Decision ID: b1a68d41-3656-4064-b055-1d2656559f3d
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1962, meldete sich am 9. November 2015 zur Arbeitsvermittlung beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) an und beantragte ab dem 1. Dezember 2015 Arbeitslosenentschä
digung (Urk. 6/25-26). Mit Verfügung des Amtes für Wirtschaft und Arbeit (AWA) vom 14. Dezember 2015 wurde der Versicherte ab dem 1. Dezember 2015 für die Dauer von 5 Tagen in der Anspruchsberechtigung eingestellt, da er für die Zeit ab Erhalt der Kündigung am 29. September 2015 bis zum Ablauf der Kündigungsfrist am 30. November 2015 lediglich 16 persönliche Arbeitsbemühungen habe nachweisen können (Urk. 6/6). Die vom Versicher
ten dagegen erhobene Einsprache wurde mit Entscheid vom 10. März 2016 abgewiesen (Urk. 6/7), der unangefochten blieb.
Nachdem der Versicherte am 3. März 2016 zu einem Beratungsgespräch nicht erschienen war (Urk. 6/14), wurde er mit Verfügung des AWA vom 9. März 2016 für die Dauer von 8 Tagen in der Anspruchsberechtigung eingestellt (Urk. 6/3). Dagegen erhob er am 21. März 2016 Einsprache (Urk. 6/4). Mit Einspracheentscheid vom 23. Juni 2016 hielt das AWA an der verfügten Einstellung fest (Urk. 2 = 6/5).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 30. Juli 2016 Beschwerde und beantragte die Aufhe
bung des angefochtenen Entscheids (Urk. 1). Das AWA schloss am 11. August 2016 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5).
Auf die Vorbringen der Parteien und die im Beschwerdeverfahren neu einge
reichte Unterlage (Urk. 3/5) wird, soweit für die Entscheidfindung erforder
lich, nachfolgend eingegangen.

Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der Beschwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
2.1
Gemäss A
rt. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosen
versicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) muss der Versicherte, der Versicherungsleistungen beanspruchen will, mit Unter
stüt
zung des zuständigen Arbeitsamtes alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen.
Er
hat auf Weisung
an Beratungsgesprächen und Informationsveranstaltungen sowie an Fachge
sprächen nach Absatz 5 teil
zu
nehmen (
Art.
17
Abs.
3 lit. b AVIG).
Zur Durchsetzung des Prinzips der Schadenminderung sieht das Gesetz bei Verhaltensweisen, die sich negativ auf Eintritt oder Dauer der Leistungs
pflicht der Arbeitslosenversicherung auswirken, Sanktionen vor. Bei Ver
wirklichung der in Art. 30 Abs. 1 AVIG aufge
zählten Tatbestände kann die Ausrichtung von Arbeitslosenentschädigung für eine bestimmte Anzahl von Tagen ausgesetzt werden (vgl. das Urteil des Bundesge
richts C 134/06 vom 19. September 2006 E. 1.1).
2.2
Der Versicherte ist nach Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG unter anderem dann in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn er die Kontrollvorschriften oder die Weisungen der zuständigen Amtsstelle nicht befolgt, namentlich eine zumutbare Arbeit nicht annimmt oder eine arbeitsmarktliche Mass
nahme ohne entschuldbaren Grund nicht antritt, abbricht oder deren Durchführung oder Zweck durch sein Verhalten beeinträchtigt oder verun
möglicht. Darunter ist beispielsweise das Versäumen von Beratungs- und Kontrollgesprächen zu subsumieren (vgl. die Urteile des Bundesgerichts 8C_697/2012 vom 18. Februar 2013 E. 2 und 8C_543/2009 vom 23. Juli 2009 E. 2, je mit Hinweisen).
2.3
Rechtsprechungsgemäss liegt ein mit einer Einstellung zu sanktionierendes Verhalten insbesondere dann vor, wenn ein Termin aus Gleichgültigkeit und Desinteresse verpasst wurde, nicht aber, wenn ein Versicherter den Termin irrtümlich oder zufolge einer Unaufmerksamkeit nicht eingehalten und durch sein übriges Verhalten gezeigt hat, dass er seine Pflichten als Arbeitsloser und Leistungsbezüger ernst nimmt (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 8C_543/2009 vom 23. Juli 2009 E. 2 mit Hinweisen).
Das unentschuldigte Nichtwahrnehmen eines Beratungs- und Kontroll
gesprächs stellt gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kein ein
stellungswürdiges Fehlverhalten dar, wenn der Versicherte während zwölf Monaten vor dem Nichteinhalten des Gesprächstermins seinen Pflichten als Arbeitsloser korrekt nachgekommen ist und sich für das Fernbleiben nach
träglich von sich aus bei der Amtsstelle entschuldigt hat. Ein allfälliges früheres Fehlverhalten ist dabei nicht zu berücksichtigen (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 8C_697/2012 vom 18. Februar 2013 E. 2 mit Hinweisen).
3.
3.1
Der Beschwerdegegner zog im angefochtenen Entscheid im Wesentlichen in Betracht, der Beschwerdeführer sei dem Kontroll- und Beratungsgespräch vom 3. März 2016 ferngeblieben. Er habe dem RAV am 14. März 2016 tele
fonisch mitgeteilt, er habe den Termin vergessen, und sich dafür entschul
digt. Es sei indessen zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer bereits zum Beratungsgespräch vom 14. Januar 2014 mit einer Verspätung von
30 Minuten erschienen sei. Davor habe er wegen einer anderen Pflicht-
verletzung in der Anspruchsberechtigung eingestellt werden müssen. Es liege somit kein erstmaliges Fehlverhalten vor, weshalb von einer Sanktion nicht abgesehen werden könne (Urk. 2).
3.2
Der Beschwerdeführer räumte ein, er habe den Besprechungstermin vom 3. März 2016 versäumt. Derselbe sei mündlich vereinbart worden. Die RAV-Beraterin habe ihm damals erklärt, sie müssten dann noch auf den Strategie
kurs Folgemodul „Bewerbung intensiv“ Rücksicht nehmen, für den sie seine Anmeldung geplant hätten. Als er die Einladung vom 11. Februar 2016 zum Kursbesuch erhalten habe, habe er gesehen, dass der 3. März 2016 als Kurs
tag aufgeführt sei. Er sei automatisch davon ausgegangen, dass das nächste Gespräch mit der RAV-Beraterin danach stattfinden und er dafür noch eine schriftliche Einladung erhalten werde. Es treffe nicht zu, dass er zu einem früheren Termin verspätet erschienen sei. Richtig sei indessen, dass er bereits einmal in der Anspruchsberechtigung eingestellt worden sei. Man habe ihm damals vorgeworfen, er habe sich nach dem Erhalt der Kündigung nicht genügend um Arbeit bemüht. Er habe sich aber nach dem ersten Beratungs
gespräch sofort wie besprochen beworben (Urk. 1).
4.
4.1
Es ist unbestritten und mit den Akten belegt, dass der Beschwerdeführer nicht zum Beratungsgespräch vom 3. März 2016, 11.00-11.30 Uhr, erschie
nen war (vgl. Urk. 6/1-2, 6/14, 6/15 und 6/16 S. 2), wofür er sich am 14. März 2016 telefonisch entschuldigte (Urk. 6/16 S. 2). Bereits im Ein
spracheverfahren legte der Beschwerdeführer die Einladung zum Strategie
kurs Folgemodul „Bewerbung Intensiv“ vom 11. Februar 2016 vor, gemäss welcher er (unter anderem) am 3. März 2016 von 9.15-11.55 und 13.00-15.35 Uhr den Kurs im OTP JobScore zu besuchen hatte (Urk. 6/4 S. 5). Die Behauptung des Beschwerdeführers, er habe deswegen irrtümlich angenom
men, der mit seiner RAV-Beraterin vereinbarte Besprechungstermin vom 3. März 2016 entfalle und er werde eine neue Einladung erhalten (Urk. 1 S. 2 und 6/4 S. 2), erscheint daher plausibel. Unter diesen Umständen ist ihm auch nicht vorzuwerfen, er habe den Besprechungstermin aus Gleichgültig
keit und Desinteresse verpasst. Stattdessen ist davon auszugehen, dass das Fehlverhalten des Beschwerdeführers auf einem Irrtum beruhte.
4.2
Ebenfalls bereits im Einspracheverfahren reichte der Beschwerdeführer die Einladung vom 14. Januar 2016 zum Beratungsgespräch im RAV am 18. Januar 2016, 11.00 Uhr, ein (Urk. 6/4 S. 6). Er machte geltend, mündlich sei 10.30 Uhr als Gesprächsbeginn vereinbart worden, weshalb er sich bereits um diese Zeit am Empfangsschalter angemeldet habe. Dies zeige, wie sehr er sich um die Termineinhaltung bemühe (Urk. 6/4 S. 2; vgl. auch Ur. 1 S. 2). In der Beschwerdeschrift bestritt er den mit dem Einspracheentscheid neu erho
benen Vorwurf, er sei am 14. Januar 2016 mit einer Verspätung von 30 Minuten zum Beratungsgespräch erschienen (Urk. 1 S. 2; vgl. Urk. 6/3 und 6/5 S. 2).
In diesem Zusammenhang fällt auf, dass im prozessorientierten Beratungs-
pro
tokoll zwar festgehalten wurde, der Versicherte sei am 14. Januar 2016 um 10.30 Uhr, 30 Minuten zu spät, erschienen. Von einem Termin vom 18. Januar 2016 ist in demselben dagegen keine Rede (Urk. 6/16 S. 2). In Anbetracht der Einladung vom 14. Januar 2016 für den 18. Januar 2016, 11.00 Uhr (Urk. 6/4 S. 6), und der Tatsache, das eine frühere Termin
verschiebung protokolliert worden war (vgl. Urk. 6/16 S. 3), stellt sich die Frage, ob eine korrekte und vollständige Dokumentation erfolgte. Dies muss umso mehr gelten, als in den Akten andernorts ein Fernbleiben vom Bera
tungsgespräch am 14. Januar 2016 (10.00-10.30 Uhr) und ein gleichentags geführtes Telefongespräch (10.30-11.30) festgehalten wurden, jedoch kein verspätetes Erscheinen (Urk. 6/14). Im betreffenden Dokument wurde eben
falls kein Gesprächstermin am 18. Januar 2016 erwähnt, gleichzeitig aber die Verschiebung eines Beratungsgespräches vom 14. März 2016 vermerkt (Urk. 6/14). Unter diesen Umständen ergeben sich ernsthafte Zweifel an der Richtigkeit des dem Beschwerdeführer gegenüber erhobenen Vorwurfes, zumindest aber erscheint das beanstandete Fehlverhalten am 14. Januar 2016 aufgrund der widersprüchlichen Unterlagen, welche auf eine Verwechslung hindeuten, nicht als überwiegend wahrscheinlich.
4.3
Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer mit Verfügung vom 14. Dezember 2015 wegen ungenügender Arbeitsbemühungen bis zum Ablauf der Kündi
gungsfrist am 30. November 2015 ab dem 1. Dezember 2015 für 6 Tage in der Anspruchsberechtigung eingestellt worden war (Urk. 6/6), und damit nicht während
mindestens zwölf Monaten seinen Pflichten als Arbeitsloser korrekt nachgekommen ist, gilt es zwar zu würdigen. Dabei ist indessen auch zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer sämtliche seiner 16 – als quantitativ ungenügend gewerteten – persönlichen Arbeitsbemühungen vor Eintritt der Arbeitslosigkeit zwischen dem 13. und dem 30. November 2015 getätigt hatte. Sie fanden somit alle nach der Anmeldung zur Arbeitsver
mittlung am 5. November 2015 (Urk. 6/26) und immerhin 15 davon nach dem Beratungsgespräch am 19. November 2015 (Urk. 6/16 S. 2) statt (vgl. Urk. 6/19). Das bereits sanktionierte Verhalten des Beschwerdeführers lässt bei dieser besonderen Konstellation nicht auf dessen grundsätzliche Gleich
gültigkeit gegenüber seinen Pflichten im arbeitslosenver
sicherungsrecht
lichen Verfahren schliessen. Dies muss umso mehr gelten, als der Beschwer
deführer in der Folge aktiv in der Stellensuche war und regelmässig quanti
tativ und qualitativ genügende persönliche Arbeitsbemühungen einreichte (Urk. 6/20-23), welche denn auch zum erfolgreichen Abschluss eines Arbeits
vertrages per 1. Juni 2016 und zur Abmeldung bei der Arbeitslosenversiche
rung führten (vgl. Urk. 6/17 und 6/24).
4.4
Aus dem Gesagten folgt, dass
das Verpassen des Beratungstermins vom 3. März 2016 angesichts der konkreten Umstände sowie des übrigen Ver
hal
tens des Beschwerdeführers nicht als ein zu sanktionierendes Fehlverhalten zu würdigen ist. Der angefochtene Entscheid ist in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben.