Decision ID: 45fdbdea-3a1a-44e0-889d-4f834ec073a5
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Hans Frei, Kriessernstrasse 40, 9450 Altstätten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
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A.
A.a A._ meldete sich am 17. Dezember 2007 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-
act. 3). Im Gesuchsformular gab sie u.a. an, sie habe ein Jurastudium begonnen, aber
nicht abgeschlossen ("Kinder/Krieg"). 1991 sei sie aus Kroatien in die Schweiz
eingereist. Der Auszug aus dem individuellen Beitragskonto (IK) wies zwar für 1991
einen beitragspflichtigen Lohn aus, aber nur für die Periode Januar bis April. Das
nächste beitragspflichtige Einkommen war erst wieder im März 1992 erzielt worden (IV-
act. 2). Die B._ gab am 17. Januar 2008 an (IV-act. 10), sie habe die Versicherte von
März 1994 bis Februar 2008 als Näherin beschäftigt. Das Arbeitsverhältnis sei
krankheitsbedingt aufgelöst worden. Die Versicherte habe im Jahr 2005 Fr. 38'314.30
und 2006 Fr. 38'643.80 verdient. Aktuell würde die Versicherte Fr. 43'000.-- verdienen.
Dr. med. C._, Oberärztin an der Klinik D._, berichtete am 4. Februar 2008 (IV-act.
11), die Versicherte leide an einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver
Reaktion bei anhaltendem Schmerzsyndrom bei St. n. Bandscheibenvorfall, an einer
andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (Kriegstraumata im
Kosovokrieg) und an Rückenbeschwerden. Als Näherin sei die Versicherte seit dem 7.
April 2007 zu 100% arbeitsunfähig. Der Gesundheitszustand sei besserungsfähig. Die
Arbeitsfähigkeit könne durch medizinische Massnahmen verbessert werden. Der
aktuelle psychopathologische Befund sei dominiert von einer gedrückten Stimmung,
einer reduzierten Schwingungsfähigkeit und Konzentrations- und
Aufmerksamkeitsstörungen. Die psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung
werde durch sie selbst ambulant weitergeführt. Die Prognose betreffend die
Arbeitsfähigkeit sei vom Verlauf der Wirbelsäulenerkrankung bestimmt. Sollte diese
Erkrankung ausreichend ausheilen, um die Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen, so sei
es denkbar, dass die depressive Erkrankung remittiere. Dr. med. E._, Allgemeine
Medizin FMH, berichtete am 20. Februar 2008 (IV-act. 15), die Diagnosen lauteten: St.
n. degenerativer Spinalkanalstenose und Dysstabilität L3/4 und L4/5, St. n.
Dekompression L3/4 und L4/5, dorsolaterale Spondylodese L3 bis L5. Er gab weiter
an, die Versicherte sei seit dem 6. Februar 2007 und bis auf weiteres zu 100%
arbeitsunfähig. Dr. med. F._ führte in seinem Bericht vom 11. März 2008 aus (IV-act.
19), die Versicherte könne wegen der Rückenbeschwerden nicht längere Zeit sitzen
oder stehen und sie könne keine grösseren Gehstrecken bewältigen. Eine adaptierte
Erwerbstätigkeit sei in Wechselbelastung zwischen sitzen, stehen und gehen
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auszuüben, beinhalte keine vorgeneigte Arbeit und keine Arbeit in Zwangsposition.
Ausserdem betrage die Gewichtslimite 7-8 kg. Eine derartige Tätigkeit könnte an 4 Std.
täglich, anfangs mit vermehrten Pausen, ausgeübt werden. Die Klinik Valens hielt in
ihrem Austrittsbericht vom 12. März 2008 fest (IV-act. 20), folgende Diagnosen seien
erhoben worden: Lumbospondylogenes Syndrom, andauernde
Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (wiederholte Reaktionen mit
Panikattacken, Verstummen und Fluchtreaktion) und V. a. Fingerarthrose. Beim Eintritt
in die Klinik habe die Versicherte imponiert mit multiplen muskulären Triggerpunkten im
Schulter- und Beckengürtelbereich sowie mit einer Fehlhaltung der Wirbelsäule. Bei
fehlenden neurologischen Defiziten sei dieser Befund als Dekonditionierung und
muskuläre Dysbalance interpretiert worden. Die Versicherte sei in ein multimodales,
aktivierendes Rehabilitationsprogramm integriert worden. Sie habe davon gut
profitieren können. Beim Austritt aus der Klinik habe sie schneller und länger gehen
können und die Belastung in der medizinischen Trainingstherapie sei gesteigert
worden. Aus ergonomischer Sicht könne die Versicherte nun das rückengerechte
Verhalten auch bei komplizierten Bewegungsabläufen einhalten. Sie habe persönliche
Bewältigungsstrategien und Selbsthilfemassnahmen erlernt. Aus rheumatologischer
Sicht bestünden keine grösseren Einschränkungen des Bewegungsapparats. Deshalb
sei der Versicherten ein intensives ambulantes Trainingsprogramm mit
physiotherapeutischer Unterstützung empfohlen worden. Es sei eine weitere
Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit zu erwarten, die flankierend mit einer
zunehmenden Integration in den Arbeitsprozess unterstützt werden sollte. Bis 9. März
2008 bestehe noch eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Ab 10. März 2008 sei von einer
Arbeitsfähigkeit von 50% auszugehen. Dr. C._ berichtete der IV-Stelle am 1. April
2008 (IV-act. 21), im Verlauf zeige sich ein Rückgang der depressiven Symptomatik.
Gleichwohl bestehe nach wie vor eine schwere Schlafstörung mit Alpträumen, die zu
einer Tagesmüdigkeit führe. Alpträume im Sinn der Verarbeitung von schwergradigen
traumatischen Erlebnissen würden in der psychotherapeutischen Behandlung
fokussiert. In der angestammten Tätigkeit bestehe aktuell eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit. Bei der Adaptation sei die schwere Schlafstörung mit
Tagesmüdigkeit und verminderter konzentrativer Belastung zu berücksichtigen.
Abhängig vom Verlauf der Wirbelsäulenerkrankung sei zuerst nur eine sehr
eingeschränkte Arbeitsfähigkeit mit langsamer Adaptation in ein mehrstündiges
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Arbeiten denkbar. Vielleicht gelinge es der Versicherten, eine Anstellung mit
verminderter Stundenzahl (zur Zeit maximal 2 Std./Tag) zu finden. Insgesamt sei bei
dem multimorbiden Krankheitsbild von einer Arbeitsunfähigkeit von über 70%
auszugehen. Dr. F._ teilte dem Hausarzt am 29. April 2008 mit (IV-act. 22), die
Versicherte habe kleine Fortschritte gemacht. Die Beinschmerzen seien kaum mehr von
Belang. Die Rückenschmerzen seien noch häufig, aber bedeutend weniger als vor der
Operation. Es komme immer wieder zu Verspannungen interscapulär und im
Nackenbereich. Die Versicherte bleibe auch aus orthopädischer Sicht arbeitsunfähig.
A.b Die Ärzte des RAD hielten am 14./17. Mai 2008 u.a. fest (IV-act. 23), die
vorliegenden Arztzeugnisse beschrieben die psychischen Funktionsausfälle
ungenügend. Schlafstörungen genügten nicht, um eine derart hohe und langdauernde
Arbeitsunfähigkeit zu begründen. Ausserdem fänden sich aus psychiatrischer Sicht
Widersprüche betreffend die Arbeitsfähigkeit. Am 2. Juni 2008 beauftragte die IV-Stelle
das Medizinische Gutachtenzentrum St. Gallen mit einer psychiatrisch-orthopädischen
Abklärung der Versicherten (IV-act. 27). Dr. med. univ. G._, Facharzt für Psychiatrie
und Neurologie, allg. beeideter gerichtl. Sachverständiger, Arzt für
psychotherapeutische Medizin, Psychosomatik und psychosoziale Medizin, führte in
seinem psychiatrischen Teilgutachten vom 5. September 2008 aus (IV-act. 30), die
Versicherte habe angegeben, sie habe wiederholt Einschlafstörungen und sei dann bis
drei oder vier Uhr wach. Daneben habe sie schmerzbedingt Durchschlafstörungen, sie
erwache nach 2-3 Std. Im psychischen Zustand habe sie nach Erleben der
Kriegssituation in Bosnien anfangs Schlafstörungen gehabt. Mit Medikamenten habe
sie einigermassen geschlafen. Vor sechs Jahren sei ihr Vater gestorben. Seit 2004
seien wieder verstärkt Alpträume aufgetreten mit Erinnerungen an frühere
traumatisierende Erlebnisse mit Missbrauch seitens des Vaters und mit Missbrauch im
Krieg. Seither habe sie am Tag und auch in der Nacht immer wieder bildhafte
Erinnerungen. Unter Psychotherapie durch Dr. C._ träten diese Träume und
bildhaften Erinnerungen seit etwa einem halben Jahr weniger auf. Dr. G._ führte
weiter aus, die Stimmungslage sei niedergeschlagen, weinerlich, verzweifelt und sehr
unruhig. Immer wieder habe die Versicherte Angstzustände, traue sich nicht unter die
Leute, habe Konzentrationsstörungen, sei auf sich selbst wütend und könne die
Affektausbrüche nicht kontrollieren. Sie fühle sich zu keiner Erwerbstätigkeit fähig.
Infolge fehlender Konzentration könne sie nicht lesen. Sie ziehe sich sozial zurück und
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meide den Kontakt mit Menschen. Dr. G._ stellte die Diagnosen
Anpassungsstörungen mit längerer depressiver Reaktion bei anhaltendem
Schmerzsyndrom und andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung. In
seiner Beurteilung führte er aus, trotz der Besserung der Schlafstörungen, der
Alpträume und der wiederkehrenden Flashbacks mit Erinnerung an die traumatischen
Erlebnisse bestehe ein mittelgradiges depressives Zustandsbild. Die Versicherte wirke
in der Stimmungslage niedergeschlagen, affektlabil, verzweifelt, psychosomatisch
unruhig. Aufgrund einer schwergradigen Depression habe von März 2007 bis März
2008 bei der angestammten Tätigkeit als Näherin eine über 70%ige Arbeitsunfähigkeit
bestanden. Seit April 2008 bestehe eine mittelgradige depressive Reaktion. Diese
bewirke in der angestammten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 50%. Seither sei
der Arbeitsfähigkeitsgrad konstant. In einer geistig einfachen Tätigkeit, ohne erhöhten
Konzentrationsbedarf, ohne Zeitdruck, ohne Kundenkontakt und ohne Anwesenheit
mehrerer Mitarbeiter betrage die Arbeitsfähigkeit 60%. Dr. med. H._, Spezialarzt
Orthopädische Chirurgie FMH, berichtete in seinem Gutachten vom 23. Juni 2008,
erstellt am 15. September 2008 (IV-act. 33), er habe folgende orthopädische Diagnosen
erhoben: Bursitis subacromialis links und Pseudolumboischialgie bei St. n.
Dekompression L3/4 und L4/5 und dorsolateraler Spondylodese L3 bis L5 mit
translaminärer Verschraubung L3/4 und L4/5. Er führte dazu aus, die Schmerzen im
proximalen linken Oberarm respektive die pathologischen Untersuchungsbefunde der
linken Schulter könnten auf die sonographisch dargestellte Bursitis subacromialis links
zurückgeführt werden. Die Prognose sei bei entsprechender Behandlung gut. Im MRI
hätten keine Hinweise auf eine zervikale Ursache der Beschwerden erhoben werden
können, welche die abnormen Untersuchungsbefunde der HWS erklären könnten. Bei
radiologisch fehlender neuraler Kompression sei die subjektiv empfundene
Hyposensibilität der Finger II bis V links nicht plausibel. Die Ursache der lumbalen
Schmerzen und insbesondere der Ausstrahlung in das rechte Kniegelenk könnten bei
einem radiologisch unauffälligen postoperativen Befund nicht nachvollzogen werden.
Die im Röntgenbild sichtbare gebrochene proximale Schraube links sei nicht für die
Beschwerden verantwortlich. Die Arbeitsfähigkeit als Näherin betrage bei voller
Stundenpräsenz ca. 65%. Körperlich leichte Tätigkeiten in temperierten Räumen, die
abwechslungsweise sitzend und stehend ausgeübt werden könnten, ohne dass dabei
regelmässig Arbeiten über der Horizontalen verrichtet oder Gegenstände über 5 kg
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gehoben oder getragen werden müssten, und bei denen nicht häufig inklinierte,
reklinierte oder rotierte Körperhaltungen eingenommen werden müssten, seien der
Versicherten (aus rein orthopädischer Sicht) bei voller Stundenpräsenz zu 90%
zumutbar. Die gemeinsame orthopädisch-psychiatrische Beurteilung habe für die
bisherige Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50% ab April 2008 ergeben. In einer
adaptierten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 60%.
A.c Dr. C._ teilte am 4. März 2009 mit (IV-act. 40), die Versicherte leide an
folgenden psychischen Einschränkungen: Deutlich reduzierte konzentrative
Belastbarkeit, Affektlabilität, reduzierte soziale Kompetenz. Hinzu kämen körperliche
Einschränkungen: Verlangsamtes, vorsichtiges Gangbild, chronisches
Schmerzsyndrom, Schlafstörung, insgesamt Vollbild einer physischen Erschöpfung.
Die Versicherte sei nicht fähig, mehr als eine Stunde pro Tag zu arbeiten. Dr. med. I._
vom RAD hielt am 20. April 2009 fest (IV-act. 41), Dr. C._ habe die Arbeitsunfähigkeit
vorwiegend mit den subjektiven Schmerzangaben begründet. Auszugehen sei von
einer Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Erwerbstätigkeit von 60%. Die IV-Stelle
verglich ein Valideneinkommen 2008 als Näherin von Fr. 38'598.-- mit einem
Invalideneinkommen von Fr. 26'332.--. Zur Ermittlung dieses Invalideneinkommens
hatte sie ein Einkommen von Fr. 50'132.-- mit dem Valideneinkommen verglichen und
dabei einen sogenannten Minderverdienst von 24% festgestellt. Daraufhin hatte sie das
Durchschnittseinkommen um 14% auf Fr. 43'887.-- reduziert. Bei einem
Arbeitsfähigkeitsgrad von 60% hatte daraus das Invalideneinkommen von Fr. 26'332.--
resultiert. Die behinderungsbedingte Erwerbseinbusse von Fr. 12'266.-- entsprach
einem Invaliditätsgrad von knapp 31,78% (IV-act. 42, 43). Mit einem Vorbescheid vom
9. Juni 2009 kündigte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung des Rentengesuchs
an (IV-act. 46). Dr. E._ machte am 2. Juli 2009 geltend (IV-act. 50), die Versicherte sei
"nie und nimmer" zu 60% arbeitsfähig. Die Arbeitsunfähigkeit betrage mindestens
80%. Die Situation sollte noch einmal seriös überprüft werden. Die Versicherte liess am
31. Juli 2009 einwenden (IV-act. 52), es gebe keine Arbeitsplätze, welche die
Anforderungen an eine psychiatrisch adaptierte Erwerbstätigkeit erfüllen würden.
Deshalb bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100%. Nur die Fakten, die gegen die
Leistung einer Invalidenrente sprächen, seien von der IV-Stelle berücksichtigt worden.
Alle anderen objektiven Befunde und Arztberichte seien ausgeblendet und überhaupt
nicht zur Kenntnis genommen worden. Im beigelegten Bericht vom 28. Juli 2009 hatte
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Dr. C._ angegeben (IV-act. 54), seit dem 13. Juli 2009 befinde sich die Versicherte in
der dritten vollstationären psychiatrischen Behandlung. Die Diagnose laute:
Schwergradige depressive Episode mit Suizidgedanken. Nach dem Erhalt des
ablehnenden IV-Entscheids habe die Versicherte schwergradig dekompensiert. Aktuell
bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Zwischen den stationären Aufenthalten sei
es jeweils nur zu einer Teilremission gekommen, wobei ein Arbeitsunfähigkeitsgrad von
70% nicht unterschritten worden sei. Die Versicherte zeige eine schwergradig
verminderte Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit, eine schwergradige
Schlafstörung mit Tagesmüdigkeit, eine morgendliche Antriebsstörung, eine
schwergradige affektive Labilität, eine schwergradige Störung der Stresstoleranz,
Stimmungseinbrüche bis zu Suizidgedanken, Flashbacks und einen schwergradigen
sozialen Rückzug. Nach dem fast dreijährigen Verlauf sei von einer andauernden
100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Die IV-Stelle nahm erneut einen
Einkommensvergleich vor. Sie setzte das Valideneinkommen auf Fr. 39'370.-- fest.
Ausgehend von einem Durchschnittslohn 2008 von Fr. 52'052.-- ermittelte sie einen
Minderverdienst von 32,21%, wovon sie 27,21% berücksichtigte. Das ergab ein
Einkommen von Fr. 41'338.--, bei einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 60% von Fr.
24'803.--. Davon zog sie weitere 10% ab. Das zumutbare Invalideneinkommen belief
sich so auf Fr. 22'323.--. Die behinderungsbedingte Erwerbseinbusse von Fr. 17'047.--
entsprach einem Invaliditätsgrad von 43,30% (IV-act. 57). Mit einem neuen
Vorbescheid vom 27. August 2009 kündigte die IV-Stelle der Versicherten die
Zusprache einer Viertelsrente ab 1. Februar 2008 an (IV-act. 60). Die - nun anwaltlich
vertretene - Versicherte liess am 23. Oktober 2009 die Ausrichtung einer ganzen
Invalidenrente beantragen (IV-act. 66). Ihr Rechtsvertreter machte u.a. geltend, die
beiden Gutachter hätten konkrete Verweisungstätigkeiten benennen müssen. Die
angegebene Art von Tätigkeit gebe es auf dem Arbeitsmarkt gar nicht. In stark
depressiven Phasen könne die Versicherte gar nicht arbeiten. Das Valideneinkommen
betrage gemäss den Angaben der B._ Fr. 43'000.--. Der zusätzliche Abzug vom
Tabellenlohn müsse mindestens 20% betragen. Allenfalls seien zusätzliche Berichte
von Dr. C._ und Dr. F._ einzuholen. Das psychiatrische Gutachten sei abzulehnen,
weil es von einem ausländischen Sachverständigen erstellt worden sei, der mit den
schweizerischen Verhältnissen nicht oder zuwenig bekannt sei. Die
Eingliederungsberaterin der IV-Stelle gab als mögliche Erwerbstätigkeiten
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Reinigungsarbeiten in einem Bürogebäude oder in einem Privathaushalt an (IV-act. 72).
Als weitere Möglichkeit nannte sie die Mitarbeit in einem Änderungsatelier. Die Klinik
D._ übermittelte am 19. Januar 2010 zwei Berichte von Dr. C._ an den Hausarzt
(IV-act. 75). Am 15. September 2009 hatte Dr. C._ angegeben, die Versicherte sei am
14. August 2009 als zu 100% arbeitsunfähig aus der Klinik entlassen worden. Beim
Eintritt habe die Versicherte angegeben, die körperlichen Schmerzen hätten
zugenommen, sie fühle sich ständig müde, die Stimmung sei wechselhaft, sie sei
launisch, gleichgültig, nervös, manchmal gereizt, abwesend, häufig lustlos. Sie könne
schlecht ein- und durchschlafen (zwei- bis dreimaliges Aufwachen pro Nacht), sie ziehe
sich zurück, meide Menschenansammlungen, vernachlässige ihre Interessen und habe
an kaum etwas Freude. Sie sei des Lebens müde und habe einen konkreten Suizidplan
geschmiedet, über den sie sich aber nicht äussern wolle. An einzelnen Tagen sei die
Stimmung gut, insbesondere wenn der dreieinhalbjährige Enkel zu Besuch sei.
Abschliessend hatte Dr. C._ in ihrem Bericht festgehalten, die Versicherte sei mit
einer Teilremission des depressiven Zustandsbilds entlassen worden. Dr. F._
berichtete der IV-Stelle am 19. Januar 2010 (IV-act. 77), die Versicherte habe über eine
stabile Situation berichtet. Diese sei zwar wesentlich besser als präoperativ, aber die
Versicherte sei nie schmerzfrei gewesen. Er denke nicht, dass der Bruch der Schraube
wesentliche Konsequenzen habe. Eine Pseudarthrose hätte mit Sicherheit beide
Schrauben gebrochen. Dr. I._ vom RAD hielt dazu am 10. Februar 2010 fest (IV-act.
80), in der Berichterstattung von Dr. C._ seien keine neuen psychischen
Gesundheitsschäden dokumentiert. Deshalb könne auf die früheren
versicherungsmedizinischen Wertungen in Bezug auf die Differenzen in der
Arbeitsfähigkeitsschätzung verwiesen werden. Aus dem Bericht von Dr. F._ lasse
sich keine Verschlechterung gegenüber der Begutachtung nachvollziehen. Dr. C._
bestätigte am 11. Februar 2010 erneut eine Arbeitsunfähigkeit von 100% (IV-act. 84).
Mit einer Verfügung vom 26. August 2010 sprach die IV-Stelle der Versicherten
rückwirkend ab Februar 2008 eine Viertelsrente zu (IV-act. 86).
B.
B.a Die Versicherte liess am 30. September 2010 Beschwerde erheben und die
Zusprache einer ganzen Invalidenrente beantragen (act. G 1). Die Begründung
entsprach derjenigen in der Stellungnahme vom 23. Oktober 2009. Am 1. Oktober 2010
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wies der Rechtsvertreter darauf hin, dass die Persönlichkeitsänderung nach extremer
Belastung nicht auf ein Kriegstrauma im Kosovokrieg, sondern auf den Krieg in
Kroatien (Vorkomnisse in J.) zurückzuführen sei (act. G 2).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 22. November 2010 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 5). Sie machte insbesondere geltend, die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. H._ sei plausibel und nachvollziehbar. Dr. G._
habe die Diagnose einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung
auf eine während der Kriegssituation in Bosnien erlittene posttraumatische
Belastungsstörung zurückgeführt. Die Beschwerdeführerin habe aber gar nie in
Bosnien gelebt. Das Kriegstrauma könne auch nicht auf den Kosovokrieg
zurückgeführt werden, denn dieser habe erst 1999 stattgefunden, als die
Beschwerdeführerin schon lange in der Schweiz gelebt habe. Sowohl in den Berichten
von Dr. C._ als auch im Gutachten von Dr. G._ fehlten präzise Angaben zum
Missbrauch und zu den Folterungen. Die Diagnose einer andauernden
Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung lasse sich kaum vereinbaren mit dem
Umstand, dass die Beschwerdeführerin in der Schweiz während mehr als zehn Jahren
zu 100% gearbeitet habe. Die für diese Diagnose erforderlichen fünf Merkmale seien
nur teilweise erfüllt. Selbst wenn die Diagnose richtig wäre, müsste noch die Frage
beantwortet werden, warum sie nicht durch eine zumutbare Willensanstrengung
überwindbar sei. Es sei zu Recht auf eine Arbeitsfähigkeit von 60% abgestellt worden.
Die verbliebene Arbeitsfähigkeit sei trotz der Einschränkungen verwertbar, zumal der
allgemeine und ausgeglichene Arbeitsmarkt auch sogenannte Nischenarbeitsplätze
umfasse, also Stellen, an denen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen des
Arbeitgebers rechnen könnten. Das am letzten Arbeitsplatz erzielbare Einkommen 2008
(nominallohnangepasst) von Fr. 43'870.-- liege 25,89% unter dem massgebenden
Tabellenlohn 2008 von Fr. 59'197.--. Die Vergleichseinkommen seien deshalb im
Umfang von 20,89% zu parallelisieren. Das Valideneinkommen betrage deshalb Fr.
56'236.-- (Fr. 43'870.-- zuzüglich 20,89% des Tabellenlohns). Bei der Ermittlung des
zumutbaren Invalideneinkommens sei von einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 40% und
einem zusätzlichen Abzug von 10% auszugehen. Das ergebe einen Betrag von Fr.
31'966.--. Die behinderungsbedingte Einbusse betrage Fr. 24'270.--, was einem
Invaliditätsgrad von 43% entspreche.
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B.c Die Beschwerdeführerin liess am 10. Januar 2011 sinngemäss einwenden (act. G
10), sie habe in J._ in Kroatien ein schweres Kriegstrauma erlitten. Dieser Krieg habe
1991 begonnen, sie habe bis 1992 dort gewohnt. Die posttraumatische
Belastungsstörung sei deshalb ohne weiteres medizinisch nachweisbar und könne von
der Beschwerdegegnerin nicht wegdiskutiert werden. Eine Arbeit als Reinigungskraft
komme aufgrund der somatischen Beeinträchtigungen nicht in Betracht. Die
Beschwerdegegnerin habe eingeräumt, dass das Gutachten von Dr. G._ nicht
vollständig sei, weil er nicht dargelegt habe, inwiefern die posttraumatische
Belastungsstörung nicht durch eine zumutbare Willensanstrengung überwindbar sei. Im
übrigen sei auch das Gutachten von Dr. H._ nicht konsistent.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 14. Januar 2011 auf eine Duplik (act. G
12).
B.e Die Gerichtsleitung wies den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin am 20. März
2012 darauf hin, dass eine Rückweisung zur weiteren Abklärung beantragt sei. Eine
Rückweisung könne zu einer Schlechterstellung (reformatio in peius) führen, weshalb er
Gelegenheit zum Rückzug erhalte (act. G 14). Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin erklärte am 28. März 2011 (act. G 15), dass er an der Beschwerde
festhalte; er verzichte aber auf eine mündliche Verhandlung. Gleichzeitig reichte er
seine Kostennote ein, mit der er ein Honorar von insgesamt Fr. 3'369.60 geltend
machte (act. G 15.1).

Erwägungen:
1.
Anspruch auf eine Invalidenrente hat, wer zu mindestens 40% invalid ist (Art. 28 Abs. 2
IVG). Gemäss Art. 16 ATSG ist zur Bemessung des Invaliditätsgrades das Einkommen,
das die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung
der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invaliden
einkommen), in Beziehung zu setzen zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Das ausschlaggebende
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Element der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens - und damit indirekt
des Invaliditätsgrads - ist in aller Regel der Grad der verbliebenen Arbeitsfähigkeit, so
dass dessen Bemessung normalerweise den ersten Schritt bei der Ermittlung des
massgebenden Sachverhalts bildet. Die Beschwerdeführerin ist sowohl in ihrer
körperlichen als auch in ihrer psychischen Gesundheit beeinträchtigt.
1.1 Als Erstes ist zu prüfen, ob die somatische Situation eine Arbeitsunfähigkeit in
einer adaptierten Tätigkeit zur Folge hat. Dr. F._ hat am 11. März 2008, also etwa ein
halbes Jahr nach der Operation zur Sanierung der Wirbelsäule, eine Arbeitsfähigkeit in
einer (körperlich) adaptierten Erwerbstätigkeit von 4 Std. täglich angegeben.
Gleichzeitig hat er den somatischen Gesundheitszustand als besserungsfähig
bezeichnet. Am 29. April 2008 hat er über kleine Fortschritte berichtet. Trotzdem hat er
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit "bis zum Einleiten beruflicher Massnahmen durch
die Physiotherapie" angegeben. Am 19. Januar 2010 hat Dr. F._ dann festgehalten,
die Beschwerdeführerin habe anlässlich der Zweijahreskontrolle über eine stabile
Situation im vergangenen Jahr berichtet. Dementsprechend hat er den
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin erstmals als stationär bezeichnet. Er hat
zwar festgestellt, dass die Situation insgesamt besser sei als präoperativ, aber zur
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer adaptierten Erwerbstätigkeit hat er
sich nicht geäussert. Die Klinik Valens hat in ihrem Austrittsbericht vom 12. März 2008
angegeben, sie habe die multiplen Triggerpunkte im Schulter- und Beckengürtelbereich
sowie die Fehlhaltung der Wirbelsäule auf eine Dekonditionierung und auf eine
muskuläre Dysbalance zurückgeführt. Dementsprechend hat sie angenommen, aus
rheumatologischer Sicht bestünden keine grösseren Einschränkungen des
Bewegungsapparats. Sie hat ein intensives Trainingsprogramm empfohlen und eine
Arbeitsfähigkeit bis auf weiteres von 50% angegeben. Dr. H._ hat am 15. September
2008 gestützt auf eine umfangreiche bildgebende Untersuchung darauf hingewiesen,
dass weder die abnormen Untersuchungsbefunde der HWS noch die angegebenen
lumbalen Schmerzen mit Ausstrahlung in das rechte Knie erklärt werden könnten. Er
hat aber - mit Ausnahme der Hyposensibilität der Finger - nicht angegeben, worin die
abnormen Befunde der HWS bestünden, die nicht erklärbar seien. Er hat sich auch
nicht mit der Frage auseinandergesetzt, ob allenfalls die gebrochene Schraube im
Bereich der LWS für die lumbalen Beschwerden verantwortlich sein könnte.
Dementsprechend hat er für eine adaptierte Erwerbstätigkeit auch nur eine
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Arbeitsunfähigkeit von 10% angegeben. Das entscheidende Manko des Gutachtens
von Dr. H._ besteht aber nicht in einer unzureichenden Begründung, sondern im
Umstand, dass eine Arbeitsfähigkeitsschätzung im zeitlichen Verlauf fehlt. In seinem
Protokoll der Krankheitsgeschichte der Beschwerdeführerin hat Dr. F._ am 30. März
2009 festgehalten, dass über Schmerzen tieflumbal nach Belastungen und bei heftigen
Bewegungen, über Verspannungen von lumbal bis interscapulär sowie über
gelegentlich wechselnde Ausstrahlungen in die Beine geklagt werde. Er hat gleichzeitig
geltend gemacht, dass diese Beschwerden nicht auf die gebrochene Schraube im
Bereich der LWS zurückzuführen seien, ohne dies aber zu begründen. Da die
Beschwerdeführerin in einer adaptierten Erwerbstätigkeit weder körperlichen
Belastungen ausgesetzt wäre noch heftige Bewegungen ausführen müsste, lassen die
Angaben von Dr. F._ nicht auf eine relevante Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten
Erwerbstätigkeit schliessen. Dr. F._ hat zwar den Verlauf 18 Monate nach der
Dekompression und Spondylodese als enttäuschend bezeichnet, aber er hat der
Beschwerdeführerin gleichzeitig geraten, so aktiv wie möglich zu sein. Er hat weder die
Einschätzung der Klinik Valens noch diejenige von Dr. H._ in Frage gestellt. Auch
seine Einschätzung vermag nicht zu überzeugen. Die vorliegenden Akten lassen es
somit nicht zu, die Frage nach einer somatisch bedingten Arbeitsunfähigkeit im
gesamten massgebenden Zeitraum mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu beantworten.
1.2 In ihrem ersten Bericht vom 4. Februar 2008 hat Dr. C._ als psychiatrische
Diagnosen eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion bei
anhaltendem Schmerzsyndrom und eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach
Extrembelastung (Kriegstraumata) angegeben. Sie hat weiter ausgeführt, beim
Klinikeintritt habe sich ein schwergradiges depressives Zustandsbild mit gedrückter
Grundstimmung bis hin zu Lebensmüdigkeit, erhöhter Tagesmüdigkeit,
Schlafstörungen mit Albträumen und wiederkehrenden Flashbacks mit Erinnerung von
Kriegstraumata (Folterung) gezeigt. Die Prognose der weiteren Arbeitsfähigkeit werde
vom Verlauf der Wirbelsäulenerkrankung bestimmt. Sollte diese Erkrankung
ausreichend ausheilen, so sei eine Remission der depressiven Erkrankung denkbar.
Deutlich blieben aber die Behandlungsbedürftigkeit und die eingeschränkte
Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung der posttraumatischen Belastungsstörung.
Nach der Rückenoperation hielt sich die Beschwerdeführerin in der Klinik Valens auf.
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Dort sind als Diagnosen auch eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver
Reaktion bei anhaltendem Schmerzsyndrom und eine andauernde
Persönlichkeitsstörung nach Extrembelastung (Kriegstraumata) bei wiederholten
Panikattacken, Verstummen und Fluchtreaktionen angegeben worden. Im "Job
Match"-Bericht ist ergänzend ausgeführt worden, eine genaue Aussage über die
Leistungsbereitschaft sei nicht möglich gewesen. Aufgrund ihrer traumatischen
Vorgeschichte sei die Beschwerdeführerin nämlich kaum belastbar gewesen. Sie habe
oft weinen müssen, wofür sie sich dann geschämt habe. Im nächsten Bericht von Dr.
C._ vom 1. April 2008 ist zwar von einem Rückgang der depressiven Symptomatik
die Rede, aber gleichwohl bestünden nach wie vor schwere Schlafstörungen mit
Albträumen, die eine Tagesmüdigkeit zur Folge hätten. Die Albträume im Sinn der
Verarbeitung von schwergradigen traumatischen Erlebnissen würden in der
psychotherapeutischen Behandlung fokussiert. Im folgenden, beinahe ein Jahr später
erstellten Bericht vom 4. März 209 hat Dr. C._ wieder die Diagnosen einer
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion bei anhaltendem
Schmerzsyndrom und einer andauernden Persönlichkeitsstörung nach
Extrembelastung gestellt. Sie hat weiter ausgeführt, Ziel der aktuellen Therapie sei
neben der antidepressiven Medikation und der Anpassung der Analgetikamedikation
die Bewältigung der Funktionseinbussen und die Förderung der Resistenz (Übungen
zur inneren Sicherheit bei Auftreten von Flashbacks). Mittelfristiges Ziel sei eine
qualifizierte Traumatherapie in einem spezialisierten Institut. Abschliessend hat
Dr. C._ eine annähernd vollständige Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin
attestiert. In ihrer Stellungnahme vom 28. Juli 2009 hat Dr. C._ die bereits bekannten
beiden Diagnosen angegeben. Sie hat u. a. eine schwergradige psychotherapeutische
Erschöpfung durch ständig wiederkehrende Albträume und Flashbacks erwähnt.
Abschliessend hat sie auf einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin beharrt. Am 15. September 2009 hat sie über eine einmonatige
stationäre Behandlung der Beschwerdeführerin berichtet und dabei eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig schwergradige Episode, und eine andauernde
Persönlichkeitsstörung nach Extrembelastung angegeben. Sie hat darauf hingewiesen,
dass die Beschwerdeführerin einen konkreten Suizidplan erwähnt habe, ohne sich dazu
aber im Detail zu äussern, und dass die Selbstgefährdung bei Klinikeintritt tatsächlich
als mittelgradig bis hoch habe eingestuft werden müssen. Bei Klinikaustritt sei die
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Lebensmüdigkeit völlig im Hintergrund gewesen. Trotzdem sei nur eine Teilremission
des depressiven Zustandsbilds erreicht worden, weil die Beschwerdeführerin in einer
psychosozialen Belastungssituation im Rahmen der IV-Beurteilung gestanden habe.
Die Albträume und Flashbacks als Folge der Kriegstraumata sind zwar in diesem
Bericht von Dr. C._ nicht mehr erwähnt worden. Es ist lediglich auf eine
pessimistische Grundhaltung nach schweren Enttäuschungen im Leben und
Traumatisierungen hingewiesen worden. Aufgrund dieser Bemerkung und der nach wie
vor gestellten Diagnose einer Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung ist aber
davon auszugehen, dass sich nach der Auffassung von Dr. C._ diesbezüglich nichts
geändert hatte. Obwohl die Kriegstraumata als Ursache dieser Diagnose in den Augen
von Dr. C._ eine grosse Rolle gespielt haben, findet sich in keinem ihrer Berichte
genauere Angaben zur Art dieser Traumata. Nur in einem Bericht wird von Folterungen
gesprochen. Nichts lässt darauf schliessen, dass Dr. C._ die Objektivität der
entsprechenden Angaben der Beschwerdeführerin (die im Übrigen in keinem Bericht
wiedergegeben werden) überprüft hätte. Das gilt auch für die Ärzte der Klinik Valens,
die in ihrem Austrittsbericht keinerlei Angaben zur Art der Kriegstraumata gemacht
haben. Aufgrund der ungenauen Angaben der Beschwerdeführerin zu ihrem
Aufenthaltsort während der als Schlacht von J._ bekannten Ereignisse steht nicht
einmal fest, dass sie sich während dieser Schlacht überhaupt in J._ aufgehalten hat.
Da die Kriegstraumata für die von Dr. C._ (und den Ärzten der Klinik Valens) gestellte
Diagnose einer andauernden Persönlichkeitsänderung - und damit auch für das Attest
einer praktisch vollständigen Arbeitsunfähigkeit - wichtig gewesen sind, weckt das
Fehlen detaillierter Angaben in den vorliegenden Berichten Zweifel an der Richtigkeit
der Behauptung der Beschwerdeführerin, sie habe einschneidende Kriegstraumata
erlitten. Daran vermag der Umstand, dass Dr. C._ und die Ärzte der Klinik Valens von
der Existenz derartiger Kriegstraumata überzeugt gewesen sind, nichts zu ändern.
Dr. G._ hat diesen Zweifel in seinem Gutachten nicht ausgeräumt. Er hat die
Beschwerdeführerin am 3. September 2008 und damit in einer frühen Phase der
Behandlung durch Dr. C._ psychiatrisch abgeklärt. Gemäss seinen Ausführungen hat
ihm die Beschwerdeführerin angegeben, sie sei erst im Februar 1992 (und damit nach
der Schlacht von J._) in die Schweiz eingereist. Das deckt sich nicht mit den
Angaben der Beschwerdeführerin im Anmeldeformular (Wohnsitz ausserhalb der
Schweiz: 1956 bis 1991). Dr. G._ hat weiter festgehalten, die Beschwerdeführerin
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habe u.a. berichtet, sie sei zwischen dem 5. und dem 9. Altersjahr von ihrem Vater
wiederholt sexuell missbraucht worden. Seit 2004 seien wieder verstärkt Albträume mit
Erinnerungen an frühere traumatisierende Ereignisse mit Missbrauch seitens des Vaters
und im Krieg aufgetreten. Seither habe sie tagsüber und nachts immer wieder bildhafte
Erinnerungen. Seit etwa einem halben Jahr träten diese Träume und bildhaften
Erinnerungen weniger häufig auf. Dr. G._ hat gestützt auf diese Angaben (und wohl
auch gestützt auf die ihm vorliegenden medizinischen Akten) eine andauernde
Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung bejaht. Er ist allerdings, anders als Dr.
C._, nur von einer Arbeitsunfähigkeit von 50% ausgegangen. Weder Dr. C._ noch
die Ärzte der Klinik Valens haben einen sexuellen Missbrauch der Beschwerdeführerin
im Kindesalter durch den Vater erwähnt. Sie haben auch nie festgehalten, die
Kriegstraumata hätten in einem sexuellen Missbrauch bestanden. Im Gegenteil ist Dr.
C._ davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin gefoltert worden sei.
Trotzdem sind sie alle, Dr. G._ inbegriffen, überzeugt davon gewesen, dass die
Beschwerdeführerin derartige Traumata erlitten habe und dass diese Traumata die
Ursache einer andauernden Persönlichkeitsbelastung und damit indirekt der
Arbeitsunfähigkeit seien. Die dem Gericht vorliegenden Akten vermögen diese
Überzeugung nicht zu stützen. Insbesondere fehlt der Nachweis, dass die
Beschwerdeführerin sich während der Schlacht von J._ tatsächlich in J._
aufgehalten hätte. Es fehlt aber vor allem an einer plausiblen Darstellung der
Kriegstraumata. Schliesslich lässt sich auch nicht nachvollziehen, weshalb die
Beschwerdeführerin gegenüber Dr. C._ anscheinend nie etwas über einen sexuellen
Missbrauch im Kindesalter durch den Vater erwähnt hat. Unter diesen Umständen
vermögen die Diagnose einer anhaltenden Persönlichkeitsänderung nach
Extrembelastung bzw. die sich auf diese Diagnose stützenden
Arbeitsfähigkeitsschätzungen nicht zu überzeugen.
1.3 Da sowohl der körperliche als auch der psychische Gesundheitszustand im
massgeblichen Zeitraum möglicherweise unvollständig erhoben, jedenfalls aber
unzureichend aktenmässig belegt ist, kann der Arbeitsfähigkeitsgrad der
Beschwerdeführerin nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststehen. Das bedeutet, dass die angefochtene Verfügung in
Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes ergangen ist. In dieser Situation besteht
keine Veranlassung, jene Bestandteile des Einkommensvergleichs zu beurteilen, die
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nicht von der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer adaptierten
Erwerbstätigkeit abhängen.
2.
Da die angefochtene Verfügung rechtswidrig ist, muss sie aufgehoben werden. Die
Sache ist zur weiteren Abklärung des massgebenden Sachverhalts an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Dieser Verfahrensausgang ist im
Zusammenhang mit der Verteilung der Verfahrenskosten als vollumfängliches Obsiegen
der Beschwerdeführerin zu werten. Die Beschwerdegegnerin hat deshalb eine
Parteientschädigung zu leisten. Da es sich entsprechend den Kriterien in Art. 61 lit. g
Satz 2 ATSG um einen durchschnittlichen Fall handelt, erweist sich die geltend
gemachte Parteientschädigung von Fr. 3'369.60 (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen. Das Beschwerdeverfahren in IV-Sachen ist
kostenpflichtig. Die Gerichtsgebühr richtet sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69
Abs. 1 IVG). Auch dieser erweist sich als durchschnittlich, so dass die
Gerichtsgebühr praxisgemäss auf Fr. 600.-- festzusetzen ist. Der Kostenvorschuss in
gleicher Höhe wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP