Decision ID: 3fa0b075-00bd-423e-9db5-5759b6d250f6
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1973, meldete sich am 7. Februar 2006
unter Hinweis
auf ein Polytrauma infolge eines am 16. September 2005 erlittenen Motorradunfalls (vgl. Urk. 11/11/31) bei der Invalidenversicherung zum
Leistungsbezug an (Urk. 11/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und zog Akten der Unfallversicherung (vgl. Urk. 11/11, Urk. 11/15, Urk. 11/17, Urk. 11/22,
Urk. 11/
27-
28,
Urk. 11/60-62, Urk. 11/72, Urk. 11/74, Urk. 11/76, Urk. 11/81-82) bei. Mit Verfügung vom 6. März 2007 (Urk. 11/21) verneinte sie einen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung.
Am 27. Juni 2007 und am 17. Juli 2007 veranlasste die IV-Stelle eine berufliche Abklärung des Versicherten in der Y._ von Mitte Juni bis Mitte September 2007 (Urk. 11/32, Urk. 11/37, vgl. Urk. 11/35, Urk. 11/46), welche jedoch vorzeitig per 4. September 2007 beendet wurde (vgl. Verfügung vom 23. November 2007, Urk. 11/59). Die IV-Stelle teilte dem Versicherten am 10. November 2008 den Abschluss der Arbeitsvermittlung mit (Urk. 11/68).
1.2
Der Versicherte meldete sich am 8. Dezember 2011 erneut bei der Invali
den
versicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 11/83). Die IV-Stelle klärte die medi
zinische und erwerbliche Situation erneut ab und zog Akten der Unfallver
si
cherung (Urk. 11/85, Urk. 11/106) bei. Mit Verfügungen vom 5. November 2012 (Urk. 11/123) sprach die IV-Stelle dem Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 70 % eine ganze Rente ab 1. September 2006 zu (Urk. 11/123, Urk. 11/128, Urk. 11/139, vgl. Verfügungsteil 2 in Urk. 11/103).
1.3
Nach Eingang eines am 30. April 2015 beziehungsweise am 20. Mai 2015 aus
ge
füllten Revisionsfragebogens (Urk. 11/148, Urk. 11/151) zog die IV-Stelle unter
anderem die Akten der Unfallversicherung (Urk. 11/153) bei und holte beim
Z._
ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am 21. Dezember 2015 erstattet wurde (Urk. 11/166/2-35). Nach durch
geführ
tem Vorbescheidverfahren (Urk. 11/171, Urk. 11/174, Urk. 11/181) hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 7. Juli 2016 (Urk. 11/184 = Urk. 2) die Verfügung
en
vom 5. November 2012 wiedererwägungsweise auf.
2.
Der Versicherte erhob am 9. September 2016
Beschwerde
gegen die Verfügung vom 7. Juli 2016 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm weiterhin eine ganze Rente auszurichten, eventuell sei ihm eine Viertelsrente auszurichten (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1-3). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerde
antwort vom 13. Oktober 2016 (Urk. 10) die Abweisung der Beschwerde, was
dem Beschwerdeführer am 7. November 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 12)
. Mit Eingaben vom 23. Januar 2017 (Urk. 13) und 6. Februar 2017 (Urk. 15) reichte der Beschwerdeführer weitere Unterlagen (Urk. 14/1-2, Urk. 16/1-2) ein. Mit Verfügung vom 4. April 2017 (Urk. 17) wurden antrags
gemäss (vgl. Urk. 1 S. 2) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsver
tre
tung bewilligt und der Beschwerdegegnerin die Eingaben des Beschwerdeführers vom 23. Januar und 6. Februar 2017 zur Kenntnis zugestellt.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
wind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krank
heits
wert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130
V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezem
ber
2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts
8C_616/2014 vom 25. Februar 2015 E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. Novem
ber 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeits
markt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbe
zügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Aus
wirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszu
stan
des auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurtei
lung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Einspracheent
scheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditäts
be
messung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.1 mit Hinweisen).
1.5
Fehlen die in Art. 17 ATSG genannten Voraussetzungen, so kann die Renten
ver
fügung lediglich nach den für die Wiedererwägung rechtskräftiger Verwal
tungsverfügungen geltenden Regeln abgeändert werden. Danach ist die Verwal
tung befugt, auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Gegen
stand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn sich diese als zweifellos unrichtig erweist und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (
Art.
53
Abs.
2 ATSG; BGE 110 V 176 E. 2a mit Hinweisen). Das Gericht kann eine zu Unrecht ergangene Revisionsverfügung gegebenenfalls mit der substituierten Begründung schützen, dass die ursprüngliche Rentenver
fü
gung zweifellos unrichtig und die Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (BGE 125 V 368 E. 2 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 128 V 272 E. 5b/bb; Urteile des Bundesgerichts 9C_121/2014 vom
3.
September 2014 E. 3.2.2, 9C_762/2013 vom 2
4.
Juni 2014 E. 4.2 und 9C_562/2008 vom 3. November 2008 E. 2.2 je mit Hinweisen).
Bei der Beurteilung, ob eine Wiedererwägung wegen zweifelloser Unrichtigkeit zulässig sei, ist vom Rechtszustand auszugehen, wie er im Zeitpunkt des Ver
fügungserlasses bestanden hat, wozu auch die seinerzeitige Rechtspraxis gehört; eine Praxisänderung vermag aber kaum je die frühere Praxis als zweifellos unrichtig erscheinen zu lassen (BGE 125 V 383 E. 3 S. 389).
1.6
Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel erfüllt, wenn eine Leistungszusprache aufgrund falsch oder unzutreffend verstandener Rechts
regeln erfolgt ist oder wenn massgebende Bestimmungen nicht oder unrichtig
angewandt wurden. Anders verhält es sich, wenn der Wiedererwägungsgrund im
Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen liegt, deren Beurteilung notwen
diger
weise Ermessenszüge aufweist. Erscheint die Beurteilung einzelner Schritte bei der Feststellung solcher Anspruchsvoraussetzungen (Invaliditätsbemessung,
Arbeitsunfähigkeits-schätzung, Beweiswürdigung, Zumutbarkeitsfragen) vor de
m Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechts
kräftigen Leistungszusprechung darboten, als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus. Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss - derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung – denkbar (Urteil des Bundesgerichts 9C_837/2010 vom 30. August 2011 E. 2.5.1)
1.7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die wiedererwägungsweise Aufhebung der
Verfügungen vom 5. November 2012 (vgl. Urk. 11/123, Urk. 11/128, Urk. 11/139
) in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) damit, dass sie sich bei der Zusprache der ganzen Rente ab September 2006 bei einem Invaliditätsgrad von 70 % voll
umfänglich auf die Abklärungen der Unfallversicherung Suva abgestützt hätte, im Rahmen derer eine 70%ige Erwerbsunfähigkeit aufgrund psychischer und somatischer Diagnosen attestiert worden sei. Die im Untersuchungsbericht der Suva vom Juli (richtig: August) 2010 attestierte Arbeitsunfähigkeit habe haupt
sächlich auf den subjektiven Beschwerden des Beschwerdeführers und auf einer Verdachtsdiagnose basiert. Solche Diagnosen seien seitens der Invalidenver
sicherung zur Ermittlung der Restarbeitsfähigkeit nicht zu berücksichtigen. Klare Befunde oder Diagnosen hätten somit nicht vorgelegen, weshalb vor der Rentenzusprache weitere Abklärungen hätten durchgeführt werden müssen. Die Schlussfolgerung, dass nur noch eine 30%ige Arbeitsfähigkeit bestanden habe, sei nicht nachvollziehbar. Es liege daher klar eine Verletzung des Unter
su
chungsgrundsatzes vor (S. 1 unten f.). Die medizinische Situation sei folglich neu überprüft und ein medizinisches Gutachten beim Z._ eingeholt worden. Gestützt auf das Z._-Gutachten liege noch eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit vor (S. 2 oben). Bei einem Invaliditätsgrad von 30 % bestehe kein Anspruch mehr auf eine Rente (S. 2 Mitte).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (Urk. 1), die Beschwerdegegnerin
habe im Rahmen der ursprünglichen Rentenzusprache auf die neuropsychologischen Beeinträchtigungen abgestellt. Sie habe sich auf die Beurteilung des
Regionalen Ärztlichen Dienstes (
RAD
)
gestützt, der die
Aus
wirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit damals
im Rahmen seines Ermessens
anders beurteilt habe als heute das
Z._
. Weshalb der damalige Entscheid zweifellos unrichtig sein solle, sei nicht einzusehen
(S. 8 Rz 11)
. Im Übrigen habe sich auch das
Z._
nicht weiter mit der Frage beschäftigt, ob die Ursachen der neu
ro
psychologischen Einschränkungen Folgen einer Hirnverletzung darstellten oder ob sie auf ein
e Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (
ADHS
)
zurück
zuführen seien. Demzufolge müss
t
e nochmals ein n
eues Gutachten eingeholt werden (S. 9 Rz 13). Weiter habe es die Beschwerdegegnerin
unterlassen, bei der Ermittlung des I
nvalideneinkommens – aus näher genannten Gründen – einen leidensbedingten
Abzug
von 25 % vorzunehmen (S. 10 Rz 16).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die
am 5. November 2012 verfügte Renten
zu
sprache zweifellos unrichtig und die wiedererwägungsweise
Aufhebung
der Ren
te rechtens war.
3.
3.1
Der am 5. November
2012 verfügten Rentenzusprache
(vgl. Urk. 11/123,
Urk. 11/128, Urk. 11/139) lagen im Wesentlichen die folgenden Berichte zug
runde.
3.2
Die Ärzte des
A._
, Departement Chirurgie, Klinik für Unfallchirurgie, nannten in ihrem Bericht vom 20. März 2006 (Urk. 11/11/3-4 = Urk. 11/13/5-6 = Urk. 11/16/12-13) folgende Diagnosen (S. 1 Mitte):
-
Polytrauma
vom 16. September 2006 (richtig: 2005) mit unter anderem
-
zweitgradig offener distaler Unterarmtrümmerfraktur rechts
-
drittgradig offener intraartikulärer
distaler Femurfraktur rechts mit grossem Knochendefekt
-
zweitgradig offener Unterschenkelfraktur rechts, distaler Radius
fr
ak
tur links mit Abriss des Processus
styloideus ulnae
Der Beschwerdeführer sei am 15. März 2006 aus der Y._ nach
Hause entlassen worden mit ambulanter Physiotherapie (vgl. nachstehend E. 3
.3). Er fühle sich soweit beschwerdefrei beziehungsweise beschwerdearm und habe bis dato mit 30 kg teilbelastet (S. 1 Mitte).
3.3
Der Beschwerdeführer wurde vom 1. Februar bis 15. März 2006 in der
Y._
stationär behandelt. Die Ärzte der
Y._
nannten in ihrem Austrittsbericht vom 3. Mai 2006 (Urk. 11/15/20-23) folgende, hier leicht gekürzt angeführten Diagnosen (S. 1 Mitte):
-
Motorradunfall vom 16. September 2005, Polytrauma mit
-
distaler intraartikulärer Trümmerfraktur Vorderarm rechts mit Weich
teil
defekt dorsal rechts
-
Schädelhirntrauma mit Kontusionsblutung occipital links
-
Thoraxtrauma mit Aortenruptur loco classico, Rippenfraktur beidseits, Lungenkontusion beidseits
-
drittgradig offener distaler intraartikulärer Femurfraktur rechts mit
Verschluss der distalen Arteria femoralis superfizialis / Durch
trenn
un
g
des Kniestreckapparates im muskulären Anteil
-
zweitgradig offener distaler Unterschenkelfraktur rechts
-
distaler Radiusfraktur links
Sieben Monate nach einem schweren Motorradunfall bestehe beim Beschwerde
führer noch eine stark eingeschränkte Gehfähigkeit mit zwei Amerikanerstöcken bei Kniegelenksarthrodese rechts und einer Beinverkürzung von zirka 6.5 cm rechts. Das rechte Bein dürfe aktuell mit zirka 30 kg belastet werden. Es bestehe noch eine leichtgradige Spitzfussstellung. Das rechte Handgelenk sei arthrode
siert, die Fingergelenksbeweglichkeit sei im Bereich der rechten Hand noch mässig eingeschränkt (S. 2 unten). Seit dem 15. März
2006 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 2 Mitte).
3.4
Ein Arzt des
A._
, Departement Chirurgie, Klinik für Unfallchirurgie, legte in seinem Bericht vom 15. Januar 2007 (Urk. 11/20) dar, dass dem Beschwerde
füh
rer die angestammte Tätigkeit nicht mehr zumutbar sei, in angepasster Tätigkeit bestehe jedoch eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (S. 4).
3.5
Die Ärzte des
A._
, Neurologische Klinik und Poliklinik, führten in ihrem Be
richt vom 2. Mai 2007 (Urk. 11/27/1-3) aus, dass gleichentags die erste Konsul
tation stattgefunden habe, und nannten folgende Diagnosen (S. 1 Mitte):
-
Status nach Polytrauma vom 16. September 2005 mit unter anderem
-
zweitgradig offener
distaler Unterarmtrümmerfraktur rechts
-
drittgradig offener intraartikulärer
distaler Femurfraktur rechts mit grossem Knochendefekt
-
zweitgradig offener Unterschenkelfraktur rechts, distaler Radiusfr
ak
tur links mit Abriss des Processus
styloideus ulnae
-
Status nach Polytoxikomanie, anamnestisch bis am 16. September 2005
In der neurologischen und neuropsychologischen Untersuchung fänden sich selek
tive Minderleistungen von Hirnfunktionen, die mit frontalen Hirnarealen assoziiert würden. So bestünden eine Einschränkung der Konzentrationsfähig
keit, eine erhöhte Interferenzanfälligkeit, eine reduzierte Fähigkeit, sich im sprachlichen Bereich alternative Lösungsstrategien einfallen zu lassen sowie eine deutlich reduzierte Fehlerkontrolle. Weiter fänden sich Hinweise für eine Rechtschreibestörung mit multiplen Orthographiefehlern. Eine Gedächtnis
stö
rung für verbale und figurale Informationen könne bei intaktem Wiederer
kennen in beiden Modalitäten im Wesentlichen ebenfalls durch die frontalen Minder
leistungen erklärt werden. In Kenntnis der Vorgeschichte sei es wahr
scheinlich, dass ein nicht unwesentlicher Anteil dieser Befunde schon vor dem Polytrauma vom 16. September 2005 vorhanden gewesen sei. Aufgrund des Status nach Polytrauma mit Handgelenksarthrodese rechts sowie Kniegelenks
arthrodese rechts sei eine Beschäftigung in einer mittel bis schweren körper
lichen Arbeit nicht realistisch (S. 3 Mitte).
3.6
Dem neuropsychologischen Bericht der
Y._
vom 7. August 2007 (Urk. 11/87) sind folgende Diagnosen zu entnehmen (S. 1 Mitte):
-
schweres Polytrauma mit Schädelhirntrauma mit Kontusionsblutung occipital links am 16. September 2005
-
Status nach langjähriger Toxikomanie (Heroin), anamnestisch abstinent seit 16. September 2005
Die Ärzte der
Y._
legten dar, dass nach schwerem Polytrauma mit unter anderem traumatischer Hirnverletzung vom 16. September 2005 heute eine leichte bis mittelschwere neuropsychologische Funktionsstörung zu beob
ach
ten sei. Betroffen seien die Aufmerksamkeitsfunktionen, die Gedächtnisleis
tungen sowie die Planungs- und Strukturierungsfähigkeit. Dies zeige sich im
sprunghaft-überhasteten Arbeitsverhalten, in der ungenügenden Fehlerkon
trolle
, in der Ablenkbarkeit und der herabgesetzten Frustrationstoleranz (S. 4 Mitte).
Bezüglich Ätiologie der neuropsychologischen Funktionsstörungen seien fol
gen
de Einflüsse zu berücksichtigen: Aufgrund der schulischen Anamnese mit spezifischen Schulleistungsschwierigkeiten ohne Hinweise auf ein auffälliges intellektuelles Leistungsniveau könne vermutet werden, dass der Beschwer
de
führer möglicherweise seit der Kindheit an einer ADHS leide. Entsprechende Abklärungen hätten damals nicht stattgefunden. Zudem könnte die jahrelange Opiatabhängigkeit auch zu kognitiven Einschränkungen und psychischen Ver
än
derungen geführt haben. Schliesslich sei das schwere Polytrauma mit unter anderem traumatischer Hirnverletzung vom 16. September 2005 geeignet, einen möglichen hirnorganischen Vorzustand richtunggebend zu verschlechtern (S. 3 unten f.).
3.7
Am 19. Juni 2008 erfolgte eine kreisärztliche Untersuchung des Beschwerde
führers durch Dr. med. B._
, Facharzt für Chirurgie. Im Bericht vom 23. Juni 2008 (Urk. 11/62/7-13) nannte Dr.
B._
folgende Diagnosen (S. 1):
-
Polytrauma vom 16. September 2005 mit leichtem Schädelhirntrauma mit
-
Kontusionsblutung okzipital
-
Thoraxtrauma mit Aortenruptur loco classico, Rippenfrakturen 6/7 rechts und 4/5 links sowie Lungenkontusion beidseits basal
-
stumpfem Abdominaltrauma mit kleiner Leberlazeration im Gallen
blasenbett sowie periportalem Tracking
-
Beckentrauma mit Kompressionsfraktur B2 mit nicht-dislozierter Fraktur Os ilium rechts mit Ausläufern in das rechte Iliosakralgelenk, kleiner venöser Blutung präsakral im Venenplexus, oberer Scham
bein
astfraktur links, undisloziert
-
zweitgradig offener distaler Unterarmtrümmerfraktur rechts
-
drittgradig offener intraartikulärer distaler Femurfraktur rechts mit grossem Knochendefekt
-
zweitgradig offener Unterschenkelfraktur rechts
-
distaler Radiusfraktur links mit Abriss des Processus
styloideus
ulnae
-
im Verlauf Wundinfekt im Bein rechts, Osteomyelitis im Oberschenkel rechts, tiefe Beinvenenthrombose rechts, Verschluss der Arteria dorsalis rechts
-
leichte bis mittelschwere Hirnfunktionsstörung
-
ausgedehnte Narbenkorrektur Ober- und Unterschenkel rechts durch Exzision und Direktverschluss am 11. Januar 2008
-
Osteosynthesematerialentfernung am Vorderarm rechts sowie Narben
korrektur Vorderarm rechts mittels freiem Anterolateral-Tigh-Flap von links End-zu-Seit an Arteria radialias und End-zu-End an Begleit
vene vom 25. Februar 2008
-
unfallfremd: Status nach Heroinabusus bis 2005 sowie arterielle Hyper
tonie
Dem Beschwerdeführer seien schwere manuelle Tätigkeiten, häufiges Begehen von Leitern und Treppen sowie Gehen in unebenem Gelände, Tätigkeiten in der Hocke oder kniende Tätigkeiten, Tätigkeiten mit Verletzungsrisiko für das rechte Bein und den Vorderarm rechts, Tätigkeiten in Zwangshaltungen für den Rücken, Tätigkeiten mit Sturzrisiko und Verletzungsrisiko für den Thoraxraum und Tätigkeiten mit Verletzungsrisiko für die rechte Hand und den Vorderarm nicht mehr zumutbar. Beim Trage
n von Lasten sei unter günstigem
Heben eine Gewichtslimite von maximal 10-15 kg gegeben, günstig seien zudem Wechsel
belastungen. Feinmotorische Tätigkeiten seien zumutbar, aber teilweise verlang
samt oder umständlich bei eingeschränkter Pro-/Supination und praktisch ein
ge
steiftem Handgelenk rechts. Zudem seien Tätigkeiten mit hohem Aufmerk
samkeitsbedarf wahrscheinlich eingeschränkt bei einer leichten bis mittel
schwe
ren Störung bei Status nach Schädelhirntrauma (Verweis auf den neu
ropsycho
logischen Bericht der
Y._
vom 7. August 2007,
vgl.
vorstehend E. 3.6; S. 6 unten f.).
3.8
Am 1. Februar 2010 erfolgte eine erneute kreisärztliche Untersuchung des Be
sc
hwerdeführers durch Dr. med. C._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates. Im Bericht vom 2. Februar 2010 (Urk. 11/76/5-9) legte Dr.
C._
dar, dass sich die Situation im Vergleich zur Untersuchung im Juni 2008 (vgl. vorstehend E. 3.7) praktisch nicht verändert habe. Global gesehen sei der Beschwerdeführer wieder ganztags einsatzfähig mit einer wechselbelastenden Tätigkeit, wobei er Gewichte von 10-15 kg heben könne. Es handle sich also um eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit. Zu vermeiden sei das Gehen auf unebenem Gelände, das Besteigen von Leitern und
das allzu häufige
Treppensteigen. Arbeiten, bei welchen Vibrationen auftreten, seien wahrscheinlich auch eher ungünstig (S. 5 Mitte).
3.9
Dr. med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, versicherungs
psy
chiatrischer Dienst der Suva, untersuchte den Beschwerdeführer am 22. Juli 2010, und nannte in seinem psychiatrischen Untersuchungsbericht vom 26. August 2010 (Urk. 11/81/51-59) folgende Diagnosen (S. 8 Ziff. 5.3):
-
begründeter Verdacht auf seit der Kindheit bestehende ADHS mit über
wiegender Impulsivität mit/bei
-
Status nach schwerer Heroinabhängigkeit während 14 Jahren (ICD-10 F11.20)
-
ausgeprägten narzisstischen Persönlichkeitszügen (ICD-10 Z73.1)
-
möglicher richtunggebender Verschlechterung der psychischen Funk
tionsfähigkeit durch das Schädelhirntrauma
-
besonderen persistierenden Problemen bei der Lebensbewältigung als Unfallversehrter (ICD-10 Z73.5)
Dr.
D._
führte aus, dass eine präzisere Diagnostik nicht möglich sei, weil die bereits vor Eintritt der langjährigen Heroinabhängigkeit bestandenen psychi
schen Auffälligkeiten nie näher abgeklärt oder dokumentiert worden seien. Eine
gewisse kognitive Beeinträchtigung sei durch den langjährigen Heroinmiss
brauch
denkbar und eine richtunggebende Verschlechterung durch das erlittene Schä
del
hirntrauma (und eventuell die vielen Narkosen) sei nicht ausgeschlossen, aber auch nicht zu beweisen. In Anbetracht der ausgeprägten Persönlich
keits
züge wäre zudem eine eigentliche Persönlichkeitsstörung von narzisstischem Gepräge zu diskutieren (S. 8 Ziff.5.3.1).
Aufgrund der feststellbaren Befunde und der gemachten Erfahrungen anlässlich diverser beruflicher Eingliederungsmassnahmen seit 2007 schwanke die Arbeits
fähigkeit zwischen dem, was dem Beschwerdeführer aus rein somatischer Beur
teilungsbasis zugemutet werden könne und jenen Situationen, wo der Beschwerdeführer mangels psychischer Flexibilität und nötiger Frustrations
toleranz sich so verhalte, dass die Arbeitsleistung auf ein sehr bescheidenes Niveau falle und der Beschwerdeführer selber einer Arbeitsplatzumgebung auf Dauer kaum noch zumutbar sei. In einem beruflichen Umfeld, wo es Raum und Toleranz gäbe, damit er mit seinem Bedürfnis nach Selbstgeltung und emo
tio
naler Aufmerksamkeit genügend auf die Rechnung käme, wäre eine Lei
stungs
fähigkeit denkbar, welche
dem rein somatisch Zumutbaren minus dem einem Arbeitgeber geschuldeten Abzug für besonderen „arbeitspsychologischen Auf
wand“ entspräche. Das Gesagte laufe praktisch wohl darauf hinaus, dass bei einer angepassten Tätigkeit auf Dauer höchstens noch eine Arbeitsleistung von zirka 30 % zumutbar sei. Diese 30 % seien deshalb nicht aus der Luft gegriffen, weil die bereits in diversen Erprobungen gemachten Erfahrungen überein
stimmend in diese Richtung weisen würden; das heisst der Beschwerdeführer sei in seiner auffälligen psychischen Wesensart einem Arbeitgeber beziehungsweise einem Arbeitsumfeld in einem wesentlich niedrigeren Ausmass zumutbar, als es die rein somatische Einschätzung erwarten lasse (S. 8 f. Ziff. 5.4).
3.10
Dr. med.
E._
, Facharzt für Neurologie, legte in seinem neurolo
gi
schen Bericht vom 12. August 2011 (Urk. 11/81/10-15) dar, dass in Bezug auf
die Beurteilung der Unfallfolgen auf neurologischem und neuropsychologi
schem
Fachgebiet festgestellt werden könne, dass die wahrscheinlich stattgefundene okzipital gelegene Subarachnoidalblutung nicht geeignet sei, eine richtung
ge
bende Verschlimmerung des Vorzustandes somatisch zu begründen und die neu
ropsychologischen Funktionsstörungen des Beschwerdeführers nicht überwie
gen
d wahrscheinlich auf den Unfall vom 16. September 2005
,
sondern auf den Vor
zustand mit einem seit der Kindheit bekannten ADHS-Syndrom und einem über
14 Jahre dauernden Drogenkonsum mit Heroin zurückzuführen seien (S. 5 Mitte).
3.1
1
Dr. med.
F._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, RAD, emp
fahl in ihrer Stellungnahme vom 23. Januar 2012 (Urk. 11/94/10), mit den soma
tischen, psychischen und neuropsychologischen Einschränkungen allen
falls die 30%ige Arbeitsfähigkeit praktisch zu erproben, wobei bereits jetzt aufgrund des Verhaltens im Rahmen de
s
psychischen Gesundheitsschadens des
Beschwerdeführers überwiegend wahrscheinlich angenommen werden müsse, d
ass der Beschwerdeführer auf eine verständnisvolle Arbeitsumgebung ange
wiesen sein werde (Nischenarbeitsplatz).
4.
4.1
Im Anschluss an die im März 2015 eingeleitete Rentenrevision (vgl. Urk. 11/170 S. 1 Mitte) ergingen die nachfolgenden Berichte.
4.2
Die Ärzte des Z._ erstatteten das von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gege
bene polydisziplinäre Gutachten am 21. Dezember 2015 (Urk. 11/166/2-35) und nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 31 Ziff. 5.1):
-
Status nach Polytrauma am 16. September
2005
-
Schädelhirntrauma, Kontusionsblutung okzipital links
-
Thoraxtrauma mit Aortenruptur und Lungenkontusion
-
Kniearthrodese rechts seit 18. Dezember 2005
-
Status nach drittgradig offener distaler intraartikulärer Femur
frak
tur mit grossen Knochendefekt und Entwicklung einer Osteo
mye
litis
-
Status nach Osteosynthese einer zweitgradig offenen distalen Unter
schenkeltrümmerfraktur und nach multiplen operativen Ein
griffen zur Korrektur von ausgedehnten Weichteilschäden
-
Handgelenksarthrodese
rechts 11. Oktober 2016
-
Status nach multiplen weiteren Eingriffen bei zweitgradig offener distaler Unterarmtrümmerfraktur vom 16. September 2015
-
leichtgradige Restbeschwerden Vorderarm und Handgelenk links
-
Status nach Osteosynthese vom 29. September 2005 bei distaler Radiusfraktur vom 16. September 2005
-
e
infache Aufmerksamkeitsstörung (
ICD-10
F90.0)
-
leichte bis mittelschwere neuropsychologische Störung
Zudem nannten die Gutachter folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 31 f. Ziff. 5.2):
-
arterielle Hypertonie
-
chronischer Nikotinabusus
(ICD-10 F17.1)
-
Status nach Heroinabhänigkeit
von 1991-2005
-
Status nach di
slozierter Fraktur des Os Ilium rechts 16. September 2005
Die Gutachter kamen zum Schluss, dass aus orthopädischer Sicht keine Ein
schränkung der Arbeitsfähigke
it vorliege, weshalb körperlich
leichte Tätigkeiten in wechselnde
r
Position, bevorzugt im Sitzen, mit der Möglichkeit einer Hoch
lagerung des rechten Beines und ohne höhere Ansprüche an die Feinmotorik der rechten Hand
,
aus orthopädischer Sicht uneingeschränkt möglich seien. Aus neurologischer Sicht bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, die zu
mindest teilweise hirnorganisch bedingt sei. Die Arbeitsfähigkeit sei deshalb aus neurologischer Sicht zu 30 % beeinträchtigt. Dies gelte auch für Verweis
tätig
keiten mit einfachen Anforderungen an die Kognition. Zudem könne keine psy
chiatrische Diagnose gestellt werden, weshalb aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeits- oder Leistungsfähigkeit vorliege. Auch aus allge
meininternistischer Sicht könne keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeits
fähig
keit gestellt werden. Insgesamt könne somit aus polydisziplinärer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit im Baugewerbe und in jeder anderen körperlich belastenden Tätigkeit festgestellt werden. Für körper
lich leichte, somatisch und kognitiv adaptierte Tätigkeiten bestehe
hingegen
eine Arbeits- respektive Leistungsfähigkeit von 70 %, vollschichtig umsetzbar mit erhöhtem Pausenbedarf um 10-15 Minuten pro Stunde und leicht reduzier
tem Rendement (S. 32 f. Ziff. 6.2
).
Es sei davon auszugehen, dass n
ach dem Unfallereignis vom 16. September
2005 initial eine volle Arbeitsunfähigkeit für sämtliche berufliche Tätigkeiten vorgelegen habe. Gemäss den vorliegenden Akten habe sich die Situation am Bewegungsapparat bis 2010 soweit stabilisiert, dass dem
Beschwerdeführer
körperlich adaptierte Tätigkeiten wahrscheinlich wieder möglich gewesen wären
.
Die genannte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit könne mit Sicherheit ab dem
Zeitpunkt der Untersuchung im November 2015 (vgl. S. 1 Mitte) bestätigt werden
(S. 33 Ziff. 6.3).
4.3
In ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 26. Januar 2016 (Urk. 11/168) hielten die
Z._
-Gutachter fest, dass es sich beim psychiatrischen Teilgutachten im Ver
gleich zur Einschätzung von Dr.
D._
(vgl. vorstehend E. 3.9) um eine andere Beurteilung handle. Eine Persönlichkeitsstörung mit Einfluss auf die Arbeits
fähig
keit habe nicht diagnostiziert werden können. Eine Persönlichkeitsstörung bessere sich auch nicht einfach im Verlauf, sodass diesbezüglich rein psy
chiatrisch auch nicht von einer Verbesserung ausgegangen werden könne. Es sei allerdings davon auszugehen, dass Dr.
D._
die neurologisch-neuropsy
cho
logischen Einschränkungen in seine Beurteilung habe einfliessen lassen.
4.4
Dr. med. G._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
nannte in seinem Bericht vom 31. Mai 2016 (Urk.
11/182/3-9
=
Urk.
3)
folgende Diagnosen (S. 7 Mitte):
-
kombinierte
Persönlichkeitsstörung
(ICD-10
F61.0
)
-
leichtes depressives Syndrom mit hypomanen Anteilen (ICD-10 F32
/33
.0)
-
dringender Verdacht auf ADHS
(ICD-10
F90.0
)
-
Zu
stand nach Polytoxikomanie, gegenwärtig
(seit 10 Jahren) abstinent, aber mit möglicher zusätzlicher Persönlichkeitsstörung
(ICD-10
F19.71
)
sowie möglicher zusätzlicher kognitiver Beeinträchtigung (ICD-10 F19.74
)
-
organisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma
(ICD-10
F07.2
)
-
unverarbeitete Unfallfolgen mit teilweiser Ablehnung der invaliden Glied
massen
-
somatische Diagnosen
Aus Biographie, Beschwerden und Befunden ergebe sich ein eindeutiges Bild einer schweren kombinierten psychiatrischen Erkrankung.
Die Einschränkungen durch di
e verschiedenen Diagnosen würden
kombiniert
wirken
und eine Gene
sung und Verwertung der Restarbeitsfähigkeit
erschweren
beziehungsweise
sei
diese realistis
cherweise äusserst gering (S. 5 Mitte).
Dr.
G._
nahm zur
Z._
-Begutachtung (vgl. vorstehend E. 4.2) Stellung und führte hierzu aus, dass die dort attestierte 70%ige Arbeitsfähigkeit unrea
listisch sei. Ausserdem seien die Lebensgeschichte und
die
Krankheitsgeschichte zu wenig beachtet worden (S. 6).
4.5
Die RAD-Ärztin Dr.
F._
führte in ihrer Stellungnahme vom 16. Juni 2016 (Urk. 11/185/3) aus, dass von Seiten des RAD eine praktische Arbeitserprobung oder eine erneute psychiatrische Begutachtung eine weitere Möglichkeit wäre, noch weitere nachvollziehbare Informationen zur Arbeitsfähigkeit in ange
passter Tätigkeit erhalten zu können.
4.6
Der Beschwerdeführer wurde am 2
9.
und 30. November 2016 in der
H._
, Spezialambulatorium
I._
, neuropsychologisch untersucht.
Eine Neuropsychologin hielt in ihrem Bericht vom 20. Dezember 2016 (Urk. 14
/1 = Urk. 16/1-2) fest, dass generell, von wenigen Ausnahmen abgesehen, ein
unterdurchschnittliches bis stark unterdurchschnittliches Leistungsprofil vor
liege
. Da sich die gemessenen Aufmerksamkeitsfunktionen mehrheitlich im unauf
fälligen Bereich befänden, spreche das kognitive Leistungsprofil eher nicht für ein
e genuine
ADHS. Auch wenn mittels Bildgebung keine frontal betonte Hirn
schädigung dokumentiert worden sei, könne nicht ausgeschlossen werden, dass mindestens ein Teil der kognitiven Defizite mit dem im Rahmen des Motor
radunfalls von 2005 erlittenen Schädelhirntrauma im Zusammenhang stehe. Die Eingliederung im ersten Arbeitsmarkt werde bei der Zusammenschau der Be
funde als eher unwahrscheinlich beurteilt (S. 4 f.).
4.7
Eine Ärztin der
H._
, Spezialambulatorium
I._
, legte in ihrem Bericht vom 5. Januar 2017 (Urk. 14/2) dar, dass die Diagnose der ADHS (ICD-10 F90.0) bestätigt werden könne. Im Vordergrund stünden das hyperkinetische Syndrom sowie die Impulskontrollstörung. Aufgrund der Befunde sei eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt eher schlecht möglich. Empfehlungen für eine weitere
Behandlung könnten keine gemacht werden, zumal der Beschwerdeführer Ängste
vor jeglicher Medikation habe (S. 1).
5.
5.1
Nachfolgend ist zu prüfen, ob die wiedererwägungsweise Aufhebung der Ver
fügungen vom 5. November 2012 (Urk. 11/123, Urk. 11/128, Urk. 11/139), mit welchen dem Beschwerdeführer ab September 2006 eine ganze Rente zuge
sprochen wurde, rechtens ist.
5.2
Die Suva ging in ihrer
rentenzusprechenden
Verfügung vom 27. Dezember 2011 davon aus, dass dem Beschwerdeführer aufgrund der somatischen Unfallfolgen noch leichte, wechselbelastende Tätigkeiten ganztags zumutbar seien. Die neu
ro
psychologischen Funktionsstörungen seien überwiegend wahrscheinlich auf einen Vorzustand, namentlich auf eine seit der Kindheit bestehende ADHS sowie auf einen über 14 Jahre andauernden Drogenkonsum mit Heroin, zurück
zu
führen und könn
t
e
n
dementsprechend bei der Rentenbeurteilung nicht be
rück
sichtigt werden. Dabei ermittelte die Suva eine Erwerbsunfähigkeit von 19 % (vorstehend E. 3.11).
Die Beschwerdegegnerin wiederum ging gestützt auf den Bericht des Psychiaters Dr.
D._
vom
versicherungspsychiatrischen Dienst der Suva vom August 2010 (vgl. vorstehend E. 3.9), der einen begründeten Verdacht auf eine ADHS diag
nos
tizierte, davon aus, dass aufgrund der psychischen und neuropsycho
logi
schen Defizite nur zirka eine 30%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit bestehe, die angestammte Tätigkeit als Hilfsarbeiter sei ihm nicht mehr zumut
bar (vorstehend E. 3.13). Die von der RAD-Ärztin Dr.
F._
alternativ vorge
schlagene Vorgehensweise, einen (weiteren) Eingliederungsversuch zu unter
nehmen, um die 30%ige Arbeitsfähigkeit praktisch zu erproben (vgl. vorstehend E. 3.12), wurde hingegen nicht weiter verfolgt.
Der ausführliche Bericht des Psychiaters Dr.
D._
(vorstehend E. 3.9) basierte auf den festgestellten psychiatrischen Einschränkungen des Beschwerdeführers und berücksichtigte – nach Ansicht der
Z._
-Gutachter – wohl auch die neuro
logisch-neuropsychologischen Einschränkungen (vgl. vorstehend E. 4.3). Zudem wurde bereits im Bericht der Ärzte der Neurologischen Klinik des
A._
vom Mai 2007 (vorstehend E. 3.5) festgehalten, dass in der neurologischen und neuro
psychologischen Untersuchung selektive Minderleistungen von Hirnfunktionen festgestellt worden seien. Auch die Ärzte der
Y._
legten in ihrem Bericht vom August 2007 (vorstehend E. 3.6) dar, dass nach dem schwe
ren Polytrauma eine leichte bis mittelschwere neuropsychologische Funktions
störung beobachtet worden sei, wobei vermutungsweise eine ADHS seit der Kind
heit bestehe. Schliesslich führte der Neurologe Dr.
E._
in seinem Be
richt vom August 2011 (vorstehend E. 3.10) aus, dass die neuropsychologischen Funktionsstörungen überwiegend wahrscheinlich auf den Vorzustand ein
es seit der Kindheit bestehenden ADHS-Syndroms und eines
über 14 Jahre dauernden Drogenkonsums mit Heroin zurückzuführen sei
en
.
5.3
Nach dem Gesagten kann festgehalten werden, dass das Abstellen der Be
schwer
degegnerin auf die von Dr.
D._
attestierte Arbeitsfähigkeit von 30 % beziehungsweise Arbeitsunfähigkeit von 70 % in angepasster Tätigkeit nicht als zweifellos unrichtig erscheint, ging doch die RAD-Ärztin Dr.
F._
ebenfalls von einer 30%igen Arbeitsfähigkeit aus (vorstehend E. 3.12). Ausserdem handelt es sich bei einer ADHS um eine Kombination von psychischen Störungen, die eine massgebliche Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nicht von vornherein ausschliessen lässt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_325/2016 vom 31. August 2016 E. 4.2 mit Hinweis auf SVR 2008 IV Nr. 8 S. 23). Freilich wären weitere Abklärungen der Beschwerdegegnerin bezüglich der psychischen und neuro
psy
chischen Beeinträchtigung des Beschwerdeführers
nicht unangebracht
gewesen, jedoch erscheint das Abstellen auf die Einschätzung von Dr.
D._
als vertret
bar (vgl. vorstehend E. 1.6).
Dementsprechend erweist sich die Zusprache einer ganzen Rente ab September 2006 mittels Verfügungen vom 5. November 2012 nicht als zweifellos unrichtig, was die wiedererwägungsweise Aufhebung der Leistungszusprache somit nicht rechtfertigt.
6.
6.1
Es bleibt zu prüfen, ob ein Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 ATSG vorliegt (vgl. vorstehend E. 1.4). Ob eine revisionsrechtlich erhebliche Veränderung ein
ge
treten ist, ergibt sich aus dem Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der Rentenzusprache mit Verfügungen vom 5. November 2012 (Urk. 11/123, Urk. 11/128, Urk. 11/139) bestand, mit jenem zur Zeit der strittigen Verfügung vom 7. Juli 2016 (Urk. 2).
6.2
Der ursprünglichen Rentenzusprache lag im Wesentlichen der psychiatrische Untersuchungsbericht des Psychiaters Dr.
D._
vom August 2010 zugrunde (vorstehend E. 5.2, vgl. E. 3.9).
6.3
Im Rahmen der im März 2015 eingeleiteten Rentenrevision (vorstehend E. 4.1) erstattete
n
die Ärzte des
Z._
im Dezember 2015 ein polydisziplinäres Gutachten (vorstehend E. 4.2). Die
Z._
-Gutachter diagnostizierten einen Status nach Poly
trauma am 16. September 2005, eine einfache Aufmerksamkeitsstörung sowie eine leichte bis mittelschwere neuropsychologische Störung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Aus polydisziplinärer Sicht attestierten sie dem Beschwer
deführer sodann eine 70%ige Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte, somatisch und kognitiv adaptierte Tätigkeiten. Aus neurologischer Sicht bestehe zwar eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, die zumindest teilweise hirnorganisch bedingt sei, jedoch betrage die Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit nur 30 % (vgl. Urk. 11/166/2-35 S. 26 Ziff. 4.3.5, S. 31 Ziff. 4.4.6). Zudem waren sie der Ansicht, dass aus psychiatrischer Sicht keine Diagnose gestellt werden könne (vgl. Urk. 11/166/2-35 S. 16 Ziff. 4.1.4-4.1.7).
Gestützt auf das
Z._
-Gutachten ergibt sich jedoch keine wesentliche Ver
besse
rung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers. In ihre
r
ergänzenden Stellungnahme vom Januar 2016 (vorstehend E. 4.3) führten die
Z._
-Gutachter sodann auch aus, dass es sich beim psychiatrischen Teilgutachten im Vergleich zur Einschätzung von Dr.
D._
im August 2010 um eine andere Beurteilung handle. Auch sei davon auszugehen, dass Dr.
D._
die neurologisch-neuro
psychologischen Einschränkungen in seine Beurteilung habe einfliessen lassen.
6.4
Zudem ist weder aus dem Bericht von Dr.
G._
vom Mai 2016 (vor
stehend E. 4.4) noch aus den beiden Berichten der Neuropsychologin und der Ärztin des Spezialambulatoriums
I._
der
H._
(vorstehend E. 4.6-4.7) ein
e (wesentliche) Verbesserung des Gesundheitszustandes
des Beschwerdeführers ersicht
lich. Die Neuropsychologin und die Ärztin der
H._
bestätigten sodann die Diagnose der ADHS.
6.5
Es kann festgehalten werden, dass der Gesundheitszustand des Beschwerde
füh
rers seit der Rentenzusprache im Wesentlichen gleich geblieben ist, eine wesent
liche Verbesserung wurde nicht ausgewiesen. Bei der Beurteilung der Z._-Gutachter handelt es sich somit lediglich um eine
unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heits
zustandes auf die Arbeitsfähigkeit
. Ein Revisionsgrund
im Sin
ne von Art. 17 Abs. 1 ATSG liegt demnach nicht vor.
6.6
Dies führt zum Schluss, dass die strittige Rentenaufhebung auch nicht unter dem Titel der revisionsweisen Anpassung im Sinne von Art. 17 ATSG bestätigt werden kann.
Dementsprechend ist die angefochtene Verfügung in Gutheissung der Be
schwerde aufzuheben mit der Feststellung, dass der Beschwerdeführer weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente hat.
7.
7.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 9
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3 GSVGer).
Der Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers reichte dem Gericht am
28. August 2017
die Hono
rarnote in der Höhe von Fr. 3‘161.10
(inklusive Ba
rauslagen und MWSt) ein (Urk. 21
). Die Höhe der Honorarnote erweist sich
noch
als ange
messen
.
Entsprechend ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Rechts
ver
treter des Beschwerdeführers eine Prozessentschädigung in der Höhe von Fr. 3‘161.10 zu bezahlen.