Decision ID: 754bff0e-aad0-4338-8201-63edcbd7aeb6
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz etc. und Widerruf/Rückversetzung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 23. Oktober 2017 (DG160075)
- 2 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom
10. November 2016 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 37).
Urteil der Vorinstanz:
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig der mehrfachen qualifizierten Widerhand-
lung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b, c, d
und g BetmG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG.
2. Vom Vorwurf der Abgabe von 200 Gramm Heroingemisch an B._ (VG 40;
Anklageziffer 1) wird der Beschuldigte freigesprochen.
3. Die mit Entscheid des Amts für Justizvollzug des Kantons Zürich vom 24. Juni
2013 verfügte bedingte Entlassung (Freiheitsstrafen von 16 Monaten [Urteil des
Obergerichts des Kantons Zürich vom 22. August 2007] und 8 Jahren und
6 Monaten [Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 18. Mai 2010]) wird
im Sinne einer Rückversetzung widerrufen und der Vollzug der Reststrafe von
3 Jahren und 104 Tagen Freiheitsstrafe angeordnet.
4. Der Beschuldigte wird unter Einbezug der Reststrafe gemäss Dispositivziffer 3
bestraft mit 11 Jahren und 6 Monaten Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe. Hiervon
sind 910 Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft erstanden (gerechnet
bis und mit 23. Oktober 2017).
5. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
6. Folgende bei der Kantonspolizei Zürich unter den Lagernummern B00513-2015
und B01906-2015 sichergestellten Betäubungsmittel und Betäubungsmittel-
utensilien werden eingezogen und der Lagerbehörde zur Vernichtung über-
lassen:
- 3 -
− Kokain in Robidogsäcklein (Asservat Nr. A007'931'795), − 1 Knistersack mit Kokain (Asservat Nr. A008'166'992), − 1 Knistersack-Ecke mit Streckmittel (Asservat Nr. A008'180'118), − 1 Knistersack-Ecke mit MDMA (Asservat Nr. A008'167'020), − 2 Knistersack-Ecken mit MDMA (Asservat Nr. A008'180'334).
7. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 4. August
2016 beschlagnahmten Barschaften von Fr. 2'940.– und € 120.– werden zur teil-
weisen Deckung der Verfahrenskosten herangezogen.
8. Der Antrag des Beschuldigten auf Ausrichtung einer Genugtuung wird abge-
wiesen.
9. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 12'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 10'000.00 Gebühr Vorverfahren
Fr. 1'044.00 Auslagen (Gutachten)
Fr. 45'635.00 Auslagen Untersuchung
Fr. 24'000.00 amtliche Verteidigung (inkl. MwSt. und Auslagen, Fürsprecher X._; bereits ausbezahlt)
Fr. 42'559.50 amtliche Verteidigung (inkl. MwSt. und Auslagen, Fürsprecher X._)
Fr. 135'238.50 Total
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
10. Die Kosten gemäss Dispositiv-Ziffer 9 werden dem Beschuldigten auferlegt. Die
Kosten der amtlichen Verteidigung werden einstweilen auf die Gerichtskasse ge-
nommen. Vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
11. Mitteilung
12. Rechtsmittel"
- 4 -
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 191 S. 1 f.)
1. Das angefochtene Urteil sei wegen Befangenheit der Vorinstanz aufzu-
heben, und die Sache sei zur Beweisergänzung und neuen Beurteilung an
die erste Instanz zurückzuweisen, wobei die mit dem Prozess des Beru-
fungsklägers befassten Richter und Richterinnen lic. iur. A. Oehler, lic. iur.
C. Jost und lic. iur. Ch. Fischbacher sowie die Gerichtsschreiberin MLaw
N. Vontobel anzuweisen seien, in den Ausstand zu treten.
2. Eventualiter (falls die Sache nicht an die erste Instanz zurückgewiesen
wird):
Das angefochtene Urteil sei in den Ziffern 1, 3, 4, 5, 7, 8, und 10 aufzu-
heben und durch folgende Urteilssprüche zu ersetzen:
2.1 Der Berufungskläger wird von Schuld und Strafe freigesprochen.
2.2 Auf den Widerruf der bedingten Entlassung aus dem Strafvollzug gem.
Entscheid des Justizvollzugs des Kantons Zürich vom 24. Juni 2013 wird
verzichtet.
2.3 Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom
4. August 2016 beschlagnahmten Barschaften von CHF 2'490.00 und
EUR 120.00 werden dem Berufungskläger nach Rechtskraft des Urteils
zurückbezahlt.
2.4 Dem Berufungskläger wird für die erstandene Haft eine Genugtuung aus
der Gerichtskasse in der Höhe von CHF 130'000.00 zuzüglich Zins zu 5%
seit 14. Februar 2017 zugesprochen.
2.5 Die Kosten der Strafuntersuchung und des erstinstanzlichen Gerichts-
verfahrens werden auf die Staatskasse genommen.
2.6 Alles unter Kosten und Entschädigungsfolge.
- 5 -
3. Der Berufungskläger sei aus der Sicherheitshaft zu entlassen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 192 S. 7)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

Erwägungen:
1. Prozessgeschichte und Umfang der Berufung
1.1. Mit dem eingangs im Dispositiv zitierten Urteil vom 23. Oktober 2017 wurde der Beschuldigte A._ vom Bezirksgericht Winterthur wegen Verbrechens
gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig gesprochen und unter Einbezug
der Reststrafe aus einer widerrufenen bedingten Entlassung zu 11 1⁄2 Jahren
Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe verurteilt (Urk. 112 S. 113 ff.). Gegen das am
25. Oktober 2017 mündlich eröffnete Urteil (Prot. I S. 70 ff.) liess der Beschul-
digte innert Frist Berufung anmelden (Urk. 107). Nach Zustellung des begründe-
ten Urteils (Urk. 110) reichte die Verteidigung des Beschuldigten am
29. Januar 2018 fristgerecht die Berufungserklärung ein, mit welcher im We-
sentlichen ein vollumfänglicher Freispruch beantragt wird (Urk. 115). Mit Präsi-
dialverfügung vom 30. April 2018 wurde der Staatsanwaltschaft Frist angesetzt,
um Anschlussberufung zu erklären oder ein Nichteintreten zu beantragen
(Urk. 142). Die Staatsanwaltschaft verzichtete mit Eingabe vom 16. Mai 2018
darauf (Urk. 146). Am 20. April 2018 wurde schliesslich die Sicherheitshaft des
Beschuldigten bis zum Entscheid der Berufungsinstanz in der Sache selbst ver-
längert (Urk. 138). Eine dagegen erhobene Beschwerde des Beschuldigten
(Urk. 149/2) wurde vom Bundesgericht am 5. Juni 2018 abgewiesen (Urk. 157).
1.2. Der Beschuldigte beantragt primär die Aufhebung des angefochtenen  und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz, eventualiter einen Frei-
spruch. Grundsätzlich ist deshalb das ganze Urteil angefochten (Urk. 115,
Prot. II S. 13). Die Staatsanwaltschaft hat kein Rechtsmittel erhoben. Für den
- 6 -
Eventualfall, dass das Gericht die Sache nicht an die Vorinstanz zurückweist,
sind aufgrund der Berufungsanträge der Verteidigung die Ziffern 2, 6 und 9
nicht angefochten (Prot. II S. 13). Nachdem – wie noch zu zeigen sein wird –
das Verfahren nicht an die Vorinstanz zurückzuweisen ist, sind damit der vor-
instanzliche Freispruch vom Vorwurf gemäss VG 40 der Anklageschrift (Ziff. 2),
die Einziehung und Vernichtung der beim Beschuldigten sichergestellten Be-
täubungsmittel und -utensilien (Ziff. 6) sowie die Kostenaufstellung der Vor-
instanz (Ziff. 9) in Rechtskraft erwachsen, was im Sinne von Art. 404 Abs. 1
StPO vorzumerken ist.
1.3. Mit Eingabe vom 29. Januar 2018 stellte die Verteidigung den Antrag auf Rückweisung des Verfahrens an die Vorinstanz wegen Befangenheit der erstin-
stanzlichen Richter, welche in den Ausstand zu treten hätten (Urk. 107). Dies im
Wesentlichen, weil sie Beweisanträge des Beschuldigten abgewiesen hatten.
Während die Staatsanwaltschaft auf eine Stellungnahme dazu verzichtete
(Urk. 119), teilten die erstinstanzliche(n) Richter, Richterin und Gerichtsschrei-
berin mit, es habe in keinem Zeitpunkt eine Befangenheit des Gerichts vorge-
legen (Urk. 121). Darauf nahm die Verteidigung mit Eingabe vom 26. März 2018
Bezug und hielt an ihrem Standpunkt fest (Urk. 125). Mit Beschluss vom
26. April 2018 wies die Kammer den Antrag der Verteidigung auf Rückweisung
des Verfahrens an die Vorinstanz ein erstes Mal ab (Urk. 140). Dabei wurde
festgehalten, dass die Rüge der Befangenheit seitens der Verteidigung zu spät
vorgebracht worden sei und diese ohnehin als unbegründet erscheine. Gegen
diesen Beschluss erhob die Verteidigung am 30. Mai 2018 Beschwerde an das
Bundesgericht (Urk. 155/2). Am 4. Juli 2018 trat das Bundesgericht darauf nicht
ein, im Wesentlichen mit der Begründung, das Obergericht hätte nicht in einem
Zwischenentscheid, sondern im Urteil über die Frage der Befangenheit ent-
scheiden müssen, und der Beschwerdeführer habe nicht dargelegt, inwiefern
ihm durch den angefochtenen Beschluss ein nicht wiedergutzumachender
Nachteil rechtlicher Natur drohe (Urk. 162). Hierauf stellte die Verteidigung am
20. Juli 2018 ein Ausstandsgesuch gegen sämtliche Mitwirkenden des Be-
schlusses vom 26. April 2018 (Urk. 163). In der Folge wurde zur Berufungs-
verhandlung auf den 6. Dezember 2018 vorgeladen, an welcher keine der am
- 7 -
Beschluss vom 26. April 2018 mitwirkenden Personen teilnahm (Urk. 169,
Prot. II S. 11), weshalb sich Weiterungen erübrigen.
1.4. Mit Eingabe vom 31. Oktober 2018 stellte die Verteidigung das Gesuch, die Akten des Mitbeschuldigten C._ (SB170263) sowie ein begründetes Urteil
im (erstinstanzlichen) Verfahren gegen den Mitbeschuldigten D._ seien
beizuziehen. Diesem Gesuch wurde am 2. November 2018 stattgegeben und
die fraglichen Akten beigezogen (Urk. 171-173, Urk. 175 und 176). Am
9. November 2018 stellte die Verteidigung sodann den Beweisantrag, es seien
verschiedene Stellen der von der Staatsanwaltschaft aufgezeichneten Telefon-
und Audiogespräche sowie Textnachrichten durch einen Türkisch- bzw. Zazaki-
Übersetzer mündlich und parteiöffentlich neu zu übersetzen, unter Gewährung
des Fragerechts der Parteien (Urk. 178). Am 20. November 2018 wurden die
Fundstellen der von der Verteidigung bezeichneten Gespräche zusammen mit
der Verfahrensleitung präzisiert, wobei festgestellt wurde, dass das Vorspielen
sowie sofortige wörtliche Übersetzen der angegebenen Stellen durch eine
Dolmetscherin anlässlich der Berufungsverhandlung aufgrund der Dauer der
Gespräche sowie der Anforderungen an eine wörtliche Übersetzung nicht sinn-
voll und prozessökonomisch umsetzbar ist. Vor diesem Hintergrund wurden die
Beweisanträge als gestellt entgegengenommen und die Berufungsverhandlung
vom 6. Dezember 2018 – im Einverständnis der Verteidigung – unter Vorbehalt
der noch zu beurteilenden Beweisanträge durchgeführt (Urk. 182).
1.5. Nachdem gewisse bei den Akten liegende CD's mit im Rahmen des - und Untersuchungsverfahrens erstellten Gesprächsaufzeichnungen nicht
(mehr) lesbar und eine CD (Aktion "E._", L-5) bei den Akten nicht auffind-
bar waren, wurden von der Kantonspolizei Zürich erstellte Duplikate der ent-
sprechenden Datenträger zu den Akten genommen und der Verteidigung zur
Verfügung gestellt (Urk. 144 f., Urk. 161, Urk. 183-186).
1.6. Zur Berufungsverhandlung am 6. Dezember 2018 erschienen sind der , sein amtlicher Verteidiger sowie die Staatsanwaltschaft (Prot. II
S. 13). Vorfragen waren keine zu entscheiden (a.a.O.). Es wurde der Beschul-
digte einvernommen (Urk. 190) und die Parteivertreter hielten ihre Plädoyers,
- 8 -
woraufhin die Parteiverhandlung – unter Vorbehalt der Wiederaufnahme für den
Fall, dass sich die Abnahme der von der Verteidigung beantragten Beweise als
notwendig erweisen sollte – für geschlossen erklärt wurde (Prot. II S. 14 ff.). In
der Folge wurde für den Fall, dass keine Rückweisung an die Vorinstanz erfolgt,
im Einverständnis der Parteien die allfällige schriftliche Fortsetzung des Ver-
fahrens angeordnet. Schliesslich verzichteten die Parteien auf eine mündliche
Urteilseröffnung und -begründung (Prot. II S. 18). Das Urteil erging am 12. Juli
2019 nach gleichentags durchgeführter Beratung und wurde den Parteien
schriftlich im Dispositiv eröffnet (Prot. II S. 19 ff., Urk. 195). Ebenfalls unter dem
12. Juli 2019 wurde über die Verlängerung der Sicherheitshaft des Beschuldig-
ten entschieden (Urk. 196).
2. Prozessuales
2.1. Antrag auf Rückweisung an die Vorinstanz wegen Befangenheit
2.1.1. Wie bereits im Rahmen der Berufungserklärung stellte die Verteidigung auch anlässlich der Berufungsverhandlung den Antrag, das Urteil des Bezirks-
gerichts Winterthur vom 23. Oktober 2017 wegen Befangenheit aufzuheben und
die Sache zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz in neuer Zusammensetzung
zurückzuweisen (Urk. 115 S. 2, Urk. 191 S. 1 ff., Prot. II S. 11). Sie begründete
ihren Antrag zusammengefasst damit, dass aus der Abweisung der Beweisan-
träge anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 4. Oktober 2017
und der schriftlichen Urteilsbegründung des Bezirksgerichts Winterthur vom
23. Oktober 2017 hervorgehe, dass das erstinstanzliche Gericht die Beweisan-
träge zur Entlastung des Berufungsklägers deshalb abgewiesen habe, weil es
seine Meinung über den Sachverhalt bereits vor Abschluss des Beweisverfah-
rens gemacht und allem Anschein nach das Urteil auch schon zu einem gros-
sen Teil schriftlich begründet habe. Damit erweise es sich im Nachhinein als
befangenes Gericht (Urk. 191 S. 7; vgl. schon Urk. 115 S. 3 f., Urk. 125 S. 1 f.).
2.1.2. Art. 56 StPO zählt verschiedene Gründe auf, die zum Ausstand von in einer Strafbehörde tätigen Person führen. Nach Art. 56 lit. f StPO trifft dies na-
mentlich aus anderen (als den in lit. a-e der gleichen Bestimmung genannten)
- 9 -
Gründen zu, insbesondere wenn die in der Strafverfolgung tätige Person wegen
Freundschaft oder Feindschaft mit einer Partei oder deren Rechtsbeistand be-
fangen sein könnte. Art. 56 StPO konkretisiert die Verfassungsbestimmung von
Art. 30 Abs. 1 BV sowie Art. 6 EMRK. Danach hat jede Person Anspruch da-
rauf, dass ihre Sache von einem unparteiischen, unvoreingenommenen und
unbefangenen Richter ohne Einwirken sachfremder Umstände entschieden
wird. Art. 30 Abs. 1 BV soll zu der für einen korrekten und fairen Prozess er-
forderlichen Offenheit des Verfahrens im Einzelfall beitragen und damit ein ge-
rechtes Urteil ermöglichen. Die Garantie des verfassungsmässigen Richters
wird verletzt, wenn bei objektiver Betrachtung Gegebenheiten vorliegen, die den
Anschein der Befangenheit oder die Gefahr der Voreingenommenheit zu be-
gründen vermögen. Solche Umstände können entweder in einem bestimmten
Verhalten des betreffenden Richters oder in gewissen äusseren Gegebenheiten
funktioneller und organisatorischer Natur begründet sein. Bei der Anwendung
von Art. 56 lit. f StPO ist entscheidendes Kriterium, ob bei objektiver Betrach-
tungsweise der Ausgang des Verfahrens noch als offen erscheint. Wird der
Ausstandsgrund aus materiellen oder prozessualen Rechtsfehlern abgeleitet,
so sind diese nur wesentlich, wenn sie besonders krass sind und wiederholt
auftreten, sodass sie einer schweren Amtspflichtverletzung gleichkommen und
sich einseitig zulasten einer der Prozessparteien auswirken; andernfalls be-
gründen sie keinen hinreichenden Anschein der Befangenheit (Urteil des Bun-
desgerichts 1B_75/2018 vom 16. März 2018 E. 3.4). Materielle oder prozessua-
le Rechtsfehler sind in erster Linie im dazu vorgesehenen Rechtsmittelver-
fahren zu rügen. Der Anspruch auf ein verfassungsmässiges Gericht umfasst
nicht die Garantie fehlerfreien richterlichen Handelns, soweit jedenfalls nicht
besonders krasse oder wiederholte Irrtümer vorliegen (Urteil des Bundes-
gerichts 6B_811/2010 vom 23. August 2010 E. 4.4.2, BGE 125 I 119 E. 3e).
2.1.3. Krasse Rechtsfehler, die einer (schweren) Amtspflichtverletzung , sind vorliegend nicht ersichtlich. Aus der Abweisung der Beweis-
anträge anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung lässt sich aufgrund
objektiver Beurteilung keine Befangenheit des Gerichts ableiten. Das erst-
instanzliche Gericht ist bei der Abweisung der Beweisanträge formell korrekt
- 10 -
vorgegangen (vgl. Prot. I S. 49 ff., S. 54). Aus den Akten sind keine Umstände
ersichtlich, die aus objektiver Sicht den Anschein erwecken, dass sich das Ge-
richt durch die Abweisung der Beweisanträge anlässlich der erstinstanzlichen
Hauptverhandlung in einem Mass festgelegt hätte, das das Verfahren nicht
mehr als offen hätte erscheinen lassen. Wie der vorinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung entnommen werden kann, bestand aus Sicht des erstinstanzlichen Ge-
richts im Zeitpunkt der Beurteilung der Beweisanträge vor Durchführung der
Parteivorträge keine Veranlassung, an der Richtigkeit der Übersetzungen zu
zweifeln (Urk. 112 S. 11). Ebenso geht aus der Urteilsbegründung hervor, dass
sich die Vorinstanz bei ihrer Urteilsfindung materiell mit den Beweisanträgen
auseinandergesetzt hat (Urk. 112 S. 11, S. 54, S. 67 f., S. 75, S. 84; Urk. 121
S. 2 f.; vgl. auch Urk. 140 S. 7). Bei gegebener Ausgangslage wird nicht der
Anschein erweckt, dass die Vorinstanz aufgrund einer vorgefassten Meinung
nicht gewillt gewesen wäre, noch Anträge zur Entlastung abzunehmen, wie dies
die Verteidigung geltend macht (Urk. 191 S. 5). Ebenso ist darin keine Beweis-
lastumkehr zu sehen. Vielmehr geht aus der Urteilsbegründung hervor, dass
nach Ansicht des vorinstanzlichen Gerichts keine Zweifel an der Ordnungs-
mässigkeit der Beweiserhebung im Zusammenhang mit der Übersetzung der
Telefonprotokolle angezeigt gewesen seien und auch die Verteidigung keine
solchen Zweifel habe zu wecken vermögen, weshalb eine Überprüfung der
Übersetzungen als nicht erforderlich erachtet wurde. Mit anderen Worten er-
achtete die Vorinstanz die bei den Akten liegenden Übersetzungen der TK-
Protokolle bzw. Audio-Gespräche als ordnungsgemäss erhoben und vollständig
im Sinne von Art. 343 Abs. 1 und 2 StPO.
2.1.4. Dem Grundsatz nach ist das Gericht verpflichtet, von den Parteien frist- und formgerecht gestellten Beweisanträgen zu entsprechen. Die Parteien be-
sitzen aber keinen uneingeschränkten Anspruch auf Gutheissung ihrer Anträge.
Gemäss Art. 6 EMRK besteht nur ein Anspruch auf Berücksichtigung solcher
Beweise, welche nach pflichtgemässem richterlichen Ermessen entscheidungs-
erheblich bzw. für die Wahrheitsfindung beachtlich sein könnten. Gemäss
Art. 139 Abs. 2 StPO und Art. 318 Abs. 2 StPO können Beweisanträge abge-
lehnt werden, wenn damit die Beweiserhebung über Tatsachen verlangt wird,
- 11 -
die unerheblich, offenkundig, der Strafbehörde bekannt oder bereits rechtsge-
nügend erwiesen sind. Entgegen der Verteidigung bedeutet dies aber nicht,
dass die Beweisbehauptung unbesehen als richtig anzusehen ist (Urk. 191
S. 11, S. 25, S. 32, S. 34). Der Verteidiger spricht damit die sog. Wahrunter-
stellung an, bei welcher die Abnahme von beantragten Beweisen unterbleiben
kann, wenn anstelle dessen die Fiktion tritt, der Beweis sei gelungen (Urteil des
Bundesgerichts 6B_793/2010 vom 14. April 2011 E. 2.3). Das ist aber nur eine
mögliche Variante eines zulässigen Verzichts auf eine Beweisabnahme. Davon
zu unterscheiden sind die in Art. 139 Abs. 2 StPO sowie Art. 318 Abs. 2 StPO
ausdrücklich genannten Varianten (unerheblich, offenkundig, bereits bekannt
oder rechtsgenügend nachgewiesen) sowie die im Gesetz nicht ausdrücklich
geregelte antizipierte Beweiswürdigung.
2.1.5. Wie gesehen ist der vorinstanzlichen Urteilsbegründung zu entnehmen, dass eine Überprüfung der Übersetzung bzw. eine wiederholte Übersetzung
ausgewählter Passagen nicht als notwendig angesehen wurde, weil das Gericht
die bereits bei den Akten liegenden Übersetzungen als genügend verlässlich
erachtete. Damit stellte sich die Vorinstanz sinngemäss auf den Standpunkt,
dass die Tatsachen, über welche gemäss Antrag der Verteidigung Beweis er-
hoben werden sollte, bereits hinreichend bekannt waren. Ob dieser in pflicht-
gemässer Ausübung des Ermessens erfolgte Entscheid einer Überprüfung in
materieller Sicht standhält, wird im Rahmen der Sachverhaltserstellung im
Einzelnen zu prüfen sein. Eine krasse Rechtsverletzung, die einer Amtspflicht-
verletzung gleichkommt, wie es für die Annahme der Befangenheit notwendig
wäre, ist darin aber jedenfalls nicht zu sehen.
2.1.6. Ebenso nicht als befangen erscheinen lässt es das vorinstanzliche , wenn – wie die Verteidigung mutmasst – bereits vor der Hauptverhand-
lung eine schriftliche Begründung vorgelegen haben sollte (Urk. 191 S. 7). Die
Skizzierung eines Urteilsentwurfes im Sinne einer schriftlichen Vorbereitung zur
vorläufigen Meinungsbildung im Hinblick auf die Verhandlung ist nach ständiger
Rechtsprechung nicht zu beanstanden (vgl. dazu 6B_499/2017 vom 6. Novem-
ber 2017 E. 1.3.3, BGE 134 I 238 E. 2.3).
- 12 -
2.1.7. Mithin ist nicht von einem im Berufungsverfahren nicht zu heilenden  Verfahrensmangel im Sinne von Art. 409 Abs. 1 StPO auszugehen.
Entsprechend ist dem seitens der Verteidigung gestellten Antrag auf Rück-
weisung der Sache an die Vorinstanz keine Folge zu leisten.
2.2. Anklageprinzip
2.2.1. Die Verteidigung sieht durch den vorinstanzlichen Schuldspruch  Anklageziffer 8 (Sicherstellungen in der Wohnung am F._ ... in
G._) das Anklageprinzip verletzt, da dieser über das hinaus gehe, was die
Anklageschrift behaupte. Grundsätzlicher gehe es darum, dass die Anklage-
schrift in diesem Punkt dem Anklageprinzip nicht genüge. Da der Vorwurf nicht
eindeutig sei, könne man sich dagegen nicht verteidigen, weshalb auf Anklage-
ziffer 8 eigentlich nicht einzutreten sei. Da es keinen Nachteil für den Beschul-
digten bedeute, verlange er aber einen Freispruch (Urk. 191 S. 8).
2.2.2. Zur Begründung bringt die Verteidigung vor, dass die Anklageschrift dem Beschuldigten lediglich das Erlangen und Deponieren von 40 Gramm Kokain-
Gemisch und weiteren kleineren Portionen Phenacetin und MDMA vorwerfe,
nicht aber, dass diese Drogen bzw. das Phenacetin zur Veräusserung bestimmt
gewesen seien. Damit fehle die Behauptung, dass die fraglichen Betäubungs-
mittel zur Weitergabe und nicht bloss zum Eigenkonsum gemäss Art. 19a
BetmG bestimmt gewesen seien. Das vorinstanzliche Urteil sei mit ihrem
Schuldspruch über den Sachverhalt hinausgegangen, wenn es den Tatbestand
von Art. 19 BetmG als erfüllt erachtet habe (a.a.O.).
2.2.3. Die Staatsanwaltschaft entgegnete in ihrer Berufungsantwort, dass sie in Anklageziffer 8 den unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln eingeklagt habe,
was nach wie vor nach Art. 19 Abs. 1 BetmG strafbar sei (Prot. II S. 15).
2.2.4. Soweit der in Anklageziffer 8 umschriebene Anklagesachverhalt in  Hinsicht erstellbar ist, wird im Rahmen der rechtlichen Würdigung
zu prüfen sein, welche Bedeutung dem Umstand zukommt, dass der Anklage-
schrift nicht zu entnehmen ist, dass die beim Beschuldigten sichergestellten
- 13 -
Drogen bzw. das Phenacetin zur Veräusserung bestimmt gewesen seien und
ob das dem Beschuldigten zur Last gelegte Verhalten unter die Bestimmung
von Art. 19 Abs. 1 BetmG oder aber unter Art. 19a BetmG zu subsumieren ist.
2.2.5. Eine Verletzung des Anklageprinzips ist entgegen der Ansicht der  aber nicht ersichtlich. Der Anklagevorwurf ist klar.
2.3. Verwertbarkeit der Beweismittel
2.3.1. Zugang zu den Datenträgern betreffend die 
2.3.1.1. Die Verteidigung weist zu Recht darauf hin, dass der beschuldigten Person gestützt auf den Anspruch auf rechtliches Gehör und den Grundsatz
des fairen Verfahrens grundsätzlich das uneingeschränkte Recht zukommt, in
alle für das Verfahren wesentlichen Akten Einsicht zu nehmen (Urk. 191 S. 9,
vgl. dazu etwa das Urteil des Bundesgerichts 6B_403/2018 vom 14. Januar
2019 E. 2.3.1 mit Hinweisen und Art. 107 Abs. 1 lit. a StPO). Ferner hat die
beschuldigte Person das Recht, an der Erhebung wesentlicher Beweise mitzu-
wirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses ge-
eignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (a.a.O.).
2.3.1.2. Gestützt auf die im Strafverfahren auf sämtlichen Verfahrensstufen geltende Dokumentationspflicht im Zusammenhang mit Überwachungsmass-
nahmen ist der beschuldigten Person im Rahmen ihres Akteneinsichtsrechts
nach Art. 101 f. StPO nicht nur Einsicht in die Protokolle von Gesprächs-
aufzeichnungen zu gewähren, sondern es sind ihr auch die Archivdatenträger
mit den Aufzeichnungen der Fernmeldeüberwachung zugänglich zu machen
(Urteil des Bundesgerichts 6B_403/2018 vom 14. Januar 2019 E. 2.3.4 mit
Hinweisen). Das Akteneinsichtsrecht soll sicherstellen, dass die beschuldigte
Person als Verfahrenspartei von den Entscheidgrundlagen Kenntnis nehmen
und sich wirksam und sachbezogen verteidigen kann. Die effektive Wahrneh-
mung dieses Anspruchs setzt mit der Verteidigung notwendigerweise voraus,
dass die Akten vollständig sind. In einem Strafverfahren bedeutet dies, dass die
- 14 -
Beweismittel, jedenfalls soweit sie nicht unmittelbar an der gerichtlichen Haupt-
verhandlung erhoben werden, in den Untersuchungsakten vorhanden sein
müssen und aktenmässig belegt ist, wie sie produziert wurden. Damit soll die
beschuldigte Person in die Lage versetzt werden, zu prüfen, ob die Beweis-
mittel inhaltliche oder formelle Mängel aufweisen, um gegebenenfalls Einwände
gegen deren Verwertbarkeit zu erheben. Dies ist Voraussetzung dafür, dass sie
ihre Verteidigungsrechte überhaupt wahrnehmen kann, wie dies Art. 32 Abs. 2
BV verlangt (a.a.O. E. 2.3.1). Ist die Erhebung der Beweismittel für die beschul-
digte Person nicht nachvollziehbar, dürfen diese nicht verwertet werden (Urteil
des Bundesgerichts 6B_1368/2017 vom 14. Juni 2018 E. 2.3). Entsprechend
ist der Verteidigung zu folgen, wenn sie ausführt, dass Protokolle von Ge-
sprächsaufzeichnungen nicht verwertbar sind, solange die Aufzeichnungen in
der Form von lesbaren Datenträgern fehlen (Urk. 191 S. 9).
2.3.1.3. Die Staatsanwaltschaft stützt sich bei der Anklagebegründung  auf die Erkenntnisse aus zahlreichen überwachten Telefonanschlüssen
sowie weiterer Überwachungsmassnahmen (Urk. 101/4, Urk. 192, vgl. zum
Verfahrensgang Urk. 112 S. 4 f.). Auf Antrag der Verteidigung wurden im vor-
instanzlichen Verfahren sämtliche Datenträger der Überwachungsmassnahmen
gegen A._ "A1._", D._ "D1._" und H._ "H1._" der
Verteidigung bzw. dem Beschuldigten zur Verfügung gestellt und hernach in die
Akten der jeweiligen Zielpersonen integriert (Urk. 112 S. 5 f. mit Verweis auf
Urk. 41; Beschuldigter: Aktion "I._": TK-Linien 01-02, überführt in Aktion
"E._" [TK-Linien A1-A2, vgl. Urk. 47 und Urk. 1/8 S. 2 f.], TK-Linien A1-A12
[Urk. 47] in die Akten des vorliegenden Verfahrens; TK Linien L1-L8 betreffend
D._ "D1._" in die Akten des Verfahrens DG160071, Urk. 33 und TK
Linien N1-N2 betreffend H._ "H1._" in die Akten des Verfahrens
DG160067, Urk. 36 [vgl. Urk. 48, und Urk. 112 S. 5 f., S. 16]). Ebenso der Ver-
teidigung bzw. dem Beschuldigten auf entsprechenden Antrag zur Verfügung
gestellt bzw. in die Akten des vorliegenden Verfahrens integriert wurden die im
Rahmen der Aktion "E._" geführten Überwachungsmassnahmen gegen ei-
ne unbekannte Person unter dem internen Pseudonym "J._" (Urk. 112
S. 16 mit Verweis auf Urk. 50 und Urk. 85, TK Linien K1-K3 betreffend
- 15 -
"J._" [Urk. 88]). Wie gesehen hat sich im Laufe des obergerichtlichen Ver-
fahrens herausgestellt, dass einige Datenträger nicht (mehr) lesbar waren bzw.
eine CD ganz fehlte, woraufhin die Kantonspolizei neue lesbare Duplikate der
entsprechenden Original-Datenträger erstellte und diese zu den Akten genom-
men wurden (vgl. vorstehende Erw. 1.5). Damit erweisen sich die Akten hin-
sichtlich der Überwachungsmassnahmen betreffend die Aktion "E._" im
Sinne der vorstehend skizzierten bundesgerichtlichen Rechtsprechung als voll-
ständig.
2.3.1.4. Weitere Datenträger wurden von der Vorinstanz nicht beigezogen.  wurde im Vorfeld der Hauptverhandlung einstweilen darauf verzich-
tet, Datenträger im Zusammenhang mit den Überwachungsmassnahmen gegen
B._ sowie K._ beizuziehen. Die Vorinstanz begründete diesen Ent-
scheid damit, dass nach vorläufiger Einschätzung die Aussagen dieser Perso-
nen angesichts des Anklagevorwurfes für die Urteilsfindung als nicht relevant
erscheinen bzw. die Gespräche zwischen B._ und dem Beschuldigten auf-
grund der beigezogenen Datenträger betreffend den Beschuldigten bereits bei
den Akten liegen würden (Urk. 94 S. 2 f.).
Wie aus der Urteilsbegründung der Vorinstanz hervorgeht, hat sich im Zuge der
Beratung dann aber herausgestellt, dass es hinsichtlich des unter Anklageziffer
1 zur Anklage gebrachten Vorganges 40 im Wesentlichen ein Gespräch zwi-
schen B._ und seinem Mitbewohner "L._" gegeben hat, welches für
die Urteilsfindung von ausschlaggebender Bedeutung gewesen wäre. Bei die-
sem Gespräch war der Beschuldigte weder anwesend noch hatte er es im Un-
tersuchungsverfahren im Originalton abgehört (Urk. 112 S. 17). Da ein Beizug
der Originalaufzeichnung im Zeitpunkt der Beratung aufgrund der Alleinstellung
des Beweismittels nach Auffassung der Vorinstanz zwar "zu begrüssen" gewe-
sen wäre, ein solcher aber zu einer Verfahrensverzögerung geführt hätte, ver-
zichtete die Vorinstanz darauf und sprach den Beschuldigten von dem unter
Anklageziffer 1 umschriebenen Anklagevorwurf betreffend Vorgang 40 frei
(Urk. 112 S. 17).
- 16 -
Wie gesehen umfasst das Akteneinsichtsrecht im Zusammenhang mit Fern-
meldeüberwachungsmassnahmen gemäss der bundesgerichtlichen Recht-
sprechung nicht nur das Recht auf Einsicht in die TK-Protokolle, sondern auch
den Zugang zu den Datenträgern mit den Aufzeichnungen der Fernmelde-
überwachung (vgl. vorstehende Erw. 2.3.1.2). Entsprechend wäre ein Beizug
der Originalaufzeichnung nicht nur begrüssenswert gewesen, sondern Voraus-
setzung für die Verwertbarkeit. Soweit die Gesprächsaufzeichnungen nicht bei
den Akten liegen, dürfen die als Beilage zum Polizeirapport vom 2. September
2015 bei den Akten liegenden Gesprächs-Protokolle sowie die entsprechenden
Ausführungen im Polizeirapport mit der Verteidigung damit auch an anderer
Stelle nicht zur Sachverhaltserstellung herangezogen werden (Urk. 191 S. 9 f.).
2.3.1.5. Eine Verletzung des Akteneinsichtsrechts des Beschuldigten bzw. der Verteidigung ist gleichwohl nicht gegeben. Wie die Vorinstanz unter Verweis auf
die bundesgerichtliche Rechtsprechung richtig dargelegt hat, besteht kein um-
fassendes Akteneinsichtsrecht in frühere konnexe Verfahren (Urk. 112 S. 5,
Urk. 191 S. 9 mit Verweis auf BGE 140 IV 40 E. 4.1). In getrennt geführten Ver-
fahren kommt der beschuldigten Person im jeweils anderen Verfahren keine
Parteistellung zu. Es besteht daher kein gesetzlicher Anspruch auf Teilnahme
an den Beweiserhebungen und an den Einvernahmen der anderen be-
schuldigten Personen im eigenständigen Untersuchungs- oder Hauptverfahren
(Urk. 112 S. 12 mit Verweis auf Art. 147 Abs. 1 StPO e contrario und BGE 141
IV 220 E. 4.5). Ebenso wenig hat der separat Beschuldigte in den abgetrennten
Verfahren einen Anspruch auf Akteneinsicht als Partei (Art. 101 Abs. 1 StPO).
Er ist dort nötigenfalls als Auskunftsperson zu befragen bzw. als nicht ver-
fahrensbeteiligter Dritter zu behandeln. Bei getrennt geführten Verfahren ist die
Akteneinsicht an (nicht verfahrensbeteiligte) Dritte nur zu gewähren, wenn diese
dafür ein wissenschaftliches oder ein anderes schützenswertes Interesse gel-
tend machen und der Einsichtnahme keine überwiegenden öffentlichen oder
privaten Interessen entgegenstehen (Art. 101 Abs. 3 StPO, Urteil des Bundes-
gerichts 1B_124/2016 vom 12. August 2016 E. 4.6). Soweit es also um Über-
wachungsmassnahmen geht, die nicht den Beschuldigten als Zielperson hatten,
ist demnach nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz ausführt, dass es am
- 17 -
Beschuldigten gelegen hätte, die seiner Ansicht nach wesentlichen Gespräche
zu bezeichnen (Urk. 112 S. 16 f.). Wenn aber zulasten des Beschuldigten auf
die entsprechenden Protokolle abgestellt werden soll, umfasst das Akten-
einsichtsrecht wie gesehen auch das Recht, die den Protokollen zugrunde-
liegenden Audioaufzeichnungen zu konsultieren.
2.3.2. Wahrung des Konfrontationsrechtes
2.3.2.1. Wie gesehen kommt beschuldigten Personen in getrennt geführten  im jeweils anderen Verfahren keine Parteistellung zu (vgl. vorstehende
Erw. 2.3.1.5). Die Verwertbarkeit entsprechender Einvernahmen steht aber un-
ter dem Vorbehalt der Wahrung des konventions- und verfassungsmässigen
Konfrontationsrechtes, wonach der beschuldigten Person oder ihrer Verteidi-
gung im Verlauf des gesamten Verfahrens einmal angemessene und hin-
reichende Gelegenheit zu bieten ist, die sie belastenden Aussagen in Zweifel
zu ziehen und Fragen an den (Mit-)Beschuldigten im getrennten Verfahren zu
stellen (Urk. 112 S. 12 f. mit Verweis auf BGE 140 IV 172 E. 1.3, vgl. auch
BGE 141 IV 220 E. 4.5 je mit Hinweisen).
2.3.2.2. Wie die Vorinstanz zutreffend dargelegt hat, wurde dieses Recht dem Beschuldigten vorliegend grundsätzlich gewahrt und mit sämtlichen im vorlie-
genden Verfahren einvernommenen Personen eine Konfrontationseinvernahme
durchgeführt (vgl. Urk. 112 S. 12 f.). Hinsichtlich der seitens der Verteidigung
vor Vorinstanz noch vorgebrachten Rüge, wonach sein Klient das Fragerecht
betreffend D._ materiell nicht habe ausüben können, da dieser an den
Konfrontationseinvernahmen vom 15. März 2016 wie auch an der Haupt-
verhandlung mehrheitlich von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch
gemacht habe, hat die Vorinstanz zutreffend in Betracht gezogen, dass unter
gewissen Umständen auch bei Nichtbeantwortung von Ergänzungsfragen be-
lastende Aussagen verwertet werden können (Urk. 112 S. 13 f. mit Verweis auf
BGE 124 I 274 E. 5.b). Gleiches gilt in Bezug auf die Aussagen von M._,
hinsichtlich welcher die Verteidigung ebenfalls die Unverwertbarkeit geltend
macht (Urk. 191 S. 35).
- 18 -
2.3.2.3. Grundsätzlich verlangt der konventionsrechtliche , dass der Beschuldigte in die Lage versetzt wird, sein Fragerecht tat-
sächlich auszuüben und damit die Glaubhaftigkeit einer Aussage infrage stellen
zu können, worauf auch die Verteidigung vor Vorinstanz zutreffend hingewiesen
hat (Urk. 101/7 S. 5). Dies setzt in aller Regel voraus, dass sich die einver-
nommene Person in Anwesenheit des Beschuldigten (nochmals) zur Sache
äussert (Urteil des Bundesgerichts 6B_839/2013 vom 28. Oktober 2014 E. 1.4.1
und 1.4.2 mit Hinweisen, vgl. auch Urk. 112 S. 13). Dem Anspruch, den Be-
lastungszeugen Fragen zu stellen, kommt grundsätzlich absoluter Charakter zu.
Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte
(EGMR) kann jedoch auf eine Konfrontation des Beschuldigten mit dem Be-
lastungszeugen oder auf die Einräumung der Gelegenheit zu ergänzender Be-
fragung des Zeugen unter besonderen Umständen verzichtet werden. So unter
anderem, wenn der Belastungszeuge berechtigterweise das Zeugnis verwei-
gert. Erforderlich ist in diesen Fällen jedoch, dass der Angeschuldigte zu den
belastenden Aussagen hinreichend Stellung nehmen konnte, die Aussagen
sorgfältig geprüft wurden und ein Schuldspruch nicht allein darauf abgestützt
wurde. In neueren Entscheiden relativierte der EGMR seine bisherige Recht-
sprechung insofern, als unter Umständen auch ein streitiges Zeugnis von aus-
schlaggebender Bedeutung ("preuve unique ou déterminante") ohne Konfronta-
tion mit dem Belastungszeugen verwertbar sein kann, wenn ausreichend kom-
pensierende Faktoren gegeben sind, um den Anspruch des Angeschuldigten
auf ein faires Verfahren und die Überprüfung der Verlässlichkeit des Beweismit-
tels zu gewährleisten (Urteil des Bundesgerichts 6B_75/2013 vom 10. Mai 2013
E. 3.3.1 mit Hinweisen). Die Frage, ob bei widersprüchlichen Aussagen oder
späteren Erinnerungslücken eines Zeugen auf die ersten, in Abwesenheit des
Beschuldigten erfolgten Aussagen abgestellt werden kann, betrifft nicht die
Verwertbarkeit, sondern die Würdigung der Beweise (Urteil des Bundesgerichts
6B_369/2013 vom 31. Oktober 2013 E. 2.3.3).
2.3.2.4. Die Aussagen von D._ in der Einvernahme vom 8. April 2015 machte dieser als beschuldigte Person in dem gegen ihn geführten Straf-
verfahren (Urk. 10/6). Als ihm diese in Anwesenheit des Beschuldigten am
- 19 -
15. März 2016 – in der Rolle als Auskunftsperson im Sinne von Art. 178 lit. f
StPO und unter Hinweis auf sein Aussageverweigerungsrecht – nochmals vor-
gehalten worden waren, verweigerte er die Aussagen und beantwortete auch
keine Ergänzungsfragen der Verteidigung des Beschuldigten (vgl. Urk. 9/17
S. 4 ff.). Zwar trifft es mit der Vorinstanz zu, dass bei den Konfrontationseinver-
nahmen nicht nur D._ von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch
gemacht hatte, sondern auch der Beschuldigte darauf verzichtete, zu den frühe-
ren Aussagen von D._ Stellung zu nehmen bzw. diesem Ergänzungsfra-
gen zu stellen (Urk. 112 S. 14 mit Verweis auf Urk. 9/17 und Prot. I S. 9 f.). Das
war sein gutes Recht. Angesichts des von D._ in Anspruch genommenen
Aussageverweigerungsrechts muss – entgegen der Vorinstanz (a.a.O.) – in-
dessen eher bezweifelt werden, dass dieser bereit gewesen wäre, Ergänzungs-
fragen des Beschuldigten zu beantworten. Die von der Verteidigung des Be-
schuldigten gestellten Ergänzungsfragen beantwortete D._ jedenfalls nicht
(Urk. 9/17 S. 11 f.). Das macht die früheren Aussagen von D._ aber nicht
per se unverwertbar. Ob auf die Aussagen vom 8. April 2015 im Sinne der vor-
stehend zitierten Rechtsprechung zulasten des Beschuldigten abgestellt wer-
den kann, wird im Rahmen der Beweiswürdigung zu prüfen sein (betrifft Ankla-
geziffer 4 [Vorgang 35]).
2.3.2.5. Gleiches gilt in Bezug auf die Aussagen von C._ und M._, welche ihre ursprünglichen Geständnisse im Laufe des Verfahrens ebenfalls zu-
rückgezogen hatten (Anklageziffer 6 [Vorgang 10] und 7 [Vorgang 11]).
2.3.2.6. Mit N._, gegen welchen ebenso ein separates Strafverfahren  wurde [vgl. dazu Urk. 35/3], wurde der Beschuldigte nicht konfrontiert. So-
weit im Folgenden auf die Vorinstanz verwiesen wird, ist klarzustellen, dass
Aussagen von N._ nicht zur Erstellung des Sachverhaltes herangezogen
werden dürfen und demnach die Verwendung dieser Aussagen von allfälligen
Verweisen nicht umfasst ist (vgl. dazu etwa Urk. 112 S. 19 und 26).
- 20 -
2.3.3. Zu den Protokollen der Einvernahmen mit C._ (Anklageziffer 6, Vorgang 10, Urk. 18/3-5)
2.3.3.1. Die Verteidigung macht die Unverwertbarkeit der Einvernahmen von C._ geltend (Urk. 191 S. 10 mit Verweis auf Urk. 18/3, 4, 5 und Urk. 32 im
Verfahren gegen C._ SB170263, vgl. auch Urk. 191 S. 34). Zur Begrün-
dung schliesst sie sich – unter Bezugnahme auf die im vorliegenden Verfahren
beigezogenen Akten des gegen C._ geführten Strafverfahrens – den Aus-
führungen der Verteidigung von C._ an (vgl. zum Beizug der Akten
Urk. 173). Wie die Verteidigung von C._ in jenem Verfahren stellt sich die
Verteidigung auch im hiesigen Verfahren auf den Standpunkt, dass C._ im
Untersuchungsverfahren nicht genügend verteidigt gewesen sei, weshalb die
von ihm gemachten Aussagen im Sinne von Art. 131 Abs. 3 StPO nicht ver-
wertbar seien (a.a.O.).
2.3.3.2. Entgegen der Vorbringen der Verteidigung liegen keine Anhaltspunkte vor, aufgrund derer auf die Unverwertbarkeit der im vorliegenden Verfahren bei
den Akten liegenden Einvernahmeprotokolle von C._ zulasten des Be-
schuldigten geschlossen werden müsste. C._ war in dem gegen ihn ge-
führten Strafverfahren ab der ersten Einvernahme anwaltlich verteidigt (vgl.
Urk. 18/1). Die Einvernahme vom 6. Juli 2016, in welcher C._ als Aus-
kunftsperson im Sinne von Art. 178 lit. f StPO einvernommen worden war, er-
folgte sodann unter anderem in Anwesenheit des Beschuldigten sowie seiner
Verteidigung, wobei der Verteidigung Gelegenheit zur Stellung von Ergän-
zungsfragen eingeräumt wurde (Urk. 18/5 S. 1 ff., S. 8). Ob C._ nicht ge-
hörig verteidigt gewesen sein könnte, wie dies seine Verteidigung in dem gegen
ihn geführten Strafverfahren vor Berufungsgericht geltend machte, ist nicht im
vorliegenden Verfahren zu entscheiden. Was das vorliegende Verfahren betrifft,
ist von der Verwertbarkeit der Einvernahmen von C._ auszugehen. Aus
den beigezogenen Akten des gegen C._ geführten Strafverfahrens und
dem mittlerweile in Rechtskraft erwachsenen Urteil in jener Sache ergibt sich im
Übrigen nichts anderes (beigezogene Akten im Verfahren SB170263 und Urteil
des Obergerichts Zürich, II. Strafkammer, vom 24. April 2019 [Urk. 173]).
- 21 -
2.4. Beweisanträge der Verteidigung
2.4.1. Wie gesehen stellte die Verteidigung im Vorfeld zur  mit Eingabe vom 9. November 2018 den Beweisantrag, es seien
verschiedene Stellen der von der Staatsanwaltschaft aufgezeichneten Telefon-
und Audiogespräche sowie Textnachrichten durch einen Türkisch- bzw. Zazaki-
Übersetzer neu zu übersetzen (vgl. vorstehende Erw. 1.4 mit Verweis auf
Urk. 178 und Urk. 182).
2.4.2. Bereits im Beschluss vom 26. April 2018 wurde dargelegt, dass im schweizerischen Strafprozess das beschränkte Unmittelbarkeitsprinzip gilt, bei
welchem sich das Gericht in der Regel auf das Beweisergebnis der Voruntersu-
chung und damit auf die Akten abstützt, soweit nicht wesentliche umstrittene
Tatsachen und neues Beweismaterial zur Diskussion stehen. Beweiserhe-
bungen von Seiten des Gerichts stellen somit die Ausnahme dar, es sei denn,
die Beweise sind neu oder unvollständig (Art. 343 Abs. 1 StPO), nicht ord-
nungsgemäss erhoben worden (Art. 343 Abs. 2 StPO), oder die unmittelbare
Kenntnis des Beweismittels ist für die Urteilsfällung notwendig (Art. 343 Abs. 3
StPO). Gemäss Art. 331 Abs. 2 Satz 1 StPO sind solche Beweisanträge sodann
zu begründen (Urk. 140 S. 6 f.).
2.4.3. Entgegen der Verteidigung (Urk. 191 S. 6) ist in der beantragten  gewisser Passagen nicht das Anerbieten von neuem Beweis-
material zu sehen. Beweisgegenstand sind die aufgezeichneten Gespräche,
welche – soweit für das vorliegende Berufungsverfahren relevant – wie gese-
hen vollständig bei den Akten liegen. Ob sich eine neue Übersetzung der von
der Verteidigung gerügten Passagen für die Sachverhaltserstellung als notwen-
dig erweist, weil sich die Annahme einer falschen Übersetzung oder Interpreta-
tion aufdrängt, wie dies die Verteidigung geltend macht, wird im Rahmen der
Beweiswürdigung zu entscheiden sein.
- 22 -
3. Sachverhalt
3.1. Vorbemerkung
3.1.1. Die Verteidigung beantragt wie gesehen einen vollumfänglichen  (vgl. vorstehende Erw. 1.1 und 1.2). Der Beschuldigte machte während
des gesamten Verfahrens von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch
(vgl. Urk. 112 S. 33 und 55, Urk. 9/1 - 19, Prot. I S. 26 ff., Urk. 190).
3.1.2. Bestreitet ein Beschuldigter die ihm vorgeworfene Taten, ist der  aufgrund der Untersuchungsakten und der vor Gericht vorgebrachten
Argumente nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu erstellen. Gemäss der
aus Art. 8 und 32 Abs. 1 BV fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten
Maxime "in dubio pro reo" ist bis zum gesetzlichen Nachweis seiner Schuld zu
vermuten, dass der einer strafbaren Handlung Beschuldigte unschuldig ist
(BGE 137 IV 219 E. 7.3. mit Hinweisen). Nach Art. 10 Abs. 3 StPO geht das
Gericht von der für die beschuldigte Person günstigeren Sachlage aus, wenn
unüberwindliche Zweifel daran bestehen, dass die tatsächlichen Voraussetzun-
gen der angeklagten Tat erfüllt sind. Diese Bestimmung operationalisiert den
verfassungsmässigen Grundsatz der Unschuldsvermutung (in dubio pro reo;
Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK). Sie verbietet es, bei der rechtlichen
Würdigung eines Straftatbestands von einem belastenden Sachverhalt auszu-
gehen, wenn nach objektiver Würdigung der gesamten Beweise ernsthafte
Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt tatsächlich so verwirklicht hat, oder
wenn eine für die beschuldigte Person günstigere Tatversion vernünftigerweise
nicht ausgeschlossen werden kann. Eine einfache Wahrscheinlichkeit genügt
somit nicht. Auf der anderen Seite kann auch keine absolute Gewissheit ver-
langt werden; abstrakte und theoretische Zweifel sind kaum je ganz auszu-
räumen (BGE 144 IV 345 E. 2.2.1).
3.1.3. Der Beweiswürdigung voraus geht die Sammlung und Sichtung von (prozessual zulässigen) Beweismitteln, die zur Feststellung des tatbestands-
erheblichen Sachverhalts beitragen können (vgl. Art. 139 ff. StPO). Das Be-
weismaterial wird zunächst auf seine grundsätzliche Eignung und Qualität hin
- 23 -
beurteilt: Einerseits müssen die einzelnen Beweismittel ihrer Natur und ihrer
Aussage nach tatsächlich zur Klärung der konkreten Tatfrage beitragen können
(Beweiseignung). Anderseits muss ihr grundsätzlicher Beweiswert feststehen.
Die anschliessende Beweiswürdigung betrifft die inhaltliche Auswertung der
aufgenommenen Beweismittel. Der In-dubio-Grundsatz wird erst anwendbar,
nachdem alle aus Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen Beweise erhoben
und ausgewertet worden sind. Insoweit stellt er gerade keine Beweiswürdi-
gungsregel dar. Im Falle einer uneinheitlichen, widersprüchlichen Beweislage
muss das Gericht die einzelnen Gesichtspunkte gegeneinander abwägen und
als Resultat dieses Vorgangs das Beweisergebnis feststellen. Dieses kann je
nach Würdigung als gesichert erscheinen – sofern die Widersprüche bereinigt
werden konnten – oder aber mit Unsicherheiten behaftet bleiben. Das Beweis-
ergebnis kann aber auch deswegen zweifelhaft sein, weil es im Kontext der
feststehenden Tatsachen verschiedene Deutungen zulässt und damit ver-
schiedene Sachverhaltsalternativen in den Raum stellt. Zum Tragen kommt die
In-dubio-Regel jetzt erst bei der Beurteilung des Resultats der Beweisauswer-
tung, das heisst beim auf die freie Würdigung der Beweismittel folgenden
Schritt vom Beweisergebnis zur Feststellung derjenigen Tatsachen, aus denen
sich das Tatsachenfundament eines Schuldspruchs zusammensetzt (BGE 144
IV 345 E. 2.2.3.1-2.2.3.2).
3.1.4. Liegen keine direkten Beweise vor, ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung auch ein indirekter Beweis (sog. Indizienbeweis) zulässig. In-
dizien (Anzeichen) sind Hilfstatsachen, die, wenn selber bewiesen, auf eine an-
dere, unmittelbar rechtserhebliche Tatsache schliessen lassen. Der erfolgreiche
Indizienbeweis begründet eine der Lebenserfahrung entsprechende Vermutung,
dass die nicht bewiesene Tatsache gegeben ist. Für sich allein betrachtet deu-
ten Indizien jeweils nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine be-
stimmte Tatsache hin. Auf das einzelne Indiz ist der In-dubio-Grundsatz denn
auch nicht anwendbar. Gemeinsam – einander ergänzend und verstärkend –
können Indizien aber zum Schluss führen, dass die rechtserhebliche Tatsache
nach der allgemeinen Lebenserfahrung gegeben sein muss. Der Indizienbeweis
ist dem direkten Beweis gleichgestellt. Zu einer hinreichenden Gewissheit über
- 24 -
das Vorliegen eines Tatbestandsmerkmals führen nur sinnfällige Indizien: Der
betreffende Umstand muss im gegebenen Kontext unzweideutig zur sachver-
haltlichen Begründung des zu prüfenden Tatbestandsmerkmals beitragen. Dies
trifft nicht zu, wenn ein Umstand als ambivalent erscheint, weil er mehrere
Lesarten zulässt, also ebenso gut auch zu einem alternativen Szenario passt.
Indizien können auch positiv auf eine ganz bestimmte alternative Hypothese
hindeuten oder die Ausgangsthese eines tatbestandsmässigen Sachverhalts
zugunsten eines nicht näher bestimmbaren Alternativsachverhalts zurück-
drängen. Die Unschuldsvermutung ist verletzt, wenn der Grad an Wahrschein-
lichkeit, mit welcher ein (inhaltlich oder auch nur seinem Bestand nach um-
schriebenes) Alternativszenario zutrifft, verkannt oder ein solches gar nicht erst
in Betracht gezogen wird. Indizien sind oft nicht von vornherein einschlägig, weil
sie nicht ausschliesslich auf ein bestimmtes Szenario hindeuten. Es gilt, die
Indizien daraufhin zu überprüfen, ob sie ausschliesslich für eine Hypothese
sprechen oder ob sie ambivalent sind, weil sie je nach Kontext unterschiedlich
verstanden werden können. Die In-dubio-Regel weist den Rechtsanwender an,
ernsthaften Anhaltspunkten für alternative Sachverhalte nachzugehen und zu
prüfen, ob sich daraus allenfalls ein unüberwindlicher Zweifel ergibt, der es ver-
bietet, den tatbestandsmässigen Sachverhalt anzunehmen. Ist die Indizienlage
widersprüchlich oder ambivalent, so muss (gegebenenfalls auf erweiterter Be-
weisgrundlage) geprüft werden, ob die alternative Hypothese genügend greifbar
ist, um nachhaltige Zweifel an der Bestandeskraft der tatbestandsmässigen
Variante zu wecken (BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.4-2.2.3.7).
3.2. Anklageziffer 1 (Vorgang 01)
3.2.1. Soweit für das vorliegende Berufungsverfahren noch relevant, wird dem Beschuldigten kurz zusammengefasst vorgeworfen, am 14. November 2013
N._ (separates Strafverfahren im Kanton Thurgau) beauftragt zu haben,
nach Holland zu fahren, dort einen (den Strafbehörden unbekannten) Lieferan-
ten zu treffen, von diesem Heroin zu übernehmen und dieses in die Schweiz zu
bringen, welcher Aufforderung N._ nachgekommen sei. Hierzu habe der
Beschuldigte dem unbekannten Lieferanten am 14. November 2013 um
- 25 -
14:49 Uhr die Rufnummer und den Rufnamen des Kuriers mitgeteilt ("1
N1._"). Am 15. November 2013 habe N._ die von dem Lieferanten
übergebenen 1,5 kg Heroingemisch (Reinheitsgrad unbekannt) mit seinem Per-
sonenwagen Audi A6, Kontrollschilder ZH ..., in die Schweiz gebracht, wo er
sich in der Nacht auf den 16. November 2013 an seinem damaligen Logisort an
der O._-Strasse ... in ... Winterthur mit dem Beschuldigten getroffen habe
(vgl. Urk. 37 S. 2 f. und Urk. 112 S. 18).
3.2.2. Die Vorinstanz erachtete den zur Anklage gebrachte "Vorgang 01" als erstellt, mit der Einschränkung, dass es sich bei der Lieferung – anstatt wie
eingeklagt um Heroingemisch – allenfalls auch um Kokaingemisch gehandelt
haben könnte (Urk. 112 S. 27).
3.2.3. Sicherstellungen oder Personalbeweise in der Form von belastenden Aussagen bestehen mit der Verteidigung nicht (Urk. 178 S. 2, Urk. 191 S. 17).
Die Vorinstanz stützte sich zur Erstellung des Sachverhaltes vorab auf diverse
TK-Protokolle, welche dem Beschuldigten in der Einvernahme vom
29. April 2015 vorgehalten worden waren (Urk. 112 S. 19 ff. mit Verweis auf
Urk. 9/1 Beilage 1 - 16, entspricht den Beilagen zu Urk. 1/6).
3.2.4. Der Beschuldigte äusserte sich nicht zu den Auszügen aus den  und verweigerte auch sonst seine Aussagen (vgl. schon vorstehen-
de Erw. 3.1.1, insbesondere Urk. 9/1). Die Verteidigung kritisiert die von der
Vorinstanz vorgenommene Interpretation der TK-Protokolle (Urk. 178 S. 2 f.,
Urk. 191 S. 17 ff.) und erachtet den Polizeirapport vom 2. September 2015
(Urk. 1/13) mit seinen Beilagen als "willkürliches (und zielgerichtetes) Durch-
einander", das die Vorinstanz trotz entsprechender Kritik der Verteidigung nicht
durchschaut habe (Urk. 191 S. 19).
3.2.5. Die Kritik der Verteidigung ist unbegründet. Mit der Vorinstanz kann aus der bei den Akten liegenden Kommunikation zwischen dem Beschuldigten und
dem Unbekannten mit den niederländischen Telefonnummern 2 und 3 (mit dem
pol. Pseudonym "P._" bzw. "P1._") sowie den übrigen aus den Akten
hervorgehenden Erkenntnissen nichts anderes geschlossen werden, als dass
- 26 -
sich N._ im Auftrag des Beschuldigten nach Holland begeben, die dort
übernommenen Drogen in die Schweiz gebracht und diese dann dem Beschul-
digten übergeben hat:
3.2.5.1. Der Kommunikationsverlauf zwischen dem unbekannten  und dem Beschuldigten (TK-Linie 01 A1._ [4]) liegt wie gesehen
bei den Akten und kann dem vorinstanzlichen Urteil entnommen werden (vgl.
vorstehende Erw. 2.3.1.3 und Urk. 112 S. 18 ff.).
3.2.5.2. Von der Verteidigung wird anerkannt, dass es der Beschuldigte war, der am 13. und am 14. November 2013 bis um 10:26 Uhr unter der Rufnummer
4 mit einer den Strafbehörden unbekannten Person telefoniert hat (Urk. 191
S. 18). Zumindest für diesen Zeitraum sind die entsprechenden Gesprächspro-
tokolle der "TK-Linie 01 A1._", überwachter Anschluss 4, eingelöst auf den
Namen Q._, dem Beschuldigten zuzuordnen (Urk. 9/1 Beilage 1-3).
3.2.5.3. Wenn die Verteidigung glauben machen will, dass es beim Gespräch am 13. und 14. November 2013 bis um 10:26 Uhr nicht um N._, sondern
um einen Albaner gegangen sei, welcher nach Amsterdam habe fahren oder
fliegen wollen (Urk. 191 S. 18), macht dies überhaupt keinen Sinn. Es gibt
nichts, was auch nur annähernd auf ein solches Szenario hindeuten würde.
3.2.5.4. Aus dem Gespräch zwischen dem niederländischen  und dem Beschuldigten vom 13. November 2013 um 18:22 Uhr geht mit
der Vorinstanz hervor, dass eine Drittperson offenbar einen Unfall hatte und
deshalb nicht einsatzbereit war, woraufhin der niederländische Kommunika-
tionspartner den Beschuldigten fragte, ob er jemanden schicken könne, was
dieser zunächst in Frage stellte (Urk. 112 S. 19 f. mit Verweis auf Urk. 9/1 Bei-
lage 1). Der Unfall stellte gemäss dem unbekannten Gesprächspartner insbe-
sondere ein Problem dar, weil der Verunfallte nun zuerst wieder ein Auto kaufen
und dieses "machen" müsse (Urk. 9/1 Beilage 1: "Ja, dieser Schwuchtel muss
jetzt, morgen ein Auto kaufen, das Auto machen, du weisst es doch"). Ent-
scheidend war also das Transportmittel Auto, mit welchem noch etwas gemacht
werden musste, bevor es für die Reise verwendet werden konnte. Offenbar
- 27 -
konnte der Beschuldigte dann aber jemanden organisieren (Urk. 9/1 Beilage 2:
"Ich schicke den Kollegen"), woraufhin sich der Gesprächspartner erkundigte,
ob dieser "Dingsda, um zu verstecken" habe, was der Beschuldigte bejahte und
erklärte, dass dieser herumreise und immer wieder zurückgehe (Urk. 9/1 Bei-
lage 3). Es ging also darum, etwas im Auto zu verstecken, um es so zu trans-
portieren, wie dies bereits die Vorinstanz erkannt hat (Urk. 112 S. 20). Ob der
Beschuldigte daneben noch andere Telefongespräche – unter anderem am
14. November 2013 um 17:54 Uhr mit einem Benützer einer mazedonischen
Rufnummer – geführt hat, wie dies die Verteidigung geltend macht (Urk. 101/7
S. 11, Urk. 178 S. 3 f., Urk. 191 S. 18), kann dahingestellt bleiben. Auch wenn
sich aus einem anderen Gespräch ergeben würde, dass der Beschuldigte auf
einen Albaner wartete, der nach Amsterdam reisen wollte, lässt sich der Inhalt
der vorstehend thematisierten Telefongespräche des Beschuldigten mit dem
unbekannten Gesprächspartner vom 13. und 14. November 2013 nicht in die-
sem Kontext verstehen. Aus diesen Gesprächen und Kurznachrichten geht wie
gesehen eindeutig hervor, dass es um den Transport einer zu versteckenden
Ware ging. Gesucht wurde ein Transporteur sowie ein Auto mit einem Versteck
als Transportmittel.
3.2.5.5. Unter Verweis auf die überzeugenden Erwägungen der Vorinstanz ist sodann erstellt, dass es sich beim Transporteur um N._ gehandelt haben
muss (Urk. 112 S. 20 ff.):
Dafür spricht zunächst die Kurznachricht vom 14. November 2013 um
14:49 Uhr mit dem Inhalt "1 N1._". Die Kurznachricht wurde versandt von
der Rufnummer, welche der Beschuldigte gleichentags und auch am Vortag
unbestrittenermassen verwendet hatte, an die Rufnummer des unbekannten
Gesprächspartners (Urk. 9/1 Beilage 8) und folgte auf die Frage, was los sei
und ob der Kollege schon hier oder erst abgefahren sei, sowie in Ergänzung zu
einer weiteren Nachricht, wo in Aussicht gestellt wurde, dass "er" in einer
Stunde dort sei (Urk. 9/1 Beilage 6 und 7, um 14:45 Uhr und 14:47 Uhr).
Wenn die Verteidigung geltend macht, dass diese drei Nachrichten nicht vom
Beschuldigten versandt bzw. empfangen worden seien, sondern von jemandem
- 28 -
in seinem Umfeld (Urk. 191 S. 18 f.), vermag dies nicht zu überzeugen. Der
Zusammenhang der zwischen dem Beschuldigten und dem unbekannten Ge-
sprächspartner geführten Gespräche sowie der versandten Kurznachrichten ist
augenscheinlich. Ganz offensichtlich geht es bei sämtlichen bei den Akten lie-
genden Protokollen der Gespräche und Kurznachrichten vom 13. November bis
zum 14. November 2013 um die Organisation sowie Abwicklung der Kurierfahrt
sowie dem Treffen des Kuriers mit dem unbekannten Lieferanten.
Wie dargelegt ergibt sich aus den Gesprächen zwischen dem Beschuldigten
und dem unbekannten Gesprächspartner, welche den Kurznachrichten voraus-
gegangen waren, dass der Beschuldigte jemanden zum Lieferanten geschickt
hatte, um etwas in einem Fahrzeug zu verstecken (vgl. vorstehende Erw.
3.2.5.4). Und aus dem diesen Kurznachrichten folgenden Gespräch vom
14. November 2013 um 16:26 Uhr zwischen wiederum denselben Anschlüssen
geht hervor, dass nun offenbar jemand angekommen war, woraufhin der Liefe-
rant erklärte, dass dieser in die Bar hineinkommen solle (Urk. 9/1 Beilage 9).
Dass es sich dabei um N._ gehandelt haben muss, ergibt sich aus der
Kurznachricht "1 N1._". Dass N._ diese Telefonnummer verwendete,
wird auch von der Verteidigung nicht in Abrede gestellt. Sie kritisiert einzig,
dass die Vorinstanz sich im Zusammenhang mit dem Sachverhalt im November
2013 versehentlich auf eine von N._ an A._ versandte SMS vom
14. Dezember 2013 berufen habe (Urk. 191 S. 19), was wohl zutrifft (vgl.
Urk. 112 S. 21 ff.). Jedenfalls findet sich mit der Verteidigung in den Akten keine
Nachricht vom November 2013, wo N._ dem Beschuldigten mitgeteilt hät-
te, dass er sich nun auf den Weg mache. Tatsächlich wurde die Nachricht von 1
an 4 (TK-Linie 01 A1._) mit dem Inhalt "UY TAMAMDUR EVE GIDIYO-
RUM BEN VARINCA ARARIM KENDINE IYUBAK", übersetzt: "Alles ist in Ord-
nung, ich gehe nach Hause. Wenn ich angekommen bin, gebe ich dir Bescheid.
Pass auf dich gut auf." erst am 14. Dezember 2013 versandt (Urk. 9/1 Beilage
30, um 21:28:30 Uhr), worauf an sich auch die Vorinstanz verweist (Urk. 112
S. 21). Dies ändert aber nichts daran, dass die Nummer 1 N._ zuzuordnen
ist. Denn genau dieselbe vorstehend erwähnte Mitteilung hat N._ auch von
seinem anlässlich der Verhaftung sichergestellten Mobiltelefon mit der Ruf-
- 29 -
nummer 5 an den Beschuldigten versandt (vgl. dazu Urk. 1/13 S. 16 f. mit Ver-
weis auf Urk. 41d [= Urk. 9/6 Beilage 41d], Urk. 12/6 S. 5 f., Urk. 112 S. 21).
Wie die Vorinstanz sodann richtig dargelegt hat, war die vom Beschuldigten und
dem Lieferanten vereinbarte Adresse für den Treffpunkt mit der vom Beschul-
digten zu organisierenden Drittperson ("... [Adresse in Holland]", vgl. dazu Urk.
9/1 Beilage 3, 4 und 5) bei der Verhaftung von N._ im Navigationsgerät
seines Fahrzeuges Audi A6 (ZH ...) als Zieladresse gespeichert (Urk. 112 S. 21
mit Verweis auf Urk. 1/13 Beilage 50b ["... [Adresse in Holland]"], vgl. auch
Urk. 1/13 S. 9).
3.2.5.6. Aufgrund des weiteren Nachrichtenverlaufs sowie der übrigen  kann mit der Vorinstanz sodann nicht anders geschlossen werden, als
dass N._ die von dem unbekannten Lieferanten übernommene und in sei-
nem Fahrzeug zu versteckende Lieferung anklagegemäss in die Schweiz ver-
brachte, und sie dort an seinem damaligen Logisort an der O._-Strasse ...
in ... Winterthur (Wohnung c/o R._) dem Beschuldigten übergeben hat.
Auch die zur Erstellung dieses Sachverhaltsteils relevanten TK-Protokolle lie-
gen bei den Akten. Die übersetzten Passagen, welche von der Vorinstanz zur
Sachverhaltserstellung herangezogen wurden, können dem vorinstanzlichen
Urteil auszugsweise entnommen werden (Urk. 112 S. 22 mit Verweis auf
Urk. 9/1 Beilage 10-15, Kurznachrichten vom 15. November 2013):
"22:12:13 Uhr (an A._): Was ist los? Ist dein Kollege gekommen?
22:13:55 Uhr (von A._): Nicht gekommen, ich warte.
22:15:17 Uhr (an A._): Warum hat er sich so verspätet. Ist der Mann vertrauenswürdig/zuverlässig.
22:16:17 Uhr (von A._): Heute sei er abgefahren
- 30 -
22:18:42 Uhr (an A._): Wenn er heute abgefahren wäre, wäre er längst angekommen. Ich vertraue dem Mann  nicht.
22:20:40 Uhr (von A._): Mach dir keine Sorgen, Wenn er da ist, sende ich dir eine·SMS."
3.2.5.7. Die Verteidigung kritisiert die Übersetzung der TK-Protokolle,  hinsichtlich zweier Kurznachrichten (Urk. 191 S. 20, Urk. 178 S. 4 mit
Verweis auf Beilagen 13 und 14 zu Urk. 1/6, identisch mit Beilagen 13 und 14
zu Urk. 9/1; vgl. vorstehende Nachrichten von 22:15 Uhr und 22:16 Uhr). Wie
bereits vor Vorinstanz (Urk. 101/7 S. 11) macht sie auch berufungsweise gel-
tend, dass die Kommunikation zwischen dem Beschuldigten und dem holländi-
schen Gesprächsteilnehmer, anders als von der Staatsanwaltschaft dargestellt,
vor dem Hintergrund eines Streites zwischen einer albanisch/mazedonischen
Gruppierung und einer türkisch/kurdischen Gruppe zu sehen und zu inter-
pretieren sei. Der Streit habe sich um Geldschulden gedreht, wobei die tür-
kisch/kurdische Gruppierung die albanische um einen Betrag in der Grössen-
ordnung von EUR 30'000.– hintergangen haben soll. Der Beschuldigte habe bei
diesem Streit als Vermittler fungiert, da er Leute aus beiden Gruppierungen
gekannt habe (Urk. 178 S. 2 f., Urk. 191 S. 17 ff.). Zentral für die Regelung des
Konflikts sei ein Kurde mit türkischer Staatsangehörigkeit gewesen, der zur
zweiten Gruppierung gehört habe und in Istanbul aus der Haft hätte entlassen
werden sollen. Dieser sei in der Lage gewesen, eine substantielle Geldzahlung
an die albanisch/mazedonische Gruppierung zu veranlassen, was die Bei-
legung des Konflikts erlaubt hätte. Solange er aber inhaftiert gewesen sei, seien
die Verhandlungen stecken geblieben. Nach Darstellung der Verteidigung be-
ziehen sich die Kurznachrichten vom 15. November 2013 ab 22:12 Uhr auf
diesen Sachverhalt. Die beiden Textnachrichten gemäss Beilagen 13 und 14
zu Urk. 1/6, also die vorstehend abgedruckten Nachrichten von 22:15 und
22:16 Uhr, sollen sich demnach auf die Entlassung des Kurden beziehen. Ent-
gegen der bei den Akten liegenden Übersetzung bedeute "çikmis" nicht "abge-
fahren", sondern "aus der Haft entlassen" (Urk. 101/7 S. 12, Urk. 178 S. 4,
Urk. 191 S. 20).
- 31 -
3.2.5.8. Die Vorinstanz hat sich mit diesen Vorbringen der Verteidigung  und überzeugend dargelegt, weshalb die von der Verteidigung
dargelegte Sachverhaltsvariante keinen Sinn macht. Mit der Vorinstanz ist näm-
lich nicht einzusehen, weshalb sich der unbekannte Gesprächspartner mit der
Vertrauenswürdigkeit bzw. Zuverlässigkeit eines aus der Haft entlassenen Kur-
den hätte befassen sollen (Urk. 112 S. 23). Die Sachverhaltsvariante der Ver-
teidigung scheint konstruiert und findet in den Akten keine Stütze. Entgegen der
Verteidigung lässt der Gesprächsinhalt im Kontext der feststehenden Tatsachen
nicht die Deutung zu, dass es sich um die Organisation eines Vermittlungs-
gesprächs gehandelt haben könnte. Es gibt keine Anhaltspunkte, nicht auch die
vorstehend abgedruckten Kurznachrichten vom 15. November 2013 im Kontext
der Kurierfahrt von N._ zu sehen, wie dies die Vorinstanz überzeugend
dargelegt hat (Urk. 112 S. 23 f.). Das ergibt sich mit der Vorinstanz auch aus
dem in den Akten dokumentierten weiteren Geschehensverlauf (Urk. 112
S. 24). Um 23:30 Uhr erhielt der unbekannte Gesprächspartner von der vom
Beschuldigten verwendeten Telefonnummer die Kurznachricht "Angekommen"
(Urk. 9/1 Beilage 16). Gemäss unbestritten gebliebenem Wahrnehmungsbericht
der Kantonspolizei Zürich vom 11. August 2015 machte sich der Beschuldigte in
der gleichen Nacht um 00:40 Uhr zusammen mit S._ von dessen Liegen-
schaft an der T._-Strasse ... in Winterthur mit dem auf N._ eingelös-
ten Mitsubishi Carisma, ZH ..., auf den Weg zum Wohnort von N._ an der
O._-Strasse ... in ... Winterthur, wo ihm auf sein Klingeln Einlass gewährt
wurde (Urk. 1/13 Beilage 51a-c). Im Kontext dieser feststehenden Tatsache
kann die an den unbekannten Gesprächspartner versandte Kurznachricht mit
der Vorinstanz nur so verstanden werden, als dass N._ zurückgekehrt war,
und zwar mit der von ihm transportierten Lieferung (vgl. auch Urk. 112 S. 24).
Und der Umstand, dass sich der Beschuldigte mitten in der Nacht auf den Weg
zu N._ gemacht hat, dessen Auftraggeber er war, lässt den Schluss zu,
dass er dort die von N._ transportierte Lieferung in Empfang genommen
hatte.
3.2.5.9. Aufgrund der Aktenlage bestehen keine Zweifel, dass es sich bei der Lieferung um einen Drogentransport gehandelt haben muss. Dafür spricht
- 32 -
schon die verklausulierte, konspirative Art und Weise, wie der Beschuldigte und
der unbekannte Gesprächspartner kommunizierten (vgl. auch nachstehende
Erw. 3.4.13). Dass Gesprächsteilnehmer lediglich dann zu solchen Verschlüs-
selungen greifen, wenn sie den wahren Inhalt des Gesprächs verbergen wollen
und die polizeiliche Abhörung ihrer Gespräche befürchten, ist naheliegend und
braucht nicht weiter erläutert zu werden. Es fällt zudem auf, wie die Gesprächs-
teilnehmer bemüht waren, ihre Identität zu verschleiern, indem sie immer wie-
der andere Telefonnummern von anderen Inhabern verwendeten. Zudem gilt zu
beachten, dass es nicht die einzige Drogen-Kurierfahrt von Holland in die
Schweiz war, die N._ für den Beschuldigten unternommen hatte (vgl. dazu
nachstehende Erw. 3.3 zu Vorgang 12).
3.2.5.10. Obwohl die Indizien hinsichtlich der Art des Betäubungsmittels mit der Vorinstanz eher auf Heroingemisch schliessen lassen, erachtete es die Vor-
instanz nicht als gänzlich ausgeschlossen, dass es sich bei der transportierten
Ware auch um Kokaingemisch gehandelt haben könnte (vgl. schon vorstehen-
de Erw. 3.2.2 und Urk. 112 S. 27). Dieser Schluss ist nachvollziehbar, nachdem
zweifelsfrei feststeht, dass es sich um Betäubungsmittel gehandelt haben
muss und N._ bei seinem zweiten Transport nicht nur Heroin, sondern –
wenn auch in geringerer Menge – auch Kokain mit sich geführt hatte (vgl. dazu
Urk. 112 S. 27 und nachstehende Erw. 3.3 zu Vorgang 12). Die Vorinstanz liess
es letztlich offen, ob es sich bei der Lieferung vom November 2013 um Heroin-
oder allenfalls um Kokain gehandelt hat (Urk. 112 S. 27). Zugunsten des Be-
schuldigten ist indessen von der Annahme auszugehen, dass N._ beim
Transport vom 15. November 2013 Kokaingemisch mit sich geführt und dann
an den Beschuldigten übergeben hatte. Dieser Schluss wird von der Verteidi-
gung eventualiter auch nicht kritisiert und wirkt sich im Rahmen der Strafzu-
messung im Übrigen zugunsten des Beschuldigten aus.
3.2.5.11. Hinsichtlich der Menge des von N._ mitgeführten und an den  übergebenen Kokaingemischs hat die Vorinstanz überzeugend
dargelegt, weshalb die von der Staatsanwaltschaft zur Anklage gebrachten
1,5 kg zu übernehmen sind (Urk. 112 S. 25 f.). Darauf kann vorab verwiesen
- 33 -
werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Einzig klarzustellen ist, dass der Beschuldigte
mangels verwertbaren Beweisen vom Vorwurf betreffend Vorgang 40 (Verkauf
von 200 g Heroingemisch an B._) erstinstanzlich – wie gesehen (vgl. vor-
stehende Erw. 1.2 und 2.3.1.4) – freigesprochen wurde, was unangefochten
geblieben ist. Vor diesem Hintergrund kann dieser Sachverhaltsteil selbstver-
ständlich nicht zur Bestimmung der fraglichen Drogenmenge herangezogen
werden, was angesichts der Zusatz- bzw. Alternativbegründung auch der Vor-
instanz klar zu sein schien (vgl. Urk. 112 S. 25). Anhaltspunkt, weshalb von
1,5 kg auszugehen ist, bildet der in den Akten dokumentierte Nachrichtenver-
kehr zwischen dem Beschuldigten (TK-Linie 01 A1._ 4) und dem Benutzer
der niederländischen Telefonnummer 3, welche von der Ermittlungsbehörde
dem angeblichen Lieferanten aus Holland zugewiesen worden war. Zu berück-
sichtigen ist in diesem Zusammenhang der im Bericht der Kantonspolizei Zürich
vom 4. September 2015 angebrachte Hinweis, dass nicht eruiert habe werden
können, ob es sich beim Benutzer dieser Telefonnummer um den angeblichen
Lieferanten selbst oder um einen Komplizen gehandelt habe (Urk. 1/13 S. 3,
S. 12). Zwar steht vor diesem Hintergrund nicht mit letzter Sicherheit fest, wer
die Kurznachrichten vom 5. Dezember 2013 versandt hat, worauf auch die Ver-
teidigung vor Vorinstanz verwiesen hat (Urk. 101/7 S. 13). Fest steht aber, dass
– wenn es nicht der Lieferant selbst war – es zumindest jemand aus seinem
Umfeld gewesen sein muss. Die Anfrage des niederländischen Kontaktes
nimmt ganz offensichtlich Bezug auf die zuvor erfolgte Lieferung ("Wie viel hast
du erledigt, wie viel ist übrig?" [Urk. 1/13 Beilage 69]). Indem der Beschuldigte –
wenn auch eine zu interpretierende – logische Antwort auf diese Anfrage gab
("Ich habe für 10 Lira erledigt" [a.a.O. Beilage 70a] bzw. "Ich habe 5 erledigt"
[a.a.O. Beilage 71]), wusste der Beschuldigte ganz offensichtlich Bescheid, auf
was sich die Anfrage bezogen hatte. Da der niederländische Geschäftspartner
seine Antwort nicht verstanden hatte ("Ich verstehe es nicht, weshalb du 5
sagst. Es waren doch keine 5" [a.a.O. Beilage 72]), hielt er dann klarstellend
fest: "Das heisst, 5 von 15 sind weg" (a.a.O. Beilage 73). Ausgehend davon,
dass 1,5 kg mit der Vorinstanz am unteren Ende der vom Beschuldigten übli-
cherweise importierten Betäubungsmittelmengen liegen (vgl. dazu die weiteren
- 34 -
Anklagesachverhalte) und angesichts des für den Transport betriebenen Auf-
wandes (kurzfristig organisierter Ersatz eines Kuriers durch den Beschuldigten
wegen Ausfalls des ursprünglich vorgesehenen, Fahrt nach Amsterdam und zu-
rück mit präpariertem Fahrzeug, zu entrichtender Kurierlohn [auch wenn hin-
sichtlich der Höhe des Kurierlohnes aufgrund der fehlenden Konfrontation mit
dem Beschuldigten nicht auf die Aussagen von N._ abgestellt werden
kann]) kann nicht zuletzt auch angesichts der vom Beschuldigten und seinem
Gesprächspartner beigemessenen Wichtigkeit der Lieferung (mehrmaliges
Nachfragen, ob der Kurier nun eingetroffen sei und anschliessender Besuch
des Beschuldigten noch in der gleichen Nacht) kein Zweifel daran bestehen,
dass die Lieferung einen nicht unerheblichen Wert gehabt haben bzw. bei ent-
sprechendem Verkauf ein nicht unerheblicher Gewinn zu erwarten gewesen
sein muss. Vor diesem Hintergrund ist überzeugend, wenn die Vorinstanz die
vom Beschuldigten angegebenen "15" als 1,5 kg interpretiert (Urk. 112 S. 25 f.).
Damit ist auch die eingeklagte Menge von 1,5 kg erstellt.
3.2.6. Damit ist der Anklagesachverhalt betreffend Vorgang 01 erstellt, mit der einzigen Abweichung, dass zugunsten des Beschuldigten anstatt von Heroin-
von Kokaingemisch auszugehen ist.
3.3. Anklageziffer 2 (Vorgang 12)
3.3.1. In diesem Anklagesachverhaltsteil wird dem Beschuldigten die  eines weiteren Drogentransportes von Holland in die Schweiz zur Last ge-
legt, wiederum mit N._ als Kurier. Hierfür seien der Beschuldigte mit sei-
nem Chauffeur und N._ in seinem eigenen Fahrzeug am 12. Dezember
2013 in die Niederlande gefahren, wo 2'000 g Heroin mit einem Reinheitsgehalt
von 62 % und 650 g Kokain mit einem Reinheitsgehalt von 28 % in der hinteren
Stossstange des Personenwagens Audi A6, ZH ..., von N._ versteckt wor-
den seien. Der Beschuldigte sei danach am 14. Dezember 2013 mit seinem
Chauffeur zurück in die Schweiz gefahren, wo er auf N._ gewartet habe.
Dieser sei jedoch auf seinem Rückweg in Kreuzlingen am 16. Dezember 2013,
00:05 Uhr, polizeilich angehalten und die Drogen sichergestellt worden (Urk. 37
S. 3 f., Urk. 112 S. 28).
- 35 -
3.3.2. Von der Verteidigung unbestritten und aufgrund der am 16. Dezember 2013 anlässlich der Verhaftung von N._ sichergestellten 2 kg Heroinge-
misch (Reinheitsgrad 62 %) sowie 650 g Kokaingemisch (Reinheitsgrad 28 %)
ist erstellt, dass der Drogentransport anklagegemäss stattgefunden hat
(Urk. 24/1-3, Urk. 101/7 S. 16, Urk. 191 S. 24, Urk. 112 S. 28 mit Verweis auf
Urk. 12/1, vgl. auch Urk. 12/5 S. 5 und Urteil des Bezirksgerichts Kreuzlingen
vom 24. Oktober 2016 [Urk. 35/3]). N._ bestätigte in den Einvernahmen
vom 17. bzw. 19. Dezember 2013 denn auch, am letzten Donnerstagabend,
namentlich am 12. Dezember 2013, in Richtung Holland abgereist zu sein und
den Drogentransport durchgeführt zu haben (Urk. 12/1 S. 3 ff., Urk. 12/2 S. 3,
6 ff.). Hingegen stellt er eine Beteiligung des Beschuldigten am Drogentransport
in Abrede (Urk. 12/2 S. 3, 6; Urk. 12/3 S. 10, 12; Urk. 12/6 S. 3). N._ und
der Beschuldigte wurden denn auch nicht konfrontiert, weshalb diese Aussagen
nur zugunsten des Beschuldigten verwertbar sind.
3.3.3. Dass der Beschuldigte in den Drogentransport vom Dezember 2013  war bzw. diesen organisiert hatte, wird auch vom Beschuldigten und
seiner Verteidigung in Abrede gestellt (Urk. 101/7 S. 16 ff., Urk. 191 S. 21 ff.,
vgl. schon vorstehende Erw. 3.1.1).
3.3.4. Die Vorinstanz wertet den Umstand, dass an dem im Fahrzeug von N._ sichergestellten Handschuh die DNA des Beschuldigten festgestellt
werden konnte, als Indiz dafür, dass der Beschuldigte beim Einbau der Drogen
im Fahrzeug von N._ mitgewirkt habe (Urk. 112 S. 28 f.). Diesbezüglich ist
aber mit der Verteidigung darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte den
Handschuh auch bei einer anderen Gelegenheit als Beifahrer von N._ hät-
te angefasst haben können (Urk. 191 S. 21 f.). Vor diesem Hintergrund kann
aus dem Umstand, dass an dem im Fahrzeug von N._ sichergestellten
Handschuh die DNA des Beschuldigten festgestellt werden konnte, nichts zu-
lasten des Beschuldigten abgeleitet werden. Dass der Beschuldigte beim Ein-
bau der Drogen mitgewirkt hatte, ist denn auch nicht eingeklagt (Urk. 37 S. 3).
3.3.5. Fest steht, dass das vom Beschuldigten zum anklagerelevanten Zeitraum benutzte Mobiltelefon zwischen dem 12. Dezember 2013, 20:58 Uhr, bis zum
- 36 -
14. Dezember 2013, 06:50 Uhr, nicht geortet werden konnte (Urk. 112 S. 29 mit
Verweis auf Urk. 1/13 S. 16). Mit der Verteidigung zwar keine zwingende
Schlussfolgerung, gleichwohl aber eine mögliche Erklärung hierfür wäre, dass
der Beschuldigte in diesem Zeitraum ausser Landes weilte (Urk. 191 S. 22),
wovon die Vorinstanz unter Verweis auf den Schlussbericht der Kantonspolizei
Zürich vom 2. September 2015 ausgegangen ist (Urk. 112 S. 30).
3.3.6. Für die Annahme, dass der Beschuldigte – wie in der Anklageschrift umschrieben – am 12. Dezember 2013, nach Holland reiste, spricht neben dem
Umstand, dass sein Mobiltelefon mit der Schweizer Nummer nicht geortet wer-
den konnte, auch die Tatsache, dass N._ während seinem Aufenthalt in
den Niederlanden mit einer Person namens "A1._" in Kontakt gestanden
hatte und beide niederländische Telefonnummern verwendet hatten (Urk. 112
S. 30 mit Verweis auf Urk. 1/13 Beilage 44a-d, vgl. auch S. 3; N._ [6, Tele-
fonnummer anlässlich der Verhaftung sichergestellt, A1._ [7,]). Aus den
Beilagen 44 c und d erhellt, dass N._ am 13. Dezember 2013 um 17:19
Uhr einen Anruf von der unter dem Namen A1._ gespeicherten niederlän-
dischen Telefonnummer entgegengenommen und am 14. Dezember 2013 um
13:24 Uhr diese Nummer angerufen hatte. Gemäss den Erkenntnissen der Er-
mittlungsbehörden war der Beschuldigte bei letzterem Anruf – wenn er denn
weg gewesen war, bereits wieder – in der Schweiz (Urk. 1/13 S. 16; [Antennen-
standort der TK-Linie A1 am 14.12.2013 um 06:50 Uhr: Winterthur]).
3.3.7. Die Verteidigung weist darauf hin, dass N._ in seinen Kontakten in den verschiedenen anlässlich der Verhaftung sichergestellten Mobiltelefonen –
entgegen der Vorinstanz nicht nur einen (Urk. 112 S. 30), sondern – mindes-
tens fünf A1._'s aufgelistet habe. Aufgrund der den jeweiligen Namen hin-
zugefügten Spezifikationen mit "U._" oder "V._" schliesst sie, dass es
sich dabei um verschiedene A1._'s handeln müsse (Urk. 191 S. 23 mit
Verweis auf Urk. 9/4 [recte: 9/6] Beilage 41b, 42b, 43b und 44b). Auch N._
gab zu bedenken, dass es ja nicht nur einen A1._ auf der Welt gebe
(Urk. 112 S. 30 und Urk. 12/4 S. 8). Es trifft zu, dass in den verschiedenen an-
lässlich der Verhaftung sichergestellten Mobiltelefonen von N._ mehrere
- 37 -
A1._'s gespeichert waren ("A1._" auf der SIM-Karte 5 [Urk. 9/6 Beila-
ge 41b] sowie auf der SIM-Karte "6"; "A2._" und "A1._ V._" auf
der SIM-Karte 8 [Urk. 9/6 Beilage 43b] und "A1._ U._" auf der SIM-
Karte 9).
3.3.8. Der auf der SIM-Karte 5 unter A1._ gespeicherte sowie der auf der SIM-Karte 8 unter A2._ gespeicherte Kontakt, jeweils mit der Telefonnum-
mer 4 (Beilagen 41b und 43b), kann gestützt auf die Telefonüberwachung des
Beschuldigten (TK-Linie A1 bzw. 01) ohne Weiteres dem Beschuldigten zuge-
ordnet werden. Dass dieser Telefonanschluss dem Beschuldigten zuzuordnen
ist, wird von der Verteidigung wie gesehen auch nicht bestritten (vgl. vorstehen-
de Erw. 3.2.5.2). Auf der SIM-Karte 8 ist unter der Telefonnummer 10 auch
noch ein A1._ V._ gespeichert (Urk. 191 S. 23 und Urk. 9/6 Beilage
43b). Dass es sich bei A1._ V._ um eine vom Beschuldigten ver-
schiedene Person handeln könnte, ist möglich. Zusätzlich kann der weiteren
beim Beschuldigten sichergestellten SIM-Karte 9 auch noch der Name
A1._ U._ mit der Telefonnummer 11 (Beilage 42b) sowie schliesslich
auf der niederländischen Rufnummer von N._ 6 eine auf den Namen
A1._ lautende niederländische Rufnummer 7 entnommen werden (Urk. 9/6
S. 2 Beilage 44a-d).
3.3.9. Dass zwischen N._ und "A1._ V._" bzw. "A1._ U._" eine Kontaktaufnahme stattgefunden hätte, ist in den Akten jedoch
nicht dokumentiert. Insofern kann dahingestellt bleiben, ob es sich bei diesen
Kontakten um den Beschuldigten oder um andere A1._s gehandelt hat.
Auf dem bei N._ sichergestellten Telefon mit der niederländischen Tele-
fonnummer 6 war jedenfalls nur ein A1._ gespeichert und zwar ohne
irgendwelche Zusätze zum Namen (Urk. 9/6 Beilage 44a-d). Und von dieser
unter A1._ gespeicherten Nummer wurde N._ wie gesehen am
13. Dezember 2013 kontaktiert, und am 14. Dezember 2013 wurde diese
Nummer von dem Telefonanschluss von N._ gewählt (vgl. vorstehende
Erw. 3.3.6). N._ gab an, dass es wahrscheinlich ein Freund von Holland
gewesen sei (Urk. 12/4 S. 8). Angesichts der aufgrund der weiteren Ermitt-
- 38 -
lungsergebnissen zahlreichen weiteren nachgewiesenen Kontakten zwischen
dem Beschuldigten und N._ einerseits sowie dem Beschuldigten und einer
weiteren, mutmasslich dem Lieferanten zuzuordnenden niederländischen Tele-
fonnummer, drängt sich aber der Schluss auf, dass es sich auch bei dem unter
der niederländischen Telefonnummer 7 gespeicherten A1._ – wie von der
Vorinstanz angenommen – um den Beschuldigten gehandelt hat und die Beiden
zum Zwecke der Abwicklung des Drogentransportes von den Niederlanden in
die Schweiz miteinander in Kontakt gestanden haben:
3.3.10. Bereits am 10. Dezember 2013 nahm N._ unter der  5 mit A1._ Kontakt auf, und fragte, ob er kommen werde, was dieser
bejahte (Urk. 1/6 S. 5 und Beilage 17 und 18, vgl. zu den anlässlich der Verhaf-
tung sichergestellten Mobiltelefonen bzw. Nummern von N._ Urk. 1/13
S. 3). Am 12. Dezember 2013 fragte die im Rahmen des Ermittlungsverfahrens
als "P._" bezeichnete Person unter der auf S._ zugelassenen Tele-
fonnummer 12 den Beschuldigten, ob sie gehen bzw. abfahren würden, was der
Beschuldigte bejahte (Urk. 1/6 S. 5 und Beilage 19 und 20). Am 14. Dezember
2013 um 15:01 Uhr fragte N._ den Beschuldigten unter seiner niederländi-
schen Telefonnummer 1, ob sie wieder gegangen seien, was dieser bestätigte
(Urk. 1/6 Beilage 23, vgl. Richtigstellung in Urk. 1/13 S. 16). Und um 18:32 Uhr
gleichentags schrieb der Beschuldigte N._, dass "der Kollege" auf ihn war-
te, woraufhin N._ in Aussicht gestellt hatte, gegen 20:30 Uhr dort zu sein
(Urk. 1/6 Beilage 24 und 25). Darauf antwortete der Beschuldigte, dass "er" in
der Bar auf ihn warte (a.a.O. Beilage 26). Um 20:39 Uhr schrieb N._ dem
Beschuldigten, dass er in der Bar sei (a.a.O. Beilage 27). Um 21:23 Uhr fragte
der Beschuldigte N._, wie es ihm gehe und ob alles in Ordnung sei, was
dieser bestätigte und erklärte, dass er nun nach Hause gehe und ihm Bescheid
geben werde (a.a.O. Beilage 29, vgl. dazu schon die vorstehende Erw. 3.2.5.5).
Am 15. Dezember 2013 erkundigte sich jemand mit einer niederländischen
Rufnummer (13) beim Beschuldigten, was los sei, ob sein Kollege gekommen
sei und weshalb er – der Beschuldigte – nicht antworte (a.a.O. Beilage 32). Der
nach der Verhaftung von N._ in den Akten dokumentierte Nachrichtenver-
kehr zwischen dem niederländischen Kontakt und dem Beschuldigten und ins-
- 39 -
besondere die zahlreichen Versuche des Beschuldigten, mit N._ Kontakt
aufzunehmen, zeigen deutlich, dass die beiden nervös wurden. Diesbezüglich
kann vorab vollumfänglich auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wer-
den (Urk. 112 S. 30 f., Art. 82 Abs. 4 StPO). Ergänzend dazu ist auf die weite-
ren erfolglosen Kontaktversuche des Beschuldigten hinzuweisen, welche bei
der Durchsicht der anlässlich der Verhaftung von N._ sichergestellten Mo-
biltelefone ersichtlich wurden. Wie aus der Anrufliste des bei N._ sicherge-
stellten Mobiltelefons mit der Nummer 5 hervorgeht, hat der Beschuldigte zu-
sätzlich zu den erfolglosen Anrufversuchen vom 16. Dezember 2013 um 13:34
Uhr und der Mitteilung vom 17. Dezember 2012 um 00:15 Uhr ([übersetzt: "Bru-
der, ich bin in der Klemme. Antworte mir."], vgl. dazu schon Urk. 112 S. 31) am
16. Dezember 2013 auch noch um 23:48 Uhr sowie dann wieder am 17. De-
zember 2013 um 00:14 Uhr vergeblich versucht, N._ auf dieser Nummer
zu erreichen (Urk. 9/6 S. 2 und Beilage 41c). Um 00:15 Uhr schrieb er N._
schliesslich, "..., ich bin auf der Strasse gelandet, melde dich" (übersetzt,
Urk. 1/6 Beilage 39).
3.3.11. Aufgrund dieser dokumentierten Kommunikation zwischen dem  und dem niederländischen Kontakt, und angesichts der zahlreichen
und geradezu verzweifelten Versuche des Beschuldigten, N._ auf den ihm
bekannten Rufnummern zu erreichen, ist völlig unglaubhaft, wenn die Verteidi-
gung als Erklärung vorbringt, dass der Beschuldigte wohl lediglich seinen Lo-
gisgeber vermisst habe, da er keinen eigenen Schlüssel gehabt habe (Urk. 191
S. 23). Wie die Verteidigung vor Vorinstanz noch richtig bemerkt hatte, ist es
nicht so, dass der Beschuldigte keinen Schlüssel zu der Wohnung von R._
hatte, wo N._ und dann zeitweise auch der Beschuldigte gewohnt hatten
(vgl. Urk. 101/7 S. 17, Urk. 191 S. 23). Das lässt sich im Übrigen auch nicht mit
der vom Beschuldigten an N._ versandten Nachricht, wonach er in der
Klemme stecke, vereinbaren.
3.3.12. Vor dem Hintergrund, dass N._ in der Nacht auf Montag, 16. Dezember 2013 um 00:05 Uhr mit 2 kg Heroingemisch und 650 g Kokain-
gemisch an der Grenze Kreuzlingen-Emmishofen angehalten und verhaftet
- 40 -
wurde, ist klar, weshalb der Beschuldigte und der niederländische Kontakt der-
art besorgt um den Verbleib von N._ waren. Anders als beim ersten Dro-
gentransport im November 2015 (vgl. vorstehende Erw. 3.2, Anklageziffer 1,
Vorgang 01 und Urk. 112 S. 30) konnte dieser dieses Mal die von ihm transpor-
tierten Drogen aufgrund seiner Verhaftung dem Beschuldigten nicht wie verein-
bart übergeben.
3.3.13. Damit ist der Anklagesachverhalt betreffend Vorgang 12 (Anklageziffer 2) erstellt.
3.4. Anklageziffer 3 (Vorgang 30)
3.4.1. In diesem Anklagesachverhaltsteil wird dem Beschuldigten vorgeworfen, zusammen mit seinem Mittelsmann "J._" (mutmasslicher Name J1._)
eine Heroinlieferung von der Türkei in die Schweiz organisiert zu haben, wobei
die Einzelheiten der Lieferung im Zeitraum vom 2. bis 17. Juli 2014 in mehreren
Gesprächen zwischen den Beiden besprochen worden seien. Schliesslich sei
vereinbart worden, dass vier Kilogramm Heroin zu liefern seien und der Be-
schuldigte dafür maximal Euro 70'000.– bezahlen werde. Bezogen werden sol-
len hätte das Heroin gemäss Anklageschrift von einem Lieferanten namens
"W._". Ebenso in die Organisation involviert gewesen sei D._. Unter
anderem sei D._ in die Türkei gereist, habe "J._" und "W._" ge-
troffen, den Kurier "AA._" (mutmasslicher Name AA1._) organisiert
und mit diesem die Modalitäten der Lieferung sowie dessen Bezahlung bespro-
chen und diesen teilweise auch bezahlt (vgl. zu den Details Urk. 37 S. 5 und
Urk. 112 S. 32 f.). Am 24. Juli 2014 sowie am 31. Juli 2014 seien in Absprache
zwischen dem Beschuldigten, D._ und "J._" insgesamt 4 kg Heroin-
gemisch (Reinheitsgrad unbekannt) an den Kurier "AA._" geliefert worden,
was dieser am 31. Juli 2014 D._ telefonisch bestätigt habe. Dieser habe
ihn daraufhin angewiesen, das Heroin umgehend in die Schweiz zu bringen,
worüber er den Beschuldigten und auch "J._" informiert habe. In der Folge
sei der Kurier "AA._" mit dem Heroin aber verschwunden und der Be-
schuldigte sowie D._ und H._ seien den Lieferanten die neben der
Anzahlung noch ausstehende Restbezahlung für das auf Kommission gelieferte
- 41 -
Heroin schuldig geblieben, wofür u.a. H._ habe garantieren müssen
(Urk. 37 S. 5 f., Urk. 112 S. 32 f.).
3.4.2. Die Verteidigung geht davon aus, dass D._ und H._ – die  des gleichen Sachverhaltes angeklagt und erstinstanzlich verurteilt worden
sind, was unangefochten geblieben ist (vgl. in Bezug auf D._ beigezoge-
nes Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 23. Oktober 2017 [Urk. 176
S. 16 ff., 72 ff.]) – tatsächlich einen Herointransport von der Türkei über Bulga-
rien in die Schweiz geplant hatten, welcher offenbar daran gescheitert sei, dass
der vorgesehene Kurier, mutmasslich ein Bulgare, mit dem Heroin verschwun-
den war. Sie vermutet eine entsprechende Beteiligung der Beiden aufgrund des
Umstandes, dass sie je den erstinstanzlichen Schuldspruch akzeptierten. Über-
dies stehe auch fest, dass D._ im Juli 2014 – und später auch H._ –
in die Türkei gereist sei, wo er sich offenbar mit dem Lieferanten getroffen habe.
Tatsache sei auch, dass D._ den Kurier "AA._" schon länger gekannt
und für diesen Zweck rekrutiert habe. Bestritten wird hingegen die Beteiligung
des Beschuldigten im Sinne der Anklage. Aufgrund der direkten Verbindungen
von D._ und H._ zu den massgeblichen Personen in der Türkei und in
Bulgarien frage sich insbesondere auch, welche Rolle darüber hinaus dem Be-
schuldigten noch hätte zukommen sollen (Urk. 191 S. 24).
3.4.3. Die im Sommer 2014 unbestrittenermassen bestehende Nähe des  zu D._ und H._ hat sich nach Darstellung der Ver-
teidigung daraus ergeben, dass der Beschuldigte im anklagerelevanten Zeit-
raum – angeblich – wie auch seine damalige Freundin AB._ im Imbiss von
H._ gearbeitet habe (Urk. 191 S. 25).
3.4.4. Schliesslich wird nicht in Abrede gestellt, dass der Beschuldigte damals mit teilweise den gleichen Personen wie D._ und H._ kommuniziert
hat, insbesondere mit "J._" (Urk. 101/7 S. 20, Urk. 191 S. 25). Die Ver-
teidigung macht aber – wie schon vor Vorinstanz (Urk. 101/7 S. 21 ff.) – auch
berufungsweise geltend, dass der Beschuldigte deshalb mit "J._" in Ver-
bindung gestanden sei, weil er mit ihm zusammen Flüchtlinge unterstützt habe,
die damals die Türkei Richtung Griechenland, Bulgarien und/oder Westeuropa
- 42 -
hätten verlassen wollen (Urk. 191 S. 25, 27). Es liege in der Natur der Sache,
dass Flüchtlinge die Türkei in dieser Zeit meist illegal verlassen oder auf jeden
Fall die angrenzenden Länder illegal betreten hätten. Somit hätten die Beteilig-
ten aufpassen müssen, unabhängig davon, ob sie darüber hinaus auch noch
vom türkischen Regime verfolgt worden seien. Die türkische Polizei setze Tele-
fonkontrollen seit langem sehr breit ein, so dass Vorsicht am Telefon in diesem
Land gewissermassen zur Gewohnheit geworden sei. Daraus erkläre sich auch
die oft klandestin wirkende Ausdrucksweise der Gesprächsteilnehmer in den
Telefongesprächen (Urk. 191 S. 26). Nach Auffassung der Verteidigung lassen
sich die Kommunikationen des Beschuldigten mit J._ bei richtiger Überset-
zung nicht in Übereinstimmung bringen mit dem "Narrativ der Polizeirapporte"
und der Anklageschrift. Zusammenfassend fehle es an einem Nachweis dafür,
dass der Beschuldigte an dieser offenbar von D._ und H._ geplanten
Drogeneinfuhr beteiligt gewesen sei (Urk. 191 S. 29).
3.4.5. Die Kritik der Verteidigung ist unbegründet. Eine Beteiligung seitens des Beschuldigten an dem – unbestrittenermassen – in die Wege geleiteten Dro-
gentransport durch D._ und H._ (vgl. vorstehende Erw. 3.4.2) lässt
sich aufgrund der Ergebnisse der Überwachungsmassahmen nicht in Abrede
stellen. Die Verteidigung lässt bei ihrer Argumentation insbesondere unberück-
sichtigt, dass sich aufgrund der sowohl zeitlich als auch inhaltlich festzustellen-
den Zusammenhänge in der Kommunikation zwischen "J._" und D._
einerseits sowie "J._" und dem Beschuldigten andererseits indirekt nach-
weisen lässt, dass es auch bei den Gesprächen des Beschuldigten mit
"J._" um den (misslungenen) Drogentransport gegangen sein muss, wel-
cher schliesslich zur Verurteilung von D._ und H._ geführt hat:
Wie die Vorinstanz unter exemplarischem Verweis auf Urk. 9/14 Beilagen 4-5
zutreffend dargelegt hat, leitete "J._" das mit D._ Besprochene jeweils
sogleich an den Beschuldigten weiter und umgekehrt (Urk. 112 S. 34). Dass
"J._" immer wieder das Bindeglied in der Kommunikation zwischen
D._ und dem Beschuldigten war, ergibt sich auch aus zahlreichen weiteren
Stellen (vgl. dazu etwa Urk. 112 S. 40 f. mit Verweis auf Anhang Urk. 11/7
- 43 -
[= Urk. 9/14 Beilage 13] Telefonat zwischen D._ und "J._" am
10.07.2014 um 20:13 Uhr [D._: "Sage doch AC._, er soll ihn anrufen",
"J._": "In Ordnung"]; Telefonat zwischen Beschuldigtem und "J._" um
20:21 Uhr, Beilage 14 ["J._": "Dein Junge ist schon dort [...], aber er sagt,
niemand sei dort [...]. Beschuldigter: "In Ordnung. Ich rufe ihn jetzt an, er soll
aussteigen, um sich zu erkennen geben."]; Telefonat zwischen "J._" und
D._, Beilage 15 ["J._": "Bruder, ich habe ihn angerufen. Warte 5 bis
10 Minuten ab. Wenn er nicht kommt, ruf mich wieder an, dann werde ich
AC._ anrufen, in Ordnung? [...] AC._ hat mir gesagt, dass er ihn anru-
fen werde."]; Urk. 112 S. 34 mit Verweis auf Urk. 9/14, Beilage 31a und 32 Tele-
fonat zwischen D._ und "J._" am 11.07.2014 um 22:47 Uhr [D._:
J._ könne dem Onkel [mütterlicherseits] sagen, dass er die Hälfte geholt
habe und die andere Hälfte am Montag holen werde], um 22:53 Uhr Telefonat
zwischen "J._" und dem Beschuldigten ["J._": "Dein Junge hat ange-
rufen. Er hat nur die Hälfte bezahlt [...] den Rest wird er am Montag bezahlen."]
Beschuldigter: "[...] Wenn er die Hälfte bekommen hat, dann ist es Okay. [...] Er
kann den Rest am Montag erledigen"]; Urk. 9/14 Beilage 150 und 151 Telefonat
zwischen D._ und "J._" am 3.08.2014 um 18:09 Uhr ["J._": "Ok,
ich rede mal mit dem Onkel (mütterlicherseits)"]; Telefonat zwischen Beschul-
digtem und "J._" am 3.08.2014 um 18:14 ["J._": "Ich habe mit deinem
Jungen gesprochen"]). Wie die Vorinstanz überzeugend dargelegt hat, ergibt
sich aus den Gesprächen zwischen D._ und "J._", wo jeweils vom
Onkel (mütterlicherseits) die Rede ist und den anschliessenden Telefonaten
zwischen "J._" und dem Beschuldigten im Kontext, dass – zumindest in
diesen Gesprächen – mit "Onkel (mütterlicherseits)" nur der Beschuldigte ge-
meint sein konnte (vgl. dazu Urk. 112 S. 34 insbesondere auch mit dem Ver-
weis auf das TK-Protokoll betreffend das Gespräch zwischen D._ und
"J._", Urk. 9/14 Beilage 189 [recte: 187] ["J._": "Wo ist A1._, der
Onkel [mütterlicherseits]"] und Urk. 112 S. 39). Daran ändert nichts, wenn die
Verteidigung vorbringt, dass auch noch andere Personen als AC._ be-
zeichnet worden seien (Urk. 101/7 S. 18 f.).
- 44 -
3.4.6. Wenn der Beschuldigte nicht in die Organisation des Drogentransportes involviert gewesen wäre, wäre nicht einzusehen, weshalb er am Verbleib des
offenbar untergetauchten Kuriers "AA._" hätte interessiert sein sollen (vgl.
dazu Urk. 112 S. 35, vgl. auch Urk. 9/14 Beilage 173) und sich offenbar für den
ausstehenden Betrag betreffend die Lieferung verantwortlich fühlte. Am
2. August 2014 gab der Beschuldigte gegenüber "J._" zu bedenken: "Es
gibt nur Dreck. Nur Dreck. Ein Zigeuner spielt mit uns um den Finger. [...] Ich
sage dir, er wickelt uns alle um seinen kleinen Finger?" (Urk. 9/14 Beilage 147).
Am Abend des 3. August 2014 um 18:14 Uhr erklärte "J._" gegenüber dem
Beschuldigten, dass "W._" ihn angerufen und gesagt habe, dass sie es
morgen erledigen müssten, woraufhin der Beschuldigte erklärte, dass wenn das
"Arschloch" komme, sie keine Probleme hätten. Sodann forderte "J._" den
Beschuldigten auf, dass er W._ anrufen solle, da dieser immer wütender
werde, woraufhin der Beschuldigte antwortete: "Was sollen wir ihm sagen, der
Zigeuner hat alle blamiert. Du sollst mit dem Onkel reden, das sind unsere
Fehler, aber wir bezahlen, was möglich ist" (Urk. 9/14 Beilage 151). Weiter do-
kumentiert sind die unmittelbar anschliessenden Gespräche bzw. Nachrichten
sowie jene des Folgetages zwischen D._ und "J._" bzw. H._, wo
"J._" und H._ sich erkundigten, ob schon eine Nachricht gekommen
sei bzw. ob jemand angerufen bzw. ob er ihn erreicht habe bzw. was los sei
(Urk. 9/14 Beilage 152, 153, 155, 161, 162, 165, 168, 169, 171, 172) und die
Versuche D._s, "AA._" zu erreichen bzw. etwas über dessen Verbleib
zu erfahren, indem er mit seiner Ehefrau Kontakt aufnahm (a.a.O. Beilage 154,
156, 158, 159, 170). Am Morgen des 4. August 2014 mutmasste der Beschul-
digte gegenüber "J._": "[...] Ich sage dir, er ist verschwunden" (a.a.O. Bei-
lage 167) und um 18:22 Uhr meldete er erneut, nichts vom Zigeuner gehört zu
haben, woraufhin "J._" ihm sagte, er müsse es bis Mittwoch erledigen. Der
Beschuldigte gab zu bedenken, kein Geld zu haben und dass sie die Wohnung
nehmen sollten (a.a.O. Beilage 173). Um 22:05 Uhr erklärte D._ gegen-
über "J._", dass er mit dem Onkel (mütterlicherseits) am warten sei
(Urk. 9/14 Beilage 175), und am 5. August 2014 um 11:14 Uhr forderte
"J._" den Beschuldigten auf, ihm die Adresse zu schicken, da er sie an
- 45 -
"W._" weitergeben müsse, woraufhin der Beschuldigte fragte, ob er je-
manden kenne, den er dorthin schicken könne. "J._" erwiderte, dass er
schauen werde, und fügte an: "[...] aber dein Junge antwortet mir nicht". Da-
raufhin erklärte der Beschuldigte, dass er ihm sagen werde, dass er ihn
– "J._" – anrufen solle (a.a.O. Beilage 182). Keine zehn Minuten später
sandte D._ "J._" eine Adresse und den Namen AA1._ sowie der
Name von dessen Frau, AD._ (a.a.O. Beilage 184). Gleichentags um
13:34 Uhr beauftragte "J._" D._, mit dem Onkel (mütterlicherseits)
das weitere Vorgehen zu besprechen und ihm den Grundbuchauszug von der
Wohnung zuzusenden. Wenn sie (D._ und der Onkel [mütterlicherseits])
damit einverstanden seien, dann mache er es so und wenn sie nicht einver-
standen seien, dann könne er auch nichts machen, dann könne er "ihn" nicht
hindern (a.a.O. Beilage 185b). Um 14:28 Uhr sprachen der Beschuldigte und
"J._" erneut miteinander und "J._" erklärte, dass er mit AE._ ge-
sprochen habe und sein Typ bei ihm sei und mit ihm – dem Beschuldigten –
sprechen wolle. Der "Typ" fragte den Beschuldigten, wie diese Sache erledigt
werden könne, woraufhin der Beschuldigte erklärte: "Bruder, ehrlich gesagt,
seine Frau hat gesagt, dass er weggegangen sei. [...] Es ist ein Unglück pas-
siert, jedenfalls sagen sie es so. Was soll ich machen, ich kann es langsam,
langsam abbezahlen. [...]." Nach einem Abbruch des Gesprächs telefonierten
"J._" und der Beschuldigte abermals und der Beschuldigte fragte: "Was
können wir machen? Will er mich umbringen? Wenn er will, weiss er wo ich le-
be." "J._" fragte daraufhin, ob er nicht mit D._ zusammenarbeite und
dass der Onkel von D._ reich sei und Geld ausleihen könne, woraufhin der
Beschuldigte antwortete: "Er habe Grundbuchauszug. Sonst können wir nichts
machen. Wir müssen jemanden nach Bulgarien schicken um ihn zu finden. Was
können wir noch machen?" "J._" antwortete: "Sein Onkel mag ihn sehr, er
solle von seinem Onkel Geld ausleihen. Dein Junge hat alles kaputt gemacht,
ich habe ihn gewarnt aber er habe diesen Typ organisiert, ist es nicht so?"
(a.a.O. Beilage 190).
3.4.7. Vor dem Hintergrund dieser dokumentierten Gespräche ist der Einwand
der Verteidigung entkräftet, wonach D._ und H._ je selber Kontakt zu
- 46 -
den vermuteten Lieferanten in der Türkei gehabt hätten, und zwar offensichtlich
unabhängig vom Beschuldigten, weshalb nicht einzusehen sei, welche Rolle
dem Beschuldigten darüber hinaus noch hätte zukommen sollen (vgl. vorste-
hende Erw. 3.4.2). Es mag zwar sein, dass D._ und H._ (auch) direk-
ten Kontakt zu den Personen in der Türkei hatten (vgl. dazu etwa Urk. 9/14 Bei-
lage 2b, wo "J._" gegenüber dem Beschuldigten erklärte, "er" – wohl
"W._" gemeint –, sage, H._ solle ihn anrufen). Fest steht aber, dass
nicht nur D._, sondern eben auch der Beschuldigte im ständigen Kontakt
mit "J._" gestanden hatte und "J._" den Beschuldigten wie gesehen
jeweils über das mit D._ Besprochene informierte (vgl. vorstehende Erw.
3.4.5). Sodann geht aus den Gesprächen zwischen "J._" und dem Be-
schuldigten hervor, dass es der Beschuldigte war, der D._ in das dem Vor-
gang 30 zugrundeliegende Geschäft einführte. So bezeichnet "J._"
D._ im Gespräch mit dem Beschuldigten stets als "dein Junge" und hat
"J._" den Beschuldigten am 2. Juli 2014 gefragt, ob "dein Junge" kommen
werde (Urk. 9/14 Beilage 1b, vgl. etwa auch Beilage 10, 12, 14 und vorstehende
Erw. 3.4.5 und 3.4.6). Die tragende Rolle des Beschuldigten bei der Organisa-
tion des – von der Verteidigung im Grundsatz unbestrittenen Drogentransportes
(vgl. dazu vorstehende Erw. 3.4.2) – kommt insbesondere auch dadurch zum
Ausdruck, dass sich der Beschuldigte – wie vorstehend aufgezeigt (vgl. vor-
stehende Erw. 3.4.6) – für den Ausfall der Bezahlung aufgrund der "verschwun-
denen" Lieferung verantwortlich fühlte und auch verantwortlich gemacht wurde.
3.4.8. Die dem Beschuldigtem gemäss Anklageschrift zugeschriebene Rolle als Organisator des in die Wege geleiteten und dann aber misslungenen Heroin-
transportes von der Türkei in die Schweiz vom Juli 2014 (Anklageziffer 3, Vor-
gang 30) ist angesichts der sich aus den in den Akten dokumentierten Gesprä-
che ergebenden Verbindung des Beschuldigten zu den weiteren unbestritte-
nermassen in den in Anklageziffer 3 umschriebenen Drogentransport involvier-
ten Personen sowie insbesondere auch aufgrund seiner Reaktion auf das Ver-
schwinden des Kuriers "AA._" erstellt (vgl. zur Art der Droge, dem Umfang
der Lieferung sowie zum geschuldeten Entgelt nachfolgende Erw. 3.4.9). Die
Telefonate zwischen dem Beschuldigten und "J._" einerseits und D._
- 47 -
und "J._" andererseits sind nicht nur inhaltlich, sondern auch zeitlich derart
aufeinander abgestimmt und lassen sich zu einem sinnvollen Ganzen zusam-
menzufügen, dass kein Raum bleibt für einen Alternativsachverhalt, wie ihn die
Verteidigung geltend macht. Die Vorbringen der Verteidigung, wonach die Kon-
takte zwischen dem Beschuldigten und "J._" den Transport von Flüchtlin-
gen zum Gegenstand gehabt hätten (so schon vor Vorinstanz, vgl. dazu
Urk. 112 S. 42 f. mit Verweis auf Urk. 101/7 S. 21 f., Urk. 191 S. 25), vermögen
vor diesem Hintergrund nicht zu überzeugen und lassen sich mit den in den Ak-
ten dokumentierten Gesprächen zwischen "J._" und dem Beschuldigten
nicht vereinbaren. So vermag etwa auch nicht zu überzeugen, wenn die Vertei-
digung unter Verweis auf das Protokoll betreffend das Telefongespräch vom
20. Juli 2014 um 21:41 Uhr (Urk. 9/14 Beilage 101) geltend macht, dass mit
dem Vorschlag des Beschuldigten gegenüber "J._", wonach "sie es in der
Erde verstecken könnten" gemeint gewesen sei, dass der betreffende Reisende
"unterirdisch", d.h. klandestin, unter Umgehung von Polizei- oder Grenzkontrol-
len reisen sollte (Urk. 191 S. 28). Die Verteidigung blendet auch hier die vor-
und nachgehenden Gespräche zwischen "J._" und dem Beschuldigten
sowie zwischen "J._" und D._ aus. Der Versuch der Verteidigung, den
Gesprächen eine andere Bedeutung zuzumessen, indem sie losgelöst aus dem
Gesamtzusammenhang einzelne Gesprächsfetzen herausnimmt und darum
herum einen zum Anklagesachverhalt alternativen Lebenssachverhalt aufstellt,
entbehrt nicht nur jeglicher Grundlage (wie dies bereits die Vorinstanz festge-
stellt hat, vgl. Urk 112 S. 43), sondern lässt sich insbesondere nicht mit der er-
stellten Verbindung der Gespräche zwischen dem Beschuldigten und "J._"
einerseits sowie den Gesprächen zwischen "J._" und D._ anderer-
seits vereinbaren. Daran ändert mit der Staatsanwaltschaft (Urk. 192 S. 2) auch
nichts, wenn – wie die Verteidigung vorbringt (Urk. 191 S. 25 ff.) – einzelne im
Gesprächs- bzw. Nachrichtenverlauf ursprünglich in Zazaki gesprochene bzw.
geschriebene Wörter auch noch anders übersetzt bzw. gedeutet werden könn-
ten, als dies von dem im Untersuchungsverfahren beigezogenen Dolmetscher
getan wurde (Urk. 192 S. 3). Das erhellt etwa, wenn man die von der Verteidi-
gung beigemessene Interpretation des Telefongespräches vom 20. Juli 2014
- 48 -
um 21.24 Uhr (Urk. 9/14 Beilage 100) in den Gesamtzusammenhang der auf-
gezeichneten Gespräche stellt. Die Verteidigung stellt sich diesbezüglich auf
den Standpunkt, dass der Beschuldigte nicht – wie im entsprechenden TK-
Protokoll übersetzt – gefragt habe, ob "es" in der Tasche sei, bzw. ob sie es
eingepackt hätten, sondern: "Hat er seine Sachen gepackt?", wobei mit "er" ein
jugendlicher PKK-Aktivist in Istanbul gemeint gewesen sei, der nach Griechen-
land habe reisen wollen und mit all seinen Sachen und Habseligkeiten habe
aufbrechen müssen (Urk. 101/7 S. 25, Urk. 178 S. 5). Schon aus der zeitlichen
Einbettung dieses Gesprächs erhellt aber, dass sich das Gespräch zwischen
"J._" und dem Beschuldigten um den Transport jener Gegenstände ge-
handelt haben muss, die in Etappen hätten nach Bulgarien gebracht werden
sollen und die in der Folge verschwunden sind (vgl. dazu Urk. 9/14 Beilage
103a, Gespräch vom 21. Juli 2014 zwischen D._ und "AA._",
"AA._": "Der Mann möchte es nicht auf einmal bringen. In 2 oder 3 Syste-
men/Etappen, das heisst in einer Woche wird es hier sein, in einer Woche wer-
den die Türen und Fenster hier sein"). Ein PKK-Aktivist kann aber nicht in Etap-
pen geliefert werden. Sodann ist nicht einzusehen, weshalb der Beschuldigte
beim Onkel (väterlicherseits) Schulden hätte haben sollen, wenn der PKK-
Aktivist verschwunden wäre (vgl. dazu vorstehende Erw. 3.4.7). Von einer
nochmaligen Übersetzung der von der Verteidigung beanstandeten Passagen
(vgl. dazu Urk. 178 S. 4 f.) kann vor diesem Hintergrund abgesehen werden.
3.4.9. Hinsichtlich der Art der Drogen, des Umfangs der Lieferung sowie der dafür geschuldeten Gegenleistung kann vorab vollumfänglich auf die überzeu-
genden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 112 S. 36 - 39):
3.4.9.1. Wie gesehen bestreitet auch die Verteidigung – abgesehen von der dem Beschuldigten zugeschriebenen Rolle – nicht, dass der Herointransport
wie in Anklageziffer 3 (Vorgang 30) umschrieben stattgefunden hat (vgl. vorste-
hende Erw. 3.4.2). Die Annahme, dass es sich bei der letztlich verschwundenen
Lieferung um Heroin gehandelt haben muss, deckt sich mit den – dem Be-
schuldigten in der Einvernahme vom 15. März 2016 vorgehaltenen (Urk. 9/17
S. 4 ff.) – Aussagen von D._ in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme
- 49 -
vom 8. April 2015, wonach Hintergrund der Schulden von "AF._" der Ver-
lust einer Menge Heroin aus der Türkei gewesen sei (Urk. 10/6 S. 3 ff. sowie
angehängte Notizen [Schreiben von D._ vom 1. April 2015, versandt an
die fallführende Staatsanwältin im Verfahren gegen D._,
A-1/2014/184400113], vgl. auch Urk. 112 S. 37 und 56 ff.). Dass mit "AF._"
der Beschuldigte gemeint war, ergibt sich aus der Übereinstimmung der Aussa-
gen D._s mit den Erkenntnissen aus der Telefonüberwachung und mit der
Vorinstanz insbesondere auch aus den Ausführungen D._s, wonach
"AF._" eine Wohnung gemietet habe, die auf den Namen von AG._
gelautet habe, was unbestrittenermassen auf den Beschuldigten zutrifft
(Urk. 112 S. 61 und 93 mit Verweisen, vgl. insbesondere Urk. 14/1 S. 2 ff.
[Ausführungen von AG._] und Urk. 29/34 [wo die Ausführungen von
AG._ zum Aufenthaltsort des Beschuldigten von der Verteidigung als rich-
tig anerkannt werden] sowie nachstehende Erw. 3.9.2 zu Anklageziffer 8). Im
Übrigen hatte D._ gemäss dem Einvernahmeprotokoll vom 15. Juni 2015
auch bestätigt, dass es sich bei "AF._" um A1._ handle (Urk. 10/7
S. 1 f.), wovon er in der Konfrontationseinvernahme mit dem Beschuldigten
dann aber nichts mehr wissen wollte und geltend machte, dass dies falsch pro-
tokolliert worden sei (Urk. 9/17 S. 10 f.). Auch wenn D._ bei seiner Darstel-
lung des vorliegend zu beurteilenden Vorganges im Sommer 2014 seine Rolle
im Drogentransport zu verschweigen versuchte, besteht kein Grund, die Aussa-
ge, wonach Hintergrund der Geldschuld eine verschwundene Heroinlieferung
war, anzuzweifeln. Ganz offensichtlich lässt sich das Aussageverhalten von
D._ mit der Vorinstanz damit erklären, dass dieser sich selbst zu entlasten
versuchte und nur soweit Zugeständnisse machte, als dass die Sachlage aus
seiner Sicht erstellt war (vgl. Urk. 112 S. 59 f.). Die Darstellung von D._,
wonach sein Vater schliesslich ihre Wohnung in der Türkei als Sicherheit für die
vom Beschuldigten erwähnte Schuld gegeben habe, deckt sich denn auch mit
dem übrigen Beweisergebnis (vgl. vorstehende Erw. 3.4.6 sowie Urk. 112
S. 35). Der Umstand, dass der Beschuldigte diese Ausführungen in späteren
Einvernahmen nicht mehr bestätigen wollte, vermag keine Zweifel an der Rich-
tigkeit der ursprünglichen Aussage zu wecken, zumal D._ auch keinen
- 50 -
plausiblen Grund für eine mögliche Falschaussage angeführt hatte und über-
dies auch nicht einzusehen wäre, weshalb er von einer verschwundenen Hero-
inlieferung im Sommer 2014 hätte berichten und so den Beschuldigten – und
damit je nach Beweisergebnis auch sich selbst – unnötigerweise hätte belasten
sollen, wenn dem nicht so gewesen wäre. Für die Annahme, dass es sich
(auch) bei der verschwundenen Lieferung im Juli 2014 um eine Heroinlieferung
gehandelt haben muss, spricht mit der Vorinstanz auch der Umstand, dass nur
gerade zwei Monate danach von den gleichen Akteuren (Beschuldigter,
D._, H._ sowie "J._)" wiederum eine Heroinlieferung von der
Türkei in die Schweiz transportiert (vgl. dazu nachstehende Erw. 3.5 zu Ankla-
geziffer 4 [Vorgang 35]) und D._ im Januar 2015 mit 2 kg Heroingemisch
im Fussraum des Beifahrersitzes angehalten wurde (Urk. 112 S. 37 mit Verweis
auf Urk. 2 S. 3, vgl. dazu beigezogenes Urteil des Bezirksgerichts Winterthur
vom 23. Oktober 2017 in Sachen Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich ge-
gen D._ [DG160071, Urk. 176 S. 15]).
3.4.9.2. Gemäss Anklageschrift hatten H._, D._ und der Beschuldigte für die vereinbarte Drogenlieferung von 4 kg Heroingemisch (Reinheitsgrad un-
bekannt) wie gesehen eine Anzahlung in der Höhe von rund Euro 36'000.–
(entspricht 110'000 türkische Lira) geleistet und blieben bei einem Totalbetrag
von Euro 70'000.– Euro 34'000.– (entspricht 90'000.– türkische Lira) schuldig.
3.4.9.3. Wie die Vorinstanz überzeugend dargelegt hat, ist hinsichtlich der Menge der abhanden gekommenen Lieferung aufgrund des aufgezeichneten
Gesprächs zwischen D._ und dem Kurier "AA._" von 4 Einheiten
auszugehen (Urk. 112 S. 37 mit Verweis auf Urk. 9/14 Beilage 116 "AA._":
"[...] 2 sind hier und nächste Woche kommen noch 2 [...]. Wenn 4 hier sind,
werden wir uns auf den Weg machen"). Ebenso überzeugend ist die Herleitung
der Vorinstanz, wonach angesichts des für die Lieferung zu bezahlenden Ent-
gelts eine Einheit nicht für weniger als 1 kg stehen könne (Urk. 112 S. 38):
3.4.9.4. Hinsichtlich des für die Drogenlieferung vom Juli 2014 zu leistenden Entgelts multipliziert die Vorinstanz in Übereinstimmung mit den Ausführungen
im Bericht der Kantonspolizei Zürich vom 8. Februar 2016 zu Vorgang 30
- 51 -
(Urk. 1/16) die in den Gesprächsprotokollen genannten Beträge mit dem Faktor
1'000 und erachtete vor diesem Hintergrund die in der Anklageschrift genann-
ten Zahlen als erstellt (Urk. 112 S. 38).
3.4.9.5. Die Verteidigung kritisiert die von der Vorinstanz übernommene  aus dem Polizeibericht. Der von der Untersuchungsbehörde bzw. der
Vorinstanz für die Bestimmung des Kaufpreises herangezogene Dialog passe
überhaupt nicht zu einer Drogenlieferung. Vielmehr sei die Aussage des Be-
schuldigten gegenüber "J._", wonach er mit 70 rechnen solle, vor dem Hin-
tergrund einer geplanten Reise zu verstehen, von jemandem, der offenbar ei-
nen Umweg ("dorthin") machen müsse, so dass die nötigen Ausgaben steigen
würden (Urk. 191 S. 28 f.). Das überzeugt nicht. Wie die Vorinstanz richtig auf-
gezeigt hat, hat der Beschuldigte am 19. August 2014 gegenüber "J._" er-
wähnt, dass sie "70 - 80 Tausend" verloren hätten, was nicht wenig Geld sei
(Urk. 112 S. 38 mit Verweis auf Urk. 11/13 Beilage 4b = Urk. 9/11 Beilage 4b),
woraufhin "J._" antwortete: "Sie sagen 70 Tausend. Die Wohnung ist wert-
los. Wir haben damals denen gesagt, die Wohnung macht 130." Im gleichen
Gespräch erwähnte "J._" gegenüber dem Beschuldigten, dass er mit dem
Onkel [offensichtlich der Onkel "väterlicherseits"] gesprochen habe, und sie
nicht 34 Papiere, sondern 30 Papiere bezahlen müssten (Urk. 11/13 Beilage
4a). Auch im Gespräch vom 7. Oktober 2014 zwischen dem von H._ be-
nutzten Anschluss und jenem von "J._" ist die Rede von "30'000 Euro"
bzw. "34'000" (Urk. 112 S. 38 mit Verweis auf Urk. 11/15 [recte: 11/14] Beila-
ge 123b = Urk. 9/11 Beilage 123b). Vor diesem Hintergrund überzeugt, wenn
die Vorinstanz in Übereinstimmung mit der Untersuchungsbehörde das Ge-
spräch vom 15. Juli 2017 zwischen "J._" und dem Beschuldigten dahinge-
hend interpretiert, dass der Beschuldigte "J._" gegenüber mitgeteilt habe,
maximal Euro 70'000.– für die Lieferung bezahlen zu wollen, zumal – wie von
der Vorinstanz aufgezeigt – auch an anderer Stelle, dort von D._ und
"J._" – bei der Nennung von Beträgen jeweils drei Nullen weggelassen
wurden (Urk. 112 S. 38 mit exemplarischem Verweis auf Urk. 9/14 Beilage 34
und 191, vgl. zu den angegebenen Beträgen von "34" bzw. 70 Urk. 1/16 S. 1,
13, 36; Urk. 9/14 Beilage 56 und 185). Sodann erhellt aus den Gesprächen,
- 52 -
dass es bei den "34 Papiere" bzw. "34" bzw. "34'000" um die Schuld geht, für
welche sie mit der Wohnung gebürgt hätten. Das bedeutet gleichzeitig, dass der
Alternativsachverhalt der Verteidigung, wonach es um Mehrauslagen eines
Reisenden gehe, zu verwerfen ist, was schon angesichts der Höhe des Betra-
ges einleuchtet.
3.4.9.6. Damit ist erstellt, dass der Beschuldigte bereit war, für vier Einheiten insgesamt Euro 70'000.– zu bezahlen, wobei Euro 36'000.– im Voraus bezahlt
und der Rest auf Kommission hätte bezogen werden sollen. Ausgehend von
dem im Jahr 2014 gemäss dem Bundesamt für Polizei bestehenden durch-
schnittlichen Strassenpreis für ein Gramm Heroin von Fr. 57.– (je nach Region
und Qualität zwischen Fr. 20.– und Fr. 120.–, S. 38) und unter Berücksichtigung
der Tatsache, dass die Preise tiefer sind, je näher der Händler in der Handels-
kette beim Hersteller ist, kann mit der Vorinstanz nur der Schluss gezogen
werden, dass eine Einheit (mindestens) einem Kilogramm entsprochen haben
muss. Auf die überzeugenden Erwägungen der Vorinstanz kann vollumfänglich
verwiesen werden (Urk. 112 S. 38 f., Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.4.10. Insgesamt bestehen keine Zweifel daran, dass sich der in Anklageziffer 3 umschriebene Sachverhalt betreffend Vorgang 30 so ereignet hat, wie er zur
Anklage gebracht wurde, mit der einzigen Einschränkung, dass sich nicht er-
stellen lässt, dass die von D._ an J1._ bzw. "J._" geleisteten
Zahlungen (vgl. dazu Urk. 37 S. 5) als Anzahlung für die Drogenlieferung be-
stimmt waren. Auch hier kann zur Vermeidung von Wiederholungen vollumfäng-
lich auf die überzeugenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl.
Urk. 112 S. 44), zumal die Verteidigung nichts dagegen einzuwenden hatte.
3.4.11. Zu verwerfen sind bei dieser Ausgangslage – wie vorstehend schon aufgezeigt und auch von der Vorinstanz überzeugend dargelegt (vgl. dazu
Urk. 112 S. 42 f., S. 47 f., S. 52 ff.) –, die von der Verteidigung aufgeworfenen
Alternativsachverhalte (vgl. dazu Urk. 101/7 S. 21 ff. und Urk. 191 S. 24 ff.), die
sich nicht in den Gesamtzusammenhang der bei den Akten liegenden Ge-
sprächsaufzeichnungen einbetten lassen.
- 53 -
3.4.12. Ebenso nicht gefolgt werden kann der Verteidigung, wenn sie das " des Polizeirapportes" und damit der Anklageschrift sowie des vor-
instanzlichen Urteils deshalb als falsch erachtet, weil im Polizeirapport vom
8. Februar 2016 (Urk. 1/16 S. 27) "AH._", der angeblich eine wichtige Rolle
gespielt haben soll, einmal als Schuldner des Beschuldigten und dann eine
Personengruppe, zu der auch "AH._" gehört, plötzlich als Gläubiger be-
zeichnet worden sei (Urk. 191 S. 27). Aus dem aufgezeichneten Telefonat vom
13. Juli 2014 um 18:49 Uhr zwischen dem Beschuldigten und "J._" geht
hervor, dass der Beschuldigte offenbar geplant hatte, dass "AH._" den Lie-
feranten hätte bezahlen sollen, da er, also "AH._" – bzw. die Personen-
gruppe zu der er und auch "AI._" gehörte – offenbar noch Schulden beim
ihm – dem Beschuldigten – hatte(n) (Urk. 9/14 Beilage 43a, Urk. 1/16 S. 11).
Der Beschuldigte erklärte "J._", dass sie – also "AH._" und seine Leu-
te – ihnen das Geld geben würden, "J._" ihm im Gegenzug aber etwas Ta-
schengeld überlassen müsse (Beschuldigter: "Ich habe ihn angerufen. Wir er-
halten das Geld von ihnen, sie schulden uns 38 aber du musst ihm etwas Ta-
schengeld geben. 3-6 Papiere. Du sollst nur Taschengeld geben. Wir erledigen
den Rest. [...]. Du musst nicht dorthin gehen. Ich telefoniere zuerst, sie holen es
und bringen hierher. Du sollst es ihnen überlassen, sie machen alles. Sie wer-
den von dir 38 nehmen" [Urk. 9/14 Beilage 43a]). Wenn die Verteidigung aus-
führt, dass es doch überhaupt keinen Sinn mache, dass "AH._" 38 zur
Schuldentilgung bezahlen müsse und "J._" dann trotzdem noch 38 geben
müsse (Urk. 101/7 S. 21), hat dies nichts mit der Logik des "Narrativs des Poli-
zeirapportes" zu tun, sondern ist dies auf die verklausulierte Gesprächsweise
zurückzuführen. Aus dem Gesamtzusammenhang des Gespräches ist zu
schliessen, dass "AH._" nicht Geld, sondern im Gegenzug für das von ihm
zu leistende Geld etwas anderes im Wert von 38 bzw. Euro 38'000.– vom Liefe-
ranten hätte übernehmen sollen ("sie holen es und bringen hierher"). Hierfür
hätte "J._" "AH._" "3-6 Papiere Taschengeld" geben sollen. Im Lichte
aller Erkenntnisse liegt der Schluss nahe, dass es sich bei dem zu überneh-
menden "etwas" um Drogen handelte. Vor diesem Hintergrund macht durchaus
auch Sinn, wenn "J._" am 18. Juli 2014 um 11:03 Uhr gegenüber dem Be-
- 54 -
schuldigten erwähnte, dass er AJ._ 2 Papiere geben würde (Urk. 9/14 Bei-
lage 63). Offenbar funktionierte der Plan des Beschuldigten aber nicht oder zu-
mindest nicht sogleich, wie aus einem weiteren Gespräch zwischen "J._"
und dem Beschuldigten vom 15. Juli 2014 um 20:32 Uhr hervorgeht (Urk. 1/16
S. 13). "J._": "Die Sache von AJ._ ist noch nicht erledigt. [...]. Die Sa-
che von AJ._, es geht nicht." (Urk. 9/14 Beilage 56). Gemäss den Ausfüh-
rungen des Beschuldigten im Telefongespräch vom 13. Juli 2014 ist AJ._
der älteste Bruder von "AH._" (Urk. 9/14 Beilage 43a). AJ._ hatte das
Geld offenbar (noch) nicht dem Lieferanten übergeben.
3.4.13. Angesichts der Tatsache, dass der Beschuldigte und auch die anderen Akteure des Drogentransportes mit ihrer konspirativen Gesprächsweise und
ihren Code-Wörtern offensichtlichst zu vermeiden versuchten, dass ihre Ge-
spräche für allfällige Mithörer, namentlich die Polizei- und Untersuchungs-
behörden, einen Sinn machten, erstaunt nicht, dass im Untersuchungsverfahren
nicht immer sämtliche Passagen in den aufgezeichneten Gesprächen zu einem
sinnvollen Ganzen zusammengefügt werden konnten bzw. dass letztlich ge-
wisse Abläufe im Dunkeln bleiben. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte und
auch die weiteren Akteure des Drogentransportes nachweislich verschiedene
Telefonanschlüsse verwendet hatten, von denen allenfalls nicht alle abgehört
worden waren. Jedenfalls steht fest, dass zumindest der Beschuldigte teilweise
auch öffentliche Telefonkabinen verwendete (vgl. dazu etwa Urk. 1/16 S. 10
und Urk. 9/14 Beilage 38). Schon deshalb erhellt, dass sich der im Sommer
2014 abgespielte Lebenssachverhalt nicht lückenlos in den Akten spiegelt. Das
tut aber der Beweiseignung jener bei den Akten liegenden Gesprächs-
aufzeichnungen, welche zusammen betrachtet ein sinnvolles Ganzes ergeben
und letztlich das Fundament des Anklagesachverhaltes bilden, keinen Abbruch.
3.4.14. Zusammengefasst bleibt es damit bei der vorinstanzlichen , wonach auch der unter Anklageziffer 3 umschriebene Sach-
verhalt im Wesentlichen erstellt ist. Nicht erstellt ist wie gesehen einzig, dass
(auch) die in der Anklageschrift aufgeführten Zahlungen von D._ an
- 55 -
J1._ per Western Union im Zusammenhang mit dem Drogentransport ge-
standen haben (vgl. dazu vorstehende Erw. 3.4.10).
3.5. Anklageziffer 4 (Vorgang 35)
3.5.1. Auch in diesem Anklagesachverhaltsteil wird dem Beschuldigten , mit "J._" eine Heroinlieferung in die Schweiz organisiert zu haben.
Hierfür sei H._ anfangs August 2014 in die Türkei gereist, um "J._" zu
treffen und mit dem Heroinlieferanten die Modalitäten der Heroinlieferung abzu-
sprechen. Es sei zwischen dem Beschuldigten, D._, H._ und
"J._" vereinbart worden, dass zwei Kilogramm Heroin auf Kommissionsba-
sis durch AK._ geliefert werden sollten. Am 22. September 2014 habe
D._ den Beschuldigten nach St. Margrethen chauffiert und sei anschlies-
send über die Grenze nach Bregenz gefahren, wo er AK._ mit dem Hero-
ingemisch (Reinheitsgrad unbekannt) getroffen habe. Zusammen seien sie wie-
der in die Schweiz eingereist, hätten den Beschuldigten abgeholt und seien zu
dritt nach G._ gefahren, wo AK._ ihnen das Heroingemisch zwecks
Weiterverkauf übergeben habe. Aus dem Erlös hätten auch die Schulden von
H._ beim Heroinlieferanten in der Türkei bezahlt werden sollen (Urk. 37
S. 6, Urk. 112 S. 55).
3.5.2. Die Verteidigung stellt – wie schon beim Vorgang 30 – auch diesen  nicht in Frage, bestreitet aber wiederum, dass neben D._ und
H._ auch der Beschuldigte eine Rolle gespielt haben soll. Zwar treffe es
zu, dass der Beschuldigte am 22. September 2014 zusammen mit D._
nach St. Margrethen gefahren sei, allerdings nicht für die Abwicklung eines
Drogentransportes, sondern um seine Cousine zu treffen. Die Rückfahrt habe
der Beschuldigte – entgegen der Anklageschrift – nicht zusammen mit D._
angetreten (Urk. 191 S. 29 f.).
3.5.3. Die Vorinstanz erachtete den in Anklageziffer 4 zur Anklage gebrachten Sachverhalt als erstellt, mit der einzigen Korrektur, dass der Beschuldigte seine
Rückfahrt von St. Margrethen nach G._ nicht zusammen mit AK._ und
D._ angetreten habe (Urk. 112 S. 65).
- 56 -
3.5.4. Die Verteidigung wendet gegen die vorinstanzliche  insbesondere ein, dass die abgehörten Telefongespräche, die die
Vorinstanz auf Seite 60 f. für die entscheidende Phase zitiere, von D._ ge-
führt worden seien. Die Telefongespräche des Beschuldigten hingegen würden
keinen plausiblen Zusammenhang zur Heroinlieferung aufweisen. Vielmehr ge-
he es um mindestens zwei verschiedene Sachverhalte. Die Gespräche zwi-
schen dem Beschuldigten und "J._" hätten von der geplanten Ausreise
"J._s" aus der Türkei gehandelt. Nach der Darstellung der Verteidigung ist
aus dem Gespräch vom 20. August 2014 zu schliessen, dass "J._" für sei-
ne Ausreise aus der Türkei Bargeld gebraucht habe, das der Beschuldigte aber
nicht hatte (Urk. 191 S. 30 f. mit Verweis auf Urk. 178). Auch die übrigen vom
Beschuldigten in diesem Zeitraum geführten Telefongespräche hätten nichts mit
einer Heroinlieferung zu tun (Urk. 191 S. 31).
3.5.5. Die Vorbringen der Verteidigung überzeugen nicht. Wie aus den in den Akten dokumentierten Telefongesprächen hervorgeht, war der Beschuldigte die
treibende Kraft bei der Organisation des am 22. September 2014 unbe-
strittenermassen durchgeführten Drogentransportes. Die Kommunikation des
Beschuldigten mit D._ erfolgte – gleich wie schon bei Vorgang 30 – wiede-
rum über "J._" (vgl. schon vorstehende Erw. 3.4.5 - 3.4.8). Am 20. Sep-
tember 2014 erklärte der Beschuldigte unter Verwendung der Telefonnummer
14 seinem Gesprächspartner mit niederländischer Telefonnummer, dass "er" –
eine nicht namentlich genannte Drittperson – kein Auto habe, da dieses reno-
viert werden müsse. "Er" könne erst am Montag. Der Beschuldigte fragte weiter,
ob man es auf Montag (d.h. den 22. September 2014) verschieben könne, was
der Gesprächspartner bejahte. Sodann fragte der Beschuldigte, wie viel es sei
und nahm Bezug auf ein früheres Gespräch, bei welchem der Gesprächs-
partner ihm gesagt haben soll, dass er dem Jungen 2'500 geben würde. Der
Gesprächspartner stellte ihm daraufhin 2'000 in Aussicht (Urk. 112 S. 62 f. mit
Verweis auf Urk. 11/14 Beilage 33a = Urk. 9/11 Beilage 33a). Am
21. September 2014 telefonierte der Beschuldigte – nunmehr wiederum unter
Verwendung des Telefonanschlusses, welcher er bereits im Zusammenhang
mit Vorgang 30 verwendet hatte (15) – mit "J._". Dieser erklärte ihm, dass
- 57 -
er mit dem Jungen gesprochen habe, woraufhin der Beschuldigte fragte, ob das
Auto bereit sei. "J._" antwortete, dass es repariert sei, aber noch bezahlt
werden müsse, woraufhin der Beschuldigte die Übernahme der Rechnung in
Aussicht stellte und anmerkte: "Wir müssen ihn dorthin schicken, verstehst du?"
(Urk. 9/11 Beilage 34a, vgl. schon Urk. 112 S. 63 mit Verweis auf identische
Beilage [Urk. 11/14 Beilage 33a]). Dass es sich bei der Drittperson um D._
gehandelt haben muss, ergibt sich einerseits aus den weiteren Gesprächsauf-
zeichnungen und andererseits auch aus dem Umstand, dass D._ – wie
von der Vorinstanz dargelegt und bereits im Zusammenhang mit Vorgang 30
(Anklagziffer 3) gesehen – stets als der Junge bzw. der Junge des Beschuldig-
ten bezeichnet worden war (Urk. 112 S. 61). Dass D._ am 22. September
2014 dann tatsächlich nach Bregenz gefahren war, ergibt sich aus dem Tele-
fongespräch vom 22. September 2014 um 17:25 Uhr zwischen D._ (glei-
che Telefonnummer wie bei Vorgang 30) und seinem Gesprächspartner mit der
Nummer 16, wo D._ erklärte: "Ich bin im Bahnhof, im Bahnhof. Bregenz,
ok?" (Urk. 9/11 Beilage 41). Schon um 18:03 Uhr des gleichen Tages bat der
Beschuldigte "J._", ob er nachfragen könne, ob der Junge abgefahren sei.
Ferner soll er ihm sagen, dass sie zu ihm kommen und ihn abholen sollten
(Urk. 9/11 Beilage 42). Um 18:43 Uhr informierte "J._" den Beschuldigten,
dass "der Junge" in 15 Minuten bei ihm sein werde (Urk. 9/11 Beilage 46, vgl.
auch Urk. 112 S. 61 mit Verweis auf identische Beilage, Urk. 11/14 Beilage 47
[recte: 46]). Gemäss dem Antennenstandort der TK-Linie A3 (15) befand sich
der Beschuldigte zu diesem Zeitpunkt in St. Margrethen (a.a.O.). Um 18:44 Uhr
wurde er auf die Rufnummer 14 von einer österreichischen Nummer angerufen
und gefragt, wie der Name der Stadt laute, wo er sich aufhalte, er/sie könne es
nicht finden, woraufhin der Beschuldigte erklärte, in St. Margrethen zu sein
(Urk. 9/11 Beilage 47). Zeitgleich rief "J._" D._ an, und berichtete die-
sem, den Beschuldigten über seine baldige Ankunft informiert zu haben
(Urk. 9/11 Beilage 48: "Ich habe gesagt, in 10 Minuten."). Um 18:46 Uhr fragte
der Beschuldigte bei "J._" nach, ob AJ._ komme und wo er sei, wo-
raufhin "J._" ihn darüber informierte, dass er auf "ihrer Seite" sei (Urk. 9/11
Beilage 49).
- 58 -
3.5.6. Damit ist erwiesen, dass der Beschuldigte und D._, nachdem D._ den Beschuldigten am 22. September 2014 in St. Margrethen abgela-
den hatte und nach Bregenz gefahren war, ständig in Kontakt gestanden hat-
ten, wenn auch nur indirekt über "J._". Ebenso erstellt ist, dass sich der
Beschuldigte und D._ – und offenbar auch AJ._ – nach der Rückkehr
von D._ aus Bregenz wieder in St. Margrethen getroffen hatten.
3.5.7. Dass D._ nach Bregenz gefahren war, um eine Heroinlieferung in die Schweiz zu transportieren, wird von der Verteidigung wie gesehen nicht an-
gezweifelt (vgl. dazu vorstehende Erw. 3.5.4). Gemäss den von D._ in sei-
nen der fallführenden Staatsanwältin eingereichten und in der Einvernahme
vom 8. April 2015 bestätigten, hernach dann aber widerrufenen, Ausführungen
in den schriftlichen Handnotizen (vgl. Urk. 112 S. 56 ff.) ging D._ und spä-
ter auch AK'._ und "AF._" – also der Beschuldigte (vgl. dazu vorste-
hende Erw. 3.4.9.1) – nachdem sie in St. Margrethen waren, nach G._,
wobei die Drogenübergabe von AK'._ an "AF._" unterwegs erfolgt sei.
Die Anklageschrift wirft dem Beschuldigten vor, zu dritt, also zusammen mit
AK._ und D._ nach G._ gefahren zu sein, wo das Heroin von
AK._ an den Beschuldigten und D._ zum Zwecke des Weiterverkaufs
übergeben worden sein soll (Urk. 37 S. 6). Dass der Beschuldigte, D._ und
AK._ nicht zu dritt nach G._ gefahren sind, hat die Vorinstanz über-
zeugend dargelegt (vgl. Urk. 112 S. 65 und nachstehende Erw. 3.5.8). Darüber
hinaus ist aber auch nicht ganz klar, ob sich die drei überhaupt nach G._
begeben haben. Aufgrund der aufgezeichneten Gespräche und der jeweiligen
Antennenstandorte der von D._ und dem Beschuldigten an diesem Abend
verwendeten Telefonanschlüsse ist jedenfalls erstellt, dass sich D._ und
der Beschuldigte am Abend des 22. September 2014 in der Wohnung von
H._ in Winterthur getroffen hatten (vgl. nachstehende Erw. 3.5.8). Vor die-
sem Hintergrund ist davon auszugehen, dass auch die Übergabe des Heroin-
gemischs in Winterthur erfolgte, nachdem dieses von D._ dorthin transpor-
tiert wurde (vgl. nachstehende Erw. 3.5.8). Für die Tatschuld ist aber letztlich
entscheidend, dass kein Zweifel daran besteht, dass das Heroingemisch in die
Schweiz eingeführt wurde und der Beschuldigte massgeblich an der Organisa-
- 59 -
tion dieser Einfuhr beteiligt war. Dafür sprechen nicht nur die über Umwege ge-
führten Telefongespräche und damit das sehr ähnliche Vorgehen wie bei Vor-
gang 30, sondern auch die – allerdings hernach widerrufenen – Ausführungen
von D._ (vgl. dazu nachstehende Erw. 3.5.10)
3.5.8. Nach dem Treffen in St. Margrethen trennten sich die Wege des  und D._ offensichtlich wieder (vgl. auch Urk. 112 S. 65). Denn
um 19:31 Uhr bat D._ "J._", ob er den Onkel fragen könne, ob er –
D._ – auch alleine gehen könne, woraufhin "J._" den Beschuldigten
anrief, der dann aber erklärte, dass es besser sei, wenn sie – offenbar der Be-
schuldigte und D._ – zusammen gehen könnten, was "J._" Letzterem
umgehend mitteilte (Urk. 9/11 Beilagen 50-52). Gemäss den Antennenstandor-
ten der überwachten Telefonanschlüsse war D._ zu diesem Zeitpunkt un-
terwegs. Um 19:31 Uhr in 9200 Gossau und um 19:35 Uhr in 9203 Oberbüren
(Urk. 9/11 Beilagen 50 und 52). Der Beschuldigte hielt sich gemäss dem Anten-
nenstandort des von ihm benutzten Telefonanschlusses zu dieser Zeit in
St. Gallen auf, obwohl er "J._" gegenüber angegeben hatte, im Laden
"seines Vaters" zu sein und "J._" beauftragte, "ihm" zu sagen, dass er
dorthin kommen solle (Urk. 9/11 Beilage 51). Aus dem Gesamtzusammenhang
ergibt sich, dass es sich nur um den Imbissladen von H._ in G._ ge-
handelt haben kann. Um 20:17 Uhr rief D._ "J._" an und sagte ihm, er
soll sich beim Onkel erkundigen, wo dieser geblieben sei, da er auf ihn warte
(Standort: Winterthur). Kurz darauf rief "J._" zurück und erklärte D._,
dass er in der Wohnung seines Vaters bleiben solle, da er – der Beschuldigte –
kommen werde (Urk. 9/11 Beilage 58 und 59). Um 22:10 Uhr war D._ dann
offenbar in Adliswil (Urk. 9/11 Beilage 61) und stellte seinem Vater H._,
welcher im Imbissladen in G._ war, kurz darauf in Aussicht, dass es etwas
später werde. "Wir werden nach Winterthur fahren und kommen dann wieder.
Das wird eine halbe Stunde bis Stunde dauern. Ok?" (Urk. 9/11 Beilage 62).
Um 22:46 Uhr, also eine halbe Stunde später, war der Beschuldigte gemäss
Antennenstandort des von ihm benutzten Telefonanschlusses ebenfalls in Win-
terthur, was den Schluss nahe legt, dass er zu diesem Zeitpunkt mit D._
unterwegs war (Urk. 9/11 Beilage 65). D._ blieb dann aber offenbar in Win-
- 60 -
terthur. Jedenfalls rief der Beschuldigte tags darauf um 07:43 Uhr "J._" an
und forderte ihn auf, "seinem Jungen" mitzuteilen, dass er angekommen sei
(Standort: Winterthur, Urk. 9/11 Beilage 66). D._ nahm den Anruf von
"J._" entgegen und führte aus, gerade aufgestanden zu sein und zum On-
kel zu gehen (Standort: Winterthur, Urk. 9/11 Beilage 67).
3.5.9. Dass der Beschuldigte, D._ und AK._ nicht zu dritt von St. Margrethen nach Winterthur gefahren waren, macht auch Sinn. Wie die
Verteidigung zu Recht bemerkte, hätte sich der Beschuldigte bei einem solchen
Vorgehen unnötig dem Risiko ausgesetzt, zusammen mit den Drogen in eine
Polizeikontrolle zu geraten (Urk. 101/7 S. 30). Vielmehr spricht gerade der Um-
stand, dass der Beschuldigte nachgewiesenermassen separat nach Winterthur
gefahren war mit der Vorinstanz dafür, dass er sehr wohl vom Drogentransport
gewusst hatte und ganz bewusst nicht zusammen mit D._ zurückgefahren
war, um eben dieses Risiko, erwischt zu werden, zu umgehen (Urk. 112 S. 65).
Wie gesehen wurde der von D._ unbestrittenermassen durchgeführte Dro-
gentransport vom Beschuldigten und "J._" über das Telefon aber engma-
schig begleitet. Die Behauptung der Verteidigung, wonach die Telefonate des
Beschuldigten mit J._ nicht im Zusammenhang mit dem Drogentransport
gestanden hätten, ist damit widerlegt.
3.5.10. Richtig ist die Feststellung der Verteidigung, wonach sich aus den  Feststellungen eine wesentlich bedeutsamere Rolle D._s er-
gebe, als dies von diesem in seiner ursprünglich und hernach aber widerrufe-
nen Darstellung des Sachverhaltes dargestellt worden ist (Urk. 191 S. 30 mit
Verweis auf Urk. 112 S. 59 und 61 sowie Urk. 10/6, vgl. zur Sachdarstellung
D._s Urk. 112 S. 56 ff. mit Verweis auf Urk. 10/6 S. 3 ff.). Daraus kann
aber nichts zugunsten des Beschuldigten abgeleitet werden, und dies tut – wie
dies die Vorinstanz überzeugend dargelegt hat (vgl. dazu Urk. 112 S. 59 f.) –
der Glaubhaftigkeit der Aussagen D._s zumindest solange keinen Ab-
bruch, als dass sich diese mit den Erkenntnissen aus den Überwachungsmass-
nahmen übereinstimmen lassen bzw. diese verstärken. Und das ist der Fall. Die
Ausführungen D._s lassen sich mühelos mit den übrigen sich aus den Ak-
- 61 -
ten ergebenden Erkenntnissen vereinbaren und zu einem Ganzen zusammen-
fügen. D._ spricht aus, was ansonsten aufgrund der konspirativen Vorge-
hensweise, dem Inhalt der Telefongespräche, der nachgewiesenermassen in-
volvierten Personen, sowie der dem Transport bzw. dem jeweiligen Aufent-
haltsort D._s beigemessenen Wichtigkeit mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit angenommen werden müsste, nämlich, dass es sich bei den
"2'000", welche dem Beschuldigten von seinem niederländischen Gesprächs-
partner in Aussicht gestellt worden waren, um Heroingemisch gehandelt haben
muss. Es ist mit der Vorinstanz sodann nicht einzusehen, weshalb D._ von
einem Herointransport ohne reellem Hintergrund hätte berichten sollen. Ebenso
ist kein Grund ersichtlich, weshalb er den Beschuldigten zu Unrecht hätte belas-
ten sollen. Insbesondere ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass im Zeitpunkt
der schriftlichen Handnotiz im März 2015 die Ausführungen D._s noch
sehr vage waren, weshalb er nicht davon ausgehen konnte, dass er aufgrund
dieser Ausführungen aus der Untersuchungshaft entlassen werden würde, zu-
mal seine Rolle bei seinen Ausführungen ja gerade im Dunkeln geblieben war
(Urk. 112 S. 59 f.). Dass er sich in einem günstigen Licht darzustellen versuchte
bzw. seinen Tatbeitrag in Abrede stellte, ist angesichts des bei einer Verurtei-
lung wegen eines Herointransportes drohenden Strafe nicht erstaunlich.
3.5.11. Entgegen der Verteidigung überzeugen die vorinstanzlichen  zur Sachverhaltserstellung und es kann vollumfänglich auf sie ver-
wiesen werden (Urk. 112 S. 55 ff., Art. 82 Abs. 4 StPO). Die Verteidigung bringt
denn auch nichts vor, was daran zweifeln liesse, sondern wiederholt lediglich
jene Vorbringen, die die Vorinstanz bereits überzeugend entkräftet hat.
3.5.12. Wie gesehen bestreitet auch die Verteidigung nicht, dass am 22.  2014 2 kg Heroingemisch über St. Margrethen in die Schweiz importiert
worden waren (vgl. vorstehende Erw. 3.5.2). Dass dem so war, hat die Vor-
instanz überzeugend dargelegt (Urk. 112 S. 60 ff.). Entgegen der Darstellung
der Verteidigung ist – wie vorstehend verdeutlicht – aber auch die Mitwirkung
des Beschuldigten an diesem Drogentransport erstellt. Ob der Beschuldigte in
St. Margrethen – wie dies die Verteidigung, allerdings ohne nähere Aus-
- 62 -
führungen, behauptet – unter anderem auch noch seine Cousine getroffen hatte
(Urk. 191 S. 29 f.), kann mit der Vorinstanz letztlich dahingestellt bleiben. Denn
ein etwaiges Treffen mit der Cousine schliesst nicht aus, dass der Beschuldigte
daneben auch noch beim Drogentransport mitgewirkt hat (Urk. 112 S. 65 f.).
Ebenso verfängt nicht, wenn die Verteidigung im angeblichen Transportweg
einen Hinweis darauf sehen will, dass die Anklageversion nicht stimmen könne
(Urk. 191 S. 64). Es ist keineswegs zwingend anzunehmen, dass bei einem
Drogentransport immer der aus geographischer Sicht günstigste Weg gewählt
wird. Vielmehr ist naheliegend, dass auch taktische Gründe für einen reibungs-
losen Ablauf die Routenwahl beeinflussen können, so etwa nicht oder nur sel-
ten kontrollierte bzw. wenig genutzte Grenzübergänge.
3.5.13. Bei diesem Beweisergebnis kann letztlich dahingestellt bleiben, was der genaue Inhalt des Telefongesprächs zwischen dem Beschuldigten und
"J._" vom 20. August 2014 um 10:39 Uhr war. Zur Sachverhaltserstellung
wird es nicht benötigt, und umgekehrt vermag es den Beschuldigten angesichts
der weiteren Gespräche auch dann nicht zu entlasten, wenn der Inhalt so zu
übersetzen wäre, wie es die Verteidigung geltend macht (Urk. 178 S. 6,
Urk. 191 S. 30). Es ist aber unter Verweis auf die Ausführungen der Vorinstanz
zu bemerken, dass die Interpretation der Verteidigung – wonach es darum ge-
gangen sei, dass "J._" die Türkei habe verlassen wollen und dafür Geld
benötigt habe – keine Stütze in den Akten findet (Urk. 112 S. 67). Auch wenn
der Beschuldigte bei der fraglichen Stelle tatsächlich nicht "für 2, 3 Tausend"
gesagt haben sollte, sondern "2 mehr oder weniger", erhellt nicht, wie dann auf
einen geplanten Wegzug "J._s" aus der Türkei geschlossen werden kann
(vgl. dazu und zum Inhalt des Gesprächs, wie es in die Akten übernommen
wurde Urk. 112 S. 67 mit Verweis auf Urk. 10/17 Beilage 6 = Urk. 9/11 Beilage
6).
3.5.14. Damit bleibt es auch hinsichtlich des vierten Anklagesachverhaltsteils bei der von der Vorinstanz vorgenommenen Beweiswürdigung und ist der An-
klagesachverhalt betreffend Vorgang 35 erstellt, mit der einzigen Korrektur,
dass der Beschuldigte nicht gemeinsam mit, sondern unabhängig von
- 63 -
AK._ und D._ von St. Margrethen zurückgereist war und zwar nicht –
zumindest nicht direkt – nach G._, sondern nach Winterthur.
3.6. Anklageziffer 5 (Vorgang 51)
3.6.1. In diesem Anklagesachverhaltsteil wird dem Beschuldigten vorgeworfen, sich zwischen dem 11. und dem 26. November 2014 mehrmals bei einem Un-
bekannten nach dem Eintreffen einer Heroinlieferung erkundigt zu haben, wobei
er sich mit diesem Unbekannten auch persönlich im Raume Dietikon getroffen
haben soll. H._ sei mit diesem unbekannten Lieferanten ebenfalls in Kon-
takt gestanden. Nachdem H._ seinem Sohn D._ am 26. November
2014 mitgeteilt habe, dass der Unbekannte mit dem Heroin am Warten sei
(„Mein Sohn, der Mann wartet dort auf euch. Er sei in der Bäckerei“), hätten
sich der Beschuldigte und D._ nach .../Dietikon begeben, wo sie am
26. November 2014, ca. 20:55 Uhr, vom Unbekannten 500 g Heroingemisch
(Reinheitsgrad unbekannt) übernommen hätten, wofür Fr. 17'500.– habe be-
zahlt werden müssen. Dieses Heroin sei in der Folge durch den Beschuldigten
und D._ an verschiedene Abnehmer verkauft worden (Urk. 37 S. 7).
3.6.2. Die Vorinstanz erachtete auch diesen Anklagesachverhaltsteil als erstellt. Zur Sachverhaltserstellung herangezogen wurden von der Vorinstanz wiederum
diverse Gesprächsaufzeichnungen. Ferner wurde das von D._ zu diesem
Zeitpunkt verwendete Fahrzeug (Audi A6, SH ...) audioüberwacht sowie die
entsprechenden GPS-Daten ausgewertet (vgl. dazu den Bericht der Kantonspo-
lizei Zürich vom 17. April 2016 [Urk. 1/19 S. 3 f.] sowie Urk. 112 S. 69 ff.). Wie-
derum – wie bereits bei den Vorgängen 30 und 35 – hatten es der Beschuldigte
und D._, zumindest soweit dies aus den aufgezeichneten Telefongesprä-
chen hervorgeht, auch vorliegend unterlassen, direkt miteinander per Telefon
zu kommunizieren. Teilweise dokumentiert sind aber die im Fahrzeug von
D._ geführten Gespräche zwischen dem Beschuldigten und D._ (vgl.
dazu insbesondere Urk. 1/19 Beilage 7 - 8 [Beginn der Aufzeichnung 16:42
Uhr], Beilage 13 [Beginn der Aufzeichnung: 20:50]; identisch mit den Beilagen
zu Urk. 9/13).
- 64 -
3.6.3. Die Vorinstanz kam nach Würdigung der Beweise zum Schluss, dass der Beschuldigte und D._ am Abend des 26. November 2014 ein erstes Mal
nach Dietikon gefahren waren, um dort eine Probe abzuholen, und danach ein
zweites Mal, um die Lieferung entgegenzunehmen (Urk. 112 S. 74). Das ergebe
sich insbesondere aus dem Umstand, dass sich D._ und der Beschuldigte
am Abend des 26. November 2014 kurz nacheinander, namentlich um ca.
18:00 Uhr und dann wieder um ca. 21:00 Uhr nur kurz an den gleichen Örtlich-
keiten in Dietikon aufgehalten hatten, und zwischendurch nach Winterthur ge-
fahren waren (Urk. 112 S. 73 f.: AL._-Strasse und Restaurant ... [vgl. dazu
Urk. 9/13 Beilage 14.1 und 14.2]). Sodann sei aufgrund der Gesprächsauf-
zeichnungen in dem von D._ benutzten Fahrzeug sowie der GIS-
Auswertung der GPS-Daten erstellt, dass es kurz vor 21:00 Uhr in der ... zur
Übergabe eines Paketes gekommen sei (Urk. 112 S. 70 mit Verweis auf
Urk. 1/19 Beilage 13a [Audioaufnahme aus dem von D._ benutzten Fahr-
zeug, Zeit: 20:50] und S. 73 f. mit Verweis auf GPS-Auswertung [Urk. 1/19 Bei-
lage 14.2]). Dass es sich dabei um ein Paket mit Drogen gehandelt haben müs-
se, ergebe sich aus dem konspirativen Verhalten des Beschuldigten und
D._s sowie angesichts der Tatsache, dass D._ und der Beschuldigte
im Drogengeschäft tätig waren und die abgeholte Sache für den Weitertransport
zudem hätte versteckt werden sollen (Urk. 112 S. 70).
3.6.4. Wie bereits vor Vorinstanz (Urk. 101/7 S. 34 f.) kritisiert die Verteidigung auch berufungsweise die Übersetzung der diesem Sachverhalt zugrunde ge-
legten Gesprächsaufzeichnungen bzw. dessen Interpretation (Urk. 178 S. 6,
Urk. 191 S. 32 f.). Zum einen seien die von der Polizei gemäss dem Bericht der
Kantonspolizei Zürich vom 7. April 2016 für ihre Hypothese herangezogenen
Telefongespräche ab dem 11. November 2014 in einem völlig anderen Sach-
zusammenhang zu verstehen als die von D._ geführten Telefongespräche,
und zum anderen seien gewisse vom Beschuldigten bzw. D._ in den Ge-
sprächen verwendeten Begriffe mehrdeutig, weshalb die von der Vorinstanz
gezogenen Schlüsse sich nicht mit der Unschuldsvermutung vereinbaren lies-
sen (Urk. 191 S. 32 f).
- 65 -
3.6.5. Zunächst ist zu bemerken, dass es – entgegen der Verteidigung (Urk. 191 S. 32) – nicht so ist, dass ohne eine erneute Übersetzung der von der
Verteidigung beanstandeten Stelle zwingend von der seitens der Verteidigung
geltend gemachten Interpretation der entsprechenden Passagen auszugehen
ist. Anders als bei der Wahrunterstellung ist vorliegend auch bei Verzicht auf
eine erneute Übersetzung nicht von der Fiktion auszugehen, der Beweis sei ge-
lungen (vgl. zur Wahrunterstellung vorstehende Erw. 2.1.4). Zumindest was die
von der Verteidigung beanstandete Interpretation des Gesprächstextes in Bei-
lage 13 betrifft, macht auch die Verteidigung nicht eine eigentlich falsche Über-
setzung im Sinne einer Schlechtleistung geltend. Vielmehr bemängelt sie die In-
terpretation des Übersetzten, da die Begriffe zum Teil mehrdeutig seien
(Urk. 178 S. 6 f., Urk. 191 S. 33). Wenn aber ein Begriff verschieden interpre-
tiert werden kann – vorliegend also in dem Sinne, wie er unter Zugrundelegung
der im Untersuchungsverfahren übersetzten TK-Protokolle von der Vorinstanz
verstanden worden ist ("Es ist gross, man kann es nicht verstecken" und "Du
musst aufpassen, damit die Packung nicht beschädigt wird"; Urk. 112 S. 70,
S. 73 f.) und gleichzeitig auch anders, wie dies die Verteidigung macht ("die
Hand passt nicht, sie ist zu gross" und die "Abdeckung", nicht die Packung
könnte kaputt gehen), wäre aus einer erneuten Übersetzung nichts gewonnen.
Bei mehreren Deutungsmöglichkeiten eines Wortes ist entscheidend, welche
Bedeutung dem Gesprochenen im Kontext beizumessen ist. Bei der Beurteilung
des Resultats der Beweisauswertung wird dann zu prüfen sein, ob sich aus ei-
ner anderen Deutung als der von der Untersuchungsbehörde vorgenommenen
eine genügend greifbare Alternativhypothese ergibt, um nachhaltige Zweifel an
der Bestandeskraft der tatbestandsmässigen Variante zu wecken (vgl. auch
vorstehende Erw. 3.1.2 - 3.1.4).
3.6.6. Vorliegend würde auch eine Interpretation, wie sie die Verteidigung , nicht zu unüberwindlichen Zweifeln am tatbestandsmässigen Sach-
verhalt führen:
3.6.6.1. Zwar stützt bzw. verstärkt die Übersetzung, wie sie sich aus dem TK-Protokoll ergibt, die Annahme, dass der Beschuldigte – wie ihm dies in der
- 66 -
Anklage zur Last gelegt wird – am 26. November 2016 kurz vor 21:00 Uhr das
Fahrzeug in der ... tatsächlich verlassen hatte, um ein Paket mit Drogen abzu-
holen (vgl. dazu Urk. 112 S. 70, S. 73 f.). Dafür sprechen aber auch weitere In-
dizien:
3.6.6.2. Zunächst ergibt sich aus einem am frühen Abend des 26. November 2016 im Fahrzeug aufgenommenen Gesprächs zwischen dem Beschuldigten
und D._ eindeutig, dass die Beiden nach Möglichkeiten suchten, wie die
Drogengeschäfte – welche sie ja erwiesenermassen zusammen betrieben hat-
ten (vgl. dazu die Vorgänge 30 und 35) –, wieder profitabler gemacht werden
könnten. Aus dem Kontext des Gespräches kann sodann geschlossen werden,
dass sie im Begriff waren, ihre Pläne umzusetzen und Drogen zu beschaffen:
Um 16:42 Uhr unterhielten sich der Beschuldigte und D._ darüber, dass
das Geschäft schlecht laufe. D._: "Das Geschäft ist nur noch Scheisse."
Beschuldigter: "Vergiss jetzt unser Geschäft. Unser Geschäft läuft nicht. Dieser
Andere, weisst du, wir sind einfach dazu gezwungen, also in Winterthur, Zürich,
St. Gallen, wir müssen auch mehr in die AM._-Strasse gehen, und wir
müssen es noch bei anderen Leute holen." D._: "Wenn wir eigenes Mate-
rial hätten, und es für 50-60 abgeben könnten." Beschuldigter: "Du kannst nicht
zu 50-60 abgeben, mein lieber Bruder, das geht nur dann, wenn du es direkt
bringen kannst. Wir können es nicht zu diesem Preis abgeben, wenn wir die
Qualität verringern würden, geht es nicht. Wenn wir es zu 70 abgeben, müssen
wir es dann selber hierher bringen. Wir können 20% für Spesen abziehen. So
müssen wir es machen. Wir haben keine andere Möglichkeit." (Urk. 9/14 Beila-
ge 7). Nachdem der Beschuldigte für kurze Zeit ausgestiegen war, stieg er wie-
der ein und führte gemäss dem übersetzten TK-Protokoll unter anderem aus:
"[...] gehen wir und holen es dort ab. Ruf doch deinen Vater an und frag ihn,
mal schauen was er gesagt hat, er weiss, wer das ist, ein Typ von AE._.
[...] Er sagt, ich solle das Material sofort bringen, er würde es sich anschauen
und sofort einen Bescheid geben [...]. Sie sind sehr Profi. Deswegen benutzen
sie kein Telefon. [...] AE._ und die Anderen sind seine Typen. Seit 4 Mo-
naten sind wir am Ende. Wir haben nichts verdient. Ich glaube, dass wir wieder
- 67 -
mit AN._ arbeiten müssen." D._ sagte zum Beschuldigten unter ande-
rem: "Wenn AK._s Sache gehen würde, würde er sofort nehmen. Gehen
wir dorthin, zur ... [Restaurant]?", woraufhin der Beschuldigte antwortete:
"Neben der ... [Restaurant]." Auf die Frage von D._, wo sie mit dem Jun-
gen abgemacht hätten, erklärte der Beschuldigte: "In der Bäckerei. Er werde
um 18 Uhr dort sein. Er komme gegenüber, wir können es zum Testen holen
und fahren" (Urk. 9/13 Beilage 8).
Von Drogen ist zwar nicht ausdrücklich die Rede. Dass der Beschuldigte und
D._ von Drogengeschäften gesprochen haben, ist aber schon deshalb of-
fensichtlich, weil der Beschuldigte ausführt, dass sie seit 4 Monaten nichts ver-
dient hätten und am Ende seien. Vier Monate zurückgerechnet, also im Juni er-
eignete sich der "Vorgang 30", bei welchem sie wegen des untergetauchten Ku-
riers vier Kilogramm Heroingemisch verloren hatten (vgl. dazu vorstehende
Erw. 3.4). Dass von Drogengeschäften die Rede war, ist aber auch unschwer
zu erkennen, wenn man sich vor Augen führt, dass sie von "Material" sprechen,
vom Absatzweg und von der Qualität, welche man verringern könne, was dann
Einfluss auf den Preis habe und von Profis die Rede ist, die kein Telefon be-
nutzen. Sodann ist von AE._ und seinen Typen die Rede sowie von
AK._. AK._ war der Lieferant bei Vorgang 35 (vgl. vorstehende
Erw. 3.5.7) und AE._ offenbar involviert auf der Lieferantenseite im Zu-
sammenhang mit der verloren gegangenen Heroinlieferung bei Vorgang 30 (vgl.
Urk. 9/11 Beilage 123b [Telefongespräch zwischen H._ [N], und "J._"
[K] sowie einer weiteren Person "Onkel" [U], wohl "Onkel [väterlicherseits]": U:
"Du kennst den AE._. Kennst du den AE._?" N: "Hee. Ich kenne ihn,
ich habe ihn gesehen." [...] U: "Und sie sagen, AE._ sagt, es sei 34'000.–,
weisst du" vgl. auch vorstehende Erw. 3.4.6).
Im Kontext dieses vorangegangenen Gespräches zwischen dem Beschuldigten
und D._ kann kein Zweifel daran bestehen, dass auch der von D._
vorgeschlagene Plan ("Wenn AK._s Sache gehen würde, würde er sofort
nehmen. Gehen wir dorthin, zur ... [Restaurant]?") sowie das vom Beschuldig-
ten in Aussicht gestellte Treffen um 18:00 Uhr ("In der Bäckerei. Er werde um
- 68 -
18 Uhr dort sein. Er komme gegenüber, wir können es zum Testen holen und
fahren") bzw. dann auch der zweite Aufenthalt in Dietikon kurz vor 21:00 Uhr,
wo der Beschuldigte dann ja für kurze Zeit das Auto verlassen hatte, im Zeichen
dieser Drogengeschäfte gestanden haben.
3.6.6.3. Dafür spricht auch, dass auch hier – wie das auch bei den anderen  zu beurteilenden Vorgängen üblich war – über Umwege kommuniziert
worden war, mit dem naheliegenden Ziel, Kontaktwege zu verschleiern und das
"Abhörrisiko" zu minimieren. So war es nämlich H._, der D._ um
19:21 Uhr darüber informiert hatte, dass der Mann "dort auf euch" warten würde
bzw. dass er in der Bäckerei sei (Urk. 112 S. 69 mit Verweis auf Urk. 1/19 Bei-
lage 12 = Urk. 9/13 Beilage 8).
3.6.6.4. Nicht zu überzeugen vermag, wenn die Verteidigung auch hier , dass das ab 17:43 Uhr geführte Gespräch zwischen D._ und dem
Beschuldigten im Fahrzeug ("[...] Er werde um 18 Uhr dort sein. Er komme ge-
genüber, wir können es zum Testen holen und fahren") insofern falsch über-
setzt worden sei, als von Testen keine Rede gewesen sei, sondern nur von
kaufen/holen. Zunächst ist – wie dies bereits die Vorinstanz überzeugend dar-
gelegt hat (Urk. 112 S. 73) – völlig unglaubhaft, dass D._ und der Beschul-
digte lediglich dorthin gegangen seien, um (ausgerechnet in einer
Bäckerei!) Tabak zu holen/kaufen, wie dies die Verteidigung geltend macht
(Urk. 101/7 S. 35 und Urk. 178 S. 6). Diesbezüglich kann vollumfänglich auf die
vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Im Übri-
gen überzeugt der Einwand der falschen Übersetzung auch deshalb nicht, weil
sich auch aus einer weiteren Stelle im gleichen Gespräch ergibt, dass es der
Plan war, etwas zu holen, um es dann einem potentiellen Abnehmer zu zeigen
("Er sagt, ich solle das Material sofort bringen, er würde es sich anschauen und
sofort einen Bescheid geben").
3.6.6.5. Damit bleibt es bei der vorinstanzlichen Würdigung, wonach aufgrund des Beweisergebnisses erstellt ist, dass der Beschuldigte wie in Anklageziffer 5
umschrieben, am 26. November 2014 um kurz vor 21:00 Uhr in Dietikon Drogen
übernommen hatte.
- 69 -
3.6.6.6. Hinsichtlich der Art der Drogen sowie der Menge kann vollumfänglich auf die überzeugenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden
(Urk. 112 S. 70 f.), mit der Einschränkung, dass angesichts der von der Vertei-
digung behaupteten Mehrdeutigkeit des Gesprochenen hinsichtlich des Pakets
bzw. der Abdeckung offen gelassen werden muss, wie gross das vom Beschul-
digten abgeholte Paket tatsächlich war. Verwiesen werden kann aber auf die
übrige Herleitung der Vorinstanz zur fraglichen Menge sowie die Begründung,
weshalb von Heroingemisch und nicht von einer anderen Droge auszugehen
ist. Ausgehend von dem im Fahrzeug von D._ aufgezeichneten Gespräch
am Tattag um 20:50 Uhr zwischen D._ und dem Beschuldigten ("Wir kön-
nen ihm 150 geben. Wir müssen ihm 17,5 bezahlen, also 2,5, und 5 Lira bleibt
für uns", Urk. 9/13 Beilage 13a) kurz bevor der Beschuldigte das Auto verlassen
hatte, um die Drogen entgegenzunehmen, ergibt sich ein Kaufpreis von
Fr. 17'500.– (Urk. 112 S. 71). Geht man mit der Vorinstanz – unter Verweis auf
den Bericht der Kantonspolizei Zürich vom 7. April 2016 – von einem Verkaufs-
preis im Absatzmarkt des Beschuldigten von (maximal) Fr. 40.–/g (vgl. dazu
Urk. 112 S. 70 mit Verweis auf Urk. 1/19 S. 9 f.) aus, was sich mit den Angaben
aus dem aufgezeichneten Gespräch von D._ und dem Beschuldigten um
16:42 Uhr deckt ("Du kannst nicht zu 50-60 abgeben, [...]"), und auch dem Ver-
kaufspreis entspricht, den der Beschuldigte im Zusammenhang mit Vorgang 10
verlangt hatte (vgl. dazu nachstehende Erw. 3.7), muss es sich entsprechend
um eine Menge von mehr als 437.5 g gehandelt haben, da nicht anzunehmen
ist, dass der Beschuldigte bereit gewesen wäre, den Handel ohne Gewinnaus-
sichten beim Weiterverkauf abzuschliessen. Wie sich aus dem aufgezeichneten
Gespräch im Auto von D._ um 20:50 Uhr ergibt, erwartete der Beschuldig-
te zumindest einen Gewinn von Fr. 3'000.– (Urk. 9/13 Beilage 13a, "Ich bin
auch mit 3 einverstanden"). Bei dieser beweismässigen Ausgangslage ist die
angeklagte Drogenmenge von 500 g Heroingemisch (Reinheitsgrad unbekannt)
erstellt.
3.6.7. Dass dieses Heroin in der Folge durch den Beschuldigten und D._ an verschiedene Abnehmer verkauft worden ist, wie dies in der Anklageschrift
behauptet wird (Urk. 37 S. 7), ist zwar anzunehmen, wurde von der
- 70 -
Untersuchungsbehörde aber nicht konkret dargelegt (vgl. auch die Vorinstanz,
Urk. 112 S. 98). Aufgrund des Umstandes, dass die beiden im Drogenhandel
tätig waren und wie gesehen Pläne schmiedeten, wie sie ihre Tätigkeit wieder
erfolgreicher gestalten könnten (vgl. vorstehende Erw. 3.6.6.2), kann aber als
erstellt erachtet werden, dass das von ihnen übernommene Heroingemisch
zumindest zum Verkauf bestimmt war.
3.7. Anklageziffer 6 (Vorgang 10)
3.7.1. In diesem Anklagesachverhaltsteil wird dem Beschuldigten  vorgeworfen, im Zeitraum vom 20. Oktober 2014 bis zum 11. Februar
2015 C._ insgesamt mindestens ca. 700 Gramm Heroingemisch (Rein-
heitsgrad unbekannt), zum Preis von Fr. 38.– bis Fr. 40.– pro Gramm verkauft
zu haben, in Portionen zwischen 100 und 200 Gramm, wobei das Heroin meis-
tens durch D._, aber auch durch den Beschuldigten an C._ nach Win-
terthur, La Chaux-de-Fonds und Dietikon geliefert worden sei. Insgesamt habe
der Beschuldigte von C._ für das gelieferte Heroin ca. Fr. 15'000.– erhal-
ten und ca. Fr. 13'000.– sei C._ ihm schuldig geblieben (act. 37 S. 7).
3.7.2. Die Vorinstanz erachtete den in Anklageziffer 6 umschriebenen  als erstellt. Zur Erstellung des Sachverhaltes stützte sie sich zum einen
auf das von C._ im Verlaufe des gegen ihn geführten Strafverfahrens ab-
gegebene, hernach aber widerrufene Geständnis, und zum anderen auf die im
Zusammenhang mit dem Vorgang 10 durchgeführten Überwachungen der vom
Beschuldigten sowie von D._ zu diesem Zeitpunkt benutzten Telefonan-
schlüsse (Urk. 112 S. 75 ff.).
3.7.3. Der von der Verteidigung geltend gemachte Einwand der  der Einvernahmen von C._ zulasten des Beschuldigten wegen nicht
gehöriger Verteidigung desselben wurde bereits im Rahmen des Prozessualen
verworfen (vgl. vorstehende Erw. 2.3.3).
3.7.4. Abgesehen vom Einwand der Unverwertbarkeit setzt sich die  des Beschuldigten mit den belastenden Aussagen von C._ beru-
- 71 -
fungsweise nicht auseinander. Vor Vorinstanz machte sie noch geltend, dass
C._ mit Ach und Krach, offensichtlich unter Entzugserscheinungen leidend,
schliesslich ungefähr das "abgenickt" habe, was der polizeiliche Sachbearbeiter
ihm vorgehalten habe (bezüglich die Einvernahmen Urk. 18/1-4). Erst in der
letzten Einvernahme, nach einer kurzen Pause, während er mit seiner Verteidi-
gung gesprochen habe, habe er den Widerstand aufgegeben und pauschal zu-
gegeben, dass er insgesamt ca. 900 Gramm Heroin vom Beschuldigten bezo-
gen habe, wobei diese Einvernahme unmittelbar danach wegen psychischer
Probleme von C._ abgebrochen worden sei (Urk. 101 S. 37 mit Verweis
auf Urk. 18/4 S. 6). Anlässlich der Fortsetzung der Einvernahme habe C._
dann einsilbig die verschiedensten Vorhalte des polizeilichen Sachbearbeiters
abgenickt, ohne je irgendwelche Details von sich aus zu schildern. Aufgrund
von zahlreichen Widersprüchen in den Aussagen von C._ sei die angeblich
verkaufte Menge Heroin in der Anklageschrift dann auch auf 700 g reduziert
und der Sachverhalt entsprechend sehr vage formuliert worden (Urk. 101/7
S. 37 f.).
3.7.5. Entgegen der Verteidigung waren die den Beschuldigten belastenden Aussagen von C._ weder pauschal noch einsilbig:
3.7.5.1. In der polizeilichen Einvernahme vom 26. April 2016 hatte D._ noch bestritten (Urk. 18/1 S. 6), dass der Beschuldigte sein Drogenlieferant ge-
wesen sei, und auch in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 27. April
2016 gab er an, den Beschuldigten lediglich zu kennen, weil sie aus dem glei-
chen Dorf seien und er ihn "hier" einige Male gesehen habe (Urk. 18/2 S. 3).
Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 23. Mai 2016, welche am 30. Mai
2016 fortgesetzt wurde, erklärte er hingegen nach einer kurzen Besprechung
mit seinem damaligen Verteidiger, reinen Tisch machen zu wollen und gab zu,
insgesamt ca. 900 Gramm Heroin vom Beschuldigten (genannt A1._) be-
zogen zu haben. Er sei stark heroinsüchtig gewesen, und einen Teil des bezo-
genen Heroins habe er selbst konsumiert. Den anderen Teil habe er verkaufen
müssen, um seine Sucht zu finanzieren (Urk. 18/4 S. 6). Für das Heroin habe er
zwischen Fr. 38.– bis Fr. 40.– pro Gramm bezahlt und es für ca. Fr. 5.– mehr
- 72 -
weiter verkauft (Urk. 18/4 S. 13). Er habe es jeweils in Portionen von 100 g oder
30 g in Pulverform in einem Pack erhalten. Dann habe er es auf die Bestellun-
gen aufgeteilt, in Portionen von 0,3, 0,5 oder auch von 5 Gramm (Urk. 18/4
S. 17). Dabei erwähnte C._ zumindest in Bezug auf einen Grossteil der
Lieferungen, dass das Heroin von schlechter Qualität gewesen sei (Urk. 18/4
S. 12 f. betreffend die Lieferung vom 6.11.2014, Urk. 18/4 S. 20 betreffend die
Lieferung vom 3.02.2015 sowie Urk. 18/5 S. 10 "Nur einmal war es ok und
sonst immer scheisse"). Er habe sich nur zwei oder drei Mal mit dem Beschul-
digten (genannt A1._) getroffen. Die anderen Male habe er sich mit einem
Kollegen des Beschuldigten getroffen, der aber seinen Namen nicht habe sa-
gen wollen (Urk. 18/4 S. 10, S. 14, S. 16; vgl. auch Urk. 112 S. 76). Anlässlich
der Konfrontationseinvernahme mit dem Beschuldigten und D._ erkannte
C._ Letzteren als derjenigen, der ihm vom Beschuldigten vorgestellt wor-
den sei und ihm "ein zwei Mal etwas gebracht" habe. Er habe ihm schlechtes
Material gebracht, und er habe Probleme mit seinen Kunden bekommen
(Urk. 18/5 S. 4). Auch in der Folge bestätigte er, dass D._ ihm Heroin ge-
liefert habe und erwähnte wiederum die schlechte Qualität desselben. Auf die
Frage, wie es jeweils geliefert worden sei, erklärte C._, dass es "so eine
Kugel" gewesen sei. D._ habe behauptet, dass es hundert Gramm gewe-
sen seien, was er – C._ – aber nicht geglaubt habe, er habe aber keine
Waage dabei gehabt. Es sei eine Handvoll gewesen. Auf die Frage, wo die
Übergaben jeweils stattgefunden hätten, antwortete er: "Ein, zwei Mal in Win-
terthur und zwei, drei Mal in Neuchâtel". Auf die Frage, ob er mit Neuchâtel La
Chaux-de-Fonds meine, antwortete er: "Ja, genau, gratuliere". Er habe das He-
roin zu einem Preis von Fr. 40.– pro Gramm übernommen (Urk. 18/5 S. 5). Als
Antwort auf die Frage, bei wem er das Heroin jeweils bezogen habe, zeigte er
auf D._. Die Frage, ob er jeweils auch beim Beschuldigten Heroin bezogen
habe, verneinte er zunächst, räumte dann aber ein, ihn schon gefragt zu haben,
woraufhin ihm dieser gesagt habe, dass er schauen könne (Urk. 13/5 S. 6). Auf
Ergänzungsfrage der Verteidigung des Beschuldigten stellte C._ klar, dass
er das Heroin jeweils beim Beschuldigten bestellt, es aber nicht direkt von ihm
erhalten habe (Urk. 18/5 S. 8). Auf Vorhalt seines Geständnisses in der Ein-
- 73 -
vernahme vom 23. Mai 2016 ("Ich will reinen Tisch machen. Ich gebe zu, dass
ich insgesamt ca. 900 Gramm Heroin von A1._ bezogen habe"), entgegne-
te er: "Irgendetwas stimmt nicht. Ich habe gesagt, ich wisse nicht, wie viel."
(Urk. 13/5 S. 6). Unter Bezugnahme auf die Einvernahme vom 23. Mai 2016
und den damaligen Vorhalt des im Fahrzeug von D._ aufgenommenen
Audiogespräches vom 30. November 2014 um 15:19 Uhr (vgl. dazu Urk. 18/4
S. 17) antwortete er: "Er hat mir ein oder zwei Mal etwas gebracht. Ein Mal hat
er gesagt, es seien 100 Gramm, ein anderes Mal waren es 150 Gramm, dann
war es einmal 200 Gramm. Bei diesen 200 Gramm habe ich nachgeschaut und
festgestellt, dass es nur 170 Gramm waren. Ich sagte, dass ihr mich verarscht
und es gab Streit. Erstens haben sie mir nicht genug gegeben und zweitens war
die Ware nicht gut" (Urk. 18/5 S. 6 f.). In der Folge warf er dann die Frage auf,
wie man denn darauf komme, dass es 900 Gramm hätten gewesen sein sollen
(Urk. 18/5 S. 7). Auf die Frage, wie viel es denn etwa gewesen sei, gab
C._ zu Protokoll: "Sie haben mir gesagt einmal gesagt 100, einmal 150,
einmal 200 und dann habe ich es gewogen und es war weniger und die Ware
war ganz schlecht. Bei guter Ware schlafe ich ein und bei dieser Ware schlief
ich nicht ein." Er habe nie mehr als 170 g bekommen. Ein zwei Mal in Win-
terthur und zwei, drei Mal in Neuchâtel (Urk. 18/5 S. 9). "[...] Nur einmal war es
ok und sonst immer scheisse. [...] Ich konnte mit dem Zeugs nicht einschlafen."
(a.a.O. S. 10). An der erstinstanzlichen Hauptverhandlung in dem gegen ihn ge-
führten Strafverfahren gab C._ dann an, bei der Konfrontationseinvernah-
me vom 6. Juli 2016 nicht die Wahrheit gesagt zu haben (vgl. beigezogene Ak-
ten im Verfahren SB170263 [Urk. 175]: Prot. I S. 19). Er habe nur eine ganz
kleine Menge erhalten und nicht 900 Gramm (Urk. 175: Prot. I S. 22, S. 26). Er
sei von seinem damaligen amtlichen Verteidiger und der Polizei unter Druck
gesetzt worden. Sein Verteidiger habe ihm gesagt, er solle einfach "jaja" sagen
bei der Polizei, obwohl er die ihm vorgeworfenen Taten gar nicht begangen ha-
be (Urk. 175: Prot. I S. 12, S. 21, S. 27 und S. 32). Anzeichen dafür, dass
C._ unter Druck gesetzt bzw. dass seine früheren Aussagen nicht der
Wahrheit entsprochen hätten, sind jedoch nicht erkennbar. Angesichts der kon-
kreten und detaillierten Schilderungen des Geschehens ist vielmehr von tat-
- 74 -
sächlich Erlebtem auszugehen, zumal er auch von sich aus Angaben machte,
die den Gesprächsaufzeichnungen nicht zu entnehmen waren (etwa zur Höhe
des Kaufpreises, dass er keine Waage dabei gehabt habe und dass er wegen
der schlechten Qualität des Heroins nach dem Konsum jeweils nicht einge-
schlafen sei). Es ist denn auch nicht einzusehen, weshalb er den Beschuldigten
oder auch D._ zu Unrecht hätte belasten sollen. Aufgrund des Umstandes,
dass C._ ganz zu Beginn des Verfahrens zunächst noch angegeben hatte,
den Beschuldigten einfach so (unabhängig vom Drogenhandel) aufgrund ihrer
gemeinsamen Herkunft zu kennen und er erst nach Vorhalt der auf-
genommenen Telefongespräche "reinen Tisch" machen wollte ("Ich will reinen
Tisch machen. Ich gebe zu, dass ich insgesamt ca. 900 Gramm Heroin von
A1._ bezogen habe. Ich habe die Telefongespräche gehört, insbesondere
ein Geschäft. Es ist nicht nötig, alle Telefonate mir vorzuhalten." [Urk. 18/4
S. 6]), ist vielmehr davon auszugehen, dass das Geständnis von C._ unter
dem Eindruck der für ihn und eben auch für den Beschuldigten und D._
erdrückenden Beweislage erfolgte und wohl in der Erwartung, dass sich eine
entsprechende Kooperation günstig auf die Höhe der Strafe auswirken würde,
was aus dem Umstand zu schliessen ist, dass das Geständnis nach kurzer
Rücksprache mit seiner damaligen Verteidigung erfolgte.
3.7.5.2. Insgesamt erweisen sich die von C._ zulasten des Beschuldigten gemachten Aussagen als glaubhaft. Insbesondere auch, weil sie sich mühelos
mit dem übrigen Beweisergebnis in Einklang bringen lassen und den aus den
Telefon- und Audioüberwachung im Fahrzeug von D._ gezogenen Er-
kenntnissen entsprechen, was auch schon die Vorinstanz dargelegt hat
(Urk. 112 S. 76). Unklarheiten ergeben sich hinsichtlich der Aussagen von
C._ einzig hinsichtlich der von ihm bezogenen Menge Heroingemischs. Die
diesbezüglichen Angaben variierten, je nachdem, ob er von der Gesamtmenge
gesprochen oder Angaben zu den einzelnen Lieferungen gemacht hatte. Immer
wieder erklärte er auch, sich nicht mehr im Detail erinnern zu können (vgl. dazu
etwa Urk. 18/4 S. 7, Urk. 18/5 S. 7). In Anbetracht der Tatsache, dass C._
gemäss eigenen Angaben im anklagerelevanten Zeitpunkt in schwerem Masse
heroinabhängig war und im Zeitpunkt der Einvernahmen seit dem Tathergang
- 75 -
bereits mehr als eineinhalb Jahre verstrichen waren, sind gewisse Ungereimt-
heiten in den Mengenangaben ohne weiteres nachvollziehbar. Hinzu kommt,
dass C._ sich mit seinen Angaben selber direkt belastete und wie gesehen
im Verfahren auch immer wieder versuchte, seine Tatschuld möglichst gering
darzustellen. Vor diesem Hintergrund stellt es die Glaubhaftigkeit seiner Aussa-
gen nicht per se in Frage, wenn sich aufgrund der Überwachungsmassnahmen
tatsächlich eine andere Drogenmenge feststellen liesse, als sie von C._
zugegeben worden war. Hinsichtlich der Anzahl Treffen gab C._ wie gese-
hen an, dass es – ungefähr – fünf gewesen seien (vgl. vorstehende Erw.
3.7.5.1). Genau diese Anzahl von Übergaben können gestützt auf die Überwa-
chungsmassnahmen hinreichend konkret nachgewiesen werden (vgl. nachste-
hende Erw. 3.7.6 und 3.7.10, vgl. auch Urk. 112 S. 76 ff.).
3.7.6. Hinsichtlich der sich aus den Telefonüberwachungen sowie  im Fahrzeug von D._ ergebenden Erkenntnisse zur gelieferten
Drogenmenge kann auf die detaillierten Erwägungen im vorinstanzlichen Urteil
verwiesen werden, unter Hinweis auf die im Bericht der Kantonspolizei Zürich
vom 8. September 2015 dokumentierten Ermittlungen im Rahmen des Unter-
suchungsverfahrens (Urk. 112 S. 76 ff. mit Verweis auf Urk. 5/2 mit Verweis auf
die entsprechenden TK-Protokolle sowie die Protokolle zur Audioüberwachung
im Fahrzeug von D._ [= Beilagen zu Urk. 9/8], Art. 82 Abs. 4 StPO). Ge-
stützt auf die Erkenntnisse aus den Telefonüberwachungen und der Audio-
überwachung aus dem Fahrzeug von D._ ist mit der Vorinstanz erstellt,
dass der Beschuldigte bzw. D._ gegenüber C._ hinsichtlich der Men-
ge vorgegeben hatten, diesem an den fünf Treffen vom 20. Oktober 2014,
2. November 2014, 6. November 2014, 19. November 2014 sowie
30. November 2014 insgesamt 900 g Heroingemisch ausgeliefert zu haben
(vgl. Urk. 112 S. 75 ff.). Wie gesehen gab C._ in der staatsanwaltschaftli-
chen Einvernahme vom 30. Mai 2016 indessen zu Protokoll, dass ihm einmal
anstatt 200 g lediglich 170 g übergeben worden seien (vgl. vorstehende Erw.
3.7.5.1 mit Verweis auf Urk. 18/5 S. 6 f.), was nicht widerlegt werden kann.
- 76 -
3.7.7. Auch wenn C._ bei seinen Zugeständnissen von ca. 900 g  Heroingemisch gesprochen hatte, wurden lediglich ca. 700 g Heroinge-
misch (Reinheitsgrad unbekannt) eingeklagt, welches in Portionen zwischen
100 und 200 g zum Preise von Fr. 38.– bis Fr. 40.– durch D._, aber auch
durch den Beschuldigten nach Winterthur, La-Chaux-de-Fonds und Dietikon an
C._ geliefert worden seien, wobei C._ dem Beschuldigten für das ge-
lieferte Heroin insgesamt ca. 15'000.– bezahlt und ca. 13'000.– schuldig geblie-
ben sei (Urk. 37 S. 7).
3.7.8. Die zur Anklage gebrachte Menge ist als Mindestmenge zu verstehen, was auch aus den Ausführungen der Staatsanwaltschaft an der erstinstanz-
lichen Hauptverhandlung hervorgeht (Urk. 101/4 S. 23). Dort wurde auf den ab-
schliessenden Bericht der Kantonspolizei Zürich vom 1. Juni 2016 zum Vorgang
10 (Urk. 5/5) verwiesen (Urk. 101/4 S. 23). Ausgehend von dem von C._
mehrfach bestätigten Kaufpreis von Fr. 40.–/g – und den von ihm gegenüber
D._ und dem Beschuldigten gemachten Angaben betreffend das von ihm
bezahlte Entgelt sowie die von ihm noch zu leistende Restschuld (gemäss
Schlussbericht bereits bezahlt [Fr. 9'600.– + Fr. 2'000.– + 3'500.–], Restschuld
[Fr. 13'000.–] = Fr. 28'100.–) wurde im Schlussbericht von einer Gesamtmenge
von mindestens 702.5 g Heroingemisch ausgegangen (Urk. 5/5 S. 3 f. mit Ver-
weis auf Audiogespräch vom 30.11.2014 um 15:19 Uhr zwischen D._ und
C._ [vgl. Urk. 9/8 Beilage 62] sowie Telefongespräch zwischen dem Be-
schuldigten und C._ vom 24. Dezember 2014 um 18:54 Uhr [vgl. Urk. 9/8
Beilage 70], vgl. auch Urk. 5/2 S. 28 und Urk. 9/8 Beilage 61).
3.7.9. Im Einklang mit dem Schlussbericht der Kantonspolizei Zürich vom 1. Juni 2016 zum Vorgang 10 ist gestützt auf das in den Akten dokumentierte
Gespräch zwischen D._ und C._ vom 30. November 2014 um 15:19
Uhr zu schliessen, dass C._ bis zu diesem Zeitpunkt Fr. 9'600.– für bereits
bezogene Heroinlieferungen bezahlt hatte (Wie viel habe ich dir beim letzten
Mal gegeben? War es nicht 2600? ...7600, 9600?"; Urk. 9/8 Beilage 62). So-
dann wird im Schlussbericht davon ausgegangen, dass während dieses Ge-
spräches im Gegenzug zur Übergabe von 200 g Heroingemisch weitere
- 77 -
Fr. 2'000.– übergeben worden seien. Davon geht unter Verweis auf ein eben-
falls am 30. November 2014 geführtes Gespräch zwischen C._ und dem
Beschuldigten auch der Bericht der Kantonspolizei vom 8. September 2015 aus
(Urk. 5/2 S 28). Bei diesem Gespräch erkundigte sich der Beschuldigte bei
C._, wie viel er "ihm" bei dem Treffen, welches gemäss Angaben von
C._ auf 14:45 Uhr angesetzt worden war, bezahlen könne, woraufhin
C._ antwortete: "2,5. Ich werde 300 bis 500 als Taschengeld wegnehmen,
den Rest kann ich ja ihm geben". Daraufhin fragte der Beschuldigte, ob er nicht
mehr bezahlen könne, was C._ verneinte: "Ich habe nicht mehr. Der
Schwuchtel hat seine Schulden noch nicht bezahlt, er muss mir noch 2 Papiere
geben" (vgl. Urk. 9/8 Beilage 61). Offensichtlich war mit "ihm" D._ gemeint,
denn wie aus der Audioüberwachung im Fahrzeug von D._ hervorgeht,
haben sich die Beiden an diesem Nachmittag dann tatsächlich getroffen
(Urk. 9/8 Beilage 62 bzw. Urk. 5/2 S. 28 ff.). Dass C._ D._ bei diesem
Treffen – wie dem Beschuldigten in Aussicht gestellt – im Gegenzug zur Dro-
genübernahme (vgl. dazu vorstehende Erw. 3.7.6) dann aber tatsächlich so-
gleich auch Fr. 2'000.– übergeben hätte, kann aus dem Gespräch – entgegen
den Schlussfolgerungen in den Berichten der Kantonspolizei – zumindest nicht
mit Sicherheit geschlossen werden. Vielmehr sagte C._ zu D._: "Sage
ihm 2000" (Urk. 9/8 Beilage 62 bzw. Urk. 5/2 S. 31), was ebenso den Schluss
zulässt, dass er eine Zahlung in entsprechender Höhe lediglich in Aussicht ge-
stellt hatte. Dass dem so gewesen sein muss, ergibt sich aus dem Telefonge-
spräch zwischen dem Beschuldigten und C._ vom 24. Dezember 2014 um
18:54 Uhr [vgl. Urk. 9/8 Beilage 70], welches auch in den beiden Berichten der
Kantonspolizei Zürich zur Bestimmung der noch ausstehenden Restschuld her-
angezogen worden ist (vgl. vorstehende Erw. 3.7.8). Nachdem D._
H._ mitgeteilt hatte, zu D._ zu gehen, um Geld einzutreiben (Urk. 9/8
Beilage 69), teilte C._ dem Beschuldigten gleichentags mit: "Dein Junge
war hier. Ich habe ihm 3,5 gegeben. Alles zusammen macht 13. Ist Okay?"
(Urk. 9/8 Beilage 70, Telefongespräch vom 24. Dezember 2014 um 18:54 Uhr).
Daraus schloss die Vorinstanz in leichter Abweichung von der Anklageschrift,
die von ca. Fr. 15'000.– ausgeht (Urk. 37 S. 7), dass C._ dem Beschuldig-
- 78 -
ten bis zu diesem Zeitpunkt Fr. 13'000.– bezahlt habe (Urk. 112 S. 81). Das
steht zum einen im Einklang mit dem übersetzten Wortlaut des Telefongesprä-
ches ("Alles zusammen macht 13. Ist Okay?") und überzeugt auch vor dem Hin-
tergrund, dass C._ D._ wie gesehen am 30. November 2014 vor-
gerechnet hatte, bis dahin Fr. 9'600.– bezahlt zu haben und er D._ gemäss
eigenen Angaben dann am 24. Dezember 2014 nochmals "3,5" (also
Fr. 3'500.–) gegeben hatte, was einen Gesamtbetrag von Fr. 13'100.– ergibt.
Aus dem gleichen Gespräch zwischen dem Beschuldigten und C._ geht –
hier wieder im Einklang mit den Berichten der Kantonspolizei Zürich – weiter
hervor, dass neben dem bisher geleisteten Entgelt noch eine Restschuld von
Fr. 13'000.– ausstehend war (Urk. 9/8 Beilage 70 "und ich muss noch euch 13
bezahlen"). Mithin ist bis zum 24. Dezember 2014 von einer Bezugsmenge He-
roingemisch im Wert von Fr. 26'100.– auszugehen. Ausgehend von dem von
C._ immer wieder angegebenen Kaufpreis zwischen Fr. 38.– und Fr. 40.–
ergibt dies eine Bezugsmenge zwischen rund 650 g – und 685 g.
3.7.10. Angesichts der in den Akten dokumentierten weiteren Kurznachrichten bzw. Gespräche zwischen dem Beschuldigten und C._ ist erstellt, dass es
auch nach dem 24. Dezember 2014 bis zum 14. Februar 2015 noch zu mindes-
tens einer weiteren Drogenlieferung gekommen sein muss, wobei allerdings
keine Hinweise auf die ausgehändigte Drogenmenge vorliegt (vgl. dazu
Urk. 112 S. 81 mit Verweis auf Urk. 5/1 Beilagen 88 ff. [= Urk. 9/8 Beilage 88 ff.]
sowie insbesondere Urk. 9/8 Beilage 87 f., SMS von C._ an den Beschul-
digten vom 3.02.2015 um 13:00 Uhr "Ich bin in 10 Minuten bei der
Bäckerei" und dann um 13:17 Uhr "Die Hälfte ist schlecht.", vgl. aber auch die
Gespräche zwischen den beiden vom 8. und 9. Februar 2015 [Urk. 93 und 94]
sowie Urk. 5/2 S. 36 f. und Urk. 5/5 S. 4). Dass es nach dem 24. Dezember
2014 seitens des Beschuldigten bzw. D._ noch zu weiteren Heroinlieferun-
gen gekommen war, wird auch von C._ zumindest nicht bestritten
(Urk. 18/4 S. 2 f.).
- 79 -
3.7.11. Insgesamt ist damit die dem Beschuldigten – zu seinen Gunsten  – zur Last gelegte Mindestmenge von 700 g Heroingemisch (Reinheits-
grad unbekannt) erstellt.
3.7.12. Bei diesem Beweisergebnis bleibt kein Raum für die von der  schon vor Vorinstanz vorgebrachte Alternativinterpretation der TK-
Protokolle. Wie die Vorinstanz überzeugend dargelegt hat, finden die von der
Verteidigung aufgestellten Sachverhaltshypothesen in den Akten keine Stütze
und lassen sich die einzelnen, von der Verteidigung umgedeuteten Passagen
nicht in den übrigen in den Akten dokumentierten Gesprächsverlauf integrieren
und zu einem sinnvollen Ganzen zusammenzufügen. Auf die überzeugenden
Erwägungen der Vorinstanz kann vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 112
S. 81 ff., Art. 82 Abs. 4 StPO). Nicht einmal C._ selbst, der ja nach der
Sachverhaltsvariante der Verteidigung die Hilfe vom Beschuldigten hätte emp-
fangen sollen, macht geltend, dass die massgeblichen Gespräche in diesem
Kontext zu verstehen seien.
3.8. Anklageziffer 7 (Vorgang 11)
3.8.1. In diesem Anklagesachverhaltsteil wird dem Beschuldigten unter  der einzelnen Bestellungen sowie Lieferungen zusammengefasst vor-
geworfen, von M._ im Zeitraum vom 6. Dezember 2014 bis 5. April 2015
sieben Bestellungen entgegengenommen und insgesamt ca. 280 g Kokainge-
misch (was gemäss statistischem Reinheitsgehalt ca. 134.5 g reinem Cocain-
Hydrochlorid entspreche) zu einem Preis von ca. Fr. 60.– bis Fr. 65.– pro
Gramm an diesen geliefert zu haben. Die Lieferungen seien vorwiegend an den
Wohnort von M._ an der ... [Adresse] erfolgt, meist in Portionen à 50 g
(vgl. zu den Details Urk. 37 S. 8 f. und Urk. 112 S. 87).
3.8.2. Die Vorinstanz erachtete den Sachverhalt als erstellt (Urk. 112 S. 92). Die Verteidigung kritisiert die vorinstanzliche Sachverhaltserstellung und macht
insbesondere geltend, dass sich die Vorinstanz unter anderem auf abgehörte
Telefongespräche stütze, die aber im Resultat auch aus der Sicht der Vor-
instanz Fragen offen lassen würden (Urk. 191 S. 35).
- 80 -
3.8.3. Vorab ist festzuhalten, dass die gemäss Anklagesachverhalt am 6. Dezember 2014 beim Beschuldigten von M._ in Auftrag gegebene Be-
stellung von ursprünglich 25 und dann 50 g Kokaingemisch unbestrittenermas-
sen nie ausgeliefert wurde (vgl. Urk. 112 S. 87 f.). Entsprechend wurde hinsicht-
lich der ersten in der Anklageschrift aufgelisteten Bestellung vom 6. Dezember
2014 auch keine Lieferung eingeklagt (Urk. 37 S. 8).
3.8.4. Es trifft zu, dass die Vorinstanz nach Würdigung der Aussagen von M._ in ihren Erwägungen festgehalten hat, dass aus den aufgezeichneten
Gesprächen nur hinsichtlich der Bestellung vom 19. März 2015 (4. Bestellung,
3. Lieferung) mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausge-
gangen werden könne, dass die Lieferung tatsächlich zustande gekommen sei
und bei den übrigen Bestellungen unklar sei, ob die Lieferungen tatsächlich
ausgeführt worden seien (Urk. 112 S. 91). Gleichzeitig weist die Vorinstanz
aber weiter darauf hin, dass Aufzeichnungen vorlägen, wonach der Beschuldig-
te M._ hinsichtlich der vierten und sechsten Lieferung (Bestellungen vom
28.03.2015 und 5.04.2015) jeweils angekündigt habe, bald bei ihm zu sein und
keine Anhaltspunkte vorlägen, dass es bei diesen Treffen um etwas anderes als
eine Drogenlieferung gegangen sein könnte (Urk.112 S. 91). Insgesamt wurde
dann der Schluss gezogen, dass keine Zweifel daran bestünden, dass der Be-
schuldigte die in der Anklageschrift aufgeführten Mengen Kokaingemisch an
M._ verkauft habe (Urk. 112 S. 92). Im Rahmen der rechtlichen Würdigung
geht die Vorinstanz indessen davon aus, dass der Beschuldigte "nur" am
19. März 2015 Kokain geliefert habe und darüber hinaus "zumindest Anstalten
zum Verkauf" getroffen habe (Urk. 112 S. 98 f.).
3.8.5. Wie die Vorinstanz im Sinne ihres Fazits bei der Erstellung des  richtig erwogen hat, bestehen auch hinsichtlich der übrigen dem Be-
schuldigten zur Last gelegten Lieferungen keine Zweifel, dass sie anklage-
gemäss erfolgt sind. Aufgrund des Beweisergebnisses ebenso fest steht, dass
die Bestellung vom 6. Dezember 2014 anklagegemäss erfolgt ist. Dabei ist der
Vorinstanz zu folgen, wenn sie die am 23. Juni 2015 gemachten Aussagen von
M._ trotz seines Widerrufs an der Konfrontationseinvernahme vom 13. Ap-
- 81 -
ril 2016 als grundsätzlich verwertbar erachtete (Urk. 112 S. 87). Wie bereits
dargelegt führt ein Widerruf belastender Aussagen anlässlich der Konfrontati-
onseinvernahme nicht per se zur Unverwertbarkeit der früheren Aussagen. So-
weit ausreichend kompensierende Faktoren gegeben sind, um den Anspruch
des Angeschuldigten auf ein faires Verfahren und die Überprüfung der Verläss-
lichkeit des Beweismittels zu gewährleisten, kann dennoch auf sie abgestellt
werden, soweit sie sich im Rahmen der Beweiswürdigung als glaubhaft erwei-
sen (vgl. vorstehende Erw. 2.3.2.3 und 2.3.2.5).
3.8.6. Gründe, weshalb die Aussagen von M._ per se als unverwertbar zu gelten hätten, liegen keine vor. Insbesondere bestehen entgegen der Verteidi-
gung keine "Ungereimtheiten", die in der Konfrontationseinvernahme noch hät-
ten geklärt werden müssen (vgl. dazu Urk. 191 S. 35). Wie die Vorinstanz über-
zeugend dargelegt hat, ist der Umstand, dass der Nachbar AO._ gemäss
den Aussagen von M._ im anklagerelevanten Zeitpunkt (zumindest auch)
kleinere Mengen Kokain von ihm bezogen hatte, und einige Monate später
dann aber viel grössere Mengen bei AO._ Zuhause sichergestellt wurden,
kein zu klärender Widerspruch (Urk. 112 S. 92). Auf die zutreffenden Erwägun-
gen kann vollumfänglich verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Ebenso ver-
mag der pauschale Widerruf der vorangegangenen Zugeständnisse anlässlich
der Konfrontationseinvernahme unter Verweis auf seine damalige psychische
Verfassung die Beweiskraft der Aussagen von M._ nicht zu entkräften.
Hinweise, dass M._ den Beschuldigten und damit auch sich selbst in den
früheren Aussagen zu Unrecht belastet hätte, liegen mit der Vorinstanz keine
vor (Urk. 112 S. 87). Gegenteils ist in der Einvernahme von M._ vom
23. Juni 2015 das Bestreben zu erkennen, immer nur so viel Preis zu geben,
wie ihm bzw. dem Beschuldigten aufgrund der vorgehaltenen Telefongespräche
bzw. SMS-Nachrichten offensichtlich angelastet werden konnte. Es fällt indes-
sen auf, dass er die Entgegennahme der Lieferungen auch dort nicht ausdrück-
lich in Abrede stellte, wo sie in den Nachrichten bzw. Telefongesprächen zwi-
schen ihm und dem Beschuldigten nicht ausdrücklich bestätigt worden waren
(mit Ausnahme der am 28. März 2015 bestellten Lieferung, vgl. dazu Urk. 13/5
S. 15, aber erst unter Vorhalt der erneuten Bestellung sowie der dazugehörigen
- 82 -
Aufzeichnungen vom Folgetag). Entsprechendes wäre aber zu erwarten gewe-
sen, wenn er tatsächlich keine Drogen vom Beschuldigten entgegen genommen
hätte. Im Unterschied zur – anerkanntermassen – in Auftrag gegebenen Liefe-
rung vom 6. Dezember 2014, wo M._ ausdrücklich darauf hingewiesen
hatte, dass der Abnehmer dann ja nicht gegangen sei, um die Lieferung zu ho-
len (Urk. 13/5 S. 7), erklärte er bei der am 12. März 2015 bestellten Lieferung
auf entsprechende Frage, wann und wo die Übergabe stattgefunden hatte, dass
er es nicht wisse bzw. dass er sich nicht mehr an die Drogenlieferung erinnern
könne (Urk. 13/5 S. 8, 9). Auf Vorhalt der Gesprächsaufzeichnungen im Zu-
sammenhang mit der Bestellung vom 19. März 2015 um 15:47 Uhr (Beilage 13)
führte er aus: "[...], A1._ verspricht, dass er morgen die Drogen liefert, ob
er es liefert oder nicht, weiss ich nicht" (Urk. 13/5 S. 10). Dass die am 19. März
2015 bestellten 50 g Kokain vom Beschuldigten am 20. März 2015 tatsächlich
geliefert worden waren, ergibt sich aber klar aus dem zwischen M._ und
dem Beschuldigten am 20. März 2015 um 9:25 Uhr geführten Telefongespräch
(vgl. Urk. 9/18 Beilage 14 = Urk. 13/5 Beilage 14, vgl. auch Urk. 112 S. 89 f.).
Auf Vorhalt dieses Gesprächs (Beschuldigter: "[...] Ich habe es vor deinem
Fenster gelassen [...]", M._: "[...] Okay, wann warst du hier [...]" [Beilage
14]), bestätigte er denn auch, dass der Beschuldigte die 50 g Kokain geliefert
habe (Urk. 13/5 S. 11). Daraus erhellt, dass die Aussagen von M._, wo-
nach er sich nicht erinnern könne bzw. sein behauptetes Nichtwissen (vgl. auch
Urk. 13/5 Seite 14 f. und Beilagen 20 und 22 zur vierten und fünften Lieferung
[Bestellung vom 28. und 29 März 2015]), als Versuche zu verstehen sind, die
Drogenlieferungen als gescheitert erscheinen zu lassen, um straffrei bzw. mit
einer geringeren Strafe wegzukommen. Dass M._ seine Zugeständnisse
an den Inhalt der ihm vorgehaltenen Telefongespräche bzw. Nachrichten an-
passte, gleichzeitig aber versuchte, sich und auch den Beschuldigten nicht
mehr zu belasten, als gestützt auf das Beweisergebnis unbedingt notwendig,
geht auch aus anderen Passagen hervor. So erklärte er zur Lieferung vom
13. März 2015 etwa: "Wenn er liefert, dann muss bezahlt werden" oder "wenn
er ein Auto gefunden hätte, müsste er es geliefert haben, sonst nicht" (Urk. 13/5
S. 9). Sowie zu der am 29. März 2015 bestellten Lieferung (Lieferung vom
- 83 -
31.03.2015), "wenn dann am Morgen am nächsten Tag" und "wenn dann bei
mir zu Hause, er rief mich an" (Urk. 13/5 S. 17). Und hinsichtlich der am 5. April
2015 bestellten Lieferung "wenn geliefert dann für 60 Franken", "wenn er ge-
kommen ist dann mit dem Auto" (Urk. 13/5 S. 18). Damit lässt er letztlich offen,
ob die Lieferungen erfolgt sind. Von jemandem, der keine Drogenlieferungen
entgegen genommen hat, wäre indessen zu erwarten, dass er weiss, dass ihm
keine Drogen geliefert worden sind.
3.8.7. Die Versuche M._s, die Drogenlieferungen als gescheitert  zu lassen, vermögen angesichts der vorstehenden Erwägungen nicht zu
überzeugen, zumal er auch bei keiner dem Beschuldigten zur Last gelegten Lie-
ferung konkrete Gründe anzugeben vermochte, weshalb die – nachgewiese-
nermassen – vereinbarten Treffen zum Zwecke der Drogenübernahme denn
nicht hätten zustande gekommen sein sollen. Zudem waren seine dies-
bezüglichen Aussagen auch nicht konstant. Insgesamt gab M._ nämlich
durchaus zu, dass ihm der Beschuldigte – wie in der Anklage umschrieben –
mehrmals Kokain geliefert hatte. Zum Preis für die am 12. März 2015 unbestrit-
tenermassen bestellten 50 g Kokain befragt, gab er etwa an: "Ich weiss nicht ob
für 60 oder 65 Franken" (Urk. 13/5 S. 9), um dann diese Antwort bei der nächs-
ten Frage, ob er das Kokain sogleich bezahlt habe, aber sogleich wieder abzu-
schwächen mit der Aussage, "wenn er liefert dann muss bezahlt werden"
(a.a.O.). Dazu befragt, ob er beim Beschuldigten denn nie etwas auf Kommissi-
on erhalten habe, antwortete er: "Wie immer kriege ich 200 oder 250 Franken
von ihm" (a.a.O.). Auch hinsichtlich der Lieferung vom 30. März 2015 gab er
bezüglich des Preises an: "Ich weiss nicht, ob es 60 Franken war" (Urk. 13/5
S. 17). Schliesslich gab er auch in Bezug auf die Bestellung vom 5. April 2015
zu, dass der Beschuldigte ihm das Kokain persönlich geliefert habe, auch wenn
er kurz zuvor noch in Frage gestellt hatte, ob ihm überhaupt Kokain geliefert
worden sei (Urk. 13/5 S. 18).
3.8.8. Auch wenn die Aussagen von M._ wie gesehen teilweise  sind, sind sie keinesfalls wirr, wie die Verteidigung geltend macht
(Urk. 101/7 S. 40). Wie vorstehend aufgezeigt sind die Widersprüche vielmehr
- 84 -
als eine unter dem Eindruck des Beweisergebnisses nicht konsequent verfolgte
Verteidigungsstrategie zu verstehen. Angesichts der stellenweise durchaus re-
lativ detaillierten Angaben zum Preis, Transport der Lieferungen, und dem
Übergabeort verfängt die Verteidigungsstrategie indessen nicht.
3.8.9. Dafür, dass die Bestellungen und Drogenübernahmen anklagegemäss erfolgt sind, sprechen auch die diesbezüglich bei den Akten liegenden Ge-
sprächsaufzeichnungen (vgl. Urk. 112 S. 87 ff. mit Verweis auf 13/5 samt Beila-
gen). Gestützt auf die Erkenntnisse aus den Überwachungsmassnahmen kann
nicht bezweifelt werden, dass es sich bei den von M._ beim Beschuldigten
in Auftrag gegebenen Bestellungen um die Bestellung von Kokaingemisch ge-
handelt hat. Mit der Vorinstanz und zugunsten des Beschuldigten sind in Über-
einstimmung mit den Aussagen von M._ die jeweils bei den Bestellungen
erwähnten Zahlenangaben als Grammangaben zu verstehen (a.a.O.). Anders
als die Bestellungen sind die daraufhin ausgeführten Lieferungen – mit Aus-
nahme der dritten Lieferung (Bestellung am 19. März 2015, Lieferung am
20. März 2015 [vgl. dazu vorstehende Erw. 3.8.6]) – in den Gesprächsaufzeich-
nungen nicht im Sinne eines direkten Beweises dokumentiert. Dennoch spricht
alles dafür, dass sie anklagegemäss stattgefunden haben:
3.8.9.1. Die dritte Lieferung ist wie gesehen erstellt. Dass es vor der dritten Drogenübergabe (Bestellung: 19.03.2015, Übergabe: 20.03.2015) kurz zuvor
schon einmal zu einer Drogenübergabe zwischen dem Beschuldigten und
M._ gekommen sein muss, ergibt sich aus dem Telefongespräch zwischen
den Beiden am 19. März 2015 um 15:47 Uhr. M._: "[...] aber es soll echt
sein, wie letztes Mal!". Beschuldigter: "Kein Problem, ich werde um 7 Uhr bei dir
sein. Willst du fünfer oder?" M._: "Ja, 50, aber es muss von dem selben
sein" (Urk. 9/18 Beilage 13).
3.8.9.2. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass auch die dritte Bestellung vom 12. März 2015 betreffend 50 g Kokaingemisch vom Beschuldig-
ten geliefert worden war, zumal den bei den Akten liegenden Gesprächs-
aufzeichnungen keine Hinweise zu entnehmen sind, dass die auf den 13. März
2015 vereinbarte Übergabe bei M._ (vgl. dazu Urk. 9/18 Beilage 10) nicht
- 85 -
stattgefunden hätte. Die Lieferung vom 13. März 2015 wird von M._ wie
gesehen auch nicht in Abrede gestellt, sondern lediglich offen gelassen (vgl.
dazu vorstehende Erw. 3.8.6). Anlässlich dieser dritten Bestellung vom
12. März 2015 erwähnte M._, dass es wie immer sein müsse, woraufhin
der Beschuldigte ihm entsprechendes versicherte (Urk. 9/18 Beilage 10). Dar-
aus ergibt sich, dass auch vor diesem Zeitpunkt bereits Lieferungen erfolgt sein
müssen. Vor diesem Hintergrund ist erstellt, dass auch die am 19. Februar
2015 um 00:31 Uhr in Auftrag gegebene Bestellung von 20 g Kokaingemisch
vom Beschuldigten tatsächlich ausgeführt wurde (Urk. 9/18 Beilage 9).
3.8.9.3. Hinsichtlich der vierten und sechsten Lieferungen geht – wie von der Vorinstanz dargelegt (Urk. 112 S. 90 f.) – aus den Gesprächsaufzeichnungen
hervor, dass der Beschuldigte M._ seine baldige Ankunft mitgeteilt hatte
(Urk. 9/18 Beilage 21: "Bruder, ich bin fast bei dir [...] es dauert noch 40 Minu-
ten oder 1 Stunde" und Beilage 28: "Bruder, ich werde 40 Minuten bei dir sein"),
weshalb ebenfalls von erfolgreichen Übergaben auszugehen ist. Wäre dem
nicht so gewesen, wären weitere Telefonate von der einen oder anderen Seite
betreffend den Verbleib des Beschuldigten bzw. der Lieferung zu erwarten ge-
wesen. Solche sind aber nicht verzeichnet.
3.8.9.4. Dafür, dass die Übergaben anklagegemäss stattgefunden haben, spricht auch der Umstand, dass M._ immer wieder neues Kokain beim Be-
schuldigten bestellt hat. Es ist nicht anzunehmen, dass man immer wieder beim
selben Lieferanten aufs Neue Lieferungen bestellt, wenn diese nie ausgeführt
werden. Zudem wären beim Ausbleiben von Lieferungen Reklamationen zu er-
warten gewesen. So führte M._ auf Vorhalt des Telefongesprächs vom
30. März 2015 um 11:22 Uhr hinsichtlich der Bestellung vom 29. März 2015
aus, dass der Beschuldigte ihm auf die Nerven gegangen sei, weil er immer ge-
sagt habe, dass er nicht liefern könne (Urk. 13/5 16 f. sowie Beilage 25). Er –
M._ – habe aber gewusst, dass "M._" es brauche, weshalb er –
M._ – dann gesagt habe, dass der Beschuldigte es dennoch liefern solle
(Urk. 13/5 S. 17 sowie Beilage 26). Um 18:17 Uhr stellte der Beschuldigte
M._ in Aussicht, bis spätestens um 07:00 Uhr des Folgetages bei ihm zu
- 86 -
sein, woraufhin M._ nochmals erwähnte, dass er 60 brauche (Urk. 9/18
Beilage 26). Am 5. April 2015 folgte dann die nächste Bestellung von M._
(Urk. 9/18 Beilage 27). Da keine Reklamationen von M._ erfolgten und er
am 5. April 2015 wiederum Kokain vom Beschuldigten bestellte, ist davon aus-
zugehen, dass auch die fünfte Lieferung anklagegemäss erfolgt war.
3.8.10. Vor dem Hintergrund, dass die in der Anklageschrift aufgeführten  im entsprechenden Umfang sowohl gestützt auf die Aussagen
von M._ als auch gestützt auf die aufgezeichneten Telefongespräche er-
stellt sind und keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die aufgrund der auf-
gezeichneten Telefongespräche nachgewiesenermassen vereinbarten Treffen
zum Zwecke der Drogenübernahme nicht stattgefunden hätten, bestehen ange-
sichts der Zugeständnisse M._s sowie der bei den Akten liegenden Ge-
sprächsaufzeichnungen zum Vorgang 11 keine Zweifel daran, dass die Drogen-
lieferungen anklagegemäss erfolgt sind. Auf den Reinheitsgrad des gelieferten
Kokaingemischs wird im Rahmen der Strafzumessung einzugehen sein (vgl.
nachstehende Erw. 5.5). Dass auf die Bestellung vom 6. Dezember 2015 keine
Lieferung erfolgte, ist wie gesehen unbestritten (vgl. vorstehende Erw. 3.8.3).
Aufgrund des bei den Akten liegenden und im vorinstanzlichen Urteil wiederge-
gebenen Gesprächsverlaufs bzw. Nachrichtenverkehrs zwischen dem Beschul-
digten und M._ vom 6. Dezember 2014 steht indessen fest, dass die bei-
den in entsprechenden Verhandlungen standen und der Verkauf nur deshalb
scheiterte, weil die Drogen am vereinbarten Übergabeort nicht abgeholt wurden
(vgl. Urk. 112 S. 87 f.).
3.9. Sicherstellungen in der Wohnung am F._ ... in G._ ( 8)
3.9.1. Dem Beschuldigten wird zusammengefasst vorgeworfen, 41,9 g  mit einem Reinheitsgehalt von 45 %, was 18,9 g reinem Kokain ent-
spreche, 3,2 g Phenacetin und 3,8 g MDMA (Ecstasy) an seinem Logisort in der
Wohnung am F._ ... in G._ deponiert zu haben (Urk. 37 S. 8 f.).
- 87 -
3.9.2. Da die in der Anklageschrift aufgeführten Drogen sowie das Phenacetin (Streckmittel) in der im Zeitpunkt der Sicherstellung unbestrittenermassen vom
Beschuldigten alleine bewohnten Wohnung am F._ ... in G._ sicher-
gestellt werden konnten, bestehen mit der Vorinstanz keine Zweifel daran, dass
sich der Sachverhalt so zugetragen hat, wie in der Anklageschrift umschrieben.
Auf die diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz kann vollumfänglich ver-
wiesen werden (Urk. 112 S. 93 f. mit Verweisen, vgl. zur Sicherstellung
Urk. 19/10 ff., vgl. insbesondere Urk. 22/7 und 22/10 [Kurzbericht und Gutach-
ten FOR]; sowie zum Wohnort des Beschuldigten Urk. 14/1 S. 2 ff. [Ausführun-
gen AG._, Mieter der Wohnung], Urk. 29/34 [Stellungnahme Verteidigung
des Beschuldigten zu Urk. 14/1 S. 2 ff.] sowie vorstehende Erw. 3.4.9.1). Der
zur Anklage gebrachte Sachverhalt blieb im Berufungsverfahren denn auch un-
bestritten.
3.9.3. Kritisiert von der Verteidigung wird hingegen, dass die Vorinstanz in ihren Erwägungen zusätzlich anmerkte, dass bei einer Menge von 18.9 g Kokain
offensichtlich nicht bloss von Eigengebrauch ausgegangen werden könne
(Urk. 112 S. 94), da dies nicht Gegenstand des eingeklagten Anklagesachver-
haltes sei (vgl. vorstehende Erw. 2.2 und Urk. 191 S. 7 f. und 35). Es trifft zu,
dass dem Anklagesachverhalt kein Verwendungszweck zu entnehmen ist. Vor-
geworfen wird dem Beschuldigten aber, dass er die bei ihm sichergestellten
Drogen zu nicht mehr bestimmbaren Zeitpunkten zu unbekannten Bedingungen
erlangt und an seinem Logisort deponiert habe. Dieser Sachverhalt ist erstellt.
Unter welchen Tatbestand dieses Verhalten zu subsumieren ist, wird im Rah-
men der rechtlichen Würdigung zu prüfen sein.
4. Rechtliche Würdigung
4.1. Die Vorinstanz würdigte das dem Beschuldigten in der Anklageschrift zur Last gelegte Verhalten in Übereinstimmung mit der Staatsanwaltschaft als
mehrfache qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im
Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b, c, d und g BetmG in Verbindung mit Art. 19
Abs. 2 lit. a BetmG (Urk. 37 S. 9, Urk. 101/4 S. 31, Urk. 112 S. 94 ff.). Die Ver-
teidigung hat sich zufolge des beantragten Freispruchs grundsätzlich nicht mit
- 88 -
der rechtlichen Würdigung auseinandergesetzt. Nur hinsichtlich Anklageziffer 8
hat sie wie gesehen, allerdings im Zusammenhang mit dem Anklageprinzip,
geltend gemacht, dass der Schuldspruch der Vorinstanz dieses verletze.
4.2. Die rechtliche Würdigung der Vorinstanz ist – mit den nachfolgenden  – im Ergebnis zu bestätigen:
In Abweichung zu den Erwägungen der Vorinstanz ist bei Vorgang 1 (Anklage-
ziffer 1) angesichts des Beweisergebnisses wie gesehen nicht von Heroin-,
sondern von Kokaingemisch auszugehen.
Sodann sind bei Vorgang 11 sämtliche Lieferungen erstellt, weshalb hier entge-
gen der Vorinstanz hinsichtlich sämtlicher Lieferungen von Veräusserung (lit. c)
und nur hinsichtlich der Bestellung vom 6. Dezember 2014 von Anstaltentreffen
zum Verkauf (lit. g) auszugehen ist.
4.3. In Bezug auf Anklageziffer 8 hat die Verteidigung wie gesehen gerügt, dass der Schuldspruch über das hinaus gehe, was der Anklagesachverhalt behaup-
te. Es trifft zu, dass der Anklageschrift kein Verwendungszweck der beim Be-
schuldigten sichergestellten Drogen zu entnehmen ist (vgl. vorstehende
Erw. 3.9.3). Entgegen der Verteidigung ist daraus aber nicht zu schliessen,
dass der Vorwurf entsprechend nur als Besitz zum Eigenkonsum verstanden
werden kann. Vielmehr lässt die Umschreibung des Sachverhaltes sowohl die
Subsumtion unter den Tatbestand von Art. 19 BetmG als auch Art. 19a BetmG
zu. Gemäss Bundesgericht ist der privilegierende Tatbestand von Art. 19a
BetmG restriktiv auszulegen (Urteil des Bundesgerichts 6B_352/2014 vom
22. Mai 2015 E. 4). Jenem, der – sei es auch nur zur Befriedigung des eigenen
Bedarfs – Handel treibt, d.h. Drogen verkauft oder vermittelt und somit Dritten
bzw. potentiellen Konsumenten zugänglich macht, kann der privilegierte Tat-
bestand von Art. 19a BetmG nicht zugute kommen. Das Gleiche muss gelten,
wenn durch Widerhandlungen gegen Art. 19 BetmG zum Zwecke des eigenen
Konsums eine entsprechende konkrete – und damit eindeutig eine grössere als
die in Art. 19 BetmG gesetzlich vermutete – Gefahr des Zugänglichwerdens von
Drogen für Dritte (z.B. durch entsprechendes Lagern) geschaffen wird (BGE
- 89 -
118 IV 200 E. 3d). Dass der Beschuldigte die Drogen zum Zwecke des Eigen-
konsums bei sich gelagert habe, wird vom Beschuldigten persönlich indessen
nicht einmal behauptet. Und selbst wenn man (zumindest auch) von Eigenkon-
sum ausgehen wollte, muss angesichts der Intensität und des Ausmasses des
von ihm erstelltermassen betriebenen Drogenhandels mindestens von einer die
Anwendung von Art. 19a BetmG ausschliessenden konkreten Gefahr des Zu-
gänglichwerdens von Drogen für Dritte im Sinne der vorerwähnten Recht-
sprechung ausgegangen werden. Vor diesem Hintergrund ist die rechtliche
Würdigung, wonach der Beschuldigte durch den in Anklageziffer 8 umschriebe-
nen Sachverhalt den Tatbestand von Art. 19 Abs. 1 lit. b BetmG (Lagerung
verschiedener illegaler Betäubungsmittel) erfüllt habe (Urk. 112 S. 99), zu
bestätigen.
4.4. Ebenso zu bestätigen ist die Würdigung der Vorinstanz, wonach in  zur Anklage gebrachten Sachverhalten die Grenze zu einer qualifizierten
Widerhandlung nach Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG überschritten worden ist. Einer
qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von
Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG macht sich strafbar, wer weiss oder annehmen
muss, dass die Widerhandlung mittelbar oder unmittelbar die Gesundheit vieler
Menschen in Gefahr bringen kann. Eine Gefährdung der Gesundheit vieler
Menschen im Sinne von Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG wird ab einer Reinsubstanz
von mindestens 12 g Heroin bzw. 18 g Kokain angenommen (BGE 121 IV 332
E. 2a; BGE 109 IV 143 E. 3b; OF-Kommentar zum BetmG, Fingerhuth/
Schlegel/Jucker, 3. Auflage 2016, Art. 19 BetmG N 176 und N 181). Diese
Grenzwerte sind ohne Weiteres erfüllt. Auf die konkrete Gesamtmenge wird im
Rahmen der Strafzumessung einzugehen sein (vgl. nachfolgende Erw. 5.5 und
5.6).
4.5. Damit bleibt es beim vorinstanzlichen Schuldspruch der mehrfachen  Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz nach Art. 19 Abs. 1
lit. b (betreffend Anklageziffer 1, 2, 4 und 8), c (betreffend Anklageziffer 6 und 7
[teilweise]), d (betreffend Anklageziffer 5) und g (betreffend Anklageziffer 3 und
7 [teilweise]) in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG.
- 90 -
5. Strafzumessung
5.1. Am 1. Januar 2018 sind revidierte Bestimmungen des allgemeinen Teils des Strafgesetzbuches, das neue Sanktionenrecht, in Kraft getreten. Gemäss
Art. 2 StGB wird ein Straftäter grundsätzlich nach demjenigen Recht beurteilt,
das bei Begehung der Tat in Kraft war. Jedoch ist eine zwischen der Tatbe-
gehung und der gerichtlichen Beurteilung in Kraft getretene Revision zu berück-
sichtigen, wenn das neue Recht das mildere ist. Die Frage nach der lex mitior
ist nach Lehre und Rechtsprechung nicht abstrakt, sondern aufgrund der kon-
kreten Methode zu beantworten. Es ist sowohl das alte als auch das neue
Recht anzuwenden und durch Vergleich der Ergebnisse zu prüfen, welches
Recht für den Täter das günstigere ist (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts
6B_102/2011 vom 14. Februar 2012 E. 1.3.1; PK StGB-Trechsel/Vest, 20. Auf-
lage 2018, Art. 2 N 11). Bei der vorliegend zur Diskussion stehenden Strafhöhe
ändert sich durch die revidierten Bestimmungen des neuen Rechts nichts,
weshalb das Recht zur Anwendung gelangt, welches bei Begehung der Tat in
Kraft war.
5.2. Die Vorinstanz hat die Grundsätze, nach welchen eine Strafe im  und bei Betäubungsmitteldelikten im Besonderen zuzumessen ist, unter
Verweis auf die einschlägige Rechtsprechung richtig zusammengefasst
(Urk. 112 S. 100 ff.). Zur Vermeidung von Wiederholungen kann darauf ver-
wiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Die Strafe ist vorliegend innerhalb eines
Strafrahmens von 1 bis zu 20 Jahren Freiheitsstrafe zu bemessen (Art. 19
Abs. 2 BetmG, Art. 40 aStGB).
5.3. Im Sinne einer Kontrolle und im Interesse von Rechtsgleichheit und -sicherheit ist ein Vergleich mit der empirischen Strafmasstabelle von
Fingerhuth/Schlegel/Jucker (Fingerhuth/Schlegel/Jucker, a.a.O., Art. 47 StGB
N 25 ff.) bei der Einsatzstrafe hilfreich. Darin wird anhand verschiedener
Modelle und der Gerichtspraxis in der Schweiz zu Betäubungsmitteldelikten ein
grober Raster für die Strafhöhe vorgeschlagen.
- 91 -
5.4. Objektiv fällt im Rahmen der Verbrechen gegen das  zunächst die Drogenart sowie die ungefähre Menge der Drogen ins Ge-
wicht, bezüglich deren dem Beschuldigten eine Widerhandlung gegen das Be-
täubungsmittelgesetz nachgewiesen werden kann. Mit der Vorinstanz ist aller-
dings festzuhalten, dass Art und Menge der umgesetzten Betäubungsmittel bei
der Strafzumessung zwar wichtige Strafzumessungsfaktoren sind, der Drogen-
menge jedoch keine vorrangige Bedeutung zukommt (Urk. 112 S. 101 f. mit
Verweis auf BGE 121 IV 202 E. 2d/cc). Zudem verlieren die genaue Betäu-
bungsmittelmenge und der Reinheitsgrad an Bedeutung, je deutlicher die Gren-
ze zum schweren Fall im Sinne von Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG überschritten ist
(Urk. 112 S. 101 mit Verweis auf BGE 121 IV 193 E. 2b/aa).
5.5. Sichergestellt und analysiert werden konnten lediglich die in der Nacht vom 15. auf den 16. Dezember 2013 durch den Kurier N._ von den Niederlan-
den her über Deutschland transportierten Drogen (Vorgang 12: Verhaftung von
N._ am Grenzübergang Kreuzlingen mit 2'000 g Heroingemisch mit einem
Reinheitsgehalt von 62 % [1'240 g Reinsubstanz] und 650 g Kokaingemisch mit
einem Reinheitsgrad von 28 % [182 g Reinsubstanz]), das in der Wohnung des
Beschuldigten deponierte Kokaingemisch (41.9 g Kokaingemisch, Reinheitsge-
halt von 45 % = 18.9 g Reinsubstanz) sowie das MDMA (3.8 g MDMA). Hin-
sichtlich des weiteren vom Beschuldigten eingeführten bzw. verkauften Heroin-
bzw. Kokaingemischs konnte der Reinheitsgrad nicht ermittelt werden. Können
die von jemandem eingeführten bzw. gehandelten Betäubungsmittel nicht kon-
fisziert werden, besteht hinsichtlich der Menge des reinen Drogenwirkstoffs ein
Beweisproblem. Wie die Vorinstanz richtig dargelegt hat, ist in solchen Fällen
vernünftigerweise davon auszugehen, dass die Drogen mittlerer Qualität sind,
solange es keine Hinweise auf eine besonders reine oder gestreckte Substanz
gibt (Urk. 112 S. 95 mit Verweis auf BGE 138 IV 100 E. 3.5). Dabei wird regel-
mässig auf die Betäubungsmittelstatistik der Gruppe Forensische Chemie der
Schweizerischen Gesellschaft für Rechtsmedizin (nachfolgend: Statistik der
SGRM) gegriffen, wie dies auch die Vorinstanz getan hat (Urk. 112 S. 95 ff.).
- 92 -
5.6. In Anwendung dieser Grundsätze ist die Vorinstanz von einer  von insgesamt 5'138 g reinem Heroin, 305 g reinem Kokain sowie 3.8 g
MDMA ausgegangen (Urk. 112 S. 102). Diese Annahme ist insofern zu korrigie-
ren, als dass in Bezug auf den ersten Anklagesachverhalt zugunsten des Be-
schuldigten nicht von der Einfuhr von Heroin-, sondern von Kokaingemisch
auszugehen ist (Durchschnittswert Kokain-HCL ab 1 kg gemäss Statistik der
SGRM 2013: 72 %). Sodann hat sich die Vorinstanz hinsichtlich der Anklage-
ziffern 3 - 6 auf den Medianwert 2014 für Heroin-Base ab 1 kg Gesamtmenge
abgestützt, da für Heroin-Chlorwasserstoff (HCL) für das Jahr 2014 keine Ver-
gleichswerte bestünden [Urk. 112 S. 97 mit Verweis auf die Statistik der SGRM
2014]. Das ist in zweierlei Hinsicht anzupassen. Zum einen können die Ver-
gleichswerte für das Jahr 2014 für Heroin-HCL der Statistik des Folgejahres
entnommen werden (Durchschnittswert Heroin-HCL ab 1 kg für das Jahr 2014
gemäss Statistik der SGRM 2015: 42 %) und zum anderen ist bei den Anklage-
sachverhalten 5 und 6 von einem tieferen Mengenbereich auszugehen, als dies
die Vorinstanz getan hat (100 g - 1 kg anstatt ab 1 kg: 39 %). In Bezug auf An-
klagesachverhalt 6 rechtfertigt es sich sodann, angesichts der Angaben von
C._ zugunsten des Beschuldigten nicht mehr von einer durchschnittlichen
Betäubungsmittelqualität, sondern vom unteren Quartil auszugehen (vgl. dazu
vorstehende Erw. 3.7.5.1, unteres Quartil Heroin-HCL 100 g - 1 kg gemäss Sta-
tistik der SGRM 2014: 19 %). Keine Veranlassung zur Abweichung von den
Durchschnittswerten besteht hingegen – entgegen der Vorinstanz – in Bezug
auf Vorgang 11 (Anklageziffer 7). Im Umstand, dass das bei der Verhaftung von
N._ rund ein Jahr zuvor sichergestellte Kokain von weit schlechterer Quali-
tät gewesen ist, ist – entgegen der Vorinstanz (Urk. 112 S. 98 f.) – kein Hinweis
zu sehen, dass das Kokain auch hier von minderer Qualität gewesen sein
muss.
5.7. Insgesamt ist damit von einer Gesamtmenge von rund 4 kg Heroin () sowie von einer Gesamtmenge von rund 1.4 kg Kokain (Rein-
substanz) auszugehen. Hinzu kommen die anlässlich der Hausdurchsuchung
sichergestellten 3.8 g MDMA (Ecstasy).
- 93 -
5.8. Die dem Beschuldigten anzulastenden Betäubungsmittelmengen  die gemäss dem Bundesgericht für einen schweren Fall im Sinne von
Art. 19 Abs. 2 BetmG anzunehmende Grenzwerte in Bezug auf das Kokain um
das rund 79-fache und in Bezug auf das Heroin um das rund 340-fache.
Dadurch hat der Beschuldigte den Grundstein dafür gelegt, das Leben und die
Gesundheit unzähliger Menschen zu gefährden.
5.9. Zu berücksichtigen gilt es aber, dass der Beschuldigte nicht die gesamten ihm gelieferten Betäubungsmittel in Umlauf bringen konnte. Den Verkauf der
Ware konnte dem Beschuldigten "nur" in Bezug auf die Anklagesachverhalte 6
(133 g Heroin [Reinsubstanz]) und 7 (145 g Kokain [Reinsubstanz]) nachge-
wiesen werden. Hinsichtlich der Anklagesachverhalte 1, 2, 4, 5 und 8 ist von
Einfuhr, Erwerb bzw. Lagerung auszugehen. Bei Vorgang 30 (Anklageziffer 3)
sowie teilweise bei Vorgang 11 (Anklageziffer 7) ist es gar bei einem Anstalten-
treffen durch den Beschuldigten geblieben, was weniger schwer wiegt. Aller-
dings war das Tatgeschehen bei beiden Sachverhalten schon relativ weit fort-
geschritten und lag das Scheitern nicht im Wirkungsbereich des Beschuldigten.
Der Umstand, dass es hinsichtlich der bei Vorgang 30 zur Diskussion stehen-
den 1'680 g Heroin (Reinsubstanz) beim blossen Anstaltentreffen zur Einfuhr
geblieben ist, ist deshalb nur leicht strafmindernd zu berücksichtigen. Gleiches
gilt in Bezug auf die von M._ am 6. Dezember 2014 bestellten, hernach
aber nicht abgeholten 50 g Kokaingemisch (Vorgang 11).
5.10. Dem Beschuldigten muss mit der Vorinstanz angesichts der von ihm  Vorkehrungen zur Verschleierung seiner Machenschaften ein profes-
sionelles Vorgehen attestiert werden. So verwendete er mehrere auf verschie-
dene Personen gemeldete Telefonanschlüsse sowie öffentliche Telefonkabinen
(Urk. 112 S. 103) und bediente sich einer konspirativen Ausdrucksweise. Er-
schwerend ins Gewicht fallen sodann die Anzahl der Einzelhandlungen, der er-
hebliche Deliktszeitraum sowie der Umstand, dass der Beschuldigte innerhalb
der Schweiz auf der obersten Ebene in der Dealer-Hierarchie gestanden hat.
Der Beschuldigte organisierte nicht etwa als bloss Ausführender in untergeord-
neter Stellung, sondern selbständig die Einfuhr (und auch den Vertrieb) der Be-
- 94 -
täubungsmittel in der Schweiz (vgl. dazu auch Urk. 112 S. 103). Straferhöhend
ist der internationale Bezug zu werten. Internationaler Betäubungsmittelhandel
ist besonders gefährlich, weil er die nationalen Grenzen und damit die er-
schwerte grenzüberschreitende Strafverfolgung ausnützt (Urteil des Bundesge-
richtes 6B_189/2017 vom 7. Dezember 2017 Erw. 5.1). Der Beschuldigte zeigte
sich zudem auch durch die Festnahme von N._ nicht beeindruckt. Er mani-
festierte dadurch eine ganz erhebliche kriminelle Energie.
5.11. In subjektiver Hinsicht liegt auf der Hand, dass der Beschuldigte direkt vorsätzlich gehandelt hat. Motiviert war er durch die finanziellen Vorteile, die er
auf Kosten der Gesundheit einer Grosszahl von Konsumenten in egoistischer
Weise zu erlangen trachtete. Eine unverschuldete Notlage hat bei ihm nicht be-
standen. Hinweise auf eine im anklagerelevanten Zeitpunkt bestehende Kokain-
oder Heroinsucht sind den Akten nicht zu entnehmen (vgl. dazu auch Urk. 112
S. 103) und insbesondere keine daraus resultierende Zwangslage, in diesem
sehr grossen Umfang Heroin und Kokain in die Schweiz einzuführen und dieses
auch zu verkaufen. Das subjektive Verschulden vermag die objektive Tatschwe-
re nicht in einem milderen Licht erscheinen. Insgesamt erweist sich das Ver-
schulden des Beschuldigten mit der Vorinstanz als erheblich (Urk. 112 S. 104).
5.12. Die Vorinstanz setzte nach Würdigung der Tatkomponenten eine  von 8 Jahren fest. Angesichts der gesamten Tatumstände und im Ver-
hältnis zu allen denkbaren Tatvarianten erscheint diese im unteren Bereich des
mittleren Drittels des Strafrahmens anzusiedelnde Einsatzstrafe auch dann
noch als angemessen, wenn man den Umstand miteinbezieht, dass hinsichtlich
des ersten Anklagesachverhaltes von der Einfuhr von Kokain und nicht von
Heroin auszugehen ist. Ein Blick auf die Strafmassmodelle von Fingerhuth/
Schlegel/Jucker (vgl. vorstehende Erw. 5.3) zeigt, dass diese Einsatzstrafe ei-
nem Vergleich zu anderen Urteilen in der Schweiz standhält.
5.13. Im Zusammenhang mit den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten kann auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 112 S. 104 f.)
zumal sich diesbezüglich seit dem erstinstanzlichen Urteil keine massgeblichen
Veränderungen ergeben haben. Der Beschuldigte hat anlässlich der Beru-
- 95 -
fungsverhandlung keine Angaben gemacht (Urk. 190 S. 2). Mit der Vorinstanz
sind die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten strafzumessungsneutral
zu werten.
5.14. Stark straferhöhend wirken sich dagegen die einschlägigen Vorstrafen des Beschuldigten sowie die Delinquenz während laufender Probezeit aus. Wie
von der Vorinstanz dargelegt, kam der Beschuldigte erst im Jahr 2004 in die
Schweiz und begann sogleich zu delinquieren (Urk. 112 S. 105, Prot. I S. 28,
Urk. 190 S. 2). Im Jahr 2007 wurde der Beschuldigte vom Obergericht Zürich,
II. Strafkammer, für den Deliktszeitraum von März 2004 bis September 2005 zu
einer bedingten Gefängnisstrafe von 16 Monaten verurteilt. Im Jahr 2010 wurde
der Beschuldigte wiederum vom Obergericht Zürich, II. Strafkammer, abermals
wegen Verbrechens gegen das BetmG, zu einer Freiheitsstrafe von 8 1⁄2 Jahren
verurteilt, unter Widerruf des bedingt gewährten Vollzuges der Strafe aus dem
Jahr 2007. Am 2. August 2013 wurde der Beschuldigte bedingt aus dem Straf-
vollzug entlassen. Nachdem er nur kurz aus der Schweiz ausgereist war, de-
linquierte er nach seiner Rückreise nur gerade drei Monate später und bis zu
seiner Verhaftung im April 2015 während laufender Probezeit kontinuierlich und
nicht in minderer Intensität mit den vorliegend zu beurteilenden Taten erneut
mehrfach und in einschlägiger Weise (Urk. 112 S. 105, Urk. 168, Urk. 194). Die
zuvor ausgesprochenen Strafen haben den Beschuldigten ganz offensichtlich
überhaupt nicht beeindruckt. Der Beschuldigte scheint unbelehrbar zu sein.
Selbst die Verbüssung einer mehrjährigen Freiheitsstrafe sowie die drohende
Reststrafe von über drei Jahren konnten den Beschuldigten nicht von weiterer
Delinquenz abhalten. Vielmehr wurde er erneut in massiver und einschlägiger
Weise über einen grösseren Zeitraum mehrfach deliktisch tätig. Durch sein
Vorgehen offenbarte der Beschuldigte eine erschreckende Renitenz und
Gleichgültigkeit gegenüber der schweizerischen Rechtsordnung.
5.15. Der Beschuldigte kann weder Einsicht noch Reue für sich beanspruchen. Leicht strafmindernd gewertet werden muss hingegen die lange Verfahrens-
dauer. Im Untersuchungsverfahren sind keine übermässigen Verzögerungen
auszumachen. Die Dauer zwischen der Verhaftung des Beschuldigten im April
- 96 -
2015 und Anklageerhebung im November 2016 erscheint angesichts der An-
zahl der Anklagevorwürfe sowie angesichts des Umfanges der damals aufzu-
bereitenden Beweismittel insgesamt nicht als übermässig lang. Das Gleiche gilt
– angesichts des Aktenumfangs sowie des Umstandes, dass die gegen
D._ und H._ geführten Verfahren mit dem vorliegenden zu koordinie-
ren waren – an sich auch für das erstinstanzliche Gerichtsverfahren. Aus dem
Schreiben des Gerichtspräsidenten des Bezirksgerichts Winterthur an die Ver-
teidiger des Beschuldigten sowie von D._ und H._ vom 27. Januar
2017 geht aber hervor, dass die Hauptverhandlung insbesondere wegen feh-
lender Ressourcen erst im Oktober 2017 und damit fast ein Jahr nach Anklage-
erhebung angesetzt werden konnte (Urk. 65). Hingegen wurde die begründete
Fassung des erstinstanzlichen Urteils gemessen am Umfang relativ schnell an
die Parteien versandt (Urk. 110). Nach Eingang der Berufungserklärung des
Beschuldigten am Obergericht Ende Januar 2018 dauerte es dann aber weitere
eineinhalb Jahre, bis das zweitinstanzliche Urteil erging. Diese lange Ver-
fahrensdauer war zumindest teilweise darin begründet, dass der Beschuldigte
gegen die Präsidialverfügung vom 20. April 2018 sowie den Beschluss vom
26. April 2018 Beschwerde ans Bundesgericht erheben liess und nach er-
folgtem Ausstandsbegehren der Verteidigung relativ kurz vor der Berufungs-
verhandlung die Gerichtsbesetzung geändert werden musste (Urk. 138, 140,
148, 151, 163, Urk. 169). Trotz dieser objektiven Gründe erscheint gerade auch
unter Berücksichtigung der Tatsache, dass sich der Beschuldigte bis heute in
Haft befindet, und solche Verfahren gemäss Art. 5 Abs. 2 StPO vordringlich
durchzuführen sind, die Verfahrensdauer insgesamt aber als zu lang, was leicht
strafmindernd zu berücksichtigen ist.
5.16. Angesichts der angezeigten starken Straferhöhung wegen der  Vorstrafen sowie der Delinquenz während der Probezeit erscheint
es insgesamt angemessen, die von der Vorinstanz festgesetzte Freiheitstrafe
von 9 Jahren und 6 Monaten trotz der zusätzlich strafmindernd zu berücksich-
tigenden langen Verfahrensdauer im zweitinstanzlichen Verfahren zu über-
nehmen. Insbesondere muss nämlich festgehalten werden, dass die Vorinstanz
die Vorstrafen sowie die Delinquenz während laufender Probezeit mit einer
- 97 -
Erhöhung der Einsatzstrafe um einen Viertel (von 8 Jahren auf 10 Jahre) sehr
zurückhaltend gewichtet hat.
6. Widerruf/Rückversetzung/Gesamtstrafe
6.1. Das Gericht ordnet die Rückversetzung in den Strafvollzug an, wenn der bedingt Entlassene während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen be-
gangen hat und deshalb zu erwarten ist, dass er weitere Straftaten verüben
wird (Art. 89 Abs. 1 und 2 StGB). Ist nicht zu erwarten, dass der Verurteilte
weitere Straftaten begehen wird, so verzichtet das Gericht auf eine Rückver-
setzung. Es kann den Verurteilten verwarnen und die Probezeit um höchstens
die Hälfte der von der zuständigen Behörde ursprünglich festgesetzten Dauer
verlängern (Art. 89 Abs. 2 StGB). Sind auf Grund der neuen Straftat die
Voraussetzungen für eine unbedingte Freiheitsstrafe erfüllt und trifft diese mit
der durch den Widerruf vollziehbar gewordenen Reststrafe zusammen, so bildet
das Gericht in Anwendung von Artikel 49 eine Gesamtstrafe (Art. 89 Abs. 6
StGB). Die Rückversetzung darf nicht mehr angeordnet werden, wenn seit dem
Ablauf der Probezeit drei Jahre vergangen sind (Art. 89 Abs. 4 StGB).
6.2. Die mit Verfügung des Amtes für Justizvollzug des Kantons Zürich vom 24. Juni 2013 bei der bedingten Entlassung des Beschuldigten aus dem Straf-
vollzug angesetzte Probezeit ist am 13. November 2016 abgelaufen (Urk. 114
S. 2 und Urk. 196 S. 2). Mit der Staatsanwaltschaft ist damit die Rück-
versetzung heute noch möglich (Urk. 192 S. 11). Mit der Vorinstanz sind auch
die übrigen Voraussetzungen für eine Rückversetzung im Sinne von Art. 89
Abs. 1 StGB erfüllt und ist vor dem Hintergrund der heute auszusprechenden
unbedingten Freiheitsstrafe mit der zu widerrufenen Reststrafe eine Gesamt-
strafe im Sinne von Art. 89 Abs. 6 StGB zu bilden (Urk. 112 S. 106 f.). Ein Ver-
zicht auf eine Rückversetzung im Sinne von Art. 89 Abs. 2 StGB fällt angesichts
der durch die erneute massive und einschlägige Delinquenz des Beschuldigten
über einen längeren Zeitraum zum Ausdruck gebrachten Unbelehrbarkeit und
Uneinsichtigkeit ausser Betracht (vgl. dazu auch vorstehende Erw. 5.14).
- 98 -
6.3. Der Beschuldigte wird auch zweitinstanzlich mit einer Freiheitsstrafe von 9 Jahren und 6 Monaten belegt. Unter Berücksichtigung der Reststrafe von
3 Jahren und 104 Tagen sowie unter Beachtung der zwingend zu gewährenden
Privilegierung durch das Asperationsprinzip ist die heutige Strafe im Sinne der
Erwägungen der Vorinstanz um 2 Jahre zu erhöhen (Urk. 112 S. 107, vgl. zum
Vorgehen bei der Bildung einer Gesamtstrafe bei der Rückversetzung auch
BGE 135 IV 146 E. 2.4.1). Dies entspricht einer eher grosszügigen Privilegie-
rung. Aufgrund des vorliegend zu berücksichtigenden Verschlechterungsverbo-
tes verbietet sich indessen eine geringere Gewichtung (Art. 391 Abs. 2 StPO).
6.4. In Würdigung aller massgeblichen Umstände ist der Beschuldigte mit einer Gesamtstrafe von 11 Jahren und 6 Monaten zu belegen.
6.5. Einer Anrechnung der vom Beschuldigten bis und mit heute erstandenen Untersuchungs- und Sicherheitshaft im Umfang von 1537 Tagen an die Frei-
heitsstrafe steht nichts entgegen (Art. 51 StGB).
7. Beschlagnahmungen/Einziehung
Unter Verweis auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz sind – dem An-
trag der Staatsanwaltschaft (Prot. I S. 14) folgend – die beim Beschuldigten be-
schlagnahmten Barschaften (Fr. 2'940.– und EUR 120.–, vgl. Urk. 21/4) zur De-
ckung der Verfahrenskosten heranzuziehen (Urk. 112 S. 111, Art. 442 Abs. 4
StPO).
8. Kosten- und Entschädigungsfolgen
8.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die erstinstanzliche Kostenauflage (Urk. 112 S. 111 ff.) zu bestätigen.
8.2. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte
unterliegt heute mit seinen Anträgen vollumfänglich, weshalb ihm auch die
Kosten des Berufungsverfahrens aufzuerlegen sind. Die Kosten der amtlichen
Verteidigung hingegen sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, wo-
- 99 -
bei eine Rückzahlungspflicht des Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO
vorzubehalten ist.
8.3. Für die amtliche Verteidigung des Beschuldigten im Berufungsverfahren werden Fr. 20'991.70 geltend gemacht (Urk. 189). Dies erscheint als aus-
gewiesen und angemessen. Hinzu kommen die in der Honorarnote noch nicht
berücksichtigten Aufwendungen für das Studium des Urteils sowie die Nach-
besprechung mit dem Beschuldigten im Gefängnis samt Wegentschädigung.
Der amtliche Verteidiger ist daher mit Fr. 23'000.– (inkl. MWSt) aus der Ge-
richtskasse zu entschädigen.
8.4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens fällt eine Genugtuung zugunsten des Beschuldigten für das gesamte Verfahren ausser Betracht (Art. 429 StPO).