Decision ID: d472b10e-2ef5-5b83-8cf0-9364a3b809d4
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden 1 und 2 – syrische Staatsangehörige kurdischer
Ethnie mit letztem Wohnsitz in E._, Al-Hasaka − reisten am 30. Ok-
tober 2015 in die Schweiz ein und stellten am gleichen Tag im Empfangs-
und Verfahrenszentrum (EVZ) F._ Asylgesuche. Am 17. November
2015 fanden ihre Befragungen zur Person (BzP) im EVZ und am 27. Juni
2017 die Anhörungen zu den Asylgründen gemäss Art. 29 Abs. 1 AsylG
(SR 142.31) statt.
B.
B.a Der Beschwerdeführer brachte zur Begründung seines Asylgesuchs im
Wesentlichen vor, er stamme aus G._ im Bezirk E._ (Gou-
vernement Al-Hasaka). Er sei ursprünglich Ajnabi gewesen und deswegen
benachteiligt worden. Am Ende des neunten Schuljahres sei er einmal
während einiger Stunden auf dem Polizeiposten festgehalten worden, weil
ihm vorgeworfen worden sei, ein Foto des Präsidenten verunstaltet zu ha-
ben; deswegen sei er auch während zweier Jahre von der Schule ausge-
schlossen worden. 2006 sei er der illegalen regimekritischen Partei
Peshwaru (Hizb-Al Taqademi-Al Kurdi) beigetreten, welcher auch andere
Angehörige seiner Familie angehören würden. Er sei bei Parteitreffen der
Protokollführer gewesen und habe auch Berichte über die Tätigkeiten sei-
ner Parteisektion verfasst. Nach jeder Parteisitzung seien sein Vater oder
andere Verwandte vom syrischen Sicherheitsdienst vorgeladen worden.
Dieser wisse durch Spitzel über ihre Aktivitäten Bescheid, und er gehe da-
von aus, dass er beim syrischen Regime als Mitglied der Peshwaru-Partei
registriert sei. Ab dem Studienjahr 2006/2007 habe er an der Universität in
H._ (...) studiert. Während des Studiums habe er im Auftrag seiner
Partei kurdische Zeitungen nach H._ gebracht und dort an seine
Kollegen verteilt. Ende 2011 habe er gegen das Versprechen, nicht an den
regimekritischen Unruhen teilzunehmen, die syrische Staatsbürgerschaft
erhalten. Nach seiner Einbürgerung sei er oft an Kontroll-
posten angehalten worden, und es sei ihm vorgeworfen worden, er habe
seine ID-Karte gefälscht und müsste Militärdienst leisten. Als Ende 2011
die Demonstrationen in H._ begonnen hätten, und es auch zu
Kundgebungen an der Universität gekommen sei, habe der Ordnungs-
dienst die teilnehmenden Studenten angegriffen und verletzt; viele seien
verhaftet worden. Er selber habe zusammen mit mehreren Kollegen fliehen
können und sei in sein Heimatdorf zurückgekehrt. Er gehe davon aus, dass
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die verhafteten Studenten die Namen der anderen Kundgebungsteilneh-
mer verraten hätten und befürchte, deswegen vom syrischen Regime ge-
sucht zu werden. Gegen Ende 2012 sei er vom Regime mehrmals vorge-
laden worden, habe diesen Vorladungen jedoch keine Folge geleistet. Dies
habe für ihn keine Folgen gehabt, weil die Regierungskräfte sich kurz da-
rauf aus der Region von E._ zurückgezogen hätten.
Im Weiteren habe er sich am (...) 2014 anlässlich der Beerdigung eines
Neffen, der im Kampf der YPG (Yekîneyên Parastina Gel; Volksverteidi-
gungseinheiten) gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) gefallen
sei, öffentlich gegen die Zwangsrekrutierung von Minderjährigen
geäussert. Deswegen sei er ungefähr zwei Wochen später von der YPG
vorgeladen und von dieser mehrmals aufgefordert worden, sich für sie zu
engagieren. Da er dies abgelehnt habe, sei gedroht worden, ihm etwas
anzutun. Aus Angst vor Verfolgungsmassnahmen durch das syrische Re-
gime oder die YPG habe er beschlossen, das Land zu verlassen. Weitere
Gründe für die Ausreise seien die allgemeinen Krise und die Kriegssitua-
tion gewesen. Am (...) Oktober 2015 seien seine Frau und er von
E._ aus gemeinsam mit einem Auto an die türkische Grenze gefah-
ren, welche sie zu Fuss illegal überquert hätten. Via Griechenland und wei-
tere Länder seien Sie am 30. Oktober 2015 in die Schweiz gelangt. Nach
Ihrer Ausreise seien seine Eltern mehrmals von Vertretern der YPG nach
ihm gefragt worden.
B.b Die Beschwerdeführerin bestätigte im Wesentlichen die Vorbringen
ihres Ehemannes. Nach einem Bombenanschlag an ihrem Wohnort habe
sie Blutungen erlitten und habe deswegen nicht mehr arbeiten können.
Im Übrigen habe sie selber keine Nachteiler erlitten, sondern sei wegen
der Probleme ihres Mannes ausgereist.
B.c Zum Nachweis ihrer Identität und zur Untermauerung ihrer Vorbringen
reichten die Beschwerdeführenden ihre Identitätskarten, ein Familienbüch-
lein, ein Ausweisdokument für Ajnabi in Kopie und einen Studentenausweis
des Beschwerdeführers, sowie Schul- und Ausbildungsunterlagen der Be-
schwerdeführerin ein.
C.
Am (...) wurde das Kind C._ der Beschwerdeführenden geboren.
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D.
Mit Verfügung vom 25. Mai 2018 (eröffnet am 28. Mai 2018) stellte das
SEM fest, die Beschwerdeführenden würden die Flüchtlingseigenschaft
nicht erfüllen, lehnte ihre Asylgesuche ab und ordnete ihre Wegweisung
aus der Schweiz an. Hingegen verfügte es, dass der Vollzug dieser Weg-
weisungen wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme
aufgeschoben werde.
E.
Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 26. Juni 2018 erhoben
die Beschwerdeführer Beschwerde gegen die vorinstanzliche Verfügung
und beantragten, diese sei aufzuheben und es sei ihnen Asyl zu gewähren.
Eventualiter sei ihnen die Flüchtlingseigenschaft zuerkennen und sie seien
als Flüchtlinge vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht er-
suchten sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Zur Stützung ihrer
Vorbringen reichten sie die Kopie eines Strafregisterauszugs vom (...),
ausgestellt durch das Departement der Kriminalsicherheit Zweigstelle al-
Hasaka (inklusive Übersetzung) sowie eine Fürsorgebestätigung des So-
zialamts I._ vom 19. Juni 2018 zu den Akten.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 2. Juli 2018 wies die damals zuständige
Instruktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG unter Hinweis auf die Aus-
sichtslosigkeit der Beschwerde ab und forderte die Beschwerdeführenden
zur Leistung eines Vorschusses innert Frist auf, unter Androhung des
Nichteintretens im Unterlassungsfall.
Der eingeforderte Kostenvorschuss wurde am 12. Juli 2018 fristgerecht
einbezahlt
G.
Mit Eingabe vom 13. August 2018 reichten die Beschwerdeführenden das
Original des Strafregisterauszugs nach.
H.
Am (...) wurde das Kind D._ der Beschwerdeführenden geboren.
Mit Schreiben vom 20. November 2019 teilte die Vorinstanz den
Beschwerdeführenden mit, dass ihr Kind in ihre vorläufige Aufnahme ein-
bezogen werde.
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I.
Aus organisatorischen Gründen hat die Abteilungsleitung das vorliegende
Beschwerdeverfahren im Herbst 2020 dem vorsitzenden Richter zur wei-
teren Behandlung übertragen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden 1–3 haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-
nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und
haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise
Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert
(Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1
VwVG). Ihr während des Beschwerdeverfahren geborenes zweites Kind ist
praxisgemäss in dieses Verfahren einzubeziehen.
1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
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3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder
Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht
haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhaltung
des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
(FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.3 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihrer Verfügung im Wesentlichen
aus, die Ausführungen des Beschwerdeführers zu seinen regimekritischen
Aktivitäten und der angeblich daraus resultierenden Verfolgung durch das
syrische Regime seien unsubstanziiert und oberflächlich. Die angeblichen
Vorladungen habe er erst nach mehrmaligem Nachfragen erwähnt. Auch
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die Bedrohung durch die YPG, insbesondere die ihm angedrohten Konse-
quenzen wegen seiner Weigerung, sich diesen anzuschliessen, habe er
nicht substanziiert und plausibel geschildert. Wäre die YPG tatsächlich am
Beschwerdeführer interessiert gewesen, wäre zu erwarten gewesen, dass
sie beharrlicher nach ihm gesucht hätten. Diese Einschätzung der Vorbrin-
gen der Beschwerdeführenden werde dadurch verstärkt, dass sie bei der
BzP als Grund für ihre Ausreise als Syrien nur die allgemeine Kriegssitua-
tion genannt hätten. Die vom Beschwerdeführer erwähnte kurzzeitige Fest-
nahme Ende des neunten Schuljahres habe gemäss seinen Aussagen
nicht zu seiner späteren Ausreise aus Syrien geführt. Zudem sei dieser
Vorfall auch nicht hinreichend intensiv gewesen um die Voraussetzungen
einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu erfüllen. Auch die von ihm
vorgebrachten Schikanen vor und nach seiner Einbürgerung, namentlich
als staatenloser Kurde, seien keine flüchtlingsrechtlich relevanten Nach-
teile. Die von den Beschwerdeführenden geltend gemachten Gefahren und
Befürchtungen im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg würden schliess-
lich keine gezielt gegen sie gerichteten Massnahmen darstellen, weshalb
auch insoweit keine asylrelevante Verfolgung vorliege.
5.
Das Gericht gelangt zum Schluss, dass die Vorinstanz zu Recht und mit
zutreffender Begründung festgestellt hat, dass die Beschwerdeführenden
die Voraussetzungen für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft nicht
erfüllen. Die Ausführungen in der Beschwerdeschrift vermögen keine an-
dere Einschätzung zu rechtfertigen.
5.1 Soweit die Beschwerdeführenden vorbringen, der Beschwerdeführer
müsse mit asylrelevanter Verfolgung durch das syrische Regime rechnen,
weil er sich der Einberufung zum Militärdienst entzogen habe, ist festzu-
stellen, dass er gemäss seinen Aussagen nie ein konkretes Aufgebot der
Militärbehörden zum Militärdienst erhalten hat. Es ist demnach nicht davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer vom syrischen Regime als Re-
fraktär betrachtet wird. Ohnehin vermag gemäss dem Grundsatzentscheid
BVGE 2015/3 eine Wehrdienstverweigerung oder Desertion nicht alleinig,
sondern nur dann die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, wenn damit
eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG verbunden ist; dies be-
deutet mit anderen Worten, dass die betroffene Person aus den in dieser
Norm genannten Gründen (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu
einer bestimmten sozialen Gruppe oder politische Anschauung) wegen
Wehrdienstverweigerung oder Desertion eine Behandlung zu gewärtigen
hat, die ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt
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(vgl. a.a.O. E. 5.9). Eine solche Konstellation liegt vorliegend indessen
nicht vor, da sich – wie im Folgenden auszuführen ist − aus den Akten keine
stichhaltigen Anhaltspunkte dafür ergeben, dass der Beschwerdeführer
vom syrischen Regime als politischer Gegner eingestuft und unverhältnis-
mässig hart bestraft würde. Demnach kann er aus den von ihm zitierten
Verfahren, in welchen angeblich in vergleichbaren Konstellationen die
Flüchtlingseigenschaft zuerkannt worden sei, nichts zu seinen Gunsten ab-
leiten. Auf die Einforderung der angebotenen Übersetzung der durch die
syrische Regierung beschlossenen Sanktionen gegen Militärdienstverwei-
gerer kann unter den gegebenen Umständen verzichtet werden.
5.2 Zu Recht hat die Vorinstanz festgestellt, dass die Ausführungen des
Beschwerdeführers zu seinem regimekritischen Engagement und der Re-
aktion der syrischen Behörden hierauf vage und detailarm ausgefallen sind
und kaum Realkennzeichen aufweisen. Dass die Behörden ihn der Teil-
nahme an Kundgebungen in H._ beschuldigen würden und er bei
diesen als Mitglied der Peshwaru-Partei registriert sei, sind blosse, nicht
näher substanziierte Vermutungen. Es erscheint unplausibel, dass die
Angehörigen des Beschwerdeführers angeblich wegen ihrer Tätigkeit für
die genannte Partei immer wieder vorgeladen worden seien, ohne dass ihr
Engagement aber weitergehende Konsequenzen gehabt habe. Zudem
vermochte der Beschwerdeführer keine schlüssigen Angaben zum Hinter-
grund der Vorladungen durch das Regime im Jahr 2012, denen er keine
Folge geleistet habe, zu machen. Eine glaubhafte Verfolgungsfurcht lässt
sich auch aus dem im Beschwerdeverfahren eingereichten Strafregister-
auszug nicht ableiten. Aufgrund der grassierenden Korruption sind nicht
nur Fälschungen unterschiedlichster Qualität erhältlich, sondern es können
in Syrien gegen Bezahlung auch (inhaltlich falsche) echte amtliche Doku-
mente beschafft werden. Daher ist selbst einem formal authentischen amt-
lichen Dokument nur dann eine relevante Beweiskraft beizumessen, wenn
dieses im Kontext eines hinreichend schlüssigen Sachverhaltsvortrages
eingereicht wird (vgl. Urteile des BVGer D-4540/2020 vom 25. September
2020 E. 8.3 und D-5750/2017 vom 13. Mai 2019 E. 4.3). Vorliegend ist dies
offenkundig nicht der Fall. Vielmehr ergeben sich aus diesem Dokument
weitere Ungereimtheiten: Zum einen erweckt die auffallend vage Bezeich-
nung der gegen den Beschwerdeführer verhängten Strafe ("Gefängnis-
strafe und Busse") Zweifel an der Authentizität dieses Dokuments. Im Wei-
teren erscheint nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer im erst-
instanzlichen Verfahren nicht erwähnte, dass gegen ihn ein Strafverfahren
eingeleitet worden sei und auch keine Suchbemühungen oder andere Ver-
folgungsmassnahmen der syrischen Behörden im Zusammenhang mit
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dem angeblich am 5. März 2012 gegen ihn ausgefällten Strafurteil geltend
gemacht wurden. Unter diesen Umständen kann dem Strafregisterauszug
kein Beweiswert beigemessen werden.
5.3 Im Übrigen ist festzustellen, dass eine allfällige Aufforderung zum mili-
tärischen Dienst bei den YPG nicht aus einem der in Art. 3 AsylG genann-
ten Motiven, sondern gestützt auf den Wohnort, das Alter und das Ge-
schlecht erfolgen würde, weshalb eine Bestrafung wegen Nichtbefolgens
dieser Aufforderung nicht als asylerheblich zu qualifizieren wäre. In Erman-
gelung eines asylrelevanten Verfolgungsmotivs wäre eine drohende Be-
strafung somit lediglich unter dem Aspekt der Unzulässigkeit respektive
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs relevant, welcher aufgrund der
vom SEM bereits angeordneten vorläufigen Aufnahme hier nicht Prozess-
gegenstand ist (vgl. Urteil des BVGer D-317/2015 vom 1. März 2016
E. 5.9.4, m.w.H.).
5.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es den Beschwerdeführen-
den nicht gelungen ist, eine im Sinne von Art. 3 AsylG relevante Verfol-
gungsgefahr nachzuweisen oder glaubhaft darzutun. Die Vorinstanz hat
ihre Asylgesuche demzufolge zu Recht abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
6.3 Da das SEM in seiner Verfügung vom 25. Mai 2018 die vorläufige Auf-
nahme der Beschwerdeführenden in der Schweiz angeordnet hat, erübri-
gen sich, wie erwähnt, praxisgemäss Ausführungen zur Zulässigkeit, Zu-
mutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs.
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
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8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwer-
deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.‒ festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss
ist zur Begleichung dieser Kosten zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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