Decision ID: 43ce0452-ccf7-5b08-987c-c5c03d7565f4
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KG
Chamber: SG_KG_002
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: civil_law

Sachverhalt:
I.
1.a) Mit Eingabe vom 21. Mai 2019 beantragte die A AG als Gesuchstellerin beim
Kreisgericht Y die vorläufige Eintragung eines Bauhandwerkerpfandrechts – vorerst
superprovisorisch – auf der im Eigentum der B AG stehenden Liegenschaft Nr. [...];
unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Grundeigentümerin und
damaligen Gesuchsgegnerin. Die Gesuchstellerin machte geltend, sie habe sich
gegenüber der C GmbH, einer Unternehmerin der Überbauung der besagten
Liegenschaft, verpflichtet, Beton für den Rohbau des geplanten Mehrfamilienhauses zu
liefern, für die Weiterverwendung aufzubereiten und in die entsprechenden Schalungen
zu pumpen. Die C GmbH habe alsdann ihre Rechnungen trotz vertragsgemässer
Arbeiten nicht vollständig bezahlt. Sie ersuchte daher um vorläufige Eintragung eines
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Bauhandwerkerpfandrechts für die dem noch offenen Rechnungsbetrag
entsprechende Pfandsumme von Fr. 11'813.85 nebst Zins zu 5% seit dem 21. Mai
2019. Die Einzelrichterin des Kreisgerichts Y verfügte am 23. Mai 2019 die vorläufige
Vormerkung des Bauhandwerkerpfandrechts, gab der damaligen Gesuchsgegnerin
Gelegenheit zur schriftlichen Stellungnahme und beliess die Entscheidgebühr (für die
superprovisorische Massnahme) bei der Hauptsache. Die Gesuchsgegnerin liess sich
in der Folge nicht vernehmen.
b) Die Einzelrichterin des Kreisgerichts Y bestätigte mit (unbegründetem) Entscheid
vom 24. Juni 2019 (Versand gleichentags) die superprovisorische Verfügung betreffend
vorläufige Eintragung des Bauhandwerkerpfandrechts. Der Gesuchstellerin wurde
dabei eine Frist von drei Monaten seit der Rechtskraft des Entscheids zur Einreichung
der Klage betreffend definitive Eintragung des Bauhandwerkerpfandrechts angesetzt.
Die Entscheidgebühr von Fr. 1'500.00 bei begründetem und Fr. 1'000.00 bei
unbegründetem Entscheid auferlegte die Einzelrichterin vorläufig der Gesuchstellerin,
ebenso die Kosten des Grundbuchamtes. Eine Parteientschädigung wurde nicht
gesprochen. Die Vorinstanz wies ergänzend ausdrücklich darauf hin, dass im Fall der
Einleitung des Hauptverfahrens die Kosten des vorliegenden Verfahrens im
Hauptverfahren definitiv zu verlegen seien; verzichte die Gesuchstellerin auf Einleitung
des Hauptverfahrens, werde die Kostenregelung definitiv. Keine der Parteien verlangte
einen begründeten Entscheid innert der Frist von 10 Tagen, weshalb er rechtskräftig
und vollstreckbar wurde.
2.a) Die A AG wandte sich mit Eingabe vom 23. Juli 2019 erneut an die Einzelrichterin
des Kreisgerichts Y und informierte diese darüber, dass auf ihrem Bankkonto eine
Zahlung von Fr. 12'438.75 eingegangen sei. Diese Zahlung sei durch die D AG geleistet
worden, welche als Generalunternehmerin die Leitung der Überbauung innegehabt
hätte; die C GmbH sei deren Subunternehmerin gewesen. Die Zahlung sei daher in
Erfüllung der durch das (vorläufig eingetragene) Pfandrecht gesicherten Schuld erfolgt,
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womit diese untergegangen sei. Vor diesem Hintergrund unterbreitete die A AG der
Einzelrichterin folgende Rechtsbegehren:
"1. Das Verfahren betreffend definitive Eintragung des Bauhandwerkerpfandrechts sei
zufolge Gegenstandslosigkeit abzuschreiben,
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST)."
Gleichzeitig berief sie sich für die Kostenverlegung auf Art. 107 Abs. 1 lit. e ZPO und
reichte eine Honorarnote ein, da sie eine Parteientschädigung zugut habe.
b) Am 26. Juli 2019 teilte die Einzelrichterin des Kreisgerichts der Gesuchstellerin mit,
dass eine Abschreibung zufolge Gegenstandslosigkeit nicht möglich sei, da kein
Verfahren mehr hängig sei; zudem wäre bei einer Prosequierungsklage auf definitive
Eintragung des Bauhandwerkerpfandrechts das Rechtsschutzinteresse infolge Zahlung
vor Einleitung weggefallen, womit ein Nichteintreten erfolgen müsste. Eine
Neuverlegung der Kosten des summarischen Verfahrens sei daher mangels materieller
Beurteilung (einer Prosequierungsklage) nicht möglich; die Beschwerdeführerin müsse
daher eher eine Schadenersatzklage (evtl. über den Rechtsschutz in klaren Fällen)
anstreben, soweit die ausstehende Forderung nicht noch aussergerichtlich bezahlt
werde. Im Rahmen eines darauffolgenden E-Mailverkehrs zwischen der Einzelrichterin
und dem Rechtsvertreter der A AG, in welchem letzterer weiterhin an seiner Position,
wonach mit Einleitung eines Massnahmeverfahrens das Hauptverfahren auch schon
rechtshängig werde und daher nun abzuschreiben sei, festhielt, stellte die
Einzelrichterin die Fortsetzung des mit der Eingabe vom 23. Juli 2019 neu eingeleiteten
Verfahrens mit der Erhebung eines Kostenvorschusses in Aussicht. Mit Verfügung vom
7. August 2019 zeigte die Einzelrichterin den Parteien formell den Eingang der "Klage
betreffend definitive Eintragung eines Bauhandwerkerpfandrechtes" der A AG gegen
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die B AG an und forderte gleichentags die Klägerin zur Zahlung des
Kostenvorschusses von Fr. 600.00 auf.
3.a) Gegen diese Kostenvorschussverfügung vom 7. August 2019 erhob die A AG
(nachfolgend Beschwerdeführerin) am 14. August 2019 Beschwerde bei der
Einzelrichterin des Kantonsgerichts. Sie beantragt, es sei die Verfügung der Vorinstanz
vom 7. August 2019 betreffend die Leistung eines Kostenvorschusses aufzuheben und
von der Erhebung eines Kostenvorschusses abzusehen, alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST).
[...]

Aus den Erwägungen:
II.
[...]
2. Mit der Beschwerde nach Art. 319 ff. ZPO können die unrichtige
Rechtsanwendung (Art. 320 lit. a ZPO) und/oder die offensichtlich unrichtige
Feststellung des Sachverhalts (Art. 320 lit. b ZPO) geltend gemacht werden.
Offensichtlich unrichtig ist die Feststellung des Sachverhalts nur dann, wenn sie
schlechthin unhaltbar, also willkürlich ist (Leuenberger/Uffer-Tobler, Schweizerisches
Zivilprozessrecht, 2. Aufl., N 12.70). Hier beruft sich die Beschwerdeführerin
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ausdrücklich auf falsche Rechtsanwendung, namentlich auf die Verletzung von
Verfahrensvorschriften. Geht es um Ermessensentscheide, so stellen die
Ermessensüberschreitung (nach unten oder nach oben überschrittener
Ermessensspielraum), die Ermessensunterschreitung (kein Ausschöpfen des
vorhandenen Ermessensspielraums, schematische Kriterien) oder der
Ermessensmissbrauch (schlichtweg unverständliche unsachliche Kriterien) eine
Rechtsverletzung dar (Reetz/Theiler, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO
Komm., 3. Aufl., Art. 310 N 34 f).
III.
1. Vor dem eingangs dargestellten Hintergrund bringt die Beschwerdeführerin vor,
dass der von der Vorinstanz verfügte Kostenvorschuss gegen Art. 98 ZPO verstosse,
da sie die definitive Eintragung des Bauhandwerkerpfandrechts entgegen der
Verfügung der Vorinstanz bzw. der gleichzeitig ergangenen Eingangsanzeige "nicht in
Klage gesetzt", sie vielmehr während der Klagefrist, aber "vor Einreichung", die
Abschreibung des Verfahrens zufolge Gegenstandslosigkeit beantragt habe, welche
hier "die einzig sachadäquate Lösung" darstelle. Dafür könne kein Kostenvorschuss
erhoben werden, zumal die Abschreibung keinen erwähnenswerten Aufwand generiere.
2.a) Die Beschwerdeführerin begründet ihre Auffassung zunächst damit, dass das
Verfahren abgeschrieben werden müsse, da die Einreichung des Gesuches um
vorsorgliche Massnahmen bereits auch die Rechtshängigkeit der Hauptsache
begründe. Dies bedeute in der vorliegenden Konstellation, dass das Verfahren um
definitive Eintragung des Bauhandwerkerpfandrechts schon mit der Einreichung des
Gesuches um superprovisorische Eintragung rechtshängig geworden sei und
entsprechend im jetzigen Zeitpunkt abgeschrieben werden könne.
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b) Die Einreichung eines Schlichtungsgesuches, einer Klage, eines Gesuches oder
eines gemeinsamen Scheidungsbegehrens begründet Rechtshängigkeit (Art. 62 ZPO).
Die Einleitung eines Gesuches um vorsorgliche Massnahmen führt entgegen der
Ansicht der Beschwerdeführerin gemäss der herrschenden Lehrmeinung (soweit sich
diese zur Thematik ausdrücklich äussert) nur zu Rechtshängigkeit für das
Massnahmeverfahren selber, nicht auch für das Hauptverfahren (BSK ZPO-Sprecher,
3. Aufl., Art. 263 N 6; Sutter-Somm /Hedinger, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/
Leuenberger, ZPO Komm., Art. 62 N 17; Brönnimann, Rechtshängigkeit national –
Struktur und Grundsätze, S. 6, Krauskopf/Bittel, Die gesetzlichen Verknüpfungen
zwischen der prozessualen Rechtshängigkeit und dem materiellen Recht, S. 47, beide
in: Markus/Rodriguez [Hrsg.], Rechtshängigkeit - national und international, 2019 [=
CIVPRO Band Nr. 12]; Sutter-Somm, Schweizerisches Zivilprozessrecht, 3. Aufl., 2017,
N 1223; vgl. implizit auch D. Staehelin, in: Staehelin/Staehelin/Grolimund,
Zivilprozessrecht, 3. Aufl., § 22 Rz 25; CR CPC-Bohnet, 2. Aufl., Art. 62 ZPO N 14 und
Rohner/Wiget, OFK ZPO, 2. Aufl., Art. 261 N 3). Klar spricht sich diesbezüglich auch
das Bundesgericht in einem aktuellen Entscheid aus, wenn es der dortigen Vorinstanz
zugesteht, sie habe in Berücksichtigung der verschiedenen Auslegungselemente und
unter Hinweis auf die Lehre sehr eingehend begründet, "weshalb ein Gesuch um
vorsorgliche Massnahmen nach Art. 62 Abs. 1 ZPO lediglich für das
Massnahmeverfahren, jedoch nicht für die Hauptsache Rechtshängigkeit
begründet" (vgl. BGer 4A_230/2017 E. 2.2 f.).
Beim Massnahmeverfahren handelt es sich um ein eigenständiges Summarverfahren
(vgl. BK-Sterchi, Art. 104 ZPO N 11). Der Wortlaut von Art. 263 ZPO ist eindeutig:
Art. 263 ZPO ist überschrieben mit "Massnahmen vor Rechtshängigkeit" und regelt für
den Fall, dass bei Erlass der vorsorglichen Massnahme "die Klage in der Hauptsache
noch nicht rechtshängig" ist, dass der gesuchstellenden Partei eine Frist zur
Einreichung der Klage – mithin zur Rechtshängigmachung der Hauptsache –
anzusetzen sei. Genau dies wurde von der Vorinstanz mit Massnahmeentscheid vom
24. Juni 2019 getan; der Beschwerdeführerin wurde mit dem erwähnten Entscheid eine
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Frist von drei Monaten für das Einreichen der Klage betreffend definitive Eintragung
des Bauhandwerkerpfandrechts seit Rechtskraft des Massnahmeentscheids angesetzt.
Die Beschwerdeführerin ruft als Vertreterin ihres Standpunktes, wonach die
Einreichung eines Gesuches um vorsorgliche Massnahmen bereits Rechtshängigkeit
der Hauptsache begründe, die Lehrmeinung von Berger-Steiner an. Diese lehnt sich bei
ihrer mit Zurückhaltung geäusserten Auffassung ("müsste") jedoch an eine lange vor
Inkrafttreten der Schweizerischen ZPO ergangene höchstrichterliche Rechtsprechung
an und gesteht mit Blick auf Art. 263 ZPO selbst zu, dass der Gesetzgeber dies wohl
anders sehe (BK-Berger-Steiner, Art. 62 ZPO N 25). Die von der Beschwerdeführerin
weiter zitierten Literaturstellen sagen im Übrigen lediglich aus, dass das
Massnahmeverfahren mit der Einreichung des Gesuches als solches rechtshängig wird;
die Rechtshängigkeit des Hauptverfahrens ist davon aber nicht erfasst (vgl. BSK ZPO-
Infanger, Art. 62 N 9, Müller-Chen, DIKE-Komm-ZPO, 2. Aufl., Art. 62 N 22 f.).
c) Daraus folgt, dass im vorliegenden Fall im Zeitpunkt des Zahlungseingangs der
D AG am 15. Juli 2019 bzw. vor der Eingabe der Beschwerdeführerin vom 23. Juli 2019
das Massnahmeverfahren rechtskräftig abgeschlossen und ein Hauptverfahren
betreffend definitive Eintragung des Bauhandwerkerpfandrechts (noch) nicht
rechtshängig war. Da die beantragte Abschreibung eines Verfahrens zufolge
Gegenstandslosigkeit eines rechtshängigen Verfahrens bedarf (Art. 242 ZPO; vgl. BSK
ZPO-Gschwend/Steck, Art. 242 N 2), reagierte die Vorinstanz auf die Eingabe der
Beschwerdeführerin mit dem Hinweis, es sei mangels hängigen Verfahrens keine
Abschreibung mit Kostenverlegung möglich. Da die Beschwerdeführerin – auch nach
eingehender Instruktion über das weitere Vorgehen, nach Hinweisen auf alternative
Möglichkeiten und nach der Ankündigung der Vorinstanz, es werde ein
Kostenvorschuss erhoben – auf ihrem Standpunkt beharrte, wonach ein
Hauptverfahren betreffend definitive Eintragung eines Bauhandwerkerpfandrechts
bereits mit dem Massnahmeverfahren hängig geworden sei (dies im Widerspruch zur
Äusserung in der Beschwerde, es sei "nicht in Klage gesetzt"), musste die Vorinstanz
ein Verfahren einschreiben, um den gestellten Antrag auf Abschreibung des Verfahrens
"betreffend definitive Eintragung des Bauhandwerkerpfandrechts" zu behandeln. Ob
die Vorinstanz vor diesem Hintergrund für dieses (neu eröffnete) Verfahren gestützt auf
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Art. 98 ZPO einen Kostenvorschuss verlangen durfte, ist nachfolgend zu prüfen (s. E.
III.4.).
3.a) Die Beschwerdeführerin beruft sich weiter auf "sachliche Gesichtspunkte" zur
Begründung, weshalb eine Verfahrensabschreibung erfolgen müsse und deshalb kein
Kostenvorschuss verlangt werden dürfe. Das von der Vorinstanz skizzierte Vorgehen
sei weder praktikabel noch im Interesse einer der Parteien, wenn in der vorliegend
gegebenen Konstellation eine mit einem vorläufig eingetragenen
Bauhandwerkerpfandrecht belastete Partei durch Zahlung der Grundforderung im
richtigen Moment vorsätzlich einen Nichteintretensentscheid provozieren könne, was
der an sich erfolgreichen Klägerin einen nicht zu rechtfertigenden Mehraufwand
generiere, da diese gezwungen wäre, einen anschliessenden Prozess für die ihr
zustehende Parteientschädigung einzuleiten. Ein derartiger "Leerlauf" könne nicht im
Sinne des Gesetzes sein. Es könne auch nicht richtig sein, dass die
Beschwerdeführerin die ihr entstandenen Anwaltskosten ausserhalb des Prozesses
liquidieren müsse. Deswegen sei das Verfahren betreffend definitive Eintragung des
Bauhandwerkerpfandrechts aufgrund der getilgten Forderung abzuschreiben und die
Kosten einzelfallgerecht zu verteilen. Demzufolge könne hier auch kein
Kostenvorschuss erhoben werden. Die gegenteilige Ansicht der Vorinstanz – selbst
wenn diese dogmatisch zutreffen würde, was die Beschwerdeführerin bestreite – sei
überspitzt formalistisch.
b) Weshalb die – wie aufgezeigt dogmatisch zutreffende – Ansicht der Vorinstanz
überspitzt formalistisch sein soll, zeigt die Beschwerdeführerin nicht auf. Es lässt sich
denn auch kein überspitzt formalistisches Handeln der Vorinstanz erkennen, da weder
rigorose Formvorschriften aufgestellt wurden, deren Strenge nicht sachlich
gerechtfertigt wären, noch formelle Vorschriften mit übertriebener Schärfe gehandhabt
oder an Rechtsschriften überspannte Anforderungen gestellt wurden und der
Beschwerdeführerin der Rechtsweg nicht in unzulässiger Weise versperrt wurde (vgl.
BGE 142 I 10 E. 2.4.2). Weder in einem bereits abgeschlossenen noch in einem (noch)
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nicht eingeleiteten Verfahren kann separat oder nachträglich ein Kostenspruch erlassen
werden (vgl. Art. 104 ZPO zum Zeitpunkt der Kostenregelung). Weshalb die Vorinstanz
gehalten gewesen wäre, pragmatisch und entgegen der aktuellen gesetzlichen
Regelung nachträglich den – von der Beschwerdeführerin nicht angefochtenen –
Kostenspruch des summarischen Massnahmeverfahrens zu ergänzen oder ein nicht
anhängiges Verfahren auf definitive Eintragung des Bauhandwerkerpfandrechts
abzuschreiben, um der mit dem vorläufig eingetragenen Pfandrecht belasteten Partei
(die vorliegend nicht Schuldnerin der Grundforderung war) oder irgendeiner nicht an
diesem Verfahren beteiligten Drittperson nachträglich Kosten aufzuerlegen, ist nicht
einzusehen. Die Beschwerdeführerin hatte im Massnahmeverfahren zwar einen (nicht
näher spezifizierten oder differenzierten) Antrag auf Kosten- und Entschädigungsfolgen
gestellt, jedoch auf eine Begründung des Massnahmeentscheids verzichtet, obwohl
sich dieser im Dispositiv nicht ausdrücklich zur Parteientschädigung äusserte.
c) Im Rahmen der hier zu beurteilenden Kostenbeschwerde kann es sodann nicht
darum gehen, für die vorliegende Konstellation Alternativen aufzuzeigen (was die
Vorinstanz bereits getan hat) oder solche zu beurteilen, sondern es ist lediglich zu
prüfen, ob es im Ermessen der Vorinstanz lag, für das von ihr neu eingeschriebene
Verfahren einen Kostenvorschuss zu erheben.
4.a) Gemäss Art. 98 ZPO kann das Gericht von der klagenden Partei einen Vorschuss
bis zur Höhe der mutmasslichen Gerichtskosten verlangen. Klagende Partei im Sinn
von Art. 98 ZPO ist, wer dem Gericht durch Einreichung eines Gesuches oder einer
Klage die Prüfung eines Rechtsanspruchs beantragt (vgl. Urwyler/Grütter, DIKE-Komm-
ZPO, 2. Aufl., Art. 98 N 3). Diese Bestimmung beschränkt Kostenvorschüsse nicht auf
bestimmte Verfahrensarten. Die Gerichtskosten umfassen namentlich die
Entscheidgebühr (Art. 95 Abs. 2 lit. b ZPO). Es ist zu prüfen, ob die Vorinstanz die
Eingabe der Beschwerdeführerin vom 23. Juli 2019 als Verfahrenseinleitung verstehen
durfte und ob sie gestützt darauf die Beschwerdeführerin als "klagende Partei" im
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Sinne von Art. 98 ZPO betrachten und von dieser einen Kostenvorschuss verlangen
durfte.
b) Die Beschwerdeführerin bringt in diesem Zusammenhang vor, dass selbst wenn
die Auffassung der Vorinstanz betreffend Rechtshängigkeit zutreffen würde, kein
Kostenvorschuss verlangt werden könne, zumal vorliegend überhaupt keine Klage
erhoben worden sei und es keine "klagende Partei" gäbe; es gehe nicht an, die
Eingabe der Beschwerdeführerin vom 23. Juli 2019 betreffend Abschreibung des
Verfahrens kurzerhand in eine Klage umzudeuten, wie es die Vorinstanz
augenscheinlich tue, wohl um den erhobenen Kostenvorschuss zu rechtfertigen.
c) Die Beschwerdeführerin ersuchte das Gericht mit Eingabe vom 23. Juli 2019 um
Abschreibung des Verfahrens betreffend – wie sie selbst in der Eingabe angibt –
"definitive Eintragung des Bauhandwerkerpfandrechts" zufolge Gegenstandslosigkeit
und – worum es ihr eigentlich geht – um nachträgliche Regelung der Kostenfolgen des
abgeschlossenen Massnahmeverfahrens gestützt auf Art. 107 lit. e, allenfalls Art. 108
ZPO. Wie bereits ausgeführt ging die Vorinstanz daraufhin zu Recht davon aus, dass
damals noch gar kein solches Verfahren rechtshängig war. Sie versuchte nach
sorgfältiger Vorprüfung der Argumentation der Beschwerdeführerin, ihr dies zu
erläutern. Dabei begründete die Vorinstanz gegenüber der Beschwerdeführerin auch
transparent, dass und weshalb eine Verfahrensabschreibung zufolge
Gegenstandslosigkeit nicht möglich sei und gab ihr die Möglichkeit, ihr Gesuch wieder
zurückzuziehen, sollte sie die vom Gericht beabsichtigte Verfahrensfortsetzung nicht
gutheissen. Da die Beschwerdeführerin in der Folge aber auf ihrem gestellten
Rechtsbegehren auf Abschreibung des – noch nicht rechtshängigen – Verfahrens
betreffend definitive Eintragung eines Bauhandwerkerpfandrechts beharrte und sie, die
Vorinstanz, ihrer richterlichen Fragepflicht bereits mehr als nachgekommen war (vgl.
Art. 56 ZPO), blieb ihr – nachdem es trotz Abwartens mit der Ansetzung eines
Kostenvorschusses bis zum 7. August 2019 nicht zu einem Rückzug des Gesuchs kam
– nichts anderes übrig als wie angekündigt vorzugehen und die Eingabe der
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Beschwerdeführerin vom 23. Juli 2019 als Einleitung eines Verfahrens
entgegenzunehmen, in welchem die Beschwerdeführerin als "klagende Partei" im Sinn
von Art. 98 ZPO auftritt.
d) Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin ist nicht die Verfahrensleitung
der Vorinstanz widersprüchlich, sondern ihre eigene Argumentation. Denn es war die
Beschwerdeführerin, die einerseits darauf beharrte, es sei bereits ein Verfahren in der
Hauptsache anhängig, anderseits aber im Zusammenhang mit der Argumentation um
den Kostenvorschuss nun betont, sie habe die definitive Eintragung des
Bauhandwerkerpfandrechts nicht "in Klage gesetzt". Fest steht, dass die
Beschwerdeführerin am 23. Juli 2019 bei der Vorinstanz ein Gesuch (so von ihr
bezeichnet) einreichte, ohne dass dieses im Rahmen eines bereits hängigen Verfahrens
erfolgte und darauf beharrte, dass dieses zu behandeln sei. Damit durfte die Vorinstanz
sie als "klagende Partei" im Sinn von Art. 98 ZPO betrachten, von der sie einen
Vorschuss bis zur Höhe der mutmasslichen Gerichtskosten verlangen "kann".
e) Aufgrund der dem Gericht mit Eingabe vom 23. Juli 2019 unterbreiteten neuen
Rechtsbegehren, auf deren Beurteilung die Beschwerdeführerin besteht, war die Vor
instanz befugt, von der Beschwerdeführerin einen Vorschuss bis zur Höhe der
mutmasslichen Gerichtskosten zu verlangen. Es lässt sich mithin keine Verletzung bzw.
unrichtige Anwendung des Art. 98 ZPO feststellen. Die Verfahrensleitung liegt beim
Gericht (Art. 124 Abs. 1 ZPO) und nicht bei einer Partei, und sie wurde von der
Vorinstanz im Rahmen ihres pflichtgemässen Ermessens ausgeübt. Dies gilt unter den
gegebenen Umständen auch für die Erhebung eines Kostenvorschusses (vgl. BGE 140
III 159 E. 4.2). Es entsteht für die Behandlung der Rechtsbegehren in der Eingabe vom
23. Juli 2019 neuer gerichtlicher Aufwand, der mit dem Kostenspruch im
abgeschlossenen separaten Massnahmeverfahren noch nicht abgegolten ist. Die Höhe
des Kostenvorschusses wurde im Übrigen nicht beanstandet. Nach dem Gesagten hat
die Vorinstanz mit ihrem Vorgehen kein Recht verletzt und ihr Ermessen weder
missbraucht noch überschritten.
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5. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Erhebung des Kostenvorschusses durch
die Vorinstanz mit Verfügung vom 7. August 2019 in deren Ermessen lag. Das
Verfahren um vorläufige Eintragung des besagten Bauhandwerkerpfandrechts war
bereits abgeschlossen, und die Beschwerdeführerin legte dem Gericht ein neues
Begehren zur Behandlung vor, welches sie selber in ihrem Rechtsbegehren als
Verfahren um definitive Eintragung des Bauhandwerkerpfandrechts bezeichnete und
dessen Erledigung samt Kostenspruch sie verlangte. Damit ist sie als "klagende Partei"
im Sinn von Art. 98 ZPO grundsätzlich kostenvorschusspflichtig. Das Gericht muss sich
mit diesem Begehren befassen und das Verfahren wieder zum Abschluss bringen. Vor
diesem Hintergrund war die Vorinstanz befugt, einen Kostenvorschuss bis zur Höhe
der mutmasslichen Gerichtskosten zu verlangen. Die Höhe des verlangten
Kostenvorschusses wird in der Beschwerde nicht bemängelt. Entgegen den
Ausführungen der Beschwerdeführerin liegt im Zusammenhang mit der Erhebung eines
Kostenvorschusses damit keine unrichtige Rechtsanwendung vor. Die Beschwerde ist
abzuweisen.
[...]
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Kantonsgericht, 06.12.2019 Art. 98, Art. 104, Art. 242, Art. 263 ZPO (SR 272): Beschwerde gegen Kostenvorschuss; die Einreichung eines Gesuchs um vorläufige Eintragung eines Bauhandwerkerpfandrechts begründet lediglich die Rechtshängigkeit des Massnahmeverfahrens, nicht aber jene des Hauptverfahrens. Verzichtet die Gesuchstellerin infolge Bezahlung der durch das Pfandrecht gesicherten Schuld auf die Einleitung eines Hauptverfahrens, ist nach Abschluss des Massnahmeverfahrens mangels hängigen Verfahrens keine Abschreibung mit Kostenverlegung möglich. Prüfung der Frage, ob die Eingabe der Beschwerdeführerin als Einleitung eines Verfahrens entgegengenommen werden konnte, in welchem die Beschwerdeführerin als "klagende Partei" im Sinne von Art. 98 ZPO auftrat und von welcher im Ermessen der Vorinstanz ein Kostenvorschuss verlangt werden durfte (Kantonsgericht, Einzelrichterin im Personen-, Erb- und Sachenrecht, 6. Dezember 2019, BE.2019.39).
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2021-09-19T01:58:40+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen