Decision ID: 2836bb5a-fe38-5e39-a689-a0e501afb940
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich erstmals am 26. Juni 2009 für die berufliche Eingliederung bei
der IV-Stelle St. Gallen an. Sie leide seit Februar 2008 an Multipler Sklerose (act.
G 4.1/4). Der RAD Ostschweiz erhob am 16. Juli 2009 beim Hausarzt Dr. med. B._
die Diagnose einer Multiplen Sklerose, primär spinale Manifestation (Erstdiagnose
05/2008), bei schubförmigem Verlauf (act. G 4.1/12.1). Nachdem die Versicherte im
November 2009 ihre Arbeit als Verkäuferin im C._ des Restaurants D._ im
vorherigen Ausmass von 50 % wieder aufnehmen konnte, wurde das Verfahren mit
Verfügung vom 18. Februar 2010 wieder geschlossen (act. G 4.1/32). Am 21. Oktober
2011 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug bei der
Invalidenversicherung an (act. G 4.1/33). Am 9. November 2011 bestätigte der
behandelnde Spezialist, Prof. Dr. med. E._, Facharzt FMH Neurologie, gegenüber
dem RAD die vorstehende Diagnose. Seit dem 5. September 2011 bis voraussichtlich
zum 30. November 2011 bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen
Tätigkeit. Eine Wiedererlangung der bisherigen Arbeitsfähigkeit sei nicht
auszuschliessen (act. G 4.1/41). In einem Verlaufsbericht vom 7. März 2012 an Dr.
B._, den er auch dem RAD zukommen liess, attestierte Prof. Dr. E._ der
Versicherten weiterhin eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit bis Ende März 2012. Danach
könne vorsichtig ein Arbeitsversuch gestartet werden. Es stehe zurzeit noch das
Fatigue-Syndrom im Vordergrund, neben der spastischen Paraparese der Beine, die
insgesamt allerdings leichtgradig ausgeprägt sei (act. G 4.1/47.2).
A.b Am 27. März 2012 wurde wiederum eine berufliche Eingliederung der Versicherten
(Arbeitsplatzerhalt) in die Wege geleitet (act. G 4.1/50, 54 und 57). Am 16. Oktober
2012 wurde ein Arbeitsversuch an ihrer angestammten Stelle ohne Leistungsdruck
aufgenommen und am 2. November 2012 vorzeitig beendet. Der Arbeitsversuch wurde
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vom Eingliederungsberater als klar gescheitert bezeichnet. Die Möglichkeiten der
beruflichen Eingliederung seien ausgeschöpft. Die Versicherte verfüge im ersten
Arbeitsmarkt kaum mehr über eine wesentliche verwertbare Arbeitsfähigkeit (act.
G 4.1/60 ff.). Am 11. Dezember 2012 wurde der Versicherten mitgeteilt, das
Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen werde abgewiesen und
Rentenleistungen würden geprüft (act. G 4.1/63).
A.c Am 27. Dezember 2012 holte die IV-Stelle St. Gallen einen Arztbericht bei Prof. Dr.
E._ ein. Dieser gab am 10./11. Januar 2013 an, die Versicherte leide an einer
Multiplen Sklerose mit spinaler Manifestation. Am 17. Dezember 2012 habe an den
unteren Extremitäten eine 4/5-Parese mit spastischer Tonuserhöhung vorgelegen.
Komplexe Gangarten seien kaum durchführbar. In den vergangenen Jahren sei es zu
einer progredienten Symptomatik gekommen. Eine wesentliche Verbesserung sei nicht
mehr zu erwarten, allenfalls ein Stillstand der aktuellen Situation unter der
immunmodulatorischen Therapie. Als Verkäuferin bestehe seit 2 Jahren eine 100 %ige
Arbeitsunfähigkeit. Der Versicherten seien jedoch andere Tätigkeiten zumutbar. Rein
sitzende Tätigkeiten seien prinzipiell vorstellbar mit 4 Stunden pro Tag. Dabei bestehe
eine verminderte Leistungsfähigkeit im Umfang von 50 % (act. G 4.1/67). In der Folge
ging auch der RAD in seiner Stellungnahme vom 4. Februar 2013 von einer 25 %igen
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten (rein sitzenden) Tätigkeit aus (4 Stunden Präsenz
pro Tag mit einer Leistungsfähigkeit von 50 %, wobei der Versicherten ausser den
betriebsüblichen noch zusätzliche Pausen einzuräumen seien [act. G 4.1/71.2]).
A.d Am 25. April 2013 führte die IV-Stelle eine Abklärung an Ort und Stelle durch.
Dabei ermittelte die Abklärungsperson eine Einschränkung im Haushalt von 19.49 %.
Sie übernahm im Wesentlichen die durch die Versicherte geltend gemachten
Einschränkungen. Nur bei den Punkten 7.2 (Ernährung) sowie 7.4 (Einkauf und weitere
Besorgungen) reduzierte sie die anerkannte Einschränkung, da sie dem Ehemann der
Versicherten eine entsprechende Mitwirkungspflicht aufbürdete (act. G 4.1/76). Bei
einer Einschränkung von 47.26 % im erwerblichen und einer solchen von 19.49 % im
Haushaltsbereich ergab sich ein gewichteter Gesamtinvaliditätsgrad von 33.37 %
(Feststellung vom 30. Mai 2013 [act. G 4.1/77.2]).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.e Mit Vorbescheid vom 6. Juni 2013 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht (act. G 4.1/79). Dagegen erhob die
Versicherte am 2. Juli 2013 Einwand und machte geltend, bei einer ärztlich attestierten
Arbeitsfähigkeit von 25 % resultiere sogar bei leichten Tätigkeiten eine Einschränkung
von 75 %, womit bezüglich Arbeitsfähigkeit schon eine ganze IV-Rente resultiere. Dass
die Hausarbeit sieben Mal leichter sein soll als eine leichte, angepasste Tätigkeit im
freien Arbeitsmarkt, sei nicht nachvollziehbar (act. G 4.1/80.1).
A.f Mit Verfügung vom 16. August 2013 wies die IV-Stelle das Rentengesuch ab, da
der Invaliditätsgrad nur 33.37 % betrage. Ohne Gesundheitsschaden könnte die
Versicherte in einem 50 %-Pensum ein Einkommen von Fr. 25'248.-- pro Jahr erzielen.
Mit einer aus ärztlicher Sicht noch zumutbaren angepassten Tätigkeit im Umfang von
25 % könnte sie noch Fr. 13'315.-- verdienen. Bei einer Gewichtung des Erwerbsteils
von 50 % ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 23.63 %. Im ebenfalls mit 50 %
gewichteten Haushaltsteil ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 9.74 %, zusammen
somit 33.37 % (act. G 4.1/81).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom
9. September 2013 (Datum Postaufgabe) mit dem Antrag auf Aufhebung der
angefochtenen Verfügung. Sodann sei die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen mit dem Auftrag, den Invaliditätsgrad korrekt zu berechnen und eine
neue Verfügung zu erstellen. Zur Begründung wird vorgebracht, die
Beschwerdeführerin würde - wie die Beschwerdegegnerin richtig ausführe - als
Mitarbeiterin C._ bei einer 50 %-Tätigkeit ein Einkommen von Fr. 25'248.-- erzielen.
Aus ärztlicher Sicht sei eine angepasste Tätigkeit zu 25 % zumutbar. Da sie aktuell
nicht arbeite, komme zur Ermittlung des hypothetischen Einkommens die LSE Frauen,
Anforderungsstufe 4, Fr. 53'260.--, zur Anwendung. 25 % von Fr. 53'260.-- ergäben
Fr. 13'315.--. Da die Beschwerdeführerin nur eine Tätigkeit von 50 % ausgeübt habe,
sei dieser Wert ebenfalls auf eine 50 %-Basis zu stellen, mithin also Fr. 6'657.--.
Zudem sei ein Leidensabzug von 10 % zu gewähren. Erneut wird vorgebracht, die
Haushaltsabklärung sei nicht nachvollziehbar und es sei nicht realistisch, dass eine
Haushaltstätigkeit sieben Mal leichter sein soll als eine leichte angepasste Tätigkeit im
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
freien Arbeitsmarkt. Die Haushaltsabklärung sei deshalb zwingend neu zu beurteilen,
da auch die Mithilfe des ausser Haus arbeitenden Ehemannes bei weitem nicht die
Entlastung bringe, wie von der Beschwerdegegnerin geltend gemacht werde (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 7. November 2013 beantragt die Verwaltung
Abweisung der Beschwerde. Der Invaliditätsgrad sei korrekt berechnet worden. Bei der
Bemessung der Invalidität im erwerblichen Bereich seien die Vergleichsgrössen
Validen- und Invalideneinkommen im zeitlichen Rahmen der ohne Gesundheitsschaden
ausgeübten Teilerwerbstätigkeit zu bestimmen. Selbst bei dem von der
Beschwerdeführerin geforderten Leidensabzug von 10 % käme der Invaliditätsgrad
lediglich auf 36 % zu liegen. Ein höherer Abzug sei keinesfalls gerechtfertigt, hätten
doch sämtliche Einschränkungen bereits Eingang in die Arbeitsfähigkeitsschätzung des
Arztes gefunden. Im Haushaltsteil sei der Abklärungsbericht nicht zu beanstanden. Die
Diskrepanz zwischen der ärztlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung und der anerkannten
Einschränkung im Haushalt lasse sich mit der Schadenminderungspflicht des
Ehemannes erklären (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 29. November 2013 macht die Beschwerdeführerin geltend, beim
Leidensabzug müsse beachtet werden, dass bei ihr im Vergleich zu anderen
Arbeitstätigen mit einem erheblich höheren Krankheitsrisiko gerechnet werden müsse.
Zudem könne sie ihren Nachteil nicht durch Erfahrung wieder ausgleichen, da sie die
angestammte Tätigkeit nicht mehr ausüben könne. Aus Sicht der Arbeitgeber
vermindere dies ihren "Wert" als Arbeitnehmerin erheblich. Es sei von einem
Leidensabzug von 20 % auszugehen. Die ärztlich festgestellte Arbeitsfähigkeit von
25 % sei auch für den Haushaltsteil anzuwenden. Es bestehe damit eine
Einschränkung von 75 %. Bei einer Mitwirkung des zu 100 % im eigenen Geschäft
tätigen Ehemannes von 25 % verbleibe eine Einschränkung von 50 %. Es ergebe sich
somit ein Invaliditätsgrad von 54 %, womit eine halbe Rente zuzusprechen sei (act.
G 6). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik.
B.d Am 23. April 2015 reichte die Beschwerdeführerin einen Arztbericht von Prof. Dr.
E._ vom 14. April 2015 ein und machte eine Verschlechterung des Gesundheits
zustandes geltend (act. G 9).

Erwägungen:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1.
Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu
betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen,
erhalten oder verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind, haben einen Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist der voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde, durch eine Gesundheitsbeeinträchtigung
verursachte und nach der zumutbaren Behandlung und Eingliederung verbleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 8 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des
Invaliditätsgrades von erwerbstätigen Versicherten wird das Erwerbseinkommen, das
diese nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihnen zumutbare
Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnten, in Beziehung gesetzt
zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnten, wenn sie nicht invalid geworden
wären (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG). Bei nicht erwerbstätigen Versicherten,
die im Aufgabenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht
zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität darauf abgestellt, in
welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2
IVG). Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind, wird für diesen Teil die
Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Sind sie daneben auch im Aufgabenbereich
tätig, wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In
diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im
Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu
bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG).
2.
2.1 In medizinischer Hinsicht stützt sich die Beschwerdegegnerin auf den RAD-Bericht
von Dr. F._ vom 4. Februar 2013. Dieser wiederum basiert auf den Angaben des
behandelnden Neurologen, Prof. Dr. E._, vom 10./11. Januar 2013. Die Ärzte gehen
davon aus, dass der Beschwerdeführerin die angestammte Tätigkeit als Verkäuferin
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
nicht mehr zumutbar sei, dass sie jedoch in einer adaptierten Tätigkeit eine
Gesamtarbeitsfähigkeit von 25 % erzielen könne (bei einer Präsenzzeit von 4 Stunden
pro Tag und einer Leistungsfähigkeit von 50 %). Es müsse sich dabei um eine rein
sitzende Tätigkeit handeln, wobei der Beschwerdeführerin neben den betriebsüblichen
noch zusätzliche Pausen zu gewähren seien. Prospektiv gehen Prof. Dr. E._ und
auch Dr. F._ davon aus, dass die Symptomatik bis zum Berichtstermin am 11. Januar
2013 progredient verlaufen sei. Eine Verbesserung sei nicht mehr zu erwarten, allenfalls
ein Stillstand der aktuellen Situation unter der immunmodulatorischen Therapie (act.
G 4.1/67 und 71). Die Beschwerdeführerin macht vorliegend keine Einwände gegen
diese medizinische Einschätzung geltend. Sie macht auch nicht geltend, der
Gesundheitszustand habe sich seit dem Arztbericht vom Januar 2013 bis zu dem für
die richterliche Beurteilung massgebenden Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen
Verfügung vom 16. August 2013 erheblich verschlechtert. Eine rentenrelevante
Verschlechterung des Gesundheitszustandes bis zu diesem Zeitpunkt lässt sich zudem
auch nicht dem Arztbericht von Prof. Dr. E._ vom 14. April 2015 entnehmen. In
erwerblicher Hinsicht bringt die Beschwerdeführerin einzig Einwände gegen den
Einkommensvergleich vor.
2.2 Die Beschwerdeführerin geht übereinstimmend mit der Beschwerdegegnerin von
einem Valideneinkommen im Jahr 2011 von Fr. 25'248.-- aus, das sie in ihrer 50 %-
Tätigkeit als Mitarbeiterin C._ erzielt habe. Dieser Wert entspricht praktisch den
Angaben der Arbeitgeberin. Gemäss Lohnblatt der Arbeitgeberin betrug der Lohn im
Jahr 2011 Fr. 25'220.-- (Fr. 1'940.-- x 13 [act. G 4.1/64.9]). Nachdem die
Beschwerdeführerin leicht unterdurchschnittlich verdient hat, ist der Lohn
praxisgemäss auf 95 % des Tabellenwerts zu parallelisieren (BGE 134 V 322 E. 4.1;
BGE 135 V 297 E. 6.1.2 f.). Es ist somit von einem Valideneinkommen von Fr. 25'349.--
auszugehen (Fr. 53'367.-- x 95 % x 50 % [vgl. IVG-Ausgabe der Informationsstelle
AHV/IV, Anhang 2]). In Bezug auf das Invalideneinkommen geht die
Beschwerdeführerin ebenfalls wie die Beschwerdegegnerin von einem Ausgangswert
von Fr. 53'260.-- aus, macht jedoch geltend, das von der Beschwerdegegnerin
eingesetzte Invalideneinkommen von Fr. 13'315.-- (25 % von Fr. 53'260.--) sei
nochmals auf Fr. 6'657.-- zu halbieren, da ansonsten ein Valideneinkommen auf der
Basis eines 50 %-Pensums mit einem Invalideneinkommen auf der Basis eines 100 %-
Pensums verglichen werde. Diese Ansicht trifft klarerweise nicht zu. Nachdem die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdeführerin unbestrittenermassen noch rund ein 50 %-Pensum ausüben kann
(4 Stunden pro Tag), wurde der Tabellenwert halbiert. Damit wird ein 50 %-Validen
einkommen mit einem 50 %-Invalideneinkommen verglichen. Die Kritik der
Beschwerdeführerin zielt demnach ins Leere. Weil sie in diesem zeitlichen Umfang nur
noch 50 % zu leisten vermag, wurde der Betrag nochmals halbiert, sodass auch die
verminderte Leistungsfähigkeit in das Invalideneinkommen eingeflossen ist. Eine dritte
Halbierung ist demzufolge nicht angezeigt. Der mittlerweile erhältliche korrekte
Tabellenwert für das Jahr 2011 liegt bei Fr. 53'367.-- (vgl. IVG-Ausgabe der
Informationsstelle AHV/IV, Anhang 2). Nachdem das Valideneinkommen auf der Basis
dieses Werts parallelisiert wurde, ist auch betreffend Invalideneinkommen von diesem
Betrag auszugehen.
2.3 Im Weiteren beantragt die Beschwerdeführerin die Berücksichtigung eines
Leidensabzugs. Während sie zunächst von einem Leidensabzug von 10 % ausging, da
sie nur noch leichteste Arbeit zu verrichten vermöge, verlangt sie in der Replik einen
solchen von 20 %. Dies begründet sie im Wesentlichen mit dem erhöhten
Krankheitsrisiko sowie mit der fehlenden Erfahrung in anderen als der angestammten
Tätigkeit. Mit der Beschwerdeführerin ist davon auszugehen, dass sie bei einer ohnehin
schon stark eingeschränkten Arbeitsfähigkeit zusätzliche qualitative Einschränkungen
hinzunehmen hat. So kann sie nur noch sitzende Tätigkeiten ausüben. Ausserdem ist
sie nebst den betriebsüblichen auf weitere Pausen angewiesen. Sie ist somit auf
körperlich leichte Tätigkeiten angewiesen, in denen sie die Arbeit weitgehend frei
einteilen kann. Zudem besteht bei einer MS-Erkrankung stets ein erhöhtes Risiko einer
Verschlechterung des Beschwerdebildes (vgl. auch den Bericht von Prof. Dr. E._ vom
14. April 2015, wonach unterdessen eine leicht progrediente Verschlechterung der MS-
Symptomatik eingetreten ist [act. G 9.1]). Auf Grund dieser mehrfachen
Einschränkungen erscheint damit die erwerbliche Verwertbarkeit auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt gegenüber einer gesunden Arbeitnehmerin bei ansonsten
gleichen Verhältnissen als erheblich reduziert. Dies belegt auch die Tatsache, dass die
Beschwerdeführerin selbst einen unter grösstmöglicher Adaptation organisierten
Arbeitsversuch bei ihrer angestammten Arbeitgeberin D._ nach kurzer Zeit wieder
aufgeben musste (act. G 4.1/60.2 ff.). Andererseits kann aber angesichts der
unbestrittenen Angaben von Prof. Dr. E._ zur Arbeitsfähigkeit bis zum Zeitpunkt des
Verfügungserlasses (noch) nicht von einer vollständig fehlenden Verwertbarkeit der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Restarbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Dies macht die Beschwerdeführerin denn
auch gar nicht geltend. Die erwerbliche Verwertbarkeit ist damit noch nicht derart
weitgehend eingeschränkt wie in dem Fall, als bei einer MS-Patientin auf Grund noch
weitergehender qualitativer Einschränkungen - wie etwa im Bereich der Feinmotorik der
oberen Extremitäten, der intellektuellen und kognitiven Fähigkeiten, einer ängstlich-
depressiven Reaktion mit affektiver Beeinträchtigung oder notwendiger Aufteilung des
Arbeitspensums auf zwei Phasen (Vormittag/Nachmittag) - selbst bei einer 50 %igen
Arbeitsfähigkeit nicht mehr von einer erwerblichen Verwertbarkeit ausgegangen werden
konnte (Entscheid des Versicherungsgerichts vom 3. September 2008 [IV 2007/274]
E. 3.2, bestätigt im Entscheid des Bundesgerichts vom 17. Dezember 2008
[9C_854/2008] E. 3.3). Zusammenfassend rechtfertigt es sich vorliegend, von einem
maximalen Leidensabzug von 25 % auszugehen. Das Invalideneinkommen beträgt
damit Fr. 10'006.-- (Fr. 53'367.-- x 25 % x 75 %). Bei einem Valideneinkommen von
Fr. 25'349.-- ergibt sich daraus ein Invaliditätsgrad im erwerblichen Bereich von
60.53 % ([Fr. 25'349.-- - Fr. 10'006.--] : Fr. 25'349.-- x 100).
2.4 Betreffend den Haushaltsbereich macht die Beschwerdeführerin geltend, die Daten
der Haushaltsabklärung seien nicht nachvollziehbar. Es sei nicht realistisch, dass eine
Haushaltstätigkeit sieben Mal leichter sein soll als eine leichte angepasste Tätigkeit im
freien Arbeitsmarkt. Die Haushaltstätigkeit müsse auch deshalb neu beurteilt werden,
weil der selbstständig erwerbende Ehemann bei weitem nicht die Entlastung bieten
könne wie von der Beschwerdegegnerin geltend gemacht werde. In der Replik wird
ausgeführt, die Beschwerdeführerin könne nur mehr eine rein sitzende Tätigkeit zu
25 % mit vermehrten Pausen ausüben. Dies sei gemäss Rechtsprechung auch auf den
Haushaltsbereich anzuwenden, womit hier eine 75 %ige Einschränkung resultiere.
Unter Berücksichtigung einer Mitarbeit des Ehemannes von 25 % verbleibe eine
Einschränkung von 50 %. Dem ist jedoch entgegen zu halten, dass die
Beschwerdegegnerin grundsätzlich von den Einschränkungen ausgeht, wie sie von der
Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung vom 25. April 2013 geltend
gemacht und unterschriftlich bestätigt wurden. Einzig in den Bereichen Ernährung und
Einkauf (Punkte 7.2 und 7.4) geht die Beschwerdegegnerin zudem von einer
(zusätzlichen) Mitwirkung des Ehemannes der Beschwerdeführerin aus. Im ersteren
Bereich nannte die Beschwerdeführerin eine Einschränkung von 30 %. Die
Beschwerdegegnerin geht nun davon aus, dass der Ehemann 10 % übernehmen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
könne. Im zweiten Bereich machte die Beschwerdeführerin eine Einschränkung von
20 % geltend. Hier geht die Beschwerdegegnerin davon aus, dass dem Ehemann die
Übernahme dieses ausfallenden Pensums vollumfänglich möglich sei (act. G 4.1/76.9).
Nachdem die Beschwerdeführerin in den genannten Bereichen ohnehin keine allzu
gravierenden Einschränkungen geltend macht, erscheinen die von der
Beschwerdegegnerin angenommenen Mitwirkungspflichten des Ehemannes nicht als
übertrieben und übersteigen wohl kaum das Ausmass, das er ohnehin leisten würde
und offenbar auch leistet. Die angenommene Mitwirkung erweist sich als sozial
adäquat und damit als zumutbar. Die von der Beschwerdeführerin erwähnte
Rechtsprechung, wonach auch im Haushaltsbereich auf die ärztliche
Arbeitsfähigkeitsschätzung abzustellen sei, bezieht sich im Wesentlichen auf psychisch
bedingte Einschränkungen, deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit im Haushalt
von der Abklärungsperson regelmässig schlecht beurteilt werden können. Bei
vorwiegend körperlich bedingten Einschränkungen - wie vorliegend - ist
demgegenüber die Abklärung an Ort und Stelle das geeignete Abklärungsinstrument
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_201/2011 vom 5. September 2011 E. 2 mit
Hinweisen). Die Einschränkung im Haushaltsbereich beträgt somit 19.49 %. Im Übrigen
würde selbst ein Abstellen auf die ärztliche Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht zu einer
75 %igen sondern - wie im Erwerbsbereich - nur zu einer 50 %igen Einschränkung
führen (ohne Berücksichtigung der Mitwirkungspflicht des Ehemannes). Unter
Berücksichtigung der Mitwirkung des Ehemannes, welche die Beschwerdeführerin
selber auf 25 % beziffert (Replik, S. 2), würde die Gesamteinschränkung noch 25 %
betragen. Dies weicht nicht erheblich von dem durch die Abklärungsperson an Ort und
Stelle ermittelten Wert von knapp 20 % ab.
2.5 Schliesslich sind die beiden getrennt für den erwerblichen und den Haushaltsteil
ermittelten Invaliditätsgrade gemäss der unbestrittenen Aufteilung Erwerbstätigkeit/
Haushalt mit je 50 % zu gewichten. Damit resultiert ein Gesamtinvaliditätsgrad 40.01 %
(0.5 x 60.53 % + 0.5 x 19.49 %). Die Beschwerdeführerin hat demnach Anspruch auf
eine Viertelsrente. Nachdem Prof. Dr. E._ am 14. November 2011 gegenüber dem
RAD eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit ab 5. September
2011 attestierte (act. G 4.1/41.1), welche sich ununterbrochen fortsetzte (vgl.
Arztbericht Prof. Dr. E._ vom 11. Januar 2013, act. G 4.1/66.4), ist der Zeitpunkt des
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rentenbeginns entsprechend auf den 1. September 2012 festzulegen (vgl. Art. 28 Abs.
1 lit. b und c IVG).
2.6 Mit Schreiben vom 23. April 2015 macht die Beschwerdeführerin unter Hinweis auf
den beigelegten Arztbericht von Prof. Dr. E._ vom 14. April 2015 eine
Verschlechterung des Gesundheitszustands geltend (act. G 9 und G 9.1). Ob eine
Verschlechterung mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit eingetreten
ist, wird die Beschwerdegegnerin im Rahmen eines Revisionsverfahrens zu prüfen
haben.
3.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen. Die Kosten werden
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr.
200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Praxisgemäss ist die
Gerichtsgebühr für das vorliegende Verfahren auf Fr. 600.-- festzusetzen. Diese ist der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen, nachdem der Verfahrensausgang in Bezug auf die
Kostenverlegung als vollständiges Obsiegen der Beschwerdeführerin gilt.
Dementsprechend ist der Beschwerdeführerin der geleistete Kostenvorschuss von
Fr. 600.-- zurückzuerstatten.