Decision ID: 4a004b25-7e90-427c-a096-97bd9e796461
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1953
,
arbeitet
als selbständig erwerbstätige Physio
therapeutin
und ist
sei
t
dem
1.
Januar 1990
der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse,
angeschlossen
(
Urk.
1 S. 1,
Urk.
7/24,
Urk.
7/49
,
Urk.
7/55
)
. Am 20
.
April
2020
meldete sie sich
bei
der
Ausgleichskasse für den Bezug einer Erwerbsausfallentschädigung
(Härtefallregelung)
gestützt auf die Verordnung über Massnahmen bei Erwerbsausfall im Zusammenhang mit dem
Coronavirus
(C
ovid
-19-Vero
rdnung Erwerbsausfall) an
(Urk. 7/52)
.
Die Aus
gleichskasse ver
neinte mit Verfügung vom
27. April
2020 einen Anspruch de
r
Antrags
stellerin
auf Ausrich
tung einer
Corona-
Erwerbsausfallentschädigung
, weil sie gemäss der aktuellsten AHV-Beitrags
rechnung für das Jahr
2019 ein Einkommen von über
Fr.
90'000.-- abgerechnet habe (
Urk.
7/53). Die d
agegen
von
X._
am
26
. Mai 2020
erhobene
Einsprache (Urk. 7
/
57
)
wies die Ausgleichskasse
m
it
Einspracheentscheid
vom
2
3
.
Juli
2020
ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am
31
.
August
2020 Beschwerde und
bean
tragte sinngemäss
,
in Aufhebung des
angefochtenen
Einsprachee
ntscheids
vom
23.
Juli 2020 sei
ihr
die ihr zustehende
Corona-
Erwerbsausfallentschädigung
zu
zu
sprechen
(
Urk.
1). Mit Beschwerdeant
wort vom
30
.
Septem
ber
2020
bean
tragte die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde (
Urk. 6, unter Beilage der Kassenakten, Urk. 7/1-
68), was der
Beschwer
de
führer
in
am
2
. Oktober
2020 zur Kenntnis gebracht wurde
(Urk. 8)
.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 130 V 445 E. 1.2.1). Weiter stellt das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens eingetretenen Sachverhalt ab (BGE 131 V 242 E. 2.1, 121 V 362 E. 1b).
Die Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG)
sind gemäss
Art.
1 der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall - soweit in der Verordnung davon nicht ausdrücklich abgewichen wird - anwendbar.
Demnach ist die rechtliche Beurteilung des angefochtenen
Einspracheentscheids
(
Urk.
2) anhand der bis 23. Juli 2020 gültig gewesenen Rechtsvorschriften vor
zunehmen, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Nach Art. 185 Abs. 3 der Bundesverfassung (BV) kann der Bundesrat
Verord
nun
gen und Verfügungen erlassen, um eingetretenen oder unmittelbar drohenden schweren Störungen der öffentlichen Ordnung oder der inneren oder äusseren Sicherheit zu begegnen. Solche Verordnungen sind zu befristen
(und zwar auf [maximal] sechs Monate, vgl. Art. 7d Abs. 2
lit
. a des Regierungs- und Verwal
tungsorganisationsgesetzes, RVOG)
.
Gestützt auf dieses Notverordnungsrecht erliess der Bundesrat - nebst anderen Verordnungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie, die sich teilweise (auch) auf das Bundesgesetz über die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten des Menschen (
Epidemiengesetz
,
EpG
) stützen - am 20. März 2020 die Verordnung über Massnahmen bei Erwerbsausfall im Zusammenhang mit dem
Coronavirus
(Covid-19) (Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall). Die Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall wurde rückwirkend per 17. März 2020 in Kraft gesetzt und der Geltungszeitraum bis zum 16. September 2020 befristet (Art. 11 Abs. 2). Während dieses Geltungszeitraums erfuhr sie am 23. April und 6. Juli 2020 je eine Ände
rung, bevor der Geltungszeitraum mit Änderung vom 17. September 2020 bis zum 31. Dezember 2021 verlängert wurde (Art. 11 Abs. 4). Mit dem Covid-19-Gesetz vom 25. September 2020 wurde rückwirkend per 17. September 2020 eine gesetzliche Grundlage für die Covid-19-Verordnung geschaffen (Art. 15 in
Ver
bindung mit Art. 21 Abs. 3 Covid-19-Gesetz).
1.3
1.3.1
Nach
Art.
2
Abs.
3
bis
der
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall
(Stand:
6.
Juli 2020)
sind
Selbständige
rwerbende
im Sinne von
Art.
12
ATSG
anspruchsbe
rechtigt, wenn sie aufgrund der
bundes
rätlichen
Massnahmen
zur Bekämpfung des
Coronavirus
einen Erwerbsausfall er
leiden und ihr für die Bemessung der Beiträge der AHV
massgebendes
Ein
kommen für das Jahr 2019 zwischen
Fr.
10‘000.
-- und Fr. 90‘000.-- liegt
; dabei gilt für die Berechnung des mass
gebenden Einkommens für das Jahr 2019 Artikel 5 Absatz 2 zweiter Satz
der
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall sinngemäss.
1.3.2
Gemäss Art. 5 Abs. 2 Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall (Stand 6. Juli 2020) ist für die Ermittlung des Einkommens Art. 11 Abs. 1 des Erwerbsersatzgesetzes (EOG) sinngemäss anwendbar. Nach der Festlegung der Entschädigung kann eine Neuberechnung der Entschädigung nur vorgenommen werden, wenn eine aktuellere Steuerveranlagung bis zum 16. September 2020 der anspruchs
berechtigten Person zugestellt wird und diese den Antrag zur Neuberechnung bis zu diesem Datum einreicht.
1.3.3
Nach Art. 11 Abs. 1 EOG bildet Grundlage für die Ermittlung des durch
schnitt
lichen vordienstlichen Erwerbseinkommens das Einkommen, von dem die Bei
träge nach dem Bundesgesetz über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVG) erhoben werden. Der Bundesrat erlässt Vorschriften über die Bemessung der Entschädigung und lässt durch das Bundesamt für Sozialversicherungen verbindliche Tabellen mit aufgerundeten Beträgen aufstellen.
1.3.4
Gestützt auf Art. 7 Abs. 1 der Verordnung über das Erwerbsersatzgesetz (EOV) wird bei
Selbständigerwerbenden
die Entschädigung auf Grund des auf den Tag umgerechneten Erwerbseinkommens berechnet, das für den letzten vor dem Ein
rücken verfügten AHV-Beitrag massgebend war. Wird für das Jahr der Dienst
leistung später ein anderer AHV-Beitrag verfügt, so kann die Neuberechnung der Entschädigung verlangt werden.
Zu dieser Bestimmung hielt das Bundesgericht in seinem Entscheid 9C_527/2018 vom 25. Januar 2019 fest, dass die Entschädigung
aufgrund des auf den Tag um
gerechneten Erwerbseinkommens berechnet
wird
, das für den letzten vor dem Einrücken verfügten AHV-Beitrag massgebend war. Wird für das Jahr der Dienst
leistung später ein anderer Beitrag verfügt, so kann die Neuberechnung der Ent
schädigung verlangt werden. In Bezug auf das versicherte Ereignis Mutterschaft kann für die Festlegung der Entschädigung ausschliesslich das vor der Geburt erzielte Einkommen berücksichtigt werden - sei es in der Gestalt der während eines Jahres vor der Geburt angefallenen AHV-pflichtigen Erträge oder aber der im Geburtsjahr verzeichneten und auf zwölf Monate hochgerechneten Einkünfte; der massgebende Betrachtungszeitraum darf jedenfalls keine nachgeburtlichen Einkommen erfassen. Da die definitive Bemessung der Entschädigung erst erfol
gen kann, nachdem (aufgrund der Steuermeldung) der endgültige AHV-Beitrag verfügt wurde, ist die Entschädigung gegebenenfalls zunächst einmal proviso
risch nach dem für die Akontozahlungen massgebenden Einkommen zu bemessen
(E. 2.2
jenes Urteils
).
1.4
Gemäss
Rz
.
1041.3 des Kreisschreibens über die Entschädigung bei
Massnahmen
zur Bekämpfung des
Coronavirus
- Corona-Erwerbsersatz (Stand:
3.
Juli 2020
,
KS CE)
wird für die Ermittlung der Einkommensgrenzen (Fr. 10'000
.--
und
Fr.
90'000
.--
) bei selbstständig Erwerbenden grundsätzlich auf das Erwerbs
ein
kommen, welches als Grundlage für die Beitragsrechnungen 2019 (
Akontorech
nungen
) herangezogen wurde, abgestellt.
Basierte die festgesetzte Entschädigung auf dem Einkommen, welches für die
Akontorechnungen
2019 herangezogen wurde und wurde dieses seit der letzten definitiven Beitragsverfügung nicht an
gepasst, so ist auf Antrag auf das Einkom
men der letzten definitiven Beitrags
verfügung abzustellen. Liegt zum Zeitpunkt des Antrages die definitive Steuer
veranlagung für das Jahr 2019 bereits vor, so ist diese zu berücksichtigen. De
r Antrag auf Neuberechnung respektive
Revision oder Wieder
erwägung muss spätestens am 16.
September 2020 bei der Ausgleichs
kasse eingereicht sein (
Rz
.
1065.1).
Sodann bewirkt
eine nachträgliche Anpassung des Erwerbseinkommens infolge der definitiven Steuermeldung für das Beitragsjahr 2019, die nach dem 16. Sep
tember 2020 eingeht,
g
emäss
Rz
. 1068
KS CE (Stand:
3.
Juli 2020
)
keine Änderung in der Entschädigung. Ebenso keine Änderung in der Höhe der Entschädigung bewirken nach dem 17. März 2020 erfolgte Anpassungen des den
Akontorech
nungen
2019 zugrundeliegenden Erwerbseinkommens (vorbehalten bleibt
Rz
. 1065.1).
1.5
Bei einem Kreisschreiben handelt es sich um eine von der Aufsichtsbehörde für richtig befundene Auslegung von Gesetz und Verordnung. Die Weisung ist ihrer Natur nach keine Rechtsnorm, sondern eine im Interesse der gleichmässigen Ge
setzesanwendung abgegebene Meinungsäusserung der sachlich zuständigen Auf
sichtsbehörde. Solche Verwaltungsweisungen sind wohl für die Durchführungs
organe, nicht aber für die Gerichtsinstanzen verbindlich (BGE 118 V 206 E. 4c, vgl. auch 123 II 16 E. 7, 119 V 255 E. 3a mit Hinweisen). Das Gericht soll sie bei seiner Entscheidung mitberücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Es weicht anderseits insoweit von den Weisungen ab, als sie mit den anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen nicht vereinbar sind (BGE 123 V 70 E. 4a mit Hinweisen).
2.
2.1
Im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 2
3.
Juli 2020 führte die Beschwer
de
gegnerin aus, die Beschwerdeführerin
berufe sich auf den
Geschäfts
abschluss für das Jahr 2019
, der
einen Gewinn von
Fr.
54'206.40 aus
weise
.
Gemäss
Rz
. 1065 KS CE bilde grundsätzlich das Erwerbseinkommen, welches im Jahr 2019 erzielt worden sei, die Grundlage für die Bemessung der Entschä
digung für selb
ständig Erwerbende. Des Weiteren bewirke eine nachträg
liche Anpassung des Erwerbseinkommens infolge der definitiven Steuermeldung für das Beitragsjahr 2019 keine Änderung in der Entschädigung. Eine Anpassung nach dem 1
7.
März 2020 habe ebenfalls keine Änderung in der Höhe der Entschädigung zur Folge (
Rz
.
1068 KS CE). Vorbehalten
bleibe eine Anpassung der Entschädigung auf
grund der
Rz
. 1065.1 KS CE. Demnach könne auf die letzte definitive Beitrags
verfügung abgestellt werden, sofern das Einkommen seit der letzten definitiven Beitragsverfügung nicht mehr angepasst worden sei (Urk. 2 S. 1). Die letzte definitive Beitragsverfügung betreffe das Beitragsjahr Jahr 201
7.
M
it dieser Verfügung sei
en auf
einem beitragspflichtigen Einkommen in der Höhe von Fr.
117'700.--
Beiträge
abgerechnet worden.
Weil dieses Einkommen über der Höchst
grenze von Fr. 90'000.-- gemäss der Härtefallregelung liege, erfülle die Beschwerdeführerin die Anspruchsvoraussetzungen für den Leistungsbezug nicht (Urk. 2 S. 1).
2
.2
Die Beschwerdeführerin bringt demgegenüber im Wesentlichen vor,
dass sie der Beschwerdegegnerin mit ihrer Einsprache vom 2
5.
Mai 2020
ihre Jahresrechnung für das Jahr 2019 zugestellt habe. Gemäss der Jahresrechnung 2019
habe sie ein Einkommen von Fr. 54'206.40 erzielt, welches weit unter der Höchstgrenze von Fr. 90'000.-- liege (
Urk.
1 S. 1).
Die aktuellste AHV-Beitragsrechnung basiere noch auf den Zahlen aus dem Jahr 2017, in welchem sie ein Einkommen von Fr. 107'000.--
erzielt
habe. Dies deshalb, weil ihre Buchhaltung und Steuer
klärung - mit Billigung und im Einklang mit den Vorgaben der Beschwerde
geg
nerin - immer erst mit einiger zeitliche
r
Verzögerung erstellt und eingereicht würden. Infolgedessen würde auch die Anpassung der zu zahlenden AHV-Beiträge durch die Beschwerdegegnerin verzögert erfolgen. Nach dem klaren Wortlaut von
Art.
2
Abs.
3
bis
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall sei
die Höhe des tatsächlichen Einkommens im Jahr 2019 massgebend und nicht die Höhe allfälliger AHV-Beiträge, welche auf Grundlage früherer Einkommensdaten festgelegt und noch nicht angepasst worden seien
. Das KS CE wiederhole
zu
nächst den bereits in der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall festge
schriebenen Grundsatz, wonach für die Bemessung der Entschädigung das Erwerbseinkom
men, welches im Jahr 2019 erzielt worden sei, massgebend sei.
Wo immer mög
lich sei folglich auf die tatsächlichen Einkommensverhältnisse abzustellen
(Urk.
1 S. 2).
Nur so lasse sich der eigentliche Sinn und Zweck der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall
verwirklichen. Dieser bestehe darin,
den Erwerbs
ausfall
von
Selbständigerwerbende
n
, welche über ein Jahreseinkommen verfügen, welches keine
Reservenbildung
zulasse,
abzumildern
(
Urk.
1 S. 2-3).
Bei der Nichtaner
ken
nung ihrer Jahres
rechnung
2019 sei als relevante Berechnungsgrundlage ersatzweise auf die
Akontorechnung
2018, welche von der Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom
3.
Oktober 2019 ausdrücklich anerkannt worden sei, zurück
zugreifen (Urk. 1 S. 3).
3.
3.1
Eine Norm ist in erster Linie nach ihrem Wortlaut auszulegen (Auslegung nach dem Wortlaut). Ist der Text nicht ganz klar und sind verschiedene Auslegungen möglich, so muss das Geri
cht unter Be
rücksichtigung der übrigen
Auslegungsele
mente (historische, teleologi
sche und
systematische
Auslegung
)
nach der wahren Tragweite der Norm suchen (
BGE 14
6
V 12
9 E.
5.
5.1 mit Hinweisen).
In
Art.
2
Abs.
3
bis
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall (Stand: 6.
Juli 2020) ist
- entgegen den Vorbringen der Beschwerdeführerin (
Urk.
1 S. 2) - nicht vom «tatsächlichen Einkommen im Jahre 2019»,
sondern
vom
«
für die
Bemessung der Beiträge der AHV
massgebende
n
Einkom
men
für das Jahr 2019
» die Rede
.
Gemäss
Art.
2
Abs.
3
bis
ist sodann für die Berechnung des massgebenden Einko
mmens für das Jahr 2019
Art.
5 Absatz 2 zweiter Satz
der
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall sinngemäss
anwendbar
.
Art.
5 Absatz 2 zweiter Satz
der
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall (Stand
:
6. Juli 2020)
verweist auf
Art. 11 Abs. 1 EOG,
gemäss welchem das
Einkommen, von dem die Bei
träge nach dem Bundesgesetz über die Alters- und
Hinterlassenen
versicherung
(AHVG) erhoben werden
,
massgebend ist
.
Somit führt die Auslegung nach dem Wortlaut zu einem unzweideutigen Ergeb
nis
. Entscheidend ist
das
für die
Bemessung der Beiträge der AHV
massgebende
Einkommen
für das Jahr 201
9.
D
ie übrigen Auslegungselemente
müssen
daher nicht ge
prüft
werden.
3.2
3.
2
.1
Gemäss
den Kassenakten liegt für das Jahr 2019 noch keine definitive Beitrags
verfügung vor (vgl. dazu:
Art.
22
Abs.
1 und
Art. 25 Abs. 1 der
Verord
nung
über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
, AHVV, sowie
Rz
.
1183 f. der
Weg
leitung des Bundes
amtes für Sozialversicherungen über die Beiträge der
Selbst
ständig
erwerbenden
und Nichterwerbstät
igen in der AHV, IV und EO, WSN,
Stand: 1. Januar 2020)
. Deshalb ist auf das Einkommen abzustellen, welches
Grundlage für die
Akontobeiträge
für das Jahr 2019 war (
Rz
.
1041.3
;
vgl. zu den
Akonto
beiträgen
:
Art.
24 AHVV sowie
Rz
. 1144 ff.
WSN,
Stand: 1. Januar 2020).
3.
2
.2
Die
Akontobeiträge
für das Jahr 2019
wurden
gemäss Mitteilung vom 2
9.
Januar 2019
aufgrund eines voraussichtlichen beitragspflichtigen Einkommen
s
in der Höhe von Fr.
103'100.-- erhoben
(Urk.
7
/35
,
vgl. auch die
Ak
on
t
obeitrags
rech
nungen
:
Urk.
7/39-40, Urk.
7/43, Urk.
7/48
).
Nach Erlass der
l
eistungsabweisen
den
Verfügung
vom
27. April
2020
(Urk. 7/53)
teilte die Beschwerde
führerin der Beschwerdegegnerin
am
23.
und 2
9.
Mai 2020
mit, dass
sie laut ihrer Buchhal
tung im Jahr 2019 ein
Einkommen
in der Höhe von
Fr. 54'206.40
erzielt habe
(
Urk.
7/57/1,
Urk.
7/57/10,
Urk.
7/57/12,
Urk.
7/58).
Dazu
bringt d
ie Beschwer
deführerin
im vorliegenden Verfahren
vor, dass weder die Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall noch das KS CE eine Frist für die Festsetzung der
Akontorechnung
vorsehen würden (
Urk.
1 S. 3).
Dies trifft nicht zu. Gemäss
Rz
. 1068 KS CE (Stand: 3. Juli 2020)
bewirken
nach dem 17. März 2020 erfolgte Anpassungen des den
Akontorechnun
gen
2019 zugrundeliegenden Erwerbseinkommens
keine Ände
rung in der Höhe der Entschädigung
. Die Regel gemäss
Rz
. 1068 KS CE kommt, entgegen dem etwas missverständlichen Wortlaut, nicht nur zur Anwendung, wenn eine Änderung in der Höhe der Entschädigung in Frage steht, sondern auch bei der Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen als solche.
Es wird deswegen auf den
17. März 2020 abgestellt, weil
die
Härtefallregelung
gemäss
Art. 2 Abs. 3
bis
der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall
vom Bundesrat
rückwirkend per
diese
s
Datum
in Kraft gesetzt
wurde
. Die Regel gemäss
Rz
. 1068 KS CE erweist sich somit auch als Konkretisierung des
allgemeinen Grundsatz
es
, wonach
im Bereich des Sozialversicherungsrechts in der Regel auf die «Aussagen der ersten Stunde» ab
zustellen ist
, denen in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überle
gungen versicherungs
rechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis)
.
Unbeachtlich ist sodann, dass die Beschwerdegegnerin die
Akontobeiträge
2019
entsprechend
der Mitteilung der Beschwerde
führerin vom 2
9.
Mai 2020 (
Urk.
7/58)
am 1
1.
Juni 2020
nachträglich
anpasst
e
(
Urk.
7/61).
Ferner ist mit der Beschwerdegegnerin darauf hinzuweisen, dass die
Selbständigerwerbenden
verpflichtet sind, wesentliche Abweichungen des voraussichtlichen Einkommens zu melden und so frühzeitig eine Anpassung der
Akontobeiträge
zu veranlassen (
Art.
24
Abs.
4 AHVV). Dies hat die Beschwer
deführerin für die
Akontobeiträge
2019 unterlassen (vgl. nachfolgende E. 3.2.4).
3.2.3
Mit dem angefochtenen
Ein
spracheentscheid
vom 2
3.
Juli 2020 stellte die Beschwerdegegnerin
hinsichtlich Bemessungsgrundlage
auf
die
letzte definitive Beitragsv
erfügung vom
2
8.
April 2020
betreffend die Periode 2017
(Urk. 7/56/1)
ab (
Urk.
2 S. 2). Dies
obwohl
die Beschwerdeführerin
keinen entsprechenden Antrag stellte (vgl.
Rz
. 1065.1 KS CE
), was indes irrelevant ist
, weil mit der Verfügung vom
2
8.
April 2020
die Beiträge 2017 auf einem
beitragspflichtige
n
Einkommen in der Höhe von Fr.
117'700.--
festgesetzt
wurde
n
(
Urk.
7/56/1)
. Bei einem massgebenden Ein
kommen in dieser Höhe
besteht ebenfalls
kein Anspruch auf eine Corona-Erwerbs
ausfallentschädigung gemäss Art.
2
Abs.
3
bis
der Covid
-19-Verordnung
.
3.2.4
Alsdann ist den Kassenakten zu entnehmen, dass
die Beschwerdeführerin der Beschwerdegegnerin am 1
6.
September 2019 ein Einkommen 2018 in der Höhe von
Fr.
56
'069.47 meldete (
Urk.
7/44). Daraufhin passte die Beschwerdegegnerin die
Akontobeiträge
am
3.
Oktober 2019 für das Jahr 2018 an (
Urk.
7/46/1).
Die
Akontobeiträge
für das Jahr 2019 blieben jedoch unverändert (
Urk.
7/48/1).
Im Sinne eine
r
Eventual
begründung
ersucht
die Beschwerdeführerin
darum
, dass
für die Prü
fung ihres Antrags auf eine Corona-Erwerbsausfallentschädigung das der Mit
teilung betreffend
Aktontobeiträge
2018
zugrundeliegende Einkommen
zu
berücksichtig
en sei
(
Urk.
1 S. 3)
.
Wie
festhalten
ist dies
aber
weder in
Art.
2
Abs.
3
bis
der Covid
-19-Verordnung Erwerbsausfall
(Stand: 6. Juli 2020)
noch
Rz
. 1065.1
KS CE
so vorgesehen
(Urk. 7/52).
Auch eine analoge Anwendung von
Rz
. 1065.1 KS CE
kommt
nicht infrage, denn eine
nachträgliche
Anpassung der
Akontobeiträge
aufgrund Selbstangaben
kann nicht mit einer definitiven Beitragsverfügung gleichgesetzt
werden
.
Eine Beitragsverfü
gung beruht auf einer rechts
kräftigen Steuerveranlagung
(
Art.
23
Abs.
1 AHVV)
.
Sie
kann Anlass zur Anpassung der
Akontobeiträge
für das folgende Bei
tragsjahr geben (
Art.
24
Abs.
2 AHVV).
Eine Anpassung der
Akontobeiträge
für
das
Beitragsjahr
2019
hat die Beschwerdeführer
in
vor dem 2
3.
bzw. 2
9.
Mai 2020 (
Urk.
7/57/1 und
Urk.
7/58
) nie veranlasst oder beantragt, obwohl der behauptete Geschäfts
abschluss 2019 fast um die Hälfte weniger beträgt (
Urk.
7/57/12).
Darauf muss sie sich behaften lassen
(vgl.
Urteil
des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich EE.2020.00015 vom 1
9.
November 2010
E. 3.4)
3.2.5
Zusammengefasst ergibt sich
F
olgendes:
Weil für das Beitragsjahr 2019 noch keine definitive Beitragsverfügung vorliegt
(E. 3.2.1)
, ist
bezüglich der Entschä
di
gungsvoraussetzungen gemäss Art.
2
Abs.
3
bis
der Covid
-19-Verordnung Erwerbsausfall
auf
die
Mitteilung vom 29.
Januar 2019 betreffend
Akonto
bei
träge
2019 (und die darauf basierenden Rechnungen) abzustellen. Nicht
zu berücksichtigen
ist nach dem Gesagten, dass die
Akontobeiträge
2019 nach dem 1
7.
März 2020 aufgrund einer Mitteilung der Beschwerdeführerin geändert wurden (E. 3.2.2).
Ebenso wenig
ist ein Abstellen
auf die letzte definitive Beitrags
verfügung für das Jahr 2017 vom
2
8.
April 2020 angezeigt (E. 3.2.3). Und
schliesslich
kann das Einkommen gemäss der Mitteilung vom
3.
Oktober 2019
bet
r
effend
Akontobeiträge
2018 (
Urk.
7/46/1) ebenfalls nicht berücksichtigt werden (E. 3.2.4).
Die
Akontobeiträge
2019 beruhte
n
mit Wissen und Billigung
der Beschwerde
führerin
auf einem
(
voraus
sichtlichen
)
beitragspflichtigen Einkommen in der Höhe von Fr. 103'100.-- (
vgl. Mitteilung vom 2
9.
Januar 2019,
Urk. 7/35
/1)
Dieses Einkommen ist vorliegend massgebend. Weil da
s Einkommen über der Höchstgrenze von Fr.
90'000.--
gemäss
Art.
2
Abs.
3
bis
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall
liegt
,
hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Corona-Erwerbsausfalls
entschädigung gemäss der Härtefall
regelung.
4.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.