Decision ID: b90ac2ff-1042-53ee-8e34-4433319ae74e
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1970, reiste im Dezember 1992 als Flüchtling aus Bosnien und Herzegowina in die Schweiz ein.
In den Jahren 1994 bis 2003 war er im Gastgewerbe erwerbstätig (
Urk.
6/14). Ab dem
9.
Juli 2003 arbeite
te er als Zusteller bei der Y._
(
Urk.
6/10).
Unter Hin
weis auf
eine
p
osttraumatische Belastungsstörung (PTBS) meldete sich der Versicherte am 20. November 2009 (Eingangsdatum) bei der Invaliden
versicherung zum Leis
tungsbezug an
(Urk. 6/2)
.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, nahm diverse Abklärungen vor, unter anderem holte sie das psychiatrische Gutachten von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH Psychiatrie und Psycho
therapie, vom 1
9.
Januar 2011 ein (
Urk.
6/36/1-51).
Nach Durchführung des
Vorbescheidverfahrens
(
Urk.
6/41
-43
) sprach sie
X._
mit Verfügun
gen vom 1
2.
Juli 2011 (
Urk.
6/48) und vom 1
2.
August 2011 (
Urk.
6/49) basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100
%
mit Wirkung ab dem
1.
August 2010 eine ganze Invalidenrente zu.
1.2
Am 2
3.
Juni 2015 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie bei der Über
prüfung des Invaliditätsgrades keine Änderung festgestellt habe, welch
e
sich auf den Invaliditätsgrad auswirke. Es besteh
e
deshalb weiterhin Anspruch auf die bisherige Invalidenrente (
Urk.
6/68).
1.3
Am 2
4.
April 2018 teilte die Pax Schweizerische Lebensversicherungs-Gesell
schaft
(nachfolgend: Pax)
der IV-Stelle mit, dass sie beabsichtige, den Versicherten erneut psychiat
risch und neuropsychologisch begutachten zu lassen und erkundigte sich danach, ob die I
nvalidenversicherung
sich im Umfang von 50
%
an den Kosten beteilige (
Urk.
6/78). Die IV-Stelle bestätigte am 2
6.
April 2018 der Pax, dass sie sich mit 50
%
an den Kosten der Begutachtung beteilige (
Urk.
6/80). Darauf liess die Pax der IV-Stelle den Fragenkatalog für das Gutachten zukommen (
Urk.
6/81,
Urk.
6/82). Am 8. Mai 2018 füllte
X._
den Fragebogen «Revision der Invalidenrente» aus (
Urk.
6/87). Die IV-Stelle holte die
B
erichte von
Dr.
med.
A._
, Allge
meine Innere Medizin FMH, vom
1
7.
Juni
2018 (
Urk.
6/90/1-4) sowie von
B._
, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, vom 1
1.
August 2018 (
Urk.
6/94) ein.
In der Folge ging das von der Pax in Auftrag gegebene psychiat
rische Gutachten von
Dr.
m
ed. C._
, Psychiatrie und Psycho
therapie FMH
,
vom
6.
September 2018
(
Urk.
6/102/1-36)
bei der IV-Stelle ein
,
inkl.
de
s
Bericht
s
über die
neuropsycho
logische Untersuchung von lic. phil.
D._
, Neuropsychologin,
vom 6.
Juli 2018 (Urk.
6/102/37-46).
Ausser
dem
zog
die IV-Stelle den von der Pax in Auftrag gegebenen Ermittlungsbericht vom
4.
Se
ptember 2018 (
Urk.
6/109) mit
der
dazugehörende
n
Fotodokumentation (
Urk.
6/110) über die verdeckte Überwa
chung des Versicherten während der Zeit vom
7.
Juni 2018 bis
zum 30.
August 2018 und
deren
weitere
den Versicherten betreffenden Akten
(
Urk.
6/111/1-153) bei
.
Am 1
1.
M
ärz 2019 nahm Dr.
med. E._
, Psychiatrie und Psychotherapie FHM, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der IV-Stelle Stellung (
Urk.
6/125/3-5).
Mit
«V
orgesehene
Verfügung
: Sistierung der Invalidenrente»
vom 2
3.
April 2019 sistierte die IV-Stelle die Invalidenrente per sofort (Urk.
6/112
, vgl. auch Urk. 6/113
).
Dagegen erhob
X._
durch Rechtsanwalt
Dr.
Markus Krapf am 1
5.
Mai 2019 Einwand (
Urk.
6/122),
worauf
die IV-Stelle die Rente mit Verfügung vom 1
7.
Juni 2019
(
definitiv
)
per Ende
April
2019 sistierte (
Urk.
6/12
3
). Mit Vorbescheid vom 2
4.
Juli 2019 kündigte die IV-Stel
le dem Versicherten an, dass
die Invalidenrente rückwi
rkend per Ende Juni 2018 aufgeho
ben werde (Urk. 6/126).
Dagegen erhob
X._
durch Rechts
anwalt
Dr.
Krapf am 2
5.
Juli 2019 Einwand (
Urk.
6/127). Mit Verfügung vom 31.
Oktober 2019 hob die IV-Stelle die Invalidenrente von
X._
rückwirkend per Ende Juni 2018 auf (
Urk.
2).
1.4
Mit Verfügung vom
4.
Dezember 2019 forderte die IV-Stelle
X._
auf, zu viel ausbezahlte Leistungen im Umfang von
Fr.
26'452.-- (IV-Renten für die Monate Juli 2018 bis April 2019) zurückzuerstatten (
Urk.
9/2).
2.
2.1
Gegen die Verfügung
vom 3
1.
Oktober 2019
erhob
X._
durch Rechts
anwalt
Dr.
Krapf am 2
7.
November 2019 Beschwerde mit folgenden Anträgen (
Urk.
1 S.
2):
«1.
Die Verfügung vom 3
1.
Oktober 2019 sei aufzuheben, und es sei dem Beschwerdeführer nach dem 3
0.
Juni 2018 weiterhin eine ganze Rente aus
zurichten.
2.
Eventualiter sei dem Beschwerdeführer bis zum 3
1.
Dezember 2019 eine ganze Rente auszurichten.
3.
Eventualiter sei ein gerichtliches Gutachten über den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers zu erstellen.
4.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl.
MWSt.
) zu Lasten der
Beschwerdegegnerin.»
Die Beschwerdegegnerin ersuchte am 3
0.
Dezember 2019 (
Urk.
5) um Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 1
3.
Januar 2020 (
Urk.
8) mitgeteilt wurde.
2.2
Gegen die Verfügung vom
4.
Dezember 2019 erhob
X._
durch Rechtsanwalt
Dr.
Krapf am
5.
Dezember 2019 Beschwerde mit folgenden Anträgen (
Urk.
9/1 S.
2
bzw.
Urk.
1 des Prozesses Nr. IV.2019.00875
):
«1.
Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom
4.
Dezember 2019 sei aufzuheben.
2.
Eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zur Durchführung eines
Vorbescheidverfahrens
zurückzuweisen.
3.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl.
MWSt.
) zu Lasten der
Be
schwerdegegnerin.»
Die Beschwerdegegnerin ersuchte am 3
0.
Dezember 2019 (
Urk.
9/5) um Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 1
3.
Januar 2020 (Urk. 9/8) mitgeteilt wurde.
2.3
Zwischen den beiden Verfahren besteht ein enger sachlicher und rechtlicher Zusammenhang und die Parteien sind identisch. Es rechtfertigt sich daher, den Prozess Nr. IV.2019.00875 mit dem vorliegenden Prozess Nr. IV.2019.00863 zu vereinigen und unter dieser Prozessnummer weiterzuführen (
§
28 lit. a des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [GSVGer] in Verbindung mit Art. 125 der Zivilprozessordnung). Das Verfahren Nr. IV.2019.00875 ist als dadurch erledigt abzuschreiben; dessen Akten werden im vorliegenden Prozess als
Urk.
9/0-9 geführt.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfo
lgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung
[
IVG
]
).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Recht
sprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht u
m eine formelle Verfügung (Art.
49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle
deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit. f
der Verordnung über die Invalidenversicherung
(
IVV
)
auf dem W
eg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauf
folgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bun
desgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E.
3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 201
3 E.
3.1.2).
1.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese abstellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.6
P
raxisgemäss
spricht
der Umstand, dass
ein Gutachten im Auftrag einer privaten Versicherung
- und somit nicht im Verfahren nach
Art.
44 ATSG (vgl. dazu BGE 141 V 330 E. 3.2 S. 335; 137 V 210 E. 3.4.2.9 S. 258 ff.) - erstellt wurde, nicht gegen dessen Beweiskraft für die Beurteilung des Rentenanspruchs gegenüber der Invalidenversicherung. Indessen sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässig
keit und Schlüssigkeit einer solchen Expertise, so sind - wie bei versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen - ergänzende Abklärungen vor
zunehmen. Einem "Fremdgutachten" kommt somit nicht von vornherein dieselbe Beweiskraft zu wie einer gerichtlich oder im Verfahren nach
Art.
44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Expertise unabhängiger Sachverständiger (
Urteil des Bundesgerichts 9C_89/2020 vom 1
8.
Juni 2020 E. 4.2 mit Hinweisen).
1.7
1.7.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
raus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidi
tät. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfä
higkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach ei
nem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versi
cherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1
.7
.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.
8
1.8.1
Eine p
osttraumatische Belastungsstörung entsteht als eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmasses (kurz oder
lang anhaltend
), die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Angst und Depression sind häufig mit den Symptomen und Merkmalen der PTBS assoziiert und Suizidgedanken sind nicht selten. Drogeneinnahme oder übermässiger Alkoholkonsum können als komplizierende Faktoren hinzu
kommen. Der Verlauf ist wechselhaft, in der Mehrzahl der Fälle kann jedoch eine Heilung erwartet werden. Bei wenigen Patienten nimmt die Störung über viele Jahre einen chronischen Verlauf und geht dann in eine andauernde Persönlich
keitsänderung (
ICD.10 F62.0) über.
Neuere Übersichtsarbeiten sprechen von einer "
sizeable
minority
" in einer Grössenordnung von 10
%
, bei denen über Jahre hinweg Symptome einer
p
osttraumatischen Belastungsstörung
persistieren. Ins
besondere progrediente Entwicklungen widersprechen dem zu erwartenden degressiven Charakter posttraumatischer Störungen.
Wolfgang Hausotter
, Begutachtung somatoformer und funktioneller Störungen,
2.
Aufl. 2004, S. 196, geht davon aus, dass eine Krankheitswertigkeit der
p
osttraumatischen Belastungsstörung
gegeben ist, wenn eine Mindestschwere vorliegt, bedeutsame Zusatzsymptome hinzutreten und die Erfüllung von Alltagsaufgaben nicht mehr möglich ist
(BGE 142 V 342 E. 5.1
mit diversen Hinweisen
)
.
1.8.2
Es ist davon au
szugehen, dass es sich bei der p
osttraumatischen Belastungs
störung ganz allgemein um eine Störung handelt, die nicht nur keinen Bezug zu einem organischen Geschehen aufweist, sondern für die sich keine oder kaum
objektivierbare Befunde erheben lassen, was namentlich auf ihre typischen Symptome (Nachhallerinnerungen, Alp-/Träume, Wiedererleben, Vermeidungs
verhalten, Überwachsamkeit, erhöhte Schreckhaftigkeit) zutrifft. Dazu können weitere vielfältige Symptome treten, die ebenso bei anderen Störungen vorkom
men und nach differenzierter Prüfung rufen. Auch der Verlauf zeigt sich sehr wechselhaft und nicht prognostizierbar, wobei progrediente Entwicklungen kaum zu erwarten sind und Chronifizierung, verbunden mit sozialem Rückzug und An
triebsmangel, eher selten auftritt. Bei einem dergestalt schwer fassbaren, rein subjektiven, nicht objektivierbaren und unspezifischen Krankheitsbild ist in Zusammenhang mit der Diagnosestellung in besonderer Weise auch auf Aus
schlussgründe (Aggravation und dergleichen) zu achten (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.2 S. 287 f.). Soweit es darüber hinaus schlussendlich vor allem um die Folgenabschätzung geht, mithin darum, die Auswirkungen der Störung auf das Leistungsvermögen bzw. die Arbeitsfähigkeit zu erheben und zu gewichten, bedarf es nach dem
Erwogenen gerade auch bei der p
osttraumatischen Belastungsstörung des "konsistenten Nachweises" mittels "sorgfältiger Plausibilitätsprüfung". Dafür liegt die besondere Eignung des strukturierten Beweisverfahrens unter Verwendung der Standardindikatoren nach Massgabe von BGE 141 V 281 E. 4.1.3 vor dem rechtlichen Hintergrund des Art. 7
Abs.
2 ATSG gleichsam auf der Hand. Dies alles gilt u
mso mehr, als dem "Konzept der p
osttraumatischen Belastungsstörung" offenbar auch von Seiten renommierter Psychiater massive Kritik ("interessengesteuerte Modediagnose mit inflationärer Ausweitung") erwachsen ist
(BGE 142 V 342 E. 5.2.3 mit
diversen
Hinweisen)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung vom 3
1.
Oktober 2019 (
Urk.
2) aus, die
Rentenzusprache
habe
sich in medizinischer Hinsicht hauptsächlich auf das Gutachten von
Dr.
Z._
vom 1
9.
Januar 2011
gestützt
. Anlässlich der damaligen Begutachtung habe sich der Psychostatus des Be
schwerdeführers eingeschränkt gezeigt. Im Gegensatz dazu sei der psychiat
rische Befund anlässlich der aktuellen Begutachtung durch
Dr.
C._
weitgehend un
auffällig gewesen. Der Vergleich der erhobenen Befunde zeige, dass sich die gesundheitliche Situation massgebend verbessert habe. Aus den Observations
unterlagen werde ersichtlich, dass der Beschwerdeführer sich in der Öffentlichkeit und an stark frequentierten Orten habe aufhalten können. Der Beschwerdeführer habe zudem eine Therapiepause eingelegt. Dies spreche ebenfalls für eine Ver
besserung.
Ein Revisionsgrund sei ausgewiesen, der Rentenanspruch könne um
fassend neu geprüft werden.
Dr.
C._
gehe in seinem Gutachten von keiner
Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit aus. Es sei kein relevantes Leiden mehr ausgewiesen. Die eingetretene Verbesserung des Gesundheits
zustandes habe der Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin nicht gemeldet, obwohl er auf seine diesbezügliche Pflicht hingewiesen worden sei. Es liege eine schuldhafte Meldepflichtverletzung vor. Die Rente sei daher rückwirkend per Ende Juni 2018 einzustellen.
Da eine Verbesserung erst per Juni 2018 ausge
wiesen sei, falle eine prozessuale Revision nicht in Betracht. Zudem könne
offen bleiben
, ob ein Wiedererwägungsgrund aus
gewiesen wäre. Es liege aktuell
beim Beschwerdeführer kein invalidisierender Gesundheitsschaden vor.
2.2
Demgegenüber führte der Beschwerdeführer aus, er habe keine Meldepflicht
verletzung begangen, weshalb die rückwirkende Aufhebung der Invalidenrente durch die Beschwerdegegnerin in jedem Fall rechtswidrig sei. Die Beschwerde
gegnerin habe die Rente zu Unrecht aufgehoben. Das Gutachten von
Dr.
C._
sei qualitativ ungenügend, es könne daraus keine Verbesserung des Gesundheits
zustandes abgeleitet werden. Die Verwendung des Observations
berichtes sei erstens unzulässig und zweitens bestätige er, dass der Beschwerde
führer nach wie vor arbeitsunfähig sei (
Urk.
1 S. 4).
3.
3.1
Laut dem Abschlussbericht des
F._
vom 2
0.
November 2009 (
Urk.
6/8/6-10) wurde der Beschwerdeführer vom 2
3.
Juli bis zum
9.
November 2009 in der Sprechstunde für Belastungsreaktionen, PTBS, ambulant behandelt.
Der Beschwerdeführer habe
als
Folge von Kriegstraumatisierungen und dem Aufenthalt in einem Kriegsgefangenenlager 1992 in Bosnien die Symptomatik einer posttrauma
tischen Belastungsstörung präsentiert. Er sei am
9.
November 2009 zu einer stationären psychiatrischen
traumaspezifischen
Behandlung in die
G._
eingetreten.
3.2
Im
Bericht der
G._
vom
6.
Januar 2010 (
Urk.
6/15)
wurde
beim Beschwerdeführer eine komplexe posttraumatische Belastungs
störung (DESNOS) mit hochgradiger dissoziativer und phasenweise mittelgradiger depressiver Komorbidität (ICD-10: F43.1)
diagnostiziert
.
Der Beschwerdeführer befinde sich seit dem
9.
November 2009 in stationärer Behandlung. Er sei im Jahr 1992 in seinem Heimatland durch bosnische Serben gefangen genommen worden und habe sich 219 Tage in einem Kriegsgefangenenlager aufgehalten. Dort habe er schwerste traumatische Erlebnisse von Folter und Missbrauch erlitten und er sei Zeuge von Folter, Gewaltanwendung und Tötungen anderer Menschen geworden. Ende des Jahres 1992 sei er in die Schweiz gekommen. 1996 habe er geheiratet,
mit seiner Ehefrau habe er drei gemeinsame Kinder (zwei 1997 und 2005 geborene Töchter, einen 1999 geborenen Sohn). Bis 2003 habe der Beschwerdeführer im Service als Kellner gearbeitet, danach als Zusteller bei
Y._
. Seit Juli 2009 sei er zu 100
%
arbeitsunfähig. Er habe am 1
0.
Juli 2009 eine schwere Panikattacke erlitten
. Seit diesem Ereignis seien die traumatisierenden Erfahrungen des 7-monatigen Auf
enthalts im Kriegsgefangenenlager wieder aufgebrochen. Die Arbeit als Kellner habe er aufgegeben, weil der Alkohol zunehmend ein Problem geworden sei. Die jetzige Arbeitsunfähigkeit beruhe auf der mangelnden Konzentration und Übermüdung. Der Beschwerdeführer berichte von ausgeprägten Ängsten vor Menschenmengen, er habe auch Angst vor öffentl
ichen Verkehrsmitteln und leide
unter plötzlich auftretenden Panikattacken mit vegetativer Symptomatik (Luft
not, Schwitzen, Herzklopfen, etc.). Bezüglich der traumatisierende
n
Erlebnisse im Kriegsgefangenenlager bestünden visuelle, olfaktorische
und auditive Intrusionen sowie eine
erhe
bliche
konstriktive
Symptomatik. D
er Beschwerde
führer vermeide über das Erlebte zu sprechen
. Es
bestünden ein sozialer Rückzug
und
ein ausgeprägtes
Hyperarousel
(erhöhte Schreckhaftigkeit sowie auch ein
e
ausgeprägte Hypervigilanz). Es
gebe
Hinweise auf eine Veränderung des Selbstbildes mit Gefühlen von Hilflosigkeit und Initiativverlust, Scham, Schuldgefühl und Selbstanklage, ebenso einer Veränderung der sozialen Beziehungen mit Isolation und Rückzug.
Es könne von einer günstigen Prognose ausgegangen werden, wenn der Beschwerdeführer störungsspezifisch weiterbe
handelt werde.
3.3
Dr.
Z._
stellte in seinem
psychiatrischen Gutachten
vom 1
9.
Januar 2011 (
Urk.
6/36) beim Beschwerdeführer eine komplexe
p
osttraumatische Belastungs
störung (ICD-10 F43.1)
fest
.
Seit dem
3.
August 2009 bestehe eine Arbeits
unfähigkeit von 100
%
in der freien Wirtschaft. Anlässlich des ersten Begutachtungstermins am 1
4.
Juli 2010 habe der Beschwerdeführer angegeben, er stimme der von den behandelnden Ärzten gestellten Diagnose einer
p
ost
traumatischen Belastungsstörung zu. Er vermute, dass seine Krankheit ausge
brochen sei, nachdem er seine sämtlichen Ziele wie Heirat, Gründung einer Familie und Kauf einer Eigentumswohnung erreicht habe. Zuvor habe er nie Zeit gehabt, über seine Vergangenheit nachzudenken. Beinahe täglich leide er unter Flashbacks an die belastenden Erlebnisse im Kriegsgefangenenlager
H._
.
Diese seien sehr realistisch, weshalb er jeweils meine, sich wieder im Lager zu befinden. Zudem würden die Flashbacks von olfaktorischen und somatischen Situationen begleitet.
Der Beschwerdeführer
versuche sie jeweils mit der Erinnerung an ein schönes Erlebnis zu unterbrechen. Er leide an diffusen Angst
zuständen, einer Wut und einer inneren Anspannung bis zum Explodieren. Wenn er auf die belastenden
Erlebnisse im Lager angesprochen werde, führe dies zu einer sprachlichen Blockade und zu einer inneren Leere. Er vermute, dass es für ihn befreiend sein könnte, über die belastenden Ereignisse zu sprechen, weshalb für Ende August 2010 ein weiterer stationärer Aufenthalt in der
G._
geplant sei. Er leide stets unter einer inneren Anspannung. Fahrradfahren wirke sich darauf positiv aus. Gegenüber seinen Kindern empfinde
der Beschwerdeführer
aktuell keine Emotionen, lediglich Gleichgültigkeit, Taubheit und Leere. Er leide unter einer reduzierten Konzentrationsfähigkeit und Gedankenkreisen. Seit ungefähr zwei bis drei Jahren bestehe eine Durchschlaf
störung. Infolge se
iner inneren Anspannung leide der Beschwerdeführer
unter ausgeprägten Muskelverspannungen respektive Muskel
sch
merzen, weshalb er sich aktuell
auch in physiotherapeutischer Behandlung befinde. Wegen seiner Kinder stehe er jeweils um ca. 7.15 Uhr auf. Am Morgen sei er meistens guter Stimmung und nehme gemeinsam mit seiner Familie das Frühstück ein.
In der Folge betreue er die jüngste Tochter oder bringe sie in eine Spielgruppe. Zudem unterstütze er seine Ehefrau bei den Hausarbeiten, was ihm das Gefühl vermittle, nützlich zu sein. Nach dem Mittagessen schlafe er ungefähr eine Stunde, da er jeweils sehr müde sei.
In der Folge fahre er meistens während zwei bis drei Stun
den Fahrrad und «powere» sich dabei aus. Seine Gedanken würden dabei aber wiederholt abdriften, weshalb er sich häufig nicht mehr erinnere, wo er
vorbei gefahren
sei. Je nachdem unternehme er am Abend noch etwas. Er meide jedoch die Gesellschaft von mehr als sechs Personen gleichzeitig, weshalb er kein Kino oder Theater besuche. Er habe sich zu Hause eine kleine Werkstatt eingerichtet, da ihn die Beschäftigung mit Holzarbeiten mit Befriedi
gung erfülle. Zu seinen Eltern und seinem Bruder habe er einen guten Kontakt, ebenso zu der Herkunfts
familie seiner Ehefrau. Er habe auch Kontakte mit seinen Nachbarn und zwei Kollegen. Zuletzt habe er im Sommer 2009 einige Tage in Bosnien verbracht. Infolge von Ängsten habe er sich jedoch nicht länger als eine Woche in Bosnien aufhalten können. Seine Sommerferien verbringe er meistens in Kroatien
(Urk. 6/36/35-38)
.
Am
6.
Januar 2011
habe
der Beschwerdeführer an
geg
e
ben
, er sei am 21.
Dezember 2010 aus der
G._
ausgetreten. Seither fühle er sich wie verloren und leer und kämpfe darum, den Anschluss zu Hause zu finden. Sein einziger Halt seien seine Ehefrau und seine Kinder, für
ihn selbst lohne es sich nicht
weiterzuleben. Er habe bessere und schlechtere Tage. An schlechteren Tagen werde er durch irgendwelche Auslöser an seine traumatischen Erlebnisse erinnert. In der Klinik habe er versucht, über seine traumatischen Erlebnisse zu berichten, wobei er in Panik geraten und suizidal geworden sei. Er denke, wenn er in der Lage wäre, über seine Erlebnisse zu berichten, würde er sich danach befreit
fühlen. Er habe jedoch extreme Angst davor. Sein Sohn löse bei ihm Erinnerungen an die traumatischen Erlebnisse aus, weshalb er sich von ihm fern
halten müsse.
Phasenweise erkenne er seine Ressourcen, danach fühle er sich wieder nutzlos. Er könne sich über nichts mehr freuen. Wenn er Gefühle habe, werde er von diesen überschwemmt. Wenn er Trauer verspüre, fühle er sich wie gelähmt. Wegen Kleinigkeiten gerate er in Anspannung. Meistens könne er sich kontrollieren, manchmal erleide er aber einen Wutanfall und entschuldige sich danach bei seiner Familie. Er wolle nicht invalid sein und schäme sich, dass er seine Rolle als Familienernährer verloren habe. Er möchte gerne wieder arbeiten und ein normales Leben führen, er komme aber mit sei
nen Bemühungen nicht vom Fleck
(
Urk.
6/36/39-40)
.
3.4
Laut dem Bericht der behandelnden P
sychotherapeutin
B._
vom 11.
August 2018 (
Urk.
6/94) bestehen beim Beschwerdeführer eine chronische
p
osttraumatische Belastungs
störung (ICD-10 F43.1), ein
Derealisations
- und Depersonalisationssyndrom (ICD-10 F48.1), ein dissoziativer Stupor (ICD-10 F44.2), eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittel- bis
schwer
gradige
Episode (ICD-10 F33.10), eine Ein- und Durchschlafstörung (ICD-10 G47.0) sowie ein chronisches Müdigkeits
syndrom (ICD-10 G93.3).
Der Beschwerdeführer sei bis auf weiteres zu 100
%
arbeitsunfähig. Er besuche nach wie vor die
traumaadaptierte
ambulante Psychotherapie, aktuell in grösseren Abständen von ca. einem Mal pro Monat. Bis im Sommer 2017 sei der Beschwerdeführer maximal belastet gewesen durch seinen mutmasslich sehr verhaltensauffälligen Sohn, welcher die Familie angeblich eingeschüchtert und geängstigt habe. Dann habe sich die Situation durch den Umzug des Sohnes in ein sich im
gleichen Haus wie die Wohnung
des Beschwerdeführers befindendes Kellerstudio gebessert. Im Januar 2017 habe eine starke Zunahme der Schmerz
symptomatik stattge
funden. Diese sei im Zusammenhang mit der medialen Präsenz der Flüchtlings
politik gestanden, welche ein starker Auslösereiz für seine eigenen Erinnerungen sei. Neben der
Deeskalierung
des Konflikts mit dem Sohn hätten auch die Ferien im Heimatland zur weiteren Stabilisierung des Beschwer
deführer
s
beigetragen.
Dennoch sei ein hoher Leidensdruck aufgrund eines massiven Insuffizienz
erlebens im Vordergrund geblieben. Anfang September 2017 habe der Be
schwerdeführer einen Motorradunfall erlitten und sich dabei mehrere Frakturen am Unterschenkel zugezogen. Auf dieses Ereignis habe er erneut stark depressiv reagiert und er habe wegen eines erhöhten Suizidrisikos unterstützt werden müssen. Eine erneute Belastung sei im Frühjahr 2018 wegen ein
e
s
schwer
gradigen
Unfalls der Tochter eingetreten. Ihr über
raschend guter
Genesungs
prozess habe aber zur Minderung der depressiven sowie der
Trauma
folge
symptomatik
geführt. Die Benützung des öffentlichen Verkehrs führe zu Angst- und Paniksymptomen, sowie zur Dissoziation. Das Warten an der Halte
stelle sei für den Beschwerdeführer fast unmöglich, da er dann Flashbacks von Situationen aus dem Gefangenenlager erlebe.
Die Prognose sei schlecht, eine Besserung der Arbeitsfähigkeit sei nicht zu erwarten.
3.5
Gemäss dem psychiatrischen Gutachten von
Dr.
C._
vom
6.
September 2018 (
Urk.
6/102) besteht beim Beschwerdeführer keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden anamnestisch eine
p
osttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1), ein Ver
dacht auf Panikstörung (ICD-10: F41.0), psychische Verhaltensstörungen durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom, nach eigenen Angaben gegenwärtig abstinent (ICD-10: F10.20) sowie in neuropsychologischer Hinsicht ein durchschnittliches (nonverbales) kognitives Leistungsniveau mit partiellen, leichten bis mittelgradigen attentionalen M
inderleistungen (leicht erhöhte
Ermüdbarkeit und mittelgradig reduzierte geteilte Aufmerksamkeit), sowie leichten exekutiven Minderleistungen (
Urk.
6/102/22).
Inwieweit die Alkoholabhängigkeit als Komorbidität einer
p
osttraumatischen Belastungsstörung einzuordnen sei, lasse sich deswegen nicht sicher klären, weil die Relevanz
einer möglicherweise tatsächlich bestehenden posttraumatischen Belastungsstörung aufgrund der widersprüchlichen und teils mit fachlichen Mängeln behafteten Berichte der den Beschwerdeführer als einzige über viele Jahre behandelnden Psychotherapeutin nicht zu klären sei. Die Durchsicht der Berichte der behandelnden Psychotherapeutin lasse eine nicht nachvollziehbare Vernachlässigung stationär gesicherter Erkrankungen (Alkoholabhängigkeit) und eine Steigerung der Symptomatik mit Generalisierung von als dissoziative Zustände auslösenden Triggern erkennen, die mit dem Leben unvereinbar seien (
Beisetztische
, weggeworfene Nahrung, laute Stimmen, Details an Möbeln, Wän
den und Böden). Die erste relevante, die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende Symptomatik sei eher typisch für eine Panikattacke/Panikstörung aber auch für ein
Alkoholentzugssyndrom und eher untypisch für die Symptome einer post
traumatischen Bela
stungsstörung. Bei der Diagnose
respektive dem erst
maligen Auftreten einer Panikattacke sei der Alkoholkonsum, den der Beschwer
deführer berichtet habe, nicht als relevant erfasst worden. Im weiteren Verlauf sei der Schwerpunkt des angewandten psychotherapeutischen Konzeptes auf die dissoziativen Zustände gelegt worden, ohne dabei zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer viele Jahre bei
Y._
als Zusteller gearbeitet habe und möglichst rasch in eine offensichtlich auch stabilisierende Berufstätigkeit hätte
reintegriert
werden müssen. Bei der Tätigkeit als Zusteller handle es s
ich um eine Tätigkeit, bei der es nicht
typischerweise zu Konfrontat
ionen mit Lagersituationen respektive
vom Beschwerdeführer als traumatisierend beschriebenen Situationen komme. Es sei beim Beschwerdeführer weder ein Fähigkeitsprofil erstellt noch seien nachhal
tige
Rehamassnahmen
durchgeführt worden. Eine
Reevaluation
der
Arbeits
fähigkeit sei
nicht erfolgt, nach nunmehr neun Jahren erwäge der Be
schwerde
führer aber eine erneute Berufstätigkeit, im Gegensatz zu den Drama
tisierungen der behandelnden Psychotherapeutin (
Urk.
6/102/22-23).
Der Beschwerdeführer habe ausgeführt, dass er von Mai bis Dezember 1992 während acht Monaten im Kriegsgefangenenlager
H._
gewesen sei. Danach sei er in die Schweiz eingereist und nach sechs Monaten habe er die Erlebnisse in seinem Kopf verarbeitet und wieder Boden bekommen, sich an den Alltag in der Schweiz gewöhnt. Er habe angegeben, sich während vier Jahren mit ehemaligen Mithäftlingen getroffen zu haben
, um sich über die Gesc
hehnisse im Lager aus
zutauschen. E
s könne somit davon ausgegangen werden, dass er massiven Hinweisreizen ausgesetzt gewesen sei, ohne die Symptome einer posttrauma
tischen Belastungsstörung zu entwickeln. Der Beschwerdeführer habe angegeben, er habe während vier Jahren beinahe täglich Alkohol konsumiert, was eine Form von «Selbstmedikation» gewesen sei. Widersprüchlich sei in diesem Zusammen
hang, dass er einerseits angebe, nach dem Konsum von Alkohol habe er sich lebendig und erleichtert gefühlt, er sich andererseits aber nur unter Alkoholein
fluss emotionslos mit anderen Kriegsgefangenen über die Erlebnisse im Lager habe unterhalten können. Es sei nicht nachvollziehbar, dass in den früheren B
erichten Alkoholmissbrauch respektive
–
abhängigkeit
nicht als Diagnose aufgeführt werde und
Dr.
Z._
in seinem Gutachten gar festgehalten habe, es bestünden keine Hinweise auf das Vorliegen einer Sucht. Für eine posttraumatische Belastungsstörung untypisch sei, dass der Beschwerdeführer in der Schweiz während 15 Jahren in verschiedenen Tätigkeiten habe arbeiten können und dann unvermittelt unter ausgeprägter Atemnot und Erstickungsgefühlen gelitten habe.
Dies seien Symptome, die eher auf eine Panikstörung hinweisen würden. Trotzdem habe man die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung in den Vordergrund gestellt und den Beschwerdeführer in dieser Hinsicht behandelt, ohne aber eine schnellstmögliche berufliche Reintegration anzustreben. Es sei auch unberücksichtigt geblieben, dass sich der Beschwerdeführer während vier Jahren mit Mithäftlingen getroffen und sich über die Ereignisse ausgetauscht habe und zumindest erwogen werden könnte, dass sich «eigene Erinnerungen» und «fremde Erinnerungen» vermischt hätten. In der aktuellen Untersuchung habe der Beschwerdeführer neu und bisher
unerwähnt berichtet, dass er im Ge
fangenenlager täglich 100 Kühe gemolken habe und deswegen jetzt unter Arthrose in den Handgelenken leide. Für das tägliche Melken von 100 Kühen würden aber
zirka 27 Stunden benötigt
(
Urk.
6/102/24-26)
.
Zu den Angaben, die der Beschwerdeführer
betreffend
die Ereignisse im Heimat
land gemacht habe, würden fremdanamnestische Angaben fehlen, so dass bezüglich der Verursachung einer posttraumatischen Belastungsstörung, insbe
sondere bezüglich einer damit möglicherweise verknüpften Arbeitsun
fähigkeit, Plausibilitätsüberlegungen zum Tragen kommen müssten.
Hierzu gehörten ins
besondere, dass der Beschwerdeführer angebe, regelmässig in sein Heimatland zu reisen und er gegenüber angegebenen Hinweisreizen völlig resistent sei (er fahre Motorrad und habe während der Untersuchung nicht mit Dissoziation reagiert). Es hätten sich sodann im Rahmen
der neuropsychologischen Unter
suchung Hinweise auf eine Verdeutlichungstendenz ergeben. Die depressiven Symptome würden einer schweren Depression entsprechen, was aber mit dem weitgehend unauffälligen neuropsychologischen Befund nicht vereinbar sei.
Die Angaben zum aktuellen Tagesablauf und zu
r
aktuellen Lebenssituation enthielten keine Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit, der Beschwerde
führer fahre regelmässig 50 bis 60 km mit dem Velo
als sportliche Aktivität (Urk.
6/102/32-33).
In der neuropsychologischen Untersuchung seien ausreichende Ressourcen für die Wiederaufnahme einer Arbeitstätigkeit festgestellt worden. Der Beschwerde
führer habe über einen längeren Zeitraum hinweg gearbeitet. Wenn er auch in seinem Heimatland den beschriebenen Belastungen ausgesetzt gewesen sei, so
habe er doch nach seiner Einreise in die Schweiz über viele Jahre hinweg berufs
tätig sein können, wobei nicht beurteilt werden könne, inwieweit es sich beim übermässigen Alkoholkonsum um eine eigenständige Störung handle. Panikattacken seien nicht typisch für eine posttraumatische Belastungsstörung und könnten auch als eigenständiges Syndrom auftreten (
Urk.
6/102/33).
Psychiatrischer
seits
könne der Beschwerdeführer in der zuletzt ausgeübten Tätig
keit als Zusteller, einer Tätigkeit mit vergleichbarem Anforderungsprofil oder auf dem allgemeinen freien Arbeitsmarkt sofort
wieder mit einem Pensum von 100
% bei 100
%
Leistung arbeiten, wobei ihm zur Eingewöhnu
ng eine Frist von vier Wochen
gewährt werden sollte. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit sei optimal ange
passt, vermieden werden sollten Tätigkeiten, bei denen ein erhöhtes Risiko bestehe, dass der Beschwerdeführer mit Alkohol in Kontakt komme (Urk. 6/102/34).
3.
6
Gemäss der Stellungnahme von RAD-Ärztin
Dr.
E._
vom 1
1.
März 2019
(Urk. 6/125/5)
erscheinen die medizinischen Unterlagen, welche von der behandelnden Psychotherapeutin erstellt worden sind, zum Teil unglaubwürdig (
während langer Zeit
Arbeitstätigkeit
problemlos
möglich, plötzlich und ohne Auslöser die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung, Verschlech
terung der
Traumafolge
symp
tomatik
wegen Auffälligkeiten des Sohnes
und Besserung durch dessen positive Entwicklung, nicht glaubhafte Dissoziationen mit nicht nachvollziehbaren Triggern). Die Observationen des Beschwerdeführers hätten ein unauffälliges, zielgerichtetes Verhalten gezeigt. Der Beschwerdeführer bewege sich ohne Anzeichen von Stress unter Menschen, wie zum Teil auch in öffentlichen Verkehrsmitteln.
Er
wirke unauffällig, nicht desorientiert oder geistig abwesend, sondern ständig wach und interessiert. Er zeige auch keine Ängstlich
keit oder Misstrauen. Er lache und unterhalte sich problemlos mit anderen Menschen. Aufgrund der Aufnahmen könne nicht von schwerwiegenden gesund
heitlichen Einschränkungen ausgegange
n werden. Das Gutachten von Dr.
C._
erfülle die Anforderungen. Aus versicherungs
medizinischer Sicht werde empfohlen, vollumfänglich auf die Beurteilungen im Gutachten abzu
stellen. Es könne davon ausgegangen werden, dass aktuell und wahrscheinlich schon seit jeher kein Gesundheitsschaden mit langanhaltenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bestehe oder bestanden habe.
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist die Frage, ob sich der Gesundheitszustand des Be
schwerdeführers im Zeitraum zwischen der
rentenzusprechenden
Verfügung vom
1
2.
Juli 2011
(Urk.
6/48
) und der vorliegend ange
fochtenen Verfügung vom
27.
November 2019
(
Urk.
2) in anspruchs
relevanter Weise verbessert hat.
4.2
Das psychiatrische Gutachten von
Dr.
C._
vom
6.
September 2018 (
Urk.
6/102)
basiert
auf einer umfassenden psychiatrischen und neuropsychologischen
Unter
suchung und wurde in Kennt
nis und in Auseinandersetzung mit den Vorakten (Anamnese) abgegeben.
Der Gutachter hat
detaillierte
Befunde erhoben,
nachvollziehbare Diagnosen
gestellt
und sich mi
t den vom Beschwerdeführer
geklagten Beschwer
den auseinandergesetzt. Zudem
hat er die
medizinischen Zusam
menhänge und die medizinische Situation einleuchtend dargelegt und
seine
Schlussfolgerun
gen nachvollziehbar begründet. Dem
psychiatrischen
Gut
ach
ten kommt daher grundsätzlich volle Beweiskraft zu
(vgl. E. 1.5)
.
Dass das Gutachten von einer privaten Lebensversicherungsgesellschaft in Auftrag gegeben worden ist, schadet dessen Beweiskraft
entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers (
Urk.
1 S. 10)
grundsätzlich nicht (vgl. E. 1.6).
Als falsch er
weist sich insbesondere die Behauptung des Beschwerdeführers, dass nach der Rechtsprechung davon auszugehen ist, dass
Dr.
C._
im Zweifel das Gutachten zu Gunsten des Standpunkts seiner Auftraggeberin verfasst hat. Die
vom Beschwerdeführer zitierte Erwägung
3b/cc von BGE 125 V 353 bezieht sich auf die Erfahrungstatsache, dass Hausärzte
mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen
. Die Pax
war
zwar die Auftraggeberin von
Dr.
C._
, sie ist aber
weder dessen Patientin, noch ist
Dr.
C._
der
eine besondere Vertrauensstellung inne
habende
Hausarzt der Pax
, womit die vom Beschwerdeführer zitierte Rechtsprechung auf die vorliegende Konstellation keine Anwendung findet.
4.3
Der Beschwerdeführer
bringt gegen das Gutachten von
Dr.
C._
vor, dieser
schliesse
die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung aus, obwohl sie von mehreren voneinander unabhängigen Fachä
rzten gestellt worden sei (Urk.
1 S. 11). Dem ist entgegenzuhalten, dass
Dr.
C._
ausführlich begründet, weshalb er die von den behandelnden Ärzten gestellte Diagnose der posttrauma
tischen Be
lastungsstörung in Frage stellt. A
namnestisch
hat er die Diagnose aber
nicht ausgeschlossen.
Dr.
C._
legt sodann nachvollziehbar dar, warum er es als falsch erachtet, dass bei der Behandlung des Beschwerdeführers die posttrauma
tische Belastungsstörung in den
Vordergrund gestellt worden
und anderen Aspekten wenig Beachtung geschenkt worden ist.
Er
hält fest, dass aus den Behandlungsberichten des Beschwerdeführers eine nicht nachvoll
ziehbare Ver
nachlässigung
bestehender
Erkrankungen (Alkoholab
hängigkeit)
erkennbar ist
und
die beschriebene
Steigerung der Symptomatik mit Generali
sierung von als dissoziativen Zuständen auslösend
en Triggern
mit dem Leben unvereinbar
ist (Urk.
6/102/23).
4.4
Obwohl die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung gemäss ICD-10 F43.1 grundsätzlich voraussetzt, dass sie mit einer Latenz von wenigen Wochen bis Monaten nach einem Ereignis mit aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmass auftritt, das bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde, lässt sich die Diagnose nicht zum vornherein bloss aufgrund der Latenz verwerfen. Zumal beim Beschwerdeführer bis zum Ausbruch der Krankheit mehr als 15 Jahre vergingen, während welcher er einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit nachging, eine Familie gründete und sich eine sichere Existenz (u.a. durch den Erwerb einer Eigentumswohnung) schaffte,
erscheint
es aber ohne W
eiteres als plausibel
, dass
(auch)
andere
Ursachen zur psychischen Erkrankung geführt haben, welchen besondere Beachtung zu schenken ist. Indem
Dr.
C._
diesem Umstand weiter nachgegangen ist
, hat er keine wissenschaft
lichen Grundsätze verletzt.
4.5
Der
Bericht
des
I._
vom 2
5.
April 2018 (
Urk.
6/119
)
deutet darauf hin
, dass der Beschwerdeführer
ein Alkoholproblem hat.
Er
hat im Zeitraum vom Mitte November 2017 bis Mitte März 2018 übermässig Alkohol konsumiert und der Motorradunfall vom 2
3.
August 2017 war darauf zurückzuführen, dass
er
mit einer Blutalkoholkonzentration von mindestens 1,43
Promillen
die Herrschaft über sein Fahrzeug verlor.
Es ist wohl z
utreffend, dass
Dr.
C._
keine Abklärungen über den Alkoholkonsum
des Beschwerdeführers
vorgenommen hat, er ist aber auch nicht
explizit
von der Abstinenz des Beschwerde
führers ausgegangen, sondern hat lediglich darauf verwiesen, dass der Beschwerdeführer ange
ge
ben
habe
, er sei gegenwärtig abstinent.
Da der Gutachter offenbar weder bei seiner eigenen Befundaufnahme noch aus dem Bericht über die neuropsychologische Untersuchung Hinweise auf einen
derzeit
problematischen
Alkoholkonsum feststellen konnte
, ist nicht zu beanstanden, dass er diesbezüglich keine weiteren Abklärungen vorgenommen hat. Immerhin ist zu bemerken, dass die
(
früher manifeste
)
Alkoholproblematik
im Bericht der behandelnden Psychotherapeutin keinerlei Erwähnung findet
.
4.6
Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass auf das psychiatrische Gutachten von
Dr.
C._
abgestellt werden kann. Insbesondere zeigt es in
rechtsgenüglicher
Weise auf, dass eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers eingetreten ist. Anlässlich der Begutachtung durch
Dr.
Z._
im Jahr 2011 zeigte der Beschwerdeführer einen eingeschränkten Psychostatus. Er sprach während der Untersuchung leise und monoton. Zudem war er psycho
motorisch deutlich unruhig.
Seine belastenden Ereignisse erwähnte er mit keinem Wort.
Im Weiteren war er zwar wach, bewusstseinsklar sowie vollständig orientiert. Die Aufmerksamkeit und Konzentration waren jedoch eingeschränkt. Die Stimmung war deutlich abgeflacht sowie der Antrieb deutlich reduziert (
Urk.
6/36/41).
Demgegenüber zeigte sich der psychiatrische Befund anlässlich der Begutachtung durch
Dr.
C._
weitgehend unauffällig. Der Beschwerdeführer war bewusstseinsklar und vollständig orientiert. Der Allgemeinzustand war unauffällig. Der Kontakt konnte gut hergestellt und aufrechterhalten werden. Der Gedankengang war geordnet. Bei der Beschreibung
der Krankheitsentwicklung hat der Beschwerdeführer keine Vermeidung betreffend
die Ereignisse
in seinem Heimatland gezeigt. Eben
s
o haben sich keine vegetativen Reaktionen gezeigt. Hinweise auf Ich- oder Wahrnehmungsstörungen haben sich nicht gefunden. Dissoziative Zustände
wurden nicht
beoba
chtet
. Auffassung, Ausdauer, Kon
zentration sowie mnestische Funktionen waren während der gesamten Unter
suchung nicht beeinträchtigt und auch der Antrieb war normal (
Urk.
6/102/19-20).
4.7
Im
psychiat
rischen Kontext
kommt es ohnehin
grundsätzlich nicht auf die Diagnose, sondern einzig darauf an, welche Auswirkungen eine Erkrankung auf die Arbeits
fähigkeit hat. Massgebend ist in erster Linie der lege artis erhobene psychopatho
logische Befund und der Schweregrad der Symptomatik (vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_59/2016 vom 6. Januar 2017 E. 6.1).
5.
5.1
Da grundsätzlich bei sämtlichen psychischen Erkrankungen das strukturierte Be
weisverfahren durchzuführen ist, ist im Folgenden zu prüfen, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechts
er
heblichen Indikatoren auf eine Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (E.
1.7.1 und E. 1.7.2).
5.2
Zum Komplex «Gesundheitsschädigung» in der Kategorie «funktioneller Schwe
re
grad» ist festzuhalten, dass die anlässlich der psychiatrischen Begutachtung
durch Dr.
C._
erho
benen objektiven Befunde und Symptome nicht besonders ausgeprägt erschienen.
So hielt der psychiatrische Gutachter fest, der Beschwerdeführer habe am Untersuchungstag bewusstseinsklar und allseits orientiert gewirkt. Der Kontakt sei gut herzustellen und aufrecht zu halten gewesen. Der Gedankengang sei geordnet gewesen. Der Beschwerdeführer habe sich zwar teilweise weinerlich
vorwürflich
gezeigt, es seien aber weder ein Vermeidungsverhalten betreffend die traumatisierenden Ereignisse noch vegetative Reaktionen zu bemerken gewesen. Bei der Beschreibung der Trigger, welche seine dissoziativen Zustände auslösen würden, habe er einmal die linke Faust geballt, sei jedoch wieder in eine entspannte Affektlage zurückgekehrt, als diesem Verhalten keine weitere Beachtung geschenkt worden sei. Bei Themen wie Velofahren, Gartenarbeit oder die Fähigkeit alles zu reparieren, habe er sich aus
geglichen gezeigt. Er habe gelächelt bei insgesamt indifferenter Stimmung. Durch Ängste, Phobien, Zwänge oder paranoide Ideen sei der Beschwerdeführer während der Untersuchung nicht beeinträchtigt gewesen.
Hinweise auf Ich- oder Wahrnehmungsstörungen hätten sich nicht gefunden. Auffassung, Ausdauer, Konzentration und mnestische Funktionen sein nicht beeinträchtigt gewesen. Der Antrieb sei normal gewesen
(
Urk.
6/
102/19-20
)
. Es kann im Weiteren festgehalten werden, dass Hinweise auf ressourceneinschränkende Komorbiditäten aus dem
somatischen Bereich nicht zu erkennen sind.
Insgesamt ist da
mit nicht von einer erheblichen Gesundheitsschädigung auszugehen.
Sodann ist zum Komplex «Persönlichkeit» festzuhalten, dass keine Hinweise auf eine geneti
sche Vulnerabilität oder Persönlichkeitsfaktoren für die Entwicklung psychiatri
scher Erkrankungen ausgemacht werden
können. Der Beschwerdeführer konnte in Bosnien die Schule und eine Ausbildung zum Elektrotechniker absolvieren.
Es ist ihm gelungen, die schrecklichen Ereignisse im Kriegsgefangen
enlager
H._
zu verarbeiten und er hat nach seiner Einreise in der Schweiz wieder Boden unter die Füsse bekommen. Er fand sich mit dem Leben ausserhalb
seines Herkunftslandes gut zur
echt, konnte sich beruflich etablieren und ein
e
Familie gründen.
Hinsichtlich des Komplexes «Sozialer Kon
text» ist zu berücksichtigen,
dass der Beschwerdeführer über eine geordnete Tagesstruktur und über ein intaktes familiäres und
soziales Umfeld verfügt, an welchem er relativ aktiv teilzunehmen scheint. Er geht auch diversen Fre
izeitaktivitäten wie Velofahren,
Garten
arbeiten
und der Vornahme kleinerer Reparaturarbeiten
nach (
Urk.
6/102/14-19). Bis zu seinem Un
fall fuhr er mit dem Motorrad. M
omentan ist ihm dies aufgrund des Führerausweisentzuges nicht mehr möglich, der Beschwerdeführer bemüht sich aber
aktiv
darum,
den Ausweis wieder zu erlangen.
Seine Familie sorgt zwar auch für diverse zusätzliche Belastungsfaktoren
, der Beschwerdeführer zeigt sich aber in der Lage, sich aktiv darum zu kümm
ern und nach Lösungen zu suchen, so konnten z.B. die Schwierigkeiten im Umgang mit dem Sohn durch eine Änderung von dessen Wohnsituation entschärft werden.
Daneben verfügt der Beschwerde
führer auch über Kontakte zu seiner und zur Herkunftsfamili
e seiner Ehefrau. Ebenso hat er auch einen Kollegen- bzw. Freundeskreis.
Insgesamt verfügt der Beschwerde
führer über ein ausreichend intaktes soziales Umfeld mit mobilisierbaren Ressourcen.
5.3
Zum Aspekt der «Konsistenz» ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer nach wie vor ein hohes Aktivitätsniveau aufweist, ist es ihm do
ch möglich
, regelmässig lä
ngere Velotouren zu unternehmen,
sich um einen grösseren Nutz
garten zu kümmern
und einzelne Arbeiten im Haushalt zu verrichten
. Ebenso reist er recht häufig in sein Heimatlan
d, um dort Ferien zu verbringen.
Zumal im Freizeitverhalten keine erheblichen Einschränkungen erkennbar sind, ist es nicht nachvollziehbar, dass dem Beschwerdeführer die Ausübung einer Erwerbstätig
keit nicht mehr möglich sein soll. Dies gilt umso mehr, als ohne Weiteres davon auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer bei der Ausübung der Freiz
eit
aktivitäten diversen seine di
ssoziativen Zustände auslösenden Hinweisreizen aus
gesetzt ist. Ebenso sind dem Beschwerdeführer regelmässige Ferienaufenthalte in
Bosnien und Herzegowina möglich, insbesondere auch in der bekanntlich vom Kriegsgeschehen stark betroffenen Hauptstadt Sarajewo. Mit dem Gutachter
Dr.
C._
ist sodann darauf zu verweisen, dass in der neuropsychologischen Untersuchung erhebliche Ressourcen festgestellt werden konnten und sich auch Hinweise auf eine Verdeutlichungstendenz ergaben (
Urk.
6/102/32-33).
5.4
Auch m
ittels nunmehr anwendbarem strukturierten Beweisverfahren lässt sich mithin
k
eine über
Juni 2018
(Zeitpunkt der gutachterlichen Exploration)
hinaus
gehende funktionelle Auswirkung der vom Be
schwerdeführer geklagten psychischen Beschwerden
mehr
nachweisen.
Zu Recht hat damit die Beschwerdegegnerin auf die Einschätzung von
Dr.
C._
abge
stellt
und eine Ein
schränkung der Arbeitsfähig
keit verneint.
6.
6.1
Der Gesetzgeber hat mit
Art.
43a-b ATSG und
Art.
7a-i, 8c der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV) die gesetzliche Grundlage zu einer Observation im Sozialversicherungsrecht geschaffen. Diese Bestimmungen traten am
1.
Oktober 2019 in Kraft.
6.2
Das Bundesgericht hatte vor Inkrafttreten dieser Bestimmungen in Nachachtung des Urteils 61838/10 des Europäischen Gerichtshofs f
ür Menschenrechte vom 18.
Oktober 2016 betreffend ein unfallversicherungsrechtliches Verfahren erkannt, dass es auch in der Invalidenversicherung an einer genügenden gesetz
lichen Grundlage fehlt, welche die verdeckte Überwachung umfassend klar und detailliert regelt. Hingegen hielt das Bundesgericht fest, es sei eine andere Frage, ob das Material, welches im Rahmen der widerrechtlichen Observation gesammelt worden sei, beweismässig verwertbar sei (BGE 143 I 377 E. 4-5). Das Bundesgericht hat die Verwertung der Ergebnisse von rechtswidrigen Observa
tionen schliesslich gestützt auf eine Abwägung zwischen privaten und öffent
lichen Interessen insoweit als zulässig bezeichnet, als die Ergebnisse im öffentlich frei einsehbaren Raum gewonnen wurden und unbeeinflusstes Handeln der beobachteten Person zeigten (BGE 143 I 377 E. 5). Im Sozialversicherungs
recht ist andererseits von einem absoluten Verwertungsverbot auszugehen, wenn es sich um Beweismaterial handelt, das im nicht öffentlich frei einsehbaren Raum zusammengetragen wurde (BGE 143 I 377 E. 5.1.3).
6.3
Nicht zum geschützten Bereich gehört, was sich in der Öffentlichkeit abspielt und von jedermann wahrgenommen werden kann. Zum öffentlichen Raum zählt alles, was allgemein zugänglich ist, so namentlich Strassen, Plätze, Bahnhöfe, Flug
häfen, öffentliche Verkehrsmittel, Parkgaragen, Kulturhäuser (Theater, Kinos,
Konzerthallen), Sportplätze, Stadien, Einkaufszentren, Warenhäuser, Restaurants etc. Massgebend ist, dass sich die versicherte Person an einem Ort aufhält, welcher für die breite Öffentlichkeit zugänglich ist. Irrelevant sind dabei die Eigentums
verhältnisse von solchen öffentlichen Räumlichkeiten (Urteil des Bundesgerichts 8C_837/2018 vom 1
5.
Mai 2019 E. 5.1 mit Hinweisen).
6.4
Art.
43a-b ATSG standen
bei der Durchführung der
Überwachung des Beschwerdeführers
, welche
gemäss dem Observationsbericht der
J._
vom
4. September 2018
(Urk. 6/109)
im Zeitraum von
7.
Juni bis zum 3
0.
August 2018
stattfand, noch nicht in Kraft.
Ohnehin ist aber festzuhalten, dass die Über
wachung des Beschwerdeführers gar nicht durch die einer solchen Gesetzesgrundlage benötigen
de Beschwerdegegnerin vorgenommen wurde, sondern durch eine Privatversicherung.
6.5
Unabhängig von der Frage, von wem die Überwachung angeordnet worden ist, ist deren
Ergebnis in Anwendung der hiervor zitierten bundes
gerichtlichen Rechtsprechung nicht
auf jeden Fall
als vollumfänglich unverwertbar zu beurteilen. Namentlich sind die Feststellungen, welche durch die Überwachung im öffentlichen Raum und ohne beeinflussende Interaktion gewonnen wurden, verwertbar.
Der Überwachungsbericht vom
4.
September 2018 enthält aus
schliesslich Feststellungen, welche durch die Überwachung im öffentlichen Raum zustande gekommen sind.
Der Beschwerdeführer wird lediglich beim Verlassen und Betreten der von ihm bewohnten Privatliegenschaft beobachtet, innerhalb de
s
privaten Bereiches sind aber keine Beobachtungen und Fotoauf
nahmen gemacht worden. Ebenso hat keine beeinflussende Interaktion mit dem Beschwerdeführer stattgefunden. D
er Beschwerdeführer
erlitt damit durch die Überwachung
einen relativ bescheidenen Eingriff in seine
n geschützten Rechten
. Stellt man diesen Aspekten das erhebliche und gewichtige öffentliche Interesse an der Verhinderung des Versicherungsmissbrauchs (vgl. dazu Urteil des Bundes
gerichts 8C_239/2008 vom 1
7.
Dezember 2009 E. 6.4.1) entgegen, ergibt sich, dass der Observationsbericht in die Beweiswürdigung insofern mitein
bezogen werden kann.
Nicht zu folgen ist dem Beschwerdeführer insbesondere in der Ansicht, dass der Observationsbericht mani
puliert sei, da
darin
nur die Phasen des Lebens doku
mentiert würden, an denen er aktiv gewesen sei (
Urk.
1 S. 6). Der Überwachungs
bericht hält fest, dass der Beschwerdeführer während gewissen Überwachungs
phasen keinen ausserhäuslichen Aktivitäten nachgegangen ist (
Urk.
6/109). Was der Beschwerdeführer
in seiner
W
oh
nung gemacht hat, durfte
nicht festgehalten
werden
, da es sich dabei um den privaten Bereich handelt, in welchem die
Über
wachung nicht erlaubt ist.
6.6
Dem Observationsbericht der
J._
vom
4.
September 2018 kommt damit
Beweiskraft zu.
Es ist allerdings festzuhalten, dass
er
nicht zu wesentlichen zusätzlichen Erkenntnissen führt, welche
sich
nicht
aus den übrigen Akten - ins
besondere dem Gutachten von
Dr.
C._
– hätten gewinnen lassen
oder diesen gar wiedersprechen
.
Der Beschwerdeführer konnte während der Observation mehrheitlich bei Aktivitäten beobachtet werden, welchen er gemäss seinen eige
nen Angaben
gegenüber dem aktuellen und auch dem früheren Gutachter
a
nerkanntermassen
nach
geht. Der einzige wesentliche Widerspruch zu den An
gaben des Beschwerdeführers ist darin zu erkennen, dass er dabei beobachte
t werden konnte, wie er sich in
scheinbar
entspannter Stimmung mit dem öffent
lichen Verkehr bewegt, obwohl
laut dem
Bericht
der behandelnden Psychotherapeutin vom 1
1.
August 2018 die Benutzung des öffentlichen Ver
kehrs beim Beschwerdeführer zu Angst- und Paniksymptomen sowie zur Dissoziation führe und das Warten bei den Haltestellen zwischen den Menschen fast unmöglich sei, da er dann Flashbacks von Situationen aus dem Gefangenen
lager erlebe (
Urk.
6/94/2).
7.
7.1
Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführer
s
verbessert hat und
(spätestens) seit Juni 2018
keine gesund
heitsbedingte Einschränkung in
der
Arbeitsfähigkeit mehr besteht.
Die Beschwerdegegnerin ist damit zu Recht zum Ergebnis gelangt, dass der Beschwerdeführer keinen weiteren Anspruch auf eine Invalidenrente mehr hat.
7.2
Offen bleiben kann somit die Frage, ob nicht auch ein Grund für eine Wiedererwägung
(Art. 53 Abs. 2 ATSG)
der
rentenzusprechenden Verfügung vom
1
2.
Juli 2011 (Urk. 6/48) vorliegen würde. Die zum damaligen Zeitpunkt geltende
Rechtsprechung
hielt
fest, eine posttraumatische Belastungsstörung müsse sich innert sechs Monaten seit dem schwerwiegenden Trauma manifestieren (Urteile 8C_103/2007 vom 1
7.
August 2007 E. 3.3 und 9C_955/2008 vom
8.
Mai 2009 E.
4.3.1; Urteile des damaligen
Eidg
. Versich
erungsgerichts I 894/06 vom 16.
Oktober 2007 E. 4, I 203/06 vom 2
8.
Dezember 2006 E. 4.3 und I 715/05 vom 2
7.
Januar 2006 E. 6.2; vgl. auch Urteil des damaligen
Eidg
. Ver
sicherungsgerichts I 270/06 vom
8.
Juni 2007 E. 3.1) und eine Ausnahme von dieser Latenz von höchstens sechs Monaten gelte nur, sofern die klinischen Merk
male typisch seien und keine andere Diagnose gestellt werden könne (vgl. Urteil 8C_103/2007 vom 1
7.
August 2007 E. 3.3 und Urteil des damaligen
Eidg
. Versicherungsgerichts I 715/05 vom 2
7.
Januar 2006 E. 6.2). In E. 4.2 von
BGE
142 V 342 führte das Bundesgericht
ausserdem
aus, in den dort zitierten früheren Entscheiden in Zusammenhang mit posttraumatischen Belastungsstörungen sei verschiedentlich die Anwend
barkeit der Überwindungskriterien bejaht worden.
Ob die
Rentenzusprache
unter Berücksichtigung dieser Aspekte erfolgt ist
,
scheint fraglich, muss aber nicht weiter geprüft werden.
8.
8.1
Zu prüfen bleibt die Frage, ob die Beschwerdegegnerin die Invalidenrente zu Recht rückwirkend per Ende Juni 2018 aufgehoben hat und damit auch die Rück
forderung des Betrages vom
Fr.
26'452.
--
gemäss der angefochtenen Verfügung vom
4.
Dezember 2019 (
Urk.
9/2) berechtigt ist.
8.2
Die Herabsetzung oder Aufhebung der Renten, der
Hilflosenentschädigungen
und der Assistenzbeiträge erfolgt gemäss
Art.
88
bis
Abs. 2
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
:
a.
frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung folgenden Monats an;
b.
rückwirkend ab Eintritt der für
den Anspruch erheblichen Änderung, wenn die beziehende Person die Leistung zu Unrecht erwirkt hat oder der ihr nach Art. 77 IVV zumutbaren Meldepflicht nicht nachgekommen ist, unabhängig davon, ob die Verletzung der Meldepflicht oder die unrechtmässige Erwirkung ein Grund für die Weiterausrichtung der Leistung war (seit dem 1. Januar 2015 geltende Fassung).
Eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit ist auch im Anwendungsbereich von Art. 88
bis
Abs. 2 lit. b IVV erst erheblich, wenn sie gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV berücksichtigt werden darf, das heisst, wenn sie aller Wahrscheinlichkeit nach längere Zeit andauern wird oder ohne wesentliche Unterbrechung bereits drei Monate angedauert hat (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_232/2016 vom 30. September 2016 E. 4 und 9C_1022/2012 vom 16. Mai 2013 E. 3.3.1).
8.3
Zwar betrifft die Meldepflicht nach dem Wortlaut von
Art.
77 IVV explizit auch eine "wesentliche Änderung des Gesundheitszustandes". Diese Bestimmung kann jedoch - auch mit Blick auf
Art.
31
Abs.
1 ATSG - in guten Treuen nicht so ver
standen werden, dass bei unterschiedlicher Auffassung über den Gesundheitszustand die versicherte Person verpflichtet wäre, das von ihr bestrittene Ergebnis der Begutachtung im Sinne einer Meldung an die Verwaltung vorwegzunehmen. Dies gilt jedenfalls soweit wie hier keine Anhaltspunkte
bestehen für eine Ausschöpfung der hinzugewonnenen Arbeitsfähigkeit oder für ausserhäusliche Aktivitäten, die mit dem geltend gemachten Leiden schlichtweg unvereinbar sind (Urteile 9C_582/2015 vom
9.
März 2016 E. 3.3; 9C_343/2012 vom 1
1.
Oktober 2012 E. 4.6).
8.4
Es ist unstrittig, dass der Beschwerdeführer die Leistungen nicht zu Unrecht er
wirkt hat und eine rückwirkende Rentenaufhebung aus diesem Grund nicht in Betracht fällt. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin liegt aber auch keine Meldepflichtverletzung durch den Beschwerdeführer vor.
Wie oben erwähnt (E. 8.3) war der Beschwerdeführer nicht verpflichtet, das von ihm bestrittene Ergebnis der Begutachtung im Sinne einer Meldung an die Verwaltung vorweg
zunehmen. Es bestehen sodann auch keine Anhaltspunkte dafür, dass der Be
schwerdeführer die hinzugewonnene Arbeitsfähigkeit ausschöpfen würde. Der Beschwerdeführer
gab
auch stets an, dass er in seiner Freizeit diversen ausser
häuslichen Aktivitäten nach
geht,
er mit dem
Individualverkehr
(insbeson
dere mit dem Motorrad und dem Fahrrad) sehr mobil ist und auch
lange
Strecken nach Bosnien und Herzegowina sowie nach
Kroatien zurück
legen kann.
Er hat wohl zu Unrecht angegeben, die Benützung des öffentlichen Verkehrs sei ihm gänzlich unmöglich, es muss ihm aber zu Gute gehalten werden, dass er dies vor allem damit begründet hat, dass er keine grösseren Menschenansammlungen ertrage
n könne
. Die Observation hat zwar aufgezeigt, dass sich der Beschwerde
führer scheinbar mühe- und bedenkenlos dem Risiko aussetzt, in grössere Menschenan
sammlungen zu geraten, er konnte aber nicht dabei beobachtet werden, wie er sich in solchen befindet.
Insgesamt lässt sich damit nicht feststellen, dass der Beschwerdeführer eine Meldepflichtverletzung begangen hat. Die Voraussetzungen für eine rückwirkende Rentenaufhebung sind nicht ge
geben.
8.5
Die angefochtene Verfügung vom 3
1.
Oktober 2019 wurde dem Beschwerdeführer am
1.
November 2019 zugestellt (
Urk.
2). In Anwendung von
Art.
88
bis
Abs. 2
lit.
a IVV ist die Rente damit per
3
1.
Dezember 2019 aufzuheben.
8.6
Dementsprechend ist auch die Rückforderung des Betrages von
Fr.
26'452.--
nicht gerechtfertigt, weshalb die
ebenfalls
angefochtene Verfügung vom
4.
Dezember 2019 (
Urk.
9/2)
ersatzlos aufzuheben ist
.
Ob die Beschwerdegegnerin
den An
spruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt hat, weil sie
diese Verfügung ohne Durchführung eines
Vorbescheid
verfahrens
erlassen hat
, kann offenbleiben
.
9.
9.1
Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass die Beschwerde vom 2
7.
November 2019 in dem Sinne teilweise gutzuheissen ist, dass in Abänderung der angefochtenen Verfügung vom 3
1.
Oktober 2019 die Invalidenrente des Beschwerdeführers per 3
1.
Dezember 2019 (statt per Ende Juni 2018) aufzuheben ist. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
9.2
In Gutheissung der Beschwerde vom
5.
Dezember 2019 ist die angefochtene Verfügung vom
4.
Dezember 2019 aufzuheben.
10.
10.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist abweichend von Art. 61 lit. a ATSG das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige
rung von IV-Leistungen vor dem kan
to
nalen Versicherungsgericht kosten
pflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streit
wert im Rahmen von 200
1000 Franken festgelegt.
Der Beschwerdeführer obsiegt im Vergleich zum angefochtenen Entscheid
vom 3
1.
Oktober 2019 in dem Sinne, dass die Invalidenrente erst per 3
1.
Dezember 2019
(anstatt
per Ende Juni 2018
)
aufgehoben wird
. Mit seinem Antrag
auf Weiterausrichtung der Invalidenrente ab dem
1.
Januar 2020 unterliegt er dagegen vollständig
.
Mit seiner Beschwerde gegen die Verfügung vom 4. Dezember 2019 obsiegt er vollständig.
Die Gerichtskosten sind den Parteien anteils
mässig aufzuerlegen. Es rechtfertigt sich daher,
die Gerichtskosten, welche auf
Fr.
1'000.-- festzulegen sind,
dem Beschwerdeführer
und der Beschwerdegegnerin je zur Hälfte
aufzuerlegen.
10
.2
Dem
anwaltlic
h vertretenen Beschwerdeführer
steht gestützt auf
Art.
61 lit. g ATSG und
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht eine entsprechend reduzierte Prozessentschädigung zu, welche ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen und auf
Fr.
1’
500
.-- (inklusive Barauslagen und Mehr
wert
steuer) festzusetzen ist
.