Decision ID: cc4dd529-b1b4-4cd2-baf0-10631a335887
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Mutter Z._,
zusätzlich vertreten durch Advokat lic. iur. Martin Boltshauser, c/o procap, Froburg
strasse 4, Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Hilfsmittel (Kommunikationsgerät)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ wurde am 13. März 2002 zum Bezug von IV-Leistungen angemeldet (IV-act.
2). Sie litt an einer spastischen Tetraparese, an einem allgemeinen
Entwicklungsrückstand, einer starken Sehbehinderung und an einer Mikrozephalie (IV-
act. 21). Am 8. Dezember 2008 beantragten die Eltern der Versicherten die Abgabe
eines „DynaVox V“ Kommunikationsgeräts (IV-act. 96). Zur Begründung wurde geltend
gemacht, die Versicherte sei immer auf jemanden angewiesen, der ihre Zeichen deuten
könne oder der ihr die richtigen Fragen stelle (sie könne "Ja" sagen und den Kopf
schütteln). Selbst von den Eltern und den Lehrpersonen werde sie oft nicht verstanden.
Beim DynaVox V handle es sich um einen symbolorientierten portablen Kommunikator,
den die Versicherte den ganzen Tag bei sich haben könne. Beim Drücken des
entsprechenden Symbols spreche der DynaVox V aus, was die Versicherte sagen
wolle. Der DynaVox V biete die nötige Menge an Aussagemöglichkeiten und er verfüge
über eine Tastatur, die von der Versicherten bedient werden könne. Die Kosten beliefen
sich auf Fr. 23'676.--. Der zuständige Sachbearbeiter der IV-Stelle hielt am 27. Januar
2009 sinngemäss fest (IV-act. 97-1), die Versicherte reagiere gemäss den Angaben der
Eltern aggressiv und frustriert, wenn sie sich nicht mitteilen könne. Trotz des tiefen IQ
könne sie das Gerät bedienen, da es für jede Alters- und Entwicklungsstufe geeignet
sei. Mit einer Mitteilung vom 2. Februar 2009 erteilte die IV-Stelle gestützt auf die Ziffer
15.02 der Liste im Anhang zur HVI die Kostengutsprache für die leihweise Abgabe
eines DynaVox V (IV-act. 99). Der Hilfsmittellieferant teilte am 21. September 2009 mit
(IV-act. 100), das Gebrauchstraining sei erfolgreich abgeschlossen worden; die
Versicherte könne das System bedienen.
A.b Im Rahmen der Abklärung der Hilflosigkeit der Versicherten an Ort und Stelle am
16. Februar 2012 berichtete die Abklärungsperson u.a. (IV-act. 138), die Versicherte
gebe mehrheitlich nur unverständliche Laute von sich. Sie besitze ein
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Kommunikationsgerät. Dieses sei jedoch sehr unregelmässig im Einsatz und nach der
Aussage der Mutter sei es nicht alltagstauglich. Es wiege rund 2,5 kg und sei deshalb
für die Versicherte zu schwer. Das situative Sprechen sei damit nicht möglich. Die
Software sei als kompliziert beschrieben worden. Das Gerät werde nicht täglich und
wenn, dann an einem Tisch eingesetzt. Die Mutter der Versicherten hielt in ihrer
Stellungnahme zum Abklärungsbericht fest, die Versicherte benütze das
Kommunikationsgerät in der Schule gern und gut. Zuhause stelle sie es provokativ
immer wieder ab. Im Moment lerne sie gerade, mit einer komplizierteren Struktur auf
dem Gerät umzugehen, damit sie noch mehr sagen könne. Sie mache dabei grosse
Fortschritte, habe aber wegen ihrer eingeschränkten Feinmotorik grosse Mühe, die
kleineren Felder zu treffen. Zudem sei das Mittragen des Geräts wegen des hohen
Gewichts schwierig. Am 25. April 2012 beantragten die Eltern die Abgabe eines
Kommunikationsgeräts DynaVox Maestro (IV-act. 144). Zur Begründung führten sie an,
aufgrund der Fortschritte der Versicherten bei der Bedienung des Geräts und im
Sprachbewusstsein habe auf eine höhere Struktur mit dementsprechend kleineren
Piktogrammen gewechselt werden müssen, damit die Versicherte genügend Vokabular
für ihre Aussagen zur Verfügung habe. Bedingt durch die Sehbehinderung für die Nähe
könne sie diese kleineren Symbole aber nicht lesen. Zudem stosse sie auch motorisch
an ihre Grenzen. Schliesslich sei das bisherige Gerät auch viel zu schwer, so dass die
Versicherte eine Hilfsperson brauche, was sie sehr frustriere und entmutige. Sie
reagiere mit Resignation, Aggression und dem Abbruch der Kommunikation über den
DynaVox V. Die Versicherte habe leihweise einen DynaVox Maestro erhalten. Durch das
entsprechende neue Angebot habe sie ihre Kommunikationsbarriere schnell
überwinden können. Sie habe alle mit ihren klaren und differenzierten Aussagen
verblüfft. Nun sei sie unbedingt auf ein Gerät mit einem deutlich grösseren Bildschirm
und einem geringeren Gewicht angewiesen. Die veranschlagten Kosten des DynaVox
Maestro (inklusive Gebrauchstrainingspauschale) beliefen sich auf Fr. 13'779.90 (IV-
act. 145). In einer internen Notiz der IV-Stelle (IV-act. 148) wurde festgehalten, bei der
Abklärung der Hilflosigkeit vor Ort habe kein wirklicher Nutzen des
Kommunikationsgeräts bestätigt werden können. Ob ein neues Gerät, das erst noch
umfangreicher sei, die Kommunikationsfähigkeit erhöhen könne, sei ernsthaft zu
bezweifeln. Es könne nicht sein, dass ein komplexes Gerät für über Fr. 23'000.--
bereits nach drei Jahren nicht mehr genügen solle. Es stelle sich die Frage, ob
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überhaupt ein Anspruch auf ein Kommunikationsgerät bestehe, denn die Versicherte
scheine das jetzt vorhandene Gerät aufgrund ihrer geistigen Defizite eher
sonderpädagogisch als für die Kontaktpflege in der Freizeit einzusetzen. Die
Begründung dafür, dass das bisherige Gerät nicht genüge, sei nicht nachvollziehbar,
denn es verfüge über eine umfassende Bibliothek. Die Versicherte weise deutliche
Sprachdefizite auf und werde das DynaVox V kaum je ausschöpfen können. Dass man
Gateway 40 einführen wolle, deute darauf hin, dass man ein einfacheres Gerät wolle.
Zudem sei der Antrag widersprüchlich: Mehr Tasten und gleichzeitig wegen der
Sehbehinderung grössere Tasten. Das deute darauf hin, dass die Versicherte allgemein
mit dem Kommunikationsgerät überfordert sei, weil es zu komplex sei. Jedenfalls sei
der Umstieg auf ein noch komplexeres Gerät bei weitem nicht gerechtfertigt. Zuerst
müsste die praktische Anwendung des DynaVox V ergeben, dass dieses Gerät zwar
eingesetzt werde, die Wortbibliothek aber nicht mehr genüge. Das sei aber eindeutig
nicht der Fall. Das Gerät werde privat kaum eingesetzt, obwohl es eigentlich dafür
gedacht gewesen sei. Das aggressive Verhalten habe trotz des teuren
Kommunikationsgeräts nicht wesentlich verändert werden können. Das Gewicht des
DynaVox V sei bei der Zusprache vor drei Jahren kein Thema gewesen. Die
Problematik liege eher darin, dass die Versicherte das Gerät aus motorischen Gründen
nur bedingt bedienen könne. Es dürfe nicht bereits nach drei Jahren ein neues Gerät
abgegeben werden, nur weil es inzwischen neue Geräte gebe, denn es bestehe kein
Anspruch auf eine bestmögliche Versorgung. Das bestehende Gerät sei umfangreich
repariert worden, so dass kein Grund für eine Neuversorgung bestehe. Wenn allerdings
die Lebensdauer abgelaufen sein sollte, müsste der Anspruch genau geprüft werden.
Man könnte die Versicherte mit dem Gerät zur Testung vorladen.
A.c Mit einem Vorbescheid vom 1. Juni 2012 teilte die IV-Stelle der Mutter der
Versicherten mit, dass sie beabsichtige, das Gesuch um die Abgabe eines neuen
Kommunikationsgeräts abzuweisen (IV-act. 149). Die Mutter der Versicherten wandte
am 4. Juli 2012 ein (IV-act. 152), vor dreieinhalb Jahren habe man gute Resultate mit
dem DynaVox V und der 20er-Struktur (20 Buttons auf dem Bildschirm) erreicht. Die
Versicherte habe schnell gelernt. Die 20er-Struktur habe aber bedeutet, dass sie viel
Geduld habe aufbringen müssen, bis das gewünschte Fenster aufgegangen sei.
Deshalb sei im Februar 2012 auf die 40er-Struktur umgestellt worden. Damit habe die
Versicherte viel mehr Buttons und damit mehr Möglichkeiten erhalten. Sie müsse
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weniger blättern und sei schneller beim gesuchten Wort. Deshalb breche sie die
Kommunikation nicht mehr ab. Der Bildschirm des jetzigen Geräts sei allerdings
bedeutend kleiner als beim DynaVox Maestro. Die Piktogramme auf den Buttons seien
für die sehbehinderte Versicherte schwer zu erkennen. Deshalb sei ihr probehalber ein
DynaVox Maestro zur Verfügung gestellt worden, damit sie die 40er-Struktur
ausprobieren könne. Seither habe man nur positive Resultate erlebt. Wenn es
2008/2009 bereits den DynaVox Maestro gegeben hätte, wäre er ausgewählt worden.
Aber damals sei der DynaVox V mit der 20er-Struktur die beste Option gewesen. Der
DynaVox Maestro sei eine einfache und zweckmässige Lösung angesichts der
Entwicklung, welche die Versicherte in den letzten Jahren gemacht habe. Der
zuständige Sachbearbeiter der IV-Stelle notierte am 15. August 2012 (IV-act. 156), der
DynaVox V sei ausbaufähig und werde kaum je ausgeschöpft werden können. Der
DynaVox Maestro verfüge über die gleichen Gateway-Möglichkeiten wie der DynaVox
V. Im Übrigen habe vor Ort festgestellt werden müssen, dass das bisherige Gerät
massgebend in der Schule zur Sprachförderung und nicht zuhause in der Freizeit
eingesetzt werde. Es scheine, dass die Versicherte weiterhin die lautsprachliche
Gebärde vorziehe. Mit einer Verfügung vom 16. August 2012 wies die IV-Stelle das
Gesuch um die Abgabe eines DynaVox Maestro ab (IV-act. 157).
B.
B.a Die Mutter der Versicherten liess am 17. September 2012 Beschwerde erheben
und um die Abgabe des beantragten Kommunikationsgeräts im Betrag von Fr.
13'779.90 ersuchen (act. G 1). Zur Begründung führte der Rechtsvertreter
insbesondere aus, das beantragte Gerät weise eine weitaus grössere Bildoberfläche
aus und komme deshalb der Sehbehinderung der Beschwerdeführerin entgegen.
Selbst wenn das alte Gerät aufgerüstet würde, bliebe es beim kleinen Bildschirm,
weshalb das Hauptproblem bestehen bliebe. Das hohe Gewicht habe zudem dazu
geführt, dass das alte Gerät zuwenig gebraucht worden sei. Beim Gebrauchstraining
sei dieser Nachteil noch nicht in Erscheinung getreten. Das Gerät werde für die
Aufnahme des Kontakts mit der Umwelt und nicht primär für die Schule benötigt. Sollte
das Gericht der Meinung sein, dass die Sachverhaltsabklärung ungenügend sei, müsse
eine Abklärung in der Schule und zuhause unter Beizug der Lehrpersonen erfolgen.
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B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 22. November 2012 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Sie machte geltend, der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin habe sich weder in Bezug auf die Sehkraft noch in Bezug auf
einen anderen Aspekt verschlechtert. In gewissen Alltagsverrichtungen habe die
Beschwerdeführerin Fortschritte erzielt. Demnach sei nicht ersichtlich, weshalb sie auf
einmal nicht mehr in der Lage sein sollte, den Bildschirm des alten Geräts zu bedienen,
zumal die Buttons vielfältig angepasst werden könnten. Die Speicherkapazität des
alten Geräts könne einfach erhöht werden und es könne eine neue Software installiert
werden. Der Bildschirm mit einer Diagonalen von 21,5 cm schränke die Möglichkeiten
zur Kommunikation mittels Touchscreen nicht wesentlich ein. Das Gerät wiege 2,12 kg.
Deshalb sei es nicht glaubhaft, wenn angegeben werde, die Beschwerdeführerin könne
das Gerät nicht selbst tragen, zumal sie grobmotorisch nicht wesentlich behindert sei.
Das neue Gerät wiege 1,25 kg und die Bildschirmdiagonale betrage 26,5 cm, was die
Nutzung etwas erleichtern würde. Allerdings müsse nicht das ideale Hilfsmittel
abgegeben werden. In einer Aktennotiz vom 8. November 2012 (IV-act. 171) hatte der
zuständige Sachbearbeiter der Beschwerdegegnerin u.a. darauf hingewiesen, dass
bereits bei der erstmaligen Evaluation eines Kommunikationsgeräts ein solches mit
einem grösseren Display hätte gewählt werden können, nämlich ein bereits damals
erhältlicher DynaVox Vmax. Nach der langen Evaluation habe man dann aber den
DynaVox V gewählt. Die Sehbehinderung und die motorischen Schwierigkeiten hätten
bereits damals bestanden. Die Resignation/Aggression habe kaum etwas mit dem
Kommunikationsgerät zu tun. Aufgrund der motorischen Defizite könnte die
Beschwerdeführerin das neue, grössere Gerät ebenfalls nicht mit sich herumtragen. Sie
habe das alte Gerät im Alltag kaum eingesetzt. Vor Ort habe die Anwendung gar nicht
geprüft werden können. Es gebe zudem eine wesentlich günstigere Alternative zum
beantragten Gerät, nämlich ein Tablet mit einem Display von 29,5 cm, auf das die
Gateway-Software geladen werden könnte. Deshalb wäre das DynaVox Maestro nicht
einfach und zweckmässig. Bereits bei der erstmaligen Abgabe hätte auf ein grösseres
Display gesetzt werden können, wenn das nötig gewesen wäre. Die Behauptung, das
Gerät werde nicht primär in der Schule eingesetzt, sei nicht nachvollziehbar. Bei einer
nächsten Abgabe müsste der Anspruch genauestens vor Ort geprüft werden.
Erfahrungsgemäss würden solche Geräte nämlich nur während der Sonderschulzeit
und nicht zuhause im Alltag eingesetzt.
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B.c In seiner Replik vom 10. Januar 2013 (act. G 8) hielt der Rechtsvertreter fest,
aufgrund der Behinderung sei es für die Beschwerdeführerin tatsächlich schwierig, das
alte Gerät zu transportieren. Deshalb nutze sie es weniger. Zum Zeitpunkt der
Anschaffung habe es aber kein leichteres Gerät gegeben. Mit dem deutlich leichteren
beantragten Gerät wäre eine problemlose Nutzung gewährleistet. Er verwies
ausserdem auf eine Stellungnahme der Heilpädagogin Z._ vom 25. Oktober 2012
(act. G 8.1). Diese hatte ausgeführt, die Beschwerdeführerin könne mit der Gateway-
Struktur umgehen. Mit dem neuen DynaVox Maestro könnten Fotos in die bestehende
Struktur eingefügt werden. Dazu sei ein grösserer Bildschirm notwendig. Die
Beschwerdeführerin habe das bestehende Gerät häufig benutzt, was sich anhand des
Unterhalts- und Reparaturaufwands nachvollziehen lasse. Das Gewicht des DynaVox V
schränke die Selbständigkeit der Beschwerdeführerin stark ein. Der phasenweise
eingeschränkte Einsatz zuhause sei durch die Pubertät bedingt gewesen. Inzwischen
teile sich die Beschwerdeführerin wieder deutlich stärker eigeninitiativ über das Gerät
mit. Die Gebärden der Beschwerdeführerin seien so rudimentär, dass sie nur von den
Familienangehörigen verstanden würden.

Erwägungen:
1.
Versicherte, die als Folge ihrer Invalidität für die Fortbewegung, für die Herstellung des
Kontakts mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte bedürfen, haben
im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste ohne Rücksicht auf
die Erwerbsfähigkeit einen Anspruch auf solche Hilfsmittel (Art. 21 Abs. 2 IVG). Der
Bundesrat hat die Aufgabe, diese Liste zu erstellen, an das zuständige Departement
delegiert (Art. 14 Abs. 1 IVV). Dieses hat die Aufgabe mit dem Erlass der Verordnung
über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI) und
insbesondere mit der Hilfsmittelliste im Anhang zu dieser Verordnung erfüllt. Gemäss
der Ziffer 15.02 dieser Liste werden elektronische Kommunikationsgeräte abgegeben
an schwer sprech- und schreibbehinderte Versicherte, die zur Pflege des täglichen
Kontakts mit der Umwelt auf ein solches Gerät angewiesen sind und über die
notwendigen intellektuellen und motorischen Fähigkeiten zur Bedienung eines solchen
Geräts verfügen.
2.
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2.1. Mit einer für beiden Seiten verbindlichen Mitteilung vom 2. Februar 2009 hat die
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin gestützt auf die Ziffer 15.02 der Liste im
Anhang zur HVI leihweise ein elektronisches Kommunikationsgerät vom Typ DynaVox V
abgegeben. Die Beschwerdegegnerin hat also eine leistungsspezifische Invalidität der
Beschwerdeführerin bejaht, d.h. sie ist davon ausgegangen, dass diese schwer sprach-
und schreibbehindert und zur Pflege des Kontakts mit der Umwelt auf ein
elektronisches Kommunikationsgerät angewiesen war und dass die
Beschwerdeführerin über die notwendigen intellektuellen und motorischen Fähigkeiten
zur Bedienung eines Geräts vom Typ DynaVox V verfügte. Diese Leistungszusprache
ist zeitlich unbeschränkt gewesen. Sie hat auf einer (durch den Sachleistungscharakter
des Hilfsmittels bedingten) "doppelten" Sachverhaltsprognose beruht. Diese
"doppelte" Prognose hat darin bestanden, dass die leistungsspezifische Invalidität
unverändert anhalten werde und dass dieser Invalidität auf unbestimmte Zeit durch ein
Kommunikationsgerät DynaVox V ausreichend Rechnung getragen sei. Das bedeutet,
dass die Leistungszusprache vom 2. Februar 2009 gestützt auf Art. 17 Abs. 2 ATSG
revidiert werden kann, falls sich im Zeitablauf eine Sachverhaltsveränderung einstellen
sollte, die zur Folge hat, dass die ursprüngliche Prognose vom 2. Februar 2009 nicht
mehr zutrifft und deshalb durch eine neue Sachverhaltsprognose ersetzt werden muss.
Diese Veränderung kann die leistungsspezifische Invalidität oder aber die vom
abgegebenen Hilfsmittel erbrachte Leistung zur Überwindung oder Reduktion dieser
Invalidität betreffen. Die der Hilfsmittelzusprache zugrunde gelegte
Sachverhaltsprognose trifft also auch dann nicht mehr zu, wenn ein neuer Hilfsmitteltyp
auf den Markt kommt, der die spezifische Invalidität besser und/oder in einem höheren
Mass zu kompensieren vermag als das früher abgegebene und nach wie vor genutzte
Hilfsmittel. Der Ersatz eines am Ende seiner Lebensdauer angelangten, "verbrauchten"
Hilfsmittels durch ein neues oder zumindest gebrauchstüchtiges Hilfsmittel gleichen
Typs setzt dagegen keine revisionsrechtlich relevante Sachverhaltsveränderung voraus,
denn weder die leistungsspezifische Invalidität noch die Leistung des entsprechenden
Hilfsmitteltyps bei der Überwindung der spezifischen Invalidität erfährt diesfalls eine
Veränderung. Durch den Ersatz wird lediglich sichergestellt, dass der mit der
Leistungszusprache angestrebte Versorgungserfolg weiterhin erreicht wird. Diese
Problematik ist deshalb im Bereich des Vollzugs der Zusprache eines bestimmten
Hilfsmitteltyps angesiedelt. Mit ihrem Antrag vom 25. April 2012, neu anstelle eines
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Geräts vom Typ DynaVox V ein solches vom Typ DynaVox Maestro abzugeben, haben
die Eltern der Beschwerdeführerin also gestützt auf Art. 17 Abs. 2 ATSG ein
Revisionsgesuch gestellt.
2.2. Die Eltern der Beschwerdeführerin haben ihr Revisionsgesuch damit begründet,
dass der (reparierte und damit weiterhin gebrauchstüchtige) DynaVox V der
leistungsspezifischen Invalidität der Beschwerdeführerin nicht mehr genüge, weil er
den Bedarf nach einer elektronischen Kommunikationshilfe zuhause nicht mehr
befriedige. Die notwendige Beschränkung des Revisionsverfahrens gemäss Art. 17
Abs. 2 ATSG auf die Folgen einer nachträglichen Veränderung des leistungsrelevanten
Sachverhalts schliesst es aus, jene Sachverhaltskomponenten neu zu würdigen, die
unverändert geblieben sind. Würden auch diese unveränderten Komponenten in die
Neubeurteilung einbezogen, würde das Verfahren über den Revisionszweck hinaus auf
eine Korrektur der ursprünglichen Leistungszusprache wegen anfänglicher
Unrichtigkeit ausgedehnt, obwohl solche Korrekturen in den ausschliesslichen
Regelungsbereich der Abs. 1 und 2 des Art. 53 ATSG fallen (vgl. R. Jöhl, Die Revision
nach Art. 17 ATSG, in: JaSo 2012, S. 162 f.). Entgegen der von der
Beschwerdegegnerin v.a. im Lauf des mit der angefochtenen Verfügung
abgeschlossenen Verwaltungsverfahrens vertretenen Auffassung kann also vorliegend
nicht geprüft werden, ob die Beschwerdeführerin überhaupt ein elektronisches
Kommunikationsgerät benötigt oder sich auch über Gebärden ausreichend
verständigen kann, ob sie über die notwendigen intellektuellen und motorischen
Fähigkeiten zum Bedienen eines elektronischen Kommunikationsgeräts verfügt, ob sie
ein solches Hilfsmittel hauptsächlich zuhause oder nur für die Schule benötigt und
einsetzt und ob sie das Kommunikationsgerät trotz des hohen Gewichts im Alltag
zuhause einsetzt. All diese Voraussetzungen der Abgabe eines elektronischen
Kommunikationsgeräts sind bei der ursprünglichen Hilfsmittelabgabe am 2. Februar
2009 abschliessend und für das vorliegende Revisionsverfahren verbindlich
beantwortet worden.
2.3. Zu prüfen ist zunächst, ob die Beschwerdeführerin seither ihre Fähigkeit zur
alltäglichen Kommunikation und zum Umgang mit den Strukturen der in den DynaVox-
Geräten verwendeten Software so stark verbessert hat, dass das zur Zeit im Gebrauch
stehende Gerät vom Typ DynaVox V nicht mehr zu genügen vermag. Die Mutter der
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Beschwerdeführerin hat überzeugend dargelegt, dass die Kommunikationsfähigkeit
(entgegen der Prognose vom 2. Februar 2009) erheblich besser geworden und der
Kommunikationsbedarf entsprechend grösser und komplexer geworden sei. Deshalb
ist die Beschwerdeführerin mit dem 20er-System (20 Piktogramme auf dem Bildschirm)
nicht mehr zufrieden gewesen. Die Suche nach dem richtigen Begriff über mehrere
Ebenen des Systems hinweg hat nämlich zuviel Zeit erfordert, so dass die
Beschwerdeführerin die Kommunikation frustriert vorzeitig abgebrochen hat. Entgegen
den Andeutungen im Verwaltungsverfahren handelt es sich dabei nicht um einen
Verstoss gegen die "Schadenminderungspflicht" (mangelnde Geduld bei der
Kommunikation), denn an ein pubertierendes Kind können diesbezüglich nur geringe
Anforderungen gestellt werden. Mit dem erheblich schnelleren 40er-System (40
Piktogramme auf dem Bildschirm, daher erheblich weniger Suchaufwand) ist die
Beschwerdeführerin intellektuell gut zurecht gekommen. Allerdings hat sich das erst
ausgewirkt, als sie versuchsweise ein Gerät vom Typ DynaVox Maestro mit einem
grösseren Bildschirm hat nutzen können. Auf dem kleineren Bildschirm des
abgegebenen Geräts vom Typ DynaVox V waren die 40 Piktogramme nämlich so klein,
dass die Beschwerdeführerin sie aufgrund der starken Sehbehinderung nur schwer
erkennen und aufgrund der feinmotorischen Schwierigkeiten kaum richtig antippen
konnte. Das abgegebene Gerät vom Typ DynaVox V ist also nicht aufgrund seiner
Leistungsfähigkeit, sondern vor allem aufgrund des für das 40er-System zu kleinen
Bildschirms den gestiegenen Bedürfnissen der Beschwerdeführerin nicht mehr gerecht
geworden. Damit steht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit fest, dass sich die leistungsspezifische Invalidität gemäss der Ziffer
15.02 der Liste im Anhang zur HVI nach dem 2. Februar 2009 in einem erheblichen
Ausmass verändert hat, so dass die bestehende Hilfsmittelversorgung ihren Zweck
nicht mehr ausreichend erfüllen kann. Der Bedarf nach einer revisionsweisen
Versorgung mit einem geeigneten elektronischen Kommunikationsgerät ist deshalb
ausgewiesen.
2.4. Daraus folgt aber nicht, dass das Beschwerdebegehren gutzuheissen, d.h. die
leihweise Abgabe eines Geräts vom Typ DynaVox Maestro zuzusprechen ist. Dieser
Gerätetyp mag zwar in den Augen der Mutter der Beschwerdeführerin das geeignete
Hilfsmittel sein. Ob er aber die gesetzlichen Anforderungen an eine
Hilfsmittelversorgung erfüllt, lässt sich nicht beurteilen, weil die Beschwerdegegnerin
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diesbezüglich noch keine Abklärungen vorgenommen hat. Das der Beschwerdeführerin
abzugebende elektronische Kommunikationsgerät wird nämlich so gewählt werden
müssen, dass es dem Bedarf längerfristig Rechnung tragen kann. Dazu wird die
Beschwerdegegnerin zu untersuchen haben, ob mit weiteren Fortschritten der
Beschwerdeführerin in ihrer Kommunikationsfähigkeit und in ihrer Fähigkeit, mit einem
elektronischen Kommunikationsgerät umzugehen, zu rechnen ist. Sollte das der Fall
sein, wird ihr ein Gerät abgegeben werden müssen, das dieses Entwicklungspotential
abdecken kann, denn nur so wird die Beschwerdegegnerin die Prognose stellen
können, dass das abzugebende Gerät längerfristig den Kommunikationsbedarf der
Beschwerdeführerin sicherstellen werde. Unter Umständen wird auch das bereits
abgegebene Gerät mit entsprechenden Modifikationen den Kommunikationsbedarf der
Beschwerdeführerin längerfristig sicherstellen. Die Beschwerdegegnerin wird weiter
abzuklären haben, ob der spezifischen Invalidität der Beschwerdeführerin nicht auch
durch ein einfacheres und damit preisgünstigeres Gerät (z.B. ein sogenanntes Tablet)
Rechnung getragen werden kann. Gemäss Art. 21 Abs. 3 IVG besteht nämlich nur ein
Anspruch auf ein Hilfsmittel in einfacher und zweckmässiger Ausführung. Da also zwar
die veränderte leistungsspezifische Invalidität, nicht aber die Art des zur Überwindung
dieser Invalidität notwendigen elektronischen Kommunikationsgeräts feststeht, wird die
Beschwerdegegnerin weitere Abklärungen vorzunehmen und anschliessend das
Revisionsverfahren durch eine geeignete Neuversorgung der Beschwerdeführerin mit
dem passenden elektronischen Kommunikationsgerät abzuschliessen haben.
2.5. Demnach ist die Beschwerde gutzuheissen und die Sache ist zur weiteren
Abklärung und zur anschliessenden neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Im Hinblick auf die Verfahrenskosten ist dieser Verfahrensausgang als
vollumfängliches Obsiegen der Beschwerdeführerin zu werten. Diese hat deshalb einen
Anspruch auf eine volle Parteientschädigung. Angesichts des unterdurchschnittlichen
Vertretungsaufwands erscheint eine Entschädigung von Fr. 2'500.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Die unterliegende
Beschwerdegegnerin hat für die Gerichtskosten aufzukommen. Eine Gerichtsgebühr
von Fr. 600.-- erscheint als angemessen. Der von der Beschwerdeführerin geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist zurückzuerstatten.