Decision ID: c954dab6-e6ff-5888-bf81-ec2dcd77864e
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1936, bezieht seit
Januar
2001 eine ordentliche Rente der AHV (vgl.
Urk.
9/5/1-2)
sowie Zusatzleistungen
, dies
Anfangs i
n
der Gemeinde
Y._
(vgl.
Urk.
9/11/6
), ab Juli 2009
in
der Gemeinde
Z._
(
Urk.
9/
39
)
und seit Dezember 2012
in
der Gemeinde
A._
(
Urk.
9/114)
.
Mit Verfügung vom
2
6.
November
2014
(
Urk.
9/211)
wurde
eine
Neube
rech
nung
der Ergänzungsleistungen
rückwirkend ab März 2010
vorgenommen
und
der monatliche Anspruch
infolge Reduktion des anrechenbaren Mietzinses
redu
ziert, womit ein Rückforderungsbetrag von
Fr.
20‘822.
-- resultierte
(
Urk.
9/
216
ff.
).
Dagegen erhob der
Versicherte am
1
8.
Dezember
2014 Einsprache (
Urk.
9/
253
) und machte sinngemäss
geltend, dass er
mit
dem neu berechneten Betrag
nicht einverstanden sei
.
Mit Entscheid vom 22
.
Januar
201
5
(
Urk.
9/
259
=
Urk.
2) wies die
Durch
führungs
stelle
die Einsprache des Versicherten ab.
2.
Gegen diesen Entscheid vom 22
.
Januar
201
5 (
Urk.
2) erhob der
Versicherte am
16
.
Februar
201
5
Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte sinngemäss, dieser sei aufzuheben und es seien ih
m
höhere Zusatzleistungen auszurichten.
Mit Beschwerdeantwort vom 15.
April
201
5
(
Urk.
8) beantragte die
Beschwer
degeg
nerin
die A
bweisung der Beschwerde, was dem
Beschwerdefüh
rer am 1
7
.
April 2015
zur
Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
11
).
Der Einzelrichter

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 2 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur
Alters
, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) haben Personen Anspruch
auf Ergänzungsleistungen
zur Deckung ihres Existenzbedarfs
, wenn sie die Voraus
setzungen nach den Art. 4-6 ELG
erfüllen.
Die Ergänzungsleistungen bestehen aus der jährlichen Ergänzungsleistung, wel
che monatlich ausbezahlt wird (Art. 3 Abs. 1
lit
. a ELG), und aus der Vergütung von Krankheits- und Behinderungskosten (Art. 3 Abs. 1
lit
. b ELG). Die jährliche Ergänzungsleistung hat dem Betrag zu entsprechen, um den die anerkannten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 ELG).
1.
2
Als Einnahmen anzurechnen sind nebst den Erwerbseinkünften in Geld oder Na
tu
ralien
(Art. 11 Abs. 1
lit
. a ELG)
Einkünfte aus beweglichem oder unbe
weg
lichem Vermögen (Art. 11 Abs. 1
lit
. b ELG), Renten und Pensionen sowie an
dere wiederkehrende Leistungen, einschliess
lich Renten der AHV und IV
(Art. 11 Abs. 1
lit
. d ELG
), ein Fünfzehntel des Reinvermögens, soweit es bei alleinste
henden Personen Fr. 37'500.- übersteigt (Art. 11 Abs. 1
lit
. c ELG) und gemäss Art. 11 Abs. 1
lit
. g ELG auch die Einkünfte und Vermö
genswerte, auf die die ansprechende Person verzichtet hat (vgl. auch
Rz
3411.01 der Wegleitung des Bundesamtes für Sozialversicherungen über die
Er
gänzungsleistungen
zur AHV und IV; WEL).
Als anerkannte Ausgaben gelten bei Personen, die zu Hause wohnen, ein Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf (Art. 10 Abs. 1
lit
. a ELG), der Mietzins einer Wohnung und die damit zusammenhängenden Nebenkosten (Art. 10 Abs. 1
lit
. b ELG) sowie die zu entrichtenden Beiträge an die Sozialversicherungen des Bundes (Art. 10 Abs. 3
lit
. c ELG) und ein jährlicher Pauschalbetrag für die ob
ligatorische Krankenpflegeversicherung (Art. 10 Abs. 3
lit
. c und d ELG).
1.3
Gemäss §§ 15 und 19a Abs. 3 des Gesetzes über die Zusatzleistungen zur eidge
nössischen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ZLG) finden die Vorschriften, die für die jährliche Ergänzungsleistung nach Art. 9 ff. ELG gel
ten, entsprechende Anwendung auf die Beihilfen und Zuschüsse, soweit im ZLG nichts Abweichendes bestimmt ist.
2.
2.1
Die Durchführungsstelle ging
im angefochtenen Entscheid davon aus, dass eine Mietzinsaufteilung vorzunehmen sei, zumal
die Mietzinsanteile der Personen, welche nicht in der Berechnung der Ergänzungsleistungen eingeschlossen seien, bei der Berechnung ausser Betracht zu lassen seien.
Aufgrund des Zuzugs des Enkels per März 2010 seien nur noch 2/3 des Mietzinses als Ausgaben anzu
rechnen (
Urk.
2 S. 2 f.).
2.2
Dem hält der Beschwerdeführer sinngemäss entgegen, dass trotz des Drei-Perso
nen-Haushalts keine Mietzinsaufteilung vorzunehmen sei, da die Einnahmen des Enkels vollständig für seine Ausgaben benötigt würden
und er sich somit nicht am Mietzins beteiligen könne
. Es sei somit wieder der ganze Mietzins anzurechnen und die Zusatzleistungen im bisherigen Umfang auszubezahlen
(
Urk.
1)
.
3.
3.1
In Bezug auf die Zusatzleistungen
ab März 2010
, we
lche den Streitgegenstand bilden
,
ist einzig die Höhe der Miete
bei den anerkannten Ausgaben ange
foch
ten
.
Die übrigen Positionen der EL-Berechnung sind nicht bestritten. Es besteht
denn auch
kein Anlass zu einer näheren Prüfung von Am
tes wegen (vgl. Urteil des Bundesgerichts P 42/06 vom
2.
November 2006 E
.
2 mit Hinweisen).
3.2
Werden Wohnungen oder Einfamilienhäuser auch von Personen bewohnt, wel
che nicht in die EL-Berechnung eingeschlossen sind, dann ist der Mietzins auf die einzelnen Personen aufzuteilen.
Die Mietzinsanteile der Personen, welche nicht in die EL-Berechnung einge
schlossen sind, werden bei der Berechnung der jährlichen Ergänzungsleistung ausser Betracht gelassen. Die Aufteilung hat grundsätzlich zu gl
eichen Teilen zu erfolgen (Art.
16c ELV). Unter diese Rege
lung fallen auch die mit dem Mietzins der Wohnung oder des Einfamilienhauses zusammenhäng
enden Nebenkosten nach Art. 10 Abs. 1
lit
.
b erster Satz ELG (vgl. BGE 127 V 10
E. 6b zum gleich
lautenden Art. 3b Abs.
1
lit
.
b erster Satz des bis Ende 2007 gültig gewesenen ELG vom 1
9.
März 1965).
Ein Abweichen von dieser Grundregel, welche die indirekte Mitfinanzierung von Personen, die nicht in die Ergänzungsleistungsrechnung eingeschlossen sind, verhindert, ist nur in engen Grenzen zugelassen
,
s
o vor allem
,
wenn die Auf
teilung des Gesamtmietzinses nach Köpfen im Einzelfall zu einem stossenden Ergebnis f
ühren würde (BGE 127 V 10 E. 5d; AHI 1998 S.
34; vgl. auch
Carigiet
/Koch,
Ergän
zungsleistungen
zur AHV/IV,
2.
Aufl
age, Zürich Basel Genf 2009, S.
139).
Bei EL-beziehenden Personen, die mit unterha
l
tspflichtigen Kin
dern zusammenleben, welche keinen Anspruch auf eine Kinderrente begründen, ist grundsätzlich keine Mietzinsaufteilung vorzun
ehmen (
Rz
3231.04
WEL
).
Denn a
ndernfalls wäre eine Mietzinsaufteilung selbst dann vorzunehmen, wenn der EL-Ansprecher mit eigenen (nicht in die EL
Berechnung eingeschlossenen) Kindern in der gemeinsamen Wohnung lebt, was indessen nicht Sinn von
Art.
16c ELV sein kann
(vgl. Urteil des Bundesgerichts P56/00 vom
5.
Juli 2001 E. 2b)
.
3.3
An
lässlich der periodischen Überprüfung der Zusatzleistungen im Jahr 2014 wurde im Formularfragebogen vom 1
2.
September 2014 erstmals darauf hinge
wiesen, dass im gemeinsamen Haushalt
des Beschwerdeführers
und seiner E
he
gattin noch eine Drittperson
wohne (vgl.
Urk.
9/191). Auf Nachfrage der Durchführungsstelle
vom 2
2.
September 2014 (
Urk.
9/195) teilte
der Beschwer
deführer
am 2
7.
September 2014 mit, dass es sich bei dieser Drittperson um sei
nen Enkel handle und dieser seit März 2010 im gleichen Haushalt wohne (
Urk.
9/198).
Der Beschwerdeführer teilte weiter mit, dass sie das Geld, welches
sie vom Sozialamt erhalten hätten, ausschliesslich für den Enkel verwendet hätten (
Urk.
9/198).
3.4
Die Beschwerdegegnerin ging somit bezüglich der anrechenbaren Ausgaben für den Mietzins
in Anwendung der genannten Bestimmungen zu Recht von zwei Dritteln aus und schied einen Drittel der Mietkosten als Anteil
des
Mitbe
wohner
s (Enkel)
aus (vgl. Berechnungsbl
ä
tt
er
Urk.
9/216 ff.).
Der Enkel des Beschwerdeführers wohnt seit März 2010 zusammen mit dem Beschwerdeführer und seiner Ehefrau in
einer Mietwohnung.
Die
Wohnausga
ben
sind bei dieser Sachlage zu gleichen Teilen (Art. 16c Abs. 2 ELV) aufzutei
len und nach dem Gesagten mit
zwei Dritteln
in der EL-
Berech
nung zu berück
sichtigen.
Der vorliegende Sachverhalt ist nicht mit einem im gleichen Haushalt lebenden unterhaltspflichtigen Kind (vgl. vorstehend E. 3.2) – bei dem keine Mietzinsaufteilung vorzunehmen wäre
–
zu vergleichen, zumal der Beschwer
deführer und seine Ehefrau für den im gleichen Haushalt lebenden Enkel Pfle
gegelder erhalten,
in
welchen mit Sicherheit auch ein Beitrag an die
Wohn
kosten
enthalten ist.
Die Ausführungen des Beschwerdeführers, wonach
er
sämtliche finanziellen Beiträge für Ausgaben des Enkels verwende v
ermögen daran nichts zu ändern. A
nsonsten
könnten
Personen,
die nicht in die
Ergän
zungs
leistungs
rechnung
eingeschlossen sind,
ohne weiteres indirekt über die
Ergänzungs
leistungen
mitfinanziert werden
(vgl. auch vorstehend E. 3.2).
3.5
Vom Beschwerdeführer nicht bestritten wurde, dass er als Bezüger von
Ergän
zungsleistungen
verpflichtet gewesen wäre
, die Aufnahme seines Enkels in den gemeinsamen Haushalt mit seiner Ehefrau zu melden. Auf die unverzügliche Meldung solcher Veränderungen des Sachverhalts wurde in den jeweiligen
Leistungs
verfügungen
stets hingewiesen
(vgl.
Urk.
9/46,
Urk.
9/67)
.
In den Verfügungen ab dem Jahr 2011 wurde sodann gar explizit die Veränderungen der Anzahl Mitbewohner als Beispiel meldepflichtiger Sachverhalte aufgenom
men (vgl.
Urk.
9/80,
Urk.
9/109,
Urk.
9/113,
Urk.
9/122,
Urk.
9/156,
Urk.
9/164).
Ebenso wurde
jeweils
auf die Konsequenzen einer Meldepflichtverletzung hin
gewiesen.
3.6
Ob,
wie vom Beschwerdeführer geltend gemacht,
das Pflegegeld für den Enkel durch die Fürsorgebehörde allenfalls
–
bei Kenntnis, dass die Aufnahme des Enkels in den Haushalt der Grosseltern eine Änderung der
Berechnungsgrund
lage
für die Ergänzungsleistungen zur Folge haben würde
–
höher ausgefallen wäre
,
ist in diesem Zusammenhang nicht massgebend.
Eine entsprechende rückwirkende Erhöhung der Pflegegelder müsste in einem entsprechenden Ver
fahren der hierzu zuständigen Behörde geltend gemacht werden.
3.7
Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin die Mietzinskosten
zu zwei Dritteln in der Anspruchsberechnung des
Beschwerde
führer
s
berücksich
tigt hat.
Zusammenfassend ist die Ermittlung der Zusatzleistungen gemäss Verfügung vom
26
.
November
2014 (Urk. 9/
211
), bestätigt durch den
Einspracheentscheid
vom
22
.
Januar
201
5
(Urk. 2), nicht zu beanstanden, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.