Decision ID: e77abf3e-ce56-4eca-b214-f58647864b91
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ wurde im Dezember 2020 zum Bezug einer Hilflosenentschädigung für
Minderjährige angemeldet (IV-act. 1). Seine Eltern gaben an, er leide an einem Diabetes
Typ 1. Er sei noch nicht in der Lage, die Wichtigkeit seines Beitrages zur Therapie zu
erkennen, richtig einzuschätzen und entsprechend zu handeln. Die Diabetestherapie
erfordere Wissen, Konstanz, Disziplin, Motivation und Planung. Der Versicherte
benötige noch eine fortlaufende Unterstützung, Überwachung und Hilfe bei der
Bewältigung des Alltages. Der Diabetes sei im Juli 2015 diagnostiziert worden. Bei
jeder Nahrungsmittelaufnahme müssten die Kohlenhydratwerte berechnet oder
geschätzt werden, damit die Insulinmenge entsprechend festgesetzt werden könne.
Dafür sei der Versicherte auf regelmässige Dritthilfe angewiesen. Der Blutzuckerspiegel
müsse Tag und Nacht überwacht werden. Der Versicherte benötige Hilfe beim Setzen
von Kathetern. Der Pädiater Dr. med. B._ berichtete am 12. Januar 2021 (IV-act. 6–
10), der Versicherte werde im Kinderspital intensiv geschult und sei auch bereits mit
einer Insulinpumpe versorgt, aber die Spritzenschemata würden laufend intensiviert.
Die Eltern müssten den Versicherten deshalb bei der Abschätzung der Broteinheiten
und der anschliessenden Berechnung der Insulindosis laufend begleiten und
unterstützen. Der Betreuungsbedarf sei im Vergleich zu gleichaltrigen Kindern sicher
erhöht. Das Ostschweizer Kinderspital hatte in einem Bericht vom 11. Juni 2020
betreffend eine diabetologische Verlaufskontrolle ausgeführt (IV-act. 6–11 f.), nach der
Umstellung auf eine funktionelle Insulintherapie mittels einer Insulinpumpe im Oktober
2017 sei die Diabetestherapie mittlerweile gut etabliert. Der HbA1c-Wert schwanke nur
minimal. Der Versicherte kenne die Funktionen der Pumpe sehr gut. Er könne sein
Diabetes-Management schon überwiegend selbständig erledigen. Auch das
Kathetersetzen für die Pumpe erledige er bereits selbständig. Er müsse sich aber
angewöhnen, das Insulin nicht nach, sondern vor der Mahlzeit abzugeben. Am 14.
Januar 2021 teilte das Ostschweizer Kinderspital der IV-Stelle mit (IV-act. 8–1 ff.), der
A.a.
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Diabetes zwinge den Versicherten beziehungsweise die ganze Familie zu einer genauen
Planung des täglichen Lebens. Für eine optimale Stoffwechseleinstellung sei eine
strikte Alltagsstruktur erforderlich. Die Insulinempfindlichkeit schwanke im
Tagesverlauf, weshalb die Zeitpunkte der Mahlzeiten genau geplant werden müssten.
Der Versicherte müsse genau abschätzen, wieviel er von welchen
Nahrungsbestandteilen essen möchte. Auch die sportlichen Aktivitäten müssten in die
Berechnung der notwendigen Insulindosis mit einbezogen werden. Der Versicherte
müsse den Blutzuckerspiegel mehrmals täglich messen. Der korrekte Sitz des
subcutanen Insulinkatheters müsse regelmässig, insbesondere nach Toilettengängen,
beim Kleiderwechseln und beim Zubettgehen, kontrolliert werden. Vor dem Duschen
müsse der Insulinschlauch abgekoppelt werden. Nach dem Duschen müssten der
Schlauch wieder angeschlossen und der Kathetersitz überprüft werden. Aufgrund des
jungen Alters des Versicherten müssten die Eltern die Blutzuckerwerte und die korrekte
Insulinabgabe prüfen. Der tägliche Überwachungsbedarf sei wesentlich höher als bei
gesunden gleichaltrigen Kindern. Das Alltagsleben der Familie sei insgesamt durch den
Diabetes immens beeinträchtigt.
Am 3. März 2021 fand eine Abklärung in der Wohnung der Eltern des Versicherten
statt, an der die Abklärungsbeauftragte der IV-Stelle, der Versicherte, dessen Mutter
und Schwester sowie ein Sozialarbeiter des Ostschweizer Kinderspitals teilnahmen. Die
Abklärungsbeauftragte hielt in ihrem Abklärungsbericht fest (IV-act. 11), die Eltern des
Versicherten hätten angegeben, dass sie immer wieder Kontrollen durchführen und die
notwendige Insulindosis errechnen müssten, dass ihr Sohn das Diabetes-Management
aber schon gut im Griff habe. Der Versicherte habe der Abklärungsperson gleich selbst
erklärt, wie die Pumpe funktioniere. Er habe dann selbständig eine Blutzuckermessung
durchgeführt und die Pumpe entsprechend eingestellt. Dabei habe er keine
Unsicherheiten gezeigt. Sein Umgang mit dem Testset und der Pumpe sei routiniert
gewesen. Die Eltern hätten erklärt, dass der Versicherte wisse, was er in einem Notfall
unternehmen müsse. Die Lehrer und die engsten Freunde seien ebenfalls informiert.
Eine Notfallsituation sei noch nie eingetreten. Rückfragen der Lehrer seien selten. Etwa
einmal pro Monat werde der Versicherte von einem Freund nach Hause begleitet, weil
ihm schwindelig sei. Hin und wieder werde den Eltern mitgeteilt, dass der
Blutzuckerspiegel eher tief gewesen sei. Der Versicherte habe der
A.b.
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B.
Abklärungsbeauftragten selbst erklären können, wie sich eine Überzuckerung anfühle.
Er wisse, wie er dann reagieren müsse. Eine Überzuckerung komme allerdings nur sehr
selten vor. Häufiger trete eine Unterzuckerung auf. Der Versicherte habe beschrieben,
welche Symptome aufträten und wie er reagieren müsse. Er habe auch angeben
können, wie er reagieren müsse, wenn das Gerät ein Warnsignal abgebe. Der
Versicherte habe erklärt, wie er bei einem Katheterwechsel vorgehen müsse, der alle
zwei Tage erforderlich sei. Er betreibe sehr viel Sport und sehe sich aufgrund seiner
Erkrankung nicht wesentlich in seiner Lebensqualität eingeschränkt. Ausgehend von
den Angaben der Eltern zu einem gewöhnlichen Tagesablauf ermittelte die
Abklärungsbeauftragte einen behinderungsbedingten täglichen Mehraufwand von 57
Minuten. Die Mutter des Versicherten bestätigte die Angaben im Abklärungsbericht
unterschriftlich, wies aber darauf hin, dass der Aufwand der Eltern eigentlich doppelt so
hoch sei, weil auch die Schwester des Versicherten an einem Diabetes leide. Im Juni
2021 notierte der Neuropädiater Dr. med. C._ vom IV-internen regionalen ärztlichen
Dienst (RAD), der Versicherte benötige keine besonders aufwendige Pflege, weshalb
kein Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung bestehe (IV-act. 13).
Mit einem Vorbescheid vom 9. Juni 2021 teilte die IV-Stelle den Eltern des Ver
sicherten mit (IV-act. 14), dass sie die Abweisung des Leistungsbegehrens vorsehe. Zur
Begründung führte sie an, der Versicherte benötige keine regelmässige und erhebliche
Dritthilfe bei den alltäglichen Lebensverrichtungen. Der Pflegeaufwand sei relativ
gering. Der Umstand, dass die Schwester ebenfalls an einem Diabetes leide, könne
leider nicht berücksichtigt werden. Dagegen liess der Versicherte am 5. Juli 2021
einwenden (IV-act. 15–1 ff.), der Abklärungsbericht zeige, dass die
Abklärungsbeauftragte der IV-Stelle zu wenig Ahnung von der modernen komplexen
Diabetestherapie speziell bei Kindern habe. Der effektive Zeitaufwand der Eltern sei
wesentlich höher. Zudem sei der Versicherte beim Abliegen, beim Essen und bei der
Fortbewegung regelmässig auf eine erhebliche Dritthilfe, auf eine ständige
Überwachung und auf eine besonders aufwendige Pflege angewiesen. Mit einer
Verfügung vom 25. August 2021 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab (IV-act.
16).
A.c.
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Am 22. September 2021 liess der Versicherte (nachfolgend: der
Beschwerdeführer) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 25. August 2021
erheben (act. G 1). Seine Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung und die Zusprache einer Hilflosenentschädigung,
eventualiter die Rückweisung der Sache an die IV-Stelle (nachfolgend: die
Beschwerdegegnerin) zur weiteren Sachverhaltsabklärung sowie subeventualiter die
Berücksichtigung des gesamten Pflegeaufwandes für den Beschwerdeführer und
dessen Schwester. Zur Begründung führte sie aus, bei Kindern, die an einem Diabetes
Typ 1 litten, müsse der Blutzucker rund um die Uhr unter Kontrolle gehalten werden.
Nicht im optimalen Rahmen liegende Werte verursachten keine unmittelbaren
Beschwerden, könnten aber gravierende Langzeitfolgen haben. Kinder würden ihre
Blutzuckerwerte nicht konstant zuverlässig im optimalen Rahmen halten, da sich
Abweichungen nicht direkt bemerkbar machten. Sie reagierten erst, wenn der Wert
entgleise, aber dann träten bereits Bewusstseinstrübungen ein, die externe Hilfe
erforderten. Erst mit zunehmendem Alter würden Kinder mit einem Diabetes Typ 1
selbständig. Die benötigte Insulindosis ändere sich während des Wachstumsprozesses
der Kinder ständig. Der Abklärungsbeauftragten der Beschwerdegegnerin seien die
Zusammenhänge nicht bekannt gewesen. Deshalb hätte zwingend eine Rückfrage bei
der behandelnden Fachärztin erfolgen müssen. Der Beschwerdeführer sei in Bezug auf
die Nahrungsaufnahme und die Fortbewegung hilflos. Zudem benötige er eine
dauernde persönliche Überwachung. Die Beschwerdegegnerin habe übersehen, dass
ein „Präventionsparadoxon“ vorliege: Nur weil die Eltern den Beschwerdeführer ständig
überwachten, alle Werte und Einzelheiten genau kontrollierten und die
Therapieempfehlungen konsequent umsetzten, sei es noch nie zu einer Notfallsituation
gekommen. Ohne die dauernde Überwachung wäre dies nicht möglich gewesen.
Gerade aufgrund der regen sportlichen Betätigung sei der Beschwerdeführer bis in die
Nacht hinein auf eine besonders intensive Überwachung angewiesen. Wie im
Abklärungsbericht korrekt vermerkt worden sei, benötige er regelmässig nächtliche
Imbisse, um eine Unterzuckerung zu beheben. Der von der Beschwerdegegnerin
erhobene Pflegeaufwand werde der Realität nicht gerecht. Der Gesamtaufwand der
Eltern sei wesentlich höher. Jede Nacht müsse zwingend eine Person anwesend sein,
die spezifisch auf die Behandlung eines Diabetes geschult sei. Nach BGE 142 V 144
seien auch Wartezeiten zwischen den aktiven Eingriffen zu berücksichtigen, wenn eine
B.a.
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Erwägungen
1.
Da dieses Beschwerdeverfahren die Überprüfung der angefochtenen Verfügung auf
Pflegeperson jeweils die ganze Nacht anwesend sein müsse. Das St. Galler
Versicherungsgericht habe in seinem Entscheid IV 2019/80 vom 5. Mai 2020
festgehalten, dass das Kriterium einer besonders aufwendigen Pflege bereits dann
erfüllt sein könne, wenn eine Mutter wegen des Diabetes ihres Kinders über Jahre fast
jede Nacht aufstehen müsse. Die Pflege müsse nur schon mit Blick auf die hohen
Kosten als sehr aufwendig qualifiziert werden. Die Mutter des Beschwerdeführers
könne keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, weil sie den Beschwerdeführer ständig
überwachen und pflegen müsse. Der Verdienstausfall sei als Kostenfaktor zu
berücksichtigen. Auch der logistische Aufwand sei enorm. Der Diabetes beeinflusse
das gesamte Familienleben.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 19. November 2021 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie an, sie habe eine eingehende
Abklärung in der Wohnung der Eltern des Beschwerdeführers durchgeführt. Die Mutter
und der Beschwerdeführer hätten die Situation ausführlich beschrieben. Der
Sachverhalt sei damit sorgfältig und umfassend abgeklärt worden. Der
Beschwerdeführer sei in keiner der alltäglichen Lebensverrichtungen auf eine
regelmässige und erhebliche Dritthilfe angewiesen. Zwar sei nicht von der Hand zu
weisen, dass er aufgrund des Diabetes eine erhöhte Aufmerksamkeit und Kontrolle
durch die Eltern benötige. Aber er müsse nicht dauernd überwacht werden. Im Alltag
bewege er sich oft selbständig ausser Haus. Er gehe in die Schule und übe
verschiedene Freizeitaktivitäten aus. Zudem sei er in der Lage, bei einer plötzlichen
Verschlechterung des Gesundheitszustandes Gegenmassnahmen in die Wege zu leiten
respektive um Hilfe zu bitten. Die Pflege könne nicht als besonders aufwendig
qualifiziert werden, da sich die effektiven Hilfeleistungen in einem tiefen Rahmen
bewegten.
B.b.
Der Beschwerdeführer liess am 2. Februar 2022 an seinen Anträgen festhalten
(act. G 8). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 10).
B.c.
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deren Rechtmässigkeit bezweckt, muss sein Gegenstand jenem des vorangegangenen
Verwaltungsverfahrens entsprechen. Folglich ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer
einen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung für Minderjährige hat.
2.
Der Beschwerdeführer hat im hier massgebenden Zeitraum ab Dezember 2019
(frühestmöglicher Anspruchsbeginn; Art. 48 Abs. 1 IVG) Wohnsitz und Aufenthalt in der
Schweiz gehabt, bei seinen Eltern gelebt und damit die persönlichen Voraussetzungen
für einen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung grundsätzlich erfüllt (Art. 42 Abs. 1
und Art. 42 Abs. 4 IVG). Zu prüfen bleibt, ob eine relevante Hilflosigkeit als weitere
Anspruchsvoraussetzung nach Art. 42 Abs. 1 und 3 IVG vorgelegen hat. Eine solche
liegt gemäss dem Art. 37 Abs. 3 IVV vor, wenn die versicherte Person in mindestens
zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe
von Dritten angewiesen ist (lit. a), wenn sie eine dauernde persönliche Überwachung
benötigt (lit. b), wenn sie eine durch das Gebrechen bedingte ständige und besonders
aufwendige Pflege benötigt (lit. c) oder wenn sie wegen einer schweren
Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank
regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen von Dritten gesellschaftliche Kontakte
pflegen kann (lit. d). Für Minderjährige begründet die Notwendigkeit einer
lebenspraktischen Begleitung (Art. 37 Abs. 3 lit. e IVV) keinen Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung (Art. 42 Abs. 5 IVG). Ein sogenannter „Sonderfall“ im Sinne
des Art. 37 Abs. 3 lit. d IVV liegt offenkundig nicht vor.
2.1.
bis
bis
Entgegen der von der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers vertretenen Auf
fassung ist vorliegend keine Verletzung der Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG)
auszumachen, denn die Beschwerdegegnerin hat eine Abklärung in der Wohnung der
Eltern durchgeführt, die einen „echten“ Augenschein beinhaltet hat, bei dem der
Beschwerdeführer die Funktion der Insulinpumpe und das Messen des
Blutzuckerspiegels demonstriert hat. Anders als im von der Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers erwähnten Fall IV 2019/80 hat sich die Abklärung an Ort und Stelle
auch nicht auf eine Befragung des Beschwerdeführers beschränkt. Die
Abklärungsbeauftragte hat auch die Mutter befragt. Zudem ist ein Sozialarbeiter des
Ostschweizer Kinderspitals anwesend gewesen. Nichts deutet darauf hin, dass die
Abklärung unsorgfältig oder unvollständig durchgeführt worden wäre. Zudem hat die
Mutter des Beschwerdeführers die Angaben im Abklärungsbericht (abgesehen von
einigen Details) unterschriftlich als zutreffend bestätigt. Der Umstand, dass die Mutter
nicht „juristisch geschult“ gewesen ist, spricht nicht gegen, sondern vielmehr für die
Überzeugungskraft ihrer Unterschrift, denn sie hat ja nicht eine juristische Würdigung,
2.2.
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sondern nur eine Tatsachenschilderung bekräftigen müssen, was keine „juristische
Schulung“, sondern nur eine Kenntnis von den relevanten Tatsachen erfordert, und die
fehlende „juristische Schulung“ lässt es als unwahrscheinlich erscheinen, dass ihre
unterschriftliche Bestätigung durch taktische Überlegungen beeinflusst gewesen sein
könnten. Die Angaben im Abklärungsbericht decken sich zudem mit den Angaben der
behandelnden Ärzte, die über einen routinierten Umgang des Beschwerdeführers mit
der Insulinpumpe und über einen im Wesentlichen unproblematischen Verlauf mit
stabilen Blutzuckerwerten berichtet haben. In dieser Stabilität des Verlaufs liegt denn
auch der entscheidende Unterschied zum Fall IV 2019/80, den die Rechtsvertreterin
des Beschwerdeführers wohl übersehen hat. In jenem Fall ging es nämlich um einen
jungen Versicherten, der an einem instabilen („brittle“) Diabetes litt, der über Jahre
hinweg trotz einer engmaschigen Überwachung und Betreuung immer wieder zu
starken Blutzuckerwertschwankungen geführt hatte. Die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers hat zwar überzeugend dargelegt, dass die „Einstellung“ der
Blutzuckerwerte auch bei einem stabilen Diabetes Typ 1 durchaus komplex ist und
laufend Anpassungen benötigt, aber die Berichte der behandelnden Ärzte und der
Abklärungsbericht belegen mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit, dass der Aufwand für die Kontrolle des Blutzuckerspiegels
vorliegend deutlich tiefer als bei einem „brittle“ Diabetes ist, weil die Schwankungen
des Blutzuckerspiegels grundsätzlich gut vorhersehbar und kontrollierbar sind. Bei
dieser stabilen Situation hat im Rahmen der Abklärung vor Ort keine Veranlassung
bestanden, den Beschwerdeführer über einen längeren Zeitraum hinweg zu
beobachten. Der Sachverhalt erweist sich zusammenfassend als rechtsgenüglich
abgeklärt.
Der Beschwerdeführer benötigt beim Aufstehen, Absitzen und Abliegen, beim An-
und Ausziehen, bei der Körperpflege, beim Verrichten der Notdurft und bei der
Fortbewegung keine regelmässige erhebliche Dritthilfe. Im Zusammenhang mit der
Insulinpumpe und dem daran angeschlossenen Katheter ist eine besondere Vorsicht
erforderlich, wie die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers überzeugend aufgezeigt
hat. Aufgrund seines jungen Alters wird der Beschwerdeführer selbst nicht in jedem Fall
in der Lage sein, auf den richtigen Sitz der Pumpe und des Katheters zu achten
respektive diesen selbständig wiederherzustellen. Diesbezüglich benötigt er deshalb
gewisse Hilfeleistungen von Dritten, die aber gesamthaft nicht als eine regelmässige
erhebliche Dritthilfe im Sinne des Art. 37 Abs. 3 lit. a IVV in Bezug auf eine der fünf
oben genannten alltäglichen Lebensverrichtungen qualifiziert werden kann, weil sie
nicht die erforderliche Intensität aufweist. Auch beim Essen benötigt der
Beschwerdeführer grundsätzlich keine regelmässige erhebliche Dritthilfe. Das
2.3.
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Bundesgericht hat allerdings in seinem Urteil 8C_533/2019 vom 11. Dezember 2019 (E.
4.9) die Auffassung vertreten, es liege ein anspruchsrelevanter Bedarf nach einer
regelmässigen erheblichen – indirekten – Dritthilfe beim Aufstehen, Absitzen und
Abliegen vor, wenn die Eltern abends jeweils eine halbe bis eine dreiviertel Stunde bei
ihrem Kind bleiben, es beruhigen, mit ihm reden, es in den Arm nehmen und streicheln
müssen, damit es im Bett bleibt und einschläft. Das Bundesgericht hat also den Bedarf
nach einer indirekten Dritthilfe beim Aufstehen, Absitzen und Abliegen – trotz der
ausgewiesenen Fähigkeit des Kindes, selbständig aufzustehen, abzusitzen und
abzuliegen – mit einer überdurchschnittlichen Betreuungsbedürftigkeit des Kindes beim
Zubettgehen begründet. Dieser Auffassung liegt eine sehr weite Interpretation des
Begriffs einer erheblichen indirekten Dritthilfe bei einer der sechs alltäglichen
Lebensverrichtungen zugrunde. Folgt man dieser Auslegung, muss jede Form einer
„Anwesenheit“ einer Drittperson bei einer alltäglichen Lebensverrichtung als eine
erhebliche indirekte Dritthilfe qualifiziert werden, sofern dadurch ein gewisser Aufwand
verursacht wird. Das ist vorliegend im Zusammenhang mit dem Essen der Fall, denn
der Beschwerdeführer kann zwar grundsätzlich selber essen, aber er benötigt die
Anwesenheit seiner Mutter, die den Blutzuckerspiegel bestimmen (oder zumindest die
Messung durch den Beschwerdeführer kontrollieren), Nährwertberechnungen
vornehmen und sämtliche Lebensmittel abwägen muss. Der weitgehenden Auffassung
des Bundesgerichtes folgend ist der Beschwerdeführer deshalb als hilflos in Bezug auf
die alltägliche Lebensverrichtung „Essen“ zu qualifizieren. Damit ist er aber nicht hilflos
im Sinne des Art. 37 Abs. 3 lit. a IVV, da nur in Bezug auf eine alltägliche
Lebensverrichtung ein ausreichender Hilfebedarf vorliegt, der Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung aber einen solchen Hilfebedarf in mindestens zwei alltäglichen
Lebensverrichtungen erfordert.
Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat geltend gemacht, dass dieser
dauernd überwacht werden müsse, denn die Eltern müssten den Blutzuckerspiegel
ständig im Auge haben, um nötigenfalls Massnahmen ergreifen, das heisst dem
Beschwerdeführer geeignete Nahrungsmittel oder zusätzliches Insulin verabreichen zu
können. Diese „Überwachungsbedürftigkeit“ ist aber keine dauernde persönliche
Überwachung im Sinne des Art. 37 Abs. 3 lit. b IVV, denn unter einer solchen
dauernden persönlichen Überwachung ist eine andauernde Beobachtung eines
Versicherten zu verstehen, die nur hie und da für wenige Minuten unterbrochen werden
kann, ohne dass eine wesentliche Gefahr für das Leben des Versicherten oder Dritter
eintritt. Eine solche dauernde persönliche Überwachung benötigt der
Beschwerdeführer augenscheinlich nicht, denn er kann die Obhut der Eltern
regelmässig verlassen, ganz normal die Schule besuchen und Freizeitaktivitäten mit
2.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/13
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Freunden nachgehen. Auch wenn die Eltern wohl dafür sorgen werden, dass in aller
Regel jemand anwesend ist, der die Symptome einer Unterzuckerung erkennen und
reagieren kann, bedeutet das nicht, dass man den Beschwerdeführer nie für einige
Minuten aus den Augen lassen dürfte. Es besteht also bloss ein gewisser, aber kein
dauernder („intensiver“) Überwachungsbedarf, weshalb der Beschwerdeführer nicht
hilflos im Sinne des Art. 37 Abs. 3 lit. b IVV ist.
Bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer eine ständige und besonders
aufwendige Pflege im Sinne des Art. 37 Abs. 3 lit. c IVV benötigt. Diesbezüglich sieht
die Rz. 8058 des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der
Invalidenversicherung (KSIH) vor, dass eine Pflege dann als besonders aufwendig gilt,
wenn der Pflegeaufwand mehr als zwei Stunden pro Tag beträgt und wenn gleichzeitig
erschwerende qualitative Momente mit zu berücksichtigen sind oder wenn der
Pflegeaufwand mehr als drei Stunden pro Tag beträgt und wenn gleichzeitig
mindestens ein qualitatives Moment hinzukommt oder wenn der Pflegeaufwand mehr
als vier Stunden pro Tag beträgt. Diese schematische Auslegung des Begriffs der
besonders aufwendigen Pflege findet weder im Gesetz noch in der Verordnung eine
ausreichende Grundlage. Vielmehr unterläuft sie die gesetzliche Regelung, indem sie
absolute Regeln aufstellt, die das vom Gesetzgeber gewollte Ermessen komplett
ausschalten. Ein striktes Abstellen auf die im Kreisschreiben aufgestellten Regeln zur
Beantwortung der Frage nach der Notwendigkeit einer ständigen und besonders
aufwendigen Pflege wäre folglich gesetzwidrig. Die von der Aufsichtsbehörde in der Rz.
8058 KSIH vorgegebene Abstufung kann höchstens als eine Auslegungshilfe
herangezogen werden, um im Einzelfall einen Anhalt dafür zu geben, ob sich der
konkrete Pflegebedarf im Bereich des vom Art. 37 Abs. 3 lit. c IVV Geforderten bewegt.
Die Frage, ob ein Versicherter eine ständige und besonders aufwendige Pflege im
Sinne des Art. 37 Abs. 3 lit. c IVV benötigt, muss aber letztlich unter Berücksichtigung
sämtlicher Umstände des konkreten Einzelfalls beantwortet werden. Anders als im Fall
IV 2019/80, der von der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers offenbar als ein
einschlägiges Präjudiz für dieses Beschwerdeverfahren betrachtet wird, benötigt der
Beschwerdeführer keine allnächtlichen „Einsätze“ der Eltern. Diese müssen zwar jeden
Abend, bevor sie selbst zu Bett gehen, den Blutzuckerspiegel messen und dem
Beschwerdeführer nötigenfalls (etwa dreimal pro Woche) Zucker oder Stärke zuführen,
was einen erneuten Einsatz von etwa zwei Minuten Dauer nach etwa zwei Stunden,
zwischen Mitternacht und ein Uhr morgens, erfordert. Abgesehen davon sind aber
keine „Nachteinsätze“ erforderlich, was bedeutet, dass die Eltern in aller Regel
mindestens sechs bis sieben Stunden durchschlafen können (vgl. IV-act. 11–4 f.).
Tagsüber muss der Blutzuckerspiegel insgesamt etwa neunmal gemessen werden;
2.5.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/13
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3.
Zum Subeventualantrag des Beschwerdeführers – die Berücksichtigung des
Gesamtaufwandes für den Beschwerdeführer und dessen Schwester – existiert eine
ältere Praxis, die sich zwar nicht auf die Hilflosenentschädigung, sondern auf die
Hauspflegebeiträge (die zu den medizinischen Massnahmen im Sinne des Art. 14 IVG
zählten) bezieht, aber dasselbe Problem zum Gegenstand hat, nämlich die Frage, ob
für das Erreichen eines vom Gesetzgeber geforderten Mindestaufwandes für Pflege
und Betreuung die Zeiten für mehrere im selben Haushalt lebende Geschwister zu
addieren seien. Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hat in seinem
Entscheid IV 1998/52,53 vom 27. April 2000 (E. 4a) die Auffassung vertreten, die
gesetzliche Regelung enthalte diesbezüglich eine ausfüllungsbedürftige Lücke. In
einem solchen Fall müsse für die Prüfung der Hauspflegebeitragsberechtigung jener
Aufwand berücksichtigt werden, der für die Pflege und Betreuung aller behinderten
Kinder zusammen erbracht werde. Das Bundesgericht hat diese Auffassung in seinem
Urteil I 339/00 vom 13. November 2000 bestätigt (E. 3). Zwar erscheint es nach wie vor
als stossend, dass der bei den Eltern von mehreren bei ihnen wohnenden
hilfsbedürftigen Kindern anfallende Gesamtaufwand für die Pflege und Betreuung bei
der Beantwortung der Frage, ob die Mindestgrenze für den vom Gesetzgeber als
relevant anerkannte Aufwand überschritten sei, nicht soll berücksichtigt werden
können. Aber die erwähnten älteren Urteile des St. Galler Versicherungsgerichtes und
des Bundesgerichtes müssen aus den folgenden Gründen dennoch als gesetzwidrig
qualifiziert werden: Die Sachlage stellt sich in einem Fall, in dem Eltern sich um
mehrere hilfsbedürftige Kinder kümmern, ähnlich dar wie beispielsweise bei einem
Einsatz der Kinderspitex, denn in beiden Fällen sind drei Parteien involviert, nämlich die
Invalidenversicherung als leistungspflichtige Sozialversicherung, die einzelnen Kinder
eine der Messungen erfolgt jeweils in der Schule nach Anweisung der Eltern. Die Eltern
müssen zudem dafür sorgen, dass der Beschwerdeführer rechtzeitig geeignete
Nahrungsmittel zu sich nimmt, was Berechnungen anhand von Nährwerttabellen und
das Abwägen der Lebensmittel erfordert. Alle zwei Tage muss der Katheter gewechselt
werden. Etwa viermal pro Woche muss der Sensor neu angeklebt werden. Einmal pro
Woche muss die Insulinampulle gewechselt werden. Das alles verursacht einen
gewissen Aufwand, aber dieser beträgt deutlich weniger als zwei Stunden pro Tag.
„Leerzeiten“ können nicht berücksichtigt werden, da sich eine Pflegeperson nicht
während einer längeren Zeit „auf Abruf“ halten müsste, um bei einer
unvorhergesehenen Notsituation Pflegeleistungen zu erbringen. Zusammenfassend
benötigt der Beschwerdeführer keine ständige und besonders aufwendige Pflege.
Damit ist auch die Anspruchsvoraussetzung des Art. 37 Abs. 3 lit. c IVV nicht erfüllt.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/13
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als Leistungsbezüger und die Kinderspitex respektive die Eltern als „Dienstleister“ im
Auftrag der Invalidenversicherung. Idealtypisch müsste die Invalidenversicherung die
medizinischen Massnahmen als Sachleistungen selbst erbringen, das heisst den
Leistungsbezügern die medizinische Pflege durch eigenes Personal erbringen; ebenso
müsste sie die (nicht medizinische) Pflege und Betreuung durch eigenes Personal
erbringen, die von der Hilflosenentschädigung (pauschal und damit mehr oder weniger
fiktiv) abgegolten wird, denn Sachleistungen müssen idealtypisch in natura erbracht
werden. Da die Invalidenversicherung nicht über entsprechend geschultes Personal
verfügt, „kauft“ sie die von ihr zu erbringenden – medizinischen oder nicht
medizinischen – Pflegeleistungen „ein“, das heisst sie engagiert Dritte, wie
beispielsweise die Kinderspitex, die in ihrem Auftrag die eigentlich von der
Invalidenversicherung geschuldete Sachleistung erbringen und dafür von der
Invalidenversicherung bezahlt werden. Bei der Hilflosenentschädigung verhält es sich
nicht anders, bloss sind es bezüglich der von der Hilflosenentschädigung abgegoltenen
Pflegeleistungen in der Regel die Eltern (und nicht die Invalidenversicherung), die einen
„Dienstleister“ engagieren und seine Leistungen mit der Hilflosenentschädigung
vergüten. Erbringen die Eltern die von der Hilflosenentschädigung (pauschal und damit
fiktiv) abgegoltene nicht medizinische Pflege selbst, übernehmen sie selbst die Rolle
des „Dienstleisters“ respektive Leistungserbringers. Unabhängig davon, wie respektive
von wem die von der Hilflosenentschädigung abgedeckte Sachleistung erbracht wird,
besteht sozialversicherungsrechtlich immer nur ein „Zwei-Parteien-Verhältnis“
zwischen der Invalidenversicherung und dem Leistungsbezüger, also dem Kind, dem
die Hilflosenentschädigung zusteht. Die Frage, ob ein Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung besteht, muss also zwingend aus der Sicht des potentiellen
Leistungsbezügers, das heisst aus der Sicht des Kindes, beantwortet werden. In den
erwähnten älteren Urteilen haben das Versicherungsgericht und das Bundesgericht
diese Frage aber aus der Sicht des – sozialversicherungsrechtlich irrelevanten –
Leistungserbringers, nämlich aus der Sicht der Eltern, beantwortet. Dieses Vorgehen
hat offensichtlich der gesetzlichen Konzeption widersprochen, was bedeutet, dass die
angebliche Lückenfüllung nicht praeter, sondern contra legem erfolgt ist. Zudem haben
sich das St. Galler Versicherungsgericht und auch das Bundesgericht augenscheinlich
nicht mit der sich zwingend stellenden Folgefrage befasst, wem ein Anspruch auf
Hauspflegebeiträge respektive auf eine Hilflosenentschädigung zusteht, wenn er nur
deshalb besteht, weil der Gesamtaufwand für mehrere Kinder zusammen die
entsprechende Mindestgrenze überschreitet. Man müsste ja, dieser älteren Praxis
folgend, bei beiden Kindern jeweils den gesamten Aufwand für die Pflege beider Kinder
berücksichtigen, also bei Kind A 100 Prozent des Gesamtaufwandes für die Kinder A
und B und bei Kind B ebenfalls 100 Prozent des Gesamtaufwandes für die Kinder A
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St.Galler Gerichte
und B. Trotzdem dürfte natürlich nur eine Hilflosenentschädigung ausgerichtet werden,
da ja nur der Gesamtaufwand für beide Kinder A und B zusammen – einmal – die
Anspruchsvoraussetzung für die Zusprache einer Hilflosenentschädigung erfüllt. Die
Hilflosenentschädigung müsste also dem Kind A, dem Kind B oder beiden Kindern nur
anteilsmässig zugesprochen werden, was wohl die nächstliegende Lösung sein dürfte.
Die gesetzliche Konzeption erlaubt aber keine Aufteilung einer Hilflosenentschädigung.
Damit steht fest, dass für die Umsetzung der in den erwähnten älteren Urteilen
geschaffenen vermeintlich lückenfüllenden Lösung für Fälle wie den vorliegenden, eine
von der übrigen gesetzlichen Konzeption erheblich abweichende respektive dieser
sogar in entscheidenden Punkten widersprechende neue Regelung geschaffen werden
müsste. Eine solche neue Regelung kann aber nur der Gesetzgeber schaffen. Das
haben das St. Galler Versicherungsgericht und das Bundesgericht damals offenbar
übersehen. An der oben erwähnten Praxis kann jedenfalls nicht festgehalten werden.
Der bestehenden gesetzlichen Regelung gemäss kann dem Subeventualantrag des
Beschwerdeführers nicht entsprochen werden.
4.
Die Abweisung des Leistungsbegehrens erweist sich damit im Ergebnis als
rechtmässig. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen. Die angesichts des leicht
unterdurchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf 400 Franken festzusetzenden
Gerichtskosten sind dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen; sie sind
durch den von ihm geleisteten Kostenvorschuss von 400 Franken gedeckt. Der
Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung, da seine
Rechtsvertreterin keine Rechtsanwältin ist (vgl. Art. 10 AnwG; sGS 963.70) und da der
Beschwerdeführer unterliegt.