Decision ID: b5453d5a-09fd-58f0-ad0f-7d159fc9fcfd
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1983, meldete sich am 27. Februar 2015 unter Hinweis auf Depression und Obsession
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
6/3
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons
Zürich, IV-Stelle, sprach
ihr mit Verfügung vom
2
2.
Januar 2018
bei einem Invaliditätsgrad von
83 %
eine
ganze
Rente ab
1.
November
2016
zu (
Urk.
6/61 S. 13,
Urk.
6/68
,
Urk.
6/74
).
1.2
Nach Eingang eines am 25. Februar 2019
ausgefüllten Revi
sionsfragebogens (Urk. 6/81
) holte die IV-Stelle unter anderem bei
Dr.
med.
Y._
, FMH Psy
chia
trie und Psychotherapie, ein Gutachten ein, das am 3. Dezember 2019
erstattet wurde (Urk.
6/96/1-41
). Nach
durchgeführ
tem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 6/102
; Urk.
6/107
)
hob die IV-Stelle mit Verfügung vom
3. Juni 2020
die bisher aus
ge
richtete Rente
gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 17 % auf (Urk. 6/114
= Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
3. Juli 2020
Beschwerde gegen die Verfügung vom
3. Juni 2020
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
ihr weiterhin eine ganze Rente auszurichten (
Urk.
1
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
26. August 2020
(Urk.
5
)
die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
28. August
2020 zur Kenntnis gebracht (Urk. 7
).
Am 18. März 2021 wurde eine Instruk
tions
verhandlung durchgeführt (Protokoll S. 3), wobei die Beschwerdegegnerin im Vorfeld auf eine Teilnahme verzichtet hat
te
(vgl. Urk. 11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art.
17 Abs
.
1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich geblie
benem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder
Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wes
entlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbe
achtlich (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.2
Gemäss Art. 88a Abs. 1
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
ist eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgaben
bereich zu betätigen, oder eine Verminderung der Hilflosigkeit, des invaliditäts
bedingten Betreuungsaufwandes oder Hilfebedarfs für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche
Unterbre
-
chung
drei Monate angedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird.
Nach der bundesgerichtlichen Praxis zu Art. 88a Abs. 1 IVV ist eine Leistungs
anpassung in der Regel erst nach Ablauf von drei Monaten seit dem Eintritt der Änderung vorzunehmen (vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5.3; vgl. ZAK 1984 S. 134; vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_32/2015 vom 10. September 2015 E. 4.1 und I 583/05 vom 15. März 2006 E. 2.3.2 je mit Hinweisen).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische K
rankheit ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von
der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem
Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objekti
vierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
tu
rierten Beweisverfahren nach
BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Januar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
1.5
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, der Gesundheitszustand der Beschwerdeführer
in
habe sich gestützt auf das im Revisionsverfahren eingeholte psychiatrische Gutachten verbessert. Ihr sei seit November 2019 eine angepasste Tätigkeit zu 65 % zumutbar (S. 1). Die Ein
schränkung im Haushaltsbereich betrage 1.5 %, was insgesamt zu einem Invalidi
tätsgrad von 17 % führe. Da auch gestützt auf den Austrittsbericht der
Klinik Z._
vom 17. März 2020 keine dauerhafte Verschlechterung des Gesund
heits
zustandes ausgewiesen sei, bestehe kein Rentenanspruch mehr (S. 2).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführer
in
geltend,
gestützt auf die Berichte ihres behandelnden Psychiaters werde ihr Gesundhe
itszustand anders beurteilt. Es
sei auch weiterhin ein Rentenanspruch ausgewiesen (Urk. 1).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die bisherige ganze Rente gestützt auf eine ausgewiesene Verbesserung des Gesundheitszustandes zu Recht aufgehoben hat.
3.
3.1
Die
Rentenzusprache
erfolgte insbesondere gestützt auf das psychiatrische Gut
achten vom 26. Mai 2016 von
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM (Urk. 6/29/1-28).
Die Beschwerdeführer
in
habe angegeben, im Anschluss an die Geburt ihres So
hnes am 24. Januar 2007 ihre erste Depression entwickelt zu haben. Diese habe sich gleich angefühlt wie die jetzige, sei aber weniger schwer gewesen. Nach psy
chiatrischer und psychopharmakologischer Behandlung bis ins Jahr 2014 habe sie sich wieder normal gefühlt und sei voll arbeitsfähig gewesen. Sie habe bis zur jetzigen Depression im September 2014 keine Rückfälle gehabt.
Körperlicherseits
habe sie schon seit einiger Zeit Rückenschmerzen, welche schlussendlich im Ver
lauf des letzten Jahres immer mehr zugenommen und zu einer vollständigen Blockade geführt hätten. Kurz darauf habe sie dann wieder Depressionen be
kommen. Seit dann sei sie anhaltend und in schwerem Masse depressiv und leide an extremen Schlafstörungen. Ferner sei die jetzige Depression begleitet von zwanghaftem/
«
obsessivem» Studieren/Grübeln (S. 17 f. Ziff. 6).
Dr.
A._
gab an, die Beschwerdeführerin zeige nach wie vor alle Symptome einer mittelschweren Depression mit somatischem Syndrom. In der Hamilton De
pression
s
skala erreiche sie dementsprechend 22 Punkte, was ebenfalls einer mittelschweren Depression entspreche und somit mit dem klinischen Eindruck übereinstimme. Dieses vermehrte Grü
beln sei nicht einfach nur ein D
epression-assoziiertes Symptom, sondern vom Ausmass her eine eigenständige psychia
trische Störung im Sinne einer e
igentlichen Zwangsstörung (
Grübelzwang
; S.
18 oben).
Aufgrund der anhaltenden mittelschwer depressiven Symptomatik sei die Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin eingeschränkt: Zu 50 % von Seiten der Depres
sion und zu 50 % aufgrund der Zwangsstörung. Aus psychiatrischer Sicht bestehe daher eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 18 unten). Diese Einschränkung sei behandelbar und es sei derzeit von der Möglichkeit einer vollständigen Remission und Wiederherstellung auszugehen (S. 19 Ziff. 7).
Dr.
A._
stellte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 16 Ziff. 5.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig noch mittelschwere De
pres
sion mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11)
-
differentialdiagnostisch (DD):
Cortision
-induziert?
-
Erstdiagnose (ED):
postpartale
Depression im 2007
-
Zwangsstörung mit vor allem obsessiven Zwangsgedanken (
Grübelzwang
) und anamnestisch angeblich auch Zwangshandlungen (ICD-10 F42.0/
.
2)
-
somatisch: chronisch-rezidivierende Rückenschmerzen
3.2
Am 22. August 2016 startete die Beschwerdeführerin ein Belastbarkeitstraining, welches von ihr jedoch per 3. Oktober 2016 wieder abgebrochen wurde, da sie sich gesundheitlich nicht in der Lage gefühlt habe, die Steigerung von zwei auf drei Stunden pro Tag anzugehen (Verlaufsprotokoll Eingliederungsberatung vom 3. Oktober 2016, Urk. 6/43/1).
3.3
Die Beschwerdeführerin
wurde
seit April 2015 durch
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
im 2-Wochen-Intervall
behandelt
(Bericht vom 10. Juli 2017, Urk. 6/57 Ziff. 3.1).
Er berichtet
e
über einen
stationären Gesundheitszustand (Ziff. 1.1)
bei folgender
Diagnosestellung (Ziff. 1.2
):
-
Zwangsgedanken und -handlungen, gemischt (ICD-10 F42.2)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leicht bis mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.1)
-
Essstörung, nicht näher bezeichnet (ICD-10 F50.9)
Der behandelnde Psychiater führte aus, d
ie
Ich-bezogenen
Zwangsgedanken hätten im Vergleich zum Jahr 2015/2016 dank der Therapie und den Medika
menten etwas abgenommen.
Dennoch berichte d
ie
Beschwerdeführerin
,
dass sie teilweise ihren Körper beziehungsweise
ihre Haut nicht spüre und sie sich deshalb anfassen, reiben, kneifen, beissen oder schlecken sowie ihr Aussehen im Spiegel kontrollieren müsse. Sie fühle sich in ihren Bewegungen, ihrem Handeln und Sprechen zeitweise durch etwas Unerklärliches beeinträchtigt. Sie berichte, dass ihre Gefühle nicht zu ihren Gedanken und Handlungen passen würden. Zeitweise gerate sie in schwere Trauer und unkontrollierbare Panik und Angstzustände
.
Es bestünden keine Anhaltspunkte für Denkstörungen
und
Sinnestäuschungen. Im Affekt sei sie leicht deprimiert und
berichte
über Stimmungsschwankungen.
Die vitalen Gefühle seien weiterhin herabgesetzt, innerlich sei sie teilweise un
ruhig
. Ihr Selbstwertgefühl sei gemindert. Im Antrieb sei sie unauffällig, psycho
moto
risch teilweise unruhig. Ein- und Durchschlafstörungen seien je nach Aus
prägung der Zwangsgedanken vorhanden. Sozial habe sie sich eher zurückge
zogen. Der Appetit habe sich nach einer Magen-Operation im April 2016 etwas normalisiert. Es würden keine Hinweise für Fremdgefährdung und kein Anhalt für Suizidalität bestehen. Sie berichte jedoch über
eine
geringe Frustrations
toleranz (Ziff. 1.3).
Dr.
B._
attestierte der Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten (Ziff. 2.1).
3.4
Gegenüber der Abklärungsperson, welche am 13. September 2017 die Haushalts
abklärung erhob (vgl. Bericht vom 27. September 2017, Urk. 6/59), gab die Be
schwerdeführerin an, dass sie aus psychischen Gründen an einem Tag nach draussen gehen könne und dann zwei Wochen wieder nicht. Sie sei ruhig, denke und weine. Manchmal könne sie etwas kochen und manchmal gehe es nicht. Sie putze normal, aber es sei nicht viel. Sie denke immer, sie sei nonstop krank. Sie habe keine Lust zu leben und auf Gesellschaft von Freunden. Es gebe keinen Tag, an dem sie nicht über sich nachdenke (S. 1).
Zum Tage
s
ablauf führt
e
sie aus, sie stehe um 6 Uhr und ihr Sohn um 7 Uhr auf. Er gehe zur Schule und sie nehme wieder eine Schlaftablette und schlafe bis um 10 Uhr. Bis der Sohn am Mittag nach Hause komme, sitze sie einfach auf dem Sofa. Sie bereite etwas Kleines zu Essen zu, wenn er nach Hause komme. Er gehe wieder in die Schule und sie bleibe zu Hause. Ab und zu bei schönem Wetter gehe sie nach draussen mit dem Sohn oder dem Cousin spazieren. Am Abend komme der Ehemann um 17 oder 20 Uhr nach Hause. Wenn er um 20 Uhr komme, bereite sie dem Sohn ein Sandwich zu. Sie koche nicht am Abend, sie habe keine Kon
zentration, der Kopf sei ganz woanders. Sie zittere auch. Sie nehme die Tabletten und gehe dann ins Bett (S. 2 oben).
Bei der letzten Arbeitsstelle (
D._
, Mai bis November 2014; Tätig
keit: Reinigung) habe die Beschwerdeführerin zirka sechs Stunden pro Tag gear
beitet (S. 2
Ziff. 2.2, S. 3 Ziff. 2.3). Bei guter Gesundheit wäre sie noch immer
in einem Pensum von 60 bis 100
% erwerbstätig (Ziff. 2.5). Die Qualifikation wurde
folglich auf 80 % Erwerbstätigkeit und 20 % Haushaltsführung festgelegt (Ziff.
2.6).
Die Einschränkung im Haushaltsbereich (in den Bereichen Ernährung, Wohnungspflege und Betreuung ihres Sohnes) liege bei 12.75 % respektive einem Invaliditätsgrad von 2.55 % (S.
5 ff. Ziff. 6 f.).
3.5
Gestützt auf die Akten erklärte
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD),
die Beschwerdeführer
in
sei seit September 2014 auf dem ersten Arbeitsmarkt zu 100 % arbeitsunfähig. Unter Fortführung der fachpsychiatrischen Behandlung solle der Gesundheitszustand in ein bis zwei Jahren neu beurteilt werden (
Stellungnahme vom 17. Juli 2019,
Urk. 6/61 S. 10).
4.
4.1
Seit Einleitung der amtlichen Revision im Februar 2019 (vgl. Urk. 6/81) sind folgende Arztberichte in den Akten:
4.2
Dr.
med.
G._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, welcher die Beschwerdeführerin sporadisch wegen körperlichen Beschwerden
sehe
, konnte nach eigenen Angaben keine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vornehmen. Aus seiner Sicht seien die Gründe für eine Rente psychischer Natur (Schreiben vom 7. März 2019, Urk. 6/84/6).
4.3
Dr.
B._
berichtete am 20. Mai 2019
(Urk. 6/91)
über eine
sich
allmählich verbessernde depressive Symptomatik unter der aktuellen Behandlung (von einer mittelgradigen zu einer leichtgradigen depressiven Episode). Der bis
herige Krankheitsverlauf in Bezug auf die Zwangsstörung bleibe wechselhaft und weiterhin deutlich beeinträchtigend (S. 1 Ziff. 3). Die
Ich-bezogenen
Zwangsge
danken hätten im Vergleich zu den Jahren 2017 bis 2018 dank der Therapie und den Medikamenten etwas abgenommen (Ziff. 1.3). Es bestehe weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 1 Ziff. 5).
4.4
Am 3. Dezember
2019
erstellte
Dr.
Y._
ein psychiatrisches Gutachten (Urk. 6/96/1-41).
Im Befund
gab
Dr.
Y._
an, die Psychomotorik sowie der Antrieb seien ange
messen, lebendig und flexibel. Der Blickkontakt
werde
regelmässig gesucht und gehalten. Hinweise auf schmerzbedingte Beeinträchtigungen der Bewegung, quä
lende dauerhafte Schmerzen, repetitive Handlungen (Rituale, Zwangshand
lun
gen), Dissoziationen und/oder Stereotypien seien nicht vorhanden.
Die Beschwerdeführerin sei wach und orientiert. Die Handlungs- und Impuls
kontrolle sei stets erhalten. Sinnestäuschungen, subjektive Wahnphänomene und/oder Ich-Störungen würden auf Nachfrage verneint. Sie beschreibe einen
Grübelzwang
(Selbstzweifel, Sorgen wegen dem Sohn), der jedoch die Unter
suchung zu keinem Zeitpunkt behindere. In der Interaktion sei sie
histrionisch
(emotional expressiv), dabei sozial kompetent und angepasst. Ihr Gesprächs
verhalten sei freundlich, zugewandt und kooperativ. Sie beteilige sich vive an der Unterhaltung. Eine Verdeutlichungstendenz sei zu erkennen.
Ein affektiver Rapport komme gut zustande. Die Beschwerdeführerin sei von Suizidalität distanziert
. Ihre Grundstimmung sei
klagsam
, dabei sehr gut modu
liert. Beim Bericht über die Sorgen wegen ihres Sohnes weine sie zwei Mal kurz
zeitig. Sie nehme freudig Kontakt auf mit einem Hund in der Praxis, knie zu ihm, umarme und liebkose ihn. Nach der Bearbeitung von Selbstbeur
teilungs
frage
bögen äussere sich die Beschwerdeführerin erleichte
r
t. Sie bedanke sich beim Gutachter überschwänglich (S. 17 Ziff. 4.1
; vgl. auch S. 18 f. Ziff. 4.3
).
Die Beschwerdeführerin berichte meist im Plauderton aktiv, spontan, logisch, kohärent, sehr flüssig, differenziert und strukturiert. Die Angaben zu den (subjek
tiven) Beschwerden
blieben
allerdings auch auf mehrfache empathische Nach
frage allgemein, oberflächlich und vage
(S. 18 Ziff. 4.2).
Dr.
Y._
stellt
e
folgende Diagnose (S. 21 Ziff. 6):
-
Grübelzwang
(ICD-10 F42.0)
-
mit gegenwärtig phobisch-ängstlicher Verstimmung bei körperlichen Missempfindungen und einer übergenauen Grundhaltung
-
bei depressiver Störung (gegenwärtig remittiert, ICD-10 F32.4/33.4)
-
bei akzentuierten Persönlichkeitszügen und sozialen Belastungen
Seine Diagnosestellung leitete
Dr.
Y._
folgendermassen her: Im Oktober 2014 sei bei der Beschwerdeführerin ein depressives Syndrom im Zusammenhang mit sozialen Belastungen (familiäre Probleme, finanzielle Schwierigkeiten, Arbeits
platzprobleme) fachärztlich attestiert worden, das
nosologisch
einer mittelgradi
gen depressiven Episode bei einer rezidivierenden Störung zugeordnet worden sei. Dabei sei auch auf zwanghafte Gedanken hingewiesen worden, die im Mai 2015 zum Verdacht auf eine Zwangsstörung (vorwiegend Zwangsgedanken oder
Grübelzwang
) geführt hätten. Die depressive Symptomatik
habe
sich im Verlauf gebessert.
Im Gutachten vom 26. Mai 2016 sei von
Dr.
A._
trotzdem weiterhin eine mittelgradige depressive Episode und - ohne Berücksichtigung des Ausschluss
kriteriums gemäss ICD-10-Definition - gleichzeitig eine Zwangsstörung attestiert
worden. Zwangsgedanken (
Grübelzwang
) hätten dabei im Vordergrund gestanden
. Die vom Gutachter vermutungsweise angenommenen Zwangshandlungen seien zu diesem Zeitpunkt weder von ihm beschrieben, noch in den Akten dokumentiert worden. Die Beschwerdeführerin selbst habe entsprechende Symptome anlässlich der aktuellen Untersuchung am 12. November 2019 ebenfalls verneint (S. 21).
Trotzdem repetiere der seit April 2015 ambulant behandelnde Psychiater die Dia
gnose einer Zwangsstörung inklusive Zwangshandlungen, ohne dies zu substan
tiieren. Er erläutere auch nicht seine Einschätzung, weshalb einerseits der Ge
sund
heitszustand stationär sei, andererseits aber im Jahr 2017 die Zwangs
ge
danken im Vergleich zu 2015/2016 und dann nochmals im Jahr 2019 im Ver
gleich zu 2017/2018 abgenommen hätten. Die Zwangsgedanken seien zumindest teilweise positiv beeinflusst worden.
Ausserdem
werde
die depressive Sympto
matik im Jahr 2019 als teilremittiert und noch leicht ausgeprägt beurteilt vom behandelnden Psychiater. Die nicht näher bezeichnete Essstörung werde schliess
lich im 2019 gar nicht mehr aufgeführt. Zusammenfassend beschreibe er eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustandes, ohne dies so zu benennen (S. 22 oben).
Auch anlässlich der aktuellen Untersuchung am 12. November 2019 sei aufgrund der Angaben der Beschwerdeführerin die Diagnose
Grübelzwang
zu bestätigen. Die als eigen wahrgenommenen Kognitionen seien stereotyp, quälend und wür
den als sinnlos erlebt. Angstsymptome, innere Anspannung und depressive Ver
stimmungen würden geschildert. Widerstand sei unregelmässig vorhanden, bleibe meist erfolglos. Zwangshandlungen würden ausdrücklich von der Beschwerde
führerin weder erwähnt, noch im Sinne der psychopathologischen Definition dar
gestellt und/oder beschrieben. Sie würden auch in den Akten zu keinem Zeitpunkt objektiv dokumentiert. Zwangsphänomene seien anlässlich der aktuellen Unter
suchung nicht zu erkennen und würden die Untersuchung nicht behindern. Im
Vordergrund stünden gegenwärtig eine phobisch-ängstliche Verstimmung bei kör
perlichen Missempfindungen, Konzentrations- und Schlafstörungen. Die Tages
struktur und die Aktivitäten des täglichen Lebens würden davon tatsächlich nicht wesentlich beeinträchtigt. Soziale Belastungen könnten zu einer zeitweiligen Zunahme der Beschwerden beitragen (S. 22 f.).
Die ICD-10-Kriterien einer depressiven Episode seien jedoch nicht mehr erfüllt. Sie würden auch in den Akten weder nachvollziehbar beschrieben, noch kritisch differenziert diskutiert. Objektive psychopathologische Befunde würden spärlich bleiben (S. 23 Mitte). Die Eingangskriterien der Gruppe 1 gemäss ICD-10 seien obj
ektiv nicht erfüllt. Eine relevante (und auch noch eigenständige) depressive Episode gemäss ICD-10 bestehe somit nicht mehr (S. 24 Mitte).
Die akzentuierten (ängstlich, hypochondrisch,
histrionisch
, zwanghaft) Persön
lich
keitszüge der Beschwerdeführerin würden schliesslich eine Variante der Norm im Sinne von Eigenheiten der Person darstellen, die von sich aus alleine keinen Krankheitswert besitzen würden (S. 25 Mitte).
Schliesslich merkte
Dr.
Y._
an, der Blutspiegel von
Lorazepam
(
Temesta
) lege eine häufigere Einnahme und/oder jeweils höhere Dosierung des Medikaments nahe, als von der Beschwerdeführerin angegeben werde. Das Konsumverhalten sollte im Rahmen der Behandlung kritisch evaluiert werden (S. 26 oben).
Dr.
Y._
attestiert
e
der Beschwerdeführerin eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
in der bisherigen Tätigkeit
aufgrund eines vermehrten Betreuungsaufwandes und einer eingeschränkten Belastbarkeit bei Defiziten in den Bereichen Durchhalte
fähigkeit und Selbstbehauptungsfähigkeit. Mit Bezug
auf die
Zwangsstörung (
Grübelzwang
) könne insofern auch auf die Einschätzung von
Dr.
A._
ver
wie
sen werden. Aufgrund fehlender Dokumentation könne nicht beurteilt werden, seit wann eine Verbesserung vorliege, weshalb von einer 50%igen Arbeitsfähig
keit ab dem Zeitpunkt der Begutachtung am 12. November 2019 auszugehen sei (S. 36 Ziff. 8.1).
In angepasster Tätigkeit (strukturierte Arbeitsgestaltung, hand
lungspraktische Aufgaben, geringe Verantwortung und wenig zwischenmen
sch
liche Interaktion) sei von einer 65 bis 100%igen Arbeitsfähigkeit (phasenweise, aber nicht anhaltend
,
sei eine Einschränkung von maximal 35 % denkbar) aus
zugehen (S. 37 f. Ziff. 8.2).
4.5
Aus dem
Haushaltsabklärung
sbericht vom 24. März 2020 (Urk. 6/99), welcher sich auf die Erhebung vom
12. Februar 2020 stützt, geht hervor, dass sich der Gesundheitszustand nach Angaben der Beschwerdeführerin nicht verändert habe, sondern etwa gleichgeblieben sei. Von Januar bis März gehe es ihr psychisch nicht gut. Es sei eine Woche besser und eine Woche schlechter. Sie habe Probleme mit dem Schlafen und einen Vitamin D3- und B12-Mangel. Sie denke über andere Personen nach, immer an Dinge, die diesen passieren könnten. Sie stehe um 6
Uhr auf, wecke um 7.30 Uhr den Sohn und mache Frühstück für ihn. Am Tag vor der Erhebung sei sie den ganzen Tag im Bett gewesen und habe immer das Gleiche gedacht. Sie teile sich den Tag selber ein, wenn sie etwas mache. Sie könne nicht jeden Tag gleichviel im Haushalt ausführen. Kochen müsse sie, sie habe einen Sohn. Sie koche am Abend, bereite mehr zu und gebe es ihm in die Schule mit (
7.
Klasse einer Spezialschule mit nur sieben Kindern in der Klasse; vgl. Ziff. 2.3.1). Sie schlafe je nach Nachtschlaf auch tagsüber, bereite sich Kleinig
keiten zu Essen zu und gehe auch spazieren. Ihr Tagesablauf sei nicht jeden Tag gleich. Auch die Schwester komme sie besuchen
(S. 1 f. Ziff. 1)
.
Dem Ehemann wie auch dem Sohn (dieser leide an ADHS) seien im Rahmen der Mitwirkungspflicht die Mithilfe bei den Einschränkungen im Haushalt zumutbar (S. 3 Ziff. 6). Es wurde von der Abklärungsperson lediglich eine Einschränkung im Bereich der Kinderbetreuung im Umfang von 1.5% angerechnet (S. 5 Ziff. 6.5), was einem Invaliditätsgrad von 0.3 % im Haushaltsbereich (20 %; 80 % Erwerbs
bereich) entspreche (Ziff. 7).
4.6
Vom 9. März 2020 bis zum 17. März 2020 war die Beschwerdeführer
in
in der
Klinik Z._
per Fürsorgerischer Unterbringung (FU) hospitalisiert (Aus
trittsbericht vom 17. März 2020, Urk.
6/103
). Am Tag vor dem Eintritt habe sich zu Hause ein unklares Krampfereignis ereignet. Die Beschwerdeführerin sei not
fallmässig ins Spital
H._
zugewiesen worden, wo die Muskelkrämpfe am ehesten im Rahmen eines
Benzodiazepinentzugs
interpretiert worden seien. Hin
weise auf ein generalisiertes tonisch-klonisches Anfallsgeschehen hätten sich
elektroenzephalographisch
keine ergeben (S. 1 unten).
Der Fokus während der Hospitalisierung habe auf der emotionalen Stabilisierung sowie dem
Benzodiazepinentzug
gelegen. In den ersten Tagen sei es zu leichten Entzugssymptomen gekommen, jedoch zu keinem Krampfereignis oder sonstigen Komplikationen.
Diazepam habe auf 20 mg/Tag reduziert werden können. Wäh
rend des Aufenthalts sei es zu einer deutlichen Zustandsstabilisierung gekommen (S. 2 f.).
Ein weiterer Abbau von Diazepam werde als indiziert erachtet (S. 3 unten).
4.7
Nach Ansicht des RAD könne - insbesondere auch trotz der Hospitalisierung in der
Klinik Z._
-
weiterhin
auf das Gutachten von
Dr.
Y._
abgestellt werden. Der gesundheitliche Zustand habe sich zunehmend stabilisiert und die durchgeführten Belastungsproben seien komplikationslos verlaufen (vgl. Stel
lung
nahmen vom 11. Dezember 2019, Urk. 6/101/5-7; sowie vom 2. Juni 2020, Urk.
6/113
/3).
5.
5.1
Das Gutachten vom 3. Dezember 2019 von
Dr.
Y._
(vgl. E. 4.4) entspricht
den
praxisgemässen
Anforderungen an den Beweiswert einer Expertise
(vgl. E. 1.6)
. Es ist für die streitigen Belange umfassend, beantwortet es doch die Fragen nach den vorliegenden Befunden, den zu stellende
n Diagnosen und der Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit. Das Gutachten beruht sodann auf den erforderlichen Untersuchungen und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstellt. Der
Gutachter legte die medizinischen Zusammenhänge ein
leuchtend dar, beurteilte die medizinische Situation überzeugend und setzte sich mit den geklagten B
eschwerden und dem Verhalten der Beschwerdeführerin
auseinander.
Ein Vergleich zum Zeitpunkt der
Rentenzusprache
zeigt, dass damals
unter ande
rem
eine
rezidivierende depressive Störung im
leicht
- bis mittelgradigen Ausmass
vorlag
(vgl. E. 3.1, E. 3.3)
.
Aktuell
ist gestützt auf die Darlegung
von
Dr.
Y._
von keiner eigenständigen depressiven Störung mehr auszugehen. Objektive psychopathologische Befunde sind höchstens spärlich vorhanden und vermögen die ICD-10-Kriterien einer depressiven Episode nicht mehr zu erfüllen, was der Gutachter nachvollziehbar aufzeigte (vgl. E. 4.4).
Sodann verneinte die Beschwerdeführerin gegenüber
Dr.
Y._
ausdrücklich das Vorliegen von Zwangshandlungen (vgl. Urk. 6/96/23 oben), welche noch in der Diagnosestellung von
Dr.
A._
genannt
worden waren
. Während der Begut
ach
tung hätten sich keine Zwangsphänomene gezeigt oder gar die Untersuchung beeinträchtigt.
Dem noch immer vorliegenden
Grübelzwang
trug
Dr.
Y._
insofern Rechnung, als dieser die Beschwerdeführerin bis zu 35 % in ihrer Arbeitsfähigkeit in ange
passter Tätigkeit einschränken kann.
Sodann ist die von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob sich
der psy
chiatrische Gutachter an die
massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indi
katoren eingeschätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), klar zu bejahen. Die funk
tio
nellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grundlage lassen sich anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchs
frei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen, weshalb auf das Gutachten abzustellen ist. Der psychiatrische Experte hat nachvollziehbar und in umfassender Diskussion der Befunde, Funktionseinbussen und Ressourcen (vgl. Urk. 6/96/27) sowie unter Einbezug einer Konsistenz- und Plausibilitätsprüfung (Urk. 6/96/29-36) aus versicherungsmedizinischer Sicht dargelegt, dass
die Be
schwer
deführerin an
einer
selbst
ändigen psychischen Erkrankung
leidet, welche ihre Erwerbsmöglichkeiten im Umfang von bis zu 35 %
einschränkt.
Der psychia
trische Sachverständige hat damit seine Arbeitsunfähigkeitsschätzung unter Be
ach
tung der massgebenden Indikatoren (Beweisthemen) hinreichend und nach
vollziehbar begründet (vgl. BGE 145 V 361).
Damit hat es sein Bewenden, da insbesondere weder die Beschwerdegegnerin noch die Beschwerdeführerin das Gutachten von
Dr.
Y._
an sich
bemängelten.
5.2
Die Beschwerdeführerin
machte geltend, sie habe gestützt auf die Beurteilung ihres behandelnden Psychiaters weiterhin Anspruch auf ihre bisherige Rente.
Zwar ist es zutreffend, dass
Dr.
B._
die ihr zumutbare Arbeitsfähigkeit anders einschätzt
e
als der Gutachter
und ihr weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte
.
Allerdings kann a
uf
die
Beurteilung
des behandelnden Psychiaters
n
icht abgestellt werden. Denn auch
er
berichtete über eine Verbesserung der depressiven Symptomatik sowie der Zwangsgedanken.
In
so
weit ist auch gestützt auf seine Berichte von einer gesundheitlichen Verbesse
rung auszugehen (vgl. E. 4.3).
Weshalb er dennoch weiterhin eine vollständige Arbeitsu
nfähigkeit attestiert, ist weder begründet noch
nachvollziehbar.
In Bezug auf Berichte von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften ist auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Be
gut
achtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn di
e behandelnden Arztpersonen beziehungsweise
Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abwei
chende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_677/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E. 7.2 mit Hinweisen, u.a. auf SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06]).
Dr
. B_
nannte keine objektiv feststell
baren Gesichtspunkte, welche Zweifel am Gutach
ten begründen würden.
5.3
Anzufügen bleibt schliesslich, dass auch der stationäre Aufenthalt in der
Klinik Z._
daran nichts zu ändern vermag. Anlass für diese Behandlung war ein unklares Krampfereignis, welches im Rahmen eines Medikamentenentzugs gesehen wurde. Während dem Aufenthalt sei es dann auch zu einer deutlichen Stabilisierung ihres Zustandes gekommen. Insbesondere wiesen die Ärzte auch auf einen ind
i
zierten weiteren Medikamentenabbau hin (vgl. E. 4.6).
In diesem Zusammenhang ist zu bemerken, dass bereits
Dr.
Y._
darauf hingewiesen hatte, dass der Blutspiegel eine häufigere Einnahme beziehungsweise eine höhere Dosierung nahelege als von der Beschwerdeführerin angegeben und das Kon
sumverhalten im Rahmen der Behandlung kritisch evaluiert werden solle (
Urk.
6/96 S. 26 oben).
Eine anhaltende Zustandsverschlechterung bis zum Verfü
gungszeitpunkt machte die Beschwerdeführerin auch anlässlich der Instruktions
verhandlung vom 18. März 2021 nicht geltend, sie wies aber auf ihren schlechten Gesundheitszustand hin. Diese subjektiven Angaben lassen sich, wie ausgeführt, nicht über das von
Dr.
Y._
aufgezeigte Ausmass objektivieren.
5.4
Nach dem Gesagten ist gestützt auf die vorliegenden Akten
seit November 2019
eine revisionsrechtlich erhebliche tatsächliche Änderung ausgewiesen und insbe
sondere gestützt auf das Gutachten vom
3
.
Dezember 2019
von einer zu
mutbaren Arbeitsfähigkeit von mindestens 65
% in angepasster Tätigkeit auszugehen.
6.
Sowohl die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Beurteilung der Status
frage (80 % im Erwerbs-, 20 % im Haushaltsbereich; vgl. E. 4.5) wie
auch
die
Invaliditätsbemessung (vgl. Urk. 2 S. 2; siehe auch Einkommensvergleich vom
30. März 2020, Urk. 6/100; Feststellungsblatt vom 30. März 2020, Urk. 6/101/7-8)
blieben beschwerdeweise unbestritten und sind nach
der
Akten- und Rechtslage
im Ergebnis
nicht zu beanstanden.
Dementsprechend ist von einem Teilinva
lidi
tätsgrad von
17
.6
% im Erwerbsbereich
(Anteil 80
%
, Einschränkung 22
%
)
und einem solchen von 0.3 % im Haushaltsbereich
(Anteil 20
%
, Einschränkung 1.5
%
)
auszugehen, was einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von
(gerundet
, vgl. BGE 130 V 121
)
18
%
.
Nac
h dem Gesagten erweist sich der an
gefochtene Entscheid
als rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
7.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rensaufwand und unabhängig v
om Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr. 8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.