Decision ID: 02a7d1b8-00b1-538d-901e-42f62b6cfbc3
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat gemäss eigenen Anga-
ben am (...) 2015 beziehungsweise (...) 2015 auf dem Luftweg in ein ihm
unbekanntes arabisches Land. Am 2. Dezember 2015 reiste er in die
Schweiz ein und suchte gleichentags um Asyl nach. Am
15. Dezember 2015 fand die Befragung zur Person (BzP) statt. Die Vor-
instanz hörte den Beschwerdeführer am 17. Mai 2017 einlässlich zu seinen
Asylgründen an.
Dabei gab der Beschwerdeführer an, er stamme aus B._, Distrikt
C._, Nordprovinz, wo er von Geburt bis im Jahr 2009 gelebt habe.
Danach habe er sich mit seiner Familie ein Jahr lang im F._-Camp
aufgehalten. Im Jahr 2010 sei er zu seiner (...) nach C._ gezogen.
Seine Eltern, ein jüngerer Bruder und seine Schwester seien nach
B._ zurückgekehrt, wo sein Vater (...) und eine (...) bewirtschaftet
habe. An den Wochenenden habe er jeweils seine Familie zu Hause be-
sucht. Eine (...) und ein (...) würden in der Schweiz leben. Die Schule habe
er nach (...) Jahren mit dem (...) abgeschlossen.
Zu seinen Asylgründen führte der Beschwerdeführer aus, sein älterer Bru-
der, welcher sich im (...) den Liberation Tigers of Tamil Eealam (LTTE) an-
geschlossen habe, sei seit dem Jahr 2009 verschollen. Das letzte Mal habe
er ihn an Neujahr 2009 gesehen. In der Folge sei seine Familie einige Male
zu Hause aufgesucht und nach dem Verbleib des Bruders gefragt worden.
Im Jahr 2015 hätten diese Besuche wieder begonnen. Sein (...) sei dabei
gestossen und geschlagen worden. An einem Wochenende, als er – der
Beschwerdeführer – bei seiner Familie gewesen sei, seien sie erneut von
Beamten in Zivil aufgesucht worden. Diese hätten ihn nach seinem Bruder
gefragt. Er habe verneint, etwas über ihn zu wissen, worauf sie ihm ange-
droht hätten, er müsse beim nächsten Besuch ausführlicher berichten. Da-
nach sei er zu seiner (...) nach C._ zurückgekehrt. Seine Familie
sei erneut aufgesucht und nun nach seinem Verbleib gefragt worden. Da-
bei hätten sie erfahren, dass er bei seiner (...) in C._ wohne und
dort zur Schule gehe.
Am (...) 2015 sei er nach der Schule mit dem Fahrrad nach D._
gefahren, um (...) zu spielen. Auf dem Heimweg sei er von (...) oder (...)
Personen entführt, in ein Haus gebracht und zu seinem verschollenen Bru-
der befragt worden. Er habe geantwortet, er wisse nichts über ihn. Darauf-
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hin hätten sie ihn mit einem (...) geschlagen und ihm (...) in den (...) ver-
setzt. Sie hätten ihm (...) ins (...) geschüttet und eine (...) gegeben. Sie
seien betrunken gewesen. Einer der Männer habe ihn aufgefordert, sein
(...) zu nehmen. Er habe (...) weggedreht, worauf er wiederum geschlagen
worden sei. Er sei mit einer Pistole bedroht worden. Am nächsten Morgen
hätten sie ihn auf dem Weg Richtung C._ aus einem Van geworfen.
Ein älterer Mann habe ihn entdeckt, zu sich nach Hause genommen und
seine (...) informiert. Seine Eltern und seine (...) hätten ihn daraufhin ab-
geholt. In der Zwischenzeit hätten seine Eltern bereits eine Vermisstenan-
zeige bei der Polizei aufgegeben. Nach Drohungen durch eine Person in
Zivil hätten sie die Anzeige zurückgezogen. In der Nacht des (...) 2015 sei
er informiert worden, dass er sich am nächsten Tag beim Camp (...) bezie-
hungsweise (...) melden solle. Er sei dieser Aufforderung nachgekommen.
Erneut sei er ihn zu seinem verschollenen Bruder befragt und geschlagen
worden. Einer der Entführer sei auch dort gewesen. Seine Eltern seien zum
Camp gekommen und ebenfalls geschlagen worden. Am selben Tag sei er
freigelassen worden. Am (...) 2015 habe er wieder im Camp erscheinen
müssen. Er sei erneut zu seinem Bruder befragt, geschlagen und mit dem
Tod bedroht worden. Seine Eltern seien beim Camp erschienen, worauf er
freigelassen worden sei. Er sei aufgefordert worden, sich am (...) 2015
wiederum beim Camp zu melden. Am (...) 2015 sei er nach Colombo ge-
gangen und habe das Land am (...) oder (...) 2015 mit einem gefälschten
Pass auf dem Luftweg verlassen. Nach seiner Ausreise seien seine Ge-
schwister wiederholt geschlagen und belästigt worden.
Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer eine Geburtsurkunde mit
Übersetzung, eine Bestätigung des «(...)» vom 26. November 2015, eine
Bestätigung eines Priesters vom 26. November 2015, ein Schreiben eines
Friedensrichters vom 25. November 2015, eine Wohnsitzbestätigung des
Dorfvorstehers und vier Fotos seiner Familie zu den Akten.
B.
Mit Schreiben vom 31. Mai 2017 forderte die Vorinstanz den Beschwerde-
führer auf, einige Fragen zu seiner Familie zu beantworten. Dieser Auffor-
derung kam der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 6. Juni 2017 fristge-
recht nach.
C.
Mit Verfügung vom 31. August 2018 verneinte die Vorinstanz die Flücht-
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lingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte das Asylgesuch ab, ver-
fügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. Den
zuständigen Kanton beauftragte sie mit dem Vollzug der Wegweisung.
D.
Mit Eingabe vom 5. Oktober 2018 erhob der Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die angefochtene Verfü-
gung sei wegen Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör, eventu-
aliter wegen Verletzung der Begründungspflicht, eventualiter zur Feststel-
lung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sachverhalts auf-
zuheben und die Sache sei zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück-
zuweisen. Eventualiter sei ihm unter Aufhebung der angefochtenen Verfü-
gung und Feststellung der Flüchtlingseigenschaft Asyl zu gewähren. Even-
tualiter sei die angefochtene Verfügung betreffend die Dispositivziffern 4
und 5 aufzuheben und die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzumutbar-
keit des Wegweisungsvollzugs festzustellen.
In prozessualer Hinsicht beantragt er, es sei ihm Einsicht in die gesamten
Akten des SEM zu gewähren, insbesondere in die Aktenstücke A7, A8, A13
und A16. Nach Gewährung der Akteneinsicht sei ihm eine angemessene
Frist zur Beschwerdeergänzung anzusetzen. Ferner habe das Bundesver-
waltungsgericht festzustellen, dass sich das Lagebild des SEM vom
16. August 2016 auf nichtexistierende und nicht bewiesene Quellen stütze.
Zudem sei ihm der Spruchkörper bekanntzugeben und mitzuteilen, ob die-
ser zufällig ausgewählt worden sei. Andernfalls seien die objektiven Krite-
rien anzugeben, nach welchen die Gerichtspersonen ausgewählt worden
seien. Für den Fall, dass das Bundesverwaltungsgericht materiell entschei-
den sollte, stellte er verschiedene Beweisanträge.
Als Beweismittel reichte er folgende Unterlagen zu den Akten: eine CD mit
weiteren Beweismitteln (403 Beilagen zum Bericht zu Sri Lanka Version
vom 18. September 2018 und 54 weitere Dokumente [Rechtsgutachten
von Prof. Walter Kälin vom 23. Februar 2014, Medienmitteilung des SEM
vom 26. Mai 2014, Formular Einreisepapierbeschaffung sri-lankisches Ge-
neralkonsulat, Kopie der Vernehmlassung des SEM im Verfahren
D-4794/2017, Urteil des EGMR, Case X. vs. Switzerland vom 26. Januar
2017, verschiedene Zeitungsberichte und Länderinformationen]).
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Seite 5
E.
Mit Zwischenverfügung vom 12. Oktober 2018 forderte die Instruktionsrich-
terin den Beschwerdeführer auf, bis zum 29. Oktober 2018 einen Kosten-
vorschuss in der Höhe von Fr. 1'500.– zu bezahlen.
F.
Mit Eingabe vom 26. Oktober 2018 reichte der Beschwerdeführer eine Stel-
lungnahme ein und gab zwei Berichte von lic. phil. E._, Fachpsy-
chologe für (...), vom 20. Dezember 2017 und 25. Oktober 2018 zu den
Akten.
G.
Am 29. Oktober 2018 ging der Kostenvorschuss fristgerecht beim Gericht
ein. Gleichentags reichte der Beschwerdeführer eine Stellungnahme ein.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 11. Dezember 2018 gab die Instruktionsrich-
terin dem Beschwerdeführer den Spruchkörper bekannt und trat auf den
Antrag auf Mitteilung betreffend Bildung des Spruchkörpers nicht ein.
Gleichzeitig wies sie das Gesuch um Akteneinsicht sowie den Antrag auf
Frist zur Beschwerdeergänzung ab und lud die Vorinstanz zur Vernehm-
lassung ein.
I.
Am 14. Dezember 2018 reichte der Beschwerdeführer eine weitere Stel-
lungnahme ein.
J.
In der Vernehmlassung vom 9. Januar 2019 hielt die Vorinstanz an ihren
Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
K.
In der Replik vom 30. Januar 2019 hielt der Beschwerdeführer an seinen
Anträgen fest und gab mehrere Rückmeldungen von (...), eine Beurteilung
der (...), diverse Fotos und eine CD mit weiteren Beweismitteln (ein Bericht
des Adayaalam Centre for Policy Research (ACPR) von September 2017
und diverse Zeitungsartikel) zu den Akten.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden.
2.
2.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).
Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung
legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist – unter
Vorbehalt von E. 2.2 – einzutreten.
2.2 Auf den Antrag auf Mitteilung betreffend die Bildung des Spruchkörpers
ist – wie bereits in der Zwischenverfügung vom 11. Dezember 2018 fest-
gestellt – nicht einzutreten (vgl. Teilurteil D-1549/2017 vom 2. Mai 2018
E. 4.3).
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben, die
vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation
der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Der Beschwerdeführer rügt
eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, eine Verletzung der Begründungs-
pflicht sowie eine unvollständige und unrichtige Abklärung des rechtser-
heblichen Sachverhalts.
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5.
5.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; 135 II 286
E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert
die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu
prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen.
Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk-
ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück-
lich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 2; 136 I 184 E. 2.2.1).
5.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet ei-
nen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-
sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
3. Aufl., 2013, Rz. 1043).
5.3
5.3.1 Die Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs begründet der Be-
schwerdeführer damit, die Übersetzung anlässlich der Anhörung sei man-
gelhaft gewesen. Der Dolmetscher habe das Wort «(...)», welches eine
Region auf der rechten Seite des (...) bezeichne, auf eine Seite des (...)
bezogen.
Dem Anhörungsprotokoll sind keine Hinweise dafür zu entnehmen, dass
der eingesetzte Dolmetscher nicht in der Lage gewesen wäre, die Aussa-
gen des Beschwerdeführers korrekt in die deutsche Sprache zu überset-
zen. Daran vermag auch der Fehler im Zusammenhang mit dem Wort
«(...)» nichts zu ändern. Das Protokoll ist insgesamt verständlich formuliert.
Der Beschwerdeführer hat letztlich auch unterschriftlich bestätigt, dass ihm
das Protokoll Satz für Satz vorgelesen und in die tamilische Sprache rück-
übersetzt wurde, sowie dass das Protokoll vollständig ist und seinen freien
Äusserungen entspricht. Die erhobene Rüge erweist sich als unbegründet.
5.3.2 Der Beschwerdeführer rügt als weitere Verletzung des rechtlichen
Gehörs, die Anhörung habe erst 17 Monate nach der BzP stattgefunden.
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
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Seite 8
Zwischen der Anhörung und dem Entscheid seien weitere 15 Monate ver-
gangen. Damit missachte die Vorinstanz eine zentrale Empfehlung von
Prof. Walter Kälin in dessen Gutachten vom 23. Februar 2014. Zudem
seien verschiedene Personen für die Anhörung und den Entscheid zustän-
dig gewesen. Sodann habe er sich nach der Anhörung exilpolitisch betätigt.
Eine kurze Zeitspanne zwischen BzP und Anhörung sowie ein zur Anhö-
rung zeitnaher Entscheid der Vorinstanz ist grundsätzlich wünschenswert.
Indes gibt es keine gesetzliche Verpflichtung, wonach die Vorinstanz nach
einer gewissen verstrichenen Zeit dem Beschwerdeführer das rechtliche
Gehör gewähren müsste (vgl. Urteil des BVGer D-6560/2016 vom 29. März
2018 E. 5.2). Bei dem vom Beschwerdeführer zitierten Rechtsgutachten
handelt es sich sodann lediglich um eine Empfehlung von Prof. Walter Kä-
lin an die Vorinstanz, aus welcher der Beschwerdeführer keine Ansprüche
ableiten kann. Dasselbe gilt für die Medienmitteilung der Vorinstanz vom
26. Mai 2014. Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, nach der Anhörung
habe er sich exilpolitisch betätigt, wäre es aufgrund der ihm obliegenden
Mitwirkungspflicht (Art. 8 Abs. 1 Bst. d AsylG) an ihm gewesen, die Vor-
instanz zu informieren und entsprechende Beweismittel einzureichen.
Seine Erklärung in der Replik, wonach er nicht gewusst habe, dass exilpo-
litische Tätigkeiten Asylrelevanz haben könnten, erweist sich als Schutz-
behauptung, zumal er in der BzP explizit auf seine Pflicht hingewiesen
wurde, das SEM über allfällige Ereignisse zu informieren. Anlässlich der
Anhörung wurde der Beschwerdeführer erneut auf seine Mitwirkungspflicht
aufmerksam gemacht.
Ferner ist es durchaus wünschenswert, dass die Anhörung von derselben
Person durchgeführt wird, die über das Asylgesuch befindet. Es existiert
jedoch keine gesetzliche Verpflichtung der Vorinstanz, dies immer so zu
handhaben; eine solche Verpflichtung ergibt sich auch aus dem Anspruch
auf rechtliches Gehör nicht (vgl. Urteil des BVGer E-1277/2018 vom 3. Ap-
ril 2018 E. 4.3). Überdies ist nicht ersichtlich, inwiefern dem Beschwerde-
führer aus der Behandlung seines Falles durch verschiedene Personen ein
konkreter Nachteil entstanden sein soll. Soweit er in der Replik vorbringt,
ein persönlicher Kontakt mit einer traumatisierten Person könne helfen, ihr
allenfalls spezielles Aussageverhalten zu verstehen, ist festzustellen, dass
sich aus dem Protokoll der Anhörung keine Hinweise auf ein spezielles
Aussageverhalten oder Verhaltensauffälligkeiten ergeben. Auch die zur
Durchführung eines korrekten Verfahrens anwesende Hilfswerksvertretung
(HWV) hat nichts Entsprechendes festgehalten. Zudem hat der Beschwer-
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deführer im vorinstanzlichen Verfahren in Verletzung seiner Mitwirkungs-
pflicht keine Arztzeugnisse eingereicht, welche eine allfällige Traumatisie-
rung belegen würden. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt auch
insoweit nicht vor. Die Rüge ist ebenfalls unbegründet.
5.4 Der Beschwerdeführer rügt weiter eine unvollständige und unrichtige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts.
5.4.1 Die Vorinstanz habe die geltend gemachte Problematik der sexuellen
Gewalt gegen Männer in Sri Lanka ausser Acht gelassen. Zudem habe sie
den Gesundheitszustand nicht abgeklärt.
Wie bereits festgestellt wurde, bestehen keine Hinweise auf eine mangel-
hafte Anhörung (vgl. E. 5.3.1). Die Vorinstanz erachtete das Vorbringen des
Beschwerdeführers betreffend die erlittene sexuelle Gewalt als unglaub-
haft, weshalb sie diesbezüglich keine weiteren länderspezifischen Abklä-
rungen zu tätigen oder gar eine Fachperson zu konsultieren hatte. Der Um-
stand, dass die Vorinstanz in ihrer Länderpraxis zu Sri Lanka einer anderen
Linie folgt als vom Beschwerdeführer vertreten, und sie aus sachlichen
Gründen auch zu einer anderen Würdigung der Vorbringen gelangt als von
ihm verlangt, stellt keine ungenügende Sachverhaltsfeststellung dar. Be-
züglich des Gesundheitszustandes ist festzuhalten, dass der Beschwerde-
führer in der BzP angab, gesundheitlich gehe es ihm nicht schlecht. Auf-
grund der (...) habe er (...)beschwerden (vgl. SEM-Akten A3/10 Ziff. 8.02).
Anlässlich der Anhörung führte er auf Nachfrage aus, er leide an
(...)schmerzen und könne nicht gut einschlafen (A11/18 F96 und F102 f.).
Die HWV hat auch hier keine Anmerkungen gemacht, die auf eine Beein-
trächtigung der Psyche des Beschwerdeführers schliessen würden. Wie
die Vorinstanz in der Vernehmlassung sodann zutreffend ausführte, hat der
Beschwerdeführer im Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens keinen
Arztbericht eingereicht, obwohl er gemäss dem auf Beschwerdeebene zu
den Akten gegebenen Bericht damals bereits in psychologischer Behand-
lung war. Vor diesem Hintergrund war die Vorinstanz nicht gehalten, von
Amtes wegen weitere gesundheitliche Abklärungen zu veranlassen.
5.4.2 Betreffend die angebrachten Befürchtungen im Hinblick auf die Vor-
sprache auf dem sri-lankischen Generalkonsulat ist auf das Grundsatzur-
teil des Bundesverwaltungsgerichts BVGE 2017 VI/6 E. 4.3.3 zu verwei-
sen, wonach es sich bei der Ersatzreisepapierbeschaffung um ein standar-
disiertes, lang erprobtes und gesetzlich geregeltes Verfahren handelt. Nur
aufgrund der Datenübermittlung der schweizerischen Behörden an die sri-
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lankischen Behörden und der Nennung des (unglaubhaften) Ausreisegrun-
des anlässlich einer Vorsprache auf dem sri-lankischen Generalkonsulat
ist bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht mit einer asylrelevanten Verfol-
gung zu rechnen. Folglich hatte die Vorinstanz auch diesbezüglich keine
weiteren Sachverhaltsabklärungen zu tätigen. Eine Verletzung des Unter-
suchungsgrundsatzes liegt nicht vor.
5.4.3 Weiter bringt der Beschwerdeführer vor, die Vorinstanz verwende
eine höchst unangemessene und basislose Argumentation um die Glaub-
haftigkeit der vorbrachten sexuellen Nötigung zu verneinen. Bei diesem
Vorbringen handelt es sich – entgegen der Zuordnung zum Untersu-
chungsgrundsatz durch den Beschwerdeführer – um eine Gehörsrüge in
Form der Verletzung der Begründungspflicht.
Die Vorinstanz hat nachvollziehbar und im Einzelnen hinreichend differen-
ziert aufgezeigt, von welchen Überlegungen sie sich leiten liess. Sie hat
sich mit sämtlichen wesentlichen Vorbringen des Beschwerdeführers aus-
einandergesetzt und seine Ausführungen vor dem Hintergrund der aktuel-
len Lage in Sri Lanka gewürdigt. Entgegen der vom Beschwerdeführer ver-
tretenen Auffassung ist die Beurteilung der Gefährdung eine Frage der
rechtlichen Würdigung, welche die materielle Entscheidung beschlägt. Der
blosse Umstand, dass der Beschwerdeführer die Auffassung der Vor-
instanz nicht teilt, ist keine Verletzung der Begründungspflicht, sondern
eine Frage des materiellen Rechts.
5.5 Schliesslich ist auf die Rüge der Fehlerhaftigkeit des Lagebilds des
SEM zu Sri Lanka einzugehen. In mehreren vom nämlichen Rechtsvertre-
ter geführten Verfahren (vgl. etwa Urteil des BVGer D-804/2019 vom
7. März 2019 E. 5.4) wurde festgestellt, dass diese länderspezifische La-
geanalyse des SEM öffentlich zugänglich ist. Darin werden neben nicht na-
mentlich genannten Gesprächspartnern und anderen nicht offengelegten
Referenzen überwiegend sonstige öffentlich zugängliche Quellen zitiert.
Damit ist trotz der teilweise nicht im Einzelnen offengelegten Referenzen
auch dem Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör ausrei-
chend Genüge getan. Die Frage wiederum, inwiefern sich ein Bericht auf
verlässliche und überzeugende Quellen abstützt, ist ebenfalls keine for-
melle Frage, sondern ist gegebenenfalls im Rahmen der materiellen Wür-
digung der Argumente der Parteien durch das Gericht zu berücksichtigen.
E-5733/2018
Seite 11
6.
Die formellen Rügen erweisen sich somit als unbegründet, weshalb keine
Veranlassung besteht, die Sache aus formellen Gründen aufzuheben und
an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die diesbezüglichen Rechtsbegehren
sind abzuweisen.
7.
7.1 Der Beschwerdeführer stellt für den Fall einer materiellen Beurteilung
seiner Beschwerde durch das Bundesverwaltungsgericht folgende Beweis-
anträge: Sein Gesundheitszustand infolge der erlittenen sexuellen Gewalt
sei von Amtes wegen abzuklären. Zudem sei ihm eine angemessene Frist
anzusetzen, damit er Unterlagen zu seinen exilpolitischen Tätigkeiten und
zu den LTTE-Verbindungen von Familienangehörigen nachreichen könne.
7.2 Der Antrag auf fachärztliche Abklärung des Gesundheitszustandes des
Beschwerdeführers durch das Gericht ist abzuweisen. Unter Hinweis auf
die Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG) ist festzuhalten, dass sich der Be-
schwerdeführer seit dem Jahr 2015 in der Schweiz aufhält und damit ge-
nügend Möglichkeiten zur Einreichung eines Arztberichts gehabt hätte.
Auch wäre es ihm freigestanden und hätte ihm im Rahmen seiner Mitwir-
kungspflicht oblegen, Beweismittel bezüglich exilpolitischen Tätigkeiten
und LTTE-Verbindungen von Familienangehörigen einzureichen. Im Übri-
gen konnte er sich ausführlich im Rahmen der Anhörung zu seinen Asyl-
gründen äussern. Die Beweisanträge sind demnach abzuweisen.
8.
8.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
8.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Seite 12
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
8.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und
folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2012/5 E. 2.2).
9.
9.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers würden weder den Anforderungen
an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die
Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG standhalten.
Zunächst sei kein konkreter Grund ersichtlich, weshalb im Jahr 2015 das
Verfolgungsinteresse der Behörden am Bruder des Beschwerdeführers
wiederaufgeflammt sein sollte. Dieser werde seit etlichen Jahren vermisst.
Sodann habe der Beschwerdeführer ausgeführt, die unbekannten Ermittler
hätten bei einer Vorsprache bei seinen Eltern erfahren, dass er bei seiner
(...) in C._ lebe und dort die Schule besuche. An diesem Tag sei er
auf dem Nachhauseweg von einem (...)spiel entführt worden. Gestützt auf
diese Aussagen sei davon auszugehen, dass die Ermittler erst wenige
Tage vor seiner Flucht ins Ausland erfahren hätten, dass sich der Be-
schwerdeführer während der Woche in C._ aufhalte. Demgegen-
über habe er an anderer Stelle angegeben, nach seiner Rückkehr aus dem
F._-Camp nach C._ seien wiederholt Unbekannte zu ihm
nach Hause gekommen und hätten gefragt, wo sein Bruder sei. Diese Aus-
führungen liessen darauf schliessen, dass die Sicherheitsbehörden bereits
früher und nicht erst vor seiner Ausreise erfahren hätten, dass sich der Be-
schwerdeführer während der Woche in C._ aufhalte.
Sodann habe der Beschwerdeführer wiederholt angegeben, dass er am
(...) 2015 entführt worden sei. Gemäss Kalender sei dieses Datum auf ei-
nen Samstag gefallen. Er habe jedoch ausgeführt, er sei an einem Montag
entführt worden. Seine zeitlichen Angaben erwiesen sich demnach als un-
stimmig. Weiter habe er unstimmige Angaben zur Brigade gemacht. Die
Zahl (...) stehe für die in C._ stationierte (...). Brigade und hätte ihm
somit bekannt sein müssen. Eine Brigade (...) habe damals mit hoher
Wahrscheinlichkeit nicht existiert.
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Seite 13
Ferner habe der Beschwerdeführer angegeben, er hätte sich am (...) 2015
wiederum beim Camp melden müssen. Die Sicherheitskräfte hätten ihm
angedroht, sie würden ihn an einem anderen Ort und auf andere Weise
befragen. Das nächste Mal würden sie ihn nicht entlassen, ohne dass er
etwas sage. Er habe jedoch auch angegeben, im Verlauf der vorangegan-
genen Einvernahmen wiederholt misshandelt, sexuell belästigt und mit
dem Tod bedroht worden zu sein. Erwartungsgemäss hätte er nach all den
Übergriffen fluchtartig seine Wohnregion verlassen, anstatt sich wiederholt
in die Hände seiner Peiniger zu begeben. Die Sicherheitskräfte ihrerseits
hätten damit rechnen müssen, dass die massiven Drohungen und Über-
griffe ihn in die Flucht treiben würden. Dies sei jedoch gemäss seinen Aus-
sagen nicht deren Absicht gewesen. Sonst hätten sie ihn nicht erneut zu
Verhörzwecken vorgeladen und nach seiner Flucht die Familienangehöri-
gen belästigt. Demnach sei davon auszugehen, dass die Sicherheitskräfte
entweder solche Übergriffe tunlichst unterlassen oder ihn bis zum Ab-
schluss der Untersuchungen in Haft belassen würden.
Insgesamt seien die Aussagen des Beschwerdeführers unvereinbar, wider-
sprüchlich und realitätsfremd. Folglich habe er nicht glaubhaft machen kön-
nen, in Sri Lanka wegen seines Bruders, einem LTTE-Mitglied, Opfer von
Misshandlungen und sexuellen Übergriffen geworden zu sein. Die einge-
reichten Beweismittel seien nicht geeignet, zu einer anderen Würdigung
des Sachverhalts zu führen.
Bezüglich der Risikofaktoren sei festzuhalten, dass der Beschwerdeführer
nicht habe glaubhaft machen können, vor seiner Ausreise asylrelevanten
Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen zu sein. Er habe nach
Kriegsende noch sechs Jahre in Sri Lanka gelebt. Allfällige im Zeitpunkt
der Ausreise bestehende Risikofaktoren vermochten folglich kein Verfol-
gungsinteresse seitens der sri-lankischen Behörden auszulösen. Es sei
nicht ersichtlich, weshalb der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nun in
den Fokus der Behörden geraten und in asylrelevanter Weise verfolgt wer-
den sollte.
9.2 In der Rechtsmitteleingabe rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung
von Art. 3 und Art. 7 AsylG. Die Vorinstanz versuche die Glaubhaftigkeit
seiner Vorbringen durch angebliche Widersprüche zwischen der BzP und
der Anhörung zu verneinen. Die Behauptung des SEM, er sei an einem
Montag entführt worden, sei schlicht aktenwidrig. Er habe zwei Mal ange-
geben, dass er sich an den Wochentag nicht erinnern könne. Bei den un-
terschiedlichen Angaben zur Brigade, (...) oder (...), handle es sich sodann
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um eine kleine Ungereimtheit, die nicht ausreichend sei, um die Glaubhaf-
tigkeit seiner Vorbringen zu verneinen. Der Argumentation der Vorinstanz,
wonach nicht ersichtlich sei, weshalb das Verfolgungsinteresse erst sechs
Jahre nach dem Verschwinden des Bruders wieder aufgeflammt sein sollte,
sei zu entgegnen, dass die zeitliche Komponente hinsichtlich eines Verfol-
gungsinteresses irrelevant sei. Ferner habe er seine Asylgründe sehr aus-
führlich schildern können. Schliesslich sei er exilpolitisch tätig sowie ein
bekannter (...) und damit eine Integrationsfigur der tamilischen Diaspora.
9.3 In der Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, die für das angebliche
exilpolitische Engagement in Aussicht gestellten Beweismittel seien bis an-
hin nicht eingereicht worden, weshalb das entsprechende Vorbringen
(noch) nicht glaubhaft gemacht worden sei. Die in Aussicht gestellten Be-
weismittel wären ohnehin kaum geeignet, die Flüchtlingseigenschaft zu be-
gründen. Gemäss bundesverwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung müss-
te der Beschwerdeführer für die sri-lankischen Behörden als überzeugter
Aktivist im Bestreben der (radikalen) Diaspora für einen separaten tamili-
schen Staat wahrnehmbar sein. Diese Anforderungen dürften vorliegend
nicht erfüllt sein.
9.4 In der Replik macht der Beschwerdeführer geltend, er sei ein bekannter
(...) in der tamilischen Diaspora. Seine Mannschaft nehme häufig an Tur-
nieren teil, die von der tamilischen Diaspora organisiert und genutzt wür-
den, um finanzielle Mittel für die politischen Organisationen und Veranstal-
tungen aufzutreiben. Es sei eindeutig, dass solche Anlässe eine politische
Dimension aufweisen würden. Schliesslich ergebe sich aufgrund der ver-
änderten Lage in Sri Lanka eine neue Bedrohungslage für Tamilen.
10.
10.1 Dem Beschwerdeführer ist beizupflichten, dass es sich bei seinen un-
terschiedlichen Angaben zur Brigade in der BzP und anlässlich der Anhö-
rung um eine unwesentliche Ungereimtheit handelt. Weiter trifft zu, dass er
seine Asylgründe ausführlich geschildert hat. Indes ist mit der Vorinstanz
festzustellen, dass seine zeitlichen Angaben zur Entführung unvereinbar
ausgefallen sind, weshalb diese nicht als glaubhaft erscheint. In der BzP
führte er aus, er sei am (...) 2015 entführt und am folgenden Tag entlassen
worden. Am Dienstag und Donnerstag sei er zum Camp gegangen (vgl.
SEM-Akten A3/11 Ziff. 7.01). Wie die Vorinstanz in der Verfügung zutref-
fend feststellte, fiel der (...) 2015 auf einen Samstag. Anlässlich der Anhö-
rung gab der Beschwerdeführer an, am (...) 2015 – nach der Schule – sei
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Seite 15
er (...) spielen gegangen (vgl. SEM-Akten A11/18 F35 ff.). Auf dem Heim-
weg sei er entführt worden. Am (...) und (...) 2015 sei er ins Camp gegan-
gen. Auf Nachfrage gab er an, es sei dienstags und donnerstags gewesen.
Er sei am Montag entführt und am Dienstag freigelassen worden. Mittwoch,
Donnerstag...er könne sich nicht erinnern (vgl. a.a.O. F45 f.). Der Be-
schwerdeführer hat demnach erst als er bemerkt hat, dass seine Angaben
nicht stimmen können, angegeben, er erinnere sich nicht. Der Einwand des
Beschwerdeführers, wonach die Vorinstanz aktenwidrig behaupte, er sei
an einem Montag entführt worden, erweist sich demnach als unbegründet.
Weiter ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass nicht nachvollziehbar er-
scheint, weshalb der Beschwerdeführer über sechs Jahre nach dem Ver-
schwinden des Bruders derart in den Fokus der Behörden geraten sein
sollte. Aufgrund seines damaligen Alters – (...) Jahre – ist nicht davon aus-
zugehen, dass sich der Bruder mit ihm seinerzeit über das Engagement für
die LTTE unterhalten hat. Naheliegender wäre es gewesen, diese Informa-
tionen von seinen Eltern zu erhalten. Dies insbesondere vor dem Hinter-
grund, dass er angab, seine Familie sei bereits im Jahr 2010 wiederholt
aufgesucht und befragt worden. Danach sei bis im Jahr 2015 nichts mehr
passiert. Es ist demnach nicht davon auszugehen, dass sich die angebli-
che Entführung im geltend gemachten Kontext ereignet hat. An dieser Ein-
schätzung vermögen auch die eingereichten Arztberichte, worin eine (...)
diagnostiziert wird, nichts zu ändern, zumal ein Arztbericht zwar eine psy-
chische Störung beziehungsweise eine Traumatisierung belegen kann,
nicht aber deren genaue Ursache (vgl. Urteil des BVGer
D-5781/2012 vom 8. Mai 2015 E. 7.2.2).
Sodann gab der Beschwerdeführer an, er sei am (...) 2015 nach Colombo
gereist. Am (...) 2015 oder (...) 2015 habe er Sri Lanka auf dem Luftweg
verlassen. Vor diesem Hintergrund erscheint fraglich, wie seine Eltern in
der Lage gewesen sein sollen, in einer solch kurzen Zeit einen Schlepper
zu finden und die Ausreise zu organisieren. Ferner ist festzuhalten, dass
der Beschwerdeführer keine konkreten Angaben zu seinem Reiseweg ma-
chen konnte (vgl. a.a.O. F60 ff.).
10.2 Dem Beschwerdeführer ist es demnach nicht gelungen, eine asyl-
rechtlich relevante Gefährdung beziehungsweise erlittene Nachteile im
Zeitpunkt seiner Ausreise aus Sri Lanka glaubhaft zu machen.
E-5733/2018
Seite 16
11.
11.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei
einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Ge-
fahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl. a.a.O. E. 8.3). Zur Be-
urteilung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in
Form von Verhaftung und Folter zu werden, wurden verschiedene Risiko-
faktoren identifiziert. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder
vergangene Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der „Stop List“ und die
Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden als
stark risikobegründende Faktoren eingestuft, da sie unter den im Entscheid
dargelegten Umständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung
einer begründeten Furcht führen könnten. Demgegenüber stellen das Feh-
len ordentlicher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri Lanka, Narben
und eine gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land schwach ri-
sikobegründende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden, die diese weit-
reichenden Risikofaktoren erfüllten, habe jedoch nur jene Gruppe tatsäch-
lich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von
Art. 3 AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-lankischen Behörden
bestrebt sei, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen und
so den sri-lankischen Einheitsstaat gefährde. Mit Blick auf die dargelegten
Risikofaktoren seien in erster Linie jene Rückkehrer gefährdet, deren Na-
men in der am Flughafen in Colombo abrufbaren "Stop List" vermerkt seien
und der Eintrag den Hinweis auf eine Verhaftung beziehungsweise einen
Strafregistereintrag im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder ver-
muteten Verbindung zu den LTTE enthalte. Entsprechendes gelte für sri-
lankische Staatsangehörige, die sich im Ausland regimekritisch betätigt
hätten (vgl. a.a.O. E. 8).
Wie vorstehend dargelegt, kann dem Beschwerdeführer nicht geglaubt
werden, dass er aufgrund der Tätigkeit seines Bruders für die LTTE im Zeit-
punkt seiner Ausreise behördlich gesucht war. Sodann hatte er bis zur Aus-
reise keine anderen Probleme mit den Behörden aufgrund angeblicher Ver-
bindungen entfernter Verwandter zur LTTE. Es bestehen auch keine An-
haltspunkte, dass deshalb ein staatliches Interesse zum heutigen Zeitpunkt
bestehen würde, welches zu einer allfälligen Gefährdung des Beschwer-
deführers bei einer Rückkehr führen würde. Weiter wurde er keiner Straftat
angeklagt oder verurteilt und verfügt daher auch nicht über einen Strafre-
gistereintrag. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, er nehme in der
Schweiz an regimekritischen Demonstrationen teil, ist festzuhalten, dass
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er keine Beweismittel eingereicht hat, welche ein solches Engagement be-
legen würden. Sodann kann die blosse Betätigung als Spieler einer tamili-
schen (...)-Mannschaft, die sich unter anderem gelegentlich an Veranstal-
tungen beteiligt, an welchen Embleme der LTTE gezeigt werden, nicht als
exilpolitisches Engagement bezeichnet werden, das den Beschwerdefüh-
rer als persönlich besonders exponiert erscheinen liesse. Unter diesen Um-
ständen ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer die Auf-
merksamkeit der sri-lankischen Behörden auf sich gezogen hat. Er läuft
somit nicht Gefahr, von den heimatlichen Behörden der Wiederbelebung
des tamilischen Separatismus verdächtigt zu werden. Daran vermögen
auch das Fehlen ordentlicher Identitätspapiere bei der Einreise in Sri Lanka
und eine zwangsweise respektive durch die Internationale Organisation für
Migration (IOM) begleitete Rückführung in dieses Land nichts zu ändern,
da sie nur schwach risikobegründende Faktoren darstellen. Auch die Ein-
reichung eines Asylgesuchs in der Schweiz und die rund fünfjährige Lan-
desabwesenheit begründen keine flüchtlingsrechtlich relevante Furcht vor
einer Verfolgung.
11.2 Seit Einreichung des Asylgesuchs durch den Beschwerdeführer war
die Lage in Sri Lanka verschiedenen Veränderungen unterworfen, wobei
namentlich politische Spannungen, die verheerenden Terroranschläge an
Ostern 2019 sowie zuletzt die Wahl von Gotabaya Rajapaksa am 16. No-
vember 2019 zum Präsidenten von Sri Lanka zu erwähnen sind (vgl. Neue
Zürcher Zeitung [NZZ], In Sri Lanka kehrt der Rajapaksa-Clan an die Macht
zurück, 17.11.2019; The Guardian, Gotabaya Rajapaksa elected president
of Sri Lanka, 17.11.2019, https://www.theguardian.com/world/2019/nov/1
7/sri-lanka-presidential-candidate-rajapaksa-premadas-count-continues,
abgerufen am 10.11.2020). Gotabaya Rajapaksa war unter seinem älteren
Bruder, dem ehemaligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa, der von 2005
bis 2015 an der Macht war, Verteidigungssekretär. Er wurde angeklagt,
zahlreiche Verbrechen gegen Journalistinnen und Journalisten sowie Akti-
visten begangen zu haben. Zudem wird er von Beobachtern für Menschen-
rechtsverletzungen und Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er be-
streitet die Anschuldigungen (vgl. Human Rights Watch [HRW]: World Re-
port 2020 – Sri Lanka, 14.01.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue
Präsident seinen Bruder Mahinda zum Premierminister und band einen
weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder
Gotabaya, Mahinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regie-
rungskabinett zusammen zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institu-
tionen (vgl. ANI, Sri Lanka: 35 including President's brother Chamal
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Rajapksa sworn in as ministers of state, 27.11.2019, https://www.ani-
news.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-cha-
mal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state20191127174753/, abgerufen
am 02.12.2020). Beobachter und ethnische/religiöse Minderheiten be-
fürchten insbesondere mehr Repression und die vermehrte Überwachung
von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und
Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl.
Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste
bei Minderheiten, 21.11.2019). Anfang März 2020 löste Gotabaya Rajapa-
ksa das Parlament vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri
Lankas Präsident löst das Parlament auf, 03.03.2020).
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka
bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt
sie bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand
durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu-
gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind
beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des
Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016; Human
Rights Watch, Sri Lanka: Families of «Disappeared» Threatened,
16.02.2020). Es gibt aber zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur An-
nahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungs-
gruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen
Umständen ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asyl-
suchenden Personen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019
respektive deren Folgen besteht. Ein solcher Bezug ist vor dem Hinter-
grund vorstehender Erwägungen nicht ersichtlich.
11.3 Schliesslich sind die im Beschwerdeverfahren eingereichten Beweis-
mittel, sofern sie überhaupt rechtserheblich sind, nicht geeignet, an der
fehlenden Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers etwas zu
ändern. Dabei handelt es sich grossmehrheitlich um Dokumente, welche
die allgemeine Lage und die politische Situation in Sri Lanka beschreiben.
Der Beschwerdeführer kann daraus keine individuelle Verfolgung ableiten.
Hinsichtlich der Vorsprache auf dem sri-lankischen Generalkonsulat ist auf
das Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts BVGE 2017/6
E. 4.3.3 zu verweisen, wonach es sich bei der Ersatzreisepapierbeschaf-
fung um ein standardisiertes, erprobtes und gesetzlich geregeltes Verfah-
ren handelt. Nur aufgrund der Datenübermittlung der schweizerischen Be-
hörden an die sri-lankischen Behörden und der Nennung des (unglaubhaf-
ten) Ausreisegrundes anlässlich einer Vorsprache auf dem sri-lankischen
E-5733/2018
Seite 19
Generalkonsulat ist bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht mit einer asyl-
relevanten Verfolgung zu rechnen.
11.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des
Beschwerdeführers zu Recht verneint und das Asylgesuch abgelehnt.
12.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
13.
13.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
13.2
13.2.1 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz eine Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen.
13.2.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung mit zutreffender
Begründung ausgeführt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine
Anwendung finde und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshin-
dernisse erkennbar seien. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwal-
tungsgerichts lassen weder die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie noch
die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka den Wegweisungs-
vollzug als unzulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil E-1866/2015
E. 12.2 f.). An dieser Einschätzung ist auch unter Berücksichtigung der
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Seite 20
jüngsten politischen Entwicklungen in Sri Lanka festzuhalten. Zudem be-
steht im Hinblick auf die diplomatischen Unstimmigkeiten zwischen der sri-
lankischen und der schweizerischen Regierung (nach der Entführung einer
Angestellten der schweizerischen Botschaft in Sri Lanka am 25. November
2019) kein konkreter Grund zur Annahme, die allgemeinen politischen Ent-
wicklungen in Sri Lanka könnten sich zum heutigen Zeitpunkt auf den Be-
schwerdeführer auswirken (vgl. Urteil des BVGer D-1466/2020 vom
23. März 2020 E. 7.2.2).
13.2.3 Nachdem der Beschwerdeführer nicht darlegen konnte, bei einer
Rückkehr ins Heimatland die Aufmerksamkeit der sri-lankischen Behörden
in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmass auf sich zu ziehen, beste-
hen auch keine Anhaltspunkte dafür, dass er bei einer Rückkehr nach Sri
Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten
hätte, die über einen sogenannten «Background Check» (Befragung und
Überprüfung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden,
oder dass er persönlich gefährdet wäre. Der Vollzug der Wegweisung ist
zulässig.
13.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
13.3.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen, und es herrscht weder Krieg
noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1). Ge-
mäss Rechtsprechung ist der Wegweisungsvollzug in die Nord- und Ost-
provinz zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskri-
terien bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 E. 13.2). An dieser Einschätzung vermögen die Gewalt-
vorfälle in Sri Lanka vom 21. April 2019, der gleichentags von der sri-lanki-
schen Regierung verhängte und am 28. August 2019 aufgehobene Aus-
nahmezustand sowie die mit den Wahlen im November 2019 zusammen-
hängenden gewalttätigen Ausschreitungen nichts zu ändern (vgl. dazu statt
vieler Urteil des BVGer E-895/2020 vom 15. April 2020 E. 9.3).
13.3.2 Gemäss den vorliegenden Berichten eines Psychologen vom
20. Dezember 2017 und 25. Oktober 2018 wurde beim Beschwerdeführer
eine (...) diagnostiziert. Der Beschwerdeführer berichte von (...) mit (...)
und (...), (...), tagsüber teilweise (...) mit raschem (...) und (...) aufgrund
E-5733/2018
Seite 21
von traumatischen Erfahrungen in Sri Lanka. Im weiteren Verlauf der Be-
ratung, insbesondere auch durch den vorübergehenden Wochenaufenthalt
bei einer (...) in G._, habe sich der Beschwerdeführer deutlich sta-
bilisieren können. Einen weiteren aktuellen Bericht hat der Beschwerde-
führer bis heute nicht eingereicht.
Auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aus medizinischen Grün-
den ist nach Lehre und konstanter Praxis dann zu schliessen, wenn eine
notwendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung
steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Beein-
trächtigung des Gesundheitszustands der betroffenen Person führen
würde (vgl. etwa BVGE 2011/50 E. 8.3 und 2009/2 E. 9.3.1 je m.w.H.).
Nachdem der rechtlich vertretene Beschwerdeführer im Rahmen der ihm
obliegenden Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG) bis heute keinen weiteren
Arztbericht eingereicht hat, besteht keine Veranlassung, einen solchen ein-
zuverlangen. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass die psychischen
Probleme des Beschwerdeführers nicht derart sind, dass von einer medi-
zinischen Notlage im Sinne der vorstehend dargelegten Rechtsprechung
auszugehen ist. Auch sind in Sri Lanka bei psychischen Erkrankungen so-
wohl stationäre als auch ambulante Betreuungsmöglichkeiten verfügbar
(vgl. Urteil BVGer E-7137/2018 vom 23. Januar 2019, E. 12.3 m.w.H.). Der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers steht demnach dem Vollzug
der Wegweisung nicht entgegen.
13.3.3 Der Beschwerdeführer lebte zuletzt bei seiner (...) in C._,
Nordprovinz. Seine Eltern und zwei Geschwister leben in B._, Dis-
trikt C._, womit er in seinem Heimatstaat über ein bestehendes Be-
ziehungsnetz verfügt. Sodann hat er (...) Jahre die Schule besucht und mit
dem (...) abgeschlossen. Sein Vater ist in der (...) tätig und besitzt (...).
Ferner waren die Eltern des Beschwerdeführers in der Lage ungefähr (...)
für seine Ausreise aufzubringen. Vor diesem Hintergrund ist davon auszu-
gehen, dass er bei einer Rückkehr von seiner Familie bei der Wiederein-
gliederung unterstützt werden kann und eine neue Existenz wird aufbauen
können. Der rund fünfjährige Aufenthalt des Beschwerdeführers in der
Schweiz und die damit verbundene Integration vermögen an der Zumut-
barkeit des Vollzugs der Wegweisung ebenfalls nichts zu ändern.
13.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
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2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
13.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
14.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da-
rauf einzutreten ist.
15.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten zufolge der sehr um-
fangreichen Beschwerde mit zahlreichen Beilagen ohne individuellen Be-
zug zum Beschwerdeführer praxisgemäss auf insgesamt Fr. 1'500.– fest-
zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss ist zur Bezahlung der
Verfahrenskosten zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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