Decision ID: 4dfb17fe-a48c-54b6-8b94-08a978a707dd
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 26.11.2015 Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG.Gemischte Schenkung einer Liegenschaft. Bewertung eines Wohnrechtes. Ermittlung des Verzichtsvermögens (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 26. November 2015, EL 2014/31).Entscheid vom 26. November 2015BesetzungVizepräsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Karin Huber-Studerus und Marie-Theres Rüegg Haltinner; Gerichtsschreiber Tobias BoltGeschäftsnr.EL 2014/31ParteienA._,Beschwerdeführerin,vertreten durch B._,gegenSozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,Beschwerdegegnerin,GegenstandErgänzungsleistung zur AHVSachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Oktober 2010 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu
einer AHV-Rente an (EL-act. 60). Sie gab an, sie erhalte je eine Rente der AHV und der
Militärversicherung. Ihr Sparguthaben belaufe sich auf knapp 75’000 Franken. Im Juli
2007 habe sie eine Liegenschaft, deren Wert gemäss einer damaligen Schätzung
628’000 Franken betragen habe, für 180’000 Franken an ihren Sohn verkauft. Seit
Dezember 2009 halte sie sich in einem Altersheim auf. Die Heimtaxe betrage 133.50
Franken pro Tag. Im Januar 2011 gingen der EL-Durchführungsstelle weitere
Unterlagen zu (EL-act. 54). Laut der Steuererklärung für das Jahr 2009 hatte der
Versicherten ein Wohnrecht an der Liegenschaft des Sohnes zugestanden, das diese
zum Eigenmietwert gemäss der Steuerschätzung vom Februar 2008 als Einnahme
versteuert hatte. Dieses Wohnrecht war vertraglich vereinbart worden. Gemäss der
Steuerschätzung vom Februar 2008 hatte der Wert der Liegenschaft damals noch
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568’000 Franken betragen; der Eigenmietwert hatte sich auf 16’450 Franken belaufen.
Mit einer Verfügung vom 5. Mai 2011 wies die EL-Durchführungsstelle das Gesuch der
Versicherten ab (EL-act. 51), weil die Anspruchsberechnung einen
Einnahmenüberschuss von 80’089 Franken (für die Monate Oktober, November und
Dezember 2010) beziehungsweise von 81’121 Franken (für die Zeit ab Januar 2011)
ergeben hatte (EL-act. 52 f.).
A.b Am 23. Mai 2011 liess die AHV/IV-Zweigstelle der Wohngemeinde der
Versicherten der EL-Durchführungsstelle Unterlagen zum Erbgang und zur Erbteilung
betreffend den Nachlass des im Jahr 2002 verstorbenen Ehemannes der Versicherten
zugehen (EL-act. 50). Diesen Unterlagen liess sich entnehmen, dass die Ehegatten im
Jahr 1982 die Gütergemeinschaft vereinbart hatten, dass gemäss dem entsprechenden
Ehe- und Erbvertrag drei Viertel des Reinvermögens der Versicherten zugestanden
hätten, dass der restliche Viertel, der den Kindern zugestanden hätte, mit einer
Nutzniessung zu Gunsten der Versicherten belastet gewesen wäre und dass die
Liegenschaft zum damaligen amtlichen Verkehrswert von 628’000 Franken in
Verrechnung mit den güter- und erbrechtlichen Ansprüchen der Versicherten
gegenüber dem Nachlass ihres Ehemannes der Versicherten zugefallen war. Das
Vermögen hatte im Todeszeitpunkt des Ehemannes der Versicherten aus der
Liegenschaft und aus einem beweglichen Vermögen von rund 40’000 Franken
bestanden; den gemeinsamen Kindern hatte ein Anteil von 121’069 Franken
zugestanden. Die EL-Durchführungsstelle führte in der Folge eine erneute Überprüfung
des EL-Anspruchs durch (vgl. EL-act. 49). Eine Rückfrage bei der Gemeindeverwaltung
ergab, dass weder die Versicherte noch ihr Sohn als neuer Grundeigentümer
Hypothekarzinsen bezahlt hatten (EL-act. 47). Bei der Neuberechnung des EL-
Anspruchs (EL-act. 43 ff.) qualifizierte die EL-Durchführungsstelle die Versicherte als
Nutzniessungsberechtigte an der Liegenschaft, weshalb sie zusätzlich eine
Gebäudeunterhaltskostenpauschale als Ausgabe berücksichtigte und kein
Verzichtsvermögen mehr anrechnete, dafür aber als zusätzliche Einnahme einen
Nutzniessungsertrag von 17’515 Franken berücksichtigte. Diese Neuberechnung ergab
ebenfalls einen Einnahmenüberschuss, weshalb die EL-Durchführungsstelle das
Gesuch mit einer Verfügung vom 13. Oktober 2011 erneut abwies (EL-act. 42).
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A.c Im Juni 2012 erhielt die EL-Durchführungsstelle eine Mitteilung über eine
Erhöhung der Heimtaxe. Sie teilte der Versicherten am 15. Juni 2012 mit (EL-act. 38),
dass daraus ein Ausgabenüberschuss und damit ein Anspruch auf eine
Ergänzungsleistung resultieren könnten, weshalb sie ihr eine Neuanmeldung empfehle.
Im September 2012 meldete sich die Versicherte erneut zum Bezug von
Ergänzungsleistungen an (EL-act. 30). Ein Sachbearbeiter der EL-Durchführungsstelle
notierte (EL-act. 28), dass die Berücksichtigung eines Nutzniessungsrechtes der
Versicherten an der Liegenschaft im Rahmen der letzten Leistungsprüfung falsch
gewesen sei. Hätte nämlich eine Nutzniessung bestanden, hätte die Versicherte gar
nicht die Alleineigentümerin der Liegenschaft sein und diese folglich auch nicht
verschenken können. Für die Anspruchsberechnung sei deshalb nicht eine
Nutzniessung, sondern ein Vermögensverzicht zu berücksichtigen. Der Betrag des
Vermögensverzichtes belaufe sich auf 326’931 Franken, nämlich auf die Differenz
zwischen dem damaligen Schätzwert der Liegenschaft (628’000 Franken) und der
geleisteten Zahlung (180’000 Franken) sowie der Forderung der Kinder aus dem
Erbteilakt (121’069 Franken). Mit einer Verfügung vom 9. November 2012 wies die EL-
Durchführungsstelle das Leistungsbegehren der Versicherten ab (EL-act. 27), da die
Anspruchsberechnung einen Einnahmenüberschuss ergeben hatte (EL-act. 26).
A.d Im August 2013 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (EL-
act. 19). Sie machte geltend (EL-act. 20–3), der Vermögensverzicht sei in der Verfügung
vom 9. November 2012 falsch berechnet worden. Der Wert der Liegenschaft sei kurz
nach der Übertragung an den Sohn, nämlich im Februar 2008, neu geschätzt worden.
Diese Schätzung habe einen um 60’000 Franken tieferen Wert ergeben. Zudem habe
die Versicherte zweieinhalb Jahre lang in der Liegenschaft gewohnt. Ausgehend vom
Eigenmietwert von 16’450 Franken belaufe sich der Gegenwert für die Ausübung des
Wohnrechtes auf 41’125 Franken. Der Sachbearbeiter der EL-Durchführungsstelle
notierte am 10. September 2013 (EL-act. 16), massgebend für die Berechnung des
Vermögensverzichtes sei der Wert der Liegenschaft im Zeitpunkt der Übertragung. Das
Wohnrecht könne nicht angerechnet werden, da es im Schenkungsvertrag nicht
erwähnt sei und auch später keine entsprechende Eintragung im Grundbuch
vorgenommen worden sei. Mit einer Verfügung vom 14. September 2013 wies die EL-
Durchführungsstelle das Leistungsgesuch ab (EL-act. 15), da die
Anspruchsberechnung einen Einnahmenüberschuss ergeben hatte (EL-act. 14). Bei der
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Anspruchsberechnung war ein Vermögensverzicht von 241’000 Franken angerechnet
worden.
A.e Am 30. September 2013 erhob die Versicherte eine Einsprache gegen die
Verfügung vom 14. September 2013 (EL-act. 10). Sie beantragte die Berücksichtigung
eines Vermögensverzichtes in der Höhe des von ihr berechneten Betrages bei der
Anspruchsberechnung. Sie machte geltend, dass bereits 70’000 Franken aus eigenen
Mitteln an die Ausgaben für das Altersheim bezahlt worden seien. Diese Auslagen
seien als Tilgung des Vermögensverzichtes zu berücksichtigen. Am 28. April 2014
forderte die EL-Durchführungsstelle die Versicherte auf, diese Ausgaben zu belegen
(EL-act. 5). Der Sohn der Versicherten antwortete am 11. Mai 2014, dass die Ausgaben
in den Steuerveranlagungsverfügungen belegt seien; die Versicherte habe sie aus ihren
eigenen Mitteln finanziert (EL-act. 4). Am 2. Juli 2014 räumte die EL-
Durchführungsstelle, die fälschlicherweise annahm, der Sohn habe die Versicherte mit
70’000 Franken unterstützt, der Versicherten „eine letzte Gelegenheit“ ein, um die
geleisteten Zahlungen aus dem Privatvermögen ihres Sohnes zu beweisen (EL-act. 3).
Dieser antwortete am 12. Juli 2014 (EL-act. 2), dass er die Zahlungen über insgesamt
70’567 Franken schon belegt habe. Er habe mittlerweile noch weitere 15’331 Franken
an die Kosten des Altersheims bezahlt. Mit einem Entscheid vom 18. Juli 2014 wies die
EL-Durchführungsstelle die Einsprache ab (EL-act. 1). Sie führte aus, massgebend sei
der Wert im Zeitpunkt der Übertragung. Das Ergebnis der späteren Schätzung könne
nicht berücksichtigt werden. Das Nachlassvermögen des Ehemannes der Versicherten
habe sich auf 667’276 Franken belaufen. Davon sei ein Viertel den Kindern
zugestanden. Dieser Viertel sei zusammen mit dem Betrag, den der Sohn der
Versicherten für die Liegenschaft bezahlt habe, vom Wert der Liegenschaft abzuziehen.
Damit ergebe sich ein Vermögensverzicht von 281’181 Franken (= 628’000 – 180’000 –
166’819 Franken). Dieser Betrag sei in Anwendung des Art. 17a Abs. 1 ELV um 50’000
Franken zu reduzieren, da der Verzicht im Jahr 2007 stattgefunden habe und die
Anspruchsberechnung für das Jahr 2013 durchzuführen sei. Das Wohnrecht sei nicht
zu berücksichtigen, weil es nicht im Grundbuch eingetragen und damit nicht
rechtsgültig begründet worden sei. Allfällige künftige belegte „Teilrückzahlungen der
Schenkung“ könnten in späteren Verfahren berücksichtigt werden.
B.
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B.a Am 16. August 2014 erhob die Versicherte (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 18. Juli
2014 (act. G 1). Sie beantragte sinngemäss die Zusprache einer Ergänzungsleistung.
Zur Begründung führte sie aus, dass von einem Liegenschaftswert von 568’000
Franken ausgegangen werden müsse, weil der Wert der Liegenschaft rund ein halbes
Jahr nach der Übertragung auf den Sohn neu auf diesen Betrag geschätzt worden sei.
Zudem müsse die Ausübung des Wohnrechtes in der Zeit vom Juli 2007 bis zum
Dezember 2009 vom Schenkungsbetrag in Abzug gebracht werden. Das Wohnrecht sei
vertraglich vereinbart worden; den Vertrag habe ein Treuhänder ausgefertigt. Dieser
habe die Versicherte nicht darauf aufmerksam gemacht, dass das Wohnrecht im
Grundbuch eingetragen werden müsse.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 25. August 2014 unter Hinweis auf die
Erwägungen im angefochtenen Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde
(act. G 3).

Erwägungen
1. Den Streitgegenstand dieses Verfahrens bildet die Frage, ob die
Beschwerdeführerin einen Anspruch auf Ergänzungsleistungen hat. Zwar waren vor der
Einreichung des aktuellen Leistungsbegehrens im August 2013 bereits zwei frühere
Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin abgewiesen worden. Da der
Beschwerdeführerin aber von Gesetzes wegen das Recht zugestanden hat, sich im
August 2013 voraussetzungslos erneut zum Leistungsbezug anzumelden, und da die
Beschwerdegegnerin dieses Gesuch aus Gleichbehandlungsgründen nicht anders hat
behandeln dürfen als ein erstes Leistungsbegehren einer um Ergänzungsleistungen
ersuchenden Person, hat sie das dritte Gesuch der Beschwerdeführerin um die
Zusprache von Ergänzungsleistungen zu Recht umfassend und ohne eine Bindung an
ihre beiden früheren Abweisungsverfügungen geprüft.
2. Die Beschwerdeführerin hat nach dem Tod ihres Ehemannes im Jahr 2002 die
eheliche Liegenschaft zu Alleineigentum übertragen erhalten. An sich hätte sie ihre
Kinder dafür entschädigen müssen, denn diesen hat ein Anteil von 121’069 Franken am
Nachlass zugestanden, der mit dem Sparguthaben von rund 40’000 Franken allein
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nicht vollständig hätte befriedigt werden können. Offenbar haben die Kinder aber auf
ihren Erbanteil verzichtet, denn im öffentlich beurkundeten Vertrag, mit dem die
Erbengemeinschaft die Liegenschaft an die Beschwerdeführerin übertragen hat, ist
keine Gegenforderung der übrigen Erben (also der Kinder) erwähnt. Das bedeutet, dass
die Beschwerdeführerin mit der Liegenschaft im Jahr 2003 mehr erhalten hat, als ihr
gemäss dem Erbvertrag und dem Testament eigentlich zugestanden wäre. Nach der
Übertragung der Liegenschaft in ihr Eigentum hat die Beschwerdeführerin also über ein
unbewegliches Vermögen im Wert der Liegenschaft sowie über ein bewegliches
Vermögen verfügt und sie ist gegenüber ihren Kindern aus dem Erbgang schuldenfrei
gewesen. Ergänzungsleistungsrechtlich hat ihr Vermögen einem Vorsorgezweck
gedient (vgl. Art. 11 Abs. 1 lit. b und c ELG). Indem sie die Liegenschaft im Juli 2007
ihrem Sohn übertragen hat, hat sie deren Wert ihrem diesem Vorsorgezweck
dienenden Vermögen entzogen. Hätte sie von ihrem Sohn im Gegenzug ein
marktübliches Entgelt erhalten, hätte dieses die entstandene „Lücke“ im
Vorsorgevermögen wieder „geschlossen“. Sie hätte das Geld also für die Erfüllung des
ergänzungsleistungsrechtlichen Vorsorgezwecks verwenden können (vgl. Ralph Jöhl,
Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Band
XIV Soziale Sicherheit, Rz. 201 f.). Da die Gegenleistung des Sohnes allerdings, wie
nachfolgend dargelegt werden wird und was von den Parteien im Grundsatz
unbestritten ist, tiefer als ein marktübliches Entgelt gewesen ist, hat sie die „Lücke“ im
Vorsorgevermögen der Beschwerdeführerin nicht vollständig „geschlossen“. Mit der
teilweisen Schenkung der Liegenschaft an den Sohn im Umfang der Differenz zwischen
dem marktüblichen und dem tatsächlich geleisteten Entgelt hat die Beschwerdeführerin
also auf ein Vermögen verzichtet, das heisst sie hat einen Wert ihrem
Vorsorgevermögen entzogen, ohne dafür eine notwendige Anschaffung oder aber eine
ebenfalls dem Vorsorgezweck dienende Investition zu tätigen.
3.
3.1 Der Wert der Liegenschaft hat gemäss der im Sommer 2007 noch aktuellen
amtlichen Schätzung 628’000 Franken betragen. Für die Bewertung eines
Vermögenswertes im Rahmen eines Rechtsgeschäftes ist der Zeitpunkt, in dem das
Rechtsgeschäft abgewickelt wird, massgebend. Gemäss dem Art. 17 Abs. 5 Satz 1
ELV müsste an sich mittels weiterer Abklärungen ermittelt werden, welches der
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Marktwert der Liegenschaft im Sommer 2007 gewesen ist. Da dieser Zeitpunkt aber
bereits über acht Jahre zurückliegt, kann von weiteren Abklärungen in antizipierender
Beweiswürdigung kein Nachweis eines überwiegend wahrscheinlich eher als die
amtliche Schätzung dem realen Marktwert entsprechenden Wertes der Liegenschaft
erwartet werden. Aus diesem Grund ist für die Prüfung des Leistungsbegehrens der
Beschwerdeführerin auf den damaligen Schätzwert von 628’000 Franken für die
Liegenschaft abzustellen.
3.2 Der Liegenschaft hat im Sommer 2007 keine erbrechtliche Forderung der
übrigen Erben respektive der Kinder der Beschwerdeführerin mehr gegenüber
gestanden. Die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Reduktion des Wertes
der Liegenschaft um den Erbanteil der Kinder, auf den diese verzichtet haben, erweist
sich damit als rechtsfehlerhaft. Bei der Berechnung des Vermögensverzichtes ist keine
Schuld der Beschwerdeführerin gegenüber ihren Kindern zu berücksichtigen.
3.3 Von ihrem Sohn hat die Beschwerdeführerin 180’000 Franken für die
Liegenschaft erhalten. In diesem Betrag kann sie nicht auf ein Vermögen verzichtet
haben.
3.4 Zudem hat ihr der Sohn ein lebenslängliches Wohnrecht an der Liegenschaft
eingeräumt. Die Argumentation der Beschwerdegegnerin, das Wohnrecht dürfe nicht
berücksichtigt werden, weil es nicht im Grundbuch eingetragen worden sei, geht fehl.
Zwar entsteht ein – dingliches – Wohnrecht im Sinne der Art. 776 ff. ZGB an einem
Grundstück tatsächlich erst mit der Eintragung ins Grundbuch (vgl. Art. 776 Abs. 3
i.V.m. Art. 746 Abs. 1 ZGB). In der Rechtsprechung und in der Lehre ist allerdings die
Möglichkeit anerkannt, ein Wohnrecht in der Form eines persönlichen – statt eines
dinglichen – Rechts vorzusehen, wofür keine spezielle Formvorschrift zu beachten ist
(BSK ZGB II-Mooser, Art. 776 N 13, mit Hinweisen). Zudem ist
ergänzungsleistungsrechtlich entscheidend, ob und allenfalls welchen wirtschaftlichen
Vorteil die Beschwerdeführerin erhalten hat. Mit den eingereichten Akten ist
hinreichend belegt, dass der Sohn der Beschwerdeführerin dieser ein lebenslängliches
Wohnrecht eingeräumt hat, das diese dann auch während zweieinhalb Jahren (bis zum
Heimeintritt im Dezember 2009) effektiv ausgeübt hat. Folglich ist mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegt, dass die
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Beschwerdeführerin zusätzlich zum Kaufpreis von 180’000 Franken eine weitere
Gegenleistung in der Form eines lebenslänglichen Wohnrechtes an der Liegenschaft
erhalten hat. Mangels zuverlässigerer Angaben ist – wie bezüglich des Wertes der
Liegenschaft im Übertragungszeitpunkt – für die Ermittlung des Wertes des
Wohnrechtes auf die damals massgebende amtliche Schätzung abzustellen. Laut
dieser hat sich der Mietwert des Hauses (ohne Garage und Schopf) auf 15’975 Franken
belaufen (EL-act. 61–6). Der Wert des Wohnrechtes wird nicht retrospektiv ermittelt,
wie die Beschwerdeführerin fälschlicherweise angenommen hat, denn entscheidend ist
die prospektive Schätzung des Wertes im Zeitpunkt des Vertragsschlusses. Ein
Wohnrechtsvertrag weist zwingend – wie eine Versicherung – aleatorische Züge auf.
Die Beschwerdeführerin und ihr Sohn haben im Zeitpunkt der Übertragung der
Liegenschaft den Verkaufspreis unter Berücksichtigung eines lebenslänglichen
Wohnrechtes vereinbart; sie haben damals nicht mit einem nur zweieinhalb Jahre
umfassenden Zeitraum gerechnet, weil sie nicht haben wissen können, wie lange die
Beschwerdeführerin ihr Wohnrecht werde ausüben können. Der Wert des Wohnrechtes
ist folglich mittels einer Kapitalisierung des jährlichen Wertes unter Berücksichtigung
der statistischen verbleibenden Lebenserwartung der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt
des Vertragsabschlusses (Sommer 2007) zu ermitteln. Massgebend sind gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung die Kapitalisierungstabellen der Eidgenössischen
Steuerverwaltung (vgl. BGE 122 V 394 E. 4a S. 399 f. und Urteil 9C_157/2014 vom
24. Juni 2014, E. 5.1). Die Beschwerdegegnerin (Jahrgang 1925) ist im Zeitpunkt der
Übertragung der Liegenschaft im Sommer 2007 82 Jahre alt gewesen. Der
Kapitalisierungsfaktor hat folglich gemäss der einschlägigen von der Eidgenössischen
Steuerverwaltung herausgegebenen Tabelle 9.837 (= 1’000 ÷ 101.66) betragen. Der
Wert des Wohnrechtes hat sich also auf 157’146 Franken (= 9.837 × 15’975 Franken)
belaufen.
3.5 Demnach hat die Beschwerdeführerin für ihre Liegenschaft, die damals 628’000
Franken wert gewesen ist, von ihrem Sohn eine gesamte Gegenleistung von 337’146
Franken erhalten. Sie hat demnach auf 290’854 Franken verzichtet. Der Umstand, dass
sie ihr übriges, reales Vermögen zwischenzeitlich für ihren alltäglichen Bedarf hat
verbrauchen müssen, hat mit diesem Vermögensverzicht nichts zu tun, weshalb der
reale Vermögensverbrauch nicht mit dem Vermögensverzicht „verrechnet“ werden
kann.
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3.6 Der Verzicht hat im Sommer 2007 stattgefunden. Gemäss dem Art. 17a ELV ist
der Betrag des Verzichtsvermögens erstmals ab Januar 2009 und in der Folge jährlich
jeweils um 10’000 Franken zu reduzieren gewesen. Im Jahr 2013 hat also ein
Verzichtsvermögen von 240’854 Franken (= 290’854 – 5 × 10’000 Franken)
angerechnet werden müssen.
4.
4.1 Die ergänzungsleistungsrechtlich anerkannten Ausgaben der
Beschwerdeführerin haben sich auf total 61’855 Franken belaufen. Sie haben sich aus
der Prämienpauschale für die obligatorische Krankenpflegeversicherung, aus der
Heimtaxe und aus einer Pauschale für die persönlichen Auslagen zusammengesetzt.
4.2 Als Einnahmen sind die Renten der AHV und der Militärversicherung (total
36’775 Franken), Sparzinsen (138 Franken), ein fiktiver Vermögensertrag als Folge der
Anrechnung eines Vermögensverzichtes sowie ein Fünftel des den Freibetrag
übersteigenden Vermögens als Vermögensverzehr anzurechnen. Das effektive
Vermögen hat 18’853 Franken betragen. Zusammen mit dem Vermögensverzicht von
240’854 Franken und unter Berücksichtigung des Freibetrages von 37’500 Franken
sowie der in der Steuerveranlagungsverfügung ausgewiesenen Schulden von 6’028
Franken ergibt sich ein anrechenbares Vermögen von 216’179 Franken und damit ein
Vermögensverzehr von 43’236 Franken. Damit resultiert bereits ohne die fiktiven
Vermögenserträge ein das Ausgabentotal von 61’855 Franken weit übersteigendes
Einnahmentotal von 80’149 Franken. Folglich hat kein Anspruch auf eine
Ergänzungsleistung bestanden.
5. Der angefochtene Einspracheentscheid vom 18. Juli 2014 erweist sich
demzufolge im Ergebnis als rechtmässig, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).