Decision ID: 7545fb68-16c8-55d9-adb7-632d362a8b9e
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Am (...) richtete das Ministry of Finance von Indien (nachfolgend: MoF) ein
Amtshilfeersuchen an die Eidgenössische Steuerverwaltung (nachfolgend:
ESTV oder Vorinstanz). Das MoF stützte sich dabei auf das Abkommen
vom 2. November 1994 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft
und der Republik Indien zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem
Gebiet der Steuern vom Einkommen (SR 0.672.942.31; nachfolgend: DBA
CH-IN) und das Protokoll vom 30. August 2010 (Protokoll zur Änderung
des Abkommens zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und
der Republik Indien zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Ge-
biet der Steuern vom Einkommen mit Protokoll, unterzeichnet am 2. No-
vember 1994 in Neu Dehli, geändert durch das am 16. Februar 2000 in
Neu Dehli unterzeichnete Zusatzprotokoll, ebenfalls publiziert unter
SR 0.672.942.31; AS 2011 4617, BBl 2010 8827; in Kraft seit 7. Oktober
2011; nachfolgend: Protokoll 2010). Als vom Ersuchen betroffene Person
nannte das MoF A._ (nachfolgend auch: Steuerpflichtiger oder be-
troffene Person), wohnhaft in (...). Das Ersuchen betraf gemäss Angaben
des MoF die (Steuern) für die Steuerperioden vom (...) bis zum (...). Als
Informationsinhaberin wurde die E._ (nachfolgend: [...] oder Infor-
mationsinhaberin) genannt.
Das MoF führte aus, es habe Hinweise darauf, dass die betroffene Person
über Bankkonti bei der Informationsinhaberin verfüge. Die betroffene Per-
son habe solche Bankverbindungen jedoch bestritten. Die betroffene Per-
son habe insbesondere geltend gemacht, (...). Das MoF bezweifelte die
Ausführungen der betroffenen Person und wollte diese mittels amtshilfe-
weise erlangter Informationen überprüfen.
In seinem Ersuchen stellte das MoF folgende Fragen:
(...)
B.
Mit Schreiben vom (...) teilte die ESTV dem MoF mit, dass keine Amtshilfe
geleistet werden könne, soweit das Ersuchen ausschliesslich auf gestoh-
lenen Daten der (...) beruhe. Eine Amtshilfe sei jedoch möglich, soweit das
Ersuchen auf einem Verfahren beruhe, das im Einklang mit dem schweize-
rischen Recht stehe.
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C.
Mit Eingabe vom (...) präzisierte und erweiterte das MoF sein Ersuchen,
indem es um (...) bat und die Anfrage auf die Steuerperiode (...) aus-
dehnte. Das MoF führte hierbei aus, dass (...), sodass die Voraussetzun-
gen von Art. 26 DBA CH-IN in Verbindung mit dem Protokoll 2010 erfüllt
seien, insbesondere hätten (...) gezeigt, dass der Steuerpflichtige Bank-
konti bei der E._ in der Schweiz unterhalte und auch Verbindungen
zu weiteren, ausdrücklich bezeichneten Konti (...) aufweise. Der Steuer-
pflichtige habe jedoch keinerlei Angaben zu Transaktionen über diese Konti
geliefert. Um den genauen Betrag der hinterzogenen Steuer für verschie-
dene Steuerperioden ermitteln zu können, seien die vollständigen Konto-
auszüge für die Zeit ab (...) bis (...), erforderlich.
Ergänzend verlangte das MoF Angaben zu (...).
D.
Mit Eingabe vom (...) präzisierte das MoF das Amtshilfegesuch erneut und
bat (...). Es führte hierzu insbesondere aus, dass (...) Das MoF beabsich-
tigte, die Richtigkeit dieser Angaben zu überprüfen, um eine Hinterziehung
von Einkommenssteuern auszuschliessen.
Das MoF ersuchte hierbei um folgende Informationen:
(...)
E.
Mit Schreiben vom (...) nahm die ESTV Bezug auf ihr Zusammentreffen
mit dem MoF vom (..), wobei sie dem MoF erläutert habe, dass die Schweiz
keine Amtshilfe gewähren könne, wenn die Amtshilfeersuchen auf von der
E._ gestohlenen Daten beruhen würden und dass die beabsichtigte
Revision von Art. 7 Bst. c des Steueramtshilfegesetzes vom 28. September
2012 (StAhiG, SR 651.1) zwischenzeitlich nicht mehr weiterverfolgt werde.
Infolgedessen könne in den bisherigen Verfahren gemäss beigelegter Liste
keine Amtshilfe gewährt werden, weshalb man diese Verfahren als ge-
schlossen betrachte. Unter den Verfahren gemäss beigelegter Liste befand
sich auch die Verfahrens-Nummer des Verfahrens betreffend die betroffene
Person.
F.
Am (...) erneuerte das MoF (...) seine bisher nicht erfüllten
Amtshilfeersuchen und legte eine Liste der entsprechenden Ersuchen bei.
Darunter befand sich auch die Verfahrensnummer des mehrfach
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geänderten Ersuchens betreffend die vorliegend betroffene Person.
Hierbei erlaubte das MoF unter anderem der ESTV die direkte
Kontaktaufnahme mit den jeweils betroffenen Personen und verdeutlichte,
dass (...).
G.
Mit Editionsverfügung vom (...) ersuchte die ESTV die Informationsinhabe-
rin um Informationen für die Zeit vom (...) zur (...), insbesondere um (...).
Ferner ersuchte die ESTV die Informationsinhaberin, die betroffene Person
und weitere Kontoinhaber von relevanten Konti zu informieren und aufzu-
fordern, einen Zustellungsbevollmächtigten in der Schweiz zu bezeichnen.
H.
Die Informationsinhaberin übermittelte am (...) die erbetenen Informatio-
nen und teilte der Vorinstanz in diesem Kontext nach eigenen Angaben der
Vorinstanz mit, dass sie weder die betroffene Person noch G._
habe über das Amtshilfeverfahren informieren können.
I.
In der Folge ersuchte die ESTV durch Publikation am (...) im Bundesamts-
blatt die betroffene Person sowie G._ zwecks Gewährung des
rechtlichen Gehörs, innerhalb von zehn Tagen einen Zustellungsbevoll-
mächtigen in der Schweiz anzugeben.
Weder die betroffene Person noch F._ liessen sich innerhalb der
Frist vernehmen.
J.
Mit Schlussverfügung vom (...) gegen die betroffene Person (und separat
gegen G._ als beschwerdeberechtigte Person) gewährte die ESTV
dem MoF Amtshilfe (Dispositiv Ziff. 1), wobei sie diese auf die Steuerperi-
ode 2011/2012 beginnend ab 1. April 2011 beschränkte (Dispositiv Ziff. 2).
Hierbei teilte die ESTV dem MoF mit, (...). Weiter sah die ESTV diverse
Dokumente zur vorgenannten Kontobeziehung zur Übermittlung vor, wobei
sie ihren Angaben zufolge diejenigen Informationen geschwärzt hat, deren
Übermittlung nicht durch das bzw. die Amtshilfeersuchen sowie durch das
DBA CH-IN gedeckt sind (Dispositiv Ziff. 2). Ferner wies die ESTV die zu-
ständigen indischen Behörden darauf hin (...) (Dispositiv Ziff. 3). Diese
Schlussverfügung wurde gleichentags in teilweiser anonymisierter Form
durch Publikation im Bundesblatt eröffnet (...).
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K.
Mit E-Mail vom (...) legitimierten sich die im vorliegenden Verfahren auftre-
tenden Rechtsvertreter als Bevollmächtigte der betroffenen Person, worauf
ihnen die Vorinstanz am (...) Akteneinsicht gewährte.
L.
Mit E-Mail vom (...) stellte die Vorinstanz den Rechtsvertretern, die zur
Übermittlung vorgesehenen, nunmehr aber teilweise geschwärzten Unter-
lagen zu und bestätigte mit E-Mail vom (...), dass einzig die geschwärzten
Unterlagen an das MoF übermittelt werden sollen.
M.
Gegen die Schlussverfügung vom (...) erhoben A._ (nachfolgend:
Beschwerdeführer 1), B._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin 2),
C._ (nachfolgend: Beschwerdeführer 3) und D._ (nachfol-
gend: Beschwerdeführerin 4; alle gemeinsam: die Beschwerdeführenden)
am (...) Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Die Beschwerdefüh-
renden beantragen, die Schlussverfügung vom (...) sei aufzuheben, und
es sei dem MoF im Verfahren (...) keine Amtshilfe zu gewähren (Rechts-
begehren Ziff. 1), unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST)
zulasten der ESTV (Rechtsbegehren Ziff. 5). Eventualiter seien diverse –
von den Beschwerdeführenden ausdrücklich bezeichnete – Dokumente
auszusondern (Rechtsbegehren Ziff. 2a) und diverse – von den Beschwer-
deführenden ausdrücklich bezeichnete – Passagen zu löschen bzw. abzu-
ändern (Rechtsbegehren Ziff. 2b bis d). Subeventualiter zum Rechtsbegeh-
ren Ziff. 2a seien zumindest diverse – von den Beschwerdeführenden aus-
drücklich bezeichnete – Passagen zu löschen, insbesondere betreffend die
Beschwerdeführenden 2 bis 4 (Rechtsbegehren Ziff. 3a) sowie diejenigen
Daten, die vom zeitlichen Anwendungsbereich des Abkommens nicht er-
fasst seien (Rechtsbegehren Ziff. 3b) oder um welche das MoF nicht er-
sucht habe (Rechtsbegehren Ziff. 3c). Subeventualiter zum Rechtsbegeh-
ren Ziff. 3a seien diverse – von den Beschwerdeführenden ausdrücklich
bezeichnete – Angaben, um die nicht ersucht worden sei, zu löschen
(Rechtsbegehren Ziff. 4). Ferner ersuchen die Beschwerdeführenden da-
rum, dass (...) werde.
Zur Begründung führen die Beschwerdeführenden mit Bezug auf den
Hauptantrag zusammengefasst aus, dass die zu übermittelnden Informa-
tionen nicht mehr voraussichtlich erheblich seien, da die gegen den Be-
schwerdeführer 1 bestehenden indischen Steuerforderungen gemäss (...)
verjährt seien. Weiter sei der Beschwerdeführer 1 ab (...) auch nicht mehr
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«Beneficial Owner» der Geschäftskonti der G._ bei der E._,
da er ab dato nicht mehr Aktionär der H._ gewesen sei. Die ent-
sprechende, zu übermittelnde Information sei daher falsch. Ferner sei sie
auch nicht mehr «voraussichtlich erheblich», da der Beschwerdeführer 1
den (indirekten) Verkauf der G._ in seiner indischen Steuererklä-
rung (...) deklariert habe und die entsprechenden Kontounterlagen (ab 1.
April 2011) keinen Einfluss auf seine Steuersituation nach dem 1. April
2011 in Indien mehr haben würden.
Zu den Eventualanträgen führen die Beschwerdeführenden
zusammengefasst aus, das «Client Profile» vom (...), das «Statement of
Assets» vom 31. März 2011, sämtliche Hinweise und persönliche
Informationen zu den Beschwerdeführenden 2 bis 4 sowie zu I._
seien auszusondern oder zu schwärzen. Diese Informationen lägen
nämlich entweder ausserhalb des zeitlichen Anwendungsbereichs des
DBA CH-IN oder es mangle an der voraussichtlichen Erheblichkeit oder es
liege ein unzulässiger spontaner Informationsaustausch vor. Schliesslich
sei Dispositiv Ziff. 3 der Schlussverfügung dahingehend zu präzisieren,
dass die an die ersuchende Behörde zu übermittelnden Informationen nur
im Verfahren gegen den Beschwerdeführer 1 verwendet werden dürften,
sodass das Spezialitätsprinzip gewahrt werde.
Weiter bezeichnen die Beschwerdeführenden ausdrücklich diejenigen
Passagen, welche subeventualiter nicht zu übermitteln seien, da diese ent-
weder nicht voraussichtlich erheblich seien oder vom zeitlichen Anwen-
dungsbereich des Abkommens nicht erfasst würden oder womit spontane
Amtshilfe geleistet würde.
N.
Mit Zwischenverfügung vom (...) erhielt die Vorinstanz unter anderem die
Möglichkeit, (...). Mit Zwischenverfügung vom (...) bestimmte das Bundes-
verwaltungsgericht, (...).
O.
Die Vorinstanz beantragt in der Vernehmlassung vom (...), die Rechtsbe-
gehren Ziff. 2c und 3b seien als gegenstandslos abzuschreiben. Im Übri-
gen sei die Beschwerde kostenpflichtig abzuweisen.
Sie begründet ihre Anträge zum einen damit, die ersuchende Behörde
habe im Schreiben vom (...) erklärt, dass die Informationen auch noch
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nach dem (...) benötigt würden. Gestützt auf das Vertrauensprinzip sei sie
als ersuchte Behörde grundsätzlich an diese Ausführungen gebunden.
Weiter führt die Vorinstanz sinngemäss aus, die Feststellung von Bankkon-
ten und von Verlinkungen könnte zur Klärung der Frage dienen, ob der
Beschwerdeführer 1 seine Einkünfte korrekt versteuert habe. Die Überprü-
fung, ob die von der E._ erhaltenen Unterlagen richtig oder falsch
seien, obliege nicht ihr – so die ESTV weiter.
Zu den einzelnen Dokumenten hält die Vorinstanz Folgendes fest: Das
«Client Profile» müsse anlässlich der Kontoeröffnung erstellt werden und
sei Bestandteil der Kontoeröffnungsdokumente und somit vom MoF erfragt.
Zudem sei das «Client Profile» auch während der Dauer der Kundenbezie-
hung massgeblich und könne auch aus diesem Grunde übermittelt werden.
Der im «Statement of Assets» vom 31. März 2011 enthaltene Kontoab-
schluss entspreche dem Kontostand per erstem Tag des nachfolgenden
Monats und könne daher übermittelt werden. Sie, die Vorinstanz, willige
ein, die vier von den Beschwerdeführenden genannten Daten zu schwär-
zen, womit das Rechtsbegehren Ziff. 2c gegenstandslos werde.
Zum Vorwurf der fehlenden «voraussichtlichen Erheblichkeit» der Informa-
tionen über unbeteiligte Drittpersonen hält die Vorinstanz fest, dass die Be-
schwerdeführenden 2 bis 4 im «Formular A» und im «Client Profil» als «Be-
neficial Owners» bezeichnet würden. Sie würden damit nicht zufällig in den
zu übermittelnden Unterlagen erscheinen.
Weiter führt die Vorinstanz aus, I._ erscheine in diversen Eröff-
nungsdokumenten als «Director». Daher sei er auf bestimmte Art und
Weise mit dem Sachverhalt verstrickt. Seine Daten und Passkopien wür-
den nicht rein zufällig in den zu übermittelnden Unterlagen erscheinen und
könnten für die Besteuerung des Beschwerdeführers 1 voraussichtlich er-
heblich sein. Zudem liege mit Bezug auf den entsprechenden Schwär-
zungsantrag seitens der Beschwerdeführenden eine unzulässige «Drittbe-
schwerde» vor. Sinngemäss führt die Vorinstanz weiter aus, es dürften die
aufgrund der vorliegend relevanten (...) Amtshilfeersuchen zur Übermitt-
lung vorgesehenen Informationen allesamt übermittelt werden.
Sodann macht die Vorinstanz zusammengefasst geltend, eine Überprü-
fung von Art. 26 Abs. 2 DBA CH-IN habe ergeben, dass sich dieser Bestim-
mung keine Beschränkung der zulässigen Verwendung der zu übermitteln-
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den Informationen auf die vom Ersuchen formell betroffenen Person ent-
nehmen lasse. Desgleichen lasse sich auch weder dem StAhiG noch den
Materialien dazu eine solche beschränkte Verwendungsmöglichkeit ent-
nehmen, weshalb sich der ersuchende Staat einzig und allein die vertrag-
lich vereinbarte sachliche Zweckbindung entgegenhalten lassen müsse.
Art. 21 Abs. 1 StAhiG sei Ausdruck von Art. 111 und 112 des Bundesgeset-
zes vom 14. Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer (DBG,
SR 642.11), die einen sehr breiten Informationsaustausch unter Steuer-
und anderen Behörden erlauben würden. Daher sei ab Mitte 2017 eine
Praxisänderung erfolgt. Der Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts in
seinem Urteil A-5046/2018 vom 22. Mai 2019 könne nicht gefolgt werden.
Mit der sachlichen Verwendungsbeschränkung würden nach wie vor hin-
reichende (vertragliche) Garantien vorliegen, die einen angemessenen
Schutz im Ausland im Sinne von Art. 6 Abs. 2 Bst. a des Datenschutzge-
setzes vom 19. Juni 1992 (DSG, SR 235.1) gewährleisten würden. Zudem
würden keine Anhaltspunkte vorliegen, dass das MoF im vorliegenden Fall
tatsächlich eine sekundäre Verwendung gegen weitere Personen beab-
sichtige.
Schliesslich bringt die Vorinstanz vor, dass die von den Beschwerdefüh-
renden monierten Datumsangaben zu schwärzen seien, womit das
Rechtsbegehren Ziff. 3b gegenstandslos werde.
P.
Mit Eingabe vom (...) nahmen die Beschwerdeführenden namentlich zu
den im Rahmen der Vernehmlassung von der Vorinstanz erstmals einge-
reichten Aktoren 06.n und 08.n Stellung. In diesem Zusammenhang ma-
chen die Beschwerdeführenden im Wesentlichen geltend, dass die von der
Vorinstanz bei der Informationsinhaberin eingeforderten sog. KYC-Doku-
mente über die von der ersuchenden Behörde erfragten Informationen hin-
ausgehen und daher spontane Amtshilfe darstellen würden. Weiter ersuch-
ten die Beschwerdeführenden um Sistierung des vorliegenden Verfahrens.
Q.
Am (...) nahm die Vorinstanz zu den Vorbringen der Beschwerdeführenden
Stellung.
R.
Mit Zwischenverfügung vom (...) wies das Bundesverwaltungsgericht das
Sistierungsgesuch ab.
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Auf die einzelnen Vorbringen der Verfahrensbeteiligten und die eingereich-
ten Akten wird nachfolgend insoweit eingegangen, als sie für das vorlie-
gende Urteil wesentlich sind.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Dem vorliegenden Verfahren liegen diverse Amtshilfeersuchen des in-
dischen MoF zugrunde. Das letzte Ersuchen datiert vom (...). Sämtliche
Ersuchen stützen sich auf das DBA CH-IN.
1.2 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes
(VwVG, SR 172.021). Zu den beim Bundesverwaltungsgericht
anfechtbaren Verfügungen gehören auch Schlussverfügungen der ESTV
im Bereich der internationalen Amtshilfe, so auch der Amtshilfe im Rahmen
des DBA CH-IN (vgl. Art. 32 VGG e contrario; Art. 19 Abs. 1 StAhiG). Die
Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts zur Behandlung der
vorliegenden Beschwerde ist somit gegeben.
Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem
StAhiG bzw. VwVG (vgl. Art. 24 StAhiG e contrario; Art. 19 Abs. 5 StAhiG).
Vorbehalten bleiben abweichende Bestimmungen des im vorliegenden Fall
anwendbaren DBA CH-IN (vgl. Art. 1 Abs. 2 StAhiG).
1.3 Die Beschwerde wurde ferner form- und fristgerecht eingereicht
(Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 5
StAhiG).
1.4
1.4.1 Der Beschwerdeführer 1 ist in den vorliegend relevanten Amtshil-
feersuchen als betroffene Person bezeichnet. Er ist weiter Adressat der
Schlussverfügung vom (...) und durch diese beschwert. Er ist demzufolge
zur Beschwerde gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG (in Verbindung mit Art. 19
Abs. 2 StAhiG) legitimiert.
1.4.2 Gemäss Art. 19 Abs. 2 StAhiG ist neben der betroffenen Person zur
Beschwerde legitimiert, wer die Voraussetzungen von Art. 48 VwVG erfüllt.
Demnach ist beschwerdeberechtigt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren
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teilgenommen oder keine Möglichkeit zur Teilnahme erhalten hat, durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt ist und ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Für
die Legitimation zur Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann
die beschwerdeführende Partei die Beeinträchtigung rechtlicher oder tat-
sächlicher Interessen geltend machen. Das Rechtsschutzinteresse besteht
im praktischen Nutzen, der sich ergibt, wenn mit der Gutheissung der Be-
schwerde ein Nachteil wirtschaftlicher, materieller, ideeller oder anderer
Natur abgewendet werden kann. Die rechtliche oder tatsächliche Situation
muss durch den Ausgang des Beschwerdeverfahrens unmittelbar beein-
flusst werden können. Das Interesse hat unmittelbar und konkret sowie ak-
tuell zu sein (zum Ganzen: Urteile des BVGer A-3715/2017 vom 2. Juli
2018 E. 1.4.3, A-7614/2016 vom 17. Januar 2018 E. 1.2, B-5579/2013 vom
14. Oktober 2014 E. 1.1.5; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
3. Aufl. 2013, Rz. 941 ff.; ISABELLE HÄNER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.],
Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG],
2. Aufl. 2018, Art. 48 N 18 ff.).
Da die gemäss der Schlussverfügung vom (...) amtshilfeweise zu übermit-
telnden Dokumente auch Informationen über die Beschwerdeführenden 2
bis 4 enthalten, sind diese daher durch die angefochtene Verfügung be-
sonders betroffen und haben ein Interesse an deren Aufhebung oder Ab-
änderung. Infolgedessen sind auch die Beschwerdeführenden 2 bis 4 zur
Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht legitimiert.
1.5 Damit ist grundsätzlich auf die Beschwerde einzutreten. Soweit die Be-
schwerdeführenden eventualiter im Interesse von I._ beantragen,
dessen Angaben zu schwärzen, ist bei der Prüfung der Eventualbegehren
(E. 3.6.5) darauf zurückzukommen. Soweit die Beschwerdeführenden die
Schwärzung der Angaben zur vorgenannten Person beantragen, weil sie
deren Übermittlung als widerrechtlich betrachten, da diese Informationen
aus ihrer Sicht für die Veranlagung des Beschwerdeführers 1 «nicht vo-
raussichtlich erheblich» sind, ist darauf ebenfalls unter E. 3.6.5 einzuge-
hen.
1.6 Soweit die Beschwerdeführenden replicando rügen, durch die von der
Vorinstanz unvollständig gewährte Akteneinsicht sei der Grundsatz des
rechtlichen Gehörs verletzt worden, ist festzuhalten, dass die Rechtsver-
treter nach der Publikation des Verfahrens im Bundesblatt erstmals am (...)
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und damit nach Erlass der angefochtenen Verfügung um Akteneinsicht er-
sucht und Einsicht erhalten haben. Mit der Übermittlung der ergänzten
Vorakten gemäss Zwischenverfügung vom (...) und der Möglichkeit der
Stellungnahme hierzu wurde den Beschwerdeführenden noch im vorlie-
genden Verfahren Einsicht in die ergänzten Vorakten gewährt, womit das
rechtliche Gehör gewahrt wurde (vgl. Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung
der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101];
Art. 15 StAhiG; Art. 26 und 29 VwVG; statt vieler: Urteil des BVGer
A-6102/2019 vom 23. März 2020 E. 4.2).
2.
2.1 Die Amtshilfeklausel von Art. 26 DBA CH-IN in der (aktuellen) Fassung
gemäss dem Protokoll 2010 ist anwendbar auf Informationen, die sich auf
Steuerjahre beziehen, welche am oder nach dem 1. Januar des der Unter-
zeichnung des Protokolls 2010 folgenden Jahres beginnen (vgl. Art. 14
Ziff. 3 des Protokolls 2010 vom 30. August 2010, AS 2011 4617 4615, BBl
2010 8827). Bei einem Amtshilfeersuchen Indiens handelt es sich dabei
um Informationen, die sich auf Steuerjahre ab dem 1. April 2011 beziehen
(vgl. Urteil des BVGer A-108/2018 vom 13. Februar 2020 E. 4.2).
2.2 Gemäss Art. 26 Abs. 1 DBA CH-IN tauschen die zuständigen Behörden
der beiden Vertragsstaaten – ohne Rücksicht auf Art. 1 DBA CH-IN (per-
sönlicher Geltungsbereich) – diejenigen Informationen aus, «die zur Durch-
führung dieses Abkommens oder zur Anwendung oder Durchsetzung des
innerstaatlichen Rechts betreffend die unter das Abkommen fallenden
Steuern voraussichtlich erheblich sind, soweit die diesem Recht entspre-
chende Besteuerung nicht dem Abkommen widerspricht» (vgl. aber zu Be-
schränkungen dieser Amtshilfeverpflichtung insbesondere Art. 26 Abs. 3
und 5 DBA CH-IN).
Der Zweck der in Art. 26 Abs. 1 DBA CH-IN enthaltenen Verweisung auf
Informationen, die voraussichtlich erheblich sind, besteht gemäss Ziff. 10
(zu Art. 26) Bst. d Protokoll 2010 darin, einen möglichst weitgehenden In-
formationsaustausch in Steuerbelangen zu gewährleisten, «ohne es den
Vertragsstaaten zu erlauben, ‹fishing expeditions› zu betreiben oder Infor-
mationen anzufordern, deren Erheblichkeit hinsichtlich der Steuerbelange
einer steuerpflichtigen Person unwahrscheinlich ist».
2.3 Nach Art. 26 Abs. 2 DBA CH-IN sind alle Informationen, die ein Ver-
tragsstaat nach Abs. 1 erhalten hat, ebenso geheim zu halten wie die auf-
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grund des innerstaatlichen Rechts dieses Staates beschafften Informatio-
nen und dürfen nur den Personen oder Behörden (einschliesslich der Ge-
richte und der Verwaltungsbehörden) zugänglich gemacht werden, die mit
der Veranlagung oder der Erhebung, der Vollstreckung oder Strafverfol-
gung oder mit der Entscheidung von Rechtsmitteln hinsichtlich der in Abs. 1
genannten Steuern oder mit der Aufsicht darüber befasst sind. Diese Per-
sonen oder Behörden dürfen die Informationen nur für diese Zwecke ver-
wenden. Sie dürfen die Informationen in einem öffentlichen Gerichtsverfah-
ren oder in einer Gerichtsentscheidung offenlegen. Ungeachtet der vorste-
henden Bestimmungen kann ein Vertragsstaat die erhaltenen Informatio-
nen für andere Zwecke verwenden, wenn solche Informationen nach dem
Recht beider Staaten für solche andere Zwecke verwendet werden dürfen
und die zuständige Behörde desjenigen Staates, der die Informationen er-
teilt hat, dieser anderen Verwendung zustimmt.
2.4 Gemäss Ziff. 10 (zu Art. 26) Bst. e Protokoll 2010 besteht Einverneh-
men darüber, dass Art. 26 DBA CH-IN die Vertragsstaaten nicht dazu ver-
pflichtet, Informationen auf automatischer oder spontaner Basis auszutau-
schen.
2.5
2.5.1 Als zur Anwendung oder Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts
voraussichtlich erheblich gelten Informationen, die für den ersuchenden
Staat notwendig sind, um eine dort steuerpflichtige Person korrekt zu be-
steuern. Ob eine Information in diesem Sinne erheblich ist, kann in der Re-
gel nur der ersuchende Staat abschliessend beurteilen. Die Rolle des er-
suchten Staates beschränkt sich dabei darauf, zu überprüfen, ob die vom
ersuchenden Staat verlangten Informationen und Dokumente mit dem im
Ersuchen dargestellten Sachverhalt zusammenhängen und ob sie mög-
licherweise dazu geeignet sind, im ausländischen Verfahren verwendet zu
werden (sog. Plausibilitätskontrolle; zum Ganzen statt vieler: BGE 144 II
29 E. 4.2.2, 142 II 161 E. 2.1.1, je mit weiteren Hinweisen sowie Urteil des
BVGer A-704/2019 vom 9. April 2020 E. 3.2.1 mit weiteren Hinweisen). Vor
diesem Hintergrund darf der ersuchte Staat Auskünfte mit der Begründung,
die verlangten Informationen seien nicht notwendig, nur verweigern, wenn
ein Zusammenhang zwischen den verlangten Angaben und der im ersu-
chenden Staat durchgeführten Untersuchung unwahrscheinlich erscheint
(vgl. statt vieler: BGE 143 II 185 E. 3.3.2, 141 II 436 E. 4.4.3 mit weiteren
Hinweisen und Urteil des BVGer A-704/2019 vom 9. April 2019 E. 3.2.1 mit
weiteren Hinweisen; vgl. zum Kriterium der «voraussichtlichen Erheblich-
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Seite 13
keit» auch Art. 26 Abs. 1 des Musterabkommens der Organisation für wirt-
schaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zur Vermeidung der Doppel-
besteuerung von Einkommen und Vermögen [OECD-MA]). In letzterem
Sinne ist auch Art. 17 Abs. 2 StAhiG zu verstehen, wonach Informationen,
welche «voraussichtlich nicht erheblich» sind, nicht übermittelt werden dür-
fen (statt vieler: Urteil des BVGer A-1348/2019 vom 3. März 2020 E. 3.3
mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Art. 4 Abs. 3 StAhiG). Keine Rolle spielt
dagegen, wenn sich nach der Beschaffung der Informationen herausstellt,
dass diese nicht relevant sind (BGE 143 II 185 E. 3.3.2 mit Hinweisen, zit.
in: Urteil des BGer 2C_615/2018 vom 26. März 2019 E. 3.2).
2.5.2 Die Voraussetzung der «voraussichtlichen Erheblichkeit» ist dem-
nach erfüllt, wenn im Zeitpunkt der Gesuchstellung eine vernünftige Mög-
lichkeit besteht, dass sich die angefragten Angaben als in diesem Sinn er-
heblich erweisen werden. Die «voraussichtliche Erheblichkeit» von gefor-
derten Unterlagen oder Auskünften muss sich bereits aus dem Amtshilfe-
gesuch ergeben (vgl. BGE 143 II 185 E. 3.3.2 und Urteil des BVGer
A-2980/2019 vom 20. Mai 2020 E. 3.3.3, je mit Hinweisen). Soweit die Be-
hörden des ersuchenden Staates verpflichtet sind, den massgeblichen
Sachverhalt darzulegen, kann von ihnen nicht erwartet werden, dass sie
dies bereits lückenlos und völlig widerspruchsfrei tun. Dies wäre mit Sinn
und Zweck der Amtshilfe nicht vereinbar, sollen doch aufgrund von Infor-
mationen und Unterlagen, die sich im ersuchten Staat befinden, bisher im
Dunkeln gebliebene Punkte erst noch geklärt werden. Daher ist gemäss
Rechtsprechung von der ersuchenden Behörde nicht der strikte Beweis
des Sachverhalts zu verlangen, doch muss sie hinreichende Verdachtsmo-
mente für dessen Vorliegen dartun (vgl. auch: Urteil des BVGer
A-2980/2019 vom 20. Mai 2020 E. 3.4.1 mit Hinweisen).
2.6 Das Spezialitätsprinzip stellt einen traditionellen völkerrechtlichen
Grundsatz der internationalen Amts- und Rechtshilfe dar, welcher im Aus-
lieferungsrecht entwickelt wurde (vgl. BGE 135 IV 212 E. 2.1, 123 IV 42
E. 3b), wobei ihm auch völkergewohnheitsrechtlicher Charakter zukommt.
Da es sich insbesondere aus der Vertragsnatur der Amts- und Rechtshilfe
ableiten lässt, auf der es beruht, gründet es auf einem völkerrechtlichen
Vertrag. Der ersuchende Staat akzeptiert mit der vorbehaltlosen Entgegen-
nahme der gesammelten Informationen die im Vertrag vorgesehene und
bei der Übermittlung erwähnte Zweckbindung (zum Ganzen: ROBERT
WEYENETH, Der nationale und internationale ordre public im Rahmen der
grenzüberschreitenden Amtshilfe in Steuersachen, 2017, S. 214, mit wei-
teren Hinweisen). Dabei kann nach dem völkerrechtlichen Vertrauensprin-
A-3186/2019
Seite 14
zip grundsätzlich als selbstverständlich vorausgesetzt werden, dass der
Spezialitätsgrundsatz durch Staaten eingehalten wird, die mit der Schweiz
durch einen Amts- oder Rechtshilfevertrag verbunden sind, ohne dass die
Einholung einer ausdrücklichen Zusicherung notwendig wäre (BGE 128 II
407 E. 4.3.1, 115 Ib 373 E. 8, 107 Ib 264 E. 4b). Der Grundsatz der Spezi-
alität der Amts- und Rechtshilfe schützt in erster Linie die Souveränität des
ersuchten Staates, indem dieser durch die (vertragliche) Bestimmung des
zulässigen Verwendungszweckes den Rahmen seiner Zusammenarbeit
festlegt und eine gewisse Kontrolle über die Verwendung der übermittelten
Informationen behält. Schliesslich stellt er aber auch eine Garantie zuguns-
ten der betroffenen Person dar, deren Persönlichkeitsrechte durch die
Zweckbindung geschützt werden (BGE 135 IV 212 E. 2.1). Letztlich enthält
der Grundsatz der Zweckbindung insofern Merkmale einer Schranke und
einer (Zulässigkeits-)Voraussetzung, als die ersuchende Behörde hinrei-
chende Gewähr für deren Einhaltung bieten muss (siehe zum Ganzen:
BVGE 2018 III/1 E. 2.9.1; WEYENETH, a.a.O., S. 216 ff. mit weiteren Hin-
weisen).
Nach ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts bedeutet das Spe-
zialitätsprinzip, dass der ersuchende Staat die vom ersuchten Staat erlang-
ten Informationen einzig in Bezug auf Personen oder Handlungen verwen-
den darf, für welche er sie verlangt und der ersuchte Staat sie gewährt hat
(Urteile des BVGer A-6854/2018 und weitere vom 3. März 2020 E. 4.5.1 f.,
[bestätigt durch das Urteil des BGer 2C_252/2020 vom 13. Juli 2020],
A-5046/2018 vom 22. Mai 2019 E. 2.5 [bestätigt durch das Urteil des BGer
2C_538/2019, 539/2019 vom 13. Juli 2020], A-7261/2017 vom 3. April
2019 E. 7, A-6391/2016 vom 17. Januar 2018 E. 4.3.5, A-2322/2017 vom
9. April 2018 E. 5.3.5.1, A-4992/2016 vom 29. November 2016 E. 6,
A-38/2014 vom 1. April 2014 E. 4.6).
Das Bundesgericht hat in seinem Urteil 2C_537/2019 vom 13. Juli 2020
(zur Publikation vorgesehen) in E. 3.4 unter Hinweis auf Art. 26 Abs. 1 des
OECD-MA und der darin enthaltenen Systematik, wonach der ersuchende
Staat, die betroffenen Personen oder Gruppen hinreichend zu spezifizieren
habe, daran erinnert, dass dem Spezialitätsprinzip – neben der sachli-
chen – auch eine persönliche Dimension zukomme (daselbst E. 3.5). Es
hat in der Folge die von der ESTV gegen dieses Verständnis vorgebrachte
Kritik verworfen (daselbst E. 3.6.2; vgl. hierzu auch Urteile des BGer
2C_538/2019, 2C_539/2019 sowie 2C_540/2019 sowie 2C_252/2020 so-
wie 2C_325/2020, je vom 13. Juli 2020).
A-3186/2019
Seite 15
Diese bundesgerichtliche Rechtsprechung ist auch für das Verständnis des
Spezialitätsprinzips gemäss Art. 26 Abs. 2 DBA CH-IN wegweisend, da
Art. 26 Abs. 1 DBA CH-IN die gleiche Systematik aufweist wie Art. 26
Abs. 1 OECD-MA und die Amtshilfeklausel im DBA CH-IN auch mit Bezug
auf Art. 26 Abs. 2 dem OECD-MA nachgebildet ist.
2.7 Im Rahmen der internationalen Behördenzusammenarbeit besteht so-
dann grundsätzlich kein Anlass, an Sachverhaltsdarstellungen und Erklä-
rungen anderer Staaten zu zweifeln (sog. völkerrechtliches Vertrauensprin-
zip; vgl. auch: Urteil des BVGer A-2980/2019 vom 20. Mai 2020 E. 3.5.1).
Die Vorinstanz ist deshalb an die Darstellung des Sachverhalts im Ersu-
chen insoweit gebunden, als diese nicht wegen offensichtlicher Fehler, Lü-
cken oder Widersprüchen sofort entkräftet werden kann. Gleiches gilt für
die vom ersuchenden Staat abgegebenen Erklärungen. Werden diese so-
fort entkräftet, kann der ersuchte Staat ihnen nicht mehr vertrauen (vgl.
statt vieler: Urteil des BVGer A-2725/2019 vom 25. Februar 2020 E. 2.2 mit
Hinweisen). Es liegt dabei an der betroffenen Person, den Sachverhalt mit-
tels Urkunden klarerweise und entscheidend zu widerlegen (vgl. Urteile des
BVGer A-4163/2019 vom 22. April 2020 E. 2.2, A-2725/2019 vom 25. Feb-
ruar 2020 E. 2.3 mit Hinweisen).
2.8
2.8.1 Gemäss Art. 7 Bst. c StAhiG ist auf ein Ersuchen nicht einzutreten,
wenn es den Grundsatz von Treu und Glauben verletzt, «insbesondere
wenn es auf Informationen beruht, die durch nach schweizerischem Recht
strafbare Handlungen erlangt worden sind».
2.8.2 Art. 7 Bst. c StAhiG kommt nur insofern eine eigenständige Bedeu-
tung zu, als die Schweiz dadurch verpflichtet ist, auf Amtshilfeersuchen, die
in Widerspruch zu Treu und Glauben gestellt worden sind, nicht einzutre-
ten, während im internationalen Recht bloss die Möglichkeit zum Nichtein-
treten vorbehalten ist (BGE 143 II 224 E. 6.2). Dem ersuchenden Staat
kann die unilaterale Ausformulierung der Anwendung des Vertrauensprin-
zips nur entgegengehalten werden, wenn a) ein entsprechender Verweis
in das bilaterale Abkommen (oder Protokolle dazu) aufgenommen wurde,
d.h. der Vertragsstaat diesen Vorbehalt akzeptiert hat, oder b) feststeht,
dass der Vertragsstaat den Grundsatz von Treu und Glauben verletzt hat.
Ob eine solche Verletzung vorliegt, beurteilt sich dabei nach dem Wiener
Übereinkommen vom 23. Mai 1969 über das Recht der Verträge (VRK,
SR 0.111; Urteil des BGer 2C_648/2017 vom 17. Juli 2018 E. 3.3; vgl. BGE
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=date_desc&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2C_648%2F2017&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-II-224%3Ade&number_of_ranks=0#page224 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=date_desc&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2C_648%2F2017&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-II-224%3Ade&number_of_ranks=0#page224
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Seite 16
143 II 224 E. 6.2; zum Ganzen: Urteil des BGer 2C_619/2018 vom 21. De-
zember 2018 E. 2.3.2)
2.8.3 Das blosse Verwenden illegal erworbener Daten durch den ersu-
chenden Staat, welche dieser im Rahmen der (spontanen) Amtshilfe durch
einen anderen Staat erhalten hat, stellt, entgegen der Ansicht verschiede-
ner Autoren noch kein treuwidriges Verhalten dar (Urteile des BGer
2C_619/2018 vom 21. Dezember 2018 E. 2.3.5, 2C_819/2017 vom 2. Au-
gust 2018 E. 2.2.3, 2C_648/2017 vom 17. Juli 2018 E. 2.3.4 f., je mit Hin-
weisen).
2.8.4 Das DBA CH-IN bzw. Ziff. 10 (zu Art. 26) Bst. b Protokoll 2010 ver-
langen vom ersuchenden Staat keine Angaben zur Herkunft der Grundlage
des Ersuchens bildenden Daten. Zwar weist die Schweiz seit Frühjahr
2010 im Rahmen der DBA-Verhandlungen darauf hin, dass sie keinen In-
formationsaustausch gewährt bei Gesuchen, die auf illegal erworbenen
Daten beruhen (vgl. Stellungnahme des Bundesrates zur Interpellation
vom 16. März 2012: Verwendung von gestohlenen Bankdaten in Steuer-
verfahren, Antwort zur 3. Frage [Datenbank curia vista, 12.3302]; ANDREA
OPEL, Wider die Amtshilfe bei Datenklau: Gestohlene Daten sind gestoh-
lene Daten, in: Jusletter vom 23. November 2015, Rz. 4 Fn. 13 sowie
Rz. 23 Fn. 64). Im Protokoll 2010 hat dies allerdings (noch) keinen ersicht-
lichen Niederschlag gefunden. Ebensowenig findet sich im DBA CH-IN eine
Verpflichtung, wonach der ersuchende Staat eine Zusicherung abgeben
muss, sein Ersuchen nicht auf Informationen abzustützen, die durch nach
schweizerischem Recht strafbare Handlungen erlangt worden sind (Urteile
des BGer 2C_619/2018 vom 21. Dezember 2018 E. 2.3.5, 2C_648/2017
vom 17. Juli 2018 E. 3.4.1 f.).
2.9
2.9.1 Nach Art. 4 Abs. 3 StAhiG werden Personen geschützt, die nichts mit
dem im Amtshilfeersuchen geschilderten Sachverhalt zu tun haben, deren
Namen also rein zufällig in den weiterzuleitenden Dokumenten auftauchen
(Botschaft vom 5. Juni 2015 zur Genehmigung des Übereinkommens des
Europarats und der OECD über die gegenseitige Amtshilfe in Steuersa-
chen und zu seiner Umsetzung; BBl 2015 5585 5623). Die Übermittlung
von Informationen zu nicht betroffenen Personen ist demnach nicht zuläs-
sig, ausser die Informationen seien voraussichtlich erheblich und ihre Aus-
händigung verhältnismässig im Sinne, dass eine Unterbindung dieser In-
formationen das Amtshilfeersuchen wertlos machen würde. Es gilt dabei,
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=date_desc&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2C_648%2F2017&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-II-224%3Ade&number_of_ranks=0#page224
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Seite 17
zwischen den Interessen dieser Personen und denjenigen des ersuchen-
den Staates abzuwägen.
2.9.2 Die Übermittlung der Namen von Dritten wird in diesem Sinne nur
zugelassen, wenn sie mit Blick auf den vom ersuchenden Staat verfolgten
Steuerzweck voraussichtlich erheblich und folglich auch verhältnismässig
ist, weil eine Unterbindung der Information das Amtshilfeersuchen seines
Sinnes entleeren würde (vgl. BGE 143 II 506 E. 5.2.1, 142 II 161 E. 4.6.1,
141 II 436 E. 4.5 und 4.6; Urteil des BGer 2C_690/2015 vom 15. März 2016
E. 4.5). Der Name eines Dritten kann folglich in den zu übermittelnden Un-
terlagen belassen werden, wenn dies geeignet ist, die steuerliche Situation
der vom Amtshilfeersuchen betroffenen Person zu erhellen (BGE 144 II 29
E. 4.2.3; Urteil des BGer 2C_619/2018 vom 21. Dezember 2018 E. 3.1).
2.9.3 In Anwendung dieses Grundsatzes hat das Bundesgericht in BGE
144 II 29 E. 4.2.4 verschiedene Beispiele aufgeführt, bei welchen die Über-
mittlung von Dokumenten, die Namen Dritter enthielten, zugelassen wurde.
Dies betraf u.a. Bankdaten und eine Transaktionsliste bei einem Amtshil-
feersuchen zur Feststellung des steuerlichen Domizils. Ebenso statthaft
war die Übermittlung der Daten von Frau und Töchtern einer im Amtshilfe-
verfahren betroffenen Person, die über eine Vollmacht über nachgefragte
Konten verfügten. Hingegen dürfen Informationen von Bankangestellten
prinzipiell nicht übermittelt werden, da sie in der Regel nichts mit der steu-
erlichen Frage zu tun haben, die dem Ersuchen zugrunde liegt (Urteil des
BGer 2C_619/2018 vom 21. Dezember 2018 E. 3.2).
2.10 Nach Art. 6 Abs. 1 DSG dürfen Personendaten nicht ins Ausland be-
kannt gegeben werden, «wenn dadurch die Persönlichkeit der betroffenen
Personen schwerwiegend gefährdet würde, namentlich weil eine Gesetz-
gebung fehlt, die einen angemessenen Schutz gewährleistet». Die Be-
kanntgabe von Personendaten ist trotz fehlender Gesetzgebung nach
Art. 6 Abs. 2 DSG unter anderem dann möglich, wenn hinreichende (ins-
besondere vertragliche) Garantien einen angemessenen Schutz im Aus-
land garantieren (Bst. a der Bestimmung), oder wenn die betroffene Person
im Einzelfall eingewilligt hat (Bst. b der Bestimmung). Sowohl Art. 22 Abs. 5
StAhiG als auch das DSG verpflichten die ESTV, zuhanden der ersuchen-
den Behörde auf eine Verwendungsbeschränkung zu verweisen. Ist eine
solche in der angefochtenen Schlussverfügung enthalten, verletzt die
Übermittlung der Informationen Art. 6 DSG im Grunde nicht (Urteile des
BGer 2C_376/2019 vom 13. Juli 2020 E. 7.3.3, 2C_619/2018 vom 21. De-
zember 2018 E. 4.2; statt vieler: Urteil des BVGer A-5046/2018 vom
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=date_desc&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2C_648%2F2017&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-II-506%3Ade&number_of_ranks=0#page506 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=date_desc&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2C_648%2F2017&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-II-161%3Ade&number_of_ranks=0#page161 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=date_desc&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2C_648%2F2017&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-II-436%3Ade&number_of_ranks=0#page436 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=date_desc&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2C_648%2F2017&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-II-29%3Ade&number_of_ranks=0#page29 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=date_desc&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2C_648%2F2017&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-II-29%3Ade&number_of_ranks=0#page29 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=date_desc&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2C_648%2F2017&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-II-29%3Ade&number_of_ranks=0#page29
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Seite 18
22. Mai 2019 E. 2.6 mit Hinweisen [bestätigt durch Urteil des BGer
2C_538/2019, 2C_539/2019 vom 13. Juli 2020]).
3.
3.1 Im vorliegenden Verfahren ist zu prüfen, ob die Vorinstanz dem bzw.
den indischen Amtshilfeersuchen zu Recht stattgegeben hat bzw. ob sich
die angefochtene Schlussverfügung als bundesrechtskonform erweist.
Im Hauptantrag verlangen die Beschwerdeführenden die vollumfängliche
Aufhebung der Schlussverfügung vom (...). Eventualiter und subeventua-
liter stellen sie verschiedene Aussonderungsbegehren und beantragen die
Löschung verschiedener Informationen bzw. deren Schwärzung. Schliess-
lich beantragen sie die Änderung der angefochtenen Schlussverfügung mit
Bezug auf die Verwendung der zu übermittelnden Informationen.
3.2 In einem ersten Schritt ist auf die formellen Aspekte einzugehen, vorab
auf die Frage, ob die Vorinstanz zur Recht alle (...) Amtshilfeersuchen be-
rücksichtigt hat.
Das indische MoF hat in seinem ersten Amtshilfeersuchen vom (...) Damit
schliesst das letzte Ersuchen vom (...) die vorherigen grundsätzlich mit ein
und hat die Vorinstanz die (...) Ersuchen zu Recht gesamthaft berücksich-
tigt.
3.3 In einem nächsten Schritt, ist zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht auf
die Ersuchen eingetreten ist.
Insoweit ist festzuhalten, dass selbst wenn die Amtshilfeersuchen auf
sog. Falciani-Daten beruhen, nach der Rechtsprechung des Bundesge-
richts (E. 2.8 ff.) die Amtshilfe gegenüber dem indischen Fiskus grundsätz-
lich möglich ist.
Das Amtshilfeersuchen bzw. die jeweiligen Amtshilfeersuchen richten sich
gegen den Beschwerdeführer 1 als betroffene Person. Es bzw. sie sind
damit ausreichend konkret. Der Einwand der Beschwerdeführenden, es
liege eine unzulässige «fishing expedition» vor, ist damit nicht stichhaltig.
Soweit die Beschwerdeführenden sinngemäss geltend machen wollten, die
ersuchten Informationen seien derart umfassend und liessen die Nähe zur
Besteuerung des Beschwerdeführers 1 vermissen, weshalb bezüglich wei-
terer Personen eine sog. fishing expedition vorliege, ist darauf unter dem
Aspekt der «voraussichtlichen Erheblichkeit» in E. 3.5 ff. zurückzukommen.
A-3186/2019
Seite 19
3.4
3.4.1 Als Nächstes ist sodann auf den Zeitraum einzugehen, für welchen
Informationen übermittelt werden können. Wie bereits ausgeführt (E. 2.1),
kann die Amtshilfe erst für die Zeit ab 1. April 2011 gewährt werden. Mit
Bezug auf natürliche Personen bedeutet dies, ab der indischen Steuerpe-
riode 2011/2012 (Beginn 1. April 2011 bis 31. März 2012) (...).
3.4.2 Weiter ist auf treuwidrige Amtshilfeersuchen nicht einzugehen
(E. 2.8 ff.), weshalb zu prüfen ist, ob die vorliegenden Ersuchen gegen
Treu und Glauben verstossen.
Soweit die Beschwerdeführenden unter Hinweis auf die Ausführungen des
MoF im Ersuchen vom (...) die Verjährung anrufen, ist festzuhalten, dass
sich diese Ausführungen kaum auf die hier einzig relevante Steuerperiode
2011/2012 beziehen. Vielmehr dürften diese Ausführungen die ersuchten
Angaben (...) betreffen. Insoweit erscheint das Ersuchen – entgegen der
Ansicht der Beschwerdeführenden – nicht offenkundig widersprüchlich o-
der falsch und damit auch nicht wieder Treu und Glauben.
3.4.3 Die Vorinstanz ist daher grundsätzlich zu Recht auf die Amtshilfeer-
suchen eingetreten, soweit sie die Steuerperiode 2011/2012 betreffen.
3.5 Weiter machen die Beschwerdeführenden geltend, die zur Übermitt-
lung vorgesehenen Informationen betreffend die Bankverbindungen der
G._ seien gesamthaft «nicht voraussichtlich erheblich».
3.5.1 Der Vollständigkeit halber sei vorab festgehalten, dass es sich bei der
G._ als Inhaberin der Bankkonti, zu welchem Unterlagen übermit-
telt werden sollen, nicht um die vom MoF angegebene Gesellschaft han-
delt. Dieser Umstand ist jedoch im vorliegenden Kontext irrelevant, da das
MoF ausdrücklich nach weiteren Verbindungen des Beschwerdeführers 1
gefragt hat. Der Beschwerdeführer 1 ist zumindest während einer gewis-
sen Zeit mit der G._ in Verbindung gestanden. Zu prüfen bleibt je-
doch, ob diese Verbindung auch noch nach dem 1. April 2011 bestanden
haben könnte bzw. «voraussichtlich erheblich» sein könnte. Darauf ist
nachfolgend einzugehen.
3.5.2 Die Beschwerdeführenden erachten die zur Übermittlung vorgesehe-
nen Bankinformationen als «nicht voraussichtlich erheblich», da der Be-
schwerdeführer 1 seine Anteile (...) verkauft habe und damit im massge-
blichen Zeitraum nicht mehr «Beneficial Owner» der kontoinhabenden Ge-
sellschaft gewesen sei. Der Beschwerdeführer 1 habe im (...) auch sein
A-3186/2019
Seite 20
Amt als «Director» der G._ niedergelegt. Ferner habe er den mit
diesem Verkauf erzielten Kapitalgewinn ordnungsgemäss in seiner indi-
schen Steuererklärung (...) deklariert. Die Beschwerdeführenden legen
hierzu die Aktienbücher der G._ und (...) sowie die indische Steuer-
erklärung (...) des Beschwerdeführers 1 und dessen Rücktrittschreiben an
die G._ vom (...) ins Recht. Aus dem Aktienbuch der G._
ergibt sich, dass der Beschwerdeführer 1 sowie die Beschwerdeführenden
2 bis 4 ab dem (...) nicht mehr als Aktionäre aufgeführt werden. Stattdes-
sen ist eine andere Gesellschaft als Aktionärin genannt. In der fraglichen
Steuererklärung ist ein Kapitalgewinn ausgewiesen. Das besagte Rück-
trittsschreiben dokumentiert den sofortigen Rücktritt des Beschwerdefüh-
renden 1 in seiner Funktion als «Director».
Wie es sich damit verhält, kann indessen offenbleiben, denn die Beschwer-
deführenden müssen selbst einräumen, dass der geltend gemachte Ver-
kauf in den Bankunterlagen der G._ keinen Niederschlag gefunden
hat, insbesondere wurden die Angaben betreffend die «Beneficial Owners»
nicht geändert. Damit durfte die Vorinstanz zu Recht davon ausgehen,
dass die Bankunterlagen G._ für die Steuerveranlagung des Be-
schwerdeführers 1 auch nach dem 1. April 2011 grundsätzlich weiterhin
«voraussichtlich erheblich» sein könnten.
3.5.3 Die Beschwerdeführenden machen in diesem Zusammenhang je-
doch auch geltend, die zur Übermittlung vorgesehen Bankunterlagen seien
inhaltlich falsch und daher nicht zu übermitteln. Auch dieses Argument ist
nicht stichhaltig. Nach der Rechtsprechung sind nämlich selbst potentiell
inhaltlich falsche Informationen zu übermitteln, wenn auf die Unsicherheit
hingewiesen wird (Urteil des BGer 2C_726/2018 vom 14. Oktober 2019,
insbesondere E. 3.4 f.).
Die für diesen Punkt relevanten Bankunterlagen (Formular A) entstammen
aus der Zeit der Kontoeröffnung. Die Korrektheit im damaligen Zeitpunkt ist
unbestritten.
Die von den Beschwerdeführenden eingereichten weiteren Unterlagen füh-
ren indessen zu einer gewissen Unsicherheit mit Bezug auf die Frage, ob
der Beschwerdeführer 1 auch ab 1. April 2011 als «Beneficial Owner» der
erfragten Bankkonti zu gelten hat.
Infolgedessen ist die Beschwerde insoweit gutzuheissen als Ziff. 2 des Dis-
positivs der angefochtenen Schlussverfügung dahingehend abzuändern
A-3186/2019
Seite 21
ist, dass der Beschwerdeführer 1 in den zu übermittelnden Bankunterlagen
als «Beneficial Owner» und unterschriftsberechtigte Person geführt wird,
diese Angaben jedoch für die Steuerperiode 2011/2012 überholt sein könn-
ten.
Mit Bezug auf die Beschwerdeführenden 2 bis 4 ist auf E. 3.6.5 und E. 3.7
zu verweisen.
3.6
3.6.1 Damit ist weiter auf die Einwände der Beschwerdeführenden einzu-
gehen, die sich auf die Aussonderung spezifischer Unterlagen beziehen.
3.6.2 Es handelt sich hierbei zum einen um das «Client Profile», welches
nach Auffassung der Beschwerdeführenden nicht zu den erfragten Infor-
mationen zu zählen sei und dessen Übermittlung weder durch die Amtshil-
feersuchen noch vom Anwendungszeitraum erfasst sei und daher eine un-
zulässige spontane Amtshilfe darstelle. Demgegenüber rechnet die Vo-
rinstanz das fragliche Dokument den Kontoeröffnungsunterlagen zu und
sieht darin das Verhältnis zwischen einer Bank und ihrem Kunden als dau-
erhaft geregelt. Infolgedessen könne dieses Dokument rechtsprechungs-
gemäss ebenfalls übermittelt werden, obwohl es vor dem 1. April 2011 er-
stellt worden sei.
3.6.3 Es kann vorliegend offenbleiben, ob das «Client Profile» zu den er-
betenen Informationen zählt oder ob diesbezüglich sog. spontane Amts-
hilfe geleistet würde. Wie sich nachfolgend ergibt, wären die Informationen
ohnehin nicht zu übermitteln, selbst wenn sie den erfragten Informationen
zuzurechnen wären, da sie sich im hier zu beurteilenden Fall als nicht «vo-
raussichtlich erheblich» erweisen.
Nach den Ausführungen der Vorinstanz handelt es sich beim «Client Pro-
file» nämlich um ein internes Kundendossier, welches als «Know your
Customer-Dokument» gemäss der Vereinbarung über die Standesregeln
zur Sorgfaltspflicht der Banken anlässlich jeder Kontoeröffnung von der
Bank erstellt werden müsse. Es umfasse nicht nur die Informationen aus
den Eröffnungsformularen, sondern auch aus Kundengesprächen und an-
deren Informationsquellen.
Es kann offenbleiben, ob das vorliegend aktenkundige «Client Profile» als
«Know your Customer-Dokument» bzw. unter die «Know your Cutomer-
Bestimmungen» fallend zu betrachten ist. Ebenso kann offenbleiben, wel-
che standesrechtlichen Verpflichtungen damit erfüllt werden. Weiter kann
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Seite 22
offenbleiben, ob das «Client Profile» den Kontoeröffnungsunterlagen oder
den laufenden vertraglichen Vereinbarungen zwischen der Bank und dem
Kunden zuzurechnen ist. Anders als bei den aktenkundigen Formularen
«Aplication to open an account», «Signature Card» und den weiteren Do-
kumenten betreffen die im vorliegenden Dokument wiedergegebenen An-
gaben nicht nur die Identität, sondern auch die persönliche Situation der
«Beneficial Owners» und enthalten Angaben über deren berufliche Tätig-
keit, deren finanziellen Verhältnisse sowie deren Beziehung zum formellen
Kontoinhaber. Die wiedergegebenen Informationen entstammen einem
Zeitraum vor dem 1. April 2011, sind mehrheitlich vergangenheitsbezogen
und lassen Rückschlüsse auf die Einkommens- und Vermögenverhältnisse
des Beschwerdeführers 1 sowie der weiteren genannten Personen in der
Vergangenheit zu. Soweit sich die Angaben prospektiv auf Einkünfte für die
Zeit nach Erstellung des Dokumentes beziehen, handelt es sich lediglich
um Erwartungen. Diese Angaben sind daher auch nicht geeignet, die ein-
kommenssteuerliche Situation des Beschwerdeführers 1 ab dem 1. April
2011 in rechtsgenüglicher Weise zu erhellen, weshalb sie nicht «voraus-
sichtlich erheblich» sind. Die weiteren Angaben zur beruflichen Situation
und zu den weiteren genannten Personen beschlagen ebenfalls die Zeit
vor dem 1. April 2011. Es ist auch diesbezüglich nicht ersichtlich, inwieweit
diese Angaben für die einkommenssteuerliche Situation des Beschwerde-
führers ab dem 1. April 2011 weiterhin «voraussichtlich erheblich» sein
könnten.
Der Antrag der Beschwerdeführenden auf Aussonderung des «Client Pro-
file» ist demzufolge im hier zu beurteilenden Fall gutzuheissen.
3.6.4 Des Weiteren verlangen die Beschwerdeführenden die Aussonde-
rung des «statement of assets» vom 31. März 2011, insbesondere betref-
fend die darin aufgeführten Angaben soweit sie sich auf den Zeitraum vor
dem 31. März 2011 beziehen.
Soweit das Dokument den Bestand der Vermögenswerte per 31. März
2011 wiedergibt, sind die Angaben rechtsprechungsgemäss zu übermitteln
(vgl. Urteil des BGer 2C_1087/2016 vom 31. März 2017 E. 4). Diesbezüg-
lich ist das Eventualbegehren der Beschwerdeführenden (Rechtsbegehren
Ziff. 2a) abzuweisen.
Ein Blick in das aktenkundige Dokument zeigt indessen, dass dieses eine
Rubrik «year to date in / out Transactions» enthält, welche sowohl Einlagen
und Entnahmen von «Flüssigen Mitteln» (Cash) als auch von Wertschriften
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(Securities) betrifft. Da aus diesen Angaben auf den Bestand des Vermö-
gens und allenfalls auch auf Einkünfte in der Vorperiode geschlossen wer-
den könnte, sind diese Angaben grundsätzlich zu löschen bzw. zu schwär-
zen. Insoweit ist das Eventualbegehren (Rechtsbegehren Ziff. 2a) der Be-
schwerdeführenden gutzuheissen.
3.6.5 Im Weiteren verlangen die Beschwerdeführenden die Aussonderung
der Passkopien der Beschwerdeführenden 2 bis 4. Sie begründen dies zu-
sammengefasst damit, dass es sich bei diesen Personen um ehemalige
Aktionäre der (...) handle, welche im Übrigen nicht zeichnungsberechtigt
gewesen seien. Für die Besteuerung des Beschwerdeführers 1 seien die
in den Passkopien ersichtlichen Angaben zu diesen Personen somit nicht
relevant, zumal in Indien selbst Ehegatten getrennt besteuert würden.
Das MoF hat in seinen Amtshilfeersuchen ausdrücklich um Identitätsnach-
weise ersucht. Die Beschwerdeführerenden 2 bis 4 erscheinen im «Formu-
lar A» als «Beneficial Owners» der G._. Als (damalige) indirekte
Mitaktionäre G._ erscheinen sie damit im Sinne der Rechtspre-
chung nicht «als zufällig in diesem Dokument». Indessen zählten sie nie zu
den Zeichnungsberechtigten und war bzw. ist ihr Einfluss als nicht zeich-
nungsberechtigte indirekte Mitaktionäre auf die Zahlungsflüsse der
G._ nicht offenkundig. Die Beschwerdeführenden 2 bis 4 sind seit
dem (...) (Verkauf ...; vgl. Beschwerdebeilage 24) sodann nicht mehr als
Aktionäre der (...) aufgeführt, wobei jedoch nicht klar ist, ob sie an der
neuen Aktionärin wiederum beteiligt (gewesen) sind. Infolgedessen ist
nicht erstellt, dass ihre Funktion als «Beneficial Owner» ab 1. April 2011
nicht mehr bestanden hat. Allerdings ist nicht einsichtig, weshalb und in-
wieweit die Identität der (ehemaligen) nicht zeichnungsberechtigten Mitak-
tionäre relevant sein könnte, da eine gegenseitige Auskunftspflicht unter
(ehemaligen) Mitaktionären bzw. von diesen im Steuerverfahren betreffend
den Beschwerdeführer 1 gegenüber der indischen Steuerbehörde weder
offenkundig und regelmässig wohl auch tatsächlich nicht möglich ist. Das
Aussonderungsbegehren (Ziff. 2a) der Beschwerdeführenden ist daher mit
Bezug auf die Passkopien der Beschwerdeführenden 2 bis 4 gutzuheissen.
Weiter ersuchen die Beschwerdeführenden um Aussonderung der Passko-
pien von I._. Soweit die Beschwerdeführenden diesen Antrag im
Interesse dieser Person stellen wollten, würde ein unzulässiges Beschwer-
debegehren vorliegen, worauf nicht einzutreten wäre (vgl. Urteil des BVGer
A-4163/2019 vom 22. April 2020 E. 1.3 mit Hinweis). Soweit jedoch die
Beschwerdeführenden geltend machen, die Passkopien dieser Person
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seien für die Steuerveranlagung des Beschwerdeführers 1 nicht «voraus-
sichtlich erheblich», gilt was folgt:
I._ ist in den relevanten Bankunterlagen als «Director» der
G._ und als zeichnungsberechtigte Person aufgeführt. Diese Per-
son erscheint daher nicht im Sinne der Rechtsprechung als zufällig in den
Bankeröffnungsunterlagen. Auch ihre Passkopien befinden sich nicht zu-
fällig im Dossier. Indessen gilt es jedoch zu berücksichtigen, dass gemäss
den Bankunterlagen die Rolle dieser Person sich in der Funktion des «Di-
rectors» und Zeichnungsberechtigten erschöpft. Der Name und die persön-
lichen Daten dieses Funktionsträgers erscheinen für die Steuerveranla-
gung des Beschwerdeführers 1 ab 1. April 2011 ohne ersichtliche Bedeu-
tung, sodass in Anwendung des Grundsatzes der Verhältnismässigkeit von
der Weitergabe der Passkopien abzusehen ist. Die Beschwerde ist daher
im Eventualantrag teilweise gutzuheissen.
3.7 Somit ist in einem nächsten Schritt auf die Löschungsanträge einzuge-
hen. Diese sind mit Schwärzungsanträgen gleichzusetzen.
3.7.1 Die Beschwerdeführenden monieren zum einen diverse Datumsan-
gaben (Rechtsbegehren Ziff. 2c und 3b). Die Vorinstanz willigt in der Ver-
nehmlassung vom (...) ein, diese Datumsangaben zu schwärzen. Damit ist
die Beschwerde in diesem Punkt gutzuheissen und ist die Vorinstanz an-
zuweisen, diese Datumsangaben zu schwärzen.
3.7.2 Die Beschwerdeführenden beantragen zum andern, in den zu über-
mittelnden Unterlagen sämtliche Angaben betreffend die Beschwerdefüh-
renden 2 bis 4 zu löschen (vgl. Rechtsbegehren Ziff. 2b, 3a und Beschwer-
debeilage 17). Diesbezüglich ist auf das vorstehend Gesagte (E. 3.6.5) zu
verweisen, weshalb die entsprechenden Informationen auf S. 6 und 7 so-
wie 27 bis 29 der Beschwerdebeilage 17 zu schwärzen sind.
3.7.3 Die Beschwerdeführenden beantragen sodann, die Informationen
betreffend I._ zu schwärzen. Auch diesbezüglich ist auf das vorste-
hend Gesagte (E. 3.6.5) zu verweisen und sind die entsprechenden Infor-
mationen auf S. 1, 3-7, 18, 19, 22, 24, 36 und 38 der Beschwerdebeilage
17 zu schwärzen.
3.7.4 Im Sinne eines Zwischenergebnisses ist festzuhalten, dass die Be-
schwerde im Eventual- und im Subeventualantrag teilweise gutzuheissen
ist.
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3.8 Schliesslich ist noch auf den Änderungsantrag der Beschwerdeführen-
den (Rechtsbegehren Ziff. 2d) einzugehen.
3.8.1 Die Beschwerdeführenden sehen in der von der Vorinstanz verwen-
deten Formulierung von Ziff. 3 der angefochtenen Schlussverfügung eine
Verletzung des sog. Spezialitätsprinzips.
Die Vorinstanz ist demgegenüber der Ansicht, dass eine jüngere und ihrer
Auffassung nach korrekte Auslegung von Art. 26 Abs. 2 DBA CH-IN nahe-
lege, dass sich der ersuchende Staat nur eine Einschränkung des Verwen-
dungszwecks entgegenzuhalten lassen brauche, eine Beschränkung auf
die vom Ersuchen formell betroffene Person im Abkommen nicht statuiert
sei und eine seitens von ihr (der ESTV) formulierte personelle Verwen-
dungsbeschränkung eine unzulässige unilaterale Einschränkung darstelle.
Denn Art. 21 Abs. 1 StAhiG sehe vor, dass zur Durchsetzung des schwei-
zerischen Steuerrechts nur die der ersuchenden Behörde übermittelten In-
formationen verwendet werden dürften. Dies impliziere eine Verwendung
dieser Informationen gegenüber einer Drittperson. Die Bestimmung sei
auch Ausdruck der schweizerischen Gesetzeslage, mithin von Art. 111 und
112 DBG, die einen sehr breiten Informationsaustausch unter Steuer- und
anderen Behörden erlauben würden. Mit der sachlichen Verwendungsbe-
schränkung liege eine hinreichende (vertragliche Garantie) vor, die einen
angemessen Schutz im Ausland im Sinne von Art. 6 Abs. 2 Bst a DSG ge-
währleiste. Die vom Bundesverwaltungsgericht in seinem Urteil
A-5046/2018 vom 22. Mai 2019 (bestätigt durch das Urteil des BGer
2C_538/2019, 2C_539/2019 vom 13. Juli 2020) vertretene Auffassung ver-
letze Art. 26 Abs. 1 des in jenem Fall anwendbaren Doppelbesteuerungs-
abkommens sowie des hier analog anzuwendenden DBA CH-IN. Auch
würden keine Anhaltspunkte vorliegen, dass das MoF eine sekundäre Ver-
wendung der fraglichen Daten anstrebe.
3.8.2 Die in den zu übermittelnden Unterlagen erwähnten Personen sind
jedoch durch das Spezialitätsprinzip geschützt, welches wie erwähnt auch
eine persönliche Dimension aufweist (Urteile des BGer 2C_537/2019 vom
13. Juli 2020 E. 3.4.3 und 3.5, 2C_376/2019 vom 13. Juli 2020 E. 7.1.3;
vgl. auch E. 2.6). Der Spezialitätsvorbehalt ist in Art. 26 Abs. 2 DBA CH-IN
enthalten. Nachdem aber international wie national unterschiedliche Auf-
fassungen darüber bestehen, wie weit dieser Spezialitätsvorbehalt reicht
und insbesondere, ob ihm eine persönliche Dimension zukommt, ist es an-
gezeigt, dass die ESTV das MoF anlässlich der Übermittlung der ersuchten
Informationen über den Umfang der Verwendungsbeschränkung informiert
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(Urteile des BGer 2C_537/2019 vom 13. Juli 2020 E. 3.7 2. Absatz,
2C_545/2019 vom 13. Juli 2020 E. 4.7).
3.8.3 Die Beschwerde ist demzufolge mit Bezug auf das Rechtsbegehren
Ziff. 2d gutzuheissen, und die ESTV wird Ziff. 3 des Dispositivs der ange-
fochtenen Verfügung entsprechend zu präzisieren haben.
3.9 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde teilweise gutzu-
heissen ist. Die Schlussverfügung vom (...) ist gemäss dem vorstehend
Gesagten zu ändern bzw. zu ergänzen. Im übrigen Umfang ist die Be-
schwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
4.
Die Verfahrenskosten sind auf Fr. 5'500.- festzusetzen und ausgangsge-
mäss den Beschwerdeführenden im Umfang von Fr. 1'500.- aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 1 VwVG und Art. 1, 2 und 4 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der Vorinstanz sind keine Kosten aufzuer-
legen (Art. 63 Abs. 2 VwVG). Der einbezahlte Kostenvorschuss von
Fr. 5'000.- ist im Umfang von Fr. 1'500.- zur Bezahlung der Verfahrenskos-
ten zu verwenden. Im Umfang von Fr. 3'500.- ist er nach Eintritt der Rechts-
kraft des Urteils zurückzuerstatten.
Die Beschwerdeführenden haben im Umfang ihres Obsiegens Anspruch
auf eine Parteientschädigung. Sie wurden bereits mit Zwischenverfügung
vom 7. Mai 2020 darauf hingewiesen, dass das Bundesverwaltungsgericht
keine Kostennote einholt, es jedoch den Parteien unbenommen ist, eine
solche einzureichen. Bis dato haben die Beschwerdeführenden keine Kos-
tennote eingereicht, weshalb ihr Anspruch auf eine reduzierte Parteient-
schädigung praxisgemäss auf Fr. 6'000.- festzusetzen ist (Art. 64 Abs. 1
VwVG und Art. 7 Abs. 2 VGKE; betreffend die Vorinstanz siehe: Art. 7
Abs. 3 VGKE). Mehrwertsteuern werden angesichts des ausländischen
Wohnsitzes der Beschwerdeführenden nicht zugesprochen.
5.
Dieser Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Amtshilfe in Steuer-
sachen kann gemäss Art. 83 Bst. h BGG innerhalb von 10 Tagen nur dann
mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundes-
gericht weitergezogen werden, wenn sich eine Rechtsfrage von grundsätz-
licher Bedeutung stellt oder wenn es sich aus anderen Gründen um einen
besonders bedeutenden Fall im Sinn von Art. 84 Abs. 2 BGG handelt
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(Art. 84a und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Ob dies der Fall ist, entscheidet
das Bundesgericht.