Decision ID: 3e5c58fd-4e8e-4de2-b8b3-398c9b914cae
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ U.N. und die W. AG sind Eigentümer des Grundstücks Nr. F0765, das nach dem
Zonenplan der Stadt St. Gallen vom 1. Oktober 2006 der Wohnzone W2a zugeteilt ist.
Es liegt im Winkel der Waldgut- und der Glärnisch-strasse. Das Grundstück ist derzeit
mit einem Bauernhaus und Garagen überbaut und misst rund 1'700 m .
B./ Am 13. März 2007 verfügte der Stadtrat St. Gallen bezüglich der Parzelle Nr. F0765
den Erlass eines Gestaltungsplans. Der Gestaltungsplan Waldgut-/Glärnisch-strasse
(im folgenden Gestaltungsplan) mit den besonderen Vorschriften (abgekürzt besV)
sowie den Beilageplänen Nr. 1 bis 7 legt die Überbauung der Liegenschaft mit drei
Hauptbauten einschliesslich der Erschliessung und der Umgebungsgestaltung fest.
Das bestehende Bauernhaus soll abgebrochen werden.
C./ Innert der Auflagefrist erhoben C. als Eigentümerin des benachbarten Wohnhauses
an der Glärnischstrasse Nr. 22 und die Erbengemeinschaft W. am 25. April 2007
Einsprache gegen den Gestaltungsplan.
Der Stadtrat wies am 6. November 2007 beide Einsprachen in den Beschlüssen Nrn.
3702 und 3703 ab und stimmte dem Gestaltungsplan zu.
D./ Gegen die abweisenden Einspracheentscheide erhoben C. und die
Erbengemeinschaft W. durch ihren Rechtsvertreter mit Eingabe vom 26. November
2007 Rekurs beim Baudepartement. Sie beantragten, der Einspracheentscheid des
Stadtrates St. Gallen vom 6. November 2007 und der Gestaltungsplan seien
aufzuheben bzw. diesem sei die Genehmigung zu verweigern. Zur Begründung
machten die Rekurrenten zunächst eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches
Gehör geltend. Der Stadtrat habe ihre Vorbringen ungenügend geprüft und es
unterlassen, den Entscheid nachvollziehbar zu begründen. Gegen den Erlass des
Gestaltungsplans wurde eingewendet, die Voraussetzungen für die Erarbeitung eines
Gestaltungsplans seien nicht erfüllt. Dieser nehme zudem auf das angrenzende Gebiet
mit besonderem baulichen Erscheinungsbild ungenügend Rücksicht, weshalb eine
Gesamtüberbauung mit städtebaulich vorzüglicher Gestaltung nicht erreicht werde.
Ausserdem würden nachbarliche Interessen unverhältnismässig beeinträchtigt.
2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Nach dem Scheitern der vom Baudepartement veranlassten Vergleichsverhandlungen
hiess das Baudepartement mit Entscheid vom 20. Oktober 2008 die Rekurse von C.
und der Erbengemeinschaft W. gut und hob den Gestaltungsplan auf. Es erwog, die
Einspracheentscheide Nrn. 3702 und 3703 würden lediglich summarisch und nicht
abschliessend ausführen, inwieweit der Gestaltungsplan von den Regelbauvorschriften
abweiche und ob den Abweichungen berechtigte Interessen der Nachbarn
gegenüberstünden. Damit seien die Anforderungen an eine ausreichende Begründung
nicht erfüllt. Dieser Mangel sei jedoch im Rekursverfahren geheilt worden.
In materieller Hinsicht wurde ausgeführt, der Gestaltungsplan ermögliche eine
Gesamtüberbauung mit städtebaulich vorzüglicher Gestaltung. Dem Gestaltungsplan
stünden aber wichtige nachbarliche Interessen entgegen. Bei einer Realisierung der
Überbauung nach Gestaltungsplan würde das Wohnhaus Glärnischstrasse Nr. 22 auf
der südwestlichen Gebäudeseite im Winter dauernd beschattet werden, weshalb dem
Gestaltungsplan wichtige nachbarliche Interessen entgegenstünden. Das
Baudepartement stützte sich insbesondere auf Art. 57 Abs. 3 des Gesetzes über die
Raumplanung und das öffentliche Baurecht (sGS 731.1, abgekürzt BauG), wonach die
Einhaltung des Grenzabstands anstelle des Gebäudeabstands nur genüge, wenn nicht
wichtige Interessen entgegenstünden. Es erwog, als wichtiges Interesse gelte unter
anderem das Interesse an einer hinreichenden Besonnung und Belichtung im Sinne
von Art. 69 Abs. 3 BauG.
E./ Gegen den Entscheid des Baudepartements erhoben U. N. und die W. AG mit
Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 4. November 2008 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht. Sie beantragten, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und
der Gestaltungsplan sei zu genehmigen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
In seiner Vernehmlassung vom 27. November 2008 schloss das Baudepartement auf
Abweisung der Beschwerde. Der Stadtrat beantragte in seiner Stellungnahme vom 17.
Dezember 2008 die Gutheissung der Beschwerde. C. sowie die Erbengemeinschaft W.
verlangten in ihrer Vernehmlassung vom 15. Januar 2009 die Abweisung der
Beschwerde und die Bestätigung des vorinstanzlichen Entscheids, insbesondere die
Aufhebung des Gestaltungsplans, unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
U. N. und die W. AG liessen sich zu den Vernehmlassungen des Baudepartements und
von C. sowie der Erbengemeinschaft W. mit Stellungnahmen vom 16. Februar 2009
vernehmen. Die Beschwerdegegner äusserten sich mit Eingabe ihres Rechtsvertreters
vom 9. März 2009 dazu.
Am 12. März 2009 reichten die Beschwerdegegner eine Ergänzung zur Stellungnahme
vom 9. März 2009 ein und beantragten die Sistierung des Beschwerdeverfahrens, bis
der Bericht des Stadtrats über die in die Bauklasse bzw. -zone für Ein- und
Zweifamilienhäuser zurückzuversetzenden Gebiete vorliege und über das rechtliche
Schicksal des Gestaltungsplangebiets rechtskräftig entschieden sei.
Mit Verfügung vom 26. März 2009 wies der Präsident des Verwaltungsgerichts das
Sistierungsgesuch ab. Er erwog, die vorgesehene Überprüfung des Zonenplanes durch
den Stadtrat könne mehrere Jahre in Anspruch nehmen, und eine Sistierung
widerspreche dem Anspruch auf beförderliche Erledigung des Beschwerdeverfahrens.
Vorgängig zu seinem Entscheid hat das Verwaltungsgericht einen Augenschein an Ort
und Stelle durchgeführt. Die Verfahrensbeteiligten wurden dazu eingeladen und
erhielten Gelegenheit zur Stellungnahme. Darauf sowie auf die weiteren Vorbringen der
Verfahrensbeteiligten wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführer sind zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde vom 4. November 2008 entspricht
zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist
grundsätzlich einzutreten.
2. Im folgenden sind verschiedene formelle Vorbringen zu prüfen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.1. Die Beschwerdeführer reichten vor Verwaltungsgericht verschiedene Dokumente
ein, insbesondere grafische Darstellungen bzw. Planunterlagen zum Schattenwurf nach
Regelbauweise und nach Gestaltungsplan. Gestützt darauf machen sie geltend, dass
eine Baute nach Regelbauweise zu einer stärkeren Beschattung führen würde als die
Bauten gemäss Gestaltungsplan. Ausserdem reichten sie ein Modell der geplanten
Bauten ein.
Der Schattenwurf war im Rekursverfahren streitig. Die Vorinstanz schützte den Rekurs
im wesentlichen aufgrund der Beschattung. Die Beschwerdeführer waren daher
berechtigt, vor Verwaltungsgericht neue Beweismittel einzureichen. Bei diesen
Sachvorbringen handelt es sich nicht um unzulässige Noven (vgl. Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 642 ff.).
Namentlich wird dem Rechtsbegehren damit kein neues tatsächliches Fundament
unterstellt. Die Beschwerdeführer machen vielmehr geltend, die Beschattung des
Gebäudes auf dem Grundstück Glärnischstrasse Nr. 22 falle bei einer Überbauung
nach Regelbauweise stärker aus als bei einer Überbauung nach Gestaltungsplan.
Damit betreffen die Beweismittel eine im Rekursverfahren streitige Tatsache. Im
übrigen lag das Modell den Verfahrensbeteiligten auch anlässlich des Augenscheins im
Rekursverfahren vor.
2.2. Die Beschwerdeführer beanstanden, die Vorinstanz habe den Grundsatz des
Vertrauensschutzes verletzt. Dieser Grundsatz stützt sich auf Art. 9 der
Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt BV). Er verleiht einen Anspruch auf Schutz des
berechtigten Vertrauens in ein bestimmte Erwartungen begründendes Verhalten der
Behörden und verbietet widersprüchliches Verhalten (vgl. Häfelin/Müller/Uhlmann,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Aufl., Zürich/St. Gallen 2006, Rz. 622). Namentlich
kann der Vertrauensgrundsatz erfordern, dass eine Praxisänderung angekündigt wird
(vgl. BGE 132 II 153 E. 5.1) oder die Parteien darauf hingewiesen werden müssen, dass
sich die entscheidende Behörde auf Rechtsnormen stützten kann, mit deren
Anwendung schlechterdings nicht gerechnet werden musste (vgl. BGE 115 Ia 94 ff.).
Die Beschwerdeführer machen geltend, die Vorinstanz habe einen Entscheid gefällt,
der einer ursprünglich geäusserten Rechtsauffassung widerspreche und sich auf ein
Urteil des Verwaltungsgerichts stütze, das mangels Publikation keiner Partei habe
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bekannt sein können. Der Vertrauensgrundsatz erfordere, dass die Parteien auf diesen
neuen Rechtsstandpunkt hätten aufmerksam gemacht werden müssen.
Im Rahmen des Rekursverfahrens unterbreitete die Vorinstanz den Beteiligten u.a.
Vergleichsvorschläge. Offenbar wurden mit den Beteiligten auch rechtliche Aspekte
erörtert. Solche Äusserungen sind aber für die Vorinstanz nicht bindend oder sonstwie
präjudizierend. Sie stehen grundsätzlich unter dem Vorbehalt, dass nicht der juristische
Sachbearbeiter abschliessend entscheidet, sondern der Departementsvorsteher. Dies
musste den anwaltlich vertretenen Beschwerdeführern bewusst sein.
Zutreffend ist, dass das Urteil des Verwaltungsgerichts vom 16. März 2000, auf das
sich die Vorinstanz u.a. stützte, nicht publiziert ist. In jenem Urteil wurde die für
Hochhäuser geltende Vorschrift von Art. 69 Abs. 3 BauG bei einem Gestaltungsplan,
der kein Hochhaus umfasste, analog angewendet. Da die Beschattung streitig war und
das Gesetz eine die Beschattung betreffende Vorschrift nur für Hochhäuser kennt, war
durchaus damit zu rechnen, dass für die Beurteilung der Beschattung möglicherweise
auch die für Hochhäuser geltende Regelung herangezogen werden konnte. Jedenfalls
liegt keine Anwendung einer Rechtsnorm vor, mit der schlechterdings nicht gerechnet
werden musste. Von einer Verletzung des Vertrauensgrundsatzes kann daher nicht
gesprochen werden.
2.3. Die Beschwerdeführer beantragen, der den Parteien am 3. Juli 2008 zugestellte
Vergleichsvorschlag sei in die Verfahrensakten aufzunehmen.
Im Kanton St. Gallen existieren im Bereich der Verwaltungsrechtspflege keine
allgemein verbindlichen Vorschriften über Aktenführung bzw. Aktenordnung. Die
Aktenführung dient unter anderem der Rechtssicherheit, dem Schutz der Grundrechte
sowie einer effizienten Verwaltungsführung; sie ermöglicht die jederzeitige
Nachvollziehbarkeit und Transparenz staatlichen Handelns. Dazu ist eine
systematische Aufzeichnung bzw. Erfassung der Geschäftsprozesse sowie die
Verwaltung der dabei entstehenden Dokumente erforderlich. Akten, die den Parteien
zugestellt werden, sind im Aktendossier anzulegen. Dagegen sind ausschliesslich
behörden- oder gerichtsinterne Vorgänge nicht in die Akten aufzunehmen (Cavelti/
Vögeli, a.a.O., Rz. 1131).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Vorliegend steht fest, dass die Vorinstanz nur die zweite Version des
Vergleichsvorschlags in die Verfahrensakten aufgenommen hat, nicht aber die erste
Version. Ob sie vor dem Hintergrund der erwähnten Grundsätze zu Recht auf die
Edition der ersten Version verzichtet hat, kann indes offen bleiben, weil die
Vergleichsvorschläge nicht entscheidwesentlich sind. Die in einem Vergleichsverfahren
möglicherweise geäusserten Zugeständnisse sind unpräjudiziell, und es verstiesse
gegen den Grundsatz von Treu und Glauben, die Verfahrensbeteiligten im
Rechtsmittelentscheid auf allfälligen Zugeständnissen zu behaften. Die nach Angaben
der Vorinstanz irrtümlich in die Akten aufgenommene zweite Version des
Vergleichsvorschlags ist im Streitfall unbeachtlich. Dem Antrag der Beschwerdeführer
auf Aufnahme des ersten Vergleichsvorschlags in die Akten ist nach dem Gesagten
nicht stattzugeben.
2.3. Die Beschwerdeführer rügen im weiteren, die Vorinstanz habe ihren Anspruch auf
rechtliches Gehör verletzt, indem sie nicht geprüft habe, ob eine Bebauung nach der
Regelbauweise zu einer Verschlechterung der Beschattung der Liegenschaft
Glärnischstrasse 22 führe.
Der Anspruch auf rechtliches Gehör bedeutet nicht, dass sich die Behörde zu allen
Vorbringen der Beteiligten äussern muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den
Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (Häfelin/ Müller/Uhlmann, a.a.O.,
Rz. 1706). Die Vorinstanz erachtete die Beschattung nach der Überbauung gemäss
Gestaltungsplan als unzulässig und schloss daraus, der Unterschreitung des
Gebäudeabstands stünden wichtige Interessen im Sinne von Art. 57 Abs. 3 BauG
entgegen. Daher erübrigte sich für die Vorinstanz ein Vergleich mit der Beschattung im
Falle einer Bebauung nach den Regelbauvorschriften. Eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs kann darin nicht erblickt werden.
3. In materieller Hinsicht bringen die Beschwerdeführer vor, der angefochtene
Entscheid beruhe auf einem unrichtigen und teilweise unvollständig festgestellten
Sachverhalt. Die Vorinstanz habe den Niveaupunkt falsch festgelegt, wobei sie es bei
der Höhenangabe der Vorinstanz bewenden lassen würden. Unzutreffend sei aber die
Feststellung der Vorinstanz, wonach das geplante nordwestliche Einfamilienhaus die
Gebäudehöhe nach Regelbauweise nicht einhalte. Tatsächlich sei die zulässige Höhe
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sämtlicher Bauten im Gestaltungsplan im Vergleich zur Bauordnung reduziert worden.
Schliesslich sei auch die Behauptung der Vorinstanz, dass das Haus der
Beschwerdegegnerin an der Glärnischstrasse 22 bei einer Realisierung nach
Gestaltungsplan auf der südwestlichen Gebäudeseite im Winter dauernd beschattet
werde, aktenwidrig und willkürlich. Des weiteren treffe nicht zu, dass bei Einhaltung des
ordentlichen Gebäudeabstandes von 15 m die Besonnung und Belichtung des Hauses
der Beschwerdegegnerin deutlich verbessert würde. Die Vorinstanz habe es
pflichtwidrig unterlassen, diesbezüglich Abklärungen vorzunehmen. Vielmehr müsse
bei einem Vergleich der geplanten Baute mit einem Bau gemäss Regelbauweise
berücksichtigt werden, dass nach Regelbauweise ein Ein- oder Zweifamilienhaus von
7,5 m Höhe sowie einem Giebeldach errichtet werden könnte. Folglich würde die
Beschwerdegegnerin mit einer Baute nach Regelbauweise eine Mehr- und nicht eine
Minderbelastung treffen. Die Beschwerdeführer rügen insgesamt, die Vorinstanz habe
keine Prüfung vorgenommen, ob und wieweit der Gestaltungsplan von der
Regelbauweise abweiche. Erst wenn feststehe, dass eine Mehrbeeinträchtigung
aufgrund des Gestaltungsplans vorliege, sei zu prüfen, ob diese das zumutbare Mass
überschreite.
3.1. Nach Art. 61 Abs. 1 VRP ist das Verwaltungsgericht im Beschwerdeverfahren zur
Kontrolle von Rechtsverletzungen befugt. Die Ermessenskontrolle ist ihm hingegen
verwehrt (Art. 61 Abs. 1 und Abs. 2 VRP). Es hat sich daher darauf zu beschränken,
über die Einhaltung des Ermessensspielraums zu wachen und schreitet nur ein, wenn
die Vorinstanz das ihr zustehende Ermessen überschritten oder missbraucht hat
(Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 740). Dies bedeutet, dass das Verwaltungsgericht in eine
Plangenehmigung nur eingreifen darf, wenn Rechtsnormen und -grundsätze verletzt
werden. Soweit aber die Behörden ihr Ermessen pflichtgemäss ausgeübt haben, ist
dem Verwaltungsgericht eine Kontrolle verwehrt. Das Verwaltungsgericht ändert einen
sachlich haltbaren und zweckmässigen Planungsentscheid selbst dann nicht ab, wenn
es eine andere Lösung als ebenso zweckmässig erachtet oder sogar bevorzugen
würde (vgl. statt vieler GVP 1996 Nr. 9; VerwGE B 1999/6 vom 16. März 2000; VerwGE
B 2004/67, 72 vom 25. Oktober 2004, in: www.gerichte.sg.ch).
3.2. Gestaltungspläne sind Sondernutzungspläne und Teil der Nutzungsplanung.
Dementsprechend hat sich die Behörde wie bei der Überbauungsplanung an die Ziele
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und Planungsgrundsätze nach Art. 75 BV sowie Art. 1 und 3 des
Raumplanungsgesetzes (SR 700, abgekürzt RPG) zu halten (B. Heer, St. Gallisches
Bau- und Planungsrecht, Bern 2003, Rz. 153). Namentlich gehören zu den
massgebenden Planungsgrundsätzen der Landschafts- und Umweltschutz, die
Siedlungsgestaltung und -begrenzung, die Förderung und der Schutz der Wirtschaft
sowie sozialer und kultureller Werte (BGE 113 Ib 225 E. 2c; Art. 1 Abs. 2 und Art. 3
RPG).
Nach Art. 28 Abs. 1 BauG kann die politische Gemeinde im Einverständnis mit den
betroffenen Grundeigentümern zur Erreichung einer Gesamtüberbauung mit
städtebaulich vorzüglicher Gestaltung Gestaltungspläne erstellen, welche die
Überbauung einer oder mehrerer Parzellen projektmässig bis in Einzelheiten regeln.
Gestaltungspläne regeln in einem detaillierten Mass die Nutzung von Bauland.
Wie im Bereich der Nutzungsplanung im allgemeinen steht der Planungsbehörde auch
bei der Gestaltungsplanung ein weitreichender Ermessensspielraum zu. Insbesondere
lässt sich aus den dargelegten Planungsgrundsätzen des Bundesrechts und des
kantonalen Rechts kein Anspruch des Einzelnen auf Erlass bestimmter planerischer
Massnahmen ableiten. Dagegen unterliegt die Frage des vollständigen Einbezugs der
massgeblichen Einzelaspekte in die Interessenabwägung im Rahmen der Planung
grundsätzlich der Rechtskontrolle (vgl. GVP 1996 Nr. 12; VerwGE B 1999/6 vom
16. März 2000). Ein Ermessens- bzw. Beurteilungsspielraum steht der
Planungsbehörde aber namentlich dort zu, wo es um die Wertung bzw. Gewichtung
der einzelnen Grundsätze geht. Erst eine deutlich unsorgfältige Interessenabwägung
stellt eine Rechtsverletzung dar und unterliegt der Rechtskontrolle (vgl. statt vieler P.
Hänni, Planungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 5. Aufl., Bern 2008, S. 81
ff.).
Trägerin der Ortsplanung ist grundsätzlich die Politische Gemeinde (Art. 2 Abs. 1
BauG). Art. 3 Abs. 2 BauG bestimmt jedoch, dass dem Staat in allen Belangen der
Raumplanung die Rechts- und Ermessenskontrolle zusteht, dass er aber den nötigen
Ermessensspielraum der Politischen Gemeinden bei der Orts- und Regionalplanung
wahrt. Dies bedeutet, dass der Staat den kommunalen Entscheid zu respektieren hat,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
wenn der Plan den massgebenden Rechtsnormen entspricht und zweckmässig sowie
sachgerecht ist.
Im übrigen ist der Ablauf des vorliegenden Planverfahrens nicht zu beanstanden. Das
BauG sieht bei Gestaltungsplänen keine Visierung vor. Ein Verstoss gegen den
Rechtsgleichheitsgrundsatz ist darin nicht zu erblicken, da die Bauten und Anlagen
anderweitig visualisiert werden als im Baubewilligungsverfahren, welches dem
Planverfahren folgt. Im vorliegenden Fall wurde zudem sowohl im Rekurs- als auch im
Beschwerdeverfahren ein Augenschein durchgeführt, bei welchem auch das Modell
des Gestaltungsplans Gegenstand der behördlichen bzw. gerichtlichen
Tatsachenfeststellung war. Bei dieser Sachlage kann im Verzicht auf eine Visierung im
Planverfahren keine Verletzung übergeordneter Rechtsnormen oder Rechtsgrundsätze
erblickt werden.
3.3. Im vorliegenden Fall deckt sich das Gestaltungsplangebiet mit der Parzelle
Nr. F0765 der Beschwerdeführer. Die Erschliessung erfolgt für die Bewohner von der
Waldgutstrasse und für die Besucher von der Glärnischstrasse her. Dem
Gestaltungsplan zufolge ist eine Überbauung mit zwei Einfamilienhäusern und einem
Mehrfamilienhaus mit zwei Wohnungen beabsichtigt. Bei sämtlichen Bauten ist die
Erstellung von je zwei Vollgeschossen sowie einem Attikageschoss vorgesehen, wobei
die festgelegten Höhenkoten nicht überschritten werden dürfen (Art. 4 Abs. 1 besV).
Die Parzelle Glärnischstrasse 22 liegt nordwestlich des Baugrundstücks und ist mit
einem anfangs der 50er-Jahre errichteten eingeschossigen Einfamilienhaus mit
Giebeldach überbaut, welches den nach heutigem Recht geltenden Grenzabstand
nach Südosten, also zum geplanten nordwestlichen Einfamilienhaus hin, nicht einhält.
3.4. Im Rahmen einer Gestaltungsplanung kann vom Zonen- und Überbauungsplan
abgewichen werden (Art. 28 Abs. 1 BauG). Da die Regelbauvorschriften Bestandteil
des Zonenplans sind (Art. 9 Abs. 2 BauG), kann auch von der im Baureglement
festgelegten Regelbauweise einer Zone abgewichen werden. Die Grenze der
zulässigen Abweichungen von der Regelbauweise ergibt sich einerseits aus dem
Erfordernis der städtebaulich vorzüglichen Gestaltung und dem damit verbundenen
öffentlichen Interesse und andererseits aus dem Erfordernis der Wahrung berechtigter
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Nachbarinteressen. Abweichungen von der Regelbauweise einer Zone sind mit
anderen Worten nur in dem Masse zulässig, als sie zur Erreichung einer
Gesamtüberbauung mit vorzüglicher Gestaltung erforderlich sind und die Interessen
der Nachbarn nicht erheblich beeinträchtigen. Massgebend ist dabei eine
Gesamtbeurteilung der Auswirkungen einer Überbauung nach Gestaltungsplan. Bei
besonderen örtlichen Verhältnissen wird die von Art. 28 Abs. 1 BauG geforderte
städtebauliche Vorzüglichkeit erreicht, wenn die in Art. 1 und 3 RPG enthaltenen
Planungsziele und –grundsätze soweit eingehalten werden, als dies nach den
konkreten örtlichen Verhältnissen möglich ist. Liegen keine besonderen örtlichen
Verhältnisse vor, so zeichnet sich eine städtebaulich vorzügliche Gestaltung durch
spezifische Vorzüge gegenüber der Regelbauweise aus; diese Vorzüge sind nach den
Zielen und Grundsätzen des RPG zu bewerten (Heer, a.a.O., Rz. 154; VerwGE B
2007/81 vom 15. Oktober/5. November 2007, in: www.gerichte.sg.ch).
3.5. Zu prüfen ist somit einerseits das Erfordernis der städtebaulich vorzüglichen
Gestaltung und anderseits das Erfordernis der Wahrung berechtigter
Nachbarinteressen. Obwohl die Beschwerdegegner den Rekursentscheid nicht
selbständig angefochten haben, ist die städtebaulich vorzügliche Gestaltung von
Amtes wegen zu beurteilen, da sie Voraussetzung für die gebotene
Interessenabwägung ist.
3.5.1. Die Beschwerdegegner bestreiten, dass der Gestaltungsplan dem Erfordernis
der städtebaulichen Vorzüglichkeit Rechnung trage. Sie wenden unter anderem ein, der
Gestaltungsplan enthalte eine erhebliche Privilegierung der Bauherrschaft, so bezüglich
der internen Abstände wie auch bezüglich des Abstandes des nordwestlichen Hauses
gegenüber der Liegenschaft Glärnischstrasse 22. Auch führten die Attikageschosse zu
faktischer Dreigeschossigkeit der Baukörper an den Längsfassaden, und die massiven
Brüstungen verstärkten den disproportionalen, alles andere als leichten, vielmehr
klotzigen und festungsartigen Eindruck. Zudem sei die durch bestehende Gebäude
vorgezeichnete Bauflucht offenkundig nicht eingehalten, und Flachbauten in de facto
dreigeschossiger Höhe seien keineswegs quartiertypisch und stellten keine
Bereicherung des feingegliederten Quartiercharakters dar. Insgesamt würden sich
diese Mängel allesamt zulasten der Beschwerdegegner auswirken.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.5.2. Verschiedene städtische und kantonale Fachstellen, insbesondere das
Hochbauamt, die kantonale Denkmalpflege sowie das Amt für Raumentwicklung und
Geoinformation, haben dem Gestaltungsplan eine hohe städtebauliche und
gestalterische Qualität attestiert. Die Vorinstanz hat sich diesen Stellungnahmen
vorbehaltlos angeschlossen (vgl. Rekursentscheid E. 4.3.1). Sie erwog, die
Vorzüglichkeit ergebe sich aus der Lage des Grundstücks in einem durch das
öffentliche Verkehrsnetz gut erschlossenen Wohngebiet ohne Durchgangsverkehr. Der
Plan orientiere sich zwar nicht an der Ausrichtung der Bauten des angrenzenden
Quartiers. Er übernehme indessen mit der Massstäblichkeit der vorgesehenen
Überbauung, insbesondere mit den vorgesehenen Freiräumen, das wesentliche
städtebauliche Element des angrenzenden Gebiets. Die Übernahme dieser
Quartiertypizität sei aufgrund der exponierten Lage des Plangrundstücks sowie Art. 3
Abs. 2 lit. b RPG geboten und mithin das Abweichen von den Regelbauvorschriften
gerechtfertigt.
Der Stadtrat erwog, die Verbesserung der bisherigen schlechten Ausnutzung bzw. die
Möglichkeit einer verdichteten Wohnnutzung an geeigneter Lage liege nicht nur im
privaten Interesse, sondern auch im Interesse der Stadt und des Quartiers. Im Rahmen
der Regelbauweise wäre eine Nutzungsverdichtung nur sehr schwierig zu verwirklichen
gewesen. Die Projektierung sollte auf den städtebaulichen Charakter und das
Erscheinungsbild des angrenzenden Waldgutquartiers und die nachbarlichen
Interessen Rücksicht nehmen, gleichzeitig aber eine in der W2a-Zone angemessene
Ausnützung der im Vergleich zu den kleinräumigen Wohnparzellen wesentlich
grösseren Liegenschaft ermöglichen.
Das Verwaltungsgericht schliesst sich diesen Beurteilungen an. Die beiden
Einfamilienhäuser und das Zweifamilienhaus übernehmen den städtebaulichen
Massstab des angrenzenden Wohnquartiers und fügen sich bezüglich Stellung und
Volumen gut in die bestehende Siedlungsstruktur ein. Die Bauten bilden ein kompaktes
Ensemble mit einer hohen Wohnqualität, welches zu einer massvollen
Weiterentwicklung des Quartiers beiträgt. Die Bauten sind der bestehenden Topografie
angepasst und in der Höhe gestaffelt. Eine Bauflucht ist aufgrund der Lage und
Gestaltung der Gebäude an der Glärnischstrasse nicht zu erkennen, weshalb der
Strassenabstand nicht gegen Art. 26 Abs. 2 der städtischen Bauordnung (sRS 731.1,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
abgekürzt BO) verstösst. Auch die Gestaltung der Umgebung trägt zum vorzüglichen
Erscheinungsbild bei. Die Planparzelle umfasst rund 1'700 m . Sie liegt in einem
weitgehend überbauten Wohnquartier. Grösse und Lage des Plangebiets inmitten eines
gut erschlossenen und attraktiven Stadtquartiers rechtfertigen eine Gesamtplanung mit
einheitlichem Erscheinungsbild und vergleichsweise hoher Überbauungsdichte.
Obgleich gemäss Regelbauweise Bauten mit einem Grundriss von 22 x 14 m möglich
wären, bezweckt der Gestaltungsplan, gerade in diesem vorwiegend mit
Einfamilienhäusern überbauten Gebiet zwei weitere freistehende Einfamilienhäuser und
ein Zweifamilienhaus mit relativ geringem Landverbrauch zu schaffen. In der heutigen
Planungspraxis sind die Bemühungen zur Siedlungsverdichtung von grösster
Bedeutung, und auch das Bundesgericht hat anerkannt, dass das Gebot der
haushälterischen Bodennutzung eine verdichtete Bauweise erfordert. Wesentlich ist
sodann, dass sich auch die Stadt St. Gallen im politischen Prozess dafür
ausgesprochen hat, dass Kapazitätsreserven für Wohnen und Arbeiten mit Vorrang
durch innere Verdichtung zu schaffen sind. Dieser Umstand ist im Rahmen des der
Politischen Gemeinde bei der Ortsplanung zukommenden Ermessensspielraums zu
berücksichtigen. Gerade mit dem Instrument der Gestaltungsplanung kann dem
Anliegen nach einer inneren Verdichtung Rechnung getragen werden (vgl. VerwGE B
2007/81 vom 15. Oktober/5. November 2007 mit Hinweisen auf F. Jost, Grösse und
Lage von Bauzonen, Diss. Zürich 2000, S. 158, D. Ivanov, Die Harmonisierung des
Baupolizeirechts unter Einbezug der übrigen Baugesetzgebung, Diss. Freiburg 2006, S.
315, Beschluss-Protokoll des Stadtparlaments vom 21. November 2006, 29.4, S. 221).
Vor diesem Hintergrund besteht grundsätzlich ein öffentliches Interesse an einer
verdichteten Bauweise auf dem Grundstück der Beschwerdeführer, und die Vorinstanz
hat die Voraussetzungen nach Art. 28 Abs. 1 BauG für den Erlass eines
Gestaltungsplans zu Recht bejaht.
3.5.3. Umstritten ist indes die Frage, ob und inwieweit dem Gestaltungsplan
berechtigte nachbarliche Interessen entgegenstehen. Die Vorinstanz nahm solche
berechtigten nachbarlichen Interessen aufgrund der Beschattung des Wohnhauses auf
dem Grundstück Glärnischstrasse Nr. 22 an.
3.5.3.1. Bei der Interessenabwägung ist zu berücksichtigen, dass die Abweichungen
von den Regelbauvorschriften und deren Folgen auf die benachbarten Grundstücke
2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gegen deren Interessen abzuwägen sind. Wo keine Abweichungen von den
Regelbauvorschriften bestehen, bleibt grundsätzlich kein Raum für eine
Interessenabwägung. Die Beschwerdegegner berufen sich in diesem Zusammenhang
denn auch selbst auf das Urteil des Verwaltungsgerichts B 1999/6 vom 16. März 2000,
in dem festgehalten ist, dass Beeinträchtigungen (gemeint waren solche nachbarlicher
Interessen), die nicht weiter gehen als aufgrund der Regelbauweise, hinzunehmen sind.
In einem unlängst ergangenen Urteil hielt das Verwaltungsgericht ausserdem fest, dass
bei Gebäuden in Wohnzonen, in denen zweigeschossige Bauten den
Regelbauvorschriften entsprechen, punkto Beschattung in der Regel keine
übermässigen Immissionen nach Art. 684 ZGB entstehen (vgl. VerwGE B 2007/61 vom
4. Juli 2007, in: www.gerichte.sg.ch).
3.5.3.2. Ausgangspunkt für die Beurteilung der Beeinträchtigung nachbarlicher
Interessen ist nicht irgendein Projekt, welches die nachbarlichen Interessen möglichst
wenig beeinträchtigt, sondern ein nach der Regelbauweise zulässiges Bauvorhaben.
Die Beschwerdeführer reichten im Juli 2005 ein Projekt für ein Mehrfamilienhaus mit
einem Grundriss von 22 x 22 m ein. Dieses Vorhaben wurde allerdings nie im Rahmen
eines Einsprache- oder Rechtsmittelverfahrens beurteilt und von den
Beschwerdeführern zurückgezogen.
In den aktuellen Planunterlagen wurde ein Gebäude nach Regelbauweise mit einem
Grundriss von 22 x 14 m und einem Abstand zum Gebäude auf dem Grundstück
Glärnisch-strasse 22 von 15 m als Vergleichsobjekt herangezogen. Der Niveaupunkt
dieser fiktiven Vergleichsbaute beträgt gemäss den Feststellungen des städtischen
Vermessungsamtes 742,70 bzw. 742,71 m.ü.M. Ein solches Objekt ist auch Teil des
plastischen Modells. Nach der Regelbauweise sind zwei Vollgeschosse und eine
Gebäudehöhe von 7,5 m zulässig. Dies ergibt eine Höhenkote von 750,2 m.ü.M. Dazu
könnte ein Attikageschoss aufgesetzt werden, das bis zu 3 m hoch sein kann (Art. 35
Abs. 1 BO). Dies ergäbe mit einem Flachdach und einem Attikageschoss eine gesamte
Höhe von 753,2 m.ü.M. Zulässig wäre auch ein Giebeldach mit einem Winkel von 45°,
welches dem von den Beschwerdeführern eingereichten Modell entspricht.
Für die Beurteilung des Schattenwurfs bzw. der Beeinträchtigung nachbarlicher
Interessen des Grundstücks Glärnischstrasse 22 ist ausschliesslich das nordwestliche
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der drei geplanten Gebäude relevant. Die maximale Höhe dieser Baute beträgt gemäss
Gestaltungsplan 748,60 m.ü.M. Dies entspricht aufgrund der im Gestaltungsplan
festgelegten Bedingungen einer zweigeschossigen Baute. Zusätzlich ist ein
Attikageschoss im nordwestlichen Teil des Gebäudegrundrisses vorgesehen. Das
Attikageschoss kann eine Höhe von 3 m aufweisen, die zur Gebäudehöhe
hinzuzurechnen ist (vgl. Art. 5 besV). Dies ergibt eine Höhenkote von 751,60 m.ü.M.
Diesbezüglich kann auf die Ausführungen in der vorinstanzlichen Beschwerdeantwort
(Ziff. 1.2) verwiesen werden.
3.5.3.3. Die Vorinstanz ging im Rekursentscheid davon aus, dass das nordwestliche
Einfamilienhaus die nach Regelbauweise zulässige Gebäudehöhe um rund 0,1 m
überschreitet. In ihrer Vernehmlassung vom 27. November 2008 bringt sie zudem vor,
die zulässige Gebäudehöhe werde sogar um 1,6 bzw. 1,8 m überschritten. Sie
begründet dies damit, die Nordfassade weise keine optische Zäsur zwischen
Vollgeschossen und Attikageschoss auf und werde damit zum grössten Teil als
einheitliche Fassadenfläche wahrgenommen. Daher gebe es keinen Schnittpunkt
zwischen Fassade mit der Dachoberkante, sondern massgebend sei die
Dachoberkante des Attikageschosses. Bei dieser Messweise ergebe sich selbst unter
Berücksichtigung des von den Beschwerdeführern angenommenen Niveaupunktes von
742,3 m.ü.M. eine maximale Gebäudehöhe von 9,1 m, womit die zulässige
Gebäudehöhe von 7,5 m gemäss Art. 13 BO um 1,6 m überschritten sei. Werde die
Höhenkote für die Lage des Obergeschosses von 748,6 m.ü.M. vollständig ausgenutzt,
so ergebe sich eine Abweichung zur Regelbauweise von sogar 1,8 m.
Demgegenüber wenden die Beschwerdeführer ein, ausgehend vom Niveaupunkt des
vorinstanzlichen Entscheids sowie aufgrund der Höhenangabe gemäss
Gestaltungsplan ergebe sich für das nordwestliche Gebäude eine Höhe von 6,1 m.
Nach der BO (Anhang, Tabelle zu Art. 13) seien in der Zone des Baugrundstücks nach
Regelbauweise Bauten mit einer Gebäudehöhe von 7,5 m zulässig. Die Höhe Oberkant
Obergeschoss betrage 748,6 m.ü.M. Bei einem Niveaupunkt von 742,5 m.ü.M. betrage
die Gebäudehöhe 6,1 m, womit die Baute die nach Regelbauweise zulässige Höhe um
1,4 m unterschreiten würde.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.5.3.4. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz ist das Attikageschoss bei der
Bestimmung der Gebäudehöhe nicht zu berücksichtigen. Zwar mag zutreffen, dass die
Nordfassade für den Betrachter keine optische Zäsur zwischen den Vollgeschossen
und dem Attikageschoss aufweist. Dabei handelt es sich allerdings um eine Frage der
von der Regelbauweise abweichenden Situierung des Attikageschosses. Die Situierung
des Attikageschosses hat auf die Bestimmung der Gebäudehöhe nach Art. 60 BauG
jedoch keinen Einfluss. Hätte der städtische Gesetzgeber bei einer fassadenbündigen
Situierung des Attikageschosses dessen Höhe zur Gebäudehöhe zählen wollen, hätte
er eine solche spezifische Bestimmung erlassen. Nach den Vorschriften der BO hat die
fassadenbündige Situierung des Attikageschosses nicht zur Folge, dass das
Attikageschoss bei der Ermittlung der Gebäudehöhe als Vollgeschoss gezählt wird.
Wenn die Vorinstanz beim nordwestlichen Einfamilienhaus von einem Niveaupunkt von
742,5 m.ü.M. ausgeht und daraus schliesst, es überschreite die nach Massgabe der
Regelbauweise zulässige Gebäudehöhe um 0,1 m, so ist diese Folgerung aufgrund der
vorstehenden Erwägungen nicht zulässig. Das nach dem Gestaltungsplan projektierte
Gebäude ist ungeachtet der Situierung des Attikageschosses nicht als dreigeschossige
Baute zu qualifizieren. Im weiteren sind bei den Bauten gemäss Gestaltungsplan die
Niveaupunkte beim Vergleich mit einer Baute gemäss Regelbauweise nicht
massgebend. Für die Bauten gemäss Gestaltungsplan sind keine Niveaupunkte
festzulegen bzw. ist die Gebäudehöhe nicht nach Art. 60 BauG zu bestimmen, da die
Höhenkote für das Niveau Oberkant Obergeschoss im Gestaltungsplan bzw. in den
besV zentimetergenau festgelegt wird.
Als Vergleichsobjekt bei der Beurteilung einer Beeinträchtigung der nachbarlichen
Interessen ist ein der Regelbauweise entsprechendes Gebäude heranzuziehen, wie es
in den Plänen und den Beschattungsdiagrammen mit einem Niveaupunkt von 742,70
bzw. 742,71 m.ü.M., zwei Vollgeschossen und Attikageschoss oder Giebeldach
verzeichnet ist. Als Vergleichsobjekt ist ein Objekt zu beurteilen, das der
Regelbauweise entspricht, im übrigen aber keine besondere Rücksicht auf
nachbarliche Interessen nimmt.
Aus den vorstehenden Ausführungen ergibt sich, dass die Bauten gemäss
Gestaltungsplan nicht höher, sondern niedriger sind als ein Gebäude, wie es nach der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Regelbauweise möglich wäre. Deshalb kann in diesem Punkt nicht von einer
unzulässigen Beeinträchtigung nachbarlicher Interessen gesprochen werden.
3.5.4. Fest steht weiter, dass das nordwestliche Einfamilienhaus den Gebäudeabstand
zum Wohnhaus Glärnisch-strasse 22 nicht einhält. Dies beruht darauf, dass das
Gebäude der Beschwerdegegnerin nur einen Grenzabstand von ca. 6,5 m aufweist,
während der Abstand nach geltendem Recht 10 m betragen müsste. Art. 57 Abs. 3
BauG bestimmt, dass für ein Bauvorhaben anstelle des Gebäudeabstandes der
Grenzabstand genügt, wenn auf dem Nachbargrundstück ein Gebäude mit einem
geringerem als dem geltenden Grenzabstand steht und nicht wichtige Interessen
entgegenstehen.
Bei diesen wichtigen Interessen kann es sich um private wie auch um öffentliche
Interessen handeln. Indem das Gesetz das Vorliegen wichtiger Interessen verlangt, wird
deutlich, dass es in der Regel hingenommen werden muss, dass ein Neubau
gegenüber einem benachbarten Altbau lediglich den Grenzabstand, nicht aber den
Gebäudeabstand einhält. Die Beeinträchtigung der Interessen muss daher subjektiv
wie objektiv erheblich sein. Eine gegenteilige Regelung würde auf eine sachlich nicht
begründbare Privilegierung der Eigentümer von Altbauten hinauslaufen (vgl. Heer,
a.a.O., Rz. 631 mit Hinweis auf die Praxis).
3.5.4.1. Die Vorinstanz erwog, der Gestaltungsplan führe zu einer unzumutbaren
Beschattung der Liegenschaft der Beschwerdegegnerin. Als wichtiges Interesse gelte
u.a. das Interesse an einer hinreichenden Besonnung und Belichtung. Die Vorinstanz
wendete analog Art. 69 Abs. 3 BauG an. Sie erwog, nach dieser für Hochhäuser
geltenden Bestimmung sei für die Bemessung des Gebäude- und Grenzabstandes der
auf die umliegenden Gebäude und Grundstücke fallende Dauerschatten massgebend.
Dieser dürfe an einem mittleren Sommertag nicht mehr als drei Stunden und an einem
mittleren Wintertag nicht mehr als zwei Stunden betragen. Die Vorinstanz stützte sich
auf das unveröffentlichte Urteil des Verwaltungsgerichts B 1999/6 vom 16. März 2000
i.S. M.W. und P.F. Sie kam zum Schluss, dass das Wohnhaus an der Glärnischstrasse
22 bei einer Realisierung der Überbauung nach Gestaltungsplan auf der südwestlichen
Gebäudeseite im Winter dauernd beschattet werde. Der nach Gestaltungsplan
vorgesehenen Unterschreitung des Gebäudeabstandes stünden somit wichtige
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Interessen entgegen, zumal die Besonnung und Belichtung des Wohnhauses
Glärnischstrasse 22 bei Einhaltung des Gebäudeabstands deutlich verbessert würden.
Demgegenüber wenden die Beschwerdeführer ein, die vorinstanzliche Feststellung,
wonach das Haus der Beschwerdegegnerin dauernd beschattet werde, sei aktenwidrig
und willkürlich. Auch sei keineswegs erwiesen, dass die Besonnung mit der Einhaltung
des Gebäudeabstands von 15 m verbessert würde.
3.5.4.2. Im Urteil des Verwaltungsgerichts B 1999/6 vom 16. März 2000 wurde die von
der Regelbauweise abweichende Bauweise nach Gestaltungsplan eingehend geprüft.
Das Verwaltungsgericht stellte dabei fest, dass die nach Regelbauweise zulässige
Gebäudehöhe im Gestaltungsplan um 2,4 m überschritten und der ordentliche
Grenzabstand um 3,5 m bzw. 2,5 m unterschritten würden. Insgesamt wich der
Gestaltungsplan massiv von der Regelbauweise ab und liess in einer viergeschossigen
Zone die Errichtung von fünf Geschossen zu. Vor diesem Hintergrund prüfte das
Verwaltungsgericht, ob diesen Abweichungen wichtige nachbarliche Interessen
entgegenstünden. Es bejahte diese Frage und erwog, dass sich insbesondere die
Unterschreitung des Grenzabstandes erheblich zu Lasten des Nachbargrundstücks
auswirke. Zwar halte die Baute auf dieser Liegenschaft den vorgeschriebenen
Grenzabstand nicht ein; in solchen Fällen richte sich die Zulässigkeit aber nach Art. 57
Abs. 3 BauG. Demnach genüge die Einhaltung des Grenzabstandes anstelle des
Gebäudeabstandes nur, wenn nicht wichtige Interessen entgegenstünden. Der Begriff
der "wichtigen Interessen" erfordere die erhebliche Beeinträchtigung subjektiver und
objektiver Interessen, welche in einer hinreichenden Besonnung und Belichtung
gesehen wurden. Das Verwaltungsgericht wendete dabei den für Hochhäuser
geltenden Art. 69 Abs. 3 BauG analog an mit der Begründung, es sei nicht einzusehen,
weshalb bei einer kleineren Baute als einem Hochhaus die gesetzlichen
Minimalanforderungen an die Besonnung umliegender Liegenschaften und
Grundstücke sollte unterschritten werden können. Dies gelte umso mehr, wenn die
Überbauung im Rahmen einer Gestaltungsplanung erfolge. Das Verwaltungsgericht
kam zu Schluss, dass mit der Einhaltung des ordentlichen Gebäudeabstands von 20 m
unbestrittenermassen eine Dauerbeschattung vermieden werden könnte und folglich
von einem Gebäudeabstand von 20 m auszugehen war.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
An dieser Rechtsprechung ist im Grundsatz festzuhalten. Fraglich ist aber, ob das
Urteil ohne weiteres auf den vorliegenden Fall übertragen werden kann bzw. ob die
Vorinstanz diese Rechtsprechung richtig angewendet hat. Das Verwaltungsgericht hat
in jenem Fall einen einlässlichen Vergleich zwischen der Regelbauweise und der
Bauweise nach Gestaltungsplan vorgenommen und dabei eine massive Abweichung
von der Regelbauweise festgestellt. Namentlich liess der Gestaltungsplan gegenüber
der Regelbauweise ein zusätzliches Vollgeschoss zu. Im Streitfall hätte bei einem
Gebäudeabstand von 10,5 m eine 17 m hohe Häuserwand erstellt werden können.
Dabei unterschritt das Gebäude gemäss Gestaltungsplan nicht nur den
Gebäudeabstand zum Nachbargrundstück, sondern auch den Grenzabstand, wobei
diese Unterschreitung als massiv bezeichnet wurde.
Der vorliegende Fall unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von der damals
beurteilten Streitsache. Zunächst ist zu beachten, dass im vorliegenden Fall keine
vergleichbare massive Abweichung von der Regelbauweise festzustellen ist.
Hinsichtlich der Gebäudehöhe lässt der Gestaltungsplan keine höheren Bauten zu, als
sie nach der Regelbauweise erstellt werden können. Auch wird im vorliegenden Fall der
Grenzabstand zur Liegenschaft Glärnischstrasse 22 eingehalten. Die Unterschreitung
ist ausschliesslich auf das Gebäude der Beschwerdegegnerin zurückzuführen. Hinzu
kommt im vorliegenden Fall, dass es sich um eine Zone für zweigeschossige Bauten
handelt und der Gestaltungsplan kein zusätzliches Vollgeschoss zulässt.
3.5.4.3. Die Vorinstanz erwog, das Wohnhaus Glärnischstrasse 22 wäre bei einer
Realisierung der Überbauung gemäss Gestaltungsplan auf der südwestlichen
Gebäudeseite im Winter dauernd beschattet. Worauf sie sich bei diesen Feststellungen
stützte, geht aus dem Entscheid nicht hervor. Die Beschwerdeführer hatten im
Einspracheverfahren am 29. Mai 2007 Schattendiagramme eingereicht. Im
Beschwerdeverfahren reichten sie weitere Schattendiagramme ein. Diese zeigen die
Beschattung bei einer Baute nach Regelbauweise und jene bei der Baute nach dem
Gestaltungsplan. Vorliegend besteht kein Anlass, die Richtigkeit dieser Diagramme
anzuzweifeln. Ohnehin handelt es sich bei Schattenwurfdiagrammen nicht um
Darstellungen, welche Ausmass und Dauer der Beschattung zentimeter- bzw.
minutengenau festhalten. Gewisse Ungenauigkeiten sind bei solchen Diagrammen nie
zu vermeiden. Die Diagramme und insbesondere der Vergleich der Silhouetten der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Baute gemäss Plan und einer Baute gemäss Regelbauweise zeigen aber offensichtlich,
dass der Schattenwurf bei einer Baute nach Regelbauweise erheblich länger dauert als
bei der Baute gemäss Gestaltungsplan. Der Umstand, dass im Diagramm von einer
Kote Oberkant Obergeschoss von 748,40 m.ü.M. ausgegangen wird, während gemäss
Plan sogar 748,60 m.ü.M. zulässig wären, ändert daran im Grundsatz nichts. Diese
Abweichung ist im Vergleich zu den übrigen Parametern bedeutungslos und fiele nicht
erheblich zuungunsten der Beschwerdegegnerin ins Gewicht. Dies gilt auch im
Zusammenhang mit allfälligen Brüstungen und Aufbauten. Auf die Einholung weiterer
Beweismittel bzw. die Erstellung eines Gutachtens ist daher zu verzichten.
Aus den Diagrammen ergibt sich, dass der Schatten beim Gebäude gemäss
Gestaltungsplan um ca. 12.00 Uhr auf die Südwestfassade des Hauses der
Beschwerdegegnerin trifft. Der Schatten bewegt sich dann in östlicher Richtung weiter,
wobei er nach 14.00 Uhr die westliche Fassadenkante wieder freigibt. Bei einer
Giebelbaute nach Regelbauweise tritt der Schatten bereits vor 12.00 Uhr in die
Fassade, und die vom Schattenwurf betroffene Fassadenfläche ist erheblich
umfangreicher als beim Gebäude gemäss Gestaltungsplan.
Das Amt für Raumentwicklung und Geoinformation hielt in seiner Beurteilung fest, im
Vergleich mit zulässigen Bauten nach der Regelbauweise sei nicht erkennbar, inwiefern
mit dem Gestaltungsplan nachbarliche Interessen übermässig beeinträchtigt würden.
Auch aus dem Modell und einem Vergleich mit den möglichen Gebäudehöhen ergibt
sich, dass nach Regelbauweise höhere Bauten zulässig wären, die die Besonnung
stärker beeinträchtigen würden.
Die Beschattung ist vorliegend zudem weit weniger lang als in jenem Fall, den das
Verwaltungsgericht kürzlich zu beurteilen hatte (VerwGE B 2007/61 vom 4. Juli 2007,
in: www.gerichte.sg.ch). Sie ist zeitlich und von der Ausdehnung her geringer als bei
einer Baute gemäss Regelbauweise, weshalb nicht von einer übermässigen
Beschattung gesprochen werden kann. Jedenfalls kann der Beschwerdegegnerin kein
wichtiges Interesse zugebilligt werden, das es rechtfertigt, dass die Beschwerdeführer
den auf dem benachbarten Grundstück fehlenden Grenzabstand auf ihrer Bauparzelle
kompensieren.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.6. Aus dem Gesagten folgt, dass der Gestaltungsplan den massgebenden rechtlichen
Bestimmungen entspricht, weshalb ihn die Vorinstanz zu Unrecht aufgehoben hat.
Folglich ist die Beschwerde gutzuheissen und der Rekursentscheid des
Baudepartements vom 20. Oktober 2008 aufzuheben.
4. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens den Beschwerdegeg-nern aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP).
Eine Entscheidgebühr von Fr. 4'000.-- ist angemessen (Art. 13, Ziff. 622
Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Die Gebühr der Verfügung vom 26. März 2009 von
Fr. 750.-- ist entgegen des offensichtlichen Verschriebs in Ziff. 2 und in
Übereinstimmung mit den Erwägungen den Beschwerdegegnern aufzuerlegen. Diese
haften solidarisch für den gesamten Betrag. Die Gebühr ist bei C. zu erheben. Der
Kostenvorschuss von Fr. 4'000.-- ist den Beschwerdeführern zurückzuerstatten.
Die Beschwerdeführer haben Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung für das
Rekurs- und das Beschwerdeverfahren (Art. 98bis VRP). Ihr Vertreter weist in seiner
Kostennote für das Rekursverfahren ein Honorar von Fr. 3'250.-- inkl. Barauslagen
zuzügl. MWSt und für das Beschwerdeverfahren ein Honorar von Fr. 9'000.-- zuzügl.
Barauslagen von 4 Prozent bzw. Fr. 360.-- und MWSt aus. Diese Honorare sind
tarifgemäss und angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. a und b und Art. 29bis der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt HonO).
Das Honorar für das Rekursverfahren entspricht jenem, das im Rekursentscheid den
Beschwerdeführern auferlegt wurde. Im Beschwerdeverfahren wurde ein zweifacher
Schriftenwechsel durchgeführt. Ausserdem fand ein Augenschein statt. Es waren
relativ komplexe Sach- und Rechtsfragen streitig. Gesamthaft erscheint eine Pauschale
von Fr. 9'000.-- aufgrund der in Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO festgelegten Bandbreite von
Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.-- angemessen. Hinzu kommt die Entschädigung für das
Zwischenverfahren betr. Sistierung gemäss der Verfügung vom 26. März 2009 im
Betrag von Fr. 1'000.--. Somit haben die Beschwerdegegner die Beschwerdeführer für
das Rekurs- und das Beschwerdeverfahren mit Fr. 13'610.-- zuzügl. MWSt
ausseramtlich zu entschädigen. Die Beschwerdegegner haften solidarisch für den
gesamten Betrag.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/24
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Demnach hat das Verwaltungsgericht