Decision ID: f1bf335a-a38f-46ac-a600-2564b9381360
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Gefährdung des Lebens etc.
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Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Uster, Einzelgericht in Strafsachen, vom 22. Januar 2019 (GG180031)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 14. Sep-
tember 2018 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 17).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 34):
1. Der Beschuldigte, B._, ist nicht schuldig und wird vollumfänglich freige-
sprochen.
2. Die Privatklägerin A._ wird mit ihren Schadenersatz- und Genugtu-
ungsbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
3. Der Privatklägerin A._ wird die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne
von Art. 136 Abs. 2 lit. b StPO gewährt.
4. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die übrigen Kosten (Gebühr Vor-
verfahren und Kosten der amtlichen Verteidigung) werden auf die Gerichts-
kasse genommen.
5. Rechtsanwältin lic. iur. Y._ wird für ihre Bemühungen als amtliche
Verteidigerin des Beschuldigten mit Fr. 7'681.15 (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt.
6. (Mitteilungen.)
7. (Rechtsmittel.)
Berufungsanträge:
a) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich:
(Urk. 52, S. 1)
"1. Schuldigsprechung von B._ der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB, sowie der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB.
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2. Bestrafung mit einer Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu Fr. 30.– (entsprechend Fr. 9'000.–).
3. Gewährung des bedingten Vollzuges der Geldstrafe unter  einer Probezeit von zwei (2) Jahren.
4. Entscheid über die Zivilansprüche der Privatklägerschaft. 5. Kostenauflage (Kosten, inkl. Gebühr für das Vorverfahren von
Fr. 1'500.–)."
b) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 53 S. 1)
"1. Die Berufung sei abzuweisen. 2. Das Urteil des Einzelgerichts am Bezirksgericht Uster vom
22. Januar 2019 sei vollumfänglich zu bestätigen. 3. Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien auf die Staatskasse
zu nehmen. 4. Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien auf die Staatskasse
zu nehmen und der amtlichen Verteidigung sei für das  eine Entschädigung nach Massgabe der  Honorarnote und damit in Höhe von voraussichtlich Fr. 4'406.– zuzusprechen."
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
Mit Urteil der Vorinstanz vom 22. Januar 2019 wurde der Beschuldigte von den
Vorwürfen der Gefährdung des Lebens i.S.v. Art. 129 StGB sowie der Nötigung
i.S.v. Art. 181 StGB freigesprochen. Der Privatklägerin wurde die unentgeltliche
Rechtspflege gewährt, sie wurde jedoch mit ihren Schadenersatz- und Genugtu-
ungsbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen (Urk. 34 S. 38 f.).
Gegen das vorinstanzliche Urteil meldete die Staatsanwaltschaft am 30. Januar
2019 fristgerecht Berufung an (Urk. 29) und liess am 29. Juli 2019 fristgerecht die
Berufungserklärung mit eingangs erwähnten Anträgen stellen (Urk. 33, Urk. 36).
Zusammengefasst beantragt sie eine Verurteilung des Beschuldigten.
Die Privatklägerin und der Beschuldigte verzichteten jeweils mit Eingaben vom
11. September 2019 auf eine Anschlussberufung (Urk. 40 f.), wobei der Beschul-
digte einen Antrag auf Durchführung eines schriftlichen Verfahrens stellte
(Urk. 41). Dieses Gesuch wurde mit Präsidialverfügung vom 23. September 2019
abgewiesen (Urk. 43).
Mit Schreiben vom 6. November 2019 beantragte die Privatklägerin bzw. deren
Vertreterin den Ausschluss der Öffentlichkeit von der Verhandlung samt Urteilser-
öffnung, mit Ausnahme der akkreditierten Gerichtsberichterstatter. Weiter seien
diesen diverse Auflagen zur Wahrung der Anonymität aufzuerlegen (Urk. 46). Mit
Beschluss der hiesigen Kammer vom 15. November 2019 wurde diesem Antrag
stattgegeben (Urk. 47).
Zur heutigen Berufungsverhandlung erschienen der Beschuldigte in Begleitung
seiner amtlichen Verteidigung, Rechtsanwältin lic. iur. Y._ sowie Staatsan-
walt lic. iur. Hanno Wieser als Vertreter der Anklagebehörde (Prot. II S. 6). Abge-
sehen von der Einvernahme des Beschuldigten waren keine Beweise abzuneh-
men. Das Urteil erging am heutigen 7. Februar 2020 und wurde den Parteien im
Nachgang der Berufungsverhandlung schriftlich im Dispositiv übergeben (Prot. II
S. 31).
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II. Prozessuales
Die Staatsanwaltschaft beschränkt die Berufung auf den Schuldpunkt, wobei sie
gleichwohl einen Entscheid über die Zivilansprüche der Privatklägerschaft bean-
tragt (vgl. Urk. 36 S. 6; Urk. 52 S. 1). In Bezug auf Letzteres bzw. den Verweis der
Privatklägerin mit ihren Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren auf den Weg
des Zivilprozesses (Dispositiv-Ziffer 2) ist die Staatsanwaltschaft jedoch nicht be-
schwert (Schmid, Praxiskommentar StPO, N2 zu Art. 381). Mangels Legitimation
ist auf ihre Berufung daher in diesem Punkt nicht einzutreten.
Unangefochten und damit in Rechtskraft erwuchsen weiter die Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege an die Privatklägerin (Dispositiv-Ziffer 3) sowie die
Entschädigung der amtlichen Verteidigerin (Dispositiv-Ziffer 5), was vorab mittels
Beschluss festzustellen ist.
III. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
Dem Beschuldigten wird kurz zusammengefasst vorgeworfen, er habe am
24. September 2017, ca. 09.00 Uhr, im Rahmen eines Streits mit seiner damali-
gen Lebenspartnerin C._ dieser zugerufen, sie dürfe nicht [mit dem Van vom
Grundstück] wegfahren, er werde sich hinter oder unter das Auto legen und sie
müsse ihn und die gemeinsame, 1 1⁄2-jährige Tochter A._ (Privatklägerin) zu-
erst überfahren. Dazu habe er sich hinter den Hinterrädern auf Höhe der hinteren
Stossstange, quer zum Auto, auf den Boden gelegt und die Privatklägerin gegen
seine Brust gepresst festgehalten.
C._ habe nicht bemerkt, dass der Beschuldigte sich tatsächlich hinter dem
Fahrzeug auf den Boden gelegt hatte, habe den Motor gestartet und den Wagen
rückwärts in Bewegung gesetzt. Da sei eine Nachbarin herbeigeeilt und habe den
Beschuldigten aufgefordert, ihr die Privatklägerin zu übergeben, was dieser ver-
weigert habe. Er habe ihr gesagt, C._ müsse die Privatklägerin überfahren,
wenn sie wegfahren wolle. Daraufhin habe die Nachbarin mit der Hand auf die
Rückscheibe des Wagens geklopft und C._ zugerufen, anzuhalten. C._
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habe den Wagen sofort angehalten und sei ausgestiegen, worauf sich der Be-
schuldigte mit der Privatklägerin wieder vom Boden erhoben habe.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, mit diesem Verhalten das
Leben der Privatklägerin gefährdet und C._ in strafbarer Weise genötigt zu
haben.
2. Würdigung
Die Vorinstanz stellte die rechtlichen Grundsätze einer Beweiswürdigung ausführ-
lich und zutreffend dar, worauf sie sich mit den Beweismitteln, insbesondere den
Aussagen der Zeugen und des Beschuldigten, eingehend auseinandersetzte und
diese zutreffend würdigte. Sie kam mit ausführlicher und überzeugender Würdi-
gung zum Schluss, eine Gefährdung des Lebens und eine Nötigung durch den
Beschuldigten liessen sich nicht erstellen. Auf ihre zutreffenden Ausführungen
kann zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen vorab vollumfänglich verwiesen
werden (Art. 82 Abs. 4 StPO Urk. 34 S. 8 ff.). Die nachfolgenden Erwägungen
verstehen sich als Hervorhebungen und Präzisierungen:
Der Beschuldigte anerkannte, dass es am besagten Morgen zu einem Streit zwi-
schen ihm und C._ gekommen sei. Er erklärte glaubhaft, ihr zugerufen zu
haben, dass sie nicht wegfahren dürfe und ihn überfahren müsse, wenn sie weg
wolle. Mit der Vorinstanz lässt sich jedoch nicht erstellen, dass er ihr sagte, sie
müsse ihn und die Privatklägerin überfahren. C._, die Mutter der Privatkläge-
rin machte keine solche Aussage (Urk. 3/1 S. 1, Urk. 3/2 S. 7: "Er hat da schon
gedroht, er würde sich unters oder hinters Auto legen, die genauen Worte kenne
ich nicht mehr."). Es wäre anzunehmen, dass es ihr aufgefallen wäre, wenn er
von einer Gefährdung ihres Kindes gesprochen hätte, zumal sie diese Aussage
des Beschuldigten wahrnahm, als sie mit den Kindern weg wollte. Auch der Zeu-
ge D._ schilderte bei der ersten polizeilichen Einvernahme noch keine ent-
sprechende Aussage (vgl. Urk. 4/1 S. 2). Die Aussage der Zeugin E._, wo-
nach der Beschuldigte gesagt habe, wenn sie gehe, müsse sie die beiden zuerst
überfahren (Urk. 4/2 S. 2), erachtete die Vorinstanz zu Recht als nicht überzeu-
gend. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass die Aussagen der Zeugin E._
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einseitig zu Lasten des Beschuldigten bzw. zu Gunsten von C._ ausfielen
(Urk. 34 S. 14 f.). Sie war nach eigenen Angaben die nachbarliche Anlaufstelle
von C._ bei Konflikten mit dem Beschuldigten und pflegt weiterhin Kontakt zu
C._ nach deren Wegzug, wobei sie zu dieser mehr Kontakt haben werde als
zum Beschuldigten (Urk. 4/4 S. 2). Demgegenüber konnte sie kaum Positives
über den Beschuldigten erzählen und führte aus, sie habe in 4 1⁄2 Jahren ein ein-
ziges Mal eine Geste der Liebe gesehen. Der Beschuldigte sei nach aussen zu-
verlässig, für sie (die Zeugin) habe es immer so ausgesehen, als würde er sich
nicht um die Familie kümmern aber um alle anderen (Urk. 4/2 S. 6 f.).
Nach eigenen Angaben nahm C._ die Drohung des Beschuldigten wahr, wo-
nach er sich unter oder hinter das Auto legen würde. Gleichwohl setzte sie sich
ans Steuer und startete den Motor, worauf es im Auto gepiepst habe (Urk. 3/2
S. 7). Der Beschuldigte legte sich eingestandenermassen mit der Privatklägerin
hinter das Auto. Mithin bestand keine Gefahr, dass sie ihn zufällig bzw. aus Ver-
sehen überfahren könnte.
Zur Frage, ob C._ das Fahrzeug in Bewegung setzte, wie sie geltend macht
(Urk. 3/2 S. 7) oder es beim Einschalten des Motors blieb bzw. das Fahrzeug mit
laufendem Motor stand (so der Beschuldigte in Urk. 2/1 S. 7, Prot. I S. 13), kann
zunächst auf den Umstand verwiesen werden, dass – ausser C._ – keine
Person ein piependes Signal wahrnahm, wie es das Fahrzeug beim Einlegen des
Rückwärtsganges von sich geben soll. Ausserdem besteht der Sinn eines derarti-
gen Signals üblicherweise darin, vor Objekten rund um das Fahrzeug zu warnen,
sodass es bereits ertönen müsste, bevor sich das Fahrzeug in Bewegung setzt.
Selbst bei Ertönen eines allfälligen Signals kann entsprechend nicht automatisch
darauf geschlossen werden, dass sich das Auto bereits in Bewegung gesetzt hat.
Sodann sagte der Zeuge D._ bei der Polizei aus, er habe das Gefühl gehabt,
dass das Auto still gestanden sei. Zwar sagte er auch aus, das Auto müsse schon
nach hinten gerollt sein (Urk. 4/1 S. 4), doch handelt es sich dabei um seine Ver-
mutung und keine Beobachtung. So erklärte er, er habe nicht gesehen, wie sich
das Auto bewegt habe (a.a.O.). Auf die Aussagen von E._ kann mit der Vo-
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rinstanz auch hier nicht abgestellt werden, zumal sie gerade in diesem Punkt ver-
schiedene widersprüchliche Angaben machte (Urk. 4/2, S. 4; Urk. 4/4, S. 3 ff.).
Zudem kann nicht davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte die ernst-
hafte Absicht hatte, Selbstmord zu begehen bzw. seine Tochter überfahren zu
lassen. Es erscheint daher entgegen der Ansicht der Staatsanwaltschaft sehr
glaubhaft, wenn er darauf geachtet haben will, ob das entsprechende Piepen er-
klang. Weiter schilderte er realitätsnah und glaubhaft, dass er sich so hingelegt
hatte, dass er zu C._ nach vorne sehen konnte (Urk. 2/1 S. 3: "so, dass ich
mit dem Kopf noch nach vorne gesehen habe."), wollte er doch deren Reaktion
sehen und mit dieser kommunizieren. Mithin musste C._ ihn auch im Seiten-
spiegel gesehen haben.
Die Staatsanwaltschaft macht weiter geltend, aus der allgemeinen Lebenserfah-
rung sei zu schliessen, der Schlag gegen die Heckscheibe durch die Zeugin
E._ sei aufgrund der Rückwärtsfahrt des Beschuldigten (recte: von C._)
erfolgt (Urk. 36 S. 3). Es liegt zwar mit der Staatsanwaltschaft auf der Hand, dass
die Zeugin damit eine Rückwärtsfahrt von C._ verhindern wollte. Es lässt
sich jedoch nicht daraus folgern, dass C._ bereits rückwärts gefahren war.
Mithin ging die Vorinstanz zu Recht davon aus, dass C._ entgegen ihrer
Darstellung mit dem Fahrzeug noch nicht nach hinten gefahren war. Aus diesem
Umstand bzw. weil C._ das Fahrzeug trotz eingeschaltetem Motor nicht be-
wegte, ist zu schliessen, dass sie wusste oder zumindest damit rechnete, dass
der Beschuldigte sich wie von ihm angekündigt unter bzw. hinter das Fahrzeug
gelegt hatte. In diesem Zusammenhang ist auch der heute vom Beschuldigten
beschriebene Vorgang, wonach C._ nach dem Starten des Motors begonnen
habe, "herumzugäseln" (Prot. II S. 21 und 23). Nicht nur würde ein solches Ver-
halten keinen Sinn machen, wenn sie nicht um den hinter dem Fahrzeug liegen-
den Beschuldigten gewusst hätte, sondern dies zeigt vielmehr, dass sie ange-
sichts der gegebenen Umstände versuchte, den Beschuldigten zu provozieren,
bzw. diesem das Losfahren anzudrohen. Auch unter diesem Aspekt ist davon
auszugehen, dass dem Beschuldigten und der Privatklägerin keine ernsthafte Ge-
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fahr drohte bzw. dass C._ gleichwohl das Fahrzeug rückwärts bewegen wür-
de.
Im Übrigen wies die Vorinstanz zu Recht auf den Umstand hin, dass nach Aussa-
ge von C._ das Rückwärtsfahren in der Garage nur extrem langsam möglich
sei (vgl. Urk. 3/1 S. 5: "Viel weniger als Schritttempo. [...] Es handelt sich beim
Herausfahren um cm-Arbeit."). Auch unter diesem Aspekt bestand mithin keine
Gefahr für den Beschuldigten bzw. die Privatklägerin. Gegebenenfalls hätte er
sich rechtzeitig in Sicherheit bringen können. Der von der Staatsanwaltschaft her-
vorgehobenen Aussage des Beschuldigten, wonach es diesem schwer gefallen
wäre, mit der Privatklägerin auf der Brust aufzustehen (Urk. 36 S. 3), ist zwar in-
sofern beizupflichten, dass dem Beschuldigten das Aufstehen nicht gleich schnell
gelungen wäre wie einer Person ohne Kleinkind auf der Brust. Aufgrund der von
C._ beschriebenen "cm-Arbeit" und dem sehr langsamen Fahren ist jedoch
gleichwohl auch bei der vorliegend kurzen Distanz davon auszugehen, dass dies
dem Beschuldigten selbst bei einer Rückfahrt ohne Weiteres gelungen wäre.
Zusammenfassend ist mit der Vorinstanz erstellt, dass C._ – entgegen ihren
Aussagen – damit rechnete, dass der Beschuldigte hinter ihrem Fahrzeug lag, als
sie sich in den Fahrersitz setzte und den Motor einschaltete. Sie fuhr aus diesem
Grunde nicht rückwärts und der Privatklägerin sowie dem Beschuldigten drohte
hinter dem Fahrzeug keine unmittelbare Gefahr, zumal selbst eine allfällige
Rückwärtsfahrt derart langsam erfolgt wäre, dass sich der Beschuldigte – trotz der
Last der Privatklägerin auf der Brust – ohne Weiteres rechtzeitig in Sicherheit hät-
te bringen können. Folglich lässt sich der Vorwurf der Anklage, wonach nur durch
das Einschreiten der Nachbarin Schlimmeres verhindert werden konnte, nicht er-
stellen.
3. Rechtliches
Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen zur Gefährdung des Lebens sowie
zur Nötigung i.S.v. Art. 181 StGB korrekt aufgeführt und zutreffend gewürdigt
(Urk. 34 S. 31 ff.). Abermals kann auf diese zutreffenden Erwägungen gestützt auf
Art. 82 Abs. 4 StPO verwiesen werden.
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Erneut ist festzuhalten, dass aufgrund der konkreten Umstände, namentlich dem
Wissen von C._ um den hinter ihrem Auto liegenden Beschuldigten und der
in der Folge unterlassenen Rückwärtsfahrt keine akute Gefahr bzw. keine unmit-
telbare Lebensgefahr bestand. Die blosse Möglichkeit, dass C._ gleichwohl
rückwärts gefahren wäre, genügt nicht, zumal sie nur so langsam hätte zurückfah-
ren können, dass der Beschuldigte mit der Privatklägerin rechtzeitig hätten aus-
weichen können.
Mit der Vorinstanz ist der Beschuldigte daher vom Vorwurf der Gefährdung des
Lebens gemäss Art. 129 StGB freizusprechen.
Ebenso wurde der Tatbestand der Nötigung offensichtlich nicht erfüllt, wurde
C._ die Wegfahrt doch –nicht widerlegbar– nur für eine Minute versperrt. Mit
der Situation eines Schikanestopps ist die vorliegende Situation – entgegen der
Ansicht der Staatsanwaltschaft – aufgrund der unterschiedlichen Tathandlungen
bzw. übrigen Umstände nicht zu vergleichen. Vielmehr ist mit der Vorinstanz fest-
zuhalten, dass die für eine Nötigung notwendige Intensität nicht erreicht wurde.
Auch auf ihre diesbezüglich zutreffenden Ausführungen (Urk. 34 S. 34 f.) kann
vollumfänglich verwiesen werden. Der Beschuldigte ist daher auch vom Vorwurf
der Nötigung gemäss Art. 181 StGB freizusprechen.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Die Staatsanwaltschaft beantragt, auch im Falle eines Freispruchs seien dem Be-
schuldigten die Gerichts- und Verfahrenskosten aufzuerlegen. So habe dieser
selbst in eklatanter Weise gegen die Persönlichkeitsrechte i.S.v. Art. 28 ZGB von
C._ und der Privatklägerin verstossen. Er habe C._s Willen und ihre
Fortbewegungsfreiheit missachtet und seine väterlichen Pflichten i.S.v. Art. 272
ZGB und Art. 296 ZGB, wonach er für ihr Wohl zu sorgen und sie zu schützen
habe, verletzt. Dem Beschuldigten sei auch bewusst, dass er sich unbotmässig
verhalten habe, und er habe das Strafverfahren rechtswidrig und schuldhaft be-
wirkt (Urk. 36 S. 6; Urk 52 S. 6).
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Der Beschuldigte lässt demgegenüber geltend machen, er habe nicht aus einem
widerrechtlichen Motiv, sondern aus gutem Grund gehandelt, weil er habe verhin-
dern wollen, dass C._ in ihrem emotionalen Ausnahmezustand ein Motor-
fahrzeug führt und sich sowie die mitfahrenden Kinder gefährdet. Er habe sich in
einem rechtfertigenden Notstand befunden, welcher in zivilrechtlicher Hinsicht mit
einem Rechtfertigungsgrund gleichzusetzen sei (Urk. 53 S. 13).
Gemäss Art. 426 Abs. 2 StPO können der beschuldigten Person bei Einstellung
des Verfahrens die Verfahrenskosten ganz oder teilweise auferlegt werden, wenn
sie rechtswidrig und schuldhaft die Einleitung des Verfahrens bewirkt oder dessen
Durchführung erschwert hat. Unter den gleichen Voraussetzungen kann nach
Art. 430 Abs. 1 lit. a StPO eine Entschädigung herabgesetzt oder verweigert wer-
den. In diesen Fällen besteht gestützt auf Art. 433 Abs. 1 lit. b StPO ein Entschä-
digungsanspruch der Privatklägerschaft gegenüber der beschuldigten Person.
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts verstösst eine Kostenauflage bei
Freispruch oder Einstellung des Verfahrens gegen die Unschuldsvermutung
(Art. 10 Abs. 1 StPO, Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK), wenn der be-
schuldigten Person in der Begründung des Kostenentscheids direkt oder indirekt
vorgeworfen wird, es treffe sie ein strafrechtliches Verschulden. Damit käme die
Kostenauflage einer Verdachtsstrafe gleich. Dagegen ist es mit Verfassung und
Konvention vereinbar, einer nicht verurteilten beschuldigten Person die Kosten zu
überbinden, wenn sie in zivilrechtlich vorwerfbarer Weise, d.h. im Sinne einer ana-
logen Anwendung der sich aus Art. 41 OR ergebenden Grundsätze, eine ge-
schriebene oder ungeschriebene Verhaltensnorm, die sich aus der Gesamtheit
der schweizerischen Rechtsordnung ergeben kann, klar verletzt und dadurch das
Strafverfahren veranlasst oder dessen Durchführung erschwert hat. In tatsächli-
cher Hinsicht darf sich die Kostenauflage nur auf unbestrittene oder bereits klar
nachgewiesene Umstände stützen (BGE 120 Ia 147 E. 3b S. 155; 119 Ia 332 E.
1b S. 334; 112 Ia 371 E. 2a S. 374; Urteile 6B_170/2016 vom 5. August 2016 E.
1.1; 6B_1247/2015 vom 15. April 2016 E. 1.3; je mit Hinweisen).
Eine solche Kostenauflage kann sich auch auf Art. 28 ZGB stützen (Urteile
6B_241/2015 vom 26. Januar 2016 E. 1.3.1; 6B_1130/2014 vom 8. Juni 2015
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E. 3.1; 6B_990/2013 vom 10. Juni 2014 E. 1.2). Nach dieser Bestimmung kann
derjenige, der in seiner Persönlichkeit widerrechtlich verletzt wird, zu seinem
Schutz gegen jeden, der an der Verletzung mitwirkt, das Gericht anrufen (Abs. 1).
Widerrechtlich ist eine Verletzung, wenn sie nicht durch Einwilligung des Verletz-
ten, durch ein überwiegendes privates oder öffentliches Interesse oder durch Ge-
setz gerechtfertigt ist (Abs. 2). Vom Gesetzeswortlaut her ist jede Persönlichkeits-
verletzung widerrechtlich, wenn kein Rechtfertigungsgrund besteht. Praxisgemäss
ist in zwei Schritten zu prüfen, ob (1.) eine Persönlichkeitsverletzung und (2.) ein
Rechtfertigungsgrund vorliegt (BGE 136 III 410 E. 2.2.1 S. 413 mit Hinweisen; vgl.
Urteile 6B_1130/2014 vom 8. Juni 2015 E. 3.1; 6B_990/2013 vom 10. Juni 2014
E. 1.2).
Zwischen dem zivilrechtlich vorwerfbaren Verhalten sowie den durch die Untersu-
chung und den gerichtlichen Verfahren entstandenen Kosten muss ein adäquater
Kausalzusammenhang bestehen (BGE 116 Ia 162 E. 2c S. 170; Urteile
6B_877/2016 vom 13. Januar 2017 E. 3.2; 6B_1247/2015 vom 15. April 2016 E.
1.3; 6B_241/2015 vom 26. Januar 2016 E. 1.3.2) und das Sachgericht muss dar-
legen, inwiefern die beschuldigte Person durch ihr Handeln in zivilrechtlich vor-
werfbarer Weise gegen eine Verhaltensnorm klar verstossen hat (Urteile
6B_170/2016 vom 5. August 2016 E. 1.1; 6B_1247/2015 vom 15. April 2016 E.
1.3).
Gemäss Art. 296 Abs. 1 ZGB dient die elterliche Sorge dem Wohl des Kindes. El-
tern und Kinder sind einander allen Beistand, alle Rücksicht und Achtung schul-
dig, die das Wohl der Gemeinschaft erfordert (Art. 272 ZGB). Es ist nicht höchst-
richterlich geklärt, ob diese Normen überhaupt zur Begründung einer Kostenauf-
lage herangezogen werden kann. Diese Frage kann indessen vorliegend offen
bleiben. Es ist nicht erstellt, dass der Privatklägerin durch das Verhalten des Be-
schuldigten eine unmittelbare Gefahr drohte. Mithin kann auch nicht davon aus-
gegangen werden, dass der Beschuldigte gleichwohl gegen die Persönlichkeits-
rechte bzw. das Kindeswohl verstossen hat, wäre doch eine entsprechende An-
nahme ein Widerspruch zum erstellten Sachverhalt.
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Dasselbe gilt für die geltend gemachte Persönlichkeitsverletzung von C._.
Diese wurde für eine sehr kurze Zeit in ihrer Fortbewegungsfreiheit gehindert,
weshalb der Tatbestand der Nötigung als noch nicht erfüllt erachtet wurde. Es
würde auch hier gegen die Unschuldsvermutung verstossen, dem Beschuldigten
aufgrund seines Verhaltens die Verfahrenskosten aufzuerlegen.
Hinzu kommt Folgendes: Der Staatsanwalt hat es versäumt, den Beschuldigten in
der Untersuchung zu befragen (vgl. dazu die Vorinstanz, Urk. 34 S. 6). Dessen
glaubhafte Darstellung (vor Gericht) hätte allenfalls zu einer Einstellung des Ver-
fahrens führen können, weshalb sich auch der adäquate Kausalzusammenhang
nicht nachweisen lässt. Ausgangsgemäss ist daher das erstinstanzliche Kosten-
dispositiv (Disp. Ziff. 4) zu bestätigen. Eine Entscheidgebühr für das Berufungs-
verfahren fällt ausser Ansatz, die übrigen Kosten, namentlich jene der amtlichen
Verteidigung sind auf die Gerichtskasse zu nehmen.