Decision ID: badbc1b8-77e5-5a8b-8141-1156cb6c0c39
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein syrischer Staatsangehöriger arabischer Ethnie,
verliess im März 2012 sein Heimatland und reiste nach Jordanien, wo er
mit seinen Eltern sowie seinen Geschwistern vom UNHCR am 5. August
2013 registriert und am 21. Februar 2017 als Flüchtling anerkannt wurde.
Am 22. August 2017 stellte das UNHCR (Büro für die Schweiz und Liech-
tenstein) ein Ersuchen um Aufnahme in die Schweiz an das SEM.
B.
Am 20. November 2017 wurde der Beschwerdeführer im Rahmen des Re-
settlement-Ersuchens des UNHCR in Amman in Jordanien vom SEM an-
gehört.
C.
Mit Verfügung des SEM vom 23. Februar 2018 wurde die Einreise in die
Schweiz bewilligt, welche am 27. Februar 2018 erfolgte. Am 23. März 2018
stellte der Beschwerdeführer ein Asylgesuch in der Schweiz und wurde am
5. April 2018 zu seiner Person und summarisch zu seinen Asylgründen be-
fragt (Befragung zur Person [BzP]).
D.
Mit Verfügung vom 4. Mai 2018 wurde dem Beschwerdeführer, seinen El-
tern und den Geschwistern Asyl nach Art. 56 Abs. 1 AsylG gewährt.
E.
Mit Eingabe vom 22. April 2020 reichte der Beschwerdeführer ein Gesuch
um Familienzusammenführung im Sinne von Art. 51 AsylG für seine Ehe-
frau B._ (nachfolgend G.A.) beim SEM ein. Dem Gesuch wurden
die Kopie des Passes von G. A., eine Kopie eines Visumantrags für Jorda-
nien (datiert vom 17. August 2017) sowie die Ablehnung desselben (datiert
vom 27. August 2017), eine Kopie inklusive Beglaubigung und Überset-
zung einer Vollmacht (datiert vom 18. September 2017), die Kopie inklu-
sive Beglaubigung und Übersetzung des Ehescheins vom 19. September
2017 sowie das Original des Familienbüchleins inklusive Übersetzung vom
12. November 2017 beigelegt.
F.
Mit Entscheid des SEM vom 18. Mai 2020 – eröffnet am 19. Mai 2020 –
wurde die Einreise von G. A. nicht bewilligt und ihr Asylgesuch wurde ab-
gelehnt.
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G.
Mit Eingabe vom 18. Juni 2020 (Datum Poststempel) erhob der Beschwer-
deführer – handelnd durch seine Rechtsvertreterin – Beschwerde gegen
die vorinstanzliche Verfügung und beantragte, die Verfügung der Vor-
instanz sei aufzuheben, G. A. sei die Einreise in die Schweiz zu bewilligen,
sie als Flüchtling anzuerkennen und ihr sei Asyl zu gewähren. Als Eventu-
alantrag wurde das Begehren gestellt, die Sache zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht beantragte der Be-
schwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege und die Einsetzung der
rubrizierten Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin. Der Be-
schwerde wurden folgende Beweismittel beigelegt: eine Kopie eines Arzt-
berichts vom 15. Mai 2019 inklusive deren Übersetzung, datiert vom
12. Juni 2020 (Beilagen 2 und 3) sowie eine Kopie des Ehevertrages vom
30. November 2011 inklusive deren Übersetzung vom 12. Juni 2020 (Bei-
lagen 4 und 5).
H.
Mit Zwischenverfügung vom 25. Juni 2020 wurde das Gesuch um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen, das Gesuch um
unentgeltliche Rechtsverbeiständung abgewiesen und der Beschwerde-
führer aufgefordert, innert dreissig Tagen nach Erhalt der Verfügung die in
der Beschwerde in Aussicht gestellten Beweismittel inklusive deren Über-
setzung in einer der Amtssprachen einzureichen.
I.
Mit Eingabe vom 27. Juli 2020 legte der Beschwerdeführer das Original
des Arztberichtes vom 15. Mai 2019 (Beilage 7), das Original des Ehever-
trages vom 30. November 2011 (Beilage 8), ein Schreiben von G.A. inklu-
sive Übersetzung (Beilagen 9 und 10), eine Kopie der Zulassung zur Uni-
versität in Amman vom 16. August 2017 (Beilage 11), verschiedene
Screenshots von Nachrichten auf WhatsApp des Beschwerdeführers und
G.A. (Beilage 13) sowie einen Screenshot des Facebook-Profils von G.A.
(Beilage 14) zu den Akten.
J.
Mit Zwischenverfügung vom 17. August 2020 wurde die Vorinstanz zur Ver-
nehmlassung eingeladen, welche mit Eingabe vom 20. August 2020 ein-
ging.
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Seite 4
K.
Mit der Replik vom 9. September 2020 wurden Fotos des zerstörten Hau-
ses der Familie von G.A. (Beilage 16), ein Schreiben des Schwiegervaters
von G.A. inklusive einer deutschen Übersetzung (Beilagen 17 und 18), ein
Screenshot des Facebook-Profils des Beschwerdeführers (Beilage 19) so-
wie eine Kostennote eingereicht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.1
Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer-
den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den Be-
hörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwal-
tungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von
Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-
ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe-
rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
1.3 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des Asylgesetzes in Kraft getreten
(AS 2016 3101), welche für das vorliegende Verfahren gilt (vgl. Abs. 2 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September
2015).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
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richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten von Flüchtlingen und
ihre minderjährigen Kinder als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl,
wenn keine besonderen Umstände dagegensprechen. Anspruchsberech-
tigte Personen nach Art. 51 Abs. 1 AsylG haben gemäss Art. 51 Abs. 4
AsylG einen Anspruch auf Erteilung einer Einreisebewilligung, sofern sie
sich noch im Heimatstaat oder im Ausland aufhalten und durch die Flucht
des in der Schweiz asylberechtigten Flüchtlings getrennt wurden (vgl.
BVGE 2012/32 E. 5.1). Die Erteilung einer Einreisebewilligung setzt eine
vorbestandene Familiengemeinschaft sowie die fest beabsichtigte Famili-
envereinigung in der Schweiz voraus. Zweck der Bestimmung von Art. 51
Abs. 4 AsylG ist folglich einzig die Wiedervereinigung von im Zeitpunkt der
Flucht aus dem Heimatstaat vorbestandenen Familiengemeinschaften
(vgl. BVGE 2018 VI/6 E. 5.1 m.w.H.). Als «Zeitpunkt der Flucht» gilt bezüg-
lich der Familiengemeinschaft die asylrechtlich relevante Ausreise aus dem
Heimatland.
3.2 Eine wesentliche Bedingung zur Gewährung des Familienasyls stellt
eine vorbestandene Familiengemeinschaft dar, sofern die Gemeinschaft
einzig aufgrund der Fluchtumstände und somit unfreiwillig getrennt wurde.
Neben Ehegatten und minderjährigen Kindern sind ebenfalls Personen von
eingetragenen Partnerschaften und in dauernder eheähnlicher Gemein-
schaft zusammenlebende Personen anspruchsberechtigt (Art. 1a Bst. e
der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV1, SR 142.311]). Die Vo-
raussetzung für den Einbezug in das Familienasyl nach Art. 51 AsylG setzt
jedoch voraus, dass die Eheschliessung auch im Ausland anerkannt wird
und nicht gegen den Ordre Public verstösst (vgl. Art. 27 Abs. 1 und Art. 45
IPRG [SR 291]). Das Familienasyl dient nicht der Aufnahme von vor der
Flucht noch gar nicht gelebten familiären Beziehungen oder der Wieder-
aufnahme von zuvor abgebrochenen Beziehungen (vgl. BVGE 2018/VI, E.
5.1 – 5.3; BVGE 2012/32, E. 5.4. m.w.H.).
3.3 Beim Gesuch um Erteilung einer Einreisebewilligung zwecks Familien-
asyl ist das Bestehen der Voraussetzungen nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen (vgl. Art. 7 AsylG).
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4.
4.1 Der Beschwerdeführer machte in seinem Gesuch geltend, er kenne
G. A. bereits seit 2008 aus der gemeinsamen Schulzeit. Die traditionelle
Eheschliessung sei im November 2011 erfolgt. Da er im Frühling 2012 mit
seiner Familie das Land habe verlassen müssen, da er vom Militär gesucht
worden sei, habe die Eheschliessung nicht mehr amtlich registriert werden
können. Eine gemeinsame Flucht der Eheleute sei für G. A. zu gefährlich
gewesen, weshalb sie in Syrien geblieben sei. Die darauffolgenden sechs
Jahre habe er in Jordanien gelebt und gearbeitet. Das Ehepaar habe täg-
lich über Skype, WhatsApp, Facebook und Instagram Kontakt miteinander
gepflegt. Verschiedene Versuche der Wiedervereinigung seien gescheitert,
wie dies etwa der von den jordanischen Behörden abgelehnte sowie zu
den Dokumenten gereichte Visumsantrag vom 27. August 2017 für G. A.
belege. Aufgrund seiner Abwesenheit und der schwierigen Lage in Syrien
habe die Ehe erst am 19. September 2017 amtlich eingetragen werden
können. Im Rahmen der Anhörung des Resettlement-Programms habe er
nicht erwähnt, dass er verheiratet sei, weil seine Ehefrau im Zeitpunkt der
Anhörung nicht bei ihm gewesen und er davon ausgegangen sei, dass
diese unter diesen Umständen nicht mit ihm hätte in die Schweiz reisen
können. Obwohl er sich umgehend nach seiner Einreise in die Schweiz
über eine Familienvereinigung erkundigt habe, sei er dabei nicht unter-
stützt worden, weshalb er das Gesuch erst jetzt einreiche.
4.2 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Entscheid im Wesentli-
chen damit, dass der Beschwerdeführer gemäss Aktenlage im Zeitpunkt
der Flucht aus Syrien weder verheiratet gewesen sei, noch in einer ehe-
ähnlichen Gemeinschaft gelebt habe. Die geltend gemachte traditionelle
Eheschliessung vom November 2011 sei als Schutzbehauptung zu werten.
Gemäss der Anhörung im Rahmen des Resettlements habe er angegeben,
ledig zu sein. Zwar habe er eine Freundin erwähnt, jedoch explizit verneint,
dass es sich dabei um eine seriöse Beziehung handle. Weiter habe er an-
gegeben, dass weder eine Verlobung noch eine Heirat geplant sei. Vor die-
sem Hintergrund könne nicht davon ausgegangen werden, dass er zu die-
sem Zeitpunkt verheiratet gewesen sei oder in einer eheähnlichen Gemein-
schaft mit G. A. gelebt habe. Die eingereichten Dokumente würden weder
eine Eheschliessung noch eine gelebte eheähnliche Gemeinschaft vor sei-
ner Flucht aus Syrien im Jahr 2012 belegen. Bestenfalls würde eine ge-
schlossene Fernheirat am 12. November 2017 nach seiner Ausreise aus
Syrien durch den eingereichten Eheschein und das Familienbüchlein be-
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legt. Eine Trennung durch Flucht sei somit nicht gegeben und die Voraus-
setzungen für eine Familienvereinigung im Sinne von Art. 51 AsylG nicht
erfüllt.
4.3 In der Beschwerde wird geltend gemacht, dass der Beschwerdeführer
seit seinem 16. Lebensjahr eine Beziehung zu G. A. gehabt habe, welche
sehr bald zu einer festen Beziehung geworden sei. Im Januar 2011 sei G.
A. schwanger geworden, habe eine Fehlgeburt erlitten und er habe sie zum
Arzt begleitet. Dies gehe aus dem eingereichten Arztbericht hervor. Im No-
vember desselben Jahres habe sich das Paar dann in einer Moschee
trauen lassen. Aufgrund der Flucht des Beschwerdeführers nach Jordanien
im Februar 2012 habe die Ehe nicht amtlich registriert werden können. Da
die Lebensumstände in Jordanien schwierig gewesen seien, eine Ausreise
von G. A. als zu gefährlich betrachtet worden sei und weil die Grenzen
zwischen Syrien und Jordanien oftmals geschlossen gewesen seien, habe
G. A. nicht mit ihrem Ehemann zusammenleben können. Schliesslich sei
es erst im September 2017 möglich gewesen, die Ehe registrieren zu las-
sen. Beide Ehepartner hätten seit Frühling 2012 täglichen Kontakt über
verschiedene soziale Medien gehabt und seien einander auch durch die
durch Flucht verursachte Trennung stets treu geblieben. Durch die im Rah-
men der Beschwerde eingereichten Dokumente sei die Ehe, welche bereits
im November 2011 erfolgt sei, glaubhaft dargelegt worden. Schliesslich sei
dem Schreiben von G.A. zu entnehmen, dass die Ehe wegen ihrer dama-
ligen Minderjährigkeit noch nicht habe registriert werden können.
Aus Angst, im Rahmen des Resettlement-Programms nicht mit seiner Fa-
milie in die Schweiz einreisen zu dürfen, habe der Beschwerdeführer die
Ehe mit G. A. verneint. Nach seiner Einreise in die Schweiz habe er falsche
Informationen zur Familienzusammenführung erhalten, man habe ihn dar-
über in Kenntnis gesetzt, dass er ein solches Gesuch lediglich im Rahmen
des AIG stellen könne. Aus diesem Grund sei sein Gesuch erst so spät
eingegangen.
4.4 Die Vorinstanz erläuterte in ihrer Vernehmlassung, dass der Ehevertrag
sowie der Arztbericht lediglich in Kopie vorliegen würden, womit den Doku-
menten grundsätzlich nur geringe Beweiskraft zukomme. Es sei notorisch,
dass im Kontext von Syrien amtliche Dokumente gegen Bezahlung leicht
erhältlich gemacht werden könnten, weshalb auch die Originale kaum Be-
weiswert aufweisen würden. Zudem mangle es an zusätzlichen substanzi-
ierten Hinweisen auf eine vorbestandene sowie gelebte Gemeinschaft,
welche durch Flucht getrennt worden sei.
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4.5 Der Beschwerdeführer entgegnete in seiner Replik, das Argument der
Vorinstanz, dass praktisch alle syrischen Dokumente gegen Entgelt erhält-
lich seien, sei zu pauschal. Beim eingereichten Arztbericht, woraus unter
Anderem der verbotene, voreheliche Geschlechtsverkehr figuriere, handle
es sich um ein Dokument, über welches die Familienangehörigen des Be-
schwerdeführers und diejenigen seiner Partnerin nichts wissen würden.
Wie der Beilage entnommen werden könne, sei der Arztbericht direkt an
die Rechtsvertreterin gesendet worden. Wäre die Absicht vorhanden ge-
wesen, ein Beweismittel zu fälschen, hätte es sich dabei nicht um ein solch
heikles Dokument gehandelt, welches einen Verstoss gegen das Sharia-
Recht darstelle. Aufgrund des Status als anerkannter Flüchtling könne der
Beschwerdeführer die Dokumente beim syrischen Konsulat in der Schweiz
nicht auf ihre Echtheit prüfen lassen. Es sei nochmals zu erwähnen, dass
der Beschwerdeführer und seine Partnerin alles unternommen hätten, um
ihre vorbestanden Beziehung zu belegen. Da das Haus der Familie von G.
A. zerstört worden sei – was aus den beigelegten Fotos hervorgehe – seien
auch die Hochzeitsfotos zerstört worden. Zudem erkläre auch der Vater
des Beschwerdeführers im beigelegten Schreiben, dass die Eheschlies-
sung aufgrund der Minderjährigkeit von G.A. im Jahr 2011 noch nicht habe
amtlich registriert werden können.
5.
5.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt zum Schluss, dass die vor-
instanzliche Verfügung zu stützen ist und die Voraussetzungen für das Fa-
milienasyl nach Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG nicht erfüllt sind.
Die Vorinstanz hat in ihrer Verfügung zutreffend festgehalten, dass der Be-
schwerdeführer weder eine Ehe noch eine im Heimatland vorbestanden
Familiengemeinschaft hat glaubhaft machen können. So fällt auf, dass er
sowohl anlässlich der Registrierung beim UNHCR vom 5. August 2013 so-
wie bei der Flüchtlingsanerkennung durch das UNHCR vom 21. Februar
2017 (vgl. A2/13), als auch an der Anhörung des UNHCR-Resettlements
Ersuchens vom 20. November 2017 in Amman (vgl. A9/7, F32) und anläss-
lich der BzP vom 5. April 2018 (vgl. B5/10, F1.14) angab, ledig respektive
nicht verlobt zu sein respektive keine seriöse Beziehung zu führen. Seine
Begründung, aus Angst, nicht mit seinen Eltern und Geschwistern in die
Schweiz einreisen zu können, seinen wahren Zivilstand verschwiegen zu
haben, überzeugt nicht. Zwar wurde er anlässlich der Anhörung vom
20. November 2017 darüber informiert, dass bei einer Änderung seines Zi-
vilstands sein Dossier möglicherweise bei den Schweizer Behörden neu
einzureichen sei und er deshalb nachvollziehbarerweise befürchtete, nicht
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mit seiner Familie in die Schweiz einreisen zu können. Diese Bedenken
erklären jedoch den Umstand nicht, weshalb er seine angebliche Ehe be-
reits bei der Registrierung bei der UNHCR im August 2013 respektive Feb-
ruar 2017 sowie nach seiner Einreise in die Schweiz an der BzP verleug-
nete, zumal zu diesem Zeitpunkt kein Grund für eine Verheimlichung der-
selben vorgelegen hat.
Sodann vermag auch der eingereichte Ehevertrag vom November 2011
keine gültige Ehe zu belegen, zumal die Anerkennung der syrischen Ehe-
schliessung in drei Schritten erfolgt und nicht mit dem Ehevertrag abge-
schlossen ist. Das Vorhandensein eines Ehevertrags ist erst die erste Vo-
raussetzung, um in der Folge die Ehe beim Scharia-Gericht registrieren
lassen zu können, wobei dies durch einen stellvertretenden Richter zu er-
folgen hat und zudem das einzige anerkannte Verfahren (für Muslime) dar-
stellt, um eine Ehe in Syrien gesetzlich anerkennen zu lassen. In einem
letzten Schritt ist das Scharia-Gericht verpflichtet, innerhalb von zehn Ta-
gen eine Kopie des Ehevertrags an die Zivilstandsabteilung zu senden,
welche in der Folge die Ehe registriert und ein Familienbüchlein ausstellt.
Sodann ist festzuhalten, dass das gesetzliche Mindestalter zur Eheschlies-
sung für Frauen 17 Jahre beträgt, wobei Mädchen bereits ab 13 Jahren
einen Antrag vor dem Gericht stellen können (vgl. https://landinfo.no/wp-
content/uploads/2018/10/Report-Syria-Marriage-legislation-and-traditions-
22082018.pdf, S 8-11, abgerufen am 24. September 2020). Vorliegend
wurde der eingereichte Ehevertrag zwar im November 2011 unterzeichnet,
jedoch geht daraus nicht hervor, dass er anschliessend von einem Sharia-
Gericht oder einem Richter unterzeichnet wurde. Aus den Akten ist ersicht-
lich, dass eine richterliche Unterschrift erst am 30. Oktober 2017 erfolgte.
Das Argument von G.A. sowie ihrem Schwiegervater, eine Registrierung
habe aufgrund der Minderjährigkeit von G.A, welche zum damaligen Zeit-
punkt 17 Jahre und sechs Monate alt gewesen war, nicht erfolgen können,
erstaunt vor dem Hintergrund, dass das syrische Gesetz dies ausdrücklich
vorsieht. Auch die Erklärung, der Beschwerdeführer habe aufgrund seiner
Flucht und seiner Landesabwesenheit die Ehe nicht eintragen lassen kön-
nen, vermag nicht zu überzeugen, zumal er nicht erklären konnte, weshalb
es gerade im September 2017 mittels einer Vollmacht möglich gewesen
war, das Eheverfahren trotz seiner Abwesenheit abwickeln zu können.
Fraglich bleibt ausserdem, ob der Beschwerdeführer und G.A. durch Flucht
getrennt wurden. So geht aus den Akten nicht hervor, dass das Paar vom
Zeitpunkt des Ehevertrags im November 2011 bis zur Ausreise des Be-
https://landinfo.no/wp-content/uploads/2018/10/Report-Syria-Marriage-legislation-and-traditions-22082018.pdf https://landinfo.no/wp-content/uploads/2018/10/Report-Syria-Marriage-legislation-and-traditions-22082018.pdf https://landinfo.no/wp-content/uploads/2018/10/Report-Syria-Marriage-legislation-and-traditions-22082018.pdf
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schwerdeführers im März 2012 zusammen in einem gemeinsamen Haus-
halt gelebt hätte. Der eingereichte Arztbericht ist nicht geeignet, eine ehe-
liche Gemeinschaft respektive das Vorhandensein eines gemeinsamen
Haushalts zu belegen. Daneben ist die Voraussetzung der unfreiwilligen
Trennung nicht erfüllt. Aus dem Schreiben von G.A. und dem Schwieger-
vater geht vielmehr hervor, dass eine Trennung auf freiwilliger Basis er-
folgte, indem die Eheleute beschlossen hätten, dass G.A. zuerst ihr Stu-
dium abschliessen würde, bevor sie dem Beschwerdeführer nach Jorda-
nien nachreisen würde. Sodann überzeugt das Argument des Beschwer-
deführers, eine Reise wäre für G.A. zu gefährlich gewesen, vor dem Hin-
tergrund, dass seine Eltern und beiden Brüder rund ein Jahr nach seiner
eigenen Flucht aus Syrien im Februar 2013 ausgereist sind, nicht (vgl.
A2/13). Angesichts der vorangehenden Erwägungen ist von einer freiwilli-
gen, sechsjährigen Trennung des Paares auszugehen. Die eingereichten
Auszüge der Chatverläufe auf WhatsApp und Instagram belegen zwar ei-
nen regen Kontakt, vermögen jedoch weder eine Ehe noch eine vorbestan-
dene gelebte Gemeinschaft zu beweisen. Sodann ist festzustellen, dass
der Beziehungsstatus auf Facebook-Profilen jederzeit eigenhändig ange-
passt sowie verändert werden kann und somit über keinerlei Aussagekraft
verfügt. Schliesslich bildet die Tatsache, dass der Beschwerdeführer erst
ein Jahr und elf Monate nach dem Erhalt des Asyls in der Schweiz ein Ge-
such um Familienzusammenführung beantragt hat, ein weiteres Anzeichen
für eine nicht gelebte Ehe. Seine Erklärung, im Zusammenhang mit dem
Familiennachzug falsch informiert worden zu sein, überzeugt auch hier
nicht.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer und G.A.
nicht glaubhaft eine vor der Flucht bestandene und durch die Flucht ge-
trennte gültige sowie gelebte Ehe darzulegen vermochten.
5.2 Die Voraussetzungen der asylrechtlichen Familienzusammenführung
sind somit nicht erfüllt und die Vorinstanz hat zu Recht das Gesuch um
Einreisebewilligung zugunsten von B._ und um ihren Einbezug in
die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 51
Abs. 1 und 4 AsylG abgelehnt.
5.3 Dem Beschwerdeführer steht die Möglichkeit offen, bei den zuständi-
gen kantonalen Migrationsbehörden ein Gesuch um Familiennachzug ge-
stützt auf Art. 44 AIG (SR 142.20) einzureichen (vgl. BVGE 2017 VI/4 E. 3.1
m.H.a. BGE 139 I 330 E. 1.3.2 ff).
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6.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem jedoch das mit der
Beschwerde eingegangene Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege mit Verfügung vom 25. Juni 2020 gutgeheissen wurde, wer-
den keine Verfahrenskosten auferlegt.
(Dispositiv nächste Seite)
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