Decision ID: 9f4490e2-ea37-5a96-9a71-41c936b16139
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Duri Poltera, Hadwigstrasse 6a, 9000 St. Gallen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend Versicherte) war seit dem 5. Juli 2005 als Angestellte bei der
B._, berufstätig und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt
(nachfolgend SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert, als sie am
18. März 2011 im Zug zwischen C._ und D._ bei einer Notbremsung mit dem
Rücken gegen die Wand stiess und sich dabei eine Prellung am Rücken zuzog (Suva-
act. 1). Am darauffolgenden Tag konsultierte die Versicherte Dr. med. E._, Allgemeine
Medizin FMH, welche eine konservative Therapie mit Physiotherapie und bei Bedarf
analgetische Medikamente sowie am 15. April 2011 und am 16. Mai 2011 eine PRT
(periradikuläre Infiltrationstherapie) verordnete (Suva-act. 3, 2, 6, 10, 14, 11). In der
Folge wurden mit der vertebro-spinalen Kernspintographie vom 11. April 2011, der
konsiliarischen Untersuchung vom 27. Mai 2011 durch Dr. med. F._, Facharzt FMH
für Neurochirurgie, und der neurologischen Untersuchung vom 8. Juni 2011 im
Kantonsspital G._, weitere medizinische Abklärungen getroffen (Suva-act. 10,
Anhänge). Mit Bericht vom 22. Juni 2011 diagnostizierte Dr. E._ bei der Versicherten
eine posttraumatische breitbasige subligamentäre Hernierung der Bandscheibe L4/5
mit sowohl rezessaler als auch foraminaler neuraler Kompression L4 und L5 linksseitig
und einen Status nach zweimaliger PRT (Suva-act. 10). Die SUVA erbrachte die
gesetzlichen Leistungen.
A.b Mit kreisärztlichem Untersuchungsbericht vom 25. August 2011 (Suva-act. 19)
stellte Dr. med. H._, Facharzt für Chirurgie FMH, fest, dass lediglich die
Rückenprellung vom 18. März 2011 unfallkausal sei. Weitere noch vorhandene
Beschwerden, insbesondere die Lumboischialgie bei kleiner Bandscheibenhernie L4/5
links mit foraminaler Kompression L5 und die Wirbelsäulenskoliose, seien
ausschliesslich krankhafter Natur.
A.c Auf Grundlage dieser Beurteilung stellte die SUVA mit Verfügung vom 29. August
2011 die Versicherungsleistungen per 25. August 2011 ein (Suva-act. 20). Die Swica
Gesundheitsorganisation zog ihre am 6. September 2011 vorsorglich gegen diese
Verfügung erhobene Einsprache am 12. September 2011 wieder zurück (Suva-act. 22,
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24). Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache vom 26. September 2011 der
Versicherten, vertreten durch Dr. iur. Poltera, wurde mit Einspracheentscheid vom
9. November 2011 abgewiesen (Suva-act. 27, 31; act. G 1.1).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid erhob die Versicherte mit Eingabe vom 6. Dezember 2011
Beschwerde mit dem Antrag, der Einspracheentscheid vom 9. November 2011 sei
aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, auch nach dem 25. August
2011 UVG-Leistungen zu erbringen (Suva-act. G 1). Eventualiter sei eine neutrale
Begutachtung anzuordnen. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur
Begründung führte sie unter anderem an, alle Ärzte seien davon ausgegangen, dass
die Hernierung der Bandscheibe L4/5 kausal auf das Unfallereignis vom 18. März 2011
zurückzuführen sei. Auch wenn ein Vorzustand und der Unfall als zwei verschiedene
Einflussfaktoren beide eine Rolle spielen dürften, sei eine Bandscheibenhernie (und
nicht eine Rückenprellung) durch das Unfallereignis herbeigeführt worden. Der Bericht
von Dr. H._ erbringe keinen rechtsgenüglichen Beweis für den Wegfall der Kausalität
oder das Erreichen des status quo sine resp. status quo ante. Es beständen zudem
mehrere Unklarheiten und Widersprüche zwischen der Verfügung, dem Bericht des
Kreisarztes und den Berichten der anderen Ärzte.
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 9. Januar 2012 schloss die Beschwerdegegnerin auf
Abweisung der Beschwerde unter Bestätigung des Einspracheentscheids vom
9. November 2011 (act. G 3). Zur Begründung legte sie im Wesentlichen dar, dass es
sich beim Unfall vom 18. März 2011 keinesfalls um ein besonders schweres Ereignis
handle, welches geeignet sei, eine Schädigung der Bandscheibe herbeizuführen. Die
behandelnden Ärzte hätten nie ein vertebrales oder radikuläres Syndrom diagnostiziert
und man habe es in casu auch nicht mit einer rein axialen Belastung der Wirbelsäule zu
tun. Es könne keinesfalls von einer unfallkausalen Verursachung der Diskushernie L4/5
ausgegangen werden, zumal die höchstrichterlichen Voraussetzungen klarerweise nicht
erfüllt wären. Die Diskushernie L4/5 sei somit als vorbestandener, degenerativ
bedingter und damit unfallfremder Gesundheitsschaden zu betrachten. Ebenso sei eine
vorübergehende unfallkausale Verschlimmerung der vorbestandenen, degenerativ
bedingten Diskushernie L4/5 zu verneinen. Die anderen Arztberichte hätten sich nicht
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mit der Frage der Unfallkausalität auseinandergesetzt und sich vielmehr auf die
beweisrechtlich untaugliche Formel "post hoc, ergo propter hoc" beschränkt.
B.c Nachdem die Frist zur Einreichung einer Replik unbenutzt ablief, wurde der
Schriftenwechsel am 29. Februar 2012 abgeschlossen (act. G 5).

Erwägungen:
1.
Streitig ist vorliegend, ob die nach dem 25. August 2011 von der Beschwerdeführerin
geklagten Rückenbeschwerden eine natürliche und adäquate Folge des Unfalls vom
18. März 2011 bilden und demnach eine weitere Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin zur Folge haben. Unbestritten ist, dass die Beschwerdegegnerin
das Ereignis vom 18. März 2011 als Unfall im Sinn des Art. 4 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) anerkannt und
für dessen Folgen bis zum 25. August 2011 Leistungen erbracht hat.
2.
2.1 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers setzt gemäss Art. 6 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) voraus, dass zwischen
dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein
natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Bei physischen Unfallfolgen spielt die
Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem natürlichen Kausalzusammenhang
sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle, indem die
Unfallversicherung auch für seltenste, schwerwiegendste Komplikationen haftet,
welche nach der unfallmedizinischen Erfahrung im allgemeinen gerade nicht
einzutreten pflegen (BGE 118 V 286, E. 3a; vgl. BGE 117 V 365, E. d/bb, unten, mit
Hinweisen auf Lehre und Rechtsprechung). Ob ein natürlicher Kausalzusammenhang
gegeben ist, beurteilt sich nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit; die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs
genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 177, E. 3.1 mit
Hinweisen). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang
muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines
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Gesundheitsschadens mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen sein. Da es sich bei der Einstellung um eine anspruchsaufhebende
Tatfrage handelt, liegt die Beweislast nicht beim Versicherten, sondern beim
Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 E. 2 mit Hinweisen; BGE 117 V 261
E. 3b). Dieser muss jedoch nicht den Beweis für unfallfremde Ursachen erbringen.
Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Beweis zu
verlangen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliege oder dass die versicherte
Person nun bei voller Gesundheit sei (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] U 285/00 vom 31. August 2001, E. 5a). Welche Ursachen ein nach wie
vor geklagtes Leiden hat, ist unerheblich. Entscheidend ist allein, ob die
unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren
haben, also dahingefallen sind. Die Leistungspflicht des Unfallversicherers bei einem
durch den Unfall verschlimmerten oder überhaupt erst manifest gewordenen
krankhaften Vorzustand entfällt erst, wenn entweder der (krankhafte)
Gesundheitszustand erreicht ist, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat
(status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem
schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustands auch ohne Unfall früher
oder später eingestellt hätte (status quo sine; vgl. zum Ganzen RKUV 1994 Nr. U 206
S. 328f. E. 3b, mit Hinweisen; U 290/06 vom 11. Juni 2007). Im Rahmen der Prüfung
des Dahinfallens der Leistungspflicht des Unfallversicherers genügt es mithin für die
Bejahung des fortbestehenden natürlichen Kausalzusammenhangs, wenn der Unfall für
die fragliche gesundheitliche Störung immer noch eine Teilursache darstellt. Gemäss
Art. 36 Abs. 1 UVG werden die Pflegeleistungen und Kostenvergütungen sowie die
Taggelder und Hilflosenentschädigungen nicht gekürzt, wenn die
Gesundheitsschädigung nur teilweise Folge eines Unfalls ist. Diese Bestimmung
beinhaltet eine Durchbrechung des Kausalitätsprinzips für Fälle, in denen ein
Gesundheitsschaden durch das Zusammenwirken konkurrierender, teils
unfallbedingter, teils unfallfremder Ursachen bewirkt worden ist (Urteil des EVG
U 287/02 vom 18. Februar 2003, E. 4.4).
2.2 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
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sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 351, E. 3a mit
Hinweis). Erachtet das Sozialversicherungsgericht die rechtserheblichen tatsächlichen
Entscheidgrundlagen bei pflichtgemässer Beweiswürdigung als schlüssig, darf es den
Prozess ohne Weiterungen - insbesondere ohne Anordnung eines Gerichtsgutachtens -
abschliessen (RKUV 1997 Nr. U 281 S. 281 E. 1a).
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin klagt seit dem Ereignis vom 18. März 2011 über
persistierende lumbale Schmerzen, die über den lateralen Ober- und Unterschenkel in
den Fussrücken ausstrahlen (Suva-act. 10). Die vertebro-spinale Kernspintomografie
vom 11. April 2011 führte eine breitbasige subligamentäre Hernierung der Bandscheibe
L4/5 unter linksseitiger Bevorzugung mit sowohl rezessaler als auch foraminaler
neuraler Kompression (L4 und L5) linksseitig zutage. Des Weiteren wurden eine leichte
Diskusprotrusion L3/4 mit Spondylarthrosen L3/4 und L4/5, aber auch L5/S1 mässigen
Ausmasses sowie eine linkskonvexe Skoliosefehlhaltung bei normalen paravertebralen
Weichteilen und soweit abgebildet bei normaler Darstellung der ossären Strukturen
festgestellt (Suva-act. 10). Anlässlich der konsiliarischen Untersuchung vom 27. Mai
2011 wurde das MRI vom 15. April 2011 durch Dr. F._ dahingehend beurteilt, dass
sich eine klare extraforaminale Diskushernie L4/L5 links mit Wurzelkompression L4
links nach einem Sturz am 18. März 2011 zeige (Suva-act. 10). Bei den vorgenannten
Gesundheitsschäden handelt es sich zweifelsohne um klare organische Substrate, die
grundsätzlich als Ursache der geklagten lumbalen Schmerzen in Erwägung zu ziehen
sind (vgl. dazu Alfred M. Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie,
Patientenorientierte Diagnostik und Therapie des Bewegungsapparates, 4. vollständig
neu bearbeitete Auflage, Bern 2005, S. 848 ff., S. 879 ff.). Im Fall der
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Beschwerdeführerin wurde denn auch am 16. September 2011 operativ auf Höhe der
Segmente links L4/5 eine mikrochirurgische Dekompression und eine
Mikrodiskektomie vorgenommen (act. G 1.3). Zu prüfen ist demnach im Folgenden,
inwieweit sie durch den Unfall bzw. die Kontusion vom 18. März 2011 verursacht
wurden oder inwieweit der Unfall bzw. die Kontusion auf sie eingewirkt hat. In Frage
kommt eine durch den Unfall verursachte organische Gesundheitsschädigung, eine
richtunggebende Verschlimmerung eines degenerativen Vorzustands oder ein durch
den Unfall lediglich ausgelöster (nicht verursachter) oder vorübergehend
verschlimmerter degenerativer Vorzustand. Beim Unfall als Auslösefaktor interessiert im
Weiteren die Frage, ob der Beschwerdeschub noch andauert bzw. bis zu welchem
Zeitpunkt er angedauert hat (vgl. dazu RKUV 2000 Nr. U 378 S. 190, E. 3).
3.2
3.2.1 Wie das Bundesgericht in ständiger Rechtsprechung festgehalten hat, entspricht
es einer medizinischen Erfahrungstatsache im Bereich des Unfallversicherungsrechts,
dass Diskushernien in aller Regel degenerative Erkrankungen darstellen. Ein
Bandscheibenvorfall kann nur dann als weitgehend durch eine äussere Einwirkung
entstanden betrachtet werden, wenn das Unfallereignis von besonderer Schwere und
geeignet war, eine prätraumatisch vollständig unauffällige Bandscheibe zu zerreissen
und die Symptome der Diskushernie (vertebrales oder radikuläres Syndrom)
unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsunfähigkeit aufgetreten sind. (Wolfgang Meier,
Lumbale Diskushernie und Unfall, in: Medizinische Mitteilungen der Suva Nr. 68,
Dezember 1995, S. 14 ff.; RKUV 2000 Nr. U 379 S. 192 f. E. 2a mit Hinweisen; Urteile
U 163/05 des EVG vom 3. Oktober 2005, E. 3.1, und U 459/00 des EVG vom
18. Februar 2002, E. 3b). Den Akten zufolge hatte die Beschwerdeführerin ein Tablett in
der Hand als der Zug eine Notbremsung ausführte. Dabei stiess sie mit dem Rücken
flach gegen die Zugwand und mit dem Tablett gegen die Oberlippe. Ein Sturz auf das
Gesäss oder auf den Boden wurde ausdrücklich verneint (Suva-act. 1, 10, 19, S. 2 f.).
Wie in der Beschwerdeschrift vom 6. Dezember 2011 ausgeführt, erfolgte der Aufprall
gemäss eigenen Angaben der Beschwerdeführerin zunächst auf Höhe der BWS.
Hinsichtlich der Intensität der Einwirkung ist demzufolge nicht von einem besonders
schweren Unfallereignis auszugehen. Zudem bestand durch die Kontusion bei der
BWS keine direkte Einwirkung auf die LWS bzw. wurde die Wirkung der Kräfte auf die
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LWS abgedämpft. Ferner ist den von der Beschwerdeführerin eingereichten Akten
(bf.act. 3) unter anderem zu entnehmen, dass bereits bei der Röntgenuntersuchung der
LWS vom 21. Januar 2001 eine leichte dorsale Osteochondrose der letzten
Bandscheibe bestand. Die Röntgenuntersuchung der LWS vom 6. Dezember 2006
zeigte sodann eine geringe linkskonvexe Fehlhaltung der LWS mit geringer
Torsionskomponente und eine gering distal betonte Spondylarthrose. Im Bericht vom
16. Januar 2007 wurde gemäss Angaben von Dr. E._ vom 21. November 2011
schliesslich ein Lumbovertebralsyndrom mit segmentaler Dysfunktion L5/S1 und ISG-
Dysfunktion links diagnostiziert, wobei sich die Beschwerdeführerin zu diesem
Zeitpunkt bereits über mehrere Jahre über Schmerzen im Lumbalbereich beklagt habe.
Die vertebro-spinale Kernspintomografie vom 11. April 2011 zeigte unter anderem eine
leichte Diskusprotrusion L3/L4 mit Spondylarthrosen L3/L4 und L4/5, aber auch L5/S1
mässigen Ausmasses sowie eine linkskonvexe Skoliosefehlhaltung (Suva-act. 10). Als
Diskusprotrusion wird eine sich im Verlauf des degenerativen Prozesses entwickelnde
Ausweitung des Faserrings und deren durch Druck des Nucleus pulposus nach hinten
ausgelöste Vorwölbung bezeichnet, wobei dies die Vorstufe einer Hernie bildet
(Debrunner, a.a.O., S. 879). Bei der Skoliose handelt es sich um eine fixierte seitliche
Verkrümmung der Wirbelsäule, die entweder im Wachstumsalter entsteht, sympto
matisch bedingt ist oder durch die Haltung hervorgerufen wird (Debrunner, a.a.O.,
S. 827 f.). Unter Spondylarthrose ist schliesslich eine degenerative Gelenkerkrankung
der kleinen Wirbelgelenke zu verstehen, die eine Folgeerscheinung der Skoliose bilden,
aber auch in verschiedenen Stadien einer Wirbelsäulendegeneration auftauchen kann
(Debrunner, a.a.O., S. 852 ff.; Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 262., neu
bearbeitete und erweiterte Auflage, Berlin/New York 2011, S. 1952). Zusammenfassend
ist damit festzuhalten, dass bei der Beschwerdeführerin im Bereich der LWS von einer
vorbestehenden degenerativen Problematik auszugehen ist und eine durch den
Aufprall der BWS an die Zugwand verursachte neue, bleibende
Gesundheitsschädigung im Sinn einer strukturellen Veränderung ausgeschlossen
werden kann.
3.2.2 Ebenfalls auszuschliessen ist im Fall der Beschwerdeführerin eine
richtunggebende, mithin dauernde, unfallbedingte Verschlimmerung ihrer
degenerativen Gesundheitsschäden im Bereich der Wirbelsäule. Es ist eine
medizinische Erfahrungstatsache, dass eine solche Verschlimmerung nur dann als
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erwiesen gelten kann, wenn die Radioskopie ein plötzliches Zusammensinken der
Wirbel und das Auftreten bzw. die Vergrösserung von Randzacken nach einem Trauma
aufzeigt (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46, E. 3a mit Hinweisen; Urteil des EVG U 107/04
vom 25. November 2004; E. Morscher, Schäden des Stütz- und Bewegungsapparates
nach Unfällen, in: Baur/Nigst [Hrsg.], Versicherungsmedizin, Bern 1972, S. 180). Die
medizinischen Akten enthalten keine Hinweise darauf, dass sich der degenerative
Zustand der LWS im Zeitpunkt des Unfalls vom 18. März 2011 massiv verändert hätte.
Insbesondere erfolgte eine direkte Einwirkung gemäss eigenen Angaben der
Beschwerdeführerin im Bereich der BWS und nicht der LWS. Eine allfällige
richtunggebende Verschlimmerung muss röntgenologisch ausgewiesen sein und sich
von der altersüblichen Progression abheben; bei einem Unfall ohne strukturelle Läsion
am Achsenskelett ist die Chronifizierung der Beschwerden zunehmend auf andere
(unfallfremde) Faktoren zurückzuführen (Bär/Kiener, Prellung, Verstauchung oder
Zerrung der Wirbelsäule, in: Medizinische Mitteilungen der Suva Nr. 67, Dezember
1994, S. 46). Allgemein kann eine Kontusion und/oder Zerrung der Wirbelsäule eine
bisher stumme Wirbelsäulenerkrankung zwar symptomatisch machen, dabei handelt es
sich aber meistens nur um eine vorübergehende Verschlimmerung (Debrunner/
Ramseier, Die Begutachtung von Rückenschäden, Bern 1990, S. 52). Es ist mithin mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass bei der
Beschwerdeführerin nach dem Unfall einzig unveränderte degenerative Vorzustände
radiologisch ausgewiesen waren.
3.2.3 Wird die Diskushernie durch den Unfall lediglich ausgelöst, nicht aber
(weitgehend) verursacht, übernimmt die Unfallversicherung den durch das
Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub, spätere Rezidive dagegen nur, wenn
eindeutige Brückensymptome gegeben sind (statt vieler: Urteil des EVG U 379/00 vom
20. September 2001, E. 6a; vgl. auch Debrunner/Ramseier, a.a.O., S. 56). Nach
übereinstimmender ärztlicher Meinung kann das Unfallereignis als auslösender Faktor
der Beschwerden angesehen werden (Suva-act. 10, 19), womit die Versicherung für
den durch den Unfall ausgelösten Beschwerdeschub aufzukommen hat. Nicht darunter
fallen die unmittelbar mit der Operation der Diskushernie verbundenen Kosten, da
dieser Eingriff der Behebung der Ursache selbst diente (so auch Urteil U 379/00 vom
20. September 2001, E. 6c). Laut Beurteilung von Dr. H._ war die von der
Beschwerdeführerin am 18. März 2011 erlittene Rückenkontusion spätestens am
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24. August 2011 ausgeheilt und hatte keine Auswirkungen mehr auf ihre
Arbeitsfähigkeit (Suva-act. 19). Der Untersuchungsbericht von Dr. H._ vom
25. August 2011 erfüllt die an den Beweiswert eines Arztberichts gestellten
Voraussetzungen (vgl. dazu BGE 125 V 351, E. 3a mit Hinweis). Beim Kreisarzt handelt
es sich um einen Facharzt der Chirurgie und damit um einen Arzt mit der im
vorliegenden Fall erforderlichen Fachkompetenz. Im Bericht sind die Anamnese und die
Angaben der Beschwerdeführerin ausführlich und lückenlos festgehalten und waren
daher Dr. H._ offensichtlich bekannt. Darüber hinaus wurde die Beschwerdeführerin
von Dr. H._ eingehend untersucht. Die darauf gründende Beurteilung und die
Schlussfolgerungen sind nachvollziehbar. Demgegenüber basiert die Annahme von
Dr. E._ auf der Maxime "post hoc ergo propter hoc, während Dr. F._ von einer
"traumatischen Diskushernie" nach Sturz am 18. März 2011 spricht. Dr. E._ ging bei
der Verordnung zur Physiotherapie am 23. März 2011 von einem Sturz auf das Gesäss
aus, obwohl dies den weiteren medizinischen Berichten nicht zu entnehmen ist und die
Beschwerdeführerin Dr. H._ gegenüber einen Sturz auf das Gesäss oder auf den
Boden explizit verneint hat (Suva-act. 3, 10, 19). Mit Bericht vom 22. Juni 2011 gab
Dr. E._ gegenüber der Beschwerdegegnerin an, die Beschwerdeführerin habe zuvor
nie Beschwerden mit dem Rücken gehabt, nachdem sie im Bericht vom 21. November
2011 ausgeführt hatte, dass die Beschwerdeführerin bereits vor dem Unfall vom
18. März 2011 an Schmerzen im Lumbalbereich gelitten habe und dieser Umstand
Anlass zu mehreren Untersuchungen bildete (bf.act. 3). Ohnehin ist zu beachten, dass
eine gesundheitliche Schädigung nicht schon dann als durch den Unfall verursacht
gelten kann, wenn sie zeitlich nach diesem aufgetreten ist (BGE 119 V 341 f.). Nach
derzeitigem medizinischen Wissensstand kann das Erreichen des status quo sine bei
posttraumatischen Lumbalgien und Lumboischialgien nach drei bis vier Monaten
erwartet werden (unveröffentlichtes Urteil 8C_396/2011 des Bundesgerichts vom
21. September 2011, E. 3.2; Urteil des EVG U 354/04 vom 11. April 2005, E. 2.2 mit
Hinweisen auch auf die medizinische Literatur). Der Umstand, dass seit dem Unfall
anhaltende, zu Beginn als unfallkausal taxierte Schmerzen und eine damit verbundene
Arbeitsunfähigkeit bestehen, spricht nicht automatisch für das Vorliegen anhaltender
Unfallrestfolgen bzw. eine andauernde unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit. Die
Leistungseinstellung des Unfallversicherers bedingt keine Beschwerdefreiheit bzw.
volle Arbeitsfähigkeit. Entscheidend ist allein, ob der durch den Unfall ausgelöste
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Beschwerdeschub seine kausale Bedeutung verloren hat (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 329
E. 3b). Aufgrund der vorhandenen medizinischen Akten kann mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass spätestens seit der
Leistungseinstellung am 24. August 2011 - also fünf Monate nach dem Unfallereignis -
keine Unfallfolgen mehr gegeben waren. Vorliegend können anhaltende Beschwerden
mit unfallfremden Befunden, insbesondere degenerativer Art und Kompression von
Nerven, erklärt werden.
3.3 Dem Eventualantrag der Beschwerdeführerin, es sei eine neutrale Begutachtung
durchzuführen, ist nicht stattzugeben. Da nicht anzunehmen ist, dass weitere
medizinische Abklärungen für die Beurteilung des vorliegend relevanten Sachverhalts
neue Erkenntnisse bringen, kann darauf verzichtet werden (antizipierte
Beweiswürdigung; vgl. BGE 124 V 90, E. 4b; 136 I 229, E. 5.3).
4.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 9. November 2011 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine
zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 28.03.2012 Art. 6 UVG. Wegfall des natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen Unfall und Lumboischialgie bzw. Diskushernie bei degenerativem Vorzustand. Erreichen des Status quo sine/ante bei vorübergehender Verschlimmerung des degenerativen Vorzustandes (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 28. März 2012, UV 2011/97).
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2021-09-19T14:38:46+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen