Decision ID: 6b74c88a-b284-4971-ba2b-f8e932b67ce1
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend gewerbsmässigen Diebstahl etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom 13. Juli 2016 (DG160114)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 31. März 2016 ist
diesem Urteil beigeheftet (Urk. 75).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− des gewerbsmässigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 und 2
StGB;
− der mehrfachen, teilweise qualifizierten Sachbeschädigung im Sinne
von Art. 144 Abs. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 144 Abs. 3
StGB;
− des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB;
− der Begünstigung im Sinne von Art. 305 Abs. 1 und 2 StGB;
− des Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1
lit. a WG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 lit. c, d und e WG sowie Art. 8
Abs. 1 WG;
− des mehrfachen Führens eines nicht vorschriftsgemässen Fahrzeuges
im Sinne von Art. 93 Abs. 2 lit. a SVG in Verbindung mit Art. 29 SVG,
Art. 45 Abs. 2 VTS und Art. 219 Abs. 1 lit. a VTS;
− der Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in
Verbindung mit Art. 32 Abs. 2 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. d VRV.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 18 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 247
Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Busse von Fr. 700.–.
3. Der Vollzug von 8 Monaten Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben, wobei
die Strafe durch die erlittene Haft bereits erstanden ist.
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Der Vollzug der restlichen 10 Monate Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und
die Probezeit auf 4 Jahre festgesetzt.
4. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft
nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 7 Tagen.
5. Der dem Beschuldigten mit Strafbefehl der Jugendanwaltschaft Zürich-Stadt
vom 30. März 2012 (Unt.-Nr. 2011/672) hinsichtlich der Verpflichtung zu ei-
ner persönlichen Leistung von 18 Tagen gewährte bedingte Strafvollzug wird
widerrufen und diese Strafe wird vollzogen.
6. Der dem Beschuldigten mit Strafbefehl der Jugendanwaltschaft Zürich-Stadt
vom 9. Januar 2013 (Unt.-Nr. 2012/678) hinsichtlich des Freiheitsentzugs
von 21 Tagen (abzüglich 2 Tage erstandener Haft) gewährte bedingte Straf-
vollzug wird widerrufen und diese Strafe wird vollzogen.
7. Der Beschuldigte wird – teilweise gemäss seiner Anerkennung – verpflichtet,
den nachfolgenden Privatklägern die folgenden Schadenersatzbeträge (zu-
züglich 5 % Zins ab Ereignisdatum) zu bezahlen:
- Stadt Zürich, vertreten durch die Stadtpolizei Zürich (Do. 1) Fr. 10'000.00
- B._ GmbH (Do. 5 und 8) Fr. 181.20
- C._, (Do. 11) (anerkannt) Fr. 112.85 - Fotostudio D._ (Do. 3) Fr. 500.00 - E._ Versicherungsgesellschaft AG
(Subrogationsklägerin, Do. 3) Fr. 2'951.15
Im allfälligen Mehrbetrag werden die jeweiligen Schadenersatzbegehren auf
den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
8. Auf das Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren der F._ GmbH
wird nicht eingetreten.
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9. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 14. August
2015 beschlagnahmte Barschaft von Fr. 700.– (Sachkautions-Nr. 1,
DG150321) wird zur Vollstreckung der Busse verwendet.
10. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 3. November
2015 beschlagnahmten Gegenstände:
− Sturmhaube, schwarz (Asservat-Nr. A007'340'982), − Schlagring für zwei Finger (Asservat-Nr. A007'340'993), − 3 Fahrradschlösser, schwarz, durchgetrennt (Asservat-Nr.
A007'340'003), − Schlagring, grau (Asservat-Nr. A007'340'025), − Schlagring, schwarz (Asservat-Nr. A007'340'036), − Schlagring, schwarz (Asservat-Nr. A007'340'047), − Messerset ACW in schwarzer Verpackung (Asservat-Nr.
A007'340'070), − Butterflymesser, silberfarben (Asservat-Nr. A007'340'194) − Kundenkarte G._ (Asservat-Nr. A007'340'229), − Gasdruckpistole Ruger & Co, schwarz-silbern, Nr. ..., inkl. Kugeln (As-
servat-Nr. A007'340'274), − Präparierter Einsatz für Tasche aus Aluminiumfolie (Asservat-
Nr. A007'340'296), − Messer orange/schwarz, GERBER (Asservat-Nr. A007'340'310), − 6 Schraubendreher (Asservat-Nr. A007'340'354), − Rüstmesser (Asservat-Nr. A007'340'365), − div. Minigripsäcklein mit Cannabis-Symbolen (Asservat-Nr.
A007'340'398) − Fahrzeugschlüssel Range Rover (Asservat-Nr. A007'340'661)
werden eingezogen und vernichtet bzw. der zuständigen Behörde zur gut-
scheinenden Verwendung überlassen.
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11. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'500.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 5'000.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. 4'430.00 Kosten der Kantonspolizei
Fr. 1'010.00 ausserkantonale Untersuchungskosten
Fr. 33'016.90 amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
12. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens (einschliess-
lich die Kosten der amtlichen Verteidigung) werden dem Beschuldigten auf-
erlegt.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden jedoch einstweilen auf die
Gerichtskasse genommen, wobei eine Nachforderung gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO vorbehalten bleibt.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 118 S. 16 f.)
1. Es sei der Berufungskläger zu einer Freiheitsstrafe von höchstens 15 Monaten zu verurteilen.
2. Es sei vom Widerruf der durch die Strafbefehle der Jugendanwaltschaft Zürich bedingt verhängten Strafen abzusehen.
3. Sollten die Widerrufe unabdingbar sein, so soll die zu verhängende Strafe die mit dem Widerruf zusammenhängenden Strafen .
4. Es sei diesfalls die Aufschiebung der Freiheitsstrafe so festzulegen, dass der Berufungskläger mit seiner erstandenen Haft von 8 Monaten, auch für den Fall, dass die bedingt ausgesprochenen Strafen der  Zürich zu vollziehen seien, keinen weiteren Vollzug erleiden muss, also auch die widerrufenen Strafen damit abgegolten sind. Somit wäre der Vollzug von letztlich 7 Monaten oder weniger .
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5. Es seien die angefochtenen Zivilforderungen auf den Zivilweg zu .
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat:
(Urk. 112/1-2, schriftlich)
1. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten sowie einer Busse von Fr. 700.– zu bestrafen.
2. Es seien 8 Monate Freiheitsstrafe zu vollziehen und der Vollzug der restlichen 8 Monate Freiheitsstrafe aufzuschieben, unter Ansetzung  Probezeit von 3 Jahren.
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 2. Abteilung, vom 13. Juli 2016 wurde
der Beschuldigte des gewerbsmässigen Diebstahls, der mehrfachen, teilweise
qualifizierten Sachbeschädigung, des mehrfachen Hausfriedensbruchs, der Be-
günstigung, des Vergehens gegen das Waffengesetz, des mehrfachen Führens
eines nicht vorschriftsgemässen Fahrzeugs und der Verletzung der Verkehrsre-
geln schuldig gesprochen. Hierfür wurde er mit einer teilbedingten Freiheitsstrafe
von 18 Monaten sowie mit einer Busse von Fr. 700.– bestraft. Zudem widerrief
das Bezirksgericht Zürich zwei Jugendstrafen vom 30. März 2012 und 9. Januar
2013 und verpflichtete den Beschuldigten, Schadenersatz an diverse Privatkläger
zu bezahlen (Urk. 107 S. 35 f.). Das Urteil wurde der Staatsanwaltschaft und dem
Beschuldigten anlässlich der Hauptverhandlung vom 13. Juli 2016 mündlich eröff-
net und im Dispositiv übergeben (Prot. I S. 22 f.). Mit Eingabe vom 22. Juli 2016
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(Poststempel) meldete der Beschuldigte fristgerecht Berufung an (Urk. 98;
Art. 399 Abs. 1 StPO).
2. Das begründete Urteil wurde dem Beschuldigten am 18. Oktober 2016 zu-
gestellt (Urk. 104/2). Am 3. November 2016 innert der gesetzlichen Frist ging die
Berufungserklärung des Beschuldigten bei der hiesigen Strafkammer ein
(Urk. 108; Art. 399 Abs. 3 StPO). Anschlussberufungen wurden keine erhoben
(vgl. Urk. 112/2). In der Folge wurden die Parteien am 27. Dezember 2016 zur
Berufungsverhandlung auf den 24. Februar 2017 vorgeladen. Zur Verhandlung
erschien der Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers (Prot. II
S. 3) und stellte die eingangs erwähnten Anträge. Die Staatsanwaltschaft wurde
bereits vorgängig von der Verhandlung dispensiert (vgl. Urk. 114).
II. Prozessuales
1. Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den ange-
fochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte beschränkte seine
Berufung gegen das Urteil des Bezirksgerichts Zürich auf die Strafzumessung
gemäss Dispositivziffer 2, auf den Widerruf und Vollzug der Strafbefehle der Ju-
gendanwaltschaft Zürich-Stadt vom 30. März 2012 und 9. Januar 2013 gemäss
Dispositivziffer 5 und 6 sowie auf Teile der Dispositivziffer 7, nämlich die Bezah-
lung von Schadenersatzbeiträgen an die Stadt Zürich im Betrag von Fr. 10'000.–
und an die E._ Versicherungs-Gesellschaft AG im Betrag von Fr. 2'951.15
(Urk. 108 S. 2 f.). Da die Strafe gemäss Dispositivziffer 2 mit dem Strafvollzug in
den Ziffern 3 und 4 sowie mit der Verwendung der beschlagnahmten Barschaft in
Ziffer 9 des Dispositivs unmittelbar zusammenhängt, sind diese Ziffern als implizit
mitangefochten anzusehen.
2. Unangefochten blieben der Schuldspruch in Dispositivziffer 1, die Bezahlung
von Schadenersatz an die B._ GmbH (Fr. 181.20), die C._ (Fr. 112.85),
die D._ GmbH ([Fotostudio D._] Fr. 500.–) gemäss Ziffer 7, das Nicht-
eintreten auf das Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren der F._ GmbH
gemäss Ziffer 8, die Einziehung diverser eingezogener Gegenstände in Ziffer 10
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und die Kostenfolgen gemäss Ziffer 11 und 12. Es ist daher festzustellen, dass
das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 2. Abteilung, vom 13. Juli 2016 bezüglich
der Dispositivziffer 1 (Schuldspruch), teilweise bezüglich der Dispositivziffer 7 (Zi-
vilforderungen der B._ GmbH, der C._ und der D._ GmbH), und
hinsichtlich der Dispositivziffern 8 (Nichteintreten auf eine Zivilklage), 10 (Einzie-
hung) sowie 11 und 12 (Kostendispositiv) in Rechtskraft erwachsen ist.
III. Strafe
1. Allgemeine Strafzumessungskriterien und Bestimmung des Strafrahmens
1.1. Der Beschuldigte wurde des gewerbsmässigen Diebstahls, der mehrfa-
chen, teilweise qualifizierten Sachbeschädigung, des mehrfachen Hausfriedens-
bruchs, der Begünstigung, des Vergehens gegen das Waffengesetz, des mehrfa-
chen Führens eines nicht vorschriftsgemässen Fahrzeuges sowie der einfachen
Verkehrsregelverletzung schuldig gesprochen.
1.2. Die Vorinstanz gab die Theorie und Rechtsprechung zur Bestimmung des
Strafrahmens im Falle von Tat- und Deliktsmehrheit gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB
korrekt wieder (Urk. 107 S. 15 f. Ziff. V.1.1). Zutreffend stellte sie dar, nach wel-
chen Kriterien die Strafe innerhalb des Strafrahmens zu bestimmen ist, dass bei
der Bemessung des Verschuldens zwischen objektiven und subjektiven Tatkom-
ponenten und den Täterkomponenten unterschieden wird und wie bei der konkre-
ten Strafzumessung vorzugehen ist (Urk. 107 S. 16 ff. Ziff. V.1.2-3). Hierauf kann
vollumfänglich verwiesen werden.
1.3. Aufgrund der abstrakten Höchststrafe von 10 Jahren Freiheitsstrafe ging
die Vorinstanz korrekterweise vom gewerbsmässigen Diebstahl als schwerstes
Delikt aus. Richtigerweise führte sie aus, dass es sich beim Strafrahmen der qua-
lifizierten Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 3 StGB lediglich um ei-
nen fakultativen Strafschärfungsgrund handle, dass der versuchte Diebstahl vom
26. Juli 2014 in der Gewerbsmässigkeit aufgehe (BGE 123 IV 113 E. 2.d) und
ausserdem keine aussergewöhnlichen Umstände vorliegen würden, welche zu ei-
ner Ausweitung des Strafrahmens im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB führen wür-
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den. Dementsprechend ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz von einem
Strafrahmen von 90 Tagessätzen Geldstrafe bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe aus-
zugehen, innerhalb dessen die konkrete Strafe festzusetzen ist (Urk. 107 S. 18 f.
Ziff. V.2).
1.4. Beim mehrfachen Führen eines nicht vorschriftsgemässen Fahrzeuges im
Sinne von Art. 93 Abs. 2 lit. a SVG in Verbindung mit Art. 29 SVG, Art. 45 Abs. 2
VTS und Art. 219 Abs. 1 lit. a VTS sowie der Verkehrsregelverletzung im Sinne
von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 32 Abs. 2 SVG und Art. 4a Abs. 1
lit. d VRV handelt es sich um Übertretungen, für welche zusätzlich eine Busse
auszusprechen ist. Der Höchstbetrag der Busse beträgt Fr. 10'000.– (Art. 106
Abs. 1 StGB).
2. Tatkomponenten des gewerbsmässigen Diebstahls
2.1. Wie bereits die Vorinstanz ausführte, ist bei den objektiven Tatkomponen-
ten zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte zehn Diebstähle, davon einen Ver-
such, innerhalb von rund 5 1⁄2 Monaten (13. Februar bis 26. Juli 2014) gegenüber
diversen Geschädigten beging. Durch die beträchtliche Anzahl an Delikten innert
relativ kurzer Zeit, legte der Beschuldigte eine erhebliche kriminelle Energie an
den Tag. Der Vorinstanz ist auch beizustimmen, dass hingegen die Deliktssumme
von rund Fr. 5'900.– im Rahmen des qualifizierten Tatbestands des gewerbsmäs-
sigen Diebstahls ein eher geringer Deliktsbetrag darstellt und der Beschuldigte die
Taten zudem nicht von langer Hand plante, sondern spontan handelte (Urk. 107
S. 19 Ziff. V.3.2). Zusätzlich ist in Betracht zu ziehen, dass es sich nur bei zwei
der zehn Diebstähle um Einbruchdiebstähle handelte. Dabei stieg der Beschuldig-
te nicht in Wohnhäuser ein, sondern in einen Tennisclub und in ein Fotostudio, bei
welchen er zum Deliktszeitpunkt nicht Gefahr lief, Personen über den Weg zu lau-
fen und diese allenfalls zu verängstigen. Bei den übrigen acht Diebstählen ging es
um Benzin. Auch diese Delikte richteten sich primär nicht gegen Privatpersonen,
sondern gegen Unternehmen. Insgesamt ist das objektive Verschulden in leichter
Abweichung von der Vorinstanz als noch leicht zu gewichten (Urk. 107 S. 19
Ziff. V.3.2).
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2.2. In subjektiver Hinsicht ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz festzuhal-
ten, dass der Beschuldigte handelte, um sich zu bereichern, wobei er sich nicht in
einer finanziellen Notlage befand (Urk. 107 S. 20 Ziff. V.3.3). Massgeblich ver-
schuldensrelevante Umstände sind nicht ersichtlich, womit das Verschulden auch
in subjektiver Hinsicht noch als leicht einzustufen ist. Eine Einsatzstrafe von
9 Monaten erweist sich insgesamt als dem Verschulden angemessen.
3. Tatkomponenten qualifizierte Sachbeschädigung
3.1. Der Beschuldigte wollte einen Radarkasten zerstören, um die von diesem
aufgezeichneten Bilder zu vernichten. Hierfür füllte er Benzin in eine PET-Flasche
ab, fuhr zum Radarkasten und setzte diesen mit Hilfe des Benzins in Brand. Der
Beschuldigte ging dabei geplant vor und zeigte durch sein Vorgehen ein hohes
Mass an krimineller Energie. Das objektive Verschulden wiegt somit nicht mehr
leicht und eine Strafe von 6 Monaten entspricht diesem Verschulden.
3.2. In subjektiver Hinsicht ist jedoch zu beachten, dass der Beschuldigte den
Radarkasten zerstören wollte, um seiner Freundin zu helfen, welche bei einer
massiven Geschwindigkeitsüberschreitung geblitzt wurde. Dieser Umstand ist zu
Gunsten des Beschuldigten verschuldensmindernd zu berücksichtigen, so dass
das Verschulden für die qualifizierte Sachbeschädigung noch als leicht anzuse-
hen ist. In Anwendung des Asperationsprinzips rechtfertigt es sich die Einsatzstra-
fe von 9 Monaten, um 4 Monate auf insgesamt 13 Monate zu erhöhen.
4. Tatkomponenten Begünstigung
4.1. Mit der oben dargestellten Sachbeschädigung erschwerte der Beschuldigte
den Strafverfolgungsbehörden die Ermittlung der Täterschaft der Verkehrsregel-
verletzung. Der Beschuldigte ging zwar geplant, jedoch nicht äusserst geschickt
vor, so dass seine Freundin trotz seines Einschreitens sehr schnell überführt wer-
den konnte und die Strafverfolgung kaum erschwert wurde. Das objektive Ver-
schulden ist folglich als leicht einzustufen und eine Strafe von 3 Monaten erweist
sich als angemessen.
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4.2. Der Beschuldigte handelte zu Gunsten seiner Freundin, der er klarerweise
nahe steht. Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt, erscheint das Verhalten des
Beschuldigten aufgrund dieses Umstands zwar nicht vollends entschuldbar, so
dass im Sinne von Art. 305 Abs. 2 StGB von der Bestrafung Umgang zu nehmen
wäre, doch wirkt sich die nahe Beziehung zur Begünstigten zumindest verschul-
densmindernd aus. Unter Beachtung des Asperationsprinzips führt die Begünsti-
gung zu einer Straferhöhung von einem Monat, so dass eine Strafe von 14 Mona-
ten resultiert.
5. Tatkomponenten mehrfache Sachbeschädigung und mehrfacher 
5.1. Die mehrfache Sachbeschädigung und der mehrfache Hausfriedensbruch
stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit den zwei im Rahmen des gewerbs-
mässigen Diebstahls beurteilten Einbruchdiebstählen. Es rechtfertigt sich daher,
das Verschulden in Bezug auf diese Sachbeschädigungen und Hausfriedensbrü-
che gesamthaft zu beurteilen. Es handelt sich lediglich um je zwei Tatbegehun-
gen, der Sachschaden fiel mit rund Fr. 750.– gering aus und der Hausfriedens-
bruch bestand in dem kurzzeitigen Betreten der Örtlichkeiten. Damit liegt ein
leichtes Verschulden vor, wofür eine Strafe von einem Monat angemessen er-
scheint.
5.2. Besonders egoistische oder verwerfliche Motive sind bei den Sachbeschä-
digungen und Hausfriedensbrüchen nicht zu erkennen. Die Delikte gingen not-
wendigerweise mit den beiden Einbruchdiebstählen einher, womit auch das sub-
jektive Verschulden als leicht einzustufen ist. In Beachtung aller verschuldensre-
levanter Aspekte und des Asperationsprinzips wirken sich diese Delikte daher nur
marginal straferhöhend aus.
6. Tatkomponenten Vergehen gegen das Waffengesetz
6.1. Bei der Hausdurchsuchung am 15. Mai 2014 wurden in der Wohnung des
Beschuldigten verschiedene verbotene Waffen, für welche er keine Bewilligung
besass, sichergestellt: Drei als Taschenlampe getarnte Elektroschockgeräte, ein
Stellmesser, zwei Schlagruten und ein Laserpointer (Kategorie 3). Es handelt sich
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dabei nicht um besonders gefährliche Waffen und die Tatbestandsvariante des
reinen Besitzes wiegt weniger schwer als beispielsweise das Tragen oder Anbie-
ten. Entgegen der Vorinstanz ist das vorliegende Vergehen aber nicht beinahe
verjährt (Urk. 107 S. 21 Ziff. V.3.5.5). Der Besitz der genannten Waffen wird ge-
mäss Art. 33 Abs. 1 lit. a WG mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jah-
ren bestraft. Die Verjährungsfrist würde folglich erst am 16. Mai 2024 ablaufen
(Art. 97 Abs. 1 lit. d StGB i.V.m. Art. 98 lit. c StGB).
6.2. Insgesamt ist das objektive Verschulden als leicht einzuschätzen und es
sind keine subjektiven Aspekte ersichtlich, die zu einer Erhöhung oder Verminde-
rung des Verschuldens führen würden. Die verschuldensangemessene Strafe ist
bei zwei Monaten anzusetzen. In Anwendung des Asperationsprinzips ist die Stra-
fe von 14 auf 15 Monate zu erhöhen.
7. Täterkomponenten
7.1. Im vorinstanzlichen Urteil finden sich zusammengefasst die wichtigsten
Angaben zur Person des Beschuldigten, worauf vollumfänglich verwiesen werden
kann (Urk. 107 S. 22 Ziff. V.4.2). Anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigte
der Beschuldigte diese Angaben und führte ergänzend dazu aus, dass er im
Rahmen der von ihm erworbenen GmbH für verschiedene Krankenkassen Kun-
den akquiriere. Es sei schwierig, weil sie noch nicht viel Erfahrung hätten. Inzwi-
schen hätten sie jedoch bereits einige Abschlüsse tätigen können und bereits et-
was verdient. Um den Lebensunterhalt zu decken, reiche es jedoch nicht. Er lebe
von seiner Mutter. Sozialhilfe beziehe er keine. Er sei ledig und habe keine Kin-
der. Seine Schulden würden sich immer noch in der Höhe von ungefähr Fr.
6'000.– bewegen (Prot. II S. 7 f.).
7.2. Entgegen der Verteidigung sind die Umstände, dass der Beschuldigte als
Kind und Jugendlicher über keine väterliche Bezugsperson verfügte und er seine
Lehre zum Bäcker/Konditor aufgrund einer Mehlallergie abbrechen musste, nicht
strafmindernd zu berücksichtigen (Urk. 118 S. 14). Strafmindernd wirken sich
Umstände aus, die sich negativ auf die Entwicklung des Jugendlichen auswirken
konnten und erlauben, für die spätere Straffälligkeit ein gewisses Mass an Ver-
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ständnis aufzubringen, wie beispielsweise eine schwer gestörte Eltern-Kind-
Beziehung, ein häufiger Wechsel der Bezugspersonen und frühere Heimaufent-
halte (Hans Mathys, Leitfaden Strafzumessung, 1. Aufl. 2016, N. 285). Der Be-
schuldigte wuchs im Vergleich dazu in behüteten Verhältnissen bei seiner Mutter
auf, welche ihn auch heute noch finanziell unterstützt. Er absolvierte die Primar-
und Sekundarschule und konnte kurz nach dem Lehrabbruch eine neue Lehrstelle
zum Kaufmann beginnen (Prot. II S. 5 f.). Eine Mehlallergie und ein abwesender
Vater sind keine Gründe für eine Strafminderung. Wie die Vorinstanz daher zutref-
fend ausführte, ergeben sich aus den persönlichen Verhältnissen des Beschuldig-
ten keine entlastenden Umstände (Urk. 107 S. 22 Ziff. V.4.2).
7.3. Der Beschuldigte ist zweifach, teilweise einschlägig, vorbestraft. Es handelt
sich dabei um zwei Jugendstrafen vom 30. März 2012 und 9. Januar 2013, wel-
che im vorinstanzlichen Urteil vollständig aufgeführt sind (Urk. 107 S. 23
Ziff. V.4.3). Zutreffend ist, dass auch die eine dieser Vorstrafen, welche im Straf-
register nicht eingetragen ist, dem Beschuldigten entgegen gehalten werden kann
(Urk. 85; Urk. 107 S. 23 Ziff. V.4.3; BGE 135 IV 95 f.) und weiter ist mit der Vor-
instanz festzuhalten, dass sich diese Vorstrafen deutlich straferhöhend auswirken
(Urk. 107 S. 23 Ziff. V.4.3).
7.4. Nebst den Vorstrafen ist auch das Nachtatverhalten des Beschuldigten zu
berücksichtigen. Hier fällt, wie dies im vorinstanzlichen Urteil ebenfalls ausgeführt
wird, das praktisch umfassende Geständnis des Beschuldigten strafmindernd ins
Gewicht (Urk. 107 S. 23 Ziff. V.4.4). Jedoch liess der Beschuldigte an der erstin-
stanzlichen Verhandlung nur mässige Reue und Einsicht erkennen (Urk. 92
S. 13).
7.5. Im Ergebnis überwiegen die straferhöhenden die strafmindernden Täter-
komponenten, so dass die Strafe asperierend um einen weiteren Monat zu erhö-
hen ist. Unter Berücksichtigung sämtlicher strafzumessungsrelevanter Faktoren
ist der Beschuldigte folglich in leichter Abweichung zum erstinstanzlichen Urteil
mit 16 Monaten Freiheitsstrafe zu bestrafen.
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8. Übertretungen
8.1. Bezüglich der theoretischen Ausführungen zur Strafzumessung für die
Übertretungen im Strassenverkehr wird grundsätzlich auf das vorinstanzliche Ur-
teil verwiesen (Urk. 107 S. 24 Ziff. V.5). Das Gericht bemisst die Busse je nach
den Verhältnissen des Täters so, dass dieser die Strafe erleidet, die seinem Ver-
schulden angemessen ist (Art. 106 Abs. 3 StGB). Bei der Bemessung der Busse
ist daher nebst dem Verschulden auch der finanziellen Leistungsfähigkeit des Be-
schuldigten Rechnung zu tragen (Markus Hug, StGB Kommentar, 19. Aufl. 2013,
N. 4 zu Art. 106). Diesbezüglich wird auf die unter Ziffer III.7.1 stehenden Anga-
ben zur Person verwiesen.
8.2. Hinsichtlich des Führens eines nicht vorschriftsgemässen Fahrzeuges ist in
objektiver Hinsicht die mehrfache Tatbegehung zu berücksichtigen, so demontier-
te der Beschuldigte acht Mal die Kontrollschilder an seinem Fahrzeug, fuhr derart
zu einer Tankstelle um Benzin zu tanken und anschliessend an eine passende
Stelle weiter, wo er die Kontrollschilder wieder montierte. Der Beschuldigte ging
dabei geplant vor, fuhr aber jeweils nur kurze Strecken ohne die Kontrollschilder.
Subjektiv verschuldenserhöhende oder verschuldensmindernde Faktoren sind
nicht ersichtlich. Eine Busse von Fr. 500.– erscheint sowohl dem Verschulden wie
auch den finanziellen Verhältnissen des Beschuldigten angemessen.
8.3. Bei der einfachen Verletzung der Verkehrsregeln handelt es sich um eine
Geschwindigkeitsüberschreitung auf der Autobahn von höchstens 30 km/h. Es
sind keine Faktoren ersichtlich, welche sich massgeblich auf das Verschulden in
objektiver oder subjektiver Hinsicht auswirken würden. In Beachtung des Aspera-
tionsprinzips ist die obengenannte Busse von Fr. 500.– um Fr. 200.– auf Fr. 700.–
zu erhöhen.
8.4. Insgesamt ist der Beschuldigte für die Übertretungen im Sinne des Stras-
senverkehrsgesetzes mit einer Busse von Fr. 700.– zu bestrafen.
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9. Anrechnung Untersuchungshaft
9.1. Das Gericht rechnet die Untersuchungshaft, die der Täter während dieses
oder eines anderen Verfahrens ausgestanden hat, auf die Strafe an (Art. 51
StGB).
9.2. Der Beschuldigte wurde am 19. April 2014, 10.45 Uhr, verhaftet und noch
gleichentags um 16.45 Uhr wieder entlassen, wofür ihm ein Tag anzurechnen ist
(Christoph Mettler/Nicolas Spichtin, Basler Kommentar, Strafrecht I, 3. Aufl. 2013,
N. 17 zu Art. 51; Urk. D1/34/1; D1/34/4). Am 16. Mai 2014, 06.20 Uhr, wurde der
Beschuldigte erneut verhaftet und wiederum gleichentags um 15.50 Uhr aus der
Haft entlassen, wofür ihm wiederum ein Tag anzurechnen ist (Urk. D1/34/7;
Urk. D1/34/8). Am 2. Juni 2014, 11.50 Uhr erfolgte eine erneute Festnahme und
am nächsten Tag, dem 3. Juni 2014, 13.15 Uhr, die Entlassung. Da sich der Be-
schuldigte über 24 Stunden in Haft befand, sind ihm hierfür zwei Tage anzurech-
nen (Christoph Mettler/Nicolas Spichtin, Basler Kommentar, Strafrecht I, 3. Aufl.
2013, N. 35 zu Art. 51; Urk. D1/34/9; D1/34/10).
9.3. Nachdem der Beschuldigte am 28. Juli 2014 zur Verhaftung ausgeschrie-
ben worden war, nahm ihn die Polizei am 10. August 2014 um 22.50 Uhr erneut
fest. Das Zwangsmassnahmengericht versetzte ihn mit Verfügung vom 12. Au-
gust 2014 in Untersuchungshaft (Urk. D1/34/16, D1/34/22). Am 30. Oktober 2014,
19.00 Uhr, wurde der Beschuldigte aus der Untersuchungshaft entlassen. Er be-
fand sich somit während 81 Tagen in Polizei- und Untersuchungshaft
(Urk. D1/34/34). Letztmals verhaftet wurde der Beschuldigte am 4. November
2014, 02.15 Uhr. Mit Verfügung vom 7. November 2014 wurde er erneut in Unter-
suchungshaft versetzt (Urk. D1/34/35, D1/34/41). Am 16. Januar 2015 beantragte
die Verteidigung den vorzeitigen Strafvollzug, der am 28. Januar 2015 bewilligt
wurde (Urk. D1/34/42) und am 16. April 2015, 12.47 Uhr, wurde der Beschuldigte
aus dem vorzeitigen Strafvollzug wieder entlassen (Urk. D1/34/47). Die gesamte
Dauer dieses letzten Freiheitsentzugs beläuft sich auf 164 Tage.
- 16 -
9.4. Insgesamt verbrachte der Beschuldigte somit 249 Tage in Polizei- und Un-
tersuchungshaft sowie im vorzeitigen Strafvollzug. Diese Tage sind ihm an die
auszusprechende Freiheitsstrafe von 16 Monaten anzurechnen.
10. Fazit
10.1. Der Beschuldigte ist mit 16 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 249 Tage
durch Polizei- und Untersuchungshaft sowie vorzeitigen Strafvollzug erstanden
sind, und einer Busse von Fr. 700.– zu bestrafen.
IV. Strafvollzug
1. Die gesetzlichen Bestimmungen zum bedingten und teilbedingten Vollzug
sowie der anzusetzenden Probezeit können dem vorinstanzlichen Urteil entnom-
men werden (Urk. 107 S. 25 Ziff. VI.1). Objektive Voraussetzung für den beding-
ten bzw. den teilbedingten Vollzug einer Freiheitsstrafe ist, dass sich diese im
Rahmen von 6 Monaten bis zwei Jahren bzw. einem bis drei Jahren bewegt. Die
heute auszusprechende Freiheitsstrafe beläuft sich auf 16 Monate, womit sowohl
die objektive Voraussetzung zur Gewährung des bedingten wie auch des teilbe-
dingten Strafvollzugs erfüllt ist.
2.1. Subjektiv setzen sowohl Art. 42 Abs. 1 StGB wie auch Art. 43 Abs. 1 StGB
das Fehlen einer ungünstigen Prognose bezüglich weiterer künftiger Verbrechen
oder Vergehen voraus. Die günstige Prognose wird vermutet, kann jedoch wider-
legt werden. Dies im Gegensatz zu Art. 42 Abs. 2 StGB, wonach für die Gewäh-
rung des bedingten Strafvollzugs die günstige Prognose nicht vermutet wird, son-
dern besonders günstige Umstände vorliegen müssen, wenn der Täter in den
letzten fünf Jahren vor der Tat zu einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Mo-
naten oder eine Geldstrafe von mindestens 180 Tagessätzen verurteilt wurde
(Markus Hug, StGB Kommentar, 19. Aufl. 2013, N. 6 und 16 zu Art. 42). Der Be-
schuldigte weist zwar zwei Verurteilungen innert der fünfjährigen Frist auf, jedoch
liegen die damaligen Jugendstrafen unter den genannten Mindeststrafen. Die
günstige Prognose wird beim Beschuldigten somit vermutet.
- 17 -
2.2. Bei der Prognosestellung sind die Tatumstände, das Vorleben, der Leumund
sowie alle weiteren Tatsachen, die gültige Schlüsse auf den Charakter des Täters
und die Aussichten seiner Bewährung zulassen zu beachten. In erster Linie ist die
strafrechtliche Vorbelastung von Relevanz, namentlich wenn der Täter sog. ein-
schlägige Vorstrafen aufweist (Markus Hug, StGB Kommentar, 19. Aufl. 2013,
N. 7 f. zu Art. 42). Bei Strafen im überschneidenden Anwendungsbereich von
Art. 42 und 43 StGB bildet der bedingte Strafvollzug die Regel, der teilbedingte
Vollzug die Ausnahme. Art. 43 StGB ist nur dann anwendbar, wenn der Aufschub
wenigstens eines Teils der Strafe aus spezialpräventiver Sicht erfordert, dass der
andere Strafteil unbedingt ausgesprochen wird, d.h. wenn im Bereiche einer
höchst ungewissen Prognose die Warnwirkung des Teilaufschubes angesichts
des gleichzeitig angeordneten Teilvollzuges für die Zukunft eine weitaus bessere
Prognose erlaubt (Markus Hug, StGB Kommentar, 19. Aufl. 2013, N. 3 zu Art. 43).
Bei der Bemessung des vollziehbaren Teils ist dem Verschulden sowie der Legal-
prognose Rechnung zu tragen. Das Verhältnis der Strafteile ist so festzusetzen,
dass darin die Wahrscheinlichkeit der Legalbewährung des Täters einerseits und
dessen Einzeltatschuld andererseits hinreichend zum Ausdruck kommen (Markus
Hug, StGB Kommentar, 19. Aufl. 2013, N. 5 zu Art. 43). Der unbedingte vollzieh-
bare Teil darf die Hälfte der Strafe nicht übersteigen und sowohl der aufgescho-
bene wie auch der zu vollziehende Teil muss mindestens sechs Monate betragen
(Art. 43 Abs. 2 und 3 StGB).
3.1. Hinsichtlich der strafrechtlichen Vorbelastung ist festzuhalten, dass die Vor-
strafen des Beschuldigten teilweise einschlägig sind. So wurde er von der Ju-
gendanwaltschaft Zürich-Stadt am 30. März 2012 unter anderem wegen Raubes
und am 9. Januar 2013 wegen mehrfachen Diebstahls verurteilt. Die erste Ju-
gendstrafe von 28 Tagen persönlicher Leistung wurde bedingt ausgesprochen,
unter Ansetzung einer Probezeit von 18 Monaten. Unbeeindruckt von diesem
Strafverfahren und der verhängten Strafe beging der Beschuldigte während lau-
fender Probezeit weitere Delikte. Die hierfür ausgesprochene Strafe von 21 Tagen
Freiheitsentzug wurde wiederum bedingt ausgefällt. Auf den Widerruf der persön-
lichen Leistung verzichtete die Jugendanwaltschaft, verlängerte dem Beschuldig-
ten aber die Probezeit von 9 auf 27 Monate. Für die neue Strafe, den Freiheits-
- 18 -
entzug, wurde wiederum eine Probezeit von 18 Monaten angesetzt. Auch dieses
zweite Strafverfahren und die neue bedingte Strafe hielten den Beschuldigten
nicht davon ab, kurz darauf während zwei laufender Probezeiten erneut straffällig
zu werden und insbesondere wieder zahlreiche Diebstähle zu begehen, die heute
zu beurteilen sind. Wie bereits die Vorinstanz ausführte, ergeben sich aufgrund
dieser Vorstrafen, der längerdauernden Delinquenz während laufender Probezeit
und der mässigen Einsicht des Beschuldigten starke Bedenken hinsichtlich des-
sen künftiger Bewährung.
3.2. Zu beachten ist jedoch, dass der Beschuldigte bisher nur einzelne Tage in
Haft verbrachte und erstmals im Laufe des vorliegenden Strafverfahrens einen
längerdauernden Freiheitsentzug erstehen musste. Die erste Haftdauer vom
10. August bis 30. Oktober 2014 belief sich auf 81 Tage. Er verbrachte sodann
weitere 164 Tage in Polizei- und Untersuchungshaft sowie im vorzeitigen Straf-
vollzug und wurde am 16. April 2015 wieder entlassen.
3.3. Am 8. Februar 2017 verurteilte das Bezirksgericht Zürich den Beschuldigten
wegen qualifiziert grober Verletzung der Verkehrsregeln, Fahrens ohne Berechti-
gung und wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, begangen
am 16. Juni 2015 und 2. Mai 2016, zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von zwei
Jahren und einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen (Urk. 116 S. 2). Auf Vorhalt die-
ses Urteils anlässlich der Berufungsverhandlung sagte der Beschuldigte, dass er
den Sachverhalt bestreite (Prot. II S. 9 f.). Die Verteidigung führte aus, dass ge-
gen das Urteil Berufung angemeldet worden sei (Prot. II S. 12). Da das Urteil des
Bezirksgerichts Zürich vom 8. Februar 2017 somit noch nicht rechtskräftig ist und
insbesondere der Sachverhalt bestritten wird, hat diese erstinstanzliche Verurtei-
lung im Rahmen der hier zu stellenden Prognose unberücksichtigt zu bleiben.
3.4. Dem Beschuldigten kann somit trotz des erwähnten Urteils vom 8. Februar
2017 eine günstige Prognose gestellt werden, jedoch nur in Anbetracht des be-
reits teilweise erfolgten Strafvollzugs. Die bisher bedingt ausgesprochenen Stra-
fen beeindruckten den Beschuldigten wenig bzw. gar nicht und hielten ihn nicht
davon ab, weitere Straftaten zu begehen. Nun befand er sich erstmals über eine
längere Zeit von rund 8 Monaten in Haft und im vorzeitigen Strafvollzug. Es ist zu
- 19 -
hoffen, dass der Beschuldigte aus diesem längeren Gefängnisaufenthalt seine
Lehren gezogen hat und sich künftig wohlverhalten wird.
3.5. Aufgrund der ungewissen Prognose erweist sich eine teilbedingte Strafe als
notwendig und auch die Probezeit muss aufgrund der angesprochenen Bedenken
eher länger ausfallen. Bisher verbrachte der Beschuldigte rund 8 Monate in Haft
und im vorzeitigen Strafvollzug. Infolgedessen erscheint es sachgerecht den zu
vollziehenden Teil der Freiheitsstrafe in derselben Höhe anzusetzen. Zusammen-
gefasst ist der Vollzug der Freiheitsstrafe im Umfang von 8 Monaten aufzuschie-
ben und die Probezeit auf 4 Jahre festzusetzen. Im Übrigen (8 Monate) ist die
Freiheitsstrafe zu vollziehen, wobei davon Vormerk zu nehmen ist, dass der voll-
ziehbare Strafteil bereits vollständig erstanden ist.
4. Der bedingte oder teilbedingte Vollzug ist für Bussen gesetzlich nicht vorge-
sehen (Art. 105 Abs. 1 StGB). Der Beschuldigte muss daher die Busse von
Fr. 700.– bezahlen. Für den Fall, dass er die Busse schuldhaft nicht bezahlt, ist
eine Ersatzfreiheitsstrafe von mindestens einem Tag und höchstens drei Monaten
auszusprechen (Art. 106 Abs. 2 StGB). Es spricht nichts gegen die Anwendung
des praxisgemässen Umwandlungssatzes von einem Tag pro Fr. 100.–, so dass
die Ersatzfreiheitsstrafe auf 7 Tage festzusetzen ist (Markus Hug, StGB Kommen-
tar, 19. Aufl. 2013, N. 5 zu Art. 106). Zusammengefasst ist die Busse somit zu be-
zahlen und bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren
Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 7 Tagen.
5. Zu erwähnen ist, dass die ausgesprochene Busse vollumfänglich durch die
beschlagnahmte Barschaft von Fr. 700.– gedeckt wird. Zwar gilt die entsprechen-
de Dispositivziffer 9, in welcher diese Barschaft von der Vorinstanz eingezogen
wurde als implizit mitangefochten (vgl. Ziff. II.1), jedoch gründet dies einzig in der
generellen Anfechtung des Strafmasses. Die Verteidigung macht denn auch keine
Ausführungen hierzu, weshalb diese Dispositivziffer des vorinstanzlichen Urteils
mit Verweis auf die entsprechende Begründung (Urk. 107 S. 33 Ziff. VIII) ohne
weiteres zu bestätigen ist. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-
Limmat vom 14. August 2015 beschlagnahmte Barschaft von Fr. 700.– (Sachkau-
tion Nr. 1) ist daher einzuziehen und zur Vollstreckung der Busse zu verwenden.
- 20 -
V. Widerruf
1. Vorstrafen
1.1. Wie bereits mehrfach ausgeführt und auch im vorinstanzlichen Urteil fest-
gehalten, verfügt der Beschuldigte über zwei Jugendstrafen, deren Vollzug aufge-
schoben wurde (Urk. 107 S. 26 f. Ziff. VII.1).
1.2. Mit Strafbefehl der Jugendanwaltschaft Zürich-Stadt vom 30. März 2012
wurde der Beschuldigte wegen Raubes, mehrfacher Drohung, Hinderung einer
Amtshandlung, mehrfachen Tätlichkeiten sowie mehrfacher Übertretung im Sinne
von Art. 19a Ziff. 1 des Betäubungsmittelgesetzes zu einer persönlichen Leistung
von 28 Tagen verurteilt. 10 Tage, abzüglich ein Tag Haft, wurden davon in Form
eines Kurses vollzogen. Der Vollzug der restlichen persönlichen Leistung von
18 Tagen wurde aufgeschoben und die Probezeit auf 18 Monaten festgesetzt
(Beizugsakten der Jugendanwaltschaft Zürich-Stadt, Unt.-Nr. 2012/678, Urk. 10/1
S. 1 f.).
1.3. Die zweite Vorstrafe wurde mit Strafbefehl der Jugendanwaltschaft Zürich-
Stadt vom 9. Januar 2013 wegen mehrfachen Diebstahls und Drohung ausge-
sprochen. Die Jugendanwaltschaft bestrafte den Beschuldigten mit einem Frei-
heitsentzug von 21 Tagen, abzüglich 2 Tage erstandener Haft, und einer Busse
von Fr. 100.–. Der Vollzug des Freiheitsentzugs wurde aufgeschoben und die
Probezeit auf 18 Monate festgesetzt. Zudem wurde die mit Strafbefehl vom
30. März 2012 ausgesprochene Probezeit um 9 Monate verlängert (Beizugsakten
der Jugendanwaltschaft Zürich-Stadt, Unt.-Nr. 2012/678, Urk. 11 S. 1 f.).
2. Anwendbare Bestimmungen
2.1. Die oben genannten Straftaten beging der Beschuldigte in den Jahren
2011 und 2012, im Alter von 15 bzw. 16 Jahren. Anwendbar war daher das Ju-
gendstrafrecht (Art. 3 Abs. 1 JStG). Die Beurteilung eines allfälligen Widerrufs des
Vollzugs der damals ausgesprochenen Jugendstrafen hat ebenfalls in Anwen-
dung des Jugendstrafgesetzes zu erfolgen. Art. 35 Abs. 2 JStG verweist für auf-
geschobene Strafen sinngemäss auf die Artikel 29-31 JStG, welche die Probezeit,
- 21 -
die Bewährung und Nichtbewährung bei einer bedingten Entlassung aus dem
Freiheitsentzug behandeln. Für den Fall der Nichtbewährung sieht Art. 31 Abs. 5
JStG vor, dass wenn für die Beurteilung der neuen Tat das StGB anwendbar ist,
die urteilende Behörde bezüglich des Widerrufs Artikel 89 StGB anwendet.
2.2. Ob der bedingte Vollzug der persönlichen Leistung von 18 Tagen und der
Freiheitsentzug von 21 Tagen zu widerrufen sind, bestimmt sich somit nach
Art. 89 StGB. Diese Bestimmung bezieht sich auf die Nichtbewährung eines be-
dingt Entlassenen und spricht daher anstelle des Widerrufs von der Rückverset-
zung. Gemäss Art. 89 Abs. 1 StGB ordnet das für die Beurteilung der neuen Tat
zuständige Gericht die Rückversetzung an, wenn der bedingt Entlassene während
der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen begeht. Ist trotz des während der
Probezeit begangenen Verbrachens oder Vergehens nicht zu erwarten, dass der
Verurteilte weitere Straftaten begehen wird, so verzichtet das Gericht auf eine
Rückversetzung (Art. 89 Abs. 2 StGB). Die Rückversetzung darf nicht mehr ange-
ordnet werden, wenn seit dem Ablauf der Probezeit drei Jahre vergangen sind
(Art. 89 Abs. 3 StGB).
2.3. Die Probezeit beginnt für bedingte Strafen mit der Eröffnung des Urteils zu
laufen, das vollstreckbar wird, denn mit der Eröffnung spricht der Richter gegen-
über dem Verurteilten die Erwartung aus, dass er sich schon durch eine bedingte
Strafe bessern lassen wird. Der erste Tag, derjenige der Urteilseröffnung ist mit-
zuzählen (Roland M. Schneider/Roy Garré, Basler Kommentar, Strafrecht I,
3. Aufl. 2013, N. 5 und N. 7 zu Art. 44).
3. Subsumtion
3.1. Der Strafbefehl vom 30. März 2012 wurde dem Beschuldigten schriftlich
eröffnet (Beizugsakten der Jugendanwaltschaft Zürich-Stadt, Unt.-Nr. 2012/678,
Urk. 10/1 S. 2 Ziff. 13). Aus den Akten geht nicht hervor, wann der Strafbefehl
dem Beschuldigten zugestellt wurde. Da der 31. März 2012 ein Samstag ist, ist
zugunsten des Beschuldigten davon auszugehen, dass er den Strafbefehl am
Montag, 2. April 2012 erhielt. Die Probezeit von ursprünglich 18 Monaten begann
folglich am 2. April 2012 zu laufen und hätte am 2. Oktober 2013 geendet. Da der
- 22 -
Beschuldigte in der Zwischenzeit jedoch wieder straffällig wurde, wurde diese
Probezeit mit Strafbefehl vom 9. Januar 2013 um 9 Monate verlängert, so dass
sie erst am 2. Juli 2014 endete.
3.2. Der Strafbefehl vom 9. Januar 2013 wurde dem Beschuldigten ebenfalls
schriftlich eröffnet (Beizugsakten der Jugendanwaltschaft Zürich-Stadt, Unt.-
Nr. 2012/678, Urk. 11 S. 2 Ziff. 9). Dem Deckel der Beizugsakten der Jugendan-
waltschaft Zürich-Stadt ist zu entnehmen, dass der Strafbefehl den Parteien am
14. Januar 2013 zugestellt wurde. Von diesem Zustelldatum ist auch für den Be-
schuldigten auszugehen, denn eine Aufschlüsselung nach Parteien ist den Akten
nicht zu entnehmen. Diese zweite Probezeit von 18 Monaten begann folglich am
14. Januar 2013 zu laufen und endete am 14. Juli 2014.
3.3. Der Beschuldigte beging zwischen dem 13. Februar und dem 26. Juli 2014
und damit mehrheitlich während den laufenden Probezeiten mehrere Verbrechen
und Vergehen (gewerbsmässiger Diebstahl, mehrfache Sachbeschädigung,
mehrfacher Hausfriedensbruch, Begünstigung). Ein Widerruf der bedingt aufge-
schobenen Strafe ist jedoch nur während drei Jahren seit dem Ablauf der Probe-
zeit zulässig (Art. 35 Abs. 2 JStG i.V.m. Art. 31 Abs. 5 JStG i.V.m Art. 89 Abs. 4
StGB). Die dreijährige Frist läuft für die erste Probezeit am 2. Juli 2017 und für die
zweite Probezeit am 14. Juli 2017 ab. Diese Frist steht somit einem Widerruf der
beiden bedingten Jugendstrafen nicht entgegen.
4. Prüfung des Verzichts auf den Widerruf
4.1. Auf die Rückversetzung ist gemäss Art. 89 Abs. 2 StGB zu verzichten, so-
fern nicht erwartet werden muss, der Verurteilte werde weitere Straftaten bege-
hen. Die analoge Regelung findet sich in Art. 46 Abs. StGB für die Nichtbewäh-
rung bei bedingten Strafen (Markus Hug, StGB Kommentar, 19. Aufl. 2013, N. 4
zu Art. 89). Eine bedingte Strafe oder der bedingte Teil einer Strafe ist nur zu wi-
derrufen, wenn von einer negativen Einschätzung der Bewährungsaussichten
auszugehen ist, d.h. aufgrund der erneuten Straffälligkeit eine eigentliche
Schlechtprognose besteht (BGE 134 IV 140 E. 4.3). Die Prüfung der Bewäh-
rungsaussichten des Täters ist anhand einer Gesamtwürdigung aller wesentlichen
- 23 -
Umstände vorzunehmen. In die Beurteilung miteinzubeziehen sind neben den
Tatumständen auch das Vorleben und der Leumund sowie alle weiteren Tatsa-
chen, die gültige Schlüsse auf den Charakter des Täters und die Aussichten sei-
ner Bewährung zulassen. Für die Einschätzung des Rückfallrisikos ist ein Ge-
samtbild der Täterpersönlichkeit unerlässlich. Relevante Faktoren sind etwa straf-
rechtliche Vorbelastung, Sozialisationsbiographie und Arbeitsverhalten, das Be-
stehen sozialer Bindungen, Hinweise auf Suchtgefährdungen usw. (BGE 134 IV
140 E. 4.4). In die Beurteilung der Bewährungsaussichten im Falle des Widerrufs
des bedingten Strafvollzugs einer Freiheitsstrafe ist im Rahmen der Gesamtwür-
digung auch miteinzubeziehen, ob die neue Strafe bedingt oder unbedingt ausge-
sprochen wird (BGE 134 IV E. 4.5).
4.2. Die Vorinstanz führte aus, dass sich angesichts der Vorstrafen und der er-
heblichen neuen Delinquenz auch während laufender Probezeiten sowie der
mässigen Einsicht massgebliche Bedenken hinsichtlich der künftigen Bewährung
des Beschuldigten ergeben würden, wobei zudem zu berücksichtigen sei, dass
ihm mit Bezug auf seine erste Vorstrafe bereits einmal die Probezeit habe verlän-
gert werden müssen. Die Vorinstanz ging denn auch nur vor dem Hintergrund des
Widerrufs der Vorstrafen von einer günstigen Prognose hinsichtlich der
Hauptsanktion aus.
4.3. Dem kann nicht zugestimmt werden. Der Widerruf von zwei im Vergleich
zum Erwachsenenstrafrecht milden Jugendstrafen im Umfang von 18 Tagen per-
sönlicher Leistung und 21 Tagen Freiheitsentzug erscheint nicht derart massge-
blich, dass dem Beschuldigten nur unter diesem Gesichtspunkte eine gute Prog-
nose gestellt werden könnte. Der Aufschub eines Teils der Freiheitsstrafe recht-
fertigt sich vor allem aufgrund dessen, dass der Beschuldigte erstmals einen län-
geren Freiheitsentzug erstanden hat (vgl. vorstehend Ziff. IV.5.2). Dieser Umstand
fällt auch bei der Beurteilung der Bewährungsaussichten im Zusammenhang mit
einem allfälligen Widerruf der vorliegenden Jugendstrafen stark ins Gewicht. Der
Beschuldigte verbrachte bereits rund 8 Monate und damit die Hälfte der heute
auszusprechenden Freiheitsstrafe in Haft und im vorzeitigem Strafvollzug. Diese
Dauer des Freiheitsentzugs ist nicht zu vergleichen mit den vom Beschuldigten in
- 24 -
früheren Strafverfahren erstandenen ein bis zwei Tagen Haft. Entsprechend stär-
ker sollte auch die Warn- und Schockwirkung ausgefallen sein. Zwar wurde der
Beschuldigte inzwischen wegen angeblich nach seiner Entlassung aus dem vor-
zeitigen Strafvollzug begangener Taten erstinstanzlich verurteilt, jedoch ist das
Urteil wie bereits erwähnt noch nicht rechtskräftig und demzufolge hier unbeacht-
lich (vgl. Ziff. IV.3.3).
4.4. Weiter zu berücksichtigen ist, dass der Beschuldigte offenbar bemüht ist,
sich beruflich einzugliedern, indem er sich immer wieder neue Arbeitsstellen such-
te und sich nun als Versicherungsmakler in der Krankenkassenbranche versucht.
Zwar generiert er mit seiner Tätigkeit bis jetzt kein massgebliches Einkommen
und hat Schulden, jedoch wird er von seiner Familie, insbesondere von seiner
Mutter finanziell unterstützt, so dass Aussicht auf Verbesserung seiner finanziel-
len Lage besteht. In Würdigung sämtlicher Umstände ist dem Beschuldigten keine
Schlechtprognose zu stellen, welche den Widerruf der beiden Jugendstrafen zur
Folge hätte.
4.5. Selbst wenn ein Widerruf unter dem Gesichtspunkt der Legalprognose un-
verzichtbar wäre, würde sich die Frage stellen, ob der Vollzug einer Jugendstrafe
bei einem Erwachsenen überhaupt zweckmässig ist. Diese Frage blieb von der Li-
teratur und Rechtsprechung bisher unbeantwortet. Je älter der Täter ist, desto
fragwürdiger erscheint es, angesichts des Zwecks der Jugendstrafe, diese zu
vollziehen. Das Jugendstrafrecht ist ein Täterstrafrecht, das in erster Linie dem
Erziehungsgedanken verpflichtet ist und die Persönlichkeit und die Entwicklung
des Jugendlichen in den Vordergrund stellt. Nicht Sühne und Vergeltung, sondern
Erziehung, Förderung und Integration sind die angestrebten Ziele. Diese Grund-
sätze sind sowohl während der Untersuchung als auch bei der Urteilsfällung und
beim Vollzug zu beachten (Hansueli Gürber/Christoph Hug/Patrizia Schläfli, Bas-
ler Kommentar, Strafrecht I, 3. Aufl. 2013, N. 3 zu Art. 2 JStG). Die Strafen im Er-
wachsenenstrafrecht sind demgegenüber nicht vorwiegend täterorientiert. Sie ha-
ben zum Ziel die Öffentlichkeit abzuschrecken, sie zu schützen und sie bezwe-
cken durchaus auch Sühne und Vergeltung für die strafbaren Handlungen (vgl.
Hansueli Gürber/Christoph Hug/Patrizia Schläfli, Basler Kommentar, Strafrecht I,
- 25 -
3. Aufl. 2013, N. 11 vor Art. 21 JStG). Der Beschuldigte ist zum heutigen Zeit-
punkt 21 Jahre alt. Es erschiene weder sinnvoll noch angemessen Strafen zu wi-
derrufen und in der Folge zu vollziehen, welche hauptsächlich seine Erziehung
bezwecken sollten. Dieser Aspekt, welcher ebenfalls gegen den Widerruf der Ju-
gendstrafen spricht, sei lediglich am Rande erwähnt. Vorliegend ist bereits auf-
grund der positiven Einschätzung der Bewährungsaussichten des Beschuldigten
vom Widerruf abzusehen.
4.6. Zusammengefasst ist auf den Widerruf der mit Strafbefehl der Jugendan-
waltschaft Zürich-Stadt vom 30. März 2012 sowie vom 9. Januar 2013 ausgefäll-
ten bedingten Strafen von 18 Tagen persönlicher Leistung sowie 21 Tagen Frei-
heitsentzug zu verzichten.
VI. Zivilforderungen
1. Gegenstand der Berufung und rechtliche Grundlagen
1.1. Gegenstand des vorliegenden Berufungsverfahrens sind lediglich die Zivil-
klagen der Stadt Zürich, vertreten durch die Stadtpolizei Zürich (Dossier 1) sowie
der E._ Versicherungs-Gesellschaft AG (Dossier 3; Urk. 108 S. 3 Ziff. 04;
Art. 404 Abs. 1 StPO).
1.2. Bezüglich der rechtlichen Grundlagen für die adhäsionsweise Geltendma-
chung von zivilrechtlichen Ansprüchen im Strafverfahren wird auf die ausführli-
chen vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen (Urk. 107 S. 28 ff. Ziff. VIII.1).
2. Stadt Zürich (Dossier 1)
2.1. Den Akten kann nur implizit entnommen werden, wie hoch der Schadener-
satz ist, den die Privatklägerin Stadt Zürich vom Beschuldigten fordert. Mit Einga-
be vom 23. April 2014 machte sie einen Schadenersatz in der Höhe von
ca. Fr. 50'000.– zuzüglich 5 % Zins seit dem Ereignisdatum geltend und stellte in
Aussicht eine definitive Schadenabrechnung nachzureichen (Urk. D1/32/1, 72/4).
Mit Schreiben vom 7. Mai 2014 reichte sie eine definitive Schadenabrechnung ein
- 26 -
und erhöhte ihr Schadenersatzbegehren auf Fr. 128'159.20 (Urk. D1/32/2-3). Die-
se Forderung erhöhte sie mit Schreiben vom 17. Februar 2015 ein weiteres Mal
auf Fr. 143'279.70 und reichte hierzu eine neue Abrechnung über den Schaden
ein (Urk. D1/32/4). Im Hinblick auf das abgekürzte Verfahren reduzierte die Pri-
vatklägerin ihre Schadenersatzforderung wiederum auf den Betrag von
Fr. 50'000.– (Urk. 42 S. 19 Ziff. 6; D1/39/1 und D1/39/4). Weil das abgekürzte
Verfahren vom Bezirksgericht Zürich abgelehnt wurde, waren in der Folge auch
die Erklärungen, die von den Parteien im Hinblick auf das abgekürzte Verfahren
abgegeben worden sind, nicht mehr verwertbar (Art. 362 Abs. 4 StPO). Die
Staatsanwaltschaft forderte die Privatkläger daher erneut auf, ihre Zivilforderun-
gen geltend zu machen (Urk. 72/1-12). Für die Stadt Zürich liegt eine Kopie ihrer
Eingabe vom 23. April 2014 bei den Akten (Urk. 72/4). Es ist daher davon auszu-
gehen, dass die Stadt Zürich ihre Schadenersatzforderung, welche sie im abge-
kürzten Verfahren stellte, beibehalten wollte und daher Schadenersatz in der Hö-
he von ca. Fr. 50'000.– zuzüglich 5 % Zins seit dem Ereignisdatum fordert.
2.2. Die Verteidigung argumentiert, dass der Beschuldigte nicht an eine allfälli-
ge Schadensanerkennung im Rahmen des abgekürzten Verfahrens gebunden sei
(Urk. 118 S. 15) und dass nicht klar sei, welchen Wert die Radaranlage zum Zeit-
punkt der Sachbeschädigung gehabt habe (Urk. 94 S. 18 f., Prot. I S. 17). Dem ist
grundsätzlich zuzustimmen. Die Verteidigung führte jedoch auch aus, dass die
Verursachung eines grossen Schadens anerkannt werde (Urk. 94 S. 19, Prot. I
S. 17). Der Beschuldigte wurde dann auch wegen qualifizierter Sachbeschädi-
gung im Sinne von Art. 144 Abs. 3 StGB schuldig gesprochen. Wie bereits die Vo-
rinstanz ausführte, liegt infolge der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bei einer
Sachbeschädigung mit grossem Schaden ein Schadensbetrag von mindestens
Fr. 10'000.– vor (Urk. 107 S. 32 Ziff. VIII.2.6; BGE 136 IV 117 E. 4.3.1). Aufgrund
der rechtskräftigen Verurteilung des Beschuldigten wegen qualifizierter Sachbe-
schädigung steht somit fest, dass der Beschuldigte, indem er die Radaranlage in
Brand setzte, vorsätzlich einen Schaden von mindestens Fr. 10'000.– verursach-
te. Die Zusprechung eines höheren Betrags ist bereits aufgrund des Verbots der
reformatio in peius nicht möglich (Art. 391 Abs. 2 StPO).
- 27 -
2.3. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist der Beschuldigte daher zu ver-
pflichten, der Privatklägerin Stadt Zürich Schadenersatz von Fr. 10'000.– zuzüg-
lich 5 % Zins seit dem 19. April 2014 zu bezahlen. Im Mehrbetrag ist das Scha-
denersatzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen.
3. E._ Versicherungs-Gesellschaft AG (Dossier 3)
3.1. Die E._ Versicherungs-Gesellschaft AG (nachfolgend Versicherung
genannt) trat gemäss Art. 72 VVG in Verbindung mit Art. 121 Abs. 2 StPO in die
Rechte der D._ GmbH (heute D.'_ GmbH; nachfolgend weiterhin
D._ GmbH genannt) als Privatklägerin ein. Sie stellte den Antrag auf Scha-
denersatz in der Höhe von Fr. 2'951.15 zuzüglich 5 % Zins seit dem 22. Oktober
2014 (Urk. 72/2). Der Beschuldigte beantragte anlässlich der Berufungsverhand-
lung, diese Forderung auf den Zivilweg zu verweisen, da sie nicht liquid sei (Urk.
118 S. 16).
3.2. Die Versicherung reichte mit ihrem Schreiben vom 17. März 2016 diverse
Belege für ihren Schadenersatzanspruch ein. Gemäss einem Zahlungsbeleg vom
18. März 2016 zahlte sie der D._ GmbH einen Betrag von Fr. 2'951.15 für
das entwendete Bargeld, den Tresor und die Geldkassette abzüglich des vertrag-
lichen Selbstbehalts der Versicherten (Beilage 3 und 4; Urk. 72/2). Zum Beweis
für das entwendete Bargeld reichte die Versicherung ein Kontoblatt der D._
GmbH mit Verbuchungen für die Kasse vom 1. Juni bis 31. Juli 2014 ein, auf dem
sich zusätzlich ein handschriftlicher Vermerk "+ Bar in Couvert 500.–" befindet
und ebenfalls handschriftlich der Saldo in der Kasse von Fr. 3'155.15 angegeben
ist (Beilage zum Schreiben vom 17. März 2016 der E._ Versicherungs-
Gesellschaft AG; Urk. 72/2). Bezüglich des Tresors und der Geldkassette ergibt
sich aus den eingereichten Belegen, dass die Versicherung der D._ GmbH
den ungefähren Wert für eine Neubeschaffung der Gegenstände erstattet hat
(Schreiben der D._ GmbH vom 6. August 2014 und Bestellung eines Burg-
Wächter Möbeleinsatztresors und einer Rieffel Geldkassette; Urk. 72/2).
3.3. Entgegen den Ausführungen der Verteidigung genügt ein Kontoblatt, auch
mit einem handschriftlichen Eintrag, um zu beweisen, welcher Barbetrag entwen-
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det wurde (Urk. 118 S. 16). Der von der Subrogationsklägerin geltend gemachte
Schaden im Betrag von Fr. 2'951.15 ist auch im Übrigen im Einzelnen ausgewie-
sen und belegt (Urk. 72/2 Beilage 3). Der Beschuldigte anerkannte zudem den
Anklagesachverhalt grundsätzlich so, wie er in der Anklageschrift vom 31. März
2016 umschrieben ist (Urk. 94 S. 6 Ziff. 02.09). Dementsprechend ist mit der Vo-
rinstanz davon auszugehen, dass der Beschuldigte den verschwundenen Tresor
samt Geldkassette und Bargeld in Mittäterschaft behändigte (Urk. 107 S. 31
Ziff. 2.5) und ein Schaden in der entsprechenden Höhe entstanden ist.
3.4. Der Beschuldigte ist daher zu verpflichten, der Privatklägerin E._ Ver-
sicherungs-Gesellschaft AG Schadenersatz im Betrag von Fr. 2'951.15 zuzüglich
5 % Zins seit dem 22. Oktober 2014 zu bezahlen.
VII. Kostenfolgen
1. Verfahrenskosten
1.1. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 Satz 1 StPO). Ob eine Partei
im Rechtsmittelverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon ab, in
welchem Ausmass ihre vor Beschwerdeinstanz bzw. Berufungsgericht gestellten
Anträge gutgeheissen wurden (Thomas Domeisen, Basler Kommentar, Schweize-
rische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 6 zu Art. 428).
1.2. Der Beschuldigte dringt vorliegend mit seinem Antrag auf eine mildere Be-
strafung durch, da die Vorinstanz eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten aussprach,
welche nun auf 16 Monaten herabgesetzt wird. Zudem beantragte der Beschul-
digte, dass vom Widerruf der beiden Jugendstrafen vom 30. März 2012 und
9. Januar 2013 abzusehen sei. Diesem Antrag wurde mit dem vorliegenden Urteil
ebenfalls entsprochen. Der letzte Antrag des Beschuldigten beinhaltet, die Scha-
denersatzforderungen der Stadt Zürich und der E._ Versicherungs-
Gesellschaft AG auf den Zivilweg zu verweisen. Damit hat der Beschuldigte kei-
nen Erfolg, denn die im vorinstanzlichen Urteil zugesprochenen Schadenersatz-
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beiträge an die beiden Privatklägerinnen werden mit dem vorliegenden Urteil voll-
umfänglich bestätigt.
1.3. Es rechtfertigt sich daher die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Aus-
nahme derjenigen der amtlichen Verteidigung, dem Beschuldigten zu einem Vier-
tel aufzuerlegen und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Rückzah-
lungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt im Umfang von einem Viertel vor-
behalten.
1.4. Der amtliche Verteidiger macht für seine Aufwendungen im Berufungsver-
fahren, inklusive Berufungsverhandlung und Nachbesprechung mit seinem Klien-
ten, einen Betrag von Fr. 5'412.95 (inklusive Mehrwertsteuer) geltend (Urk. 117).
Dieser Aufwand erweist sich als angemessen, so dass der Verteidiger für das ge-
samte Berufungsverfahren mit Fr. 5'413.– zu entschädigen ist (§ 2 Abs. 1 lit. b,
§ 3, § 18 Abs. 1 i.V.m. § 17 Abs. 1 lit. b AnwGebV).