Decision ID: cfa3204b-ceba-4439-9b0a-c52cb8e868ef
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1981,
schloss die in der
Y._
begonnene Ausbildung zum Elektroingenieur nicht ab und arbeitete in der Folge als Flugkoordinator
(
Urk.
8/
44/3 und 8/44/
5
).
Nach seiner Einreise in die Schweiz im Jahr 2012 arbeitete er bis zu 40 Stunden pro Monat als Pizzakurier (
Urk.
8/10 und 8/12/2).
1.2
Im Dezember
2018 meldete
sich der Versicherte
erstmals wegen
einer
Multiple
n
Sklerose
, eines Reizdarmsyndroms und
einer
Blutgerinnungsstörung
(
vgl.
Urk.
8/12/2
und 8/13/1
) zum Leistungsbezug bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
an (
Urk.
8/8).
Diese
verneinte mit Verfügung vom 5.
Juni 2020 (
Urk.
8/42) einen Rentenanspruch
. Dabei stützte sie s
ich insbesondere auf das von ihr in Auftrag gegebene i
nternistische, neurologische,
neuropsychologische
und psychiatrische
Gutachten
der
Z._
vom
26.
Februar 2020 (
Urk.
8/34)
. D
ie
Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.3
Kurz darauf meldete sich der Versicherte mit Formular vom 1
9.
August 2020 unter Hinweis auf Durchfall bei Stress erneut zum Leistungsbezug bei der IV-Stelle an (
Urk.
8/44).
Mit Schreiben vom
5.
September 2020 setzte diese dem Ver
sicherten
eine Frist bis
9.
Oktober 2020
an,
um eine Veränderung der tatsäch
lichen Verhältnisse seit Erlass der letzten Verfügung mit aktuellen Beweismitteln glaubhaftzumachen unter der Androhung, dass andernfalls nicht auf sein
Begeh
ren
eingetreten werde
(Urk.
8/45
).
Den
vom Versicherten hierauf
eingereichten hausärztlichen
Kurzbericht
vom 1
6.
September 2020 (
Urk.
8/46) legte
die IV-Stelle
dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) zur Prüfung vor
(Urk.
8/48/2). Alsdann stellte sie dem Versicherten mit V
orbescheid vom 30.
Oktober 2020 in Aussicht
,
mangels Glaubhaftmachung einer Veränderung der Verhältnisse nicht auf sein Leistungsbegehren einzutreten (
Urk.
8/49). Dagegen erhob
er
Einwand (
Urk.
8/50) unter Beilage von Fotos (
Urk.
8/53) sowie eines weiteren hausärzt
lichen Berichts (
Urk.
8/55).
Ferner
ersuchte
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für All
gemeine Innere Medizin, spezialisiert auf Psychosomatische und Psychosoziale Medizin
, um Akteneinsicht unter Hinweis darauf, dass der Versicherte in ihrer psychosomatischen und psychosozialen Behandlung stehe (
Urk.
8/58). Am 1
8.
Januar 2021 verfügte die IV-Stelle wie angekündigt (
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom 1
8.
Januar 2021
erhob der Versicherte mit
als „Ein
wand“ betitelter
Eingabe vom 2
9.
Januar 2021 Beschwerde. Darin beantragte er
sinnge
mäss
,
der Entscheid sei aufzuheben und es sei auf sein Leistungsbegehren
einzutreten
(
Urk.
1). Die IV-Stelle schloss mit Beschwerdeantwort vom 10. März 2021 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7)
.
Sodann
hatte
Dr.
A._
am 2
8.
Februar 2021 einen Bericht zuhanden des Sozial
versicherungsgerichts (
Urk.
5)
verfasst und reichte denselben
unter Beilage von Fotos in Farbe (
Urk.
6)
ein
. Mit Schreiben vom 3
0.
März 2021 (
Urk.
13) reichte sie ferner einen Bericht der
Psychiatrie B._
betreffend Vorgespräch vom 17. März 2021 ein (
Urk.
12). Die IV-Stelle verzichtete auf eine Stellungnahme zu diesen Unterlagen (
Urk.
10 und 17), welche stets auch dem Versicherten zur Kenntnis gebracht wurden (
Urk.
9
und 14). Des Weiteren reichte der Hausarzt einen Bericht des
Spitals C._
vom 1
3.
April 2021 ein (
Urk.
15), welcher den Parteien mit dem vorliegenden Entscheid zugestellt wird.
Im Übrigen
sistierte die IV-Stelle nach Erhalt einer weiteren Neuanmeldung des Versicherten
vom
8.
Februar 2021 (
Urk.
8/69)
das neue Verwaltungsverfahren bis zum rechtskräftigen Abschluss des vorliegenden Prozesses (
Urk.
8/71).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
D
ie Neuanmeldung wird - wie auch das Gesuch um Leistungsrevision - nur materiell geprüft, wenn die versicherte Person glaubhaft macht, dass sich die tat
sächlichen Verhältnisse seit der letzten rechtskräftigen Entscheidung in einem für den Rentenanspruch erheblichen Mass verändert haben (
Art.
87
Abs.
3 in Ver
bindung mit
Abs.
2 der
Verordnung über die Invalidenversicherung
, IVV; BGE 130 V 71 E. 2.2 mit Hinweisen). Gelingt ihr dies nicht, so wird auf das Gesuch nicht eingetreten. Ist die anspruchserhebliche Änderung glaubhaft gemacht, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren einzutreten und es in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend zu prüfen (
Urteil des Bundes
gerichts
8C_746/2013
vom 1
0.
Juni 2014
E. 2); sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17 ATSG vorzu
gehen (vgl. dazu BGE 130 V 71).
Im Verfahren der Neuanmeldung kommt der Untersuchungsgrundsatz (
Art.
43
Abs.
1 bzw.
Art.
61
lit
. c
Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil
des Sozial
versicherungsrechts,
ATSG)
somit
erst zum Tragen, nachdem die versicherte Per
son eine massgebliche Änderung ihres Gesundheitszustands seit der letzten rechtskräftigen Leistungsverweigerung glaubhaft gemacht hat (BGE 130 V 64 E.
5.2.5
; zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 8C_455/2020 vom 2
0.
Oktober 2020
E. 3.2
mit weiteren Hinweisen).
1.2
Für das Beweismass des Glaubhaftmachens genügt es, dass für das Vorhanden
sein des behaupteten rechtserheblichen Sachumstands wenigstens gewisse An
haltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht er
stellen lassen. Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt per se, um auf einen ver
änderten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist vielmehr eine veränderte Befundlage (
Urteil des Bundesgerichts 9C_154/2020 vom 1
6.
Juni 2020 E. 4.3.2 unter anderem mit Hinweis auf seine Urteile 8C_647/2019 vom 3
1.
Januar 2020 E. 2.2 und 9C_346/2019 vom 6.
September 2019 E.
2.1.1).
Ent
scheidend sein kann bei der Prüfung des Glaubhaftmachens der zeitliche Abstand zwischen Ablehnungsverfügung und Neuanmeldung (Urteil des Bundesgerichts 8C_436/2008 vom 29. April 2009 E. 4.2 mit Hinweisen), wobei nach der bundes
gerichtlichen Rechtsprechung bereits nach 15 Monaten keine allzu hohen Anforderungen an die Glaubhaftmachung mehr zu stellen sind (BGE 130 V 64 E. 6.2).
2
.
2.1
Praxisgemäss kann selbst dann ein erneut ablehnender Sachenentscheid vor
liegen, wenn die Verwaltung ein Gesuch formell du
rch Nichteintreten erledigt hat. Es ist deshalb
vorab der rechtliche Gehalt der angefochtenen Verfügung
und damit der Prozessgegenstand
festzustellen (vgl. dazu BGE 109 V 263 E. 2a, 1
17 V 8 E. 2b, 120 V 496 E. 1a), zumal die Beschwerde offen formuliert ist.
2.2
Die Beschwerdegegnerin tätigte vor
Erlass des angefochtenen Entscheids keine eigenen Sachverhaltsabklärungen, sondern
liess sich bloss im Sinne von
Art.
49
Abs.
3 IVV vom RAD beraten
, womit sie sich
auf das für die Beurteilung der
Eintretensvoraussetzung
nach
Art.
87 IVV Notwendige
beschränkte
.
Im an
gefochtenen Entscheid erwog sie
einzig
,
es sei
mit den im Rahmen der Anmeldung eingereichten Unterlagen keine Veränderung der Verhältnisse glaub
haft gemacht, und verwies auf das in der
vorangehenden
V
erfügung definierte Belastungsprofil (
Urk.
2).
Dem fügte sie übrigens auch in der Beschwerdeantwort nichts hinzu (
Urk.
7).
Eine materielle Rentenprüfung
fällt daher von vornherein ausser Betracht.
3.
3.1
D
as Neuanmeldeverfahren dient der Geltendmachung einer Veränderung der tat
sächlichen Verhältnisse nach einer Ablehnung, Herabsetzung oder Aufhebung der Rente. Es dient demgegenüber nicht dazu, Fehler oder Unterlassungen der versicherten Person im oder in den vorangega
ngenen Verfahren zu korrigieren.
Entsprechend ist lediglich danach zu fragen, ob sich die tatsächlichen Verhält
nisse in der Zeit seit der letzten Ablehnung der Rente
– vorliegend am 5. Juni 2020
–
bis zur Verfügung über das Neuanmeldegesuch
– vorliegend am 1
8.
Januar 2021
verändert haben
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_567/2020 vom
9.
Dezember 2020 E. 4.2).
3.2
Für die beschwerdeweise Überprüfung
der
Nichteintretensverfügung
ist somit der Sachverhalt, wie er sich der Verwaltung bot, respektive die Aktenlage
bei Erlass der angefochtenen Verfügung –
vorliegend
am 18. Januar 2021
–
massgeblich (
vgl.
BGE 130 V 64 E. 5.2.5; Urteile des Bundesgerichts 9C_683/2013 vom
2.
April 2014 E. 3.3 und 8C_244/
2016 vom 2
1.
Juni 2016 E. 2.1).
D
ie
später eingereichten
Arztberichte,
die
allesamt auch
erst nach Erlass des angefochtenen Entscheids entstanden
,
bleiben grundsätzlich
unbeachtlich
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_606/2019 vom
5.
Dezember 2019 E. 4.2.2).
Der Beschwerdeführer hatte
bereits
im Verwaltungsverfahren Gelegenheit, in Kenntnis der Rechtslage geeignete Beweismittel einzureichen. So setzte ihm di
e
Beschwerdegegnerin
hierfür
explizit und unter Androhung von Säumnisfolgen eine Frist an (vgl. Urk.
8/45)
.
Damit hat es im Regelfall sein Bewenden
(vgl. BGE 130 V 64 E. 5 und 6).
Eine Berücksichtigung der
späteren
Berichte
käme
allenfalls
dann in Betracht, wenn
die
rechtzeitig
vorgelegten
medizinischen
Unterlagen zwar noch nicht für die Glaubhaftmachung einer entsprechenden Tatsachenänderung ausreichten, ihnen aber zumindest
konkrete Hinweise entnommen werden könn
t
en, wonach möglicherweise eine mit weiteren Erhebungen erstellbare rechtserhebliche Änderung vorliegt
, so dass die Beschwerdegegnerin ausnahmsweise
gehalten ge
wesen
wäre
, vom Beschwerdeführer
weitere Angaben anzufordern
(
vgl. erwähntes Bundesgerichtsurteil 8C_244/2016 E. 2.3).
3.3
Im Übrigen
kann
der Rentenanspruch
immer fr
ühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach
einer N
euanmeldung entstehen (
Art.
29
Abs.
1 IVG
; ferner BGE 142 V 547
)
. Vorliegend erfolgte die Neuanameldung im August 2020.
4.
4.1
In der Verfügung vom
5.
Juni 2020 begründete die Beschwerdegegnerin d
ie Ver
neinung eines Rentenanspruchs mit ihren medizinischen Abklärungen
. Zwar sei der
Beschwerdeführer in seinen bisherigen Tätigkeiten (Kellner, Flugzeug
koordinator und Pizzakurier)
zu 100
%
arbeitsunfähig, e
ine seinem Gesundheits
zustand angepasste Tätigkeit sei ihm jedoch vollzeitig zumutbar. Damit sei eine körperlich überwiegend leichte Tätigkeit gemeint, beispielsweise eine über
wiegend sitzend ausgeübte Arbeit, ohne ständiges Gehen oder Stehen. Die Tätig
keit sollte nicht in gefährdenden Höhen oder in unwegsamem Gelände ausgeführt werden. Ausserdem sollte keine besondere Anforderung an die Feinmotorik gegeben sein. Mit einer solchen Tätigkeit könne er ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen (Urk. 8/42).
4.2
Die Beschwerdegegnerin stellte somit
vollumfänglich auf das polydisziplinäre Gutachten der
Z._
vom 2
6.
Februar 2020 (
Urk.
8/34) ab. Darin wurde als einzige Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine schubförmig remittierende Multiple Sklerose, klinisch mit
Hinterstrangsyndrom
und neurogener Blasenstörung sowie einem
Wert
von 2,0 auf der
Expanded
Disability
Status
Scale
(EDSS) festgestellt. Keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
explizit
in den bisherigen oder anderen, geistig einfachen Tätigkeiten massen die Gut
achter den weiteren Diagnosen zu, nämlich der Adipositas Grad I, den Stress-assoziierten Diarrhoe-Episoden, der
APC
-Resisten
z bei hetero
zygoter Faktor-V-R506Q (Leiden)-
Mutation, dem Status nach Sinusvenenthrombose 2007, einem möglichen Reizdarmsyndrom (ICD-10: K58.8;
Differentialdiagnose
somatoforme autonome Funktionsstörung de
s unteren
Gastrointestinaltrakte
s
, ICD-10: F45.3) sowie einer möglichen leichtgradigen kognitiven Störung (vgl.
Urk.
8/34/7).
Das
in der Verfügung angegebe
ne
Belastungsprofil
beruht auf dem neurologischen Teilgutachten
(
Urk.
8/34/72).
Aus internistischer Sicht wurde
gutachterlich
einzig konstatiert
,
dass
wegen der Gerinnungsstörung mit erhöhter Blutungs
neigung Tätigkeiten mit erhöhter
Verletzungs- und A
bsturzgefährdung
vermieden werden sollten (
Urk.
8/34/37)
. Eine psychiatrisch begründbar
e
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
konnte damals nicht festgestellt werden
(
Urk.
8/34/101).
Ebenso wenig ergab sich
im Rahmen des neuropsychologischen Teilgutachtens
ein aus
reichender Anhalt für eine Minderung der Arbeitsfähigkeit in geistig einfachen Tätigkeiten anhand der Befunde und Aktendaten (
Urk.
8/34/136).
5.
5.1
Bei der Neuanmeldung
gab der Beschwerdeführer
im
(allenfalls von
Dr.
D._
ausgefüllten, vgl. Stempel
Urk.
8/44/7)
F
ormular vom 1
9.
August 2020 als
gesundheitliche Beeinträchtigung «bei Stress Durchfall»
, bestehend seit dem Jahr 2013
an (
Urk.
8/44/6). Im
Vorbescheidverfahren
machte er grosse Balance-Probleme geltend. Er habe sich ein Velo gekauft, mi
t
dem er jedoch wegen Schwindel und Balance-Probleme
n nicht fahren könne. Er sei wie
derholt gestürzt. Die Fotodokumentation zeige seine Hautverletzungen (
Urk.
8/50)
.
N
ach Erlass des angefochtenen Entscheids
teilte
er
der
Beschwerdegegnerin
am
2
2.
Januar 2021
mit
, dass er häufig zittere, häufig Schwindel und manchmal Kopfschmerzen habe. Er sei auch einige Male gefalle
n
, weshalb er nicht arbeiten könne. Er habe auch immer grosse Angst und sei wegen seiner Probleme aggressiv (
Urk.
8/64/3). Mit
der bisher letzten Neuanmeldung
vom
8.
Februar 2021 ersuchte er die Beschwerdegegnerin, Bericht
e
des
Spitals C._
,
Klinik für Neurologie,
wo
er wegen seiner Multiplen Sklerose in Behand
lung stehe, beizuziehen. Ferner gab er an, seit dem 2
8.
Oktober 2020 in psycho
somatischer ärztliche Behandlung bei
Dr.
A._
zu sein (
Urk.
8/69).
In der Beschwerde hielt er letztlich dafür, die Multiple Sklerose habe sich ver
schlechtert. Er sei mittlerweile oft gestürzt, weshalb er grosse Angst habe, keine Anstellung zu bekommen. Durch Unruhe in der Familie sei er mittlerweile schwer depressiv (
Urk.
1).
5.2
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Nephrologie
, erörterte
im
Bericht vom 1
6.
September 2020, dass beim Beschwerdeführer seit dem Jahr 2013 eine Multiple Sklerose mit einer Blasen- und Darmdysfunktion vorliege. Des Weiteren leide er aufgrund der genannten Krankheit an einem Reizdarmsyndrom mit plötzlicher Diarrhoe. Zudem sei ein paroxysmaler Schwin
del eingetreten. Im rechten Bein sei eine oberflächliche Taubheit ebenfalls neu aufgetreten.
Der
Beschwerdeführer
sei
zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
8/46).
Am
1
7.
November 2020
berichtete er
, dass der Beschwerdeführer an Urin- und Stuhlinkontinenz leide.
Dieser
müsse tagsüber Pampers tragen.
Er
spüre seinen rechten Oberschenkel nicht mehr und habe immer Schwindel. Deswegen könne er auch keine leichten Arbeiten ausführen (
Urk.
8/55).
Im Bericht vom 2
5.
Januar 2021,
der nach Erlass der angefochtenen Verfügung datiert
,
betonte
Dr.
D._
, dass sich die Multiple Sklerose
v
erschlechtert habe. Der
Beschwerdeführer habe deswegen grosse Angst und bekomme unter diesen Um
ständen
k
eine Anstellung, was seine Angst verstärke. Durch die Unruhe in der Familie sei er schwer depressiv geworden (
Urk.
8/66).
5.3
Dr.
A._
hielt im Akteneinsichtsgesuch
vom 1
6.
Dezember 2020 einzig fest, dass sich der Beschwerdeführer seit 2
8.
Oktober 2020 in psychosomatischer un
d psychosozialer
Behandlung befinde (
Urk.
8/58)
.
Gemäss ihrem nach Erlass der angefochtenen Verfügung verfassten Bericht
vom 28
.
F
ebruar 2021
finden wöchentlich ambulante Einzelsitzungen statt.
Im neuen Bericht
diagnostizierte
sie bezüglich der psychischen Beschwerden
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F33.2), eine generalisierte Angststörung (ICD-10: F41.1), akzentuierte Persönlichkeitszüge (unter Hinweis auf ICD-10: F61.1
;
differentialdiagnostisch eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung)
,
eine
dyssynerge
Defäkationsstörung Typ II nach Rao mit viszeraler
Hypersensivität
, kombiniert mit psychogener Diarrhoe schweren Grades (ICD-10: F45.32) und klinisch streng stress-assoziierten Diarrhoe-Episoden mit Inkontinenz seit dem Jahr 2013 sowie eine chronische
Fatigue
(differentialdiagnostisch im Rahmen der Multiplen Sklerose, psychisch bedingte, chronische Insomnie oder
Restless
-
Legs
-Syndrom
;
Urk.
5 S. 1
). Bei den somatischen Diagnose
n
nannte sie
neben den bekannten
stabilen
Leiden neu
rezidivierende Stürze unklarer Ätiologie seit August 2020 mit Verletzungsfolge (differentialdiagnostisch im Rahmen der Multiplen Sklerose; unter
X
are
lto
10 mg)
, Ekzeme
der Hände unklarer Ätiologie seit M
onaten, ein
Restless
-
Legs
-Syndrom mit Erstdiagnose im November 2020 (
Urk.
5 S. 1 f.) und Schwindel seit Juli 2020 (
Urk.
5 S. 3).
Sie kam zum Schluss, es bestünden multiple somatische und psychische Beschwerden, die sich neu präsentieren würden oder zugenommen hätten. Die Beschwerdebilder würden sich überlappen und gegenseitig verstärken. Sie würden zu einer starken Beein
trächtigung der Lebensqualität, Leistungsfähigkeit und Flexibilität führen. Der Beschwerdeführer sei vollständig arbeitsunfähig (
Urk.
5 S. 6).
Von
Dr.
A._
nachgereicht wurde
ferner
ein Bericht der
Psychiatrie B._
zum Vorgespräch vom
1
7.
März
2021 hinsichtlich einer möglichen teilstationären
psychiatrischen
Behandlung.
Danach konnte die Indikation für eine solche Behandlung aufgrund einer
schwergradigen
depressiven Symptomatik und generalisierten Angst
störung gestellt werden. Dem Beschwerdeführer wurde die Notwendigkeit täg
licher Anwesenheit am halbtägigen Behandlungsprogramm erklärt
. Es wurde
festgehalten, dass er sehr motiviert sei, aktuell jedoch noch das Problem der fehlenden Kinderbetreuu
ng am Donnerstagmittag bestehe
(vgl.
Urk.
12).
5.4
Schliesslich wurde im Gerichtsverfahren ein Bericht des
Spitals C._
, Klinik für Gastro
enterologie und Hepatologie, vom 1
3.
April 2021
nachgereicht
. Darin wurde neben der schubfö
rmig remittierenden Multiplen S
klerose mit bildgebend stabilem Verlauf sei
t
dem Jahr 2012, dem Verdacht auf eine neurogene Blasen
funktionsstörung und d
ie
heterozygote Faktor-V-Leiden-Mutation eine
dys
synerge
Defäkationsstörung Typ II nach Rao mit viszeraler Hypersensitivität mit klinisch stress-assoziierten Diarrhoe-Episoden seit fünf bis sechs Jahren
diagnostiziert
. Es wurde festgehalten
,
dass die (bei vorheriger Vorstellung im Dezember 2020)
angesetzte
Biofeedback-gestützte Beckenbodenphysiotherapie keinen adäquaten E
ffekt zu zeigen scheine. Das Kernproblem des bei Stress auf
tretenden imperativen Stuhldrang
s
mit Diarrhoe sei mit grosser Wahrscheinlich
keit eine viszerale Hypersensitivität des gastrointestinalen Systems. Eine Medi
kation mit auch
viszeroanalgetisch
wirksamen
Substanzen (
Mirtazapin
) erfolg
e laut Beschwerdeführer seit ca. vier Wochen durch den Psychiater.
Deren
neuro
modulierende
r
,
viszeroanalgetische
r
Effekt
bleibe abzuwarten; dies
dauere normalerweise mehrere Wochen. Bevorzugt würde eine Therapie mit
Amitriptylin
10 mg; eventuell könne der Psychiater die Medikation umstellen. Zudem sei ein Therapieversuch mit
Colestyramin
zur Nacht besprochen worden. Sollte nach einer Woche ein Effekt ausbleiben, sei das Präparat abzusetzen. Eine Verlaufs
konsultation werde in drei Monaten veranlasst (
Urk.
15).
6
.
6.
1
6.1.1
Nachdem der
Beschwerdeführer
im Neuanmeldeverfahren
zunächst
ohne Weiterungen auf den
Stress-assoziierten Durchfall
hingewiesen und
später
eine neue Fallneigung mit Verletzungsfolgen bzw.
Schwindelbeschwerden
vor
gebracht hatte
, argumentierte er in der Beschwerde letztlich mit
Ängsten
,
eine
r
schweren Depression
und
einer
Verschlechterung der Multiplen Sklerose
(vgl. E.
5
.1)
.
6.1.2
Dabei stützte er sich o
ffensichtlich auf den von
Dr.
D._
erst nach Erlass der angefochtenen Verfügung verfassten Bericht
vom 2
5.
Januar 202
1.
Im mass
geblichen
Beurteilungszeitraum b
is 1
8.
Januar 2021
hatte
Dr.
D._
neu über einen
paroxysmalen Schwindel, eine oberflächliche Taubheit im rechten Bein so
wie das Tragen von
Windeln
b
erichtet.
Aufgrund des Akteneinsichtsgesuchs
von
Dr.
A._
vom 1
6.
Dezember 2020
lag
zudem
die Vermutung nahe, dass sich der Beschwerdeführer
–
anders als im Zeitpunkt der Begutachtung
–
nicht mehr in
psychiatrische
r
Behandlung befand, sondern
nach der Neuanmeldung
eine Behandlung bei einer Allgemeinmedizinerin begonnen hatte, die sich mit einer Zusatzausbildung im Bereich psychosomatische und psychosoziale Medizin spezialisiert hatte
(vgl. Urk. 8/34/94;
Urk.
5 S.
2)
.
Dafür sprachen auch die A
n
gaben zu den behandelnden Arztpersonen im Anmeldeformular (
Urk.
8/44/7).
Z
um Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
äusserte sich D
r.
A._
nicht.
6.1.3
Konkrete Hinweise auf eine
nach dem
5.
Juni 2020 (oder auch nur nach der Begutachtung Ende 2019) eingetretene, längerdauernde und anhaltende
Zunahme der psychischen Beschwerden
in anspruchsbegründendem Ausmass bestanden im Verwaltungsverfahren somit nicht.
Insbesondere indizierte die Behandlung bei
Dr.
A._
keine zwischenzeitliche Intensivierung der diesbezüglichen Therapie.
6.2
6.2.1
Zum Bericht von
Dr.
D._
vom 1
6.
September 2020
, der im Vergleich zum
Z._
-Gutachten
wie erwähnt
neu eine Taubheit im rechten Oberschenkel und permanente Schwindelbeschwerden
postulierte,
führte
der
RAD-Arzt
Dr.
med. univ.
E._
, Facharzt für Neurologie,
am
2
0.
Oktober 2020
aus
, die aktuell berichteten Beschwerden sei
en
den Gutachtern bereits bekannt gewesen.
Letztere
seien ebenso der Meinung
gewesen
, dass die bisherigen Tätigkeiten zu 100
%
nicht mehr zumutbar seien. Für das angepasste Profil, wie in der letzten RAD-Stellungnahme festgehalten (dazu Urk. 8/35/6), hätten die
Gutachter allerdings eine 100%
ige Arbeitsfähigkeit gesehen. Dies könne angesichts der nun berichteten Beschwerdesymptomatik weiter als gültig erachtet werden (
Urk.
8/48/2).
6.2.2
Dem ist zu folgen.
Die
von den Gutachtern der
Z._
abgegebene Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
erfolgte
in Kenntnis
von
Missempfindungen an beiden Händen, den Fingern sowie
beiden
Fusssohlen un
d der vom Beschwerdeführer daraus abgeleiteten
Gleichgewichtsstörung
.
Der Beschwerdeführer
machte
gegen
über
d
er begutachtenden Neurologin
unter anderem
geltend
,
seit ca. sieben Jahren Probleme mit dem Gleichgewicht zu haben. Seit c
a. drei Monaten
könne er
keinen Sport mehr treiben und nicht mehr joggen, da er Angst habe zu stürzen, wobei er noch nicht gestürzt sei (
vgl.
U
rk.
8/
34/57)
.
Auch
über
Schwindel bzw. Probleme mit der Balance klagte er in der Begutachtung (etwa Urk. 8/34/115).
Die
begutachtende Neurologin
erläuterte
damals
ausführlich
,
dass
im neuro
logischen Befund
Zeichen einer
Hinterstrangstörung
zu erheben
seien
. Die Störung des Lage- und Vibrationsempfindens mit einer
Pallanästhesie
bimalleolär
beidseits seien hierfür richtungsweisend. Der positive Romberg Test mit
ungerichtetem
Schwanken sowi
e der unsichere Strich- und Blind
strichgang wür
den
zudem auf eine sensible Ataxie hindeuten und seien hinweisend auf eine
Myelonstörung
. Der beidseits positive
Babinski
Reflex sei zudem mit einer bilateralen L
ä
sion der Pyramidenbahn vereinbar. Auch in den
Vorakten
werde das
Hinterstrangsyndrom
beschr
ie
ben und der EDSS mit 2.0 geschätzt (vgl.
Urk.
8/34/64).
Sie schlussfolgerte
, aufgrund der Zeichen einer chronisch
demyelinisierenden
Erkrankung des Zentralnervensystems sowie des klinisch vorherrschenden
Hinterstrangsyndroms
lasse sich
eine in körperlich schweren Tätigkeiten sowie in Arbeiten, die eine hohe Standfestigkeit oder ein intaktes Gleichgewicht erfordern würden, nicht mehr gegebene Arbeitsfähigkeit attestieren.
Die Neurologin definierte
das
Belastungsprofil, wie es
vom RAD und letztlich
der Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom
5.
Juni 2020 über
nommen wurde, unter Hinweis darauf, dass auch die anamnetisch erhobenen Indikatoren der Alltagsaktivitäten gegen eine namhafte Einschränkung in ent
sprechend angepassten Tätigkeiten sprechen würde
n
(vgl.
Urk.
8/34/65).
6.3
6.3.1
Nach
dem
Dr.
D._
im
Verwaltungssverfahren
immerhin auf
das Tragen von
Windeln
hingewiesen hatte, wurde erstmals
im Bericht von
Dr.
A._
und
ebenso
im jüngst vorgelegten Bericht
des
Spitals C._
neu die
D
iagnose
dyssynerge
Defäkations
störung Typ II nach Rao mit viszeraler Hypersensitivität
gestellt
.
Im Fokus
steht dabei allerdings das altbekannte Beschwerdebild umschrieben als «
klinisch stress-assoziierte
Diarrhoe-Episoden
seit fünf bis sechs J
ahren
»
(
Urk.
15 S. 1).
Der Beschwerdeführer erwähnte im Anmeldeformular zwar Defäkationsbeschwerden seit dem Jahr 2013; eine Verschlechterung
tat er indessen
nicht
dar
und
in seinen späteren Eingaben erwähnte er
die Problematik überhaupt nicht mehr
(vgl. E. 5.1).
6.3.2
Dem Bericht des
Spitals C._
ist
zur Beschwerdeschilderung
des Beschwerdeführers zu entnehmen,
e
s käme bei jeglichem Stress,
insbesondere
wenn er sich draussen befinde, zu imperativem Stuhlgang von wässriger Konsistenz. Daher müsse er Einlagen tragen. Wenn er zu Hause sei, habe er keinerlei Defäkationsproblematik (
Urk.
15 S.
1 f.
).
Eine
detaillierte
Darstellung
der geklagten Beschwerden
findet sich
zudem
im Bericht von
Dr.
A._
: Der
Ursprung der Problematik
liege
in den
prekäre
n
hygienische
n
Verhältnisse
n
im A
sylheim
im Jahr 201
3.
Die Durchfälle würden durch schlechte Gerüche, Wetterwechsel, Stress, Urininkontinenz und beim Verlassen des Hauses durch Verlust des Sicherheitsgefühls (zwei- bis drei
mal kurz davor) auftreten.
Der Beschwerdeführer
habe keine Bauchschmerzen, aber gelegentlich Blähungen und störende Darmgeräusche. Er könne sich ohne Auto keine 100 m vom Haus entfernen
. Wegen der Urin- und Stuhlinkontinenz sei er seit zwei Monaten auf Einlagen angewiesen. Die chronische, stress
induzierte Diarrhoe sei bisher therapieresistent
; der aktuelle Einsatz von
Hepa
-
S führe nur zu einer minimen Erhöhung der Stuhlkonsistenz
(
Urk.
5 S. 3)
.
Ein ähnliches Ausmass der Defäkationsbeschwerden hatte der Beschwerdeführer
bereits
in der
Z._
-
Begutachtung
gezeichnet
: I
n stressig empfundenen Situation
en
leide er
an gehäuftem Harndrang und einer paroxysmal auftretenden imperativen
Diarrhoeneigung
, der er sofort Abhilfe schaffen müsse, um sich nicht zu beschmutzen.
In ruhigen Lebensphasen sei er hier beschwerdefrei, auch seien keine Begleitsymptome der
Diarrohen
wie Fieber, Schleim- oder Blutauf
lagerungen, schmerzhafte
Tenesmen
oder Nausea mit
Vomitus
zu erfahren (
Urk.
8/34/28).
Er
spüre erst spät den Stuhldran
g
und habe sporadisch auch ein
gekotet, wenn er keine Toilette gefunden habe. Er habe grosse Angst vor Stuhl
inkontinenz in der Öffentlichkeit, trage immer Ersatzwäsche und Hygieneartikel bei sich, nutze auch für kurze Strecken einen Personenwagen und meide öffent
liche Verkehrsmittel sowie Situationen ohne verfügbares WC. Er fühle sich dadurch erheblich in
d
er Lebensqualität
beeinträchtigt (
Urk.
8/34/93).
6.3.3
Die Gutachter der
Z._
hatten sodann ausführlich erläutert, d
ass Störungen der Dar
mfunktionen bei der Multiplen S
klerose häufiger in Form von Obstipationen auftreten würden; imperativer Stuhlgang sei es selten. Die
Ileo
-
und Koloskopie im Jahr 2016 zur Frage eines Reizdarmsyndroms sei unauffällig gewesen. Dagegen spreche zudem die berichtete Tageszeitabhängigkeit (Urk. 8/34/64).
Die
nach der ICD-10-Klassfikation differentialdiagnostisch in Frage
kommende somatoforme autonome Funktionsstörung des unteren
Gastro
intestinaltraktes
sei nicht hinreichend mit dem Beschwerdekomplex des Beschwer
d
eführers in Einklang zu bringen
, da
über die Darmbeschwerden (wie beispielsweise gehäufter, stressinduzierter Stuhlgang) hinaus eine ausser
gewöhnliche Ermüdbarkeit bei leichter Anstrengung und weitere vegetative Symptome (wie Herzklopfen, Schweissausbrüche, Mundtrockenheit, Hitze
wallungen und ein Magendrücken) vorliegen
sollten. Solche würden nicht an
gegeben;
die subjektive Ermüdbarkeit habe sich im Befund nicht nachzeichnen lassen und sei allenfalls noch im Rahmen
d
er Medikation mit
Quetiapin
diskutierbar
(
Urk.
8/34/100)
.
Gemäs
s Beschwerdeführer
hatte die damals
bereits
seit vier Monaten
durchgeführte
psychotherapeutische und psychopharma
kologische Behandlung
denn auch
zu keiner
Verb
esserung
dieser Problematik
geführt (vgl.
Urk.
8/34/94 oben).
Soweit aus dem
jüngsten
Bericht des
Spitals C._
vom 1
3.
April 2021 ersichtlich,
wurde einige Monate nach der Neuanmeldung damit begonnen,
aufgrund
erweiterter
diagnostische
r
Überlegungen verschiedene Therapieansätze
auszuprobieren
. Seit
Dezember 2020
wird
eine Biofeedback-gestützte Beckenb
odenphysiotherapie durchgeführt und auch d
ie von
Dr.
A._
kurz
vor der im Bericht beschriebenen Konsultation vom 1
3.
April 2021
eingeleitete Medikation mit
Mirtazapin
(vgl. auch
Urk.
5 S. 6) könnte einen positiven Effekt zeitigen. Als weitere Therapie
optionen wurden eine Umstellung auf
Amitryptilin
und ein Versuch mit
Colestyramin
zur Nacht vorgeschlagen.
Anhaltspunkte dafür, dass sich die neuen Behandlungs
möglichkeiten
aufgrund veränderter Beschwerden oder neuer Befunde aufdrängten bzw. eröffneten, bestehen aufgrund des Berichts
keine
,
nachdem
die Defäkationsbeschwerden gleichenorts bereits im Januar 2016 ein
gehend untersucht
worden waren (vgl.
Urk.
8/13/26 f.).
Bis zur
Berichterstattung
führten die neuen Therapien
zudem
zu keiner Besserung der Stuhlgewohnheiten (vgl.
Urk.
15 S. 1).
6.3.4
Insgesamt
sind
selbst dem verspätet eingereichten
fachärztlichen
Bericht des
Spitals C._
keine
relevanten neuen Erkenntnisse
zu den Defäkationsbeschwerden
– vorab
veränderte Beschwerden,
neue Befunde oder Rückschlüsse aus der Therapie – zu entnehmen.
Die zusätzlichen
diagnostische
n
Überlegungen
bringen
einzig
neue Therapiemöglichkeiten mit sich, die
bisher
allerdings wie alle
früheren Behandlungen
keinen Erfolg zeitigten. D
as in der Begutachtung noch nicht berichtete Tragen von Ein
lagen
bzw. Windeln
(
vgl.
Urk.
8/34/57) überrascht
bei
schon
damals
angegebenen
sporadischen Zwischenfällen und Angst
vor Stuhl
inkontinenz in der Öffentlichkeit
wenig
. Dabei ist
nicht auszuschliessen
, dass da
mit vorderhand der Beschwerdeklage Nachdruck verliehen werden soll
(vgl. auch
Ausschmückungen in der
Beschwerdeschilderung
in
Urk.
5 S. 3: Wetter
abhängigkeit, V
erlust des Sicherheitsgefühls
und
eine ganze Reihe von vegetativen Beschwerden,
nachdem in Ermangelung solcher gutachterlich eine psychische Störung ausgeschlossen worden war
).
Die
se
neuen
Aspekte reichen für die Glaubhaftmachung
veränderter Beschwerden somit
nicht aus
bzw. führen zu k
einen sichtlichen
,
zusätzliche
n
Auswirkungen auf die Erwerbsfähigkeit.
6.4
6.4.1
Ergänzend ist auf Folgendes hinzuweisen:
Nachdem der Beschwerdeführer in der Begutachtung Ende 2019 angegeben hatte, er habe aufgrund von Gleichgewichts- und Balanceproblemen das Joggen aufgegeben, lässt die von ihm behauptete Tat
sache, dass er aus den gleichen Gründen nicht Velo fährt (vgl. E. 5.1), nicht auf eine Zunahme der Beschwerden schliessen. Insofern kann dahingestellt bleiben, ob er sich das Velo vor ode
r nach der Begutachtung kaufte.
6.4.2
Gemäss
seinen
Angaben begann die Fallneigung sodann augenfällig
zeitgl
e
ich
mit der Neuanmeldung im August 2020, wobei sich bis zur Berichterstattung durch
Dr.
A._
am 28. Februar 2021 angeblich fünf Stürze ereigneten, wovon
er
allerdings nur drei beschreiben konnte, davon
wiederum bloss
zwei allenfalls mit der Gangunsicherheit zusammenzu
hängen scheinen (vgl.
Urk.
5 S.
3) und
letzt
lich
nur
ein Sturz
dokumentiert wurde
. Die
am
4.
November 2020 erstmals vor
gelegten
Fotos erinnern dabei
auf den ersten Blick eher an einen Fahrradsturz als ein Stolpern
beim Gehen (
Urk.
6;
Urk.
8/52). Eine
nennenswerte
zusätzliche Ein
schränkung in
einer dem gutachterlichen Belastungsprofil entsprechenden Tätig
keit (körperlich leicht, überwiegend sitzend, nicht in gefährdenden Höhen, nicht in unwegsamem Gelände, vgl. E. 4.1) ist damit
ebenfalls
nicht glaubhaft gemacht.
6.4.3
Des Weiteren
fährt der Beschwerdeführer bei Verlassen des Hauses
stets
Auto, was sich kaum mit dem von
Dr.
D._
angegebenen permanenten Schwindel (vgl. E. 5.2) vereinbaren
lässt (vgl.
Urk.
5 S. 3 unten).
6.4.4
Eine
Therapie
der psychischen Beschwerden
ist
erst
(
wieder
)
ab Oktober 2020 belegt.
Eine Intensivierung wurde
sogar
erst nach Erlass des angefochtenen Ent
scheids in Betracht gezogen.
Nach eigenen Angaben nimmt der Beschwerdeführer
wohl
seit
dem Frü
h
jahr
2021
Mirtazapin
ein
(vgl.
Urk.
15
; Abbruch der früheren Therapie mit
Cymbalta
wegen Nausea infolge falscher Anwendung,
Urk.
5 S. 2 unten
). Zudem
erwog
er
damals
offenbar
eine
teilstationäre (
halbtags
)
Behandlung. Allerdings konnte er sich hierfür nicht umgehend anmelden,
weil er trotz der behaupteten massiven Zunahme der körperlichen und psychischen Beschwerden nach wie vor für die Kinderbetreuung zus
tändig
war
(vgl.
Urk.
15 S. 2).
Ferner
nannte
Dr.
A._
, welche übrigens über keinen Facharzttitel in Psychiatrie und Psychotherapie
verfügt,
gewichtige
aktuelle
psychosoziale F
aktoren (
Ablehnung der Rente
,
erfolglose Bemühung um den Aufenthaltsstatus C sowie intensivere Betreuung der Kinder und weniger Therapien
infolge der Covid-19-Pandemie
)
, während etwa die Rollenverteilung (vollerwerbstätige Ehe
frau) seit längerer Zeit unverändert ist (vgl.
Urk.
5 S. 4)
.
Hinsichtlich des
gemäss BGE 143 V 418
auf
sämtliche psychische Erkrankungen
anwendbaren
(vgl.
BGE 143 V 418)
strukturierten Beweisverfahrens
(
vgl.
im Detail
BGE 141 V 281)
ist
daher
hervorzuheben, dass sich eine Arbeitsunfähigkeit
in der Regel
nur bestätigen lässt, wenn behandlungsanamnestisch ein
relevanter
Leidensdruck ausgewiesen ist
und eine von den direkten negativen funktionellen Folgen der
s
oziale
n
Belastungen
zu unterscheidende, in diesem Sinne ver
selbständigte psychische Störung
vorliegt
(vgl.
BGE 141 V 218 E 4.3.3 mit Hin
weis auf
BGE 127 V 294 E. 5a
; U
rteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
6.4.5
Schliesslich ist
die Multiple Sklerose bildgebend weiterhin stabil (vgl.
Urk.
5 S. 2, mit Hinweis auf ein neues MRI vom Dezember 2020; ferner
Urk.
15 S. 1).
7.
Zusammenfa
ssend ist durch die
bis
1
8.
Januar 2021
eingereichten
Unterlagen
keine Veränderung des Gesundheitszustandes seit Erlass der Verfügung vom
5.
Juni 2020
glaubhaft gemacht, die anspruchsrelevant sein könnte.
An dieser Beurteilung würde sich nichts ändern, würden die
später vorgelegten
Berichten
mitberücksichtigt, soweit sich die Ausführungen auf die schon zuvor geltend gemachte Symptomatik beziehen. Dabei liegen die Ablehnung der Rente und die Neuanmeldung zeitlich so dicht beieinander, dass die Anforderungen an das Glaubhaftmachen ungeschmälert sind. Die Neuanmeldung darf nicht dazu dienen, eine verpasste Rechtsmittelfrist zu korrigieren.
Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin auf die Neuanmeldung
des Beschwerdeführers, datiert vom 1
9.
August
2020,
nicht
eintrat
. Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
Es sei angefügt, dass die sechsmonatige Wartezeit nach
Art.
29
Abs.
1 IVG bei Erlass der angefochtenen Verfügung noch nicht erfüllt war und sich der Beschwerdeführer
bereits wieder zum Leistungsbezug angemeldet hat, noch
bevor
er die Berichte
des
Spitals C._
und von
Dr.
A._
einreichte (vgl.
Urk.
8/69-71).
Eine Über
weisung braucht daher nicht geprüft zu werden.
8.
8.1
Der Beschwerdeführer bezieht Sozialhilfe (
Urk.
21). Sein Begehren kann zudem trotz Abweisung der Beschwerde nicht als von Prozessbeginn an als klar
aus
sichtslos
bezeichnet werden. Damit sind die Voraussetzungen
gemäss
§ 16 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) erfüllt und dem Beschwerdeführer ist entsprechend seinem Gesuch vom 1
1.
August 2021 (Urk. 20) die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen.
8.2
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen
von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.--
festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Sie sind vorliegend auf Fr.
6
00.-- anzusetzen und dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen
, jedoch zufolge Gewä
hrung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.