Decision ID: 850601f3-ad26-4aeb-90a9-a7d03ff44e21
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._ war zuletzt als Plattenleger und Geschäftsführer bei der B._
AG tätig und bei der SUVA obligatorisch unfallversichert. Am 19. Oktober
2016 erlitt er in den Ferien in Italien einen Verkehrsunfall mit einem Quad-
Fahrzeug, wobei er beim Ausweichen eines entgegenkommenden
Fahrzeugs eine Böschung hinunterstürzte, von seinem Quad fiel und
gegen Bäume und Äste prallte. Im Rahmen der ärztlichen Erstversorgung
in Italien wurde eine Platzwunde an der linken Stirn genäht. Die
Erstbehandlung erfolgte am 24. Oktober 2016 durch den Hausarzt, Dr.
med. C._, welcher u.a. eine Commotio cerebri sowie eine HWS-
Distorsion diagnostizierte und eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
bescheinigte. Eine CT-Untersuchung am 25. Oktober 2016 zeigte keine
intracranielle Blutung sowie keine Frakturen an Schädel und HWS. Der
Neurologe Dr. med. D._ diagnostizierte in seinem Bericht vom 19.
Januar 2017 namentlich eine LTHV (= leichte traumatische
Hirnverletzung) bei Verkehrsunfall, persistierende Kopfschmerzen sowie
subjektiv Raumunsicherheit und Gedächtnisprobleme. Nachdem das am
23. Januar 2017 durchgeführte MRI des Kopfes keinerlei posttraumatische
Läsionen gezeigt hatte, befürwortete Dr. med. D._ am 27. Januar
2017 im Prinzip einen langsamen beruflichen Wiedereinstieg in nächster
Zukunft. Am 14. Februar 2017 erfolgte zudem eine neurootologische
Abklärung durch Dr. med. E._, welcher weder im peripher-
vestibulären noch im cochleären System eine Störung erkannte. Im
Zwischenbericht vom 19. Juni 2017 stellte Dr. med. C._ bei
diagnostizierten chronisch anhaltenden anfallsartigen
Spannungskopfschmerzen und Schwindelbeschwerden gesamthaft einen
stark zögerlichen Heilungsverlauf fest, befand die Prognose langfristig
aber trotzdem als gut. In ihrer neuropsychologischen Abklärung vom 16.
November 2017 diagnostizierten die Dres. phil. F._ und G._
unspezifische, nicht valide quantifizierbare kognitive Defizite bei Vorliegen
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einer nicht-authentischen Leistungspräsentation. Im Bericht vom 16.
Februar 2018 führte Dr. med. D._ aus, er sei hinsichtlich der
Kopfschmerzen mit der Einschätzung der Rehaklinik Bellikon, dass hier
ein Medikamentenübergebrauch (MÜKS) vorliege, einverstanden. In
weiteren Untersuchungen fand er keine Hinweise für eine epileptische
Störung.
2. In ihrem Bericht vom 4. Oktober 2018 diagnostizierte Dr. med. H._,
Leitende Ärztin Neurologie, Parasomnien, ein Restless Legs-Syndrom,
eine bekannte Schlafapnoe sowie multifaktorielle Durchschlafstörungen.
Im folgenden Bericht vom 8. November 2018 wies sie nach der
durchgeführten Polysomnographie eine vorwiegend obstruktive
Schlafapnoe schweren Grades und nur noch einen Verdacht auf ein
Restless Legs-Syndrom aus.
3. Am 14. Mai 2019 bestätigte der Kreisarzt Dr. med. I._ die gesamte
fachärztliche Abklärung der beklagten Beschwerden und das Erreichen
des Endzustandes.
4. Mit Verfügung vom 21. Mai 2019 stellte die Schweizerische
Unfallversicherungsanstalt (SUVA) die Versicherungsleistungen mangels
Adäquanz der organisch nicht hinreichend nachweisbaren Beschwerden
per 31. Mai 2019 ein.
5. Gegen diesen Entscheid erhob A._ am 21. Juni 2019, bzw.
ausführlich begründet am 16. September 2019, Einsprache, die mit
Einspracheentscheid vom 1. Oktober 2019 abgewiesen wurde.
6. Dagegen liess A._ (nachfolgend Beschwerdeführer) am 1. November
2019 beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden Beschwerde
erheben und neben der Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheids und der Verfügung vom 21. Mai 2019 beantragen,
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es seien ihm die gesetzlichen Leistungen zukommen zu lassen. Eventuell
sei eine umfassende Expertise über die erlittene Gehirnverletzung
(insbesondere deren Schweregrad) einzuholen. Der Beschwerdeführer
monierte im Wesentlichen, dass die bestehenden Kopfschmerzen, die
subjektive Raumunsicherheit sowie die Konzentrations- und
Gedächtnisprobleme seien laut Akten, insbesondere gemäss Triage der
J._, als unfallkausal zu betrachten. Die unfallkausale strukturelle
Schädigung sei ohne jede Begründung verneint und die fachärztliche
Abklärung der unfallbedingten Beschwerden (Kopfschmerzen,
Schwindelgefühle, Konzentrations- und Erinnerungsschwächen) bestätigt
worden, obwohl dies nicht der Fall sei. Die einzige Begründung, wonach
eine Commotio cerebri vorliege, weshalb gemäss Urteil des
Bundesgerichts 115 V 133 eine neue Beurteilung des Leistungsanspruchs
vorzunehmen sei, sei nicht ausreichend. Es stehe vorliegend ein
Unfallereignis des mittleren Schwere-Bereichs im Raum, bei dem sich die
Frage der Adäquanz nicht alleine aufgrund des Unfalls schlüssig
beantworten lasse, sondern vielmehr eine Würdigung der direkten und
indirekten Folgen vorzunehmen sei, welche nur den Schluss auf eine
Adäquanz zuliesse. Der Beschwerdeführer sei vor dem Unfall ein
kerngesunder und fleissiger Unternehmer und Geschäftsmann ohne
Schlafprobleme, kognitive Defizite, Kopfschmerzen, etc. gewesen. Die
Tatsache, dass entgegen den Erwartungen sämtlicher Fachärzte die
Schmerzsymptome und die kognitiven Defizite sich nicht abgebaut hätten,
sondern vielmehr persistierten und teilweise zugenommen hätten, stelle
die Diagnose einer simplen Commotio cerebri in Frage.
7. In der Beschwerdeantwort vom 16. Januar 2020 schloss die SUVA
(nachfolgend Beschwerdegegnerin) unter Verweis auf den
Einspracheentscheid vom 1. Oktober 2019 auf Abweisung der
Beschwerde. Sie führte im Wesentlichen ergänzend an, dass kein
unfallkausales, klar fassbares somatisches Korrelat vorliege, welches die
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vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden zu erklären vermöchte.
Es mangle somit an einer organisch unfallkausalen Grundlage, weshalb
kein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen den somatisch nicht
objektivierbaren Beschwerden und dem Unfallereignis gegeben sei. Auch
die Adäquanz liege nicht vor, so dass es damit insgesamt an einem
Kausalzusammenhang fehle und damit spätestens ab 31. Mai 2019 keine
Leistungspflicht mehr bestanden habe. Das Einholen einer
psychiatrischen Expertise sei nicht angezeigt, da weder Anhaltspunkte für
eine psychische Problematik im Krankheitssinne vorlägen noch eine
solche etwas daran ändern könnte, dass der adäquate
Kausalzusammenhang ohnehin verneint werden müsste.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, den angefochtenen
Entscheid sowie die übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 1. Oktober 2019. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) i.V.m.
Art. 56 Abs. 1 und Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann
gegen einen Einspracheentscheid innert 30 Tagen seit seiner Eröffnung
Beschwerde an das Versicherungsgericht desjenigen Kantons erhoben
werden, in welchem die versicherte Person im Zeitpunkt der
Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Der Beschwerdeführer wohnt
im Kanton Graubünden, womit die örtliche Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden gegeben ist. Dessen
sachliche Zuständigkeit ergibt sich aus Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2
lit. a des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG;
BR 370.100). Als formeller und materieller Adressat des angefochtenen
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Einspracheentscheids ist der Beschwerdeführer davon überdies berührt
und weist ein schutzwürdiges Interesse an dessen gerichtlicher
Überprüfung auf (Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde ist somit – vorbehältlich nachfolgender
Erwägung 1.2 – einzutreten (vgl. Art. 60 und 61 ATSG).
1.2. Der Beschwerdeführer beantragt die Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheids vom 1. Oktober 2019 (Akten des
Beschwerdeführers [Bf-act.] 1, Akten der Beschwerdegegnerin [Bg-act.]
188) sowie die Aufhebung der diesem Entscheid zugrunde liegenden
Verfügung vom 21. Mai 2019 (Bg-act. 170). Diesbezüglich gilt es zu
beachten, dass gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtes
der Einspracheentscheid an die Stelle der zugrunde liegenden Verfügung
tritt und damit alleiniger Anfechtungsgegenstand des
Beschwerdeverfahrens bildet. Mit dem Erlass des Einspracheentscheids
verliert die Verfügung – soweit angefochten – jede rechtliche Bedeutung
(BGE 130 V 424 E.2.1.2.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_539/2014 vom
18. Dezember 2014 E.2.1). Soweit der Beschwerdeführer vorliegend also
auch die Verfügung vom 21. Mai 2019 anficht, ist darauf nach dem
Gesagten nicht einzutreten.
2. Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin die aufgrund des Unfalls vom
19. Oktober 2016 erbrachten Leistungen zu Recht per 31. Mai 2019
eingestellt hat.
3. Nach den Akten der Beschwerdegegnerin hat sich der Beschwerde- und
Behandlungsverlauf wie folgt zugetragen:
3.1. Gemäss UVG-Schadenmeldung ereignete sich der Unfall am 19. Oktober
2016 in Italien. Demgemäss war der Beschwerdeführer abends mit dem
Quad auf einer Bergstrasse unterwegs wobei er beim Ausweichen eines
entgegenkommenden Fahrzeugs eine Böschung hinunterstürzte, von
http://links.weblaw.ch/de/BGE-131-V-407 http://links.weblaw.ch/de/9C_539/2014
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seinem Quad fiel und gegen Bäume und Äste prallte. Dabei erlitt er diverse
Verletzungen, einen Schnitt links im Gesicht, eine Hirnerschütterung,
sowie Schürfungen und Prellungen am ganzen Körper (Bg-act. 1).
3.2. Anlässlich der Erstbehandlung am 24. Oktober 2016 diagnostizierte
Hausarzt Dr. med. C._ gestützt auf seine Untersuchung eine
Commotio cerebri, eine HWS-Distorsion sowie multiple Prellungen am
Rumpf, an den oberen Extremitäten und im Beckenbereich; er beschrieb
den unauffälligen Röntgenbefund der HWS sowie nach CT des Schädels
und der HWS keine intracranielle Blutung oder Frakturen. Dies bestätigte
er mit Arztzeugnis vom 9. November 2016 (Bg-act. 12). Nach Angaben
des Beschwerdeführers lag nach dem Unfall keine Bewusstlosigkeit vor
(Bg-act. 12). Die Therapie bestand vorerst aus Schonung und
symptomatischer Schmerzbehandlung. Dem Beschwerdeführer wurde
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit rückwirkend ab 19. Oktober 2016
zunächst bis 5. November 2016, danach verlängert bis 26. März 2017,
bescheinigt (Bg-act. 2, 9, 12, 50).
3.3. Im Zwischenbericht vom 21. Dezember 2016 wies Dr. med. C._ bei
den bekannten Diagnosen darauf hin, dass der Beschwerdeführer
anhaltende Dauerkopfschmerzen, deren Intensität jedoch abgenommen
habe, sowie Gedächtnisprobleme beklage. Klinisch neurologisch seien
keine Auffälligkeiten objektivierbar; bekanntlich sei die durchgeführte CT
des Schädels am 25. Oktober 2016 unauffällig gewesen. Der Hausarzt sah
eine volle Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ab Januar 2017 vor; er
erwartete keinen bleibenden Nachteil (Bg-act. 24, 28).
3.4. Dr. med. D._, Facharzt für Neurologie, diagnostizierte am 19. Januar
2017 namentlich eine LTHV bei Verkehrsunfall, persistierende
Kopfschmerzen sowie subjektive Raumunsicherheit und
Gedächtnisprobleme. Dazu hielt er fest, aufgrund der Persistenz der
Beschwerden, der kleinen, aber bemerkbaren Defizite in der klinischen
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Untersuchung sowie der Auffälligkeiten im EEG, sei eine MR-Diagnostik
durchzuführen. Anders als Dr. med. C._, der anamnestisch keine
Bewusstlosigkeit beschrieb, soll der Beschwerdeführer gegenüber Dr.
med. D._ beschrieben haben, er sei kurz oder länger bewusstlos
gewesen (Bg-act. 35).
3.5. Im am 23. Januar 2017 durchgeführten MRI des Schädels beurteilte
Dr. med. K._ das Gross- und Kleinhirn als unauffällig ohne fokale
Atrophie, keine Hämosiderinartefakte oder Glioseherde und ohne
Hinweise für ein stattgehabtes Subduralhämatom; auch die übrigen
Befunde waren regelrecht (Bg-act. 32).
3.6. Am 27. Januar 2017 führte Dr. med. D._ in seinem Bericht aus,
erfreulicherweise seien im MRI des Kopfes vom 23. Januar 2017 keinerlei
posttraumatische Läsionen darstellbar und auch kleinere strukturelle
Verletzungen ausgeschlossen worden, weshalb die Prognose sehr gut sei.
Die chronifizierten Kopfschmerzen seien ein Problem, weshalb weitere
Abklärungen empfohlen würden. Dr. med. D._ befürwortete im
Prinzip einen langsamen beruflichen Wiedereinstieg in nächster Zukunft
(Bg-act. 36).
3.7. Im Bericht vom 2. März 2017 stellte Dr. med. E._, Facharzt für Hals-,
Nasen- und Ohrenkrankheiten, eine Normakusis sowie keine
Anhaltspunkte für peripher-vestibuläre Funktionsstörungen fest.
Insgesamt lasse sich eine Störung weder im peripher-vestibulären noch
im cochleären System in den durchgeführten Untersuchungen finden.
Aufgrund der Anamnese und der Vorgeschichte handle es sich am
ehesten um ein post-commotionelles Syndrom. Da der Patient über eine
langsame Besserung berichte, sei davon auszugehen, dass sich dieses in
den nächsten ein bis zwei Monaten bessern sollte. Daneben bestehe noch
ein Unsicherheitsgefühl und Hinweise für einen Höhenschwindel, den der
Beschwerdeführer zuvor nie gehabt hätte. Eine organische Störung liege
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in diesem Sinne nicht vor. Es handle sich eher um eine Angststörung, die
möglicherweise durch das Unfallereignis ausgelöst worden sei (Bg-act.
44).
3.8. In einer biomechanischen Kurzbeurteilung (Triage) vom 20. März 2017
hielten die Dres. L._, M._ und N._ der J._ zum
Unfallereignis fest, aus biomechanischer Sicht ergebe sich ein
bedeutsamer Kopfanprall. Die anschliessend an das Ereignis
festgestellten von der HWS ausgehenden Beschwerden und Befunde
seien durch die Kollisionseinwirkung eher erklärbar. Die Beurteilung "eher
erklärbar" bedeute, dass die Beurteilenden aufgrund gewisser
Unsicherheiten in der technischen Bewertung und/oder den medizinischen
Akten in der biomechanischen Beurteilung nicht zu einem eindeutigen
Ergebnis kämen. Die Beschwerden seien jedoch eher mit dem zur Rede
stehenden Ereignis als durch andere Faktoren zu erklären (Bg-act. 49
S. 3 f.).
3.9. Im Zwischenbericht vom 16. Mai 2017 berichtete Dr. med. C._, dass
der Beschwerdeführer anlässlich der Kontrolle vom 8. Mai 2017 immer
noch über anhaltende Kopfschmerzen, insbesondere auch nachts
auftretend, geklagt habe. Daneben bestünden gelegentlich auch etwas
Schwindelbeschwerden. Am 27. März 2017 habe der Beschwerdeführer
die Arbeit zu 50 % aufgenommen. Da die Prognose langfristig doch gut
sein werde und therapeutisch keine weiteren Optionen ausser einer rein
symptomatischen Therapie bestünden, hätten Dr. med. C._ und der
Beschwerdeführer entschieden, dass Letzterer ab dem 9. Mai 2017 die
Arbeit wieder zu 100 % aufnehme (Bg-act. 56, 59).
3.10. Weil sich im Verlauf aber wieder anhaltend akut auftretende,
migräneartige Kopfschmerzen zeigten, hielt Dr. med. C._ in seiner
Stellungnahme vom 14. Juni 2017 eine volle Arbeitsfähigkeit für nicht
möglich. Der Beschwerdeführer müsse jeweils drei- bis viermal
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wöchentlich den Arbeitsort wegen hochakuter Kopfschmerzen verlassen
und sich für Stunden wieder hinlegen. Demnach bestehe rückwirkend ab
dem 15. Mai 2017 erneut eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % (Bg-act. 61,
64, 67).
3.11. Gemäss Zwischenbericht von Dr. med. C._ vom 19. Juni 2017 müsse
bei diagnostizierten chronisch anhaltenden anfallsartigen Spannungskopf-
schmerzen und Schwindelbeschwerden gesamthaft von einem stark
zögerlichen Heilungsverlauf betreffend den Folgeschäden im
Zusammenhang mit der erlittenen Commotio cerebri gesprochen werden.
Langfristig dürfte die Prognose aber trotzdem gut sein (Bg-act. 65). Dem
Beschwerdeführer bescheinigte er am 27. Oktober 2017 eine
Arbeitsunfähigkeit von 70 % ab dem 30. Oktober 2017 (Bg-act. 129).
3.12. In ihrem neuropsychologischen Bericht vom 16. November 2017 führten
die Dres. phil. F._ und G._ in anamnestischer Hinsicht aus, der
Beschwerdeführer berichte von chronischen Kopfschmerzen. Sie würden
jeweils unmittelbar beginnen, träten aber bei kognitiver Anstrengung
vermehrt auf. In der Regel könne er sie mittels Einnahme von Analgetika
gut kontrollieren. Falls keine Medikamente zur Verfügung stünden, käme
es zu schmerzbedingter Übelkeit, manchmal gefolgt von Erbrechen. Die
Auftretenshäufigkeit der Kopfschmerzen habe sich in den letzten ein bis
zwei Monaten etwas verbessert. So nehme er seit ein bis zwei Monaten
nur noch zwei- bis dreimal pro Woche Analgetika ein. Wenn er bei der
Arbeit schwere Dinge heben müsse, komme es zu einem Schwindelgefühl
und nach zwei bis drei Arbeitstagen öfters zu einem Gefühl der
Überforderung. Kognitive Einschränkungen bestünden bei Schmerzen, so
könne er sich dann schlecht konzentrieren. Seine Ehefrau bemerke
ausserdem, dass sein Gedächtnis seit dem Unfall schlechter sei. Zur
Symptomvalidierung führten die Dres. phil. F._ und G._ aus, in
einem von zwei durchgeführten Verfahren zur Überprüfung der
Leistungsmotivation sei es zu einer Überschreitung des Grenzwertes
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gekommen. Zudem hätten sich klinisch Auffälligkeiten (Tendenz zum
frühzeitigen Aufgeben, Weiterführung der Aufgaben trotz berichteter
zunehmender Kopfschmerzen problemlos möglich) sowie
Leistungsschwankungen in der formalen Prüfung (z.B. deutlich
schwankende Reaktionszeiten in einer einfachen Reaktionsaufgabe)
gezeigt. In ihrer Beurteilung führten die Dres. phil. F._ und G._
aus, formal fänden sich schwankende Leistungen und teilweise
mittelschwere bis schwere Defizite in Teilbereichen der Aufmerksam-
keits-, Gedächtnis- und exekutiven Funktionen. Im Zusammenhang mit
einem auffälligen Resultat in einem Performancevalidierungsverfahren
sowie in Tests eingebettetem Indikator für eine reduzierte
Leistungsmotivation seien die obigen Resultate jedoch als nicht valide und
nicht repräsentativ für die effektive kognitive Leistungsfähigkeit zu
betrachten. Die vorliegenden medizinischen Befunde (CT und MRI)
wiesen auf keine durch den Unfall bedingte hirnorganische Schädigung
hin. Die Prognose einer leichten traumatischen Hirnverletzung (LTHV) sei
üblicherweise gut; in der Mehrheit der Fälle bildeten sich die kognitiven
Defizite nach spätestens drei Monaten vollständig zurück. Anamnestisch
ergäben sich keine psychischen Faktoren, welche die persistierenden
Beschwerden erklären könnten. Die Dres. phil. F._ und G._
diagnostizierten unspezifische, nicht valide quantifizierbare kognitive
Defizite bei Vorliegen einer nicht-authentischen Leistungspräsentation.
Die Funktionsfähigkeit im Alltag und Beruf hielten sie für nicht beurteilbar.
Im Vordergrund stünden die chronischen Kopfschmerzen und die
eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit. Sie empfahlen einen ärztlich
betreuten Analgetika-Entzug, da bei über 13 Monate lang andauernden
Kopfschmerzen und bei bis vor kurzem täglichem Konsum von
Schmerzmedikation arzneimittelinduzierte Kopfschmerzen (MÜKS)
möglich seien. Daneben befürworteten sie eine ambulante
psychotherapeutische Behandlung für die Schmerzbewältigung (Bg-act.
89 S. 6 ff.).
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3.13. Im ergotherapeutischen Bericht vom 3. Januar 2018 der Rehaklinik
Bellikon wird berichtet, dass der Beschwerdeführer am Morgen der
Abklärung mit Kopfschmerzen aufgewacht sei. Trotz dieser
Kopfschmerzen sei die Fahrt mit dem Auto von 80 Minuten gut gegangen.
Bevor das ergotherapeutische Interview habe gestartet werden können,
habe der Beschwerdeführer ein Glas Wasser verlangt, wobei er sehr
demonstrativ ein wasserlösliches Schmerzmedikament gegen seine
Kopfschmerzen eingenommen und dazu erklärt habe, dass er ohne dieses
nicht an der Abklärung teilnehmen könne. Weshalb aber der
Beschwerdeführer bis um 8.00 Uhr nach fast 1.5 Stunden Autofahrt mit
der Einnahme gewartet habe, sei – wie die Ergotherapeutin bemerkte –
unklar. Der Beschwerdeführer habe folgende subjektiven Beschwerden
genannt: Kopfschmerzen und Schmerzen im Nackenbereich, wobei diese
schwankend seien und durchschnittlich bei 2 oder 3/10 VAS lägen,
nächtliche Lähmungen und Vergesslichkeit. Die Beschwerden hätten in
den Abklärungen nur teilweise beobachtet werden können und seien
schwierig zu objektivieren. Eine 50%ige Arbeitsfähigkeit erscheine zurzeit
angemessen und realistisch, wobei eine Steigerung angestrebt werden
sollte (Bg-act. 89 S. 7 ff.).
3.14. In ihrem neurologischen Bericht vom 3. Januar 2018 diagnostizierte
Dr. med. P._, Fachärztin für Neurologie, eine LTHV und wies darauf
hin, dass im aktuellen Verlauf die chronischen Kopfschmerzen und die
Vergesslichkeit im Vordergrund stünden. Bezüglich Kopfschmerzen
bestehe der Verdacht auf das Vorliegen von Medikamentenübergebrauch
(MÜKS). Es empfehle sich ein Absetzen unter ärztlicher Kontrolle. Vom
Patienten werde der Wunsch geäussert, das Arbeitspensum zu steigern,
weshalb eine physio- und psychotherapeutische Behandlung empfohlen
werde (Bg-act. 89 S. 10 ff.).
3.15. Am 11. Januar 2018 bestätigte Kreisarzt Dr. med. O._, dass keine
strukturelle Unfallfolge bestehe, alle geklagten Beschwerden fachärztlich
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abgeklärt seien und auch der Endzustand erreicht sei. Aus somatischer
Sicht sei eine volle Arbeitsfähigkeit gegeben (Bg-act. 91).
3.16. Am 16. Februar 2018 untersuchte Dr. med. D._ den
Beschwerdeführer erneut und führte eine EEG durch. Im Vordergrund
stand die persistierende Kopfschmerzproblematik und der Verdacht einer
MÜKS (Bg-act. 98). Am 21. Februar 2018 berichtete Dr. med. D._
sodann, dass gemäss Schlafentzugs-EEG keine Hinweise für eine
epileptische Störung bestünden (Bg-act. 99).
3.17. Am 17. September 2018 wies Dr. med. C._ eine seit 30. Oktober
2017 bestehende 70%ige Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers aus
(Bg-act. 129).
3.18. Anlässlich der Konsultation vom 4. Oktober 2018 im Kantonsspital
Graubünden, Departement Pneumologie/Schlafmedizin, gab der
Beschwerdeführer an, beim Unfall nicht bzw. höchstens wenige Sekunden
bewusstlos gewesen zu sein, es bestehe keine Amnesie für das Ereignis
(Bg-act. 135). Nach der durchgeführten Polysomnographie bestätigte Dr.
med. H._ im Bericht vom 8. November 2018 die bekannte vorwiegend
obstruktive Schlafapnoe schweren Grades. Sie erachtete einen erneuten
Versuch einer CPAP-Therapie beim Beschwerdeführer, der dazu bereit
war, als gerechtfertigt (Bg-act. 143).
3.19. Ab dem 1. Januar 2019 bis 30. September 2019 erachtete Dr. med.
C._ den Beschwerdeführer erneut als zu 50 % arbeitsunfähig (Bg-
act. 156, 158, 173, 184).
3.20. Am 14. Mai 2019 bestätigte der Kreisarzt Dr. med. I._, dass keine
unfallkausale strukturelle Schädigung vorliege und das bestehende
Schlafapnoe-Syndrom nicht unfallkausal sei. Er erachtete nun alle
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geklagten Beschwerden als fachärztlich abgeklärt und den Endzustand als
erreicht (Bg-act. 165).
4. In casu ist im Hinblick auf die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin
gemäss Art. 6 UVG bei Berufs-, Nichtberufsunfällen und
Berufskrankheiten die unfallversicherungsrechtliche Kausalität
(natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang) der geklagten
Beschwerden (persistierende Kopfschmerzen, Schwindelgefühl,
Konzentrations- und Gedächtnisprobleme) zu beurteilen. Die fehlende
Unfallkausalität der Schlafapnoe ist unbestritten. Denn nach Angaben des
Beschwerdeführers selbst wurde bereits 2013 eine obstruktive
Schlafapnoe festgestellt; eine CPAP-Therapie war damals nicht möglich
(Bg-act. 35 S. 2).
4.1. Zur Abklärung des natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs ist
die rechtsanwendende Behörde auf Unterlagen von medizinischen
Fachpersonen angewiesen (BGE 122 V 157 E.1b). Die medizinischen
Unterlagen unterliegen wie sämtliche Beweismittel in
sozialversicherungsrechtlichen Verfahren der freien Beweiswürdigung
(Art. 61 lit. c ATSG). Es gilt das gesamte Beweismaterial objektiv zu
würdigen, bei sich widersprechenden medizinischen Berichten die Gründe
anzugeben, warum auf die eine oder andere medizinische These
abzustellen ist, und zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine
zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten (BGE
143 V 124 E.2.2.2). Hinsichtlich des Beweiswertes ärztlicher
Stellungnahmen ist entscheidend, ob diese für die streitigen Belange
umfassend sind, auf allseitigen Untersuchungen beruhen, die geklagten
Beschwerden berücksichtigen, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben wurden, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchten und in den
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daraus gezogenen Schlussfolgerungen zu überzeugen vermögen (BGE
135 V 465 E.4.6, 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a). Ausschlaggebend für
den Beweiswert ärztlicher Stellungnahmen ist folglich grundsätzlich weder
die Herkunft eines Beweismittels noch dessen Bezeichnung als Bericht
oder Gutachten (BGE 125 V 351 E.3a). Dennoch hat es die
Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61
lit. c ATSG) als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen
medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen. So kommt den Berichten und Gutachten
versicherungsinterner Ärzte voller Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig
erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind
und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen. Die Tatsache
allein, dass der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum
Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität
und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer
Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung
objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche
Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht
zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Arztes allerdings ein strenger
Massstab anzulegen (BGE 125 V 351 E.3b/ee). Bestehen auch nur
geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende
Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E.8.5, 142 V 58 E.5.1 mit w.H.,
139 V 225 E.5.2).
4.2. Im Sozialversicherungsprozess tragen die Parteien in der Regel eine
Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu
Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen
Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift erst Platz,
wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des im
Verwaltungsverfahren wie auch im kantonalen
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Sozialversicherungsprozess geltenden Untersuchungsgrundsatzes
aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der
zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu
entsprechen (BGE 138 V 218 E.6; vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_17/2017 vom 4. April 2017 E.2.2).
4.3.1. Bei der Prüfung der Kausalität ist zunächst festzuhalten, dass im Bereich
organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen die Adäquanz praktisch
keine Rolle spielt, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen
Kausalität deckt (BGE 134 V 109 E.2). Im Bereich organisch nicht objektiv
ausgewiesener Gesundheitsschäden hingegen hat die Adäquanz als
rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen
Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers
grosse Bedeutung (BGE 125 V 456 E.5c). Objektivierbar sind
Untersuchungsergebnisse, die reproduzierbar und von der Person des
Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabhängig sind. Von
organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen kann somit erst dann
gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen
beziehungsweise bildgebenden Abklärungen bestätigt wurden und die
hierbei angewendeten Untersuchungsmethoden wissenschaftlich
anerkannt sind (BGE 138 V 248 E.5.1). Sind die geklagten Beschwerden
nicht in diesem Sinne objektiv ausgewiesen, so ist bei der Beurteilung der
Adäquanz vom augenfälligen Geschehensablauf auszugehen, und es sind
gegebenenfalls weitere unfallbezogene Kriterien einzubeziehen (BGE 134
V 109 E.2.1). Hat die versicherte Person bei einem Unfall ein
Schleudertrauma der Halswirbelsäule (HWS), eine dem Schleudertrauma
äquivalente Verletzung oder ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten, so ist die
sogenannte Schleudertrauma-Rechtsprechung gemäss BGE 117 V 359
E.6 und 134 V 109 E.10 anzuwenden und auf eine Differenzierung
zwischen physischen und psychischen Komponenten zu verzichten. Ist die
Schleudertrauma-Rechtsprechung nicht anwendbar, so sind grundsätzlich
- 17 -
die Adäquanzkriterien von BGE 115 V 133 E.6c/aa anzuwenden, welche
für psychische Fehlentwicklungen nach einem Unfall entwickelt wurden.
Nach dieser sogenannten Psycho-Praxis werden die Adäquanzkriterien
unter Ausschluss psychischer Aspekte geprüft (BGE 134 V 109 E.2.1 und
6.1, Urteil des Bundesgerichts 8C_441/2010 vom 23. August 2010 E.3).
4.3.2. Vorliegendenfalls fand die Psycho-Praxis Anwendung. Dies wurde vom
Beschwerdeführer nur insofern beanstandet, als dass er, statt auf BGE
115 V 133 abzustellen, auf BGE 113 V 315 hinwies, welcher jedoch mit
der objektivierenden Adäquanzprüfung gemäss jüngerem BGE 115 V 133
nicht relevant ist, erwähnt die Regeste zu BGE 115 V 133 doch explizit,
dass damit die Rechtsprechung gemäss BGE 113 V 307 präzisiert wird.
Diagnostiziert wurden dem Beschwerdeführer eine Commotio cerebri
durch den Hausarzt Dr. med. C._ (Bg-act. 12) und eine LTHV durch
den Neurologen Dr. med. D._ (Bg-act. 35). Eine Contusio cerebri,
welche unter bestimmten Umständen zur Anwendbarkeit der
Schleudertraumapraxis führt, wird nicht substantiiert geltend gemacht und
es finden sich dafür in den Akten keine Hinweise. Angesichts der
Tatsache, dass weder ein HWS-Schleudertrauma mit typischem
Beschwerdebild oder eine äquivalente Verletzung noch eine traumatische
Hirnverletzung mit genügendem Schweregrad vorlag, welche im Rahmen
der Adäquanzprüfung die Anwendung der Schleudertraumapraxis
rechtfertigen würden, ist die Anwendung der Psycho-Praxis somit nicht zu
beanstanden.
4.3.3. Wie bereits im Urteil des Verwaltungsgerichts S 20 2 vom 15. September
2020 E.4.2.3 und 4.2.5 f. (bezüglich IV-Rentenanspruch des
Beschwerdeführers) festgehalten, liessen sich die beklagten
Kopfschmerzen und kognitiven Einschränkungen trotz zahlreicher
Untersuchungen in diversen Fachdisziplinen (Neurologie,
Neuropsychologie, ORL) nicht objektivieren bzw. hinreichend organisch
nachweisen. Insbesondere ergab die Bildgebung (CT, MRI und EEG)
- 18 -
keine traumatisch bedingten Verletzungen (vgl. dazu z.B.
Abklärungsbericht Dr. med. D._ vom 27. Januar 2017 [Bg-act. 36]).
Auch die neurologischen, neurootologischen, neuropsychologischen und
ergotherapeutischen Untersuchungen ergaben keine unfallbedingten
Auffälligkeiten (vgl. Zwischenbericht Dr. med. C._ vom 21. Dezember
2016 [Bg-act. 24], neuropsychologischer Bericht der Dres. phil F._
und G._ vom 16. November 2017 [Bg-act. 16 S. 34 ff.],
ergotherapeutischer Bericht vom 3. Januar 2018 [Bg-act. 89 S. 1-3]).
Soweit der Beschwerdeführer die Diagnose einer "simplen Commotio
cerebri" in Frage stellt bzw. die persistierenden Beschwerden auf eine
Contusio cerebri zurückführt, wird dies nicht näher belegt und findet sich
auch kein Anhaltspunkt dafür in den Akten. Vielmehr diagnostizierte der
Hausarzt Dr. med. C._ bereits anlässlich der Erstbehandlung vom 24.
Oktober 2016 lediglich eine Commotio cerebri (Bg-act. 12). An dieser
Beurteilung hielt der Hausarzt in der Folge auch fest, obwohl die
Symptome beim Beschwerdeführer fortdauerten (vgl. Zwischenbericht
vom 19. Juni 2017 [Bg-act. 65]). Diese Diagnose stützte auch Dr. med.
D._ bereits am 27. Januar 2017, wonach im MRI des Kopfes auch
kleinere strukturelle Verletzungen ausgeschlossen wurden (Bg-act. 36).
Auch die vom Beschwerdeführer beklagte Schwindelproblematik wurde
medizinisch abgeklärt. So stellte Dr. med. E._ in seinem Bericht vom
2. März 2017 eine Normakusis fest und verneinte Anhaltspunkte für
peripher-vestibuläre Funktionsstörungen. Ebenso konnte hinsichtlich des
Unsicherheitsgefühls und des Höhenschwindels keine organische Störung
festgestellt werden (Bg-act. 44). Der Beschwerdeführer räumte im
Weiteren anlässlich der neurologischen Abklärung in der Klinik Bellikon
ein, dass der Schwindel nicht im Vordergrund stünde und die Episoden
deutlich rückläufig seien (vgl. neurologischer Bericht Dr. med. P._
vom 3. Januar 2018 [Bg-act. 89 S. 11]).
- 19 -
4.3.4. Rechtsprechungsgemäss kann von organisch objektiv ausgewiesenen
Unfallfolgen erst dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde
mit apparativen/bildgebenden Abklärungen bestätigt wurden und die
hierbei angewendeten Untersuchungsmethoden wissenschaftlich
anerkannt sind (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_620/2019 vom 5.
Februar 2020 E.6.2, 8C_749/2010 vom 6. Januar 2011 E.4.1,
8C_889/2008 vom 9. April 2009 E.3.3.2.2; SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81 ff;
EVGE U 479/05 E.5.4 mit Hinweisen). Insofern die geklagten
Beschwerden (Kopfschmerzen und kognitiven Einschränkungen) in casu
überhaupt "organisch" imponieren, indem sie klinisch anlässlich ärztlicher
Untersuchungen feststellbar waren, fehlt ihnen doch ein organisches
Substrat im Sinne einer strukturellen Läsion. Die genannten Befunde
können für sich allein nicht als klar ausgewiesenes organisches Substrat
der Beschwerden qualifiziert werden.
4.3.5. Ausgangspunkt der Adäquanzbeurteilung entsprechend der Psycho-
Praxis bildet das objektiv erfassbare Unfallereignis. Im Rahmen einer
objektivierten Betrachtungsweise ist zu untersuchen, ob der Unfall eher
als leicht, als mittelschwer oder als schwer erscheint, wobei im mittleren
Bereich gegebenenfalls eine weitere Differenzierung nach der Nähe zu
den leichten oder schweren Unfällen erfolgt. Massgebend für die
Beurteilung der Unfallschwere ist der augenfällige Geschehensablauf mit
den sich dabei entwickelnden Kräften und die unmittelbar beim Unfall
erlittenen Verletzungen (BGE 140 V 356 E.5.1, 115 V 133 E.6). Nicht zu
berücksichtigen sind das subjektive Erleben des Unfalls durch die
verunfallte Person und die Folgen, welche sich im Lauf der Zeit als
Reaktion auf den Unfall entwickeln (BGE 140 V 356 E.5.3, 115 V 133 E.6).
Vorliegend stufte die Beschwerdegegnerin den Unfall des
Beschwerdeführers als mittelschwer im engeren Sinne ein, was vom
Beschwerdeführer nicht bestritten wurde und nicht zu beanstanden ist (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_627/2019 vom 10. März 2020 E.5.3.3). Die
- 20 -
Adäquanz eines Kausalzusammenhanges wäre somit nur dann zu
bejahen, wenn eines der relevanten Adäquanzkriterien in besonders
ausgeprägter oder mehrere (mindestens drei) dieser Kriterien in gehäufter
Weise erfüllt wären. Der Katalog dieser Kriterien lautet wie folgt (siehe
Urteil des Bundesgerichts 8C_473/2019 vom 11. November 2019
E.5.1 ff.):
- besonders dramatische Begleitumstände oder besondere
Eindrücklichkeit des Unfalls,
- die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen,
insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische
Fehlentwicklungen auszulösen,
- ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung,
- körperliche Dauerschmerzen,
- ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich
verschlimmert,
- schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen,
- Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit.
4.3.5.1. Der Berücksichtigung des Kriteriums der besonders dramatischen
Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls liegt der
Gedanke zugrunde, dass solche Umstände geeignet sind, bei der
betroffenen Person während des Unfallgeschehens oder nachher
psychische Abläufe in Bewegung zu setzen, die an den nachfolgenden
psychischen Fehlentwicklungen mitbeteiligt sein können. Dabei sind
objektive Massstäbe anzuwenden. Nicht was im einzelnen Betroffenen
beim Unfall psychisch vorgeht – sofern sich dies überhaupt zuverlässig
feststellen liesse – soll entscheidend sein, sondern die objektive Eignung
solcher Begleitumstände, bei Betroffenen psychische Vorgänge der
genannten Art auszulösen. Zu beachten ist zudem, dass jedem
mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit eigen ist
(Urteil 8C_584/2010 vom 11. März 2011 E.4.3.2 m.w.H.). Vorliegend sind
- 21 -
keine Umstände ersichtlich, welche dem Geschehen vom 19. Oktober
2016 eine solch besondere Dramatik oder eine solch besondere
Eindrücklichkeit verliehen hätten. Der Quad-Unfall erfüllt dieses Kriterium
nicht, vergleicht man, was es hierzu gemäss höchstrichterlicher
Rechtsprechung braucht (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_473/2019
vom 11. November 2019 E.5.1; 8C_99/2019 vom 8. Oktober 2019 E.4.4.1;
8C_430/2016 vom 31. Oktober 2016 E.7.4; 8C_137/2014 vom 5. Juni
2014 E.6.1; 8C_135/2012 vom 19. September 2012 E.6.1 m.H.a. weitere
Urteile; 8C_621/2011 vom 31. Januar 2012 E.3.4.2 f. mit Kasuistik). In den
genannten Fällen kollidierten Motorräder mit einer Geschwindigkeit
zwischen 50 und 70 km/h mit Personenwagen, die in der Regel den Vortritt
missachteten. Als mittelschweres Ereignis an der Grenze zu den
schweren wurde hingegen ein Unfall qualifiziert, bei dem ein Lenker eines
Motorrades mit einem entgegenkommenden Personenwagen kollidierte
und beide Fahrzeuge mit rund 50 km/h unterwegs waren. Als besonders
erschwerendes Element kam in diesem Fall dazu, dass sowohl der
Motorradlenker als auch seine mitfahrende Freundin rund 10 m durch die
Luft geschleudert wurden (Urteile des Bundesgerichts 8C_746/2008 vom
17. August 2009 E.5.1.1 f. und 8C_134/2015 vom 14. September 2015
E.5.3.1). In dieselbe Kategorie fallen Ereignisse, bei denen ein Lenker
eines Lieferwagens am Steuer einschlief und in der Folge ungebremst mit
einem Roller zusammenstiess (Urteil des Bundesgerichts 8C_917/2010
vom 28. September 2011 E.5.3) oder ein Motorradlenker bei einer
unübersichtlichen Kurve eine Kolonne überholte und dabei mit einem
abbiegenden Traktor kollidierte (Urteil des Bundesgerichts 8C_484/2007
vom 3. September 2008 E.6.2). Gemäss höchstrichterlicher
Rechtsprechung zeigt sich, dass Kollisionen zwischen Motorrädern und
Personenwagen in der Regel als mittlere Ereignisse im engeren Sinne zu
qualifizieren sind, soweit nicht zusätzliche erschwerende Umstände wie
beispielsweise die Beteiligung einer mitfahrenden Person, das
Wegschleudern über mehrere Meter, die Grösse des Kollisionsfahrzeuges
- 22 -
oder hohe Geschwindigkeiten in Betracht zu ziehen sind. Im vorliegenden
Fall war der Beschwerdeführer jedoch weder Opfer eines
Zusammenstosses mit einem anderen Fahrzeug geworden noch wurde er
nach einer Kollision weggeschleudert. Die Beschwerdegegnerin hat daher
das Ereignis vom 16. Oktober 2016 zu Recht als Unfall mittlerer Schwere
eingestuft.
4.3.5.2. Auch das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen
Verletzungen, insbesondere ihrer erfahrungsgemässen Eignung,
psychische Fehlentwicklungen auszulösen, ist vorliegend nicht erfüllt. Eine
Commotio cerebri bzw. LTHV, eine Distorsion der Halswirbelsäule (HWS)
sowie multiple Prellungen am Rumpf, an oberen Extremitäten sowie im
Beckenbereich erfüllen dieses Kriterium rechtsprechungsgemäss nicht
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_627/2019 vom 10. März 2020 E.5.2.2).
4.3.5.3. Das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung
ist nicht allein nach einem zeitlichen Massstab zu beurteilen. Von
Bedeutung sind auch Art und Intensität der Behandlung sowie der
Umstand, inwieweit noch eine Besserung des Gesundheitszustandes zu
erwarten ist. Es muss, gesamthaft betrachtet, eine kontinuierliche, mit
einer gewissen Planmässigkeit auf die Verbesserung des
Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Behandlung von ungewöhnlich
langer Dauer vorliegen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_627/2020 vom
10. Dezember 2020 E.4.1.2). Die eigentliche Behandlung fand lediglich
beim Hausarzt Dr. med. C._ statt und ist bis im Juni 2017
ausgewiesen (Bg-act. 64, 65), was einem guten halben Jahr nach dem
Unfall entspricht. (Frühere und) Spätere ärztliche Untersuchungen stellten
lediglich Abklärungen bzw. Verlaufskontrollen dar, nicht ärztliche
Behandlungen, die kontinuierlich und planmässig auf die Verbesserung
des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers gerichtet waren. Nach
Ansicht des Gerichts hat die Beschwerdegegnerin dieses Kriterium im
Einspracheentscheid somit grosszügigerweise bejaht, wenn auch nur in
- 23 -
einfacher Form und ohne dies weiter zu begründen (vgl. Bf-act. 1 S. 12;
Bg-act. 188 S. 12).
4.3.5.4. Hinweise auf körperliche Dauerschmerzen oder eine ärztliche
Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätten,
liegen nicht vor und werden auch nicht geltend gemacht.
4.3.5.5. Aus der blossen Dauer der ärztlichen Behandlung und der geklagten
Beschwerden darf nicht schon auf einen schwierigen Heilungsverlauf und
erhebliche Komplikationen geschlossen werden. Es bedarf hierzu
besonderer Gründe, welche die Genesung bis zum Fallabschluss
beeinträchtigt
oder verzögert haben (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_123/2018 vom
18. September 2018 E.5.2.2.2, U 479/05 vom 6. Februar 2007 E.8.5; SVR
2007 UV Nr. 25 S. 81 ff.). Der Umstand, dass trotz verschiedener
Therapien keine Beschwerdefreiheit erreicht werden konnte, genügt allein
nicht (Urteil des Bundesgerichts 8C_632/2018 vom 10. Mai 2019 E.10.3).
Es liegen keine Umstände vor, die zur Bejahung dieses Kriteriums führen
könnten.
4.3.5.6. Schliesslich ist auch das Kriterium des Grads und der Dauer der physisch
bedingten Arbeitsunfähigkeit nicht erfüllt, zumal der Beschwerdeführer ab
März 2017 im Wesentlichen wieder zu 50 % arbeitsfähig war.
4.3.6. Da mithin höchstens eines der massgeblichen Adäquanzkriterien – und
dies in bloss einfacher Form – erfüllt ist, ist die Adäquanz eines
Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfallereignis vom 19. Oktober
2016 und den geltend gemachten Beschwerden zu verneinen, was die
Beschwerdegegnerin somit zu Recht tat.
4.3.7. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind nach der
Rechtsprechung alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der
- 24 -
eingetretene gesundheitliche Schaden nicht als eingetreten oder nicht als
in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten
gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die
Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass
ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher
Störungen ist. Es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit
anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der
versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht
weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene
gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E.3.1). Ob zwischen
einem Unfall und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher
Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die
rechtsanwendende Behörde im Rahmen der ihr obliegenden
Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die
blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung
eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 177 E.3.1). Beweisrechtlich
ist die Triage-Beurteilung der J._ nach deren eigenen Angaben
hinsichtlich der Beurteilung der Kausalität keine ausreichend abgesicherte
Grundlage für eine juristische Auseinandersetzung (Bg-act. 49 S. 4,
"Grenzen der Verwendbarkeit"). Dies deckt sich mit der konstanten
bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wonach eine unfalltechnische oder
biomechanische Analyse gegebenenfalls gewichtige Anhaltspunkte zur
mit Blick auf die Adäquanzprüfung relevanten Schwere des
Unfallereignisses zu liefern vermag, gestützt auf diese Unterlagen jedoch
keine Beurteilung des natürlichen Kausalzusammenhangs erfolgen kann
(vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_182/2020 vom 18. Mai 2020 E.5.3,
8C_138/2009 vom 23. Juni 2009 E.4.3.2). Solchen Unterlagen kommt
demnach beweisrechtlich nicht erhöhtes Gewicht in dem Sinne zu, dass
sich allein gestützt darauf eine Kausalitätsbeurteilung vornehmen liesse.
Vielmehr sind die physikalisch ermittelten Ergebnisse von
- 25 -
unfallanalytischen Gutachten im Rahmen einer Gesamtwürdigung aller zur
Verfügung stehenden Beweismittel zu würdigen (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_489/2013 vom 16. August 2013 E.3.2 m.H.a. BGE 134
V 109 E.8.3, 8C_590/2007 vom 6. Oktober 2008 E.6.1; SVR 2009 UV
Nr. 13 S. 52 ff.; vgl. zum Ganzen: HANS-JAKOB MOSIMANN, Der
Stellenwert von Unfallanalyse und Biomechanik für die Rechtsprechung,
SZS 2011 S. 549 ff.). Ob der Unfall des Beschwerdeführers am
19. Oktober 2016 im Sinne der vorstehenden Überlegungen natürlich
kausal war für die geklagten Beschwerden, kann angesichts der zu
verneinenden Adäquanz ohnehin offen bleiben (vgl. BGE 135 V 465
E.5.1).
5.1. Das Vorbringen des Beschwerdeführers, er sei bis zum Unfall ein
kerngesunder und fleissiger Unternehmer und Geschäftsmann gewesen,
entspricht der Argumentation "post hoc ergo propter hoc" und ist nicht
beweisrelevant (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_8/2018 vom 23. April
2018 E.3.2). Bezüglich den Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigungen, welche
allesamt auf den Hausarzt Dr. med. C._ zurückgehen, darf der
Erfahrungstatsache Rechnung getragen werden, dass behandelnde Ärzte
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in
Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. BGE 135 V
465 E.4.5, 125 V 351 E.3a/3b, Urteil des Bundesgerichts 8C_673/2018
vom 13. Dezember 2018 E.3.4).
5.2. Inwiefern die leichte traumatische Hirnverletzung zu psychiatrisch
relevanten Beschwerden geführt haben soll, wozu der Beschwerdeführer
eine Expertise verlangt, ist nicht erkennbar, zumal die geklagten
Beschwerden von persistierenden Kopfschmerzen, subjektiver
Raumunsicherheit, Schwindelgefühl, Konzentrations- und
Gedächtnisproblemen keine psychiatrischen Beschwerdebilder darstellen
und bisher nach Aktenlage auch keine psychiatrische Behandlung
stattfand. Im LTHV-Assessment gab der Beschwerdeführer
- 26 -
Kopfschmerzen ("seien schwankend und lägen durchschnittlich bei 2 oder
3/10 VAS") und Schmerzen im Nackenbereich, nächtliche Lähmungen,
Vergesslichkeit im Alltag sowie Sorgen um die Existenz der Firma an (Bg-
act. 89 S. 6). Auch im LTHV-Assessment ergab sich bei der
neurologischen Abklärung, dass anamnestisch keine psychischen
Faktoren vorhanden sind, welche die persistierenden Beschwerden
erklären könnten (Bg-act. 89 S. 13). Der Beschwerdeführer selbst
bezeichnete anlässlich der neurologischen Untersuchung im November
2017 seinen psychischen Zustand als gut (Bg-act. 89 S. 16).
Neurologisch, neuropsychologisch und neurootologisch wurde der
Beschwerdeführer umfassend abgeklärt. Was der Beschwerdeführer sich
aus angeblich unterbliebenen Untersuchungen wie Lumbalpunktion oder
Bluttest verspricht, insbesondere in Bezug auf eine Gehirnverletzung,
welche mittels psychiatrischer Expertise festzustellen sein soll, erschliesst
sich nicht. Die getätigten Abklärungen zu den geklagten Beschwerden
erscheinen dem Gericht umfassend, vollständig und schlüssig. Zudem
würde auch eine psychiatrische Expertise im Rahmen der
Adäquanzprüfung gemäss Psycho-Praxis nichts daran ändern, dass die
Adäquanz zu verneinen wäre. Die kreisärztlichen Einschätzungen der
Dres. med. O._ und I._ sind zwar jeweils knapp aber angesichts
der umfangreichen und umfassenden Abklärungen in den Bereichen
Neurologie, Neuropsychologie und ORL nicht zu beanstanden. Auf reine
Aktenbeurteilungen – wie diejenigen der Kreisärzte Dres. med. O._
und I._ – kann abgestellt werden, wenn ein lückenloser Befund
vorliegt und es im Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an
sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_646/2019 vom 6. März 2020 E.4.3), was vorliegend
zu bejahen ist. Der Beschwerdeführer vermag sämtlichen fach- und
kreisärztlichen Einschätzungen keine anderslautende fachärztliche
Meinung entgegenzuhalten, welche jene in Zweifel ziehen würden. Die
verfügbaren Akten gestatten somit eine zuverlässige Beurteilung des
- 27 -
streitigen Rechtsanspruchs über die gesetzlichen
unfallversicherungsrechtlichen Leistungsansprüche.
5.3. Die Beschwerdegegnerin ist ihrer Abklärungspflicht demnach umfassend
nachgekommen. Dass es zur rechtserheblichen Sachverhaltserstellung
noch einer Expertise über die erlittene Gehirnverletzung, die eventuell
beantragt wird, bedarf, ist nicht ersichtlich. Deshalb kann in antizipierter
Beweiswürdigung auf eine solche verzichtet werden (vgl. BGE 144 V 361
E.6.5, 136 I 229 E.5.3).
5.4. Es ist somit rechtskonform, dass die Beschwerdegegnerin am 21. Mai
2019 die Einstellung der Versicherungsleistungen per 31. Mai 2019 sowie
keinen weiteren Anspruch auf Versicherungsleistungen verfügte und dies
mit Einspracheentscheid vom 1. Oktober 2019 bestätigte. Der
Einspracheentscheid ist somit nicht zu beanstanden. Dies führt zur
Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten ist.
6. Gemäss aArt. 61 lit. a ATSG i.V.m. Art. 83 ATSG ist das Verfahren –
vorbehältlich der mutwilligen oder leichtsinnigen Verfahrensführung – für
die Parteien kostenlos, weshalb vorliegend keine Kosten erhoben werden.
Ein Parteikostenersatz wird der obsiegenden Beschwerdegegnerin nicht
zugesprochen (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).