Decision ID: e21b7099-2a1a-543b-96a6-72639963004f
Year: 2018
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Sachverhalt
A. Die am XX.XX.1982 geborene A_ meldete sich am 10. Juni 2013 wegen einer zervikalen
Dystonie (Schiefhals) bei der IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden an (IV-act. 4). In der Folge
klärte die IV-Stelle den medizinischen sowie den erwerblichen Sachverhalt ab – unter
anderem holte sie ein Gutachten bei der IME (Interdisziplinäre Medizinische Expertisen,
St. Gallen), Prof. Dr. med. B_, Facharzt Neurologie sowie Psychiatrie und
Psychotherapie, ein – und zog die Akten des Krankenversicherers bei (IV-act. 37, 38, 39,
50 und 58).
B. Mit Vorbescheid vom 13. Februar 2017 kündigte die IV-Stelle A_ an, es bestehe kein
Rentenanspruch (IV-act. 101). Dagegen liess A_ am 15. März 2017 beziehungsweise 1.
Mai 2017 Einwand erheben (IV-act. 102 und IV-act. 106). Die IV-Stelle hielt in der
Verfügung vom 7. Juli 2017 an ihrem Vorbescheid fest und wies das Leistungsbegehren
von A_ ab (IV-act. 108).
C. Gegen die Verfügung vom 7. Juli 2017 liess A_ am 11. September 2017 mit den
eingangs erwähnten Anträgen Beschwerde beim Obergericht des Kantons Appenzell
Ausserrhoden erheben (act. 1).
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D. Die IV-Stelle beantragte mit Vernehmlassung vom 9. Oktober 2017 die Abweisung der
Beschwerde (act. 6).
E. Mit Schreiben vom 16. Oktober 2017 verzichtete A_ auf eine Replik (act. 9).
F. Mit Beschluss vom 13. Februar 2018 holte das Obergericht bei Prof. Dr. med. B_ eine
Ergänzung seines Gutachtens vom 14. Januar 2017 ein (act. 10). Am 6. März 2018 reichte
die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin eine Ergänzungsfrage zur Beantwortung
durch Prof. Dr. med. B_ ein (act. 15).
G. Am 15. Juni 2018 erstattete Prof. Dr. med. B_ dem Obergericht das
Ergänzungsgutachten (act. 18).
H. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin reichte mit Eingabe vom 4. Juli 2018 eine
Stellungnahme zum Ergänzungsgutachten ein (act. 21). Die Vorinstanz verzichtete
stillschweigend auf eine Vernehmlassung.
I. Mit Urteil vom 11. Dezember 2018 wurde die Beschwerde durch das Obergericht
abgewiesen (act. 23).

Erwägungen
1. Formelles
Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes
vom 13. September 2010 (JG, bGS 145.31) beurteilt das Obergericht als kantonales
Versicherungsgericht Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherungen. Die
örtliche Zuständigkeit ist nach Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959
über die Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) gegeben.
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der
Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1 und
Art. 61 lit. b ATSG sowie Art. 54, Art. 56 und Art. 59 des Gesetzes vom 9. September 2002
über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG, bGS 143.1)).
Seite 4
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Materielles
Zwischen den Parteien umstritten und zu prüfen ist der Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin.
2.1
Nach Art. 8 Abs. 1 ATSG ist Invalidität die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit
dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Die Invalidität kann nach Art. 4 Abs. 1
IVG Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein. Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder
teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens
einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn
sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die unter anderem
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens
40% invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht ein Anspruch auf eine
Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
2.3
Nach dem im Sozialversicherungsverfahren geltenden Untersuchungsgrundsatz ist der
rechtserhebliche Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, und zwar richtig und
vollständig (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG; BGE 136 V 376 E. 4.1.1).
Seite 5
2.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall
das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere
Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der Ärztin oder des Arztes ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und
bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind
die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 E. 4).
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung
der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten
begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1).
Gemäss früherem Verfahrensstandard eingeholte Gutachten verlieren nicht per se ihren
Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen
spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein
abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht
standhält. In sinngemässer Anwendung auf die materiell-beweisrechtlich geänderten
Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die beigezogenen administrativen
und/oder gerichtlichen Sachverständigengutachten - gegebenenfalls im Kontext mit
weiteren fachärztlichen Berichten - eine schlüssige Beurteilung im Lichte der
massgebenden Indikatoren erlauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann
zudem unter Umständen eine punktuelle Ergänzung genügen (Urteil des Bundesgerichts
8C_329/2018 vom 7. September 2018 E. 5.2.3.1 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 8).
2.5
Die IV-Stelle vertrat die Ansicht, es sei eine umfassende Abklärung vorgenommen worden
und es sei kein polydisziplinäres Gutachten notwendig. Der Entscheid über die
Gutachtensart obliege dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD). Der bidisziplinären
Begutachtung durch Prof. Dr. med. B_ komme voller Beweiswert zu und im Übrigen sei
die Beschwerdeführerin auf ihre Schadenminderungspflicht hinzuweisen.
Die Beschwerdeführerin stellt sich im Wesentlichen auf den Standpunkt, die IV-Stelle habe
den Untersuchungsgrundsatz und die Anforderungen an eine administrative
Erstbegutachtung verletzt. Es bestehe auch rheumatologischer Abklärungsbedarf, weshalb
Seite 6
ein polydisziplinäres Gutachten hätte eingeholt werden müssen. Das bidisziplinäre
Gutachten von Prof. Dr. med. B_ sei nicht beweiskräftig, inhaltlich stark mangelhaft,
beantworte den Fragenkatalog nicht, sei nicht beweistauglich, nicht plausibel und
nachvollziehbar, ohne Begründung zu divergierenden Ansichten und es finde keine
Auseinandersetzung und Würdigung des AEH-Gutachtens, des RAD-Untersuchs durch
Dr. med. E_ sowie der Angaben des RAD-Arztes Dr. med. C_, Facharzt Neurologie,
Psychiatrie und Psychotherapie, und des IV-Arztes Dr. med. D_ statt. In der
Stellungnahme zum Ergänzungsgutachten von Prof. Dr. med. B_ liess die
Beschwerdeführerin ausführen, eine wesentliche Verbesserung sei durch die Botoxtherapie
nicht dokumentiert worden und der Gutachter überschreite seine Kompetenz, indem er eine
rechtliche Würdigung vornehme und ihr implizit eine Verletzung der
Schadenminderungspflicht vorwerfe. In Bezug auf die anderslautende Beurteilung durch Dr.
med. E_ habe der Gutachter erneut aktenwidrig Tatsachen verdreht und die Ansicht des
RAD-Arztes zur Wirksamkeit der Botox-Behandlung nicht wiedergegeben. Der Bericht des
Vereins Mensch – Natur, Herisau, sei nicht gutachterlich berücksichtigt und gewürdigt
worden, insbesondere bezüglich des gescheiterten Eingliederungsversuchs. Ferner habe
der Gutachter immer noch unbeantwortet gelassen, weshalb im Bericht der
Haushaltsabklärung Einschränkungen aus medizinischer Sicht als plausibel beurteilt
worden seien, aber im Erwerb keine Einschränkung vorliegen solle. Im Übrigen äussere
sich der Gutachter hinsichtlich der Rüge der ungenügenden Auseinandersetzung mit den
Standardindikatoren nicht. Das Gutachten sei vor der Änderung der Rechtsprechung
verfasst worden, womit es der neuen Rechtsprechung nicht genüge. Auf das mangelhafte
Gutachten von Prof. Dr. med. B_ dürfe nicht abgestellt werden, es sei nicht neutral
formuliert und enthalte tatsachenwidrige Behauptungen und Unterstellungen.
2.6
Aus den Akten geht im Wesentlichen der folgende medizinische Sachverhalt hervor:
2.6.1
Dr. med. F_, Facharzt FMH Neurologie, Klinik für Neurologie, Kantonsspital St. Gallen,
stellte im Bericht vom 28. Januar 2013 die Diagnose wahrscheinlich primäre zervikale
Dystonie mit Torticollis nach rechts und leichtem Retrocollis (ICD-10: G24.2), wobei die
Erstsymptomatik ca. im Oktober 2012 aufgetreten sei. Er habe aufgrund des sehr starken
Leidensdrucks gleich mit Botox behandelt (IV-act. 15-7/8). Am 19. April 2013 fand eine
erneute Botox-Behandlung statt (IV-act. 15-6/8).
Seite 7
2.6.2
Im Bericht vom 5. Juni 2013 führte Dr. med. F_ aus, bis dato sei das Ansprechen auf
Botox noch unbefriedigend (IV-act. 37-8/23).
2.6.3
Der Hausarzt der Beschwerdeführerin, Dr. med. G_, Facharzt FMH Allgemeine Innere
Medizin, Urnäsch, stellte im Arztbericht vom 1. Juli 2013 ebenfalls die Diagnose zervikale
Dystonie mit Tortikollis nach rechts. Weiter führte er aus, dass die objektive Beurteilung
schwer falle. Eigentlich wäre aus seiner Sicht vermutlich ein kleines Teilzeitpensum (z.B. 2
Stunden/Tag) zumutbar, jedoch spreche sich der Botoxspezialist dagegen aus (IV-act. 15-
3f/8).
2.6.4
Dr. med. H_, Fachärztin Neurologie, Neuropraxis Herisau, diagnostizierte im Arztbericht
vom Juli 2013 eine cervicale Dystonie rechts seit ca. Herbst 2012. Sie erklärte, dass unter
der laufenden Behandlung mit Botulinumtoxin die Prognose als sehr gut anzusehen sei und
unter adäquater Behandlung im Verlauf nicht mit einer wesentlichen Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit zu rechnen sei (IV-act. 19-1ff./6).
2.6.5
Im Arztbericht vom 3. Juli 2013 erklärte Dr. med. F_, dass die Beschwerdeführerin
aktuell weder in der bisherigen noch in einer adaptierten Tätigkeit arbeiten könne. In der
Regel sei mit einem Effekt der Botoxtherapie zu rechnen. Eine cervicale Dystonie könne
durchschnittlich etwa 70% mit Botox verbessert werden. Derzeit sei dieser Effekt noch
ausgeblieben, sollte er jedoch eintreten, sei mit einer mindestens prozentualen
Wiedererreichung der Arbeitsfähigkeit zu rechnen (IV-act. 16-1ff/6).
2.6.6
Dr. med. F_ berichtete am 27. August 2013, dass die Beschwerdeführerin nach der
letzten Botox-Injektion mit deutlich erhöhter Dosierung erstmals merklich davon profitiert
habe. Die Dystonie nehme nach der Beschwerdeführerin merklich ab (IV-act. 37-11/23).
2.6.7
Dr. med. G_ berichtete am 16. September 2013, dass ein schleppender Heilungsverlauf
bestehe und ein verzögertes Ansprechen auf die Botox-Infiltrationen. Ein erster deutlich
spürbarer Heilungserfolg habe sich erst nach der letzten Botox-Injektion im Juli 2013
eingestellt. Die Beschwerdeführerin sei weiterhin 100% arbeitsunfähig (IV-act. 37-9f./23).
Seite 8
2.6.8
Dr. med. J_, Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Departement Innere
Medizin, Kantonsspital St. Gallen, diagnostizierte im Bericht vom 23. September 2013
nebst der cervikalen Dystonie eine depressive Episode, aktuell schwergradig (ICD-10:
F32.2) und empfahl eine entsprechende Behandlung (IV-act. 25-7f/8).
2.6.9
Dr. med. F_ berichtete am 1. Oktober 2013, dass die Beschwerdeführerin von einem
deutlichen Ansprechen ohne Nebenwirkungen berichte (IV-act. 37-18/23).
2.6.10
Im Verlaufsbericht vom 12. November 2013 berichtete Dr. med. F_ über einen im
Vergleich zum Juni 2013 positiven Verlauf. Bezüglich der Motorik habe die Erhöhung der
Botoxdosis zu einer Verbesserung geführt, so dass er einer Wiederaufnahme der
Arbeitsfähigkeit (Teilzeit) in den nächsten Monaten nicht ausschliessen könne. Er werde
der Beschwerdeführerin vorschlagen, auf 1. Januar 2015 50% arbeiten zu gehen. Er denke,
dass mit einer polydisziplinären Behandlung (Neurologie, Psychiatrie, Physiotherapie) eine
Wiedererlangung mindestens einer Teilarbeitsfähigkeit erreicht werden könne (IV-act. 37-
15/23).
2.6.11
Dr. med. K_, Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und lic. phil. L_, Herisau,
diagnostizierten im Bericht vom 18. März 2014 eine Anpassungsstörung mit Angst und
Depression gemischt (ICD-10: F43.21) bei cervikaler Dystonie (IV-act. 34).
2.6.12
Im Bericht vom 28. März 2014 über die psychiatrisch-psychopathologische und
verhaltensneurologische, neuro- und leistungspsychologische Untersuchung vom
21. Februar 2014 führten Dr. med. M_, Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
und Dr. med. N_, Fachärztin Neurologie, Zürich, aus, im weiteren Zeitverlauf sei nach
Einberäumung einer adäquaten Übergangsfrist, medizinisch-theoretisch von einer vollen
Arbeitsfähigkeit auszugehen (Zumutbarkeit), sozial-praktisch, bei ungekündigten
Berufsverhältnissen, eine initial 50%-ige Arbeitsfähigkeit im Sinne einer Adaptionsphase mit
gradueller Leistungssteigerung (IV-act. 39-7/12).
2.6.13
Im Arztbericht des Psychiatrischen Zentrums Appenzell Ausserrhoden vom 31. März 2014
wurde eine idiopathische nicht familiäre Dystonie (ICD-10: F24.2) sowie eine mittelgradige
Seite 9
depressive Episode (ICD-10: F32.1) diagnostiziert. Aufgrund von lediglich zwei
stattgefundenen Konsultationen könne keine Prognose gestellt werden, der
Beschwerdeführerin sei jedoch mangels Willen, eine stationäre psychiatrische Behandlung
durchzuführen, eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung mit regelmässigen
Konsultationen empfohlen worden (IV-act. 36).
2.6.14
Im Gutachten des Zentrums für Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene AG, AEH, Zürich,
vom 7. April 2014 zuhanden des Krankenversicherers der Beschwerdeführerin wurde
ausgeführt, dass die bisherige Tätigkeit in der Kosmetikfirma derzeit nicht zumutbar sei
(100%-ige Arbeitsunfähigkeit). Aus psychiatrischer Sicht bestehe derzeit eine 50%-ige
Arbeitsunfähigkeit. Diese lasse sich im weiteren Verlauf jedoch reduzieren, so dass von
einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden könne (IV-act. 38-5/20). In einer
angepassten Tätigkeit, für eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit mit einer Präsenz von
fünf Stunden und einer Stunde vermehrter Pausen, verteilt über diese fünf Stunden, bei der
alternierend die rechte oder die linke Hand verwendet werden könne, für kurze Sequenzen,
ca. 2-3 Minuten, beide Hände zum Einsatz kommen, z.B. Etikettieren von Gegenständen,
sei die Beschwerdeführerin als arbeitsfähig zu erachten (50%-ige Arbeitsfähigkeit bei fünf
Stunden Präsenzzeit). Interdisziplinär bestehe somit derzeit eine 50%-ige
Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 38-6/20).
2.6.15
Dr. med. O_, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie, erklärte im RAD-Bericht, das
Gutachten des AEH sei nachvollziehbar und plausibel, mit Ausnahme der somatisch
dominierten Prognose. Es sei hier zu berücksichtigen, dass bei der somatischen
Untersuchung die letzte Botox-Injektion bereits 2 Monate zurückgelegen habe und die
definitive Dosierung noch nicht ausgetestet worden sei. Dies bedeute, dass noch von
weiteren Verbesserungen der Dystonie auszugehen sei und dadurch zu erwartenden
Steigerungen der Arbeitsfähigkeit (IV-act. 40-4/5). Es bestehe ein Eingliederungspotential
von 50% auf dem ersten Arbeitsmarkt bei fünf Stunden Präsenz und einer Stunde
zusätzlicher Pausen mit gradueller Steigerung auf das Wunschpensum von 50-60%. Eine
adaptierte Tätigkeit bestehe ohne notwendige starke Rotation im Nacken, keine häufigen
Arbeiten über Schulterhöhe oder vorgeneigt im Stehen beziehungsweise Sitzen oder im
Knien. Empfehlenswert sei die Möglichkeit einer regelmässigen Entlastung des Nackens
(IV-act. 40-5/5)
Seite 10
2.6.16
Dr. med. E_ führte im ärztlichen Bericht der RAD-Abklärung vom 28. Mai 2014 zur Frage
der beruflichen Eingliederungsfähigkeit aus, im rheumatologischen Befund seien die
Halswirbelsäule und die rechte Schulter auffällig. Es liege ein deutlicher muskulärer
Hartspann mit Verbackung der myogelotischen Muskulatur die gesamte rechte Schulter
und den Nackenbereich umgreifend vor (IV-act. 43-4/17). Er diagnostizierte eine zervikale
Dystonie (ICD-10: G24.3) und eine schwere Depression (ICD-10: F32.2). Es liege in der
angestammten Tätigkeit, welche adaptiert sei, eine 60%-ige Arbeitsunfähigkeit vor und im
Haushalt eine 10%-ige Leistungseinschränkung. Derzeit sei aufgrund der schweren
Depression keine Arbeitstätigkeit zumutbar (IV-act. 43-5ff/17).
2.6.17
Im Bericht von Dr. med. K_ und lic. phil. L_ vom 18. Februar 2015 wurde bei
gleichbleibender Diagnose von einem verbesserten Gesundheitszustand ausgegangen. Die
Arbeitsfähigkeit sei jedoch seit Beginn der Therapie am 20. Januar 2014 nicht gegeben. Es
werde ein stationärer Neurorehabilitationsaufenthalt empfohlen (IV-act. 52).
2.6.18
Die RAD-Ärztin Dr. med. O_ führte am 15. April 2015 aus, es liege ein instabiler
Gesundheitszustand vor. Nach einer erfolgten Rehabilitation seien weitere medizinische
Abklärungen angezeigt, die aktuelle Arbeitsfähigkeit könne nicht abschliessend beurteilt
werden (act. 53-4/4).
2.6.19
Gemäss Bericht über die Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und
Haushalt vom 25. Juli 2016 liegt im Haushaltbereich eine Behinderung von 20.75 % vor (IV-
act. 85).
2.6.20
Dr. med. K_ und lic. phil. L_ gingen im Bericht vom September 2016 von einem
verbesserten Gesundheitszustand seit 16. Februar 2015 aus. Zudem erachteten sie die
Kriterien einer Anpassungsstörung als nicht mehr erfüllt. Sie berichteten, dass Ende Mai
2015 die Therapie bei völliger Beschwerdefreiheit habe beendet werden können, die
Beschwerdeführerin jedoch Anfang 2016 erneut psychotherapeutische Hilfe gesucht habe.
Ende Juni 2016 sei die Therapie bei uneingeschränkter Beweglichkeit und bei
Wohnortwechsel abgeschlossen worden (IV-act. 88).
Seite 11
2.6.21
Im bidisziplinären Gutachten vom 14. Januar 2017 kam Prof. Dr. med. B_
zusammenfassend zum Ergebnis, dass aus neurologischer Sicht keine quantitative
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestände. Jedoch seien qualitative Einschränkungen zu
benennen, indem Arbeiten mit Zwangshaltungen der Halswirbelsäule oder vermehrten
Kopfwendungen sowie Tätigkeiten mit Inklination nicht leidensgerecht seien. Aus
psychiatrischer Sicht sei in zuletzt ausgeübter und adaptierter Tätigkeit seit Antragstellung
und anhaltend von keiner Arbeitsunfähigkeit auszugehen (IV-act. 99-3/109). Im
psychiatrischen Fachgutachten verneinte er eine psychiatrische Diagnose mit Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 99-33/109). Im neurologischen Fachgutachten stellte er als
Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit einen Torticollis und Retrocollis rechts (ICD-
10: G24.2) (IV-act. 99-107/109).
2.6.22
Die RAD-Ärztin Dr. med. O_ gab im RAD-Bericht vom 27. Januar 2017 an, es sei auf das
Gutachten abzustellen (IV-act. 100-3/3).
2.6.23
Im Ergänzungsgutachten vom 15. Juni 2018 führte Prof. Dr. med. B_ aus, es beständen
keine Divergenzen in der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit zwischen seinen Ergebnissen
und jenen der Evaluation der arbeitsbezogenen funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL). Der
zusätzlichen Pausenregelung könne er gegebenenfalls beipflichten, wenn die Arbeit nicht
voll leidensadaptiert sei (act. 18/ Antwort zu Frage 1). Den ärztlichen Bericht von Dr. med.
E_ betreffend RAD-Abklärung vom 28. Mai 2014 habe er im neurologischen Gutachten
zitiert, jedoch sich damit nicht vertieft auseinandergesetzt, da keine neuen
richtungsweisenden Erkenntnisse darin enthalten seien (act. 18/Antwort zu Frage 2). Auch
den Bericht des Vereins Mensch und Natur habe er berücksichtigt, jedoch nicht diskutiert,
da jene keine neurologisch relevanten Informationen enthielten (act. 18/Antwort zu Frage
3). Zum Haushaltsabklärungsbericht habe er sich im Gutachten ebenfalls geäussert (act.
18/Antwort zu Frage 4).
2.7
Nicht bestritten ist, dass die Beschwerdeführerin an einer zervikalen Dystonie (Schiefhals)
leidet.
Seite 12
2.7.1
Soweit die Beschwerdeführerin geltend machen lässt, die Auswahl der Fachdisziplinen sei
nicht sachgerecht erfolgt, ist darauf hinzuweisen, dass in begründeten Fällen eine mono-
oder bidisziplinäre Begutachtung durchgeführt werden kann, sofern die medizinische
Situation offenkundig ausschliesslich ein oder zwei Fachgebiete beschlägt (BGE 139 V 349
E. 3.2). Dabei ist für die Auswahl der Fachdisziplinen bei polydisziplinären Gutachten die
Gutachterstelle abschliessend zuständig unter Berücksichtigung der von der IV-Stelle
gewählten Fachdisziplinen. Den Gutachtern muss es also freistehen, die von der IV-Stelle
beziehungsweise dem RAD – oder im Beschwerdefall durch ein Gericht – bezeichneten
Disziplinen gegenüber der Auftraggeberin zur Diskussion zu stellen, wenn ihnen die
Vorgaben nicht einsichtig sind. Unter diesem Vorbehalt steht insbesondere auch eine
vorgängige Verständigung zwischen IV-Stelle und versicherter Person über die
Fachdisziplinen. Eine erneute Mitwirkung der versicherten Person in diesem Punkt ist
alsdann ausgeschlossen. Diese Überlegungen treffen grundsätzlich auch mit Bezug auf
bidisziplinäre Expertisen zu (BGE 139 V 349 E. 3.3, E. 4, E. 5.1, E. 5.2.2.2 und E. 5.4 mit
Hinweis auf BGE 137 V 210).
Vorliegend wurde der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 7. November 2016 mitgeteilt,
dass durch den Gutachter Prof. Dr. med. B_ Abklärungen in den Fachdisziplinen
Neurologie und Psychiatrie geplant seien (IV-act. 96). Somit wurde die Beschwerdeführerin
formell korrekt über die vorgesehenen Fachdisziplinen, die Art des Gutachtens –
bidisziplinär – und die Person des Gutachters informiert. Die Beschwerdeführerin
verzichtete in der Folge – trotz eines Hinweises in der Mitteilung auf die Möglichkeit des
Vorbringens von Einwendungen – auf Einwendungen gegen das geplante Vorgehen. Sie
verzichtete dannzumal auch darauf, ihre Rechtsschutzversicherung einzuschalten. Erst
nachdem die Beschwerdeführerin den Vorbescheid vom 13. Februar 2017 erhielt, schaltete
sich ihre Rechtsschutzversicherung ein (IV-act. 101 und act. 102). Diese kritisierte im
Einwand vom 1. Mai 2017 aber weder das Gutachten, noch die Art des Gutachtens oder
die Auswahl der Disziplinen (IV-act. 106).
Der Rüge einer fehlenden rheumatologischen Begutachtung ist sodann entgegenzuhalten,
dass die Beschwerdeführerin nach Auftreten ihrer Beschwerden durchgängig neurologisch
und psychiatrisch behandelt worden war. Gemäss den vorliegenden Akten wurde von den
involvierten behandelnden Fachärzten weder ein orthopädisches Symptom noch eine
entsprechende Diagnose festgestellt, welche nach deren Ansicht den Beizug eines
Rheumatologen erforderlich gemacht hätte. Insofern bestand offensichtlich keine
Notwendigkeit für eine rheumatologische Begutachtung beziehungsweise die Ausdehnung
Seite 13
der Begutachtung auf eine weitere Fachdisziplin und damit auf eine polydisziplinäre
Begutachtung.
Zusammenfassend waren somit entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin die
Voraussetzungen für eine bidisziplinäre Begutachtung gegeben.
2.7.2
Die Kritik der Beschwerdeführerin am bidisziplinären Gutachten von Prof. Dr. med. B_
vom 14. Januar 2017 und dessen Ergänzung vom 15. Juni 2018 überzeugt nicht.
Soweit dem Gutachter eine mangelnde Auseinandersetzung und Würdigung des AEH-
Gutachtens sowie der EFL vorgeworfen wird, geht diese Rüge fehl. Gemäss den
medizinischen Akten fand am 1. Oktober 2013 bei Dr. med. F_ erneut eine – letztmalige
– Botox-Behandlung statt (IV-act. 37-18/23). Am 10./11. März 2014 wurde die
Beschwerdeführerin mittels Funktionsorientierter Medizinischer Abklärung, welche unter
anderem auch ein EFL umfasste, für das AEH-Gutachten untersucht (IV-act. 38-2/20). Der
Hinweis des Gutachters, dass die EFL nach der letzten Botox-Behandlung stattgefunden
habe und aufgrund der auf durchschnittlich 10 – 14 Wochen beschränkten Wirksamkeit der
Botox-Behandlung mit einem Wiederauftreten der Symptome zu rechnen gewesen sei, ist
daher nachvollziehbar. Nach dem Arztbericht vom Juli 2013 von Dr. med. H_ fingen die
Beschwerden ca. im Herbst 2012 an, wobei sie erklärte, dass unter der laufenden
Behandlung mit Botulinumtoxin die Prognose als sehr gut anzusehen und unter adäquater
Behandlung im Verlauf nicht mit einer wesentlichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu
rechnen sei (IV-act. 19-1ff./6). Die Botoxbehandlung wurde gemäss Dr. med. F_ am 25.
Januar 2013 aufgenommen (IV-act. 15-7/8). Am 5. Juni 2013 gab Dr. med. F_
gegenüber dem Krankenversicherer der Beschwerdeführerin an, dass, sollte die Dystonie
wie im üblichen Rahmen bekannt auf die Botox-Behandlung ansprechen, mit einer
mindestens teilweisen Wiederaufnahme der Arbeit zu rechnen sei (IV-act. 37-8/23). Der
Hausarzt der Beschwerdeführerin erachtete bereits im Juli 2013 ein kleines Teilzeitpensum
als zumutbar, verwies aber auf den Spezialisten aus der Botox-Sprechstunde, welcher sich
vorläufig gegen einen Arbeitsversuch ausspreche (IV-act: 15-4/8). Dr. med. F_ war im
Arztbericht vom 3. Juli 2013 der Ansicht, dass die Beschwerdeführerin aktuell – auch in
adaptierter Tätigkeit – nicht in der Lage sei, zu arbeiten. In der Regel sei mit einem Effekt
der Botoxtherapie zu rechnen. Eine cervikale Dystonie könne durchschnittlich mit Botox
etwa 70% verbessert werden. Falls der Effekt eintrete, sei mit einer mindestens
prozentualen Wiedererreichung der Arbeitsfähigkeit zu rechnen (IV-act. 16-3/6). Im August
2013 meldete Dr. F_, dass die Beschwerdeführerin nach der letzten Botox-Injektion mit
deutlich erhöhter Dosierung erstmals merklich davon profitiert habe. Die Dystonie nehme
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sehr merklich ab (IV-act. 37-16/23). Im November 2013 gab Dr. med. F_ im
Verlaufsbericht an, der Verlauf sei im Vergleich zum Juni 2013 als positiv zu bewerten. Die
Erhöhung der Botoxdosis habe zu einer Verbesserung geführt, so dass eine
Wiederaufnahme der Arbeitsfähigkeit (Teilzeit) in den nächsten Monaten nicht
auszuschliessen sei (IV-act. 37-15/23). Somit war von Seiten der behandelnden Fachärzte
unbestritten, dass eine Botoxbehandlung die für das vorliegende Leiden adäquate
Behandlung ist und dass bei der Beschwerdeführerin dadurch eine Verbesserung
eingetreten war. Die Aussage des Gutachters Prof. Dr. med. B_, wonach das
neurologische Störungsbild (aktuell) unbehandelt sei, nachdem die Beschwerdeführerin im
Herbst 2013 die Botox-Behandlung abgebrochen habe, erscheint somit zutreffend (IV-act.
99-3/109). Auch die gutachterliche Bemerkung im Ergänzungsgutachten, dass aufgrund
des Aktenmaterials die Beschwerdeführerin von der Botox-Behandlung profitierte, sie diese
ohne nachvollziehbare medizinische Gründe abbrach und sie zur Wiederaufnahme der
Behandlung verpflichtet werden sollte, erscheint vor diesem Hintergrund nicht als
Kompetenzüberschreitung (act. 18). Bereits in der Zusammenfassung des Gutachtens
führte Prof. Dr. med. B_ aus, dass die Folgen der Bewegungsstörung durch eine Botox-
Spritzen-Behandlung deutlich zu mindern und diese Behandlung der Beschwerdeführerin
aus medizinischer Sicht zumutbar sei. Aus neurologischer Sicht spreche nichts gegen die
Auferlegung von Massnahmen im Sinne einer Schadenminderungspflicht (IV-act. 99-
3/109). Zutreffend ist, dass die EFL-Untersuchung im März 2014 stattfand und der
Gutachter keine davon abweichende Einschätzung vornahm, sondern die Übereinstimmung
damit erklärte, dass durch den Abbruch der Botox-Therapie im Herbst 2013 mit einem
Wiederauftreten der Symptome zu rechnen war, da die Wirkung von Botox durchschnittlich
ca. 10 – 14 Wochen anhalte (act. 18). Insofern berücksichtigte der Gutachter in seiner
Einschätzung die unbestrittenermassen zeitlich begrenzte Wirksamkeit der Botox-
Injektionen. Gemäss den medizinischen Akten liess sich die Beschwerdeführerin von Ende
Januar 2013 bis Anfang Oktober 2013 mit Botox behandeln, somit effektiv rund acht
Monate (IV-act. 15-7/8 und IV-act. 37-18/23). Entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin lässt sich den Akten nicht entnehmen, dass die Botox-Therapie
abgebrochen wurde, weil sich die gewünschte Wirkung langfristig nicht einstellte
beziehungsweise weil die langfristige Wirksamkeit nachliess. Vielmehr beendigte sie diese
Therapie im Herbst 2013 – gemäss der Beschwerdeführerin aufgrund von Missstimmungen
unter den behandelnden Ärzten und damit einhergehendem Vertrauensverlust (IV-act. 99-
17/109) – und verunmöglichte dadurch, dass die langfristige Wirksamkeit der Therapie
beziehungsweise deren Erfolg sich zeigen beziehungsweise evaluiert werden konnte.
Der Rüge der Beschwerdeführerin, der Gutachter habe sich nicht mit der anderslautenden
Beurteilung des RAD-Arztes Dr. med. E_ auseinandergesetzt, geht insoweit fehl, als die
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RAD-Abklärung durch Dr. med. E_ im neurologischen Fachgutachten von Prof. Dr. med.
B_ zitiert wird. Im RAD-Abklärungsbericht zur Frage der beruflichen
Eingliederungsfähigkeit wurde von Dr. med. E_ eine zervikale Dystonie sowie eine
schwere Depression diagnostiziert (IV-act. 43-5/17). Erstere Diagnose ist unbestritten und
letztere Diagnose wurde vom Gutachter aufgrund einer Auseinandersetzung mit den
Berichten der damals behandelnden psychiatrischen Fachärzte nachvollziehbar und
schlüssig begründet als momentan remittiert erachtet (IV-act. 99-31/109). Dr. med. E_
führte im Bericht, der auf einer Abklärung vom 28. Mai 2014 beruht, aus, die Dystonie
werde nervenärztlich korrekt behandelt, die Botulinumtoxin-Injektionen brächten kurzfristig
eine Erleichterung, nicht jedoch eine durchschlagende Besserung (IV-act. 43-5/17). Jedoch
wird nicht von ihm dargelegt, dass die Beschwerdeführerin die Botox-Behandlung im Herbst
2013 nach rund acht Monaten beendete und sein Bericht mithin auf einer Untersuchung
beruht, die rund acht Monate nach der letzten Botox-Behandlung stattgefunden hat. Er geht
auch lediglich auf die Skepsis der Beschwerdeführerin mit der Botox-Therapie ein, nicht
jedoch auf die Beurteilung des behandelnden Spezialisten Dr. med. F_ vom November
2013, der den Verlauf im Vergleich zum Juni 2013 als positiv bewertete, eine verbesserte
Motorik aufgrund der Erhöhung der Botoxdosis feststellte und in Aussicht stellte, der
Beschwerdeführerin auf 1. Januar 2014 – mithin rund fünf Monate vor der RAD-Abklärung –
die Aufnahme einer 50%-igen Erwerbstätigkeit vorzuschlagen (IV-act. 43-1/17 und 37-
15/23). Insofern kann keinesfalls von einer aktenwidrigen Tatsachenverdrehung durch den
Gutachter die Rede sein. Vielmehr stellt sich die Frage, ob der RAD-Arzt, welcher sich in
seinem Bericht zur Frage der beruflichen Eingliederungsfähigkeit zu äussern hatte, seine
Beurteilung gestützt auf sämtliche damals vorhandenen Akten stützte. Zudem erscheint es
nachvollziehbar, dass Prof. Dr. med. B_ sich im Gutachten mangels neuer
richtungsweisender Erkenntnisse durch den Abklärungsbericht nicht vertieft damit
auseinandergesetzt hat.
Die Beschwerdeführerin kritisiert weiter, dass der Bericht des Vereins Mensch & Natur
beziehungsweise die Tatsache des gescheiterten Eingliederungsversuchs nicht
gutachterlich gewürdigt worden sei. Im Gutachten von Prof. Dr. med. B_ wurde im
neurologischen Fachgutachten der erwähnte Bericht zitiert (IV-act. 99-83ff/109). Aufgrund
der dem Arzt obliegenden Aufgabe, den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der
versicherten Person zu beurteilen, sind grundsätzlich vor allem jene Berichte für ihn
relevant, welche ärztliche Erkenntnisse enthalten, mit denen er sich gutachterlich
auseinandersetzen kann (vgl. BGE 132 V 99 E. 4). Berichte, welche lediglich die
subjektiven Angaben der zu begutachtenden Person zu ihren Beschwerden enthalten, wie
es vorliegend im erwähnten Bericht der Fall ist, können in Bezug auf die verwertbaren
medizinischen Informationen für den Gutachter allenfalls ohne Belang sein. Insofern
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erscheint das gescheiterte Aufbautraining, welches auch auf Drängen der
Beschwerdeführerin und unter Hinweis auf ihre subjektiv empfundenen Beschwerden als
gescheitert erklärt worden war, vorliegend ohne weitere Relevanz (IV-act. 79).
Der Gutachter nahm im neurologischen Fachgutachten insofern Bezug auf die Abklärung
der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt vom 25. Juli 2016, als er die
Einschränkungen im Haushalt als minim bezeichnete und als Referenzgrösse das im
Abklärungsbericht Haushalt festgelegte Handicap heranzog (IV-act. 99-108/109). Gemäss
Bericht besteht im Bereich Ernährung eine Behinderung von 8.75%, im Bereich
Wohnungspflege eine Behinderung von 10%, im Bereich Wäsche- und Kleiderpflege eine
Behinderung von 2%, somit ein Total der Behinderung von 20.75%. Dies führt im
Haushaltsbereich zu einem IV-Grad von 8.3% (IV-act. 85). Der Rüge der
Beschwerdeführerin, es sei nicht plausibel, dass im grundsätzlich frei einteilbaren Haushalt
eine Einschränkung ermittelt worden sei, wohingegen im Erwerb keine quantitativen
Einschränkungen gegeben sein soll, ist entgegenzuhalten, dass im Zusammenhang mit
den Einschränkungen im Haushalt ausschlaggebend ist, wie sich der Gesundheitsschaden
in der nichterwerblichen Betätigung konkret auswirkt (Urteil des Bundesgerichts
9C_121/2011 vom 31. März 2011 E. 3.1.1). Im Erwerbsbereich hingegen wird unter
Umständen auf einen auf die Beschwerden der versicherten Person adaptierten
Arbeitsplatz abgestellt.
Schliesslich gehen auch die Rügen der Beschwerdeführerin hinsichtlich der ungenügenden
Auseinandersetzung mit den Standardindikatoren sowie der nicht berücksichtigten neuen
bundesgerichtlichen Rechtsprechung fehl. Zwar trifft es zu, dass das Gutachten von Prof.
Dr. med. B_ auf der Untersuchung vom 6. Januar 2017 basiert und demnach vor der
Änderung der Rechtsprechung hinsichtlich psychischer Erkrankungen – BGE 143 V 409
und BGE 143 V 418 – erging (IV-act. 99-1/109). Es ist auch korrekt, dass der Gutachter im
psychiatrischen Fachgutachten auf die – inzwischen geänderte – Rechtsprechung zu
Anpassungsstörungen und depressiven Episoden verweist (IV-act. 99-33/109). Allerdings
macht er dies am Ende seiner ausführlichen zusammenfassenden Beurteilung, in welcher
er vorgängig nach Diskussion und Auseinandersetzung mit den Diagnosen depressive
Episode und Anpassungsstörung feststellte, dass aktuell bei der Beschwerdeführerin von
keinem IV-relevanten Gesundheitsschaden auszugehen sei (IV-act. 99-29/109). Gleichsam
als Hinzufügung bringt er vor, dass gemäss IV-Rechtsprechung zudem
Anpassungsstörungen und depressiven Episoden keine invalidisierende Wirkung mehr
zukomme (IV-act. 99-33/109). Dieser Zusatz ist als zusätzliche Betonung seiner
vorgängigen Ausführungen zu den Diagnosen aufzufassen und keinesfalls so auszulegen,
dass er gestützt auf diese Rechtsprechung zu seiner Auffassung des fehlenden IV-
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relevanten Gesundheitsschaden gelangt. Vorgängig beschreibt er die bisherige und
aktuelle persönliche Situation (IV-act 90-27/109), nimmt Stellung zu den bisherigen
psychiatrischen Einschätzungen (IV-act 90-27ff./109), überprüft den Indikator „Konsistenz“
und „sozialer Komplex“ (Indikator zur Kategorie „funktioneller Schweregrad“), den Komplex
„Persönlichkeit (Indikator zur Kategorie „funktioneller Schweregrad“) sowie Diagnosen,
Behandlung und Eingliederung (Komplex „Gesundheitsschädigung“ im Rahmen der
Indikatoren zur Kategorie „funktioneller Schweregrad“) (IV-act. 90-30ff./109). Insofern ist
der pauschalen Rüge der Beschwerdeführerin in Bezug auf die angeblich ungenügende
Auseinandersetzung mit den Standardindikatoren entgegenzuhalten, dass die einzelnen
Indikatoren – wie es Prof. Dr. med. B_ im Ergänzungsgutachten geltend macht (act. 18)
– im Gutachtenstext abgehandelt wurden.
2.8
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Gutachten von Prof. Dr. med. B_ plausibel
und nachvollziehbar begründet ist, auf den im Rahmen der Untersuchung gewonnenen
Erkenntnissen beruht, in Kenntnis der Vorakten und unter Berücksichtigung der von der
Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden abgegeben wurde und in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge einleuchtet. Dem Gutachten kommt daher voller
Beweiswert zu. Weitere medizinische Abklärungen beziehungsweise die Einholung eines
polydisziplinären Gutachtens erübrigen sich demnach.
Die Beschwerde ist somit abzuweisen.
3. Kosten und Entschädigung
Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren um die Bewilligung oder
Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Der
Beschwerdeführerin sind daher – unter Verrechnung mit dem von ihr in gleicher Höhe
einbezahlten Kostenvorschuss – ausgangsgemäss die Kosten des Verfahrens in Höhe von
Fr. 800.-- aufzuerlegen.
Die Auslagen von Fr. 593.50 für das Ergänzungsgutachten von Prof. Dr. med. B_ vom
15. Juni 2018 werden der IV-Stelle auferlegt (BGE 143 V 269 E. 6.2.1 mit Hinweis auf BGE
140 V 70 E. 6.1).
Der obsiegenden IV-Stelle wird keine Parteientschädigung ausgerichtet (BGE 126 V 143
E. 4).
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