Decision ID: 745606ac-a2c8-5588-b23a-dc6865866479
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin verliess ihren Heimatstaat gemäss eigenen Anga-
ben im (...) 2017 in Richtung Nepal. Am (...) April 2018 reiste sie in die
Schweiz ein und suchte gleichentags um Asyl nach. Anlässlich der Befra-
gung zur Person (BzP) vom 17. April 2018 und der Anhörung vom 18. Ok-
tober 2018 brachte sie im Wesentlichen Folgendes vor:
Sie sei chinesische Staatsangehörige tibetischer Ethnie und stamme aus
der Stadt B._, in der Autonomen Region Tibet der Volksrepublik
China. Dort habe sie zusammen mit ihren Eltern (Vater 2013 verstorben)
gelebt. Sie habe während ungefähr zehn Jahren die Schule besucht und
danach gelegentlich in einem Restaurant gearbeitet. Bereits im Jahr 1987
habe sie an einer Demonstration teilgenommen, damals habe sie den Be-
hörden jedoch unerkannt entkommen können. Im Rahmen der Unruhen im
Jahr 2008 sei ihr Haus enteignet worden. Am 1. Juni 2017 habe sie anläss-
lich eines Kinderfestes in B._ zusammen mit drei Freunden Plakate
aufgehängt, mit welchen sie die Unabhängigkeit Tibets forderten. Bereits
nach etwa zehn Minuten sei die Polizei gekommen und habe sie verfolgt.
Sie habe zusammen mit einem ihrer Freunde fliehen können und ihren Hei-
matort direkt und den Heimatstaat am (...) 2017 in Richtung Nepal verlas-
sen. Die Polizei habe sie nach dem Kinderfest bei ihrer Mutter gesucht.
Diese müsse seither wöchentlich eine Unterschrift auf dem Polizeiposten
leisten. Sie habe sich fast neun Monate in C._ bei einer Gastfamilie
in Nepal gelassen.
Als Beweismittel reichte die Beschwerdeführerin eine Kopie ihres Famili-
enbüchleins sowie ihrer chinesischen Identitätskarte und drei Fotos von
Verwandten und ihr selbst in D._ ein.
B.
Am 20. Mai 2019 führte die Fachstelle LINGUA im Auftrag des SEM im
Hinblick auf eine Analyse der landeskundlich-kulturellen Kenntnisse der
Beschwerdeführerin und ihres linguistischen Profils ein Telefoninterview
durch. Der Experte der Fachstelle kam aufgrund dieses Interviews in sei-
nem Gutachten vom 28. Juni 2019 zum Schluss, dass zwar sehr wahr-
scheinlich eine frühe Sozialisation der Beschwerdeführerin in der Stadt
B._ stattgefunden habe, sie aber wohl viel früher als behauptet aus
ihrem Heimatland ausgereist sei. So habe sie eine Reihe von landeskund-
lich-kulturellen Kenntnissen, welche aber zum Teil veraltet seien. Ausser-
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dem hätten sich darin einige Unstimmigkeiten und Lücken gefunden. Be-
treffend den linguistischen Teil der Analyse führte der Experte aus, dass in
allen analysierten Bereichen der Sprache der Beschwerdeführerin zahlrei-
che Einflüsse der exiltibetischen Koine festzustellen seien. Dies sei auch
unter Berücksichtigung des etwas mehr als eineinhalbjährigen Aufenthalts
im Exil (Nepal und Schweiz) unerwartet. Deshalb müsse die im Exil ver-
brachte Zeit, während der die Beschwerdeführerin einer exiltibetischen Ge-
meinschaft ausgesetzt gewesen sei, bedeutend länger ausgefallen sein als
angegeben.
C.
Mit Schreiben vom 29. August 2019 gewährte die Vorinstanz der Be-
schwerdeführerin das rechtliche Gehör und informierte sie unter Beilage
der Qualifikation der sachverständigen Person über den wesentlichen In-
halt des sie betreffenden Lingua-Gutachtens.
D.
In ihrer Stellungnahme vom 5. September 2019 (Eingang SEM) hielt die
Beschwerdeführerin an ihren Herkunftsangaben und dem angegebenen
Ausreisezeitpunkt fest. Sie führte unter anderem aus, dass sie nicht Chi-
nesisch sprechen könnte, wenn sie nicht aus Tibet kommen würde. Zu ei-
nem Teil der vorgeworfenen Widersprüche könne sie keine Ausführungen
machen, da ihr diese nicht vollständig offengelegt worden seien. Ihr Dialekt
weise Ähnlichkeiten zum in D._ gesprochenen Dialekt auf, da der
Vater ihres Sohnes aus D._ stamme und ihre Schwester seit langer
Zeit dort lebe. Ausserdem sei B._ eine grosse Stadt geworden, in
welcher sich Personen aus ganz Tibet angesiedelt hätten. Es liesse sich
dort daher kein genauer Dialekt mehr lokalisieren.
E.
Mit Verfügung vom 14. April 2020 verneinte das SEM die Flüchtlingseigen-
schaft der Beschwerdeführerin und wies ihr Asylgesuch ab. Gleichzeitig
ordnete es die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug der Weg-
weisung an, wobei ein Wegweisungsvollzug in die Volksrepublik China
ausdrücklich ausgeschlossen wurde.
F.
Mit Beschwerde vom 30. April 2020 an das Bundesverwaltungsgericht be-
antragt die Beschwerdeführerin die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfü-
gung, die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft sowie die Gewährung
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von Asyl. Es sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzuläs-
sig, unzumutbar und unmöglich sei, und es sei die vorläufige Aufnahme
anzuordnen.
In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung unter Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses so-
wie um die Einsetzung eines amtlichen Rechtsbeistands. Eventualiter sei
die aufschiebende Wirkung wiederherzustellen.
Der Beschwerde legte sie eine Fürsorgebestätigung des E._ vom
4. Mai 2020 bei.
G.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 7. Mai 2020 den Eingang der
Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft
getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige
Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG
vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbezeich-
nung verwenden wird.
1.3 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
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Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.4 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.5 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,
ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Da der Beschwerde von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu-
kommt (vgl. Art. 42 AsylG und Art. 55 Abs. 1 VwVG) und die Vorinstanz
diese nicht entzogen hat, wird auf den Eventualantrag, der Beschwerde sei
die aufschiebende Wirkung zu erteilen, mangels Rechtschutzinteresses
nicht eingetreten.
4.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
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politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.3 Glaubhaftmachung bedeutet – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein
reduziertes Beweismass und lässt Raum für gewisse Einwände und Zwei-
fel an den Vorbringen. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtig-
keit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei
ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Bei der Beurteilung der
Glaubhaftmachung geht es um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente, die
für oder gegen den Beschwerdeführer sprechen. Glaubhaft ist eine Sach-
verhaltsdarstellung, wenn die positiven Elemente überwiegen. Für die
Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vor-
bringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte we-
sentliche und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachver-
haltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.1).
5.4 Asylsuchende sind verpflichtet, an der Feststellung des Sachverhalts
mitzuwirken. Sie müssen ihre Identität offenlegen sowie Reisepapiere und
Identitätsausweise abgeben. Der Untersuchungsgrundsatz findet unter an-
derem seine Grenzen an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person
(Art. 8 AsylG, vgl. BVGE 2014/12 E. 6 S. 213 f.).
6.
6.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids führte die Vorinstanz
aus, die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen würden den Anforde-
rungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftmachung nicht genügen, weshalb
die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG nicht
erfülle.
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Die sachverständige Person sei bei der Evaluation der landeskundlich-kul-
turellen Kenntnisse der Beschwerdeführerin zum Schluss gekommen,
dass sie betreffend ihrer Heimatregion über ein relativ breites historisches
Wissen verfüge. Es hätten sich aber Lücken und Unstimmigkeiten ergeben,
die vor ihrem angegebenen biografischen Hintergrund nicht erklärbar
seien. So sei es überraschend, dass eine Person, die einundfünfzig Jahre
in Tibet gelebt habe und erst im Jahr 2017 ausgereist sei, einen veralteten
Begriff für die administrative Einheit «(...) B._» verwende. Zudem
seien die Angaben bezüglich der Ausstellungsjahre und Geltungsdauern
ihrer Personalausweise nicht nachvollziehbar. Ausserdem sei die von ihr
angegebene Anzahl Schulstufen der Grundschule unzutreffend, obwohl ihr
Sohn vor ihrer Ausreise die Grundschule besucht haben müsste. Ihre Spra-
che weise ausserdem zahlreiche Einflüsse der exiltibetischen Koine auf. In
den Bereichen der Morphologie und Lexik hätten die Gemeinsamkeiten mit
der exiltibetischen Koine trotz Gemeinsamkeiten zum B._-Dialekt
überwogen. Gemäss der sachverständigen Person sei dies auch unter Be-
rücksichtigung des behaupteten, etwas länger als eineinhalb Jahre dau-
ernden Aufenthalts im Exil (Nepal, Schweiz) unerwartet. Ihre Chinesisch-
kenntnisse erfüllten aber die auf ihrer Biografie basierenden Erwartungen.
Es liege die Vermutung nahe, dass die Beschwerdeführerin eine Zeit lang
– vermutungsweise bis zum Erwachsenenalter – in Tibet gelebt habe. Hin-
gegen würden der signifikante Einfluss der exiltibetischen Koine in ihrer
Sprache und die Lücken und Unstimmigkeiten im biografischen Hinter-
grund auf einen ausgedehnten Aufenthalt im Exil hinweisen. Es sei folglich
abschliessend festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin sehr wahr-
scheinlich in der Stadt B._ teilsozialisiert worden, aber deutlich frü-
her als angegeben ausgereist sei. In ihrer Stellungnahme zu den Abklä-
rungsergebnissen habe sie nichts entgegenhalten können, was zu einer
anderen Einschätzung führen könnte. So sei beispielsweise auffällig, dass
sie anlässlich der Stellungnahme angegeben habe, ihr Sohn habe lediglich
zwei Jahre Privatunterricht erhalten und nie die Regelschule besucht, hin-
gegen anlässlich der Anhörung erklärte, er habe die Schule in der Heimat
während sechs Jahren besucht. Ferner sei nicht nachvollziehbar, wie der
Vater ihres Sohnes, den sie seit dem Jahr 2005 nicht mehr gesehen habe,
ihre Sprache mit seinem D._-Dialekt vor etwa zwölf Jahren derart
nachhaltig habe beeinflussen können. Dasselbe gelte für den angeblichen
Einfluss des D._-Dialektes ihrer Schwester, besonders unter Be-
rücksichtigung der grossen räumlichen Entfernung zu dieser. Die Zweifel,
dass die Beschwerdeführerin bis zu ihrer Ausreise aus der Volksrepublik
China (...) Jahres 2017 in B._ gelebt habe, verstärkten sich damit
erheblich.
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Ferner habe sie zur vorgetragenen Biographie anlässlich der BzP und der
Anhörung diverse Angaben gemacht, welche auf eine frühere Ausreise aus
China deuten würden. Beispielsweise habe sie erklärt, dass sie bis ins Jahr
2017 im Dorf F._, G._ in B._ (...), gelebt habe. Sie
habe jedoch nicht gewusst, welche Einheitsbezeichnung G._ habe,
denn früher hätten die Einteilungsbezeichnungen anders gelautet. Diese
Aussage erstaune anlässlich des Umstandes, dass sie ihren Angaben zu-
folge bis 2017 dort gelebt habe und bis zum Zeitpunkt der BzP demnach
nicht einmal ein Jahr vergangen sei. Ausserdem falle auf, dass sie ihren
Sohn nicht erwähnt habe, als sie alle Personen aufgezählt habe, die mit ihr
an der obigen Adresse gelebt hätten. Auch ihre Angaben betreffend die
Kontaktaufnahme mit der Familie erscheinen konstruiert. So habe sie seit
ihrer Ausreise keinen Kontakt mehr zu ihrer Familie. Ihre Mutter und
Schwester in China würden sich vor einer Überwachung der chinesischen
Behörden fürchten. Dass die Beschwerdeführerin jedoch ebenso wenig
Kontakt zu ihrem Sohn in Nepal pflege, sei hingegen nicht nachvollziehbar.
Überdies scheine ihre Erklärung, ihr Handy mit der Nummer ihres Sohnes
verloren zu haben und wegen ihres verletzten Fusses keinen Kontakt her-
stellen zu können, angesichts der globalen Vernetzungsmöglichkeiten so-
wie technischen Möglichkeiten, verlorene Kontakte wiederherzustellen,
eine Schutzbehauptung zu sein. Diese Einschätzung werde ferner dadurch
untermauert, dass sie nicht wisse, wo genau sich ihr Sohn aufhalte oder
ob er zur Schule gehe, und gleichzeitig nicht aktenkundig sei, welche ernst-
haften Anstrengungen sie unternommen habe, um ihn ausfindig zu ma-
chen. Dies sei angesichts der Angabe, dass sie fast neun Monate in Nepal
gewesen sei, erstaunlich und lasse vermuten, dass sie im Zusammenhang
mit ihrer Biographie wichtige Eckdaten zu verheimlichen versuche. Ausser-
dem habe sie zwar geltend gemacht, dass sie ihre Identitätskarte im Jahr
2012 habe ausstellen lassen. Hingegen handle es sich beim eingereichten
Beweismittel lediglich um eine Kopie, womit die Echtheit des Dokuments
nicht überprüft und ihm kein Beweiswert zugesprochen werden könne.
Es sei der Beschwerdeführerin folglich nicht gelungen, glaubhaft zu ma-
chen, zum angegebenen Zeitpunkt und aus den von ihr geltend gemachten
Fluchtgründen aus der Volksrepublik China ausgereist zu sein. Den er-
wähnten Asylgründen werde damit jegliches glaubhafte Fundament entzo-
gen. Die Ausführungen der Beschwerdeführerin zur Protestaktion hätten
kaum Realkennzeichen beinhaltet. Dies falle besonders im Vergleich zu
ihren Schilderungen der Ausreise aus China auf, die sich durchaus ereig-
net haben könne, jedoch nicht zum geltend gemachten Zeitpunkt. So habe
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sie auf die Frage, was zur Plakataktion geführt habe, ein Ereignis angege-
ben, welches sich im Jahr 2005 ereignet habe. Auf Nachfrage habe sie
lediglich erklärt, dass sie schon lange einen inneren Drang zu protestieren
verspürt habe. Als Grund, warum sie erst im Jahr 2017 protestiert habe,
habe sie angegeben, dass ihr Vater vorher noch gelebt habe. Zusätzlich
zum vagen Charakter dieser Antwort falle auf, dass der Vater der Be-
schwerdeführerin bereits vier Jahre vor der Plakataktion verstorben sei.
Auch auf die Frage, wie die herumstehenden Leute am Fest reagiert hät-
ten, habe sie lediglich geantwortet, dass diese zurückgeschaut hätten.
Weitere Fragen habe sie widersprüchlich, nicht nachvollziehbar und vage
beantwortet, beispielsweise wie die Behörden sie identifiziert hätten oder
wann sie erfahren habe, dass ihre Mutter einer Meldepflicht nachgehen
müsse. Somit gelte es festzuhalten, dass sie weder ihre mit der angebli-
chen Protestaktion in Zusammenhang stehenden Verfolgungsvorbringen
noch ihren Aufenthalt in Tibet bis zu ihrer angeblichen Flucht habe glaub-
haft machen können. Vielmehr sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin vor ihrer Ankunft in der
Schweiz zumindest während längerer Zeit nicht in der Volksrepublik China,
sondern in der exiltibetischen Diaspora gelebt habe. Da sich aufgrund der
Akten keine konkreten Hinweise auf einen längeren Aufenthalt in einem
Drittstaat ergeben würden, kommt gemäss Vorinstanz die Regelvermutung
zur Anwendung, wonach keine flüchtlingsbeachtlichen Gründe gegen eine
Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort bestehen würden.
6.2 Die Beschwerdeführerin hält dem in ihrer Beschwerdeschrift entgegen,
das SEM habe ihr aufgrund des Lingua-Gutachtens nicht geglaubt, dass
sie aus Tibet stamme. Dies obwohl der Experte festgehalten habe, dass
sie sehr viel über ihre Heimat gewusst habe und sie sicher aus Tibet
stamme. Ausserdem bekennt sie sich dazu, bisher verschwiegen zu ha-
ben, dass ihr Sohn im Kloster sei. Als er im Alter von drei Jahren gewesen
sei, hätten Geistliche erklärt, dass er eine Reinkarnation eines Lamas, ei-
nes hohen religiösen Würdenträgers, sei. Er sei daher bereits in diesem
jungen Alter ins (...) Kloster in Osttibet gegangen, um sich dort der religiö-
sen Ausbildung zu widmen. Einige Tibeter hätten ihr geraten, diese Tatsa-
che zu verschweigen, was zu einer Reihe von Missverständnissen geführt
habe. Es würde allerdings auch erklären, weshalb sie sich betreffend die
Grundschule widersprochen und ihren Sohn bei Angabe der im gleichen
Haushalt lebenden Personen nicht erwähnt habe. Hinsichtlich ihrer Spra-
che führte sie aus, dass sie einen sehr starken Dialekt habe und es daher
gewohnt sei, ihre Sprache im Umgang mit Personen aus anderen Regio-
nen anzupassen. So habe sie es auch im Telefonat mit der Interviewerin
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gemacht. Auch der Dolmetscher bei der Anhörung habe sie scheinbar nicht
immer verstehen können. Dieser sei ihr ohnehin etwas suspekt gewesen.
Er habe ihre Antworten immer sehr kurz und zusammengefasst übersetzt
und ihre Frage nach seiner Herkunft sogleich der Fachspezialistin gemel-
det. Dessen sei sie sich bisher nicht bewusst gewesen. Sie versichere,
dass sie an der Plakatklebeaktion dabei gewesen sei und sich alles so zu-
getragen habe, wie sie es geschildert habe. Ausserdem habe sie bereits
1987 an Protesten teilgenommen. Als ihre Eltern älter geworden seien,
habe sie jedoch die Verantwortung im Haushalt übernehmen müssen und
sei auch nach dem Tod ihres Vaters zu stark eingebunden gewesen, um
an Protestaktionen teilzunehmen. Erst 2017 habe sich schliesslich die Ge-
legenheit ergeben. Danach habe sie das Land illegal verlassen. In Nepal
seien sie bei einer Gastfamilie untergekommen und hätten mit dem Handy
ihres Sohnes mit ihrer Mutter Kontakt aufnehmen können. So habe sie von
der Meldepflicht ihrer Mutter erfahren. Sie habe ihren Sohn bei der Gastfa-
milie zurücklassen müssen, da sie sich die Reise nicht für beide habe leis-
ten können. Die Gastfamilie habe gesagt, dass sie ihren Sohn in ein Kloster
bringen werde, sollte sie sich nach ihrer Ausreise nicht mehr melden. Wäh-
rend ihrer Reise habe sie die Kontakte zu dieser Gastfamilie verloren, wes-
halb sie auch nicht wisse, in welches Kloster ihr Sohn gebracht worden sei.
Aufgrund ihrer Beinverletzung habe sie bis heute noch keinen Kontakt zur
hiesigen tibetischen Community herstellen können. Sie hoffe, dass sie bald
jemanden treffe, der nach Nepal reise und nach ihrem Sohn suchen könne.
7.
7.1 Die Vorinstanz hat ihre Erkenntnis der Unglaubhaftigkeit der Herkunfts-
angaben und mithin der Asylvorbringen der Beschwerdeführerin unter an-
derem auf das Ergebnis des Lingua-Berichts vom 28. Juni 2019 abgestützt.
Dessen Verwertbarkeit ist vorab von Amtes wegen zu prüfen.
7.2 Sofern bestimmte Anforderungen an die fachliche Qualifikation, Objek-
tivität und Neutralität der sachverständigen Person wie auch an die inhalt-
liche Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit der Analyse erfüllt sind, ist ei-
ner LINGUA-Analyse nach der Rechtsprechung erhöhter Beweiswert bei-
zumessen (vgl. BVGE 2014/12 E. 4.2.1 mit Hinweis auf EMARK 2003
Nr. 14 E. 7 und EMARK 1998 Nr. 34).
7.3 Gestützt auf die Auswertung des Telefoninterviews kam die sachver-
ständige Person in ihrem Bericht zum Schluss, dass die Beschwerdefüh-
rerin zwar sehr wahrscheinlich aus der Stadt B._ stamme, sie aber
wohl viel früher als behauptet aus ihrem Heimatland ausgereist sei.
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Seite 11
7.4 Die fachliche Eignung der sachverständigen Person steht vorliegend
nicht in Frage. Inhaltlich erscheint die LINGUA-Analyse sehr ausgewogen.
Die Evaluation ist fundiert und mit einer überzeugenden sowie
ausgewogenen Begründung versehen. Sie basiert auf einer Vielzahl
unterschiedlicher Fragen, die sich auf das Alltagswissen sowie das
spezifische Profil der Beschwerdeführerin beziehen. In diesem
Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass für die Einschätzung der
landeskundlichen Kenntnisse sowie des sprachlichen Ausdrucks der
Beschwerdeführerin dem von ihr behaupteten biografischen Hintergrund
ausdrücklich Rechnung getragen wurde. Gestützt auf eine linguistische
Analyse, welche vom soziolinguistischen Profil der angeblichen
Herkunftsregion der Beschwerdeführerin ausging, wurden Phonetik/Pho-
nologie, Morphologie und Lexikon ihres effektiven Sprachgebrauchs mit
dem zu erwartenden sprachlichen Profil abgeglichen. Für die Aussagekraft
des Ergebnisses der Lingua-Analyse spricht auch die Tatsache, dass
differenziert begründet wurde, dass die Sozialisation der Beschwerde-
führerin in der Stadt B._ durchaus möglich sei, aufgrund der ver-
alteten Kenntnisse über die Region aber von einem früheren Zeitpunkt der
Ausreise ausgegangen werden müsse. Somit sind sowohl Pro- als auch
Contra-Argumente berücksichtigt worden.
Festzuhalten ist, dass die Beschwerdeführerin diese Einschätzung im Rah-
men der Gewährung des rechtlichen Gehörs offensichtlich nicht in Zweifel
zu ziehen vermochte. Die Vorinstanz hat mit nachvollziehbarer Begrün-
dung dargelegt, weshalb die Fluchtgründe der Beschwerdeführerin ober-
flächlich und vage ausgefallen sind, mithin den Anforderungen an das
Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG nicht zu genügen vermögen. Um
Wiederholungen zu vermeiden, kann im Übrigen auf die korrekten Darle-
gungen des SEM verwiesen werden (vgl. E. 6.1).
Auch auf Beschwerdeebene wird dem nichts Stichhaltiges entgegenge-
setzt. Ihr Erklärungsversuch, ihren Dialekt aufgrund häufiger Verständi-
gungsprobleme mit Personen aus anderen Regionen angepasst zu haben,
überzeugt nicht, zumal sie zu Beginn des Telefoninterviews explizit darauf
hingewiesen wurde, in ihrem Heimatdialekt zu sprechen (vgl. A20 S. 2). Die
Darlegung der Beschwerdeführerin, wonach ihr Sohn in einem Kloster ge-
wesen sei, was ihre mangelnden Kenntnisse hinsichtlich der Grundschule
erkläre, ist ebenfalls wenig plausibel. Ausserdem widerspricht sie sich er-
neut bezüglich ihrer Kenntnisnahme der Meldepflicht der Mutter aufgrund
ihres Verschwindens. So will sie nun in Nepal direkt durch ihre Mutter da-
von erfahren haben und nicht durch ihre Schwester (vgl. A17 F154 und
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Seite 12
F156 sowie Beschwerdeschrift S. 4). Sie vermag auch nicht nachvollzieh-
bar darzutun, wie sie ihren Sohn nach der Flucht aus B._ abgeholt
haben will, beziehungsweise äussert sich in ihrer Beschwerdeschrift nicht
dazu. Auch ihre Angaben zum Kontakt zu ihrer Familie in Tibet wecken er-
hebliche Zweifel. Anlässlich der BzP und der Anhörung hatte sie behauptet,
es sei zu gefährlich, Kontakt mit der Familie aufzunehmen, da die chinesi-
schen Behörden sie überwachen würden (vgl. A6 Ziff. 4 und A17 F12). In
ihrer Beschwerdeschrift bringt sie hingegen vor, in Nepal per WeChat mit
ihrer Mutter Kontakt gehabt zu haben (vgl. Beschwerdeschrift S. 4). Die
Angaben betreffend die unterbliebene Kontaktaufnahme zu ihrem Sohn
nach ihrer Ausreise überzeugen auch auf Beschwerdeebene nicht. Es
kann davon ausgegangen werden, dass eine Mutter, welche ihren einzigen
Sohn bei einer fremden Familie in einem fremden Land zurücklässt, alles
daransetzt, dessen Aufenthalt ausfindig zu machen. Zudem hat der Sohn
ihren eigenen Angaben zufolge ein Handy besessen. Ihre Behauptung,
seine Kontaktdaten nicht zu kennen, vermag nicht zu überzeugen. Inwie-
fern ihr verletzter Fuss sie angesichts der zur Verfügung stehenden tech-
nischen Möglichkeiten an der Kontaktaufnahme zu ihrem Sohn hindern
sollte, ist nicht nachvollziehbar. Es drängt sich daher der Schluss auf, dass
die Beschwerdeführerin nicht die ganze Wahrheit zu ihren Aufenthalten in
Tibet und Nepal beziehungsweise zu ihrer Biographie im Allgemeinen
preisgegeben hat und somit ihrer Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen
ist. Dem Fazit der sachverständigen Person, die Beschwerdeführerin habe
sich bereits viel länger als behauptet in einer exiltibetischen Gemeinschaft
ausserhalb der Volksrepublik China aufgehalten, kommt vor diesem Hin-
tergrund erhebliches Gewicht zu. Dafür sprechen letztlich auch ihre wider-
sprüchlichen Angaben anlässlich der BzP dazu, mit welchen Papieren sie
aus Nepal ausgereist ist (vgl. A6 Ziff. 4.02).
Ferner ist anzumerken, dass die Vorinstanz das Lingua-Gutachten zwar
als wichtigen Teil für die Entscheidfindung herangezogen und es auch als
Argument zur Begründung der Zweifel am Ausreisezeitpunkt der Be-
schwerdeführerin verwendet hat. Den von der Vorinstanz umfassend ge-
würdigten weiteren Unglaubhaftigkeitsaspekten betreffend Herkunft,
Staatsangehörigkeit, Reiseumstände und Verfolgungsvorbringen kommt
aber ebenfalls erhebliches Gewicht zu. Vor diesem Hintergrund weckt auch
die Kritik an der Übersetzung durch den Dolmetscher während der Anhö-
rung erhebliche Zweifel, zumal dies erst auf Beschwerdeebene – und somit
eineinhalb Jahre nach der Anhörung – geltend gemacht wird. Darüber hin-
aus hat die Beschwerdeführerin die Übereinstimmung des Protokolls mit
ihren Aussagen und dessen Vollständigkeit unterschriftlich bestätigt. Die
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Seite 13
Verwertung des Anhörungsprotokolls ist somit nicht zu beanstanden. Be-
treffend die durch die Vorinstanz zu Recht aufgezeigten Widersprüche der
Beschwerdeführerin kann vollumfassend auf die Zusammenfassung unter
Erwägung 6.1 verwiesen werden. Insgesamt lassen ihre Aussagen jegliche
Realkennzeichen vermissen (vgl. REVITAL LUDEWIG/DAPHNA TAVOR/SONJA
BAUMER, Wie können aussagepsychologische Erkenntnisse Richtern,
Staatsanwälten und Anwälten helfen?, AJP 11/2011 S. 1424 f.). Insbeson-
dere weisen die vorgebrachten Beweggründe für ihre plötzliche Teilnahme
an politischen Aktivitäten keinen persönlichen Bezug auf (vgl. A17 F119).
Die Einschätzung des SEM, die Asylvorbringen der Beschwerdeführerin
seien unglaubhaft, ist somit zutreffend.
7.5 Im Urteil BVGE 2014/12 hielt das Bundesverwaltungsgericht fest, dass
bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder
verheimlichen würden, vermutungsweise davon auszugehen sei, dass
keine flüchtlings- oder wegweisungsvollzugsbeachtlichen Gründe gegen
eine Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort sprächen. Denn die Ab-
klärungspflicht der Asylbehörden finde ihre Grenze an der Mitwirkungs-
pflicht der asylsuchenden Person. Verunmögliche eine tibetische Asylsu-
chende durch die Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht die Abklärung, wel-
chen effektiven Status sie in Nepal innehabe, könne namentlich keine Dritt-
staatenabklärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden.
Überdies werde durch die Verheimlichung und Verschleierung der wahren
Herkunft auch die Prüfung der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Per-
son in Bezug auf ihr effektives Heimatland verunmöglicht (vgl. BVGE
2014/12 E. 5.9 f.).
Wie oben dargelegt (vgl. E. 7.4), stellt das Verhalten der Beschwerdefüh-
rerin eine Verletzung der ihr obliegenden Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG)
dar. Dadurch verunmöglicht sie den Behörden nähere Abklärungen. Sie hat
demnach die Folgen dieses Verhaltens zu verantworten, und es ist gemäss
dargelegter Rechtsprechung davon auszugehen, dass keine flüchtlings-
oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr in das effek-
tive Heimatland bestehen (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.10).
7.6 Nach Abwägung sämtlicher Elemente (Lingua-Analyse, Aussageproto-
kolle von BzP und Anhörung) teilt das Bundesverwaltungsgericht die aus-
führlich und zutreffend begründete Einschätzung der Vorinstanz. Insge-
samt hat die Beschwerdeführerin somit nichts vorgebracht, das geeignet
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wäre, einen Fluchtgrund in Bezug auf die Volksrepublik China nachzuwei-
sen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat demnach zu
Recht ihre Flüchtlingseigenschaft abgelehnt und ihr Asylgesuch abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Die Beschwerdeführerin verfügt namentlich weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet
(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Grundsätzlich ist die Zulässigkeit, die Zumutbarkeit und die Möglichkeit
des Wegweisungsvollzugs von Amtes wegen zu prüfen. Diese Untersu-
chungspflicht findet jedoch ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asyl-
suchenden Person (Art. 8 AsylG), welche auch die Substanziierungslast
trägt (Art. 7 AsylG). Es ist nicht Sache der Behörden, bei fehlenden, wo-
möglich gezielt vorenthaltenen Hinweisen, nach allfälligen Wegweisungs-
vollzugshindernissen in hypothetischen Herkunftsländern zu forschen. Ver-
mutungsweise ist deshalb vorliegend davon auszugehen, einer Wegwei-
sung stünden keine Vollzugshindernisse im gesetzlichen Sinne entgegen.
Bei dieser Sachlage kann das Gericht sich mit der Frage des Wegwei-
sungsvollzugs lediglich in grundsätzlicher Hinsicht beziehungsweise ge-
mäss den vorstehenden Ausführungen befassen. Die Beschwerdeführerin
entzieht mit ihrem Verhalten die für genauere Abklärungen erforderliche
Grundlage, und es ist nicht Sache des Gerichts, sich in Mutmassungen und
Spekulationen zu ergehen.
9.2 Im Sinne einer Klarstellung und in Übereinstimmung mit der Dispositiv-
ziffer 5 der angefochtenen Verfügung ist abschliessend festzuhalten, dass
für alle Exil-Tibeterinnen und -Tibeter ein Vollzug der Wegweisung nach
China gemäss Art. 45 Abs. 1 Bst. d AsylG ausgeschlossen ist, da ihnen
dort gegebenenfalls Verfolgung im flüchtlingsrechtlichen Sinne bezie-
hungsweise eine menschenunwürdige Behandlung nach Art. 3 EMRK
droht (BVGE 2014/12 E. 5.11).
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9.3 Es obliegt der Beschwerdeführerin, sich die für eine Rückkehr allenfalls
benötigten Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist. Damit fällt die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme aus-
ser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art.
106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzu-
treten ist.
11.
11.1 Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
der unentgeltlichen Rechtsvertretung (vgl. Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG i.V.m.
aArt. 110a AslyG) sind unbesehen der finanziellen Verhältnisse der Be-
schwerdeführerin abzuweisen, da die Beschwerde gemäss den vorstehen-
den Erwägungen als aussichtslos zu bezeichnen ist und es daher an einer
gesetzlichen Voraussetzung für deren Gewährung fehlt.
11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwer-
deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Mit dem vorliegenden Urteil ist der Antrag auf Ver-
zicht der Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden.
(Dispositiv nächste Seite)
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