Decision ID: bd9c25cb-4794-5aee-b68a-a4e8ce737f7e
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Mit Schreiben vom 15. Februar 2019 ersuchte die spanische Agencia
Tributaria, Oficina Nacional de Investigación del Fraude, Equipo Central de
Información (nachfolgend: AT) die Eidgenössische Steuerverwaltung
(ESTV) gestützt auf Art. 25bis des Abkommens vom 26. April 1966 zwischen
der Schweizerischen Eidgenossenschaft und Spanien zur Vermeidung der
Doppelbesteuerung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und
vom Vermögen (SR 0.672.933.21; nachfolgend: DBA CH-ES) um Amtshilfe
betreffend die Erben von E._ für die Periode vom 1. Januar 2013
bis zum 31. Dezember 2014 (mit den beiden Ersuchen [...] und [...]). Die
AT erklärte Folgendes:
Our tax services are carrying out an examination into the tax matters of
E._ concerning Individual Income Tax from 2013 to 2014.
E._ has not submitted the reporting obligation of assets and rights
abroad for years 2013 and 2014.
It has been revealed in the so-called 'Paradise Papers', where documenta-
tion has been published in the press, the possible existence of a structure
in tax havens by A._ and his wife E._. The origin of which
would be the F._ Trust at the Caiman Islands. Through companies
registered in Caiman Islands, Panama and The Bahamas, the trust holds
shares of the entities G._ SA and H._ SA. However, no en-
tity of the trust has been listed as the owner of these shares, instead finan-
cial entities are listed as formal owners. Among the holders of shares of
G._ SA is J._ SA. In the course of the inspection procedure
documentation of J._ SA has been provided concerning the account
opening and deposit for individuals with number (...) in the name of
A._ his wife E._ as well as the summary of the portfolio (...).
E._ had at K._ AG the following bank account: (...), identi-
fied as Num. (...) and closed on 14-12-2012. In the course of the inspection
procedure, documentation has been provided concerning the account at
K._ AG. We ensure that all possible sources of obtaining the infor-
mation in Spain have been exhausted.
We would be very grateful if you could please provide the following infor-
mation concerning K._ AG and J._ SA for years 2013 and
2014:
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– The full name of the bank or credit institution as well as its domicile.
– Identification of bank accounts in the entity held by E._.
– Date of opening and cancellation and dates of granting and revocation
of the authorisation.
– Closing balance at 31 December and the average balance correspond-
ing to the last quarter of the year
– Bank statements of above mentioned bank accounts.
– Identification of any other bank account or fixed-term deposits held by
E._ at the K._ AG and at J._SA as holder, signa-
tory or beneficial owner.
– Where appropriate, bank statements of the above bank accounts.
The aim of this request is to verify the value of assets of E._ abroad.
She must be taxed on her worldwide income and assets. The information
requested is essential to establish if E._ has submitted correctly In-
dividual Income Tax from 2013 to 2014. In addition, our tax auditors are
also checking the reporting obligation of assets and rights abroad. Accord-
ing to the Spanish law, the assets or rights whose ownership, declaration
or acquisition does not correspond to the income or assets declared by the
taxpayer shall be considered unjustified capital gains. Unjustified pecuniary
gains will be included in the general taxable base of the tax period in re-
spect of which they are discovered.
A.b Die ESTV behandelte die beiden Ersuchen in (...) und (...) aufgrund
ihres engen sachlichen Zusammenhangs und da sie die gleiche Person
bzw. deren Erben betreffen in einem Verfahren ([...]). Sie stellte fest, dass
die Erben alle Aktiven und Passiven der verstorbenen Person übernehmen
und damit auch deren Steuerverbindlichkeiten.
Mit Editionsverfügungen vom 28. März 2019 ersuchte sie die K._
SA und die J._ SA um diverse Informationen und erhielt die ent-
sprechenden Antworten fristgerecht. Gleichzeitig ersuchte sie darum, die
im Ausland ansässigen betroffenen Personen über das laufende Amtshil-
feverfahren zu informieren und aufzufordern, eine zur Zustellung bevoll-
mächtigte Person in der Schweiz zu bezeichnen.
A.c Sowohl C._ als auch B._ und A._ wurden von
der J._ SA am 23. April 2019 über das laufende Amtshilfeverfahren
informiert. Mit Stellungnahmen vom 19. Juli 2019 ersuchten diese drei Per-
sonen über denselben Rechtsvertreter um Einsichtnahme in die Verfahren-
sakten, insbesondere in die beiden Amtshilfeersuchen sowie um Zustel-
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lung der Erklärung der AT, dass das Erhältlichkeits- und Subsidiaritätsprin-
zip gewahrt worden seien. Die ESTV gewährte ihnen mit E-Mails vom
20. und 27. August 2019 Einsicht in die Verfahrensakten und verwies mit
E-Mail vom 26. August 2019 auf die Erklärungen der AT in den Amtshilfeer-
suchen, deren Gültigkeit sie bestätigte.
D._ verweigerte den Empfang des versandten Informationsschrei-
bens und konnte von der ESTV auch mit Ermächtigung der AT zur direkten
Information im Ausland nicht über das laufende Amtshilfeverfahren infor-
miert werden, weshalb dies mittels Veröffentlichung im Bundesblatt vom
20. August 2019 geschah.
A.d Mit inhaltlich identischen Schlussverfügungen vom 30. September
2019 und 1. Oktober 2019 im Verfahren (...) leistete die Vorinstanz der AT
Amtshilfe betreffend die Erben von E._, namentlich A._,
B._, C._, I._ und D._. Vorgesehen wurde die
Übermittlung diverser, von der K._ SA und J._ SA edierter
Unterlagen betreffend Konten, deren Inhaberin oder wirtschaftlich Berech-
tigte die Erblasserin war, wobei Informationen, welche als nicht amtshilfe-
fähig erachtet wurden und nicht ausgesondert werden konnten, von der
ESTV geschwärzt wurden. Weiter machte die ESTV die AT darauf aufmerk-
sam, dass die zu übermittelnden Informationen gemäss Art. 25bis Abs. 2
DBA CH-ES nur eingeschränkt und gemäss den entsprechenden Geheim-
haltungsbestimmungen verwendet werden dürften.
B.
Mit Eingaben vom 31. Oktober 2019 erheben A._ (betroffene Per-
son 1 im vorinstanzlichen Verfahren, nachfolgend: Beschwerdeführer 1) im
Verfahren A-5747/2019, B._ (betroffene Person 2 im vorinstanzli-
chen Verfahren, nachfolgend: Beschwerdeführerin 2) im Verfahren
A-5738/2019, C._ (betroffene Person 3 im vorinstanzlichen Verfah-
ren, nachfolgend: Beschwerdeführer 3) im Verfahren A-5727/2019 und
D._ (betroffene Person 5 im vorinstanzlichen Verfahren, nachfol-
gend: Beschwerdeführerin 4) im Verfahren A-5739/2019 Beschwerde beim
Bundesverwaltungsgericht und beantragen unter Kostenfolgen, die ange-
fochtenen Schlussverfügungen seien aufzuheben und die Amtshilfe sei
dementsprechend zu verweigern. Eventualiter sei das Steueramtshilfever-
fahren zu sistieren, bis der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH)
einen Entscheid im Vertragsverletzungsverfahren gegen Spanien betref-
fend «Modelo 720» gefällt habe.
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C.
Mit Vernehmlassungen vom 16. Januar 2020 beantragt die Vorinstanz, auf
die Beschwerden in obgenannten Verfahren sei nicht einzutreten. Eventu-
aliter seien sie, inklusive der eventualiter geforderten Sistierung der Amts-
hilfeverfahren, kostenpflichtig abzuweisen. In prozessualer Hinsicht bean-
tragt sie, die Verfahren A-5727/2019, A-5734/2019, A-5737/2019,
A-5738/2019, A-5739/2019, A-5740/2019, A-5741/2019, A-5742/2019,
A-5743/2019, A-5744/2019, A-5745/2019 und A-5747/2019 aus prozess-
ökonomischen Gründen zu vereinigen, da sich substantiell dieselben
Rechtsfragen stellten und die verwandten Beschwerdeführenden durch
den gleichen Rechtsanwalt vertreten seien, welcher dieselben Argumente
in beinahe identischen Rechtsschriften vorbringe. Unter diesen Umständen
dürften deren Interessen als gleichläufig erachtet werden. Weiter seien
keine Geheimhaltungsinteressen ersichtlich, die einer Prozessvereinigung
entgegenstünden.
Die eventualiter geforderte Verfahrenssistierung bis zum Entscheid im Ver-
tragsverletzungsverfahren gegen Spanien sei mit Blick auf das Beschleu-
nigungsgebot abzulehnen.
D.
D.a Die Beschwerdeführenden stellen mit Eingaben vom 17. Januar 2020
einen Beweisergänzungsantrag bezüglich Publikation der Klage der Euro-
päischen Union (EU) gegen Spanien in der Rechtssache C-788/19 im
Amtsblatt der EU vom 23. Dezember 2019 (ABl C 432/30). Dieses neue
Beweismittel sei ins Beschwerdeverfahren einzubeziehen. Die Vorinstanz
als zuständige Behörde des ersuchten Staats sei anzuweisen, von der AT
als zuständiger Behörde des ersuchenden Staats die Übermittlung einer
Kopie der Klage der europäischen Kommission vom 23. Oktober 2019 so-
wie eine Kopie der Klageanwort Spaniens in der Rechtssache C-788/19 zu
verlangen. Eventualiter sei die Vorinstanz in dieser Funktion anzuweisen,
die vorgenannten Dokumente von der europäischen Kommission zu bean-
tragen.
D.b Mit Eingaben vom 21. Februar 2020 nimmt die Vorinstanz dazu Stel-
lung.
E.
Auf weitere Vorbringen der Parteien und die sich bei den Akten befindlichen
Dokumente wird – sofern entscheidrelevant – im Rahmen der nachfolgen-
den Erwägungen eingegangen.
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Seite 6

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Die Vereinigung von Verfahren mit einem engen inhaltlichen Zusam-
menhang kann aus Gründen der Verfahrensökonomie geboten sein und ist
in jedem Verfahrensstadium möglich, wobei seitens der instruierenden Be-
hörde ein grosser Ermessensspielraum besteht (vgl. MOSER ET AL., Pro-
zessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 3.17
m.w.H.). Die durch den gleichen Rechtsanwalt namens der Beschwerde-
führenden separat eingereichten Beschwerden in den Verfahren
A-5727/2019, A-5738/2019, A-5739/2019 und A-5747/2019 betreffen die-
selben beiden Amtshilfeverfahren und zusammenhängende Rechtsfragen.
Allfällige gegenseitige Geheimhaltungsinteressen werden durch die Eröff-
nung des Entscheids an den gemeinsamen Rechtsvertreter mit entspre-
chenden Berufspflichten gewahrt. Vor diesem Hintergrund rechtfertigt es
sich, die Verfahren zu vereinigen und über die Beschwerden in einem Urteil
zu befinden (vgl. statt vieler auch Urteil des BVGer A-6854/2018 vom
3. März 2020 E. 1.1 mit Hinweis). Die übrigen von der Vorinstanz erwähn-
ten Verfahren (vgl. vorne Sachverhalt Bst. C) betreffen zwar zusammen-
hängende Rechtsfragen, basieren jedoch auf anderen Amtshilfeersuchen,
die bereits im vorinstanzlichen Verfahren nicht zur selben Untergruppe zu-
sammengefasst wurden. Eine umfassende Vereinigung ist daher aus pro-
zessökonomischer Sicht nicht angezeigt.
1.2 Dem vorliegenden Verfahren liegen zwei Amtshilfeersuchen der AT ge-
stützt auf Art. 25bis DBA-CH ES zugrunde. Die Durchführung der mit die-
sem Abkommen vereinbarten Bestimmungen richtet sich nach dem Bun-
desgesetz vom 28. September 2012 über die internationale Amtshilfe in
Steuersachen (StAhiG, SR 651.1). Zu den beim Bundesverwaltungsgericht
anfechtbaren Verfügungen gehören auch Schlussverfügungen der ESTV
im Bereich der internationalen Amtshilfe (Art. 31 f. des Verwaltungsge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32] i.V.m. Art. 5 des Ver-
waltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 [VwVG,
SR 172.021] und Art. 19 Abs. 5 StAhiG). Die Zuständigkeit des Bundesver-
waltungsgerichts zur Behandlung der Beschwerde ist somit gegeben.
1.3 Die Beschwerdeführenden sind als Adressaten der angefochtenen
Schlussverfügungen und als vom Amtshilfeersuchen betroffene Personen
(Art. 3 Bst. a StAhiG) an deren Aufhebung interessiert und erfüllen damit
die Voraussetzungen zur Beschwerdeerhebung (vgl. Art. 19 Abs. 2 StAhiG
i.V.m. Art. 48 VwVG).
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Seite 7
1.4 Die Beschwerden wurden überdies form- und fristgerecht eingereicht
(Art. 50 Abs. 1 und 52 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 19 Abs. 5 StAhiG). Dem-
nach ist darauf einzutreten.
2.
Im vorliegenden Verfahren ist zu prüfen, ob die Vorinstanz den spanischen
Amtshilfeersuchen zu Recht stattgegeben hat bzw. ob sich die angefoch-
tenen Schlussverfügungen als bundesrechtskonform erweisen. Die Be-
schwerdeführenden machen im Wesentlichen geltend, die von der AT ver-
langten Informationen seien nicht voraussichtlich erheblich und es liege
eine unzulässige «fishing expedition» vor (vgl. E. 4) und das Prinzip der
Subsidiarität (vgl. E. 5) sowie das Erhältlichkeits- und Reziprozitätsprinzip
(vgl. E. 6) seien nicht gewahrt.
3.
3.1 Staatsvertragliche Grundlage für die Leistung von Amtshilfe in Steuer-
sachen gegenüber Spanien ist für die fraglichen Steuerperioden 2013 und
2014 Art. 25bis DBA CH-ES sowie Ziff. IV des dazugehörigen Protokolls
vom 29. Juni 2009 in den geltenden Fassungen gemäss Art. 9 bzw. Art. 10-
12 des Änderungsprotokolls vom 27. Juli 2011, von der Bundesversamm-
lung genehmigt am 15. Juni 2012, in Kraft seit 24. August 2013 und im Fall
von Einkommens- und Vermögenssteuern Anwendung findend auf die
Steuerjahre seit 1. Januar 2010 (Art. 13 Abs. 2 Bst. [iii] des Änderungspro-
tokolls, AS 2013 2365 2375 f.; BBl 2011 9153). Gemäss Art. 25bis Abs.1
DBA CH-ES tauschen die zuständigen Behörden der Vertragsstaaten die-
jenigen Informationen aus, die zur Durchführung des Abkommens oder zur
Anwendung oder Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts über Steuern
jeder Art und Bezeichnung, die für Rechnung der Vertragsstaaten, ihrer po-
litischen Unterabteilungen oder lokalen Körperschaften erhoben werden,
voraussichtlich erheblich sind, soweit die diesem Recht entsprechende Be-
steuerung nicht dem Abkommen widerspricht. Der Informationsaustausch
ist dabei durch die Art. 1 und 2 DBA CH-ES nicht eingeschränkt.
3.2 Im Rahmen der internationalen Behördenzusammenarbeit besteht
grundsätzlich kein Anlass, an Sachverhaltsdarstellungen und Erklärungen
anderer Staaten zu zweifeln (sog. völkerrechtliches Vertrauensprinzip). Die
Vorinstanz ist deshalb an die Darstellung des Sachverhalts im Ersuchen
insoweit gebunden, als diese nicht wegen offensichtlicher Fehler, Lücken
oder Widersprüchen sofort entkräftet werden kann. Gleiches gilt für die
vom ersuchenden Staat abgegebenen Erklärungen. Werden diese sofort
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entkräftet, kann der ersuchte Staat ihnen nicht mehr vertrauen. Es liegt da-
bei an der beschwerdeführenden Person, den Sachverhalt mittels Urkun-
den klarerweise und entscheidend zu widerlegen (vgl. zum Ganzen statt
vieler Urteil des BVGer A-5146/2018 vom 28. Juli 2020 E. 4.2 mit Hinwei-
sen).
4.
4.1 Die Beschwerdeführenden machen geltend, das Amtshilfeersuchen
stelle eine unzulässige Beweisausforschung dar, weil die AT die ersuchten
Informationen nicht (ausreichend) konkretisiere. Es handle sich um ein
spekulatives Ersuchen, das keinen offensichtlichen Bezug zur laufenden
Steueruntersuchung habe.
4.2
4.2.1 Das Verbot der Beweisausforschung ist Ausdruck des Verhältnis-
mässigkeitsgrundsatzes. Es sollen soweit als möglich relevante Informati-
onen ausgetauscht werden können, ohne dass ein Vertragsstaat «fishing
expeditions» eines anderen Staates unterstützen oder Informationen lie-
fern muss, deren Relevanz unwahrscheinlich ist (BGE 144 II 206 E. 4.2
sowie statt vieler Urteil des BVGer A-5146/2018 vom 28. Juli 2020 E. 5.2.1
mit Hinweisen).
Dementsprechend hält Ziff. IV Abs. 3 des Protokolls zu Art. 25bis DBA CH-
ES fest, dass der Zweck der Verweisung auf Informationen, die voraus-
sichtlich erheblich sind, darin besteht, einen möglichst weit gehenden In-
formationsaustausch in Steuerbelangen zu gewährleisten, ohne den Ver-
tragsstaaten zu erlauben, «fishing expeditions» zu betreiben oder um In-
formationen zu ersuchen, deren Erheblichkeit hinsichtlich der Steuerbe-
lange einer bestimmten steuerpflichtigen Person unwahrscheinlich ist.
Abs. 2 sieht zwar wichtige verfahrenstechnische Voraussetzungen für die
Vermeidung von «fishing expeditions» vor; seine Bst. a-e sind jedoch nicht
so auszulegen, dass sie einen wirksamen Informationsaustausch behin-
dern.
Weiter besteht nach Ziff. IV Abs. 2 des Protokolls zu Art. 25bis DBA CH-ES
Einvernehmen darüber, dass die Steuerbehörden des ersuchenden Staa-
tes bei der Stellung eines Amtshilfebegehrens nach 25bis DBA CH-ES den
Steuerbehörden des ersuchten Staates die nachstehenden Angaben zu
liefern haben:
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– a) die Identität der in eine Überprüfung oder Untersuchung einbezoge-
nen Person;
– b) die Zeitperiode, für welche die Informationen verlangt werden;
– c) eine Beschreibung der verlangten Informationen sowie Angaben hin-
sichtlich der Form, in der der ersuchende Staat diese Informationen
vom ersuchten Staat zu erhalten wünscht;
– d) den Steuerzweck, für den die Informationen verlangt werden;
– e) soweit bekannt, den Namen und die Adresse des mutmasslichen In-
habers der verlangten Informationen.
4.2.2 Als zur Anwendung oder Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts
voraussichtlich erheblich gelten Informationen, die für den ersuchenden
Staat notwendig sind, um eine dort steuerpflichtige Person korrekt zu be-
steuern. Ob eine Information in diesem Sinne erheblich ist, kann in der Re-
gel nur der ersuchende Staat abschliessend beurteilen. Die Rolle des er-
suchten Staates beschränkt sich dabei darauf, zu überprüfen, ob die vom
ersuchenden Staat verlangten Informationen und Dokumente mit dem im
Ersuchen dargestellten Sachverhalt zusammenhängen und ob sie mög-
licherweise dazu geeignet sind, im ausländischen Verfahren verwendet zu
werden (sog. Plausibilitätskontrolle; zum Ganzen statt vieler BGE 144 II 29
E. 4.2.2, BGE 142 II 161 E. 2.1.1 je mit weiteren Hinweisen sowie Urteil
des BVGer A-5146/2018 vom 28. Juli 2020 E. 5.2.2 mit weiteren Hinwei-
sen). Vor diesem Hintergrund darf der ersuchte Staat Auskünfte mit der
Begründung, die verlangten Informationen seien nicht notwendig, nur ver-
weigern, wenn ein Zusammenhang zwischen den verlangten Angaben und
der im ersuchenden Staat durchgeführten Untersuchung unwahrscheinlich
erscheint (vgl. statt vieler BGE 143 II 185 E. 3.3.2, BGE 141 II 436 E. 4.4.3
mit weiteren Hinweisen und Urteil des BVGer A-5146/2018 vom 28. Juli
2020 E. 5.2.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. zum Kriterium der voraussicht-
lichen Erheblichkeit auch Art. 26 Abs. 1 des Musterabkommens der Orga-
nisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung [OECD] zur
Vermeidung der Doppelbesteuerung von Einkommen und Vermögen). In
letzterem Sinne ist auch Art. 17 Abs. 2 StAhiG zu verstehen, wonach Infor-
mationen, welche voraussichtlich nicht erheblich sind, nicht übermittelt
werden dürfen (statt vieler Urteil des BVGer A-5146/2018 vom 28. Juli 2020
E. 5.2.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Art. 4 Abs. 3 StAhiG). Keine
Rolle spielt dagegen, wenn sich nach der Beschaffung der Informationen
herausstellt, dass diese nicht relevant sind (BGE 143 II 185 E. 3.3.2 mit
Hinweisen, zit. in Urteil des BGer 2C_615/2018 vom 26. März 2019 E. 3.2).
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4.2.3 Die Voraussetzung der voraussichtlichen Erheblichkeit ist demnach
erfüllt, wenn im Zeitpunkt der Gesuchstellung eine vernünftige Möglichkeit
besteht, dass sich die angefragten Angaben als in diesem Sinn erheblich
erweisen werden. Die voraussichtliche Erheblichkeit von geforderten Un-
terlagen oder Auskünften muss sich bereits aus dem Amtshilfegesuch er-
geben (vgl. BGE 143 II 185 E. 3.3.2 und Urteil des BVGer A-5146/2018
vom 28. Juli 2020 E. 5.2.3, je mit Hinweisen). Soweit die Behörden des
ersuchenden Staates verpflichtet sind, den massgeblichen Sachverhalt
darzulegen, kann von ihnen nicht erwartet werden, dass sie dies bereits
lückenlos und völlig widerspruchsfrei tun. Dies wäre mit Sinn und Zweck
der Amtshilfe nicht vereinbar, sollen doch aufgrund von Informationen und
Unterlagen, die sich im ersuchten Staat befinden, bisher im Dunkeln ge-
bliebene Punkte erst noch geklärt werden. Daher ist gemäss Rechtspre-
chung von der ersuchenden Behörde nicht der strikte Beweis des Sachver-
halts zu verlangen, doch muss sie hinreichende Verdachtsmomente für
dessen Vorliegen dartun (statt vieler Urteil des BVGer A-5146/2018 vom
28. Juli 2020 E. 5.2.3 mit Hinweisen).
4.2.4 Informationen können im abkommensrechtlichen Sinne nur dann als
voraussichtlich erheblich qualifiziert werden, wenn sie (unter anderem oder
ausschliesslich) Personen betreffen, deren unbeschränkte oder be-
schränkte Steuerpflicht im ersuchenden Staat während der massgebenden
Zeitspanne wahrscheinlich ist. Dafür genügt bereits, dass der ersuchende
Staat Anhaltspunkte nennt, die eine beschränkte oder unbeschränkte Steu-
erpflicht der betroffenen Person in diesem Staat begründen könnten
(vgl. Urteil des BVGer A-5146/2018 vom 28. Juli 2020 E. 5.2.4 mit Hinweis).
4.3
4.3.1 Aus dem in den Ersuchen dargelegten und grundsätzlich unbestrit-
tenen Sachverhalt geht hervor, dass die AT eine Steuerprüfung bei den Er-
ben von E._ für die Jahre 2013 und 2014 durchführt. Die Erblasse-
rin sei ihrer Offenlegungspflicht betreffend Vermögen und Einnahmen im
Ausland nur unzureichend nachgekommen, weshalb sie die Kontosalden
der teilweise für einzelne Steuerjahre angegebenen Bankkonten in der
Schweiz und die mögliche Existenz weiterer Konti überprüfen wolle. Das
Ersuchen diene der Ermittlung der weltweiten Besteuerungsgrundlagen
der verstorbenen Person bzw. mittlerweile ihrer Erben.
4.3.2 Aufgrund der Tatsache, dass sowohl die Erblasserin als auch die be-
schwerdeführenden Erben Begünstigte eines ausländischen Trusts war
bzw. sind, Vermögenswerte im Ausland in diesem Zusammenhang jedoch
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Seite 11
nur unzureichend deklariert wurden, indem lediglich die Nummern von
Bankkonti, jedoch keine entsprechenden Unterlage übermittelt wurden,
liegt die Vermutung nahe, dass die relevante Einkommens- und Vermö-
genssituation im fraglichen Zeitraum nicht vollständig offengelegt bzw.
nicht korrekt deklariert wurde. Den Ersuchen liegen somit konkrete Ver-
dachtsmomente zugrunde, welche die Existenz von Konti bei den fragli-
chen Banken nahelegen.
Die AT legt sodann nachvollziehbar dar, dass die ersuchten Informationen
für die steuerliche Würdigung der finanziellen Situation der Erblasserin,
welche nach den Angaben im Ersuchen im innerstaatlichen Verfahren ihren
Mitwirkungspflichten nicht vollständig nachgekommen ist (vgl. vorne Sach-
verhalt Bst. A.a) bzw. zur Ermittlung der weltweiten Einkommens- und Ver-
mögenssituation der in deren Steuerverbindlichkeiten eingetretenen Erben
und zur Feststellung der Wahrung der entsprechenden Meldepflichten
nach spanischem Recht relevant sind. Die angeforderten Bankunterlagen
sind geeignet, Aufschluss über die Aktiven und Einkünfte der Beschwerde-
führenden zu geben. Die ersuchten Informationen sind demnach voraus-
sichtlich erheblich, um sie korrekt besteuern zu können bzw. nachvollzie-
hen zu können, ob in Verletzung der steuerlichen Meldepflichten dem spa-
nischen Fiskus gewisse Geldwerte verschwiegen wurden.
Das von den Beschwerdeführenden erwähnte Beispiel aus dem Kommen-
tar zum Musterabkommen der OECD (Ziff. 8 Bst. e zu Art. 26) ist mit vor-
liegender Situation, in welcher es im Rahmen einer Steueruntersuchung
lediglich um Konti geht, deren Inhaber bzw. wirtschaftlich Berechtigte die
Beschwerdeführenden als Erben sind, nicht jedoch um Konti von mit ihnen
verwandten Personen, nicht vergleichbar.
4.3.3 Die fraglichen Ersuchen vermögen sich demnach von einer unzuläs-
sigen Beweisausforschung abzugrenzen (vgl. auch vorne E. 4.2.1 und
Sachverhalt Bst. A.a): Sie nennen die betroffenen Personen, die Zeitperi-
ode und den Steuerzweck, für welche/n die fraglichen, in den Ersuchen
beschriebenen Informationen verlangt werden, sowie die Daten der Infor-
mationsinhaberinnen und sind genügend präzise formuliert. Die ersuchten
Informationen weisen den im Rahmen der reinen Plausibilitätskontrolle zu
prüfenden notwendigen Zusammenhang zum dargelegten Sachverhalt auf
(vgl. vorne E. 4.2.3) und sind somit entgegen der Ansicht der Beschwerde-
führenden voraussichtlich erheblich für die korrekte Bemessung ihrer Ein-
kommenssteuer in Spanien, womit sich die Amtshilfeersuchen als grund-
sätzlich zulässig erweisen. Es bestehen im Übrigen keine Anzeichen dafür,
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Seite 12
dass der geschilderte Sachverhalt widersprüchlich, fehler- oder lückenhaft
wäre und deshalb an ihm gezweifelt werden müsste (vgl. vorne E. 3.2). Die
strittigen Ersuchen genügen sodann den Anforderungen von Ziff. IV Abs. 2
Bst. a-e des Protokolls zu Art. 25bis DBA CH-ES (vgl. dazu vorne E. 4.2.1).
Die Beschwerden sind in diesem Punkt abzuweisen.
5.
5.1 Die Beschwerdeführenden beanstanden zudem, es seien nicht sämt-
liche innerstaatlichen Ermittlungsmöglichkeiten ausgeschöpft worden. Da-
mit rügen sie eine Verletzung des in Ziff. IV Abs. 1 des Protokolls zu
Art. 25bis DBA CH-ES erwähnten Subsidiaritätsprinzips (vgl. dazu und zur
vergleichbaren Regelung in Art. 6 Abs. 2 Bst. g StAhiG statt vieler Urteil
des BVGer A-2725/2019 vom 25. Februar 2020 E. 2.6.1 mit Hinweisen).
Danach besteht Einvernehmen darüber, dass der ersuchende Vertrags-
staat ein Begehren um Austausch von Informationen erst dann stellt, wenn
er zur Beschaffung der Informationen alle in seinem innerstaatlichen Steu-
erverfahren vorgesehenen üblichen Mittel ausgeschöpft hat, sofern dies
nicht mit unverhältnismässigen Schwierigkeiten verbunden ist.
5.2 Die spanischen Amtshilfeersuchen enthalten die entsprechenden
Erklärungen: «We ensure that all possible sources of obtaining the infor-
mation in Spain have been exhausted» (vgl. auch vorne Sachverhalt
Bst. A.a) sowie «The requesting, competent authority confirms that it has
exhausted all regular sources of information available under its domestic
tax procedure».
Aufgrund des im Völkerrecht geltenden Vertrauensprinzips ist grundsätz-
lich auf die Zusage der AT, dass alle innerstaatlichen Ermittlungsmöglich-
keiten ausgeschöpft sind, abzustellen. Die Beschwerdeführenden können
dieses Vertrauen zwar erschüttern (vgl. vorne E. 3.2), was vorliegend mit
dem blossen Hinweis, die allgemeine Aussage der AT, alle innerstaatlichen
Ermittlungsmöglichkeiten seien ausgeschöpft, genüge nicht als Nachweis
der vorgenommenen innerstaatlichen Massnahmen, jedoch nicht gelingt.
Ebenso wenig vermögen die Beschwerdeführenden daraus, dass die AT in
den Ersuchen nicht erwähnt hat, dass die Europäische Kommission mit
Bezug auf die Melde- und Bussenvorschriften im «Modelo 720» ein Ver-
tragsverletzungsverfahren gegen Spanien in Gang gesetzt hat, diesbezüg-
lich etwas zu ihren Gunsten ableiten (vgl. dazu im Detail hinten E. 7). Die
Vorinstanz hat sich demnach zu Recht auf die vorgenannte Zusicherung
gestützt. Die entsprechende Rüge der Beschwerdeführenden ist somit
nicht zu hören.
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Seite 13
6.
6.1 Nach Art. 25bis Abs. 3 Bst. b DBA CH-ES ist die Schweiz als ersuchter
Staat nicht verpflichtet, Informationen zu erteilen, die nach ihren sowie den
spanischen Gesetzen oder auf ihrem und dem spanischen üblichen Ver-
waltungsweg nicht beschafft werden können (sog. Grundsatz der Rezipro-
zität; vgl. auch Art. 6 Abs. 2 Bst. f StAhiG).
6.2 Gestützt auf diesen Grundsatz machen die Beschwerdeführenden gel-
tend, die Erhältlichkeit der Informationen nach spanischen Recht fehle
ebenso wie die Gegenseitigkeit. Spanien könnte nach seinen innerstaatli-
chen Ermittlungsvorschriften die ersuchten Informationen für die Schweiz
im umgekehrten Fall mangels entsprechender gesetzlicher Grundlage
nicht beschaffen. Die AT versuche über das Amtshilfeverfahren, Informati-
onen betreffend ausländisches Vermögen der betroffenen Person von der
Schweiz zu erlangen, da die Beschaffung dieser Informationen nach spa-
nischem Recht unzulässig sei und gegen EU-Recht verstosse. Zudem be-
absichtige sie, unzulässige Melde- und Bussvorschriften anzuwenden.
Zwar seien diese Vorschriften noch nicht durch ein Urteil des EuGH aufge-
hoben worden, sie seien jedoch rechtswidrig.
6.3 Die Erhältlichkeit von Informationen ist Teil des Reziprozitätsprinzips
und von Art. 25bis DBA CH-ES miterfasst. Die Reziprozität beschränkt sich
nämlich nicht bloss auf den Fall eines Amtshilfeersuchens in einem ande-
ren Staat, sondern beinhaltet auch die Erhältlichkeit der Informationen in
einem innerstaatlichen Verfahren. Zusammenfassend ist der ersuchte
Staat nicht verpflichtet, über sein innerstaatliches Recht hinauszugehen,
um dem ersuchenden Staat Informationen zu beschaffen oder herauszu-
geben. Er ist lediglich verpflichtet, dem ersuchenden Staat diejenigen Ka-
näle zur Informationsbeschaffung zur Verfügung zu stellen, die auch dem
ersuchten Staat zur Durchführung seines innerstaatlichen Rechts offenste-
hen (Urteil des BGer 2C_646/2017 vom 9. April 2018 E. 2.4 mit Hinweisen).
In der Praxis ist es oft schwierig zu ermitteln, ob der um Amtshilfe ersu-
chende Staat nach seinem Recht die fraglichen Informationen beschaffen
könnte bzw. Amtshilfe leisten dürfte, weshalb das OECD-Amtshilfemuster-
abkommen vorsieht, dass der ersuchende Staat mit dem Amtshilfeersu-
chen eine entsprechende Bestätigung abgeben muss. Liegt eine entspre-
chende Bestätigung des ersuchenden Staates vor, darf der um Amtshilfe
ersuchte Staat aufgrund des völkerrechtlichen Vertrauensprinzips die Ge-
währung von Amtshilfe wegen fehlender Reziprozität nur dann ablehnen,
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wenn er Gründe dafür hat, dass die abgegebene Erklärung klarerweise un-
zutreffend ist (vgl. vorangehenden Absatz und vorne E. 3.2 und Urteil des
BGer 2C_646/2017 vom 9. April 2018 E. 2.1 mit Hinweis).
6.4 Spanien hat ausdrücklich bestätigt, dass das Ersuchen im Einklang mit
seiner Gesetzgebung und Verwaltungspraxis steht und es in der Lage ist,
die Informationen in vergleichbaren Fällen zu beschaffen und an die
Schweiz weiterzuleiten («The requesting, competent authority confirms
that the request is in line with the laws and administrative practices of the
authority in charge and the agreement which forms the basis for this requ-
est; in similar circumstances, the information would be available under the
application of domestic laws and administrative practices;»). Im Kontext
der Amtshilfe in Steuersachen besteht grundsätzlich kein Anlass, an der
Richtigkeit und Einhaltung der Sachverhaltsdarstellung und an Erklärun-
gen anderer Staaten zu zweifeln (vgl. vorne E. 3.2 zum völkerrechtlichen
Vertrauensprinzip). Die vorgenannte Erklärung wird nicht sofort wegen of-
fensichtlichen Fehlern, Lücken oder Widersprüchen entkräftet.
So ist der Vorinstanz nämlich beizupflichten, dass solange das laufende
Vertragsverletzungsverfahren nicht abgeschlossen und (noch) keine ent-
sprechende Gesetzeswidrigkeit seitens des EuGH festgestellt worden ist,
aufgrund des vorgenannten völkerrechtlichen Vertrauensprinzips weder an
der Rechtskonformität des geltenden spanischen Rechts noch an der Zu-
sicherung der AT betreffend Gegenseitigkeit und Erhältlichkeit der Informa-
tionen zu zweifeln ist. Ausserdem lässt sich aus der Statistik des Jahres-
berichts 2014 der europäischen Kommission, wonach der EuGH fünf Ur-
teile gegen Spanien erlassen hat, die alle zugunsten der Kommission ent-
schieden wurden, nicht mit den Beschwerdeführenden ableiten, dass auch
das laufende Gerichtsverfahren entsprechend ausfallen wird. Im Übrigen
ist es nicht die Aufgabe der Vorinstanz oder des Bundesverwaltungsge-
richts, das materielle Recht des ersuchenden Staats im Rahmen eines
Amtshilfeverfahren auf seine Rechtmässigkeit hin zu überprüfen. Allfällige
Verstösse dagegen wären in Spanien vor den dortigen Behörden geltend
zu machen (vgl. dazu statt vieler Urteil des BVGer A-5146/2018 vom 28.
Juli 2020 E. 5.3.2 i.f. mit Hinweis).
Die Beschwerden sind auch in diesem Punkt nicht zu hören, sondern zu-
sammenfassend vielmehr gesamthaft abzuweisen und die vorinstanzli-
chen Verfügungen damit zu bestätigen.
A-5727/2019
Seite 15
7.
7.1 Die Beschwerdeführenden beantragen eventualiter – für den Fall,
dass die angefochtenen Verfügungen nicht aufgehoben werde –, das vor-
liegende Verfahren sei zu sistieren, bis der EuGH einen Entscheid im Ver-
tragsverletzungsverfahren der europäischen Kommission gegen Spanien
betreffend «Modelo 720» gefällt habe (vgl. vorne Sachverhalt Bst. B).
Das spanische Abgaberecht auferlege Personen mit steuerrechtlichem
Wohnsitz in Spanien eine Verpflichtung zur Meldung bestimmter im Aus-
land befindlicher Güter und Rechte mittels eines Steuererklärungsformu-
lars («Formblatt 720»). Bei nicht ordnungsgemässer Erfüllung dieser Ver-
pflichtung kämen spezielle Sanktionsregelungen zur Anwendung. Die eu-
ropäische Kommission sei zum Schluss gekommen, dass die Qualifizie-
rung dieser Vermögenswerte als Vermögensgewinne, die Unanwendbar-
keit der allgemeinen Verjährungsvorschriften sowie die Verhängung fixer
Geldstrafen als Sanktionen Beschränkungen der Grundfreiheiten des Ver-
trags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) sowie des Ab-
kommens über den europäischen Wirtschaftsraum (EWR-Abkommen) dar-
stellten. Auch wenn diese Massnahmen grundsätzlich zur Erreichung der
verfolgten Ziele der Verhinderung und Bekämpfung von Abgabenumge-
hung und -hinterziehung geeignet sein könnten, seien sie im Ergebnis un-
verhältnismässig.
7.2 Eine Sistierung des Verfahrens muss nach bundesgerichtlicher Recht-
sprechung durch zureichende Gründe gerechtfertigt sein, da bei Fehlen
solcher Gründe von einer mit dem Beschleunigungsgebot von Art. 29
Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
vom 18. April 1999 (BV, SR 101) nicht zu vereinbarenden Rechtsverzöge-
rung auszugehen ist (vgl. statt vieler BGE 138 III 190 E. 6). Eine Verfah-
renssistierung kann namentlich dann angezeigt sein, wenn ein anderes
Verfahren hängig ist, dessen Ausgang von präjudizieller Bedeutung ist. Der
Behörde kommt beim Entscheid darüber, ob das Verfahren zu sistieren ist,
ein erheblicher Ermessensspielraum zu (vgl. BGE 119 II 386 E. 1b; MOSER
ET AL., a.a.O., Rz. 3.16). Zu beachten ist dabei, dass dem erwähnten Be-
schleunigungsgebot – auf welches sich auch die Vorinstanz bezieht
(vgl. vorne Sachverhalt Bst. C) – in Amtshilfeverfahren eine herausragende
Bedeutung zukommt (vgl. statt vieler Urteil des BVGer A-223/2019 vom
29. Oktober 2019 E. 2.3.2).
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7.3
7.3.1 Die europäische Kommission hat Spanien mit Bezug auf die von den
Beschwerdeführenden erwähnte Angelegenheit mit Schreiben vom
20. November 2015 zur Stellungnahme aufgefordert; dem ist Spanien mit
Schreiben vom 29. Februar 2016 nachgekommen. Mit begründeter Stel-
lungnahme vom 15. Februar 2017 kam die europäische Kommission so-
dann zu diesen Schlussfolgerungen: Die fragliche spanische Regelung
verstosse gegen die Personenfreizügigkeit gemäss Art. 21 AEUV, gegen
die Arbeitnehmerfreizügigkeit nach Art. 45 AEUV und Art. 28 EWR-Abkom-
men, die Niederlassungsfreiheit nach Art. 49 AEUV und Art. 31 EWR-Ab-
kommen, die Dienstleistungsfreiheit (Art. 56 AEUV und Art. 36 EWR-Ab-
kommen) sowie die Kapitalverkehrsfreiheit nach Art. 63 AEUV und Art. 40
EWR-Abkommen, indem/soweit sie eine Steuererklärungsregelung nach
dem Formular 720 einführe, die im Lichte der einschlägigen Rechtspre-
chung des Gerichtshofs diskriminierend und unverhältnismäßig erscheint,
insbesondere durch (la comisión europea considera que la normativa
española infringe la libre circulación de personas (articulo 21 del TFUE), la
libre circulación de trabajadores (articulo 45 del TFUE y articulo 28 del A-
cuerdo sobre el EEE), la libertad de establecimiento (articulo 49 del TFUE
y articulo 31 del Acuerdo sobre el EEE), la libre prestación de servicios
(articulo 56 del TFUE y articulo 36 del Acuerdo sobre el EEE) y la libre
circulación de capitales (articulo 63 del TFUE y articulo 40 del Acuerdo
sobre el EEE), en la medida en que establece un régimen de declaración
fiscal en el marco del Modelo 720 que parece discriminatorio y despropor-
cionado a la luz de la jurisprudencia pertinente del Tribunal de Justicia, en
particular al imponer):
– fixe Geldstrafen für die Nichteinhaltung der im Formular 720 vorgese-
henen Informationspflichten in Bezug auf Güter/Vermögenswerte und
Rechte, die sich im Ausland befinden, oder für deren verspätete Vor-
lage, die höher sind als diejenigen in der allgemeinen steuergesetzli-
chen Regelung für ähnliche Verstöße vorgesehenen, (multas pecunia-
rias fijas por incumplimiento de las obligaciones de información del Mo-
delo 720 en lo que se refiere a los bienes y derechos poseídos en el
extranjero o por la presentación extemporánea de este último superio-
res a la establecidas en el régimen general para infracciones similares
reguladas en la Ley General Tributaria);
– die Besteuerung ungerechtfertigter Kapitalgewinne infolge fehlender
Informationen im Formular 720 über im Ausland gehaltene Vermögens-
werte und Rechte oder der bloß nicht rechtzeitigen Vorlage dieser In-
formationen in Formular 720 über solche Vermögenswerte und Rechte,
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zusammen mit der Verweigerung des Nachweises, dass das Eigentum
an den Vermögenswerten seit einem bestimmten, verjährten Steuer-
jahr gehalten wurde, (la tributación de las ganancias patrimoniales no
justificadas como consecuencia de la falta de información en el Modelo
720 sobre los bienes y derechos poseídos en el extranjero o de la mera
presentación extemporánea de la información que figura en el Modelo
720 sobre dichos bienes y derechos, junto con la negación de la prueba
de que la propriedad de los activos se mantiene desde un determinado
ejecicio fiscal que ha prescrito);
– eine proportionale Geldstrafe für ungerechtfertigte Kapitalgewinne, die
mit den Gütern und Rechten verbunden sind, welche im Formular 720
nicht mitgeteilt oder im Zusammenhang mit einer nicht fristgerechten
Einreichung des Formular 720 kommentiert werden (una multa pecuni-
aria proporcional sobre las ganancias patrimoniales no justificadas a-
sociadas a los bienes y derechos que no se comuniquen en el Modelo
720 o se comuniquen en el marco de una presentación extemporánea
del Modelo 720).
Damit sei Spanien seinen Verpflichtungen nach den Art. 21, 45, 49, 56 und
63 AEUV und den Art. 28, 31, 36 und 40 des EWR-Abkommens nicht nach-
gekommen (el Reino de España ha incumplido las obligaciones que les
incumben en virtud de los articulos 21, 45, 49, 56 y 63 del TFUE y los
articulos 28, 31, 36 y 40 del Acuerdo sobre el EEE), weshalb es gemäss
Art. 258 Abs. 1 AEUV aufgefordert werde, die erforderlichen Maßnahmen
zu ergreifen, um dieser begründeten Stellungnahme innerhalb von zwei
Monaten nach deren Erhalt nachzukommen (en aplicación de lo dispuesto
en el articulo 258, párrafo primero, del Tratado de Funcionamiento de la
Uníon Europea, la Comisión invita al Reino de España a que adopte las
medidas requeridas para ajustarse al presente dictamen motivado en un
plazo de dos meses a partir de la recepción del mismo).
7.3.2 Diese Ausführungen zeigen, dass die europäische Kommission
hauptsächlich die als unverhältnismässig hoch erachteten Geldbussen in
Steuerstrafverfahren beanstandet. Aus dem entsprechenden Factsheet
der Europäischen Kommission vom 15. Februar 2017 ergibt sich dement-
sprechend, dass Spanien zwar aufgefordert wird, seine Vorschriften über
ausländische Vermögenswerte verhältnismässig zu gestalten, jedoch das
Recht habe, Steuerpflichtige aufzufordern, den Behörden Informationen
über bestimmte ausländische Vermögenswerte mitzuteilen. Lediglich die
Sanktionen bei Nichteinhaltung dieser Vorschriften würden als unverhält-
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nismässig eingestuft, da die Strafgelder viel höher als bei rein innerstaatli-
chen Vorgängen und damit diskriminierend seien bzw. nicht im Einklang
mit den Grundfreiheiten der Europäischen Union stünden.
Nicht bemängelt wird demnach die spanische Regelung an sich, wonach
gebietsansässige Personen verpflichtet sind, im Ausland gehaltene Vermö-
genswerte wie Immobilien, Bankkonti und finanzielle Beteiligungen zu mel-
den, sondern lediglich die Folgen bzw. die Höhe der Geldbussen bei Nicht-
einhaltung der Meldepflicht. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführen-
den verfolgt die europäische Kommission mit dem Vertragsverletzungsver-
fahren gegen Spanien demnach nicht die Absicht, die Meldevorschriften
des spanischen Rechts aufgrund eines Verstosses gegen das EU-Recht
aufzuheben.
An dieser Beurteilung ändert auch das neu eingereichte Beweismittel
nichts, die Kopie des Amtsblatts der EU vom 23. Dezember 2019, wonach
die europäische Kommission am 23. Oktober 2019 Klage gegen das Kö-
nigreich Spanien eingereicht hat und beantragt, es sei festzustellen, dass
Letzteres gegen seine Verpflichtungen aus Art. 21, 45, 56 und 63 AEUV
sowie aus den Art. 28, 31, 36 und 40 des EWR-Abkommens verstossen
habe, indem es:
– Rechtsfolgen für die Nichterfüllung der Informationspflichten hinsicht-
lich der Güter und Rechte im Ausland sowie für die nicht fristgerechte
Einreichung des «Formblattes 720» vorgesehen hat, welche die Quali-
fikation dieser Vermögenswerte als ungerechtfertigte Vermögensge-
winne nach sich ziehen und nicht verjähren;
– Bei Nichterfüllung der Informationspflichten hinsichtlich der Güter und
Rechte im Ausland sowie für die nicht fristgerechte Einreichung des
«Formblattes 720» automatisch eine fixe Geldstrafe in Höhe von 150 %
verhängt und
– Bei Nichterfüllung der Informationspflichten hinsichtlich der Güter und
Rechte im Ausland sowie für die nicht fristgerechte Einreichung des
«Formblattes 720» fixe Geldstrafen verhängt, deren Höhe jene der
Sanktionen nach den allgemeinen Regelungen für vergleichbare Zuwi-
derhandlungen übersteigt.
7.4 Primär dienen die fraglichen Amtshilfeersuchen der Feststellung der
vollständigen, weltweiten Einkommens- und Vermögensverhältnisse der
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betroffenen Personen und damit ihrer Steuerveranlagung. Nicht im Amts-
hilfeverfahren zu klären ist, ob diesbezügliche Meldepflichten verletzt wur-
den und falls ja, welche Folgen dies mit Bezug auf die konkrete Höhe einer
allfälligen Busse zeitigt.
Für die vorliegend zu klärende Frage der Zulässigkeit der Übermittlung der
strittigen Informationen, insbesondere deren voraussichtliche Erheblich-
keit, hat das hängige Vertragsverletzungsverfahren demnach keine Bedeu-
tung bzw. wird die Berechtigung Spaniens, amtshilfeweise um Informatio-
nen betreffend ausländische Vermögenswerte zu ersuchen, wenn diese
von der steuerpflichtigen Person selbst nicht erhältlich gemacht werden
können, von der europäischen Kommission nicht thematisiert oder in Frage
gestellt. Demnach hat das noch zu erlassende (rechtskräftige) Urteil des
EuGH entgegen der Ansicht der Beschwerdeführenden keine präjudizie-
rende Bedeutung für das vorliegende Verfahren. Folglich ist das Amtshilfe-
verfahren nicht zu sistieren und sind auch die entsprechenden Beweiser-
gänzungsanträge (vgl. vorne Sachverhalt Bst. D.a) in antizipierter Beweis-
würdigung abzuweisen (vgl. dazu statt vieler Urteile des BVGer
A-4163/2019 vom 22. April 2020 E. 3.4.7 und A-6589/2016 vom 6. März
2018 E. 5.5, je mit Hinweisen).
8.
Die Verfahrenskosten sind auf Fr. 8'000.– festzusetzen und ausgangsge-
mäss den Beschwerdeführenden in solidarischer Haftung aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 1 VwVG und Art. 1, 2, 4 und 6a des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die einbezahlten Kostenvorschüsse
in den Verfahren A-5727/2019, A-5738/2019, A-5739/2019 und
A-5747/2019 von je Fr. 2'000. – sind zur Bezahlung der Verfahrenskosten
zu verwenden. Parteientschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 64
Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario sowie Art. 7 Abs. 3
VGKE).
9.
Dieser Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Amtshilfe in Steuer-
sachen kann gemäss Art. 83 Bst. h BGG innerhalb von 10 Tagen nur dann
mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundes-
gericht weitergezogen werden, wenn sich eine Rechtsfrage von grundsätz-
licher Bedeutung stellt oder wenn es sich aus anderen Gründen um einen
besonders bedeutenden Fall im Sinn von Art. 84 Abs. 2 BGG handelt
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(Art. 84a und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Ob dies der Fall ist, entscheidet
das Bundesgericht.