Decision ID: d3539b55-0939-4795-8ca9-53ba87b228cb
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._,
Beschwerdeführer,
gegen
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RAV Rapperswil-Jona, Neue Jonastrasse 59, Postfach, 8640 Rapperswil,
Beschwerdegegner,
vertreten durch Amt für Arbeit, Unterstrasse 22, 9001 St. Gallen,
betreffend
Vermittlungsfähigkeit (Vermittlungsbereitschaft/Koordination IV)
Sachverhalt:
A.
A.a B._ war vom 15. September 2003 bis zum 30. April 2007 bei der A._ als
Mitarbeiter im Kundendienst angestellt (act. G 8.1/C17; B3). Der Versicherte arbeitete
effektiv bis am 19. Oktober 2006 (act. G 8.1/C17). Er meldete sich am 13. Februar 2007
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (IV-act. 2-8). Dr. med. C._
attestierte dem Versicherten zuhanden der IV-Stelle aufgrund einer hypertensiven
Kardiomyopathie mit Rhythmusstörungen eine hundertprozentige Arbeitsunfähigkeit ab
20. Oktober 2006 bis auf weiteres (IV-act. 19-1). Der Versicherte erhielt vom 1. Mai
2007 bis zum 18. Oktober 2008 von der Schweizerischen
Mobiliarversicherungsgesellschaft Krankentaggeldleistungen (act. G 8.1/ C36-54).
A.b Am 24. Juni 2008 meldete sich der Versicherte beim Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) Rapperswil-Jona zur Arbeitsvermittlung an und
stellte am 2. Juli 2008 Antrag auf Arbeitslosenentschädigung ab 21. Oktober 2008 bei
der Kantonalen Arbeitslosenkasse (act. G 8.1/B1, B6). Dr. med. C._ stellte am 30.
September 2008 zuhanden der Arbeitslosenkasse ein Arztzeugnis aus, wonach der
Versicherte seit 20. Oktober 2006 bis auf weiteres zu 100 Prozent arbeitsunfähig sei
(act. G 8.1/C34).
B.
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B.a Die Kantonale Arbeitslosenkasse überwies dem RAV am 11. November 2008 die
Akten zum Entscheid unter Hinweis auf Zweifel an der Anspruchsberechtigung, da die
Arbeitsunfähigkeit nicht vorübergehend, sondern dauerhaft sei (act. G 8.1/A1).
B.b Mit Schreiben vom 4. Dezember 2008 teilte das RAV dem Versicherten mit, dass es
seine Vermittlungsfähigkeit und damit seinen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung
ab Antragstellung zu verneinen gedenke, und gewährte ihm diesbezüglich das
rechtliche Gehör (act. G 8.1/A2).
B.c Der Versicherte brachte mit der Stellungnahme vom 10. Dezember 2008 vor, er
habe sich nicht um eine Arbeit bemühen können, weil der Entscheid der IV-Stelle des
Kantons St. Gallen immer noch anhängig sei und er nicht wisse, wie man seine
Krankheit einstufen werde. Bei allfälligen Bewerbungen hätte er die Umstände
ansprechen müssen, dass er herzkrank sei, Medikamente einnehme und keine schwere
Arbeit ausüben könne. Deshalb seien der Berater Hr. D._ und der Versicherte zur
Ansicht gekommen, den IV-Entscheid abzuwarten. Sobald eine Entscheidung der IV-
Stelle gefallen sei, werde er sich intensiv um eine Arbeitsstelle bemühen (act. G 8.1/A3).
C.
C.a Mit Verfügung vom 14. Januar 2009 sprach das RAV dem Versicherten die
Vermittlungsfähigkeit ab Antragstellung ab. Es erwog im Wesentlichen, der Versicherte
habe seit 20. Oktober 2006 krankheitsbedingt nicht mehr gearbeitet und während
zweier Jahre Taggelder der Krankentaggeldversicherung bezogen. Dr. med. C._
bescheinige ihm durchgehend eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Der Versicherte
selbst fühle sich ausserstande, auch nur eine Teilzeittätigkeit auszuüben. Er habe sich
denn auch nie um Arbeit bemüht. Ein IV-Antrag sei pendent (act. G 8.1/A4).
C.b Gegen die ablehnende Verfügung erhob der Versicherte am 3. Februar 2009
Einsprache. Zur Begründung führte er aus, der Bericht der IV-Stelle über seine
Vermittlungsfähigkeit stehe nach zwei Jahren Krankheit immer noch aus und er habe
deswegen nicht wissen können, wie und für welche Arbeit er sich melden sollte.
Anstelle des RAV könne nur die IV-Stelle seine Vermittlungsfähigkeit einschätzen (act.
G 8.1/A6). Dazu legte der Versicherte das Arztzeugnis vom 27. Januar 2009 bei. Darin
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bestätigt Dr. med. C._, dass der Versicherte sich in den letzten zwei Jahren wegen
Herzrhythmusstörungen fünf kardialen Eingriffen unterzogen habe. Der Versicherte sei
während dieser Zeit massiv in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt und dadurch zu
100% arbeitsunfähig gewesen. Arzt und Versicherte hätten bei der IV-Stelle
erfolglos eine Umschulung auf einen leichten Bürojob beantragt, obwohl der
Versicherte grosse Motivation dazu gezeigt hätte. Aktuell gehe es dem Versicherten
nach den fünfmaligen Eingriffen am Herzen besser, so dass er für leichte
Bürotätigkeiten vermittelbar sei (act. G 8.1/A5).
D.
D.a Das RAV hielt mit Einspracheentscheid vom 25. Februar 2009 an der Verneinung
der Vermittlungsfähigkeit fest. Es argumentierte, nach dem Arztzeugnis vom 27. Januar
2009 erscheine der Versicherte medizinisch gesehen imstande, eine Stelle
anzunehmen. Solange er aber lediglich auf den ausstehenden IV- Bericht verweise und
selbst weder eine Vorstellung von möglichen Tätigkeiten habe noch sich aktiv um
Arbeit bemühe, sei fehlende Vermittlungsbereitschaft anzunehmen. Der erwartete IV-
Bericht werde sich zur Arbeitsfähigkeit äussern und könne nur ausnahmsweise oder
indirekt darauf hinweisen, welche Tätigkeiten auf dem Arbeitsmarkt als medizinisch
möglich in Betracht fallen würden. Die IV-Abklärung ändere nichts am
Gesundheitszustand und habe in diesem Sinn auch keinerlei Einfluss auf die
Vermittlungschancen. Die Invalidenversicherung und die Arbeitslosenversicherung
seien keine komplementären Versicherungszweige, die den vom Erwerbsleben
ausgeschlossenen Versicherten ermöglichen würden, sich in jedem Fall entweder auf
Invalidität oder Arbeitslosigkeit zu berufen (act. G 8.1/A7).
D.b Mit der Beschwerde vom 4. März 2009 an das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen beantragt der Versicherte sinngemäss die Aufhebung des
Einspracheentscheides und beanstandet, dass er nicht darauf hingewiesen worden sei,
sich um eine Stelle bemühen zu müssen. Sein RAV-Berater habe ihm lediglich
mitgeteilt, dass er sich bis zum Entscheid der IV-Stelle nicht um Arbeit bemühen solle.
Andererseits sei ihm immer wieder vorgeworfen worden, keine Arbeitsbemühungen
erbracht zu haben. Diesbezüglich frage er sich, wie er sich bei einem neuen
Arbeitgeber hätte vorstellen sollen. Seine Arbeitssuche erscheine aufgrund seines
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Alters von 57 Jahren und der gesundheitlichen Einschränkungen nicht gerade als
vielversprechend. Das Arztzeugnis, welches bestätige, dass er nicht arbeitsfähig
gewesen sei, sei willkürlich nicht berücksichtigt worden. Er sei weder zu faul noch
desinteressiert, um eine zumutbare Arbeit zu finden (act. G1).
D.c Mit Beschwerdeantwort vom 13. Mai 2009 beantragt der Beschwerdegegner die
Abweisung der Beschwerde. Er stellt sich im Wesentlichen auf den Standpunkt, dass
das RAV keine Veranlassung habe, pro forma Arbeitsbemühungen zu verlangen, wenn
eine versicherte Person sich nach Ausschöpfung der Krankentaggelder zur
Stellenvermittlung und zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung anmelde und
ärztliche Bescheinigungen vorlege, die eine weiterhin andauernde vollständige
Arbeitsunfähigkeit auswiesen, und überdies zu verstehen gebe, dass sie sich nicht in
der Lage fühle, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Es sei davon auszugehen, dass
die Krankentaggeldversicherung ihre Leistungen vorzeitig eingestellt oder reduziert
hätte, wenn in einer leidensadaptierten Tätigkeit eine mindestens teilweise
Arbeitsfähigkeit bestanden hätte. Der Beschwerdegegner gibt zudem zu bedenken,
dass der Beschwerdeführer sein Verhalten nicht geändert habe, obwohl ihm seit der
Aufforderung zur Stellungnahme vom 4. Dezember 2008 bekannt sei, dass die
Arbeitslosenentschädigung Vermittlungsfähigkeit bzw. Arbeitsbemühungen
voraussetze (act. G 8).
D.d Mit Replik vom 12. Juni 2009 hält der Beschwerdeführer an seiner Argumentation
fest. Der RAV-Berater habe ihm mitgeteilt, er müsse sich unter seinen persönlichen
Umständen nicht bewerben. Er wisse nicht, was er falsch gemacht habe. Entgegen
anderslautenden Äusserungen des RAV und der IV habe es keine Zusammenarbeit
zwischen der Arbeitslosenversicherung und der Invalidenversicherung gegeben. Melde
sich eine Person nach Ausschöpfung der Krankentaggelder zur Stellenvermittlung und
zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung an und lege ein Arztzeugnis vor, habe nach
Auskunft der IV-Beraterin die Arbeitslosenversicherung bis zum IV-Entscheid die
Taggelder voll zu entrichten. Der Beschwerdeführer habe bis Februar 2009 nicht
gewusst, dass er in einer adaptierten leichten Tätigkeit als arbeitsfähig eingestuft
worden sei (act. G 10).

Erwägungen:
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1.
Der Beschwerdeführer geht von der Annahme aus, die Arbeitslosenversicherung sei bis
zum IV-Entscheid vorbehaltlos verpflichtet, ihm Taggelder zu entrichten. Vorab ist
deshalb zu klären, wie die Invalidenversicherung und die Arbeitslosenversicherung in
diesem Zusammenhang zueinander stehen.
1.1 Zur Diskussion steht eine Vorleistungspflicht. Unter einer Vorleistungspflicht
versteht Art. 70 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die Pflicht zur Erbringung einer Leistung
durch eine bestimmte Sozialversicherung, bevor die Frage geklärt ist, welcher
Versicherungsträger die Leistung endgültig übernehmen muss. Vorleistungspflichtig ist
die Arbeitslosenversicherung (ALV) für Leistungen, deren Übernahme durch die
Invalidenversicherung (IV) umstritten ist (Art. 70 Abs. 2 lit. b ATSG).
1.2 Aus der Vorleistungspflicht kann jedoch nicht abgeleitet werden, dass die ALV-
Leistungen diejenigen der IV ergänzen oder automatisch zugesprochen werden, bis die
Sache bei der IV geklärt wird. Wird der Anspruch auf eine IV-Rente verneint, führt dies
nicht ohne weiteres dazu, dass der ALV-Anspruch bejaht werden muss. Der Bezug
einer ganzen Invalidenrente schliesst andererseits die Anmeldung zur
Arbeitsvermittlung beim RAV nicht grundsätzlich aus. Beide Versicherungszweige
stehen unabhängig voneinander auf gleicher Stufe und schreiben eigene
Anspruchsvoraussetzungen vor. Besonders relevant für die IV ist die Arbeits- und die
Erwerbsfähigkeit, für die ALV die Vermittlungsfähigkeit (Thomas Nussbaumer,
Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Bd. XIV
Soziale Sicherheit, 2. Aufl., Basel 2007, N 13 und 284). Der vorleistungspflichtige
Versicherungsträger erbringt gemäss Art. 71 Satz 1 ATSG die Leistungen nach den für
ihn geltenden Bestimmungen. Die Organe der Arbeitslosenversicherung beurteilen
deshalb nach eigenen gesetzlichen Vorgaben die Vermittlungsfähigkeit und sind dabei
nicht an die Beurteilung der Rentenversicherungen (Invaliden- und
Unfallversicherungen) gebunden (ARV 1998 Nr. 5 S. 33 f. E. 5c).
2.
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2.1 Die Vermittlungsfähigkeit ist eine der erforderlichen Voraussetzungen für den
Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung (Art. 8 Abs.1 lit. f des Bundesgesetzes über
die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIG; SR
837.0]). Die arbeitslose Person ist nach Art. 15 Abs. 1 AVIG vermittlungsfähig, wenn sie
bereit, in der Lage und berechtigt ist, eine zumutbare Arbeit anzunehmen und an
Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen. Die allgemeine Vermittlungsfähigkeit setzt
dann die Arbeitsfähigkeit, die Vermittlungsbereitschaft und die Arbeitsberechtigung
kumulativ voraus. Jedes dieser Elemente bezieht sich auf eine zumutbare Arbeit im
Sinne von Art. 16 AVIG.
2.2 Nach Art.15 Abs. 2 AVIG gelten auch körperlich oder geistig behinderte Personen
als vermittlungsfähig, wenn ihnen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage, unter
Berücksichtigung der Behinderung, auf dem Arbeitsmarkt eine zumutbare Arbeit
vermittelt werden könnte. Die Kompetenz zur Regelung der Koordination mit der
Invalidenversicherung ist dem Bundesrat übertragen worden. Dieser hat in Art.15 Abs.3
der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung (AVIV; SR 837.02) festgelegt, dass eine behinderte Person, die
unter der Annahme einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage nicht offensichtlich
vermittlungsunfähig ist und die sich bei der Invalidenversicherung angemeldet hat, bis
zum Entscheid der Invalidenversicherung als vermittlungsfähig gilt. Die
Verordnungsbestimmung enthält damit eine Vermutung zugunsten der
Vermittlungsfähigkeit auch und gerade wenn Zweifel über diese bestehen. Die
Bestimmung ist durch die Delegationsnorm (Art. 15 Abs. 2 Satz 2 AVIG) gedeckt,
welche gemäss Art. 191 BV von den Gerichten nicht zu überprüfen ist
(Bundesgerichtsurteil M. vom 8. Februar 2002, C 77/2001, E. 3d).
3.
Im angefochtenen Einspracheentscheid ist dem Beschwerdeführer die
Vermittlungsfähigkeit ab dem 21. Oktober 2008 abgesprochen worden. Problematisch
im vorliegenden Fall sind zwei Komponenten der Vermittlungsfähigkeit, nämlich die
Arbeitsfähigkeit und die Vermittlungsbereitschaft. Massgebend für die Beurteilung im
Beschwerdeverfahren sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass des
angefochtenen Einspracheentscheides entwickelt haben (BGE 130 V 446, E. 1.2). Es
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stellt sich die Frage, ob im massgeblichen Zeitraum vom 21. Oktober 2008 bis zum 25.
Februar 2009 der Beschwerdegegner die Vermittlungsunfähigkeit als offensichtlich
gegeben annehmen durfte. Dabei ist kumulativ zu prüfen, ob in dieser Periode von
einer offensichtlichen Arbeitsunfähigkeit und einer fehlenden Vermittlungsbereitschaft
des Beschwerdeführers auszugehen ist.
Die Vermittlungsunfähigkeit bzw. Arbeitsunfähigkeit erscheint als offensichtlich, wenn
sie aufgrund der Akten der Arbeitslosenversicherung, allenfalls gestützt auf
Ermittlungen anderer Sozialversicherungsträger oder aufgrund anderer Umstände,
ohne weitere Abklärungen ersichtlich ist. Bei erheblichen Zweifeln an der
Arbeitsfähigkeit einer arbeitslosen Person kann die kantonale Amtsstelle gemäss Art.
15 Abs. 3 AVIG eine vertrauensärztliche Untersuchung auf Kosten der
Arbeitslosenversicherung anordnen. Wird eine solche nicht durchgeführt oder ergibt sie
keine offensichtliche Vermittlungsunfähigkeit, dann kommt - auch wenn Zweifel an der
Vermittlungsfähigkeit bestehen - die Vermutung zum Tragen, wonach diese zu bejahen
ist (Bundesgerichtsurteil M. vom 8. Februar 2002, C 77/2001, E. 3d; SVR 1997 ALV Nr.
95 S. 292 f. E. 5).
3.1 Der Beschwerdeführer hat von Anfang an unter Hinweis auf ein Arztzeugnis sowohl
bei der RAV-Anmeldung als auch im Antrag auf Arbeitslosenentschädigung auf seine
gesundheitlichen Einschränkungen hingewiesen (act. 8.1/B1; C16). Das Arztzeugnis
von Dr. med. C._ vom 30. September 2008 bestätigt eine hundertprozentige
Arbeitsunfähigkeit seit 20. Oktober 2006 bis auf weiteres (act. G 8.1/C34). Dieses Attest
äussert sich allerdings nicht dazu, ob es um eine berufsbezogene oder eine allgemeine
Arbeitsunfähigkeit ging. Laut Arbeitszeugnis vom 30. April 2007 konnte der
Beschwerdeführer die ihm anvertraute, körperlich strenge Arbeit krankheitsbedingt
nicht mehr ausführen (act. G 8.1/B3). Im Arztzeugnis zuhanden des RAV vom 27.
Januar 2009 weist Dr. C._ ebenfalls auf die wegen der Herzprobleme seit zwei
Jahren bestehende Arbeitsunfähigkeit hin, führt danebst aber aus, der
Beschwerdeführer wäre nun für eine leichte Bürotätigkeit vermittelbar und eine
Umschulung sei bei der IV vor längerer Zeit beantragt worden. Bei der bescheinigten
Arbeitsunfähigkeit handelte es sich somit um eine berufsbezogene Beeinträchtigung
der Leistungsfähigkeit. Art. 6 ATSG definiert die Arbeitsunfähigkeit als die durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte
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Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten,
stellt bei langer Dauer jedoch auf die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder
Aufgabenbereich ab.
3.2 Der Beschwerdegegner argumentiert in der Beschwerdeantwort, dass die
Möglichkeit einer mindestens teilweisen Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten
Tätigkeit nicht berücksichtigt worden sei, denn wenn diese vorhanden gewesen wäre,
hätte die Krankentaggeldversicherung ihre Leistungen vorzeitig eingestellt oder
reduziert. Aus einer solchen Überlegung kann jedoch keine offensichtliche
Arbeitsunfähigkeit ab 21. Oktober 2008 abgeleitet werden. Dass beim
Beschwerdeführer keine allgemeine offensichtliche Arbeitsunfähigkeit bestand, zeigen
nicht nur der erwähnte Arztbericht des Hausarztes vom 27. Januar 2009, sondern auch
die im Beschwerdeverfahren beigezogenen IV-Akten. So hatte die zuständige IV-
Eingliederungsberaterin bereits am 29. November 2007 den Beschwerdeführer
benachrichtigt, dass er gemäss RAD-Bericht zu ca. 50% in einer angepassten Tätigkeit
arbeitsfähig sei (IV-act. 75-1). Mit der Abklärung des Gesundheitszustandes und der
Arbeitsfähigkeit beauftragte die IV-Stelle des Kantons St. Gallen sodann die
medizinische Abklärungsstelle MEDAS Ostschweiz (IV-act. 81). Das MEDAS-Gutachten
vom 29. September 2008 geht von einer vollen Arbeitsfähigkeit für körperlich nicht
belastende sitzende Tätigkeiten aus unter Vermeidung von Tragen von Lasten von
mehr als 5 Kg und Vermeiden von isometrischen Armarbeiten. Dabei sei
Wechselhaltung angesagt, während Dauerstress und verletzungsgefährdende
Tätigkeiten ungeeignet seien (IV-act. 86-41).
Auch nach den medizinischen Abklärungen im IV-Verfahren kann von einer
offensichtlichen Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers im massgeblichen Zeitraum
nicht die Rede sein.
3.3 Des Weiteren setzt die Vermittlungsfähigkeit nach dem Wortlaut von Art. 15 Abs. 1
AVIG voraus, dass die arbeitslose Person bereit ist, eine zumutbare Arbeit anzunehmen
und an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen. Gestützt auf die vormals vom
Hausarzt attestierte Arbeitsunfähigkeit (act. G 8.1/C35) gab der Beschwerdeführer im
Antrag auf Arbeitslosenentschädigung an, zur Arbeitssuche nicht bereit zu sein (act. G
8.1/C16). In den "Angaben der versicherten Person für den Monat Oktober 2008"
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kreuzte er mit einem Nein die Spalte über Arbeitssuche an (act. G 8.1/ C31).
Tatsächlich erbrachte der Beschwerdeführer keine Arbeitsbemühungen. Diese
Tatsachen scheinen auf eine fehlende Vermittlungsbereitschaft hinzuweisen.
3.3.1 Aus den Protokollen der Beratungsgespräche vom 22. Juli, 21. August, 7.
Oktober und 27. November 2008 geht allerdings hervor, dass der RAV-Berater unter
Hinweis auf die attestierte Arbeitsunfähigkeit und auf das Abwarten der IV-Abklärungen
keine Arbeitsbemühungen verlangt hat (act. G 8.1/B8, B10, B12, B16). Im Protokoll des
Beratungsgesprächs vom 11. März 2009 vermerkte er ausdrücklich, dass er den
Beschwerdeführer nie zu Arbeitsbemühungen aufgefordert habe, weil dieser bis dahin
nur Arztzeugnisse von hundertprozentiger Arbeitsunfähigkeit vorgelegt habe (act. G
8.1/B24). Von diesem Hintergrund und mit Blick auf die in Art. 27 ATSG statuierte
aufklärungs- und Beratungspflicht der Versicherungsträger kann dem
Beschwerdeführer nicht vorgeworfen werden, er habe keine Arbeitsbemühungen
erbracht.
3.3.2 Ob eine versicherte Person Vermittlungsbereitschaft aufgezeigt hat, ist aufgrund
objektiver Kriterien zu prüfen (BGE 122 V 266 f. E. 4). Die Einsicht in die IV-Akten zeigt,
dass der Beschwerdeführer nicht vermittlungsunwillig war. So hielt der Hausarzt Dr.
C._ mit Brief vom 21. Mai 2008 an die IV-Stelle fest, dass es dem Beschwerdeführer
kardial etwas besser gehe, dieser sich zu Hause wertlos fühle und wieder einer Arbeit
nachgehen wolle (IV-act. 82). Das MEDAS-Gutachten vom 29. September 2008 stellte
bei dem Beschwerdeführer eine leichtgradig ausgeprägte psychoreaktive Störung fest,
die sich allfällig leicht negativ auf seine Eingliederungsfähigkeit auswirken könne, was
aber nicht überbewertet werden solle. Der Beschwerdeführer sei eingliederungswillig,
aber sowohl körperlich als auch psychisch beeinträchtigt (IV-act. 86-23). Nach
Vorliegen des MEDAS-Gutachtens war sich die IV-Stelle selber nicht schlüssig, wie die
attestierte leidensadaptierte Tätigkeit des früheren Berufsmannes Koch und Wirt
erwerblich umgesetzt werden sollte. Die MEDAS hatte eine praktische
Arbeitserprobung in einer BEFAS empfohlen, um die komplexen Zusammenhänge
unter Arbeitsbelastung und die damit zusammenhängenden
Eingliederungsmöglichkeiten zu erfassen (IV-act. 86-22 und 89). Am 9. Februar 2009
teilte die IV-Stelle dem Beschwerdeführer mit, dass er in einer leidensadaptierten
Tätigkeit als arbeitsfähig gelte. Dabei gab der Beschwerdeführer zu bedenken, dass
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ihm schon lange die Eingliederung angekündigt worden sei (IV-act. 93). Ein
Eingliederungsplan der IV (Zielvereinbarung ohne besondere Massnahmen) wurde
allerdings erst am 19. September 2009 erstellt (IV-act. 100). Es ist nachvollziehbar,
dass der Beschwerdeführer über lange Zeit ratlos dagestanden hat. Deshalb wirkt die
Aussage des Beschwerdeführers glaubhaft, wonach er bereit gewesen sei, sich
intensiv um eine Arbeitsstelle zu bemühen, sobald der IV-Entscheid gefallen sei (act. G
8.1/A3). Vor diesem Hintergrund war der Beschwerdeführer nicht arbeitsunwillig,
sondern wollte Anordnungen der IV abwarten, die Klarheit darüber bringen würden,
welche Tätigkeiten, in welchem Umfang und unter welchen Rahmenbedingungen ihm
gesundheitlich zumutbar seien. Demnach kann dem Beschwerdeführer die
Vermittlungsbereitschaft trotz fehlender Arbeitsbemühungen gegenüber dem RAV nicht
abgesprochen werden.
4.
4.1 In Würdigung der gesamten Umstände ergibt sich, dass der Beschwerdeführer
zwischen dem 21. Oktober 2008 und dem 25. Februar 2009 nicht offensichtlich
vermittlungsunfähig war. Die Beschwerde ist deshalb unter Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheids vom 25. Februar 2009 gutzuheissen.
4.2 Gerichtkosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53