Decision ID: 3e24545d-9fea-5eee-b6fc-be57a1293cc5
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
K._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roland Kägi, Scheffelstrasse 1, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente; berufliche Massnahmen
Sachverhalt:
A.
A.a K._, Jahrgang 1970, meldete sich im Februar 2006 zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung (IV) an und beantragte Berufsberatung und eine Rente (IV-
act. 1). Dr. med. A._, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte im
Arztbericht vom 2. März 2006 insbesondere die Diagnose leichte depressive Episode
mit somatischem Syndrom vor dem Hintergrund eines chronischen zerviko-zephalen
Schmerzsyndroms bei Status nach Distorsionstrauma der HWS. Die HWS-Distorsion
sei Folge einer gewalttätigen Auseinandersetzung mit dem geschiedenen Ehemann am
27. Mai 2004. Ihre Tätigkeit als Telefonistin könne die Versicherte schmerzbedingt nur
noch mit einem Pensum von 50% ausführen, wobei die Leistungsfähigkeit um ca. 30%
vermindert sei (IV-act. 16-1 f.; 16-4). Am 15. März 2006 berichtete Dr. med. B._,
Fachärztin FMH für Innere Medizin, ebenfalls von einem chronischen zerviko-zephalen
Syndrom, einem Status nach HWS-Distorsionstrauma, Migräne, chronischer
psychosozialer Belastungssituation und Status nach Polytoxikomanie 1988-1993.
Telefondienst sei aufgrund der einseitigen Haltung nur in Halbtagsanstellung zumutbar.
Körperlich leichte Tätigkeit in abwechslungsreicher Körperposition wäre realistisch
während maximal vier Stunden täglich zumutbar (IV-act. 19-3; 19-5 f.).
A.b Im Auftrag der IV-Stelle begutachtete das Zentrum für medizinische Begutachtung
(ZMB) Basel die Versicherte im Juni 2007. Im Gutachten vom 21. August 2007 finden
sich mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit die Diagnosen analgetikainduzierte
Kopfschmerzen und HCV-Seropositivität seit 12/2005. Ohne Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit sei insbesondere eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung bei
Persönlichkeit mit narzisstischen Charakterzügen. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit
als Telefonistin im Telefonmarketing sei die Beschwerdeführerin zu 30% eingeschränkt.
Auch in ihrer ursprünglich gelernten beruflichen Tätigkeit als Lebensmittelverkäuferin
sei sie zu 70% arbeitsfähig (IV-act. 36-26; 36-30).
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A.c Abstellend auf dieses Gutachten stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom
30. Oktober 2007 die Verneinung eines Rentenanspruchs in Aussicht (IV-act. 45). Eine
dagegen gerichtete Stellungnahme von Rechtsanwalt lic. iur. Roland Kägi in Vertretung
der Versicherten (IV-act. 50) vom 30. November 2007 unterbreitete die IV-Stelle ihrem
Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) und anschliessend auf dessen Rat dem ZMB.
Dieses liess sich dazu am 18. März 2008 vernehmen (IV-act. 56). Trotz einer weiteren
Vernehmlassung des Rechtsvertreters der Versicherten vom 17. April 2008 (IV-act. 58)
verfügte die IV-Stelle am 24. April 2008 gemäss Vorbescheid (IV-act. 60). Mit einer mit
25. April 2008 datierten weiteren Verfügung (der Post offenbar jedoch bereits am
24. April 2008 übergeben) wies sie den Anspruch auf berufliche Massnahmen ab
(act. G 1.1.1; 1.1.2).
B.
B.a Gegen beide Verfügungen richtet sich die Beschwerde des Rechtsvertreters der
Versicherten vom 23. Mai 2008. Er beantragt die Aufhebung der Verfügungen und die
Zusprache einer angemessenen Invalidenrente sowie die Gutheissung des Begehrens
um berufliche Massnahmen. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
Der Beschwerdeführerin sei die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen. Seit der
tätlichen Auseinandersetzung mit ihrem Ex-Mann leide die Beschwerdeführerin an
persistierenden Nacken- und Kopfschmerzen sowie Schwindel- und Migräneanfällen.
Mehrere Ärzte gingen von einer Arbeitsunfähigkeit von 50% aus. Insbesondere das
Gutachten von Dr. C._ und Dr. D._ vom 17. Januar 2007 sei sehr umfassend und in
sich schlüssig. Die Gutachter seien von einer Arbeitsunfähigkeit von 50-60%
ausgegangen. Das ZMB-Gutachten weiche hingegen erheblich von den übrigen
medizinischen Beurteilungen ab, ohne dass eine sachliche Begründung hierfür
ersichtlich sei. Mehrfach würden die ZMB-Gutachter die "schwierige psychosoziale
Situation", "anhaltende Stressbelastung" sowie "depressive Episoden" in den
Vordergrund stellen und den Eindruck aufkommen lassen, dass die sehr realen
körperlichen Schmerzen nur eine untergeordnete Rolle spielen würden. Das ZMB-
Gutachten erwecke mit dem Hinweis auf den "regelmässigen Alkoholkonsum" und den
"ungesunden Lebenswandel" einen schlechten Eindruck von der Beschwerdeführerin,
der mit der Realität nicht übereinstimme. Abgesehen vom Zigarettenkonsum führe die
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Beschwerdeführerin jedoch einen ausgesprochen gesunden Lebenswandel. Das ZMB-
Gutachten beurteile die Kopfschmerzen als analgetika-induziert, da die
Beschwerdeführerin täglich bis zu zwölf Tabletten Novalgin zu sich nehme. Eine
zerviko-zephale Komponente stehe damit nicht mehr im Vordergrund. Diese
Schlussfolgerung widerspreche dem Gutachten von Dr. C._ und Dr. D._. Der
durchschnittliche tägliche Konsum liege im Übrigen wesentlich tiefer, nämlich bei vier
bis sechs Tabletten. Weitere Ausführungen betreffen unter anderem die Festsetzung
des Valideneinkommens (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 18. Juli 2008
die Abweisung der Beschwerde betreffend Invalidenrente und das Nichteintreten auf
die Beschwerde betreffend berufliche Massnahmen wegen fehlender Begründung. Die
Sachverständigen des ZMB hätten in nachvollziehbarer Weise dargelegt, dass die
objektivierbaren somatischen Befunde das Ausmass der geklagten Schmerzen nicht
erklären könnten. Der psychiatrische Teilgutachter habe als Erklärung für das
Schmerzgeschehen eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert. Er
habe jedoch keine Hinweise gefunden, die auf ein depressives Leiden, eine
Angsterkrankung, eine Persönlichkeitsstörung oder eine anderweitige invalidisierende
Erkrankung schliessen liessen, weshalb er das Vorliegen einer psychischen
Komorbidität verneint habe. Den Kopfschmerzen hätten die Gutachter Rechnung
getragen, indem sie ihnen in Kombination mit der Müdigkeit und Erschöpfbarkeit im
Rahmen der HCV-Infektion eine 30%-ige Einschränkung zugemessen hätten. Die
Gutachter Dr. C._ und Dr. D._ hätten invaliditätsfremde psychosoziale Faktoren in
ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung miteinbezogen, weshalb ihre Schätzung im Gegensatz
zu derjenigen des ZMB-Gutachtens nicht überzeuge. Stelle man bei der Bemessung
des Invaliditätsgrads sowohl beim Validen- als auch beim Invalideneinkommen auf die
Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) ab und anerkenne
beim Invalideneinkommen einen Abzug von 10%, so resultiere ein
rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 37% (act. G 3).
B.c Die zuständige Verfahrensleiterin des Versicherungsgerichts bewilligte am 22. Juli
2008 das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung (Befreiung von den
Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege; act. G 5).
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B.d In der Replik vom 5. September 2008 lässt die Beschwerdeführerin an ihren
Anträgen gemäss Beschwerde festhalten. Das Gutachten von Dr. C._ und Dr. D._
sei kein Parteigutachten, sondern von der Unfallversicherung in Auftrag gegeben
worden. Die Gutachter würden ausdrücklich festhalten, dass die zerviko-zephale
Schmerzsymptomatik im Vordergrund stehe, dass das zerviko-zephale
Schmerzsyndrom das Hauptproblem sei und das psychische Beschwerdebild eher im
Hintergrund sei sowie dass die Prognose ungünstig, die Situation chronifiziert, von
einem Endzustand und keiner wesentlichen Verbesserung mehr auszugehen sei. Diese
Befunde ständen in einem klaren Widerspruch zur Auffassung des ZMB und der
Beschwerdegegnerin, der auch durch den Erklärungsversuch des ZMB nicht beseitigt
werde. Hätten Dr. C._ und Dr. D._ die "schwierige (unfallfremde) psychosoziale
Situation" bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung mitberücksichtigt, so wäre nicht
nachvollziehbar, dass die Situation chronifiziert sein solle und dass von einem
Endzustand und keiner wesentlichen Verbesserung mehr auszugehen sei. Der
Erklärungsversuch des ZMB für die unterschiedliche Einschätzung bleibe damit eine
Mutmassung, die in keiner Weise zu überzeugen vermöge (act. G 6).
B.e Die Beschwerdegegnerin hält gemäss Schreiben vom 18. September 2008 an ihren
Ausführungen und ihrem Antrag fest und verzichtet im Übrigen auf eine weitere
Stellungnahme (act. G 8).
B.f Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin reichte am 24. September 2008 seine
Honorarnote ein (act. G 10).
B.g Mit Schreiben vom 22. September 2009 forderte die zuständige Verfahrensleiterin
die Beschwerdeführerin auf, die Beschwerde betreffend berufliche Massnahmen zu
begründen (act. G 12). Dieser Aufforderung kam der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 12. Oktober 2009 nach. Die Beschwerdeführerin
sei sowohl in Bezug auf die Tätigkeit im Call-Center als auch als Raumpflegerin
relevant in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Völlig illusorisch sei die Tätigkeit als
Lebensmittelverkäuferin, handle es sich hierbei doch um eine Tätigkeit, die mit einer
erheblichen körperlichen Belastung verbunden sei. Die Beschwerdeführerin wolle aber
im Rahmen ihrer Möglichkeiten erwerbstätig bleiben. Aus diesem Grund habe sie denn
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auch neben der Rente eine Berufsberatung als Eingliederungsmassnahme beantragt
(act. G 13).
B.h Die Beschwerdegegnerin verteidigt am 22. Oktober 2009 die Verneinung des
Anspruchs auf berufliche Massnahmen, weil die Divergenz zwischen der subjektiven
und der objektiven Arbeitsfähigkeit der Durchführung von Eingliederungsmassnahmen
entgegengestanden sei (act. G 15).

Erwägungen:
1.
1.1 Am 1. Januar 2008 sind die anlässlich der 5. IV-Revision vorgenommenen
Änderungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in
Kraft getreten. Die Beschwerdegegnerin hat die angefochtenen Verfügungen am 24.
und 25. April 2008 – also unter neuem Recht – erlassen. Zu beurteilen ist der
Sachverhalt, wie er sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses dieser Verfügung entwickelt
hat. Der vorliegende Sachverhalt reicht indessen in eine Zeit vor Inkrafttreten der mit
der 5. IV-Revision verbundenen Rechtsänderungen zurück. Es rechtfertigt sich
grundsätzlich, bei der Beurteilung des Sachverhalts vor dem 1. Januar 2008 die
dannzumal gültig gewesenen Rechtssätze anzuwenden, für die Zeit ab 1. Januar 2008
hingegen das neue Recht. Für die Invaliditätsbemessung ergibt sich dadurch keine
substanzielle Änderung. Neu normiert wurde hingegen der Zeitpunkt des
Rentenbeginns, der, sofern die entsprechenden Anspruchsvoraussetzungen gegeben
sind (Art. 28 Abs. 1 IVG), gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens sechs Monate nach
Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG entsteht. Es fragt
sich, ob und unter welchen Voraussetzungen bei Verfügungen unter neuem Recht für
den Anspruchsbeginn dennoch die bisherigen Bestimmungen anzuwenden sind. Der
Gesetzgeber hat keine diesbezügliche Übergangsbestimmung erlassen. Das
Bundesamt für Sozialversicherungen hat im Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember
2007 vorgesehen, grundsätzlich auf den Zeitpunkt des Eintritts des Versicherungsfalls
abzustellen, aber auch für Sachverhalte mit Eintritt des Rentenfalls im Jahr 2008 altes
Recht anzuwenden, wenn die Anmeldung ebenfalls noch im Jahr 2008 erfolgt ist. Das
Bundesgericht hat gestützt auf das Rundschreiben altes Recht angewendet, wenn der
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Rentenanspruch vor dem 1. Januar 2008 entstanden wäre (etwa
Bundesgerichtsentscheide 8C_373/2008 vom 28. August 2008; und 8C_491/08 vom
9. März 2009). Bezüglich des allfälligen Rentenbeginns rechtfertigt es sich vorliegend,
angesichts der IV-Anmeldung vom Februar 2006 und des Eintritts der
Arbeitsunfähigkeit wohl im Mai 2004 unter Berücksichtigung der im IV-Rundschreiben
vorgesehenen Übergangszeit die bis zum 31. Dezember 2007 gültig gewesenen
Bestimmungen (im Folgenden angeführt) anzuwenden.
1.2 Die Beschwerdeführerin liess den Antrag um Gewährung beruflicher Massnahmen
am 12. Oktober 2009 begründen, womit den Formvorschriften an die
Beschwerdeerhebung auch betreffend berufliche Massnahmen Genüge getan wurde.
2.
2.1 Unter Invalidität wird bei als Gesunden voll erwerbstätigen Personen die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen
Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach aArt. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn der Versicherte mindestens zu 70%, derjenige auf eine
Dreiviertelsrente, wenn er wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad
von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
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2.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 Erw. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 Erw. 3a).
3.
Nachfolgend ist auf die medizinische Aktenlage einzugehen.
3.1 Im Auftrag der Unfallversicherung begutachteten Dr. med. C._ und Dr. med.
D._, beide vom Departement Chirurgie des Kantonsspitals Graubünden (KSGR), die
Beschwerdeführerin. Untersuchungen fanden am 24. August 2005, 29. März 2006 und
17. Januar 2007 statt. Im Rahmen der ersten Abklärung vom 24. August 2005 wurde
eine gute, seitengleiche und altersentsprechende Beweglichkeit beider Schultergelenke
festgestellt. Im Endbewegungsbereich beständen Spannungsgefühle in beiden
Schulterblättern. Druckdolenz liege paravertebral von C2 bis C6 vor sowie im Bereich
der Schultergürtelmuskulatur beidseits. Es sei ein gewisser Muskelhartspann
festzustellen, jedoch keine sicheren Myogelosen. Wesentliche unfallfremde Faktoren im
eigentlichen Sinn lägen nicht vor. Die Heilung werde aber durch die schwierige
psychosoziale Situation der Beschwerdeführerin in erheblichem Mass mitbestimmt. In
der Untersuchung seien keine Hinweise für eine Aggravation vorgelegen. Wie vor dem
Unfall arbeite die Beschwerdeführerin 50% und gehe zudem einer Tätigkeit als
Raumpflegerin nach. Bezüglich beider Arbeiten sei keine Einschränkung gegeben (IV-
act. 19-10 f.). Auch im Bericht vom 29. März 2006 wird seitens des KSGR festgehalten,
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die Beschwerdeführerin beschreibe ihre Beschwerden nach wie vor nachvollziehbar. Es
ergäben sich keine Hinweise für eine wesentliche Aggravation. Leichte Druckdolenz
wird paravertebral im Bereich der HWS und oberen BWS festgestellt, Myogelosen
waren erneut nicht nachweisbar. Auch wesentlicher Muskelhartspann wurde verneint.
Die psychosoziale Situation mit anhaltender Stressproblematik sei sicher als
unfallfremder Faktor zu werten, der sich aber auf die Gesamtsymptomatik,
insbesondere auch auf die depressive Episode, negativ auswirke. Wesentliche
objektivierbare Veränderungen im Vergleich zur ersten Untersuchung habe man nicht
feststellen können. Die Untersuchungsbefunde seien praktisch identisch. Die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin werde vorwiegend durch ihr Schmerzsyndrom
beeinträchtigt. In ihrer Tätigkeit als Callcenter-Agentin sei die Beschwerdeführerin auch
weiterhin zu 50% arbeitsfähig. Eine Steigerung halte man zumindest im Moment nicht
für realistisch. Auch in der Tätigkeit als Raumpflegerin werde sich eine Steigerung der
bisherigen Arbeitsfähigkeit nicht erzielen lassen (Bericht bei den von der
Beschwerdegegnerin eingereichten Fremdakten). Im Gutachten vom 17. Januar 2007
werden die subjektiven Angaben und die Untersuchungsbefunde als weitgehend
unverändert bezeichnet. Die Beschwerdeführerin mache höchstens einen leicht
traurigen und depressiven Eindruck. Hinweise auf Aggravation werden erneut verneint.
Die Beschwerden könnten keinem objektivierbaren organischen Substrat zugewiesen
werden. Die Abklärungen der HWS und des Schädels mittels MRI hätten keine
pathologischen Befunde ergeben, die in Korrelation mit den Beschwerden gesetzt
werden könnten. Die Beschwerdeführerin sei nach wie vor nur zu 40-50% arbeitsfähig.
Es sei nicht davon auszugehen, dass diese Arbeitsfähigkeit weiter gesteigert werden
könne. Dies betreffe sowohl die Tätigkeit im Call-Center als auch als Raumpflegerin.
Nach Angaben der Beschwerdeführerin sei diese Arbeitsfähigkeit vorwiegend durch ihr
zervikozephales Schmerzsyndrom bedingt. Eine gewisse Rolle dürfte aber auch die
psychische Symptomatik spielen (act. G 1.1.12).
3.2 Im ZMB-Gutachten vom 21. August 2007 wurde die Arbeitsfähigkeit mit 70%
höher eingeschätzt. Die Einschränkung ergebe sich aufgrund der Kombination
folgender Beschwerden: Müdigkeit und Erschöpfbarkeit im Rahmen einer HCV-
Infektion, tägliche intensive Kopfschmerzen sowie die Tatsache, dass die
migräniformen Exazerbationen zu kurzfristigen und unvorhersehbaren
Arbeitsunfähigkeiten führen könnten. Im orthopädischen Status habe man keine
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objektivierbaren Veränderungen feststellen können, insbesondere sei die HWS-
Beweglichkeit frei gewesen, und es habe sich kein muskulärer Hartspann gefunden,
sodass nicht von einem Zervikalsyndrom gesprochen werden könne. Es könne davon
ausgegangen werden, dass initial nach dem Ereignis vom Mai 2004 eine zerviko-
zephale Komponente vorgelegen habe, aktuell stehe sie aber nicht mehr im
Vordergrund. Der klinisch objektivierbare Befund im Bereich der HWS sei zu gering, um
derartige Schmerzen zu erklären, auch werde das Kopfweh als intensiver angegeben
als die Schmerzen im Nacken. Im Vordergrund ständen die Kopfschmerzen, die die
Beschwerdeführerin als Migräne bezeichne. Aufgrund des täglichen
Analgetiakakonsums sei diagnostisch von analgetikainduzierten Kopfschmerzen
auszugehen. Von neurologischer Seite habe man ferner neurographisch die Diagnose
von beidseitigen, mässiggradigen Karpaltunnelsyndromen gestellt. Zusammengefasst
könnten die von der Beschwerdeführerin seit dem Ereignis vom Mai 2004
angegebenen Symptome von somatischer Seite nicht erklärt werden, eine zusätzliche
psychogene Komponente müsse angenommen werden. Internistisch wurde von einer
chronischen HCV-Infektion gesprochen. Das HCV-Virus RNA sei aber nicht
nachweisbar, sodass zusammen mit der nur diskret erhöhten GGT nicht von einer
aktiven Hepatopathie ausgegangen werden müsse. Psychiatrisch bestehe eine
auffällige Persönlichkeitsstruktur mit narzisstischen Charakteranteilen und
Suchtentwicklung während Jahren. Daneben beständen schon seit Jahren
psychosoziale Belastungsmomente und ein Status nach Eheschwierigkeiten und nach
langjähriger Kampfscheidung. Das Ausmass der geklagten Beschwerden und der
beigebrachten Beschwerdeliste könne nicht mit dem klinischen Eindruck, dem
affektiven Funktionieren, der kognitiven Leistungsfähigkeit, der psychischen Spannkraft
der Beschwerdeführerin in Einklang gebracht werden. Die Beschwerdeführerin klage
über diverseste Symptome, die in diesem Ausmass weder somatisch noch
psychiatrisch erklärt werden könnten. Es müsse eine deutliche psychogene
Schmerzfehlverarbeitung und Symptomfehlverarbeitung angenommen werden bei
beeindruckbaren Persönlichkeitsanteilen. Eine wesentliche Komorbidität lasse sich
aber nicht ausmachen. Aufgrund der Befunde seien der Beschwerdeführerin sicher
Anstrengungen zumutbar, sich beruflich zu rehabilitieren und ihre Selbstlimitierung
anzugehen. Aus psychiatrischer Sicht seien genügend Ressourcen vorhanden, die
erlauben würden, die Erwerbstätigkeit wieder zu steigern (IV-act. 36).
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3.3 Die Ausführungen im ZMB-Gutachten erscheinen als nachvollziehbar und
plausibel. Die Zumutbarkeit der Schmerzüberwindung wird von den ZMB-Gutachtern in
grösserem Ausmass aktiviert als von den Gutachtern des KSGR. Jene Berichte
erwecken den Eindruck, dass massgeblich auf die Angaben der Beschwerdeführerin
abgestellt wurde. Im zweiten und dritten Bericht wird jeweils von einem im
Wesentlichen unveränderten Zustand geschrieben. Im ersten Bericht vom 26. August
2005 war zur Arbeitsfähigkeit nur dahingehend Stellung genommen worden, dass die
Beschwerdeführerin wie bereits vor dem Unfall 50% im Call-Center arbeite und
diesbezüglich nicht beeinträchtigt sei. Zudem sei auch in der Tätigkeit als
Raumpflegerin keine Beeinträchtigung gegeben. Diese Tätigkeit führe die
Beschwerdeführerin im Rahmen von 10-15 Stunden wöchentlich aus (IV-act. 19-10),
was zusätzlich zur Halbtagestätigkeit im Call-Center einem Pensum von 25-35%
entspräche. Gemäss Arbeitgeberfragebogen vom 31. März 2006 arbeitete die
Beschwerdeführerin nur ca. 12 Stunden pro Monat als Raumpflegerin bei der E._
Versicherung (IV-act. 20-2). Anderen Putzarbeiten geht die Beschwerdeführerin
offenbar nicht nach (vgl. die Angaben in der Anmeldung; IV-act. 1-5). Der Hinweis im
Bericht des KSGR vom 26. August 2005, die Beschwerdeführerin putze 10-15 Stunden
pro Woche, ist also offenbar unzutreffend. Nichtsdestoweniger hielten die Gutachter
ein derartiges Zusatzpensum für möglich und zumutbar. Insofern ist nicht restlos
nachvollziehbar, weshalb sie im Gutachten vom 17. Januar 2007 zwar von einer
unveränderten Situation sprachen und dennoch eine Arbeitsfähigkeit von lediglich
40-50% als möglich bezeichneten. Die Arbeitsfähigkeitsschätzungen sind nicht
konsistent, obwohl keine Verschlechterung attestiert wird. Im Übrigen ist zu beachten,
dass seitens des KSGR weder eine psychiatrische noch eine neurologische Abklärung
erfolgten. Die KSGR-Gutachter schrieben am 17. Januar 2007 selbst, die von der
Beschwerdeführerin beschriebene zervikozephale Schmerzsymptomatik dürfte durch
die psychosozialen Faktoren "zumindest" überlagert sein. Die zervikozephale
Schmerzsymptomatik stehe zumindest momentan im Vordergrund, die psychische
Symptomatik eher im Hintergrund (act. G 1.1.12, S. 5). Eine solche Aussage erscheint
nicht als hinreichend verlässlich, da im Rahmen der KSGR-Begutachtung keine
psychiatrische Abklärung erfolgte. Seitens der Rheinburg-Klinik Walzenhausen war im
Austrittsbericht vom 25. Juli 2006 festgehalten worden, das Hauptproblem der
Beschwerdeführerin liege in der psychosozialen Belastungssituation (act. G 1.1.11). Die
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behandelnde Psychiaterin Dr. A._hatte am 2. März 2006 die leichte depressive
Episode mit somatischem Syndrom sinngemäss als vordergründig bezeichnet. Sie hielt
fest, nach Angaben der Beschwerdeführerin beständen starke Einschränkungen der
Konzentrations- und Merkfähigkeit; sie selbst erlebte die Beschwerdeführerin als in der
Konzentration leicht beeinträchtigt, die Merkfähigkeit sei mittelgradig, von drei
aufgesagten Begriffen werde nur einer erinnert (IV-act. 16-2). Demgegenüber erlebte
der psychiatrische ZMB-Teilgutachter Dr. med. F._ im Juni 2007 Konzentration und
Auffassung der Beschwerdeführerin als intakt. Mnestische Störungen beständen nicht,
die Frischgedächtnisleistung sei gut. Von jeweils drei Begriffen wisse die
Beschwerdeführerin alle drei. Weder im Ausdruck noch in der Mimik könne
Depressivität festgestellt werden (IV-act. 36-24). Insgesamt erscheinen die
geschilderten psychiatrischen Befunde nicht als dermassen gravierend, dass eine
weitgehende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit damit zu begründen wäre. Im Rahmen
der von den ZMB-Gesamtgutachtern attestierten Einschränkung von 30% wurden etwa
auch die erhöhte Müdigkeit und Erschöpfbarkeit berücksichtigt. In der Stellungnahme
vom 18. März 2008 zur Kritik des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin wurde
seitens des ZMB festgehalten, auch die KSGR-Gutachter hätten auf den grossen
Einfluss der unfallfremden psychosozialen Problematik auf die unfallbedingte
Behandlung hingewiesen. Es scheine so, dass die Gutachter, obwohl von somatischer
Seite keine objektivierbare strukturelle Läsion an der Wirbelsäule vorhanden sei, die
schwierige psychosoziale Situation bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
mitberücksichtigt hätten und daher zu einer recht grossen Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit gekommen seien (IV-act. 56-5). Diese Einschätzung ist plausibel. Vor
dem Hintergrund, dass die KSGR-Gutachter zudem im August 2005 von einer
Arbeitstätigkeit von insgesamt deutlich über 50% (Grössenordnung 75-80%)
ausgingen, was darauf hinweist, dass sie sich massgeblich von den subjektiven
Angaben der Beschwerdeführerin leiten liessen, erscheinen die Ausführungen und die
Einschätzung der ZMB-Gutachter plausibler. Die Angaben der KSGR-Gutachter sind
jedenfalls nicht dazu geeignet, die Schlussfolgerungen im ZMB-Gutachten ernsthaft in
Frage zu stellen.
3.4 Im Schreiben vom 18. März 2008 brachten die ZMB-Gutachter den Umstand, dass
die Beschwerdeführerin eine nicht über 50%-ige Arbeitstätigkeit realisieren könne, mit
der Interferenz mit zahlreichen IV-fremden Faktoren in Zusammenhang (IV-act. 56-5).
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Diese Aussage steht im Einklang mit den übrigen medizinischen Unterlagen.
Psychosoziale Probleme und Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung sind in den
verschiedenen Berichten immer wieder erwähnt worden. Dr. A._ hatte am 2. März
2006 darauf hingewiesen, aktuell bestehe eine Arbeitsfähigkeit von ca. 50%, wobei
diese Tätigkeit die Beschwerdeführerin in Verbindung mit der Kindererziehung und
Beaufsichtigung an den Rand der physischen und psychischen Belastbarkeit bringe
(IV-act.16-3). Auch dies stellt einen Hinweis auf zwar erschwerende, grundsätzlich
jedoch IV-fremde Umstände dar.
3.5 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin rügt, das ZMB-Gutachten erwecke
mit dem Hinweis auf regelmässigen Alkoholkonsum und ungesunden Lebenswandel
einen schlechten Eindruck der Beschwerdeführerin, der nicht mit der Realität
übereinstimme. Dies trifft so nicht zu. Das Gutachten unterstellt nicht etwa
Alkoholkonsum als zentrales Problem der Beschwerdeführerin. Der Hinweis auf einen
ungesunden Lebenswandel steht eher im Zusammenhang mit einer vermuteten
unzureichenden Ernährung, die den erhobenen Vitamin B12-Mangel verursacht haben
könnte. Auch der hohe Nikotinkonsum ist der Gesundheit zweifellos nicht zuträglich.
Diese Themen sind im Gutachten jedoch klar erkennbar von untergeordneter
Bedeutung. Eine Voreingenommenheit oder eine tendenziöse Haltung in den
Ausführungen kann den Gutachtern jedoch nicht unterstellt werden; dafür gibt es keine
Hinweise. Weiter rügt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, die Gutachter
würden das Bestehen der Kopfschmerzen mangels Objektivierbarkeit negieren. Auch
dies trifft nicht zu. Die Schlussfolgerung, dass die Beschwerdeführerin nicht unter
Schmerzen leide, kann dem Gutachten nicht unterstellt werden. Das Vorhandensein
von Schmerzen lässt jedoch nicht isoliert auf die Arbeitsfähigkeit schliessen; vielmehr
ist nach der Überwindbarkeit der Schmerzen zu fragen, die bei einer zumutbaren
Willensanstrengung erreicht werden könnte. Die Zumutbarkeit des Ausbaus des
Arbeitspensums auf 70% haben die ZMB-Gutachter bejaht und zudem explizit
festgehalten, dass aus psychiatrischer Sicht genügend Ressourcen vorhanden seien,
die es der Beschwerdeführerin erlauben würden, ihre Erwerbstätigkeit weiter zu
steigern (IV-act. 36-30). Im Übrigen behauptet der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin, im Gutachten werde unzutreffend von der täglichen Einnahme
von zwölf Tabletten Novalgin berichtet. Tatsächlich gab der neurologische
Teilgutachter anamnestisch wieder, der tägliche Konsum liege bei sechs bis acht
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Tabletten täglich (IV-act. 36-20 unten). Ob es nun vier bis sechs sind, wie in der
Beschwerde behautet, oder doch mehr, ist für die vorliegend interessierenden
Fragestellungen nicht entscheidend. Da offenbar seit langem täglich eine nicht
unbeachtliche Anzahl Analgetika-Tabletten eingenommen wird, erscheint die Diagnose
der analgetikainduzierten Kopfschmerzen als plausibel. Dass die Gutachter diese
Beschwerden als prinzipiell verbesserbar betrachten und einen Analgetikaentzug
empfehlen (vgl. IV-act. 56-4 oben), ist ebenfalls nachvollziehbar.
3.6 Insgesamt erfüllt das ZMB-Gutachten die Kriterien der Rechtsprechung an den
Beweiswert von medizinischen Gutachten. Insbesondere in Ergänzung mit dem
Schreiben des ZMB vom 18. März 2008 liegt auch eine einlässliche
Auseinandersetzung der Gutachter mit den Vorakten und abweichenden Meinungen
vor. Die Vorakten wurden hinreichend gewürdigt. Die Schlussfolgerungen im Gutachten
leuchten ein und sind nachvollziehbar. Damit ist von einer Arbeitsfähigkeit von 70% in
einer dem Leiden adaptierten Tätigkeit auszugehen.
4.
4.1 Nach der Rechtsprechung hat die Ermittlung des im Gesundheitsfall von der
versicherten Person erzielbaren Einkommens so konkret wie möglich zu geschehen. In
der Regel ist vom letzten vor der Gesundheitsschädigung erzielten Lohn auszugehen.
Bei der Festsetzung des Valideneinkommens ist auch die berufliche Weiterentwicklung
mitzuberücksichtigen, die eine versicherte Person normalerweise vollzogen hätte.
Erforderlich ist, dass die versicherte Person einen beruflichen Aufstieg und ein
entsprechend höheres Einkommen tatsächlich realisiert hätte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre. Die Absicht, sich beruflich weiterzuentwickeln, muss bereits durch
konkrete Schritte wie Aufnahme eines Studiums, Kursbesuche etc. kundgetan worden
sein (vgl. m.w.H. Ulrich Meyer-Blaser, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG,
Zürich 1997, S. 206).
4.2 Vorliegend hat die Beschwerdeführerin im Jahr 2002 einen Kurs zur Pflegehelferin
des Schweizerischen Roten Kreuzes absolviert und machte anschliessend ein
zwölftägiges Praktikum im Pflegeheim G._ (IV-act. 3). In der Beschwerde lässt sie
geltend machen, dass Pflegerin ihr Traumberuf sei und sie nach dem Kurs auf der
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Warteliste für die Nachtwache im Betagten- und Pflegeheim im Haus H._ sowie im
Pflegeheim in I._ gewesen sei. Für diese Tätigkeit hätte sie einen Anfangslohn von
Fr. 4'200.- erzielt. Diese Angaben sind nicht belegt. Das Absolvieren des Pflegekurses
ist aber grundsätzlich ein gewichtiges Indiz dafür, dass die Beschwerdeführerin ohne
Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung tatsächlich in den Pflegebereich gewechselt
hätte. Die Beschwerdegegnerin wird diesbezüglich weitere Abklärungen vorzunehmen
haben. Zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin vor dem Unfallereignis im Mai 2004
unfreiwillig nicht in den Pflegebereich wechselte, etwa weil sie trotz ernsthafter
Bemühungen keine entsprechende Stelle fand. Diesbezüglich könnten etwa das Haus
H._ und das Pflegeheim in I._ angefragt werden. Schliesslich ist zu überprüfen, ob
die Beschwerdeführerin als Pflegehelferin tatsächlich ein Einkommen in der
Grössenordnung der behaupteten Fr. 4'200.- monatlich hätte erzielen können; auch
diesbezüglich können die Heime angefragt bzw. die IV-Berufsberatung konsultiert
werden.
4.3 Anders als in der angefochtenen Rentenverfügung anerkennt die
Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort beim Invalideneinkommen einen
Abzug von 10% (sog. Leidensabzug). Da die Beschwerdeführerin bei der Stellensuche
gegenüber einer gesunden, voll belastbaren Konkurrentin klarerweise Nachteile
erleidet, erscheint ein Abzug jedenfalls als angezeigt. Die von der Beschwerdegegnerin
zuerkannte Höhe des Abzugs liegt im Rahmen ihres Ermessens.
5.
5.1 Die Beschwerdeführerin beantragt die Zusprache beruflicher Massnahmen, wobei
sie gemäss Eingabe vom 12. Oktober 2009 insbesondere an Berufsberatung
interessiert zu sein scheint. Je nach Ergebnis der weiteren Abklärungen zum
massgeblichen Valideneinkommen steht ein Anspruch auf eine Viertelsrente im Raum.
Bei einem solchen Ergebnis drängt sich gemäss dem Grundsatz "Eingliederung vor
Rente" die Prüfung beruflicher Eingliederungsmassnahmen zwingend auf. Bei einem
unter 40% liegenden Invaliditätsgrad besteht zwar keine Eingliederungspflicht der
Beschwerdegegnerin. Nichtsdestoweniger bestünde allenfalls ein
Eingliederungsanspruch der Beschwerdeführerin. Eine eigentliche
Eingliederungsberatung hat nach Lage der Akten nicht stattgefunden. Sollten die
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weiteren Abklärungen ergeben, dass kein Rentenanspruch besteht, und ist die
Beschwerdeführerin weiterhin an beruflichen Massnahmen interessiert, so wird die
Beschwerdegegnerin solche umfassend zu prüfen haben.
6.
6.1 Gemäss den obenstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügungen teilweise gutzuheissen und die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese betreffend Valideneinkommen im
Sinn der Erwägungen weitere Abklärungen vornehme und anschliessend – nach
Prüfung und Durchführung allfälliger beruflicher Massnahmen – über die
Leistungsansprüche der Beschwerdeführerin neu verfüge.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint
als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als volles
Obsiegen (ZAK 1987 S. 268 Erw. 5a). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich, sodass ihr als nicht von der Pflicht zur Übernahme amtlicher Kosten
befreiter selbstständiger öffentlich-rechtlicher Anstalt die ganze Gerichtsgebühr
aufzuerlegen ist.
6.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Am 24. September 2009
reichte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin eine Honorarnote über insgesamt
Fr. 4'028.55 inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer ein (act. G 10). Das ausgewiesene
Grundhonorar von Fr. 3'600.- spezifiziert er nicht näher. Mit der nachträglichen Eingabe
vom 12. Oktober 2009 ist ihm erneut Aufwand entstanden. Verglichen mit im
mutmasslichen Aufwand ähnlich gelagerten Fällen erscheint bereits das am
24. September 2009 geltend gemachte Honorar eher als hoch. Ermessensweise ist der
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nachträgliche Aufwand daher nicht zusätzlich zu entschädigen. Der
Beschwerdeführerin ist folglich eine Parteientschädigung von Fr. 4'028.55 (inkl.
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.
6.4 Das am 22. Juli 2008 bewilligte Gesuch um unentgeltliche Prozessführung
(Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) wird bei diesem Verfahrensausgang gegenstandslos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG