Decision ID: 0f0f942a-e8ed-4103-913b-8815dd534ba1
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 30. Mai 2011 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 7). Sie gab an, sie verfüge über ein Diplom als
Fächergruppenlehrkraft und sie habe in den letzten Jahren in einem Pensum von 50
Prozent als Fächergruppenlehrerin gearbeitet. Ihr Lohn habe sich auf 4'439.55 Franken
belaufen. Seit Oktober 2007 leide sie an einem Morbus Crohn. Etwa Ende Februar
2011 habe sie ein „Burnout“ erlitten. Seit dem 4. März 2011 sei sie vollständig
arbeitsunfähig. Am 27. Juni 2011 untersuchte Dr. med. B._ vom IV-internen
regionalen ärztlichen Dienst (RAD) die Versicherte persönlich. In seinem Bericht vom 1.
Juli 2011 hielt er fest (IV-act. 17), die Versicherte habe in ihrem neunjährigen
Berufsleben zahlreiche als Stressoren wirkende belastende berufliche Situationen
(unter anderem „Mobbing“) erlebt, die sie nur schwer habe verarbeiten können. Sie sei
eigentlich „mit Herzblut“ Lehrerin, aber nun wisse sie nicht mehr, wie es beruflich
weitergehen solle. Bezüglich des Morbus Crohn befinde sie sich immer noch in
Behandlung. An sich würde sie gerne wieder zu 50 Prozent arbeiten. Ihr heute vier
Jahre alter Sohn werde gut betreut; angesichts ihrer gesundheitlichen Situation habe
sie den Wunsch nach weiteren Kindern zurückgestellt. Beurteilend empfahl Dr. B._
angesichts einer drohenden Invalidität die Durchführung von beruflichen Massnahmen.
Eine Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle notierte am 22. März 2012 nach einem
persönlichen Gespräch mit der Versicherten (IV-act. 34), diese könne sich eine
Umschulung, die zum Beispiel drei Jahre dauere oder vollzeitig absolviert werden
müsse, aufgrund des Kräftehaushaltes nicht vorstellen. Diverse Berufsvorschläge seien
daher nicht weiter verfolgt worden. Die Versicherte habe eine Ausbildung zur
diplomierten „Wellnesstrainerin“ in Verbindung mit einer Ausbildung zur diplomierten
Ernährungsberaterin vorgeschlagen. Mit kranken Leuten wolle sie allerdings nicht
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arbeiten. Sie könne sich auch einen Lehrgang zur Mentaltrainerin oder eine Ausbildung
im Bereich des autogenen Trainings vorstellen. Entsprechende Kurse könnten
problemlos absolviert werden. Es stelle sich aber die Frage nach der Verwertbarkeit.
Ausserdem dürfte es schwierig werden, den vorherigen hohen Lohn damit zu erreichen.
Im April 2012 teilte die Versicherte mit (IV-act. 36), dass sie sich eine künstlerische
Tätigkeit im Zusammenhang mit Photographie vorstellen könnte. Diese könnte sie als
selbständig Erwerbstätige ausüben. In der Folge reichte sie Unterlagen zur avisierten
Tätigkeit ein und sie ersuchte um die Vergütung der Kosten für entsprechende Kurse
(IV-act. 37 f. und 44 ff.). Am 27. Juli 2012 teilte ihr die IV-Stelle mit, dass sie im Sinne
einer Frühinterven¬tionsmassnahme die Kosten der Kurse vergüten werde (IV-act. 70).
A.b Am 7. September 2012 fand eine Abklärung im Haushalt der Versicherten statt.
Die Abklärungsbeauftragte hielt in ihrem Bericht fest (IV-act. 80), die Versicherte habe
seit der Geburt ihres Sohnes in einem Pensum von 50 Prozent gearbeitet und nun
angegeben, dass sie ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung weiterhin zu 50 Prozent
erwerbstätig wäre. Wegen des Morbus Crohn und den dadurch bedingten Durchfällen
sei ihre Leistung im Haushalt in sämtlichen Bereichen durchschnittlich um 50 Prozent
reduziert. Dem Ehemann, der abends jeweils um 18 Uhr zuhause sei, könne aber eine
tägliche Mithilfe von 60 Minuten zugemutet werden, was bei einem durchschnittlichen
täglichen Aufwand von acht Stunden einem Anteil von 12,5 Prozent entspreche. Die
Einschränkung im Haushalt betrage also 37,5 Prozent. Am 4. April 2013 beauftragte die
IV-Stelle die medizinische Abklärungsstelle (MEDAS) Ostschweiz mit der Erstellung
eines polydisziplinären Gutachtens (IV-act. 102). Die entsprechenden Untersuchungen
fanden am 7./8. August 2013 statt. In ihrem Gutachten vom 18. September 2013
hielten die Sachverständigen fest (IV-act. 109), die Versicherte leide an einer
gemischten Angst- und depressiven Störung sowie – ohne wesentliche Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit – an einem Morbus Crohn, an einem Status nach einer
Cholezystektomie und an einer Endometriose. Aus allgemein-internistischer und aus
gastroenterologischer Sicht seien die beklagten Beschwerden (Bauchschmerzen und
Durchfälle) eindeutig auf den Morbus Crohn zurückzuführen. Die Prognose sei
insgesamt günstig, da eine komplette Remission erreicht werden könne. Aus
internistischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit nicht mehr eingeschränkt. Aus
orthopädischer Sicht sei das Vorliegen eines Morbus Bechterew zu verneinen. Es liege
keine Gesundheitsbeeinträchtigung vor, die die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen würde.
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Aus psychiatrischer Sicht erreichten weder die depressiven Symptome noch die
ängstlich vermeidenden Symptome das Ausmass, das die Diagnose einer depressiven
Störung oder eine selbständigen Angststörung rechtfertigen würde. Die Versicherte sei
wegen ihrer Unsicherheit, ihrer Ängstlichkeit und ihrer Vermeidungstendenz in ihrer
Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit eingeschränkt. Dasselbe gelte für die
Durchhaltefähigkeit. Die Selbstbehauptungsfähigkeit sei beeinträchtigt und die
Kontaktfähigkeit zu Dritten sowie die Gruppenfähigkeit seien durch die Unsicherheit,
das Misstrauen und die Tendenz, sich im Arbeitsumfeld sozial zu isolieren,
herabgesetzt. Für die erlernte Tätigkeit bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent.
Eine leidensadaptierte Tätigkeit sei zu 70 Prozent zumutbar. Als leidensadaptiert gälten
Tätigkeiten, die möglichst nicht im Rahmen eines Schul- oder Lehrbetriebs stattfänden.
Die Versicherte sollte möglichst in der Lage sein, alleine zu arbeiten. Die Tätigkeit sollte
der somatischen Erkrankung und der psychischen Befindlichkeit angepasst werden.
Wegen der Befürchtung der Versicherten, dass sie ohne ein unmittelbar verfügbares
WC die Kontrolle über die Darmfunktion verlieren könnte, sollte die Tätigkeit in der
unmittelbaren Nähe einer Toilette ausgeübt werden können. Da die Versicherte seit
langem eine Vermeidungsstrategie zeige, könnte die psychische Erkrankung eine
Flucht im Sinne einer Vermeidungsstrategie der zwischenmenschlichen Konflikte in der
Arbeitssituation betrachtet werden. Es empfehle sich, dieses Verhalten durch gezielte
verhaltenstherapeutische Massnahmen zu verändern. Um einer Chronifizierung der
Flucht in die Krankheit entgegen zu wirken, sei aus psychiatrischer Sicht der Versuch
einer beruflichen Eingliederung als stationäre Rehabilitation allenfalls empfehlenswert.
Die Eingliederung sollte ein Belastbarkeitstraining und ein Aufbautraining von
genügender Dauer beinhalten. Der RAD-Arzt Dr. med. C._ erachtete das Gutachten
als überzeugend (IV-act. 110).
A.c Eine Sachbearbeiterin der IV-Stelle fragte im Oktober 2013 eine
Eingliederungsberaterin der IV-Stelle an (IV-act. 111), ob es Arbeitsstellen gebe, an
denen die Versicherte als Lehrerin tätig sein könne und die gleichzeitig die vom
psychiatrischen Sachverständigen genannten Kriterien an eine leidensadaptierte
Tätigkeit erfüllten. Die Eingliederungsberaterin antwortete, dass es keine solchen
Arbeitsstellen gebe. Das Attest einer Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent für den erlernten
Beruf als Lehrerin stehe deshalb im Widerspruch zu den Kriterien für eine
leidensadaptierte Tätigkeit. Am 21. Oktober 2013 notierte die Sachbearbeiterin (IV-act.
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112), im erwerblichen Bereich liege eine Invalidität von 54 Prozent vor, wenn man das
von der Versicherten zuletzt erzielte Einkommen mit den statistischen Zentralwert der
Hilfsarbeiterinnenlöhne vergleiche. Unter Berücksichtigung der Gewichtung des
Erwerbsbereichs und der (gewichteten) Einbusse im Haushalt resultiere insgesamt ein
Invaliditätsgrad von 46 Prozent. Die Versicherte müsse unter Hinweis auf den Art. 21
Abs. 4 ATSG verpflichtet werden, die psychotherapeutische Behandlung fortzusetzen.
Am 7. November 2013 hielt die Sachbearbeiterin dann allerdings fest (IV-act. 114), es
frage sich, ob nicht ein Umschulungsanspruch bestehe. Bevor das Verfahren
abgeschlossen werde, seien deshalb berufliche Massnahmen zu prüfen. Eine
Eingliederungsverantwortliche notierte am 20. November 2013, die beruflichen
Eingliederungsmöglichkeiten seien bereits geprüft worden, weshalb nun direkt die
Rentenprüfung erfolgen könne (IV-act. 118). Im Dezember 2013 sprach die Versicherte
persönlich bei der IV-Stelle vor. Sie gab an (IV-act. 121), sie würde ohne eine
Gesundheitsbeeinträchtigung in einem Pensum von 80 Prozent arbeiten, da ihr Sohn
schon im zweiten Kindergartenjahr sei und von den Grosseltern betreut werde. Ab
Januar 2014 werde sie wohl in einem Pensum von 30–40 Prozent in der
Kindertagesstätte D._ arbeiten können. Mit ihrer selbständigen Erwerbstätigkeit habe
sie in den Monaten März bis November 2013 einen Gewinn von 1'294.55 Franken
erzielt. Am 17. Januar 2014 notierte eine Sachbearbeiterin der IV-Stelle (IV-act. 126),
unter Berücksichtigung einer Gewichtung von 80 Prozent Erwerb und 20 Prozent
Haushalt sowie der aktuellsten Lohnangaben der ehemaligen Arbeitgeberin (vgl. IV-act.
123) resultiere ein Invaliditätsgrad von 56 Prozent. Am 21. März 2014 hielt diese
Sachbearbeiterin dann aber fest (IV-act. 128), die psychische Erkrankung sei
„therapeutisch angehbar“ und habe deshalb rechtsprechungsgemäss keine
„invalidisierende Wirkung“. Folglich müsse von einer uneingeschränkten
Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten ausgegangen werden.
A.d Mit einem Vorbescheid vom 31. März 2014 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass sie mangels eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades die Abweisung des
Rentenbegehrens vorsehe (IV-act. 130). Dagegen liess die nun anwaltlich vertretene
Versicherte am 11. Juni 2014 einwenden (IV-act. 135), die im März 2014 erfolgte
Abänderung des Invaliditätsgrades sei nicht nachvollziehbar. Gestützt auf das
Gutachten der MEDAS Ostschweiz und angesichts der darauf aufbauenden
Berechnung des Invaliditätsgrades im Januar 2014 stehe fest, dass die Versicherte ab
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März 2012 einen Anspruch auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung habe. Der
psychiatrische Sachverständige der MEDAS Ostschweiz habe zudem sozialberufliche
Rehabilitationsmassnahmen empfohlen. Solche müssten nun durchgeführt werden,
damit die Versicherte ihre Arbeitsfähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt verwerten
könne. Am 16. Juni 2014 hielt der behandelnde Gastroenterologe Dr. med. E._ fest
(IV-act. 138), das Gutachten der MEDAS Ostschweiz sei nicht überzeugend. Der
Morbus Crohn befinde sich zwar klinisch in Remission, aber endoskopisch zeige sich
weiterhin eine Aktivität. Zudem leide die Versicherte aktuell an einer invalidisierenden
Diarrhoe, die nicht allein durch den Morbus Crohn erklärt werden könne. Die
Versicherte könnte nur dann einer Erwerbstätigkeit nachgehen, wenn sie einen freien
Zugang zu einer Toilette hätte. In einem Schul- und Lehrbetrieb könne sie nicht
arbeiten. Am 9. Juli 2014 nahm der behandelnde Psychiater Dr. med. F._ Stellung
zum Gutachten der MEDAS Ostschweiz. Er führte aus (IV-act. 140), sowohl in den
Jahren 2005/2006 als auch in den Jahren 2010/2011 seien die Diagnosekriterien einer
mittelgradigen depressiven Episode vollumfänglich erfüllt gewesen. Nach den
Traumatisierungen in jenen Zeiträumen seien auch die Symptome einer nicht näher
bezeichneten Angststörung erfüllt gewesen. Aktuell liege wieder eine mittelgradige
depressive Episode bei einem invalidisierenden Durchfall vor. Hinsichtlich der
Arbeitsfähigkeitsschätzung sei nicht nachvollziehbar, weshalb der psychiatrische
Sachverständige der MEDAS Ostschweiz für die angestammte Tätigkeit eine
Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent attestiert und bezüglich der leidensadaptierten
Tätigkeiten festgehalten habe, diese müssten ausserhalb eines Schul- oder
Lehrbetriebs stattfinden. Für leidensadaptierte Tätigkeiten betrage die Arbeitsfähigkeit
nur 20–50 Prozent. Ein Belastungs- und Aufbautraining sei nicht notwendig. Im Juni
2014 hatte die Versicherte einen Arbeitsvertrag abgeschlossen, laut dem sie ab August
2014 (befristet) zehn Lektionen pro Woche in einer Primarschule unterrichtete (IV-act.
144). Das entsprach einem Pensum von 33 Prozent (IV-act. 145). Auf eine
entsprechende Frage der IV-Stelle hin liess die Versicherte am 20. November 2014
mitteilen (IV-act. 147), dass sie ihre Arbeit seit August 2014 ohne Fehlzeiten habe
verrichten können. Sie sei aber von diesem Pensum sehr erschöpft und brauche lange
Erholungszeiten. Mit einer Verfügung vom 26. Januar 2015 wies die IV-Stelle das
Rentenbegehren der Versicherten ab (IV-act. 150).
B.
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B.a Am 24. Februar 2015 liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 26. Januar 2015 erheben (act. G 1). Ihre
Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der Verfügung, die Zusprache einer Rente
ab dem 1. März 2012 und eventualiter die Zusprache einer befristeten Rente für die Zeit
vom 1. März 2012 bis zum 30. November 2014. Zur Begründung führte sie an, die IV-
Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) habe keine überzeugende Begründung
für die vom Gutachten der MEDAS Ostschweiz abweichende
Arbeitsfähigkeitsschätzung anführen können. Zudem sei die Arbeitsunfähigkeit bereits
im März 2011 eingetreten. Sie habe bis zur Begutachtung im August 2013 bestanden,
obwohl sich die Beschwerdeführerin während der ganzen Zeit in einer adäquaten
Behandlung befunden habe. Der Rentenanspruch sei ausgewiesen.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 12. Mai 2015 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie aus, gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung zähle die Diagnose einer gemischten Angst- und
depressiven Störung zum „Grenzbereich dessen (...), was noch als krankheitswertig im
Sinne des Gesetzes anerkannt werden“ könne. Eine invalidisierende Wirkung der
Störung müsse folglich verneint werden. Auch der wiedergegebene Tagesablauf und
die objektiven Befunde sprächen für die „Zumutbarkeit der Überwindbarkeit des
psychischen Leidens“.
B.c Die Beschwerdeführerin liess am 16. Juni 2015 an ihren Anträgen festhalten (act.
G 6). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 8).

Erwägungen
1.
Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, die
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat gemäss dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung. Als Invalidität gilt laut dem Art. 8
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Abs. 1 ATSG i.V.m. dem Art. 7 Abs. 1 ATSG ein voraussichtlich bleibender oder längere
Zeit dauernder ganzer oder teilweiser Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt, der durch eine Beeinträchtigung
der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursacht worden ist und
der nach der zumutbaren Behandlung und Eingliederung fortbesteht. Für die
Bemessung des Invaliditätsgrades wird gemäss dem Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu
jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre.
2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin hat den Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin nicht
anhand eines (reinen) Einkommensvergleichs, sondern in Anwendung der sogenannten
gemischten Methode berechnet. Dieses Vorgehen ist rechtswidrig, denn es steht im
Widerspruch zum Wortlaut des Art. 5 Abs. 1 IVG und des Art. 8 Abs. 3 ATSG, im
Widerspruch zum Sinn und Zweck der Invalidenrente, im Widerspruch zum
Rentensystem der Invalidenversicherung und im Widerspruch zum Willen des
historischen Gesetzgebers. Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hat in
seinem (vom Bundesgericht mit dem Urteil 9C_431/2016 bestätigten) Entscheid IV
2014/125 vom 24. Mai 2016 mit einer ausführlichen Begründung aufgezeigt, dass sich
der durch eine Rente der Invalidenversicherung gedeckte Schaden sowohl für
Erwerbstätige als auch für Nichterwerbstätige anhand der Erwerbsunfähigkeit der
versicherten Person bemisst und dass das Gesetz nur für jene Fälle eine Ausnahme
von diesem Grundsatz vorsieht, in denen die versicherte Person bereits vor dem Eintritt
der Gesundheitsbeeinträchtigung (überhaupt) nicht erwerbstätig gewesen ist und in
denen ihr die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit aufgrund der Bedeutung des
Familienlebens nicht zugemutet werden kann. Mit diesem Entscheid hat das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen seine frühere Praxis zur
Invaliditätsbemessung wieder aufgenommen. Weil die vorübergehende Aufgabe jener
Praxis nur auf Druck des Bundesgerichtes hin erfolgt war, ändert sie nichts daran, dass
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es sich dabei um eine ständige Rechtsprechung des Versicherungsgerichtes des
Kantons St. Gallen handelt. Zusammengefasst begründet sich diese Praxis wie folgt:
Die Invalidenversicherung ist eine Volksversicherung, deren Rentenleistungen einen
Schaden des versicherten Gutes „Erwerbsfähigkeit“ abdecken. Als eine
Erwerbsunfähigkeit gilt der Verlust an Erwerbsmöglichkeiten auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt. Der Frage, ob eine versicherte Person diese Möglichkeiten vor dem
Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung genutzt hat, kommt dabei keine Bedeutung
zu. Der Gesetzgeber hat aus diesem Grund bei der Schaffung des IVG explizit
festgehalten, dass sich die Invalidität auch für Haustöchter, Privatiers und Hausfrauen,
die teilweise erwerbstätig gewesen sind, anhand eines reinen Einkommensvergleichs
zu bemessen habe. Nur jenen Hausfrauen, die nie erwerbstätig gewesen waren, wollte
der Gesetzgeber die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zumuten (vgl. BBl 1958 II
1162 und den Bericht der Expertenkommission vom 30. November 1956, S. 27 und
116 ff. und zum Ganzen auch den Entscheid IV 2014/125 des St. Galler
Versicherungsgerichtes vom 24. Mai 2016, E. 2.2, mit zahlreichen Hinweisen). Die
Beschwerdeführerin ist vor und beim Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung
erwerbstätig gewesen. Sie kann folglich nicht als eine Hausfrau qualifiziert werden,
deren Invalidität in Abweichung vom allgemeinen Grundsatz nicht anhand eines reinen
Einkommensvergleichs zu bemessen wäre. Vielmehr ist der Invaliditätsgrad anhand
eines reinen Einkommensvergleichs zu berechnen.
2.2 Die Beschwerdeführerin verfügt über eine gute berufliche Qualifikation, was es ihr
vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung erlaubt hat, ein verhältnismässig
hohes Erwerbseinkommen von fast 9'000 Franken pro Monat (hochgerechnet auf ein
Vollpensum) zu erzielen. Sowohl der behandelnde Psychiater als auch der
psychiatrische Sachverständige der MEDAS Ostschweiz haben überzeugend
dargelegt, dass die Beschwerdeführerin die erlernte Tätigkeit jedenfalls nicht mehr
ohne wesentliche Einschränkungen ausüben kann. Für jene Tätigkeit besteht gemäss
dem Gutachten der MEDAS Ostschweiz eine Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent,
während leidensadaptierte Tätigkeiten im Umfang von 70 Prozent zumutbar sind. Die
Beschwerdeführerin hat zwar geltend gemacht, sie könne ihren erlernten Beruf gar
nicht mehr ausüben, ist aber im Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen Verfügung
entgegen ihrer entsprechenden Behauptung doch wieder als Fächergruppenlehrkraft
(allerdings auf der Primarstufe) tätig gewesen. Dieser Umstand verleiht der
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überzeugend begründeten Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen
Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz zusätzliche Beweiskraft, weshalb
gesamthaft mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass die
Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen Verfügung ihren
erlernten Beruf zu 50 Prozent oder eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit zu 70 Prozent
hat ausüben können. Würde die weitere Ausübung des erlernten Berufs bei einer
Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent als die massgebende Invalidenkarriere qualifiziert,
würde augenscheinlich ein Invaliditätsgrad von (mindestens) 50 Prozent resultieren. Auf
den ersten Blick scheint die alternative Invalidenkarriere – die Verrichtung einer ideal
leidensadaptierten Tätigkeit in einem Pensum von 70 Prozent – ein höheres
Invalideneinkommen und damit einen niedrigeren Invaliditätsgrad zu versprechen. Die
Beschwerdeführerin hat allerdings keinen weiteren Beruf erlernt, der die vom
psychiatrischen Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz definierten Kriterien einer
leidensadaptierten Tätigkeit erfüllen würde. Folglich kommt als Alternative zur – nicht
leidensadaptierten – Arbeit als Fächergruppenlehrkraft nur die Verrichtung einer – ideal
leidensadaptierten – Hilfsarbeit in Frage. Das Lohnniveau einer Hilfsarbeiterin ist aber
deutlich tiefer als jenes einer Fächergruppenlehrkraft. Gemäss den Ergebnissen der
Schweizer Lohnstrukturerhebung 2012 hat der Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne
4'646 Franken (Kompetenzniveau 2) beziehungsweise 4'112 Franken
(Kompetenzniveau 1) pro Monat betragen (LSE 2012, TA1). Als gesunde Hilfsarbeiterin
hätte die Beschwerdeführerin also lediglich etwa die Hälfte ihres früheren Einkommens
erzielen können. Da ihre Arbeitsfähigkeit selbst für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten
wesentlich eingeschränkt ist, kann sie damit offensichtlich kein Erwerbseinkommen
erzielen, das höher als jenes wäre, das sie erzielen könnte, wenn sie ihre
Restarbeitsfähigkeit von 50 Prozent im erlernten Beruf verwerten würde. Entgegen dem
ersten Eindruck würde bei der Berücksichtigung einer ideal leidensadaptierten
Hilfsarbeit als Invalidenkarriere also nicht ein tieferer, sondern ein höherer
Invaliditätsgrad als bei der Weiterausübung des erlernten Berufs in einem Pensum von
50 Prozent resultieren. Die zumutbare Invalidenkarriere besteht also in der
Weiterausübung des erlernten Berufs. Dabei ist kein Abzug vom Tabellenlohn zu
berücksichtigen, denn erstens wird für die Berechnung des entsprechenden
Invalideneinkommens nicht auf einen Tabellenlohn abgestellt und zweitens ist die
Annahme am plausibelsten, dass die Beschwerdeführerin ihre Restarbeitsfähigkeit bei
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der öffentlichen Hand verwerten würde. Diese vergütet die Arbeitsleistung – anders als
ein privater Arbeitgeber – nicht strikt nach ökonomisch-betriebswirtschaftlichen
Kriterien, weshalb sich ein allfälliger Nachteil, für den an sich ein Tabellenlohnabzug
gewährt werden müsste, nicht auf den Lohn der Beschwerdeführerin auswirken dürfte.
Bei der im Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen Verfügung aktuellen Sachlage ist
die Beschwerdeführerin also zu 50 Prozent invalid gewesen.
2.3 Die Beschwerdegegnerin hat eingewendet, die Beschwerdeführerin leide an
Symptomen, die gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gerade noch als
„krankheitswertig“ qualifiziert werden könnten. Das spricht offensichtlich nicht gegen
das Attest einer Arbeitsunfähigkeit, denn es ist unerheblich, ob eine
Gesundheitsbeeinträchtigung ohne weiteres oder nur knapp als „krankheitswertig“
qualifiziert werden kann; das Gesetz unterscheidet nur zwischen den Folgen einer
Gesundheitsbeeinträchtigung und Einschränkungen, die ihre Ursache nicht in einer
Gesundheitsbeeinträchtigung finden. Die erwähnte bundesgerichtliche Rechtsprechung
kann aber für den vorliegenden Fall ohnehin nicht massgebend sein, denn gestützt auf
das überzeugende Gutachten der MEDAS Ostschweiz steht mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die Beschwerdeführerin
im Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen Verfügung an einer relevanten
Gesundheitsbeeinträchtigung gelitten hat, die ihre Arbeitsfähigkeit wesentlich
eingeschränkt hat. Dieser für den vorliegenden Fall erbrachte Beweis kann
selbstverständlich nicht durch eine (angebliche) allgemeine Erfahrungstatsache
widerlegt werden. Es besteht keine Veranlassung, von der überzeugenden
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz
abzuweichen, die im Übrigen auch vom RAD als zuverlässig qualifiziert worden ist.
2.4 Allenfalls kann der Invaliditätsgrad aber mit einer Umschulung in einen
gleichwertigen Beruf (vgl. dazu UELI MEYER-BLASER/MARCO REICHMUTH,
Rechtsprechung des Bundesgerichtes zum IVG, 3. Aufl. 2014, Art. 17 N 14 ff.) reduziert
werden. Eine solche Umschulung drängt sich insbesondere auch deshalb auf, weil die
Beschwerdeführerin noch jung ist. Diese hat zwar angegeben, sie würde eine
Umschulung kräftemässig nicht durchstehen. Eine entsprechende
Umschulungsunfähigkeit steht aber nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, denn die Beschwerdegegnerin hat es
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versäumt, die Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz nach der
U¬schulungsfähigkeit zu fragen. Jedenfalls könnte eine Umschulung den
Invaliditätsgrad aber nur für die Zukunft beeinflussen. Da damit zu rechnen ist, dass bis
zum Abschluss einer allfälligen Umschulung noch mehrere Jahre vergehen dürften, und
da die Beschwerdeführerin bereits seit Jahren im aktuellen Umfang invalid ist, liegt
selbst im idealsten Fall eine insgesamt mehrere Jahre dauernde Invalidität von 50
Prozent vor. Damit ist die Beschwerdeführerin zwar vielleicht nicht voraussichtlich
dauernd, aber sicherlich zumindest eine längere Zeit erwerbsunfähig und damit invalid
im Sinne des Art. 8 Abs. 1 ATSG. Das bedeutet, dass sie einen Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung hat und dass mit einer Umschulung nur (aber
immerhin) auf eine revisionsweise Rentenherabsetzung oder Rentenaufhebung
hingewirkt werden kann. Die obigen Ausführungen zur Umschulung sind deshalb nur
ein obiter dictum. Sollte die Beschwerdeführerin ein entsprechendes Verfahren
eröffnen, empfehlen sich vertiefte Abklärungen hinsichtlich der Fragen nach der
Umschulungsfähigkeit, nach geeigneten neuen Berufen und nach der Arbeitsfähigkeit
für jene Berufe, bevor entsprechende berufliche Massnahmen in die Wege geleitet
werden. Nötigenfalls müsste die Beschwerdeführerin mittels der Androhung einer
Rentensistierung gestützt auf den Art. 21 Abs. 4 ATSG dazu angehalten werden,
geeignete und zumutbare berufliche Massnahmen zu absolvieren. Diese Fragen
gehören aber nicht zum Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens.
2.5 Da die Arbeitsunfähigkeit gemäss dem Gutachten der MEDAS Ostschweiz seit Mai
2011 besteht, hat das sogenannte Wartejahr am 30. April 2012 geendet. Weil auch die
Anmeldung zum Leistungsbezug bereits im Mai 2011 erfolgt ist, liegt keine sogenannte
verspätete Anmeldung vor, was bedeutet, dass der Rentenanspruch am 1. Mai 2012
entstanden ist. Die Beschwerdeführerin hat also rückwirkend ab dem 1. Mai 2012 einen
Anspruch auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung bei einem Invaliditätsgrad
von 50 Prozent. Die Sache ist zur Festsetzung der Rentenbeträge an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.
Die Gerichtskosten von 600 Franken sind der unterliegenden Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen. Der Beschwerdeführerin wird der von ihr geleistete Kostenvorschuss von
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600 Franken zurückerstattet. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin
eine Parteientschädigung auszurichten. Diese ist angesichts des durchschnittlichen
Vertretungsaufwandes praxisgemäss auf 3'500 Franken (einschliesslich Barauslagen
und Mehrwertsteuer) festzusetzen.