Decision ID: bc08a9ad-1beb-4979-bbb9-66ff860c84f4
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Die X ist eine Kommanditgesellschaft mit Sitz in A. Ihr Gesellschaftszweck ist die
Verwaltung von Vermögen und Immobilien sowie Unterhaltsarbeiten an Immobilien. Y
ist unbeschränkt haftender Gesellschafter und Z Kommanditär der Gesellschaft. Weiter
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ist U als Zeichnungsberechtigter im Handelsregister des Kantons Schwyz eingetragen.
Die X ist seit dem 27. November 1989 Eigentümerin des Fahrzeugs Unimog U 650 L.
B.- Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 23. Februar 2010 stellte die X beim
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen (im Folgenden:
Strassenverkehrsamt) ein Gesuch um Erteilung einer Ausnahmebewilligung für die
Kontrollpflicht für Arbeits-, Lenk- und Ruhezeit. Mit Verfügung vom 14. April 2010 wies
das Strassenverkehrsamt das Gesuch ab.
C.- Gegen diese Verfügung erhob die X mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom
29. April 2010 und Ergänzung vom 28. Mai 2010 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission. Sie beantragte, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und das Gesuch der Rekurrentin um Erteilung einer Ausnahmebewilligung
für die Kontrollpflicht gutzuheissen. Eventuell sei die Ausnahmebewilligung unter der
Bedingung, das Fahrzeug auf ein privates Kontrollschild einzulösen, zu erteilen.
Subeventuell seien Auflagen für die Nutzung des Fahrzeuges zu erlassen; alles unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Die Vorinstanz verzichtete auf eine Vernehmlassung
und stellte am 16. Juli 2010 die Akten zu.
Auf die Ausführungen der Parteien zur Begründung ihrer Anträge wird, soweit

erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 29. April 2010 mit Ergänzung vom
28. Mai 2010 ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher
Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist
einzutreten.
2.- Nach Art. 23 Abs. 1 der Verordnung über die Arbeits- und Ruhezeit der
berufsmässigen Motorfahrzeugführer und -führerinnen (SR 822.221, abgekürzt:
Chauffeurverordnung, ARV 1) sind die Kantone für den Vollzug der Verordnung
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zuständig. Gemäss Art. 1 Abs. 1 der Einführungsverordnung zum eidgenössischen
Strassenverkehrsgesetz (sGS 711.1, abgekürzt EV zum Strassenverkehrsgesetz) übt,
soweit die Verordnung nichts anderes bestimmt, das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt die Befugnisse aus, die die Bundesgesetzgebung über den
Strassenverkehr den Kantonen zuweist. Die Überwachung der Arbeits- und Ruhezeit
der berufsmässigen Motorfahrzeugführer ist gemäss Art. 17 Abs. 1 EV zum
Strassenverkehrsgesetz Sache der Polizei. Über die Zuständigkeit für die Erteilung von
Ausnahmebewilligungen zur ARV 1 wird in der EV zum Strassenverkehrsgesetz nichts
ausgeführt. Somit war die Vorinstanz im Sinne von Art. 1 Abs. 1 der EV zum
Strassenverkehrsgesetz zum Erlass der angefochtenen Verfügung zuständig.
3.- Umstritten ist die Erteilung einer Ausnahmebewilligung von der
Chauffeurverordnung für die Benützung des Unimog U 650 L durch die Rekurrentin.
a) Die ARV 1 ist ein Spezialgesetz für die Chauffeure von bestimmten Fahrzeugen und
für deren Arbeitgeber. Die Verordnung regelt die Arbeits-, Lenk- und Ruhezeiten der
Chauffeure und die damit im Zusammenhang stehenden Pflichten der Arbeitgeber und
der Fahrzeugführer (vgl. R. Bollag, Arbeits- und Ruhezeit der berufsmässigen
Motorfahrzeugführer, Zürich 1994, S. 9). Gemäss Art. 3 Abs. 1 ARV 1 gilt sie für die
Führer von Motorwagen und Fahrzeugkombinationen zum Sachtransport, deren
Gesamtgewicht nach Fahrzeugausweis 3,5 t übersteigt (lit. a), und zum
Personentransport, die ausser dem Führersitz für eine Platzzahl von mehr als acht
Personen zugelassen sind (lit. b). In Art. 4 ARV 1 werden Ausnahmetatbestände
aufgeführt, bei deren Vorliegen die Verordnung keine Anwendung findet.
b) Die Rekurrentin macht im Wesentlichen geltend, die Mitglieder der
Kommanditgesellschaft seien Eigentümer zahlreicher Liegenschaften. Das Fahrzeug
werde vorwiegend für den Unterhalt dieser Liegenschaften und für den Unterhalt und
die Nutzung der privaten land- und forstwirtschaftlichen Grundstücke verwendet. Sie
begründet somit ihr Gesuch um Erteilung einer Ausnahmebewilligung von der ARV 1
mit Art. 4 Abs. 1 lit. k ARV 1, wonach die Verordnung für Führer von Fahrzeugen, die zu
nichtgewerblichen Sachentransporten für rein private Zwecke verwendet werden, nicht
gilt.
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Die Vorinstanz wies das Gesuch um Gewährung einer Ausnahmebewilligung von der
ARV 1 mit Verfügung vom 14. April 2010 ab. Zur Begründung führte sie im
Wesentlichen aus, bei der Rekurrentin handle es sich um eine Immobiliengesellschaft,
die auch Dienstleistungen für Dritte erbringe, und deren Tätigkeit auf wirtschaftliches
Fortkommen und die Erzielung von Einnahmen ausgerichtet sei. Unter diesen
Umständen müssten die Transporte als gewerblich bezeichnet werden. Das Fahrzeug
werde nicht zu rein privaten Zwecken verwendet, weshalb der Ausnahmetatbestand
von Art. 4 Abs. 1 lit. k ARV 1 nicht erfüllt sei.
4.- Am 1. Januar 2011 ist eine revidierte Fassung der ARV 1 in Kraft getreten. Die
Änderungen betreffen dabei auch die Ausnahmetatbestände von Art. 4 Abs. 1 ARV 1.
Bisher waren gestützt auf Art. 4 Abs. 1 lit. a ARV 1 (in der bis 31. Dezember 2010
gültigen Fassung, im Folgenden: aARV 1) Führer und Führerinnen von Fahrzeugen mit
einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 30 km/h von der
Verordnung ausgenommen. Diese zulässige Höchstgeschwindigkeit wurde
heraufgesetzt. Neu fallen Führer und Führerinnen von Fahrzeugen mit einer
Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 40 km/h nicht in den Anwendungsbereich
der ARV 1.
Im Rekurs wird geltend gemacht, das Fahrzeug fahre mit einer Geschwindigkeit von
40 km/h. Auf entsprechende Anfrage bestätigte der Vertreter der Vorinstanz, das
Fahrzeug Unimog U 650 L, sei für eine Höchstgeschwindigkeit von lediglich 40 km/h
zugelassen (act. 13). Damit fällt das Fahrzeug der Rekurrentin unter den Tatbestand
von Art. 4 Abs. 1 lit. a ARV 1 und die Motorfahrzeugführerinnen und -führer fallen nicht
unter die ARV 1, soweit sie mit dem Unimog U 650 L unterwegs sind.
5.- a) Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs gutzuheissen ist. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Staat aufzuerlegen
(Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- ist angemessen (vgl. Art. 7
Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, in: Amtsblatt des Kantons St. Gallen Nr. 52
vom 27. Dezember 2010, S. 4043). Die Finanzverwaltung ist anzuweisen, der
Rekurrentin den Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- zurückzuerstatten.
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b) Gemäss Art. 98 Abs. 2 VRP werden im Rekursverfahren ausseramtliche Kosten
entschädigt, soweit sie aufgrund der Rechts- und Sachlage als notwendig und
angemessen erscheinen. Im vorliegenden Fall ist der Rechtsvertreter der Rekurrentin
zugleich unbeschränkt haftender Gesellschafter derselben. Führt ein Rechtsanwalt
einen Prozess in eigener Sache, so wird das Honorar im Zivilprozess zwar nach der
Honorarordnung bestimmt, davon wird aber ein Abzug von 30-50% vorgenommen. Ein
solcher Abzug rechtfertigt sich, weil beim Prozess in eigener Sache die Instruktion und
der Verkehr mit dem Klienten wegfallen (vgl. C. Leuenberger / B. Uffer-Tobler,
Kommentar zur Zivilprozessordnung des Kantons St. Gallen, Bern 1999, N 4.a. zu
Art. 263 mit weiteren Hinweisen). Es besteht kein Anlass, diese Praxis nicht auch im
Verwaltungsverfahren anzuwenden. Eine Kostennote ist nicht eingereicht worden.
Angesichts des Aktenumfangs, des Aufwands für die Rekurseingabe und der Tatsache,
dass der Rechtsvertreter den Prozess in eigener Sache führte, erscheint eine
Entschädigung von Fr. 1'200.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als
angemessen (Art. 19, 22 Abs. 1 lit. b, 28 und 29 der Honorarordnung für
Rechtsanwälte und Rechtsagenten; sGS 963.75). Entsprechend dem
Verfahrensausgang sind der Rekurrentin die ausseramtlichen Kosten im Betrag von
Fr. 1'200.-- zu entschädigen (Art. 98 VRP). Kostenpflichtig ist der Staat
(Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt).