Decision ID: df41fb23-24a4-5735-9d85-b831b03feece
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 08.09.2015 Art. 49 Abs. 2 UVV, Kürzung von Geldleistungen der UV bei Beteiligung an Schlägereien und Raufereien. Vorliegend wurde die von der Unfallversicherung auf diesen Rechtstitel gestützte Taggeldkürzung um 50% als unrechtmässig betrachtet, da anhand der Strafakten nicht hinreichend bewiesen war, dass der Beschwerdeführer sich im Sinn der Rechtsprechung an einer Schlägerei beteiligt hatte. Art. 37 Abs. 2 UVG, Kürzung von Taggeld bei Grobfahrlässigkeit. Das Verbleiben in einer Gruppe alkoholisierter junger Männer bei zunehmend aggressiver Stimmung wurde jedoch als grobfahrlässig betrachtet und eine Kürzung um 20% vorgenommen. (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 8. September 2015, UV 2015/5).Entscheid vom 8. September 2015BesetzungVizepräsidentin Miriam Lendfers, Versicherungsrichter Joachim Huber und Ralph Jöhl; Gerichtsschreiberin Andrea WepferGeschäftsnr.UV 2015/5ParteienA._,Beschwerdeführer,vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Fäh, Oberer Graben 26, 9000 St. Gallen,gegenSchweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358, 6002 Luzern,Beschwerdegegnerin,GegenstandTaggeldleistungenSachverhalt
A.
A.a A._ war als Chauffeur bei der B._ GmbH bei der Suva gegen die Folgen von
Unfällen versichert (Suva-act. 1). Am 2. März 2014 geriet er nachts nach dem Verlassen
eines Clubs mit anderen jungen Männern in eine tätliche Auseinandersetzung, infolge
derer er sich drei Schnittwunden an der Stirn und eine Schnittwunde an der
Nasenbasis zuzog (Suva-act. 19, 10).
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A.b Die Notfallkonsultation erfolgte am 2. März 2014 im Spital C._. Nach
Desinfektion, Reinigung und Wundversorgung wurde der Versicherte entlassen. Als
weiteres Vorgehen war eine Vorstellung beim Hausarzt am darauf folgenden Montag
zur Wundkontrolle und zum Verbandwechsel geplant, die Fadenentfernung nach fünf
bis sieben Tagen sowie Analgesie bei Bedarf (Suva-act. 10).
A.c Die Arbeitgeberin erstattete der Suva am 13. März 2014 eine Schadenmeldung
UVG (Suva-act. 1). Die Versicherung kündigte weitere Abklärungen an, richtete dem
Versicherten aber mit Beginn ab 5. März 2014 bereits ein Teil-Taggeld aus (Schreiben
vom 14. März 2014 an die Arbeitgeberin, Suva-act. 3).
A.d Mit ärztlichem Zwischenbericht vom 9. Mai 2014 attestierte Dr. med. D._,
Fachärztin für Innere Medizin, eine regelrechte Wundheilung, intermittierend noch
Schwindel und posttraumatische Kopfschmerzen. Es würden Massagen und
Physiotherapie durchgeführt. Die Arbeit sei am 22. April 2014 wiederaufgenommen
worden (Suva-act. 13; vgl. auch 11).
A.e Mit Verfügung vom 3. November 2014 hielt die Suva fest, der Versicherte habe
sich an einer tätlichen Auseinandersetzung beteiligt und dabei verletzt. Das Taggeld
werde deswegen um 50% gekürzt und betrage Fr. 65.80. Der Anspruch beginne am 5.
März 2014. Das Taggeld bis 21. April 2014 werde dem Betrieb angewiesen (Suva-act.
21).
B.
B.a Gegen die Verfügung der Suva vom 3. November 2014 erhob Rechtsanwalt lic.
iur. A. Fäh in Vertretung des Versicherten am 2. Dezember 2014 Einsprache. Wegen
seines geringen Tatbeitrages und seiner massiven Gesichtsverletzungen sei eine
Taggeldreduktion absolut unverhältnismässig (Suva-act. 25). Seine Einsprache
ergänzte der Rechtsvertreter mit Schreiben vom 18. Dezember 2014. Er beantragte die
Aufhebung der Verfügung vom 3. November 2014 und die Ausrichtung eines
ungekürzten Taggeldes für den Zeitraum vom 5. März 2014 bis zum 21. April 2014
sowie einer Integritätsentschädigung. Er führte aus, die Sachverhaltsdarstellung der
Staatsanwaltschaft sei unvollständig und zum Teil sogar fehlerhaft. Damit könne
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namentlich nicht belegt werden, dass ein wechselseitiger Raufhandel vorgelegen habe.
Der Versicherte sei lediglich Opfer dieses Raufhandels geworden (Suva-act. 28).
B.b Die Suva wies die Einsprache am 29. Dezember 2014 ab. Der Tatbestand der
Beteiligung an Raufereien oder Schlägereien von Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV sei weiter
gefasst als der Straftatbestand der Beteiligung an einem Raufhandel gemäss Art. 133
StGB. Vorliegend könne aber sogar davon ausgegangen werden, dass der Versicherte
als Täter bzw. Mittäter im Sinn von Art. 133 StGB zu qualifizieren sei. Die übrigen
Beteiligten hätten angegeben, dass sich der Versicherte und insbesondere sein Kollege
ihnen gegenüber aggressiv und provokativ verhalten hätten. Die Leistungskürzung sei
nicht zu beanstanden. Auf den Antrag um Ausrichtung einer Integritätsentschädigung
trat die Suva mangels Anfechtungsgegenstands nicht ein (Suva-act. 29).
C.
C.a Am 15. Januar 2015 erhob der Versicherte (nachfolgend Beschwerdeführer)
Beschwerde gegen den Einspracheentscheid. Er beantragte, dieser sei aufzuheben
und ihm sei für den Zeitraum vom 5. März 2014 bis zum 21. April 2014 ein ungekürztes
Taggeld auszurichten, von einer Leistungskürzung sei allgemein abzusehen. Das
Sozialversicherungsgericht sei bei Vorliegen eines Strafurteils weder hinsichtlich der
Angabe der verletzten Vorschriften noch hinsichtlich der Beurteilung des Verschuldens
an die Feststellung und Würdigung des Strafgerichts gebunden. Dem
Beschwerdeführer werde nicht vorgeworfen, jemanden konkret geschlagen zu haben,
wie dies bei den übrigen Beteiligten der Fall sei. Die von ihm angeblich ausgehende
Provokationen seien nicht konkret umschrieben worden. Er habe weder provoziert,
noch sich an der Rauferei beteiligt und sei lediglich Opfer einer Glasflaschenattacke
gewesen (act. G 1).
C.b In ihrer Beschwerdeantwort vom 19. Februar 2015 beantragte die Suva
(nachfolgend Beschwerdegegnerin), die Beschwerde sei abzuweisen. Der
Beschwerdeführer habe sich unmittelbar, bevor er mit der Glasflasche am Kopf verletzt
worden sei, sowohl am verbalen Disput wie auch an der sich daraus ergebenden
tätlichen wechselseitigen Auseinandersetzung beteiligt. Aus dem Umstand, dass er
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sich in alkoholisiertem Zustand befunden habe, könne nichts zu seinen Gunsten
abgeleitet werden (act. G 5).
C.c Der Beschwerdeführer verzichtete auf die Einreichung einer Replik (act. G 8).
C.d Das Gericht zog weitere Strafakten bei (act. G 10, 14), wozu sich der
Beschwerdeführer am 20. April 2015 (act. G 16) und die Beschwerdegegnerin am
30. April 2015 (act. G 18) äusserten. Letztere reichte zudem ihrerseits eingeholte
Strafakten ein (act. G 18.1).

Erwägungen:
1.
Anfechtungsgegenstand bildet der Einspracheentscheid vom 29. Dezember 2014.
Strittig ist die Kürzung des Taggelds um 50% wegen Selbstverschuldens. Nicht
umstritten ist die Dauer des Taggeldanspruchs. Ein allfälliger Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine Integritätsentschädigung zählt ferner nicht zum
Streitgegenstand und wird in der Beschwerde denn auch nicht mehr geltend gemacht.
2.
2.1 In Abweichung von Art. 21 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG [SR 830.1], der bei Vorsatz eine Kürzung oder
Verweigerung von Geldleistungen vorsieht) werden gemäss Art. 37 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) in der Versicherung der
Nichtberufsunfälle die Taggelder, die während der ersten zwei Jahre nach dem Unfall
ausgerichtet werden, gekürzt, wenn der Versicherte den Unfall grob fahrlässig
herbeigeführt hat. Art. 39 UVG räumt dem Bundesrat die Kompetenz ein,
aussergewöhnliche Gefahren und Wagnisse zu bezeichnen, die in der Versicherung der
Nichtberufsunfälle zur Verweigerung sämtlicher Leistungen oder zur Kürzung der
Geldleistungen führen. Die Verweigerung oder Kürzung kann er in Abweichung von
Art. 21 Abs. 1-3 ATSG ordnen. Art. 39 UVG geht Art. 37 Abs. 2 UVG als lex specialis
vor (BGE 134 V 340 E. 3.2.4). Gestützt auf Art. 39 UVG hat der Bundesrat u.a. Art. 49
der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) erlassen. Dessen Abs. 2
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sieht vor, dass Geldleistungen um mindestens die Hälfte gekürzt werden für
Nichtberufsunfälle, die sich insbesondere ereignen bei Beteiligung an Raufereien oder
Schlägereien, es sei denn, der Versicherte sei als Unbeteiligter oder bei Hilfeleistung für
einen Wehrlosen durch die Streitenden verletzt worden (lit. a), oder bei Gefahren,
denen sich der Versicherte dadurch aussetzt, dass er andere stark provoziert (lit. b).
2.2 Der Tatbestand der Beteiligung an Raufereien oder Schlägereien ist grundsätzlich
verschuldensunabhängig gefasst und geht weiter als der Straftatbestand der
Beteiligung an einem Raufhandel gemäss Art. 133 des Strafgesetzbuchs (StGB; SR
311.0). Das Verhalten der versicherten Person muss objektiv gesehen die Gefahr
einschliessen, in Tätlichkeiten überzugehen oder solche nach sich zu ziehen, und die
versicherte Person muss dies erkannt haben oder hätte es erkennen müssen (BGE 134
V 315 E. 4.5.1.1). Im Bundesgerichtsurteil 8C_932/2012 vom 22. März 2013 E. 2.2
wurde dies als allein entscheidendes Kriterium bezeichnet. Im Sinn von Art. 49 Abs. 2
lit. a UVV beteiligt sich also nicht nur, wer aktiv an Tätlichkeiten teilnimmt, sondern
auch jeder, der in eine Rauferei oder Schlägerei verwickelt (und verletzt) wird, weil er
sich in (vorangehende) Diskussionen, Streitereien und Wortgefechte eingelassen hat,
die das Risiko in sich schliessen, dass es zu Tätlichkeiten kommen könnte (BGE 107 V
235 E. 2a). Nicht erheblich ist, wer mit den Tätlichkeiten begonnen hat, wer im Recht
ist, wer die Schläge austeilt und wer sie nur abwehrt. Massgeblich ist einzig, ob ein
Versicherter die Gefahr eingeht, dass es zu Tätlichkeiten kommen könnte. Dabei ist
nach objektiven Gesichtspunkten zu beurteilen, mit welchen Reaktionen des Gegners
vernünftigerweise gerechnet werden muss (Rumo-Jungo Alexandra, Die
Leistungskürzung oder -verweigerung gemäss Art. 37-39 UVG, Diss. Universität
Freiburg, Freiburg 1993, S. 264).
2.3 Eine Leistungskürzung nach Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV setzt sodann voraus, dass
zwischen dem als Beteiligung an einer Rauferei oder Schlägerei zu qualifizierenden
Verhalten und dem Unfall ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht
(vgl. Urteil U 325/05 des Eidg. Versicherungsgerichts [EVG; seit 2007: sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 5. Januar 2006 E. 1.2 mit Hinweisen, siehe auch
BGE 134 V 315 E. 4.5.1.2).
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2.4 Eine Lehrmeinung bezeichnet die Auslegung des Begriffs der Beteiligung im Sinn
von Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV als höchst problematisch. Die Frage, ob eine Beteiligung
vorliege, werde bei vergleichbaren, sich nur in Nuancen unterscheidenden
Sachverhalten anders beurteilt. Der Tatbestand werde in einer nicht kontrollierbaren
Weise ausgedehnt, womit eine einheitliche Rechtsanwendung kaum mehr möglich sei
(Janett-Baltisser Annina, Die Beteiligung an Raufereien und Schlägereien, in: Kieser/
Lendfers (Hrsg.), Jahrbuch zum Sozialversicherungsrecht 2015, Zürich / St. Gallen
2015, S. 150 ff.).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer lässt vorbringen, er habe sich nicht an der tätlichen
Auseinandersetzung beteiligt, habe niemanden konkret geschlagen und sei lediglich ein
Opfer derselben gewesen. Selbst wenn eine von ihm ausgehende Provokation
bewiesen werden könnte – was vorliegend nicht der Fall sei –, würde kein adäquater
Kausalzusammenhang vorliegen. Obwohl er mit einem Strafbefehl verurteilt worden sei,
sei die Erstellung des Sachverhalts von Seiten der Staatsanwaltschaft mit Fehlern
behaftet. Ihm werde lediglich pauschal ein wechselseitiges Aufeinanderlosgehen
vorgeworfen, ohne dass genau Provokationen beschrieben worden wären, die er
ausgestossen haben solle. Ausserdem könne gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung von den tatbestandlichen Feststellungen des Strafgerichts
abgewichen werden, wenn der im Strafverfahren ermittelte Tatbestand und dessen
rechtliche Subsumtion nicht zu überzeugen vermöchten. Bei ihm sei zum Tatzeitpunkt
von einem Atemalkoholwert von rund 2 ‰ auszugehen und deshalb sei es ihm nicht
möglich gewesen, die Gefahr einer tätlichen Auseinandersetzung zu erkennen (act. G
1).
3.2 Die Beschwerdegegnerin dagegen behauptet, es komme bei der Beteiligung an
Raufereien und Schlägereien nicht auf das Verschulden an, sondern es genüge, dass
das zu sanktionierende Verhalten objektiv gesehen die Gefahr einschliesse, in
Tätlichkeiten überzugehen oder solche nach sich zu ziehen, und die versicherte Person
dies erkannt habe oder hätte erkennen müssen. Bereits durch die Mitwirkung des
Beschwerdeführers am initialen Wortwechsel, welcher sich in angeheizter Atmosphäre
unter jungen alkoholisierten Männern entwickelt habe und klarerweise das Risiko einer
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tätlichen Auseinandersetzung in sich geschlossen habe, sei der Tatbestand von Art. 49
Abs. 2 lit. a UVV erfüllt. Die anschliessende Beteiligung des Beschwerdeführers an der
tätlichen Auseinandersetzung rechtfertige die Anwendung der genannten Bestimmung
umso mehr. Aus dem Umstand, dass sich der Beschwerdeführer in alkoholisiertem
Zustand befunden habe, könne nichts zu seinen Gunsten abgeleitet werden, da eine
alkoholbedingt verminderte Zurechnungsfähigkeit nur ausnahmsweise anzunehmen sei
und die Kürzung bereits auf das Mindestmass von 50 % beschränkt worden sei (act. G
5).
3.3 Wie der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers zutreffend vorbringt (act. G 1 S.
5), ist das Sozialversicherungsgericht bei Vorliegen eines Strafurteils weder hinsichtlich
der Angabe der verletzten Vorschriften noch hinsichtlich der Beurteilung des
Verschuldens an die Feststellung und Würdigung des Strafgerichts gebunden. Es
weicht aber von dessen tatbestandlichen Feststellungen nur ab, wenn der im
Strafverfahren ermittelte Tatbestand und dessen rechtliche Subsumtion nicht zu
überzeugen vermögen oder auf Grundsätzen beruhen, die zwar im Strafrecht gelten, im
Sozialversicherungsrecht jedoch unerheblich sind (BGE 125 V 237 E. 6a, BGE 111 V
172 E. 5a, Urteil U 186/01 des EVG vom 20. Februar 2002, E. 3).
3.4 Gestützt auf die Akten des Untersuchungsamtes E._ betreffend den Vorfall vom
2. März 2014 ist es nicht möglich, den Sachverhalt unter Ausräumung sämtlicher
Zweifel zu rekonstruieren. Den Akten ist Folgendes zu entnehmen: Gemäss dem
Geschäftsführer des Clubs waren der Beschwerdeführer und sein Kollege F._ bei der
Schliessung des Clubs seines Wissens die beiden letzten Gäste. Sie seien stark
alkoholisiert und leicht aufmüpfig gewesen. Der Türsteher habe die beiden dann
hinunter zum Ausgang begleitet (act. G 18.2.16, Antworten auf Fragen 4 und 5), was
dieser auch bestätigte (act. G 14.2.2, Antwort auf Frage 5, siehe auch Antwort auf
Frage 8). Nach Aussage des anschliessend in den Streit involvierten G._ hatte bereits
einen oder zwei Monate zuvor eine Auseinandersetzung mit F._ begonnen, im
Rahmen welcher dieser G._ mit dem Tod bedroht und beleidigt haben soll (act. G
14.2.3, Antwort auf Frage 4). G._ äusserte sich dahingehend, F._ habe ihn am
2. März 2014 wieder bedroht und gesagt, er bringe ihn und seine Familie um. Danach
habe er die Hand in die seitliche Hosentasche gesteckt und er habe gedacht, er hole
ein Messer oder so hervor (act. G 14.2.3, Antwort auf Frage 4). H._ sagte aus, er
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habe schlichtend eingegriffen und einerseits F._ von G._ und andererseits G._
von A._ (dem Beschwerdeführer) getrennt. Es sei ein gegenseitiges Herumgeschubse
und „Anficken“ zwischen G._, F._ und dessen Kollegen gewesen (act. G 14.2.1,
Antworten auf Fragen 18-20). I._ führte aus, vor allem der Grössere der beiden habe
Drohungen ausgestossen. Der Kleinere habe einen Schlag eines Türken kassiert (act. G
14.2.4, Antworten auf Fragen 4 und 6). J._ bestätigte, einem der am Streit Beteiligten
eine Flasche auf den Kopf geschlagen zu haben. G._ sei mit einem dieser Leute
aneinander geraten, und er habe gesehen, dass ein weiterer auch auf G._ habe
losgehen wollen (act. G 14.2.10, Antwort auf Frage 5). F._ wurde in der Einvernahme
gefragt, weshalb er nicht einfach gegangen sei, als H._ ihm dies geraten habe. Er
antwortete gemäss Protokoll, der Beschwerdeführer habe noch mit den anderen
diskutiert. Die anderen hätten auch gehen können (act. G 14.2.6, Antwort auf Frage 55).
Der Beschwerdeführer selbst sagte in der Einvernahme aus, die Gruppe habe sich erst
normal unterhalten. Dann seien "die zwei Glatzen" gekommen (act. G 14.2.7, Antwort
auf Frage 22). Worüber man sich unterhalten hatte, konnte er nicht mehr sagen
(Antwort auf Frage 31). Im Rahmen der Konfrontationseinvernahme vom 24. Juli 2014
sagte F._ aus, es habe sich hinaufgeschaukelt, sei immer aggressiver geworden. Die
Körperverletzung sei "in der Hitze des Gefechts" geschehen (act. G 18.2.13, Antwort
auf Frage 4).
3.5 Nach Lage der Akten ist folglich davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
zusammen mit F._ den Club verliess und sich danach Diskussionen zumindest mit
G._ und J._ ergaben, in die noch weitere Personen involviert wurden. Schliesslich
wurde der Beschwerdeführer insbesondere durch den Schlag mit einer Glasflasche
verletzt. Dass er selbst tätlich geworden wäre, belegen die Akten hingegen nicht.
Während er dies bestreitet, finden sich in den Befragungsprotokollen der übrigen
Beteiligten und der Zeugen keine hinreichend klaren Aussagen über vom
Beschwerdeführer ausgeführte Tätlichkeiten. Solche bleiben somit unbewiesen.
3.6 Zu prüfen bleibt, ob dem Beschwerdeführer vorzuwerfen ist, sich in Diskussionen,
Streitereien und Wortgefechte eingelassen zu haben, die das Risiko in sich schlossen,
dass es zu Tätlichkeiten kommen könnte. Auch diesbezüglich sind die Akten kaum
aussagekräftig. Weder wird hinreichend klar, worüber gestritten wurde, noch, wer
welche Äusserungen machte. F._ sagte auf die Frage, weshalb er nicht gegangen
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sei, zwar aus, der Beschwerdeführer habe noch mit den anderen diskutiert (act. G
14.2.6, S. 7, Antwort auf Frage 55). Dies ist aber zu wenig bestimmt und damit nicht
ausreichend, um daraus zu schliessen, der Beschwerdeführer sei eine
aussergewöhnliche Gefahr im Sinn der Rechtsprechung bzw. eine Beteiligung im Sinn
von Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV eingegangen. Auch in Bezug auf verbale Äusserungen
oder Gesten des Beschwerdeführers liegt folglich Beweislosigkeit vor. Dass sein
Verhalten objektiv gesehen die Gefahr geborgen haben soll, in Tätlichkeiten
überzugehen oder solche nach sich zu ziehen, ist nicht bewiesen. Eine relevante
Beteiligung seinerseits daran, dass die Stimmung unter den Anwesenden offenbar
zunehmend aggressiver wurde, ist zwar nicht ausgeschlossen, lässt sich aber nicht
genügend belegen. Ebenso wie eine denkbare aktive Beteiligung des Versicherten
lassen die Strafakten die Möglichkeit zu, dass er lediglich relativ unbeteiligt dabei stand
und dennoch das Pech hatte, einen Schlag auf den Kopf zu bekommen. Eine
überwiegend wahrscheinlich erwiesene Sachverhaltsvariante lässt sich jedenfalls nicht
belegen. Somit gelingt der Beschwerdegegnerin der Nachweis nicht, dass der
Tatbestand der Beteiligung gemäss Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV erfüllt ist. Vor diesem
Hintergrund ist auch der Tatbestand der starken Provokation anderer gemäss Art. 49
Abs. 2 lit. b UVV nicht erwiesen. Gestützt auf Art. 49 Abs. 2 UVV kann das UV-Taggeld
nicht gekürzt werden.
4.
4.1 Wie oben in E. 2.1 erwähnt, sieht Art. 37 Abs. 2 UVG bei Grobfahrlässigkeit eine
Kürzungsmöglichkeit vor. Nach der Praxis handelt grobfahrlässig, wer jene
elementaren Vorsichtsgebote unbeachtet lässt, die jeder verständige Mensch in der
gleichen Lage und unter den gleichen Umständen befolgt hätte, um eine nach dem
natürlichen Lauf der Dinge voraussehbare Schädigung zu vermeiden (mit Hinweisen auf
die Rechtsprechung Rumo-Jungo Alexandra/Holzer André Pierre, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum UVG, 4. Aufl. 2012, S. 202). Fehlt eine rechtliche Vorschrift, etwas
zu tun oder zu unterlassen, kann nur dann von Grobfahrlässigkeit im Sinn des Gesetzes
ausgegangen werden, wenn bezüglich des gebotenen Verhaltens ein breiter
gesellschaftlicher Konsens besteht (Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 202, mit Hinweis
auf RKUV 1994 Nr. U 198 S. 224). Die Annahme von Grobfahrlässigkeit setzt die
Urteilsfähigkeit voraus. Bei verminderter Urteilsfähigkeit kann die versicherte Person
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nur beschränkt verantwortlich gemacht werden und Grobfahrlässigkeit ist
dementsprechend nur zurückhaltend anzunehmen (Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 203,
mit Hinweis auf RKUV 1985 Nr. K 609 S. 5).
4.2 Im vorliegenden Fall lässt sich aus den Strafakten hinreichend erkennen, dass die
Stimmung unter den Anwesenden vor dem Club aufgeheizt und vorab in verbaler
Hinsicht nicht friedlich war. Der Beschwerdeführer muss sich den Vorwurf gefallen
lassen, sich dennoch nicht von diesem Ort entfernt zu haben. Dies wäre im Rahmen
der von ihm vernünftigerweise zu erwartenden Vorsicht angezeigt gewesen. Dass er
möglicherweise seinem Kollegen F._ beistehen wollte, der sich zumindest gemäss
Aussagen anderer Anwesender provokativ verhalten haben soll, stellt keine
hinreichende Rechtfertigung dafür dar, dass er die mit hoher Wahrscheinlichkeit
erkennbare Gefahr sich anbahnender Tätlichkeiten einging. Sein Verbleiben vor dem
Club trotz der spannungsgeladenen Stimmung erfüllt den Tatbestand der groben
Fahrlässigkeit gemäss Art. 37 Abs. 2 Satz 1 UVG. Gestützt auf diese Bestimmung ist
eine Kürzung der Taggelder gerechtfertigt.
4.3 Eine allfällig verminderte Urteilsfähigkeit des Beschwerdeführers aufgrund des
konsumierten Alkohols vermag die Grobfahrlässigkeit nicht auszuschliessen. Es ist
ohne weiteres davon auszugehen, dass der im Unfallzeitpunkt _-jährige
Beschwerdeführer über ausreichend Erfahrung mit Alkohol und Ausgang verfügte, um
Situationen wie die vorliegend interessierende einschätzen und sich entsprechend
verhalten zu können (vgl. dazu etwa Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 205, mit Hinweis
auf JdT 1980 I 447 Nr. 43).
4.4 Ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem Verbleiben des
Beschwerdeführers vor dem Club und der anschliessenden Gesundheitsschädigung ist
ohne weiteres zu bejahen.
4.5 Die Kürzung gestützt auf Art. 37 Abs. 2 UVG erfolgt ermessensweise nach
Massgabe des Verschuldens. Wie dargelegt, ist dem Beschwerdeführer aus rechtlicher
Sicht bei der gegebenen Aktenlage nur vorzuwerfen, in der sich aufheizenden
Stimmung alkoholisierter junger Männer frühmorgens im Ausgang vor dem Club
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verblieben zu sein, nicht hingegen eine aktive Beteiligung resp. Provokation. Vor
diesem Hintergrund erscheint eine Kürzung des Taggelds um 20% angemessen.
5.
5.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist der angefochtene
Einspracheentscheid aufzuheben und die Beschwerde dahingehend teilweise
gutzuheissen, als das Taggeld des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 37 Abs. 2 UVG
um 20% zu kürzen ist. Die Sache ist zur Berechnung und Nachzahlung des Taggelds
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Da sich der angefochtene Einspracheentscheid als rechtswidrig erwiesen hat und
da der Beschwerdeführer auf jeden Fall gezwungen gewesen ist, Beschwerde zu
führen, um nicht rechtswidrig behandelt zu werden, muss in Bezug auf die
Kostentragungspflicht unabhängig vom konkreten Beschwerdebegehren (in Analogie
zur entsprechenden Regelung bei einer Rückweisung zur weiteren Abklärung, vgl. ZAK
1987 S. 266 E. 5a) von einem vollumfänglichen Obsiegen des Beschwerdeführers
ausgegangen werden. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Bei
diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer aber Anspruch auf eine
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Fall erweist sich
insbesondere in sachverhaltlicher Hinsicht im Quervergleich der
Unfallversicherungsfälle als eher unterdurchschnittlich aufwändig, sodass die
Parteientschädigung ermessensweise auf pauschal Fr. 3'500.- (inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festzusetzen ist. Die bereits bewilligte unentgeltliche Prozessführung
(act. G 6) wird bei diesem Verfahrensausgang gegenstandslos.