Decision ID: ad35a455-4a85-5d34-8802-419e27c8dc87
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 23.06.2011 Art. 11 Abs. 1 lit. g i.V.m. lit. a ELG. Verzicht auf Erwerbseinkünfte durch die Ehefrau des EL-Ansprechers. Eine Person kann sowohl durch eine Arbeitsunfähigkeit als auch durch eine unüberwindbare Arbeitslosigkeit an der Erzielung eines Erwerbseinkommens gehindert sein. Gegenstand der Sachverhaltsabklärung bilden also die Arbeitsfähigkeit der betreffenden Person (vorliegend: MEDAS-Begutachtung) und deren Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosigkeit kann den Verzicht auf die Anrechnung eines Erwerbseinkommens nur rechtfertigen, wenn die betreffende Person alles Zumutbare unternommen hat, um eine Arbeitsstelle zu finden, dabei aber erfolglos geblieben ist. Grundsätzlich kann die Praxis der Arbeitslosenversicherung zur Einstellung in der Anspruchsberechtigung bei ungenügenden Arbeitsbemühungen analog angewendet werden, da es in beiden Bereichen um eine Verletzung der (zweigspezifischen) Schadenminderungspflicht geht (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 23. Juni 2011, EL 2010/27). Vizepräsidentin Miriam Lendfers, Versicherungsrichterin Monika Gehrer-Hug, Versicherungsrichter Joachim Huber; Gerichtsschreiber Ralph Jöhl Entscheid vom 23. Juni 2011 in Sachen A._, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Kaspar Noser, Marktstrasse 2, Postfach, 8853 Lachen SZ, gegen Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St. Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen, Beschwerdegegnerin, betreffend Ergänzungsleistung zur IV Sachverhalt:
A.
A._ meldete sich am 10. Februar 2003 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zur
Invalidenrente an. Die EL-Durchführungsstelle wollte von ihm wissen, weshalb seine
Ehefrau keiner Erwerbstätigkeit nachgehe. Er reichte ein Zeugnis von Dr. med. B._
vom 21. August 2003 ein, laut dem die Ehefrau an Bauchbeschwerden, wahrscheinlich
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funktioneller Natur, und an Rückenbeschwerden litt, so dass die aktuelle
Arbeitsunfähigkeit mindestens 50% betrug. Dr. med. B._ hatte zudem eine
psychiatrische Abklärung durch einen Albanisch sprechenden Facharzt empfohlen. Die
EL-Durchführungsstelle sprach A._ mit einer Verfügung vom 9. Oktober 2003 eine
Ergänzungsleistung zu, bei deren Berechnung sie nur ein hypothetisches
Erwerbseinkommen für ihn selbst berücksichtigt hatte. Am 1. Februar 2004 forderte die
EL-Durchführungsstelle A._ auf, ein neues Arztzeugnis für seine Ehefrau
einzureichen. Dr. med. B._ berichtete am 1. März 2004, die aktuelle
Arbeitsunfähigkeit betrage ca. 40-50%. Er schlage vor, zur Abklärung der genauen
Arbeitsfähigkeit eine spezialisierte Stelle oder aber einen Rheumatologen beizuziehen.
Mit einer Verfügung vom 10. Juni 2004 berücksichtigte die EL-Durchführungsstelle ab
1. Juli 2004 neu auch ein hypothetisches Erwerbseinkommen der Ehefrau (35% des
durchschnittlichen Einkommens der Hilfsarbeiterinnen). Diese Verfügung enthielt
folgenden Hinweis: "Anrechnung eines hypothetischen Einkommens gemäss
Erwerbsfähigkeit Ihres Ehegatten. Sofern dieser aufgrund der aktuellen
Arbeitsmarktsituation nicht in der Lage ist, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen,
benötigen wir eine Bestätigung". A._ erhob am 12. Juli 2004 Einsprache gegen diese
Verfügung mit dem Argument, die Aufnahme einer ausserhäuslichen Arbeit sei für seine
Ehefrau krankheitsbedingt unzumutbar. Er stellte den Antrag, die Ehefrau sei einer
medizinischen Begutachtung zu unterziehen. Das RAV C._ gab am 3. September
2004 an, die Ehefrau des Versicherten könnte ihre Arbeitsfähigkeit nicht verwerten, weil
sie gesundheitlich eingeschränkt sei, keine Deutschkenntnisse habe und in der
Schweiz noch nie gearbeitet habe. Sie habe sich bisher nicht um eine Stelle beworben,
weil sie sich zu 100% arbeitsunfähig fühle. Die EL-Durchführungsstelle wies die
Einsprache am 31. März 2006 mit der Begründung ab, die Ehefrau des Versicherten sei
zu 50% arbeitsfähig. Als hypothetisches Erwerbseinkommen seien deshalb nur 50%
des Durchschnittslohns der Hilfsarbeiterinnen angerechnet worden. Der Versicherte
erhob Beschwerde gegen diesen Einspracheentscheid. Er machte insbesondere
geltend, die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. B._ sei angesichts des neu
aufgetauchten Verdachts auf eine Fibromyalgie nicht mehr vertretbar. Die Ehefrau
könne aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr erwerbstätig sein. Das Gericht wies
die Sache in einem Urteil vom 23. Januar 2007 zur Abklärung der Arbeitsfähigkeit der
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Ehefrau des Versicherten an die EL-Durchführungsstelle zurück. Es wies auf die
Notwendigkeit einer polydisziplinären medizinischen Abklärung hin.
B.
Die EL-Durchführungsstelle gab keine polydisziplinäre medizinische Begutachtung in
Auftrag. Stattdessen wandte sie sich an den behandelnden Arzt Dr. med. B._. Er
sollte eine Reihe von Fragen zur Arbeitsfähigkeit der Ehefrau des Versicherten
beantworten. In seinem Bericht vom 25. Juni 2007 gab Dr. med. B._ an, er schätze
die Arbeitsfähigkeit auf zur Zeit 50%. Die Ehefrau des Versicherten klage seit mehreren
Jahren über Schmerzen in verschiedenen Körperteilen, die täglich in unterschiedlicher
Stärke aufträten. Bisher sei keine konkrete Ursache gefunden worden. Für
differentialdiagnostische Überlegungen verwies er auf verschiedene Berichte anderer
Ärzte. Er gab an, die Versicherte könnte vier Stunden täglich eine körperlich leichte,
vorwiegend sitzende Arbeit ausüben. Dabei müsste sie abrupte Bewegungen und
rückenbelastende Arbeiten vermeiden. Auch ein höheres Arbeitstempo wäre
unzumutbar. Die Internistin Dr. med. D._ hatte Dr. med. B._ am 25. April 2007
angegeben, es bestehe ein Verdacht auf eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung und auf eine depressive Entwicklung. Zwar seien alle Tenderpoints
positiv, aber das gelte auch für alle Kontrollpunkte. Deshalb liege keine Fibromyalgie
vor, zumal auch die klinischen Untersuchungsbefunde nicht passten. Am 1. Juni 2007
hatte Dr. med. D._ angegeben, aus rein rheumatologischer Sicht sei zur
Durchführung einer physiotherapeutischen Behandlung eine 25%ige Einschränkung in
der Arbeitsfähigkeit vertretbar. Das RAV C._ berichtete der EL-Durchführungsstelle
am 6. August 2007, Analphabetinnen hätten auf dem Schweizer Arbeitsmarkt praktisch
keine Chance, unbefristet angestellt zu werden. In der Produktion sei für den gesamten
in Frage kommenden Zeitraum keine Teilzeitstelle bekannt geworden. In der Reinigung,
wo es praktisch nur Teilzeitstellen gebe, könne die Ehefrau des Versicherten nicht
eingesetzt werden, weil es ihr Gesundheitszustand nicht zulasse. Dasselbe gelte für die
Arbeit in einer Restaurantküche. Die EL-Durchführungsstelle nahm rückwirkend ab
Oktober 2003 eine Neuberechnung vor. Mit einer Verfügung vom 17. Januar 2008 hielt
sie an der Anrechnung des bereits früher berücksichtigten hypothetischen
Erwerbseinkommens der Ehefrau des Versicherten ab Juni 2004 fest. Der Versicherte
liess am 18. Februar 2008 Einsprache erheben und beantragen, es sei eine
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polydisziplinäre medizinische Begutachtung seiner Ehefrau durchzuführen. Die EL-
Durchführungsstelle wies die Einsprache am 8. Mai 2008 ab. Sie machte geltend, die
Angaben von Dr. med. B._ seien überzeugend, darauf könne abgestellt werden. Der
Versicherte liess Beschwerde erheben. Er beharrte auf der Durchführung einer
polydisziplinären Begutachtung. Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hielt
in seinem Urteil vom 30. September 2008 fest, es fehle nach wie vor eine fundierte
rheumatologische und psychiatrische Arbeitsfähigkeitsschätzung. Die EL-
Durchführungsstelle habe es erneut unterlassen, die notwendige polydisziplinäre
Begutachtung vornehmen zu lassen. Es wies die Sache erneut zur medizinischen
Abklärung der Arbeitsfähigkeit der Ehefrau des Versicherten an die EL-
Durchführungsstelle zurück.
C.
C.a Die EL-Durchführungsstelle beauftragte die MEDAS Zentralschweiz in Luzern mit
einer polydisziplinären Begutachtung. Die MEDAS berichtete in ihrem Gutachten vom
26. Mai 2009, im Rahmen der Erhebung der Sozial- und Berufsanamnese habe die
Versicherte angegeben, sie sei nie zur Schule gegangen, könne deshalb nicht
schreiben und nicht lesen und nur ganz wenig rechnen. Sie könne nicht Fahrrad oder
Auto fahren. Sie stehe zwischen 06:00 und 07:30 Uhr auf und gehe oft schon zwischen
19:00 und 20:00 Uhr wieder zu Bett. Tagsüber gehe sie immer wieder in der Wohnung
umher. Sonst mache sie eigentlich den ganzen Tag nichts. Manchmal liege sie auch
nur den ganzen Tag. Oft nehme sie ein warmes Bad. Im Sommer mache sie
gelegentlich einen kurzen Spaziergang im Freien. An einer ausserhäuslichen Tätigkeit
sei sie durch die ausgeprägte Müdigkeit und Kraftlosigkeit, aber auch durch die
Schmerzen am ganzen Körper gehindert. Würden die Kinder nicht den Haushalt
besorgen, wäre alles dreckig. Im Rahmen der persönlichen Anamnese habe die
Ehefrau des Versicherten angegeben, sie habe lumbalbetonte Dauerschmerzen in der
ganzen Wirbelsäule, die sich bei Bewegungen verstärkten. Im Bereich des Scheitels
habe sie dauernde Kopfschmerzen, deren Intensität auf einer Skala von 1 bis 10 fast
dauernd bei 10 liege. Von diesem grossen Schmerz gehe die Müdigkeit im ganzen
Körper aus. An der Rückseite des Brustkastens links habe sie 24 Std. lang Schmerzen,
wie wenn mit einem heissen Bügeleisen hin und her gefahren würde. Die
Schmerzintensität sei bei 9. Vom Brustbein strahle ein starker Schmerz in den Hals. In
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der ganzen rechten Schulter und im rechten Arm, nicht aber in der rechten Hand
bestehe ein Dauerschmerz, der sich bei Bewegung verstärke. Auch in beiden Beinen
habe sie Schmerzen, manchmal auch ein Einschlafgefühl bis in die Zehen. In den Knien
bestünden belastungsabhängige Schmerzen und gleichzeitig eine ausgeprägte
Kraftlosigkeit. Weiter habe die Versicherte angegeben, sie sei dauernd sehr müde. Der
Schlaf sei gestört, der kumulative Schlaf betrage vier bis fünf Stunden. Befragt zu den
sozialen Kontakten habe die Ehefrau des Versicherten angegeben, sie kenne nur
Menschen, die Albanisch sprächen und die direkt mit ihr verwandt seien. In der
Schweiz sei sie noch nie in einem Restaurant gewesen.
C.b Weiter wurde im Gutachten ausgeführt, aus kardiologischer Sicht bestehe sowohl
für die Tätigkeit im Haushalt wie auch für eine ausserhäusliche leichte Tätigkeit eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Nur eine körperlich schwere Tätigkeit sei nicht mehr
zumutbar. Es sei nachgewiesen worden, dass die Ehefrau des Versicherten nicht an
einer Mitralklappeninsuffizienz leide. Stattdessen bestehe eine degenerative
Aortenklappenveränderung mit einer minimalen, hämodynamisch nicht relevanten
Aorteninsuffizienz. Die geklagten thorakalen Schmerzen könnten keinem kardialen
Leiden zugeordnet werden. Der Blutdruck sei recht gut eingestellt gewesen. Aus
rheumatologischer Sicht bestehe rein deskriptiv ein chronifiziertes, therapierefraktäres
Ganzkörpersyndrom ohne adäquates organisches Korrelat. Abweichend von der
Auffassung von Dr. med. D._ seien die Kriterien eines Wirbelsäulenleidens nicht
erfüllt gewesen. Festgestellt worden seien nur ein Hinweis auf eine beginnende
polysegmentale degenerative Veränderung der Wirbelsäule, eine fortgeschrittene
Dekonditionierung und eine muskuläre Dysbalance. Es sei nicht von einem
Fibromyalgiesyndrom auszugehen, sichere Zeichen für ein Karpaltunnelsyndrom
fehlten und es sei auch keine spezielle Pathologie der rechten Schulter zu erkennen
gewesen. Aus psychiatrischer Sicht hätten weder eine Depression noch z.B. eine
posttraumatische Belastungsstörung oder eine Angstkrankheit vorgelegen. Im Hinblick
auf eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung fehlten die genügend starken
Belastungsfaktoren im Umfeld zum Zeitpunkt der Schmerzgenese und ein
intrapsychischer Konflikt sei ebenfalls nicht auszumachen gewesen. Die Ehefrau des
Versicherten habe angegeben, sie leide nicht an Heimweh. Sie habe eigentlich kein
Interesse an der Welt, nur an ihrer Familie. Unter Berücksichtigung der sogenannten
Foerster'schen Kriterien sei davon auszugehen, dass die Willensanstrengung zur
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Überwindung der Schmerzen eher zu bejahen sei. Deshalb bestehe aus psychiatrischer
Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit.
C.c Zusammenfassend wurde im Gutachten festgehalten, das generalisierte
Schmerzsyndrom weise deutliche Charakteristika einer zentralen Sensitivierung auf.
Einerseits bestehe eine diffuse Hyperalgesie und andererseits liege aber auch bereits
eine eigentliche Allodynie vor. Dies zeige sich darin, dass bereits ein physiologisches
Betasten der Haut eine Schmerzreaktion in der Form eines reflektorischen Wegzuckens
auslöse. Es habe sich aber auch gezeigt, dass die Schmerzschwelle deutlich variabel
gewesen sei. Bei der Ehefrau des Versicherten sei es zu einer Dekompensation der
Selbstregulierungsmechanismen der Schmerzverarbeitung im Zentralnervensystem
gekommen. Der Auslöser der zentralen Sensitivierung sei aber nicht klar. Ein
somatischer Kern in der Form einer peripheren Nozizeption sei nicht sicher zu eruieren
gewesen und auf der psychischen Ebene seien die bekannten psychosozialen
Belastungsfaktoren zu gering, als dass sie als Verursacher der Schmerzen gelten
könnten. Insbesondere fehlten Hinweise auf eine frühkindliche oder auch spätere
Traumatisierung oder auf eine deprivative Kindheit als Wegbereiter für eine spätere
somatoforme Erkrankung oder für eine Affektstörung. Die bekannten psychosozialen
Belastungsfaktoren seien bei einer dysfunktionalen Krankheitsbewältigung durchaus
geeignet, eine einmal eingetretene Schmerzkrankheit zu chronifizieren. Die einzige die
Arbeitsfähigkeit limitierende Diagnose sei diejenige der arteriellen Hypertonie, die aber
recht gut eingestellt sei. Die Ängstlichkeit im Freien und die intermittierenden
Trümmelbeschwerden seien subjektiver Natur und entsprächen weder einer
Angsterkrankung noch einem organischen Leiden. Medizinisch theoretisch sei die
Ehefrau des Versicherten in einer körperlich leichten und mehrheitlich sitzenden
Tätigkeit uneingeschränkt ohne Leistungsminderung arbeitsfähig. Dies gelte für die Zeit
ab 2003. In der Realität dürfte es ihr aber nicht gelingen, je einer ausserhäuslichen
Tätigkeit nachgehen zu können. Die Gründe dafür seien invaliditätsfremd: Praktisch
vollständiger Analphabetismus, psychische und körperliche Dekonditionierung,
dysfunktionale Krankheitsbewältigung sowie medizinisch nicht begründbare Angst,
wegen rein subjektiver Trümmelbeschwerden allein aus dem Haus zu gehen. Angezeigt
sei eine ev. stationäre multimodale Behandlung, eine Reduktion des Körpergewichts
und Steigerung der körperlichen Fitness.
D.
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Am 7. Juli 2009 teilte die EL-Durchführungsstelle dem Rechtsvertreter des Versicherten
mit, die mangelhaften Deutschkenntnisse und schlechte Ausbildung der Ehefrau seien
keine Hindernisse für eine Tätigkeit als Hilfsarbeiterin. Für das Verstehen einfacher
Anweisungen brauche es lediglich rudimentäre Deutschkenntnisse, die sich die Ehefrau
des Versicherten hätte aneignen können, da sie sich schon seit mehreren Jahren in der
Schweiz aufhalte. Solange sich die Ehefrau des Versicherten nicht genügend ernsthaft
um eine Arbeit bemühe, sei ein hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen.
Sollten Arbeitsbemühungen vorliegen, könnten diese bis Ende Juli 2009 eingereicht
werden. Ansonsten werde nach Ablauf dieser Frist neu über den EL-Anspruch verfügt.
Der Versicherte liess am 28. August 2009 geltend machen, gemäss den Angaben der
behandelnden Ärztinnen sei die Ehefrau in der Arbeitsfähigkeit stark eingeschränkt. Er
legte einen Bericht von Dr. med. E._ vom psychiatrischen Zentrum F._ vom 29. Mai
2009 bei. Laut diesem Bericht litt die Ehefrau des Versicherten an einer mittelgradigen
Depression und an einer somatoformen Schmerzstörung. Es lief eine Therapie mit
Antidepressiva und tiefenpsychologischen Ansätzen. Der Rechtsvertreter des
Versicherten führte in der Eingabe vom 28. August 2008 aus, die Ehefrau habe
überhaupt keine Deutschkenntnisse. Im MEDAS-Gutachten selbst sei festgehalten
worden, dass es der Ehefrau nicht gelingen werde, einer ausserhäuslichen Tätigkeit
nachzugehen. Darauf lasse auch das Ergebnis der Haushaltabklärung im IV-Verfahren
schliessen. Das RAV habe angegeben, dass Analphabetinnen keine Chance hätten,
unbefristet angestellt zu werden. In der Reinigungsbranche könne die Ehefrau des
Versicherten nicht eingesetzt werden. Nach der Rechtsprechung zu Art. 163 ZGB
könnte die Ehefrau nicht verpflichtet werden, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Das
sei auch EL-rechtlich massgebend. Am 22. September 2009 übermittelte der
Rechtsvertreter des Versicherten der EL-Durchführungsstelle zwei weitere ärztliche
Berichte. Dr. med. G._ hatte am 3. September 2009 ausgeführt, es sei völlig
abwegig, die Ehefrau des Versicherten in den normalen oder in einen reduzierten
Arbeitsprozess eingliedern zu wollen. Die Versicherte leide an einer massiven
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung bei einer erheblichen endogenen
depressiven Störung. Therapeutisch wäre eine antidepressive, schmerzdistanzierende
Behandlung sinnvoll, die jedoch bei dieser Analphabetin mit völlig fehlenden
Deutschkenntnissen unmöglich sei. Dr. med. E._ hatte am 21. September 2009
angegeben, eine ausserhäusliche Erwerbstätigkeit sei angesichts der Chronifizierung
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der Schmerzen und der fehlenden Ressourcen (nie in der Schweiz gearbeitet, kenne
deutsche Sprache nicht) unrealistisch. Der Rechtsvertreter des Versicherten zog daraus
den Schluss, dass es unzumutbar sei, von der Ehefrau Stellenbemühungen zu
verlangen, da diese ja zum vornherein aussichtslos seien. Der Vorwurf, die Ehefrau
habe es unterlassen, Deutsch zu lernen, sei unbehelflich. Dr. med. H._ vom RAD hielt
dazu am 17. Dezember 2009 fest, die nachträglich eingereichten Arztzeugnisse
beschrieben keine oder dann nicht arbeitsfähigkeitsrelevante Gesundheitsschäden.
Auffallend sei, dass die Psychiaterin ganz wesentlich die somatischen Leiden und die
Internistin ausschliesslich die psychischen Defizite berücksichtigt hätten. Die EL-
Durchführungsstelle nahm rückwirkend ab Oktober 2003 eine Neuberechnung vor.
Dabei hielt sie mit Wirkung ab Juli 2004 an der Anrechnung des bisherigen
hypothetischen Erwerbseinkommens der Ehefrau fest. Mit einer Verfügung vom
21. Dezember 2009 machte sie eine Rückforderung für Oktober 2003 bis Juli 2007 von
Fr. 23'298.- geltend. Davon waren Fr. 10'634.- bereits durch eine Verrechnung mit
einer Rentennachzahlung gedeckt. Weitere Fr. 960.- wurden mit einer
Rentennachzahlung für Oktober bis Dezember 2003 gedeckt. Schliesslich wurde auch
noch eine Korrekturnachzahlung von Fr. 144.- mit der verfügten Rückforderung
verrechnet. Mit einer Verfügung vom 28. Dezember 2009 setzte die EL-
Durchführungsstelle den EL-Anspruch ab 1. Januar 2010 fest, wobei sie weiterhin das
bisherige hypothetische Erwerbseinkommen der Ehefrau anrechnete.
E.
Der Versicherte liess am 4. Januar 2010 Einsprache gegen diese beiden Verfügungen
erheben. Sein Rechtsvertreter stellte den Antrag, der EL-Anspruch seit Oktober 2003
sei ohne ein Erwerbseinkommen der Ehefrau festzulegen. Demzufolge seien die
Nachzahlungen auszurichten und nicht zu verrechnen. Zur Begründung führte der
Rechtsvertreter sinngemäss aus, die von ihm eingereichten beiden Arztberichte seien
keine Nonvaleurs, die nicht einmal erwähnt werden müssten, weil sie beweisrechtlich
untauglich wären. Es bestehe ein Anspruch auf eine ernsthafte Auseinandersetzung mit
diesen Arztberichten. Die MEDAS habe zwar medizinisch-theoretisch eine volle
Arbeitsfähigkeit attestiert, aber sie habe dies klar und deutlich und unmissverständlich
eingeschränkt, indem sie IV-fremde Gründe angeführt habe, welche sehr wohl zu
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beachten seien. Der Rechtsvertreter des Versicherten beantragte abschliessend die
Ausrichtung einer Parteientschädigung für das Einspracheverfahren von Fr. 3657.45.
F.
Die EL-Durchführungsstelle wies die Einsprache am 15. März 2010 ab. Zur Begründung
machte sie insbesondere geltend, das MEDAS-Gutachten beruhe auf eingehenden
Untersuchungen und der Einsicht in die Akten, die beteiligten Spezialärzte seien nach
der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangt, das Gutachten sei
inhaltlich vollständig, berücksichtige die geklagten Beschwerden, stütze sich auf eine
eingehende Untersuchung und sei in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden.
Deshalb komme ihm rechtsprechungsgemäss volle Beweiskraft zu. Die beiden vom
Versicherten eingereichten Arztberichte vermöchten keine Zweifel an der Richtigkeit
dieses Gutachtens zu wecken, da sie keine Aspekte benannt hätten, die im Rahmen
der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben wären. Dies sei vom RAD
bestätigt worden. Die Frage, ob der konkrete Arbeitsmarkt ab Juli 2004 eine
Verwertung der Arbeitsfähigkeit zugelassen hätte, sei nicht von den medizinischen
Gutachtern, sondern von der EL-Durchführungsstelle zu beantworten. Da von einer
Hilfsarbeit auszugehen sei, spiele das Fehlen einer Berufsausbildung keine Rolle. Das
gelte auch für die fehlende Erfahrung im Erwerbsleben. Nötig seien nur rudimentärste
Deutschkenntnisse, welche sich die Ehefrau des Versicherten bald angeeignet hätte.
Auch das Alter sei kein Hinderungsgrund. Die Pflicht zur Suche nach einer Arbeitsstelle
sei nicht auf Personen mit optimaler Vermittelbarkeit beschränkt. Die Aussage des RAV
vom 6. August 2007 sei nicht relevant, da die Ehefrau des Versicherten überwiegend
wahrscheinlich eine Stelle gefunden hätte, wenn sie sich ernsthaft darum bemüht hätte.
Das angerechnete Einkommen sei äusserst bescheiden. Der unterliegende Einsprecher
habe keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.
G.
Der Versicherte liess am 28. April 2010 Beschwerde erheben und folgende Anträge
stellen: Der Einspracheentscheid sei aufzuheben; es sei festzustellen, dass die EL-
Durchführungsstelle nicht berechtigt sei, bei der Ermittlung der Ergänzungsleistung ein
hypothetisches Erwerbseinkommen der Ehefrau anzurechnen; demgemäss sei die EL-
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Durchführungsstelle anzuweisen, die Ergänzungsleistung rückwirkend ab Juli 2004
ohne hypothetisches Erwerbseinkommen der Ehefrau zu ermitteln; die EL-
Durchführungsstelle sei zu verpflichten, für das Einspracheverfahren eine
Parteientschädigung von Fr. 3657.45 auszurichten. Zur Begründung machte der
Rechtsvertreter des Versicherten insbesondere geltend, im MEDAS-Gutachten sei klar
und deutlich und unmissverständlich festgehalten worden, dass für die Ehefrau eine
Erwerbstätigkeit unzumutbar sei. Derselben Meinung seien die beiden Ärztinnen,
welche die Ehefrau seit längerem behandelten und deshalb über die gesundheitlichen
Probleme informiert seien. Die beiden Ärztinnen hätten sicher keine blossen
Gefälligkeitsberichte abgegeben. Die Ehefrau spreche kein Wort Deutsch und sie
verfüge über keinerlei berufliche oder sonstige Ausbildung. Ob sie in der Vergangenheit
Deutschkenntnisse hätte erwerben können, sei irrelevant, da sie eben kein Deutsch
könne. Der Mitarbeiter des RAV sei am 6. August 2007 durchaus in der Lage gewesen
zu beurteilen, ob es der Ehefrau möglich gewesen sei, eine Stelle zu finden. Bei
Aussichtslosigkeit sei es schikanös, Stellenbemühungen zu verlangen. Es sei stets
auch zu prüfen, ob die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nach familienrechtlichen
Grundsätzen zugemutet werden dürfe. Der Eheschutzrichter käme mit sehr grosser
Wahrscheinlichkeit zum Schluss, dass der Ehefrau die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit
nicht zugemutet werden dürfe. Die beantragte Parteientschädigung für das
Einspracheverfahren sei gerechtfertigt, weil der Versicherte sich nicht schriftlich
ausdrücken könne und sich in beweis- und materiellrechtlichen Fragen nicht auskenne.
Zudem habe er schon zweimal vor dem Gericht obsiegt. Deshalb sei er auf anwaltliche
Hilfe angewiesen gewesen.
H.
Die EL-Durchführungsstelle beantragte am 4. Mai 2010 die Abweisung der
Beschwerde.
I.
Der Rechtsvertreter des Versicherten teilte am 10. Mai 2010 mit, dass der Aufwand für
die Beschwerde 9,25 Std. betragen habe.
J.
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Die Gerichtsleitung machte den Versicherten am 20. September 2010 darauf
aufmerksam, dass allenfalls ein erheblich höheres hypothetisches Erwerbseinkommen
der Ehefrau angerechnet werden könnte, womit der EL-Anspruch entsprechend tiefer
ausfallen würde. Sie wies auf die Möglichkeit hin, die Beschwerde zurückzuziehen, um
einer allfälligen reformatio in peius zu entgehen. Der Versicherte liess sich nicht
vernehmen.

Erwägungen:
1.
Die IV-Stelle hat ein Rentenbegehren der Ehefrau des Beschwerdeführers mit der
Begründung abgewiesen, die Invalidität sei anhand eines Betätigungsvergleichs im
Haushalt zu ermitteln. Aus diesem Vergleich resultiere eine Einschränkung von
erheblich weniger als 40%. In einem Urteil vom 6. Februar 2008 (8C_172/2007, Erw.
6.1, unter Verweis auf BGE 117 V 206 Erw. 2c) hat das Bundesgericht die Auffassung
vertreten, es bestehe eine Bindung der EL-Organe an die Invaliditätsbemessung der
Invalidenversicherung. Diese Bindung umfasse auch die Einstufung der betreffenden
Person als ganzerwerbstätig, teilerwerbstätig/im Haushalt tätig oder nur im Haushalt
tätig. Diese Rechtsauffassung ist in zweierlei Hinsicht unzutreffend: Als erstes gilt es zu
beachten, dass die IV-rechtliche Qualifikation einer Person als erwerbstätig,
teilerwerbstätig/im Haushalt tätig oder nur im Haushalt tätig nur einen einzigen Zweck
hat, nämlich die Wahl der richtigen Methode zur Bemessung des Invaliditätsgrades.
Gefragt wird dabei nicht nach der effektiven, realen Situation der betreffenden Person,
sondern nach der hypothetischen Situation ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung. Die
IV-Stelle fragt also nicht, ob es trotz der Gesundheitsbeeinträchtigung zumutbar sei,
einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, sondern sie fragt nach der hypothetischen
Situation ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung. Da es sich um eine völlig
hypothetische Situation handelt, kann die Antwort auf diese Frage der IV-Stelle ganz
offensichtlich nicht gleichzeitig auch die Antwort auf die Frage der EL-
Durchführungsstelle sein, ob es der betreffenden Person zumutbar sei, trotz der
Gesundheitsbeeinträchtigung einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Denn EL-rechtlich
ist ja nicht die hypothetische Situation ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung, sondern
die reale Situation unter Einbezug der Folgen der Gesundheitsbeeinträchtigung
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massgebend. Fingiert wird von der EL-Durchführungsstelle nur die Ausübung einer
Erwerbstätigkeit, nicht das Fehlen einer Gesundheitsbeeinträchtigung. Zum zweiten ist
dem Umstand Rechnung zu tragen, dass EL-rechtlich – anders als bei der IV-
rechtlichen Methodenwahl – das Zumutbarkeitskriterium von ausschlaggebender
Bedeutung ist. Gefragt wird, ob es der betreffenden Person zumutbar sei, trotz der real
bestehenden Gesundheitsbeeinträchtigung einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die EL-spezifische Fragestellung eine völlig
andere ist als die IV-rechtliche, weshalb die Antwort auf die IV-rechtliche Frage EL-
rechtlich nicht massgebend sein kann (vgl. den den Beschwerdeführer betreffenden
Entscheid des Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen vom 30. September 2008,
EL 2008/18, Erw. 1.2). Daraus folgt, dass aus der IV-rechtlichen Qualifikation der
Ehefrau des Beschwerdeführers als nur im Haushalt tätig nicht der Schluss gezogen
werden darf, es sei der Ehefrau nicht zumutbar, einer ausserhäuslichen
Erwerbstätigkeit nachzugehen.
2.
Gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. g i.V.m. lit. a ELG sind Erwerbseinkünfte, auf die verzichtet
worden ist, als Einnahmen anzurechnen. Die Ehefrau des Beschwerdeführers ist nie
einer Erwerbstätigkeit nachgegangen. Der Beschwerdeführer hat drei verschiedene
Begründungen dafür vorgebracht, dass darin kein Einnahmenverzicht zu erblicken sei,
nämlich die durch eine Gesundheitsbeeinträchtigung bewirkte Arbeitsunfähigkeit, dann
die "unverschuldete", d.h. nicht zu überwindende Arbeitslosigkeit und schliesslich die
Unzumutbarkeit der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit in analoger Anwendung der
Rechtsprechung zum Eherecht.
2.1 Der damalige Hausarzt Dr. med. B._ hat der Ehefrau des Beschwerdeführers am
21. August 2003 und am 1. März 2004 eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit attestiert. Er
hat aber in beiden Zeugnissen eine fachärztliche Abklärung, im ersten Zeugnis eine
psychiatrische, im zweiten Zeugnis eine rheumatologische, empfohlen. Am 25. Juni
2007 hat Dr. med. B._ wieder eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit angegeben, aber er
hat auch darauf hingewiesen, dass immer noch keine konkrete Ursache für diese
Arbeitsunfähigkeit gefunden worden sei. In dem mitgelieferten Bericht der
behandelnden Internistin Dr. med. D._ vom 25. April 2007 war der Verdacht auf eine
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somatoforme Schmerzstörung und auf eine depressive Entwicklung angegeben
worden. Dr. med. D._ hatte aber keine zu ihrem Fachgebiet gehörende somatische
Erkrankung gefunden. Bis zur Begutachtung durch die MEDAS Zentralschweiz haben
also nur Arbeitsfähigkeitsschätzungen vorgelegen, die sich auf die Klagen der Ehefrau
des Beschwerdeführers und nicht auf objektiv feststehende Diagnosen gestützt haben.
Diese von der Arbeitsfähigkeitsschätzung der Gutachter der MEDAS abweichenden
Arbeitsfähigkeitsschätzungen können deshalb nicht überzeugen. Sie sind auch nicht
geeignet, die Überzeugungskraft des Gutachtens herabzusetzen. Das pluridisziplinäre
Gutachten der MEDAS hat erstmals die Ursache(n) der von der Ehefrau des
Beschwerdeführers geklagten Beschwerden aufgezeigt. Damit hat erstmals beurteilt
werden können, ob die geklagten Beschwerden auf einer Gesundheitsbeeinträchtigung
beruhen, die geeignet ist, eine Arbeitsunfähigkeit zu bewirken. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung im MEDAS-Gutachten beruht also auf einer detaillierten und
auf alle betroffenen medizinischen Fachrichtungen abgestützten Untersuchung. Sie
lautet: Die Ehefrau des Beschwerdeführers ist seit 2003 in einer adaptierten
Erwerbstätigkeit zu 100% arbeitsfähig. Da das MEDAS-Gutachten alle formalen (Art. 44
ATSG) und materiellen (vgl. Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, bearbeitet von
Ulrich Meyer, 2.A., S. 352 f.) an ein medizinisches Gutachten zu stellenden
Anforderungen erfüllt, weist es einen hohen Beweiswert auf. Dies gilt entgegen der
Auffassung des Beschwerdeführers nicht für den Hinweis im MEDAS-Gutachten, dass
es der Explorandin nicht gelingen werde, einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit
nachzugehen. Diese Aussage ist nämlich offensichtlich nicht medizinisch abgestützt,
bezieht sich also nicht auf die Arbeitsfähigkeit, sondern auf die Arbeitslosigkeit ("IV-
fremd"). Diesbezüglich fehlte den Gutachtern der MEDAS aber jede Fachkompetenz,
so dass es diesem Teil des Gutachtens an der erforderlichen Überzeugungskraft fehlt.
Massgebend ist einzig die Aussage zur Arbeitsfähigkeit der Ehefrau des
Beschwerdeführers und diese Aussage überzeugt. Daran vermögen die vom
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eingereichten Zeugnisse von Dr. med. G._
vom 3. September 2009 und von Dr. med. E._ vom 29. Mai und vom 21. September
2009 nichts zu ändern, denn die entsprechenden Arbeitsfähigkeitsschätzungen
vermögen schon mangels eindeutiger Diagnosen nicht zu überzeugen. Dr. med. H._
vom RAD hat zu Recht darauf hingewiesen, dass sich diesen ärztlichen Angaben keine
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bzw. keine arbeitsfähigkeitsrelevanten Gesundheitsschäden entnehmen liessen und
dass die Psychiaterin eine somatische Ursache, die Internistin aber eine psychiatrische
Ursache für die jeweils angegebene Arbeitsunfähigkeit genannt hätten. Keine dieser
Aussagen vermag zu überzeugen oder auch nur die Überzeugungskraft des MEDAS-
Gutachtens zu erschüttern, denn zum einen stützen sie sich auf eine vage und
unsichere Diagnosestellung und zum andern stammen sie von Ärztinnen, die objektiv
zum vornherein nicht als unbefangen gelten können, da sie zur Ehefrau des
Beschwerdeführers in einem Behandlungsverhältnis stehen, wohl von der konsequent
über Jahre hinweg geklagten und demonstrierten Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung ihrer
Patientin beeinflusst sein dürften und jedenfalls mehr aus therapeutischer denn aus
"gutachterlicher" Sicht geurteilt haben. Zusammenfassend steht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit fest, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers seit dem Jahr 2003
in einer adaptierten Erwerbstätigkeit zu 100% arbeitsfähig ist.
2.2 Es besteht eine natürliche Vermutung dafür, dass der reale und in den Jahren seit
2003 jeweils aktuelle regionale Arbeitsmarkt immer eine Reihe von für die Ehefrau des
Beschwerdeführers geeigneten Arbeitsstellen aufgewiesen hat. Das zuständige RAV
hat nämlich nie angegeben, dass es keine offenen geeigneten Stellen gegeben habe.
Es hat sich immer nur zur Frage geäussert, ob die Ehefrau des Beschwerdeführers eine
solche Stelle finden könnte. Deshalb ist zunächst zu prüfen, ob die Ehefrau des
Beschwerdeführers tatsächlich auf dem realen und jeweils aktuellen Arbeitsmarkt seit
2003 nicht mehr vermittelbar gewesen ist. Dabei muss – entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers – von einer vollständig erhaltenen Arbeitsfähigkeit der Ehefrau
ausgegangen werden. Das RAV hat am 3. September 2004 angegeben, die Ehefrau
des Beschwerdeführers sei nicht vermittelbar. Die Gründe dafür seien die
gesundheitliche Einschränkung, die fehlenden Deutschkenntnisse und die fehlende
Arbeitserfahrung in der Schweiz. Die Ehefrau des Beschwerdeführers habe sich nicht
um eine Stelle beworben, weil sie sich zu 100% arbeitsunfähig fühle. Dieser Bericht
des RAV ist nicht geeignet, die behauptete Vermittlungsunfähigkeit zu belegen, denn
der auskunftserteilende Sachbearbeiter des RAV hat zum einen die damalige
Beweislage in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit der Ehefrau des Beschwerdeführers
berücksichtigt, d.h. er ist fälschlicherweise von einer erheblich reduzierten
Arbeitsfähigkeit ausgegangen, und er hat unzulässigerweise auch dem Umstand
Rechnung getragen, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers sich selbst für
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vollständig arbeitsunfähig gehalten hat. Wer sich selbst als arbeitsunfähig betrachtet,
findet natürlich keine Arbeitsstelle. Tatsächlich war die Ehefrau des Beschwerdeführers
immer voll arbeitsfähig und deshalb ohne weiteres in der Lage, einer Teilzeitarbeit
nachzugehen. Die Chanceneinschätzung durch das RAV vom 3. September 2004
beruht auf einer unzutreffenden Sachverhaltsannahme und weist deshalb selbst dann
keine ausreichende Überzeugungskraft auf, wenn die subjektiv bestehende
vollständige Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung doch ausgeblendet gewesen sein sollte.
Im übrigen ist nicht einzusehen, weshalb die fehlende Arbeitserfahrung in der Schweiz
bei einer per definitionem keine Ausbildung oder Erfahrung voraussetzenden Hilfsarbeit
ein relevantes Hindernis für eine Anstellung sein sollte, wenn die betreffende Person
sich bei der Vorstellung interessiert und arbeitswillig zeigt. Der Bericht des RAV vom
3. September 2004 belegte also keine Situation, in der jede Arbeitsbemühung zum
vornherein aussichtslos gewesen wäre. Der zweite Bericht des RAV vom 6. August
2007 hat sich weitgehend auf die Frage beschränkt, ob eine Analphabetin überhaupt
eine Chance habe, eine Stelle zu finden. Diese Frage ist nur für den Produktionsbereich
verneint worden, allerdings auch wieder unter der irrtümlichen Annahme, die Ehefrau
des Beschwerdeführers sei nur teilarbeitsfähig. Für die anderen in Frage kommenden
Branchen, insbesondere die Reinigung und eine Restaurantküche, hat man
grundsätzlich auch einer Analphabetin eine Chance eingeräumt. Hier hat der
auskunftserteilende Sachbearbeiter des RAV nur deshalb eine Chance der Ehefrau des
Beschwerdeführers auf eine Stelle verneint, weil er davon ausgegangen ist, dass der
Gesundheitszustand keine solche Arbeit zulasse. Grundsätzlich ist wohl richtig, dass in
der Reinigung und in der Restaurantküche nicht nur körperlich leichte Arbeiten anfallen.
Der in Frage kommende Arbeitsmarkt besteht aber auch aus anderen Branchen mit
Stellen, die für die Ehefrau des Beschwerdeführers geeignet sind, weil sie körperlich
leicht sind. Das kann im Übrigen sogar für eine Grossküche gelten, bei der das
Geschirr von den Tabletts abgeräumt, in die Waschmaschine gestellt und
anschliessend versorgt werden muss. Derartige Arbeiten können erfahrungsgemäss
ohne weiteres so erledigt werden, dass sie körperlich leicht bleiben. Im Übrigen dürfte
der auskunftserteilende Sachbearbeiter des RAV die Möglichkeit eines Einsatzes der
Ehefrau des Beschwerdeführers in der Produktion vorschnell als unmöglich betrachtet
haben. Die intellektuelle Leistungsfähigkeit der Ehefrau des Beschwerdeführers ist
gemäss den Angaben im MEDAS-Gutachten keineswegs so gering, dass sie sich nicht
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bereits im Jahr 2003 – allenfalls mit Hilfe ihrer Kinder – bescheidene, aber für eine
Hilfsarbeit ausreichende Kenntnisse der (mündlichen) deutschen Sprache und des
Rechnens (unter Einsatz eines Taschenrechners, denn das Lesen der Zahlen ist
möglich) hätte aneignen können. Bei – zumutbarem – Einsatzwillen wäre es der Ehefrau
des Beschwerdeführers allenfalls sogar möglich gewesen, sich rudimentäre Kenntnisse
im Lesen (einzelne relevante Wörter) anzueignen, allenfalls bezogen auf den konkreten
Bedarf an einer konkreten Arbeitsstelle oder zumindest zur Überwindung des
Arbeitsweges mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Nachteile seiner Ehefrau auf dem
Markt für leichte Hilfsarbeiten sind also entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers nicht so massiv, dass sie die natürliche Vermutung, nach der es auf
dem realen und aktuellen Arbeitsmarkt immer geeignete offene Stellen gibt,
auszuschalten und die gegenteilige Vermutung zu begründen vermöchten. Noch
weniger kann davon ausgegangen werden, dass jeder Versuch der Ehefrau des
Beschwerdeführers, eine adaptierte Arbeitsstelle zu finden, zum vornherein zum
Scheitern verurteilt gewesen wäre, womit die Pflicht, sich zur EL-spezifischen
"Schadenminderung" um eine Arbeitsstelle zu bemühen, wohl tatsächlich unzumutbar
gewesen wäre. Solange eine ausreichende Chance auf eine Arbeitsstelle besteht, und
davon ist im vorliegenden Fall nach dem oben Ausgeführten auszugehen, kann die
natürliche Vermutung nur dadurch widerlegt werden, dass sich die betreffende Person
in einem quantitativ und qualitativ ausreichenden Mass um eine Arbeitsstelle bemüht.
Dabei rechtfertigt es sich, die entsprechende Praxis der Arbeitslosenversicherung zu
übernehmen. Die Ehefrau des Beschwerdeführers hat sich im massgebenden Zeitraum
seit 2004 nie um eine Arbeitsstelle bemüht. Sie kann also keine ausreichenden, aber
erfolglosen Arbeitsbemühungen vorweisen, mit denen es ihr möglich wäre
nachzuweisen, dass sie nicht auf die Erzielung eines Erwerbseinkommens verzichtet
hätte. Es ist also davon auszugehen, dass es die Ehefrau des Beschwerdeführers zu
verantworten hat, dass sie ohne Arbeitsstelle war.
2.3 Dem Beschwerdeführer ist zwar darin beizupflichten, dass der Eheschutzrichter
geneigt gewesen wäre, ihn - ausreichende finanzielle Mittel vorausgesetzt - ab 2004
dazu zu verpflichten, Unterhaltsleistungen an seine Ehefrau zu erbringen, weil es dieser
gemäss Art. 163 ZGB unzumutbar gewesen wäre, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen.
Das ist aber für das vorliegend zu lösende Problem des Verzichts auf Erwerbseinkünfte
belanglos. Während in der eherechtlichen Auseinandersetzung die Interessen des
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Beschwerdeführers und diejenigen seiner Ehefrau gegeneinander abgewogen worden
wären, geht es vorliegend darum, abzuwägen zwischen dem Interesse der
Allgemeinheit, keine sozialhilfeähnlichen Leistungen ausrichten zu müssen, und dem
Interesse der Ehefrau des Beschwerdeführers, trotz einer Arbeitsfähigkeit von 100%
keiner ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit nachgehen zu müssen und trotzdem über
Einnahmen im Umfang des EL-spezifischen Existenzbedarfs verfügen zu können. Diese
beiden Interessenkonstellationen, die familienrechtliche und die EL-rechtliche, sind
nicht vergleichbar. Wendet sich ein Invalidenrentner an die Allgemeinheit, weil er sich
mit seinen Renten- und übrigen anrechenbaren Einnahmen unter dem Existenzbedarf
befindet, so muss nach dem Sinn und Zweck des Verzichtstatbestands an seine
Fähigkeit, aus eigener Kraft zur Deckung des Existenzbedarfs beizutragen, eine höhere
Unzumutbarkeitsgrenze angesetzt werden als an seine Fähigkeit, für den Unterhalt der
getrennten oder geschiedenen Ehefrau beizutragen. Dasselbe muss für Personen
gelten, die in die EL-Anspruchsberechnung einbezogen sind und die deshalb von einer
allfälligen Ergänzungsleistung profitieren würden. Dabei ist immer zu beachten, dass es
nur um hypothetische Anforderungen geht. Die Beschwerdegegnerin kann von der
Ehefrau des Beschwerdeführers natürlich nicht verlangen, dass sie effektiv einer
Erwerbstätigkeit nachgehe, denn darin wäre eine offenkundig unzulässige
Lebensführungskontrolle zu erblicken. Die Beschwerdegegnerin ist aber verpflichtet,
auf eine "selbstverschuldete" Unterschreitung des EL-spezifischen Existenzbedarfs
nicht zu reagieren, d.h. den dadurch entstandenen Einnahmenbedarf unter Berufung
auf den Verzichtstatbestand nicht mittels Ergänzungsleistungen aufzufüllen. Da
gegenüber der Allgemeinheit eine beträchtliche Forderung erhoben wird, müssen auf
der anderen Seite hohe Anforderungen an die Pflicht, den Existenzbedarf aus eigener
Kraft zu bestreiten, gestellt werden, denn andernfalls käme es zu einer unzulässigen
Besserstellung all jener IV- oder AHV-Rentner, die eigentlich nicht auf
Ergänzungsleistungen angewiesen sind, weil sie sich aus eigener Kraft helfen könnten,
und denjenigen IV- oder AHV-Rentnern, die dem Grundsatz der Eigenverantwortung
gerecht werden. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist eine analoge
Anwendung der Rechtsprechung zu Art. 163 ZGB also ausgeschlossen, weil die dem
Sinn und Zweck Rechnung tragende Interpretation des Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG ein
anderes Ergebnis gebietet.
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2.4 Die Beschwerdegegnerin hat ab Juli 2004 ein hypothetisches Erwerbseinkommen
der Ehefrau des Beschwerdeführers angerechnet, das weniger als 40% des
durchschnittlichen Erwerbseinkommens einer Hilfsarbeiterin ausgemacht hat, obwohl
die Ehefrau des Beschwerdeführers objektiv durchgehend zu 100% arbeitsfähig
gewesen ist. Diese Vorgehensweise ist bis zu dem Zeitpunkt als richtig zu betrachten,
in welchem das MEDAS-Gutachten dem Beschwerdeführer bzw. der Ehefrau zur
Kenntnis gelangt ist. Bis dahin hätte die Ehefrau des Beschwerdeführers nämlich
davon ausgehen können und dürfen, dass sie tatsächlich nur zu maximal 50%
arbeitsfähig sei, weil ihr Hausarzt Dr. med. B._ das so angegeben hatte. Sie hatte
keine Veranlassung anzunehmen, dass diese Einschätzung falsch und sie effektiv zu
100% arbeitsfähig sei. Es wäre ihr also nur zumutbar gewesen, eine Hilfsarbeit mit
einem Beschäftigungsgrad von 50% anzunehmen. Dabei hätte sie in etwa das von der
Beschwerdegegnerin angerechnete hypothetische Erwerbseinkommen erzielen
können. Ab der Kenntnis des Gutachtens (Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 7.
Juli 2009) musste die Ehefrau des Beschwerdeführers wissen, dass sie zu 100%
arbeitsfähig war. Damit hätte der Betrag des anzurechnenden hypothetischen
Erwerbseinkommens entsprechend erhöht werden müssen. Der angefochtene
Einspracheentscheid ist deshalb aufzuheben und die Sache ist zur Neufestsetzung der
Ergänzungsleistung spätestens ab Januar 2010 an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
3.
3.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen; der
angefochtene Einspracheentscheid ist aber im Sinne der Erwägungen aufzuheben und
die Sache ist zur Neufestsetzung der Ergänzungsleistung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Einen Anspruch auf eine Parteientschädigung hat nur ein obsiegender
Beschwerdeführer (Art. 61 lit. g ATSG). Das entsprechende Begehren des
Beschwerdeführers ist deshalb abzuweisen.
3.2 Unter diesen Umständen ist auch die Verweigerung einer Parteientschädigung für
das Einspracheverfahren als rechtmässig zu betrachten. Dabei kann offen bleiben, ob
entgegen Art. 52 Abs. 3 Satz 1 ELG überhaupt ein Anspruch auf eine
Parteientschädigung bestehen könnte, denn auch bei einer allfälligen Anwendung von
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Art. 52 Abs. 3 Satz 2 ELG muss in Analogie zu Art. 61 lit. g Satz 1 ATSG gelten, dass
der unterliegende Einsprecher keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung hat.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP