Decision ID: d96fa517-9f58-5f04-83bb-055ecf976b0c
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
Concordia Schweizerische Kranken- und Unfallversicherung AG, Bundesplatz 15,
Postfach, 6002 Luzern,
Beschwerdeführerin,
und
A._,
Beigeladener,
vertreten durch Z._,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
medizinische Massnahmen (i.S. A._)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ wurde am 8. Februar 2010 mit einem hypovolämen Schock mit
respiratorischer Insuffizienz unter Beutelatmung und Herzkreislaufkollaps in die
Kinderintensivstation des Kantonsspitals B._ eingeliefert. Im Bericht vom 9. März
2010 über die Verlegung auf die Bettenstation hielten die Ärzte dieses Spitals fest (IV-
act. 37-6 ff.), es sei von einer chronischen Malnutrition auszugehen, unter der es zu
einer kombinierten Hypovitaminose gekommen sei, die sämtliche vorhandenen
Symptome erklären könne. Die sekundäre Immunschwäche bei Unterernährung und
Spurenelement- sowie Vitaminmangel habe neben dem komplett fehlenden Impfstatus
die Entstehung einer Infektion durch Opportunisten begünstigt. Der Versicherte sei am
9. März 2010 in einem deutlich gebesserten Allgemeinzustand auf die Bettenstation
verlegt worden. Im Austrittsbericht des Kantonsspitals B._ (IV-act. 37-1 ff.) wurde
festgehalten, auf der allgemein-pädiatrischen Abteilung sei der Versicherte weiter
sondiert worden, aber gleichzeitig habe man langsam mit normaler Kost begonnen. Mit
Hilfe der Physiotherapie habe der Versicherte langsam im Rollstuhl mobilisiert werden
können. Auch in der Ergotherapie habe er Fortschritte erzielt. Es sei ein
Rehabilitationsaufenthalt geplant. Da der nächste Rehabilitationsplatz aber erst im Mai
frei werde, erfolge eine Rückverlegung in den Heimatkanton. Das Ostschweizer
Kinderspital in St. Gallen berichtete am 8. Juni 2010 dem Rehabilitationszentrum C._,
in welches der Versicherte an diesem Tag verlegt wurde (IV-act. 36-8 ff.), beim Eintritt
sei der Versicherte in einem reduzierten Allgemeinzustand gewesen. Im Rahmen der
schweren Malnutrition und insbesondere des schweren Vitamin B12-Mangels habe
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sich eine ausgeprägte periphere Neuropathie mit einer vollständigen Paraplegie der
unteren Extremitäten und mit einer neurogenen Blasen- und Darmentleerungsstörung
gezeigt. Eine Erholung sei prinzipiell langfristig möglich, aufgrund des ausgeprägten
Befunds aber fraglich. Das werde sich erst im Rahmen der langdauernden
Rehabilitation zeigen. Wegen Harnweginfekten sei eine regelmässige Katheterisierung
begonnen worden. In der Physio- und in der Ergotherapie habe sich ein schwerer
Erfahrungsmangel gezeigt. Der Versicherte habe aber rasch Fortschritte gemacht. Er
habe am Stehbett mobilisiert werden können. Seine Stimme habe sich komplett
normalisiert. Anfangs sei die Ernährung per Magensonde erfolgt. Zwar sei ein peroraler
Nahrungsaufbau begonnen worden, aber der Versicherte habe nur kleine Portionen
gegessen, so dass eine nächtliche Versorgung mit einer Magensonde habe erfolgen
müssen. Der Versicherte habe die spitalinterne Schule besucht. Am 27. Juli 2010
wurde der Versicherte von seinem Beistand zum Bezug von IV-Leistungen für
Minderjährige angemeldet (IV-act. 2).
A.b Das Rehabilitationszentrum C._ gab in einem an die IV-Stelle gerichteten Bericht
vom 18. Oktober 2010 an (IV-act. 17), der Versicherte absolviere ein ärztlich geleitetes,
multimodales Therapieprogramm mit Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie,
Neuropsychologie und Besuch der klinikinternen Schule. Ausserdem werde er
psychologisch betreut. Klinisch zeige sich eine eindeutige Paraplegie mit einem
sensomotorischen thorakalen Niveau, fehlenden Willkürbewegungen, Paraspastizität
der Beine und neuropathischer Blasen- und Darmentleerungsstörung. Der Versicherte
habe gelernt, sich selbständig zu katheterisieren. Im Rollstuhl bewege er sich auf
ebenem Grund selbständig fort. Bei schwerer Osteoporose sei es bereits zweimal zu
pathologischen Frakturen gekommen. Ein Versuch, die nächtliche Sondenernährung zu
reduzieren, sei gescheitert, weil der Versicherte nur wenige Nahrungsmittel in kleinsten
Mengen esse. Er zeige Zeichen einer schweren Essstörung. In Bezug auf die
Paraplegie müsse wohl von einer bleibenden Schädigung ausgegangen werden.
Erfahrungsgemäss betrage die Dauer der Erstrehabilitation bei Paraplegie im
Kindesalter ein bis eineinhalb Jahre. Am 9. Februar 2011 beantragten die Ärzte des
Rehabilitationszentrums medizinische Massnahmen nach Art. 12 IVG, um die
zukünftige Ausbildung bzw. Erwerbsfähigkeit des Versicherten dauernd verbessern zu
können (IV-act. 32). Die IV-Stelle forderte daraufhin beim Rehabilitationszentrum einen
Bericht an. Dieser Bericht wurde am 12. April 2011 erstellt (IV-act. 36-1 ff.). Die Ärzte
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führten darin aus, der Versicherte sei gehbehindert und deshalb für die Mobilität auf
Hilfsmittel angewiesen. Seine Sehfähigkeit sei aufgrund einer Glaskörpertrübung bds.
stark eingeschränkt. Er leide unter einer neurogenen Blasen- und
Darmentleerungsstörung. Auch die ausgeprägte Osteoporose beeinträchtige die
körperliche Leistungsfähigkeit. Aus diesen Gründen sei er im Schulbesuch und in einer
späteren beruflichen Ausbildung eingeschränkt. Die Behandlung bestehe aus
Physiotherapie, Ergotherapie, Beschulung mit heilpädagogischem Schwerpunkt,
Psychotherapie und spezialisierten pflegerischen Massnahmen. Bei den ausgeprägten
Residualschäden sei von einer starken Einschränkung im Alltag auszugehen. Es
bestehe ein behinderungsbedingter Mehraufwand an Hilfeleistung und persönlicher
Überwachung im Vergleich zu einem nicht behinderten Kind im gleichen Alter. Am 28.
Oktober 2011 erstellte das Rehabilitationszentrum seinen Schlussbericht. Der
Versicherte war am 3. Oktober 2011 ausgetreten. Zum Verlauf der Rehabilitation wurde
ausgeführt, der Versicherte sei beim Eintritt noch partiell über eine Nasogastralsonde
ernährt worden. Diese Sonde habe im April 2011 entfernt werden können. In Bezug auf
die Paraplegie der unteren Extremitäten liege wahrscheinlich ein gemischtes Bild von
zentraler und peripherer Neuropathie vor. Zur Blasen- und Darmentleerungsstörung
wurde angegeben, der Versicherte könne sich bei Austritt selbständig katheterisieren.
In den letzten sechs Monaten der Hospitalisation sei es zu keinem Harnweginfekt mehr
gekommen. Die Prophylaxe mit Nopril sei im April 2011 beendet worden. Die Ärzte
berichteten weiter, in der Physiotherapie sei hauptsächlich an der Kräftigung der
Rumpfmuskulatur sowie an der Aktivierung und Stimulation der Beinmuskulatur
gearbeitet worden. Im April 2011 sei neu eine Schrittauslösung eingetreten. Daraufhin
sei am Treppensteigen und am Gehen mit dem Rollator gearbeitet worden. Bei
Letzterem habe der Versicherte grosse Fortschritte gemacht. Er könne nun (mit
Pausen) 200 m mit dem Rollator gehen und er könne 20 Treppenstufen hochsteigen.
Im Rollstuhl sei er selbständig (inklusive Transfer). Dr. med. D._ vom RAD hielt am
15. Februar 2012 u. a. fest (IV-act. 60-4), nach der Entfernung der nasogastralen Sonde
habe der Versicherte sämtliche Nahrung per os einnehmen können, d.h. für die
Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme sei gewissermassen ein Normalzustand erreicht
gewesen. Mit der Mobilisation im Stand und mit dem Beginn des Gehtrainings hätten
aus medizinischer Sicht die Eingliederungsmassnahmen im Vordergrund gestanden.
Ab April 2011 habe es sich also nicht mehr um eine Leidensbehandlung gehandelt.
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A.c Mit einem Vorbescheid vom 2. März 2012 (IV-act. 66) kündigte die IV-Stelle die
Übernahme der Kosten des Rehabilitationsaufenthalts ab dem Zeitpunkt der
Entfernung der nasogastralen Sonde und des Beginns der Mobilisation in den Stand
und des Gehtrainings (April 2011) an, weil von diesem Moment an die
Eingliederungsmassnahmen aus medizinischer Sicht in den Vordergrund getreten
seien. Sämtliche medizinischen Leistungen, die in erster Linie der Stabilisierung der
Gesundheitssituation gedient hätten, seien Leidensbehandlung gewesen. Sie fielen
deshalb nicht in den Leistungsbereich der Invalidenversicherung. Die CONCORDIA
Schweizerische Kranken- und Unfallversicherung AG in Luzern wandte am 23. März
2012 gegen diesen Vorbescheid ein (IV-act. 74), der Versicherte sei am 8. Februar 2010
mit einem Herz-Kreislaufstillstand in das Kantonsspital B._ eingeliefert worden.
Gemäss dem Austrittsbericht dieses Spitals habe der orale Kostaufbau am 9. März
2010 begonnen. Der Versicherte sei bis 8. Juni 2010 im Akutspital geblieben. Dann sei
er in die Rehabilitationsklinik C._ eingetreten. Gemäss dem Antrag dieser
Rehabilitationsklinik habe der Aufenthalt dort der Rehabilitation der Paraplegie und
nicht der Behandlung der Essstörung gedient. Die nasogastrale Sonde habe die
Rehabilitation von Lähmungen nicht behindert. Deshalb seien die gesamten Kosten der
Rehabilitation ab 8. Juni 2010 durch die Invalidenversicherung zu übernehmen. Mit
einer Verfügung vom 4. Mai 2012 (IV-act. 75) übernahm die IV-Stelle nur die Kosten der
Rehabilitation in der Zeit zwischen April 2011 und dem Austrittstag (3. Oktober 2011).
Sie führte dazu aus, im Schreiben der Rehabilitationsklinik vom 12. April 2011 sei
angegeben worden, der stationäre Aufenthalt diene zunächst der Behandlung der
Folgen der schweren Neuropathie. Danach solle der Versicherte den Umgang mit der
Paraplegie lernen. Aus diesen Angaben der Rehabilitationsklinik folge, dass die ersten
Monate des Rehabilitationsaufenthalts nur der Leidensbehandlung gedient hätten.
B.
B.a Die CONCORDIA Schweizerische Kranken- und Unfallversicherung AG erhob am
4. Juni 2012 Beschwerde mit dem Antrag, die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten,
die Kosten des gesamten Rehabilitationsaufenthalts (8. Juni 2010 bis 3. Oktober 2011)
zu übernehmen (act. G 1). Zur Begründung machte sie insbesondere geltend, gemäss
den Angaben ihres Vertrauensarztes treffe es nicht zu, dass nach dem Eintritt des
Versicherten in die Rehabilitationsklinik am 8. Juni 2010 bis zur Entfernung der
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nasogastralen Sonde im April 2011 ausschliesslich eine Leidensbehandlung
stattgefunden habe. Der Versicherte habe schon vor der Ziehung der Sonde im April
2011 Nahrung oral zu sich genommen. Damit sei erstellt, dass die Nasogastralsonde
nur noch eine Teilfunktion gehabt habe, nämlich diejenige einer gewissen
Sicherungsfunktion im alimentären Bereich. Nach dem Klinikeintritt sei zügig mit der
eigentlichen Rehabilitation begonnen worden. Das Therapieprogramm habe aus
Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Neuropsychologie, Psychotherapie und der
klinikinternen Schule bestanden. Zu keinem Zeitpunkt sei die Sonde ein
Hinderungsgrund für die Rehabilitation gewesen. Es gebe keinen Grund, die
Rehabilitationstätigkeit nur wegen der noch nicht gezogenen Sonde in Frage zu stellen.
Die Behandlung des Leidens an sich sei mit dem Austritt aus dem Akutspital
abgeschlossen gewesen, denn es wäre keine Verlegung vorgenommen worden, wenn
sie nicht vertretbar gewesen wäre. In der Rehabilitationsklinik sei es nicht mehr um das
Überleben, um das Therapieren gegangen, sondern darum, dem Versicherten eine
Teilhabe am Leben zu ermöglichen. Das habe Eingliederung auf allen Ebenen bedeutet.
Das Eingliederungsziel habe also von Anfang an klar im Vordergrund gestanden.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 18. September 2012 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 5). Sie begründete diesen Antrag damit, dass bis zur Entfernung
der Nasogastralsonde im April 2011 primär die Malnutrition behandelt worden sei. Erst
zu diesem Zeitpunkt sei die Leidensbehandlung abgeschlossen gewesen. Die
Beschwerdegegnerin verwies auf eine interne Stellungnahme von Dr. med. E._ vom
RAD (act. G 5.1). Dr. E._ hatte dort ausgeführt, im Hinblick auf das durch die
Mangelernährung bedingte, initial lebensbedrohliche Krankheitsbild mit
Multiorganversagen und die daraus resultierenden schweren Behinderungen habe die
16-monatige Rehabilitation zwangsläufig eine medizinisch indizierte stationäre
Behandlung dargestellt, bei der sich die zwingend notwendige intensive Fortsetzung
der Behandlung der Grunderkrankung und der vorwiegend auf die Eingliederung
gerichteten rehabilitativen Massnahmen überlappt hätten. Dem Verlegungsbericht vom
8. Juni 2010 lasse sich entnehmen, dass der Versicherte wegen seines
gesundheitlichen Zustands und der schweren Einschränkungen in basalen
Alltagsverrichtungen noch nicht hätte entlassen werden können. Der Austrittsbericht
vom 28. Oktober 2011 zeige dann aber auf, dass die Leidensbehandlung ab April 2011
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in den Hintergrund getreten und durch eine vorwiegend eingliederungsorientierte
Behandlung abgelöst worden sei.
B.c Die Beschwerdeführerin verzichtete am 1. Oktober 2012 auf eine Replik (act. G 7).
B.d Am 11. Oktober 2012 wurde der Versicherte beigeladen (act. G 8). Er liess sich
aber nicht vernehmen.

Erwägungen:
1.
Nicht erwerbstätige Minderjährige gelten als invalid, wenn die Beeinträchtigung ihrer
Gesundheit voraussichtlich eine ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit zur Folge
haben wird (Art. 5 Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 8 Abs. 2 ATSG). Invalide oder von einer
Invalidität bedrohte Versicherte haben einen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen,
die notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit wieder herzustellen, zu erhalten
oder zu verbessern (Art. 8 Abs. 1 lit. a IVG). Zu den Eingliederungsmassnahmen
gehören auch die medizinischen Massnahmen (Art. 8 Abs. 3 lit. a IVG). Gemäss Art. 12
Abs. 1 IVG haben Versicherte bis zum vollendeten 20. Altersjahr einen Anspruch auf
medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, sondern
unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben gerichtet und geeignet sind, die
Erwerbsfähigkeit dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor einer wesentlichen
Beeinträchtigung zu bewahren.
1.1 Art. 12 Abs. 1 IVG unterscheidet zwischen medizinischen Vorkehren, die der
Behandlung des Leidens an sich dienen, und den medizinischen Massnahmen, die
unmittelbar auf die Eingliederung in das Erwerbsleben gerichtet sind, d.h. die
bezwecken, die Erwerbsfähigkeit dauernd und wesentlich zu verbessern oder doch vor
einer wesentlichen Beeinträchtigung zu bewahren. Nur letztere können einen
Leistungsanspruch begründen. Diese Unterscheidung ist nicht medizinischer, sondern
rein rechtlicher Natur. Deshalb gibt es keine medizinischen Vorgaben, an die bei der
rechtlichen Würdigung der laufenden Behandlung angeknüpft werden könnte.
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Insbesondere kann die Annahme der Beschwerdeführerin nicht richtig sein, dass jede
an eine Akutbehandlung anschliessende Rehabilitation ohne weiteres als auf die
Eingliederung gerichtete medizinische Massnahme zu betrachten sei. Bietet die
Medizin kein brauchbares Unterscheidungskriterium, auf das bei der rechtlichen
Würdigung direkt abgestellt werden könnte, muss die Rechtsanwendung selbst
Kriterien entwickeln. Die Art der konkreten Behandlung (z.B. Physiotherapie) ist als
Kriterium nicht geeignet, da jede medizinische Leistung sowohl den Heilungsprozess
vorantreiben als auch - indirekt oder direkt - die Berufsbildungs- und Erwerbsfähigkeit
fördern kann. Damit bleibt als Kriterium die Qualität des Bedarfs der versicherten
Person nach einer medizinischen Leistung. Dieser Bedarf hängt von der jeweils
aktuellen gesundheitlichen Situation ab. Dabei ist aber einzuräumen, dass immer
sowohl ein Bedarf nach einem Vorantreiben des Heilungsprozesses als auch ein
solcher nach einer Förderung der Berufsbildungs- und Erwerbsfähigkeit besteht. Die
Abgrenzung muss sich danach richten, ob in der konkreten Situation noch der
Behandlungsbedarf überwiegt oder bereits der Eingliederungsbedarf wichtiger
geworden ist. Der Normalverlauf dürfte so sein, dass zu Anfang der Behandlungsbedarf
überwiegt, dieser dann aber - mit der fortschreitenden Verbesserung des
Gesundheitszustands - an Bedeutung einbüsst und den bisherigen Vorrang vor der
Eingliederung verliert, so dass neu deren Bedeutung überwiegt. Die medizinische
Behandlung hat damit im Normalfall aus der Sicht des Anwenders des Art. 12 Abs. 1
IVG zunächst keinen relevanten Eingliederungscharakter. Das ändert sich aber im
Verlauf der Zeit grundlegend, so dass schliesslich der Eingliederungscharakter
überwiegt und ein Leistungsanspruch gestützt auf Art. 12 Abs. 1 IVG entsteht.
1.2 In der Praxis zur früheren (auch die Erwachsenen als leistungsberechtigt
betrachtenden) Fassung des Art. 12 Abs. 1 IVG wurde nicht auf die jeweils aktuelle
Bedarfssituation (Heilung oder Eingliederung) abgestellt. Stattdessen wurde zwischen
einem labilen Krankheitsgeschehen und einem stabilen Gesundheitszustand
unterschieden. Erst wenn ein stabiler Gesundheitszustand erreicht war, bestand
gestützt auf Art. 12 Abs. 1 IVG ein Anspruch auf medizinische
Eingliederungsmassnahmen (vgl. Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, bearbeitet von
Ulrich Meyer, 2. A., S. 132 f.). Würde man im vorliegenden Fall einen stabilen
Gesundheitszustand verlangen, um die medizinische Behandlung gestützt auf Art. 12
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Abs. 1 IVG übernehmen zu können, bestünde mit Sicherheit kein Anspruch auf die
Deckung der Kosten der Rehabilitation des Versicherten in der Klinik C._. Die in
dieser Rehabilitationsklinik erbrachten medizinischen Leistungen haben nämlich bis
zum Klinikaustritt der Überwindung der Folgen der Malnutrition gedient und den
Gesundheitszustand des Versicherten bis zum letzten Tag immer noch verbessert. So
ist beispielsweise mit der Physio- und Ergotherapie bis zuletzt eine Heilung der
Paraplegie angestrebt und auch erreicht worden. Die damit immer ausgeprägter
einhergehende Verbesserung der Mobilität und damit der Chance des Versicherten, in
Zukunft eine Berufsausbildung zu absolvieren, hat am weiteren Andauern eines labilen
Krankheitsgeschehens nichts geändert. Die Rechtsprechung hat allerdings schon unter
der Geltung der früheren Fassung den Art. 12 Abs. 1 IVG für Minderjährige anders
interpretiert als Erwachsene. Während für die Erwachsenen erst ab dem Erreichen
eines stabilen Gesundheitszustands ein Leistungsanspruch entstehen konnte, war für
die Minderjährigen bereits beim Erreichen eines relativ stabilisierten
Gesundheitszustands ein Leistungsanspruch möglich. Ein solcher Gesundheitszustand
liegt vor, wenn trotz des einstweilen noch labilen Leidenscharakters ohne medizinische
Massnahmen "eine Heilung mit Defekt oder ein sonstwie stabilisierter Zustand einträte,
wodurch die Berufsbildung oder die Erwerbsfähigkeit oder beide beeinträchtigt
würden" (U. Meyer, a.a.O., S. 133 f.). Es ist also nicht nötig, dass die eigentliche
Heilbehandlung abgeschlossen ist. Vielmehr wird schon während der noch laufenden
Heilbehandlung von der Leistungspflicht des obligatorischen Krankenversicherers auf
die Leistungspflicht der Invalidenversicherung "umgeschaltet".
1.3 Demnach besteht ein Anspruch auf medizinische Eingliederungsmassnahmen
nach Art. 12 Abs. 1 IVG, sobald die laufende medizinische Behandlung nicht mehr
überwiegend der Förderung des Heilungsprozesses, sondern überwiegend der
Förderung der Eingliederung im Hinblick auf die spätere Berufsbildung/Erwerbstätigkeit
dient. Das massgebende Abgrenzungskriterium bzw. der leistungsbegründende
Sachverhalt besteht also darin, dass von einer weiteren medizinischen Behandlung
kein erheblicher Heilungsfortschritt i.e.S. mehr zu erwarten ist, so dass der
Eingliederungszweck der medizinischen Behandlung deutlich in den Vordergrund tritt.
Dieser Wechsel wird sich allerdings kaum je auf einen präzisen Zeitpunkt im
Therapieverlauf festlegen lassen und er wird auch kaum je sofort erkennbar sein, so
dass in aller Regel ex post über einen Anspruch auf eine medizinische Eingliederung
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wird entschieden werden müssen. Auch wenn die IV-Stellen dank der
Vorleistungspflicht der obligatorischen Krankenversicherung (Art. 70 Abs. 2 lit. a ATSG)
mit dem Entscheid über die Gewährung von medizinischen Massnahmen gestützt auf
Art. 12 Abs. 1 IVG zuwarten können, bis sich der Therapieverlauf über einen langen
Zeitraum ex post überblicken lässt, wird die Bestimmung des Zeitpunkts, in welchem
sich der Charakter der medizinischen Behandlung in leistungserheblicher Weise
geändert hat, kaum je auf den Tag oder auch nur auf die Woche genau möglich sein.
Die Antwort auf die Frage nach dem Beginn des Anspruchs auf medizinische
Eingliederungsmassnahmen gemäss Art. 12 Abs. 1 IVG wird deshalb in den meisten
Fällen mit einem grossen Ermessen bei der Würdigung des massgebenden
Sachverhalts verbunden sein müssen. Das gilt auch für den vorliegend zu
beurteilenden Sachverhalt. Immerhin kann mit der Beschwerdegegnerin davon
ausgegangen werden, dass die Behandlung im Kantonsspital in B._ eindeutig noch
in weit überwiegendem Mass dem Heilungsprozess gedient hat. Dasselbe gilt, wenn
auch weniger deutlich, weil dort bereits erste Rehabilitationsmassnahmen
vorgenommen worden sind, für die Behandlung im Ostschweizer Kinderspital in St.
Gallen. Bei der Rehabilitation in der Klinik C._ hat die Beschwerdegegnerin klar
erkennbare Fortschritte bei der Heilbehandlung (Ende des Einsatzes der nasogastralen
Sonde bzw. Normalisierung der Nahrungsaufnahme, erstmaliges Auftreten einer
Schrittauslösung bzw. Beginn grosser Fortschritte beim Gehen am Rollator und beim
Treppensteigen, Erreichen der Selbständigkeit bei der Katheterisierung) als Indizien für
eine entscheidende Verbesserung des Gesundheitszustands betrachtet und daraus
den Schluss gezogen, dass der Versicherte ab diesem Zeitpunkt (April 2011)
überwiegend auf medizinische Eingliederungsmassnahmen und nicht mehr auf
medizinische Massnahmen zur Förderung des Heilungsprozesses angewiesen
gewesen sei, so dass die Rehabilitation überwiegend den Charakter der medizinischen
Eingliederung und nicht mehr der Therapie gehabt habe. Damit hat die
Beschwerdegegnerin ihr Ermessen zugunsten des Versicherten ausgeübt, ohne es aber
zu überschreiten. Hätte sie demgegenüber die Rehabilitation ab dem Tag des Eintritts
in die Klinik als medizinische Eingliederung qualifiziert, wie es die Beschwerdeführerin
sinngemäss verlangt, wäre das nicht mehr durch das Ermessen gedeckt gewesen, da
die Rehabilitation in den ersten Monaten klar überwiegend der Therapie, d.h. der
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Förderung der Heilung der Folgen der Malnutrition, gedient hat. Die angefochtene
Verfügung erweist sich deshalb im Ergebnis als rechtmässig.
2.
Entsprechend den vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen. Die
unterliegende Beschwerdeführerin hat für die Verfahrenskosten aufzukommen. Der
Beurteilungsaufwand erweist sich als durchschnittlich, weshalb die Gerichtsgebühr
praxisgemäss auf Fr. 600.-- festgesetzt wird. Sie ist durch den von der
Beschwerdeführerin geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.-- gedeckt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP