Decision ID: a28475d5-986d-4fd9-9245-54a508595bd1
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 10. April 2006 infolge chronischer analer Schmerzen,
partieller Stuhlinkontinenz, Rückenschmerzen sowie Halswirbelsäulenschmerzen zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Rente; act. G 6.1/1 und 2). Das in
der Folge eingeholte ZMB-Gutachten vom 3. Januar 2008 ergab eine Arbeitsfähigkeit in
adaptierter Tätigkeit von 75 % (körperlich leicht, keine Überschulter- und
Überkopftätigkeiten, keine Zwangshaltungen und keine regelmässigen
Rotationsbewegungen von Hals- und Lendenwirbelsäule, Möglichkeit, jederzeit eine
Toilette aufsuchen zu können). Als Diagnosen nannten die Experten im Wesentlichen
ein anales Schmerzsyndrom und eine anale Inkontinenz bei Status nach hohem
perianalem Abszess mit Spontanperforation 06/1998, eine funktionelle Kolopathie
sowie eine chronische Gastropathie, im Weiteren ein chronisches Lumbovertebral- und
ein chronisches Cervicalsyndrom (act. G 6.1/37.33 ff.).
A.b Mit Verfügung vom 20. November 2008 wies die IV-Stelle St. Gallen das Renten
gesuch ab, da der Invaliditätsgrad nur 25 % betrage (act. G 6.1/82).
A.c Im anschliessenden Beschwerdeverfahren bestätigte das hiesige
Versicherungsgericht das der Verfügung zu Grunde liegende ZMB-Gutachten vom
3. Januar 2008 als beweistauglich und wies die IV-Stelle St. Gallen an, die
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit nochmals zu überprüfen. Es führte aus, dass
der Beschwerdeführer auf Grund seiner Erkrankung auf eine Tätigkeit angewiesen sei,
bei der die jederzeitige Erreichbarkeit von sanitären Einrichtungen (WC und Dusche)
sichergestellt sei und bei der er die Arbeit selber einteilen und gegebenenfalls für
längere Zeit unterbrechen könne. Aus diesem Grund seien alle system- oder
maschinengebundenen Tätigkeiten nicht geeignet. Dies betreffe namentlich die von der
IV-Stelle vorgeschlagenen - und in der Regel für männliche Hilfsarbeiter als verwertbar
erachteten - Maschinenbedienungs- und Kontrollfunktionen, wohl ebenso die Sortier-,
Prüf- und Verpackungsarbeiten. Eine zumutbare Stelle unterstehe derart vielfältigen
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Einschränkungen, dass an Hand der Aktenlage nicht abschliessend beurteilt werden
könne, ob eine solche Stelle überhaupt Gegenstand von Angebot und Nachfrage auf
dem Arbeitsmarkt bilde (act. G 6.1/106.14 ff.; vgl. zur ausführlichen Vorgeschichte das
Urteil des Versicherungsgerichts vom 11. August 2010 [IV 2008/522]).
B.a Am 21. September 2010 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, es seien
Abklärungen bezüglich der Möglichkeiten einer beruflichen Eingliederung nötig (act.
G 6.1/108). Am 28. September 2010 fand ein Assessmentgespräch beim Versicherten
zu Hause statt, bei dem lediglich konstatiert wurde, dass der Versicherte bereit für
einen Arbeitsversuch sei, sollte es einen zumutbaren Arbeitsplatz geben (act.
G 6.1/114). Am 3. Januar 2011 erfolgte der Schlussbericht der beruflichen
Eingliederung. Dabei listete die Eingliederungsverantwortliche drei Stellen auf, "welche
die Kriterien erfüllen": B._. Es handle sich um einfache Montagearbeiten von sehr
leichten Elektronik- und Feinmechanikteilen. Es sei eine freie Zeiteinteilung
gewährleistet. Die Firma verfüge über Duschen und WC's für Mitarbeiter. Als nächstes
führte sie die C._ auf. Hier gehe es um die Montage von Aluminiumbeschlägen an
Fensterrahmen. Es handle sich um eine leichte bis sehr leichte Arbeit, die vorwiegend
im Stehen und Gehen ausgeführt werde. Auch diese Firma verfüge über Duschen und
WC's. Schliesslich nannte sie die D._. Bei dieser Tätigkeit seien kleine und sehr
leichte Metallringe an eine Aufhängevorrichtung zu hängen, die anschliessend von
anderen Mitarbeitern in Säure- oder Laugenbädern behandelt würden. Grundsätzlich
beständen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt genügend körperlich leichte
Arbeitsplätze, welche die relevanten Einschränkungen berücksichtigten. Jederzeit
erreichbare Toiletten seien in jedem Unternehmen vorhanden. Vor allem grössere
Firmen verfügten auch über Duschen für Mitarbeiter. In der aktuellen Arbeitsmarktlage
dürfte es allerdings schwierig werden, eine entsprechende Stelle zu finden, da der
Beschwerdeführer allein schon auf Grund iv-fremder Faktoren (Migrationshintergrund,
mangelnde Deutschkenntnisse, fehlende Arbeitszeugnisse, lange Abwesenheit vom
Arbeitsmarkt) schwer vermittelbar sei (act. G 6.1/117).
B.b Mit Vorbescheid vom 19. Januar 2011 stellte die IV-Stelle dem Versicherten
erneut die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht. Dieses Mal errechnete sie bei
einem Valideneinkommen von Fr. 56'369.-- und einem Invalideneinkommen von
Fr. 44'391.-- einen Invaliditätsgrad von 21 % (act. G 6.1/123). Mit Einwand vom
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2. Februar 2011 machte der Rechtsvertreter des Versicherten geltend, die aufgeführten
drei Stellen erfüllten die vom Versicherungsgericht genannten Anforderungen allesamt
nicht. Der blosse Umstand, dass eine Arbeitgeberin WC's und Duschen zur Verfügung
stelle, qualifiziere die Arbeitsplätze nicht als leidensadaptiert. Vielmehr müsse der
Versicherte auch tatsächlich die Möglichkeit haben, den Arbeitsprozess jederzeit und
unter Umständen für längere Zeit zu unterbrechen. Weiter bleibe unklar, ob die
genannten Montagearbeiten über Kopf- bzw. Schulterniveau ausgeführt werden
müssten. Zudem brächten Montagearbeiten meistens regelmässige
Rotationsbewegungen mit sich und seien deshalb nicht geeignet. Mit den
vorgebrachten Beispielen werde die behauptete Verwertbarkeit nicht belegt.
Schliesslich gehe die Eingliederungsberaterin selber davon aus, dass eine
Eingliederung des Versicherten ausserordentlich schwierig sei. Auch persönliche und
berufliche Gegebenheiten könnten dazu führen, dass eine allfällige Restarbeitsfähigkeit
auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht mehr nachgefragt werde. Der
Schlussbericht der Eingliederungsberaterin sei ein Beleg der Unverwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit. Es bestehe somit Anspruch auf eine ganze Rente (act. G 6.1/124).
B.c Mit "Grundsatzentscheid" vom 28. April 2011 wurde der Auftrag an die
Eingliederungsberatung zur Wiedereingliederung im Rahmen der Arbeitsvermittlung
zurückgegeben (act. G 6.1/125). Am 7. Oktober 2011 fand eine Besprechung mit dem
Versicherten statt. Dabei erschien dieser der Eingliederungsberaterin als nicht
vermittelbar; eine berufliche Abklärung sei angezeigt (act. G 6.1/136). Diesbezüglich
fand am 25. November 2011 ein weiteres Treffen mit dem Versicherten und dessen
Rechtsvertreter statt; dabei wurden u.a. eine berufliche Abklärung in der Stiftung E._
in Aussicht genommen (act. G 6.1/174.2). Am 13. Januar 2012 teilte der
Rechtsvertreter der IV-Stelle unter Berufung auf den Verlaufsbericht von Hausarzt
Dr. med. F._, Facharzt für Innere Medizin FMH, vom 28. November/6. Dezember
2011 mit, dass sich sein Mandant derzeit nicht in der Lage sehe, an beruflichen
Eingliederungsmassnahmen, wie sie mit der Stiftung E._ vorgeschlagen seien,
teilzunehmen (act. G 6.1/149). Nachdem der RAD von einem gegenüber der ZMB-
Begutachtung unveränderten Gesundheitszustand ausgegangen war (act. G 6.1/147
und 150), erklärte sich der Versicherte für berufliche Abklärungsmassnahmen bereit
(act. G 6.1/155) und besichtigte die Stiftung E._ am 24. Mai 2012 bzw. absolvierte
zwei Schnupperhalbtage (act. G 6.1/174.3). Ab 13. August 2012 fand die
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entsprechende Abklärung statt, die jedoch per 7. September 2012 vorzeitig beendet
wurde (act. G 6.1/158, 159, 175 und 176). Mit Verfügungen vom 3. Dezember 2012
sprach die IV-Stelle dem Versicherten rückwirkend die Kostenübernahme für die
berufliche Abklärung bei der Stiftung E._ zu und stellte gleichentags fest, dass kein
(weiterer) Anspruch auf berufliche Massnahmen mehr bestehe (act. G 6.1/179 f.).
B.d Nach der Einholung eines Verlaufsberichts bei Dr. F._ und eines Arztberichts
des behandelnden Chirurgen Dr. med. G._, Departementsleiter und Chefarzt
Chirurgie, Departement Chirurgie und Orthopädie der Spitäler H._ und I._, sowie
einer Stellungnahme des RAD, der eine relevante Veränderung der bisherigen Arbeits
fähigkeitsschätzung verneinte (act. G 6.1/189, 197 und 198), erliess die IV-Stelle am 13.
Juni 2013 erneut einen ablehnenden Vorbescheid. Bei einem Valideneinkommen von
Fr. 56'369.--, einem Invalideneinkommen von Fr. 42'277.-- und einem daraus
abgeleiteten Invaliditätsgrad von 25 % bestehe kein Rentenanspruch (act. G 6.1/201).
B.e Mit Einwand vom 19. Juni 2013 machte der Rechtsvertreter eine
Verschlechterung des Gesundheitszustands des Versicherten geltend, indem Dr. G._
nur noch von einer Arbeitsfähigkeit von täglich vier Stunden ausgehe und auch
Dr. F._ eine weitere medizinische Abklärung für geboten halte. Unabhängig davon
stelle sich die Frage der Verwertbarkeit einer allfälligen Restarbeitsfähigkeit. Der
Versicherte habe bereits im Einwand vom 2. Februar 2011 dargelegt, dass alle drei von
der IV-Stelle vorgebrachten, angeblich zumutbaren Arbeitsstellen den vom
Versicherungsgericht und den Ärzten vorgegebenen Bedingungen nicht entsprächen.
Darauf sei die IV-Stelle auch im jüngsten Vorbescheid nicht eingegangen. Bei fehlender
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit resultiere ein Anspruch auf eine ganze Rente
(act. G 6.1/204 ff.).
B.f In der Folge holte die IV-Stelle bei Dr. F._ ergänzende Angaben ein. Dieser
distanzierte sich in seinem Schreiben vom 23. September 2013 von der Notwendigkeit
einer weiteren Abklärung und regte höchstens die Überprüfung des status quo durch
Dr. G._ an. Er habe aber keine Anmeldung geschrieben, da der Leidensdruck heute
diesbezüglich zu wenig ausgeprägt sei (act. G 6.1/212). Auf Anregung des
Rechtsvertreters holte die IV-Stelle noch einen Verlaufsbericht bei Dr. G._ ein. Dieser
gab in seinem Bericht vom 8. Januar 2014 an, der Gesundheitszustand sei stationär.
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Die Schmerzen im Afterbereich beeinflussten die Arbeitsfähigkeit. In einer weiteren
Stellungnahme vom 14. Juli 2014 attestierte Dr. G._ dem Versicherten bei reizlosen
perianalen Verhältnissen keine Arbeitsunfähigkeit mehr (act. G 6.1/220 und 230).
Schliesslich holte die IV-Stelle noch eine Stellungnahme der Physiotherapeutin ein. Die
Therapie, die vom 3. September 2013 bis zum 30. Januar 2014 durchgeführt worden
sei (3 Verordnungen à 9 Therapiesitzungen), habe im Wesentlichen aus der Mobilisation
der Fuss- und Zehengelenke und des Femur-Patellar-Gelenks sowie aus der
Detonisierung der Beinmuskulatur bestanden (act. G 6.1/223 und 235). Nachdem der
RAD erneut von unveränderten medizinischen Verhältnissen ausgegangen war (act.
G 6.1/236), verfügte die IV-Stelle am 8. Dezember 2014 ankündigungsgemäss die
Abweisung des Rentengesuchs. Zur Verwertbarkeit wurde ausgeführt, es gebe auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt genügend Stellen, die über eine Toilette in unmittelbarer
Nähe des Arbeitsplatzes verfügten (act. G 6.1/240).
C.
C.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 14. Januar
2015 mit dem Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Dem Beschwerde
führer sei sodann eine ganze Rente der Invalidenversicherung auszurichten.
Eventualiter sei die Sache zur Einholung eines neuen interdisziplinären Gutachtens und
anschliessender neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Schliesslich sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren.
Zur Begründung wird im Wesentlichen vorgebracht, eine allfällige Resterwerbsfähigkeit
sei nicht verwertbar (vgl. zu den Einwänden gegen die einzelnen Stellen die
Begründung zum Einwand vom 2. Februar 2011). Dass es ganz allgemein an der
Verwertbarkeit einer allfälligen Restarbeitsfähigkeit mangle, zeigten auch die für heutige
Verhältnisse zu optimistischen Ausführungen im ZMB-Gutachten. So räumten die
ZMB-Ärzte gleich selber ein, dass eine solche (von ihnen als adaptiert umschriebene)
Tätigkeit in aller Regel nur bei höheren beruflichen Qualifikationen angeboten werde,
über welche der Beschwerdeführer nicht verfüge. Sie verneinten damit selber die
Verwertbarkeit der von ihnen angegebenen Restarbeitsfähigkeit. Zudem würden teils
widersprüchliche Anforderungen verlangt, wenn die Tätigkeit keine fixierte Haltung von
Hals- und Lendenwirbelsäule, andererseits aber auch keine regelmässigen Rotationen
beinhalten dürfe. Realistischerweise sei selbst bei unzutreffender Bejahung einer
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wesentlichen Resterwerbsfähigkeit davon auszugehen, dass ein allgemeiner
Arbeitsmarkt dem ungelernten Beschwerdeführer angesichts seiner erheblichen
gesundheitlichen Beeinträchtigung keine leidensadaptierte Tätigkeit anbiete, was zu
einer vollständigen Erwerbsunfähigkeit und einem Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente führe. Sollte das Versicherungsgericht zum Schluss kommen, dass eine
verwertbare Restarbeitsfähigkeit vorhanden sei, dann müssten Massnahmen zur
beruflichen Wiedereingliederung neu geprüft werden (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 23. Februar 2015 beantragt die Verwaltung
Abweisung der Beschwerde. Es treffe nicht zu, dass die im ZMB-Gutachten genannte
adaptierteTätigkeit auf dem vorausgesetzten ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht
vorhanden sei. Der Beschwerdeführer übersehe, dass bezüglich seiner HWS- und
LWS-Beschwerden einzig Tätigkeiten nicht mehr möglich seien, bei denen er
regelmässige Rotationsbewegungen oder regelmässig eine fixierte Haltung dieser
Wirbelsäulenabschnitte einnehmen müsse. Es treffe auch nicht zu, dass der
Beschwerdeführer stundenlang in einer Toilette sitzen müsse. Es müsse lediglich
gewährleistet sein, dass er jederzeit eine Toilette aufsuchen könne. Diese
Voraussetzung sei bei einem industriellen Arbeitsplatz in der Regel gegeben. Die im
Schlussbericht Eingliederung aufgeführten Arbeitsplätze erfüllten ohne weiteres die
Adaptionsbedingungen, zumal alle über eine Dusche verfügten. Insgesamt sei davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer seine Restarbeitsfähigkeit ohne weiteres
verwerten könne. Aus dem Schlussbericht E._ ergebe sich nichts anderes, zumal der
Beschwerdeführer 3 1⁄2 Wochen lang die ihm zugewiesene Arbeit ausgeführt habe. Der
Beschwerdeführer sei subjektiv nicht eingliederungsfähig, nachdem er ohne
Abmeldung der Arbeit ferngeblieben und nicht sehr motiviert gewesen sei (act. G 6).
C.c Mit Replik vom 16. März 2015 weist der Rechtsvertreter darauf hin, dass die von
der Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort erneut pauschal als geeignet
bezeichneten Maschinenbedienungs-, Kontroll-, Sortier-, Prüf und
Verpackungsarbeiten sowie leichtere Arbeiten bei der Lager- und
Ersatzteilbewirtschaftung vom Versicherungsgericht bereits als ungeeignet bezeichnet
worden seien. Es sei auch bereits dargelegt worden, dass nicht auf den Bericht E._
abgestellt werden könne (act. G 10). Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine
Duplik.
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C.d Mit Schreiben der Gerichtsleitung vom 4. März 2015 wird die unentgeltliche
Rechtspflege sowie -verbeiständung durch Rechtsanwalt Dr. iur. M. Dolder bewilligt
(act. G 7).

Erwägungen
1.
1.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit
oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG; vgl.
hinten E. 2.3).
1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.
2.1 Zunächst ist zur Frage des Gesundheitszustands Stellung zu nehmen.
Diesbezüglich führt der Beschwerdeführer aus, Dr. G._ habe dem Beschwerdeführer
in seinem Bericht vom 24. Mai 2013 attestiert, täglich nur zu vier Stunden arbeitsfähig
zu sein. In seinem Bericht vom 6. Januar 2014 habe er einen stationären Gesundheits
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zustand attestiert, mithin also auch eine gleichbleibende Arbeitsunfähigkeit. Weshalb
sich daran in der Zeit von Januar bis Juli 2014 etwas geändert haben soll, lege Dr.
G._ nicht dar. Es sei auch nicht ersichtlich, zumal Dr. G._ selber erkläre, die letzte
Konsultation habe im Januar 2014 stattgefunden. Nachdem eine Verbesserung des
Gesundheitszustands nicht dokumentiert sei, sei nicht einzusehen, weshalb sich die
Arbeitsfähigkeit verbessert haben sollte. Dem ist jedoch entgegen zu halten, dass aus
den Angaben der behandelnden Ärzte keine massgebende Verschlechterung des
Gesundheitszustands gegenüber dem Zustand zum Begutachtungszeitpunkt abgeleitet
werden kann. So beantwortete Dr. F._ in seinem Verlaufsbericht vom 31. Januar
2013 die entsprechenden Formularfragen dahingehend, dass der Gesundheitszustand
stationär sei, er aber eine ergänzende medizinische Abklärung für angezeigt halte (act.
G 6.1/189.2). Auf explizite Nachfrage der Beschwerdegegnerin relativierte Dr. F._ in
seinem Schreiben vom 23. September 2013 die Notwendigkeit einer weiteren
medizinischen Abklärung wieder und gab an, er sehe keine Indikation für eine
Abklärung, höchstens für eine erneute Überprüfung des Status quo durch Dr. G._. Er
habe aber keine Anmeldung bei diesem Arzt geschrieben, da der Leidensdruck des
Beschwerdeführers heute zu wenig ausgeprägt sei (act. G 6.1/212). Dr. G._ führte
zwar in seinem Arztbericht vom 24. Mai 2013 (Eingang bei der Beschwerdegegnerin)
aus, es bestehe in der bisherigen Tätigkeit eine verminderte Leistungsfähigkeit im
Umfang von 4 Stunden pro Tag, gab aber gleichzeitig an, der Beschwerdeführer sei
seit 5 Monaten nicht mehr in seiner Behandlung bzw. die letzte Kontrolle habe am
3. Dezember 2012 stattgefunden (act. G 6.1/197.2 f.). Am 6. Januar 2014 gab er
sodann an, der Gesundheitszustand sei stationär, es bestehe kein neuer Befund (act.
G 6.1/220). Mit Schreiben vom 14. Juli 2014 führte er schliesslich aus, dass anlässlich
der letzten Kontrolle vom 9. Januar 2014 reizlose perianale Verhältnisse sowie eine
deutlich gebesserte Schmerzsituation vorgelegen hätten, weshalb von seiner Seite
keine Arbeitsunfähigkeit (mehr) attestiert werde (act. G 6.1/230). Mithin liegt in den
Angaben von Dr. G._ kein unauflösbarer Widerspruch. Zum einen bezog er die im
Mai 2013 attestierte Arbeitsunfähigkeit auf die angestammte Tätigkeit. Zum anderen
machte er die Angabe vom 6. Januar 2014, wonach ein stationärer
Gesundheitszustand vorliege, noch vor seiner letzten Kontrolle vom 9. Januar 2014,
anlässlich welcher er einen gebesserten Zustand festgestellt hatte. Schliesslich wird
eine Verschlechterung des Gesundheitszustands auch nicht durch die Angaben der
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Physiotherapeutin belegt. Diese legte in ihrem Mail vom 10. März 2014 nur dar, dass
die Therapie aus der Mobilisation der Fuss- und Zehengelenke sowie des Femur-
Patellar-Gelenks bestehe. Zudem sei die Beinmuskulatur mit Massagen detonisiert
worden (act. G 6.1/223). In einem weiteren Bericht vom 26. Oktober 2014 führte die
Physiotherapeutin aus, dass auch in der letzten Behandlungsserie vom 7. - 30. Januar
2014 keine langfristige Linderung der Schmerzen im Knie und im Fuss habe erreicht
werden können. Die physische und psychische Belastbarkeit sei sehr gering. Sie habe
die Therapie am 30. April 2014 (richtig wohl: 30. Januar 2014) beendet (act. G 6.1/235).
2.2 Mit dem RAD ist somit davon auszugehen, dass die vorliegenden medizinischen
Berichte nicht geeignet sind, eine massgebliche Verschlechterung des
Gesundheitszustands seit dem ZMB-Gutachten vom Januar 2008 zu belegen (vgl. act.
G 6.1/236). Im Gegenteil ist auf Grund der seit dem Urteil vom 11. August 2010
ergangenen medizinischen Angaben der Dres. F._ und G._ davon auszugehen,
dass sich die perianale Situation bis zu einem gewissen Grad beruhigt hat, berichtet
doch Dr. F._ von den letzten Konsultationen vom 16. Mai und 19. August 2013, dass
der Beschwerdeführer damals nicht über seine analen Probleme geklagt habe, sondern
über Schmerzen in den Grosszehengelenken beider Füsse sowie retropatellär bei
Condropathia patellae (act. G 6.1/212.1). Bei Dr. G._ waren seit Januar 2014 keine
weiteren Kontrollen vorgesehen (act. G 6.1/230.1). Auch aus den glaubwürdigen
Ausführungen der Stiftung E._ geht hervor, dass der Beschwerdeführer nicht in erster
Linie durch die Stuhlproblematik eingeschränkt war, sondern vor allem durch die häufig
in Anspruch genommen Ruhepausen, die er zumeist liegend verbracht hatte (act.
G 6.1/176.1). Insgesamt ist davon auszugehen, dass sich die Auswirkungen der –
immer noch bestehenden - Darmproblematik auf die Stellenanforderungen seit dem
Urteil vom 11. August 2010 stabilisiert haben.
2.3 Zwar rechtfertigt es sich unter diesen Umständen nach wie vor von der
gutachterlich festgestellten Arbeitsfähigkeit von 75 % in einer leidensadaptierten
Tätigkeit auszugehen und dem Beschwerdeführer gut zwei Stunden pro Arbeitstag für
zusätzliche Toilettengänge zuzugestehen (Vollzeit bei vermehrten Pausen, körperlich
leicht, ohne Überkopf- und Überschultertätigkeiten, ohne regelmässige Rotationen und
ohne fixierte Haltung der Hals- und Lendenwirbelsäule [vgl. Urteil des
Versicherungsgerichts vom 11. August 2010, E. 2.4]). Mithin ist auch immer noch davon
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auszugehen, dass system- oder maschinengebundene Tätigkeiten – und damit die
üblicherweise für männliche Hilfsarbeiter als zumutbar erachteten
Maschinenbedienungs- und Kontrollfunktionen sowie die Sortier-, Prüf- und
Verpackungsarbeiten - für den Beschwerdeführer grundsätzlich nicht geeignet sind.
Indessen ist auf Grund der neu ergangenen Akten von einer weniger stark
eingeschränkten Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auszugehen als ursprünglich
angenommen. So ist mit der Beschwerdegegnerin festzustellen, dass etwa einfache
Montagetätigkeiten für den Beschwerdeführer möglich sind. Dies zeigte sich auch
anlässlich des – allerdings nur kurzen – Arbeitseinsatzes in der Stiftung E._, wo der
Beschwerdeführer bei einfachen Montagetätigkeiten qualitativ gute Resultate erzielt
hatte (act. G 6.1/176.1). Die im Urteil vom 11. August 2010 getroffene Annahme, der
Verwertungserfolg der Restarbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt sei generell in
Frage gestellt und bedürfe demzufolge eines konkreten Nachweises von
Arbeitsgelegenheiten, kann auf Grund der neuen Berichte nicht aufrechterhalten
werden. Der Beschwerdeführer ist somit auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu
verweisen. Der Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes gemäss Art. 16 ATSG ist ein
theoretischer und abstrakter Begriff, welcher die konkrete Arbeitsmarktlage nicht
berücksichtigt (BGE 134 V 64 E. 4.2.1 S. 70 f.) und dazu dient, den Leistungsbereich
der Invalidenversicherung von jenem der Arbeitslosenversicherung abzugrenzen. Er
umschliesst einerseits ein bestimmtes Gleichgewicht zwischen dem Angebot von
Stellen und der Nachfrage nach solchen. Andererseits bezeichnet er einen
Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen
offenhält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und
intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes (BGE
110 V 273 E. 4b S. 276; Urteile des Bundesgerichts 9C_485/2014 vom 28. November
2014 E. 2.2; 9C_192/2014 vom 23. September 2014 E. 3.1; 9C_442/2008 vom
28. November 2008 E. 4.2). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte
Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit
einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können (Urteil
9C_485/2014 E. 2.2 mit Hinweis auf Urteil 9C_95/2007 vom 29. August 2007 E. 4.3).
2.4 Beim Valideneinkommen ging die Beschwerdegegnerin von einem Wert von
Fr. 56‘369.-- aus. Dieser geht zurück auf die durch die Eingliederungsberaterin
erhobenen Angaben der Arbeitgeberin, wonach der Beschwerdeführer im Jahr 2006
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Fr. 4‘300.-- (x12), zuzüglich einer Gratifikation von 80 % eines Monatslohns (=
Fr. 3‘440.--), total somit Fr. 55‘040.-- verdient hätte (act. G 6.1/23). Teuerungsbereinigt
ergebe sich für 2008 der besagte Wert von Fr. 56‘369.-- (vgl. Feststellungsblatt vom
4. März 2008 [act. G 6.1/45]). Vom gleichen Valideneinkommen ging die
Beschwerdegegnerin auch in der der angefochtenen Verfügung zu Grunde liegenden
Feststellung vom 5. Juni 2013 aus (act. G 6.1/199). Beschwerdeweise bemängelt der
Rechtsvertreter, dieses Einkommen sei zu tief. So sei die Beschwerdegegnerin in einer
Aktennotiz vom 15. Juli 2008 von einem Valideneinkommen von Fr. 57‘760.--
ausgegangen. Zwar existiert der entsprechende Vermerk der IV-Sachbearbeiterin (act.
G 6.1/66). Die Differenz ist möglicherweise auf eine unterschiedliche Berücksichtigung
der seit 2006 aufgelaufenen Teuerung zurückzuführen. Wie es sich damit verhält, kann
beim vorliegenden Ergebnis jedoch offen bleiben, da selbst unter Berücksichtigung des
höheren Wertes kein rentenbegründender Invaliditätsgrad resultieren würde. Die
Beschwerdegegnerin ging sodann von einem Prozentvergleich aus, indem sie dem
Invalideneinkommen den Arbeitsfähigkeitsgrad von 75 % zu Grunde legte. Dies ist im
Ergebnis nicht zu beanstanden, hat doch der Beschwerdeführer an seiner letzten
Arbeitsstelle unterdurchschnittlich verdient, sodass unter Berücksichtigung der
Parallelisierung des Invalideneinkommens – mit Abweichung des
rechtsprechungsgemässen Selbstbehalts von 5 % - ohnehin praktisch ein
Prozentvergleich resultiert (es wird 95 % des Tabellenwertes mit 75 % des
Tabellenwertes verglichen, woraus ein Invaliditätsgrad von rund 21 % resultiert [20 % :
95 % x 100]). Nachdem die Einschränkung durch vermehrte Toilettengänge bereits
beim Arbeitsfähigkeitsgrad berücksichtigt worden ist, bleibt kein Raum für die
zusätzliche Berücksichtigung eines Leidensabzugs. Im Übrigen würde auch ein
Leidensabzug von maximal 10 % nur zu einem nicht rentenbegründenden
Invaliditätsgrad von rund 28.9 % führen (27.5 % : 95 % x 100). Auf Grund eines
Invaliditätsgrads von über 20 % hat der Beschwerdeführer immerhin Anspruch auf
berufliche Massnahmen, sollte er solche wünschen.
3.
3.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
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3.2 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Ver
sicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgelegt.
Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint vorliegend angemessen. Der
Beschwerdeführer ist im Verfahren unterlegen, weshalb ihm die Gerichtskosten
aufzuerlegen sind. Zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung
(Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) durch die Gerichtsleitung am 4. März 2015 ist er jedoch von
deren Bezahlung zu befreien (act. G 7).
3.3 Der Staat ist auf Grund der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung zu
verpflichten, für die Kosten der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers
aufzukommen. Der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand angemessen
erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer). Diese ist in Anwendung von Art. 31 Abs. 3 des st. gallischen
Anwaltsgesetzes (sGS 963.70) um einen Fünftel auf Fr. 2'800.-- zu reduzieren.
3.4 Wenn seine wirtschaftlichen Verhältnisse es ihm gestatten, kann der
Beschwerdeführer zur Nachzahlung der Gerichtskosten und der Auslagen für die
Vertretung verpflichtet werden (vgl. Art. 123 ZPO i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/SG).