Decision ID: bc52565e-4f84-59c2-8645-0ba9e05186a2
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 198
5 geborene
X._
meldete sich am 2
8.
September 2007 (Ein
gangsdatum) unter Hinweis auf eine kavernös
e Transfor
ma
tion der
Vena
portae
mit
portaler
Hypertonie und Splenomegalie bei der IV-Stelle Luzern zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/4).
Diese tätigte beruflich-erwerbliche sowie medizi
nische Abklärungen.
Am 2
2.
August 2008 teilte die IV-Stelle Luzern dem Ver
sicherten mit, dass die Arbeitsvermittlung abgeschlossen
werde
, da
er
eine Arbeitsstelle gefunden
habe
, die
seiner
gesundheitlichen Situation angemessen sei (
Urk.
7/46).
1.2
A
m 1
1.
Mai 2009
meldete sich der Versicherte bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, wieder
an
, um bei der Stellensuche unterstützt zu werden
(
Urk.
7/57,
Urk.
7/65). Mit Mitteilung vom 2
2.
Juli 2009 gab
die IV-
Stelle bekannt, dass die Invalidenversicherung
im Rahmen einer Frühinterventions
massnahme die Kosten eines Ausbildungskurses (Grundkurs
Lagerlogistik) über
nehme
(
Urk.
7/72). Diesen schloss der
Versicherte
in der Folge
erfolgreich ab
(
Urk.
7/83).
Am 1
3.
Januar 2010
teilte die IV-
Stelle dem Versicherten mit, dass die Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitsvermittlung erfüllt seien und dass sie ihm Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche gewähre
(
Urk.
7/87)
. A
m 2
5.
Februar 2010
teilte sie sodann
mit, dass sie die Kosten eines Arbeitstraining
s
übernehme
(
Urk.
7/93).
Für die Dauer der Massnahme wurde dem Versicherten m
it Verfügung vom 2
3.
März
2010
ein
Taggeld in Höhe von
Fr.
144.60
zugesprochen (
Urk.
7/
99
).
Am 2
7.
Januar 2011
wurde
die Arb
eitsver
mittlung abgeschlossen
(
Urk.
7/121).
Mit Vorbescheid vom
1.
Februar 2011 kündigte die IV-Stelle an, dass ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad resul
tiert habe
(
Urk.
7/126). Dagegen erhob der Versicherte mündlich Einwand und ersuchte um Unterstützung
durch
berufliche Massnahmen
,
insbesondere
Arbeits
vermittlung (
Urk.
7/131).
Am 3
0.
März 2011 teilte die IV-Stelle mit, dass die Voraussetzungen für einen Anspruch auf Arbeitsvermittlung erfüllt seien (
Urk.
7/136).
Mit Verfügung vom 2
3.
Mai 2011 verneinte die IV-Stelle einen
Rentena
nsp
ruch
(
Urk.
7/140).
1.3
Am 1
5.
Juni 2016 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf Schmerzen im Bein und auf
den Verlust der Stimme
bei der IV-Stelle
erneut
zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/154).
Die IV-Stell
e tätigte beruflich-erwerbliche
sowie medizinische Abklärungen und teilte dem Versicherten am 2
0.
März 2017 mit, dass zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen angezeigt seien
, da medizinisc
he Massnahmen im Vordergrund stü
nden
(
Urk.
7/171).
Mit Vorbe
scheid vom
4.
September 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass das
Leistungsbegehren abgewiesen werde (
Urk.
7/175), worauf der Versicherte mit Schreiben vom 2
5.
Oktober 2017 Einwand erhob (
Urk.
7/180). Mit Verfügung vom
5.
Januar 2018 verneinte die IV-Stelle einen
Rentena
nsp
ruch
(
Urk.
2 [=
Urk.
7/183])
.
2.
Während noch
laufender
Beschwerdefri
st
ging
bei der IV-Stelle
ein
B
ericht des Universitätsspitals
Y._
vom 3
0.
Januar 2018 ein (
Urk.
7/184). Die IV-Stelle erkundigte sich
daraufhin
beim Versicherten, ob er diesen Arztbericht als Beschwerde einreichen wolle (
Urk.
7/185), was vom Versicherten bejaht wurde (
Urk.
7/186).
Die IV-Stelle überwies
die Sache in der Folge
m
it Schreibe
n vom 2
8.
Februar 2018
an das hiesige Sozialversicherungsgericht
(
Urk.
3 [=
Urk.
7/189
]
).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
3.
April 2018
schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was dem Versicherten mit Verfügung vom
1.
Juni 2018 angezeigt wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaub
haft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den
A
llge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die IV-Stelle hielt
in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) gestützt auf die medizinischen Abklärungen da
für
, dass
der Versicherte nicht länger als ein Jahr dauerhaft in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt
gewesen
sei. Auch die im
Ein
wandverfahren
vorgelegten Arztberichte vom Universitätsspital
Y._
würden keine neuen Diagnosen zeigen.
2.2
Demgegenüber reichte der Beschwerdeführer als Beschwerde einen Arztbericht des Universitätsspitals
Y._
, Klinik fü
r Immunologie, ein und liess damit
ausführen, dass
bei
ihm
seit 2004 ein Morbus
Behçet
mit rezidivierenden Aphten und Fieber bestehe. Unter einer dreifachen Immunsuppression mit
Infliximab
, MTX und Prednison habe die Symptomatik deutlich verbessert werden können. Klinisch sei es nach sieben Wochen zu einem erneuten Beginn der Symptomati
k mit Aphten sowie
ständiger Mü
digkeit gekommen. Die bestehende chronisch-venöse Insuffizien
z
verursache ebenfalls Beinschwellungen sowie Schmerzen
. Hinzu
komme
noch die Splenomegalie mit der schweren
Thrombozytopenie
und
Lymphopenie
.
E
s
sei e
ine administrative Tätig
keit ohne Tragen von Lasten
anzustreben.
Bei einer solchen Tätigkeit müsse berücksichtigt werden
, dass der Beschwerdeführer durch die Immunsuppression
i
nfektgefährdet
und somit eine Tätigkeit mit häufigem Kundenkontakt ungeeignet sei. Nach der Intubationsnarkose sei es zu einer orga
nischen Dysphonie und einem Stimmlippenstillstand gekommen, was eine Tätig
keit mit viel Sprechen deut
lich erschweren würde. Aufgrund
der Vorerkrankung der Leber und der Splenomegalie
sei das Tragen von schweren Lasten kontra
indiziert, was bedeute, dass die frühere Tätigkeit als Lagerist ungeeignet sei. Somit könne eine Umschulung auf eine Bürotätigkeit mit einem anfänglichen Pensum von 50
%
empfohlen werden
(
Urk.
1)
.
2.3
Strittig und zu prüfen
ist,
ob die IV-Stelle zu Recht einen
Anspruch auf Leistun
gen der Invalidenversicherung
verneint hat.
3.
3.1
Nach zahlreichen
Un
tersuchungen und Abklärungen am
Uni
versität
s
spital
Y._
(
Urk.
7/155 S. 2
-
10
,
Urk.
7/170 S. 25-28)
hielt der behandelnde Arzt
an der Klinik für Immunologie des Universitätsspitals
Y._
folgende Diagn
ose
n
fest
(
Urk.
7/179 S. 1-3
)
:
-
M.
Behçet
(EM 2004
)
-
DD Autoinflammatorisches Syndrom vom Typ des PFAPA-Syndroms (
Spital Z._
:
periodisches Fieber, Ad
enitis, Pharyngitis,
aphthöse
St
omatitis, hier kein Hinweis auf Morbus
Behçet
)
-
Portal-venöse Hypertonie bei kavernöser Transformation der Portalvene unklarer
Ätiologie
, ED 2003
-
Splenomegalie,
Oesophagusvarizen
Grad II-II
I
, portal-hypertensive
Gastropathie
,
Verbrauchsthrombozytopenie
-
Leberbiopsie ohne Zirrhose-Zeichen 2003
-
St.n
. Hepatitis B
-
Chronische Müdigkeit
-
Durch- und Einschlafinsomnie seit 2015
-
DD bei Immunsuppression im Rahmen
Behçet
, DD bei Adipositas
-
St.n
. Akne
-
Organische Dysphonie bei:
-
neu aufgetretenem Stimmlippenstillstand links (DD postoperativ nach Venenstripping Oktober 2015)
-
St.n
. Stimmlippenzyste recht
s
und
mucosal
bridge
auf der rechten und linken Seite bei
insgesamt
laryngitisch
veränderten Stimmlippen beid
seits
-
St.n
. Mikrolaryngoskopie und Abtragung einer zystischen Raumforde
rung im Bereich der rechten Stimmlippe am 5.3.2013
-
Vd.a
.
a
llergische Reaktion mit lokaler ödematöser S
chwellung
Aryhöcker
und
a
ryepigl
ottischer
Falte links DD Wundinfekt mit/bei:
-
St.n
.
Injektionslaryngoplastik
(Stimmlippenaugmentation) der linken Stimmlippe mit Hyaluronsäure am 17.2.2016 bei organischer Dyspho
nie
-
Chronisch-venöse Insuffizienz C4
Ep
As
2
p
17,18
Pr
r
echts:
-
Komplette Stamminsuffizienz
der V. saphena magna (VSM) HACH III
-
v
ariköse V.
saphena
accessoria
post
.
cruris
-
Radiofrequenz-Ablation VSM Unterschenkel und
Phlebektomie
Neben
astvarizen in ITN 12/2016 (Spital
A._
_
)
l
inks:
-
Komplette Stamminsuffizienz der V. saphena magna (VSM) HACH II
-
v
a
riköse V.
saphena
accessoria
ant
.
femoris
et cruris
-
Radiofre
quenz-Ablation VSM
und
Phle
bektomie
Nebenastvarizen in ITN
12/2016 (Spital
A._
)
-
Aktuell: Linksbetonte Beinschwellung
bds
.
-
Subklinische Hypothyreose ED 01/2017
-
Adipositas Klasse III nach WHO
-
Endokrine Ursache weitgehend ausgeschlossen 09/2016
-
1.9.2016: Gewicht 137 kg, BMI 42.8 kg/m
2
-
Aktuell 7/2017: 136.5 kg
-
Sekundäre Ehesterilität, EM 2006
-
St.n
. Epididymitis beidseits, ED
23.8.2017
D
er behandelnde Arzt
führte
aus, dass
beim
Beschwerdeführer seit 2004 ein Morbus
Behçet
vorliege
und dass d
ie bestehende chronisc
h-venöse Insuffizien
z
Beinschwellungen sowie Schmerzen
verursache
. Bei einer angestrebten Tätigkeit müsse berücksichtigt werden, dass
für den Be
schwerdefüh
rer
aufgrund der Infek
tanfälligkeit
eine Tätigkeit mit häufigem Kundenkontakt insbesondere im Winter nicht in Frage komme.
Da aufgrund einer D
ysphonie
die
Stimme eingeschränkt sei, sei
eine
Tätigkeit mit
viel Sprechen
ungeeignet
.
Eine Tätigkeit mit schweren Lasten sei wegen der V
orerkrankung der Leber
nicht empfehlenswert
.
3.2
Im Bericht vom 1
8.
Juli 2016 legte
Dr.
B._
, Klinik für Angi
ologie,
Universitätsspital
Y._
,
folgende Diagnose
n
fest (
Urk.
7/162 S. 1-4):
-
Chronisch venöse Insuffizienz mit/bei:
-
p
rimäre
r
Varikosis
-
Adipositas III
Die Arbeitsfähigkeit sei nicht eingeschränkt. Auch sei die bisherige Tätigkeit aus medizinischer Sicht noch zumutbar
. Es bestehe eine verminderte Leistungsfähig
keit, da der Beschwerdeführer keine stehende Tätigkeit ausüben sollte. Der Beschwerdeführer sei ab sofort wieder einsetzbar.
3.3
Der Vert
r
auensarzt der Krankentaggeldversicherung
Dr.
C._
äusserte
in seinem Bericht vom
5.
Oktober 2016 folgende Diagnose
n
, welche die Arbeitsfähigkeit beeinflusse
n
(
Urk.
7/170 S. 3
8
):
-
Chronisch-venöse Insuffizienz
der grossen Stammvenen beider
Beine, unterstützt durch die Adipositas permagna
-
Organisch bedingte Dysphonie al
s mögliche Folge eines Narkose-
Zwischenfalles
Im Mittelpunkt stehe die chronisch-venöse Insuffizienz der grossen Stammvenen beider unteren Extremitäten trotz wiederholten invasiven Eingriffen bis 201
5.
Als Komplikation eines solchen Ereignisses sei ein Stimmlippenstillstand aufgetreten. Klinisch bestehe insgesamt ein weiterhin relevanter Varizen-Status beider Beine mit grotesker Schwellung
. Unterstützt werde diese Schwellung durch die massiv ausgeprägte Adipositas. Bei dem schon seit längerer Zeit bestehenden
Überge
wicht
stelle sich die Frage nach der Complia
nce beziehungsweise der Schaden
minderungspflicht. D
ass diese entscheidenden Parameter
fehlen würden, zeige alleine der Gewichtsverlauf zwischen April und Juli 2016, wonach der Beschwer
deführer 14 Kilo zugenommen habe
(
Urk.
7/170 S. 37)
.
Auf der Ebene Ernährung sei ein adäquates, gut geführtes und überwachtes Therapieprogramm durchzuführen, um das Gewicht drastisch zu reduzieren
. Eine Wiederaufnahme der angestammten Tätigkeit sei derzeit unmöglich. Die Arbeits
fähigkeit in einer angepassten T
ätigkeit lasse sich
nur
durch eine vertrauensärzt
liche K
onsultation festlegen
(
Urk.
7/170 S. 38)
.
3.4
Dr.
C._
schrieb am
9.
November 2016 an die Klinik für Endokrinologie, dass es jetzt wichtig sei, die anhaltende Gewichtsreduktion erfolgreich zu reali
sieren
,
und bat darum, den Beschwerdeführer
in das Reha-Programm DIA-FIT zu integrieren (
Urk.
7/166).
Des Weitern führte er in seinem Bericht vom
9.
Novem
ber 2016 folgende Diagnose
n
und Befunde
an
(
Urk.
7/166 S. 4-6)
:
-
Kardiovaskuläres Risikoprofil mit
-
BMI 40.7 kg/m
2
bei 132 kg und 1.8
m
-
Hypertonie mit sitzend 130/90 und stehend 140/100 mm
Hg
be
i
Inderal
mit Kopfweh und Schwindel
-
Blutzucker noch normal (!) mit 4.8 mmol/l
-
Komplikation des
erhöhten BMI:
Rezidiv
Stammvarikosis
und
Varicosis
Seitenäste beider Bein
e
-
EKG:
Sinusrythmus
, Linkslage, noch normale Repolarisation
-
Kardio-pulmonale Auskultation o
hne
B
efund
In Ergänzung zum Bericht vom
5.
Oktober 2016 (
Urk.
7/170 S. 37)
wurde
festge
halten, dass bezüglich Arbeitsfähigkeit zuerst das DIA-FIT
-Programm
durchzu
führen sei. Es müsse dann ein Belastungsprofil festgelegt werden
. Ein künftiger Job müsse ein abwechslungsreiches Bewegungsm
uster
aufweisen und
soll
e
ermöglichen, sich immer wieder zu setzen.
De
r zumutbare Stellenantritt
habe
spätestens per
1.
Februar 2017
zu
erfolgen.
3.5
Im Bericht von
Dr.
C._
vom 2
0.
Mai 2017 werden
folgende Diagnose
n
und Befunde
festgehalten (
Urk.
7/173 S. 5-7):
-
BMI 40.1 kg/m
2
bei 130 kg und
1.8
m
-
Unverändert Hypertonie mit sitzend 130/85 mm
Hg
, stehend aber
140/95-100 mm
Hg
mit Kopfschmerzen und Schwindel
-
Blutzucker 5.3 mmol/l
-
Venenstatus: unverändert
-
EKG und kardio-pulmonale Auskultation unverändert
E
in adäquates Bewegungsprogramm
sei
noch nicht organisiert worden
. Das Gewicht habe sich nach einer kurzfristigen Redukt
ion wieder erhöht. Mittlerweile
habe der Beschwerdeführer das Gewicht wieder um 7 Kilo reduzieren können. Der Beschwerdeführer leide immer noch an einer anstrengungsbe
dingten Dyspnoe NYHA Grad I-II. Die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers starte am
1.
Juli 2017, wobei
während den
ersten zwei Monate
n
das Pensum noch 50
%
betrage.
3.6
Der
Regionale Ärztliche Dienst der Invalidenversicherung (
RAD
)
hielt am 2
8.
Juli 2017
folgendes fest (
Urk.
7/174 S. 4-5):
Es liege keine Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor.
Das Belastungsprofil sehe eine leichte wechselbelastende Tätigkeit vor, wobei schweres Heben und Tragen von Lasten zu vermeiden sei.
In angepasster Tätigkeit
betrage
die A
rbeits
fähigkeit seit jeher 100
%
. Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers könne sich weiterhin verbessern. Eine
weitere medizinische Massnahme sei die Gewichtsreduktion. Ein Gesundheits
schaden, welcher sich längerfristig auf die Arbeitsfähigkeit auswirke, könne nicht
festgestellt werden. Der Beschwerdeführer
habe eine vorübergehende Verschlech
terung des Gesundheitszustandes durch eine Stimmbandläsion gehabt, woraus aber keine andauernde Arbeitsunfähigkeit resultiere.
Dr.
C._
habe die Ansicht vertreten, dass die aus der Adipositas resultierenden kardiovaskulären Risikofaktoren Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Ein dauerhafter Gesund
heitsscha
den im invaliden
rechtlichen Sinne resultiere aus dem
Übergewicht
aber nicht. Es liege ausserdem eine
Pfortadererkrankung
vor, welche bere
its im Jahre 2011 bestanden
und welche sich
seither
nicht verschlechtert habe.
4.
4.1
Unbestritten und gemäss vorliegender Aktenlage ausgewiesen ist, dass
der Beschwerdeführer
an einem polymorbiden Beschwerdebild l
eidet. Uneinigkeit besteht hingegen bei der Beurteilung der Auswirkungen der vorliegenden Diag
nosen, insbesondere der Adipositas, auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdefüh
rers.
4.2
Anhand der vorhandenen medizinischen Akten lässt sich erkennen, dass aus somatischer Sicht sehr um
fangreiche Abklärungen getätigt worden sind
. Keiner der behandelnden
Fach
ä
r
z
t
e attestierte dem Beschwerdeführer
jedoch
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in quantitativer Hinsicht.
Einzig der Hausarzt
Dr.
D._
attestierte dem Beschwerdeführer in der Zeit vom Sep
tember 2015 bis August 2016 immer wieder für eine gewisse Zeitspanne eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(
Urk.
7/170 S. 5-12, S. 16-20 und S. 22-23).
Auch
die für den R
AD
tätige
E._
, Fachärztin für Innere Medizin,
kam
in Kenntnis der
ärztlichen
Berichte und in nachvollziehbarer Weise zum Schluss, dass beim Beschwerdeführer in angepasster Tätigkeit keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliege (
Urk.
7/174 S. 5).
Übereinstimmend
mit dieser Einschätzung
äusserte sich
auch
Dr.
C._
dahingehend, dass der Beschwerdeführer ab
1.
September 2017 wieder zu 100
%
arbeitsfähig sei (
Urk.
7/173 S. 5-7).
Im Bericht des Uni
versitäts
spitals
Y._
, Klinik für Immuno
logie, vom 1
9.
September 2017 wurde explizit ausgeführt, unter welchen Voraus
setzungen eine angestrebte Tätigkeit ausgeübt werden könne: es solle berücksich
tigt werden, dass der Beschwerdeführer durch die Immunsuppression
i
nfekt
gefährdet
sei. Demzufolge
komme nur e
ine Tätigkeit
mit wenig Kundenkontakt in Frage
. Da die Stimme eingeschränkt sei, sei eine Tätigkeit mit viel Sprechen nicht zu empfehlen.
Schliesslich sei a
ufgrun
d der Vorerkrankungen der Leber
eine Tätigkeit mit schweren Lasten zu vermeiden (
Urk.
7/179 S. 1
).
Auch der
Angiologe
Dr.
B._
ging am 1
8.
Juli 2016 von einer 100%
igen
Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit aus (
Urk.
7/162 S. 1-4).
4.3
Adipositas bewirkt grundsätzlich keine leistungsbegründende Invalidität, wenn sie keine körperlichen oder geistigen Schäden verursacht und nicht die Folge von solchen Schäden ist. Liegen diese Voraussetzungen nicht vor, muss sie unter Berücksichtigung der besonderen Gegebenheiten des Einzelfalles dennoch als invalidisierend betrachtet werden, wenn sie weder durch geeignete Behandlung noch durch zumutbare Gewichtsabnahme auf ein Mass reduziert werden kann, bei welchem das Übergewicht in Verbindung mit allfälligen Folgeschäden keine voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit beziehungsweise der Betätigung im bisherigen Aufgabenbereich zur Folge hat (Urteil des Bundesgerichts 8C_496/2012 vom 19. September 2012 E. 2.2).
Der Beschwerdeführer ist unbestritten schwer übergewichtig
(
Urk.
7/170 S. 37,
Urk.
7/173 S.11)
. Er hat aber immer wieder den Willen gezeigt ab
zunehmen
, was ihm auch
, unter anderem mit seinem
regelmässigen
Schwimmtraining (
Urk.
7/170 S. 36)
gelang
(
Urk.
7/173 S. 5)
,
noch
bevor er mit dem DIA-FIT-Programm
an
gefangen hat
.
Eine Gewi
chtsreduktion ist ihm zumutbar
und ist auch realistisch
,
kann er doch auf
hilfreiche
Therapien
zurückgreifen
(
Urk.
7/173 S.
5).
Schliesslich gibt es keine Hinweise
dafür
, dass er durch die Adipositas in seiner Erwerbsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit eingeschränkt ist.
Somit
ist
der medizinische Sachverhalt dahingehend erstellt, dass für eine ange
passte Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
ausgewiesen ist.
5.
5.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in
der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
5.2
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten (BGE 126 V 75 E. 5b/
aa
). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schät
zen und darf 25
%
nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
bb
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesund
heitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbeding
ten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichts
punkts führen dürfen (Urteil des Bundesgerichts 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1 mit Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.1).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bun
desgerichtes
8C_113/2015
vom 26. Mai 2015 E. 3.2 und
8C_808/2013 vom 14. Februar 2014 E. 7.1.1 mit Hinweisen).
5.3
Für die Festsetzung des
Valideneinkommens
sind die
Tabellenlöhne
der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE
) 2014
heranzuziehen.
Der Beschwerde
führer absolvierte eine Anlehre als Maler und verfügt über
eine
gewisse
berufliche Erfahrung (
Urk.
7/1
,
Urk.
7/71
).
Abzustellen ist
demzufolge
auf den standardisierten Lohn der Tabelle TA1,
Ziff.
41-43 (Baugewerbe), Kompetenzniveau 2, Männer, von monatlich
Fr.
5'
885
.--.
Dieses monatliche Ein
kommen ist unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Arbeitszeit
im Bereich Baugewerbe/Bau
im Jahr 2016 von 41.
4
Stunden pro Woche (vgl. Bundesamt für Statistik,
Tabelle T 03.02.03.01.04.01
,
Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirt
schaftsabteilungen [NOGA 2008], in Stunden pro Woche, 2004-201
8
,
Ziff.
41-43
) sowie der Nominallohnentwicklung bis in Jahr 2016
(Indexstand 2220 [2014
]
auf
2239
[2016],
vgl. Bundesamt für Statistik, Schweizerischer Lohn
index, Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Real
löhne, T39, 2010-2018, Nominallöhne Männer) auf ein Jahreseinkommen hochzurechnen
. Das
Valideneinkommen
beträgt somit
Fr.
73’717
.--
(
Fr.
5'885
.-- : 40 x 41.4 x 12
: 2220 x 2239
)
.
Gemäss IK-Auszug war
der Lohn des Beschwer
deführers
bis anhin noch nie so hoch (
Urk.
7/158). Es kann
offenbleiben
, ob er in seiner angestammten
Tätigkeit heute so viel verdien
en würde
, weil
-
wie
nachfol
gend
zu zeigen ist – ohnehin
ein leistungsausschliessender Invaliditätsgrad resultiert.
5.4
Zur Bemessung des Invalideneinkommens sind ebenfalls die Tabellenlöhne der Schwe
izerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 201
4
heranzuziehen.
Da dem Beschwerdeführer nur noch eine wechselbelastende Tätigkeit zuzumuten ist und er über keine verwertbare Ausbildung in einer angepassten Tätigkeit verfügt, ist
auf das standardisierte monatliche Einkommen für männliche Hilfskräfte
(LSE 2014, TOTAL in der Tabelle TA1, Kompetenzniveau 1, Männer)
abzustellen, welches
Fr.
5'312
.--
beträgt. Dieses monatliche Einkommen ist unter Berücksich
tigung der durchschnittlichen Arbeitszeit im Jahr 2016 von
41.7
Stunden pro Woche (vgl. Bundesamt für Statistik,
Tabelle T 03.02.03.01.04.01,
Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen [NOGA 2008], in Stunden pro Woche, 2004-201
8
, A-S 01-96) sowie der Nominallohnentwicklung bis in Jahr 2016
(Indexstand 2220 [2014] auf 2239 [2016],
;
vgl. Bundesamt für Statistik, Schweizerischer Lohnindex, Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumenten
preise und der Reallöhne, T39, 2010-2018, Nominallöhne Männer) auf ein Jahreseinkommen hochzurechnen.
Das Invalideneinkommen
beträgt
somit
Fr.
67'022
.--
(
Fr.
5'312
.--
x 12 : 40 x 41.7
: 2220
x 2239
)
.
Faktoren
, die einen leidensbedingten Abzug rechtfertig
t
en, sind vorliegend nicht vorhanden.
5.5
Die aus dem Einkommensvergleich resultierende Erwerbseinbusse beträgt dem
nac
h
Fr.
6’695
.-- (
V
alideneinkommen
von
Fr.
73’717
.--
abzüglich I
nvalidenein
kommen von
Fr.
67’022
.--), was einem
leistungs
ausschliessenden
Invaliditäts
grad von gerundet 9
%
entspricht.
6
.
Nach dem Gesagten erweist
sich die Beschwerde
als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.
7.
Die Kosten d
es Verfahrens sind auf
Fr.
700.--
festzulegen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzu
erlegen
(
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).