Decision ID: d0752f9c-f7f5-5910-99c4-730fb84e80d0
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 16. September 2020 – unter Einreichung
eines Reisepasses im Original – in der Schweiz um Asyl nach.
B.
Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentralein-
heit Eurodac) ergab, dass der Beschwerdeführer am 5. August 2020 in Ita-
lien wegen illegaler Einreise registriert worden war (aufgegriffen am 31. Juli
2020).
C.
Am 21. September 2020 fand die Personalienaufnahme (PA) und am
23. September 2020 das persönliche Gespräch (nachfolgend: Dublin-Ge-
spräch) gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 vom
26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung
des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-
rigen oder Staatenlosen gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu-
ständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO), statt.
Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen geltend, am 17. Mai 2018
von Afghanistan über den Iran und die Türkei nach Italien gereist zu sein
(Ankunft am 31. Juli 2020), wo er sich inklusive Quarantäne 47 Tage auf-
gehalten habe. Am 15. September 2020 sei er mit dem Zug in die Schweiz
gelangt. Im Rahmen des rechtlichen Gehörs zu einer allfälligen Wegwei-
sung nach Italien machte der Beschwerdeführer geltend, er sei in Italien
nicht gut behandelt worden (ungenügende Verpflegung und hygienische
Verhältnisse, beengende Räumlichkeiten, keine medizinische Behandlung
nach gewaltsamer Auseinandersetzung mit den dort lebenden Pakistanern
im Asylheim), weshalb er nicht nach Italien zurückkehren wolle. Er sei we-
gen der günstigen beruflichen und medizinischen Perspektiven in die
Schweiz gekommen. Es gehe ihm gesundheitlich gut.
D.
Am 25. September 2020 ersuchte die Vorinstanz die italienischen Behör-
den gestützt auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO um Übernahme des Be-
schwerdeführers. Dieses Gesuch blieb innert der in Art. 25 Abs. 1 Dublin-
III-VO vorgesehenen Frist unbeantwortet.
E.
Mit Verfügung vom 30. November 2020 (Eröffnung am 8. Dezember 2020)
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trat das SEM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ver-
fügte dessen Überstellung nach Italien und forderte ihn auf, die Schweiz
am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig ver-
fügte es die Aushändigung der editionspflichtigen Akten und stellte fest, ei-
ner allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschie-
bende Wirkung zu.
F.
Am 8. Dezember 2020 beendete die damalige Rechtsvertretung (wegen
Aussichtslosigkeit einer Beschwerde, Art. 102h Abs. 4 AsylG) das Mandat
mit sofortiger Wirkung.
G.
Mit handschriftlich ergänzter Formularbeschwerde vom 10. Dezember
2020 (Postaufgabe 11. Dezember 2020, eingegangen am 14. Dezember
2020) erhob der Beschwerdeführer gegen diesen Entscheid Beschwerde.
Er beantragte, dass die angefochtene Verfügung aufzuheben und das SEM
anzuweisen sei, auf sein Asylgesuch einzutreten. Es sei festzustellen, dass
der Wegweisungsvollzug wegen Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Un-
möglichkeit undurchführbar sei. Schliesslich sei die unentgeltliche Pro-
zessführung zu gewähren, auf das Erheben eines Kostenvorschusses zu
verzichten und ein amtlicher Rechtsbeistand einzusetzen. Die aufschie-
bende Wirkung der Beschwerde sei wiederherzustellen. Als Beilage wur-
den mehrere Dokumente eingereicht (eine als «Kopie der Ausweisung der
italienischen Behörden» bezeichnete Handy-Aufnahme, Schreiben per
Mail der damaligen Rechtsvertretung an den Beschwerdeführer vom
29. Oktober 2020, angefochtene Verfügung in Kopie).
H.
Mit Schreiben vom 17. Dezember 2020 bestätigte das Bundesverwaltungs-
gericht den Eingang der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwer-
deführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
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(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet.
3.
Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die Vor-
instanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG) ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2
m.w.H.).
4.
4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Jeder Asylantrag wird von einem einzigen Mitglied-
staat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III Dublin-III-VO als zu-
ständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zustän-
digen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erst-
mals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 der Verordnung (EU)
Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni
2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit-
gliedstaates, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen
oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio-
nalen Schutz zuständig ist (Neufassung), ABl. L 180/31 vom 29. Juni 2013
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[Dublin-III-VO]). Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.:
take charge) sind die in Kapitel III (Art. 8-15 Dublin-III-VO) genannten Kri-
terien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zu-
ständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden und es
ist von der Situation im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen
Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dub-
lin-III-VO [sog. Versteinerungsprinzip]; vgl. BVGE 2012/4 E. 3.2; FILZWIE-
SER/SPRUNG, Dublin III-Verordnung, Wien 2014, K4 zu Art. 7). Im Rahmen
eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet demgegenüber
grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III statt
(vgl. BVGE 2012/4 E. 3.2.1 m.w.H.). Führt die Zuständigkeitsprüfung zur
Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die Prüfung des Asylge-
suchs zuständig ist, tritt die Vorinstanz, nachdem der betreffende Mitglied-
staat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt hat – oder bei
fingierter Zustimmung – auf das Asylgesuch grundsätzlich nicht ein.
4.2 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintritts-
recht).
4.3 Den vorliegenden Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer
am 31. Juli 2020 in Italien illegal in das Hoheitsgebiet der Dublin-Staaten
einreiste, weshalb das SEM am 25. September 2020 Italien um Über-
nahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 13 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO
ersuchte. Die italienischen Behörden liessen das Übernahmeersuchen in-
nert der in Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehenen Frist unbeantwortet,
womit sie die Zuständigkeit Italiens implizit anerkannten (Art. 25 Abs. 2
Dublin-III-VO). Die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens – welche mit dem
blossen Hinweis in der Beschwerde, wonach Italien dem Übernahmeersu-
chen nicht zugestimmt habe – auch auf Beschwerdeebene nicht in sub-
stanzieller Weise in Frage gestellt wird – ist somit gegeben.
5.
5.1 Die Vorinstanz führte bezüglich der geltend gemachten schwierigen Le-
bensbedingungen und der fehlenden Zukunftsperspektiven in Italien im
Wesentlichen aus, dass der geäusserte Wunsch nach einem weiteren Ver-
bleib in der Schweiz keinen Einfluss auf die Bestimmung des für ihn zu-
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ständigen Dublin-Staates habe. Es lägen auch keine konkreten Anhalts-
punkte dafür vor, dass sich Italien nicht an seine völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen halten und das Asyl- und Wegweisungsverfahren nicht korrekt
durchführen würde. Es gebe auch keine systemischen Mängel im Asyl- und
Aufnahmesystem Italiens. Im Weiteren habe Italien die Richtlinien
2013/32/EU (Verfahrensrichtlinie), 2011/95/EU (Qualifikationsrichtlinie)
und 2013/33/EU (Aufnahmerichtlinie) umgesetzt. Er könne sich daher an
die zuständigen italienischen Behörden wenden, um eine Unterkunft und
sozialstaatliche Unterstützung zu erhalten. Auch könne er zusätzlich bei
einer der in Italien zahlreich vorhandenen karitativen Organisation um Hilfe
ersuchen. Italien könne zudem angemessene medizinische Versorgungs-
leistungen erbringen und der Zugang zu notwendiger medizinischer Be-
handlung sei gewährleistet. Es lägen keine Hinweise vor, wonach Italien
dem Beschwerdeführer eine medizinische Behandlung verweigert hätte o-
der künftig verweigern würde. Es bestünden somit keine Gründe, welche
die Anwendung der Souveränitätsklausel der Schweiz rechtfertigten.
5.2 Der Beschwerdeführer bringt gegen seine Überstellung nach Italien
vor, bei seiner Ankunft in Italien habe er den dortigen Behörden mitgeteilt,
in Italien kein Asylgesuch stellen zu wollen, sondern vielmehr in der
Schweiz. Nach Beendigung der Quarantäne habe er am 15. September
2020 Italien legal verlassen beziehungsweise sei von den italienischen Be-
hörden ausgewiesen worden. Nach der beiliegenden Verfügung der italie-
nischen Behörden dürfe er drei Jahre nicht nach Italien zurückkehren (An-
drohung einer Gefängnis- und Geldstrafe bei Missachtung dieser Anord-
nung). Dieses Dokument, das er bereits seiner Rechtsvertretung zugestellt
habe (vgl. Schreiben per Mail der Rechtsvertretung vom 29. Oktober 2020)
sei vom SEM bei der Entscheidfindung nicht berücksichtigt worden, wes-
halb der Sachverhalt nicht vollständig festgestellt und die Verfügung nicht
vollumfänglich begründet worden sei. Im Weiteren habe er das Camp in
Italien für mehr als 72 Stunden freiwillig verlassen, womit er nach dem ita-
lienischen Gesetz das Recht auf Unterkunft in Italien verloren habe. Das
SEM solle angewiesen werden, bei den italienischen Behörden eine indivi-
duelle Garantieerklärung einzuholen.
6.
6.1 Die Rügen in der Beschwerde, wonach das SEM das mit der Be-
schwerde eingereichte Dokument der italienischen Behörden («Kopie der
Ausweisung der italienischen Behörden») nicht berücksichtigt habe, wes-
halb eine unvollständige Sachverhaltsfeststellung und eine Verletzung der
Begründungspflicht vorlägen, erweisen sich als unzutreffend, wurde dieses
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doch erst auf Beschwerdeebene erstmals eingereicht und war damit nicht
Gegenstand des erstinstanzlichen Verfahrens. An dieser Einschätzung ver-
mag die Tatsache, dass der Beschwerdeführer dieses Dokument offenbar
während des vorinstanzlichen Verfahrens seiner damaligen Rechtsvertre-
tung zukommen liess, nichts zu ändern. Dem Schreiben per Mail der da-
maligen Rechtsvertretung vom 29. Oktober 2020 an den Beschwerdefüh-
rer ist zu entnehmen, dass diese den Beschwerdeführer dazu aufforderte,
genauere Angaben zum Inhalt dieses Dokuments zu machen, was der Be-
schwerdeführer offenbar unterliess. Jedenfalls wurde das Dokument in der
Folge nicht an das SEM weitergeleitet.
6.2 Hinsichtlich der Relevanz dieses Dokumentes ist festzuhalten, dass
dieses lediglich in teils schwer lesbarer Form von Photographien vorliegt
und damit von bloss geringer Beweiskraft ist. Aus dem Inhalt des auf den
7. September 2020 datierten Dokumentes ist ersichtlich, dass es sich of-
fenbar um eine Anordnung des Polizeichefs von Crotone vom 9. Septem-
ber 2020 bezüglich eines Einreiseverbotes infolge illegaler Einreise handelt
(Anwendung der Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments
und des Rates vom 16. Dezember 2008 [Festlegung gemeinsamer Regeln
und Verfahren für die Rückführung illegal lebender Drittstaatsangehöri-
ger]). Diese Einschätzung wird durch die Tatsache bestätigt, dass gemäss
SIS (Schengener Informationssystem) eine Person mit identischen Perso-
nalien von Italien nach Art. 24 (Einreiseverbot Schengenraum) ausge-
schrieben wurde (vgl. 1075474-13/2). Diese Erkenntnisse decken sich so-
mit mit den Angaben des Beschwerdeführers, wonach von den italieni-
schen Behörden gegen ihn ein (dreijähriges) Einreiseverbot verhängt wor-
den sei. Bei dieser Sachlage kann nicht ausgeschlossen werden, dass ge-
gen den Beschwerdeführer wie behauptet ein Einreiseverbot besteht. In-
dessen steht ein solches der Rücküberstellung des Beschwerdeführers
nach Italien praxisgemäss nicht entgegen (vgl. die Urteile des Bundesver-
waltungsgerichts D-5837/2020; E-5652/2010; F-4030/2020; E-736/2018;
D-716/2016). Aufgrund der implizit anerkannten Zuständigkeit zur Behand-
lung des Asylgesuches ist Italien zur Rückübernahme des Beschwerdefüh-
rers verpflichtet. Ein allfälliges Einreiseverbot stellt somit kein Wegwei-
sungsvollzugshindernis dar.
6.3 Im Weiteren macht der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde gel-
tend, bei einer Rückkehr nach Italien werde er keine Unterkunft erhalten,
da er durch seine Ausreise das Recht auf eine solche eingebüsst habe.
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Daher sollte das SEM angewiesen werden, von den italienischen Behör-
den eine individuelle Garantieerklärung einzuholen, dass er bei einer Rück-
kehr eine Wohnmöglichkeit erhalte und nicht auf der Strasse leben müsse.
6.4 Hierzu ist mit dem SEM festzuhalten, dass keine systemischen Mängel
im Asyl- und Aufnahmesystem Italiens bestehen. Auch den Ausführungen
des Beschwerdeführers anlässlich des rechtlichen Gehörs sowie in der Be-
schwerde lassen sich keine begründeten Hinweise auf das Vorliegen sol-
cher Schwachstellen des italienischen Asylsystems entnehmen. Im Weite-
ren hat Italien die Richtlinien 2013/32/EU (Verfahrensrichtlinie),
2011/95/EU (Qualifikationsrichtlinie) und 2013/33/EU (Aufnahmerichtlinie)
umgesetzt. Daher kann sich der Beschwerdeführer an die zuständigen ita-
lienischen Behörden wenden, um eine Unterkunft und sozialstaatliche Un-
terstützung zu erhalten. Im Übrigen gehört der Beschwerdeführer, der sich
selbst als gesund bezeichnete, nicht zur Gruppe der besonders verletzli-
chen Personen im Sinne des Urteils E-962/2019 E. 7.4. Ein Selbsteintritt
aus humanitären Gründen ist bei dieser Sachlage nicht angezeigt. Im Zu-
sammenhang mit der Möglichkeit des humanitären Selbsteintritts gemäss
Art. 17 Dublin-III-VO i.V.m. Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 ist festzuhalten, dass
das Bundesverwaltungsgericht in BVGE 2015/9 zum Schluss kam, dem
Gericht komme im Rahmen der genannten Bestimmungen keine Beurtei-
lungskompetenz in Bezug auf den Ermessensentscheid der Vorinstanz zu.
Das Gericht greife nur dann ein, wenn das SEM das ihm eingeräumte Er-
messen über- beziehungsweise unterschreite oder missbrauche und damit
Bundesrecht verletze. Dies ist vorliegend nicht der Fall.
Die Vorinstanz ist somit zutreffend von der Zuständigkeit Italiens ausge-
gangen und in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asyl-
gesuch des Beschwerdeführers zu Recht nicht eingetreten. Für einen
Selbsteintritt der Schweiz besteht kein Anlass. Allfällige Vollzugshinder-
nisse sind nicht mehr zu prüfen, da das Fehlen von Wegweisungsvollzugs-
hindernissen bereits Voraussetzung des Nichteintretensentscheides ge-
mäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist (BVGE 2010/45 E. 10). Bei dieser
Sachlage ist auf den Antrag auf Anordnung der vorläufigen Aufnahme nicht
einzutreten.
7.
Zusammenfassend verletzt die angefochtene Verfügung kein Bundesrecht
und ist auch sonst nicht zu beanstanden (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde
ist abzuweisen.
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Mit vorliegendem Direktentscheid ist das Beschwerdeverfahren abge-
schlossen, weshalb sich die Anträge um Gewährung der aufschiebenden
Wirkung und um Verzicht auf das Erheben eines Kostenvorschusses als
gegenstandslos erweisen.
8.
8.1 Aufgrund der Aussichtslosigkeit der Rechtsbegehren sind die Gesuche
um unentgeltliche Prozessführung und amtliche Verbeiständung ungeach-
tet einer allfälligen prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen.
8.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-
ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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