Decision ID: e5941682-a978-4472-8f7e-cae288003b03
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ absolvierte zu Beginn des Jahres 2009 einen Teil der Rekrutenschule (vgl.
MV-act. 22). Am 9. Januar 2009 verrichtete er zusammen mit Dienstkameraden
befohlene Arbeiten in einem zentralen Materialmagazin (MV-act. 19). Einer seiner
Kameraden fand bei der Raumreinigung eine Markierpatrone 90. Er setzte diese in ein
offenes Schnittmodell eines Sturmgewehrs 90 ein und führte eine Ladebewegung
durch. Mit der geladenen Waffe näherte er sich dem Versicherten und einem weiteren
Kameraden von hinten. Nach eigenen Angaben stolperte er. Dabei löste sich der
Schuss aus dem (angeblich) gegen den Boden gerichteten Gewehr. Alle drei Beteiligten
gaben ein unmittelbar nach der Schussabgabe aufgetretenes Pfeifen im Ohr an. Der
Versicherte wurde deswegen am 13. Januar 2009 von Dr. med. B._ untersucht (MV-
act. 43.7). Im Februar 2009 suchte er den Truppenarzt auf (die beiden anderen
Beteiligten gaben im Strafverfahren an, das Pfeifen habe bei ihnen nach zwei
respektive drei Tagen aufgehört). Dieser überwies ihn an den Oto-Rhino-Laryngologen
Dr. med. C._, der den Versicherten am 4. März 2009 untersuchte (MV-act. 21). In
seinem Bericht führte Dr. C._ aus, die beiden Gehörgänge seien bland und frei. Beide
Trommelfelle seien intakt, reizlos und gut differenziert. Im Reintonaudiogramm sei eine
beidseits gut in der Norm liegende Hörschwelle festgestellt worden. Bei 6000 Hz sei
eine Senke angedeutet. Dort – 10 dB über der Hörschwelle – befinde sich auch der
vom Versicherten angegebene, trotz einer initialen Therapie mit Trentan 400
persistierende Tinnitus. Dieser scheine regredient zu sein. Er empfehle eine
Verlaufskontrolle in sechs Monaten. Die Militärversicherung teilte Dr. C._ am 19. März
2009 mit, dass sie die Kosten der Heilbehandlung übernehmen werde (MV-act. 3). Am
2. November 2009 berichtete der Oto-Rhino-Laryngologe Dr. med. D._ (MV-act. 17),
der Versicherte leide immer noch unter einem Ohrgeräusch rechts. Der Status sei
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bland. Ein Reintonaudiogramm habe eine leichte Hochtoninnenohrschwerhörigkeit
gezeigt. Er empfehle eine audiometrische Abklärung und ein „Counseling“. Dem
Versicherten habe er eine psychologische Therapie nahegelegt. Am 25. Januar 2010
berichtete der Psychiater med. pract. E._ (MV-act. 14), er habe beim Versicherten
weder ein psychisches Leiden noch spezielle Verhaltensfaktoren wie zum Beispiel eine
Aufmerksamkeitsfokussierung, einen sozialen Rückzug oder ein Vermeidungsverhalten
feststellen können, die zur Aufrechterhaltung des chronischen Tinnitus beitragen
würden. Der Versicherte habe Einschlafschwierigkeiten aufgrund des Ohrgeräuschs
angegeben, das er bei Ruhe verstärkt wahrnehme. Er werde seine Tätigkeit in einer
Papierfabrik aufgeben und im Sommer 2010 eine Umschulung in eine weniger lärm-
und stressbelastete Tätigkeit im Bereich Informatik beginnen.
A.b Im November 2011 wurde der Versicherte von Dipl. med. F._ erneut zum
Leistungsbezug angemeldet (MV-act. 5). Diese berichtete am 29. November 2011 (MV-
act. 7), sie habe dem Versicherten versuchsweise ein Schlafmedikament verabreicht.
Dieses habe eine gute Wirkung gezeigt. Ein Tonaudiogramm vom 28. November 2011
zeige eine verminderte Hörleistung der rechten Seite. Klinisch sei der Gehörgang
beidseits frei. Bereits am 24. November 2011 hatte der Psychiater E._ über einen
unveränderten Zustand berichtet (MV-act. 23). Der Kreisarzt Dr. med. G._ notierte am
8. Dezember 2011 (MV-act. 10), die Abgabe des Schlafmittels stehe überwiegend
wahrscheinlich in einem Zusammenhang mit dem persistierenden Tinnitus. Für die
Verminderung des Hörvermögens sei die Militärversicherung vermutlich nicht haftbar;
gegebenenfalls müsste die medizinische Situation diesbezüglich fachärztlich
dokumentiert und überprüft werden. Am 12. Dezember 2011 teilte die
Militärversicherung dem Versicherten mit (MV-act. 11), dass sie die Kosten des
Schlafmittels und der Konsultation bei Dipl. med. F._ vorerst ohne die Anerkennung
einer Rechtspflicht für die Zukunft vergüten werde. Bei weitergehenden Forderungen
infolge einer Hörverminderung werde die Militärversicherung ihre Leistungspflicht
prüfen.
A.c Am 9. Januar 2012 liess der nun anwaltlich vertretene Versicherte „die Abklärung
der Höhe der Integritätsentschädigung, die Prüfung der Zahlung von Taggeldern infolge
der ausgewiesenen Arbeitsunfähigkeit im angestammten Tätigkeitsbereich, die
Übernahme der Ausbildungskosten der notwendig gewordenen beruflichen
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Zweitausbildung, Entschädigungen für die Verzögerung der Berufsausbildung, die
Ausrichtung einer Genugtuung, die grundsätzliche Anerkennung der Haftpflicht der
Schweizerischen Eidgenossenschaft“ sowie die „Prüfung weiterer Leistungen“
beantragten (MV-act. 24). Sein Rechtsvertreter führte aus, der Versicherte habe die
angestammte Tätigkeit als Papiertechnologe aufgeben müssen. Seit Mai 2011
absolviere er ein Praktikum im Rahmen einer Ausbildung zum Informatiker. Diese
werde er voraussichtlich im Jahr 2014 abschliessen. Die Militärversicherung antwortete
am 12. Januar 2012, dass sie ihre Leistungspflicht für den beidseitigen Tinnitus am 12.
Dezember 2011 anerkannt und sich gleichzeitig die Prüfung einer Leistungspflicht
infolge einer Hörverminderung vorbehalten habe (MV-act. 25). Am 22. März 2012
berichtete ein Aussendienstmitarbeiter der Militärversicherung über eine persönliche
Befragung des Versicherten (MV-act. 30). Er führte aus, dieser habe angegeben, dass
er eine Berufslehre zum Papiertechnologen absolviert habe. Nach dem Abschluss der
Ausbildung habe er bis im Frühjahr 2010 im Lehrbetrieb weitergearbeitet. Danach habe
er zwei Sprachaufenthalte absolviert und anschliessend ein Praktikum als Informatiker
begonnen. Im Anschluss an das Praktikum sei er vom Betrieb in einem Pensum von 85
Prozent angestellt worden. Vor der Rekrutenschule habe er keine Probleme mit dem
Gehör gehabt. Die Rekrutenschule habe er nach dem Vorfall normal beendet. Danach
habe er weiter im ehemaligen Lehrbetrieb gearbeitet. Die Tätigkeit sei anstrengend
gewesen und habe bei hohen Temperaturen und an grossen, lauten Maschinen
verrichtet werden müssen. Wegen der Schlafproblematik sei das Risiko bei der Arbeit
an und in der Umgebung von gefährlichen Maschinen gestiegen. Zuerst habe man
versucht, betriebsintern eine Lösung zu finden. Das sei aber nicht möglich gewesen.
Der Versicherte habe dann gekündigt und sich beruflich beraten lassen. Ihm sei eine
Ausbildung zum Informatiker empfohlen worden. Die infolge des Berufswechsels
eingetretenen Einkommenseinbussen habe er mit der Unterstützung der Eltern
überbrücken können. Eine Hörverminderung liege wohl doch nicht vor. Die neuste
Messung habe ein unvermindertes Gehör ergeben. Vermutlich sei bei einer früheren
Messung ein Fehler passiert.
A.d Im Auftrag der Militärversicherung (vgl. MV-act. 32) erstattete die ORL-Klinik des
Universitätsspitals Zürich am 3. Juli 2012 ein audiologisches Gutachten (MV-act. 37).
Die Sachverständigen hielten fest, mikroskopisch seien beide äusseren Gehörgänge
unauffällig gewesen. Die Trommelfelle seien reizlos differenziert und intakt. Ein
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Reintonaudiogramm habe eine Normakusis beidseits mit einer leichten Asymmetrie
rechts zu links ergeben. Rechts sei bei 4’470 Hz ein kontinuierlicher Sinuston mit 15 dB
angegeben worden; links bei 4’220 Hz ein kontinuierlicher Sinuston mit 20 dB. Der im
Sprachaudiogramm festgestellte Sprachhörverlust habe gemäss dem Sozialindex
rechts fünf und links null Prozent betragen, was einem Suva-Integritätsschaden von
null Prozent entspreche. Das Tinnitus Handicap Inventory habe einen milden Tinnitus
ergeben (24 von 100 Punkten). Nach dem Tinnitus-Fragebogen liege der Schweregrad
bei eins, womit eine leichte Form vorliege (Score 25). Diagnostisch handle es sich um
einen beidseitigen, leichtgradigen und kompensierten Tinnitus aurium. Angesichts der
Umstände scheine die Tätigkeit als Papiertechnologe im angestammten Betrieb
schwierig durchführbar, auch wenn eine Arbeitsfähigkeit in diesem Beruf bei
geeigneten Arbeitsbedingungen eigentlich gegeben wäre. Sicherlich die Hälfte der
Arbeitsstunden müsse in ruhigen Räumen geleistet werden können. Schichtarbeit
müsse eher vermieden werden. Am 14. August 2012 notierte der Kreisarzt Dr. G._
(MV-act. 39), die Beurteilung der Sachverständigen der ORL-Klinik des
Universitätsspitals Zürich sei überzeugend. Am konkreten Arbeitsplatz sei der
Versicherte folglich auf eine Veränderung der beruflichen Situation angewiesen
gewesen. Bezüglich des Integritätsschadens sei auf ein kürzlich ergangenes
Bundesgerichtsurteil zu verweisen.
A.e Mit einem Vorbescheid vom 1. Mai 2013 teilte die Militärversicherung dem
Versicherten mit (MV-act. 45), dass sie die Abweisung des Leistungsbegehrens für die
Zeit ab dem 1. April 2012 vorsehe. Zur Begründung führte sie an, es liege kein
adäquater Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis vom 9. Januar 2009 und den
geltend gemachten Gesundheitsbeeinträchtigungen vor. Dabei verwies sie auf ein
Bundesgerichtsurteil vom 3. Mai 2012 (BGE 138 V 248). Dagegen liess der Versicherte
am 21. Mai 2013 einwenden (MV-act. 46), der Vorfall vom 9. Januar 2009 habe sich
entgegen der offenbar von der Militärversicherung vertretenen Ansicht ausserhalb eines
Schiessanlasses und in einem geschlossenen Raum ereignet. Zudem habe es sich bei
der Waffe um ein offenes Schnittmodel gehandelt. Rund zwei Monate nach dem Vorfall
sei der Tinnitus objektiviert worden. Dr. C._ habe nämlich eine Senke bei 6000 Hz
festgestellt. Die Adäquanzkriterien seien vorliegend erfüllt. Die Kosten im
Zusammenhang mit der Umschulung seien schliesslich mehrheitlich in der Zeit vor
Ende März 2012 angefallen. Unabhängig von der nicht nachvollziehbaren Begrenzung
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der Leistungspflicht müsse die Militärversicherung folglich ihre Haftung prüfen. Mit
einer Verfügung vom 5. Juni 2013 wies die Militärversicherung das Leistungsbegehren
für die Zeit ab dem 1. April 2012 ab (MV-act. 47). Bezugnehmend auf die Einwände des
Versicherten führte sie aus, dessen Rechtsvertreter habe offenbar übersehen, dass
vorliegend zwei Gesundheitsbeeinträchtigungen zur Diskussion stünden, nämlich eine
Hörverminderung und ein Tinnitus. In zeitlicher Hinsicht könne keine Leistungspflicht
der Militärversicherung begründet werden. Die Umschulung sei auf eigene Initiative des
Versicherten begonnen worden. Ein Umschulungsanspruch setze zudem eine Haftung
der Militärversicherung von mindestens 20 Prozent und eine Erwerbseinbusse von
mindestens 20 Prozent voraus.
B.
B.a Dagegen liess der Versicherte am 8. Juli 2013 eine Einsprache erheben (MV-act.
48). Sein Rechtsvertreter beantragte die Zusprache von Leistungen der
Militärversicherung über den 1. April 2012 hinaus. Zur Begründung führte er an, der
Tinnitus sei von sämtlichen Fachärzten objektiviert worden. Auch die Adäquanzkriterien
seien erfüllt. Die Weiterführung der Tätigkeit im angestammten Betrieb sei nicht mehr
möglich gewesen. Deshalb sei der Versicherte wegen der Folgen des erlittenen
Knalltraumas gezwungen gewesen, eine Umschulung in Angriff zu nehmen. Am 15.
September 2015 berichtete Dr. D._ (MV-act. 54.1), der Versicherte leide nach wie vor
an einem beidseitigen hochfrequenten Pfeifen, das mit einem Rauschtinnitus auf
beiden Ohren verbunden sei. Diesbezüglich befinde er sich mehr oder weniger
kontinuierlich in einer psychotherapeutischen Behandlung. Der klinische Befund sei
beidseits unauffällig; die Gehörgänge seien frei. Eine Impedanzaudiometrie habe
beidseits spitzgipfelige Kurven vom Typ A und normal auslösbare Stapediusreflexe
gezeigt. Die Messung der Hörfähigkeit habe eine leichte Innenohrschwerhörigkeit
beidseits ergeben. Der Tinnitus werde beidseits bei 6000 Hz etwa 10 dB über der
Hörschwelle vertäubbar. Wegen des chronischen Tinnitus Grad III mit einer dauerhaften
Beeinträchtigung sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich sei der
Versicherte aus fachärztlicher Sicht für einen weiteren Militärdienst untauglich.
B.b Mit einem Entscheid vom 12. Januar 2017 wies die Militärversicherung die
Einsprache ab (MV-act. 55). Zur Begründung führte sie aus, gestützt auf die
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medizinischen Akten stehe fest, dass der Versicherte beim Vorfall vom 9. Januar 2009
keinen traumatischen Hörverlust erlitten habe. Der Tinnitus habe nicht mit apparativen
respektive bildgebenden Abklärungen bestätigt werden können. In den Berichten der
behandelnden und untersuchenden Fachärzte gebe es keinen Anhaltspunkt für eine
organische Ursache in Form etwa einer Missbildung, eines Tumors oder einer
muskulären Veränderung. Daran ändere der Umstand, dass der Tinnitus am 13. Januar
2009 bei 6000 Hz lokalisiert worden sei, nichts, denn diese Lokalisation habe einzig auf
den subjektiven Angaben des Versicherten beruht. Hier liege somit ein subjektiver
Tinnitus im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung vor, für den die
Militärversicherung nur eine Leistungspflicht treffen würde, wenn die besonderen
Adäquanzkriterien im Sinne des BGE 138 V 248 erfüllt wären. Das sei aber nicht der
Fall. Die Haftung für den minimen Hörverlust beidseits und für den Tinnitus beidseits
sei deshalb abzulehnen.
C.
C.a Am 13. Februar 2017 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 12. Januar 2017 erheben (act.
G 1). Sein Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheides und die Zusprache der gesetzlichen Leistungen über den 1.
April 2012 hinaus. Zur Begründung führte er aus, gestützt auf den Bericht von Dr. C._
vom 4. März 2009 stehe fest, dass der Tinnitus habe objektiviert werden können. Die
damit zusammenhängende Problematik sei von Dr. D._ bestätigt worden. Erwiesen
sei auch, dass der Beschwerdeführer aufgrund des Dienstunfalls an einer leichten
Halbtoninnenohrschwerhörigkeit leide. Die Adäquanzkriterien im Sinne der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung seien erfüllt.
C.b Die Militärversicherung (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 14.
Juni 2017 die Abweisung der Beschwerde, soweit überhaupt auf diese eingetreten
werden könne (act. G 9). Zur Begründung führte sie aus, konkrete Leistungsbegehren
hätten nicht Gegenstand des mit dem angefochtenen Entscheid abgeschlossenen
Einspracheverfahrens gebildet, weshalb auf die entsprechenden Beschwerdeanträge
nicht eingetreten werden könne. Bezüglich des Hörverlustes sei darauf hinzuweisen,
dass die ersten fachärztlichen Abklärungen während der Rekrutenschule keinen
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signifikanten Hörverlust ergeben hätten. Zudem habe auch keine für ein Knalltrauma
charakteristische c5-Senke festgestellt werden können. Für den diagnostizierten
Tinnitus des Beschwerdeführers seien keine organisch objektivierbaren Ursachen
ausgewiesen. Die Lokalisation des Tinnitus basiere allein auf den Angaben des
Beschwerdeführers zur Lautstärke und zur Frequenzhöhe des von ihm
wahrgenommenen Pfeiftons. Es handle sich folglich um einen subjektiven Tinnitus, für
den die Militärversicherung nur unter den im BGE 138 V 248 erwähnten
Voraussetzungen eine Leistungspflicht treffen könne, die aber vorliegend nicht erfüllt
seien.
C.c Der Beschwerdeführer liess am 12. September 2017 an seinen Anträgen festhalten
(act. G 13). Zur Begründung führte er an, er habe bereits in seiner Einsprache die
Zusprache der gesetzlichen Leistungen beantragt. Seine Leistungsbegehren hätten
deshalb zum Einspracheverfahren gehört. Folglich gehörten sie auch zum Gegenstand
dieses Beschwerdeverfahrens. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin habe
der Beschwerdeführer ein Knalltrauma erlitten. Eine sogenannte c5-Senke liege bei den
meisten Personen bei etwa 4000 Hz. Die genaue Frequenz könne aber individuell stark
variieren. Auch Frequenzen zwischen 3000 und 6000 Hz seien denkbar. Nach einem
Knalltrauma liege häufig auch ein Tinnitus vor. Die Fachärzte hätten die
entsprechenden Befunde objektiviert und zudem festgehalten, dass eine Umschulung
geboten gewesen sei. Die von der Beschwerdegegnerin angeführte Rechtsprechung
sei nicht massgebend, da den erwähnten Entscheiden Unfälle zugrunde gelegen
hätten, bei denen ein Tinnitus – anders als bei einem Schiessunfall – keine gewöhnliche
Unfallfolge sei.
C.d Die Beschwerdegegnerin machte am 13. Oktober 2017 geltend (act. G 15),
hinsichtlich der konkreten Leistungsbegehren liege kein Anfechtungsgegenstand vor.
Aktenmässig sei zweifelsfrei erstellt, dass nach der Schussabgabe kein signifikanter
Hörverlust und damit auch keine für ein Knalltrauma charakteristische c5-Senke
dokumentiert worden sei. Auch im weiteren Verlauf sei das Gehör als normal beurteilt
worden. Die gegenteiligen Behauptungen des Beschwerdeführers seien aktenwidrig.
Zudem unterscheide dieser offenbar immer noch nicht zwischen dem Hörverlust und
dem Tinnitus. Hinsichtlich der Adäquanzprüfung gehe er von einem falschen
Sachverhalt aus.
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Erwägungen
1.
Die Anmeldungen des Beschwerdeführers zum Leistungsbezug haben offenkundig auf
konkrete Leistungen der Beschwerdegegnerin und nicht nur auf eine blosse
Feststellung im Sinne des Art. 49 Abs. 2 ATSG abgezielt. Das bedeutet, dass die durch
diese Anmeldungen eingeleiteten Verwaltungsverfahren (respektive das sämtlichen
Begehren Rechnung tragende Verwaltungsverfahren) nur mit einer rechtsgestaltenden
Verfügung haben abgeschlossen werden können. Die Beschwerdegegnerin hat sich
zwar nur auf ein Tatbestandselement (die „Haftung“; vgl. dazu E. 2) beschränkt, was an
sich typisch für eine Feststellung wäre. Aber das bedeutet nicht, dass sie eine blosse
Feststellungsverfügung hätte erlassen wollen. Vielmehr ist sie überzeugt gewesen,
dieses Tatbestandselement sei nicht erfüllt, weshalb die Leistungsbegehren des
Beschwerdeführers ohne Weiteres abgewiesen werden könnten. Die –
rechtsgestaltende – Abweisung eines Leistungsbegehrens ist nämlich immer schon
dann möglich, wenn eines der für einen Leistungsanspruch kumulativ zu erfüllenden
Tatbestandselemente nicht erfüllt ist. Sie setzt deshalb (anders als eine Gutheissung)
keine umfassende Prüfung sämtlicher Tatbestandselemente voraus; ist eines jener
Elemente nicht erfüllt, kann so oder anders nur eine Abweisung resultieren. Dass sich
die Beschwerdegegnerin auf die Prüfung des einen Tatbestandelementes („Haftung“)
beschränken konnte, liegt also in deren Ergebnis – der Verneinung – begründet. Die
Prüfung der weiteren Tatbestandselemente ist mit anderen Worten nur aus
verwaltungsökonomischen Gründen unterblieben. Dadurch ist der Entscheid jedoch
nicht zu einem Feststellungsentscheid im juristischen Sinn geworden. Das wäre schon
deshalb nicht möglich gewesen, weil der Gegenstand des Verwaltungsverfahrens
durch die Leistungsbegehren und nicht durch die verfahrensabschliessende Verfügung
definiert worden ist. Dasselbe gilt sinngemäss auch für das Einspracheverfahren: Der
Beschwerdeführer hat neben der Aufhebung der angefochtenen Verfügung die
Zusprache der gesetzlichen Leistungen beantragt. Wiederum hat die
Beschwerdegegnerin zwar das Verfahren mit der Begründung beendet, es liege keine
„Haftung“ vor. Aber dadurch hat sich der Gegenstand des Einspracheverfahrens nicht
etwa (gewissermassen nachträglich) auf eine entsprechende, blosse Feststellung
reduziert. Da der Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens jenem des mit dem
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angefochtenen Entscheid abgeschlossenen Einspracheverfahrens entsprechen muss,
umfasst er sämtliche Leistungsbegehren, die mit dem angefochtenen
Einspracheentscheid abgewiesen worden sind. Entgegen der von der
Beschwerdegegnerin vertretenen Auffassung sind sämtliche Beschwerdeanträge des
Beschwerdeführers von diesem Gegenstand erfasst, weshalb vollumfänglich auf die
Beschwerde einzutreten ist.
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin hat die Abweisung der Leistungsbegehren mit dem
Fehlen einer Haftung der Militärversicherung für die Folgen des Tinnitus und der
Hörverminderung begründet. Das wirft in Bezug auf die Hörverminderung keine
verfahrensrechtlichen Fragen auf, denn die Beschwerdegegnerin hatte dafür nie eine
Haftung anerkannt. Allerdings lässt sich nicht nachvollziehen, weshalb die
Beschwerdegegnerin ihre Haftung (nur) für die Zeit ab dem 1. April 2012 verneint hat,
denn für eine bestimmte Gesundheitsschädigung kann die Militärversicherung nur
entweder haftbar oder nicht haftbar sein. Der Gedanke, dass es eine zeitlich
beschränkte Haftung gebe respektive dass eine einmal bestandene Haftung
irgendwann dahinfallen könne, lässt sich mit den Art. 5–7 MVG nicht vereinbaren.
Selbst wenn das möglich wäre, liesse sich vorliegend nicht nachvollziehen, weshalb die
Haftung genau per Ende März 2012 dahingefallen sein sollte, denn in den Akten findet
sich kein Hinweis auf eine massgebende Sachverhaltsveränderung in jenem Zeitpunkt.
Insofern erweist sich also zwar der Wortlaut des Dispositivs der angefochtenen
Verfügung respektive des diese ersetzenden Einspracheentscheides als falsch, aber
das schadet nicht, weil das Dispositiv nicht nur nach seinem Wortlaut, sondern
umfassend auszulegen ist und weil sich der Begründung der Verfügung
beziehungsweise des Einspracheentscheides entnehmen lässt, dass die
Beschwerdegegnerin ihre (nie anerkannte) Haftung für die Hörverminderung vollständig
hat verneinen wollen.
2.2 Leicht anders verhält es sich in Bezug auf den Tinnitus. Die Beschwerdegegnerin
hat nämlich bereits mit einer Mitteilung vom 19. März 2009 die Vergütung der
Heilbehandlungskosten im Zusammenhang mit dem Tinnitus zugesichert. Mit einer
weiteren Mitteilung vom 12. Dezember 2011 hat sie dann erneut eine Vergütung von
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Heilbehandlungskosten zugesichert, die sie allerdings explizit auf die bereits
abgegebenen Medikamente und die Kosten für die bereits erfolgten Arztkonsultationen
beschränkt hat. Diese beiden sich auf die Heilbehandlung beziehenden
Kostengutsprachen haben für die hier streitigen Leistungen – eine Umschulung und
Geldleistungen – keinen präjudizierenden Charakter, denn aus dem Umstand, dass die
Beschwerdegegnerin verschiedene Heilbehandlungskosten vergütet hat, kann nicht
abgeleitet werden, dass sie auch für die Zukunft und für völlig andere gesetzliche
Leistungen eine Leistungspflicht anerkannt habe. Das bedeutet, dass die
Beschwerdegegnerin das auf eine Umschulung und auf Geldleistungen abzielende
neue Gesuch vom 9. Januar 2012 frei hat prüfen dürfen. Zu prüfen bleibt, ob die
Abweisung des Leistungsbegehrens auch in materieller Hinsicht rechtmässig ist.
3.
3.1 Die Beschwerdegegnerin hat zur Beantwortung der Frage nach dem Vorliegen
eines Tinnitus oder einer Hörverminderung ein audiologisches Gutachten bei der Klinik
für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie des Universitätsspitals Zürich
eingeholt. In diesem Gutachten hat die Sachverständige festgehalten, die objektiven
klinischen Befunde seien weitgehend unauffällig gewesen. Das Reintonaudiogramm
habe eine beidseitige Normakusis gezeigt, das heisst ein normales Gehör. Im
Sprachaudiogramm sei ein Sprachhörverlust von 15 dB festgestellt worden. Die
entsprechende Einschränkung entspreche gemäss dem Sozialindex einem Hörverlust
von null Prozent links und fünf Prozent rechts. Das Gehör sei aber insgesamt normal,
weshalb keine Hörverminderung vorliege, die eine Umschulung rechtfertigen könnte.
Diese Schlussfolgerungen hat die Sachverständige überzeugend begründet, wobei sie
dafür nicht nur die persönlich erhobenen objektiven klinischen Befunde, sondern auch
die Ausführungen in den Vorakten und die subjektiven Angaben des
Beschwerdeführers berücksichtigt hat. Indizien, die Zweifel an den Schlussfolgerungen
der Sachverständigen wecken würden, sind nicht ersichtlich. Folglich ist in
medizinischer Hinsicht auf das Gutachten vom 3. Juli 2012 abzustellen. Damit steht mit
dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der
Beschwerdeführer objektiv nicht an einer Hörverminderung gelitten hat, die eine
Leistungspflicht der Militärversicherung hätte begründen können. Diesbezüglich erweist
sich der angefochtene Einspracheentscheid als rechtmässig.
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3.2 Den vom Beschwerdeführer geklagten Tinnitus hat die Sachverständige der Klinik
für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie ebenfalls nicht objektiv klinisch
feststellen können. Das Reintonaudiogramm scheint zwar einen entsprechenden
„bildgebenden“ Befund ergeben zu haben. Aber dieses Audiogramm basiert
ausschliesslich auf den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers. Es bildet also
nicht einen objektiven klinischen Befund, sondern vielmehr die subjektiven Angaben
des Beschwerdeführers ab. Folglich vermag es das Vorliegen eines Tinnitus nicht
objektiv zu belegen. Die Schlussfolgerungen der Sachverständigen in Bezug auf die
Diagnose eines Tinnitus und in Bezug auf die daraus resultierenden Beeinträchtigungen
haben also ausschliesslich auf den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers
beruht. Darin kann kein hinreichender Nachweis für das Vorliegen eines Tinnitus
erblickt werden. Auch die behandelnden Ärzte haben keinen objektiven Befund
angeben können, der das Vorliegen eines Tinnitus mit dem erforderlichen Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegen könnte. Von weiteren Abklärungen
kann in antizipierender Beweiswürdigung keine relevante neue Erkenntnis erwartet
werden. Folglich besteht hinsichtlich des Vorliegens eines Tinnitus eine objektive
Beweislosigkeit. Diese wirkt sich mangels einer spezifischeren gesetzlichen Grundlage
in analoger Anwendung des Art. 8 ZGB zulasten des Beschwerdeführers aus, der
mittels des Nachweises des Tinnitus einen Leistungsanspruch für sich ableiten könnte.
3.3 Das Bundesgericht geht davon aus, dass auch ein solcher objektiv nicht
nachgewiesener, „subjektiver“ Tinnitus eine Leistungspflicht der Unfall- oder
Militärversicherung begründen könne, stellt aber sehr hohe Anforderungen an die
Bejahung eines adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem versicherten
Ereignis und einem solchen „subjektiven“ Tinnitus, was in der Praxis dazu führen
dürfte, dass kaum je ein „subjektiver“ Tinnitus eine Leistungspflicht der Unfall- oder
Militärversicherung begründen kann (vgl. BGE 138 V 248). Diese Voraussetzungen sind
jedenfalls vorliegend nicht erfüllt. Das unbeobachtete Abfeuern einer geschossfreien
Patrone in einem geschlossenen, aber weitläufigen Raum kann – gerade im Rahmen
eines länger dauernden Militärdienstes respektive nach wochenlangen Manipulationen
am Sturmgewehr mit oder ohne „scharfe“ Munition – nicht als ein eindrückliches oder
gar traumatisches Ereignis bezeichnet werden. Die beiden mitbeteiligten Rekruten (von
denen einer zusätzlich noch eine leichte Verletzung im Gesicht davontrug) haben nur
zwei respektive drei Tage lang über ein Pfeifen im Ohr geklagt. Daraus lässt sich zwar
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nicht ableiten, dass auch der Beschwerdeführer nicht mehr als wenige Tage unter
einem Tinnitus gelitten haben könnte, aber es zeigt doch, dass Vorfälle wie dieser für
gewöhnlich keine schweren Beeinträchtigungen auslösen. Die Dauer der ärztlichen
Behandlung kann nicht als ungewöhnlich lange bezeichnet werden. Körperliche
Dauerbeschwerden sind nicht ausgewiesen. Die ärztliche Behandlung ist lege artis
erfolgt, soweit dies vom Gericht beurteilt werden kann. Der Heilungsverlauf ist normal
gewesen; es sind keine besonderen Komplikationen eingetreten. Von einer physisch
bedingten Arbeitsunfähigkeit kann nicht gesprochen werden. Der Beschwerdeführer
hat zwar offenbar nicht mehr am angestammten Arbeitsplatz arbeiten können, was
wesentlich auf die konkreten Umstände dort zurückzuführen ist, aber er hätte
problemlos uneingeschränkt an einem anderen, moderneren (vgl. diesbezüglich das
Gutachten auf S. 1 unten und S. 2 unten) Arbeitsplatz als Papiertechnologe arbeiten
können. Vor diesem Hintergrund steht fest, dass die Militärversicherung keine Pflicht
getroffen hat, dem Beschwerdeführer eine Umschulung zu finanzieren oder
Geldleistungen auszurichten.
4.
Zusammenfassend erweist sich die angefochtene Leistungsverweigerung als
rechtmässig. Allerdings hat der Beschwerdeführer nicht erst ab dem 1. April 2012
keinen Anspruch mehr auf von der Militärversicherung finanzierte Umschulung und
Geldleistungen gehabt. Das würde nämlich bedeuten, dass allenfalls ein
entsprechender Leistungsanspruch für die Zeit vor dem 1. April 2012 bejaht werden
müsste. Richtigerweise hat mangels einer überwiegend wahrscheinlich
nachgewiesenen Gesundheitsbeeinträchtigung von Beginn weg kein
Leistungsanspruch gegenüber der Militärversicherung bestanden. Die (im Ergebnis nur
den „verunglückten“ Wortlaut des Dispositivs der Verfügung vom 5. Juni 2013
betreffende) minimale Korrektur des Dispositivs wirkt sich nicht zugunsten des
Beschwerdeführers aus, weshalb hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen
von einem vollständigen Unterliegen des Beschwerdeführers auszugehen ist. Er hat
also keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung. Gerichtskosten sind ohnehin keine
zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).