Decision ID: 00f738be-bada-4744-a947-d7c0ddfe99d5
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Obergericht entnimmt den Akten:
1.
Die Staatsanwaltschaft Baden erhob am 7. Oktober 2021 Anklage gegen
den Beschuldigten wegen gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls,
mehrfachen Hausfriedensbruchs, mehrfacher Sachbeschädigung und
Fahrens ohne Haftpflichtversicherung.
2.
Das Bezirksgericht Baden erkannte mit Urteil vom 8. März 2022:
1. Der Beschuldigte B. wird freigesprochen von den Vorwürfen - des mehrfachen, teilweise versuchten Diebstahls gemäss Anklageziffern 1.1, 1.5 und
1.7, - des mehrfachen Hausfriedensbruchs gemäss Anklageziffern 2 i.V.m. Anklageziffern
1.1, 1.5 und 1.7; - der mehrfachen Sachbeschädigung gemäss Anklageziffer 3 i.V.m. Anklageziffern 1.1,
1.5 und 1.7.
2. Der Beschuldigte B. ist schuldig
- des banden- und gewerbsmässigen Diebstahls i.S.v. Art. 139 Ziff. 2 und Ziff. 3 Abs. 2
StGB (gemäss Anklageziffern 1.2, 1.3, 1.4, 1.6, 1.8 - 1.13),
- des mehrfachen Hausfriedensbruchs i.S.v. Art. 186 StGB (gemäss Anklageziffer 2
i.V.m. Anklageziffern 1.2, 1.3, 1.4, 1.6, 1.8 - 1.13),
- der mehrfachen Sachbeschädigung i.S.v. Art. 144 Abs. 1 (gemäss Anklageziffer 3
i.V.m. Anklageziffern 1.2, 1.3, 1.4, 1.6, 1.8 - 1.13);
- des Fahrens ohne Haftpflichtversicherung i.S.v. Art. 96 Abs. 2 SVG (gemäss
Anklageziffer 4).
3.
Der Beschuldigte wird hierfür in Anwendung der genannten Gesetzesbestimmungen sowie
Art. 40 StGB, Art. 41 Abs. 1 lit. b StGB, Art. 47 StGB und Art. 49 Abs. 1 StGB mit einer
Freiheitsstrafe von 4 Jahren bestraft.
4.
Die ausgestandene Untersuchungshaft von 401 Tagen (in Untersuchungshaft vom 1.
Februar 2021 bis 16 August 2021, im vorzeitigen Strafvollzug seit 17. August 2021) wird
dem Beschuldigten gemäss Art. 51 StGB auf die Freiheitsstrafe angerechnet.
5.
Der Beschuldigte wird gestützt auf Art. 66a StGB für 10 Jahre des Landes verwiesen. Diese
Landesverweisung gilt für den gesamten Schengenraum und ist entsprechend im SIS
einzutragen.
6.
Die folgenden beschlagnahmten Gegenstände werden der Oberstaatsanwaltschaft zur
Rückgabe an die berechtigten Dritten gemäss Art. 267 Abs. 6 StPO übergeben resp.
gestützt auf Art. 70 StGB eingezogen und verwertet, soweit die Berechtigten nicht ausfindig
- 3 -
gemacht werden können. Der Nettoerlös aus der Verwertung wird zur Deckung der
Verfahrenskosten verwendet.
- 1 Damenarmbanduhr «Omega» Constellation, silberfarben
- 1 Damenarmbanduhr «Rado» Dia Star, gold-/silberfarben
- 1 Kettenanhänger tropfenförmig, goldfarben mit Billanten besetzt
- 1 Ohrstecker, goldfarben mit rundem Brilliant
- 1 Paar Ohrringe mit Kugel, goldfarben
- 1 Ohrring, goldfarben
- 1 Ohrring aus Drähten, goldfarben
- 1 Ohrstecker, gold-/silberfarben
- 1 Halskette, goldfarben mit Kreuz goldfarben
- 1 Halskette, goldfarben mit Herzanhänger mit Billanten besetzt
- 1 Stück einer Kette, goldfarben
7.
7.1.
Die Zivilklagen der Zivil- und Strafkläger 1, 5 und 7 (C., D. und E.) werden abgewiesen.
7.2.
Die Zivilklagen der Zivil- und Strafkläger 2-4, 6 und 8-12 (F., G., H., I., J., K., L., M. und N.)
werden auf den Zivilweg verwiesen (Art. 126 Abs. 2 StPO).
7.3.
Von der Zusprechung einer Parteientschädigung an die Privatkläger wird abgesehen.
8.
8.1.
Die Verfahrenskosten bestehen aus:
a) der Gerichtsgebühr Fr. 2'000.00 b) der Anklagegebühr Fr. 2'150.00 c) den Kosten für die amtliche Verteidigung Fr. 22'431.95 d) den Kosten für die Übersetzung Fr. 449.30 e) den Kosten für die Mitwirkung anderer Behörden Fr. 7'205.00 f) den Spesen Fr. 322.70 g) den zusätzlichen Spesen für das begründete Urteil Fr. 210.00 Total Fr. 34'768.95
8.2. Dem Beschuldigten werden 5/6 der Gebühren gemäss lit. a) und b) sowie der Kosten gemäss lit. e) und f), d.h. ein Verfahrenskostenanteil von Fr. 9'906.40, auferlegt.
8.3. Die Kosten für die Übersetzung gemäss lit. d gehen zu Lasten des Staates (Art. 426 Abs. 3 lit. b StPO).
8.4. Im Übrigen gehen die Verfahrenskosten (der Kostenanteil des Beschuldigten für die amtliche Verteidigung einstweilen) zu Lasten des Staates.
9. 9.1.
- 4 -
Der ersten amtlichen Verteidigerin des Beschuldigten, MLaw Viktoria Huber, Rechtsanwältin, wird eine Entschädigung von Fr. 15'781.35 (MwSt. und Auslagen inkl.) zu Lasten der Staatskasse zugesprochen (Teilkosten gemäss Ziff. 8.1. lit. c). Es wird davon Vormerk genommen, dass der ersten amtlichen Verteidigerin diese Entschädigung bereits ausbezahlt worden ist.
Dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten, MLaw Nils Haldemann, Rechtsanwalt, wird eine Entschädigung von Fr. 6'650.60 (inkl. 7.7 % MwSt. von Fr. 421.70 und Auslagen) zu Lasten der Staatskasse zugesprochen (Teilkosten gemäss Ziff. 8.1 lit. c.) und die Gerichtskasse Baden wird angewiesen, die Auszahlung vorzunehmen.
9.2. Beide Entschädigungen werden einstweilen auf der Gerichtskasse Baden vorgemerkt. Ein Anteil von Fr. 16'456.45, entsprechend 5/6 des Gesamtbetrags exkl. Übersetzungsauslagen, wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse zulassen (Art. 135 Abs. 4 i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO).
3.
3.1.
Mit Berufungserklärung vom 21. Juni 2022 beantragte der Beschuldigte
zusätzliche Freisprüche von den Vorwürfen des gewerbs- und
bandenmässigen Diebstahls, des mehrfachen Hausfriedensbruchs und der
mehrfachen Sachbeschädigung bezüglich der Anklageziffern 1.2, 1.3, 1.4
und 1.6, jeweils in Verbindung mit Anklageziffer 2 resp. 3. Für die nicht
angefochtenen Delikte sei er zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24
Monaten, Probezeit 2 Jahre, zu verurteilen. Die Kosten seien ihm lediglich
zur Hälfte aufzuerlegen.
3.2.
Die Berufungsverhandlung fand am 31. Oktober 2022 statt.

Das Obergericht zieht in Erwägung:
1.
Der Beschuldigte wendet sich mit Berufung grundsätzlich nicht gegen die
Verurteilung wegen gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls,
mehrfacher Sachbeschädigung und mehrfachen Hausfriedensbruchs. Er
beantragt indessen einen Freispruch in Bezug auf einzelne ihm
vorgehaltene Einbrüche (Anklageziffern 1.2 - 1.4 und 1.6). Im Weiteren
angefochten sind das Strafmass, die Vollzugsart sowie die Kostenfolgen.
Im Übrigen blieb das erstinstanzliche Urteil unangefochten. Die
unangefochten gebliebenen Punkte sind nicht zu überprüfen (Art. 404
Abs. 1 StPO).
- 5 -
2.
2.1.
Die Vorinstanz sah es, mit Ausnahme der Anklageziffern 1.1, 1.5 und 1.7,
als erstellt an, dass der Beschuldigte die ihm in der Anklage unter
Anklageziffer 1 vorgeworfenen Einbruchdiebstähle begangen hat. Sie
erwog, dass nach Würdigung der gesamten Beweislage keine
überwiegenden Zweifel an der Täterschaft des Beschuldigten bestünden.
Sie stützte sich dabei auf mehrere Indizien, insbesondere auf das – in eine
mit DNA-Spuren des Beschuldigten versehene Socke eingewickelte –
Deliktsgut im Auto des Beschuldigten, das Beschaffen eines Fahrzeugs mit
französischem Kennzeichen, unwahre Angaben zu seinem Aufenthalt in
der Schweiz, Schuhspurenprofile an den Tatorten und Auswertungen der
Randdaten von Mobiltelefonen, der telefonischen Kontakte und Facebook,
WhatsApp sowie SMS Chat Protokollen (vorinstanzliches Urteil E. 3).
Der Beschuldigte anerkennt einen Teil der ihm zur Last gelegten
(grösstenteils versuchten) gewerbsmässig und als Bande begangenen
Einbruchdiebstähle und damit verbundenen Hausfriedensbrüche und
Sachbeschädigungen (Anklageziffern 1.8 - 1.13; GA act. 136; Plädoyer
Berufungsverhandlung S. 1). In Bezug auf die übrigen Vorwürfe
(Anklageziffern 1.2 - 1.4 und 1.6), bringt er vor, es lägen keine Beweise
oder Indizien für seine Beteiligung vor (GA act. 132 ff.; Plädoyer
Berufungsverhandlung S. 3 ff.).
2.2.
In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt und unbestritten geblieben, dass der
Beschuldigte Ende Dezember 2020 / Anfang Januar 2021 von Albanien
herkommend zusammen mit P. in die Schweiz eingereist ist und in der
Folge mehrere Einbruchdiebstähle bzw. Versuche dazu begangen hat.
Konkret anerkennt er, die gemäss Anklageziffern 1.8 bis 1.13 mit P. und
einer unbekannten dritten Person begangenen (grösstenteils versuchten)
Einbruchdiebstähle verübt zu haben. Er stellt ebenfalls nicht mehr in
Abrede, diese Taten gewerbs- und bandenmässig verübt zu haben
(Berufungserklärung S. 4; Plädoyer Berufungsverhandlung S. 1 f.; S. 6).
Der Beschuldigte wurde am 1. Februar 2021 in einem vorgängig in
Frankreich gekauften Fahrzeug von der Polizei angehalten und kontrolliert.
Zur Kontrolle und anschliessenden Verhaftung führten zwei
Verdachtsmeldungen, welche kurz zuvor bei der Polizei in Zusammenhang
mit dem versuchten Einbruchdiebstahl in Aarau (Anklageziffer 1.13)
eingegangen waren. Im Fahrzeug konnten insbesondere Schmuck in einer
zugeknöpften Herrensocke – mutmasslich Deliktsgut – mit der DNA des
Beschuldigten (UA act. 735 ff.; 739 f.; 742 ff.) sowie der Reisepass von P.
sichergestellt werden (UA act. 127 f.).
- 6 -
Umstritten ist, ob der Beschuldigte die (teilweise versuchten)
Einbruchdiebstähle gemäss Anklageziffern 1.2 - 1.4 und 1.6 je verbunden
mit Hausfriedensbrüchen und Sachbeschädigungen gemäss
Anklageziffern 2 und 3 begangen hat.
2.3.
Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten
Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen
unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Vorau-
ssetzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den
Beschuldigten günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO; «in dubio
pro reo»). Bloss abstrakte und theoretische Zweifel sind nicht massgebend,
weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt
werden kann. Der Grundsatz «in dubio pro reo» ist erst anwendbar,
nachdem alle aus Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen Beweise
erhoben und ausgewertet worden sind und nach erfolgter Beweis-
würdigung als Ganzem relevante Zweifel bestehen, wobei nur das
Übergehen offensichtlich erheblicher Zweifel eine Verletzung des
Grundsatzes «in dubio pro reo» zu begründen vermag (BGE 144 IV 345).
Liegen keine direkten Beweise vor, ist nach der Rechtsprechung auch ein
indirekter Beweis zulässig. Beim Indizienbeweis wird aus bestimmten
Tatsachen, die nicht unmittelbar rechtserheblich, aber bewiesen sind
(Indizien) auf die zu beweisende, unmittelbar rechtserhebliche Tatsache
geschlossen. Eine Mehrzahl von Indizien, welche für sich alleine betrachtet
nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache
oder Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offenlassen, können in
ihrer Gesamtheit ein Bild erzeugen, das den Schluss auf den vollen
rechtsgenüglichen Beweis von Tat und Täter erlaubt (statt vieler: Urteil des
Bundesgerichts 6B_1302/2020 vom 3. Februar 2021 E. 1.2.3 mit
Hinweisen).
2.4.
Es gibt keine direkten Beweise für eine Täterschaft des Beschuldigten in
Bezug auf die mit Anklageziffern 1.2 - 1.4 und 1.6 und je Ziff. 2 und 3
vorgeworfenen Delikte. Es liegen jedoch zahlreiche Indizien und Umstände
vor, die es erlauben, die Geschehnisse in dieser Zeit bzw. zu den
umstrittenen Tatzeitpunkten, die einen zuverlässigen Rückschluss auf die
Täterschaft des Beschuldigten ermöglichen, zu rekonstruieren:
2.4.1.
Der Beschuldigte war im betroffenen Zeitraum in regem telefonischem
Austausch zu mindestens zwei weiteren Personen insbesondere per SMS,
WhatsApp und Facebook. Zudem wurde er seit seiner Einreise in die
Schweiz von mindestens einer dieser Personen begleitet: Der Beschuldigte
aktivierte nach seiner Einreise in die Schweiz drei auf seinen Namen
- 7 -
registrierte Mobiltelefonnummern, wobei die Nummer aaa vom
Beschuldigten selbst genutzt wurde (vgl. UA act. 379). Es ist davon
auszugehen, dass die Nummer bbb vom – in Bezug auf die anerkannten
Delikte – vermeintlichen Mittäter und Bandenmitglied P. verwendet wurde,
zumal die seit deren Aktivierung (bis zur Festnahme des Beschuldigten)
registrierten Verbindungen beider Nummern zu Antennen einen hohen
Übereinstimmungsgrad zueinander aufweisen und folglich ein nahezu
identisches Bewegungsprofil ergeben (UA act. 450). Dies ist auch beim
Ausflug nach Genf am 21. Januar 2021 erkennbar (UA act. 456 ff.), wobei
der Beschuldigte seinen eigenen Aussagen nach durch P. begleitet wurde
(UA act. 827), was denn auch durch ein Radarfoto bestätigt wird, das den
Beschuldigten sowie den vermeintlichen P. auf dem Heimweg Richtung
Dietikon zeigt (Beilagen zur Eingabe der Staatsanwaltschaft vom 8. März
2021 [vorinstanzliche Hauptverhandlung, GA act. 96]; UA act. 718).
Aufgrund des dem Tatvorgehen der eingestandenen Einbruchdiebstähle
zugrundeliegenden Tatvorgehens im Sinne des Teilens von Standorten
möglicher Einbruchsziele oder Abholorte ist zudem davon auszugehen,
dass die dritte Telefonnummer ccc von einem weiteren Mittäter verwendet
wurde, der im Mobiltelefon des Beschuldigten als «A.» eingespeichert war
(vgl. UA act. 393 ff. und 408 ff.).
2.4.2.
Dem Beschuldigten wird in Anklageziffer 1.2 ein Einbruchdiebstahl in das
Einfamilienhaus von F. an der U-Strasse in Unterentfelden (AG)
vorgeworfen. Er soll sich am 13. Januar 2021, zwischen 15:00 Uhr und
23:05 Uhr zusammen mit P. und einer unbekannten weiteren Person zum
Einfamilienhaus begeben, dort ein Fenster eingeschlagen und sich so
Zutritt zur Liegenschaft verschafft und Schmuck im Wert von Fr. 22'620.00
entwendet sowie einen Sachschaden von Fr. 3'100.00 verursacht haben.
Mit der Vorinstanz bestehen auch für das Obergericht keine
rechtserheblichen Zweifel an der Täterschaft des Beschuldigten: Als erstes,
starkes Indiz sind die zwei Schuhspurenmuster zu werten, die am Tatort
gesichert werden konnten. Das eine Schuhspurenmuster wurde zudem
insbesondere beim Einbruchdiebstahl gemäss Anklageziffer 1.8 ermittelt
(UA act. 731) und das andere bei Einbruchdiebstählen gemäss
Anklageziffer 1.13 (UA act. 732) sowie Anklageziffer 1.10 (UA act. 733 f.
und 1020 ff.), wobei der Beschuldigte die Beteiligung an allen drei
Diebstählen anerkannt hat, weshalb ohne Weiteres ein Zusammenhang
zum vorliegenden Einbruchdiebstahl hergestellt werden kann.
Verbindungen zu Antennen liegen für die vom Beschuldigten benutzte
Nummer (aaa; vgl. oben) für den genannten Zeitraum keine vor (UA
act. 453). Erstellt ist jedoch, dass das von P. benutzte Mobiltelefon (bbb)
Verbindungen zu den Antennen in unmittelbarer Tatortnähe und zur
suspekten Zeit generierte (vgl. UA act. 453). Nachdem festgestellt wurde,
- 8 -
dass bezüglich der beiden Mobiltelefonnummern (des Beschuldigten sowie
P.s) seit deren Aktivierung ein nahezu identisches Bewegungsprofil besteht
(vgl. oben), liegt der Schluss nahe, dass sich auch der Beschuldigte zu
genannter Zeit in Unterentfelden aufgehalten hat. Dies wird durch den
einige Tage später und zwar am 22. Januar 2021 geführten Chat zwischen
dem Beschuldigten und P. – im Anschluss an den vom Beschuldigten
anerkannten Einbruchdiebstahl ebenfalls in Unterentfelden (Anklageziffer
1.8) – bestätigt, indem P. den Beschuldigten auffordert, ihn am gleichen Ort
abzuholen wie das letzte Mal (UA act. 406). Zumal zwischenzeitlich keine
weiteren Verbindungsranddaten durch die beiden Mobiltelefonnummern in
Unterentfelden generiert wurden (vgl. UA act. 450 ff.), kann nur der Schluss
daraus gezogen werden, dass das letzte Mal am 13. Januar 2021 war und
folglich zur Tatzeit.
Für das Obergericht bestehen damit keine unüberwindbaren Zweifel, dass
sich der Beschuldigte am Einbruchdiebstahl in Unterentfelden beteiligt hat.
2.4.3.
2.4.3.1.
Der Beschuldigte bestreitet im Weiteren, beim Einbruchdiebstahl in
Niederhasli (ZH) beteiligt gewesen zu sein (Anklageziffer 1.3). Ihm wird
vorgeworfen, zwischen dem 15. Januar 2021, ca. 17:00 Uhr, und dem
24. Januar 2021, ca. 16:34 Uhr, zusammen mit P. und einer unbekannten
weiteren Person in das Einfamilienhaus von G., V-Strasse in Niederhasli
eingebrochen zu sein – wobei sich mindestens eine Person Zutritt zum
Wohnhaus verschafft habe – und Schmuck, Bargeld sowie weitere
Wertgegenstände im Gesamtbetrag von Fr. 2'552.00 entwendet und einen
Sachschaden von Fr. 1'700.00 verursacht zu haben.
2.4.3.2.
Ein erstes, starkes Indiz bildet der Umstand, dass sich der Beschuldigte
und P. im angegebenen Deliktszeitraum in unmittelbarer Tatortnähe
aufgehalten haben: Anhand der Auswertung der Verbindungsranddaten
der Mobiltelefone ist zweifelsfrei erstellt, dass das Mobiltelefon des
Beschuldigten am 23. Januar 2021 um 20:07 Uhr und das von P. benutzte
Mobiltelefon gleichentags von 18:12 Uhr bis 20:16 Uhr je in unmittelbarer
Umgebung zum Tatort registriert wurden (UA act. 450, 455). Als weiterer
Hinweis, welcher für eine Täterschaft des Beschuldigten spricht, sind die
Facebook-Chats zwischen dem Beschuldigten und P. zu werten. Ersichtlich
ist aus diesen Unterhaltungen, dass P. dem Beschuldigten am 22. und 23.
Januar 2021 Standorte aus dem Quartier teilte, in dem sich auch der Tatort
befand (UA act. 395, 405: W-Strasse 2-14 und X-Strasse 14 in Niederhasli).
Der Standort an der X-Strasse 14 in Niederhasli wurde zudem im Rahmen
einer auffälligen Chatunterhaltung am 23. Januar 2021 um 20:02 Uhr auf
die Frage des Beschuldigten «Wo bist du» hin geteilt, woraufhin der
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Beschuldigte ankündigte, in zehn Minuten dort zu sein und ca. acht Minuten
später «raus» schrieb (UA act. 404).
Insgesamt bestehen für das Obergericht keine unüberwindbaren Zweifel an
der Täterschaft des Beschuldigten.
2.4.3.3.
Insoweit der Beschuldigte eine Verletzung des Anklagegrundsatzes
geltend macht, indem die Anklage den Tattag offengelassen habe
(Plädoyer Berufungsverhandlung S. 4), sind seine Ausführungen nicht
stichhaltig. Dem Beschuldigten wird in der Anklage ein Einbruchdiebstahl
in ein bestimmtes Einfamilienhaus (V-Strasse, Niederhasli) vorgeworfen
(siehe E. 2.4.3.1). Dadurch war für den Beschuldigten auch unter Angabe
eines als Tatzeit in Frage kommenden Zeitraums von 10 Tagen (15. Januar
2021 bis 24. Januar 2021) ersichtlich, welcher konkreten Handlung er
beschuldigt wird, zumal es um eine Liegenschaft geht, in und um welche
sich der Beschuldigte ansonsten nicht mit legalem Zweck aufgehalten hat.
2.4.4.
2.4.4.1.
In den Anklageziffern 1.4 und 1.6 werden dem Beschuldigten zwei
Einbruchdiebstähle zusammen mit P. und einer unbekannten weiteren
Person vorgeworfen:
Sie sollen zwischen dem 21. Januar 2021, ca. 18:00 Uhr und dem 22.
Januar 2021, ca. 09:00 Uhr in das Einfamilienhaus von H. am Y-Weg in
Commugny eingebrochen sein und Deliktsgut in unbekannter Höhe
mitgenommen sowie Sachschaden in unbekannter Höhe verursacht haben
(Anklageziffer 1.4). Am 21. Januar 2021 zwischen 08:00 Uhr und 19:00 Uhr
sollen sie versucht haben, in das Einfamilienhaus von I. am Z-Weg in
Commugny einzubrechen, wobei kein Deliktsgut mitgenommen worden sei
und Sachschaden in unbekannter Höhe entstanden sei (Anklageziffer 1.6).
Die beiden Tatorte liegen bloss wenige hundert Meter Luftlinie voneinander
entfernt.
2.4.4.2.
Der Beschuldigte bestreitet nicht, zusammen mit P. am 21. Januar 2021
nach Genf gefahren zu sein (vgl. UA act. 800; UA act. 826 f.). Dass er sich
dabei nur im Zentrum von Genf aufgehalten haben will, um einen Kaffee zu
trinken, ist nachweislich falsch. Anhand der Verbindungsranddaten seines
Mobiltelefons konnte zweifelsfrei erstellt werden, dass er sich lediglich eine
halbe Stunde in der Genfer Innenstadt aufgehalten hat, um danach in
Ortschaften ausserhalb des Zentrums zu fahren (UA act. 450). Dabei
verband sich vor allem das Mobiltelefon von P., mit dem der Beschuldigte
die ganze Zeit zusammen gewesen sein will (UA act. 827), zwischen 16:30
Uhr und 19:30 Uhr etliche Male mit Antennen rund um das Dorf Commugny
- 10 -
und somit in unmittelbarer Nähe zu den beiden knapp 300 Meter
voneinander entfernt liegenden Tatorten (UA act. 450, 456 und 458). Somit
ist erwiesen, dass sich mehrere Mitglieder der Bande (vgl. unten) zu den
Tatzeitpunkten in unmittelbarer Tatortnähe der beiden Einbruchsobjekte
aufgehalten haben. Dass eine andere Täterschaft als die Bande des
Beschuldigten die beiden Einbruchdiebstähle begangen hat, erscheint
wenig wahrscheinlich, zumal keinerlei Spuren oder Hinweise auf eine
andere Täterschaft vorliegen. In einer Gesamtbetrachtung hat das
Obergericht keine ernstzunehmenden Zweifel daran, dass der
Beschuldigte auch an diesen beiden Taten als Mitglied einer Bande bzw.
als Mittäter beteiligt gewesen ist.
2.5.
Zusammenfassend bestehen keine ernstzunehmenden Zweifel daran,
dass der Beschuldigte an den Einbruchdiebstählen gemäss Anklageziffer
1.2 - 1.4 und 1.6 beteiligt war.
3.
3.1.
Des Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 1 StGB macht sich schuldig, wer
jemandem eine fremde bewegliche Sache zur Aneignung wegnimmt, um
sich oder einen anderen damit unrechtmässig zu bereichern. Handelt der
Täter gewerbsmässig, wird er mit Freiheitsstrafe bis zu 10 Jahren oder
Geldstrafe nicht unter 90 Tagessätzen bestraft (Art. 139 Ziff. 3 StGB).
Bandenmässiger Diebstahl ist gemäss Art. 139 Ziff. 3 Abs. 2 StGB mit
Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu 10 Jahren bedroht.
Der Täter handelt gewerbsmässig, wenn sich aus der Zeit und den Mitteln,
die er für die deliktische Tätigkeit aufwendet, aus der Häufigkeit der
Einzelakte innerhalb eines bestimmten Zeitraums sowie aus den
angestrebten und erzielten Einkünften ergibt, dass er die deliktische
Tätigkeit nach Art eines Berufes ausübt. Diese abstrakte Umschreibung hat
Richtlinienfunktion. Die Einnahmequelle braucht nicht den hauptsächlichen
oder regelmässigen Erwerb zu bilden. Eine nebenberufliche deliktische
Tätigkeit kann als Voraussetzung für Gewerbsmässigkeit genügen, weil
auch in diesem Fall die erforderliche soziale Gefährlichkeit gegeben sein
kann. Wesentlich ist ausserdem, dass der Täter sich darauf einrichtet,
durch sein deliktisches Handeln relativ regelmässige Einnahmen zu
erzielen, die einen namhaften Beitrag an die Kosten seiner Lebens-
gestaltung darstellen. Zudem muss er die Tat bereits mehrfach begangen
haben und es muss aus den gesamten Umständen geschlossen werden,
er sei zu einer Vielzahl unter den entsprechenden Tatbestand fallender
Handlungen bereit gewesen (BGE 147 IV 176 E. 2.2.1 mit Hinweisen).
- 11 -
Auf Bandenmässigkeit ist zu erkennen, wenn zwei oder mehrere Täter sich
mit dem ausdrücklichen oder konkludent geäusserten Willen zusammen-
finden, inskünftig zur Verübung mehrerer selbständiger im Einzelnen noch
unbestimmter Straftaten zusammenzuwirken. Das Qualifikationsmerkmal
der Bande setzt gewisse Mindestansätze einer Organisation, etwa Rollen-
oder Arbeitsteilung, und eine Intensität des Zusammenwirkens voraus,
dass von einem stabilen Team gesprochen werden kann, auch wenn
dieses nur kurzlebig ist. In subjektiver Hinsicht muss sich der Täter des
Zusammenschlusses und der Zielrichtung der Bande bewusst sein. Sein
Vorsatz muss die, die Bandenmässigkeit begründenden Tatumstände
umfassen. Bandenmässige Tatbegehung ist nur anzunehmen, wenn der
Wille der Täter auf die gemeinsame Verübung einer Mehrzahl von Delikten
gerichtet ist (BGE 147 IV 176 E. 2.4.2 mit Hinweisen). Es ist nicht
erforderlich, dass sich jeder Einzelne an den Straftaten der Bande beteiligt.
Selbst derjenige Täter handelt bandenmässig, der einen Diebstahl allein
ausführt, sofern er dies in der Erfüllung der ihm in der Bande zustehenden
Aufgabe begangen hat (Urteil des Bundesgerichts 6B_980/2014 vom 2.
April 2015 E. 1.3).
3.2.
Der Beschuldigte hat unbestrittenermassen mehrere Diebstähle begangen.
Dabei hat er unzweifelhaft gewerbsmässig und als Mitglied einer Bande
gehandelt, was vom Beschuldigten zu Recht auch nicht in Abrede gestellt
wird (Plädoyer Berufungsverhandlung S. 6).
Der Beschuldigte hat zusammen mit mindestens einem weiteren Täter eine
Vielzahl von Einbruchsdiebstählen begangen. Während einer Delikts-
periode von knapp drei Wochen, die nur aufgrund der Festnahme des
Beschuldigten ihr Ende fand, belief sich die Deliktsbeute auf über
Fr. 26'000.00. In sechs Fällen ist es bei einem blossen Versuch geblieben.
Insoweit der Beschuldigte jedoch vollendete und versuchte gleichartige
Delikte begangen und dabei gewerbs- oder bandenmässig gehandelt hat,
liegt ein Kollektivverbrechen vor, das die vollendeten wie auch die
versuchten Taten umfasst (vgl. BGE 123 IV 113 E. 2d).
Selbst wenn der Beschuldigte die Deliktssumme (mutmasslich) mit einem
oder mehreren anderen Bandenmitgliedern teilen musste, verbleibt daraus
ein namhafter Beitrag, den er – insbesondere vor dem Hintergrund, dass
er ausser einer finanziellen Unterstützung durch seinen Vater von ca.
EUR 300.00 bis 400.00 monatlich kein legales Einkommen hatte (UA
act. 15 f.) – zur Deckung seiner Lebenshaltungskosten verwenden konnte.
Ein anderer Zweck seines Aufenthalts in der Schweiz als zur Bestreitung
seines Lebensunterhalts durch Diebstähle ist nicht ersichtlich. Der
Beschuldigte handelte nach der Art eines Berufs und damit
gewerbsmässig.
- 12 -
Der Beschuldigte bestreitet nicht, in den von ihm anerkannten
(grösstenteils versuchten) Einbruchsdiebstählen zusammen mit minde-
stens einem weiteren Täter gehandelt zu haben. Mit der Vorinstanz (E. 4.4.)
ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte sämtliche Einbruch-
diebstähle und versuchten Einbruchdiebstähle als Mitglied einer Bande
begangen hat. Erstellt ist, dass der Beschuldigte zusammen mit P. in die
Schweiz einreiste und während seines gesamten Aufenthalts, d.h. bis zu
seiner Festnahme, mit ihm zusammen unterwegs war. Dass der
Beschuldigte nicht alleine handelte, liess sich auch nicht zuletzt anhand der
aufgefundenen Schuhspuren und der telefonischen Kontakte belegen. Er
handelte bandenmässig.
3.3.
3.3.1.
Wer vorsätzlich (Art. 12 Abs. 1 StGB) eine Sache, an der ein fremdes
Eigentums-, Gebrauchs- oder Nutzniessungsrecht besteht, beschädigt,
zerstört oder unbrauchbar macht, macht sich der Sachbeschädigung i.S.v.
Art. 144 Abs. 1 StGB schuldig, sofern Strafantrag gestellt wird.
Wer gegen den Willen des Berechtigten in ein Haus, eine Wohnung, einen
abgeschlossenen Raum eines Hauses oder in einen unmittelbar zu einem
Haus gehörenden umfriedeten Platz, Hof oder Garten oder einen Werkplatz
unrechtmässig eindringt, oder trotz Aufforderung eines Berechtigten darin
verweilt, macht sich des Hausfriedensbruchs i.S.v. Art. 186 StGB schuldig.
Erforderlich ist das Vorliegen eines Strafantrags.
3.3.2.
Im Rahmen der Einbruchsserie sind jeweils der Beschuldigte und/oder
andere Mitglieder der Bande gegen den Willen des entsprechenden
Hausrechtsinhabers und somit unrechtmässig in die jeweiligen Tatobjekte
eingedrungen und haben diverse Sachbeschädigungen verursacht, indem
sie Türen, Fenster und Behältnisse gewaltsam geöffnet haben. Dadurch
wurde der Tatbestand der Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1
StGB und des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB mehrfach erfüllt.
Die Tatbestände der Sachbeschädigung und des Hausfriedensbruchs
können zwar weder gewerbsmässig noch bandenmässig begangen
werden. Möglich ist die Tatbegehung jedoch in Mittäterschaft. Es ist
deshalb nicht entscheidend, ob der Beschuldigte die Sachbeschädigungen
und die Hausfriedensbrüche eigenhändig begangen hat, denn als Mitglied
der Bande muss er sich die im Rahmen der Einbruchdiebstähle
begangenen Sachbeschädigungen und Hausfriedensbrüche als in
Mittäterschaft begangene Tatbeiträge anrechnen lassen (vgl. BGE 143 IV
361 E. 4.10; Urteile des Bundesgerichts 6B_1437/2020 vom 22. September
2021 E. 1.2.2 und 6B_338/2020 vom 3. Februar 2021 E. 3.2.4, je mit
Hinweisen). Der Beschuldigte hat bei der Entschliessung, Planung und
Ausführung der Einbruchdiebstähle vorsätzlich und in massgebender
- 13 -
Weise mit den anderen Mitgliedern der Bande zusammenwirkt, so dass er
als Hauptbeteiligter und nicht bloss als Gehilfe dasteht. Zweifellos hat sich
der Tatentschluss des Beschuldigten und der Wille, als Teil einer Bande zu
handeln, nicht bloss auf die Diebstähle bezogen, sondern ebenfalls auf die
Sachbeschädigungen und Hausfriedensbrüche, zumal diese Delikte
notwendige Voraussetzungen für den jeweiligen Diebstahl bildeten. Er hat
sich damit auch sämtliche allenfalls durch andere Bandenmitglieder
begangenen Tatbeiträge anrechnen zu lassen und ist folglich der
mehrfachen Sachbeschädigung und des mehrfachen Hausfriedensbruchs
schuldig zu sprechen.
4.
Zusammenfassend erweist sich die Berufung des Beschuldigten im
Schuldpunkt als unbegründet und ist abzuweisen. Er ist somit des gewerbs-
und bandenmässigen Diebstahls gemäss Anklageziffern 1.2 - 1.4, 1.6 und
1.8 - 1.13 sowie jeweils wegen mehrfacher Sachbeschädigung
(Anklageziffer 3 i.V.m. 1.2 - 1.4, 1.6 und 1.8 - 1.13), mehrfachen
Hausfriedensbruchs (Anklageziffer 2 i.V.m. 1.2 - 1.4, 1.6 und 1.8 - 1.13)
und Fahrens ohne Haftpflichtversicherung (Anklageziffer 4) schuldig zu
sprechen, wofür er angemessen zu bestrafen ist.
5.
5.1.
Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff.
StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV
217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit Hinweisen).
Darauf kann verwiesen werden.
5.2.
Die Einsatzstrafe ist für die qua Strafrahmen schwerste Straftat und somit
den gewerbs- und bandenmässigen Diebstahl gemäss Art. 139 Ziff. 2 und
3 StGB festzusetzen.
Der Täter, der sich des gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls schuldig
macht, wird gemäss Art. 139 Ziff. 2 und 3 StGB mit Freiheitsstrafe von
sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft. Ausgangspunkt für die
Bestimmung des Verschuldens ist die Schwere der Verletzung oder
Gefährdung des betroffenen Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB). Art. 139
Ziff. 2 und 3 StGB schützen das Vermögen (Urteil des Bundesgerichts
6B_786/2014 vom 10. April 2015 E. 1.5.3).
Der Beschuldigte hat während eines Zeitraums von knapp drei Wochen
(13. Januar bis 1. Februar 2021) zusammen mit mindestens einem
weiteren Mitglied der Bande eine Serie von zehn (teilweise versuchten)
Einbruchdiebstählen begangen und dabei eine Deliktssumme von über
Fr. 26'000.00 erbeutet. Als Einbruchsobjekte wählte die Bande gezielt
- 14 -
Einfamilienhäuser in eher gehobenen Quartieren und konzentrierte sich
darauf, Schmuck, Uhren und Bargeld zu stehlen. Bereits mit ihrem ersten
Einbruchdiebstahl (Anklageziffer 1.2) gelang es ihnen, Schmuck im Wert
von Fr. 22'620.00 zu entwenden. Sechs Einbruchdiebstähle blieben im
Versuchsstadium stecken, sodass dabei kein Deliktsgut erbeutet werden
konnte (vgl. Anklageziffern 1.6, 1.9 - 1.13), jedoch war das Handeln der
Bande darauf gerichtet, in den gezielt ausgewählten Einbruchsobjekten
möglichst viel zu erbeuten. Unter diesen Umständen ist darauf zu
schliessen, dass die Einbruchdiebstähle auf eine Deliktssumme von
insgesamt mehr als Fr. 100'000.00 gerichtet waren. Die versuchten
Diebstähle scheiterten meist einzig daran, dass die Bewohner der Liegen-
schaften auf die Einbrecher aufmerksam wurden oder ein akustischer
Alarm ausgelöst wurde (Anklageziffern 1.11, 1.12 und 1.13). Beim
gewerbsmässigen Diebstahl ist der massgebliche Deliktsbetrag der
vollendeten Diebstähle verschuldensmässig denn auch nicht wesentlich
relevanter als der Deliktsbetrag, der sich aus den versuchten Delikten
ergibt (Urteil des Bundesgerichts 6B_1223/2013 vom 4. Dezember 2014 E.
5.2). Bei einem massgeblichen Deliktsbetrag von mehr als Fr. 100'000.00
während eines Zeitraums von knapp drei Wochen ist von einer hohen
Intensität der deliktischen Tätigkeit auszugehen. Die deliktische Tätigkeit
des Beschuldigten wurde denn auch erst durch seine Verhaftung am 1.
Februar 2021 gestoppt. Die Intensität der deliktischen Tätigkeit
unterscheidet sich nicht nur im Hinblick auf den Zeitraum der deliktischen
Tätigkeit und die Zahl der Delikte, sondern insbesondere im Hinblick auf
die beabsichtigte Höhe der Beute wesentlich von jener im vom Verteidiger
des Beschuldigten erwähnten Urteil des Obergerichts SST.2021.209 vom
20. Juni 2022, bei dem die Bande grösstenteils in Schulhäuser
eingebrochen ist. Im Vergleich zu den vorliegend gezielt ausgewählten
Einfamilienhäusern war bei Schulhäusern nicht mit derart wertvollen
Gegenständen als Diebesgut zu rechnen, weshalb der Beschuldigte
daraus nichts zu seinen Gunsten ableiten kann.
Weiter ist angesichts der Grössenordnung der innert knapp drei Wochen
als Bandenmitglied erzielten Beute, der verwendeten Ausrüstung (Mobil-
telefone, Werkzeug, Beschaffung eines Fahrzeugs und Anmietung einer
Wohnung) sowie der intensiven Auskundschaftung potentieller Ziele
(insbesondere hin- und herschicken von Standortinformationen unter den
Bandenmitgliedern) auf einen erheblichen Planungs- und Organisations-
grad und damit eine relativ hohe Intensität des persönlichen und
tatrelevanten Zusammenwirkens innerhalb der Bande zu schliessen. Es ist
damit von einer mittleren Gefährlichkeit derselben auszugehen. Mithin geht
das Ausmass des gewerbs- und bandenmässigen Handelns deutlich über
die blosse Erfüllung des qualifizierten Tatbestandes hinaus. Ob der
Beschuldigte innerhalb der Bande eine führende Rolle innehatte, ist nicht
erstellt. Dass er keine treibende Kraft für die Einbruchsdiebstähle war, wäre
entgegen seiner Ansicht (Plädoyer Berufungsbegründung S. 7) jedoch
- 15 -
nicht zu seinen Gunsten, sondern neutral zu berücksichtigen. Denn das
Fehlen eines verschuldenserhöhenden Umstands ist nicht verschuldens-
mindernd, sondern neutral zu berücksichtigen.
Die psychischen Folgen der Einbrüche für die Betroffenen und die schwere
Verletzung der Privatsphäre der Geschädigten ist Einbruchdiebstählen
immanent, jedoch primär eine Folge des Hausfriedensbruchs und damit
nicht bei der Beurteilung des Diebstahls zu berücksichtigen (Urteil des
Bundesgerichts 6B_510/2015 vom 25. August 2015 E. 1.3). Dasselbe gilt
auch für die begangenen Sachbeschädigungen, welche durch die in
diesem Zusammenhang auszusprechenden Strafen abgegolten werden.
Beim Diebstahl dürfen sie nicht nochmals berücksichtigt werden.
Dass der Beschuldigte aus rein monetären Beweggründen gehandelt hat,
ist jedem Vermögensdelikt immanent und vorliegend durch das
Tatbestandsmerkmal der unrechtmässigen Bereicherung sowie der
Gewerbsmässigkeit erfasst. Dieses Motiv darf deshalb nicht nochmals
verschuldenserhöhend berücksichtigt werden (Urteil des Bundesgerichts
6B_1327/2015 vom 16. März 2016 E. 4.2).
Das sehr hohe Mass an Entscheidungsfreiheit wirkt sich leicht
verschuldenserhöhend aus. Gemäss eigenen Aussagen verfügt der
Beschuldigte über eine gute Schulbildung (UA act. 15: 12 Jahre
Schulbildung inkl. Gymnasium sowie zwei Jahre Studium). Er hätte sich
bemühen können und müssen, sein Erwerbseinkommen legal zu erzielen.
Stattdessen wählte er mit den Einbruchdiebstählen den vermeintlich
leichtesten Weg, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Es wäre somit
für ihn ein Leichtes gewesen, sowohl fremdes Eigentum als auch
Vermögen zu respektieren; umso schwerer ist seine Entscheidung
dagegen zu gewichten (BGE 117 IV 112 E. 1; BGE 127 IV 101 E. 2a).
Verschuldenserhöhend ist schliesslich der Umstand zu berücksichtigen,
dass der Beschuldigte ausschliesslich zur Deliktsbegehung in die Schweiz
eingereist ist (BGE 143 IV 145 E. 8.3.2).
Insgesamt ist in Bezug auf den gewerbs- und bandenmässigen Diebstahl
– unter Berücksichtigung, dass beide Qualifikationsgründe erfüllt worden
sind – von einem mittelschweren Verschulden und in Relation zum Straf-
rahmen von bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe einer dafür angemessenen
Einsatzstrafe von 4 Jahren Freiheitsstrafe auszugehen.
5.3.
Diese Strafe wäre für die mehrfache Sachbeschädigung, den mehrfachen
Hausfriedensbruch sowie das Fahren ohne Haftpflichtversicherung
angemessen zu erhöhen oder es wäre zusätzlich eine Geldstrafe für diese
Delikte auszufällen.
- 16 -
Aufgrund der Täterkomponente würde sich sodann keine Anpassung des
Strafmasses ergeben, da sich diese vorliegend neutral auswirkt: Der
aktuelle Strafregisterauszug des Beschuldigten weist keine Vorstrafen auf.
Die Vorstrafenlosigkeit hat allerdings als Normalfall zu gelten und ist neutral
zu werten (BGE 136 IV 1). Der Beschuldigte hat im Gegensatz zum
vorinstanzlichen Verfahren zwar nicht mehr sämtliche ihm vorgeworfene
Delikte bestritten, ein Geständnis im Berufungsverfahren ist jedoch
grundsätzlich zu spät und muss sich nicht in einer Strafminderung
niederschlagen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1388/2021 vom 3. März
2022 E. 1.3.2), zumal der Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhand-
lung im Wesentlichen keine Aussagen zur Sache gemacht hat (Protokoll
der Berufungsverhandlung S. 5 ff.) und daraus nicht auf eine nachhaltige
Einsicht und Reue, die über eine blosse Tatfolgenreue hinausgeht,
geschlossen werden kann. Eine Strafminderung, wie sie bei einem von
Anfang an vollständig geständigen, einsichtigen und reuigen Täter möglich
ist, ist unter diesen Umständen ausgeschlossen. Die übrigen persönlichen
Verhältnisse bieten zu keinen Bemerkungen Anlass. Die Strafempfindlich-
keit des ledigen, arbeits- und kinderlosen Beschuldigten erscheint als
maximal durchschnittlich. Aussergewöhnliche Umstände, welche eine
erhöhte Strafempfindlichkeit zu begründen vermögen (vgl. statt vieler: Urteil
des Bundesgerichts 6B_301/2019 vom 17. September 2019 E. 1.4.1), sind
weder ersichtlich noch werden solche behauptet.
Nachdem nur der Beschuldigte ein Rechtsmittel ergriffen hat, bleibt es
aufgrund des Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO) bei der von
der Vorinstanz ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 4 Jahren. Eine
Reduktion der Freiheitsstrafe kommt damit unter keinem Titel in Frage. Die
Berufung des Beschuldigten erweist sich in diesem Punkt als unbegründet
und ist abzuweisen.
5.4.
Bei einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren fallen sowohl der bedingte als auch
der teilbedingte Vollzug ausser Betracht (Art. 42 Abs. 1 bzw. Art. 43 Abs. 1
StGB).
5.5.
Die bisher ausgestandene Untersuchungshaft (1. Februar bis 16. August
2021) sowie der vorzeitige Strafvollzug (seit 17. August 2021) von
insgesamt 638 Tagen sind auf die Freiheitsstrafe anzurechnen (Art. 51
StGB i.V.m. Art. 110 Abs. 7 StGB; Art. 236 Abs. 4 StPO).
6.
Die Vorinstanz hat den Beschuldigten gestützt auf Art. 66a StGB für die
Dauer von 10 Jahren des Landes verwiesen und eine Eintragung im
Schengener Informationssystem (SIS) angeordnet. Der Beschuldigte hat
sowohl die Anordnung der Landesverweisung, die Dauer als auch die
- 17 -
Ausschreibung im SIS akzeptiert, womit es im Berufungsverfahren sein
Bewenden hat.
7.
7.1.
Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei
im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon
ab, in welchem Ausmass ihre vor dem Obergericht gestellten Anträge
gutgeheissen wurden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_330/2016 vom
10. November 2017 E. 4.3).
Die Berufung des Beschuldigten erweist sich als unbegründet und ist
vollumfänglich abzuweisen, weshalb es sich ausgangsgemäss rechtfertigt,
ihm die gesamten Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 4'000.00
aufzuerlegen.
7.2.
Der amtliche Verteidiger ist gestützt auf seine anlässlich der
Berufungsverhandlung eingereichte Kostennote, angepasst an die
effektive Dauer der Berufungsverhandlung, mit gerundet Fr. 3'190.00 (inkl.
Auslagen und Mehrwertsteuer) aus der Staatskasse zu entschädigen
(Art. 135 Abs. 1 und 2 StPO i.V.m. § 9 AnwT).
Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zurückzufordern, sobald es
seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO).
7.3.
Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie
darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428
Abs. 3 StPO). Die beschuldigte Person trägt die Kosten, wenn sie verurteilt
wird (Art. 426 Abs. 1 StPO). Wird sie teilweise freigesprochen, so sind ihr
die Verfahrenskosten anteilsmässig aufzuerlegen.
Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten die Verfahrenskosten unter
Berücksichtigung der ergangenen Freisprüche in Bezug auf vier ihm
vorgeworfene Einbruchdiebstähle zu 5/6 auferlegt, was nicht zu
beanstanden ist, da – wie von der Vorinstanz zurecht festgehalten – ein
Grossteil des Untersuchungsaufwands auf die übrigen Delikte, für welche
der Beschuldigte verurteilt worden ist, entfallen ist. Nachdem sich die
Berufung des Beschuldigten als unbegründet erwiesen hat, hat es mit der
vorinstanzlichen Kostenverteilung sein Bewenden.
Die Vorinstanz ist erneut darauf hinzuweisen, dass es für die Auferlegung
von «Spesen für das begründete Urteil» an eine beschuldigte Person im
Strafverfahren keine gesetzliche Grundlage gibt. Die erstinstanzlichen
- 18 -
Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 11'677.70 (inkl. Anklagegebühr von
Fr. 2'150.00, ohne Kosten für die amtliche Verteidigung und Übersetzung
sowie Spesen für das begründete Urteil) sind dem Beschuldigten zu 5/6,
d.h. mit gerundet Fr. 9'730.00, aufzuerlegen und im Übrigen auf die
Staatskasse zu nehmen.
7.4.
Die der ehemaligen amtlichen Verteidigerin des Beschuldigten, Rechts-
anwältin Victoria Huber, für das erstinstanzliche Verfahren zugesprochene
Entschädigung von Fr. 15'781.35 und die dem aktuellen amtlichen
Verteidiger für das erstinstanzliche Verfahren zugesprochene Entschädi-
gung von Fr. 6'650.60 sind mit Berufung nicht angefochten worden,
weshalb darauf im Berufungsverfahren nicht mehr zurückgekommen
werden kann (Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar
2019 E. 2.3).
Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zu 5/6 zurückzufordern, sobald
es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO).
8.
Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es
ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO,
Art. 81 StPO).