Decision ID: da3526a0-5799-57c7-b038-201b7c9ac27f
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Karl Gehler, LL.M., Hanfländerstrasse 67,
Postfach 1539, 8640 Rapperswil SG,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 22. Juni 2007 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1).
Die B._ AG teilte der IV-Stelle am 1. Oktober 2007 mit (IV-act. 13), die Versicherte sei
bis 30. März 2007 als Betriebsmitarbeiterin eingesetzt worden. Ohne den
Gesundheitsschaden könnte sie ein Jahreseinkommen von Fr. 49'920.-- erzielen. Dr.
med. C._, Innere Medizin FMH, berichtete am 3. Oktober 2007 (IV-act. 17), die
Versicherte leide an einem Panvertebralsyndrom und an einem chronischen
Schmerzsyndrom. Sie sei seit dem 4. April 2007 zu 100% arbeitsunfähig. Das vor allem
muskulär-spondylogen betonte panvertebrale Schmerzsyndrom sei bisher
therapierefraktär gewesen. Die Versicherte habe sich innerlich vom Arbeitsprozess
verabschiedet. Die IV-Stelle beauftragte das Medizinische Gutachtenzentrum St. Gallen
am 14. Februar 2008 mit einer bidisziplinären Abklärung (IV-act. 27). Dr. med. D._,
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, berichtete in seinem psychiatrischen
Teilgutachten vom 24. August 2008 (IV-act. 32-10 ff.), bis anhin sei bei der Versicherten
noch nicht die Diagnose eines depressiven Leidens gestellt worden, wenngleich der
Hausarzt eine medikamentöse antidepressive Therapie durchgeführt habe. In der
biographischen Anamnese fänden sich Hinweise für gravierende psychische
Belastungen. In ihrer Kindheit sei die Versicherte ihren eigenen Angaben zufolge Zeugin
fortgesetzter Gewalt und Bedrohung seitens ihres Vaters gegenüber der Mutter
gewesen. Sie habe ihre Mutter nicht allein dieser Gewalt aussetzen wollen und habe
deshalb nur ein Jahr die Schule besucht. Dr. D._ betrachtete diese Angaben der
Versicherten als Hinweis auf eine frühe Parentifizierung. Er gab weiter an, die
berichteten Fehlgeburten stellten weitere wesentliche Belastungsfaktoren dar. Bis zum
Zeitpunkt der Totgeburt 1999 enthalte der Bericht der Versicherten trotz dieser
schweren Belastungen keinen Hinweis für das Vorliegen einer relevanten psychischen
Erkrankung. Die Versicherte habe die Entbindung des verstorbenen Kindes ihren
eigenen Angaben gemäss als lebensbedrohlich empfunden. Der Verlust des Kindes sei
von ihr als wesentliche Zäsur im Leben empfunden worden. Sie habe alle später
aufgetretenen Beschwerden und Schmerzen mit diesem Ereignis in Zusammenhang
gebracht. Die Äusserung, sie habe mit niemandem darüber reden können, sei ein
Hinweis darauf, dass bisher keine adäquate Bewältigung stattgefunden habe. Die
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Aussage der Versicherten, sie sei sich gegenüber "kalt" geworden, sei ein Hinweis auf
eine pathologische Trauerbewältigung. Auf diesem Hintergrund seien die zunehmenden
Manifestationen einer Schmerzsymptomatik und die Entwicklung einer depressiven
Störung verständlich. Der "körperliche" Schmerz sei an die Stelle der unbewältigten
Trauer getreten. Die Versicherte leide an einer somatoformen Schmerzstörung und an
einer mittelgradigen depressiven Episode. Ihr Verhalten während der Untersuchung
habe zunächst den Schweregrad der depressiven Störung in Frage gestellt. Im
Zusammenhang mit den beschriebenen Symptomen der Schmerzstörung erscheine es
aber als wahrscheinlich, dass sich die unbewältigte Trauer weniger in einer
entsprechend ausgeprägten depressiven Symptomatik und mehr in der
Schmerzsymptomatik äussere. Deshalb sei die Schmerzsymptomatik entsprechend der
höchstrichterlichen Rechtsprechung berücksichtigt worden. Infolge des depressiven
Leidens sei die körperliche und psychische Belastbarkeit reduziert. Die depressive
Störung und die Genese der Schmerzstörung führten zu einer bei der Bemessung der
Arbeitsfähigkeit zu berücksichtigenden Einschränkung der zumutbaren
Willensanstrengung zur Überwindung der Schmerzsymptomatik. Die Versicherte sei
deshalb als Fabrikarbeiterin zu 50% arbeitsunfähig. Auch für eine adaptierte Tätigkeit
bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50%. Die aktuelle antidepressive medikamentöse
Therapie sei ungeeignet. Anzuraten sei eine medikamentöse Behandlung
monotherapeutisch mit einem Antidepressivum durchzuführen oder aber ein
antriebssteigerndes Antidepressivum am Morgen mit einem sedierenden
Antidepressivum zur Nacht zu kombinieren. Zusätzlich sei eine Psychotherapie
dringend indiziert, idealerweise kombiniert mit einem nonverbalen Therapieverfahren
(z.B. Bewegungstherapie) und mit einer Familientherapie. Bei besseren sprachlichen
Voraussetzungen wäre eine stationäre psychotherapeutische Behandlung mit einem
multimodalen Behandlungsangebot sinnvoll. Die Versicherte sollte ausserdem wieder in
den Arbeitsprozess eingegliedert werden, beispielsweise im Rahmen einer ambulanten
Ergotherapie. Durch diese Behandlungsmassnahmen könne eine Steigerung der
Arbeitsfähigkeit erreicht werden. Allerdings sei kein kurzfristiger Erfolg zu erwarten. Dr.
med. E._, Spezialarzt Orthopädische Chirurgie FMH, Sportmedizin (SGSM),
berichtete in seinem Gutachten vom 25. August 2008 (IV-act. 32-1 ff.), die
Schulterbeschwerden rechts hätten nicht objektiviert werden können. Bei der
Untersuchung sei nur eine Innenrotationsbeschränkung aufgefallen. Die restlichen
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Tests seien unauffällig gewesen. Auch die Röntgenuntersuchung der rechten Schulter
sei normal gewesen. Die pathologischen Untersuchungsbefunde der HWS hätten bei
normalem MRI der HWS nicht plausibilisiert werden können. Bei radiologisch fehlender
neuraler Kompression sei die Hyposensibilität des rechten Arms nicht erklärbar
gewesen. Die lumbalen Schmerzen mit Ausstrahlung in den rechten Fuss, die
Hyposensibilität des rechten Beins und die "pathologischen" objektiven Befunde der
LWS seien bei normalem MRI der LWS und radiologisch fehlender neuraler
Kompression nicht zu erklären. Deshalb sei die Versicherte aus orthopädischer Sicht
für körperlich leichte Tätigkeiten voll arbeitsfähig. Dr. med. F._ vom RAD bestätigte
am 12. November 2008 gestützt auf diese beiden Gutachten eine Arbeitsunfähigkeit
von 50% seit 04/07 (IV-act. 35).
A.b Am 16. Juli 2009 erfolgte eine Haushaltabklärung. Im entsprechenden Bericht
vom 20. August 2009 hielt die Abklärungsperson u.a. fest (IV-act. 50), die Versicherte
sei schwanger; der voraussichtliche Geburtstermin sei der 24. August 2009. Sie habe
seit 2006 immer zu 100% gearbeitet und sie würde das ohne den Gesundheitsschaden
weiterhin tun. Da der Ehemann im Schichtbetrieb arbeite, könnte sie in der
Gegenschicht arbeiten. In den Übergangszeiten würden die Kinder auf das Baby
aufpassen. Die Abklärungsperson hielt dazu fest, die Kinder seien extrem selbständig,
so dass eine Fortführung der Vollerwerbstätigkeit auch nach der Geburt des Kindes
aufgrund der Vorgeschichte und aufgrund der prekären finanziellen Verhältnisse
nachvollziehbar sei. Vor drei Jahren sei ein Einfamilienhaus gekauft worden. Es sei ein
Jahr lang vermietet worden, bevor die Familie selbst eingezogen sei. Der Mieter habe
einen Teil des Mietzinses nicht bezahlt. Der Verdienst des Ehemanns betrage Fr.
4'600.--. Die Hypothek belaufe sich auf Fr. 390'000.-- zu 3,6% fest. Abschliessend hielt
die Abklärungsperson fest, die Versicherte sei nicht gewillt gewesen, mit ihr zu
sprechen, und habe alles an den Dolmetscher delegiert. Gemäss den Angaben des
Dolmetschers habe sie aber alles verstanden, sie spreche nämlich recht gut Deutsch.
Das sei jeweils klar geworden, wenn etwas erwähnt worden sei, das der Versicherten
nicht gepasst habe. Dann sei die Reaktion nämlich sofort gekommen. Die
Abklärungsperson vertrat die Auffassung, dass eine durch die finanzielle Lage
ausgelöste Rentenbegehrlichkeit bestehe. Deshalb sei nochmals eine Stellungnahme
seitens des RAD betreffend die Arbeitsfähigkeit einzuholen. Dr. F._ gab auf eine
entsprechende Anfrage an, die Ausführungen des RAD vom 12. November 2008 hätten
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weiterhin Gültigkeit (IV-act. 55). Die IV-Stelle nahm auf der Grundlage eines
Arbeitsfähigkeitsgrads von 50% einen Einkommensvergleich vor. Dabei berücksichtigte
sie ausgehend von dem von der B._ AG für 2007 angegebenen Lohn ein
nominallohnangepasstes Valideneinkommen 2008 von Fr. 50'918.--. Diesem stellte sie
ein zumutbares Invalideneinkommen gegenüber, das sie ausgehend von einem
Jahreseinkommen von Fr. 52'052.-- ermittelte. Eine Korrektur aufgrund des Umstands,
dass das Valideneinkommen tiefer war, unterblieb, da die von der höchstrichterlichen
Rechtsprechung vorgegebene Massgeblichkeitsgrenze von 5% nicht erreicht war. Bei
einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 50% resultierte ein zumutbares Invalideneinkommen
von Fr. 26'026.--. Die Erwerbseinbusse von Fr. 24'892.-- entsprach einem
Invaliditätsgrad von 48,89% (IV-act. 57 f.). Mit einem Vorbescheid vom 26. Januar 2010
teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie beabsichtige, ihr rückwirkend ab 1.
April 2008 eine Viertelsrente zuzusprechen (IV-act. 61). Die Versicherte liess am 1. März
2010 einwenden (IV-act. 62), sie habe einen Anspruch auf eine Dreiviertelsrente. Vom
statistisch ermittelten Durchschnittseinkommen müssten nämlich zusätzlich 25%
abgezogen werden, was einen Invaliditätsgrad von 63,49% ergebe. Dr. F._ hielt am
8. März 2010 fest (IV-act. 63), die Versicherte brauche sechs Stunden pro Tag, um eine
hälftige Arbeitsleistung zu erbringen. Mit einer Verfügung vom 31. März 2010 sprach
die IV-Stelle der Versicherten mit Wirkung ab 1. April 2008 eine Viertelsrente und zwei
Kinderrenten zu (IV-act. 68). Dabei ging sie von einem Invaliditätsgrad von 49% aus.
Sie begründete ihre Weigerung, einen zusätzlichen Abzug vorzunehmen, damit, dass
die gesundheitlichen Beeinträchtigungen in der Arbeitsunfähigkeitsschätzung bereits
enthalten seien, weshalb kein "Leidensabzug" zu gewähren sei. Am 12. April 2010
folgte eine Verfügung, mit der für das im August 2009 geborene Kind eine weitere
Kinderrente zugesprochen wurde (IV-act. 70).
B.
B.a Die Versicherte liess am 5. Mai 2010 gegen diese beiden Verfügungen
Beschwerde erheben und die Zusprache einer Dreiviertelsrente, eventualiter einer
halben Rente beantragen (act. G 1). Zur Begründung führte ihr Rechtsvertreter aus, bei
der Ermittlung des zumutbaren Invalideneinkommens hätte auf die Tabelle für den
privaten und den öffentlichen Sektor in der Lohnstrukturerhebung 2008 zusammen
abgestellt und bei der Umrechnung auf die betriebsübliche Zeit hätte von einer
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Wochenarbeitszeit von 41,25 Std. ausgegangen werden müssen. Das hätte ein
Einkommen von Fr. 4'260.-- ergeben. Bei einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 50%
entspreche das einem Jahreseinkommen von Fr. 25'560.--, was ziemlich genau einem
Invaliditätsgrad von 50% entspreche. Es hätte aber auch noch ein "Leidensabzug"
vorgenommen werden müssen. Die Beschwerdeführerin verfüge nämlich neben der
sechsjährigen Grundschule über keinerlei Ausbildung und sie sei der deutschen
Sprache nicht sehr gut mächtig. Im Tabellenlohn 2008 sei ein Zwölftel der jährlichen
Sonderzahlungen mit eingerechnet. Solche Sonderzahlungen würden einer invaliden
Person aber nicht oder nicht im gleichen Mass ausgerichtet. Das rechtfertige einen
Abzug von 8,33%. Die Beschwerdeführerin brauche einen strukturierten Arbeitsablauf,
sie dürfe nicht unter Zeitdruck stehen und sie müsse kurze Pausen einlegen können.
Das rechtfertige einen Abzug von mindestens 15%. Bei einem Gesamtabzug von 23%
resultiere ein Invaliditätsgrad von 61,4%. Im übrigen sei auch noch ein Teilzeitabzug
von 5% erforderlich.
B.b Die Beschwerdegegnerin stellte am 21. Juni 2010 den Antrag, die Beschwerde sei
abzuweisen und es sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin keinen
Rentenanspruch habe (act. G 4). Sie führte zur Begründung insbesondere aus, der
psychiatrische Gutachter habe eine mittelgradige depressive Episode und eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert und gestützt darauf eine
Arbeitsunfähigkeit von 50% attestiert. Somatoforme Schmerzstörungen vermöchten
i.d.R. keine lang dauernden, zu einer Invalidität führenden Arbeitsunfähigkeiten zu
bewirken. Nur in Ausnahmefällen sei die Unzumutbarkeit einer willentlichen
Schmerzüberwindung und eines Wiedereinstiegs in den Arbeitsprozess anzunehmen.
Das sei dann der Fall, wenn eine erhebliche Komorbidität bestehe oder andere Kriterien
vorlägen, die eine solche Willensanstrengung verunmöglichten. Die mittelgradige
depressive Episode sei im vorliegenden Fall keine erhebliche Komorbidität, da sich die
unbewältigte Trauer mehr in der somatoformen Schmerzstörung äussere. Andere
Kriterien seien nicht im erforderlichen Ausmass und/oder der nötigen Schwere
vorhanden. Demnach sei von einer vollständigen willentlichen Überwindbarkeit der
somatoformen Schmerzstörung auszugehen, d.h. es sei von einer Arbeitsfähigkeit von
100% auszugehen. Im übrigen bestehe keine Veranlassung für einen zusätzlichen
Abzug vom Tabellenlohn.
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B.c Die Beschwerdeführerin liess am 2. September 2010 zusätzlich die Abweisung
des Begehrens der Beschwerdegegnerin beantragen (act. G 8). Ihr Rechtsvertreter
machte geltend, die Vorgehensweise der Beschwerdegegnerin sei
rechtsmissbräuchlich, ja willkürlich. Die Uminterpretation des medizinischen
Gutachtens gebe dessen Inhalt nicht wieder und entspreche nicht den Beschwerden
der Beschwerdeführerin. Es sei fraglich, ob noch auf das nunmehr zwei Jahre alte
Gutachten abgestellt werden könne. Die Beschwerdegegnerin werde dem
psychiatrischen Gutachten nicht gerecht, wenn sie die mittelgradige depressive
Episode nur als Begleiterscheinung der somatoformen Schmerzstörung beurteile. Die
Entwicklung der Krankheit zeige nämlich, dass zuerst eine mittelgradige depressive
Episode aufgetreten sei und diese dann eine somatoforme Schmerzstörung ausgelöst
habe. Das Gutachten sei deshalb so zu lesen, dass grundsätzlich eine Depression
mittleren Grades vorliege, aufgrund derer sich als Begleiterscheinung eine
somatoforme Schmerzstörung entwickelt habe. Damit liege eine ausgewiesene
Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer vor. Die
Depression habe die Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit zur Folge. Demnach
sei die bundesgerichtliche Rechtsprechung zur somatoformen Schmerzstörung gar
nicht anwendbar. Inzwischen sei eine Behandlung der depressiven Störung eingeleitet.
Auszugehen sei somit von einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 50%. Der
Tabellenlohnabzug sei durch die persönliche Situation der Beschwerdeführerin
gerechtfertigt.
B.d Die Beschwerdegegnerin wandte am 9. September 2010 ein (act. G 10), die
mittelgradige depressive Episode würde, wenn sie als selbständiges Leiden anzusehen
wäre, nicht die notwendige Erheblichkeit der Schwere, Ausprägung und Dauer
aufweisen, zumal der psychiatrische Gutachter eine Verbesserung des Zustands durch
therapeutische Massnahmen für möglich gehalten habe. Das bedeute, dass der
innerseelische Verlauf noch angehbar und nicht verfestigt sei.

Erwägungen:
1.
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Anspruch auf eine Invalidenrente hat, wer zu mindestens 40% invalid ist (Art. 28 Abs. 2
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Gemäss Art. 16
des Bundesgesetzes über den allgemeinen Teil der Sozialversicherung (ATSG, SR
830.1) ist zur Bemessung des Invaliditätsgrads das Einkommen, das die versicherte
Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in
Beziehung zu setzen zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht
invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Das ausschlaggebende Element der
Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens - und damit indirekt des
Invaliditätsgrads - ist in aller Regel der Grad der verbliebenen Arbeitsfähigkeit, so dass
dessen Bemessung normalerweise den ersten Schritt bei der Ermittlung des
massgebenden Sachverhalts bildet.
1.1 Der Hausarzt Dr. C._ hat der Beschwerdeführerin am 3. Oktober 2007 eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% attestiert. Als arbeitsfähigkeitsrelevante Diagnosen hat er
ein Panvertebralsyndrom und ein chronisches Schmerzsyndrom angegeben. Offenbar
hatte er der Beschwerdeführerin zu diesem Zeitpunkt noch keine Antidepressiva
verschrieben, denn sonst hätte er dies in seinem Bericht zumindest in der Form einer
entsprechenden Diagnose erwähnt. Er ist also noch davon ausgegangen, dass die
Beschwerdeführerin nur in ihrer körperlichen Gesundheit beeinträchtigt sei. Dies allein
hat bereits zur Folge, dass seine Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht zu überzeugen
vermag. Hinzu kommt, dass er angesichts der beiden ihm vorliegenden fachärztlichen
Berichte (Dr. med. G._, FMH Rheumatologie, Innere Medizin, und Dr. med. H._,
Physikalische Medizin FMH) vermutlich nicht von einer objektiv bestehenden
vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen ist, d.h. er dürfte mit seiner
Arbeitsfähigkeitsschätzung die subjektive Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin
(die sich ja innerlich bereits vom Arbeitsprozess verabschiedet hatte) wiedergegeben
haben. Beweisrechtlich von Bedeutung ist demnach einzig seine Aussage, die
Krankheit bestehe seit Januar 2007 und die Beschwerdeführerin sei seit dem 4. April
2007 arbeitsunfähig. Der orthopädische Sachverständige Dr. E._ hat gestützt auf eine
umfangreiche bildgebende Abklärung und eine umfassende klinische Untersuchung
eine somatisch bedingte Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin verneint. Diese
Einschätzung ist vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin zu Recht nicht in Frage
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gestellt worden, denn das Abklärungsergebnis ist eindeutig gewesen. Sollte die
Beschwerdeführerin in einer adaptierten leichten Erwerbstätigkeit arbeitsunfähig sein,
so kann das also nur durch eine Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit
verursacht sein. Der psychiatrische Sachverständige Dr. D._ hat eine mittelgradige
depressive Episode und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert.
Die Ursache dieser Gesundheitsbeeinträchtigung hat er in den Gewalterfahrungen der
Beschwerdeführerin im Kindesalter, in der traumatischen Totgeburt 1999 und vor allem
in der anschliessenden pathologischen Trauer gesehen. Ausgehend von diesem
überzeugenden (und durch Dr. F._ bestätigten) Abklärungsergebnis ist davon
festzustellen, dass die Beschwerdeführerin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit an
einer mittelgradigen depressiven Episode und an einer somatoformen Schmerzstörung
leidet.
1.2 Zu prüfen bleibt, ob die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. D._ überwiegend
wahrscheinlich richtig ist. Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung zur Frage, ob
eine somatoforme Schmerzstörung eine Arbeitsunfähigkeit bewirken könne (vgl.
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung, bearbeitet von Ulrich Meyer, 2. A., S. 25 f.) ist mit
dieser Krankheit in der Regel keine lang dauernde Einschränkung (Arbeitsunfähigkeit)
verbunden. Bei Personen, die an einer somatoformen Schmerzstörung leiden, besteht
also eine natürliche Vermutung für eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Diese
natürliche Vermutung ist nur dann widerlegt, wenn die somatoforme Schmerzstörung
bzw. das gesamte Krankheitsbild so schwer ist, dass die Verwertung der Arbeitskraft
sozialpraktisch oder für die Gesellschaft generell nicht mehr zumutbar ist. Dann ist die
willentliche Schmerzüberwindung zum Zweck des Wiedereinstiegs in den
Arbeitsprozess nicht zumutbar. Das die somatoforme Schmerzstörung beinhaltende
Krankheitsbild weist einen entsprechenden Schweregrad auf, wenn eine psychische
Komorbidität besteht, deren Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer erheblich ist.
Ausnahmsweise können aber auch qualifizierte Kriterien der somatoformen
Schmerzstörung selbst dafür sprechen, dass keine Arbeitsfähigkeit besteht. Dazu
gehören chronische körperliche Begleiterkrankungen und ein mehrjähriger
Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne
längerfristige Remission, ein ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Belangen des
Lebens, ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr angehbarer innerseelischer Verlauf
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einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer
Krankheitsgewinn) oder ein unbefriedigendes Behandlungsergebnis trotz konsequent
durchgeführter Behandlung trotz vorhandener Motivation und Eigenanstrengung der
versicherten Person. Die Beschwerdegegnerin ist in ihrer Beschwerdeantwort davon
ausgegangen, dass es sich bei der mittelgradigen depressiven Episode nur um eine
irrelevante Komorbidität handle und dass die somatoforme Schmerzstörung selbst
nicht jene Schwere aufweise, die eine willentliche Überwindung der
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung ausschliessen würde. Diese Auffassung ist zu Unrecht
auf die somatoforme Schmerzstörung fokussiert. Die Krankengeschichte bzw.
insbesondere die krankhafte Verarbeitung der traumatischen Totgeburt im Jahr 1999
als Ursache der bestehenden Gesundheitsbeeinträchtigung zeigt nämlich klar auf, dass
ausnahmsweise die somatoforme Schmerzstörung als Komorbidität zur depressiven
Störung hinzugekommen ist. Die somatoforme Schmerzstörung hat zwar eine Reihe
von Schmerzempfindungen zur Folge, aber die Symptome, die sich direkt auf die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirken, sind solche der mittelgradigen
depressiven Episode. Dr. D._ hat darauf hingewiesen, dass das depressive Leiden
die körperliche und die psychische Belastbarkeit reduziere, was zu einer Verminderung
der Arbeitsproduktivität und der Arbeitsleistung führe. Nicht die subjektiv empfundenen
Schmerzen als Symptom der somatoformen Schmerzstörung, sondern die Folgen einer
mittelgradigen depressiven Episode (höhergradige Beeinträchtigung der
Gedächtnisfunktion, Reduktion des Arbeitstempos und der -produktivität, anhaltende
Müdigkeit und Energielosigkeit) sind also die massgebende Ursache der
Einschränkung der Leistungsfähigkeit. Diese Folgen sind, anders als die nur subjektiv
empfundenen Schmerzen, auch durch eine grosse Willensanstrengung nicht
überwindbar. Demnach liegt nicht der für die höchstrichterliche Rechtsprechung
typische Fall einer somatoformen Schmerzstörung vor, bei dem als Folge der
Arbeitsaufgabe und der dauernden gedanklichen Beschäftigung mit den subjektiv
empfundenen Schmerzen schliesslich auch noch eine leichte Depression aufgetreten
ist. Vielmehr handelt es sich um eine mittelgradige depressive Episode mit einer
somatoformen Schmerzstörung als Komorbidität. Unter diesen Umständen überzeugt
die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. D._, zumal dieser sich bewusst mit der Frage
der zumutbaren Willensanstrengung zur Überwindung der aus dem gesamten
Krankheitsbild resultierenden Arbeitsunfähigkeit auseinandergesetzt hat. Das
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zumutbare Invalideneinkommen ist deshalb auf der Grundlage einer Arbeitsfähigkeit
von 50% zu ermitteln.
1.3 Die Beschwerdeführerin ist bis zur Erwerbsaufgabe als Leiharbeiterin tätig
gewesen. Typisch für solche Beschäftigungsverhältnisse ist der häufige Wechsel des
Auftraggebers. Die fehlende Konstanz der Beschäftigung schliesst es aus, die letzte
Tätigkeit im Rahmen des Leiharbeitsverhältnisses mit der B._ AG als -
notwendigerweise langfristige - Validenkarriere zu definieren. Ausdruck der -
hypothetischen - erwerblichen Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin als "Validen"
ist deshalb eine den Fähigkeiten entsprechende, in jeder Hinsicht durchschnittliche
Hilfsarbeit. Das Valideneinkommen bemisst sich somit nach dem schweizerischen
Durchschnittseinkommen der Hilfsarbeiterinnen gemäss der Tabelle TA1 im Anhang zu
der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebung 2008,
umgerechnet von 40 auf den schweizerischen Durchschnitt von 41,6
Wochenarbeitsstunden. Dieses Einkommen beläuft sich auf Fr. 51'368.--. Da die
Beschwerdeführerin durch die Krankheit nicht daran gehindert ist, den qualitativen
Anforderungen einer durchschnittlichen Hilfsarbeit zu genügen, besteht auch die
zumutbare Invalidenkarriere in einer solchen Hilfsarbeit. Das zumutbare
Invalideneinkommen ist deshalb ebenfalls ausgehend von einem Jahreseinkommen
von Fr. 51'368.-- zu ermitteln. Bei einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 50% resultiert ein
Jahreseinkommen von Fr. 25'684.--. Mit einem zusätzlichen Abzug vom Tabellenlohn
ist dazu da, indirekt behinderungsbedingten, im Arbeitsunfähigkeitsgrad also nicht mit
enthaltenen Nachteilen Rechnung zu tragen. Im Fall der Beschwerdeführerin sind dies
insbesondere die Unfähigkeit, Überstunden zu leisen (bzw. den Beschäftigungsgrad
auf über 50% anzuheben), die Unfähigkeit, an einem nichtadaptierten Arbeitsplatz tätig
zu sein, die aus der Sicht eines (fiktiven) Arbeitgebers bestehende Gefahr
überdurchschnittlich hoher Krankheitsabsenzen, die Gefahr schwankender
Arbeitsleistung und der Bedarf nach besonderer Rücksichtnahme. Weitere mögliche
Nachteile wie Alter, Nationalität, fehlende Deutschkenntnisse etc. sind bei der
Beschwerdeführerin nicht gegeben. Diesen indirekt behinderungsbedingten Nachteilen
ist mit einem Abzug von 10% ausreichend Rechnung getragen. Ein Teilzeitnachteil
besteht nicht. Das zumutbare Invalideneinkommen beläuft sich somit auf Fr. 23'116.--.
Die Erwerbseinbusse von Fr. 28'252.-- entspricht einem Invaliditätsgrad von 55%. Die
Beschwerdeführerin hat demnach einen Anspruch auf eine halbe Invalidenrente.
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2.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführerin zu Unrecht nur eine Viertelsrente zugesprochen hat. Da der
Invaliditätsgrad 55% beträgt, steht der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 28 Abs. 2
IVG eine halbe Invalidenrente (zuzüglich entsprechender Kinderrenten) zu.
Dementsprechend ist die Beschwerde gutzuheissen. Dieser Verfahrensausgang ist als
vollumfängliches Unterliegen der Beschwerdegegnerin zu werten. Diese hat deshalb für
die Parteientschädigung (Art. 61 lit g ATSG) und für die Gerichtskosten (Art. 69 Abs.
1 IVG) aufzukommen. Den massgebenden Bemessungskriterien entsprechend wird
die Parteientschädigung auf Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer),
die Gerichtsgebühr auf Fr. 600.-- festgesetzt. Der Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist
der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP