Decision ID: fd093ae5-cb2f-4dd5-9438-7a5a4dccddd3
Year: 2019
Language: de
Court: BL_KG
Chamber: BL_KG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

B. Mit Gesuch vom 28. April 2016 meldete sich A._ unter Hinweis auf eine  ihres Gesundheitszustands erneut zum Bezug von Leistungen bei der IV-Stelle an, worauf diese bei Dr. B._ ein Verlaufsgutachten in Auftrag gab. Dr. B._ erstattete sein Gutachten am 21. November 2016 und gelangte darin zum Schluss, dass seit April 2013 eine  von 50 % bei einer Leistungsfähigkeit von 100 % bestehe. Bei der jetzigen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit handle es sich um eine andere Beurteilung desselben Sachverhalts. Diese  gehe auf bei der ersten Begutachtung unbekannte anamnestische Begebenheiten zurück, was zur Änderung der Diagnostik führe. Heute könne die bereits damals vorliegende  ausgemacht werden. Mit Stellungnahme vom 8. Dezember 2016 empfahl der Regionale Ärztliche Dienst beider Basel (RAD), nicht auf das Gutachten abzustellen, da die  ausgewiesene Änderung der Arbeitsfähigkeit nicht nachvollziehbar begründet worden sei. Das im aktuellen Gutachten dargelegte Fähigkeitsniveau der Versicherten bzw. ihr  würden im Wesentlichen den Befunden bzw. den Angaben der Versicherten entsprechen, wie sie bereits im Vorgutachten im Mai 2014 festgehalten worden seien. Bei der Versicherten liessen sich aus der Sicht des RAD vor allem keine neu erhobenen objektiven Befunde erkennen, die ihre nun neu ausgewiesene verminderte Arbeitsfähigkeit plausibel machen würden. Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren von A._ mit Verfügung vom 1. September 2017 ab. Auf das Gutachten von Dr. B._ vom 21. November 2016 könne weder in diagnostischer Hinsicht noch bezüglich der Einschätzung der  abgestellt werden. Insgesamt müsse daher im Vergleich zur Beurteilung von Dr. B._ vom 19. Mai 2014 von einem unveränderten Gesundheitszustand ausgegangen werden, so dass  lediglich eine Arbeitsunfähigkeit von 30 % berücksichtigt werden könne. Bei einem  von 30 % bestehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente.
C. Dagegen erhob A._, vertreten durch Dr. Daniel Riner, am 4. Oktober 2017  beim Kantonsgericht. In der Beschwerde wurde unter o/e-Kostenfolge die Aufhebung der Verfügung vom 1. September 2017 sowie die Zusprechung der  an die Beschwerdeführerin beantragt. Mit Vernehmlassung vom 7. November 2017 liess die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde beantragen.
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D. Nachdem die Angelegenheit mit Verfügung vom 24. November 2017 dem  zur Beurteilung überwiesen wurde, gelangte dieses anlässlich der Urteilsberatung vom 25. Januar 2018 zum Schluss, dass eine abschliessende Beurteilung der Angelegenheit gestützt auf die vorhandene medizinische Aktenlage nicht möglich sei (vgl. dazu den ausführlichen  des Kantonsgerichts vom 25. Januar 2018). In der Folge wurde PD Dr. med. C._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, als Gerichtsgutachter bestimmt (vgl. auch  vom 18. April 2018). PD Dr. C._ reichte mit Eingabe vom 29. Oktober 2018 das Gutachten zu den Akten. Mit Verfügung vom 14. November 2018 wurde den Parteien die Gelegenheit , dazu und zu den Auswirkungen auf den strittigen Anspruch Stellung zu nehmen.
E. Mit Eingabe vom 3. Dezember 2018 äusserte sich die Beschwerdegegnerin. Sie hielt fest, der RAD führe in seiner Stellungnahme vom 19. November 2018 aus, dass die Beurteilung von PD Dr. C._ nachvollziehbar und die von ihm attestierte Arbeitsunfähigkeit von 70 % ab Ende November 2012 plausibel sei. Aus Sicht der Beschwerdegegnerin könne auf das  abgestellt werden. Bei einer attestierten Arbeitsunfähigkeit von 70 % resultiere ein  von 70 % und somit ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente. Nach der  Rentenablehnungsverfügung vom 13. April 2015 sei die Neuanmeldung am 28. April 2016 erfolgt. Nach Ablauf der sechsmonatigen Wartefrist gemäss Art. 29 Abs. 1 des  über die Invalidenversicherung (IVG) vom 19. Juni 1959 habe sie mit Wirkung 1. Oktober 2016 Anspruch auf eine ganze Rente.
F. Mit Stellungnahme vom 6. Dezember 2018 liess die Beschwerdeführerin unter o/e- die Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 1. September 2017 sowie die  der Leistungen aus der Invalidenversicherung beantragen. Daneben beantragte sie, es sei das Urteil des Kantonsgerichts vom 17. Dezember 2015 revisionsweise aufzuheben und es sei ihr in Aufhebung der Verfügung vom 13. April 2015 bei einem ab dem 29. November 2012  Invaliditätsgrad von 70 % rückwirkend eine ganze Invalidenrente zuzusprechen.
G. Mit Eingabe vom 11. Dezember 2018 nahmen die Beschwerdeführerin und mit Eingabe vom 8. Januar 2019 die Beschwerdegegnerin abschliessend Stellung.
H. In der Folge eröffnete das Kantonsgericht für das Revisionsbegehren der  betreffend Urteil des Kantonsgerichts vom 17. Dezember 2015 ein neues Verfahren (720 19 20). Mit Verfügung vom 14. Februar 2019 wurden beide Angelegenheiten dem Gericht zur Beurteilung überwiesen.
Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien ist, soweit notwendig, in den nachfolgenden  einzugehen.

Das Kantonsgericht zieht i n E r w ä g u n g :
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1.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder  Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des  [ATSG] vom 6. Oktober 2000). Erwerbsunfähigkeit ist der durch  der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach  Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der  auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die  der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt  nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2 Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in  mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach  der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. ), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig  genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der  der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. Allgemeine Methode des ; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.3 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die: a. ihre  oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können; b. während  Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und c. nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine , bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem  von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von  70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4 Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt (Abs. 1). Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (Abs. 3).
1.5 Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der  für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben  ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der  Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen
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Fachperson ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht  Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt. Eine  Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche  anderer Fachexperten als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass die Überprüfung durch einen Oberexperten für angezeigt  wird, sei es, dass ohne Oberexpertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen gezogen werden (BGE 125 V 351 E. 3b/aa mit Hinweisen).
2. PD Dr. C._ diagnostiziert in seinem Gerichtsgutachten vom 29. Oktober 2018 mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine dissoziative Identitätsstörung gemäss DSM-5 bzw. eine multiple Persönlichkeitsstörung gemäss ICD-10 F44.81 sowie eine posttraumatische  gemäss DSM-5 und ICD-10 F43.1 nach chronischer sexueller Gewalterfahrung in der Kindheit. Zur Arbeitsunfähigkeit führt er aus, dass diese in sämtlichen von der  ausgeübten Tätigkeiten 70 % betrage. Dabei würden vor allem die schwergradige  Beeinflussung der Gedanken und Handlungen mit Denkblockaden und  sowie die schwergradige Stimmungsinstabilität und Impulskontrollstörung zur  in den beruflichen Aufgabenbereichen führen. Entsprechend dem mutmasslichen Verlauf der psychischen Störungen sei davon auszugehen, dass der Grad der Arbeitsunfähigkeit seit Ende 2012 gleich oder höher gewesen sei als heute.
3.1 Die Parteien haben gegenüber dem Gerichtsgutachten keine Einwände erhoben. Es  denn auch den praxisgemässen Anforderungen (vgl. dazu Erwägung 1.5 hiervor) , so dass darauf abzustellen ist. Der Sachverhalt ist somit dahingehend erstellt, dass die Beschwerdeführerin in den bisherigen Tätigkeiten wie auch in einer Verweistätigkeit seit Ende 2012 zu 70 % eingeschränkt ist. Da sowohl das Validen- als auch das Invalideneinkommen nach demselben Tabellenlohn bestimmt werden, beträgt der Invaliditätsgrad mindestens 70 %. Damit hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine ganze Invalidenrente.
3.2 Gemäss den Angaben im Gerichtsgutachten besteht die 70 %-ige Einschränkung seit Ende 2012, womit das Wartejahr im Sinne von Art. 28 Abs.1 lit. b IVG spätestens Ende 2013 abgelaufen war. Nach der rechtskräftigen Rentenablehnungsverfügung vom 13. April 2015  sich die Beschwerdeführerin am 28. April 2016 erneut zum Leistungsbezug an. Die  (Warte-)Frist von sechs Monaten bis zum frühestmöglichen Rentenbeginn endete folglich am 27. Oktober 2016. Somit entstand der Rentenanspruch am 1. Oktober 2016.
3.3 Damit ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, als in Aufhebung der  Verfügung vom 1. September 2017 festgestellt wird, dass die Beschwerdeführerin ab 1.  2016 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat.
4.1 Es bleibt über die Kosten des Verfahrens zu befinden. Da es vorliegend um die  oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die  sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
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Abs. 1bis IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind sie von der Beschwerdegegnerin zu tragen. Der von der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.-- wird ihr zurückerstattet.
4.2 Wie im Beschluss des Kantonsgerichts vom 25. Januar 2018 ausführlich dargelegt, lag der angefochtenen Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 1. September 2017 ein in  Hinsicht ungenügend abgeklärter Sachverhalt zugrunde. Deshalb sind die Kosten für das Gerichtsgutachten von PD Dr. C._ in der Höhe von insgesamt Fr. 12‘500.-- der  aufzuerlegen (BGE 140 V 75 E. 6.1 und 139 V 502 E. 4.4).
4.3 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist der Beschwerdeführerin deshalb eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. Der  der Beschwerdeführerin hat in seiner Honorarnote vom 6. März 2019 für das vorliegende  einen Zeitaufwand von 9.95 Stunden geltend gemacht, was sich angesichts der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen sowie des Aktenumfangs als angemessen erweist. Dasselbe gilt für die geltend gemachten Auslagen in der Höhe von insgesamt Fr. 86.60. Damit ist der Beschwerdeführerin für das vorliegende Beschwerdeverfahren dem Antrag  eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 3‘317.25 (8.35 Std. à Fr. 250.-- und plus Auslagen von Fr. 63.30 zuzüglich Mehrwertsteuer von 8 % und 3.6 Std. à Fr. 250.-- plus Auslagen von Fr. 33.30 zuzüglich Mehrwertsteuer von 7.7 %) zu Lasten der Beschwerdegegnerin .
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