Decision ID: 3af439b3-cfea-4bf9-b456-b781eec51067
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Forderung
Berufung gegen ein Urteil des Arbeitsgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom 10. Dezember 2013 (AN130028-L)
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Rechtsbegehren: (Urk. 1 S. 2)
"1. Vorbehältlich der nachträglichen Reduktion im Falle des Antritts einer Stelle vor dem Urteilsspruch und vor dem 30. Juni 2014 sei die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger CHF 691'200 (brutto) sowie CHF 82'673.25 zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 27.  2012 zu bezahlen.
2. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger CHF 1'128.85  Zins zu 5 % seit dem 29. Januar 2013 zu bezahlen.
3. ... 4. Vorbehalten bleibt das Nachklagerecht des Klägers. 5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklag-
ten."
Urteil des Arbeitsgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom 10. Dezember 2013:
1. In teilweiser Gutheissung der Klage wird die Beklagte verpflichtet, dem Klä-
ger CHF 579'003.85 netto (CHF 539'600.– brutto abzgl. 6.25% AHV-/ALV-
Beiträge + CHF 72'000.– + CHF 1'128.85) nebst Zins zu 5% seit 26. No-
vember 2012 zu bezahlen.
2. Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.
3. Die Entscheidgebühr wird auf CHF 27'000.– festgesetzt.
4. Die Gerichtskosten werden dem Kläger zu einem Viertel und der Beklagten
zu drei Vierteln auferlegt und mit dem vom Kläger geleisteten Kostenvor-
schuss verrechnet. Die Beklagte hat dem Kläger den Betrag von
CHF 20'250.– zu erstatten.
5. Die Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger eine reduzierte Parteientschädi-
gung von CHF 15'444.– (CHF 14'300.– zuzüglich 8% MWST) zu bezahlen.
(6./7. Mitteilungen, Rechtsmittel)
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Berufungsanträge:
des Erstberufungsklägers, Zweit- und Anschlussberufungsbeklagten:
Erstberufung (Urk. 26 S. 2)
„1. Ziffer 2 des Urteil-Dispositivs des Urteils des Arbeitsgerichtes Zürich vom
10. Dezember 2013, wonach die Klage im Übrigen abgewiesen wird, sei aufzuheben;
2. Es sei die Beklagte und Berufungsbeklagte zu verpflichten, dem Kläger und
Berufungskläger zusätzlich zum Betrag in Ziffer 1 des Urteil-Dispositivs CHF 10‘673.25 zuzüglich 5% Zins seit 26. November 2012 zu bezahlen;
3. Es sei die Beklagte und Berufungsbeklagte zu verpflichten, dem Kläger und
Berufungskläger zusätzlich zum Betrag in Ziffer 1 des Urteil-Dispositivs im Sinne einer unbezifferten Forderungsklage gemäss Art. 85 ZPO mindestens CHF 46‘400 zuzüglich 5% Zins seit 26. November 2012 zu bezahlen. Die genaue Bezifferung erfolgt, sobald der Kläger und Berufungskläger dazu in der Lage ist;
4. Unter Kosten und Entschädigungsfolge (zuzüglich 8% Mehrwertsteuer) zu
Lasten der Beklagten und Berufungsbeklagten.“
Mit Eingabe vom 21. Mai 2014 präzisierte Ziff. 3 (Urk. 41/36 S. 2):
„In Konkretisierung von Ziff. 3 des Rechtsbegehrens gemäss Berufungs-
schrift vom 27. Januar 2014 sei die Beklagte und Berufungsbeklagte zu , dem Kläger und Berufungskläger zusätzlich zum Betrag in Ziff. 1 des Urteil-Dispositivs des Arbeitsgerichts Zürich vom 10. Dezember 2013 einen Betrag von CHF 142‘125.– netto (CHF 151‘600.– brutto abzgl. 6,25 % AHV-ALV-Beiträge) zuzüglich 5% Zins seit 26. November 2012 zu .“
Zweitberufung (Urk. 41/35 S. 2)
„1. Es sei die Berufung der Beklagten und Berufungsklägerin vom 27. Januar
2014 abzuweisen und das Urteil des Arbeitsgerichtes Zürich vom 10.  2013 – vorbehältlich der eigenen Berufung des Klägers und , Geschäfts-Nr. LA140002 – zu bestätigen;
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zuzüglich 8% MWST) zu Lasten
der Beklagten und Berufungsklägerin.“
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Anschlussberufung (Urk. 39 S. 2)
„1. Es sei auf die Anschlussberufung nicht einzutreten.
2. Eventuell, sofern darauf eingetreten werden sollte, sei die Anschlussberu-
fung abzuweisen und es seien die nachstehenden, unveränderten  des Klägers gemäss der Berufung vom 27. Januar 2014 und der Noveneingabe vom 21. Mai 2014 gutzuheissen;
...
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zuzüglich MWSt.) zu Lasten der
Beklagten.“
der Zweit- und Anschlussberufungsklägerin sowie Erstberufungsbeklagten:
Zweit- und Anschlussberufung (Urk. 41/26 S. 2; Urk. 35 S. 2)
„Das Urteil vom 10. Dezember 2013 des Arbeitsgerichts Zürich sei aufzuheben und die Klage des Klägers vollumfänglich abzuweisen;
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zulasten des Klägers.“
Erstberufung (Urk. 35 S. 2)
„Die Berufungsanträge des Klägers vom 27. Januar 2014 seien vollumfänglich abzuweisen;
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zulasten des Klägers.“

Erwägungen:
I.
Der Kläger ist Fussballtrainer. Die Beklagte ist verantwortlich für den Spiel-
betrieb der ersten Mannschaft des Fussballvereins B._. Am 29. Oktober
2012 schlossen die Parteien einen Arbeitsvertrag, mit dem der Kläger als vollamt-
licher Cheftrainer des B._ für ein jährliches Bruttogehalt von Fr. 288‘000.–,
Spesen von Fr. 12‘000.– und erfolgsabhängige Prämien angestellt wurde. Die
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Vertragsdauer war vom 1. Juni 2012 bis zum 30. Juni 2014 befristet. Am 26. No-
vember 2012 wurde der Kläger mündlich und mit Schreiben vom 27. November
2012 fristlos entlassen. In diesem Schreiben heisst es: „Der Grund der fristlosen
Kündigung liegt insbesondere darin, dass Sie im Anschluss an das Spiel gegen
C._ vom vergangenen Samstag, trotz bereits erfolgter schriftlicher Abmah-
nung, wiederholt und erneut schwerwiegend gegen Ihre arbeitsvertraglichen
Pflichten verstossen haben.“ Vorausgegangen war am tt. November 2012 eine
Heimniederlage des B._ gegen C._ und im Anschluss daran ein Inter-
view des Klägers am Schweizer Fernsehen, wo dieser auf die Frage, ob er bei
solchen Leistungen seinen Job in Gefahr sehe, antwortete: „Sii, ich han anderi
Sache zum Überlegge; es isch mer eigentlich gliich!“ Der Kläger ist der Auffas-
sung, er sei ungerechtfertigt fristlos entlassen worden, und macht mit der vorlie-
genden Klage Lohn inklusive Spesen und Prämien bis zum Ablauf des Arbeitsver-
trages sowie eine Strafzahlung geltend. Die Beklagte hält die Kündigung für ge-
rechtfertigt, weil der Kläger seine Pflichten verletzt und den Weisungen über die
Kommunikation nach aussen zuwidergehandelt habe.
II.
Die Klage wurde am 13. Juni 2013 bei der Vorinstanz anhängig gemacht
(Urk. 1). Der weitere Prozessverlauf vor Vorinstanz kann deren Urteil entnommen
werden (Urk. 27 S. 6 f.). Gegen dieses haben beide Parteien mit Eingabe vom 27.
Januar 2014 fristgerecht Berufung erhoben (Urk. 26 und 41/26). Die Erstberufung
des Klägers wurde unter der Geschäftsnummer LA140002-O und die Zweitberu-
fung der Beklagten unter LA140003-O angelegt. Vergleichsbemühungen der Par-
teien blieben erfolglos, und eine Vergleichsverhandlung unter Mitwirkung des Ge-
richts kam nicht zustande (Prot. II S. 4). Die Berufungsantworten datieren vom 20.
bzw. 21. Mai 2014 (Urk. 35 und 41/35). Die Beklagte hat mit der Berufungsantwort
Anschlussberufung erhoben. Die Anschlussberufungsantwort ging am 2. Juli 2014
hierorts ein (Urk. 39). Am 21. Mai 2014 machte der Kläger eine Noveneingabe, in
der er seinen Berufungsantrag Ziff. 3 präzisierte (Urk. 41/36). Diese Noveneinga-
be wurde versehentlich im Verfahren LA140003 akturiert. Die Beklagte nahm zur
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Noveneingabe mit Schreiben vom 9. Juli 2014 Stellung (Urk. 41/41). Diese Stel-
lungnahme wie auch die Anschlussberufungsantwort wurde jeder Gegenpartei
zugestellt (Urk. 40; Urk. 41/41).
III.
1. In der Berufungsschrift sind die Behauptungen bestimmt und vollständig
aufzustellen. Zudem muss sie – im Gegensatz zur Klageschrift – nicht nur eine
tatsächliche, sondern auch eine rechtliche Begründung enthalten (Reetz/Theiler,
in: ZPO-Komm. Sutter-Somm et al., Art. 311 N 36). Der Berufungskläger hat mit-
tels klarer und sauberer Verweisungen auf die Ausführungen vor der Vorinstanz
zu zeigen, wo er die massgebenden Behauptungen, Erklärungen, Bestreitungen
und Einreden erhoben hat. Es ist nämlich nicht Sache der Rechtsmittelinstanz, die
Akten und die Rechtsschriften der Vorinstanz zu durchforsten, um festzustellen,
was welche Partei wo ausgeführt hat. Damit ist gesagt, dass die Berufungsschrift
weder eine pauschale Verweisung auf die bei der Vorinstanz eingereichten
Rechtsschriften – so aber die Beklagte in Urk. 41/26 S. 3 und S. 9 Ziff. 26, ebenso
der Kläger in Urk. 41/35 S. 3 – noch eine neuerliche Darstellung der Sach- oder
Rechtslage enthalten darf, welche nicht darauf eingeht, was vor der Vorinstanz
vorgebracht worden ist. Pauschale Verweisungen auf die vor der Vorinstanz ein-
gebrachten Rechtsschriften sind namentlich dann unzulässig, wenn sich die Vor-
instanz mit den Ausführungen des Berufungsklägers auseinandergesetzt hat.
Stützt sich der angefochtene Entscheid auf mehrere selbständige Begründungen,
muss sich der Berufungskläger in der Berufungsschrift mit allen Begründungen
auseinandersetzen. Das Gleiche gilt im Falle von Haupt- und Eventualbegrün-
dung. Auch hier muss sich der Berufungskläger mit beiden Begründungen ausei-
nandersetzen (Ivo W. Hungerbühler, DIKE-Komm-ZPO, Art. 311 N 36 ff.). Zwar
prüft die Berufungsinstanz nicht nur die geltend gemachten Rügen (Rügeprinzip).
Der Berufungskläger hat sich aber mit der Begründung des erstinstanzlichen Ent-
scheids auseinanderzusetzen; das Gericht muss den angefochtenen Entscheid
nicht von sich aus auf Mängel untersuchen, es sei denn, der Sachverhalt sei ge-
radezu willkürlich festgestellt worden oder das Recht sei geradezu willkürlich an-
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gewandt worden (Reetz/Theiler, a.a.O.). Aufgrund der umfassenden Überprü-
fungsbefugnis ist die Berufungsinstanz nicht an die mit den Rügen vorgebrachten
Argumente oder an die Erwägungen der Vorinstanz gebunden, sie kann die Rü-
gen auch mit abweichenden Erwägungen gutheissen oder abweisen (vgl.
Reetz/Theiler, a.a.O., Art. 310 N 6).
Im Berufungsverfahren können neue Tatsachen nur noch berücksichtigt
werden, wenn diese ohne Verzug vorgebracht wurden und wenn sie trotz zumut-
barer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten
(Art. 317 Abs. 1 ZPO). Wer sich auf neue Tatsachen beruft, hat zu substantiieren
und zu beweisen, dass er die entsprechenden Noven unverzüglich nach ihrer
Entdeckung vorgebracht hat und dass er sie trotz Anwendung zumutbarer Sorg-
falt nicht schon vor erster Instanz hat vorbringen können (Reetz/Hilber, in: ZPO-
Komm. Sutter-Somm et al., Art. 317 N 34).
2. Die beiden selbständig eingereichten Berufungen betreffen den gleichen
Sachverhalt derselben Prozessparteien. Die beiden Verfahren sind daher gestützt
auf Art. 125 lit. c ZPO zu vereinigen.
3. Der Kläger hatte vor Vorinstanz unter Ziffer 3 seines Rechtsbegehrens
verlangt, die Beklagte sei vorbehältlich der nachträglichen Reduktion im Falle des
Antritts einer Stelle vor dem Urteilsspruch und vor dem 30. Juni 2014 zu verpflich-
ten, der angeschlossenen Ausgleichskasse zu Gunsten des Klägers die Arbeitge-
berbeiträge im Umfang von Fr. 38‘309.05 zu bezahlen (Urk. 1 S. 2). Die Vor-
instanz war mit Beschluss vom 10. Dezember 2013 auf dieses Begehren nicht
eingetreten (Urk. 27 S. 34). Dieser Beschluss blieb unangefochten und ist nicht
Gegenstand des vorliegenden Berufungsverfahrens.
4. a) Die Vorinstanz hat dem Kläger als fixes Einkommen inkl. Spesen
Fr. 475‘000.– brutto, für entgangene Prämien Fr. 64‘600.– brutto, als Strafzahlung
Fr. 72‘000.– netto und zudem Ersatz der Handykosten im Umfang von
Fr. 1‘128.85 zugesprochen (Urk. 27 S. 26 ff.). Der Kläger verlangt mit seiner Beru-
fung zusätzlich die ihm entgangenen Arbeitgeberbeiträge für die berufliche Vor-
sorge im Umfang von Fr. 10‘673.25 und zusätzliche Prämien von zunächst Fr.
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46‘400.–, dann von Fr. 151‘600.– (Urk. 26 S. 6 f. und 11; Urk. 41/36). Die Beklag-
te stellt sich in ihrer Berufung auf den Standpunkt, dass die fristlose Kündigung
gerechtfertigt gewesen sei; sie bemängelt die Qualifikation der monatlichen Spe-
senpauschale von Fr. 1‘000.– als Lohnbestandteil und übt Kritik an den vo-
rinstanzlichen Erwägungen zur Schadenminderung und zur Strafzahlung. Erst in
der Anschlussberufung legt die Beklagte dar, dass die Prämienberechnung der
Vorinstanz falsch sei, und behauptet im Zusammenhang mit der Strafzahlung, die
Vorinstanz habe nicht eine Genugtuung von etwas über anderthalb Monatslöhnen
zugesprochen, wie von ihr beabsichtigt, sondern rund 2,75 Monatslöhne.
Der Kläger ist der Auffassung, die Beklagte als selbständige Berufungsklä-
gerin sei nicht legitimiert, zusätzlich Anschlussberufung zu erheben. Das Bundes-
gericht habe dies unter den kantonalen Prozessordnungen abgelehnt, das Ober-
gericht des Kantons Zürich ausnahmsweise zugelassen, nämlich dann, wenn der
Berufungskläger im Zeitpunkt der Abfassung seiner eigenen Berufungsanträge
die Anträge der Berufungsbeklagten noch gar nicht kennen konnte. Dieser Aus-
nahmefall treffe vorliegend garantiert nicht zu. Die Beklagte habe ohne weiteres
wissen können, dass der Kläger im Falle einer Ablehnung seines Vergleichsvor-
schlags vom 17. Januar 2014 das erstinstanzliche Urteil mit selbständiger Beru-
fung quantitativ anfechten und die einzigen nicht geschützten Positionen (Scha-
denersatz aus BVG-Verlust und Prämienberechnung) zum Gegenstand seiner
Berufung machen würde. Wenn die Beklagte im Rahmen ihrer eigenen Berufung
die Prämienberechnung der Vorinstanz nicht gerügt habe, so könne sie dies nicht
auf dem Wege der Anschlussberufung nachholen (Urk. 39).
b) Nach der Lehre kann gegen eine selbständige Berufung der Gegenpartei
auch derjenige Anschlussberufung erheben, der bereits eine selbständige Beru-
fung gegen den angefochtenen Entscheid erhoben hat (ZPO-Rechtsmittel-Kunz,
Art. 313 N 17, m.w.H.). Für das bundesgerichtliche Verfahren nach dem Bundes-
gesetz über die Organisation der Bundesrechtspflege (OG) hatte das Bundesge-
richt anders entschieden (BGer 4C.276/2001, E. 1). Der Kläger verlangt die Erhö-
hung des von der Vorinstanz Zugesprochenen, während die Beklagte mit ihrer
Berufung die Abweisung der Klage verlangt. Es kann also nur eine der Hauptbe-
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rufungen ganz oder teilweise geschützt werden. Seiler verneint diesfalls für die
Anschlussberufung das Rechtsschutzinteresse, weshalb sie nicht zulässig sei. Er
weist aber auch darauf hin, dass in der Expertenkommission zur Ausarbeitung ei-
nes Vorentwurfs zur ZPO davon ausgegangen wurde, dass eine Partei auch dann
Anschlussappellation erklären könne, wenn sie selbständig appelliere oder dies
bereits getan habe (Seiler, Die Berufung nach ZPO, Zürich • Basel • Genf 2013,
N 1448). Vorliegend kann die Frage offenbleiben, weil die Beklagte mit ihren in
der Anschlussberufung neu vorgetragenen Berufungsgründen ohnehin nicht
durchdringt.
IV.
1. a) Die Vorinstanz geht davon aus, dass die Beklagte dem Kläger als
Grund für die fristlose Entlassung ein treuwidriges, illoyales und vereinsschädi-
gendes Verhalten vorwirft (Urk. 27 S. 14). Diesen Vorwurf untersucht die Vor-
instanz anhand des klägerischen Verhaltens am tt. November 2012, als der
B._ gegen C._ 0:2 verlor (Urk. 27 S. 17 ff., Erw. 4.6; dazu nachfolgend
Ziff. 3), und anhand der Verlautbarungen des Klägers während seiner Anstellung
bis zum tt. November 2012 gegenüber den Medien (Urk. 27 S. 21 ff., Erw. 4.7;
dazu nachfolgend Ziff. 2). In beiden Bereichen kommt die Vorinstanz zum
Schluss, dass dem Kläger keine Treuepflichtverletzung vorgeworfen werden
kann. Nach Auffassung der Vorinstanz stellt zudem das Schreiben der Beklagten
an den Kläger vom 21. November 2012 keine Verwarnung dar, welche es ermög-
lichen würde, eine fristlose Entlassung auch bei geringfügigeren Verfehlungen
auszusprechen (Urk. 27 S. 24, Erw. 4.8; dazu nachfolgend Ziff. 4). Die Beklagte
hält im Berufungsverfahren daran fest, dass der Kläger ihren Weisungen zuwider-
gehandelt habe. Die Vorinstanz habe die Tatsache nicht gewürdigt, dass eine
Weiterführung des Arbeitsverhältnisses absolut unzumutbar gewesen sei. Zudem
kritisiert die Beklagte die Beurteilung des vorgenannten Schreibens und des vom
Kläger am tt. November 2012 abgegebenen Interviews durch die Vorinstanz.
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b) Die rechtlichen Grundlagen für eine fristlose Entlassung hat die Vor-
instanz zutreffend dargelegt, so dass auf diese Erwägungen verwiesen werden
kann (Urk. 27 S. 12 ff., Erw. 4.3-4.5). Sie werden auch von keiner Partei bean-
standet (vgl. insb. Urk. 41/26 S. 30).
2. a) Die Vorinstanz hat unter „Vorgeschichte“ die vom Kläger gegenüber
der Presse gemachten Verlautbarungen wiedergegeben; auf diese Ausführungen
kann vorab verwiesen werden (Urk. 27 S. 8 ff., Erw. 4.1).
Die Vorinstanz fasste die „Vorgeschichte“ wie folgt zusammen: „Der Kläger
betonte immer wieder, ja fast gebetsmühlenhaft, der B._ habe zu viele Spie-
ler verkauft, er habe sparen müssen, die Mannschaft nicht adäquat verstärkt und
somit eigentlich seine Arbeit erschwert. Ferner kritisierte der Kläger mehr als ein-
mal das Engagement der Spieler; er bemängelte ihre Einstellung und ihren Ein-
satz, zum Teil unter Namensnennung.“ (Urk. 27 S. 21). Der Kläger habe aber, so
die Vorinstanz weiter, nie Interna aus dem Klub verbreitet, sondern nur über Din-
ge gesprochen, die einer breiten, am Fussball interessierten Öffentlichkeit längst
bekannt gewesen seien. Selbst die finanzielle Situation der Beklagten sei auch
ohne Verlautbarungen des Klägers ein ständiges Thema in den Medien gewesen.
Der Weisung von D._, Verwaltungsratspräsident der Beklagten, vom 2. Ok-
tober 2012 (Urk. 4/15) sei zu entnehmen, dass der Kläger sich nicht über „The-
men wie Finanzen, Kosten, Budgets, Vereinsführung, Qualität des Kaders, Trans-
fers etc.“ äussern dürfe. Über die ersten vier Punkte habe sich der Kläger nie ge-
äussert, mit Ausnahme der Aussage, der Klub müsse sparen, eine Tatsache, die
ja bereits die Spatzen von den Dächern gepfiffen hätten. Sich über die sportlichen
Belange der Mannschaft zu äussern und dabei die Qualität des Kaders, über die
er auch nicht hätte sprechen dürfen, aussen vor zu lassen, sei ein schwieriges, ja
unmögliches Unterfangen. Die Güte des Spiels einer Fussballmannschaft hänge
neben anderem wesentlich von der Qualität des Kaders ab, so dass man die
sportlichen Belange von der Qualität des Kaders nicht trennen könne. Die Vorwür-
fe an den Kläger, sich über die Spieler E._ und F._ geäussert zu haben,
seien deshalb nicht berechtigt. Der Kläger habe bestimmt, wer spielen würde, und
es habe zu seinen Kompetenzen gehört, den Spieler E._ auf die Tribüne zu
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verbannen und „das ewige Talent F._“ einmal pausieren zu lassen. Dass die
Medien davon erfahren hätten, verstehe sich ebenso wie der Umstand, dass sie
darüber einen Kommentar des Klägers verlangten. Man könne sich allerdings fra-
gen, ob die fast an "Demontage" grenzende Kritik an den Spielern F._ und
G._ in den Medien und damit in der Öffentlichkeit nicht überrissen gewesen
sei. Die Verantwortung eines Kaderangestellten eines Unternehmens gebiete eine
gewisse Zurückhaltung in der Beurteilung seiner Mitarbeiter gegenüber Dritten.
Allerdings könne die Situation bei einem „Unternehmen Fussballklub“ nicht unbe-
sehen einem normalen, in der Wirtschaft tätigen Betrieb gleichgesetzt werden.
Fussballer stünden permanent im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Das Bild im
„...“ [Tageszeitung], das den Spieler H._ mit Kopfhörern beim Training zeige,
habe nicht der Kläger aufgenommen. Blossgestellt worden, wie die Beklagte es
dem Kläger vorwerfe, sei H._ mehr durch den Fotojournalisten, der das Trai-
ning besucht habe, als durch des Klägers kommentierende Bemerkung (Urk. 27
S. 21 ff.).
b) aa) Die Beklagte weist darauf hin, dass D._ anlässlich der TK-
Sitzung (TK = Technische Kommission, Urk. 12 S. 18) vom 28. September 2012
den Kläger zum wiederholten Mal auf seine Äusserungen gegenüber der Presse
angesprochen und ihm eingehend die negativen, vereinsschädigenden Auswir-
kungen solcher Aussagen aufgezeigt habe. Insbesondere habe D._ dem
Kläger noch einmal vorgeschrieben, sich nicht mehr zu finanziellen oder wirt-
schaftlichen Themen zu äussern und auch keine Stellung mehr zur Vereinsfüh-
rung, der Qualität des Kaders, den Transfers etc. in der Öffentlichkeit zu nehmen.
Unter dem Stichwort „Qualität des Kaders“ habe D._ den Kläger auch explizit
angewiesen, seine Spieler nicht mehr über die Medien, sondern unter vier Augen
zu massregeln, und allgemein mehr Feingefühl bei der Beurteilung der Leistung
der einzelnen Spieler an den Tag zu legen. Im vorinstanzlichen Urteil sei dieses
Vorbringen nicht gewürdigt worden. Die E-Mail vom 2. Oktober 2012 gebe das
ausführliche Gespräch vom 28. September 2012 nur in zusammengefasster Form
und entsprechend auslegebedürftig wieder (Urk. 41/26 S. 5). Die Vorinstanz habe
diese E-Mail falsch interpretiert. D._ habe dem Kläger nur verboten, sich ne-
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gativ, d.h. herablassend über die Qualität einzelner Exponenten in den Medien zu
äussern oder diese durch öffentlichkeitswirksame Handlungen in ihrem Ansehen
herabzusetzen. Aussagen positiver Art seien somit nach wie vor erlaubt gewesen,
genauso wie Aussagen allgemeiner Art, ohne Herabsetzung oder Blossstellung
des Teams resp. einzelner Spieler. Dem Kläger wäre es z.B. unbenommen gewe-
sen, die Fakten eines Spiels in der nachfolgenden Berichterstattung auf den Tisch
zu legen sowie jeden Fehlpass seiner Spieler oder jedes unnötige Tor zu kom-
mentieren. Auch Aussagen zu verpassten Chancen oder Missverständnissen auf
dem Platz etc. wären ohne weiteres zulässig gewesen. Lediglich grundsätzliche,
negative Aussagen zum Charakter und fussballerischen Talent der Spieler seien
dem Kläger untersagt gewesen. Dass dieser mit seiner Kritik an F._ und
G._ und dem Kommentar zum Bild von H._ gegen die internen Verwei-
sungen verstossen habe, werde im angefochtenen Urteil aber erstaunlicherweise
nirgends festgehalten (Urk. 41/26 S. 10 ff.).
Die Kritik an F._ datiert vom 22. August 2012 (Urk. 12 S. 14) und kann
daher kein Verstoss gegen eine Weisung vom 28. September 2012 sein. Dage-
gen erschien die Kritik an G._ am 7. bzw. 8. Oktober 2012 (Urk. 13/11 und
13/12). Der Kläger hat nicht bestritten, dass D._ von ihm am 28. September
2012 verlangt hatte, seine Spieler nicht mehr über die Medien, sondern unter vier
Augen zu massregeln (Urk. 12 S. 19 f.; Urk. 19, insb. S. 14 ff.). Gegen diese An-
weisung hat der Kläger mit seiner öffentlichen Kritik an G._ verstossen, un-
abhängig davon, ob er diese für erzieherisch notwendig hielt oder nicht. Dagegen
ist die Beurteilung des Bildes von H._ (und G._) im ... [Tageszeitung]
online vom tt. November 2012 samt Kommentar des Klägers (Urk. 13/13) durch
die Vorinstanz nicht zu beanstanden. Letztlich hat das Bild nur Symbolgehalt für
die Aussage des Klägers, dass er im Kader das letzte Engagement vermisst ha-
be, eine Aussage, die ihm auch nach dem Gespräch vom 28. September 2012
und der E-Mail vom 2. Oktober 2012 erlaubt sein musste.
bb) Die Beklagte sieht einen Treuebruch des Klägers darin, dass er anläss-
lich der Sitzung vom 5. Oktober 2012 anerkanntermassen erklärt habe, nicht be-
reit zu sein, sich in der von der Beklagten vorgegebenen Weise einschränken zu
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lassen. Die Vorinstanz habe sich mit diesem Vorbringen nicht auseinandergesetzt
(Urk. 41/26 S. 6). In der Klageantwort hatte die Beklagte den Kläger dahingehend
zitiert, seiner Ansicht nach brauche er als Trainer alle Freiheiten, um den Medien
Rede und Antwort zu stehen, und lasse sich entsprechend nicht vorschreiben,
über was er reden dürfe und über was nicht (Urk. 12 S. 20, unter Hinweis auf
Urk. 1 S. 15 Ziff. 45). Dort hatte der Kläger ausgeführt, das E-Mail vom 2. Oktober
2012 enthalte nicht erfüllbare Forderungen an Trainer und Manager. Entspre-
chend habe der Kläger an der Sitzung vom 5. Oktober 2012 D._ mitgeteilt,
dem Trainer müsse ein gewisser Spielraum und eine gewisse Freiheit eingeräumt
werden, da es in der Natur der Sache liege, dass sich ein Trainer gegenüber den
Medien über Spielertransfers äussere. In der Replik führte der Kläger aus, auf
präsidiales Geheiss sollte er die Worte „Finanzen“, „Qualität des Kaders“ und
„Transfers“ nicht mehr in den Mund nehmen. Das sei in der Praxis nicht machbar.
Sport und Finanzen seien im professionellen Fussball praktisch untrennbare
Themen (Urk. 19 S. 5).
Der Streit über die Redebefugnisse des Klägers gegenüber den Medien ba-
siert offensichtlich auf der E-Mail vom 2. Oktober 2012, denn der Kläger bezog
seine Ausführungen auf deren Inhalt und die Beklagte nahm wiederum Bezug auf
die klägerischen Ausführungen. Der Bereich, über den der Kläger nicht öffentlich
kommunizieren durfte, ist weit und zudem unbestimmt („etc.“) gefasst (vgl. das Zi-
tat oben unter Ziff. 2 lit. a). Die Vorinstanz hat zu Recht darauf hingewiesen, dass
die Qualität eines Spiels mit der Qualität des Kaders eng zusammenhängt. Mit der
in der Berufungsbegründung erstmals vorgenommenen Differenzierung bezüglich
der Redebeschränkung stellt die Beklagte klar, dass die Weisung interpretations-
bedürftig ist. Die Differenzierung ist allerdings praxisfremd, wenn man bedenkt,
dass der Trainer nach einem Spiel jeweils auf die Schnelle ein paar Fragen be-
antworten oder zu einzelnen Vorhalten Stellung nehmen soll. Die Bedenken oder
auch der Hinweis des Klägers, die Weisung D._ nicht in der gewünschten
Stringenz erfüllen zu können, stellt daher keinen Treuebruch dar.
cc) Die Beklagte hält die Annahme der Vorinstanz, der Kläger habe sich mit
einer Ausnahme nicht zu den gemäss Weisung vom 2. Oktober 2012 verpönten
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Themen „Finanzen, Kosten, Budgets, Vereinsführung“ geäussert, für falsch bzw.
aktenwidrig (Urk. 41/26 S. 7).
Die von der Beklagten angeführten Äusserungen zum Budget datieren mit
einer Ausnahme aus der Zeit von Juli bis 25. September 2012 und sind daher für
das Einhalten der besagten Weisung nicht relevant. Am tt. November 2012 er-
schien ein Interview mit dem Kläger im ... [Tageszeitung] mit der Aussage: „Aber
wir hatten keine Möglichkeit, in neue Spieler zu investieren. Das Geld fehlte.“
(Urk. 113/14 S.4). Das ist selbstredend eine Aussage zur (vergangenen) finanziel-
len Situation bei der Beklagten, auch wenn es nur eine Wiederholung früherer
Aussagen des Klägers war und der Spardruck, der auf der Beklagten lastete, all-
gemein bekannt war (vgl. Urk. 4/10, ... [Tageszeitung] vom tt. Juli 2012: „Nichts
Neues ist die angespannte finanzielle Situation.“). Insofern ist der Einwand der
Beklagten berechtigt.
Einen weiteren Verstoss gegen die Weisung, nämlich sich nicht zur Vereins-
führung zu äussern, sieht die Beklagte darin, dass der Kläger im gleichen Inter-
view vom tt. November 2012 folgende Aussagen machte (Urk. 41/26 S. 8 f.;
Urk.13/14 S. 5): Antwort: „... und die vielen Abgänge, die wir in den letzten Monaten hatten, sind der Grund für un-
seren schwierigen Start. Kein Stein blieb auf dem anderen. Damit fertig zu werden braucht Zeit.“
Frage: „Erkennt das die Führung beim B._?“
Antwort: „Wir sind vernünftige Leute.“
Frage: „Aber nicht alle.“
Antwort: „Wer die Probleme nicht erkennt, dem kann ich nicht helfen. Der gesunde Menschenver-
stand sagt: So ist es schwierig, gut zu spielen.“
Eine relevante Aussage zur Vereinsführung hat der Kläger mit diesen Bemerkun-
gen nicht gemacht. Hätte er auf die Frage, ob die Führung beim B._ das er-
kenne, geantwortet, dazu sage er nichts, hätte dies mehr Raum für Spekulationen
geboten als die Aussage: „Wir sind vernünftige Leute.“
c) aa) Die Beklagte wirft der Vorinstanz vor, sich nicht mit der Tatsache aus-
einandergesetzt zu habe, dass der Sportchef I._ nach dem Wochenende
vom tt./tt. November 2012 D._ angerufen und ihm mitgeteilt habe, dass die
- 15 -
Situation zwischen Mannschaft und Cheftrainer „am Explodieren“ sei, weshalb
schnellstmöglich eine Sitzung mit der gesamten ersten Mannschaft einberufen
werden müsse. Anlässlich der in der Folge anberaumten Sitzung vom 20. No-
vember 2012 habe sich schnell herausgestellt, dass das Verhältnis zwischen den
Spielern und dem Kläger durch die stetigen negativen Äusserungen desselben in
der Presse arg in Mitleidenschaft gezogen worden sei, sich das Team verraten
gefühlt habe und nicht mehr bereit gewesen sei, mit ihm auf diese Weise zusam-
menzuarbeiten. D._ habe der Mannschaft versprochen, dem Kläger noch
einmal seine Grenzen hinsichtlich der Kommunikation nach aussen aufzuzeigen,
wenn sie im Gegenzug die Sache auf sich beruhen liessen und mit vollem Einsatz
und als Einheit mit dem Trainerstaff die nächsten Spiele bestreiten würden. Nach
dem Interview vom tt. November 2012 sei man vor einem Scherbenhaufen ge-
standen. Das Verhältnis Trainer-Spieler sei aufgrund der letzten Aussage des
Klägers (vgl. oben Ziff. I) offensichtlich nicht mehr zu kitten gewesen. Ohne Zu-
sammenarbeit zwischen Spieler und Cheftrainer seien jedoch weder ein geregel-
ter Trainingsbetrieb noch sportliche Erfolge denkbar. Wo aber kein sportlicher Er-
folg, da auch kein Geld und somit auch keine Zukunft. Eine weitere Zusammenar-
beit sei für die Beklagte deshalb schlicht unzumutbar gewesen (Urk. 41/26 S. 14
und 16 ff.).
bb) Der Kläger ist der Auffassung, die Beklagte gebe der Sitzung vom
20. November 2012 eine neue Bedeutung. Die fristlose Entlassung damit zu be-
gründen, dass die Weiterführung des Arbeitsverhältnisses für die Beklagte unzu-
mutbar gewesen sei, weil sie für die Spieler angeblich unzumutbar gewesen sei,
stelle ein unzulässiges Novum dar; es handle sich um einen im Berufungsverfah-
ren erstmals vorgebrachten Kündigungsgrund, der überdies nicht stichhaltig sei.
Im Schreiben, welches die Beklagte nach ihrer Darstellung dem Kläger am Tag
nach der Sitzung übergeben habe, werde diese Sitzung nicht einmal erwähnt. In
der Klageantwort sei zur Sitzung erläutert worden, diese sei im Ergebnis eine
Aussprache gewesen, damit man danach die Sache auf sich beruhen lassen und
nach vorne schauen könne. Eine sogenannte „Abrechnung“ mit dem Trainer res-
pektive „Vorbereitungshandlungen“ für seine Entlassung hätten nicht stattgefun-
- 16 -
den und seien keinesfalls beabsichtigt gewesen. Bis zu diesem Zeitpunkt hätten
sich weder Spieler noch Mitglieder des Staffs (Assistenztrainer, Physiotherapeu-
ten) beim Präsidenten negativ über den Trainer geäussert. Nach eigener Darstel-
lung der Beklagten sei an der nachfolgenden Sitzung von D._ und dem Klä-
ger „die seitens der Spieler im Rahmen der vertraulichen Sitzung geübte Kritik am
Cheftrainer zwischen dem Präsidenten und dem Kläger eingehend besprochen“
worden (Urk. 41/35 S. 5 ff.).
cc) Die Beklagte hatte in der Klageantwort ausgeführt, mit der Aussage des
Klägers im Interview vom tt. November 2012 („Sii, ich han anderi Sache zum
Überlegge; es isch mer eigentlich gliich!“) habe er bekanntgegeben, dass ihm das
Schicksal seines Arbeitgebers bzw. sein eigenes Schicksal bei der Arbeitgeberin
egal sei, und sich für alle Welt ersichtlich von der Beklagten und insbesondere
auch von deren Spieler distanziert. Der Kläger habe somit – bildlich gesprochen
[sic!] – wie eine Ratte das sinkende Schiff verlassen. Unter diesen Bedingungen
seien insbesondere auch die Spieler nicht mehr bereit gewesen, den Kläger als
Trainer zu akzeptieren bzw. sich diesem unterzuordnen. Es sei jedem klar, dass
eine Zusammenarbeit unter diesen Umständen nicht mehr möglich gewesen sei
bzw. das Vertrauen der Spieler bzw. der Führungsebene in den Kläger durch die-
sen weiteren Vorfall „unwiderrufbar“ zerstört worden sei (Urk. 12 S. 36). Unter
„Rechtliche Ausführungen der Beklagten“ hatte diese in der Klageantwort darge-
legt, der Kläger habe beharrlich ihre berechtigten und klaren Weisungen missach-
tet und sich immer wieder bewusst darüber hinweggesetzt. Das Vertrauensver-
hältnis zwischen dem Kläger und der Beklagten bzw. den Spielern sei aufgrund
der zahlreichen negativen Äusserungen des Klägers und des von ihm an den Tag
gelegten uneinsichtigen und unverbesserlichen Verhaltens unwiderruflich zerstört
gewesen. Die neuerliche Bemerkung und schwerwiegende Pflichtverletzung (vom
tt. November 2012) habe dazu geführt, dass eine weitere Zusammenarbeit mit
dem Kläger undenkbar geworden sei. Insbesondere seien auch die Spieler der
Beklagten nicht mehr bereit gewesen, unter diesen Bedingungen den Kläger als
Trainer zu akzeptieren bzw. sich diesem unterzuordnen. Die Weiterführung des
- 17 -
Spielbetriebs und damit die Existenz der Beklagten seien durch die weitere Be-
merkung des Klägers deshalb ernsthaft gefährdet gewesen (Urk. 12 S. 38 ff.).
Damit ist klar, dass es sich beim Vorbringen der Beklagten in der Beru-
fungsbegründung nicht um neue Tatsachenbehauptungen handelt. Da es auf dem
Verhalten des Klägers am tt. November 2012 gründet, ist nachfolgend darauf ein-
zugehen.
3. a) Wie bereits eingangs erwähnt, wurde der Kläger am tt. November 2012
im Anschluss an das Spiel B._ gegen C._ am Schweizer Fernsehen in-
terviewt. Die Vorinstanz weist zunächst darauf hin, dass der Kläger gemäss sei-
nem Pflichtenheft nach Spielende den Medien für Interviews zur Verfügung zu
stehen hatte. Weiter hebt die Vorinstanz hervor, dass er nach der zweiten 0:2
Heimniederlage in Folge verständlicherweise mit übergrossen Frustrationen zu
kämpfen gehabt habe. Die Antwort des Klägers auf die Frage, ob er bei solchen
Leistungen seinen Job in Gefahr sehe („Sii, ich han anderi Sache zum Überlegge;
es isch mer eigentlich gliich!“), interpretiert die Vorinstanz zusammengefasst wie
folgt (Urk. 27 S. 17 ff.): Der Kläger beantworte die Frage vorerst weder mit Ja
noch mit Nein, sondern mit der Antwort, er würde sich mit dieser Frage nicht be-
fassen, weil er in dieser Situation andere Sachen zu bedenken habe. Welches
diese andern Sachen seien, habe der Kläger nicht konkretisiert. Er habe dies
auch nicht tun müssen, denn ein nur einigermassen versierter Fussballkenner ha-
be nach diesem miserablen Spiel des B._ unschwer erraten können, dass
der Trainer Massnahmen habe in die Wege leiten müssen. Dafür gebe es einen
ganzen Strauss: verschärftes Training, Umbau der Mannschaft, Spieler auf die
Ersatzbank setzen, um nur ein paar wenige zu nennen. Es habe bloss einer sei-
ner beruflichen Pflichten entsprochen, wenn der Kläger bekanntgegeben habe, es
gäbe nun wichtigere Dinge zu überlegen und zu erledigen, als sein persönliches
Schicksal in den Vordergrund zu stellen, nämlich den B._ wieder auf den
Weg des Erfolgs zurückzuführen. Der erste Teil des Satzes könne deshalb dem
Kläger gewiss nicht zum Vorwurf gereichen und schon gar nicht als Treuepflicht-
verletzung interpretiert werden. Im zweiten Teil des Satzes müsse zunächst ge-
fragt werden, was denn dem Kläger egal gewesen sei, das Wohlergehen des
- 18 -
B._, sein persönliches Schicksal oder die Frage der Kündigung. Im Zusam-
menhang mit der Fragestellung des Reporters könne dieser Teil der Antwort nur
die Bedeutung haben, dem Kläger sei es egal, ob er von der Beklagten entlassen
werde oder nicht. Das verstehe sich einerseits aus der Frage, ob seine Anstellung
in Gefahr sei, und andererseits aus der gerichtsnotorischen Tatsache, dass bei
Erfolglosigkeit eines Fussballteams als erste wichtige Massnahme seitens der
Vereinsleitung der Trainer entlassen werde. In diesem Kontext bedeute „Traine-
rentlassung“ in der Regel "Trainerfreistellung", weil die meisten Fussballtrainer
befristete Verträge abschlössen, die gar nicht gekündigt werden könnten. Von ei-
nem Fussballtrainer werde die Kündigung seines Arbeitsverhältnisses nicht als
Klecks im Reinheft verstanden, denn praktisch jeder, der in diesem Geschäft tätig
sei, werde einmal davon betroffen. Vor diesem Hintergrund sei die Bemerkung
des Klägers zu verstehen, es sei ihm egal, ob ihm gekündigt werde oder nicht.
Zweifellos lasse die Äusserung, eine mögliche Kündigung sei einem egal, an der
Motivation zur Arbeitsleistung zweifeln und zeuge nicht gerade von einem beson-
deren Treuebekenntnis zum Arbeitgeber oder gar einer Identifikation mit ihm. In-
dessen habe der Kläger nach den zwei aufeinanderfolgenden Heimniederlagen
die Situation realistisch einschätzen und damit rechnen dürfen, dass sein Job zum
Zeitpunkt des Schlusspfiffes im Spiel gegen C._ in höchstem Masse gefähr-
det gewesen sei, wenn er nicht gar habe annehmen dürfen, der Entscheid sei be-
reits gefallen. Dies werde auch durch den Umstand belegt, dass sich D._ ei-
ne Woche zuvor mit der Mannschaft ohne den Kläger getroffen habe, weil die Si-
tuation "am Explodieren" gewesen sei. Unter diesen Umständen gehe die Ein-
schätzung der Beklagten, die Bemerkung des Klägers habe vereinsschädigenden
Charakter, es habe sich um einen äusserst schwerwiegenden Verstoss gegen die
Treuepflicht gehandelt, der Kläger habe deutlich zu erkennen gegeben, dass ihm
nichts mehr an seinem Job liege, und er habe kein Interesse mehr an der Zu-
sammenarbeit gehabt, völlig an der Sache vorbei. Wäre der Kläger nach der Zu-
sammenkunft von D._ und der Mannschaft und nach dem Spiel B._ ge-
gen C._ davon ausgegangen, er sitze als Trainer bei der Beklagten nach wie
vor fest im Sattel, hätte man ihm Naivität vorwerfen müssen. Stattdessen habe er
in besagtem Interview eine gewisse Resignation nicht verbergen können.
- 19 -
b) aa) Die Beklagte wirft der Vorinstanz eine willkürliche Annahme im Zu-
sammenhang mit der Reihenfolge der am tt. November 2012 vom Schweizer
Fernsehen durchgeführten Interviews vor (Urk. 41/26 S. 20 f.). Allerdings zeigt die
Beklagte in ihrer Berufungsschrift nicht auf, inwiefern die Vorinstanz dadurch fal-
sche Schlüsse gezogen hat. Sie hat in der von der Beklagten angesprochenen
Erwägung 4.2 lediglich auf den Ablauf der Fernsehsendung hingewiesen („Im
Nachgang [zum Spiel] sendete das Fernsehen drei Interviewsequenzen ... Zuerst
äusserte sich der Kläger wie folgt: ...“; Urk. 27 S. 11).
bb) Die Beklagte wehrt sich dagegen, dass die Vorinstanz ihr ankreide, aus
der Aussage des Klägers, er habe „anderi Sache zum Überlegge“, den Schluss
gezogen zu haben, ihm bedeute das Schicksal der Beklagten nichts mehr. Dieses
Fazit habe sie auf die gesamte Äusserung des Klägers bezogen (Urk. 41/21
S. 21). Auch hier unterlässt es die Beklagte, irgendeine Relevanz ihres Vorbrin-
gens für den Entscheid der Vorinstanz aufzuzeigen.
cc) Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz habe – so die Beklagte wei-
ter – nicht eine Freistellung des Klägers, sondern aufgrund der zahlreichen Ver-
fehlungen in der Vergangenheit und in Anbetracht der ultimativen Verwarnung
vom 21. November 2012 seine fristlose Entlassung in der Luft gelegen, dies un-
abhängig davon, ob eine solche im Fussballgeschäft öfters ausgesprochen werde
oder nicht. Weder im Vorfeld des Interviews vom tt. November 2012 noch im In-
terview selber sei von „Freistellung“ die Rede gewesen. Indem die Vorinstanz die
Aussage des Klägers jedoch unter Zugrundelegung von falschen Tatsachen in-
terpretiert habe, werde die Auslegung an und für sich willkürlich resp. entbehre
jeglicher Grundlage. Entsprechend falsch sei schliesslich auch der Schluss der
Vorinstanz, wonach der Kläger durch diese Aussagen keine Treuepflichtverlet-
zung begangen habe. Weshalb die Einschätzung der Beklagten, der Kläger habe
deutlich zu erkennen gegeben, dass ihm nichts mehr an seinem Job liege und er
kein Interesse mehr an der Zusammenarbeit habe, an der Sache vorbeigehe, sei
ebenfalls nicht nachvollziehbar (Urk. 41/26 S. 22 f.).
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Auch die Beklagte muss einräumen, dass der Kläger mit einer Beendigung
seiner Tätigkeit als Cheftrainer rechnen musste. Nur ist sie der Auffassung, dass
der Kläger im Interview „in ruppiger Manier“ zu verstehen gegeben habe, ein En-
de seiner Tätigkeit bei der Beklagten sei ihm gleichgültig (Urk. 41/26 S. 23). Das
ist aber nicht die Kernaussage, die der Kläger gemacht hat. Die Beklagte setzt
sich in der Berufungsschrift mit den überzeugenden Ausführungen der Vorinstanz
nicht auseinander, wonach der Kläger nicht sein persönliches Schicksal in den
Vordergrund stellen wollte, sondern spielerische Massnahmen, um die Leistungen
des B._ zu verbessern. In diesem Zusammenhang ist auch der zweite Halb-
satz zu sehen, nämlich dass es jetzt nicht um die Trainerfrage gehe. Hätte der
Kläger vorab seine Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal des Clubs und das
Desinteresse an der Zusammenarbeit kundtun wollen, hätte er sich nicht andere
Sachen überlegen müssen, sondern einzig zur Antwort geben können, ob er ent-
lassen werde oder nicht, sei ihm egal. Die Beklagte wehrt sich auch nicht gegen
die Feststellung der Vorinstanz, der Kläger sei nach der Niederlage sehr frustriert
gewesen und habe eine gewisse Resignation nicht verbergen können. Umso
mehr darf die Aussage, „es isch mer eigentlich gliich“, nicht auf die Goldwaage
gelegt und als Aufkündigung der Zusammenarbeit verstanden werden. Die vor-
instanzliche Würdigung ist nicht zu beanstanden.
dd) Wie dargelegt macht die Beklagte geltend, durch die Aussagen des Klä-
gers im Interview habe er gegenüber der ersten Mannschaft der Beklagten jede
Glaubwürdigkeit verloren und sei eine weitere Zusammenarbeit undenkbar ge-
worden. Objektiv betrachtet kann indessen diesen Aussagen nicht die von der
Beklagten propagierte Bedeutung beigemessen werden. Sollten die Spieler des
B._ den Kläger tatsächlich im behaupteten Sinne verstanden haben, wäre es
Aufgabe der Beklagten gewesen, den Kläger mit dieser Tatsache zu konfrontie-
ren, damit dieser hätte Stellung beziehen können. Dass sie dies getan hat, be-
hauptet die Beklagte nicht.
ee) Die Beklagte sieht die Unzumutbarkeit, das Arbeitsverhältnis fortzufüh-
ren, auch darin begründet, dass sie ständig im Fokus sämtlicher Medien stehe.
Wenn sie den Kläger nicht fristlos entlassen hätte, wäre dessen Aussage, es sei
- 21 -
ihm egal, von den Medien während Wochen thematisiert worden. Ihr wäre fehlen-
de Professionalität, Führungsschwäche usw. vorgeworfen worden. Weitere Nie-
derlagen hätten das Ganze verstärkt und beschleunigt und man hätte sich munter
im Teufelskreis gedreht (Urk. 41/26 S. 18).
Die Behauptung, die zu erwartende Reaktion der Medien auf das Interview
habe es der Beklagten unzumutbar gemacht, das Arbeitsverhältnis fortzusetzen,
ist neu und damit unzulässig; jedenfalls unterlässt es die Beklagte darzulegen, wo
sie erstinstanzlich diese Behauptung schon erhoben hat. Wenn sie zu berücksich-
tigen wäre, würde sie nicht überzeugen. Der Kläger zitierte die ... Zeitung und die
... [Zeitung], die bei der Interpretation sehr wohl zu differenzieren wussten (Urk. 1
S. 18). Eine Klarstellung durch die Parteien hätte das Thema „Gleichgültigkeit“ für
die Medien wohl definitiv uninteressant gemacht.
ff) Im angefochtenen Entscheid heisst es, D._ habe insinuiert, das Ar-
beitsverhältnis des Klägers wäre ohnehin nach dem C._-Spiel aufgelöst wor-
den, ohne die inkriminierte Äusserung vermutlich durch eine sofortige Freistel-
lung, wie es im Fussballgeschäft geradezu an der Tagesordnung sei (Urk. 27 S.
25). Für die Beklagte handelt es sich dabei um eine völlig unhaltbare und willkürli-
che Vermutung der Vorinstanz, welche auch aktenmässig nicht belegt sei (Urk.
41/26 S. 25).
Die Vorinstanz hat die von der Beklagten beanstandeten Ausführungen un-
ter „Fazit“ gemacht. Entscheidrelevant sind sie letztlich nicht und die Beklagte legt
nicht dar, dass die fristlose Entlassung anders zu beurteilen wäre, wenn die er-
neute Niederlage des B._ nicht mutmasslich ohnehin, d.h. auch ohne die in-
kriminierte Äusserung, zur Freistellung des Klägers geführt hätte.
4. a) Nachdem D._ am 20. November 2012 eine Aussprache mit der
ersten Mannschaft und am Folgetag ein Gespräch mit dem Kläger gehabt hatte,
übergab er diesem ein Schreiben folgenden Inhalts (Urk. 4/20):
„Lieber A._
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Wir haben Dich bereits wiederholt mündlich darauf aufmerksam gemacht, dass Du Dich bei Dei-
nen öffentlichen Stellungnahmen ausschliesslich auf Themen zu beschränken hast, die in Deinem
engeren Verantwortungsbereich liegen und dass Du den B._ kompromittierende Aussagen,
insbesondere zur Finanzlage, zu unterlassen hast.
Am Samstag, tt. November 2012, ist im ... [Tageszeitung] ein ausführliches Interview mit Dir er-
schienen. Darin hast Du Dich einmal mehr sehr kritisch über verschiedene Themen geäussert,
auch zur Finanzlage.
Diese Äusserungen waren vereinsschädigend.
Der Verwaltungsrat der B._AG weist Dich deshalb ausdrücklich darauf hin, dass auch Du als
Cheftrainer jederzeit die berechtigten Interessen des B._ zu wahren hast. Dies betrifft insbe-
sondere die Aussendarstellung in den Medien.
Bei der nächsten vereinsschädigenden Aussage behält sich die B._AG ausdrücklich vor,
rechtliche Massnahmen zu ergreifen.“
Die Vorinstanz qualifizierte dieses Schreiben nicht als Verwarnung, welche
es ermöglichen würde, eine fristlose Entlassung auch bei geringfügigeren Verfeh-
lungen auszusprechen. Eine Verwarnung erfülle ihren Zweck nur dann, wenn eine
fristlose Entlassung im Wiederholungsfall angedroht werde. Ob für die Gültigkeit
der fristlosen Entlassung wegen weniger schwerwiegender Verstösse gegen die
Arbeits- oder Treuepflicht unter allen Umständen die fristlose Entlassung aus-
drücklich angedroht werden müsse, sei nicht unbestritten. Klar sei indessen, dass
die Abmahnung ihren Warnzweck nur dann erfüllen könne, wenn sie als solche
erkennbar sei. Der Arbeitgeber müsse deutlich zum Ausdruck bringen, dass er
derartige Vorkommnisse nicht für belanglos halte und nicht mehr zu dulden gewillt
sei, so dass der Arbeitnehmer aus der Verwarnung klar ersehen könne, welche
Verhaltensweisen nicht mehr toleriert würden und wie er sich in Zukunft zu verhal-
ten habe. Falls eine fristlose Kündigung nicht ausdrücklich erwähnt sei, müsse
aus dem Wortlaut gleichwohl für den Arbeitnehmer erkennbar sein, dass er im
Wiederholungsfall eine solche riskiere. Am Schreiben vom 21. November 2012
falle zunächst auf, dass Begriffe wie "Kündigung", "Beendigung des Arbeitsver-
hältnisses", "Freistellung", "Auflösung" etc. überhaupt nicht vorkämen. "Rechtliche
Massnahmen" umfassten ein breites Spektrum möglicher Sanktionen. Darunter
- 23 -
könnten Ermahnungen, Verweise, Bussen etc. subsumiert werden. Verglichen mit
andern privaten Wirtschaftszweigen kämen besonders im Fussballgeschäft inter-
ne Sanktionen relativ häufig vor. Spieler würden intern gebüsst oder sogar intern
gesperrt. So habe der Kläger ohne weiteres davon ausgehen dürfen, für den Fall,
er verbreite weitere den B._ kompromittierende Aussagen, müsse er mit ei-
ner empfindlichen internen Busse oder schlimmstenfalls mit einer Freistellung
rechnen. Dass mit "rechtlichen Massnahmen" eine fristlose Kündigung gemeint
sein könnte, habe der Kläger nicht annehmen müssen. Selbst eine korrekte Ver-
warnung mit einer Androhung der fristlosen Entlassung würde indessen an der Si-
tuation nichts ändern, weil das Interview des Klägers vom tt. November 2012 kei-
ne Treuwidrigkeit darstelle (Urk. 27 S. 13 und 24).
b) Die Beklagte beharrt darauf, der Wortlaut des Schreibens wie auch das
dem Schreiben vorangegangene Gespräch liessen unzweifelhaft darauf schlies-
sen, dass man dem Kläger bei weiterem Fehlverhalten die fristlose Kündigung in
Aussicht gestellt habe. Dies sei auch dem Kläger vollauf bewusst gewesen. Der
Verweis auf die bereits erfolgten zahlreichen Ermahnungen anlässlich der TK-
Sitzungen sowie die Androhung von rechtlichen Konsequenzen eines erneuten
Fehlverhaltens machten klar, dass dem Kläger weder eine weitere Verwarnung
noch irgendwelche disziplinarische Bussen gedroht hätten. Solche hätten gegen-
über dem Kläger mangels Bestehen einer Rechtsgrundlage schon gar nicht aus-
gesprochen werden können. Auch eine Freistellung mit Weiterbezahlung des vol-
len Lohnes sei offensichtlich nicht als Sanktion in Aussicht gestellt worden, da ei-
ne solche keine Strafe gewesen wäre, die das Fehlverhalten des Klägers sanktio-
niert hätte. Im Übrigen werde eine Freistellung in der Regel nicht angedroht, son-
dern ohne Vorwarnung ad hoc angeordnet (Urk. 41/26 S. 24 f. und S. 35). Mit
dem Gespräch vom 21. November 2012 und der nachfolgenden schriftlichen
Verwarnung sei dem Kläger noch eine letzte Chance erteilt worden, sich an die in-
ternen Weisungen der Beklagten zu halten (Urk. 41/26 S. 33).
c) Die Beklagte hat weder in der Berufungsschrift noch im vorinstanzlichen
Verfahren behauptet, D._ habe dem Kläger anlässlich des Gesprächs die
fristlose Kündigung angedroht; die Rede ist nur davon, eine Wiederholung des
- 24 -
beanstandeten Verhaltens würde nicht sanktionslos hingenommen (Urk. 12 S. 32;
Urk. 21 S. 10; Urk. 41/26 S. 15). Damit ist für die Würdigung des Schreibens vom
21. November 2012 nichts gewonnen. Richtig ist, dass Disziplinarmassen (Bus-
sen, Lohnkürzungen, Suspendierung etc.) einer rechtlichen Grundlage bedürfen
(BSK OR I-Portmann, Art. 321d N 12). Eine Freistellung wäre dagegen sehr wohl
eine Reaktion bzw. rechtliche Massnahme gewesen, mit welcher der Kläger bei
erneuten Verstössen gegen Weisungen seines Arbeitgebers hätte rechnen müs-
sen. Eine Freistellung wäre in diesem Zusammenhang durchaus eine Sanktion
gewesen, die gezeigt hätte, dass das Verhalten des Klägers nicht mehr tolerabel
sei. In Frage wäre aber auch die konkrete Androhung der fristlosen Kündigung
gekommen. Offenbar wollte die Beklagte im Schreiben vom 21. November 2012
nicht so weit gehen; dieses enthält Interpretationsspielraum, so dass der Kläger
nicht davon ausgehen musste, er riskiere auch bei einem „noch so kleinen“
Verstoss gegen die Weisung die fristlose Kündigung (Urk. 12 S. 33). Einen sol-
chen Verstoss stellen die Äusserungen des Klägers im Interview aber mit der Vor-
instanz ohnehin nicht dar.
5. Zusammengefasst hat die Beklagte keine wichtigen Gründe darlegen
können, welche eine fristlose Auflösung des Arbeitsverhältnisses gerechtfertigt
hätten. Daran vermag auch nichts zu ändern, dass der Kläger am tt. bzw. tt. Ok-
tober 2012 den Spieler G._ weisungswidrig in der Öffentlichkeit kritisiert und
am tt. November 2012 ebenfalls weisungswidrig sich zur finanziellen Situation der
Beklagten geäussert hat (oben Ziff. 2/b/aa und cc). Die Kritik an G._ lag im
Zeitpunkt der Kündigung schon weit zurück, und zur finanziellen Situation hatte
der Kläger nichts Neues oder Vereinsschädigendes vorgebracht, sodass von ei-
ner geringfügigen Verfehlung gesprochen werden muss.
V.
1. a) Die Vorinstanz hat dem Kläger als Schadenersatz für 19 Monate
Fr. 475‘000.– zugesprochen, basierend auf einem fixen Einkommen von
Fr. 456‘000.– zuzüglich Fr. 19‘000.– Spesen. Aus der Formulierung im Vertrag, so
- 25 -
die Vorinstanz, lasse sich der Schluss ziehen, es handle sich beim monatlichen
Betrag von Fr. 1‘000.– um sogenannte Repräsentationsspesen, d.h. um Ausla-
genersatz, dem keine tatsächlichen Auslagen gegenüberstünden, mithin um einen
Lohnbestandteil. So werde das „Fixe Jahreseinkommen“ auf Fr. 300‘000.– bezif-
fert, eingeschlossen die Repräsentationsspesen (Urk. 27 S. 26).
b) Die Beklagte macht geltend, sie habe in der Klageantwort und in der Dup-
lik substantiiert ausgeführt, dass es sich bei der im Vertrag genannten Pauschale
um eigentliche Spesen gehandelt habe, welche die tatsächlich entstandenen Aus-
lagen des Klägers, wie z.B. im Zusammenhang mit der explizit genannten Reise-
tätigkeit für die Beklagte, abgegolten habe. Von den Pauschalspesen seien ent-
sprechend keine Sozialversicherungsbeiträge in Abzug gebracht worden. Die vom
Kläger geforderte Reisetätigkeit und die dadurch angefallenen effektiven Ausla-
gen seien vom Kläger zu keinem Zeitpunkt bestritten worden. Auch bei ungerecht-
fertigter fristloser Entlassung habe der Kläger keinen Anspruch auf die
Fr. 19‘000.– (Urk. 41/26 S. 25 f.).
Der Kläger teilt die vorinstanzliche Charakterisierung der Spesen als Lohn-
bestandteil und stützt sich dabei ebenfalls auf den Vertragswortlaut. Bezeichnend
sei auch, dass das Einkommen einen runden Betrag ausmache, nämlich
Fr. 300‘000.– und nicht etwa Fr. 288‘000.–. Dies sei üblich im Fussballgeschäft.
Der Lohn werde in einer runden Summe vereinbart, das steuerlich maximal Zu-
lässige als Pauschalspesen in Abzug gebracht, ohne deswegen die Qualität als
Lohnbestandteil zu verlieren (Urk. 41/35 S. 17).
c) Die Beklagte hatte in der Klageantwort ausgeführt, bei der in Frage ste-
henden Vergütung handle es sich um eigentliche Spesen, die die tatsächlich ent-
standenen Auslagen, wie z.B. im Zusammenhang mit der explizit genannten Rei-
setätigkeit des Klägers für die Beklagte, abgelten sollte (Urk. 12 S. 61). In der
Duplik wiederholte die Beklagte ihren Standpunkt und erklärte, selbstredend sei
z.B. vom Kläger erwartet worden, dass er, wie es im Fussballgeschäft absolut üb-
lich sei, nebst den eigenen Spielen auch diejenigen der Konkurrenz besuche, um
deren Taktik zu beobachten und sich deren Stärken zu vergegenwärtigen. Die
- 26 -
Pauschale habe deshalb insbesondere auch die diesbezügliche Reisetätigkeit,
den Eintritt zu den Spielen, die Auslagen für Essen etc. abdecken sollen (Urk. 21
S. 18). Der Kläger hatte sich in der Klagebegründung zu den Pauschalspesen
nicht näher geäussert (Urk. 1 S. 26). In der Replik berief er sich auf den Arbeits-
vertrag, der ihm ein fixes Jahreseinkommen von Fr. 300‘000.– zugesichert habe;
aus der Formulierung ergebe sich, dass die Spesen Lohnbestandteil bildeten
(Urk. 19 S. 30). In seiner Stellungnahme zu Noven in der Duplik nahm er das
Thema nicht mehr auf (Prot. I S. 17 f.). Es ist also unbestritten, dass die Spe-
senentschädigung entsprechende Auslagen abdecken sollte. Der Kläger stellte
auch nicht in Abrede, dass von ihm die erwähnte Reisetätigkeit erwartet wurde.
Gemäss Art. 337c Abs. 2 OR muss sich der Arbeitnehmer an seinen An-
spruch anrechnen lassen, was er infolge der Beendigung des Arbeitsverhältnisses
erspart hat. Zu ersetzen sind Spesenvergütungen, soweit diese nicht effektive
Auslagen oder einen Teil des Lebensunterhalts abdecken (Brühwiler, Kommentar
zum Einzelarbeitsvertrag, 2. A., Bern 1996, S. 382 N 3 b; ZK-Staehelin, Art. 337c
OR N 8). Dies gilt auch für Pauschalspesen, soweit ihnen keine entsprechenden
Auslagen entgegenstehen (Streiff/von Kaenel/Rudolph, Arbeitsvertrag, 7. A., Zü-
rich • Basel • Genf 2012, Art. 337c N 2; Tribunal cantonal du Jura, Urteil vom
16.05.1991, in JAR 1992 S. 185 f.). Deckte die Spesenregelung effektive Spesen
des Klägers ab, sind die Fr. 19‘000.– daher nicht geschuldet. Auf den Vertrags-
wortlaut kommt es dabei nicht an, da entscheidend ist, was der Arbeitnehmer ein-
spart, z.B. auch Fahrtkosten zum Arbeitsplatz, die nach der Kündigung wegfallen
(BSK OR I-Portmann, Art. 337c N 3).
2. a) Gemäss Arbeitsvertrag hatte der Kläger Anspruch auf erfolgsabhängi-
ge Prämien, nämlich pro erzielten Punkt in der Meisterschaft Fr. 1‘000.–, für den
Schweizer Meister-Titel Fr. 150‘000.–, für den Schweizer Cup-Sieg Fr. 50‘000.–
und weitere Prämien für Erfolge in den europäischen Klub-Wettbewerben
(Urk. 4/6). Die Vorinstanz erwog, die Beklagte habe dem Kläger für die Dauer
vom 1. Dezember 2012 bis zum 30. Juni 2014 die Prämien zu bezahlen, welche
er erzielt hätte, wenn er nicht fristlos entlassen worden wäre, sondern seinen Ver-
trag hätte erfüllen können. Es sei eine Beteiligung am Geschäftsergebnis gemäss
- 27 -
Art. 322a OR vereinbart worden. Wie hoch der Anteil am Geschäftsergebnis sei,
ergebe sich aufgrund der vertraglich vereinbarten Berechnungsgrundlage. Aller-
dings müsste bei Vorliegen objektiver Bemessungskriterien (Prämie pro erzieltem
Punkt) miteinbezogen werden, was der fristlos gekündigte Arbeitnehmer selber
zum Gewinn bzw. Umsatz beigetragen hätte. Gehe man nämlich vom gewöhnlich
anzuwendenden Lohnausfallprinzip aus, wonach zu ermitteln sei, was der Arbeit-
nehmer tatsächlich verdient hätte, wenn er nicht fristlos entlassen worden wäre,
müsste an sich dessen Beitrag zum Gewinn bzw. Umsatz hypothetisch ermittelt
werden. Das sei nicht möglich. Es lasse sich nicht eruieren, wie viele Punkte der
B._ bis zum 30. Juni 2014 erzielt hätte (oder noch erzielen würde), wenn der
Kläger normal weitergearbeitet hätte. Stattdessen wandte die Vorinstanz das Re-
ferenzperiodenprinzip an. Sie ging von den unter dem Kläger als Trainer erzielten
17 Punkten in fünf Monaten aus, was Fr. 17‘000.– Prämien oder pro Monat
Fr. 3‘400.– und für 19 Monate Fr. 64‘600.– ergebe (Urk. 27 S. 28 ff.).
b) Der Kläger ist der Auffassung, die Vorinstanz habe zu Unrecht eine im
Vertrag nicht genannte Bedingung für die Prämienberechtigung des Trainers ein-
geführt, nämlich den Miteinbezug von dem, was der fristlos gekündigte Arbeit-
nehmer selber zum Gewinn bzw. Umsatz beigetragen hätte. Ein Trainer verdiene
die Prämien unabhängig davon, ob er am Spiel teilnehme. Das Lohnausfallprinzip
sei daher sehr wohl anwendbar. Der Kläger habe mindestens Anspruch auf die
Prämien gemäss effektivem Erfolg des B._ in den Saisons 2012/13 und
2013/14. Die von der Vorinstanz angewandte Referenzperiode von effektiv vier
Monaten sei nicht aussagekräftig. Zudem seien die Cup-Erfolge nicht berücksich-
tigt worden. Das Lohnausfallprinzip als konkrete Schadensberechnung sei der
abstrakten Berechnung aufgrund einer Referenzperiode vorzuziehen (Urk. 26 S. 8
ff.). Für den Schweizer Cup-Sieg und die Qualifikation für die Europa League ste-
he dem Kläger zudem je eine Prämie von Fr. 50‘000.– zu (Urk. 41/36 S. 3).
Die Beklagte hält demgegenüber fest, dass der Trainer nur einen Prämien-
anspruch habe, wenn er tatsächlich zum Erfolg beigetragen habe. Weil der Chef-
trainer aus praktischen Gründen – es gebe ja nur einen Cheftrainer – bei jedem
Spiel „zum Einsatz komme“, habe man nicht daran gedacht, dies im Vertrag expli-
- 28 -
zit zu erwähnen. Der Bestand dieser Bedingung sei vom Kläger vor Vorinstanz
nicht bestritten worden. Es sei richtigerweise vom Referenzperiodensystem aus-
zugehen, weil nicht abgeschätzt werden könne, wie sich der Beitrag des Klägers
auf den tatsächlichen Gewinn von Punkteprämien ausgewirkt hätte. Allerdings sei
von sechs Monaten auszugehen, in denen der B._ 17 Punkte erzielt habe,
weil im Juni und im Januar keine Spiele ausgetragen würden (Urk. 35 S. 8 ff.). Für
die Berechnung des Schadenersatzanspruchs sei unbeachtlich, was der Kläger
nach Vorliegen der effektiven Resultate zugute hätte. Allein schon die Tatsache,
dass der Anspruch am Kündigungstag entstehe, schliesse diese vom Kläger an-
gerufene Berechnungsmethode aus. Daher habe er keinen Anspruch auf Prämien
für den Cup-Sieg und die Qualifikation für die Europa League (Urk. 41/41 S. 4).
c) Bei ungerechtfertigter fristloser Entlassung des Arbeitnehmers hat dieser
Anspruch auf Ersatz dessen, was er bei ordentlicher Kündigung oder Ablauf des
befristeten Vertrags erhalten hätte (Streiff/von Kaenel/Rudolph, a.a.O., Art. 337c
N 2). Hängt der Lohn von den erzielten Resultaten ab, kann nicht auf die vom Un-
ternehmen in der fraglichen Periode tatsächlich erzielten Resultate abgestellt
werden, weil ja darin die hypothetische Leistung des Anspruchsberechtigten ge-
rade nicht enthalten ist (vgl. BGE 125 III 14 E. 2b für den umsatzabhängigen
Lohn). Der Einwand des Klägers, er hätte einen Prämienanspruch auch ohne
Teilnahme an einem Spiel gehabt, geht an der Sache vorbei. Die Vorinstanz hat
zutreffend ausgeführt, es lasse sich nicht eruieren, wie viele Punkte der B._
bis zum 30. Juni 2014 erzielt hätte, wenn der Kläger normal weitergearbeitet hät-
te. Gemäss Art. 42 Abs. 2 OR ist ein nicht ziffernmässig nachweisbarer Schaden
nach Ermessen des Richters mit Rücksicht auf den gewöhnlichen Lauf der Dinge
abzuschätzen (BGer 4C.321/2005, E. 8.3). Unter dem Kläger absolvierte der
B._ 17 Meisterschaftsspiele und erzielte dabei 17 Punkte (Urk. 27 S. 4). In
den Saisons 2012/13 und 2013/2014 waren je 36 Spiele zu absolvieren. Der
B._ hätte daher bei gleichbleibendem Erfolg in den beiden Saisons insge-
samt 72 Punkte erzielt, was dem Kläger einen Prämienanspruch von Fr. 72‘000.–
verschafft hätte. Es ist nun allerdings nicht zu verkennen, dass damit dem Prämi-
enanspruch zwei mit Abstand schwächste Saisons der letzten Jahre zugrunde ge-
- 29 -
legt würden. In den Jahren zuvor erzielte der B._ folgende Punkte, wobei
zum Vergleich auch diejenigen Clubs aufgeführt sind, welche weniger als 36
Punkte erzielten (Urk. 4/37):
Saison Rang Club Punkte aus 36 Partien
2007/08 3. B._ 56
9. J._ 34
10. K._ 27
2008/09 1. B._ 79
9. L._ 35
10. M._ 22
2009/10 7. B._ 45
9. N._ 25
10. O._ 23
2010/11 2. B._ 72
8. P._ 32
9. N._ 32
10. J._ 31
2011/12 Punkte aus 34 Partien
6. B._ 41
7. Q._ 30
8. R._ 26
... [9./10.: Punkteabzug, Relegation]
In der Saison 2012/13 kam der B._ auf Rang 4 mit 55 Punkten (Urk. 20/50).
Angesichts dieser Resultate besteht durchaus Grund zur Annahme, dass sich der
Club nach unterdurchschnittlichem Start in die Saison 2012/13 auch unter dem
Kläger noch gesteigert und wenigstens im Mittelfeld mit geschätzten 45 Punkten
etabliert hätte. Dies ergibt einen Prämienanspruch von Fr. 90‘000.– und abzüglich
die dem Kläger bereits ausbezahlten Prämien von Fr. 16‘000.– (Urk. 1 S. 28; Urk.
12 S. 63) einen Restanspruch von Fr. 74‘000.–. Selbst unter Annahme dieser
Leistungssteigerung ist aber nicht davon auszugehen, dass der Club unter der
Ägide des Klägers sich für die Europa League qualifiziert oder Cupsieger gewor-
- 30 -
den wäre. Für die Qualifikation zur Europa League benötigte der K._ als
Mannschaft mit der geringsten Punktezahl in der Saison 2012/2013 48 Punkte
(Urk. 20/50) und der L._ in der Saison 2013/14 50 Punkte (Urk. 41/38/1). In
der Saison 2012/13 unterlag der B._ im Cup im Halbfinal dem R._, dem
nachmaligen Cupsieger, gegen den er schon in der Meisterschaft unter dem Klä-
ger verloren hatte. In der Saison 2013/14 besiegte der B._ auf dem Weg zum
Cupsieg zuletzt den J._, K._ und S._, wobei der B._ unter
dem Kläger zweimal gegen den J._, einmal gegen den K._ und einmal
gegen den S._ verloren und nur einmal gegen den K._ gewinnen konn-
te; gegen den S._ resultierte noch ein Unentschieden (Urk. 27 S. 4).
Der Kläger hat geltend gemacht, im Zeitpunkt seiner Entlassung sei der
B._ noch im Cup-Wettbewerb vertreten gewesen und hätte auch noch einen
Platz erreichen können, welcher zur Qualifikation für die europäischen Klub-
Wettbewerbe berechtigt hätte. Die Entlassung sei treuwidrig im Sinne von Art. 156
OR gewesen, wonach eine Bedingung als erfüllt gelte, wenn ihr Eintritt von dem
einen Teil wider Treu und Glauben verhindert worden sei. Mit der Entlassung sei
verhindert worden, dass der Kläger aktiv an später erfolgten Punktgewinnen und
der Qualifikation für den Europa-Cup-Wettbewerb habe teilnehmen können, wes-
wegen die Bedingung als erfüllt gelte (Urk. 26 S. 9). Tatbestandselemente von
Art. 156 OR sind der Kausalzusammenhang zwischen dem Verhalten des bedingt
Verpflichteten und dem Eintritt bzw. Ausbleiben der Bedingung und ein Verstoss
gegen Treu und Glauben (BSK OR I-Ehrat, Art. 156 N 5, m.w.H.). Kein Verstoss
gegen Treu und Glauben liegt vor, wenn der bedingt Verpflichtete zum Schutz ei-
gener überwiegender Interessen eine Bedingung ausfallen bzw. eintreten lässt
(a.a.O., N 6). Vorliegend wurde dargelegt, dass nicht anzunehmen ist, der Kläger
hätte bei Fortführung des Arbeitsverhältnisses mit dem B._ den Cupwettbe-
werb gewonnen oder sich für die Europa League qualifiziert. Dass die fristlose
Kündigung ohne wichtigen Grund im Sinne von Art. 337 OR erfolgte, bedeutet
nicht, dass die Beklagte wider Treu und Glauben das Erreichen dieser Ziele unter
dem Kläger als Trainer verhindern wollte. Dieser hat selber hervorgehoben,
Grund für seine fristlose Entlassung sei das Ausbleiben der sportlichen Erfolge
- 31 -
gewesen (Urk. 1 S. 21). Der sportliche Erfolg ist aber das primäre Ziel einer Spit-
zenmannschaft im Fussball. Dazu kommt, dass der Kläger durch seine Äusserun-
gen gegenüber den Medien, welche nicht immer weisungskonform, „zuweilen un-
geschickt und unangebracht“ (Urk. 27 S. 23) waren, das Verhältnis zur Beklagten
und zu den Spielern belastete. Der Beklagten kann daher nicht vorgeworfen wer-
den, mit der fristlosen Kündigung wider Treu und Glauben verhindert zu haben,
dass der Kläger mit dem B._ den Cup-Wettbewerb gewonnen und die Euro-
pa League erreicht hätte (vgl. Urteil des Zivilgerichts Basel-Stadt, BJM 2002 S. 95
ff.).
d) Die Beklagte ist der Auffassung, es bestehe in Anbetracht des beträchtli-
chen Verschuldens des Klägers gestützt auf Art. 44 Abs. 1 OR keine Ersatzpflicht
für die Erfolgsprämien; zumindest hätte eine beträchtliche Reduktion vorgenom-
men werden müssen (Urk. 35 S. 9; Urk. 21 S. 19).
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung und überwiegender Lehre
kann der Schadenersatzanspruch nach Art. 337c Abs. 2 OR nicht wegen eines
Mitverschuldens des Arbeitnehmers herabgesetzt werden (BGE 120 II 243; eben-
so BSK OR I-Portmann, Art. 337c N 4, m.w.H.; Staehelin, Zürcher Kommentar,
2014, N 8 zu Art. 337c OR; Streiff/von Kaenel/Rudolph, a.a.O., N 3 zu Art. 337c
S. 1150, m.w.H.; a.M. Guhl/Koller, 9. A., Zürich 2000, § 46 N 89; Brühwiler, Kom-
mentar zum Einzelarbeitsvertrag, 2. A., Bern 1996, Art. 337c N 3b). Der Prämien-
anspruch ist daher nicht wegen eines allfälligen Verschuldens des Klägers zu re-
duzieren.
3. a) Der Kläger macht geltend, er habe vor Vorinstanz als weiteren Scha-
den unter dem Titel „Pensionskassenbeitrag“ die Zusprechung von Fr. 10‘673.25
gefordert. Die Beklagte hätte pro Monat Fr. 561.75 als Arbeitgeberbeitrag an die
berufliche Vorsorgeversicherung bezahlen müssen. Die Vorinstanz habe es unter-
lassen, über diesen Anspruch zu befinden. Stattdessen habe sie in unzutreffender
Weise angenommen, der Kläger verlange, dass die Beklagte verpflichtet werde,
die Pensionskassenbeiträge an die entsprechenden Institutionen abzuliefern (Urk.
26 S. 6 ff.).
- 32 -
Die Beklagte ist der Auffassung, für Ansprüche im Zusammenhang mit Ar-
beitgeberprämien, welche nicht im Bruttolohn enthalten seien, sei das Sozialver-
sicherungsgericht zuständig, wie die Vorinstanz zutreffend festgestellt habe. Der
Anspruch sei aber auch materiellrechtlich unbegründet. Mit der fristlosen Kündi-
gung ende das Vorsorgeverhältnis, weshalb ab diesem Zeitpunkt eine Vorsorge-
einrichtung fehle, an welche die Beiträge überwiesen werden könnten. Der Ar-
beitnehmer selber habe mangels Rechtsgrundlage keinen Anspruch auf direkte
Auszahlung dieser Beiträge, wie dies der Kläger verlangt habe. In BVG-rechtlicher
Hinsicht habe die Vorinstanz unter der Prämisse, dass die fristlose Kündigung
ungerechtfertigt war, alles richtig gemacht. Einerseits habe sie die Arbeitnehmer-
beiträge nicht vom Schadenersatzanspruch in Abzug gebracht, andererseits habe
sie sich im Zusammenhang mit dem eingeklagten Anspruch auf die Arbeitgeber-
beiträge für unzuständig erklärt (Urk. 35 S. 6 f.).
b) Der Kläger hatte vor Vorinstanz beantragt, die Beklagte sei zu verpflich-
ten, den ihm zustehenden Pensionskassenbeitrag für die feste Vertragsdauer,
nämlich neunzehnmal Fr. 561.75, zu bezahlen (Urk. 1 S. 29). Die Vorinstanz ist in
der Tat davon ausgegangen, der Kläger verlange die Ausrichtung an die Vorsor-
geeinrichtung, und hat sich für die Beurteilung als unzuständig erklärt. Wie die
Beklagte zutreffend dargelegt hat, hält die Vorinstanz den Anspruch aber in mate-
riellrechtlicher Hinsicht ohnehin für unbegründet (Urk. 26 S. 31 ff., unter Hinweis
auf Brechbühl, Stämpflis Handkommentar, BVG und FZG, N 16 zu Art. 19, recte
wohl N 16 zu Art. 10 BVG).
Im Zeitpunkt der fristlosen Kündigung wird nicht nur das Arbeitsverhältnis
faktisch und rechtlich aufgelöst, sondern der Versicherte tritt auch aus der Vor-
sorgeeinrichtung aus. Das Eidgenössische Versicherungsgericht hält dafür, dies-
falls fehle es an einer Vorsorgeeinrichtung, an welche Beiträge auf Lohnbestand-
teilen, die nach der ungerechtfertigten fristlosen Entlassung angefallen wären, zu
entrichten wären. Daher habe die bisherige Versicherungskasse auch keine Frei-
zügigkeitsleistungen auf Lohnbestandteilen aus Zeiten nach der fristlosen Entlas-
sung zu entrichten (EVG B 55/99 vom 8.11.2001). Brechbühl stellt zutreffend fest,
dass als Folge dieser Rechtsprechung die fristlos entlassene Person über eine
- 33 -
tiefere Freizügigkeitsleistung verfügt als im Falle einer ordentlichen Kündigung
(a.a.O., N 18 zu Art. 10 BVG). Dieses Defizit hat der Arbeitgeber richtigerweise
auszugleichen. Das Eidgenössische Versicherungsgericht hatte im zitierten Ent-
scheid nicht darüber zu befinden, ob dem Gekündigten dafür ein Schadenersatz-
anspruch gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber zustehe. Die Frage ist zu beja-
hen (Streiff/von Kaenel/Rudolph, a.a.O., N 2 und 15 zu Art. 337c; Brunner/Bühler/
Waeber/Bruchez, Kommentar zum Arbeitsvertragsrecht, Art. 337c N 2 S. 270;
BSK OR I-Portmann, Art. 337c N 2a; anders noch Rehbinder, Berner Kommentar,
1992, N 6 zu Art. 337c OR). Zwar ist nicht zu verkennen, dass damit der Vorsor-
geschutz nicht erhalten bleibt. Dasselbe gilt aber auch für die Arbeitnehmerbeiträ-
ge, welche vom zugesprochenen Bruttolohn nicht abzuziehen sind und damit dem
Gekündigten zur freien Verfügung verbleiben. Streiff/von Kaenel/Rudolph weisen
darauf hin, dass in der Praxis die Beiträge oft an die Vorsorgeeinrichtung abge-
führt werden, welche sie trotz fehlendem Vorsorgeverhältnis gerne akzeptiere
(a.a.O., N 15; vgl. auch Verwaltungsgericht Luzern, Urteil vom 8. November 2006,
V 05 237, in ZBl 108/2007 S. 564). Eine solche Lösung ist aber nach der zitierten
Rechtsprechung nicht durchsetzbar.
Das Quantitativ ist nicht bestritten. Die Beklagte ist daher zu verpflichten,
dem Kläger für entgangene BVG-Arbeitgeberbeiträge Fr. 10‘673.25 zu bezahlen.
4. a) Gemäss Art. 337c Abs. 2 OR muss sich der Arbeitnehmer an den
Schadenersatzanspruch anrechnen lassen, was er infolge der Beendigung des
Arbeitsverhältnisses erspart hat und was er durch anderweitige Arbeit verdient
oder zu verdienen absichtlich unterlassen hat. Die massgebliche Zeit dauerte vom
tt. November 2012 (Datum der fristlosen Entlassung) bis zum 30. Juni 2014 (Ende
des befristeten Arbeitsvertrags).
Die Vorinstanz gab die Darstellung des Klägers wieder, wonach er dauernd
eine neue Stelle suche und sich beispielsweise als Trainer der Nationalmann-
schaften von T._ [Staat] und U._ [Staat] und unter anderem bei den
Vereinen V._, W._ und R._ beworben habe. Die Beklagte behaup-
te nicht, der Kläger habe bis heute eine neue Stelle angetreten. Auch die von ihm
- 34 -
behaupteten Bemühungen seien nicht bestritten worden. Von seiner Karriere und
seiner Reputation her sei es dem Kläger nicht zuzumuten, irgendeine Trainerstel-
le bei einem beliebigen unterklassigen Dorfverein anzunehmen. Ebenso wenig sei
er gehalten, sich als Trainer bei AA._s AB._ zu bewerben. Er dürfe sich
auf die Suche nach einem Club der obersten Liga eines Landes oder einer Natio-
nalmannschaft beschränken. Im Übrigen lasse das Gesetz eine Reduktion nur
dann eintreten, wenn der Arbeitnehmer absichtlich den Antritt einer neuen Stelle
versäume. Die Beweislast dafür treffe den Arbeitgeber (unter Hinweis auf
Streiff/von Kaenel/Rudolph, a.a.O., N 7 zu Art. 337c OR). Freie Fussballtrainer-
stellen – so die Vorinstanz weiter - seien nicht allwöchentlich zu finden, weshalb
es nicht ganz einfach zu beurteilen sei, ob die Bemühungen des Klägers aus-
reichten oder nicht. Die Beklagte bestreite sie nicht, sondern erachte sie als
"schön und gut". Allerdings bleibe die Behauptung, der Kläger habe es absichtlich
versäumt, eine bestimmte Stelle anzutreten. Um hierüber ein Beweisverfahren
durchführen zu können, sei diese Behauptung allerdings zu wenig substantiiert.
Die Beklagte hätte zumindest den Verein und eventuell auch den Zeitpunkt be-
haupten müssen, bei welchem der Kläger eine freie Stelle nicht angenommen ha-
be. Nur so wäre es möglich gewesen, ein Beweisverfahren durchzuführen und die
Verantwortlichen dieses Klubs zu befragen, ob sie den Kläger als Trainer tatsäch-
lich eingestellt hätten. So sei es mangels genügender Substantiierung nicht
machbar, diese Sachverhaltsbehauptung zu erstellen oder zu widerlegen. Dem
Kläger könne wegen absichtlich unterlassener Schadenminderung nichts ange-
rechnet werden (Urk. 27 S. 26 f.).
b) Die Beklagte beharrt im Berufungsverfahren darauf, bestritten zu haben,
dass der Kläger sich tatsächlich um eine neue Stelle bemüht habe. Das „schön
und gut“ habe sich auf die Aussagen des Klägers zur Stellensuche im Allgemei-
nen bezogen. Vor Vorinstanz sei folgendes ausgeführt worden: „Die heutigen
Aussagen des Klägers sind schön und gut, aber reichen meines Erachtens nicht,
um den entsprechenden Beweis zu erbringen, dass er effektiv tatsächliche Be-
mühungen getätigt hat. Wir halten daran fest, dass die Klage vollumfänglich ab-
zuweisen sei.“ Aufgrund dieser Aussage sei klar, dass die Beklagte nach wie vor
- 35 -
bestreite, dass sich der Kläger genügend um eine neue Stelle bemüht habe. In
der Duplik habe die Beklagte dargelegt, dass es seit Anfang 2013 beim AB._
fünf neue Anstellungen auf der Trainerposition gegeben und dass bei den
AC._ am tt. April 2013, beim R._ am tt. Juli 2013, bei Q._ am tt.
November 2013 und beim L._ am tt. April 2013 die Trainerposition zu beset-
zen gewesen sei. Die Beklagte habe mit ihren Aussagen und den Pressemittei-
lungen in Urk. 22/1 ohne weiteres eine allgemein grosse Arbeitskräftenachfrage
für den Beruf als Cheftrainer nachgewiesen. Aufgrund der Aussagen des Klägers
anlässlich der Hauptverhandlung habe sich gezeigt, dass er sich lediglich um eine
der insgesamt neun freien Stellen beworben und bezüglich acht Stellen untätig
geblieben sei. Es müsse deshalb davon ausgegangen werden, dass sich der Klä-
ger tatsächlich nicht aktiv um eine neue Stelle bemüht habe, was umso mehr gel-
ten müsse, als die Bemühungen im Ausland nicht nachgewiesen worden seien
und es diesbezüglich bei unsubstantiierten Behauptungen des Klägers geblieben
sei (Urk. 41/26 S. 27 ff.).
Gemäss Kläger behauptet die Beklagte zu Recht nicht, er hätte eine der
Stellen bei Schweizer Fussball-Clubs antreten können, dies aber absichtlich un-
terlassen. Eine Anstellung beim AB._ sei angesichts der häufigen Trainer-
wechsel mit der Vorinstanz unzumutbar gewesen. Fakt sei im Übrigen, dass sich
ein Trainer im Fussballgeschäft grundsätzlich nicht selbst melde, sondern über
seine Agenten ins Gespräch gebracht werde. Der Markt sei für den Kläger sehr
klein. In der Schweiz gebe es zehn Super League-Clubs. Ohne den B._ und
den AB._ seien es acht. Von diesen acht Clubs hätten gemäss Darstellung
der Beklagten drei Clubs einen Trainer gesucht. Beim R._ habe sich der Klä-
ger bemüht. Beim L._ sei er vor rund zwei Jahren entlassen worden. Der
„Q._“ habe einen Romand oder einen Italiener gesucht und habe überdies
kein Geld. Zusätzlich sei die Stellensuche durch den hängigen Prozess und die
öffentlichen Äusserungen von D._ erschwert worden, der nicht nur Präsident
des B._, sondern auch Mitglied des AD._ und darum sehr einflussreich
sei. Praktisch habe er mit seinem Verhalten eine Anstellung des Klägers bei ei-
- 36 -
nem Schweizer Verein unmöglich gemacht, jedenfalls für die nächsten Jahre (Urk.
41/35 S. 17 f.).
c) In erster Linie obliegt es dem Arbeitgeber, eine allgemein grosse Arbeits-
kräftenachfrage für den betreffenden Beruf oder mehrere freie, zumutbare Stellen
nachzuweisen, auf die sich der Arbeitnehmer nicht beworben hat (Streiff/von Ka-
enel/Rudolph, a.a.O., N 7 zu Art. 337c OR, mit Hinweisen auf die Rechtspre-
chung). Erweist sich auf Grund der konkreten Umstände des Arbeitsmarktes oder
der persönlichen Verhältnisse als wenig wahrscheinlich, dass der Arbeitnehmer
eine angemessene Stelle hätte finden können, darf aus dem Umstand allein, dass
keine Stelle gesucht worden ist, nicht geschlossen werden, es sei auf ein mögli-
ches Arbeitseinkommen absichtlich verzichtet worden (BGer 4C.158/2002,
E. 4.2).
Der Kläger hat in seiner Befragung vor Vorinstanz ausgeführt, er habe im-
mer wieder (eine Anstellung) gesucht, aber nicht gefunden. Er hätte am liebsten
eine in der Schweiz gefunden, aber auch im Ausland. Aber er habe gespürt, dass
seine Karten sehr schlecht seien. Er sei fristlos entlassen worden, was es im
Fussball noch nie gegeben habe. Es sei zu Gesprächen seiner Berater mit den
Vereinsvorständen gekommen, aber nicht mehr weiter gegangen. Es seien ver-
schiedene Gespräche mit verschiedenen Ländern, Nationalmannschaften oder
Vereinen und Clubs geführt worden. Es seien fünf oder sechs Clubs gewesen, die
Nationalmannschaften von U._ und T._, die Vereine V._ und
W._ und auch der Verein AE._ in U._. Es sei klar, dass er gerne in
der Schweiz oder im näheren Umfeld, wie Deutschland, arbeiten würde, aber das
sei im Moment einfach nicht möglich gewesen. Bei R._ habe ein Freund von
ihm, AF._, der dort Teamchef sei, alles in Bewegung gesetzt, aber das Inte-
resse sei nicht da gewesen (Prot. I S. 16 f.).
Die Beklagte hat fünf Schweizer Fussball-Clubs genannt, bei welchen die
Trainerstelle nach der Entlassung des Klägers vakant wurde. Unbestritten und zu-
treffend ist, dass er nicht gehalten war, sich um die Trainerstelle beim AB._
zu bewerben (vgl. die häufigen Trainerwechsel, aufgelistet in Urk. 22/1 S. 7, und
- 37 -
die Pressekommentare, ebenda S. 9 ff.). Der L._ war die letzte Station des
Klägers als Trainer vor der Anstellung bei der Beklagten, wobei er entlassen wor-
den war (vgl. Artikel über den Kläger bei ... [Web-Information]). Bei den AC._
wären gemäss Sportchef I._ (der nach der Entlassung des Klägers bei der
Beklagten von dieser zu den AC._ gewechselt hatte) der Kläger und drei an-
dere Trainer die „naheliegendsten Lösungen“ gewesen – angestellt wurde
AG._ (Urk. 22/1 S. 1 ff.). Beim R._ hatte sich der Kläger um den Trai-
nerposten bemüht. Es bleibt die Trainerstelle bei Q._. Andere offene Trainer-
stellen hat die Beklagte nicht aufgeführt. Dass sie damit nicht mehrere freie, zu-
mutbare Arbeitsstellen oder eine allgemein grosse Nachfrage nach Trainer vom
Format des Klägers dargelegt hat, versteht sich von selbst. Im Übrigen haben
beide Parteien nur sehr rudimentäre Behauptungen zu dieser Thematik aufge-
stellt. Der Kläger hat seine Stellensuche im Ausland nicht weiter substantiiert und
die Beklagte hat die Umstände des Trainerwechsels bei Q._ nicht näher dar-
gelegt. Letztlich fällt das aber auf die Beklagte zurück, welche eine Verletzung der
Schadenminderungspflicht durch den Kläger hätte dartun müssen. Zudem ist
nachvollziehbar, dass sich für diesen angesichts der Umstände seiner Entlassung
bei der Beklagten die Stellensuche schwierig gestalten würde, und notorisch ist,
dass Trainer auf dieser Stufe nicht einfach per Inserat gesucht werden, auf das
hin sich der Kläger bewerben könnte. Eine – von der Beklagten in keiner Art und
Weise quantifizierte – Anrechnung im Sinne von Art. 337c Abs. 2 OR kann daher
nicht erfolgen. Da die feste Anstellungsdauer am 30. Juni 2014 abgelaufen ist,
stellt sich auch nicht die Frage, ob dem Kläger ein künftiges Ersatzeinkommen
anzurechnen ist (Urk. 41/26 S. 35 f.).
5. a) Der Kläger hat vor Vorinstanz gestützt auf Art. 337c Abs. 3 OR von der
Beklagten eine Strafzahlung von Fr. 72‘000.– verlangt und zugesprochen erhalten
(Urk. 1 S. 28; Urk. 19 S. 33; Urk. 27 S. 30 f.). Im Berufungsverfahren stellt sich
der Kläger auf den Standpunkt, nach dem Dispositionsgrundsatz gemäss Art. 58
Abs. 1 ZPO dürfe das Gericht einer Partei nicht mehr und nichts anderes zuspre-
chen, als sie verlange, und nicht weniger, als die Gegenpartei anerkannt habe.
Entsprechend diesem Grundsatz müsse sich der Kläger nur auf der Gesamtforde-
- 38 -
rung behaften lassen, nicht aber auf den einzelnen Positionen, welche zum Kla-
getotal führten. Er habe als Pönale nur etwas mehr als die Minimalentschädigung
gefordert, da er insgesamt Fr. 216‘000.– Punkte- und Erfolgsprämien eingeklagt
habe. Wären die errechneten Prämien tiefer ausgefallen, hätte er eine höhere
Pönale verlangt. Nach dem Grundsatz „iura novit curia“ könne das Obergericht
die Strafzahlung bis zur Limite der eingeklagten Gesamtforderung erhöhen
(Urk. 26 S. 12 f.; Urk. 41/35 S. 16 f.). Die Beklagte hält dem entgegen, dass die
klägerischen Rechtsbegehren eine Klagenhäufung im Sinne von Art. 90 ZPO dar-
stellten, wobei die Dispositionsmaxime auf jeden einzelnen Anspruch anwendbar
sei, dies insbesondere auch deshalb, weil die Ansprüche nicht zwingend in einem
Verfahren zu beurteilen seien, sondern grundsätzlich auch in verschiedenen Ver-
fahren beurteilt werden könnten (Urk. 35 S. 15).
Der Kläger hat vor Vorinstanz eine Strafzahlung von Fr. 72‘000.– für ange-
messen erachtet. Im Berufungsverfahren bringt er keine (zulässigen) neuen Tat-
sachen vor, welche eine höhere Strafzahlung erheischen würden. Daher ist es
unzulässig, nunmehr eine solche zu verlangen (Art. 317 ZPO). Dem Kläger wäre
es auch unbenommen gewesen, vor Vorinstanz ein Eventualbegehren zu stellen,
wenn er die Höhe der Pönale von der Höhe der Prämien hätte abhängig machen
wollen. Dies hat er nicht getan. Obergrenze der Pönale bilden daher die
Fr. 72‘000.–. Dieser Betrag ist auch angemessen, wie nachfolgend zu zeigen ist.
b) Die Beklagte wirft der Vorinstanz vor, das ihr zustehende Ermessen bei
der Festlegung der Strafzahlung überschritten bzw. missbraucht zu haben, indem
sie dem Kläger trotz groben Mitverschuldens überhaupt eine Strafzahlung bzw.
mehr als die Minimalentschädigung zugesprochen habe. Die zahlreichen herab-
lassenden und vereinsschädigenden Äusserungen in der Presse und die Vergif-
tung des internen Klimas wie auch die Tatsache, dass sich der Kläger hartnäckig
geweigert habe, sich an die internen Weisungen der Beklagten zu halten, gäben
genügend Anlass für Beanstandungen seitens der Beklagten. Das Interview vom
tt. November 2012 könne – entgegen der Vorinstanz – keineswegs als Lappalie
bezeichnet werden. Selbst die Vorinstanz anerkenne, dass die Aussagen anläss-
lich des Interviews von mangelnder Motivation des Klägers sowie fehlender Treue
- 39 -
zur Beklagten zeugten. Die Vorinstanz verkenne, dass nicht an die Aussagen
selbst hohe Anforderungen zu stellen seien, sondern an die Person, welche diese
Aussagen mache, je nach ihrer Stellung und Funktion im Unternehmen. Beim
Kläger handle es sich um einen leitenden Angestellten, welchen eine gesteigerte
Treuepflicht treffe. Von einem solchen könne – anders als vielleicht von einem
Spieler – erwartet werden, dass er auch in schwierigen Situationen professionelle
Interviews gebe. Gerade dies sei jedoch nicht der Fall gewesen (Urk. 41/26
S. 37 f.).
c) Gemäss Art. 337c Abs. 3 OR kann das Gericht den Arbeitgeber bei einer
ungerechtfertigten fristlosen Kündigung verpflichten, dem Arbeitnehmer eine Ent-
schädigung in der Höhe von bis zu sechs Monatslöhnen zu bezahlen. Die Ent-
schädigung bemisst es nach freiem Ermessen und unter Würdigung aller Um-
stände (Art. 337c Abs. 3 OR). Diese Entschädigung hat sowohl Strafcharakter als
auch Genugtuungsfunktion und soll die durch die ungerechtfertigte fristlose Kün-
digung erlittene Persönlichkeitsverletzung des Arbeitnehmers abgelten. Die Ent-
schädigung darf den Lohn des Arbeitnehmers für sechs Monate nicht übersteigen.
Sie hat sich entscheidend nach der Schwere der Persönlichkeitsverletzung, der
finanziellen Situation der Parteien, der Dauer der arbeitsvertraglichen Beziehun-
gen, der Art und Weise der Kündigung sowie der Schwere eines allfälligen Mitver-
schuldens des Arbeitnehmers zu richten (BSK OR I-Portmann, N 6 zu Art. 337c;
Streiff/von Kaenel/Rudolph, a.a.O., N 8 zu Art. 337c).
Wie die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat, haben die Leistungen des
Klägers – gemeint im Rahmen seiner Aufgaben als Fussballtrainer – keinen An-
lass zu Beanstandungen gegeben. Dass sich die Beklagte nach dem Trainer-
wechsel bessere Resultate versprach, versteht sich von selbst, doch hängen die-
se nicht nur von der Arbeit des Trainers ab. Zu berücksichtigen ist, dass der Klä-
ger sich nicht immer weisungskonform verhielt, wozu auch seine öffentliche Kritik
an einzelnen Spielern gehörte, und zu den Spannungen zwischen den Spielern
und ihm beitrug. Allerdings fällt dabei das Interview vom tt. November 2012 nicht
ins Gewicht, wovon auch die Vorinstanz sinngemäss ausgegangen ist. Weder die
relativ kurze Vertragsdauer noch die Umstände der Kündigung erheischen eine
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Erhöhung der Pönale; die Entlassung eines bekannten Fussballtrainers interes-
siert die Öffentlichkeit und führt zu entsprechenden Medienberichten. Zweifellos
erschwert aber eine fristlose Entlassung gegenüber einer Freistellung die nach-
folgende Stellensuche. Insgesamt erscheint eine Pönale von Fr. 72‘000.– (was
bei einem Monatslohn von Fr. 27‘750.– [Fr. 24‘000.– + {Fr. 90‘000.–:24}] gut
zweieinhalb Monatslöhnen entspricht) als angemessen.
6. Die Vorinstanz hat dem Kläger unter dem Titel „Handykosten“ den von
diesem verlangten Betrag von Fr. 1‘128.85 zugesprochen (Urk. 27 S. 31). Dazu
hat die Beklagte im Berufungsverfahren keine Ausführungen gemacht, weshalb
es dabei bleibt.
7. Zusammenfassend ist die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger
Fr. 496‘875.– netto (Fr. 456‘000.– + Fr. 74‘000.– abzgl. 6.25 % AHV-/ALV-
Beiträge) zuzüglich Fr. 83‘802.10 (Fr. 10‘673.25 BVG-Arbeitgeberbeiträge, Fr.
72‘000.– Pönale und Fr. 1‘128.85 Handykosten) zu bezahlen. Dieser Betrag ist
mit 5 % seit 26. November 2012 zu verzinsen.
VI.
Die Vorinstanz ist zutreffend von einem Streitwert von Fr. 813‘311.15 (teil-
weise brutto) ausgegangen. Der Kläger obsiegt mit Fr. 613‘802.10, also zu rund
drei Viertel. Die erstinstanzliche Kostenregelung ist daher zu bestätigen. Im Beru-
fungsverfahren beträgt der Streitwert noch rund Fr. 775‘000.–. Der Kläger obsiegt
zu rund vier Fünftel. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind zu einem Fünftel
dem Kläger und zu vier Fünftel der Beklagten aufzuerlegen. Diese ist zu verpflich-
ten, dem Kläger in Anwendung von § 4 Abs. 1, § 11 und § 13 Abs. 1 und 2 Anw-
GebV eine auf drei Fünftel reduzierte Pateientschädigung von Fr. 11‘800.– (inkl.
8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
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