Decision ID: 0b038baf-acaf-4823-856b-1c124639fb9f
Year: 2014
Language: de
Court: BL_SG
Chamber: BL_SG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt:
1. Anfangs Januar 2013 wurden dem Pflichtigen seitens der Steuerverwaltung die
Angaben für die Steuerklärung 2011, Liegenschaftswerte im Kanton Basel-Landschaft per 31.
Dezember 2011, datiert vom 2. Januar 2013 (Liegenschaftsblatt) zugestellt, wobei die Parzelle
Nr. E. GB C. (Parzelle) einen Steuerwert (Katasterwert) von Fr. 385‘000.-- (Fr. 275‘700.-- + Fr.
109‘300.--) für das Land und Fr. 243‘100.-- (Fr. 184‘800.-- + Fr. 44‘800.-- + Fr. 13‘500.--) für die
Gebäude aufwies.
2. Mit Eingabe vom 25. Januar 2013 erhob die Vertreterin des Pflichtigen mit dem
sinngemässen Begehren, der Steuerwert (Katasterwert) der Parzelle sei auf Fr. 148‘700.--
(Boden und Gebäude) festzulegen, Einsprache. Zur Begründung machte sie geltend, die
Hofparzelle sei Bestandteil des Landwirtschaftsbetriebes und werde vollständig
landwirtschaftlich genutzt. Es habe nie eine Nutzungsänderung stattgefunden. Gemäss
kantonsgerichtlicher Praxis aus dem Jahr 2007 sei eine neue Katasterschätzung auch dann
möglich, wenn ein Eigentümer durch eine Katasterschätzung belastet werde, welche eindeutig
der Gesetzesbestimmung widerspreche.
3. Mit Einsprache-Entscheid vom 23. Oktober 2013 trat die Gemeinde auf die Einsprache
nicht ein. Zur Begründung machte sie geltend, dem Pflichtigen seien die Katasterwerte mittels
Katasteranzeigen vom 8. Juni 2009 sowie 9. Januar 2012 zugestellt worden. Dieselben seien
mangels Anfechtung in Rechtskraft erwachsen. Zudem sei nicht nachgewiesen, dass es sich
um einen Landwirtschafsbetrieb handle.
4. Mit Eingabe vom 2. Dezember 2013 erhob die Vertreterin des Pflichtigen mit den
Begehren, 1. Auf den Antrag auf Änderung des Katasterwerts der Parzelle des Pflichtigen sei
einzutreten, 2. Die Katasterschätzung mit einem Steuerwert (Katasterwert) für den Boden von
Fr. 385‘000.-- und für die Gebäude von Fr. 243‘100.-- sei aufzuheben, 3. Der Steuerwert
(Katasterwert) der Parzelle sei auf Fr. 150‘700.-- (Boden Fr. 2‘000.-- und Gebäude Fr. 148‘700.-
-) festzulegen, 4. Unter o/e-Kostenfolge, Rekurs. Zur Begründung machte sie geltend, beim
Landwirtschaftsbetrieb des Pflichtigen handle es sich um einen anerkannten,
direktzahlungsberechtigten Betrieb. Die Hofparzelle sei das Betriebszentrum des
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Landwirtschaftsbetriebes. Sie beinhalte das Wohnhaus, den Remisenraum sowie das
Ökonomiegebäude. Hinter dem Ökonomiegebäude befinde sich die Hofstatt mit den
Hochstammobstbäumen, welche auch als Auslauf für die Tiere genutzt werde.
5. Mit Vernehmlassung vom 7. Januar 2014 verzichtete die Steuerverwaltung auf einen
Antrag.
6. Mit Stellungnahme vom 20. Februar 2014 beantragte die Vertreterin der Gemeinde,
1. Auf den Rekurs sei nicht einzutreten, 2. Eventualiter sei der Rekurs abzuweisen, 3. Unter
o/e-Kostenfolge. Zur Begründung machte sie geltend, das Rechtsbegehren sei
unzulässigerweise ausgeweitet worden. Der Rekurrent habe gegen die Katasteranzeigen kein
Rechtsmittel ergriffen. Erst gegen das Liegenschaftsblatt habe er Einsprache erhoben und
verlange nun, quasi im Sinne einer akzessorischen Überprüfung, die Änderung der in
Rechtskraft erwachsenen Katasterwerte. Im von Pflichtigen zitierten kantonsgerichtlichen Urteil
sei es um einen neuen Eigentümer, der gegen eine Katasterschätzung vorgegangen sei,
gegangen. Vorliegend sei der Rekurrent seit 1976 Eigentümer der Parzelle und hätte mehrfach
gegen die Einschätzung ein Rechtsmittel ergreifen können. Weiter sei im zitierten Urteil die
Qualifikation der Parzelle als landwirtschaftliches Grundstück bewiesen worden.
7. Gestützt auf eine telefonische Anfrage hat das Landwirtschaftliche Zentrum Ebenrain
(LZE) mit E-Mail vom 2. Juli 2014 festgehalten, dass der Betrieb des Pflichtigen ein nach
landwirtschaftlicher Begriffsverordnung anerkannter, direktzahlungsberechtigter
Landwirtschaftsbetrieb mit knapp 20 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche sei. Es handle sich um
einen Ackerbaubetrieb mit etwas Rindviehhaltung (rund 13 Tiere resp. 5.3 Grossvieheinheiten).
Die Hofparzelle sei für eine tierschutzkonforme Rindviehhaltung zwingend (Auslauf). Die Fläche
könne nicht unterteilt werden. Sie gelte auch als direktzahlungsberechtigte landwirtschaftliche
Nutzfläche gemäss Direktzahlungsverordnung.
8. Anlässlich der heutigen Verhandlung hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Auf
entsprechende Frage hin, hielt die Gemeinde fest, dass die Katasteranzeige vom 15. Februar
2008 lediglich für den internen Gebrauch ausgedruckt und somit dem Pflichtigen nicht zugestellt
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worden sei. Zugestellt worden seien ihm indes die Katasteranzeigen vom 8. Juni 2009 und 9.
Januar 2012. Von den nicht per eingeschriebener Post versandten Exemplaren gebe es keine
Kopien. Auf Frage, ob und falls ja, wann dem Rekurrenten die Katasteranzeigen zugegangen
seien, sagt die Vertreterin des Pflichtigen, dies wisse sie nicht. Der Pflichtige habe seitens der
Steuerverwaltung jeweils anfangs Jahr das Liegenschaftsblatt erhalten. So auch dasjenige vom
Januar 2012 für die Steuererklärung 2011, in welchem die Liegenschaften zum Ertragswert
bewertet worden seien. Anfangs Januar 2013 habe man sodann seitens der Steuerverwaltung
ein korrigiertes Liegenschaftsblatt, datiert vom 2. Januar 2013, für die Steuererklärung 2011
erhalten, in welchem die Liegenschaften erstmals zum Verkehrswert bewertet worden seien.
Gemäss Aussage der Gemeinde sende man die Katasterschätzungen jeweils der
Steuerverwaltung, welche allfällige Mutationen in den Liegenschaftsblättern vornehmen müsse.
Dass die Änderungen seitens der Steuerverwaltung offenbar erst am 2. Januar 2013
vorgenommen worden seien, liege ausserhalb des Einflussbereiches der Gemeinde. Auf die
Fragen, wieso die Mutationen nicht früher vorgenommen und aus welchem Grund im Januar
2013 ein korrigiertes Liegenschaftsblatt versandt wurde, wusste der Vertreter der
Steuerverwaltung keine Antwort.

Das Steuergericht zieht in Erwägung:
1. Gemäss § 121 Abs. 8 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteuern
(Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) können im Katasterschätzungsverfahren sowohl der
Eigentümer und der Nutzniesser als auch die kantonale Steuerverwaltung gegen den
Einspracheentscheid der Gemeindeschätzungsbehörde Rekurs erheben. Nach § 121 Abs. 9
StG finden im Übrigen die Bestimmungen der §§ 119 und 122-131 StG sinngemäss
Anwendung. Somit ist das Steuergericht nach § 124 StG zur Anhandnahme der vorliegenden
Sache zuständig, wobei gemäss § 129 Abs. 3 StG Rekurse gegen Neuschätzungen gemäss §
121 Abs. 8 StG vom Präsidenten und vier Richterinnen und Richtern des Steuergerichts
beurteilt werden. Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs zu stellenden Anforderungen
erfüllt sind, ist ohne weiteres darauf einzutreten.
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2. Vorliegend unterliegt zunächst der Beurteilung, ob der Einwand der Vertreterin der
Gemeinde, das Rechtsbegehren sei seitens des Pflichtigen unzulässigerweise ausgeweitet
worden, zu Recht erhoben wurde. Gemäss § 125 Abs. 2 StG stehen dem Steuergericht die
gleichen Befugnisse zu wie den Einschätzungsbehörden. Gemäss § 126 Abs. 1 StG ordnet das
Steuergericht die Untersuchungs- und Beweismassnahmen an, die zur Abklärung der
umstrittenen Punkte der Einschätzung erforderlich sind. Ungenügend abgeklärte Fälle kann es
an die Steuerverwaltung zurückweisen. Gemäss § 126 Abs. 2 StG kann das Steuergericht
seine Untersuchungs- und Beweismassnahmen auf andere Punkte der Einschätzung
ausdehnen, wenn nach den Akten Grund zur Annahme besteht, dass die Einschätzung
unrichtig ist. In jedem Fall hat es offensichtliche Fehler zu berichtigen. Gemäss § 126 Abs. 4
StG schätzt das Steuergericht den Steuerpflichtigen aufgrund des Ergebnisses seiner
Untersuchungen ein. Es ist dabei im Sinne von § 126 Absatz 2 StG nicht an die Parteibegehren
gebunden. Ob das Rechtsbegehren, wie moniert, ausgeweitet wurde, kann damit offen bleiben,
da das Steuergericht aufgrund des Untersuchungsgrundsatzes von Amtes wegen von den
Rechtsbegehren abweichen darf bzw. gar muss. Der Einwand der Vertreterin der Gemeinde
kann damit nicht gehört werden.
3. Weiter unterliegt der Beurteilung, ob die Vorinstanz mit Einsprache-Entscheid vom 23.
Oktober 2013 zu Recht nicht auf die Einsprache des Rekurrenten vom 25. Januar 2013
eingetreten ist.
a) Die Gemeinde macht geltend, die Katasteranzeigen vom 8. Juni 2009 sowie 9.
Januar 2012 seien vom Pflichtigen nicht fristgerecht angefochten worden und daher in
Rechtskraft erwachsen. Die Vertreterin des Pflichtigen hält dafür, die neuen Liegenschaftswerte
seien anfangs 2013 mittels Liegenschaftsblatt, datiert vom 2. Januar 2013, eröffnet worden, so
dass die Einsprache vom 25. Januar 2013 rechtzeitig erfolgt sei.
b) Gemäss § 121 Abs. 8 StG können sowohl der Eigentümer und der Nutzniesser
als auch die kantonale Steuerverwaltung gegen die Neuschätzung Einsprache erheben. Für
das Einspracheverfahren gelten gemäss § 121 Abs. 9 StG im Übrigen sinngemäss die
Bestimmungen der §§ 119 und 122-131 StG. Gemäss § 122 Abs. 1 StG ist die Einsprache
innert 30 Tagen nach Eröffnung zu erheben.
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c) Die Beweislast für die Rechtzeitigkeit einer Parteihandlung trifft im Verfahren
grundsätzlich die Partei, welche diese Handlung vorgenommen hat (Entscheid des
Bundesgerichts [BGE] 2C_265/2008 vom 9. April 2008, E. 2.2.2; BGE 2A.112/2004 vom 7.
Oktober 2004, E. 2.3). Eine Ausnahme von dieser Beweislastregel gilt, wenn die Partei den
Beweis der Rechtzeitigkeit aus Gründen nicht erbringen kann, die nicht von ihr, sondern von der
Behörde zu vertreten sind. In diesem Fall tritt eine Umkehr der Beweislast ein, welche dann von
der Behörde zu tragen ist (BGE 2A.112/2004, a.a.O., E. 2.4). Eine Partei, der eine Verfügung
uneingeschrieben zugestellt worden ist, ist regelmässig nicht in der Lage, das Empfangsdatum
nachzuweisen. Deshalb fällt die Beweislast dafür der Behörde zu, welche die Beweislosigkeit
durch den uneingeschriebenen Versand der Verfügung verursacht hat. Im Zweifel muss daher
auf die Darstellung des Empfängers abgestellt werden (BGE 2C_780/2010 vom 21. März 2011,
E. 2.4; BGE 2A.494/2005 vom 7. Februar 2006, E. 2.1; BGE 2A.511/2004 vom 17. März 2005,
E. 4.3).
d) Vorliegend erfolgte der Versand der Katasteranzeigen vom 8. Juni 2009 sowie 9.
Januar 2012 durch die Gemeinde mit uneingeschriebener Post. Da die Vorinstanz den
Nachweis der Zustellung bzw. der gültigen Eröffnung somit nicht zu erbringen vermag, hat sie
die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen. Das Liegenschaftsblatt vom 2. Januar 2013 wurde
dem Pflichtigen gemäss eigenen Angaben anfangs Januar 2013 eröffnet. Die Einsprache vom
25. Januar 2013 erfolgte damit rechtzeitig. Infolgedessen hätte die Gemeinde darauf eintreten
müssen.
4. In materieller Hinsicht unterliegt der Beurteilung, ob die Neuschätzung der Parzelle zu
Recht erfolgte.
5. Die Voraussetzungen zur Vornahme einer Katasterschätzung sind in § 121 StG
geregelt. Dabei kann zwischen einer individuellen und einer allgemeinen Katasterneuschätzung
unterschieden werden.
a) Eine individuelle Katasterneuschätzung eines Grundstückes ist gemäss § 121
Abs. 2 StG dann vorzunehmen, wenn sich die Beschaffenheit, die Baureife oder die Nutzung
wesentlich geändert (lit. a) oder der Bestand durch Neubau, Umbau, Abbruch und dergleichen
verändert hat (lit. b). Eine allgemeine Katasterneuschätzung der Grundstücke (Boden, Gebäude
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oder beides) ist gemäss § 121 Abs. 3 StG im ganzen Kanton, in einzelnen Gemeinden oder
Teilen derselben vorzunehmen, wenn sich der Verkehrswert der Grundstücke seit der letzten
allgemeinen Neuschätzung erheblich verändert hat, frühestens aber in zeitlichen Abständen
von sechs Jahren. Dabei kann die Vollziehungsverordnung vorsehen, dass die Neubewertung
durch Anwendung allgemein gültiger Zuschläge zur bisherigen Katasterschätzung oder durch
allgemein gültige prozentuale Abzüge erfolgt. Nach § 121 Abs. 4 StG hat der Regierungsrat die
allgemeine Neuschätzung anzuordnen. Eine solche allgemeine Katasterneuschätzung wurde
letztmals im Jahr 1983 vorgenommen (vgl. Regierungsratsverordnung über das Verfahren für
die Katasterneuschätzung 1983 vom 9. Februar 1982). Eine weitere Form der
Katasterneuschätzung, welche es erlauben würde, die für die Steuerveranlagung
massgebenden Katasterwerte ausserhalb einer allgemeinen oder individuellen
Katasterneuschätzung an die steigenden bzw. sinkenden Verkehrswerte anzupassen, ist im
basellandschaftlichen Steuergesetz nicht vorgesehen (vgl. Entscheid der kantonalen
Steuerrekurskommission [StRK BL] Nr. 95/1994 vom 29. April 1994, in: Basellandschaftliche
Steuerpraxis [BlStPr.], Bd. XII, S. 255, E. 2a). Die Aufzählung der Voraussetzungen für eine
Katasterneuschätzung in § 121 Abs. 2 und 3 StG ist abschliessend (vgl. Meier in:
Nefzger/Simonek/Wenk, Kommentar zum Steuergesetz des Kantons Basel-Landschaft, Basel
2004, § 121 N 2; StRK BL 26. März 1982, BlStPr., Bd. VIII, S. 62, E. 3; StRK BL 28. April 1995,
nicht publiziert).
b) Die hiervor zitierte Praxis, wonach die Aufzählung der Voraussetzungen für eine
Katasterneuschätzung in § 121 Abs. 2 und 3 StG abschliessend sein soll, wurde mit Urteil des
Kantonsgerichts des Kantons Basel-Landschaft vom 11. Juli 2007 (810 07 60) relativiert. Die
Verwendung der Umschreibung "und dergleichen" deute eher darauf hin, dass die Aufzählung
nicht als abschliessend zu verstehen sei. Sinn und Zweck von § 121 Abs. 2 StG sei es, eine
Korrektur der Bewertung der im Rahmen einer nach Abs. 3 vorgenommenen allgemeinen
Neuschätzung vorzunehmen. Sie dürfe jedoch nicht über eine Nachtragung tatsächlicher oder
rechtlicher Veränderungen hinausgehen. Der Gesetzgeber wolle damit zum Ausdruck bringen,
dass eine individuelle Katasterneuschätzung nur in Ausnahmefällen stattfinden solle. Bei einer
eindeutig rechtswidrigen Bewertung müsse aber ein Anspruch auf Neubewertung gegeben sein
(vgl. E. 4.4, mit weiteren Hinweisen).
c) Gemäss Kantonsgericht ergibt sich letzteres auch aufgrund der Anwendung der
allgemeinen Rechts- und Verfassungsgrundsätze, wonach ein verfassungsrechtlicher Anspruch
auf Anpassung einer Verfügung über dauernde Rechtsverhältnisse bestehe, wenn diese infolge
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wesentlicher Änderung der Verhältnisse nachträglich fehlerhaft geworden sei. Erforderlich sei
eine Interessenabwägung zwischen dem Interesse an der richtigen Anwendung des objektiven
Rechts und dem Interesse an der Rechtssicherheit. Erfolge der Widerruf zugunsten der
Betroffenen, verursache derselbe keine Probleme unter dem Aspekt der Rechtssicherheit.
Gehe man davon aus, dass die Schätzung korrekterweise nach dem Verkehrswert durchgeführt
worden sei, so sei die Katasterneuschätzung aufgrund der tatsächlichen und rechtlichen
Verhältnisse nachträglich fehlerhaft geworden. Der Widerruf gehe zweifelsfrei zugunsten der
Betroffenen. Es würden sich somit keinerlei Probleme bezüglich der Rechtssicherheit ergeben
und das Legalitätsprinzip überwiege klar. Demzufolge bestehe ein verfassungsrechtlicher
Anspruch auf Anpassung der Verfügung. Gehe man hingegen davon aus, die
Katasterschätzung sei gestützt auf die damals herrschenden tatsächlichen und rechtlichen
Verhältnisse bereits falsch und somit ursprünglich fehlerhaft gewesen, so bestehe infolge
Handänderung für den neuen Eigentümer ein Revisionsanspruch (vgl. E. 5, mit weiteren
Hinweisen).
d) Ob ein Eigentümerwechsel stattgefunden hat oder nicht, kann indes nicht
entscheidend sein. Liegt eine eindeutig rechtswidrige Bewertung vor, ist ein Anspruch auf
Neubewertung gegeben, ist doch nicht einzusehen, wieso ein Pflichtiger, im Gegensatz zu
einem neuen Eigentümer, dauerhaft an eine falsche Schätzung gebunden sein soll.
6. Vorliegend wurde die Parzelle in den beiden Katasteranzeigen vom 8. Juni 2009 sowie
9. Januar 2012 zum Verkehrswert eingeschätzt. Es stellt sich die Frage, ob diese Bewertung
eindeutig rechtswidrig im Sinne der hiervor zitierten Praxis ist.
a) Gemäss § 43 Abs. 2 StG werden landwirtschaftlich genutzte Grundstücke mit
Einschluss der erforderlichen Gebäude zum Ertragswert besteuert. Ausgenommen sind
Grundstücke, die nicht notwendiger Bestandteil eines landwirtschaftlichen Betriebes sind oder
deren Übernahmepreis nicht im Wesentlichen im Hinblick auf dauernde landwirtschaftliche
Nutzung bemessen worden ist. Gemäss § 10 des Dekrets zum Steuergesetz vom 19. Februar
2009 gilt als landwirtschaftlicher Betrieb eine aus Land und Gebäuden bestehende Einheit, die
geeignet ist, einem Landwirt (Eigentum oder Pacht) und seiner Familie als Lebenszentrum und
Grundlage für den Betrieb eines landwirtschaftlichen Gewerbes zu dienen. Als landwirtschaftlich
genutzt gelten auch Grundstücke, aus deren Bewirtschaftung die steuerpflichtige Person einen
erheblichen Teil ihres Erwerbseinkommens erzielt. Gemäss § 6 der Verordnung zum
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Steuergesetz vom 13. Dezember 2005 ist ein erheblicher Teil des Einkommens aus
Landwirtschaft im Sinne von § 10 Absatz 2 des Dekrets in der Regel dort anzunehmen, wo der
Steuerpflichtige mindestens 1/3 seines Erwerbseinkommens aus landwirtschaftlicher
Bewirtschaftung erzielt.
b) Der Rekurrent macht geltend, die Hofparzelle sei Bestandteil seines
Landwirtschaftsbetriebes und werde vollständig landwirtschaftlich genutzt. Auf diesem
Grundstück sei immer Landwirtschaft betrieben worden und es habe nie eine
Nutzungsänderung stattgefunden. Die Gemeinde hält dafür, es sei nicht nachgewiesen, dass
die fragliche Parzelle für den Landwirtschaftsbetrieb notwendig sei. Den Steuererklärungen-
bzw. veranlagungen der Jahre 2008 bis 2011 ist zu entnehmen, dass der Pflichtige Einkünfte
aus dem Bauernbetrieb deklariert hat. Die Ausgaben und Einnahmen seiner Buchhaltung
lassen erkennen, dass ein Landwirtschaftsbetrieb geführt wird. Mit E-Mail vom 2. Juli 2014 hat
das LZE zudem festgehalten, dass der Betrieb des Pflichtigen ein nach landwirtschaftlicher
Begriffsverordnung anerkannter, direktzahlungsberechtigter Landwirtschaftsbetrieb mit knapp
20 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche sei. Es handle sich um einen Ackerbaubetrieb mit etwas
Rindviehhaltung (rund 13 Tiere resp. 5.3 Grossvieheinheiten). Die Hofparzelle sei für eine
tierschutzkonforme Rindviehhaltung zwingend (Auslauf). Die Fläche könne nicht unterteilt
werden. Sie gelte auch als direktzahlungsberechtigte landwirtschaftliche Nutzfläche gemäss
Direktzahlungsverordnung. Damit ist die Parzelle notwendiger Bestandteil des
Landwirtschaftsbetriebes. Im Jahr 2011 hat der Pflichtige aus seiner landwirtschaftlichen
Tätigkeit ein Einkommen von Fr. 29‘470.-- erzielt, was rund 37.5% seiner gesamten Einkünfte
von Fr. 78‘728.-- ausmachte. Schon daraus folgt, dass der Rekurrent mehr als den von § 10
Abs. 2 des Dekrets geforderten 1/3 seines Erwerbseinkommens aus landwirtschaftlicher
Bewirtschaftung erzielte. Da sich aber die übrigen Einkünfte aus Wertschriftenertrag, Ertrag aus
unverteilten Erbschaften und aus Miet- bzw. Pachtzins zusammensetzten und damit gerade
nicht Erwerbseinkommen darstellten, hat der Rekurrent gar sein gesamtes Erwerbseinkommen
aus landwirtschaftlicher Bewirtschaftung erzielt. Die Parzelle wird damit im Sinne von § 43 Abs.
2 StG landwirtschaftlich genutzt und ist entsprechend zum Ertragswert zu besteuern. Die
derzeitige Bewertung zum Verkehrswert gemäss den beiden Katasterschätzungen vom 8. Juni
2009 sowie 9. Januar 2012 ist somit eindeutig rechtswidrig. Damit ist ein Anspruch auf
Neubewertung gegeben.
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7. Gemäss § 121 Abs. 5 StG wird die Katasterschätzung durch den Gemeinderat
vorgenommen. Die Angelegenheit ist daher an die Gemeinde zurückzuweisen, welche
angewiesen wird, die Parzelle mit Einschluss der Gebäude zum Ertragswert zu bewerten.
Der Rekurs erweist sich damit als begründet und ist gutzuheissen.
8. Abschliessend ist über die Kosten des Rekursverfahrens zu befinden.
a) Ausgangsgemäss sind dem Rekurrenten keine Verfahrenskosten aufzuerlegen
(§ 130 StG i.V.m. § 20 des Gesetzes vom 16. Dezember 1993 über die Verfassungs- und
Verwaltungsprozessordnung [VPO]). Dasselbe gilt gestützt auf § 20 Abs. 3 VPO für die
Vorinstanz als unterliegende Partei.
b) Gemäss § 130 StG i.V.m. § 21 Abs. 3 VPO kann der ganz oder teilweise
obsiegenden Partei für den Beizug eines Vertreters bzw. einer Vertreterin eine angemessene
Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Mit Honorarnote vom 23.
Juni 2014 machte die Vertreterin des Rekurrenten eine Parteientschädigung (ohne Verhandlung
vor Steuergericht) in Höhe von Fr. 3‘974.40 geltend, welche sich aus 18.5 Stunden à Fr. 180.--,
3 Stunden à Fr. 100.-- sowie Material und Spesen pauschal in Höhe von Fr. 50.-- und
Mehrwertsteuer (MWSt) von Fr. 294.40 zusammensetzte. Der gerichtlich anerkannte
Stundensatz für nichtanwaltliche Vertretungen vor Gericht beträgt Fr. 150.-- (vgl. Entscheid des
Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft vom 17. Juni 2009, publ. in: Basellandschaftliche
und Baselstädtische Steuerpraxis [BStPra], Bd. XIX, S. 559 ff.). Für die heutige Verhandlung
sind zusätzlich 2 Stunden zuzusprechen. Dem Rekurrenten ist demnach ein Honorar von Fr.
3‘525.-- (23.5 Stunden à Fr. 150.--/Stunde) bzw. eine Parteientschädigung von insgesamt Fr.
3‘861.-- (inklusive Auslagen von Fr. 50.-- und MWSt von Fr. 286.--) zulasten der Gemeinde
zuzusprechen.
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