Decision ID: 8acd9cbd-2526-5a0e-aac0-a67f4885f8b0
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 17. Oktober 2020 im Bundesasylzent-
rum (BAZ) B._ um Asyl nach, wobei er angab, am (...) geboren und
somit noch minderjährig zu sein. Am 30. Oktober 2020 mandatierte er die
ihm zugewiesene Rechtsvertretung.
B.
Ein Abgleich der Fingerabdrücke mit der Eurodac-Datenbank ergab, dass
der Beschwerdeführer am 4. September 2019 in C._ und am
12. August 2020 in Frankreich um Asyl ersucht hatte.
In der Folge erbat das SEM von den (...) und den französischen Behörden
Informationen zur Registrierung des Beschwerdeführers. Die (...) Behör-
den teilten dem SEM mit, dass der Beschwerdeführer mit Geburtsdatum
(...) registriert worden sei, während die französischen Behörden das SEM
darüber in Kenntnis setzten, der Beschwerdeführer sei in Frankreich mit
dem Geburtsdatum (...) vermerkt.
C.
Anlässlich der Erstbefragung im BAZ B._ vom 6. November 2020
gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, er sei afghanischer Staatsangehö-
riger paschtunischer Ethnie und am (...) in der Provinz D._ gebo-
ren. Das Geburtsdatum entspreche im afghanischen Kalender dem (...). Er
sei ungefähr (...) Jahre alt. Sein Onkel väterlicherseits habe ihm gesagt,
wie das Geburtsdatum im hiesigen Kalender laute, als er auf der Flucht in
der E._ gewesen sei. Kurz vor seiner Ausreise aus Afghanistan sei
ihm eine Tazkira ausgestellt worden, auf der sein Alter eingetragen gewe-
sen sei, aber diese sei ihm in der E._ bei einem Überfall gestohlen
worden. Er habe Afghanistan vor etwa sieben Monaten respektive im sieb-
ten Monat des Jahres 2019 verlassen, weil die Taliban nach ihm gesucht
hätten. Er sei damals ungefähr (...) Jahre alt gewesen. An das Ausreise-
datum könne er sich nicht erinnern. Er sei über F._, den G._,
die E._, H._, I._, C._, J._ und Frank-
reich am 17. Oktober 2020 in die Schweiz gelangt. In C._ sei er
2019 von der Polizei aufgegriffen und zur Abgabe der Fingerabdrücke ge-
zwungen worden. Er habe gegenüber den (...) Behörden gesagt, dass er
(...) Jahre alt sei. Auch in Frankreich seien ihm die Fingerabdrücke genom-
men worden. Dort sei er nicht nach seinem Alter gefragt worden. Er habe
in Afghanistan fünf Jahre eine Schule besucht und dabei Lesen und Schrei-
ben gelernt. Als er zwölf Jahre alt gewesen sei, sei er nicht mehr länger zur
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Schule gegangen, sondern habe seinem Vater auf den Feldern geholfen.
Gesundheitlich gehe es ihm gut, abgesehen von gelegentlichen Kopf-
schmerzen.
Dem Beschwerdeführer wurde am Ende der Befragung mitgeteilt, dass auf-
grund seiner Angaben nicht abschliessend beurteilt werden könne, ob er
minderjährig respektive wie alt er sei, und dass er voraussichtlich zu einer
medizinischen Altersabklärung geschickt werde. Ihm wurde der Ablauf der
ärztlichen Untersuchung erklärt.
Des Weiteren wurde ihm das rechtliche Gehör zur mutmasslichen Zustän-
digkeit C._s oder Frankreichs zur Durchführung des Asyl- und Weg-
weisungsverfahrens gemäss der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Euro-
päischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der
Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prü-
fung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem
Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist
(nachfolgend: Dublin-III-VO), zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid
gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) sowie zur Wegweisung
nach C._ oder Frankreich gewährt. Er gab an, sein Ziel sei von An-
fang an die Schweiz gewesen. Er fühle sich hier wohl und möchte bleiben.
In C._ sei er gezwungen worden, die Fingerabdrücke zu geben.
Beim ersten Versuch, von Frankreich aus in die Schweiz zu gelangen, habe
ihn die Polizei in ein Camp gebracht und ihm gesagt, sie würden ihn ins
Gefängnis bringen, wenn er es wieder versuche. Er sei über drei Monate
in diesem Camp geblieben. Dies sei wie eine Quarantäne gewesen. Die
beiden letzten Monate habe er in Frankreich auf der Strasse verbracht.
D.
Am 21. November 2020 wurde im (...) eine rechtsmedizinische Untersu-
chung des Beschwerdeführers durchgeführt und am 26. November 2020
ein entsprechendes Gutachten erstellt. Nach der Gewährung des rechtli-
chen Gehörs dazu änderte das SEM das Geburtsdatum des Beschwerde-
führers im ZEMIS auf den (...). Es versah den Eintrag mit einem Bestrei-
tungsvermerk und erachtete den Beschwerdeführer für das weitere Verfah-
ren als volljährig.
E.
Am 28. Dezember 2020 ersuchte das SEM die französischen Behörden
um Übernahme des Beschwerdeführers im Sinn von Art. 18 Abs. 1 Bst. b
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Dublin-III-VO. Die französischen Behörden stimmten diesem Ersuchen am
8. Januar 2021 zu (übermittelt am 11. Januar 2021).
F.
Mit Verfügung vom 11. Januar 2021 – eröffnet am 12. Januar 2021 – trat
das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylge-
such des Beschwerdeführers nicht ein (Dispositivziffer 1). Es ordnete die
Wegweisung aus der Schweiz in den zuständigen Dublin-Staat (Frank-
reich) an (Dispositivziffer 2), forderte den Beschwerdeführer auf, die
Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen
(Dispositivziffer 3), und beauftragte den Kanton B._ mit dem Voll-
zug der Wegweisung (Dispositivziffer 4). Des Weiteren hielt es fest, dass
die Personalien des Beschwerdeführers im ZEMIS "K._, geb. (...),
Afghanistan" lauten würden (Dispositivziffer 5). Ferner händigte es die edi-
tionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Beschwerdeführer
aus (Dispositivziffer 6) und stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde
gegen den Entscheid keine aufschiebende Wirkung zukomme (Dispositiv-
ziffer 7).
Für die Begründung wird auf die Ausführungen der Vorinstanz in der Ver-
fügung verwiesen.
G.
Mit Eingabe vom 19. Januar 2021 erhob der Beschwerdeführer durch die
rubrizierte Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde.
Er ersuchte um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und um Anwei-
sung an das SEM, auf das Asylgesuch einzutreten sowie sein Geburtsda-
tum im ZEMIS auf den (...) zurückzusetzen, eventualiter auf den (...) ab-
zuändern. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses. Des Weiteren beantragte er die Aussetzung des Voll-
zugs der Wegweisung und die Erteilung der aufschiebenden Wirkung der
Beschwerde.
Zur Begründung machte er im Wesentlichen geltend, das SEM sei zu Un-
recht davon ausgegangen, dass er im Zeitpunkt der Asylgesuchstellung
volljährig gewesen sei. Die Schweiz sei angesichts seiner Minderjährigkeit
für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig.
Auf die weitere Begründung der Rechtsbegehren wird – soweit für den Ent-
scheid wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
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H.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
21. Januar 2021 in elektronischer Form vor. Gleichentags setzte die In-
struktionsrichterin den Vollzug der Überstellung im Sinne einer vorsorgli-
chen Massnahme einstweilen aus.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 27. Januar 2021 erteilte die Instruktionsrich-
terin der Beschwerde die aufschiebende Wirkung und stellte fest, dass der
Beschwerdeführer den Ausgang des Verfahrens damit in der Schweiz ab-
warten dürfe. Gleichzeitig hiess sie das Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses und lud die Vorinstanz zur Vernehmlassung zur Beschwerde
ein.
J.
In seiner Vernehmlassung vom 10. Februar 2021 beantragte das SEM die
Abweisung der Beschwerde.
K.
Die Instruktionsrichterin stellte dem Beschwerdeführer die Vernehmlas-
sung am 12. Februar 2021 zu und räumte ihm Gelegenheit ein, bis zum
1. März 2021 eine Replik einzureichen.
L.
Am 18. Februar 2021 ging beim SEM ein von der Vorinstanz am 27. Januar
2021 in Auftrag gegebenes Nachgutachten (Ersatz des Gutachtens vom
26. November 2020) vom 16. Februar 2021 ein.
M.
Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 26. Februar 2021. Der
Eingabe lagen zwei ärztliche Berichte vom 5. und 17. Februar 2021 bei.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Beim angefochtenen Entscheid handelt es sich um eine Verfügung im
Sinne von Art. 5 VwVG, die vom SEM als Vorinstanz im Sinne von Art. 33
Bst. d VGG erlassen wurde. Da keine Ausnahme gemäss Art. 32 VGG vor-
liegt, ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung der Beschwerde
zuständig (Art. 31 VGG).
1.2 Soweit mit der Beschwerde das vom SEM verfügte Nichteintreten auf
das Asylgesuch sowie die von ihm angeordnete Wegweisung nach Frank-
reich und deren Vollzug angefochten werden, entscheidet das Bundesver-
waltungsgericht vorliegend endgültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33
VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 37 VGG i.V.m.
Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. Mit uneinge-
schränkter Kognition entscheidet das Bundesverwaltungsgericht vorlie-
gend über die Datenänderung im ZEMIS (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 49
VwVG).
2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
3.
3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
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Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG).
3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-
gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals
ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall eines so-
genannten Aufnahmeverfahrens nach Art. 21 und 22 Dublin-III-VO (engl.:
take charge) sind die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kri-
terien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zu-
ständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es
ist dabei von der Situation in demjenigen Zeitpunkt auszugehen, in dem
der Asylsuchende erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat
(Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rahmen des Wiederaufnahmeverfahrens
(Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich keine (neue) Zuständigkeits-
prüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO mehr statt (vgl. zum Ganzen BVGE
2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1).
3.3 Im Fall von unbegleiteten Minderjährigen ohne familiäre Anknüpfungs-
punkte zu einem anderen Mitgliedstaat gemäss Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO
ist stets derjenige Mitgliedstaat zuständig, in dem der Minderjährige seinen
(aktuellen) Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat; solche Minder-
jährige sind mithin vom Wiederaufnahmeverfahren ausgenommen (vgl.
FILZWIESER/SPRUNG, Dublin III-Verordnung, Wien 2014, Kap. 15 f. zu Art.
8).
4.
4.1 Eine geltend gemachte Minderjährigkeit ist von der asylsuchenden Per-
son zu beweisen, soweit ihr ein Beweis möglich ist, und andernfalls we-
nigstens glaubhaft zu machen. Im Rahmen einer Gesamtwürdigung ist eine
Abwägung sämtlicher Anhaltspunkte, welche für oder gegen die Richtigkeit
der betreffenden Altersangaben sprechen, vorzunehmen. Dabei ist insbe-
sondere an für echt befundene Identitätspapiere oder an eigene Angaben
zu denken (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schwei-
zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 30 E. 5.3.3; Urteil des
BVGer E-891/2017 vom 8. August 2018 E. 4.2.3 m.w.H.).
4.2 Der Beschwerdeführer reichte keine Identitätsdokumente zu den Ak-
ten. Das von ihm angegebene Geburtsdatum (...) ist somit nicht belegt. Im
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Gutachten vom 26. November 2020 kam das (...) zum Schluss, dass sich
beim Beschwerdeführer im Untersuchungszeitpunkt (21. November 2020)
ein Mindestalter von (...) Jahren ermitteln lasse; die Vollendung des 18. Le-
bensjahrs könne nicht mit der notwendigen Sicherheit belegt werden.
4.3 Das SEM erachtete in der angefochtenen Verfügung die vom Be-
schwerdeführer geltend gemachte Minderjährigkeit als nicht glaubhaft. Die
Angaben zu den persönlichen Daten und dem Lebenslauf seien zwar wi-
derspruchsfrei, aber vage geblieben, und er habe sein Alter nicht mit
rechtsgenüglichen Identitätsdokumenten belegen können. In C._
und Frankreich habe er andere Geburtsdaten angegeben ([...] respektive
[...]). Laut dem Altersgutachten vom 26. November 2020 könne die Vollen-
dung des 18. Lebensjahrs zwar nicht mit der notwendigen Sicherheit belegt
werden, aber beim festgestellten Mindestalter von (...) Jahren handle es
sich lediglich um das tiefst mögliche Alter, nicht um das tatsächliche oder
wahrscheinlichste Alter. Basierend auf dem Medianwert der radiologischen
Untersuchung der Schlüsselbein-Brustbeingelenke liege das wahrschein-
lichste Alter bei 18 Jahren.
4.4 Der Beschwerdeführer entgegnete in der Rechtsmitteleingabe, dass
das Altersgutachten vom 26. November 2020 kein Indiz für seine Volljäh-
rigkeit darstelle. Sämtliche Untersuchungen hätten ein tieferes Mindestal-
ter als 18 Jahre ergeben (Hand: Mindestalter von [...] Jahren; Schlüssel-
beine: Mindestalter von [...] Jahren; Weisheitszähne: Mindestalter von
[...] Jahren). Das Gutachten sei daher vielmehr ein Indiz für seine Minder-
jährigkeit. Originale Identitätsdokumente könne er nicht einreichen, da er
nie einen Pass gehabt habe und ihm die Tazkira gestohlen worden sei. Er
sei bemüht gewesen, eine Kopie der Tazkira zu beschaffen, aber sein Vater
habe ihm mitgeteilt, dass dies zurzeit aufgrund der Gefährdung durch die
Taliban unmöglich sei. Daten allgemein sowie Geburtsdaten und das Alter
im Besonderen würden in seiner Herkunftsregion nur eine untergeordnete
Rolle spielen. Er habe lediglich sein ungefähres Alter gekannt und nach
dem Verlust der Tazkira seinen Onkel nach dem konkreten Geburtstag fra-
gen müssen. Zum Zeitpunkt des Gesuchs in C._ wäre er effektiv
(...) Jahre gewesen, was lediglich eine kleine Abweichung zum tatsächlich
genannten Alter von (...) Jahren darstelle, so dass diesbezüglich nicht von
einem (wesentlichen) Widerspruch gesprochen werden könne. Der Um-
stand, dass in C._ der (...) als Geburtstag registriert worden sei,
spreche auch dafür, dass er lediglich nach dem Alter, nicht aber nach dem
konkreten Geburtsdatum gefragt worden sei. In Frankreich sei er weder
nach dem Geburtsdatum noch nach seinem Alter gefragt worden. Er sei
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lediglich begutachtet worden, bevor ein Alter geschätzt worden sei. Da kein
Dolmetscher vor Ort gewesen sei, habe er gar nicht gewusst, mit welchem
Datum er in Frankreich registriert worden sei. Er habe sich zu Beginn der
Covid-19-Pandemie in Frankreich aufgehalten und die Situation für Asylsu-
chende sei chaotisch gewesen. Zunächst sei er zusammen mit anderen
Asylsuchenden in Quarantäne gesetzt worden und habe das Gebäude für
etwa vier Monate nicht verlassen dürfen, bis er im August 2020 zur Polizei
gebracht worden sei und seine Fingerabdrücke habe abgeben müssen. Bei
dieser Gelegenheit sei ihm gesagt worden, er sei jetzt frei und könne ge-
hen, ohne dass ihm eine Unterkunft zugewiesen worden sei. Aus den Aus-
kunftsschreiben der (...) und französischen Behörden sei nicht ersichtlich,
ob die besagten Daten auf seinen Angaben beruhen würden. Angesichts
seiner Minderjährigkeit im Zeitpunkt der Asylgesuchstellung und fehlender
Hinweise auf Verwandte in einem anderen Mitgliedstaat, falle er in den An-
wendungsbereich von Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO. Dass die französischen
Behörden seiner Aufnahme zugestimmt hätten, vermöge an der Zuständig-
keit der Schweiz gemäss Art. 8. Abs. 4 Dublin-III-VO nichts zu ändern.
4.5 In der Vernehmlassung vom 10. Februar 2021 hielt das SEM an seinen
Erwägungen in der angefochtenen Verfügung fest. Es habe zur Beurteilung
der Glaubhaftigkeit der Altersangaben des Beschwerdeführers alle An-
haltspunkte – Aussagen des Beschwerdeführers, Nichtvorhandensein von
Identitätsdokumenten, forensische Altersabklärung, Registrierung in ande-
ren europäischen Staaten – berücksichtigt.
4.6 Der Beschwerdeführer wies in seiner Replik vom 26. Februar 2021 da-
rauf hin, dass das SEM Mitte/Ende Januar 2021 von der Rechtsvertretung
darüber in Kenntnis gesetzt worden sei, dass das (...) alle Altersgutachten,
die ein "wahrscheinlichstes Alter" ausweisen würden, widerrufen habe, da
ein solches nicht ausreichend wissenschaftlich abgestützt werden könne.
Gleichzeitig seien Nachbegutachtungen angekündigt worden. Das SEM
habe es unterlassen, in seiner Vernehmlassung vom 10. Februar 2021 auf
diese Tatsache einzugehen. In der zwischenzeitlich erfolgten Nachbegut-
achtung vom 16. Februar 2021 werde kein "wahrscheinlichstes Alter" mehr
ausgewiesen. Damit erübrige sich die Argumentation der Vorinstanz in ih-
rer Verfügung, dass aufgrund des "wahrscheinlichsten Alters" von 18 Jah-
ren mit einer überwiegenden Wahrscheinlichkeit von einer Volljährigkeit
auszugehen sei. Das Altersgutachten sei vielmehr als Indiz für seine Min-
derjährigkeit zu werten, wohingegen die unterschiedlichen Registrierungen
und die fehlenden Identitätsdokumente nicht als Indizien für eine Volljäh-
rigkeit geeignet seien.
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Seite 10
5.
5.1 Vorab ist festzustellen, dass das SEM in seiner Vernehmlassung vom
10. Februar 2021 mit keinem Wort auf eine nach Erlass seiner Verfügung
vom 11. Januar 2021 in Auftrag gegebene respektive erfolgte Nachbegut-
achtung des Beschwerdeführers durch das (...) eingegangen ist. Dieses
Vorgehen des SEM ist nicht nachvollziehbar. Die Frage, ob angesichts un-
vollständiger Sachverhaltsfeststellung durch die Vorinstanz und im Hinblick
auf eine Gehörsgewährung an den Beschwerdeführer vorliegend eine Kas-
sation angezeigt wäre, kann jedoch im Interesse der Verfahrensbeschleu-
nigung offenbleiben, da die Nachbegutachtung vom 16. Februar 2021 dem
Beschwerdeführer laut seinen Ausführungen in der Replik vom 26. Februar
2021 bekannt ist und er zu dieser Stellung nahm.
5.2 Die Nachbegutachtung durch das (...) vom 16. Februar 2021 ersetzt
laut ihrem Wortlaut das Gutachten vom 26. November 2020 vollumfänglich.
Das ersetzte Gutachten vom 26. November 2020 kann somit vorliegend
keinerlei Relevanz entfalten. Der Einwand des Beschwerdeführers in der
Replik, dass sich aus der Nachbegutachtung vom 16. Februar 2021 nicht
auf seine Volljährigkeit schliessen lasse, ist berechtigt. Von den in der
Schweiz angewandten Methoden der medizinischen Altersabklärung sind
nur die Schlüsselbein- respektive Skelettaltersanalyse und die zahnärztli-
che Untersuchung (nicht jedoch die Handknochenaltersanalyse und die
ärztliche körperliche Untersuchung) zum Beweis der Minder- beziehungs-
weise Volljährigkeit einer Person geeignet, und anhand der medizinischen
Altersabklärung lässt sich keine Aussage zur Minder- beziehungsweise
Volljährigkeit einer Person machen, wenn das Mindestalter bei der zahn-
ärztlichen Untersuchung und der Schlüsselbein- respektive Skelettalters-
analyse unter 18 Jahren liegt (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.1 f.). Das beim
Beschwerdeführer laut Gutachten vom 16. Februar 2021 ermittelte Min-
destalter liegt sowohl bei der zahnärztlichen Untersuchung (Mindestalter:
[...] bis [...]) als auch bei der Schlüsselbein- respektive Skelettaltersana-
lyse (Mindestalter: [...] Jahre) unter 18 Jahren. Laut dem Gutachten liegt
das Mindestalter des Beschwerdeführers im Zeitpunkt der Untersuchung
vom 20. November 2020 bei (...) Jahren. Gestützt auf dieses Gutachten
lässt sich somit nicht auf die Volljährigkeit des Beschwerdeführers im Zeit-
punkt der Asylgesuchgestellung in der Schweiz schliessen. Das Altersgut-
achten vom 16. Februar 2021 vermag mithin kein Indiz für die Volljährigkeit
des Beschwerdeführers darzustellen.
Anderweitige Anhaltspunkte, die aufgrund ihrer Beweiskraft geeignet wä-
ren, gegen die geltend gemachte Minderjährigkeit des Beschwerdeführers
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im Zeitpunkt der Asylgesuchstellung zu sprechen, sind den Akten nicht zu
entnehmen. Die Aussagen des Beschwerdeführers zu seinem Lebenslauf
weisen keine Widersprüche auf und erscheinen grundsätzlich plausibel.
Zum Geburtsdatum liegen zwar unterschiedliche Angaben vor ([...] [Perso-
nalienblatt, Erstbefragung]; [...] [C._]; [...] [Frankreich]) und der Ein-
wand des Beschwerdeführers, in C._ und Frankreich nicht die dort
registrierten Geburtsdaten respektive Geburtsjahre angegeben zu haben,
vermag grundsätzlich nicht zu überzeugen. Vorliegend steht aber nicht die
Frage des effektiven Geburtsdatums des Beschwerdeführers im Zentrum,
sondern die Frage, ob dessen geltend gemachte Minderjährigkeit als
glaubhaft zu erachten ist. Das in C._ registrierte Geburtsdatum (...)
spricht dafür und allein das in Frankreich vermerkte Geburtsjahr (...) ver-
mag entgegen der Ansicht des SEM nicht zur Annahme der Volljährigkeit
des Beschwerdeführers im Zeitpunkt der Asylgesuchstellung in der
Schweiz zu führen.
5.3 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt daher zum Schluss, dass die
vom Beschwerdeführer geltend gemachte Minderjährigkeit im Zeitpunkt
der Asylgesuchstellung als glaubhaft zu erachten ist, respektive dass die
Vorinstanz zu Unrecht von dessen Volljährigkeit im betreffenden Zeitpunkt
ausgegangen ist. Der Beschwerdeführer kann sich somit auf die spezifi-
schen Schutzbestimmungen der Dublin-III-VO für unbegleitete Minderjäh-
rige (Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO berufen.
5.4 Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass die Schweiz gestützt
auf Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO zur Durchführung eines nationalen Asylver-
fahrens zuständig ist. Der Nichteintretensentscheid des SEM vom 11. Ja-
nuar 2021 ist aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, auf das Asylge-
such des Beschwerdeführers einzutreten.
6.
6.1 In Bezug auf das Rechtsbegehren des Beschwerdeführers um Ände-
rung des Geburtsdatums im ZEMIS auf den (...), eventualiter auf den (...),
ist festzustellen, dass die Vorinstanz zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Auf-
gaben das ZEMIS führt, welches der Bearbeitung von Personendaten aus
dem Ausländer- und dem Asylbereich dient (Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 2 des
Bundesgesetzes über das Informationssystem für den Ausländer- und den
Asylbereich vom 20. Juni 2003 [BGIAA, SR 142.51]) und in der Verordnung
über das Zentrale Migrationsinformationssystem vom 12. April 2006
(SR 142.513; ZEMIS-Verordnung) näher geregelt ist. Nach Art. 19 Abs. 1
ZEMIS-Verordnung richten sich die Rechte der Betroffenen, insbesondere
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deren Auskunfts-, Berichtigungs- und Löschungsrecht sowie das Recht auf
Informationen über die Beschaffung besonders schützenswerter Perso-
nendaten, nach dem Datenschutzgesetz (DSG, SR 235.1) und dem
VwVG.
6.2 Wer Personendaten bearbeitet, hat sich über deren Richtigkeit zu ver-
gewissern (Art. 5 Abs. 1 DSG). Werden Personendaten von Bundesorga-
nen bearbeitet, kann jede betroffene Person insbesondere verlangen, dass
unrichtige Personendaten berichtigt werden (Art. 5 Abs. 2 i.V.m. Art. 25
Abs. 3 Bst. a DSG). Auf die Berichtigung besteht in einem solchen Fall ein
absoluter und uneingeschränkter Anspruch (vgl. die Urteile des BVGer
A-4256/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 3.2 und A-4313/2015 vom
14. Dezember 2015 E. 3.2, je m.w.H.; vgl. ferner Urteil des Bundesgerichts
[BGer] 1C_224/2014 vom 25. September 2014 E. 3.1). Die ZEMIS-Verord-
nung sieht im Übrigen in Art. 19 Abs. 3 ausdrücklich vor, dass unrichtige
Daten von Amtes wegen zu berichtigen sind.
6.3 Grundsätzlich hat die das Berichtigungsbegehren stellende Person die
Richtigkeit der von ihr verlangten Änderung zu beweisen, die Bundesbe-
hörde hat im Bestreitungsfall dagegen die Richtigkeit der von ihr bearbei-
teten Personendaten zu beweisen (vgl. Urteil des BGer 1C_240/2012 vom
13. August 2012 E. 3.1; BVGE 2013/30 E. 4.1; vgl. Urteile des BVGer
A-4313/2015 vom 14. Dezember 2015 E. 3.2 und A-1732/2015 vom
13. Juli 2015 E. 4.2). Nach den massgeblichen Beweisregeln des VwVG
gilt eine Tatsache als bewiesen, wenn sie in Würdigung sämtlicher Erkennt-
nisse so wahrscheinlich ist, dass keine vernünftigen Zweifel bleiben; un-
umstössliche Gewissheit ist dagegen nicht erforderlich. Die mit dem Be-
richtigungsbegehren konfrontierte Behörde hat zwar nach dem Untersu-
chungsgrundsatz den Sachverhalt grundsätzlich von Amtes wegen abzu-
klären (Art. 12 VwVG); die gesuchstellende Person ist aber gemäss Art. 13
Abs. 1 Bst. a VwVG verpflichtet, an dessen Feststellung mitzuwirken (vgl.
zum Ganzen Urteile des BVGer A-4256/2015 vom 15. Dezember 2015
E. 3.3, A-2291/2015 vom 17. August 2015 E. 4.3 und A-3555/2013 vom
26. März 2014 E. 3.3, je m.w.H.). Die materielle Beweislast, also die Folgen
der Beweislosigkeit, trägt aber grundsätzlich die Behörde, wenn sie wie
vorliegend im Bereich der Eingriffsverwaltung tätig ist (vgl. Urteil des
BVGer A-4035/2011 vom 19. Dezember 2011 E. 4.3).
6.4 Kann bei einer verlangten beziehungsweise von Amtes wegen beab-
sichtigten Berichtigung weder die Richtigkeit der bisherigen noch diejenige
der neuen Personendaten bewiesen werden, dürfen grundsätzlich weder
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die einen noch die anderen Daten bearbeitet werden (vgl. Art. 5 Abs. 1
DSG). Dies ist jedoch nicht immer möglich, müssen doch bestimmte Per-
sonendaten zur Erfüllung wichtiger öffentlicher Aufgaben notwendiger-
weise bearbeitet werden. Dies gilt namentlich auch für die im ZEMIS er-
fasste Herkunft, den Namen und die Geburtsdaten. In solchen Fällen über-
wiegt das öffentliche Interesse an der Bearbeitung möglicherweise unzu-
treffender Daten das Interesse an deren Richtigkeit. Art. 25 Abs. 2 DSG
sieht deshalb die Anbringung eines Vermerks vor, in dem darauf hingewie-
sen wird, dass die Richtigkeit der bearbeiteten Personendaten bestritten
ist. Spricht dabei mehr für die Richtigkeit der neuen Daten, sind die bishe-
rigen Angaben zunächst zu berichtigen und die neuen Daten anschlies-
send mit einem derartigen Vermerk zu versehen. Ob die vormals eingetra-
genen Angaben weiterhin abrufbar bleiben sollen oder ganz zu löschen
sind, bleibt grundsätzlich der Vorinstanz überlassen. Verhält es sich umge-
kehrt, erscheint also die Richtigkeit der bisher eingetragenen Daten als
wahrscheinlicher oder zumindest nicht als unwahrscheinlicher, sind diese
zu belassen und mit einem Bestreitungsvermerk zu versehen. Über dessen
Anbringung ist jeweils von Amtes wegen und unabhängig davon zu ent-
scheiden, ob ein entsprechender Antrag gestellt worden ist (vgl. zum Gan-
zen Urteile des BVGer A-4256/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 3.4,
A-3555/2013 vom 26. März 2014 E. 3.4 und A-181/2013 vom 5. November
2013 E. 7.1, je m.w.H.; vgl. ferner Urteil des BGer 1C_240/2012 vom
13. August 2012 E. 3.2).
7.
7.1 Vorliegend obliegt es demnach grundsätzlich dem SEM zu beweisen,
dass das aktuell im ZEMIS eingetragene Geburtsdatum (...) korrekt ist. Der
Beschwerdeführer wiederum hat nachzuweisen, dass das von ihm geltend
gemachte Geburtsdatum ([...] respektive eventualiter [...]) richtig bezie-
hungsweise zumindest wahrscheinlicher ist als das im ZEMIS erfasste, ihm
mithin eine höhere Glaubwürdigkeit zukommt als dem Eintrag (vgl. Urteil
des BVGer A-3051/2018 vom 12. März 2019 E. 5.5). Gelingt keiner Partei
der sichere Nachweis, ist dasjenige Geburtsdatum im ZEMIS zu belassen
oder einzutragen, dessen Richtigkeit wahrscheinlicher ist.
7.2 Im Asylverfahrens ist das Geburtsdatum – der allgemeinen asylrechtli-
chen Beweisregel folgend – von der asylsuchenden Person zumindest
glaubhaft zu machen. Über die Glaubhaftigkeit ist im Rahmen einer Ge-
samtwürdigung zu befinden. Anders verhält es sich im datenschutzrechtli-
chen Verfahren betreffend die Berichtigung von Personendaten im ZEMIS.
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Hier wird verlangt, dass die wahrscheinlichsten – also überwiegend wahr-
scheinlichen – Personendaten eingetragen werden.
8.
8.1 Aufgrund der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass das aktuell im ZEMIS eingetragene Geburtsdatum des Be-
schwerdeführers (...) nicht das wahrscheinlichste Datum ist.
8.2 Wie zuvor festgestellt, vermochte der Beschwerdeführer glaubhaft zu
machen, dass er im Zeitpunkt der Asylgesuchstellung in der Schweiz am
17. Oktober 2020 (noch) minderjährig war. Das SEM stützte sich bei dem
Eintrag des Geburtsdatums vom (...) auf das medizinische Gutachten zur
Altersschätzung vom 26. November 2020, das indes durch die Nachbegut-
achtung vom 16. Februar 2021 ersetzt wurde und somit keine Grundlage
für den ZEMIS-Eintrag bilden kann. Das Gutachten vom 16. Februar 2021,
das ein Mindestalter des Beschwerdeführers von (...) Jahren ergab, ver-
mag ebenfalls kein Indiz für die Volljährigkeit des Beschwerdeführers im
Zeitpunkt der Untersuchung vom 21. November 2020 darzustellen (vgl. die
vorstehenden Ausführungen), und somit auch den vom SEM vorgenomme-
nen Eintrag (...) nicht zu begründen. Der Beschwerdeführer vermochte sei-
nerseits das von ihm angegebene Geburtsdatum vom (...) nicht anhand
von Identitätsdokumenten zu belegen. Im ZEMIS soll, wie vorstehend aus-
geführt, das überwiegend wahrscheinliche Geburtsdatum eingetragen wer-
den, wenn das tatsächliche – wie vorliegend – nicht feststeht. Laut dem
Altersgutachten vom 16. Februar 2021 weist der Beschwerdeführer im Un-
tersuchungszeitpunkt vom 20. November 2020 ein Mindestalter von
(...) Jahren auf. Dies ist mit dem vom Beschwerdeführer angegebenen Ge-
burtsjahr von (...) nicht vereinbar. Dem Altersgutachten vom 16. Februar
2021, das nach wissenschaftlichen Kriterien erstellt wurde und auf mehre-
ren Einzeluntersuchungen basiert, wodurch die Aussagekraft bedeutend
erhöht wird, ist eine erhebliche Beweiskraft beizumessen (vgl. BVGE 2019
I/6 E. 6.1, 6.3-6.5). Das mit dem Altersgutachten vom 16. Februar 2021 er-
mittelte Mindestalter des Beschwerdeführers von (...) Jahren spricht für
das Geburtsjahr (...). Die Wahl des 1. Januars als Geburtstag ist üblich,
wenn das Geburtsdatum einer im ZEMIS einzutragenden Person nicht
exakt bestimmt werden kann. Dass der im ZEMIS dann eingetragene fiktive
Geburtstag (im Gegensatz zum Geburtsjahr) des Beschwerdeführers und
damit dessen Geburtsdatum mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht korrekt
ist, lässt sich in Fällen, bei denen das Geburtsdatum der betroffenen Per-
son unbekannt ist und stattdessen praxisgemäss der 1. Januar als fiktiver
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Geburtstag erfasst wird, nicht vermeiden (vgl. Urteil des BVGer A-
7588/2015 vom 26. Februar 2016 E. 5.4 m.w.H.).
8.3 Das Geburtsdatums des Beschwerdeführers im ZEMIS ist somit in Gut-
heissung des Eventualantrags auf den (...) abzuändern.
9.
Aufgrund des Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen und die Verfü-
gung vom 11. Januar 2021 aufzuheben. Das SEM ist anzuweisen, auf das
Asylgesuch des Beschwerdeführers einzutreten und das Geburtsdatum
des Beschwerdeführers im ZEMIS auf den (...) abzuändern.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63
VwVG).
11.
Dem vertretenen Beschwerdeführer ist für das Beschwerdeverfahren keine
Parteientschädigung auszurichten, da es sich vorliegend um eine zugewie-
sene unentgeltliche Rechtsvertretung im Sinne von Art. 102h AsylG han-
delt, deren Leistungen vom Bund nach Massgabe von Art. 102k AsylG ent-
schädigt werden (vgl. auch Art. 111ater AsylG).
12.
Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts auf dem Gebiet des Daten-
schutzes sind gemäss Art. 35 Abs. 2 der Verordnung vom 14. Juni 1993
zum Bundesgesetz über den Datenschutz (VDSG, SR 235.11) dem Eidge-
nössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) be-
kanntzugeben.
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