Decision ID: 6b0afc29-f1d2-4daa-b777-399c77f24e76
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend sexuelle Nötigung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur, Einzelgericht, vom 15. Februar 2021 (GG200048)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 20. August
2020 (Urk. 19) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 45 S. 38 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig:
− der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB,
− des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB sowie
− des geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit
Art. 172ter Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 9 Monaten, teilweise als Zusatz-
strafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 16. November 2019, wo-
von bis und mit heute 5 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Busse von
Fr. 300.–
3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an
deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.
4. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB für die Dauer von 6 Jahren
des Landes verwiesen.
5. Von der Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem wird
abgesehen.
6. Nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils werden die folgenden, sichergestellten und beim
Forensischen Institut Zürich unter der Polis-Geschäfts-Nr. 76734366 gelagerten Spuren und
Spurenträger eingezogen und der Lagebehörde zur Vernichtung überlassen:
a) DNA-Spur-Wattetupfer (Asservat-Nr. A013'204'858);
b) DNA-Spur-Wattetupfer (Asservat-Nr. A013'204'869).
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7. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'800.00 ; die weiteren Kosten des Verfahrens betragen:
Fr. 2'500.00 Gebühr Vorverfahren Fr. 798.50 Auslagen (Gutachten)
Fr. 2'560.00 Auslagen Polizei
Fr. 3'000.00 bereits geleistete Akontozahlung an die amtliche Verteidigung Rechtsanwalt lic. iur. X._ (inkl. Barauslagen und MwSt.)
Fr. 5'806.10 amtliche Verteidigung lic. iur. X._ (inkl. Barauslagen und MwSt.)
Fr. 16'464.60 Total
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert sich die Gerichts-
gebühr um einen Drittel.
8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich diejenigen
der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen
Verteidigung werden indessen einstweilen auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten
bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
9. [Mitteilung]
10. [Rechtsmittel]"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 48 S. 2; Urk. 62 S. 2)
"1. Es seien die Disp.-Ziff. 1. (ausser in Bezug auf den Vorwurf des Hausfriedensbruchs), 2. – 5. und 8. des Urteils des  Winterthur vom 15. Februar 2021 aufzuheben.
2. Der Beschuldigte sei des Vorwurfs des Hausfriedensbruchs schuldig zu sprechen.
3. Der Beschuldigte sei von allen übrigen Vorwürfen, die gemäss Anklageschrift in Frage kommen, freizusprechen.
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4. Es sei i.S.v. Art. 52 StGB von einer Bestrafung des Beschuldigten abzusehen. Eventualiter sei der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu CHF 10.00 zu verurteilen.
5. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens seien auf die  zu nehmen.
6. Es sei festzustellen, dass die Disp.-Ziff. 6. – 7. und 9. – 10. des Urteils des Bezirksgerichts Winterthur vom 15. Februar 2021 in Rechtskraft erwachsen sind.
7. Die Verfahrenskosten des oberinstanzlichen Verfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen.
8. Der Berufungsführer sei für das oberinstanzliche Verfahren  zu entschädigen.
9 Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zzgl. ."
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 53, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

Erwägungen:
I. Verfahrensgang und Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Mit Eingabe vom 20. August 2020 erhob die Staatsanwaltschaft Winterthur/
Unterland Anklage beim Einzelgericht am Bezirksgericht Winterthur (Urk. 19). Der
Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil ergibt sich aus dem angefochte-
nen Entscheid der Vorinstanz vom 15. Februar 2021 (Urk. 45 E. I. S. 4).
1.2. Mit besagtem Urteil der Vorinstanz wurde der Beschuldigte A._ einer-
seits der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB und andererseits
des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB und des geringfügigen Dieb-
stahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB
schuldig gesprochen. Die Vorinstanz belegte ihn dafür mit einer Freiheitsstrafe
von 9 Monaten (unbedingt, teilweise als Zusatzstrafe) und einer Busse von
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Fr. 300.– (mit einer Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen). Ausserdem wurde der Be-
schuldigte für sechs Jahre des Landes verwiesen, wobei die Vorinstanz von einer
Ausschreibung im Schengener Informationssystem (SIS) absah.
1.3. Gegen dieses zunächst mündlich und schriftlich im Dispositiv eröffnete Ur-
teil (Prot. I S. 20 ff., Urk. 33) liess der Beschuldigte noch gleichentags und damit
rechtzeitig durch seine Verteidigung Berufung anmelden (Urk. 36; Art. 399 Abs. 1
StPO).
Am 4. bzw. 5. Mai 2021 wurde das begründete Urteil (Urk. 41 = Urk. 45) an die
Parteien versandt und ihnen am 6. Mai 2021 zugestellt (Urk. 42).
1.4. Die Berufungserklärung des Beschuldigten erfolgte am 26. Mai 2021 (Da-
tum des Poststempels) und damit innert der zwanzigtägigen Frist von Art. 399
Abs. 3 StPO (Urk. 48).
Mit Präsidialverfügung vom 31. Mai 2021 (Urk. 51) wurde die Berufungserklärung
samt Beilage der Staatsanwaltschaft sowie der Privatklägerin (B._ Genos-
senschaft) zugestellt und Frist angesetzt, um gegebenenfalls Anschlussberufung
zu erheben oder ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. Gleichzeitig
wurde der Beschuldigte unter Hinweis auf sein Aussageverweigerungsrecht auf-
gefordert, ein Datenerfassungsblatt auszufüllen und seine finanziellen Verhältnis-
se zu belegen. Ausserdem wurde der Geschädigten C._ Frist angesetzt, um
zu erklären, ob sie beantrage, dass dem urteilenden Gericht eine Person gleichen
Geschlechts angehöre (Art. 335 Abs. 4 Satz 1 StPO) und/oder ob sie im Falle ei-
ner Befragung von ihrer Person verlange, von einer Person gleichen Geschlechts
einvernommen zu werden (Art. 153 Abs. 1 StPO). Die Staatsanwaltschaft bean-
tragte darauf die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils und ersuchte um Dis-
pensation von der Teilnahme an der Berufungsverhandlung (Urk. 53). Anschluss-
berufung erhob die Staatsanwaltschaft nicht; ebenso wenig die Privatklägerin,
welche sich wie auch die Geschädigte C._ innert besagter Frist (vgl. Urk. 52)
nicht vernehmen liess. Aufforderungsgemäss reichte der Beschuldigte das Daten-
erfassungsblatt samt Unterlagen zu seinen finanziellen Verhältnissen ein (Urk. 55
und 57/1–4).
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Am 14. Juli 2021 wurde zur heutigen Berufungsverhandlung vorgeladen. Der
Staatsanwaltschaft wurde das persönliche Erscheinen freigestellt; der Privatkläge-
rin und der Geschädigten C._ Kenntnis von der Verhandlung gegeben
(Urk. 58). Es erschienen heute zur Berufungsverhandlung der Beschuldigte und
sein amtlicher Verteidiger (Prot. II S. 4). Vorfragen waren keine zu entscheiden
und – abgesehen von der Einvernahme des Beschuldigten – auch keine Beweise
abzunehmen (Prot. II S. 6; Urk. 61).
Das Urteil erging im Anschluss an die Berufungsverhandlung (Prot. II S. 8 ff.).
2. Umfang der Berufung
2.1. Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen den vorinstanzlich er-
gangenen Schuldspruch wegen sexueller Nötigung und wegen Diebstahls (Dispo-
sitiv-Ziffer 1, 1. und 3. Lemma) und gegen die Sanktionsfolgen (Strafe und deren
Vollzug [Dispositiv-Ziffern 2 und 3], die Landesverweisung [Dispositiv-Ziffer 4])
sowie gegen die erstinstanzliche Kostenauflage (Dispositiv-Ziffer 8; vgl. zum Gan-
zen Urk. 48 S. 2, Urk. 62 S. 2; vgl. auch Prot. II S. 5 f.).
2.2. In Rechtskraft erwachsen sind damit der Schuldspruch wegen Hausfrie-
densbruchs (Dispositiv-Ziffer 1, 2. Lemma), die Einziehung der sichergestellten
Spuren und Spurenträger zur Vernichtung (Dispositiv-Ziffer 6) und die Kostenfest-
setzung bis und mit erstinstanzlichem Urteil (Dispositiv-Ziffer 7).
Der Eintritt der Rechtskraft dieser Dispositiv-Ziffern ist vorab mittels Beschluss
festzustellen (Art. 399 Abs. 3 StPO in Verbindung mit Art. 402 und 437 StPO so-
wie Art. 404 StPO).
3. Strafanträge
Beim in Frage kommenden Straftatbestand des geringfügigen Diebstahls im Sin-
ne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB handelt es
sich um ein Antragsdelikt. Die Vorinstanz hält zu Recht fest (Urk. 45 E. II S. 40),
dass die Privatklägerin B._ Genossenschaft gültig und fristgerecht (Art. 31
StGB) Strafantrag gestellt hat (Urk. 2/4). Die Gültigkeit des Strafantrags wurde
denn auch seitens der Verteidigung nicht in Frage gestellt.
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Auch die Geschädigte C._ hat explizit Strafantrag gestellt, und zwar wegen
sexueller Belästigung (Urk. 1/7). Sie bezüglich im Vordergrund steht allerdings ein
Offizialdelikt, nämlich sexuelle Nötigung im Sinne von Art. 189 StGB.
4. Formelles
4.1. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten
Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, erfolgt dies in
Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies stets explizit Erwäh-
nung findet.
4.2. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende Instanz nicht
mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und jedes einzelne
Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1; BGE 139 IV
179 E. 2.2; BGE 138 IV 81 E. 2.2, je mit Hinweisen). Die Berufungsinstanz kann
sich auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Es müssen
aber wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich das Ge-
richt hat leiten lassen und auf die sich sein Entscheid stützt (BGE 141 IV 249
E. 1.3.1 mit Hinweisen).
II. Schuldpunkt – Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Ausgangslage
1.1. Von den drei Anklagevorwürfen sind im Berufungsverfahren nunmehr noch
folgende zwei Anklagevorwürfe verfahrensgegenständlich (Urk. 19 S. 2 f.):
Die Anklage wirft dem Beschuldigten im Dossier 1 sexuelle Nötigung vor. Dem
Beschuldigten wird dabei zur Last gelegt, er habe sich am frühen Sonntagmorgen
des 10. November 2019, um 5 Uhr, an der D._-strasse ... in E._ (beim
Bahnhof E._), zusammen mit einer unbekannten weiteren männlichen Per-
son der Geschädigten C._ genähert und sie sinngemäss mit den Worten
«Wohin gehst du?» angesprochen. Nachdem die Geschädigte nicht darauf rea-
giert habe, habe er sie wenige Sekunden später an der Schulter gepackt, habe ih-
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ren Rücken mit Gewalt gegen ein Baustellengitter gedrückt und ihr bewusst und
grob über der Kleidung in den Schritt gegriffen. Sein Begleiter sei derweil unmit-
telbar daneben gestanden, ohne sich am Vorfall zu beteiligen oder einzugreifen.
Nur weil sich die Geschädigte umgehend heftig und entschlossen zur Wehr ge-
setzt und ihm insbesondere mit der rechten Hand ins Auge gelangt habe, habe er
von ihr abgelassen, worauf sie sich lösen und zu Fuss habe flüchten können (Urk.
19 S. 2).
Gemäss dem zweiten verfahrensgegenständlichen Anklagevorwurf (Dossier 2)
soll sich der Beschuldigte des geringfügigen Diebstahls schuldig gemacht haben.
Konkret soll er am 25. Februar 2020 um ca. 19:15 Uhr im B._-
Verkaufsgeschäft am F._-platz ... in E._ vier Google Play-Karten im
Wert von je Fr. 50.– behändigt, in seine Jackentasche gesteckt und darauf – ohne
die Karten zu bezahlen bzw. aktivieren zu lassen – die B._-Filiale verlassen
haben (Urk. 19 S. 3).
1.2. Der Beschuldigte bestreitet jegliche Beteiligung an einem Übergriff auf die
Geschädigte C._ (Urk. 61 S. 10 ff.). Er habe niemanden sexuell genötigt oder
belästigt (Urk. 1/5.3 F/A 15). Er kenne diese Frau nicht, habe sie nie gesehen; er
sei das nicht gewesen (Prot. I S. 14). In der fraglichen Nacht sei er auf der Stras-
se gewesen, wo genau wisse er nicht. In dieser Zeit sei er auf Medikamente und
Alkohol angewiesen gewesen (Prot. I S. 14). Im Ergebnis macht der Beschuldigte
geltend, dass eine Verwechslung seiner Person vorliegt.
Was den Sachverhalt im Dossier 2 angeht, räumt der Beschuldigte ein, dass er
am fraglichen Tag im B._-Laden war. Er bestreitet auch nicht, die Google
Play-Karten genommen zu haben (Prot. I S. 17, Urk. 61 S. 10). Er sei da aber be-
trunken gewesen und habe unter Medikamenteneinfluss gestanden; es sei ihm
nicht bewusst gewesen, was er getan habe. Damals sei es ihm nicht gut gegan-
gen (Prot. I S. 17, Urk. 61 S. 12 f.).
2. Grundsätze der Sachverhaltserstellung und massgebliche Beweismittel
Was die Vorinstanz zu den massgebenden Grundsätzen der Sachverhalts-
erstellung und den Beweiswürdigungsregeln (dabei namentlich auch zur Würdi-
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gung von Indizien) ausführt, ist nicht zu beanstanden (Urk. 45 E. III/A/1.2 S. 5 f.).
Darauf kann zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen werden kann.
Die Vorinstanz hat die massgeblichen Beweismittel genannt und die Umstände
ihrer Erhebung und ihren Inhalt (sprachlich integriert in die Beweiswürdigung)
richtig wiedergegeben (Urk. 45 E. III/A/1.3 ff. S. 6 ff.).
3. Zum Vorwurf der sexuellen Nötigung (Anklagedossier 1)
3.1. Würdigung der Beweismittel
3.1.1. Die Vorinstanz erachtete den zur Anklage gebrachten Sachverhalt gestützt
auf die massgeblichen Beweismittel als erstellt (Urk. 45 E. III/A/1.12 S. 13). Es
kann vorweggenommen werden, dass den von der Vorinstanz aus dem Beweis-
material gezogenen Schlüssen zur Sachverhaltserstellung zu folgen ist. Sorgfäl-
tig, schlüssig und zutreffend hat die Vorinstanz die Aussagen namentlich der Ge-
schädigten (Urk. 45 E. III/A/1.4 und 1.5 S. 6 f.) und des Beschuldigten (Urk. 45
E. III/A/1.7 und 1.8 S. 8 ff.) gewürdigt, indem sie diese Aussagen mit der Indizien-
lage verglich, wie sie sich namentlich aufgrund der DNA-Spuren (Urk. 1/10.2 und
Urk. 1/10.4), der Fotografien vom Tatort (Urk. 1/8) aber auch der Ausgangshisto-
rie über den Beschuldigten des Bundesasylzentrums in H._ ergab
(Urk. 1/11.4). Die Erklärungsversuche des Beschuldigten, seine Lebensumstände
und auch die vorgebrachten Einwände der Verteidigung wurden ebenfalls ange-
messen in die Würdigung einbezogen (Urk. 45 E. III/A/1.6–1.11 S. 7 ff.). Die
nachstehenden Erwägungen sollen die vorinstanzliche Beweiswürdigung nur
noch verdeutlichen und teilweise ergänzen bzw. präzisieren:
3.1.2. Was den unstrittigen Teil des Sachverhalts angeht, nämlich dass die Ge-
schädigte am frühen Morgen des 10. November 2019 beim Bahnhof E._ (an
der D._-strasse ...) Opfer des von ihr geschilderten sexuellen Übergriffs wur-
de, so kann kein Zweifel daran bestehen angesichts ihrer detailreichen, konstan-
ten, kohärenten, logisch konsistenten und authentisch wirkenden Aussagen
(Urk. 1/6.1 sowie 1/6.3 [auf Video aufgezeichnet: Urk. 1/6.4]). Ihre Schilderung ist
valid und lässt sich in Übereinstimmung bringen mit der von der Polizei aufge-
nommenen Fotografie des von ihr beschriebenen Gitters (Zaun zur Bauabsper-
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rung) am Tatort (Urk. 1/8 Foto 2, Urk. 1/6.1 F/A 7). Der Vorinstanz ist insofern
beizupflichten, dass keinerlei Gründe ersichtlich sind, warum die Geschädigte den
Übergriff hätte erfinden sollen (Urk. 45 E. III/A/1.4 S. 6). Ohne Belang zu bleiben
hat hingegen, ob der Beschuldigte den äusseren Ablauf des Vorfalls bestreitet
oder nicht (vgl. Urk. 45 E. III/A/1.4 S. 6 unten); denn basierend auf seinem Stand-
punkt – er bestreitet seine Anwesenheit am Tatort – würde es keinen Sinn erge-
ben resp. wäre es sogar kontraproduktiv, die Schilderungen der Geschädigten in
Zweifel zu ziehen.
Der Ablauf des eingeklagten Vorfalls kann nach dem Gesagten als rechts-
genügend erstellt gelten, und zwar inhaltlich so, wie es die Vorinstanz in Urk. 45
E. III/A/1.4 S. 6 korrekt festhält. Es kann also im Weiteren davon ausgegangen
werden, dass die Geschädigte C._ nach einem Aufenthalt im Tanz-
club/Konzertlokal "G._", wo in jener Nacht die "Drum 'n' Bass"-Party statt-
fand, zu Fuss auf dem Nachhauswege war, als sie eine Gruppe Männer passier-
te. Etwa zehn oder 20 Meter danach nahm sie zwei Männer wahr, welche ihr,
links neben ihr, folgten. Als einer der zwei Männer sie ansprach, ignorierte sie
dies. Im nächsten Moment hielt einer der beiden Männer sie an den Schultern fest
und drückte sie ans Baustellengitter. Er griff ihr zwischen die Beine (über den
Kleidern) und liess erst wieder los, als sie ihm ihre Fingernägel in die Augen, je-
denfalls in Richtung der Augenpartie drückte. Daraufhin wich der Täter zurück,
sodass sich die Geschädigte lösen und wegrennen konnte. Der Vorfall dauerte
etwa fünf bis zehn Sekunden (Urk. 1/6.3 S. 5 f. und S. 8).
3.1.3. Ganz wesentlich belastet wird der Beschuldigte dadurch, dass sich aus
dem von der Polizei gut zwei Stunden nach dem Vorfall sichergestellten Spu-
renasservat aus dem Fingernagelschmutz der rechten Hand der Geschädigten
ein DNA-Profil erstellen liess, das mittels Abgleich mit der DNA-Datenbank CO-
DIS direkt dem Beschuldigten zugeordnet wurde (Urk. 1/10.2 S. 2). Weder vom
Beschuldigten (vgl. Prot. I S. 16 unten sowie Urk. 61 S. 12 oben) noch von der
Verteidigung (Urk. 62 S. 2 f. Rz. 4) wird in Abrede gestellt, dass diese DNA-
Spuren "unzweifelhaft einen gewissen Bezug" (Urk. 31 Rz. 12) zwischen dem Be-
schuldigten und der Geschädigten herstellen.
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Die Vorinstanz hat sich mit dem Beweiswert dieser DNA-Spur befasst und mit Be-
zug auf die Täteridentifikation auch die alternativen Erklärungsversuche diskutiert.
Sie weist zutreffend darauf hin (Urk. 45 E. III/A/1.6 S. 8), dass die fragliche DNA-
Spur im Fingernagelschmutz der rechten Hand nachgewiesen wurde – und nicht
auch der linken. Die Besonderheit, dass sich die Geschädigte mit ihrer rechten
Hand wehrte, als sie mit ihren langen Fingernägeln ins Gesicht des Täters, gegen
die Augen zielend, griff (welche Aussage sie zeitlich schon vor der Spurenauswer-
tung deponierte [Urk. 1/6.1 F/A 13, Urk. 1/10.2 S. 2 f.]) spricht für die Täterschaft
des Beschuldigten. Dem kann ohne Weiterungen beigepflichtet werden.
Sodann lassen sich – mit der Vorinstanz (Urk. 45 E. III/A/1.8 S. 12) – die Informa-
tionen aus der Ausgangshistorie über den Beschuldigten des Bundesasylzent-
rums in H._ (Urk. 1/11.4) und seine vagen Angaben darüber, wie er die
Nacht verbrachte, mit einer Anwesenheit am Tatort zur fraglichen Zeit in Einklang
bringen. Wenn der Beschuldigte am 10. November 2019 um 6:45 Uhr ins Asyl-
zentrum zurückkehrte, so wäre naheliegend, dass er die Zeit kurz vor 6 Uhr in der
Nähe des Bahnhofs E._ verbrachte. Der Tatort liegt auf der der Altstadt ab-
gewandten Seite des Bahnhofs (vgl. Anhang zu Urk. 1/1.6), unweit des Glei-
ses ..., von wo aus gewöhnlich der Zug nach H._ fährt.
Überzeugend zeigt die Vorinstanz auch die Widersprüche in den Angaben des
Beschuldigten auf, was seinen angeblich regelmässigen Discobesuch betrifft.
Discobesuche erwähnte der anwaltlich beratene Beschuldigte erstmals am
24. Juni 2020 bei der Staatsanwaltschaft, nachdem er davon erfahren hatte, dass
sich die Geschädigte vor dem Vorfall im "G._" aufhielt (Urk. 1/5.3 F/A 15;
Urk. 45 E. III/A/1.8 S. 9 ff.). Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom
3. Dezember 2019 (als er noch nicht wusste, dass seine DNA im Fingernagel-
schmutz der Geschädigten nachgewiesen wurde und sich die Geschädigte vor
dem Vorfall im "G._" aufhielt) hatte er demgegenüber noch explizit angege-
ben, in der Tatnacht neu in der Schweiz gewesen und nicht in den Ausgang ge-
gangen zu sein (Urk. 1/5.1 F/A 6; vgl. in diesem Sinne auch Urk. 45 E. III/A/1.8 S.
9 f.). Der Beschuldigte passt offenbar seine Aussagen an den jeweiligen Verfah-
rensstand an. Ähnliches gilt auch für Folgendes: Erst nachdem die Vorinstanz im
angefochtenen Entscheid festgestellt hatte, der Beschuldigte habe nicht über aus-
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reichende finanzielle Mittel für Discobesuche verfügt (Urk. 45 E. III/A/1.8 S. 11),
brachte er im Berufungsverfahren erstmals vor, er habe sexuelle Dienstleistungen
an ältere Leute erbracht, womit er Einkünfte erzielt habe (Urk. 61 S. 11 und 14).
Einerseits blieb er diesbezüglich vage und pauschal (a.a.O. S. 14), andererseits
wurde er bereits von der Vorinstanz explizit gefragt, wie er sich Discobesuche ha-
be finanzieren können, worauf er die heute von ihm behaupteten sexuellen
Dienstleistungen mit keinem Wort erwähnte (Prot. I S. 15). Es ist nicht nachvoll-
ziehbar, weshalb der Beschuldigte diese nicht bereits früher erwähnte. Insgesamt
muss daher davon ausgegangen werden, dass diese Erklärung eine weitere An-
passung an den Verfahrensstand und nachgeschoben ist.
Im Übrigen kann auf die diesbezüglichen Ausführungen der Vorinstanz verwiesen
werden. Quintessenz daraus ist, dass es unplausibel, da lebensfremd erscheint,
dass der Beschuldigte, ein mittelloser Asylbewerber, der sich selbst als Einzel-
gänger beschreibt, im Ausgang psychisch beeinträchtigt (unter Medikamenten-
und Alkoholeinfluss) ein willkürlich ausgewähltes Tanzlokal besucht, den Eintritt
dort mit seinem knappen Asylgeld (oder mit angeblichen Einkünften von erbrach-
ten sexuellen Dienstleistungen) bezahlt oder von anderen Nachtschwärmern ein-
geladen wird, hernach aber keine konkrete Erinnerung an eine solche Begeben-
heit hat. Weil dies völlig unglaubhaft ist, kann auch ausgeschlossen werden, dass
der Beschuldigte im Lokal zufällig und unbemerkt mit der ihm unbekannten Ge-
schädigten in Berührung kam und so schliesslich seine DNA-Spur unter ihren
Fingernagel geriet.
Der Erklärungsversuch des Beschuldigten, er werde manchmal von Frauen beläs-
tigt und sei dabei auch schon von Frauen mit der Hand berührt worden, überzeugt
ebenfalls nicht. Auch diesbezüglich kann auf die zutreffende Erwägung der
Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 45 E. III/A/1.7 S. 8 f.), wonach zwar möglich
ist, dass der Beschuldigte schon von Frauen belästigt wurde und es dabei auch
zu Berührungen kam, dass seine diesbezüglich vagen und pauschalen Aussagen
– ohne Nennung eines Kontakts gerade mit der Geschädigten – indes nur auf ei-
ne Schutzbehauptung schliessen lassen. Zwar erscheint ein DNA-Transfer derge-
stalt, dass nach einer eher kurzen Berührung beispielsweise am Arm der Ge-
schädigten die Geschädigte die DNA selber in den Schmutz unter ihren Fingerna-
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gel führte, indem sie sich am Arm kratzte, per se nicht völlig abwegig, wenngleich
doch eher unwahrscheinlich. Der Vorinstanz kann insofern aber nicht vorbehaltlos
zugestimmt werden, wenn sie ausführt, dass nach der allgemeinen Lebenserfah-
rung DNA- Material lediglich durch eine intensive Berührung unter den Fingerna-
gel einer Person geraten könne (Urk. 45 E. III/A/1.6 S. 7). Nachdem vorliegend
jedoch kein gemeinsamer Aufenthaltsort ersichtlich ist, ist die Möglichkeit einer
solchen Spurenwanderung praktisch ausgeschlossen.
3.1.4. Nach der Verteidigung wird der Beschuldigte stark entlastet dadurch, dass
die Geschädigte ausgesagt habe, sie würde den Täter vermutlich wiedererken-
nen, ihn dann aber unzutreffend beschrieben und auf dem Fotobogen auch nicht
ausgewählt habe, wobei sie stattdessen auf eine andere, "völlig anders ausse-
hende" Person gezeigt habe (Urk. 31 Rz. 14, Urk. 62 S. 7 f. Rz. 17-19).
Nachfolgend kann – ergänzend zu den bereits schlüssigen Erwägungen der
Vorinstanz (Urk. 45 E. III/A/1.10 S. 13) – nochmals, vertiefend, auf die Angaben
der Geschädigten zur Täteridentifikation eingegangen werden: Die Geschädigte
beschrieb den Täter bei der Polizei als schlanken Mann, etwas grösser und etwas
älter als sie, etwa 25 Jahre alt, mit heller Haut und kurzen dunklen Haaren
(Urk. 1/6.1 F/A 22). Gegenüber der Staatsanwältin gab sie auf entsprechende
Frage an, sie nehme an, dass sie den Täter wiedererkennen würde (Urk. 1/6.3
F/A 60), und beschrieb ihn dann als eher schlanken Mann mit mittellangen (ca.
5 cm langen) Haaren, der nicht dunkelhäutig und auch nicht sehr hellhäutig ge-
wesen sei, aber einen "eher dunklen Teint" (Urk. 1/6.4, 01:10:25) gehabt habe. An
die Augenfarbe erinnere sie sich nicht. Er habe keinen (Voll-)Bart gehabt, allen-
falls Stoppeln. Er sei etwas, aber nicht viel grösser als sie gewesen (Urk. 1/6.4,
01:10:58).
Als der Geschädigten bei der Staatsanwaltschaft ein Fotobogen mit acht männ-
lichen Porträts vorgelegt wurde, schaute sie den Bogen gut 20 Sekunden an und
sagte dann spontan: "Also ich kann jetzt bei keinem sicher sagen, dass es wirklich
der ist, aber aus dem Stegreif würde ich auf die Nr. 4 tippen" (Urk. 1/6.4,
01:12:19). Nachgefragt, wie sicher sie sei, dass es sich bei Nr. 4 um den Täter
handle, gab sie an: "Ich würde sagen, fifty-fifty" (Urk. 1/6.4, 01:13:20). Gefragt,
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was den Ausschlag gegeben habe, dass sie auf die Nr. 4 getippt habe, führte die
Geschädigte aus: "Seine Gesichtszüge kommen mir irgendwie bekannt vor"
(Urk. 1/6.4, 01:13: 50; Urk. 1/6.3 F/A ).
Festzuhalten ist einmal, dass der inkriminierte Vorfall von sehr kurzer Dauer (we-
nige Sekunden) war, wobei die Geschädigte erst noch alkoholisiert und zweifellos
auch müde war. Eine präzise Erinnerung kann daher nicht erwartet werden. Dass
sich die Geschädigte nicht an die Augenfarbe erinnern kann, ist angesichts der
ungünstigen Lichtverhältnissen nur folgerichtig. Vor dem Hintergrund, dass bei
verbalen Täterbeschreibungen regelmässig Schwierigkeiten zu erwarten sind (vgl.
BENDER/NACK/TREUER, Tatsachenfeststellungen vor Gericht, 4. Aufl., München
2014, Rn. 1210 f.) und daher keine allzu hohen Anforderungen daran zu stellen
sind, entspricht die Täterbeschreibung der Geschädigten dem zu Erwartenden.
Haupt- und Barthaar konnten zwischen der Bildaufnahme (16. Dezember 2019)
und dem Vorfall (10. November 2019) verändert worden sein, womit das Erschei-
nungsbild erheblich anders geworden wäre. Auch Nuancen im Teint kann ange-
sichts der beim Übergriff herrschenden Lichtverhältnisse keine erhebliche Bedeu-
tung zukommen. Von der Körpergrösse (vgl. Urk. 2/7 sowie Urk. 1/6.4), vom un-
gefähren Alter und vom allgemeinen Typus her scheidet der Beschuldigte auf-
grund des Signalements der Geschädigten jedenfalls keineswegs aus.
Nach dem Gesagten ist sodann nur plausibel, dass die Geschädigte bei der
Wahlbildkonfrontation unsicher war. Dazu stand sie auch. Wenn man dann die
von der Geschädigten dennoch getroffene Wahl in Betracht nimmt (Nr. 4 statt
Nr. 6), ist unschwer zu erkennen, dass die beiden Männer abgesehen von der
Augenpartie recht ähnliche Gesichtszüge aufweisen (Kopfform, Lippenpartie, Na-
senform) und beide dunkler Haarfarbe sind mit eher markanten Augenbrauen.
Man kann sie durchaus als typähnlich bezeichnen. Dass ihre Augen divergieren
bzw. nicht wiedererkannt wurden, könnte wiederum an den Lichtverhältnissen am
Tatort liegen oder auch einfach daran, dass die ausgewählte Person der Geschä-
digten sonst woher bekannt vorkam und sie die Erinnerung falsch zuordnete.
Insgesamt kann konstatiert werden, dass der Beschuldigte durch die Wahlbild-
konfrontation zwar nicht weiter belastet, aber auch nicht erheblich entlastet wurde.
- 15 -
3.1.5. Ähnliches lässt sich – mit der Vorinstanz (Urk. 45 E. III/A/1.9 S. 12) – kon-
statieren zum Beweisergebnis, wonach sich aus den DNA-Spuren auf den Leg-
gins der Geschädigten (Schrittbereich) keine Spuren fanden, die klar auf den Be-
schuldigen als Spurengeber hinweisen würden (Urk. 1/10.4 S. 2). Vorab ist dazu
zu sagen, dass nicht überraschend, sondern vielmehr zu erwarten ist, dass sich
nach einer Tanznacht in einem gut gefüllten Tanzclub (vgl. Urk. 1/6.3 F/A 67 ff.)
mannigfach DNA-Spuren von verschiedenen Personen an den Kleidern finden
lassen, selbstverständlich nicht nur im hier speziell untersuchten Schrittbereich.
Dass sich die DNA gerade des Beschuldigten am Schrittbereich der Leggins nicht
feststellen liess, schliesst ihn als Täter nicht aus. Es ist durchaus möglich, dass
trotz eines festen Griffs mit der blossen Hand an den Legginsstoff im Nachhinein
keine klar der zugreifenden Person zuordenbare DNA-Spur am berührten Stoff-
stück feststellbar ist, zumal die DNA-Spuren (etwa Hautabriebspuren) bis zur
Probeentnahme auch noch unbeabsichtigt entfernt bzw. das Spurenbild beein-
flusst worden sein könnte, namentlich beim Wegrennen oder beim nachherigen
Kleiderwechsel. Dies korrespondiert denn auch mit dem Ergebnis des IRM-
Gutachtens vom 25. Mai 2020, wonach zwar (weitere) Spuren gefunden wurden,
diese indes derart schwach ausgeprägt waren, dass sie nicht weiter interpretiert
werden konnten (Urk. 1/10.4).
Auch hierzu ist somit zu konstatieren, dass die DNA-Analyse ab dem Schrittbe-
reich der Leggins den Beschuldigten zwar nicht weiter belastet, den Verdacht ge-
gen ihn aber auch nicht massgeblich entkräftet.
3.1.6. Die Klärung der Frage, ob eine etwaige Homosexualität des Beschuldigen
ihn als Täter ausschliesst – was von der Vorinstanz verneint wurde (Urk. 45
E. III/A/1.11 S. 13) – kann unterbleiben, da sie nicht entscheidend ist. Die Vertei-
digung brachte zwar wie schon vor Vorinstanz auch im Berufungsverfahren sinn-
gemäss vor, der Beschuldigte sei homosexuell, weshalb eine sexuelle Nötigung
einer Frau ausgeschlossen sei (Urk. 62 S. 8 Rz. 20 f., Prot. II S. 7, Ergänzung 9
und Urk. 31 S. 6 unten). Der Beschuldigte selber erklärte demgegenüber bei der
Polizei, dass er (momentan) kein Interesse an Frauen habe (Urk. 1/5.1 F/A 22,
60, 67 und 69) und schilderte gleichzeitig, wie er auf Frauen zugehe, wenn ihm
- 16 -
eine gefalle (a.a.O. F/A 55 und 69). Sodann gab er im Berufungsverfahren – auch
wenn er ausführte, ein grösseres Handlungsbedürfnis mit Männern als mit Frauen
zu haben – explizit zu Protokoll, "eigentlich bisexuell" zu sein bzw. sowohl Männer
als auch Frauen zu mögen (Urk. 61 S. 14 f.), womit sich die von seiner Verteidi-
gung geltend gemachte Homosexualität relativiert.
3.1.7. Gesamthaft gesehen lassen sich in den Aussagen des Beschuldigten keine
nachvollziehbare, konsistente Erklärung für die erstellte Indizienlage und klare
Signale für unglaubhafte Aussagen erkennen.
3.2. Folgerungen, Ergebnis
Es besteht eine für die Täterschaft des Beschuldigten überzeugend sprechende
Indizienlage, für die der Beschuldigte keine annähernd plausiblen Erklärungen zu
liefern vermag. Fehlen Anhaltspunkte für die Richtigkeit seiner entlastenden
Behauptungen, darf das Gericht in freier Beweiswürdigung zum Schluss kommen,
dessen Vorbringen seien unglaubhaft (vgl. hierzu Urteile des Bundesgerichts
6B_1302/2020 vom 3. Februar 2021 E. 1.4.4 [nicht publ. in BGE 147 IV 176];
6B_678/2013 vom 3. Februar 2014 E. 4.4; 6B_453/2011 vom 20. Dezember 2011
E. 1.6 [nicht publ. in BGE 138 IV 47]; 6B_30/2010 vom 1. Juni 2010 E. 4.1 mit
Hinweisen; 1P.641/2000 vom 24. April 2001, publ. in: Pra 90/2001 Nr. 110, E. 3;
SCHMID/JOSITSCH, Handbuch StPO, 3. Aufl., 2017, N 231; Entscheid des EGMR
vom 8. Februar 1996, Murray gegen Vereinigtes Königreich, in: EuGRZ 1996,
S. 587, Nr. 47; MEYER-LADEWIG/HARRENDORF/KÖNIG, EMRK, Handkommentar,
4. Aufl., 2017, Art. 6 N 138 mit Hinweisen).
Die Summe der den Beschuldigten belastenden Indizien und das Fehlen einer
glaubhaften Erklärung dafür lassen – mit der Vorinstanz (Urk. 45 E. III/A/1.12
S. 13 – keine vernünftigen Zweifel aufkommen, dass es sich beim Beschuldigten
um den Täter handelt, dem die Geschädigte zur Abwehr ins Gesicht griff. Ange-
sichts dieser klaren Beweislage ist der Sachverhalt hinreichend untersucht, und
es braucht nicht noch weiter untersucht zu werden, namentlich ob es sich beim
Spurenmaterial unter dem Fingernagel der Geschädigten um Hautschuppen, Kör-
perflüssigkeiten oder anderes DNA-haltiges Material handelt (welche Frage von
der Verteidigung in Urk. 31 Rz. 12 aufgeworfen wurde).
- 17 -
Der zur Anklage gebrachte Sachverhalt gemäss Dossier 1 ist damit erstellt.
4. Zum Vorwurf des geringfügigen Diebstahls (sub Anklagedossier 2)
Dass der Beschuldigte zur fraglichen Zeit die vier Google Play-Karten im
B._-Verkaufsgeschäft am F._-platz ... in E._ behändigte und ohne
zu zahlen mitnahm, wird von ihm wie bereits erwähnt nicht in Abrede gestellt
(Prot. I S. 17, Urk. 61 S. 10, Prot. II S. 8, Ergänzung 10) und ist auch durch die
Videoaufnahmen der Überwachungskamera (Urk. 2/7) klar belegt (so auch die
Vorinstanz in Urk. 45 E. III/B/1.1 S. 16). Der zur Anklage gebrachte Sachverhalt
gemäss Dossier 2 ist damit erstellt.
Was die Vorinstanz zum Tatsachenfundament zu der vom Beschuldigten (Prot. I
S. 17 und Urk. 61 S. 12 f.) und seiner Verteidigung (Urk. 31 Rz. 24) vorgebrach-
ten Beeinträchtigung seiner Einsichts-/Steuerungsfähigkeit wegen Medikamenten-
/ Alkoholeinflusses ausführte (Urk. 45 E. III/B/1.2 S. 16 mit Verweis auf E. III/B/2.6
S. 18 f.), ist nicht zu beanstanden, und es kann darauf verwiesen werden. Ernst-
hafte Anhaltspunkte für Zweifel an der Schuldfähigkeit ergeben sich aufgrund des
auf Video aufgenommenen Tatvorgehens (Urk. 2/7) und der ärztlichen Abklärung
noch am selben Tag, als die Tat stattfand (Urk. 2/8.3 S. 1, Ziff. 2), nicht.
5. Rechtliche Würdigung
Hinsichtlich der rechtlichen Würdigung kann vollumfänglich auf die zutreffenden
und einlässlichen Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 45 E. III/A/2 S. 13 ff. sowie
E. III/B/2 S. 16 ff.) verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Die Tatbestände der
sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB und des geringfügigen
Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1
StGB wurden vom Beschuldigten direktvorsätzlich im Sinne von Art. 12 Abs. 2
Satz 1 StGB erfüllt. Rechtfertigungs- und/oder Schuldausschlussgründe sind nicht
ersichtlich.
Dementsprechend ist der Beschuldigte anklagegemäss schuldig zu sprechen.
- 18 -
III. Strafzumessung, Strafvollzug
1. Allgemeines, methodische Grundsätze der Strafzumessung, Strafrahmen
1.1. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer unbedingten Frei-
heitsstrafe von 9 Monaten (teilweise als Zusatzstrafe zu einer früher verhängten
Strafe) sowie mit einer Busse von Fr. 300.– (Urk. 45 S. 38). Da einzig der Be-
schuldigte Berufung gegen das vorinstanzliche Urteil erhob, fällt aufgrund des
Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO) eine strengere Bestrafung von
vornherein ausser Betracht.
1.2. Die Vorinstanz ist sorgfältig auf die vorliegend zu beurteilende Konstellati-
on mit mehreren Delikten, die teils vor und teils nach früher festgesetzten Strafen
begangen wurden, eingegangen (retrospektive Konkurrenz, Art. 49 Abs. 2 StGB).
Sie hat dabei zunächst die methodischen Grundsätze zur Bemessung der Zu-
satzstrafe erläutert, wie sie das Bundesgericht aktuell in BGE 145 IV 1 E. 1.2 und
1.3 dargelegt hat (Urk. 45 E. IV/1.-2.1 S. 19 ff.). Die Vorinstanz hat diese Grunds-
ätze danach auch konsequent und richtig befolgt. Auch die Regeln, nach welchen
eine Strafe zuzumessen ist, hat die Vorinstanz zutreffend zusammengefasst
(Urk. 45 E. IV/2.2 und 2.3 S. 21 f.). All dies braucht nicht wiederholt zu werden.
1.3. Weiter hat die Vorinstanz jeweils den Strafrahmen der vom Beschuldigten
begangenen Delikte korrekt abgesteckt und zutreffend festgehalten, dass kein
Anlass besteht, den ordentlichen Strafrahmen zu verlassen (Urk. 45 E. IV/2.2
S. 21, E. IV/3.1.2 S. 25 sowie E. IV/3.5.1 S. 27).
1.4. Auch die Ausführungen der Vorinstanz zur Strafart können (resp. müssen)
übernommen werden. Einerseits kommt für die sexuelle Nötigung (Art. 189 Abs. 1
StGB) unter Berücksichtigung aller Tatumstände keine Strafe bis zu 180 Tages-
einheiten mehr in Frage, sodass hierfür mit Blick auf Art. 34 Abs. 1 Satz 1 StGB
die Geldstrafe ausscheidet. Andererseits muss auch für den Hausfriedensbruch
(Art. 186 StGB) auf die eingriffsintensivere Freiheitsstrafe erkannt werden, nach-
dem die kurz davor liegenden Vorstrafen – bereits zwei kurze Freiheitsstrafen –
den Beschuldigten nicht von der Begehung eines weiteren Vergehens abzuhalten
- 19 -
vermochten (Art. 41 Abs. 1 lit. a StGB; so auch die Vorinstanz in Urk. 45 E. IV/3.4
S. 26 f.).
Damit ist die am 21. Oktober 2020 von der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl ausge-
fällte Geldstrafe für einen Verstoss gegen das AIG (Urk. 60) nicht in die Betrach-
tung einzubeziehen, da es sich bei ihr um eine ungleichartige Strafe handelt (BGE
137 IV 57 E. 4.3), die strafzumessungstechnisch keinen Zusammenhang mit den
heute zu beurteilenden Delikte hat.
Bei den am 29. Juni 2021 von der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland aus-
gefällten Strafen handelt es sich hingegen um gleichartige Strafen (Freiheitsstra-
fe, Busse; Urk. 60). Zufolge retrospektiver Konkurrenz im Sinne von Art. 49 Abs. 2
StGB zwischen der erwähnten rechtskräftigen Verurteilung und sämtlichen heute
zu beurteilenden Straftaten sind die heute auszufällenden Strafen in Anwendung
des Asperationsprinzips als Zusatzstrafen zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Winterthur/Unterland vom 29. Juni 2021 auszufällen.
2. Sexuelle Nötigung
2.1. Tatverschulden
2.1.1. In objektiver Hinsicht ist mit der Vorinstanz zu bemerken, dass sich die Tat-
handlung des Beschuldigten primär gegen die sexuelle Integrität der Geschädig-
ten richtete. Gleichzeitig ging mit dem Übergriff auch eine Verletzung ihrer physi-
schen Integrität einher. Der Vorinstanz kann vorbehaltlos zugestimmt werden,
wenn sie überzeugend ausführt, was folgt (Urk. 45 E. IV/2.4.1 S. 23):
«Der Beschuldigte fing die Geschädigte rein zufällig um 5 Uhr morgens auf dem Nachhauseweg an einer unbeleuchteten Stelle ab und setzte für den Übergriff nebst dem Überraschungseffekt auf seine körperliche Überlegenheit. Er verwirklichte damit genau das, wovor sich vor allem Frauen fürchten, wenn sie im Dunkeln alleine unterwegs sind. Der Beschuldigte nahm damit eine nachhaltige Störung des  der Geschädigten in Kauf. Zudem war er in Begleitung eines weiteren Mannes. Auch wenn dieser nicht aktiv wurde, wirkte die Überlegenheit dadurch noch grösser. Zugunsten des Beschuldigten ist zu berücksichtigten, dass der sexuelle Übergriff an sich von der  her nicht schwer war. Es handelte sich lediglich um ein einmaliges kurzes Ausgreifen des Schritts, was aber vor allem der entschlossenen Gegenwehr der Geschädigten zu verdanken war. Es kann nur speku-
- 20 -
liert werden, was passiert wäre, wenn sich die Geschädigte nicht  hätte.»
Ergänzt werden kann noch, dass die gesamte Situation, in der die Geschädigte
dem Beschuldigten körperlich unterlegen war, ihm (und dem zweiten Mann) ein
Stück weit ausgeliefert war und so einen gewaltsamen Eingriff in ihre Intimsphäre
erdulden musste, für sie zweifellos sehr unangenehm und demütigend war, zumal
ihr die Männer noch hinterher lachten, als sie schliesslich flüchten konnte. Das
Tatvorgehen mag nicht von langer Hand geplant gewesen sein, sondern eher ei-
nem spontanen Entschluss entsprungen sein; es zeugt jedoch von einer verwerf-
lichen sexistischen Haltung gegenüber Frauen.
Mit Blick auf das gesamte Spektrum denkbarer sexueller Nötigungen bis hin zu
beischlafsähnlichen Handlungen ist das objektive Tatverschulden noch als "leicht"
einzustufen.
2.1.2. Der Übergriff geschah direktvorsätzlich. Es ging dem Beschuldigten wohl
vor allem um Macht und Geltung, weniger um die Befriedigung von sexueller Lust.
Jedenfalls liegt ein rein egoistisches Motiv vor (ähnlich die Vorinstanz in Urk. 45
E. IV/ 2.4.2 S. 23).
Die Vorinstanz sah das Verschulden in subjektiver Hinsicht insofern als leicht
relativiert an, als zugunsten des Beschuldigten von einem Medikamenten- und Al-
koholeinfluss ausgegangen werden müsse (Urk. 45 E. IV/2.4.2 S. 23). Angesichts
der aktenkundigen psychiatrischen Behandlung im Jahr 2019 mit Verordnung von
Medikamenten (Urk. 2/8.3: Pregabalin) kann in der Tat nicht ausgeschlossen
werden, dass die Wirkung von Alkohol (allgemein bekannt sind etwa Uneinsich-
tigkeit, Distanzlosigkeit, Enthemmung etc.) durch Medikamente gesteigert gewe-
sen sein könnte, wovon zu Gunsten des Beschuldigten ausgegangen werden
muss. Dies vermag das objektive Tatverschulden geringfügig zu relativieren, wo-
bei es aber noch immer beim Verschuldensprädikat "leicht" bleibt.
2.1.3. Nach dem Gesagten rechtfertigt sich eine hypothetische Einsatzstrafe von
8 Monaten Freiheitsstrafe für die sexuelle Nötigung.
- 21 -
2.2. Täterkomponenten
Was die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten anbelangt, kann auf die
Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 45 E. IV/2.5.2 S. 24) verwiesen werden. An-
lässlich der heutigen Berufungsverhandlung ergab sich nichts wesentlich Neues
(Urk. 61 S. 1 ff.). Eine gesteigerte Strafempfindlichkeit weist der Beschuldigte
nicht auf, und entgegen der Vorinstanz (Urk. 45 E. IV/2.5.3 S. 24) ist nicht ersicht-
lich, weshalb die Lebensgeschichte oder der Werdegang des Beschuldigten Aus-
wirkungen auf die Strafzumessung zeitigen sollten. Aus den persönlichen Ver-
hältnissen des Beschuldigten sowie dem Nachtatverhalten lassen sich keine
strafzumessungsrelevanten Faktoren ableiten.
Den Vorstrafen kommt bei der Strafzumessung allgemein eine wichtige Rolle zu
(BSK StGB I-WIPRÄCHTIGER/KELLER, Art. 47 N 130). Weist ein Täter Vorstrafen
auf, wird dies grundsätzlich straferhöhend gewichtet (Urteil des Bundesgerichts
6B_325/2013 vom 13. Juni 2013 E. 3.2.3; BGE 136 IV 1 E. 2.6.2 ff). Vorliegend
sind die Vorstrafen wegen Diebstahls und wegen eines AIG-Verstosses zwar
nicht einschlägig, doch sie liegen nur wenige Tage zurück (2. bzw.
8. November 2019; vgl. Urk. 60). Ausserdem delinquierte der Beschuldigte wäh-
rend kurz davor angesetzter Probezeit und beging nach den heute zu beurteilen-
den Straftaten weitere Straftaten (vgl. Urk. 60). All das lässt auf eine ausgeprägte
Einsichtslosigkeit schliessen, und es erscheint angemessen, die Strafe um 1 Mo-
nat zu erhöhen.
2.3. Zusatzstrafe für die Straftat vor dem Ersturteil
Angesichts der mit Strafbefehl vom 16. November 2019 von der Staatsanwalt-
schaft Limmattal/Albis (als Ersturteil) ausgefällten Freiheitsstrafe von 70 Tagen
kam die Vorinstanz unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips auf eine Zu-
satzstrafe zu besagtem Strafbefehl in der Höhe von 8 Monaten und 5 Tagen
(Urk. 45 E. IV/2.6 S. 25). Mit Blick bereits auf die Strafe für das Vergehen nach
dem Ersturteil (dem Hausfriedensbruch) ist die Bemessung der Zusatzstrafe
überzeugend, aber auch korrekt.
- 22 -
3. Hausfriedensbruch
3.1. Tatverschulden
3.1.1. In objektiver Hinsicht ist zu bemerken, dass sich der Beschuldigte über ein
erteiltes Hausverbot der B._ Genossenschaft, eines der grössten Detailhan-
dels- und Grosshandelsunternehmens der Schweiz mit einer Vielzahl an Läden,
hinwegsetzte. Diese Missachtung des Willens der Inhaberin des Hausrechts ist
gewiss nicht vergleichbar mit Hausfriedensbruch bei einer Privatperson. Dement-
sprechend ist das objektive Tatverschulden als "sehr leicht" einzustufen.
3.1.2. Der Hausfriedensbruch geschah mit direktem Vorsatz 2. Grades, als Mittel
zur Erreichung eines verfolgten Zwecks (Einkauf bzw. Ladendiebstahl). Auch hier
wird das objektive Tatverschulden geringfügig relativiert durch die unwiderlegte
leichte Beeinträchtigung wegen Medikamenten- und Alkoholeinflusses (vgl. schon
vorn E. III/2.1.2), wobei es noch immer beim Prädikat "sehr leicht" bleibt.
3.1.3. Nach dem Gesagten rechtfertigt sich für den Hausfriedensbruch eine
hypothetische Einsatzstrafe von 20 Tagen Freiheitsstrafe.
3.2. Täterkomponenten
Hinsichtlich der Täterkomponenten gilt analog das vorn unter E. III/2.2 Ausgeführ-
te, und es erscheint angemessen, die Strafe noch um 5 Tage auf 25 Tage zu er-
höhen.
4. Geringfügiger Diebstahl
Die Vorinstanz hat die Übertretung mit einer Busse geahndet, deren Höhe sie
– dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgend – auf Fr. 300.– bemass. Im Ergeb-
nis ist die von der Vorinstanz festgesetzte Busse angesichts einerseits der
persönlichen, namentlich knappen finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten
und andererseits seiner nur kurz zurückliegenden einschlägigen Vorstrafen an-
gemessen.
5. Angemessene Strafe
- 23 -
5.1. In Nachachtung von BGE 145 IV 1 E. 1.3 ist die für die vor dem Strafbefehl
vom 16. November 2019 begangene Straftat festgelegte Zusatzstrafe zur Strafe
für die neuen Taten hinzuzählen (so auch die Vorinstanz in Urk. 45 E. IV/4 S. 27).
Daraus folgt eine Freiheitsstrafe von 9 Monaten (8 Monate 5 Tage + 25 Tage),
teilweise als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis
vom 16. November 2019, sowie eine Busse von Fr. 300.–.
5.2. Seit dem vorinstanzlichen Entscheid wurde der Beschuldigte mit Strafbe-
fehl vom 29. Juni 2021 von der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland wegen
Hausfriedensbruchs und geringfügigen Diebstahls mit einer Freiheitsstrafe von
30 Tagen und mit einer Busse von Fr. 300.– belegt (Urk. 60). Aufgrund der retro-
spektiven Konkurrenz zwischen diesem Strafbefehl und sämtlichen heute zu beur-
teilenden Straftaten sind in Anwendung von Art. 49 Abs. 2 StGB die heute auszu-
fällenden Strafen (zusätzlich) als Zusatzstrafen zum genannten Strafbefehl aus-
zusprechen (vgl. dazu vorne unter E. III/1.4. dritter Absatz).
In Gesamtbetrachtung des Grunddelikts Hausfriedensbruch und der dafür ausge-
fällten Strafe von 30 Tagen Freiheitsstrafe und der aus den obigen Erwägungen
resultierenden Strafe für die heute zu beurteilenden Straftaten der sexuellen
Nötigung und des Hausfriedensbruchs (vgl. dazu vorne unter E. III/5.1.) erscheint
unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips eine hypothetische Gesamtstrafe
von 9 Monaten und 20 Tagen Freiheitsstrafe, mithin eine Zusatzstrafe für den
Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 29. Juni 2021 in der
Höhe von 8 Monaten und 20 Tagen Freiheitsstrafe angemessen.
In Gesamtbetrachtung des Grunddelikts geringfügiger Diebstahl und der dafür
ausgefällten Strafe von Fr. 300.– Busse und der aus den obigen Erwägungen re-
sultierenden Strafe für den heute zu beurteilenden geringfügigen Diebstahl (vgl.
dazu vorne unter E. III/5.1.) erscheint unter Berücksichtigung des Asperations-
prinzips eine hypothetische Gesamtstrafe von Fr. 500.– Busse, mithin eine Zu-
satzstrafe für den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom
29. Juni 2021 in der Höhe von Fr. 200.– angemessen.
- 24 -
5.3. Im Ergebnis ist der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 8 Monaten
und 20 Tagen, teilweise als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Limmattal/Albis vom 16. November 2019 sowie als Zusatzstrafe zum Strafbefehl
der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 29. Juni 2021, sowie mit einer
Busse von Fr. 200.–, als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Winterthur/Unterland vom 29. Juni 2021, zu belegen.
5.4. Die Ersatzfreiheitsstrafe für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung der
Busse ist praxisgemäss auf 2 Tage festzusetzen (Art. 106 Abs. 2 StGB).
6. Vollzug
6.1. Die Vorinstanz hat die anwendbaren Grundsätze bei der Prüfung eines
bedingten Strafvollzugs korrekt wiedergegeben (Urk. 45 E. V/1.1 und 1.2 S. 28 f.).
Bei der Subsumption erwog sie, dass zwar von der Vermutung einer günstigen
Prognose (Art. 42 Abs. 1 StGB) auszugehen sei, dass aber aufgrund der Um-
stände – angesprochen wurden die mehreren Vorstrafen innert der kurzen Anwe-
senheitsdauer in der Schweiz, wobei die Delikte erst noch kurz aufeinander und
teils auch nach angesetzter Probezeit verübt wurden – keine günstige Prognose
im Sinne von Art. 42 Abs. 1 StGB gestellt werden könne (Urk. 45 E. V/1.3 S. 29).
Dem ist beizupflichten. In der Tat ist nicht zu erwarten, dass sich der Beschuldigte
von einer bedingten Freiheitsstrafe nachhaltig beeindrucken liesse. Deshalb ist
der Vollzug der Freiheitsstrafe anzuordnen. Von Gesetzes wegen zwingend ist
auch der Vollzug der Busse (Art. 105 Abs. 1 StGB).
6.2. Der Anrechnung der erstandenen Haft von 5 Tagen an die Freiheitsstrafe
steht nichts entgegen (Art. 51 StGB).
IV. Landesverweisung
1. Standpunkt der Verteidigung
Seitens der Verteidigung wurde im Berufungsverfahren die von der Vorinstanz
ausgesprochene Landesverweisung lediglich dahingehend kritisiert, als dass aus
- 25 -
ihrer Sicht zu Unrecht ein Schuldspruch wegen sexueller Nötigung erfolgt sei.
Darüber hinaus wurde dazu nichts Substantiiertes vorgebracht (Urk. 62 S. 9
Rz. 30 und Prot. II S. 8, Ergänzung 12).
2. Katalogtat, Härtefall-Prüfung
Artikel 66a StGB sieht vor, dass Ausländer, die eine Katalogtat gemäss Absatz 1
dieser Bestimmung begangen haben, vom Gericht unabhängig von der Höhe der
Strafe für fünf bis 15 Jahre aus der Schweiz verwiesen werden. Der Beschuldigte
wird vorliegend wegen einer Katalogtat nach Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB verurteilt,
weshalb sich die Frage nach einer Landesverweisung stellt.
Die Vorinstanz hat sich einlässlich und zutreffend mit der Härtefallklausel gemäss
Absatz 2 von Art. 66a StGB auseinandergesetzt und ist zum Schluss gekommen,
dass beim Beschuldigten kein schwerer persönlicher Härtefall vorliege (Urk. 45
E. VI/1–4 S. 29–36). Der Beschuldigte ist weder in der Schweiz geboren noch
aufgewachsen. Er lebt erst seit kurzer Zeit (rund zwei Jahren) in der Schweiz und
ist sozial, kulturell und persönlich nicht integriert. Dass es ihm nicht zumutbar wä-
re, in Algerien zu leben, ergibt sich aus den vorliegenden Informationen nicht. Die
Landesverweisung nicht abzuwenden vermag namentlich, dass die medizinische
Versorgung in der Schweiz wohl besser ist als in Algerien und er hier medikamen-
tös behandelt wird (vgl. dazu bspw. das Urteil des Bundesgerichts 6B_1079/2018
vom 14. Dezember 2018 E. 1.4.2). Unbehelflich ist schliesslich auch das (unge-
nügend substantiierte) Vorbringen einer homosexuellen Orientierung, welche im
Berufungsverfahren vom Beschuldigten zudem relativiert wurde, indem er aus-
führte, bisexuell zu sein (vgl. dazu vorne unter E. II/3.1.6.). Ohne Kenntnis konkre-
ter Fakten kann nicht davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte infolge
seiner sexuellen Orientierung im Heimatland Algerien effektiv bedroht oder ver-
folgt würde. Gründe, weshalb beim Beschuldigten eine Wegweisung aus der
Schweiz zu einem schweren persönlichen Härtefall nach Art. 66a Abs. 2 StGB
führen sollte, was zu einem ausnahmsweisen Absehen von einer Landesverwei-
sung Anlass geben könnte (BGE 146 IV 105 E. 3.4.2 mit Verweisen), sind nicht
ersichtlich. Eine Abwägung zwischen den privaten Interessen des Beschuldigten
an einem Verbleib in der Schweiz und den öffentlichen Interessen an einer Lan-
- 26 -
desverweisung (Art. 66a Abs. 2 StGB; Grundsatz der Verhältnismässigkeit, Art. 5
Abs. 2 BV) kann damit unterbleiben, und es ist eine Landesverweisung auszu-
sprechen.
3. Dauer
Die Vorinstanz sprach eine Landesverweisung für die Dauer von sechs Jahren
aus, also ein Jahr über der Mindestdauer. Die Staatsanwaltschaft, die vor Vo-
rinstanz noch sieben Jahre propagiert hatte (Urk. 19), beantragt nun lediglich die
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 53).
Die Bemessung der Dauer der Landesverweisung liegt gemäss Botschaft im
Ermessen des Gerichts, das sich dabei insbesondere am Verhältnismässigkeits-
grundsatz zu orientieren hat (Botschaft, BBl 2013, 5975 ff., 6021). Die Dauer der
Landesverweisung ist unter Würdigung aller Umstände des Einzelfalls, namentlich
des Verschuldens des Beschuldigten, der Schwere des Delikts sowie der persön-
lichen Verhältnisse des Betroffenen und seiner allfälligen Bindung zur Schweiz zu
bemessen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_881/2018 vom 14. Dezember 2018
E. 4.1).
Die Vorinstanz begründete ihren Ermessensentscheid überzeugend (Urk. 45
E. VI/5 S. 36). Das Verschulden des Beschuldigten liegt im unteren Bereich für
ein entsprechendes Sexualdelikt. Nur ein sehr leichtes Verschulden müsste aber
zu einer minimalen Dauer der Landesverweisung führen. Trotz der kurzen Anwe-
senheitsdauer musste der Beschuldigte schon mehrfach bestraft werden. Die
strafrechtlichen Verurteilungen beeindruckten ihn offensichtlich nicht. Eine gegen-
über dem Minimum leicht erhöhte Dauer von sechs Jahren ist daher angemessen.
Auch diesbezüglich ist der Entscheid der Vorinstanz zu bestätigen.
4. Ausschreibung im Schengener Informationssystem
Die Vorinstanz sah von einer Ausschreibung der Landesverweisung im
Schengener Informationssystem (SIS) ab mit der Begründung, dass nach der
obergerichtlichen Rechtsprechung für eine SIS-Ausschreibung eine Verurteilung
zu einer Sanktion von über einem Jahr Freiheitsstrafe vorgesetzt sei (vgl. Urk. 45
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E. VII/1 S. 41 f.). Diese Rechtsprechung ist in der Zwischenzeit überholt. Nach der
neuesten bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist die Ausschreibung einer Lan-
desverweisung gegenüber Drittstaatenangehörigen bereits dann im SIS auszu-
schreiben, wenn der entsprechende Straftatbestand – und nicht bloss die konkret
ausgefällte Strafe – eine Freiheitsstrafe im Höchstmass von einem Jahr oder
mehr vorsieht und im Sinne einer kumulativen Voraussetzung von der betroffenen
Person eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung ausgeht. An diese
Gefahr sind keine hohen Anforderungen zu stellen, sondern das Delikt muss le-
diglich von einer "gewissen Schwere" sein, womit Bagatellfälle ausgeschlossen
werden sollen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1178/2019 vom 10. März 2021,
E. 4.8, zur Publikation in der BGE-Sammlung vorgesehen). Diese Voraussetzun-
gen wären vorliegend angesichts der Verurteilung zu einer sexuellen Nötigung im
Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB eigentlich erfüllt, und es ist unbestritten, dass der
Beschuldigte einem Drittstaat (Algerien) angehört. Aufgrund des Verschlechte-
rungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO) hat es nun aber dabei zu bleiben, dass von
einer SIS-Ausschreibung abgesehen wird.
V. Kosten und Entschädigungsfolgen
1. Erstinstanzliche Kostenfolgen
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die erstinstanzliche Kostenauflage
gemäss deren Dispositiv-Ziffer 8 zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO).
2. Kosten des Berufungsverfahrens
Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.– festzusetzen.
Die Kostenauflage erfolgt im Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen (Art. 428
Abs. 1 StPO), sodass die zweitinstanzlichen Kosten – mit Ausnahme der
Entschädigung der amtlichen Verteidigung – dem vollständig unterliegenden Be-
schuldigten aufzuerlegen sind. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind ange-
sichts der schlechten finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten einstweilen auf
die Gerichtskasse zu nehmen. Sie können beim Beschuldigten in einem späteren
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Zeitpunkt eingefordert werden, falls sich seine wirtschaftliche Situation entspre-
chend verbessern sollte, weshalb eine Rückerstattungspflicht vorzubehalten ist
(Art. 135 Abs. 4 StPO).
3. Entschädigungsfolgen
3.1. Der amtliche Verteidiger macht für das Berufungsverfahren einen Aufwand
von Fr. 4'718.25 geltend (Urk. 64). Der bezifferte Aufwand ist ausgewiesen und
erscheint angemessen, weshalb der amtliche Verteidiger antragsgemäss zu
entschädigen ist.
3.2. Aufgrund des Ausgangs des Verfahrens besteht sodann kein Raum für die
von der amtlichen Verteidigung für den Beschuldigten gestellte Entschädigungs-
forderung.