Decision ID: 13c076dd-35f1-5d73-81dd-fbc0989df0ad
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A._, geboren 1960, türkische Staatangehörige, reiste am 23. Juni 1990 zu ihrem
Ehemann B._, geboren 1956, türkischer Staatsangehöriger, in die Schweiz ein. Am
25. Juni 1990 beantragte sie erstmals Asyl in der Schweiz und wurde in das bereits
eingereichte Asylgesuch ihres Ehemannes aufgenommen (Vorakten Migrationsamt,
nachfolgend Dossier, S. 34 ff.). Das Bundesamt für Flüchtlinge (heute: Staatssekretariat
für Migration) lehnte das Asylgesuch mit Verfügung vom 25. Februar 1992 ab. Die
Eheleute A._ und B._ wurden aber als Flüchtlinge anerkannt und in der Schweiz
vorläufig aufgenommen. In den Flüchtlingsstatus der Eltern wurden am 5. Februar 1993
die beiden Töchter, K._, geboren 1991, und L._, geboren 1992, einbezogen. Mit
einem Touristenvisum reiste am 22. September 1993 die älteste Tochter M._, geboren
1985, in die Schweiz ein. Sowohl sie als auch das jüngste Kind des Ehepaares, Sohn
P._, geboren 1993, wurden in den Flüchtlingsstatus der Eltern einbezogen.
B. Am 17. November 2003 reichte B._ für sich und seine Familie ein Gesuch um
Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung ein. Dieses wies das Ausländeramt (heute
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Migrationsamt) mit Verfügung vom 19. März 2004 ab. Ein weiteres Gesuch um
Erteilung einer humanitären Aufenthaltsbewilligung vom 10. März 2010 wurde mit
Verfügung vom 11. November 2010 wegen strafrechtlicher Verurteilungen und
fehlender finanzieller Unabhängigkeit abgewiesen und die Unterbreitung des Falles an
das Bundesamt für Migration verweigert. Der Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung für
die älteste Tochter M._ (heute S._) stimmte das Staatssekretariat für Migration auf
Antrag des Migrationsamtes am 13. Juni 2009 zu.
C. Am 20. Mai 2012 reichte B._ für sich und seine Familie ein neues Gesuch um
Erteilung einer humanitären Aufenthaltsbewilligung ein. Am 12. Juni 2012 stimmte das
Staatssekretariat für Migration auf Antrag des Migrationsamtes der Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung für die Tochter L._ zu. Das Gesuch für die restlichen
Familienangehörigen wies das Migrationsamt hingegen aufgrund mangelnden
Integrationswillens und mangels einer dauerhaft gesicherten wirtschaftlichen Existenz
mit Verfügung vom 25. Februar 2013 ab und verweigerte die Unterbreitung des Falles
an das Bundesamt für Migration. Den dagegen erhobenen Rekurs wies das
Sicherheits- und Justizdepartement mit Entscheid vom 3. Februar 2014 ab.
D. Ein weiteres Gesuch um Erteilung einer humanitären Aufenthaltsbewilligung reichte
B._ für sich und seine Familie am 10. April 2015 ein. Dieses wurde in der Folge vom
Migrationsamt mit Verfügung vom 8. Juli 2015 ebenfalls abgewiesen und die
Unterbreitung des Falles an das Bundesamt für Migration wurde verweigert.
E. Der Tochter K._ wurde auf Gesuch hin per 27. März 2017 die
Aufenthaltsbewilligung erteilt. Das zuletzt eingereichte Gesuch des Sohnes P._ wies
das Migrationsamt hingegen am 10. April 2017 insbesondere wegen Straffälligkeiten ab
und verweigerte die Unterbreitung des Falles an das Bundesamt für Migration.
F. Am 2. August 2017 stellte A._, vertreten durch Claudio Wellington, für sich allein ein
Gesuch um Erteilung einer humanitären Aufenthaltsbewilligung. Das Migrationsamt
wies das Gesuch mit Verfügung vom 26. Februar 2018 ab und verweigerte die
Unterbreitung des Falles an das Bundesamt für Migration. Das Sicherheits- und
Justizdepartement wies ihren gegen diese Verfügung erhobenen Rekurs am
18. September 2018 ab.
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G. A._ (Beschwerdeführerin) erhob gegen den am 18. September 2018 versandten
Rekursentscheid des Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) durch ihren
Vertreter mit Eingabe vom 28. September 2018 (Poststempel vom 29. September 2018)
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren, das Gesuch um
Erteilung einer humanitären Aufenthaltsbewilligung sei einer erneuten vertieften Prüfung
zu unterziehen. Zudem beantragte die Beschwerdeführerin die unentgeltliche
Rechtspflege.
Mit verfahrensleitender Verfügung vom 2. Oktober 2018 entsprach der zuständige
Abteilungspräsident dem Gesuch der Beschwerdeführerin um Befreiung von den
amtlichen Kosten des Verfahrens. Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung
vom 12. Oktober 2018, die Beschwerde sei abzuweisen und verwies auf die
Erwägungen im angefochtenen Entscheid. Am 19. Oktober 2018 nahm der Vertreter
der Beschwerdeführerin auf der Gerichtskanzlei Einsicht in die Akten. Am 5. November
2018 nahm er für die Beschwerdeführerin Stellung. Die Vorinstanz verzichtete
stillschweigend auf eine weitere Äusserung.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen der
Beschwerdeführerin zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die
Beschwerdeführerin ist zur Beschwerde gegen den Rekursentscheid, mit dem ihr
Rechtsmittel gegen die Verfügung des Migrationsamts vom 26. Februar 2018
abgewiesen wurde, befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die
Beschwerde gegen den am 18. September 2018 versandten Rekursentscheid wurde
mit Eingabe vom 28. September 2018 (Poststempel vom 29. September 2018)
rechtzeitig erhoben und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
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Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf
die Beschwerde ist deshalb einzutreten.
2. Ausländerinnen und Ausländer können grundsätzlich nur bei Vorliegen von
bestimmten Zulassungsvoraussetzungen eine Aufenthaltsbewilligung beantragen (vgl.
Art. 18 ff. des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die
Integration [Ausländer- und Integrationsgesetz; SR 142.20, AIG]). Gemäss Art. 84
Abs. 5 AIG werden Gesuche um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung von vorläufig
aufgenommenen Ausländerinnen und Ausländern, die sich seit mehr als fünf Jahren in
der Schweiz aufhalten, unter Berücksichtigung der Integration, der familiären
Verhältnisse und der Zumutbarkeit einer Rückkehr in den Herkunftsstaat vertieft
geprüft. Diese Bestimmung stellt keine eigene Rechtsgrundlage dar, sondern verweist
implizit auf Art. 30 Abs. 1 Ingress und lit. b AIG. Danach kann von den
Zulassungsvoraussetzungen gemäss Art. 18-29 AIG abgewichen werden, um
schwerwiegenden persönlichen Härtefällen oder wichtigen öffentlichen Interessen
Rechnung zu tragen. Diese gesetzlichen Grundlagen wurden mit der am 1. Januar 2019
in Kraft getretenen Teilrevision des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und
Ausländer vom 16. Dezember 2016 nicht geändert (vgl. AS 2017 S. 6521, AS 2018
S. 3171).
Art. 30 Abs. 1 Ingress und lit. b AIG wird durch Art. 31 Abs. 1 der Verordnung über
Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (SR 142.201, VZAE) mit ausdrücklichem
Hinweis im Randtitel, unter anderem auf Art. 84 Abs. 5 AIG, konkretisiert. Danach sind
bei der Härtefallbeurteilung die Integration anhand der Integrationskriterien nach Artikel
58a Absatz 1 AIG (lit. a), die Familienverhältnisse, insbesondere der Zeitpunkt der
Einschulung und die Dauer des Schulbesuchs der Kinder (lit. c), die finanziellen
Verhältnisse (lit. d), die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz (lit. e), der
Gesundheitszustand (lit. f) und die Möglichkeit für eine Wiedereingliederung im
Herkunftsstaat (lit. g) zu berücksichtigen. Gemäss den Integrationskriterien nach
Art. 58a Abs. 1 AIG, der am 1. Januar 2019 in Kraft getreten ist (vgl. AS 2018 S. 3171),
muss die zuständige Behörde die Beachtung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung
(lit. a), die Respektierung der Werte der Bundesverfassung (lit. b), die
Sprachkompetenzen (lit. c) und die Teilnahme am Wirtschaftsleben oder am Erwerb
von Bildung (lit. d) berücksichtigen. Bereits in der bis 31. Dezember 2018 gültigen
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Fassung verlangte Art. 31 Abs. 1 VZAE in allgemeiner Weise die Berücksichtigung der
Integration (lit. a), der Respektierung der Rechtsordnung (lit. b) und der finanziellen
Verhältnisse sowie des Willens zur Teilhabe am Wirtschaftsleben und zum Erwerb von
Bildung (lit. d). Art. 58a AIG führt neu einzig auf Gesetzesstufe klare
Integrationskriterien auf, die von den zuständigen Behörden bei ihren Entscheiden
jedoch bereits gestützt auf Art. 31 Abs. 1 VZAE in der früheren Fassung berücksichtigt
wurden (vgl. dazu Botschaft zur Änderung des Ausländergesetzes [Integration] vom
8. März 2013, in: BBl 2013 S. 2397 ff., S. 2427 ff.; Erläuternder Bericht des
Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements [EJPD] zur Änderung der VZAE vom
2. August 2018, S. 11.).
Die Aufzählung in Art. 31 Abs. 1 VZAE ist nicht abschliessend, und die
Voraussetzungen müssen nicht kumulativ erfüllt sein. Für die Erteilung einer
Härtefallbewilligung kann es genügen, dass eines oder einige der genannten Kriterien
erfüllt sind (VerwGE B 2018/88 vom 20. Januar 2019 E. 2; VerwGE B 2010/294 vom
31. Mai 2011 E. 3, www.gerichte.sg.ch; BVGer C-1136/2013 vom 24. September 2013
E. 5.2). Da die Bestimmung auf verschiedene Härtefallregelungen im Ausländer- und
Integrationsgesetz verweist, ist es denkbar, dass die Beurteilung von wichtigen
persönlichen Gründen unterschiedlich ausfallen kann, je nach dem auf welche
gesetzliche Ausgangslage sie sich bezieht (vgl. BGer 2C_195/2010 vom 23. Juni 2010
E. 6.3).
Die Voraussetzungen zur Anerkennung eines Härtefalls sind restriktiv zu handhaben.
Die betroffene Person muss sich in einer persönlichen Notlage befinden. Das bedeutet,
dass ihre Lebens- und Existenzberechtigung, gemessen am durchschnittlichen
Schicksal von ausländischen Personen, in gesteigertem Mass in Frage gestellt sein
müssen beziehungsweise die Verweigerung einer Abweichung von den
Zulassungsvoraussetzungen für sie mit schweren Nachteilen verbunden wäre. Bei der
Beurteilung eines Härtefalles müssen sämtliche Umstände des jeweiligen Einzelfalls
berücksichtigt werden. Die Anerkennung als Härtefall setzt nicht zwingend voraus,
dass die Anwesenheit in der Schweiz das einzige Mittel zur Verhinderung einer
persönlichen Notlage darstellt. Auf der anderen Seite reichen eine lang dauernde
Anwesenheit und eine fortgeschrittene soziale und berufliche Integration sowie
klagloses Verhalten für sich alleine nicht aus, um einen schwerwiegenden persönlichen
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Härtefall zu begründen. Vielmehr wird vorausgesetzt, dass die ausländische Person so
enge Beziehungen zur Schweiz unterhält, dass von ihr nicht verlangt werden kann, in
einem anderen Land, insbesondere in ihrem Heimatstaat zu leben. Berufliche,
freundschaftliche und nachbarschaftliche Beziehungen, welche die betroffene Person
während ihres Aufenthaltes in der Schweiz knüpfen konnte, genügen normalerweise
nicht für eine Abweichung von den Zulassungsvoraussetzungen (vgl. VerwGE B
2018/88 vom 20. Januar 2019 E. 2; BVGer C-351/2010 vom 2. November 2012 E. 6.3,
C-2240/2010 vom 14. Dezember 2012 E. 5.3 mit Hinweisen unter anderem auf BGE
130 II 39 E. 3). Nach der kantonalen Praxis ist eine dauerhafte wirtschaftliche Existenz
anzustreben; berücksichtigt werden dabei die Prognose hinsichtlich
Sozialhilfeabhängigkeit und Arbeitswillen.
Art. 84 Abs. 5 AIG räumt als Härtefallbewilligung keinen Rechtsanspruch ein (BGer
2C_195/2010 vom 23. Juni 2010 E. 6.3; vgl. zur Entstehungsgeschichte R. Illes, in:
Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die Ausländerinnen und
Ausländer, Stämpflis Handkommentar, Bern 2010, N 1 und 27 zu Art. 84 AuG). Das
Verwaltungsgericht hat sich darauf zu beschränken, über die Einhaltung des
Ermessensspielraums zu wachen und darf nur einschreiten, wenn die Vorinstanz das
ihr zustehende Ermessen unter- oder überschritten oder missbraucht hat (Cavelti/
Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 740; Art. 61
Abs. 1 VRP).
3. Die Vorinstanz erwog, die Beschwerdeführerin erfülle mit ihrem langen Aufenthalt in
der Schweiz klarerweise die zeitliche Voraussetzung für eine vertiefte Prüfung der
Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung. Angesichts ihrer langjährigen Anwesenheit sei
folglich nicht davon auszugehen, dass in absehbarer Zeit eine Rückkehr in die Türkei
als zumutbar angesehen werden würde. Die Aufhebung ihrer vorläufigen Aufnahme
stehe ohnehin nicht in Frage. Bezüglich der Familienverhältnisse verfügten die drei
Töchter mittlerweile über Aufenthaltsbewilligungen, weshalb bei der
Beschwerdeführerin grundsätzlich von einem verstärkten Interesse an der Erteilung
einer Aufenthaltsbewilligung auszugehen sei. Die Vorinstanz stellt sich auf den
Standpunkt, dass die vorgebrachten Umstände, wonach sich die Beschwerdeführerin
seit der Einreise strafrechtlich stets wohlverhalten habe und über keine Betreibungen
verfüge, keine besondere Leistung darstelle. Die Respektierung der Rechtsordnung
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werde im Rahmen einer ordnungsgemässen Integration in der Schweiz erwartet. Die
Integration der Beschwerdeführerin sei aber sowohl in wirtschaftlicher als auch in
persönlicher/sozialer Hinsicht vielmehr mit nicht unerheblichen Defiziten behaftet,
wobei sich insbesondere die finanziellen Verhältnisse weiterhin als unzureichend
erwiesen. Die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann seien seit Dezember 2007 von der
Sozialhilfe abhängig und erhielten vom Sozialamt X._ Sozialhilfeleistungen von
monatlich zwischen CHF 100 und 400 (zuzüglich Krankenkassenprämien von monatlich
rund CHF 800). Zwar arbeite die Beschwerdeführerin seit September 2007 als
Reinigungsfachfrau bei der Firma Q._ und trage mit ihrem derzeitigen Einkommen als
Teilzeitangestellte von monatlich rund CHF 1'000 zur Reduktion der monatlichen
Sozialhilfeleistungen bei, diese Einkünften führten jedoch zu keiner Entspannung der
finanziell anhaltend prekären Situation. Die Sozialhilfeschulden betrügen mittlerweile
rund CHF 43'000 und seien in den letzten fünf Jahren um mehr als CHF 20'000
angestiegen. Hinzu komme, dass für die im gleichen Haushalt lebenden Kinder L._
und P._ derzeit Haushaltsentschädigungen im Umfang von monatlich mehreren
Hundert Franken angerechnet würden. Fielen diese mit einem möglichen Auszug der
Kinder in nächster Zeit weg, würden sich die monatlichen Sozialhilfeleistungen um
diese Beträge erhöhen. Eine auf Dauer gesicherte wirtschaftliche Existenz liege damit
nicht vor. Auch sei nicht dargetan, inwiefern es für die Beschwerdeführerin nicht
möglich oder unzumutbar sei, ihre Erwerbstätigkeit – gegebenenfalls mit einer
zusätzlichen Anstellung bei einem anderen Arbeitgeber – aufzustocken, zumal sie keine
gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder anderweitige Hinderungsgründe belege und
sich keine aus den Akten ergäben. Gemessen an ihrer Aufenthaltsdauer in der Schweiz
bestünden auch in sprachlicher und sozialer Hinsicht lediglich akzeptable
Deutschkenntnisse und ausgesprochen vage Angaben zu einem bestehenden
Freundeskreis. Insgesamt liege deshalb kein persönlicher Härtefall vor. Das öffentliche
Interesse an der Nichterteilung der Aufenthaltsbewilligung überwiege das private
Interesse der Beschwerdeführerin. Als vorläufig Aufgenommene könne sie weiterhin in
der Schweiz leben. Auch könne ihr unabhängig von der Arbeitsmarkt- und
Wirtschaftslage eine Bewilligung zur Erwerbstätigkeit erteilt werden.
Die Beschwerdeführerin vertritt die Meinung, die in Art. 31 Abs. 1 VZAE aufgeführten
Kriterien seien bei der Entscheidung nicht ausreichend berücksichtigt worden.
Insbesondere seien ihre familiären und persönlichen Verhältnisse nicht ausreichend
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geprüft und gewürdigt worden. Sowohl die Vorinstanz als auch das Migrationsamt
hätten auf eine vertiefte, die gesamten Umstände erfassende Abwägung verzichtet und
ihre Erwägungen einseitig auf die finanzielle Situation der Beschwerdeführerin
beschränkt. Aus diesem Grund sei das Gesuch um Erteilung einer humanitären
Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG in der bis 1. Januar 2019
gültigen Fassung einer erneuten vertieften Prüfung zu unterziehen. Die
Beschwerdeführerin führt auf, dass sie im Rahmen ihrer gesundheitlichen
Möglichkeiten einer Erwerbstätigkeit nachgehe und ihr Pensum beim jetzigen
Arbeitgeber im Moment nicht aufgestockt werden könne. Damit zeige sie ihren Willen
zur Teilhabe am Wirtschaftsleben. Zu berücksichtigen sei, dass gemäss Gesetz und
Rechtsprechung, selbst bei Sozialhilfeabhängigkeit eine Aufenthaltsbewilligung erteilt
werden könne. Die Beschwerdeführerin sei des Schweizerdeutschen mächtig und
könne sich im Alltag ohne Probleme verständigen. Sie sei auch bereit, sprachliche
Defizite im Rahmen eines Sprachkurses auszugleichen. Auch habe sie keinerlei Bande
mehr in ihr Herkunftsland, da sie nun seit annähernd 30 Jahren ihren Lebensmittelpunkt
in der Schweiz habe und deshalb mit der Zeit auch die vollständigen Bürgerrechte
erlangen möchte. Die Erteilung der Aufenthaltsbewilligung wäre ein erster Schritt dahin
und damit zu einer vollständigen Integration in der Schweiz. Eine Rückkehr sei nach so
vielen Jahren sowohl in persönlicher und sozialer Hinsicht als auch aus humanitären
Gesichtspunkten nicht zumutbar. Ausserdem würden die familiären Verhältnisse für
eine gelungene Integration in der Schweiz sprechen. Jedoch seien diese und
insbesondere die Situation der Kinder nicht ausreichend in die Entscheidfindung
einbezogen worden. Die Familie befinde sich in dritter Generation in der Schweiz und
eine allfällige Trennung der Enkelkinder von den Grosseltern wäre für deren
Entwicklung nicht förderlich. Darüber hinaus sollten gemäss Art. 53 Abs. 1-4 AuG in
der bis 1. Januar 2019 gültigen Fassung Bund, Kantone und Gemeinden bei der
Erfüllung ihrer Aufgaben insbesondere das Anliegen der Integration berücksichtigen
und im Speziellen sollten sie sich darum bemühen, Frauen und Kinder zu integrieren.
Die Beschwerdeführerin führt weiter aus, sie sei einer enormen psychischen Belastung
durch die Ungewissheit bezüglich ihrer zukünftigen Aufenthaltssituation ausgesetzt. Sie
wirft ausserdem die Frage auf, wie es sich mit dem Anwesenheitsrecht verhalte, wenn
die als Provisorium konzipierte vorläufige Aufnahme über viele Jahre hinweg verlängert
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und damit faktisch zu einem Dauerstatus werde (act. 11 S. 1). Danach sei ihr Fall unter
dem Gesichtspunkt eines faktischen Aufenthaltsrechts zu prüfen.
4. Die Vorinstanz hat ihren Entscheid nachvollziehbar begründet und die wesentlichen
Kriterien für die Beurteilung eines persönlichen Härtefalls berücksichtigt. Anzufügen ist
allenfalls, dass die Vorinstanz – entgegen der Meinung der Beschwerdeführerin –
durchaus die familiären Verhältnisse berücksichtigt hat. Sie erwog, dass aufgrund der
familiären Verhältnisse von einem verstärkten Interesse an der Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung auszugehen sei. Betreffend die finanzielle Situation macht die
Beschwerdeführerin lediglich geltend, dass es ihr beim jetzigen Arbeitgeber nicht
möglich sei, das Arbeitspensum aufzustocken. Wie die Vorinstanz richtigerweise
feststellte, wird aus den Akten nicht ersichtlich, weshalb eine Erhöhung des
Arbeitspensums – gegebenenfalls mit einer zusätzlichen Anstellung bei einem anderen
Arbeitgeber – nicht möglich ist. In Bezug auf die sprachliche Integration (Dossier, S.
421) zeugt ein Niveau A1 in Deutsch angesichts der langen Aufenthaltsdauer der
Beschwerdeführerin in der Schweiz von einer unterdurchschnittlichen Integration in
sprachlicher und demzufolge auch sozialer Hinsicht. Auch vermag die
Beschwerdeführerin mit der vagen Aussage, regelmässigen Kontakt mit Schweizer
Kolleginnen zu haben (vgl. Dossier, S. 428), keine besondere soziale Integration zu
bezeugen. Die Ablehnungsgründe der Vorinstanz zielen somit nicht ausschliesslich auf
die finanzielle Situation der Beschwerdeführerin ab. Es ist verständlich, dass die
Beschwerdeführerin die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung als Schritt auf dem Weg
zur schweizerischen Staatsangehörigkeit ansieht und diese anstrebt, jedoch begründet
dies keinen Härtefall. Weiter lässt auch auf keinen Härtefall schliessen, dass die
Beschwerdeführerin aufgrund der Ungewissheit bezüglich ihrer zukünftigen
Aufenthaltssituation einer psychischen Belastung ausgesetzt sei. Die gesetzlichen
Bestimmungen betreffend den Härtefall haben nicht zum Zweck, den Weg zu einer
schweizerischen Staatsangehörigkeit zu ebnen, sondern eine persönliche Notlage zu
verhindern. Eine solche persönliche Notlage liegt bei der Beschwerdeführerin nicht vor.
Zu bemerken ist weiter, dass die von der Beschwerdeführerin aufgerufene Norm
(Art. 53 AIG), keine einklagbare Verpflichtung schafft, sondern eher programmatischer
und grundsätzlicher Natur ist (A. Achermann, in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.],
a.a.O., N 4 zu Art. 53 AuG). Auf die Rüge ist daher nicht weiter einzugehen. Die
Vorinstanz hat ihr Ermessen somit rechtmässig ausgeübt.
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Soweit die Beschwerdeführerin sich auf die Art. 62 Abs. 1 lit. e und Art. 63 Abs. 1 lit. c
AIG stützt, muss festgestellt werden, dass die genannten Normen in diesem Fall nicht
zur Anwendung kommen. Sowohl Art. 62 als auch Art. 63 AIG regeln den Widerruf
einerseits von Bewilligungen im Allgemeinen und andererseits der
Niederlassungsbewilligung im Speziellen. Streitgegenstand ist hier aber nicht ein
Widerruf, sondern die Verweigerung einer humanitären Aufenthaltsbewilligung. Aus
diesem Grund muss auf die vorgebrachte Rüge nicht näher eingegangen werden. Zu
ergänzen ist allenfalls, dass sich das Migrationsamt in seinem Entscheid (Dossier, S.
462, S. 3) bei der Begründung nicht direkt auf Art. 62 und Art. 63 AIG stützt, sondern
lediglich darauf verweist, weil die Angewiesenheit auf Sozialhilfe einen Widerrufsgrund
darstellt. Selbst wenn die Beschwerdeführerin keinen der in Art. 62 und 63 AuG
genannten Widerrufsgründe erfüllt, kann sie daraus nicht ableiten, die Abweisung ihres
Begehrens um Erteilung einer Härtefallbewilligung stelle einen Ermessensmissbrauch
dar.
Gemäss der Beschwerdeführerin soll das Gesuch unter dem Gesichtspunkt eines
faktischen Aufenthaltsrechts geprüft werden. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung,
wonach eine über viele Jahre hinweg verlängerte vorläufige Aufnahme faktisch zu
einem Dauerstatus wird und unter diesen Umständen ein faktisches Anwesenheitsrecht
begründet, bezieht sich auf Fälle, in denen einerseits ein Familiennachzug oder
andererseits die Wegweisung einer Person zur Debatte stand. Im vorliegenden Fall
geht es weder um einen Fall des Familiennachzuges noch steht die Wegweisung der
Beschwerdeführerin in Frage. Der unbestritten lange Aufenthalt der
Beschwerdeführerin in der Schweiz wurde bereits bei der Prüfung der Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung von der Vorinstanz angemessen berücksichtigt. Ausserdem
vermag die lange Anwesenheit in der Schweiz allein keinen Anspruch auf die Erteilung
einer Aufenthaltsbewilligung zu verschaffen (vgl. BGE 130 II 281 E. 3.3; BGE 126 II 377
E. 2c/aa) mit Hinweisen). Der Einwand erweist sich deshalb als unbehelflich.
5. Zusammenfassend können der Vorinstanz keine Rechtsfehler vorgeworfen werden.
Die Beschwerde erweist sich deshalb als unbegründet und ist abzuweisen.
6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Sie
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gehen indessen zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege zulasten des
Staates (vgl. Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 122 Abs. 1 Ingress und lit. b der
Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272, ZPO). Eine Entscheidgebühr von
CHF 2'000 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12). Auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Ausseramtliche Kosten
sind angesichts der fehlenden berufsmässigen und entgeltlichen Vertretung der
unterliegenden Beschwerdeführerin weder aufgrund des Verfahrensausgangs noch
zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung zu entschädigen (Art. 98
Abs. 1 und 98 VRP).