Decision ID: f6ece6ed-0e13-4f34-93d1-11bfea5b1aa5
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._ war zuletzt als Skilehrerin bei der C._ D._ AG tätig. In
dieser Eigenschaft war sie bei der B._ AG (nachfolgend: B._)
gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Am 22.
Februar 2019 stand A._ als Skilehrerin mit ihrem sechsjährigen
Skischüler am Skilift, als dieser von einem etwa zwölfjährigen Jungen
umgefahren wurde. Daraufhin stürzte der Skischüler auf A._, wobei
auch sie zu Fall kam und sich beide Knie verdrehte. Bereits am Folgetag
wurde in der Klinik E._ in D._ eine MRI-Untersuchung des
rechten Kniegelenks durchgeführt, wobei eine (Teil-)Ruptur des vorderen
Kreuzbandes festgestellt wurde. Am 27. Februar 2019 erfolgte in der Klinik
E._ in D._ eine MRI-Abklärung des linken Kniegelenks, bei
welchem ein Vorzustand bereits bekannt war. Die B._ gewährte die
gesetzlichen Leistungen (Taggelder, Heilkosten).
2. Nach Abklärung der gesundheitlichen Verhältnisse lehnte die B._ mit
Verfügung vom 24. Juni 2019 einen Anspruch von A._ auf
Versicherungsleistungen ab dem 10. März 2019 ab. Zur Begründung
führte sie an, dass sich gestützt auf die Beurteilung ihres beratenden
Arztes ergebe, dass mit der Teilnahme am Engadiner Skimarathon vom
10. März 2019 der Status quo ante erreicht worden sei. Die gegen diese
Verfügung erhobene Einsprache wies die B._ mit
Einspracheentscheid vom 9. Oktober 2019 ab.
3. Gegen diesen Entscheid erhob A._ (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) am 11. November 2019 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Darin beantragte sie die
Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids sowie die
Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen über den 10. März 2019 hinaus.
Eventualiter sei die Frage der Unfallkausalität der Beschwerden im
rechten Knie (Instabilität etc.) sowie die Frage der Erreichung des Status
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quo ante am rechten Kniegelenk gestützt auf Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art.
44 ATSG von einem unabhängigen Sachverständigen klären zu lassen.
Zur Begründung wurde hauptsächlich vorgebracht, die B._ habe die
beschwerdeführerische Einsprache gestützt auf das Aktengutachten von
Dr. med. F._ sinngemäss unter anderem mit der Begründung
abgelehnt, in beiden Kniegelenken sei ein erheblicher Vorzustand
vorhanden gewesen und aufgrund der kontinuitätserhaltenden
Fasersträngen erkläre sich auch, weshalb die Beschwerdeführerin bereits
wenige Tage nach dem Skisturz den Engadiner Skimarathon habe
absolvieren können. Es habe keine relevante Instabilität bestanden, wie
dies bei einer Totalruptur des vorderen Kreuzbandes zu erwarten
gewesen wäre. Diese Ausführungen würden den im Recht liegenden
Arztberichten widersprechen. Denn die Dres. med. G._ und H._,
welche die Beschwerdeführerin selber untersucht und mithin nicht einfach
einen Aktenentscheid getroffen hätten, hätten ausdrücklich festgehalten,
dass sich eine vordere Kreuzbandruptur rechts gezeigt habe, dass diese
Ruptur frisch gewesen sei und dass zusätzlich auch noch ein
Gelenkserguss habe festgestellt werden können; aufgrund dieser frischen
Verletzungen seien weiterhin eine vordere Instabilität und weitere
Beschwerden vorhanden. Es möge zwar zutreffen, dass Dr. med. I._
in seinem Bericht vom 23. Februar 2019 (recte: 25. Februar 2019)
verschiedene kleinere Vorzustände am rechten Kniegelenk aufgeführt
habe, was jedoch nichts an der Tatsache ändere, dass das vordere
Kreuzband infolge des Skiunfalls gerissen gewesen und die Instabilität auf
diese Kreuzbandverletzung zurückzuführen sei. Die Dres. med. G._
und H._ würden die Beschwerdeführerin seit unzähligen Jahren
kennen und hätten Kenntnis davon, dass das rechte Kniegelenk noch nie
offensichtlich verletzt gewesen sei. Ihre Ausführungen seien absolut
nachvollziehbar, zumal die Argumentation der B._ im
Zusammenhang mit der Absolvierung des Engadiner Skimarathons nicht
stichhaltig sei. Es sei sehr wohl möglich, auch mit einem gerissenen sowie
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instabilen Kreuzband Sport zu treiben und das Knie somit einem
Belastungstest zu unterziehen. Wenn sich die B._ nun auf den
Standpunkt stelle, dass die Beschwerden ab dem 10. März 2019 nicht
mehr mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit dem
Skiunfall stehen würden, bedeute dies in der Konsequenz, die
Beschwerden wegen des Kreuzbandrisses (inkl. Instabilität) sowie der
Knochenprellung am Fibulaköpfchen seien schon nach 16 Tagen
ausgeheilt gewesen. Dies könne wohl nicht ernsthaft behauptet werden,
zumal die behandelnden Ärzte im damaligen Zeitpunkt eben auch die
operative Behandlung diskutiert hätten, weil sie gewusst hätten, dass die
Instabilität so oder anders noch über Monate andauern könne bzw. werde.
Wenn die B._ im Übrigen behaupte, der Status quo sine vel ante und
somit der krankhafte Vorzustand sei ab dem 10. März 2019 wieder erreicht
gewesen, so gelte es diesbezüglich klarzustellen, dass die
Beschwerdeführerin am rechten Kniegelenk noch nie eine Verletzung
erlitten und vor dem Skiunfall nachweislich überhaupt keine Beschwerden
verspürt habe. Soweit die B._ den ablehnenden Einspracheentscheid
sodann damit begründe, dass infolge der Absolvierung des Engadiner
Skimarathons der Nachweis erbracht sei, dass die Kniedistorsion zu
keinen erheblichen Verletzungen geführt habe und somit auch keine
vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit begründet werden könne, übersehe
sie, dass die Beschwerdeführerin als Skilehrerin tätig gewesen sei und sie
diese Tätigkeit wegen des Kreuzbandrisses unmöglich habe ausüben
können. Es könne wohl nicht ernsthaft behauptet werden, man könne
bereits 16 Tage nach erfolgtem Kreuzbandriss wieder als Skilehrerin tätig
sein. Ausserdem wäre die Aufnahme dieser Tätigkeit selbst- sowie
fremdgefährdend gewesen. Die B._ lehne weitere Leistungen ab dem
10. März 2019 grundsätzlich nur mit der Begründung ab, mit Absolvierung
des Skimarathons sei der Status quo sine vel ante terminiert worden. Es
handle sich bei der Beschwerdeführerin um eine äusserst aktive und
sportliche Person, weshalb sie das Kreuzband nicht einfach operativ habe
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behandeln lassen wollen, sondern zuerst habe ausloten wollen, ob eine
Operation umgangen werden könne. Der Belastungstest habe denn auch
gezeigt, dass die von den Dres. med. G._ und H._
nachgewiesene Knieinstabilität durchaus kompensiert und somit eine
konservative Behandlung verantwortet werden könne. Dies heisse aber
noch lange nicht, dass nach diesem Test überhaupt keine Knieinstabilität
mehr vorhanden gewesen wäre und das rechte Kniegelenk wieder den
"krankhaften Vorzustand" – die Beschwerdeführerin sei komplett
beschwerdefrei gewesen – erreicht hätte. Es sei nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, dass die Instabilität im rechten
Kniegelenk und die weiteren mit einem Kreuzbandriss einhergehenden
Beschwerden nicht auf den Unfall vom 22. Februar 2019 zurückzuführen
seien. Im Gegenteil, ein Kreuzbandriss, bei welchem die operative
Behandlung im Raum gestanden habe, könne nicht innert 16 Tagen derart
abgeklungen sein, dass dieser Riss zu keinerlei Instabilität mehr führe.
4. In ihrer Beschwerdeantwort vom 14. Januar 2020 beantragte die B._
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde. Zur
Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass es entgegen der
beschwerdeführerischen Darstellung nicht zu einer Totalruptur des
vorderen Kreuzbandes gekommen sei, denn der Radiologe Dr. med.
I._ habe am 23. Februar 2019 folgendes festgestellt: "T2
hyperintense Signalalterationen im VKB mit überwiegend
kontinuitätserhaltenden Fasersträngen." Gemäss Aktengutachten des
Versicherungsmediziners Dr. med. F._ vom 8. Januar 2020 sei die
Unfallkausalität der Kniebeschwerden rechts unbestritten. Die
nachgewiesene Zerrung/Partialruptur des vorderen Kreuzbandes habe
aber zu keiner relevanten Knieinstabilität geführt, da die Kontinuität der
Faserstränge im vorderen Kreuzband überwiegend erhalten geblieben sei
(Hinweis auf den von Dr. med. I._ am 23. Februar 2019 festgestellten
Befund). Bestritten werde nicht die Unfallkausalität für das rechte
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Kniegelenk, sondern eine weiterhin bestehende unfallbedingte
Arbeitsunfähigkeit sowie eine ereignisbedingt fortdauernde
Behandlungsbedürftigkeit. Das Bone bruise sei im vorliegenden Fall
überwiegend wahrscheinlich eine frische Verletzung gewesen. Solche
Veränderungen im Gelenk könnten aber auch im Rahmen einer Arthrose
oder einer chronischen Überlastung auftreten. Diese hätten allerdings per
Definition keine bleibenden Folgen (Hinweis auf wissenschaftliche
Literatur betreffend Bone bruise). Am rechten Knie der
Beschwerdeführerin habe keine vollständige Kreuzbandruptur
vorgelegen, sondern es sei zu einer Partialläsion des vorderen
Kreuzbandes gekommen. Im betroffenen Kniegelenk habe zu jenem
Zeitpunkt ein erheblicher, unfallfremder Vorzustand bestanden im Sinne
einer Arthrose, degenerativer Veränderungen im medialen Meniskus
sowie von Baker- und Geröllzysten. Das Ereignis vom 22. Februar 2019
habe überwiegend wahrscheinlich zu keiner relevanten Instabilität im
rechten Kniegelenk geführt. Ab dem 10. März 2019 (Absolvierung
Engadiner Skimarathon) hätten somit keine Gründe mehr für eine weitere
Arbeitsunfähigkeit resp. Behandlung bestanden. Hinsichtlich des linken
Knies wurde hauptsächlich ausgeführt, dass am 27. Februar 2019 eine
MRI-Abklärung stattgefunden habe und ebenfalls eine Konsultation bei Dr.
med. J._. Dieser habe in seinem Bericht vom 28. Februar 2019
festgehalten, dass sich im MRT-Befund ein Bone bruise im medialen
Tibiaplateau zeige und die Menisken medial und lateral adäquat ohne
frisches Trauma aussehen würden. Dr. med. G._ habe die MRI-
Aufnahmen des linken Knies am 1. März 2019 wie folgt kommentiert:
"Fortgeschrittene, posttraumatische Gonarthrose bei noch etwas
bestehendem vorderen Kreuzbandtransplantat. Dieses ist aber deutlich
gelockert. Es scheint mir eine Verkalkung intertrochantär vorzuliegen, die
das Kreuzband etwas umlenkt. Multiple Granulome im Bereiche des
proximalen wie distalen Transplantatkanals. Steiler Sitz des Kreuzbandes
proximal. Frisch traumatisch kann ich keine weitere Läsion feststellen.
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Beide Menisken sind degenerativ verändert. Die mediale Gonarthrose ist
fortgeschrittener als lateral. [...] Am linken Kniegelenk ist sicherlich
vorderhand keine weitere Therapie ausser Physiotherapie und
Schmerztherapie notwendig." Laut Dr. med. F._ habe im linken
Kniegelenk ein erheblicher Vorzustand mit einer Gonarthrose bei Zustand
nach zweimaliger Kreuzbandersatzplastik bestanden. Frische relevante
Verletzungsfolgen hätten am 27. Februar 2019 bildgebend nicht
nachgewiesen werden können. Dr. med. F._ weise in seinem
Aktengutachten vom 8. Januar 2020 darauf hin, dass im Rahmen der
Untersuchung vom 12. März 2019 betreffend das linke Knie keine
Beschwerden erwähnt worden seien. Somit habe zu jenem Zeitpunkt
ebenfalls kein Grund mehr für eine unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit resp.
Behandlungsbedürftigkeit bestanden. Von den anbegehrten weiteren
Abklärungen seien keine entscheidrelevanten Erkenntnisse zu erwarten,
so dass darauf verzichtet werden könne.
5. Mit Replik vom 27. Januar 2020 führte die Beschwerdeführerin bei
unveränderten Rechtsbegehren aus, es sei aktenkundig, dass sie sich bei
einem Skiunfall das vordere rechte Kreuzband (an-)gerissen habe. Diese
Verletzung, welche sicherlich auch bei einer allfälligen Erhaltung der
Faserstränge mit einer Instabilität im rechten Kniegelenk einhergegangen
sei, könne nicht dazu führen, dass jemand schon 16 Tage nach dieser
Partialläsion in der angestammten Tätigkeit als Skilehrerin wieder voll
arbeitsfähig gewesen sein solle.
6. Am 29. Januar 2020 verzichtete die Beschwerdegegnerin bei
unveränderten Rechtsbegehren auf das Einreichen einer Duplik.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensparteien sowie die
eingereichten Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
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II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 9. Oktober 2019. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) i.V.m.
Art. 56 Abs. 1 und Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann
gegen einen Einspracheentscheid Beschwerde an das
Versicherungsgericht desjenigen Kantons erhoben werden, in welchem
die versicherte Person im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung ihren
Wohnsitz hat. Die Beschwerdeführerin wohnt im Kanton Graubünden,
womit die örtliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des Kantons
Graubünden gegeben ist. Dessen sachliche Zuständigkeit ergibt sich aus
Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a des kantonalen Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Als formelle und materielle
Adressatin des angefochtenen Einspracheentscheids ist die
Beschwerdeführerin davon überdies berührt und sie weist ein
schutzwürdiges Interesse an dessen Überprüfung auf (Art. 59 ATSG). Auf
die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 1 Abs.
1 UVG i.V.m. Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG) ist somit einzutreten.
2. Streitig und zu prüfen ist vorliegend, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht
einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf weitere Leistungen der
obligatorischen Unfallversicherung aus dem Skiunfall vom 22. Februar
2019 ab dem 10. März 2019 verneinte.
3.1. Gemäss Art. 4 ATSG ist ein Unfall die plötzliche, nicht beabsichtigte
schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den
menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Nach
Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen
Unfallversicherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die
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Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und
Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der
versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der
Unfallfolgen (Heilbehandlung). Ist die versicherte Person infolge des
Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs.
1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Die Pflegeleistungen und
Kostenvergütungen sowie die Taggelder und Hilflosenentschädigungen
werden nicht gekürzt, wenn die Gesundheitsschädigung nur teilweise
Folge eines Unfalles ist (Art. 36 Abs. 1 UVG).
3.2. Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst
voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen
Schaden ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im
Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne
deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder
nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten
gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die
Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass
ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher
Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit
anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität des
Versicherten beeinträchtigt hat, der Unfall mit anderen Worten nicht
weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene
gesundheitliche Störung entfiele. Ob zwischen einem schädigenden
Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher
Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung
bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden
Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die
blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung
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eines Leistungsanspruchs nicht (vgl. BGE 142 V 435 E.1, 129 V 177 E.3.1,
119 V 335 E.1, 118 V 286 E.1b, je mit weiteren Hinweisen).
3.3. Hat ein Unfallversicherer die Unfallkausalität bejaht und Leistungen
erbracht, entfällt seine Leistungspflicht erst, wenn der gesundheitliche
Schaden nur noch ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht.
Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand,
wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder
aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf
eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später
eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (vgl. BGE 146 V 51 E.5.1
und 8.5). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche
Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung
von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im
Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Da es sich um
eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast – anders
als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher
Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person,
sondern beim Unfallversicherer. Dabei muss nicht etwa der Beweis für
unfallfremde Ursachen erbracht werden. Entscheidend ist, ob
unfallbedingte Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale
Bedeutung verloren haben, ob diese also dahingefallen sind. Ebenso
wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Beweis zu
verlangen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliege oder die
versicherte Person nun bei voller Gesundheit sei (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_68/2020 vom 11. März 2020 E.3.2, 8C_840/2019 vom
14. Februar 2020 E.3.2, Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts U 15/04 vom 7. Juli 2004 E.2.2, je mit weiteren
Hinweisen).
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3.4. Im Sozialversicherungsprozess tragen die Parteien in der Regel eine
Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu
Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen
Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings
erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen
Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich
hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (vgl. BGE 138 V 218 E.6; Urteil des
Bundesgerichts 8C_17/2017 vom 4. April 2017 E.2.2; je mit weiteren
Hinweisen).
3.5. Der Versicherungsträger und das im Streitfall angerufene Gericht haben
den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären (vgl.
Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG). Die Untersuchungspflicht dauert so
lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs
erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht. Bleiben jedoch
erhebliche Zweifel an der Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher
getroffenen Tatsachenfeststellung bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit
von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue wesentliche
Erkenntnisse zu erwarten sind (vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_281/2018 vom 25. Juni 2018 E.3.2.1, 8C_616/2013 vom 28. Januar
2014 E.2.1, je mit weiteren Hinweisen).
3.6. Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte sind Sozialversicherungsträger
und Sozialversicherungsrichter auf Unterlagen angewiesen, die ihnen
vorab von Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Das Gericht hat die
medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsprozess
gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) –
wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies
bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel,
unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu
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entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf
es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess
nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die
Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere
medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(vgl. BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a, 122 V 157 E.1c). Gemäss
Rechtsprechung ist auch ein reines Aktengutachten beweiskräftig, wenn
die Akten ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und
gegenwärtigen Status ergeben und diese Daten unbestritten sind; der
Untersuchungsbefund muss lückenlos vorliegen, damit der
Berichterstatter imstande ist, sich aufgrund der vorhandenen Unterlagen
ein vollständiges Bild zu verschaffen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_397/2019 vom 6. August 2019 E.4.3 mit weiteren Hinweisen). Dabei
geht es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an
sich feststehenden medizinischen Sachverhalts, mithin rückt die direkte
ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund (vgl.
SVR 2010 UV Nr. 17 S. 63, 8C_239/2008 vom 17. Dezember 2009 E.7.2;
SZS 2008 S. 393, I 1094/06 vom 14. November 2007 E.3.1.1 in fine; Urteil
U 10/87 vom 29. April 1988 E.5b, nicht publ. in: BGE 114 V 109, aber in:
RKUV 1988 Nr. U 56 S. 366; Urteil des Bundesgerichts 8C_780/2016 vom
24. März 2017 E.6.1). Den Berichten eines Versicherungsmediziners
kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen,
nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine
Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Bestehen auch nur geringe
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Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit seiner Feststellungen, so
sind weitere Abklärungen notwendig (vgl. BGE 135 V 465 E.4.6 f., 125 V
351 E.3b/ee).
4.1. Vorliegend ist der Unfallhergang zwischen den Parteien unbestritten. Am
22. Februar 2019 stand die Beschwerdeführerin als Skilehrerin mit ihrem
sechsjährigen Skischüler am Skilift, als dieser von einem etwa
zwölfjährigen Jungen umgefahren wurde. In der Folge stürzte der
Skischüler auf die Beschwerdeführerin, wobei auch sie zu Fall kam. Dabei
verdrehte sich die Beschwerdeführerin beide Knie und musste sich in
ärztliche Behandlung begeben (vgl. beschwerdeführerische Akten [Bf-act.]
2 S. 2 und S. 13, 8 und 12 S. 1 sowie beschwerdegegnerische Akten [Bg-
act.] 2 S. 1 und S. 4 ff.). Es liegen Arbeitsunfähigkeitszeugnisse zu 100 %
ab dem 22. Februar 2019 bis zum 31. März 2019 vor (vgl. Bg-act. 2 S. 2).
4.2.1. Bezüglich des Beschwerde- und Behandlungsverlaufs des rechten Knies
der Beschwerdeführerin sind folgende medizinischen Unterlagen von
Relevanz:
4.2.2. In seinem Bericht vom 25. Februar 2019 über die MRI-Untersuchung vom
23. Februar 2019 hielt Dr. med. I._, Facharzt für Radiologie FMH,
Klinik E._, D._, betreffend Befund im zentralen Kompartiment
Folgendes fest: "T2 hyperintense Signalalterationen des VKB mit
überwiegend kontinuitätserhaltenden Fasersträngen. Normales HKB." In
seiner Beurteilung führte er folgendes aus: "Zerrung/Partialruptur des
VKB. Bone bruise im Fibulaköpfchen. Degeneration des Innenmeniskus
ohne Einriss. Grosser Gelenkerguss. Partiell rupturierte Bakerzyste.
Zerrung des M. popliteus. Chondropathie Grad 4 am medialen
Femurkondylus" (vgl. Bf-act. 3).
4.2.3. Dr. med. G._, Chefarzt Orthopädische Chirurgie, Klinik E._,
D._, hielt in seinem Bericht vom 1. März 2019 über die am 28.
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Februar 2019 erfolgte Untersuchung in befundlicher Hinsicht Folgendes
fest: "Leichter Kniegelenkserguss rechts. Flexion/Extension 120-0-0.
Vordere Schublade in Aussenrotation/Neutralstellung ++, in Innenrotation
+. Lachman ++. Pivot-shift nicht geprüft. Seitliche Aufklappbarkeit negativ.
Meniskuszeichen negativ. E._ aufgebaute Muskulatur." Bezüglich der
MRI-Abklärung vom 23. Februar 2019 berichtete er, dass von ihm aus eine
vollständige Ruptur des vorderen Kreuzbandes intraligamentär, vom
proximalen Ansatz deutlich entfernt, vorliege. Die Menisci, der Knorpel und
das Seitenband seien intakt. Zudem führte Dr. med. G._ betreffend
Beurteilung und Procedere aus, dass im rechten Kniegelenk eine isolierte
vordere Kreuzbandläsion vorhanden sei. Es seien keine
Zusatzverletzungen zu sehen. Die Beschwerdeführerin sei Skilehrerin und
sehr sportlich. Sie habe nach den früheren Knieoperationen immer wieder
Komplikationen gemacht. Er rate ihr zu einer primär konservativen
Therapie, da sie vorderhand kein Giving-way habe und die Läsion
intraligamentär sei. Aufgrund der oben genannten Tatsachen stehe er
einer Operation eher etwas skeptisch gegenüber (vgl. Bf-act. 5).
4.2.4. Die Dres. med. H._ und K._, Chefarzt Orthopädische Chirurgie
bzw. Assistenzarzt, Klinik E._, D._, empfahlen in ihrem Bericht
vom 4. März 2019 über die am 23. Februar 2019 erfolgte Untersuchung
eine konservative Therapie mit Durchführung einer Physiotherapie für die
nächsten sechs Wochen zur Erlangung einer ausreichenden
Kniegelenksstabilität sowie eine orale Analgesie bei Bedarf mit
Heimmedikation (vgl. Bf-act. 6).
4.2.5. In seinem Bericht vom 15. März 2019 über die Nachkontrolle vom 12. März
2019 führte Dr. med. G._ in befundlicher Hinsicht was folgt aus:
"Flüssiges Gangbild. Kein Kniegelenkserguss. Flexion/Extension 135-0-
0°. Lachman +. Vordere Schublade in Aussenrotation +, in Innenrotation
und Neu-tralstellung negativ. Pivot-shift nicht geprüft. Seitliche
Aufklappbarkeit negativ. E._ aufgebaute Muskulatur." Betreffend
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Beurteilung und Procedere hielt er fest, dass die Beschwerdeführerin die
Instabilität im rechten Knie offenbar sehr E._ kompensieren könne.
Damit sei auch die Diskussion eines operativen Eingriffs vom Tisch. Die
Beschwerdeführerin werde weiterhin die Kniegelenksbandage tragen.
Offenbar sei der Arbeitgeber nicht einverstanden, dass eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit geschrieben werde, da er sie so nicht gebrauchen könne.
[...] Von Seiten des Rheumatologen Dr. med. L._ werde ein weiterer
Kuraufenthalt in Sri Lanka, den die Beschwerdeführerin selbst bezahle,
empfohlen. Er könne dem nichts entgegensetzen, da die
Beschwerdeführerin so oder so bis im April arbeitsunfähig sei. Nach dem
6. April 2019 sei sie aber zu 100 % arbeitsfähig. Eine Nachkontrolle
seinerseits sei nach dem Aufenthalt in Sri Lanka vorgesehen (vgl. Bf-act.
7).
4.2.6. Am 31. Juli 2019 berichtete Dr. med. G._ über die am 23. Juli 2019
erfolgte Untersuchung dahingehend, dass er eine vordere Schublade und
einen positiven Lachman-Test festgestellt habe. Das rechte Knie sei vor
dem Unfall vom 22. Februar 2019 nie von einem Unfall betroffen und es
sei vorher nie eine Verletzung vorhanden gewesen. Die
Beschwerdeführerin habe zurzeit weiterhin eine vordere Instabilität.
Ebenfalls seien Beschwerden vorhanden. Aus diesem Grund dürfte auch
eine weitere Physiotherapie zur Stabilisierung dieser verbleibenden
Instabilität notwendig sein (vgl. Bf-act. 13).
4.2.7. In seiner Stellungnahme vom 6. November 2019 verwies Dr. med.
H._ insbesondere auf seinen Bericht vom 4. März 2019 (vgl. Bf-act.
6). Zudem beschrieb er degenerative Veränderungen (Anmerkung des
Gerichts: im Kontext mutmasslich im rechten Knie) im Sinne einer
teilweise bereits fortgeschrittenen Arthrose (vgl. Bf-act. 16).
4.3.1. Der Beschwerde- und Behandlungsverlauf des linken Knies der
Beschwerdeführerin präsentiert sich sodann wie folgt:
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4.3.2. Aufgrund einer zweimaligen vorderen Kreuzbandplastik ist betreffend das
linke Knie von einem erheblichen Vorzustand auszugehen (vgl. Bg-act. 3
S. 12, S. 18 und S. 21 sowie Bf-act. 5, 6, 7 und 13).
4.3.3. Dr. med. I._ führte in seinem Bericht vom 27. Februar 2019 über die
gleichentags erfolgte MRI-Untersuchung betreffend Beurteilung was folgt
aus: "Im Vergleich zur Voruntersuchung von 2015 zunehmende
Degeneration und neu Rissbildung des Innenmeniskushinterhorns.
Ebenso neu aufgetretene Rissbildung am Unterrand des
Aussenmeniskus. Zunehmende Ausdünnung des noch in der Kontinuität
erhaltenen vorderen VKB Grafts. Trikompartimentale, medial und lateral
akzentuierte Gonarthrose bei im Verlauf zur Voruntersuchung von 2015
zunehmendem Knorpelverlust insbesondere am medialen Femurcondyl.
Kleine subkortikale Knochenmarkreaktion am Rand des medialen
Tibiakopfes, möglich einem akuten Bone bruise entsprechend, DD im
Rahmen der Gonarthrose. Vorbestehende fortgeschrittene Chondropathie
posterolateral. Zunehmende Chondropathia patellae. Gelenkerguss.
Intramuskuläres Ganglion im Musculus popliteus" (vgl. Bf-act. 4).
4.3.4. In ihrem Bericht vom 28. Februar 2019 über die am 27. Februar 2019
erfolgte Konsultation stellten die Dres. med. J._ und M._,
Leitender Arzt Notfall Allgemeine Innere Medizin FMH bzw. Assistenzarzt,
Klinik E._, D._, folgende Diagnose: Bone bruise anteromediales
Tibiaplateau Knie links bei Status nach Skidistorsionstrauma vom 23.
Februar 2019 (recte: 22. Februar 2019). In ihrer Beurteilung führten sie
insbesondere aus, im MRT-Befund zeige sich ein Bone bruise im
anteriomedialen Tibiaplateau. Die Menisken würden medial und lateral
adäquat ohne frisches Trauma aussehen. Die Beschwerdeführerin werde
sich am Folgetag zur erneuten Konsultation vorstellen (vgl. Bg-act. 3 S. 5).
4.3.5. In seinem Bericht vom 1. März 2019 über die am 28. Februar 2019
durchgeführte Untersuchung hielt Dr. med. G._ in befundlicher
- 18 -
Hinsicht Folgendes fest: "Druckdolenz medialer Gelenkspalt und mediales
Seitenband, proximaler Ansatz. Lachman mit Anschlag, Weg +. Vordere
Schublade in Aussenrotation/Neutralstellung +, in Innenrotation negativ.
Pivot-shift negativ. Mediale Aufklappbarkeit negativ. Laterale
Aufklappbarkeit negativ. Deutliches Patellareiben." Hinsichtlich der MRI-
Abklärung vom 27. Februar 2019 führte er was folgt aus: "Fortgeschrittene,
posttraumatische Gonarthrose bei noch etwas stehendem vorderen
Kreuzbandtransplantat. Dieses ist aber deutlich gelockert. Es scheint mir
eine Verkalkung intertrochantär vorzuliegen, die das Kreuzband etwas
umlenkt. Multiple Granulome im Bereiche des proximalen wie distalen
Transplantatkanales. Steiler Sitz des Kreuzbandes proximal. Frisch
traumatisch kann ich keine weitere Läsion feststellen. Beide Menisken
sind degenerativ verändert. Die mediale Gonarthrose ist fortgeschrittener
als lateral." Ausserdem hielt Dr. med. G._ betreffend Beurteilung und
Procedere fest, dass am linken Kniegelenk sicherlich vorderhand keine
weitere Therapie ausser Physiotherapie und Schmerztherapie notwendig
sei (vgl. Bf-act. 5).
4.3.6. Die Dres. med. H._ und K._ empfahlen der Beschwerdeführerin
in ihrem Bericht vom 4. März 2019 über die am 23. Februar 2019 erfolgte
Untersuchung bezüglich des linken Kniegelenks eine konservative
Therapie und ein Zuwarten. Bei Beschwerdepersistenz über die nächsten
zwei Wochen empfahlen sie eine weitere Abklärung (vgl. Bf-act. 6).
4.3.7. Am 31. Juli 2019 berichtete Dr. med. G._ über die am 23. Juli 2019
durchgeführte Untersuchung dahingehend, dass am rechten Knie kein
krankhafter Vorzustand vorhanden gewesen sei und vorher nie eine
Verletzung vorgelegen habe. An der linken Seite leide die
Beschwerdeführerin an einem gravierenden Vorzustand (vgl. Bf-act. 13).
4.3.8. In seinem Bericht vom 6. November 2019 verwies Dr. med. H._ auf
seine Stellungnahme vom 4. März 2019 (vgl. Bf-act. 6) sowie auf die
- 19 -
Berichte der Klinik E._, D._, vom Februar, März und Juli 2019,
welche er als schlüssig und aussagekräftig bezeichnete (vgl. Bf-act. 16).
4.4.1. Der von der Beschwerdegegnerin beigezogene Dr. med. F._,
Facharzt für Chirurgie und Unfallchirurgie FMH sowie zertifizierter
medizinischer Gutachter SIM, gab zum vorliegenden Unfallereignis drei
Stellungnahmen – allesamt reine Aktenbeurteilungen – ab:
4.4.2. Zunächst nahm Dr. med. F._ im Rahmen einer Besprechung vom 13.
Juni 2019 zum Fall Stellung. Dabei handelt es sich um eine äusserst
knappe Stellungnahme. Sie beinhaltet bloss ein bejahendes Kreuzchen
auf dem Formular der Beschwerdegegnerin zur Frage nach dem Erreichen
des Status quo ante bzw. sine mit dem Hinweis, dass der Status quo ante
per 10. März 2019 erreicht worden sei, da die Beschwerdeführerin an
diesem Tag den Skimarathon absolviert habe (vgl. Bg-act. 3 S. 10; siehe
auch Bg-act. 3 S. 25 und S. 29).
4.4.3. Im Rahmen seiner versicherungsmedizinischen Beurteilung vom 28.
September 2019 führte Dr. med. F._ im Wesentlichen aus, dass zum
Zeitpunkt des Ereignisses vom 22. Februar 2019 in beiden Kniegelenken
der Beschwerdeführerin ein erheblicher Vorzustand bestanden habe. Im
rechten Knie sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine frische
Teilläsion im vorderen Kreuzband festgestellt worden. Die übrigen in den
bildgebenden Untersuchungen festgestellten Veränderungen seien mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit vorbestehend (medial betonte
Gonarthrose [Chondropathie Grad 4], Degeneration des Innenmeniskus,
Bakerzyste, Geröllzysten). Die vom Radiologen am 23. Februar 2019
festgestellten T2 hyperintensen Signalalterationen im vorderen Kreuzband
mit überwiegend kontinuitätserhaltenden Fasersträngen würden erklären,
warum die Beschwerdeführerin schon wenige Tage nach dem Ereignis
den Engadiner Skimarathon ohne Probleme habe absolvieren können. Es
habe keine relevante Instabilität bestanden, wie sie bei einer vollständigen
- 20 -
Ruptur des vorderen Kreuzbandes zu erwarten wäre. Bereits bei der
ersten Untersuchung vom 23. Februar 2019 habe keine deutliche
Instabilität bestanden. Die Beurteilung einer Knieinstabilität sei schwierig,
insbesondere, wenn auf der Gegenseite ebenfalls eine
Kreuzbandverletzung bestehe. Üblicherweise werde die Kniestabilität mit
der Gegenseite verglichen. Ein Vergleich lasse sich aber nur machen,
wenn auf der Gegenseite ein gesundes Knie bestehe. Dies habe auch Dr.
med. H._ in seinem Bericht vom 4. März 2019 nach der Untersuchung
vom 23. Februar 2019 erwähnt ("Im Seitenvergleich aufgrund Zustand
nach VKB-Plastik auf der Gegenseite nicht beurteilbar"). Am 28. Februar
2019 habe Dr. med. G._ eine vordere Schublade ++ und einen
Lachman-Test ++ festgestellt, am 12. März 2019 nur noch eine vordere
Schublade + und einen Lachman-Test +. In einigen Fällen lasse sich eine
Kreuzbandruptur bei kräftiger Muskulatur weitgehend kompensieren.
Dass die Beschwerdeführerin 16 Tage nach dem Unfall einen
Skimarathon habe absolvieren können, spreche gegen eine relevante
Knieinstabilität resp. Kreuzbandverletzung. Mit der Teilnahme am
Skimarathon habe die Beschwerdeführerin bewiesen, dass es keine
medizinischen Gründe mehr gegeben habe, die Arbeit nicht aufzunehmen.
Bestritten werde nicht die Unfallkausalität, sondern die Dauer der
unfallbedingten, medizinisch notwendigen Behandlung sowie die Dauer
der unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit. Betreffend das linke Knie
diagnostizierte Dr. med. F._ eine posttraumatische Gonarthrose nach
zweimaliger Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes.
Zusammenfassend und in Bezug auf die von der Beschwerdegegnerin
gestellten Fragen brachte er vor, dass sich die sportlich sehr aktive
Beschwerdeführerin bei einem Sturz am 22. Februar 2019 eine Distorsion
im rechten Kniegelenk zugezogen habe. Dabei sei es zu einer partiellen
Läsion im vorderen Kreuzband gekommen. Im betroffenen Kniegelenk
habe zu jenem Zeitpunkt ein erheblicher, unfallfremder Vorzustand im
Sinne einer medialen Arthrose, degenerativer Veränderungen im medialen
- 21 -
Meniskus, einer Bakerzyste und von Geröllzysten bestanden. Das
Ereignis habe mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu keiner relevanten
Instabilität im rechten Kniegelenk geführt. Die ausserordentliche
Herausforderung eines Skimarathons 16 Tage nach dem Ereignis wäre
sonst nicht möglich gewesen. Die Indikation für eine weitere unfallbedingte
medizinische Behandlung sei nicht mehr gegeben gewesen, nachdem
bewiesen worden sei, dass keine Einschränkung bezüglich dem rechten
Knie mehr bestanden habe. Ebenso habe es danach keinen Grund mehr
für eine unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit gegeben. Für eine Ayurveda-Kur
mit Akupunktur und Massage auf Sri Lanka habe keine medizinische
Indikation bestanden, umso mehr, als dort keine Behandlung des
betroffenen Kniegelenks stattgefunden habe. Mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit sei spätestens nach der erfolgreichen Vollendung des
Skimarathons am 10. März 2019 der Status quo ante bzw. sine erreicht
worden. Die unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit habe vom 22. Februar 2019
bis zum 9. März 2019 gedauert. Die Prognose der partiellen vorderen
Kreuzbandläsion sei E._. Es sei zu erwarten, dass die unfallfremde
Arthrose im medialen Kniekompartiment rechts weiter fortschreite,
Beschwerden bereite und weitere medizinische Massnahmen erfordere
(vgl. Bg-act. 3 S. 18 ff.).
4.4.4. In seiner versicherungsmedizinischen Stellungnahme vom 8. Januar 2020
äusserte sich Dr. med. F._ zum Bericht von Dr. med. H._ vom 6.
November 2019. Er hielt im Wesentlichen fest, dass die Unfallkausalität
der Kniebeschwerden rechts unbestritten sei. Die Zerrung/Partialruptur
des vorderen Kreuzbandes habe aber zu keiner relevanten Knieinstabilität
geführt, da die Kontinuität der Faserstränge im vorderen Kreuzband
überwiegend erhalten geblieben sei. Bestritten würden eine weiterhin
bestehende unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit und eine unfallbedingte
Behandlungsbedürftigkeit. Das Bone bruise (Knochenprellung) könne ein
Hinweis auf eine frische Verletzung sein, was im Fall der
- 22 -
Beschwerdeführerin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auch zutreffe.
Solche Veränderungen im Gelenk könnten aber auch im Rahmen einer
Arthrose oder einer chronischen Überlastung auftreten. Per Definition
hätten frische traumatische Knochenprellungen (Bone bruise) keine
bleibenden Folgen (Hinweis auf medizinische Fachliteratur). Bezüglich
des linken Knies erwähnte Dr. med. F._ die Berichte der Dres. med.
J._ und G._ vom 28. Februar 2019 bzw. 1. März 2019. Zudem
führte er aus, dass anlässlich der Konsultation bei Dr. med. G._ vom
12. März 2019, zwei Tage nach dem absolvierten Langlaufmarathon,
hinsichtlich des linken Knies keine Beschwerden erwähnt worden seien.
Somit habe zu jenem Zeitpunkt ebenfalls kein Grund mehr für eine
unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit resp. Behandlungsbedürftigkeit
bestanden. Zusammenfassend bestätigte Dr. med. F._ die Aussagen
in seinem Bericht vom 28. September 2019 (vgl. Bg-act. 3 S. 27 ff.).
5.1. Im vorliegenden Fall ist die Kausalität zwischen dem Unfallereignis vom
22. Februar 2019 und der Gesundheitsschädigung am rechten Kniegelenk
der Beschwerdeführerin im Sinne einer (Teil-)Ruptur des vorderen
Kreuzbandes wie auch am linken Knie – wenn auch bei gravierendem
Vorzustand – nicht bestritten, weshalb die Beschwerdegegnerin bis am 9.
März 2019 die Heilbehandlungskosten übernahm und Taggeldleistungen
erbrachte (vgl. Bg-act. 1 S. 23). Umstritten ist demgegenüber das
angebliche Erreichen des Status quo ante vel sine per 10. März 2019, dem
Tag der Teilnahme am Engadiner Skimarathon. Das streitberufene Gericht
darf keine eigenen medizinischen Überlegungen anstellen, da dies
fachfremde Schlussfolgerungen wären. Es hat aber darzustellen, weshalb
eine bestimmte ärztliche Stellungnahme überzeugender ist als eine
andere und Feststellungen darüber zu treffen, ob es aufgrund dessen eine
bestimmte Sachverhaltsdarstellung als überwiegend wahrscheinlich
erachtet oder nicht (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_861/2018 vom
14. Juni 2019 E.5.2.2).
- 23 -
5.2. Die (Teil-)Ruptur des vorderen Kreuzbandes stellt zumindest eine
Teilursache der beschwerdeführerischen Beschwerden dar (vgl. Art. 36
Abs. 1 UVG). Anlässlich der Besprechung vom 13. Juni 2019 bejahte Dr.
med. F._ das Erreichen des Status quo ante per 10. März 2019 allein
aufgrund der Teilnahme und Zielerreichung der Beschwerdeführerin am
Engadiner Skimarathon an jenem Tag. Ob – und wenn ja, welche – Akten
und MRI-Bilder ihm damals vorlagen, ist nicht erstellt (vgl. Bg-act. 3 S. 10).
Allein schon deshalb kann seine äusserst knappe Stellungnahme vom
13. Juni 2019 nicht als beweiswertig bezeichnet werden. Auch hat er die
Beschwerdeführerin unbestrittenermassen nie persönlich untersucht. Für
die Erstattung seines Aktengutachtens vom 28. September 2019 lagen
Dr. med. F._ sowohl die Akten als auch eine CD mit den erstellten
Bildern der MRI-Abklärungen vor (vgl. Bg-act. 3 S. 25). Dennoch
überzeugt nicht, wie er bezüglich des rechten Knies auf den Status quo
ante schliessen kann, zumal über "ante" gar keine Bildgebung vorhanden
ist. Sofern er auf den Status quo sine schliessen will, bestehen angesichts
der fachärztlichen radiologischen und orthopädischen Einschätzungen der
Dres. med. I._, G._ und H._ vom 25. Februar 2019, 1. März
2019, 4. März 2019, 15. März 2019, 31. Juli 2019 sowie 6. November 2019
(vgl. Bf-act. 3, 5, 6, 7, 13 und 16) zumindest geringe Zweifel an der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit seiner Einschätzung, zumal eine (Teil-
)Ruptur des vorderen Kreuzbandes zu den schwersten Verletzungen des
Knie- gelenks gehört. Die Einschätzung von Dr. med. G._ vom 15.
März 2019 betreffend Nachkontrolle vom 12. März 2019, wonach die
Beschwerdeführerin die Instabilität im rechten Knie offenbar sehr E._
kompensieren könne, bezieht sich auf die Operationsindikation, nicht aber
auf den Status quo sine (vgl. Bf-act. 7). Auch Dr. med. F._ stellt sich
nicht auf den Standpunkt, dass eine (Teil-)Ruptur des vorderen
Kreuzbandes in 16 Tagen abheilt, sondern er leitet aus der Teilnahme am
Engadiner Skimarathon sowie dem Vorliegen einer damit einhergehenden
nicht relevanten Knieinstabilität eine fehlende weitere unfallbedingte
- 24 -
Arbeitsunfähigkeit und Behandlungsbedürftigkeit ab (vgl. Bg-act. 3 S. 19
ff. und S. 27 ff.). Aus dem erwähnten Bericht von Dr. med. G._ vom
15. März 2019 geht aber hervor, dass die Beschwerdeführerin die
Kniegelenksbandage weiterhin tragen werde und bis im April 2019
arbeitsunfähig sei, wobei nicht ganz klar ist, ob zu 50 % oder zu 100 %
(vgl. Bf-act. 7). Zudem berichten die Dres. med. H._ und K._ am
4. März 2019 bezüglich des rechten Knies einerseits über die
Notwendigkeit von Physiotherapie für die nächsten sechs Wochen zur
Erlangung einer ausreichenden Kniegelenksstabilität und anderseits über
orale Analgesie bei Bedarf mit Heimmedikation. Ausserdem empfehlen sie
hinsichtlich des linken Knies eine konservative Therapie (vgl. Bf-act. 6).
Angesichts der Aktenlage konnte somit per 10. März 2019 erst festgestellt
werden, dass bezüglich des rechten Knies eine Operation nicht notwendig
war, wobei allerdings noch immer eine Kniegelenksbandage zu tragen war
sowie Physiotherapie und orale Analgesie bei Bedarf angezeigt waren,
und dass betreffend das linke Knie Physiotherapie und Schmerztherapie
ausreichend waren, dies bei einer Arbeitsunfähigkeit (von zumindest 50
%) bis im April 2019. Mit Blick auf diese medizinische Grundlage kann
rechtlich ein Status quo ante vel sine noch nicht festgestellt worden sein.
Dies lässt sich denn auch nicht aus der Teilnahme mit Zieleinlauf der
Beschwerdeführerin am Engadiner Skimarathon, auf welche sich die
Beschwerdegegnerin argumentativ praktisch ausschliesslich stützt (vgl.
Bf-act. 8, 10 und 12), herleiten. Der die Beschwerdegegnerin beratende
Dr. med. F._ selbst verweist auf den Bericht von Dr. med. G._
vom 15. März 2019, gemäss welchem am 12. März 2019 (Datum der
Untersuchung) noch eine vordere Schublade (in Aussenrotation) + und ein
Lachman-Test + festgestellt wurden (vgl. Bg-act. 3 S. 20 und Bf-act. 7).
Damit war die (Teil-)Kausalität der Gesundheitsschädigung am 12. März
2019 noch zu bejahen (vgl. Art. 36 Abs. 1 UVG) und der Status quo sine
vel ante nicht erreicht. Dies wird denn auch mit Blick auf den Bericht von
Dr. med. G._ vom 31. Juli 2019 bestätigt, in welchem Letzterer
- 25 -
ausführt, dass er auch noch bei der Untersuchung vom 23. Juli 2019 eine
vordere Schublade sowie einen positiven Lachman-Test festgestellt habe,
dass die Beschwerdeführerin zurzeit weiterhin an einer vorderen
Instabilität leide und dass ebenfalls Beschwerden vorhanden seien (vgl.
Bf-act. 13). Nach dem Gesagten bedarf es zur Beantwortung der Frage,
ob – und wenn ja, per wann – der Status quo sine insbesondere beim
rechten, aber auch beim linken Knie erreicht ist, weiterer medizinischer
Abklärungen durch einen unabhängigen Gutachter.
6. In der Beschwerde verlangte die Beschwerdeführerin die Einholung eines
Berichts bzw. einer Stellungnahme von Dr. med. G._ zum
Aktengutachten von Dr. med. F._ vom 28. September 2019. Hierzu
ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin selbst für die Einholung
eines solchen Berichts bzw. einer solchen Stellungnahme hätte besorgt
sein können (vgl. Art. 61 lit. c ATSG [Mitwirkungspflicht der Parteien]); so
hat sie sich denn auch im Juni/Juli 2019 an Dr. med. G._ gewandt
und von ihm bezüglich der Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 24.
Juni 2019 eine Stellungnahme verlangt (vgl. Bf-act. 13). In der Replik kam
die Beschwerdeführerin jedenfalls auf den Beweisantrag nicht zurück,
obschon die Beschwerdegegnerin mit der Beschwerdeantwort ein drittes
Aktengutachten von Dr. med. F._ eingereicht hatte. Es darf davon
ausgegangen werden, dass mit dem Bericht von Dr. med. H._ vom 6.
November 2019 (vgl. Bf-act. 16), welcher ebenso wie Dr. med. G._
Chefarzt Orthopädische Chirurgie und behandelnder Arzt der
Beschwerdeführerin ist, der diesbezüglichen Sachverhaltserstellung
Genüge getan ist. Angesichts des Verlaufs und des Ausgangs des
Verfahrens kann auf die Einholung eines Berichts bzw. einer
Stellungnahme von Dr. med. G._ in antizipierter Beweiswürdigung
verzichtet werden, da davon keine entscheidwesentlichen Erkenntnisse zu
erwarten wären (vgl. BGE 144 V 361 E.6.5, 136 I 229 E.5.3).
- 26 -
7. Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter
Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids vom 9. Oktober
2019 gutzuheissen und die Sache zur Einholung eines unabhängigen
orthopädischen Gutachtens und zu neuem Entscheid über die
auszurichtenden Leistungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Eine Rückweisung ist vorliegend angebracht, zumal sie
der Verfahrensfairness nicht entgegenläuft (vgl. BGE 139 V 225 E.4.3) und
die Beschwerdeführerin nicht ein Gerichtsgutachten, sondern die
Einholung eines Administrativgutachtens verlangt hat.
8. Gerichtskosten sind keine zu erheben (aArt. 61 lit. a i.V.m. Art. 83 ATSG).
Die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zu weiterer Abklärung und
neuem Entscheid gilt praxisgemäss als volles Obsiegen der
beschwerdeführenden Partei (vgl. BGE 137 V 210 E.7.1, Urteile des
Bundesgerichts 8C_669/2019 vom 25. März 2020 E.7, 8C_604/2013 vom
28. Januar 2014 E.6). Bei diesem Verfahrensausgang hat die obsiegende
Beschwerdeführerin daher Anspruch auf eine Parteientschädigung
(Art. 61 lit. g ATSG). Die vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
eingereichte Honorarnote vom 27. Januar 2020 weist einen Betrag von
total CHF 2'489.25 (bestehend aus einem Honorar von CHF 2'244.-- [9.35
Std. à CHF 240.--] zuzüglich Barauslagen von 3 % [CHF 67.30] und 7.7 %
Mehrwertsteuer [CHF 177.95]) aus, was nicht zu beanstanden ist. Folglich
hat die Beschwerdegegnerin die obsiegende Beschwerdeführerin
aussergerichtlich mit CHF 2'489.25 (inkl. Barauslagen und MWST) zu
entschädigen.
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