1. Oktober 2019 beantwortete die Instruktionsrichterin
die am 26. September 2019 eingegangene Verfahrensstandanfrage der
Sozialen Dienste F._.
M.
Mit innert verlängerter Frist eingegangener zweiten Vernehmlassung vom
23. Oktober 2019 hielt das SEM an seinen bisherigen Ausführungen fest
und führte aus, weshalb an dieser Einschätzung auch die Zeitungsartikel
aus dem Jahr 2019 nichts zu ändern vermöchten.
N.
Am 3. Februar 2020 nahmen die Beschwerdeführenden dazu Stellung und
stellten weitere originale Beweismittel in Aussicht.
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Seite 5
O.
Die in Aussicht gestellten Originalurkunden aus Bangladesch sowie ein
Arztbericht vom 14. Februar 2020 gingen am 28. Februar 2020 beim Bun-
desverwaltungsgericht ein.
P.
Mit innert verlängerter Frist eingegangener dritter Vernehmlassung vom
14. Oktober 2020 hielt das SEM weiter an seinen bisherigen Ausführungen
fest und äusserte sich zu den neu eingegangenen Beweismitteln.
Q.
Am 6. November 2020 nahmen die Beschwerdeführenden dazu Stellung.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet gemäss Art. 105 AsylG
(SR 142.31) auf dem Gebiet des Asyls in der Regel endgültig über Be-
schwerden gegen Verfügungen des SEM (vgl. zur Ausnahme Art. 83 Bst. d
Ziff. 1 BGG). Es ist ausserdem zuständig für die Revision von Urteilen, die
es in seiner Funktion als Beschwerdeinstanz gefällt hat (vgl. BVGE
2007/21 E. 2.1).
1.2 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September
2015).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-
deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
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richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdeverfahren das Bun-
desrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die
Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch
aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abwei-
sen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Ent-
scheides (vgl. BVGE 2014/1 E. 2).
4.
4.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM
innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schrift-
lich und begründet einzureichen; im Übrigen richtet sich das Verfahren
nach den revisionsrechtlichen Bestimmungen von Art. 66–68 VwVG
(Art. 111b Abs. 1 AsylG).
4.2 In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwä-
gungsgesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an
eine nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl.
BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Von einem qualifizierten Wiedererwägungs-
gesuch, welches funktional durch das SEM zu beurteilen ist, wird ausge-
gangen, wenn die Aufhebung einer ursprünglich fehlerhaften Verfügung
begehrt wird, die unangefochten geblieben ist oder auf Beschwerdeebene
aus formellen Gründen materiell nicht überprüft wurde. Das SEM ist auch
für die wiedererwägungsweise Beurteilung von Beweismitteln zuständig, die
nachträglich entstanden sind, aber vorbestandene Tatsachen belegen sol-
len. Werden demgegenüber vorbestandene Beweismittel geltend gemacht,
die einen rechtskräftigen materiellen Beschwerdeentscheid als von Anfang
an mit Mängeln behaftet erscheinen lassen sollen, sind diese grundsätzlich
im Rahmen eines Revisionsgesuchs durch das Gericht zu beurteilten (vgl.
zu allem BVGE 2013/22 E. 5.4 ff., zum Revisionsgesuch Art. 45 VGG,
Art. 121 ff. BGG).
4.3 Werden nachträglich erhebliche Gründe in Bezug auf die Feststellung
der Flüchtlingseigenschaft vorgetragen, handelt es sich um ein Mehrfach-
gesuch im Sinne von Art. 111c AsylG (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.).
E-5445/2018
Seite 7
5.
5.1 Zur Begründung ihres Wiedererwägungsgesuchs brachten die Be-
schwerdeführenden im Wesentlichen vor, der negative Asylentscheid vom
30. August 2017 habe beim Beschwerdeführer psychische Beschwerden
ausgelöst. Die Kinder seien gesundheitlich angeschlagen. Die Beschwer-
deführenden reichten Arztberichte sowie – im Sinne eines Eventualbegeh-
rens – neue Beweismittel zu den Akten, die die Verfolgung des Beschwer-
deführers aufzeigen würden, welche indes möglicherweise im Rahmen ei-
nes Revisionsgesuchs zu behandeln wären.
Der Beschwerdeführer leide an einer posttraumatischen Belastungsstö-
rung, eventuell auch an einer Depression mit ausgeprägter Schlafstörung,
verbunden mit vegetativen Symptomen und chronischen Kopfschmerzen.
Diese Leiden hätten sich mit Erhalt des negativen Asylentscheids erst rich-
tig manifestiert, weshalb er im September 2017 erstmals behandelt worden
sei. Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 23. März 2018
habe sich sein Gesundheitszustand wieder verschlechtert. Seit April 2018
befinde er sich dauernd in Behandlung. Eine Fortsetzung der Behandlung
in Bangladesch sei nicht möglich respektive kontraproduktiv, da die Angst
vor einer Rückkehr in sein Heimatland Auslöser der gegenwärtigen Krise
darstelle.
Der in der Schweiz geborene Sohn sei wegen Verdachts auf einen neona-
talen Infekt nach der Geburt einige Tage hospitalisiert gewesen. Weiter sei
ihm eine (...) diagnostiziert worden. Seine Entwicklung sei seither normal
erfolgt, wobei einige virale Infekte aufgetreten seien. Regelmässige Vor-
sorgeuntersuchungen seien weiterhin unausweichlich. Aus den Arztbesu-
chen betreffend die Tochter würden sich keine Hinweise ergeben, die ge-
gen eine Rückkehr nach Bangladesch sprechen würden. Die Schweiz sei
indes verantwortlich, das Kindeswohl zu wahren, insbesondere für den in
der Schweiz geborenen Sohn. Solange nicht klar sei, ob dessen (...) und
die (...) den Beginn einer ernsthaften Erkrankung darstellten, müssten wei-
tere Abklärungen abgewartet werden. Auch seien die prekären hygieni-
schen Verhältnisse in Bangladesch und deren Auswirkungen auf die be-
reits angeschlagene Gesundheit des Sohnes zu berücksichtigen.
Eine Vaterschaftsanerkennung des in der Schweiz geborenen Sohnes
durch den Beschwerdeführer sei mangels gültigen Reisepasses bisher
nicht möglich gewesen. Das Kind gelte demnach im heutigen Zeitpunkt als
uneheliches Kind der Beschwerdeführerin. Das Risiko, dass zumindest die
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Beschwerdeführerin nach einer Rückkehr in Bangladesch mit Nachstellun-
gen rechnen müsste, sei gross, so dass vom Vollzug der Wegweisung ab-
zusehen sei. Aufgrund des unvollständigen Geburtseintrags des in der
Schweiz geborenen Sohnes sei fraglich, dass die Behörden von Bangla-
desch bereit wären, ihm ein Laissez-passer auszustellen. Zudem könnte
es – ohne Bestätigung des Vaters, dass die Kindsmutter alleine mit dem
Sohn reisen dürfe – Probleme mit den Fluggesellschaften geben. Die Toch-
ter sei zwar in Bangladesch geboren, indes nirgends registriert worden. Die
bangladeschischen Behörden könnten nicht überprüfen, ob es sich bei ihr
um das Kind der Beschwerdeführenden handle und ob die angegebenen
Personalien korrekt seien. Auch in diesem Fall dürfte es nicht gelingen, ein
Laissez-passer erhältlich zu machen sowie eine Reise ohne gültigen Rei-
sepass zu organisieren. Die Beschwerdeführenden würden in der "nähe-
ren" Heimat über keine Bezugspersonen mehr verfügen, die die Geburt
ihrer Tochter nachträglich registrieren könnten.
Die eingereichte notarielle Urkunde vom 8. Mai 2018 enthalte eine Erklä-
rung des Bruders des Beschwerdeführers, wonach die Awami-Liga falsche
– meist politische – Anschuldigungen gegen den Beschwerdeführer und
die übrigen Familienmitglieder erhoben habe, sowie die Verfahrensnum-
mern der Verfahren, die gegen ihn eingeleitet worden seien. Da diese fal-
schen Anschuldigungen von der Regierungspartei stammten, bestehe ein
grosses Risiko, dass auch die lokale Polizei und Gerichte gegen seine Fa-
milie tätig würden, obwohl sie unschuldig seien. Der Bruder befürchte, dass
der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Bangladesch in Lebensge-
fahr wäre und von den Sicherheitskräften getötet werden könnte. Die Be-
schwerdeführenden beantragten eine Botschaftsabklärung betreffend die
Strafverfahren, um festzustellen, dass und inwiefern der Beschwerdeführer
verfolgt sei. Ferner reichten sie einen Zeitungsartikel ein, der die Ernsthaf-
tigkeit der Verfolgung der Familie aufzeige. Gemäss dem Artikel habe die
ganze Familie (namentlich erwähnt würden sein Vater, sein Bruder, seine
Schwester sowie der Beschwerdeführer) aus politischen Gründen aus dem
Dorf fliehen müssen.
5.2 Die Vorinstanz begründete ihren Wiedererwägungsentscheid damit,
dass sie auf die vorgebrachten Revisionsgründe mangels funktionaler Zu-
ständigkeit nicht eintrete. Der anlässlich des Wiedererwägungsgesuchs
eingereichte Zeitungsartikel datiere vom (...) Februar 2018 und sei dem-
nach vor Erlass des BVGer-Urteils E-5393/2017 entstanden. Die notarielle
Urkunde datiere zwar vom 8. Mai 2018 und wäre damit nach Erlass des
BVGer-Urteils E-5393/2017 entstanden, beziehe sich im Inhalt indes auf
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die vom Bundesverwaltungsgericht bereits materiell beurteilten Vorbringen
und auf Verfahren gegen den Beschwerdeführer, die in Bangladesch in den
Jahren 2014 und 2015 eingeleitet worden seien und somit vor Erlass des
obgenannten BVGer-Urteils bestanden hätten. Die Ausführungen betref-
fend die Flüchtlingseigenschaft würden sich somit auf vorbestehende Tat-
sachen beziehen, weshalb sie als Revisionsgesuch vom Bundesverwal-
tungsgericht zu behandeln seien.
Abgesehen davon, dass betreffend die Arztberichte bezüglich dem Ge-
sundheitszustand die Kinder die Eintretensvoraussetzungen, insbeson-
dere die Frist von 30 Tagen gemäss Art. 111b AsylG nach Entdeckung der
Wiedererwägungsgründe, nicht erfüllt seien, lägen, wie bereits vom
Rechtsvertreter im Wiedererwägungsgesuch festgehalten, betreffend den
Gesundheitszustand der Tochter keine Hinweise vor, die gegen eine Rück-
kehr nach Bangladesch sprechen würden. Betreffend den Gesundheitszu-
stand des Sohnes sei festzustellen, dass es sich gemäss dem Arztbericht
vom 19. April 2018 nicht um lebensbedrohliche Beschwerden handle. Er
habe sich seit den Komplikationen unmittelbar nach der Geburt normal ent-
wickelt und die (...) und (...) seien insbesondere durch regelmässige Vor-
sorgeuntersuchungen, Impfungen, adäquate Ernährung und Hautpflege,
die auch im Herkunftsland gewährleistet werden könnten, behandelbar.
Es sei nicht ersichtlich, weshalb der Beschwerdeführer seine eigenen ge-
sundheitlichen Beschwerden nicht bereits zu einem viel früheren Zeitpunkt
im Asyl- respektive Beschwerdeverfahren hätte vorbringen können, die er
gemäss dem Arztbericht und der Eingabe des Rechtsvertreters vom 7. Juni
2017 (recte: 5. Juni 2018) bereits in Bangladesch gehabt habe und durch
die Verfügung des SEM und das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts ver-
stärkt aufgetreten seien. Es komme immer wieder vor, dass Asylsuchende
durch einen negativen Asylentscheid entsprechend berührt oder psychisch
belastet würden. Dies stelle indes in der Regel nicht per se ein Vollzugs-
hindernis dar. Die gesundheitlichen Beschwerden würden ihn in seinem
Heimatstaat nicht in eine lebensbedrohliche Notsituation bringen. Gemäss
Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sei in Bangladesch, ge-
rade in Städten wie G._, eine qualitativ gute medizinische Infra-
struktur sowie insbesondere eine medizinisch-psychiatrische Grundversor-
gung vorhanden und öffentlich zugänglich. Auch bezüglich der Gewährleis-
tung einer Behandlung mit Medikamenten wie geeigneten Antidepressiva
könne gemäss den Informationen des SEM in Bangladesch ausgegangen
werden. Dem Arztbericht sei zu entnehmen, dass es dank der Therapie
bereits eine Besserung betreffend seine Beschwerden gebe. Sowohl eine
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medikamentöse Behandlung mit verschiedenen Antidepressiva als auch
eine psychotherapeutische Behandlung in Bangladesch sei damit möglich,
erhältlich und zugänglich. Zudem lasse sein familiäres Beziehungsnetz
und seine finanzielle Situation in Bangladesch nicht darauf schliessen,
dass ihm der Zugang zu einer medizinischen Behandlung verwehrt bleiben
würde, zumal er bereits einmal in einem Spital in Bangladesch behandelt
worden sei. Trotz den geltend gemachten Vorbehalten bezüglich der Be-
handlungsqualität im Heimatland sei davon auszugehen, dass der Be-
schwerdeführer und seine Kinder gesundheitliche Probleme in ihrer Heimat
behandeln lassen könnten und der Zugang zu den vorhandenen medizini-
schen Einrichtungen gewährleistet sei. Alternativ bestünde für den Be-
schwerdeführer grundsätzlich auch eine Möglichkeit einer Behandlung bei
einem privaten Psychiater. Bei Bedarf könnten die Beschwerdeführenden
schliesslich einen Antrag auf medizinische Rückkehrhilfe stellen. Die ge-
sundheitlichen Beschwerden des Beschwerdeführers und seiner Kinder
stünden demzufolge der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nicht
entgegen.
Das Vorbringen, eine Rückkehr nach Bangladesch sei nicht möglich auf-
grund fehlender Papiere respektive fehlender Kindsanerkennung betreffe
weitgehend einen Sachverhalt, welchen das Bundesverwaltungsgericht in
seinem Urteil einlässlich erwogen und darüber rechtskräftig entschieden
habe. Die anlässlich des Wiedererwägungsgesuchs eingereichten Beweis-
mittel seien gemäss den Absendern auf den Versandumschlägen von ihren
Verwandten geschickt worden, so dass – entgegen den Ausführungen im
Wiedererwägungsgesuch – nach wie vor davon auszugehen sei, dass die
Beschwerdeführenden betreffend Papierbeschaffung über familiäre Unter-
stützung im Heimatland verfügten. Damit sei der Wegweisungsvollzug wei-
terhin zumutbar.
Im Wiedererwägungsgesuch werde im Zusammenhang mit fehlenden Pa-
pieren lediglich erklärt, dass die Beschwerdeführenden nach der Ankunft
in Bangladesch mit Nachstellungen rechnen müssten, jedoch nicht konkre-
tisiert, wieso ihnen eine Verletzung von Art. 3 EMRK oder anderer völker-
rechtlicher Non-Refoulement-Bestimmungen drohe. Es läge in ihrer Ver-
antwortung respektive sei Teil ihrer Mitwirkungspflicht, eine Ehebescheini-
gung zu beschaffen und eine Kindsanerkennung beispielsweise durch ei-
nen DNA-Test zu erhalten, damit bei einer Rückkehr in ihr Heimatland
keine Risiken für sie und ihre Kinder bestünden. Ihre Vorfluchtgründe seien
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im rechtskräftigen Asylentscheid vom 30. August 2017 als unglaubhaft ein-
geschätzt worden und es sei kein «real risk» ersichtlich. Der Wegweisungs-
vollzug erweise sich nach wie vor als zulässig.
Insgesamt würden keine Gründe vorliegen, welche die Rechtskraft der Ver-
fügung vom 30. August 2017, bestätigt durch das Bundesverwaltungsge-
richt am 23. März 2018, beseitigen könnten.
5.3 Auf Beschwerdeebene führen die Beschwerdeführenden im Wesentli-
chen aus, das SEM stelle die Unterscheidung zwischen Wiedererwägungs-
gesuch und Revisionsgesuch grundsätzlich richtig dar, zumal die neu ein-
gereichten Zeitungsartikel und die notarielle Urkunde für sich alleine nicht
ausreichend wären, um eine Revisionsgesuch zu begründen. Aus dem Zei-
tungsartikel gehe nicht konkret hervor, weshalb der Beschwerdeführer und
seine Familie verfolgt werde. Auch die notarielle Urkunde enthalte – trotz
Nennung von Verfahrensnummern der Verfahren, die gegen ihn eingeleitet
worden seien – nur allgemein gehaltene Informationen über seine Verfol-
gung. Das SEM habe es aber unterlassen, mittels beantragter Botschafts-
abklärung anhand der in der notariellen Urkunde angegebenen Verfah-
rensnummern abzuklären, ob, aus welchen Gründen und in welchem Aus-
mass der Beschwerdeführer verfolgt sei. Aktenstücke aus den Strafverfah-
ren würden bald nachgereicht. Da das SEM den im Rahmen des Wieder-
erwägungsgesuchs eingereichten Beweismitteln hätte nachgehen müs-
sen, sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und das SEM anzuwei-
sen, weitere Abklärungen – insbesondere eine Botschaftsabklärung – vor-
zunehmen.
Der in der Schweiz geborene Sohn der Beschwerdeführenden sei auf re-
gelmässige Vorsorgeuntersuchungen angewiesen, um die (...) und die (...)
im Auge zu behalten. Da er in der Schweiz geboren sei, sei die Schweiz
für ihn zuständig und gehalten, das Kindswohl zu wahren. In Bangladesch
sei die nötige medizinische Versorgung nicht gegeben, und die Beschwer-
deführenden würden sich die adäquate Behandlung ihres Sohnes nicht
leisten können. Ein Wegweisungsvollzug nach Bangladesch würde in Be-
rücksichtigung der Kinderrechtskonvention schon dann unzulässig, wenn
im Heimatstaat eine dem schweizerischen Standard entsprechende medi-
zinische Behandlung nicht möglich oder finanzierbar wäre. Eine vorläufige
Aufnahme sei auch deshalb angezeigt, damit die Invalidenversicherung
ihre Leistungspflicht anerkenne und dem Kind nicht aus formellen Gründen
ihm zustehende Leistungen vorenthalte.
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Gemäss der behandelnden Ärztin habe der Beschwerdeführer zuvor eine
Therapie abgelehnt, weil er angepasst habe erscheinen wollen. Erst nach
dem Vorliegen des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts vom 23. März
2018 sei ein Zusammenbruch erfolgt, weshalb er im April 2018 wieder in
Behandlung gekommen sei. Da seine psychische Belastung im Zusam-
menhang mit Bangladesch stehe, würde eine Rückkehr dorthin die Krank-
heit verstärken, so dass auch die von der Vorinstanz behauptete brauch-
bare medizinische Versorgung im Bereich der Psychiatrie und Psychothe-
rapie in Bangladesch nichts nützen würde.
Ferner sei der in der Schweiz geborene Sohn noch immer nicht korrekt ins
Zivilstandsregister eingetragen worden, da der Eintrag des Beschwerde-
führers als Vater fehle, weshalb es schwierig sein dürfte, ein Reisepapier
für ihn zu beschaffen. Die Vorinstanz hätte sich ausführlicher mit der Frage
der Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs befassen müssen. Nachdem
der Vollzug eingeleitet worden sei, hätten sich gewisse Schwierigkeiten er-
geben. Insbesondere dürfte der in der Schweiz geborene Sohn mangels
korrektem Geburtseintrag für die Behörden von Bangladesch nicht existie-
ren. Eine in der Schweiz erfolgte Geburt könne nicht in Bangladesch ein-
getragen werden. Dass im Geburtseintrag der Vater fehle erwecke den Ein-
druck, es handle sich um ein uneheliches Kind. Die Beschwerdeführerin
würde sich dem Verdacht aussetzen, eine Ehebrecherin zu sein, was er-
hebliche Folgen nach sich ziehen könnte. Die KESB habe zudem alle Be-
mühungen eingestellt, eine Anerkennung der Vaterschaft durch den Be-
schwerdeführer zu ermöglichen.
5.4 Mit Stellungnahme vom 27. September 2018 präzisieren die Beschwer-
deführenden, bei den neu eingereichten Dokumenten handle es sich um
eine von einem politischen Gegner erhobene falsche Anschuldigung we-
gen eines Sprengstoffdelikts sowie um eine Anzeigeaufnahme durch die
Polizei (First Information Report). Es sei eines der vielen Verfahren, die
gegen den Beschwerdeführer eingereicht worden seien. Zwar würden sie
alle auf falschen Anschuldigungen basieren, es sei indes nicht auszu-
schliessen, dass es auch zu einer unrichtigen Verurteilung kommen könne,
weil Regierungspartei, Polizei und Gericht auf der gleichen Seite stünden.
Bei einer Rückkehr nach Bangladesch habe der Beschwerdeführer mit
Zwangsmassnahmen zu rechnen. Als Folge des Ganzen habe sich sein
psychischer Gesundheitszustand weiter verschlechtert, und er mache sich
Sorge um seine Familie. Ferner unterstütze die KESB den Beschwerde-
führer nicht weiter, seinen hier geborenen Sohn anerkennen zu lassen, so
dass dieser formell ein uneheliches Kind mit unbekanntem Vater bleibe.
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Dies sei problematisch, zumal Ehebruch in Bangladesch als muslimisches
Land strafbar sei.
5.5 In ihrer Vernehmlassung vom 11. Oktober 2018 wiederholt die Vor-
instanz, dass die Begehren der Beschwerdeführenden teilweise auf die
Neubeurteilung eines Sachverhalts abzielen würden, mit dem sich das
Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-5393/2017 bereits materiell ausei-
nandergesetzt habe und damit revisionsrechtlich zu prüfen wären. Die bei-
den am 24. September 2018 nachgereichten Dokumente würden von 2014
datieren. Das SEM sehe sich (weiterhin) nicht zuständig für die Prüfung
der notariell beglaubigten Urkunde vom 8. Mai 2018, weshalb es sich vor-
liegend erübrige, auf diesbezüglich weitere monierte Punkte in der Be-
schwerdeschrift vom 24. September 2018, wie die Botschaftsabklärung
durch das SEM, einzugehen.
Der Vollständigkeit halber sei vermerkt, dass keine Gründe ersichtlich
seien, weshalb es dem Beschwerdeführer nicht möglich oder zumutbar ge-
wesen sein soll, die nachgereichten Beweismittel – Zeitungsartikel, notari-
ell beglaubigte Urkunde, First Information Report und Anschuldigung we-
gen eines Sprengstoffdelikts – nicht bereits im ordentlichen Verfahren ein-
reichen zu können. Zudem seien sowohl in der Verfügung des SEM vom
30. August 2017 als auch im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom
23. März 2018 die Asylvorbringen des Beschwerdeführers als überwiegend
unglaubhaft beurteilt worden. Die Beschwerdeschrift enthalte keine neuen
erheblichen Tatsachen oder Beweismittel betreffend die Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs, welche eine Änderung des Standpunktes der Vor-
instanz rechtfertigen könnten.
5.6 In ihrer Replik vom 5. November 2018 führen die Beschwerdeführen-
den aus, dass die Ausführungen der Vorinstanz betreffend die geltend ge-
machten gesundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers und der Kin-
der zwar zutreffend schienen, sie indes nicht die richtigen Schlüsse aus
den eingereichten Dokumenten gezogen und das Wiedererwägungsge-
such zu Unrecht abgelehnt habe. Hinsichtlich der notariellen Urkunde, wel-
che vom 8. Mai 2018 datiere, wiederholen sie, dass diese alleine nicht als
neues Beweismittel ausreichen dürfte, um ein Revisionsverfahren vor dem
Bundesverwaltungsgericht zu begründen, weshalb sie bei der Vorinstanz
eingereicht worden sei. Als erste Instanz sei diese verpflichtet, sich von
Amtes wegen um die Abklärung des Sachverhalts zu kümmern. Sie hätte
deshalb eine Botschaftsabklärung veranlassen müssen, um die in der no-
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tariellen Urkunde aufgelisteten Verfahrensnummern zu überprüfen. Ge-
samthaft gesehen würden deshalb sowohl der Zeitungsbericht als auch die
notarielle Urkunde Wiedererwägungsgründe zu begründen vermögen.
Eine Botschaftsabklärung sei auf Beschwerdeebene nachzuholen.
Die am 27. September 2018 nachgereichten Dokumente (First Information
Report und Anschuldigung wegen eines Sprengstoffdelikts) würden aus
dem Jahr 2014 stammen und sich nur auf eines der vielen aufgelisteten
Strafverfahren beziehen. Ein Revisionsgesuch, das lediglich auf diese bei-
den Beweismittel abgestützt worden wäre, hätte keine Erfolgsaussichten
gehabt. Deshalb seien diese Beweismittel im Kontext mit den übrigen Be-
weismitteln zu sehen, die im Rahmen des Wiedererwägungsgesuchs ein-
gereicht worden seien.
Die Beschwerdeführenden reichen zudem eine Mitteilung der Ausgleichs-
kasse zur Beitragspflicht ein. Die Beschwerdeführenden wären wegen der
Geburtsgebrechen des Sohnes beitragspflichtig, wenn sie vorläufig aufge-
nommen würden. Im Rahmen der Verjährungsfristen könnten sie sodann
die Beiträge für Nichterwerbstätige nachentrichten, so dass die Invaliden-
versicherung für die Geburtsgebrechen des Sohnes aufkommen müsste.
5.7 In ihrer zweiten Vernehmlassung vom 23. Oktober 2019 nimmt die Vor-
instanz zu den am 16. Juli und 23. August 2019 neu eingereichten Beweis-
mitteln Stellung und ergänzt, dass sich der Inhalt des (undatierten) Zei-
tungsartikels, mit welchem sich das Bundesverwaltungsgericht in seinem
Urteil vom 23. März 2018 materiell auseinandergesetzt habe, mehrheitlich
mit demjenigen der jüngst eingereichten Artikel decke. Das Bundesverwal-
tungsgericht sei damals in seinem Urteil zum Schluss gekommen, dass
aus den eher vagen Ausführungen im Zeitungsartikel nichts zu Gunsten
der Beschwerdeführenden abgeleitet werden könne. Aus den Übersetzun-
gen der im Juli 2019 publizierten Zeitungs- respektive Onlineartikel gehe in
allgemeiner Form hervor, dass der Vater und Onkel des Beschwerdefüh-
rers und deren Familienmitglieder seit vier Jahren schwierige Zeiten durch-
leben würden, weil sie aufgrund von politischen Schikanen durch die Poli-
zei ihr Zuhause verlassen hätten und sich verstecken würden. Gegen seine
Familie seien falsche Anschuldigungen erhoben worden. Nähere Angaben
zu politischen Verfolgungsmotiven oder politischen Aktivitäten der im Arti-
kel erwähnten Personen würden nicht gemacht. Der Beschwerdeführer
werde in den Artikeln zwar namentlich erwähnt; auch er fürchte sich vor
Polizeifolter und verstecke sich deshalb. Aus diesen wenigen Informatio-
E-5445/2018
Seite 15
nen lasse sich für die Beschwerdeführenden jedoch keine glaubhafte Ver-
folgung beziehungsweise eine begründete Furcht vor gezielten Verfol-
gungsmassnahmen im Sinne von. Art. 3 und Art. 7 AsylG ableiten. Die in
den jüngst eingereichten Artikeln festgehaltenen Informationen würden
sich sodann auch nicht wesentlich vom Informationsgehalt des Zeitungsar-
tikels unterscheiden, den die Beschwerdeführenden anlässlich des Wie-
dererwägungsverfahrens beim SEM eingereicht hätten, der vom SEM je-
doch aus revisionsrechtlichen Gründen nicht geprüft worden sei.
5.8 In ihrer Stellungnahme dazu führen die Beschwerdeführenden aus, es
sei nicht verwunderlich, dass in den Zeitungsartikeln keine näheren Anga-
ben zu politischen Verfolgungsmotiven oder den politischen Aktivitäten der
Familienmitglieder gemacht würden, zumal es sich um falsche Anschuldi-
gen handle. Es gehe darum, den politischen Gegner auszuschalten, indem
man ihm gemeinrechtliche Straftaten vorwerfe, worauf man ihn gerichtlich
verurteilen lasse, damit er lange Zeit im Gefängnis bleiben müsse. Da die
Anschuldigungen diffus gehalten seien, könne kein konkretes Motiv er-
kannt werden. Zudem sei die Kommunikation mit dem Heimatort des Be-
schwerdeführers und das Beschaffen von Information aus der Heimat nicht
einfach; der Ort verfüge erst seit vier Jahren über einen Stromanschluss
und sei mit dem Festnetz noch nicht erschlossen. Die Ortsbewohner seien
lediglich über ihre Mobiltelefone erreichbar.
5.9 Mit Eingabe vom 27. Februar 2020 ergänzen die Beschwerdeführen-
den, die Tochter sei inzwischen (...) Jahre alt und eingeschult. Sie verstehe
und spreche zurzeit fast besser Deutsch als Bengalisch. Dies sei bei der
Prüfung im Rahmen des Kindswohls zu berücksichtigen. Diesbezüglich rei-
chen sie einen Arztbericht der Gruppenpraxis für Kinder und Jugendliche
in E._ vom 14. Februar 2020 ein. Sodann riskiere der Beschwerde-
führer bei einer Rückkehr nach Bangladesch wegen der falschen Anschul-
digungen eingesperrt zu werden, womit die Kinderbetreuung bei der Be-
schwerdeführerin liegen würde. Dabei würde sie nicht dafür sorgen kön-
nen, dass die Kinder eine adäquate Bildung erhielten.
5.10 In ihrer dritten Vernehmlassung vom 14. Oktober 2020 nimmt die Vor-
instanz zur notariell beglaubigten Urkunde vom 8. Mai 2018 sowie zu den
auf Beschwerdeebene neu eingereichten Beweismitteln Stellung.
Die notariell beglaubigte Urkunde vermöge an den Erwägungen des SEM
nichts zu ändern. Es handle sich dabei um ein Schreiben eines Notars,
dem äusserst geringe Beweiskraft zukomme, weil ein solches Schreiben,
E-5445/2018
Seite 16
ob beurkundet oder nicht, analog einem Anwaltsschreiben lediglich Anga-
ben seiner Mandanten wiedergebe. Es handle sich um ein Gefälligkeits-
schreiben, dessen Inhalt nicht über Parteibehauptungen hinauskomme.
Für die Überprüfung der darin aufgeführten Verfahren erachte sich das
SEM nicht als zuständig, da diese bereits 2014 und 2015 und somit bereits
vor der Verfügung des SEM vom 15. August 2017 und dem materiellen
Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts vom 23. März 2018 eröffnet
worden seien. Damit wären diese innerhalb eines Revisionsverfahrens zu
prüfen. Aus diesem Grund erachte sich das SEM auch nicht zuständig für
die Durchführung einer in diesem Zusammenhang von den Beschwerde-
führenden geforderten Botschaftsabklärung betreffend die geltend ge-
machten Strafverfahren im Heimatland.
Aus den Zeitungartikeln, die am (...), (...). und (...) Juli 2019 in drei ver-
schiedenen Zeitungen publiziert wurden, gehe hervor, dass sich die Eltern
und Geschwister des Beschwerdeführers seit vier Jahren aufgrund politi-
scher Einschüchterungen und falscher Anschuldigungen nicht in Sicherheit
fühlten. Trotz namentlicher Erwägung des Beschwerdeführers in den Zei-
tungsberichten sei aus den vagen Ausführungen nichts zu seinen Gunsten
abzuleiten. Der Inhalt der Zeitungsartikel sei alleine nicht geeignet, eine
flüchtlingsrelevante Verfolgung des Beschwerdeführers im Heimatstaat zu
belegen, stehe jedoch in Zusammenhang mit der im ordentlichen Verfah-
ren geltend gemachten Vorverfolgung über die das Bundesverwaltungsge-
richt mit Urteil vom 23. März 2018 materiell entschieden habe. Diese nach
dem Urteil entstandenen Zeitungsartikel wären daher bei einer Gesamt-
würdigung einer neuen Aktenlage betreffend die Asylgründe im Rahmen
eines Revisionsverfahrens zu berücksichtigen.
Die zwei Parteibestätigungen vom 31. Januar 2020 und 1. Februar 2020
würden dieselbe Verfolgungssituation betreffen, die der Beschwerdeführer
bereits im erstinstanzlichen Verfahren geltend gemacht habe und welche
durch das SEM in der Verfügung vom 15. August 2017 geprüft und als
überwiegend unglaubhaft beurteilt worden sei. Das Bundesverwaltungsge-
richt habe diese Verfügung mit Urteil vom 23. März 2018 gestützt. Da die
nachträglich entstandenen Parteibestätigungen inhaltlich die bereits im or-
dentlichen Verfahren geltend gemachte Verfolgung durch die Awami-Liga
und damit nicht neue Asylgründe beträfen, wären sie im Rahmen eines Re-
visionsverfahrens durch das Bundesverwaltungsgericht zu prüfen. Bei den
Schreiben handle es sich aus Sicht des SEM um reine Gefälligkeitsschrei-
ben beziehungsweise Pateibehauptungen, weshalb diesen Beweismitteln
keine Beweiskraft zukomme. Den Schreiben seien zudem explizit keine
E-5445/2018
Seite 17
gezielten Verfolgungsmassnahmen gemäss Art. 3 AyslG gegen den –
wenn auch namentlich erwähnten – Beschwerdeführer zu entnehmen. Es
würden keine konkreten Angaben zu seiner Parteimitgliedschaft und seiner
Position und Funktion gemacht, sondern nur in allgemeiner Form seine
Mitgliedschaft als Mitglied der Familie H._ bei der Bangladesh Na-
tionalist Party (nachfolgend: BNP) genannt. Daher vermöchten diese bei-
den Schreiben an den Erwägungen des SEM ebenfalls nichts zu ändern.
Dass sich der Beschwerdeführer erst nach Erlass des Urteils des Bundes-
verwaltungsgerichts vom 23. März 2018 bemüht habe, weitere Beweismit-
tel zu beschaffen, lasse die Frage aufkommen, weshalb er nicht bereits im
ordentlichen Verfahren seiner Mitwirkungspflicht nachgekommen sei. Da-
her seien gewisse Zweifel an der Echtheit dieser Beweismittel und an der
geltend gemachten Vorverfolgung angebracht, da aufgrund der Aktenlage
nicht ersichtlich sei, weshalb es ihm nicht möglich oder zumutbar gewesen
wäre, die Belege betreffend die gegen ihn eingeleiteten Strafverfahren im
Heimatland bereits zu einem früheren Zeitpunkt einzureichen.
Die seit dem 23. August 2018 eingegangen Arztberichte sowie das Bekun-
dungs-Schreiben der Nachbarn der Beschwerdeführenden vom (...) Feb-
ruar 2020 würden keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel
betreffend die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs darstellen, welche
belegen würden, dass die Beschwerdeführenden in ihrem Heimatland in
eine existenzielle Notlage kommen würden und somit keine Änderung des
Standpunktes des SEM rechtfertigen.
5.11 In ihrer Stellungnahme vom 6. November 2020 bringen die Beschwer-
deführenden ergänzend vor, die Aussagen in der Urkunde würden durch
die notarielle Beglaubigung erhöhte Beweiskraft geniessen. Zudem dürfe
nicht verwundern, dass die eingereichten Zeitungsberichte nicht zu sehr
ins Detail gehen würden, da sich Zeitungen zurückhalten würden, wenn sie
über Ermittlungsverfahren und Anklageerhebungen berichteten. Sowohl
die Zeitungsartikel als auch die Parteibestätigungsschreiben würden bele-
gen, dass die geltend gemachte Verfolgung bestehe und das SEM sowie
das Bundesverwaltungsgericht die Lage im ursprünglichen Asylverfahren
falsch eingeschätzt hätten, weshalb sie im Rahmen des Wiedererwä-
gungsgesuchs zu würdigen seien. Das SEM verkenne, dass die Partei, die
solche Bestätigungsschreiben ausstelle, ein Risiko auf sich nehme, so
dass diese Beweismittel nicht als reine Gefälligkeitsschreiben abgetan
werden könnten.
E-5445/2018
Seite 18
Da sich das SEM weigere, die beantragte Botschaftsabklärung in Auftrag
zu geben, habe sich das Bundesverwaltungsgericht darum zu kümmern,
die gegen den Beschwerdeführer hängigen Strafverfahren zu lokalisieren.
6.
Vorab stellt sich, unabhängig von den Ausführungen in der Beschwerde,
die Frage, ob die Vorinstanz die Eingabe vom 5. Juni 2018 zu Recht nur
als Wiedererwägungsgesuch im Sinne von Art. 111b AsylG an die Hand
genommen hat.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat in BVGE 2014/39 E. 4.6 die bishe-
rige Rechtsprechung zur Einordnung eines Folgegesuchs als Wiedererwä-
gungsgesuch (vgl. Art. 111b AsylG) respektive als Mehrfachgesuch
(vgl. Art. 111c AsylG) bestätigt. Nach gefestigter Praxis beschlägt die klas-
sische Konstellation der Wiedererwägung die nachträgliche Anpassung ei-
ner ursprünglich fehlerfreien Asyl- und Wegweisungsverfügung an nach-
träglich eingetretene Wegweisungsvollzugshindernisse. Werden dagegen
nachträgliche erhebliche Gründe in Bezug auf die Feststellung der Flücht-
lingseigenschaft vorgetragen, stellt dies ein Mehrfachgesuch dar, wobei
nach altem Recht eine solche Wiedererwägung ihre spezielle gesetzliche
Grundlage in den Regeln betreffend Entgegennahme eines zweiten Asyl-
gesuches im Sinne von aArt. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG fand (a.a.O. E. 4.5).
Demnach liegt ein Wiedererwägungsgesuch vor, wenn ein Gesuch um
Neubeurteilung einer rechtskräftigen Asyl- und Wegweisungsverfügung
ausschliesslich mit neuen Wegweisungsvollzugshindernissen begründet
wird. Ein Mehrfachgesuch liegt hingegen dann vor, wenn die gesuchstel-
lende Person geltend macht, sie erfülle aufgrund neuer Vorbringen die
Flüchtlingseigenschaft.
6.2 Die Beschwerdeführenden beantragen in ihrem Gesuch vom 5. Juni
2018 eventualiter die wiedererwägungsweise Feststellung der Flüchtlings-
eigenschaft (implizit) und Gewährung von Asyl (Begehren Ziff. 4). Zur Be-
gründung führen sie aus, die neu eingereichte notarielle Urkunde vom
8. Mai 2018, welche eine Erklärung des Bruders des Beschwerdeführers
vom 7. Mai 2018 mit Verfahrensnummern von gegen den Beschwerdefüh-
rer eingeleiteten Strafverfahren – mit falschen Anschuldigungen – enthalte,
würde die Verfolgung des Beschwerdeführers aufzeigen.
6.3 Da die mit den notariell beurkundeten Aussagen des Bruders des Be-
schwerdeführers vom 7. Mai 2018 angeführten Verfahrensnummern aus
E-5445/2018
Seite 19
den Jahren 2014 datieren, ist nicht von neuen, nach dem Urteil des Bun-
desverwaltungsgerichts vom 23. März 2018 entstandenen Tatsachen, mit-
hin nicht von einem Mehrfachgesuch auszugehen, selbst wenn im Urteil
des Bundesverwaltungsgerichts die konkreten angeblichen falschen An-
schuldigungen nicht abgehandelt wurden. Diese wurden im ordentlichen
Verfahren auch nicht konkret vorgebracht. Damit hat das SEM das Gesuch
vom 5. Juni 2018 zurecht nicht als Mehrfachgesuch anhand genommen.
7.
7.1 Weiter ist vorab zu prüfen, ob das SEM auf das Eventualbegehren der
Beschwerdeführenden, ihnen sei in der Schweiz Asyl zu gewähren, zu
Recht nicht eingetreten ist.
7.1.1 Die Beschwerdeführenden führen in ihrem Wiedererwägungsgesuch
vom 5. Juni 2018 aus, der Beschwerdeführer sei hinsichtlich seiner Verfol-
gung zu neuen Beweismitteln gelangt. Bei diesen ergebe sich eine Über-
schneidung zu den Zeiten vor und nach dem Datum des Urteils des Bun-
desverwaltungsgerichts, weshalb auch Revisionsgründe vorliegen könn-
ten.
7.1.2 Das SEM ging in seiner Verfügung davon aus, die eingereichte
notarielle Urkunde datiere zwar vom 8. Mai 2018 und wäre damit nach
Erlass des BVGer-Urteils E-5393/2017 entstanden, beziehe sich indes auf
die vom Bundesverwaltungsgericht bereits materiell beurteilten Vorbringen
und auf Verfahren gegen den Beschwerdeführer, die in Bangladesch in den
Jahren 2014 und 2015 eingeleitet worden seien und somit vor Erlass des
BVGer-Urteils bestanden hätten, weshalb diese Vorbringen im Rahmen
eines Revisionsgesuchs beim Bundesverwaltungsgericht zu prüfen seien.
Mangels funktionaler Zuständigkeit trat es auf die vorgebrachten
Revisionsgründe nicht ein.
7.1.3 Auf Beschwerdeebene wird dargetan, es werde kein Revisionsver-
fahren vor dem Bundesverwaltungsgericht angestrebt. Die mit dem Wie-
dererwägungsgesuch eingereichte notarielle Urkunde vom 8. Mai 2018
und der eingereichte Zeitungsartikel vom (...) Februar 2018 würden nicht
als geeignet erscheinen, um eine Revision des Urteils vom 23. März 2018
zu bewirken, hätten indes im Rahmen des Wiedererwägungsverfahrens
vom SEM geprüft werden müssen. Diese Haltung wird auch hinsichtlich
eines "First Information Report" vom (...) Juni 2014 einen Vorfall vom sel-
ben Datum betreffend und eine (undatierte) diesbezügliche Anzeige, die
E-5445/2018
Seite 20
am 27. September 2018 eingereicht wurden, bestätigt (vgl. Repliken vom
5. November 2018, S. 1f. und vom 6. November 2020).
7.1.4 In ihrer Vernehmlassung vom 14. Oktober 2020 stellte das SEM auch
betreffend die zwei Parteibestätigungsschreiben vom 31. Januar und
1. Februar 2020 fest, diese seien zwar nach dem Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts eingereicht worden, würden inhaltlich aber die bereits im or-
dentlichen Verfahren geltend gemachte Verfolgung durch die Awami-Liga
und damit nicht neue Asylgründe betreffen.
7.1.5 Wie bereits unter Erwägung 4.2 dargelegt, ist das SEM für die wie-
dererwägungsweise Beurteilung von Beweismitteln zuständig, die nach ei-
nem rechtskräftigen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts entstanden
sind, aber vorbestandene Tatsachen belegen sollen. Ein solchermassen
als qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch zu bezeichnendes Rechtsmittel
ist grundsätzlich nach den Regeln des Revisionsverfahrens zu behandeln
(vgl. dazu BVGE 2013/22, E. 5.3, m.w.H.). Eine Wiedererwägung fällt hin-
gegen dann nicht in Betracht, wenn lediglich eine neue Würdigung der
beim früheren Entscheid bereits bekannten Tatsachen herbeigeführt wer-
den soll oder Gründe angeführt werden, die bereits in einem ordentlichen
Beschwerdeverfahren gegen die frühere Verfügung hätten geltend ge-
macht werden können (vgl. dazu sinngemäss Art. 66 Abs. 3 VwVG). Im
Wiedererwägungsgesuch berufen sich die Beschwerdeführenden implizit
auf die analoge Anwendung von Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG, mithin das
Vorliegen neuer Beweismittel und Tatsachen.
7.1.6 Zusammenfassend ist das SEM für die Prüfung der nach dem Urteil
des Bundesverwaltungsgerichts E-5393/2017 vom 23. März 2018 entstan-
denen Beweismittel, die einen vorbestandenen Sachverhalt betreffen (no-
tarielles Schreiben vom 8. Mai 2018, Zeitungsartikel, der am (...), (...) und
(...) Juli 2019 in drei verschiedenen Zeitungen publiziert wurde, zwei Par-
teibestätigungen vom 31. Januar 2020 und 1. Februar 2020) zuständig.
Insoweit ist es zu Unrecht auf die diesbezüglich vorgebrachten Revisions-
gründe nicht eingetreten.
7.1.7 Nachdem die Vorinstanz im Rahmen der dritten Vernehmlassung
vom 14. Oktober 2020 die obgenannten Beweismittel einer materiellen Prü-
fung unterzogen hat und die Beschwerdeführenden Gelegenheit erhielten,
dazu Stellung zu nehmen, ist ein diesbezüglicher Verfahrensmangel als
geheilt zu erachten, selbst wenn das SEM in seiner Stellungnahme vom
14. Oktober 2020 weiterhin fälschlicherweise daran festhält, der am
E-5445/2018
Seite 21
(...), (...) und (...) Juli 2019 in drei verschiedenen Zeitungen publizierte
Zeitungsartikel sowie die Parteibestätigungen vom 31. Januar 2020 und
1. Februar 2020 seien im Rahmen eines Revisionsverfahrens zu prüfen.
Dieser Heilung ist jedoch im Kostenpunkt Rechnung zu tragen.
7.2 Das Begehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die
Vorinstanz anzuweisen, auf das (qualifizierte) Wiedererwägungsgesuch
einzutreten, ist demnach abzuweisen.
7.3 Die Beschwerdeführenden bringen in ihrer Rechtsmitteleingabe vom
24. September 2018 (vgl. S. 2 – 4) vor, dass das SEM die beantragte Bot-
schaftsabklärung hinsichtlich zweier Strafverfahren nicht veranlasst habe.
Der Erklärung des Bruders des Beschwerdeführers vom 7. Mai 2018 (die
am 8. Mai 2018 notariell beurkundet wurde) sei eine Liste der gegen den
Beschwerdeführer eingeleiteten Verfahren mit Verfahrensnummern zu ent-
nehmen. Damit wird sinngemäss gerügt, das SEM habe den Sachverhalt
ungenügend abgeklärt. Diese Rüge ist vorweg zu prüfen, da ein allenfalls
ungenügend abgeklärter Sachverhalt eine materielle Behandlung verun-
möglichen würde.
7.3.1 Das SEM führte in seiner Stellungnahme vom 14. Oktober 2020 aus,
es erachte sich nicht als zuständig für die Überprüfung der im notariell be-
urkundeten Schreiben des Bruders des Beschwerdeführers aufgeführten
strafrechtlichen Verfahrensnummern. Aus diesem Grund sei es auch nicht
für eine diesbezügliche Botschaftsabklärung zuständig. Diese Verfahren
wie auch der "First Information Report" und die Anzeige (beide vom
[...] Juni 2014) seien bereits in den Jahren 2014 und 2015 eröffnet worden.
Das Bundesverwaltungsgericht habe sich in seinem Urteil materiell zur po-
litischen Vorverfolgung geäussert. Das SEM führte weiter aus, es sei auch
nicht ersichtlich, weshalb es dem Beschwerdeführer nicht möglich oder zu-
mutbar gewesen wäre, diese Belege bereits zu einem früheren Zeitpunkt
einzureichen. Damit hat es sich mit den nachträglich eingereichten Beweis-
mitteln auseinandergesetzt. Folglich kann offenbleiben, ob dies zurecht im
Rahmen des qualifizierten Wiedererwägungsgesuchs erfolgte oder in ei-
nem Revisionsverfahren hätte erfolgen müssen. Den Beschwerdeführen-
den erwächst daraus kein Nachteil.
7.3.2 Den Beschwerdeführenden ist es im Rahmen des vorangegangenen
Asyl- und Beschwerdeverfahrens nicht gelungen, eine flüchtlingsrechtlich
relevante Verfolgung wegen der Nachstellungen durch die BNP oder eine
E-5445/2018
Seite 22
Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG wegen des Bestehens eines Risi-
koprofils aus anderen Gründen nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu
machen.
Zudem haben die Beschwerdeführenden vorliegend nicht dargelegt, dass
sie bei Anwendung der zumutbaren Sorgfalt und in Beachtung der ihnen
obliegenden Mitwirkungspflicht nach Art. 8 AsylG den nun geltend gemach-
ten Sachverhalt betreffend die Strafverfahren, die dem Beschwerdeführer
bereits vor dem ergangenen Urteil bekannt gewesen sein dürften, sowie
die weiteren zur Frage stehenden Beweismittel nicht im vorangegangen
ordentlichen Beschwerdeverfahren hätten geltend machen können (vgl.
Art. 66 Abs. 3VwVG). Nachdem die Beschwerdeführenden auch nicht gel-
tend machten, dass es ihnen rechtlich oder tatsächlich unmöglich gewesen
sei, diese Beweismittel bereits früher zu erlangen, durfte das SEM die
Nachreichung zu Recht als verspätet erachten.
Aus diesem Grund gab es für das SEM keinen Anlass, in diesem Zusam-
menhang eine Botschaftsabklärung durchzuführen. Die sinngemässe
Rüge des ungenügend abgeklärten Sachverhalts ist somit unbegründet.
8.
Die Beschwerdeführenden beantragen eventualiter, es sei ihnen Asyl zu
gewähren.
8.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
8.2 In Bezug auf die nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
E-5393/2017 vom 23. März 2018 entstandenen Beweismittel ist die Vor-
instanz zur zutreffenden Einschätzung gelangt, diese würden nichts an ih-
rer früheren Einschätzung der Unglaubhaftigkeit der Verfolgungsvorbrin-
gen zu ändern vermögen. Der Beschwerdeführer vermag seine subjektiven
Befürchtungen, im Heimatstaat im Fall einer Rückkehr von den banglade-
schischen Behörden verfolgt zu werden, mithilfe der neuen Eingaben nicht
E-5445/2018
Seite 23
substanziell zu konkretisieren und seine Befürchtungen vor zukünftiger
asylrelevanter Verfolgung aus objektiver Sicht nicht zu begründen. Das no-
tariell beurkundete Schreiben vom 8. Mai 2018 enthält lediglich die Mittei-
lung von strafrechtlichen Verfahrensnummern und bestätigt ansonsten die
Vorbringen aufgrund von Aussagen des Bruders des Beschwerdeführers.
Diesbezüglich bleibt ferner unklar, warum dieses Schreiben – welches an-
gebliche Strafverfahren aus den Jahren 2014 und 2015 belegen soll – nicht
früher hätte eingereicht werden können. Die Beschwerdeführenden mach-
ten hierzu keinerlei Angaben. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die
Vorinstanz ihre Asylgesuche bereits mit Verfügung vom 23. August 2018
vollumfänglich ablehnte, ist nicht ersichtlich, weshalb es ihnen unter Be-
rücksichtigung der ihnen obliegenden Mitwirkungspflicht nach Art. 8 AsylG
und bei Anwendung der zumutbaren Sorgfalt nicht früher hätte möglich
sein sollen, die nunmehr vorgelegten Beweismittel zu beschaffen. Ebenso
wenig vermögen sowohl der Zeitungsartikel, der am (...), (...) und (...) Juli
2019 in drei verschiedenen Zeitungen publiziert wurde, als auch die zwei
Parteibestätigungsschreiben vom 31. Januar und 1. Februar 2020 die vor-
gebrachten Asylgründe zu untermauern, zumal diese nur unspezifische An-
gaben zur angeblichen Verfolgung des Beschwerdeführers enthalten. An
dieser Einschätzung ändert auch der Einwand der Beschwerdeführenden
nichts, wonach Zeitungsberichte in der Regel nicht ins Detail gehen wür-
den, wenn sie über Ermittlungsverfahren oder Anklageerhebungen berich-
ten würden. Es bestehen somit keinerlei Hinweise für die Annahme, dass
sich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit zum Zeitpunkt der Ausreise in ab-
sehbarer Zukunft eine Verfolgung des Beschwerdeführers verwirklicht
hätte oder zum heutigen Zeitpunkt verwirklichen würde.
8.3 Insgesamt ist folglich auch im Rahmen des vorliegenden Wiedererwä-
gungsgesuchs nicht anzunehmen, dass dem Beschwerdeführer und seiner
Familie im Falle einer Rückkehr nach Bangladesch ernsthafte Nachteile im
Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden.
Schliesslich besteht auch kein Anlass, auf Beschwerdeebene eine Bot-
schaftsabklärung vorzunehmen, weshalb das entsprechende Gesuch ab-
zuweisen ist (vgl. Stellungnahmen vom 5. November 2018 S. 2 und vom
6. November 2020 S. 3).
9.
Vorliegend bleibt zu prüfen, ob die Vorinstanz in der angefochtenen Verfü-
gung zu Recht ihre Verfügung vom 30. August 2017 als rechtskräftig und
E-5445/2018
Seite 24
vollstreckbar erachtet hat, mithin keine seit dem letzten Entscheid neuen
Wegweisungsvollzugshindernisse vorliegen.
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
10.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und
andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG).
10.2.1 Die Vorinstanz weist in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend
darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement
nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den
Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung darzulegen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung keine Anwendung finden. Eine Rückkehr in seinen
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
10.2.2 Wie bereits unter E. 8.2 dargelegt, ist – auch für das Gericht – das
notarielle Schreiben vom 8. Mai 2018 als verspätet eingereicht zu erachten.
Es bleibt indes zu prüfen, ob die erkannte Verspätung insoweit schadlos
bliebe, weil ein offensichtliches völkerrechtliches Wegweisungshindernis
besteht. Das hierfür massgebliche Grundsatzurteil BVGE 2013/22 (dort
insb. E. 9.3) stützt sich schwergewichtig auf die mit dem Grundsatzurteil
der vormaligen Schweizerischen Asylrekurskommission EMARK 1995/9
begründete Rechtsprechung ab. Danach führen Vorbringen, die im Sinne
von Artikel 66 Absatz 3 VwVG verspätet sind, dennoch zur Revision eines
rechtskräftigen Urteils, wenn aufgrund dieser Vorbringen offensichtlich
E-5445/2018
Seite 25
wird, dass dem Gesuchsteller Verfolgung oder menschenrechtswidrige Be-
handlung droht und damit ein völkerrechtliches Wegweisungshindernis be-
steht (vgl. dort E. 7, insb. 7g). Aus Gründen der Rechtssicherheit genügt
es praxisgemäss nicht, eine drohende Verletzung von Art. 3 der Konvention
vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei-
heiten (EMRK, SR 0.101) respektive Art. 33 des Abkommens vom 28. Juli
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) lediglich
zu behaupten. Der Gesuchsteller muss die beachtliche Wahrscheinlichkeit
einer aktuellen und ernsthaften Gefahr vielmehr schlüssig nachweisen. Da-
bei genügt der herabgesetzte Beweismassstab der Glaubhaftmachung.
Die vorliegende Beschwerde vermag nicht die geforderte Offensichtlichkeit
der Annahme einer aktuellen und ernsthaften Verfolgung oder einer men-
schenrechtswidrigen Behandlung zu begründen. Die Beschwerdeführen-
den vermochten somit das Vorliegen von völkerrechtswidrigen Wegwei-
sungsvollzugshindernissen nicht glaubhaft darzulegen. Auch die allge-
meine Menschenrechtssituation in Bangladesch lässt den Wegweisungs-
vollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen.
10.2.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
10.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug der Wegweisung für Aus-
länderinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder
Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemei-
ner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Diese Be-
stimmung findet insbesondere Anwendung auf Personen, die nach ihrer
Rückkehr einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie aus objektiver
Sicht wegen der vorherrschenden Verhältnisse mit grosser Wahrschein-
lichkeit in völlige und andauernde Armut gestossen würden, dem Hunger
und somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres Gesundheitszustan-
des, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wären (BVGE 2014/26
E. 7.5 m.w.H.).
Aus medizinischen Gründen kann nur dann auf Unzumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs geschlossen werden, wenn eine notwendige Behand-
lung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer
raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszu-
standes der betroffenen Person führt. Dabei wird diejenige allgemeine und
dringende medizinische Behandlung als relevant erachtet, die zur Gewähr-
leistung einer menschenwürdigen Existenz absolut notwendig ist. Unzu-
mutbarkeit liegt jedenfalls nicht bereits dann vor, wenn im Heimat- oder
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Herkunftsstaat nicht eine dem hohen schweizerischen Standard entspre-
chende medizinische Behandlung möglich ist (vgl. BVGE 2009/2 E. 9.3.2).
Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von
Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.
Dem Kindeswohl kommt im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung vorrangige
Bedeutung zu. Der Persönlichkeit des Kindes und seinen Lebensumstän-
den ist umfassend Rechnung zu tragen. Dabei können bei dieser gesamt-
heitlichen Beurteilung namentlich folgende Kriterien von Bedeutung sein:
Alter, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähigkeit) seiner Be-
ziehungen, Eigenschaften seiner Bezugspersonen (insbesondere Unter-
stützungsbereitschaft und -fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich Ent-
wicklung/Ausbildung, sowie Grad der erfolgten Integration bei einem län-
geren Aufenthalt in der Schweiz (vgl. Urteil des BVGer D-6674/2019 vom
2. März 2020 E. 8.3.4 sowie BVGE 2015/30 E. 7.2 m.w.H.).
10.3.1 Die Einschätzung der Vorinstanz erweist sich als zutreffend. Es sind
weder in der allgemeinen Lage noch in individueller Hinsicht neue Gründe
dafür ersichtlich, die Beschwerdeführenden würden bei einer Rückkehr
nach Bangladesch im Sinne der massgeblichen Bestimmung konkret ge-
fährdet sein, mithin ihre Verfügung vom 30. August 2017 sei in Wiederer-
wägung zu ziehen. Zunächst kann auf die Ausführungen der Vorinstanz
verwiesen werden, wonach davon auszugehen ist, dass die Beschwerde-
führenden weiterhin über familiäre Unterstützung im Heimatland verfügen.
Soweit der Beschwerdeführer auf seine gesundheitlichen Beeinträchtigun-
gen verweist, die für den Fall einer Rückkehr nach Bangladesch zu einer
existenzbedrohenden Situation führen würden, ist folgendes festzuhalten:
Im mit Wiedererwägungsgesuch eingereichten Arztbericht der behandeln-
den Ärztin vom 18. Mai 2018 wird ausgeführt, der Beschwerdeführer leide
an einer posttraumatischen Belastungsstörung, eventuell auch an einer
Depression mit einer ausgeprägten Schlafstörung, verbunden mit vegeta-
tiven Symptomen und chronischen Kopfschmerzen. Der negative Asylent-
scheid habe zu einer deutlichen Zunahme der Kopfschmerzen sowie neu
zu Angst- und Panikattacken, Nervosität, Konzentrationsstörungen und
ausgeprägten Schlafstörungen geführt. Diese Verschlechterung der Symp-
tomatik sei mit der drohenden Wegweisung zusammengefallen, welche in
ihm Todesängste auslöse. Behandelt werde er medikamentös und mit ei-
ner antidepressiven Therapie. Da der Auslöser der Angst die Rückkehr mit
Angst vor erneuter Inhaftierung, Folter oder Tod sei, spreche dies gegen
eine medizinische Behandlung im Herkunftsstaat.
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Wie bereits vom Rechtsvertreter in der Replik vom 5. November 2018 ein-
geräumt, hielt die Vorinstanz zutreffend fest, dass betreffend den Gesund-
heitszustand der Kinder – trotz allfällig weiterhin nötigen Vorsorgeuntersu-
chungen, Impfungen, adäquater Ernährung und Hautpflege beim Sohn auf-
grund seiner (...) und (...) – keine Hinweise vorliegen, die gegen eine
Rückkehr nach Bangladesch sprechen.
Weder aus diesem Bericht noch sonst aus den Akten ergibt sich eine
schwerwiegende Erkrankung des Beschwerdeführers oder seiner Kinder,
die zur Annahme führen würde, bei einer Rückkehr in sein Heimatland
käme es zu einer raschen und lebensgefährdenden Bedrohung ihrer Ge-
sundheit. Das SEM verweist zurecht auf die medizinischen Behandlungs-
möglichkeiten, die ihnen in Bangladesch, insbesondere in G._, zur
Verfügung stünden. Der Beschwerdeführer wird auch in gesundheitlicher
Hinsicht auf die Unterstützung aus seinem familiären Umfeld zählen kön-
nen. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer und
sein Sohn im Rahmen der medizinischen Rückkehrhilfe unterstützt werden
können.
Die mittlerweile (...)jährige Tochter lebt mit ihren Eltern seit fünf Jahren in
der Schweiz und wurde bereits eingeschult. Der (...)jährige Sohn ist in der
Schweiz zur Welt gekommen. Es sind – in Übereinstimmung mit dem Arzt-
bericht der Gruppenpraxis für Kinder und Jugendliche in E._ vom
14. Februar 2020 – bei einer Rückkehr nach Bangladesch allenfalls ge-
wisse Integrationsschwierigkeiten zu erwarten oder zumindest möglich.
Für die beiden sehr jungen und noch nicht massgeblich in der Schweiz
verwurzelten Kinder stellen ihre Eltern die wichtigsten Bezugspersonen
dar. Es ist davon auszugehen, dass die Kinder auch in Bangladesch ver-
sorgt sind. Das Wohl der Kinder steht einem Wegweisungsvollzug vorlie-
gend nicht entgegen (vgl. Art. 3 des Übereinkommens über die Rechte des
Kindes, SR 0.107, KRK).
Betreffend die Leistungspflicht der IV ist festzustellen, dass dieses Vorbrin-
gen ausländerrechtlich nicht relevant ist und damit nicht in die Zuständig-
keit des Bundesverwaltungsgerichts fällt.
Der Vollzug der Wegweisung erweist sich nach dem Gesagten weiterhin
als zumutbar.
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10.4 Schliesslich liegt es in der Verantwortung der Beschwerdeführenden
respektive ist Teil ihrer Mitwirkungspflicht, eine Ehebescheinigung zu be-
schaffen und eine Kindsanerkennung beispielsweise durch einen DNA-
Test zu erhalten, zumal es ihnen auch obliegt, sich bei der zuständigen
Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reise-
dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
10.5 Zusammenfassend kommt das Gericht zum Schluss, dass weder be-
treffend die gesundheitliche Verfassung der Beschwerdeführenden noch in
Bezug auf Kindsanerkennung eine wiedererwägungsrechtlich relevante
veränderte Sachlage gegeben ist, welche es rechtfertigen würde, die
rechtskräftige vorinstanzliche Verfügung vom 30. August 2017 in Wieder-
erwägung zu ziehen.
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzu-
weisen.
12.
Die Beschwerdeführenden sind mit ihrer Beschwerde grundsätzlich unter-
legen. Mit Blick auf den Anspruch auf rechtliches Gehör haben sie jedoch
zu Recht Beschwerde erhoben, selbst wenn die Gehörsverletzung im
Rechtsmittelverfahren geheilt werden konnte. Wie in E. 7.1.7 bereits er-
wähnt, ist diesem Umstand im Kostenpunkt Rechnung zu tragen. Die den
Beschwerdeführenden aufzuerlegenden Verfahrenskosten (Art. 63 Abs. 1
VwVG) wären demnach zu reduzieren. Indessen wurde mit Zwischenver-
fügung vom 1. Oktober 2018 das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG
gutgeheissen, und es ist den Akten nicht zu entnehmen, dass sich die fi-
nanziellen Verhältnisse der Beschwerdeführenden seither geändert hätten.
Demzufolge sind keine Verfahrenskosten zu erheben.
(Dispositiv nächste Seite)
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