Decision ID: 6fd1e177-6d22-48ce-a5ba-3af34374f832
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_004
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. Am 17. Oktober 2008 verstarb B._ sel. Als Alleinerbin hinterliess er
seine Ehegattin C._ sel. Letztere verstarb am 10. August 2014 mit
letztem Wohnsitz in D._. C._ sel. setzte im Testament vom 31.
Oktober 2008 die E._ Anstalt mit Sitz im F._ als alleinige
Begünstigte ("sole beneficiary") ihres Nachlasses ein. Im Beistatut vom 11.
Juni 2013 bezeichnete sich die Stifterin als einzige Begünstigte zu
Lebzeiten ("primary beneficiary") mit einer Nachfolgeregelung bei ihrem
Ableben ("secondary beneficiary"). Diese Nachfolgeregelung sieht unter
anderem eine Zuwendung in der Höhe von CHF 1'000'000.-- an A._
vor. Der Betrag wird gemäss Beistatut in zehn gleich hohen, jährlichen
Tranchen ausbezahlt, was einer Ausschüttung von CHF 100'000.-- pro
Jahr entspricht.
2. Die Steuerverwaltung des Kantons Graubünden (nachfolgend:
Steuerverwaltung) rechnete den Betrag von CHF 100'000.-- dem
steuerbaren Einkommen auf und legte den Veranlagungsverfügungen
vom 13. Februar 2019 für die Kantons- und Gemeindesteuer 2015 und
2016 ein steuerbares Einkommen von CHF 262'600.-- bzw. CHF 187'200.-
- und ein steuerbares Vermögen von CHF 379'600.-- bzw. CHF 415'000.-
- zugrunde; für die direkte Bundessteuer 2015 und 2016 wurde A._
mit einem steuerbaren Einkommen von CHF 265'300.-- bzw. 189'700.--
veranlagt. Begründend wurde ausgeführt, die Zuwendung über CHF
100'000.-- sei nicht als Schenkung, sondern als übriges Einkommen zu
qualifizieren.
3. Die dagegen erhobene Einsprache wies die Steuerverwaltung mit
Einspracheentscheiden vom 10. Dezember 2020 betreffend direkte
Bundessteuer sowie Kantons- und Gemeindesteuer 2015 und 2016 ab.
Zur Begründung wurde im Wesentlichen festgehalten, dass gemäss
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Testament vom 31. Oktober 2008 die E._ Anstalt als alleinige
Begünstigte des Nachlasses von C._ sel. eingesetzt worden sei und
gerade eben nicht die Begünstigten gemäss Beistatut der E._ Anstalt.
Mit dem Tod von C._ sel. sei die E._ Anstalt zu einem
eigenständigen Steuersubjekt geworden und sei seither als nicht
kontrollierte Stiftung zu qualifizieren. Die Ausschüttung an die
Begünstigten sei somit von einer nicht kontrollierten Stiftung erfolgt.
Solche Stiftungsleistungen würden Einkommen im Sinne von Art. 16 Abs.
1 StG bzw. Art. 16 Abs. 1 DBG darstellen. Grundsätzlich würden die
zivilrechtlichen Verhältnisse die tatsächliche Grundlage der steuerlichen
Beurteilung eines Vorganges bilden, was auch im vorliegenden Fall gelten
müsse. Entgegen den Begehren des Einsprechers werde dem
vorliegenden Sachverhalt keine wirtschaftliche Betrachtungsweise
zugrunde gelegt und es finde somit keine Beurteilung des gesamten
Vorganges als Ganzes statt.
4. Gegen diese Einspracheentscheide erhob A._ (nachfolgend:
Beschwerdeführer) am 11. Januar 2021 Beschwerde an das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden mit dem Antrag, die
angefochtenen Einspracheentscheide seien aufzuheben und die
Veranlagungen seien im Sinne der nachstehenden Ausführungen neu
vorzunehmen, wobei die Zuwendungen aus der E._ Anstalt als
steuerfreies Einkommen zu qualifizieren seien; eventualiter seien die
Zuwendungen als Vermächtnisse zu qualifizieren. Zur Begründung
brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, mangels
Gegenleistung würden die Zuwendungen aus der E._ Anstalt kein
Einkommen darstellen, sondern Schenkungen bzw. Vermächtnisse. Die
Zuwendungen seien bereits vom Verwaltungsgericht als Vermächtnisse
qualifiziert worden. Es sei stossend, aus der gewählten zivilrechtlichen
Abwicklungsweise ein zweistufiges Steuergenerierungs-Instrument zu
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machen, d.h. Nachlasssteuer in einem ersten Schritt und
Einkommenssteuer im zweiten Schritt. Die E._ Anstalt sei ein reines
Ausführungsvehikel des letzten Willens der Stifterin. Es finde seitens der
G._ Anstalt keinerlei eigene Willensbildung oder anderweitige
Handlung statt.
5. Mit Vernehmlassung vom 3. Februar 2021 beantragte die
Steuerverwaltung (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung hielt sie zusammenfassend fest, dass es
sich bei den Zuwendungen der E._ Anstalt an den Beschwerdeführer
in der Höhe von je CHF 100'000.-- in den Steuerperioden 2015 und 2016
um steuerbares Einkommen handle. Diese Ausschüttungen seien somit
zu Recht in den Veranlagungsverfügungen betreffend direkte
Bundessteuer sowie Kantons- und Gemeindesteuer der Jahre 2015 und
2016 aufgerechnet worden.
6. Am 15. Februar 2021 hielt der Beschwerdeführer replicando an seinen
Anträgen fest und vertiefte seine Argumentation.
7. Am 23. Februar 2021 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die
Einreichung einer Duplik.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften und
in den angefochtenen Einspracheentscheiden vom 10. Dezember 2020
sowie auf die eingereichten Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1. Anfechtungsobjekte des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die
Einspracheentscheide der Beschwerdegegnerin vom 10. Dezember 2020
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betreffend direkte Bundessteuer sowie Kantons- und Gemeindesteuer
2015 und 2016. Solche Entscheide können gemäss Art. 140 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer (DBG; SR 642.11), Art. 50
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern
der Kantone und Gemeinden (StHG; SR 642.14) i.V.m. Art. 139 Abs. 1
des Steuergesetzes für den Kanton Graubünden (StG; BR 720.00) bzw.
Art. 29 Abs. 2 des Gesetzes über die Gemeinde- und Kirchensteuern
(GKStG; BR 720.200) mit Beschwerde beim Verwaltungsgericht
angefochten werden. Die sachliche Zuständigkeit des streitberufenen
Gerichts ergibt sich aus Art. 49 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100), wonach das
Verwaltungsgericht Beschwerden gegen Entscheide von Dienststellen der
kantonalen Verwaltung und von unselbständigen Anstalten des
kantonalen Rechts beurteilt, soweit das kantonale Recht den direkten
Weiterzug vorsieht, was vorliegend – wie gesehen (vgl. Art. 139 Abs. 1
StG) – der Fall ist. Demzufolge fällt die Beurteilung der vorliegenden
Streitsache in die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des Kantons
Graubünden. Der Beschwerdeführer ist als formeller und materieller
Adressat der angefochtenen Einspracheentscheide beschwert und damit
ohne Weiteres zur Beschwerdeerhebung befugt (vgl. Art. 50 Abs. 1 VRG).
Auf die zudem frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
demnach einzutreten.
1.2. Betreffend die Frage der rechtmässigen Vertretung ist festzuhalten, dass
der Vertreter des Beschwerdeführers nicht mehr im Anwaltsregister des
Kantons Graubünden eingetragen ist. Da allerdings in Steuerstreitsachen
eine Vertretung durch eine handlungsfähige Person grundsätzlich möglich
ist (vgl. Art. 123b StG und Art. 15 Abs. 1 lit. b VRG), ist vorliegend von
einer gültigen Vertretung auszugehen.
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2. Streitig und zu prüfen ist, ob es sich bei den Ausschüttungen der E._
Anstalt an den Beschwerdeführer in der Höhe von je CHF 100'000.-- in
den Steuerperioden 2015 und 2016 um steuerbares Einkommen handelt
und die Beschwerdegegnerin diese somit zu Recht als solches besteuert
hat, oder ob diese Ausschüttungen, wie seitens des Beschwerdeführers
beantragt, als "steuerfreies Einkommen" bzw. als Vermächtnisse zu
qualifizieren sind.
3.1. Sowohl das Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer als auch das
Steuergesetz für den Kanton Graubünden folgen bei der Aufzählung und
Umschreibung der steuerbaren und steuerfreien Einkünfte der
gesetzlichen Konzeption einer Einkommensgeneralklausel, die durch
beispielhafte Aufzählung diverser Einkommensbestandteile ergänzt und
durch die Befreiung bestimmter Einkünfte präzisiert wird (vgl. LOCHER,
Kommentar zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, I. Teil, Art.
1-48 DBG, 2. Aufl., Basel 2019, Art. 16 Rz. 5). Im Sinne einer
Generalklausel halten Art. 16 Abs. 1 DBG und Art. 16 Abs. 1 StG zunächst
fest, dass alle wiederkehrenden und einmaligen Einkünfte der
Einkommenssteuer unterliegen. Die hauptsächlichen steuerbaren
Einkünfte werden anschliessend in Art. 17-23 DBG und in Art. 17-29 StG
beispielhaft genannt. Vorbehalten bleiben die Kapitalgewinne aus der
Veräusserung von Privatvermögen (Art. 16 Abs. 3 DBG) und die im
Negativkatalog von Art. 24 DBG bzw. Art. 30 StG abschliessend
aufgezählten Fälle (vgl. LOCHER, a.a.O., Art. 16 Rz. 7).
3.2. Als steuerbares Einkommen gelten auch die Einkünfte aus beweglichem
Vermögen (Art. 20 f. DBG bzw. Art. 21 ff. StG) und aus Vorsorge (Art. 22
DBG bzw. Art. 23 StG). Sie sind in vollem Umfang steuerbar.
Dementsprechend unterliegen der Einkommensgeneralklausel auch
Zuwendungen aus Stiftungen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2A.668/2004
vom 22. April 2005 E.2.1). Von keiner Bedeutung ist, ob es sich um
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Ausschüttungen einer schweizerischen oder ausländischen Stiftung
handelt. Im konkreten Fall finden sich im Abkommen vom 10. Juli 2015
zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und dem F._ zur
Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom
Einkommen und vom Vermögen (SR 0.672.951.43) keine abweichenden
Bestimmungen. Damit sind (auch) Zuwendungen einer Stiftung G._
Rechts bei der in der Schweiz ansässigen begünstigten Person
grundsätzlich in vollem Umfang als Einkommen steuerbar, soweit keine
Teilbesteuerung zum Tragen kommt (vgl. Urteil des Bundesgerichts
2C_711/2012 und 2C_712/2012 vom 20. Dezember 2012 E.2.2 mit
weiteren Hinweisen). Nichts anderes ergibt sich mit Blick auf die beiden
Kreisschreiben Nr. 30 der Schweizerischen Steuerkonferenz (SSK) vom
22. August 2007 bzw. Nr. 20 der Eidgenössischen Steuerverwaltung
(ESTV) vom 27. März 2008, worin die Verwaltungen ihre Sichtweise zur
Besteuerung von Trusts darlegen. Gemäss Ziff. 2.4 dieser
Verwaltungsverordnungen sind die Anstalten, Stiftungen und
Treuhänderschaften nach liechtensteinischem Recht vom
Anwendungsbereich der beiden Kreisschreiben ausgenommen.
4.1. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, dass die Zuwendungen aus
der E._ Anstalt kein Einkommen darstellten, sondern Vermächtnisse,
ist darauf hinzuweisen, dass ein Erblasser mittels Testament oder
Erbvertrag einen gesetzlichen Erben oder eine Drittperson als
Vermächtnisnehmer einsetzen kann (vgl. Art. 484 und 494 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches [ZGB; SR 210]). Vorliegend ergibt
sich aus dem im Recht liegenden Testament von C._ sel. vom 31.
Oktober 2008 nicht, dass der Beschwerdeführer darin mit einem
Vermächtnis bedacht worden wäre. Vielmehr wurde im besagten
Testament einzig die E._ Anstalt als alleinige Begünstigte ("sole
beneficiary") des Nachlasses von C._ sel. eingesetzt (vgl.
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beschwerdegegnerische Akten [Bg-act.] 2). Auch lassen sich den Akten
keine weiteren Testamente bzw. Seiten in Bezug auf das Testament vom
31. Oktober 2008 entnehmen. Darüber hinaus liegt auch kein Erb- bzw.
Vermächtnisvertrag bei den Akten. Vielmehr sind die von der E._
Anstalt an den Beschwerdeführer in den Steuerperioden 2015 und 2016
ausgerichteten Zuwendungen in der Höhe von je CHF 100'000.-- bzw.
künftig noch auszurichtenden Zuwendungen im Beistatut der besagten
Anstalt vom 11. Juni 2013 geregelt (vgl. Bg-act. 3, Ziff. 3e). Vor diesem
Hintergrund zielen die beschwerdeführerischen Einwände, die
verstorbene Stifterin habe ihn testamentarisch begünstigt bzw. die
Zuwendungen aus der E._ Anstalt stellten Vermächtnisse dar, ins
Leere.
4.2. Zudem ist in Bezug auf das Urteil des Verwaltungsgerichts A 17 4 vom
30. August 2017 darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdegegnerin im
damals angefochtenen Einspracheentscheid insgesamt zehn Freibeträge
à CHF 7'300.-- für sämtliche Empfänger der Begünstigungen aus der
Stiftung berücksichtigte. Demgegenüber gewährte das
Verwaltungsgericht der E._ Anstalt im anschliessenden
Beschwerdeverfahren den Freibetrag in der Höhe von CHF 7'300.-- nur
einmal; es stellte den Parteien vorgängig korrekterweise eine reformatio in
peius in Aussicht und gab ihnen Gelegenheit zur Stellungnahme sowie
zum Rückzug der Beschwerde (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts A 17 4
vom 30. August 2017 E.2f f.). Entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers hat das angerufene Gericht somit die einzelnen
Begünstigungen aus der Stiftung nicht als Vermächtnisse behandelt.
Massgeblich ist nicht der damals angefochtene Einspracheentscheid der
Beschwerdegegnerin, sondern was das Verwaltungsgericht im
darauffolgenden Beschwerdeverfahren A 17 4 entschieden hat. Dieses
Urteil ist denn auch unangefochten in Rechtskraft erwachsen.
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5.1. Sodann bringt der Beschwerdeführer vor, dass die Zuwendungen aus der
E._ Anstalt als Schenkungen zu qualifizieren seien. Nach
bundesgerichtlicher Praxis liegt eine einkommenssteuerfreie Schenkung
im Sinne von Art. 24 lit. a DBG vor, wenn eine unentgeltliche Zuwendung
unter Lebenden mit Schenkungsabsicht vorgenommen wird. Die
Schenkungsabsicht ist gegeben, wenn die Vermögenszuwendung nicht
mit dem Willen, eine Gegenleistung zu erhalten, ausgerichtet wird. Sowohl
dem zivilrechtlichen als auch dem steuerrechtlichen Schenkungsbegriff
sind die Merkmale der Vermögenszuwendung, der Unentgeltlichkeit und
des Zuwendungswillens gemeinsam; dabei bedeutet die subjektive Seite
des Zuwendungswillens, dass der Zuwendende Wissen und Wollen
bezüglich der Vermögenszuwendung und der Unentgeltlichkeit haben
muss (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2A.668/2004 vom 22. April 2005
E.3.3; Urteil des Kantonsgerichts Luzern vom 4. März 2020 E.2.2, in: StE
2021, B 26.25 Nr. 5 mit weiteren Hinweisen). Im bündnerischen Recht sind
demgegenüber die entscheidenden Merkmale einzig die Unentgeltlichkeit
und die Freiwilligkeit (vgl. Art. 106a Abs. 1 StG). Freiwillig erfolgt eine
Zuwendung immer dann, wenn dazu keine Rechtspflicht besteht (vgl.
ZIGERLIG/OERTLI/HOFMANN, Das st. gallische Steuerrecht, 7. Aufl., Bern
2014, VI. Rzn. 26 und 28). Soweit die Stiftung Leistungen an die
Destinatäre nicht freiwillig, sondern lediglich in Erfüllung einer ihr durch die
Stiftungsurkunde auferlegten Rechtspflicht ausrichtet, hat sie auch keinen
Schenkungswillen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2A.668/2004 vom
22. April 2005 E.3.4.3 mit weiteren Hinweisen). Die Annahme einer
Schenkung fällt hier entsprechend ausser Betracht.
5.2. Vorliegend bezeichnete sich die verstorbene Stifterin im Beistatut vom
11. Juni 2013 als einzige Begünstigte zu Lebzeiten ("primary beneficiary")
mit einer Nachfolgeregelung bei ihrem Ableben ("secondary beneficiary").
Betreffend Nachfolgeregelung kann dem besagten Beistatut unter
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anderem entnommen werden, dass beim Ableben der Stifterin der
Beschwerdeführer eine Zuwendung in der Höhe von total CHF 1'000'000.-
- erhalten soll, wobei dieser Betrag in zehn gleich hohen, jährlichen
Tranchen ausbezahlt werden soll, was einer Ausschüttung von CHF
100'000.-- pro Jahr entspricht (vgl. Bg-act. 3, Ziff. 3e). Mit dem Ableben
der Stifterin wurde das Beistatut vom 11. Juni 2013 unabänderlich (vgl.
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden A 17 4 vom 30.
August 2017 E.2b). Für die rechtliche Qualifikation der an den
Beschwerdeführer ausgerichteten bzw. noch auszurichtenden
Zuwendungen der E._ Anstalt ist zufolge der eigenen
Rechtspersönlichkeit der Stiftung allein auf das zwischen ihr und dem
Beschwerdeführer bestehende Verhältnis abzustellen. Wie oben
aufgezeigt, erbrachte die E._ Anstalt die dem Beschwerdeführer in
den Steuerperioden 2015 und 2016 ausgerichteten Leistungen in der
Höhe von je CHF 100'000.-- gestützt auf eine Regelung im Beistatut vom
11. Juni 2013. Mithin erfüllte sie lediglich eine ihr durch die
Stiftungszusatzurkunde auferlegte Rechtspflicht, was denn auch der
Beschwerdeführer in seinen Rechtsschriften bekräftigt. Folglich fehlt es
vorliegend am Erfordernis der Freiwilligkeit der Zuwendung bzw. des
Schenkungswillens. Es ist daher nicht zu beanstanden, wenn die
Beschwerdegegnerin vom Nichtvorliegen eines steuerfreien
Vermögenszuflusses im Sinne einer Schenkung gemäss Art. 24 lit. a DBG
bzw. Art. 30 Abs. 1 lit. a StG ausgegangen ist.
5.3. Der Vollständigkeit halber ist an dieser Stelle noch darauf hinzuweisen,
dass die von der Beschwerdegegnerin zitierte Rechtsprechung des
Bundesgerichts (2A.668/2004 vom 22. April 2005 E.2.1 und E.3.4.3)
entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers auf den vorliegenden
Fall Anwendung findet, da aus dem erwähnten Urteil hervorgeht, dass
auch Einkünfte aus Stiftungen grundsätzlich unter die
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Einkommensgeneralklausel fallen und dass eine Stiftung, die Leistungen
an die Destinatäre nicht freiwillig, sondern lediglich in Erfüllung einer ihr
durch die Stiftungsurkunde auferlegte Rechtspflicht ausrichtet, keinen
Schenkungswillen hat; genau um diese Konstellation geht es vorliegend.
Nach Ansicht des angerufenen Gerichts spielt es für die Anwendbarkeit
der erwähnten höchstrichterlichen Rechtsprechung keine Rolle, ob es sich
bei der von einer Stiftung erhaltenen Zuwendung um einen Ertragsanteil
des Stiftungsvermögens oder – wie im konkreten Fall – um eine
Ausschüttung von Anstaltsvermögen handelt. Zudem gilt es zu erwähnen,
dass auch in dem der besagten Entscheidung des Bundesgerichts
zugrundeliegenden Fall Stiftungsleistungen zu beurteilen waren, auf
welche die Destinatäre einen Rechtsanspruch hatten (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 2A.668/2004 vom 22. April 2005 E.4.1; Urteil des
Kantonsgerichts Luzern vom 4. März 2020 E.3.3.2, in: StE 2021, B 26.25
Nr. 5).
6. Soweit der Beschwerdeführer ferner der Ansicht ist, dass es sich bei der
E._ Anstalt bloss um ein "reines Ausführungsvehikel zur
Nachlassabwicklung" handle, ist festzuhalten, dass C._ sel. im
Testament vom 31. Oktober 2008 die E._ Anstalt mit Sitz im F._
als alleinige Begünstigte ("sole beneficiary") ihres Nachlasses eingesetzt
hat (vgl. Bg-act. 2). Mit dem Tod von C._ sel. wurde die besagte
Anstalt zu einem eigenständigen Steuersubjekt und gilt seither als nicht
kontrollierte Stiftung (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons
Graubünden A 17 4 vom 30. August 2017 E.2b). Die Zuwendungen an den
Beschwerdeführer erfolgten somit durch eine nicht kontrollierte Stiftung,
was dieser zu verkennen scheint. Es handelt sich bei der E._ Anstalt
daher nicht bloss um ein "reines Ausführungsvehikel zur
Nachlassabwicklung".
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7.1. Der Beschwerdeführer macht zudem geltend, es wäre widersprüchlich und
stossend, die Vermögensübertragung im Umfang seines Anspruchs
doppelt zu besteuern; zuerst als Vermögensübergang infolge Zuwendung
auf den Todesfall bei der E._ Anstalt mit der Nachlasssteuer und
dann mit der Auszahlung durch die besagte Anstalt mit der
Einkommenssteuer (oder nochmaliger Nachlass-/Schenkungssteuer) bei
ihm. Denn sein Anspruch aus Vermächtnis habe denselben Ursprung wie
die Hauptzuwendung an die E._ Anstalt, nämlich die letztwillige
Verfügung von C._ sel. vom 31. August (recte: Oktober) 2008. Eine
Besteuerung mit der Einkommenssteuer würde nur erreicht, wenn man
unnötigerweise zwei voneinander getrennte Schritte kreiere, anstatt den
gesamten Vorgang in seiner Gänze zu beurteilen (wirtschaftliche
Betrachtungsweise). Vorliegend sei einer wirtschaftlichen
Betrachtungsweise gegenüber einer auf einen einzelnen Vorgang
beschränkten Betrachtungsweise der Vorzug zu geben.
7.2. Grundsätzlich bilden die zivilrechtlichen Verhältnisse die tatsächliche
Grundlage der steuerlichen Beurteilung eines Vorganges (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 2C_342/2016 und 2C_343/2016 vom 23. Dezember 2016
E.3.2.1, 2C_969/2015 vom 24. Mai 2016 E.3.3.1, 2C_156/2015 vom
5. April 2016 E.3.3.1). Wie die Beschwerdegegnerin zutreffend festhält,
muss dies auch im konkreten Fall gelten. Entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers wird dem vorliegenden Sachverhalt keine
wirtschaftliche Betrachtungsweise zugrunde gelegt, so dass keine
Beurteilung des Vorganges als Ganzes stattfindet. Vielmehr gilt es zwei
zivilrechtlich voneinander getrennte Schritte zu beurteilen. Dabei erfolgte
in einem ersten Schritt eine ausschliessliche Begünstigung einer G._
Stiftung mittels Testament, welche mit dem Tod der Stifterin zu einem
eigenständigen Steuersubjekt und als Zuwendungsempfängerin
steuerpflichtig (Nachlasssteuer) wurde (vgl. Urteil des
- 13 -
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden A 17 4 vom 30. August
2017 E.2b f.). In einem zweiten Schritt geht es dann um die Zuwendungen
dieser Stiftung an die gemäss Beistatut vom 11. Juni 2013 – und nicht
gemäss letztwilliger Verfügung vom 31. Oktober 2008 – Begünstigten. Wie
bereits dargelegt, stellen diese Leistungen keine steuerfreien Einkünfte
dar, sondern unterliegen gestützt auf die Einkommensgeneralklausel der
Einkommensbesteuerung.
8. Schliesslich vermag der Beschwerdeführer aus dem Hinweis auf die von
Prof. Dr. Opel im Aufsatz "Stiftungen schenken nicht" vertretene
Lehrmeinung nichts für sich abzuleiten, zumal diese der
höchstrichterlichen Rechtsprechung entgegensteht. Zudem wird dem
vorliegenden Sachverhalt – wie gesehen – keine wirtschaftliche, sondern
eine zivilrechtliche Betrachtungsweise zugrunde gelegt.
9. Im Ergebnis erweisen sich die angefochtenen Einspracheentscheide vom
10. Dezember 2020 betreffend direkte Bundessteuer sowie Kantons- und
Gemeindesteuer 2015 und 2016 als rechtens, was zur Bestätigung
derselben und zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Gerichtskosten gestützt
auf Art. 73 Abs. 1 VRG zulasten des Beschwerdeführers. Die
Staatsgebühr wird im Rahmen von Art. 75 Abs. 2 VRG auf CHF 3'500.--
festgesetzt. Bund, Kanton und Gemeinden sowie mit öffentlich-rechtlichen
Aufgaben betrauten Organisationen wird gemäss Art. 78 Abs. 2 VRG in
der Regel keine Parteientschädigung zugesprochen, wenn sie in ihrem
amtlichen Wirkungskreis obsiegen. Davon abzuweichen besteht
vorliegend kein Anlass.