Decision ID: 5b2dfb90-bd03-4e22-936a-a182314b74e3
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ L.S-B. ist Mutter von drei mittlerweile volljährigen Kindern (Jahrgänge 1982, 1983
und 1988) und wohnt in R. Im Jahr 1999 wurde L.S-B. Opfer eines Gewaltverbrechens.
Ihr mussten in der Folge eine Niere und ein Eierstock entfernt werden. Infolge einer
Verletzung der Wirbelsäule ist sie bei der Fortbewegung bleibend auf Hilfsmittel
angewiesen. Zudem leidet sie seit dem Vorfall unter psychischen Beeinträchtigungen.
Die Invalidenversicherung stellte bei L.S-B., die im Zeitpunkt des Verbrechens nicht
arbeitstätig war, einen Invaliditätsgrad von 87% fest. Ihr damaliger Lebenspartner und
heutiger Ehemann war Mitglied der Gewerkschaft S. und dadurch bei der S.
Rechtsschutz versichert. Der Versicherungsschutz beinhaltete eine umfassende
Verkehrs- und Privatrechtsschutzversicherung bei der C. Rechtsschutz. Diese
wiederum hatte sämtliche Personen, die bei ihr privatrechtsschutzversichert waren,
zusätzlich bei der H. AG gegen Unfälle durch Gewaltverbrechen versichert. Da die C.
Rechtsschutzversicherung auch die Ehepartner bzw. die im gleichen Haushalt
wohnhaften Lebensgefährten der S.-Mitglieder in die Privatrechtsschutzversicherung
mit einschloss, wurde L.S-B. von der H. AG am 25. September 2000 eine
Vorschusszahlung von Fr. 50'000.-- und am 13. November 2002 eine Summe von
Fr. 650'000.-- ausgerichtet.
B./ Mit Veranlagungsverfügung vom 18. Juni 2004 besteuerte das kantonale Steueramt
die gesamte Kapitalleistung der H. AG von Fr. 700'000.-- mit einer separaten
Jahressteuer für das Jahr 2002. Die Steuerpflichtige erhob daraufhin mit Schreiben
vom 13. Juli 2004 Einsprache und beantragte, dass die empfangene Kapitalleistung der
H. AG als steuerfreie Leistung qualifiziert werde. Mit Entscheid vom 21. Januar 2005
lehnte das kantonale Steueramt die Einsprache ab. Zur Begründung wurde
insbesondere angeführt, dass es sich bei der ausbezahlten Leistung um eine
Invaliditätsentschädigung handle, die als Ausgleich für die voraussichtlich bleibende
Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit selbst dann steuerbar sei, wenn die Versicherte
trotz Invalidität faktisch keinen Erwerbsausfall erleide. Die in Frage stehende
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Versicherungsleistung würde damit weder einen Haushaltschaden noch einen
immateriellen Schaden abgelten und sei dementsprechend zu versteuern.
C./ Gegen diesen Einsprache-Entscheid erhob L.S-B. Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission. Am 12. April 2005 wurde der angefochtene Einsprache-
Entscheid vom kantonalen Steueramt widerrufen, einerseits wegen der damals noch
offenen Frage der tariflichen Besteuerung von Alleinerziehenden, andererseits aufgrund
der Tatsache, dass Fr. 50'000.-- der Kapitalabfindung bereits im Jahr 2000 ausbezahlt
worden waren und daher in jenem Jahr zur Besteuerung gelangen sollten. Der Rekurs
wurde zufolge Gegenstandslosigkeit abgeschrieben.
D./ In der Folge wurde am 25. November 2005 die Vorschusszahlung von Fr. 50'000.--
einer separaten Jahressteuer für das Jahr 2000 unterworfen. Dagegen erhob L.S-B. mit
Eingabe vom 23. Dezember 2005 erneut Einsprache mit dem Antrag, auf die
Besteuerung dieser Leistung sei zu verzichten. Am 13. Januar 2006 teilte das kantonale
Steueramt L.S B. mit, dass neben der Einsprache gegen die Verfügung vom
25. November 2005 auch noch die Einsprache gegen die Verfügung vom 18. Juni 2004
offen sei. Die beiden Einsprachen würden deshalb gleichzeitig behandelt, wobei die
Frage der direkten Bundessteuer noch ausgeklammert würde, bis diese Entscheide in
Rechtskraft erwachsen seien. Mit den Entscheiden vom 11. September 2006 wies das
kantonale Steueramt mit analoger Begründung wie im widerrufenen Entscheid vom
21. Januar 2005 sowohl die Einsprache betreffend die Jahressteuer 2000 als auch
betreffend die Jahressteuer 2002 ab. Allerdings wurde der im Jahr 2002 zu
besteuernde Betrag auf Fr. 650'000.-- reduziert, was folglich einer teilweisen
Gutheissung der ursprünglichen Einsprache vom 13. Juli 2004 entsprach.
E./ Gegen diese Entscheide erhob die Steuerpflichtige mit Eingabe vom 11. Oktober
2006 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, es sei
festzustellen, dass die Kapitalleistung der H. AG vollumfänglich steuerfrei sei. Die
Verwaltungsrekurskommission wies den Rekurs mit Entscheid vom 4. Juli 2007 mit der
Begründung ab, dass die in Frage stehende Versicherungsleistung als
Invaliditätsentschädigung zu qualifizieren sei. Da L.S-B. im Zeitpunkt des Verbrechens
jedoch keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen sei, handle es sich bei der
ausgerichteten Leistung nicht um eine direkte Ersatzeinkunft. Mit der
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Versicherungsleistung werde vielmehr eine bleibende Beeinträchtigung der
Erwerbsfähigkeit und folglich ein bleibender körperlicher und gesundheitlicher Nachteil
im Sinne von Art. 36 lit. b des Steuergesetzes (sGS 811.1, abgekürzt StG) entschädigt.
Entgegen der Auffassung der Steuerpflichtigen werde durch diese Leistung aber nicht
ein steuerfreier Haushaltschaden abgedeckt, da gemäss neuster bundesgerichtlicher
Rechtsprechung der Ersatz für den Haushaltschaden nur noch insoweit steuerfrei sei,
als damit zusätzlicher Aufwand abgegolten werde. Da L.S-B. keinen unfallbedingten
effektiven zusätzlichen Aufwand nachweisen könne, sei die gesamte Entschädigung in
Höhe von Fr. 700'000.-- steuerbar.
F./ Am 5. September 2007 erhob L.S-B. Beschwerde beim Verwaltungsgericht
St. Gallen mit dem Antrag, es sei festzustellen, dass die Kapitalleistungen der H. AG
eine vollumfänglich steuerfreie Leistung sei. Zudem sei der Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission vom 4. Juli 2007 zu berichtigen und die Veranlagungen
seien ersatzlos aufzuheben; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Die
Begründung wurde am 25. September 2007 nachgereicht.
Die Verwaltungsrekurskommission beantragte in ihrer Vernehmlassung vom
10. Oktober 2007 die Abweisung der Beschwerde und verwies zur Begründung auf die

Erwägungen des angefochtenen Entscheides. Das kantonale Steueramt schloss in
seiner Vernehmlassung vom 26. Oktober 2007 ebenfalls auf Abweisung der
Beschwerde unter Kostenfolge zu Lasten von L.S-B.. L.S-B. nahm am 13. November
2007 zur Vernehmlassung des kantonalen Steueramtes Stellung.
Die einzelnen Vorbringen der Verfahrensbeteiligten werden, soweit wesentlich, in den
nachstehenden Erwägungen dargelegt und gewürdigt.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 196 Abs. 1
StG; Art. 59 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1,
abgekürzt VRP). Die Beschwerdeführerin ist zur Beschwerdeführung legitimiert, und
ihre Eingaben entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen
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Anforderungen (Art. 196 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 161 StG sowie Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Im vorliegenden Fall ist umstritten, ob die Versicherungsleistung der H. AG von
Fr. 50'000.-- im Jahr 2000 und Fr. 650'000.-- im Jahr 2002 steuerbare Einkünfte
darstellen.
2.1. Nach Art. 29 Abs. 1 StG unterliegen alle einmaligen und wiederkehrenden
Einkünfte der Einkommenssteuer. Der steuerrechtliche Einkommensbegriff ist nach der
schweizerischen Doktrin und der höchstrichterlichen Rechtsprechung massgeblich
geprägt durch die Reinvermögenszugangstheorie. Die Steuergesetzgeber von Bund
und Kantonen haben aber seit jeher in Abweichung von der
Reinvermögenszugangstheorie grundsätzlich nur jene Vermögenszugänge als
Einkünfte erfasst, welche auf Zuflüsse von aussen zurückzuführen sind. Als Einkommen
im steuerrechtlichen Sinn wird prinzipiell nur das verstanden, was von aussen in die
Vermögenssphäre des Steuerpflichtigen hereinkommt. Als Einkünfte i.S.v. Art. 29 Abs. l
StG sind deshalb sämtliche geldwerten Vorteile zu verstehen, die einem
Steuerpflichtigen in einer bestimmten Periode von aussen zufliessen und die er ohne
Vermögenseinbusse für seine privaten Bedürfnisse verwenden kann (M. Reich, in:
Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bd. I/1, N 20 zu Art. 7 StHG).
Die Steuergesetze von Bund und Kantonen erfassen dem Grundsatz nach das gesamte
Einkommen der Steuerpflichtigen (Zuppinger/Böckli/Locher/Reich,
Steuerharmonisierung, Bern 1984, S. 97; BGE 125 II 113 E. 4a = StE 1999, B 23.1
Nr. 41 = ASA 67 1998/99, S. 644; Botschaft Steuerharmonisierung, BBl III 1983 1,
S. 161: "Grundsatz der allgemeinen Einkommenssteuer"). Es werden sämtliche
geldwerten Vorteile, die dem Steuerpflichtigen während des Jahres netto zufliessen, in
einer einheitlichen Bemessungsgrundlage berücksichtigt. Der Umstand, dass
verschiedene steuergesetzliche Bestimmungen der integralen Anwendung des
Grundsatzes der Gesamtreineinkommenssteuer entgegenwirken, indem zahlreiche
Einkommensbestandteile aus sozialen, wirtschaftspolitischen oder
steuersystematischen Gründen nicht der allgemeinen Einkommenssteuer unterworfen
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sind, spricht nicht gegen die zentrale Bedeutung dieses Fundamentalprinzips der
Einkommenssteuer. Es kommt überall dort zum Tragen, wo der Steuergesetzgeber
nicht klar und deutlich davon abgewichen ist.
Weiter impliziert der Grundsatz der Gesamtreineinkommenssteuer das Nettoprinzip.
Steuerbar ist nur das Reineinkommen, d.h. das Bruttoeinkommen abzüglich der damit
zusammenhängenden Aufwendungen und anderer Vermögensabgänge.
Schadenersatzleistungen stellen nach dem Nettoprinzip grundsätzlich kein steuerbares
Einkommen dar. Es handelt sich zwar um Zuflüsse von aussen, mit dem Schadenersatz
wird jedoch lediglich eine erlittene oder noch eintretende wirtschaftliche Einbusse
ausgeglichen. Der Zufluss wird durch einen korrelierenden Vermögensabgang
neutralisiert. Es liegt folglich kein Reinvermögenszugang vor. Vorbehalten bleibt die
Besteuerung von Schadenersatzleistungen, welche wegfallende Erwerbseinkünfte
ersetzen (Reich, a.a.O., N 26 zu Art. 7 StHG).
Neben der generalklauselartigen Umschreibung des Einkommensbegriffs in Art. 29
Abs. 1 StG enthält das StG unter anderem in Art. 36 eine Aufzählung übriger
steuerbarer Einkünfte, worunter auch einmalige oder wiederkehrende Zahlungen bei
Tod sowie für bleibende körperliche oder gesundheitliche Nachteile fallen (Art. 36 lit. b
StG).
Ausnahmen von der objektiven Steuerpflicht ergeben sich zum einen aus den in Art. 37
StG abschliessend aufgezählten steuerfreien Einkünften (normativen Ausnahmen; vgl.
Reich, a.a.O., N 76 zu Art. 7 StHG). Zum anderen unterliegen - wie dargelegt -
Schadenersatzleistungen, welche eine erlittene oder noch eintretende wirtschaftliche
Einbusse ausgleichen nicht der Einkommenssteuer (begriffliche Ausnahme).
Im vorliegenden Fall ist somit aufgrund der Versicherungspolice und den allgemeinen
Versicherungsbedingungen zu prüfen, ob steuerfreie Einkünfte im Sinne von Art. 37
StG oder steuerfreie Schadenersatzleistungen im Sinne der vorstehenden Erwägungen
erbracht worden sind.
Bei der Auslegung der jeweiligen Versicherungspolicen gelten die allgemeinen
Grundsätze der Vertragsauslegung, sofern das Bundesgesetz über den
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Versicherungsvertrag (Versicherungsvertragsgesetz, SR 221.229.1, abgekürzt VVG)
keine gesonderten Bestimmungen enthält (Art. 100 VVG i.V.m. Art. 18
Obligationenrecht, SR 220, und Art. 2 Abs. 1 Zivilgesetzbuch, SR 210; Kuhn/Müller-
Studer/Eckert, Privatversicherungsrecht, 2. Aufl., Zürich 2002, S. 170 ff.). Kann der
wirkliche Vertragswille der Parteien des in Frage stehenden Versicherungsvertrages
nicht ermittelt werden, ist die Auslegung nach dem Vertrauensprinzip vorzunehmen.
Auch vorformulierte Vertragsbestimmungen sind dabei grundsätzlich nach den gleichen
Regeln wie individuell verfasste Vertragsklauseln auszulegen. So erfolgt denn auch bei
den allgemeinen Versicherungsbedingungen (abgekürzt AVB) die Ermittlung des
mutmasslichen Parteiwillens nach dem Vertrauensgrundsatz. Dabei hat das Gericht
vom Wortlaut auszugehen und die Klauseln im Zusammenhang so auszulegen wie sie
nach den gesamten Umständen verstanden werden durften und mussten; es hat dabei
auch zu berücksichtigen, was sachgerecht erscheint (vgl. BGE 133 III 610 E. 2.2).
Nach der allgemeinen Beweisregel im Steuerrecht trägt die Veranlagungsbehörde die
Beweislast für steuerbegründende oder steuererhöhende Tatsachen, während den
Steuerpflichtigen die Beweislast für Tatsachen trifft, die die Steuerschuld aufheben
oder mindern. Wird von einem Steuerpflichtigen geltend gemacht, es liege ein
steuerfreier Zufluss einer Versicherungsleistung vor, hat er dies substantiiert darzulegen
und die entsprechenden beweiskräftigen Unterlagen einzureichen.
2.2. Die Beschwerdeführerin stellte sich in ihrer Einsprache vom 23. Dezember 2005
gegen die Veranlagung vom 25. November 2005 sowie im Rekurs vom 11. Oktober
2006 auf den Standpunkt, dass die Qualifizierung der Versicherungsleistung gestützt
auf den Wortlaut der Versicherungspolice, das vorliegende Schadensbild und die
Motivation zum Vertragsabschluss erfolgen müsse. Der Titel der kollektiven
Unfallversicherung für Opfer eines Verbrechens oder Vergehens der H. AG lasse auf
eine Personenversicherung schliessen, deren Leistungen von den Folgen des
Verbrechens und Vergehens abhängen würden (Tod, Ganzinvalidität, Heilungskosten,
Sachschäden). Bei diesen Leistungen handle es sich ausschliesslich um
Haftpflichtleistungen, weil sie an die Stelle der Leistungen treten würden, welche durch
den Täter zu leisten wären. Der Versicherungspolice könne nicht abschliessend
entnommen werden, welche Schäden abgedeckt würden. Bei einem Unfall mit
Ganzinvalidität kämen aber ein Ersatz von materiellen und immateriellen Schäden,
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Ersatz für den Verlust der Erwerbsfähigkeit sowie Ersatz für die Erschwerung des
wirtschaftlichen Fortkommens und den Haushaltschaden in Betracht. Die
Beschwerdeführerin legt dar, dass ihr insbesondere ein materieller (neben den Kosten,
die durch andere Versicherungen abgegolten würden, insb. freiwillige Kuraufenthalte,
Naturheilprodukte, Kosten für die verlorene Mobilität u.a.) und ein grosser immaterieller
Schaden sowie ein Haushaltschaden entstanden seien. Der Abschluss der
Versicherung sei zudem primär durch die Mitgliedschaft beim der S., allenfalls durch
die als Haftpflichtversicherung ausgestaltete Rechtsschutzversicherung motiviert
gewesen. Dementsprechend müsse auch die Unfallversicherung als
Haftpflichtversicherung qualifiziert werden, die den entstandenen materiellen und
immateriellen Schaden sowie den entstandenen Haushaltschaden ersetzen und damit
ausschliesslich nicht steuerbare Leistungen erbringen würde. Entgegen der Auffassung
des Beschwerdegegners liege dagegen keine Erwerbsersatzleistung vor, was bereits
aus der Leistungsabrechnung hervor gehe. Da sich der geschätzte Haushaltschaden
auf Fr. 852'008.-- belaufe, habe die Versicherung zudem nicht den gesamten Schaden
abdecken können. Entgegen der Auffassung des Beschwerdegegners sei nicht von
Relevanz, ob eine Leistung im Sinne von Art. 88 VVG ausgerichtet worden sei.
Ausschliesslich massgebend sei, ob die Leistung den Ausfall von zukünftigem
Erwerbseinkommen oder die entstandenen immateriellen oder materiellen Schäden
(insb. Haushaltschaden) abdecke. Die Invaliditätsentschädigung gemäss Art. 88 VVG
sei ein Begriff des Privatrechts und für das Steuerrecht nicht massgebend. Wenn
derartige Leistungen unabhängig von der tatsächlichen Erwerbseinbusse steuerbar
wären, würde dies zu falschen Ergebnissen führen.
In der Beschwerdebegründung vom 5. September 2007 bringt die Beschwerdeführerin
ergänzend vor, dass das Bundesgericht - entgegen der Auffassung der Vorinstanz -
nach wie vor an der Steuerfreiheit des Haushaltschadens festgehalten habe. Bei einer
Berücksichtigung der Mehrkosten für die neue, rollstuhlgängige Wohnung, das
grössere Auto, behindertengerechte Ferien, die Benützung der öffentlichen
Verkehrsmittel, die nicht durch die Krankenkasse abgedeckten Naturheilprodukte
sowie insbesondere für die erforderliche Haushaltshilfe ergebe sich eine
Schadenssumme von Fr. 2 Mio. Da die Kosten für den Haushaltschaden nicht
verbindlich nachgewiesen werden könnten, müssten Schadenersatzleistungen dieser
Art ohne Einschränkung steuerfrei sein. Für die Beurteilung einer Versicherungsleistung
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müsse primär auf den Beweggrund für den Abschluss der Versicherung abgestellt
werden. Wenn ein Verband eine Rechtsschutzversicherung für seine Mitglieder
abschliesse, könne die Motivation einzig darin bestehen, einen ausserordentlichen
Vermögensschaden zu ersetzen.
2.3. Die hier zu prüfende Versicherungsleistung der H. AG wurde gestützt auf eine
kollektive Unfallversicherung ausgerichtet, die dem VVG untersteht. Aus dem
Leistungsbescheid der H. AG vom 17. Oktober 2002 geht hervor, dass ein
Invaliditätskapital gestützt auf einen medizinisch-theoretischen Invaliditätsgrad
ausgerichtet wurde. Dies entspricht Art. 8 i.V.m. Art. 5 der AVB vom Januar 1998. Art. 8
AVB enthält die Grundsätze, nach denen der Umfang der Invalidität bemessen wird.
Neben einer Gliedertaxe enthält die Bestimmung auch eine Generalklausel, wonach in
Fällen, die nicht von der Gliederskala erfasst werden, der Invaliditätsgrad aufgrund
ärztlicher Feststellungen in Anlehnung an die Gliedertaxe ermittelt werden soll. Gestützt
auf die medizinischen Akten - wohl insbesondere aufgrund des von der
Sozialversicherungsanstalt St. Gallen errechneten IV-Grades von 87% - hat die H. AG
auf einen medizinisch-theoretischen Invaliditätsgrad von 100% geschlossen und die
volle Versicherungssumme von Fr. 700'000.-- (Fr. 200'000.-- mit Progression von
200%) ausgerichtet. Aus Art. 8 AVB geht hervor, dass die Versicherungssumme
geschuldet ist, wenn die versicherte Person in ihrer körperlichen Integrität
beeinträchtigt ist und zwar unabhängig davon, ob eine Einschränkung in einer
Erwerbstätigkeit (Erwerbsausfall) oder dem bisherigen Aufgabenbereich (z.B. Haushalt)
besteht.
2.3.1. Fest steht, dass die Beschwerdeführerin durch den Unfall keinen direkten
Erwerbsausfall zu verzeichnen hatte, weil sie im Zeitpunkt des Verbrechens nicht in
einer Erwerbstätigkeit, sondern als Hausfrau tätig war. Die Beschwerdeführerin sowie
die Vorinstanz haben deshalb festgehalten, dass es sich bei der zu beurteilenden
Leistung der H. AG nicht um eine Ersatzleistung handelt, die mit einer gegenwärtigen,
allenfalls vorübergehend eingeschränkten oder unterbrochenen Erwerbstätigkeit in
Zusammenhang steht. Für die Steuerpflicht ist jedoch weitgehend unerheblich, ob es
sich bei der Leistung um ein Ersatzeinkommen handelt oder ob die
Versicherungssumme als Abgeltung für bleibende körperliche oder gesundheitliche
Nachteile zu gelten hat. Im ersten Fall leitet sich die Steuerpflicht aus Art. 36 lit. a StG,
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im zweiten Fall aus Art. 36 lit. b StG ab (vgl. zur analogen Bestimmung im
Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer [SR 642.11, abgekürzt DBG] Richner/Frei/
Kaufmann, Handkommentar zum DBG, Zürich 2003, N 85 zu Art. 23 DBG; Rufener/
Mäusli, Steuerfolgen beim Personenschaden, in: HAVE 2003, S. 147 198, S. 161).
Die hier vorliegende Leistung der H. AG ist demzufolge grundsätzlich als übriges
Einkommen nach Art. 36 StG und damit als steuerbarer Vermögenszufluss zu
qualifizieren. Zu prüfen bleibt, ob eine normative (Art. 37 lit. h StG) oder begriffliche
Ausnahme von der im Grundsatz bestehenden Steuerpflicht vorliegt, indem die
Leistung, gestützt auf die Versicherungspolice, allenfalls als steuerfreie Schadenersatz-
oder Genugtuungszahlung qualifiziert werden kann.
2.3.2. Für die Auslegung des Versicherungsvertrages ist die von der
Beschwerdeführerin angeführte Motivation zum Abschluss des Vertrages nicht
massgebend. Zum einen liegt ein gestuftes Vertragsverhältnis vor, so dass die
Motivation der Beschwerdeführerin bzw. ihres Partners für den Beitritt zur S. nicht für
die Auslegung des Vertragsverhältnisses zwischen der C.-Rechtsschutz und der H. AG
herangezogen werden kann. Zum andern ist der subjektive Wille einer Partei für die
Vertragsauslegung nur dann von Relevanz, wenn dieser von der anderen Vertragspartei
erkannt und gestützt darauf ein Konsens erzielt worden wäre, der von jenem Konsens
abweicht, der sich aus den Willensäusserungen der Parteien ergeben würde (vgl.
Gauch/Schluep/Schmid/Rey, Schweizerisches Obligationenrecht, Allgemeiner Teil I,
Zürich 2003, S. 56 ff.). Da im vorliegenden Fall keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich
sind, dass die in der Vertragspolice zum Ausdruck kommende Übereinkunft zwischen
der H. AG und der C.-Rechtsschutz nicht dem wirklichen Willen der Parteien entspricht,
hat die Auslegung gestützt auf diesen Vertragstext zu erfolgen.
Gemäss Art. 5 der AVB erbringt die zu beurteilende Unfallversicherung einerseits
Leistungen für den Fall, dass die versicherte Person aufgrund eines Verbrechens oder
Vergehens ums Leben kommt oder invalid wird, andererseits deckt die Versicherung
auch Heilungskosten und Sachschäden ab, die durch das Verbrechen oder Vergehen
verursacht worden sind. Während die nach Art. 9 und 10 AVB vereinbarten Leistungen
nur dann fällig werden, wenn ein Vermögensschaden eingetreten ist, hängt gemäss
Art. 8 AVB der Anspruch auf eine Invaliditätsentschädigung lediglich vom Eintritt einer
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körperlichen Beeinträchtigung, nicht aber vom Nachweis einer Vermögenseinbusse ab.
Die Auszahlung der vereinbarten Summe erfolgt gestützt auf eine abstrakte Beurteilung
der Invalidität. Ob und inwiefern durch den Unfall ein wirtschaftlicher Nachteil
entstanden ist, bleibt unberücksichtigt.
Die Auslegung der Versicherungspolice ergibt, dass die vorliegende Versicherung im
Bereich der Leistungen für Heilungskosten und Sachschäden als
Schadensversicherung zu qualifizieren ist. In bezug auf die Leistungen bei Tod und
Invalidität liegt dagegen, wie die Beschwerdegegnerin zutreffend festgehalten hat, eine
Invaliditätsentschädigung im Sinne von Art. 88 VVG vor. Diese setzt nicht voraus, dass
der Versicherte als Folge des Unfalls tatsächlich eine Erwerbseinbusse erlitten hat (vgl.
BGE 127 III 102 E. 2a; H. Steiner, Festlegung der Invalidität im privaten
Unfallversicherungsrecht Urteil des Bundesgericht vom 11. Januar 2001, in: HAVE
2002, S. 123 126 mit Hinweisen; Zigerlig/Jud, in: Kommentar zum Schweizerischen
Steuerrecht, Bd. I/2a, N 13 zu Art. 23 DBG; Maute/Steiner/Rufener, Steuern und
Versicherung, 2. Aufl., Bern 1999, S. 250). Durch die Entschädigung wird vielmehr ein
bleibender körperlicher
oder gesundheitlicher Nachteil abgegolten, der voraussichtlich zu einer bleibenden
Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit führt. Eine andere Beurteilung lassen die
vorliegende Versicherungspolice und die massgeblichen AVB nicht zu. Der Ersatz für
die voraussichtlich bleibende Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit stellt nach den
Grundsätzen der Gesamtreineinkommenssteuer einen steuerbaren Vermögenszufluss
dar. Die Besteuerung von Leistungen für bleibende körperliche und gesundheitliche
Nachteile wird denn auch in Art. 36 lit. b StG explizit vorgesehen.
Auch wenn der Schaden, den die Beschwerdeführerin durch den Unfall erlitten hat,
nicht in Abrede gestellt werden soll, kann eine Versicherungsleistung nur dann als
steuerfreie Schadenersatzleistung qualifiziert werden, wenn aus der
Versicherungspolice hervorgeht, dass die in Frage stehende Leistung nur beim Eintritt
einer Vermögenseinbusse fällig wird. Im vorliegenden Fall erfolgte die Auszahlung der
Versicherungssumme jedoch ohne dass eine Vermögenseinbusse nachzuweisen
gewesen wäre. Zudem wird in der Auszahlungsbestätigung - anders als in den von der
Beschwerdeführerin und vom Beschwerdegegner verschiedentlich zitierten
Entscheidungen zum Haushaltschaden (BGE 132 II 129; 117 Ib 2; SGE 1998 Nr. 30
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E. 2b/aa; StE 1991, B 26.44 Nr. 5; vgl. auch VerwGE des Kantons Zürich vom 3. Juli
2002, SB.2001.54) - nicht ausgewiesen, für welche Schäden die Versicherungsleistung
einen Ausgleich schaffen soll. Eine detaillierte Entschädigungsvereinbarung ist jedoch
für den Nachweis einer steuerfreien Versicherungsleistung unumgänglich (Rufener/
Mäusli, a.a.O., S. 179 f.). Festzuhalten ist allerdings, dass eine detaillierte
Auszahlungsvereinbarung keine hinreichende Bedingung für eine Steuerbefreiung der
ausbezahlten Leistung darstellt. Selbst wenn im vorliegenden Fall die Versicherung in
der Auszahlungsvereinbarung Hinweise angebracht hätte, wären diese unbeachtlich,
da gemäss Versicherungspolice und AVB die Versicherungsleistung beim Vorliegen
einer Beeinträchtigung in der körperlichen Integrität geschuldet ist, losgelöst von einer
nachgewiesenen Vermögenseinbusse.
Zu berücksichtigen ist zudem, dass die H. AG die Versicherungssumme ausbezahlt
hat, ohne dass eine Koordination mit anderen Versicherungsleistungen vorgenommen
wurde. Dies entspricht Art. 96 VVG, wonach Ansprüche aus Personenversicherungen,
die nicht an einen konkreten Schaden anknüpfen, unabhängig von allfälligen
Ansprüchen aus anderen Versicherungs- oder Rechtsverhältnissen uneingeschränkt
geltend gemacht werden können (Ch. Graber, Basler Kommentar zum schweizerischen
Privatrecht, Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag, Basel 2001, N 1 zu Art. 96
VVG). Hätte es sich im vorliegenden Fall - wie von der Beschwerdeführerin vorgebracht
- um eine Schadensversicherung gehandelt, hätten gemäss Art. 72 VVG die von der H.
AG erbrachten Leistungen aufgrund der Anspruchskonkurrenz mit allfälligen Leistungen
durch andere Versicherungen koordiniert werden müssen.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die ohne Nachweis eines Vermögensschadens
ausbezahlte, nach einem medizinisch-theoretischem Invaliditätsgrad bemessene und
nicht mit anderen Versicherungsleistungen koordinierte Versicherungsleistung der H.
AG in Höhe von Fr. 700'000.-- als Invaliditätsentschädigung i.S.v. Art. 88 VVG und
damit als Ersatz für die voraussichtlich bleibende Erwerbsunfähigkeit zu qualifizieren
ist. Die Besteuerung dieser aufgrund eines beleibenden körperlichen oder
gesundheitlichen Nachteils ausgerichteten Leistung erfolgt gestützt auf Art. 36 lit. b
StG. Eine steuerfreie Schadenersatzzahlung liegt demnach nicht vor. Daraus folgt
auch, dass die ausbezahlte Versicherungssumme keine Ersatzleistung für einen
konkreten oder abstrakten Haushaltschaden darstellt. Die steuerrechtliche Beurteilung
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eines Schadenersatzes für den Ausfall einer vorwiegend im Haushalt tätigen Person
muss deshalb im vorliegenden Verfahren nicht weiter geprüft werden.
2.3.3. Nach Art. 5 und 8 AVB stellt die durch ein Gewaltverbrechen verursachte Ganz-
oder Teilinvalidität, bemessen nach einer Gliederskala oder aufgrund ärztlicher
Feststellungen, ein versichertes Risiko der hier zu beurteilenden kollektiven
Unfallversicherung dar. Auch wenn die versicherte Ganz- oder Teilinvalidität zu einer
Beeinflussung der Lebensqualität oder einer Beeinträchtigung der persönlichen
Kontakt- und Entfaltungsmöglichkeiten führen kann und damit allenfalls einen
Genugtuungsanspruch zu begründen vermag, setzt die Qualifizierung einer
Versicherungsleistung als steuerfreie Genugtuungszahlung voraus, dass die
Vertragsparteien im Versicherungsvertrag eine Abgeltung der erlittenen oder
vermuteten immateriellen Schädigung vereinbart haben. Weder die Formulierung der
Versicherungspolice bzw. der ABV noch der von der Versicherung genannte
Auszahlungsgrund lassen im vorliegenden Fall jedoch den Schluss zu, dass mit der
vereinbarten Versicherungssumme die Abgeltung einer immateriellen Unbill
beabsichtigt war. Die C. Rechtsschutz hat als Versicherungsnehmerin zudem
festgehalten, dass nach ihrer Auffassung die Leistung einen Invaliditäts-, nicht aber
einen Genugtuungscharakter habe. Andere Umstände, die eine Behandlung der in
Frage stehenden Versicherungsleistung als steuerfreie Genugtuungszahlung
rechtfertigen würden, liegen nicht vor.
2.3.4. Aus den vorstehenden Erwägungen folgt, dass die in Frage stehende
Versicherungsleistung der H. AG weder als Schadenersatz- noch als
Genugtuungszahlung qualifiziert werden kann, sondern eine pauschale Abgeltung für
die bleibenden, durch den Unfall ausgelösten körperlichen und gesundheitlichen
Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin darstellt. Eine Besteuerung dieser
Leistungen wurde vom Gesetzgeber in Art. 36 lit. b StG ausdrücklich vorgesehen. Zu
berücksichtigen ist dabei, dass diese Leistungen gemäss Art. 52 StG gesondert
besteuert werden. Durch diese Trennung vom übrigen Einkommen und durch die im
alten Recht (in Kraft bis 31. Dezember 2006) vorgesehene Anwendung des
Rentensatzes werden solche Leistungen progressionsmässig günstig behandelt. Der
Gesetzgeber trug damit der besonderen Natur dieser Leistungen Rechnung und war
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bestrebt, allfällige Härtefälle zu mildern. Die Beschwerde ist als unbegründet
abzuweisen.
3. Die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens sind dem Verfahrensausgang
entsprechend der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 3'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS
941.12) und kann mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe verrechnet
werden.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen. Die Beschwerdeführerin ist
unterlegen (Art. 98 VRP), und der Beschwerdegegner hat keinen Anspruch auf eine
ausseramtliche Entschädigung (vgl. R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st.
gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 176).
Demnach hat das Verwaltungsgericht