Decision ID: f2a110b4-8955-4a82-a8ec-5e996948def0
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1973, ist als Finanzberater tätig und der
Sozial
versicherungs
anstalt des Kantons Zürich, Ausgleichs
kasse, als
Selbstän
dig
erwerbender
ange
schlossen.
Für das Jahr 2019 wurden die
Akonto
beiträge
für
Selbständigerwerbende
gestützt auf ein Erwerbs
ein
kommen von Fr. 287'700.-
- festgesetzt (Mitteilung vom 29
.
Ja
nuar
2019, Urk.
6/98). Am 2
9.
März 2020
(Ein
gangs
datum) meldete sich der Ver
si
cher
te
bei der Ausgleichskasse zum Bezug einer Erwerbsausfall
entschä
di
gung (Ver
anstaltungsverbot) gestützt auf die Ver
ord
nung über Massnahmen bei Er
werbs
ausfall im Zusammenhang mit dem
Corona
virus
(Covid-19-Verordnung Er
werbs
au
sfall) an
(
Urk. 6/127
).
Nachdem die Ausgleichskasse einen Anspruch auf Co
rona-Erwerbsersatzentschädigung anfäng
lich verneint hatte (vgl. Verfü
gung vom 1
4.
Mai 2020 [
Urk.
6/129] und
Ein
spracheentscheid
vom 1
5.
September 2020 [Urk. 6/142]),
teilte sie dem Ver
sicher
ten am 2
6.
November 2020 mit, dass sie
den
Einspracheentscheid
vom 15.
Sep
tember 2020 wiedererwägungsweise aufhebe und ihm einen Anspruch auf Corona-Erwerbsersatzentschädigung für die Dauer vom 1
7.
März bis 1
6.
Sep
tem
ber 2020
bei einem Tages
an
satz von
Fr. 196.
--
gewähre (
Urk.
6/156 f.).
1.2
Mit weiteren Anmeldungen vom 1
4.
Dezember 2020,
6.
Januar, 1. und 28. Fe
b
ru
ar, 3. April,
1.
Mai, 1. Juni,
1.
Juli,
2.
August,
1.
und 30. September, 2
7.
Okto
ber
,
1.
und 3
0.
November
2021 machte
X._
insgesamt einen Anspruch auf eine Co
rona-Erwerbsaus
fall
ent
schä
digung für die
Z
eit vom 17.
September 2020
bis November
2021
gel
tend
(Urk. 6/166 f., Urk. 6/170, Urk. 6/175, Urk. 6/181, Urk. 6/185, Urk. 6/189, Urk. 6/192, Urk. 6/197, Urk. 6/201, Urk. 6/205, Urk. 6/214, Urk. 6/220
, Urk. 6/223, Urk. 6/227
)
.
Die Aus
gleichs
kasse ge
währte dem Versi
cherten
für die Zeit
periode vom 17. Sep
tember 2020 bis 31. August 2021
eine Corona-Er
werbs
ausfall
entschä
digung in
folge annullierter Veranstaltungen
und für den Monat September 2021 eine in
folge er
heblicher Umsatzeinbusse
und richtete ihm eine auf einem Tagesansatz von Fr. 196.-- be
ruhende Corona-Erwerbs
aus
fall
ent
schä
di
gung aus (vgl. Urk. 6/173, Urk. 6/179, Urk. 6/183, Urk. 6/186, Urk. 6/190, Urk. 6/193, Urk. 6/1
98, Urk.
6/202, Urk. 6/212
, Urk. 6/222
).
Für die Monate
Oktober
und November 2021 verneinte die Ausgleichs
kasse
einen An
spruch auf Corona-Erwerbsersatz
entschä
di
gung,
da Personen,
deren Umsatzeinbusse aus rein wirtschaftlichen Folgen entstanden sei und nicht auf eine aktuelle Massnahme vo
n Bund oder Kanton zurückzuführen sei, keinen Anspruch auf diese Leistungen mehr hätten
(Ver
fü
gungen
vom
30. Novem
ber [Urk. 6/229] und 28. Dezember
2021
[Urk. 6/238]
).
Die da
gegen vom Versicherten am
6. De
zem
ber 2021
sowie 3
.
und 24.
Ja
nuar 2022
erhobene
n
Ein
sprache
n
(
Urk. 6/236, Urk. 6/
241
f.
) wies die Ausgleichs
kasse mit
Einsprache
ent
scheid
vom
22
.
Februar
2022
ab
(Urk. 6/
247
= Urk. 2)
.
2.
Dagegen erhob
X._
am 1. März 2022 Beschwerde und beantragte sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und die
Zusprache
einer Corona-Erwerbsausfallentschädigung für die Monate Oktober bis Dezember 2021 sowie Februar 2022 (Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
8.
März 2022 schloss die Beschwerdegegnerin
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5, unter Beilage der Kassenakten
[Urk. 6/1-255]), was dem Beschwerdeführer mit Ver
fügung vom 2
1.
März 2022 zur Kennt
nis gebracht wurde (Urk. 7). Die Eingaben des Beschwerdeführers vom
6.
April 2022 (
Urk.
8) und vom 1
0.
Mai 2022 (
Urk.
11) wurden der Beschwerdegegnerin jeweils zur Kenntnisnahme zugestellt (
Urk.
10,
Urk.
13).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit er
for
der
lich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte einen Anspruch auf Corona-Erwerbsaus
fall
entschädigung mit der Begründung, dass nur
selbständigerwerbende
Personen anspruchsberechtigt seien, die aufgrund kantonaler oder auf Bundesebene beschlossener Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
ihre Erwerbstätig
keit erheblich einschränken müssten. Der Zusammenhang zwischen der geltend gemachten Erwerbseinbusse und den behördlichen Massnahmen sei nicht erwiesen. Des Weiteren wies die Beschwerdegegnerin darauf hin, dass eine Umsatzein
busse, die dadurch entstehe, dass an den Messen keine neuen Kunden akquiriert worden seien, nicht durch die Corona-Er
werbs
ersatzentschädigung abgedeckt sei (Urk. 2).
1.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber zusammengefasst geltend (Urk. 1), Grund für seine ausbleibenden Umsätze seien abgesagte, verschobene und schlecht besuchte Messen infolge Maskenpflicht in Innenräumen, Zertifi
kats
pflicht an Veranstaltungen sowie Bewilligungspflicht für Grossveranstaltungen. Aus dem beigelegten Messeplan für die Jahre 2020 bis 2022 gehe hervor, dass viele Messen aufgrund der behördlich angeordneten Massnahmen abgesagt wor
den seien. Er habe deshalb Anspruch auf eine Corona-Erwerbs
ersatz
ent
schä
di
gung für die Monate Oktober bis Dezember 2021 sowie für den Monat Februar 2022 und allfällige weitere Monate (März bis Mai 2022).
2
.
2
.1
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfü
gung beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
– Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
ergangen ist (BGE 144 I 11 E. 4.3, 131 V 164 E. 2.1, 125 V 413 E. 1a).
2
.2
Der angefochtene
Einspracheentscheid
vom 2
2.
Februar 2022 betrifft einzig die Abweisung der Gesuche des Beschwerdeführer
s
um Ausrichtung einer Corona-Erwerbsausfallentschädigung für die Monate Oktober und November 2021 (Urk.
2 S. 1). Auf den Antrag des Beschwerdeführers
auf
Zusprache
einer solchen Entschädigung für
die
Monat
e
Dezember
2021
und Februar 2022 sowie allfällige weitere Monate
(
Urk.
1
S. 2
) kann somit mangels Anfechtungsobjektes nicht ein
getreten werden.
Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdegegnerin die Auszahlung einer Corona-Erwerbsausfallentschädigung für die Monate Oktober
und
November 2021 zu Recht verweigert hat.
3.
3.1
3.1.1
Nach Art. 185 Abs. 3 der Bundesverfassung (BV) kann der Bundesrat Ver
ordnun
gen und Verfügungen erlassen, um eingetretenen oder unmittelbar dro
hen
den schweren Störungen der öffentlichen Ordnung oder der inneren oder äusseren Sicherheit zu begegnen. Solche Verordnungen sind zu befristen (und zwar auf [maximal] sechs Monate, vgl. Art. 7d Abs. 2
lit
. a des Regierungs- und Verwal
tungsorganisationsgesetzes, RVOG).
Gestützt auf dieses Notverordnungsrecht erliess der Bundesrat
–
nebst anderen Verordnungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie, die sich teilweise (auch) auf das Bundesgesetz über die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten des Menschen (
Epidemiengesetz
,
EpG
) stützten
–
am 2
0.
März 2020 die Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall. Die Verordnung wurde rückwirkend per 1
7.
März 2020 in Kraft gesetzt (
Art.
11
Abs.
1 und 2 der Covid-19-Verordnung Erwerbs
ausfall vom 2
0.
März 2020). Mit dem Bundesgesetz über die gesetzlichen Grund
lagen für Verordnungen des Bundesrates zur Bewältigung der Covid-19-Epidemie vom 2
5.
September 2020 (Covid-19-Gesetz) wurde rückwirkend per 1
7.
Sep
tem
ber 2020 eine gesetzliche Grundlage für die Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall geschaffen (
Art.
15 in Verbindung mit
Art.
21
Abs.
3 Covid-19-Gesetz). Seit ihrem Inkrafttreten per 1
7.
März 2020 wurde die Covid-19-Verordnung Erwerb
s
ausfall vom Bundesrat mehrfach geändert.
3.1.2
Gestützt auf Art. 7 des
Epidemiengesetzes
erliess der Bundesrat unter anderem die Covid-19-Verordnung 2, welche vom 13. März bis 22. Juni 2020 in Kraft war. Sie ordnete Massnahmen gegenüber der Bevölkerung, Organisationen und Insti
tutionen sowie den Kantonen zur Verminderung des Übertragungsrisikos und zur Bekämpfung des
Coronavirus
(Covid-19) an (Art. 1 Abs. 1 dieser Verordnung). Gemäss Art. 6 Abs. 1 der Covid-19-Verordnung 2 in der ab 17. März 2020 gültig gewesenen Version war es verboten, öffentliche oder private Veranstaltungen durch
zuführen. In der Folge beschloss der Bundesrat am 27. Mai 2020
eine weitgehende Lockung der noch geltenden Massnahmen zur Bekämpfung de
s
Corona
virus
per 6. Juni 2020.
Unter der Bedingung, dass für alle Einrichtungen und Ver
anstaltungen Schutz
konzepte vorhanden sind (Art. 6d
Abs.
1 Covid-19-Ver
ord
nung 2 in der ab
6.
Juni 2020 gültig gewesenen Version),
waren Veranstal
tungen mit bis zu 300 Personen wieder erlaubt
(vgl. die Medien
mitteilung des Bundes
rates vom 2
7.
Mai 2020).
Nach einer Zunahme der Ansteckungen mit dem
Coronavirus
im Herbst und Winter 2020 wurden weitere Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
beschlossen. Mit der Änderung der Verordnung über Massnahmen in der be
son
de
ren Lage zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie (Covid-19-Verordnung beson
dere Lage) vom
29. Oktober
2020 (
aufgehoben mit
Art.
30 Covid-19-Verordnung besondere Lage vom 2
3.
Juni 2021
) wurden mit
Art. 6
Abs. 3
dieser Verordnung
die Durchführung von Messen und Märkten in Innenräumen
wieder
verboten. Alsdann beschloss der Bundesrat in seiner Sitzung vom 26. Mai 2021 wann und in welcher Form Grossveranstaltungen wieder stattfinden konnten (vgl. die Medien
mitteilung des
Bundesrates vom 26. Mai 2021). Demnach waren mit einer Bewilligung der zuständigen kantonalen Behörde ab 1. Juli 2021 grosse Fach- und Publikumsmessen mit bis zu 1000 Personen wieder zulässig (Art. 6 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 6b
quinquies
Covid-19-Verordnung besondere Lage in der ab 27. Mai 2021 gültig gewesenen Version). Per 26. Juni 2021 wurde sodann die Pflicht eingeführt, ein Schutzkonzept zu erarbeiten und umzusetzen. Für Messen, die nicht aus
schliess
lich im Freien stattfanden, bestand ausserdem bei Grossveranstaltungen die Zertifikatspflicht für alle Per
so
nen ab 16 Jahren (Art. 17 der Covid-19-Verordnung besondere Lage in der ab 26. Juni 2021
gültig
gewesenen
Fassung). Per 13. September 2021 wurde die Zertifikatspflicht auf alle Veranstaltungen in Innenräumen ausgeweitet (Art. 18 der Covid-19-Ver
ord
nung besondere Lage in der ab 13. September 2021 gültig gewesenen Version). An der Sitzung vom 17. Dezem
ber 2021 verschärfte der Bundesrat die Mass
nahmen und entschied, dass
zu Veranstaltungen im Innern
künftig
nur noch geimpfte und genesene Personen (2G
-Regel
)
Zugang
haben (vgl. Medi
enmitteilung vom 17. Dezember 2021; Art. 14 der Covid-1
9
-Verordnung beson
dere Lage in der ab 20. Dezember 2021
gültig
gewesenen
Fassung). Schliesslich wurde die Zertifikats
pflicht per 17. Februar 2022 wieder aufgehoben (vgl. Medienmit
teilung des Bundesrates vom 16. Februar 2022).
3.2
In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze
massgebend
, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbe
standes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinwei
sen).
D
as Sozialversicherungsgericht
stellt
bei der Beurteilung eines Falles grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt ab (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1).
Vorliegend streitig ist
der Anspruch
des Beschwerdeführers auf eine Corona-Erwerbsersatzentschädigung
für die
Monat
e
Oktober und November
202
1.
Entsprechend sind die in diesem Monat gültigen Bestimmungen anwend
bar.
3.3
Laut
Art.
1 der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall (gemäss sämtlichen Fassun
gen) sind die Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG) auf die Entschädigungen gemäss dieser Ver
ordnung anwendbar, soweit die nachstehenden Bestimmungen nicht ausdrück
lich eine Abweichung vom ATSG vorsehen. Nach
Art.
8
Abs.
5 der Covid-19-Ver
ordnung Erwerbsausfall (gemäss sämtlichen Fassungen) wird die Ent
schä
di
gung im formlosen Verfahren nach Artikel 51 ATSG festgesetzt. Dies gilt in Abweichung von Artikel 49 Absatz 1 ATSG auch für erhebliche Entschädigungen.
3.4
3.4.1
Nach Art. 2 Abs. 3 der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall (Stand: 20. Septem
ber 2021) sind
Selbständigerwerbende
im Sinne von Artikel 12 ATSG und Perso
nen nach Artikel 31 Absatz 3 Buchstaben b und c des Bundesgesetzes über die obliga
to
rische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) unter der Voraussetzung von Absatz 1
bis
Buchstabe c anspruchsberechtigt, wenn sie:
a. ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von behördlich angeordneten Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie unterbrechen müssen; und
b. einen Erwerbs- oder Lohnausfall erleiden.
3.4.2
G
emäss
Art.
2
Abs.
3
bis
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall (Stand:
20. Septem
ber 2021
) sind
Selbständigerwerbende
im Sinne von
Art.
12 ATSG, die nicht
unter Absatz 3 fallen
, anspruchsberechtigt wenn:
a. ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von behördlich angeordneten Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie massgeblich eingeschränkt ist;
b. sie einen Erwerbs- oder Lohnausfall erleiden; und
c. sie im Jahr 2019 für diese Tätigkeit ein AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen von mindestens Fr. 10'000.-- erzielt haben; diese Voraussetzung gilt sinn
ge
mäss, wenn die Tätigkeit nach dem Jahr 2019 aufgenommen wurde; wurde die Tätigkeit nicht während eines vollen Jahres ausgeübt, so gilt diese Voraus
setzung proportional zu deren Dauer.
Die Erwerbstätigkeit gilt gemäss
Art.
2
Abs.
3
ter
Satz 1 Cov
id-19-Verordnung Erwerbsausfall
als massgeblich eingeschränkt, wenn pro Monat eine
Umsatz
ein
busse von mindestens 3
0 Prozent im Vergleich zum durchschnittlichen
monat
-
li
chen
Um
satz der Jahre 2015–2019 vorliegt.
Wurde die Tätigkeit nach 2015 und vor 2020 aufgenommen, so ist der Durchschnitt der entsprechenden Erwerbsdauer massgebend. Personen, die ihre Erwerbstätigkeit nach dem Jahr 2019 aufge
nom
men haben, müssen nachweisen, dass pro Monat eine Umsatzeinbusse von mindestens 30 Prozent im Vergleich zum durchschnittlichen Umsatz von mindes
tens drei Monaten vorliegt; massgebend ist der Durchschnitt der drei Monate mit den höchsten Umsätzen (
Art.
2
Abs.
3
ter
).
4.
4.1
Der Beschwerdeführer ist bei der Beschwerdegegnerin als selbständig Erwerbs
tätiger im Bereich Finanzberatung gemeldet.
Gemäss eigenen Angaben gewinn
t
er seine Kundinnen und Kunden überwiegend an Messen (
Urk.
8
S.
2
).
Im Rahmen der Abrechnungen richtete die Beschwerdegegnerin die Corona-Erwerbs
ausfall
entschädigung zu Beginn bis 3
1.
August 2021 aufgrund annullierter Veranstal
tungen (vgl. Urk.
6/173
, Urk.
6/179
, Urk.
6/183
, Urk.
6/186
, Urk.
6/190
, Urk.
6/193, Urk. 6/198, Urk. 6/202, Urk. 6/212
), im September 2021 aufgrund erheblicher Um
satzein
bussen in
folge abgesagter Veranstaltungen aus (vgl. Urk.
6/222
), im
plizit also gestützt auf Art. 2 Abs. 3
bis
und Abs. 3
ter
der Covid-19-Verordnung Er
werbsausfall
. Dass der Beschwerdeführer im Oktober
und November
2021 eine Umsatzeinbusse von mindestens 30 Pro
zent im Vergleich zum durchschnittlichen monatlichen Umsatz der Jahre 2015 bis 2019 erlitten hat, ist ausgewiesen und wird nicht bestritten (vgl. Urk.
6/223, Urk. 6/234
).
In den
Verfügung
en
vom
3
0. No
vem
ber
und 2
8.
Dezember
2021 sowie im
Einsprache
entscheid
vom
22
.
Fe
bruar
2022 äusserte sich die Beschwerdegegnerin einzig zu den behördlich an
geordneten Massnah
men und dass der Beschwerdeführer von solchen nicht mehr betroffen sei, mithin die Kausalität der Umsatzein
busse mit den geltenden Mass
nahmen nicht mehr gegeben sei.
4.2
Die Beschwerdegegnerin verweist im angefochtenen
Einspracheentscheid
auf
Rz
. 1040.2
i.V.m
.
Rz
. 10
41.2
des Kreisschreibens über die Entschädigung zur Bekämpfung des
Corona
virus
- Corona-Erwerbsersatz (KS CE). Darin wird ausgeführt, dass ab dem 1. September 2021, in Anbetracht der Aufhebung des ge
nerel
len Veranstaltungs
verbotes und des Fehlens des erforderlichen Nachweises nach
Rz
. 1037 ff. (welche Randziffern den Anspruch infolge eines geltenden Ver
anstaltungsverbotes oder infolge Nichtgenehmigung der Veran
staltung aufgrund von Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
betreffen),
Selbständig
er
wer
bende
und Personen in arbeitgeberähnlicher Stellung sowie deren mitarbei
tende Ehegatten oder einge
tragene Partner, die aufgrund von Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
einen Erwerbsausfall erlitten, Anspruch auf Co
rona-Erwerbsersatz infolge mass
gebender Einschränkung der Erwerbstätigkeit gel
tend machen könnten. Diese Randziffer wurde mit der Version 19 des KS CE (gültig ab 17. September 2021, vgl. dazu das Vorwort zur Version 19) eingefügt, nachdem im Vorwort zur Ver
sion 18 festgehalten worden war, dass es aktuell kaum noch behördliche Ein
schränkungen gebe. Deshalb müssten die Ausgleichs
kassen ihr Augenmerk besonders auf die Gründe richten, die die Versicherten für eine erhebliche Ein
schränkung geltend machten. Diese Gründe müssten im Zu
sam
menhang mit den Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
stehen. Es ist der Beschwerdegeg
nerin somit beizupflichten, dass eine Umsatzeinbusse, die (alleine) darauf zurück
zuführen ist, dass sich das ökonomische Umfeld aufgrund der Pandemie ändert, nicht durch die Corona-Erwerbsersatzentschädigung abge
deckt wird.
4.3
Massgebend ist, ob und inwiefern die Erwerbseinbusse des Beschwerdeführers in den Monaten Oktober und November 2021 auf die staatlich verordneten Mass
nahmen gegen das Corona-Virus zurückzuführen war. Seit 13. September 2021
galt in Bezug auf Fach- und Publikumsmessen insofern eine Einschränkung, als eine Zertifikats
pflicht für alle Personen ab 16 Jahre bestand (E.
3
.1.2 hiervor).
Einzig diese Mass
nahme interessiert in Bezug auf den zu prüfenden Entschä
di
gungs
anspruch. Soweit der Beschwerdeführer den geltend gemachten Anspruch mit Massnahmen begründet, die im relevanten Zeitraum bereits nicht mehr in Kraft waren, kann ihm nicht gefolgt werden. Mit der Aufhebung einer Mass
nahme endet ihr zeit
licher Geltungsbereich und sie kann nicht mehr Grundlage eines (weiteren) Ent
schädigungsanspruchs bilden. Ähnlich verhält es sich mit dem Umstand, dass sich im Herbst 2021 die epidemiologische Lage verschlechterte und deshalb wieder eine Verschärfung der Massnahmen zu erwarten war. Eine Vor
wirkung kommt ihnen nicht zu, womit sie vorliegend ausser Betracht zu bleiben haben.
4.4
Der Beschwerdeführer verweist auf diverse Veranstaltungen, die abgesagt oder verschoben worden seien, und begründet so die Erwerbseinbusse (Urk. 1 S. 2).
Mit Ausnahme
der
Hochzeitsmesse
«
Y._
»
in
Z._
war jedoch keine dieser Veranstaltungen für Oktober oder November 2021 geplant. Die meisten dieser Veranstaltungen waren ursprünglich in den Monaten Januar bis Sep
tember 2021 vorgesehen (vgl. Messeplanung 2021,
Urk.
3/4 S. 2). In diesen Mona
ten erhielt der Beschwerdeführer Corona-Erwerbsausfallentschädigung.
Die «
A._-Messe
» in
B._
war für das Wochenende vom
«...»
2020 geplant. Es ergibt sich weder aus den Akten noch aufgrund der
en
Homepage, dass
diese Messe auch
im
«...»
2021 geplant gewesen wäre.
Mit seiner Argumentation, wonach die Absage der Hochzeitsmesse «
Y._
» auf die im Oktober 2021 nach wie vor geltend gewesene Zertifi
kats
pflicht für sämtliche Veran
stal
tungen in Innenräumen zurückzuführen
gewesen
und daraus eine anspruchsbegründende Umsatzeinbusse resultiert sei, weil er keine neuen Kundinnen und Kunden habe akquirieren können (
Urk.
1,
Urk.
8
;
vgl. auch
Urk.
3/4 S. 2
),
ver
mag der Beschwerdeführer nicht durchzudringen. So waren Fach- und Publi
kums
messen unter Einhaltung eines Schutzkonzeptes und der Zertifikats
pflicht
im Oktober 2021 erlaubt (vgl. vorstehend E. 3.1.2). Dass teils Veranstalter trotz
dem auf die Durchführung einer Messe verzichteten,
ändert nichts daran, dass die damals geltenden behördlichen Massnahmen der Durch
führung von Messen nicht entgegenstand
en
.
Der
unter
nehmerische Entscheid, allenfalls geleitet von der allgemeinen epidemiologischen Lage, dennoch auf eine Durchführung zu verzichten,
stand nicht in Zusammen
hang mit den behördlichen Massnahmen, womit allfällig daraus
resultierende Erwerbseinbussen nicht mittels einer Corona-Erwerbsersatz
entschä
di
gung
auszu
gleichen
sind
.
Soweit der Beschwer
deführer auch für den Monat November 2021 einen Erwerbsausfall infolge abgesagter Veranstaltungen wegen der Zertifikats
pflicht geltend macht, kann ihm
ebenfalls
nicht gefolgt werden. Die Hochzeits
messe «
C._
_
» fand gemäss Aktenlage statt (
Urk.
3/4 S
.
2
;
Urk.
9/1 S. 7
)
. Ausserdem ergibt sich aus der Jahresstatistik der Vorjahre, dass der Be
schwerde
führer im November jeweils einzig an dieser Hochzeitsmesse teilge
nom
men hat (vgl.
Urk.
9/1 S. 2-6), insofern im November 2021 gegenüber den Vor
jahren
keine erwerbliche Auswir
kung
aufgrund behördlich angeordneter Mass
nahmen gegen das
Coro
na
virus
ausgewiesen ist.
Insgesamt bestand keine Ein
schränkung auf
grund von behörd
lich angeordneten Massnahmen zur Be
kämpf
ung der Covid-19-Pandemie im Sinne von
Art.
2
Abs.
3
bis
lit
. a der Covid-19-Verordnung Er
werbs
ausfall. Die Beschwerdegegnerin hat die Gesuche des Be
schwerdeführers um Aus
zahlung einer Corona-Erwerbsausfallentschädigung für die Monate Oktober und Novem
ber 2021 demnach zu Recht abgewiesen.
5.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde, soweit
darauf ein
zu
treten ist
.