Decision ID: 8c41bd34-d6e7-5448-81a3-05d30cb797ae
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer wurde mit Verfügung des SEM vom 8. Mai 2015 als
Flüchtling anerkannt und es wurde ihm in der Schweiz Asyl gewährt.
B.
Mit Eingabe an das SEM vom 21. Januar 2021 ersuchte der Beschwerde-
führer um Bewilligung der Einreise seiner zwei minderjährigen Söhne
B._ und C._ zwecks Familienzusammenführung. Aufgrund
diverser formeller Mängel nahm das SEM das Gesuch, ohne weitere Hand-
lungsschritte zu veranlassen, zu den Akten und stellte es dem Beschwer-
deführer frei, ein hinreichend begründetes Gesuch einzureichen.
Am 14. April 2021 reichte der Beschwerdeführer ein neues Gesuch um Fa-
miliennachzug ein. Zur Begründung dieses Gesuchs gab er an, die beiden
Söhne hätten bis vor einigen Monaten bei der Grossmutter in Eritrea ge-
lebt, seien dann aber in den Sudan ausgereist. Die Grossmutter habe, auf-
grund ihres Alters, nicht mitreisen können. Dem Gesuch legte er einen Ge-
sprächs- und Chatverlauf, teilweise mit Fotos, auf insgesamt 45 Seiten bei.
Mit Eingabe vom 15. April 2021 reichte der Beschwerdeführer ein undatier-
tes Schreiben der Mutter der beiden Söhne nach.
C.
Mit Verfügung vom 9. Juni 2021 lehnte das SEM das Gesuch des Be-
schwerdeführers um Familienzusammenführung ab und verweigerte den
beiden Söhnen des Beschwerdeführers die Einreise in die Schweiz.
D.
In der gegen diese Verfügung erhobenen Beschwerde vom 12. Juli 2021
liess der Beschwerdeführer beantragen, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und es sei die Vorinstanz anzuweisen, die Söhne B._
und C._ in die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers ein-
zubeziehen, ihnen Asyl zu gewähren und ihnen die Einreise zu bewilligen.
Eventualiter sei die Sache zur hinreichenden Abklärung des rechtserhebli-
chen Sachverhalts beziehungsweise zur Neubeurteilung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Es sei dem Beschwerdeführer in der Person des unter-
zeichnenden Rechtsvertreters ein unentgeltlicher Rechtsbeistand beizu-
ordnen, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die
unentgeltliche Prozessführung zu gewähren.
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Als Beweismittel reichte er acht Fotos, die ihn mit den zwei Söhnen zeigen
sollen, sowie zwei Fotos von Flugtickets (Passagierabschnitt, nachfolgend
Boardingpass, ohne Jahresdatierung), ein.
E.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte dem Beschwerdeführer am
14. Juli 2021 den Eingang seiner Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
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Seite 4
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 In der Beschwerde wird zunächst eine Verletzung des Untersuchungs-
grundsatzes und der Begründungspflicht gerügt, da die Vorinstanz be-
haupte, die Vater-Kinder-Beziehung sei erst gerade in der Entstehung be-
griffen, dies aber nicht belege. Gleiches gelte betreffend die Aussagen, zwi-
schen dem Beschwerdeführer und den Söhnen habe jahrelang keine res-
pektive kaum Kommunikationsmöglichkeit bestanden, und dass es sich
vorliegend sehr wahrscheinlich nicht um einen Familiennachzug handle,
sondern vielmehr nur um den verständlichen Wunsch, seinen Söhnen ein
besseres wirtschaftliches Leben zu ermöglichen. Ebenfalls wird geltend
gemacht, die Sache müsse auch aufgrund der Verletzung des Kindeswohls
gemäss Art. 3 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die
Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) zurückgewiesen werden, da sich die
beiden Söhne im Sudan befinden würden und die momentane Situation
ebenda dem Kindeswohl entgegenstehe. Im Weiteren habe die Vorinstanz
Art. 12 KRK verletzt, indem sie die beiden Söhne nicht angehört habe. Da-
bei handelt es sich um formelle Rügen, welche vorab zu beurteilen sind,
da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassation der vorinstanzlichen
Verfügung zu bewirken.
4.2 Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen
des Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach stellt
die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest und bedient sich nöti-
genfalls der unter Art. 12 Bst. a–e VwVG aufgelisteten Beweismittel. Dieser
Grundsatz gilt indes nicht uneingeschränkt; er findet seine Grenzen an der
Mitwirkungspflicht des Asylsuchenden (vgl. Art. 8 AsylG). Dazu gehört un-
ter anderem, die Identität offenzulegen, vorhandene Identitätspapiere ab-
zugeben und an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken.
Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde ge-
legt wurde. Unvollständig ist sie, wenn die Behörde trotz Untersuchungs-
maxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt oder nicht alle
für die Entscheidung wesentlichen Sachumstände berücksichtigt hat (vgl.
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Seite 5
dazu CHRISTOPH AUER/ANJA MARTINA BINDER, in: Auer/Müller/Schindler
[Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren
[VwVG], 2. Aufl., 2019, Art. 12 N 16).
Eng mit dem Untersuchungsgrundsatz zusammen hängt die Pflicht der Be-
hörde, ihren Entscheid zu begründen (Art. 35 Abs. 1 VwVG). Aus der Be-
gründungspflicht als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs ergibt sich, dass die
Abfassung der Begründung dem Betroffenen ermöglichen soll, den Ent-
scheid sachgerecht anzufechten, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl
der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Ent-
scheides ein Bild machen können. Die Begründungsdichte richtet sich da-
bei nach dem Verfügungsgegenstand, den Verfahrensumständen und den
Interessen des Betroffenen, wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in die
rechtlich geschützten Interessen des Betroffenen – und um solche geht es
bei Verfahren betreffend Asyl und Wegweisung – eine sorgfältige Begrün-
dung verlangt wird (vgl. BVGE 2011/37 E. 5.4.1; 2008/47 E. 3.2).
4.3 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung ausführlich darge-
legt, weshalb sie zum Schluss kommt, die Vater-Kinder-Beziehung sei erst
im Aufbau begriffen. Unter Verweis auf Seite 2 der angefochtenen Verfü-
gung erübrigen sich dazu weitere Ausführungen.
Im Weiteren ist die Feststellung der Vorinstanz, es hätten jahrelang keine
respektive kaum Kommunikationsmöglichkeiten bestanden, unter dem As-
pekt des Untersuchungsgrundsatzes ebenfalls nicht zu beanstanden, da
der Beschwerdeführer hinsichtlich seiner Beweisnähe und im Rahmen der
Mitwirkungspflicht weitere rechtserhebliche Beweismittel hätte bezeichnen
oder einbringen können.
Bezüglich der Aussage der Vorinstanz, es stehe offenkundig nicht eine Fa-
milienvereinigung im Vordergrund, sondern vielmehr der (verständliche)
Wunsch, den beiden Söhnen eine – vermeintlich – bessere Zukunft in der
Schweiz zu ermöglichen, ist aus der Beschwerde nicht ersichtlich, inwie-
fern der Untersuchungs- respektive Begründungsgrundsatz verletzt sein
soll.
Im Zusammenhang mit den Rügen, die KRK sei verletzt, ist festzuhalten,
dass es sich bei Art. 3 Abs. 1 KRK gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre-
chung lediglich um einen Leitgedanken und eine Interpretationsmaxime
handelt, welche beim Erlass und der Auslegung von Gesetzen zu berück-
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sichtigen ist (vgl. BGE 136 I 297 E. 8.2). Direkt anwendbar ist demgegen-
über Art. 12 KRK, wonach Kinder, die fähig sind, sich eine Meinung zu bil-
den, das Recht auf Respektierung ihrer Meinung haben (vgl. dazu etwa
Urteil des BVGer D-5114/2018 vom 1. April 2019 E. 4.5.1). Hierbei ist zu
berücksichtigen, dass auf eine persönliche Anhörung der Kinder verzichtet
werden kann, wenn diese durch ihre Eltern vertreten werden und beider
Interessen gleichläufig sind, sofern der rechtserhebliche Sachverhalt auch
ohne diese Anhörung rechtsgenüglich festgestellt werden kann (vgl. BGE
147 I 149 E. 3.2).
Vorliegend werden die Söhne durch ihren Vater vertreten, welcher die Zu-
stimmung der Mutter für den Nachzug der Söhne in die Schweiz eingeholt
hat. Hinsichtlich der gleichlaufenden Interessen durfte die Vorinstanz zu
Recht davon ausgehen, dass die Interessen der Söhne, den Sudan zu ver-
lassen und in die Schweiz einzureisen, mit den Interessen der Eltern, die
Söhne in die Schweiz nachzuziehen, identisch sind. Mit Verweis auf die
Erwägungen konnte der rechtserhebliche Sachverhalt auch ohne eine An-
hörung der Söhne festgestellt werden. Darüber hinaus ist festzustellen,
dass durch den Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren im Rah-
men seiner Mitwirkungspflicht kein prozessualer Antrag hinsichtlich einer
Anhörung der Söhne gestellt worden ist. Die Behörde ist diesbezüglich
nicht verpflichtet, zu jedem Sachverhaltselement umfangreiche Nachfor-
schungen anzustellen. Zusätzliche Abklärungen sind vielmehr nur dann
vorzunehmen, wenn sie aufgrund der Aktenlage als angezeigt erscheinen
(vgl. dazu KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-
rechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 629 ff.; CHRISTOPH AUER, in:
Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das
Verwaltungsverfahren, 2. Aufl., 2019, Art. 12 N 17; BENJAMIN SCHINDLER,
in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], a.a.O., Art. 49 N 29 ff.).
Die formellen Rügen sind nach dem Gesagten unbegründet. Das Begeh-
ren um Rückweisung ist abzuweisen.
5.
5.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten von Flüchtlingen und
ihre minderjährigen Kinder als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl,
wenn keine besonderen Umstände dagegensprechen (Familienasyl). Wur-
den die anspruchsberechtigten Personen durch die Flucht getrennt und be-
finden sie sich im Ausland, so ist ihre Einreise auf Gesuch hin zu bewilligen
(Art. 51 Abs. 4 AsylG).
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Seite 7
5.2 Die Erteilung einer Einreisebewilligung nach Art. 51 Abs. 4 AsylG setzt
eine vorbestandene Familiengemeinschaft, die Trennung der Familie durch
die Flucht sowie die feste Absicht der Vereinigung der Familie in der
Schweiz voraus (vgl. BVGE 2012/32 E. 5).
Zentrale Bedingung für den Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft im Sinn
von Art. 51 Abs. 4 AsylG ist, dass bereits vor der Flucht aus dem Verfol-
gerstaat eine Familiengemeinschaft zwischen der gesuchstellenden und
der anspruchsberechtigten Person bestanden hat. Das Familienasyl dient
insbesondere nicht der Aufnahme von vor der Flucht noch gar nicht geleb-
ten familiären Beziehungen oder der Wiederaufnahme von zuvor abgebro-
chenen Beziehungen (vgl. a.a.O. E. 5.4.2 m.w.H.).
5.3 Der Erteilung einer Einreisebewilligung dürfen sodann keine besonde-
ren Umstände entgegenstehen. Dem Einbezug in die Flüchtlingseigen-
schaft und der Asylgewährung entgegenstehende besondere Umstände
sind gemäss der Rechtsprechung unter anderem dann anzunehmen, wenn
das Familienleben während einer längeren Zeit nicht gelebt wurde und er-
kennbar ist, dass die Familienmitglieder nicht den Willen haben, als Familie
zusammenzuleben (vgl. a.a.O. E.5.1 m.w.H.)
5.4 Bei Familien, die bereits vor der Ausreise des asylberechtigten Mit-
glieds im Heimatstaat getrennt lebten, geht das Gericht ausnahmsweise
gleichwohl von einer vorbestandenen gelebten Familiengemeinschaft aus,
wenn zwingende Gründe für das Getrenntleben in der Heimat vorgelegen
haben (vgl. BVGE 2018 VI/6 E. 5.2).
6.
6.1 Zur Begründung seiner Verfügung führte das SEM aus, im Rahmen der
Prüfung des Vorliegens von besonderen Umständen im Sinne von Art. 51
Abs. 1 AsylG sei festzustellen, dass die Vater-Kinder-Beziehung während
vieler für die Söhne prägenden Jahre nicht im Sinne einer effektiven Fami-
liengemeinschaft habe gelebt werden können, da die Söhne im Zeitpunkt
der Flucht des Vaters im Jahr (...) einjährig respektive noch gar nicht ge-
boren gewesen seien. Die Söhne hätten bei der Grossmutter gelebt, wel-
che ihre Hauptbezugsperson gewesen sei. Zwischen dem Beschwerdefüh-
rer und den Söhnen habe es jahrelang keine Kommunikation gegeben,
folglich könne – und daran ändere auch die Geltendmachung der heutigen
regelmässigen Kommunikation nichts – der Beschwerdeführer nicht als
Hauptbezugsperson betrachtet werden.
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Da der Beschwerdeführer mit seiner Ehefrau und den aus dieser Bezie-
hung entsprungenen Kindern in der Schweiz zusammenlebe, sei es im Üb-
rigen fraglich, ob überhaupt eine Familienvereinigung angestrebt und nicht
der (verständliche) Wunsch beabsichtigt werde, den beiden Söhnen eine
in wirtschaftlicher Hinsicht – vermeintlich – bessere Zukunft in der Schweiz
zu ermöglichen. Im Weiteren stelle eine Einreise die Söhne mit gewisser
Wahrscheinlichkeit vor wesentliche Integrationsprobleme.
6.2 Der Beschwerdeführer begründet sein Rechtsmittel im Wesentlichen
damit, dass er in Eritrea mit der Mutter der beiden Söhne eine tatsächlich
gelebte Beziehung geführt habe, obwohl er aufgrund sozialer Normen nicht
mit der Partnerin habe zusammenwohnen dürfen, da sie nicht verheiratet
gewesen seien.
Während der ganzen Jahre sei er ständig mit den Söhnen in Kontakt ge-
standen. Da die Grossmutter kein Smartphone, sondern ein konventionel-
les Mobiltelefon besessen habe und die Söhne dieses genutzt hätten, um
mit ihm zu kommunizieren, sei es nicht möglich, diese Kommunikation zu
beweisen. Diesbezüglich sei es eine blosse Behauptung der Vorinstanz,
wenn sie sage, es würde sich vorliegend um eine neue oder eine im Aufbau
befindliche Vater-Kinder-Beziehung handeln.
Dass die Grossmutter aufgrund seiner Flucht für die Söhne zur Hauptbe-
zugsperson worden sei, stimme. Dieser Umstand dürfe aber nicht ihm an-
gelastet werden, da er aufgrund der Verfolgung fluchtartig das Land habe
verlassen müssen. Seine damalige Partnerin und Mutter der beiden Söhne
sei im Jahr (...) ebenfalls aus dem Land ausgereist, die Söhne seien da-
raufhin bei der Grossmutter geblieben. Er habe die Söhne nicht aus dem
vertrauten Umfeld herausreissen wollen, diese seien aber nach der Ver-
schlechterung des Gesundheitszustandes der Grossmutter selbstständig
ausgereist und sollten sich im Sudan befinden. Ihre Rückkehr nach Eritrea
sei nicht möglich, da einerseits einer der Söhne beim ersten Versuch der
Ausreise verhaftet und (...) inhaftiert worden sei und andererseits die
Grossmutter als Komplizin betrachtet werden würde und sie somit in Ge-
fahr gebracht werden könne.
Er habe zudem die Familienzusammenführung nicht eher beantragen kön-
nen, weil er die Söhne nicht habe in Gefahr bringen wollen und er erst die
Mutter der Söhne habe finden müssen, welche in D._ lebe, um die
schriftliche Bestätigung von ihr zu erhalten, dass er die Söhne in die
Schweiz nachziehen dürfe.
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Seite 9
7.
Nach Durchsicht der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass die Verfügung des SEM zu bestätigen ist. Zur Vermeidung
von Wiederholungen kann auf die in jeder Hinsicht zutreffenden Erwägun-
gen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Ergänzend ist das
Folgende festzuhalten:
7.1 Zunächst ist fraglich, ob zum Zeitpunkt der Ausreise des Beschwerde-
führers aus Eritrea überhaupt eine Familiengemeinschaft im Sinne von
Art. 51 Abs. 4 AsylG bestanden hat.
Als der Beschwerdeführer im Jahr (...) aus Eritrea flüchtete, war dar ältere
der beiden Söhne einjährig, der jüngere noch nicht einmal geboren. Der
Beschwerdeführer habe bis zu seiner Flucht auch nicht mit der Kindsmutter
und dem älteren Sohn zusammengelebt, da dies aufgrund sozialer Normen
in Eritrea nicht möglich gewesen sei. Eine effektiv gelebte Familiengemein-
schaft bestand während dieser Zeit offensichtlich nicht.
Das Verhalten des Beschwerdeführers nach seiner Flucht aus Eritrea lässt
ebenfalls nicht auf eine effektiv gelebte Familiengemeinschaft schliessen,
sondern allenfalls um eine, wie die Vorinstanz richtig festgestellt hat, neue
oder sich im Aufbau befindliche Vater-Kinder-Beziehung. So behauptet der
Beschwerdeführer, dass er seit seiner Ausreise aus Eritrea ständig den
Kontakt mit den Söhnen gehalten habe. Er könne aber lediglich die Chat-
protokolle von Januar bis März 2021 der Vorinstanz zu den Akten geben,
da im Zeitraum seiner Flucht im Jahr (...) bis zum Januar 2021 über das
Mobiltelefon der Grossmutter telefoniert worden sei und es bei diesem
nicht möglich gewesen sei, ein Chatprotokoll zu erstellen. Die der Vorin-
stanz eingereichten Chatprotokolle sind aufgrund des kurzen Zeitraums,
welche sie abdecken, und der Tatsache, dass ein solcher Chatverlauf zum
Zwecke der Beweiserbringung hinsichtlich des bevorstehenden Verfahrens
ohne grösseren Aufwand selber hergestellt werden kann, nicht geeignet,
eine effektiv gelebte Familiengemeinschaft nachzuweisen. Soweit in der
Beschwerde geltend gemacht wird, der Beschwerdeführer unterstützte
seine damalige Partnerin auch finanziell, handelt es sich lediglich um eine
Behauptung, welche nicht belegt ist. Ohne Beweiswert sind ebenfalls die
beschwerdeseitig eingereichten Fotos, da weder das Foto des auf den Be-
schwerdeführer lautenden Boardingpasses mit einer als solchen erkenn-
baren Jahreszahl datiert ist, noch die Fotos, welche den Beschwerdeführer
mit seinen zwei Söhnen zeigen sollen, eine effektiv gelebte Familienge-
meinschaft glaubhaft zu machen vermögen.
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Zudem wird festgestellt, dass der Beschwerdeführer am 8. Mai 2015 als
Flüchtling anerkannt wurde und Asyl in der Schweiz erhielt. Erst rund sechs
Jahre später bemüht er sich um eine Familienzusammenführung zuguns-
ten seiner zwei Söhne. Das Vorbringen, er habe die Grossmutter nicht ge-
fährden wollen, da sie in Eritrea als Komplizin angesehen werde würde,
sollten die beiden Söhne illegal ausreisen, verfängt nicht. Würden die erit-
reischen Behörden tatsächlich aufgrund einer illegalen Ausreise von Fami-
lienmitgliedern die Grossmutter bestrafen wollen, wäre dies bereits nach
der Flucht des Beschwerdeführers geschehen. Solches ist aber nicht ak-
tenkundig.
Eine schützenswerte tatsächlich gelebte respektive im Rahmen des Mög-
lichen gepflegte Beziehung ist nach dem Gesagten nicht zu erblicken.
7.2 Aufgrund des oben gesagten erübrigt es sich, auf das Schreiben der
Mutter, welches am 15. April 2021 nachgereicht worden ist, näher einzu-
gehen.
7.3 Die Ausführungen zum Kindeswohl vermögen am Fehlen der Voraus-
setzungen einer schützenswerten Vater-Kinder-Beziehung ebenfalls nichts
zu ändern.
7.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Voraussetzungen von
Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG nicht erfüllt sind. Das SEM hat das Gesuch um
Bewilligung der Einreise von B._ und C._ in die Schweiz und
um Familienzusammenführung mit dem Beschwerdeführer demnach zu
Recht abgelehnt.
7.5 Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass es dem Be-
schwerdeführer offensteht, bei den dafür zuständigen kantonalen Migrati-
onsbehörden ein Gesuch um Familiennachzug für seine Söhne gestützt
auf Art. 44 AIG (SR 142.20) einzureichen (vgl. BVGE 2017 VI/4 E. 3.1
m.w.H.; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurs-
kommission [EMARK] 2002 Nr. 6, EMARK 2006 Nr. 8).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
9.
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9.1 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwerde-
begehren schon bei Einreichung des Rechtsmittels als aussichtslos zu gel-
ten hatten. Damit ist – ungeachtet der Frage der prozessualen Bedürftigkeit
des Beschwerdeführers – eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzun-
gen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege nach Art. 65
Abs. 1 VwVG nicht erfüllt und das entsprechende Gesuch abzuweisen. Aus
demselben Grund fällt auch die Beiordnung einer amtlichen Rechtsverbei-
ständung von vornherein ausser Betracht.
9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
Das Gesuch um Verzicht auf die Kostenvorschusserhebung ist mit dem
vorliegenden Entscheid gegenstandslos geworden.
(Dispositiv nächste Seite)
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