Decision ID: 0cdb8bfb-96bf-58d2-909c-723ab0fbda0e
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Juli 2011 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu einer
Dreiviertelsrente der Invalidenversicherung an, die ihm mit einer Verfügung vom 24.
März 2011 bei einem Invaliditätsgrad von 64 Prozent zugesprochen worden war (act. G
11.4.98 ff.). Mit einer Verfügung vom 21. März 2012 wies die EL-Durchführungsstelle
das Leistungsbegehren mangels eines anspruchsbegründenden
Ausgabenüberschusses ab (act. G 11.4.65). Bei der Anspruchsberechnung hatte sie
sowohl dem EL-Ansprecher als auch dessen Ehefrau ein hypothetisches
Erwerbseinkommen angerechnet (vgl. act. G 11.4.66 ff.). Eine gegen diese Verfügung
erhobene Einsprache (act. G 11.4.61) wies sie mit einem Einspracheentscheid vom 4.
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Dezember 2012 ab (act. G 11.4.55). Dagegen liess der EL-Ansprecher am 28. Januar
2013 eine Beschwerde erheben (act. G 11.4.49). Diese wurde vom
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit einem Urteil vom 23. Januar 2014
abgewiesen (EL 2013/4; vgl. act. G 11.4.39).
A.b Im März 2015 meldete sich der EL-Ansprecher erneut zum Bezug einer
Ergänzungsleistung an (act. G 11.4.23 ff.). Mit einer Verfügung vom 3. Juni 2015 wies
die EL-Durchführungsstelle auch dieses Leistungsbegehren mangels eines
anspruchsbegründenden Ausgabenüberschusses ab (act. G 11.4.18). Bei der
Anspruchsberechnung hatte sie wiederum sowohl dem EL-Ansprecher als auch dessen
Ehefrau ein hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet (vgl. act. G 11.4.19). Am
8. Juli 2015 erhob die Rechtsvertreterin des EL-Ansprechers eine Beschwerde gegen
die Verfügung vom 3. Juni 2015 (act. G 11.4.14–2 ff.). Diese wurde vom
Versicherungsgericht am 13. Juli 2015 zuständigkeitshalber (zur Behandlung als
Einsprache) an die EL-Durchführungsstelle überwiesen (act. G 11.4.14–1). Diese
informierte die Rechtsvertreterin des EL-Ansprechers am 20. Juli 2015, dass sie die
überwiesene Eingabe als Einsprache gegen die Verfügung vom 3. Juni 2015 bearbeiten
werde (act. G 11.4.13). Mit einem Entscheid vom 15. Februar 2016 hiess die EL-
Durchführungsstelle die Einsprache teilweise gut: Sie erklärte, dass sie für die Zeit ab
dem 1. Dezember 2015 von der Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens der Ehefrau absehen werde (act. G 11.4.3). Am 18. März 2016
liess der EL-Ansprecher eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 15.
Februar 2016 erheben (act. G 11.4.1). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
wies die Beschwerde mit einem Urteil vom 15. August 2017 ab (EL 2016/19; vgl. act. G
11.1.13).
A.c Bereits am 17. Juni 2016 hatte die EL-Durchführungsstelle dem EL-Ansprecher
rückwirkend ab dem 1. Dezember 2015 eine jährliche Ergänzungsleistung
zugesprochen (act. G 11.3.79). Mit einer weiteren Verfügung vom 22. Juni 2016 hatte
sie ein Gesuch des EL-Bezügers vom 3. März 2016 „betreffend Verzicht auf die
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Anrechnung des hypothetischen Einkommens“ abgewiesen (act. G 11.3.76). Dagegen
hatte der EL-Bezüger am 24. August 2016 eine Einsprache erheben lassen (act. G
11.3.73). Mit einem Einspracheentscheid vom 26. September 2017 wies die EL-
Durchführungsstelle diese Einsprache ab (act. G 11.1.9).
A.d Bereits in einem an den EL-Bezüger gerichteten Schreiben vom 15. Februar 2017
hatte die EL-Durchführungsstelle ausgeführt, bei der Prüfung der Stellenbemühungen
der Ehefrau sei ihr einmal mehr aufgefallen, dass keine einzige Antwort auf eine
Bewerbung eingereicht worden sei (act. G 11.3.54). Da die Bewerbungen offenbar
mittels A-Post Plus versandt worden seien, fordere sie den EL-Bezüger auf, eine Liste
über sämtliche Sendungsnummern der Post für den Zeitraum von Januar bis
September 2016 einzureichen. Falls der EL-Bezüger dieser Aufforderung nicht bis
spätestens am 24. Februar 2017 nachkomme, werde die EL-Durchführungsstelle mit
Wirkung ab dem 1. März 2017 „vorsorglich ein hypothetisches Erwerbseinkommen
berücksichtigen“. Innert der zweimal erstreckten Frist hatte die Rechtsvertreterin des
EL-Bezügers am 28. Februar 2017 geltend gemacht (act. G 11.3.47), seit dem Jahr
2016 seien kaum mehr Absagen auf die Bewerbungen eingegangen. Ab Januar 2016
seien die Bewerbungen per A-Post Plus versandt worden. Im Dezember 2016 habe die
Rechtsvertreterin das entsprechende Sendungsbüchlein kontrolliert. Da sie davon
ausgegangen sei, dass dieses jederzeit zu Beweiszwecken zur Verfügung stehen
würde, habe sie keine Kopie angefertigt. Nun sei das Büchlein aber nicht mehr
auffindbar. Ihr sei bewusst, dass der Beweis für die Stellenbemühungen deswegen
nicht vollumfänglich erbracht werden könne. Allerdings seien die Bewerbungen jeweils
durch „das Büro“ der Rechtsvertreterin vorbereitet worden. Die Annahme, dass der EL-
Bezüger und seine Ehefrau die „vom Büro“ der Rechtsvertreterin vorbereiteten
Bewerbungen nicht versenden würden, sei abwegig. Noch am selben Tag, also
ebenfalls am 28. Februar 2017, hatte die EL-Durchführungsstelle eine Verfügung
erlassen, mit der sie die laufende Ergänzungsleistung mit Wirkung per 1. März 2017
aufgehoben hatte (act. G 11.2.37). Zur Begründung hatte sie auf ihre Ankündigung vom
15. Februar 2017 verwiesen. Dagegen hatte der EL-Bezüger am 5. April 2017 eine
Einsprache erheben lassen (act. G 11.4.27). Seine Rechtsvertreterin hatte die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zusprache der „vollen“
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Ergänzungsleistungen ohne Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens
beantragt. Zur Begründung hatte sie ausgeführt, sowohl der EL-Bezüger als auch seine
Ehefrau bemühten sich intensiv und allen Vorgaben der EL-Durchführungsstelle
entsprechend um eine Arbeitsstelle. Der massgebende tatsächliche Arbeitsmarkt
enthalte so gut wie keine Stelle, für die der EL-Bezüger oder seine Ehefrau ausreichend
qualifiziert wären. Die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens sei vor
diesem Hintergrund unzulässig. Mit einem Einspracheentscheid vom 5. Oktober 2017
wies die EL-Durchführungsstelle die Einsprache ab (act. G 11.1.6). Zur Begründung
führte sie an, sowohl dem EL-Bezüger als auch dessen Ehefrau sei es möglich und
zumutbar, eine geeignete Arbeitsstelle zu finden und ein entsprechendes
Erwerbseinkommen zu erzielen. Weder der EL-Bezüger noch dessen Ehefrau hätten
nachgewiesen, dass sie unverschuldet arbeitslos seien. Beide hätten praktisch
ausschliesslich Blindbewerbungen getätigt, obwohl mehrere Bewerbungen pro Monat
um ausgeschriebene Stellen verlangt worden seien. Zudem erschienen die Aussagen
des EL-Bezügers und seiner Ehefrau auch „nicht ganz glaubwürdig“, denn es sei
auffällig, dass weder Stelleninserate noch Absageschreiben eingereicht worden seien
und dass das Postbüchlein verloren gegangen sein solle.
B.
B.a Am 13. November 2017 liess der EL-Bezüger (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 5. Oktober 2017 erheben (act.
G 1). Seine Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheides und die Zusprache einer ohne ein hypothetisches
Erwerbseinkommen berechneten Ergänzungsleistung. Zur Begründung führte sie an
(act. G 9), der Beschwerdeführer und seine Ehefrau hätten sich ausreichend ernsthaft
um eine Arbeitsstelle bemüht. Dabei hätten sie sämtliche Vorgaben eingehalten, die die
EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) gemacht habe. Trotz
des verloren gegangenen Postbüchleins sei der Nachweis der ausreichenden
Stellenbemühungen erbracht.
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B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 6. April 2018 unter Hinweis auf die
Erwägungen im angefochtenen Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde
(act. G 11).
B.c Der Beschwerdeführer liess am 5. November 2018 an seinen Anträgen festhalten
(act. G 24). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 26).

Erwägungen
1.
Da dieses Beschwerdeverfahren die Überprüfung des angefochtenen
Einspracheentscheides auf dessen Rechtmässigkeit bezweckt, muss sein Gegenstand
zwingend jenem des Einspracheverfahrens entsprechen, das mit dem angefochtenen
Entscheid abgeschlossen worden ist. Der Gegenstand des Einspracheverfahrens ist
durch die Verfügung vom 28. Februar 2017 respektive durch das vorangegangene
Verwaltungsverfahren definiert gewesen, denn das Einspracheverfahren hat die
Überprüfung dieser Verfügung auf deren Rechtmässigkeit bezweckt. Auf den ersten
Blick scheint es sich bei der Verfügung vom 28. Februar 2017 um eine normale
Revisionsverfügung im Sinne des Art. 17 Abs. 2 ATSG zu handeln. Dieser Eindruck
täuscht aber, denn die Verfügung beruht nicht auf einer wesentlichen Veränderung des
massgebenden Sachverhaltes. Vielmehr ist sie die Reaktion auf eine Verletzung der
Mitwirkungspflicht des Beschwerdeführers bei der Sachverhaltsabklärung gewesen.
Die Beschwerdegegnerin hatte diesen nämlich am 15. Februar 2017 – nach einer
erfolglosen früheren Aufforderung – gemahnt, eine Liste der Sendungsnummern der
Post über sämtliche in der Zeit von Januar bis September 2016 versendeten
Bewerbungsschreiben einzureichen. Diese Mahnung hatte sie mit der Androhung
verbunden, dass sie im Säumnisfall „vorsorglich“ ein hypothetisches
Erwerbseinkommen anrechnen werde. Nachdem der Beschwerdeführer diese Liste
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nicht eingereicht hatte, hat die Beschwerdegegnerin wie angedroht verfügt, wobei sie
explizit auf ihr Schreiben vom 15. Februar 2017 verwiesen hat. Vor diesem Hintergrund
kann kein Zweifel daran bestehen, dass es sich bei der Verfügung vom 28. Februar
2017 um eine Sanktionsverfügung im Sinne des Art. 43 Abs. 3 ATSG gehandelt haben
muss. Das bedeutet, dass in diesem Beschwerdeverfahren ausschliesslich zu prüfen
ist, ob die Verfügung vom 28. Februar 2017 beziehungsweise der an ihre Stelle
getretene Einspracheentscheid vom 5. Oktober 2017 eine rechtmässige Sanktion einer
Verletzung der Mitwirkungspflicht des Beschwerdeführers bei der
Sachverhaltsabklärung gewesen ist.
2.
2.1 Kommt die versicherte Person ihrer Mitwirkungspflicht bei der
Sachverhaltsabklärung in einer unentschuldbaren Weise nicht nach, kann der
Versicherungsträger gemäss dem Art. 43 Abs. 3 ATSG aufgrund der Akten verfügen
oder die Erhebungen einstellen und ein Nichteintreten beschliessen. Er muss die
versicherte Person vorher aber schriftlich mahnen und auf die Rechtsfolgen hinweisen
und er muss ihr eine angemessene Bedenkfrist einräumen. Die ratio legis des Art. 43
Abs. 3 ATSG ist die Weiterführung eines blockierten Verwaltungsverfahrens in jenen
Fällen, in denen die Blockade auf eine Weigerung der versicherten Person
zurückzuführen ist, ihre Mitwirkungspflicht bei der Sachverhaltsabklärung zu erfüllen.
Die im Art. 43 Abs. 3 ATSG genannten Möglichkeiten des Sozialversicherungsträgers
sind also bei genauer Betrachtung keine Sanktionen, sondern vielmehr Druckmittel, mit
denen die versicherte Person dazu gebracht werden soll, ihre Mitwirkungspflicht bei
der Sachverhaltsabklärung doch noch zu erfüllen. Beide im Art. 43 Abs. 3 ATSG
ausdrücklich genannten Druckmittel sind allerdings wirkungslos, wenn die versicherte
Person ihre Mitwirkungspflicht in einem Revisionsverfahren im Sinne des Art. 17 ATSG
verweigert, in dem ihr eine Herabsetzung oder eine Aufhebung der laufenden Leistung
droht. Solange das Verfahren still steht, kann sie nämlich ihre bisherigen,
möglicherweise überhöhten Leistungen weiter beziehen. Daran würden weder das
„Nichteintreten“ noch ein Entscheid aufgrund der Akten (der stets auf eine
Nichtanpassung der laufenden Leistung lauten muss, solange die relevante
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Sachverhaltsveränderung noch nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht) etwas ändern. Für diese Fälle enthält der
Wortlaut des Art. 43 Abs. 3 ATSG also kein geeignetes Druckmittel; diese Bestimmung
weist also eine ausfüllungsbedürftige Lücke auf. Zur Füllung dieser Gesetzeslücke
kommt nur ein Druckmittel in Frage, das geeignet ist, den nötigen Druck aufzubauen,
und das selbst dann problemlos und rechtsgleich angewandt werden kann, wenn der
für den Abschluss des Revisionsverfahrens massgebende aktuelle Sachverhalt noch
weitgehend unbekannt ist, nämlich der Leistungsstop (vgl. BGE 139 V 585; TOBIAS
BOLT, Folgen einer Mitwirkungspflichtverletzung, in: JaSo 2016, S. 169 ff.). Die
Anwendung dieses Druckmittels ist gemäss dem Art. 43 Abs. 3 ATSG an die folgenden
Voraussetzungen geknüpft: Die versicherte Person muss ihre Mitwirkungspflicht bei der
Sachverhaltsabklärung verletzt haben; ihre Weigerung, die Mitwirkungspflicht zu
erfüllen, muss unentschuldbar sein; die dadurch entstandene Verfahrensblockade
muss solange „unüberwindbar“ sein, bis die versicherte Person ihre Mitwirkungspflicht
erfüllt, das heisst es darf keine Möglichkeit der EL-Durchführungsstelle geben,
anderweitig an die notwendigen Informationen zu gelangen; die versicherte Person
muss zur Erfüllung ihrer Mitwirkungspflicht gemahnt worden sein; der versicherten
Person muss die spezifische Rechtsfolge bei einer weiter andauernden Verweigerung
der Mitwirkungspflicht angedroht worden sein und der versicherten Person muss eine
angemessene Bedenk- bzw. Reaktionszeit eingeräumt worden sein.
2.2 Im vorliegenden Fall hat an sich nicht eine Mitwirkungspflicht bei der
Sachverhaltsabklärung im Sinne des Art. 43 Abs. 3 ATSG, sondern eine
Schadenminderungspflicht im Sinne des Art. 21 Abs. 4 ATSG im Mittelpunkt des
Verwaltungsverfahrens gestanden: Der Beschwerdeführer und seine Ehefrau sind
nämlich verpflichtet gewesen, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen und ein
entsprechendes Erwerbseinkommen zu erzielen, um den „Schaden“ (die nicht durch
eigene Einnahmen gedeckten Ausgaben) zu mindern oder sogar ganz zu hindern. Diese
Schadenminderungspflicht ist während der gesamten Dauer des
Ergänzungsleistungsbezuges weder vom Beschwerdeführer noch von dessen Ehefrau
erfüllt worden, denn sie haben beide im gesamten Zeitraum ab Anspruchsbeginn kein
Erwerbseinkommen erzielt. Allerdings kann die Erfüllung einer
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Schadenminderungspflicht objektiv unmöglich oder unzumutbar sein.
Rechtsprechungsgemäss werden die Möglichkeit und die Zumutbarkeit der Erfüllung
der in der Erzielung eines Erwerbseinkommens bestehenden
Schadenminderungspflicht zwar vermutet, aber diese Vermutung kann durch den
Nachweis der Erfolglosigkeit einer ausreichend ernsthaften Stellensuche umgestossen
werden. Man könnte sich nun auf den Standpunkt stellen, dass die Beibringung von
Belegen für diesen Nachweis allein im Interesse des EL-Bezügers beziehungsweise der
in die EL-Anspruchsberechnung miteinbezogenen Person liege und dass es folglich
egal sei, ob entsprechende Belege eingereicht würden. Eine solche Ansicht liesse sich
aber nicht mit der Untersuchungspflicht der Verwaltung (Art. 43 Abs. 1 ATSG)
vereinbaren. Im Sozialversicherungsverfahrensrecht (wie auch im gesamten übrigen
Verwaltungsverfahrensrecht) liegt die Pflicht zur vollständigen Ermittlung des gesamten
massgebenden Sachverhaltes nämlich – anders als im Zivilrecht – bei der zuständigen
Verwaltungsbehörde; es gibt mit anderen Worten keine Beweisführungslast der
Versicherten. Bevor die Verwaltungsbehörde eine materielle Beweislastverteilung
vornehmen oder bei der Rechtsanwendung auf eine Vermutung abstellen kann, muss
sie folglich versuchen, den Sachverhalt so vollständig als nur möglich zu ermitteln. Sie
muss deshalb beispielsweise einen EL-Bezüger aktiv auffordern, eine allfällige
unverschuldete Arbeitslosigkeit mit geeigneten Belegen nachzuweisen. Die
Untersuchungspflicht des Art. 43 Abs. 1 ATSG kann sie dabei sogar zwingen, auf der
Einreichung von gewissen Unterlagen zu bestehen und den EL-Bezüger in Anwendung
des Art. 43 Abs. 3 ATSG zur Erfüllung seiner Mitwirkungspflicht bei der
Sachverhaltsabklärung zu mahnen. Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin diese
Zusammenhänge korrekt erkannt: Sie hat sich völlig zu Recht nicht damit begnügt,
ohne weitere Abklärungen einfach zu vermuten, dass der Beschwerdeführer und
dessen Ehefrau selbstverschuldet arbeitslos seien, sondern sie hat darauf bestanden,
dass alle Belege einzureichen seien, die zur Ermittlung des massgebenden
Sachverhaltes beitragen könnten. Allerdings ist sie zu weit gegangen, als sie den
Beschwerdeführer unter Androhung einer Anwendung des Art. 43 Abs. 3 ATSG
(Leistungsstop) gemahnt hat, eine Liste sämtlicher Sendungsnummern der
Bewerbungsschreiben respektive das entsprechende Sendungs- bzw. Postbüchlein
einzureichen, denn die Einreichung dieser Liste der Sendungsnummern ist für die
Fortsetzung des Verwaltungsverfahrens nicht zwingend erforderlich gewesen. Mit
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anderen Worten hat keine „Verfahrensblockade“ im Sinne des Art. 43 Abs. 3 ATSG
vorgelegen, die die Beschwerdegegnerin dazu gezwungen hätte, ein Druckmittel
einzusetzen, um das Verwaltungsverfahren doch noch weiterführen zu können. Die
Beschwerdegegnerin hätte den Beschwerdeführer nämlich auffordern können, auf eine
andere Weise zu belegen, dass er und seine Ehefrau die Bewerbungen tatsächlich
verschickt hatten (z.B. Absageschreiben der potentiellen Arbeitgeber oder wenigstens
Bestätigungen über den Eingang der Bewerbungsschreiben). Doch selbst wenn der
Nachweis nur mit den Sendungsnummern beziehungsweise mit dem Postbüchlein
hätte geführt werden können, wäre es nicht notwendig – und damit auch nicht
verhältnismässig – gewesen, den Beschwerdeführer mittels Druck zur Einreichung der
Sendungsnummern respektive des Postbüchleins anzuhalten, denn es ist ja nur um die
Frage gegangen,ob es dem Beschwerdeführer gelungen sei, die natürliche Vermutung
der Erfüllbarkeit der Schadenminderungspflicht umzustossen. Würde nun die
Sanktionsverfügung vom 28. Februar 2017 respektive der an deren Stelle getretene
angefochtene Einspracheentscheid formell rechtskräftig, könnte der Beschwerdeführer
die Sanktion nur durch eine Einreichung der Sendungsnummern beziehungsweise des
Postbüchleins beseitigen, denn der Einspracheentscheid sanktioniert nur diese ganz
spezifische Mitwirkungspflicht des Beschwerdeführers bei der Sachverhaltsabklärung.
Selbst wenn es dem Beschwerdeführer gelingen würde, den an sich geforderten
Nachweis auf eine andere Weise zu erbringen, müsste die dann formell rechtskräftige
und damit verbindliche Sanktion bestehen bleiben, was augenscheinlich absurd wäre.
Also ist die abgemahnte Mitwirkung unsinnig, weshalb der angefochtene
Einspracheentscheid als rechtswidrig aufzuheben ist. Die Sache ist zur Fortsetzung des
Verwaltungsverfahrens an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Diese wird den
Beschwerdeführer und dessen Ehefrau nochmals auffordern, die Ernsthaftigkeit der
Stellensuche zu belegen. Dabei wird sie nicht allein auf der Zusendung der
Sendungsnummern respektive des Postbüchleins bestehen, sondern die Möglichkeit
bieten, den Nachweis auch mit anderen Belegen zu erbringen, wie beispielsweise
Eingangsbestätigungen oder Absageschreiben der angeschriebenen Arbeitgeber. In
der Folge wird sie prüfen, ob der Nachweis der ernsthaften Stellenbemühungen
gescheitert und folglich definitiv ein hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen
ist oder ob der Beschwerdeführer erneut unter Androhung eines vorläufigen
Leistungsstops im Sinne des Art. 43 Abs. 3 ATSG zur Mitwirkung bei der
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Sachverhaltsabklärung angehalten werden muss. Dabei wird die Beschwerdegegnerin
darauf bedacht sein, sowohl in der Abmahnung als auch in einer späteren
entsprechenden Verfügung die Mitwirkungspflicht so zu umschreiben, dass diese
grundsätzlich erfüllbar ist.
3.
Dieser Verfahrensausgang entspricht hinsichtlich der Kosten- und
Entschädigungsfolgen einem vollständigen Obsiegen des Beschwerdeführers.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Die Beschwerdegegnerin hat
dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung auszurichten. Der erforderliche
Vertretungsaufwand ist als leicht unterdurchschnittlich zu qualifizieren, weil sich das
Verfahren auf eine eingeschränkte Rechtsfrage beschränkt hat und weil nur ein
verhältnismässig geringer Anteil der Akten im Zusammenhang mit dieser isolierten
Rechtsfrage relevant gewesen ist. Die Parteientschädigung wird deshalb auf 2’500
Franken (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt.