Decision ID: 2ca7feb7-ad14-428d-8e8d-2649385aaaa8
Year: 2011
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Die Vorinstanz sei gestützt auf Art. 13 Abs. 1 VO 1408/71 von der Anwendbarkeit der Gesetzgebung eines einzigen Staates ausgegangen. Unter der Annahme, dass sie sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz eine selbständige Erwerbstätigkeit ausübe, sei die Vorinstanz zum Schluss gelangt, dass das schweizerische System der sozialen Sicherheit anzuwenden sei. Dabei habe die Vorinstanz aber nicht geprüft und begründet, inwiefern eine selbständige Tätigkeit nach deutschem Recht vorliege, welche die Anwendung von Art. 14a Abs. 2 VO Nr. 1408/71 zulassen würde. Es sei zu prüfen, ob der Sachverhalt in Deutschland als selbständige Erwerbstätigkeit zu qualifizieren sei. Die Prüfung erfolge nach deutschem Recht, weil das Völkerrecht bzw. das internationale Koordinationsrecht darauf verweise. Wende man das deutsche Recht an, sei sie als Kommanditistin in Deutschland nicht selbständig erwerbstätig. Damit sei auch kein Raum für die Anwendung einer Kollisionsnorm des Völkerrechts gegeben. Dagegen werde die selbständige Erwerbstätigkeit als Personalberaterin in der Schweiz nicht bestritten. Entsprechend gehe sie nach internationalem Verweisungsrecht nur in der Schweiz einer selbständigen Erwerbstätigkeit nach, so dass Art. 13 Abs. 1 i.V.m. Art. 13 Abs. 2 lit. b VO 1408/71 Anwendung fänden. Danach könne schweizerisches Recht einzig in Bezug auf die selbständige Erwerbstätigkeit in der Schweiz angewendet werden. Die Beitragspflicht beschränke sich auf das in der Schweiz erlangte selbständige Erwerbseinkommen und könne nicht zusätzlich auf die in Deutschland erzielten Vermögenserträge ausgedehnt werden. Damit sei festzuhalten, dass die Vorinstanz bei der Festlegung der Sozialversicherungsbeiträge von einer falschen Zuständigkeit ausgegangen sei und die Beitragspflicht anhand nicht relevanter Einkommen festgelegt habe. Dadurch sei Völkerrecht verletzt worden, das nach Art. 190 BV für das Bundesgericht und die anderen rechtsanwendenden Behörden massgebend sei.
 Eventualiter – wenn dennoch von einer selbständigen Tätigkeit in Deutschland auszugehen und Art. 14a Abs. 2 VO 1408/71 anwendbar sein würde – müsse die betreffende Verweisungsnorm völkerrechtskonform ausgelegt werden. Die VO 1408/71, welche eine Koordination der unterschiedlichen Sozialversicherungssysteme bezwecke, müsse im Lichte des Gemeinschaftsrechts der EU betrachtet werden (vgl. Art. 8 FZA). Eine Koordination stehe aber unter der unausgesprochenen Prämisse, dass für den einzelnen Versicherten die Situation transparent und überschaubar sei, dass mit der Unterstellung unter ein System Rechtssicherheit und Praktikabilität erreicht werde. Wo zwei in ihrer Art völlig unterschiedliche Systeme aufeinanderträfen, etwa der Verzicht auf eine Beitragserhebung in Deutschland und die maximale Beitragserhebung in der Schweiz, könne mit einer simplen Zuweisung der Sinn der Sache indessen nicht getroffen werden. Es könne nicht Sinn und Zweck einer angeblich klaren Koordinationsregel sein, dass sie derartige Verzerrungen in Beitragsbelastung schaffe, wie dies im vorliegenden Fall geschehen würde. Der deutsche Sozialversicherungsgeber habe durch Nichtbelastung von Kommanditisten klar zum Ausdruck gebracht, dass aus seiner Sicht kein Sozialversicherungssachverhalt vorliegen solle. Damit sei dieser Sachverhalt auch nicht zu koordinieren. Somit dränge sich eine völkerrechtskonforme Auslegung auf, die das Ziel verfolge, Völker- und Landesrecht miteinander in Einklang zu bringen. Die Schweiz müsse ihre Zuständigkeit so erfassen, dass eine völkerrechtsverträgliche Anwendung des Landesrechts möglich sei. Diesbezüglich sei auf Art. 6ter AHVV hinzuweisen, wo gewissermassen das Erwerbsortsprinzip im Landesrecht als Bemessungsregel festgeschrieben werde. Diese Bestimmung erlaube es der Schweiz, das im Ausland im Rahmen einer Betriebsstätte bzw. einer ganzen Betriebsstruktur erzielte Erwerbseinkommen von der Bemessung auszunehmen und somit das Völkerrecht verfassungskonform und unter Beachtung der Gleichbehandlung bzw. Nichtdiskriminierung anzuwenden.
 Was den Grundsatz der Gleichbehandlung bzw. der Nichtdiskriminierung betreffe, erfasse dieser auch den Aspekt der Gleichbehandlung in Reziprozität. Es sei zu fragen, wie ein Schweizer behandelt würde, der selbständigen Erwerbstätigkeiten in Deutschland und der Schweiz nachgehe und Wohnsitz in Deutschland habe. Der Schweizer würde, wenn überhaupt, nur bis zu einer betragsmässigen Obergrenze der Beitragspflicht unterstehen. Damit sei eine Gleichbehandlung in Reziprozität nicht gegeben.
5. Die AK Graubünden beantragte mit Vernehmlassung vom 25. Januar 2011
die Abweisung der Beschwerde unter Hinweis auf die Akten und die BG-
Urteile 9C_627/2009 vom 23. Juli 2010 und 9C_504/2010 vom 1. September
2010. Im Übrigen verzichtete sie auf weitere Ausführungen.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften wird, soweit
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt im vorliegenden Verfahren ist der Einspracheentscheid
der AK Graubünden vom 25. November 2010 sowie die diesem zugrunde
liegenden Nachtragsverfügungen für die Jahre 2005 bis 2007 vom 20.
November 2008, vom 31. Dezember 2009 und vom 20. Mai 2010. Streitig und
zu prüfen ist die Frage, ob die Vorinstanz die in den Jahren 2005 bis 2007
erzielten Einkünfte der Beschwerdeführerin als Kommanditistin der in
Deutschland domizilierten ... GmbH & Co. KG zu Recht als beitragspflichtige
selbständige Erwerbstätigkeit qualifiziert und dafür
Sozialversicherungsbeiträge erhoben hat.
2. a) Nach Art. 153a Abs. 1 lit. a AHVG gelten für die in Art. 2 der Verordnung Nr.
1408/71 bezeichneten Personen und in Bezug auf die in Art. 4 dieser
Verordnung vorgesehenen Leistungen, soweit sie im Anwendungsbereich
dieses Gesetzes liegen, auch das Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen
der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen
Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit
(Freizügigkeitsabkommen) in der Fassung der Protokolle vom 26. Oktober
2004 und vom 27. Mai 2008 über die Ausdehnung des
Freizügigkeitsabkommens auf die neuen EG-Mitgliedstaaten (FZA; SR
0.142.112.681), sein Anhang II und die Verordnungen Nr. 1408/71 und Nr.
574/72 in ihrer angepassten Fassung. Entsprechend bestimmt sich die
Versicherungsunterstellung von Personen, die auf dem Gebiet der EU oder
der Schweiz arbeiten und die Staatsangehörige der Schweiz oder eines EU-
Staates sind, im Rahmen ihres Anwendungsbereichs nach der Verordnung
(EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971 zur Anwendung der
Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und Selbstständige sowie
deren Familienangehörige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und
abwandern (VO 1408/71; SR 0.831.109.268.1); in der jeweils gültigen
Fassung des FZA bzw. des revidierten EFTA-Übereinkommens (vgl.
Wegleitung des Bundesamtes für Sozialversicherungen über die
Versicherungspflicht in der AHV/IV Stand 1. Januar 2011 [WVP], Rz. 2009).
Da die Beschwerdeführerin in der hier zu beurteilenden Konstellation
deutsche Staatsangehörige mit Wohnsitz in der Schweiz ist und sich die
Parteien einig sind, dass sie nunmehr in der Schweiz einer selbständigen
Erwerbstätigkeit als Personalberaterin nachgeht, ist die VO 1408/71 in
persönlicher, räumlicher und sachlicher Hinsicht anwendbar (Art. 2 ff. der VO
1408/71).
b) Der aus den Art. 13 - 17a bestehende Titel II ("Bestimmung der
anzuwendenden Rechtsvorschriften") der VO 1408/71 bestimmt, den
Rechtsvorschriften welchen Mitgliedstaats - ausnahmsweise welcher
Mitgliedstaaten - eine Person unterliegt. Eine erwerbstätige Person, für
welche die Verordnung gilt, unterliegt den Sozialversicherungsvorschriften
nur eines Mitgliedstaates, sofern nicht ausdrücklich eine Ausnahme von
dieser Regel vorgesehen ist (vgl. Art. 13 Abs. 1 der VO 1408/71). Es sind dies
grundsätzlich die Rechtsvorschriften des bzw. eines Staates, in dem die
betroffene Person abhängig beschäftigt ist (Art. 13 Abs. 2 lit. a) oder eine
selbstständige Tätigkeit ausübt (Art. 13 Abs. 2 lit. b). Wanderarbeitnehmer
oder entsprechende Selbstständige sind demnach in der Regel im
Beschäftigungsstaat gegen Arbeitsunfall und Berufskrankheit versichert,
sofern die Art. 14 ff. der VO 1408/71 nicht etwas anderes bestimmen (BGE
134 V 432 E. 3.2). Vorliegend von Bedeutung ist einzig die Sonderregelung
von Art. 14a Abs. 2 Satz 1 der VO 1408/71. Danach unterliegt eine Person,
die eine selbstständige Tätigkeit gewöhnlich im Gebiet von zwei oder mehr
Mitgliedstaaten ausübt, den Rechtsvorschriften des Mitgliedstaats, in dessen
Gebiet sie wohnt, wenn sie ihre Tätigkeit zum Teil im Gebiet dieses
Mitgliedstaats ausübt. Auf diese Bestimmung beruft sich die Vorinstanz im
Einspracheentscheid vom 25. November 2010 implizit, indem sie festhält, die
Beschwerdeführerin, welche in der Schweiz und in Deutschland eine
selbständige Erwerbstätigkeit ausübe, unterliege für das gesamte in der
Schweiz und der EU erzielte selbständige Erwerbseinkommen den
schweizerischen Vorschriften über die soziale Sicherheit. Hiergegen wendet
die Beschwerdeführerin ein, die Vorinstanz habe weder geprüft noch
begründet, inwiefern eine selbständige Tätigkeit nach deutschem Recht
vorliege, welche die Anwendung von Art. 14a Abs. 2 der VO 1408/71
überhaupt erst zulasse. Es sei nämlich - infolge Völkerrechts bzw.
internationalen Koordinationsrechts - nach deutschem Recht zu prüfen, ob der
in Deutschland eingetretene Sachverhalt als selbständige Erwerbstätigkeit zu
qualifizieren sei. Wende man das deutsche Recht an, sei sie als
Kommanditistin in Deutschland nicht selbständig erwerbstätig.
c) Das Bundesgericht hat sich mit ähnlichen Konstellationen - unselbständige
bzw. selbständige Erwerbstätigkeit und Wohnsitz in der Schweiz, Beteiligung
an einer deutschen GmbH & Co. KG - erst gerade im Jahr 2010 mehrmals
auseinandergesetzt:
 BG-Urteil 9C_627/2010 vom 23. Juli 2010 E. 2.1 (= BGE 136 V 258): „Im Streit liegt, ob die in betraglicher Hinsicht nicht bestrittenen Einkünfte des Beschwerdegegners, welche er in den Jahren 2003 bis 2006 als Kommanditist der X. GmbH & Co. KG erzielte, als selbstständige Erwerbstätigkeit im Sinne von Art. 9 Abs. 1 AHVG und Art. 20 Abs. 3 AHVV (SR 831.101) zu qualifizieren sind. Die Beteiligten sind sich darin einig, dass sich die Beitragspflicht aufgrund der Beteiligung des in der Schweiz wohnhaften und in der Schweiz zuletzt unselbstständig erwerbstätigen Beschwerdegegners an einer deutschen Kommanditgesellschaft allein nach schweizerischem Recht richtet (Art. 13 Abs. 2 lit. b, Art. 14a Abs. 2 und Art. 14c der Verordnung [EWG] Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971 [...]).“
 BG-Urteil 9C_853/2009 vom 23. Juli 2010 E. 2.1: „Im Streit liegt, ob die in betraglicher Hinsicht nicht bestrittenen Einkünfte des Beschwerdegegners, welche er in den Jahren 2004 bis 2006 als Kommanditist verschiedener, in der Rechtsform einer GmbH & Co. KG gekleideten Reedereien mit Sitz in Deutschland erhalten hat,  als Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit im Sinne von Art. 9 Abs. 1 AHVG und Art. 20 Abs. 3 AHVV zu qualifizieren sind. Die Beteiligten sind sich darin einig, dass sich die Beitragspflicht aufgrund der Beteiligung des in der Schweiz wohnhaften und in der Schweiz unselbständig erwerbstätigen Beschwerdegegners an mehreren deutschen Kommanditgesellschaften allein nach schweizerischem Recht richtet (Art. 13 Abs. 2 lit. b, Art. 14a Abs. 2 und Art. 14c der Verordnung [EWG] Nr. 1408/71 [...]).
 BG-Urteil 9C_504/2010 vom 1. September 2010 E. 2.2: „[...] Art. 14a Abs. 2 (Satz 1 und 2) der Verordnung Nr. 1408/71 wurde gerade nicht in dem Sinne formuliert, dass eine Person, die eine selbstständige Tätigkeit gewöhnlich im Gebiet von zwei oder mehr Mitgliedstaaten ausübt, den Rechtsvorschriften des Mitgliedstaates unterliegt, in dessen Gebiet sie
ihre Haupttätigkeit ausübt. Auch die Rechtsprechung geht von einem wortlautgetreuen Verständnis aus (Urteil H 177/06 vom 28. September 2007 E. 4.3). Dieses Ergebnis ist nicht stossend. Das FZA und die Verordnung Nr. 1408/71 wollen tendenziell Inland- und  gleich behandeln. Von daher kann es bei einer in der Schweiz wohnhaften und damit kraft Art. 1a Abs. 1 lit. a AHVG obligatorisch versicherten Person in Bezug auf die Beitragspflicht keinen Unterschied machen, ob ihr Einkünfte aus der Beteiligung an einer hier oder in einem Vertragsstaat ansässigen Kommanditgesellschaft zufliessen.“
Aus den erwähnten Urteilen geht nicht explizit hervor, wie das Bundesgericht
den Begriff „selbständige Tätigkeit“ nach Art. 14a Abs. 2 der VO 1408/71
ausgelegt hat, wenn auch die Urteile eine Auslegung nach schweizerischem
Recht indizieren. Dennoch ist unabhängig davon im Ergebnis festzuhalten,
dass sich die Frage der sozialversicherungsrechtlichen Beitragspflicht infolge
einer Beteiligung an deutschen Kommanditgesellschaften - bei einer in der
Schweiz wohnhaften und in der Schweiz unselbständig oder selbständig
erwerbstätigen Person - nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung allein
nach schweizerischem Recht beurteilt.
d) In allgemeiner Hinsicht hat des Bundesgericht festgestellt, dass - soweit für
die Anwendung des Abkommens mit der EU Begriffe des
Gemeinschaftsrechts herangezogen werden - hierfür die einschlägige
Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Gemeinschaften (EuGH)
vor dem Zeitpunkt der Unterzeichnung (21. Juni 1999) berücksichtigt wird (Art.
16 Abs. 2 FZA). Dies schliesse allerdings nicht aus, dass nach dem 21. Juni
1999 ergangene Urteile gegebenenfalls dennoch zum Zwecke der Auslegung
des FZA herangezogen werden könnten, vor allem wenn sie nichts anderes
täten, als eine vorherige Rechtsprechung zu präzisieren (BGE 134 V 433 f. E.
5, mit Hinweisen). Das Bundesgericht kann demnach, ohne dazu verpflichtet
zu sein, zum Zwecke der Auslegung des Freizügigkeitsabkommens auch
seither ergangene Urteile des Gerichtshofs heranziehen. Ziel sei es, dass in
den Beziehungen zwischen der Schweiz und der Europäischen Gemeinschaft
gleichwertige Rechte und Pflichten wie in den Rechtsakten der Europäischen
Gemeinschaft, auf die Bezug genommen wird, Anwendung finden (Art. 16
Abs. 1 FZA). Das bedeute, dass für die vom Abkommen erfassten Bereiche
insoweit eine parallele Rechtslage verwirklicht werden solle. Da der EuGH
nicht berufen sei, für die Schweiz über die Auslegung des Abkommens
verbindlich zu bestimmen, sei es aber nicht verwehrt, aus triftigen Gründen zu
einer anderen Rechtsauffassung als dieser zu gelangen. Das Bundesgericht
werde das aber mit Blick auf die angestrebte parallele Rechtslage aber nicht
leichthin tun (BGE 136 II 70 f. E. 3.1, 136 II 12 f. E. 3.4). Da die hier zu
prüfende VO 1408/71 für die Schweiz aufgrund von Anhang II zum FZA gilt
(vgl. Art. 153a AHVG), ist damit grundsätzlich die Rechtsprechung des EuGH
zur Auslegung von Art. 14a Abs. 2 der VO 1408/71 massgebend.
e) Der EuGH hielt zu Art. 14a der VO 1408/71 im Entscheid Hervein und
Hervillier das Folgende fest (EuGH, Rechtssache C-221/95, Slg. 1997, I-609):
 „Die Bestimmungen des Titels II [der VO 1408/71] nehmen somit im Gegensatz zu denen des Titels I nicht auf Arbeitnehmer und Selbständige Bezug, sondern auf Personen, die eine Tätigkeit im Lohn- oder Gehaltsverhältnis ausüben, und auf Personen, die eine selbständige Tätigkeit ausüben. Die beiden letztgenannten Begriffe werden aber in der Verordnung nicht definiert.“ (Rz. 12).
 „Ebenso wie sich die Einstufung einer Person als Arbeitnehmer oder Selbständiger im Sinne der Verordnung nach dem nationalen System der sozialen Sicherheit richtet, dem diese Person angeschlossen ist, sind folglich unter Tätigkeiten im Lohn- oder Gehaltsverhältnis und selbständigen Tätigkeiten im Sinne des Titels II der Verordnung die Tätigkeiten zu verstehen, die in dem Mitgliedstaat, in dessen Gebiet sie ausgeübt werden, nach den dort im Bereich der sozialen Sicherheit geltenden Rechtsvorschriften als solche angesehen werden.“ (Rz. 21).
 „Nach alledem ist auf die Frage des vorlegenden Gerichts zu antworten, dass für die Anwendung der Artikel 14a und 14c der Verordnung unter ‚Tätigkeit im Lohn- oder Gehaltsverhältnis’ und ‚selbständiger Tätigkeit’ die Tätigkeiten zu verstehen sind, die im Rahmen der Anwendung der Rechtsvorschriften über die soziale Sicherheit des Mitgliedstaats, in dessen Gebiet diese Tätigkeiten ausgeübt werden, als solche angesehen werden.“ (Rz. 22).
Gemäss Rechtsprechung des EuGH (vgl. auch Urteil des EuGH vom 19. März
2002, Verbundene Rechtssachen C-393/99 und C-394/99, Slg. 2002, I-2829,
Rz. 16) ist der Begriff der selbständigen Tätigkeit i.S.v. Art. 14a der VO
1408/71 für Tätigkeiten in einem Mitgliedsstaat jeweils gesondert nach dem
jeweiligen autonomen Recht auszulegen. Mithin bestimmt sich nach
deutschem Recht, ob ein Sachverhalt – wie z.B. eine Beteiligung an einer
deutschen Kommanditgesellschaft – in Deutschland als selbständige Tätigkeit
nach Art. 14a der VO 1408/71 zu qualifizieren ist (vgl. Edgar Imhof, Über die
Kollisionsnorm der Verordnung 1408/71 [anwendbares Sozialrecht, zugleich
Versicherungsunterstellung], SZS 2008 S. 326, mit Hinweisen). In ähnlichem
Sinne bestimmt auch Rz. 2013 der WVP, dass die Versicherungsunterstellung
von Personen, die in mehreren Staaten arbeiteten, davon abhänge, ob diese
unselbstständig- oder selbstständigerwerbstätig seien. Das Beitragsstatut
(Arbeitnehmende oder Selbstständigerwerbende) werde aufgrund des
nationalen Rechts desjenigen Staates bestimmt, in welchem die jeweilige
Erwerbstätigkeit ausgeübt werde. Die Frage, ob eine in der Schweiz
ausgeübte bzw. dem schweizerischen Recht unterstellte Erwerbstätigkeit als
selbstständige oder unselbstständige gelte, beurteile sich nach den
schweizerischen Rechtsvorschriften (WVP Rz. 1038).
f) Steht nach dem Gesagten fest, dass der Begriff der selbständigen Tätigkeit
nach Art. 14a Abs. 2 der VO 1408/71 im Zusammenhang mit Sachverhalten,
die sich in Deutschland ereignet haben, nach deutschem Recht auszulegen
ist, stellt sich die Frage nach den konkreten Auswirkungen auf die hier zu
beurteilende Konstellation. Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass eine
Beteiligung an einer deutschen Kommanditgesellschaft nach deutschem
Recht nicht als selbständige Tätigkeit nach Art. 14a Abs. 2 der VO 1408/71
qualifiziert würde. Entsprechend gehe sie nach internationalem
Verweisungsrecht nur in der Schweiz einer selbständigen Erwerbstätigkeit
nach, so dass Art. 13 Abs. 1 i.V.m. Art. 13 Abs. 2 lit. b VO 1408/71 Anwendung
fänden. Danach könne schweizerisches Recht einzig in Bezug auf die
selbständige Erwerbstätigkeit in der Schweiz angewendet werden. Die
Beitragspflicht beschränke sich demzufolge auf das in der Schweiz erlangte
selbständige Erwerbseinkommen und könne nicht zusätzlich auf die in
Deutschland erzielten Vermögenserträge ausgedehnt werden. Ohne zur
inhaltlichen Richtigkeit der beschwerdeführerischen Behauptung, eine
Beteiligung an einer deutschen Kommanditgesellschaft stelle nach
deutschem Recht keine selbständige Tätigkeit - sondern eine blosse
Kapitalanlage - dar, Stellung zu nehmen, kann dieser Argumentation nicht
gefolgt werden. Würde man hypothetisch annehmen, es läge in casu nach
deutschem Recht keine selbständige Tätigkeit in Deutschland vor, wäre Art.
14a Abs. 2 der VO 1408/71 nicht einschlägig, sind dafür doch selbständige
Tätigkeiten in zwei oder mehreren Mitgliedsstatten erforderlich. Stattdessen
anzuwenden wären Art. 13 Abs. 1 i.V.m. Art. 13 Abs. 2 lit. b der VO 1408/71,
wonach eine Person, die im Gebiet eines Mitgliedstaats eine selbstständige
Tätigkeit ausübt, den Rechtsvorschriften dieses Staates unterliegt, und zwar
auch dann, wenn sie im Gebiet eines anderen Mitgliedstaats wohnt. Da die
Beschwerdeführerin in der Schweiz als Personalberaterin selbständig
erwerbstätig ist, wäre die schweizerische Rechtsordnung zur Anwendung zu
bringen; insofern ist auch der beschwerdeführerischen Auffassung noch zu
folgen. Daraus lässt sich aber – entgegen der beschwerdeführerischen
Auffassung – nicht ableiten, das schweizerische System der sozialen
Sicherheit könne nur in Bezug auf die schweizerischen Erwerbstätigkeiten
angewendet werden. Eine solche einschränkende Auslegung lässt sich dem
Wortlaut der Art. 13 Abs. 1 i.V.m. Art. 13 Abs. 2 lit. b der VO 1408/71 gerade
nicht entnehmen. So hat auch das Bundesgericht schon ausdrücklich
festgehalten, dass - sofern auf eine Person das schweizerische Recht
anwendbar ist - das gesamte Erwerbseinkommen dieser Person der
schweizerischen AHV-Beitragspflicht untersteht, auch wenn es in einem
anderen Vertragsstaat erzielt worden ist (BG-Urteil 9C_33/2009 vom 2.
September 2009 E. 3.2; vgl. auch hiernach E. 3).
g) Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass sich die Beitragspflicht der in
der Schweiz wohnhaften und selbständig erwerbstätigen Beschwerdeführerin
hier insgesamt nach schweizerischem Recht richtet (Art. 13 Abs. 1 i.V.m. Art.
14a Abs. 2 der VO 1408/71); auch wenn man mit der Beschwerdeführerin
davon ausgehen würde, nach deutschem Recht sei eine Beteiligung an einer
deutschen Kommanditgesellschaft nicht als selbständige Tätigkeit zu
qualifizieren (Art. 13 Abs. 1 i.V.m. Art. 13 Abs. 2 lit. b der VO 1408/71).
Demnach untersteht nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung das gesamte
Erwerbseinkommen der Beschwerdeführerin dem schweizerischen AHV-
Recht, auch wenn es in einem anderen Vertragsstaat erzielt worden ist. Das
hat zur Folge, dass – wie nachfolgend noch aufzuzeigen sein wird (hiernach
E. 3) – auch die in Deutschland erzielten Einkünfte der Beschwerdeführerin
als Kommanditistin der in Deutschland domizilierten ... GmbH & Co. KG als
beitragspflichtiges Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit zu
qualifizieren sind, weshalb dafür Sozialversicherungsbeiträge erhoben
werden müssen. Der scheinbare Widerspruch - nach deutschem Recht keine
selbständige Tätigkeit, nach schweizerischem AHV-Recht selbständige
Erwerbstätigkeit - erklärt sich insofern, als eine Auslegung des internationalen
Kollisionsrechts zur Ermittlung der anzuwendenden Rechtsordnung
(Auslegung des Begriffs selbständige Tätigkeit nach deutschem Recht;
Auslegung 1. Stufe) von der Anwendung der von der Kollisionsordnung
berufenen Rechtsordnung in der Sache (Auslegung des schweizerischen
AHV-Rechts; Auslegung 2. Stufe) strikte zu unterscheiden ist.
3. a) Nach Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung (AHVG) werden die Beiträge der erwerbstätigen
Versicherten in Prozenten des Einkommens aus unselbständiger und
selbständiger Erwerbstätigkeit festgesetzt. Einkommen aus selbständiger
Erwerbstätigkeit ist jedes Erwerbseinkommen, das nicht Entgelt für in
unselbständiger Stellung geleistete Arbeit darstellt (Art. 9 Abs. 1 AHVG). Den
Begriff des Einkommens aus selbständiger Erwerbstätigkeit konkretisieren
sodann Art. 17 ff. der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung (AHVV). Art. 20 Abs. 3 AHVV bestimmt dabei,
dass die Teilhaber von Kollektiv- und Kommanditgesellschaften sowie von
anderen auf einen Erwerbszweck gerichteten Personengesamtheiten ohne
juristische Persönlichkeit die Beiträge von ihrem Anteil am Einkommen der
Personengesamtheit zu entrichten haben. Nach der geltenden Regelung und
der gestützt darauf ergangenen Rechtsprechung sind sämtliche Teilhaber von
Kollektiv- und Kommanditgesellschaften für ihre Anteile am Einkommen der
Personengesamtheit der Beitragspflicht aus selbständiger Erwerbstätigkeit
unterstellt (BG-Urteile 9C_627/2009 vom 23. Juli 2010 E. 2.2.1 und 2.2.3 =
BGE 136 V 258, 9C_853/2009 vom 23. Juli 2010 E. 2.2.1 und 2.2.3). Nicht
unter den Begriff der selbständigen Erwerbstätigkeit im Sinne von Art. 9 Abs.
1 AHVG und Art. 17 AHVV fällt die blosse Verwaltung des eigenen
Vermögens; der daraus resultierende reine Kapitalertrag unterliegt daher nicht
der Beitragspflicht. Gleiches gilt in Bezug auf Gewinne aus privatem
Vermögen, welche in Ausnützung einer zufällig sich bietenden Gelegenheit
erzielt worden sind. Anderseits stellen Kapitalgewinne aus der Veräusserung
oder Verwertung von Gegenständen des Privatvermögens, wie Wertschriften
oder Liegenschaften, auch bei nicht buchführungspflichtigen (Einzel-
)Betrieben, Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit dar, wenn und
soweit sie auf gewerbsmässigem Handel beruhen (BG-Urteile 9C_627/2009
vom 23. Juli 2010 E. 2.2.2 = BGE 136 V 258, 9C_853/2009 vom 23. Juli 2010
E. 2.2.2, 9C_551/2008 vom 16. Januar 2009 E. 2.1; BGE 134 V 253 E. 3.1,
125 V 385 E. 2a).
b) Das Bundesgericht hat in mehreren Urteilen vom letzten Jahr seine konstante
Rechtsprechung bestätigt, wonach die Gesetzmässigkeit von Art. 20 Abs. 3
AHVV zu bejahen ist (BG-Urteile 9C_627/2009 vom 23. Juli 2010 E. 4.8 =
BGE 136 V 258, 9C_853/2009 vom 23. Juli 2010 E. 4.8, je mit Hinweisen; vgl.
auch implizit BG-Urteil 9C_504/2010 vom 1. September 2010 E. 1.1). Das
Einkommen, das Gesellschaftern einer auf Gewinn ausgerichteten
Personengesamtheit zufliesse, insbesondere der Gewinnanteil der
Gesellschaft, gelte gestützt auf Art. 20 Abs. 3 AHVV - unabhängig von einer
persönlichen Arbeitsleistung - als Einkommen aus selbständiger Tätigkeit;
vorbehalten blieben lediglich Fälle von Rechtsmissbrauch (vgl. dazu BGE 131
V 97). Es bestehe daher kein Anlass, von der bisherigen langjährigen und
konstanten Rechtsprechung abzuweichen. Entscheidend für die
Anwendbarkeit von Art. 20 Abs. 3 AHVV sei damit einzig, ob es sich um eine
auf einen Erwerbszweck gerichtete Personengesamtheit ohne juristische
Persönlichkeit handle. Dies treffe für die deutsche GmbH und Co. KG zu. Es
komme daher nicht darauf an, wie im Einzelfall die Einflussmöglichkeiten in
der Gesellschaft seien, ob diese eine familienbezogene Struktur habe und ob
sie international tätig sei. Es brauche auch nicht geprüft zu werden, ob die im
deutschen Recht vorgesehene Gesellschaftsform der GmbH & Co. KG eine
mit der schweizerischen Kommanditgesellschaft vergleichbare
Gesellschaftsform darstelle, da Art. 20 Abs. 3 AHVV nicht nur Teilhaber von
Kollektiv- und Kommanditgesellschaften, sondern auch Teilhaber von
anderen auf einen Erwerbszweck gerichteten Personengesamtheiten ohne
juristische Persönlichkeit aufführe (BG-Urteile 9C_627/2009 vom 23. Juli 2010
E. 5 = BGE 136 V 258, 9C_853/2009 vom 23. Juli 2010 E. 5.1, 9C_504/2010
vom 1. September 2010 E. 1.1).
c) Entsprechend ist ohne weiteres festzuhalten, dass die Vorinstanz die von der
Beschwerdeführerin erzielten Einkünfte als Kommanditistin der in
Deutschland domizilierten ... GmbH & Co. KG nach der vorstehend zitierten,
klaren bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Recht als beitragspflichtiges
Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit qualifiziert und dafür
Sozialversicherungsbeiträge erhoben hat. Somit erweisen sich der
angefochtene Einspracheentscheid vom 25. November 2010 und die diesem
zugrunde liegenden Nachtragsverfügungen für die Jahre 2005 bis 2007 vom
20. November 2008, vom 31. Dezember 2009 und vom 20. Mai 2010 als
rechtmässig.
4. a) Die von der Beschwerdeführerin eventualiter vorgebrachte Argumentation der
völkerrechtskonformen Auslegung der VO 1408/71, welche eine Koordination
der unterschiedlichen Sozialversicherungssysteme bezwecke und im Lichte
des Gemeinschaftsrechts der EU betrachtet werden müsse (vgl. Art. 8 FZA),
vermag an diesem Ergebnis nichts zu ändern. Denn der EuGH hat in den
Rechtssachen C-393/99 und C-394/99 zur Vereinbarkeit von Art. 14c der VO
1408/71 mit Art. 39 (Freizügigkeit der Arbeitnehmer) und Art. 43
(Niederlassungsrecht) des EG-Vertrags das Folgende festgehalten (Urteil des
EuGH vom 19. März 2002, Verbundene Rechtssachen C-393/99 und C-
394/99, Slg. 2002, I-2829):
 „Der [EG-]Vertrag hat jedoch keine Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten auf dem Gebiet der sozialen Sicherheit vorgesehen. Insbesondere sieht Artikel 51 [nach Änderung Art. 42] EG-Vertrag in Bezug auf Arbeitnehmer lediglich eine Koordinierung dieser Rechtsvorschriften vor. Die materiellen und formellen Unterschiede zwischen den Systemen der sozialen Sicherheit der einzelnen Mitgliedstaaten und folglich zwischen den Ansprüchen der dort Beschäftigten werden somit durch diese Bestimmung nicht berührt [...]“ (Rz. 50).
 „Der Vertrag garantiert einem Erwerbstätigen somit nicht, dass die Ausweitung seiner Tätigkeiten auf mehr als einen Mitgliedstaat oder deren Verlagerung in einen anderen Mitgliedstaat hinsichtlich der sozialen
Sicherheit neutral ist. Aufgrund der Unterschiede der Rechtsvorschriften über die soziale Sicherheit der Mitgliedstaaten kann eine solche Ausweitung oder Verlagerung für den Erwerbstätigen je nach Einzelfall Vorteile oder Nachteile in Bezug auf den sozialen Schutz haben. Folglich verstösst ein eventueller Nachteil im Vergleich zu dem Fall, dass der Erwerbstätige alle seine Tätigkeiten in ein und demselben Mitgliedstaat ausübt, der sich aus der Ausweitung seiner Tätigkeiten oder ihrer Verlagerung in einen oder mehrere andere Mitgliedstaaten und der Tatsache ergibt, dass er neuen Rechtsvorschriften auf dem Gebiet der sozialen Sicherheit unterliegt, grundsätzlich nicht gegen die Artikel 48 und 52 [nach Änderung Art. 39 und Art. 43] EG-Vertrag, sofern diese Rechtsvorschriften den betreffenden Erwerbstätigen im Vergleich zu den Personen, die alle ihre Tätigkeiten in dem Mitgliedstaat ausüben, in dem die genannten Vorschriften Anwendung finden, oder zu den Personen, die ihnen bereits zuvor unterlagen, nicht benachteiligen und sofern sie nicht nur dazu führen, dass Beitragsleistungen entrichtet werden, denen kein Anspruch auf Gegenleistungen gegenübersteht.“ (Rz. 51).
 „Somit ist die mit der Verordnung Nr. 1408/71 getroffene Regelung lediglich eine Koordinierungsregelung, die sich u. a., und zwar in ihrem Titel II, mit der Bestimmung der Rechtsvorschriften befasst, die auf Arbeitnehmer und Selbständige anzuwenden sind, die unter verschiedenen Umständen von ihrem Recht auf Freizügigkeit Gebrauch machen. Es ist eine notwendige Folge dieser Regelung, dass die Höhe der für die Ausübung einer Tätigkeit zu entrichtenden Sozialversicherungsbeiträge sich je nach dem Mitgliedstaat, in dem diese Tätigkeit ganz oder teilweise ausgeübt wird, oder je nach den Rechtsvorschriften auf dem Gebiet der sozialen Sicherheit, denen die betreffende Tätigkeit unterliegt, unterscheidet [...].“ (Rz. 52).
Da das Gemeinschaftsrecht der EU keine Harmonisierung der
Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten auf dem Gebiet der sozialen Sicherheit
vorsieht – sondern lediglich eine Koordination –, werden materielle und
formelle Unterschiede zwischen den Systemen der sozialen Sicherheit der
einzelnen Mitgliedstaaten und zwischen den Ansprüchen der dort
Beschäftigten nach der zitierten Rechtsprechung des EuGH durch das
Gemeinschaftsrecht, welches hinsichtlich der Koordinierung der Systeme der
sozialen Sicherheit vom FZA übernommen wurde, nicht berührt. Mangels
einer Harmonisierung auf Gemeinschaftsebene bestimmt das Recht jedes
Mitgliedstaates, unter welchen Voraussetzungen zum einen ein Recht auf
Anschluss an ein System der sozialen Sicherheit oder eine Verpflichtung
hierzu besteht und zum anderen Leistungen der sozialen Sicherheit gewährt
werden; gleichwohl müssen die Mitgliedstaaten bei der Ausübung dieser
Befugnis das Gemeinschaftsrecht beachten (vgl. BGE 131 V 213 f. E. 5.3,
BGE 134 V 431 f. E. 3.1; BG-Urteil 9C_33/2009 vom 2. September 2009 E.
3.3). Notwendige Folge dieser Regelung ist es, dass sich die Höhe der für die
Ausübung einer Tätigkeit zu entrichtenden Sozialversicherungsbeiträge je
nach Mitgliedstaat bzw. je nach den anwendbaren Rechtsvorschriften
unterscheidet. Damit vermag auch eine Auslegung der VO 1408/71 im Lichte
des Gemeinschaftsrechts am Ergebnis - Beitragspflicht der
Beschwerdeführerin gemäss den Verfügungen der Vorinstanz - nichts zu
ändern.
b) Was den von der Beschwerdeführerin erwähnten Art. 6ter AHVV betrifft, kann
dieser auf den zu beurteilenden Sachverhalt keine Anwendung finden. Laut
dieser Bestimmung ist unter anderem im Ausland erzieltes
Erwerbseinkommen, das Personen mit Wohnsitz in der Schweiz als Inhaber
oder Teilhaber von Betrieben oder von Betriebsstätten in einem
Nichtvertragsstaat zufliesst, von der Beitragserhebung ausgenommen.
Nichtvertragsstaaten im Sinne dieser Bestimmung sind Staaten, für welche
die VO 1408/71 nicht gilt (BG-Urteil 9C_504/2010 vom 1. September 2010 E.
3.1, mit Hinweisen). In der bis zum Inkrafttreten der bilateralen Verträge mit
der EU am 1. Juni 2002 gültig gewesenen Fassung von Art. 6ter lit. a AHVV
fehlte der Zusatz "in einem Nichtvertragsstaat". Von der Beitragserhebung
ausgenommen war somit jedes Erwerbseinkommen, das Personen als
Inhaber oder Teilhaber von Betrieben oder von Betriebsstätten im Ausland
zufloss. Das Einkommen aus Betrieben im Ausland wurde demzufolge anders
behandelt als das aus inländischen Betrieben erzielte. Indessen haben das
FZA bzw. die damit anwendbar erklärte VO 1408/71 in Bezug auf die
Vertragssaaten diesbezüglich eine Änderung gebracht: Zwar verpflichtet
diese Regelung die Schweiz nicht, auf Einkommen aus
Personengesellschaften überhaupt Beiträge zu erheben, da das vom FZA
übernommene Gemeinschaftsrecht lediglich eine Koordinierung, nicht aber
eine Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten auf dem
Gebiet der sozialen Sicherheit bezweckt (BG-Urteil 9C_504/2010 vom 1.
September 2010 E. 3.2; BGE 131 V 213 f. E. 5.3). Wohl aber schreibt Art. 14d
i.V.m. Art. 14a Abs. 2 der Verordnung Nr. 1408/71 zwingend vor, dass die in
der Schweiz wohnhaften Personen für die Anwendung der massgebenden
Rechtsvorschriften so zu behandeln sind, wie wenn sie ihre gesamte
Erwerbstätigkeit im Gebiet der Schweiz ausüben würden. Insoweit ist im
Rahmen des sachlichen und persönlichen Geltungsbereichs des FZA bzw.
der Verordnung Nr. 1408/71 ein ausländischer Sachverhalt einem
inländischen gleichgestellt. Dies entspricht der generellen Tendenz des FZA
zur Gleichbehandlung von Inländern und EU-Ausländern bzw. inländischen
und EU-ausländischen Sachverhalten. Unterliegt somit nach
schweizerischem Recht das Einkommen aus inländischen
Personengesellschaften der Beitragspflicht, so muss dies auch gelten für
Einkommen aus Personengesellschaften in einem EU-Mitgliedstaat. Diese
völkerrechtliche Lage ist für das Bundesgericht und für die
rechtsanwendenden Behörden verbindlich (Art. 190 BV). Die Neufassung von
Art. 6ter lit. a AHVV stellt nur diese staatsvertraglich ohnehin geltende
Rechtslage klar. Dass damit EU-Ausländer bzw. EU-ausländische
Sachverhalte anders behandelt werden als Drittstaatsangehörige bzw.
drittstaats-ausländische Sachverhalte, liegt in der Natur eines
völkerrechtlichen Vertrages und stellt keine rechtswidrige
Ungleichbehandlung dar (BG-Urteil 9C_504/2010 vom 1. September 2010 E.
3.2).
5. a) Ebenfalls zu keinem anderen Ergebnis führt die Argumentation der
Beschwerdeführerin zum Grundsatz der Gleichbehandlung bzw. der
Nichtdiskriminierung in Reziprozität. Sie macht geltend, dass - im Gegensatz
zur vorliegenden Konstellation - ein Schweizer, der selbständigen
Erwerbstätigkeiten in Deutschland und der Schweiz nachgehe und Wohnsitz
in Deutschland habe, wenn überhaupt nur bis zu einer betragsmässigen
Obergrenze der Beitragspflicht unterstehen würde, weshalb eine
Gleichbehandlung in Reziprozität nicht gegeben sei. Es müsse daher geprüft
werden, ob das EU-Recht gerade unter dem Aspekt der völkerrechtlichen
Anwendung die Beachtung dieses Grundsatzes fordern müsste. Die
Beschwerdeführerin verkennt dabei, dass das der VO 1408/71 zugrunde
liegende Gemeinschaftsrecht der EU, wie hiervor ausgeführt wurde (E. 4),
keine Harmonisierung, sondern eine Koordinierung der Rechtsvorschriften
der Mitgliedsstaaten vorsieht. Daher ist es eine notwendige Folge dieser
Regelung, dass sich die Höhe der für die Ausübung einer Tätigkeit zu
entrichtenden Sozialversicherungsbeiträge je nach dem Mitgliedstaat, in dem
diese Tätigkeit ganz oder teilweise ausgeübt wird, oder je nach den
Rechtsvorschriften auf dem Gebiet der sozialen Sicherheit, denen die
betreffende Tätigkeit unterliegt, unterscheidet (Urteil des EuGH vom 19. März
2002, Verbundene Rechtssachen C-393/99 und C-394/99, Slg. 2002, I-2829,
Rz. 52). Einen Anspruch auf Gleichbehandlung in Reziprozität im Verhältnis
zwischen den Mitgliedsstaaten, wie sie von der Beschwerdeführerin angeführt
wird, vermittelt nach der Rechtsprechung des EuGH also weder die VO
1408/71 noch das diesem zugrunde liegende Gemeinschaftsrecht der EU.
Soweit die Beschwerdeführerin nach schweizerischem Recht für
Einkommensbestandteile AHV-Beiträge entrichten muss, die nach deutschem
Recht nicht der Beitragspflicht unterstünden, ist das eine Konsequenz der
schweizerischen Gesetzgebung, welche in diesem Punkt zulässigerweise von
derjenigen anderer Staaten abweichen kann (vgl. Urteil des
Verwaltungsgerichts Graubünden vom 16. September 2008, VGU S 08 77 E.
3b). In der Anwendung schweizerischer Gesetzgebung auf die dem
schweizerischen Recht unterstehenden Sachverhalte liegt keine
Diskriminierung vor, auch wenn dadurch die Betroffenen schlechter gestellt
sind, als sie bei Anwendung des ausländischen Rechts wären; das ist
vielmehr die unvermeidliche Konsequenz davon, dass Staaten auf Grund ihrer
Souveränität Gesetze erlassen können, die sich von den in anderen Staaten
geltenden Gesetzen unterscheiden (BG-Urteil 9C_33/2009 vom 2. September
2009 E. 3.3).
b) Schliesslich wäre auch der Umstand, dass die Beschwerdeführerin Beiträge
weit über dem rentenbildenden Maximum entrichten muss und ihre höheren
Beiträge somit nicht mehr zu besseren Versicherungsleistungen für sie
persönlich führen können, sondern einzig der Finanzierung der AHV dienen,
kein Grund, das Gesetz nicht anzuwenden. Dass in der AHV die Beiträge nicht
begrenzt, die Renten jedoch plafoniert sind, und die Versicherten, die sich
über einer bestimmten Einkommensgrenze bewegen, nicht rentenbildende
Beiträge bezahlen, sondern damit als wirtschaftlich bessergestellte Personen
indirekt die Renten von weniger gut situierten Versicherten finanzieren, ist
vielmehr Ausdruck des der gesetzlichen Regelung der schweizerischen
Alters- und Hinterlassenenversicherung zu Grunde liegenden
Solidaritätsprinzips (BG-Urteil 9C_33/2009 vom 2. September 2009 E. 3.3).
6. Aus diesen Gründen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten werden
keine erhoben, da das kantonale Beschwerdeverfahren nach Art. 61 lit. a
ATSG grundsätzlich kostenlos ist. Eine aussergerichtliche Entschädigung
steht der Vorinstanz (Beschwerdegegnerin) nicht zu (Art. 61 lit. g ATSG e
contrario).