Decision ID: 2b47172a-c145-4936-9300-c055815cb366
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1967 geborene X._
war vom 5. Juni 2012 bis 30. Juni 2013 als Serviceangestellte im Restaurant
Y._
angestellt und im Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses bei
der
GastroSocial
Pensionskasse vorsorgeversichert (Urk.
14/28, Urk. 10/1 und Urk. 10/27)
.
Anschliessend bezog die Versicherte von Juli 2013 bis März 2015 Taggelder der Arbeitslosenversicherung (Urk. 7 S. 2 und Urk. 8/1), weshalb sie eine Versicherungsdeckung
bei
der
Stiftung Auffang
einrichtung BVG
thematisierte (Urk. 1 S. 9).
Am
13. Januar 2014 (Urk.
14
/9)
meldete sie sich
unter Hinweis auf eine Polyneu
ropathie bei der
Eidgenössischen
Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Mit Verfügung vom 12. November 2014 (Urk.
14
/37) wies die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, das Leistungsbegehren ab.
Am 4. Januar 2016 (Urk. 14/43) meldete sich die Versicherte mit Verweis auf eine Polyneuropathie mit chronischer Nervenentzündung erneut bei der Invalidenver
sicherung an. Diese veranla
sste bei der MEDAS Z._
GmbH (MEDAS) eine polydisziplinäre Begutachtung (Expertise vom 8. Februar 2019, Urk. 14/108/2-109) und wies das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 9. April 2019 (Urk. 14/
114
) ab.
Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das hiesige Gericht mit Urteil IV.2019.00367 vom 17. Dezember 2019 (Urk. 14/119) gut und stellte fest, dass die Versicherte ab 1. Juli 2016 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat.
1.2
Sowohl die
GastroSocial
Pensionskasse (Urk. 2/3-5)
als
auch die Stiftung Auffan
geinrichtung BVG (Urk. 8/3) lehnten in der Folge die Ausrichtung von Invaliden
leistungen ab.
2.
Am 27. Januar 2022 erhob die Versicherte Klage gegen die
GastroSocial
Pensi
onskasse und die Stiftung Auffangeinrichtung BVG
mit dem Rechtsb
e
gehren um Verpflichtung der Beklagten 1, eventualiter der Beklagten 2, ihr eine Rente der beruflichen Vorsorge rückwirkend ab 1. Juli 2016 zuzusprechen, zuzüglich 5 % Verzugszinsen ab Klageerhebung (Urk. 1 S. 2). Die Beklagte 2 ersuchte am 3. März 2022 (Urk. 7) und die Beklagte 1 am 24. März 2022 (Urk. 9) um Abweisung der Klage. Nachdem mit Gerichtsverfügung vom 25. März 2022 (Urk. 12) die Akten der Invalidenversicherung beigezogen worden waren (Urk. 14/1-140),
hielten die Parteien im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels an den gestellten Anträgen
fest (Urk.
1
7
und Urk.
20-21), was den anderen Parteien zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 22).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invalidenversi
cherung (IVV) sowie der entsprechenden Bestimmungen des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind vorbehältlich besonderer übergangsrecht
licher Regelungen grundsätzlich diejenigen Rechtssätze
massgebend
, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestan
des Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Die vorliegend mit Klage vom
27. Januar 2022
ab 1.
Ju
l
i 201
6
geltend gemachten Rentenleistungen sind entsprechend nach den bis 31. Dezember 2021 in Kraft gestandenen Bestimmungen zu beurteilen, welche nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden
.
1.2
Nach Art. 24 Abs. 1 BVG hat der Versicherte Anspruch auf eine volle Invaliden
rente, wenn er im Sinne der Invalidenversicherung mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn er mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zur Hälfte und auf eine
Viertelsrente
, wenn er mindestens zu 40 % invalid ist. Gemäss Abs. 1 von Art. 26 BVG gelten für den Beginn des Anspruchs auf Invalidenleistungen sinngemäss die entsprechenden Bestimmungen des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung (Art. 29 IVG). Die Invalidenleistungen nach BVG werden von derjenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, welcher die den Anspruch erhebende Person bei Eintritt des versicherten Ereignisses ange
schlossen war. Im Bereich der obligatorischen beruflichen Vorsorge fällt dieser Zeitpunkt nicht mit dem Eintritt der Invalidität nach IVG, sondern mit dem Ein
tritt der Arbeitsunfähigkeit zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat (vgl. Art. 23 BVG). Auf diese Weise wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die versicherte Person meistens erst nach einer längeren Zeit der Arbeitsunfä
higkeit (nach einer Wartezeit von einem Jahr gemäss Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG in Verbindung mit Art. 26 BVG) invalid wird. Damit nämlich der durch die zweite Säule bezweckte Schutz zum Tragen kommt, muss das Invaliditätsrisiko auch dann gedeckt sein, wenn es rechtlich gesehen erst nach einer langen Krankheit eintritt, während welcher die Person unter Umständen aus dem Arbeitsverhältnis
ausgeschieden ist und daher nicht mehr dem
Obligatorium
unterstanden hat (BGE
138 V 409 E. 6, 123 V 262 E. 1b, 121 V 97 E. 2a, 120 V 112 E. 2b, je mit Hin
weisen).
1.3
Die Versicherteneigenschaft muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Verschlimmerung der Invalidität. Diese wörtliche Auslegung steht in Einklang mit Sinn und Zweck der Bestimmung, nämlich denjenigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Versicherungsschutz angedeihen zu lassen, welche nach einer längeren Krankheit aus dem Arbeitsverhältnis ausscheiden und erst später invalid
werden. Für eine einmal aus
während der Versicherungsdauer aufgetre
tene
Arbeitsunfähigkeit geschuldete Invalidenleistung bleibt die Vorsorgeein
richtung somit leistungspflichtig, selbst wenn sich nach Beendigung des Vorsor
ge
verhältnisses der Invaliditätsgrad ändert. Entsprechend bildet denn auch der Wegfall der Versicherteneigenschaft kein Erlöschungsgrund (Art. 26 Abs. 3 BVG e
contrario
; BGE 123 V 262 E. 1a, 118 V 35 E. 5).
1.4
Art. 23 BVG kommt auch die Funktion zu, die Haftung mehrerer Vorsorgeein
richtungen gegeneinander abzugrenzen, wenn eine in ihrer Arbeitsfähigkeit be
reits beeinträchtigte versicherte Person ihre Arbeitsstelle (und damit auch die Vorsorgeeinrichtung) wechselt und ihr später eine Rente der Invalidenversi
che
rung zugesprochen wird. Der Anspruch auf Invalidenleistungen nach Art. 23 BVG entsteht in diesem Fall nicht gegenüber der neuen Vorsorgeeinrichtung, sondern gegenüber derjenigen, welcher die Person im Zeitpunkt des Eintritts der invali
di
sierenden Arbeitsunfähigkeit angehörte.
Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach Been
digung des Vorsorgeverhältnisses eingetretene Invaliditätsrisiko aufzukommen hat, ist indes erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität ein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 130 V 270 E. 4.1). In sachlicher Hinsicht liegt ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Inva
li
dität zu Grunde liegende Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Sodann setzt die Annahme eines engen zeit
lichen Zusammenhangs voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig wurde. Die frühere Vorsorgeeinrichtung hat nicht für Rückfälle oder Spätfolgen einer Krank
heit einzustehen, die erst Jahre nach Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit eintreten.
1.5
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invalidenversicherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V 106 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss
sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (Art. 6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126 V 309 E. 1 in
fine
). Diese Konzeption
fusst
auf der Überlegung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Abklärungen freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurtei
lungen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Festlegung des Anspruchs auf eine
Invalidenrente
entscheidend waren (BGE 132 V 1 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leis
tungsbezug bei der Invalidenversicherung
rechtsprechungsgemäss
die freie Über
prüfbarkeit des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die Vorsorgeeinrich
tung beziehungsweise das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bundesge
richts 9C_49/2010 vom 23. Februar 2010 E. 2.1).
Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung (spätestens) ins
Vorbescheidverfahren
(Art. 73
ter
IVV) einbezogen und ihr die Rentenverfü
gung formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bundesgerichts 9C_81/2010 vom 16. Juni 2010 E. 3.1 mit Hinweisen). Dem BVG-Versicherer steht ein selbständiges Beschwerderecht im Verfahren nach IVG zu. Unterbleibt ein solches Einbeziehen der Vorsorgeeinrichtungen, ist die IV-rechtliche Festsetzung des Invaliditäts
grades (grundsätzlich,
masslich
und zeitlich) berufsvorsorgerechtlich nicht ver
bindlich (BGE 130 V 270 E. 3.1).
Stellt die Vorsorgeeinrichtung auf die invalidenversicherungsrechtliche Betrach
tungsweise ab, muss sich die versicherte Person diese entgegenhalten lassen, soweit diese für die Festlegung des Anspruchs auf eine
Invalidenrente
entschei
dend war, und zwar ungeachtet dessen, ob der Vorsorgeversicherer im Verfahren der Invalidenversicherung beteiligt war oder nicht. Vorbehalten sind jene Fälle, in denen eine gesamthafte Prüfung der Aktenlage ergibt, dass die Invaliditätsbe
messung der Invalidenversicherung offensichtlich unhaltbar war (BGE 130 V 270 E. 3.1).
2.
2.1
Die Klägerin brachte vor,
sie habe ihre 80 %-Stelle beim Restaurant
Y._
im Sommer 2013 gekündigt, nachdem sie bei der Arbeit immer stärkere Schmerzen in beiden Beinen verspürt habe und eine beidseitige
Polyneuropathie
diagnosti
ziert
worden sei. Nach der Abweisung des Rentenbegehrens durch die Invaliden
versicherung sei eine
vollumfängliche
Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer starken Schmerzsymptomatik bei einer Feinfaserpolyneuropathie sowie einer posttrau
matischen Belastungsstörung attestiert worden.
Die anschliessende Begutachtung habe weitere/andere D
iagnosen zu Tage gebracht und es sei ihr schliesslich eine ganze Invalidenrente zugesprochen worden (Urk. 1 S. 3 ff.).
Der zuständige
Gutachter
habe aus psychiatrischer Sicht zumindest sei
t
2013 eine deutliche depressive Ausprägung mit Einfluss auf die Funktionalität beschrieben und seither eine Arbeitsunfähigkeit attestiert. Tatsächlich seien die bereits während der ersten IV-Anmeldung geltend gemachten vor allem somatischen Beschwerden im Verlauf von den verschiedensten Ärzten als psychosomatisch beziehungsweise Ausdruck einer psychiatrischen Erkrankung interpretiert wo
r
den.
Sie habe ihre Stelle we
g
en massiven Beinschmerzen aufgegeben. Bis heute s
e
ien diese vorhanden und limitierten die Arbeitsfähigkeit, auch wenn heute die Beinschmerzen als Schmerzsyn
d
rom von den Ärzten interpretiert würden, zögen sich diese als konstante
,
limitierende Beschwerden seit der Auf
gabe der Arbeitstätigkeit durch (S. 7 f.).
Dass sie erst nach Beendigung des Ar
b
eitsverhältnisses eine psychiatrische The
rapie begonnen habe, könne
nicht
davon ablenken, dass bereits vor Aufnahme der psychiatrischen beziehungsweise psychologischen Therapie
dieselben
bis heute geklagten Beschwerden bestanden hätten. Es sei typisch für ihre Erkran
kung, dass psychische Beschwerden während langer Zeit
somatisiert
würden und von ihr nicht
als
psychische Beschwerden hätten wahrgenommen werden können. Zudem wäre es äusserst stossend, wenn der falsche Entscheid der IV nach der ersten Anmeldung dazu führen würde, dass sie nun ihre Ansprüche aus beruflicher Vorsorge verlieren würde (S. 8 f.).
2.2
Die Bekla
gte 1 hielt dem entgegen, dass sich das Beschwerdebild bereits zwei Jahre vor der ersten IV-Anmeldung vom Januar 2014 verschlechtert habe. Bereits zwischen September 2011 und März 2012 und damit vor Beginn der Versiche
rungsdeckung bei ihr (der Beklagten 1) sei somit sowohl seitens der Klägerin wie auch seitens des Hausarztes eine Verschlechterung dokumentiert. Die
Klägerin
habe ein Pensum von 80 % ausgeübt, welches nicht zur Unterbrechung des zeit
lichen Konnexes führe (Urk. 9 S. 6).
Zudem hätten sich während der Versicherungsdeckung lediglich Beinschmerzen manifestiert und
ab
1. Juli 2013 eine Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit bewirkt. Vorliegend stehe hingegen fest, dass der Klägerin aus somati
scher Sicht eine Verweistätigkeit im Umfang von 85 % zumutbar gewesen und ihr letztlich aufgrund der psychiatrischen Leiden eine Invalidenrente zugespro
chen worden sei. Vorliegend lägen Anzeichen vor, die dokumentierten, dass die psychischen Leiden das Krankheitsgeschehen bereits
während
der Versi
c
herungs
deckung erkennbar mitgeprägt hätten. Anzeichen (Müdigkeit) und der Verdacht auf eine psychiatrische Komponente seien erstmals im September 2013 dokumen
tiert. Auch der mediz
ini
schen Anamnese liessen sich - ausser den eigenen Aussagen der Klägerin - vor September 2013 keine Hinweise entnehmen, die darauf schliessen lassen würden, dass die psychiatrische Komponente das Krank
heitsgeschehen bis 31. Juli 2013 erkennbar mit
ge
prägt
hab
e
. Es liege somit eine Überlagerung der psychiatrischen Leiden vor, welche ohne Zweifel erst nach Beendigung des Versicherungsverhältnisses aufgetreten sei
(Urk. 9 S. 6 f.).
2.3
Die Beklagte 2
führte in ihrer Klageantwort aus, die Klägerin habe neben früheren, vorliegend nicht relevanten Taggeldbezügen in den Jahren 2008 bis 2010 erneut vom 2. April 2012 bis 2. März 2014 und vom 1. April 2014 bis 1. M
ä
rz 2015 Taggelder der Arbeitslosenversicherung bezogen. Während dieser Taggeldbezüge in den Jahren 2012 bis 2015 sei sie mangels Erreichens der Eintrittsschwelle (minimaler Tagesloh
n
) jedoch nicht gegen die Risiken Tod und Invalidität in der beruflichen Vorsorge versichert gewesen. Im Jahr 2012 habe die Eintrittsschwelle
Fr. 80.20, in den Jahren 2013 und 2014 Fr. 80.90 und im Jahr 2015 Fr. 81.20 betragen. Das von der Klägerin erzielte Taggeld habe mit Fr. 25.34 beziehungs
weise Fr. 78.17
daruntergelegen
(S. 2 f.).
3.
3.1
Die MEDAS-Gutachter nannten in ihrer interdisziplinären Gesamtbeurteilung vom 8. Februar 2019 (Urk. 14/108/2-10) folgende Diagnosen (S. 4 f.):
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
komplex traumatisierte Persönlichkeit im Sinne einer Persönlich
keits
stö
rung
mit führend
traumatisierten Anteilen (ICD-10 F60.9)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Ausprägung,
chronifiziert
anmutend (ICD-10 F33.10)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
chronifiziertes
generalisiertes Weichteil-Schmerzsyndrom (
fibromyalgie
formes
Schmerzsyndrom, ICD-10 M79.90)
-
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
leichtgradiges
zervikospondylogenes
und
lumbospondylogenes
Schmerz
syndrom bei
bisegmentaler
degenerativer
Diskopathie
zervikal
-
episodische Kopfschmerzen
bifrontal
, am ehesten primär im Sinne eines chronischen Spannungstyp-Kopfschmerzes; Differenzialdiagnose:
zerviko
ze
phale
Komponente, chronische Migräne ohne Aura
-
aktenanamnestisch Status nach leichtem
Tarsaltunnelsyndrom
links bei Status nach
Supinationstrauma
-
Hypercholesterinämie (ICD-10 E78.5)
-
Vitamin-D-Mangel (ICD-10 E55)
-
Folsäure-Mangel
-
Nikotinabusus
Die MEDAS-Gutachter führten aus, dass die Funktionsfähigkeit vor allem durch
die psychischen Gesundheitsstörungen eingeschränkt sei
(S. 5),
und attestierten im inter
disziplinären Konsens, jedoch insbesondere aufgrund der schwerwiegenden psy
chi
schen Funktionseinschränkungen, eine volle Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeit seit 1. Juli 2013 (S. 6).
3.
2
Der MEDAS-Experte Dr. med.
A._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
führte
in seinem p
sychiatrischen Teilgutachten vom 12. Dezember 2018 (Urk.
14/108/52-
34
)
aus
, dass aus psychiatrische
r Sicht ein komplexes psychi
s
ches Zustandsbild vorliege, das
grundlegende tiefgreifende persönlich
keits
immanente Anteile als Folge stattgehabter lebensgeschichtlicher Ereignisse und trauma
ti
scher Erlebnisse umfasse, auf deren Boden es im Verlauf durch Kumulation verschiedenartiger Faktoren mit Entwicklung einer vor allem depressiven Komor
bidität zur Dekompensation mit bis aktuell anhaltender schwerwiegender Beein
trächtigung der Funktionalität gekommen sei (S. 22).
Bei der
Klägerin
sei von einer tiefgreifenden Persönlichkeitsbeeinträchtigung auszugehen, die im Rahmen einer komplex traumatisierten Persönlichkeit im Sinne einer Persönlich
keitsstö
rung
mit führend
traumatisierten Anteilen einzuordnen sei (S. 26).
In der aktuellen Untersuchung habe sich gesamthaft ein als mittelgradig einzu
ordnendes depressives
Zustandsbild gezeigt
, wobei die depressive Symptomatik im Sinne einer eigenst
ändigen Erkrankung zu werten sei
, welche zwar durch äussere Faktoren und die Grundproblematik moduliert werde, im Gesamtausmass mit Einfluss auf die Funktionalität jedoch eigenständig zu werten sei. Insgesamt sei bei der
Klägerin
vom Vorliegen einer rezidivierenden depressiven Störung mit gegenwärtig mittelgradiger Ausprägung und insgesamt
chronifiziert
erschei
nendem Zustandsbild auszugehen (S. 27). Aus psychiatrischer Sicht
liege zumin
dest
seit 2013
eine deutliche depressive
Ausprägung mit Einfluss auf die Funkti
onalität
vor
. Ein Grund, warum in den Akten auch von anderen Disziplinen kein
offensichtliches depressives Zustandsbild im Verlauf genannt worden sei, möge in der
Grundpersönlichkeit
der Klägerin zu
finden
sein. Komplex traumatisierte Menschen richteten ihr Verhalten oftmals darauf aus, nach aussen hin unauffällig und funktional zu erscheinen
(S. 28).
Die
Einordnung der Schmerzproblematik aus psychiatrischer Sicht zeige sich erschwert. Im R
ahmen der aktuellen Untersuchung
hätten sich gewisse Anhalts
punkte einer somatoformen Schmerzkomponente ergeben, eine ab
schliessende Einordnung sei aus
psychiatrischer Sicht indessen nicht möglich.
Sollten sich in den aktuellen somatischen Gutachten keine entsprechenden Korrelate der Schmerzen finden, so wäre die Einordnung der Schmerzproblematik im Sinne einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren möglich (S. 29).
Dr.
A._
führte weiter aus, dass aktuell keine Psychopharmakotherapie res
pektive antidepressive Behandlung bestehe. Leitlinienkonform sei eine solche ange
sichts der Schwere der Depressivität in Erwägung zu ziehen, wegen der Grundbeeinträchtigung und der medikamentösen Vorerfahrungen – bei der
Klägerin
sei es zu subjektiven Nebenwirkungen in Form eines unan
ge
nehmen Gefühls eines Kontrollverlusts gekommen – jedoch sorgfältig abzuwä
gen. Es sei von einer Verquickung der Problematiken auszugehen, welche den direkten zu erwartenden Effekt einer antidepressiven Medikation schmälere. Das Störungsbild der
Klägerin
erscheine durch direkte therapeutische Mass
nahmen (unter anderem Medikamente) nur bedingt
angehbar
(S. 31, S. 26).
Im Weiteren sei die
Klägerin
im Abgleich zur Aktenlage in der aktu
ellen Unter
suchung in ihren Angaben konsistent und die Darstellung der Ein
schränkungen sei plausibel, in sich stimmig und valide (S. 31).
Unter dem Titel Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrisch-funktioneller Sicht führte Dr.
A._
aus, bei der
Klägerin
lägen langfristige funktionelle Beeinträchtigungen vor, die ihr seit 2013 die Ausübung einer beruf
lichen Tätig
keit verunmöglichten. Auch vor 2013 hätten funktionelle Beeinträch
tigungen vorgelegen, die jedoch durch einen überdurchschnittlich hohen Ener
gieaufwand «lebenserhaltend» kompensiert worden seien. Die Grundproblematik der
Klägerin
in Kombination mit den hinzugetretenen Komorbiditäten erschwerten respektive verunmöglichten eine «einfache» Rückkehr in die vorhe
rige Funktionalität erheb
lich. Eine willentliche Überwindung der Hindernisse erscheine aus psychiatrischer Sicht nicht möglich, zudem sei mittlerweile von einer gewissen
Chronifizierung
beziehungsweise allfällig auch einer sogenannten «Flucht in die Erkrankung» aus
zugehen. Bei der
Klägerin
bestünden vor allem im Bereich der psychischen
Stabilität verbunden mit Funktionen des Selbstvertrauens, der Offenheit gegen
über neuen Erfahrungen und der Durch
hal
te
fähigkeit erhebliche Beeinträch
tigungen. Aufgrund dieser Beeinträchti
gungen vermöge sie sich nicht in einen routinehaften Arbeitsablauf einzufügen respektive wechselnden Anforderungen gerecht zu werden. Im Weiteren seien die Planung und Ausführung von Tätig
keiten starken Schwankungen unterworfen. Eine über
mässige Flexibilität und Anpassungsfähigkeit in der Vorgeschichte als langfristig dysfunktionale Kom
pensationsstrategie sei der
Klägerin
abhandenge
kommen und sie erscheine in ihrer Flexibilität deutlich beeinträchtigt. Aufgrund eines Grundmisstrauens sei sie in Kontakten verunsichert und habe ein grosses Bedürfnis nach sozialem Rück
zug, wodurch Einschränkungen in der Gruppen- und Kontaktfähigkeit zu Dritten bestünden (S. 32 f.).
Die Ausübung der bisherigen Tätigkeit im Service erscheine aus psychiatrischer Sicht gegenwärtig vollumfänglich unzumutbar respektive die
Klägerin
sei einem Arbeitgeber nicht zumutbar. In Zusammenschau der Anamnese und des Verlaufs sei von unveränderten Verhältnissen seit der selbstinitiierten Aufgabe der Arbeitstätigkeit im Jahre 2013 (= 100 % Arbeitsunfähigkeit) auszugehen. Mittel
fristig sei nicht mit der Wiedererlangung einer verwertbaren Arbeits
fähigkeit im ersten Arbeitsmarkt zu rechnen und es bestünden aus psychiatrischer Sicht keine direkten medizinischen Massnahmen zur Steigerung der Arbeits
fähig
keit (S. 33).
Die Beurteilung einer angepassten Tätigkeit gleiche der vorgenannten Einschät
zung. Die
Klägerin
definiere sich in ihrem Selbstbild in gewisser Hinsicht über ihre Leistungsfähigkeit. Somit erscheine auch aus therapeutischer Sicht der Auf
bau einer Tagesstruktur und vor allem einer sinnstiftenden Tätigkeit im weiteren Verlauf erstrebenswert. Diese sollte jedoch primär ohne Leistungs
er
wartung und unter Berücksichtigung der körperlichen Beeinträchtigungen ge
stal
tet sein. Dabei seien stabile Verhältnisse mit Sicherheit für die
Klägerin
zwingende Vorausset
zung, wobei diese aktuell nicht als gegeben erschie
nen. Inwiefern hierdurch ein Aufbau einer verwertbaren Arbeitsfähigkeit im Verlauf möglich sei, lasse sich gegenwärtig aus psychiatrischer Sicht nicht ab
schliessend beurteilen, es sei jedoch mittel- bis langfristig von bleibenden Ein
schränkungen der Leistungsfä
higkeit auszugehen (S. 33 f.).
4.
4.1
Aufgrund der Akten ist erstellt, dass die
Rentenzusprache
wegen der psychischen Erkrankung der Klägerin erfolgte. In organischer Hinsicht zeigten sich lediglich Pathologien ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 14/108/6).
4.2
Laut Arbeitgeberbericht vom 27. Juli 2014 (Urk. 14/26) hatte die Klägerin w
ährend des letzten Anstellungsverhältnisses im Restaurant
Y._
vom 5. Juni 2012 bis 30. Juni 2013
keine krankheitsbedingten Absenzen
zu verzeichnen
(Ziff.
2.14). De
r
Grund für die Kündigung des Anstellungsverhältnisses war der Arbeit
geberin nicht bekannt (Ziff. 2.2). Hinweise auf eine am Arbeitsplatz in Erschei
nung getretene verminderte Leistungsfähigkeit sind dem Bericht nicht zu
entneh
men
.
4.3
Die erstmalige Rentenprüfung erfolgte aufgrund der in der Anmeldung vom 13.
Januar 2014 angegebenen Polyneuropathie (Urk. 14/9/5). PD Dr. med.
B._
, Facharzt Neurologie, vom regionalen ärztlichen Dienst
(RAD)
der Invalidenversi
cherung
verwies in seiner
Zusammenfassung
der medizinischen
Aktenlage
vom 27. August 2014 (Urk. 14/36/4) auf die Berichte der behandelnden Ärzte und konstatierte, dass eine MR der Lendenwirbelsäule (U
r
k. 14/18/11) sowie eine Elektroneurographie der N.
Peronei
,
tibiales
und
surales
beidseits unauffällig gewesen seien (Urk. 14/13/1). Eine vermutete Polyneuropathie als Ursache der Fussbeschwerden habe sich nicht nachweisen lassen. Der involvierte
An
giologe
Dr. med. C._
habe am 17. September 2013 einen Verdacht auf psychosomatisch bedingte Beinschmerzen diagnostiziert (vgl
. Urk. 14/13/4-5). Dr. med. D._
, Allgemeine Innere Medizin FMH,
habe
am 12. März 2014
eine Arbeitsunfähigkeit vom
1. Juli bis 3. Oktober 2013 attestiert
(vgl. Urk. 14/1
8
/
2
)
. Der RAD-Arzt befand einen Gesundheitsschaden, der eine längerdauernde und
höhergradige
Arbeits
unfähigkeit bewirke, als nicht ausgewiesen.
Aufgrund dieser Einschätzung wies die IV-Stelle das Rentenbegehren mit Verfügung vom 12. November 2014 (Urk.
14/37) ab.
5.
5.1
Im Zentrum steht die Frage, ob die ab 1. Juli 2013 attestierte Arbeitsunfähigkeit
ihren Ursprung in der psychischen Pathologie hatte, welche anschliessend ab 1.
Juli 2016 zur Invalidität geführt hat.
5.2
5.2.1
Die Arbeitsunfähigkeit ist relevant, wenn sie mindestens 20 % beträgt und sich auf das Arbeitsverhältnis sinnfällig auswirkt oder ausgewirkt hat. Es muss arbeitsrechtlich in Erscheinung treten, dass die versicherte Person im bisherigen Beruf an Leistungsvermögen
eingebüsst
hat, so etwa durch einen Abfall der Leis
tungen mit entsprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch gehäufte, gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle. Der Zeitpunkt des Eintritts der berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit muss mit dem
im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit grundsätzlich
echtzeitlich
nachgewiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch nachträgliche Annahmen und spekulative Überlegungen ersetzt werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_91/2013 vom 17. Juni 2013 E. 4.1.2 mit Hinweisen).
5.2.2
Ist die bei noch bestehender Versicherungsdeckung eingetretene Arbeitsunfä
higkeit somatisch,
die Anspruch
auf eine Rente der Invalidenversicherung begründende Invalidität jedoch psychisch bedingt, muss die Störung sich während des Vorsorgeverhältnisses manifestiert und das Krankheitsgeschehen erkennbar mitgeprägt haben. In Konstellationen der erwähnten Art ist für die Bejahung des sachlichen Konnexes in der Regel nicht vorausgesetzt, dass während der Dauer des Vorsorgeverhältnisses bzw. vor dem Ende der Nachde
ckungsfrist (für die Risiken Tod und Invalidität) die Arbeitsfähigkeit psychisch bedingt (mindestens zu 20 % wie bei körperlichen Beeinträchtigungen) einge
schränkt war. Umso grössere Bedeutung kommt dem Nachweis zu, dass das Leiden sich manifestiert und das Krankheitsgeschehen erkennbar mitgeprägt hatte, an welchen demzufolge keine zu geringen Anforderungen gestellt werden dürfen. Verlangt sind grundsätzlich echtzeitliche Belege, aus denen sich allenfalls im Verbund mit späteren fachärztlichen Berichten gewichtige Anhaltspunkte ergeben, wonach bei noch bestehender Versicherungsdeckung psychische Beein
trächtigungen mit Auswirkungen auf das Krankh
eitsgeschehen bestanden (Urteil des Bundesgerichts 9C_181/2021 vom 10. Juni 2021 E. 4.3).
5.3
MEDAS-Gutachter Dr.
A._
ging
davon aus, dass Ursache der Erkrankung
grundlegende tiefgreifende persönlichkeitsimmanente Anteile als Folge stattge
habter lebensgeschichtlicher Ereignisse und traumatischer Erlebnisse
seien,
auf deren Boden es im Verlauf durch Kumulation verschiedenartiger Faktoren mit Entwicklung einer vor allem depressiven Komorbidität zur Dekompensation mit bis aktuell anhaltender schwerwiegender Beeinträchtigung der Funktionalität gekommen sei
(E. 3.2). Damit brachte er zum Ausdruck, dass sich seiner Meinung nach eine psychische Pathologie seit längerer Zeit entwickelte und lange kompensiert werden konnte, nunmehr aber auch nach aussen sichtbar zu Tage getreten ist.
Seine Einschätzung einer
zumindest
seit 2013
deutlich depressive
n
Ausprägung mit Einfluss auf die Funktionalität
samt vollumfänglicher Arbeitsunfähigkeit
ist nicht als echtzeitlich zu werten und
entbehrt
überd
ies einer nachvollziehbaren Begründung in Bezug auf den Beginn der Arbeitsunfähigkeit. Es ist davon auszugehen, dass er den Zeitpunkt im Zusammenhang mit der Aufgabe der
letzten Arbeitsstelle wählte. An dieser Stelle war dem Arbeitgeber keine Leis
tungseinbusse aufgefallen.
Insofern ist der Verweis des Gutachters auf die Grund
persönlichkeit der Klägerin sowie implizit den Umstand, dass sie ihr Verhalten darauf ausrichtete, nach aussen hin unauffällig und funktional zu erscheinen, im
vorliegenden
Zusammenhang insofern irrelevant, als er nicht eine Arbeitsunfä
higkeit trotz fehlender psychiatrischer Diagnosestellung nachzuweisen vermag. Denn im Bereich der Berufsvorsorge ist eine Arbeitsunfähigkeit nur relevant, wenn sie sich konkret am Arbeitsplatz ausgewirkt hat.
5.
4
Echtzeitlich finden sich keine Berichte aus dem psychiatrischen Fachgebiet. Die im Rahmen des erstmaligen Rentenverfahrens eingeholten Berichte (E. 4.3) zeigten keine entsprechende Pathologie.
Die anschliessend eingegangenen Arbeitsunfähi
gkeitsatteste von Dr. med. E._
, Facharzt FMH für Neurolo
gie, und Psychotherapeutin F._
von Mitte 2016 (Urk.
14
/50 und Urk.
14
/53-54) sind ebenfalls nicht echtzeitlich. Die Klägerin nahm die Behandlung an der Neurologie am Kreuzplatz im September 2014 auf (Urk.
14
/53), mithin über ein Jahr nach dem vorliegend relevanten Zeitpunkt. Auch wenn in den Berichten der Zusam
menhang zwischen der psychischen Verfassung und dem Schmerzgeschehen dargelegt wurde, kann daraus nicht zwingend auf den Eintritt der Arbeitsunfä
higkeit aus psychischen Gründen bis 31. Juli 2013 geschlossen werden.
Faktisch geht die Argumentation von Dr.
A._
denn auch
dahin, dass
die von der Klägerin bereits im Jahr 2013 geklagten Beschwerden psychischen Ursprungs waren, dies
aber
von sämtlichen involvierten Ärzten übersehen wurde. Den Einfluss auf die Funktionalität sah er
indes
durch eine deutliche depressive Ausprägung bedingt
und erwähnte die Beinschmerzen dabei nicht. Mangels ent
sprechende
r
Korrelate der Schmerzen diagnostizierten die Gutachter dann aber eine Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren.
Als Einschränkung nannte Dr.
A._
nicht die Schmerzproblematik, sondern die psychische Stabilität verbunden mit Funktionen des Selbstvertrauens, der Offenheit gegenüber neuen Erfahrungen und der Durchhaltefähigkeit, was zur Folge hat, dass sich
die Klägerin
nicht in einen routinehaften Arbeitsablauf einfügen und wechselnden Anforderungen nicht gerecht werden kann. Im Wei
teren sind die Planung und Ausführung von Tätigkeiten starken Schwankungen unterworfen. Die frühere Flexibilität und Anpassungsfähigkeit ist der
Klägerin
abhandengekommen. Aufgrund eines Grundmisstrauens ist sie in Kontakten verunsichert und hat ein grosses Bedürfnis nach sozialem Rückzug. Dadurch bestehen Einschränkungen in der Gruppen- und Kontaktfähigkeit zu Dritten (E.
3.2).
5.5
Den Akten ist zu entnehmen, dass die Klägerin ihre Stelle im Jahr 2013 wegen den Beinschmerzen aufgegeben hat und deswegen auch in ärztlicher Behandlung war. Die vom Gutachter erwähnten funktionellen Einschränkungen zeigten sich während des Arbeitsverhältnisses nicht und dass sie bis zum Ende der Nachde
ckungsfrist (31. Juli 2013) eingetreten sind, ist nicht erstellt.
In diesem Sinn nannte auch
RAD-Arzt
PD
Dr.
B._
in seiner Stellungnahme vom 25. Februar 2019 (Urk.
14
/10
9
/7
-8
)
a
ls Einschränkungen mit Bezug auf die bis
herige Tätigkeit als Serviceangestellte schwere Beeinträchtigungen in der Anpas
sung an Regeln und Routine, der Flexibilität und Umstellfähigkeit, der Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, der Durchhaltefähigkeit, in den Funktionen von Temperament und Persönlichkeit, der psychischen Stabilität, der Offenheit gegenüber neuen Erfahrungen und beim Selbstvertrauen.
Sodann verwies er auf m
ittelgradige Beeinträchtigungen in der Selbst- und Zeitwahrnehmung, den emo
tionalen Funktionen, der psychischen Energie, im Antrieb, in der Planung und Strukturierung von Aufgaben, der Selbstbehauptungsfähigkeit, der Kontaktfähig
keit zu Dritten, der Gruppenfähigkeit sowie bei Spontanaktivitäten.
Solche Schwierigkeiten traten bis zum Ende des Anstellungsverhältnisses nicht zu Tage und es ist nicht erstellt, dass sie es bis am 31. Juli 2013 taten. Eine derartige Annahme wäre rein spekulativ und
ist
nicht belegt.
Ein Zusammenhang der nun
ein
getretenen Einschränkungen mit jenen im Sommer 2013 festgestellten wäre nur dann denkbar, wenn die Summe der bis Juli 2013 aufgetretenen Beschwerden, beinhaltend die Beinschmerzen, allein psychisch bedingt waren und gleichsam ein nicht differenzierbares Beschwerdebild bestehend aus depres
siven
Anteilen
mit sämtlichen genannten Aspekten samt Beinschmerzen vorge
legen hat und dies immer noch tut respektive
wenn
die zu Tage tretenden Beschwerden sich
innerhalb
der umfassenden Pathologie ablösen, aber zum gleichen Gesundheitsschaden zu zählen sind.
5.6
Für diese These spricht wohl, dass im Rahmen der erstmaligen Anmeldung bei der Invalidenversicherung und de
n
in diesem Zusammenhang getätigten medizi
nischen Abklärungen keine
erklärende somatische
Pathologie
gefunden wurde. Die vermutete Polyneuropathie bestätigte sich nicht und es wurde ein Verdacht auf psychosomatisch bedingte Beinschmerzen geäussert (E. 4.3).
Dass eine umfassende psychische Pathologie mit allen genannten Aspekten besteht, die damals relevanten Beinschmerzen Teil davon sind und mithin der gleiche (gross gefasste) Gesundheitsschaden nun zur
Rentenzusprache
führte, ist keineswegs abwegig und durchaus möglich.
5.7
Indessen steht fest, dass die IV-Stelle mit Verfügung vom
12. November 2014 (Urk.
14
/37) das Leistungsbegehren
der Klägerin abwies.
Da sich die Beklagte 1 auf diesen Entscheid beruft,
muss sich die
Klägerin
diese
n
entgegenhalten lassen, soweit die
Begründungselemente
für die
Verneinung
des Anspruchs auf eine
Invalidenrente
entscheidend war
en
, und zwar ungeachtet dessen,
dass die Beklagte 1 nicht b
eteiligt war.
Bei Annahme einer vollumfänglichen Arbeitsun
fähigkeit ab 1. Juli 2013 hätte die Klägerin bei Anmeldung vom
13. Januar 2014 (Urk.
14
/9)
ab 1. Juli 2014 Anspruch auf ganze Rente der Invalidenversicherung gehabt, die Abweisung des Leistungsbegehrens vom 12. November 2014 wäre demgemäss im Rechtsmittelverfahren zu korrigieren gewesen. Sie muss sich den Entscheid deshalb entgegenhalten lassen, es sei denn
eine gesamthafte Prüfung der Aktenlage ergibt, dass die Invaliditätsbemessung der Invalidenversicherung offensichtlich unhaltbar war (
E. 1.5).
Auch wenn
nun im Nachhinein
durchaus
anzunehmen ist
, dass ein psychischer Gesundheitsschaden bereits damals vorgelegen hat,
so bleibt davon der Umstand unberührt, dass es lediglich Beinschmerzen waren, die damals vorlagen, nicht aber die nun zur Invalidität führenden funktionellen Einschränkungen (
einge
schränktes
Selbstvertrauen,
fehlende
Offenheit
, fehlende
Durchhaltefähigkeit
, Schwankungen bei
Planung und Ausführung von Tätigkeiten
, fehlende
Flexibi
lität und Anpassungsfähigkeit
,
soziale
r
Rückzug
,
Einschränkungen in der Kon
taktfähigkeit
; E. 3.2).
Diese Beschwerden lagen damals nicht vor und waren jedenfalls dem Arbeitgeber nicht aufgefallen. Damit ergibt sich, dass das Erkenntnis der Invalidenversicherung (keine Invalidität aufgrund der Bein
schmerzen)
wohl diskutabel, aber
nicht eindeutig falsch und die Feststellungen
nicht
offensichtlich unhaltbar waren.
6.
Nach dem Gesagten ist der sachliche Zusammenhang zwischen den während der Versicherungsdeckung (bis 31. Juli 2013) eingetretenen Beschwerden und jenen, welche zur
Rentenzusprache
führten, nicht gegeben respektive muss sich die Klägerin die Feststellungen entgegenhalten lassen, dass keine Invalidität bestand. Die Beklagte 1 hat demgemäss nicht für die ab 1. Juli 2016 eingetretene Invali
dität einzustehen, weshalb die Klage
gegen die Beklagte 1
abzuweisen ist.
7.
Die fehlende Versicherungsdeckung bei der Bekla
g
ten 2 blieb unbestritten, wes
halb auch diese nicht zuständig
und auch die gegen sie gerichtete Klage abzu
weisen
ist.
8.
Weder die Beklagte 1 noch die Beklagte 2 begründeten, weshalb ihnen entgegen der eindeutigen Rechtsprechung eine Prozessentschädigung zuzusprechen wäre (Urk. 7 S. 2 und Urk. 9 S. 2).
Weiterungen erübrigen sich deshalb unter der Fest
stellung, dass ihnen keine Prozessentschädigung zusteht.