Decision ID: 9f3da157-b1ba-5718-9436-80af20967611
Year: 2004
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ D. A., geboren am 9. Januar 1984, wurde im November 1998 von der Gemeinde S.
in die Grossfamilie Frei, Stiftung für das Kind, Zürich, plaziert. Die Kosten wurden von
der Gemeinde S. gestützt auf Art. 7 Abs. 3 lit. c des Bundesgesetzes über die
Zuständigkeit für die Unterstützung Bedürftiger (SR 851.1, abgekürzt ZUG) getragen.
Bis zur Volljährigkeit am 9. Januar 2002 bestand eine Beistandschaft durch die
Amtsvormundschaft Linthgebiet, Uznach. Am 1. Februar 2002 trat D. A. in die
Abteilung "Nachbetreuung/begleitetes Wohnen" des Sozialpädagogischen Zentrums
Gfellergut in Zürich ein.
Mit Schreiben vom 19. September 2002 stellten die Sozialen Dienste der Stadt Zürich
der Direktion für Soziales und Sicherheit des Kantons Zürich ein Gesuch um
Rückerstattung der bereits von der Stadt Zürich übernommenen Kosten mit der
Begründung, sie hätten anfänglich einen falschen Weiterverrechnungscode eingesetzt.
Die Direktion für Soziales und Sicherheit teilte den Sozialen Diensten der Stadt Zürich
in der Folge mit, vorliegend handle es sich nicht um einen aktuellen ZUG-Fall, weshalb
direkt bei der Gemeinde S. um Rückerstattung der irrtümlich erfolgten Leistungen zu
ersuchen sei.
Die Sozialen Dienste der Stadt Zürich ersuchten darauf mit Schreiben vom 11. Oktober
2002 das Sozialamt S. um Überweisung der ausstehenden Plazierungskosten im
Betrag von Fr. 3'937.-- monatlich per 1. Februar 2002. Der durchgeführte
Schriftenwechsel zwischen den beiden Amtsstellen sowie mit der Direktion für Soziales
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und Sicherheit des Kantons Zürich führte zu keiner Einigung. Schliesslich ersuchte das
Sozialdepartement der Stadt Zürich die Gemeinde S. mit Schreiben vom 14. Juli 2003
um Erlass einer rekursfähigen Verfügung.
Mit Verfügung vom 17. Oktober 2003 lehnte das Sozialamt S. die Kostenpflicht für den
Heimaufenthalt von D. A. im Sozialpädagogischen Zentrum Gfellergut in Zürich per 1.
Februar 2002 ab. Zur Begründung wurde im wesentlichen angeführt, die allein
sorgeberechtigte Mutter von D. A. habe im August 2001 - und somit vor D. A.s
Mündigkeit - ihren Wohnsitz nach Oberneunforn im Kanton Thurgau verlegt. D. A. sei
ausserdem als mündige Person selbständig und ohne Mitwirkung einer Behörde der
Gemeinde S. oder des Beistandes in das sozialpädagogische Zentrum Gfellergut in
Zürich eingetreten.
Den von der Fürsorgebehörde der Stadt Zürich dagegen erhobenen Rekurs vom 28.
Oktober 2003 wies der Gemeinderat S. mit Entscheid vom 19. Dezember 2003 ab und
befreite das Sozialamt der Gemeinde S. ab Eintritt der Mündigkeit von D. A. am 9.
Januar 2002 von der Kostenpflicht. Allenfalls seien im Sinne der Erwägungen das
Kostgeld des Heimes sowie die Heimnebenkosten in Rechnung zu stellen. Zur
Begründung führte er an, durch den Eintritt der Mündigkeit richte sich der
Unterstützungswohnsitz von D. A. nach Art. 4 ZUG. Dies gehe bereits daraus hervor,
dass D. A. selbständig eine andere Plazierung gesucht habe, ohne Zustimmung der
Vormundschaftsbehörde oder des Sozialamtes S.. Die Absicht des dauernden
Verbleibens und der Mittelpunkt der Lebensinteressen befänden sich eindeutig nicht in
der früheren Unterstützungsgemeinde S., sondern in Zürich.
B./ Mit Eingabe vom 13. Januar 2004 erhob die Fürsorgebehörde der Stadt Zürich
Rekurs beim Departement des Inneren des Kantons St. Gallen und beantragte, der
angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Gemeinde S. zu verpflichten, die
Kosten für die Heimplazierung von D. A. im Sozialpädagogischen Zentrum Gfellergut in
Zürich per 1. Februar 2002 zu übernehmen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Mit Entscheid des Departementes des Inneren vom 8. April 2004 wurde die Verfügung
des Sozialamtes S. vom 17. Oktober 2003 für nichtig erklärt und der Rekurs der
Fürsorgebehörde der Stadt Zürich gegen den Rekursentscheid des Gemeinderates S.
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vom 19. Dezember 2003 abgewiesen. Zur Begründung wurde im wesentlichen
angeführt, es handle sich vorliegend um einen interkantonalen Zuständigkeitskonflikt.
Das entsprechende Verfahren sei im ZUG geregelt, wonach der Verkehr zwischen den
Kantonen über die zuständigen kantonalen Amtsstellen zu erfolgen habe (Art. 29 Abs. 1
ZUG). Die Gemeinde S. sei daher in der vorliegenden Streitsache nicht zuständig und
das Sozialamt S. nicht befugt gewesen, gegenüber der Fürsorgebehörde der Stadt
Zürich eine Verfügung zu erlassen. Die Verfügung vom 17. Oktober 2003 sei daher
nichtig und könne keinerlei Rechtswirkung entfalten. Entsprechend sei ein gegen diese
Verfügung erhobener Rekurs unbeachtlich, und der gegen den Rekursentscheid des
Gemeinderates S. vom 19. Dezember 2003 erhobene Rekurs daher abzuweisen.
C./ Gegen diesen Entscheid des Departementes des Inneren erhob die
Fürsorgebehörde der Stadt Zürich am 22. April 2004 Beschwerde an das
Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen. Sie beantragte die Aufhebung des
angefochtenen Entscheides; ferner sei die Gemeinde S. zu verpflichten, die Kosten für
die Heimplazierung von D. A. im Sozialpädagogischen Zentrum Gfellergut in Zürich per
1. Februar 2002 zu übernehmen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur
Begründung wird im wesentlichen angeführt, der vorliegende Rechtsstreit sei in einem
ordentlichen Einspracheverfahren zur Lösung zu bringen und nicht, wie vom
Departement des Inneren behauptet, im Verfahren über die Richtigstellung gemäss Art.
28 ZUG. Sodann habe die Direktion für Soziales und Sicherheit des Kantons Zürich
bereits am 9. April 2003 mit dem Departement des Innern Kontakt aufgenommen.
Dieses habe mit Schreiben vom 12. Mai 2003 die Beschwerdeführerin unter Hinweis
auf die Gemeindeautonomie auf das ordentliche Einspracheverfahren verwiesen. Diese
Auskunft stehe im Widerspruch zum angefochtenen Entscheid, wonach das Verfahren
der Richtigstellung nach Art. 28 Abs. 1 ZUG anwendbar sei. Diese vom Departement
des Inneren gestiftete Verwirrung dürfe der Beschwerdeführerin nicht zum Nachteil
gereichen, weshalb am eingeschlagenen Verfahrensweg festzuhalten sei.
Mit Stellungnahme vom 8. Mai 2004 beantragte das Departement des Inneren die
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verweist es auf die Erwägungen des
angefochtenen Entscheides. Im weiteren wird angeführt, das Departement des Inneren
habe die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 12. Mai 2003 zwar auf die
Gemeindeautonomie hingewiesen, indessen nicht auf das ordentliche
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Einspracheverfahren verwiesen; ferner hätte auch das Einspracheverfahren über die
zuständigen kantonalen Amtsstellen und nicht über eine Gemeindebehörde erfolgen
müssen (Art. 29 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 33 ff. ZUG).
Die Gemeinde S. verzichtete auf eine Stellungnahme.
Auf weitere Vorbringen und Ausführungen der Beteiligten wird, soweit wesentlich, in
den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ a) Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs.
1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP).
b) Die Stadt Zürich ist im vorliegenden Rechtsstreit in gleicher oder ähnlicher Weise
betroffen wie eine Privatperson und hat ein aktuelles schutzwürdiges Interesse an der
Beurteilung der Beschwerde, weshalb sie grundsätzlich zur Beschwerde legitimiert ist
(Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP; Kölz/Bosshart/Röhl, Kommentar
zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. Aufl., Zürich 1999, N 62 zu
§ 21). Es stellt sich aber die Frage, ob die Fürsorgebehörde der Stadt Zürich zum
Ergreifen des Rechtsmittels legitimiert ist.
Im Kanton St. Gallen ist der Gemeinderat zuständig zum Ergreifen von Rechtsmitteln,
wobei er diese Aufgaben keinem anderen Organ übertragen darf (Art. 136 lit. f in
Verbindung mit Art. 137 Abs. 1 des Gemeindegesetzes, sGS 151.2, abgekürzt GG).
Eine Ausnahme von diesem Grundsatz findet sich in Art. 5 des Sozialhilfegesetzes (sGS
381.1, abgekürzt SHG), wonach der Rat die zuständige Dienststelle der Gemeinde
ermächtigen kann, in Fällen der öffentlichen Sozialhilfe nach dem Sozialhilfegesetz und
der besonderen Gesetzgebung Klagen einzureichen, Klagen anzuerkennen,
Rechtsmittel zu ergreifen und Vergleiche abzuschliessen.
Im Kanton Zürich ist ebenfalls die Exekutive zuständig für die Erhebung von
Rechtsmitteln (Kölz/Bosshart/ Röhl, a.a.O., N 73 zu § 21). Eine analoge Bestimmung zu
Art. 5 SHG, welche die Dienststelle der Gemeinde ermächtigt, Rechtsmittel zu
ergreifen, findet sich, soweit ersichtlich, in der zürcherischen Rechtsordnung nicht. Da
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die Vorinstanz die Legitimation der Beschwerdeführerin nicht in Frage stellt und die
Fürsorgebehörde gemäss st. gallischem Recht zur Prozessführung befugt ist, kann die
Legitimation der Beschwerdeführerin als gegeben betrachtet werden.
c) Die Beschwerdeeingabe entspricht zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen
Vorschriften (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP).
Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
2./ Das ZUG bestimmt, welcher Kanton für die Unterstützung eines Bedürftigen mit
Aufenthalt in der Schweiz zuständig ist (Art. 1 Abs. 1 ZUG). Es regelt den Ersatz von
Unterstützungskosten unter den Kantonen (Art. 1 Abs. 2 ZUG).
a) Ausgangspunkt des Streitfalles war ein Zuständigkeitskonflikt zwischen der
Gemeinde S. und der Stadt Zürich betreffend die Kostenübernahme für die
Heimunterbringung von D. A. im Sozialpädagogischen Zentrum Gfellergut in Zürich. Die
Frage des interkantonalen Unterstützungswohnsitzes beurteilt sich unabhängig vom
zivilrechtlichen Wohnsitz nach den Bestimmungen des ZUG (Urteil des Bundesgerichts
vom 9. Mai 2003, 2A.345/2002; vgl. BVR 2003 S. 420).
b) In den Akten der Beschwerdeführerin findet sich eine vom 19. September 2002
datierende Unterstützungsanzeige gemäss Art. 31 ZUG. An wen diese zugestellt
wurde, geht nicht aus den Akten hervor. In der Folge ersuchten die Sozialen Dienste
der Stadt Zürich die kantonale Behörde um Rückerstattung ihrer Leistungen. Diese
verneinte ohne Begründung das Vorliegen eines ZUG-Falles. Die kantonale Behörde
hielt im Schreiben vom 20. Januar 2003 an diesem Standpunkt fest, begründet
indessen die Kostenpflicht der Beschwerdegegnerin unter Hinweis auf einen Bericht
der Kommission ZUG. Im weiteren hielt die Beschwerdeführerin gegenüber der
kantonalen Behörde im Schreiben vom 25. März 2003 ausdrücklich fest, es handle sich
um einen Zuständigkeitsstreit nach ZUG. Diesen Standpunkt vertritt sie auch in der
Beschwerde und argumentiert aufgrund von Bestimmungen des ZUG.
In seinem Schreiben vom 12. Mai 2003 bezog sich das Amt für Soziales des
Departementes des Inneren nicht ausdrücklich auf das ZUG und nahm keine Stellung
zur Frage, ob der korrekte Verfahrensweg eingeschlagen worden sei und welche
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weiteren Verfahrensschritte zu unternehmen seien, was von der Beschwerdeführerin
beanstandet wird. Bei der Anfrage der Direktion für Soziales und Sicherheit des
Kantons Zürich vom 9. April 2003 handelte es sich jedenfalls nicht um eine
Unterstützungsanzeige nach Art. 31 ZUG, sondern um ein Gesuch um Vermittlung zu
einer gütlichen Einigung zwischen den beiden Gemeinden. Ferner wurde die
Angelegenheit ausdrücklich als nicht dem ZUG unterliegend bezeichnet, weshalb es
nicht zu beanstanden ist, dass das Amt für Soziales des Departements des Inneren das
Gesuch nicht als Unterstützungsanzeige behandelte. Es hat auch keine unrichtige
behördliche Zusicherung erteilt, insbesondere hat es keinen Hinweis auf ein
Anfechtungsstreitverfahren gemacht, weshalb der Einwand der Beschwerdeführerin, ihr
sei eine unrichtige Zusicherung erteilt worden, unbegründet ist.
c) Im Verfahren nach ZUG erfolgt der Kontakt zwischen den Kantonen über die
zuständigen kantonalen Amtsstellen und kann keiner Bezirks- oder Gemeindebehörde
übertragen werden (Art. 29 Abs. 1 ZUG; W. Thomet, Kommentar zum ZUG, 2. Aufl.,
Zürich 1994, N 280). Wenn ein Kanton den Anspruch auf Kostenersatz oder
Richtigstellung oder die Abrechnungen nicht anerkennt, so muss er binnen 30 Tagen
beim fordernden Kanton unter Angabe der Gründe Einsprache erheben (Art. 33 Abs. 1
ZUG). Anerkennt der fordernde Kanton die Einsprache nicht und wird diese nicht
zurückgezogen, muss er einen Abweisungsbeschluss erlassen; dieser ist mit
Beschwerde beim Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement anfechtbar (Art. 34
Abs. 1 und 2 ZUG).
Somit hielt die Vorinstanz zu Recht fest, dass die Streitsache über die
Unterstützungsleistungen nach den Bestimmungen des ZUG zu beurteilen war, was
bedeutet, dass die Beschwerdegegnerin nicht zuständig war, über die Ansprüche der
Stadt Zürich mittels einer Verfügung zu befinden. Die Vorinstanz erkannte zu Recht auf
Nichtigkeit der angefochtenen Verfügung, und die Beschwerdeführerin bringt keine
Einwendungen gegen diese rechtliche Beurteilung vor (vgl. Art. 61 Abs. 1 und Art. 64
Abs. 1 in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 VRP).
d) Ueber den geltend gemachten Anspruch der Beschwerdeführerin gegenüber der
Beschwerdegegnerin ist im vorliegenden Verfahren nicht zu befinden. Es bleibt der
Beschwerdeführerin unbenommen, die zuständige kantonale Behörde zu ersuchen, die
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von ihr erhobenen Ansprüche aus der Kostenübernahme für die Heimunterbringung
von D.
A. im Sozialpädagogischen Zentrum Gfellergut in Zürich bei der zuständigen Behörde
des Kantons St. Gallen nach den Bestimmungen des ZUG geltend zu machen, wie dies
die Vorinstanz bereits ausführlich dargelegt hat.
3./ Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 1'500.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Auf ihre Erhebung ist nicht zu verzichten, da die Beschwerdeführerin
finanzielle Interessen verfolgt (Art. 95 Abs. 3 VRP).
Die ausseramtliche Entschädigung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen
und Unterliegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Beschwerdeführerin ist unterlegen, und
die Beschwerdegegnerin hat keinen Anspruch auf Kostenersatz gestellt, weshalb keine
ausseramtlichen Kosten zu entschädigen sind (Art. 98bis VRP; Art. 98ter VRP in
Verbindung mit Art. 263 Abs. 3 des Zivilprozessgesetzes, sGS 961.2).