Decision ID: 2f1db2a6-f8cd-5df2-a9b8-027d7aa95fc4
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
R._,
Beschwerdeführerin/
Rekurrentin,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin/
Rekursgegnerin,
betreffend
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Erlass der Rückerstattung (ordentliche und ausserordentliche EL zur IV)
Sachverhalt:
A.
A.a R._, Jahrgang 1952, bezieht seit einigen Jahren Ergänzungsleistungen (EL) zur
Invalidenrente. Anlässlich einer im Sommer 2006 eingeleiteten periodischen
Überprüfung stellte die EL-Durchführungsstelle fest, dass der Ehemann der
Versicherten seit 2003 ein Erwerbseinkommen erzielte, über das sie bis dahin nicht
informiert gewesen war. Zudem erfuhr sie von einer Mietzinssenkung ab September
2005. Gestützt auf diese Angaben berechnete sie die EL rückwirkend ab Juni 2003 neu
und forderte mit Verfügung vom 16. November 2006 den Betrag von Fr. 38'868.-
(Fr. 34'877.- ordentliche und Fr. 3'991.- ausserordentliche EL) zurück (EL-act. 28).
Dagegen erhob die A._ AG in Vertretung der Versicherten am 8. Dezember 2006
Einsprache, die sie am 12. Dezember 2006 begründete (EL-act. 26 f.). Die EL-
Durchführungsstelle teilte der Vertretung mit formlosem Schreiben vom 22. Februar
2007 mit, die Rückforderung reduziere sich um rund Fr. 6'900.- (EL-act. 20). Die
Vertretung erklärte sich am 1. März 2007 mit der neuen Zusammenstellung als
einverstanden. Sie betrachte die Einsprache vom 8. Dezember 2006 als erledigt (EL-
act. 19).
A.b Die Versicherte ersuchte am 2. März 2007 um Erlass der Rückforderung vom
16. November 2006 von Fr. 31'989.- (Fr. 38'868.- - Fr. 6'879.- Korrektur gemäss
Einsprache). Sie habe die EL im guten Glauben bezogen (EL-act. 18). Mit Verfügung
vom 12. März 2007 ersetzte die EL-Durchführungsstelle die Verfügung vom
16. November 2006. Sie forderte von Juni 2003 bis November 2006 zu viel bezahlte
ordentliche EL von Fr. 27'998.- und von September 2005 bis September 2006 zu viel
bezahlte ausserordentliche EL von Fr. 3'991.- zurück (EL-act. 17). Am 19. März 2007
wiederholte die Versicherte ihr Erlassgesuch. Sie verwies erneut auf ihren guten
Glauben beim Bezug und machte geltend, sie sei immer der Meinung gewesen, mit
dem Einreichen der Steuererklärung sei alles in Ordnung (EL-act. 8).
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A.c Die EL-Durchführungsstelle wies das Erlassgesuch mit Verfügung vom 30. April
2007 ab. Die Versicherte habe ihre Meldepflicht verletzt, weshalb ihr der gute Glaube
nicht zugesprochen werden könne. Gleichzeitig ordnete sie die Verrechnung der
Rückforderung mit monatlichen Leistungsbeträgen von je Fr. 377.-- in der Zeit vom 1.
Mai 2007 bis 31. Dezember 2012 an (EL-act. 5). Dagegen erhob die Versicherte am
23. Mai 2007 Einsprache. Ihr Ehemann und sie hätten nicht absichtlich gegen den
guten Glauben verstossen. Die Einkünfte ihres selbstständigerwerbenden Mannes
würden naturgemäss von Jahr zu Jahr ziemlich stark schwanken. Das Ausmass dieses
Einkommens lasse sich immer erst im Nachhinein aufgrund der Steuererklärung
feststellen. In der Vergangenheit habe es immer eine gewisse Zeit gedauert, bis diese
ausgearbeitet gewesen sei. Deshalb seien frühzeitige Meldungen unterblieben (EL-
act. 2).
A.d Der Rechtsdienst der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen wies die
Einsprache in Vertretung der EL-Durchführungsstelle mit Entscheid vom 18. Juli 2007
ab. Die Versicherte hätte bei gebotener Aufmerksamkeit bemerken müssen, dass trotz
der Erwerbstätigkeit des Ehemanns seit 2003 kein Erwerbseinkommen angerechnet
worden sei. Ihr hätte klar sein müssen, dass ein Erwerbseinkommen Einfluss auf die
Berechnung der EL habe. Gerade im Bereich der EL, wo es um Leistungen gehe, die
der konkreten wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit einer versicherten Person Rechnung
tragen würden, müsse auch ohne besondere Rechtskenntnisse klar sein, dass ein
Erwerbseinkommen gemeldet werden müsse. Die Versicherte habe nicht einfach nur
eine frühzeitige Meldung unterlassen, sondern das Einkommen auch in den folgenden
Jahren überhaupt nie gemeldet. Eine Meldung wäre der Versicherten längst möglich
gewesen. Folglich könne davon ausgegangen werden, dass die Versicherte ihre
Sorgfaltspflicht verletzt und die zu hohen EL nicht in gutem Glauben bezogen habe. Die
verrechenbare Quote betrage Fr. 377.-. Man verrechne ab 1. Mai 2007 bis
31. Dezember 2012 eine monatliche Rate in dieser Höhe, was einer Rückzahlung von
Fr. 25'636.- entspreche. Einen Betrag von Fr. 4'638.80 schreibe man ab. Dieser Teil
wäre allerdings nachträglich zu bezahlen, sollte die Versicherte zu einem späteren
Zeitpunkt zu Vermögen gelangen. Der Betrag von Fr. 1'714.20 sei mit einer
Rückvergütung von AHV/IV/EO-Beiträgen in dieser Höhe verrechnet worden (act. G 3).
B.
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B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die undatierte Beschwerde der Versicherten
(Postaufgabe: 18. August 2007). Sie beantragt sinngemäss die Aufhebung des
Einspracheentscheids. Sie frage sich, ob eine Familie mit solchen Voraussetzungen
den Lebensunterhalt noch bestreiten könne. Die "Auswertungen des Steueramtes"
erhalte sie erst im Spätherbst. Weiter teilt die Beschwerdeführerin mit, der Mietzins der
Wohnung sei ab 1. Juli 2007 um Fr. 40.- erhöht worden (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt am 27. September 2007 die Abweisung der
Beschwerde und verweist zur Begründung auf die Erwägungen im
Einspracheentscheid (act. G 5).

Erwägungen:
1.
1.1 Die Beschwerdegegnerin hat am 16. November 2006 EL in der Höhe von
Fr. 38'868.- zurückgefordert. Nach einer Einsprache der Beschwerdeführerin widerrief
sie diese Verfügung am 12. März 2007 und legte die Rückforderung auf Fr. 31'989.-
fest.
1.2 Streitig und im vorliegenden Verfahren einzig zu beurteilen ist die Frage, ob die
Rückforderung vom 12. März 2007 in der Höhe von Fr. 31'989.- zu erlassen ist. Die
Rückforderung selbst wurde in Bestand und Höhe rechtskräftig verfügt und kann vom
Gericht nicht überprüft werden. Ebenfalls nicht Anfechtungsgegenstand bildet die
Mietzinserhöhung per 1. Juli 2007. Diese Änderung des leistungsrelevanten
Sachverhalts wird die Beschwerdegegnerin im Rahmen eines Anpassungsverfahrens
zu berücksichtigen haben.
1.3 Die Beschwerdegegnerin hat mit der Verfügung vom 30. April 2007 den Erlass der
Rückforderung ordentlicher und ausserordentlicher EL verweigert (EL-act. 17). Als
Rechtsmittel hat sie in dieser Verfügung die Einsprache angegeben. Betreffend
ordentliche EL ergibt sich die Einsprachelegitimation innert 30 Tagen aus Art. 52 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1). Für die ausserordentlichen, d.h. kantonalrechtlichen EL bildet seit
Inkrafttreten des V. Nachtrags vom 27. Januar 2007 zum st. gallischen Gesetz über die
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Verwaltungsrechtspflege (VRP; sGS 951.1) Art. 11 des st. gallischen
Ergänzungsleistungsgesetzes (sGS 351.5) die gesetzliche Grundlage. Dieser Artikel
sieht gegen Verfügungen der Sozialversicherungsanstalt ebenfalls die Einsprache innert
30 Tagen vor. Die Einspracheerhebung war also frist- und formgerecht. Der
Einspracheentscheid vom 18. Juli 2007 nannte nur die Beschwerde innert 30 Tagen
gemäss Art. 56 ATSG als Rechtsmittel. Betreffend Erlass der Rückerstattung der
ordentlichen EL war dies korrekt. Gemäss Art. 42 Abs. 1 lit. a VRP kann gegen
Einspracheentscheide der Sozialversicherungsanstalt über ausserordentliche EL
hingegen beim Versicherungsgericht Rekurs erhoben werden. Die Rekursfrist beträgt
14 Tage (Art. 47 Abs. 1 VRP). Aufgrund des Fristenstillstands während der
Gerichtsferien stand die Rechtsmittelfrist vom Erlass des Einspracheentscheids bis
zum 15. August 2007 still (Art. 90 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 91 Abs. 1 des st. gallischen
Gerichtsgesetzes [GerG; sGS 941.1]). Mit ihrer am 18. August 2007 der Post
übergebenen Eingabe hat die Beschwerdeführerin die Rekursfrist von 14 Tagen
gewahrt. Freilich dürfte ihr jedoch ohnehin aus der betreffend die ausserordentlichen