Decision ID: d281f2d0-05ae-4667-97d6-8d67ebab75aa
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._ (geb. 1970) befand sich seit dem 23. Juli 2020 im Regionalgefängnis Altstätten
(nachfolgend: RGAL) in Untersuchungshaft. Mit Verfügung vom 11. August 2020 wurde
er erstmals mit einer Busse disziplinarisch bestraft. Es folgten weitere
Disziplinarmassnahmen, namentlich am 4. und 6. September 2020 (Entzug des
Fernsehgeräts und Arrest; vgl. Verfahren B 2020/220 und B 2020/221).
B.
Anfang November 2020 verhielt sich A._ während mehrerer Tage zunehmend
querulatorisch, störend und unanständig. Er hielt sich nicht an die Anweisungen des
Gefängnispersonals und betätigte mehrmals ohne triftigen Grund den Notruf.
Mitgefangene beschwerten sich, dass A._ sie durch Schlagen gegen die
Zelleneinrichtung belästige. Mit Verfügung vom 9. November 2020 ordnete der Leiter
des RGAL 4 Tage Arrest als Disziplinarmassnahme an. Im Arrestvollzug betitelte der
Gefangene die Betreuer mehrmals mit beleidigenden Schimpfwörtern; zudem störte er
die Nachtruhe, indem er massiv gegen die Zellentüre schlug und den Notruf betätigte.
Am 11. November 2020 verfügte der Leiter des RGAL gegenüber A._ deswegen
weitere 3 Tage Arrest. Der Gefangene setzte sein querulatorisches Verhalten fort. Nach
den Mahlzeiten verweigerte er jeweils die Rückgabe des Essgeschirrs. Am
13. November 2020 verunreinigte er die Dusche mit Kot, worauf der Leiter des RGAL
noch am gleichen Tag eine Busse von CHF 100 gegen ihn verhängte und sichernde
Massnahmen (Unterbringung in einer besonderen Zelle; Entzug von Gegenständen,
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deren missbräuchlich Verwendung zu befürchten ist; Entzug des Spazierrechts und
Beschränkung des Verkehrs mit der Aussenwelt) anordnete. Sämtliche
Disziplinarverfügungen wie auch die Verfügung der Sicherungsmassnahmen wurden
A._ jeweils gleichentags ausgehändigt, wobei er die Unterschrift stets verweigerte. Am
30. November 2020 wurden die Sicherungsmassnahmen aufgehoben.
C.
Mit Eingaben vom 21. und 24. November 2020 erhob A._ gegen die drei
Disziplinarverfügungen vom 9., 11. und 13. November 2020 jeweils Rekurs beim
Sicherheits- und Justizdepartement. Nachdem A._ mit Schreiben des Amtes für
Justizvollzug vom 9. Dezember 2020 aufgefordert worden war, wegen
Aussichtslosigkeit der angehobenen Verfahren bis am 18. Dezember 2020 einen
Kostenvorschuss von CHF 300 zu leisten, ersuchte er mit Eingabe vom 14. Dezember
2020 um unentgeltliche Rechtspflege. Das Gesuch wurde zuständigkeitshalber an das
Sicherheits- und Justizdepartement weitergeleitet.
Mit Eingabe vom 30. November 2020 erhob A._ bei der Rechtspflegekommission des
Kantonsrates St. Gallen gegen die am 13. November 2020 angeordneten
Sicherungsmassnahmen sinngemäss Rekurs. Gleichzeitig stellte er ein Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. Mit Verfügungen vom 23. Dezember
2020 wurden sowohl das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im
Rekursverfahren betreffend die drei Disziplinarverfügungen vom 9. November 2020 (4
Tage Arrest), 11. November 2020 (3 Tage Arrest) und 13. November 2020 (Busse von
CHF 100) als auch jenes im Rekursverfahren betreffend die Anordnung von
Sicherungsmassnahmen vom 13. November 2020 zufolge Aussichtslosigkeit
abgewiesen.
D.
Gegen die abschlägigen Verfügungen des Sicherheits- und Justizdepartements
(Vorinstanz) vom 23. Dezember 2020 erhob A._ (Beschwerdeführer) mit Eingaben vom
24. Dezember 2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem sinngemässen
Antrag, die angefochtenen Verfügungen seien aufzuheben und ihm sei die
unentgeltliche Rechtspflege sowie die amtliche Verteidigung zu gewähren; in formeller
Hinsicht beantragte er die Gewährung der aufschiebenden Wirkung. Mit
Vernehmlassungen vom 18. Januar 2021 schloss die Vorinstanz auf Abweisung der

Beschwerden und verwies zur Begründung auf die Erwägungen in den angefochtenen
Verfügungen. Dazu nahm der Beschwerdeführer, der inzwischen in die Strafanstalt Zug
verlegt worden war, mit Schreiben vom 20. bzw. 24. Januar 2021 Stellung.
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Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Verwaltungsgericht erwägt:
1.
Die Verfahren B 2021/4 und B 2021/5 betreffen die gleichen Verfahrensparteien. Die
sich in den Verfahren stellenden Fragen hängen aktenmässig und inhaltlich eng
zusammen. Vor diesem Hintergrund erscheint eine Vereinigung der beiden Verfahren
und Erledigung der Streitfragen in einem Entscheid – indes mit separaten
Dispositivziffern – sachgerecht. Die beiden Verfahren B 2021/4 und B 2021/5 werden
daher vereinigt.
2.
Zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen des zuständigen Departements
über die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung ist gemäss Art. 59
Abs. 3 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 941.1, VRP) ein
hauptamtliches oder ein teilamtliches Mitglied des Verwaltungsgerichts zuständig. Der
Beschwerdeführer, dessen Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
in den Verfahren vor dem Amt für Justizvollzug mit den angefochtenen Verfügungen
vom 23. Dezember 2020 abgewiesen wurden, ist zur Beschwerde befugt (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerden wurde mit Eingaben vom
24. Dezember 2020 (Posteingang am 8. Januar 2021) rechtzeitig erhoben und erfüllen
in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerden ist
deshalb einzutreten.
Gegenstand der vorliegenden Beschwerdeverfahren sind die Verfügungen vom
23. Dezember 2020, mit welchen dem Beschwerdeführer die unentgeltliche
Rechtspflege in den Rekursverfahren betreffend die Disziplinarverfügungen vom 9., 11.
und 13. November 2020 und die Anordnung einer Sicherungsmassnahme vom
13. November 2020 verweigert wurde. Soweit der Beschwerdeführer die
aufschiebende Wirkung der materiellen Rekursverfahren beantragt und allgemeine
Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Strafvollzug erhebt, ist darauf nicht einzutreten.
Soweit er sich in der Begründung zudem nicht mit den konkreten Disziplinierungen und
Sicherungsmassnahmen befasst, ist er ebenfalls nicht zu hören.
bis
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3.
In den vorinstanzlichen Verfügungen wurde die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege wegen Aussichtslosigkeit des angestrebten Verfahrens verweigert.
Die unentgeltliche Rechtspflege wird gewährt, wenn der Gesuchsteller bedürftig und
das von ihm angestrebte Verfahren nicht aussichtslos ist. Soweit es zur Wahrung
seiner Rechte notwendig ist, hat er ausserdem Anspruch auf unentgeltlichen
Rechtsbeistand (Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 117 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung, SR 272, ZPO). Als aussichtslos sind Begehren anzusehen, bei
denen die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die
deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Dagegen gilt ein Begehren
nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahren ungefähr die
Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend ist, ob eine
Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem
Prozess entschliessen würde. Eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene
Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb anstrengen können, weil er sie
nichts kostet. Diese vom Bundesgericht zum Begriff der Aussichtslosigkeit gemäss
Art. 29 Abs. 3 BV entwickelte Praxis ist auch für die Auslegung von Art. 117 Ingress
und lit. b ZPO zu berücksichtigen. Die Erfolgsaussichten im Hauptverfahren sind in
vorläufiger und summarischer Prüfung des Prozessstoffes, namentlich aufgrund der bis
dahin vorliegenden Akten für den Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs
abzuschätzen (vgl. BGE 140 V 521 E. 9.1 mit Hinweisen; BGer 5A_946/2016 vom
10. April 2017 E. 2 mit Hinweisen auf BGE 139 III 475 E. 2.2 und BGE 138 III 217
E. 2.2.4; BGer 1C_665/2012 und 1C_119/2013 vom 19. April 2013 E. 3.2 mit Hinweis
auf BGE 133 III 614 E. 5, 130 I 180 E. 2.1 und 129 I 129 E. 2.3.1, BGE 128 I 225
E. 2.5.3; D. Wuffli, Die unentgeltliche Rechtspflege in der Schweizerischen
Zivilprozessordnung, Zürich/St. Gallen 2015, Rz. 333 ff.). Vom Erfordernis eines
aktuellen Rechtsschutzinteresses ist ausnahmsweise dann abzusehen, wenn sich die
mit der Beschwerde aufgeworfene Frage jederzeit unter gleichen oder ähnlichen
Umständen wieder stellen könnte, an ihrer Beantwortung wegen ihrer grundsätzlichen
Bedeutung ein hinreichendes öffentliches Interesse besteht und eine rechtzeitige
richterliche Überprüfung im Einzelfall ansonsten kaum je möglich wäre (Geisser/Zogg,
in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege,
Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2020, N 15 zu Art. 45 VRP).
3.1.
Art. 91 Abs. 1 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (SR 311.0, StGB) sieht vor,
3.2.
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dass gegen Gefangene und Eingewiesene, welche in schuldhafter Weise gegen
Strafvollzugsvorschriften oder den Vollzugsplan verstossen, Disziplinarsanktionen
verhängt werden können. Gemäss Abs. 3 erlassen die Kantone für den Straf-
und Massnahmenvollzug ein Disziplinarrecht. Dieses umschreibt die
Disziplinartatbestände, bestimmt die Sanktionen und deren Zumessung und regelt das
Verfahren (vgl. BGer 6B_976/2018 vom 18. Oktober 2018 E. 1.5). Besondere
Sicherungsmassnahmen können getroffen werden bei erhöhter Fluchtgefahr, Gefahr
von Gewaltanwendung gegenüber Dritten, sich selbst oder Sachen sowie bei Gefahr
einer anderweitigen schweren Störung der Ordnung in der Vollzugseinrichtung (Art. 64b
Abs. 1 des st. gallischen Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Straf- und
Jugendstrafprozessordnung, sGS 962.1, EG-StPO). Als besondere
Sicherungsmassnahmen kann die Leitung der Vollzugseinrichtung insbesondere den
Entzug von Gegenständen, deren missbräuchliche Verwendung zu befürchten ist, die
vorübergehende Beschränkung des Spazierrechts die Beschränkung des Verkehrs mit
der Aussenwelt, insbesondere des Besuchsrechts und des Postverkehrs, die
Fesselung und die Unterbringung in einer besonderen Zelle anordnen (Abs. 2). In
dringenden Fällen ergreifen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die nötigen
Massnahmen. Die Leitung wird sofort orientiert. Diese entscheidet unverzüglich über
die Aufrechterhaltung oder Aufhebung der Massnahmen (Abs. 3). Die besondere
Sicherungsmassnahme wird unter Beachtung des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes so
lange aufrechterhalten, als die Gefahr andauert. Die Leitung der Vollzugseinrichtung
überprüft regelmässig, ob die Massnahme noch notwendig ist. Die Überprüfung wird
dokumentiert (Abs. 4). Nach Art. 64c Abs. 1 EG-StPO werden die vorsätzliche oder
grobfahrlässige Verletzung der Vorschriften der Vollzugseinrichtung und Verstösse
gegen den Vollzugsplan disziplinarisch geahndet. Als Disziplinarfehler gelten
namentlich Vereitelung, Umgehung oder Verfälschung von Kontrollen (lit. i),
ungebührliches Verhalten gegenüber dem Personal, Miteingewiesenen oder Dritten
(lit. j) oder Missachtung von ausdrücklichen Anordnungen (lit. k). Unter anderem kann
der zeitweise Entzug oder die zeitweise Beschränkung der Aussenkontakte,
insbesondere Besuchs-, Ausgangs- und Urlaubssperre (Abs. 2 lit. d), eine Busse bis zu
CHF 200 (Abs. 2 lit. e), Zellen- oder Zimmereinschluss bis zu 14 Tagen (Abs. 2 lit. f)
oder Arrest bis zu 14 Tagen (Abs. 2 lit. g) angeordnet werden. Arrest kann bei schweren
oder wiederholten Disziplinarfehlern angeordnet werden. Der Arrest und die besondere
Sicherungsmassnahme nach Art. 64b Abs. 2 Bst. e EG-StPO werden in einer
besonderen Zelle mit reduzierter Ausstattung vollzogen. Der Gefangene bleibt von
Arbeit, Freizeitmöglichkeiten, Veranstaltungen, Einkauf und Aussenkontakten
ausgeschlossen. Vorbehalten bleibt der Verkehr mit Behörden und dem
Rechtsvertreter. Die ärztliche und soziale Betreuung sind gewährleistet (Art. 48bis
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Abs. 1 und 2 der Verordnung über die Gefängnisse und Vollzugsanstalten, sGS
962.14).
Gemäss Art. 1 der Gefängnisordnung des RGAL (abrufbar unter: www.sg.ch/sicherheit/
justizvollzug/rgal/Unsere_Institution.html) hat der Gefangene die Vorschriften des
Gefängnisses einzuhalten und den Anordnungen der Gefangenenbetreuer Folge zu
leisten. Er hat alles zu unterlassen, was die Sicherheit und Ordnung im Gefängnis
gefährdet. Das Gefängnispersonal und die eingewiesenen Personen begegnen
einander mit Anstand und Respekt. Damit andere Personen nicht gestört werden, ist
die Verursachung von unnötigem Lärm, wie z.B. lautes Rufen oder Klopfen, im
Gefängnis verboten (Art. 14 RGAL-Gefängnisordnung). Der Missbrauch der Rufanlagen
hat disziplinarische Konsequenzen (Art. 15 RGAL-Gefängnisordnung). Wer schuldhaft
gegen die Gefängnisordnung, gegen ihr übergeordnete Erlasse oder gegen auf der
Hausordnung oder übergeordneten Erlassen beruhende Merkblätter, Anordnungen
oder Weisungen des Gefängnispersonals verstösst oder wer den Gefängnisbetrieb in
anderer Weise beeinträchtigt, wird disziplinarisch sanktioniert (Art. 39 RGAL-
Gefängnisordnung). Sicherheits- und Disziplinarmassnahmen werden vom
Gefängnisleiter oder seine Stellvertreterin angeordnet (Art. 40 RGAL-
Gefängnisordnung).
Gemäss den Ausführungen in der Disziplinarverfügung vom 9. November 2020 verhielt
sich der Beschwerdeführer seit Anfang November zunehmend querulatorisch, störend
und unanständig. Am 7. November 2020 verweigerte er die korrekte Einnahme der
Medikamente. Beim Hofgang musste er mehrmals aufgefordert werden, die Türe zu
schliessen. Im Hof zog er seine Gesichtsmaske aus, begab sich ungeschützt zu einem
anderen Gefangenen und schrie diesen aus nächster Nähe mehrmals an ("Halt die
Fresse"). Am folgenden Tag verweigerte er die Entgegennahme der Medikamente und
Mahlzeiten. Am 9. November 2020 betätigte der Beschwerdeführer zweimal
missbräuchlich den Zellennotruf. Mit Schlägen gegen die Zelleneinrichtung und lautem
Schreien belästigte er sodann andere Gefangene und das Betreuungspersonal. In der
Folge wurde der Beschwerdeführer mit 4 Tagen Arrest diszipliniert (act. 5.3 [B 2021/4]).
Auch im Arrestvollzug gab das Verhalten des Beschwerdeführers Anlass zu
Beanstandungen. Er verhielt sich dem Personal gegenüber weiterhin schikanös und
primitiv. Am 10. November 2020 betitelte er einen Betreuer als "Wichser". In der
folgenden Nacht betätigte er den Notruf, wollte anschliessend jedoch die Art seiner
Schmerzen nicht bekanntgeben und bezeichnete den Betreuer mehrfach als
"Drecksau" und "Arschloch". Anschliessend schlug er während einer halben Stunde
3.3.
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gegen die Zellentür und störte damit die Nachtruhe im Gefängnis. Am Morgen des
11. November 2020 begrüsste er den Betreuer, der ihm die Medikamente abgeben
wollte, mit "Verpiss dich". Noch gleichentags wurde gegenüber dem Beschwerdeführer
eine weitere Disziplinarmassnahme von 3 Tagen Arrest verfügt (act. 5.3 [B 2021/4]).
Auch anschliessend setzte der Beschwerdeführer sein ungebührliches Verhalten fort.
Nach dem Essen verweigerte er die Rückgabe seines Essgeschirrs. Einmal klebte der
Teller oberhalb der Essklappe, so dass dieser für den Betreuer nur schwer greifbar war.
Ein anderes Mal legte er den Teller ca. einen Meter vor der Essklappe unterreichbar auf
den Boden. Am Morgen des 13. November 2020 duschte der Beschwerdeführer in
einer zuvor gereinigten Dusche. Beim Verlassen der Dusche stellten die Betreuer fest,
dass der Gefangene in die Dusche gekotet hatte. Zurück in der Zelle betitelte er den
Betreuer erneut als "Drecksau". In der Folge wurde der Beschwerdeführer mit CHF 100
gebüsst (act. 5.3 [B 2021/4]). Um den ordentlichen Betrieb des Gefängnisses
weiterführen zu können und zum Schutz von Personal und anderen Gefangenen
wurden zudem folgende Sicherungsmassnahmen angeordnet: Unterbringung in einer
besonderen Zelle, Entzug von Gegenständen, deren missbräuchliche Verwendung zu
befürchten ist sowie Entzug des Spazierrechts und Beschränkung des Verkehrs mit der
Aussenwelt (act. 5.2 [B 2021/5]).
Die Ausführungen des Beschwerdeführers beschränken sich auf unzulässige
appellatorische Kritik. Ohne näher auf die massgebenden Vorhalte einzugehen, macht
er geltend, bei den drei Disziplinarverfügungen handle es sich um erhebliche und
unverhältnismässige Massnahmen. Die angeblichen Sachverhalte seien ausschliesslich
erlogen. Er reicht dazu eine tabellarische Übersicht von Vergehen des RGAL vom
24. Juli bis 9. November 2020 ein. Daraus ergebe sich, dass seinen Anträgen zu
entsprechen und ihm die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren sei. Die
Sicherungsmassnahmen erachtet der Beschwerdeführer ebenfalls als nicht
rechtmässig. Die gesetzlichen Voraussetzungen seien nicht erfüllt gewesen. Es habe
keine Gefahr einer schweren Störung vorgelegen und die Sicherungsmassnahmen
seien nicht regelmässig überprüft worden. Insgesamt habe er sich länger als 14 Tage in
Arrest befunden, was unverhältnismässig gewesen sei.
In seiner Tabelle (act. 1 [B 2021/4]) listet der Beschwerdeführer stichwortartig
angebliche Vergehen des RGAL über den Zeitraum vom 24. Juli bis 9. November 2020
auf. Massgebend für die Verfügung der Disziplinarmassnahmen war indessen sein
eigenes Verhalten und nicht jenes des Gefängnispersonals. Dazu äussert er sich jedoch
nicht. Von Bedeutung wären in diesem Zusammenhang allenfalls noch die zeitlich in
3.4.
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der Nähe liegenden Einträge vom 7. und 9. November 2020. An diesen zwei Tagen wirft
der Beschwerdeführer den Betreuern Beleidigung, schwere Körperverletzung,
unterlassene Hilfeleistung, falsche Verdächtigung und Nötigung vor, ohne jedoch die
konkreten Umstände für seine Vorhalte auch nur ansatzweise näher zu schildern. Zu
seinen von der Gefängnisleitung in den drei Disziplinarverfügungen angeführten
zahlreichen Verstössen gegen die Gefängnisordnung nimmt er inhaltlich keine Stellung,
sondern bezeichnet die Vorwürfe pauschal als Lügen. Er zeigt damit nicht auf, inwiefern
das dort Geschilderte nicht zutreffen und die verfügten Massnahmen deshalb unhaltbar
sein sollten. Der Beschwerdeführer verhielt sich Anfang November 2020 über mehrere
Tage hinweg querulatorisch, störend und unanständig. Er widersetzte sich wiederholt
und vorsätzlich den Anordnungen der Betreuer, verhielt sich diesen gegenüber
anstands- und respektlos, missbrauchte mehrfach die Rufanlage und störte die
Nachtruhe. Trotz der wiederholten Disziplinierung mit Verfügung von zwei
Arrestmassnahmen (4 Tage am 9. November 2020 und 3 Tage am 11. November 2020)
setzte der Beschwerdeführer sein ungebührliches Verhalten fort. Am 13. November
2020 gipfelte es darin, dass er in die Dusche kotete. Damit lag einerseits ein erneuter
Grund für die Verfügung einer Disziplinarmassnahme (diesmal eine Busse von
CHF 100) und andrerseits eine schwere Störung der Ordnung im Sinn von Art. 64b
Abs. 1 EG-StPO vor. Da die vorgängig verfügten Arrestmassnahmen nicht die
gewünschte Wirkung gezeitigt hatte, erweist sich eine Verschärfung in Form der am
13. November 2020 verfügten Sicherungsmassnahmen zum Schutz des Personals
zudem als verhältnismässig. Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers
wurden die Sicherungsmassnahmen regelmässig überprüft und auch laufend
angepasst. Der Entzug des Spazierrechts wurde bereits nach drei Tagen wieder
aufgehoben (act. 5.2 [B 2021/5]). Nachdem der Beschwerdeführer sein störendes und
beleidigendes Verhalten eingestellt hatte, wurden sämtliche Sicherungsmassnahmen
am 30. November 2020 aufgehoben. Insgesamt befand sich der Beschwerdeführer
während 4 Tagen im Arrest (9. bis 13. November 2020) und während 17 Tagen in einer
besonderen Zelle (14. November 2020 bis 30. November 2020). Die zweite
Arrestmassnahme gemäss Verfügung vom 11. November 2020 wurde nicht vollzogen,
da an deren Stelle mittlerweile besondere Sicherungsmassnahmen getreten waren.
Diesbezüglich erweist sich der Rekurs des Beschwerdeführers als gegenstands- und
damit als aussichtslos.
Die Anordnung der am 9. und 13. November 2020 angeordneten Disziplinar- und
Sicherheitsmassnahmen erscheint unter den gegebenen Umständen durchaus
angebracht gewesen zu sein. Zu berücksichtigen ist dabei auch, dass der
Beschwerdeführer bereits am 11. August, 4. und 6. September 2020 disziplinarisch
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4.
Bei diesem Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten der Beschwerdeverfahren
B 2021/4 und B 2021/5 dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP).
Entscheidgebühren von je CHF 800, insgesamt somit CHF 1'600, sind angemessen
(Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf die Erhebung der
Kosten ist ausnahmsweise und zufolge voraussichtlicher Uneinbringlichkeit zu
verzichten (Art. 97 VRP).
bestraft werden musste und sich davon nicht beeindrucken liess. Er verhielt sich
offensichtlich bewusst und damit vorsätzlich renitent. Bei der im vorliegenden
Verfahren gebotenen summarischen Prüfung erweisen sich die Massnahmen – Arrest
für 4 Tage, Busse von CHF 100 und besondere Sicherungsmassnahmen für 17 Tage –
jedenfalls nicht als unverhältnismässig.
In Haftfällen nimmt das Bundesgericht die Aussichtslosigkeit einer Beschwerde nicht
leichthin an, weil die Haft einen schweren Eingriff in die persönliche Freiheit darstellt
und sich der Betroffene deshalb in der Regel zur Beschwerde veranlasst sehen kann
(BGer 1B_229/2007 vom 30. Oktober 2007 E. 3). Auch im Lichte dieser Praxis müssen
die vom Beschwerdeführer erhobenen Rekurse gegen die Disziplinar- und
Sicherungsmassnahmen aufgrund der wiederholten groben Verstösse aber als
aussichtslos bezeichnet werden. Bei dieser Ausgangslage erscheint die Überprüfung
der von der Vorinstanz im Rahmen einer vorläufigen und summarischen Prüfung
erfolgten Verneinung von Erfolgsaussichten in den Rekursverfahren vor dem
Sicherheits- und Justizdepartement als korrekt erfolgt. Der in den angefochtenen
Verfügungen getroffene Schluss, wonach die unentgeltliche Rechtspflege in sämtlichen
angehobenen Verfahren zufolge Aussichtslosigkeit nicht zu gewähren sei, lässt sich
daher nicht beanstanden. Sowohl die Gewinnaussichten der Rekurse betreffend die
Disziplinarverfügungen vom 9., 11. und 13. November 2020 als auch die Anordnung
von Sicherheitsmassnahmen vom 13. November 2020 sind aufgrund der Aktenlage
offensichtlich als beträchtlich geringer einzustufen als die damit einhergehenden
Verlustgefahren. Die Vorinstanz hat daher die jeweiligen Gesuche um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege in den Verfahren vor dem Sicherheits- und
Justizdepartement zu Recht wegen Aussichtslosigkeit zu Recht nicht entsprochen. Aus
demselben Grund besteht auch kein Anspruch auf unentgeltliche
Rechtsverbeiständung. Die Beschwerden B 2021/4 und B 2021/5 sind daher
abzuweisen.
3.5.
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