Decision ID: 84555328-f92f-42cf-9553-b2e5a03bbd7b
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter) war vom 1. November 2010 bis 30. September
2012 zu 100% als Anwendungstechniker im Aussendienst bei der B._ GmbH
angestellt und dadurch bei der Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG
(nachfolgend: Allianz) gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 2. Juli 2013
meldete der Versicherte der Allianz, dass ihm am 3. April 2012 in einem Warenhaus
jemand mit einem langen Einkaufswagen in die linke Ferse gefahren sei. Die
Achillessehne links sei zu 50% gerissen. Trotz andauernder Schmerzen in der linken
Ferse habe er bis zum Ende der Anstellung weitergearbeitet (UV-act. 52).
A.b Am 22. bzw. 23. Mai 2013 waren eine Sonographie und ein ergänzendes MRI
durchgeführt worden. Die MRI-Untersuchung hatte 1. eine schwere Tendinose des
mittleren Achillessehnendrittels mit ventralseitiger Partialruptur, proximal bis in den
tendomusculären Übergang reichend, mit begleitender Darstellung einer Peritendinitis,
2. eine sechs Millimeter grosse osteochondrale Läsion der tibialen Gelenkfläche mit
entsprechender chondraler Defektzone und 3. einen unteren Fersensporn mit
angedeuteter chronischer Plantarfasciitis ergeben (UV-act. 4). In der Folge erbrachte
die Allianz Leistungen gemäss UVG (vgl. UV-act. 121 S. 2).
A.c Am 26. August 2013 wurde der Versicherte von Dr. med. C._, FMH Chirurgie,
aufgrund der diagnostizierten Partialruptur der Achillessehne links operiert (Revision
Achillessehne mit Exzision der Ruptur, Retroachilläre Calcaneoplastik,
Achillessehnenplastik und Flexor hallucis longus-Sehnentransfer links; UV-act 9). Dem
Versicherten wurde aufgrund der Achillessehnenproblematik ab 26. August eine 100%-
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ige, ab 28. November eine 50%-ige und ab 23. Dezember 2013 keine
Arbeitsunfähigkeit mehr bescheinigt (UV-act. 11).
A.d Bei anhaltenden Beschwerden im linken Fuss (UV-act. 12 ff.) und diagnostizierter
mechanischer Reizung der Achillessehne links bei Überstehen der Bio-
Interferenzschraube wurde der Versicherte am 13. Juni 2014 von Dr. med. D._,
Leitender Arzt der Fusschirurgie der Klinik E._, erneut operiert. Intraoperativ wurde
nicht die Interferenzschraube als ursächlich für die Beschwerden gewertet, weshalb auf
eine Schraubenentfernung verzichtet wurde. Bei diagnostizierter
Insertionstendinopathie bei Haglundfersen-Konfiguration links wurde eine
transtendinöse Abtragung der Haglund-Exostose links durchgeführt (UV-act. 24). Dem
Versicherten wurde ab dem 6. Mai bis 30. September 2014 eine 100%-ige,
anschliessend bis 18. März 2015 eine 50%-ige, danach eine 30%-ige
Arbeitsunfähigkeit bescheinigt (UV-act. 28 ff., 34).
A.e Mit Bericht vom 19. Juni 2014 hatte Dr. med. F._, Spezialarzt FMH für
Allgemein- und Unfallchirurgie, beratender Arzt der Allianz, die Unfallkausalität in Bezug
auf die zwei durchgeführten Operationen bejaht. Die Existenz einer Haglund-Exostose
hätte per se nicht zur Notwendigkeit des operativen Eingriffs geführt. Die primäre
Operation sei aufgrund des Unfallschadens, der Achillessehnenpartialruptur, erfolgt.
Bei der Reoperation sei wegen der zusätzlich beschwerdeverursachenden Exostose
diese zusammen mit den narbigen Verwachsungen und der gallertig veränderten Sehne
mitentfernt worden. Da die Haglund-Exostose beim Unfall vom 3. April 2012
traumatisiert worden sei, müsse auch dieser Eingriff als Ganzes in einem natürlichen
medizinischen Zusammenhang mit dem Unfallereignis gesehen werden (UV-act. 26).
A.f Bei anhaltenden Beschwerden und diagnostizierter Haglundferse links mit
ausgeprägten Ossifikationen insertionsnah Ferse links wurde der Versicherte am 26.
November 2015 ein weiteres Mal von Dr. D._ operiert (dorsal zuklappende
Osteotomie des Calcaneus gemäss Kelly-Keck, Entfernung der Ossifikationen; UV-act.
35). Dem Versicherten wurde in der Folge bis 4. März 2016 eine 100%-ige, danach bis
Ende August 2016 eine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt (UV-act. 40, 42, 44).
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A.g Am 18. Februar 2016 war der Fall Dr. med. G._, Arzt für Chirurgie und
Manualmedizin SAMM, Interdisziplinäre Begutachtungen zur Aktenbeurteilung
vorgelegt worden. Mit Bericht vom 13. Juni 2016 war dieser zum Schluss gekommen,
dass es mit dem geltend gemachten Anprall an der linken Ferse vom 3. April 2012
überwiegend wahrscheinlich nicht zu einer frischen Achillessehnenruptur gekommen
sei. Mit einer frischen Achillessehnenruptur, die bis in den muskulo-tendinösen
Übergang reiche, wäre es mit Sicherheit zu einer erheblichen Schwellung, zu einem
sofortigen Funktionsverlust im Fuss mit der Unmöglichkeit einer Plantarflexion, zu
massiven Schmerzen und zu einer sofortigen Arbeitsunfähigkeit in der Tätigkeit des
Versicherten gekommen. Ein mit dem Ereignis möglicherweise aufgetretener
Reizzustand sei vom Versicherten initial toleriert worden, wobei er voll weitergearbeitet
habe. Zur ärztlichen Konsultation über ein Jahr nach dem Ereignis sei es aufgrund
eines unfallunabhängigen chronischen Impingements der Achillessehne links
gekommen, was wenige Wochen vor dem Arztbesuch zu einer Schwellung geführt
habe, weil der Versicherte vermehrt gearbeitet habe. Spätestens zum Zeitpunkt der
Erstkonsultation bei Dr. med. H._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, am 21. Mai
2013 sei von einem Status quo sine auszugehen. Dr. G._ diagnostizierte
abschliessend anamnestisch einen Status nach Kontusion der linken Ferse am 3. April
2012 mit möglicher kurzzeitiger Aktivierung der vorgeschädigten degenerativ bedingten
chronischen Achillessehnenruptur, ohne bedeutsame klinische Symptomatik und ohne
Arbeitsunfähigkeit sowie eine unfallunabhängige chronische Achillodynie links mit
ausgedehnter Längsruptur der Achillessehne bis in den muskulo-tendinösen Übergang
bei einem Impingement der Achillessehne mit dem Calcaneus (UV-act. 46).
A.h Mit Schreiben vom 7. Juli 2016 teilte die Allianz dem Versicherten zur Wahrung des
rechtlichen Gehörs mit, dass sie gestützt auf das Aktengutachten von Dr. G._ die
gesetzlichen Leistungen rückwirkend per 31. Mai 2013 einstellen, indes auf die
Rückforderung der zu viel erbrachten Leistungen verzichten werde (UV-act. 107). Der
Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Patrick Lerch, Zürich, liess sich am 15.
September und 17. Oktober 2016 dazu vernehmen (UV-act. 113, 115). Es sei vom
Erlass der beabsichtigten Verfügung abzusehen und es seien auch über den 31. Mai
2013 hinaus die gesetzlichen Leistungen zu erbringen.
B.
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B.a Am 8. November 2016 verfügte die Allianz die Einstellung der Leistungen
rückwirkend per 31. Mai 2013 und den Verzicht auf eine Rückforderung der zu viel
erbrachten Leistungen (UV-act. 116). Dagegen liess der Versicherte durch seinen
Rechtsvertreter am 2. Dezember 2016 Einsprache erheben und beantragen, dass die
Verfügung aufzuheben und die gesetzlichen Leistungen auch über den 31. Mai 2013
hinaus zu gewähren seien (UV-act. 118).
B.b In der Folge wurde der Fall zur Beantwortung einzelner im Verwaltungs- und
Einspracheverfahren aufgeworfener Streitpunkte nochmals Dr. G._ vorgelegt (UV-act.
120). Dieser hielt mit Bericht vom 10. April 2017 an seiner Beurteilung fest, dass es
beim Ereignis vom 3. April 2012 lediglich zu einer vorübergehenden Verschlimmerung
vorbestehender degenerativer Veränderungen gekommen sei und in Würdigung des
neu vorgelegten, von der IV-Stelle eingeholten Gutachtens vom 24. Mai 2012 der
Status quo sine bereits per 14. Mai 2012 (Untersuchungszeitpunkt bei Dr. med. I._,
Spezialarzt FMH für Innere Medizin, speziell Rheumaerkrankungen) festzulegen sei (UV-
act. 51).
B.c Mit Einspracheentscheid vom 26. Mai 2017 wies die Allianz die Einsprache ab und
bestätigte die Einstellung der Versicherungsleistungen per 31. Mai 2013 (UV-act. 121).
C.
C.a Dagegen liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 21. Juni 2017
durch seinen Rechtsvertreter Beschwerde erheben und beantragen, dass der
Einspracheentscheid vom 26. Mai 2017 sowie die Verfügung vom 8. November 2016
aufzuheben seien. Es seien dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Leistungen auch
über den 31. Mai 2013 hinaus zu gewähren. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
zuzüglich Mehrwertsteuer zulasten der Allianz (nachfolgend: Beschwerdegegnerin; act.
G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 25. September 2017 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde vom 21. Juni 2017, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Beschwerdeführers (act. G 5).
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C.c Mit Replik vom 14. November 2017 liess der Beschwerdeführer an seinen
Anträgen und deren Begründungen unverändert festhalten (act. G 9). Die
Beschwerdegegnerin hielt ihrerseits in der Duplik vom 5. Januar 2018 an der
beantragten Beschwerdeabweisung fest (act. G 11).
C.d Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der

übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss den Übergangsbestimmungen werden
Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor Inkrafttreten der Änderung ereignet
haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach
bisherigem Recht gewährt. Vorliegend stehen Folgen eines Unfalls vom 3. April 2012
zur Diskussion. Es finden daher die bis 31. Dezember 2016 gültigen Bestimmungen
Anwendung.
2.
2.1 Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art.
6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 UVG). Sie hat
zudem Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Art. 10 UVG).
Angesichts dieser gesetzlichen Bestimmungen bildet die Unfallkausalität
Anspruchsvoraussetzung für Heilkosten- und Taggeldleistungen der
Unfallversicherung. Eine Leistungspflicht besteht demnach nur für
Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit einem versicherten
Unfallereignis zusammenhängen (Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2012, S. 53 ff.). Für die
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Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im
Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel auf Angaben ärztlicher Experten und
Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist
demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis
entwickelten Regeln zu beurteilen ist (BGE 123 III 110, 112 V 30, 107 V 173, Rumo-
Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54 f.). Die Adäquanz spielt im Bereich organisch objektiv
ausgewiesener Unfallfolgen indessen praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate
weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 111 f. E. 2).
2.2 Hat der Unfallversicherer seine Leistungspflicht einmal anerkannt, so entfällt seine
Leistungspflicht erst dann, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche Ursache der
fortdauernd geklagten Beschwerden darstellt, d.h. wenn die Beschwerden nur noch
und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruhen. Ebenso wie der
leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder
kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit
dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (Thomas Locher/Thomas Gächter, Grundriss
des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. Bern 2014, § 70 N 58 f.). Dies trifft zu, wenn
entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall
bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem
schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustands auch ohne Unfall früher
oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328
E. 3b mit Hinweisen). Da es sich um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt
die Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher
Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim
Unfallversicherer. Diese Rechtsprechung beschlägt dabei einzig die rechtlichen Folgen
der Abklärung, insofern als dem Unfallversicherer die Beweislast zugewiesen wird für
den Fall, dass ungeklärt bleibt, ob dem Unfall (noch) eine kausale Bedeutung für den
andauernden Gesundheitsschaden zukommt. Bevor sich aber überhaupt die Frage der
Beweislast stellt, ist der Sachverhalt im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes richtig
und vollständig zu klären (Urteil des Bundesgerichts vom 4. August 2008,
8C_354/2007, E. 2.2). Der Unfallversicherer muss jedoch nicht den Beweis für
unfallfremde Ursachen erbringen. Ebenso wenig geht es darum, von ihm den negativen
Beweis zu verlangen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliege oder dass die
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versicherte Person nun bei voller Gesundheit sei (Urteil des Bundesgerichts vom 29.
April 2008, 8C_465/2007, E. 3.1 mit Hinweisen). Im Weiteren bietet sich dem
Unfallversicherer die Möglichkeit, auf eine fälschlicherweise anerkannte Kausalität
zurückzukommen und die Leistungen – ohne Berufung auf den Rückkommenstitel der
Wiedererwägung oder der prozessualen Revision – mit Wirkung ex nunc et pro futuro
(sowie bei Verzicht auf eine Rückforderung) einzustellen, wenn ihr der überwiegende
Beweis gelingt, dass zwischen dem Unfallereignis und der anerkannten Verletzung
bzw. den daraus resultierenden Beeinträchtigungen gar nie ein natürlicher
Kausalzusammenhang bestanden hatte. Der Nachweis eines Dahinfallens einer –
fälschlicherweise – faktisch anerkannten Unfallkausalität würde sich diesfalls erübrigen
(BGE 130 V 384 E. 2.3.1; vgl. ferner Urteil des Bundesgerichts vom 4. August 2017,
8C_819/2016, E. 6.1).
2.3 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Bezüglich Beweiswert eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
der medizinischen Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E.
3a mit Hinweisen). Reinen Aktengutachten kann gleichfalls voller Beweiswert
zukommen, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die
ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht
(Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 8. Februar 2007, U
223/06, E. 5.1.2).
3.
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3.1 Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin aufgrund des Ereignisses
vom 3. April 2012 (vgl. vorstehende lit. A.a) nach dem Leistungseinstellungszeitpunkt
(31. Mai 2013) weiterhin leistungspflichtig ist.
3.2 Vorab ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin das Ereignis vom 3. April
2012 als Unfall im Rechtssinne (Art. 4 ATSG) qualifiziert hat und die bildgebend
ausgewiesene Partialruptur der Achillessehne links, welche im Folgenden – zusammen
mit der Haglundfersen-Problematik links – zu mehreren Operationen und
Arbeitsunfähigkeiten führte, insbesondere auch gestützt auf die Beurteilung ihres
Vertrauensarztes Dr. F._ als unfallkausal anerkannt und dafür die gesetzlichen
Versicherungsleistungen erbracht hat (vgl. den Sachverhalt in lit. A.b ff.). Gestützt auf
vorstehende E. 2.2 liegt damit die Beweislast für das Dahinfallen der Unfallkausalität
bzw. für den Nachweis, dass zwischen dem Unfall und der Partialruptur der
Achillessehne links gar nie ein natürlicher Kausalzusammenhang bestanden hatte, bei
der Beschwerdegegnerin. Gelingt dieser Beweis, war der Status quo sine/ante zum
Leistungseinstellungszeitpunkt ohne weiteres erreicht (vgl. nachfolgende E. 5.3).
4.
4.1 Die Beschwerdegegnerin verneint gestützt auf die Aktenbeurteilung von Dr. G._
vom 13. Juni 2016 (UV-act. 46) bzw. dessen ergänzende Ausführungen vom 10. April
2017 (UV-act. 51), dass bezüglich der Partialruptur der Achillessehne links jemals eine
Unfallkausalität bestanden hat bzw. dass die über den Leistungseinstellungszeitpunkt
hinaus geklagten Beschwerden unfallkausal seien. Der Beschwerdeführer erachtet Dr.
G._ als befangen. Er sei langjähriger beratender Arzt bzw. Vertrauensarzt der
vorliegend ebenfalls involvierten Haftpflichtversicherung, der Schweizerischen Mobiliar
Versicherungsgesellschaft AG (nachfolgend: Mobiliar), weshalb dessen Beurteilungen
keine Beweiskraft zukommen könne.
4.2 Personen, die Entscheidungen über Rechte und Pflichten zu treffen oder
vorzubereiten haben, treten in den Ausstand, wenn sie in der Sache ein persönliches
Interesse haben oder aus anderen Gründen in der Sache befangen sein könnten (Art.
36 Abs. 1 ATSG). Befangenheit ist anzunehmen, wenn Umstände vorliegen, die
geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit zu erwecken. Bei der Befangenheit
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handelt es sich um einen inneren Zustand, der nur schwer bewiesen werden kann. Es
braucht daher für die Ablehnung nicht nachgewiesen zu werden, dass die
sachverständige Person tatsächlich befangen ist. Es genügt vielmehr, wenn Umstände
vorliegen, die den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit
zu begründen vermögen. Bei der Beurteilung des Anscheins der Befangenheit und der
Gewichtung solcher Umstände kann jedoch nicht auf das subjektive Empfinden einer
Partei abgestellt werden. Das Misstrauen muss vielmehr in objektiver Weise als
begründet erscheinen. Insofern ist massgebend für die Annahme eines
Ausstandsgrunds, ob unter Würdigung der objektiven Umstände das Verfahren noch
als "offen" erscheint. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den
Arztgutachten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des
Gutachters aber ein strenger Massstab anzusetzen (BGE 132 V 109 f. E. 7.1 mit
Hinweis; vgl. ferner Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. Zürich 2015, Art. 36 N 17).
4.3 Es ist unbestritten geblieben, dass Dr. G._ als beratender Arzt bzw.
Vertrauensarzt Beurteilungen für die Mobiliar abgibt. Die Mobiliar ihrerseits ist die
Haftpflichtversicherung derjenigen Personen, welche dem Beschwerdeführer am 3.
April 2012 mit dem Einkaufswagen in die linke Ferse gefahren sein sollen. Inwieweit
allein durch diese Funktion von Dr. G._ ein Anschein der Befangenheit und eine
Gefahr der Voreingenommenheit begründet wird bzw. das Verfahren nicht mehr als
"offen" erscheint, ist nicht erkennbar. Es ist weder ersichtlich noch wird geltend
gemacht, dass Dr. G._ in einem den Beschwerdeführer betreffenden
Haftpflichtverfahren bereits beratend hinzugezogen wurde. Damit ist auch nicht davon
auszugehen, dass er überhaupt Kenntnis davon hatte, dass die Mobiliar in diesen Fall
involviert sein könnte. Insgesamt liegen damit auch bei strengem Massstab keine
Umstände vor, die geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit von Dr. G._ zu
erwecken, und dessen medizinische Beurteilung kann in die Beweiswürdigung
miteinbezogen werden.
5.
5.1 Zu würdigen sind im Folgenden die im Recht liegenden medizinischen Berichte und
Beurteilungen. Insbesondere ist zu prüfen, ob diese einen rechtsgenüglichen Schluss
bezüglich Unfallkausalität der Partialruptur der Achillessehne links und damit der über
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den Leistungseinstellungszeitpunkt geklagten Beschwerden zulassen. Zur Kausalität
äussern sich ausdrücklich die Dres. F._ und G._. Während ersterer mit
Aktenbeurteilung vom 19. Juni 2014 eine Unfallkausalität bejaht (UV-act. 26; vgl.
vorstehende lit. A.e), wird eine solche von Dr. G._ mit Aktenbeurteilung vom 13. Juni
2016 und ergänzender Stellungnahme vom 10. April 2017 verneint (UV-act. 46, 51; vgl.
vorstehende lit. A.g und B.b).
5.2
5.2.1 Dr. G._ legt seinen Beurteilungen vom 13. Juni 2016 (UV-act. 46) und 10. April
2017 (UV-act. 51) den gesamten (medizinischen) Verlauf (vor und nach dem Ereignis
vom 3. April 2012) zugrunde. Dieser wurde eingehend diskutiert und gewürdigt. Die
Ursachen und Wirkungen einer Partialruptur der Achillessehne wurden sowohl generell
als auch konkret erörtert, indem – soweit ersichtlich – sämtlichen relevanten konkreten
Umständen (Unfallgeschehen, dabei wirkende Kräfte, [nicht] zu erwartende Folgen,
zeitlicher Verlauf etc.) Rechnung getragen wurde. Insgesamt beruht die
(Kausalitäts-)Beurteilung von Dr. G._ auf einer umfassenden Sachverhaltskenntnis
und umfassenden Abklärung. Gestützt darauf gab er seine Beurteilung ab. Diese
leuchtet bei nachvollziehbarer Begründung ein.
5.2.2 Nachvollziehbar ist insbesondere, dass es bei einer frischen Partialruptur der
Achillessehne links im vorliegenden Ausmass von 50% initial zu Beschwerden (im
Sinne von Schmerzen, massiver Schwellung, Funktionsausfällen) hätte kommen
müssen bzw. solche Beschwerden zeitnah zum Unfallereignis erwähnt und behandelt
worden wären. Dies war jedoch nicht der Fall. Beschwerden an der linken Ferse
wurden erst Monate später, anlässlich eines routinemässigen Verlaufsbesuchs bei
Hausarzt Dr. H._ aufgrund anderer Beschwerden, ausdrücklich erwähnt (am 15.
Oktober 2012; UV-act. 113 Beilage 3) bzw. fachärztlich behandelt (ab Mai 2013; UV-
act. 4 ff.). Davor sind keine Beschwerden im linken Fersenbereich dokumentiert.
Bereits am 14. Mai 2012, relativ zeitnah zum Unfallereignis (rund sechs Wochen nach
dem Fersenanprall), war der Beschwerdeführer auf Veranlassung der IV-Stelle von Dr.
I._ umfassend untersucht worden (UV-act. 3), wobei er keine Schmerzen im
Fersenbereich links beklagt hatte. Dies wäre bei tatsächlich vorhandenen Schmerzen
naheliegend gewesen, zumal unter anderem auch Schmerzen in der Ferse rechts
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vorgetragen worden waren (UV-act. 3 S. 7). Weiter hatte der Beschwerdeführer
ausgeführt, dass er tags zuvor eine Stunde habe wandern können, ehe ihn Hüft- und
Rückenschmerzen geplagt hätten (UV-act. 3 S. 7). Von Problemen im Zusammenhang
mit der linken Ferse war auch hier nicht die Rede. Auch Funktionsausfälle wurden nicht
beschrieben. Die im Rahmen anderer körperlicher Beschwerden erfolgten
Untersuchungen zeigten beim Beschwerdeführer einen normalen Einbein-/
Zehenfersenstand (14. Mai 2012; UV-act. 3 S. 9), beidseits gut durchführbare
Kniebeugen im Einbeinstand und einen symmetrischen Achillessehnenreflex (14. Mai
2012; IV-act. 198-19) sowie einen flüssigen und hinkfreien Gang (19. Juli 2012; IV-act.
218-5 f.). Die geltend gemachte Einnahme von Schmerzmitteln aufgrund anderer
gesundheitlicher Probleme und der vom Beschwerdeführer eingereichte
wissenschaftliche Bericht (UV-act. 113 Beilage 2) vermögen an der Schlüssigkeit der
Beurteilungen und Begründungen von Dr. G._ nichts zu ändern. Erfahrungsgemäss
vermag die Einnahme von Schmerzmitteln nicht über Wochen und Monate lückenlos
Beschwerden zu unterdrücken. Weiter bezieht sich die im wissenschaftlichen Bericht
erwähnte mögliche Symptomfreiheit bei Partialrupturen der Achillessehne, wie Dr.
G._ überzeugend darlegt, auf schleichende, durch Mikrotraumata verursachte
Partialrupturen. Eine solche Ätiologie wird denn seitens von Dr. G._ auch nicht
verneint bzw. er erachtet nachvollziehbar die unfallfremde Haglund-Exostose als
Schrittmacher (stetige mechanische Aufscheuerung) der Achillessehnenproblematik
inkl. chronischer Partialruptur und würdigt dabei die ähnliche Situation in der rechten
Ferse (UV-act. 46-8, 10 ff.). Letztlich legt Dr. G._ mit Verweis auf die medizinische
Literatur überzeugend dar, dass beim vorliegenden Unfallgeschehen (Einkaufswagen in
die Ferse) die dabei wirkenden Kräfte bzw. der biomechanische Hergang in der Regel
nicht ausreichen, eine Partialruptur der Achillessehne im vorliegenden Ausmass zu
bewirken und falls doch, eine Quer- und nicht Längsruptur zu erwarten gewesen wäre
(UV-act. 46 S. 10, 51 S. 5 f.).
5.2.3 Im Weiteren leuchtet es ein, wenn Dr. G._ die Ausführungen von Dr. F._ vom
19. Juni 2014, gemäss welchen von einer direkten Traumatisierung der Achillessehne
links mit dadurch verursachter Achillessehnenteilruptur auszugehen sei (UV-act. 26),
als nicht stichhaltig erachtet. Bezüglich dieses Berichts fällt auf, dass er sehr kurz
gehalten und kaum begründet wird. Zum Ursachen-/Wirkungszusammenhang
zwischen dem Ereignis vom 3. April 2012 und der diagnostizierten
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Achillessehnenpartialruptur werden überhaupt keine Ausführungen gemacht.
Insbesondere thematisierte Dr. F._ auch die auffallend lange Zeitspanne bzw. den
Gesundheitszustand zwischen dem Anprallereignis und der Unfallmeldung (2. Juli
2013) bzw. den erstmals dokumentierten Fussbeschwerden links (15. Oktober 2012) –
im Gegensatz zu Dr. G._ – nicht; allenfalls hat er dies gar nicht realisiert (dafür
spricht, dass Dr. F._ von damaliger Diagnose nach dem Ereignis sprach, obwohl
diese erst über ein Jahr später gestellt wurde). Vorgenannte Aspekte blieben damit
gänzlich unberücksichtigt. Auch lagen Dr. F._ nicht sämtliche (medizinischen)
Vorakten vor. Insbesondere das im Mai 2012 erstellte IV-Gutachten von Dr. I._,
welchem eine persönliche Untersuchung zeitnah zum Unfallereignis zugrunde liegt,
aber auch die Kenntnis der Problematik im rechten Fersenbereich zum Vergleich wären
für eine umfassende Beurteilung bedeutsam gewesen. Insgesamt lässt sich dem
Aktengutachten von Dr. F._ damit keine zuverlässige Kausalitätsbeurteilung
entnehmen und es vermag keine auch nur geringen Zweifel an der Beurteilung von Dr.
G._ zu begründen. Dasselbe gilt für die Berichte und Beurteilungen der
behandelnden (Fach-)Ärzte, Dr. H._ (Hausarzt), Dr. C._ (erster Operateur) und Dr.
D._ (Operateur beim zweiten und dritten Eingriff). Die Dres. H._ und C._ gehen
zwar von einer Unfallkausalität aus (vgl. dazu UV-act. 7, 9), begründen diese Annahme
indes nicht. Dr. D._ äusserte sich überhaupt nicht zur Kausalitätsfrage.
5.3 Zusammengefasst ist festzuhalten, dass auf die schlüssig und nachvollziehbar
begründete Aktenbeurteilung von Dr. G._ abzustellen ist. Die Partialruptur der
Achillessehne links ist gestützt darauf überwiegend wahrscheinlich nicht auf das
Ereignis vom 3. April 2012 zurückzuführen. Dafür spricht insbesondere, dass zeitnah
zum Unfallereignis weder Beschwerden in der Ferse links erwähnt noch – trotz
entsprechenden Untersuchungen – festgestellt wurden (vgl. vorstehende E. 5.2.2). Die
Folgen der erlittenen Prellung im Fersenbereich links waren bei allfällig
vorübergehender Verschlimmerung eines Vorzustands ohne weiteres per
Leistungseinstellungszeitpunkt (31. Mai 2013) abgeheilt bzw. der Status quo sine
spätestens in diesem Zeitpunkt erreicht. Dabei ist auch der medizinischen
Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass eine Kontusion grundsätzlich innert
kurzer Zeit folgenlos ausheilt und sich die damit verbundenen Beschwerden gänzlich
zurückbilden (Alfred M. Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl., Bern
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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St.Galler Gerichte
2005, S. 412). Mangels Unfallkausalität der über den Leistungseinstellungszeitpunkt
hinaus geklagten Beschwerden erfolgte die Leistungseinstellung damit zu Recht.
6.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist der Einspracheentscheid vom 26. Mai 2017
nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Ausgangsgemäss hat der
Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.