Decision ID: dddea583-d6a8-54ae-a00d-ab6d43f60cdd
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter), meldete sich am 24. April 2015 unter Hinweis
auf eine paranoid-halluzinatorische Psychose (ICD-10: F20.09) bzw. auf
Wahrnehmungsstörungen in Form von akustischen Halluzinationen bei der
Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (IV-act. 1).
A.a.
Die ehemalige Arbeitgeberin, B._ AG, gab am 7. Mai 2015 an, der Versicherte
habe bis 17. April 2015 als Weber gearbeitet. Wegen nachlassender Arbeitsleistung sei
er per 20. April 2015 in den Reinigungsdienst versetzt worden (IV-act. 8).
A.b.
Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, bei dem der
Versicherte am 15. April 2008 die Behandlung aufgenommen hatte (Arztbericht vom
7. Dezember 2015, IV-act. 24), führte im Arztbericht vom 26. Juni 2015 aus, beim Ver
sicherten sei 1992 eine paranoid-halluzinatorische Psychose diagnostiziert und
behandelt worden. Im Jahr sei 2013 eine Umstellung von Drei- auf Zweischicht erfolgt
wegen geringerer körperlicher und kognitiver Belastbarkeit. Er habe ihn ab 22. Mai
2015 100 % krankgeschrieben wegen Ängsten und Schlafproblemen mit Albträumen
im Sinne von intrusiven gewalttätigen Kindheitserinnerungen. Der Versicherte leide
A.c.
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unter Tagesmüdigkeit, geringer körperlicher Belastbarkeit, sozialem Rückzug und
kognitiven Einbussen (Konzentration und Merkfähigkeit; IV-act. 13, 17). RAD-Ärztin
Dr. D._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, nahm am 21. August 2015
Stellung, es liege ein instabiler Gesundheitszustand vor (IV-act. 19 f.). Mit Mitteilung
vom 21. August 2015 wies die IV-Stelle das Gesuch hinsichtlich beruflicher
Massnahmen ab, da solche aufgrund des Gesundheitszustandes nicht angezeigt seien
(IV-act. 22).
Vom 3. September bis 1. Oktober 2015 war der Versicherte in stationärer
Behandlung in der psychiatrischen Klinik H._. Dabei wurde eine wahnhafte Störung
(ICD-10: F22.0) diagnostiziert. Im Austrittsbericht vom 24. November 2015 wurde
ausgeführt, bei Eintritt habe der Versicherte eine ausgeprägte, wohl seit Monaten
bestehende wahnhafte Symptomatik gezeigt, welche massive Auswirkungen auf
sämtliche (private und geschäftliche) Lebensbereiche entwickelt hätte. Unter der
Medikation habe sich der Zustand langsam gebessert, der Realitätsbezug sei jedoch
brüchig geblieben. Der Versicherte habe gewünscht, auszutreten, da er sich der
Bewältigung seines Alltags wieder gewachsen fühle (IV-act. 31). Im Arztbericht vom
7. Dezember 2015 führte Dr. C._ unter anderem aus, im gegenwärtigen Psychostatus
mit in den Vordergrund gerückten paranoiden Gedanken bestehe keine
Arbeitsfähigkeit. Die Integration in eine teilstationäre Einrichtung habe der Versicherte
abgelehnt wegen innerem Rückzug und sprachlichen Schwierigkeiten (IV-act. 24).
A.d.
RAD-Ärztin Dr. D._ nahm am 16. Februar 2016 Stellung, bei anfänglich sehr
niedriger Arbeitsfähigkeit halte sie einen Anstieg auf über 50 % innert nützlicher Frist
für möglich (IV-act. 34). Im Protokoll zum Assessmentgespräch vom 4. Februar 2016
wurde festgehalten, die Arbeitsstelle sei dem Versicherten per 31. März 2016 gekündigt
worden. Er könne sich die Tätigkeit als Produktionsmitarbeiter in einer anderen Firma
vorstellen (Assessmentprotokoll vom 23. Februar 2016, IV-act. 38). Es wurde dem
Versicherten Arbeitsvermittlung zugesprochen (Strategie-Protokoll vom 23. Februar
2016, IV-act. 37). In seinem Verlaufsprotokoll hielt der Eingliederungsverantwortliche
fest, am 4. April 2016 habe er den Versicherten bei Ankunft auf dem Parkplatz
beobachten können. Er sei selbst gefahren und habe deutlich agiler gewirkt als im
nachfolgenden Gespräch (IV-act. 41). Ab dem 22. April 2016 besuchte der Versicherte
im Psychiatriezentrum F._ während zwei Halbtagen wöchentlich die Ergo- und
A.e.
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Kreativtherapie (Aufnahmebericht vom 22. April 2016, IV-act. 69; Verlaufsbericht
Dr. C._ vom 10. Mai 2016, IV-act. 45-2). Gestützt auf den Verlaufsbericht von
Dr. C._ vom 10. Mai 2016 (IV-act. 45) und eine Stellungnahme von RAD-Ärztin
Dr. D._ vom 30. Mai 2016 (IV-act. 50), wonach der Versicherte im ersten Arbeitsmarkt
nicht mehr arbeitsfähig sei, schloss die IV-Stelle die beruflichen Massnahmen ab
(Mitteilung vom 30. Mai 2016, IV-act. 53).
RAD-Ärztin Dr. D._ hielt mit Dr. med. E._, Fachärztin für allgemeine Innere
Medizin FMH, Rücksprache und nahm am 11. Juli 2016 Stellung, der Versicherte sei
seit Juni 2015 zu 0 % arbeitsfähig (IV-act. 56). Auf Nachfrage durch die
Sachbearbeitung äusserte sie am 17. August 2016, eine Begutachtung könne zur
Erhöhung der Beweisdichte sinnvoll sein (IV-act. 58). In der Folge holte die IV-Stelle
weitere Unterlagen ein (u.a. Bericht ehemalige Arbeitgeberin vom 29. August 2016, IV-
act. 67, Aufnahmebericht Psychiatriezentrum F._ vom 22. April 2016, IV-act. 69). Am
25. November 2016 nahm RAD-Ärztin Dr. D._ Stellung, es bestehe keine Indikation
für eine weitere medizinische Abklärung (IV-act. 79). Schliesslich erachtete sie nach
Rücksprache durch die Sachbearbeitung am 3. Januar 2017 eine Begutachtung als
angezeigt (IV-act. 80).
A.f.
In der Folge wurde der Versicherte im Auftrag der IV-Stelle psychiatrisch
begutachtet (psychiatrisches Gutachten vom 13. Februar 2017, Interdisziplinäre
medizinische Expertisen [IME], Prof. Dr. med. G._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie sowie Neurologie; Untersuchung 10. Februar 2017, IV-act. 85). Der
Gutachter kam zum Schluss, Arbeiten, die eine konzentrative Belastbarkeit und ein
permanentes Durchhaltevermögen (Kontrollarbeiten, Arbeiten an einem Fliessband)
erforderten sowie Arbeiten mit hoher Verantwortung für Menschen, Tiere oder
Arbeitsabläufe seien dem Versicherten nicht zumutbar. Die Tätigkeit des Webers
entspreche dem Leistungsbild nicht und sei dem Versicherten ab 20. April 2015, als er
mit Reinigungsarbeiten betraut worden sei, nicht mehr zumutbar. Leichte, kognitiv
wenig anspruchsvolle und stressfrei durchführbare Aufgaben ohne Schicht- und
Nachtdienste könne der Versicherte nach Abzug IV-fremder Anteile aus gutachterlicher
Sicht mit einer geschätzten Arbeitsfähigkeit von ca. 50 % leisten. Bei Zweifeln an
dieser Beurteilung könne eine praxisnahe Prüfung der Arbeitsfähigkeit mittels BEFAS-
Abklärung eine geeignetere Methode darstellen (IV-act. 85-48 ff.).
A.g.
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RAD-Ärztin Dr. D._ nahm am 28. Februar 2017 Stellung, das Gutachten sei
ausführlich, in sich schlüssig und nachvollziehbar (IV-act. 87).
A.h.
Auf Empfehlung des psychiatrischen Gutachters wurde der Versicherte
verkehrsmedizinisch begutachtet (Gutachten Institut für Rechtsmedizin des
Kantonsspitals St. Gallen vom 30. Januar 2018, Fremdakten, act. 6). Die Gutachter
kamen zum Schluss, infolge der Wahnsymptomatik respektive der psychischen
Grunderkrankung seien die realitätsgerechte Wahrnehmung, die
Informationsverarbeitung und die situationsadäquate Verhaltenssteuerung in relevanter
Weise beeinträchtigt. Die Fahreignung könne deshalb zum aktuellen Zeitpunkt nicht
befürwortet werden (Fremdakten, act. 6-11 f.).
A.i.
Mit Vorbescheid vom 22. Juni 2018 gewährte die IV-Stelle dem Versicherten das
rechtliche Gehör zur vorgesehenen Zusprache einer Viertelsrente mit Wirkung ab
1. April 2016 (IV-act. 105).
A.j.
Mit Einwand vom 30. August 2018 (IV-act. 109-1 ff.) reichte der Versicherte eine
Stellungnahme von Dr. C._ vom 30. August 2018 (IV-act. 109-18 f.) ein. Er machte
geltend, es liege eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vor. Der Gutachter betone selbst
mehrfach, dass eine Längsschnittuntersuchung mit Arbeitserprobung zur Ermittlung
der Arbeitsfähigkeit geeigneter wäre. Die vom Eingliederungsberater am 5. April 2016
festgehaltene Beobachtung, dass er selbst mit dem Auto gefahren sei und in den
Bewegungsabläufen agiler gewirkt habe als im nachfolgenden Gespräch, beruhe auf
einer rechtlich unzulässigen faktischen Observation, die aus den Akten zu weisen sei.
Dass der Gutachter in Bezug auf die Tätigkeit als Hilfsreiniger lediglich eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit attestiere, hänge wesentlich damit zusammen, dass er völlig
irrelevante Inkonsistenzen in die Beurteilung einbezogen habe. Weiter liege keine
verwertbare Restarbeitsfähigkeit vor. Er habe keine abgeschlossene und in der
Schweiz anerkannte Lehre, verfüge über äusserst bescheidene Deutschkenntnisse,
könne den angestammten Beruf nicht mehr ausüben und habe nur die ungewöhnliche
Möglichkeit, einem 100 %-Pensum mit 50%-iger Leistung nachzugehen. Vor diesem
Hintergrund rechtfertige sich ein Tabellenlohnabzug von mindestens 20 %, womit ein
Invaliditätsgrad von 67 % resultiere. Subeventualiter sei ein psychiatrisches Gutachten
A.k.
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B.
in Form einer Längsschnittuntersuchung mit Arbeitserprobung einzuholen. Sodann
beantragte er die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Einwandverfahren.
RAD-Ärztin Dr. D._ nahm am 25. September 2018 Stellung, das
verkehrsmedizinische Gutachten vermöge keine neuen medizinischen Erkenntnisse
bezüglich Arbeitsfähigkeit zu erbringen, zumal der Gutachter aufgrund der
Einschränkungen, aufgrund derer er die Überprüfung der Fahreignung empfohlen habe,
auch eine 50%ige Arbeitsfähigkeit attestiere. Die Kriterien für die Fahreignung seien
höher als für eine leichte, kognitiv wenig anspruchsvolle Arbeit. Der psychiatrische
Gutachter habe sich nicht der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit enthalten. Jede Methode
biete Vor- und Nachteile. Auch in einer Arbeitserprobung sei keine über jeden Zweifel
erhabene Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erhältlich. Eine berufliche Massnahme mit
möglicher Arbeitserprobung sei aufgrund einer neuerlichen Krankschreibung
abgebrochen worden (IV-act. 116).
A.l.
Mit Verfügung vom 4. Oktober 2018 sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit
Wirkung ab 1. April 2016 eine Viertelsrente zu bei einem Invaliditätsgrad von 48 %. Zur
Begründung zitierte sie die RAD-Stellungnahme vom 25. September 2018, wonach
sich durch den Einwand keine Änderungen der medizinischen Beurteilung ergäben. Ein
Leidensabzug sei nicht geschuldet, da die vorhandenen Einschränkungen in der
Arbeitsfähigkeitsschätzung berücksichtigt worden seien. Der Arbeitsmarkt biete eine
Vielzahl an Stellen im Dienstleistungssektor. Geeignet seien etwa leichtere Arbeiten bei
der Lager- und Ersatzteilbewirtschaftung. Auch seien Hilfsarbeitertätigkeiten in der
Reinigung, der Hauswartung oder im Kurierwesen (Zeitungen verteilen) zumutbar.
Zudem gehörten zum ausgeglichenen Arbeitsmarkt auch Nischenarbeitsplätze (IV-
act. 121).
A.m.
Mit Verfügung vom 6. Dezember 2018 wies die IV-Stelle das Gesuch um
unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Vorbescheidverfahren mangels sachlicher
Gebotenheit und wegen fehlender Notwendigkeit ab (IV-act. 130).
A.n.
Gegen die Verfügung vom 4. Oktober 2018 lässt A._ (nachfolgend:
Beschwerdeführer), vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. A. Fiechter, am 9. November
B.a.
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2018 Beschwerde erheben. Er beantragt, die angefochtene Verfügung sei unter
Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben. Es sei ihm ab 1. April 2016 eine ganze
Invalidenrente, eventualiter mindestens eine Dreiviertelsrente zuzusprechen.
Subeventualiter sei ein neues psychiatrisches Gutachten in Form einer
Längsschnittuntersuchung mit Arbeitserprobung durchzuführen. Weiter seien ihm die
unentgeltliche Rechtspflege sowie Rechtsverbeiständung zu bewilligen. Das der
Verfügung zugrundeliegende Gutachten sei für eine sachgerechte und dem
Untersuchungsgrundsatz genügende Beurteilung nicht beweistauglich. Er leide unter
einer schweren psychischen Beeinträchtigung, so dass ihm keine Arbeitsleistung mehr
zuzumuten sei. Selbst wenn noch eine Arbeitsfähigkeit bestünde, wäre diese nicht
verwertbar. Eventualiter betrage das Invalideneinkommen Fr. 24'672.-- und es sei ihm
ein Tabellenlohnabzug von 20 % zu gewähren, so dass ein Invaliditätsgrad von 66,4 %
resultiere (Verfahren IV 2018/379, act. G 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 25. Januar 2019 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Aus dem Hinweis des psychiatrischen Gutachters auf
Vorteile einer Längsschnittbeurteilung könne nicht geschlossen werden, dass die
gestützt auf das Aktenstudium und die klinische Untersuchung erfolgte
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht überzeugend sei. Dass er gewisse Unsicherheiten und
Unklarheiten beschrieben habe, spreche gerade für den Beweiswert der Expertise.
Weiter sei eine psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht
ermessensfrei. Der von Dr. C._ angeführte bio-psycho-soziale Krankheitsbegriff sei
gerade nicht massgebend, weshalb seine am Gutachten erhobene Kritik von
Vornherein nicht verfange. Es sei nicht ersichtlich, dass eine zumutbare Tätigkeit
nurmehr in so eingeschränkter Form möglich sei, dass sie der ausgeglichene
Arbeitsmarkt nicht kenne oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines
durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre. In Industrie und Gewerbe gebe es
verschiedene einfache Hilfstätigkeiten, welche dem im psychiatrischen Gutachten
festgehaltenen Anforderungsprofil entsprächen. Ein leidensbedingter
Tabellenlohnabzug sei nicht zu gewähren, da die gesundheitlichen Einschränkungen
bereits im Zumutbarkeitsprofil enthalten seien (IV 2018/379, act. G 5).
B.b.
Die zuständige Versicherungsrichterin bewilligt am 11. Februar 2019 die
unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten, unentgeltliche
B.c.
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C.
Rechtsvertretung) für das Verfahren vor Versicherungsgericht betreffend Rente (IV
2018/379, act. G 6).
Mit Replik vom 8. März 2019 reicht der Beschwerdeführer eine Bestätigung seiner
Tochter und seines Sohnes vom 4. März 2019 ein, wonach diese im Juni 2019 bzw.
April 2019 aus der elterlichen Wohnung ausziehen würden, und wonach die Mutter für
den Beschwerdeführer dauernde Unterstützung leiste im Haushalt, bei der Zubereitung
und Einnahme der Mahlzeiten, beim Einkauf von Lebensmitteln und bei der
Körperhygiene (act. G 8; act. G 8.1). Er trägt vor, aufgrund seiner Beschwerden und
Krankengeschichte würde ihn kein Arbeitgeber im ersten Arbeitsmarkt anstellen. Sein
Krankheitsbild mit anhaltenden Wahnvorstellungen und plötzlich auftretenden
Halluzinationen und Wahnschüben verunmögliche die geordnete Aufnahme und
Ausführung einer Erwerbstätigkeit. Die ihm verordneten Medikamente hätten diverse
Nebenwirkungen wie verstärkte Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen sowie
Schlaflosigkeit zur Folge. Es bestehe eine dauerhafte und anhaltende
Behandlungsresistenz. Durch die psychische Beeinträchtigung sei er bereits in seinem
Alltag erheblich beeinträchtigt. Die psychische Beeinträchtigung habe auch erhebliche
Auswirkungen auf sein soziales Umfeld. Seine persönlichen Ressourcen seien
eingeschränkt. Die volle Erwerbsunfähigkeit sei aus objektiver Sicht nicht überwindbar.
Der Gutachter selbst spreche in Bezug auf die Konsistenz des Gutachtens davon, dass
sich ein divergentes Bild zeichne. Weiter seien die Ausführungen zum
Gesundheitsschaden und zur Arbeitsfähigkeit viel zu kurz und undifferenziert
ausgefallen. Aus den Äusserungen des Gutachters ergebe sich e contrario, dass die
vorliegende psychiatrische Querschnittsuntersuchung keine geeignete Methode zur
Bestimmung der Arbeitsfähigkeit darstelle (act. G 8).
B.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 15. März 2019 auf eine Duplik (IV
2018/379, act. G 10).
B.e.
Mit Beschwerde vom 21. Januar 2019 beantragt der Beschwerdeführer, auch hier
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. A. Fiechter, die Verfügung vom 6. Dezember 2018
sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben und es sei ihm die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das Verwaltungsverfahren zu bewilligen.
C.a.
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Erwägungen
1.
Streitgegenstand im Verfahren IV 2018/379 bildet die Frage der Rechtmässigkeit der
Abweisung des Begehrens um Rente (Verfügung vom 4. Oktober 2018). Im Verfahren IV
2019/21 bildet die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren jenes
Leistungsverfahrens den Streitgegenstand (Verfügung vom 6. Dezember 2018). Da die
Streitgegenstände eng zusammenhängen und sich dieselben Parteien
gegenüberstehen, rechtfertigt es sich, die Verfahren IV 2018/379 und IV 2019/21 zu
vereinigen.
2.
Zudem sei ihm für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung zu gewähren (Verfahren IV 2019/21, act. G 1). Auf die
Begründung der Beschwerde wird in den Erwägungen Bezug genommen (E. 5.4).
Mit Beschwerdeantwort vom 12. Februar 2019 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde unter Verweis auf die angefochtene Verfügung (IV
2019/21, act. G 4).
C.b.
Am 18. Februar 2019 bewilligt die zuständige Versicherungsrichterin die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das Beschwerdeverfahren IV 2019/21
betreffend die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren unter
Anrechnung der bereits geleisteten Kostenvorschüsse von total Fr. 700.-- (act. G 6).
C.c.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.1.
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Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt eine auf
objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich gestellte Diagnose nach einem
wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6, BGE 141 V 289 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2016,
8C_1/2016, E. 4.3). Erforderlich ist zudem, dass die geltend gemachten Beschwerden
objektiviert werden können und sich auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auswirken
(vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 30. November 2017, 8C_350/2017, E. 5.4, und
vom 27. März 2015, 8C_673/2014, E. 5.1.1; BGE 143 V 427 E. 6). Für somatisch
unklare Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und gleichgestellte
Diagnosen) sowie psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen ist der
Beweis nach dem strukturierten Verfahren mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE
141 V 281 und BGE 143 V 428, E. 7.1). Der Beweis für eine lang andauernde und
erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als geleistet
betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen
einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen
Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143
V 427, E. 6).
2.2.
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
2.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
2.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/23
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3.
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind
(BGE 141 V 14 E. 6.3.1; BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen;). Im Sinne einer Richtlinie
ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat
das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V
360 E. 5b; BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
2.5.
Medizinische Grundlage der Verfügung vom 4. Oktober 2018 bildet das
psychiatrische Gutachten von Prof. G._ vom 13. Februar 2017 (IV-act. 85). Darin ist
anamnestisch zusammengefasst, der Beschwerdeführer sei 1992 und 1993 wegen
einer paranoid-halluzinatorischen Psychose jeweils wenige Tage hospitalisiert
gewesen, wobei sich das Beschwerdebild jeweils unter Einnahme des Medikaments
Haldol verbessert habe. Eine weitere subakute Dekompensation sei im Jahr 2008
aufgetreten. Im Jahre 2013 habe Dr. C._ aufgrund einer Zunahme der Ängste und
Abnahme der körperlichen und kognitiven Belastbarkeit attestiert, dass dem
Beschwerdeführer lediglich der Zweischichtbetrieb zumutbar sei. Im Jahr 2015 habe er
den Beschwerdeführer vollständig arbeitsunfähig geschrieben (IV-act. 85-35 f.). Im Juni
2015 hätten sich Angstzustände entwickelt. Der Beschwerdeführer habe von einem
Dämon berichtet, den er nicht höre oder sehe. Er sei rechts neben ihm und verlange,
dass er immer im Haus bleibe, keine Kontakte zu Menschen habe und nicht Auto fahre.
3.1.
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Wenn er jemandem die Hand gebe, habe er Angst, dass etwas Schlimmes passieren
könnte. Deswegen habe er häufig das Bedürfnis, seine Hand zu waschen. Er könne
nicht arbeiten, der Dämon habe ihm dies verboten. Er habe Angst, bei der Arbeit Fehler
zu machen und deshalb vom Chef geschlagen zu werden. Der Dämon sei schuld
daran. Er - der Beschwerdeführer - fühle sich verfolgt und ständig vom Dämon
begleitet, sei den ganzen Tag von Angst geplagt. Er habe deswegen
Konzentrationsstörungen. Er habe versucht, in der Werkstatt der Klinik zu arbeiten und
dabei ständig Ängste vor einem Unfall gehabt (IV-act. 85-36). Den Tag verbringe er mit
Spazieren, dem Wahrnehmen von Terminen, Nachrichten Schauen und im Koran
Lesen. Manchmal fahre er zum Einkaufen nach Österreich. Mit der Medikation schlafe
er meist gut, habe aber häufig Albträume (IV-act. 85-37). Soziale Kontakte habe er
ausschliesslich in der Familie, spezielle Hobbys habe er nicht (IV-act. 85-34).
Der Gutachter bestätigte die durch die behandelnden Ärzte gestellte Diagnose
einer wahnhaften Störung gemäss ICD-10: F22.0 (IV-act. 85-47). Konzentration und
Aufmerksamkeit seien herabgesetzt gewesen, während der gut zweistündigen
Explorationszeit sei (indes) kein weiterer Abfall der kognitiven Parameter feststellbar
gewesen. Der Versicherte habe im Untersuch keine derart grosse Ablenkbarkeit oder
Konzentrationsstörungen gezeigt, dass eine schwere Beeinträchtigung vorläge. Die in
der Untersuchung angegebenen Ängste und Beeinträchtigungen durch wahnhafte
Eingebungen seien nicht objektivierbar gewesen und auf der subjektiven Ebene
geblieben. Auch seien die geschilderten Ängste psychovegetativ und im Verhalten nicht
nachvollziehbar gewesen (IV-act. 85-45). Psychopathologisch fassbar seien eine
deutliche Verlangsamung und leicht- bis mässiggradige Störungen in den kognitiven
Parametern, die durchaus Einfluss auf die mittel- bis langfristige Arbeitsfähigkeit hätten.
Durch die wahnhafte Störung seien die Realitätswahrnehmung und dadurch die
Impulssteuerung und die neuro-kognitiven Parameter beeinträchtigt (IV-act. 85-48).
Arbeiten, die eine konzentrative Belastbarkeit und ein permanentes
Durchhaltevermögen (Kontrollarbeiten, Arbeiten an einem Fliessband) erforderten, die
mit hoher Verantwortung für Menschen, Tiere oder Arbeitsabläufe verbunden seien
sowie Schicht- und Nachtdienste seien dem Beschwerdeführer nicht mehr zumutbar.
Die bisherige Tätigkeit als Weber sei dem Beschwerdeführer seit der betrieblichen
Versetzung in den Reinigungsdienst ab dem 20. April 2015 nicht mehr zumutbar.
Leichte, kognitiv wenig anspruchsvolle Aufgaben seien anhaltend noch zumutbar.
Diese müssten weitgehend stressfrei durchführbar sein (IV-act. 85-48 ff.).
3.2.
Der Gutachter führte weiter aus, die Bestimmung des Schweregrades der
Einschränkungen sei schwierig. Es bestünden Inkonsistenzen, die in einer
3.3.
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psychiatrischen Querschnittsuntersuchung ohne Arbeitserprobung nur bedingt
abklärbar seien (IV-act. 85-48 ff.). So gebe der Beschwerdeführer an, nach Österreich
zum Einkaufen zu fahren, trotz eingeschränkter Konzentration stundenlang den Koran
zu studieren (IV-act. 85-34 ff.) und im Vorjahr in seiner Heimat Ferien verbracht zu
haben (IV-act. 85-45). Weiter habe der Eingliederungsverantwortliche beobachten
können, dass er selbst zum Gesprächstermin gefahren sei und im Bewegungsablauf im
Gegensatz zum (nachfolgenden) Gespräch recht agil gewirkt habe (IV-act. 85-45). Im
Austrittsbericht der Klinik H._ vom 24. November 2015 fänden sich Hinweise, dass
der Beschwerdeführer dort sorgfältig und konzentriert gearbeitet habe (IV-act. 85-46).
Das private Aktivitätsniveau scheine damit im Vergleich zu den geltend gemachten
beruflichen Einschränkungen deutlich geringer betroffen (IV-act. 85-45).
Sodann hielt der Gutachter fest, der Beschwerdeführer habe nur wenige
Ressourcen zur Verfügung. Der Bildungsstand, die berufliche Qualifikation, aber auch
soziokulturelle Faktoren (strenggläubiger Muslim) und sprachliche Probleme hätten ihm
schon immer erschwert, sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten. Einzig stelle die
Familie eine nachhaltige Ressource dar. Der Beschwerdeführer sei leitliniengerecht
ambulant und stationär behandelt worden. Die Einstellung auf Clozapin könne als
medikamentöse ultima ratio angesehen werden (IV-act. 85-48). Es seien keine Hinweise
auf Aggravation oder Simulationszeichen wahrnehmbar (IV-act. 85-30). Im Laborbefund
waren die verordneten Medikamente nachweisbar (im Falle von Latuda bzw. Lurasidon
gar überdosiert, IV-act. 85-42, 47), ohne dass eine Einnahme lediglich im Hinblick auf
die Begutachtung in Betracht gezogen worden wäre. Zusammenfassend hielt der
Gutachter fest, die Beeinträchtigungen durch die wahnhaften Symptome erreichten -
zumindest nach Behandlung mit Clopazin - keinen derart hohen Schweregrad, dass
dem Beschwerdeführer einfache Arbeiten nicht mehr übertragen werden könnten,
wenn man eine geringere Leistungsfähigkeit bezüglich des Pensums ansetze. Aufgrund
der verminderten Belastbarkeit könne der Beschwerdeführer in adaptierten Tätigkeiten
keine volle Leistung mehr erbringen, so dass bei einem 100 %-Pensum nach Abzug IV-
fremder Anteile aus gutachterlicher Sicht eine geschätzte Arbeitsfähigkeit von ca. 50 %
vorliege. Eine Längsschnittuntersuchung mit Arbeitserprobung bzw. BEFAS-Abklärung
könne indes die geeignetere Methode darstellen, um einen möglichst realen Eindruck
der Arbeitsfähigkeit zu erhalten (IV-act. 85-46, 48 ff.).
3.4.
Die Arbeitgeberin berichtete zwar von einem schleichenden, stetigen Nachlassen
der quantitativen und qualitativen Arbeitsleistung, was zur Umplatzierung als
Reinigungskraft geführt habe (Bericht vom 29. August 2016, IV-act. 67). Unter
psychiatrischer Behandlung ergibt sich im weiteren Verlauf jedoch gesamthaft
3.5.
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betrachtet das Bild einer schwankenden Ausprägung des Krankheitsverlaufs und der
Beeinträchtigungen. So war der Beschwerdeführer in der psychiatrischen Klinik H._
in der Lage, in der Werkstatt sorgfältig und konzentriert zu arbeiten (Austrittsbericht
vom 24. November 2015, IV-act. 31), und bei Eintritt im Psychiatrie-Zentrum F._
präsentierte er sich gepflegt und ohne Auffälligkeiten in Gedächtnis und Konzentration
(Aufnahmebericht vom 22. April 2016, IV-act. 69). Jedoch schilderten die
(erwachsenen) Kinder des Beschwerdeführers (Aufnahmebericht Psychiatriezentrum
F._ vom 22. April 2016, IV-act. 69; später auch Bestätigung vom 4. März 2019,
act. G 8.1) und die Hausärztin gegenüber dem RAD einen schwer beeinträchtigten
Gesundheitszustand (RAD-Stellungnahme vom 11. Juli 2016, IV-act. 56). Mit
gesundheitlichen Schwankungen erklären sich auch die im Gutachten angeführten
Inkonsistenzen zumindest teilweise (hier ist noch zu beachten, dass der
Beschwerdeführer nahe der österreichischen Grenze wohnhaft ist und ihm somit nicht
vorgehalten werden kann, er fahre häufiger bzw. weitere Strecken Auto als dass er
angebe). Folglich erscheint nachvollziehbar, dass der Gutachter eine Arbeitserprobung
als Möglichkeit angab, um genauere Informationen zu erhalten, wie lange die jeweiligen
gesundheitlichen Phasen anhalten würden. Er traf dennoch eine Einschätzung, die sich
auf die Angaben der Arbeitgeberin sowie die dokumentierten Befunde und Angaben zur
Behandlung stützt. So bezeichnete er die Medikation mit Clopazin als ultima ratio, was
auf eine unbehandelt schwere Ausprägung der Störung und/oder auf schwerer
beeinträchtigende Nebenwirkungen dieses Medikaments schliessen lässt. Damit
erachtete er nachvollziehbar eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Bereich von
50 % als überwiegend wahrscheinlich, womit sich eine Befas-Abklärung erübrigt.
Überdies ist fraglich, ob eine Arbeitserprobung eine zuverlässige Grundlage zur
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ergeben würde, da eine solche überhaupt nur bei
einwandfreier Mitwirkung der versicherten Person aussagekräftige Ergebnisse liefern
könnte. Eine solche wäre bei der subjektiv eingeschränkten Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers nicht zu erwarten.
Kein Mangel des Gutachtens stellt dar, dass es die Beobachtung des
Eingliederungsverantwortlichen anlässlich des Gesprächstermins vom 4. April 2016
(vgl. IV-act. 41) in die Beurteilung miteinbezog. Dem Beschwerdeführer war bekannt,
dass der Eingliederungsverantwortliche an diesem Gespräch teilnehmen würde und
sich zur selben Zeit wie er am vereinbarten Ort einfinden würde. Er musste somit damit
rechnen, dass dieser ihn beim Eintreffen sehen würde. Eine absichtliche Beobachtung
kann darin nicht gesehen werden. Es handelt sich somit nicht um eine systematische
und verdeckte Beobachtung, sondern um eine vom Observationsbegriff
abzugrenzende zufällige, kurzfristige Beobachtung (vgl. Th. Gächter/M. Meier, in:
3.6.
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4.
Basler Kommentar zum ATSG, 1. Aufl., Basel 2020, Art. 43a, Rz 11).
Zusammenfassend finden sich trotz der vom Beschwerdeführer vorgebrachten
Einwände keine Hinweise, die auf eine fehlende Beweiskraft des Gutachtens schliessen
lassen (vgl. auch BGE 141 V 14 E. 3.6.1). Damit kann auf die gutachterlich attestierte
Arbeitsunfähigkeit von 50 % seit 20. April 2015 (vgl. IV-act. 85-49 f.) abgestellt werden.
Der Gutachter befand die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit seit dem
20. April 2015 als aufgehoben (IV-act. 85, Zeitpunkt der Versetzung in den
Reinigungsdienst). Das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG war demnach im
April 2016 abgelaufen. Der Beschwerdeführer meldete sich am 24. April 2015 zum
Leistungsbezug ab, so dass die Halbjahresfrist gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG bei Ende des
Wartejahres ebenfalls erfüllt war. Der Rentenanspruch besteht daher ab 1. April 2016.
Für den Einkommensvergleich ist dieses Jahr massgebend (BGE 129 V 222).
4.1.
Gemäss dem Auszug aus dem individuellen Konto (IK; IV-act. 7) erzielte der
Beschwerdeführer unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung bis zum Jahr
2016 (Bundesamt für Statistik [BFS], Lohnentwicklung, T 39, Indices Männer) folgende
Jahreseinkommen: 2010: Fr. 63'458.--: 2151 x 2239 = Fr. 66'054.--; 2011:
Fr. 64'919.--: 2171 x 2239 = Fr. 66'952.--; 2012: Fr. 67'629.--: 2188 x 2239 =
Fr. 69'205.--; 2013: Fr. 61'102.--: 2204 x 2239 = Fr. 62'072.--; 2014: Fr. 59'542.--: 2220
x 2239 = Fr. 60'052.--. Dabei fällt auf, dass ab April 2013 eine "Lohnkorrektur Plus" in
der Höhe von monatlich Fr. 148.-- entfiel und ab August 2013 die Nachtschichtzulagen
deutlich geringer waren (Auszüge Lohnkonto, IV-act. 8-7 f.), was offensichtlich darauf
zurückzuführen ist, dass Dr. C._ dem Beschwerdeführer im Jahr 2013 eine
Unzumutbarkeit für den Dreischichteinsatz attestiert hatte. Es ist demnach davon
auszugehen, dass die Einkommen der Jahre 2013 und 2014 bereits aufgrund des
Gesundheitsschadens geringer waren, weshalb das Valideneinkommen nach dem
Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2012 zu bemessen ist und somit hochgerechnet auf
das Jahr 2016 Fr. 67'404.-- beträgt.
4.2.
Das Invalideneinkommen ist ausgehend vom Tabellenlohn gemäss
Lohnstrukturerhebung (LSE) des BFS, Durchschnitt Kompetenzniveau 1, Männer,
festzulegen. Dieses beträgt für das Jahr 2016 Fr. 66'803.-- (Informationsstelle AHV/IV,
IV 2019, Bern 2019, Anhang 2). Entsprechend der Arbeitsfähigkeit von 50 % reduziert
es sich auf Fr. 33'402.--.
4.3.
Der Beschwerdeführer macht geltend, die Restarbeitsfähigkeit sei nicht mehr
verwertbar; zumindest sei ihm ein Tabellenlohnabzug von 20 % zu gewähren. Er
4.4.
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begründet die Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit mit dem Umstand, dass er bei
vollzeitlicher Anwesenheit lediglich eine 50%ige Leistung erbringen könne. Zudem
verfüge er über keine abgeschlossene Ausbildung und ungenügende
Sprachkenntnisse.
Der als ausgeglichen unterstellte Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte
Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit
einem sozialen Entgegenkommen vonseiten des Arbeitgebers rechnen können. Von
einer Arbeitsgelegenheit kann gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nur dann
nicht mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nurmehr in so
eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch
nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines
durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden
Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil des Bundesgerichts
vom 2. Dezember 2020, 8C_416/2020, E. 4. Mit Hinweis auf Basler Kommentar). Fehlt
es an einer wirtschaftlich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, liegt eine vollständige
Erwerbsunfähigkeit vor, die einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente begründet
(BGE 138 V 460 E. 3.1). Zunächst ist für die Frage der Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit neben deren Höhe die der versicherten Person verbleibende
Aktivitätsdauer von gewichtiger Bedeutung, wenngleich weder eine bestimmte
Restarbeitsfähigkeit noch eine verbleibende Erwerbsdauer von weniger als fünf Jahren
die Verwertbarkeit für sich allein ausschliessen. Das Bundesgericht selbst bezeichnet
die Hürden für die Annahme der Unverwertbarkeit der verbliebenen Arbeitsfähigkeit als
hoch (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 11. September 2020, 9C_766/2019, E. 4.1,
4.4). Massgebend für die Beurteilung der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ist der
Zeitpunkt des Feststehens der medizinischen Zumutbarkeit einer
(Teil-)Erwerbstätigkeit. Dies ist gegeben, sobald die medizinischen Unterlagen eine
zuverlässige Sachverhaltsfeststellung erlauben (BGE 138 V 456 f. E. 3.3 f.).
4.4.1.
Eine Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit allein aufgrund des 50%-
Pensums lässt sich nicht begründen. Der Beschwerdeführer war im Zeitpunkt der
Erstattung des Gutachtens rund _ 1/2 Jahre alt, womit ihm noch eine sehr lange
Aktivitätsdauer verbleibt und er auch altershalber keine Unverwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit geltend machen kann. Das Zumutbarkeitsprofil des
Beschwerdeführers ist im Wesentlichen beschränkt auf kognitiv wenig
anforderungsreiche Arbeiten, die kein hohes Durchhaltevermögen erfordern und mit
keiner grösseren Verantwortung oder mit Stress verbunden sind. Zudem entfallen
Schichtarbeiten (vgl. E. 3.2). Sodann wurde dem Beschwerdeführer die Fahreignung
4.4.2.
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abgesprochen (verkehrsmedizinisches Gutachten vom 30. Januar 2018, Fremdakten,
act. 6). Damit ist der Kreis der in Betracht kommenden Tätigkeiten gegenüber jenem
des Kompetenzniveaus 1 massgeblich eingeschränkt, indem Fliessbandarbeiten und
Kuriertätigkeiten nicht in Frage kommen. Der Gutachter hat eine durchschnittliche
Leistungsfähigkeit angenommen und dabei die Auswirkungen der diagnostizierten
wahnhaften Störung im geschätzten Längsverlauf bereits berücksichtigt. Weiter wirken
sich Einschränkungen der Realitätswahrnehmung und der Impulssteuerung nicht nur
auf die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers aus, sondern verlangen seitens des
Umfeldes auch ein besonderes Entgegenkommen, wenn sie auftreten. Ebenfalls ist zu
berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer seit 1993 bis 2014 ausschliesslich beim
selben Arbeitgeber angestellt war und seine Umstellungsfähigkeit beeinträchtigt sein
dürfte. Gesamthaft ist das Betätigungsfeld des Beschwerdeführers zwar eingeschränkt,
jedoch muss das Finden einer Arbeitsstelle gemäss vorstehend erläuterter
bundesgerichtlicher Rechtsprechung noch als möglich angesehen werden.
Nach der Rechtsprechung können die statistischen Löhne um bis zu 25 %
gekürzt werden, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit
einer gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau
nicht erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412 E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg
zu verwerten in der Lage sind. Dabei handelt es sich um einen allgemeinen
behinderungsbedingten Abzug (BGE 126 V 78 E. 5a/bb). Nach der Rechtsprechung
hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von
sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen - auch von invaliditätsfremden
Faktoren - des konkreten Einzelfalles ab (namentlich leidensbedingte Einschränkung,
Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Eine schematische
Vornahme des Leidensabzuges ist unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b, bestätigt in AHI
2002 S. 62 und BGE 129 V 481 E. 4.2.3 mit Hinweisen). Die Rechtsprechung gewährt
insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte
Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer
Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/bb S. 78). Sind hingegen
leichte bis mittelschwere Arbeiten zumutbar, ist allein deswegen auch bei
eingeschränkter Leistungsfähigkeit noch kein Abzug gerechtfertigt, weil der
Tabellenlohn Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren
Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts vom 22. März 2017, 8C_805/2016, E.
3.4.2).
4.4.3.
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5.
Abschliessend bleibt über den Anspruch auf Rechtsverbeiständung im Vorbescheidver
fahren zu befinden.
Eine mangelnde Ausbildung, bescheidene Sprachkenntnisse und das allfällige
Risiko vermehrter gesundheitlicher Absenzen, welches im Gutachten vorliegend nicht
erwähnt wird, rechtfertigen keinen Abzug vom Tabellenlohn (vgl. Urteile des Bundes
gerichts vom 6. Juni 2019, 8C_803/2018, E. 6; vom 6. August 2020, 9C_228/2020,
E. 3.2, und vom 27. Januar 2017 9C_765/2016, E. 5.3). Zum geltend gemachten
Umstand, dass der Beschwerdeführer bei ganztägiger Anwesenheit lediglich 50 % der
Leistung einer gesunden Person erbringen kann, ist zu bemerken, dass gemäss
Rechtsprechung ein Teilzeitabzug vom Tabellenlohn bei ganztägiger Verwertbarkeit der
Arbeitsfähigkeit nicht in Betracht fällt (Urteil des Bundesgerichts vom 19. Juni 2017,
8C_148/2017, E. 6.2.2). Jedoch erscheint aufgrund der Einschränkungen der
Realitätswahrnehmung, der Impulssteuerung, der beeinträchtigten
Umstellungsfähigkeit und des notwendigen besonderen Entgegenkommens des
Umfeldes begründet, dass der Beschwerdeführer einen massgeblichen Lohnnachteil
wird in Kauf nehmen müssen und somit insgesamt ein Tabellenlohnabzug von 15 %
gerechtfertigt.
4.4.4.
Damit beträgt bei einem Invalideneinkommen von Fr. 28'391.-- (85 % x
Fr. 33'402.--) und bei einem Valideneinkommen von Fr. 67'404.-- der Invaliditätsgrad
57,9 %. Der Beschwerdeführer hat somit ab 1. April 2016 Anspruch auf eine halbe
Rente. Ergänzend ist zu bemerken, dass sich derselbe Anspruch zudem bereits ohne
Gewährung eines Tabellenlohnabzuges ergäbe (IE = Fr. 33'402.--; IV-Grad = 50,44 %).
4.4.5.
Gemäss Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung der schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) hat jede Person, die nicht über die erforderlichen
Mittel verfügt und deren Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint, Anspruch auf
unentgeltliche Rechtspflege. Falls es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist, hat sie
ausserdem Anspruch auf unentgeltlichen Rechtsbeistand. Beim Anspruch gemäss
Art. 29 Abs. 3 BV handelt es sich um einen "eigentlichen Pfeiler des
Rechtsstaates" (BGE 132 I 214 E. 8.2). Im Sozialversicherungsverfahren wird der
gesuchstellenden Person ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt, wo die
Verhältnisse es erfordern (Art. 37 Abs. 4 ATSG). Voraussetzungen sind (in Analogie zum
gerichtlichen Verfahren) die finanzielle Bedürftigkeit, die fehlende Aussichtslosigkeit
und die Erforderlichkeit der Vertretung (vgl. BBl 1999 4595). Vorliegend sind die
finanzielle Bedürftigkeit und die fehlende Aussichtslosigkeit ausgewiesen bzw.
5.1.
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unbestritten, und es wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung für beide Beschwerdeverfahren bewilligt (IV 2018/379, act. G 6;
IV 2019/21, act. G 5). Zu prüfen bleibt somit die Frage der Notwendigkeit der
Rechtsvertretung im Vorbescheidverfahren.
Den höheren Anforderungen im Verwaltungsverfahren soll insofern Rechnung
getragen werden, als die Erforderlichkeit der Vertretung eingehend zu prüfen ist. Dabei
wird auf die Schwierigkeit des Falles und auf die Verfahrensphase abgestellt (BBl 1999
4595; vgl. auch BGE 132 V 201; Urteil des Bundesgerichts vom 12. März 2009,
9C_816/2008, E. 4.1). Die Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung im
Verwaltungsverfahren wird in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung namentlich mit
Blick darauf, dass die Versicherungsträger und Durchführungsorgane der einzelnen
Sozialversicherungen den rechtserheblichen Sachverhalt unter Mitwirkung der Parteien
nach den rechtsstaatlichen Grundsätzen der Objektivität, Neutralität und
Gesetzesgebundenheit (BGE 136 V 376) zu ermitteln haben (Art. 43 ATSG), nur
zurückhaltend bejaht. Es müssen sich danach schwierige rechtliche oder tatsächliche
Fragen stellen und eine Interessenwahrung durch Dritte (Verbandsvertreter,
Fürsorgestellen oder andere Fach- und Vertrauensleute sozialer Institutionen) muss
ausser Betracht fallen (BGE 132 V 201 E. 4.1 in fine; vgl. auch Urteil des
Bundesgerichts vom 2. September 2019, 8C_353/2019, E. 3.1; Urteile des
Bundesgerichts vom 26. November 2012, 9C_878/2012, E. 3.6 und vom 22. Februar
2013, 9C_908/2012, E. 2.2, je mit Hinweis darauf, dass die IV-Stellen unter Umständen
auf soziale Einrichtungen hinzuweisen haben, die fachkundige Unterstützung im
Verwaltungsverfahren bieten [würden], und darauf aufmerksam zu machen haben, bei
diesen ein entsprechendes Gesuch zu stellen). Von Bedeutung ist schliesslich auch die
Fähigkeit der versicherten Person, sich im Verfahren zurechtzufinden (Urteil des
Bundesgerichts vom 22. Februar 2013, 9C_908/2012, E. 2.2 mit weiteren Hinweisen).
5.2.
Die hohe Bedeutung medizinischer Gutachten für sich allein genommen vermag
die Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung nicht zu begründen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 16. Dezember 2013, 9C_692/2013, E. 4.2), sondern es bedarf
weiterer Umstände, welche die Sache als nicht (mehr) einfach und eine anwaltliche
Vertretung als notwendig erscheinen lassen (Urteil des Bundesgerichts vom
22. Februar 2013, 9C_908/2012, E. 5.2 mit Hinweisen). Solche Besonderheiten liegen
beispielsweise vor, wenn das kantonale Gericht die Sache zur umfassenden
medizinischen Abklärung und Veranlassung eines polydisziplinären Gutachtens an die
IV-Stelle zurückweist, ein komplexer Sachverhalt vorlag und die versicherte Person
bereits im damaligen gerichtlichen Verfahren vertreten war (Urteil des Bundesgerichts
5.3.
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vom 16. Dezember 2013, 9C_692/2013, E. 4.2, und vom 14. Dezember 2017,
9C_436/2017, sowie 9C_746/2017, E. 3.6.1).
Der Beschwerdeführer lässt zur Begründung des Gesuchs vorbringen, er lebe zwar
seit 30 Jahren in der Schweiz, habe jedoch sehr schlechte Deutschkenntnisse.
Aufgrund dieser und ohne juristische und medizinische Kenntnisse sei er keinesfalls in
der Lage, die Schwachstellen der ärztlichen Expertise und deren rechtliche Relevanz zu
erkennen und einen Einwand selbst zu verfassen. Durch die massive psychische
Beeinträchtigung sei es ihm unmöglich, seine Interessen selbst wahrzunehmen und
insbesondere nicht, seine gesundheitliche Beeinträchtigung unter dem Thema
"Arbeitsfähigkeit" und "mögliche adaptierte Tätigkeiten" zu subsumieren. Es wäre ihm
auch mit Hilfe seiner Kinder nicht möglich gewesen, die fachärztliche Expertise zu
verstehen und unter Berücksichtigung der rechtlichen Relevanz einen Einwand zu
verfassen. Auch sie seien mit der sehr komplexen und umfangreichen Rechtsprechung
zu psychosomatischen Leiden überfordert. Es könne nicht von einem sachverhaltlich
und rechtlich einfach gelagerten Verfahren ausgegangen werden. Die sich stellenden
Rechtsfragen seien für ihn zudem von existentieller Bedeutung. Mit der teilweisen
Abweisung einer IV-Rente drohe ihm ein sehr schwerer Eingriff in seine Rechte. Der
Einwand der Beschwerdegegnerin, er hätte sich durch eine soziale Institution bzw. von
einer kostenlosen Rechtsberatung beraten lassen können, könne jedem Gesuch um
unentgeltliche Rechtsverbeiständung entgegengehalten werden, womit das Recht auf
unentgeltliche Rechtsverbeiständung seines Sinnes entleert würde. Es bestehe keine
Schadenminderungspflicht des Inhalts, vor dem Ersuchen um unentgeltliche
Rechtsvertretung sämtliche unentgeltlichen Rechtsberatungen in Anspruch zu nehmen.
Zudem sei fraglich, ob eine solche Beratung eine anwaltliche Vertretung entbehrlich
machen würde. Durch seine tiefgreifende psychische Problematik sei ihm die
Kontaktaufnahme mit "fremden" Personen um ein Vielfaches erschwert und die
Inanspruchnahme einer beratenden Institution nicht sachgemäss. Hingegen bestehe
zum anwaltlichen Rechtsvertreter ein auftragsrechtliches Vertrauensverhältnis. Es
könne ihm folglich nicht vorgehalten werden, dass er sich an einen Rechtsvertreter und
nicht an eine unentgeltlich beratende Stelle gewandt habe (Verfahren IV 2019/21,
act. G 1).
5.4.
Der vorliegende Fall präsentiert sich weder hinsichtlich des Gesundheitsschadens
noch rechtlich als ausserordentlich komplex. Auch dass der RAD zunächst eine voll
umfängliche Arbeitsunfähigkeit annahm und weitere medizinische Abklärungen nicht
für nötig befand und einer Begutachtung später zustimmte, ist nicht aussergewöhnlich
(RAD-Stellungnahmen vom 11. Juli 2016, IV-act. 56, vom 25. November 2016, IV-
5.5.
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6.
act. 79 und vom 3. Januar 2017, IV-act. 80). Zudem handelte es sich um eine
monodisziplinäre Begutachtung, deren Vergabe nicht nach dem Zufallsprinzip zu
erfolgen hatte. Vorliegend wurde der Rechtsvertreter nach Ergehen des Vorbescheids
vom 22. Juni 2018 mandatiert, und Einwendungen zum Begutachtungsverfahren
wurden zu Recht nicht geltend gemacht. Im Übrigen lässt sich den medizinischen
Akten entnehmen, dass der Beschwerdeführer zwar eher introvertiert erscheint, der
Kontakt zu ihm - bis auf stellenweise erwähnte sprachliche Einschränkungen - jedoch
ohne weiteres möglich ist (vgl. etwa Assessmentprotokoll vom 23. Februar 2016, IV-
act. 38, oder Feststellungen im Rahmen des Psychostatus im Gutachten, IV-act.
85-38). Es wäre ihm auch mit Hilfe seiner Kinder möglich und zumutbar gewesen,
allenfalls Unterstützung beim Hausarzt oder beim behandelnden Psychiater - mit
welchen er offenbar auch ohne Übersetzung kommunizieren konnte - zu erbitten. Mit
Blick auf die erwähnten sehr strengen Anforderungen einer anwaltlichen Vertretung hat
die Beschwerdegegnerin den Antrag auf unentgeltliche Rechtsvertretung im
Vorbescheidverfahren zu Recht abgewiesen.
Nach dem Gesagten ist in teilweiser Gutheissung der Beschwerde vom
9. November 2018 (Verfahren IV 2018/379) die Verfügung vom 4. Oktober 2018
betreffend Rente aufzuheben und dem Beschwerdeführer ab 1. April 2016 eine halbe
Rente zuzusprechen. Die Sache ist zur Festsetzung und Ausrichtung der geschuldeten
Leistungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.1.
Die Beschwerde vom 21. Januar 2019 (Verfahren IV 2019/21) gegen die Verfügung
vom 6. Dezember 2018 betreffend unentgeltliche Rechtsverbeiständung im
Vorbescheidverfahren ist abzuweisen.
6.2.
Das Beschwerdeverfahren IV 2018/379 betreffend Rente ist kostenpflichtig. Die
Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im
Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit als angemessen. Hinsichtlich der Beschwerde gegen die
Rentenverfügung gilt es zu beachten, dass gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung zur Überklagung in sozialversicherungsrechtlichen Rentenfällen im
vorliegenden Fall von einem vollständigen Obsiegen der Beschwerdeführerin
auszugehen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Januar 2016, 9C_288/2015, E. 4.2).
Die Beschwerdegegnerin hat daher die gesamten Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu
bezahlen.
6.3.
bis
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Demgegenüber sind im Beschwerdeverfahren IV 2019/21 betreffend unentgeltliche
Verbeiständung im Verwaltungsverfahren keine Gerichtskosten zu erheben (aArt. 61
lit. a ATSG). Da es sich vorliegend nicht um eine Streitigkeit betreffend "IV-Leistungen"
handelt, findet die Kostenregelung von Art. 69 Abs. 1 IVG keine Anwendung (vgl.
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 12. Januar 2012, IV
2010/270 E. 6.4).
6.4.
bis
Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO, sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis
Fr. 15'000.--. Der Beschwerdeführer obsiegt im Verfahren betreffend Rente (IV
2018/379) und unterliegt im Verfahren betreffend unentgeltliche Rechtsverbeiständung
im Vorbescheidverfahren (IV 2019/21). Für das Verfahren betreffend Rente macht der
Beschwerdeführer ein Honorar von Fr. 4'432.70 inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer, entsprechend einem Aufwand von 15,83 Stunden à Fr. 250.--, geltend
(IV 2018/379, act. G 12.1) geltend. Praxisgemäss wird bei einem durchschnittlich
aufwändigen IV-Rentenfall ein Honorar von Fr. 3'500.-- zugesprochen. Der vorliegende
Rentenfall basiert auf einem monodisziplinären (psychiatrischen) Gutachten. Gerügt
wird in den Rechtsschriften im Wesentlichen, es hätte eine Arbeitserprobung bzw.
BEFAS-Abklärung durchgeführt werden müssen, die verbleibende 50%ige
Restarbeitsfähigkeit sei nicht mehr verwertbar und der Einkommensvergleich sei nicht
korrekt. Diese Vorbringen erweisen sich sowohl aus sachverhaltlicher als auch aus
rechtlicher Sicht nicht ausserordentlich komplex, weshalb dem Beschwerdeführer die
übliche Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- zuzusprechen ist. Bei diesem Ausgang
wird die zugesprochene unentgeltliche Rechtsverbeiständung hinfällig.
6.5.
Der Beschwerdeführer unterliegt im Verfahren IV 2019/21 betreffend unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im Vorbescheidverfahren. Der Staat bezahlt zufolge
unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der Rechtsvertretung des
Beschwerdeführers. Der Beschwerdeführer hat dem Rechtsvertreter Kostenvorschüsse
(Fr. 300.-- am 5. Juli 2018, Fr. 400.-- am 16. Juli 2018) geleistet (act. G 1.1.4). Diese
betreffen jedoch in rein zeitlicher Hinsicht das mit Vorbescheid vom 22. Juni 2018
eröffnete Vorbescheidverfahren und sind für vorliegende Beschwerdeverfahren
unbeachtlich. Insofern erfolgt vorliegend, entgegen der Bewilligung der u
Rechtsverbeiständung vom 18. Februar 2019, keine Anrechnung. Der Rechtsvertreter
6.6.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/23
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St.Galler Gerichte