Decision ID: a2661b39-a3cb-54f1-b28a-a917eadd8c16
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden suchten am 1. Dezember 2015 in der Schweiz
um Asyl nach. Am 15. Dezember 2015 fanden ihre Befragungen zur Person
(BzP) und am 7. Mai 2018 ihre Anhörungen statt.
Die Beschwerdeführerin machte in der BzP geltend, sie habe das Chris-
tentum über eine Fernsehsendung kennengelernt und im Herzen bereits
im Iran daran geglaubt, aber bis auf zwei Gottesdienste nicht praktiziert. Im
Iran habe sie aufgrund ihrer Zugeneigtheit zum Christentum ein Problem
mit der Polizei bekommen, als sie ungefähr im Jahr (...) mit ihrem Sohn M.
im Auto gefahren sei und laut eine CD mit christlichen Liedern gehört habe.
Sie seien auf den Polizeiposten mitgenommen worden und erst durch die
Hilfe eines Verwandten freigelassen worden. Hierbei habe sie schriftlich
bestätigen müssen, dass sie keine christlichen Aktivitäten mehr ausüben
werde und das Auto sei beschlagnahmt worden. Seither sei nichts mehr
vorgefallen. Als sie im (...) ihre Schwiegertochter in der Schweiz besucht
habe, habe sie sich taufen lassen wollen, was jedoch nicht möglich gewe-
sen sei. Da sie im Iran wegen einer Konversion zum Christentum hinge-
richtet worden wäre, habe sie sich kurz nach ihrer Rückreise aus der
Schweiz in den Iran zur definitiven Ausreise entschieden. Anlässlich der
Anhörung ergänzte sie, im Sommer (...), nach ihrer Rückkehr aus der
Schweiz in den Iran, habe sie dort Leute kennengelernt, mit denen sie eine
Hauskirche aufgebaut habe. Sie habe sich mit Freunden und Gleichgesinn-
ten im Park und später sieben, acht oder gar zehn Mal im Haus der
Freunde getroffen, wo sie im Keller gesungen und Gedichte rezitiert hätten.
Eines Tages sei sie telefonisch informiert worden, dass die Hauskirche auf-
geflogen sei, weshalb sie umgehend geflohen sei.
Der Beschwerdeführer machte in den Befragungen geltend, er sei wegen
seiner Mutter ausgereist. Er wisse nur wenig über das Christentum und
habe im Iran keine Probleme gehabt. In der Schweiz habe er sich taufen
lassen. Anlässlich der Anhörung reichten sie Taufbekenntnisse vom (...) zu
den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 27. Juni 2018 (zugestellt am 29. Juni 2018) stellte das
SEM fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft
nicht, lehnte die Asylgesuche ab, verfügte die Wegweisung aus der
Schweiz und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der
Wegweisung.
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C.
Mit Eingabe vom 30. Juli 2018 reichten die Beschwerdeführenden unter
Beilage dreier Kopien (zwei bereits aktenkundige Taufbekenntnisse der
Beschwerdeführenden sowie eine Petition vom [...] an [...]) beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragten, es sei die angefoch-
tene Verfügung vom 27. Juni 2018 aufzuheben, Asyl zu gewähren und die
Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen. Eventualiter sei die Unzumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs festzustellen. In prozessualer Hinsicht sei die
unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und der Unterzeichnende als un-
entgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 7. August 2018 hiess der Instruktionsrichter
die Gesuche um Erlass der Prozesskosten gut und setzte den Rechtsver-
treter der Beschwerdeführenden als amtlichen Rechtsbeistand ein. Gleich-
zeitig lud er das SEM zur Vernehmlassung ein, das der Aufforderung mit
Eingabe vom 22. August 2018 nachkam. Nach einer Fristerstreckung repli-
zierten die Beschwerdeführerenden mit Eingabe vom 28. September 2018
unter Beilage einer weiteren Kopie der Petition vom (...), einer Überset-
zung, einer Abgabebestätigung sowie eines E-Mail-Ausdrucks vom
27. September 2018.
E.
Mit Eingabe vom 5. Dezember 2018 reichten die Beschwerdeführenden ein
Schreiben vom (...) der C._ zu den Akten.
F.
Am (...) heiratete der inzwischen volljährige Beschwerdeführer eine
Schweizer Staatsbürgerin in D._.
G.
Mit Eingabe vom 30. April 2020 reichte der Rechtsvertreter der Beschwer-
deführenden eine Kostennote zu den Akten.
H.
Gemäss Auskunft des zuständigen kantonalen Amtes für Migration und In-
tegration vom 20. November 2020 an das Bundesverwaltungsgericht, ist
der Beschwerdeführer aufgrund seiner Eheschliessung seit (...) im Besitz
einer gültigen Aufenthaltsbewilligung.
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Seite 4

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie-
gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe-
stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–7 und Art. 84) sind unverändert vom AuG ins
AIG übernommen worden.
2.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerdefüh-
renden sind als Verfügungsadressaten zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rech-
nung zu tragen (vgl. Art. 3 AsylG).
E-4382/2018
Seite 5
4.2 Flüchtlingen wird nach Art. 54 AsylG kein Asyl gewählt, wenn sie erst
durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ih-
res Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG
wurden (subjektive Nachfluchtgründe).
4.3 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachweisen oder zumindest glaubhaft
machen, wer um Asyl nachsucht (Art. 7 Abs. 1 AsylG). Glaubhaft gemacht
ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind ins-
besondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet
oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder
massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt wer-
den (Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die An-
forderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in einem publizierten
Entscheid dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier ver-
wiesen werden (BVGE 2015/3 E. 6.5.1, m.w.H.).
5.
Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die
Vorbringen zu den Vorfluchtproblemen im Iran seien nachgeschoben, wi-
dersprüchlich sowie substanzlos. So habe die Beschwerdeführerin na-
mentlich den Aufbau der Hauskirche in der BzP gänzlich unerwähnt gelas-
sen und stattdessen lediglich den Vorfall mit der Kirchenmusik im Auto er-
wähnt, der unglaubhaft ausgefallen sei. Was die Konversion zum Christen-
tum in der Schweiz anbelange, falle auf, dass die Beschwerdeführenden
über auffällig geringe Kenntnisse über das Christentum verfügten. Zudem
seien sie in der Schweiz kaum aktiv und würden nur an wenigen Gottes-
diensten teilnehmen. Vor diesem Hintergrund könne nicht davon ausge-
gangen werden, dass die iranischen Behörden von ihnen Notiz genommen
oder sie gar als Bedrohung hätten wahrnehmen können. Zudem sei – an-
gesichts der unglaubhaften Vorfluchtgründe – zu bezweifeln, dass deswe-
gen die freiwillig in den Iran zurückgekehrte Tochter tatsächlich einvernom-
men worden sei. Auch die dreimalige Demonstrationsteilnahme in der
Schweiz liesse nicht auf ein auffälliges oder exponiertes Engagement
schliessen.
6.
6.1 Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist in Übereinstimmung mit
der Vorinstanz festzustellen, dass die Vorbringen der Beschwerdeführen-
den weder den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3
AsylG noch denjenigen an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG
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Seite 6
standzuhalten vermögen, weshalb vorab auf die zutreffenden Erwägungen
der Vorinstanz zu verweisen ist. Die Rechtsmitteleingabe ist nicht geeignet,
zu einer anderen Einschätzung zu gelangen, da sie lediglich an der Glaub-
haftigkeit der gemachten Aussagen festhält, indem sie entweder das be-
reits bei den Befragungen Dargelegte wiederholt oder die von der
Vorinstanz aufgeführten Ungereimtheiten nicht nachvollziehbar zu erklären
vermag.
6.1.1 So ist festzustellen, dass das im Zentrum der Ausreiseentscheidung
stehende Auffliegen der Hauskirche weder von der Beschwerdeführerin
noch vom Beschwerdeführer in den BzP erwähnt wurde und die entspre-
chenden Erklärungsversuche nicht zu überzeugen vermögen (z. B. SEM-
Akten A17 F145 ff. oder Beschwerde S. 4 ff.). Es trifft zwar zu, dass die
Beschwerdeführenden in ihrer BzP aufgefordert wurden, das Wesentliche,
was zu ihrem Asylgesuch geführt habe, prägnant und summarisch darzu-
legen. Sie wurden jedoch zusätzlich auf die Vollständigkeitspflicht hinge-
wiesen, es wurden ihnen jeweils 17 Vertiefungsfragen zu ihren Asylgrün-
den gestellt und sie bestätigten jeweils zweimal alle Ausreisegründe dar-
gelegt zu haben (SEM-Akten A6 S. 2 und S. 9 f., A7 S. 2 und S. 7 f.). Das
Nachschieben zentraler Asylgründe und die gravierenden Widersprüche
können nicht – wie in der Rechtsmitteleingabe geschehen (insb. Be-
schwerde S. 5 f.) – lediglich mit der verblassenden Erinnerung der Be-
schwerdeführerin erklärt werden, hätte sie sich diesfalls wohl kaum im Rah-
men der Anhörung zweieinhalb Jahre später an den zentralen Ausreise-
grund und zusätzliche Details erinnert. Die Beschwerdeführenden können
daher aus der Zeitspanne zwischen BzP und Anhörung auch sonst nichts
zu ihren Gunsten ableiten, zumal sie damals keine Rechtsverzögerungs-
beschwerde eingereicht. Folglich ist die Glaubhaftigkeit des nachgescho-
benen Asylgrundes (Auffliegens der Hauskirche) bereits aus diesem Grund
zu bezweifeln (vgl. hierzu bereits Entscheidungen und Mitteilungen der
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1993 Nr. 3 E. 3). Hinzu
kommt, dass die Beschwerdeführerin hierüber lediglich per Telefon infor-
miert worden sein will und die hierbei angeblich erlangten, vagen Informa-
tion für eine Ausreiseentscheidung keine glaubhafte Grundlage bilden
(SEM-Akten A17 F136 ff.; vgl. zur Unglaubhaftigkeit und fehlenden Asylre-
levanz von Vorbringen, die sich auf Informationen Dritter stützen: Urteile
des BVGer D-6056/2016 vom 19. Januar 2018 E. 5.2, E-801/2015 vom
6. Oktober 2017 E. 3.7, E-4329/2006 vom 17. Oktober 2011 E. 4.4). Auch
die Mitgründung der Hauskirche liess die Beschwerdeführerin in der BzP
gänzlich unerwähnt, obwohl sie damals explizit nach entsprechenden
christlichen Aktivitäten befragt wurde. Stattdessen sagte sie in der BzP, sie
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habe die christliche Religion bis anhin noch nicht ausüben können bezie-
hungsweise sie sei erst zweimal bei privaten Gottesdiensten gewesen
(SEM-Akten A6 S. 10). Aus dieser Aussage ist nicht – wie auf Beschwer-
deebene behauptet – der Mitaufbau einer Hauskirche abzuleiten. Zudem
steht sie im Widerspruch zu den hierzu gemachten Angaben in der Anhö-
rung, wonach sich die Beschwerdeführerin mit Freunden und Gleichge-
sinnten im Park und später sieben, acht oder gar zehn Mal im Haus der
Freunde getroffen haben will, wo sie im Keller gesungen und Gedichte re-
zitiert hätten (SEM-Akten A17 F121 ff.). Sodann hält auch der Vorfall auf-
grund der lauten Kirchenmusik im Auto den Anforderungen an das Glaub-
haftmachen nicht stand. Vor dem Hintergrund nämlich, dass sich die Be-
schwerdeführerin in Bezug auf das Christentum im Iran stets vorsichtig ver-
halten haben will, ist dieses extrovertierte Verhalten nicht schlüssig. Zudem
widerspricht sie sich zu dessen Hergang: So soll hierbei gemäss BzP na-
mentlich nur eine CD von der Polizei zerbrochen worden sein und der an-
schliessende Aufenthalt auf dem Polizeiposten den ganzen Tag gedauert
haben (SEM-Akten A6 S. 10 f.). Gemäss Anhörung soll die Polizei mehrere
CDs zerbrochen, ein Kreuz im Auto weggerissen und sie für ungefähr drei,
vier Stunden auf dem Polizeiposten festgehalten haben (SEM-Akten A17
F72 und F109). Im Übrigen hinterlassen die protokollierten Vorbringen so-
wohl zur Hauskirche als auch zum Vorfall im Zusammenhang mit der lauten
Kirchenmusik einen unsubstanziierten und stereotypen Eindruck; ihnen ist
auch aus diesem Grund die Glaubhaftigkeit abzusprechen. Vor diesem
Hintergrund ist vorliegend auf das rudimentäre Wissen der Beschwerde-
führenden zum Christentum nicht näher einzugehen. Schliesslich unter-
mauern die legalen Ein- und Ausreisen per Flugzeug (erste Ausreise, an-
schliessende freiwillige legale Rückkehr in den Iran und erneute legale
Ausreise der Beschwerdeführerin, vgl. SEM-Akten A6 S. 5 f. und S. 8) die
Schlussfolgerung, dass die Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt ihrer Aus-
reisen nicht behördlich gesucht wurde.
Da der Beschwerdeführer einzig aufgrund der Probleme seiner Mutter aus-
gereist ist und keine eigenen Asylgründe geltend machte, ist auf dessen
Ausführungen in den Befragungen nicht weiter einzugehen.
6.1.2 Nach dem Gesagten haben sich die geltend gemachten Vorfälle im
Zusammenhang mit christlichen Aktivitäten im Iran als unglaubhaft erwie-
sen. Es ist den Beschwerdeführenden mithin nicht gelungen, asylrelevante
Vorfluchtgründe glaubhaft darzulegen. Aufgrund des blossen Interesses
am Christentum seitens der Beschwerdeführerin kann den Beschwerde-
führenden für den Zeitpunkt ihrer Ausreise keine begründete Furcht vor in
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naher Zukunft drohender Verfolgung zuerkannt werden. Es bleiben indes-
sen allfällige subjektive Nachfluchtgründe zu prüfen.
6.1.3 Bei einer christlichen Glaubensausübung von iranischen Asylsuchen-
den im Ausland ist gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts die
christliche Überzeugung der betreffenden Personen im Einzelfall, soweit
möglich, einer näheren Überprüfung zu unterziehen (vgl. BVGE 2009/28
E. 7.3.4 f.; Urteil des BVGer D-6908/2019 vom 18. September 2020 E. 6.3,
D-7222/2013 vom 31. Oktober 2014 E. 6.5, m.w.H.). Allein der Übertritt
vom muslimischen Glauben zum Christentum führt grundsätzlich zu keiner
individuellen staatlichen Verfolgung im Iran. Eine christliche Glaubensaus-
übung vermag gegebenenfalls dann asylrechtlich relevante Massnahmen
auszulösen, wenn sie in der Schweiz aktiv und sichtbar nach aussen prak-
tiziert wird und im Einzelfall davon ausgegangen werden muss, dass das
heimatliche Umfeld von einer solchen aktiven, allenfalls gar missionierende
Züge annehmenden Glaubensausübung erfährt. Eine Verfolgung durch
den iranischen Staat kommt erst dann zum Tragen, wenn der Glaubens-
wechsel aufgrund aktiver oder missionierender Tätigkeiten bekannt wird
und zugleich Aktivitäten des Konvertiten vorliegen, die vom Regime als An-
griff auf den Staat angesehen werden. Bei Konversionen im Ausland muss
daher bei der Prüfung im Einzelfall neben der Glaubhaftigkeit der Konver-
sion auch das Ausmass der öffentlichen Bekanntheit für die betroffene Per-
son in Betracht gezogen werden (vgl. Urteil des BVGer D-6037/2019 vom
29. April 2020, E. 6.3.1).
6.1.4 Es ist bekannt, dass die iranischen Behörden die politischen Aktivitä-
ten ihrer Staatsbürger im Ausland überwachen. Jedoch ist im Einzelfall zu
prüfen, ob durch die exilpolitischen Aktivitäten eine ernsthafte Gefahr im
Sinne des Asylgesetzes entsteht. Gemäss Praxis des Bundesverwaltungs-
gerichts konzentrieren sich die iranischen Behörden auf die Erfassung von
Personen, welche über die massentypischen, niedrigprofilierten Erschei-
nungsformen exilpolitischer Proteste hinaus Funktionen wahrnehmen
und/oder Aktivitäten vorgenommen haben, die sie aus der Masse der mit
dem Regime Unzufriedenen herausheben und als ernsthafte und potentiell
gefährliche Regimegegner erscheinen lassen. Dabei kann ohne weiteres
davon ausgegangen werden, dass die iranischen Sicherheitsbehörden
zwischen tatsächlich politisch engagierten Regimekritikern und Exilaktivis-
ten, die mit ihren Aktionen in erster Linie die Chancen auf ein Aufenthalts-
recht zu erhöhen versuchen, zu unterscheiden vermögen (vgl.
BVGE 2009/28 E. 7.4.3).
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6.1.5 Die Beschwerdeführenden machen geltend, sie seien in der Schweiz
zum Christentum konvertiert und untermauern dies mit ihren Taufbekennt-
nissen und einem Bestätigungsschreiben. Die Beschwerdeführerin könne
nicht so lange sitzen, weshalb sie nur einmal im Monat oder zu grossen
Anlässen in die Kirche gehe. Auch habe sie an drei von der Kirche organi-
sierten Demonstrationen teilgenommen, an denen sie gesprochen habe,
was unter anderem auf Youtube auffindbar sei. Schliesslich habe sie eine
Petition mitunterzeichnet, die an (...) gegangen sei. Ihre Tochter sei nach
ihrer Rückkehr im Iran unter anderem zur Konversion ihrer Mutter befragt
worden.
In Bezug auf die Konversion der Beschwerdeführenden zum Christentum
reichten sie ihre Taufbekenntnisse sowie ein Bestätigungsschreiben der
C._ zur Mitgliedschaft der Beschwerdeführerin zu den Akten, so-
dass an der Glaubhaftigkeit dieses Vorbringens nicht ohne Weiteres Zwei-
fel zu erheben sind. Die Frage nach der Glaubhaftigkeit kann im Ergebnis
jedoch offengelassen werden, da die Taufe und der gelegentliche Besuch
christlicher Veranstaltungen in der Schweiz keine aktive Glaubensaus-
übung im Sinne der Rechtsprechung darstellen (vgl. statt vieler Urteil des
BVGer D-6037/2019 vom 29. April 2020, E. 6.3.1). Sodann liegen keine
Hinweise dafür vor, dass die iranischen Behörden – etwa über die geltend
gemachten Videos – vom Interesse der Beschwerdeführerin an der christ-
lichen Religion erfahren hätten respektive noch erfahren würden und ihr
bei einer Rückkehr in den Iran mit hoher Wahrscheinlichkeit und in naher
Zukunft ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden. Es
sind keine Anhaltspunkte dafür aktenkundig, dass die Beschwerdeführen-
den in der Schweiz missionierend oder in leitender, kirchlicher Stellung tä-
tig wären oder ihren Glauben in der Schweiz aktiv und sichtbar nach aus-
sen praktizieren würden. Hieran ändert das auf Beschwerdeebene nach-
gereichte Schreiben der C._ vom (...) nichts. Auch wurde die
Schlussfolgerung der Vorinstanz, dass die Beschwerdeführerin weiterhin
ihre vom Staat ausbezahlte (...) erhalte, auf Beschwerdeebene nicht be-
stritten. Dies ist als Indiz dafür auszulegen, dass sie aufgrund ihrer Kon-
version in der Schweiz nach wie vor keine Nachteile seitens des iranischen
Staates zu gewärtigen hat. Die Beschwerdeführerin – die vor ihrer Ausreise
aus dem Iran nicht in asylrelevanter Weise in den Fokus der iranischen
Behörden geraten ist – verfügt auch über kein politisches Profil, das über
eine niedrigprofilierte Form hinausgeht. Aus ihrem Engagement an den drei
Demonstrationen lässt sich keine Exponiertheit ableiten, aufgrund welcher
sie den iranischen Behörden als politisch engagierte Regimegegnerin auf-
fallen würde, liegen diese doch nicht nur lange zurück, sondern sollen auch
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Seite 10
viele Menschen anwesend gewesen sein und führte die Beschwerdeführe-
rin aus, keine spezielle Rolle innegehabt zu haben. Zudem relativiert sie
ihren zunächst als Rede bezeichneten Beitrag an den Demonstrationen im
Verlauf der Anhörung (vgl. SEM-Akten A17 F61 und F67). Zu den Youtube-
Videos konnte sie in der Anhörung keine weiterführenden Angaben ma-
chen und führte schliesslich aus, sie selbst habe diese nie im Internet ge-
sucht, weshalb sie hierzu keine genaueren Angaben machen könne (SEM-
Akten A17 F64f.). In der Beschwerde wurden drei entsprechende Links an-
gegeben (Beschwerde S. 9). Von diesen war zum Zeitpunkt der Beschwer-
deeinreichung nur einer aktiv, der an der angegebenen Stelle für einen kur-
zen Moment verschiedene Personen zeigte, auf die jedoch in Ermangelung
an Angaben zu deren Person kein Rückschluss möglich war. Inzwischen
(Stand 27. November 2020) sind alle Links inaktiv. Auf Beschwerdeebene
wurden weder weitere Beweismittel hierzu eingereicht noch weitere De-
monstrationsteilnahmen geltend gemacht. Die damalige Ausstrahlung des
Youtube-Videos vermag ebenso wenig eine Schärfung des politischen Pro-
fils der Beschwerdeführerin zu begründen, wie das von ihr unterschriebene
Petitionsschreiben an (...), zumal nicht davon auszugehen ist, dass sie le-
diglich aufgrund einer Unterschrift identifizierbar ist. Die auf Beschwerde-
ebene zusätzlich eingereichte Bestätigung der Person, die diese Petition
abgegeben hat, ändert hieran nichts. Vor diesem Hintergrund und den un-
glaubhaften Vorfluchtgründen, ist der Vorinstanz auch darin beizupflichten,
dass die Tochter der Beschwerdeführerin nach ihrer Rückkehr in den Iran
nicht im von ihrer Mutter dargelegten Umfang befragt worden sein kann.
Schliesslich ist festzustellen, dass mehrere Familienmitglieder der Be-
schwerdeführerin zum Christentum konvertiert sind, so namentlich nicht
nur der Beschwerdeführer, sondern auch (...), dessen Vollzug der Wegwei-
sung in den Iran vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt wurde (Urteil des
BVGer E-3795/2018 vom 14. Februar 2019). Somit ist davon auszugehen,
dass die Konversion der Beschwerdeführenden in ihrer Familie trotz der
anfänglichen Skepsis der Mutter der Beschwerdeführerin grösstenteils auf
Akzeptanz stossen und sie auch im Iran keine familiären Probleme auf-
grund ihrer Konversion zu gewärtigen haben werden. Selbst wenn das (re-
ligiöse) Leben der Beschwerdeführenden bei einer Rückkehr in den Iran
gewissen Einschränkungen unterliegen kann, ist nicht davon auszugehen,
diese erreichten einen Umfang, dass sie einen unerträglichen psychischen
Druck im Sinne von Art. 3 AsylG bewirken würden. Das Vorliegen subjekti-
ver Nachfluchtgründe ist somit zu verneinen.
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Seite 11
6.2 Zusammenfassend ist festzustellen, dass weder Vor- noch Nachflucht-
gründe ersichtlich sind. Die Vorinstanz hat die Flüchtlingseigenschaft der
Beschwerdeführenden zu Recht verneint und die Asylgesuche abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG). Dabei wird die Wegweisung namentlich dann nicht verfügt,
wenn die asylsuchende Person im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder
Niederlassungsbewilligung ist (vgl. dazu Art. 32 Abs. 1 Bst. a der Asylver-
ordnung 1 über Verfahrensfragen vom 11. August 1999 [AsylV 1,
SR 142.311]).
7.2 Aufgrund der Heirat mit einer Schweizer Bürgerin, wurde dem Be-
schwerdeführer durch die zuständige kantonale Behörde während des
hängigen Beschwerdeverfahrens eine Aufenthaltsbewilligung erteilt. Die
von der Vorinstanz verfügte Wegweisung aus der Schweiz sowie deren an-
geordneter Vollzug (Ziffern 3 bis 5 des Dispositivs der angefochtenen Ver-
fügung) sind den Beschwerdeführer betreffend als gegenstandslos dahin-
gefallen zu betrachten, da diese gegenüber dem neu erteilten Aufenthalts-
titel keinen Bestand mehr haben können (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 mit
Verweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asyl-
rekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21 E. 11c).
7.3 Die Beschwerdeführerin verfügt dagegen weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen. Aus dem Aufenthaltstitel ihres volljährigen Sohnes kann sie
nichts zu ihren Gunsten ableiten. Die Wegweisung der Beschwerdeführerin
wurde zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4;
2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.4 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde in Bezug auf den Beschwer-
deführer aufgrund des nachträglichen Wegfalls des Anfechtungsobjekts im
Wegweisungspunkt als gegenstandslos geworden abzuschreiben.
Nachfolgend sind somit einzig die Zulässigkeit, Zumutbarkeit sowie Mög-
lichkeit des Vollzugs der Wegweisung in Bezug auf die Beschwerdeführerin
zu prüfen.
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Seite 12
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
8.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Das flüchtlingsrecht-
liche Refoulement-Verbot schützt nur Personen, welche die Flüchtlingsei-
genschaft erfüllen. Da es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine
flüchtlingsrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft
zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrück-
schiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rück-
kehr der Beschwerdeführerin in den Heimatstaat ist demnach unter dem
Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
8.2.2 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerde-
führerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall ei-
ner Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlich-
keit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Be-
handlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtsho-
fes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschus-
ses müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr («real risk»)
nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung
Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des
EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
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Seite 13
§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im
Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarer-
weise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug
der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen
Bestimmungen zulässig.
8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.3.1 Im Iran herrscht weder Krieg oder Bürgerkrieg noch eine Situation
allgemeiner Gewalt, aufgrund derer eine Rückkehr generell unzumutbar
wäre (vgl. Urteile des BVGer E-4643/2020 vom 23. Oktober 2020 E. 8.5.2,
D-5353/2017 vom 10. Januar 2019 E. 9.2.1, E-6697/2018 vom 10. Dezem-
ber 2018).
8.3.2 Die geltend gemachten und nicht weiter belegten Rückenbeschwer-
den der Beschwerdeführerin erreichen nicht die erforderliche Schwere, um
die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in Frage zu stellen. Medizini-
sche Unterlagen sind weder aktenkundig noch wurden solche auf Be-
schwerdeebene eingereicht.
8.3.3 Darüber hinaus sind keine weiteren individuellen Gründe ersichtlich,
die gegen einen Wegweisungsvollzug der Beschwerdeführerin sprechen.
Sie hat – bis auf ihre vergleichsweise kurzen Aufenthalte in der Schweiz –
ihr gesamtes Leben im Iran verbracht. Seit ihrer Kindheit ([...) lebte sie in
E._, wo sie die Schule besuchte, ihre Maturität abschloss und In-
haberin eines (...) ̈war. In der Beschwerde wird ausgeführt, sie könne auf-
grund ihrer Rückenbeschwerden den (...) nicht weiter betreiben. Dem ist
entgegenzuhalten, dass die Beschwerdeführerin den drei Jahre geführten
(...) aufgrund der Geburt ihrer Tochter bereits lange vor ihrer Ausreise ge-
schlossen hatte und offensichtlich nicht finanziell auf diesen angewiesen
war (z. B. SEM-Akten A6 S. 4 und A17 F). Zudem erhält sie eine (...), (...)
(SEM-Akten A6 S4 ff. und A17 F44 ff.). In der Beschwerde wird zwar be-
fürchtet, die (...) könne eines Tages nicht mehr ausgezahlt werden. Diese
Befürchtung vermag jedoch vorliegend nichts an der Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs zu ändern und ist auch nicht weiter zu prüfen,
scheint die Beschwerdeführerin doch ihren Aussagen zufolge finanziell
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nicht auf diese angewiesen zu sein und verfügt sie in E._ über ein
grosses, intaktes familiäres Beziehungsnetz (insbesondere Mutter, Sohn,
Tochter, Stiefsohn, zwei Schwestern, vier Brüder, Onkel und Tanten), zu
dem sie auch aus der Schweiz Kontakt pflegt und das sie bei Bedarf bei
einer Reintegration unterstützen kann (z. B. SEM-Akten A6 S. 6). Bei die-
ser Ausgangslage ist – entgegen den knappen Ausführungen in der Be-
schwerde – nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei ei-
ner Rückkehr in den Iran in eine existenzielle Notlage geraten würde.
8.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung der
Beschwerdeführerin sowohl in genereller als auch in individueller Hinsicht
als zumutbar.
8.4 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu betrachten ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug der
Beschwerdeführerin zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeich-
net. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme der Beschwerdeführerin
fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung –
soweit sie noch Anfechtungsgegenstand bildet – Bundesrecht nicht verletzt
und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde
ist abzuweisen, soweit sie nicht als gegenstandslos geworden abzuschrei-
ben ist.
10.
10.1 Die unterliegende Partei hat in der Regel die Kosten des Verfahrens
zu tragen. Unterliegt sie nur teilweise, so werden die Verfahrenskosten er-
mässigt (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Bei Gegenstandslosigkeit des Verfahrens
werden die Verfahrenskosten aufgrund der Sachlage vor dem Eintritt des
Erledigungsgrunds festgelegt, sofern die Gegenstandslosigkeit – wie vor-
liegend – ohne prozessuales Zutun der Parteien erfolgte (Art. 5 des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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10.2 Die Frage, ob der im Asylpunkt unterlegene Beschwerdeführer auch
die Verfahrenskosten infolge Gegenstandslosigkeit der Beschwerde im
Wegweisungs- und Vollzugspunkt zu tragen hätte, ist vorliegend nicht zu
klären, da den Beschwerdeführenden mit Zwischenverfügung vom 7. Au-
gust 2018 die unentgeltliche Prozessführung gewährt wurde. Aufgrund der
Akten ist nach wie vor von deren Bedürftigkeit auszugehen. Es sind daher
keine Verfahrenskosten zu erheben.
10.3 Mit derselben Zwischenverfügung wurde der Rechtsvertreter der Be-
schwerdeführenden als amtlicher Rechtsbeistand gemäss aArt. 110a
Abs. 1 AsylG beigeordnet, weshalb diesem ein entsprechendes Honorar
auszurichten ist. Dieser reichte am 30. April 2020 eine aktuelle Kostennote
ein. Hierin wurde ein Vertretungsaufwand von insgesamt Fr. 3‘582.90 gel-
tend gemacht, ausgehend von einem zeitlichen Aufwand von 855 Minuten
beziehungsweise 14.24 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 220.–,
was nicht zu beanstanden ist. Die darin enthaltenen Kosten für die Über-
setzung und die geltend gemachten Auslagen sind ebenfalls zu ersetzen.
Die Kosten für die Übersetzung von Fr. 403.– erscheinen für den geringen
Umfang der Übersetzung zwar hoch, bewegen sich aber noch im Rahmen
des Angemessenen. Herrn Rechtsanwalt Johannes Kramer ist somit zu
Lasten der Gerichtskasse ein amtliches Honorar in Höhe von Fr. 3‘582.90
(inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1
Bst. c VGKE) auszurichten.
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