Decision ID: 4d2988fa-9c6c-5003-aaee-848b21b06aa0
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Gesuchsteller, ein aserbaidschanischer Staatsangehöriger mit
letztem Wohnsitz in B._, suchte am 25. April 2018 in der Schweiz
um Asyl nach.
A.b Mit Verfügung vom 30. April 2020 stellte das SEM fest, der Gesuch-
steller erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab,
verfügte seine Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der
Wegweisung an.
A.c Das Bundesverwaltungsgericht wies eine gegen diese Verfügung ge-
richtete Beschwerde vom 5. Juni 2020 mit Urteil D-2951/2020 vom
22. September 2020 ab.
B.
Der Gesuchsteller ersuchte durch seine Rechtsvertreterin mit Eingabe vom
26. September 2020 sinngemäss und mit Eingabe vom 29. September
2020 ausdrücklich um Revision des Urteils des Bundesverwaltungsge-
richts vom 22. September 2020. In der Eingabe vom 29. September 2020
wurde beantragt, das Urteil vom 22. September 2020 sei aufzuheben und
auf das Gesuch sei einzutreten, der neue rechtserhebliche Sachverhalt sei
festzustellen und die bereits entschiedene Streitsache sei neu zu beurtei-
len, eventuell sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl
zu gewähren, subeventuell sei das Dossier an das SEM zurücksenden,
das angesichts der neuen Beweismittel den Sachverhalt erneut abzuklären
habe, es sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig
und unzumutbar sei und die vorläufige Aufnahme anzuordnen, und es sei
die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren sowie die Rechtsvertrete-
rin als amtliche Rechtsbeiständin einzusetzen. Der Eingabe lagen ein Haft-
befehl des Polizeipräsidiums B._ vom 23. Juni 2020 und ein Urteil
des Bezirksgerichts (...) vom 27. Juli 2020 bei.
C.
C.a Der Instruktionsrichter setzte den Wegweisungsvollzug gestützt auf
Art. 126 BGG am 28. September 2020 einstweilen per sofort aus.
C.b Mit Zwischenverfügung vom 1. Oktober 2020 hob der Instruktionsrich-
ter den mit Zwischenverfügung vom 28. September 2020 angeordneten
Vollzugsstopp auf und stellte fest, die mit Verfügung des SEM vom 30. April
2020 rechtskräftig verfügte Wegweisung sei vollstreckbar. Die Gesuche um
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Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Beiordnung eines
amtlichen Rechtsbeistandes wies er ab. Er forderte den Gesuchsteller auf,
bis zum 16. Oktober 2020 einen Kostenvorschuss von Fr. 1500.– einzu-
zahlen, unter der Androhung, bei ungenutzter Frist werde auf das Revisi-
onsgesuch nicht eingetreten.
D.
Am 15. Oktober 2020 wurde beim Bundesverwaltungsgericht ein Kosten-
vorschuss von Fr. 1500.– eingezahlt.
E.
Mit Eingabe vom 19. Oktober 2020 reichte der Gesuchsteller die Überset-
zungen des Haftbefehls vom 23. Juni 2020 und des Urteils vom 27. Juli
2020 ein. Er beantragte, der Antrag auf Aussetzung des Wegweisungsvoll-
zugs sei nochmals zu prüfen und ihm sei die Gelegenheit zu erteilen, den
Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten zu können.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet gemäss Art. 105 AsylG
(SR 142.31) auf dem Gebiet des Asyls in der Regel endgültig über Be-
schwerden gegen Verfügungen des SEM (vgl. zur Ausnahme Art. 83 Bst. d
Ziff. 1 BGG). Es ist ausserdem zuständig für die Revision von Urteilen, die
es in seiner Funktion als Beschwerdeinstanz gefällt hat (vgl. BVGE
2007/21 E. 2.1).
1.2 Gemäss Art. 45 VGG gelten für die Revision von Urteilen des Bundes-
verwaltungsgerichts die Art. 121–128 BGG sinngemäss. Nach Art. 47 VGG
findet auf Inhalt, Form und Ergänzung des Revisionsgesuches Art. 67
Abs. 3 VwVG Anwendung.
1.3 Das Revisionsgesuch ist ein ausserordentliches Rechtsmittel, das sich
gegen einen rechtskräftigen Beschwerdeentscheid richtet. Wird das Ge-
such gutgeheissen, beseitigt dies die Rechtkraft des angefochtenen Ur-
teils, und die bereits entschiedene Streitsache ist neu zu beurteilen (vgl.
MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungs-
gericht, 2. Aufl. 2013, S. 303 Rz. 5.36).
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1.4 Das Bundesverwaltungsgericht zieht auf Gesuch hin seine Urteile aus
den in Art. 121–123 BGG aufgeführten Gründen in Revision (Art. 45 VGG).
Nicht als Revisionsgründe gelten Gründe, welche die Partei, die um Revi-
sion nachsucht, bereits im ordentlichen Beschwerdeverfahren hätte gel-
tend machen können (sinngemäss Art. 46 VGG).
2.
2.1 Im Revisionsgesuch ist insbesondere der angerufene Revisionsgrund
anzugeben und die Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens im Sinne von
Art. 124 BGG darzutun.
2.2 Der Gesuchsteller macht den Revisionsgrund von Art. 123 Abs. 2
Bst. a BGG (nachträglich erfahrene erhebliche Tatsachen bzw. aufgefun-
dene entscheidende Beweismittel) geltend und zeigt ausserdem die Recht-
zeitigkeit des Revisionsbegehrens auf. Nachdem der einverlangte Kosten-
vorschuss innert Frist geleistet wurde, ist das frist- und formgerecht einge-
reichte Revisionsgesuch einzutreten.
3.
3.1 Gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG kann die Revision in öffentlich-
rechtlichen Angelegenheiten verlangt werden, wenn die ersuchende Partei
nachträglich erhebliche Tatsachen erfährt oder entscheidende Beweismit-
tel auffindet, die sie im früheren Verfahren nicht beibringen konnte, unter
Ausschluss der Tatsachen und Beweismittel, die erst nach dem Entscheid
entstanden sind.
3.2 Den Akten und dem angefochtenen Urteil (vgl. Bst. B.b) ist zu entneh-
men, dass bereits im ordentlichen Beschwerdeverfahren zahlreiche Be-
weismittel, mit denen das Bestehen eines Strafverfahrens gegen den Ge-
suchsteller zu belegen versucht wurde, eingereicht wurden. Das Bundes-
verwaltungsgericht gelangte im angefochtenen Urteil D-2951/2020 nach
einlässlicher Prüfung der Vorbringen des Gesuchstellers und der von ihm
eingereichten Beweismittel zum Schluss, er habe nichts vorgebracht, das
geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen. Des Weiteren befand es, es sei davon auszugehen,
dass der Gesuchsteller die Möglichkeit habe, sich mit rechtlichen Mitteln
zur Wehr zu setzen, sollte er bei einer Rückkehr nach Aserbaidschan tat-
sächlich mit einem Verfahren gegen seine Person konfrontiert sein, wes-
halb seitens des SEM keine Veranlassung bestanden habe, weitergehende
Sachverhaltsabklärungen zu tätigen (vgl. Urteil des BVGer D-2951/2020
vom 22. September 2020 E. 6.3). Der in der Eingabe vom 19. Oktober
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2020 erhobene Einwand, die 20-tägige Beschwerdefrist an das Berufungs-
gericht sei abgelaufen, bevor der Gesuchsteller das Urteil erhalten habe,
ändert nichts daran, dass das Bundesverwaltungsgericht nach umfassen-
der Prüfung der im ordentlichen Verfahren gemachten Vorbringen zum
Schluss gelangte, der Gesuchsteller erfülle die Flüchtlingseigenschaft
selbst dann nicht, wenn seine Angaben zum gegen ihn eingeleiteten Ver-
fahren den Tatsachen entsprechen würden. Da er sich dem in der Heimat
gegen ihn eingeleiteten Strafverfahren durch Abreise ins Ausland entzog
und das zuständige Gericht ein Urteil in Abwesenheit des Angeklagten
fällte, hat der Gesuchsteller die Möglichkeit, nach seiner Rückkehr in die
Heimat allenfalls unter Beiziehung eines Anwalts zu prüfen, ob und welche
ausserordentlichen Rechtsmittel zur Verfügung stünden, um eine Neube-
urteilung zu beantragen. Angesichts dieser Erwägungen ist nicht davon
auszugehen, das Bundesverwaltungsgericht wäre aufgrund der mit dem
Revisionsgesuch eingereichten Beweismittel (Haftbefehl des Polizeipräsi-
diums B._ vom 23. Juni 2020, Urteil des Strafgerichts (...) vom
27. Juli 2020) zu einem anderen Schluss gelangt, falls diese bereits im Ur-
teilszeitpunkt vorgelegen hätten.
3.3 Dem Gesuchsteller gelingt es mit den eingereichten Beweismitteln
– unbesehen der nicht geklärten Frage der Authentizität derselben – nicht,
Revisionsgründe im Sinne von Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG darzutun. Das
Gesuch um Revision des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts
D-2951/2020 vom 22. September 2020 ist demzufolge abzuweisen.
4.
Durch den Entscheid in der Hauptsache wird das Gesuch vom 19. Oktober
2020 um wiedererwägungsweise Aussetzung des Wegweisungsvollzugs
gegenstandslos.
5.
5.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 1500.–
dem Gesuchsteller aufzuerlegen (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 68 und Art. 63
Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
5.2 Der eingezahlte Kotenvorschuss von Fr. 1500.– wird zur Bezahlung der
Verfahrenskosten verwendet.
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