Decision ID: 1f8cf447-34f0-4760-93a5-1f12e91a336e
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Ehescheidung
Berufung gegen ein Urteil der Einzelrichterin am Bezirksgericht Zürich, 8. Abteilung, vom 20. Juli 2007 (FE051645)
Rückweisung: Zirkulationsbeschluss vom Kassationsgericht des Kantons Zürich vom 20. Mai 2011 (vormaliges Verfahren: LC090069)
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Rechtsbegehren: (Urk. 1, sinngemäss)
"Es sei die Ehe der Parteien gestützt auf Art. 112 ZGB zu , unter gerichtlicher Regelung der Nebenfolgen."
Anträge der Gesuchstellerin: (Urk. 10 S. 2 ff.; Urk. 27 S. 2 ff.; Prot. I S. 15)
"1. Es sei die Ehe der Eheleute A._/B._ im Sinne von Art. 112 ZGB zu scheiden.
2. Es sei die Tochter C._, geboren am tt.mm.1995, unter die elterliche Sorge der Ehefrau und Gesuchstellerin zu stellen.
3. Es sei von der Festlegung eines Besuchs- und Ferienrechts abzusehen.
4. Es sei der Ehemann und Gesuchsteller zu verpflichten, an den Unterhalt, die Erziehung und die Pflege der Tochter C._ angemessene monatliche Unterhaltsbeiträge zu bezahlen, zahlbar jeweils am Ersten eines jeden Monats im Voraus, erstmals ab Rechtskraft des Scheidungsurteils und im  Fr. 1'250.-- pro Monat bis zum vollendeten 13. Altersjahr der Tochter C._, danach Fr. 1'500.-- pro Monat und dies bis zur Beendigung der ordentlichen Erstausbildung C._s, auch über deren Mündigkeit hinaus, soweit und sofern sie dann noch bei der Ehefrau und Gesuchstellerin wohnt und auf eigene Ansprüche gegenüber dem Ehemann und  verzichtet, zuzüglich allfälliger vertraglicher oder  Kinderzulagen.
5. Es sei der Ehemann und Gesuchsteller zu verpflichten, an die Ehefrau und Gesuchstellerin im Sinne von Art. 125 ZGB einen angemessenen nachehelichen Unterhalt zu bezahlen, zahlbar jeweils am Ersten eines jeden Monats im Voraus, erstmals ab Rechtskraft des Scheidungsurteils und mindestens Fr. 1'095.-- pro Monat, bis zur Beendigung der Erstausbildung der Tochter C._, und danach, ab deren Erstausbildung und nach Wegfall des Unterhaltsbeitrages für die Tochter C._,  an die Ehefrau und Gesuchstellerin zu bezahlen, neu Fr. 2'135.-- pro Monat.
6. Es seien die Kinderunterhaltsbeiträge und die nacheheliche Rente nach Art. 125 ZGB gerichtsüblich zu indexieren.
7. Es sei der jeweilige Arbeitgeber des Ehemannes und  anzuweisen, die Kinderunterhaltsbeiträge, wie , sowie die nacheheliche Unterhaltsrente, wie , direkt an die Ehefrau und Gesuchstellerin .
8. Es sei die Freizügigkeitsaufteilung nach Gesetz vorzunehmen und die Pensionskasse des Gesuchstellers anzuweisen, den von Gerichts wegen festzustellenden Freizügigkeitsbetrag an
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die Freizügigkeitseinrichtung der Ehefrau und Gesuchstellerin einzubezahlen.
9. Es sei die güterrechtliche Auseinandersetzung nach Gesetz vorzunehmen.
10. Alles unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolgen."
Anträge des Gesuchstellers: (Urk. 12 S. 1)
"1. Es sei die Ehe der Parteien gestützt auf Art. 112 ZGB zu scheiden.
2. Die Tochter C._, geb. tt.mm.1995, sei unter die elterliche Sorge der Gesuchstellerin zu stellen.
3. Dem Gesuchsteller sei für die Tochter C._ und den Sohn D._, geb. tt.mm. [recte: mm.] 1985, ein gerichtsübliches Besuchsrecht zuzusprechen.
4. Der Gesuchsteller sei zu verpflichten, für C._ vom Gericht festzusetzende Unterhaltsbeiträge zu bezahlen. Auf die  von Unterhaltsbeiträgen für die Gesuchstellerin sei mangels Leistungsfähigkeit des Gesuchstellers zu verzichten.
5. Es sei die güterrechtliche Auseinandersetzung durchzuführen. 6. Die Freizügigkeitsleistungen der Parteien seien auszuglei-
chen."
Anlässlich der Konventionsverhandlung vom 6. Dezember 2006 modifiziertes Rechtsbegehren (sinngemäss):
Die Ehe der Parteien sei zu scheiden unter Genehmigung der Teilkonventionen vom 17. Februar 2006 und vom 6. Dezember 2006. Über die weiteren Scheidungsfolgen sei gerichtlich zu .
Urteil der 8. Abteilung des Bezirksgerichtes Zürich vom 20. Juli 2007 (Urk. 95 S. 27 ff.)
„1. Die Ehe der Parteien wird gestützt auf Art. 112 ZGB .
2. Das Kind C._, geboren am tt.mm.1995, wird unter die  Sorge der Gesuchstellerin gestellt.
3. Die Teilvereinbarungen der Parteien vom 17. Februar 2006 und vom 6. Dezember 2006 über die Scheidungsfolgen  im Übrigen genehmigt. Sie lauten wie folgt:
a) Teilvereinbarung vom 17. Februar 2006: ‚1. Die Parteien verlangen gemeinsam die Schei-
dung ihrer Ehe gestützt auf Art. 112 ZGB.
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2. Das Kind C._, geboren am tt.mm.1995, sei unter die elterliche Sorge der Gesuchstellerin zu .’
b) Teilvereinbarung vom 6. Dezember 2006: ‚In güterrechtlicher Hinsicht vereinbaren die Parteien was
folgt: a) Die Gesuchsteller verpflichten sich, ihr hälftiges
Miteigentum an der Wohnung an der ... [Adresse], E._, F._, und am Grundstück mit  Gebäude (6'500 m2), E._, F._, auf ihre beiden gemeinsamen Kinder, D._ und C._, zum hälftigen Miteigentum zu übertragen.
Die Gesuchsteller übernehmen die  je zur Hälfte.
b) Der Gesuchsteller übernimmt die Schulden bei der G._ (ca. Fr. 12'000.00) und bei der H._ (ca. Fr. 3'690.00) zur alleinigen Tilgung.
c) Die Gesuchstellerin übernimmt die Schuld bei ihrer Schwester I._ über ca. Euro 15'000.00 zur alleinigen Tilgung.
d) Im Übrigen behält jede Partei zu Eigentum, was sie derzeit besitzt oder auf ihren Namen lautet.
e) Mit Erfüllung dieser Vereinbarung erklären sich die Parteien in güterrechtlicher Hinsicht mit Ausnahme der ausstehenden Unterhaltsbeiträge vollständig .’
4. Der Gesuchsteller wird für berechtigt erklärt, das Kind C._ - ab Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils bis En-
de Oktober 2007 jeweils am ersten und dritten  von 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr,
- ab Anfang November 2007 bis Ende Dezember 2007  am ersten und dritten Sonntag von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr und
- ab Anfang Januar 2008 jeweils am ersten und dritten  eines jeden Monats jeweils von Samstag 10.00 Uhr bis Sonntag 18.00 Uhr,
- sowie ab Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils zusätzlich am zweiten Tag der Doppelfeiertage  und Neujahr sowie in geraden Jahren von  bis und mit Ostermontag und in ungeraden Jahren von Pfingstsamstag bis und mit Pfingstmontag
auf eigene Kosten zu sich oder mit sich zu Besuch zu .
Ausserdem ist der Gesuchsteller ab Anfang Juli 2008 , das Kind C._ während der Schulferien für die Dauer von drei Wochen pro Jahr auf eigene Kosten zu sich oder mit sich in die Ferien zu nehmen.
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Der Gesuchsteller verpflichtet sich, die Ausübung des  mindestens drei Monate im Voraus  beziehungsweise mit der Gesuchstellerin abzusprechen.
5. Der Gesuchsteller wird verpflichtet, an die Kosten des  und der Erziehung des Kindes C._ folgende  im Voraus jeweils auf den Ersten eines jeden Monats zahlbaren Unterhaltsbeiträge zu bezahlen:
- Fr. 1'200.– zuzüglich allfälliger gesetzlicher oder  Kinderzulagen ab Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils bis 31. Oktober 2007,
- Fr. 1'350.– zuzüglich allfälliger gesetzlicher oder  Kinderzulagen ab 1. November 2007 bis zum ordentlichen Abschluss einer angemessenen Ausbildung des Kindes, auch über die Mündigkeit hinaus.
Diese Unterhaltsbeiträge sind zahlbar an die Gesuchstellerin auch über die Mündigkeit hinaus, solange das Kind in deren Haushalt lebt und keine eigenen Ansprüche stellt bzw. keinen anderen Zahlungsempfänger bezeichnet.
6. Der Gesuchsteller wird verpflichtet, der Gesuchstellerin ab Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils bis 30.  2013 nacheheliche Unterhaltsbeiträge von Fr. 800.– im Monat zu bezahlen. Diese Unterhaltsbeiträge sind zahlbar monatlich im Voraus jeweils auf den Ersten eines jeden .
7. Diese Unterhaltsbeiträge gemäss Ziffern 5. und 6. hievor  auf dem Landesindex der Konsumentenpreise des Bundesamtes für Statistik, Stand Ende Juni 2007 mit 101.7 Punkten (Basis Dezember 2005 = 100 Punkte). Sie werden jeweils auf den 1. Januar eines jeden neuen Jahres, erstmals per 1. Januar 2008, dem Stand des Indexes per Ende  des Vorjahres angepasst. Die Anpassung erfolgt  folgender Formel:
Neuer Unterhaltsbeitrag = alter Unterhaltsbeitrag x neuer Index
alter Index
Weist die zu Unterhaltsleistungen verpflichtete Partei nach, dass sich ihr Einkommen nicht im Umfange der Teuerung , so erhöhen sich die persönlichen Unterhaltsbeiträge an die unterhaltsberechtigte Partei gemäss Ziffer 6 hievor nur im Verhältnis der tatsächlich eingetretenen .
8. Der Antrag der Gesuchstellerin um Anweisung des jeweiligen Arbeitgebers des Gesuchstellers zur Bezahlung der  an sie ist abzuweisen.
9. Die J._ [Versicherung], wird angewiesen, vom  des Gesuchstellers (AHV Nr. ...;  ...) den Betrag von Fr. 13'990.-- auf das  der Gesuchstellerin bei der Bank K._, ... [Adresse]
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(Freizügigkeitskonto Nr. ... lautend auf A._) zu .
10. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: Fr. 4'500.--; die weiteren Kosten betragen: Fr. 1'141.-- Schreibgebühren Fr. 665.-- Zustellgebühren Fr. 390.-- Vorladungsgebühren Fr. 1'050.-- Barauslagen. 11. Die Kosten werden der Gesuchstellerin zu drei Fünfteln und
dem Gesuchsteller zu zwei Fünfteln auferlegt. Die Anteile  Parteien werden jedoch infolge Gewährung der  Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse . Die Nachzahlungspflicht für die Gerichts- und  gemäss § 92 ZPO bleibt vorbehalten.
12. Die Gesuchstellerin wird verpflichtet, dem unentgeltlichen Rechtsbeistand des Gesuchstellers eine reduzierte  von Fr. 1'920.-- zu bezahlen."
Berufungsanträge:
Der Gesuchstellerin und Appellantin: (Urk. 96 S. 2 ff.; Urk. 105 S. 2 ff.; Urk. 117 S. 2 f.; Urk. 127 S. 2 ff.)
„1. Es sei Ziff. 4 des Urteils des Bezirksgerichtes Zürich, Einzel-
richter im ordentlichen Verfahren der 8. Abteilung, vom 20. Juli 2007 (Prozess-Nr. FE051645/U) aufzuheben und dem , Gesuchsteller und Appellaten vorläufig keinerlei - und Ferienrecht einzuräumen, mithin sei das derzeitige Besuchs- und Ferienrecht zu sistieren.
Gleichzeitig sei eine Besuchsbeistandschaft nach Art. 308 ZGB zu ernennen und zu beauftragen, ein Besuchsrecht  dem Ehemann, Gesuchsteller und Appellaten , sowie dem Kind C._, geb. am tt.mm.1995,  aufzubauen, so dass der Ehemann, Gesuchsteller und Appellat zuletzt ein praxisübliches Besuchs- und Ferienrecht auszuüben vermag.
2. Es sei Ziff. 6 des Urteils des Bezirksgerichtes Zürich, wie , aufzuheben und durch folgende Fassung zu :
a) Es sei der Ehemann, Gesuchsteller und Appellat zu , der Ehefrau, Gesuchstellerin und Appellantin ab Rechtskraft des Scheidungsurteils im Sinne von Art. 125 ZGB Fr. 1'095.-- pro Monat zu bezahlen, zahlbar am 1.  jeden Monats im Voraus, und dies für so lange, als die Tochter C._, wie obgenannt, bei ihr wohnt und die Ehefrau, Gesuchstellerin und Appellantin vom Ehemann, Gesuchsteller und Appellaten auch  erhält.
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b) Ab Eintritt der Tochter C._, wie obgenannt, ins , mithin nach Wegfall der Unterhaltsbeiträge für C._, sei der Ehemann, Gesuchsteller und Appellat zu verpflichten, der Ehefrau, Gesuchstellerin und Appellantin für so lange im Sinne von Art. 125 ZGB Fr. 2'135.-- pro Monat zu bezahlen, zahlbar am 1. eines jeden Monats im Voraus, als sie die Betreuung des invaliden Sohnes .
c) Sollte die Ehefrau, Gesuchstellerin und Appellantin den gemeinsamen Sohn D._, geb. am tt.mm.1985, nicht mehr betreuen können, respektive effektiv nicht mehr , sei der Ehemann, Gesuchsteller und Appellat zu verpflichten, der Ehefrau, Gesuchstellerin und Appellantin ab dann im Sinne von Art. 125 ZGB Fr. 1'500.-- pro Monat zu bezahlen, zahlbar jeweils am Ersten eines jeden  im Voraus, und dies bis zu seinem definitiven  aus seiner Erwerbstätigkeit.
3. Es seien die Unterhaltsbeiträge im Sinne von Ziff. 2, wie , praxisüblich zu indexieren.
4. Es seien in Aufhebung von Ziff. 11 des Urteilsdispositivs die gesamten erstinstanzlichen Verfahrenskosten dem Ehemann, Gesuchsteller und Appellaten aufzuerlegen.
5. Es sei in Aufhebung von Ziff. 12 des Urteils des  Zürich, Einzelrichterin im ordentlichen Verfahren, vom 20. Juli 2007 der Gesuchsteller und Appellat zu verpflichten, der Gesuchstellerin und Appellantin eine  für ihre erstinstanzlichen Bemühungen von mindestens Fr. 11'078.50 zu bezahlen.
6. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Ehemannes, Gesuchstellers und Appellaten, für das .“
Des Gesuchstellers und Appellaten:
(Urk. 112 S. 2 und Urk. 129 S. 2)
„Es sei die Berufung der Gesuchstellerin und Erstappellantin  und das vorinstanzliche Urteil vom 20. Juli 2007  zu bestätigen. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der  und Erstappellantin.“
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Erwägungen:
I.
1. Die Gesuchstellerin wurde im Jahre 1964 in L._ als ... Staatsange-
hörige [des Staates F._] geboren. Sie kehrte mit ihren Eltern im Jahre 1980
nach F._ zurück, wo sich die Parteien im Jahre 1982 kennenlernten. Die Par-
teien heirateten hierauf am tt.mm.1983 in M._, wo sie auch ihren ersten ehe-
lichen Wohnsitz begründeten. Am tt.mm.1985 kam der Sohn D._ zur Welt,
der im Alter von neuneinhalb Jahren schwer erkrankte und seither unheilbar be-
hindert und vollkommen pflegebedürftig ist, indem er an einer Zellfunktionsstörung
im Gehirn leidet, welche mit Muskelschwäche, kognitiver Beeinträchtigung und
Epilepsie verbunden ist (vgl. dazu die Umschreibung der Mitochondrialen Erkran-
kung in Urk. 130/1 und Urk. 130/2). Am tt.mm.1995 wurde den Parteien die Toch-
ter C._ geboren. In diesem Jahr gab die Gesuchstellerin insbesondere auch
wegen der Pflegebedürftigkeit des Sohnes D._ ihre Erwerbstätigkeit auf, die
sie bis heute nicht mehr aufgenommen hat. Im Jahre 1998 kehrte die Gesuchstel-
lerin mit den beiden Kindern nach F._ zurück, bis sie am 12. April 2003 wie-
der in die Schweiz zum Gesuchsteller übersiedelte, wobei sie zuvor schon jeweils
die Ferienzeit mit den Kindern hier in der Schweiz verbracht hatte. Am 1. Juni
2003 verliess der Gesuchsteller die eheliche Wohnung.
Am 4. Juni 2003 stellte die Gesuchstellerin beim Eheschutzrichteramt am
Bezirksgericht Zürich ein Begehren um Aufhebung des gemeinsamen Haushaltes
und um Regelung von deren Folgen (Urk. 24/1). Mit Verfügung der Eheschutzrich-
terin der 8. Abteilung des Bezirksgerichtes Zürich vom 24. September 2003 wurde
davon Vormerk genommen, dass die Parteien bereits damals und weiterhin auf
unbestimmte Zeit getrennt lebten. Sodann wurden die Kinder D._ und
C._ unter die Obhut der Gesuchstellerin gestellt, und schliesslich wurde die
Vereinbarung der Parteien vom 24. September 2003, was die Kinderbelange be-
traf, genehmigt. Diesbezüglich hatten die Parteien vereinbart, der Vater sei für be-
rechtigt zu erklären, die beiden Kinder je am ersten und dritten Wochenende ei-
nes jeden Monats zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen. Ferner sei er für
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berechtigt zu erklären, die beiden Kinder für zwei Wochen pro Jahr während den
Schulferien zu sich oder mit sich in die Ferien zu nehmen. Der Gesuchsteller ver-
pflichtete sich, der Gesuchstellerin ab 1. August 2003 total Fr. 1'830.-- monatliche
Unterhaltsbeiträge zuzüglich Kinderzulagen zu bezahlen, und zwar je Fr. 650.--
zuzüglich Kinderzulagen für jedes Kind und Fr. 530.-- für die Gesuchstellerin per-
sönlich. Die Unterhaltsbeiträge an die Gesuchstellerin persönlich von monatlich
Fr. 530.-- reduzierten sich auf Fr. 330.-- ab jenem Zeitpunkt, in dem der Gesuch-
steller eine eigene Wohnung bewohnen und die Kinder regelmässig während zwei
ganzen Wochenenden zu sich auf Besuch nehmen würde (vgl. dazu Urk. 24).
Mit Beschluss vom 7. Juni 2004 ordnete die Vormundschaftsbehörde für
D._, der in der Zwischenzeit mündig geworden war, eine Beistandschaft
nach Art. 392 Ziff. 1 ZGB und Art. 393 Ziff. 2 ZGB an. Als Beistand wurde
N._ ernannt und unter anderem mit der Aufgabe betraut, stets für hinrei-
chende persönliche, medizinische, schulische sowie soziale Betreuung und – so-
weit erforderlich – für geeignete Unterkunft besorgt zu sein (Urk. 11/2 = Urk.
13/2).
Im Laufe der Zeit hat sich der Gesuchsteller einer neuen Lebenspartnerin
angeschlossen, mit der er dann auch zusammenlebte und die ihm am 12. April
2006 die Tochter O._ geboren hat. Am tt.mm.2008 hat er seine Lebenspart-
nerin geehelicht (Urk. 135/1).
Am 18. April 2005 hatte der Gesuchsteller, der bisher als Gipser bei ver-
schiedenen Firmen angestellt gewesen war, die im Handelsregister eingetragene
Einzelfirma "B._ Gipsergeschäft" gegründet (Urk. 13/1), mit der er in der Fol-
ge sein Erwerbseinkommen verdiente. Per 1. Mai 2008 liess er sich dann wieder
von P._, Gipser- und Stukkaturgeschäft, anstellen (Urk. 130/3). Am 29. Mai
2009 schloss der Gesuchsteller einen Arbeitsvertrag mit der Q._ AG, worauf
er bei dieser am 1. Juni 2009 seine Arbeitstätigkeit als Gipser aufnahm (Urk.
183/6).
2. Bereits mit Schreiben vom 7. Oktober 2005 hatte die Gesuchstellerin beim
Friedensrichteramt R._ die Ehescheidungsklage eingereicht. Anlässlich der
Sühnverhandlung vom 8. November 2005 einigten sich die Parteien auf die Ein-
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reichung eines gemeinsamen Scheidungsbegehrens, worauf der Friedensrichter
das gemeinsame Scheidungsbegehren mit Verfügung vom 11. November 2005
an das Bezirksgericht Zürich überwies (Urk. 1). Am 17. Februar 2006 erfolgte vor
Vorinstanz die Anhörung der Parteien und die Hauptverhandlung (Prot. I S. 3 ff.).
Am 18. April 2006 (Urk. 21/1) und am 10. Mai 2006 (Urk. 21/2) bestätigten die
Parteien u.a., dass sie am Entschluss, die Ehescheidung zu verlangen, festhalten
würden. Mit Schreiben vom 30. Juni 2006 reichte die Gesuchstellerin bei der
Staatsanwaltschaft gegen den Gesuchsteller Strafantrag wegen Vernachlässi-
gung von Unterstützungspflichten ein (Urk. 28/1b). Am 6. September 2006 fand
die Fortsetzung der Hauptverhandlung statt (Prot. I S. 16 ff.). Am 1. November
2006 wurde die Tochter C._ von der vorinstanzlichen Richterin angehört
(Urk. 40). Am 6. Dezember 2006 fand eine weitere Verhandlung statt mit persönli-
cher Befragung der Parteien sowie betreffend Stellungnahme zur Kinderanhörung
und zu neuen Unterlagen. Zudem wurden Konventionsgespräche geführt (Prot. I
S. 47 ff.). In der Folge schlossen die Parteien eine Teilvereinbarung betreffend
Güterrecht ab (Urk. 50). Nach Eingang weiterer Unterlagen und der entsprechen-
den Stellungnahmen der Parteien hierzu erging am 20. Juli 2007 das eingangs im
Dispositiv aufgeführte Urteil (Urk. 89 = Urk. 95), das den Parteien am 26. Juli
2007 zugestellt wurde (Urk. 91 und Urk. 92).
3. Mit Schreiben vom 2. August 2007, am 3. August 2007 der Post überge-
ben und eingegangen bei der Vorinstanz am 6. August 2007, erklärte die Ge-
suchstellerin innert Frist die Berufung (Urk. 96). Mit Eingabe vom 29. August
2007, gleichentags der Post übergeben und eingegangen bei der Vorinstanz am
30. August 2007, erklärte auch der Gesuchsteller fristgerecht die Berufung (Urk.
98).
II.
1. Die Berufungsbegründung der Gesuchstellerin datiert vom 5. November
2007 (Urk. 105) und die Berufungsantwort des Gesuchstellers vom 21. Januar
2008 (Urk. 112). Mit Eingabe vom 29. Februar 2008 präzisierte die Gesuchstelle-
rin ihre Berufungsanträge (Urk. 117). Mit Verfügung vom 15. November 2007
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wurde dem Gesuchsteller Frist angesetzt, um zu seiner Berufung die Berufungs-
anträge zu stellen und sie zu begründen (Urk. 110). Da der Gesuchsteller indes-
sen innert Frist keine eigene Zweitberufungsbegründungsschrift eingereicht hatte,
wurde mit Beschluss vom 19. Februar 2008 auf die Zweitberufung des Gesuch-
stellers nicht eingetreten (Urk. 114). Mit Beschluss vom 19. Februar 2007 wurde
sodann vorgemerkt, dass das Urteil der 8. Abteilung des Bezirksgerichtes Zürich
vom 20. Juli 2007 in den nicht angefochtenen Punkten (Scheidung, elterliche Sor-
ge, Genehmigung Teilvereinbarung, Abweisung Lohnanweisung, Aufteilung beruf-
liche Vorsorge, Gerichtskosten) am 22. Januar 2008 in Rechtskraft erwachsen ist
(Urk. 94 S. 7 f.; Urk. 114).
Am 5. Juni 2008 fand die Berufungsverhandlung statt, anlässlich welcher die
Parteien ihre letzten Vorträge hielten (Urk. 94 S. 10 ff.).
Am Ende der Berufungsverhandlung wurde der Gesuchstellerin Frist ange-
setzt, um ihre neuen Angaben, ihre Ausgaben und ihr Einkommen zu belegen,
und dem Gesuchsteller, um alle Abschlüsse der Einzelfirma und eine Ehebestäti-
gung einzureichen (Urk. 94 S. 38). Am 20. Juni 2008 (Urk. 131) reichte die Ge-
suchstellerin die von ihr verlangten Unterlagen ein (Urk. 132/1-32). Gleichentags
(Urk. 133) reichte auch der Gesuchsteller eine Kopie des Heiratsattestes vom
30. Mai 2008 (Urk. 135/1) sowie eine Kopie der Steuererklärung 2006 inklusive
Erfolgsrechnungen und Bilanzen ein (Urk. 135/2 und Urk. 135/3). Mit Schreiben
vom 30. Juni 2008 nahm die Gesuchstellerin zu den nachgereichten Unterlagen
der Gegenpartei Stellung (Urk. 137). Die entsprechende Stellungnahme des Ge-
suchstellers datiert vom 21. August 2008 (Urk. 145).
Mit Schreiben des Gerichtes vom 6. Juni 2008 ist vom Beistand des Sohnes
der Parteien eine schriftliche Auskunft angefordert worden (Urk. 126), die am
3. Juli 2008 beim Gericht einging (Urk. 138 und Urk. 139). Hierzu nahmen die Ge-
suchstellerin am 10. Juli 2008 (Urk. 143) und der Gesuchsteller am 21. Juli 2008
Stellung (Urk. 144).
Mit Schreiben vom 2. Oktober 2008 reichte die Gesuchstellerin neue Unter-
lagen betreffend das Einkommen des Gesuchstellers ein (Urk. 148 und Urk. 149).
Hierzu nahm der Gesuchsteller am 3. November 2008 Stellung (Urk. 151) und
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reichte seinerseits neue Urkunden ein (Urk. 153/1-6), zu denen die Gesuchstelle-
rin am 6. November 2008 Stellung nahm (Urk. 155). Diese wurde dem Gesuch-
steller zwecks Kenntnisnahme mit Verfügung vom 10. November 2008 zugestellt
(Urk. 156).
Mit Schreiben vom 20. November 2008 (Urk. 157) teilte die Gesuchstellerin
dem Gericht mit, dass am 30. Oktober 2008 über den Gesuchsteller durch den
Konkursrichter des Bezirksgerichtes Bülach der Konkurs eröffnet worden sei (vgl.
Urk. 158). Der Gesuchsteller hat am 24. November 2008 auf eine entsprechende
Stellungnahme ausdrücklich verzichtet (Urk. 160). Da es sich vorliegend um einen
familienrechtlichen Prozess handelt, hatte die Konkurseröffnung keinen Einfluss
auf den Prozessverlauf; insbesondere führte dies gemäss Art. 207 Abs. 4 SchKG
nicht zu einer Einstellung des Verfahrens, zumal die güterrechtlichen Belange,
welche den Bestand der Konkursmasse hätten beeinflussen können (Art. 207
Abs.1 SchKG), bereits rechtskräftig entschieden worden waren.
Am 16. Dezember 2008 fällte die Berufungsinstanz ihr Urteil, wobei im Ur-
teilsdispositiv folgende Punkte geregelt wurden: 1. Besuchs- und Ferienrecht der
Tochter C._; 2. Unterhaltsbeitrag für die Tochter C._; 3. Unterhaltsbei-
trag für die Gesuchstellerin; 4. Indexklausel; 5. erstinstanzliche Kostenregelung;
6. erstinstanzliche Regelung der Prozessentschädigung; 7. zweitinstanzliche Ge-
richtskosten; 8. zweitinstanzliche Kostenregelung und 9. zweitinstanzliche Rege-
lung der Prozessentschädigung (Urk. 162).
2. Gegen dieses Urteil erhob der Gesuchsteller beim Kassationsgericht des
Kantons Zürich am 9. Februar 2009 Nichtigkeitsbeschwerde mit dem Antrag, es
seien die Dispositivziffern 2 und 3 des Berufungsurteils aufzuheben (Urk. 175/1).
Mit Zirkulationsbeschluss des Kassationsgerichtes des Kantons Zürich vom
13. November 2009 wurden in Gutheissung der Nichtigkeitsbeschwerde die Dis-
positivziffern 2-9 des Urteils der I. Zivilkammer des Obergerichts des Kantons Zü-
rich vom 16. Dezember 2008 aufgehoben und die Sache diesbezüglich zur Neu-
beurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen (Urk. 177).
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Mit Verfügung vom 27. November 2009 wurde dem Gesuchsteller Frist an-
gesetzt, um seine monatlichen Lohnausweise von Januar 2009 bis und mit No-
vember 2009, den Lohnsteuerausweis des Arbeitgebers für das Jahr 2008 sowie
die Steuererklärung für das Jahr 2008 einzureichen (Urk. 178). Diese Unterlagen
gingen am 9. Dezember 2009 beim Gericht ein (Urk. 182; Urk. 183/1-15). Mit Ver-
fügung vom 9. Dezember 2009 wurde der Gesuchstellerin Frist angesetzt, um zu
den nachgereichten Unterlagen eine Stellungnahme einzureichen (Urk. 184). Die-
se ging am 26. Januar 2010 beim Gericht ein und wurde der Gegenpartei am
28. Januar 2010 zugestellt (Urk. 186).
Mit Schreiben vom 16. Februar 2010 reichte die Gesuchstellerin dem Ge-
richt eine Bestätigung des S._ [Schule] vom 17. Dezember 2009 ein (Urk.
188) mit dem Hinweis, dass daraus ersichtlich sei, dass die Tochter C._ nun
die 1. Klasse des Gymnasiums besuche und per Juli 2014 voraussichtlich die Ma-
turitätsprüfung ablegen werde. Das Schulgeld betrage Fr. 10'800.– (Urk. 187).
Am 22. Februar 2010 fällte die Berufungsinstanz erneut ein Urteil (Urk. 189).
Sie erwog darin, dass auf das letzterwähnte Vorbringen der Gesuchstellerin nicht
weiter einzutreten sei, da der Gesuchsteller finanziell nicht in der Lage sei, den
ganzen Bedarf der Gesuchstellerin zu decken.
3. Die Gesuchstellerin focht Dispositiv Ziff. 2 dieses Urteils, d.h. die Rege-
lung des Unterhaltsbeitrags für sie persönlich, mit Nichtigkeitsbeschwerde beim
Kassationsgericht des Kantons Zürich an (Urk. 204/1). Der Gesuchsteller erhob
Beschwerde an das Bundesgericht (Urk. 193). Mit Zirkulationsbeschluss vom
20. Mai 2011 hiess das Kassationsgericht die Nichtigkeitsbeschwerde gut und
hob die Dispositivziffern 2-8 des obergerichtlichen Urteils vom 22. Februar 2010
auf. Das Kassationsgericht erwog, die Frage, welches der Notbedarf der Gesuch-
stellerin sei, sei nicht identisch mit der Frage, wie weit der Gesuchsteller in der
Lage und verpflichtet sei, den Notbedarf der Gesuchstellerin zu decken. Das
Obergericht begründe nicht, weshalb der Besuch der ... [Schule] und des Kinder-
horts zum Notbedarf, aber der Besuch des S._, der offenbar an die Stelle
des früheren Schulbesuchs durch die Tochter C._ getreten sei, nicht zum
Notbedarf zähle. Damit sei die Feststellung des Obergerichts, der Notbedarf der
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Gesuchstellerin reduziere sich ab 1. August 2009 um Fr. 835.–, nicht nachvoll-
ziehbar und willkürlich (Urk. 205 S. 6 und 11). Das Bundesgericht schrieb darauf
die Beschwerde des Gesuchstellers als gegenstandslos ab, wies aber darauf hin,
dass das Kassationsgericht in Anwendung von Art. 148 Abs. 1 aZGB auch Dispo-
sitiv Ziff. 1 des obergerichtlichen Urteils vom 22. Februar 2010 (Kindesunterhalt)
hätte aufheben sollen (Urk. 203 S. 5 und 6).
4. Mit Verfügung vom 18. August 2011 wurde dem Gesuchsteller Frist ange-
setzt, um zu Urk. 187 und 188 betr. Besuch des Gymnasiums durch C._
Stellung zu nehmen (Urk. 206). Diese Stellungnahme ging am 26. September
2011 ein (Urk. 208). Weitere Parteieingaben folgten am 11. November 2011 (Urk.
210) und am 20. Dezember 2011 (Urk. 215).
5. Die Parteien haben bereits am 24. November 2008 auf Anwesenheit an-
lässlich der Urteilsberatung und -eröffnung verzichtet (Urk. 159 und 161).
III.
Auf den 1. Januar 2011 ist die neue Schweizerische Zivilprozessordnung in
Kraft getreten. Gemäss Art. 404 Abs. 1 ZPO gilt indes für Verfahren, die bei In-
krafttreten dieses Gesetzes rechtshängig sind, das bisherige Verfahrensrecht bis
zum Abschluss vor der betroffenen Instanz. Das ursprüngliche Berufungsverfah-
ren (LC070059) unterstand dem alten Recht. Die Kassation der obergerichtlichen
Urteile durch das Kassationsgericht versetzt das Verfahren in den Zustand vor
Fällung der obergerichtlichen Urteile. Damals galt altes Recht, weshalb für das
Verfahren vor Obergericht weiterhin die bisherigen Bestimmungen der ZPO/ZH
und des GVG/ZH sowie die Verfahrensbestimmungen von Art. 135-149 aZGB an-
zuwenden sind.
IV.
1. Zu entscheiden ist über die Unterhaltspflicht des Gesuchstellers gegen-
über der Tochter C._ und gegenüber der Gesuchstellerin.
- 15 -
Im Urteil vom 16. Dezember 2008 wurden folgende Berechnungen vorge-
nommen (Urk. 162 S. 42):
a) Bedarf der Gesuchstellerin:
Grundbetrag Fr. 1'000.00 Kinderzuschlag Fr. 500.00 Wohnkosten Fr. 1'300.00 Krankenkasse Gesuchstellerin Fr. 308.40 Krankenkasse C._ Fr. 75.40 Hausratversicherung Fr 18.00 Telefon Fr. 100.00 Billag Fr. 38.00 ZVV NetzPass C._ Fr. 55.00 ... [Schule] C._ Fr. 505.00 Hort C._ Fr. 330.00 Reise nach ... Fr. 18.00 Altersvorsorge Fr. 625.00 Steuern Fr. 100.00 Total Fr. 4'972.80.
Hierzu erklärte die Gesuchstellerin auf Befragen ausdrücklich, dass der Not-
bedarf gleichzeitig auch der gebührende Unterhalt sei (Urk. 94 S. 20).
Mit Eingabe vom 16. Februar 2010 hat die Gesuchstellerin mitgeteilt, dass
C._ die 1. Klasse des Gymnasiums (S._) besuche und per Juli 2014 vo-
raussichtlich die Maturitätsprüfung ablegen werde. Das Schulgeld betrage Fr.
10'800.– pro Jahr (Urk. 187 und 188). Der Gesuchsteller machte geltend, es sei
davon auszugehen, dass der Gesuchstellerin Stipendien ausgerichtet würden. Die
Schulkosten seien daher nicht in die Bedarfsberechnung der Gesuchstellerin ein-
zurechnen, sofern diese nicht den Nachweis erbringe, dass sie trotz allen mögli-
chen Bemühungen keine Stipendien für C._ erhalte (Urk. 208). Mit Eingabe
vom 9. November 2011 (Urk. 210) legte die Gesuchstellerin eine Bestätigung des
S._ vom 31. August 2011 ins Recht, wonach die Kosten für das 3. Schuljahr
ab 5. September Fr. 11'400.– Schulgeld, ca. Fr. 500.– Schulbücher und Material
und ca. Fr. 300.– bis 400.– für Ausflüge, Klassenlager usw. umfassen würden
(Urk. 212/1). Weiter reichte die Gesuchstellerin eine Bestätigung des Amts für Ju-
gend und Berufsberatung des Kantons Zürich ein, demgemäss die Gesuchstelle-
rin ein Stipendiengesuch eingereicht habe, über welches noch nicht entschieden
worden sei (Urk. 212/2). Der Gesuchsteller hat die Höhe der Schulkosten nicht
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bestritten (Urk. 215). Es ist somit von jährlichen Schulkosten von Fr. 12'250.– (Fr.
11'400.– + Fr. 500.– + Fr. 350.–) auszugehen, was einem monatlichen Betrag von
Fr. 1'020.– entspricht, welcher an die Stelle der bisherigen Schul- und Hortkosten
von Fr. 835.– tritt. Damit erhöht sich der gebührende Unterhalt der Gesuchstelle-
rin und von C._ um Fr. 185.– auf Fr. 5'157.80. Sollte die Gesuchstellerin für
C._ Stipendien erhalten, so reduziert sich der gebührende Unterhalt um die
Höhe der Stipendien.
Wenn C._ ins Berufsleben eintritt, reduziert sich der Bedarf der Ge-
suchstellerin um die Schulkosten von Fr. 1020.–, den Kinderzuschlag von Fr.
500.– und die Krankenkassenprämie für C._ von Fr. 75.40, also total um Fr.
1'595.40 auf Fr. 3'562.40 (Urk. 162 S. 42).
b) Einkommen Gesuchstellerin:
Als Einkommen der Gesuchstellerin kann nur der Betreuungslohn in der Hö-
he von Fr. 1'100.– und der Anteil für die Miete in der Höhe von Fr. 338.–, also
insgesamt Fr. 1'438.– angerechnet werden (Urk. 162 S. 44 und 58 ff.).
c) Ungedeckter Bedarf der Gesuchstellerin:
Die Gesuchstellerin machte im Berufungsverfahren geltend, ihr Manko be-
trage Fr. 3'127.45 pro Monat. Ohne Altersvorsorge belaufe sich dieses auf
Fr. 2'127.45 pro Monat. Der Gesuchsteller müsse also mindestens Fr. 2'127.45
bezahlen, inkl. Kinderunterhaltsbeiträge für C._. Er sei dazu leistungsfähig,
im Maximum Fr. 3'127.45 pro Monat. Sie sei bei ihren Berufungsanträgen in einer
ersten Phase von einem mittleren Betrag und in der zweiten Phase vom allerun-
tersten Betrag ausgegangen, da sie an ihre erstinstanzlichen Anträge gebunden
sei (Urk. 105 S. 14).
Wie aufgezeigt beträgt der Bedarf der Gesuchstellerin Fr. 5'157.80 und ab
Eintritt von C._ ins Berufsleben Fr. 3'562.40. Bei anrechenbaren Einkünften
in der Höhe von insgesamt Fr. 1'438.– beträgt ihr Manko derzeit Fr. 3'719.80 ab-
züglich allfällige Stipendien und ab Eintritt von C._ ins Berufsleben Fr.
2'124.40.
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Die Gesuchstellerin verlangt einen Unterhaltsbeitrag bis zum Eintritt von
C._ ins Berufsleben in der Höhe von Fr. 1'350.– als Kinderunterhaltsbeitrag
und Fr. 1'095.– als persönlichen Unterhaltsbeitrag, total Fr. 2'445.–, und ab Eintritt
von C._ ins Berufsleben nur noch einen persönlichen Unterhaltsbeitrag in der
Höhe von Fr. 2'135.–. Daraus erhellt, dass die Gesuchstellerin in der ersten Pha-
se nicht die Deckung ihres ganzen errechneten Mankobetrages in der Höhe von
Fr. 3'719.80 verlangt, sondern nur einen Betrag von Fr. 2'445.–. Nachfolgend ist
somit zu prüfen, ob der Gesuchsteller in dieser Höhe von Fr. 2'445.– leistungsfä-
hig ist. In der zweiten Phase verlangt die Gesuchstellerin einen höheren Unter-
haltsbeitrag als den errechneten Mankobetrag in der Höhe von Fr. 2'124.40. Der
Gesuchsteller kann aber nur verpflichtet werden, ihr allerhöchstens in diesem Um-
fange einen Unterhaltsbeitrag zu bezahlen, weil die Gesuchstellerin – wie erwähnt
– ausdrücklich erklärt hat, dass der errechnete Bedarf dem in der Ehe gelebten
Standard entspreche (Urk. 162 S. 44 f.).
d) Bedarf des Gesuchstellers für sich und seine neue Familie (Urk. 162 S.
50):
Grundbetrag Gesuchsteller Fr. 1'550.00 Grundbetrag O._ Fr. 250.00 Wohnkosten Fr. 1'840.00 Krankenkasse Fr. 601.20 Hausrat/Haftpflichtversicherungen Fr 25.00 Telefon Fr. 100.00 Billag Fr. 38.00 Steuer Fr. 683.00 Total Fr. 5'087.20.
e) Diese aufgeführten Positionen und die diesbezüglichen Ausführungen
und Begründungen im ersten Berufungsurteil vom 16. Dezember 2008 wurden in
beiden Nichtigkeitsbeschwerdeverfahren – abgesehen von der Frage der Schul-
kosten – nicht angefochten (vgl. dazu Urk. 177 S. 5 und Urk. 205). Es kann somit
vollumfänglich auf die entsprechenden Erwägungen im ersten Berufungsurteil
verwiesen werden (Urk. 162).
2. Das Einkommen des Gesuchstellers war Gegenstand beider Nichtigkeits-
beschwerdeverfahren. Im Urteil vom 22. Februar 2010 ging das Obergericht von
einem durchschnittlichen monatlichen Einkommen von Fr. 5'734.35 aus, das der
- 18 -
Gesuchsteller ab 1. Juni 2009 als Arbeitnehmer der Q._ AG erziele. Weiter
berücksichtigte das Obergericht ein monatliches Zusatzeinkommen von Fr. 280.–
aus Putztätigkeit, das der Gesuchsteller nach eigenen Angaben regelmässig er-
zielt (Prot. I S. 43; Urk. 189 S. 17 f. und S. 20). Das Kassationsgericht hat diese
Auffassung bestätigt und auch keine weiteren Abklärungen verlangt (Urk. 205 S. 8
f.). Es ist somit von einem monatlichen Einkommen des Gesuchstellers in der Hö-
he von Fr. 6'014.35 auszugehen.
Wie dargelegt beläuft sich der Bedarf des Gesuchstellers auf Fr. 5'087.20.
Zieht man diesen Betrag von seinem durchschnittlichen monatlichen Einkommen
in der Höhe von Fr. 6'014.35 ab, so verbleiben Fr. 927.15 für Unterhaltsleistun-
gen.
3. a) Nun ist aber zu beachten, dass der Gesuchsteller – wie eingangs aus-
geführt – ausdrücklich den Antrag gestellt hat, die Berufung der Gesuchstellerin
sei abzuweisen und das vorinstanzliche Urteil vom 20. Juli 2007 sei vollumfäng-
lich zu bestätigen (Urk. 112 S. 2 und Urk. 129 S. 2). Der Gesuchsteller hat somit
die vorinstanzlichen Unterhaltsverpflichtungen nicht angefochten. An diese Par-
teierklärung ist auch die Berufungsinstanz gebunden. Der Gesuchsteller ist be-
reits in den früheren Berufungsurteilen vom 16. Dezember 2008 und vom
22. Februar 2010 darauf hingewiesen worden, dass das vorinstanzliche Urteil zu
bestätigen ist, obwohl bei ihm eine Unterdeckung entsteht, weil er das vorinstanz-
liche Urteil nicht angefochten hat (Urk. 162 S. 58 und Urk. 189 S. 21 f.).
b) Der Gesuchsteller ist somit gestützt auf das vorinstanzliche Urteil zu ver-
pflichten, an die Kosten des Unterhalts und der Erziehung des Kindes C._
monatliche Unterhaltsbeiträge von Fr. 1'350.– zuzüglich Kinderzulagen zu bezah-
len. Dies entspricht dem vorinstanzlichen Urteil und den Berufungsurteilen vom
16. Dezember 2008 (vgl. dazu Urk. 162 S. 65 und 70) und vom 22. Februar 2010
(Urk. 189 S. 22 und 24).
c) Sodann ist der Gesuchsteller zu verpflichten, der Gesuchstellerin bis
30. November 2013 nacheheliche Unterhaltsbeiträge von Fr. 800.– zu bezahlen.
Dies entspricht ebenfalls nicht nur dem vorinstanzlichen Urteil, sondern auch den
früheren Berufungsurteilen (Urk. 162 S. 65 und 71; Urk. 189 S. 22 und 25).
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d) Im ersten Berufungsurteil wurde der Gesuchsteller verpflichtet, der Ge-
suchstellerin Unterhaltsbeiträge bis zu seinem Eintritt ins ordentliche gesetzliche
Pensionsalter, d.h. bis Ende März 2026 zu bezahlen (Urk. 162 S. 65). Dies wurde
im kassationsgerichtlichen Verfahren von keiner Partei substantiiert angefochten,
weshalb diesbezüglich auf die entsprechenden Erwägungen im ersten Beru-
fungsurteil vom 16. Dezember 2008 verwiesen werden kann (Urk. 162 S. 58-65).
e) Ab 1. Dezember 2013 entfällt der Unterhaltsbeitrag für die Gesuchstellerin
persönlich für solange, als der Gesuchsteller für die Tochter C._ Unterhalts-
beiträge bezahlen muss, weil es an seiner Leistungsfähigkeit fehlt, muss er doch
Fr. 1'350.– an den Unterhalt der Tochter leisten.
Endet die Unterhaltspflicht des Gesuchstellers gegenüber seiner Tochter
C._ infolge der Vollendung ihrer Erstausbildung, dann hat der Gesuchsteller
der Gesuchstellerin persönlich ab diesem Zeitpunkt einen monatlichen Unter-
haltsbeitrag von Fr. 927.– bis Ende März 2026 zu bezahlen.
f) Sollte die persönliche Betreuung des Sohnes D._ durch die Gesuch-
stellerin aus welchem Grunde auch immer vor dem Eintritt des Gesuchstellers in
sein ordentliches gesetzliches Pensionsalter im März 2026 dahinfallen, dann
müsste der Unterhaltsbeitrag des Gesuchstellers für die Gesuchstellerin persön-
lich im Rahmen eines gerichtlichen Abänderungsverfahrens neu berechnet wer-
den, wenn sich die Parteien diesbezüglich nicht einvernehmlich verständigen
könnten. Die Neuberechnung wird dann von ganz verschiedenen Faktoren ab-
hängen, die heute noch vollkommen unbekannt sind, z.B. ob der Gesuchstellerin
dereinst zugemutet werden kann, einem Erwerbseinkommen nachzugehen. Bei
dieser Sachlage ist die Neufestsetzung des Unterhaltsbeitrages ausdrücklich vor-
zubehalten. Dieser Vorbehalt war schon im ersten Berufungsurteil vom 16. De-
zember 2008 enthalten, wogegen keine Partei ein Rechtsmittel ergriffen hat.
4. Zusammengefasst ist von folgenden Eckdaten auszugehen:
Einkommen Gesuchstellerin: Fr. 1'438.– Bedarf Gesuchstellerin: - bis Eintritt C._ ins Berufsleben: Fr. 5'157.80 *) - ab dann: Fr. 3'562.40 Vermögen Gesuchstellerin: Fr. 0.00
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Einkommen Gesuchsteller: Fr. 6'014.35 Bedarf Gesuchsteller: Fr. 5'087.20 Vermögen Gesuchsteller: Fr. 0.00
Unterhaltsbeitrag - bis 30. November 2013: Fr. 2'150.– (total) an C._: Fr. 1'350.– an Gesuchstellerin: Fr. 800.–
- ab Dezember 2013: an Gesuchstellerin: Fr. 0.–
- ab Eintritt C._ ins Berufsleben: an Gesuchstellerin: Fr. 927.–
Unterdeckung: - bis 1. Dezember 2013: Fr. 1'570.– *) - ab dann bis Eintritt C._ ins Berufsleben: Fr. 2'370.– *) - ab Eintritt C._ ins Berufsleben: Fr. 1'197.–
*) abzüglich allfällige Stipendien für C._
5. Die Indexierung der Unterhaltsbeiträge blieb unangefochten (Urk. 162 S.
67; Urk. 189 S. 24), weshalb die Indexklausel, wie sie im erstinstanzlichen Urteil
festgehalten ist, zeitlich entsprechend anzupassen ist.
V.
Die Regelung der vorinstanzlichen und der zweitinstanzlichen Kosten- und
Entschädigungsfolgen im ersten Berufungsurteil vom 16. Dezember 2008 wurde
in den kassationsgerichtlichen Verfahren an sich von keiner Partei angefochten.
Das Kassationsgericht hat jedoch angeordnet, dass das Obergericht über die
Kosten- und Entschädigungsfolgen des Berufungsverfahrens und des erstinstanz-
lichen Verfahrens im neuen Erledigungsentscheid ausgangsgemäss neu zu be-
finden habe (Urk. 205 S. 6).
Für die erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsregelung kann auf die
diesbezüglichen Ausführungen im ersten Berufungsurteil verwiesen werden, auch
wenn der nacheheliche Unterhalt gegenüber jenem Entscheid nunmehr modifi-
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ziert wird (Urk. 162 S. 67 ff.). Die erstinstanzlichen Kosten sind den Parteien je
zur Hälfte aufzuerlegen. Infolge der den Parteien gewährten unentgeltlichen Pro-
zessführung sind die Kosten jedoch einstweilen auf die Staatskasse zu nehmen,
unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht gemäss § 92 ZPO/ZH. Die Parteient-
schädigungen sind wettzuschlagen.
Im Berufungsverfahren unterliegt die Gesuchstellerin bezüglich der Be-
suchsrechtsregelung, wobei bereits im Urteil vom 16. Dezember 2008 darauf hin-
gewiesen worden war, dass die Gesuchstellerin unter dem Gesichtspunkt des
Kindesinteresses kaum gute Gründe zur Antragstellung gehabt hatte (Urk. 162 S.
69). In der Unterhaltsfrage dringt die Gesuchstellerin zwar nicht bezüglich der Hö-
he der persönlichen Unterhaltsbeiträge durch, jedoch bezüglich der Dauer und
gegenüber den Anträgen des Gesuchstellers insgesamt mehrheitlich. Mit der An-
fechtung der erstinstanzlichen Kosten- und Entschädigungsregelung unterliegt die
Gesuchstellerin. Insgesamt rechtfertigt sich auch im zweitinstanzlichen Verfahren
eine hälftige Kostenauflage und das Wettschlagen der Parteientschädigungen,
wobei wiederum zu berücksichtigen ist, dass beiden Parteien die unentgeltliche
Rechtspflege gewährt wurde.