Decision ID: 914d21d7-96fd-4cab-a48b-cdcff34db728
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Gefährdung des Lebens etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung, vom 7. September 2012 (DG120066)
- 2 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 1. März
2012 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 21).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB,
− der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2
lit. b StGB sowie
− der mehrfachen versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 in Verbin-
dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 24 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 180
Tage durch Haft erstanden sind.
3. Es wird eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von
Art. 59 StGB (Behandlung von psychischen Störungen) angeordnet.
4. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin aus
dem eingeklagten Ereignis vom 24. April 2011 dem Grundsatze nach scha-
denersatzpflichtig ist.
5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 361.35 als Scha-
denersatz zu bezahlen.
6. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches
wird die Privatklägerin im Übrigen auf den Weg des Zivilprozesses verwie-
sen.
- 3 -
7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 2'000.– als Genug-
tuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abge-
wiesen.
8. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 7'000.00 ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. Kosten der Kantonspolizei
Fr. 3'000.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. 17'111.60 Auslagen Untersuchung
Fr. 2'289.60 amtliche Verteidigung Untersuchung
Fr. 27'698.00 amtliche Verteidigung
Fr. 360.00 Gutachten/Expertise
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen derjenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten
auferlegt.
10. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Geschä-
digtenvertretung werden definitiv auf die Gerichtskasse genommen.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 88 S. 1 f.)
Hauptanträge:
1. Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils in Gutheissung der Berufung
des Beschuldigten in Abweisung der Anschlussberufung der
Staatsanwaltschaft
2. Freispruch in allen Anklagepunkten
- 4 -
3. Nichteintreten auf die Zivilforderung des Geschädigten
4. Angemessene Entschädigung für erstandene Haft und angemessene
Genugtuung
5. Ausgangsgemässe Regelung der Kostenfolgen für das erst- und
zweitinstanzliche Verfahren
Eventualanträge (für den Fall der vollen oder teilweisen Bestätigung des
erstinstanzlichen Schuldpsruchs)
1. Abweisung der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft in Bezug auf
die Heraufsetzung der Strafe
2. Bei Bestätigung des gesamten Schuldspruchs in Aufhebung von Ziff. 2
des angefochtenen Urteils bedingte Strafe von höchstens 18 Monaten.
Im Fall von Teilfreisprüchen angemessen tiefere Strafe
3. Probezeit nach Ermessen des Gerichts
Allenfalls Weisung, sich bei einem Facharzt der Psychiatrie in
Behandlung zu begeben
4. Gutheissung der ehemals übereinstimmenden Anträge von Anklage
und Verteidigung betreffend ersatzlose Aufhebung von Ziff. 3 des
Urteils / stationäre Massnahme
5. Aufschub des Vollzugs einer allfälligen unbedingten Freiheitsstrafe
zugunsten einer ambulanten Massnahme nach Art. 63 StGB
6. Ausgangsgemässe Regelung der Verfahrenskosten unter sofortiger
und definitiver Abschreibung der dem Beschuldigten auferlegten
Kosten wegen klarer und dauerhafter Unerhältlichkeit
- 5 -
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 89 S. 1)
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung, vom 7. September
2012 sei grundsätzlich zu bestätigen, mit folgender wesentlicher Aus-
nahme:
2. Der Beschuldigte sei mit 30 Monaten zu bestrafen, unter Anrechnung
der erstandenen Untersuchungshaft von 180 Tagen
3. Es sei – im Gegensatz zu meiner Anschluss-Berufungserklärung vom
18. Januar 2013 – eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne
von Art. 59 StGB anzuordnen und der Strafvollzug zugunsten dieser
Massnahme aufzuschieben
_

Erwägungen:
I. Verfahrensgang und Gegenstand der Berufung
1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil des Bezirksgerichts
Zürich, 10. Abteilung, vom 7. September 2012 wurde der Beschuldigte der Ge-
fährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB, der Drohung im Sinne von Art.
180 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 lit. b StGB sowie der mehrfachen versuchten
Nötigung im Sinne von Art. 181 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig
gesprochen und mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten bestraft,
unter Anrechnung von 180 Tagen Haft. Das Gericht ordnete eine stationäre the-
rapeutische Massnahme gemäss Art. 59 StGB (Behandlung von psychischen Stö-
- 6 -
rungen) an und schob den Vollzug der Freiheitsstrafe zugunsten der Massnahme
auf. Weiter stellte das Gericht fest, dass der Beschuldigte gegenüber der Privat-
klägerin aus dem eingeklagten Ereignis vom 24. April 2011 dem Grundsatz nach
schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges der Schaden-
ersatzpflicht wurde die Privatklägerin auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
Sodann verpflichtete das Gericht den Beschuldigten, der Privatklägerin Fr. 361.35
als Schadenersatz und Fr. 2'000.-- als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag
wurde das Genugtuungsbegehren abgewiesen. Die Kosten der Untersuchung und
des gerichtlichen Verfahrens wurden dem Beschuldigten auferlegt, diejenigen der
amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung definitiv
auf die Gerichtskasse genommen (Urk. 63 S. 61 f.).
2. Gegen dieses Urteil meldete der amtliche Verteidiger mit Eingabe vom
10. September 2012 rechtzeitig Berufung an (Urk. 53; Art. 399 Abs. 1 StPO). Die
Berufungserklärung des Verteidigers vom 20. Dezember 2012 ging ebenfalls in-
nerhalb der gesetzlichen Frist bei der Berufungsinstanz ein (Urk. 62/2; Urk. 64;
Art. 399 Abs. 3 StPO). Fristgerecht mit Schreiben vom 18. Januar 2013 erhob die
Staatsanwaltschaft IV Anschlussberufung (Urk. 68; Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO).
Seitens der Privatklägerin wurde auf Anschlussberufung verzichtet (Urk. 67).
Beweisanträge wurden von keiner Partei gestellt.
3. Die Verteidigung ficht das erstinstanzliche Urteil vollumfänglich an und ver-
langt in allen Anklagepunkten einen Freispruch. Zudem wird Nichteintreten auf die
Zivilforderungen der Geschädigten beantragt sowie eine Entschädigung und an-
gemessene Genugtuung für den Beschuldigten infolge der erstandenen Haft, un-
ter ausgangsgemässer Regelung der Kostenfolgen für beide Gerichtsinstanzen
(Urk. 64 S. 1 f.). Die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft bezieht sich ei-
nerseits auf die Bemessung der Strafe und anderseits auf die Anordnung einer
Massnahme nach Art. 59 StGB: Die ausgesprochene Strafe von 24 Monaten wird
als klar zu mild angesehen (Urk. 68 S. 1 f.). Nachdem die Staatsanwaltschaft mit
Erklärung der Anschlussberufung noch den Antrag stellte, auf die Anordnung ei-
ner Massnahme sei zu verzichten (Urk. 68 S. 2), beantragt sie anlässlich der Be-
- 7 -
rufungsverhandlung die Anordnung einer solchen unter Aufschub der Strafe
(Urk. 88 S. 1; Prot. II S. 27 f.; vgl. auch Urk. 86).
Unangefochten sind einzig die Dispositiv Ziffern 8 (Kostenfestsetzung) und 10
(Regelung der Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Ge-
schädigtenvertretung). Die Rechtskraft dieser Regelungen ist vorab mit Beschluss
festzustellen.
4. Die ursprünglich auf den 30. April 2013 angesetzte Berufungsverhandlung
musste, nachdem sich der Beschuldigte offenbar aufgrund eines psychischen Zu-
sammenbruchs selber Verletzungen zugefügt hatte, auf den 3. Juli 2013 verscho-
ben werden (vgl. Urk. 71, Urk. 78/1-3).
5. Auf die Argumente der Verteidigung ist im Rahmen der nachstehenden Er-
wägungen einzugehen. Dabei muss sich das Gericht nicht ausdrücklich mit jeder
tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen;
vielmehr kann es sich auf die für die Entscheidfindung wesentlichen Gesichts-
punkte beschränken (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6P.62/2006 E. 4.2.2 vom
14.11.2006 mit Hinweis auf BGE 126 I 97 E. 2b, BGE 125 II 369 E. 2c, BGE 124
V 180 und BGE 112 Ia 107 E. 2b).
II. Schuldpunkt – eingeklagter Sachverhalt
1. Anklagesachverhalt
1.1 Der eingeklagte Sachverhalt, der sich im Wesentlichen auf die Aussagen der
Privatklägerin stützt, ergibt sich aus der Anklageschrift vom 1. März 2012 (Urk. 21
S. 2 ff.).
1.2 Der Beschuldigte bestritt den Anklagesachverhalt sowohl in der Untersu-
chung als auch in beiden Gerichtsinstanzen (Urk. 63 S. 6; Prot. II S. 17 ff.). Es ist
daher aufgrund der vorhandenen Beweismittel zu prüfen, ob der Sachverhalt er-
stellt werden kann.
- 8 -
1.3 Als Beweismittel liegen neben den Aussagen der Privatklägerin (Urk. 4/1
und 4/2; Urk. 8/5 S. 4 ff.; Urk. 47) sowie jenen des Beschuldigten (Urk. 3/1-3, 3/5,
3/7-10; Urk. 8/5 S. 11 ff. und Urk. 39) die Aussagen der Zeugen C._,
D._, E._, F._, G._, H._, I._, J._, K._,
L._ und M._ bei den Akten (Urk. 5/1-11), ferner die schriftlichen Aus-
künfte von N._ (Urk. 6/5 und 6/7), das ärztliche Gutachten zur körperlichen
Untersuchung der Privatklägerin von med. pract. O._ und Dr. med. P._
(Urk. 10/5), der ärztliche Befund über die Privatklägerin des Sachverständigen Dr.
med. Q._ (Urk. 10/7), das psychiatrische Gutachten über den Beschuldigten
von med. pract. R._ (Urk. 11/19), der Therapiebericht betreffend den Be-
schuldigten von Dr. med. S._ (Urk. 32 bzw. Urk. 34/3) sowie die Sunrise Ab-
rechnung des Monats April 2011 (Urk. 34/1 bzw. 34/2) und diverse Foto- und Vi-
deoaufnahmen (Urk. 31; Urk. 46/1-11). Auf diese Beweismittel ist im Folgenden –
soweit für die Urteilsfindung relevant – einzugehen.
1.4 Mit den Grundsätzen der Beweiswürdigung, insbesondere der Würdigung
von Aussagen, hat sich die Vorinstanz ausführlich und korrekt befasst, so dass
darauf zu verweisen ist (Urk. 63 S. 6 und 24; Art. 82 Abs. 4 StPO).
1.5 Sodann hat die Vorinstanz die allgemeine Glaubwürdigkeit der involvierten
Personen beleuchtet und zutreffend festgehalten, dass bei der Glaubwürdigkeit
der Zeugen deren Beziehung zum Beschuldigten und zur Privatklägerin zu be-
rücksichtigen ist, während die Aussagen des Beschuldigten, der nicht zur wahr-
heitsgemässen Aussage verpflichtet ist, besonders sorgfältig zu prüfen sind und
auch die Angaben der Privatklägerin mit einer gewissen Zurückhaltung zu würdi-
gen sind, zumal im Zusammenhang mit sexuellen Handlungen in der Beziehung
auch Gewalt bzw. Sadomaso-Praktiken angewendet wurden, denen die Privatklä-
gerin in Anbetracht des aktenkundigen Film- und Fotomaterials (Urk. 31; Urk.
46/1-11) nicht gänzlich abgeneigt gewesen zu sein scheint (Urk. 63 S. 24-26; Art.
82 Abs. 4 StPO).
- 9 -
2. Aussagen der Privatklägerin und Würdigung
2.1 Die Aussagen der Privatklägerin anlässlich der polizeilichen Befragung vom
4. Mai 2011, als Auskunftsperson in der Befragung gegenüber der Staatsanwalt-
schaft vom 26. Juli 2011 sowie jene in der Einvernahme als Auskunftsperson vor
dem Bezirksgericht (vgl. Urk. 4/1 und 4/2; Urk. 47) sind im angefochtenen Urteil
sehr umfassend und korrekt dargestellt. Darauf kann vollumfänglich verwiesen
werden (Urk. 63 S. 7-13; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2.2 Entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 88 S. 20 f.) hat die Vo-
rinstanz sodann die Aussagen der Privatklägerin eingehend und sorgfältig gewür-
digt und auf ihre Glaubhaftigkeit geprüft. Sie ist zum Ergebnis gelangt, dass die
Sachdarstellung der Privatklägerin insgesamt als überzeugend erscheint und da-
rauf abgestellt werden kann (Urk. 63 S. 26-28; Art. 82 Abs. 4 StPO). Diese An-
sicht ist zu teilen. Die Privatklägerin hat sowohl bei der Polizei wie auch als Aus-
kunftsperson bei der Staatsanwaltschaft und vor Bezirksgericht weitgehend kon-
stant, detailreich, lebendig und bildhaft, zugleich auch sachlich und zurückhaltend
ausgesagt, so dass nicht zweifelhaft ist, dass sie das Geschilderte auch tatsäch-
lich erlebt hat. Die nachfolgenden Ausführungen verstehen sich als Zusammen-
fassung und teilweise Ergänzung zu den vorinstanzlichen Erwägungen.
2.2.1 Bei den Aussagen der Privatklägerin fällt zunächst auf, dass sie in den di-
versen Einvernahmen weitgehend übereinstimmend und widerspruchsfrei ge-
schildert hat, wie und weshalb sie am 23. April 2011 den Beschuldigten traf, dass
sie ihm zu verstehen geben wollte, die Beziehung sei beendet, er es aber nicht
verstehen wollte, dass er sehr nett war, heulte und wollte, dass sie wieder zu ihm
komme, dass sie ihn getröstet hat, dass sie in der Wohnung des Beschuldigten
gemeinsam zu Abend assen, sie ihm ihren Trennungswunsch zu erklären ver-
suchte, er ihr sagte, er werde sich umbringen, sie auf sein Bitten und weil es viel
zu spät wurde einwilligte, dort zu übernachten, dass er sie heulend in der Nacht
weckte und ihr mitteilte, er wolle nicht mehr sein ohne sie und sich eine Spritze in
den Arm steckte so dass es blutete, um sie von einer Trennung abzuhalten, dass
sie zwei bis drei Stunden immer über dasselbe sprachen, dass sie dann am Mor-
gen um ca. 6 Uhr duschen und nachher gehen wollte, er ihr ins Bad nachfolgte
- 10 -
und von ihr den Code fürs Mobiltelefon verlangte, welchen sie ihm nicht gab, dass
es zu Streit kam, sie aus dem Badezimmer rannte und er sie zu packen versuch-
te, er ihr ins Schlafzimmer nachfolgte und sie aufs Bett warf, dass und wie er sie
daraufhin würgte, nämlich indem er ihr je mit starkem Druck eine Hand auf den
Mund drückte und mit der andern Hand an ihren Hals griff, dass sie nicht mehr
richtig atmen konnte und kurz, ein paar Sekunden, weg war. Auch ihre Darlegun-
gen zu den Folgen – blaue Flecken am Hals und Schluckbeschwerden – fielen
gleichbleibend aus und bilden mögliche und plausible Folgen des berichteten Ge-
schehens (Urk. 4/1 S. 3 ff.; Urk. 4/2 S. 6 ff.; Urk. 47 S. 6 f.).
Auch mit ihrer Darstellung zu den Vorfällen vom 30. April und 1. Mai 2011 zeich-
nete die Privatklägerin ein einheitliches und überaus realistisches Bild der Ereig-
nisse (Urk. 4/1 S. 5; Urk. 4/2 S. 11 f.), welches dann in die Anklage floss (Urk. 21
S. 3 f.). Daraus ist das mehrstufige Vorgehen eines Beschuldigten erkennbar, der
die Beendigung einer Beziehung nicht wahrhaben will (vgl. Urk. 4/2 S. 4) bzw.
nicht akzeptieren kann und die frühere Partnerin mit unzähligen Telefonanrufen
sowie persönlichem Erscheinen am frühen Morgen an deren Wohnort beharrlich
bedrängt. Gemäss den Aussagen der Privatklägerin tat der Beschuldigte dies mit
Steinewerfen gegen die Fensterläden, Herumschreien vor und Poltern gegen die
Wohnungstüre sowie dem Versuch, die Türe gewaltsam aufzubrechen – alles
Handlungen, die mit der fraglichen Ausgangslage im Einklang stehen.
2.2.2 Überdies fällt das äusserst zurückhaltende Aussageverhalten der Privatklä-
gerin auf.
So machte sie nur eine kurze Bewusstlosigkeit geltend und fügte an, dass sie re-
lativ rasch ohnmächtig werde, wenn sie zu lange die Luft anhalte. Vermutlich ha-
be der Beschuldigte dann von ihr abgelassen und sie sei wieder zu sich gekom-
men. Der Umstand, dass die Privatklägerin die Frage, wie lange sie bewusstlos
gewesen sei, nicht eindeutig beantworten konnte, sondern dies umschrieb mit
"ganz kurz" bzw. "Ein paar Sekunden, vielleicht 10 Sekunden" (Urk. 4/2 S. 9),
spricht nicht gegen die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen. Es ist ohne Weiteres ver-
ständlich, dass eine bewusstlos gewordene Person keine genauen Angaben zur
entsprechenden Dauer machen kann. Vielmehr zeigt dies, dass sie nicht einfach
- 11 -
etwas erfinden und eine Behauptung aufstellen wollte, sondern offensichtlich be-
strebt war, aus der Erinnerung zu berichten. Zudem verneinte die Privatklägerin
ausdrücklich, wegen des Würgens Urin- oder Stuhlabgang gehabt zu haben
(Urk. 4/1 S. 4; Urk. 4/2 S. 9), ebenso Geschlechtsverkehr mit dem Beschuldigten
in jener Nacht (Urk. 4/2 S. 8; Urk. 47 S. 7). Namentlich erklärte sie, nicht zu glau-
ben, dass der Beschuldigte sie durch Würgen habe bewusstlos machen oder gar
umbringen wollen, dies, weil er sie so geliebt habe, wie er sage (Urk. 4/2 S. 9 f.).
Da der Beschuldigte nach dem Vorfall am Boden war und weinte, konnte sie denn
auch die Wohnung ungehindert verlassen (Urk. 4/1 S. 4; Urk. 4/2 S. 11). Sodann
führte sie aus, dass sie nach der Attacke – vor allem beim Trinken und Essen –
Schluckbeschwerden gehabt habe, welche aber auch von einer Erkältung herrüh-
ren könnten (Urk. 4/1 S. 4). Sie sei dann beim Arzt gewesen und der habe gesagt,
sie sei eigentlich topfit. Die blauen Flecken am Hals seien etwa eine Woche lang
sichtbar gewesen. All diese vorsichtigen Aussagen deuten darauf hin, dass die
Privatklägerin den Beschuldigten offensichtlich nicht unnötig belasten wollte, was
ein weiteres Indiz für die Glaubhaftigkeit ihrer Darstellung ist. Hätte sie den Be-
schuldigten zu Unrecht an den Pranger bringen wollen, wären viel gravierendere
Anschuldigungen zu erwarten gewesen. Dies namentlich, nachdem ihr bekannt
war, dass der Beschuldigte eine mehrjährige Freiheitsstrafe u.a. wegen Vergewal-
tigung hatte verbüssen müssen. Die Ergänzungsfrage der Verteidigung, ob sie
glaube, dass der Beschuldigte damals jemanden vergewaltigt habe, beantwortete
sie denn auch völlig neutral dahin, dies nicht zu wissen; sie wisse nur, was sie er-
lebt habe (Urk. 4/2 S. 15).
2.2.3 Selbst Zeitpunkt und Umstände der Anzeigeerstattung deuten auf Zurück-
haltung seitens der Privatklägerin.
Nach der Würgeattacke vom 23./24. April 2011 schämte sich die Privatklägerin,
trug einen Schal und vertraute sich niemandem an. Sie hatte Angst und wusste
nicht, wem sie es erzählen solle. Auch begab sie sich damals nicht zum Arzt und
schaltete auch nicht die Polizei ein (Urk. 4/2 S. 10 f.). Erst der Vorfall vom 1. Mai
2011, welchen ihr Bruder sowie ihre Mutter und ihre Tante teilweise unmittelbar
miterlebten, führte aufgrund des entsprechenden Telefonanrufes der Tante zum
- 12 -
Beizug der Polizei. Trotz Empfehlung der Polizei an die Privatklägerin, Anzeige zu
erstatten (auch Urk. 5/2 S. 6), dauerte es dann nochmals 3 Tage, bis sich die Pri-
vatklägerin dazu entschliessen konnte (Urk. 1; Urk. 4/2 S. 12). Sie tat sich offen-
sichtlich schwer damit. Es bedurfte dazu vorerst einer Steigerung und offensichtli-
cher Hartnäckigkeit im Handeln des Beschuldigten, sodann einer familiären Inter-
vention sowie eines polizeilichen Ratschlages und zuletzt weiterer Bedenkzeit und
persönlicher Überwindung. Die Privatklägerin unternahm den Schritt letztlich aus
der nachvollziehbaren Befürchtung, dass der Beschuldigte wieder vorbeikomme
und etwas mache (Urk. 4/2 S. 14). Im Übrigen stellte die Privatklägerin auf Vorhalt
von Art. 179septies StGB zu keinem Zeitpunkt einen Strafantrag wegen Miss-
brauchs einer Fernmeldeanlage (Urk. 4/2 S. 13). Anhaltspunkte dafür, dass der
Anzeige Rachegedanken zugrunde liegen, wie der Beschuldigte wiederholt mut-
masste, sind nirgends ersichtlich. Das überaus zaghafte Vorgehen der Privatklä-
gerin spricht viel eher dafür, dass sie den Beschuldigten schonen wollte, wenn er
sie nur in Ruhe lassen würde. Eine Abrechnung ist in der Anzeige jedenfalls nicht
zu erblicken. Darüber hinaus äusserte die Privatklägerin glaubhaft ein gewisses
Mitleid mit dem Beschuldigten (Urk. 47 S. 6), was sich auch darin zeigt, dass sie
in der Trennungszeit und vor allem an Ostern 2011 mittels Gespräch an den Be-
schuldigten appellierte und versuchte, ihn zu einer einvernehmlichen definitiven
Auflösung der Beziehung zu bewegen (vgl. dazu auch die nachfolgende Erwä-
gung 2.2.5). Bemerkenswert ist ferner der Umstand, dass die Privatklägerin am
Abend des 23. April 2011 zunächst noch von einem "schönen Abschluss" der Be-
ziehung ausging und dass sie nun beide ihre Wege gehen könnten, nachdem der
Beschuldigte gekocht und sie zusammen gegessen hatten (Urk. 47 S. 7). Es ging
ihr unzweifelhaft um eine friedfertige Beendigung der Beziehung.
2.2.4 Weitere Hinweise auf wahrheitsgetreue Aussagen der Privatklägerin finden
sich in ihrer Wiedergabe von zahlreichen Wortwechseln unter den Beteiligten, Ge-
fühlsbekundungen des Beschuldigten und situationsadäquaten eigenen Empfin-
dungen, die im Wesentlichen in der Anklageschrift erwähnt sind (Urk. 21 S. 2 ff.).
Zusätzlich lassen sich die folgenden Beispiele anführen:
- 13 -
Der Beschuldigte habe weinend mit Suizid gedroht und gesagt, dass sie zusam-
mengehören würden und Gott dies gewollt habe. Als der Beschuldigte die Spritze
mit Luft darin genommen und sich die Nadel in den Arm gesteckt habe, habe sie
zu ihm gesagt, er solle damit aufhören und sie würden besser in die PUK gehen
bzw. sie habe ihn aufgefordert, er solle sich Hilfe suchen, sie könne ihm da nicht
helfen (Urk. 4/1 S. 4; Urk. 4/2 S. 6). Auf ihre Weigerung, ihm den Code für das
Mobiltelefon zu geben, habe er ihr unterstellt, sie würde ihn extra provozieren, sie
habe etwas zu verheimlichen (Urk. 4/2 S. 7). Sie sei sich extrem hilflos vorge-
kommen, weshalb sie dann ihre Mutter und ihre Tante angerufen habe (Urk. 4/2
S. 12).
2.2.5 Der Umstand, dass die Privatklägerin gemäss ihren eigenen Angaben sich
bereits vor dem 23. bzw. 24. April 2011 vom Beschuldigten habe trennen wollen,
gemäss Sunrise Abrechnung des Monats April 2011 (Urk. 34/2 S. 3 ff.) jedoch
weiterhin in stetigem Kontakt mit dem Beschuldigten blieb, stellt – entgegen der
Ansicht der amtlichen Verteidigung (Urk. 49 S. 37; Urk. 88 S. 21) – keinen Wider-
spruch dar. Vielmehr lässt dies darauf schliessen, dass die Beziehung noch nicht
offiziell und noch nicht endgültig beendet worden war, was überdies auch den
konstanten und nachvollziehbaren Schilderungen der Privatklägerin entnommen
werden kann. Danach war sie ca. Anfang März 2011 aus der gemeinsam mit dem
Beschuldigten bewohnten Wohnung aus- und vorläufig bei ihrem Bruder eingezo-
gen, weil sie nach wiederholten Streitigkeiten Ruhe und Freiraum brauchte und
über die Beziehung zum Beschuldigten nachdenken wollte, was sie ihm entspre-
chend kommunizierte (Urk. 4/1 S. 3; Urk. 4/2 S. 4; Urk. 47 S. 3).
Die vorerst provisorische Trennung (die Privatklägerin sprach treffend von "Pau-
se"; vgl. Urk. 47 S. 3) ergibt auch eine logische Erklärung dafür, weshalb die Pri-
vatklägerin gemäss eigenen Angaben am Ostersamstag, 23. April 2011, mit dem
Beschuldigten reden und ihm erläutern wollte, dass sie nicht mehr mit ihm zu-
sammen sein bzw. sich definitiv von ihm trennen wolle. Dieser Entschluss war of-
fensichtlich in ihr gereift, nachdem der Beschuldigte ihr nach ihrem Auszug um
Anfang März 2011 immer wieder angerufen und sie zur Rückkehr aufgefordert
hatte – was sie jedoch ablehnte –, und auch an ihrem neuen Wohnort oder Ar-
- 14 -
beitsplatz aufgetaucht war, wodurch sie sich kontrolliert und eingeengt fühlte. Das
ist begreiflich, nachdem die Privatklägerin das gemeinsame Domizil verlassen
hatte, um namentlich Streitigkeiten auszuweichen und Ruhe zu finden. Zwar hatte
sie seine Anrufe entgegen genommen und ihm Einlass am neuen Wohnort ge-
währt, doch hatte er auch zweimal ohne Klingeln die Wohnung betreten und sich
allgemein so verhalten, als wäre er noch mit der Privatklägerin zusammen, was
ihre Entscheidung, sich definitiv vom Beschuldigten zu trennen, förderte. Sexual-
kontakte hatten seit dem Auszug der Privatklägerin aus der gemeinsamen Woh-
nung laut ihrer glaubhaften Darstellung zudem keine mehr stattgefunden (Urk. 4/1
S. 3 f.; Urk. 4/2 S. 6; Urk. 47 S. 3 f. und 7, 10 f.). Die Privatklägerin konnte somit
einleuchtend erklären, weshalb sie zunächst weiterhin in Kontakt mit dem Be-
schuldigten blieb. Die Auffassung der Verteidigung, die Privatklägerin habe unter
Erklärungsdruck gestanden, wenn es um ihre "eigenen Beiträge zum Nichtvonei-
nanderloskommen" gegangen sei (Urk. 88 S. 21), kann deshalb nicht geteilt wer-
den. Ausschlaggebend für die definitive Trennung vom Beschuldigten war dann
das Geschehen am Ostersonntag (Urk. 4/2 S. 4).
Wie schon die Vorinstanz erläuterte, trifft auch der Einwand der Verteidigung, die
Privatklägerin habe nicht angeben können, ob der Beschuldigte eine volle oder
leere Spritze verwendet habe (Urk. 49 S. 27), nicht zu, hat die Privatklägerin doch
bei der Polizei ausgesagt, diese sei mit Luft gefüllt gewesen. Der Umstand, dass
der Beschuldigte tatsächlich Spritzen besass, weil er sich regelmässig Testoste-
ronprodukte injizierte (Urk. 49 S. 27), stützt vielmehr die Aussage der Privatkläge-
rin. Ob sich mit der Spritze ein Selbstmord begehen lässt, kann dahin gestellt
bleiben. Vielmehr ist entscheidend, dass die Privatklägerin überzeugend geschil-
dert hat, dass sich der Beschuldigte die Nadel in den Arm steckte, er daraufhin
blutete, sie erschrak und in Angst geriet.
2.2.6 Schliesslich werden manche Aussagen der Privatklägerin durch jene von
Zeugen gestützt.
2.2.6.1 Das gilt insbesondere für die Aussagen von C._ den Bruder der Pri-
vatklägerin, mit welchem diese damals zusammenwohnte, zum Ereignis vom frü-
hen Morgen zwischen 07.00 und 08.00 Uhr des 1. Mai 2011 (vgl. Urk. 5/1). Bild-
- 15 -
haft und authentisch legte er dar, dass der völlig aufgewühlte und etwas aggressi-
ve Beschuldigte ins Treppenhaus eingedrungen war, gegen die Wohnungstür pol-
terte, in die Wohnung einzudringen versuchte und ihnen zurief, irgendwann müss-
ten sie die Wohnung ohnehin verlassen, dass er aufstand und seine Schwester
zusammengekauert unter einer Decke auf dem Sofa vorfand, dass er das
Schlimmste befürchtete, etwa, dass der Beschuldigte es schaffen würde, die Tür
– welche heute noch Risse davon trage – aufzutreten, dass er selber auch sehr
aufgewühlt war und deshalb seine Mutter anrief und um Rat fragte, dass erst die
Ankunft von Mutter, Tante und einem Bekannten sowie deren Hinweis, sie würden
die Polizei alarmieren, den Beschuldigten schliesslich in die Flucht schlug. Der
Zeuge unterschied jeweils präzis zwischen eigenen (optischen und akustischen)
Wahrnehmungen und Erzählungen der Privatklägerin, deklarierte Nichtwissen,
räumte auch freimütig ein, mit der damaligen Situation überfordert gewesen und
auch sonst mit dem Beschuldigten überhaupt nicht gut ausgekommen zu sein,
diesen lediglich als Freund seiner Schwester akzeptiert zu haben, dies, obwohl
ihm der Beschuldigte Hilfe bei der Stellensuche angeboten und ihm zum Geburts-
tag ein T-Shirt geschenkt habe, womit der Zeuge auch Gutes über den Beschul-
digten erwähnte. Die Privatklägerin habe die Beziehung zum Beschuldigen been-
digen wollen bzw. beendigt, wobei es erst am 1. Mai zur offiziellen Trennung ge-
kommen sei, denn vorher habe die Privatklägerin immer noch Kontakt mit dem
Beschuldigten gehabt. Der Beschuldigte habe die Trennung nicht akzeptieren
wollen. Diese klaren und differenzierten Äusserungen sprechen für sich und las-
sen nirgends Beeinflussung erkennen.
2.2.6.2 Die Schilderungen der Privatklägerin werden weiter auch durch die Aus-
führungen der Zeugin D._, Mutter der Privatklägerin, bekräftigt (Urk. 5/2).
Auch sie verstand sich zwar gar nicht gut mit dem Beschuldigten, obwohl auch sie
einmal vom Beschuldigten beschenkt worden war. Ebenso war ihr Verhältnis zur
Privatklägerin teilweise problembeladen und sie bejahte, dass diese aufbrausend
sein könne (Schreien, "Türschletzen"; vgl. Urk. 5/2 S. 7). Von ihrer Tochter wurde
sie keineswegs mit Berichten aus deren Beziehung mit dem Beschuldigten auf
dem Laufenden gehalten (Urk. 5/2 S. 8 f.). Dennoch erfuhr sie von ihr, dass sie
die Beziehung zum Beschuldigten beenden wollte, er sie jedoch nicht in Ruhe
- 16 -
liess. Auch fiel der Zeugin auf, dass die Privatklägerin vor und nach der Trennung
sehr angespannt war und sie spürte, dass etwas nicht stimme, doch habe die Pri-
vatklägerin dies geleugnet. Erst nach der Arztkontrolle habe die Privatklägerin ihr
die Rötungen am Hals gezeigt. Wie schon der Zeuge C._ deklarierte die
Zeugin D._, vieles vom Hörensagen erfahren zu haben. Zur definitiven Be-
endigung der Beziehung am 1. Mai 2011 konnte die Zeugin aber einige unmittel-
bare Wahrnehmungen zu Protokoll geben, die sich vollumfänglich mit den Aussa-
gen der Privatklägerin und jenen des Zeugen C._ decken und den damaligen
Schauplatz sowie das Verhalten des Hauptakteurs anschaulich umschreiben. So
erhielt sie – völlig unüblich – um ca. 07.30 Uhr ein Telefon der weinenden Toch-
ter, die Angst vor dem Beschuldigten bekundete, welcher Steine ans Fenster wer-
fe, im Treppenhaus sei und gegen die Tür poltere. Bei ihrem Rückruf erfuhr sie
gleiches von ihrem Sohn, dem Zeugen C._ der sie ermahnte, keinesfalls nur
zu zweit (sie und ihre Schwester) zu erscheinen. Daher hätten sie einen Kollegen
mitgenommen. Zu dritt hätten sie sich dann in das obere Stockwerk des Treppen-
hauses begeben, wo sich der Beschuldigte aufgehalten habe. Der Beschuldigte
habe völlig nervös gewirkt. Sie hätten ihm gesagt, dass er die Privatklägerin in
Ruhe lassen und verreisen solle, ansonsten sie die Polizei holen würden. Danach
sei er kurz raus gegangen und sie zur Privatklägerin in die Wohnung. Kurz darauf
sei der Beschuldigte jedoch erneut aufgetaucht, habe an die Tür gepoltert und
geschrien, dass die Polizei doch kommen und ihn mitnehmen solle, worauf sie so-
fort die Polizei verständigt hätten (Urk. 5/2 S. 6). Zur Zeugenaussage von
D._ gilt wie schon beim Zeugen C._ dass weder unnötige Übertreibun-
gen noch andere Lügensignale auffallen und keine Anhaltspunkte für eine Ab-
sprache mit der Privatklägerin bestehen.
2.2.6.3 Die vom Beschuldigten angerufene Zeugin H._, Freundin des Be-
schuldigten von 2004 bis 2007 – wobei der Beschuldigte ihr auch heute noch sehr
viel bedeute –, konnte das vom Beschuldigten geltend gemachte Alibi für die Tat-
nacht vom 23. auf den 24. April 2011, wonach er zu dieser Zeit bei ihr gewesen
sei, nicht bestätigen. Vielmehr gab sie glaubhaft an, dass der Beschuldigte erst
am Ostermontag zu ihr gekommen sei (Urk. 5/6 S. 5), wovon auszugehen ist.
Ebenso wenig konnte sie sachdienliche Angaben zu den Anklagevorwürfen lie-
- 17 -
fern. Immerhin ergibt sich aus ihren Aussagen, dass auch sie während der Bezie-
hung den Beschuldigten aggressiv erlebte und er zu ihr auch schon mal gewalttä-
tig geworden sei, indem er sie vor allem am Anfang der Beziehung geschlagen
(geboxt, nicht verprügelt) habe, wenn ihm etwas nicht gepasst habe. Er habe
auch immer gesagt, es liege an ihr, sie brauche das. Weiter erwähnte sie sehr
häufige Stimmungsschwankungen beim Beschuldigten. Bei Auseinandersetzun-
gen habe sich der Beschuldigte nicht so gut verhalten. Sie habe dann zwar nicht
Angst vor ihm gehabt, doch nicht in seiner Nähe sein wollen, da er stärker sei als
sie (Urk. 5/6 S. 3 ff.).
Selbst wenn die Zeugin H._, welche dem Beschuldigten auch gute Eigen-
schaften attestierte, konkret nichts zur Erhellung des Sachverhalts beitragen
konnte, ergibt sich doch ergänzend aus ihren zurückhaltenden, klaren und über-
zeugenden Schilderungen, dass eine gewisse Gewalttätigkeit und Dominanz der
Persönlichkeit des Beschuldigten nicht fremd ist. Ähnliches lässt sich der Zeu-
genaussage von C._ entnehmen.
2.2.7 Insgesamt kommt den auch durch Drittangaben gestützten Aussagen der
Privatklägerin hohe Glaubhaftigkeit zu.
3. Weitere Beweismittel und Würdigung
3.1 Das angefochtene Urteil enthält eine Übersicht über die wesentlichen Aus-
sagen der Zeugen C._ D._ und H._, welche auch stichhaltig ge-
würdigt wurden (Urk. 63 S. 17 ff. und 30 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Weitere Ausfüh-
rungen dazu können unterbleiben, zumal bereits unter der vorstehenden Erwä-
gung 2.2.6 das Wichtigste gesagt wurde.
3.2 In den übrigen Zeugenaussagen (vgl. Urk. 5/3-5; Urk. 5/7-11) hat schon das
Bezirksgericht richtigerweise keine der Sache dienlichen Hinweise gefunden, so
dass diese bei der Sachverhaltserstellung unberücksichtigt bleiben können
(Urk. 63 S. 21 f.).
3.3 Hinsichtlich der ärztlichen Akten der Privatklägerin, der psychiatrischen Ak-
ten des Beschuldigten, der Sunrise Abrechnung sowie der Foto- und Videoauf-
- 18 -
nahmen rechtfertigt sich betreffend die Sachverhaltserstellung, ebenfalls auf den
korrekten Überblick im vorinstanzlichen Urteil zu verweisen (Urk. 63 S. 22 ff.).
In geraffter Form ist festzuhalten, dass die Experten des Instituts für Rechtsmedi-
zin der Universität Zürich im auf den Angaben der Privatklägerin basierenden
ärztlichen Gutachten zur körperlichen Untersuchung vom 25. Mai 2011 gestützt
auf die durchgeführten Kontrollen rund 11 Tage nach dem geltend gemachten Er-
eignis keine eindeutigen objektivierbaren Verletzungen feststellen konnten. Je-
doch schliesse das Fehlen von eindeutig auf das geltend gemachte Ereignis zu-
rückzuführenden Befunden zum Untersuchungszeitpunkt den von der Privatkläge-
rin geschilderten Würgevorgang keineswegs aus. Bei einer stumpfen Gewalt ge-
gen den Hals – und insbesondere gegen die sensiblen seitlichen Halspartien – sei
in jedem Fall von einer zumindest potenziellen Lebensgefahr auszugehen, da
dies in seltenen, nicht vorhersehbaren Fällen zu einem reflektorischen Herzstill-
stand führen könne. Somit müsse aufgrund der Angaben der Privatklägerin, wo-
nach während des Würgevorgangs gar eine Bewusstlosigkeit aufgetreten sei und
sie unmittelbar nach dem Vorfall zwei blaue Flecken im Sinne von Hautunterblu-
tungen entlang der Gefässnervenloge links – passend zu Fingerabdrücken infolge
Würgens von vorne möglicherweise mit der rechten Hand – festgestellt habe
(welche Flecken auch die Experten trotz der zeitlichen Distanz noch als zwei rötli-
che Hautverfärbungen von je ca. einem Zentimeter Durchmesser erkennen konn-
ten), aus rechtsmedizinischer Sicht eine konkrete, unmittelbare Lebensgefahr im
Ereigniszeitpunkt für die Privatklägerin bejaht werden (Urk. 10/5, S. 3 und 4; vgl.
hinten Erwägung II./5.1).
3.4 Weiter ergibt sich aus den vor dem fraglichen Vorfall vom 23./24. April 2011
erstellten Foto- und Videoaufnahmen (Urk. 31; Urk. 46/1-11), dass die Parteien in
sexueller Hinsicht die Neigung hatten, ein bestimmtes Rollenverhalten anzuneh-
men, wobei Macht und Gewalt dazugehörten. Aus dem vom Beschuldigten erstell-
ten Bildmaterial – die Privatklägerin lehnte nach ihrer Darstellung sowohl solche
Sexualpraktiken als auch das Aufzeichnen eigentlich ab (Urk. 47 S. 4 f. und 12 f.)
– ist zudem ersichtlich, dass die Privatklägerin im seitlichen Halsbereich rote Fle-
cken aufweist. Auch wenn diese aus zeitlichen Gründen nicht eine Folge der hier
- 19 -
eingeklagten Handlungen sein können, deuten sie doch auf Gewaltausübung hin,
dies augenfällig zum Nachteil der Privatklägerin. Wie auch immer die angetönten
Sexualpraktiken sich im Detail abgespielt haben mögen: es kann jedenfalls ohne
weiteres nachvollzogen werden, dass eine Frau nicht damit einverstanden ist,
durch zu festes Küssen bzw. Beissen häufig Flecken am Hals zugefügt zu erhal-
ten, die dann bis zum Abklingen durch Tücher abgedeckt werden müssen
(Urk. 47 S. 4 ff.).
4. Aussagen des Beschuldigten und Würdigung
4.1 Die Aussagen des Beschuldigten (insbesondere jene in Urk. 3/1, 3/3, 3/10
und Urk. 39) sind im angefochtenen Urteil ausführlich wiedergegeben. Darauf ist
vorab zu verweisen (Urk. 63 S. 13-17; Art. 82 Abs. 4 StPO).
4.2 Einlässlich und sorgfältig hat die Vorinstanz sowohl das Aussageverhalten
wie auch die konkreten Darlegungen des Beschuldigten, der zunächst sämtliche
Anklagevorhalte pauschal abstritt oder ausweichende Aussagen machte, teilweise
ganz schwieg und schliesslich Vorwürfe der Privatklägerin mit Gegenbeschuldi-
gungen konterte, gewürdigt und deren Glaubhaftigkeit beurteilt. Sie ist zum
Schluss gelangt, dass die Aussagen des Beschuldigten insgesamt betrachtet
nicht überzeugen und als unglaubhaft zu qualifizieren sind, weshalb darauf nicht
abgestellt werden könne.
Die Vorinstanz begründete ihre Einschätzung im Wesentlichen damit, der Be-
schuldigte sei auffallend bemüht gewesen, die ihn belastende Privatklägerin in ein
schlechtes Licht zu rücken und vor allem in sexueller Hinsicht als eine resolute
Persönlichkeit darzustellen. Damit versuche er plausibel zu machen, dass ihre
Vorwürfe gegen ihn als Bestrafungsaktion im Rahmen einer Sadomaso-
Beziehung angesehen werden müssten, wodurch freilich ihre Glaubwürdigkeit in
Frage gestellt wäre. Die sexuellen Praktiken zwischen den Parteien seien insofern
unerheblich, als sich der Beschuldigte ja nicht darauf berufe, dass es in jener
Nacht zwischen ihnen zu sexuellen Kontakten mit Sadomaso-Praktiken oder
Würgen gekommen sei, sondern abstreite, dass die Privatklägerin sich zu diesem
Zeitpunkt überhaupt bei ihm aufgehalten habe. Allfälliges Würgen habe somit
- 20 -
auch gemäss seiner Darstellung in jener Nacht nicht im Zusammenhang mit se-
xuellen Praktiken stattgefunden. Eine plausible Erklärung für eine Falschbelas-
tung bzw. einen Racheakt durch die Privatklägerin habe der Beschuldigte sodann
nicht abgegeben. Insbesondere sei nicht nachvollziehbar, weshalb eine allfällig
dominante Seite der Privatklägerin oder ihre sexuellen Vorlieben sie zu ihren be-
lastenden Aussagen geführt haben sollten. Schliesslich neige der Beschuldigte
dazu, die gegen ihn gerichteten Vorwürfe zu verharmlosen oder sie der Privatklä-
gerin anzulasten. Betreffend die Ereignisse vom 1. Mai 2011 habe er den auslö-
senden Telefonanruf der Privatklägerin zugeschoben. Er habe gar nichts ge-
macht, sei auf Wunsch der Privatklägerin vor ihrer Wohnung aufgekreuzt und ha-
be ihr gesagt, dass er sich freue, sie wiederzusehen. Eher sie habe ihm an jenem
Tag hinter der Tür gedroht, ihn wegen Vergewaltigung anzuzeigen. Anhaltspunk-
te, welche diese Behauptungen stützen würden, konnte die Vorinstanz indessen
keine erkennen (Urk. 63 S. 28-30; Art. 82 Abs. 4 StPO).
4.3 Diesen Erwägungen kann vorbehaltlos zugestimmt werden. Zur Veran-
schaulichung sind die folgenden Aspekte (nochmals) hervorzuheben:
4.3.1 Der Beschuldigte neigte ausgeprägt zu Gegenangriffen, indem er ihm ge-
machte Vorhalte kurzerhand der Privatklägerin anlastete oder – rechtfertigend –
sie als Initiantin seines Handelns hinstellte.
So machte er geltend, Fotos zu besitzen, die ein anderes Bild der Privatklägerin
zeigen würden und behauptete beispielsweise, sie [Hervorhebung jeweils nicht im
Original] habe ihn geschlagen, sie habe ihm (mit Anzeigeerstattung wegen Ver-
gewaltigung) gedroht; sie habe ihn am Sonntag Morgen, 1. Mai 2011 um 06.00
Uhr angerufen und ihn gebeten, sofort zu kommen, sie habe ihm sogar gedroht;
sie habe gemocht, wenn er sie beim Sex gewürgt, geschlagen oder fest auf die
Seite geküsst habe; am liebsten habe sie es gehabt, wenn er sie während des
Eindringens beim Akt so lange gewürgt habe, bis sie ohnmächtig geworden sei
(Urk. 39 S. 8), das erste Mal sei so extrem gewesen, dass danach sein Handab-
druck am Hals der Privatklägerin blau sichtbar gewesen sei, welche Abdrücke sie
auch stolz gezeigt habe; die Spuren auf ihrem Gesäss und Hals seien auf ihre
Bestellung hin erfolgt; sie habe beim Sexualverkehr Gewalt verlangt, dies sicher-
- 21 -
lich einmal in der Woche; sie habe dasselbe auch von ihrem Exfreund gegen des-
sen Willen verlangt, worauf die Beziehung beendet worden sei; sie sei mit den
Schuhen auf ihn draufgestanden; sie habe viel Druck auf ihn (Beschuldigten)
ausgeübt, eine dominante Seite und Macht über ihn gehabt, da er ein devoter
Mensch sei; sie sei auch in sexueller Hinsicht dominant gewesen; sie habe ihn als
Schwächling und Nichtsnutz bezeichnet, wenn sie beim Geschlechtsverkehr nicht
bekommen habe, was sie wollte (Urk. 39 S. 16); nicht sie, sondern er habe die
Beziehung beendet und die Privatklägerin über Monate hinweg mehrfach aufge-
fordert zu gehen. Solche Schilderungen sind gleichermassen herabwürdigend wie
auch teilweise widersinnig. Letzteres gilt etwa für seinen Hinweis, wenn er (was er
bestritt) gedroht hätte, ihren Bruder umzubringen, dann nicht ihr gegenüber, son-
dern er hätte den Bruder direkt bedroht; oder (auf Vorhalt seines erst späten Er-
wähnens, dass das Würgen zur Praxis ihres Sexualverkehrs gehört habe) seine
offenkundige Ausflucht, auch das Ins-Gefängnis-Bringen gehöre zu diesem Spiel
(Urk. 39 S. 14 f.); ferner betreffend seine Erklärung, die Privatklägerin habe am
1. Mai 2011 sicherlich keine Angst vor ihm gehabt, sondern vielmehr Angst vor
sich selbst, weil sie lüge und nicht mehr in ihr eigenes Gesicht schauen könne.
Nicht minder konfus erscheint seine Darstellung, er habe am 1. Mai 2011 Durch-
fall gehabt und sich sicher nicht so lange im Haus der Privatklägerin bzw. vor de-
ren verschlossener Wohnungstür aufgehalten, er habe gar nicht zu ihr gehen wol-
len und zu ihr gesagt, dass sie die Polizei alarmieren solle. Anwürfe und Ausflüch-
te dieser Art sind mit offensichtlichen Übertreibungsmerkmalen gespickt, spren-
gen deutlich jedes Mass an Plausibilität und erweisen sich klar als Lügensignale.
4.3.2 Zum Foto- und Videomaterial (Urk. 31 und 46/1-11) ist übereinstimmend mit
der Vorinstanz der Verteidigung beizupflichten, dass im Rahmen des von Macht
und Gewalt mitbestimmten Rollenverhaltens der Parteien bei sexuellen Handlun-
gen die Privatklägerin durchaus als energisch und sexueller Gewalt gegenüber
nicht abgeneigt erscheint. So greift sie dem Beschuldigten zum Beispiel einmal
rabiat ans Geschlechtsteil. In diesem Zusammenhang gilt es aber zu berücksich-
tigen, dass die Privatklägerin nicht verneinte, dass beim Geschlechtsverkehr Ge-
walt angewendet worden sei. Sie bestritt jedoch, dies gemocht oder gar gewollt zu
haben und konnte auch einleuchtend erklären, weshalb sie trotzdem mitmachte
- 22 -
bzw. dem Ansinnen des Beschuldigten nicht opponierte ("Er setzte mich durch die
Art, wie er sprach, unter Druck. Er war ja auch älter als ich und ich dachte, er sei
erfahren und wisse, wie das geht."; Urk. 47 S. 4 f.). Der Umstand allein, dass die
Privatklägerin und der Beschuldigte während ihrer Beziehung in sexueller Hinsicht
offenbar auch Gewalt bzw. Sadomaso-Praktiken angewendet haben, schmälert
entgegen der an der Berufungsverhandlung erneut dargelegten Auffassung des
Verteidigers (Urk. 88 S. 21) weder die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin noch
vermag dies den eingeklagten Würgevorfall zu relativieren oder gar auszuschlies-
sen, zumal nach der klaren und überzeugenden Darstellung der Privatklägerin der
Beschuldigte sie nur einmal (nicht regelmässig und auf ihren Wunsch, wie er mo-
nierte) bis zur Ohnmacht würgte, und dies ausserhalb von Geschlechtsverkehr
(Urk. 47 S. 4). Wie schon erwähnt, ist auch verständlich, dass die Privatklägerin
diese auf den Fotos an ihrem Hals sichtbaren Knutsch- und Beissspuren ablehn-
te. Es kann ihr geglaubt werden, dass sie generell nichts gegen Küsse am Hals
hatte, vorausgesetzt, diese seien nicht so fest oder gar Bisse, und dass sie den
Beschuldigten vergeblich bat aufzuhören, er aber einfach weitermachte (Urk. 47
S. 4 f.).
4.3.3 Entsprechend fehlt es an Anhaltspunkten, dass gewaltsames Handeln –
das auch der Beschuldigte mit seinen Darlegungen einräumt – durch die Privat-
klägerin verlangt worden wäre. In Würdigung aller massgeblichen Umstände, ins-
besondere der Aussagen der Privatklägerin und jener der Zeugen sowie ergän-
zend der durch den psychiatrischen Gutachter festgestellten Verhaltensauffällig-
keiten beim Beschuldigten (Urk. 11/19), worauf noch einzugehen sein wird, deutet
alles auf den Beschuldigten als Initianten und treibende Kraft.
4.3.4 Erwähnenswert ist schliesslich, dass unzweifelhaft der Beschuldigte, der im
Tatzeitpunkt annähernd doppelt so alt war wie die Privatklägerin (35 1⁄4 Jahre im
Vergleich zu 19 Jahren), seine Partnerin auch allgemein dominiert sowie kontrol-
liert hat, mithin die Privatklägerin ihm bis zu einem gewissen Grad hörig war. Das
ergibt sich nicht nur aus ihren Schilderungen, der Beschuldigte habe sie viel unter
Druck gesetzt, sei eifersüchtig geworden, wenn sie bei Arbeitsschluss um 15.00
Uhr das Telefon nicht abgenommen habe und habe die Frage aufgeworfen, ob sie
- 23 -
mit dem Bäcker geflirtet habe (Urk. 47 S. 11), habe auch Druck auf sie ausgeübt
im Zusammenhang mit der Lehre und ihren Noten, habe gewollt, dass sie 6er
mache (Urk. 47 S. 10 f. und 13 f.), sondern auch aus den Darlegungen des Zeu-
gen C._ wonach der Beschuldigte der Privatklägerin einiges verboten (z.B.
Facebook-Kontakt oder Verabredung mit Freunden) und sie eingegrenzt habe
sowie ergänzend aus den Befunden des Gutachters (Urk. 11/19). An dieser Kons-
tellation ändert das Faktum nichts, dass die Privatklägerin vor dem Beschuldigten
schon einmal eine intime Beziehung hatte (Urk. 47 S. 11). Im Ergebnis ist auch
der Standpunkt des Beschuldigten widerlegt, er sei ein devoter Mensch, was zu-
mindest gegenüber der Privatklägerin nicht zutraf.
4.3.5 Ob es in den Tagen vor dem 1. Mai 2011 zwischen den Parteien auch Tele-
fonate wegen der Übergabe eines Laptops und einer Festplatte gegeben hat, wie
der Beschuldigte ins Feld führte (Urk. 49 S. 36), kann offenbleiben. Es ist nicht
einzusehen, inwiefern dies gegebenenfalls gegen den eingeklagten Vorfall vom
1. Mai 2011 sprechen sollte.
5. Würdigung der übrigen Beweismittel
5.1 Es ist die Ansicht der Vorinstanz zu teilen, dass sich die Ausführungen im
ärztlichen Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich vom
25. Mai 2011 (Urk. 10/5) wie auch im ärztlichen Bericht der Klinik für Ohren-, Na-
sen-, Hals- und Gesichtschirurgie des Universitätsspitals Zürich vom 16. Juni
2011 (Urk. 10/7) mühelos mit dem von der Privatklägerin geschilderten Ereignis-
ablauf in Einklang bringen lassen, die Feststellungen im Gutachten demnach die
Sachverhaltsdarstellung der Privatklägerin stützen.
Insbesondere ist davon auszugehen, dass die bei der körperlichen Untersuchung
rund 11 Tage nach dem Ereignis feststellbaren je circa 1 cm durchmessenden,
benachbarten, rötlichen Hautverfärbungen an der linken Halsseite entlang der Ge-
fässnervenscheide vom eingeklagten Vorfall mit dem Beschuldigten herrührten.
Namentlich die Lage an der linken Halsseite – der Beschuldigte ist Rechtshänder
– sowie die Anordnung der zwei benachbarten Hautveränderungen/Flecken –
passend zu Fingerabdrücken infolge Würgens von vorne – sprechen dafür, auch
- 24 -
weil die zwei rötlichen Hautverfärbungen gemäss den Experten als Folge einer
stumpfen Gewalteinwirkung, wozu Würgen bzw. ein Würgevorgang zählen, inter-
pretiert werden können (Urk. 10/5 S. 3 und 4). Zudem ist keine andere Ursache
ersichtlich. Entgegen der anlässlich der Berufungsverhandlung erneut vorge-
brachten Ansicht der Verteidigung (Urk. 88 S. 21) ist es nämlich höchst unwahr-
scheinlich, dass diese Folge von Sadomaso-Praktiken stammte, zumal beide Par-
teien verneinten, am 23. bzw. 24. April 2011 Geschlechtsverkehr miteinander ge-
habt zu haben (Urk. 4/2 S. 8; Urk. 39 S. 9 f.; Urk. 47 S. 4; vorne Erwägung II./3.3).
In Anbetracht all dieser Faktoren liegt daher die Annahme nahe, dass die von der
Privatklägerin unmittelbar nach dem eingeklagten Vorfall festgestellten und später
den Gutachtern rapportierten 'zwei blauen Flecken' im Sinne von Hautunterblu-
tungen im Untersuchungszeitpunkt noch als die zwei diskreten rötlichen Hautver-
färbungen sichtbar waren (Urk. 10/5 S. 3 und 4). Daran ändert der Umstand
nichts, dass die Mediziner diese Hautverfärbungen weder hinsichtlich des Zeit-
punktes ihrer Entstehung noch ihrer Genese eindeutig zuordnen konnten (Urk.
10/5 S. 3).
5.2 Zum aktenkundigen Bildmaterial (Urk. 31 und Urk. 46/1-11) führte die Vor-
instanz einerseits zu Recht aus, dass dieses nicht ein derartiges Unschuldslamm
zeige, als welches sich die Privatklägerin – die kiffe, Alkohol trinke und auch eine
gewisse aggressive Art offenbare – selber darstelle. Ebenso zutreffend sah die
Vorinstanz die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin aufgrund der daraus ersichtli-
chen Persönlichkeit jedoch kaum merklich tangiert, zumal die Aufnahmen nicht
geeignet sind, den eingeklagten nächtlichen Vorfall vom 23./24. April 2011 zu re-
lativieren oder gar auszuschliessen.
5.3 Ebenso korrekt erachtete die Vorinstanz die Behauptung des Beschuldigten
als widerlegt, wonach die Privatklägerin ihn am 1. Mai 2011 um 06.00 Uhr angeru-
fen habe. Die Prüfung der Telefonabrechnung der Privatklägerin (Urk. 34/2) ergab
nämlich, dass sie den Beschuldigten am 1. Mai 2011 nicht vor 07.38 Uhr mit ih-
rem Mobiltelefon der Nummer ... kontaktiert hat. Vor dieser Uhrzeit hat sie nur ei-
nen einzigen Anruf auf die Nummer ihrer Mutter (...) getätigt. Vielmehr ist es so,
- 25 -
dass der Beschuldigte die Privatklägerin bereits um 06.43 Uhr per Mobiltelefon
der Nummer ... das erste von rund 29 Mal angerufen hat.
5.4 Bezüglich der Verteidigereinwände, zu welchen teilweise bereits Stellung
genommen wurde, kann im Übrigen ohne Ergänzung auf das angefochtene Urteil
verwiesen werden (Urk. 63 S. 32 f.).
6. Gesamtwürdigung
Wenn die Vorinstanz in gesamthafter Würdigung sämtlicher genannter Beweismit-
tel die Darstellung der Privatklägerin hinsichtlich der strittigen Geschehnisse als
widerspruchsfrei, konstant, nachvollziehbar, äusserst zurückhaltend sowie zahl-
reiche Realitätskennzeichen enthaltend bezeichnete und im Ergebnis als aufrich-
tig einstufte, wogegen sie den Schilderungen Beschuldigten und seinem Aussa-
geverhalten (pauschales Abstreiten, übersteigerte Gegenattacken auf die Privat-
klägerin, ausschweifende Erklärungsversuche) die Überzeugungskraft absprach,
so kann dem unschwer gefolgt werden. Seine rechtfertigenden Ausführungen
wurden weder von Zeugen noch von der Abrechnung der Sunrise gestützt und
sein angebliches Alibi für die Tatnacht gerade nicht von der Zeugin H._ be-
stätigt (Urk. 63 S. 33 f.).
Folglich ist mit der Vorinstanz als erwiesen anzusehen, dass sich die Gescheh-
nisse vom 23. bzw. 24. April 2011, 30. April 2011 und 1. Mai 2011, wie in der An-
klageschrift umschrieben, zugetragen haben. Die Aussagen des Beschuldigten
vermögen keine relevanten Zweifel an diesen Sachverhaltsdarstellungen zu be-
gründen. Der in der Anklageschrift umschriebene Sachverhalt ist daher erstellt.
III. Schuldpunkt – rechtliche Würdigung
1. Gefährdung des Lebens
1.1 Der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB macht sich schul-
dig, wer einen Menschen in skrupelloser Weise in unmittelbare Lebensgefahr
bringt. Die Bestimmung hat die Funktion eines Auffangtatbestands für Fälle, bei
- 26 -
denen sich ein Tötungsvorsatz nicht nachweisen lässt und eine Verurteilung we-
gen eines versuchten oder vollendeten Tötungsdelikts deshalb nicht in Frage
kommt (BSK StGB II - Peter Aebersold, 2. Auflage, Basel 2007, Art. 129 N 1).
1.2 Objektiver Tatbestand
1.2.1 In objektiver Hinsicht ist eine Lebensgefahr erforderlich, mithin dass der Tä-
ter jemanden durch beliebiges Handeln in einen Zustand bringt, aufgrund dessen
nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge die Wahrscheinlichkeit des Todeseintrit-
tes besteht (Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Kommentar Schweizerisches
Strafgesetzbuch, 18. Aufl., Zürich 2010, N 1 zu Art. 129). Der Begriff der Lebens-
gefahr ist weniger restriktiv auszulegen als beim qualifizierten Tatbestandes des
Raubes von Art. 140 Ziff. 4 StGB und erfordert keine "sehr naheliegende" Gefahr
(BGE 121 IV 70). Die Lebensgefahr muss jedoch unmittelbar sein; eine vage
Wahrscheinlichkeit oder eine blosse Möglichkeit genügen nicht. Aus dem Verhal-
ten des Täters muss sich direkt die Wahrscheinlichkeit oder nahe Möglichkeit der
Todesfolge ergeben (BGE 133 IV 8). Es ist dabei nicht bloss auf äussere Um-
stände abzustellen. Vielmehr sind auch die besondere Situation des Täters und
seine Fähigkeiten zu berücksichtigen sowie die Möglichkeit des Opfers, einer ge-
fährlichen Situation zu begegnen (BSK StGB II - Peter Aebersold, Art. 129 N 16).
Eine unmittelbare Lebensgefahr wurde in der Praxis insbesondere in folgenden
Fällen angenommen: Ellenbeuge-Halsgriff (BSK StGB II - Peter Aebersold,
Art. 129 N 18 mit Hinweis auf OGer SO, 15.10.1998, RS 2000, Nr. 776), heftiges
Würgen (BSK StGB II - Peter Aebersold, Art. 129 N 18 mit Hinweisen auf OGer
BE, 19.12.1997, RS 1999, Nr. 642 und OGer SO, 15.10.1998, SOG 1998, Nr. 20;
BGE 124 IV 53, 54), Opfer mit einem Seil um den Hals mehrmals während bis zu
sieben Sekunden stranguliert, bis es in Atemnot geriet, nach Luft schnappte, den
Stand verlor und zu Boden ging bzw. dem Opfer während der gleichen Zeitdauer
einen engen Plastiksack über den Kopf gestülpt, so dass es in Atemnot und Panik
geriet (Urteil des Bundesgerichts 6B_445/2009 vom 6. Oktober 2009 E. 7.2). Eine
unmittelbare Lebensgefahr bejahte das Bundesgericht sodann im Entscheid
6B_352/2011 vom 20. Oktober 2011 E. 2.5, wo der Täter das Opfer im Bereich
des Kehlkopfes am Hals gepackt und während 20-30 Sekunden mit den Daumen
https://www.swisslex.ch/AssetDetail.mvc/Show?assetGuid=a7738721-b56f-4049-83c3-d7eb0f531cf3
- 27 -
kräftig zugedrückt hatte, bis es würgebedingt nur noch röcheln konnte, unkontrol-
liert urinierte, ihm kurzfristig schwindlig und schwarz vor den Augen wurde und
was überdies zu einer Hautunterblutung, Hautabschürfungen an beiden Halssei-
ten und Schluckbeschwerden führte. Beim Vorhandensein von Stauungsblutun-
gen infolge Würgehandlungen ist gemäss dem Solothurner Obergericht immer
von einer unmittelbaren Lebensgefahr auszugehen (BSK StGB II - Peter Aeber-
sold, Art. 129 N 25 mit Hinweis auf Cornelia Meier, Gefährdung des Lebens, Diss.
Basel 2006, S. 79 f.).
In der Lehre führt Max Willfratt (Die Gefährdung des Lebens nach Art. 129 StGB,
ZStrR 1968, S. 225 ff.) im Rahmen einer Untersuchung in Bezug auf das Tatbe-
standsmerkmal der unmittelbaren Lebensgefahr namentlich nachfolgenden un-
veröffentlichten Entscheid an, in welchem eine solche bejaht wurde: Der Täter
packte, würgte und forderte eine Prostituierte auf, sich ruhig zu verhalten. Diese
schrie jedes Mal weiter, wenn er den Würgegriff lockerte, weshalb der Täter das
Würgen fortsetzte. Dadurch erlitt das Opfer Würgspuren unmittelbar neben der
Halsschlagader, weshalb die Gefahr eines plötzlichen Todeseintritts nahe gelegen
sei (a.a.O., S. 314 f. Nr. 40).
Die rechtsmedizinische Praxis wendet eine symptomorientierte Abgrenzung bei
den Folgen des Würgens an. Bei Kompressionen des Halses bestehe die Gefahr,
dass die Venen abgeklemmt werden, wodurch ein Stau in der Blutzufuhr des
Hirns entstehe. Damit in diesem Zusammenhang eine unmittelbare Lebensgefahr
angenommen werden könne, müssten handfeste Befunde für eine kritische Hirn-
Durchblutungsstörung vorliegen. Diese könnten sich in Form von punktförmigen
Stauungsblutungen, insbesondere an den Augenbindehäuten, oder als Symptome
einer Asphyxie (Atemstillstand mit Bewusstseinsstörung) manifestieren, z.B. in
Form von Ohnmacht, Einnässen, Heiserkeit, Schluckbeschwerden oder anderen
vegetativen Symptomen (BSK Strafrecht II - Peter Aebersold, Art. 129 N 14a un-
ter Berufung auf eine Mitteilung von Prof. Dr. med. Volker Dittmann, Leiter des In-
stituts für Rechtsmedizin der Universität Basel).
Die Rechtsprechung zum Würgen hat sich mit einigen Schwankungen entwickelt
(Nachweise, auch zur kantonalen Praxis, in Cornelia Meier, Gefährdung des Le-
- 28 -
bens, Diss. Basel 2006, S. 77-84). In der kantonalen Gerichtspraxis haben sich
die eben genannten medizinischen Kriterien, vor allem die Stauungsblutungen,
als justiziable Abgrenzung weitgehend durchgesetzt (BSK Strafrecht II - Peter
Aebersold, Art. 129 N 14c).
1.2.2 Gemäss erstelltem Sachverhalt hat der Beschuldigte eine Hand auf den
Mund der Privatklägerin gedrückt und ihr gleichzeitig mit der anderen Hand an
den Hals gegriffen, wobei er stark zudrückte, was er während der Dauer von min-
destens einer Minute tat. Dadurch geriet die Privatklägerin in Atemschwierigkeiten
und wurde für einige Sekunden – die Vorinstanz sprach versehentlich von einigen
Minuten (Urk. 63 S. 36), was zu korrigieren ist – bewusstlos. Der Beschuldigte
liess daraufhin von ihr ab. Dieser Angriff bewirkte am Hals der Privatklägerin (auf
der linken Seite entlang der Gefässnervenscheide) Abdrücke seiner Finger, und
die Privatklägerin litt nach dem Vorfall noch nahezu zwei Wochen an Schluckbe-
schwerden (Urk. 21 S. 3).
1.2.3 Bezüglich Vorliegens einer Lebensgefahr kommt das Gutachten des Insti-
tuts für Rechtsmedizin Zürich vom 25. Mai 2011 zum Ergebnis, dass bei einer
stumpfen Gewalt gegen den Hals – und insbesondere gegen die sensiblen seitli-
chen Halspartien – in jedem Fall von einer zumindest potentiellen Lebensgefahr
auszugehen sei. Gestützt auf die Angaben der Privatklägerin, wonach während
des Würgevorgangs gar eine Bewusstlosigkeit aufgetreten sei und sie unmittelbar
nach dem fraglichen Vorfall 'zwei blauen Flecken' im Sinne von Hautunterblutun-
gen entlang der Gefässnervenloge links – passend zu Fingerabdrücken infolge
Würgens von vorne möglicherweise mit der rechten Hand – festgestellt habe,
müsse aus rechtsmedizinischer Sicht eine konkrete, unmittelbare  im Ereigniszeitpunkt bejaht werden (Urk. 10/5 S. 4).
Die Auffassung der Vorinstanz, wonach das Gutachten, welches sich auf die
glaubhaften Angaben der Privatklägerin und mithin den erstellten Sachverhalt
stützt, nachvollziehbar und schlüssig ist und kein Grund besteht, an dessen
Schlussfolgerung zu zweifeln, ist rundweg zu teilen. Die Schlussfolgerung steht
auch – entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 88 S. 23 f.) – im Einklang
mit der oben darlegten Gerichtspraxis. So hat die Privatklägerin manche der
- 29 -
massgeblichen Kriterien für die Bejahung einer unmittelbaren Lebensgefahr ver-
spürt bzw. erlitten: namentlich bekam sie akute Atemnot, wurde kurz bewusstlos,
trug Fingerabdrücke im Sinne von Hautunterblutungen am Hals davon und war
nach dem Vorfall während annähernd zwei Wochen durch Schluckbeschwerden
geplagt.
1.2.4 Der gutachterlichen Beurteilung sowie der Vorinstanz folgend ist das Be-
stehen einer unmittelbaren Lebensgefahr im Sinne von Art. 129 StGB bei der Pri-
vatklägerin – verursacht durch das Würgen und Zuhalten des Mundes durch den
Beschuldigten – als gegeben zu betrachten und der objektive Tatbestand damit
erfüllt.
1.3 Subjektiver Tatbestand
1.3.1 Der subjektive Tatbestand verlangt direkten Gefährdungsvorsatz. Der Täter
muss sich bewusst sein, dass er durch sein Verhalten die unmittelbare Lebensge-
fahr direkt herbeiführt. Er muss die Möglichkeit des Erfolgseintritts kennen. Even-
tualvorsatz genügt nach der Lehre und Rechtsprechung des Bundesgerichts nicht
(vgl. statt vieler: BGE 133 IV 1 E. 5.1). Dass ein eventualvorsätzliches Verhalten
den Tatbestand nicht erfüllen kann, ergibt sich bereits daraus, dass der Täter eine
"unmittelbare" Lebensgefahr schaffen muss (Botschaft, BBl 1985 II 1037; AB
1989 N 685). Direkter Vorsatz ist nach der Rechtsprechung gegeben, wenn der
Täter den deliktischen Erfolg, mag ihm dieser auch gleichgültig oder sogar uner-
wünscht sein, als notwendige Folge oder als Mittel zur Erreichung des verfolgten
Zwecks in seinen Entschluss miteinbezogen hat. Der Erfolg braucht nicht das vom
Täter erstrebte Ziel zu sein. Es genügt, dass er mitgewollt ist (BGE 119 IV 193
E. 2b, cc; Urteil des Bundesgerichts 6B_352/2011 E. 3.2). Rechnet der Täter mit
dem Eintritt des Erfolgs, liegt Tötungsvorsatz vor und die Art. 111 ff. StGB kom-
men zur Anwendung (BGE 107 IV 165; (BSK Strafrecht II - Peter Aebersold,
Art. 129 N 27). Der Gefährdungsvorsatz gemäss Art. 129 StGB unterscheidet sich
dadurch vom dolus eventualis auf Tötung, dass der Täter darauf vertraut, der Tod
des Opfers werde nicht eintreten (BSK StGB II - Peter Aebersold, Art. 129 N 28).
- 30 -
1.3.2 Wie bereits ausgeführt, warf der Beschuldigte die Privatklägerin auf das
Bett, drückte ihr eine Hand auf den Mund und griff ihr gleichzeitig mit der anderen
Hand an den Hals, wobei er stark zudrückte. Dies tat er während mindestens ei-
ner Minute, wodurch die Privatklägerin in Atemschwierigkeiten geriet und für eini-
ge Sekunden bewusstlos wurde. Aufgrund der durch diese Attacke verursachten
Bewusstlosigkeit und der auf dem Hals der Privatklägerin hinterlassenen Finger-
abdrücke sowie der anschliessenden Schluckbeschwerden ist laut der Vorinstanz
von einer erheblichen Krafteinwirkung seitens des Beschuldigten auszugehen.
Ferner – so die Vorinstanz weiter – müsse als allgemein bekannt vorausgesetzt
werden, dass Würgen und gleichzeitiges Zuhalten des Mundes ohne Weiteres ei-
ne unmittelbare Lebensgefahr verursachen müsse. Dies umso mehr, wenn – wie
im vorliegenden Fall – die Gewalteinwirkung von erheblichem Kraftausmass sei.
Werde im Rahmen von Würgehandlungen solch eine kraftvolle Gewalteinwirkung
vorgenommen, könne im Ansinnen des Täters nichts anderes als die Bewirkung
einer Lebensgefährdung seines Opfers liegen. Dieser Umstand müsse dem Be-
schuldigten zugerechnet werden, zumal es sich bei ihm um einen der Privatkläge-
rin körperlich überlegenen, kräftigen Mann handle. Somit müsse ihm die unmittel-
bare Lebensgefahr bewusst gewesen sein. Da er im Wissen um die lebensgefähr-
liche Situation trotzdem so gehandelt habe, könne daraus einzig geschlossen
werden, dass er eine Lebensgefährdung der Privatklägerin auch gewollt habe
(Urk. 63 S. 37).
1.3.3 Dieser Argumentation ist zuzustimmen. Die nachstehenden Ausführungen
verstehen sich als Ergänzungen dazu.
Das grosse Ausmass der Kraftauswirkung ergibt sich (gerade entgegen der Ar-
gumentation der Verteidigung, Urk. 88 S. 25 f.) selbst aus den eigenen Darlegun-
gen des Beschuldigten, der – wenn auch unter Bestreitung des konkreten Ankla-
gevorfalls – zum angeblich wöchentlich praktizierten Würgen einräumte, das erste
Mal sei "so krass" gewesen, dass seine Handabdrücke am Hals der Privatklägerin
blau sichtbar gewesen seien, worauf ihr Turnlehrer sie gefragt habe, wer sie so
malträtiert hätte, sie solle aufpassen (Urk. 39 S. 13). Diese Kräfteumschreibung
sowie das Resultat decken sich mit der Bezeichnung des eingeklagten Würgens
- 31 -
durch die Privatklägerin als "sehr stark" und mit den erstellten optischen Spuren
daraus (Urk. 47 S. 8).
Dass Würgen und gleichzeitiges Mundzuhalten während mindestens einer Minute
zu direkter Lebensbedrohung führt, ist nicht nur als Teil des Allgemeinwissens
anzusehen, sondern darüber hinaus dem Beschuldigten umso mehr entgegen zu
halten, als er seit zwei Jahrzehnten intensiv Kampfsport und Krafttraining ausübt
und dies sogar unterrichtet (Urk. 39 S. 5; Urk. 49 S. 18 f.; Urk. 11/19 S. 25, 34,
42). So führt sein Verteidiger aus, im Kampfsport gelte Gewalt gegen den seitli-
chen Halsbereich des Gegners grundsätzlich als gefährlich und man sei lieber zu
vorsichtig als zu unvorsichtig (Urk. 49 S. 5). Es ist daher davon auszugehen, dass
der Beschuldigte als sehr erfahrener Kampfsportler in diesen Belangen besonders
sensibilisiert war bzw. sein musste, und dieses Wissen um die Gefährlichkeit bei
starken (seitlichen) Krafteinwirkungen auf den Hals(bereich), wie vorliegend zu
beurteilen, ist dem Beschuldigten anzurechnen. Abgesehen davon wird das Risi-
ko von ernsthaften Gefährdungen und Verletzungen sowohl durch das Verhalten
der Kampfsportler, die bei Wettkämpfen Würgegriffe nie unter Aufwendung
grösstmöglicher Kraft ansetzen, als auch durch das Regelwerk minimiert (Urteil
des Bundesgerichts 6B_352/2011 vom 20. Oktober 2011 E. 2.2 und 3.3). Auch
diese Usanzen und Normen mussten dem Beschuldigten als Kenner seines Meti-
ers / Hobbys bekannt und bewusst gewesen sein, als er gegenüber der Privatklä-
gerin jegliche Vorsicht und Zurückhaltung gerade vermissen liess und ihr vielmehr
während mindestens einer Minute (nebst zugehaltenem Mund) gezielt mit der an-
dern Hand den Hals stark zudrückte. Selbstredend konnten dem Beschuldigten
auch die daraus resultierenden Atemschwierigkeiten der Privatklägerin nicht ent-
gangen sein, die zur anschliessend kurzen Bewusstlosigkeit führten.
Lediglich zur Abrundung ist endlich anzufügen, dass sich der Beschuldigte in ei-
ner Ecke des Zimmers befand und weinte, als die Privatklägerin nach der kurzen
Ohnmacht wieder zu sich kam. Diese Szenerie ist gut vereinbar mit einem Schre-
cken des Beschuldigten über die – wohl unerwünschte – Folge seines Tuns und
einer entsprechenden emotionalen Reaktion. Daraufhin konnte sich die Privatklä-
gerin ungehindert ankleiden und die Wohnung verlassen.
- 32 -
1.3.4 Schliesslich muss der Täter zur Erfüllung des Tatbestandes der Lebensge-
fährdung skrupellos gehandelt haben. Dies ist dann der Fall, wenn sein Verhalten
angesichts des Tatmittels und des Tatmotivs unter Berücksichtigung der Tatsitua-
tion den allgemein anerkannten Grundsätzen von Sitte und Moral zuwiderläuft
(BGE 114 IV 103 E. 2). Gemeint ist ein qualifizierter Grad der Vorwerfbarkeit, das
heisst eine besondere Hemmungs- oder Rücksichtslosigkeit in der Situation (Ent-
scheid des Bundesgerichtes 6S.702/2001 vom 7. November 2002 mit Hinweisen;
Trechsel/Fingerhuth, Schweizerisches Strafgesetzbuch Praxiskommentar, Zü-
rich/St. Gallen 2008, Art. 129 N 5; Stratenwerth/Jenny, Schweizerisches Straf-
recht, BT I, 6. Aufl., Bern 2003, § 4 N 13). Grundsätzlich erfüllt jeder, der einen
anderen vorsätzlich in unmittelbare Lebensgefahr bringt, das Tatbestandsmerk-
mal der Skrupellosigkeit, ausser es würden besondere Umstände, namentlich
Provokation durch das Opfer, Notwehrüberschreitung oder eine entschuldbare
Gemütsbewegung, vorliegen (Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Art. 129 N 3).
Im Entscheid des Bundesgerichts 6S.454/2004 vom 21. März 2006 wurde die
Skrupellosigkeit darin gesehen, dass der Täter, welcher der Ehefrau und der ei-
genen Tochter ein gezacktes Brotmesser an den Hals setzte, seine Eifersucht
rücksichtslos auslebte und keine Rücksicht auf das Alter seines 8-jährigen Kindes
nahm. In einem Würgefall wurde das Verhalten eines brutalen Ehemannes als
skrupellos beurteilt, weil er weder eine Notwehrsituation noch eine Affekthandlung
habe geltend machen können. Ausgehend von BGE 107 IV 163 f. ist anzuneh-
men, dass Skrupellosigkeit umso näher liegt, je grösser die Gefahr ist, die der Tä-
ter herbeiführt und je weniger seine Beweggründe zu billigen oder auch nur zu
verstehen sind (BSK StGB II - Peter Aebersold, Art. 129 N 33 mit Hinweisen).
Übereinstimmend mit der Ansicht im angefochtenen Urteil ist festzuhalten, dass
gemäss erstelltem Sachverhalt der Würgehandlung ein Streit vorausging, anläss-
lich welchem der Beschuldigte den PIN-Code des Mobiltelefons der Privatklägerin
herausverlangte, wobei sie dies verweigerte. Es ist davon auszugehen, dass der
Beschuldigte aus Eifersucht, Kränkung und einem Gefühl der Machtlosigkeit han-
delte. Anhaltspunkte für eine Provokation der Privatklägerin, einen Angriff durch
sie oder eine entschuldbare Gemütsbewegung des Beschuldigten bestehen nicht.
Der Beschuldigte war nicht unvermittelt mit einem Trennungswunsch der Partne-
- 33 -
rin konfrontiert, sondern diese hatte die gemeinsame Wohnung bereits ca. zwei
Monate zuvor verlassen und sich von ihm – aus ihm damals eröffneten Gründen –
distanziert. Der Beschuldigte handelte somit aus egoistischen Motiven. Er wollte
sich mit Hilfe von Gewalt über die Rückweisung der Privatklägerin hinwegsetzen
und sie zu einer Fortführung bzw. Wiederaufnahme der Beziehung zwingen. Das
Verhalten des Beschuldigten und insbesondere sein Tatmotiv erscheinen als un-
verständlich und jenseits von Sitte und Moral. Sein Handeln ist entsprechend als
skrupellos zu qualifizieren. Damit ist auch der subjektive Tatbestand erfüllt.
1.4 Es liegen weder Rechtfertigungs- noch Schuldausschlussgründe vor. Der
Beschuldigte ist daher in Bestätigung des angefochtenen Urteils der Gefährdung
des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB schuldig zu sprechen.
2. Mehrfache versuchte Nötigung
2.1 Der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB macht sich schuldig, wer jeman-
den durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere Be-
schränkung seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu
dulden.
Eine Androhung ernstlicher Nachteile liegt vor, wenn nach der Darstellung des
Täters der Eintritt des Nachteils als von seinem Willen abhängig erscheint und
wenn die Androhung geeignet ist, den Betroffenen in seiner Entscheidungsfreiheit
einzuschränken (BSK StGB II - Delnon/Rüdy, 2. Aufl. Basel 2007, Art. 181 N 25).
Nicht erforderlich ist die Absicht, die Drohung wahr zu machen, doch muss das
Opfer sie ernst nehmen. Massgebend für die Ernstlichkeit des angedrohten Nach-
teils sind grundsätzlich objektive, absolute Kriterien – es ist zu fragen, ob die An-
drohung geeignet ist, auch eine verständige Person in der Lage des Betroffenen
gefügig zu machen (Trechsel/Fingerhuth, Schweizerisches Strafgesetzbuch Pra-
xiskommentar, Zürich/St.Gallen 2008, Art. 181 N 4 f.). Weiter muss der Täter
beim Opfer ein bestimmtes Verhalten bewirken, wobei zwischen dem Nötigungs-
mittel und dem Nötigungserfolg ein Kausalzusammenhang bestehen muss (BSK
StGB II - Delnon/Rüdy, Art. 181 N 45). Das heisst, das Opfer muss gerade durch
die erwähnten Mittel zu dem vom Täter gewollten Verhalten gebracht werden.
- 34 -
Geht es dabei um eine Handlung, so wird die Nötigung wohl damit vollendet, dass
der Geschädigte sie vorzunehmen beginnt (Donatsch, Strafrecht III, Delikte gegen
den Einzelnen, 9. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2008, § 53 1.2). Verhält sich das
Opfer nicht so, wie der Täter es will, so liegt nur Nötigungsversuch vor (BSK StGB
II - Delnon/Rüdy, Art. 181 N 57). Um den Tatbestand der Nötigung gemäss
Art. 181 StGB zu erfüllen, muss die Rechtswidrigkeit weiter positiv begründet
werden. Diese liegt vor, wenn das Mittel oder der Zweck unerlaubt ist oder wenn
das Mittel zum erstrebten Zweck nicht im richtigen Verhältnis steht oder wenn die
Verknüpfung zwischen einem an sich zulässigen Mittel und einem erlaubten
Zweck rechtsmissbräuchlich oder sittenwidrig ist (BSK StGB II - Delnon/Rüdy,
Art. 181 N 50).
Subjektiv ist Vorsatz erforderlich, der sich auf die Beeinflussung und auf das ab-
genötigte Verhalten beziehen muss; dabei genügt Eventualvorsatz. Eine weiter-
gehende Absicht ist nicht erforderlich (Trechsel/Fingerhuth, Art. 181 N 14 mit
Hinweisen).
2.2 Der Vorinstanz ist ohne weiteres beizupflichten, wenn sie die durch den Be-
schuldigten in der Nacht vom 23. auf den 24. April 2011 ausgesprochenen Dro-
hungen – mehrmaliges Drohen mit Suizid, falls sie sich von ihm trennen würde,
Spritze in seinen Arm stecken dass es blutete mit der wiederholten Erklärung, oh-
ne sie nicht mehr hier sein zu wollen bzw. sie solle dabei sein, wenn er von hier
gehen werde – als Nötigungen im Sinne von Art. 181 StGB würdigte (Urk. 63
S. 39 f.). Das Tatmittel bestand in der Androhung ernstlicher Nachteile, nämlich,
dass sich der Beschuldigte das Leben nehmen werde. Diese Androhung stellt für
sich allein betrachtet zwar kein unerlaubtes Mittel dar. Doch der damit verfolgte
Zweck, die Privatklägerin von einer definitiven Trennung abzuhalten, ist als
rechtswidrigen Eingriff in ihre persönliche Freiheit bzw. in ihr Selbstbestimmungs-
recht zu qualifizieren. Durch sein Verhalten setzte der Beschuldigte die Privatklä-
gerin unter starken psychischen Druck und beeinträchtigte ihre Entscheidungs-
freiheit. Diese Suiziddrohungen waren objektiv geeignet, eine verständige Person
in der Lage der Privatklägerin gefügig zu machen, da sie ernsthaft damit rechnen
musste, dass das Leben des Beschuldigten auf dem Spiel stand bzw. sich der
- 35 -
Beschuldigte mit der Spritze zumindest verletzen würde, zumal er ernstlich und
konkret – unter Behändigung besagter Spritze – mit Selbstmord gedroht hatte.
Die Privatklägerin nahm die Drohungen ernst und wurde dadurch in Angst ver-
setzt. Dass die Drohungen auch ernst gemeint waren, ist wie gesagt nicht erfor-
derlich. Trotz dieser Worte entschied sich die Privatklägerin, sich definitiv vom
Beschuldigten zu trennen. Dadurch verhielt sie sich nicht nach dem Willen des
Beschuldigten, liess sich nicht gefügig machen, weshalb ein objektives Tatbe-
standsmerkmal fehlt und lediglich versuchte Tatbegehung vorliegt.
Der Beschuldigte wollte mit seinen erkennbar rechtswidrigen Drohungen auf das
Verhalten der Privatklägerin einwirken und erreichen, dass sie zu ihm zurückkehrt
bzw. bei ihm bleibt. Dadurch setzte er seinen Tatentschluss um und handelte zu-
mindest eventualvorsätzlich, womit auch der subjektive Tatbestand gegeben ist.
Es liegt versuchte Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22
Abs. 1 StGB vor.
2.3 Auch bezüglich des Vorfalles vom 1. Mai 2011 ist, der Vorinstanz folgend,
von versuchter Nötigung gemäss Art. 181 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
auszugehen.
2.3.1 Es steht fest, dass der Beschuldigte am Sonntag, 1. Mai 2011, ab 6.43 Uhr,
die Privatklägerin mehrmals anrief, ihr mitteilte, sie könne zwar ihr Mobiltelefon
ausschalten, er werde sie aber überall finden, er gegen 07.15 Uhr am Wohnort
der Privatklägerin auftauchte, Steine gegen die Fenster der Wohnung warf, das
Treppenhaus betrat, mehrmals gegen die Wohnungstüre schlug und ihr zurief, er
freue sich, wenn sie – die Privatklägerin und ihr Bruder – die Wohnung irgend-
wann verlassen würden. Der Beschuldigte stellte durch dieses Verhalten der Pri-
vatklägerin und ihrem Bruder implizit Nachteile in Aussicht, sofern sie ihm keinen
Eintritt zur Wohnung gewährten und sie dann irgendwann einmal die Wohnung
würden verlassen müssen.
2.3.2 Dieses Verhalten des Beschuldigten ist als Androhung ernstlicher Nachteile
gegenüber der Privatklägerin und ihrem Bruder zu qualifizieren. Überdies ist das
- 36 -
gesamte Auftreten des Beschuldigten, namentlich das mehrmalige Anrufen der
Privatklägerin und der Hinweis, sie überall zu finden sowie das nachfolgende Auf-
tauchen am Wohnort der Privatklägerin verbunden mit Randalieren, als äusserst
bedrohlich einzustufen. Damit untermauerte der Beschuldigte die konkrete Andro-
hung eines Nachteils noch deutlich. Der Beschuldigte terrorisierte die Privatkläge-
rin massiv und übte erheblichen psychischen Druck auf sie aus mit dem einzigen
Ziel, sie dazu zu bewegen, ihn in die Wohnung zu lassen bzw. mit ihm zu reden.
Dadurch wollte der Beschuldigte die Handlungsfreiheit der Privatklägerin und ih-
res Bruders, die ob seinem Gebaren Angst bekamen, einschränken, wobei sich
zumindest seine Tatmittel als rechtwidrig erweisen. Da sich die Privatklägerin dem
Willen des Beschuldigten nicht beugte und ihm keinen Einlass bzw. kein Ge-
spräch gewährte, erreichte er sein Ziel nicht. Es fehlt an einem objektiven Tatbe-
standsmerkmal und es blieb wiederum bei versuchter Tatbegehung.
2.3.3 Der Beschuldigte handelte vorsätzlich, indem er auf vielfältige Weise gezielt
versuchte, die Privatklägerin mittels Drohung und Terrorisierung zum Öffnen der
Wohnungstüre und zu einem Gespräch zu bewegen, was diese offensichtlich ab-
lehnte. Es ist auch hier versuchte Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in Verbin-
dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB gegeben.
2.4 Anlässlich beider Vorfälle sind weder Rechtfertigungs- noch Schuldaus-
schlussgründe ersichtlich. Der Beschuldigte ist somit der mehrfachen versuchten
Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
schuldig zu sprechen.
3. Drohung
3.1 Die theoretischen Grundlagen finden sich im vorinstanzlichen Urteil (Urk. 63
S. 41 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.2 Indem der Beschuldigte gemäss erwiesenem Sachverhalt zu einem nicht
mehr exakt bestimmbaren Zeitpunkt um den 30. April 2011 herum der Privatklä-
gerin telefonisch erklärte, dass er ihren Bruder C._ umbringen werde, wenn
er diesen sehe, stellte er der Privatklägerin ein schweres Übel – ein Delikt gegen
- 37 -
Leib und Leben eines nahen Familienangehörigen – in Aussicht, dessen Eintritt er
als von seinem Willen abhängig darstellte. Durch diese Worte des Beschuldigten
wurde die Privatklägerin in Angst und Schrecken versetzt. Es bedarf keiner weite-
ren Erörterung, dass der Beschuldigte dabei vorsätzlich handelte, wusste er doch
fraglos um die Eignung seiner Äusserungen, die Privatklägerin in Angst und
Schrecken zu versetzen und wollte er dies auch erreichen. Dass er seine Äusse-
rung allenfalls nicht ernst meinte und nicht gedachte, die Drohung in die Tat um-
zusetzen, ist – wie erwähnt (vgl. Urk. 63 S. 41 f.) – für die Tatbestandserfüllung
der Drohung unerheblich.
3.3 Der Beschuldigte hat sich demnach der Drohung im Sinne von Art. 180
Abs. 1 und Abs. 2 lit. b StGB schuldig gemacht.
4. Fazit
Somit ist der Beschuldigte in Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils der Ge-
fährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB, der Drohung im Sinne von
Art. 180 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2 lit. b StGB sowie der mehrfachen ver-
suchten Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1
StGB schuldig zu sprechen.
IV. Sanktion
1. Anträge
Die Staatsanwaltschaft stellte vor Vorinstanz den Antrag, den Beschuldigten mit
einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten zu bestrafen, unter Anrechnung der erstan-
denen Haft (Urk. 48 S. 1 und 6). Die Verteidigung, die einen Freispruch in allen
Anklagepunkten verlangte, stellte keinen Eventualantrag (Urk. 49 S. 1 f. und 40
f.). Die Vorinstanz belegte den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 24 Mo-
naten, unter Anrechnung von 180 Tagen, die durch Haft erstanden sind. Die Ver-
teidigung erachtet diese Strafe als viel zu hoch und stellt eventualiter den Antrag,
bei Bestätigung des vorinstanzlichen Schuldspruchs sei der Beschuldigte mit ei-
ner bedingten Strafe von höchstens 18 Monaten zu bestrafen (Urk. 88 S. 2 und 27
- 38 -
f.). Für die Staatsanwaltschaft ist die vorinstanzlich ausgesprochene Strafe klar zu
mild. Sie beantragt, das Strafmass auf 30 Monate zu erhöhen (Urk. 68 S. 1 f.;
Urk. 89 S. 1 und 2 ff.).
2. Strafrahmen und Sanktionsart
2.1 Wie bereits im angefochtenen Urteil erwogen, liegen keine ausserordentli-
chen Umstände vor, die eine Erweiterung des ordentlichen Strafrahmens der
schwersten anzuwendenden Strafbestimmung nach oben oder unten rechtfertigen
würden (BGE 136 IV 55 ff.). Die Strafschärfungsgründe der mehrfachen Tatbege-
hung und der Deliktsmehrheit sowie die Strafmilderungsgründe des Versuchs und
der verminderten Schuldfähigkeit sind daher bei der Verschuldensbewertung
straferhöhend bzw. strafmindernd zu berücksichtigen.
Die aufgrund des schwersten Delikts festgelegte Einsatzstrafe ist sodann unter
Einbezug der anderen Straftaten in Anwendung des Asperationsprinzips ange-
messen zu erhöhen und allenfalls wegen wesentlicher Täterkomponenten zu ver-
ändern (BGE 136 IV 55; Urteile des Bundesgerichts 6B_611/2010 vom 26. April
2011, 6B_524/2010 vom 8. Dezember 2011 sowie 6B_475/2011 vom 30. Januar
2012).
2.2. Das schwerste vom Beschuldigten begangene Delikt – die Gefährdung des
Lebens im Sinne von Art. 129 StGB – wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren
oder Geldstrafe bestraft. Übereinstimmend mit der Vorinstanz erweist sich vorlie-
gend eine Freiheitsstrafe von über 12 Monaten als angezeigt, so dass eine Geld-
strafe oder gemeinnützige Arbeit als Sanktion zum vorneherein wegfallen (Urk. 63
S. 43 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO; Art. 34 und 37 StGB).
Entgegen den Ausführungen der Verteidigung (Urk. 88 S. 27) kommt nicht nur für
die Gefährdung des Lebens, sondern für sämtliche Delikte, für die der Beschuldig-
te heute zu verurteilen ist, nur mehr eine Freiheitsstrafe im Sinne einer Gesamt-
strafe in Frage, nachdem sich vor dem Hintergrund der Vorstrafen des Beschul-
digten deutlich zeigt, dass weder in der Vergangenheit ausgesprochene alternati-
ve Strafformen noch Freiheitsstrafen ihn vor erneuter Delinquenz zurückzuhalten
vermochten.
- 39 -
3. Grundsätze der Strafzumessung
3.1 Zu den theoretischen Grundsätzen der Strafzumessung kann vorab auf die
Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 63 S. 44 f.) sowie auf die Urteile des Bundesge-
richts 6B_390/2009 vom 14. Januar 2010 E. 2.3.1 (mit Hinweisen auf die weitere
bundesgerichtliche Praxis) und 6B_865/2009 vom 25. März 2010 E. 1.2.2 verwie-
sen werden.
Mit Strafbefehl vom 6. April 2013 der Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl wurde der
Beschuldigte wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte etc. mit
einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je Fr. 20.– sowie mit einer Busse von
Fr. 300.– bestraft (Urk. 87). Aufgrund der Ungleichartigkeit der Strafen kann die
heute zwingend auszusprechende Freiheitsstrafe nicht als Zusatzstrafe im Sinne
von Art. 49 Abs. 2 StGB zu dieser Geldstrafe ausgesprochen werden und ist des-
halb als selbständige Strafe auszufällen.
3.2 Vorerst ist die objektive Tatschwere als Ausgangskriterium für die Verschul-
densbewertung festzulegen und zu bemessen. Es gilt zu prüfen, wie stark das
strafrechtlich geschützte Rechtsgut überhaupt beeinträchtigt worden ist. Darunter
fallen etwa das Ausmass des Erfolges (Deliktsbetrag, Gefährdung, Risiko, Sach-
schaden etc.) sowie die Art und Weise des Vorgehens. Von Bedeutung ist auch
die kriminelle Energie, wie sie durch die Tat und die Tatausführung offenbart wird
(Wiprächtiger, BSK StGB I, 2. Auflage, Basel 2007, Art. 47 N 69 ff.; Trechsel /
Affolter-Eijsten, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, Zü-
rich/St.Gallen 2008, Art. 47 N 19 ff.).
Bei der Bewertung des subjektiven Verschuldens stellt sich die Frage, wie dem
Täter die objektive Tatschwere tatsächlich anzurechnen ist. Der Richter hat im Ur-
teil darzutun, welche verschuldensmindernden und welche verschuldenserhöhen-
den Gründe im konkreten Fall gegeben sind, um so zu einer Gesamteinschätzung
des Tatverschuldens zu gelangen. Dazu gehören etwa die Frage der Schuldfä-
higkeit (Art. 19 StGB) sowie das Motiv. Auch ist in diesem Zusammenhang ent-
scheidend, über welches Mass an Entscheidungsfreiheit der Täter verfügte. Unter
anderem trifft denjenigen ein geringerer Schuldvorwurf, dem lediglich eventual-
- 40 -
vorsätzliches Handeln anzulasten ist (Art. 12 Abs. 2 StGB) oder der die Tat durch
Unterlassung begeht (Art. 11 Abs. 4 StGB).
3.3 Gefährdung des Lebens
3.3.1 Objektive Tatschwere
Hierzu führte die Vorinstanz aus, das Vorgehen des älteren und viel stärkeren
Beschuldigten gegenüber seiner Ex-Freundin, mit welcher er die Beziehung fort-
führen wollte, sei verwerflich. Indem der Beschuldigte ohne Vorwarnung und unter
Ausnützung seiner körperlichen Überlegenheit gehandelt habe, habe er eine ge-
radezu erschreckende Gewaltbereitschaft offenbart. Zwar habe er nach einer Mi-
nute von der Privatklägerin abgelassen. Sein deliktisches Verhalten habe bei der
Privatklägerin jedoch einschneidende Folgen gezeitigt: Würgemale und während
mehrerer Tage Schluckbeschwerden. Nach diesem Vorfall habe sie zudem gros-
se Angst vor dem Beschuldigten verspürt, an Schlafstörungen gelitten und in ih-
rem Leben keinen Sinn mehr gesehen (Urk. 35 S. 8; Urk. 36/1; Urk. 63 S. 45).
Diese Erwägungen überzeugen und sind zu teilen.
Anzufügen ist, dass der Beschuldigte in der Tat und der Tatausführung einige
kriminelle Energie offenbarte: Der Würgevorfall vom 23./24. April 2011 bildete
gewissermassen den Kulminationspunkt nach mehrwöchiger Trennung einerseits
und ausgedehnten Gesprächen am Tag und in den Stunden zuvor anderseits.
Der Beschuldigte wollte schon im Monat März und bis zum Tatgeschehen nicht
wahrhaben und akzeptieren, dass die Privatklägerin sich von ihm gelöst hatte und
die Beziehung zu beenden gedachte. Er wurde nicht müde, sie mit Telefonaten
und sms zu drangsalieren, sie auch persönlich aufzusuchen und so zu tun, als
bestehe die Beziehung unvermindert. Dass die Privatklägerin – durchaus diplo-
matisch – teilweise auf ihn einging, ändert nichts an der offensichtlichen Hartnä-
ckigkeit des Beschuldigten. Die Bemühungen der Privatklägerin, dem Beschuldi-
gen im Vorfeld der Tatnacht ihre definitive Trennungsabsicht mit Worten zu erläu-
tern, um einen kultivierten Abschluss auf Vernunftsbasis zu suchen, torpedierte er
mit einer Steigerung seines Widerstandes, d.h. von Suiziddrohungen und diese
- 41 -
unterstreichenden Handlungen bis hin zu dem für die Privatklägerin lebensbe-
drohlichen Vorgehen.
Wenn die Vorinstanz die objektive Tatschwere als keineswegs mehr leicht einstuf-
te, ist das eher zu mild. Das objektive Tatverschulden erscheint vielmehr als doch
erheblich.
3.3.2 Subjektive Tatschwere
Bezüglich der subjektiven Tatschwere gilt es mit der Vorinstanz zu beachten,
dass der Beschuldigte für sein Verhalten kein eigentliches Motiv angab, weshalb
über die Beweggründe lediglich Mutmassungen angestellt werden können. Auf-
grund der Gesamtsituation muss aber davon ausgegangen werden, dass der Be-
schuldigte aufgewühlt war, weil sich die Privatklägerin endgültig von ihm trennen
wollte und seine Rückeroberungsversuche trotz seinem dramatisierenden Geba-
ren fehlgeschlagen waren. Darüber hinaus geriet er zusätzlich in Rage, weil die
Privatklägerin sich weigerte, den PIN-Code ihres Mobiltelefons bekannt zu geben,
was offensichtlich das verhängnisvolle Handeln auslöste. Das Handeln des Be-
schuldigten war demnach von stark egoistischen Motiven getrieben, namentlich
Eifersucht, Kränkung, Macht- und Kontrollverlust über die Privatklägerin sowie
fehlende Akzeptanz der Rückweisung. Mit seinem Verhalten offenbarte er eine
bedenkliche Gleichgültigkeit und Geringschätzung gegenüber Leib und Leben an-
derer, konkret seiner früheren Partnerin. Das wirkt sich erheblich erschwerend
aus.
Dem Beschuldigten ist andererseits minim entlastend anzurechnen, dass die Tat
nicht geplant war, sondern vielmehr spontan, gleichsam als „Kurzschlussreakti-
on“, erfolgte.
Schliesslich ist die gemäss psychiatrischem Gutachten dem Beschuldigen für den
Deliktszeitraum attestierte mittelgradig verminderte Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB zu berücksichtigen. Diese basiert laut dem Experten
med. pract. R._, Oberarzt an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich
und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, auf einer schwer ausgepräg-
- 42 -
ten kombinierten Persönlichkeitsstörung mit den vorherrschenden Merkmalen erhöhter Kränkbarkeit, Impulsivität und mangelnder Impulskontrolle, Affektlabilität,
emotionaler Instabilität, geringer Frustrationstoleranz, erhöhter Reizbarkeit und
Selbstbezogenheit (Urk. 11/19 S. 39, 43, 47 f.). Die schwerwiegende Persönlich-
keitsstörung umfasst die charakterliche Konstitution und das Verhalten, wobei
sich der Beginn tief verwurzelter, weitestgehend konstanter Verhaltensmuster bis
in die Kindheit des Beschuldigten zurückverfolgen lässt. Eine Störung des Sozial-
verhaltens bei fehlenden sozialen Bindungen in der Kindheit und Jugend bildete
gewissermassen den Auftakt bzw. die Vorstufe dieser Persönlichkeitsstörung
(Urk. 11/19 S. 42 f.). Zur kombinierten Persönlichkeitsstörung gesellt sich eine
Anpassungsstörung (Urk. 11/19 S. 39 und 45). Eine Verminderung der Einsichts-
fähigkeit in das Unrecht seines Handelns ist aus gutachterlicher Sicht nicht zu be-
legen. Jedoch scheint gemäss med. pract. R._ dem Beschuldigten die Fä-
higkeit, ein solches Wissen um die Bedeutung und die Auswirkung seines Tuns in
handlungsbestimmender Art sowie seine innerseelische Verfassung selbstkritisch
zu gewichten, nicht in dem Mass zur Verfügung gestanden zu haben, über die ein
durchschnittlicher vergleichbarer Täter verfügt. Dies führt den Experten zur An-
nahme einer verminderten Steuerungsfähigkeit, die zu mittelgradiger Einbusse
der Schuldfähigkeit geführt habe (Urk. 11/19 S. 50, 56). Diese Schlussfolgerung
ist aufgrund der sorgfältigen und fundierten Erläuterungen des Gutachters ohne
weiteres nachvollziehbar und es ist darauf abzustellen. Es ist somit im Einklang
mit dem Bezirksgericht von einer Verminderung der Schuldfähigkeit in mittlerem
Grade auszugehen.
Für sich allein betrachtet ist die subjektive Tatschwere als noch leicht einzustufen.
3.3.3 Hypothetische Einsatzstrafe
Das doch relativ erhebliche objektive Tatverschulden wird durch die subjektive
Tatkomponente abgeschwächt. Insgesamt resultiert für den Tatbestand der Ge-
fährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB ein nicht mehr leichtes Tatver-
schulden, weshalb die Vorinstanz für diese schwerste Tat die hypothetische Ein-
satzstrafe zu Recht bei 18 Monaten Freiheitsstrafe angesetzt hat.
- 43 -
3.4 Versuchte Nötigungen
3.4.1 Objektive Tatschwere
Hinsichtlich des Tatgeschehens vom 23./24. April 2011 ist festzuhalten, dass der
Beschuldigte der Privatklägerin in äusserst aggressiver und gewaltbereiter Weise,
zugleich aber auch jammernd und insistierend, begegnet ist, indem er wiederholt
während derselben Nacht Suiziddrohungen ausstiess. Das liess die Privatklägerin
ernsthaft um seine körperliche Gesundheit und Unversehrtheit fürchten. Nachdem
er die mittlerweile schlafende Privatklägerin wieder geweckt hatte, erklärte er er-
neut, sich umbringen zu wollen, wobei er diesen Worten durch die Verwendung
einer Spritze bis es blutete noch Nachdruck verlieh. Dadurch setzte er die Privat-
klägerin einem enormen psychischen Druck aus, appellierte offenkundig an ihr
Einfühlungsvermögen und ihr Verantwortungsbewusstsein. Sie bat ihn aufzuhö-
ren, fühlte sich hilflos und wusste nicht was machen. Immerhin gefährdete der
Beschuldigte durch dieses Verhalten – wenn überhaupt – nur sich selbst.
Bezüglich des Vorfalls vom 1. Mai 2011 gilt zu bemerken, dass der Beschuldigte
die Privatklägerin und ihren Bruder während knapp zwei Stunden sowohl telefo-
nisch wie auch vor Ort regelrecht terrorisierte, weswegen sich die Privatklägerin
sogar gezwungen fühlte, ihre Mutter und ihre Tante zu verständigen, welche dann
– verstärkt durch einen Bekannten – zur Liegenschaft kommen mussten. Der Be-
schuldigte legte ein stark aggressives und rücksichtsloses Verhalten an den Tag,
wodurch die Privatklägerin und ihr Bruder in Angst und Schrecken versetzt wur-
den. Augenfällig ist wiederum die Beharrlichkeit des Beschuldigten, mit welcher er
zur Privatklägerin vordringen wollte. Erst die Benachrichtigung der Polizei durch
die Verwandten vermochte ihn schliesslich in die Flucht zu schlagen.
Zulasten des Beschuldigten wirkt sich die mehrfache Tatbegehung aus. Zu be-
rücksichtigen ist umgekehrt, dass es in allen Nötigungsvorfällen bei bloss ver-
suchter Tatbegehung blieb. Dieser Umstand ist aber lediglich leicht strafreduzie-
rend zu werten, ist doch von vollendetem Versuch auszugehen, welcher das Ver-
schulden des Täters an sich unberührt lässt. Das Ausbleiben des Erfolges war
nicht auf sein eigenes Verhalten, sondern auf die Standfestigkeit der Privatkläge-
- 44 -
rin sowie die Intervention Dritter zurückzuführen. Gleichwohl hat sich dieser Um-
stand etwas strafmindernd auszuwirken.
Das objektive Verschulden für diese Taten ist als keineswegs mehr leicht einzu-
stufen.
3.4.2 Subjektive Tatschwere
Auch bei diesen Taten wirkt sich zum Nachteil des Beschuldigen aus, dass er von
egoistischen Motiven und einem Exklusivitätsanspruch auf die Privatklägerin ge-
trieben wurde. So wollte er um jeden Preis die Privatklägerin dazu bringen, die
Beziehung mit ihm weiterzuführen bzw. mit ihm Kontakt zu haben. Jedes Mittel
war ihm recht, um seine Ziele zu erreichen. Dafür appellierte er auch an ihre Em-
pathie und setzte sie psychisch unter Druck. Zu beachten ist hierbei auch das mit
damals gerade 19 Jahren sehr jugendliche Alter der Privatklägerin, ihre geringe
Lebenserfahrung, ihre Labilität sowie die (körperliche) Überlegenheit des 16 Jahre
älteren Beschuldigten. Schliesslich ist auch bei diesen Taten die mittelgradig ver-
minderte Schuldfähigkeit des Beschuldigten in mittlerem Masse strafmindernd zu
berücksichtigen. So war der Beschuldigte aufgrund seiner diagnostizierten kombi-
nierten Persönlichkeitsstörung nur eingeschränkt fähig, sich in der stark emotional
geprägten Situation korrekt zu verhalten. Im Übrigen kann dazu auf die entspre-
chenden Darlegungen in der vorstehenden Erwägung IV. 3.3.2 verwiesen werden.
In subjektiver Hinsicht ist daher von einer noch leichten Tatschwere auszugehen,
was die objektive Tatschwere etwas relativiert.
3.4.3 Insgesamt ist von nicht mehr leichtem Tatverschulden auszugehen.
3.5 Drohung
3.5.1 Objektive Tatschwere
Es gilt, was schon die Vorinstanz erwog: Die Drohung gegenüber der Privatkläge-
rin, ihren Bruder umzubringen, welcher als nahe Bezugsperson einen wichtigen
Stellenwert im Leben der Privatklägerin einnahm, erweist sich als sehr verwerf-
lich. Die Benützung ihres Bruders – welcher fast 14 Jahre jünger ist als der Be-
- 45 -
schuldigte und diesem ebenfalls deutlich unterlegen – als Tatmittel musste die
Privatklägerin auch deshalb besonders treffen, weil ihr die Aggressivität des Be-
schuldigten und seine Fähigkeiten im Bereich des Kampfsportes bekannt waren.
Die objektive Tatschwere ist keinesfalls mehr als leicht anzusehen.
3.5.2 Subjektive Tatschwere
Die egoistischen Beweggründe und die mittelgradig verminderte Schuldfähigkeit
im Zeitpunkt der Tatbegehung kommen auch hier zum Tragen und bewirken eine
Relativierung der objektiven Tatschwere.
3.5.3 Insgesamt erweist sich das Tatverschulden bei der Drohung als nicht mehr
leicht.
3.6 Fazit Tatkomponente
Ausgehend von einer hypothetischen Einsatzstrafe von 18 Monaten Freiheitsent-
zug für das schwerste Delikt der Gefährdung des Lebens und im Rahmen einer
Gesamtbetrachtung, einschliesslich der Beachtung des Asperationsprinzips,
rechtfertigt es sich, die genannte Einsatzstrafe unter Einbezug der mehrfachen
Nötigungsversuche und der Drohung (je bedroht mit Freiheitsstrafe bis zu drei
Jahren; vgl. Art. 180 und 181 StGB) um 6 Monate auf 24 Monate Freiheitsstrafe
zu erhöhen.
3.7 Täterkomponente
Die Täterkomponente (vgl. Art. 47 Abs. 1 Satz 2 StGB) umfasst das Vorleben, die
persönlichen Verhältnisse sowie das Verhalten nach der Tat und im Strafver-
fahren. Bei der Beurteilung des Vorlebens fallen einerseits früheres Wohlver-
halten, andererseits Zahl, Schwere und Zeitpunkt von Vorstrafen ins Gewicht.
Unter dem Gesichtspunkt der persönlichen Verhältnisse ist etwa zu berück-
sichtigen, ob sich der Täter im Strafverfahren kooperativ verhielt, ob er Reue und
Einsicht zeigte, ob er mehr oder weniger strafempfindlich ist.
- 46 -
3.7.1 Werdegang und persönliche Verhältnisse
Zur Biografie des Beschuldigten kann auf die Personalakten (Urk. 17/1-9), die
staatsanwaltschaftliche Einvernahme zur Person vom 15. Februar 2012
(Urk. 17/9), die Gutachten vom 13. Dezember 1999 (Urk. 11/1) und 19. Dezember
2011 (Urk. 11/19) sowie die Befragung zur Person anlässlich der erstinstanzlichen
Hauptverhandlung (Urk. 39 S. 1 ff.), das Plädoyer der Verteidigung vor Vorinstanz
(Urk. 49 S. 12 ff.), die Ausführungen im angefochtenen Urteil (Urk. 63 S. 47 f.), die
Befragung zur Person im Rahmen der Berufungsverhandlung (Prot. II S. 8 ff.) und
das zweitinstanzliche Plädoyer des Verteidigers (Urk. 88 S. 11 f.) verwiesen wer-
den.
Im Wesentlichen ergibt sich daraus: Der Beschuldigte verbrachte das erste Le-
bensjahr bei seiner Mutter, die bei seiner Geburt ca. 16 Jahre jung war, in
T._. Danach wohnte er bis zum dritten Lebensjahr in U._, zeitweise bei
seiner Grossmutter, zeitweise in einem Kinderheim in V._, und bis zu seinem
siebten Lebensjahr in W._ bei einer Tagesmutter. Im Alter von fünf bis
sechseinhalb Jahren besuchte er den Kindergarten, wobei er bereits zu diesem
Zeitpunkt Verhaltensprobleme und eine Legasthenie aufwies. Anschliessend ver-
brachte er die ersten zwei Schuljahre in einer Einführungsklasse (Sonderschule
B). Der Beschuldigte litt unter Leseschwäche, Lernschwierigkeiten und Migräne-
anfällen. Überdies fiel er aufgrund seines aggressiven Verhaltens und ständiger
Schlägereien auf. In der Folge wurde er von Dr. AA._ behandelt, zu welchem
bis heute ein therapeutischer Kontakt besteht. Der Beschuldigte wurde im Kin-
desalter und während seiner Jugend in diversen Heimen untergebracht, wo er
auch jeweils zur Schule ging. Er besuchte verschiedene Heilpädagogische Schu-
len und erhielt streckenweise Privatunterricht. Weitere Stationen waren 1991 ein
Oberstufeninternat, das Schlupfhus und eine Jugendherberge, von welcher aus er
Anfang 1992 zwei Raubversuche unternahm, indem er zwei Frauen mit einem
Messer bedrohte. Dies führte zu einer Unterbringung in der geschlossenen Abtei-
lung des Jugendheims der AB._ in AC._. Für die Zeit von Januar 1991
bis Februar 1992 wurde ihm täglicher Haschischkonsum, gelegentlicher Heroin-,
Kokain- und LSD-Konsum vorgeworfen. Im Rahmen einer Auseinandersetzung
- 47 -
mit seiner Mutter ging er auch auf diese mit einem Messer los, wobei ihn sein
Stiefvater zurückhalten konnte. Nachdem er im Januar 1992 in einem Kleinheim
in Südfrankreich untergebracht worden war und dieser Aufenthalt im Juni 1992
aufgrund sich häufender Schwierigkeiten abgebrochen werden musste, wurde er
erneut in die geschlossene Abteilung der AB._ eingewiesen. Nach mehreren
Aufenthalten in Heimen und bei Pflegefamilien sowie nach Durchlaufen von psy-
chotherapeutischen Behandlungen (weiterhin auch bei Dr. med. AA._) wohn-
te der Beschuldigte zeitweise bei seiner Mutter und half in einer Zügelfirma aus.
Sodann lebte er in diversen Wohnungen in Zürich zeitweise alleine oder mit sei-
ner damaligen Freundin zusammen, vorübergehend auch im Lehrlingsheim
AD._, arbeitete im Bereich Storenmontage, unterzog sich einer Drogenbera-
tung sowie einem Life-Training in Norwegen. Ca. 1994-96 kam es zu Delikten
bzw. Verurteilungen u.a. wegen Sachbeschädigung, Tätlichkeit, Diebstahl, wobei
auch einmal ein von ihm gekauftes Fleischmesser im Spiel war. Zwischendurch
arbeitete er temporär als Maler. Als Hobbies des Beschuldigten seit vielen Jahren
und bis heute gelten namentlich Krafttraining und Kampfsportarten. Gemäss sei-
nem Verteidiger sieht er darin ein Mittel zur gewaltfreien Problemlösung. Für den
Muskelaufbau half er auch mit Anabolika nach. Seit Jahren fühlt er sich dem Ju-
dentum nahe.
Während des Strafvollzugs in der Vollzugsanstalt AE._ in AF._ (vgl. Ur-
teil des Obergerichts, II. Strafkammer, vom 9. April 2001) absolvierte der Beschul-
digte eine Ausbildung als Bäcker-Konditor und im Jugendheim AG._ eine sol-
che als Metallbauschlosser. Nach der Entlassung aus dem Vollzug – seit dann be-
zieht er eine IV-Rente – wechselten sich Temporäreinsätze als Hilfsarbeiter und
Phasen der Arbeitslosigkeit ab. Zeitweise war der Beschuldigte ohne festen
Wohnsitz. Ab Herbst 2010 konnte er bei seiner Mutter in Zürich-... unterkommen,
wo er heute noch alleine, ohne die Mutter, wohnt, wobei der Mietzins Fr. 1'800.–
beträgt. Gemäss seinen Angaben anlässlich der Berufungsverhandlung wird er in
Kürze zu seiner Mutter ziehen, bzw. in der Liegenschaft, in der seine Mutter
wohnt, eine eigene Wohnung beziehen, deren Miete Fr. 1'750.– beträgt. Zurzeit ist
er nicht erwerbstätig und bezieht eine Invalidenrente zu 100%, Höhe unklar, und
er wird ergänzend durch das Sozialamt unterstützt. Der Beschuldigte ist nicht ver-
- 48 -
heiratet und hat keine Kinder. Seinen eigenen Aussagen zufolge ist er seit acht
Jahren – mit Unterbrüchen – in einer festen Beziehung mit H._. Er verfügt
über kein Vermögen und weist Schulden in der Höhe von ca. Fr. 130'000.– auf.
Sodann besucht der Beschuldigte regelmässig Psycho-Therapien bei Dr. S._
und Dr. AA._, wobei ersterer mittlerweile verstorben ist. Der Beschuldigte gibt
an, dass er in Selbstmedikation Valium und weitere Drogen, welche er nicht näher
bezeichnen wollte, einnehme.
Die schwierige Kindheit und Jugend des Beschuldigten wurde im angefochtenen
Urteil leicht strafmindernd gewertet (Urk. 63 S. 48). Diese Ansicht (sowie die ent-
sprechende Auffassung der Verteidigung, vgl. Prot. II S. 30) kann indessen nicht
geteilt werden. Der Privilegierungsgrund des schwierigen Kindheit und Jugend
wurde bereits bei der subjektiven Tatschwere über den Strafreduktionsgrund der
verminderten Schuldfähigkeit (Art. 19 Abs. 2 StGB) – welche massgeblich auf ei-
ner in der Kindheit wurzelnden schweren Persönlichkeitsstörung beruht – hinrei-
chend berücksichtigt (Urk. 63 S. 49; vorstehende Erwägungen IV. 3.3.2, 3.4.2 und
3.5.2) und darf bei der Täterkomponente im Zusammenhang mit dem Vorleben
(Art. 47 Abs. 1 StGB) nicht ein zweites Mal zu Gunsten des Beschuldigten in die
Waagschale gelegt werden. Ansonsten wird der gleiche Umstand doppelt berück-
sichtigt und führt zu einer Verletzung des Doppelverwertungsverbots (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 6B_866/2009 vom 22. Februar 2010 E. 1.1.4 betr. doppelte
Berücksichtigung eines [andern] Strafreduktionsgrundes).
Zusammengefasst ist die Biographie des Beschuldigten strafzumessungsmässig
als neutral zu werten.
3.7.2 Vorstrafen
Der Beschuldigte weist derzeit fünf teilweise einschlägige Vorstrafen auf: So wur-
de er mit Urteil vom 9. April 2001 des Obergerichts des Kantons Zürich wegen
Vergewaltigung, sexueller Nötigung, Freiheitsberaubung und Entführung, Nöti-
gung, Raubs, versuchter Erpressung (Gewaltanwendung), Gefährdung des Le-
bens, mehrfacher grober Verletzung der Verkehrsregeln, Hinderung einer Amts-
handlung und Hehlerei zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Mit Strafbefehl des
- 49 -
Untersuchungsrichteramtes I Berner Jura-Seeland vom 24. September 2003 wur-
de er sodann wegen Vergehens gegen das Waffengesetz mit einer Busse von
Fr. 400.– bestraft. In der Folge wurde er mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Zürich-Sihl vom 8. November 2005 wegen Diebstahls, mehrfachen geringfügigen
Diebstahls, Hausfriedensbruchs, grober Verletzung der Verkehrsregeln und mehr-
facher Verletzung der Verkehrsregeln mit einer unbedingten Gefängnisstrafe von
14 Tagen bestraft. Am 10. März 2009 verurteilte ihn das Bezirksgericht Zürich
wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, grober Verletzung der
Verkehrsregeln, Fahrens ohne Führerausweis oder trotz Entzug, Hausfriedens-
bruchs, Vergehens gegen das Waffengesetz, Verletzung der Verkehrsregeln und
Übertretung der Verordnung über die Strassenverkehrsregeln und bestrafte ihn
mit 320 Stunden gemeinnütziger Arbeit und einer Busse von Fr. 500.–. Schliess-
lich wurde der Beschuldigte mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat
vom 28. September 2009 wegen Fahrens ohne Führerausweis oder trotz Entzug
sowie Verletzung der Verkehrsregeln mit 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit und
einer Busse von Fr. 300.– bestraft (Urk. 72). Diese teilweise einschlägigen Vor-
strafen fallen deutlich straferhöhend ins Gewicht.
3.8 Nachtatverhalten und Strafempfindlichkeit
3.8.1 Bei der Strafzumessung ist, wie erwähnt, auch das Nachtatverhalten eines
Täters zu beachten. Darunter fällt das Verhalten nach der Tat sowie im Strafver-
fahren. Insbesondere wirken ein Geständnis, das kooperative Verhalten eines Tä-
ters bei der Aufklärung von Straftaten sowie die Einsicht und aufrichtige Reue
strafmindernd (Trechsel / Affolter-Eijsten, Art. 47 N 22 ff.; Wiprächtiger, BSK
StGB I, Art. 47 N 131; Schwarzenegger / Hug / Jositsch, S. 101 ff.).
Das Nachtatverhalten gibt vorliegend keinen Anlass zu einer Strafreduktion. Der
Beschuldigte wirkte im Strafverfahren und namentlich bei der Begutachtung zwar
mit, verhielt sich darüber hinaus aber nicht kooperativ. Von einem Geständnis und
damit Einsicht in das Unrecht seines Verhaltens oder gar Reue kann jedenfalls
nicht gesprochen werden. Er blieb teilweise nicht nur bei blossen Bestreitungen,
sondern präsentierte ausschweifende Erklärungen mit der unverkennbaren Ab-
sicht, der Privatklägerin oder ihrer Familie die Schuld für das Geschehene zuzu-
- 50 -
weisen und diese Personen generell zu diskreditieren (z.B. die Privatklägerin ha-
be viel Druck auf ihn ausgeübt; sie habe jeweils Gewalt verlangt; bei ihr zu Hause
seien alles Junkies, die Mutter sei Alkoholikerin, der Bruder ein Penner). Zudem
nahm er für sich in Anspruch, der Privatklägerin sowie deren Bruder und Mutter
vielfältig geholfen und für die Privatklägerin (vermeintlich) Verantwortung über-
nommen zu haben.
Selbst nach der Entlassung aus rund einem halben Jahr Untersuchungshaft am 4.
November 2011 und somit während des laufenden Strafverfahrens liess der Be-
schuldigte jegliche Einsicht in das Unrecht seines Verhaltens vermissen. Schon
mit Verfügung der Stadtpolizei vom 9. Mai 2011 war in Anwendung von § 3 des
Gewaltschutzgesetzes (GSG) ein Kontakt- und Rayonverbot zum Schutze der
Privatklägerin und betreffend deren Wohnort ausgesprochen und in der Folge
durch das Bezirksgericht Zürich, Zwangsmassnahmengericht, mehrmals verlän-
gert worden, wogegen der Beschuldigte nicht opponiert hatte (Urk. 8/1-6 sowie
die entsprechenden Beizugsakten des Bezirksgerichts Zürich, Zwangsmassnah-
mengericht, Geschäftsnummer GS110066-L, vgl. Urk. 72). Anlässlich der Entlas-
sung aus der Untersuchungshaft am 4. November 2011 wurde dem Beschuldig-
ten durch die Staatsanwaltschaft erneut ein Kontakt- und Rayonverbot auferlegt,
diesmal zum Schutz der Privatklägerin und überdies ihrer Familienmitglieder so-
wie erweitert auch auf den Arbeitsort der Privatklägerin. Auch diese Ersatzmass-
nahmen wurden mehrmals durch das zuständige Zwangsmassnahmengericht
verlängert (Urk.16/34, Urk. 16/36, Urk.16/40, Urk. 16/48 und Urk.16/50). Dennoch
kam es zu einigen Zwischenfällen. So suchte der Beschuldigte die Privatklägerin
am 7. November 2011 zu Hause auf und am 24. Dezember 2011 erschien er an
ihrem Arbeitsplatz. Am 20. Februar 2012 griff er einen Schulkollegen der Privat-
klägerin auf dem Schulareal an, worauf der Rektor der Schule ihm ein Betretver-
bot des Schulhausareals auferlegte. Als der Beschuldigte schliesslich die Privat-
klägerin am 16. März 2012 am Stauffacher antraf und sie davonrannte, rannte er
ihr nach (Urk. 16/42; Urk. 35 S. 3). Dadurch versetzte er die Privatklägerin immer
wieder in Angst. Dieses Verhalten des Beschuldigten im Strafverfahren ist offen-
sichtlich Ausdruck einer über blosses Schweigen bzw. Leugnen der Taten hin-
ausgehenden fehlenden Einsicht und Reue, was gemäss konstanter bundesge-
- 51 -
richtlicher Rechtsprechung zulasten eines Beschuldigten gewertet werden darf
und sich hier leicht straferhöhend niederschlägt (BGE 113 IV 56; zuletzt Urteil des
Bundesgerichts 6B_759/2011 vom 19. April 2012 E. 2.2 und Urteil des Bundesge-
richts 6B_162/2011 vom 8. August 2011 E. 7.4 mit weiteren Verweisen).
3.8.2 Schliesslich ist die Wirkung der Strafe auf das Leben des Beschuldigten zu
berücksichtigen. Mit dieser Formulierung (Art. 47 Abs. 1 StGB) wird letztlich die
Strafempfindlichkeit angesprochen. Die Berücksichtigung der Strafempfindlichkeit
kommt namentlich in Betracht, wenn der Täter aus medizinischen Gründen wie
Krankheit, Alter oder Haftpsychose besonders empfindlich ist (BGE 6S.703/1995
vom 26. März 1996, E. c mit Hinweisen). Im Übrigen ist erhöhte Strafempfindlich-
keit nur sehr zurückhaltend, bei Vorliegen aussergewöhnlicher Umstände, anzu-
nehmen (Urteile des Bundesgerichts 6B_1065/2010 vom 31. März 2011 E. 1.10,
6B_415/2010 vom 1. September 2010 E. 5.8, 6B_470/2009 vom 23. November
2009 E. 2.5 und 6B_626/2009 vom 3. November 2009 E. 2.2).
Solch aussergewöhnliche Umstände sind vorliegend nicht ersichtlich. Der Be-
schuldigte ist mit 37 Jahren weder alt noch ist er krank. Unterhaltspflichten hat er
keine. Er ist weder in eine Familie eingebettet noch beruflich integriert. Jedes
Strafverfahren bringt neben dem Schuldspruch und der Sanktion zusätzliche Be-
lastungen mit sich (Urteil des Bundesgerichts 6B_107/2011 vom 23. Mai 2011
E. 3.3.2). Wenn der Gesetzgeber für schwere Delikte langjährige Freiheitsstrafen
vorsieht, gibt er damit zu erkennen, dass es Strafen immanent ist, dass sie tief ins
Leben von Bestraften eingreifen können. Diese Folge ist gewollt und kann nicht
als Begründung für eine besondere Strafempfindlichkeit dienen (Wiprächtiger,
BSK StGB I, Art. 47 N 117 ff.; Trechsel / Affolter-Eijsten, Art. 47 N 33; Urteil des
Bundesgerichts 6P.39/2004 vom 23. Juli 2004 E. 7.4). Somit lässt sich vorliegend
keine besondere Strafempfindlichkeit aus persönlichen und / oder beruflichen
Gründen ableiten, die zu berücksichtigen wäre.
3.9 Im Ergebnis überwiegen bei der Täterkomponente die straferhöhenden Fak-
toren deutlich.
- 52 -
3.10 Ergebnis Sanktion
Ausgehend von der im Rahmen der Tatkomponente festgesetzten Einsatzstrafe
von 24 Monaten und unter Berücksichtigung der deutlich straferhöhend zu wer-
tenden Täterkomponente resultiert für die begangenen Delikte eine Freiheitsstrafe
von 30 Monaten. Die erstandene Haft von 180 Tagen ist im Sinne von Art. 51
StGB an diese Strafe anzurechnen.
V. Massnahme und Strafvollzug
1. Die Verteidigung beantragt den Verzicht auf eine stationäre therapeutische
Massnahme nach Art. 59 StGB (Urk. 49 S. 42). Auch die Staatsanwaltschaft stell-
te ursprünglich diesen Antrag (Urk. 68 S. 2); nunmehr beantragt sie die Anord-
nung einer solchen Massnahme unter Aufschub der Strafe zugunsten dieser
Massnahme (Urk. 89 S. 1).
2.1 Die theoretischen Grundlagen und Voraussetzungen für die Anordnung ei-
ner stationären Massnahme sind im angefochtenen Urteil korrekt dargestellt
(Urk. 63 S. 51 f.).
2.2 Die Massnahmebedürftigkeit des Beschuldigten wurde von der Vorinstanz gestützt auf das klare und schlüssige Gutachten von Oberarzt med. pract.
R._ vom 19. Dezember 2011 völlig zu Recht bejaht. Beim Beschuldigten lag
zum Zeitpunkt der inkriminierten Taten eine kombinierte Persönlichkeitsstörung
von erheblicher Schwere mit emotional instabilen, dissozialen und narzisstischen
Anteilen vor, welche sich bis in die Kindheit zurückverfolgen lässt, weiterhin be-
steht und bisherigen Therapieansätzen nicht zugänglich war (Urk. 11/19 S. 55,
57). Das Ausmass der Persönlichkeitsstörung führt laut dem Gutachter beim Be-
schuldigten zu einem ungewöhnlich hohen Ausmass von Abweichungen hinsicht-
lich seiner Wahrnehmungen, seines Denkens, Fühlens und der Beziehungsfüh-
rung, was wiederum das Ausmass seiner Verhaltensauffälligkeiten und der beste-
henden Leistungseinbussen begründet. Der Beschuldigte vereinigt eine Vielzahl
von Risikomerkmalen auf sich. Hinweise in den Akten deuten auf Verfehlungen
des Beschuldigten als 15-Jähriger. Die Wahrscheinlichkeit zukünftigen gewalttäti-
- 53 -
gen Verhaltens ist nach Ansicht des Experten umso grösser, je jünger ein Täter
bei der Begehung der ersten Straftat war, sofern auch nach Erreichen des Er-
wachsenenalters Delikte vorgekommen sind (Urk. 11/19 S. 50 f.). Die Rückfallge-
fahr insbesondere für Gewaltstraftaten wird aufgrund dieser langanhaltenden und
überdauernden psychischen Störung vom Experten daher als hoch eingeschätzt,
weshalb entgegen den Ausführungen der Verteidigung (Urk. 88 S. 4) sich nicht
sagen lässt, dass der Beschuldigte in erster Linie für sich selbst gefährlich sei.
Auch die Auswertung zweier Prognoseinstrumente zur Erfassung kriminalprog-
nostischer Risikofaktoren lässt eine hohe Rückfallrate erwarten (Urk. 11/19 S. 56
f.). Sodann stehen die Taten mit der festgestellten Persönlichkeitsstörung in ei-
nem engen kausalen Zusammenhang (Urk. 11/19 S. 53 und 57). Selbst das Risi-
ko für die Begehung anderer Delikte, beispielsweise Verstösse gegen das SVG,
erachtet Oberarzt med. pract. R._ angesichts der diesbezüglich ebenfalls
einschlägigen Delinquenzanamnese als zumindest mittelgradig erhöht (Urk. 11/19
S. 57).
Auch nach Auffassung von Dr. med. S._, bei welchem sich der Beschuldigte
von 2003 bis Frühling 2013 in Therapie befand, ist der Beschuldigte aufgrund sei-
ner gestörten Sozialisation in Heimen nach wie vor leicht verletzbar und möchte
sich am liebsten mit brachialen Mitteln gegen mögliche Angreifer zur Wehr set-
zen. Auf ungerechte Behandlung reagiere er auch heute sehr empfindlich. Wenn
nicht eintreffe, was der Beschuldigte erwartet oder erhofft habe, sei er traurig, ge-
kränkt und verletzt. Dies führe auch zu Gefühlen von Wut und Aggression (Urk.
32 S. 2 f. = Urk. 34/3 S. 2 f.). Diese Ausführungen deuten ebenfalls auf Rückfall-
gefahr. Schliesslich spricht auch der Umstand, dass der Beschuldigte seit Jahren
bei zwei Fachpersonen in therapeutischer Behandlung steht, für seine Massnah-
mebedürftigkeit.
Beim Beschuldigten liegt somit eine stabile psychische Störung im Sinne von
Art. 59 StGB vor, die – unbehandelt – fortbestehen wird, weshalb er massnahme-
bedürftig ist.
2.3 Betreffend Massnahmefähigkeit ist dem psychiatrischen Gutachten zu , dass diese nur beschränkt vorhanden ist. Da die kombinierte Persön-
- 54 -
lichkeitsstörung sehr lang andauernd, tiefgreifend und chronifiziert sei und bishe-
rige Therapieansätze nicht geeignet gewesen seien, die Persönlichkeits- und De-
linquenzentwicklung günstig zu beeinflussen, müssten die jetzt zur Verfügung
stehenden Möglichkeiten sehr zurückhaltend und hinsichtlich ihrer Wirksamkeit
eher pessimistisch betrachtet werden. Mögliche therapeutische Ansätze – unge-
achtet des nicht vorhersehbaren Therapieverlaufs – wären milieu- und verhaltens-
therapeutische Ansätze, die zunächst im geschlossenen Rahmen halt- und struk-
turgebend wirken müssten. Langfristig könne die Heranführung an psychoeduka-
tive und deliktorientierte Therapien versucht werden, und im Falle eines erfolgrei-
chen Therapieverlaufes könnte der Versuch einer sozialen und beruflichen Rein-
tegration versucht werden, wobei diese Therapieversuche psychopharmakolo-
gisch begleitet sein müssten. Eine Massnahme gemäss Art. 59 StGB in der ... der
Strafanstalt AE._ (...) unter geschlossenen Bedingungen wäre geeignet, die
Krankheitszeichen des Beschuldigten günstig zu beeinflussen. Obwohl die Durch-
führbarkeit einer solchen Behandlung zu bejahen sei, sei sehr unsicher, wie weit
diese auch erfolgreich durchgeführt werden könne, da eine erfolgreiche Behand-
lung die Bereitschaft des Beschuldigten verlange, sein bis heute vertretenes
Selbstkonzept in Frage zu stellen und auf Haltungen zu verzichten, die er als ihm
gemäss erlebe und als berechtigt verteidige. Überdies lasse seine begrenzte Int-
rospektionsfähigkeit erhebliche Zweifel daran zu, ob der Beschuldigte von der
vorgeschlagenen Massnahme profitieren könne (Urk. 11/19 S. 58 f.) Dennoch hält
der Gutachter abschliessend fest, einzig eine stationäre Massnahme gemäss Art. 59 StGB, beispielsweise in der ... der Strafanstalt AE._, könnte  geeignet sein, den therapeutischen Erfordernissen gerecht zu werden. Hingegen sei eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 63 StGB, ob straf-
vollzugsbegleitend oder unter den Bedingungen der Freiheit, dazu nicht geeignet
(Urk.11/19 S. 54 und 58).
Diesen Darlegungen folgend ist mit der Vorinstanz von einer zwar eingeschränk-
ten, aber dennoch vorhandenen Massnahmefähigkeit des Beschuldigten auszu-
gehen. Die grundsätzliche Massnahmefähigkeit ergibt sich auch aus dem Thera-
piebericht von Dr. med. S._ vom 31. Mai 2012, wonach dessen bisherige
Therapie bereits Erfolge aufweise, habe sich der Beschuldigte doch nun besser
- 55 -
im Griff und gelernt, auch mit schwierigen Gefühlen besser umzugehen, ohne sie
gleich ausagieren zu müssen (Urk. 32 = Urk. 34/3). Der Auffassung der Verteidi-
gung (Urk. 88 S. 4), dass eine Massnahme "schlicht nichts" bringe, kann deshalb
nicht gefolgt werden.
2.4 Die Massnahmewilligkeit bzw. die Therapiebereitschaft des Beschuldigten wird vom Gutachter als gering eingestuft (Urk. 11/19 S. 34, 54). In der Bekundung
des Beschuldigten, auch weiterhin einen Psychotherapeuten ambulant, d. h. unter
den Bedingungen der Freiheit, aufsuchen zu wollen, sieht der Gutachter keine
Einsicht in die Notwendigkeit, sich ernsthaft mit der bei ihm bestehenden psychi-
schen Störung und seinen Verhaltensbereitschaften auseinander zu setzen. Laut
dem Experten ist nicht davon auszugehen, dass eine psychotherapeutische und
psychopharmakologische Behandlung gegen den Willen des Beschuldigten im
ambulanten oder im stationären Rahmen in einem allgemeinpsychiatrischen
Krankenhaus erfolgversprechend durchgeführt werden könnte (Urk. 11/19 S. 58).
Anlässlich der Schlusseinvernahme vom 15. Februar 2012 lehnten der Beschul-
digte und sein amtlicher Verteidiger eine stationäre Massnahme ab (Urk. 3/10
S. 3 f.). An der Hauptverhandlung vor Vorinstanz führte der Staatsanwalt aus, an-
gesichts der pessimistischen Prognose des Gutachters und der nicht vorhande-
nen Motivation des Beschuldigten für eine stationäre Therapie habe er darauf
verzichtet, einen entsprechenden Antrag zu stellen. Trotz häufiger Gespräche mit
dem Beschuldigten und dessen Verteidiger nach den Einvernahmen habe er beim
Beschuldigten nie auch nur die geringste Motivation für eine stationäre Behand-
lung ausmachen können. Im Gegenteil habe dieser überhaupt nichts davon gehal-
ten (Urk. 48 S. 7). Die amtliche Verteidigung widersetzte sich vor Bezirksgericht
der Anordnung einer stationären Therapie (Urk. 49 S. 42 f. und Prot. I S. 15 f.).
Wie schon die Vorinstanz zutreffend erwog, sind an den Therapiewillen nicht allzu
strenge Anforderungen zu stellen. Einerseits gehört die fehlende Motivation bei
schweren Störungen regelmässig zum Krankheitsbild und andererseits stellt die
Erreichung der Therapiemotivation nicht selten den ersten Schritt im Rahmen der
Behandlung dar (BSK Strafrecht I - Heer, Art. 59 N 78 mit weiteren Hinweisen).
Ein ursprünglich fehlender Therapiewille kann im Verlauf einer Behandlung erar-
- 56 -
beitet werden, weshalb lediglich eine gewisse Motivierbarkeit verlangt werden
muss. Insbesondere bei stationären Behandlungen besteht hinsichtlich der Schaf-
fung eines Therapiewillens als erstes Therapieziel Aussicht auf Erfolg (BSK Straf-
recht I - Heer, Art. 59 N 79 f. mit weiteren Hinweisen). In der Lehre wird zudem
darauf hingewiesen, dass das Vorliegen eines Massnahmewillens zwar im
Grundsatz zu verlangen sei, es jedoch durchaus Fälle gebe, bei denen zunächst
durch erzwungene Therapie ein Zustand erreicht werden müsse, der dem Patien-
ten einen verantwortlichen Entscheid über die Mitwirkung bei der Therapie erlau-
be (Trechsel / Pauen Borer, Schweizerisches Strafgesetzbuch Praxiskommentar,
Art. 59 N 9 mit weiteren Hinweisen). Diese Ansicht wird auch vom Bundesgericht
gestützt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 6B_354/2010 vom 26. Juli 2010 E. 7.2,
6B_340/2009 vom 7. September 2009 E. 3.7 und 6B_375/2008 vom 21. Oktober
2008 E. 4.4).
Ein Mindestmass an Massnahmewilligkeit ist vorliegend zu bejahen, dies nament-
lich gestützt auf den Therapiebericht des langjährigen Therapeuten Dr. med.
S._, wonach der Beschuldigte den "therapeutischen Raum" für sich vorzüg-
lich nutzen kann und die analoge Ansicht des Beschuldigten, wonach ihm diese
Therapie, worin es offenbar um sein Selbstbewusstsein geht, sehr viel bringt.
Auch die Therapie bei Dr. AA._ mit anderem Inhalt und anderer Zielsetzung
(Analyse, Disziplin, Umsetzung) bezeichnet der Beschuldigte als für ihn hilfreich
(Urk. 39 S. 6). Das zeigt, dass der Beschuldigte auf verschiedenen Ebenen thera-
peutisch ansprechbar und gemäss eigenem Bekunden auch aufnahmebereit ist.
Der noch fehlende Therapiewille des Beschuldigten hinsichtlich einer stationären
Massnahme steht aus all den genannten Gründen der Anordnung einer stationä-
ren Massnahme nicht entgegen, zumal der Beschuldigte eine stationäre Mass-
nahme insbesondere deshalb ablehnte, weil er der Auffassung war, nichts (Straf-
bares) gemacht zu haben.
2.5 Verhältnismässigkeit
Die Vorinstanz ist zu Recht dem Gutachter gefolgt, wonach einzig eine stationäre
Massnahme langfristig geeignet ist, den therapeutischen Erfordernissen gerecht
- 57 -
zu werden. Angesichts des Umstandes, dass es sich vorliegend um schwerwie-
gende Anlasstaten handelt und der Beschuldigte über Jahre hinweg mit dem Ge-
setz in Konflikt geraten ist, wobei einzelne Taten auch von noch schwerwiegende-
rem Charakter als die vorliegend zu beurteilenden waren (vgl. das Urteil des
Obergerichts, II. Strafkammer, vom 9. April 2001 wegen Vergewaltigung, sexuel-
ler Nötigung, Freiheitsberaubung und Entführung, Erpressung, Raubes etc.;
Urk. 72) sowie dass die Rückfallgefahr für erneute Gewalttaten als hoch einzu-
schätzen ist, stellt der Beschuldigte unbehandelt ein Risiko für die öffentliche Si-
cherheit dar. Die bisher bei Dr. S._ und Dr. AA._ erzielten Therapieer-
folge vermochten den Beschuldigten nicht davon abzuhalten, auf eine Kränkung
und innere Verletzung erneut mit Wut, Aggression und brachialen Mitteln zu rea-
gieren. Es besteht demnach die Gefahr, dass er in Zukunft – in ähnlich gelagerten
Situationen – wieder in gleicher Art gewalttätig wird, wenn nicht eintrifft, was er
erwartet und erhofft hat. Es hat sich gezeigt, dass der Rückfallgefahr mittels am-
bulanter Therapie langfristig nicht genügend begegnet werden kann.
Die Anordnung einer stationären Massnahme im Sinne von Art. 59 Abs. 1 StGB
erweist sich unter diesen Gesichtspunkten auch als verhältnismässig.
3. Da sämtliche Voraussetzungen gegeben sind, ist in Bestätigung des erstin-
stanzlichen Urteils eine stationäre Massnahme nach Art. 59 Abs. 1 StGB anzu-
ordnen (Urk. 63 S. 56).
4. Vollzug
4.1 Bei der Anordnung von stationären oder ambulanten therapeutischen Mass-
nahmen kann der Vollzug gleichzeitig ausgefällter Strafen nicht nach Art. 42 oder
43 StGB aufgeschoben werden, da die Anordnung einer Massnahme gemäss Art.
56 Abs. 1 lit. a StGB die Gefahr weiterer Straftaten voraussetzt und damit eben
zwingend von einer ungünstigen Prognose auszugehen ist (BGE 135 IV 180 E. 2.
sowie Entscheide des Bundesgerichtes 6B_702/2009 vom 8. Januar 2010 E. 9.4
und 6B_268/2008 vom 2. März 2009 E. 6.; Trechsel/Stöckli, Schweizerisches
Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2008 N 7 zu Art 42 StGB;
Roland M. Schneider/Roy Garrè, BSK StGB I, 2.A., Basel 2007, N 24 zu Art. 42
- 58 -
StGB; Schwarzenegger/Hug/Jositsch, Strafrecht II, 8. Auflage, Zürich 2006, S.
132; Donatsch/Flachsmann/Hug/Maurer/Weder, Schweizerisches Strafgesetz-
buch, Kommentar, 18.A., Zürich 2010, N 12 zu Art. 42 StGB).
4.2 Der Vollzug der nach Abzug der erstandenen Haft noch verbleibenden Rest-
freiheitsstrafe ist hingegen zugunsten des Massnahmevollzugs aufzuschieben
(Art. 57 Abs. 2 StGB).
VI. Zivilansprüche
Mit in allen Belangen zutreffender Begründung hat die Vorinstanz über die Zivil-
forderungen der Privatklägerin entschieden. Darauf kann integral verwiesen wer-
den (Urk. 63 S. 57-61; Art. 82 Abs. 4 StPO). Die grundsätzliche Schadenersatz-
pflicht ist berechtigt und die Genugtuungssumme von Fr. 2'000.-- der konkreten
Situation angemessen. Einzig hinsichtlich des zugesprochenen Schadenersatzes
über Fr. 361.35, der in dieser Höhe ebenfalls substanziert und belegt ist, hat sich
beim Teilbetrag für den Monat Mai 2011 ein minimaler Fehler eingeschlichen: Es
sind Fr. 117.02 ausgewiesen, anstelle der genannten Fr. 114.02 (vgl. Urk. 63
S. 58 im Vergleich zu Urk. 35 S. 9 und Urk. 36/7).
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss ist die erstinstanzliche Kostenauflage (Dispositiv Ziffer 9)
zu betätigen.
2. Bei diesem Verfahrensausgang sind auch die Kosten des Berufungsverfah-
rens, mit Ausnahme der Kosten für die amtliche Verteidigung und die unentgeltli-
che Geschädigtenvertretung, dem Beschuldigten aufzuerlegen. Angesichts der
schlechten finanziellen Lage des Beschuldigten und der bevorstehenden stationä-
ren Massnahme sind die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltli-
chen Geschädigtenvertretung definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen.
- 59 -