Decision ID: cf274665-bc63-4af7-80c4-623106e28dd3
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend gewerbsmässigen Betrug etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom 19. Juni 2017 (DG160257)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl vom 31. August 2016
(Urk. 34/1) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig:
− des gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und
Abs. 2 StGB;
− der mehrfachen, teilweise versuchten, Körperverletzung im Sinne von
Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1
StGB;
− der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 und
Abs. 3 StGB;
− der mehrfachen groben Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90
Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 37 Abs. 1 SVG und Art. 12 Abs. 2
VRV (Abbremsen).
2. Von den Vorwürfen betreffend Nebendossier 16 sowie im CHF 195 über-
steigenden Umfang betreffend Nebendossier 36 wird der Beschuldigte frei-
gesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 4 3⁄4 Jahren Freiheitsstrafe, wovon 91 Ta-
ge durch Haft erstanden sind.
4. Der bedingte Vollzug bezüglich des mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Zürich-Limmat vom 6. Juli 2011 ausgefällten Strafteils von 10 Tagessätzen
zu CHF 40 wird widerrufen.
5. Es wird vom Beschuldigten ein DNA-Profil im Sinne von Art. 5 des DNA-
Profil-Gesetzes erstellt.
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Die Kantonspolizei Zürich wird beauftragt, beim Beschuldigten die DNA-
Probe abzunehmen.
Der Beschuldigte wird verpflichtet, sich innert 30 Tagen ab Eintritt der
Rechtskraft bei der Kantonspolizei Zürich, Erkennungsdienst, Zeughaus-
strasse 11, in 8004 Zürich, zur erkennungsdienstlichen Behandlung mit
Wangenschleimhautabnahme zu melden.
6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, den folgenden Privatklägern Schadener-
satz in nachfolgender Höhe zu bezahlen:
− B._ (1), CHF 38'990.25, zuzüglich 5 % Zins auf CHF 31'180.25 ab 25. April 2012;
− C._ AG (2), CHF 53'428.70; − D._ AG Hochbau Tiefbau Holzbau (3), CHF 14'999.70, zuzüglich
5 % Zins ab 4. März 2013; − E._ AG (4), CHF 10'623.10, zuzüglich 5 % Zins ab 1. August
2012; − F._ (6), CHF 1'000, zuzüglich 5 % Zins ab 7. Juli 2008; − G._ AG (7), CHF 13'287, zuzüglich 5 % Zins ab 12. März 2012; − H._ (8), CHF 6'361.60, zuzüglich 5 % Zins ab 13. Dezember 2016; − I._ (9), CHF 1'000, zuzüglich 5 % Zins ab 24. Januar 2012; − J._ AG (11), CHF 1'000; − K._ AG (12), CHF 19'253.10, zuzüglich 5 % Zins ab 11. Februar
2012; − L._ (15), CHF 2'500, zuzüglich 5 % Zins ab 27. Juli 2011; − M._ (16), CHF 2'328.95, zuzüglich 5 % Zins ab 4. März 2013; − N._ (17), CHF 1'000, zuzüglich 5 % Zins ab 22. März 2012; − O._ (18), CHF 500, zuzüglich 5 % Zins ab 11. August 2011; − P._ (20), CHF 1'658.43; − Q._ (21), CHF 722, zuzüglich 5 % Zins ab 22. März 2012; − R._ (22), CHF 4'039, zuzüglich 5 % Zins ab 14. Februar 2012; − S._ (23), CHF 927, zuzüglich 5 % Zins ab 28. Februar 2012; − T._ (24), CHF 1'750.
7. Die Schadenersatzbegehren folgender Privatkläger werden im jeweils ge-
nannten Umfang abgewiesen:
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− C._ AG (2): CHF 100; − E._ AG (4): CHF 1'000; − G._ AG (7), CHF 1'500; − H._ (8): CHF 1'000; − U._ (19): CHF 1'000.
8. Im allfälligen Mehrbetrag werden die Schadenersatzbegehren gemäss Zif-
fern 6 und 7 auf den Zivilweg verwiesen.
9. Die Schadenersatzbegehren der folgenden Privatkläger werden auf den Zi-
vilweg verwiesen:
− V._ (5); − W._ (26).
10. Die Genugtuungsbegehren der folgenden Privatkläger werden abgewiesen:
− L._ (15); − U._ (19); − R._ (22); − S._ (23).
11. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 29. August 2016
beschlagnahmten Gegenstände (act. 24/12) werden dem Beschuldigten
nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen herausgegeben.
Bei Nichtabholung werden sie nach Ablauf von drei Monaten nach Eintritt
der Rechtskraft vernichtet.
12. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 20'000.-- ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 20'000.-- Gebühr Anklagebehörde
Fr. 10'728.70 Auslagen Untersuchung
Fr. 1'968.50 Zeugenentschädigungen (Untersuchung)
Fr. 40'362.70 ehem. amtliche Verteidigung (X1._; Untersuchung)
Fr. 26'119.85 amtliche Verteidigung (X._; Untersuchung)
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Fr. 10'236.13 amtliche Verteidigung (X._; gerichtliches Verfahren)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
13. Die Kosten der Untersuchung, ausgenommen diejenigen der amtlichen Ver-
teidigung, werden dem Beschuldigten zu drei Vierteln auferlegt und im Übri-
gen auf die Staatskasse genommen.
14. Die Kosten des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen der amt-
lichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten zu neun Zehnteln auferlegt
und im Übrigen auf die Staatskasse genommen.
15. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO im Umfang von CHF 59'074.40.
16. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher
Verteidiger des Beschuldigten mit CHF 36'355.98 (inkl. MwSt.) aus der Ge-
richtskasse entschädigt.
17. Der Beschuldigte wird verpflichtet, den folgenden Privatklägern Prozessent-
schädigungen in nachfolgender Höhe zu bezahlen:
− U._ (19), CHF 200; − R._ (22): CHF 366.
Berufungsanträge
a) Der amtlichen Verteidigung:
(Urk. 117 S. 1 f., schriftlich)
1. Es sei festzustellen und ins Urteilsdispositiv als gesonderte Ziffer  aufzunehmen, dass in dieser Sache
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mit einer Verfahrensdauer von insgesamt 7 Jahren und 5 Monaten seit der erstmaligen polizeilichen Konfrontation mit einzelnen Tatvor-
würfen bis zur zweitinstanzlichen Verhandlung im allgemeinen und
mit einer Dauer des Berufungsverfahrens von gut 3 Jahren und 2  innert welcher Dauer einzig eine Ergänzung des psychiatrischen Gutachtens eingeholt worden ist, im speziellen
das Beschleunigungsgebot massiv verletzt worden ist.
2. Der Beschuldigte sei – soweit auf die Anklage überhaupt eingetreten
werden kann – vollumfänglich freizusprechen.
3. Eventuell, d.h. im Falle einer vollumfänglichen oder teilweisen Bestäti-
gung des vorinstanzlichen Urteils im Schuldpunkt sei das Strafmass auf eine teilbedingte, lediglich um 24 Monate übersteigenden Teil zu
vollziehende Freiheitsstrafe von maximal 30 Monaten zu reduzieren und die dem Beschuldigten anzusetzende Probezeit für die aufzu-
schiebende Strafe auf vier Jahre anzusetzen.
4. Der von der Vorinstanz angeordnete Widerruf des bedingten Vollzugs
einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen à Fr. 40.00 gemäss Strafbefehl
der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 6. Juli 2011 sei aufzuheben
und auf den entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft sei in An-
wendung von Art. 46 Abs. 5 StGB unabhängig vom Ausgang des Ver-
fahrens in der Hauptsache nicht weiter einzutreten.
5. Auf die Schadenersatzbegehren der E._ AG, der G._ AG und
der K._ AG sei nicht einzutreten.
Die übrigen Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen der Ge-
schädigten seien, soweit sie nicht mit dem vorinstanzlichen Urteil
rechtskräftig abgewiesen oder auf den Zivilweg verwiesen worden sind,
ebenfalls auf den Zivilweg zu verweisen.
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6. Alles unter ausgangsgemässer Kosten- und Entschädigungsregelung
bzw. Zusprechung von Haftentschädigung und Genugtuung an den
Beschuldigten gemäss den der Vorinstanz gestellten Anträge.
b) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:
(Urk. 123 S. 1)
1. Bestätigung der vorinstanzlichen Schuldsprüche gemäss Urteilsziffer 1
2. Bestätigung der vorinstanzlichen Freisprüche gemäss Urteilsziffer 2
3. Bestrafung des Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 5,5 Jahren,
abzüglich der erstandenen Haft
4. Absehen vom Widerruf der Vorstrafe gemäss Urteilsziffer 4 Vorinstanz
5. Im übrigen Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
6. Unter Kostenfolgen zulasten des Beschuldigten für das zweitinstanzli-
che Verfahren
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Inhaltsverzeichnis:
I. Prozessgeschichte ....................................................................................... 11 II. Prozessuales ................................................................................................ 13 A. Verfolgungsverjährung 13 B. Anklagegrundsatz 14 C. Abweichende rechtliche Würdigung 18 D. Strafanträge 22 E. Psychiatrische Begutachtung 27 F. Verwertbarkeit Beweismittel 38 G. Privatklägerschaft 43 H. Teilrechtskraft 44 III. Materielles .................................................................................................... 44 A. Anklagevorwurf 44 B. Standpunkt des Beschuldigten 45 C. Beweisgrundsätze 46 D. Beweismittel 47 E. Würdigung 48
1. Vorbemerkung 48 2. Anklagesachverhalt ND 18 (Vorfall vom 7. Juli 2008) 49 3. Anklagesachverhalt ND 36 (Vorfall vom 8. April 2009) 51 4. Anklagesachverhalt ND 4 (Vorfall vom 9. Juni 2011) 53 5. Anklagesachverhalt ND 20 (Vorfall vom 14. Juni 2011) 60 6. Anklagesachverhalt ND 5 (Vorfall vom 27. Juli 2011) 64 7. Anklagesachverhalt ND 21 (Vorfall vom 11. August 2011) 69 8. Anklagesachverhalt ND 22 (Vorfall vom 23. November 2011) 73 9. Anklagesachverhalt ND 34 (Vorfall vom 2. Januar 2012) 78 10. Anklagesachverhalt ND 9 (Vorfall vom 24. Januar 2012) 80 11. Anklagesachverhalt ND 30 (Vorfall vom 14. Februar 2012) 82 12. Anklagesachverhalt ND 10 (Vorfall vom 22. Februar 2012) 87 13. Anklagesachverhalt ND 24 (Vorfall vom 28. Februar 2012) 91 14. Anklagesachverhalt ND 11 (Vorfall vom 15. März 2012) 94 15. Anklagesachverhalt ND 12 (Vorfall vom 22. März 2012) 97 16. Anklagesachverhalt ND 13 (Vorfall vom 25. April 2012) 101 17. Anklagesachverhalt ND 32 (Vorfall vom 22. November 2012) 107 18. Anklagesachverhalt ND 29 (Vorfall vom 4. März 2013) 109 19. Anklagesachverhalt ND 37 (Vorfall vom 27. April 2013) 114 20. Allgemeine Feststellungen und Auffälligkeiten 119 21. Ergebnis 122
IV. Rechtliche Würdigung ................................................................................ 123 A. Würdigung der Vorinstanz 123 B. Mehrfache grobe Verkehrsregelverletzung (Art. 90 Abs. 2 SVG) 123
1. Rechtliche Grundlagen 123 2. Subsumption 123
C. Gewerbsmässiger Betrug (Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB) 124 1. Rechtliche Grundlagen 124 2. Subsumption 124
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3. Fazit 132 D. Mehrfache Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 StGB) 132
1. Rechtliche Grundlagen 132 2. Subsumption 132 3. Fazit 133
E. Mehrfache Sachbeschädigung (Art. 144 StGB) 134 1. Rechtliche Grundlagen 134 2. Subsumption 134 3. Fazit 135
F. Ergebnis 135 V. Sanktion ..................................................................................................... 136 A. Anwendbares Sanktionsrecht 136 B. Strafrahmen 136 C. Strafzumessungsfaktoren 137 D. Konkrete Strafzumessung 137
1. Gewerbsmässiger Betrug 137 1.1. Objektive Tatschwere 137 1.2. Subjektive Tatschwere 138
2. Mehrfache grobe Verkehrsregelverletzung 138 3. Mehrfache, teils versuchte Körperverletzung 139 4. Mehrfache Sachbeschädigung 140 5. Täterkomponente 141 6. Gesamtstrafe und Vollzug 143
VI. Widerruf ...................................................................................................... 144 VII. DNA Profil ................................................................................................... 144 VIII. Fahrverbot .................................................................................................. 145 IX. Zivilansprüche ............................................................................................ 145 A. Ausgangslage 145 B. Rechtliche Grundlagen und Voraussetzungen 148 C. Einzelfallbeurteilung 148
1. ND4 (Vorfall vom 9. Juni 2011) 148 2. ND20 (Vorfall vom 14. Juni 2011) 149 3. ND5 (Vorfall vom 27. Juli 2011) 149 4. ND21 (Vorfall vom 11. August 2011) 150 5. ND22 (Vorfall vom 23. November 2011) 151 6. ND30 (Vorfall vom 14. Februar 2012) 152 7. ND10 (Vorfall vom 22. Februar 2012) 153 8. ND24 (Vorfall vom 28. Februar 2012) 154 9. ND12 (Vorfall vom 22. März 2012) 155 10. ND13 (Vorfall vom 25. April 2012) 157 11. ND29 (Vorfall vom 4. März 2013) 157 12. ND37 (Vorfall vom 27. April 2013) 160 13. ND36 (Vorfall vom 8. April 2009) 160 14. Übrige Vorfälle 160
X. Beschlagnahme .......................................................................................... 160 A. Rechtliche Grundlagen 160 B. Subsumption 161
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XI. Kosten- und Entschädigungsfolgen ............................................................ 161 A. Vorinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen 161 B. Zweitinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen 164
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Erwägungen:
I.Prozessgeschichte
1. Seitens der Vorinstanz wurde der Verfahrensgang hinsichtlich des Vorver-
fahrens einlässlich und zutreffend geschildert (Urk. 74 E. I.), weshalb vollumfäng-
lich darauf verwiesen werden kann.
2. Das Bezirksgericht Zürich, 9. Abteilung, entschied mit Urteil vom 19. Juni
2017 im Verfahren DG160257 über die vorliegende Anklage. Gegen dieses Urteil
liess der amtliche Verteidiger des Beschuldigten mit Eingabe vom 22. Juni 2017
(Urk. 69) innert Frist Berufung anmelden. Das vollständig begründete Urteil
(Urk. 70 bzw. 74) wurde von der Staatsanwaltschaft am 21. Juli 2017 und von der
Verteidigung am 24. Juli 2017 entgegengenommen (Urk. 72/1-2). Mit Eingabe
vom 11. August 2017 ging die Berufungserklärung des Beschuldigten hierorts ein
(Urk. 76). Mit Präsidialverfügung vom 15. August 2017 (Urk. 78) wurde der
Staatsanwaltschaft sowie den Privatklägern unter Hinweis auf die Berufungserklä-
rung des Beschuldigten Frist zur Erhebung einer Anschlussberufung bzw. zum
Antrag auf Nichteintreten auf die Berufung angesetzt. Mit Eingabe vom
1. September 2017 (Urk. 80) erhob die Staatsanwaltschaft fristgerecht An-
schlussberufung. Eine Kopie der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft wur-
de dem Beschuldigten bzw. den Privatklägern mit Präsidialverfügung vom
16. Oktober 2017 zugestellt (Urk. 87). Eine zwischenzeitlich seitens der Privatklä-
gerin 8 erhobene Anschlussberufung (vgl. Urk. 81/A-B; Urk. 82) wurde von ihr mit
Eingabe vom 13. Oktober 2017 wieder zurückgezogen, wobei sie gleichzeitig aus-
führte, dass sie an der ihr vorinstanzlich zugesprochenen Forderung von
Fr. 6'361.60 festhalte (Urk. 85; vgl. auch Urk. 83 u. 87).
3. Mit Schreiben vom 3. Juli 2018 (Urk. 91) erteilte der vormalige Referent den
Auftrag an Dr. med. AA._, sein forensisch-psychiatrisches Gutachten vom
4. November 2013 zu ergänzen (Urk. 91). Das Ergänzungsgutachten von
Dr. med. AA._ (Urk. 93) ging daraufhin am 21. September 2018 beim Gericht
ein. Mit Präsidialverfügung vom 1. November 2018 (Urk. 94) wurde das Ergän-
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zungsgutachten dem amtlichen Verteidiger sowie der Staatsanwaltschaft zuge-
stellt und ihnen jeweils eine Frist zur freigestellten Stellungnahme hierzu ange-
setzt. Seitens der Staatsanwaltschaft wurde am 20. November 2018 auf Stellung-
nahme verzichtet (Urk. 96). Seitens der Verteidigung wurde innert zweimal er-
streckter Frist (vgl. Urk. 97 u. 100) mit Eingabe vom 18. Februar 2019 (Urk. 101)
zum Ergänzungsgutachten Stellung genommen und ein Ober- bzw. Zweitgutach-
ten sowie eine Zeugeneinvernahme von Dr. med. AB._ beantragt. Mit Verfü-
gung des vormaligen Referenten vom 29. März 2019 (Urk. 102) wurde der
Staatsanwaltschaft Frist angesetzt, um zur Beweiseingabe der Verteidigung vom
18. Februar 2019 Stellung zu nehmen. Die Staatsanwaltschaft liess sich daraufhin
mit Eingabe vom 4. April 2019 (Urk. 104) dazu vernehmen. Auf den 1. Juli 2019
erfolgte infolge Pensionierung des vormaligen Referenten ein Referentenwechsel.
Mit Präsidialverfügung vom 2. August 2019 (Urk. 106) wurden die am 18. Februar
2018 gestellten Anträge der Verteidigung auf Erstellung eines Zweit- bzw. Ober-
gutachtens und auf Zeugeneinvernahme von Dr. med. AB._ einstweilen ab-
gewiesen.
4. Die Vorladungen an die Staatsanwaltschaft, die Privatkläger und den Be-
schuldigten zur heutigen Berufungsverhandlung ergingen am 20. März 2020
(Urk. 111).
5. Erschienen sind zur Berufungsverhandlung der Beschuldigte in Begleitung
seines amtlichen Verteidigers Rechtsanwalt lic. iur. X._ sowie die Staatsan-
wältin lic. iur. Leu (Prot. II S. 8). Anlässlich der Berufungsverhandlung erfolgte die
persönliche Befragung des Beschuldigten, die Parteivertreter hielten ihre Partei-
vorträge und der Verteidigung wurde das Schreiben der Staatsanwältin Leu vom
23. Mai 2013 samt E-Mail und Aktennotiz vom 23. August 2019 (Urk. 108-110) zur
Einsicht vorgelegt (Prot. II S. 35). Nachdem die Verteidigung mitgeteilt hatte, dass
sie sich nicht in der Lage sehe, zu den ihr vorgelegten Dokumenten (Urk. 108-
110) anlässlich der Berufungsverhandlung Stellung zu nehmen, und sie sich vor-
behalte diesbezüglich ein Ausstandsbegehren zu prüfen, wurde ihr antragsge-
mäss Frist bis Donnerstag, 29. Oktober 2020, angesetzt, um schriftlich zu diesen
Dokumenten (Urk. 108-110) Stellung nehmen zu können (Prot. II S. 35 ff.).
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6. Mit Eingabe vom 29. Oktober 2020 reichte die Verteidigung innert Frist ihre
Stellungnahme ein und stellte ein Ausstandsbegehren gegen Oberrichter lic. iur.
Wenker (Urk. 124). Das Ausstandsbegehren wurde mit Schreiben vom 30. Okto-
ber 2020 zuständigkeitshalber an die I. Strafkammer des Obergerichtes des Kan-
tons Zürich überwiesen, welche dieses mit Beschluss vom 25. Januar 2021 ab-
gewiesen hat (Urk. 125).
II.Prozessuales
A. Verfolgungsverjährung
1. Art. 97 StGB legt die Fristen für die Verfolgungsverjährung von Verbrechen
und Vergehen fest. Innert dieser Fristen hat ein erstinstanzliches Urteil zu erge-
hen, widrigenfalls die Verfolgungsverjährung eintritt und das Strafverfahren als
Folge dessen einzustellen wäre (Art. 319 Abs. 1 lit. d StPO; Art. 329 Abs. 4 StPO;
BSK StGB-ZURBRÜGG, Art. 97 StGB N 1a). In Art. 97 Abs. 1 StGB werden die Ver-
jährungsfristen bestimmt. Zu beachten ist, dass die zehnjährige Verjährungsfrist
gemäss Art. 97 Abs. 1 lit. c StGB – im Gegensatz zu den übrigen unter Abs. 1 er-
wähnten Fristen, welche bereits seit dem 1. Oktober 2002 gelten – erst per 1. Ja-
nuar 2014 in Kraft gesetzt wurde und aufgrund des Rückwirkungsverbots nur für
ab diesem Datum begangene Taten gilt. Deshalb beträgt die Verfolgungsfrist ge-
mäss dem davor geltenden Recht hinsichtlich Taten, bei welchen die angedrohte
Höchststrafe drei Jahre beträgt, lediglich sieben Jahre (vgl. BSK StGB-ZURBRÜGG,
Art. 97 StGB N 10a m.w.H.).
2. Vorliegend wurden von der Anklagebehörde Ereignisse ab dem 7. Juli 2008
(ND 18) bis 27. April 2013 (ND 37) angeklagt. Seitens der Vorinstanz wurde zu-
treffend festgehalten (Urk. 74 E. II. B.1.), dass vorliegend die Tatbestände der
groben Verkehrsregelverletzung (Art. 90 Abs. 2 SVG), der einfachen Körperver-
letzung (Art. 123 Ziff. 1 StGB) und der Sachbeschädigung (Art. 144 StGB; ausser
unter Abs. 3 [grosser Schaden] fallende Sachverhalte) über eine angedrohte
Höchststrafe von Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren verfügen. Entsprechend tritt
die Verfolgungsverjährung bezüglich dieser Delikte innert sieben Jahren nach
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Tatbegehung ein, demgegenüber die Strafverfolgung von nicht gewerbsmässigem
oder gewerbsmässigem Betrug gemäss Art. 146 Abs. 1 (und Abs. 2 StGB) erst
innert 15 Jahren nach Tatbegehung verjährt (Art. 97 Abs. 1 lit. b StGB).
3. Bereits seitens der Staatsanwaltschaft wurde die Problematik der Verfol-
gungsverjährung hinsichtlich der zwei ältesten Dossiers (ND 18 [7.7.2008] und
ND 36 [8.4.2009]) erkannt und die entsprechenden Strafverfahren eingestellt
(Urk. 34/5 S. 4), was im vorinstanzlichen Urteil zutreffend Erwähnung fand
(Urk. 74 E. II.B.2.). Anlässlich der Berufungsverhandlung machte die Verteidigung
hinsichtlich ND 36 geltend, dass es sich im Zusammenhang mit dem Nokia Mobil-
telefon um einen geringfügigen Betrug und damit um eine Übertretung handle,
welche längst verjährt sei, weshalb diesbezüglich auf die Anklage nicht einzutre-
ten sei (Urk. 117 S. 18). Wie nachfolgend noch zu zeigen sein wird, handelte der
Beschuldigte mit Wissen und Willen und damit vorsätzlich (nachstehend unter
E. IV.C.2.6.). Der Vorsatz des Beschuldigten richtete sich auch beim Vorfall vom
27. April 2013 (ND 36) auf das Erlangen einer grossen Haftpflichtzahlung, da er
mit seinem Vorgehen nicht nur auf eine Vermögensdisposition des Kollusions-
partners respektive dessen Versicherers für das beschädigte Mobiltelefon, son-
dern auch für sein beschädigtes Fahrzeug abzielte, was keiner geringfügigen
Summe entspricht. Entsprechend handelt es sich um kein geringfügiges Vermö-
gensdelikt und die Verjährung ist noch nicht eingetreten. Im Übrigen stellt sich die
Frage der Verfolgungsverjährung vorliegend nicht.
B. Anklagegrundsatz
1. Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand
des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 9 und Art. 325 StPO; Art. 29
Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV; Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a und b EMRK). Das Ge-
richt ist an den in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt gebunden (Immuta-
bilitätsprinzip), nicht aber an dessen rechtliche Würdigung durch die Anklagebe-
hörde (Art. 350 StPO). Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last ge-
legten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe
in objektiver und subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Der Anklage-
grundsatz bezweckt zugleich den Schutz der Verteidigungsrechte der beschuldig-
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ten Person und dient dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion;
BGE 141 IV 132 E. 3.4.1; 140 IV 188 E. 1.3; je mit Hinweisen). Unter dem Ge-
sichtspunkt der Informationsfunktion muss die beschuldigte Person aus der An-
klage ersehen können, wessen sie angeklagt ist. Dies bedingt eine zureichende
Umschreibung der Tat. Entscheidend ist, dass die beschuldigte Person genau
weiss, welcher konkreten Handlungen sie beschuldigt und wie ihr Verhalten recht-
lich qualifiziert wird, damit sie sich in ihrer Verteidigung richtig vorbereiten kann.
Sie darf nicht Gefahr laufen, erst an der Gerichtsverhandlung mit neuen Anschul-
digungen konfrontiert zu werden (vgl. BGE 103 Ia 6 E. 1b; Urteile des Bundesge-
richts 6B_492/2015 vom 2 Dezember 2015 E. 2.2, nicht publiziert in: BGE 141 IV
437 und 6B_1151/2015 vom 21. Dezember 2016 E. 2.2; je mit Hinweisen). Zu den
gesetzlichen Merkmalen der strafbaren Handlung gehören, neben den Tatbe-
standsmerkmalen, die Schuldform (sofern vorsätzliches und fahrlässiges Verhal-
ten strafbar ist), die Teilnahmeform (Mittäterschaft, Anstiftung, Gehilfenschaft)
sowie die Erscheinungsform (Versuch oder vollendetes Delikt) und allfällige Kon-
kurrenzen. Die tatsächlichen Umstände der Tat – Zeit, Ort, Art der Begehung und
Form der Mitwirkung, angestrebter oder verwirklichter Erfolg (einschliesslich Kau-
salzusammenhang) – sind anzugeben und die einzelnen rechtlichen Elemente
des Delikts hervorzuheben. Hinsichtlich der Vorsatzelemente genügt grundsätz-
lich der Hinweis auf den gesetzlichen Straftatbestand im Anschluss an die Dar-
stellung des Sachverhalts als zureichende Umschreibung der subjektiven Merk-
male, wenn der betreffende Tatbestand nur vorsätzlich begangen werden kann
(BGE 120 IV 348 E. 3c S. 355 f. mit Hinweis; Urteile des Bundesgerichts
6B_633/2015 vom 12. Januar 2016 E. 1.3 und 6B_873/2015 vom 20. April 2016
E. 1.3. m.w.H.). Solange für die beschuldigte Person klar ist, welcher Sachverhalt
ihr vorgeworfen wird, kann auch eine fehlerhafte und unpräzise Anklage nicht da-
zu führen, dass es zu keinem Schuldspruch kommen darf. Entscheidend ist, dass
für die beschuldigte Person keine Zweifel darüber bestehen, welches Verhalten
ihr vorgeworfen wird. Die nähere Begründung der Anklage erfolgt vor Schranken;
es ist Sache des Gerichts, den Sachverhalt verbindlich festzustellen (Urteile des
Bundesgerichts 6B_894/2016 vom 14. März 2017 E. 1.1.1 mit Hinweisen,
6B_18/2017 vom 17. Mai 2017 E. 1.2 und 6B_228/2017 vom 4. Juli 2017 E. 2.3).
- 16 -
2. Seitens der Verteidigung wird – wie bereits vor Vorinstanz – vorgebracht,
dass die Anklage in mehrfacher Hinsicht den Anklagegrundsatz verletze. So
macht sie geltend, dass einzelne Betrugselemente – wer sich geirrt habe und wer
letztlich eine Vermögensdisposition an wen ausgeführt habe – und die Gewerbs-
mässigkeit des Betrugs (Urk. 63 S. 3 ff.; Prot. I S. 25; Urk. 117 S. 19 f.) unzu-
reichend umschrieben worden seien. Zudem fehle es in der Anklage hinsichtlich
der vorsätzlichen Körperverletzung an jeglicher Umschreibung, weshalb im Ein-
zelfall eine Verwirklichung der Gefahr noch näher gewesen sein soll, als dies für
die Erfüllung des Tatbestands von Art. 90 Ziff. 2 SVG ohnehin schon gefordert
werde (Urk. 117 S. 20).
3.1. Den Tatbestand des Betrugs gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB erfüllt, wer in der
Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch
Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt und so den Ir-
renden zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen an-
dern am Vermögen schädigt. Handelt der Täter gewerbsmässig, wird er mit Frei-
heitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe nicht unter 90 Tagessätzen be-
straft (Art. 146 Abs. 2 StGB).
3.2. Nach der Rechtsprechung liegt im Begriff des berufsmässigen Handelns der
Ansatzpunkt für die Umschreibung der Gewerbsmässigkeit. Der Täter handelt be-
rufsmässig, wenn sich aus der Zeit und den Mitteln, die er für die deliktische Tä-
tigkeit aufwendet, aus der Häufigkeit der Einzelakte innerhalb eines bestimmten
Zeitraums sowie aus den angestrebten und erzielten Einkünften ergibt, dass er
die deliktische Tätigkeit nach der Art eines Berufes ausübt. Wesentlich für die An-
nahme der Gewerbsmässigkeit ist, dass sich der Täter, wie aus den gesamten
Umständen geschlossen werden muss, darauf eingerichtet hat, durch deliktische
Handlungen Einkünfte zu erzielen, die einen namhaften Beitrag an die Kosten zur
Finanzierung seiner Lebensgestaltung darstellen (Urteile des Bundesgerichts
6B_333/2018 vom 23. April 2019 E. 2.3.1, 6B_290/2016 vom 15. August 2016
E. 1.2 und 6B_550/2016 vom 10. August 2016 E. 2.3).
3.3. Vorliegend wird seitens der Anklagebehörde rechtsgenügend umschrieben,
dass der Beschuldigte die ihm vorgeworfenen Betrüge berufsmässig und mit dem
- 17 -
Ziel begangen hat, damit einen namhaften Beitrag an die Kosten zur Finanzierung
seiner Lebensgestaltung realisieren zu können. Seitens der Vorinstanz wurden
die diesbezüglich massgebenden Stellen in der Anklageschrift zutreffend erwähnt
(Urk. 74 E. IV.A.2.1.2.), worauf vollumfänglich verwiesen werden kann. Ergän-
zend ist darauf hinzuweisen, dass auch aus den Zwischentiteln "Gewerbsmässi-
ger Betrug" (Urk. 34/1 S. 2) und "Zusammenfassung (gewerbsmässiger Betrug)"
(Urk. 34/1 S. 9) hervorgeht, dass auch die berufsmässige Ausübung der Betrüge
angeklagt wird, auch wenn sich der Vorhalt aus dem Fliesstext selbst zu ergeben
hat. Der Beschuldigte wusste vorliegend jedenfalls in rechtsgenügendem Masse,
dass ihm auch die berufsmässige Begehung der Betrüge vorgeworfen wurde und
konnte sich dementsprechend verteidigen. Mit der Vorinstanz (Urk. 74 E. A.2.1.4.)
ist damit einig zu gehen, dass mit dem Hinweis auf die Nutzung jeder Gelegenheit
zur Erzielung eines zusätzlichen Einkommens das eigentliche Kernelement der
Gewerbsmässigkeit in der Anklage hinreichend präzise zum Ausdruck kam. Der
Anklagegrundsatz wurde deshalb rechtsgenügend gewahrt.
3.4. Auch die einzelnen Merkmale des Betrugs bzw. die Betrugshandlungen
(Täuschung, Arglist, Irrtum, Vermögensdisposition und Schaden) wurden in der
Anklage (Urk. 34/1) rechtsgenügend umschrieben. Die entsprechenden Ausfüh-
rungen der Vorinstanz erweisen sich als zutreffend (Urk. 74 E. IV.A.2.2.2.) und
darauf kann vollumfänglich verwiesen werden. Auch diesbezüglich wusste der
Beschuldigte, was ihm vorgeworfen wurde und konnte sich dementsprechend ver-
teidigen. Auch war ihm aufgrund der Involvierung von Kollisions- und weiteren
Vorfallbeteiligten sowie Versicherungsgesellschaften und der ausführlichen Be-
schreibung in der Anklageschrift klar, dass allenfalls mehrere Personen in die Be-
urteilung des Schadensfalls eingebunden waren und es somit fallweise zu Irr-
tumsvermittlungen bzw. einer Irrtumsvermittlungskette gekommen ist (zu diesen
Begriffen: z.B. BEATRICE KÄSER, Sozialleistungsbetrug, Sozialversicherungsbe-
trug/Sozialversicherungsmissbrauch, Diss. Zürich 2012, N 242 m.w.H.). Auch die-
se wurden in der Anklageschrift detailliert umschrieben. Der Anklagegrundsatz
wurde deshalb rechtsgenügend gewahrt.
- 18 -
3.5. Auch die einzelnen Merkmale der vorsätzlichen, teilweise versuchten Kör-
perverletzung wurden in der Anklage rechtsgenügend umschrieben (Urk. 34/1
S. 12 f.). Entgegen der Verteidigung ist die Frage, ob sich die Gefahr für die kör-
perliche Unversehrtheit der Kollisionsbeteiligten im Einzelfall verwirklicht hat, im
Rahmen der rechtlichen Würdigung (nachstehend unter E. IV.D.) und insbesonde-
re gesondert von Art. 90 Ziff. 2 SVG zu prüfen, da es sich bei der groben Ver-
kehrsregelverletzung und der Körperverletzung um zwei verschiedene Rechtsgü-
ter handelt.
3.6. Einhergehend mit der Vorinstanz (Urk. 74 E. A.IV.2.2.2.) ist schliesslich fest-
zustellen, dass vorliegend die – bedingt durch die hohe Anzahl an ähnlich gela-
gerten Unfällen naheliegenden – den einzelnen Dossiers vorangestellten, verein-
heitlichenden Angaben und auch die Verwendung von Alternativbeschreibungen
das Anklageprinzip nicht verletzen. Der Beschuldigte wusste, was Gegenstand
der Anklage ist und konnte sich jederzeit gehörig verteidigen.
C. Abweichende rechtliche Würdigung
1. Will das Gericht den Sachverhalt rechtlich anders würdigen als die Staats-
anwaltschaft in der Anklageschrift, so eröffnet es dies den anwesenden Parteien
und gibt ihnen Gelegenheit zur Stellungnahme (Art. 344 StPO). Die rechtliche
Würdigung des durch die Anklageschrift bestimmten Prozessgegenstandes ist
ausschliesslich Aufgabe des Gerichts und kann nicht durch die Parteien vorbe-
stimmt oder eingeschränkt werden, weshalb das Gericht von den Anträgen der
Staatsanwaltschaft – ebenso wie von denjenigen der beschuldigten Person oder
der Privatklägerschaft – abweichen kann (Urteil des Bundesgerichts 6B_254/2015
vom 27. August 2015 E. 3.1.). Mit der Vorinstanz (Urk. 74 E. IV.A.1.3.) hat der
Hinweis seitens des Gerichts auf die Möglichkeit einer abweichenden rechtlichen
Würdigung spätestens vor Abschluss des Beweisverfahrens zu erfolgen (BSK
StPO-HAURI/VENETZ, Art. 344 StPO N 12). Vorauszusetzen ist in diesem Zusam-
menhang, dass die Umschreibung des Sachverhalts in der Anklage die Subsump-
tion unter einen anderen Straftatbestand überhaupt zulässt.
- 19 -
2. Seitens der Vorinstanz wurde den Parteien anlässlich der Hauptverhandlung
im Rahmen der Vorfragen mitgeteilt, dass das Gericht für den Fall eines Schuld-
spruchs die Möglichkeit einer von der Anklage abweichenden rechtlichen Würdi-
gung in Betracht ziehe. So kam für die Vorinstanz zusätzlich zum Vorwurf der
groben Verkehrsregelverletzung die Prüfung des Vorliegens einer Nötigung sowie
die Subsumption der angeklagten Sachbeschädigungen unter die Qualifizierung
als grosser Schaden im Sinne von Abs. 3 von Art. 144 StGB in Frage (Prot. I
S. 6).
3.1. Hinsichtlich der Nötigung wurde von der Vorinstanz vorab zutreffend erwo-
gen (Urk. 74 E. IV.A.3.1.), dass eine Verurteilung des Beschuldigten wegen Nöti-
gung im Sinne von Art. 181 StGB zufolge des erfolgten Hinweises im Sinne von
Art. 344 StPO und angesichts der rechtsgenügenden Umschreibung des entspre-
chenden Kernsachverhalts in der Anklageschrift grundsätzlich möglich sei.
3.2. In der Lehre werden unterschiedliche Auffassungen vertreten, ob zwischen
der Nötigung und der Verletzung von Verkehrsbestimmungen unechte oder echte
Konkurrenz besteht, wenn ein Verkehrsteilnehmer durch seine Fahrweise einen
anderen Strassenbenützer zu einem bestimmten Verhalten nötigt. Gemäss bun-
desgerichtlicher Rechtsprechung ist echte Konkurrenz zwischen Art. 181 StGB
und Art. 90 Abs. 2 SVG anzunehmen, weil die beiden Straftatbestände unter-
schiedliche Rechtsgüter schützen würden: Mit den Verkehrsregeln solle laut dem
Bundesgericht insbesondere die Verkehrssicherheit auf öffentlichen Strassen ge-
währleistet werden. Demgegenüber schütze der Nötigungstatbestand die Hand-
lungsfreiheit bzw. die Freiheit der Willensbildung und -betätigung des Einzelnen.
Daneben seien auch verschiedene Rechtsgutträger betroffen, weil Art. 90 Abs. 2
SVG überdies weitere abstrakt gefährdete Verkehrsteilnehmer schütze (BGE 137
IV 326 E. 3.5.1., 3.5.2. u. 3.6. m.w.H., auch zu den unterschiedlichen Lehrmei-
nungen). Aufgrund dieser Auffassung käme somit grundsätzlich zusätzlich eine
Bestrafung wegen Nötigung in Frage, zumal der entsprechende Kernsachverhalt
diesbezüglich rechtsgenügend umschrieben wurde.
3.3. Seitens der Vorinstanz wird nun aber erwogen, dass aufgrund weiterer De-
likte wie diejenigen der (allenfalls teilweise versuchten) Körperverletzung und des
- 20 -
gewerbsmässigen Betrugs, die jeweils vorangehende Nötigung diesbezüglich als
mitbestrafte Vortat erscheine (Urk. 74 E. IV.A.3.2.). Diese Auffassung erweist sich
als zutreffend. Entscheidend ist nämlich, dass die massgebenden Tathandlungen
zumindest zum Teil kongruent sind mit der Nötigungshandlung bzw. in einer sehr
engen zeitlichen Konnexität stehen. Im Zusammenhang mit der angeklagten ein-
fachen Körperverletzung erweist sich vorliegend die Nötigungshandlung als mit-
bestrafte Vortat, weil die der Körperverletzung vorausgehende Beeinträchtigung
der Willensfreiheit der Privatkläger mit dem Eingriff in die körperliche Integrität ei-
ne Handlungseinheit bildet (vgl. BGE 104 IV 173 E. 2). Hinsichtlich der Konkur-
renz zum gewerbsmässigen Betrug ist entscheidend, dass die Nötigungshandlung
dermassen in der Täuschungshandlung im Rahmen des Betrugs aufgeht, dass
diese ebenfalls eine Handlungseinheit bilden. Auch diesbezüglich wird die Nöti-
gung durch den Beschuldigten demnach als mitbestrafte Vortat konsumiert.
Schliesslich ist vorliegend auch das Verschlechterungsverbot gemäss Art. 391
Abs. 2 StPO hinsichtlich der rechtlichen Würdigung zu beachten, erstreckt sich
die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft nämlich nicht auf die rechtliche
Würdigung durch die Vorinstanz (vgl. Urk. 80). Eine Verurteilung des Beschuldig-
ten wegen Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB kommt demnach so oder anders
nicht in Frage.
4.1. Auch hinsichtlich der Frage des Vorliegens eines grossen Schadens bzw.
der Möglichkeit einer Bestrafung gemäss Art. 144 Abs. 3 StGB wurde seitens der
Vorinstanz rechtzeitig der erforderliche Hinweis an die Parteien gemacht, weshalb
eine entsprechende Verurteilung grundsätzlich zulässig wäre.
4.2 Vorliegend ist zu prüfen, ob ein grosser Schaden im Sinne des Gesetzes
vorliegt bzw. ob eine zusammenfassende Addition der Schäden aus den einzel-
nen Dossiers zulässig ist, was seitens der Verteidigung mit dem zusätzlichen
Hinweis darauf, dass sich auch der Vorsatz des Beschuldigten auf einen grossen
Schaden hätte beziehen müssen (Urk. 63 S. 27), verneint wird.
4.3. Als im Sinne von Art. 144 Abs. 3 StGB gross gilt ein Schaden, welcher den
Betrag von Fr. 10'000.- übertrifft (Urteil des Bundesgerichts 6B_699/2018 vom
7. Februar 2019 E. 3.3.2; BGE 136 IV 117 E. 4.3.1). Viele kleinere Schäden kön-
- 21 -
nen summiert einen grossen Schaden ausmachen (TRECHSEL/CRAMERI, in:
TRECHSEL/PIETH [Hrsg.], Praxiskommentar StGB, 3. A. Zürich 2018, Art. 144 StGB
N 10). Dies gilt jedenfalls dann, sofern eine natürliche Handlungseinheit vorliegt.
Die Frage der Tateinheit ist bei Art. 144 Abs. 3 StGB nicht eigenständig, sondern
nach den allgemeinen Regeln zu beantworten (BSK StGB-WEISSENBERGER,
Art. 144 StGB N 104 ff.). Mehrere Einzelhandlungen sind rechtlich als Einheit an-
zusehen, wenn sie auf einem einheitlichen Willensakt beruhen und wegen des
engen räumlichen und zeitlichen Zusammenhangs bei objektiver Betrachtung
noch als ein einheitliches zusammengehörendes Geschehen erscheinen
(BGE 131 IV 83 E. 2.4.5.).
4.4. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. IV.A.4.4.) kann vorlie-
gend hinsichtlich der Sachbeschädigungen nicht von einer Handlungseinheit aus-
gegangen werden, weil die zeitliche Konnexität zwischen den einzelnen Fällen
letztlich zu lose erscheint. Daran vermag auch die seitens der Vorinstanz ange-
wandte Analogie des Vorsatzes des Beschuldigten, eine unbestimmte Anzahl an
Sachbeschädigungen zu verüben, zu seinem Vorsatz zur gewerbsmässigen Er-
langung von ihm nicht zustehenden Schadenszahlungen nichts zu ändern. Denn
in casu mangelt es nicht am Erfordernis des einheitlichen Willensaktes, um das
Vorliegen einer Handlungseinheit anzunehmen, sondern an demjenigen des ge-
nügenden zeitlichen Zusammenhangs. Auch wenn die in Frage stehenden Delikte
teilweise lediglich wenige Tage auseinander lagen, lässt sich eine Handlungsein-
heit vor dem Hintergrund der massgebenden bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung nicht aufrecht erhalten, zumal laut der Anklage teilweise auch mehrere
Wochen bis Monate nicht delinquiert worden sei. So wurde in BGE 131 IV 83
festgehalten, dass hinsichtlich des Vorliegens einer natürlichen Handlungseinheit
ein Zeitraum von einem Monat bereits als länger anzusehen sei (E. 2.4.5). Dem-
nach ist eine Handlungseinheit und damit auch das Vorliegen eines grossen
Schadens im Sinne von Art. 144 Abs. 3 StGB zu verneinen.
4.5. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die Sachbeschädigungen – sofern
sie nicht bereits in den einzelnen Dossiers einen grossen Schaden bilden – nicht
- 22 -
von Amtes wegen, sondern lediglich auf Antrag zu verfolgen waren. Nachfolgend
ist u.a. zu prüfen, ob die erforderlichen Strafanträge vorliegen.
D. Strafanträge
1. Von der Vorinstanz wurden die rechtlichen Grundlagen und Erfordernisse
zum Strafantrag ausführlich und zutreffend wiedergegeben (Urk. 74 E. II.C.3. u.
6.1.), weshalb – um unnötige Wiederholungen zu vermeiden – vollumfänglich da-
rauf verwiesen werden kann.
2. Die amtliche Verteidigung macht in Bezug auf die Strafanträge – auch im
Berufungsverfahren – geltend, dass – nicht nur hinsichtlich Sachbeschädigung,
sondern auch betreffend versuchte Körperverletzung – alle bzw. zumindest ver-
einzelte Strafanträge zu spät gestellt worden seien (Urk. 63 S. 4 u. 25; Urk. 117
S. 18; Prot. I S. 24). Die Strafanträge wegen versuchter Körperverletzung würden
laut der Verteidigung zudem auf einem Willensmangel beruhen, weil die unver-
letzt gebliebenen Geschädigten zur Stellung eines Strafantrags verleitet bzw. ge-
radezu gezwungen worden seien. Deshalb sei auf die diesbezügliche Anklage
nicht einzutreten (Urk. 63 S. 4; Prot. II S. 36; Urk. 124 S. 2).
3.1. Seitens der Vorinstanz wurden die im Zeitraum vom 28. Mai 2013 bis 15. Ju-
li 2013 gestellten 22 Strafanträge hinsichtlich versuchter Körperverletzung oder
Körperverletzung allesamt zutreffend aufgeführt (Urk. 74 E. I.C.4.).
3.2. Es stellt sich vorliegend die Frage, ab wann den Parteien die dreimonatige
Antragsfrist lief. Vorliegend wurde seitens der Vorinstanz zutreffend darauf hin-
gewiesen, dass die Strafverfolgungsbehörden (erst) spätestens im April/Mai 2013
zur Überzeugung gelangt seien, dass ein weiteres Vorgehen gegen den Beschul-
digten erfolgreich sein könnte. Daraufhin seien allfällige Antragstellerinnen und
-steller mittels eines Begleitschreibens "in Sachen Verkehrsunfall" der Stadtpolizei
Zürich informiert und zur Prüfung eines Strafantrags eingeladen worden. Indem
die Strafverfolgungsbehörden im damaligen Zeitpunkt ihr Wissen den Ange-
schriebenen offenbart hätten, habe die dreimonatige Frist im Zeitpunkt der Zustel-
lung des Informationsschreibens Ende Mai 2013 bzw. in Sachen ND 24/S._
- 23 -
(Urk. D24/3) am 20. Juni 2013 zu laufen begonnen und sei von allen Antragstelle-
rinnen und -stellern durch Unterzeichnung der Strafanträge – bis auf eine Aus-
nahme (s. nachstehend unter E. 3.4.) bis zum 15. Juli 2013 – eingehalten worden.
Diese Auffassung der Vorinstanz erweist sich als vollumfänglich zutreffend, und
die Anträge hinsichtlich (versuchter) Körperverletzung wurden allesamt fristge-
mäss gestellt.
3.3. Auf den ersten Blick erscheint allerdings irritierend, dass zumindest in einem
Fall auch ein Beleg bei den Akten ist, welcher aufzeigt, dass eine Antragstellerin
bereits früher unterschriftlich bestätigte, von der dreimonatigen Antragsfrist hin-
sichtlich eines konkreten Delikts (vorliegend: Fahrlässige Körperverletzung)
Kenntnis genommen zu haben (Urk. D11/6/2 [AC._]: Unterschriftlich bestätig-
te Kenntnisnahme der Antragsfrist bereits am 21. März 2012). Es stellt sich somit
die Frage, ob die Antragsfrist betreffend denselben Antragsteller und dasselbe
Delikt grundsätzlich mehrfach angesetzt werden – und damit laufen – kann. Ein-
hergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. I.C.4.3.) ist dies in Fäl-
len wie dem vorliegenden zu bejahen, wo die zusätzliche Kenntnis, wonach der
Beschuldigte die Unfälle mutmasslich vorsätzlich provoziert – und nicht lediglich
fahrlässig herbeigeführt – hatte, einen anderen, neuen Lebenssachverhalt dar-
stellt. Diese Sachlage lag offensichtlich auch dem Schreiben der Staatsanwältin
vom 23. Mai 2013 (Urk. 110; vgl. dazu auch die nachstehend unter E. 3.5. ge-
machten Erwägungen) zu Grunde, welches an die Kollisionsbetroffenen ging.
3.4. An der vorinstanzlichen Feststellung, dass alle Strafanträge hinsichtlich
(versuchter) Körperverletzung fristgemäss gestellt wurden, ändert auch der erst
am 11. September 2013 von T._ hinsichtlich "versuchte eventualvorsätzliche
Körperverletzung" gestellte Strafantrag (Urk. 37/2) nichts. Unabhängig davon,
dass aus den Akten nicht ersichtlich ist, dass er – wie die anderen Kollisionsbetei-
ligten – ebenfalls ein Schreiben von Fw AD._ betreffend Prüfung eines Straf-
antrages hinsichtlich Körperverletzung erhalten hat, stellt sich hier die Frage, ob
er bereits davor auf das Stellen eines Strafantrages verzichtet hat: So bringt die
Verteidigung vor, dass er die von ihm vorgetragene Sachverhaltsversion von An-
fang an gekannt und nie geirrt habe (Urk. 63 S. 25; Urk. 117 S. 18). Der Privatklä-
- 24 -
ger T._ gab denn auch an, bereits drei oder vier Tage nach der Kollision vom
27. April 2013 (ND 37) gegenüber der Kantonspolizei AE._ geltend gemacht
zu haben, dass er das "Gefühl" habe, er sei vom Beschuldigten ausgebremst
worden. Er sei sich aber "nicht sicher" gewesen und habe "nur auf Verdacht hin"
keine Anzeige erstatten wollen (Urk. 16/31 S. 6, vgl. auch S. 10; Urk. 16/86
S. 13 f.). Daraus aber den Schluss zu ziehen, dass T._ bereits damals siche-
re und zuverlässige Kenntnis des Sachverhalts gehabt habe, geht fehl. Denn so-
lange aufgrund der Sachlage unklar ist, ob überhaupt ein Delikt begangen wurde,
beginnt die Frist nicht zu laufen. Im Übrigen wurde seitens der Vorinstanz aus-
führlich, schlüssig und zutreffend dargestellt, dass sich die Erhebung der Strafan-
zeige letztlich wohl auf die Erkenntnisse im Zusammenhang mit der Hausdurch-
suchung im Autohaus AF._ AG stützen dürfte (s. dazu Urk. 74 E. II.C.4.2.).
Demnach ist davon auszugehen, dass der Privatkläger T._ zufolge der
durchgeführten Hausdurchsuchung und der entsprechenden Information der Mit-
arbeitenden des Autohauses AF._ AG letzte bestehende Zweifel hatte aus-
räumen können. Damit erhielt er aber erst im Zeitraum Ende Juli bzw. anfangs
August 2013 eine zuverlässige Kenntnis des Sachverhalts. Es ist deshalb davon
auszugehen, dass auch der Privatkläger T._ seinen Strafantrag hinsichtlich
Körperverletzung rechtzeitig stellte.
3.5. Auch der weitere Einwand der Verteidigung, wonach die Strafanträge wegen
versuchter Körperverletzung auf einem Willensmangel beruhen würden, weil die
unverletzt gebliebenen Geschädigten zur Stellung eines Strafantrags verleitet
bzw. geradezu gezwungen worden seien (Urk. 63 S. 4; Prot. II S. 36; Urk. 124
S. 2), geht fehl (s. dazu auch die nachstehend unter E. F.6. gemachten Ausfüh-
rungen). So ist weder aus dem erwähnten Schreiben der Staatsanwältin noch aus
dem Begleitschreiben der Polizistin AD._ vom Mai bzw. Juni 2013 eine unzu-
lässige Willenseinwirkung auf diese Unfallbeteiligten erkennbar, einen Strafantrag
zu stellen. In letzterem bittet die Polizistin AD._ die Adressaten/Innen des
Schreibens lediglich, die Stellung eines Strafantrages "zu prüfen" und verweist in
diesem Zusammenhang auf das Schreiben der Staatsanwältin Leu vom 23. Mai
2013 (vom hiesigen Gericht beigezogen: Urk. 110, welches der Verteidigung an-
lässlich der Berufungsverhandlung zusammen mit Urk. 108 und Urk. 109/1-2 zur
- 25 -
Einsicht vorgelegt wurde unter antragsgemässer Fristansetzung für eine schriftli-
che Stellungnahme [Prot. II S. 35 ff.]). Auch wenn die Polizistin AD._ die Ad-
ressaten/Innen ihres Schreibens bittet, den Strafantrag entsprechend auszufüllen
bzw. zu unterschreiben und zurückzuschicken, ist aus dem mitversandten grünen
Formular ohne Weiteres ersichtlich, dass diese nebst dem Stellen des Strafan-
trags drei weitere Optionen hatten: Die Kenntnisnahme der Antragsfrist zu bestä-
tigen, auf Strafantrag zu verzichten oder einen bestehenden Strafantrag zurück-
zuziehen und dies jeweils unterschriftlich zu bestätigen. Auch aus dem beigeleg-
ten Schreiben der Staatsanwältin vom 23. Mai 2013 (Urk. 110) ergibt sich keine
unzulässige Druckausübung auf die Kollisionsbetroffenen, einen Strafantrag zu
erheben. Vielmehr wird im besagten Schreiben angesprochen, dass die Adressa-
ten/Innen des Schreibens in eine Kollision mit dem Beschuldigten involviert gewe-
sen seien, dass sie dabei entweder verletzt worden seien oder aufgrund der Um-
stände damit hätten rechnen müssen, und dass sie unter Verweis auf das beilie-
gende Strafantragsformular die Gelegenheit erhielten, Strafantrag gegen den Be-
schuldigten betreffend Körperverletzung, resp. versuchte Körperverletzung, zu
stellen.
4.1. Hinsichtlich Sachbeschädigung ist vorab darauf hinzuweisen, dass vorlie-
gend – entgegen der Auffassung der Vorinstanz – nicht von einem von Amtes
wegen zu verfolgenden grossen Schaden im Sinne von Art. 144 Abs. 3 StGB
auszugehen ist (s. dazu vorstehend unter Erwägungen C.4.1.-4.5.). Deshalb ist
hinsichtlich der Sachbeschädigung gestützt auf Art. 144 Abs. 1 StGB von An-
tragsdelikten auszugehen.
4.2. Seitens der Vorinstanz wurden die im Zeitraum vom 1. bis 23. April 2015
hinsichtlich Sachbeschädigung erhobenen Strafanträge allesamt zutreffend aufge-
führt (Urk. 74 E. I.C.5.).
4.3. Einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. II.C.5.2.) sind
diese Strafanträge isoliert betrachtet alle als deutlich verspätet anzusehen, war
den antragstellenden Personen der identische Sachverhalt – mutmasslich vor-
sätzlich herbeigeführte Verkehrsunfälle – im Zeitpunkt der Antragsstellung doch
bereits seit rund zwei Jahren bekannt. Vorliegend ist allerdings zu Gunsten der
- 26 -
Antragsteller/innen zu gewichten, dass sie zwei Jahre zuvor faktisch zur Prüfung
der Antragstellung ausschliesslich hinsichtlich Körperverletzung eingeladen wur-
den, weil die mitversandten grünen Antragsformulare – was angesichts der identi-
schen Schrift in allen mitversandten Formularen offensichtlich scheint – durch die
darin enthaltene Vorformulierung bereits entsprechend eingeschränkt wurden.
Daran vermag der Umstand, dass das mit dem Betreff "Stellung eines Strafantra-
ges – in Sachen Verkehrsunfall" versandte Begleitschreiben von Polizistin
AD._ die Antragstellung nicht auf Körperverletzung beschränkte (z.B.
Urk. D30/5/1 S. 2), nichts Entscheidendes zu ändern. Auch geht aus dem eben-
falls mit dem Strafantragsformular mitversandten Schreiben von Staatsanwältin
Leu vom 23. Mai 2013 explizit hervor, dass lediglich Strafantrag wegen (versuch-
ter) Körperverletzung erhoben werden könne (Urk. 110). Die seitens der Strafver-
folgungsbehörden vorgenommene Einschränkung hinsichtlich Antragsstellung
rund zwei Jahre zuvor darf den Antragstellern/Innen – einhergehend mit der Auf-
fassung der Vorinstanz bzw. auch unter Verweis auf ihre einlässliche Erörterung
der Frage (Urk. 74 E. II.C.5.3. u. 5.4.) – aufgrund ihres Anspruches auf Schutz
des berechtigten Vertrauens in behördliche Erklärungen nicht zum Nachteil gerei-
chen. Ihr Antragsrecht hinsichtlich Sachbeschädigung war deshalb noch nicht
verwirkt. Dies muss sich der Beschuldigte entgegenhalten lassen.
4.4. Seitens der Vorinstanz wurde zutreffend ausgeführt (Urk. 74 E. C.6.), dass
auch fünf weitere Personen, welche zuvor noch keinen Strafantrag gestellt hatten,
im Frühling 2015 ebenfalls auf ein Schreiben der Strafverfolgungsbehörden hin
Strafantrag hinsichtlich Sachbeschädigung stellten (Urk. D4/5/5 [AG._];
Urk. D9/5/4 [I._]; Urk. D22/5 [J._ AG]; Urk. D29/5/9 [D._ AG];
Urk. D30/5/6 [E. V._]). In allen besagten Fällen handelte es sich um die Hal-
ter der kollisionsbeteiligten Fahrzeuge, welche die Wagen im massgebenden
Zeitpunkt nicht selber gelenkt hatten. Von der Vorinstanz wurde einlässlich erör-
tert, dass vorliegend in vier der fünf Fälle (Urk. D4/5/5 [AG._]; Urk. D9/5/4
[I._]; Urk. D22/5 [J._ AG]; Urk. D30/5/6 [E. V._]) nicht davon aus-
gegangen werden könne, dass die betreffenden Antragsteller/innen bereits vor
Erhalt des Schreibens seitens der Strafverfolgungsbehörden vom 27. März 2015
rechtsgenügende Kenntnis über ihre Antragsrechte hinsichtlich Sachbeschädi-
- 27 -
gung hatten. Diese Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 74 E. C. 6.2.-6.3. u. 6.5-
6.6.) erweisen sich als zutreffend, weshalb – um unnötige Wiederholungen zu
vermeiden – vollumfänglich darauf verwiesen werden kann. Auch ist – einherge-
hend mit der Vorinstanz (Urk. 74 E. II.C.6.4.) – davon auszugehen, dass die
Sachlage im Falle der D._ AG als Halterin des von ihrem Angestellten
AH._ gelenkten Fahrzeugs anders gelagert ist, da die D._ AG nach-
weislich bereits mit Schreiben der K._ vom 22. März 2013 über den ihr ent-
standenen Schadensfall informiert wurde (Urk. D29/17/2) und hernach – gestützt
auf die dem Gericht vorliegenden Akten – länger untätig blieb bzw. den Strafan-
trag hinsichtlich Sachbeschädigung nicht rechtzeitig, sondern erst am 10. April
2015 (Urk. D29/5/9) als Reaktion auf das Schreiben von Staatsanwältin Leu vom
27. März 2015 (Urk. D29/5/8) stellte. Insbesondere ist auch nicht erwiesen, dass
der von AH._ gestellte Strafantrag hinsichtlich (versuchter) Körperverletzung
vom 5. Juni 2013 (Urk. D29/9/4) die D._ AG davon abgehalten haben sollte,
einen Strafantrag hinsichtlich Sachbeschädigung zu stellen. Demnach ging der
Strafantrag seitens der D._ AG verspätet bei den Strafverfolgungsbehörden
ein. Da vorliegend – einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 E.
II.C.6.4.) – aufgrund der geltend gemachten Schadenssumme von Fr. 18'399.70
(Urk. D29/22/7) allerdings bereits für diesen Schadensfall allein betrachtet das
Vorliegen eines grossen Schadens im Sinne von Art. 144 Abs. 3 StGB zu prüfen
ist (vgl. dazu vorstehend E. II.C. 4.3.-4.5.), steht der fehlende Strafantrag hinsicht-
lich Sachbeschädigung einer Verurteilung nicht entgegen.
E. Psychiatrische Begutachtung
1. Von der Vorinstanz wurden die rechtlichen Grundlagen und Erfordernisse an
einen Gutachter und an ein Gutachten bzw. die Bedeutung eines Privatgutach-
tens ausführlich und zutreffend wiedergegeben (Urk. 74 E. II.D.3.2.), weshalb –
um unnötige Wiederholungen zu vermeiden – vorab darauf verwiesen werden
kann. Ergänzend ist festzuhalten, dass an die Person des Sachverständigen und
den Inhalt des Gutachtens hohe Anforderungen gestellt werden (Urteil des Bun-
desgerichts 6B_835/2017 vom 22. März 2018 E. 4.2.1 m.w.H.) sowie dass als
sachverständige Person im Sinne von Art. 20 und 56 Abs. 3 StGB grundsätzlich
- 28 -
nur Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie zuzulassen sind (vgl. BGE 140
IV 49 E. 2; Urteile des Bundesgerichts 6B_989/2017 vom 20. Dezember 2017
E. 2.3 und 6B_884/2014 vom 8. April 2015 E. 3.3). Gemäss Art. 184 Abs. 1 StPO
ernennt die Verfahrensleitung die sachverständige Person und erteilt ihr einen
schriftlichen Auftrag. In der Regel gibt sie den Parteien vorgängig Gelegenheit,
sich zur sachverständigen Person und zu den Fragen zu äussern und dazu eige-
ne Anträge zu stellen (Art. 184 Abs. 3 StPO). Zu beachten ist, dass die vorgängi-
ge Information der Parteien über die Person des Sachverständigen vor allem dort
Sinn macht, wo gutachterliche Erkenntnisse stark von Wertungen abhängen, die
mit der konkreten Person eng verbunden sind, wie dies beispielsweise bei psy-
chiatrischen Gutachten der Fall ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_918/2017 vom
20. Februar 2018 E. 2.2). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist aller-
dings zur Wahrung des rechtlichen Gehörs ausreichend, wenn die betroffene Per-
son die Möglichkeit hat, sich nachträglich zum Gutachten wie auch zur Person
des Gutachters zu äussern und gegebenenfalls Ergänzungsfragen zu stellen
(BGE 125 V 332 E. 4b; Urteile 6B_918/2017 vom 20. Februar 2018 E. 2.5,
1B_196/2015 vom 17. Mai 2016 E. 2 und 6B_298/2012 vom 16. Juli 2012 E. 3.3,
je mit Hinweisen). Schliesslich ist zu beachten, dass einem Privatgutachter kein
Recht auf eine Stellungnahme oder einen zweiten Vortrag gegenüber dem amtlich
bestellten Sachverständigen zusteht (vgl. BSK StPO-HEER, Art. 189 N 19 m.w.H.).
2.1. Seitens der Verteidigung wurde mit Eingabe vom 18. Februar 2019
(Urk. 101) und anlässlich der Berufungsverhandlung erneut (Urk. 117 S. 24;
Prot. II S. 36 f.) der Antrag gestellt, dass – auch nach der Ergänzung vom
19. September 2018 (Urk. 93) des seitens der Strafverfolgungsbehörden in Auf-
trag gegebenen Gutachtens durch Dr. med. AA._, Facharzt Psychiat-
rie/Psychotherapie, vom 4. November 2013 (Urk. 23/14) – ein Zweit- bzw. Ober-
gutachten zur psychiatrischen Begutachtung des Beschuldigten einzuholen sei
bzw. der behandelnde Psychiater des Beschuldigten, Dr. med. AB._, Fach-
arzt Psychiatrie/Psychotherapie, als Zeuge zu befragen sei. Im Einzelnen wurde
von der Verteidigung bemängelt, dass das Gutachten von Dr. med. AA._ zu
oberflächlich sei, es zu früh erfolgt sei, die Mitwirkungsrechte des Beschuldigten
bei der Auswahl des Gutachters und des Gutachtensgegenstandes verletzt wor-
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- 29 -
den seien und zum Bericht des den Beschuldigten behandelnden Psychiaters
Dr. med. AB._ Widersprüche bestehen würden. Zudem könne eine insge-
samt lediglich 31⁄2 Stunden dauernde Explorationsbesprechung und Untersuchung
eines Exploranden aus einer fremden Ethnie mit schlechten Deutschkenntnissen,
welche zudem mehrheitlich unter Haftbedingungen erfolgt sei, unter keinen Um-
ständen den hohen Anforderungen an ein psychiatrisches Gutachten gerecht
werden. Aufgrund all dieser Umstände dränge sich ein Obergutachten förmlich
auf (Urk. 101; Urk. 117 S. 24; Prot. II S. 36 f.).
2.2. Seitens der Verteidigung wird davon ausgegangen, dass es sich beim Be-
schuldigten um einen schreckhaften, schlechten Automobilisten handle (Urk. 63
S. 3), welcher zudem – was sie sinngemäss unter Berufung auf den Bericht von
Dr. med. AB._ vom 14. Juni 2017 (Urk. 77/2) vorzubringen scheint – unter
einer psychischen Störung leide (vgl. Urk. 76; Prot. II S. 38).
2.3. Aus dem seitens der Verteidigung am 14. August 2017 (vgl. Urk. 76) einge-
reichten Bericht von Dr. med. AB._ vom 14. Juni 2017 (Urk. 77/2) geht her-
vor, dass Letzterer den Beschuldigten ab dem 24. September 2013 einmal wö-
chentlich fachärztlich behandle und sich seine Beurteilung auf insgesamt rund
150 Sitzungen stütze. Es handle sich dabei um eine multimodal geführte Therapie
bestehend aus geeigneten diagnostischen Massnahmen einschliesslich einer
gründlichen neuropsycho- und leistungspsychologischen Testung und Beübung
am praxiseigenen Terminal mit computergestützten Programmen aus der "Wiener
Testbatterie" sowie wiederholter psychiatrischer Explorationen und psychothera-
peutisch supportiv und problemzentrierten Interventionen. Dr. med. AB._ fol-
gert aus dem Umstand, dass beim Beschuldigten so plötzlich dissoziative Anfälle
aufgetreten seien, und aus seinen Beobachtungen, dass der Beschuldigte unter
einer kombinierten Persönlichkeitsstörung nach ICD-10, F61.0 leide, deren An-
fänge bereits mehrere Jahrzehnte zurück reichen würde. Dabei bezieht er sich
ausdrücklich auf die von Dr. med. AA._ festgestellten Verhaltensauffälligkei-
ten des Beschuldigten, zieht aber einen anderen Schluss aus diesen. Ausserdem
diagnostiziert
Dr. med. AB._ beim Beschuldigten ein im Erwachsenenalter entstandenes
- 30 -
ADS, da zum Beispiel die Wender-Utah-und andere einschlägige Kriterien (Krite-
rien im HASE etc.) bei ihm zweifelsfrei erfüllt seien. Die Panikattacken des Be-
schuldigten erklärte Dr. med. AB._ letztlich mit dessen "relativen Ich-
Schwäche", welche den Stressfaktoren, welchen der Beschuldigte während der
Untersuchungshaft und der polizeilichen Einvernahme ausgesetzt gewesen sei,
nichts Genügendes habe entgegensetzen können. Aus dieser Diagnostik folge
des Weiteren, dass "zuvor schon auch ein beträchtlicher Anteil der beschriebenen
Autounfälle durch diese Persönlichkeitsstörung und das ätiopathogenisch damit
verknüpfte[n] ADS mitverursacht worden ist und somit mindestens eine partielle
Minderung der Schuldfähigkeit [...] gegeben gewesen war (und ist)". Die Auswir-
kungen des erheblichen psychiatrischen Gesundheitsschadens des Beschuldig-
ten seien kausal für kognitive und praktische Leistungsstörungen wie Defizite in
der selektiven wie geteilten Aufmerksamkeit, der Konzentration, des psychophysi-
schen Durchhaltevermögens und der Vigilanz.
3.1. Vorliegend erscheint in Bezug auf die Auswahl des Gutachters wesentlich,
dass Dr. med. AA._ nebst seinem Facharzttitel in Psychiatrie und Psychothe-
rapie auch gestützt auf die Verordnung über psychiatrische und psychologische
Gutachten in Straf- und Zivilverfahren (PPGV) über die erforderlichen Qualifikati-
onen verfügt und im entsprechenden Sachverständigenverzeichnis aufgeführt ist,
weshalb es an seiner fachlichen Qualifikation keine Zweifel gibt.
3.2. Ferner ist festzuhalten, dass der seitens der Anklagebehörde als damaliger
Verfahrensleitung unter Hinweis auf Art. 307 StGB und die weiteren Pflichten er-
teilte Gutachtensauftrag an Dr. med. AA._ vom 15. Juli 2013
inkl. Fragenkatalog (Urk. 23/13) – wie nachgehend auch das Gutachten selbst
(Urk. 28/26) – in Kopie an den Beschuldigten ging (Urk. 23/13 S. 5 bzw.
Urk. 28/18), welchem es in der Folge unbenommen blieb, sich zur Person des
Gutachters und zu den an diesen gestellten Fragen zu äussern oder Ergänzungs-
fragen zu stellen bzw. stellen zu lassen, was indes – auch mittels seiner Stellung-
nahme vom 18. Februar 2019 zum Ergänzungsgutachten von Dr. med. AA._
(Urk. 101) – unterblieb. Auch anlässlich der Berufungsverhandlung konnte sich
die Verteidigung einlässlich zum Gutachter und zum Gutachtensgegenstand äus-
- 31 -
sern. Demnach wurde dem verteidigten Beschuldigten das rechtliche Gehör zur
Gutachterwahl und zum Gutachtensgegenstand im Lichte der erwähnten bundes-
gerichtlichen Rechtsprechung rechtsgenügend gewährt (entsprechend auch die
Vorinstanz: Urk. 74 E. III.B.6.4.).
3.3. Des Weiteren geht der seitens der Verteidigung vorgebrachte Einwand der
zu frühen Begutachtung fehl. Abgesehen davon, dass nicht substantiiert wurde,
inwiefern sich dieser geltend gemachte Umstand in Bezug auf den massgeben-
den Beurteilungszeitraum zu Ungunsten des Beschuldigten oder der Qualität des
Gutachtens auswirken sollte und sich abgesehen davon das Aussageverhalten
des Beschuldigten auch nicht geändert hat und gleichbleibend blieb (entspre-
chend auch die Vorinstanz: Urk. 74 E. II.D.3.3.5.), erscheint eine zu den ange-
klagten Vorfällen möglichst zeitnahe Begutachtung sogar sinnvoller als eine zeit-
fernere. Auch dem Einwand der Verteidigung, dass es sich bei einer Dauer von
31⁄2 Stunden um eine zu kurze Zeitspanne für die Explorationsbesprechung und
Untersuchung des Beschuldigten gehandelt haben soll, kann nicht gefolgt wer-
den. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung obliegt es der fachkundigen
Einschätzung des Gutachters, die für die Erstellung des psychiatrischen Gutach-
tens erforderliche Dauer der Explorationsgespräche und Untersuchungen des Ex-
ploranden festzulegen (BGE 144 IV 176). Vorliegend ist zudem auch nicht ersicht-
lich, inwiefern die von Dr. med. AA._ aufgewendete Zeit für das Explorati-
onsgespräch und die Untersuchung des Beschuldigten für die Erstellung des Gut-
achtens nicht ausreichend gewesen sein sollte.
3.4. Hinsichtlich der Sachverhaltsdarstellung betreffend Panikattacken und Anfäl-
len während des Vorverfahrens des Beschuldigten kann vorab vollumfänglich auf
die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 74
E. II.D.3.3.1.-3.3.2.). Diese werden hernach noch näher erörtert werden.
4.1. Der seitens der Strafverfolgungsbehörden mit Auftrag vom 15. Juli 2013
(Urk. 23/13) beauftragte Gutachter Dr. med. AA._ kam in seinem Gutachten
vom 4. November 2013 (Urk. 23/14) zum Schluss, dass beim Beschuldigten im
Tatzeitraum keine psychische Störung vorlag, demgegenüber für den Untersu-
chungszeitraum die Diagnose von "dissoziativen Krampfanfällen" (ICD-10 F44.5),
- 32 -
auch Pseudoanfälle genannt (s. dazu auch die zutreffenden Erwägungen der Vo-
rinstanz: Urk. 74 E. II.D.3.3.3.), gestellt werden könne (Urk. 23/14 insb. S. 25-28).
Dr. med. AA._ berücksichtigte im Rahmen seiner sorgfältigen Anamnese
auch mehrere Fremdauskünfte (Bericht Hausarzt Dr. med. AI._, Berichte des
Universitätsspitals Zürich, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin; Bericht Schwei-
zerisches Epilepsiezentrum Zürich vom 28. August 2013; Verkehrspsychologische
Abklärung von Dr. phil. AJ._ vom 30. September 2013; Bericht der Gemein-
de AE._, Sozialabteilung vom 16. Juli 2013; sowie im Rahmen der Erstellung
des Ergänzungsgutachtens: Verkehrsmedizinische Begutachtung des IRM Zürich
vom 13. November 2013). Dr. med AA._ schloss aufgrund der verfügbaren
und beigezogenen Untersuchungen nachvollziehbar aus, dass der Beschuldigte
unter Erkrankungen des schizophrenen Formenkreises, affektiven Störungen,
hirnorganischen Veränderungen, unter eventuellen körperlichen Erkrankungen
wie zum Beispiel einer Epilepsie oder kardiopulmonal bedingten Bewusstseinsstö-
rungen leide (Urk. 23/14 S. 25). Ferner schloss Dr. med. AA._ das Vorliegen
einer Panikstörung aus, weil der Beschuldigte nicht generell unter wiederkehren-
den schweren Angstattacken leide, sondern diese Zusammenbrüche lediglich in
spezifischen Situationen aufgetreten seien (Urk. 23/14 S. 26). Ein solches Verhal-
ten trete häufig auf, um einem unangenehmen seelischen Konflikt zu entgehen,
welcher von der betroffenen Person häufig verleugnet werde, und die Symptome
in enger Beziehung zu psychischem Stress stehen würden. Anhand des vom Be-
schuldigten an den Tag gelegten Verhaltens zeigte der Sachverständige detailliert
und schlüssig auf, wie sich die neurotische Selbstdarstellung des Beschuldigten in
einer konfrontativen Drucksituation wie einer Befragung dermassen ausweglos
zuspitzt, dass als einzige Lösung die sogenannte Konversion (Umsetzung seeli-
scher Konflikte in körperliche Phänomene) bleibe, um sich aus der unerträglichen
Situation zu befreien bzw. diese zu beenden. Ausdrücklich wies Dr. med.
AA._ darauf hin, dass die später festgestellte neurotische Störung in Form
von dissoziativen Krampfanfällen sicher nicht in ursächlichem Zusammenhang mit
den Taten stehe, sondern vielmehr eine Folge der Vorfälle bzw. der sich daraus
ergebenden Zuspitzung innerpsychischer Konflikte beim Beschuldigten sei. Aus
forensisch-psychiatrischer Sicht könne die Diskrepanz zwischen dem vom Be-
- 33 -
schuldigten dargestellten erwünschten Selbstbild und den tatsächlich vorliegen-
den mannigfachen Problemen als unterstützender Faktor für seine Delinquenz
gesehen werden. Die Einsicht des Beschuldigten in das Unrecht seiner Taten sei
gegeben gewesen. Ferner liessen sich eine grosse Anzahl an Planungs- und Ent-
scheidungselementen finden, welche seine voll erhaltene Steuerungsfähigkeit
deutlich machen würden. Dr. med. AA._ folgerte daraus, dass es keinen
Hinweis auf eine Minderung der Schuldfähigkeit des Beschuldigten gäbe.
4.2. Im Rahmen seines Ergänzungsgutachtens vom 19. September 2018
(Urk. 93) wurde Dr. med. AA._ u.a. die Gelegenheit eingeräumt, auch zur
Kritik der Verteidigung und zur "gänzlich anderen Einschätzung" durch Dr. med.
AB._ sowie zu den Abklärungen von Dr. med. AK._ und Dr. phil.
AJ._ Stellung zu nehmen (vgl. die gerichtliche Auftragserteilung vom 3. Juli
2018: Urk. 91). Dr. med. AA._ hält darin fest, dass gerade in der forensisch-
psychiatrischen Begutachtung eine strikte Trennung zwischen Begutachter und
Behandler einzuhalten sei. Die Einschätzung durch Dr. med. AB._ sei wenig
begründet und die Wahl der zugezogenen Fremdberichte bzw. -befunde sei sehr
selektiv erfolgt. Für die Annahme einer Persönlichkeitsstörung müssten folgende
sechs Kriterien allesamt erfüllt sein: Erstens, eine deutliche Unausgeglichenheit in
den Einstellungen und im Verhalten in mehreren Funktionsbereichen wie Kogniti-
on, Affektivität, Impulskontrolle und Bedürfnisbefriedigung, Art des Umgangs mit
anderen und die Handhabung zwischenmenschlicher Beziehungen. Zweitens, ein
Andauern und eine Gleichförmigkeit des auffälligen Verhaltensmusters und keine
Begrenzung auf Episoden psychischer Krankheiten. Drittens, dass das auffällige
Verhaltensmuster tiefgreifend und in vielen persönlichen und sozialen Situationen
eindeutig unpassend sei. Viertens, dass die Störungen immer in der Kind-
heit/Jugend begännen und sich auf Dauer im Erwachsenenalter manifestieren
würden. Fünftens, dass die Störung letztlich zu deutlichem, subjektivem Leiden
führe. Und, sechstens, dass die Störung meistens mit deutlichen Einschränkun-
gen der beruflichen und sozialen Leistungsfähigkeit verbunden sei (Urk. 93 S. 5
f.). Laut Dr. med. AA._ werde schnell deutlich, dass diese Kriterien keines-
wegs – wie erforderlich – sämtlichst erfüllt seien. Das auffällige Verhalten des Be-
schuldigten sei sehr spezifisch: Er sei nicht beim Autofahren im Allgemeinen, wo-
- 34 -
bei es sich schon um einen spezifischen Vorgang handle, sondern insbesondere
beim Befahren einer Strecke mit hohem Verkehrs- und Stauaufkommen immer
wieder in Unfälle verwickelt gewesen. Bei einer früheren verkehrsmedizinischen
Abklärung mit einer sehr anspruchsvollen Kontrollfahrt im Beisein eines Arztes
und eines Verkehrsexperten habe der Beschuldigte ausserdem ein sehr gutes Er-
gebnis erzielt, sodass seine Fahreignung anschliessend ohne jede Auflage habe
befürwortet werden können. Auch habe beim Beschuldigten keine der geforderten
deutlichen Unausgeglichenheiten in mehreren Funktionsbereichen festgestellt
werden können. Ferner biete auch die lebensgeschichtliche Entwicklung (Kind-
heit, Jugend, problemlose Ausbildung und Übersiedlung in die Schweiz, langjähri-
ge Partnerschaft, berufliche Anstellungen; keine Störungen des Sozialverhaltens)
keinen Hinweis darauf, dass auffällige Verhaltensmuster tiefgreifend und in vielen
persönlichen und sozialen Situationen unpassend oder hindernd gewesen seien.
Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung könne bzw. dürfe dem Beschuldigten
gemäss Dr. med. AA._ deshalb nicht gestellt werden. Es müsse auch darauf
hingewiesen werden, dass sich Dr. med. AB._ nicht zu den genannten erfor-
derlichen Kriterien äussere und ohne nähere Begründung die Diagnose einer
Persönlichkeitsstörung stelle. Würde man im Bereich der Deliktsdynamik jedoch
den Ausführungen von Dr. med. AB._ folgen, bleibe es völlig unerklärlich,
warum es nur in sehr spezifischen Anforderungssituationen, nämlich beim Auto-
fahren an einem bestimmten Abschnitt der Autobahn, zu der ungewöhnlich hohen
Anzahl von Unfällen gekommen sei. Für Dr. med. AA._ ergaben sich ab-
schliessend keine Erkenntnisse, die an seinen früheren Ausführungen eine Ände-
rung hervorrufen könnten.
4.3. Den plausiblen, sorgfältig hergeleiteten und schlüssigen Ausführungen des
Gutachters Dr. med. AA._ ist zu folgen. Das Vorliegen einer Persönlichkeits-
störung beim Beschuldigten kann aufgrund des vom bestellten Gutachter detail-
liert erörterten Katalogs an Voraussetzungen, welche beim Beschuldigten alle-
samt nicht erkennbar sind, ausgeschlossen werden. Demgegenüber erweisen
sich die Feststellungen von Dr. med. AB._ hinsichtlich der von ihm behaupte-
ten Persönlichkeitsstörung als offensichtlich zu wenig begründet und nachvoll-
ziehbar. Dass die dissoziativen Anfälle allein situativ nicht ableitbar erscheinen
- 35 -
würden (vgl. Urk. 77/2 S. 3), wurde nicht näher erklärt und ist beim vorliegenden
Beweisergebnis überdies nicht nachvollziehbar. Einhergehend mit der Auffassung
der Vorinstanz (Urk. 74 E. 3.3.4.) bleibt – somit weiterhin – unklar, inwiefern sich
diese angebliche Störung massgeblich auf die Unfälle ausgewirkt haben soll, zu-
mal der Beschuldigte gestützt auf einen früheren, im Übrigen beinahe gleichlau-
tenden Bericht von Dr. med. AB._ vom 26. Januar 2014 (Urk. 28/35) gleich-
wohl einen Teil der Unfälle vielleicht "bewusst herbeigeführt" habe. Auch im spä-
teren Bericht vom 14. Juni 2017 (Urk. 77/2) vermag Dr. med. AB._ nicht zu
begründen, weshalb und wie "ein beträchtlicher Anteil der beschriebenen Autoun-
fälle" durch die Persönlichkeitsstörung und das ADS "mitverursacht" worden ist.
Die Berichte von
Dr. med. AB._ erweisen sich deshalb als nicht nachvollziehbar und vermö-
gen die fachlich fundierte und schlüssig hergeleitete Einschätzung von
Dr. med. AA._ in keiner Weise in Zweifel zu ziehen. Einhergehend mit der
Vorinstanz (Urk. 74 E. D.3.3.5.) handelt es sich angesichts der von ihm festge-
stellten dissoziativen Störung nach ICD-10 F44.5 um reine Pseudoanfälle, also
Anfälle artifizieller Natur. So oder anders war der Beschuldigte im Zeitpunkt der
angeklagten Vorfälle vollumfänglich zurechnungs- und somit auch schuldfähig.
4.4. Ergänzend ist zu erwähnen, dass auch das beauftragte Schweizerische Epi-
lepsie-Zentrum schlüssig und nachvollziehbar folgerte, dass es sich bei beiden
Vorfällen (24. Juni 2013 und 4. Juli 2013) um Panik- und Hyperventilationsatta-
cken mit "artifizieller Ausgestaltung" gehandelt habe. Das Vorliegen epileptischer
Anfälle wurde demgegenüber ausgeschlossen (Urk. 23/7).
4.5. Eine widersprüchliche Aktenlage besteht hinsichtlich der Beurteilung der
Fahreignung des Beschuldigten: Einerseits wird diese im Rahmen der Verkehrs-
medizinischen Begutachtung des Beschuldigten durch Dr. med. AL._ vom
15. November 2012 (Urk. 23/1) bejaht. Andererseits wird diese dem Beschuldig-
ten durch das Verkehrsmedizinische Gutachten von Dr. med. AK._ vom 13.
November 2013 (Urk. 23/5) abgesprochen. Diese widersprüchlichen Einschät-
zungen werfen Fragen auf: Das Gutachten AL._ beinhaltete nebst weiteren
Untersuchungen (Urinscreening; Blutentnahme; Ärztlicher Bericht Hausarzt
- 36 -
Dr. med. AI._; Bericht Stadtspital Waid) eine ärztlich begleitete und am
14. November 2012 durchgeführte 50-minütige Kontrollfahrt, anlässlich welcher
der Beschuldigte alle geprüften Fähigkeiten in den Bereichen Aufmerksamkeit,
Konzentration, Wahrnehmung, Situationserfassung, geteilte Aufmerksamkeit, Re-
aktion, Belastbarkeit, Leistungsabfall, Leistungsreserve, und Lerneffekt erfüllte.
Ihm wurde eine sehr verhaltene, defensive und vorsichtige Fahrweise attestiert.
Es wurde festgestellt, dass der Beschuldigte die Anforderungen insgesamt erfüllt.
Aufgrund der durchgeführten Untersuchungen und gestützt auf die eingeholten
Berichte wurde festgestellt, dass der Beschuldigte ein körperlich und psychisch
unauffälliges Zustandsbild abgäbe und weder relevante psychische noch somati-
sche Erkrankungen oder eine Suchtproblematik vorliegen würden, weshalb die
Fahreignung ohne Auflagen bejaht wurde. Das Gutachten AK._ erfolgte rund
ein Jahr später und vor dem zusätzlichen Hintergrund der beiden zwischenzeitlich
erfolgten Panikattacken des Beschuldigten sowie seinem am 23. Mai 2013 erfolg-
ten Führerausweisentzug. Die Untersuchungen beinhalteten diverse Tests
(Urinscreening; Blutentnahme mit chemischem Untersuchungsbericht; Chemisch-
toxikologische Haaranalyse; Kurztests betr. kognitive Leistungsfähigkeit) und be-
rücksichtigten diverse ärztliche bzw. psychologische Berichte (Austrittsberichte
Universitätsspital vom 24. Juni 2013 u. 4. Juli 2013; Bericht des Schweizerischen
Epilepsiezentrums vom 28. August 2013; Bericht Hausarzt Dr. AI._ vom
2. September 2013; Verkehrspsychologische Abklärung Dr. phil. AJ._ vom
30. September 2013). Auffällig war, dass die verkehrspsychologische Abklärung
durch Dr. phil. AJ._ ergab, dass der Beschuldigte in den Leistungstests
mehrheitlich ungenügende Resultate erzielte, was für eine klare Beeinträchtigung
verkehrsrelevanter Hirnleistungsfunktionen spreche. Auch aufgrund der fehlenden
Verarbeitung der Verkehrsunfälle, was prognostisch äusserst kritisch zu werten
sei, wurde die charakterliche und kognitive Fahreignung des Beschuldigten aus
verkehrspsychologischer Sicht als klar negativ beurteilt und dem Beschuldigten
die Fahreignung auch aufgrund des nachgewiesenen Drogenkonsums (Kokain)
abgesprochen. Im Rahmen der – sich somit deutlich negativ auswirkenden – ver-
kehrspsychologischen Beurteilung durch
Dr. phil. AJ._ (Urk. 23/5) fielen im Hinblick auf die charakterliche Fahreig-
- 37 -
nung und die Rückfallgefahr insbesondere negativ ins Gewicht, dass der Be-
schuldigte schwer bzw. nicht nachvollziehbare Schilderungen der Ursachen der
Unfälle von sich gegeben habe, fehlendes Interesse an den Hintergründen der
Vorfälle gezeigt habe, eine absolut inadäquate Verarbeitung der gehäuft vorge-
kommenen Unfallereignisse gezeigt und keine aktive Suche nach Kompensati-
onsstrategien unternommen habe, eine fatalistische Grundhaltung offenbart habe
sowie verkehrsrelevante Defizite in den Aufmerksamkeitsfunktionen und der Feh-
lerkontrolle gezeigt habe. Vor diesem Hintergrund ist ohne Weiteres nachvollzieh-
bar, dass ihm die Fahreignung von Dr. phil. AJ._ abschliessend abgespro-
chen wurde.
4.6. Die beiden widersprüchlichen Expertisen lassen sich klarerweise nicht in
Einklang bringen. Trotzdem ist zu berücksichtigen, dass sie jeweils einen unter-
schiedlichen Fokus (praktische Fahrbetätigung im Gutachten AL._ bzw. cha-
rakterliche Defizite im Gutachten AK._) hatten und zu unterschiedlichen Zeit-
punkten mit einer etwas unterschiedlichen Ausgangslage erfolgten. Letztlich lässt
sich indes anhand beider Gutachten die Frage, ob der Beschuldigte in den ange-
klagten Fällen absichtlich eine Kollision verursachte, nicht abschliessend beant-
worten. Zweifel an der Schlüssigkeit der aus psychiatrisch-forensischer Sicht ge-
machten Folgerungen von Dr. med. AA._ vermögen sie ferner nicht aufkom-
men zu lassen. Daran vermag letztlich auch das seitens der Verteidigung ge-
machte Vorbringen (Prot. I S. 7), dass die Fahreignung des Beschuldigten nur von
Dr. med. AL._, nicht aber vom Prüfungsexperten des Strassenverkehrsam-
tes, als genügend erachtet worden sei, nichts zu ändern.
4.7. Auffällig ist immerhin, dass das Fahrverhalten des Beschuldigten aktenkun-
dig sehr unterschiedlich ausfällt. Einerseits ist im Gutachten AL._ von einer
eher defensiven Fahrweise des Beschuldigten die Rede, was sich mit der vom
Beschuldigten selbst geltend gemachten vorsichtigen Fahrweise (Urk. 60 S. 6;
Urk. 14/4 S. 8), welche gemäss seinen Angaben auch darin begründet liege, dass
seine Eltern bei einem Autounfall im Jahr 1980 ums Leben gekommen seien
(Urk. 60 S. 6 u. 10; Urk. 14/7 S. 10; Urk. 14/20 S. 5 ff.; Urk. 14/35 S. 4), deckt.
Andererseits wurde dem Beschuldigten der Führerausweis mehrfach entzogen,
- 38 -
auch wegen teilweise massiven Überschreitens der zulässigen Höchstgeschwin-
digkeit (s. dazu die seitens der Vorinstanz zutreffend erwähnten Belegstellen:
Urk. 74 E. II.D.4.3.2.). Dieses aktenkundige widersprüchliche Fahrverhalten ver-
mochte der Beschuldigte nicht zu erklären (Urk. 60 S. 7 f.), weshalb seinem Aus-
sageverhalten in Bezug auf seine Fahrweise mit einer gewissen Zurückhaltung zu
begegnen ist. Daraus lassen sich allerdings keine Erkenntnisse gewinnen, welche
Zweifel am zwischenzeitlich ergänzten Gutachten von Dr. med. AA._ auf-
kommen lassen könnten.
5. Gestützt auf die erörterte Aktenlage erweist sich die (zwischenzeitlich er-
gänzte) Begutachtung von Dr. med. AA._ als schlüssig und überzeugend.
Deshalb erweist sich der Antrag der Verteidigung auf Einholung eines Zweit- bzw.
Obergutachtens bzw. eine Zeugeneinvernahme von Dr. med. AB._ als obso-
let und ist abzuweisen.
F. Verwertbarkeit Beweismittel
1. Von der Vorinstanz wurden die vorliegend relevanten rechtlichen Grundla-
gen und Erfordernisse im Zusammenhang mit der Verwertbarkeit von Beweismit-
teln ausführlich und zutreffend wiedergegeben (Urk. 74 E. III.B.1., 2.1., 3.2., 4.2.,
5.1., 5.2.2., 5.2.3., 5.3., 6.1., 6.2., 7.2.), weshalb vorab – um unnötige Wiederho-
lungen zu vermeiden – vollumfänglich darauf verwiesen werden kann.
2. Die amtliche Verteidigung macht bzw. machte im Verlauf des Verfahrens
geltend, dass der Beschuldigte teilweise – infolge fehlender notwendiger Verteidi-
gung bzw. fehlender gehöriger Verteidigung durch den vormaligen Verteidiger
(Urk. 26/78 bzw. Urk. 28/89) – nicht rechtsgenügend verteidigt gewesen sei, dass
der Anspruch des Beschuldigten auf Übersetzung, insbesondere im Zusammen-
hang mit der Erstellung des Psychiatrischen Gutachtens, verletzt worden sei
(Urk. 47 S. 2; Urk. 26/76 S. 2; Urk. 28/89 S. 2; Prot. I S. 7), (Urk. 63 S. 4; Prot. I
S. 16 f.), und dass eine unzulässige Beeinflussung der Einvernommenen durch
die Strafverfolgungsbehörden stattgefunden habe (Urk. 63 S. 4; Prot. I S. 16 f.;
Prot. II S. 36; Urk. 124 S. 2).
- 39 -
3. Seitens der Vorinstanz wurde zutreffend erörtert (Urk. 74 E. III.B.2.), dass
vorliegend bereits vor der ersten Einvernahme des Beschuldigten das Erfordernis
einer notwendigen Verteidigung im Sinne von Art. 130 StPO vorgelegen habe,
welche gestützt auf Art. 131 StPO aufgrund der vorgängigen Untersuchungseröff-
nung am 14. Mai 2013 bereits damals hätte sichergestellt sein sollen. Dies sei
aber hinsichtlich der ersten beiden Einvernahmen vom 23. Mai 2013 (Urk. 14/2-3)
nicht der Fall gewesen, weshalb diese Befragungen unverwertbar seien. Dieser
von der Vorinstanz getroffene Schluss erweist sich als zutreffend und auf die ent-
sprechenden Einvernahmen darf nicht abgestellt werden.
4. Im Einklang mit den zutreffenden detaillierten Erwägungen der Vorinstanz
(Urk. 74 E. III.B.3.3.-3.5.) ist vorliegend nicht von einer ungehörigen Verteidigung
durch den vormaligen Verteidiger Rechtsanwalt X1._ auszugehen. So sind –
einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.B.3.3.) – insbe-
sondere keine konkreten Andeutungen der vormaligen amtlichen Verteidigung
zuhanden der Strafverfolgungsbehörden auszumachen, wonach sie den Beschul-
digten für schuldig halten würde. Ebenso ist ein einmaliges Sondieren seitens der
vormaligen amtlichen Verteidigung, ob ein abgekürztes Verfahren seitens der
Staatsanwaltschaft überhaupt in Frage komme, nicht als Andeutung eines
Schuldeingeständnisses zu sehen, sondern als strategische und im Sinne der
Mandantschaft vorzunehmende Prozesshandlung. Schliesslich ist auch im Übri-
gen keine Verhaltensweise der vormaligen Verteidigung erkennbar, welche als
ungehörige Verteidigungshandlung in Frage kommt. Eine unter diesem Titel be-
stehende Unverwertbarkeit von Beweismitteln steht deshalb nicht in Frage. Dem-
nach sind die in Anwesenheit der vormaligen Verteidigung durchgeführten Ein-
vernahmen des Beschuldigten (Urk. 14/4-43; Urk. 14/45-48) und die Einvernah-
men von Zeugen und Auskunftspersonen (Urk. 16/1-28; Urk. 16/30-44;
Urk. 16/46-49) als Beweismittel verwertbar.
5. Dass der Anspruch des Beschuldigten auf gehörige Übersetzung – insbe-
sondere bei der Erstellung des Psychiatrischen Gutachtens – verletzt worden sein
soll, wie es die Verteidigung vorbrachte (Urk. 47 S. 2; Urk. 26/76 S. 2; Urk. 28/89
S. 2; Prot. I S. 7), ist vorliegend nicht ersichtlich. Der von der damaligen Verfah-
- 40 -
rensleitung eingesetzte Gutachter Dr. med. AA._ unterhielt sich im Rahmen
der Erstellung seines Gutachtens anlässlich zweier Treffen während insgesamt 3
1⁄2 Stunden mit dem Beschuldigten (Urk. 23/14 S. 1). Aus der schriftlichen Nieder-
legung seiner Explorationen ist in keiner Weise erkennbar, dass Verständigungs-
schwierigkeiten zwischen dem Gutachter und dem Beschuldigten geherrscht ha-
ben könnten (vgl. Urk. 23/14 S. 4 ff.). Auch aus den übrigen Gutachten und Ein-
vernahmeprotokollen aus vorliegendem und früheren Verfahren lassen sich ins
Gewicht fallende Verständnisschwierigkeiten nicht eruieren: Seitens der Vo-
rinstanz wurde bereits zutreffend darauf hingewiesen, dass der Beschuldigte
mehrfach bestätigte, zumindest Hochdeutsch zu verstehen bzw. zu Protokoll gab,
keine Übersetzung zu benötigen und alles verstanden zu haben (Urk. 74
E. III.B.4.4. u. dortige Verweise auf diverse Einvernahmen). Auch im Übrigen
kann auf die einlässlichen Erwägungen der Vorinstanz zur Frage der gehörigen
Übersetzung verwiesen werden (Urk. 74 E. III.B.4.5.-4.8), welche das wider-
sprüchliche Verhalten des Beschuldigten konzise aufzeigen und sich allesamt als
zutreffend erweisen. Einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74
E. III.B.4.9.) ist davon auszugehen, dass die punktuelle Berufung auf die Notwen-
digkeit einer Übersetzung sich ausschliesslich als taktisches Manöver des Be-
schuldigten bzw. dessen amtlicher Verteidigung erweist. Der Einwand der unge-
hörigen Übersetzung vermag damit weder an der Verwertbarkeit des Psychiatri-
schen Gutachtens von Dr. med. AA._ noch der anderen Beweismittel etwas
zu ändern.
6. Ferner ist hinsichtlich der Verwertbarkeit der Beweismittel die seitens der
Verteidigung – auch anlässlich der Berufungsverhandlung (Prot. II S. 36) – gel-
tend gemachte (Urk. 63 S. 4; Prot. I S. 16 f.) unzulässige Beeinflussung der Ein-
vernommenen durch die Strafverfolgungsbehörden zu prüfen (vgl. Art. 221 Abs. 1
lit. b StPO). Einerseits habe gemäss der Verteidigung die Polizistin AD._ die
Unfallbeteiligten suggestiv befragt, indem sie beispielsweise ihre Befragungen
damit einzuleiten gepflegt habe, der Beschuldigte stünde im Verdacht, mehrfach
Verkehrsunfälle in betrügerischer Absicht verursacht zu haben. Andererseits sei-
en laut dem amtlichen Verteidiger unverletzt gebliebene Verletzte dazu verleitet
worden, Strafanträge gegen den Beschuldigten wegen versuchter Körperverlet-
- 41 -
zung zu stellen (Urk. 63 S. 4). Zu letzterem Einwand wurden bereits die nötigen
Erwägungen gemacht und festgestellt, dass er nicht zutrifft (s. vorstehend unter
E. D.3.5.). Hinsichtlich des gegenüber den Strafverfolgungsbehörden geäusserten
Suggestionsvorwurfs ist vorab – einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz
(Urk. 74 E. III.B.5.2.4.) – davon auszugehen, dass die einvernommenen Aus-
kunftspersonen bzw. Zeugen nicht in unzulässiger Weise beeinflusst wurden, in-
dem sie anlässlich ihrer ersten jeweiligen Einvernahme regelmässig einen Hin-
weis hinsichtlich des Grundes der Einvernahme erhielten, nämlich dass das
"Strafverfahren gegen A._ betreffend Verdacht Betrug" (z.B. Urk. 14/10) er-
folgte, weil seitens der Strafverfolgungsbehörden lediglich ein Verdacht geäussert
wurde und der Untersuchungszweck dies auch vorliegend nicht verbot. Des Wei-
teren stellt sich die Frage einer unzulässigen Suggestion mit Blick auf das seitens
der Strafverfolgungsbehörden im Frühling 2013 an verschiedene potentielle Aus-
kunftspersonen ergangene Schreiben, in welchem sie darüber orientiert wurden,
dass "diverse Verkehrsunfälle in den Jahren 2011 und 2012" untersucht würden,
wobei sie an einem dieser Unfälle beteiligt gewesen seien, weshalb mehrere
Punkte von Interesse seien. Im besagten Schreiben wird zudem darauf hingewie-
sen, dass die Ermittlungen auf manipulierten Verkehrsunfällen basieren würden
und gegen den vordersten Lenker ein Strafverfahren bezüglich Betrug eröffnet
worden sei. Einhergehend mit der zutreffenden Auffassung der Vorinstanz (Urk.
74 E. III.B.5.2.5.) hätte seitens der Strafverfolgungsbehörden in der vorliegenden
Konstellation durchaus ein Verzicht auf die Angabe des Grunds der Einvernahme
angezeigt sein können, um einer allfälligen potentiellen Kollusion unter den Aus-
kunftspersonen entgegenzuwirken. Wesentlich ist aber, dass vorliegend – wie be-
reits seitens der Vorinstanz zutreffend festgehalten wurde (Urk. 74 E. III.B.5.2.5.)
– keine Anhaltspunkte für kollusives Verhalten bestehen, was abgesehen davon
bei vorliegender Konstellation auch nicht plausibel erscheint. Auch wurde seitens
der Vorinstanz zutreffend festgehalten (Urk. 74 E. III.B.5.2.5.), dass die als Aus-
kunftspersonen und nicht mehr als Beschuldigte einvernommenen Personen be-
reits aus diesem Umstand folgern hätten können, dass sich der Fokus der Unter-
suchung zwischenzeitlich geändert haben könnte. So oder anders waren sich die
betroffenen Personen bewusst, dass sie bereits davor Aussagen getätigt hatten
- 42 -
und deshalb davon auszugehen hatten, dass ihre nachfolgenden Schilderungen
des in Frage stehenden Geschehens auf entsprechende Übereinstimmung ge-
prüft werden würden. Schliesslich ist noch zu erwähnen, dass die Vorfallbeteilig-
ten vorliegend ohne Weiteres auch ungeachtet des in Frage stehenden Handelns
seitens der Strafverfolgungsbehörden hätten kolludieren können. Eine unzulässi-
ge Beeinflussung der als Auskunftspersonen einzuvernehmenden Beteiligten sei-
tens der Strafverfolgungsbehörden liegt jedenfalls nicht vor. Die in Frage stehen-
den Aussagen sind verwertbar.
7. Seitens der Vorinstanz wurde ferner zutreffend ausgeführt, dass die Teil-
nahmerechte des Beschuldigten teilweise nicht gewahrt wurden (s. Urk. 74
E. III.B.5.3.2.): Entsprechend sind mehrere Einvernahmen, anlässlich derer der
Beschuldigte nicht anwesend war und auch zu keinem späteren Zeitpunkt im Ver-
fahren angemessene und hinreichende Gelegenheit hatte, die ihn belastende
Aussage in Zweifel zu ziehen und Ergänzungsfragen zu stellen, ausschliesslich
zu Gunsten des Beschuldigten verwertbar.
8. Des Weiteren ist zu prüfen, ob die an Einvernahmen gemachten Aussagen
anderer Personen, an welchen der Beschuldigte zwar krankheitsbedingt fehlte,
sein Verteidiger hingegen beiwohnte, als Beweismittel verwertbar sind. Gemäss
Art. 147 Abs. 3 StPO kann seitens einer Partei bzw. ihres Rechtsbeistandes die
Wiederholung der Beweiserhebung verlangt werden, wenn eine der beiden ge-
nannten Personen aus zwingenden Gründen an der Teilnahme verhindert war.
Die StPO lässt offen, was unter einem zwingenden Grund zu verstehen ist. Nach
der Botschaft sind darunter z.B. Krankheit, Auslandabwesenheit und die Ein-
schränkungen der Teilnahmerechte nach den Art. 108 StPO und Art. 149 ff. StPO
zu verstehen (BBl 2006 S. 1187). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
setzt die effektive Wahrnehmung des Teilnahmerechts (im Regelfall) kumulativ
die Anwesenheit der beschuldigten Person und der Verteidigung voraus (BGer
6B_324/2011 vom 26. Oktober 2011 E. 1.2.). Auf eine Wiederholung kann aber
verzichtet werden, wenn sie mit unverhältnismässigem Aufwand verbunden wäre
und dem Anspruch der Partei auf rechtliches Gehör, insbesondere dem Recht,
Fragen zu stellen, auf andere Weise Rechnung getragen werden kann. Vorlie-
- 43 -
gend wurden die in Frage stehenden Einvernahmen (Urk. 16/12-19) wiederholt
(Urk. 16/50; 16/73; 16/74; 16/82; 16/83), erübrigen sich infolge Einstellung der da-
von betroffenen Dossiers (Einvernahmen AM._ [Dossier 14] und AN._
[Dossier 17]; vgl. auch Urk. 28/76 S. 1) oder die Wiederholung der entsprechen-
den Einvernahme wurde von der Verteidigung nicht beantragt und die Unverwert-
barkeit dieser Aussagen auch nicht gerügt (so bei der Einvernahme Q._
[Dossier 12, s. nachstehend E. III.E.15.1. u. 15.2.1. sowie 15.3.]). Im Übrigen sind
die Einvernahmen zufolge Wahrung der Teilnahmerechte des Beschuldigten und
der Verteidigung verwertbar.
9. Die seitens der Vorinstanz zur Rollenzuteilung bzw. zum Rollenwechsel der
einvernommenen Personen gemachten Ausführungen (Urk. 74 E. III.B.5.4.) er-
weisen sich als zutreffend und werfen auch keine Folgefragen auf, weshalb voll-
umfänglich darauf verwiesen werden kann.
10. Seitens der Verteidigung wird schliesslich eingewendet, dass die von Amtes
wegen gestützt auf Art. 194 StPO beigezogenen Akten der Sozialbehörde
AE._ aufgrund der dadurch begangenen Verletzung des Amtsgeheimnisses
nicht als Beweismittel verwertet werden dürften (Urk. Prot. I S. 24 ff.). Seitens der
Vorinstanz wurde erwogen, dass das Vorliegen eines Amtsgeheimnisses einer
Herausgabe der Akten nicht entgegen steht, weil überwiegende Geheimhaltungs-
interessen weder geltend gemacht worden seien noch ersichtlich seien (Urk. 74
E. III.B.7.2.). Diese Auffassung erweist sich als zutreffend, zumal bereits Art. 194
Abs. 2 StPO die gesetzliche Grundlage für Verwaltungs- und Gerichtsbehörden
darstellt, die Einsichtnahme in die Akten zu gewähren (Urteil des Bundesgerichts
1B_33/2013 vom 19. März 2013 E. 2.1.). Die Verwaltungs- und Gerichtsbehörden,
welche Akten in Anwendung dieser Bestimmung herausgeben, verhalten sich in
jeder Hinsicht rechtmässig (DONATSCH, in: DONATSCH/LIEBER/SUMMERS/WOHLERS
(Hrsg.), StPO-Kommentar, 3. A., Zürich 2020, Art. 194 StPO N 17). Die seitens
der Sozialbehörde AE._ beigezogenen Akten sind deshalb als Beweismittel
verwertbar.
G. Privatklägerschaft
- 44 -
In Bezug auf die Konstituierung der Privatklägerschaft kann vollumfänglich auf die
zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 74 E. II.E.).
H. Teilrechtskraft
1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-
schiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dement-
sprechend gehemmt. Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche
Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Auch wenn das
Berufungsgericht nur die angefochtenen Punkte neu beurteilt, fällt es am Ende ein
insgesamt neues Urteil (Art. 408 StPO), worin es jedoch anzugeben hat, welche
Punkte bereits früher in Rechtskraft erwachsen sind (Urteil des Bundesgerichtes
6B_533/2016 vom 29. November 2016 E. 4.2 mit Hinweisen).
2. Entsprechend den Anträgen des Beschuldigten (Urk. 76; Urk. 117 S. 1 f.),
der Privatklägerin 8 (Urk. 85) und der Anklagebehörde (Urk. 80; Urk. 123 S. 1) ist
vorab festzustellen, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 9. Abteilung, vom
19. Juni 2017, hinsichtlich der Dispositiv-Ziffern 2 (Freisprüche), 7 (Abweisung
Schadenersatzbegehren), 8 und 9 (Verweisung von Schadenersatzbegehren auf
den Zivilweg), 10 (Abweisung Genugtuungsbegehren), 12 (Festsetzung Gerichts-
gebühr) und 16 (Kostenübernahme amtliche Verteidigung) in Rechtskraft erwach-
sen ist, was mittels Beschluss festzuhalten ist.
III.Materielles
A. Anklagevorwurf
Dem Beschuldigten wird zusammengefasst vorgeworfen, sich spätestens vor an-
fangs Juli 2008 dazu entschlossen zu haben, absichtlich eine unbestimmte An-
zahl Verkehrsunfälle (vorwiegend Auffahrkollisionen) herbeizuführen und dabei
das (Allein-)Verschulden mittels täuschender Angaben auf die übrigen Unfallbetei-
ligten abzuwälzen, um unrechtmässig geldwerte Leistungen (entweder seitens der
Unfallbeteiligten direkt oder über deren Haftpflichtversicherer) als Beitrag zu sei-
nen Lebenshaltungskosten zu erlangen. Dabei soll der Beschuldigte laut Ankla-
- 45 -
geschrift insgesamt 19 Unfälle absichtlich herbeigeführt haben (vgl. Urk. 34/1).
Der Beschuldigte streitet alle Vorwürfe ab (Urk. 14/48 S. 11 ff.; Urk. 60 S. 6 ff.;
Prot. II S. 20 ff.).
B. Standpunkt des Beschuldigten
Auch heute bestreitet der Beschuldigte den ihm vorgeworfenen Anklagesachver-
halt im Wesentlichen. Anerkannt wird von seiner Seite, dass die angeklagten Kol-
lisionen stattgefunden haben. Bestritten wird vom Beschuldigten demgegenüber,
dass er diese absichtlich herbeigeführt hat. Vielmehr handle es sich bei ihm um
einen schreckhaften, schlechten Automobilisten, der in Erinnerung des tödlichen
Verkehrsunfalles seiner Eltern und eines entsprechenden Horoskops beim Brem-
sen oftmals überreagiert habe (Urk. 63 S. 3 f.). Anlässlich der Berufungsverhand-
lung wurde seitens des Beschuldigten ergänzend vorgebracht, dass er immer mit
korrekter Distanz und normaler Geschwindigkeit Auto gefahren sei und nie eine
Vollbremsung gemacht habe. "Wenn er normal gewesen wäre, dann wäre das
nicht vorgefallen". Wenn er von seiner Krankheit gewusst hätte, wäre er zu einem
Psychiater gegangen und hätte sich behandeln lassen. Er versuche nun, seine
Vergangenheit zu vergessen und denke an die Zukunft. Er könne nicht beurteilen,
ob er ein guter oder schlechter Autofahrer sei. Er sei so gefahren, wie er es in
seinem Heimatland gelernt habe. Diese Unfälle seien vor 7 oder 8 Jahren pas-
siert. Er könne das nicht mehr genau eruieren. Es sei schon möglich, dass er
auch schon anderen hinten ins Auto gefahren sei. Er habe auch schon mit dem
Geschäftsauto einen Unfall gehabt. Er könne sich aber nicht erinnern, wie oft dies
passiert sei. Die Occasionsfahrzeuge hätten immer Probleme gehabt, deshalb
habe er das Auto immer wieder gewechselt. Er habe die Unfallfahrzeuge in ver-
schiedenen Garagen irgendwie reparieren lassen, sodass er mit diesen wieder
habe weiterfahren können. Die Namen der Garagen wisse er jetzt aber nicht
mehr. Mit seiner Familie sei er meistens mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ge-
reist. Seine Frau habe das manchmal so gewünscht. Es habe auch mit der Fami-
lie und den Kindern Unfälle gegeben. "Wenn er normal alles richtig verstanden
hätte, dann hätte er aufgehört." Heute sei er froh, dass die Polizei ihm bei der
Verhaftung den Fahrausweis abgenommen habe (Prot. II S. 20 ff.).
- 46 -
C. Beweisgrundsätze
1. Bestreitet ein Beschuldigter die ihm vorgeworfenen Taten, ist der Sachver-
halt aufgrund der Untersuchungsakten und der vor Gericht vorgebrachten Argu-
mente nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu erstellen. Gemäss der aus
Art. 32 Abs. 1 BV fliessenden und in Art. 10 Abs. 3 StPO sowie Art. 6 Ziff. 2
EMRK verankerten Maxime "in dubio pro reo" ist bis zum gesetzlichen Nachweis
ihrer Schuld zu vermuten, dass die einer strafbaren Handlung beschuldigte Per-
son unschuldig ist (BGE 137 IV 219 E. 7.3. mit Hinweisen; BGE 127 I 38 E. 2a;
Urteil des Bundesgerichts 6B_617/2013 vom 4. April 2014 E. 1.2.). Angesichts der
Unschuldsvermutung besteht Beweisbedürftigkeit, d.h. der verfolgende Staat hat
dem Beschuldigten alle objektiven und subjektiven Tatbestandselemente nach-
zuweisen (SCHMID/JOSITSCH, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts,
3. A., Zürich 2017, N 216) und nicht der Beschuldigte seine Unschuld (BGE 127 I
38 E. 2a). Als Beweiswürdigungsregel besagt die Maxime, dass sich der Strafrich-
ter nicht von der Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen Sachverhaltes
überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung erhebliche und nicht zu
unterdrückende Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat
(BGE 138 V 74 E. 7; BGE 128 I 81 E. 2 mit Hinweisen; DO-
NATSCH/SCHWARZENEGGER/WOHLERS, Strafprozessrecht, Zürcher Grundrisse des
Strafrechts, 2. A., Zürich/Basel/Genf 2014, § 2 11.2, S. 60 f.). Die Überzeugung
des Richters muss auf einem verstandesmässig einleuchtenden Schluss beruhen
und für den unbefangenen Beobachter nachvollziehbar sein (Urteil des Bundes-
gerichts 1P.474/2004 vom 3. Dezember 2004 E. 2.2; HAUSER/SCHWERI/HARTMANN,
Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. A., Basel 2006, § 54 Rz 11 ff.). Es liegt in
der Natur der Sache, dass mit menschlichen Erkenntnismitteln keine absolute Si-
cherheit in der Beweisführung erreicht werden kann. Daher muss es genügen,
dass das Beweisergebnis über jeden vernünftigen Zweifel erhaben ist. Bloss abs-
trakte oder theoretische Zweifel dürfen dabei nicht massgebend sein, weil solche
immer möglich sind (BGE 138 V 74 E. 7 mit Hinweisen). Es genügt also, wenn
vernünftige Zweifel an der Schuld ausgeschlossen werden können. Hingegen darf
ein Schuldspruch nie auf blosser Wahrscheinlichkeit beruhen (SCHMID/JOSITSCH,
- 47 -
a.a.O., N 227 f.; Urteil des Bundesgerichts 1P.474/2004 vom 3. Dezember 2004
E. 2.2).
2. Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, so sind die-
se frei zu würdigen (Art. 10 Abs. 2 StPO). Es ist anhand sämtlicher Umstände, die
sich aus den Akten und den Verhandlungen ergeben, zu untersuchen, welche
Sachdarstellung überzeugend ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt
der Aussagen ankommt, verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben er-
folgten. Nach neueren Erkenntnissen kommt der allgemeinen Glaubwürdigkeit der
befragten Person im Sinne einer dauerhaften personalen Eigenschaft kaum mehr
Bedeutung zu. Weitaus bedeutender für die Wahrheitsfindung als die allgemeine
Glaubwürdigkeit ist die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussagen, welche durch ei-
ne methodische Analyse ihres Inhaltes darauf zu überprüfen sind, ob die auf ein
bestimmtes Geschehen bezogenen Angaben einem tatsächlichen Erleben des
Befragten entspringen. Damit eine Aussage als zuverlässig gewürdigt werden
kann, ist sie insbesondere auf das Vorhandensein von Realitätskriterien und um-
gekehrt auf das Fehlen von Phantasiesignalen zu überprüfen. Dabei wird zu-
nächst davon ausgegangen, dass die Aussage gerade nicht realitätsbegründet ist,
und erst wenn sich diese Annahme aufgrund der festgestellten Realitätskriterien
nicht mehr halten lässt, wird geschlossen, dass die Aussage einem wirklich Erleb-
ten entspricht und wahr ist (BGE 133 I 33 E. 4.3. mit Hinweisen und Urteile des
Bundesgerichts 6B_95/2015, 6B_112/2015, 6B_113/2015 vom 25. Januar 2016
E. 6.3. mit Hinweisen; RUCKSTUHL/DITTMANN/ARNOLD, Strafprozessrecht, Zürich/
Basel/Genf 2011, § 9 N 505).
3. Im Übrigen kann hinsichtlich der Grundlagen zur Beweiswürdigung vollum-
fänglich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.C.) ver-
wiesen werden.
D. Beweismittel
1. Vorliegend dienen im Wesentlichen die Aussagen des Beschuldigten, die-
jenigen der Privatkläger und weiterer Personen, diverse Schadensmeldungen an
Versicherungen, seitens verschiedener Versicherungen veranlasste Expertisen
- 48 -
sowie weitere hinsichtlich Kollisionsörtlichkeit bzw. Schadensbild erstellte Foto-
grafien und Belege als Beweismittel. Auf die hinsichtlich der einzelnen Dossiers
massgebenden Beweismittel wird hernach im Rahmen der Beurteilung des jewei-
ligen Anklagesachverhalts eingegangen.
2.1. Die Glaubwürdigkeit einer Person ergibt sich aus deren prozessualen Stel-
lung, ihren wirtschaftlichen Interessen am Ausgang des Verfahrens sowie vor al-
lem anhand ihrer persönlichen Beziehungen und Bindungen zu den übrigen Pro-
zessbeteiligten.
2.2. Der Beschuldigte ist als vom Strafverfahren Betroffener naheliegenderweise
daran interessiert, sein Verhalten in einem möglichst positiven Licht darzustellen,
was seine Glaubwürdigkeit etwas einschränkt. So oder anders steht vorliegend
aber die Beurteilung der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen im Vordergrund.
2.3. Hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der weiteren Personen ist auf die nachste-
hend bei der Prüfung der einzelnen Anklagesachverhalte gemachten Erwägungen
(s. E. III.E.2. ff.) zu verweisen. Aber auch diesbezüglich ist wesentlich, dass die
Glaubhaftigkeit der getroffenen Aussagen im Vordergrund steht. Hinsichtlich der
als Auskunftspersonen einvernommenen Personen lässt sich vorab generell aus-
führen, dass sie aufgrund dieser Eigenschaft nicht – wie Zeugen – unter der
Strafandrohung von Art. 307 StGB zur wahrheitsgemässen Aussage verpflichtet
wurden. Allerdings wurden sie gemäss Art. 181 Abs. 2 StPO auf die Folgen einer
falschen Anschuldigung, einer Irreführung der Rechtspflege und einer Begünsti-
gung gemäss Art. 303-305 StGB hingewiesen.
E. Würdigung
1. Vorbemerkung
Zutreffend ist, dass vorliegend jeder einzelne Anklagesachverhalt einzeln zu
überprüfen und der entsprechende Schuldnachweis zu erbringen ist (entspre-
chend den Auffassungen der Verteidigung: Urk. 63 S. 5; Urk. 117 S. 6 ff., bzw.
derjenigen der Vorinstanz: Urk. 74 E. III.W.1.1.). Daran ändert die hohe Anzahl an
Vorfällen innert kurzer Zeit nichts. Immerhin erscheint deren hohe Frequenz aber
- 49 -
auffällig. Auch ist festzustellen, dass die Umstände bei einer überwiegenden Zahl
der angeklagten Vorfälle ähnlich gelagert waren. So ergeben sich vielfach Über-
einstimmungen mit Bezug auf das Verhalten des Beschuldigten vor, während und
im Nachgang des Vorfalls, was ebenfalls auffällig erscheint und Aufschlüsse über
einen diesbezüglich üblichen modus operandi des Beschuldigten geben könnte.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung können in Konstellationen, in wel-
chen das Handlungsmuster nicht nur auf ein konkretes Opfer, sondern eine Mehr-
zahl von Opfern angelegt ist, die Gesamtumstände respektive das gesamte Ver-
halten in die Würdigung miteinbezogen werden und eine ausführliche fallbezoge-
ne Erörterung der einzelnen Merkmale muss nur in denjenigen Fällen erfolgen,
die in deutlicher Weise vom üblichen Handlungsmuster abweichen (Urteil des
Bundesgerichts 6B_1179/2013 vom 28. August 2014 E. 1.2). Auch auf diese Um-
stände ist (vorerst) nachfolgend im Rahmen der Beurteilung der einzelnen Ankla-
gesachverhalte einzugehen. Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass gemäss bun-
desgerichtlicher Rechtsprechung in Konstellationen,
2. Anklagesachverhalt ND 18 (Vorfall vom 7. Juli 2008)
2.1. Vorbemerkung
Seitens der Vorinstanz wurde die Glaubwürdigkeit der bezüglich des Anklage-
sachverhaltes ND 18 involvierten Drittpersonen AO._, AP._, AQ._
und AR._ sowie die (Un-)Verwertbarkeit ihrer Aussagen zutreffend gewür-
digt, weshalb – um unnötige Wiederholungen zu vermeiden – auf ihre entspre-
chenden Erwägungen (Urk. 74 E. III.L.1.) verwiesen werden kann.
Die Vorinstanz hat die massgebenden Aussagen der involvierten, zuvor erwähn-
ten Drittpersonen und des Beschuldigten – insoweit sie verwertbar sind – ausführ-
lich und zutreffend wiedergegeben, weshalb diesbezüglich vorab auf ihre entspre-
chenden Ausführungen zum Verhalten vor, während und nach dem in Frage ste-
henden Vorfall (Urk. 74 E. III.L.2.1.-2.3.) verwiesen werden kann.
2.2. Beweiswürdigung
- 50 -
2.2.1. Im Kern geht es bei diesem Vorfall – wie auch bei den meisten anderen
Vorfällen – um die Beantwortung der Frage, wie das Bremsmanöver des Be-
schuldigten erfolgte und ob es hierfür eine objektive Rechtfertigung gab.
2.2.2. Die Anklage stützt sich insbesondere auf die Aussagen des damals unmit-
telbar hinter dem Beschuldigten fahrenden AO._. Dieser äusserte sich hin-
sichtlich der Frage, ob die Vollbremsung des Beschuldigten im Verhalten eines
weiteren Verkehrsteilnehmer begründet war oder nicht, widersprüchlich. In der
zum Vorfall zeitnäheren Einvernahme sagte AO._ aus, dass der Beschuldig-
te "einfach stark gebremst" habe, obwohl er vor sich keine Autos gehabt habe, die
gebremst hätten bzw. eine "Vollbremsung, aus dem Nichts" vorgenommen habe
(Urk. D18/5 S. 5 f.). Demgegenüber bejahte er später als Zeuge die Frage, ob es
vor dem Wagen des Beschuldigten Fahrzeuge gehabt habe, die ihn veranlasst
hätten, so zu bremsen ("Ich glaube ja": Urk. D18/4). Auch wenn AO._ später
seine zuvor bei der Polizei gemachten Aussagen als zutreffend bezeichnete, ver-
mag das sein widersprüchliches Aussageverhalten nicht zu erklären. Auf seine
Aussagen kann deshalb – entgegen der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74
E. III.L.2.2.3.) – nicht zu Ungunsten des Beschuldigten abgestellt werden.
2.2.3. Auch aus den unspezifischen Ausführungen des Beschuldigten (Urk. D18/4
S. 1 ff. bzw. Urk. 14/26 S. 1 ff.) ergeben sich keine Erkenntnisse, welche rechts-
genügend auf ein anklagerelevantes Verhalten seinerseits schliessen lassen.
2.2.4. Es kann deshalb angesichts der erörterten Beweislage zum in Frage ste-
henden Kerngeschehen nicht angenommen werden, dass der Beschuldigte die in
Frage stehende Vollbremsung grundlos vorgenommen hat, sondern dass diese
eine Reaktion auf das Verhalten des vor ihm fahrenden Fahrzeuglenkers war.
2.2.5. Daran vermögen vorliegend letztlich weder das seitens der Vorinstanz zu-
treffend gewürdigte doch sehr auffällige Verhalten des Beschuldigten vor und
nach dem Unfall (Urk. 74 E. III.L.2.1. u. 2.3.) noch die aus den anderen Vorfällen
gewonnenen Erkenntnisse etwas zu ändern.
2.3. Fazit
- 51 -
Zu Gunsten des Beschuldigten ist vorliegend – entgegen der Auffassung der Vor-
instanz (Urk. 74 E. III.L.4.) – davon auszugehen, dass die Vornahme der Voll-
bremsung auf der Autobahn A1 nicht grundlos erfolgte, sondern eine Reaktion
des Beschuldigten auf das Verhalten des vor ihm fahrenden Fahrzeuglenkers
war. Der Anklagesachverhalt gemäss ND 18 ist demnach nicht erstellt.
3. Anklagesachverhalt ND 36 (Vorfall vom 8. April 2009)
3.1. Vorbemerkung
Bezüglich des Anklagesachverhalts ND 36 ist (lediglich) zu prüfen, ob hinsichtlich
des seitens des Beschuldigten gegenüber der K._ als Schaden deklarierten
Mobiltelefons ein Betrug vorliegt. Im Mehrumfang wurde der Beschuldigte hin-
sichtlich des Anklagevorwurfs gemäss ND 36 erstinstanzlich freigesprochen. Auf-
grund der beschränkten Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft (vgl. Urk. 80)
wirkt hier zu Gunsten des Beschuldigten das Verschlechterungsverbot (Art. 391
Abs. 2 StPO). Seitens der Vorinstanz wurde im Übrigen die Glaubwürdigkeit der
zu diesem Anklagevorwurf befragten AS._, AP._ und AT._ sowie
die (Un-)Verwertbarkeit ihrer Aussagen zutreffend gewürdigt, weshalb – um unnö-
tige Wiederholungen zu vermeiden – auf ihre entsprechenden Erwägungen
(Urk. 74 E. III.U.1.) verwiesen werden kann.
Die Vorinstanz hat die massgebenden Aussagen der involvierten, zuvor erwähn-
ten Drittpersonen und des Beschuldigten – insoweit sie verwertbar sind – ausführ-
lich und zutreffend wiedergegeben, weshalb diesbezüglich vorab auf ihre entspre-
chenden Ausführungen zum Verhalten während und nach dem in Frage stehen-
den Vorfall (Urk. 74 E. III.U.2.1.-2.2.) verwiesen werden kann.
3.2. Beweiswürdigung
3.2.1. Im Kern geht es bei diesem Vorfall – etwas anders gelagert als bei allen
anderen Vorfällen – in erster Linie nicht um die Beantwortung der Frage, wie das
Bremsmanöver des Beschuldigten erfolgte und ob es hierfür eine objektive Recht-
fertigung gab, sondern ob der Beschuldigte gegenüber dem Haftpflichtversicherer
- 52 -
der kollisionsbeteiligten AS._ wahrheitswidrig angegeben hat, dass sein Mo-
biltelefon anlässlich der in Frage stehenden Kollision kaputt gegangen sei.
3.2.2. Auffällig erscheint diesbezüglich, dass die angeblich durch die Kollision
herbeigeführte Beschädigung des Mobiltelefons des Beschuldigten am Unfallort
noch kein Thema war, sondern erst anlässlich eines späteren Telefonats zwi-
schen AS._ und dem Beschuldigten thematisiert wurde, was sich aus den
Aussagen der Beteiligten (Urk. D36/5 S. 4; Urk. D36/8 S. 4 f. bzw. Urk. D36/6
S. 3) sowie der Korrespondenz mit der Haftpflichtversicherung (Urk. D36/9/7)
ergibt und unstrittig ist. Dieses verspätete Bemerken des Schadens durch den
Beschuldigten erscheint angesichts des Umstands, dass der Beschuldigte das
Mobiltelefon anlässlich der Kollision zwischen seinen Beinen auf dem Fahrersitz
deponiert gehabt haben will (Urk. D36/5 S. 11), unglaubhaft. Überdies erweist
sich die Erwägung der Vorinstanz, dass bei einem vom Beschuldigten hier ge-
schilderten Frontaufprall ein nach vorne fallendes Mobiltelefon unwahrscheinlich
erscheint (Urk. 74 E. III.U.2.2.3.; entsprechend schon die den Beschuldigten be-
fragende Polizistin: Urk. D36/5 S. 11), als überzeugend. Mit dieser Feststellung
konfrontiert antwortete der Beschuldigte denn auch ausweichend und gab zu Pro-
tokoll, nicht zu wissen, wie genau der Schaden am Mobiltelefon verursacht wor-
den sei (Urk. D36/5 S. 11). Bereits angesichts dieser Umstände bestehen erhebli-
che Zweifel an der Darstellung des Beschuldigten und damit der Ursächlichkeit
der Kollision für die Beschädigung seines Mobiltelefons. Dazu kommt, dass vor
dem Hintergrund des Beweisergebnisses bei weiteren Vorfällen angenommen
werden darf, dass der Beschuldigte Versicherungsbeträge doppelt zu kassieren
beabsichtigte bzw. möglichst viele Versicherungsbeträge zu kassieren versuchte
(s. nachstehend unter E. 4.2.6. mit weiteren Verweisen). Ferner ergibt sich aus
den Unterlagen des Haftpflichtversicherers, dass der Beschuldigte – aufgrund des
übrigen Beweisergebnisses wahrheitswidrig – angab, dass er gegenüber der Ver-
sicherungsnehmerin AS._ bereits am Unfallort vom Kaputtgehen des Mobil-
telefons gesprochen habe (Urk. D36/9/7 S. 3). Ferner behauptete er, über keine
Quittungen mehr vom kaputten Handy zu verfügen (Urk. D36/9/7 S. 3), bezifferte
den Neuwert des Mobiltelefons indes mit Fr. 1'190.- (vgl. Urk. D36/9/7).
- 53 -
3.2.3. Angesichts der erörterten Beweislage ist – einhergehend mit der Auffas-
sung der Vorinstanz (Urk. 74 E. III. U.2.2.3. u. 3) – erstellt, dass der Beschuldigte
die Haftpflichtversicherung von AS._, die K._, wahrheitswidrig und in
unüberprüfbarer Weise erklärt hatte, dass sein Mobiltelefon anlässlich der Kollisi-
on kaputt gegangen sei und er seinen Schaden mit Fr. 1'190.- bezifferte. Der der
Geschädigten entstandene Schaden in der Höhe von letztlich Fr. 195.- ist rechts-
genügend ausgewiesen (Urk. D36/9/8). Da sich der Vorsatz des Beschuldigten
nicht nur auf das Erlangen einer geringen Haftpflichtzahlung richtete, handelt es
sich – entgegen der Verteidigung – um keinen geringfügigen Betrug, und die Ver-
jährung ist nicht eingetreten (vorstehend E. II.A.3.).
3.3. Fazit
Der Anklagesachverhalt gemäss ND36 ist in Bezug auf den Betrug gegenüber der
K._ hinsichtlich des durch die Kollision angeblich beschädigten Mobiltelefons
erstellt.
3.4. Schaden
Seitens der Staatsanwaltschaft wird der Schaden hinsichtlich des in Frage ste-
henden Betrugs vorliegend auf Fr. 195.- beziffert. Dieser Schaden der diesbezüg-
lich Geschädigten K._ ist rechtsgenügend belegt und deshalb ausgewiesen
(Urk. 36/9/8).
4. Anklagesachverhalt ND 4 (Vorfall vom 9. Juni 2011)
4.1. Vorbemerkung
Seitens der Vorinstanz wurde die Glaubwürdigkeit der bezüglich des Anklage-
sachverhaltes ND 4 involvierten Drittpersonen AU._, AV._, AW._
sowie BA._ sowie die (Un-)Verwertbarkeit ihrer Aussagen zutreffend gewür-
digt, weshalb – um unnötige Wiederholungen zu vermeiden – auf ihre entspre-
chenden Erwägungen (Urk. 74 E. III.D.1.) verwiesen werden kann. Ergänzend ist
anzufügen, dass die vom Beschuldigten unmittelbar gegenüber der Polizei als
Auskunftsperson gemachten Angaben (Urk. D4/3 S. 7) nicht zu Ungunsten des
- 54 -
Beschuldigten verwertbar sind, da – abgesehen davon, dass auch die Protokollie-
rungsvorschriften nicht eingehalten wurden – aus dem entsprechenden Polizei-
protokoll nicht hervorgeht, dass der Beschuldigte damals auf seine Rechte ge-
mäss Art. 158 Abs. 1 StPO aufmerksam gemacht wurde, weshalb sie im Sinne
von Art. 158 Abs. 2 StPO unverwertbar sind (s. auch SCHMID/JOSITSCH, Handbuch
des schweizerischen Strafprozessrechts, 3. A., Zürich 2017, N 928).
Die Vorinstanz hat die massgebenden Aussagen der involvierten, zuvor erwähn-
ten Drittpersonen und des Beschuldigten – insoweit sie verwertbar sind – ausführ-
lich und zutreffend wiedergegeben, weshalb auch diesbezüglich vorab auf ihre
entsprechenden Ausführungen zum Verhalten vor, während und nach dem in
Frage stehenden Vorfall (Urk. 74 E. III.D.2.1.-2.3.) verwiesen werden kann. Ent-
gegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 63 S. 6 f.) kann vorliegend nicht von ei-
ner unzulässigen Beeinflussung durch die polizeiliche Sachbearbeiterin bzw. von
einer "systematischen Kollision" ausgegangen werden.
4.2. Beweiswürdigung
4.2.1. Im Kern geht es bei diesem Vorfall – wie auch den anderen Vorfällen – um
die Beantwortung der Frage, wie das Bremsmanöver des Beschuldigten erfolgte
und ob es hierfür eine objektive Rechtfertigung gab. AU._, welche damals
unmittelbar hinter dem Beschuldigten fuhr, sagte konstant aus, dass der Beschul-
digte im Vorfeld bei flüssigem Verkehr und ohne ersichtlichen Grund die gefahre-
ne Geschwindigkeit mehrfach verändert habe, indem er schneller und langsamer
gefahren sei und auch gebremst habe, was als auffällig einzustufen ist und ange-
sichts derselben Beobachtung bei mehreren Vorfällen interpretationswürdig er-
scheint (s. dazu unter E. III.E.5. ff.).
4.2.2. Die Angaben von AU._ erweisen sich zwar in zweifacher Hinsicht als
nicht kohärent (Distanzeinschätzung zum vor ihr fahrenden Beschuldigten; Abfol-
ge des Bremsmanövers des Beschuldigten und der Drehung seines Fahrzeugs).
Allerdings sind diese Divergenzen erklärbar: Angesichts der Schwierigkeit von
Distanzschätzungen erscheinen ihre diesbezüglich uneinheitlichen Aussagen
nachvollziehbar, zumal gestützt auf ihre Aussagen auch noch davon auszugehen
- 55 -
ist, dass der Beschuldigte seine gefahrene Geschwindigkeit ständig variierte, was
eine zuverlässige Schätzung noch erschwert. Ferner erweist sich aufgrund des
dynamischen Handlungsgeschehens innert eines enorm kurzen Zeitraums eine
zeitliche Einordnung von Bremsmanöver und Drehung (gleichzeitig oder nachei-
nander erfolgt) als äusserst diffizil, weil – einhergehend mit der Auffassung der
Vorinstanz (Urk. 74 E. III.D.2.2.2.) – auch die begrenzte Wahrnehmungsfähigkeit
des menschlichen Auges und das Erfordernis einer sofortigen Reaktion zu be-
rücksichtigen sind. Deshalb vermögen gewisse Inkohärenzen im Aussageverhal-
ten von AU._ an der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen nichts zu ändern. Im Üb-
rigen erweisen sich ihre Schilderungen denn auch als konstant, stimmig und de-
tailliert. So besteht gestützt darauf kein Grund, an der von ihr beschriebenen Ab-
ruptheit der Bremsung durch den Beschuldigten und dem Umstand, dass hierfür
kein Anlass bestand, weil der Verkehr trotz hohem Verkehrsaufkommen flüssig
gewesen sei und vor ihm kein Fahrzeug abgebremst habe oder gestanden sei
(Urk. D4/10 S. 3 ff.; Urk. D4/11 S. 4 ff.), zu zweifeln.
4.2.3. Der Zeuge AV._ war letztlich räumlich und zeitlich zu weit vom mass-
gebenden Geschehen entfernt, um relevante Aussagen zum Kerngeschehen ma-
chen zu können. So verneinte er, gesehen zu haben, wie die beiden vor ihm fah-
renden Fahrzeuge (des Beschuldigten und von AU._) zum Stillstand ge-
kommen seien (Urk. D4/9 S. 5 f.). Von einer gewissen Bedeutung erscheint im-
merhin seine Aussage, dass er schätze, damals mit einer Geschwindigkeit von
80 km/h gefahren zu sein (Urk. D4/9 S. 5 u. 10), was mit den Geschwindigkeits-
angaben von AU._ übereinstimmt (Urk. D4/10 S. 4; D4/11 S. 5).
4.2.4. Auch der Beschuldigte ging von einer Geschwindigkeit auf der linken Spur
von 70 bis 80 km/h aus (Urk. D4/7 S. 4 = Urk. 14/33 S. 4). Er beschrieb seine
Bremsung als langsam (Urk. D4/7 S. 4), demgegenüber gab er kurze Zeit später
an, sich nicht mehr daran erinnern zu vermögen (Urk. D 4/7 S. 6), was erstaunt.
Auch bleibt gestützt auf seine Schilderungen unklar, ob er eines oder mehrere
weiter vorne bremsende Fahrzeuge ausgemacht haben will, weshalb er habe
bremsen müssen, zumal er zu Protokoll gab, dass er eigentlich vor allem auf das
jeweils vor ihm fahrende Fahrzeug schaue (Urk. D4/7 S. 7).
- 56 -
4.2.5. Einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.D.2.2.4.)
stehen die Aussagen des Beschuldigten bezüglich des relevanten Kerngesche-
hens diametral im Widerspruch zu denjenigen von AU._. Sie erweisen sich
indes nicht per se als unglaubhaft, auch wenn aufgrund seiner teilweise auswei-
chenden und sprunghaften Ausführungen (s. hierzu die einlässliche Erörterung
der Vorinstanz: Urk. 74 E. III.D.2.2.3.-2.2.4.) gewisse Zweifel an seiner Darstel-
lung hinsichtlich der Notwendigkeit der Vollbremsung bestehen.
4.2.6. Aufschlussreich erweisen sich die Aussagen zum Verhalten des Beschul-
digten vor und nach dem Vorfall. So schilderte AU._, wie der Beschuldigte
vor dem Vorfall auf der Normalspur immer wieder schneller und langsamer gefah-
ren sei und auch gebremst habe, obwohl es hierfür gar keinen Grund gegeben
habe (Urk. D4/10 S. 3). Es besteht kein Anlass, an ihren Ausführungen zu zwei-
feln. Letztlich stellte auch der Beschuldigte selbst die häufigen Tempowechsel in
seiner Fahrt nicht in Abrede, sondern meinte ausweichend, zu wissen, wie er Auto
gefahren sei und dass sie [AU._] doch die Spur hätte wechseln können, was
dann einfacher für sie gewesen wäre (Urk. D4/7 S. 6). Dieses erstellte inadäquate
Verkehrsverhalten des Beschuldigten erweist sich auf den ersten Blick als  auf eine unkonzentrierte Fahrweise. Bei näherer Betrachtung im Zusam-
menhang mit derselben Verhaltensweise bei weiteren Vorfällen lässt sich daraus
allerdings ein modus operandi ableiten, welcher die darauf folgenden Kollisionen
in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt. Wesentlich ist in diesem Zusammen-
hang, dass es höchst unplausibel erscheint, dass eine dermassen unkonzentrierte
Fahrweise ausschliesslich Auffahrunfälle nach sich zieht und nicht in gleichem
Umfang andere Verkehrs- bzw. Selbstunfälle (wofür keine Anzeichen vorliegen).
Daraus folgt, dass die unkonzentrierte Fahrweise vom Beschuldigten bloss vorge-
schoben wird und nicht der Realität entspricht.
4.2.7. Hinsichtlich des (angeblichen) Nachtatverhaltens des Beschuldigten wird
seitens der Vorinstanz zutreffend ausgeführt (Urk. 74 E. III.D.2.3.2.), dass der Be-
schuldigte gleichentags sowohl gegenüber der BB._-Versicherung bzw. der
mit der Durchführung der Expertise des beschädigten Fahrzeugs beauftragten
BC._ AG (vgl. Urk. N 4/17/2 S. 2) wie auch gegenüber dem seitens der
- 57 -
C._ Versicherungen hinsichtlich eines weiteren Vorfalls eingesetzten Exper-
ten (vgl. Urk. ND20/12/1 S. 7) jeweils einen Vorschaden verneinte, weshalb ge-
stützt auf die Akten angenommen werden könne, dass der Beschuldigte darauf
aus gewesen sei, Versicherungsbeträge doppelt bzw. möglichst viel  zu kassieren. Dies trifft angesichts der Beweislage nicht nur hinsichtlich der am Fahrzeug festgestellten Schäden sondern auch hinsichtlich
des Mobiltelefons "HTC" – anklagegemäss (vgl. Urk. 34/1 S. 17) – zu (vgl. die
entsprechenden und zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz zu den identi-
schen Display-Schäden betr. D4/17/4 [Nr. 12] u. D4/19/6 [31/12] sowie
Urk. D20/10/4 S. 23; Urk. D20/12/3 [14/11]: Urk. 74 E. III.D.2.3.3.).
Für sich allein bildet dieser Umstand aber kein rechtsgenügendes Indiz oder gar
einen Beweis für eine bewusste Provokation von Verkehrsunfällen, auch wenn
das Verhalten des Beschuldigten klar auf ein Versicherungsdelikt hinweist. Gleich
ist in diesem Zusammenhang zu Gunsten des Beschuldigten auch sein diesbe-
züglich geltend gemachtes mangelndes Erinnerungsvermögen bzw. das Erleiden
eines "Anfalles" zu bewerten (vgl. Urk. 74 E. III.D.2.3.3. betr. Urk. 14/33 S. 10 ff.).
Ähnliches lässt sich in Bezug auf die seitens der Vorinstanz (Urk. 74
E. III.D.2.3.2.) zutreffend festgestellte offensichtliche Eile des Beschuldigten bei der Durchführung der Schadensbeurteilung und Schadensbegleichung durch die
Versicherungen feststellen. Auch daraus ergibt sich kein Hinweis auf die bewuss-
te Herbeiführung von Verkehrsunfällen.
Auffällig ist allerdings der Umstand, dass der Beschuldigte gegenüber den Straf-
verfolgungsbehörden vorgab, sich weder an die Garage, in welcher er allfällige Reparaturen hätte durchführen lassen, noch an die entsprechenden Kosten erinnern zu können (Urk. D4/7 S. 11). Dieses an den Tag gelegte mangelnde Erinnerungsvermögen ist als unglaubhaft einzustufen und belegt deutlich, dass der Beschuldigte an einer lückenlosen Aufklärung und Transparenz bei der Scha-
densbehebung nicht interessiert ist. Dieser Umstand stellt – mangels anderer
plausibler Erklärung – ein Indiz dafür dar, dass der Beschuldigte den von ihm je-
weils gefahrenen Unfallwagen nicht reparieren liess und in erster Linie beabsich-
tigte, die Schadenssumme – wie aufgezeigt teilweise doppelt – einzukassieren.
- 58 -
Letztlich bildet diese Vorgehensweise angesichts der vielen Verkehrsvorfälle, in
welche der Beschuldigte verwickelt war, auch ein Indiz, dass er die betroffenen
Fahrzeuge (soweit fahrtauglich) für denselben Deliktszweck wiederverwendete.
Gerichtsnotorisch ist denn auch, dass bei fingierten bzw. provozierten Autounfäl-
len – welche regelmässig mehrfach begangen werden – bevorzugt Fahrzeuge mit
Vorschäden eingesetzt werden bzw. Unfallfahrzeuge mehrfach zum Einsatz ge-
langen, um den Gewinn zu maximieren.
Von besonderer Bedeutung erweist sich in diesem Zusammenhang ferner der
Umstand, dass der Beschuldigte gleichzeitig über mehrere  verfügte (vgl. Übersicht in: Urk. D1/3/2/12/4 Liste 3), was bei seinen eher knappen Einkommensverhältnissen erstaunt und im Zusammenhang mit den wei-
teren Indizien darauf hinweist, dass sich der Beschuldigte durch die Herbeifüh-
rung von Autounfällen mit nachfolgender Auszahlung von Versicherungsleistun-
gen bereichern wollte (vgl. nachstehend E. 18.).
Unterlassung der Avisierung der Polizei: Naheliegend wäre bei der Annahme der Hypothese der vorsätzlichen Unfallverursachung ein an den Tag gelegtes
Desinteresse des Beschuldigten an der Avisierung der Polizei. Vorliegend ist ein
solches nicht erstellt. Letztlich ist unbekannt, wer die Polizei hinsichtlich dieses
Vorfalles avisiert hat (vgl. Urk. D 4/3; Urk. D 4/9 S. 7 bzw. Urk. D 4/11 S. 7).
Bemerkenswert ist immerhin die Passivität des Beschuldigten, welcher nach dem Vorfall in seinem Fahrzeug sitzen blieb (Urk. D4/9 S. 7; Urk. D4/11 S. 7).
4.2.8. Auffällig erscheint ferner der Umstand, dass sich der Vorfall kurz nach
der Einfahrt in den Tunnel ereignete (vgl. z.B. die glaubhafte Aussage von
AU._: "vielleicht so 50 m im Tunnel drin, maximal."; Urk. D 4/11 S. 7), weil
die Augen der Verkehrsteilnehmer sich erst an die neuen Lichtverhältnisse haben
gewöhnen müssen. Auch dieses Element fügt sich bestens in die Hypothese von
bewusst herbeigeführten Verkehrsunfällen ein, weil dieser Umstand die Vermei-
dung eines Auffahrens durch nachkommende Verkehrsteilnehmer zusätzlich er-
schwert.
- 59 -
4.3. Fazit
Der Anklagesachverhalt gemäss ND4 ist – entgegen der Ansicht der Verteidigung
(Urk. 63 S. 6 f.) – mit folgenden Präzisierungen als erstellt zu erachten: Erstens:
die ca. 4 bis 5 Wagenlängen Abstand der Lenkerin AU._ sind nicht erwiesen,
wobei ein allenfalls ungenügender Abstand angesichts der abrupten Bremsung
durch den Beschuldigten in den Hintergrund tritt. Zweitens: es lässt sich nicht
rechtsgenügend erstellen, ob das Fahrzeug des Beschuldigten bereits aufgrund
der nicht mehr rechtzeitig erfolgten Vollbremsung durch AU._ oder erst als
Folge der durch das Auffahren der Lenkerin AW._ ausgelösten Kettenreakti-
on mit dem Fahrzeug von AU._ in die Kollision mit den anderen Fahrzeugen
einbezogen wurde, was letztlich aber für die rechtliche Würdigung von unterge-
ordneter Relevanz ist. Ebenso bleibt unklar, ob die Querlage des Fahrzeugs des
Beschuldigten bereits durch die Bremsung oder erst durch die Kollision mit den
anderen Fahrzeugen herbeigeführt wurde, was indes für die rechtliche Beurtei-
lung ebenfalls von untergeordneter Bedeutung ist. Von zentraler Relevanz ist je-
denfalls die Tatsache, dass der Beschuldigte sein Fahrzeug im Gubristtunnel wis-
sentlich und willentlich unverhofft und ohne Grund abrupt abgebremst hat, was
sich aus den Aussagen von AU._ und der Würdigung seines auffälligen Vor-
und Nachtatverhaltens ergibt.
4.4. Strafanträge und Schaden
4.4.1. Vorliegend bestehen Strafanträge hinsichtlich Körperverletzung (Versuch)
(AU._ und AW._: Urk. D4/5/1 u. D4/5/3 bzw. von Vorinstanz nicht er-
wähnt: AV._ [Urk. D4/5/2]) sowie Sachbeschädigung (AW._ und
AG._: Urk. D4/5/7 u. Urk. D4/5/5).
4.4.2. Seitens der Staatsanwaltschaft wird der Schaden hinsichtlich Betrugs vor-
liegend auf Fr. 4'880.- abzüglich Selbstbehalt AG._ (BB._-Versicherung)
und Fr. 1'000.- (Halter AG._; Selbstbehalt) beziffert. Rechtsgenügend aus-
gewiesen ist bei der BB._-Versicherung – entgegen der Auffassung der Vo-
rinstanz (Urk. 74 E. III.D.3.1.) und anklagegemäss – lediglich ein Schadenauf-
wand von Fr. 3'880.- (vgl. Urk. D4/17/7), weil Fr. 1'000.- zwischenzeitlich von
- 60 -
AG._ als Selbstbehalt beglichen worden sind (Urk. D4/29 S. 2), in welchem
Betrag letzterer wiederum für den erlittenen Sachschaden zu entschädigen ist.
Demgegenüber wurde seitens der BB._-Versicherung auf Schadenersatz
verzichtet (Urk. D4/23).
4.4.3. Die Zeugin AW._ bezifferte den ihr entstandenen Gesamtschaden mit
ca. Fr. 7'000.- (Urk. D4/31 = Urk. 29/35) bzw. den Totalschaden am Fahrzeug mit
ca. EUR 3'000.- bis 4'000.- (Urk. D4/5/8), welche sie allerdings nicht belegte. Auf-
grund der aktenkundigen Schadensbilder (Urk. D4/6 S. 3 f. [vollständig deformier-
te Front]) erweist sich der Höchstbetrag des geltend gemachten Totalschadens
als plausibel. Im Übrigen erweist sich das Schadenersatzbegehren als unsubstan-
tiiert, zumal es zumutbar erscheint, die geltend gemachten Mietwagenkosten
(Urk. D4/5/8) zu belegen, was allerdings nicht erfolgte. Die Zeugin AW._ wä-
re vom Beschuldigten demnach mit EUR 4'000.- zu entschädigen gewesen. Aller-
dings verzichtete sie später auf die Geltendmachung von Zivilansprüchen
(Urk. D4/32).
5. Anklagesachverhalt ND 20 (Vorfall vom 14. Juni 2011)
5.1. Vorbemerkung
Seitens der Vorinstanz wurde die Glaubwürdigkeit der bezüglich des Anklage-
sachverhalts ND 20 involvierten Drittperson BD._ sowie die Unverwertbarkeit
der Aussagen der Auskunftsperson BE._ zutreffend gewürdigt, weshalb – um
unnötige Wiederholungen zu vermeiden – vollumfänglich auf ihre entsprechenden
Erwägungen (Urk. 74 E. III.M.1.) verwiesen werden kann.
Ebenso hat die Vorinstanz die massgebenden Aussagen des vorfallbeteiligten
BD._ und des Beschuldigten ausführlich und zutreffend wiedergegeben,
weshalb auch diesbezüglich vorab vollumfänglich auf ihre entsprechenden Aus-
führungen zum Verhalten vor, während und nach dem in Frage stehenden Vorfall
(Urk. 74 E. III.M.2.1.-2.2.) verwiesen werden kann.
- 61 -
5.2. Beweiswürdigung
5.2.1. Bemerkenswert erscheint vorab, dass sich dieser Vorfall lediglich sechs
Tage nach dem Vorfall ND4 unter sehr ähnlichen Rahmenbedingungen ebenfalls
auf der Autobahn A1 Richtung Bern abspielte. Im Kern geht es auch hier um die
Beantwortung der Frage, wie das Bremsmanöver des Beschuldigten erfolgte und
ob es hierfür eine objektive Rechtfertigung gab. Der damals unmittelbar hinter
dem Beschuldigten fahrende vorfallbeteiligte BD._ sagte konstant und im
Wesentlichen widerspruchsfrei aus, dass der Beschuldigte bei dichtem aber flüs-
sigem bzw. rollendem Verkehr ohne ersichtlichen Grund eine Vollbremsung vor-
genommen habe. Er gab glaubhaft an, auch mehrere vor dem Beschuldigten fah-
rende Autos im Blickfeld gehabt zu haben, wobei er eine Verlangsamung dieser
Fahrzeuge auf 30 bis 40 km/h habe beobachten können. Eine Vollbremsung –
wobei es beim Fahrzeug des Beschuldigten zu quietschenden Reifen gekommen
sei – sei angesichts dieser Verkehrslage aber nicht nötig gewesen. Trotz genü-
gendem Abstand sei er dann aufgrund der nicht notwendigen, unverhältnismässi-
gen Vollbremsung auf den Beschuldigten aufgefahren (Urk. D20/7 S. 1 ff.;
Urk. D20/8 S. 2 ff.; Urk. D20/9 S. 3 ff.). Leichte Divergenzen ergeben sich in sei-
nen Angaben hinsichtlich der vor der Kollision gefahrenen Geschwindigkeit ("zwi-
schen 50 und 70 km/h": Urk. D20/7 S. 2 bzw. "ca. 60 bis 80 km/h": Urk. D20/8
S. 3 bzw. "60 bis 70 km/h": Urk. D20/9 S. 4) bzw. des Abstands zum Fahrzeug
des Beschuldigten ("vielleicht vier Wagenlängen": Urk. D20/7 S. 2 bzw. "15 bis
20 Meter": Urk. D20/8 S. 3 bzw. "vier bis fünf Autolängen": Urk. D20/9 S. 4), wel-
che aber aufgrund der Schwierigkeit von Distanz- und Geschwindigkeitsschät-
zungen ohne Weiteres nachvollziehbar erscheinen und die Glaubhaftigkeit seiner
Aussagen – entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 63 S. 16) – nicht ein-
schränken. Daran vermögen letztlich auch die Umstände, dass sich der Zeuge
BD._ unsicher zeigte, ob sich der Vorfall auf der linken oder rechten Spur
zugetragen habe (vgl. Urk. D20/7 S. 2; Urk. D20/8 S. 3) und er eine Mitschuld am
Vorfall zunächst nicht ausschloss (Urk. D20/8 S. 4), nichts zu ändern.
5.2.2. Demgegenüber erweisen sich die Aussagen des Beschuldigten, welcher
grösstenteils angab, sich nicht an den betreffenden Vorfall zu erinnern vermögen
- 62 -
(Urk. D20/6 S. 1 ff.), hinsichtlich des in Frage stehenden Kerngeschehens als
ausweichend und abgesehen davon wenig aussagekräftig. So verwies er letztlich
darauf, dass er immer mehr Distanz halte und stets normal bremse. Die Ausfüh-
rungen des Zeugen BD._ stellte er pauschal in Abrede. In Bezug auf das
Rahmengeschehen sind seine Ausführungen, insofern sie nicht ausweichend
sind, als sprunghaft, rechtfertigend und lebensfremd einzustufen, was allerdings
auch ausschliesslich mit der verfolgten Schadensoptimierung zusammenhängen
könnte (vgl. dazu nachstehend unter E. 3.2.6.).
5.2.3. Einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.M.2.1.3.)
erweisen sich die spärlichen Aussagen des Beschuldigten zum Kerngeschehen
gesamthaft als unglaubhaft, demgegenüber vermögen die Angaben des Zeugen
BD._ durchwegs zu überzeugen, weshalb auf letztere abzustellen ist. Es ist
deshalb bereits gestützt darauf – nebst dem übrigen Anklagesachverhalt – als er-
stellt zu erachten, dass der Beschuldigte damals wissentlich und willentlich un-
verhofft und unnötigerweise eine Vollbremsung vollzog, wobei dies mit dem übri-
gen Beweisergebnis in Einklang steht.
5.2.4. Hinsichtlich des (angeblichen) Nachtatverhaltens des Beschuldigten ist bei
diesem Beweisergebnis letztlich von untergeordneter Relevanz, wie es genau da-
zu kam, dass die Polizei im Nachgang zum Vorfall nicht beigezogen wurde. Auch
diesbezüglich erscheinen die Aussagen des Zeugen BD._, wonach darauf
verzichtet worden sei, weil es keine Verletzten gegeben habe (Urk. D20/9 S. 6),
allerdings als nachvollziehbar.
5.2.5. Zutreffend wurde seitens der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.M.2.2.3.-2.2.4.) da-
rauf hingewiesen, dass der Beschuldigte auch hier darauf aus gewesen sei, Ver-
sicherungsbeträge doppelt bzw. möglichst viel Versicherungsbeiträge zu kassie-
ren. So ist u.a. erwiesen, dass der Beschuldigte den bereits bezüglich des Vorfalls
ND4 gemeldeten Display-Schaden seines Mobiltelefons "HTC" (s. vorstehend un-
ter E. 2.2.6.) – anklagegemäss (vgl. Urk. 34/1 S. 29) – auch hier ersetzt zu be-
kommen versuchte. Die vom Beschuldigten in diesem Zusammenhang getroffe-
nen Aussagen (vgl. die vollumfänglich zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz:
Urk. 74 E. III.M.2.2.3.) erweisen sich, insofern sie nicht ausweichend sind, als
- 63 -
sprunghaft, offensichtlich rechtfertigend und lebensfremd, weshalb sie – einher-
gehend mit der Auffassung der Vorinstanz – einen entlarvenden Eindruck hinter-
lassen und den Beschuldigten sogar der Lüge überführen.
Nur ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte sich auch hinsicht-
lich dieses Vorfalls nicht in der Lage sah, die mit der Reparatur des Schadens be-
auftragte Garage zu nennen, auch wenn er dieses Mal immerhin sehr unbestimm-
te Angaben tätigte ("Weiss ich nicht mehr, irgendwo in AE._. Nur
AE._.": Urk. D20/6 S. 6). Dieses auch diesbezüglich an den Tag gelegte
mangelnde Erinnerungsvermögen ist als unglaubhaft einzustufen und belegt deutlich, dass der Beschuldigte an einer lückenlosen Aufklärung und Transparenz
bei der Schadensbehebung nicht interessiert ist. Dieser Umstand stellt – mangels
anderer plausibler Erklärung – ein Indiz dafür dar, dass der Beschuldigte den von
ihm jeweils gefahrenen Unfallwagen nicht reparieren liess und in erster Linie be-
absichtigte, die Schadenssumme – wie aufgezeigt teilweise doppelt – einzukas-
sieren. Letztlich bildet diese Vorgehensweise angesichts der vielen Verkehrsvor-
fälle, in welche der Beschuldigte verwickelt war, auch ein Indiz, dass er die be-
troffenen Fahrzeuge (soweit fahrtauglich) für denselben Deliktszweck wiederver-
wendete. Gerichtsnotorisch ist denn auch, dass bei fingierten bzw. provozierten
Autounfällen – welche regelmässig mehrfach begangen werden – bevorzugt
Fahrzeuge mit Vorschäden eingesetzt werden bzw. Unfallfahrzeuge mehrfach
zum Einsatz gelangen, um den Gewinn zu maximieren.
Von besonderer Bedeutung ist auch in diesem Zusammenhang der Umstand,
dass der Beschuldigte gleichzeitig über mehrere Occasionsfahrzeuge  (vgl. Übersicht in: Urk. D1/3/2/12/4 Liste 3), was bei seinen eher knappen  erstaunt und im Zusammenspiel mit den weiteren Indizien
darauf hinweist, dass sich der Beschuldigte durch die Herbeiführung von Autoun-
fällen mit nachfolgender Auszahlung von Versicherungsleistungen bereichern
wollte (vgl. nachstehend E. 18.).
5.3. Fazit
Der Anklagesachverhalt gemäss ND20 ist als vollumfänglich erstellt zu erachten.
- 64 -
5.4. Schaden
Seitens der Staatsanwaltschaft wird der Schaden hinsichtlich Betrugs vorliegend
auf Fr. 2'100.- bezüglich der Reparaturkosten des Fahrzeuges des Beschuldigten
beziffert. Im entsprechenden Betrag erfolgte eine Zahlung am 21. Juli 2011 sei-
tens der Haftpflichtversicherung des vorfallbeteiligten BD._, der C._
Versicherungen, an den Beschuldigten (vgl. insb. Urk. D20/10/6), demgegenüber
bezüglich der geltend gemachten Beschädigungen an Handy und Laptop kein
Schadenersetz ausbezahlt wurde (Urk. D20/10/5). Seitens der Vorinstanz wurde
der Schaden deshalb zutreffend auf Fr. 2'100.- zu Gunsten der C._ Versiche-
rungen ausgewiesen (vgl. Urk. 74 E. III.M.3.1.).
6. Anklagesachverhalt ND 5 (Vorfall vom 27. Juli 2011)
6.1. Vorbemerkung
Seitens der Vorinstanz wurde die Glaubwürdigkeit der bezüglich des Anklage-
sachverhalts ND 5 involvierten Drittperson L._ sowie die Unverwertbarkeit
des als Auskunftsperson einvernommenen AQ._ zutreffend gewürdigt, wes-
halb – um unnötige Wiederholungen zu vermeiden – vollumfänglich auf ihre ent-
sprechenden Erwägungen (Urk. 74 E. III.E.1.) verwiesen werden kann. Eine Ein-
schränkung bezüglich Verwertbarkeit besteht allerdings hinsichtlich der vom Be-
schuldigten unmittelbar nach dem Vorfall gegenüber der Polizei als Auskunftsper-
son gemachten Angaben (Urk. D5/3 S. 4; s. dazu nachstehend unter E. 4.2.2.).
Die Vorinstanz hat die massgebenden Aussagen der am Vorfall beteiligten Dritt-
person und des Beschuldigten ausführlich und zutreffend wiedergegeben, wes-
halb vorab vollumfänglich auf ihre entsprechenden Ausführungen zum Verhalten
vor, während und nach dem in Frage stehenden Vorfall (Urk. 74 E. III.E.2.1.-2.3.)
verwiesen werden kann.
6.2. Beweiswürdigung
6.2.1. Im Kern geht es bei diesem Vorfall – wie auch den anderen Vorfällen – um
die Beantwortung der Frage, wie das Bremsmanöver des Beschuldigten erfolgte
- 65 -
und ob es hierfür eine objektive Rechtfertigung gab. L._, welcher damals
unmittelbar hinter dem Beschuldigten fuhr, sagte konstant aus, dass der Beschul-
digte im Vorfeld bei flüssigem Verkehr und ohne ersichtlichen Grund bereits ein-
mal abgebremst gehabt habe, bevor er nach "ca. 10 Sekunden" (Urk. D11 S. 2)
bzw. "ca. 10 bis 20 Sekunden" (Urk. D5/12 S. 3) bei weiterhin flüssigem Verkehr
bei ca. 80 km/h im Tunnel eine Vollbremsung vollzogen habe, ohne dass es hier-
für einen für ihn ersichtlichen Anlass gegeben habe (Urk. N5/11 S. 1 ff.;
Urk. D5/12 S. 2 ff.). Seine Ausführungen bezüglich der im massgebenden Zeit-
punkt der Vollbremsung vor dem Beschuldigten herrschenden Verkehrsverhält-
nisse erweisen sich als zurückhaltend und ohne Weiteres nachvollziehbar: So
räumte er ein, allenfalls nicht alles gesehen haben zu können, was sich vor dem
Beschuldigten abgespielt habe, auch wenn er der Meinung sei, keine weiteren
bremsenden Autos auf der von ihnen befahrenen Spur gesehen zu haben
(Urk. D5/12 S. 3 f.). Weiter gab L._ zu Protokoll, dass es keinen Stau gege-
ben habe und der Verkehr gut gelaufen sei im Tunnel (Urk. D5/11 S. 3). Seine
Ausführungen erweisen sich als glaubhaft, woran der Umstand, dass seine Aus-
sagen zum eingehaltenen Abstand teilweise leicht divergierten (so sprach er von
zwei, zweieinhalb bis drei oder auch zwei bis drei Wagenlängen: vgl. Urk. D5/11
S. 2 u. Urk. D5/12 S. 3 u. 5) und – mit der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.E.2.2.1.) –
dass allenfalls von einem ungenügenden Abstand seinerseits ("Zwei bis drei Wa-
genlängen zu je fünf bis sechs Metern": Urk. D5/12 S. 5) auszugehen ist (entspre-
chend die Ansicht der Verteidigung: Urk. 63 S. 8), letztlich nichts zu ändern ver-
mag. So erweisen sich Distanzschätzungen generell als schwierig. Auch wirkt die
Berufung von L._ auf die ihm in der Fahrschule beigebrachten – offensicht-
lich falschen – Abstandsregeln (vgl. Urk. N5/12 S. 5) nicht als Ausrede für eigene
Unzulänglichkeiten. Auf seine Ausführungen kann deshalb abgestellt werden.
6.2.2. Der Beschuldigte räumte zwar ein, damals seine Fahrt zwei Mal verlang-
samt zu haben, indes bestritt er konstant, eine Vollbremsung vorgenommen zu
haben (z.B. in Urk. D5/10 S. 2 ff.: "Es ist einfach langsam geworden, Gaspedal
weg und Geschwindigkeit reduzieren" bzw. "habe nicht voll gebremst" bzw. "ich
bremse normal"). Ferner machte er geltend, dass die Geschwindigkeitsreduktion
von ihm aufgrund des sich verlangsamenden Verkehrs vorgenommen worden sei,
- 66 -
wobei er mehrfach ausdrücklich auf seine unmittelbar nach dem Vorfall gegen-
über der Polizei gemachten Äusserungen verwies, da er sich an viele Umstände
(z.B. gefahrene Geschwindigkeit) nicht mehr zu erinnern vermochte (Urk. D5/10
S. 2). Gemäss Polizeirapport vom 28. Juli 2011 (Urk. D5/3 S. 4) gab der damals
als Auskunftsperson befragte Beschuldigte zu Protokoll, dass er bei einer Ge-
schwindigkeit von 70 km/h bremste, weil die Fahrzeuge vor ihm aufgrund eines
Rückstaus fast stillgestanden seien. Er habe voll bremsen müssen und kurz bevor
er stillgestanden sei, habe er einen Stoss von hinten bemerkt. Da aus dem besag-
ten Polizeiprotokoll nicht hervorgeht, dass der Beschuldigte damals auf seine
Rechte gemäss Art. 158 Abs. 1 StPO aufmerksam gemacht wurde, sind die ent-
sprechenden Aussagen – abgesehen davon, dass auch die Protokollierungsvor-
schriften nicht eingehalten wurden – im Sinne von Art. 158 Abs. 2 StPO unver-
wertbar (s. auch SCHMID/JOSITSCH, Handbuch des schweizerischen Strafprozess-
rechts, 3. A., Zürich 2017, N 928). Zu Gunsten des Beschuldigten ist dies auch
vor dem Hintergrund, dass er später formell korrekt als beschuldigte Person ein-
vernommen wurde und – in Gegenwart seines Verteidigers – ausdrücklich auf
seine in Frage stehenden früheren Aussagen verwiesen hat, anzunehmen. Insge-
samt erfolgten die (verwertbaren) Aussagen des Beschuldigten zum interessie-
renden Kerngeschehen damit eher unpräzise, sie sind aber als einheitlich erfolgt
zu beurteilen und erweisen sich deshalb als nicht unglaubhaft.
6.2.3. Einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.E.2.2.3.)
besteht somit bezüglich der Frage der Notwendigkeit der Bremsung des Beschul-
digten eine Aussage-gegen-Aussage-Situation. Ferner ist nicht rechtsgenügend
erstellt, ob der Beschuldigte eine Vollbremsung oder eine weniger starke Brem-
sung vornahm. Entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 63 S. 8) von keiner
Relevanz ist jedenfalls – auch hier – die Bezeichnung des Ereignisses durch die
Vorinstanz als Unfall.
6.2.4. Aufschlussreich erweisen sich vorliegend die Aussagen zum Verhalten des
Beschuldigten vor und nach dem Vorfall. So ist letztlich unstrittig, dass der Be-
schuldigte bereits kurz zuvor eine Bremsung vorgenommen hatte, was – ausge-
hend von der Hypothese eines provozierten Auffahrunfalls – zu dem in weiteren
- 67 -
Fällen zu beobachtenden Verkehrsverhalten des Beschuldigten im Sinne eines
Testverhaltens passt.
6.2.5. Weiter fällt auf, dass der Beschuldigte sich auch hinsichtlich dieses Vorfalls
nicht in der Lage sah, die mit der Reparatur des Schadens beauftragte Garage zu
nennen, auch wenn er unbestimmte Angaben tätigte ("Irgendwo in AE._,
meistens in AE._": Urk. D5/10 S. 5). Dieses auch diesbezüglich an den Tag
gelegte mangelnde Erinnerungsvermögen ist als unglaubhaft einzustufen und be-
legt deutlich, dass der Beschuldigte an einer lückenlosen Aufklärung und Trans-
parenz bei der Schadensbehebung nicht interessiert ist. Dieser Umstand stellt –
mangels anderer plausibler Erklärung – ein weiteres Indiz dafür dar, dass der
Beschuldigte den von ihm jeweils gefahrenen Unfallwagen nicht reparieren liess
und in erster Linie beabsichtigte, die Schadenssumme einzukassieren. Daneben
kann vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 74
E. III.E.2.3.3.-2.3.4.) verwiesen werden, aus welchen unmissverständlich hervor-
geht, dass es der Beschuldigte geflissentlich unterlassen hat, Vorschäden zu
melden, und davon auszugehen ist, dass er die erhaltenen Versicherungsgelder
von immerhin knapp Fr. 10'000.- nicht oder höchstens teilweise zur Reparatur
verwendet hat.
6.2.6. Letztlich bildet diese Vorgehensweise angesichts der vielen Verkehrsvorfäl-
le, in welche der Beschuldigte verwickelt war, auch ein Indiz, dass er die betroffe-
nen Fahrzeuge (soweit fahrtauglich) für denselben Deliktszweck wiederverwende-
te. Gerichtsnotorisch ist denn auch, dass bei fingierten bzw. provozierten Autoun-
fällen – welche regelmässig mehrfach begangen werden – bevorzugt Fahrzeuge
mit Vorschäden eingesetzt werden bzw. Unfallfahrzeuge mehrfach zum Einsatz
gelangen, um den Gewinn zu maximieren.
6.2.7. Von besonderer Bedeutung erweist sich auch in diesem Zusammenhang
der Umstand, dass der Beschuldigte gleichzeitig über mehrere Occasionsfahr-
zeuge verfügte (vgl. Übersicht in: Urk. D1/3/2/12/4 Liste 3), was bei seinen eher
knappen Einkommensverhältnissen erstaunt und im Zusammenhang mit den wei-
teren Indizien darauf hinweist, dass sich der Beschuldigte durch die Herbeifüh-
- 68 -
rung von Autounfällen mit nachfolgender Auszahlung von Versicherungsleistun-
gen bereichern wollte (vgl. nachstehend E. 18.).
6.2.8. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.E.2.3.2.) sind die Aus-
sagen des Beschuldigten und des Zeugen L._ im Zusammenhang mit der
Avisierung der Polizei ohne relevante Aussagekraft hinsichtlich der Erstellung des
Anklagesachverhalts. Die zitierten Aussagen scheinen vielmehr darauf hinzudeu-
ten, dass der Beizug der Polizei auf die Initiative des Beschuldigten zurückging,
auch wenn sie dann von L._ avisiert wurde. Bemerkenswert erscheint aller-
dings die wieder an den Tag gelegte Passivität des Beschuldigten, welcher nach
dem Vorfall in seinem Fahrzeug sitzen blieb und L._ die Vornahme der erfor-
derlichen Vorkehrungen alleine überliess (Urk. D5/12 S. 3).
6.2.9. Insgesamt erweist sich das Vor- und Nachtatverhalten des Beschuldigten
als entlarvend. Die Würdigung der aufgezeigten Indizien ergibt, dass der in Frage
stehende Anklagesachverhalt rechtsgenügend erstellt ist.
6.3. Fazit
Der Anklagesachverhalt gemäss ND5 ist demnach als vollumfänglich erstellt zu
erachten.
6.4. Strafanträge und Schaden
6.4.1. Vorliegend bestehen Strafanträge von L._ hinsichtlich Körperverlet-
zung (Versuch) sowie Sachbeschädigung (Urk. D5/5/5 u. Urk. D5/5/5/7).
6.4.2. Seitens der Staatsanwaltschaft wird hinsichtlich Betrugs ein Schaden von
Fr. 3'850.-, bestehend aus Fr. 3'000.- als Zahlung für den Zeitwert des Fahrzeugs
des Beschuldigten sowie Fr. 850.- Mietwagenkosten des Beschuldigten angeführt.
Es ist rechtsgenügend ausgewiesen, dass dem Beschuldigten die entsprechen-
den Beträge seitens der C._ Versicherungen ausbezahlt wurden
(Urk. D5/14/10 u. Urk. D5/20/6). Ferner besteht ein Selbstbehalt des vorfallbetei-
ligten L._ im Betrag von Fr. 1'000.- hinsichtlich des Fahrzeugs des Beschul-
- 69 -
digten. Die von ihm vorgenommene entsprechende Zahlung ist ebenfalls rechts-
genügend ausgewiesen (Urk. 5/9 bzw. Urk. D5/14/10).
6.4.3. Am Fahrzeug von L._ entstand ein Sachschaden von Fr. 6'617.-
(Urk. D5/14/7), welcher seitens der C._ Versicherungen – abzüglich eines
Selbstbehalts (bezüglich des eigenen Fahrzeugs) von L._ im Betrag von
Fr. 1'500.-, welche Zahlung ebenfalls ausgewiesen wurde (Urk. D5/9 bzw.
Urk. D5/14/10) – beglichen wurde (Urk. D5/14/10). Auch diese Schadenersatzbe-
träge sind demnach rechtsgenügend belegt.
7. Anklagesachverhalt ND 21 (Vorfall vom 11. August 2011)
7.1. Vorbemerkung
Seitens der Vorinstanz wurde die Glaubwürdigkeit der bezüglich des Anklage-
sachverhalts ND 21 involvierten Drittperson O._ und des Zeugen BF._
sowie die Verwertbarkeit der Aussagen dieser Personen zutreffend gewürdigt,
weshalb – um unnötige Wiederholungen zu vermeiden – vollumfänglich auf ihre
entsprechenden Erwägungen (Urk. 74 E. III.N.1.) verwiesen werden kann.
Ebenso hat die Vorinstanz die massgebenden Aussagen der am Vorfall beteilig-
ten Drittperson, des Zeugen BF._ sowie des Beschuldigten ausführlich und
zutreffend wiedergegeben, weshalb auch diesbezüglich vorab vollumfänglich auf
ihre entsprechenden Ausführungen zum Verhalten während und nach dem in
Frage stehenden Vorfall (Urk. 74 E. III.N.2.1.-2.2.) verwiesen werden kann.
7.2. Beweiswürdigung
7.2.1. Auch bei diesem Vorfall, welcher sich lediglich zwei Wochen nach dem zu-
vor behandelten wiederum auf der Autobahn A1 abspielte, geht es im Kern um die
Beantwortung der Frage, wie das Bremsmanöver des Beschuldigten erfolgte und
ob es hierfür eine objektive Rechtfertigung gab. Die Anklage stützt sich auf die
Aussagen von O._, welche damals mit ihrem Fahrzeug unmittelbar hinter
demjenigen des Beschuldigten unterwegs war. Ihre Aussagen (Urk. D21/7 S. 1 ff.;
Urk. D21/8 S. 2 ff.) erweisen sich als konstant, detailliert und reflektieren überdies
- 70 -
ihren damaligen Gedankengang, was sie besonders lebensnah erscheinen las-
sen: So schilderte sie beispielsweise eindrücklich, dass sie keine Ahnung gehabt
habe, weshalb der Beschuldigte abrupt gestoppt habe. Sie habe sich damals ge-
dacht, ob etwas mit seinem Auto los gewesen sei oder ob allenfalls etwas auf
dem Boden gelegen sei (Urk. D21/8 S. 3). Auch hinsichtlich der vor dem Beschul-
digten befindlichen Verkehrssituation vermochte die Zeugin O._ einheitlich
zuverlässige Angaben zu machen, was die Glaubhaftigkeit ihrer Verwunderung
über die Fahrweise des Beschuldigten und die Grundlosigkeit seines Bremsma-
növers verstärkt: So gab sie als Zeugin zu Protokoll, dass der Beschuldigte plötz-
lich wieder angehalten habe, obwohl die ganze übrige Kolonne bereits ca. 50–
100 Meter von ihm entfernt flüssig weitergefahren sei, worauf sie aufgrund dieses
grundlosen Manövers nicht mehr rechtzeitig bremsen habe können und ihm auf-
gefahren sei (Urk. D21/7 S. 2; Urk. D21/8 S. 3). Im Übrigen kann (ebenfalls) voll-
umfänglich auf die seitens der Vorinstanz vorgenommenen zutreffenden Erwä-
gungen zur Glaubhaftigkeit der Ausführungen von O._ verwiesen werden
(Urk. 74 E. III.N.2.1.1.).
7.2.2. Demgegenüber vermögen die Aussagen des Beschuldigten (Urk. D21/6
S. 1 ff.) nicht zu überzeugen. Zwar vermochte er sich "ein bisschen schon" an ei-
ne Dame und einen VW Golf zu erinnern, doch sonst gab er konstant an, nichts
mehr zu wissen (Urk. D21/6 S. 1 ff.). Seitens der Vorinstanz wurde zutreffend
festgehalten (Urk. 74 E. III.N.2.1.2), dass sich der Beschuldigte weder an den Un-
fallhergang, das konkrete Verkehrsaufkommen, die konkret gefahrene Geschwin-
digkeit, das Wetter noch daran zu erinnern vermochte, dass es zu einem weiteren
Auffahrunfall gekommen sei, obschon danach auf einem nahegelegenen Park-
platz – mit zwei weiteren Beteiligten – die Unfallprotokolle ausgefüllt worden sind
(vgl. die entsprechende glaubhafte Aussage der Zeugin O._: Urk. D21/8 S.
4 f.) und der Beschuldigte den Vorfall daraufhin der Versicherung gemeldet hatte
(Urk. D21/10/1 S. 3 unten). Dieses Aussageverhalten des Beschuldigten erweist
sich als gänzlich lebensfremd und deshalb unglaubhaft.
7.2.3. Das vollständige Abstellen seitens der Vorinstanz auf die glaubhaften Aus-
sagen der Privatklägerin O._ (Urk. 74 E. III.N.2.1.3.) erweist sich bei diesem
- 71 -
Beweisergebnis als korrekt. Es ist deshalb einhergehend mit der Auffassung der
Vorinstanz davon auszugehen, dass der Beschuldigte vorliegend – entgegen der
Ansicht der Verteidigung (Urk. 63 S. 17) – wissentlich und willentlich plötzlich und
unvermittelt eine Vollbremsung vornahm, ohne dass hierfür ein Grund bestand,
was auch mit dem übrigen Beweisergebnis in Einklang steht.
7.2.4. Lediglich ergänzend ist vorliegend darauf hinzuweisen, dass sich das nach
dem Vorfall an den Tag gelegte Verhalten des Beschuldigten (ebenfalls) als auf-
schlussreich erweist. So wusste der Beschuldigte auch hinsichtlich dieses Vorfalls
nicht, ob er den Schaden beheben liess ("ich glaube schon, aber meine Priorität
ist, zuerst arbeiten, dann später. Irgendwann einmal sicher": Urk. D21/6 S. 4),
bzw. konnte er auch hier keine mit der Reparatur des Schadens beauftragte Ga-
rage genügend bezeichnen ("In AE._" bzw. "Garage weiss ich nicht, aber
verschiedene Orte": Urk. D21/6 S. 2). Dieses auch hier an den Tag gelegte man-
gelnde Erinnerungsvermögen ist als unglaubhaft einzustufen und belegt deutlich,
dass der Beschuldigte an einer lückenlosen Aufklärung und Transparenz bei der
Schadensbehebung nicht interessiert ist. Entlarvend ist diesbezüglich seine Ab-
wehrstrategie, die auch darin besteht, die Schuld anderen zuzuschieben: So wur-
de seitens der Vorinstanz zutreffend aufgezeigt (Urk. 74 E. III.N.2.2.3), dass er in
diesem Zusammenhang gar noch geltend machen wollte, dass er entsprechende
Quittungen und Rechnungen sehr wohl aufbewahrt, die Polizei aber alles mitge-
nommen habe und auf den Hinweis, dass er Entsprechendes bislang immer ver-
neint habe und sich bei den Sicherstellungen keine derartigen Unterlagen befän-
den, ausweichend reagierte und die einvernehmende Polizistin sogar der Lüge
bezichtigte, woraufhin er seitens seines ehemaligen amtlichen Verteidigers zu-
rechtgewiesen werden musste (Urk. D21/6 S. 6 f.). Diese erwähnten Umstände
stellen – mangels anderer plausibler Erklärung – weitere Indizien dafür dar, dass
der Beschuldigte den von ihm jeweils gefahrenen Unfallwagen nicht reparieren
liess und in erster Linie beabsichtigte, die Schadenssumme einzukassieren.
7.2.5. Daneben kann vollumfänglich auf die weiteren, zutreffenden Erwägungen
der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.N.2.2.1-2.2.4.) verwiesen werden, aus welchen u.a.
- 72 -
auch folgt, dass es der Beschuldigte geflissentlich unterlassen hat, die vorgehen-
den Vorfälle zu melden.
7.2.6. Letztlich bildet diese Vorgehensweise angesichts der vielen Verkehrsvorfäl-
le, in welche der Beschuldigte verwickelt war, auch ein Indiz, dass er die betroffe-
nen Fahrzeuge (soweit fahrtauglich) für denselben Deliktszweck wiederverwende-
te. Gerichtsnotorisch ist denn auch, dass bei fingierten bzw. provozierten Autoun-
fällen – welche regelmässig mehrfach begangen werden – bevorzugt Fahrzeuge
mit Vorschäden eingesetzt werden bzw. Unfallfahrzeuge mehrfach zum Einsatz
gelangen, um den Gewinn zu maximieren.
7.2.7. Von besonderer Bedeutung ist auch in diesem Zusammenhang der Um-
stand, dass der Beschuldigte gleichzeitig über mehrere Occasionsfahrzeuge ver-
fügte (vgl. Übersicht in: Urk. D1/3/2/12/4 Liste 3), was bei seinen eher knappen
Einkommensverhältnissen erstaunt und im Zusammenhang mit den weiteren Indi-
zien darauf hinweist, dass sich der Beschuldigte durch die Herbeiführung von Au-
tounfällen mit nachfolgender Auszahlung von Versicherungsleistungen bereichern
wollte (vgl. nachstehend E. 18.).
7.2.8. Insgesamt erweist sich das aufgezeigte Nachtatverhalten des Beschuldig-
ten als entlarvend und bestätigt den bereits durch die Beweiswürdigung zum Un-
fallhergang erstellten Anklagesachverhalt.
7.3. Fazit
Der Anklagesachverhalt gemäss ND21 ist nach dem Gesagten als vollumfänglich
erstellt zu erachten.
7.4. Strafanträge und Schaden
7.4.1. Vorliegend bestehen Strafanträge von O._ hinsichtlich Körperverlet-
zung (Versuch) sowie Sachbeschädigung (Urk. D21/3 u. Urk. D21/5).
7.4.2. Seitens der Staatsanwaltschaft wird der Schaden hinsichtlich Betrugs vor-
liegend auf Fr. 2'200.-, bestehend aus Fr. 1'360.- Restwert Fahrzeug sowie
Fr. 840.- Mietwagenkosten, beziffert. Es ist rechtsgenügend ausgewiesen, dass
- 73 -
dem Beschuldigten die entsprechenden Beträge seitens der C._ Versiche-
rungen ausbezahlt wurden (Urk. D21/12/3 u. Urk. D21/10/5 [unakturierte Beilagen
6 u. 7]).
7.4.3. Am Fahrzeug von O._ entstand ein Sachschaden von Fr. 3'627.-, wel-
cher – einhergehend mit der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.N.3.4.) – rechtsgenügend
ausgewiesen ist (Urk. D21/12/3 u. D21/12/5).
8. Anklagesachverhalt ND 22 (Vorfall vom 23. November 2011)
8.1. Vorbemerkung
Seitens der Vorinstanz wurde die Glaubwürdigkeit der bezüglich des Anklage-
sachverhalts ND 22 involvierten Drittperson BG._ sowie (Un-)Verwertbarkeit
der Aussagen von BG._ und des Zeugen BH._ zutreffend gewürdigt,
weshalb – um unnötige Wiederholungen zu vermeiden – vollumfänglich auf die
entsprechenden Erwägungen (Urk. 74 E. III.O.1.; vgl. auch vorne E. II.G.7) ver-
wiesen werden kann.
Ebenso hat die Vorinstanz die massgebenden verwertbaren Aussagen der am
Vorfall beteiligten Drittperson, des Zeugen BH._ sowie des Beschuldigten
ausführlich und zutreffend wiedergegeben, weshalb auch diesbezüglich vorab
vollumfänglich auf die entsprechenden vorinstanzlichen Ausführungen zum Ver-
halten während und nach dem in Frage stehenden Vorfall (Urk. 74 E. III.O.2.1.-
2.2.) verwiesen werden kann.
8.2. Beweiswürdigung
8.2.1. Bei diesem Vorfall fällt zunächst auf, dass er sich – vor dem Hintergrund
der vorherigen Kadenz an Vorfällen gesehen – erst etwas mehr als drei Monate
nach dem letzten Vorfall ereignete. Andererseits ist ebenso zu berücksichtigen,
dass der zuvor eingesetzte Opel Corsa bereits rund eine Woche nach dem vorhe-
rigen Vorfall nicht mehr eingelöst war (vgl. Urk. D1/3/2/12/4 Liste 2), demgegen-
über der hier bei Vorfall ND 22 vom Beschuldigten gefahrene Mitsubishi Colt erst
acht Tage zuvor am 15. November 2011 eingelöst wurde (vgl. Urk. D1/3/2/12/4
- 74 -
Liste 2), was die zwischen den Vorfällen vergangene Zeitdauer erheblich zu rela-
tivieren vermag. Auch der vorliegende Vorfall ereignete sich auf der A1 und – wie
bereits mehrfach – erneut im Gubrist-Tunnel. Auch hier geht es im Kern um die
Beantwortung der Frage, wie das Bremsmanöver des Beschuldigten erfolgte, und
ob es hierfür eine objektive Rechtfertigung gab. Die Anklage stützt sich auf die
Aussagen von BG._, welcher damals mit dem Fahrzeug seiner Arbeitgeberin
J._ AG unmittelbar hinter demjenigen des Beschuldigten unterwegs war.
Seine beiden ersten Aussagen (als Auskunftsperson: Urk. D22/7 S. 1 ff.; als Zeu-
ge: Urk. D22/8 S. 2 ff. ff.) erweisen sich als konstant, detailliert und im Wesentli-
chen widerspruchsfrei. Anlässlich der letzten Einvernahme (als Auskunftsperson:
Urk. D22/9 S. 2 ff.) vermochte er sich allerdings lediglich bruchstückhaft an die
massgebenden Ereignisse zu erinnern, was aufgrund des Umstandes, dass in der
Zwischenzeit mehr als viereinhalb Jahre vergangen sind, auch nicht weiter er-
staunt (s. hierzu auch die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz: Urk. 74
E. III.O.2.1.1.). Immerhin bestätigte er damals die Wahrheit der von ihm vor Poli-
zei gemachten Aussagen (Urk. D22/9 S. 8) und vermochte sich auf Vorhalt rele-
vanter Gegebenheiten daran zu erinnern. Bemerkenswert erscheint, dass
BG._ – bereits zuvor – eigene Unzulänglichkeiten unumwunden eingestand
und der Auffassung war, dass er als der von hinten auffahrende Lenker aufgrund
eines mangelnden Abstandes oder mangelnder Aufmerksamkeit schuld an der
Kollision sei (Urk. D22/8 S. 3; Urk. D22/9 S. 10). Auch gestand er ein, dass er
aufgrund eines leichten Anstossens durch das hinter ihm folgende Fahrzeug kurz
in den Aussenspiegel geblickt habe und dadurch abgelenkt gewesen sei
(Urk. D22/7 S. 2 f.; Urk. D22/8 S. 4 f.; Urk. D22/9 S. 7). Dieses zurückhaltende
Aussageverhalten vermag seinen übrigen Ausführungen umso mehr Autorität zu
verleihen. Ungeachtet seiner eigenen kurzzeitigen Unaufmerksamkeit mit Bezug
auf die sich vor seinem Fahrzeug abspielenden Ereignisse, gab er denn auch
konstant und dezidiert zu Protokoll, dass die Vollbremsung des Beschuldigten
"unbegründet" bzw. "unnötig" gewesen und in keinem Verhältnis zu den sich wei-
ter vorne verlangsamenden Fahrzeugen bzw. den im stockenden Kolonnenver-
kehr aufschliessenden Fahrzeugen gestanden sei, weil bereits eine Lücke zur
vorne weiterfahrenden Kolonne bestanden habe (Urk. D22/7 S. 2 f.; Urk. D22/8
- 75 -
S. 3 ff.; Urk. 22/9 S. 4 f.). Im Übrigen kann hinsichtlich Würdigung seiner Aussa-
gen vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 74
E. III.O.2.1.1.) verwiesen werden. Gesamthaft erweisen sich die Ausführungen
von BG._ als glaubhaft.
8.2.2. Demgegenüber vermögen die Aussagen des Beschuldigten (Urk. D22/6
S. 1 ff.) nicht zu überzeugen. So vermochte er sich bezüglich dieses Vorfalls le-
diglich an einen "Fiat-Lieferwagen" (Urk. D22/6 S. 1), aber an sonst nichts zu er-
innern. Seitens der Vorinstanz wurde denn auch zutreffend festgehalten (Urk. 74
E. III.O.2.1.2), dass sich der Beschuldigte weder an die Begleitumstände (Wetter-
und Strassenverhältnisse; Verkehrsaufkommen) oder die gefahrene Geschwin-
digkeit noch den Unfallablauf erinnern konnte oder wollte, sondern sich im We-
sentlichen mit auf "Erfahrungswerten" beruhenden Angaben begnügte (z.B. in
Urk. D22/6 S. 5). Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass die beiden Beteiligten
gemäss den glaubhaften Aussagen von BG._ nach dem Vorfall zum nächs-
ten Parkplatz gefahren sind (Urk. D22/7 S. 2) und das Unfallprotokoll ausgefüllt
haben, welches denn auch in Kopie und von beiden Personen unterzeichnet bei
den Akten liegt (Urk. D22/10/1). Ausserdem wurde vorliegend seitens der invol-
vierten H._ eine Expertise am Fahrzeug des Beschuldigten durchgeführt (vgl.
Urk. D22/12/1-5). Das Aussageverhalten des Beschuldigten erweist sich vor die-
sem Hintergrund – selbst unter Berücksichtigung der hohen Zahl an ähnlich gela-
gerten Vorfällen – als lebensfremd. Seine Ausführungen sind deshalb als un-
glaubhaft einzustufen.
8.2.3. Das vollständige Abstellen seitens der Vorinstanz auf die glaubhaften Aus-
sagen von BG._ (Urk. 74 E. III.O.2.1.3.) erweist sich angesichts des Beweis-
ergebnisses als korrekt. Es ist deshalb einhergehend mit der Auffassung der Vo-
rinstanz und entgegen derjenigen der Verteidigung (Urk. 63 S. 18) davon auszu-
gehen, dass der Beschuldigte vorliegend plötzlich und unvermittelt eine Vollbrem-
sung vornahm, ohne dass hierfür ein Grund bestand, was auch mit dem übrigen
Beweisergebnis in Einklang steht.
8.2.4. Lediglich ergänzend ist vorliegend darauf hinzuweisen, dass sich das nach
dem Vorfall an den Tag gelegte Verhalten des Beschuldigten (ebenfalls) als auf-
- 76 -
schlussreich erweist. So war sich der Beschuldigte auch hinsichtlich dieses Vor-
falls nicht sicher, ob er den Schaden beheben liess oder nicht, sondern verwies
lediglich auf das allgemeine Prozedere in Schadensfällen (Urk. D22/6 S. 4 ff.),
bzw. konnte er auch hier keine mit der Reparatur des Schadens beauftragte Ga-
rage genügend bezeichnen ("irgendwo in einer Garage in AE._" bzw. "Ich
war ja in vielen Garage[n], aber ganz genau kann ich nicht sagen": Urk. D22/6
S. 7). Dieses auch hier an den Tag gelegte mangelnde Erinnerungsvermögen ist als unglaubhaft einzustufen und belegt erneut deutlich, dass der Beschuldigte
an einer lückenlosen Aufklärung und Transparenz bei der Schadensbehebung
nicht interessiert ist. Auffällig erscheint, dass der Beschuldigte auch hinsichtlich
dieses Vorfalles gegenüber der Versicherung ein anlässlich der Kollision beschä-
digtes Mobiltelefon "HTC" angab (Urk. D22/12/3). Die Tatsache, dass dieser
Schadensposten weder im Unfallprotokoll noch in einem Protokoll der Polizei er-
wähnt ist, kann zu Gunsten des Beschuldigten durchaus einem Versehen oder
dem Umstand geschuldet sein, dass der Beschuldigte – gemäss seinen Aussa-
gen – seitens der Polizei angewiesen worden sei, diesen Schaden direkt der Ver-
sicherung zu melden (Urk. D22/6 S. 5). Insoweit die Vorinstanz aus der Nichtan-
gabe des Mobiltelefons gegenüber der Polizei bzw. im Unfallprotokoll etwas zu
Ungunsten des Beschuldigten ableiten sollte (s. Urk. 74 E. III.O.2.2.3.), ist ihrer
Auffassung nicht zu folgen. Ihr ist allerdings Recht zu geben (Urk. 74
E. III.O.2.2.3.), dass aufgrund der Vergleichsfotos davon auszugehen ist, dass es
sich wiederum um das gleiche HTC-Mobiltelefon wie in den Vorfällen ND 4 (vgl.
vorstehend E. 2.2.7) und ND 20 (vgl. vorstehend E. 3.2.5) handelt, weil die (zwei
punktuellen) Displayrisse dem Anschein nach identisch sind (Urk. D22/12/5 [21/9];
Urk. D22/13). Nicht rechtsgenügend erstellen lässt sich letztlich auch, ob der Be-
schuldigte nach dem Vorfall effektiv Abschleppkosten zu tragen hatte oder nicht
und allenfalls einen entsprechenden Aufwand zu Unrecht gegenüber der Versi-
cherung geltend machte (s. die entsprechenden Erwägungen der Vorinstanz:
Urk. 74 E. III.O.2.2.4.), was indes angesichts des klaren übrigen Beweisergebnis-
ses auch offen bleiben kann.
8.2.5. Letztlich bildet die erwiesene Vorgehensweise angesichts der vielen Ver-
kehrsvorfälle, in welche der Beschuldigte verwickelt war, auch ein Indiz, dass er
- 77 -
die betroffenen Fahrzeuge (soweit fahrtauglich) für denselben Deliktszweck wie-
derverwendete, weshalb bei Fahrtauglichkeit des in Frage stehenden Wagens
dessen Reparatur auch wenig Sinn ergibt. Gerichtsnotorisch ist denn auch, dass
bei fingierten bzw. provozierten Autounfällen – welche regelmässig mehrfach be-
gangen werden – bevorzugt Fahrzeuge mit Vorschäden eingesetzt werden bzw.
Unfallfahrzeuge mehrfach zum Einsatz gelangen, um den Gewinn zu maximieren.
8.2.6. Erneut ist darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte gleichzeitig über meh-
rere Occasionsfahrzeuge verfügte (vgl. Übersicht in: Urk. D1/3/2/12/4 Liste 3),
was bei seinen eher knappen Einkommensverhältnissen erstaunt und im Zusam-
menspiel mit den weiteren Indizien darauf hinweist, dass sich der Beschuldigte
durch die Herbeiführung von Autounfällen mit nachfolgender Auszahlung von
Versicherungsleistungen bereichern wollte (vgl. nachstehend E. 18.).
8.2.7. Insgesamt erweist sich das aufgezeigte Nachtatverhalten des Beschuldig-
ten als auffällig und vermag den bereits durch die Beweiswürdigung zum Unfall-
hergang erstellten Anklagesachverhalt zusätzlich zu stützen.
8.3. Fazit
Der Anklagesachverhalt gemäss ND22 ist nach den gemachten Erwägungen als
vollumfänglich erstellt zu erachten.
8.4. Strafanträge und Schaden
8.4.1. Vorliegend bestehen Strafanträge von BG._ hinsichtlich Körperverlet-
zung (Versuch) sowie seitens der J._ AG betreffend Sachbeschädigung
(Urk. D22/3 u. Urk. D22/5).
8.4.2. Seitens der Staatsanwaltschaft wird der Schaden hinsichtlich Betrugs vor-
liegend auf Fr. 3'540.-, bestehend aus Fr. 2'500.- (einschliesslich ausbezahlter
Selbstbehalt von Fr. 200.-), Zeitwert Fahrzeug, Fr. 650.- für das Ersatzfahrzeug
und Fr. 390.- für den Abschleppdienst beziffert. Es ist rechtsgenügend ausgewie-
sen, dass dem Beschuldigten die entsprechenden Beträge seitens der H._
ausbezahlt wurden (Urk. D22/10/9-10 bzw. Urk. D22/16). Darin enthalten ist der
- 78 -
seitens J._ AG geltend gemachte Schaden von Fr. 500.- (Selbstbehalt be-
treffend Schaden am Fahrzeug des Beschuldigten), welcher ebenfalls ausgewie-
sen ist (unakturiertes Schreiben vom 5. Dezember 2011 zu Urk. D22/18). Im
Mehrumfang ist die Forderung der J._ AG (vgl. Urk. D22/17) nicht ausgewie-
sen.
8.4.3. Am Fahrzeug der J._ AG entstand ein Sachschaden von Fr. 4'127.-,
welcher – einhergehend mit der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.O.3.3.) – rechtsgenü-
gend ausgewiesen ist (Urk. D22/18).
9. Anklagesachverhalt ND 34 (Vorfall vom 2. Januar 2012)
9.1. Vorbemerkung
Seitens der Vorinstanz wurde die Glaubwürdigkeit der bezüglich des Anklage-
sachverhalts ND 34 involvierten Drittperson BI._ sowie die (Un-
)Verwertbarkeit ihrer Aussagen und derjenigen der Auskunftsperson BJ._ zu-
treffend gewürdigt, weshalb – um unnötige Wiederholungen zu vermeiden – voll-
umfänglich auf die entsprechenden vorinstanzlichen Erwägungen (Urk. 74
E. III.T.1.) verwiesen werden kann.
Ebenso hat die Vorinstanz die massgebenden verwertbaren Aussagen der am
Vorfall beteiligten Drittperson, der Auskunftsperson BJ._ sowie des Beschul-
digten ausführlich und zutreffend wiedergegeben und gewürdigt, weshalb auch
diesbezüglich vorab vollumfänglich auf ihre entsprechenden Ausführungen zum
Verhalten vor, während und nach dem in Frage stehenden Vorfall (Urk. 74
E. III.T.2.1.-2.3.) verwiesen werden kann.
9.2. Beweiswürdigung
9.2.1. Der in Frage stehende Vorfall auf der Autobahn A1 ereignete sich wenige
Wochen nach dem vorherigen. Der Beschuldigte war wiederum mit einem Mitsu-
bishi Colt involviert, wobei es sich dieses Mal um ein anderes, erst weniger als
zwei Wochen zuvor eingelöstes Fahrzeug (vgl. Urk. D1/3/2/12/4 Liste 2) handelte.
Auch bei diesem Vorfall geht es im Kern um die Beantwortung der Frage, wie das
- 79 -
Bremsmanöver des Beschuldigten erfolgte, und ob es hierfür eine objektive
Rechtfertigung gab. Die Anklage stützt sich auf die Aussagen von BI._, wel-
che damals mit dem Fahrzeug ihres Vaters unmittelbar hinter demjenigen des
Beschuldigten unterwegs war. Ihre Aussagen erweisen sich zum grössten Teil als
widerspruchsfrei. Allerdings ergaben sich hinsichtlich der wesentlichen Frage, wie
sich die damals vor dem Beschuldigten befindlichen Verkehrsteilnehmer verhalten
haben, gewichtige Inkohärenzen. Anlässlich der ersten Einvernahme vom 28. Juni
2013 gab BI._ glaubhaft zu Protokoll, dass sie vor dem Beschuldigten nichts
gesehen und deshalb gedacht habe, er nehme wegen des Regens eine Voll-
bremsung vor (Urk. D34/6 S. 3). Im Rahmen ihrer zweiten Einvernahme vom
23. Juni 2015 vermochte sie diesen zuvor geschilderten Sachverhalt indes – auch
auf spezifischen Vorhalt ihrer vorherigen Aussage hin – nicht mehr zu bestätigen,
sondern sprach davon, dass sie Autos vor dem Wagen des Beschuldigten und
deren Bremslichter gesehen habe, wobei sie nicht sagen könne, ob (auch) jene
eine Vollbremsung vorgenommen hätten (Urk. D34/7 S. 3 u. 8). Auch wenn erfah-
rungsgemäss zeitnähere Aussagen zu einem Vorfall zuverlässiger sind als zeit-
fernere, kann vorliegend gestützt auf die in ihrer Gesamtheit vage bleibenden
Ausführungen von BI._ – entgegen der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74
E. III.T.2.2.1.-2.2.3.) – nicht zweifelsfrei erstellt werden, wie sich die damals vor
dem Beschuldigten befindlichen Verkehrsteilnehmer – gerade auch beim herr-
schenden Starkregen – verhalten haben. Daraus folgt, dass auch nicht rechtsge-
nügend ausgeschlossen werden kann, dass die Vollbremsung des Beschuldigten
verkehrsbedingt erfolgte.
9.2.2. Daran vermögen auch die ausweichenden, wenig glaubhaften Aussagen
des Beschuldigten (Urk. D34/5 S. 1 ff.), der erwiesene Umstand, dass er BI._
im Nachgang zum Vorfall eindringlich bat, die Polizei nicht beizuziehen
(s. Urk. D34/7 S. 4 u. 7 f.), das – seitens der Vorinstanz ausführlich gewürdigte
(Urk. 74 E. III.T.2.3.) – übrige Verhalten des Beschuldigten nach diesem Vorfall
noch die aus den anderen Vorfällen gewonnenen Erkenntnisse etwas zu ändern.
9.3. Fazit
- 80 -
Deshalb erweist sich die Einschätzung der Vorinstanz, dass der Beschuldigte oh-
ne verkehrsbedingten Grund eine Vollbremsung machte (Urk. 74 E. III.T.2.2.3.),
als rechtsungenügend erstellt und deshalb unzutreffend. Der Anklagesachverhalt
gemäss ND 34 ist nicht erstellt.
10. Anklagesachverhalt ND 9 (Vorfall vom 24. Januar 2012)
10.1. Vorbemerkung
Seitens der Vorinstanz wurde die Glaubwürdigkeit der bezüglich des Anklagesa-
chverhalts ND 9 involvierten Drittpersonen BK._ und U._ wie auch von
CM._ sowie die Verwertbarkeit ihrer jeweiligen Aussagen zutreffend gewür-
digt, weshalb – um unnötige Wiederholungen zu vermeiden – vollumfänglich auf
ihre entsprechenden Erwägungen (Urk. 74 E. III.F.1.) verwiesen werden kann. Die
vom Beschuldigten anlässlich der Sachverhaltsaufnahme am Unfallort gemachten
Aussagen (Urk. D9/3 S. 6) sind – entgegen der Auffassung der Vorinstanz
(Urk. 74 E. III.F.2.1.3.) – allerdings nicht zu seinen Ungunsten verwertbar, weil
aus dem besagten Polizeiprotokoll – abgesehen davon, dass auch die Protokollie-
rungsvorschriften nicht eingehalten wurden – nicht hervorgeht, dass er damals auf
seine Rechte gemäss Art. 158 Abs. 1 StPO aufmerksam gemacht wurde (s. auch
SCHMID/JOSITSCH, HANDBUCH, a.a.O., Rz. 928), was vorliegend zu Gunsten des
Beschuldigten auch anzunehmen ist, wenn er später formell korrekt als Beschul-
digter einvernommen wird und in Gegenwart seines Verteidigers ausdrücklich auf
die in Frage stehenden früheren Aussagen verweist.
Im Übrigen hat die Vorinstanz die massgebenden verwertbaren Aussagen der er-
wähnten Personen sowie des Beschuldigten ausführlich und zutreffend wiederge-
geben, weshalb diesbezüglich auf ihre entsprechenden Ausführungen zum Ver-
halten während und nach dem in Frage stehenden Vorfall (Urk. 74 E. III.F.2.1.-
2.2.) verwiesen werden kann.
10.2. Beweiswürdigung
- 81 -
10.2.1. Rund drei Wochen später ereignete sich laut der Anklage – ebenfalls auf
der A1 – ein weiterer Vorfall. Auch hier geht es im Kern um die Beantwortung der
Frage, wie das Bremsmanöver des Beschuldigten erfolgte, und ob es hierfür eine
objektive Rechtfertigung gab. Die Anklage stützt sich auf die Aussagen von
BK._, welche unmittelbar hinter dem Beschuldigten unterwegs war, sowie
diejenigen von U._, welche mit ihrem Wagen wiederum BK._ folgte.
Aufgrund der jeweils zurückhaltend erfolgten und stimmigen Aussagen der beiden
erwähnten Drittpersonen ist vorliegend – einhergehend mit der Auffassung der
Vorinstanz (Urk. 74 E. III.F.2.1.4.) – ohne Weiteres davon auszugehen, dass der
Beschuldigte damals eine Vollbremsung vorgenommen hat (BK._: Urk. D9/9
S. 2 f.; Urk. D9/10 S. 3 u. 6; Urk. D9/11 S. 3 f. u. 6 bzw. U._: Urk. D9/8 S. 3),
auch wenn die im hintersten Fahrzeug befindliche U._ ihre anfängliche klare
Aussage in den weiteren Einvernahmen etwas relativierte und die Vollbremsung
mit sicherer Kenntnis nunmehr lediglich auf den unmittelbar vor ihr fahrenden
Wagen bezog (Urk. D9/12 S. 3 ff.; Urk. D9/13 S. 6 ff.). Die Ausführungen der dem
Beschuldigten unmittelbar folgenden und damit tatgeschehensnäheren BK._
hinsichtlich der Vollbremsung des Beschuldigten sind eindeutig und werden letzt-
lich durch die Darstellung von U._ gestützt. Der Einwand des Beschuldigten,
wonach er lediglich "langsam" bzw. "nicht so stark" gebremst habe (Urk. D9/7
S. 1 ff.), ist mit erheblicher Zurückhaltung zu würdigen, da er unmittelbar davor zu
Protokoll gab, sich nicht mehr daran erinnern zu können, wie stark er gebremst
habe und sich ferner auch an viele weitere Umstände des Vorfalls nicht zu erin-
nern vorgab (Urk. D9/7 S. 1 f.). In Gegenüberstellung mit den Aussagen der zwei
weiteren Vorfallbeteiligten vermag seine Darstellung nicht zu überzeugen. Dem-
nach ist bei diesem Beweisergebnis erstellt, dass der Beschuldigte damals eine
Vollbremsung vorgenommen hat.
10.2.2. Demgegenüber lässt sich nicht rechtsgenügend ausschliessen, dass es
für eine Bremsung des Beschuldigten keine objektive Rechtfertigung gab. So wies
der Beschuldigte auf ein von links vor ihm einspurendes Fahrzeug hin, welches
daraufhin verlangsamt und ihn zu einem Bremsmanöver veranlasst habe
(Urk. D9/7 S. 1 u. 3). Während die ihm unmittelbar folgende BK._ konstant
angab, dass ihr nichts aufgefallen sei, weshalb der Beschuldigte hätte bremsen
- 82 -
müssen, vermochte sie seine Sachdarstellung letztlich aber auch nicht auszu-
schliessen (Urk. D9/9 S. 3; Urk. 9/10 S. 3 ff.; Urk. D9/11 S. 4 ff.) und gab u.a. zu
Protokoll, dass es möglich sei, dass sie dieses Fahrzeug übersehen habe
(Urk. D9/10 S. 4). Ferner wies U._ darauf hin, "dass beim vordersten Fahr-
zeug jemand vorne hin gefahren" sei (Urk. D9/8 S. 3; sinngemäss wiederholt in:
Urk. D9/12 S. 3 ff. sowie Urk. D9/13 S. 4 ff.), wobei sie das Gefühl gehabt habe,
dass dieses Fahrzeug ein wenig Mitschuld am Unfall gewesen sei (Urk. D9/12
S, 4). Es lässt sich bei dieser Beweislage vorliegend nicht rechtsgenügend aus-
schliessen, dass die Bremsung des Beschuldigten eine Reaktion auf einen knapp
vor seinem Fahrzeug einspurenden Wagen war. Entgegen der Auffassung der
Vorinstanz (Urk. 74 E. III.F.2.1.4.) lässt sich bei diesem Beweisergebnis auch
nicht rechtsgenügend ausschliessen, dass es vorliegend keine Notwendigkeit für
eine verkehrsbedingte Vollbremsung gab, auch wenn der Verkehr ansonsten flüs-
sig bei 40-60 km/h gelaufen sein sollte. In dubio pro reo ist dieser Anklagesach-
verhalt gemäss ND 9 folglich als nicht erstellt zu erachten.
10.2.3. Daran vermögen vorliegend weder das seitens der Vorinstanz zutreffend
gewürdigte Verhalten des Beschuldigten nach dem Unfall (Urk. 74 F. III.T.2.3.)
noch die aus den anderen Vorfällen gewonnenen Erkenntnisse etwas zu ändern.
10.3. Fazit
Die Einschätzung der Vorinstanz, dass der Beschuldigte ohne verkehrsbedingten
Grund eine Vollbremsung machte (Urk. 74 E. III.F.2.1.4.), erweist sich vorliegend
als unzutreffend. Der Anklagesachverhalt gemäss ND 9 ist demnach nicht .
11. Anklagesachverhalt ND 30 (Vorfall vom 14. Februar 2012)
11.1. Vorbemerkung
Seitens der Vorinstanz wurde die Glaubwürdigkeit der bezüglich des Anklage-
sachverhalts ND 30 unmittelbar involvierten Drittpersonen R._ und BL._
sowie der weiter dazu Einvernommenen BM._, der Ehefrau des Beschuldig-
ten, zutreffend gewürdigt. Der Auffassung der Vorinstanz ist insofern beizupflich-
- 83 -
ten, als die Aussagen von R._ und BL._ (auch zu Ungunsten des Be-
schuldigten) verwertbar sind (Urk. 74 E. III.R.1). Demgegenüber sind die Aussa-
gen von BM._ sowie BN._ insoweit sie ohne (nachherige) Einräumung
der erforderlichen Teilnahmerechte erfolgten (vgl. Urk. 15/2 bzw. Urk. 15/30), le-
diglich zu Gunsten des Beschuldigten zu berücksichtigen.
Die Vorinstanz hat die massgebenden verwertbaren Aussagen der am Vorfall be-
teiligten und weiteren Drittpersonen mit nachfolgend erwähnter Einschränkung
ausführlich und zutreffend wiedergegeben, weshalb diesbezüglich vorab auf ihre
entsprechenden Ausführungen zum Verhalten vor, während und nach dem in
Frage stehenden Vorfall (Urk. 74 E. III.R.2.1.-2.3.) verwiesen werden kann. Aller-
dings können die im Polizeiprotokoll vom Unfalltag festgehaltenen Äusserungen
(vgl. Urk. D30/3 insb. S. 6 ff.) mangels der erforderlichen Einhaltung der Protokol-
lierungsvorschriften bzw. Einräumung der Teilnahmerechte des Beschuldigten
nicht zu Ungunsten des Beschuldigten verwertet werden (s. dazu z.B. vorstehend
unter E. II.F.8.).
11.2. Beweiswürdigung
11.2.1. Bereits vier Tage nach Einlösung eines weiteren Fahrzeugs, einem Saab
S (vgl. Urk. D1/3/2/12/4 Liste 2), ereignete sich der nächste Vorfall, dieses Mal auf
der Autobahn A2. Auch hier geht es im Kern um die Beantwortung der Frage, wie
das Bremsmanöver des Beschuldigten erfolgte, und ob es hierfür eine objektive
Rechtfertigung gab. Die Anklagebehörde stützt sich vorliegend auf die Aussagen
des unmittelbar dem Wagen des Beschuldigten folgenden R._ und diejeni-
gen der wiederum hinter jenem fahrenden BL._, welche über weite Strecken
widerspruchsfrei und kohärent erfolgten.
11.2.2. R._ führte mehrfach schlüssig aus, dass zwei vor ihm auf dem zwei-
ten Überholstreifen fahrende Autos nach rechts auf den ersten Überholstreifen
gewechselt hätten. Er habe dann zum auf dem zweiten Überholstreifen fahrenden
Beschuldigten aufgeschlossen. Dieser habe ohne ersichtlichen Grund immer wie-
der – ca. vier bis fünf Mal – Gas gegeben und gebremst und wieder Gas gege-
ben. Ob dieses Fahrverhaltens irritiert habe er dann ebenfalls auf den ersten
- 84 -
Überholstreifen wechseln wollen, wozu er den Blinker gesetzt habe. Genau in
diesem Moment habe der Beschuldigte massiv beschleunigt und sei mit grosser
Geschwindigkeit davongefahren, weshalb er den Spurwechsel dann unterlassen
habe (Urk. D30/7 S. 2; Urk. 16/27 S. 3 f.). Weiter sagte R._ in seinen Einver-
nahmen konstant aus, dass es unmittelbar vor dem Beschuldigten kein anderes
Fahrzeug gehabt habe, welches diesen zu einer abrupten Vollbremsung hätte
verleiten können. Noch an der Unfallstelle sagte er diesbezüglich aus, dass er mit
ca. 90 km/h auf dem zweiten Überholstreifen gefahren sei. Nach dem Tunnel
Schweizerhalle habe er "weiter vorne Bremslichter" gesehen, worauf das Fahr-
zeug vor ihm plötzlich ebenfalls stark gebremst habe. Trotz sofort eingeleiteter
Vollbremsung sei er dann dem Beschuldigten aufgefahren (Urk. D30/3 S. 11). In
den späteren Einvernahmen gab R._ dann gleichbleibend zu Protokoll, dass
der Beschuldigte "einfach ohne Grund" eine Vollbremsung gemacht habe und vor
diesem "absolut nichts" gewesen sei (Urk. D30/7 S. 2 und S. 4; Urk. 16/27 S. 4
ff.). Man habe trotz hohem Verkehrsaufkommen immer zwischen ca. 50 bis 80
km/h fahren können (Urk. D30/7 S. 3; Urk. 16/27 S. 3). Es habe kurz vor der Kolli-
sion vor dem Beschuldigten keinen Stau gehabt (Urk. 16/27 S. 4). Zwischen dem
Beschuldigten und den weiter vorne fahrenden Fahrzeugen habe es "eine Dis-
tanz" gehabt und die Fahrbahn sei "frei" gewesen (Urk. 16/27 S. 6 f.).
11.2.3. Diese Darstellung wird teilweise von Seiten von BL._ gestützt, welche
in der zeitnäheren Einvernahme aussagte, dass das vor ihr fahrende Auto eine
Vollbremsung vorgenommen habe, auch wenn sie nicht gesehen habe, wie der
Beschuldigte sich verhielt (Urk. D30/9 S. 3). Mehr als vier Jahre nach dem Vorfall
vermochte sie sich zwar daran zu erinnern, dass sie damals eine "harte Brem-
sung" vorgenommen bzw. "plötzlich gebremst" habe, das heisse, dass sie ihren
Fuss voll auf die Bremse runtergedrückt habe, wobei sie allerdings nicht mehr ge-
nau sagen konnte, was für eine Bremsung das Fahrzeug vor ihr gemacht habe
(Urk. D30/10 S. 7; Urk. D30/11 S. 5 u. 9). Darüber, was sich vor dem Beschuldig-
ten abspielte, vermochte sie letztlich keine aufschlussreichen Aussagen zu treffen
(Urk. D30/10 S. 3 ff.; Urk. D30/11 S. 4 ff.).
- 85 -
11.2.4. Die Aussagen von R._ sind im Kerngeschehen deckungsgleich. Die
Glaubhaftigkeit seiner Aussagen wird auch nicht durch seine abweichenden Dis-
tanzangaben geschmälert. Zwar machte er diesbezüglich geltend, dass es ihm
trotz eines Abstands von sicherlich 3 bis 4 Wagenlängen (Urk. D30/7 S. 3) oder
von immerhin 100 Metern (Urk. 16/27 S. 4) nicht mehr gereicht habe, eine Kollisi-
on mit dem Beschuldigten zu verhindern, dass Distanzangaben allerdings sehr
schwer korrekt anzugeben sind, ist gerichtsnotorisch. Die Aussage, dass vor dem
Beschuldigten "absolut nichts" im Sinne von nichts Auffälliges gewesen sei, wird
zudem auch dadurch bestätigt, dass der Beschuldigte beschleunigte, was – wo-
rauf die Vorinstanz zu Recht verweist (Urk. 74 E. III. R.2.1.3.) – nur möglich ist,
wenn die Fahrbahn frei ist. Die Glaubhaftigkeit der Aussagen von R._ wird
zudem dadurch gesteigert, dass er das Testverhalten des Beschuldigten vor dem
Umfall von sich aus schilderte und ihm dieses auch aufgefallen war. Das von ihm
beschriebene Fahrverhalten des Beschuldigten erinnert abermals an dasjenige
Testverhalten, welches der Beschuldigte auch in anderen Fällen an den Tag leg-
te. Es ist somit auch hier – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.
R.2.1.3.) – davon auszugehen, dass der Beschuldigte die Aufmerksamkeit ihm
nachfolgender Fahrzeuglenker mittels unnötiger Brems- und Anfahrmanöver tes-
tete.
11.2.5. Seitens des Beschuldigten wird sowohl in Abrede gestellt, dass er grund-
los gebremst habe wie auch, dass er eine Vollbremsung vorgenommen habe.
Sein Bremsmanöver sei vielmehr aufgrund eines vor ihm bremsenden Fahrzeugs
eingeleitet worden. Er habe "auch ganz normal gebremst" (Urk. D30/6 S. 2 f.) und
keine Vollbremsung vorgenommen (Urk. D30/6 S. 6). Es sei "nicht so zum fest
bremsen" gewesen, weil die Autos immer noch gerollt seien (Urk. D30/6 S. 4). Al-
lerdings gab er ebenfalls zu Protokoll, dass sein Fahrzeug still gestanden sei, als
ihm der nachfolgende Wagen ins Heck gefahren sei (Urk. D30/6 S. 4), weshalb
die Vornahme einer Vollbremsung – selbst bei einem zuvor grösseren Abstand
des hinter ihm fahrenden Lenkers – sehr plausibel erscheint. Der Beschuldigte
verwies indes auf ein vor ihm bremsendes Auto als Grund für seine Bremsung
(Urk. D/30 S. 2 f.), was aufgrund der Aussagen der übrigen Vorfallbeteiligten un-
glaubhaft ist. Es ist deshalb davon auszugehen, dass der Beschuldigte ohne
- 86 -
Grund bis zum Stillstand abbremste und die nachfolgenden Auffahrunfälle verur-
sachte.
11.2.6. Weiter ist darauf hinzuweisen, dass die Polizei nicht vom Beschuldigten,
sondern von der Auskunftsperson V._ gerufen wurde (Urk. D30/7 S. 3;
Urk. D30/9 S. 2; Urk. 16/78 S. 6). Der Beschuldigte vermochte auf mehrfaches
Fragen auch nicht zu erklären, warum er sein Fahrzeug (Saab) nur für vier Tage
eingelöst und bereits vor dem Unfall wieder (mit Versicherungsschutz bis Mitter-
nacht) ausgelöst hatte (Urk. 14/10 S. 7; Urk. 14/45 S. 15). Abermals wollte sich
der Beschuldigte zudem erst nicht dazu äussern, wo genau und zu welchem Preis
er sein Fahrzeug gekauft haben will (Urk. 14/10 S. 6), und selbst auf Vorhalt der
entsprechenden Kaufquittung wollte er sich nicht daran erinnern (Urk. 14/10 S. 7).
Auch betreffend Reparaturarbeiten und -kosten, einen allfälligen Verkauf oder
Umtausch wollte sich der Beschuldigte nicht konkret festlegen. Auffällig ist zudem,
dass der Beschuldigte im Nachgang zum Unfall der Privatklägerin E._ einen
angeblich durch den Unfall beschädigten Laubbläser meldete (Urk. D30/12/7) und
eine entsprechende Reparaturofferte einreichte, wonach Kolben/Zylinder komplett
zu ersetzen wären (Urk. D30/12/8), auf Vorhalt, wonach ein derartiger Schaden
kaum auf einen Auffahrunfall, sondern auf unsachgemässe Verwendung von
Treibstoff zurückzuführen sei (vgl. Urk. D30/2 S. 4 f.), dann aber auswich
(Urk. 14/10 S. 13). Auch dieses Vorgehen diente – wie bereits die Vorinstanz zu-
treffend erwog (Urk. 74 E. III. R.2.3.3.) – offensichtlich der Generierung zusätzli-
cher Einkünfte und damit der Profitmaximierung.
11.2.7. Insgesamt erweist sich das aufgezeigte Nachtatverhalten des Beschuldig-
ten als auffällig und vermag den bereits durch die Beweiswürdigung zum Unfall-
hergang erstellten Anklagesachverhalt zusätzlich zu stützen.
11.3. Fazit
Der Anklagesachverhalt gemäss ND 30 ist nach den gemachten Erwägungen als
erstellt zu erachten.
11.4. Strafanträge und Schaden
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11.4.1. Vorliegend bestehen Strafanträge von R._ und BL._ bzw.
V._ sowohl hinsichtlich Körperverletzung (Versuch) (Urk. D30/5/1 bzw.
Urk. D30/5/4) wie auch hinsichtlich Sachbeschädigung (Urk. D30/5/3 bzw.
Urk. D30/5/6).
11.4.2. Der von R._ hinsichtlich Sachbeschädigung geltend gemachte Scha-
denersatzbetrag von Fr. 5'900.- ist ebenso ausgewiesen (Urk. D30/13/13) wie
derjenige von V._ im Betrag von Fr. 6'122.- (Urk. D30/5/7).
11.4.3. Seitens der Staatsanwaltschaft wird der Schaden hinsichtlich Betrugs vor-
liegend auf Fr. 3'400.-, bestehend aus Fr. 2'500.- für den Restwert des Fahrzeugs
des Beschuldigten (Urk. D30/12/10 u. D30/12/13) sowie Fr. 900.- hinsichtlich ei-
nes vom Beschuldigten mitgeführten Laubbläsers (Urk. D30/12/12-13) beziffert.
Diese Schäden sind jeweils rechtsgenügend belegt. Im Übrigen kann auf die zu-
treffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 74 E. III.R.3.1.).
12. Anklagesachverhalt ND 10 (Vorfall vom 22. Februar 2012)
12.1. Vorbemerkung
Seitens der Vorinstanz wurde die Glaubwürdigkeit der bezüglich Anklagesachver-
halt ND 10 involvierten Drittpersonen sowie die (Un-)Verwertbarkeit der Aussagen
von BO._, BP._ und BQ._ zutreffend gewürdigt, weshalb – um un-
nötige Wiederholungen zu vermeiden – vollumfänglich auf die entsprechenden
vorinstanzlichen Erwägungen (Urk. 74 E. III.G.1.) verwiesen werden kann.
Ebenso hat die Vorinstanz die massgebenden verwertbaren Aussagen der er-
wähnten Personen sowie des Beschuldigten zutreffend wiedergegeben, weshalb
auch diesbezüglich vorab auf ihre entsprechenden Ausführungen zum Verhalten
während und nach dem in Frage stehenden Vorfall (Urk. 74 E. III.G.2.1.-2.2.) ver-
wiesen werden kann. Lediglich zu Gunsten des Beschuldigten können – mangels
Transparenz hinsichtlich der erforderlichen Einhaltung der Protokollierungsvor-
schriften bzw. Einräumung der Teilnahmerechte des Beschuldigten – die aus dem
Rapport der Stadtpolizei Zürich vom 14. März 2012 hervorgehenden Aussagen
- 88 -
der Beteiligten (Urk. D10/3 insb. S. 7 ff.) verwertet werden (s. dazu auch z.B. vor-
stehend unter E. II.F.8.).
12.2. Beweiswürdigung
12.2.1. Bei diesem Vorfall fällt zunächst auf, dass er sich nicht auf der Autobahn
zugespielt hat. Auch hier geht es im Kern um die Beantwortung der Frage, wie
das Bremsmanöver des Beschuldigten erfolgte, und ob es hierfür eine objektive
Rechtfertigung gab. Die Anklage stützt sich insbesondere auf die Aussagen der
unmittelbar hinter dem Beschuldigten fahrenden BO._. Ihre seitens der Vo-
rinstanz teilweise wiedergegebenen und zutreffend gewürdigten Aussagen
(Urk. 74 E. III.G.2.1.1.) erweisen sich als konstant, detailliert und äusserst lebens-
und emotionsnah, indem sie das damals Geschehene in Verbindung mit ihrem
damaligen Gedankengang rekapitulierte (Urk. D10/10 S. 1 ff.; Urk. D10/11 S. 2 ff.;
auch in Übereinstimmung mit Urk. D10/3 S. 8 f. sowie Urk. 10/13/4 S. 2). Ihre
Ausführungen, wonach der Beschuldigte abrupt und grundlos "aus dem heiteren
Himmel" eine Vollbremsung vollzogen habe, erweisen sich auch deshalb als sehr
glaubhaft. Ergänzend dazu ist auch ihre Schilderung der noch am Unfallort mit
den weiteren Vorfallbeteiligten geführten Unterredungen eindrücklich: So sei
BP._ noch von weiteren vor dem Beschuldigten herfahrenden Autos ausge-
gangen, worauf sie ihm dann gesagt habe, nein, dass sie absolut keine weiteren
Autos gesehen hätte (Urk. D10/10 S. 2), was sie auch gegenüber dem Beschul-
digten kundgetan habe, nachdem dieser gemeint habe, "der andere" habe auch
gebremst (Urk. D10/10 S. 4). Die seitens der Verteidigung vorgebrachte Einwen-
dung, wonach auch die Aussage der ersten Stunde von BO._ belege, dass
der Beschuldigte verkehrsbedingt stark gebremst habe (Urk. 63 S. 10), ist akten-
widrig (s. Urk. D10/3 S. 8 f.).
12.2.2. Demgegenüber erweisen sich die verwertbaren Ausführungen von
BP._ (Urk. D10/18 S. 1 ff.; Urk. D10/9 S. 3 ff. bzw. lediglich zu Gunsten des
Beschuldigten: Urk. D10/3 S. 7 f.) und diejenigen des Beschuldigten (Urk. D10/7
S. 1 ff. bzw. lediglich zu seinen Gunsten: Urk. D10/3 S. 8) als wenig aussagekräf-
tig. Lediglich in Ergänzung zur seitens der Vorinstanz vorgenommenen vollum-
fänglich zutreffenden entsprechenden Würdigung (Urk. 74 E. III.G.2.1.2.-2.1.3.) ist
- 89 -
zu unterstreichen, dass sich BP._ einerseits widersprüchlich hinsichtlich der
Anzahl und Reihenfolge der vorfallbeteiligten Fahrzeuge äusserte, und anderer-
seits hervorzuheben ist, dass er kurz vor der Kollision mit der vor ihm fahrenden
BO._ in den Rückspiegel geschaut hat, was seine ganzheitliche Erfassung
der zum Auffahrunfall führenden Situation eingeschränkt haben dürfte. Letztlich ist
aber – einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.G.2.1.2.) –
massgebend, dass selbst bei einem sich vor dem Beschuldigten befindlichen
Fahrzeug keine konkreten Hinweise auf Umstände bestehen, die eine Vollbrem-
sung des Beschuldigten rechtfertigen würden, wobei diese Frage nicht abschlies-
send geklärt zu werden braucht, weil der Beschuldigte eine mit allen anderen An-
gaben im Widerspruch stehende Version des Unfallablaufs zu Protokoll gab: Sei-
ne Darstellung, an welche er sich zu erinnern vermochte, wonach ein Fahrzeug
von "der linken Spur auf die rechte Spur" vor ihn gewechselt habe, weshalb er
habe bremsen müssen (Urk. D10/7 S. 4-6 u. 13), ist vor dem Hintergrund der ein-
spurig geführten und durch eine Sicherheitslinie getrennten Fahrspur (s.
Urk. D10/3 S. 6 u. Urk. D10/6) und der übrigen Beweislage nicht glaubhaft. Die
entsprechenden Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 74 E. G.2.1.2.) erweisen sich
als zutreffend, weshalb vollumfänglich darauf zu verweisen ist. Eine Berücksichti-
gung der im Polizeiprotokoll vom 14. März 2012 wiedergegebenen Angaben
(Urk. D10/3 S. 8) vermag die Beweislage – aufgrund der dadurch zusätzlich zu
Tage tretenden Widersprüchlichkeiten – ebenso wenig zu Gunsten des Beschul-
digten zu verändern wie die von BQ._, welche mit ihrem Fahrzeug BP._
folgte, zu Protokoll gegebenen Äusserungen (Urk. D10/12).
12.2.3. Die Beweiswürdigung ergibt vorliegend, dass der Beschuldigte plötzlich
und unvermittelt eine Vollbremsung vornahm, ohne dass hierfür ein Grund be-
stand.
12.2.4. Lediglich ergänzend ist vorliegend darauf hinzuweisen, dass sich das
nach dem Vorfall an den Tag gelegte Verhalten des Beschuldigten (ebenfalls) als
aufschlussreich erweist. So ist sein an den Tag gelegtes schockiertes Verhalten
im Nachgang je mehr (anklagerelevante) Vorfälle und (nicht anklagerelevante)
Unfälle er miterlebt, desto länger als reine Posse einzustufen. Die von BO._
- 90 -
hinsichtlich des Nachtatverhaltens des Beschuldigten gemachten sehr glaubhaf-
ten Schilderungen, u.a. wonach sich jener zu allererst nach ihrer Versicherung er-
kundigt habe und später die Unfallstelle vor dem Eintreffen der Polizei habe ver-
lassen wollen, woran sie ihn gerade noch zu hindern vermochte (Urk. 10/10
S. 2 ff.; Urk. 10/11 S. 4 ff.), erweisen sich sowohl hinsichtlich der Motivlage des
Beschuldigten wie auch seiner Sachdarstellung denn auch als entlarvend. Um
unnötige Wiederholungen zu vermeiden, kann diesbezüglich vollumfänglich auf
die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.G.2.2.1.-2.2.3.) ver-
wiesen werden.
12.3. Fazit
Der Anklagesachverhalt gemäss ND 10 ist aufgrund der gemachten Erwägungen
als vollumfänglich erstellt zu erachten.
12.4. Strafanträge und Schaden
12.4.1. Vorliegend bestehen Strafanträge von BO._ hinsichtlich Körperverlet-
zung (Urk. D10/5/4) wie von BP._ hinsichtlich versuchte Körperverletzung
(Urk. D10/5/1). Von letztgenanntem liegt überdies ein Strafantrag betreffend
Sachbeschädigung bei den Akten (Urk. D10/5/3).
12.4.2. Hinsichtlich Betrugs ist vorliegend von der Staatsanwaltschaft kein Scha-
den angeklagt (vgl. hierzu ferner die dazu gemachten zutreffenden Erwägungen
der Vorinstanz: Urk. 74 E. III.G.3.1.).
12.4.3. In Bezug auf die vom Beschuldigten verursachte Körperverletzung bei
BO._ ist rechtsgenügend belegt, dass eine HWS-Distorsion Grad II und eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 23. bis 26. Februar 2012 bestand (Urk.
D10/13/4–6).
12.4.4. Am Fahrzeug von BP._ entstand vorliegend ein Sachschaden von
Fr. 2'642.- (Urk. D10/13/18 bzw. Urk. D10/13/24), welcher – einhergehend mit der
- 91 -
Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.G.3.4.) – rechtsgenügend ausgewiesen
ist.
13. Anklagesachverhalt ND 24 (Vorfall vom 28. Februar 2012)
13.1. Vorbemerkung
Seitens der Vorinstanz wurde die Glaubwürdigkeit der bezüglich des Anklage-
sachverhalts ND 24 involvierten Drittpersonen S._, BR._ und BS._
sowie die Verwertbarkeit der Aussagen dieser Personen grundsätzlich zutreffend
gewürdigt, weshalb vorab auf die entsprechenden vorinstanzlichen Erwägungen
(Urk. 74 E. III.P.1.) verwiesen werden kann. Präzisierend ist zu ergänzend, dass
die Aussagen, welche nicht in Anwesenheit des Beschuldigten und seines Vertei-
digers erfolgten, nur zu Ungunsten des Beschuldigten beigezogen werden kön-
nen, wenn sie später unter Gewährung dieser Teilnahmerechte wiederholt wur-
den, worauf – falls von Relevanz – noch einzugehen sein wird.
Der Inhalt der Aussagen der beteiligten Drittpersonen und des Beschuldigten
wurde seitens der Vorinstanz ausführlich und zutreffend wiedergegeben, weshalb
diesbezüglich – insofern diese Aussagen vorliegend verwertbar sind – vorab auf
die entsprechenden Ausführungen zum Verhalten während und nach dem in Fra-
ge stehenden Vorfall (Urk. 74 E. III.P.2.1.-2.2.) verwiesen werden kann. Erneut ist
– entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 63 S. 19) – nicht von einem sug-
gestiven Verhalten seitens der Ermittlungsbehörden auszugehen.
13.2. Beweiswürdigung
13.2.1. Lediglich sechs Tage nach dem letzten Vorfall soll sich laut der Staatsan-
waltschaft ein vom Beschuldigten provozierter Verkehrsunfall – dieses Mal wieder
auf der Autobahn A1 – ereignet haben. Auch hier geht es im Kern um die Beant-
wortung der Frage, wie das Bremsmanöver des Beschuldigten erfolgte, und ob es
hierfür eine objektive Rechtfertigung gab. Die Anklage stützt sich in erster Linie
auf die Aussagen von S._, welcher damals mit seinem Wagen unmittelbar
hinter demjenigen des Beschuldigten unterwegs war. Seine Aussagen (jeweils als
Auskunftsperson: Urk. D24/8 S. 2 ff. u. Urk. D24/10 S. 2 ff.) erweisen sich als
- 92 -
konstant, detailliert und im Wesentlichen widerspruchsfrei. Gestützt auf seine
Aussagen ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte sich damals mit seinem
Fahrzeug gerade noch vor der Aufhebung seiner linken Fahrspur auf diejenige,
auf welcher sich S._ befunden hatte, reindrückte und stark abgebremst hat,
wobei nicht von der Vornahme einer Vollbremsung auszugehen ist. Zwar ist in
den Ausführungen von S._ teilweise von einer "Vollbremsung" die Rede
(Urk. D24/7 S. 2), wobei er aber spezifizierte, dass der Beschuldigte zuerst
schneller als er mit 120 km/h – wobei er seine eigene Geschwindigkeit auf unge-
fähr 95 km/h schätzte – gefahren sei und hernach aber abrupt auf ca. 40 km/h
abgebremst habe (Urk. D24/8 S. 3 u. 5), woraufhin er auf den Beschuldigten auf-
gefahren sei. In den zitierten Aussagen ist kein Widerspruch zu sehen, da mit ei-
ner Vollbremsung subjektiv nicht zwingend kolportiert wird, dass eine Bremsung
bis zum Stillstand erfolgte, was er auch mehrfach präzisierte (z.B. in Urk. D24/8
S. 5). Auch sind die Ausführungen von S._ einheitlich und überzeugend, was
den Umstand betrifft, dass die Bremsung nicht verkehrsbedingt erfolgte
(Urk. D24/2 ff.; Urk. D24/8 S. 3 ff.): So habe sich der langsamere Kolonnenver-
kehr noch "so weit entfernt [befunden], dass keine Notwendigkeit bestanden hat-
te, so stark abzubremsen", wobei er diese Distanz zum weiter vorne auftretenden
stockenden Verkehr auf "mehr als 200 Meter" schätzte (Urk. D24/8 S. 3 f.). Es
besteht kein Anlass, an der Wahrhaftigkeit dieser Schilderungen zu zweifeln. Die
Ausführungen von S._ erweisen sich demnach – einhergehend mit der Auf-
fassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.P.2.1.1. u. 2.1.4.) – als glaubhaft.
13.2.2. Demgegenüber vermögen die Aussagen des Beschuldigten (Urk. D24/6
S. 1 ff.) nicht zu überzeugen. So vermochte er sich bezüglich dieses Vorfalls an
nichts zu erinnern und begnügte sich lediglich mit auf "Erfahrungswerten" beru-
henden Angaben. Selbst auf (mehrfache) Nachfrage stellte er in Abrede, damals
in Begleitung eines Kinds und eines Erwachsenen gewesen zu sein und gab
diesbezüglich abstruse Antworten von sich ("Ich weiss nicht, wer im Auto war":
Urk. 14/7 S. 4). Im Übrigen kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz
verwiesen werden (Urk. 74 E. III.P.2.1.3.). Das Aussageverhalten des Beschuldig-
ten erweist sich als lebensfremd. Seine Ausführungen sind deshalb als unglaub-
haft einzustufen.
- 93 -
13.3. Bei diesem Beweisergebnis ist davon auszugehen, dass vorliegend der
kurz vor S._ hin einspurende Beschuldigte plötzlich und unvermittelt eine
sehr starke Bremsung vornahm, ohne dass hierfür ein verkehrsbedingter Grund
bestand. Daran vermögen auch die lediglich zu Gunsten des Beschuldigten zu
berücksichtigenden Aussagen von BR._ nichts zu ändern, welcher im Rah-
men der staatsanwaltlichen Einvernahme in Anwesenheit des Beschuldigten und
seines Verteidigers u.a. zum Geschehensablauf und zur Schuldfrage diametral
andere Ausführungen machte (Urk. 16/64 S. 3 ff.) als noch anlässlich seiner poli-
zeilichen Einvernahme (Urk. D24/9 S. 2 ff.), weshalb ihnen so oder anders kein
massgebender Beweiswert zukommt. Der Einwand der Verteidigung, wonach jeg-
licher Nachweis einer vorsätzlichen Schadensprovokation fehle (Urk. 63 S. 19),
erweist sich im Übrigen als unzutreffend.
13.4. Lediglich ergänzend ist vorliegend darauf hinzuweisen, dass sich das nach
dem Vorfall an den Tag gelegte Verhalten des Beschuldigten (ebenfalls) als auf-
schlussreich erweist. So konnte sich der Beschuldigte auch hinsichtlich dieses
Vorfalls nicht daran erinnern, ob er den Schaden beheben liess oder nicht
(Urk. D24/6 S. 6 f.), bzw. vermochte er nicht einmal darzulegen, wo er den betref-
fenden Wagen gekauft hatte (Urk. D24/6 S. 7). Selbst wenn der Beschuldigte in
seinem Leben drei bis vier Mitsubishi gehabt haben soll, wie er es behauptet
(Urk. D24/6 S. 7), erweisen sich auch diese Aussagen und das hier erneut gel-
tend gemachte mangelnde Erinnerungsvermögen als unglaubhaft. Es belegt
überdies deutlich, dass der Beschuldigte an einer lückenlosen Aufklärung und
Transparenz bei der Schadensbehebung nicht interessiert ist. Im Übrigen kann
zum auffälligen Nachtatverhalten des Beschuldigten vollumfänglich auf die zutref-
fenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 74 E. III.P.2.2.).
13.5. Fazit
Der Anklagesachverhalt gemäss ND 24 ist aufgrund der gemachten Erwägungen
als vollumfänglich erstellt zu erachten.
13.6. Strafanträge und Schaden
- 94 -
13.6.1. Vorliegend bestanden Strafanträge von S._ hinsichtlich Körperverlet-
zung (Versuch) und Sachbeschädigung (Urk. D24/3 u. Urk. 24/5), wobei der erst-
genannte Strafantrag als zurückgezogen zu gelten hat. Entgegen der Ansicht der
Vorinstanz (Urk. 74 E. III.P.3.2.) hat S._ seinen Willen, den entsprechenden
Strafantrag nicht aufrecht erhalten zu wollen, anlässlich seiner staatsanwaltlichen
Einvernahme vom 13. April 2015 (Urk. D24/8 S. 4) rechtsgenügend dargetan.
13.6.2. Seitens der Staatsanwaltschaft wird der Schaden hinsichtlich Betrugs vor-
liegend auf Fr. 2'767.- (bestehend aus der Zahlung für den Zeitwert des Fahr-
zeugs und damit im Zusammenhang stehende Aufwendungen) zu Gunsten der
G._ Versicherungen und auf Fr. 927.- (Mehrprämie) zu Gunsten von S._
beziffert. Es ist rechtsgenügend ausgewiesen, dass den Erwähnten dieser Scha-
den entstanden ist (vgl. dazu die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz: Urk.
74 E. III.P.3.1. bzw. Urk. D24/11/5).
13.6.3. Weiter ist S._ ein Sachschaden in letztlich unbekannter Höhe, aber
von maximal Fr. 5'000.- entstanden. Die entsprechenden Ausführungen der Vo-
rinstanz (Urk. 74 E. III.P.3.3.) erweisen sich überdies als zutreffend.
14. Anklagesachverhalt ND 11 (Vorfall vom 15. März 2012)
14.1. Vorbemerkung
Seitens der Vorinstanz wurde die Glaubwürdigkeit der bezüglich des Anklage-
sachverhalts ND 11 involvierten Drittpersonen BT._, BU._, AC._
sowie BV._ und die (Un-)Verwertbarkeit der Aussagen dieser Personen
grundsätzlich zutreffend gewürdigt, weshalb vorab vollumfänglich auf die entspre-
chenden vorinstanzlichen Erwägungen (Urk. 74 E. III.H.1.) verwiesen werden
kann.
Der Inhalt der Aussagen der beteiligten Drittpersonen und des Beschuldigten
wurde seitens der Vorinstanz ausführlich und zutreffend wiedergegeben, weshalb
diesbezüglich vorab auf die entsprechenden Ausführungen zum Verhalten der Be-
teiligten während und nach dem in Frage stehenden Vorfall (Urk. 74 E. III.H.2.1.-
2.2.) verwiesen werden kann. Lediglich zu Gunsten des Beschuldigten können al-
- 95 -
lerdings – mangels Transparenz hinsichtlich der erforderlichen Einhaltung der
Protokollierungsvorschriften bzw. Einräumung der Teilnahmerechte des Beschul-
digten – die aus dem Rapport der Stadtpolizei Zürich vom 13. April 2012 hervor-
gehenden Aussagen der Beteiligten (Urk. D11/5 insb. S. 6 ff.) verwertet werden
(s. dazu auch z.B. vorstehend unter E. II.F.8.).
14.2. Beweiswürdigung
14.2.1. Lediglich rund zwei Wochen nach dem letzten Vorfall und nur wenige Ta-
ge nach Einlösung des damals vom Beschuldigten gefahrenen Wagens (vgl.
Urk. D1/3/2/12/4 Liste 2) soll sich laut der Staatsanwaltschaft ein weiterer vom
Beschuldigten provozierter Verkehrsunfall auf der Autobahn A1 ereignet haben.
Im Kern geht es um die Beantwortung der Frage, wie das Bremsmanöver des Be-
schuldigten bzw. sein darauf folgendes Stillstehen erfolgte, und ob es hierfür eine
objektive Rechtfertigung gab. Die Anklage stützt sich in erster Linie auf die Aus-
sagen von BT._ (Urk. D11/10 S. 1 ff.; Urk. D11/11 S. 2 ff.; Urk. D11/12 S. 3
ff.) und BU._ (Urk. D11/13 S. 1 ff.; Urk. D11/14 S. 2 ff.; Urk. D11/15 S. 4 ff.),
welche damals mit ihrem Wagen unmittelbar hinter demjenigen des Beschuldigten
unterwegs waren. Die Aussagen von BT._ erweisen sich als anschaulich und
detailliert. Seine Darstellung des zwischenzeitlich erfolgten Augenkontakts mit
dem Beschuldigten, welcher in den Rückspiegel geschaut habe, und die Be-
schreibung seiner Emotionen, als der Beschuldigte hernach ungeachtet der sich
vor letzterem auftuenden Lücke von ca. 50 Metern abgewartet und sich nicht wie-
der in Bewegung gesetzt habe (Urk. D11/10 S. 2; Urk. D11/11 S. 4; Urk. D11/12
S. 6 f.), erscheint eindrücklich. Allerdings ist (zu Gunsten des Beschuldigten) zu
berücksichtigen, dass dieser geltend gemachte Augenkontakt mit dem Beschul-
digten aus dem Polizeirapport der Kantonspolizei Zürich vom 13. April 2012 (Urk.
D11/5 S. 7) nicht hervorgeht und BT._ das unterbliebene Weiterfahren des
Beschuldigten nicht wie später einem bewussten Abwarten sondern einem Ab-
würgen des Motors durch den Beschuldigten zugeschrieben haben soll, was doch
einen erheblichen Unterschied ausmacht. Andererseits ist zu bedenken, dass das
ungewollte Abwürgen des Motors die naheliegendste Erklärung für das auffällige
Stillstehen des Beschuldigten darstellt, weil in dieser Situation keineswegs mit ei-
- 96 -
nem kriminellen Verhalten, wie es zur Anklage gebracht wurde, gerechnet werden
muss, und ein Augenkontakt über den Rückspiegel auch bei einem nicht gelun-
genen Motorstart plausibel erscheint, weshalb dieser Inkohärenz im Aussagever-
halten von BT._ – entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 63 S. 11) –
keine sich zu Gunsten des Beschuldigten auswirkende entscheidende Bedeutung
zukommt. BU._ bestätigte mit ihrer glaubhaften Schilderung des Sachge-
schehens – mit Ausnahme des Augenkontakts zwischen jenem und dem Be-
schuldigten (Urk. D11/14 S. 4) – denn auch die übrigen Aussagen von BT._
und stützte – mit der bezeichneten, letztlich nicht relevanten Ausnahme – im We-
sentlichen seine Sachdarstellung.
14.2.2. Kleinere, nicht unerhebliche Divergenzen ergeben sich allerdings hinsicht-
lich ihrer Schätzungen der Dauer zwischen eigenem Stillstand und Aufprall sowie
der sich vergrössernden Distanz zwischen dem Fahrzeug des Beschuldigten und
dem sich vor jenem befindlichen Wagen. Während BU._ teilweise lediglich
von "vielleicht 2 Sekunden" (Urk. D11/15 S. 10) und ca. 30 bis 40 Metern
(Urk. D11/15 S. 6) sprach, ging ihr Ehemann BT._ diesbezüglich von min-
destens 3 bis 4 Sekunden (Urk. D11/11 S. 5) und konstant von ungefähr oder
mehr als 50 Metern (Urk. D11/10 S. 2; Urk. D11/11 S. 3; Urk. D11/12 S. 5 u. 7)
aus. Auch wenn die Angabe zuverlässiger Zeit- und Distanzangaben gerade in
solch einer Situation schwierig erscheint, dürfen sich diese Inkohärenzen letztlich
nicht zu Ungunsten des Beschuldigten auswirken, weshalb vorliegend von den
von BU._ gemachten Minimalangaben auszugehen ist. Bereits gestützt auf
ihre Zeitangabe von "vielleicht 2 Sekunden" zwischen eigenem Stillstand und dem
Aufprall durch AC._ lässt sich aber die Dauer des in der Anklage enthaltenen
bewussten und gewollten grundlosen Verweilens bzw. Stillstehens des Beschul-
digten während einiger Sekunden nicht rechtsgenügend erstellen.
14.2.3. Abgesehen davon sprechen die von AC._ gemachten Distanzanga-
ben zum Vorderwagen des Ehepaars BT._BU._ von anfänglich lediglich
15 Metern (Urk. D11/5 S. 7) ebenfalls gegen die erwähnte massgebende Dauer
des anklagerelevanten Verhaltens des Beschuldigten.
- 97 -
14.2.4. Auch wenn sich die Ausführungen des Beschuldigten (Urk. D11/5 S. 7 f.;
Urk. D11/7 S. 1 ff.) mit den Aussagen der weiteren Beteiligten nicht in Überein-
stimmung bringen lassen, ergibt sich auch aus ihnen kein anklagerelevantes Ver-
halten seinerseits.
14.2.5. Es kann deshalb angesichts der erörterten Beweislage zum in Frage ste-
henden Kerngeschehen nicht angenommen werden, dass er während einiger Se-
kunden grundlos auf der Autobahn verweilte bzw. stillgestanden ist, obwohl er
hätte weiterfahren können.
14.2.6. Daran vermögen vorliegend letztlich weder das seitens der Vorinstanz zu-
treffend gewürdigte doch sehr auffällige Verhalten des Beschuldigten nach dem
Unfall (Urk. 74 H. III.T.2.2.) noch die aus den anderen Vorfällen gewonnenen Er-
kenntnisse etwas zu ändern.
14.3. Fazit
Zu Gunsten des Beschuldigten ist vorliegend – entgegen der Auffassung der Vor-
instanz (Urk. 74 E. III.H.4.) – davon auszugehen, dass er nicht während einiger
Sekunden grundlos auf der Autobahn verweilte bzw. stillgestanden ist. Der Ankla-
gesachverhalt gemäss ND 11 ist demnach nicht erstellt.
15. Anklagesachverhalt ND 12 (Vorfall vom 22. März 2012)
15.1. Vorbemerkung
Seitens der Vorinstanz wurde die Glaubwürdigkeit der bezüglich des Anklage-
sachverhalts ND 12 involvierten Drittpersonen Q._, N._ und BW._
und die (Un-)Verwertbarkeit der Aussagen dieser Personen grundsätzlich zutref-
fend gewürdigt, weshalb vorab vollumfänglich auf ihre entsprechenden Erwägun-
gen (Urk. 74 E. III.I.1.) verwiesen werden kann.
Der Inhalt der Aussagen der beteiligten Drittpersonen und des Beschuldigten
wurde seitens der Vorinstanz ausführlich und zutreffend wiedergegeben, weshalb
diesbezüglich vorab auf die entsprechenden Ausführungen zum Verhalten der Be-
teiligten während und nach dem in Frage stehenden Vorfall (Urk. 74 E. III.I.2.1.-
- 98 -
2.2.) verwiesen werden kann. Lediglich zu Gunsten des Beschuldigten können al-
lerdings – mangels Transparenz hinsichtlich der erforderlichen Einhaltung der
Protokollierungsvorschriften bzw. Einräumung der Teilnahmerechte des Beschul-
digten – die aus dem Rapport der Stadtpolizei Zürich vom 26. April 2012 hervor-
gehenden Aussagen der Beteiligten (Urk. D12/3 insb. S. 5 f.) verwertet werden;
ausgenommen davon sind die Aussagen von Q._, welche vollumfänglich
verwertbar sind, da die Wiederholung der entsprechenden Einvernahme von der
Verteidigung nicht beantragt und die Unverwertbarkeit dieser Aussagen auch
nicht gerügt wurde (s. dazu auch vorstehend unter E. II.F.8.).
15.2. Beweiswürdigung
15.2.1. Rund zwei Wochen später soll sich laut der Anklagebehörde ein weiterer
vom Beschuldigten provozierter Verkehrsunfall auf der Autobahn A1 ereignet ha-
ben. Im Kern geht es hier (erneut) um die Beantwortung der Frage, wie das
Bremsmanöver des Beschuldigten erfolgte und ob es hierfür eine objektive Recht-
fertigung gibt. Die Anklage stützt sich in erster Linie auf die Aussagen von
N._ (Urk. D12/10 S. 1 ff.; Urk. D12/11 S. 2 ff.), wobei diejenigen des da-
mals unmittelbar hinter dem Beschuldigten fahrenden Q._ (Urk. D12/8
S. 1 ff.; Urk. D12/9 S. 3 ff.) – wie bereits erwogen und entgegen der Vorinstanz –
vollumfänglich verwertbar sind. Die beiden Unfallbeteiligten Q._ und N._
sagten übereinstimmend, authentisch und glaubhaft aus, dass der Beschuldigte
eine Vollbremsung vorgenommen habe (Urk. D12/10 S. 3; Urk. D12/11 S. 2 f.;
Urk. D12/8 S. 3 f.; Urk. D12/9 S. 4). Deren Aussagen sind auch in sich kongruent
und widerspruchsfrei. N._ sagte in der ersten Einvernahme aus, er habe sich
immer gefragt, warum der vorderste Wagen gebremst habe, auf jeden Fall so
stark. Er habe vor ihm nichts gesehen, was Grund für eine derart heftige Brem-
sung hätte sein können (Urk. D12/10 S. 3). Auf Nachfrage bestätigte er zudem,
dass er keinen Grund für diese heftige Bremsung gesehen habe (Urk. D12/10 S.
3). Bezüglich Verkehrsaufkommen sagte er nichts von "Stau" oder dergleichen,
sondern nur von stockendem Verkehr und von viel Verkehr (Urk. D12/10 S. 2).
Q._ bestätigte das entsprechend, indem er ausführte, es habe "Handorgel-
- 99 -
Stau" gehabt, fast stehen und dann wieder beschleunigen; die Kolonne sei wieder
in Fahrt gekommen bzw. beschleunigt und dann habe es gebremst und er habe
keine Chance gehabt (Urk. D12/8 S. 1 f.). Weiter führte er aus, das Auto vor ihm
sei plötzlich gestanden wie ein Stein, wie eine Wand vor ihm. Er habe sich dar-
über immer wieder Gedanken gemacht, er habe dies schon auch komisch gefun-
den; aber eben, wenn man jemandem hinten hineinfährt, sei man immer Schuld
(Urk. D12/8 S. 2). Später erklärte er erneut, sie seien in einer Fahrzeugkolone ge-
fahren und er nehme an, der Beschuldigte habe so stark abgebremst wegen dem
Verkehr; er habe aber keinen Stau gesehen (Urk. D12/8 S. 3). Dies bestätigte
Q._ zudem ausdrücklich in der zweiten Einvernahme und auch, dass er kei-
nen Grund für die Bremsung gesehen habe (Urk. D12/9 S. 4).
15.2.2. Der Beschuldigte machte seinerseits konstant geltend, dass er damals
aufgrund des plötzlich stockenden Verkehrs bzw. eines Staus habe abbremsen
müssen (Urk. D12/3 S. 6; Urk. D12/7 S. 2), wobei er die Vornahme einer Voll-
bremsung generell von sich wies (Urk. 12/3 S. 6; Urk. D12/7 S. 3). Ansonsten fal-
len seine Aussagen äusserst vage sowie detailarm aus und weisen auch gewisse
Ungereimtheiten auf. So sagte er zunächst aus: "Es kommt ein Stau, ich muss
nicht Vollbremsung aber ich muss bremsen. Dann plötzlich eine fahrt bei mir rein"
(Urk. D12/7 S. 2). Später gab er abweichend von seiner bisherigen Aussage zu
Protokoll, er habe nicht stark gebremst, aber vorne stockenden Verkehr gesehen
und "dann lasse er immer normale Distanz" (Urk. D12/7 S. 7). Im Übrigen ver-
mochte er nur spärliche Aussagen zum Vorfall zu treffen.
15.2.3. Es besteht keinerlei Anlass an den Aussagen der beiden Unfallbeteiligten
N._ und Q._ zu zweifeln, zumal auch ihnen zugutezuhalten ist, dass sie
sich selbst die Schuld für die Kollision gaben, was ihre Angaben umso glaubhafter
macht. Insgesamt überzeugt die vorinstanzliche Beweiswürdigung und die vagen,
ausweichenden Antworten des Beschuldigten erscheinen schon für sich alleine
nicht glaubhaft, jedenfalls aber auch nicht vor dem Hintergrund des ins serien-
mässige Verhalten passenden Vorfalls. Weiteres Indiz, das gegen die Glaubhaf-
tigkeit des Beschuldigten spricht, ist sodann das von der Vorinstanz geschilderte,
auffällige Nachtatverhalten des Beschuldigten (Urk. 74 H. III.I.2.2.). Der Würdi-
- 100 -
gung der seitens der Vorinstanz aus dem Beizug der Fotodokumentation des
Schadensbildes an den beteiligten Fahrzeugen (Urk. D12/6) getroffenen Schluss-
folgerung, dass diese die Aussagen von N._ bestätigen würde und entgegen
den Ausführungen des Beschuldigten von der Vornahme einer Vollbremsung
durch denselben auszugehen sei (Urk. 74 E. III.I.2.1.3), kann ebenfalls gefolgt
werden.
15.2.4. Angesichts der erörterten Beweislage kann vorliegend angenommen wer-
den, dass der Beschuldigte nicht aus einem verkehrsbedingten Grund gebremst
hat.
15.3. Fazit
Der Anklagesachverhalt gemäss ND 12 ist demnach – einhergehend mit der Auf-
fassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.I.4.) – vollumfänglich erstellt.
15.4. Strafanträge und Schaden
15.4.1. Vorliegend liegen Strafanträge von N._ und Q._ sowohl hinsicht-
lich Körperverletzung (teilweise Versuch) (Urk. D12/1-2) wie auch hinsichtlich
Sachbeschädigung (Urk. D12/5/4 bzw. Urk. D12/5/6) vor.
15.4.2. Das von Q._ geltend gemachte vorübergehende Beschleunigungs-
trauma des Schädels und des Halses ist durch den ärztlichen Befund von Dr.
med. CA._ vom 24. März 2016 (Urk. D12/15/7) rechtsgenügend belegt.
15.4.3. Des Weiteren sind auch die hinsichtlich Q._ wie auch N._ be-
züglich Sachbeschädigung von der Anklagebehörde geltend gemachten Beträge
von ca. Fr. 22'000.- sowie von ca. Fr. 11'000.- rechtsgenügend ausgewiesen (vgl.
Beilagen zu Urk. D12/9 und Urk. D12/11).
- 101 -
15.4.4. Seitens der Staatsanwaltschaft wird der Schaden der C._ hinsichtlich
Betrugs vorliegend auf Fr. 4'030.-, bestehend aus Fr. 3'500.- Auszahlung des
Zeitwerts des Fahrzeugs an den Beschuldigten sowie von Fr. 530.- aus weiteren
Zahlungen (Abschlepp- und Lagerkosten des Fahrzeugs des Beschuldigten) im
Zusammenhang mit dem Ereignis bzw. hinsichtlich Q._ (Bonusverlust bei
seiner Versicherung) mit Fr. 722.- beziffert, was alles rechtsgenügend ausgewie-
sen ist (vgl. Urk. 12/12/4 u. Urk. 12/12/6 bzw. Beilage zu Urk. 12/9).
16. Anklagesachverhalt ND 13 (Vorfall vom 25. April 2012)
16.1. Vorbemerkung
Seitens der Vorinstanz wurde die Glaubwürdigkeit der bezüglich des Anklagesa-
chverhalts ND 13 involvierten Drittpersonen CB._, CC._ sowie
BJ._ und die (Un-)Verwertbarkeit der Aussagen dieser Personen grundsätz-
lich zutreffend gewürdigt, weshalb vorab auf die entsprechenden vor-instanzlichen
Erwägungen (Urk. 74 E. III.J.1.) verwiesen werden kann. Eine seitens der Vertei-
digung geltend gemachte Suggestionswirkung durch entsprechende Vorhalte von
Polizei und Untersuchungsbehörde (Urk. 63 S. 13) ist weder hinsichtlich der Ein-
vernahmen von CB._ noch den anderen erwähnten Personen auszumachen.
Der Inhalt der Aussagen der beteiligten Drittpersonen und des Beschuldigten
wurde seitens der Vorinstanz ausführlich und zutreffend wiedergegeben, weshalb
diesbezüglich vorab auf die entsprechenden Ausführungen zum Verhalten der Be-
teiligten vor, während und nach dem in Frage stehenden Vorfall (Urk. 74
E. III.J.2.1.-2.3.) verwiesen werden kann. Lediglich zu Gunsten des Beschuldigten
können allerdings – mangels Transparenz hinsichtlich der erforderlichen Einhal-
tung der Protokollierungsvorschriften bzw. Einräumung der Teilnahmerechte des
Beschuldigten – grundsätzlich die aus dem Rapport der Stadtpolizei Zürich vom
15. Mai 2012 hervorgehenden Aussagen der Beteiligten (Urk. D13/3 S. 5 ff.) ver-
wertet werden (s. dazu auch z.B. vorstehend unter E. II.F.8.). Da der verteidigte
Beschuldigte anlässlich seiner Einvernahme vom 30. Juli 2013 (Urk. D13/7) indes
mehrfach ausdrücklich auf seine am Vorfallort gegenüber der Polizei gemachten
- 102 -
Aussagen verwies und ihm diese zudem vorgehalten wurden, sind jene auch zu
seinen Ungunsten verwertbar.
16.2. Beweiswürdigung
16.2.1. Wiederum rund einen Monat später soll sich laut der Anklagebehörde ein
weiterer vom Beschuldigten provozierter Verkehrsunfall auf der Autobahn A1 er-
eignet haben. Im Kern geht es auch hier um die Beantwortung der Frage, wie das
Bremsmanöver des Beschuldigten erfolgte, und ob es hierfür eine objektive
Rechtfertigung gab. Die Anklagebehörde stützt sich auf die Aussagen von
CB._ (Urk. D13/3 S. 5 f.; Urk. D13/8 S. 1 ff.; Urk. D13/9 S. 3 ff.; Urk. D13/10
S. 3 ff.), welche unmittelbar hinter dem Beschuldigten fuhr und CC._ (Urk.
D13/3 S. 5; Urk. D13/11 S. 1 ff.; Urk. D13/13 S. 2 ff.; Urk. D13/14 S. 3 ff.), welcher
mit seinem Fahrzeug wiederum demjenigen von CB._ folgte. Die Aussagen
von CB._ erweisen sich als konstant, detailliert und anschaulich: So schilder-
te sie mehrfach eindrücklich, wie der Beschuldigte mehrfach, 5 bis 6 Mal immer
wieder gebremst habe, obschon der Verkehr ja gelaufen sei, was sie von Anfang
an komisch gefunden habe, woraufhin sie den Abstand zum Beschuldigten ver-
grössert habe bzw. sie davon ausgegangen sei, dass er zu schnell gefahren sei
(Urk. D13/8 S. 1 f. u. 4; Urk. D13/9 S. 4 u. 6; Urk. D13/10 S. 3). Einhergehend mit
der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.J.2.1.2.) ist dies klarerweise als star-
kes Indiz zu werten, dass sie das Fahrverhalten des Beschuldigten als merkwür-
dig wahrgenommen hatte, was sie teilweise ja auch zu Protokoll gab, ansonsten
sie gerade keinen Grund gehabt hätte, den Abstand zu vergrössern.
16.2.2. Eindrücklich schilderte CB._, dass der Beschuldigte von einem auf
den anderen Moment eine Vollbremsung vorgenommen habe (Urk. D13/9 S. 4;
Urk. D13/10 S. 5 f.), welche sie zudem ebenfalls von Anfang an komisch gefun-
den habe, dem aber nicht nachgegangen sei (Urk. D13/8 S. 2 f. u. 4). Die stimmi-
ge Verknüpfung ihrer Sachdarstellung mit den dabei erlebten Gedanken lässt ihre
Aussagen besonders glaubhaft erscheinen. Daran vermag der Umstand, dass
CB._ dieses Empfinden der Situation damals nicht umgehend der Polizei
mitgeteilt hat (vgl. Urk. D13/9 S. 6 f.), nichts zu ändern. Einhergehend mit der Auf-
fassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.J.2.2.1.) offenbart sich dadurch, dass kurz
- 103 -
nach dem Unfall schlichtweg niemand (auch nicht die beigezogene Polizei) auf
die Idee gekommen wäre, trotz unerklärbarer Vollbremsung die Schuld beim Be-
schuldigten zu suchen.
16.2.3. Hinsichtlich der Frage, ob die Vollbremsung des Beschuldigten verkehrs-
bedingt war, äusserte sich CB._ zwar zurückhaltend, aber widerspruchsfrei
und klar. In der zum in Frage stehenden Vorfall zeitnächsten protokollierten Ein-
vernahme sagte sie aus, dass sie ja auch weit vorausschaue, um immer abzu-
schätzen, wie man das Fahrverhalten anpassen müsse, und sie habe keinen
Bremsgrund, keine Kolonne oder so gesehen (Urk. D13/8 S. 3). Später gab sie zu
Protokoll, dass sie beim abrupten Bremsmanöver des Beschuldigten nicht beo-
bachten habe können, ob er wegen eines anderen Autos abbremsen habe müs-
sen. Sie sei aber sehr überrascht gewesen, weil der Verkehr ja – im Gegensatz
zu sonst, wenn keine Ferien seien – flüssig gewesen sei. Sie habe jedenfalls nicht
beobachten können, dass jemand vor ihm gebremst oder die Spur gewechselt
hätte. Mehrfach und konstant betonte sie, dass sie immer gut geradeaus bzw. vo-
raus schaue, weil man die Strecke halt kenne und es nicht einfach sei, diese
Strecke zu fahren (Urk. D13/9 S. 3) bzw. sie die Strecke kenne, und es dort viel
Verkehr bzw. viele Unfälle gebe, weshalb sie immer extrem vorsichtig und vor-
ausschauend gefahren sei (Urk. D13/9 S. 6; Urk. D13/10 S. 4). Auf den Vorhalt,
ob sie es für möglich halte, dass vor ihm gleichwohl ein Stau oder ein abbrem-
sendes Fahrzeug gewesen wäre, welches den Beschuldigten dann zur Vollbrem-
sung veranlasst haben könnte, führte CB._ aus, dass das natürlich sein kön-
ne, aber eben, das habe sie nicht beobachten können. Weshalb der Beschuldigte
eine Vollbremsung vorgenommen habe, wisse sie nicht. Sie habe kein Auto vor
ihm gesehen, das zum Stillstand gekommen sei bzw. eine Vollbremsung vorge-
nommen habe (Urk. D13/10 S. 4 ff.). Auf Vorhalt der Sachdarstellung des Be-
schuldigten erwiderte sie, dass sie es von ihrem Standort nicht so wahrgenom-
men habe (Urk. D13/10 S. 11). Die Aussagen von CB._ erweisen sich insge-
samt als sehr glaubhaft und erscheinen – entgegen der Auffassung der Verteidi-
gung (Urk. 63 S. 13) – keineswegs als weltfremd.
- 104 -
16.2.4. Der Beschuldigte verwies anlässlich seiner Einvernahme vom 30. Juli
2013 mehrfach auf seine vor Ort gegenüber der Polizei gemachten Angaben,
welche ihm auch erneut vorgehalten wurden (Urk. D13/7 S. 3 ff.). Dort machte er
geltend, dass er sein Fahrzeug aufgrund des weiter vorne ins Stocken geratenden
Verkehrs zuerst normal abgebremst habe. Als er bemerkt habe, dass es eng wer-
de, habe er sein Fahrzeug schlussendlich stark bis zum Stillstand abbremsen
müssen (Urk. D13/3 S. 6). Im Übrigen vermochte er keine näheren Angaben zum
Kerngeschehen zu machen bzw. gab er mehrheitlich vor, sich nicht erinnern zu
vermögen, ausser dem Vorbringen, dass das dritte Auto schuld gewesen sei an
diesem Unfall (Urk. D13/7 S. 1 ff.). Die Aussagen des Beschuldigten erweisen
sich aufgrund der geltend gemachten Erinnerungslücken zwar als nicht besonders
verlässlich, jedoch auch nicht per se als unglaubhaft, selbst wenn aufgrund seiner
teilweise ausweichenden und sprunghaften Ausführungen (s. hierzu die Vor-
instanz: Urk. 74 E. III.J.2.2.3.) gewisse Zweifel an seiner Darstellung hinsichtlich
der Notwendigkeit der Vollbremsung bestehen.
16.2.5. Keine substanziellen weiteren Erkenntnisse hinsichtlich des damals Ge-
schehenen ergeben sich aus den Aussagen von CC._. Er bestätigte zwar die
Vornahme einer Vollbremsung durch CB._ und deutete auch an, dass dies
aufgrund des vor ihr bremsenden Beschuldigten geschehen sei (Urk. D13/13 S. 3;
Urk. D13/14 S. 3 f.), doch vermochte er die Frage der Notwendigkeit der Vornah-
me der Vollbremsung durch den Beschuldigten nicht zu beantworten (Urk. D13/11
S. 3; Urk. D13/13 S. 3).
16.2.6. Aufschlussreich erweisen sich die – teilweise bereits erwähnten – Aussa-
gen zum Verhalten des Beschuldigten vor und nach dem Vorfall. Die Sachdarstel-
lung durch CB._, wie der Beschuldigte vor dem Vorfall ohne dafür ersichtli-
chen Grund mehrere Bremsmanöver vornahm (s. vorstehend unter E. 14.2.1.),
erweist sich als überzeugend. Mit diesen entsprechenden Ausführungen konfron-
tiert, äusserte sich der Beschuldigte ausweichend und sprunghaft, wobei er beton-
te, immer normal Auto zu fahren (Urk. D13/7 S. 5), was unter Beizug der übrigen
erstellten Vorgänge offensichtlich nicht zutrifft. So oder anders ist diesbezüglich
auf die glaubhafte Darstellung von CB._ abzustellen. Dieses erstellte inadä-
- 105 -
quate Verkehrsverhalten des Beschuldigten erweist sich auf den ersten Blick als Hinweis auf eine unkonzentrierte Fahrweise. Bei näherer Betrachtung im Zusam-
menhang mit derselben Verhaltensweise bei weiteren Vorfällen lässt sich daraus
allerdings ein modus operandi ableiten, welcher die darauf folgenden Kollisionen
im Sinne eines Testverhaltens in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt. We-
sentlich ist in diesem Zusammenhang überdies, dass eine dermassen unkon-
zentrierte Fahrweise nicht ausschliesslich Auffahrunfälle nach sich ziehen dürfte,
sondern auch in gleichem Umfang andere Verkehrs- bzw. Selbstunfälle, wofür
vorliegend keine Anzeichen bestehen.
16.2.7. Hinsichtlich des (angeblichen) Nachtatverhaltens des Beschuldigten er-
scheint auffällig, dass er sich in der Wahrnehmung von CB._ "sehr ge-
schockt" zeigte und ihnen gesagt habe, dass er seine Eltern bei einem Verkehrs-
unfall verloren habe und sich froh darüber zeigte, seine Kinder nicht mitgenom-
men zu haben (Urk. D13/8 S. 3; Urk. D13/9 S. 6). Einhergehend mit der Einschät-
zung der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.J.2.3.1.) hat sich der Beschuldigte dadurch –
wie bei weiteren Vorfällen – als Opfer inszeniert, was vor dem Hintergrund der übrigen erstellten Anklagesachverhalte – je länger desto mehr – eine entlarvende
Wirkung hat.
16.2.8. Weiter fällt hier – erneut – zu Ungunsten des Beschuldigten ins Gewicht,
dass er gleichzeitig über mehrere Occasionsfahrzeuge verfügte (vgl. Übersicht in: Urk. D1/3/2/12/4 Liste 3), was bei seinen eher knappen Einkommensverhält-
nissen erstaunt und im Zusammenhang mit den weiteren Indizien darauf hinweist,
dass sich der Beschuldigte durch die Herbeiführung von Autounfällen mit nachfol-
gender Auszahlung von Versicherungsleistungen bereichern wollte (vgl. nachste-
hend E. 18.). Ein weiteres Indiz für die geplante Bereicherung durch Versiche-
rungsleistungen wird vorliegend durch den Umstand hervorgehoben, dass er den
hier gefahrenen Saab für lediglich Fr. 800.- erworben hat (Urk. D13/7 S. 2), was auffällig erscheint und vor dem Hintergrund der übrigen Vorfälle die beabsichtigte
Erzielung eines möglichst hohen Profits nahe legt. Abgesehen davon materiali-
sierte sich dieser beabsichtigte angestrebte Profit vorliegend in Form der dem Be-
- 106 -
schuldigten seitens der B._ Versicherungen ausbezahlten Summe von
Fr. 4'650.- letztlich auch (Urk. D13/16/19).
16.2.9. Weshalb sich der Beschuldigte – im Gegensatz zu den meisten übrigen
Fällen – vorliegend mit der Erinnerung an die Umstände der Schadensbehebung
überhaupt nicht schwer tat, muss letztlich offen bleiben (s. dazu die mutmassen-
den Erwägungen der Vorinstanz: Urk. 74 E. III.J.2.3.2.), ist aber für die Erstellung
des Anklagesachverhaltes auch nicht erforderlich.
16.2.10. Insgesamt erweist sich das Vor- und Nachtatverhalten des Beschuldigten
als entlarvend. Zusammen mit der Würdigung des übrigen Beweisergebnisses
ergibt sich, dass der in Frage stehende Anklagesachverhalt rechtsgenügend er-
stellt ist.
16.3. Fazit
Der Anklagesachverhalt gemäss ND 13 ist – einhergehend mit der Auffassung der
Vorinstanz (Urk. 74 E. III.J.4.) – vollumfänglich erstellt.
16.4. Strafanträge und Schaden
16.4.1. Vorliegend bestehen Strafanträge hinsichtlich Körperverletzung durch
CB._ (Urk. D13/5/1) und hinsichtlich Körperverletzung (Versuch) durch
CC._ (Urk. D13/5/2).
16.4.2. Seitens der Staatsanwaltschaft wird der Schaden hinsichtlich Betrugs vor-
liegend auf Fr. 4'770.-, bestehend aus der Zahlung für den Wiederbeschaffungs-
wert des Fahrzeugs sowie Aufwendungen, beziffert. Der Beschuldigte erhielt sei-
tens der Privatklägerin B._ Versicherung – wie bereits erwähnt (vorstehend
unter E. 14.2.8.) – einen Betrag von Fr. 4'650.- (Urk. D13/16/19) entschädigt. In
diesem Umfang ist in Bezug auf den Tatbestand des Betrugs der Schaden – ein-
hergehend mit der Auffassung der Vorinstanz: Urk. 74 E. III.J.3.1. – ausgewiesen.
Demgegenüber entstand der CD._ AG – wie in der Anklageschrift aufgeführt
– kein Schaden aus Betrug (Urk. D13/16/23 u. 24).
- 107 -
16.4.3. Das von CB._ geltend gemachte Beschleunigungstrauma (inkl. mo-
natelanger Nackenschmerzen) sowie ihre dreitägige Arbeitsunfähigkeit sind
rechtsgenügend ausgewiesen (Urk. D13/16/11 u. 12; Urk. D13/23/1).
17. Anklagesachverhalt ND 32 (Vorfall vom 22. November 2012)
17.1. Vorbemerkung
Seitens der Vorinstanz wurde die Glaubwürdigkeit der bezüglich des Anklage-
sachverhalts ND 32 involvierten Drittperson W._ und die Verwertbarkeit sei-
ner Aussagen zutreffend gewürdigt, weshalb vorab vollumfänglich auf ihre ent-
sprechenden Erwägungen (Urk. 74 E. III.S.1.) verwiesen werden kann.
Der Inhalt der Aussagen der Beteiligten wurde seitens der Vorinstanz ausführlich
und zutreffend wiedergegeben, weshalb diesbezüglich vorab auf die entspre-
chenden Ausführungen zum Verhalten der Beteiligten während und nach dem in
Frage stehenden Vorfall (Urk. 74 E. III.S.2.1.-2.2.) verwiesen werden kann.
17.2. Beweiswürdigung
17.2.1. Vorliegend geht es ebenfalls um einen Auffahrvorfall, welcher sich aller-
dings nicht auf der Autobahn A1, sondern während eines Abbiegemanövers von
einer einspurig befahrenen Strasse in eine Tankstelle ereignet hat. Im Kern geht
es aber auch hier um die Beantwortung der Frage, wie das Bremsmanöver des
Beschuldigten bzw. sein darauf folgendes Stillstehen erfolgte, und ob es hierfür
eine objektive Rechtfertigung gab. Die Anklage stützt sich in erster Linie auf die
Aussagen von W._ (Urk. D32/5 S. 1 ff.; Urk. D32/6 S. 2 ff.), welcher damals
mit seinem Wagen unmittelbar hinter demjenigen des Beschuldigten unterwegs
war, und einen Google-Maps-Ausdruck der dort anzutreffenden Situation (Anhang
zu Urk. 14/30). Die Aussagen von W._ erweisen sich als konstant, anschau-
lich und detailliert, aber auch von einer gewissen Zurückhaltung geprägt. An sei-
nem Vorbringen, dass der Beschuldigte eine Vollbremsung vorgenommen habe
(Urk. D32/5 S. 1 u. 3; Urk. 32/6 S. 3 u. 5), ist nicht zu zweifeln, auch weil sich die
- 108 -
Aussagen des Beschuldigten diesbezüglich als uneinheitlich und wenig verläss-
lich ("Ich kann mich nicht mehr genau erinnern ob ich komplett stillgestanden bin":
Urk. D32/4 S. 3) erweisen.
17.2.2. Komplexer erweist sich die Beurteilung der Frage, ob der Beschuldigte –
wie er es geltend macht (Urk. D32/4 S. 2 ff.) – aufgrund eines aus der Tankstelle
herausfahrenden Wagens abbremsen hat müssen. Diesbezüglich konnte auch
W._ ein aus der Tankstelle fahrendes Auto nicht restlos ausschliessen
(Urk. D32/6 S. 3: "Ob es aber eines gab, das kann ich nicht mit 100%iger Sicher-
heit ausschliessen"), auch wenn er gleichzeitig angab, kein solches gesehen zu
haben. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.S.2.1.3.) lassen
sich vorliegend aus dem Google-Maps-Ausdruck zur dort anzutreffenden Situation
letztlich keine rechtsgenügenden Rückschlüsse zu Ungunsten des Beschuldigten
ziehen, zumal daraus auch nicht genügend erkennbar ist, ob die rechtwinklig zur
Strasse verlaufende Einfahrt das Kreuzen zweier Fahrzeuge ohne Probleme zu-
lässt. Aber auch selbst wenn dies generell möglich sein sollte, bedeutet dies auf-
grund der übrigen Beweislage nicht, dass im vorliegenden Fall ausgeschlossen
werden kann, dass dem Beschuldigten ein Fahrzeug im Weg war.
17.2.3. Lediglich ergänzend ist zu erwähnen, dass sich die vorliegend zu beurtei-
lende Situation grundlegend von den übrigen unterscheidet: Während bei Letzte-
ren zu prüfen war, ob das Verhalten eines/einer sich vor dem Beschuldigten be-
findlichen Wagenlenkers/Wagenlenkerin die Bremsung des Beschuldigten veran-
lasste, bei welchen die Wahrscheinlichkeit überaus gross war, dass jene/r Wa-
genlenker/in auch im Blickfeld der unmittelbar dem Beschuldigten folgenden Per-
son war, besteht dafür bei vorliegend zu beurteilender Situation aufgrund des sich
nicht auf der befahrenen Strasse befindlichen Drittwagens weniger Gewähr. Es ist
deshalb in dubio pro reo von der vom Beschuldigten geltend gemachten Sachver-
haltsschilderung auszugehen.
17.2.4. Angesichts der erörterten Beweislage kann vorliegend zu Gunsten des
Beschuldigten nicht rechtsgenügend angenommen werden, dass er nicht aus ei-
nem verkehrsbedingten Grund gebremst hat.
- 109 -
17.2.5. Daran vermögen weder das seitens der Vorinstanz zutreffend gewürdigte,
erneut sehr auffällige Verhalten des Beschuldigten nach dem Unfall (Urk. 74
H. III.S.2.2.) noch die aus den anderen Vorfällen gewonnenen Erkenntnisse etwas
zu ändern.
17.3. Fazit
Entgegen der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.S.4.) ist vorliegend nicht
rechtsgenügend auszuschliessen, dass der Beschuldigte aus einem verkehrsbe-
dingten Grund gebremst hat. Der Anklagesachverhalt gemäss ND 32 ist demnach
nicht erstellt.
18. Anklagesachverhalt ND 29 (Vorfall vom 4. März 2013)
18.1. Vorbemerkung
Seitens der Vorinstanz wurde die Glaubwürdigkeit der bezüglich des Anklage-
sachverhalts ND 29 involvierten bzw. befragten Drittpersonen und die Verwert-
barkeit der Aussagen dieser Personen zutreffend gewürdigt, weshalb vorab auf
ihre entsprechenden Erwägungen (Urk. 74 E. III.Q.1.) verwiesen werden kann.
Der Inhalt der Aussagen der beteiligten Drittpersonen und des Beschuldigten
wurde seitens der Vorinstanz ausführlich und zutreffend wiedergegeben, weshalb
diesbezüglich vorab auf die entsprechenden Ausführungen zum Verhalten der Be-
teiligten während und nach dem in Frage stehenden Vorfall (Urk. 74 E. III.Q.2.1.-
2.2.) verwiesen werden kann. Lediglich zu Gunsten des Beschuldigten können al-
lerdings – mangels Transparenz hinsichtlich der erforderlichen Einhaltung der
Protokollierungsvorschriften bzw. Einräumung der Teilnahmerechte des Beschul-
digten – grundsätzlich die aus dem Rapport der Stadtpolizei Zürich vom 30. März
2013 hervorgehenden Aussagen der Beteiligten (Urk. D29/3 S. 5 ff.) verwertet
werden (s. dazu auch z.B. vorstehend unter E. II.F.8.).
18.2. Beweiswürdigung
18.2.1. Vorliegend soll sich laut der Anklagebehörde ein weiterer vom Beschuldig-
ten provozierter Verkehrsunfall auf der Autobahn A1, dieses Mal mit einem rund
- 110 -
drei Wochen zuvor eingelösten Opel Meriva (vgl. Urk. D1/3/2/12/4 Liste 2), ereig-
net haben. Im Kern geht es auch hier um die Beantwortung der Frage, wie das
Bremsmanöver des Beschuldigten erfolgte bzw. wie es zum Stillstand seines Wa-
gens kam, und ob es hierfür eine objektive Rechtfertigung gab. Die Anklagebe-
hörde stützt sich auf die Aussagen von M._ (Urk. D29/3 S. 7; Urk. D29/9
S. 1 ff.; Urk. D29/10 S. 2 ff.), welcher unmittelbar hinter dem Beschuldigten fuhr,
von AH._ (Urk. D29/3 S. 6 f.; Urk. D29/11 S. 1 ff.; Urk. D29/12 S. 4 ff.; Urk.
D29/13 S. 5 ff.), welcher mit seinem Fahrzeug auf dasjenige von M._ folgte,
sowie von der wiederum darauf folgenden Automobilistin P._ (Urk. D29/3
S. 6; Urk. D29/14 S. 1 ff.; Urk. D29/15 S. 2 ff.).
18.2.2. Die Aussagen von M._ erweisen sich als konstant und anschaulich:
So legte er dar, dass er die besagte Strecke fast täglich bei ähnlichen Verkehrs-
verhältnissen fahre. Wenn jemand dort bremse, habe man dort Zeit zum bremsen,
weil es derart übersichtlich sei. Dieser Vorfall sei aber derart überraschend und
nicht vorhersehbar gewesen, dass die Auffahrkollision nicht zu vermeiden gewe-
sen sei (Urk. D29/10 S. 5). Dieses angesichts der Verkehrsverhältnisse grundlose
Stillstehen bzw. unverhältnismässig langsame Fahren des Beschuldigten wieder-
holte M._ anlässlich aller Einvernahmen (Urk. D29/3 S. 7; Urk. D29/9 S. 3 ff.;
Urk. D29/10 S. 2 ff.) und findet überdies in den Aussagen der ihm nachfolgenden
Lenker Bestätigung: So sagte AH._ von Anfang an aus, dass er die Voll-
bremsung des Beschuldigten mitbekommen habe (Urk. D29/3 S. 6). Später schil-
derte er mehrfach eindrücklich und konstant, dass er in seinem Lieferwagen gut
über die Autos gesehen und festgestellt habe, dass vor dem Beschuldigten abso-
lut keine Autos gewesen seien und dieser keinen Grund gehabt habe zu bremsen,
bzw. habe er vor ihm kein Auto gesehen, weshalb er absolut nicht wisse bzw. es
komisch gewesen sei, weshalb der Beschuldigte gebremst habe (Urk. D29/11
S. 2 f.; Urk. D29/12 S. 4 f., 7 u. 9; Urk. D29/13 S. 6, 8 u. 12 f.). Die hinter
AH._ fahrende P._ stützt diese Sachdarstellung insofern, dass sie die
erforderliche Vornahme einer Vollbremsung bestätigte (Urk. D29/14 S. 2) und
überdies zu Protokoll gab, dass vor der Kollision zwischen den vor ihr fahrenden
Fahrzeugen jeweils grössere Abstände bestanden hätten (Urk. D29/14 S. 3), was
den überraschenden Effekt eines Stillstehens bzw. einer sehr langsamen Fahr-
- 111 -
weise des Beschuldigten insofern stützt, als beide Fahrzeuge trotz jeweils vorge-
nommener Vollbremsung nicht mehr rechtzeitig anzuhalten vermochten. Mit einer
gewissen Zurückhaltung ist indes ihre Aussage zu würdigen, dass das Bremsen
des Beschuldigten grundlos erfolgt sei, weil sie die Bremsung aufgrund des Um-
stands, dass sie sich in diesem Moment auf die linke Spur und den Fahrbahn-
wechsel konzentriert habe, nicht gesehen habe (Urk. D29/15 S. 4 u. 6). Im Übri-
gen kann vollumfänglich auf die weiteren zutreffenden einlässlichen Erwägungen
der Vorinstanz zu den Aussagen von M._, AH._ und P._ verwiesen
werden (Urk. 74 E. III.Q.2.1.2.).
18.2.3. Die Aussagen dieser drei nebst dem Beschuldigten vorfallbeteiligten Per-
sonen vermögen in ihrer Gesamtheit zu überzeugen, woran kleinere Inkohären-
zen nichts zu ändern vermögen: Dass M._ – im Gegensatz zu AH._
(Urk. D29/13 S. 8) – beim Fahrzeug des Beschuldigten keine Bremslichter gese-
hen haben will (Urk D29/10 S. 6), ändert – einhergehend mit der Auffassung der
Vorinstanz (Urk. E. 74.III.Q.2.1.2.) – nichts an der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen.
So ist zutreffend, dass bei sich derart rasch abspielenden Ereignissen unter-
schiedliche Wahrnehmungen bestehen. Auch der Einwand der Verteidigung, dass
ohne spätere Beeinflussung keiner der Beteiligten auf die Idee gekommen wäre,
das Bremsmanöver des Beschuldigten als grundlos zu bezeichnen (Urk. 63
S. 20), vermag daran nichts zu ändern. So ist in diesem Zusammenhang darauf
hinzuweisen, dass sich der einem anderen Verkehrsteilnehmer Auffahrende re-
gelmässig als an der Kollision Schuldiger bezeichnen dürfte, zumal die bewusste
Herbeiführung der Kollisionen durch den vorderen Fahrzeughalter – zumindest in
unseren Breitengraden – noch wenig bekannt ist und aufgrund der involvierten
Risiken für Leib und Leben auch wenig nachvollziehbar erscheint.
18.2.4. Den Aussagen der erwähnten drei Personen stehen diejenigen des Be-
schuldigten diametral gegenüber: So schilderte der Beschuldigte, dass er auf der
mittleren Fahrspur gefahren sei, woraufhin ein VW Golf von der rechten Spur (ge-
rade) vor ihn hingefahren sei, weshalb er habe bremsen müsse. Teilweise fügte
er an, sich nicht mehr genau erinnern zu vermögen. Der VW Golf habe jedenfalls
aufgrund des vor ihm befindlichen stockenden Verkehrs nicht mehr weiter fahren
- 112 -
können. Wie lange das Manöver gedauert habe, wisse er nicht mehr (Urk. D29/8
S. 2 ff.).
18.2.5. Die Ausführungen des Beschuldigten erweisen sich isoliert betrachtet
nicht als unglaubhaft, auch wenn er zeitweise vorgab, sich nicht mehr an alle De-
tails erinnern zu können. In Gegenüberstellung zur im Wesentlichen kohärenten,
detaillierten und lebensnahen Sachdarstellung der übrigen Vorfallbeteiligten fallen
sie aber ab und wirken weniger überzeugend, weil unter den gegebenen Umstän-
den insbesondere ins Gewicht fällt, dass niemand dieser drei Personen den vom
Beschuldigten beschriebenen VW Golf gesehen haben will.
18.2.6. Auf die Aussagen von M._, AH._ und P._ ist vorliegend
aber auch aufgrund des auffälligen Nachtatverhaltens des Beschuldigten abzu-
stellen. So hat der Beschuldigte sich – wie bei weiteren Vorfällen – als Opfer  (s. die zutreffende Beschreibung des Beschuldigten durch die übrigen Vorfallbeteiligten: Urk. 74 E. III.Q.2.2.1.; bzw. sein Aussageverhalten gegenüber
den Ermittlungsbehörden: Urk. D29/8 S. 4), was vor dem Hintergrund der übrigen
erstellten Anklagesachverhalte – je länger desto mehr – eine entlarvende Wirkung
hat.
18.2.7. Weiter fällt hier – erneut – zu Ungunsten des Beschuldigten ins Gewicht,
dass er gleichzeitig über mehrere Occasionsfahrzeuge verfügte (vgl. Übersicht in: Urk. D1/3/2/12/4 Liste 3), was bei seinen eher knappen Einkommensverhält-
nissen erstaunt und im Zusammenhang mit den weiteren Indizien darauf hinweist,
dass sich der Beschuldigte durch die Herbeiführung von Autounfällen mit nachfol-
gender Auszahlung von Versicherungsleistungen bereichern wollte (vgl. nachste-
hend E. 18.). Auch hier fällt auf, dass er sich mit der Erinnerung an die  des Fahrzeugerwerbs ("Von AE._, bei einer Garage, weiss ich nicht": Urk. D29/8 S. 6) und der Schadensbehebung ("Ich habe Auto in Garage in AE._ gebracht. Ich wollte Auto reparieren und dort lassen, bis Experte
kommt. Garagist hat mir gesagt, wir haben keinen Platz, um Auto zu behalten,
aber ich solle anrufen, Auto habe Totalschaden": Urk. D29/8 S. 7) schwer tat bzw.
lediglich ungenaue Angaben machte (s. hierzu auch die weiteren zutreffenden
Erwägungen der Vorinstanz: Urk. 74 E. III.Q.2.2.2.). Dieses verschleiernde und
- 113 -
ablenkende Aussageverhalten weist darauf hin, dass der Beschuldigte in erster
Linie nicht an der Wiederherstellung des Wagens, sondern an der Einkassierung
der Versicherungsleistungen interessiert war, was seine Motivlage für die Provo-
kation von Autounfällen erklären würde.
18.2.8. Auffällig erscheint vorliegend überdies – einhergehend mit der Auffassung
der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.Q.2.2.2.) – der Umstand, dass der Beschuldigte die
Versicherungsleistungen nicht auf sein eigenes Konto, sondern auf ein Konto sei-
ner ehemaligen Arbeitgeberin CE._ überweisen liess, welche ihm den Betrag
in bar aushändigte (Urk. 15/21 S. 3; Urk. 16/1 S. 4), welche Sachdarstellung sei-
tens des Beschuldigten anerkannt wurde (Urk. D29/8 S. 7). Der von der Vo-
rinstanz getroffene Schluss, dass (auch) dieses Vorgehen offensichtlich der Ver-
schleierung entsprechender "Einkünfte" gedient habe und auf seine Absicht zur
Profitmaximierung hinweise (Urk. 74 E. III.Q.2.2.2.), erscheint auch deshalb nahe-
liegend, weil das Risiko, entdeckt zu werden, bei eigener Namensnennung ge-
genüber den Versicherungen von Mal zu Mal stieg.
18.2.9. Insgesamt erweist sich das Nachtatverhalten des Beschuldigten als ent-
larvend. Zusammen mit der Würdigung des übrigen Beweisergebnisses ergibt
sich, dass der in Frage stehende Anklagesachverhalt rechtsgenügend erstellt ist.
18.3. Fazit
Der Anklagesachverhalt gemäss ND 29 ist – einhergehend mit der Auffassung der
Vorinstanz (Urk. 74 E. III.Q.4.) – vollumfänglich erstellt.
18.4. Strafanträge und Schaden
18.4.1. Vorliegend bestehen Strafanträge hinsichtlich Körperverletzung (Versuch)
durch M._ (Urk. D29/5/1) sowie hinsichtlich Körperverletzung durch P._
(Urk. D29/5/5). AH._ zog seinen Strafantrag hinsichtlich Körperverletzung
(Versuch) (Urk. D29/5/4) anlässlich seiner letzten Einvernahme wieder zurück
(Urk. D29/13 S. 5). Der seitens der Anklagebehörde geltend gemachte Schaden
- 114 -
betreffend P._ ist rechtsgenügend ausgewiesen (Urk. D29/19/3 bzw.
Urk. D29/19/10).
18.4.2. Hinsichtlich Sachbeschädigung liegen Strafanträge von M._
(Urk. D29/5/3), der D._ AG (Arbeitgeberin von AH._; Urk. D29/5/9) so-
wie von P._ (Urk. D29/5/7) vor. Der von M._ geltend gemachte Schaden
im Betrag von Fr. 18'200.- ist ausgewiesen (Urk. D29/22/11: Bezahlter Kaufpreis
von Fr. 23'900.- abzüglich der erhaltenen Gutschrift für den Schrottwert von Fr.
5'690.-). Der seitens der D._ AG geltend gemachte Sachschaden im Betrag
von ca. Fr. 18'000.- ist ebenso ausgewiesen (Urk. D29/22/8/2; Urk. D29/22/8/3-4)
wie der von P._ geltend gemachte Sachschaden im Betrag von Fr. 7'500.-
(Urk. D29/18/3-5).
18.4.3. Der von der Staatsanwaltschaft betreffend den Vorwurf des Betrugs bezif-
ferte Schaden der E._ AG im Betrag von Fr. 4'939.-, bestehend aus
Fr. 4'591.- Reparaturkosten Fahrzeug und Fr. 348.- betreffend des mit dem Er-
eignis verbundenen Aufwands, ist ausgewiesen (Urk. D29/16/14-17). Ebenfalls
rechtsgenügend belegt ist der von M._ geltend gemachte Betrag von
Fr. 976.- für seine durch den Vorfall verursachte Mehrprämie (Urk. D29/16/14).
19. Anklagesachverhalt ND 37 (Vorfall vom 27. April 2013)
19.1. Vorbemerkung
Seitens der Vorinstanz wurden die für die Beurteilung der Glaubwürdigkeit der
bezüglich des Anklagesachverhalts ND 37 involvierten Drittpersonen T._ und
CF._ massgebenden Aussagen und Umstände einlässlich dargelegt, worauf
vorab verwiesen werden kann (Urk. 74 E. III.V.1.1.1.-1.1.5. bzw. 1.2.). Entgegen
der Auffassung der Vorinstanz kann allerdings gestützt auf die aktenkundig ge-
spannte Beziehung zwischen T._ und dem Beschuldigten nicht angenom-
men werden, dass eine Voreingenommenheit von T._ ausgeschlossen wer-
- 115 -
den kann (so indes die Vorinstanz: Urk. 74 E. III.V.1.1.2.). Allerdings ist zu beach-
ten, dass ihre Beziehung anlässlich der ersten Einvernahme von T._ vom 16.
August 2013 (Urk. D37/8) noch deutlich weniger belastet erschien wie im Moment
seiner späteren Einvernahmen in den Jahren 2015 und 2016 (Urk. D37/9-10),
was sich ohne Weiteres aus den jeweiligen zu Protokoll gegebenen Ausführungen
ergibt. Die Glaubwürdigkeit von T._ erscheint deshalb insgesamt nicht nur
zufolge seiner Stellung als Geschädigter (so aber die Vorinstanz: Urk. 74
E. III.V.1.1.5.) als etwas eingeschränkt, weshalb seine Aussagen zum in Frage
stehenden Vorfall mit einer gewissen Zurückhaltung zu würdigen sind. So oder
anders steht aber die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen im Zentrum. Hinsichtlich
der Verwertbarkeit seiner Aussagen wie derjenigen von CF._ kann vollum-
fänglich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden
(Urk. 74 E. III. V.1.1. u. 1.2.).
Der Inhalt der Aussagen der Beteiligten wurde seitens der Vorinstanz ausführlich
und zutreffend wiedergegeben, weshalb diesbezüglich vorab auf die entspre-
chenden Ausführungen zum Verhalten dieser Personen während und nach dem
in Frage stehenden Vorfall (Urk. 74 E. III.V.2.1.-2.2.) verwiesen werden kann.
19.2. Beweiswürdigung
19.2.1. Am 27. April 2013 soll sich laut der Anklagebehörde ein weiterer vom Be-
schuldigten vorsätzlich herbeigeführter Auffahrvorfall ereignet haben. Im Kern
geht es auch hier um die Beantwortung der Frage, wie das Bremsmanöver des
Beschuldigten erfolgte, und ob es hierfür eine objektive Rechtfertigung gab. Die
Anklage stützt sich vorliegend auf die Aussagen von T._ (Urk. D37/8 S. 1 ff.;
Urk. D37/9 S. 4 ff.; Urk. D37/10 S. 10 ff.), welcher damals mit seinem Fahrzeug
unmittelbar hinter dem Beschuldigten fuhr.
19.2.2. T._ sagte einheitlich aus, dass der Beschuldigte unvermittelt eine
Vollbremsung vorgenommen bzw. abrupt gebremst habe (Urk. D37/8 S. 1;
Urk. 37/9 S. 4 u. 7; Urk. D37/10 S. 11 f.). Ebenso legte er konstant dar, dass es
für das Bremsmanöver des Beschuldigten keinen Anlass gegeben habe, weil er
da niemanden bzw. kein Auto gesehen habe (Urk. D37/8 S. 1 f.; Urk. D37/9 S. 4
- 116 -
ff.; Urk. D37/10 S. 8 u. 12 f.). Laut T._ habe der Beschuldigte ihm vor Ort als
Begründung für die eigene Bremsung angegeben, dass ein Fahrzeug aus dem
Parkplatz rausfahren habe wollen bzw. von dort gekommen sei, welches er aber
nicht wahrgenommen habe (Urk. D37/9 S. 4 f.; Urk. D37/10 S. 13). Inkohärenzen
ergeben sich im Aussageverhalten demgegenüber mit Hinblick auf die seitens von
T._ gemachten Distanzangaben zum Fahrzeug des Beschuldigten: Einmal
schätzte er diese auf 5 Meter bzw. auf jeden Fall nicht genug, um zu bremsen
(Urk. D37/9 S. 6). Später vergrösserte er die fragliche Distanz auf "zwei Wagen-
längen oder so" (Urk. D37/10 S. 13), was doch einen Unterschied darstellt. Ange-
sichts der Schwierigkeit von Distanzschätzungen und unter Berücksichtigung sei-
ner ansonsten widerspruchsfreien Ausführungen vermag diese feststellbare Inko-
härenz die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen allerdings nicht einzuschränken.
19.2.3. Der Beschuldigte stellte demgegenüber in Abrede, eine Vollbremsung
vorgenommen zu haben (Urk. D37/6 S. 5). Vielmehr habe er "normal" bis zum
Stillstand gebremst (Urk. D37/6 S. 4). Ferner machte er geltend, dass er weit vor
seinem Auto die Rückfahrlichter eines Fahrzeugs gesehen und gemerkt habe,
dass dieser parkieren wolle (Urk. D37/6 S. 3 f.). Neben dem Lebensmittelladen
gebe es auf der rechten Seite 3 oder 4 Parkplätze. Er habe die Rücklichter gese-
hen und gestoppt, damit das Fahrzeug rückwärts fahren konnte, woraufhin es hin-
ter ihm wie verrückt geknallt habe (Urk. D37/6 S. 2). Auch die Ausführungen des
Beschuldigten, wonach es einen verkehrsbedingten Grund für seine Bremsung
gegeben habe, erweisen sich nicht als per se unglaubhaft.
19.2.4. Vor dem Hintergrund der erörterten Beweislage mit einer Aussage-gegen-
Aussage-Situation erweisen sich im Hinblick auf die Sachverhaltserstellung Fotos
und Skizzen zum Sachverhalt als aufschlussreich: Anhand der seitens des Be-
schuldigten angefertigten Unfallskizze und seiner Vermerke auf dem Farbfoto des
Unfallorts (s. Beilagen zu Urk. 14/39) ergibt sich, dass sich auf der rechten Stras-
senseite ein Fahrzeug "F" vor dem Beschuldigten (Fahrzeug "T") befunden haben
soll. Fahrzeug "F" soll gemäss der vom Beschuldigten mittels Pfeil skizzierten
Richtungsangabe versucht haben, rückwärts über das Trottoir hinweg auf das ers-
te von insgesamt vier gelben Parkfeldern (neben den Müllcontainern) zu gelan-
- 117 -
gen. Hinter dem Fahrzeug des Beschuldigten (Fahrzeug "T") soll sich ferner das
Fahrzeug des Privatklägers T._ (Fahrzeug "S") befunden haben.
19.2.5. Die anhand dieser Skizze konkretisierte Sachdarstellung des Beschuldig-
ten erweist sich als nicht überzeugend, was sich insbesondere anhand der von
T._ eingereichten fünf (undatierten) Farbfotokopien (Urk. D37/13), welche
wertvolle Hinweise auf die örtlichen Verhältnisse des Vorfalls liefern, aufzeigen
lässt. Aufgrund der Anordnung der kollisionsbeteiligten Fahrzeuge auf den besag-
ten Farbkopien ist – einhergehend mit den zutreffenden Erwägungen der Vo-
rinstanz (Urk. 74 E. III.V.2.1.6.) – davon auszugehen, dass sich die fotografierten
Automobile in der Unfallendlage befanden, und dass es für das seitens des Be-
schuldigten bezeichnete rückwärts parkierende Fahrzeug – abgesehen davon,
dass ein solches Manöver bei den örtlichen Gegebenheiten auch unsinnig er-
scheint – praktisch unmöglich gewesen wäre, rückwärts im Bogen über das Trot-
toir auf eines der vier – ebenfalls ersichtlichen – gelben Parkfelder zu gelangen,
weil sich dafür der Wagen des Beschuldigten bereits zu weit vorn befand, der Be-
schuldigte das parkierende Fahrzeug gleichzeitig aber bereits von weitem erblickt
haben will. Diese seitens des Beschuldigten geschilderten Umstände lassen sich
mit der Aktenlage nicht in Übereinstimmung bringen.
19.2.6. Naheliegender wäre die seitens des Beschuldigten vor Ort anscheinend
gegenüber T._ geschilderte – aber gegenüber den Ermittlungsbehörden
nicht bestätigte – Version, wonach der Beschuldigte wegen eines aus einem
Parkplatz rausfahrenden Wagens habe abbremsen müssen, wobei unklar bleibt,
ob ein solcher Wagen das Trottoir ebenfalls hätte überqueren müssen
(s. Urk. D37/9 S. 4 f.; aber auch Urk. D37/10 S. 13, wonach der besagte Automo-
bilist von einem Parkplatz "seitlich des türkischen Ladens" rausgekommen sein
soll) und der Wagen somit aus den gelben Parkfeldern oder allenfalls aus den
Parkplätzen der Blauen Zone gefahren (so die Annahme der Vorinstanz: Urk. 74
E. III.V.2.1.6.) sein soll. Abgesehen davon, dass auch bei diesen beiden Sachver-
haltsversionen eine unterbliebene Wahrnehmung des ausparkierenden Automobi-
listen durch T._ wenig wahrscheinlich (entsprechend die Auffassung der Vo-
rinstanz: Urk. 74 E. III.V.2.1.5.) ist, kann die Klärung dieser Frage letztlich auf-
- 118 -
grund der anderslautenden (nicht überzeugenden) Sachverhaltsschilderung des
Beschuldigten sowie gestützt auf sein entlarvendes Nachtatverhalten offen blei-
ben.
19.2.7. Hinsichtlich des Nachtatverhaltens des Beschuldigten fällt vorliegend auf,
dass der Beschuldigte gestützt auf die glaubhaften Aussagen von T._ darauf
gedrängt hatte, die Angelegenheit ohne das bereits teilweise ausgefüllte
(Urk. D37/9 S. 9) Unfallprotokoll "einfach so" zu lösen (Urk. D37/8 S. 1). Ferner
erscheint überraschend, dass sich der Beschuldigte letztlich mit einer Zahlung
durch T._ von lediglich Fr. 250.- zufrieden gegeben haben soll, obschon er
zuvor noch einen weit höheren Betrag verlangt hatte (s. hierzu auch die einlässli-
chen zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz und die dortigen Verweise: Urk. 74
E.III.V.2.2.1. u. 2.2.3.). Schliesslich erweist sich sein (ungewöhnliches) Engage-
ment im Zusammenhang mit der Reparatur dessen Wagens als auffällig (s. Urk.
74 E.III.V.2.2.1. u. 2.2.3.). Diese Umstände sprechen insgesamt dafür, dass der
Beschuldigte von seinem früheren Nachbarn und persönlichen Bekannten
T._ eine gewisse Gefahr für sein delinquentes Geschäftsmodell ausgehen
sah und vorerst tunlichst danach strebte, weitere Konflikte zu vermeiden, bevor er
– nunmehr in die Ecke gedrängt – eine aggressive Haltung einnahm und T._
in aggravierender Art und Weise verschiedener Straftaten (zuerst der Drohung,
hernach eines Deliktes gegen Leib und Leben durch "Überfahren": Urk. D37/6 S.
7; Urk. D37/9 S. 2 f. bzw. Urk. D37/10 S. 3) bezichtigte.
19.2.8. Als ebenso auffällig ist der erneute Versuch des Beschuldigten zu werten,
überdies Ersatz für ein angeblich durch den Vorfall beschädigtes Display eines
Mobiltelefons zu erlangen (Urk. D37/8 S. 3; Urk. D37/9 S. 8; Urk. D37/10 S. 16),
wie es bereits aus früheren Vorfällen bekannt ist (s. vorstehend unter E. 2.2.6.
und E. 3.2.6.).
19.2.9. Einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.V.2.2.2. u.
2.2.3.) erweisen sich die Aussagen des Beschuldigten zum Nachtatgeschehen
insgesamt als unglaubhaft, demgegenüber die Schilderungen von T._ zu
überzeugen vermögen. Das führt dazu, dass auch im Übrigen auf die glaubhafte
- 119 -
Sachdarstellung von T._ abzustellen ist. Daraus folgt, dass der in Frage ste-
hende Anklagesachverhalt rechtsgenügend erstellt ist.
19.3. Fazit
Der Anklagesachverhalt gemäss ND 37 ist – einhergehend mit der Auffassung der
Vorinstanz (Urk. 74 E. III.V.4.) – vollumfänglich erstellt.
19.4. Strafanträge und Schaden
19.4.1. Vorliegend bestehen Strafanträge von T._ hinsichtlich Körperverlet-
zung (Versuch) (Urk. D37/2) und Sachbeschädigung (Urk. D37/4). Einhergehend
mit den zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.V.3.3.) erweist
sich – wie von der Staatsanwaltschaft beziffert – ein Sachschaden des Beschul-
digten im Betrag von Fr. 1'500.- als rechtsgenügend ausgewiesen (Urk. D37/7;
Urk. 37/8 S. 2; Urk. D3/9 S. 7; Urk. 37/13).
19.4.2. Der von der Staatsanwaltschaft betreffend den Vorwurf des Betrugs bezif-
ferte Schaden von T._ im Betrag von Fr. 250.- ist – einhergehend mit der
Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.V.3.1.) – rechtsgenügend ausgewiesen,
weil bei der bestehenden Beweislage seinen glaubhaften Angaben, wonach er
dem Beschuldigten diesen Betrag im Nachgang zum Vorfall überlassen habe
(Urk. D37/7 S. 3; Urk. D37/9 S. 5 u. 9; Urk. D37/10 S. 6-8 u. 15 ff.), zu folgen ist.
20. Allgemeine Feststellungen und Auffälligkeiten
20.1. Hohe Kadenz der Vorfälle
Die Anklage lässt sich demnach hinsichtlich elf Anklagesachverhalten mindestens
teilweise erstellen. Der Beschuldigte provozierte – nebst dem untergeordneten
Versicherungsbetrug vom April 2009 (ND36) – in einem Zeitraum von lediglich
weniger als zwei Jahren, wobei ihm in diesem Zeitraum der Führerausweis noch
während drei Monaten entzogen war (Urk. D1/1/2/6), wissentlich und willentlich
zehn Auffahrunfälle, womit eine hohe Kadenz an strafrechtlich relevanten Vor-
gängen festzustellen ist.
- 120 -
20.2. Meist deckungsgleiche Vorgehensweise
Vorliegend ist – was sich im Kern mit der zutreffenden Auffassung der Vorinstanz
deckt (Urk. 74 E. III.W.1.2.) – in der überwiegenden Anzahl der erstellten Ankla-
gesachverhalte derselbe modus operandi zur Anwendung gelangt. Bei zumeist
regem Verkehrsaufkommen bremste der Beschuldigte – bei acht Vorgängen auf
der Überholspur der Autobahn, zum Teil im Tunnel – abrupt und meist bis zum
Stillstand (Vollbremsung) ab, um die ihm – meist mit geringem Abstand – folgen-
den Lenkerinnen und Lenker auffahren zu lassen und er in der Folge zu Unrecht
Leistungen von deren Haftpflichtversicherungen bezog. In mehreren Fällen
lässt sich zudem im Vorgang zum anklagerelevanten Verhalten ein eigentliches
Testverhalten des Beschuldigten feststellen. Einhergehend mit der Auffassung
der Vorinstanz (Urk. 74 E. III.W.1.2.) und entgegen derjenigen der Verteidigung
(Urk. 63 S. 13; Prot. I S. 23) weist dies nicht auf den Zweck hin, die ihm nachfol-
genden Lenker zu warnen, sondern vielmehr auf denjenigen, den für den Be-
schuldigten idealen Zeitpunkt einer Vollbremsung zu eruieren. Wäre nämlich le-
diglich von einer schreckhaften und unkonzentrierten Fahrweise des Beschuldig-
ten auszugehen (entsprechend die Verteidigung: Urk. 63 S. 3), würden nicht le-
diglich Auffahrunfälle zur Disposition stehen, sondern auch in gleichem Umfang
andere Verkehrs- bzw. Selbstunfälle, wofür indes keine Anzeichen vorliegen.
20.3. Gezielter Einsatz mehrerer, günstiger und lediglich befristet eingelöster
Occasionsfahrzeuge
Des Weiteren ist festzustellen, dass der Beschuldigte sich innert des kurzen Zeit-
raums mehrerer günstiger Occasionsfahrzeuge bediente, welche zudem lediglich
für eine sehr kurze Zeit eingelöst waren: So ist aktenkundig, dass der Beschuldig-
te im relevanten Zeitraum zwischen dem 9. Juni 2011 und dem 27. April 2013
über 19 verschiedene Fahrzeuge verfügte (vgl. Übersicht in: Urk. D1/3/2/12/4 Lis-
te 3), welche er mehrheitlich für lediglich jeweils wenige Tage oder Wochen ein-
gelöst hatte (vgl. Übersicht in: Urk. D1/3/2/12/4 Liste 2). Die Aussage von
CE._ von der CG._, der Arbeitgeberin des Beschuldigten, dass er in
den neun Jahren, in welchen er dort berufstätig war, auf geschäftlichen Fahrten
nie in einen Verkehrsunfall verwickelt gewesen sei (Urk. 15/21 S. 5), belegt zu-
- 121 -
sätzlich, dass der Einsatz der erwähnten Fahrzeuge gezielt erfolgte, er fahrfähig
gewesen ist und anlässlich der Berufungsverhandlung gelogen hat, als er bestä-
tigte, auch mit dem Geschäftsauto des CG._ schon Unfälle gehabt zu haben
(vgl. Prot. II S. 23 f.).
20.4. Einnahme einer Opferrolle im Nachgang
Bei zahlreichen Vorfällen fällt zudem – einhergehend mit der zutreffenden Auffas-
sung der Vorinstanz (s. deren einlässlichen und zutreffenden Erwägungen:
Urk. 74 E. III.W.1.3.) – ein gleichbleibendes Verhalten des Beschuldigten im
Nachgang zur Kollision auf, welches von Passivität gezeichnet ist, seine Opferrol-
le betont und insgesamt darauf angelegt war, das Mitleid der übrigen Beteiligten
zu wecken. Dieses Verhalten erweist sich denn auch als geeignet, jeglichen Ver-
dacht einer Provokation der Auffahrkollision durch den Beschuldigten im Keime zu
ersticken.
20.5. Mangelndes Erinnerungsvermögen hinsichtlich der Umstände der Scha-
densbehebung / Bereicherungsabsicht
Auffällig und unglaubhaft ist das vom Beschuldigten durchgehend an den Tag ge-
legte mangelnde Erinnerungsvermögen hinsichtlich der Umstände der Schadens-
behebung. So war er kaum in der Lage, den Fahrzeugverkäufer, die mit den Re-
paraturen betrauten Werkstätten und die diesbezüglich eingesetzten Mittel zu be-
zeichnen. Auch vermochte der Beschuldigte keine Quittungen oder Rechnungen
hinsichtlich vorgenommener Reparaturen zu bezeichnen (s. dazu die vollumfäng-
lich zutreffenden einlässlichen Erwägungen der Vorinstanz: Urk. 74
E. III.W.2.1.3.). Angesichts des geringen Werts und der dem Beschuldigten je-
weils im Übrigen zur Verfügung stehenden Automobile ist es als erwiesen zu er-
achten, dass er von der Reparatur der Fahrzeuge absah und die erhaltenen Zah-
lungen seitens der Haftpflichtversicherer anderweitig einsetzte. Letztlich bildet die
erwiesene Vorgehensweise angesichts der vielen Verkehrsvorfälle, in welche der
Beschuldigte verwickelt war, auch ein Indiz, dass er die betroffenen Fahrzeuge
(soweit fahrtauglich) für denselben Deliktszweck wiederverwendete, weshalb bei
Fahrtauglichkeit des in Frage stehenden Wagens dessen Reparatur auch wenig
- 122 -
Sinn ergibt. Gerichtsnotorisch ist denn auch, dass bei fingierten bzw. provozierten
Autounfällen – welche regelmässig mehrfach begangen werden – bevorzugt
Fahrzeuge mit Vorschäden eingesetzt werden bzw. Unfallfahrzeuge mehrfach
zum Einsatz gelangen, um den Gewinn zu maximieren. Die Bereicherungsabsicht
des Beschuldigten ist nach dem Gesagten klar zu bejahen. Ergänzend kann dies-
bezüglich auf die einlässlichen Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden
(Urk. 74 E. III.W.2.1), welche den Einwand des Beschuldigten, wonach er keinen
finanziellen Grund gehabt habe, die ihm vorgeworfenen Taten zu begehen
(s. Prot. I S. 27), zutreffend entkräften.
20.6. Profitmaximierung
Vorliegend ist denn auch augenfällig, dass der Beschuldigte sein Augenmerk je-
weils rasch auf die Geltendmachung seiner (unberechtigten) Schadenersatzan-
sprüche richtete und hierbei durch seine Vorgehensweise unweigerlich sein Inte-
resse an der Profitmaximierung zutage gefördert wurde, indem er auch überhöhte
Forderungen stellte, Schäden doppelt geltend machte oder auch nicht existente
Schäden anmeldete (s. hierzu auch die einlässlichen und zutreffenden Erwägun-
gen der Vorinstanz: Urk. 74 E. III.W.1.4.).
20.7. Allgemeiner Vorsatz auch betreffend Körperverletzungen
Seitens der Vorinstanz wurden alle erforderlichen Erwägungen zum ebenfalls er-
stellten Vorsatz des Beschuldigten betreffend Körperverletzungen gemacht, wes-
halb – um unnötige Wiederholungen zu vermeiden – vollumfänglich auf ihre ein-
lässlichen und zutreffenden Erwägungen (Urk. 74 E. III.W.2.2.) verwiesen werden
kann.
21. Ergebnis
Auch unter Miteinbeziehung des Vor- und Nachtatverhaltens des Beschuldigten
sowie den gemachten allgemeinen Feststellungen und Auffälligkeiten sind vorlie-
gend die Anklagesachverhalte gemäss ND4, ND5, ND10, ND12, ND13, ND20 bis
22, ND24, ND29, ND30, ND36 sowie ND37 – teilweise mit gewissen, bereits er-
wähnten Präzisierungen – erstellt. Von den Anklagesachverhalten gemäss ND9,
- 123 -
ND11, ND18, ND32 und ND34 ist der Beschuldigte demgegenüber freizuspre-
chen.
IV.Rechtliche Würdigung
A. Würdigung der Vorinstanz
Seitens der Vorinstanz wird das Verhalten des Beschuldigten rechtlich als ge-
werbsmässiger Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und Abs. 2 StGB, als mehrfa-
che, teilweise versuchte Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1
StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, als mehrfache Sachbe-
schädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 und Abs. 3 StGB sowie als mehrfache
grobe Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung
mit Art. 37 Abs. 1 SVG und Art. 12 Abs. 2 VRV (Brüskes Bremsen und Halten)
gewürdigt.
B. Mehrfache grobe Verkehrsregelverletzung (Art. 90 Abs. 2 SVG)
1. Rechtliche Grundlagen
Seitens der Vorinstanz wurden die massgebenden rechtlichen Grundlagen ein-
schliesslich Rechtsprechung zur groben Verkehrsregelverletzung in der Erschei-
nungsform eines Schikane-Stopps sowohl hinsichtlich Direktkollisionen wie auch
hinsichtlich Folgekollisionen und Hineinschieben ausführlich und zutreffend wie-
dergegeben (Urk. 74 E. IV.B.1.), weshalb vollumfänglich darauf verwiesen werden
kann.
2. Subsumption
- 124 -
Vorliegend hat der Beschuldigte mehrfach (ND4, ND5, ND10, ND13, ND20 bis 22,
ND24, ND29 sowie ND37) ohne verkehrsbedingten Grund abrupt bzw. brüsk
(meist sogar bis zum Stillstand) abgebremst, um jeweils eine Auffahrkollision zu-
mindest mit dem ihm direkt nachfolgenden Fahrzeug zu provozieren. Einherge-
hend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. IV.B.1.1.2.) verwirklichte sich
mit der jeweils herbeigeführten Kollision nicht nur die vom Beschuldigten ausge-
hende Gefährdung, sondern offenbarte dieser dadurch auch sein rücksichtsloses
und vorsätzliches Verhalten. Ähnliches gilt für die in mehreren Anklagesachver-
halten durch den Beschuldigten mittels seines Schikane-Stopps verursachten
Folgekollisionen (ND4, ND10, ND13, und ND29), wobei erwiesen ist, dass er die-
se – wiederum einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74
E. IV.B.1.2.3.) – zumindest in Kauf genommen hat. Mangels vorliegender Recht-
fertigungs- oder Schuldausschlussgründe (vgl. vorstehend E. II.E. insb. 4.1.-4.7.
u. 5.) machte sich der Beschuldigte demnach der vorsätzlichen mehrfachen gro-
ben Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung mit
Art. 37 Abs. 1 SVG und Art. 12 Abs. 2 VRV (Abbremsen) schuldig.
C. Gewerbsmässiger Betrug (Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB)
1. Rechtliche Grundlagen
Seitens der Vorinstanz wurden die massgebenden rechtlichen Grundlagen ein-
schliesslich Rechtsprechung zum gewerbsmässigen Betrug ausführlich und zu-
treffend wiedergegeben (Urk. 74 E. IV.C.1.-4.), weshalb – um unnötige Wiederho-
lungen zu vermeiden – vollumfänglich darauf verwiesen werden kann.
2. Subsumption
2.1. Täuschung
- 125 -
Indem der Beschuldigte stets ein verkehrsbedingtes Bremsen seinerseits
und/oder Fahrfehler der übrigen Beteiligten geltend machte oder jene durch akti-
ves Tun in dieser vermeintlichen Gewissheit bestärkte, spiegelte er jenen aus-
drücklich oder konkludent vor, dass die Kollision(en) aus einem verkehrsbeding-
ten Grund bzw. jedenfalls nicht durch ihn herbeigeführt worden seien bzw. ihm
diesbezüglich die Hauptverantwortung nicht zukommt. Einhergehend mit der Auf-
fassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. IV.C.1.1.2.) vermag der Umstand, dass gerade
die dem Beschuldigten folgenden Fahrzeuglenker oftmals zu wenig Abstand ein-
hielten, nichts an der Täuschung des Beschuldigten zu ändern, handelt es sich
doch beim – impliziten oder expliziten – Abschieben der Alleinschuld auf alle
nachfolgenden Fahrer immer noch um das Geltendmachen einer Teilwahrheit.
2.2. Arglist
2.2.1. Der Beschuldigte nahm seine Täuschung vorliegend arglistig vor. Es be-
steht vorliegend hinreichend Anlass, von einem eigentlichen Lügengebäude aus-
zugehen, welches der Beschuldigte errichtet hat. Aber auch wenn lediglich von
einer einfachen Lüge ausgegangen wird, erweist sich sein Verhalten als arglistig,
weil seine einfache falsche Angabe, die vorgenommene Bremsung jeweils aus ei-
nem verkehrsbedingten Grund vorgenommen zu haben, bzw. dass die Kollisionen
jedenfalls nicht durch ihn herbeigeführt worden seien, bzw. ihm diesbezüglich die
Hauptverantwortung nicht zukomme, nicht oder nur mit besonderer Mühe über-
prüfbar ist. Seitens der Vorinstanz wurde denn auch zutreffend ausgeführt
(Urk. 74 E. IV.C.1.2.2.), dass der Beschuldigte beinahe immer zu den morgendli-
chen und abendlichen Stosszeiten unterwegs war und sich so den gerichtsnotori-
schen Umstand zu Nutze gemacht hat, dass im Stoss- und Kolonnenverkehr, mit-
hin bei dichtem Verkehr, die Abstände zwischen den Fahrzeugen – insbesondere
auf der Überholspur – regelmässig nicht dem einzuhaltenden erforderlichen Min-
destabstand entsprechen. Ebenso wurde seitens der Vorinstanz zutreffend erwo-
gen, dass kein durchschnittlich vernünftiger Mensch damit rechnen muss, dass
bei relativ hohen Geschwindigkeiten und dichtem Verkehr grundlos und abrupt bis
zum Stillstand gebremst wird, nur um einen auch für den Bremsenden selbst ge-
fährlichen Auffahrunfall absichtlich zu verursachen. Die Vorinstanz trifft daraus
- 126 -
den folgerichtigen Schluss, dass es dem Beschuldigten vor diesem Hintergrund
ein Leichtes gewesen ist, die Alleinschuld auf die ihm auffahrenden Lenker abzu-
schieben, wenn er nicht gar damit rechnen konnte, dass sie die Schuld als Auffah-
rende von sich aus auf sich nehmen würden, weshalb sich auch das geplante
Ausnützen dieser Begebenheit bereits als arglistig erweist. Daran vermag – ein-
hergehend mit der zutreffenden Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. IV.C.1.2.3.)
– auch der Umstand nichts zu ändern, dass die Beteiligten zum Teil ansatzweise
Zweifel an der Version des Beschuldigten durchblicken liessen, zumal der Be-
schuldigte auch darauf vertrauen konnte, dass die Polizei nicht gegen ihn, son-
dern zufolge vermeintlich eindeutiger Unfallsituation angesichts von Art. 12 Abs. 1
VRV (ungenügender Abstand beim Hintereinanderfahren) gegen die ihn auffah-
renden Lenker ermitteln würde, bzw. wusste der Beschuldigte auch bei unterblie-
bener Avisierung der Polizei den Umstand für sich zu nutzen, dass grundsätzlich
der auffahrende Lenker als schuldig angesehen wird. Die Vorinstanz führte über-
dies zutreffend aus (Urk. 74 E. IV.C.1.2.3.), dass es den Auffahrenden verwehrt
blieb, die Angaben des Beschuldigten effektiv in Zweifel ziehen zu können, weil er
ihnen gegenüber angab, aufgrund eines vor ihm fahrenden Fahrzeugs zur Voll-
bremsung genötigt worden zu sein, wobei von vornherein klar war, dass der Len-
ker dieses angeblichen Fahrzeugs nie würde eruiert werden können.
2.2.2. Seitens der Vorinstanz wurde ferner erwogen (Urk. 74 E. IV.C.1.3.2 ff.),
dass auch bei den getäuschten Haftpflichtversicherungen der Vorfallbeteiligten
keine ins Gewicht fallende Opfermitverantwortung vorliege, welche das täuschen-
de Verhalten des Beschuldigten in den Hintergrund und die Arglist damit aus-
scheiden liesse. Diese Auffassung ist einer näheren Prüfung zu unterziehen. Ge-
mäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann bei einfachen falschen Angaben
Arglist gegeben sein, wenn im betreffenden Geschäftsbereich eine nähere Über-
prüfung typischerweise nicht üblich ist, etwa weil sie unverhältnismässig erschie-
ne und auch die konkreten Verhältnisse im Einzelfall keine besonderen Vorkeh-
rungen nahelegen oder gar aufdrängen. Mit einer engeren Auslegung des Betrug-
statbestandes würde eine sozialadäquate Geschäftsausübung und damit der Re-
gelfall des Geschäftsalltags betrugsrechtlich nicht geschützt. Der Kontrollaufwand
müsse deshalb in einem betriebswirtschaftlich vernünftigen Rahmen gehalten
- 127 -
werden können (BGE 143 IV 302 E. 1.3.3. m.w.H.). Nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung ist die Abfassung einer falschen Schadenanzeige grundsätzlich
immer arglistig. Eine allzu weitgehende Überprüfung sei dem Versicherer zumal
dann nicht zumutbar, wenn es um einen eher geringfügigen Schadensbetrag ge-
he. In solchen Fällen bedinge eine Überprüfung oft einen unverhältnismässigen,
unwirtschaftlichen Aufwand (Urteile des Bundesgerichts 6B_840/2015 vom
14. Januar 2016 E. 1.4 und 6B_447/2012 vom 28. Februar 2013 E. 2.3; BGE 143
IV 302 E. 1.3.4.). Die Erheblichkeit oder Geringfügigkeit des massgebenden
Schadensbetrages könne laut Bundesgericht nicht absolut bestimmt werden. Die
Frage sei vielmehr mit Blick auf die je spezifischen Eigenschaften der infrage ste-
henden wirtschaftlichen Vorgänge und auf das jeweilige geschäftliche Umfeld zu
beantworten (BGE 143 IV 302 E. 1.3.4. m.w.H.). Der Betrug ist ein Interaktionsde-
likt, bei welchem der Täter auf die Vorstellung des Opfers einwirkt und dieses
veranlasst, sich selbst durch die Vornahme einer Vermögensverfügung zugunsten
des Täters oder eines Dritten zu schädigen. Die Sozialgefährlichkeit der Täu-
schung ist durch eine Abwägung von Täterverschulden und Opferverantwortung
zu ermitteln. Das Mass der erwarteten Aufmerksamkeit und die damit einherge-
hende Vermeidbarkeit des Irrtums sind individuell zu bestimmen. Arglist scheidet
lediglich aus, wenn der vom Täuschungsangriff Betroffene die grundlegendsten
Vorsichtsmassnahmen nicht beachtet hat. Entsprechend entfällt der strafrechtli-
che Schutz nicht bei jeder Fahrlässigkeit des Opfers, sondern nur bei einer Leicht-
fertigkeit, welche das betrügerische Verhalten des Täters in den Hintergrund tre-
ten lässt. Die Selbstverantwortung des Opfers führt daher nur in Ausnahmefällen
zum Ausschluss der Strafbarkeit des Täuschenden (BGE 143 IV 302 E. 1.4.1.
m.w.H.). Die Beurteilung der Arglist steht letztlich in Korrelation zur Qualität der
Täuschung (vgl. BSK StGB-MAEDER/NIGGLI, Art. 146 StGB N 123).
2.2.3. Vorliegend begnügten sich die Haftpflichtversicherungsgesellschaften nicht
mit einer Schadensanzeige, sondern holten jeweils eine Expertise über den beim
Fahrzeug des Beschuldigten entstandenen Schaden ein. Daraus resultierte
schliesslich die Ausbezahlung von Haftpflichtversicherungsleistungen zu Handen
des Beschuldigten zwischen Fr. 2'100.- [ND20] und Fr. 4'939.- [ND29]. Einherge-
hend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. IV.C.1.3.2.) ist es im Rahmen
- 128 -
der Beurteilung der Opfermitverantwortung nicht zu beanstanden, dass die Versi-
cherungen bei diesen eher geringen Beträgen nicht noch aufwändige Nachfor-
schungen betrieben haben. Auch durfte die geschädigte Versicherung betreffend
ND36 hinsichtlich des (angeblich) beschädigten Mobiltelefons auf weitere Abklä-
rungen verzichten. Allerdings drängt sich die Frage auf, ob eine Haftpflichtversi-
cherung leichtfertig handelt, wenn sie ungeachtet mehrerer – teilweise sogar
gleichzeitig – bei ihr pendenter Schadensfälle keinen Verdacht schöpft, bei wel-
chem weitere Abklärungen nahegelegen wären. Diese Frage stellt sich vorliegend
insbesondere hinsichtlich der C._ AG, welche bei drei der zehn erstellten
Anklagesachverhalte und insgesamt sechs der 18 zur Anklage gebrachten Sach-
verhalte als Haftpflichtversicherung betroffen war. Selbst wenn aufgrund der damit
involvierten Beträge nicht mehr von Bagatellfällen gesprochen werden kann, ist
eine Leichtfertigkeit, welche das betrügerische Handeln des Beschuldigten in den
Hintergrund treten lässt, nicht festzustellen: So wurde seitens der Vorinstanz ein-
lässlich und zutreffend erwogen, dass sich vorliegend insgesamt keine Warnhin-
weise in den Expertisen finden lassen würden, welche die betroffene Versiche-
rung, und insbesondere die C._ AG, hätte aufhorchen lassen müssen (Urk.
74 E. IV.C.1.3.3.). Von der Vorinstanz wurde denn auch zutreffend festgestellt
(Urk. 74 E. IV.C.1.3.3.), dass weder der Umstand, dass in einem Fall [ND 20] die
Entschädigung für angeblich kaputt gegangene, mitgeführte Gegenstände abge-
lehnt wurde (Urk. D20/10/5) noch die Tatsache, dass in zwei weiteren zur Anklage
gebrachten Vorfällen (ND10 und ND11) keine Auszahlungen an den Beschuldig-
ten erfolgten, als Warnhinweise für einen fingierten Autounfall zu sehen sind.
Auch aus dem Umstand, dass seitens der Versicherungen regelmässig unter-
schiedliche Experten und Sachbearbeiter eingesetzt wurden, lässt – einherge-
hend mit der Auffassung und den einlässlichen und zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz (Urk. 74 E. IV.C.1.3.3.) – nicht auf ein Organisationsverschulden
schliessen, welches vorliegend die Täuschung des Beschuldigten in den Hinter-
grund treten zu lassen vermag. Der Umstand, dass der Beschuldigte in einigen
Fällen aufgeflogen war, führt deshalb – einhergehend mit der zutreffenden Auf-
fassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. IV.C.1.3.5.) – nicht dazu, dass in den übrigen
Fällen per se von einem ins Gewicht fallenden leichtfertigen Verhalten der Versi-
- 129 -
cherungen auszugehen wäre. Auch dass von einigen Versicherungen aus nach-
vollziehbaren Gründen Zahlungen für die Gegenstände verweigert worden waren,
gleichzeitig aber Zahlungen für den Zeitwert des Fahrzeugs geleistet wurden, er-
weist sich – erneut einhergehend mit der zutreffenden Auffassung der Vorinstanz
(Urk. 74 E. IV.C.1.3.5.) – weder als widersprüchlich noch als leichtsinnig, weil die
Erkenntnis, dass die Gegenstände nicht bei einem Unfall kaputt gehen konnten,
nicht ohne Weiteres den Schluss zulässt, dass der gesamte Unfall manipuliert
wurde. Es lässt sich demnach auch diesbezüglich keine massgebliche Leichtfer-
tigkeit seitens der involvierten Haftpflichtversicherungen erkennen. Die Arglistig-
keit der Täuschungen des Beschuldigten ist somit auch nach der Prüfung der Op-
fermitverantwortung zu bejahen.
2.3. Irrtum
Der Beschuldigte versetzte mit seinen arglistigen Täuschungen nicht nur seine
Kollisionspartner, sondern auch weitere Beteiligte wie die avisierten Polizisten und
schliesslich – auch unter Tätigung weiterer täuschender Angaben gegenüber den
Experten und Sachbearbeitern – die involvierten Versicherungen in einen Irrtum.
Dieser besteht darin, dass diese Beteiligten aufgrund des Verhaltens des Be-
schuldigten fälschlicherweise davon ausgingen, dass die jeweils in Frage stehen-
de Kollision nicht durch die absichtlich und ohne verkehrsbedingten Grund erfolg-
te Bremsung des Beschuldigten, sondern allein auf die mangelnde Achtsamkeit
der ihm auffahrenden Kollisionspartner zurückzuführen sei, was gestützt auf Ge-
setz bzw. Vertrag Schadenersatzzahlungen durch die Haftpflichtversicherer der
Kollisionspartner nach sich zog.
2.4. Versuch
Wie bereits erwähnt (vorstehend unter E. IV.C.2.2.3.) kam es in mehreren Fällen
nicht zu einer Zahlung seitens der Versicherungen an den Beschuldigten bzw.
nicht im beantragten Umfang: Wie seitens der Vorinstanz zutreffend ausgeführt
wurde (Urk. 74 E. IV.C.1.4.3. u. 1.4.4.), ist der Umstand, dass der zur Vollendung
der Tat notwendige Erfolg in diesen Fällen nicht eintrat, nicht auf ein Tätigwerden
des Beschuldigten – und schon gar nicht aus eigenem Antrieb – zurückzuführen,
- 130 -
sondern vielmehr dem Zufall oder der Achtsamkeit der involvierten Personen sei-
tens der Versicherungen zuzuschreiben. So legte die Vorinstanz zutreffend dar
(Urk. 74 E. IV.C. 1.4.3. u. 1.4.4.), dass die Versicherung beim Vorfall ND 10 reali-
sierte, dass der Zeitwert in einem kurz zuvor erledigten Fall (ND 8) bereits ausbe-
zahlt worden war bzw. stiess der Beschuldigte mit der Geltendmachung von
Schadenersatz für einen angeblich kaputt gegangenen Fernseher [ND 11] bzw.
für ein angeblich kaputt gegangenes Mobiltelefon bzw. Laptop [ND 20] auf Wider-
stand seitens der Versicherung, woraufhin Schadenersatzzahlungen ausblieben.
In diesen Fällen trat der anvisierte Irrtum nicht ein, weshalb es beim Versuch
blieb, wobei dieser im vollendeten gewerbsmässigen Betrug aufgeht (vgl.
BGE 123 IV 117; s. nachstehend unter E. 2.8. u. 2.9.).
2.5. Vermögensdisposition und -schaden
Seitens der Vorinstanz wurde zutreffend dargelegt (Urk. 74 E. IV.C.1.5.2. u.
1.5.3.), dass die durch den Beschuldigten arglistig in einen Irrtum versetzten Pri-
vatpersonen und Versicherungen gestützt darauf Zahlungen an den Beschuldig-
ten veranlassten oder – bei den Versicherungsnehmern allenfalls im Umfang des
Selbstbehalts bzw. der Mehrprämie – damit im Zusammenhang stehende Zahlun-
gen zu vergegenwärtigen hatten, in welchem Umfang – bei den Versicherungen
abzüglich der vom Versicherungsnehmer zu tragenden Selbstbehalte bzw. Mehr-
prämien – sie sich selbst am Vermögen schädigten.
2.6. Subjektiver Tatbestand
Der Beschuldigte handelte vorliegend mit Wissen und Willen hinsichtlich aller ob-
jektiven Tatbestandsmerkmale und deshalb vorsätzlich. Entgegen der Auffassung
der Vorinstanz (vgl. Urk. 74 E. IV.C.2.1.3.) musste der Beschuldigte auch davon
ausgehen, dass ein Teil der Versicherungsnehmer einen Selbstbehalt bzw. eine
Mehrprämie zu vergegenwärtigen hatten, weshalb auch diesbezüglich ein direkt-
und nicht etwa ein eventualvorsätzliches Handeln vorliegt. Zudem steht ausser
Frage, dass der Beschuldigte sich durch sein Handeln wirtschaftlich besserstellen
wollte, weshalb auch die Bereicherungsabsicht gegeben ist.
- 131 -
2.7. Keine Privilegierung
Eine seitens der Verteidigung – auch anlässlich der Berufungsverhandlung – gel-
tend gemachte (Urk. 63 S. 24 f.; Urk. 117 S. 18) Privilegierung infolge Geringfü-
gigkeit im Sinne von Art. 146 i.V.m. Art. 172ter StGB, woraus die Verjährung des
entsprechenden Betrugs folge, fällt ausser Betracht, da sich der Vorsatz des Be-
schuldigten hinsichtlich der in Frage stehenden ND 36 und ND 37 auf einen nicht
mehr als geringfügig einzustufenden Betrag richtete (vgl. vorstehend unter
E. III.E.3.2.3. u. E. III.E.19.2.7. und die dortigen Verweise auf die zutreffenden
Erwägungen der Vorinstanz: Urk. 74 E. III.V.2.2.1. u. 2.2.3.).
2.8. Qualifizierung (Gewerbsmässigkeit)
2.8.1. Der Beschuldigte provozierte zwischen dem 9. Juni 2011 und dem 27. April
2013, mithin in einem Zeitraum von weniger als zwei Jahren, insgesamt zehn Auf-
fahrunfälle und kassierte seitens der Haftpflichtversicherer bzw. Privatpersonen
insgesamt knapp über Fr. 28'000.-, was pro Monat einen Betrag von rund
Fr. 1'200.- ergibt.
2.8.2. Aus diesen Eckwerten ergibt sich ohne Weiteres, dass der Beschuldigte be-
rufsmässig handelte. So ist in diesem Zusammenhang zu beachten, dass gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung bereits ein angestrebtes deliktisches Ein-
kommen von monatlich Fr. 1'000.- für die Annahme der Gewerbsmässigkeit ge-
nügt (BGE 119 IV 129 E. 3.b). Der Beschuldigte hat sich durch sein strafbares
Verhalten von einiger Intensität ein regelmässiges Zusatzeinkommen verschafft,
wobei er eine bestimmte Methode anwandte und planmässig vorging. Zudem hat-
te er sich darauf eingerichtet, durch die von ihm provozierten Auffahrunfälle Ein-
künfte zu erzielen, die einen namhaften Beitrag an die Kosten zur Finanzierung
seiner Lebensgestaltung darstellten. Der Beschuldigte konnte dadurch sein regu-
läres Einkommen von etwas mehr als Fr. 4'000.- (vgl. auch Prot. I S. 2) um deut-
lich mehr als 20 % aufbessern. An dieser Einschätzung vermag auch der Um-
stand nichts zu ändern, dass an seinen Fahrzeugen gewisse Reparaturen vorzu-
nehmen waren, weil einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74
E. IV.C.4.3.) davon auszugehen ist, dass er die meisten Reparaturen an den be-
- 132 -
schädigten Autos selbst ausführte, weshalb sein Gewinn nur unwesentlich tiefer
ausgefallen sein dürfte.
3. Fazit
Mangels Vorliegens von Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründen (vgl.
vorstehend E. II.E. insb. 4.1.-4.7. u. 5.) machte sich der Beschuldigte demnach
des gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und Abs. 2 StGB
schuldig.
D. Mehrfache Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 StGB)
1. Rechtliche Grundlagen
Seitens der Vorinstanz wurden die massgebenden rechtlichen Grundlagen ein-
schliesslich Rechtsprechung zur (einfachen) Körperverletzung gemäss Art. 123
Ziff. 1 StGB sowie zum Versuch gemäss Art. 22 Abs. 1 StGB ausführlich und zu-
treffend wiedergegeben (Urk. 74 E. IV.D.), weshalb vollumfänglich darauf verwie-
sen werden kann.
2. Subsumption
2.1. Vorliegend hat der Beschuldigte durch sein Verhalten – mit Ausnahme von
ND 20, wo keine Körperverletzung angeklagt wurde, sowie ND24, wo der ent-
sprechende Strafantrag zurückgezogen wurde (vgl. vorstehend unter
E. III.E.13.6.1.) – die körperliche Integrität mehrerer kollisionsbeteiligter Personen
im Sinne des angeklagten Tatbestandes beeinträchtigt: So erlitten BO._
[ND10] eine HWS-Distorsion Grad II mit einer hundertprozentigen Arbeitsunfähig-
keit vom 23. bis 26 Februar 2012 (Urk. D10/13/4–6), CB._ [ND 13] ein Be-
schleunigungstrauma (inkl. monatelanger Nackenschmerzen) mit einer dreitägi-
gen Arbeitsunfähigkeit (Urk. D13/16/11 u. 12; Urk. D13/23/1) und P._
[ND 29] mehrtägige Kopf-, Brust- und Nackenschmerzen sowie Schwindel
(Urk. D29/19/3 bzw. Urk. D29/19/10).
- 133 -
2.2. Auch im Übrigen hat der Beschuldigte bei den erstellten Anklagesachver-
halten – mit Ausnahme von ND 20, wo keine Körperverletzung angeklagt wurde
sowie ND24, wo der entsprechende Strafantrag zurückgezogen wurde (vgl. vor-
stehend unter E. III.E.13.6.1.) – die kausale Ursache für die Herbeiführung einfa-
cher Körperverletzungen bei allen Kollisionsbeteiligten gesetzt, auch wenn letzt-
lich keine Beeinträchtigung der körperlichen Integrität erfolgte.
2.3. Der Beschuldigte brachte vor, dass er keinen Fehler gemacht habe und
niemanden habe verletzen wollen (Urk. 14/4 S. 13) bzw. niemanden zu Tode ge-
fahren habe und den Menschen generell nie etwas Böses habe antun wollen
(Urk. 14/7 S. 5). Er gestand aber zu, dass er Glück gehabt habe, nicht verletzt
worden zu sein, und dass die Anderen auch nicht verletzt worden seien (Urk 14/4
S. 8). Abgesehen davon, dass letztere Aussage insofern tatsachenwidrig ist, als
aus den erstellten Anklagesachverhalten Verletzte zu beklagen waren, geht dar-
aus ohne Weiteres hervor, dass der Beschuldigte einfache Körperverletzungen
bei den Kollisionsbeteiligten in Kauf nahm, zumal er auch aus seiner Perspektive
auf Glück angewiesen war, damit durch sein erstelltes Verhalten den Vorfallbetei-
ligten keine Verletzungen beigefügt wurden. Ihm ist aber gleichzeitig zuzugeste-
hen, dass er durch seine Delinquenz primär geldwerte Vorteile erzielen woll-
te. Hinsichtlich der Körperverletzungen handelte er lediglich – aber immerhin –
eventualvorsätzlich, wobei es – einhergehend mit der zutreffenden Auffassung
der Vorinstanz (Urk. 74 E. IV.D.2.3.) – allein dem Zufall zu verdanken ist, dass die
Zahl der Verletzten nicht noch höher ausgefallen ist, es mithin bei diversen Ver-
suchen blieb, welche er ebenfalls in Kauf genommen hatte. Mit der Vorinstanz
(Urk. 74 E. IV.D.3.) ist jeweils das Vorliegen eines leichten Falles im Sinne von
Art. 123 Ziff. 1 Abs. 2 StGB angesichts der Vorgehensweise des Beschuldigten al-
lerdings auszuschliessen.
3. Fazit
Mangels Vorliegens von Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründen (vgl.
vorstehend E. II.E. insb. 4.1.-4.7. u. 5.) machte sich der Beschuldigte demnach
der mehrfachen, teilweise versuchten Körperverletzung im Sinne von Art. 123
Ziff. 1 Abs. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig.
- 134 -
E. Mehrfache Sachbeschädigung (Art. 144 StGB)
1. Rechtliche Grundlagen
Seitens der Vorinstanz wurden die massgebenden rechtlichen Grundlagen zur
Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 bzw. Abs. 3 StGB zutreffend wieder-
gegeben (Urk. 74 E. IV.E.), weshalb vollumfänglich darauf verwiesen werden
kann. Ergänzend ist auf die vorstehenden, sich insbesondere auf den grossen
Schaden gemäss Art. 144 Abs. 3 StGB beziehenden Erwägungen zu verweisen
(E. II.C.4.3.-4.5.). Entgegen der Auffassung der Vorinstanz ist vorliegend – wie
bereits ausgeführt (E. II.C.4.5.) – nicht insgesamt von einem grossen Schaden
auszugehen. Die Voraussetzungen für die Annahme eines solchen sind vielmehr
für jeden einzelnen erstellten Anklagesachverhalt zu prüfen.
2. Subsumption
2.1. Indem der Beschuldigte in den erstellten Anklagesachverhalten eine Brem-
sung seines Fahrzeugs vornahm, setzte er die kausale Ursache für die Beschädi-
gungen der Automobile der Kollisionsbetroffenen, womit der objektive Tatbestand
erfüllt wurde. Im Einzelnen erlitten folgende Kollisionsbeteiligte einen Sachscha-
den gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB: AG._ im Betrag von Fr. 1'000.- (ND4: vgl.
vorstehend E. III.E.4.4.2.), AW._ im Betrag von Fr. 4'000.- (ND4: vgl. vorste-
hend E. III.E.4.4.3.), L._ im Betrag von Fr. 6'617.- (ND5: vgl. vorstehend
E. III.4.4.3.), O._ im Betrag von Fr. 3'627.- (ND21: vgl. vorstehend
E. III.E.7.4.3.), J._ AG im Betrag von Fr. 4'127.- (ND22: vgl. vorstehend
E. III.6.4.3.), BP._ von Fr. 2'642.- (ND10: vgl. vorstehend E. III.E.12.4.4.),
S._ im Betrag von Fr. 5'000.- (ND24: vgl. vorstehend unter E. III.E.13.6.3.),
P._ im Betrag von Fr. 7'500.- (ND29: vgl. vorstehend unter E. III.E.18.4.2.),
sowie T._ von Fr. 1'500.- (ND37: vgl. vorstehend unter E. III.E.19.4.1.).
2.2. Durch dieselbe Vorgehensweise hat der Beschuldigte ferner in zwei Fällen
einen grossen Schaden im Sinne von Art. 144 Abs. 3 StGB verursacht, weil die
diesbezüglich vom Bundesgericht gesetzte Schwelle von Fr. 10'000.- jeweils deut-
lich überschritten wurde: Einerseits zu Ungunsten von M._ im Betrag von
Fr. 18'200.- (ND29: vgl. vorstehend unter E. III.E.18.4.2.) und andererseits zu
- 135 -
Lasten der D._ AG im Betrag von Fr. 18'000.- (ND29: vgl. vorstehend unter
E. III.E.18.4.2.).
2.3. In subjektiver Hinsicht ist massgebend, dass der Beschuldigte zwecks
Herbeiführens einer Beschädigung an seinem eigenen Auto zumindest die direk-
ten Kollisionen verursachen wollte und um die damit verbundene Verursachung
von Sachschäden an den betroffenen Fahrzeugen wusste. Dabei nahm er sowohl
einen grossen Schaden wie auch einen Sachschaden weiterer Kollisionsbeteilig-
ter in Kauf.
3. Fazit
Mangels Vorliegens von Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründen (vgl.
vorstehend E. II.E. insb. 4.1.-4.7. u. 5.) machte sich der Beschuldigte demnach
der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 und teilweise im
Sinne von Abs. 3 StGB schuldig.
F. Ergebnis
Der Beschuldigte ist aufgrund der gemachten Erwägungen
- des gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und Abs. 2
StGB;
- der mehrfachen, teilweise versuchten Körperverletzung im Sinne von
Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB;
- der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 und teil-
weise im Sinne von Abs. 3 StGB; sowie
- der mehrfachen groben Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 2
SVG in Verbindung mit Art. 37 Abs. 1 SVG und Art. 12 Abs. 2 VRV (Ab-
bremsen)
schuldig zu sprechen. Hinsichtlich der Nebendossiers ND9, ND11, ND18, ND32
und ND34 ist der Beschuldigte im Sinne der vorstehenden Erwägungen freizu-
sprechen.
- 136 -
V.Sanktion
A. Anwendbares Sanktionsrecht
1. Seit dem 1. Januar 2018 ist das revidierte Sanktionenrecht in Kraft (AS 2016
1249; BBI 2012 4721). Der Beschuldigte beging alle in Frage stehenden Delikte
indes vor dem Inkrafttreten des neuen Rechts. Gemäss Art. 2 Abs. 1 StGB wird
derjenige nach dem neuen Recht beurteilt, wer nach dessen Inkrafttreten ein Ver-
brechen oder Vergehen begeht. Wurde das Verbrechen oder Vergehen bereits
vor Inkrafttreten des neuen Rechts begangen, so ist dieses nur anwendbar, wenn
es für den Beschuldigten das mildere ist (Art. 2 Abs. 2 StGB).
2. Vorliegend ist der Beschuldigte nach neuem Recht nicht milder zu beurtei-
len, weshalb Art. 2 Abs. 2 StGB nicht einschlägig und das alte Recht anzuwenden
ist.
B. Strafrahmen
1. Die tat- und täterangemessene Strafe ist – wie seitens der Vorinstanz zutref-
fend festgehalten wurde (Urk. 74 E. V.A.1.1 und 1.5.) – grundsätzlich innerhalb
des ordentlichen Strafrahmens der schwersten anzuwendenden Strafbestimmung
festzusetzen. Dieser Rahmen ist vom Gesetzgeber in aller Regel sehr weit ge-
fasst worden, um sämtlichen konkreten Umständen Rechnung zu tragen. In casu
drängt sich – mit der Vorinstanz – denn auch keine Erweiterung des ordentlichen
Strafrahmens auf.
2. Vorliegend besteht – mit der Vorinstanz (Urk. 74 E. V.B.1.1.) – hinsichtlich
des gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB die
höchste abstrakte Strafandrohung, nämlich Geldstrafe von nicht unter 90 Tages-
sätzen bis 10 Jahre Freiheitsstrafe. Hiervon ist vorliegend – entgegen der Ansicht
der Vorinstanz, welche unter Berücksichtigung von Art. 144 Abs. 3 StGB eine
Mindeststrafe von einem Jahr vorsieht (Urk. 74 E. V.B.1.) – auszugehen. Bei der
Bildung der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB hat der Richter in einem ers-
ten Schritt den Strafrahmen für die schwerste Straftat zu bestimmen und alsdann
die Einsatzstrafe für diese Tat, unter Einbezug aller straferhöhenden und straf-
- 137 -
mindernden Umstände, innerhalb dieses Strafrahmens festzusetzen. In einem
zweiten Schritt hat er diese Einsatzstrafe unter Einbezug der anderen – gleichar-
tigen – Straftaten in Anwendung des Asperationsprinzips angemessen zu einer
Gesamtstrafe zu erhöhen, wobei er ebenfalls den jeweiligen Umständen Rech-
nung zu tragen hat (Urteil des Bundesgerichts 6B_483/2016 vom 30. April 2018
E. 3.5.1. m.w.H.).
C. Strafzumessungsfaktoren
Seitens der Vorinstanz wurden die zu den Kriterien der Strafzumessung nötigen
theoretischen Ausführungen gemacht. Darauf (Urk. 74 E. V.A.1.) und auf die ak-
tuelle Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Thema (BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.,
135 IV 130 E. 5.3.1 und 132 IV 102 E. 8.1, je mit Hinweisen) kann vorab verwie-
sen werden. Zutreffend wurde auch festgehalten, dass zwischen der Tat- und Tä-
terkomponente sowie der objektiven und subjektiven Tatschwere zu unterschei-
den ist (s. Urk. 74 E. V.A.3.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Zutreffend und im Einklang mit
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (z.B. Urteil des Bundesgerichts
6B_865/2009 vom 25. März 2010 E. 1.6.1.) wurde seitens der Vorinstanz vorge-
sehen (Urk. 74 E. V.B.4.), die Täterkomponente für alle Delikte gesamthaft zu
würdigen.
D. Konkrete Strafzumessung
1. Gewerbsmässiger Betrug
1.1. Objektive Tatschwere
Hinsichtlich der objektiven Tatschwere fällt erheblich verschuldenserschwerend
ins Gewicht, dass die Täuschungshandlung – die Provokation eines Auffahrunfal-
les – als äusserst raffiniert und perfid zu bezeichnen ist. Auch das weitere delikti-
sche Vorgehen des Beschuldigten erweist sich als geplant, zielgerichtet und von
einer hohen kriminellen Energie gezeichnet, was ebenfalls zu Ungunsten des Be-
schuldigten zu vermerken ist, zumal auch das Risiko, dass sein täuschendes
Handeln entlarvt werden könnte, sehr gering war. Der Umstand, dass der Be-
schuldigte über einen langen Zeitraum und – mit elf Einzeldelikten – häufig delin-
- 138 -
quierte, wirkt sich ebenfalls deutlich verschuldenserschwerend aus. Demgegen-
über erweist sich der Deliktsbetrag von rund Fr. 28'000.-, insbesondere gemessen
am betriebenen Aufwand, als eher geringfügig, was sich ebenso deutlich zu
Gunsten des Beschuldigten auswirkt wie die Tatsache, dass die Schwelle zum
gewerbsmässigen Handeln lediglich knapp überschritten wurde. Die objektive
Tatschwere erweist sich nach dem Gesagten – vor dem Hintergrund des weiten
Strafrahmens – als keineswegs mehr leicht. Es erweist sich als angemessen,
hierfür eine (hypothetische) Einsatzstrafe von 2 Jahren anzusetzen.
1.2. Subjektive Tatschwere
In subjektiver Hinsicht ist massgebend, dass der Beschuldigte jeweils direktvor-
sätzlich handelte. Sein Motiv war rein finanzieller und damit egoistischer Art und
es ist keinerlei Einschränkung seiner Entscheidungsfreiheit festzustellen. Einher-
gehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. V.B.2.2.) erscheint bemer-
kenswert, dass sich der Beschuldigte auch von Rückschlägen (wie verweigerte
Versicherungsleistungen) oder (angeblich) eigens erlittenen Verletzungen nicht
von seinem Vorhaben abbringen liess, was die Beharrlichkeit seiner Delinquenz
betont. Insgesamt ergeben sich aus der Würdigung der subjektiven Tatschwere
keine Umstände, welche die objektive zu relativieren vermögen. Es bleibt damit
bei einer (hypothetischen) Einsatzstrafe von 2 Jahren.
2. Mehrfache grobe Verkehrsregelverletzung
2.1. Objektive Tatschwere
In Bezug auf die Würdigung der objektiven Tatschwere der groben Verkehrsre-
gelverletzungen fällt ebenfalls deutlich verschuldenserschwerend ins Gewicht,
dass der Beschuldigte innerhalb von weniger als zwei Jahren zehn Mal absichtlich
eine Kollision verursachte. Zu seinen Ungunsten wirkt sich ausserdem – einher-
gehend mit der Einschätzung der Vorinstanz (Urk. 74 E. V.B.3.1.1.) – der Um-
stand aus, dass der Beschuldigte nicht nur ihm unmittelbar nachfolgende, son-
dern überdies eine unbestimmte Anzahl weiterer Verkehrsteilnehmer – in enor-
men Masse – gefährdete und volkswirtschaftlich kaum bezifferbare Kosten nur
- 139 -
schon in Form von Staustunden verursachte. Sein Verhalten zeugt insgesamt von
einer sehr hohen kriminellen Energie, welche im oberen Drittel des für diesen
Straftatbestand vorgesehenen Strafe einzuordnen ist.
2.2. Subjektive Tatschwere
In subjektiver Hinsicht ist auch hier in erster Linie massgebend, dass der Be-
schuldigte – was bei Anwendung dieses Tatbestandes die grosse Ausnahme dar-
stellt – jeweils direktvorsätzlich handelte und sein Motiv rein finanzieller und damit
egoistischer Art war. Auch hinsichtlich der groben Verkehrsregelverletzungen ist
keinerlei Einschränkung seiner Entscheidungsfreiheit festzustellen. Erneut liess
sich der Beschuldigte auch von Rückschlägen bzw. eigens erlittenen Verletzun-
gen nicht von seinem Vorhaben abbringen, was die Beharrlichkeit seiner Delin-
quenz betont. Aus der Würdigung der subjektiven Tatschwere ergeben sich keine
Umstände, welche die objektive zu relativieren vermögen. Isoliert betrachtet hat
der Beschuldigte hinsichtlich der groben Verkehrsregelverletzungen ein schweres
Verschulden zu vergegenwärtigen, wofür eine (hypothetische) Einsatzstrafe von
2 1⁄4 Jahren einzusetzen wäre.
2.3. Asperation
Asperiert mit der für den gewerbsmässigen Betrug vorgesehenen Einsatzstrafe
rechtfertigt sich angesichts der mehrheitlichen jeweiligen Tateinheit eine deutliche
Reduktion auf 11⁄2 Jahre Freiheitsstrafe, womit sich insgesamt eine Freiheitsstrafe
von 31⁄2 Jahren ergibt.
3. Mehrfache, teils versuchte Körperverletzung
3.1. Objektive Tatschwere
In Bezug auf die Würdigung der objektiven Tatschwere der (teilweise versuchten)
einfachen Körperverletzungen ist zu Ungunsten des Beschuldigten zu gewichten,
dass er letztlich die körperliche Integrität dreier kollisionsbeteiligter Personen im
Sinne des fraglichen Tatbestandes tatsächlich beeinträchtigte, wobei überdies
noch viele weitere hätten verletzt werden können und es allein dem Zufall zu ver-
- 140 -
danken ist, dass die Zahl der Verletzten nicht um einiges höher ausgefallen ist.
Deutlich verschuldenserschwerend wirkt sich – auch hier – die Tatsache aus,
dass der Beschuldigte in insgesamt zehn Fällen delinquierte. Zu seinen Gunsten
ist der Umstand zu würdigen, dass die tatsächlich erlittenen Verletzungen jeweils
lediglich die Arbeitsunfähigkeit bzw. eine wesentliche Beeinträchtigung von weni-
gen Tagen nach sich zogen.
3.2. Subjektive Tatschwere
Der Beschuldigte handelte eventualvorsätzlich, was zu seinen Gunsten zu ge-
wichten ist. Deshalb vermag die Beurteilung der subjektiven Tatschwere die ob-
jektive etwas zu relativieren. Insgesamt erweist sich das Verschulden des Be-
schuldigten als mittelschwer.
3.3. Versuch als verschuldensunabhängige Komponente
Ferner wirkt sich die verschuldensunabhängige Komponente des in der Mehrheit
der Fälle vorliegenden Versuchs geringfügig zu Gunsten des Beschuldigten aus,
zumal es – wie bereits erwähnt – lediglich dem Zufall zu verdanken war, dass die
Zahl der Verletzten nicht noch um einiges höher ausfiel. Isoliert betrachtet würde
sich hinsichtlich der (teilweise versuchten) einfachen Körperverletzungen eine
(hypothetische) Einsatzstrafe von 1 1⁄4 Jahren Freiheitsstrafe rechtfertigen.
3.4. Asperation
Asperiert mit der für den gewerbsmässigen Betrug und die groben Verkehrsregel-
verletzungen vorgesehenen Einsatzstrafe rechtfertigt sich angesichts der mehr-
heitlichen jeweiligen Tateinheiten eine deutliche Reduktion auf 6 Monate Frei-
heitsstrafe, womit sich insgesamt eine Freiheitsstrafe von 4 Jahren ergibt.
4. Mehrfache Sachbeschädigung
4.1. Objektive Tatschwere
- 141 -
In objektiver Hinsicht wirkt sich hinsichtlich der vom Beschuldigten begangenen
Sachbeschädigungen deutlich verschuldenserschwerend aus, dass er in zahlrei-
chen Fällen tatbestandsmässig handelte und insgesamt eine beträchtliche De-
liktssumme von mehr als Fr. 70'000.- verursachte, wobei er in zwei Fällen die
Schwelle zu einem grossen Schaden gemäss Art. 144 Abs. 3 StGB jeweils deut-
lich überschritt. Die angewandte kriminelle Energie erweist sich als hoch.
4.2. Subjektive Tatschwere
Der Beschuldigte handelte aus rein egoistischen Motiven und mindestens eventu-
alvorsätzlich. Die subjektive Tatschwere vermag die objektive demnach etwas zu
relativieren. Sein Verschulden erweist sich insgesamt als gerade noch leicht. Iso-
liert betrachtet wäre für die begangenen Sachbeschädigungen eine Freiheitsstrafe
von 15 Monaten festzusetzen.
4.3. Asperation
Asperiert mit der für den gewerbsmässigen Betrug, die groben Verkehrsregelver-
letzungen und die (teilweise versuchten) Körperverletzungen vorgesehenen Ein-
satzstrafe rechtfertigt sich angesichts der jeweiligen Tateinheiten eine deutliche
Reduktion auf 3 Monate Freiheitsstrafe, womit sich insgesamt eine Freiheitsstrafe
von 41⁄4 Jahren ergibt.
5. Täterkomponente
5.1. Zum Vorleben und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten kann
vorab auf die entsprechenden und zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz
(Urk. 74 E. V.B.4.1.) verwiesen werden. Seit Ergehen des vorinstanzlichen Urteils
haben sich seine persönlichen Verhältnisse nicht geändert, sondern wurden von
ihm anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigt (Prot. II S. 12 ff.). Aus den
persönlichen Verhältnissen ergeben sich keine strafzumessungsrelevanten Fakto-
ren.
5.2. Der Beschuldigte verfügt über eine Vorstrafe (Urk. 121): Er wurde am 6. Juli
2011 wegen fahrlässiger grober Verkehrsregelverletzung infolge Überschreitung
- 142 -
der Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h um 29 km/h (Urk. 1/2/6) zu einer Geld-
strafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 40.- verurteilt, wobei die Hälfte bedingt ausge-
sprochen wurde unter Ansetzung einer Probezeit von drei Jahren. Deutlich zu
Ungunsten des Beschuldigten fällt diesbezüglich ins Gewicht, dass es sich hierbei
um eine einschlägige Vorstrafe handelt und der Beschuldigte bereits drei Wochen
danach – und somit während laufender Probezeit – weiter delinquierte, was seine
Unbelehrbarkeit offenbart. Andererseits ist zu Gunsten des Beschuldigten zu ver-
anschlagen, dass diese Vorstrafe bereits längere Zeit zurückliegt. Es rechtfertigt
sich vorliegend unter Würdigung der aufgezeigten Umstände eine Straferhöhung
um 3 Monate.
5.3. Beim Nachtatverhalten ist dem Verhalten des Täters nach der Tat und im
Strafverfahren Rechnung zu tragen. Ein Geständnis, das kooperative Verhalten
eines Täters bei der Aufklärung von Straftaten sowie die Einsicht und Reue wir-
ken strafmindernd. Dabei können umfangreiche und prozessentscheidende Ge-
ständnisse eine Strafreduktion von bis zu einem Drittel bewirken (BGE 121 IV 202
E. 2d/cc). Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann ein Geständnis
bei der Analyse des Nachtatverhaltens im Rahmen der Strafzumessung zuguns-
ten des Täters berücksichtigt werden, wenn es Ausdruck von Einsicht und Reue
ist. Ein Verzicht auf Strafminderung kann sich demgegenüber aufdrängen, wenn
das Geständnis die Strafverfolgung nicht erleichtert hat, namentlich weil der Täter
nur aufgrund einer erdrückenden Beweislage oder erst nach Ausfällung des erst-
instanzlichen Urteils gestand (Urteile des Bundesgerichts 6B_426/2010 vom
22. Juli 2010 E. 1.5, 6B_558/2011 vom 21. November 2011 E. 2.3 und
6B_853/2013 vom 20. November 2014 E. 2.4.7).
Vorliegend zeigte sich der Beschuldigte weder geständig, noch reuig oder beson-
ders kooperativ, weshalb sich sein Nachtatverhalten im Rahmen der Strafzumes-
sung nicht zu seinen Gunsten auszuwirken vermag. Im Sinne von Art. 48 lit. e
StGB ist allerdings zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte sich seit 2013
wohlverhalten hat. Dem ist mit einer Strafmilderung von 6 Monaten Rechnung zu
tragen.
- 143 -
5.4. Die beschuldigte Person hat einen verfassungs- und menschenrechtli-
chen Anspruch darauf, dass ein gegen sie eingeleitetes Strafverfahren innert an-
gemessener Frist zum Abschluss gebracht wird (Art. 29 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 1
EMRK). Ausdruck davon ist das Beschleunigungsgebot gemäss Art. 5 Abs. 1
StPO. Der relevante Zeitraum für die Beurteilung einer vermeidbaren Überlänge
der Verfahrensdauer beginnt in dem Zeitpunkt, in welchem die beschuldigte Per-
son Kenntnis vom Strafverfahren erhält und endet mit Rechtskraft des letzt-
instanzlichen Urteils. Die Unangemessenheit der Verfahrensdauer ergibt sich aus
einer Gesamtwürdigung verschiedener Kriterien, wie die Schwere des Tatvor-
wurfs, die Komplexität des Sachverhalts, die dadurch notwendigen Untersu-
chungshandlungen, das Verhalten des Beschuldigten und der Strafbehörden so-
wie die Belastungen, denen der Beschuldigte ausgesetzt war (BSK StPO-
SUMMERS, Art. 5 StPO N 2 ff. m.w.H.; BGE 122 IV 103 E. I.4). Eine Verletzung des
Beschleunigungsgebots hat grundsätzlich eine Reduktion des Strafmasses bis hin
zu einem Absehen der Strafe zur Folge (BGE 117 IV 124 E. 3 u. 4).
Zu Gunsten des Beschuldigten fällt vorliegend nicht unerheblich ins Gewicht, dass
sich das – für den Beschuldigten erkennbare – Straf- und Gerichtsverfahren über
einen längeren Zeitraum, nämlich bis heute rund acht Jahre, erstreckte: Nachdem
aufgrund eines Vorfalls vom 7. November 2012 (ND 16) zuerst am 10. April 2013
(Urk. D1 1/1) ein polizeiinterner Ermittlungsbericht fertiggestellt wurde, kam es am
23. Mai 2013 zur Verhaftung des Beschuldigten (Urk. 25/3). Angesichts der be-
trächtlichen Delinquenz des Beschuldigten und unter Berücksichtigung der erfor-
derlichen sehr komplexen Sachverhaltsabklärungen und auch der vor Berufungs-
instanz zu veranlassenden Ergänzung des Gutachtens erweist sich die Verfah-
rensdauer bis zum heutigen zweitinstanzlichen Urteil zwar als lange, aber nicht
als überlang. Deshalb liegt gerade noch keine Verletzung des Beschleunigungs-
gebots vor, welcher mittels einer Strafminderung Rechnung zu tragen wäre.
6. Gesamtstrafe und Vollzug
Es rechtfertigt sich vorliegend, den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von
4 Jahren als Gesamtstrafe zu bestrafen, welche zu vollziehen ist (Art. 42 f. StGB
- 144 -
e contrario). Auf die auszufällende Freiheitsstrafe sind dem Beschuldigten die er-
standene Haft von 91 Tagen im Sinne von Art. 51 StGB anzurechnen.
VI. Widerruf
Die Staatsanwaltschaft beantragte vor Vorinstanz den Widerruf der mit Strafbefehl
der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 6. Juli 2011 verhängten Geldstrafe
von 20 Tagessätzen zu Fr. 40.-, wovon der Vollzug von 10 Tagessätzen unter
Ansetzung einer Probezeit von drei Jahren aufgeschoben worden war (Urk. 61
S. 1 f.). Anlässlich der Berufungsverhandlung beantragte sie, vom Widerruf sei
abzusehen (Urk. 123 S. 1). Da seit Ablauf der Probezeit mehr als drei Jahre ver-
gangen sind, darf der Widerruf gestützt auf Art. 46 Abs. 5 aStGB vorliegend nicht
mehr angeordnet werden.
VII. DNA Profil
A. Die Staatsanwaltschaft beantragte vor Vorinstanz ferner die Abnahme einer
DNA-Probe des Beschuldigten und die Erstellung eines DNA-Profils (Urk. 61 S. 1
f.), welchem Begehren seitens der Vorinstanz entsprochen wurde (vgl. Urk. 74
E. VII.).
B. Seitens der Vorinstanz wurden die massgebenden theoretischen Ausfüh-
rungen zutreffend gemacht (Urk. 74 E. VII.1.), weshalb vorab vollumfänglich da-
rauf verwiesen werden kann. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist die
Erstellung eines DNA-Profils, das nicht der Aufklärung der Anlass dazu gebenden
Straftaten eines laufenden Strafverfahrens dient, nur dann verhältnismässig,
wenn erhebliche und konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Beschul-
digte in andere – auch künftige – Delikte verwickelt sein könnte. Dabei muss es
sich allerdings um Delikte von einer gewissen Schwere handeln (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 1B_242/2020 vom 2. September 2020 E. 3.2). Diese Vorausset-
zungen sind vorliegend nicht erfüllt. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz er-
weist sich die Abnahme einer DNA-Probe zwecks Erstellung eines DNA-Profils in
diesem Fall somit nicht als sachgerecht, weshalb davon abzusehen ist.
- 145 -
VIII. Fahrverbot
A. Sachgerecht erweist sich vorliegend allerdings die Anordnung eines Fahr-
verbots gemäss Art. 67b aStGB. Demgemäss kann das Gericht neben einer Stra-
fe oder Massnahme nach Art. 59 bis 64 StGB den Entzug des Lernfahr- oder Füh-
rerausweises für die Dauer von einem Monat bis zu fünf Jahren anordnen. Dies-
bezüglich ist erforderlich, dass das Motorfahrzeug ein wesentliches Hilfsmittel zur
Deliktsausführung gewesen ist. Für die Bemessung der Dauer dieses kriminalprä-
ventiven Fahrverbots sind Anzahl, Art und Schwere der mit Hilfe des Motorfahr-
zeugs begangenen Delikte massgeblich (TRECHSEL/BERTOSSA, in: TRECHSEL/PIETH
[Hrsg.], a.a.O., Art. 67e StGB N 2 u. 4 m.w.H.).
B. Vorliegend erweist sich angesichts der einlässlich erörterten Vorgehens-
weise und der Schwere der unter Zuhilfenahme von Motorfahrzeugen begange-
nen Delikte des Beschuldigten die Anordnung eines kriminalpräventiven Fahrver-
bots im maximalen Umfang von 5 Jahren im Lichte der zu berücksichtigenden In-
teressen des Beschuldigten einerseits und derjenigen der Allgemeinheit anderer-
seits als ohne Weiteres verhältnismässig und sachgerecht.
IX. Zivilansprüche
A. Ausgangslage
1. Die Verteidigung des Beschuldigten beantragte – auch im Berufungsverfah-
ren – dass alle Forderungen – soweit darauf überhaupt eingetreten werden könne
– auf den Zivilweg zu verweisen seien. Vorsorglich wurde die Einrede der einge-
tretenen Verjährung erhoben (Urk. 63 S. 2; Urk. 117 S. 26 f.). Weiter macht die
Verteidigung geltend, dass die Schadenersatzbegehren der B._, der
C._ AG und der H._ ordnungsgemäss von zumindest zeichnungsbe-
rechtigten Personen mit kollektiver Unterschrift gestellt worden seien, während
dies für diejenigen der E._ AG, der K._ AG und der G._ AG nicht
zutreffe. Obwohl es gemäss den entsprechenden Handelsregisterauszügen bei all
diesen Gesellschaften keine Einzelzeichnungsberechtigungen gebe, seien die
- 146 -
Schadenersatzbegehren dieser Versicherungen nur von einer Person unterzeich-
net worden. Weder Herr CH._ von der K._ AG noch Herr CI._ von
der G._ AG und die Herren CJ._ oder CK._ von der E._ AG
seien einzelzeichnungsberechtigte Prokuristen ihrer Arbeitgeber; entsprechend
seien sie nicht zur Prozessführung legitimiert. Auch die Geltendmachung von
Schadenersatz im Adhäsionsverfahren gelte als Prozessführung und die Bevoll-
mächtigung richte sich nach Art. 462 OR. Die Bevollmächtigung sei vom Gericht
von Amtes wegen zu prüfen, was die Vorinstanz unterlassen habe. Dieser Mangel
könne in zweiter Instanz nach abgeschlossenem Beweisverfahren nicht mehr ge-
heilt werden. Entsprechend sei auf die Begehren dieser drei Versicherungen nicht
einzutreten (Urk. 117 S. 26 f.).
2.1. Als Privatklägerschaft gilt gemäss Art. 118 Abs. 1 StPO die geschädigte
Person, die ausdrücklich erklärt, sich am Strafverfahren als Straf- oder Zivilkläge-
rin zu beteiligen, wobei nach Absatz 2 der Strafantrag dieser Erklärung gleichge-
stellt ist. Die Zivilklage wird gemäss Art. 122 Abs. 3 StPO mit der Erklärung nach
Art. 119 Abs. 2 lit. b rechtshängig.
2.2. Im Vorverfahren werden die Zivilklagen regelmässig auf standardisierte
Weise zu den Akten erhoben, indem der Privatklägerschaft ein Formular u.a. zur
Stellung finanzieller Ansprüche abgegeben wird, worin sie erklären kann, ob sie
finanzielle Ansprüche stellen will oder nicht und diese gleichzeitig unter Verweis
auf und Beilage von weiteren, den Anspruch substantiierenden Urkunden bezif-
fern kann. Dieses Vorgehen wurde seitens der Staatsanwaltschaft auch in diesem
Verfahren angewandt und hinsichtlich der sich als Zivilkläger konstituierten Privat-
klägerinnen und Privatkläger entsprechende, von Seiten der Privatklägerschaft
ausgefüllte und unterzeichnete Formulare zu den Akten genommen (s. z.B.
Urk. D10/18/3).
2.3. Vorliegend wurde das jeweilige Formular zur Stellung der finanziellen An-
sprüche in allen von der Verteidigung thematisierten Fällen von – gemäss den
von ihr eingereichten Handelsregisterauszügen der in Frage stehenden Versiche-
rungsgesellschaften – nicht einzelzeichnungsberechtigten Personen unterschrie-
ben.
- 147 -
2.4. Die Frage, ob ein Vertreter die vertretene Aktiengesellschaft hinsichtlich
Stellung finanzieller Ansprüche rechtsgültig vertreten kann, ist letztlich eine Frage
der Bevollmächtigung, und genauer, der internen Bevollmächtigung im Sinne von
Art. 32 Abs. 1 OR (s. auch BGer 4A_455/2018 vom 9. Oktober 2019). Hinsichtlich
der Stellung von Strafanträgen wurde vom Bundegericht erwogen, dass u.a. all
jene Personen berechtigt seien, wegen eines Deliktes gegen das Vermögen der
juristischen Person in deren Vertretung Strafantrag zu stellen, die ausdrücklich
oder stillschweigend damit beauftragt sind, die infrage stehenden Interessen der
juristischen Person zu wahren bzw. den betreffenden Vermögenswert zu verwal-
ten hätten (Urteil des Bundesgerichts 6B_295/2020 vom 22. Juli 2020 E. 1.4.4.
m.w.H.). Demzufolge sei bei der Prüfung der Legitimation zur Stellung eines
Strafantrags nicht einzig auf die Zeichnungsberechtigung gemäss Handelsregis-
tereintrag abzustellen (Urteil des Bundesgerichts 6B_545/2016 vom 6. Februar
2017 E. 1.3.). Massgebend sei gemäss Bundesgericht vielmehr, dass der Strafan-
trag dem Willen der Gesellschaftsorgane nicht widerspreche und von diesen ge-
nehmigt werden könne (BGE 118 IV 167 E. 1b).
2.5. Vorliegend besteht insbesondere angesichts des seitens des Bundesge-
richts vorgenommenen Verweises auf die Vermögensinteressen einer juristischen
Person kein Anlass, die Frage der Bevollmächtigung einer juristischen Person
hinsichtlich des Stellens von finanziellen Ansprüchen im Rahmen eines Strafver-
fahrens anders zu behandeln als das Stellen eines Strafantrages. Vorliegend be-
steht ferner kein Grund, daran zu zweifeln, dass die seitens der in Frage stehen-
den Privatklägerinnen verlangten finanziellen Ansprüche nicht denjenigen der
Versicherungsgesellschaften entsprechen und nicht genehmigt werden könnten,
auch wenn seitens des Gerichts letztlich nicht von Amtes wegen abgeklärt wurde,
auf welche Vollmacht sich diese Handlungen beziehen. Zudem hätten die ent-
sprechenden Versicherungen die Möglichkeit gehabt, sich zu den lediglich von ei-
ner zeichnungsberechtigten Person unterzeichneten Vollmachten zu äussern res-
pektive diese zu korrigieren, sofern sie mit diesen nicht einverstanden gewesen
wären, was während des gesamten Verfahrens nicht geschehen ist. Entspre-
chend darf auf diese Vollmachten abgestellt werden und es besteht kein Grund,
an diesen zu zweifeln, zumal im Strafverfahren nicht die strengen Gesetzesbe-
- 148 -
stimmungen der Zivilprozessordnung Anwendung finden. Der Einwand der Ver-
teidigung hinsichtlich Fehlens einer Prozessvoraussetzung geht deshalb fehl.
B. Rechtliche Grundlagen und Voraussetzungen
1. Seitens der Vorinstanz wurden die rechtlichen Grundlagen bezüglich des
Adhäsionsverfahrens, der ausservertraglichen Ansprüche gemäss Art. 58 ff. SVG
und der Regressansprüche sowie die Voraussetzungen für die Zusprechung von
Schadenersatz (allgemeiner Schadensbegriff; Körperverletzung; Sachschaden;
Vorteilsanrechnung; Zins; Kausalzusammenhang; Widerrechtlichkeit; Beweislast-
verteilung; Mehrheit von Ersatzpflichtigen) einlässlich und zutreffend dargelegt
(Urk. 74 E. VIII.B.1.-3.), weshalb – um unnötige Wiederholungen zu vermeiden –
vorab vollumfänglich darauf verwiesen werden kann. Die von ihr in allgemeiner
Hinsicht getroffenen Erwägungen und Schlussfolgerungen erweisen sich als voll-
umfänglich korrekt (vgl. insb. Urk. 74 E. VIII.B.3.5.): Der in den erstellten Anklage-
sachverhalten direktvorsätzlich handelnde Beschuldigte hat zufolge seines deut-
lich schwereren Verschuldens den Privatklägern den ganzen ausgewiesenen
Schaden zu ersetzen. Eine Ausnahme besteht dort, wo Anzeichen von Grobfahr-
lässigkeit der übrigen Kollisions- und Verfahrensbeteiligten auszumachen sind,
wofür indes die blosse – allfällige – Nichteinhaltung der Mindestabstände – ange-
sichts des schweren Verschuldens des Beschuldigten – nicht ausreicht. Bei An-
zeichen für zusätzliches Verschulden der übrigen Kollisions- und Verfahrensbetei-
ligten sind bei spruchreifem Sachverhalt die Kosten anteilsmässig aufzuerlegen.
Im Übrigen sind die geltend gemachten Ansprüche auf den Zivilweg zu verweisen.
2. Die Vorinstanz machte ferner ausführliche und zutreffende Erwägungen be-
züglich der Voraussetzungen zur Zusprechung einer Genugtuung (Urk. 74
E. VIII.B.4.), worauf ebenfalls vollumfänglich verwiesen werden kann.
C. Einzelfallbeurteilung
1. ND4 (Vorfall vom 9. Juni 2011)
1.1. In Bezug auf den Vorfall ND 4 wurde sowohl seitens der BB._ Versi-
cherung (Urk. D4/23) wie auch von Seiten von AU._ (Urk. D4/25), AV._
- 149 -
(Urk. D4/33) und AW._ (Urk. D4/32) auf die Stellung finanzieller Ansprüche
verzichtet.
1.2. Demgegenüber stellte AG._ finanzielle Ansprüche (Urk. D4/25). Es ist
vorliegend rechtsgenügend ausgewiesen, dass er Fr. 1'000.- als Selbstbehalt be-
glichen hat (Urk. D4/29 S. 2), in welchem Betrag er deshalb seitens des Beschul-
digten für den erlittenen Sachschaden zu entschädigen ist.
2. ND20 (Vorfall vom 14. Juni 2011)
2.1. Seitens der Privatklägerin C_ Versicherung wurde bezüglich dieses Vor-
falls eine Schadenersatzforderung von Fr. 2'950.- geltend gemacht (Urk. D20/14/5
S. 2).
2.2. Gemäss erstelltem Anklagesachverhalt konnte der Beschuldigte betreffend
die Kollision vom 14. Juni 2011 (ND 20) eine ungerechtfertigte Zahlung von
Fr. 2'100.- von der Privatklägerin C._ Versicherung erhältlich machen (s. vor-
stehend unter E. III.E.5.4). Der ferner als Unkostenanteil geltend gemachte Betrag
von Fr. 850.- erweist sich – einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz
(Urk. 74 E. VIII.C.2.5.4.) – als angemessen und ist deshalb als mittelbarer Scha-
den zu ersetzen.
2.3. Mangels Anzeichen für ein massgebendes grobfahrlässiges Verhalten des
vorfallbeteiligten BD._ ist der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin
C._ Versicherung für den Vorfall vom 14. Juni 2011 (ND 20) Fr. 2'950.- als
Schadenersatz zu bezahlen.
3. ND5 (Vorfall vom 27. Juli 2011)
3.1. Seitens der Privatklägerin C._ Versicherung wurde bezüglich dieses
Vorfalls eine Schadenersatzforderung von Fr. 8'817.05 geltend gemacht
(Urk. D5/20/4 S. 2 u. 4). Gemäss erstelltem Anklagesachverhalt konnte der Be-
schuldigte betreffend die Kollision vom 27. Juli 2011 (ND 5) eine ungerechtfertigte
Zahlung von Fr. 3'850.- von der Privatklägerin C._ Versicherung erhältlich
machen. Daran zahlte L._ einen Selbstbehalt von Fr. 1'000.-. Ebenso ist die
- 150 -
geltend gemachte Teilschadenentschädigung von Fr. 6'617.05 (abzüglich Selbst-
behalt von Fr. 1'500.- des Privatklägers L._) belegt (s. zum Ganzen vorste-
hend unter E. III.E.6.4.2. f.). Die ferner geltend gemachten Fr. 850.- Unkostenan-
teil erweisen sich – einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74
E. VIII.C.2.1.4.) – als plausibel und angemessen. Mangels Anzeichen für ein
massgebendes grobfahrlässiges Verhalten des vorfallbeteiligten L._ ist der
Beschuldigte deshalb zu verpflichten, der Privatklägerin C._ Versicherung für
den Vorfall vom 27. Juli 2011 (ND 5) Fr. 8'817.05 als Schadenersatz zu bezahlen.
3.2. Seitens des Privatklägers L._ wird überdies eine Schadenersatzforde-
rung von Fr. 3'280.- zuzüglich 5 % Zins seit Ereignisdatum geltend gemacht
(Urk. D5/20/9). Die von ihm getragenen Selbstbehalte im Gesamtbetrag von
Fr. 2'500.- sind rechtsgenügend ausgewiesen (s. vorstehend unter E. III.E.6.4.2.
f.). Die ferner verlangten Fr. 780.- als Ersatz für die an das Statthalteramt Dietikon
bezahlte "Busse" (Urk. D5/20/10; vgl. urk. D5/11 S. 1) ist im vorliegenden Verfah-
ren nicht zu ersetzen und auf den Zivilweg zu verweisen. Da – wie bereits er-
wähnt – kein massgebendes grobfahrlässiges Verhalten von Seiten von L._
vorliegt, ist der Beschuldigte zu verpflichten, dem Privatkläger L._ Fr. 2'500.-,
zuzüglich 5 % Zins seit dem 27. Juli 2011, als Schadenersatz zu bezahlen. Im
Mehrbetrag ist die Zivilklage auf den Zivilweg zu verweisen.
4. ND21 (Vorfall vom 11. August 2011)
4.1. Seitens der Privatklägerin C._ Versicherung wird hinsichtlich des Vor-
falls vom 11. August 2011 (ND 21) eine Schadenersatzforderung von Fr. 6'177.60
geltend gemacht (Urk. D21/12/3). Es ist rechtsgenügend belegt, dass dem Be-
schuldigten Fr. 2'200.-, bestehend aus Fr. 1'360.- Restwert Fahrzeug sowie
Fr. 840.- Mietwagenkosten, ausbezahlt wurden (s. vorstehend unter E.). Dazu
kommen – einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74
E. VIII.C.2.6.3. u. 2.6.4.) – die ausgewiesenen Kosten für den Kaskoschadenfall
am Fahrzeug der Privatklägerin O._ in der Höhe von Fr. 3'627.60, abzüglich
ihres Selbstbehalts von Fr. 500.- (Urk. D21/12/3 [Beilage "Grunddaten Teilscha-
den": Zahlungstotal CHF 3'127.60]), sowie ein sich als plausibel und angemessen
erweisender Anteil an den Unkosten im Betrag von Fr. 850.-, welcher als mittelba-
- 151 -
rer Schaden zu ersetzen ist. Mangels Anzeichen für ein massgebendes grobfahr-
lässiges Verhalten der vorfallbeteiligten O._ ist der Beschuldigte zu verpflich-
ten, der C._ Versicherung für den Vorfall vom 11. August 2011 (ND 21) Fr.
6'177.60 als Schadenersatz zu bezahlen.
4.2. Die Privatklägerin O._ machte ihrerseits einen Schadenersatz von
Fr. 500.- zuzüglich 5 % Zins seit Ereignisdatum geltend (Urk. D21/12/4), welcher
in Form von bezahltem Selbstbehalt ausgewiesen ist (Urk. D21/12/5). Mangels
Anzeichen für ein massgebendes grobfahrlässiges Verhalten von ihrer Seite ist
der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin O._ Fr. 500.-, zuzüglich
5% Zins seit dem 11. August 2011, als Schadenersatz zu bezahlen.
5. ND22 (Vorfall vom 23. November 2011)
5.1. Seitens der Privatklägerin H._ AG wird im Berufungsverfahren hin-
sichtlich des Vorfalls vom 23. November 2011 (ND 22) noch eine Schadenersatz-
forderung von insgesamt Fr. 6'361.60 zuzüglich Zins seit 13. Dezember 2016 gel-
tend gemacht (Urk. 85). Wie bereits erwähnt (s. vorstehend unter E.) setzt sich
die Schadenssumme aus den dem Beschuldigten ausbezahlten Fr. 3'540.-, be-
stehend aus Fr. 2'500.- (einschliesslich ausbezahlter Selbstbehalt von Fr. 200.-),
Zeitwert Fahrzeug, Fr. 650.- für das Ersatzfahrzeug und Fr. 390.- für den Ab-
schleppdienst, sowie – aus der Kollisionskaskoversicherung – Fr. 3'821.60, wo-
von zweimal jeweils Fr. 500.- als Selbstbehalt auf die Privatklägerin J._ AG
entfielen (Urk. D22/18; exkl. Mehrwertsteuer) zusammen. Der Schaden beträgt
demnach Fr. 6'361.60 nebst Zins zu 5 % ab 13. Dezember 2016. Mangels Anzei-
chen für ein massgebendes grobfahrlässiges Verhalten des vorfallbeteiligten
BG._ ist der Beschuldigte vorliegend zu verpflichten, der Privatkläge-
rin H._ AG – wie von ihr im Berufungsverfahren geltend gemacht –
Fr. 6'361.60, zuzüglich 5 % Zins seit dem 13. Dezember 2016, als Schadenersatz
zu bezahlen.
5.2. Seitens der Privatklägerin J._ AG wird hinsichtlich des Vorfalls vom
23. November 2011 (ND 22) eine Schadenersatzforderung von Fr. 1'000.- bean-
sprucht (Urk. D22/17). Vorliegend ist rechtsgenügend belegt, dass die J._
- 152 -
AG zweimal einen Selbstbehalt von je Fr 500.- zu tragen hatte (Urk. D22/16 und
D22/18). Mangels Anzeichen für ein massgebendes grobfahrlässiges Verhalten
des vorfallbeteiligten BG._ ist der Beschuldigte deshalb zu verpflichten, der
Privatklägerin J._ AG Fr. 1'000.- als Schadenersatz zu bezahlen.
6. ND30 (Vorfall vom 14. Februar 2012)
6.1. Seitens der Privatklägerin E._ AG wird betreffend ND30 eine Scha-
denersatzforderung von Fr. 3'400.- zuzüglich Zins zu 5 % seit Ereignisdatum gel-
tend gemacht (Urk. D30/18/2-3).
6.1.1. Anzeichen für ein grobfahrlässiges Verhalten der dem Beschuldigten nach-
folgenden Lenker R._ und BL._ sind vorliegend nicht auszumachen. Die
diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 74 E. VIII.C.4.2.2.) erweisen
sich als allesamt zutreffend, weshalb vollumfänglich darauf verwiesen werden
kann. Die Zahlungen im Gesamtbetrag von Fr. 3'400.- wurden am 28. Februar
2012 bzw. 29. März 2012 an den Beschuldigten ausgelöst (Urk. ND30/12/10 u.
ND30/12/12-13).
6.1.2. Demnach ist der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin E._
AG Fr. 3'400.- zuzüglich Zins von 5 % ab 14. Februar 2012 als Schadenersatz zu
bezahlen.
6.2. Über das (allfällig) seitens des Privatklägers V._ hinsichtlich ND30 ge-
stellte Schadenersatzbegehren wurde rechtskräftig entschieden (Dispositivziffer 9
des vorinstanzlichen Urteils), weshalb vor Berufungsinstanz nicht mehr darüber
zu befinden ist.
6.3. Von Seiten des Privatklägers R._ wurde am 11. April 2015 eine Scha-
denersatzforderung von Fr. 8'293.90 zuzüglich 5 % Zins seit Ereignisdatum gel-
tend gemacht (Urk. ND30/18/5).
6.3.1. Anzeichen für ein grobfahrlässiges Verhalten seinerseits sind nicht auszu-
machen, weshalb der Beschuldigte ihm Schadenersatz zu entrichten hat.
- 153 -
6.3.2. Gemäss Sachverhaltsfeststellung entstand dem Privatkläger R._ ein
Sachschaden von Fr. 5'900.-. Seitens der Vorinstanz wurde einlässlich und zutref-
fend ausgeführt, weshalb vorliegend auf den Zeitwert des Fahrzeugs von Fr.
3'999.- abzustellen sei (vgl. auch Urk. ND30/13/13 u. ND30/13/15), welcher nebst
den geltend gemachten Fr. 40.- für den notwendigen Fahrzeugwechsel
(Urk. D30/18/6/6) zu entschädigen sei. Darauf ist zu verweisen (Urk. 74
E. VIII.C.22.1.2.). Ebenso wurde von der Vorinstanz zutreffend festgehalten, dass
für die Pneus (Urk. ND30/18/6/5), die Kosten des Strafbefehls (Urk. ND30/18/6/2)
und des Führerausweisentzugs (Urk. ND30/18/6/3) sowie für den geltend ge-
machten unfreiwilligen Ferienbezug (vgl. Urk. ND30/18/6/7) und den Erwerbsaus-
fall zufolge staatsanwaltlicher Einvernahmen (Urk. ND30/18/6/1) keine separate
Entschädigung zu bezahlen bzw. nicht im vorliegenden Verfahren darüber zu be-
finden sei (Urk. 74 E. VIII.C.22.1.2.), worauf ebenfalls vollumfänglich zu verweisen
ist.
6.3.3. Demnach ist der Beschuldigte zu verpflichten, dem Privatkläger R._
Fr. 4'039.- zuzüglich Zins von 5 % ab 14. Februar 2012 als Schadenersatz zu be-
zahlen.
6.3.4. Hinsichtlich Abweisung des Zivilbegehrens von R._ im Mehrumfang
bzw. der Abweisung seines Genugtuungsbegehrens wurde von der Vorinstanz
bereits rechtskräftig entschieden (Dispositivziffern 8 und 10 des vorinstanzlichen
Urteils), weshalb darüber nicht mehr zu befinden ist.
7. ND10 (Vorfall vom 22. Februar 2012)
7.1. Seitens der Privatklägerin K._ wird für den Vorfall vom 22. Februar
2012 (ND 10) eine Schadenersatzforderung von Fr. 19'058.10 zuzüglich 5 % Zins
seit Ereignisdatum geltend gemacht (Urk. D10/18/3–4). Dieser Schaden ist
rechtsgenügend belegt: Einerseits übernahm die K._ Versicherung den dem
Privatkläger BP._ entstandenen Sachschaden (Teilkasko) in der Höhe von
Fr. 2'642.50 (Urk. D10/13/24; Urk. D10/13/18; s. auch vorstehend unter E.). Ande-
- 154 -
rerseits kam sie für den Schaden der Zeugin BO._ im Gesamtbetrag von
Fr. 16'415.60 auf (Urk. D10/13/7, 17, 19, 21, 22 u. 24; Beilagen zu Urk. D10/18/4).
Seitens der Vorinstanz wurde bereits ausführlich und zutreffend festgestellt, dass
eine ins Gewicht fallende Grobfahrlässigkeit der vorfallbeteiligten Fahrzeuglenker
zu verneinen ist (Urk. 74 E. VIII.C.12.1.2.): Dass der Privatkläger BP._ allen-
falls kurz abgelenkt war gereicht ihm nicht zum Nachteil, musste er doch schlicht-
weg nicht mit einem völlig unnötigen und abrupten Bremsen des Beschuldigten
rechnen. Eine Herabsetzung der Schadenersatzforderung rechtfertigt sich vor
diesem Hintergrund nicht. Somit ist der Beschuldigte zu verpflichten, der Privat-
klägerin K._ Versicherungsgesellschaft Fr. 19'058.10, zuzüglich 5 % Zins seit
dem 22. Februar 2012, als Schadenersatz zu bezahlen.
7.2. Demgegenüber verzichteten der Privatkläger BP._ sowie BO._
jeweils auf die Stellung von Zivilansprüchen (Urk. D10/18/6-7).
8. ND24 (Vorfall vom 28. Februar 2012)
8.1. Seitens der Privatklägerin G._ AG werden für den Vorfall vom 28. Feb-
ruar 2012 (ND 24) Schadenersatzansprüche im Betrag von Fr. 2'767.- zuzüglich
5 % Zins seit Ereignisdatum geltend gemacht (Urk. D24/15/3). Diese der Privat-
klägerin im Zusammenhang mit diesem Schadensfall entstandenen Aufwände
(bestehend aus der Zahlung für den Zeitwert des Fahrzeugs und damit im Zu-
sammenhang stehende Aufwendungen) sind rechtsgenügend ausgewiesen (s.
vorstehend unter E. III.13.6.2.). Mangels Anzeichen für ein massgebendes grob-
fahrlässiges Verhalten des vorfallbeteiligten S._ ist der Beschuldigte deshalb
zu verpflichten, der Privatklägerin G._ AG Fr. 2'767.-, zuzüglich 5 % Zins seit
dem 28. Februar 2012, als Schadenersatz zu bezahlen.
8.2. Der Privatkläger S._ reklamiert seinerseits gegenüber dem Beschul-
digten für den Vorfall vom 28. Februar 2012 (ND 24) eine Schadenersatzforde-
rung von Fr. 5'000.- zuzüglich 5 % Zins seit dem Ereignisdatum für sich
(Urk. D24/15/1). Mit Ausnahme von Fr. 927.- für die ihn infolge des Vorfalls tref-
fende Mehrprämie (vgl. Urk. D24/11/5), blieben seine Forderungen unbelegt,
weshalb sie im Mehrbetrag auf den Zivilweg zu verweisen sind. Mangels Anzei-
- 155 -
chen für ein massgebendes grobfahrlässiges Verhalten des vorfallbeteiligten
S._ ist der Beschuldigte demnach zu verpflichten, diesem Fr. 927.-, zuzüg-
lich 5 % Zins seit dem 28. Februar 2012, als Schadenersatz zu bezahlen. Im
Mehrbetrag ist die Zivilklage auf den Zivilweg zu verweisen.
9. ND12 (Vorfall vom 22. März 2012)
9.1. Seitens der Privatklägerin C._ AG wird betreffend ND12 eine Scha-
denersatzforderung von Fr. 23'899.50.- geltend gemacht (Urk. D12/19/9).
9.1.1. Anzeichen für ein grobfahrlässiges Verhalten der dem Beschuldigten nach-
folgenden Lenker Q._ und N._ sind vorliegend nicht auszumachen. Die
diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz sowie ihre Berechnung des Scha-
dens der Privatklägerin C._ AG (Urk. 74 E. VIII.C.2.3.2. bis 2.3.5. und dortige
Verweise) erweisen sich – einschliesslich des Nachweises des Rechnungsfehlers
seitens der Privatklägerin – als allesamt zutreffend, weshalb vollumfänglich darauf
verwiesen werden kann.
9.1.2. Demnach ist der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin C._
AG für den Vorfall vom 22. März 2012 (ND 12) Fr. 23'799.50 als Schadenersatz
zu bezahlen.
9.2. Seitens der Privatklägerin B._ Versicherungs-Gesellschaft AG wird be-
treffend ND12 eine Schadenersatzforderung von Fr. 7'810.- geltend gemacht,
welche sie gestützt auf das VVG dem Privatkläger N._ geleistet habe
(Urk. D12/19/6).
9.2.1. Anzeichen für ein grobfahrlässiges Verhalten der dem Beschuldigten nach-
folgenden Lenker ist vorliegend – wie bereits erwähnt – nicht auszumachen. Die
diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz sowie ihre Berechnung des Scha-
dens (Urk. 74 E. VIII.C.1.1.1. bis 1.1.4. und dortige Verweise auf die massgeben-
den Belege und Berechnungen) erweisen sich als zutreffend, weshalb vollum-
fänglich darauf verwiesen werden kann.
- 156 -
9.2.2. Demnach ist der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin B._
Versicherungs-Gesellschaft AG für den Vorfall vom 22. März 2012 (ND 12) Fr.
7'810.- als Schadenersatz zu bezahlen.
9.3. Der Privatkläger N._ macht vorliegend einen Schadenersatzanspruch
von Fr. 1'000.- zuzüglich 5 % Zins seit Ereignisdatum geltend (Urk. ND12/19/5).
9.3.1. In Abwesenheit jeglicher Anzeichen für ein grobfahrlässiges Verhalten sei-
nerseits oder eines weiteren Kollisionsbeteiligten erweist sich der gegenüber dem
Beschuldigten geltend gemachte Schadenersatzanspruch, welcher den von der
Privatklägerin B._ Versicherungs-Gesellschaft AG nicht übernommenen
Selbstbehalt des Privatklägers N._ beschlägt, vorliegend als belegt und
rechtsgenügend ausgewiesen (vgl. Urk. ND12/19/6).
9.3.2. Folglich ist der Beschuldigte zu verpflichten, dem Privatkläger N._ für
den Vorfall vom 22. März 2012 (ND 12) Fr. 1'000.- zuzüglich Zins zu 5 % seit
22. März 2012 als Schadenersatz zu bezahlen.
9.4. Der Privatkläger Q._ macht hinsichtlich des Vorfalls ND12 einen
Schadenersatzanspruch von Fr. 1'145.- für Gebühren, Busse und Administrativ-
verfahren sowie eine Genugtuung von Fr. 1'500.- für den erlittenen Bonusverlust
und Diverses, jeweils zuzüglich 5 % Zins seit Ereignisdatum, geltend
(Urk. ND12/19/1).
9.4.1. Anzeichen für ein grobfahrlässiges Verhalten seinerseits oder eines ande-
ren Kollisionsbeteiligten liegen – einhergehend mit der zutreffenden Auffassung
der Vorinstanz (Urk. 74 E. VIII.C.21.2.) – nicht vor. Die gegenüber dem Beschul-
digten geltend gemachten Zivilansprüche erweisen sich lediglich hinsichtlich sei-
nes Bonusverlustes im Betrag von Fr. 722.- als rechtsgenügend ausgewiesen
(vgl. Urk. ND12/19/2). Im Übrigen sind die Forderungen des Privatklägers nicht
genügend belegt bzw. ausgewiesen oder sind nicht im vorliegenden Verfahren
geltend zu machen. Die entsprechenden Erwägungen der Vorinstanz erweisen
sich als zutreffend (Urk. 74 E. VIII.C.21.3.), weshalb vollumfänglich darauf zu
verweisen ist.
- 157 -
9.4.2. Aufgrund der gemachten Erwägungen ist der Beschuldigte zu verpflichten,
dem Privatkläger Q._ für den Vorfall vom 22. März 2012 (ND 12) Fr. 772.-
zuzüglich Zins zu 5 % seit 22. März 2012 als Schadenersatz zu bezahlen.
10. ND13 (Vorfall vom 25. April 2012)
10.1. Seitens der Privatklägerin B._ Versicherungs-Gesellschaft AG werden
für den Vorfall vom 25. April 2012 (ND13) Schadenersatzansprüche im Gesamt-
betrag von Fr. 31'180.25 zuzüglich 5 % Zins seit Ereignisdatum geltend gemacht
(Urk. D13/24/8). Die von dieser Privatklägerin in der erwähnten Eingabe geltend
gemachten Einzelpositionen sind rechtsgenügend ausgewiesen bzw. plausibel.
Die diesbezüglich seitens der Vorinstanz gemachten Erwägungen erweisen sich
als allesamt zutreffend, weshalb – um unnötige Wiederholungen zu vermeiden –
vollumfänglich darauf verwiesen werden kann (Urk. 74 E. VIII.C.1.2.3.). Mangels
Anzeichen für ein grobfahrlässiges Verhalten der vorfallbeteiligten Fahrzeuglenker
CC._ und CB._ ist der Beschuldigte der Privatklägerin B._ Versi-
cherungs-Gesellschaft AG Fr. 31'180.25 zuzüglich 5 % Zins seit dem 25. April
2012 als Schadenersatz zu bezahlen.
10.2. Seitens der vorfallbeteiligten Fahrzeuglenker wurden keine Zivilansprüche
geltend gemacht (Urk. D13/24/1) bzw. aufrecht erhalten (vgl. Urk. 46 u. 46A).
11. ND29 (Vorfall vom 4. März 2013)
11.1. Seitens der Privatklägerin D._ AG wird für den Vorfall vom 4. März
2013 (ND 29) eine Schadenersatzforderung von Fr. 18'399.70 zuzüglich 5 % Zins
seit Ereignisdatum geltend gemacht (Urk. D/29/22/7). Im ungefähren Umfang (von
ca. Fr. 18'000.-) wurde der erlittene Sachschaden erstellt (s. vorstehend unter
E. III.E.16.4.2.; Urk. D29/22/8/2; Urk. D29/22/8/3-4). Von der Vorinstanz wurde
überdies zutreffend festgestellt, dass der D._ AG tatsächlich Aufwände im
geltend gemachten Betrag von Fr. 18'399.70 entstanden sind (s. Urk. 74
- 158 -
E. VIII.C.3.3. mit Verweisen auf die massgebenden Belege), auf welche Erwä-
gungen vollumfänglich verwiesen werden kann. Allerdings hat sich die D._
AG Fr. 3'930.- anrechnen zu lassen, welche ihr im Zusammenhang mit dem
Schaden seitens der K._ Versicherungen geleistet wurden (Urk. D29/18/13).
Demnach ist der Beschuldigte – mangels Anzeichen für ein grobfahrlässiges Ver-
halten aller vorfallbeteiligten auffahrenden Fahrzeuglenker – zu verpflichten, der
Privatklägerin D._ AG Fr. 14'469.70, zuzüglich 5 % Zins seit dem 4. März
2013, als Schadenersatz zu bezahlen. Im Mehrbetrag ist die Zivilklage auf den Zi-
vilweg zu verweisen.
11.2. Von Seiten der Privatklägerin E._ AG wird hinsichtlich des Vorfalls
vom 4. März 2013 (ND 29) eine Schadenersatzforderung von Fr. 4'939.10 zuzüg-
lich 5 % Zins seit Ereignisdatum geltend gemacht (Urk. D29/22/1-2). Vorliegend
ist erstellt, dass seitens der E._ AG eine Zahlung im genannten Betrag an
den Beschuldigten ging (vorstehend unter E. III.E.16.4.3.; vgl. Urk. D29/16/15-17).
Die Forderung ist deshalb ausgewiesen. Mangels Anzeichen für ein grobfahrläs-
siges Verhalten aller vorfallbeteiligten Fahrzeuglenker ist der Beschuldigte des-
halb zu verpflichten, der Privatklägerin E._ AG Fr. 4'939.10, zuzüglich 5%
Zins seit dem 4. März 2013, als Schadenersatz zu bezahlen.
11.3. Ferner machte der Privatkläger M._ für denselben Vorfall eine Scha-
denersatzforderung von Fr. 55'465 zuzüglich 5 % Zins seit Ereignisdatum geltend
(Urk. D29/22/10 bzw. Urk. 62/1-7). Nebst dem bereits erstellten Sachschaden im
Betrag von Fr. 18'200.- bzw. eigentlich Fr. 18'210.- (vorstehend unter
E. III.E.16.4.2.; vgl. Urk. D29/22/11: Bezahlter Kaufpreis von Fr. 23'900.- abzüg-
lich der erhaltenen Gutschrift für den Schrottwert von Fr. 5'690.-) fielen M._
ausgewiesene Aufwände für Abschlepp- und die Einstellkosten
(vgl. Urk. D29/16/3; Urk. D29/22/11: Fr. 710.-) sowie betreffend Miete eines Er-
satzwagens (Urk. 62/3-4: Fr. 233.40; Fr. 385.55) im Gesamtbetrag von
Fr. 1'328.95 an. Die ursprünglich geltend gemachte Bonusrückstufung im Betrag
von Fr. 976.- (Urk. D29/2/11) machte M._ später nicht mehr geltend
(Urk. 62/1 bzw. 62/7). Seitens seiner Versicherung – der E._ AG – erhielt
M._ Fr. 17'210.- für das in Frage stehende Schadensereignis ausbezahlt
- 159 -
(Urk. 62/5). Einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 E.
VIII.C.16.4.) verbleibt demnach ein offener Betrag von Fr. 2'328.95. Für die An-
schaffung eines neuen Fahrzeugs (vgl. Urk. 62/6) forderte M._ überdies
Fr. 34'950.- (Urk. D29/22/11 bzw. Urk. 62/1). Unsubstantiiert blieb aber, inwieweit
die im Vergleich zum ungefähren Zeitwert (vgl. Urk. 62/5) mehr als doppelt so ho-
hen Wiederbeschaffungskosten für einen Wagen angemessen sein sollen. Des-
halb vermag er mit dieser Forderung nicht durchzudringen. Mangels Anzeichen
für ein grobfahrlässiges Verhalten aller vorfallbeteiligten Fahrzeuglenker ist der
Beschuldigte demnach zu verpflichten, dem Privatkläger M._ Fr. 2'328.95,
zuzüglich 5 % Zins seit dem 4. März 2013, als Schadenersatz zu bezahlen. Im
Mehrbetrag ist die Zivilklage auf den Zivilweg zu verweisen.
11.4. Die Privatklägerin P._ forderte ihrerseits für den Vorfall vom 4. März
2013 (ND 29) Schadenersatz im Betrag von Fr. 1'658.43 sowie zusätzlichen Er-
satz für die – mehrheitlich unbelegt gebliebene – Ausleihe von Ersatzwagen für
die Dauer von insgesamt 49 Arbeitstagen (Urk. D29/22/4–5). Vorne wurde ausge-
führt, dass der von P._ geltend gemachte Sachschaden im Betrag von
Fr. 7'500.- ausgewiesen ist (E. III. E.16.4.2.Urk. D29/18/3-5), wofür die K._
Versicherung gemäss den Ausführungen von P._ – mit Ausnahme des
Selbstbehalts von Fr. 1'000.- – aufgekommen sei (Urk. 16/35 S. 5; s. auch Urk.
D29/22/5 S. 6-9). Daneben erweisen sich auch Abschleppkosten im Betrag von
Fr. 530.- (Urk. D29/22/5) und Automietkosten bei CL._ im Betrag von
Fr. 128.43 als rechtsgenügend ausgewiesen. Im Mehrumfang wurden die bei
P._ (anscheinend) anfallenden Kosten unzureichend dargelegt bzw. beziffert.
Einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. VIII.V.20.3.) bleibt es
deshalb bei einer durch den Beschuldigten auszugleichenden Summe im seitens
von P._ bezifferten Umfang von Fr. 1'658.43. Mangels Anzeichen für ein
grobfahrlässiges Verhalten aller vorfallbeteiligten Fahrzeuglenker ist der Beschul-
digte demnach zu verpflichten, der Privatklägerin P._ Fr. 1'658.43 als Scha-
denersatz zu bezahlen. Im (allfälligen) Mehrbetrag ist die Zivilklage auf den Zivil-
weg zu verweisen.
- 160 -
12. ND37 (Vorfall vom 27. April 2013)
12.1. Seitens des Privatklägers T._ wurde hinsichtlich des Vorfalls vom
27. April 2013 (ND37) ein Schadenersatz von Fr. 4'000.- geltend gemacht
(Urk. D37/16). Es wurde bereits hinreichend erstellt (vorne unter E. III.E.17.4.1. u.
17.4.2.), dass ihm ein vom Beschuldigten zu ersetzender Schaden von Fr. 1'750.-
entstand. Einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz (s. dazu ihre einlässli-
chen und zutreffenden Erwägungen: Urk. 74 E. VIII.C.24.3.) fehlen jedwelche Be-
lege betreffend eines allfälligen Restwerterlöses hinsichtlich seines angeblich zwi-
schenzeitlich verschrotteten Wagens, weshalb der Beschuldigte nicht zur Bezah-
lung eines höheren Betrags zu verpflichten ist.
12.2. Mangels Anzeichen für ein grobfahrlässiges Verhalten des vorfallbeteiligten
Fahrzeuglenkers T._ ist der Beschuldigte demnach zu verpflichten, dem Pri-
vatkläger Simion T._ einen Betrag von Fr. 1'750.- zu bezahlen. Im Mehrbe-
trag ist die Zivilklage auf den Zivilweg zu verweisen.
13. ND36 (Vorfall vom 8. April 2009)
Seitens der Privatklägerin K._ wurde hinsichtlich des Anklagevorwurfs ND36
eine Schadenersatzforderung im Betrag von Fr. 16'708.25 geltend gemacht
(Urk. ND36/14/2-3). Davon ist lediglich ein Schaden von Fr. 195.- rechtsgenügend
ausgewiesen (s. vorstehend unter E. III.E.3.4.). Im Mehrbetrag ist die geltend ge-
machte Zivilklage deshalb auf den Zivilweg zu verweisen.
14. Übrige Vorfälle
Hinsichtlich der übrigen Vorfälle, bei denen keine Verurteilung im Strafpunkt er-
folgt, erweist sich das Verhalten des Beschuldigten aus diesem Grund nicht als
widerrechtlich. Die diesbezüglich geltend gemachten Zivilforderungen sind auf
den Zivilweg zu verweisen.
X. Beschlagnahme
A. Rechtliche Grundlagen
- 161 -
Ist die Beschlagnahme eines Gegenstandes oder Vermögenswertes nicht vorher
aufgehoben worden, so ist über seine Rückgabe an die berechtigte Person, seine
Verwendung zur Kostendeckung oder über seine Einziehung im Endentscheid zu
befinden (Art. 267 Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 70 Abs. 1 StGB verfügt das Gericht
die Einziehung von Vermögenswerten, die durch eine strafbare Handlung erlangt
worden sind oder dazu bestimmt waren, eine Straftat zu veranlassen oder zu be-
lohnen, sofern sie nicht dem Verletzten zur Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustandes ausgehändigt werden.
B. Subsumption
1. Mit Verfügung vom 29. August 2016 beschlagnahmte die Staatsanwalt-
schaft diverse Gegenstände als Beweismittel (Urk. 24/12), wobei gleichentags
ebenso die Herausgabe diverser Gegenstände im Sinne von Art. 267 StPO ver-
fügt wurde (Urk. 24/13).
2. Vorliegend sind die beschlagnahmten Gegenstände – einhergehend mit der
zutreffenden Auffassung der Vorinstanz (Urk. 74 E. IX.3.) – dem Beschuldigten
nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen herauszugeben. Bei Nichtabho-
lung sind sie nach Ablauf von drei Monaten nach Eintritt der Rechtskraft zu ver-
nichten.
XI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
A. Vorinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen
1.1. Gestützt auf Art. 428 Abs. 3 StPO hat die Rechtsmittelinstanz von Amtes
wegen auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung zu befinden,
wenn sie selber ein neues Urteil fällt und nicht kassatorisch entscheidet. Gemäss
Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die Verfahrenskosten, wenn
sie verurteilt wird. Ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Verteidigung.
Wird das Verfahren eingestellt oder die beschuldigte Person freigesprochen, kön-
nen ihr die Verfahrenskosten ganz oder teilweise auferlegt werden, wenn sie
rechtswidrig und schuldhaft die Einleitung des Verfahrens bewirkt oder dessen
- 162 -
Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO). Der beschuldigten Person,
die bei mehreren angeklagten Straftaten nur teilweise schuldig gesprochen, im
Übrigen aber freigesprochen wird, sind die Verfahrenskosten nur anteilmässig
aufzuerlegen. Dies gilt jedenfalls, soweit sich die verschiedenen Anklagekomple-
xe klar auseinanderhalten lassen. Der beschuldigten Person dürfen jedoch dann
die gesamten Kosten des Verfahrens auferlegt werden, wenn die ihr zur Last ge-
legten Handlungen in einem engen und direkten Zusammenhang stehen und alle
Untersuchungshandlungen hinsichtlich jedes Anklagepunktes notwendig waren
(BSK StPO-DOMEISEN, Art. 426 StPO N 6 m.w.H.).
1.2. Die Vorinstanz (Urk. 74 E. X.A.) hat sich vorliegend einlässlich mit der
Kostenauflage befasst und erwogen, dass dem Beschuldigten die Kosten des
Vorverfahrens zu drei Vierteln und die Gerichtskosten (abgesehen von den Kos-
ten der amtlichen Verteidigung) zu neun Zehnteln aufzuerlegen seien.
1.3. Die Vorinstanz zog diesbezüglich insbesondere in Betracht, dass das Vor-
verfahren seitens der Staatsanwaltschaft in rund der Hälfte der Vorwürfe einge-
stellt oder gar nicht erst anhand genommen worden sei (Urk. 74 E. X.2.3. und dor-
tige Verweise). Andererseits wies sie – zu Recht – darauf hin, dass mehrere Kos-
ten aufgrund des einheitlichen Sachverhalts ungeachtet der Einstellungen ange-
fallen wären (Urk. 74 E. X.2.4). Einhergehend mit der Auffassung der Vorinstanz
(Urk. 74 E. X.2.4.) erweist es sich auch nach Durchführung des Berufungsverfah-
rens aufgrund des engen und direkten Zusammenhangs aller gegen den Be-
schuldigten geführten Untersuchungshandlungen, welche teilweise in einer Verur-
teilung mündeten, als weiterhin angemessen, dem Beschuldigten drei Viertel der
Kosten des Vorverfahrens aufzuerlegen und im übrigen Umfang auf die Staats-
kasse zu nehmen.
1.4. Hinsichtlich der erstinstanzlichen Gerichtskosten ist darauf hinzuweisen,
dass nach Durchführung des Berufungsverfahrens in rund der Hälfte der Ankla-
gesachverhalte ein Nichteintreten bzw. ein Freispruch erfolgte, was für eine hälfti-
ge Kostenauflage der erstinstanzlichen Kosten sprechen würde. Andererseits hat
der Beschuldigte mit seiner mehrfachen Delinquenz in sachlich eng zusammen-
hängenden Anklagesachverhalten den Anlass für das umfangreiche Gerichtsver-
- 163 -
fahren gesetzt. Unter diesen Gegebenheiten erweist es sich als angemessen, ihm
die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens zu drei Vierteln aufzuerlegen und im
übrigen Umfang auf die Staatskasse zu nehmen. Die Kosten seiner amtlichen
Verteidigung sind demgegenüber vollumfänglich auf die Gerichtskasse zu neh-
men, wobei eine Rückforderung gestützt auf Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten
bleibt.
2. Die Ausführungen zur Entschädigung der amtlichen Verteidigung durch die
Vorinstanz ist nicht zu beanstanden. Ihre entsprechenden einlässlichen Erwägun-
gen (Urk. 74 E. X.B.) erweisen sich als zutreffend, weshalb vollumfänglich darauf
verwiesen werden kann. Demzufolge ist Rechtsanwalt lic. iur. X._ bis zum
erstinstanzlichen Gerichtsverfahren mit Fr. 36'355.98 (inkl. MwSt) aus der Ge-
richtskasse zu entschädigen.
3.1. Gemäss Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO hat die Privatklägerschaft gegenüber
der beschuldigten Person Anspruch auf angemessene Entschädigung für not-
wendige Aufwendungen im Verfahren, wenn sie obsiegt, worunter in erster Linie
die Anwaltskosten fallen, soweit diese durch die Beteiligung am Strafverfahren
selbst verursacht wurden und für die Wahrung der Interessen der Privatkläger-
schaft notwendig waren (BGE 139 IV 102 E. 4.1). Die Privatklägerschaft obsiegt,
wenn im Falle der Strafklage die beschuldigte Person schuldig gesprochen
und/oder wenn im Falle der Zivilklage die Zivilforderung geschützt wird. Das Letz-
tere ist auch dann der Fall, wenn die Zivilforderung nur dem Grundsatz nach ge-
schützt wird, im Übrigen aber auf den Zivilweg verwiesen wird (BGE 139 IV 102
E. 4.1; bestätigt im Urteil des Bundesgerichtes 6B_1046/2013 vom 14. Mai 2014,
E. 2.1. u. 2.4.). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung (BGE 139 IV 102)
sind ausschliesslich mit der Zivilklage zusammenhängende Anwaltskosten oder
anderweitige Auslagen der Privatklägerschaft, die einzig den Zivilpunkt betreffen
würden, im Falle der Verweisung der Zivilklage auf den Zivilweg nicht im Strafver-
fahren zu entschädigen. Die Privatklägerschaft muss ihre diesbezüglichen Auf-
wendungen vielmehr mit der Zivilforderung geltend machen. Anders zu entschei-
den würde laut dem Bundesgericht bedeuten, dass sich die Staatsanwaltschaft
vorfrageweise auch zum Bestand der Zivilforderung äussern müsste, ansonsten
- 164 -
eine Verurteilung des Beschuldigten zu den anwaltlichen Aufwendungen der Pri-
vatklägerschaft im Zivilpunkt nicht denkbar erscheine. Dies wäre mit Blick auf die
noch bevorstehende zivilrechtliche Auseinandersetzung nicht sachgerecht und sei
auch nicht Aufgabe der Anklagebehörde.
3.2. In den zwei von der Vorinstanz beurteilten Fällen, in denen eine Entschä-
digung zugesprochen wurde (vgl. Urk. 74 E. X.C.1-2.) erfolgte vor Berufungs-
instanz – im Gegensatz zur noch von der Vorinstanz geäusserten Auffassung –
teilweise ein Freispruch des Beschuldigten (Vorfall ND9). Unter diesen Gege-
benheiten ist die entsprechende Entschädigungsforderung auf den Zivilweg zu
verweisen.
B. Zweitinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen
1.1. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massga-
be ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob bzw. inwieweit
eine Partei im Sinne dieser Bestimmung obsiegt oder unterliegt, hängt davon ab,
in welchem Ausmass ihre vor der zweiten Instanz gestellten Anträge gutgeheis-
sen werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_1025/2014 vom 9. Februar 2015 E.
2.4.1. mit Hinweisen; bestätigt in 6B_10/2015 vom 24. März 2015 E. 4.2.1). Für
die Kostenauflage gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO sind nicht die rechtliche Würdi-
gung und die Anzahl der angeklagten Tatbestände, sondern der zur Anklage ge-
brachte Lebenssachverhalt massgebend (Urteil des Bundesgerichts 6B_803/2014
vom 15. Januar 2015 E. 3.5). Wird der Entscheid im Rechtsmittelverfahren nur
unwesentlich abgeändert, können die Kosten nach dem Verursacherprinzip aufer-
legt werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_318/2016 vom 13. Oktober 2016 E.
4.1 mit Hinweisen).
1.2. Der Beschuldigte unterliegt im Berufungsverfahren mehrheitlich. Ausgangs-
gemäss sind ihm die Kosten des Rechtsmittelverfahrens zu drei Vierteln aufzuer-
legen und im Übrigen Umfang auf die Gerichtskasse zu nehmen.
2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist in Anwendung von
Art. 424 Abs. 1 StPO i. V. m. §§ 16, 2 Abs. 1 lit. b, c und d sowie 14 GebV OG un-
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ter Berücksichtigung der Bedeutung und Schwierigkeit des Falles sowie des Zeit-
aufwands des Gerichts für dieses Verfahren auf Fr. 20'000.– festzusetzen.
3.1. Die Kosten der amtlichen Verteidigung im Berufungsverfahren sind vollum-
fänglich auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 426 Abs. 1 i. V. m. Art. 135 Abs. 4
StPO).
3.2. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt lic. iur. X._,
beantragt für das Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 14'622.30, in-
klusive Mehrwertsteuer und Barauslagen (Urk. 122). Der geltend gemachte Hono-
raranspruch steht im Einklang mit den Ansätzen der Anwaltsgebührenverordnung.
Die Verteidigung berechnete für die Dauer der Berufungsverhandlung 7.50 Stun-
den (vgl. Urk. 122). Da die Verhandlung effektiv lediglich etwas mehr als drei
Stunden dauerte (vgl. Prot. II S. 8 und S. 44), ist die eingereichte Honorarnote
entsprechend zu korrigieren. Die amtliche Verteidigung ist aus der Gerichtskasse
mit Fr. 14'000.– (inkl. Mehrwertsteuer) zu entschädigen. Die Rückzahlungspflicht
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt jedoch vorbehalten.
4.1. Die Entschädigungsfrage folgt den gleichen Regeln wie der Kostenent-
scheid. Es gilt der Grundsatz, dass bei Auferlegung der Kosten keine Entschädi-
gung oder Genugtuung auszurichten ist (Urteil des Bundesgerichtes 6B_802/2015
vom 9. Dezember 2015 E. 5.3; BGE 137 IV 352 E. 2.4.2).
4.2. Damit fehlt es für die Zusprechung einer Entschädigung oder einer Genug-
tuung an den Beschuldigten im Sinne von Art. 436 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 429-
432 StPO an der notwendigen Grundlage.
5.1. Gemäss Art. 436 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO hat die
Privatklägerschaft gegenüber der beschuldigten Person Anspruch auf angemes-
sene Entschädigung für notwendige Aufwendungen im Verfahren, wenn sie ob-
siegt. Die bereits gemachten rechtlichen Erörterungen gelten durch den gesetzli-
chen Verweis auf die Regelungen für das erstinstanzliche Verfahren auch für das
Rechtsmittelverfahren (s. vorstehend unter E. A.3.1.).
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5.2. Für das Berufungsverfahren wurden seitens der Privatkläger keine Ent-
schädigungsforderungen geltend gemacht.