Decision ID: c8a2d431-0289-4a75-9f44-d77745fc2356
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A.X._ und B.X._ (geb. 1946 und 1939) waren verheiratet; die Ehe ist jedoch
mittlerweile geschieden, nachdem sie sich Anfang 2014 getrennt hatten. Sie sind die
Eltern der beiden erwachsenen Söhne C.X._ (wohnhaft in M._) und D.X._ (wohnhaft
in N._ TG). A.X._ war bis Februar 2014 Verwaltungsratspräsident und ist derzeit
einziger Verwaltungsrat der 1996 gegründeten X._ SA, der 2005 gegründeten Y._ AG
und der 2007 gegründeten W._ AG, die ihren Sitz bis zur Verlegung nach O._ Mitte
2015 in M._ hatten. Bis Februar 2014 übten die Söhne in diesen Unternehmen
ebenfalls Verwaltungsratsmandate aus.
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Von April 1985 bis Ende 1997 bewohnten die Eheleute A.X._ und B.X._ ein
Einfamilienhaus an der F._-strasse in M._, welches sie im August 2003 an C.X._
verkauften. Seit 1998 waren sie in P._/GR einwohneramtlich gemeldet, wo sie kurz
zuvor eine Eigentumswohnung erworben hatten. Im Juni 2006 kauften sie eine
Eigentumswohnung in M._ und meldeten sich dort als Wochenaufenthalter an.
Nachdem sie im August 2008 ein Einfamilienhaus an der G._-strasse in M._ erworben
hatten, verkauften sie im Mai 2009 die Eigentumswohnung in M._. Das neu erworbene
Einfamilienhaus bewohnte das Ehepaar A.X. und B.X. daraufhin als
Wochenaufenthalter. Im Juli 2014 verlegte B.X._ ihren Hauptwohnsitz dorthin;
mittlerweile wohnt sie in N._/TG. A.X._ meldete sich nach Bangkok, Thailand, ab; seit
Juli 2015 lebt er wieder in der Schweiz.
B. Mit Verfügung vom 12. Dezember 2014 stellte das kantonale Steueramt fest, dass
sich der Mittelpunkt der Lebensinteressen von A.X._ und B.X._ seit der Steuerperiode
2010 in der politischen Gemeinde M._ befinde und sie seither dort unbeschränkt
steuerpflichtig seien. Das kantonale Steueramt wies die gegen diese
Feststellungsverfügung erhobene Einsprache mit Entscheid vom 4. Juli 2016 ab.
Dagegen erhoben A.X._ und B.X._ Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission,
welche mit Entscheid vom 28. Februar 2017 das Rechtsmittel ebenfalls abwies.
C. A.X._ und B.X._ (Beschwerdeführer) erhoben gegen den Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) vom 28. Februar 2017 mit Eingabe ihres
Rechtsvertreters vom 31. März 2017 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Sie
beantragten, unter Kosten- und Entschädigungsfolge seien der angefochtene
Entscheid, der Einspracheentscheid vom 4. Juli 2016 sowie die Feststellungsverfügung
vom 12. Dezember 2014 aufzuheben. Weiter sei festzustellen, dass die
Beschwerdeführer für die Staats- und Gemeindesteuern der Steuerperioden 2010 –
2013 im Kanton St. Gallen nicht steuerpflichtig sind.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 16. Mai 2017 die Abweisung der

Beschwerde und verwies zur Begründung auf die Erwägungen im angefochtenen
Entscheid. Am 27. Juni 2017 nahm das kantonale Steueramt (Beschwerdegegner)
Stellung zum Verfahren und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
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Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten und die Akten wird, soweit wesentlich,
in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. [...]
2. Streitig ist, ob die Beschwerdeführer in den Steuerperioden 2010 bis 2013 im Kanton
St. Gallen beziehungsweise in der Gemeinde M._ unbeschränkt steuerpflichtig sind.
2.1. Die rechtlichen Ausführungen der Vorinstanz zur Steuerpflicht sind korrekt,
weshalb – anstelle von Wiederholungen – darauf verwiesen werden kann (vgl. E. 3a des
angefochtenen Entscheids). In Bezug auf die Beweislast gilt, dass steuerbegründende
Tatsachen von der Steuerbehörde nachzuweisen sind, während den Steuerpflichtigen
die Beweislast für Tatsachen trifft, die die Steuerschuld aufheben oder mindern. Die
Steuerbehörde hat demnach den steuerrechtlichen Wohnsitz, der die persönliche
steuerrechtliche Zugehörigkeit begründet, als Voraussetzung der Besteuerung
nachzuweisen. Der Hauptbeweis gilt in der Regel als erbracht, wenn der von der
Steuerbehörde angenommene Wohnsitz als sehr wahrscheinlich erscheint. Diesfalls
obliegt es der steuerpflichtigen Person, den Nachweis für den von ihr behaupteten
Lebensmittelpunkt ausserhalb des Kantons zu erbringen (BGer 2P.186/2004 vom
15. Februar 2005 E. 2.3). Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung gilt eine
Steuerpflicht dann als sehr wahrscheinlich, wenn sich das Hauptsteuerdomizil bereits
seit längerer Zeit unangefochten in diesem Kanton befand. Im Zweifel, d.h. wenn der
Nachweis der Wohnsitzverlegung nicht erbracht ist, ist das bisherige Domizil als
fortbestehend zu betrachten (vgl. BGer 2P.186/2004 vom 15. Februar 2005 E. 2.3;
BGer 2P.203/2006 vom 1. März 2007 E. 2.3 mit Hinweisen; BGE 2C_827/2008 vom 16.
Juni 2009, E. 4.3).
2.2. Nach den Darlegungen der Beschwerdeführer lernten sie sich 1969 im
Bündnerland kennen; die Beschwerdeführerin arbeitete damals in Q._ und der
Beschwerdeführer in R._. Sie wohnten sodann bis 1971 in Graubünden und
entschieden sich im Jahr 1998, auch ihren Lebensabend in Graubünden zu verbringen
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(act. 1 Rz. 4). Fest steht weiter, dass der Beschwerdeführer am 2. Dezember 1997 eine
4.5-Zimmerwohung in P._ zu Alleineigentum mit einer Wohnfläche von 105.8 m
erwarb (vi-act. 7/12-13). Ausserdem spielte der Beschwerdeführer in der Zeit von 2010
bis 2013 hauptsächlich an den Wochenenden Golf im Golfclub R._ (vi-act. 2/7).
Unbestritten ist weiter, dass die Beschwerdeführer von 1985 bis 1997 in einem
Einfamilienhaus in M._ wohnten, welches sie im August 2003 an einen ihrer Söhne
verkauften. Mit Grundbucheintrag vom 30. September 2008 erwarben sie das
Einfamilienhaus an der G._-strasse 39 in M._ zu je häftigem Miteigentum, welches
bei einer Nettowohnfläche von 381 m bzw. Bruttowohnfläche von 454 m über
9.5 Zimmern verfügt (vi-act. 7/6, 8-9). Zuvor verfügten sie ab Juni 2006 über eine
Eigentumswohnung in M._. Schliesslich befindet sich der Sitz der jeweils vom
Beschwerdeführer geleiteten Unternehmen in M._, wobei diese in den Jahren 2010 bis
2013 über Produktionsstätten in S._ und T._ verfügten (act. 1 Rz. 10). Im Rahmen
seiner beruflichen Tätigkeit hielt sich der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben
mehrere Tage im Jahr im Ausland auf (vgl. auch die unbestritten gebliebenen
Feststellungen in E. 3c S. 8 f. des angefochtenen Entscheids).
2.3. Ein Lebensmittelpunkt kann letztlich nie aufgrund einer einzelnen Tatsache
bestimmt werden. Es sind verschiedene Merkmale massgebend, die im Einzelfall zu
würdigen sind. Im vorliegenden Fall bestehen zweifellos gewisse Verbindungen der
Beschwerdeführer zur Gemeinde P._ bzw. zu deren näheren und weiteren Umgebung.
Wie nachfolgend dargelegt und wie im vorinstanzlichen Entscheid einlässlich
begründet (vgl. E. 3c S. 9 ff. des angefochtenen Entscheids), sprechen die
vorhandenen Anhaltspunkte aber dagegen, dass sich der Lebensmittelpunkt und somit
der steuerliche Wohnsitz der Beschwerdeführer in den Jahren 2010 bis 2013 in P._
befand.
2.3.1. Aufgrund der geschilderten Verhältnisse steht fest, dass die Beschwerdeführer in
den zur Diskussion stehenden Jahren 2010 bis 2013 sowohl in M._ als auch in P._
über Wohneigentum zum persönlichen Gebrauch verfügten. Die Netto- bzw.
Bruttowohnfläche des 9.5-Zimmerhauses in M._ beträgt 381 m bzw. 451 m ,
diejenige der 4.5-Zimmerwohnung in P._ 105.8 m bzw. 147.8 m . Gemäss den
amtlichen Schätzungen vom 15. Juni 2011 bzw. 14. März 2011 betrug der
Verkehrswert der Liegenschaft in M._ CHF 1‘760‘000 (vi-act. 7/8), während der
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Verkehrswert der Wohnung in P._ CHF 256‘800 (vi-act. 7/13) betrug. Der Schluss der
Vorinstanz, wonach der Einwand der Beschwerdeführer, das Einfamilienhaus in M._
werde vorrangig gewerblich genutzt, nicht überzeuge, ist daher nicht zu beanstanden.
Insbesondere befinden sich gemäss Verkaufsdokumentation vom 19. November 2014
lediglich im Untergeschoss des dreigeschossigen Einfamilienhauses
Büroräumlichkeiten (vi-act. 7/9). Auch die Stromrechnungen sprechen eindeutig für
einen häufigeren Aufenthalt in M._ (durchschnittlicher Stromverbrauch 37‘500 kWh
jährlich) als in P._ (durchschnittlicher Stromverbrauch 9‘700 kWh jährlich; vgl.
act. 2/164-170; act. 12/7-9). Weiter waren in der Zeit von 2010 bis 2013 die vom
Beschwerdeführer geleiteten Unternehmen in M._ domiziliert, wo praxisgemäss auch
die Geschäftsführung besorgt wird. Daran ändert nichts, dass der Beschwerdeführer
häufig auf Geschäftsreisen war. Im Übrigen handelt es sich bei den eingereichten
Kalendereinträgen um reine Parteibehauptungen, welche mit Bezug auf die sich im
vorliegenden Verfahren stellenden Fragen nicht aussagekräftig sind.
Nach der allgemeinen Lebenserfahrung ist ausserdem anzunehmen, dass die
Beschwerdeführer, die seit 1985 – mit einer kurzen Unterbrechung von 2003 bis 2006 –
Wohneigentum in M._ besitzen, über enge soziale Beziehungen zur Gemeinde M._
verfügen. Insbesondere lebt einer der beiden Söhne nach wie vor in M._, welcher
2003 das von den Beschwerdeführern von April 1985 bis Ende 1997 bewohnte
Einfamilienhaus an der F._-strasse in M._ erwarb. Der andere Sohn wohnt im
lediglich etwa zehn Kilometer entfernten N._. Für eine Verankerung in M._ spricht
ebenfalls, dass sich die Beschwerdeführerin nach der Trennung zunächst in M._
angemeldet hat, bevor sie sich nach N._ abmeldete. Wie wichtig den
Beschwerdeführern die familiäre Beziehungen sind, zeigt sich auch darin, dass
Weihnachten offensichtlich in M._ gefeiert wurde. Auch die beruflichen Verbindungen
des Beschwerdeführers sprechen für eine enge Beziehung zur Gemeinde M._,
nachdem ausser dem Beschwerdeführer und seinen beiden Söhnen niemand für die
Gesellschaften zeichnungsberechtigt ist bzw. war.
2.3.2. Aus der vorstehend in den Erwägungen 2.2 und 2.3.1 dargelegten Umständen
ergibt sich eine natürliche Vermutung, dass sich der Lebensmittelpunkt ab dem Jahr
2010 in M._ befand, zumal die Beschwerdeführer viele Jahre dort lebten, sie über ein
grosszügiges Einfamilienhaus verfügen, ihre Söhne ebenfalls dort bzw. in der nahen
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Umgebung wohnen und die vom Beschwerdeführer geleiteten Unternehmen an der
Adresse des Einfamilienhauses in M._ domiliziert sind. Um zu belegen, dass sie sehr
wohl über Beziehungen in P._ verfügten, bringen die Beschwerdeführer insbesondere
vor, sie würden dort Golf spielen und der Beschwerdeführer verwalte überdies das
Stockwerkeigentum. Daraus lassen sich aber weder enge Beziehungen zur Gemeinde
P._ noch ein Lebensmittelpunkt in P._ ableiten. Aus der eingereichten Spielstatistik
des Golfclubs R._ geht zwar hervor, dass der Beschwerdeführer in den Jahren 2010
bis 2013 jeweils zwischen März und September ungefähr jedes zweite Wochenende
mindestens einen Tag in R._ Golf gespielt hat. Dabei handelt es sich jedoch um eine
Freizeitbeschäftigung, welche noch keinen Lebensmittelpunkt begründet. Vergleichbar
mit dem Skifahren am Wochenende spricht dies – wie von der Vorinstanz zu Recht
erkannt – vielmehr für ein Feriendomizil, insbesondere auch, da sämtliche anderen
Anknüpfungspunkte auf einen Lebensmittelpunkt in M._ hindeuten. Des Weiteren geht
aus der Statistik einzig hervor, dass der Beschwerdeführer jeweils an den
Wochenenden Golf spielte. Belege, dass die Beschwerdeführerin sich ebenfalls in P._
aufhielt, sind nicht vorhanden. Schliesslich ist nicht ersichtlich, inwiefern der
Vorsitzende der Stockwerkeigentümerschaft seinen Wohnsitz in der Gemeinde des
Stockwerkeigentums haben muss. Die sich daraus ergebenden Tätigkeiten und
Aufgaben können durchaus auch von anderen Orten aus ausgeübt werden. So
bezeichnet im Übrigen die in diesem Zusammenhang eingereichte Rechnung des
Kaminfegers vom 18. Oktober 2011 die Liegenschaft als Ferienwohnungen (act. 2/175).
Auch die übrige sich in den Akten befindliche Korrespondenz lässt noch keinen
Lebensmittelpunkt in P._ als wahrscheinlich erscheinen. Es fällt insbesondere auf,
dass es sich bei den eingereichten Rechnungen um Mitgliedschaften handelt, welche
lediglich jährlich anfallen (act. 2/177-184). Die Hausratversicherung wurde im Übrigen
beim Verkaufsstützpunkt M._ abgeschlossen (vgl. vi-act. 12/16). Dasselbe gilt für die
geltend gemachten Abfallgebühren. Bei den eingereichten Rechnungen handelt es um
die Grundgebühr, welche grundsätzlich jedem Eigentümer – sei es einer Erst- oder
einer Ferienwohnung – zugestellt wird (vgl. Art. 25 f. des Abfallgesetzes der Gemeinde).
Es ist zwar nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführer in den Jahren 2010 bis 2013
aufgrund ihres Alters vermehrt in ihrem Feriendomizil im Kanton Graubünden
anzutreffen waren. Alleine daraus lässt sich aber kein Lebensmittelpunkt in P._
ableiten. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass die äussere Umstände massgebend
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sind und nicht die bloss erklärten Wünsche der Beschwerdeführer. Insoweit ist
irrelevant, dass sie sich entschieden haben, ihren Lebensabend in P._ zu verbringen.
2.4. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erkannte die Vorinstanz im
vorinstanzlichen Entscheid daher zu Recht, der Beschwerdegegner habe den Nachweis
erbracht, dass sich der Lebensmittelpunkt der Beschwerdeführer in der Zeit von 2010
bis 2013 in M._ befunden habe und die Eigentumswohnung in P._ vorwiegend als
Feriendomizil genutzt worden sei. Folglich ist die Beschwerde abzuweisen.
3. [...]