Decision ID: 62450f37-4d11-552d-9903-203010698f10
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reiste am 27. Dezember 2017 in die Schweiz ein
und suchte gleichentags um Asyl nach. Am 8. Januar 2018 fand die Befra-
gung zur Person (BzP) und am 13. August 2020 die vertiefte Anhörung zu
den Asylgründen statt. Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer gel-
tend, er sei angolanischer Staatsangehöriger und stamme aus B._.
Seine Mutter und seine Geschwister würden dort leben. Ab ungefähr (...)
Jahren habe er bei einem Mann namens C._, einem Freund seines
(...), und dessen Familie gelebt. C._ habe ihm die (...) sowie die
(...) bezahlt. Er habe an der (...) drei Jahre (...), aber nicht abgeschlossen.
Zudem habe er Kurse in (...) sowie (...) besucht. Er habe jedoch keine
Arbeitsstelle gefunden. Wegen seiner Homosexualität sei er in Angola
mehrmals Opfer von Gewalt durch Privatpersonen geworden. Einige Male
sei er zur Polizei gegangen, habe die Namen der Täter aber nicht gekannt.
Die Polizisten hätten ihm jeweils gesagt, sie würden der Sache nachgehen.
Es sei aber nie etwas passiert. Am 24. Dezember 2014 habe er Angola
verlassen und sich in der Folge bis zur Einreise in die Schweiz drei Jahre
illegal in D._ aufgehalten beziehungsweise Ende 2015 sei er mit
einem vom 1. Dezember 2015 bis 3. Februar 2016 gültigen Schengen-Vi-
sum nach D._ geflogen, am 24. Januar 2016 nach Angola zurück-
gekehrt und im Jahr 2017 endgültig ausgereist. In der Schweiz sei er seit
September 2018 in einer Beziehung mit einem Schweizer Staatsbürger.
Sie seien dabei, die Partnerschaft eintragen zu lassen.
B.
Mit Verfügung vom 17. September 2020 stellte die Vorinstanz fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge-
such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, beauftragte den zu-
ständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung und händigte ihm die
editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus.
C.
Mit Eingabe vom 19. Oktober 2020 reichte der Beschwerdeführer gegen
diesen Entscheid Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein. Er be-
antragt, der Entscheid der Vorinstanz vom 17. September 2020 sei aufzu-
heben. Es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm als Folge
davon Asyl zu gewähren. Eventuell seien die Wegweisungshindernisse
festzustellen und er als Folge davon vorläufig in der Schweiz aufzuneh-
men. Ihm sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren.
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Seite 3
D.
Mit Schreiben vom 26. Oktober 2020 bestätigte das Gericht den Eingang
der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS
2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren
gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än-
derung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden.
2.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerdeführer
ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48
VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu-
treten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
3.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
4.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
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Seite 4
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
5.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der
Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in
ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich
ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus-
einandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl.
BGE 143 III 65 E. 5.2).
5.2 Der Beschwerdeführer rügt sinngemäss eine Verletzung des rechtli-
chen Gehörs. Die Vorinstanz habe seine Rechtsvertreterin nicht über den
Anhörungstermin informiert und ihm vor Erlass des Asylentscheides das
rechtliche Gehör nicht gewährt.
5.3 Die Vorinstanz lud den Beschwerdeführer mit Schreiben vom 24. Juli
2020 für eine Anhörung am 13. August 2020 ein. Den Akten sind keine Hin-
wiese zu entnehmen, dass sich die Rechtsvertreterin des Beschwerdefüh-
rers vor diesem Zeitpunkt gegenüber der Vorinstanz als solche ausgewie-
sen hätte. Zwar liegt eine Kopie einer Vollmacht datierend vom 10. Januar
2020 bei den Akten. Diese gab der Beschwerdeführer anlässlich der Anhö-
rung zu den Akten, mithin war der Vorinstanz bis zu diesem Zeitpunkt nicht
bekannt, dass der Beschwerdeführer in der Schweiz eine rechtliche Ver-
tretung hat. Aus dem Anhörungsprotokoll geht sodann hervor, dass der Be-
schwerdeführer vor dem Anhörungstermin Rücksprache mit der Rechtsver-
treterin gehalten hat und diese ihm mitgeteilt habe, er solle alleine zur An-
hörung gehen, ihre Anwesenheit sei nicht nötig (vgl. SEM-Akte A24/20
F5 ff.). Darüber hinaus war er damit einverstanden, die Anhörung ohne
seine Rechtsvertreterin durchzuführen. Eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs liegt nicht vor. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers be-
steht sodann keine Verpflichtung der Vorinstanz, vor Erlass des Asylent-
scheides das rechtliche Gehör zu gewähren, Der Beschwerdeführer hat
auf Rechtsmittelebene die Möglichkeit, zu den Erwägungen in der ange-
fochtenen Verfügung Stellung zu nehmen. Die Rüge ist unbegründet.
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
E-5161/2020
Seite 5
6.
Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsuchende
Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile von be-
stimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürchten
muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive
durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zu-
gefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl.
BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37). Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrecht-
lichen Schutzes setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausser-
dem voraus, dass die betroffene Person in ihrem Heimatland keinen aus-
reichenden Schutz finden kann (vgl. BVGE 2011/51 E. 7, 2008/12
E. 7.2.6.2, 2008/4 E. 5.2). Gemäss der Schutztheorie ist somit die flücht-
lingsrechtliche Relevanz einer nichtstaatlichen Verfolgung vom Vorhanden-
sein eines adäquaten Schutzes durch den Heimatstaat abhängig. Dieser
Schutz ist als hinreichend zu qualifizieren, wenn die betroffene Person ef-
fektiven Zugang zu einer funktionierenden und effizienten Schutzinfrastruk-
tur hat und ihr die Inanspruchnahme eines solchen innerstaatlichen
Schutzsystems individuell zumutbar ist (vgl. BVGE 2011/51 E. 7.3).
7.
7.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die
Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG nicht stand. Bei den vom Be-
schwerdeführer geltend gemachten Problemen handle es sich um eine
Verfolgung durch Dritte. Seinen Aussagen sei zu entnehmen, dass er die
Vorfälle teils bei der angolanischen Polizei zur Anzeige gebracht habe. Er
sei nach den Namen der Angreifer gefragt worden, habe diese aber nicht
gekannt. Die Polizisten hätten ihm versichert, den Vorfällen nachzugehen,
was nie passiert sei. Zu beachten sei, dass sich die Rechtslage für Homo-
sexuelle seit der Ausreise im Jahr 2014 verändert habe. Damals sei Homo-
sexualität strafbar gewesen. Trotz der schwierigen Rechtslage habe er An-
zeige erstattet. Mit dem im Jahr 2019 in Kraft getretenen revidierten Straf-
gesetzbuch sei Homosexualität entkriminalisiert und die Diskriminierung
gegen homosexuelle Personen unter Strafe gestellt worden. Die vom Be-
schwerdeführer vorgebrachten Verfolgungen stellten demnach in Angola
strafbare Handlungen dar. Insofern sei davon auszugehen, dass erneute
Drohungen und Diskriminierungen zum heutigen Zeitpunkt strafrechtlich
verfolgt und geahndet werden würden. Die Furcht, dass die Behörden trotz-
dem kein Schutz gewähren würden, sei objektiv unbegründet, zumal er
gute Kontakte zu Regierungsvertretern habe und sich gemäss Umfragen
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eine deutliche Mehrheit der angolanischen Bevölkerung für einen stärkeren
Schutz homosexueller Personen in Angola aussprechen würden. Es sei
dem Beschwerdeführer möglich, sich an die heimatlichen Behörden zu
wenden, um Schutz vor weiteren Übergriffen zu ersuchen.
7.2 In der Rechtsmitteleingabe macht der Beschwerdeführer geltend, die
Vorinstanz habe das Vorliegen der Flüchtlingseigenschaft zu Unrecht ver-
neint und dadurch Art. 3 AsylG verletzt. Das revidierte Strafgesetzbuch be-
deute nicht, dass er keinen weiteren Benachteiligungen ausgesetzt sein
werde. Homosexualität sei in Angola ein tabuisiertes Thema. Er habe seine
Angreifer nicht gekannt. Es sei fraglich, wie die angolanischen Behörden
gegen unbekannte Personen vorgehen sollten. Entgegen der Vorinstanz
seien die angolanischen Behörden nicht fähig, jemandem wie ihm Schutz
zu gewähren.
7.3 Bei den Vorbringen des Beschwerdeführers handelt es sich um Mass-
nahmen von Drittpersonen, gegen welche staatlicher Schutz in Anspruch
genommen werden kann. Angesichts der sich im Jahr 2019 verbesserten
Rechtslage für homosexuelle Personen, ist es dem Beschwerdeführer zu-
zumuten, sich bei allfälligen erneuten Problemen an die angolanischen Si-
cherheitsbehörden zu wenden. Mit seinen Ausführungen in der Rechtsmit-
teleingabe gelingt es ihm nicht, darzulegen, weshalb die angolanischen
Behörden ihm bei möglichen Übergriffen aufgrund seiner Homosexualität
Schutz verweigern sollten, zumal er bereits vor der Ausreise und der ge-
nannten Gesetzesrevision die Möglichkeit hatte und auch wahrnahm, sich
an die Polizei zu wenden. Den angolanischen Sicherheitskräften können
der Schutzwille und die Schutzfähigkeit nicht bloss deshalb abgesprochen
werden, weil sie im Falle von unbekannter Täterschaft keine Ermittlungen
einleiten können. Es ist insbesondere darauf hinzuweisen, dass kein Staat
die absolute Sicherheit seiner Bürgerinnen und Bürger jederzeit und über-
all garantieren kann (vgl. BVGE 2008/5 E. 4.2). Um Wiederholungen zu
vermeiden, ist weitergehend auf die zutreffenden Erwägungen in der vor-
instanzlichen Verfügung zu verweisen. Die Vorinstanz hat zu Recht die
Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch des Beschwerdefüh-
rers abgelehnt.
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Seite 7
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Niederlassungs- oder Aufenthaltsbewilligung noch über einen selbständi-
gen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung. Er bringt jedoch
vor, seit rund zwei Jahren mit einem Schweizer Staatsbürger eine Bezie-
hung zu führen (vgl. SEM-Akte A24/20 F52 ff.). Aus den Akten geht hervor,
dass beim Zivilstandsamt E._ seit Dezember 2019 ein Gesuch zur
Eintragung der Partnerschaft hängig ist. Somit ist vorfrageweise ein An-
spruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 8 EMRK
zu prüfen (vgl. ausführlich zu dieser Thematik BVGE 2013/37 E. 4.4, Urteil
des BVGer D-1869/2017 vom 6. August 2018 E. 5 m.w.H. sowie BGE 135
I 143). Die zitierte Rechtsprechung gilt auch für gleichgeschlechtliche
Paare (vgl. BGE 126 II 425).
8.3 In der angefochtenen Verfügung führte die Vorinstanz hierzu aus, ge-
mäss Auskunft des Zivilstandsamtes E._ vom 27. August 2020 be-
finde sich das Verfahren noch im Stadium der Identitätsabklärung. Dieser
Prozess könne mehrere Monate dauern. Insofern sei nicht von einer un-
mittelbaren Eintragung der Partnerschaft auszugehen, weshalb das Vorlie-
gen einer eheähnlichen Gemeinschaft respektive eines gefestigten Konku-
binats zu prüfen sei. Die vom Beschwerdeführer erwähnte zweijährige Be-
ziehungsdauer liege deutlich unter der Zeitspanne, die gemäss Rechtspre-
chung für die Qualifikation eines gefestigten Konkubinats erforderlich wäre,
auch wenn das eingeleitete Vorverfahren für die Eintragung der Partner-
schaft und die damit zusammenhängende Willensbekundung, auf längere
Zeit eine Lebensgemeinschaft einzugehen, berücksichtigt würden. Der Be-
schwerdeführer verfüge nach vorfrageweiser Prüfung keinen potenziellen
oder offensichtlichen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung.
Es sei ihm aber unbenommen, bei den kantonalen Behörden um Erteilung
einer Kurzaufenthaltsbewilligung zwecks Vorbereitung der Eintragung der
Partnerschaft zu ersuchen.
8.4 Auf Beschwerdeebene führt der Beschwerdeführer lediglich aus, er be-
finde sich in einer engen Partnerschaft und sei von der Familie seines Part-
ners bestens aufgenommen worden. Substantiierte sowie ausführliche An-
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Seite 8
gaben zur Beziehung macht er nicht. Er legt nicht dar, inwiefern die Part-
nerschaft einer eheähnlichen Gemeinschaft beziehungsweise einem ge-
festigten Konkubinat gleiche und deshalb in den Schutzbereich von
Art. 8 EMRK fallen sollte. An dieser Einschätzung ändert das mit der Be-
schwerde eingereichte Schreiben des Zivilstandsamtes E._ vom 8.
Oktober 2020 nichts. Aus diesem geht hervor, dass sich der Beschwerde-
führer und sein Partner für einen Termin zur Durchführung des Vorverfah-
rens sowie bei dessen erfolgreichem Abschluss zur Beurkundung der Part-
nerschaft melden sollen. Seit diesem Schreiben ist rund ein Monat vergan-
gen. Weder hat der Beschwerdeführer seit Beschwerdeeingang ausge-
führt, ob ein entsprechender Termin vereinbart wurde, noch, falls dieser
bereits stattgefunden haben sollte, wie dieser ausgegangen ist. Um Wie-
derholungen zu vermeiden, kann auf die Erwägungen in der angefochte-
nen Verfügung zu verwiesen. Die vorfrageweise Prüfung ergibt somit, dass
der Beschwerdeführer zum Urteilszeitpunkt keinen potenziellen Anspruch
auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung geltend zu machen vermag.
8.5 Da der Beschwerdeführer weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung verfügt, noch einen Anspruch auf Erteilung einer solchen
hat, wurde die Wegweisung von der Vorinstanz zu Recht angeordnet
(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4, BVGE 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83
Abs. 3 AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
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Seite 9
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu
Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri-
gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.2.1 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach An-
gola ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung nach Angola dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach
Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge-
setzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men-
schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste
der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-
gen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Angola lässt den
Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erschei-
nen.
9.2.2 Wie vorstehend ausgeführt, vermag der Beschwerdeführer zum Ur-
teilszeitpunkt keinen Anspruch auf Erteilung einer Bewilligung darzutun,
der sich aus dem Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens ge-
mäss Art. 8 EMRK oder Art. 13 BV ergeben würde.
9.2.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
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Seite 10
9.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.3.1 In BVGE 2014/26 kam das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss,
auf dem Staatsgebiet Angolas (ohne Berücksichtigung der Exklave
Cabinda) herrsche weder Krieg, Bürgerkrieg noch eine Situation allgemei-
ner Gewalt. Aufgrund der in humanitärer, sozialer und wirtschaftlicher Hin-
sicht nach wie vor fragilen Lage sei jedoch im Rahmen einer Einzelfallprü-
fung zu beurteilen, ob die betroffene Person im Fall einer Rückkehr in eine
existenzielle Notlage geraten würde. Dabei seien neben den persönlichen
Voraussetzungen und Ressourcen der betroffenen Person – wie Ge-
schlecht, Alter, Gesundheitszustand, Bildungsniveau, Ausbildung und Be-
rufserfahrung – auch die Existenz eines tragfähigen familiären oder ander-
weitigen sozialen Beziehungsnetzes sowie konkrete Möglichkeiten zur Si-
cherung des Existenzminimums und der Wohnsituation in Betracht zu zie-
hen (E. 9.14).
9.3.2 Individuelle Gründe, die gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs des Beschwerdeführer sprechen würden, liegen nicht vor. Der Be-
schwerdeführer stammt aus B._, ist jung, gesund und hat eine gute
Schulbildung. Er gab an, drei Jahre lang (...) und Kurse in den Bereichen
(...) und (...) besucht zu haben (vgl. SEM-Akte A12/13 Ziff. 8.02 sowie
A24/20 F11 und F40 f.). Mit C._ und dessen Familie, seiner Mutter,
seinen Geschwistern sowie mehreren Kollegen der (...) verfügt er über ein
soziales Umfeld. Er gab an, mit ihnen in Kontakt zu stehen (vgl. SEM-Akte
A24/20 F25 ff.). Gemäss Ausführungen des Beschwerdeführers hatte
C._ als (...) eine hohe Position im (...) inne und nahm den Be-
schwerdeführer bei sich und seiner Familie auf, da seine Familie nicht für
die Schulkosten hat aufkommen können. C._ bezahlte dem Be-
schwerdeführer sowohl die (...)- als auch die (...) (vgl. a.a.O. F15, F18,
F36). Es ist deshalb davon auszugehen, dass C._ über ausrei-
chende finanzielle Mittel verfügt, um den Beschwerdeführer auch bei einer
Rückkehr unterstützen zu können. Vor diesem Hintergrund ist nicht davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer in eine existentielle Notlage ge-
raten wird. Der Vollzug der Wegweisung ist zumutbar.
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9.4 Ferner obliegt es dem Beschwerdeführer, sich nebst den bei den
Schweizer Behörden abgegebenen Identitätsdokumenten bei der zustän-
digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen
Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12). Der Vollzug der Wegweisung ist möglich (Art. 83
Abs. 2 AIG).
9.5 Schliesslich steht auch die Corona-Pandemie dem Wegweisungsvoll-
zug nicht entgegen. Bei dieser handelt es sich – wenn überhaupt – um ein
temporäres Vollzugshindernis, welchem im Rahmen der Vollzugsmodalitä-
ten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa
der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation in Angola angepasst wird (vgl. Ent-
scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e sowie das Urteil des BVGer
D-4796/2019 vom 27. April 2020 E. 8.9 m.w.H.).
9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung. Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG befreit die Beschwer-
deinstanz eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf
Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten, sofern ihr Begehren nicht
aussichtslos erscheint. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt
sich, dass die Vorbringen als aussichtslos zu gelten haben. Damit ist eine
der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen zur Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung nicht erfüllt. Das Gesuch ist abzuweisen.
11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
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