Decision ID: 7180f707-fd3f-44fe-ba33-572b185516f0
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend versuchte schwere Körperverletzung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 8. Abteilung, vom
25. September 2015 (DG150128)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 24. April
2015 (Urk. 24) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB;
− des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB;
− der Gehilfenschaft zum Diebstahl im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 25 StGB;
− der Gehilfenschaft zur Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 25 StGB;
− des Fahrens ohne Führerausweis oder trotz Entzug im Sinne von aArt. 95 Ziff. 2 SVG.
2. Der Beschuldigte wird vom Vorwurf der versuchten schweren Körperverlet-
zung (Faustschlag mit einem Gegenstand gegen das Auge) im Sinne von
Art. 122 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 42 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis
und mit heute 333 Tage durch Haft erstanden sind.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.
5. a) Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger
aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatz-
pflichtig ist.
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b) Der Beschuldigte wird unter solidarischer Haftung mit den Mitbeschul-
digten C._ und D._ verpflichtet, dem Privatkläger Schadener-
satz in der Höhe von Fr. 50.50 zuzüglich 5 % Zins ab 20. September
2015 zu bezahlen.
c) Der Privatkläger wird mit seinen übrigen Schadenersatzbegehren auf
den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
6. Der Beschuldigte wird unter solidarischer Haftung mit den Mitbeschuldigten
C._ und D._ verpflichtet, dem Privatkläger Fr. 12'000.– zuzüglich
5 % Zins ab 20. September 2014 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbe-
trag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
7. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'500.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten Untersuchung
Fr. 93.60 Auslagen Untersuchung (Gutachten)
Fr. 25'579.25 amtliche Verteidigung
Fr. 3'317.95 unentgeltliche Vertretung des Privatklägers.
8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden, inkl.
der Spruchgebühr des Beschlusses des Obergerichts des Kantons Zürich,
III. Strafkammer, vom 12. Februar 2015 in der Höhe von Fr. 1'200.–, dem
Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Pri-
vatklägerschaft werden definitiv auf die Gerichtskasse genommen. Die Kos-
ten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen;
vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
9. Über die Höhe der Kosten der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten
sowie der unentgeltlichen Vertretung des Privatklägers wird mit separatem
Beschluss entschieden.
10./11. (Mitteilungen/Rechtsmittel)
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Berufungsanträge:
Des Verteidigers des Beschuldigten A._ (Urk. 96 S. 2)
1. Es sei festzustellen, dass das Urteil der Vorinstanz hinsichtlich der Dis-
positivziffern 1-2 sowie 5-11 in Rechtskraft erwachsen ist.
2. Es sei der Beschuldigte A._ mit einer Freiheitsstrafe von 36 Mona-
ten unter Anrechnung von 333 Tagen, erstanden durch Haft, zu bestra-
fen.
3. Es sei der teilbedingte Vollzug anzuordnen, wobei 12 Monate zu voll-
ziehen seien und 24 Monate unter Ansetzung einer Probezeit von
3 Jahren aufzuschieben seien.
Eventualantrag:
Es sei der teilbedingte Vollzug anzuordnen, wobei höchstens
18 Monate zu vollziehen seien und mindestens 18 Monate unter An-
setzung einer Probezeit von 3 Jahren aufzuschieben seien.
Anschlussberufungsanträge:
der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich (Urk. 97 S. 1):
Der Beschuldigte A._ sei in Bestätigung des Schuldspruches des Be-
zirksgerichts Zürich vom 25. September 2015 mit einer 4-jährigen Freiheits-
strafe zu bestrafen.

Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Der Beschuldigte liess mit Eingabe vom 25. September 2015 gegen das
eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 8. Ab-
teilung, vom 25. September 2015 fristgerecht die Berufung anmelden (Urk. 73;
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Art. 399 Abs. 1 StPO). Die begründete Urteilsausfertigung wurde am 27. Novem-
ber 2015 verschickt und ging am 30. November 2015 beim amtlichen Verteidiger
des Beschuldigten ein (Urk. 82/2). Mit Schreiben vom 9. Dezember 2015, hierorts
eingegangen tags darauf, reichte dieser in der Folge rechtzeitig die schriftliche
Berufungserklärung ein, wobei er einzig die Dispositivziffern 3 und 4 des vor-
instanzlichen Urteils anfocht, mithin nur die Strafzumessung (Urk. 84; Art. 399
Abs. 3 StPO). Mit Verfügung vom 15. Dezember 2015 wurde dem Privatkläger
und der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich Frist zur Erhebung einer An-
schlussberufung angesetzt (Urk. 85). Die Staatsanwaltschaft erhob eine solche
mit rechtzeitiger Eingabe vom 4. Januar 2016 (Urk. 87 i.V.m. Urk. 89/3; Art. 401
Abs. 1 StPO). Der Privatkläger liess sich nicht vernehmen.
1.2. Mit Beschluss der Kammer vom 20. Januar 2016 wurde auf Ersuchen des
Privatklägers festgestellt, dass das vorinstanzliche Urteil in Bezug auf Dispositiv-
ziffer 6 (Genugtuung des Privatklägers) in Rechtskraft erwachsen war (Urk. 91;
Urk. 90/2).
1.3. Am 9. März 2016 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 27. Mai 2016
vorgeladen. Nach dieser Verhandlung, zu welcher heute der Beschuldigte und –
im gleichzeitig verhandelten Verfahren SB150513-O – der Mitbeschuldigte
C._, beide in Begleitung ihrer amtlichen Verteidiger, sowie der ... Staatsan-
walt ... erschienen sind (Prot. II S. 5), ist das Verfahren spruchreif.
2. Prozessuales
2.1. Das bezirksgerichtliche Urteil blieb hinsichtlich der Dispositivziffern 1
(Schuldsprüche), 2 (Freispruch), 5 (Schadenersatz), 7 und 8 (Kostenfestsetzung
und -auflage) sowie 9 (Kostenentscheid amtliche Verteidigung) unangefochten
(Urk. 84 S. 2; Urk. 96 S. 3). In Ergänzung zum Beschluss vom 20. Januar 2016
(vgl. oben Erw. 1.2.) ist somit vorab festzustellen, dass der Entscheid der Vor-
instanz insoweit in Rechtskraft erwachsen ist (Schmid, StPO-Praxiskommentar,
2. Auflage, Zürich/St. Gallen 2013, Art. 402 N 1; vgl. auch Art. 437 StPO).
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2.2. Die Verteidigung moniert, dass die Staatsanwaltschaft mit der Anschluss-
berufung eine Freiheitsstrafe von 48 Monaten beantrage, während sie vor Vor-
instanz noch 42 Monate verlangt habe. Sie fragt, inwieweit es zulässig sei, in ers-
ter Instanz einen Antrag zu stellen und dann im Falle des mehr oder weniger ge-
glückten Ausgangs durch einen anderen Staatsanwalt der gleichen Amtsstelle in
der nächsten Instanz einfach eine höhere Strafe zu beantragen. Sie meint, dass
die Anschlussberufung einzig zum Zweck eingereicht worden sei, um den Be-
schuldigten zu einem Rückzug seiner Berufung zu bewegen (Urk. 96 S. 3 f.).
Hat eine Partei gegen das erstinstanzliche Urteil rechtzeitig die Berufung erklärt,
so können die anderen Parteien gemäss Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO innert Frist
Anschlussberufung erklären. Die Anschlussberufung ist grundsätzlich nicht auf
den Umfang der Hauptberufung beschränkt. Sie fällt dahin, wenn die Berufung zu-
rückgezogen oder nicht auf sie eingetreten wird (Art. 401 Abs. 2 und 3 StPO). Mit
der Anschlussberufung soll die Berufungsinstanz in die Lage versetzt werden, ei-
ne umfassende Würdigung des Anklagesachverhalts und insbesondere der
Rechtsfolgen – bzw. hier: des Strafmasses – vorzunehmen. Mit der Anschlussbe-
rufung kann die Staatsanwaltschaft das Verbot der reformatio in peius aufheben.
In der Botschaft wird tatsächlich die Vermutung geäussert, dass seitens der
Staatsanwaltschaft in der Praxis die Anschlussberufung nicht selten deshalb ein-
gelegt werde, um die beschuldigte Person zum Rückzug der eigenen Berufung zu
bewegen. Um diese Fälle einzuschränken, ist die Staatsanwaltschaft auch dann
verpflichtet, persönlich an der Berufungsverhandlung teilzunehmen, wenn sie An-
schlussberufung erhoben hat (Art. 405 Abs. 3 lit. b StPO). Bleibt sie trotz Vorla-
dung aus, gilt die Anschlussberufung als zurückgezogen (BSK StPO-Eugster,
2. Auflage 2014, Art. 401 N 3 m.w.H.).
Vor diesem klaren gesetzlichen Hintergrund sind Klagen über die Zulässigkeit der
erhobenen Anschlussberufung nicht gerechtfertigt. Das Risiko der Ausfällung ei-
ner höheren statt einer tieferen Strafe im Berufungsverfahren ist vom Beschuldig-
ten hinzunehmen. Das Gericht hat die Strafe nach den gesetzlichen und unge-
schriebenen Rechtssätzen unter Beachtung der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung zu bemessen. Es verbleibt jedoch eine individuelle Komponente im richter-
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lichen Rechtsakt (BSK StGB-Wiprächtiger/Keller, 3. Auflage 2013, Art. 47 N 13).
Dieselbe individuelle Komponente ist auch dem Strafantrag der Staatsanwalt-
schaft inne, weshalb dem die Anschlussberufung führenden Leitenden Staatsan-
walt ohne Weiteres zuzugestehen ist, eine höhere Strafe als angemessen zu er-
achten als der ursprünglich fallführende Staatsanwalt. Es ist schliesslich auch le-
gitim, wenn der Leitende Staatsanwalt wegen des Strafmasses allein zunächst
keine selbständige Berufung erklärt, sich dann aber einem vom Beschuldigten ini-
tiierten Berufungsverfahren anschliesst, weil er – wie vorliegend – eben doch eine
leicht höhere Strafe für angemessen hält.
3. Strafzumessung
3.1. Parteistandpunkte
a) Die Verteidigung wendet gegen das Strafmass der Vorinstanz ein, dass die
Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift für eine mehrfache versuchte schwere
Körperverletzung und weitere Delikte eine Freiheitsstrafe von 3 1⁄2 Jahren bean-
tragt habe. Die Vorinstanz habe den Beschuldigten aber vom Vorwurf der mehrfa-
chen versuchten schweren Körperverletzung freigesprochen und nur auf eine ein-
zige versuchte schwere Körperverletzung erkannt. Mit anderen Worten sei die
Anzahl der Deliktsvorwürfe signifikant verändert worden, was auch zu einer Re-
duktion der Strafhöhe hätte führen müssen. Sodann habe die Vorinstanz den Um-
stand, dass der Beschuldigte sich vor Schranken umfassend geständig und
schuldig erklärt habe, nicht ausreichend gewürdigt. Die Vorinstanz habe ausge-
blendet, dass sich der Beschuldigte infolge seiner Alkoholisierung zum Tatzeit-
punkt nicht an alle Details habe erinnern können und nur deshalb keine Details
habe schildern können. In einseitiger Art und Weise seien Strafzumessungsgrün-
de zum Nachteil des Beschuldigten aufgezählt worden, und dabei sei geflissent-
lich ausgeblendet worden, dass sich der Beschuldigte selber bei der Polizei ge-
stellt habe, dass er sich sehr wohl geständig und reuig gezeigt habe und dass er
insbesondere erklärt habe, die Verantwortung für seine Taten zu übernehmen.
Dass er dem Privatkläger keine schriftliche Entschuldigung zugeschickt habe,
nachdem dieser keinen Kontakt gewünscht habe, könne ihm nicht wirklich zum
Nachteil gereichen. Auch diese Umstände hätten bei einer objektiveren Betrach-
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tung zu einer Reduktion der beantragten Strafe führen müssen (Urk. 84 S. 2 f.;
Urk. 96 S. 3 ff.).
b) Die Staatsanwaltschaft hält in ihrer Anschlussberufung dafür, dass – wenn man
mit der Vorinstanz im Rahmen der Tatkomponente bei der im Zentrum stehenden
versuchten schweren Körperverletzung von einem erheblichen Tatverschulden
ausgehe – die Einsatzstrafe im Lichte des anwendbaren ordentlichen gesetzli-
chen Strafrahmens, der eine Höchststrafe von 10 Jahren Freiheitsstrafe vorsehe,
auf ca. 70 Monate Freiheitsstrafe zu bemessen sei, und nicht auf 54 bis 60 Mona-
te (vgl. vorinstanzliches Urteil, Urk. 83 S. 52). Wenn man dann beim erwähnten
Tatbestand den Versuch berücksichtige, ferner den Strafschärfungsgrund des Zu-
sammentreffens mehrerer Straftaten, und schliesslich die täterbezogenen Straf-
zumessungsgründe, die die Vorinstanz zutreffend erkannt und gewichtet habe, so
erscheine insgesamt eine Freiheitsstrafe von 4 Jahren dem Verschulden des Be-
schuldigten angemessen. Vorbehalten blieben Strafzumessungsaspekte, welche
sich bis und mit der obergerichtlichen Berufungsverhandlung allenfalls noch ergä-
ben (Urk. 87).
3.2. Strafrahmen
Der Strafrahmen für das schwerste Delikt, die schwere Körperverletzung im Sinne
von Art. 122 StGB, liegt bei Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe
nicht unter 180 Tagessätzen. Die Deliktsmehrheit wegen der weiteren erfüllten
Straftatbestände (Hausfriedensbruch i.S.v. Art. 186 StGB, Diebstahl i.S.v. Art. 139
Ziff. 1 StGB, Sachbeschädigung i.S.v. Art. 144 Abs. 1 StGB und Fahren ohne
Führerausweis oder trotz Entzug i.S.v. aArt. 95 Ziff. 2 SVG) wirkt sich grundsätz-
lich strafschärfend aus (Art. 49 Abs. 1 StGB). Da es sodann bezüglich der schwe-
ren Körperverletzung beim Versuch blieb, kann das Gericht die Strafe mildern
(Art. 22 Abs. 1 StGB). Zu einer obligatorischen Strafmilderung führt sodann die
Gehilfenschaft betreffend den Diebstahl und die Sachbeschädigung (Art. 25
StGB). Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung wird der ordentliche Strafrah-
men durch Strafschärfungs- und Strafmilderungsgründe indessen nicht automa-
tisch erweitert, worauf dann innerhalb dieses neuen Rahmens die Strafe nach den
üblichen Zumessungskriterien festzusetzen wäre. Der ordentliche Strafrahmen ist
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nur zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die
betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart bzw. zu milde er-
scheint. Das Gericht ist jedoch verpflichtet, Strafschärfungs- und Strafmilderungs-
gründe im Rahmen des ordentlichen Strafrahmens straferhöhend bzw. -mindernd
zu berücksichtigen (BGE 136 IV 55 E. 5.8). Vorliegend sind keine aussergewöhn-
lichen Umstände ersichtlich, die ein Verlassen des ordentlichen Strafrahmens ge-
bieten würden. Die Strafe ist deshalb unter Berücksichtigung der vorliegenden
Strafschärfungs- und Strafmilderungsgründe innerhalb des ordentlichen Strafrah-
mens von Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe nicht unter
180 Tagessätzen festzulegen.
3.3. Allgemeine Regeln der Strafzumessung
a) Innerhalb des massgebenden Strafrahmens ist die Strafe nach dem Verschul-
den des Täters zu bemessen (Art. 47 StGB). Der Begriff des Verschuldens muss
sich auf den gesamten Unrechts- und Schuldgehalt der konkreten Straftaten be-
ziehen. Zu unterscheiden ist zwischen der Tat- und der Täterkomponente (vgl. im
Weiteren Urk. 83 S. 50).
b) Hat der Beschuldigte durch mehrere Handlungen die Voraussetzungen für
mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so ist gestützt auf das Asperationsprinzip ge-
mäss Art. 49 Abs. 1 StGB für die Strafzumessung von der Tat mit der höchsten
Strafandrohung auszugehen und für diese eine hypothetische Einsatzstrafe fest-
zulegen, wobei diese dann aufgrund der weiteren Tathandlungen, welche je sepa-
rat verschuldensmässig zu beleuchten sind, angemessen zu erhöhen ist.
3.4. Versuchte schwere Körperverletzung als schwerstes Delikt (Anklagezif-
fer 2.1.)
3.4.1. Tatkomponente
a) Es ist vorauszuschicken, dass die Anklage (Urk. 42) auf Seite 3 (Ziff. 2.1.1. und
2.1.2.) erwähnt, dass der Beschuldigte dem Privatkläger B._ zu Beginn –
gleich nach dem Telefonanruf an den Mitbeschuldigten D._ – die Faust ge-
gen das linke Auge geschlagen und ihn dann in den Schwitzkasten genommen
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und zu Boden gedrückt habe. Kurz darauf habe der Beschuldigte A._ dem
Privatkläger B._ mit der Faust erneut ins Gesicht geschlagen und ihn im obe-
ren Bereich des linken Auges getroffen. Wie die Vorinstanz bereits verbindlich
festgestellt hat (vgl. Urk. 83 S. 7), ist davon auszugehen, dass die Staatsanwalt-
schaft diese Tathandlungen nicht zur Anklage bringen wollte bzw. diesen keine
eigenständige Bedeutung zumass, obgleich in der Tat diskutabel erschiene, ob es
sich dabei um zusätzlich begangene Körperverletzungsdelikte gehandelt haben
könnte.
b) Sodann ist zu rekapitulieren, welche Teile der Anklage die Vorinstanz als er-
stellt erachtet hat:
1. Es ist dies zum einen der Schlag des Beschuldigten A._ mit der in
seinem Turnbeutel befindlichen vollen Whiskyflasche gegen den Kopf
des Privatklägers B._ (Anklage S. 4 Ziff. 2.1.3.), wobei allerdings
nur von einer 0,35-Liter-Flasche (statt von 0,7 l) ausgegangen und zu-
dem als nicht erstellt erachtet wurde, welche Verletzungen (Riss-
quetschwunde am Hinterkopf oder Fraktur des Augenhöhlen- bzw. Or-
bitabodens) der Privatkläger B._ durch diesen Schlag erlitt (vgl.
Urk. 83 S. 43).
2. Zum anderen ist es der kraftvolle Faustschlag des Beschuldigten
A._ am Schluss der Auseinandersetzung gegen das linke Auge
des Privatklägers B._, wobei die Vorinstanz allerdings als nicht er-
stellt erachtete, dass der Beschuldigte A._ dabei einen harten Ge-
genstand (gemäss Anklage ein Feuerzeug o.ä.) in der Hand gehalten
habe, der ca. 2,5 bis 3 cm aus seiner Faust hervorgestanden sei, wel-
chen er dem Privatkläger sozusagen ins Auge gerammt habe ("... holte
aus und schlug damit den Geschädigten B._ so kraftvoll gegen
das linke Auge..."; Urk. 24 Ziff. 2.1.4.; vgl. auch Urk. 65 S. 7 Antwort 4).
Ebenfalls als nicht erstellt erachtete die Vorinstanz die gemäss Anklage
aus diesem Faustschlag resultierende Verletzung (Fraktur des Augen-
höhlenbodens, vgl. Urk. 83 S. 45 letzter Absatz).
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c) Festzuhalten ist auch, dass die Vorinstanz den Beschuldigten A._ zwar
nur wegen einfacher (statt mehrfacher) versuchter schwerer Körperverletzung
schuldig sprach, aber nicht etwa, weil sie, wie die Verteidigung behauptet, die
"Anzahl der Deliktsvorwürfe signifikant verändert" hätte (Urk. 84 S. 2). Vielmehr
taxierte sie den Übergriff zumindest ab dem Moment, als der Beschuldigte mit den
anderen herbeigeeilten Tätern zusammen auf den Privatkläger B._ einprü-
gelte, als Handlungseinheit, womit eine zusätzliche Bestrafung wegen (versuch-
ter) einfacher Körperverletzung im Zusammenhang mit dem finalen Faustschlag
ins Auge des Opfers ausscheide (Urk. 83 S. 48 m.H. auf BGE 131 IV 94). Sie er-
wog, dass der mit diesem Delikt verbundene Unrechtsgehalt durch die Bestrafung
des Beschuldigten A._ wegen (versuchter) schwerer Körperverletzung abge-
golten sei (a.a.O. m.H. auf Urteil SE070010 des Obergerichts des Kantons Zürich
vom 28. September 2007, E. III.2.b.).
d) Vor diesem Hintergrund ist im Rahmen der objektiven Tatschwere bzw. beim
"Ausmass des Erfolges" zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte A._ dem
Privatkläger B._ im Rahmen der nächtlichen Auseinandersetzung auf der ...
zunächst in brutaler Weise seinen Turnbeutel mit einer vollen 0,35-Liter-
Glasflasche Ballantine's Whisky mit Schwung über den ungeschützten Hinterkopf
schlug, so dass die Flasche über dem Schädel des Privatklägers B._ zer-
brach. Für eine bildhaftere Vorstellung dieses Vorgangs seien hier nochmals die
entsprechenden Aussagen der Beteiligten wiedergegeben. Der Mitbeschuldigte
E._ führte am 9. April 2015 aus: "A._ drehte sich noch einmal zum Geschädigten. Wahrscheinlich war er noch nicht zufrieden mit dem, was geschehen war, und schlug dem Geschä-
digten eine Tasche mit einer Flasche drin über den Kopf", und weiter: "Als ich A._ weggezo-
gen hatte, riss er sich von meinem Griff los, wandte sich wieder dem Geschädigten zu und schwang in der Drehung den Beutel aus. Sie traf den Geschädigten auf den Kopf" (Urk. 9/2 Ziff. 11 und
18, bestätigt in Anwesenheit des Beschuldigten A._ anlässlich der vo-
rinstanzlichen Hauptverhandlung in Urk. 62 S. 5 f.). Der Mitbeschuldigte D._
hatte den Schlag mit der Flasche zwar nicht selber mitbekommen (Urk. 7/6
Ziff. 23), schilderte aber am 31. Oktober 2014 Folgendes: "Gesehen habe ich das nicht. Aber A._ berichtete mir davon: Er erzählte mir, dass er einen kleinen Rucksack dabei gehabt
habe, dass dort drin eine kleine Flasche Alkohol gewesen sei. Und diesen Rucksack habe er dem
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Geschädigten mit Schwung "rüber gezogen". Und A._ sagte mir dann, dass er befürchtete,
dass etwas Schlimmes passiert sei, da die Flasche im Rucksack dann kaputt gegangen war. Darum sagte er mir, dass ich nichts sagen dürfe, dass er mich sonst umbringen würde" (Urk. 7/2 S. 7
Ziff. 23, bestätigt in Anwesenheit des Beschuldigten A._ in Urk. 5/6 S. 13).
Der Privatkläger B._ führte dazu am 29. September 2014 aus: "Irgendwann  ich hinten auf den Kopf von einem Gegenstand einen Schlag erlitten. [...] Nach diesem Schlag
[...] fiel ich zu Boden und es wurde mir schwarz. Ich sah kurz die Sterne" (Urk. 4/1 Ziff. 8), und anlässlich der Konfrontationseinvernahme am 15. Januar 2015: "Auf einmal, ich hatte
die Hände immer noch schützend über dem Kopf, die Seiten meines Kopfes waren von meinen Händen geschützt, da wurde ich mit einem sehr harten Gegenstand auf den Hinterkopf geschlagen.
Für einen ganz kurzen Moment – ich glaube, es war ein ganz kurzer Moment – wurde mir schwarz
und ich fiel auf die Knie, den Bauch. Dann kam ich wieder zu mir. Ich hatte immer noch die Hände schützend über meinem Kopf. Es wurde immer noch voll auf mich eingeprügelt"; "Fäuste sind schon
auch hart, aber das war ganz klar ein harter Gegenstand. Das war keine Faust, die nachgibt. Ich dachte zuerst, es sei ein Stock gewesen" (Urk. 4/2 Ziff. 12 und 18). Eine Flasche ist an
sich schon ein gefährlicher Gegenstand (vgl. auch BGE 135 IV 152 in Pra 99
(2010) Nr. 11 Ziff. 2.3.2.2.: "Einer hilflos am Boden liegenden Person banden-
mässig mehrfache Schläge gegen den Kopf zu versetzen und sie insbesondere
mit Fäusten, Füssen und gefährlichen Objekten, wie einer Glasflasche, zu traktie-
ren, kann in der Tat zu einer schweren Körperverletzung und unter Umständen
sogar zum Tod führen."), in Kombination mit der Hebelwirkung eines geschwun-
genen Turnbeutels wird das Gefährdungspotential aber noch um ein Vielfaches
vergrössert. Das Tatvorgehen des Beschuldigten weist sodann hinterhältige Züge
auf, indem er zunächst zumindest einen seiner Kollegen telefonisch zur Unter-
stützung herbeirief (wobei er aber, da er zuvor auch dabei gestanden hatte ["Ich
war dort mit den Jungs, F._, D._ und so; Urk. 5/4 Ziff. 8], ganz genau
wusste, dass D._ nicht alleine, sondern eben mit "ein paar" Kollegen beim
Sindi stand; vgl. Urk. 5/1 Ziff. 2; Urk. 5/3 Ziff. 5) und dann das nota bene
Fr. 4'499.– teure Velo des Privatklägers (vgl. Urk. 14/7) am Lenker festhielt und
den Privatkläger so an einer Flucht hinderte, bis seine Unterstützer eintrafen. Die
Tat erscheint im Weiteren auch als besonders verwerflich und feige, weil das Op-
fer dabei wehrlos auf dem Bauch am Boden lag, und geradezu niederträchtig mu-
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tet an, dass der Beschuldigte den Schlag mit der Flasche ausführte, während das
Opfer gleichzeitig von seinen Kollegen mit Fäusten und Tritten traktiert wurde (vgl.
Urk. 24 S. 3 f.), dass er sich also die Rückendeckung seiner Kollegen verschafft hatte, um den Privatkläger B._ ohne Gegenwehr malträtieren zu können ("Da
habe ich den D._ angerufen; ich dachte, D._ würde das für mich regeln, da ich ja schon getrunken hatte" [Urk. 5/2 S. 3]; "Ich bin nicht einer, der schlegelt, und D._ sollte mir helfen,
damit ich nicht doof dastehe vor meiner Freundin" [Urk. 20/9 S. 2]). In diesem Sinne muss
und darf das Handeln der Mitbeschuldigten vorliegend für die Strafzumessung ei-
ne Rolle spielen. Dass sich der Beschuldigte aber, wie die Vorinstanz erwog
(Urk. 83 S. 51), das Tathandeln der Mitbeschuldigten D._ und C._ "an-
rechnen" lassen müsse, trifft nicht zu, da im vorliegenden Fall kein mittäterschaft-
liches Handeln und auch kein Angriff angeklagt wurden. – Sodann verabreichte
der Beschuldigte A._ dem Privatkläger B._ einen weiteren Schlag, in-
dem er ihn am Hinterkopf an den Haaren packte und dessen Kopf vom Boden
hob. Mit der geschlossenen Faust holte er aus und schlug sie dem Privatkläger
B._ kraftvoll ins linke Auge. Er tat dies ganz am Schluss der Auseinanderset-
zung, als der Privatkläger B._ nach wie vor wehrlos, aber nunmehr von den
zahllosen am ganzen Körper, hauptsächlich an Gesicht und Kopf (Urk. 4/2 S. 9
Ziff. 16), erlittenen Fausthieben und Fussschlägen definitiv geschwächt und mit
verschlagenen Augen am Boden lag – und nachdem die übrigen Mitbeschuldigten
bereits von ihm abgelassen hatten und davongerannt waren (so der Privatkläger
am 15. Januar 2015: "Auf einmal – so glaubte ich – rannten alle weg. Aber einer war noch da. Ich sah nur noch verschwommen, mit dem linken Auge sah ich gar nichts mehr, es war geschwol-
len, mit dem rechten Auge nur noch verschwommen. Bevor das geschah, was ich jetzt erzähle, ha-
be ich schon viele Schläge auf das linke Auge bekommen. Es war schon geschwollen, so dass ich mit dem linken Auge praktisch nichts mehr gesehen habe." [...] "Mit der einen Hand hielt er meinen
Kopf an den Haaren hoch, mit der anderen Hand holte er aus und rammte (es) mir mit voller Wucht in das linke Auge. Es fühlte sich an wie ein Messer. Ich dachte, er hat mir das Auge ausgestochen.
Es hat höllisch geschmerzt, geblutet" (Urk. 4/2 S. 7). Auch diese Tat des Beschuldigten
– sozusagen die finale Bestrafung des bereits völlig zusammengeschlagenen,
wehrlos am Boden liegenden Opfers (vgl. zum Motiv sogleich Erw. e)) – manifes-
tiert eine sehr grosse Aggressivität und zeugt von einem beträchtlichen Mass an
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krimineller Energie. Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass es lediglich
einer glücklichen Fügung zu verdanken ist, dass die Geschehnisse vom
20. September 2014 keinen für den Privatkläger B._ unmittelbar lebensge-
fährlichen Verlauf nahmen bzw. keine bleibenden schweren Verletzungen verur-
sachten. Auch wenn nicht als erstellt gilt, welche genauen physischen Auswirkun-
gen die Schläge des Beschuldigten A._ auf den Privatkläger B._ hatten,
können die gesamthaften Folgen des Angriffes für diesen nicht unerwähnt blei-
ben. Er erlitt aufgrund des gewalttätigen Einwirkens die in der Anklageschrift um-
schriebenen Verletzungen (Kronenfraktur der beiden linken Schneidezähne,
Rissquetschwunde am Hinterkopf, dislozierte Fraktur des Augenhöhlenbodens
links, Hirnerschütterung sowie Prellungen am Knie und Kiefergelenk links) und
musste insbesondere am linken Auge operativ versorgt werden, wobei ihm ein pa-
tientenindividuelles Titanimplantat eingesetzt wurde, welches ihn zeitlebens be-
gleiten wird. Im Augenbereich sind gemäss ärztlichem Befund des Zentrums für
Zahnmedizin (Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und Oralchirurgie)
vom 6. November 2014 wichtige Strukturen wie Blutgefässe oder Nerven immer in
unmittelbarer Nähe vorhanden. Wenn keine ärztliche Versorgung stattgefunden
hätte, wäre mit einem dauerhaften Schaden des linken Auges zu rechnen gewe-
sen. Ohne Operation hätte es zu erheblichen Sehstörungen mit Doppelbildern
kommen können (Urk. 13/11). Der Privatkläger B._ erklärte auf Befragen, es
sei einfach alles sehr schmerzhaft gewesen. Die Operation selber sei für ihn die
Hölle gewesen, er habe so etwas noch nie erlebt. Vor allem nachher das Morphi-
um (Urk. 4/2 Ziff. 36). Bei schlechter Witterung spüre er das Titanimplantat mal
stärker, mal schwächer; wenn er Sport mache und sein Blutdruck steige, habe er
Schmerzen. Beim Velofahren und bei starkem Fahrtwind fühle es sich an, wie
wenn Wellen durch sein Auge gehen würden, was sich störend auswirke (Urk. 65
S. 3). Neben den physischen Folgen litt der Privatkläger zumindest bis zum Zeit-
punkt der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 23. September 2015 – somit
ein ganzes Jahr lang – nach wie vor unter psychischen Spätfolgen des gewalttäti-
gen Übergriffs, was der Beschuldigte A._ mit seinen Schlägen mitverschuldet
hat. Der Privatkläger B._ befand sich damals aufgrund einer posttraumati-
schen Belastungsstörung nach wie vor in psychotherapeutischer Behandlung.
- 15 -
Dort hatte er auch Ängste davor geäussert, von der Bande weiter verfolgt oder
bedroht zu werden, weil ein Täter offenbar bereits in U-Haft sitze und der Haupt-
oder die Mittäter ihn ja auf der Strasse wiedererkennen könnten. Er meide seither
den Kreis 5, ... und Umgebung (Urk. 69/8, insb. S. 2). Vor Vorinstanz führte der
Privatkläger B._ aus, dass er psychisch noch immer leide (Urk. 65 S. 3). Eine
Sichtung der Video-Aufnahme der vorinstanzlichen Einvernahme (Urk. 65a) un-
terstützt die Glaubwürdigkeit des Privatklägers und die Glaubhaftigkeit seiner
Vorbringen. Als er zu Beginn darauf aufmerksam gemacht wurde, dass die Be-
schuldigten und deren Verteidiger die Verhandlung vom Nebenzimmer aus per
Video-Übertragung mitverfolgen (vgl. Urk. 65 S. 1) und ihn somit sehen könnten,
schloss er merklich und sichtlich gequält einen Moment lang die Augen (Urk. 65a,
am Anfang). In der Folge sagte er ernsthaft und zugleich zurückhaltend aus, in-
dem er auch zugab, wenn er etwas nicht (mehr) wusste oder sich nicht sicher
war. Auch zögerte er keinen Moment mit der Bejahung der Ergänzungsfrage des
Verteidigers, ob er im Hinblick auf die Hauptverhandlung seine früheren Aussa-
gen nochmals durchgelesen habe (Urk. 65, insb. S. 9). Mit der Vorinstanz ist dem
Verteidiger auf dessen Einwand, dass die Ausführungen des Privatklägers nicht in
sich stimmig, sondern vielmehr das Resultat blosser Wiederholungen seien
(Prot. I S. 13), somit entgegenzuhalten, dass das Gericht sich selbst davon über-
zeugen konnte, dass der Privatkläger bestrebt war, wahrheitsgemäss auszusagen
und nicht wie vorgeworfen bloss memorisierte Aussagen aus früheren Einver-
nahmen zu wiederholen. Das objektive Tatverschulden des Beschuldigten ist in
Anbetracht all dieser Umstände als erheblich einzustufen, was bei Annahme einer
vollendeten schweren Körperverletzung eine Einsatzstrafe von rund 60 Monaten
bzw. 5 Jahren angemessen erscheinen liesse.
e) Bei der subjektiven Tatschwere spielen grundsätzlich nebst der Frage einer
verminderten Schuldfähigkeit das Motiv und weitere subjektive Verschuldens-
komponenten eine Rolle.
Um das Motiv des Beschuldigten A._ ergründen zu können, ist das Randge-
schehen näher zu beleuchten. Aus den Ausführungen seiner Freundin G._,
mit der er auf der ... auf einem Bänkchen sass, erhellt, dass es entgegen
- 16 -
A._s Aussagen in der Hafteinvernahme keineswegs einfach ein schöner
Abend hätte sein sollen und er mit seiner Freundin "ganz normal" habe reden und
trinken wollen (Urk. 20/9 S. 2; Prot. II S. 15). Vielmehr führte G._ am
8. Januar 2015 in Anwesenheit des Beschuldigten aus, dass sie und ihr Freund
kurz vorher Streit gehabt hätten, weil er eine andere gehabt habe (was der Be-
schuldigte in der Berufungsverhandlung konkludent bestätigte, vgl. Prot. II S. 15).
Deshalb sei sie hässig und traurig gewesen. Es sei eine blöde Zeit gewesen. We-
gen des Streits hätten sie auf der ... zum Reden abgemacht. G._ bestätigte
im Weiteren ihre Aussagen anlässlich ihrer Haftanhörung, wonach sie ein biss-
chen genervt gewesen sei, da der Beschuldigte schon angetrunken gewesen sei,
und sie – als er aufgestanden und auf den Velofahrer zugegangen sei – gewusst
habe, dass ihr Freund ein bisschen aggressiv gewesen sei, da er ein bisschen
angetrunken gewesen sei. Zu ihren weiteren Aussagen in der Haftanhörung, wo-
nach sie sich vorerst nicht habe einmischen wollen, weil ihr Freund sie schliess-
lich auch schon geschlagen habe und gewalttätig sei, wollte G._ in Anwe-
senheit des Beschuldigten keine Aussagen machen (Urk. 6/4 S. 3 ff.; Urk. 6/3
S. 2). Jedoch geht selbiges in aller Deutlichkeit aus den Vorakten betreffend
Häusliche Gewalt, Körperverletzungen, Drohungen etc. zum Nachteil von
G._ hervor (Urk. 17/1-4, insb. Urk. 17/3 S. 16 ff. [Anhörungen von G._
und A._ [Anerkennung der Vorwürfe] vom 4. April 2014 betreffend Verlänge-
rung Rayon- und Kontaktverbot], Urk. 17/1 S. 12 ff. und 17/4 S. 3 ff. [Ausschnitte
SMS-/Chat-Verkehr], Urk. 17/1 S. 15 und Urk. 17/4 S. 10 ff. [Fotos von G._
mit Verletzungen/Prellungen]).
Vor diesem Hintergrund – Streit des Beschuldigten A._ mit der Freundin, An-
getrunkenheit, Aggressivität – erscheint die Schilderung des Privatklägers
B._ zum Hergang der Auseinandersetzung (die der Beschuldigte im Wesent-
lichen so bestätigte, z.B. in Urk. 5/1 Ziff. 17: "Ich schubste ihn. Vielleicht hat alles wegen mir angefangen") absolut plausibel. Er führte mehrfach gleichbleibend aus, dass er
an jenem Abend mit dem Fahrrad unterwegs gewesen sei. Im Lebensmittelladen
bei der ... (Sindi Markt) habe er eine Cola gekauft, die er auf einem der Bänkchen
auf der ... habe trinken wollen. Es sei ihm dann aber aufgefallen, dass die Bank,
auf welcher er gesessen sei, klebrig gewesen sei und nach Urin gestunken habe.
- 17 -
Er sei aufgestanden, habe sein Fahrrad gepackt und es mit dem Licht Richtung
Bank gedreht. Die Bank sei voll verspritzt gewesen. In diesem Moment sei ein
Mann von der hinteren Bank in – wie er gehört habe – schnellem, aggressivem
Schritt auf ihn zugekommen. Er habe ihn sehr aggressiv gefragt: "Wer bisch Du?
Was machsch Du da? Wie Polizei". Er, der Privatkläger, habe sich gedacht, dass
er besser von dort weggehen sollte. Als er habe losfahren wollen, habe ihn der
andere irgendwo an seinem Pullover gepackt. Er habe probiert, ruhig zu bleiben.
Während er auf dem Fahrrad ganz langsam weitergefahren sei ("In jenem Moment war ich mir der Gefahr noch nicht bewusst. Ich hätte einfach weggehen, wegfahren können. Das
habe ich aber nicht gemacht. Ich hatte Angst, dass sich der Mann mir von hinten nähern und sich auf mich stürzen könnte", Urk. 4/2 S. 5; "Ich wollte nicht Vollgas losfahren, weil ich Angst hatte,
er würde mich von hinten angreifen", Urk. 65 S. 4), sei der andere neben ihm hergelau-
fen und habe ihn immer noch festgehalten. Er habe gezittert und zum anderen
gesagt, dass er bitte keinen Fehler machen solle. Der andere habe erkannt, dass
er Angst gehabt habe ("Ich glaube, er hat die Angst gerochen", Urk. 4/2 S. 5). Er habe
ihn weiter festgehalten, bis sie zum letzten Bänkchen gekommen seien. Dort sei
seine blonde Freundin gesessen. Er habe dann angehalten, und der andere auch.
Dann habe der andere sein iPhone hervorgenommen und jemanden angerufen.
Er habe – wobei er sich bezüglich des Namens nicht mehr sicher sei – gesagt:
"H._, komm schnell, Problem ...". Da habe er erst richtig die Gefahr erkannt.
Er habe ihn gefragt, was das solle, er habe ihm ja nichts gemacht. Der andere
habe darauf sehr aggressiv, provozierend, gesagt: "... und so". Er habe nur noch
weg gewollt. Der andere habe dann seinen Pulli losgelassen, aber dann mit der
anderen Hand sein Velo festgehalten ("Ich wollte dann das Weite suchen. Er hat das ge-
merkt. Er hat mich dann losgelassen und mit beiden Händen das Velo festgehalten", Urk. 65
S. 4). Er sei vom Velo gestiegen und habe – nachdem er dem anderen zwei oder
drei Mal gesagt habe, dass er das Velo loslassen solle ("Ich wusste, jetzt kommen dann welche", Urk. 4/2 S. 5) – dann fest am Fahrrad gerissen, worauf dieses umgefallen
sei. Da habe ihn der andere wieder am Pullover ergriffen und ihn dann nicht mehr
losgelassen. Als er, der Privatkläger B._, selber an seinem Pulli gezogen ha-
be, habe ihn der andere das erste Mal mit der Faust auf sein linkes Auge ge-
schlagen. Dann habe zunächst der Beschuldigte A._ ihn, den Privatkläger
- 18 -
B._, zu Boden gerissen und ihn von oben im Schwitzkasten gehalten. Es sei
ihm dann aber gelungen, die Oberhand zu gewinnen ("Ich bekam Panik, lag halb auf
dem Bauch, kniete. Es gelang mir, ihn zu überwältigen. Ich konnte ihn auf den Bauch umdrehen, ich war voller Adrenalin, darum konnte ich ihn locker überwältigen", Urk. 4/2 S. 6) und seinerseits
den Beschuldigten auf den Boden zu legen. Darauf sei seine Freundin ebenfalls
hinzugekommen und habe geschrien, dass er ihn loslassen solle. Sie habe ver-
sucht, ihn vom Beschuldigten loszureissen. Er habe losgelassen, während der
andere ihn immer noch am Ärmel festgehalten habe. Der andere sei dann frei
gewesen, worauf wieder ein Faustschlag, wiederum auf sein linkes Auge, ge-
kommen sei. Darauf habe es auch schon von allen Seiten unzählige harte
Fusstritte und Faustschläge gehagelt. Irgendwann hätten sich die Schritte ent-
fernt, nur der Mann vom Anfang sei immer noch da gestanden. Er habe ihn an der
Stimme erkannt, denn bevor er ihm den finalen Faustschlag ins Auge gegeben
habe, habe er zu ihm gesagt: "Ich ha dir gseit, du söllsch mir säge, wer du bisch"
(Urk. 4/1 S. 1 ff.; Urk. 4/2 S. 4 ff.; Urk. 65 S. 3 ff.).
Was somit das Motiv des Beschuldigten A._ anbelangt, so wird evident, dass
er den Streit mit dem Privatkläger B._ aus einem völlig nichtigen Grund vom
Zaun brach. Er selber hatte abgesehen vom Velolicht des Beschuldigten, das ihn
gestört habe (Urk. 5/1 S. 2; Urk. 60 S. 5 ["Er ist mit dem Licht direkt auf mich zugefah-
ren"]), einmal erklärt, der Privatkläger habe ihn "auch angeschaut, irgendwie ag-
gressiv", er habe sich provoziert gefühlt (Urk. 5/6 S. 5), und einmal gar noch er-
klärt, dass der Privatkläger "eine komische Stimme" gehabt habe (Urk. 20/9 S. 2).
Es scheint somit, als ob der Beschuldigte geradezu darauf gewartet hätte, seine
Aggressionen grundlos an irgendetwas abreagieren zu können. Wer aber aus pu-
rer Aggressivität einen zufällig daherkommenden unbeteiligten Dritten, der es ge-
wagt hat, ihn mit seinem Velolicht zu stören, brutal zusammenschlägt, der handelt
aus Gründen, die sich sehr belastend, mithin deutlich verschuldenserhöhend,
auswirken.
Leicht verschuldensreduzierend fällt demgegenüber ins Gewicht, dass der Be-
schuldigte, wie die Vorinstanz bereits verbindlich festgehalten hat, hinsichtlich des
Schlages mit der Whiskyflasche mit Eventualvorsatz handelte (Urk. 83 S. 46 oben
- 19 -
i.V.m. S. 48 oben). Beim finalen Faustschlag ins Auge handelte er jedoch direkt-
vorsätzlich.
Was den Alkoholisierungsgrad des Beschuldigten angeht, so gab er am 26. No-
vember 2014 an, bis um ca. 15 oder 16 Uhr in Spreitenbach gearbeitet zu haben.
Danach sei er dort zu einem Kiosk gegangen und habe zwei bis drei grosse
(Halbliter-)Büchsen Bier gekauft, welche er auf der Zugfahrt nach Zürich getrun-
ken habe. Er habe an diesem Tag nicht gegessen gehabt und sei deshalb schnell
besoffen gewesen. Bei der Hardbrücke sei er ausgestiegen und habe auch dort
am Kiosk Bier gekauft; die genaue Stückzahl wisse er nicht mehr. Am Abend ha-
be er sich "schon ein wenig besoffen" gefühlt, nicht so gut. Er trinke fast jeden
Tag Alkohol; ein bis zwei Biere, bis er zu Hause sei. Zu Hause trinke er jeweils
auch ein Bier. Ein Alkoholproblem habe er "eigentlich nicht" (Urk. 5/4 S. 2 f.) Am
8. Januar 2015 führte der Beschuldigte aus, dass er nach der Arbeit drei bis vier
Biere getrunken habe. Dann sei er zu Hause angekommen, wo er auch noch ge-
trunken habe und dann mit Bier wieder aufgebrochen sei. Beim Sindi Markt habe
er "wohl" auch noch etwas getrunken (Urk. 5/5 Ziff. 9 ff.). Am 9. April 2015 sagte
er aus, dass er an jenem Tag, bevor er seine Kollegen getroffen habe, drei oder
vier Dosen Bier getrunken habe. Danach habe er mit den Kollegen weitergetrun-
ken; sie hätten eine oder zwei Flaschen dabei gehabt (welchen Inhalts, blieb hier
offen; Urk. 5/7 Ziff. 11 ff.). Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung er-
klärte der Beschuldigte, dass er, soviel er wisse, bis 16.00 Uhr gearbeitet habe.
Nach der Arbeit habe er ein Bier gekauft und sei zum Bahnhof gegangen. Dort
habe er ein weiteres Bier getrunken, im Zug dann ein drittes Bier. An der Halte-
stelle Hardbrücke sei er ausgestiegen, wo er nochmals ein Bier gekauft habe.
Dann sei er nach Hause gegangen, um zu duschen. Dann sei er wieder hinaus
gegangen und habe nochmals ein Bier genommen. Insgesamt habe er fünf bis
sechs Bier getrunken. Zudem habe er mit Kollegen ein paar Gläser Whisky ge-
trunken (Urk. 60 S. 4). In der Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte zu Pro-
tokoll, dass er am Nachmittag mit Bier angefangen und irgendwann, so glaube er,
Whisky getrunken habe (Prot. II S. 16). – Der Beschuldigte war somit zum Tat-
zeitpunkt offenkundig alkoholisiert, was eine enthemmende Wirkung auf ihn ge-
habt haben dürfte. Von einer reduzierten Schuldfähigkeit ist mit der Vorinstanz
- 20 -
(Urk. 83 S. 52) hingegen nicht auszugehen: Zwischen dem Beginn seines Kon-
sums von etwa zwei bis drei Litern Bier, dem Weitertrinken mit den Kollegen (wo-
bei lange unklar blieb, ob und was dort getrunken wurde; auch in der Berufungs-
verhandlung sprach der Beschuldigte zunächst nur davon, dass er glaube, Whis-
ky getrunken zu haben; Prot. II S. 16) und dem Zusammentreffen mit dem Privat-
kläger lagen immerhin rund sechs bis sieben Stunden. Der Beschuldigte handelte
adäquat und war nicht nur in der Lage, per Handy Verstärkung anzufordern und
den Privatkläger mittels Festhalten des Velolenkers in der Zwischenzeit am Weg-
gehen zu hindern, sondern auch, den Privatkläger gezielt (gegen den Kopf bzw.
das Auge) zu schlagen. Die Feinmotorik funktionierte also noch. Eine Beeinträch-
tigung seiner Steuerungsfähigkeit kann somit entgegen der Verteidigung, die von
einer "massiven" Alkoholisierung (Urk. 70 S. 21) ausgeht, nach alledem nicht an-
genommen werden. Entgegen der Verteidigung (Urk. 70 S. 21 Ziff. 110) hat auch
der Privatkläger nie von einer Alkoholisierung des Beschuldigten A._ gespro-
chen. Im Übrigen hat auch die Freundin G._ nur davon gesprochen, dass der
Beschuldigte "angetrunken" bzw. "ein bisschen angetrunken" – und nicht betrun-
ken – gewesen sei (Urk. 6/3 S. 2). Auf Frage, wie sich dieses "ein bisschen Ange-
trunkensein" denn konkret geäussert habe, erklärte G._: "Wir sind zwei Jahre
zusammen, deshalb bemerke ich, wenn er etwas getrunken hat" (Urk. 6/4 S. 4).
Auch aus dieser Aussage lässt sich nicht schliessen, dass der Beschuldigte sehr
betrunken gewesen wäre, im Gegenteil: Wäre er massiv alkoholisiert gewesen,
hätte G._ nicht auf ihre zweijährige Erfahrung mit dem Beschuldigten verwei-
sen müssen, welche sie erst dazu befähigt habe, zu merken, dass er etwas ge-
trunken hatte.
Zusammengefasst überwiegen im Rahmen der subjektiven Tatschwere die ver-
schuldenserhöhenden (Motiv) die verschuldensreduzierenden (Eventualvorsatz
betreffend Schlag mit der Flasche) Aspekte deutlich. Es resultiert hieraus eine Er-
höhung der Einsatzstrafe, wie sie aufgrund der objektiven Tatschwere allein als
geboten erschiene (60 Monate), auf rund 70 Monate Freiheitsstrafe.
f) In einem nächsten Schritt ist zu berücksichtigen, dass die Tat nicht vollendet
wurde, wohl aber der entsprechende Versuch. Gemäss bundesgerichtlicher
- 21 -
Rechtsprechung ist der vollendete Versuch strafmindernd zu veranschlagen, wo-
bei das Mass der zulässigen Reduktion der Strafe unter anderem von der Nähe
des tatbestandsmässigen Erfolgs und den tatsächlichen Folgen der Tat abhängt
(BGE 121 IV 49 ff., 54). Wie bereits erwähnt, ist es vorliegend einzig glücklichen
Umständen zuzuschreiben, dass der Schlag mit der Flasche gegen den Kopf des
Privatklägers nicht zu unmittelbar lebensgefährlichen bzw. bleibenden Verletzun-
gen (offener Schädelbruch, Hirnverletzungen etc.) führte. Damit lag der tatbe-
standsmässige Erfolg im Tatzeitpunkt nahe. Die versuchte Tatbegehung fällt vor
diesem Hintergrund nur leicht ins Gewicht, was eine Reduktion um etwa einen
Viertel geboten erscheinen lässt.
In Würdigung der objektiven und subjektiven Tatschwere der versuchten schwe-
ren Körperverletzung als schwerstem Delikt erscheint somit eine Einsatzstrafe
von rund 52 Monaten Freiheitsstrafe angemessen.
3.4.2. Täterkomponente
a) Zu den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten lässt sich den Akten
entnehmen, dass er am tt. Mai 1989 in Zürich geboren wurde, Kosovo-Albaner mit
serbischem Pass ist und über eine Niederlassungsbewilligung C verfügt. Seine El-
tern liessen sich scheiden, als er 12 Jahre alt war. Der Vater ist heute arbeitslos
und IV-Rentner. Der Beschuldigte wuchs in Zürich mit einer Schwester und zwei
Brüdern auf und besuchte daselbst die Primarschule, die Sekundarschule B und
C (je nach Leistungsstufe) und das 10. Schuljahr. Eine Berufsausbildung absol-
vierte er in der Folge nicht; vielmehr wollte er wegen Geldproblemen der Familie
sofort voll arbeiten gehen. Er war bei diversen Arbeitgebern als Lagerist tätig und
verdiente monatlich zwischen ca. Fr. 3'800.– und Fr. 4'200.– netto, zuletzt bei ...
in Spreitenbach zu einem monatlichen Einkommen von Fr. 4'200.–. Diese Stelle
wurde ihm ca. per Juli 2015 gekündigt (Urk. 70 S. 20 Rz. 107), nachdem er vom
28. Oktober 2014 bis zum 25. September 2015 (vgl. Urk. 72) in Untersuchungs-
haft gesessen hatte. Vor der Untersuchungshaft lebte der Beschuldigte abwech-
selnd bei seinem Bruder an der ...gasse in Zürich, bei seiner Schwester, die be-
reits verheiratet sei und ein Kind und eine eigene Wohnung habe, und ab und zu
auch bei seiner Mutter, und gab ab und zu monatlich zwischen Fr. 700.– und
- 22 -
Fr. 1'000.– an die Wohnkosten ab. Heute lebt er mit seiner Mutter zusammen.
Diese bezahlt die Miete von Fr. 1'700.–; der Beschuldigte gibt ihr "etwas ab". Am
17. Mai 2016 hat er eine von einem Temporärbüro vermittelte Anstellung bei ...
als Lagerist bzw. Staplerfahrer angetreten. Er erklärte, nachher eine Festanstel-
lung in Aussicht zu haben. Der Beschuldigte hat ungefähr Fr. 5'000.– Schulden in
Form von unbezahlten Krankenkassenprämien. Die Beziehung zu G._ zer-
brach während der Untersuchungshaft; eine neue Freundin hat der Beschuldigte
nicht (Urk. 5/7 Ziff. 96 ff.; Urk. 20/9 S. 4 f.; Urk. 60 S. 1 ff.; Prot. II S. 8 ff.). Aus den
persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten ergeben sich keine strafzumes-
sungsrelevanten Faktoren.
b) Gemäss Strafregisterauszug (Urk. 67) wurde der Beschuldigte mit Strafbefehl
der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 6. Juli 2011 wegen Verletzung und
grober Verletzung der Verkehrsregeln (begangen am 20. und 4. Oktober 2009)
sowie Tätlichkeiten (begangen am 20. Oktober 2009) zu einer bedingten Geld-
strafe von 20 Tagessätzen zu je Fr. 100.–, unter Ansetzung einer zweijährigen
Probezeit, sowie zu einer Busse von Fr. 900.– verurteilt. Diese im Fall der Tätlich-
keiten einschlägige Vorstrafe wirkt sich mit Bezug auf die heute zu beurteilende
versuchte schwere Körperverletzung leicht straferhöhend aus.
c) Was das Geständnis des Beschuldigten angeht, so hat er nur jene Sachver-
haltselemente des Anklagesachverhalts 2.1. eingestanden, die ihm auch aufgrund
des Untersuchungsergebnisses, insbesondere der belastenden Aussagen der
Mitbeschuldigten, hätten nachgewiesen werden können. Wenn die Verteidigung
einwendet, dass sich der Beschuldigte hinsichtlich der Körperverletzung im Park
nur bruchstückhaft erinnern könne und nur deshalb kein umfassenderes Ge-
ständnis abgelegt habe (Urk. 96 S. 5 Rz. 15 ff.), so kann ihr nicht gefolgt werden.
Es ist, wie bereits erwähnt (vgl. Erw. 3.4.1. lit. e) zweitletzter Absatz), nicht von
einem Alkoholisierungsgrad des Beschuldigten auszugehen, der eine schwere
Trübung seines Erinnerungsvermögens zur Folge gehabt hätte. Dass dies auch
tatsächlich nicht der Fall war, zeigen die Aussagen des Beschuldigten: So konnte
er anlässlich der ersten polizeilichen Einvernahme vom 28. Oktober 2014 den
Vorfall ziemlich genau umschreiben – und sprach im Übrigen auch nur davon,
- 23 -
dass er "angetrunken" gewesen sei (Urk. 5/1 Ziff. 16). Erst als er nach seiner kon-
kreten Tatbeteiligung gefragt wurde, führte er aus, dass er es nicht mehr "genau"
wisse und "viel getrunken" habe (Urk. 5/1 Ziff. 17). Auch auf die Frage, wer wem
den ersten Schlag gegeben habe, lautete die erste Antwort des Beschuldigten,
dass er es nicht mehr "genau" wisse. Dennoch war er in der Lage, gleich darauf
weitere konkrete Details zu schildern (Urk. 5/1 Ziff. 18). Es ist deshalb davon aus-
zugehen, dass der Beschuldigte nicht aufgrund von Gedächtnislücken, sondern
vielmehr zu seinem eigenen Schutz an den passenden Stellen (vgl. z.B. auch
Urk. 5/1 Ziff. 25, 31) fehlendes (genaues) Erinnerungsvermögen geltend machte.
Das Geständnis des Beschuldigten ist deshalb nur leicht strafmindernd zu be-
rücksichtigen. Was sein Nachtatverhalten angeht, so ergriff er nach dem Vorfall
auf der ... vom 20. September 2014 die Flucht. Hingegen stellte er sich in der Fol-
ge aufgrund eines Vorführungsbefehls für den 28. Oktober 2014 am Vormittag
desselben Tages freiwillig bei der Polizei, nachdem ihn sein Bruder entsprechend
telefonisch informiert hatte (Urk. 20/1; Urk. 20/2; Urk. 5/1 Ziff. 4 ff.). Eine Rolle
dürfte hierbei möglicherweise gespielt haben, dass am selben Tag auch seine
Freundin G._ an ihrem Wohnort verhaftet wurde (Urk. 1/3 S. 3). Jedenfalls
wirkt sich das sich Stellen des Beschuldigten strafmindernd aus. Was echte Reue
und Einsicht ins Unrecht der Tat angeht, so versuchte der Beschuldigte insbeson-
dere zu Beginn der Untersuchung, die Schuld auf die anderen Beteiligten , so z.B. anlässlich der Haftanhörung vom 30. Oktober 2014 ("Ich hoffe,
dass Sie die anderen gefunden haben. Ich war normal mit meiner Freundin im Park am Trinken. Dann kamen sechs bis sieben Leute. Diese Leute machen mir das Leben schwer, sie waren es",
Urk. 20/9 S. 2). Anlässlich der Berufungsverhandlung hat er indessen zumindest
mündlich seiner Reue und der Hoffnung, dass es dem Opfer besser gehe, Aus-
druck gegeben (Prot. II S. 15 und 20). Den Genugtuungsentscheid der Vorinstanz
hat der Beschuldigte anerkannt. Zahlungen an den Privatkläger hat er bis anhin
jedoch keine geleistet.
3.4.3. Fazit
Zusammenfassend ist von der vorgenannten Einsatzstrafe von rund 52 Monaten
auszugehen. Unter Berücksichtigung der weiteren vorerwähnten Strafzumes-
- 24 -
sungsfaktoren, bei denen die sich strafmindernd auswirkenden Elemente (Ge-
ständnis, Stellen bei der Polizei, Reue, Anerkennung des vorinstanzlichen Genug-
tuungsentscheids) die straferhöhend zu veranschlagenden Umstände (Vorstrafe)
überwiegen, erschiene für die versuchte schwere Körperverletzung allein eine
Strafe von rund 44 Monaten Freiheitsstrafe angemessen.
3.5. Einbruchdiebstahl (Anklagevorwurf 2.2.1.-2.2.5.; ND 2)
3.5.1. Tatkomponente
a) Bezüglich der Beteiligung des Beschuldigten am eingeklagten Einbruchdieb-
stahl vom 5./6. Dezember 2009 ist in objektiver Hinsicht festzuhalten, dass der
Vorfall nunmehr bereits rund sieben Jahre zurückliegt und eine Beute von ledig-
lich Fr. 600.– erzielt wurde. Durch das Aufbrechen der Sitzplatztüre des Geschä-
digten I._ entstand andererseits ein relativ hoher Sachschaden von
Fr. 3'500.– (Beschädigung des Türstocks, des Türblatts und der darin eingelasse-
nen Glasscheibe). Das unerlaubte Eindringen auch des Beschuldigten A._ in
die Liegenschaft und damit in die Privatsphäre der geschädigten Person geht so-
dann grundsätzlich mit deren Verlust des Sicherheitsgefühls einher. Der konkrete
Tatbeitrag des Beschuldigten A._ lag einerseits im Transport der Haupttäter-
schaft zum Tatort, andererseits stand er Wache, als der Einbruch stattfand. Sein
Tatbeitrag war somit nicht unerheblich, wäre die Haupttäterschaft doch ohne sei-
nen Fahrdienst nicht so einfach und schnell an den Tatort gekommen bzw. hätte
sie ihn nicht so einfach und schnell wieder verlassen können und wäre sie ohne
sein Wachestehen unter Umständen bei ihren kriminellen Machenschaften er-
wischt worden. Der Beschuldigte erhielt für seine Dienste keinen Anteil an der
Beute, sondern nur ein Benzingeld von Fr. 30.– bis Fr. 40.– (ND 2 Urk. 10;
Urk. 5/7 Ziff. 43 ff.; Urk. 60 S. 11).
b) In subjektiver Hinsicht handelte der Beschuldigte vorsätzlich und spontan. Als
Motiv drängen sich finanzielle Interessen und jugendlicher Leichtsinn auf.
c) Strafmindernd ist zu berücksichtigen ist, dass der Beschuldigte bei der Bege-
hung des Diebstahls und der Sachbeschädigung nur als Gehilfe der Haupttäter-
- 25 -
schaft fungierte (Art. 25 StGB). Das Tatverschulden ist insgesamt als noch leicht
zu qualifizieren.
3.5.2. Täterkomponente
a) Aus den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten ergeben sich keine
strafzumessungsrelevanten Faktoren (vgl. oben E. 3.4.2. lit. a)).
b) Betreffend den Einbruchdiebstahl vom 5./6. Dezember 2009 gilt der Beschul-
digte als nicht vorbestraft, da er diesen beging, bevor der Strafbefehl vom 6. Juli
2011 eröffnet wurde. Dies ist, da Vorstrafenlosigkeit als Normalfall zu gelten hat,
grundsätzlich neutral zu werten (BGE 136 IV I).
c) Bei Anklagesachverhalt 2.2. wurde der Beschuldigte erst dann – und erst nach
Rücksprache mit seinem Verteidiger – geständig, als ihm seine am Tatort vorge-
fundenen DNA-Spuren vorgehalten wurden (ND 2 Urk. 7 Ziff. 12). Das Geständnis
ist deshalb nur leicht strafmindernd zu werten.
3.5.3. Fazit
Zusammenfassend ist die Strafe unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips
um rund 3 Monate zu erhöhen.
3.6. Fahren ohne Führerausweis oder trotz Entzugs (Anklagevorwurf 2.2.6.,
ND 8)
3.6.1. Tatkomponente
a) Zur objektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass der Beschuldigte seinen Per-
sonenwagen Audi S3 Quattro trotz Entzug seines Führerausweises zwischen dem
5. und 6. Dezember 2009 – mithin wiederum vor bereits rund sieben Jahren –
vom ...-Park oder ... Park in die Nähe der Liegenschaft des Geschädigten
I._ und von dort wieder wegführte.
b) In subjektiver Hinsicht ist zu beachten, dass der Beschuldigte Kenntnis über
den Entzug seines Führerausweises hatte (Urk. 5/7 S. 13; ND 8 Urk. 1 S. 10
Ziff. 68 ff.) und sich dennoch entschied, sein Fahrzeug für Transportdienste der
- 26 -
Haupttäterschaft des Einbruchdiebstahls zu benützen und damit direktvorsätzlich
gegen das Gesetz zu verstossen. Das Tatverschulden ist als noch leicht zu quali-
fizieren.
3.6.2. Täterkomponente
a) Aus den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten ergeben sich keine
strafzumessungsrelevanten Faktoren (vgl. oben E. 3.4.2. lit. a)).
b) Auch betreffend die Fahrt trotz entzogenen Führerausweises vom 5./6. Dezem-
ber 2009 gilt der Beschuldigte als nicht vorbestraft, da er diese beging, bevor der
Strafbefehl vom 6. Juli 2011 eröffnet wurde. Dies ist wiederum grundsätzlich neut-
ral zu werten (BGE 136 IV I).
c) Auch hier wirkt sich das Geständnis des Beschuldigten mit Verweis auf
E. 3.5.2. lit. c) nur leicht aus.
3.6.3. Fazit
Zusammenfassend ist die Strafe unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips
um rund einen Monat Freiheitsstrafe zu erhöhen.
3.7. Gesamtwürdigung
Im Rahmen der Gesamtwürdigung ist von der vorgenannten Einsatzstrafe von
rund 44 Monaten Freiheitsstrafe für die versuchte schwere Körperverletzung aus-
zugehen, die infolge Asperation wegen der übrigen Delikte um insgesamt 4 Mona-
te auf 48 Monate zu erhöhen ist. Der Beschuldigte ist somit mit 48 Monaten bzw.
4 Jahren Freiheitsstrafe zu bestrafen.
3.8. Untersuchungshaft
Der Anrechnung der erstandenen Untersuchungshaft von insgesamt 333 Tagen
(28. Oktober 2014, 10.40 Uhr, bis 25. September 2015, 17.30 Uhr) steht nichts
entgegen (Art. 51 StGB; Urk. 20/2 S. 1; Urk. 72 S. 3).
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4. Vollzug
Da der Beschuldigte zu einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren verurteilt wird, ist ein
bedingter oder teilbedingter Strafvollzug schon aus objektiven Gründen nicht
möglich (vgl. Art. 42 f. StGB), weshalb die Freiheitsstrafe zu vollziehen ist.
5. Kostenfolgen
5.1. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unter-
liegt mit seinen Anträgen vollumfänglich. Dementsprechend sind ihm die Kosten
des Berufungsverfahrens aufzuerlegen.
5.2. Die Kosten der amtlichen Verteidigung im zweitinstanzlichen Verfahren
sind auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Rückzahlungspflicht bleibt vorbehalten
(Art. 426 Abs. 1 StPO; Art. 135 Abs. 4 StPO).
5.3. Die Kosten für die unentgeltliche (vgl. Urk. 18/2) Verbeiständung der Pri-
vatklägerschaft im Berufungsverfahren wurden vorliegend auf Fr. 746.30 beziffert
(Urk. 95) und erscheinen in dieser Höhe angemessen. Die beschuldigte Person
trägt diese Kosten nur, wenn sie sich in günstigen wirtschaftlichen Verhältnissen
befindet (Art. 426 Abs. 4 StPO). Das ist wie vorstehend erläutert (vgl. Erw. 3.4.2.
lit. a)) beim Beschuldigten nicht der Fall. Der auf ihn entfallende Kostenanteil, der
auf rund drei Viertel bzw. Fr. 559.30 zu bemessen ist, ist demzufolge auf die Ge-
richtskasse zu nehmen. Der Restbetrag entfällt auf den Mitbeschuldigten C._
(Prozess-Nr. SB150513-O).