Decision ID: 9a13372c-f5a3-5697-a001-b727eacfd078
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X erwarb den Führerausweis für Personenwagen am 21. Februar 1983. Sie ist im
Informationssystem über die Verkehrszulassung (abgekürzt: IVZ; früher:
Administrativmassnahmen-Register, abgekürzt: ADMAS-Register) nicht verzeichnet.
Am späteren Donnerstagabend, 6. Dezember 2018, benachrichtigte der Ehemann von
X die Polizei und erklärte, seine Ehefrau sei in angetrunkenem Zustand mit einem
Fahrzeug unterwegs. Die Polizisten begaben sich vor Ort und fanden X sowie deren
parkierten Personenwagen vor. Ein Atemlufttest ergab einen Wert von 0,65 mg/l, was
einer Blutalkoholkonzentration (BAK) von 1,3 Gewichtspromille entspricht. Gemäss
Polizeirapport teilte X den Polizisten mit, dass sie ein Alkoholproblem habe, weswegen
sie auch schon Antabus ausprobiert habe. Zudem sei sie seit Jahren auf
Psychopharmaka angewiesen.
B.- Der Polizeirapport vom 21. Dezember 2018 wurde dem Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt zugestellt. Dieses zweifelte aufgrund der entsprechenden Angaben an
der Fahreignung X. Mit Schreiben vom 3. Januar 2019 wurde ihr daher eine
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verkehrsmedizinische Untersuchung in Aussicht gestellt und Gelegenheit gegeben,
innert zehn Tagen dazu Stellung zu nehmen, wovon die Betroffene Gebrauch machte.
Mit Verfügung vom 21. Januar 2019 ordnete das Strassenverkehrsamt eine
verkehrsmedizinische Untersuchung beim Institut für Rechtsmedizin am Kantonsspital
St. Gallen, Abteilung Verkehrsmedizin (nachfolgend: IRM), an.
C.- Dagegen erhob X mit Eingabe vom 5. Februar 2019 und Ergänzung vom
21. Februar 2019 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen
(VRK). Sie beantragte die Aufhebung der Verfügung vom 21. Januar 2019. Auf ihre
Ausführungen zur Begründung ihres Antrags wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen. Das Strassenverkehrsamt verzichtete am 7. März 2019 auf
eine Vernehmlassung.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Bei der VRK
können unter anderem die Verfügungen der für den Vollzug der
Strassenverkehrsgesetzgebung zuständigen Behörden mit Rekurs angefochten werden
(Art. 41 lit. g des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt:
VRP). Da die Rekurrentin zur Rekurserhebung befugt ist und die gesetzlichen
Anforderungen von Art. 45, 47 und 48 VRP erfüllt sind, ist auf den Rekurs einzutreten.
2.- Streitig ist, ob die Vorinstanz zu Recht eine verkehrsmedizinische Untersuchung
durch einen Arzt der Stufe 4 (vorliegend beim IRM) anordnete.
a) Gemäss Art. 15d Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird eine Person einer Fahreignungsuntersuchung unterzogen, wenn Zweifel an ihrer
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Fahreignung bestehen. Mit diesem Begriff werden die körperlichen und geistigen
Voraussetzungen des Individuums umschrieben, um ein Fahrzeug im Strassenverkehr
sicher lenken zu können. Die Fahreignung muss grundsätzlich dauernd vorliegen
(Art. 14 Abs. 1 SVG; BGE 133 II 384 E. 3.1). Zweifel an der Fahreignung bestehen
namentlich dann, wenn einer der Fälle gemäss Art. 15d Abs. 1 lit. a bis e SVG vorliegt
(Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_13/2017 vom 19. Mai 2017 E. 3.2). Diese
Aufzählung ist indessen nicht abschliessend. Nach Art. 7 Abs. 1 der Verordnung über
die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr (SR 741.51,
abgekürzt: VZV) muss, wer einen Lernfahr-, Führerausweis oder eine Bewilligung zum
berufsmässigen Personentransport erwerben will, die medizinischen
Mindestanforderungen nach Anhang 1 erfüllen. Körperliche und psychische
Erkrankungen mit einer hinreichenden Schwere können die Fahreignung ausschliessen
(Ph. Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2015,
Art. 16d N 19); das gilt insbesondere auch für psychische Störungen mit bedeutsamen
Auswirkungen auf die realitätsgerechte Wahrnehmung, die Informationsverarbeitung
und -bewertung, das Reaktionsvermögen und die situationsgerechte
Verhaltenssteuerung sowie mit manischer oder erheblicher depressiver Symptomatik
(vgl. Ziff. 4 des Anhangs 1 zur VZV).
Nach Art. 15d Abs. 1 lit. a SVG bestehen Zweifel an der Fahreignung, wenn eine
Person in angetrunkenem Zustand mit einer BAK von 1,6 Gewichtspromille oder mehr
oder mit einer Atemalkoholkonzentration von 0,8 mg oder mehr pro Liter Atemluft ein
Fahrzeug lenkt. Die Anordnung einer verkehrsmedizinischen Untersuchung setzt
hingegen nicht zwingend voraus, dass der Fahrzeugführer tatsächlich unter dem
Einfluss von Alkohol gefahren ist. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
können, sofern stichhaltige Gründe vorliegen, auch bei Personen, die ausserhalb des
motorisierten Strassenverkehrs auffällig geworden sind, Zweifel an der Fahreignung
aufkommen, die eine verkehrsmedizinische Untersuchung rechtfertigen (vgl. dazu eine
Aufzählung solcher Fälle in BGer 1C_569/2018 vom 19. März 2019 E. 3.2).
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Nach Art. 15d Abs. 1 lit. d SVG wird eine Person bei einer Meldung einer kantonalen IV-
Stelle nach Artikel 66c des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (SR 831.20,
abgekürzt: IVG) einer Fahreignungsuntersuchung unterzogen. Meldet ein Arzt, dass
eine Person wegen einer körperlichen oder psychischen Krankheit, wegen eines
Gebrechens oder einer Sucht Motorfahrzeuge nicht sicher führen kann, ist ihre
Fahreignung ebenfalls abzuklären (Art. 15d Abs. 1 lit. e SVG).
b) Die Vorinstanz begründete die Anordnung der verkehrsmedizinischen Untersuchung
in der angefochtenen Verfügung damit, dass die Rekurrentin der Polizei gegenüber
eingeräumt habe, ein Alkoholproblem und deswegen auch schon Antabus genommen
zu haben. Der Atemalkoholtest habe den beachtlichen Wert von 0,65 mg/l ergeben.
Den Aussagen der ersten Stunden komme ein erhöhter Beweiswert zu, weshalb die
nachträgliche Relativierung des Konsumverhaltens die Zweifel nicht auszuräumen
vermöchte. Ferner sei die Rekurrentin seit Jahren auf starke Psychopharmaka
angewiesen, die sich in Kombination mit Alkohol problematisch auf die Fahrfähigkeit
auswirken könnten.
Die Rekurrentin macht im Wesentlichen geltend, bei ihr liege keiner der in Art. 15d
Abs. 1 SVG genannten Gründe für eine Abklärung der Fahreignung vor. Insbesondere
habe sie kein Fahrzeug in angetrunkenem Zustand gelenkt und einen ungetrübten
automobilistischen Leumund. Auslöser des Polizeieinsatzes sei kein Fehlverhalten
ihrerseits, sondern eine Denunziation ihres Ehemannes gewesen, der sich an ihr habe
rächen wollen. Wegen ihrer psychischen Erkrankung (bipolare Störung) nehme sie seit
25 Jahren Citalopram ein. Obschon sie eine volle IV-Rente erhalte, habe weder die IV-
Stelle, der auch ihr Medikamentenkonsum bekannt sei, noch der behandelnde Arzt
Meldung an das Strassenverkehrsamt gemacht. Sie bestreite nicht, regelmässig
Alkohol zu trinken, wobei es zwischen der psychischen Erkrankung und dem
zeitweisen Mehrkonsum einen Zusammenhang gebe. Da ihr jedoch die
Wechselwirkung zwischen Medikamenten und Alkohol bekannt sei, trinke sie in der
Regel nichts, wenn sie mit dem Auto unterwegs sei. Sie trenne Autofahren und Trinken
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strikt. Es treffe nicht zu, dass sie früher einmal habe Antabus nehmen müssen.
Während einer Ehekrise vor zehn Jahren habe sie sich freiwillig dazu bereit erklärt. Mit
dem Verkauf auf Märkten bessere sie ihre Einkünfte auf. Dazu sei sie auf den
Führerausweis angewiesen.
c) Im vorliegenden Fall stützt sich die Vorinstanz auf den Rapport der Polizei vom
21. Dezember 2018. Daraus geht hervor, dass die Polizei am späteren Abend des
6. Dezember 2018 vom Ehemann der Rekurrentin benachrichtigt wurde. Dieser teilte
um 22.32 Uhr mit, dass seine Ehefrau mit einem Personenwagen in angetrunkenem
Zustand unterwegs sei. Zwei Polizisten begaben sich daraufhin vor Ort, wo sie das
betreffende, auf einem Vorplatz abgestellte Fahrzeug sowie die Rekurrentin antrafen.
Der Atemlufttest ergab einen Wert von 0,65 mg/l. Gemäss Angaben des Ehemannes
habe die Rekurrentin das Fahrzeug kurz vor dem Eintreffen der Polizei noch gelenkt.
Sie habe sich der Polizei gegenüber teilweise uneinsichtig verhalten, ihren Unmut
geäussert und schnippische Antworten gegeben. Sie habe ausgesagt, dass sie ein
Alkoholproblem habe, weshalb sie auch schon Antabus-Tabletten ausprobiert habe.
Vor ein paar Jahren sei sie an Brustkrebs erkrankt und habe eine schwere Zeit gehabt.
Seit Jahren sei sie auf starke Psychopharmaka angewiesen. Der Ehemann habe
mitgeteilt, dass seine Ehefrau auf Psychopharmaka angewiesen und seit längerem in
psychiatrischer Behandlung sei. Zudem sei sie Alkoholikerin und würde regelmässig ein
Fahrzeug in angetrunkenem Zustand lenken (act. 5/4 f.).
Eine Verkehrsregelverletzung liegt nicht vor. Der Rekurrentin ist nämlich insofern
beizupflichten, dass letztlich nicht feststeht, ob sie ein Fahrzeug in angetrunkenem
Zustand gelenkt hat. Die entsprechende Aussage des Ehemannes vermag diesen
Nachweis nicht zu erbringen. Aufgrund der zeitlichen Verhältnisse ist eine Fahrt in
angetrunkenem Zustand aber auch nicht definitiv auszuschliessen. Immerhin erklärte
die Rekurrentin, dass die Polizei etwa eine halbe Stunde nach ihrer Fahrt eingetroffen
sei (act. 9). Dannzumal betrug ihre Alkoholisierung 0,65 mg/l bzw.
1,3 Gewichtspromille.
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Der automobilistische Leumund der Rekurrentin ist ungetrübt. Es ist keiner der in
Art. 15d Abs. 1 lit. a bis e SVG erwähnten Tatbestände erfüllt. Nach der eingangs
erwähnten bundesgerichtlichen Rechtsprechung können jedoch auch anderweitige
Vorkommnisse oder Feststellungen ausserhalb des motorisierten Strassenverkehrs
stichhaltige Gründe für eine mangelnde Fahreignung darstellen. Einen solchen Grund
bildet vorliegend die Aussage der Rekurrentin der Polizei gegenüber, sie habe ein
Alkoholproblem. Dass aufgrund dieses Eingeständnisses bei der Vorinstanz Zweifel an
der Fahreignung aufkamen, ist nachvollziehbar. Sowohl aus den Stellungnahmen der
Rekurrentin im vorinstanzlichen Verfahren als auch im Rekurs, dass sie regelmässig
Alkohol konsumiere und es zeitweise zu einem Mehrkonsum komme, ergeben sich
eindeutige Hinweise auf das mögliche Vorliegen einer Suchtproblematik im
Zusammenhang mit Alkohol. Auffällig ist auch, dass die Rekurrentin an jenem Abend
angeblich vor der Fahrt ein Glas Wein und danach ausnahmsweise ein Glas Whiskey
getrunken haben will. Die Alkoholisierung war jedoch mit einem Atemalkoholgehalt von
0,65 mg/l, was einer BAK von 1,3 Gewichtspromille entspricht, erheblich und kann
keinesfalls von der angeblich konsumierten Menge Alkohol herrühren. Die Angaben der
Rekurrentin deuten auf eine Bagatellisierung ihres Trinkverhaltens hin. Die
Alkoholproblematik besteht sodann offenbar seit vielen Jahren, da die Rekurrentin
gemäss eigenen Angaben vor rund zehn Jahren Antabus, ein Alkoholvergällungsmittel,
einnahm. Auch wenn sie dies, wie von ihr dargelegt, freiwillig tat, kann doch davon
ausgegangen werden, dass die Einnahme aufgrund einer ernsthaften
Alkoholproblematik erfolgte; ansonsten würde wohl kaum ein Arzt dieses spezifisch für
die Alkoholentwöhnung entwickelte Medikament verschreiben.
Hinzu kommt, dass die Rekurrentin gemäss eigenen Angaben seit mehreren Jahren an
einer bipolaren affektiven Störung leidet. Sie befindet sich deswegen in
spezialärztlicher Behandlung und nimmt regelmässig Medikamente (das
Antidepressivum Citalopram) ein. Bei dieser psychischen Störung treten wechselweise
Phasen mit manischer und depressiver Symptomatik auf, welche gemäss den
medizinischen Mindestanforderungen geeignet sind, die Fahreignung generell
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auszuschliessen (vgl. Art. 7 Abs. 1 VZV in Verbindung mit Ziff. 4 des Anhangs 1 zur
VZV). Das Vorliegen einer bipolaren Störung an sich ist daher bereits geeignet, Zweifel
an der Fahreignung zu wecken. Die Rekurrentin erwähnt zudem einen Zusammenhang
zwischen der Erkrankung und Phasen mit zeitweisem Mehrkonsum von Alkohol. Bei
gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten und grösseren Mengen Alkohol kann es zu
Interaktionen und dadurch zu einer Beeinträchtigung der Fahrfähigkeit kommen, was
es verkehrsmedizinisch näher abzuklären gilt.
Unter diesen Umständen bestehen Zweifel an der Fahreignung der Rekurrentin. Die
Vorinstanz ordnete deshalb zu Recht eine verkehrsmedizinische Untersuchung an. Die
Bestätigung ihres Psychiaters, dass sie sich mit dem Medikament ausgeglichener
fühle, vermag daran nichts zu ändern. Desgleichen genügt es auch nicht, dass bisher
weder ihr Arzt noch die IV-Stelle eine entsprechende Meldung an die Vorinstanz
machten und die Rekurrentin gemäss eigenen Angaben in der Regel nichts trinkt, wenn
sie fährt. Da es um die Gewährleistung der Verkehrssicherheit geht, hat auch die
geltend gemachte Angewiesenheit auf den Führerausweis keinen Einfluss. Der Rekurs
ist folglich abzuweisen.
d) Die Rekurrentin rügt schliesslich sinngemäss, die verkehrsmedizinische
Untersuchung sei von ihrem Psychiater oder einem anderen Arzt durchzuführen. Die
angeordnete Untersuchung durch das IRM sei mit hohen Kosten verbunden. Von
Gesetzes wegen ist eine verkehrsmedizinische Untersuchung, die sich nicht auf
Art. 15d Abs. 1 lit. d oder e SVG stützt, jedoch zwingend von einem Arzt der Stufe 4
durchzuführen (Art. 5a Abs. 1 lit. d VZV). Die Anordnung der Vorinstanz, dass die
Fahreignungsabklärung durch einen Arzt der Stufe 4 vorzunehmen sei, ist somit nicht
zu beanstanden. Der Rekurs ist auch in diesem Punkt abzuweisen.
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Der Verweis der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung auf Art. 11b Abs. 1 lit. a
VZV ist, wie von der Rekurrentin beanstandet, zwar falsch, was aber am Ergebnis in
materieller Hinsicht nichts ändert.
3.- Die Kosten des Rekursverfahrens haben die Beteiligten nach Massgabe ihres
Obsiegens und Unterliegens zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Die Rekurrentin dringt mit
ihren Rügen nicht durch; sie hat als Unterliegende die amtlichen Kosten zu tragen. Eine
Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung,
sGS 941.12) erscheint angemessen; der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist damit zu
verrechnen.