Decision ID: 9c749c95-7560-5171-b6bb-803eeb188fa1
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X stammt aus A und hat die Niederlassungsbewilligung (Ausweis C). Er besitzt den
Führerausweis der Kategorien B, D1, BE und D1E seit dem 17. August 1995 und
denjenigen der Kategorie A1 seit dem 8. August 2001. Am 18. September 2014 reichte
er beim Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt ein Gesuch um Erteilung einer
Bewilligung zum berufsmässigen Personentransport ein (Führerausweis der Kategorie
BPT 121, Taxi). Er musste sich deshalb einer verkehrsmedizinischen
Eignungsuntersuchung unterziehen. Im Bericht vom 12. September 2014 führte der
Amtsarzt aus, die verminderte Sehfähigkeit des linken Auges bedürfe einer genaueren
Beurteilung. Ob X die medizinischen Mindestanforderungen erfülle, sei anhand einer
Probefahrt mit einem Experten und einer augenärztlichen Untersuchung zu
entscheiden. Letztere wurde am 1. Oktober 2014 von Dr.med. R, Facharzt FMH für
Augenheilkunde, St. Gallen, durchgeführt. Der Augentest ergab einen Fernvisus mit
Korrektur von 1,0 rechts und 0,1 links und einen Fernvisus ohne Korrektur von 0,8 bzw.
0,05 sowie ein Innenschielen des linken Auges. Dr.med. R hielt dazu in seinem Bericht
vom 2. Oktober 2014 fest, das Sehvermögen des linken Auges sei therapeutisch nicht
zu verbessern. Trotzdem könne der beantragte Führerschein erteilt werden, da sich die
Sehfunktion längst an die linksseitige Schwachsichtigkeit gewöhnt habe und die
Gesichtsfeldgrenzen beidseits nicht eingeschränkt seien. Er empfahl eine Kontrollfahrt
und jährliche augenärztliche Untersuchungen.
B.- Gestützt auf den augenärztlichen Bericht vom 2. Oktober 2014 verweigerte das
Strassenverkehrsamt X mit Verfügung vom 10. November 2014 einen Lernfahr- oder
Führerausweis auf unbestimmte Zeit (Ziff.1 des Rechtsspruchs). Es hielt fest, dass die
Massnahme auch den Entzug internationaler Führerausweise sowie die Aberkennung
ausländischer Führerausweise zur Folge habe (Ziff. 2) und entzog einem allfälligen
Rekurs die aufschiebende Wirkung (Ziff. 3). Auf die Erhebung einer Gebühr wurde
verzichtet (Ziff. 4).
C.- Mit Eingabe vom 23. November 2014 (Datum des Poststempels) erhob X Rekurs
gegen die Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 10. November 2014. Er
beantragte, der Lernfahrausweis für die Kategorie BPT 121 sei ihm zu erteilen. Auf die
Ausführungen zur Begründung des Antrags wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen.
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Mit Verfügung vom 11. Dezember 2014 korrigierte das Strassenverkehrsamt die
Verfügung vom 11. November 2014. X wurde nur der Führerausweis für berufsmässige
Personentransporte auf unbestimmte Zeit verweigert (Ziff. 1). Ziffer 2 der
ursprünglichen Verfügung, wonach diese Massnahme auch den Entzug internationaler
und die Aberkennung ausländischer Ausweise zur Folge habe, wurde aufgehoben.
Mit Präsidialverfügung vom 4. März 2015 wurde X antragsgemäss die unentgeltliche
Rechtspflege gewährt. Er wurde vom Kostenvorschuss und von den Gerichtskosten
vorläufig befreit.
Das Strassenverkehrsamt verzichtete am 24. März 2015 auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 23. November 2014 ist rechtzeitig
eingereicht worden und erfüllt in formeller und materieller Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Zu prüfen ist vorerst, ob die Vorinstanz dem Rekurrenten das rechtliche Gehör im
gesetzlich vorgeschriebenen Umfang gewährte.
a) Art. 29 Abs. 2 BV gewährt den Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Daraus
leitet das Bundesgericht in ständiger Rechtsprechung die Pflicht der Behörde ab, ihre
Verfügungen und Entscheide zu begründen (vgl. BGE 133 III 439 E. 3.3; BGE 133 I 270
E. 3.1; BGE 129 I 236 E. 3.2; BGE 126 I 102 E. 2b). Als persönlichkeitsbezogenes
Mitwirkungsrecht verlangt dieser Grundsatz, dass die Behörde die Vorbringen der vom
Entscheid oder der Verfügung in ihrer Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört,
prüft und berücksichtigt und ihren Entscheid vor diesem Hintergrund begründet (vgl.
Steinmann, St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014, N 49 zu Art. 29 BV). Der von einem
Entscheid oder einer Verfügung Betroffene soll wissen, warum die Behörde entgegen
seinem Antrag entschieden hat; die Begründung muss deshalb so abgefasst sein, dass
er den Entscheid oder die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann (BGE
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133 III 439 E. 3.3; BGE 129 I 232 E. 3.2; vgl. auch Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 6. Aufl. 2010, Rz. 1706). Dies ist nur möglich, wenn sowohl der
Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein
Bild machen können; in diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen
genannt werden, von denen sich die Behörde leiten liess und auf welche sich ihr
Entscheid stützt. Allerdings bedeutet dies nicht, dass sich die Behörde ausdrücklich
mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand
auseinandersetzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen
Gesichtspunkte beschränken (BGE 133 I 270 E. 3.1; Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O.,
Rz. 1706). Umfang und Dichte der Begründung richten sich generell nach den
Umständen (Steinmann, a.a.O., N 49 zu Art. 29 BV). Ist die Sachlage klar und sind die
anwendbaren Normen bestimmt, kann ein Hinweis auf diese Rechtsnormen genügen,
während ein weiter Spielraum der Behörde – aufgrund von Ermessen oder
unbestimmten Rechtsbegriffen – und eine Vielzahl von in Betracht fallenden Sachver-
haltselementen eine ausführliche Begründung gebieten (BGE 112 Ia 110 E. 2b; BGE
104 Ia 213 E. 5g; Steinmann, a.a.O., N 49 zu Art. 29 BV; Tschannen/Zimmerli,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 2. Aufl. 2005, § 29 N 13). Die Begründungspflicht,
welche aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV fliesst,
hat der st. gallische Gesetzgeber für Verfügungen in Art. 24 Abs. 1 lit. a VRP
ausdrücklich festgehalten; nach dieser Bestimmung soll die Verfügung unter anderem
die Gründe enthalten, auf die sie sich stützt (vgl. zum Ganzen VerwGE B 2009/211 vom
18. März 2010 E. 2.1).
b) Der Rekurrent reichte im Verfahren vor der Vorinstanz ein Gutachten eines
Facharztes ein. Darin wurde festgestellt, dass dem Rekurrenten "die Erlaubnis fürs
Taxi-Fahren" gegeben werden könne. Es sei in diesem Fall vertretbar, von den
medizinischen Mindestanforderungen abzuweichen. Die Durchführung einer
Kontrollfahrt sei aber sinnvoll. Die Vorinstanz hielt in der Verfügung vom 10. November
2014 dazu fest, aus dem eingereichten Gutachten sei ersichtlich, dass die gesetzlich
vorgeschriebenen Mindestanforderungen bezüglich der Sehschärfe nicht erfüllt seien.
Da es im vorliegenden Fall um die Zulassung zum berufsmässigen Personenverkehr
gehe, könne von den medizinischen Mindestanforderungen nicht abgewichen werden.
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c) Mit diesen allgemeinen Ausführungen verletzte die Vorinstanz ihre
Begründungspflicht. Sie hätte die Aussagen des Gutachters zumindest kurz würdigen
und eigene Überlegungen dazu anstellen müssen. Ein blosser Verweis auf einzelne im
Bericht gemachte Feststellungen genügt nicht, zumal der Facharzt ausdrücklich eine
andere Meinung vertrat als die Vorinstanz. Weshalb sie die fachärztliche Empfehlung
nicht berücksichtigte, ist den Erwägungen nicht zu entnehmen. Zudem trifft es nicht zu,
dass im Zusammenhang mit der Zulassung zum berufsmässigen Personenverkehr
nicht von den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestanforderungen abgewichen werden
darf. Nach Art. 7 Abs. 3 der Verordnung über die Zulassung von Personen und
Fahrzeugen zum Strassenverkehr (SR 741.51, abgekürzt: VZV) kann die kantonale
Behörde von den medizinischen Mindestanforderungen abweichen, wenn kein
Ausschlussgrund nach Art. 14 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt:
SVG) vorliegt und eine mit Spezialuntersuchungen beauftragte Stelle dies beantragt.
Eine Unterscheidung zwischen den Führerausweiskategorien der Gruppen 1, 2 oder 3
(vgl. dazu E. 3a) ist im Gesetz nicht vorgesehen. Gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung kann die Behörde auch bei einem Taxifahrer von den
Mindestanforderungen abweichen, soweit nicht ein gesetzlicher Ausschlussgrund nach
Art. 14 SVG vorliegt (BGE 103 Ib 29 E. 1a). Diesen Aspekt berücksichtigte die
Vorinstanz nicht, weshalb die Gehörsverletzung insgesamt als nicht mehr leicht zu
beurteilen ist. Auf die Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz zu neuer
Verfügung ist trotzdem zu verzichten, da die Gehörsverletzung im vorliegenden
Rekursverfahren geheilt werden kann. Das Gericht verfügt über volle
Überprüfungsbefugnis (Art. 46 Abs. 1 VRP). Der Umstand, dass die Vorinstanz die
angefochtene Verfügung mangelhaft begründete, ist jedoch bei der Kostenverlegung zu
berücksichtigen.
3.- Umstritten ist, ob die Vorinstanz dem Rekurrenten den Führerausweis für
berufsmässige Personentransporte (Kategorie BPT 121) zu Recht auf unbestimmte Zeit
verweigerte.
a) Gemäss Art. 14 Abs. 1 SVG müssen Motorfahrzeugführer über Fahreignung und
Fahrkompetenz verfügen. Über Fahreignung verfügt unter anderem, wer die
erforderliche körperliche und psychische Leistungsfähigkeit zum sicheren Führen von
Motorfahrzeugen hat (Abs. 2 lit. b). Nach Art. 25 Abs. 3 lit. a SVG stellt der Bundesrat
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nach Anhören der Kantone Vorschriften auf über die Mindestanforderungen, denen der
Motorfahrzeugführer in körperlicher und psychischer Hinsicht genügen muss. Diese
Anforderungen sind in Anhang 1 VZV geregelt. Gemäss Art. 7 Abs. 1 VZV muss
derjenige, der einen Lern- oder Führerausweis oder eine Bewilligung zum
berufsmässigen Personentransport erwerben will, die medizinischen
Mindestanforderungen nach Anhang 1 erfüllen. Vor der Einreichung eines Gesuchs um
die Erteilung eines Lernfahr- oder Führerausweises oder einer Bewilligung zum
berufsmässigen Personentransport muss der Gesuchsteller sein Sehvermögen bei
einem Arzt oder einem von der kantonalen Behörde anerkannten Augenoptiker
summarisch prüfen lassen. Die Prüfung erfolgt gemäss Anhang 4 VZV. Das Ergebnis ist
mit dem Gesuch einzureichen (Art. 9 Abs. 1 VZV). Die Führerausweiskategorien sind in
drei medizinische Gruppen eingeteilt. Die erste medizinische Gruppe stellt die höchsten
Anforderungen an den Gesundheitszustand der Führerausweisinhaber, es betrifft die
Buschauffeure. Die zweite medizinische Gruppe umfasst die Lastwagen- und
Taxifahrer, die Fahrlehrer und die Verkehrsexperten und nimmt bezüglich der
Anforderungen eine Mittelstellung ein. In der dritten medizinischen Gruppe sind alle
übrigen Führerausweiskategorien zu finden (Bundesamt für Strassen ASTRA,
Kreisschreiben über die ärztlichen Untersuchungen von Motorfahrzeugführern, 6. März
1998, unter: www.astra.admin.ch). Hinsichtlich des Gesichts werden für die zweite
Gruppe folgende Anforderungen gestellt: "Sehschärfe korrigiert beidseitig minimal 0,8
oder ein Auge korrigiert 1,0, das andere korrigiert minimal 0,6. Keine Einschränkung
des Gesichtsfeldes. Keine Störung des Dämmerungssehens. Kein Doppelsehen. Keine
wesentliche Einschränkung des stereoskopischen Sehens. Keine Aphakie, ausser bei
ganztägiger Korrektur mit Kontaktglas und Binokularsehen. Bewerber, welche die
verlangte Sehschärfe nur mit Brille oder Kontaktschalen erreichen, sind zum Tragen der
Brille bzw. der Kontaktschalen während der Fahrt verpflichtet. Die Brille mit getönten
Gläsern darf in der Dunkelheit eine Absorption von höchstens 35 Prozent aufweisen."
b) Die Vorinstanz stützte ihren Entscheid auf die fachärztliche Beurteilung vom 2.
Oktober 2014 (E. 2c). Sie erwog, die gesetzlich vorgeschriebenen
Mindestanforderungen bezüglich der Sehschärfe gemäss Anhang 1 VZV seien nicht
erfüllt. Da es sich um einen berufsmässigen Personentransport handle, sei es nicht
möglich, von den medizinischen Mindestanforderungen abzuweichen. Der Rekurrent
hält dem zusammengefasst entgegen, aus dem Gutachten gehe deutlich hervor, dass
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von den medizinischen Mindestanforderungen abgewichen werden könne. Zudem sei
er früher bei einer Transportgesellschaft angestellt gewesen und habe dort als Bus-
Chauffeur gearbeitet. Gesundheitliche Probleme seien nicht aufgetreten, und alles sei
gut gelaufen.
c) Der mit der Begutachtung beauftragte Facharzt stellte beim Rekurrenten einen
Fernvisus rechts mit Korrektur von 1,0 und einen Fernvisus links mit Korrektur von 0,1
fest. Zudem bestehe eine wesentliche Einschränkung beim Stereosehen ("bei
schlechtem Sehvermögen und Schielen links"). Die übrigen Resultate des Augentests
(horizontales Gesichtsfeld, Augenbeweglichkeit und Pupillenmotorik) fielen für den
Rekurrenten positiv aus. Erläuternd hielt der Facharzt in seinem Bericht vom 2. Oktober
2014 fest, beim Rekurrenten liege am linken Auge eine angeborene Schwachsichtigkeit
vor, welche durch das Schielen und die hohe Fehlsichtigkeit verursacht sei. Es bestehe
keine Möglichkeit für eine Verbesserung des Sehvermögens des linken Auges. Er sei
aber dennoch der Meinung, dass die Bewilligung zum berufsmässigen
Personentransport (Taxi-Bewilligung) erteilt werden könne. Die Sehfunktion habe sich
an die Schwachsichtigkeit links längst gewöhnt. Zudem seien die
Gesichtsfeldaussengrenzen nicht beeinträchtigt, und der Rekurrent verfüge über eine
jahrelange Fahrpraxis als LKW-Fahrer. Aus diesen Gründen dürfe von den
medizinischen Mindestanforderungen abgewichen werden. Sinnvoll sei jedoch die
Durchführung einer Kontrollfahrt. Sofern die Taxifahrerlaubnis erteilt werde, sei einmal
jährlich ein augenärztliches Zeugnis einzureichen.
d) Es ist unbestritten, dass der Rekurrent die gesetzlich vorgeschriebenen
Mindestanforderungen an die Sehfähigkeit zur Durchführung beruflicher
Personentransporte (Führerausweise der 2. Gruppe) gemäss Anhang 1 VZV nicht
erfüllt. Dazu wäre eine beidseitige minimale Sehschärfe von 0,8 oder eine korrigierte
minimale Sehschärfe des einen Auges von 1,0 und des andern von 0,6 erforderlich. Der
Rekurrent verfügt über eine korrigierte Sehschärfe von 1,0 auf dem rechten und eine
solche von nur 0,1 auf dem linken Auge. Zudem bestehen wesentliche
Einschränkungen beim stereoskopischen Sehen. Zu prüfen ist, ob von den
Mindestanforderungen abgewichen werden kann.
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aa) Die kantonale Behörde kann von den medizinischen Mindestanforderungen
abweichen, wenn kein Ausschlussgrund nach Art. 14 SVG vorliegt und eine mit
Spezialuntersuchungen betraute Stelle dies beantragt (Art. 7 Abs. 3 VZV). Ein
Abweichen von den in Anhang 1 VZV aufgeführten medizinischen
Mindestanforderungen kommt jedoch nur in Frage, wenn davon ausgegangen werden
kann, dass ein Motofahrzeugführer trotz seines Gebrechens fähig ist, ein
Motorfahrzeuge sicher zu führen. Entscheidend ist somit, ob die Verkehrssicherheit
trotz der medizinisch feststellbaren Einschränkung (z.B. mangelnde Sehschärfe) des
Betroffenen gewährleistet ist, die Schwäche also durch andere Faktoren wie z.B.
langjährige unfallfreie Fahrt, gute körperliche und geistige Verfassung und Flexibilität
sowie stabile charakterliche Eigenschaften kompensiert werden kann. Die
Bestimmungen über die medizinischen Mindestanforderungen an Motorfahrzeugführer
sind im Hinblick auf eine grössere Sicherheit im Strassenverkehr verschärft worden.
Von diesen Anforderungen darf daher nicht leichtfertig abgewichen werden. Besteht
wegen eines Gebrechens trotz entsprechender Auflagen und Beschränkungen keine
Gewähr, dass ein Fahrzeuglenker sein Motorfahrzeug im Sinne von Art. 14 Abs. 2 lit. b
SVG sicher zu führen vermag, muss ihm zwingend der Führerausweis aus
Sicherheitsgründen verweigert bzw. entzogen werden, selbst wenn der Betreffende
dadurch seinen Beruf nicht mehr ausüben kann (Philippe Weissenberger, Kommentar
SVG und OBG, 2. Aufl., Zürich/ St. Gallen 2015, Art. 25 N 7; M. Schneebeli,
Sehvermögen und Fahreignung, in: Handbuch der verkehrsmedizinischen
Begutachtung, Bern 2005, S. 65). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
müsste ein Mangel im Visus durch eine besondere Fähigkeit in einem anderen Bereich
ausgeglichen werden können (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 6A.16/2000 vom 31.
Juli 2000 E. 3b und BGE 103 Ib 29 E. 1a).
bb) Der Facharzt hält es im vorliegenden Fall für verantwortbar, von den
Mindestanforderungen nach Anhang 1 VZV abzuweichen, da sich die Sehfunktion
längst an die Schwachsichtigkeit des linken Auges gewöhnt habe. Zudem verfüge der
Rekurrent über eine jahrelange Fahrpraxis als LKW-Fahrer. Letzteres trifft allerdings
nicht zu. Der Rekurrent besitzt den Führerausweise der Kategorien A1, B, D1, BE und
D1E und ist damit nicht berechtigt, Lastwagen und Motorwagen zum
Personentransport mit mehr als acht Sitzplätzen (Kat. C und D) zu lenken. Er gibt zwar
an, bei der "24 Stunden Transport GmbH" als Chauffeur gearbeitet zu haben, macht
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jedoch keine Angaben zur Anstellungsdauer und der Art seines Einsatzes.
Rückschlüsse auf eine Fahrpraxis, die die Sehschwäche ausgleichen könnte, lassen
sich daraus nicht ziehen. Somit liesse sich die Abweichung von den medizinischen
Mindestanforderungen nur noch mit dem Umstand begründen, dass die Sehschwäche
seit der Geburt besteht und der Rekurrent schon früh lernte, trotz dieser
Beeinträchtigung ein Fahrzeug sicher zu lenken. Diese fachärztliche Annahme basiert
auf einer Erfahrungstatsache, nach welcher der Betroffene in den ersten sechs
Lebensjahren mit einer Sehstörung umgehen lernt und dadurch die Fähigkeit erlangt,
seine Schwäche in gewissem Ausmass auszugleichen (BGer 6A.16/2000 vom 31. Juli
2000 E. 4b). In welchem Umfang dies beim Rekurrenten der Fall ist, konnte der
Facharzt nicht feststellen. Er empfahl deshalb eine Kontrollfahrt und jährliche
augenärztliche Untersuchungen.
cc) Die korrigierte Sehschärfe des Rekurrenten liegt mit 1,0 rechts und 0,1 links nur
knapp über den Mindestanforderungen für die Führerausweiskategorien der 3. Gruppe
und damit deutlich unter denjenigen der 2. Gruppe. Die Differenz zum Mindestwert ist
beim linken Auge sehr gross. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bleibt bei
derart klaren Abweichungen kein Raum für eine Ausnahmebewilligung. Es sieht eine
solche nur in Grenzfällen vor; so bei einer Abweichung der Sehschärfe um 0,1 vom
geforderten Wert (BGer 6A.16/2000 vom 31. Juli 2000 E. 4b). Beim Rekurrenten wurde
nicht nur eine erheblich reduzierte Sehfähigkeit des linken Auges festgestellt, sondern –
als Folge davon – auch wesentliche Einschränkungen im Stereosehen, d.h. im
Tiefensehen, das beim Abschätzen von Entfernungen im Nahbereich (30 bis 50 Meter)
um das Fahrzeug wichtig ist (Madea/Musshoff/Berghaus [Hrsg.], Verkehrsmedizin, 2.
Aufl. 2012, S. 244). Dies ist insbesondere für einen Taxichauffeur von erheblicher
Bedeutung, da er sich häufig im innerstädtischen Bereich aufhält, wo sich verschiedene
Verkehrsteilnehmer (Fussgänger, Fahrradfahrer usw.) im regelmässig dichten Verkehr
bewegen. Personen mit wesentlichen Einschränkungen des stereoskopischen Sehens
sind deshalb für die Führerausweiskategorien der 2. Gruppe nicht zugelassen (Anhang
1 VZV); sie erfüllen die Anforderungen nach Art. 14 Abs. 2 lit. b SVG nicht. Dass der
Gesetzgeber dem stereoskopischen Sehen eine grosse Bedeutung zumisst, zeigt sich
auch daran, dass er einäugigen Personen – denen unter anderem die Fähigkeit zum
stereoskopischen Sehen vollständig abgeht – den Zugang zu Führerausweisen der
2. Gruppe verwehrt. Sie sind lediglich für die Ausweiskategorien der 3. Gruppe
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zugelassen, und auch das nur nach einer Wartefrist von vier Monaten und einer
augenärztlichen Untersuchung. Angesichts der eindeutigen gesetzlichen Regelung
kann vorliegend nicht von einem Grenzfall gesprochen werden. Da die beim
Rekurrenten festgestellten Sehschwächen gemäss Facharzt nicht korrigierbar sind,
kann auch eine Kontrollfahrt nicht weiterhelfen. Letztere dient dazu, die Eignung einer
Person abzuklären und festzustellen, welche Massnahmen unter den gegebenen
Umständen erforderlich sind (BGE 127 II 129 E. 3c). Auflagen und Beschränkungen, die
es dem Rekurrenten trotz seiner verminderten Sehfähigkeit ermöglichen könnten, ein
Taxi im Sinne von Art. 14 Abs. 2 lit. b SVG sicher zu führen, sind jedoch nicht
ersichtlich (vgl. Weissenberger, a.a.O., Art. 14 N 17 f.).
Vor diesem Hintergrund erübrigen sich weitere Abklärungen zur Fahrfähigkeit des
Rekurrenten, die bei einer geringeren Abweichung von den gesetzlichen
Mindestanforderungen zwingend notwendig gewesen wären, so z.B. die in der
Vergangenheit gefahrenen Strecken, die Anzahl Fahrten und die gefahrenen
Fahrzeugtypen. Aus demselben Grund kann auch offen gelassen werden, ob der
Facharzt an seiner Auffassung im Bericht festhalten würde, wenn er wüsste, dass der
Rekurrent über keine langjährige Praxis als Lastwagenfahrer verfügt. Der Rekurrent gab
an, Buschauffeur gewesen zu sein. Da er jedoch nur für die Kategorie D fahrberechtigt
ist, kann es sich nur um Fahrzeuge mit weniger als 16 Plätzen gehandelt haben.
e) Im Ergebnis verweigerte die Vorinstanz den Führerausweis für berufsmässige
Personentransporte (Kategorie BPT 121) zu Recht. Der Rekurs ist deshalb abzuweisen.
Eine Verweigerung auf unbestimmte Zeit – wie von der Vorinstanz verfügt – oder gar für
immer ist im Gesetz jedoch nicht vorgesehen (vgl. Urteil der
Verwaltungsrekurskommission [VRKE] IV-2014/96 vom 30. April 2015, unter:
www.gerichte.sg.ch). Dies bedeutet, dass es dem Rekurrenten grundsätzlich nicht
verwehrt ist, zu einem späteren Zeitpunkt ein neues Gesuch einzureichen. Diesem wäre
jedoch nur dann Erfolg beschieden, wenn keine die Bewilligung ausschliessenden
medizinischen Einschränkungen mehr bestünden bzw. die Voraussetzungen für ein
Abweichen von den medizinischen Mindestanforderungen erfüllt wären.
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend wären die amtlichen Kosten von Fr. 1'200.–
dem Rekurrenten aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP; Art. 7 Ziff. 122 der
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Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Zufolge Verletzung des rechtlichen Gehörs
durch die Vorinstanz sind sie indessen vom Staat zu tragen.