Decision ID: 0b06b6ea-9839-5909-8452-c094c3073e47
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso Glavas, Haus zur alten Dorfbank,
9313 Muolen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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berufliche Massnahmen und Rente
Sachverhalt:
A.
A.a M._ meldete sich am 18. September 2003 zum Bezug von IV-Leistungen an (act.
G 4.81). Im Konsiliarbericht der Klinik Valens vom 7. Oktober 2003 - wo sich die
Versicherte vom 16. Januar bis 13. Februar 2003 in stationärer
Rehabilitationsbehandlung befunden hatte (vgl. hierzu act. G 4.70-10 ff.) -
diagnostizierte Dr. med. A._, Fachärztin FMH für Innere Medizin und Rheumatologie,
ein lumboradikuläres sensomotorisches Ausfallsyndrom L5 und S1 rechts, ein
chronisches zervikozephales und zervikospondylogenes sowie thorakovertebrales
Syndrom, einen Status nach Hörsturz links im März 2003 sowie eine depressive
Begleitreaktion (act. G 4.70-1 ff.). Aufgrund der körperlichen Beschwerden und der
psychischen Symptomatik bescheinigte der behandelnde Dr. med. B._, Facharzt
FMH für Allgemeine Medizin, der Versicherten seit 6. September 2002 eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit sowohl für die angestammte Tätigkeit als Raumpflegerin als auch für
sämtliche anderen Tätigkeiten (act. G 4.69).
A.b Am 17. Mai 2006 wurde die Versicherte im Auftrag der IV-Stelle rheumatologisch
durch Dr. med. C._, Facharzt für Rheumatologie, und am 24. Juli 2006 durch
Dr. med. D._, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, begutachtet.
Dr. D._ diagnostizierte im Gutachten vom 31. Juli 2006 eine anhaltende mittelgradige
depressive Episode, die sich im Gefolge des objektivierbaren Rückenleidens
schleichend entwickelt und sich nach dem Hörsturz 2003 verstärkt habe. Entsprechend
der klinisch fassbaren mittelgradigen depressiven Episode sei die Arbeitsfähigkeit zu
50% eingeschränkt. Durch die zusätzlich vorhandenen körperlichen Symptome, bei
deren Bewältigung die Versicherte aufgrund der Depression eingeschränkt sei und die
sie im Erleben als katastrophal belasten würde, werde die Arbeitsfähigkeit zusätzlich
eingeschränkt. Gesamthaft sei aus psychiatrischer Sicht von einer Arbeitsunfähigkeit
von 70% auszugehen (act G 4.48). Im Gesamtgutachten vom 2. August 2006 stellte
Dr. C._ die Diagnose eines chronifizierten cervico-lumbalen und ischialgieformen
Schmerzgeschehens. Eine Arbeitsunfähigkeit lasse sich aus somatischer Sicht für
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körperlich leichte Tätigkeiten nicht ableiten. Unter Berücksichtigung der
psychiatrischerseits bescheinigten 70%igen Arbeitsunfähigkeit resultiere daher auch
aus polydisziplinärer Sicht eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit für leidensadaptierte
Tätigkeiten (act. G 4.47).
A.c Im Nachgang zu einem "Telefonat vom 31.08.2006" mit dem Regionalen Ärztlichen
Dienst (RAD) nannte Dr. C._ am 6. September 2006 "einige mir gegenwärtig präsente
Fälle bzw. Gutachten, bei denen die Aeusserungen des psychiatrischen Untersuchers
zur Arbeitsfähigkeit Anlass zur Hinterfragung geben und im Rahmen des
interdisziplinären Diskurses offene Fragen hinterlassen haben". Dabei führte er u.a. den
Fall der Versicherten auf (Schreiben an den RAD vom 6. September 2009, act. G 4.46).
A.d Der RAD-Arzt E._ hielt in der Stellungnahme vom 26. Oktober 2006 fest, dass
eine 50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund der mittelgradigen
depressiven Episode plausibel und nachvollziehbar sei. Dass nun überdies eine
zusätzliche 20%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe, weil die Depression den Umgang mit
den körperlichen Leiden erschwere, könne "nicht wirklich" nachvollzogen werden (act.
G 4.45).
A.e Am 9. Januar 2007 führte die IV-Stelle eine Abklärung im Haushalt der Versicherten
durch. Im Abklärungsbericht vom 2. Februar 2007 wurde die Versicherte für den
Gesundheitsfall als Vollerwerbstätige qualifiziert. Die Versicherte gab an, ihr
Gesundheitszustand habe sich in den letzten 6 Monaten verschlechtert (act. G 4.40).
A.f Ein Mitarbeiter des Rechtsdienstes der IV-Stelle schlug dem RAD im Schreiben
vom 25. Mai 2007 eine erneute Begutachtung vor, da das Gutachten von Dr. C._
nicht schlüssig sei und die RAD-Beurteilung vom 26. Oktober 2006 (50%ige
Arbeitsunfähigkeit) einer gerichtlichen Beurteilung nicht standhalten würde.
Entsprechend diesem Vorschlag empfahl der RAD-Arzt E._ eine neue Begutachtung
(act. G 4.34).
A.g Die Versicherte wurde am 30. April 2008 in der ABI Aerztliches
Begutachtungsinstitut GmbH polydisziplinär (internistisch, psychiatrisch und
rheumatologisch) untersucht. Im Gutachten vom 4. Juni 2008 stellten die ABI-
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Gutachter folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: ein chronisches
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom und eine chronifizierte Radikulopathie L5 und
S1 rechts (ICD-10: M51.1), ein chronisches zervikospondylogenes und oberes
thorakospondylogenes Schmerzsyndrom mit begleitendem myofaszialem
Schmerzsyndrom Nacken-Schultergürtel (ICD-10: M53.1) sowie eine leichte depressive
Episode (ICD-10: F32.0). Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestünden u.a. eine
Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10: F54) sowie migränoide
Spannungskopfschmerzen (ICD-10: G44.2). Aus psychiatrischer Sicht bestünde eine
20%ige und aus rheumatologischer Sicht eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit für
leidensadaptierte Tätigkeiten. Internistischerseits bestünde keine quantitative
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die Einschränkungen aus psychiatrischer,
rheumatologischer und internistischer Sicht ergänzten sich bezüglich möglicher Pausen
und Erholungsphasen, es entstehe kein additiver Effekt (act. G 4.27-19).
A.h Mit Vorbescheid vom 24. Juli 2008 stellte die IV-Stelle der Versicherten in Aussicht,
einen Rentenanspruch zu verneinen. Ausgehend von einer 70%igen
Restleistungsfähigkeit ermittelte die IV-Stelle im Rahmen eines Prozentvergleichs und
unter Gewährung eines 10%igen Leidensabzugs einen Invaliditätsgrad von 37% (act.
G 4.22).
A.i Im dagegen gerichteten Einwand vom 25. August 2008 stellte sich die Versicherte
auf den Standpunkt, dass das ABI-Gutachten nicht beweiskräftig sei. Was die
Bestimmung des Valideneinkommens anbelange, so sei darauf hinzuweisen, dass sie
eine Ausbildung als Krankenschwester mit Diplom absolviert habe. Demzufolge müsse
das Valideneinkommen angepasst und mindestens auf Fr. 75'000.-- festgesetzt werden
(act. G 4.20).
A.j In der Verfügung vom 1. April 2009 hielt die IV-Stelle an der Rentenablehnung fest
(act. G 4.7).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 14. April
2009. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen beantragt darin die
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Beschwerdeführerin die Aufhebung der Verfügung und die umgehende Anhandnahme
beruflicher Massnahmen (Umschulung und Wiedereingliederung). Eventualiter sei eine
Oberexpertise in Auftrag zu geben. Die Beschwerdeführerin bringt vor, dass zwei sich
diametral widersprechende Gutachten vorlägen. Zur Klärung der Sachlage sei daher
eine Oberbegutachtung erforderlich. Das ABI-Gutachten sei widersprüchlich. Im
Übrigen lautet die Beschwerdebegründung im Wesentlichen gleich wie diejenige der
Einwandeingabe. Ergänzend rügt die Beschwerdeführerin, dass sie das von der
Beschwerdegegnerin berücksichtigte Invalideneinkommen ohne berufliche
Massnahmen nicht erzielen könnte. Die Beschwerdegegnerin habe den Fall
abgeschlossen, ohne die beruflichen Massnahmen ernsthaft zu prüfen. Rückwirkend
werde auf jeden Fall die Gewährung einer halben Rente beantragt, und zwar
mindestens für jene Zeit (seit Aufenthalt in der Klinik Valens bis zur Begutachtung in der
ABI), als sie unstreitig mindestens zu 50% arbeitsunfähig gewesen sei (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 19. Mai 2009
die Beschwerdeabweisung. Sie macht im Wesentlichen geltend, dass das ABI-
Gutachten beweiskräftig und gestützt darauf zu Recht ein Rentenanspruch verneint
worden sei. Den in den Akten liegenden, von den psychiatrischen Gutachtenspersonen
bescheinigten Arbeitsunfähigkeiten komme keine invalidisierende Wirkung zu. Es
bestehe daher lediglich eine aus rheumatologischer Sicht bescheinigte 30%ige
Arbeitsunfähigkeit. Weil bei der Beschwerdeführerin keine repräsentative
Einkommensbasis zur Verfügung stehe, könne ihr Valideneinkommen abstrakt, d.h.
gestützt auf die statistischen Tabellenlöhne bestimmt werden. Da sie seit ihrer Einreise
in der Schweiz stets als Hilfsarbeiterin gearbeitet habe, sei ihr Valideneinkommen
entgegen ihrer Ansicht gestützt auf die niedrigste Qualifikationsstufe 4 zu bestimmen.
Auf den Antrag bezüglich beruflicher Massnahmen sei nicht einzutreten, da die
angefochtene Verfügung einzig den Rentenanspruch zum Gegenstand habe (act. G 4).
B.c In der Replik vom 5. Juni 2009 hält die Beschwerdeführerin an den gestellten
Anträgen fest. Bezüglich beruflicher Massnahmen führt sie aus, dass "wenn hier die
Beschwerdegegnerin Recht hat, wird sie eine entsprechende Verfügung" noch zu
erlassen haben. Sie werde hierzu ausdrücklich aufgefordert. Ferner weist sie darauf hin,
dass kein Gutachter eine somatoforme Schmerzstörung erwähnt habe, weshalb die
Ausführungen der Beschwerdegegnerin zur fehlenden invalidisierenden Wirkung des
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psychischen Leidensbildes nicht einschlägig seien. Der von der Beschwerdegegnerin
gewährte 10%ige Leidensabzug sei zu niedrig und vielmehr auf mindestens 20%
festzusetzen (act. G 8).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 10).

Erwägungen:
1.
In formeller Hinsicht ist vorab die Frage zu klären, ob auf den erst beschwerdeweise
geltend gemachten Anspruch auf berufliche Massnahmen einzutreten ist.
1.1 Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich
Rechtsverhältnisse zu überprüfen bzw. zu beurteilen, zu denen die zuständige
Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich - in Form einer Verfügung - Stellung
genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung den beschwerdeweise
weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem
Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und
insoweit keine Verfügung ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 414 E. 1a).
1.2 Was den Anspruch auf berufliche Massnahmen anbelangt, so bildete dieser nicht
Gegenstand der Verfügung vom 1. April 2009 (act. G 4.7). Im Hinblick darauf, dass
darin ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von 37% ermittelt wurde, ist die
Frage betreffend berufliche Massnahmen auch nicht notwendigerweise deren
Gegenstand. Die Beschwerdegegnerin äusserte sich bislang nicht zum Anspruch auf
berufliche Massnahmen. In der Beschwerdeantwort vom 19. Mai 2009 lässt sie sich
hierzu lediglich knapp materiell vernehmen, stellt sich aber primär auf den Standpunkt,
dass der Anspruch nicht Gegenstand der angefochtenen Verfügung bilde (act. G 4).
Unter diesen Umständen ist der Anspruch auf berufliche Massnahmen nicht
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens, weshalb auf diese Begehren
nicht einzutreten ist.
2.
Zu prüfen bleibt damit der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
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2.1 Am 1. Januar 2003 ist das Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1), am 1. Januar 2004 sind die neuen
Normen der 4. IV-Revision und am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision
revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20), der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des
ATSG in Kraft getreten. In materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine
übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu
legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt
gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt
verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die
angefochtene Verfügung ist am 1. April 2009 ergangen (act. G 4.7), wobei ein
Sachverhalt zu beurteilen ist (Eintritt Arbeitsunfähigkeit am 6. September 2002, act.
G 4.69), der vor dem Inkrafttreten des ATSG und der revidierten Bestimmungen der
4. und 5. IV-Revision begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit
eine Dauerleistung betrifft, über die noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist
entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln auf die jeweils
geltenden Bestimmungen und ab 1. Januar 2008 auf die neuen Normen der 5. IV-
Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des
Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Nachfolgend werden die seit
1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben, soweit
nicht ausdrücklich auf altrechtliche Bestimmungen verwiesen wird.
2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
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zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Für das
gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und
das Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Das im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten von externen Spezialärzten, die aufgrund
eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten
Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
gelangen, besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb).
2.4 Gemäss aArt. 28 Abs. 1 IVG (in der bis 31. Dezember 2003 gültigen Fassung)
besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu zwei Dritteln, derjenige auf eine halbe Rente, wenn sie wenigstens zur
Hälfte invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 40% vor, so besteht ein
Anspruch auf eine Viertelsrente. Nach aArt. 28 Abs. 1 IVG (in der seit 1. Januar 2004
bis 31. Dezember 2007 gültigen Fassung) und Art. 28 Abs. 2 IVG (in der seit 1. Januar
2008 gültigen Fassung) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
3.
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Zu klären ist vorweg die Frage, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsgenügliche
Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt.
4.
Die Beschwerdegegnerin stützt sich in medizinischer Hinsicht auf das ABI-Gutachten
vom 4. Juni 2008 (act. G 4.27).
4.1 Bei der Würdigung des internistischen und rheumatologischen Teils des ABI-
Gutachtens vom 4. Juni 2008 ergeben sich keine Gesichtspunkte, die Zweifel an der
Beweiskraft zu begründen vermögen. Vielmehr wurden darin das gesamte Leidensbild
der Beschwerdeführerin berücksichtigt und eingehende Untersuchungen
vorgenommen. Die Einschätzung der Restarbeitsfähigkeit ist schlüssig begründet.
4.2 Dagegen ergeben sich bei einer näheren Betrachtung des psychiatrischen Teils
des ABI-Gutachtens mehrere Indizien gegen dessen Zuverlässigkeit.
4.2.1 Zunächst erscheint die rückwirkende Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht
schlüssig. So steht im psychiatrischen Teilgutachten, es sei gut möglich, dass es unter
der Behandlung und dem natürlichen Verlauf zu einer Besserung gekommen sei (act.
G 4.27-13). Trotz dieser Annahme, dass früher ein verschlechterter
Gesundheitszustand "gut möglich" gewesen sei, gingen die Gutachter, ohne Auskünfte
zum Gesundheitsverlauf beim behandelnden Psychiater einzuholen, in der
Gesamtbeurteilung von einer seit September 2002 unveränderten 30%igen
Arbeitsunfähigkeit aus (act. G 4.27-19).
4.2.2 Auch die vom psychiatrischen ABI-Gutachter gestellte Diagnose einer
leichten depressiven Episode (ICD-10: F32.0) wirft mit Blick auf die von Dr. D._
diagnostizierte anhaltende mittelgradige depressive Episode (act. G 4.48-5) Zweifel auf.
Gemäss der ICD-Klassifikation ist die Schweregradeinteilung einer depressiven
Episode von der Anzahl bestimmter diagnostischer Kriterien (u.a. "wiederkehrende
Gedanken an den Tod" oder "an Suizid" oder "suizidales Verhalten"; vgl. hierzu H.
Dilling und H.J. Freiberger, a.a.O., S. 135) abhängig. Der psychiatrische ABI-Gutachter
verneinte das Vorliegen eines mittelgradigen Schweregrades in der knapp gehaltenen
Begründung u.a. mit der Verneinung der Suizidalität. Da aus seiner Exploration,
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namentlich aus der Befunderhebung, nicht hervorgeht, dass er die Beschwerdeführerin
diesbezüglich überhaupt befragt hätte und mit Blick darauf, dass der internistische
ABI-Gutachter von "Todessehnsüchte" (act. G 4.27-7) und Dr. D._ von
"Suizidgedanken" (act. G 4.48-5) sprach, bestehen Indizien gegen die Zuverlässigkeit
an der psychiatrischen Diagnosestellung.
4.2.3 Ferner wirft auch die Diagnose einer Schmerzverarbeitungsstörung Fragen
auf (ICD-10: F54, act. G 4.27-11). In der gesamtgutachterlichen Diagnoseliste finden
sich des Weiteren Spannungskopfschmerzen (ICD-10: G44.2, act. G 4.27-18). Gemäss
H. Dilling und H.J. Freiberger, Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer
Störungen, 4. Auflage, Bern 2008, S. 227, bildet das Vorliegen eines
Spannungskopfschmerzes (ICD-10: G44.2) ein Ausschlusskriterium für die Diagnosen
gemäss ICD-10: F54. Dasselbe gilt im Übrigen auch für die vom psychiatrischen ABI-
Gutachter differenzialdiagnostisch in Betracht gezogene somatoforme Schmerzstörung
(act. G 4.27-11; vgl. hierzu H. Dilling und H.J. Freiberger, a.a.O., S. 195). Dies hat der
psychiatrische ABI-Gutachter bei seiner Diagnosestellung offenbar übersehen (zur
Fehlerhaftigkeit einer solchen Diagnose Prof. Dr. med. A. Siegel, Bewertungen von
ärztlichen Gutachten, Referat gehalten anlässlich der November Tagung zum
Sozialversicherungsrecht, Luzern, 30. November 2010). Zumindest wäre zu erwarten
gewesen, dass der psychiatrische ABI-Gutachter seine Diagnose mit Blick auf das
Vorliegen eines möglichen Ausschlusskriteriums näher diskutiert hätte, auch wenn er
ihr keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zumass.
4.3 Aus dem Gesagten ergibt sich, dass es der psychiatrischen sowie der u.a.
gestützt darauf vorgenommenen gesamtgutachterlichen Einschätzung durch die ABI an
Beweiskraft mangelt.
5.
Im Recht liegt des Weiteren die gutachterliche Beurteilung der Dres. C._ und D._
vom 2. August 2006, worin der Beschwerdeführerin eine 30%ige Restarbeitsfähigkeit
bescheinigt wurde (act. G 4.47).
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5.1 Am rheumatologischen Teil ist zu bemängeln, dass er nicht auf aktuellen
Röntgenbildern beruht, sondern dass Dr. C._ lediglich veraltete Röntgenbilder aus
den Jahren 2002 und 2003 sichtete. Die Vornahme von aktuellen bildgebenden
Untersuchungen hätte sich vorliegend umso mehr aufgedrängt, als Dr. C._ festhielt:
"So lässt sich heute kaum mehr beurteilen, inwieweit die im Rücken inkl. rechtem Bein
sowie Nacken-Schulterbereich geklagten Beschwerden und demonstrierten
Fehlhaltungsmuster mit bildgeberisch nachweislichen Organbefunden korrellieren
[...]" (act. G 4.47-10). Das rheumatologische Teilgutachten von Dr. C._ erweist sich
daher als unvollständig. Diese Betrachtungsweise wird dadurch bestätigt, dass der
ABI-Rheumatologe, dem aktuellere bildgebende Ergebnisse zur Verfügung standen
(vgl. zum MRI der LWS vom 20. Oktober 2007 act. G 4.27), im Vergleich zu Dr. C._
einen erheblich umfassenderen, gravierenderen Befund beschrieb ("Ein nochmaliges
MRI 10/07 hat weiterhin erhebliche Segmentdegenerationen [...] gezeigt mit [...] und
zusätzlich nach caudal ausdehnender Diskushernie L5/S1. Insbesondere auf der
untersten Bandscheibenhöhe besteht eine deutliche Foraminalstenose beidseits.", act.
G 4.27-16).
5.2 Dr. D._ bescheinigte der Beschwerdeführerin "entsprechend der klinisch
fassbaren mittelgradigen depressiven Episode" eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. "Durch
die zusätzlich vorhandenen körperlichen Symptome, bei deren Bewältigung die
Versicherte aufgrund der Depression eingeschränkt sei und die sie im Erleben als
katastrophal belasten, wird die Arbeitsfähigkeit zusätzlich eingeschränkt. Gesamthaft
ist aus psychiatrischer Sicht von einer Arbeitsunfähigkeit von 70% auszugehen" (act.
G 4.48-6). Diese Einschätzung wurde auch im Gesamtgutachten von Dr. C._
wiedergegeben (act. G 4.47).
5.2.1 Vorweg ist zu bemerken, dass das Schreiben von Dr. C._ vom 6.
September 2006 an den RAD (act. G 4.46) für sich allein nicht geeignet ist, die
gutachterliche Beurteilung von Dr. D._ in Frage zu stellen. Denn es steht in
Widerspruch zu seinem eigenen Gesamtgutachten vom 2. August 2006, worin er die
psychiatrische Einschätzung vorbehaltlos übernahm und mit seiner Unterschrift die
sich auf das psychiatrische Teilgutachten abstützende gesamtgutachterliche
Beurteilung bestätigte (act. G 4.47).
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5.2.2 Indessen wirft das psychiatrische Teilgutachten von Dr. D._ insoweit
Fragen auf, als die Expertin eine zusätzliche 20%ige Arbeitsunfähigkeit aufgrund des
durch die Depression erschwerten Umgangs mit den körperlichen Leiden bescheinigte.
Die gesamthafte Arbeitsfähigkeitsschätzung vermag insoweit nicht zu überzeugen, als
Dr. D._ ohne Rücksprache mit Dr. C._ ein primär rheumatologisch zu
bestimmendes "körperliches" Argument ("durch die zusätzlichen körperlichen
Symptome", act. G 4.48-6) bei der psychiatrischen Einschätzung zusätzlich
mitberücksichtigt, bzw. mithin einseitig eine polydisziplinäre Beurteilung vornimmt.
Zwar wurde die 70%ige Arbeitsunfähigkeit im Gesamtgutachten vom 2. August 2006
von Dr. C._ mitgetragen (act. G 4.47-11). Hingegen geht aus dessen Schreiben vom
6. September 2006 hervor (act. G 4.46), dass er es bei der Erstellung des
Gesamtgutachtens, namentlich bei der gesamtgutachterlichen
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung an der erforderlichen Gewissenhaftigkeit fehlen liess. Ob
die Bescheinigung einer insgesamt 70%igen Arbeitsunfähigkeit schlüssig ist, kann
daher vom Gericht nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bejaht werden.
6.
Zusammenfassend steht fest, dass in psychiatrischer Hinsicht ein in allen Teilen
nachvollziehbares, überzeugendes Gutachten fehlt. Es rechtfertigt sich daher, die
Sache zur Vornahme einer psychiatrischen Oberbegutachtung durch eine noch nicht
mit dem Fall befasste MEDAS an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
7.
7.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde unter Aufhebung der angefochtenen
Verfügung vom 1. April 2009 teilweise gutzuheissen, soweit darauf einzutreten ist. Die
Sache ist zur weiteren Abklärung und zu neuer Verfügung im Sinn der Erwägungen an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
7.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
bis
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volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu
bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss der Beschwerdeführerin von Fr. 600.-- ist ihr
zurückzuerstatten.
7.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin hat auf die Einreichung einer Honorarnote verzichtet. Der
Bedeutung und dem Aufwand der Streitsache angemessen erscheint eine
Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP