Decision ID: a6bc8cf0-07b3-4351-a786-5a21be6b5d1c
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1981 geborene X._ war zuletzt als Kabinenmechaniker bei der Y._
tätig (Urk. 6/7, 6/57/4). Am
5.
Oktober 2017 (Eingangsdatum) meldete er sich bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
,
unter Hinweis auf am 1
9.
Dezember 2016 erlittene Schussver
letzungen und deren Folgen zum Leistungsbezug an (Urk. 6/7
, 6/8
). Diese nahm erste Abklärungen vor und holte am 1
0.
Oktober 2017 die Akten des Unfall
ver
sicherers ein (Urk. 6/10).
Nach einem ersten Gespräch zur Klärung der beruflichen Situation des Versicherten (Urk. 6/14) tätigte die IV-Stelle im
Januar 2018 weitere medizinische Abklärungen
(Urk. 6/17-22
, 6/41). Im Frühjahr 2018 erfolgten
– nach Ermahnung zur Wahrnehmung der Mitwirkungspflicht (Urk. 6/23)
-
An
stren
gungen zur beruflichen Eingliederung des Versicherten (Urk. 6/27, 6/28
, 6/32
) und
am 25. April 2018
wurde Kosteng
utsprache für eine Potentialabklärung erteilt (Urk. 6/34). Diese wurde am 16. Mai 2018 durch den Versicherten früh
zeitig beendet (Urk. 6/48/2). Im Juni 2018 erfolgten erwerbliche Abklärungen (Urk. 6/56, 6/57, 6/58). Ausserdem wurden am 15. Juni 2018 die auf den neusten Stand aktualisierten Akten des Unfallversicherers (Urk. 6/65) beigezogen, welche insbesondere auch neue medizinische Unterlagen enthielten (vgl. beispielsweise Urk. 6/65/19 ff., 6/65/22 ff., 6/65/46 ff., 6/65/63 ff., 6/65/130 ff., 6/65/135 ff., 6/65/163 ff.). Nachdem die bisherige Arbeitgeberin dem Rechtsvertreter des Ver
sicherten mitgeteilt hatte, mit Blick auf die bisherigen Wiedereingliederungs
bemühungen werde von einem Arbeitsversuch abgesehen (Urk. 6/75, vgl. auch Urk. 6/77), ersuchte Rechtsanwalt Dr. Brusa die IV-Stelle mit E-Mail vom 27. Juni 2018 unter Hinweis darauf, am 1. Dezember 2017 sei die Karenzzeit abgelaufen, um einen Entscheid hinsichtlich Rentenanspruchs des Versicherten (Urk. 6/78). Am 9. Juli 2018 erfolgte eine ärztliche Beurteilung durch den Kreisarzt des Un
fall
versicherers (Urk. 6/85). Nach Rücksprache mit dem Unfallversicherer und dessen Auskunft, es werde ein psychiatrisches Gutachten eingeholt, teilte die IV-Stelle dem Versicherten am 13. Juli 2018 (Urk. 6/82) mit, sie koordiniere ihr Verfahren mit dem Unfallversicherer und warte daher die Einholung des Gut
achtens ab. Mit E-Mail vom 27. Juli 2018 (Urk. 6/87) verlangte der Versicherte den Erlass einer Rentenverfügung und die Zusprache einer vollen Rente der Invalidenversicherung. Mit E-Mail vom 2. August 2018 (Urk. 6/91) ersuchte der Versicherte sodann die IV-Stelle darum zu prüfen, ob Unterstützung für den - gemäss den Ärzten - indizierten therapeutischen Arbeitsversuch geleistet werden könne. Nach einem Telefonanruf vom 8. August 2018 und nachfolgender E-Mail-Nachricht von Rechtsanwalt Dr. Brusa, wonach der Versicherte einen Arbeitgeber gefunden habe, welcher einen Arbeitsversuch anbieten würde (Urk. 6/92, 93), bestätigte die IV-Stelle
mit
Schreiben vom 8. August 2018 (Urk. 6/94), dass vor
erst das Gutachten des Unfallversicherers abgewartet werde. Mit E-Mail vom 10. August 2018 (Urk. 6/97) ersuchte der Versicherte erneut um Erlass einer Ren
ten
verfügung und reichte - ebenfalls per E-Mail - einen Zeitungsartikel ein,
wel
cher die Bedeutung des therapeutischen Arbeitsversuches darlege (Urk. 6/98-99
). Am 13. August 2018 teilte die IV-Stelle mit, dass derzeit keine Kostengut
sprache für berufliche Massnahmen erteilt werde, da bereits die Potentialab
klä
rung abge
brochen worden sei. Aus diesem Grund werde zunächst die medizini
sche Situa
tion abschliessend geklärt und vorerst das Gutachten des Unfall
versicherers abge
wartet (Urk. 6/101).
2.
Mit Beschwerde (Urk. 1) vom 17. August 2018 gelangte der Versicherte ans hiesige Gericht und stellte folgende Rechtsbegehren:
«
1.
Hauptanträge
1.1.
Es sei festzustellen, dass die gesetzmässigen notwendigen Abklärungen der Beschwer
degegnerin betreffend des gesetzmässig angemeldeten Leistungsanspruches des Beschwer
deführers abgeschlossen sind.
1.2.
Es sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer während eines Jahres 100
% arbeits
unfähig war sowie nach Ablauf dieses Jahres weiterhin 100
%
i
nvalid war, und der Leistungsanspruch vor mehr als sechs Monaten geltend gemacht worden war.
1.3.
Es sei die Beschwerdegegnerin anzuweisen und zu verpflichten, die Verfügung betreffend Erbringung der gesetzmässigen Leistungen / Rentenleistung zu erlassen.
2.
Eventualanträge
2.1.
Es sei festzustellen, dass die gesetzmässigen notwendigen Abklärungen der Beschwer
degegnerin betreffend des gesetzmässig angemeldeten Leistungsanspruches des Beschwer
deführers abgeschlossen sind.
2.2.
Es sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer während eines Jahres 100
% arbeitsunfähig war sowie nach Ablauf dieses Jahres weiterhin 100
%
i
nvalid war, und der Leistungsanspruch vor mehr als sechs Monaten geltend gemacht worden war.
2.3.
Es sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer Anspruch auf Rentenleistung hat.
2.4.
Es sei die Beschwerdegegnerin anzuweisen und zu verpflichten, dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Leistungen zu erbringen, bzw
.
eine ganze IV-Rente auszuzahlen.
3.
Es sei die vorliegende Beschwerde im raschen und beschleunigten Verfahren zu behandeln.
4.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin.
»
Mit Verfügung vom 21. August 2018 (Urk. 4) wurde die Beschwerdegegnerin zur Einreichung der vollständigen Akten aufgefordert. Dieser Aufforderung kam sie mit Schreiben vom 31. September 2018 (recte: 31. August 2018) unter Beilage der Verfahrensakten nach (Urk. 5, Urk. 6/1-102).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungsrechts (ATSG) prüft
der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erfor
derlichen Auskünfte ein.
Gemäss Art. 56 ATSG kann gegen Einspracheentscheide oder Verfügungen, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist, Beschwerde erhoben werden (Abs. 1). Beschwerde kann auch erhoben werden, wenn der Versiche
rungs
träger entgegen dem Begehren der betroffenen Person keine Verfügung oder keinen Einspracheentscheid erlässt (Abs. 2).
Die Bundesverfassung (BV) garantiert einen Anspruch auf Beurteilung innert angemessener Frist (Art. 29 Abs. 1 BV).
1.2
1.2.1
Eine Verletzung von Art. 29 Abs. 1 BV – sowie gegebenenfalls von Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK; BGE 130 I 174 mit Hin
weisen) – liegt nach der Rechtsprechung unter anderem dann vor, wenn eine Ge
richts- oder Verwaltungsbehörde ein Gesuch, dessen Erledigung in ihre Kom
petenz fällt, nicht an die Hand nimmt und behandelt. Ein solches Verhalten einer Behörde wird in der Rechtsprechung als formelle Rechtsverweigerung bezeichnet. Art. 29 Abs. 1 BV ist aber auch verletzt, wenn die zuständige Behörde sich zwar bereit zeigt, einen Entscheid zu treffen, diesen aber nicht binnen der Frist fasst, welche nach der Natur der Sache und nach der Gesamtheit der übrigen Umstände als angemessen erscheint (sog. Rechtsverzögerung).
1.2.2
Eine Gerichts- oder Verwaltungsbehörde muss jeden Entscheid binnen einer Frist fällen, die nach der Natur der Sache und nach den gesamten übrigen Um
ständen angemessen erscheint (BGE 131 V 407 E. 1.1 mit Hinweisen). Eine unzulässige Rechtsverzögerung liegt vor, wenn die Behörde ihren Entscheid in objektiv nicht gerechtfertigter Weise hinauszögert. Die Beurteilung der angemessenen Verfahrens
dauer entzieht sich starren Regeln. Es ist vielmehr in jedem Einzelfall zu prüfen, ob sich die Dauer unter den konkreten Umständen als angemessen erweist. Der Streitgegenstand und die damit verbundene Interessenlage können raschere Entscheide erfordern oder längere Behandlungsperioden erlauben. Massgebend sind in diesem Zusammenhang namentlich die besondere Bedeutung und die Art des Verfah
rens, die Komplexität und Schwierigkeit der aufgeworfenen Sachverhalts- und Rechtsfragen sowie das prozessuale Ver
halten der Beteiligten. Diese Rechtsprechung lässt nicht zu, dass das Gericht in abstrakter und ver
bindlicher Form ein für allemal festlegen könnte, innerhalb welcher Zeitspanne eine Verwaltungs- oder Gerichtsbehörde einen Entscheid zu fällen hat, ohne sich dem Vorwurf einer Rechtsverzögerung auszusetzen. Die betroffene Behörde oder Organisation hat Anspruch darauf, dass gegen sie er
hobene Vorwürfe in jedem einzelnen Fall anhand der konkreten Umstände geprüft werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_652/2009 vom 7. Juni 2010 E. 3.1 mit Hinweisen).
In der Gerichtspraxis wurde eine Untätigkeit des Versicherungsträgers während neun beziehungsweise zwölf Monaten als rechtsverzögernd betrachtet (Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl., 2015, N 31 zu Art. 56 ATSG mit Hinweisen auf die Rechtsprechung)
.
Hingegen verneinte das hiesige Gericht eine Rechtsverzöge
rung etwa dort, wo die IV-Stelle bei ihren Abklärungen während weniger als zwei beziehungsweise während maximal sechseinhalb und sieben Monaten untätig blieb
(Urteile des Sozialversicherungsgerichts IV.2014.00454 vom 22. August 2014 E. 3.3, IV.2012.01124 vom 28. Januar 2013 E. 2.3 und IV.2016.01076 vom 1
4.
Dezember 2016
). Bei Begutachtungen sind Wartezeiten von rund einem Jahr in Kauf zu nehmen (Kieser, ATSG-Kom
mentar, 3. Aufl., 2015, N 31 zu Art. 56 ATSG).
1.2.3
Eine Rechtsverzögerung kann ausnahmsweise auch in Form einer positiven An
ordnung begangen werden, wobei namentlich Verfahrensverlängerungen durch unnötige Beweis
massnahmen oder Einräumung ungehörig langer Fristen in Be
tracht fallen (Volz, in: Gesetz über das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich, 2. Aufl. 2009, N 8 zu § 13 GSVGer, mit Hinweisen). Darin kann indessen nur in Ausnahmefällen eine ungerechtfertigte Verzögerung erblickt werden, da einer Behörde hinsichtlich Art und Umfang der Ermittlungen ein weiter Ermes
sens
spielraum zusteht und zudem aufgrund des Untersuchungsgrundsatzes zur Abklärung des Sachverhaltes bis zur hinreichenden Klarheit verpflichtet ist (vgl. nachfolgend E. 1.3).
1.3
Sowohl das Verwaltungsverfahren
wie auch der
Prozess vor dem
kantonale
n
Sozialversicherungsgericht sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach
haben Verwaltung und Sozialversicherungsgericht den rechtserheblichen Sach
verhalt von Amtes wegen festzustellen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tat
sachen hinreichende Klarheit besteht. Führen die im Rahmen des Untersu
chungsgrundsatzes von Amtes wegen vorzunehmenden Abklärungen den Versi
che
rungsträger bei umfas
sender, sorgfältiger, objektiver und inhaltsbezogener Beweiswürdigung (BGE 132 V 393 E. 4.1) zur Überzeugung, ein bestimmter Sach
verhalt sei als überwiegend wahrscheinlich zu betrachten, und es könnten weitere Beweismassnahmen an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so liegt im Verzicht auf die Abnahme weiterer Beweise keine Verletzung des An
spruchs auf rechtliches Gehör (antizipierende Beweiswürdigung; BGE 136 I 229 E. 5.3 mit weiteren Hinweisen). Bleiben jedoch erhebliche Zweifel an Vollstän
digkeit und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen Tatsachenfeststellung be
stehen, ist weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sind (vgl. etwa Bundesge
richtsurteil 9C_662/2016 vom 15. März 2017 E. 2.2).
1.4
Erweist sich eine Beschwerde offensichtlich als unzulässig oder aussichtslos, kann das Gericht ohne Anhörung der Gegenpartei sofort entscheiden (§ 19 Abs. 2 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer).
Als offensichtlich aus
sichtslos erweist sich eine Beschwerde, wenn der Sachverhalt bereits bei deren Einreichung derart klar ist, dass die Anhörung der Gegenpartei für die Sach
ver
haltsabklärung bedeutungslos ist und keine Gewinnaussichten bestehen (vgl. Kobel,
in: Kommentar zum Gesetz über das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich, 2. Auflage, 2009, N 16 zu § 19
GSVGer
)
.
2.
2.1
Der Beschwerdeführer brachte im Wesentlichen vor (Urk. 1), er sei am 19. Dezem
ber 2016 Opfer eines Amoklaufes geworden und seither vollständig arbeits- und erwerbsunfähig und daher vollständig invalid. Er habe deshalb Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung. Die Beschwerdegegnerin habe trotz mehr
facher Aufforderung seinerseits bislang keine Verfügung erlassen. Die Koordination des Verfahrens mit dem Unfallversicherer sei weder erforderlich noch zulässig, vielmehr habe die Beschwerdegegnerin bei Vorliegen eines liqui
den Sachverhalts eine Verfügung zu erlassen. Der Sachverhalt sei klar, weshalb auch keine weiteren Abklärungen vorzunehmen, sondern die Verfügung zu erlassen sei.
Mittels Eventualbegehren werde um Erlass eines Leistungsurteils ersucht, da der rechtsrelevante Sachverhalt nachgewiesen, unbestreitbar und inhaltlich wohl auch unbestritten sei. Aufgrund der Liquidität der Sache sei alles andere als ein Leistungsentscheid sinnlos. Ebenso gebiete es die Verfahrensökonomie, sogleich einen Entscheid zu treffen. Ein Feststellungsurteil betreffend die Rechtsver
zöge
rung, ohne sogleich ein Leistungsurteil zu fällen, würde sodann die Beschwerde
gegnerin belohnen, da hierdurch das Verfahren nur noch weiter hinausgezögert würde.
2.2
Vorliegend erwies sich der Sachverhalt bereits bei Einreichung der Beschwerde als völlig klar und es bestanden keinerlei Gewinnaussichten (vgl. E. 4). Die An
hörung der
Beschwerdegegnerin für die Sachverhaltsabklärung
ist daher bedeu
tungs
los
, weshalb auf die Einholung einer Beschwerdeantwort zu verzichten ist
(vgl. E. 1.4)
.
3.
3.1
Aufgrund der Akten ist erstellt, dass der Beschwerdeführer in den Monaten Juni, Juli und August 2018 um Erlass einer Leistungsverfügung ersuchte (Urk. 6/78, 6/87, 6/97), was von der Beschwerdegegnerin unter Hinweis auf die ausstehende – von der Unfallversicherung angekündigte – psychiatrische Begutachtung sowie allfällige weitere Verfahrenshandlungen vorerst abgelehnt wurde (vgl. Urk. 6/94,
6/101).
Aus formeller Sicht steht die Erhebung der Rechtsverzöge
rungsbe
schwerde
vom
17. August 2018
(Urk. 1) daher in Einklang mit Art. 56 Abs. 2 ATSG
, da
diese Bestimmung voraus
setzt
, dass die versicherte Person - ausdrücklich oder zumindest sinngemäss - den Erlass einer anfechtbaren Verfügung verlangt hat (Urteil des Bundesgerichts 9C_24/2010 vom 31. März 2012 E. 2 mit Hinweisen).
3.2
Das mit der Rechtsverzögerungs- oder Rechtsverweigerungsbeschwerde verfolgte rechtlich geschützte Interesse besteht darin, einen an eine gerichtliche Beschwer
deinstanz weiterziehbaren Entscheid zu erhalten, weshalb Streitgegenstand des Beschwerdeverfahrens allein die Prüfung der beanstandeten Rechtsverweigerung oder Rechtsverzögerung ist, während die durch die Verfügung oder den Ein
spracheentscheid zu regelnden materiellen Rechte und Pflichten nicht zum Streit
gegenstand gehören (SVR 2005 IV Nr. 26 S. 102 E. 4.2 mit Hinweisen [= Urteil
des vormaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 328/03 vom 23. Okto
ber 2003]).
Soweit beantragt wird, es sei im vorliegenden Beschwerdeverfahren über den Leistungsanspruch zu entscheiden (Urk. 1 S. 2 Eventualanträge), ist auf die Beschwerde daher nicht einzutreten.
4.
Nachdem im Dezember 2016 erlittenen Schussverletzungen, musste sich der Beschwerdeführer während Monaten mehreren Operationen und Therapien unterziehen (vgl. Urk. 6/10, 6/19, 6/21, 6/65, vgl. auch 6/85). Noch während dieser Rehabilitationsphase meldete er sich im Oktober 2017 bei der Beschwer
degegnerin zum Leistungsbezug an (Urk. 6/7). Diese nahm daraufhin unverzüg
lich entsprechende Abklärungen in Angriff (Urk. 6/19-22) und zog im Oktober 2017 und Juni 2018 die jeweils aktuellen Akten des Unfallversicherers bei (Urk. 6/10, Urk. 6/65). Im Frühjahr 2018 wurden berufliche Massnahmen durch
geführt, welche der Beschwerdeführer frühzeitig abbrach (vgl. Urk.
6/27, 6/28
, 6/34, 6/48). Das Verfahren trieb die Beschwerdegegnerin demnach stets zügig voran und da es vorliegend um die gesundheitlichen und erwerblichen Auswir
kungen eines Unfalles geht, ist es auch nicht zu beanstanden, dass sie mit dem Unfallversicherer koordinierte und im Rahmen ihrer Abklärungspflicht dessen Akten beizog (vgl.
Urteil
des vormaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts I
57/02
vom 2
4
. Oktober 200
2, E. 5.1
).
D
ie IV-Stelle
hat
den rechtserheblichen Sachverhalt nach dem Untersuchungs
grundsatz
(vgl. E. 1.3)
abzuklären, so dass gestützt darauf die Verfügung über die in Frage stehende Leistung ergehen
kann
.
Diese Untersuchungspflicht steht in einem Spannungsverhältnis zum Anspruch des Versicherten auf ein zügiges Vor
antreiben des Verfahrens, was jedoch nicht dazu führen darf, dass deswegen der medizinische Sachverhalt ungenügend abgeklärt wird.
Die IV-Stelle hat folglich den medizinischen Sachverhalt mit der erforderlichen Sorgfalt zu untersuchen und zu beurteilen. Wenn sie Zweifel an der Schlüssigkeit der vorliegenden medi
zinischen Unterlagen hat oder diese als unvollständig erachtet, ist sie gehalten, eine fachärztliche Beurteilun
g der offenen Fragen anzuordnen. Dabei stellt
die
durch die
Einholung eines medizinischen Gutachtens verursachte Verzögerung
des Abklärungsverfahrens grundsätzlich keine unzulässige Rechtsverzögerung dar
(vgl.
Urteil des Bundesgerichts
9
C_
366/2016
vom
11
.
August
201
6
E.
5.
3
sowie
Urteil des Bundesgerichts
8
C_
210/2013
vom
10
. Ju
l
i 201
3
E. 3.
2.
1
je
mit Hinwei
sen
).
Vorliegend sah sich der Kreisarzt der Unfallversicherung erstmals im August 2018 im Stande, den somatischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers bei stationären Verhältnissen beurteilen zu können (Urk. 6/85; Zumutbarkeitsprofil: angepasste Tätigkeit ganztags). Den psychischen Gesundheitszustand erachtete
die Beschwerdegegnerin mit Blick auf die aufliegenden Akten (vgl. Urk.
6/10/103
,112, 157, 41: traumaspezifische Therapie aktuell nicht indiziert, da
Schmerzen im Vordergrund bzw. unter anderem aufgrund ungenügender Deutsc
h
kenntnisse, keine Indikatorenprüfung [vgl. BGE 143 V 418 i.V.m. BGE 141 V 281] und kaum verwertbare Angaben zur Arbeitsfähigkeit) zu Recht als noch nicht beurteilbar, weshalb sie den Beizug des vom Unfallversicherer zu erstellenden Gutachtens in Aussicht stellte (vgl. Urk. 6/82). Im Falle des Beschwerdeführers liegen Hinweise auf gesundheitliche Beeinträchtigungen vor, welche sich mit der aufliegenden Aktenlage nicht abschliessend beurteilen lassen. Vor diesem Hinter
grund ist das Vorgehen der Beschwerdegegnerin in keiner Weise zu beanstanden. Im Gegenteil ist diese dazu verpflichtet, weitere Abklärungen vorzunehmen.
Anzumerken bleibt, dass die Einholung eines Gutachtens erfahrungsgemäss einige Zeit in An
spruch nimmt und es durchaus im Rahmen des Üblichen liegt, wenn zwischen Gut
ach
tensauftrag und tatsächlich erfolgter Untersuchung durch die Gutachter einerseits sowie dem darauf basierenden schriftlichen Gutachten anderseits mehrere Monate vergehen (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_210/2013 v
om 10. Juli 2013 mit Hinweis auf
das Urteil des hiesigen Gerichts IV.2012.01201 vom
1.
Februar 2013).
Angesichts d
er
aufgezeigten
Gegebenheiten
sowie mit Blick auf die umfangreiche Aktenlage
ist unerfindlich, wie die IV-Stelle
bereits
im August 2018
hätte in der Lage sein sollen, den Sachverhalt
rechtsgenüglich
zu beurteilen und einen Leis
tungsentscheid zu treffen. Unter diesen Umständen kann von einer Rechts
ver
zögerung nicht die Rede sein, zumal die unzähligen Eingaben des Rechtsvertreters des Versicherten (vgl. hierzu Ziff. 1 der Sachverhaltsdarstellung) einer raschen Verfahrenserledigung nicht gerade zuträglich sind. Die Beschwerde erweist sich offensichtlich als aussichtslos
.
5.
Bei der Rechtsverzögerungsbeschwerde handelt es sich nicht um eine Leistungs
streitigkeit im Sinne von Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invali
den
versicherung (IVG), welche grundsätzlich kostenlos ist. Bei mutwilligem Ver
hal
ten
einer Partei können dieser jedoch eine Spruchgebühr wie auch Verfahrens
kosten auferlegt werden (
Art. 61 lit. a ATSG und §
33 Abs. 2 GSVGer)
. Ein mut
williges Verhalten liegt nach der Rechtsprechung vor, wenn die Partei sich auf einen Sachverhalt abstützt, von dem sie weiss oder annehmen muss, dass er unrichtig ist. Es bedarf somit eines subjektiv tadelswerten Verhaltens der Partei, was be
deutet, dass die Partei bei der ihr zumutbaren vernunftgemässen Über
legung ohne Weiteres hätte erkennen können, dass ihr Verhalten aussichtslos ist oder dass der
von ihr angenommene Sachverhalt nicht zutrifft (Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Auf
lage, 2015, N 68 zu Art. 61 ATSG; Wilhelm
, in: Gesetz über das Sozialver
sicherungsgericht des Ka
ntons Zürich, 2. Aufl. 2009, N 5 zu § 3
3 GSVGer, mit Hinweisen
). Dem – anwaltlich vertretenen - Beschwerdeführer musste bei Einrei
chung seiner Rechtsverzögerungsbeschwerde klar gewesen sein, dass eine Rechts
verzögerung unter den gegebenen Umständen keinesfalls gegeben war, weshalb die vorliegende Beschwerde als mutwillig zu qualifizieren ist.
Ihm
ist daher
in Anwendung von § 2 der
Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschä
-
digungen vor
dem Sozialversicherungsgericht (
GebV SVGer)
i.V.m. § 33 Abs. 2 GSVGer
eine Gerichtskostenpauschale von Fr.
1’500.-- aufzuerlegen
.