Decision ID: 443f479e-4052-5dea-b425-9153346e8969
Year: 2004
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Am 5. März 2003 stellte die Beschwerdegegnerin ein Baugesuch für das Erstellen
eines Anbaus auf der Südostseite der bestehenden Liegenschaft "F._",
D._ 20 B, auf Parzelle Homberg Gbbl. Nr. E._. Der Anbau, welcher sich in
der Wohn- und Gewerbezone WG 2 befindet, soll der Beschwerdegegnerin als
Gemeindesaal für verschiedene kirchliche Anlässe dienen.
Gegen das Bauvorhaben erhob der Beschwerdeführer Einsprache. Er machte geltend, die
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Realisierung des Bauvorhabens könne zu übermässigen Lärmimmissionen und zu einem
grossen Verkehrsaufkommen führen. Er verlange von der Bauherrschaft ein Nutzungs- und
Betriebskonzept, welches Bestandteil der Baubewilligung sein müsse. Im Konzept müsse
insbesondere die Art, Anzahl und Dauer der Veranstaltungen, die zu erwartende
Publikumsmenge sowie die Parkplatzsituation geregelt werden.
Am 22. Mai 2003 reichte die Beschwerdegegnerin bei der Bauverwaltung Homberg ein
Nutzungs- und Betriebskonzept für den geplanten Gemeindesaal ein.
Am 5. Juni 2003 bewilligte die Gemeinde Homberg das Bauvorhaben und erklärte das
Nutzungs- und Betriebskonzept der Beschwerdegegnerin vom 22. Mai 2003 als
integrierenden Bestandteil der Baubewilligung.
2. Gegen diese Baubewilligung erhob der Beschwerdeführer bei der kantonalen Bau-,
Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) am 30. Juni 2003 Beschwerde. Er macht geltend,
ein Gemeindesaal in dieser Grössenordnung sei im fraglichen Quartier von Homberg nicht
zumutbar. Das Nutzungs- und Betriebskonzept der Beschwerdegegnerin sei ungenau und
lasse viele Fragen offen. Hinzu komme, dass das Parkplatzangebot nicht dem
vorgesehenen Nutzen des Anbaus entspreche. Der Passus im Nutzungs- und
Betriebskonzept, wonach dieses nach Rücksprache mit der Gemeinde geändert werden
könne, sei inakzeptabel.
3. Die Beschwerdegegnerin macht geltend, der geplante Gemeindesaal sei für ihre
Gottesdienste und Plenum-Gespräche unbedingt erforderlich. Der heute bestehende Saal
im Untergeschoss der Pension "F._" genüge den heutigen Anforderungen nicht
mehr. Im Übrigen sei man bestrebt, ein möglichst attraktives Programm mit mehreren
Anlässen pro Woche anzubieten. Es sei unmöglich, das vorgelegte Nutzungs- und
Betriebskonzept genauer abzufassen, da nicht absehbar sei, wie sich die Kirchgemeinde
entwickle. Das Parkplatzangebot sei genügend.
Die Gemeinde Homberg hält fest, das Nutzungs- und Betriebskonzept der
Beschwerdegegnerin sei in Absprache mit der Gemeinde bereits einmal präzisiert worden.
Die Gemeinde sei sich bewusst, dass das Parkplatzangebot auf der Bauparzelle
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ungenügend sei. Es bestehe jedoch seit längerer Zeit eine mündliche Vereinbarung
zwischen der benachbarten Käsereigenossenschaft und dem Eigentümer der Pension
"F._", etwa 12 Parkplätze benutzen zu dürfen. Im Übrigen bestehe die Möglichkeit,
beim rund 300 m entfernten Mehrzweckgebäude der Gemeinde 10 öffentliche Parkplätze
zu benutzen. Die Baubewilligung enthalte zudem die Auflage, dass die
Beschwerdegegnerin bei grösseren Anlässen einen Parkdienst bereit stellen muss.
4. Das Rechtsamt der BVE, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte
mit den Verfahrensbeteiligten eine Augenscheins- und Instruktionsverhandlung durch. Die
Verfahrensbeteiligten erhielten danach Gelegenheit, zum Augenscheinprotokoll Stellung zu
nehmen und Schlussbemerkungen zum Verfahren einzureichen.
Auf die Rechtsschriften und das Ergebnis des Beweisverfahrens wird, soweit für den
Entscheid von Bedeutung, in den Erwägungen zurückzukommen sein.

II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
Nach Art. 40 Abs. 1 BauG2 können Bauentscheide innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Beschwerde bei der BVE angefochten angefochten werden. Die BVE ist somit zur
Beurteilung der Beschwerde zuständig. Der Beschwerdeführer ist als abgewiesener
Einsprecher durch den vorinstanzlichen Bauentscheid beschwert und somit unbestritten
zur Beschwerde befugt. Auf seine form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 155.221.191) 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
4
2. Parkplätze
Der Beschwerdeführer rügt, das mit dem Bauvorhaben vorgesehene Parkplatzangebot von
sechs Parkplätzen sei unzureichend.
a) Nach Art. 49 Abs. 1 BauV3 berechnet sich die Anzahl der Abstellplätze für
Motorfahrzeuge auf Grund von Art. 50 ff. BauV. Die Anzahl der Abstellplätze wird durch
eine Bandbreite begrenzt; innerhalb dieser Bandbreite legt die gesuchstellende Partei die
Anzahl fest (Art. 50 Abs. 1 BauV). Die Bandbreite umfasst insbesondere die Abstellplätze
für die Motorfahrzeuge der Beschäftigten, der Besucher und der Behinderten (Art. 50 Abs.
2 BauV).
b) Der geplante Anbau weist im Untergeschoss eine Bruttogeschossfläche von 193 m2
und im Erdgeschoss eine solche von 282 m2 auf. Die gesamte Bruttogeschossfläche
beträgt somit 475 m2 . Nach Art. 52 Abs. 1 BauV berechnet sich die minimale Bandbreite
nach der Formel 0.6 x BGF/n - 3. Da sich die Nutzung des geplanten Anbaus im Freizeit-
und Kulturbereich bewegt, gilt für den Parameter n eine Zahl von 20. Für den Anbau ergibt
sich somit eine Zahl von 11,25 Parkplätzen. Für das bestehende Alters- und Pflegheim
"Pension F._" ergibt sich in Anwendung von Art. 51 Abs. 1 BauV und Art. 52 Abs.
1 BauV zusätzlich eine Bandbreite von 1 bis 3 Abstellplätzen4. Die abgerundete untere
Bandbreite an Abstellflächen beträgt somit 12 Parkplätze.
c) Das Baugesuch der Beschwerdegegnerin weist insgesamt sechs Parkplätze aus,
welche sowohl der Beschwerdegegnerin als auch dem Alters- und Pflegheim "Pension
F._" zur Verfügung stehen sollen. Die minimal erforderliche Parkplatzzahl wird
somit um mehr als 50 % unterschritten. Die Auffassung der Beschwerdegegnerin, wonach
die ausgewiesenen sechs Parkplätze von den Mitgliedern der Beschwerdegegnerin und
den Besucherinnen und Besuchern des Alters- und Pflegheims nicht zeitgleich genutzt
würden und der Normbedarf an Parkplätzen daher zu reduzieren sei, überzeugt nicht. So
ist denkbar, dass es beispielsweise am Sonntagmorgen hinsichtlich der Nutzung der
Parkplätze durchaus Überschneidungen geben kann. Im Übrigen ist bei der
Parkplatzberechnung auf die objektiv zur Verfügung stehende Bruttogeschossfläche
3 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 4 vgl. Parkplatzberechnung der Gemeinde Homberg vom 25. Mai 2003
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abzustellen. Die drei Mehrzweckräume im Untergeschoss sind daher bei der
Parkplatzberechnung hinzuzurechnen. Der Einwand der Beschwerdegegnerin, wonach der
Saal und die Mehrzweckräume nicht zeitgleich genutzt würden, ändert an diesem Ergebnis
nichts.
d) Nach Art. 55 Abs. 1 BauV befreit die Baubewilligungsbehörde den Bauherrn im
erforderlichen Umfang von der Erfüllung der Parkplatzpflicht, wenn er aus tatsächlichen
oder rechtlichen Gründen (topografische Verhältnisse, Schutz der Landschaft oder des
Ortsbildes, unzulässige Inanspruchnahme von Innenhöfen oder Vorgärten, Notwendigkeit
der Verkehrsberuhigung) die verlangte Abstellfläche weder auf dem Baugrundstück noch
im Umkreis von 300 m bereitzustellen vermag. Die Befreiung ist jedoch ausgeschlossen,
wenn verkehrsgefährdende Zustände drohen, denen weder mit Bedingungen und Auflagen
noch mit einer Projektänderung begegnet werden kann (Art. 55 Abs. 2 BauV).
Es trifft zwar zu, dass die bestehenden räumlichen Verhältnisse auf der Bauparzelle nicht
mehr als sechs Parkplätze zulassen. Das Beweisverfahren hat jedoch ergeben, dass
bereits die heutige Parkplatzsituation rund um die Bauparzelle als verkehrsgefährdend
bezeichnet werden muss. So ist festzustellen, dass die Mitglieder der Beschwerdegegnerin
ihre Fahrzeuge bei grösseren Anlässen, insbesondere während des sonntäglichen
Gottesdienstes, vor der benachbarten Käserei und dem Alters- und Pflegheim "Pension
F._" entlang der Hauptstrasse "wild" parkieren. Es handelt sich dabei nicht um
offizielle Parkplätze5. Die Fahrzeuge werden zum Teil sogar auf der gelb markierten
Bushaltestelle vor der "Pension F._" abgestellt. Das Abstellen von Fahrzeugen
unmittelbar neben der Hauptstrasse gefährdet bereits heute den Durchgangsverkehr. Die
Nebenbestimmung in der Baubewilligung, wonach bei grösseren Anlässen jeweils ein
Parkdienst organisiert werden muss, vermag an dieser Situation nichts zu ändern. Eine
Befreiung von der Parkplatzpflicht scheidet in Anwendung von Art. 55 Abs. 2 BauV somit
aus. Die Frage, ob die bestehende Topografie auf der Bauparzelle allenfalls eine Befreiung
von der Erfüllung der Parkplatzpflicht rechtfertigt, kann bei dieser Sachlage offen gelassen
werden. Die Beschwerdegegnerin vermochte im Beschwerdeverfahren auch nicht den
Nachweis zu erbringen, dass die fehlenden Abstellplätze im näheren Umkreis der
Bauparzelle auf fremdem Boden sichergestellt werden könnten. Es liegen schliesslich auch
keine besonderen Verhältnisse vor, die nach Art. 54 BauV ein Abweichen von der
Parkplatz-Bandbreite rechtfertigen würden.
5 vgl. Fotodokumentation zum Augenscheinprotokoll vom 29. September 2003
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e) Zusammenfassend folgt, dass das Bauvorhaben den nach Art. 49 ff. BauV
erforderlichen minimalen Normbedarf an Parkplätzen bei weitem nicht erfüllt. Eine
Befreiung von der Erfüllung der Parkplatzpflicht ist wegen drohender verkehrsgefährdender
Zustände rund um die Bauparzelle ausgeschlossen.
3. Zonenkonformität
Der Beschwerdeführer macht geltend, ein Gemeindesaal in dieser Grössenordnung sei im
fraglichen Ortsteil von Homberg, welcher vorwiegend dem Wohnen und der
landwirtschaftlichen Nutzung vorbehalten sei, nicht zumutbar. Er rügt somit sinngemäss,
der geplante Anbau sei zonenwidrig.
a) Die Bauparzelle Homberg Gbbl. Nr. E._ liegt in der Wohn- und
Gewerbezone WG 2. Art. 29 Abs. 2 GBR6 bestimmt, dass in der Wohn- und Gewerbezone
WG 2 Wohnbauten und Bauten mässig störender Betriebe zugelassen sind.
Ausgeschlossen sind gewerbliche Nutzungen, die ein Übermass an quartierfremdem
Verkehr verursachen (Art. 29 Abs. 4 GBR).
Als erstes ist zu prüfen, welche Bedeutung dieser kommunalen Bestimmung, soweit sie die
zulässigen Immissionen umschreibt, neben dem USG7 noch zukommt. Mit dem
Inkrafttreten des USG verlor das kantonale Recht seine selbständige Bedeutung, soweit
sich sein materieller Gehalt mit dem Bundesrecht deckt oder weniger weit geht als dieses.
Es behielt sie dort, wo es die bundesrechtlichen Normen ergänzt oder - soweit erlaubt -
verschärft. Das USG erfasst aber nicht alle denkbaren Auswirkungen und Störungen, die
eine Baute oder Anlage mit sich bringen kann. Selbständige Bedeutung können
insbesondere kantonale oder kommunale Bestimmungen über die Zulässigkeit von
störenden Bauten und Anlagen in Nutzungszonen haben, soweit sie die Frage regeln, ob
aus raumplanerischen Gründen ein Betrieb am vorgesehenen Ort überhaupt erstellt
werden darf. Es steht die Frage im Vordergrund, welche Nutzungsstrukturen eine
6 Gemeindebaureglement von Homberg vom 18. Dezember 2000 7 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (USG; SR 814.01)
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bestimmte Zone aufweisen soll. In diesem Rahmen beruhen kantonale oder kommunale
Normen auf eigenständigen kantonalen oder kommunalen Rechtsetzungskompetenzen auf
dem Gebiet der Ortsplanung8.
Es ist weiter zu berücksichtigen, dass die bauliche Nutzung durch die baurechtliche
Grundordnung der Gemeinde bestimmt ist (Art. 4 Abs. 1 BauG). Bei der Festlegung dieser
Nutzungsordnung kommt den Gemeinden gestützt auf die Verfassung eine Autonomie zu,
welche ihnen einen möglichst weiten Handlungsspielraum gewährt. Sie bestimmen im
Rahmen des übergeordneten Rechts, welche von mehreren gesetz- und zweckmässigen
Planungslösungen zu wählen ist (Art. 65 Abs. 1 BauG). Dieser Kompetenz ist auch bei der
Auslegung und Anwendung der kommunalen Nutzungsvorschriften Rechnung zu tragen.
Es wäre mit der verfassungsrechtlichen Gemeindeautonomie nicht vereinbar, wenn jener
Handlungsspielraum durch eine zu enge Rechtsverwirklichung wieder übermässig
eingeschränkt würde9. Der Auffassung der Gemeinde Homberg kommt deshalb in der
nachfolgenden Beurteilung eine besondere Bedeutung zu.
b) Die Zone, in welcher der geplante Anbau errichtet werden soll, ist eine gemischte
Zone für Wohn- und Gewerbebauten. Zugelassen sind neben Wohnbauten "Bauten mässig
störender Betriebe". Im Gegensatz zu einer reinen Wohnzone, von welcher störende
Gewerbe fernzuhalten sind, dürfen in einer gemischten Zone Gewerbe errichtet werden,
die zwar gewisse Unannehmlichkeiten mit sich bringen, das gesunde Wohnen aber nicht
beeinträchtigen. Die Rechtsprechung hat die Betriebe in verschiedene Kategorien
eingeteilt: Nicht störend sind Betriebe, die mit der Wohnnutzung ohne Weiteres vereinbar
sind oder diese sogar begünstigen, das heisst zum Beispiel Bäckereien, Coiffeursalons
und dergleichen. Als mässig störend gelten Betriebe, welche die Wohnnutzung in der
Nacht und zur üblichen Freizeit nicht beeinträchtigen und deren Störungen während der
übrigen Zeit aus wohnhygienischer und gesundheitspolizeilicher Sicht noch hingenommen
werden können10. Betriebe, die noch stärker stören, sind solche, die das gesunde Wohnen
wesentlich beeinträchtigen. Sie sind als Grossgewerbe in Industriezonen zu verweisen. Die
Rechtsprechung hat zum Beispiel die gewöhnlichen Autoreparaturwerkstätten in einer
gemischten Zone nicht von vornherein als unzulässig beurteilt11. Auch wurde die
8 BGE 117 Ib 150 E. 3c und 3d; BVR 1994 S. 232 E. 2a 9 BGE 118 Ia E. 3a; BVR 2002 S. 65 E. 3b; Ulrich Häfelin/Georg Müller, Grundriss des allg. Verwaltungsrechts, 2. Aufl., Zürich 1993, N. 1114 f. 10 BVR 1986 S. 212 E. 4a 11 BVR 1996 S. 213 E. 4
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Zonenkonformität einer Fabrikation und Reparatur von Fahrzeug- und Industriekühlern, die
nicht zu mehr Emissionen führt als eine Autoreparaturwerkstätte, einer gemischten Zone
bejaht. Dagegen wurde ein Carosseriebetrieb, ein Schlossereibetrieb und ein Betrieb zur
Metallverarbeitung in einer gemischten Zone als störend eingestuft12.
c) Das Bundesgericht hatte sich kürzlich mit der Frage zu befassen, unter welchen
Voraussetzungen Bauten, die kulturellen oder religiösen Tätigkeiten dienen, in einer
gemischten Wohn- und Gewerbezone zonenkonform sind13. Im fraglichen Fall ging es um
die Umnutzung einer leer stehenden, früher gewerblich genutzten Baute in ein islamisches
Zentrum, in welchem wöchentliche Versammlungen mit bis zu 120 Personen und -
während des Ramadans - zwei Mal jährlich Versammlungen mit etwa 300 Personen
abgehalten werden sollen. Beabsichtigt war zudem, den Ort als soziokulturelles Zentrum
mit Schulzimmern für den Sprach- und Stützunterricht der Kinder, einem Kinderhort, einer
Bibliothek mit Tagungsraum, mehreren Büros und einer Dienstwohnung zu nutzen. Das
Bundesgericht erwog unter anderem, die Zonenkonformität beurteile sich nach dem
Ausmass der Immissionen, welche die geplante Nutzung verursache. Die Vorinstanz
erachtete die geplante Nutzung in der gemischten Wohn- und Gewerbezone als
zonenkonform, da der Schulunterricht nicht zur gleichen Zeit stattfinde wie die
wöchentlichen Freitagsgebete und deshalb nicht mit einer übermässigen Beanspruchung
der Infrastruktur zu rechnen sei. Es bestehe auch kein zusätzlicher Bedarf an Parkplätzen,
da die Freitagsgebete zu einer eher unproblematischen Tageszeit, d.h. zwischen 12 und
14 Uhr, stattfänden. Angesichts des bestehenden Parkplatzangebots und wegen der guten
Erreichbarkeit des Zentrums mit öffentlichen Verkehrsmitteln sei die Gefahr wilden
Parkierens auf den Quartierstrassen gering. Die von der Bauherrschaft abgegebene
Zusicherung, an Anlässen mit grösserem Publikumsaufmarsch einen Ordnungsdienst zu
organisieren, gewährleiste zudem Ruhe und Ordnung im Quartier. Das islamische Zentrum
beeinträchtige somit den Quartiercharakter und die Wohnqualität nicht und könne daher als
zonenkonform beurteilt werden. Das Bundesgericht hatte diese Auffassung gestützt.
Zusammenfassend folgt, dass Bauten, die kulturellen oder religiösen Tätigkeiten dienen,
nach der bundesgerichtlichen Praxis in der Wohn- und Gewerbezone nicht von vornherein
als zonenfremd bezeichnet werden können. Die Grenze zur zonenfremden Nutzung wird
dann überschritten, wenn die geplante Nutzung ein Ausmass an Immissionen verursacht,
12 BVR 1985 S. 409 E. 3; Baurecht 4/82; ZBl 73/1972 S. 484 E. 5c 13 BGer 1P.290/2003 vom 15.8.2003
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welches aus wohnhygienischer und gesundheitspolizeilicher Sicht nicht mehr
hingenommen werden kann oder die öffentliche Sicherheit erheblich beeinträchtigt.
d) Aus den Vorakten geht hervor, dass der geplante Anbau im Erdgeschoss einen rund
150 m2 grossen Saal mit etwa 180 Sitzplätzen und im Untergeschoss drei
Mehrzweckräume mit einer Gesamtfläche von etwa 146 m2 beinhaltet14. Der Anbau ist für
die Nutzung von freikirchlichen Anlässen vorgesehen15. Als Hauptanlass findet jeweils am
Sonntagmorgen ein etwa zweistündiger Gottesdienst statt. Hinzu kommen drei
wöchentliche Treffen kleinerer Gruppen, welche an verschiedenen Abenden zwischen 20
und 22 Uhr stattfinden sowie betreute Kinder- und Jugendanlässe an zwei Nachmittagen
pro Woche zwischen 16 und 19 Uhr. Für die Durchführung grösserer Anlässe ist wie bis
anhin die Nutzung der gemeindeeigenen Mehrzweckhalle vorgesehen. Die
Beschwerdegegnerin besteht heute aus etwa 70 Mitgliedern, welche zu rund 70 % in der
Gemeinde Homberg wohnhaft sind. Die restlichen Mitglieder wohnen vorwiegend in
Anliegergemeinden.
Im vorliegenden Fall hängt die Frage der Zonenkonformität eng mit der Parkierungsfrage
zusammen (siehe Erwägungen in Ziffer 3). Vorhanden sind nur 6 Parkplätze. Für die
Frage, ob das Vorhaben in dieser Zone zu sehr stört, ist auf die objektiv möglichen
Nutzungsmöglichkeiten abzustellen. Es sieht einen Saal mit 180 Sitzplätzen (147,68 m2
Bruttofläche) und 3 Mehrzweckräume mit zusammengezählt nochmals der gleichen Fläche
(146,11 m2 Bruttofläche) vor. Die gleichzeitige Nutzung einer oder verschiedener Räume ist
objektiv möglich, das Vorhaben sieht die nötigen Nebenräume wie WC's vor. Für die
Beurteilung wird auf eine durchschnittlich intensive Nutzung und damit auch auf die zum
Teil gleichzeitige Nutzung mehrerer Räume abgestellt. Damit wird nicht bezweifelt, dass
die Angaben der Beschwerdegegnerin im Betriebskonzept richtig sind oder dass das
Konzept dem effektiv geplanten Betrieb entspricht. Die Annahmen müssen aber einer
objektiv möglichen Nutzung einer durchschnittlichen Betreiberin entsprechen. Im Übrigen
lässt sich der vorliegende Fall mit demjenigen im oben erwähnten
Bundesgerichtsentscheid nicht vergleichen, da es hier an einem genügenden
Parkplatzangebot fehlt und die Erschliessung mit öffentlichen Verkehrsmitteln im
Gegensatz zu städtischen Verhältnissen eher schlecht ist. Erfahrungsgemäss passt sich
die Nutzung den baulichen Möglichkeiten an, hohe Investitionen (Bausumme gemäss
14 Grundrissplan vom 3. März 2003 15 Nutzungs- und Betriebskonzept der Beschwerdegegnerin vom 22. Mai 2003
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Baugesuch: 970'000 Franken) legen eine intensive Nutzung nahe. Das vorliegende
Konzept, das von einer Zahl von 70 Mitgliedern und von einer sehr geringen
Nutzungsintensität ausgeht, ist kein Garant für den Bestand dieser Intensität. Auch mit
Nebenbestimmungen kann die heute beabsichtigte Nutzung nicht gesichert werden. Es
würde auch dem Wesen einer (Frei-)Kirche widersprechen, den Rahmen des
Gemeindelebens in der Baubewilligung abzustecken. Die Beschwerdegegnerin muss
vielmehr im Rahmen des bewilligten Zustandes relativ frei über ihr Gemeindeleben
bestimmen können. Deshalb muss der bewilligte Zustand nicht einer momentanen sondern
einer objektiven durchschnittlichen und damit entwicklungsfähigen Betriebsintensität
entsprechen.
Zu berücksichtigen ist auch die Verkehrsmittelwahl der Besuchenden. Aus dem Zonenplan
der Gemeinde Homberg ergibt sich, dass der Anteil der Bevölkerung, welche nicht in der
Bauzone wohnhaft ist und zum Teil mehrere Kilometer von der Bauparzelle entfernt wohnt,
verhältnismässig gross ist. Damit ist davon auszugehen, dass der Verkehr der
einheimischen wie der auswärtigen Besuchenden vorwiegend mit dem Auto erfolgt.
e) Bei objektiv durchschnittlicher Auslastung bewirkt der Betrieb häufige und zahlreiche
Zu- und Wegfahrten mit den Autos der Besuchenden, die mit den vorhandenen 6
Parkplätzen unmöglich ordentlich bewältigt werden können. Ob eine schlichte Erhöhung
des Parkplatzangebotes die Situation verbessern würde, kann offen bleiben, denn im Laufe
des Verfahrens haben sich keine solche Möglichkeiten gezeigt. Eine Verbesserung scheint
allerdings fraglich. Denn störend wirkt, dass der Zielverkehr sich nicht nur beim Ziel
auswirkt, sondern sich am Ziel relativ breit und ungeordnet verteilt. Deshalb ist die zu
erwartende Störung übermässig und das Vorhaben in der Wohn- und Gewerbezone von
Homberg nicht zonenkonform.
Dass die Wohn- und Gewerbezone in der Gemeinde die Grundzone darstellt und daneben
nur noch bestimmte Zonen für öffentliche Nutzungen ausgeschieden sind, ändert daran
nichts. Planerische Möglichkeiten sind vielmehr denkbar.
4. Zusammenfassung
Zusammenfassend folgt, dass das Bauvorhaben der Beschwerdegegnerin den minimal
11
erforderlichen Parkplatzbedarf nur zu rund 50 % erfüllt. Eine Befreiung von der Erfüllung
der Parkplatzpflicht scheidet wegen verkehrsgefährdender Zustände aus. Die vom
Bauvorhaben insbesondere durch den ungeregelten Verkehr ausgehende Störung ist
übermässig, so dass das Vorhaben in der Wohn- und Gewerbezone von Homberg nicht
zonenkonform ist. Die Beschwerde ist daher gutzuheissen und die vorinstanzliche
Baubewilligung aufzuheben. Der Beschwerdegegnerin ist für das geplante Bauvorhaben
der Bauabschlag zu erteilen.
5. Kosten
Bei diesem Verfahrensausgang sind die oberinstanzlichen Verfahrenskosten der
unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (Art. 108 Abs. 1 VRPG16). Sie werden
bestimmt auf insgesamt Fr. 1'600.00 (Pauschalgebühr: Fr. 1'400.00, Beweiskosten
[Augenschein]: Fr. 200.00). Parteikosten sind keine zu sprechen. Die amtlichen Kosten des
Baubewilligungsverfahrens (Gebühren und Auslagen) bleiben der Beschwerdegegnerin
auferlegt (Art. 52 Abs. 1 BewD17).