Decision ID: 6d4ce02f-f2ee-4b90-ad79-c90b59cc4245
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1973, ist gelernter kaufmännischer Angestellter. Er arbeitete vom 1. Januar 2007 bis Ende April 2015 als Sachbearbeiter bei der
Y._
(
Urk. 13
/14/1, Urk. 13
/32/1). Am 15. März 2013 meldete er sich u
nter Hinweis auf die bei eine
m Skiunfall vom
20. März 2012
erlittenen (
Urk. 13
/14/11) schweren Kopf- und Gesichtsverletzungen, Vergesslichkeit und einen Gendefekt
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 13/5
/5-6
). Die
Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
holte bei der
Z._
das polydiszi
pli
näre
Gutachten vom 29. April 2015 ein
, worin dem Versicherten in der zuletzt aus
ge
übten und in leidensangepassten Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit be
scheinigt wurde
(Urk. 13/61). Gestützt darauf verneinte
die IV-Stelle
mit Verfü
gung vom 25. August
2015 (
Urk. 13
/74) einen
Rentenanspruch des Versicherten. Diese Verfügung erwuchs
unangefochten
in Rechtskraft.
1.2
Am 21. Juli 2016
(Urk.
13
/83)
meldete sich
der Versicherte erneut
zum Leis
tungs
bezug an
unter Hinweis auf eine kongenitale zerebrale Dysfunktion im Rahmen der bekannten Generkrankung
. Die IV-Stelle trat
mit Verfügung vom 7.
Oktober 2016 auf die Neuanmeldung nicht
ein (Urk.
13
/94).
Die vom Versicherten
d
agegen
erhobene
Beschwerde (
Urk. 13
/96/3-14)
hiess
das Sozialversicherungsgericht
mit dem Urteil IV.2016.01249 vom 29. September 2017 gut
und wies die Sache an die IV-Stelle zurück, damit sie über die Neuanmeldung vom 21. Juli 2016 mate
riell befinde (Urk. 13/122).
Während das Beschwerdeverfahren beim Gericht hängig war, holte die IV-Stelle die ergänzende S
tellungnahme der
Z._
vom 30.
Mai
2017
ein (Urk.
13
/116
,
Urk.
13/130/2-3
). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
13
/131,
Urk.
13
/135)
verneinte
s
ie
mit Verfügung vom 29.
Januar 2018
erneut
das Beste
hen
eines
Rentenanspruch
s
(Urk.
13/138
)
.
Die vom Versicherten dagegen erho
be
ne Beschwerde
hiess das Sozialversicherungsgericht
mit dem Urteil IV.2018.00149
vom 21. Juni 2019
in dem Sinne gut, dass es
die Sache
an die IV-Stelle zurück
wies, damit diese
ein
weiteres
polydisziplinäres Gutachten
,
in welchem auch der Gendefekt berücksichtig
t
werde, einhole und hernach
erneut über den Renten
an
spruch des Beschwerdeführers verfüge (Urk. 13/145/8-9).
1.3
In der Folge gab die IV-Stelle ein
polydisziplinäres (psychiatrisches, orthopä
disch
-chirurgisches, neurologisches, internistisches und neuropsychologisches) Gutach
ten
in Auftrag
(Urk. 13/155)
. Gestützt auf die Expertise
des
A._
vom 30
.
M
ärz
2020
, worin dem Be
schwer
deführer erneut eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Arbeit und in leidensangepassten Tätigkeiten
bescheinigt worden war
(Urk. 13/163)
,
stellte sie dem Versicherten mit Vorbescheid vom 5. Mai 2020 er
neut
die Verneinung eines Rentenanspruchs in Aussicht (Urk.
13/167; vgl. auch Urk. 13/165
). Am 5.
Juni 2020 erhob der Versicherte dagegen Einwände (Urk.
13/169
). Im
Vorbe
scheidverfahren
reichte er
die
Stellungnahme
von Dr. phil.
B._
, Fachpsycho
login für Neuropsychologie
, vom 28. Mai 2020 (Urk.
13/168)
und medizinische Berichte ein (Urk.
13/
172-173
).
Nach
Einholung
einer
Stellungnahme des Regio
nalen Ärztlichen Dienstes (RAD; Urk. 13/175/3-6)
lehnte die IV-Stelle das Leis
tungsgesuch
wie angekündigt mit Verfügung vom 12. August 2020
ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin
Dr.
Elisab
eth
Glättli
, mit Eingabe vom
14. September 2020
Beschwerde und beantragte
, es seien vom Gericht zusätzliche Abklärungen zu einer allfälligen Restarbeitsfähigkeit zu veranlassen; eventualiter sei ein psychiatrisches und neuropsychologisches Ge
richtsgutachten einzuholen.
In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und Bestellung von Dr. Elisabeth
Glättli
als unentgeltliche Rechtsvertreterin
(Urk. 1 S. 2). Am 25. September 2020 (Urk. 8) liess der Beschwerdeführer den Untersuchungsbericht vom 17. Juli 2020 zu den Akten reichen (Urk. 10). Mit Beschwerdeantwort vom 22. Oktober 2020 bean
tragte die IV-Stelle die Abw
eisung der Beschwerde (Urk. 12), was dem Beschwer
deführer zur Kenntnis gebracht wurde.
Mit Verfügung vom 30. Oktober 2020 gewährte
ihm
das Gericht in Bewilligung seines Gesuchs die unentgeltliche Pro
zessführung und bestellte ihm Rechtsanwältin Dr. Elisabeth
Glättli
als unentgelt
liche Rechtsvertreterin (Urk. 14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die
massgeblichen
rechtlichen Grundlagen zum Invaliditätsbegriff, zum Renten
anspruch
u
nd zu den bei der
Neuanmeldung
anzuwendenden Revisionsregeln
wurden bereits in
Erwägung
1
des Urteils des Sozialversicherungsgerichts
IV.2016.01249
vom 29
.
September 2017
wiedergegeben (Urk.
13/122/3-5
). Diese Grundlagen haben sich seither nicht geändert, weshalb darauf verwiesen werden
kann.
1.2
Zu
ergänzen ist, dass
Anlass zur Rentenrevision jede wesentliche Änderung des Gesundheitszustandes seit Zusprechung der Rente
gibt, die geeignet ist, den
Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass
die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesent
lichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbe
acht
lich ist (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete die
Ablehnung
d
es
Leistungsbegehrens
in der ange
fochtenen Verfügung damit, im polydisziplinären Gutachten de
s
A._
sei keine invalidenversicherungsrechtlich relevante gesundheitliche Beein
trächtigung fest
gestellt worden
(Urk. 2 S. 1)
.
Die Neuropsychologin des
A._
habe das akten
anamnestisch ausgewiesene frühkindliche POS berücksichtigt. Sie habe den Be
schwerdeführer während der klinischen Untersuchung als wenig kooperativ erlebt und drei Beschwerdevalidierungsverfahren durchgeführt, welche teilweise auffäl
lige Resultate gezeigt hätten. Gestützt darauf sei sie zur Einschätzung gelangt, dass die Validität der erhobenen Testbefunde zweifelhaft
sei (Urk. 2 S. 3).
Dem psychiatrischen Gutachte
r des
A._
sei eine medizinisch
nicht begründbare
Selbstlimitierung des Beschwerdeführers in Bezug auf berufliche Tätigkeit
en aufgefallen.
E
r habe festgehalten, die Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers
stehe
im Widerspruch zu seine
m hohen Aktivitätsniveau für eigenmotivierte Tätigkeiten und den wenig
auffälligen
Befunden
. Dies
deute
auf Aggravation hin
(Urk. 2 S. 2).
Das neuropsychologische
Parteig
utachten von Dr. phil.
B._
vom 30. November 2016, worin eine mittelschwere neuropsychologische Funk
tionsstörung po
stuliert werde, überzeuge nicht; Dr.
B._
habe nämlich
keine Beschwerdevalidierung durchgeführt (Urk. 2 S. 2).
Laut dem neurologischen Teil
gutachter des
A._
sei ferner der Status nach Commotio cerebri nach dem Ski
unfall vom 20. März 2015 folgenlos abgeheilt (Urk.
2
S. 3).
Da keine neuen medi
zinischen Tatsachen und damit keine gesundheitliche
Verschlechterung vorläge
n
, müsse das Leistungsbegehren erneut abgelehnt werden (Urk. 2
S. 1 und 3
).
Ge
stützt auf das
A._
-Gutachten stehe fest, dass dem Beschwerdeführer die Aus
übung sowohl der bisherigen als auch anderer angepasster Tätigkeiten zu 100 % zumutbar sei (Urk. 2 S. 1
; vgl. auch Urk. 12
).
2.2
Der Beschwerdeführer macht demgegenüber
im Wesentlichen
geltend,
die ent
scheidenden neuropsychologischen und psychiatrischen Gutachten des
A._
ge
nügten den Anforderungen an medizinische Berichte nicht (Urk. 1 S. 20).
In junge
n Jahren sei bei ihm ein ausgeprägtes infantiles POS mit Wahrnehmungs
störungen diagnostiziert worden. Während der Schulzeit habe er durch verschiedenste, auch
medikamentöse, Therapien unterstützt werden müssen. Nach Abschluss einer zwei
jährigen Bürolehre und anschliessend einer KV-Ausbildung sei er von 1998 bis 2012 im Bankenbereich tätig gewesen. Diese Anstellungen seien aber vor allem aufgrund der Beziehungen seines Vaters zustande gekommen und nicht
ohne Schwierigkeiten verlaufen.
Nach seinem Unfall am 20. März 2012 hätten sich Leistungsdefizite gezeigt. Laut Beurteilung der Arbeitgeberin
hätten
seine Arbeitsleistungen nur 50 % der erwarteten Leistung bei einem Vollzeitpensum
entsprochen
.
Infolge einer Reorganisation
sei
das Arbeitsverhältnis per Ende April gekündigt
worden
(Urk. 1 S. 4-6)
.
Seine anschliessenden Stellenbemühungen
seien erfolglos verlaufen.
Im Rahmen der Assessments der Invaliden- und Arbeit
s
losenversicherung sei f
estgestellt worden, dass seine Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt gewesen sei.
Die Abklärung bei der
C._
habe zudem die Dia
gnose eines ADHS im Erwachsenen
alter ergeben
(Urk. 1 S. 6-
9).
Soweit im
A._
-Gutachten festgehalten werde, dass ein unauffälliger beruf
licher Werdegang in einer hinsichtlich kognitiver und sozialer Anforderungen anspruchsvollen Umgebung im Bankwesen möglich gewesen sei, entspreche dies nach dem Gesagten nicht den Tatsachen. Auch die gutachterliche Konsistenz
prü
fung überzeuge nicht:
Aus seinen sportlichen Aktivitäten dürfe nicht geschlossen
werden
, er könne eine berufliche, namentlich handwerkliche Tätigkeit ausführen
. Er absolviere vor allem ein Krafttraining und spiele nicht wirklich Eishockey, sondern sei vorwiegend als Materialwart tätig. Unzutreffen
d
sei, dass er
den Gut
achtern
selbst erklärt habe, nicht arbeiten zu wollen. Er habe klar gesagt, dass ihn die Arbeitstätigkeiten überfordert hätten
, dass er erhebliche Konzentrations
schwierigkeiten habe und sich deshalb nicht mehr vorstellen könne zu arbeiten
(Urk. 1 S. 10-13).
Die Neuropsychologin des
A._
habe ausser Acht gelassen, dass er 2012 nach dem Unfall nicht mehr in der Lage gewesen sei, die
vorbe
stehenden
Defizite zu kompensieren
. Diese Entwicklung werde
von Dr.
B._
in ihrem Gutachten vom
30. November 2016 aufgezeigt. Auch
die Neurologin
Dr.
med.
D._
habe die aktuell bestehende
Verschlechterung auf altersbedingt und unfallbedingt verminderte Kompensationsmöglichkeiten zurückgeführt
.
Die
Experten
der
C._
hätten
ferner
darauf
hingewiesen, dass sich vorbe
stehende neurobiologische Störungen durch Schädelhirntraumata verschlechtern könnten, da die erlernten Bewältigungsmechanismen nicht mehr ausreich
ten (Urk. 1 S. 15). Die Neuropsychologin des
A._
habe nicht nur ihre Testresultate, sondern auch die
erheblichen kognitiven Beeinträchtigungen in den Bereichen
Aufmerksamkeit, Gedächtnis und exekutive Funktionen negiert
, die sich seit 2012 in einer Vielzahl von Tests und unterschiedlichen Lebenssituationen gezeigt
hätten
(Urk. 1 S. 17). Die von
ihr
eingesetzten
Beschwerdevalidierungstests
be
träfen den
figuralen Wahrnehmungs- und Konzentrationsbereich, wo
er
Defizite
habe
.
Laut
den Leitlinien und der Literatur
dürften die Symptomvalidierungstests aber nicht mit den Störbereichen
interferieren
. Zudem seien die Validierungs
r
e
sultate nicht angegeben und es
sei
nicht erläutert
worden
, welche konkreten Auffälligkeiten
die Neuropsychologin der
A._
zur Beurteilung geführt
hätten
, die gesamten Tests seien unverwertbar.
Ferner
habe es die
Neuropsychologin
unterlassen
,
sowohl bei der Beschwerdevalidi
erung
als auch im Rahmen
ihrer abschliessenden
Gesamtbeurteilung
die gesamte Anamnese,
ihre
Beobachtungen und
die
Testergebnisse
zu diskutieren und
einzuordnen. Es scheine, dass sie den Zugang zu seiner Persönlichkeit nicht gefunden habe. Auch treffe ihre Aussage nicht zu, dass Dr.
B._
keine korrekte Beschwerdevalidierung durchgeführt habe (Urk. 1 S. 17 f
.).
Der psychiatrische Gutachter des
A._
sei
in seinem Teilgut
achten
auf die Besonderheiten in der schulischen und beruflichen Anamnese, auf das in den medizinischen
Vorakten
,
auch in den Berichten von Dr.
B._
und Dr.
D._
,
erwähnte POS beziehungsweise ADHS
und den Gendefekt
, auf die Berichte über die Eingliederungsbemühungen
und selbst auf
das
von der
A._
-
Neuro
p
sychologin beobachtete auffällige Sozialverhalten nicht eingegangen.
Wie er angesichts dieser Aktenlage zur Beurteilung habe gelangen können, dass aus psychiatrischer Sicht keine Diagnose zu stellen sei, sei
nicht nachvollziehbar. Gleiches gelte für seine Beurteilung in Anlehnung an das Mini-ICF-APP, dass keinerlei Funktionsbeeinträchtigungen vorlägen, obwohl dies etwa dem neuro
psychologischen Testergebnis «Handlungsplanung und –
kontrolle
» widerspreche.
Zudem habe er einzig diejenigen Ausführungen aus dem neuropsychologischen Teilgutachten zitiert, welche Zweifel am Leiden und den Eindruck einer Aggra
vation erweckten.
Deshalb könne auf das psychiatrische
A._
-Gutachten nicht abgestellt werden, zumal es sich beim Psychiater nicht um einen zertifizierten Gutachter handle
(
Urk. 1 S. 18 ff.
).
Es werde beantragt, allfällig fehlende Informationen zur Beurteilung seiner Rest
arbeitsfähigkeit bei Dr.
B._
und den Spezialisten
der
C._
ein
zu
holen oder aber ein psychiatrisches und allenfalls neuropsychologisches Gerichts
gutachten anzuordnen (Urk. 1 S. 21).
3.
3.1
Im
vorliegenden
Neuanmeldungsverfahren ist zu prüfen, ob
zwischen dem Erlass der Verfügung vom 25. August 2015
(Urk. 13/74)
und der angefochtenen Ver
fü
gung vom 12. August 2020 (Urk. 2) eine Veränderung des Gesundheitszustandes
eingetreten ist, die nach den analog anwendbaren revisionsrechtlichen Mas
s
stäben erheblich ist.
3.2
3.2.1
Die ursprüngliche
Verfügung vom
25. August 2015
basierte
in medizinischer Hin
sicht
auf dem
Z._
-Gutachten vom 29. April 2015 (Urk. 13/61).
Zudem lag der IV-Stelle damals auch
der
von Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Neurologie,
im Bericht
vom
13.
Dezember
2012 dokumentierte neuropsychologische Befund
(Urk.
13/17/21-23
)
vor
, auf
den
sie
aber nicht abstellte
(Urk. 13/66/4
-5
, Urk. 13/73)
.
3.2.2
In ihrem Bericht
beschrieb
Dr.
D._
sprachliche Entwicklungsschwächen mit einer Schreibschwäche, vermindertem sprachlichem Gedächtnis und sprachli
chem Konzeptdenken, eine konstruktive
Dyspraxie
,
einen verminderten Raum
sinn sowie Schwierigkeiten im kognitiven Umstellen. Ebenfalls erhob sie Verhal
tensauffälligkeiten im Sinne eines Aufmerksamkeits-Hyperakt
ivitäts-Syndroms
mit leichter Di
stanzminderung, kurzer Konzentrationsspanne, tendenziellem Sucht
verhalten und geminderter Impulskontrolle. Diese, bereits vor dem Skiunfall vom 2
0
. März 2012 bestehenden Symptome seien vereinbar mit einer kongeni
ta
len zerebralen Dysfunktion im Rahmen
des
Gendefektes
auf Chromosom 15
. Eine leichte unfallbedingte Aggravation der vorbestehenden Einschränkungen könne methodisch nicht ausgeschlossen werden.
Im angestammten Beruf als kaufmän
nischer Angestellter sei der Beschwerdeführer
wegen
der vorwiegend krankheits
bedingten Symptome zu maximal 50 % arbeitsfähig (Urk. 13/17/21-23).
3.2.3
Dem Verlaufsprotokoll über die Eingliederungsberatung der IV-Stelle vom 20. Mai 2014 ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer sic
h im Juni 2013 als zu 100 % arbeitsfähig eingeschätzt hatte (Urk. 13/35/5).
Laut Angaben der Personal
verantwortlichen der
Y._
war seine Abteilung
betrieblich grossen
Veränderungen ausgesetzt, da ein Arbeitsplatzabbau mit Verlagerung vieler Stellen
ins Ausland geplant war. Dadurch bestand eine sehr angespannte Situation, und es lastete ein grosser Leistungsdruck auf den Mitarbeite
nde
n (Urk. 13/35/6-7; vgl. auch Urk. 13/27/1
, Urk. 13/82/7
).
Durch die IV-Eingliederungsberatung wurde
bei der
Y._
eine detaillierte, nach einzelnen Anforderungen des Stellenprofils aufgeschlüsselte Einschätzung der Arbeitsleistungen des Beschwer
deführers eingeholt (Urk. 13/
29)
. Daraus ergibt sich, dass der direkte Vorgesetzte
dessen
Arbeitsleistungen
vor dem Unfall
bei
rund 90 %
der
erwarteten
Leistung
eins
tufte
, während er
für die Zeit danach von einer
77
%
igen Erfüllung
des Solls
ausging
(Urk. 13/28).
Dem Schlussbericht über die externe Arbeitsvermittlung durch die
E._
vom 19. November 2013 bis 4. August 2014 ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer sehr motiviert mitwirkte
, andererseits aber immer wieder
mangelnde Sozialkompetenz erkennen lies
s
. Er
neigte
dazu
, sich eher zu viel als zu wenig zuzutrauen
. Als Eingliederungshürden nannte die Beraterin den Gendefekt mit leichten Auswirkungen auf das Sozialverhalten
sowie Konzen
trationsstörungen und Merkschwierigkeiten als Nachwirkungen des Skiunfalls. Daraus resultiere eine leichte Leistungseinschränkung, welche schwer zu messen sei (Urk. 13/40/1-3).
3.2.4
Das
Z._
-Gutachten
vom 29. April 2015 stützt sich auf fachärztliche Untersuchungen, die vom 16. bis 23. Januar 2015 durchgeführt wurden (Urk. 13/61/1).
Im
allgemein-internistischem Teil
des Gutachtens
wurden k
eine Diag
no
sen gestellt (Urk. 13
/61/9). Aus neurologischer Fachwarte wurden
eine
Migräne sowie
die
Verdachtsdiagnose eines leichtgradigen ataktischen Syndroms
diagnos
tiziert. Die Migräne wirkte sich nach Einschätzung des begutachtenden Neurolo
gen
nicht auf die Arbeitsfähigkeit aus, da sie gut behandelbar sei.
Die leicht
gradige A
ta
x
ie, die sich vor allem bei den Gangprüfungen manifestiert
hab
e
und am ehesten durch die bekannte Chromosomenanomalie zu erklären sei
,
begründe
ebenfalls
keine
Arbeits
un
fähigkeit im bisherigen beruflichen Tätigkeitsfeld
(Urk. 13
/61/15
-6).
Demgegenüber
massen die Gutachter
der
psychiatrische
n
Diagnose einer Persönlichkeitsakzentuierung vom emotion
al instabilen-impulsiven Typus
(
Urk. 13/61/22, 13
/61/24) sowie der neuropsychologischen Diagnose einer leicht
gradigen kognitiven Störung im Rahmen eines Aufmerk
samkeitsdefizitsyndroms (Urk.
13
/61/31)
eine
qualitative
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
bei
. Der neuropsychologische Gutachter hielt fest, im Vergleich zum Vorbefund von Dr.
D._
habe er deutlich bessere Ergebnisse der verbalen Lern- und Merkfähig
keiten erhoben. Dies unterstütze die Annahme eines Störartefakts in der Vor
untersuchung, zumal Dr.
D._
einen anteiligen Effekt einer Aggravation erwogen habe, welche
n
sie dann aber bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit soweit ersichtlich nicht berücksichtigt habe. Des Weiteren
habe
er keine Distanz
minderung
beobachten können
. Das Ergebnis des Symptomvalidierungstests «Test
of
Memory
Malingering
» (TOMM)
lasse
eine adäquate Testmotivation ver
muten (Urk. 13/61/31; vgl. auch Urk. 13/61/23, Urk. 13/61/33).
Im Rahmen der Konsensbeurteilung kamen die Gutachter zum Schluss, beim Beschwerdeführer bestehe sowohl in der zuletzt ausgeübten als auch in anderen Tätigkeiten ohne höhere Anforderungen an die Sozialkompetenz eine uneingesch
ränkte Arbeits
fähigkeit (Urk. 13
/61/
32-
33).
3.3
3.3.1
Nach der Neuanmeldung zum Leistungsbezug vom
21. Juli 2016
(Urk.
13/83
)
wurden insbesondere folgende
beruflichen sowie
medizinischen Berichte
zu den Akten genommen
:
3.3.2
Durch Vermittlung des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums RAV absolvierte der arbeitslose
?
eschwerdeführer
vom 16. November bis 11. Dezember 2015 beim
F._
einen Praxis-Check.
Laut der abschliessenden Auswertung vom 11. Dezember
2015
entstand bei den Beratern der Eindruck, dass die Wiederaufnahme einer Arbeit für ihn sehr wichtig war
. Wenn er sich gestresst fühlte, wurde sein Vor
gehen unstrukturiert bis chaotisch
(Urk. 13/82/6). Er wirkte in seinem persön
lichen Verhalten oft fahrig, kindlich und in seinen Gedankengängen sprunghaft. Auch wurde er als auffallend ab
lenk
bar von seinen Aufgaben erlebt, was mög
licherweise auf die Konzentrationsfähigkeit zurückzuführen sei. Grosse Gedächt
nisstörungen wurden nicht wahrgenommen. Die Selbsteinschätzung
des Gesund
heitszustandes und da
s Wissen, wie er mit seinem Verhalten auf seine Umgebung wirken
könne, verunsicherten den Beschwerdeführer im Hinblick auf die Auf
nahme einer neuen Arbeitsstelle. Er treffe bei seinen Bewerbungsbemühungen im Bankensektor auf eine starke und gut qualifizierte Konkurrenz. Die fehlende Aus
bildung zum Bankfachmann und der negative Betreibungsauszug könnten sich negativ auf seine Bewerbungsbemühungen bei Banken und Versicherungen aus
wirken.
Das Arbeitsklima an einem neuen Arbeitsplatz müsse wohlwollend sein, denn der Beschwerdeführer erlebe sich seit dem Unfall als stressanfälliger und
dünnhäutiger. Direkten Kundenkontakt wolle er meiden (Urk. 13/82/8-9). Es werde
empfohlen, die Konzentrationsbeschwerden neurologisch abklären zu lassen und private Themen (Eheprobleme, Freizeitgestaltung, Schlafverhalten, familiäre Ver
pflichtungen) zu überdenken und mit Hilfe einer ambulanten Psychotherapie
anzugehen (Urk. 13/82/10).
Da der Beschwerdeführer auf seine Bewerbungen nur Absagen erhielt, ordnete das
RAV ein Programm zur vorübergehenden Beschäftigung (
PvB
) an
(Urk. 13/82/12)
. In diesem Rahmen war der Beschwerdeführer ab dem 8. März 2016 für neun Monate bei der
G._
als Sachbearbeiter in einem ähnlichen Tätigkeitsbereich wie bei seiner letzten Anstellung tätig
, zunächst im Vollzeitpensum
(Urk.
13/8
2/1, Urk.
13/82/12
-15
).
Dem Zwischenbericht der
G._
vom 3. Juni 2016 ist zu entnehmen, dass
ihm
wegen seiner Defizite von Anfang an eher weniger fordernde Aufgaben zugeteilt wurden. Er bemühte sich stets, die gestellten Aufgaben korrekt zu erledigen. Die Vorgesetzten stellten aber fest, dass er bei wiederkehrenden, die Konzentration fordernden Aufgaben an seine Grenzen stiess und viele Fehler machte.
Da diese Einschränkungen am Nachmittag besonders ausgeprägt waren und er dann auch länger benötigte,
zumal dann teilweise auch Kopfschmerzen auftraten,
wurden ihm diese
Aufgaben
nach dem Mittag
nicht mehr zugewiesen. Zudem durfte er mehr Pausen einlegen. Die Vorgesetzten empfahlen aufgrund der gemachten Erfahrungen, das
Arbeitspensum zu reduzieren
(Urk. 13/82/1
, Urk. 13/82/3
; vgl. auch Urk. 13/82/3-5)
.
Ab dem 8. Juni 2016
wurde das Beschäftigungspensum
bei der
G._
auf Wunsch der Firma
auf 80 % reduziert (Urk.
13/82/2).
Davon entfiel ein 20%-Pensum auf das Coaching, so dass die Arbeitszeit effektiv 60 % betrug (Urk. 13/82/12).
3.3.3
Die Neurologin Dr.
D._
nahm am 8. und 25. Februar 2016 eine verhal
tens
neurologisch-neuropsychologische Verlaufsuntersuchung vor.
In ihrem Bericht vom 1.
März 2016 hielt sie fest, die P
hänomenologie der
aktuell
erhobenen Be
funde sei zwar vergleichbar mit derjenigen der Voruntersuchung im Jahr 2012, die Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistung habe sich im Verla
uf aber deutlich verschlechtert. B
ei einer interferenzinduzierenden Aufgabe zur Prüfung der geteilten Aufmerksamkeit habe der Beschwerdeführer Prozentränge unter 5
erreicht (Urk. 13/81/1-2). Die Symptomatik
lasse sich durch die vorbestehende kongenitale zerebrale Dysfunktion im Rahmen der bekannten Generkrankung erklären. Die zunehmenden beruflichen Schwierigkeiten und die Befundver
schlechterung im Verlauf seien vor allem auf altersbedingt abnehmende kognitive Kompensationsmechanismen zurückzuführen
. Insbesondere in Stresssituationen sei von einer massiv reduzierten Fehlerkontrolle auszugehen
. Die Belastbarkeit des Beschwerdeführers sei aufgrund dieser Befunde, welche gut mit den Beob
achtungen im Rahmen der Abklärung durch das
F._
korrelierten, glaubhaft reduziert, und es sei von einer höchstens 50%igen
Leistungsfähigkeit auszugehen. Der Beschwerdeführer benötige für alle Arbeiten viel mehr Zeit und regelmässige Erholungspausen, um folgenschwere Fehler zu vermeiden (Urk. 13/81/3).
3.3.4
Im Auftrag des Beschwerdeführers
begutachtete
ihn
Dr. phil.
B._
, Fach
psy
chologin Neuropsychologie,
am 7.
u
nd 21. November 2016
.
Dem Gutachten vom
30. November 2016
ist zu entnehmen, dass die Testung unter Berücksichtigung von Alter und Bildung in vielen Bereichen ein gut durchschnittliches Leistungs
profil ergab.
Laut Dr.
B._
ergaben d
ie zur Beschwerdevalidierung herange
zogenen Tests valide Befunde
(Urk. 13/97/5)
.
Davon
seien
die bereits in den früheren neuropsychologischen Testungen immer wieder beschriebenen
Störbe
reiche, nämlich ein deutliches Gefälle von verbalen zu figural-räumlichen Leis
tungen, eine reduzierte Konzentrationsfähigkeit mit
markanten Leistungsein
brüchen/
V
igilanzschwankungen
, eine erschwerte geteilte Aufmerksamkeit, ein erschwertes figurales Erfassen/Lernen/Verarbeiten, eine verlangsamte
Informa
tions
verarbeitung bei komplexerem Material, eingeschränkte exekutive Funk
tio
nen sowie ein reduziertes Bearbeitungstempo
, abgewichen
. Die Störungen hätten sich im Verlauf verstärkt. Das frühere intellektuelle Leistungspotential sei noch ersichtlich, könne aber vor allem im
figural-räumlichen Bereich und hinsichtlich
Konzentration nicht mehr erreicht werden (Urk. 13/97/9). Es liege eine mittel
schwere neuropsychologische Funktionsstörung vor bei Status nach dem Skiun
fall vom 20. März 2012
. Eine solche Störung entspreche einer Arbeitsunfähigkeit von 50-70 %. Diese medizinisch-theoretische Einordnung habe sich beim Reinte
grationsversuch praktisch bestätigt. Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Bankangestellter sei der Beschwerdeführer 100%ig arbeitsunfähig. Es müsse für ihn ein Arbeitsbereich gefunden werden, der mit den aufgeführten Störungen kompatibel sei (Urk. 13/97/9-10). Der durch den Unfall erfolgte Einschnitt sei deutlich. Die Unfallfolgen habe der Beschwerdeführer trotz grossem Einsatz nicht mehr kompensieren können (Urk. 13/97
/12). Die Abweichung von der Beurteilung im
Z._
-Gutachten rühre vor allem daher, dass von dieser Gutachtenstelle keine umfassende Testung durchgeführt worden sei. Es fehlten insbesondere figural-räumliche und Sprachfunktions-Tests sowie Prüfungen der komplexeren Informationsverarbeitung und damit auch der geteilten Aufmerksamkeit
. Von den sechs durchgeführten Tests hätten zudem zwei auffällige Werte mit einem Pro
zentrang unter 16 ergeben. Dass trotzdem nur eine leichte Störung diagnostiziert worden sei, entspreche nicht einer leitlinienkonformen Schweregradbeurteilung (Urk.
13/97/11).
Am 30. Mai 2017 nahmen die
Z._
-Gutachter zur Expertise von Dr.
B._
Stellung. Sie hielten fest, entgegen der Ansicht von Dr.
B._
gebe es keine allgemeingültigen Richtlinien zur Durchführung neuropsychologischer Testun
ter
suchungen
, sondern allenfalls Empfehlungen mit erheblichem Spielraum für individuelle Anwendungen. Hinsichtlich der divergierenden Beurteilung von Dr.
B._
sei zu beachten, dass es sich bei testpsychologischen Untersuchungen im versicherungsmedizinischen Kontext um ein de
s
kriptives Instrument handle, auch weil die Schwankungen der Ergebnisse zwischen unterschiedlichen Anwen
dern weitgehend unbekannt seien. Entscheidend für die Beurteilung der Arbeits
fähigkeit seien der Abgleich mit dem klinischen Befund und mit zerebralen
Läsionen, die formal auffällige Testbefunde begründen könnten.
Zudem seien auch
die alltäglichen Aktivitäten als Indikatoren
mitzuberücksichtigen
. Die beim Be
schwerdeführer beschriebene Genauffälligkeit gehe nicht zwingend mit einer kognitiven Störung einher. Sie stelle allenfalls ein erhöhtes Risiko hierfür dar und ersetze nicht die klinische Bewertung. Deshalb ergebe sich aus gutachterlicher Sicht keine andere Bewertung (Urk. 13/116/1-4).
3.3.5
Der Beschwerdeführer wurde vom 23. Ja
nuar bis 28. Februar 2020 im
A._
internistisch, orthopädisch, neurologisch, psychiatrisch und neuropsychologisch untersucht.
Der i
nternistische
Gutachter konnte keine Beschwerden oder Ein
schrän
kungen feststellen. Der begutachtende Orthopäde hielt fest, die Unfall
folgen (Frakturen im Bereich des Schädels, der Brustwirbelsäule und des Scham
beins links)
seien
verheilt und
bewirkten
keine Einschränkungen mehr
(Urk.
13/163/7-9)
. Der neurologische Experte legte dar, die anlässlich des Skiun
falls vom 20. März 2015 erlittene Commotio cerebri
sei folgenlos ausgeheilt. Die bereits vorbeschriebenen Diagnosen eines Spannungskopfschmerzes sowie des Ver
dachts auf eine Migräne ohne Aura
seien zu bestätigen. Beide s
eien grund
sätzlich gut behandel
bar.
Der nachgewiesene Gendefekt könne nicht mit Wahr
scheinlichkeit mit den Kopfschmerzen oder einer anderen neurologischen Erkran
kung assoziiert werden. Auf neurologischem Gebiet bestehe keine Erkrankung mit Auswirkung auf die A
rbeitsfähigkeit (Urk. 13/163/
9
, Urk. 13/163/66-67
).
Die Neuropsychologin des
A._
hielt in i
hrem Teil des Gutachtens fest, die Kooperation bei der neuropsychologischen Untersuchung sei erschwert gewesen, weil der Beschwerdeführer im Verlauf der Untersuchung rasch zunehmende Kopf
schmerzen
(von anfänglich 4-5 und am Ende 1
0 auf einer Skala von 1 bis 10)
angegeben habe, welche offenbar auch durch die Einnahme von Aspirin und das Einlegen regelmässiger Pausen nicht zu lindern gewesen seien.
Im Verlauf der Untersuchung habe er auch zunehmend nachgefragt, wie lange die Untersuchung noch dauern würde.
Eine Weiterführung der Untersuc
hung an einem anderen Tag habe
er aber abgelehnt
, da dies sein Tagesprogramm zu sehr durcheinanderbringe.
Die Fein- und Greifmotorik sei deutlich beeinträchtigt gewesen
, was sich etwa in einer krakeligen, teilweise schwer leserlichen Schrift manifestiert habe.
Aufgrund des eingesetzten Beschwerdevalidierungsverfahrens, welches deutlich auffällig gewesen sei, sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er seine Beschwerden über
trieben habe. Nicht nachvollziehbar sei auch gewesen, dass er in der Pause auf seinem Handy Facebook-Seiten angeschaut habe, um die Kopfschmerzen zu lindern. Die im Testverlauf immer wieder integrierten
Performa
n
zvalidierungs
verfahren
seien teilweise auffällig
gewesen
, so dass auch grosse Zweifel an der Validität der erhobenen Testleistungen bestünden.
Formal hätten sich mittel
schwere kognitive Beeinträchtigungen im Bereich der Aufmerksamkeit, des Ge
dächtnisses und der exekutiven Funktionen gezeigt. Der Beschwerdeführer habe auch ein auffälliges Sozialverhalten mit verminderter Berücksichtigung sozialer Regeln und Normen gezeigt (
Urk. 13/163/83-84,
Urk. 13/163/87).
E
s könne
davon ausgegangen werden, dass
er aufgrund des angeborenen Gendefektes gewisse vorbestehende Störungen im Bereich des Verhaltens und der kognitiven Leis
tungsfähigkeit
aufweise
, die jedoch im beruflichen Alltag soweit
kompensierbar
gewesen seien, dass ein unauffälliger beruflicher Werdegang in einer hinsichtlich kognitiver und sozialer Anforderungen doch recht anspruchsvollen Umgebung
im Bankwesen möglich gewesen sei
(Urk. 13/163/7, Urk. 13/163/87)
.
Eine mit dem Unfall zusammenhängende hirnorganische Schädigung, welche bleibende kognitive Defizite oder persistierende Veränderungen im Sozialverhalten erklären könnte, sei nicht objektiviert worden.
Die neuropsychologischen Vorbefunde könnten mit Ausnahme desjenigen der
Z._
im Jahr 2015 nicht berücksichtigt werden, da bei deren Erhebung die Anstrengungsbereitschaft, die einen starken Einfluss auf die Testergebnisse habe, nicht systematisch beurteilt worden sei
(Urk.
13/163/87).
Dies gelte auch für das neuropsychologische Vorgutachten von Dr.
B._
vom 30. November 2016
. Zudem sei die in den Vorbefunden beschrie
bene kontinuierliche Verschlechterung der kognitiven Leistungsfähigkeit nicht erklärbar, es sei denn, es wäre eine psychische Störung hinzugekommen, welche das Scheitern der beruflichen Wiedereingliederung erklären könnte. Dies müsse aus psychiatrischer Sicht geklärt werden
.
Aus rein neuropsychologischer Sicht resultiere aufgrund der vorhandenen Informationen
und der Diagnose eines aktenanamnestischen frühkindlichen POS im Rahmen einer
Gendeletion
auf Chromosom 15
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (Urk.
13/163/7
, Urk.
13/
163/88
).
De
m psychiatrischen Teilgutachten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer
dem
A._
-Psychiater angab, seit seinem Unfall mit schwerem Schädel-
Hirn-Tr
a
u
ma sei er sehr vergesslich, nicht mehr belastbar
und könne sich schlecht konzentrieren. Längere Strecken könne er mit dem Auto nicht mehr zurücklegen. Er benötige eine Haushaltshilfe. Ein Arbeitsversuch vom 1. Juli bis 14. September 2018 in einem Fitnesscenter als «Mädchen für alles» sei gescheitert. Die ver
schiedenen Aufgaben (Verlängerung von Abonnementen, Trainieren der Mit
glieder, Bedienen des Telefons und Putzen des WCs) seien zu viel für ihn gewesen. Er könne doch nichts machen, das er «nicht wolle, nein, nicht könne»
. Man habe ihm damals gesagt, dass er für die freie Wirtschaft nicht mehr zu gebrauchen sei.
Seine minderjährigen Kinder halte er nur stundenweise aus, weil er nicht be
lastbar sei.
E
r sei schnell gestresst. Psychisch sei er zu nichts mehr zu gebrauchen, physisch sei alles gut. Er könne sehr gut Sport machen, allerdings trotzdem nicht arbeiten. Dies hänge damit zusammen, dass er zwei linke Hände hab
e
(
Urk.
13/163/ 28-29;
vgl. dazu auch Urk.
13/163/46, Urk.
13/163/61, Urk.
13/163/74
, Urk.
13/163/82
).
Der psychiatrische Sachverständige erhob unauf
fällige Befunde (Urk. 13/
31-33
). Er stellte keine Diagnose, mit dem Hinweis, sicherlich wirke der Beschwerdeführer von seiner Persönlichkeit h
er akzentuiert, es fehlten aber Anhaltspunkte
, dass es sich um einen krankheitswertigen Prozess handle.
Weiter hielt
d
er
Gutachter
fest, eine psychiatrische Behandlung im engeren Sinn habe nicht stattgefunden und sei auch nicht indiziert gewesen.
Der
Beschwerdeführer habe relativ deutlich gemacht, dass er nicht mehr arbeiten wolle. Wenn man mit
ihm
annähme, dass er für die bisherige Tätigkeit nicht mehr geeignet sei, so sei trotzdem nicht nachvollziehbar, warum er, obwohl er sehr sportlich sei und etwa Eishockey spielen könne, nicht in der Lage sein wolle, beispielsweise handwerklich tätig zu sein. In Anlehnung an das Mini-ICF-App lägen
bei ihm
keinerlei Aktivitäts- und Partizipationsstörungen
(in den Bereichen Anpassung an Regeln und Routinen, Planung und Strukturierung von Aufgaben, Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, Anwendung fachlicher Kompetenzen,
Ent
scheidungs
- und Urteilsfähigkeit, Durchhaltefähigkeit, Selbstbehauptungsfähig
keit, Kontaktfähigkeit zu Dritten, Gruppenfähigkeit, Fähigkeit zu familiären beziehungsweise intimen Beziehungen, Spontan-Aktivitäten, Selbstpflege und Ver
kehrsfähigkeit)
vor (Urk. 6/163/36-37
; vgl. auch Urk. 6/163/9
). Aus rein psy
chiatrischer Sicht habe zu keinem Zeitpunkt eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit bestanden (Urk. 6/163/38).
Laut interdisziplinärer Konsensbeurteilung gelangten die Gutachter zum Ergeb
nis, dass keine Erkrankungen vorlagen, welche sich auf die Arbeitsfähigkeit aus
wirkten (Urk. 13/163/5
-6
).
Eine Einschränkung von Ressourc
en sei nicht erkenn
bar (Urk. 13/
163
/8).
Rückblickend seit dem Unfallereignis vom 20. März 2012 sei eine unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit
nur bis zur Wiederaufnahme der Arbeit am 23. April 2012 nachvollziehbar. Seither sei der Beschwerdeführer durchge
hend arbeitsfähig gewesen (Urk. 13/163/10).
3.3.6
Das ADHS-Assessment durch die Experten der
C._
mittels Frage
bogen, neuropsychologischer Testbatterie und durch die Messung neurophysio
logischer Hir
n
funktionen ergab gemäss Untersuchungsbericht vom 23
.
Juli
2020
, dass der Beschwerdeführer an einem
spät entdeckten Gendefekt sowie an einem POS leidet. Beides seien lebenslange Störungen, welche nach dem Unfall
2012 eine Verschlechterung erfahren hätten
.
Es sei auch aufgrund der Literatur be
kannt
, dass sich vorbestehende neurobiologische Störungen durch Schädelhirn
traumata verschlechtern könnten,
denn oftmals seien
die erlernten Bewälti
gungsmechanismen nicht mehr ausreich
end (Urk. 10/14 S. 3-5). Die Experten empf
ahlen unter anderem regelmässige sportliche Betätigung zur Entspannung, ein regelmässiges psychotherapeutisches Coaching sowie die Prüfung einer medi
kamentösen Behandlung
(Urk. 10/14 S. 56-57)
.
In einem ergänzenden Diagnos
tik
bericht vom 20. September 2020 hielten die Fachspezialisten der
C._
fest, der Beschwerdeführer sei vollständig arbeitsunfähig (Urk. 3/8 S. 4).
Am 28. Mai 2020 nahm die Neuropsychologin Dr.
B._
zum neuropsy
cholo
gischen Teilgutachten der
A._
Stellung.
Sie argumentierte,
d
ie
A._
-Neuro
psychologin habe im Rahmen der Tests
formal korrekt
mittelschwere Beein
trächtigungen der Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses und der exekutiven Funk
tionen festgestellt. Auch u
nabhängig von Tests habe
s
ie
beim Beschwerdeführer Beeinträchtigungen festgestellt, so
ein auffälliges Sozialverhalten
und eine deut
liche Beeinträchtigung der Fein- und Grobmotorik. Es sei nicht nachvollziehbar, dass diese
Einschränkungen
aufgrund angeblicher Inkonsistenzen plötzlich nicht mehr existent sein
sollten. Die von der
A._
-Neuropsychologin eingesetzten Beschwerdevalidierungstests
beträfen den
figuralen Wahrnehmungs- und Kon
zentrationsbereich, wo
d
er
Beschwerdeführer
Defizite
habe
.
Laut
den Leitlinien und der Literatur
dürften die Symptomvalidierungstests aber nicht mit den Stör
bereichen
interferieren
(Urk.
3/
13 S. 2 ff.)
. Zudem seien die Validierungsr
esultate nicht angegeben und es
sei
nicht erläutert
worden
, welche konkreten Auffäl
ligkeiten
die Neuropsychologin der
A._
zur Beurteilung geführt
hätten
, die gesamten Tests seien unverwertbar.
Ferner sei es gemäss Leitlinien und ent
spre
chender Literatur zur Beschwerdevalidierung unzulässig, alle neuropsycho
logi
schen Vorbefunde mit gleichem Störungsmuster und eine ganze Lebensgeschichte mit verzögerter Entwicklung
, welche von Fachstellen begleitet worden sei, ein
fach auszublenden nur aufgrund von teilweise auffälligen Resultaten in Beschwer
devalidierungstests (Urk.
3/
13 S. 4 f.).
D
ie Neuropsychologin
habe
im Rahmen
ihrer abschliessenden
Gesamtbeurteilung
die
notwendige Klassifikation und Inter
pretation der neuropsychologischen Testergebnisse umgangen unter Hinweis auf die von ihr durchgeführte Beschwerdevalidierung. Dem Beschwerdeführer sei vor allem wegen den zu vielen Fehlern, der Langsamkeit und den Kopfschmerzen nach dem Unfall gekündigt worden. Auch habe er Kritik im Vergleich zu früher weniger ertragen. Di
e Bemühungen durch das RAV sowie das Ungenügen an
lässlich der Beschäftigung
bei der
G._
zeigten, dass die Störungen nicht kompensiert gewesen seien, sondern dass es zu einer
Dekonditionierung
gekommen sei
. Es scheine, dass
die Neuropsychologin
den Zugang zu
r
Persönlichkeit
des Beschwerdeführers
nicht gefunden habe
(Urk
.
3/
13 S. 5 f.
)
. Auch treffe ihre Aussage nicht zu, dass
sie,
Dr.
B._
,
keine korrekte
, standardisierte
Beschwerdevalidi
erung durchgeführt habe
(Urk. 3/13 S. 4).
4.
4.1
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers war der psychiatrische
A._
-Gut
achter Dr. med.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, für
die psy
chiatrische Begutachtung genügend qualifiziert: Dem Eintrag im
Medizinal
be
ruferegister
des Bundesamtes für Gesundheit (BAG; https://
www.medre
gom.ad
min.ch
) kann entnommen werden, dass Dr.
H._
in der Schweiz im Jahr 2015 die Bewilligung zur Berufsausübung erhielt. Dabei wurde sein 2010 in Deutschland erworbener Weiterbildungstitel in Psychiatrie und Psychotherapie anerkannt. Da
mit erfüllt er die Anforderungen an die fachliche Qualifikation eines psychia
tri
schen Gutachters (vgl. die Urteile des Bundesgerichts 9C_669/2018 vom 18. April 2019 E. 4.2.1 und 9C_547/2010 vom 26. Januar 2011 E. 2.2 mit Hinweisen)
.
4.2
Laut den
A._
-
Gutachtern
besteht rückblickend seit
der
Wiederaufnahme der Arbeit
am 23. April 2012
nach dem Unfallereignis vom 20. März 2012
unver
ändert eine un
eingeschränkte Arbeitsfähigkeit (
Urk. 13/163/10). Damit enthält das Gutachten hinreichend präzise Angaben zur Entwicklung des Gesundheits
zustandes seit der letzten polydisziplinären Beurteilung in der Gutachtenstelle
Z._
am 29. April 2015, auf welcher die rechtskräftige
anspruchsverneinende
Verfügung vom 25. August 2015 basiert.
Es
kann davon ausgegangen werden, dass die Gutachter die gesundheitliche Situation im
relevanten Zeitraum
als kon
stant beurteilten
.
Ebenfalls in
Richtung
eines gleichgebliebenen Gesundheitszustands
deutet
die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit in den
beiden Bericht
en
der Neurologin
Dr.
D._
vom 13.
Dezember 2012 sowie vom 1.
März 2016
,
in welchen dem Beschwerdeführer
unverändert
eine
maximal
50%
ige Arbeits
fähigkeit
attestiert
wurde
(Urk. 13/17/
23, Urk. 13/81/3
)
.
Zu beachten ist aber, dass
die Arbeitsfähigkeitsangaben von Dr.
D._
(max
i
mal 50 %) in ihren beiden Berichten relativ ungenau sind und die Annahme einer Abnahme der Arbeitsfähigkeit im zeitlichen Verlauf nicht ausschliessen;
auf der Befundebene
erhob sie
in ihrem Verlaufsbericht vom 1. März 2016 eine klare Verschlechterung insbesondere der Aufmerksamkeits- und Konzentrations
leis
tung, die sie auf altersbedingt abnehmende kognitive Kompensationsmechanis
men zurückführte (Urk. 13/81/3).
Es fällt zudem auf, dass die
am 23. Januar 2015 –
mehr als ein Jahr vor der Verlaufsuntersuchung von Dr.
D._
–
durchge
führten (Urk. 13/61/1)
neuropsychologischen Tests der
Z._
-Gutachter eine
leichtgradige
kognitive Störung ergaben
(Urk. 13/61/31)
, während die
A._
-
Neuropsychologin
am 20. Februar 2020
formal sogar mittelschwere kognitive Beeinträchtigungen erhob
(Urk. 13/163/87)
ebenso wie Dr.
B._
im November 2016 (Urk. 13/97
/10). Auch Dr.
B._
bemerkte
ferner
, die
in früheren neuropsy
chologischen Testungen erhobenen
Störungen hätten sich im Verlauf verstärkt (Urk. 13/97/9).
Unter diesen Umständen kann nicht ohne Weiteres von einem unveränderten Gesundheitszustand im relevanten Beurteilungszeitraum ausgegangen werden.
4.
3
4.
3
.1
Die
überzeugende
Feststellung des aktuellen gesundheitlichen Befunds und seiner funktionellen Auswirkungen durch die Gutachter is
t Ausgangspunkt der Beurtei
lung
, ob sich der medizinische Sach
verhalt erheblich geändert hat
(
vgl. das
Urteil des Bundesgerichts 9C_418/2010 vom 29. August 2011 E. 4.2-3 mit Hinweisen).
Damit einer Expertise in diesem Sinne uneingeschränkter Beweiswert zukommt, muss sie
auf allseitigen Untersuchungen beruhen, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden sein
, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der med
izinischen Situation einleuchten und begründete Schlussfolgerungen enthalten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Dem Beschwerdeführer ist beizupflichten,
dass die neuropsychologischen und psychiatrischen Gutachten des
A._
nicht zuletzt auch mit Blick auf d
ie Stel
lungnahme von Dr.
B._
vom
28. Mai 2020
mehrere Fragen
offen
lassen
.
4.
3
.2
Dass bei der Neuropsychologin der
A._
aufgrund des beschriebenen Verhaltens des Beschwerdeführers während ihrer Untersuchung
der Eindruck einer vermin
derten Leistungsmotivation entstand
(Urk. 13/163/83-84
)
, ist nachvollziehbar. Hingegen
ist
mangels näherer Begründung
im neuropsychologischen Teilgutach
ten
nicht nachvollzieh- und überprüfbar, welche Ergebnisse der durchgeführten Symptomvalidierungstests die neuropsychologische Gutac
hterin zu
ihre
r Beurtei
lung
führten
, dass die Validität der erhobenen Testleistungen
, die an sich mittel
schweren kognitiven Beeinträchtigungen entsprachen,
insgesamt zweifelhaft
sei (
Urk. 13/163/86-87
)
.
I
n diesem Zusammenhang
äusserte
Dr.
B._
mit einschlägigen Literaturhin
weisen
die
Kritik
, die im
A._
angewandten Symptomvalidierungstests
inter
ferierten
unzulässigerweise
mit den Störbereichen/Defiziten des Beschwerde
füh
rers (Urk. 3/13 S. 2 ff.). Ob dieser Vorwurf
berechtigt ist, kann ohne eingehende Stellungnahme
einer
neuropsychologische
n
Fachperson nicht beurteilt werden. Eine solche
Stellungnahme
liegt bisher nicht vor
(vgl. Urk. 13/175/2-6)
.
B
ei der
Durchsicht
der neuropsychologischen
A._
-
Beurteilung
kann
tatsäch
lich der Eindruck entstehen, die Neuropsychologin
habe
das B
estehen jeglicher
neuropsychologischen
Funk
t
i
onsstörung verneint
.
Eine solche Beurteilung wäre angesichts der über eine
n
lange
n
Zeit
raum
gut dokumentierten medizinischen und beruflichen Anamnese
mit neuropsychologischen Problemen
ohne weitere
Begrün
dung nur schwer nachvollziehbar;
selbst der neuropsychologische Vorgut
achter der
Z._
erhob
bei ausreichender Testmotivation eine mindestens
leichtgradige
kognitive
Störung im Rahmen eines Aufmerksamkeitsde
fizitsyn
droms
(Urk. 13/61/31)
.
Selbst wenn mit der
A._
-Neuropsychologin davon ausgegangen wird, dass auf die Vorbefunde von Dr.
D._
und Dr.
B._
mangels ausreichender Symp
tomvalidierung nicht abgestellt werden könne
, sind damit die ungenügenden Arbeitsl
eistungen und Defizite, die
nach dem
Unfall vom
20. März 2012
von ver
schiedenen Stellen - jeweils ohne Anhaltspunkte für eine ungenügende Anstren
gungsbereitschaft beziehungsweise Motivation (vgl. die vorstehenden Erwägun
gen 3.2.3 und 3.3.2) – festgestellt wurden
(
Leistungsbeurteilung
en
des ehemaligen Vorgesetzten
vom 21. Juni 2013 und
14. Februar 2014 [
Urk. 13/21/6,
Urk. 13/28-29] und der externen Arbeitsvermittlungsfirma
E._
vom 19. November 2013 [Urk.
13/40/1-3],
Auswertung
Praxis-Check des
F._
vom
11. Dezember 2015 [Urk.
13/82/6-11], Zwischenbericht des RAV-Beschäftigungsprogramms bei der
G._
vom 3. Juni 2016 [Urk. 13/82/1-5]
)
,
noch nicht erklärt.
Die
Tatsache, dass der Beschwerdeführer seine effektive Arbeitszeit im Rahmen des
RAV-Beschäftigungsprogramms im Jahr 2016
auf 60 % redu
zieren musste (Urk. 13/82/12), wogegen der ehemalige Vorgesetzte in seinen Leistungsbeurteilungen aus den Jahren 2013 und 2014 lediglich eine 20-25%ige Leistungseinbusse festgestellt hatte (Urk. 13/21/6, Urk. 13/28-29),
scheint auf den ersten Blick
eine Zunahme der Einschränkungen des Beschwerdeführers nahezu
legen.
Mangels einer eingehenden Auseinandersetzung mit diesen gut dokumen
tierten konkreten Arbeitsleistungen über einen längeren
Zeitraum
beruht das neuropsychologische Gutachten nicht auf allseitigen Abklärungen, und es fehlt eine überzeugende Begründung der erheblich abweichenden gutachterlichen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit. Das Einholen einer klärenden Stellungnahme ist in dieser Situation unabdingbar (vgl.
die
Urteile des Bundesgerichts
8C_48/2018 vom 27. Juni 2018 E. 4.3.1
und
8C_411/2015 vom 17.
September 2015 E. 5.2)
. Ohne überzeugende gutachterliche Einordnung der abnehmenden Arbeitsleis
tun
gen
nach dem Unfall
vom
20. März 2012
trägt auch
das Argument, der Be
schwerdeführer habe vor dem Unfall eine relativ unauffällige berufliche Laufbahn durchlaufen
(
Urk. 13/163/7,
Urk.
13/163/87
), nichts zur Beurteilung des Gesund
heitszustandes anlässlich der
A._
-Begutachtung im Januar/Februar 2020 bei.
In diesem Zusammenhang fehlt auch eine Stellungnahme der
A._
-Neuro
psy
chologin zur Beurteilung von Dr.
D._
,
altersbedingt abnehmende kognitive Kompensationsmechanismen hätten im Verlauf zu einer Zunahme der Störungen geführt (Urk. 13/81/3).
4.
3
.3
Auch
dem psychiatrischen Teilgutachten mangelt es an einer
eingehenden Aus
einandersetzung mit der nach dem Unfall im Rahmen des letzten Arbeits
ver
hältnisses und
der
Wiedereingliederungsversuche
der
Invalidenversi
cherung und
des
RAV festgestellten
Verschlechterung der psychisch-neuropsychologischen
Leistungsfähigkeit
– bei fehlenden
Anhaltspunkten
für eine ungenügende Arbeits
motivation
. Nicht zuletzt aufgrund des Hinweises der Neuropsychologin,
die
kon
tinuierliche Verschlechterung der kognitiven Leistungsfähigkeit und das Schei
tern der beruflichen Wiedereingliederung könne mangels organisch-patholo
gi
sch
er Befunde höchstens durch eine neu hinzugetretene psychische Störung erklärt
werden
(Urk. 13/163/88)
, hätte der
Psychiater die der ungünstigen Ent
wicklung des Beschwerdeführers nach dem Unfall zugrunde liegenden
–
mög
licher
weise
krankheitswertigen psychischen und/oder psychosozialen
und/oder sonstigen in
va
liditätsfremden
- Ursachen ergründen und in seiner Beurteilung nachvoll
zieh
bar darlegen müssen.
Dies gilt umso mehr, als anamnestisch ein früh
kind
liches POS ausgewiesen ist und auch die Vorgutachter der
Z._
ein Aufmerk
sam
keitsdefizitsyndrom diagnostizierten (Urk. 13/61/31).
Der blosse Hinweis da
rauf, der Beschwerdeführer h
abe beim Gutachter den Eindruck
erweckt, er wolle nicht arbeiten (Urk. 13/
163/28, Urk. 13/163/37)
, greift angesichts der Anamnese zu kurz.
Deshalb lässt sich nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der über
wie
genden Wahrscheinlichkeit beurteilen, ob einer allfälligen neuropsychologischen Funktionsstörung eine psychische Störung mit Krankheitswert zugrunde liegt.
Ohne entsprechende Erläuterungen vermag auch der vom begutachtenden Psy
chiater in Anlehnung an das
Min
i-ICF-APP erhobene Befund,
dass keinerlei Funktionsbeeinträchtigungen vorlägen
(Urk. 13/163/37)
,
nicht zu überzeugen
. Insbesondere setzte er sich in
diesem Zusammenhang
nicht konkret mit den seiner Beurteilung zumindest teilweise widersprechenden neuropsychologischen Befun
den auseinander (Urk. 13/163/34-36)
.
Wegen
der von der neuropsychologischen Gutachterin des
A._
beobachteten fein- und greifmotorischen
B
eeinträchtigung (Urk.
13/163/84; vgl. auch
Urk.
13/163/91)
und anamnestisch er
hobenen sehr schlechten Noten im Handar
beits
unterricht (Urk.
13/163/82)
ist die dem psychiatrischen Gutachter gegenüber
gemacht
e
Aussage des Beschwerdeführers, er habe
zwei linke Hände (Urk
.
13/163/29
), glaubwürdig.
Vor diesem
Hintergrund wirft die Bemerkung des psychiatrischen Gutachters, für ihn sei nicht nachvollziehbar, weshalb sich der Beschwerdeführer nicht vorstellen könne, etwa eine handwerkliche Tätig
keit auf
zunehmen (Urk. 13/163/37
)
,
die Frage auf, ob er die Anamnese
und die Befunde der Neuropsychologin
in seiner Beurteilung genügend berücksichtigt hat.
Zu ergänzen bleibt, dass der Umstand allein, dass der Beschwerdeführer Sport treibt, noch nicht gegen das Vorliegen einer psychischen (und neuropsy
cholo
gischen) Störung spricht. Aufgrund der entspannenden Wirkung
kann
sportlicher Betätigung auch therapeutischer Charakter zu
kommen
. Deshalb wurde sie von den Spezialisten der
C._
am 23. Juli 2020 ausdrücklich empfohlen (Urk. 10/14/56).
4.
4
Bis zur Klärung
der in den Erwägungen 4.
3
.2-3 genannten offenen
Fragen kann nicht entschieden werden, ob
die medizinische Situation anlässlich der Begut
achtung im
A._
adäquat erfasst wurde
und das
A._
-Gutachten
eine be
weiskräftige Beurteilungsgrundlage
bildet
zur Prüfung
der entscheidenden Frage
, ob im Beurteilungszeitraum zwischen der Verfügung
vom 25. August
2015 (Urk.
13
/74)
und derjenigen vom
12. August 2020 (Urk. 2)
eine relevante Verän
derung des Gesund
heitszustandes eingetreten ist
. Die IV-Stelle, an welche die
Sache zurückzuweisen ist, wird die psychiatrischen und neuropsychologischen Gutachter zu den erwähnten Ergänzungsfragen Stellung nehmen lassen.
Dabei wird sie ihnen auch die Berichte
der Neuropsychologin Dr.
B._
vom 28. Mai 2020 (Urk. 3/13) und der
C._
vom 23. Juli und
20. September 2020
(Urk. 3/8, Urk. 10/14)
zur Stellungnahme vorzulegen haben.
Die Gutachter werden
sich
auch nochmals
dazu
zu äussern
haben, ob seit der letzt
en Begutachtung in der
Z._
im Jahr 2015
eine erhebliche gesundheitliche
Änderung eingetreten ist.
Nach Eingang ihrer Stellungnahme wird die IV-Stelle prüfen, ob auf das ergänzte
A._
-Gutachten abgestellt werden kann oder eine erneute Begutach
tung nötig ist. Nach Abschluss der Abklärungen
wird
sie erneut über den Leis
tungsanspruch des Beschwerdeführers zu
verfügen
haben. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
Dieses Vorgehen rechtfertigt sich zum einen, weil eine Behebung der Mängel des Gutachtens durch ergänzende Ausführungen der b
eteiligten Gutachter zum gegenwä
rtigen Zeitpunkt möglich erscheint, zum anderen, weil die Fertigstellung des Gutachtens zeitlich noch nicht so weit zurückliegt.
5.
5.1
Ausgangsgemäss gehen die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- zulasten der unter
liegenden IV-Stelle (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2).
Nach § 34 Abs. 1
des Gesetzes über das Sozi
al
versiche
rungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch
auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Die unentgeltliche Rechtsvertreterin
Dr. Elisabeth
Glättli
vertrat den Beschwer
deführer bereits im
Einwandverfahren
(Urk. 13/169)
. Sie
macht in ihrer Honorar
note vom 12. November 2020 einen Zeitaufwand von 16 Stunden geltend. Für das Studium der neuen IV-Akten und die Ausarbeitung der Beschwerdeschrift
veranschlagt sie
14
,67 Stunden (Urk. 16
-17
)
.
Dies
erscheint
unter Berücksichti
gung der
Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses sowie des bei vergle
ichbaren Verfahren anerkannten Zeita
ufwands als überhöht. Die Aus
führungen in der 22 Seiten umfassenden Beschwerdeschrift
sind
teilweise weit
schweifig und repetitiv (
vgl. etwa Urk. 1 S. 4 ff., S. 10
,
S. 13 f.
,
S. 18, S. 20)
sowie
nicht zielführend (
Urk. 1 S. 3
und 13
).
Ermessensweise anzuerkennen ist ein Aufwand von
einer Stunde für die Instruk
tion,
3 Stunden für das Aktenstudium
, 5 Stunden für das Verfass
en der Beschwer
deschrift sowie einer Stunde
für das Beibringen des Formulars zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit
mit Beilagen (Urk. 5). Mit dem in der
Kosten
note aus
gewiesenen Aufwand für das Einreichen weiterer Berichte von rund 1,5 Stunden (Urk. 17) resultiert ein Gesamtaufwand von 11,5 Stunden à Fr. 220.--. Zuzüglich
geltend gemachter
Auslagen von
Fr. 18.90 für
Porti
und Fr. 168.50 für Kopien
(Urk. 17)
sowie der Mehrwertsteuer von 7,7 % ergibt sich
eine angepasste Ent
schä
digung
für die unentgeltliche Rechtsvertreterin
von Fr. 2‘927.--.