Decision ID: 46c781eb-dd26-56cf-bc4e-a28d3d342ff9
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Mit Schreiben vom 30. April 2010 gelangte die Ehefrau des Beschwerde-
führers an die Schweizer Botschaft in Colombo, wobei sie unter anderem
ausführte, der Beschwerdeführer befinde sich in Haft. Das damalige Bun-
desamt für Migration (BFM) schrieb das Asylgesuch am 22. Juli 2010 als
gegenstandslos geworden ab.
B.
B.a Der Beschwerdeführer suchte in der Folge am 8. Oktober 2015 im
Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._ um Asyl nach. Dort
wurde er am 5. November 2015 zu seinen Personalien und zu seinem Rei-
seweg sowie summarisch zu seinen Fluchtgründen befragt (Befragung zur
Person [BzP]). Am 7. Februar 2017 wurde er durch eine Mitarbeiterin des
SEM vertieft angehört.
B.b Anlässlich der BzP und der Anhörung machte der Beschwerdeführer
im Wesentlichen geltend, er sei sri-lankischer Staatsangehöriger tamili-
scher Ethnie mit letztem Wohnsitz in C._ (Distrikt D._, Nord-
provinz). Im Jahr 1994 sei er den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE)
beigetreten. Im Jahr 1998 sei er durch einen Bombensplitter am (...) ver-
letzt und deswegen die folgenden zwei Jahre in einem LTTE-Spital medi-
zinisch behandelt worden. Er sei dann in die (...) der LTTE eingeteilt wor-
den, habe aber lediglich in der Landwirtschaft und in der Küche gearbeitet.
Der von ihm im Jahr 2002 gewünschte Austritt aus den LTTE sei ihm –
nach Absolvierung eines zweijährigen "Punishment Program" – im Jahr
2004 bewilligt worden. Im (...) habe er geheiratet, und im darauffolgenden
Jahr habe er nach Wiederaufflammen des Bürgerkrieges von den LTTE
den Befehl erhalten, der Organisation erneut beizutreten. In der Folge sei
er wieder der (...) zugeteilt worden, doch habe er wiederum nur in der Kü-
che gearbeitet und Gemüse angebaut.
Im Bürgerkrieg seien seine (Verwandte) sowie sein (Verwandter) ums
Leben gekommen und seine Ehefrau sei am (...) verletzt worden. Nach
Ende des Krieges sei er im Jahr 2009 von den sri-lankischen Behörden in
einem Flüchtlingslager in E._ festgenommen worden. Nach einem
Jahr Haft sei er in ein Rehabilitationszentrum transferiert und nach einem
weiteren Jahr, im Mai 2011, unter der Auflage, täglich Unterschrift zu
leisten und sein Dorf drei Jahre lang nicht zu verlassen, freigelassen
worden. Erst im Jahr 2014 sei es ihm – unter dem Vorwand einer
medizinischen Untersuchung in Colombo – möglich gewesen bei der
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Schweizer Botschaft vorzusprechen, wo ihm aber mitgeteilt worden sei,
sein vier Jahre zuvor gestelltes Asylgesuch sei inzwischen abgeschrieben
worden.
Nach der Haftentlassung im Jahr 2011 habe er in C._ eigenes Land
bewirtschaftet; von dessen Ertrag habe seine Familie so gut leben können,
dass er sogar weitere Grundstücke habe erwerben können. Doch seien
regelmässig Angehörige des sri-lankischen Militärs in Zivil zu ihm nach
Hause gekommen und hätten ihn – unter dem (unberechtigten) Vorwurf,
aufgrund seiner früheren Tätigkeit bei der (...) bei sich zu Hause Waffen
zu verstecken – befragt, geschlagen und teilweise mitgenommen. Zuletzt
seien die Männer im April 2015 gekommen und hätten mit Aufnahmen auf
einem Mobiltelefon den von ihm vor den Behörden stets verheimlichten
Beweis erbracht, dass auch seine Ehefrau bei den LTTE gewesen sei. Die
Soldaten hätten die Verletzungen seiner Frau sehen wollen und sie dabei
unnötigerweise angefasst. Auch hätten sie ihm und seiner Frau mit
Entführung gedroht, falls sie die versteckten Waffen nicht zeigen würden.
Wegen dieser Behelligungen sei er mit seiner Familie zu einer Tante nach
E._ gezogen. Später sei er von dort aus allein in einem Lieferwagen
nach Colombo gefahren, wo er sich mit Hilfe eines Schleppers einen
Reisepass und ein Visum beschafft habe. Am (...) 2015 habe er Sri Lanka
auf dem Luftweg in Richtung F._ verlassen und sei anschliessend
in einem Auto über die Balkanroute unter Umgehung der Grenzkontrollen
bis in die Schweiz gefahren worden. Mit dem Erlös aus dem Verkauf eines
seiner Grundstücke habe er seine Reise in die Schweiz finanziert.
Mittlerweile lebten seine Frau und die beiden gemeinsamen Kinder bei
Verwandten in G._, einem Vorort von H._.
Anlässlich der Anhörung vom 7. Februar 2017 gab der Beschwerdeführer
seine Identitätskarte und einen IKRK-Ausweis, Bestätigungen betreffend
seinen Aufenthalt in einem Rehabilitationszentrum, ein Schreiben des Dorf-
vorstehers, eine Gesundheitskarte seiner Ehefrau sowie verschiedene
seine (...) betreffende Unterlagen zu den Akten.
C.
Mit Verfügung vom 7. März 2017 stellte das SEM fest, der Beschwerdefüh-
rer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab und
ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug
an.
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D.
Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer durch seinen Rechts-
vertreter am 7. April 2017 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht
und beantragte, es sei ihm unverzüglich das Spruchgremium mitzuteilen
und dessen zufällige Auswahl zu bestätigen [1]. Es sei die Nichtigkeit be-
ziehungsweise Ungültigkeit der angefochtenen Verfügung wegen Verlet-
zung des Anspruchs auf gleiche und gerechte Behandlung festzustellen
und das SEM anzuweisen, das Asylverfahrens weiterzuführen [2]. Sodann
sei das SEM anzuweisen, ihm vollständige Einsicht in die Akten seines ers-
ten, auf der Schweizer Botschaft in Colombo gestellten Asylgesuchs zu ge-
währen; nach Gewährung der Akteneinsicht sei ihm Frist zur Einreichung
einer Beschwerdeergänzung anzusetzen [3]. Die Verfügung sei wegen
Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör [4], allenfalls wegen Ver-
letzung der Begründungspflicht [5] aufzuheben und an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen. Eventuell sei die Verfügung vom 7. März 2017 aufzuheben
und zur Feststellung des vollständigen und richtigen Sachverhalts und zur
Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen [6]. Eventuell sei die SEM-
Verfügung aufzuheben, seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm
Asyl zu gewähren [7]. Eventuell sei die angefochtene Verfügung betreffend
die Dispositivziffern 3 und 4 aufzuheben und die Unzulässigkeit oder zu-
mindest die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen [8].
Zur Untermauerung der Anträge – auf deren Begründung, soweit für den
Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen
wird – wurden ein Auszug aus einer Zwischenverfügung vom 30. Septem-
ber 2016, in welcher sich das Bundesverwaltungsgericht zu seinem Zutei-
lungssystem äusserte, verschiedene Schreiben aus den vorinstanzlichen
Akten, je eine Fotografie des Beschwerdeführers in Kopie und seiner Ehe-
frau im Original, zwei Screenshots aus "YouTube"-Videos, in denen seine
Frau zu sehen sein soll, verschiedene, zwischen 2011 und 2017 erschie-
nene Berichte und Presseartikel betreffend die Situation in Sri Lanka, zwei
Stellungnahmen zu Lagebildern des SEM sowie ein vom Rechtsvertreter
erstellter "Bericht zur allgemeinen Lage" samt zugehöriger CD-ROM;
(Stand: 12. Oktober 2016) eingereicht.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 21. April 2017 teilte die Instruktionsrichterin
dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers – unter anderem – antrags-
gemäss das Spruchgremium mit, unter Vorbehalt allfälliger Änderungen im
Verlauf des Verfahrens. In Bezug auf das weitere Begehren um Bestäti-
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gung der zufälligen Auswahl des Spruchgremiums wurde auf die entspre-
chenden Bestimmungen des Geschäftsreglements vom 17. April 2008 für
das Bundesverwaltungsgericht (VGR, SR 173.320.1) verwiesen (Rechts-
begehren [1]). Schliesslich wurde der Beschwerdeführer – unter Andro-
hung des Nichteintretens im Unterlassungsfall – aufgefordert, bis zum 8.
Mai 2017 einen Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 750.– zu Gunsten
der Gerichtskasse zu überweisen.
F.
F.a Der Beschwerdeführer ersuchte mit Eingabe vom 8. Mai 2017 – und
unter Hinweis auf eine gleichzeitig eingereichte Bestätigung des Sozial-
dienstes der Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen des Kantons
I._ vom 28. April 2017 – um Erlass der Verfahrenskosten und um
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
F.b Mit Instruktionsverfügung vom 11. Mai 2017 hiess das Bundesverwal-
tungsgericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und verzichtete wiedererwägungs-
weise auf die Erhebung eines Kostenvorschusses (Art. 63 Abs. 4 VwVG).
G.
G.a Der Beschwerdeführer liess am 22. Mai 2017 eine Ausweiskopie und
ein Schreiben eines in der Schweiz als Flüchtling vorläufig aufgenomme-
nen Landsmanns namens J._ einreichen. J._ bestätigt da-
rin, den Beschwerdeführer aus seiner Militärdienstzeit zu kennen und mit
diesem bei den LTTE gedient zu haben.
G.b Am 6. September 2017 wurde ein weiterer Zeitungsartikel zu den Ak-
ten gegeben, aus welcher sich eine fundamentale Änderung des Sachver-
halts ergeben habe.
G.c Am 27. Februar 2020 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdefüh-
rers eine weitere CD-ROM ein und äusserte sich eingehend zu den darin
enthaltenen Berichten.
H.
H.a Das Bundesverwaltungsgericht übermittelte dem SEM die Akten am
20. April 2020 und lud dieses zur Einreichung einer Vernehmlassung ein.
H.b Mit Vernehmlassung vom 5. Mai 2020 beantragte das SEM, unter Stel-
lungnahme zu diversen auf Beschwerdeebene erhobenen Einwänden,
sinngemäss die Abweisung der Beschwerde.
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H.c Das Bundesverwaltungsgericht liess dem Rechtsvertreter des Be-
schwerdeführers am 8. Mai 2020 die vorinstanzliche Vernehmlassung zu-
kommen und räumte ihm Frist zur Einreichung einer Replik ein.
H.d Der Beschwerdeführer nahm durch seinen Rechtsvertreter mit Ein-
gabe vom 25. Mai 2020 zu den Ausführungen in der Vernehmlassung vom
5. Mai 2020 eingehend Stellung und brachte unter anderem erneut die Rü-
gen der nicht gewährten Akteneinsicht durch die Vorinstanz sowie der man-
gelhaften Anhörung vom 7. Februar 2017 vor. Gleichzeitig gab er einen
weiteren von seinem Rechtsvertreter erstellten "Zusatzbericht Ländersitu-
ation Sri Lanka" samt zugehöriger CD-ROM (Stand: 10. April 2020) sowie
ein Bild, das ihn bei der Teilnahme am "(...)" in K._ im (...), mithin
bei der Ausübung seines exilpolitischen Engagements, zeigen soll, zu den
Akten. Die anderen abgebildeten Personen hätten in der Schweiz Asyl er-
halten und sich einverstanden erklärt, dass ihre Akten im vorliegenden Ver-
fahren offengelegt würden; zur Beschaffung der entsprechenden Einwilli-
gungserklärungen sei Frist anzusetzen. Schliesslich sei ihm auch zur Ein-
reichung einer Kostennote Frist anzusetzen.
Das SEM liess dem Rechtsvertreter nach Eingang entsprechender unter-
zeichneter Erklärungen am 2. Juli 2020 die wesentlichen Akten von vier der
angeblich auf der zuletzt eingereichten Foto abgebildeten Männern in Ko-
pie zukommen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie-
gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe-
stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
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zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VwVG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügungen besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und
aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
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dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen).
3.3 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-
chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile
von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, welche ihr
gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Hei-
matstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind bezie-
hungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37).
Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die An-
erkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die be-
troffene Person in ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz finden
kann (vgl. BVGE 2011/51 E. 7, 2008/12 E. 7.2.6.2, 2008/4 E. 5.2). Aus-
gangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage
nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begrün-
deten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylent-
scheids ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfol-
gungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation
im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zuguns-
ten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen
(vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4, WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi
Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl. 2009, Rz. 11.17 und 11.18).
3.4 Beruft sich eine Person darauf, dass durch ihre illegale Ausreise
(sog. Republikflucht) oder durch ihr Verhalten nach der Ausreise aus dem
Heimat- oder Herkunftsstaat (insbesondere durch exilpolitische Aktivitäten)
eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, hat sie begründeten
Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung, wenn der Heimat- oder Her-
kunftsstaat mit erheblicher Wahrscheinlichkeit vom fraglichen Umstand er-
fahren hat und die Person deshalb bei einer Rückkehr in flüchtlingsrecht-
lich relevanter Weise verfolgt würde (vgl. Urteil des BVGer E-5232/2015
vom 3. Februar 2015 E. 5.3).
Solche subjektiven Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingsei-
genschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG
zum Ausschluss von Asyl, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder
nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, wel-
che subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen kön-
nen, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1
m.w.H.).
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4.
4.1 Die Vorinstanz gelangte in ihrer angefochtenen Verfügung zum
Schluss, die Vorbringen des Beschwerdeführers vermöchten weder den
Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG noch denjeni-
gen an die Asylrelevanz im Sinne von Art. 3 AsylG zu genügen.
4.1.1 Das SEM stellte zur Begründung seiner angefochtenen Verfügung
fest, der Beschwerdeführer habe in verschiedenen, wesentlichen Punkten
widersprüchliche, nicht plausible und zum Teil auch nicht ausreichend de-
taillierte Angaben gemacht.
So habe er in Bezug auf seine Tätigkeit bei den LTTE in der BzP erklärt,
Kämpfer gewesen zu sein und anschliessend – wie seine Frau – in der (...)
gearbeitet zu haben. Sein (...) sei bei Gefechten verletzt worden. In der
Anhörung habe er hingegen angegeben, er habe zwar in der besagten Ab-
teilung gearbeitet, sei dort aber lediglich in der Küche und in der Landwirt-
schaft tätig gewesen. Die (...) habe er erlitten, als bei der Lieferung von
Essen eine Bombe hochgegangen sei. Auf diese Widersprüche aufmerk-
sam gemacht, sei er nicht imstande gewesen, diese aufzuklären, sondern
habe auf seinen in der Anhörung gemachten Aussagen beharrt. Auch habe
er nicht plausibel erklären können, wieso er angeblich derart lang bei den
LTTE gewesen sei und trotzdem lediglich Küchen- und Landwirtschaftsar-
beiten ausgeführt habe.
Des Weiteren habe er lediglich in der Anhörung angegeben, nach der Frei-
lassung aus der Rehabilitationshaft von den Behörden nicht nur aufgesucht
und befragt, sondern auch mitgenommen und geschlagen worden zu sein;
letzteres habe er in der BzP auch auf explizites Nachfragen hin ausdrück-
lich verneint. Mit diesen Unstimmigkeiten konfrontiert, sei er nicht in der
Lage gewesen, diese aufzuklären. Unplausiblerweise sei er auch nicht im-
stande gewesen, eine ungefähre Angabe dazu zu machen, wie oft er auf-
gesucht worden sei. Auf Nachfrage hin habe er angegeben, das erste Mal
seien die Behörden zwei, drei Monate nach der Haftentlassung, ungefähr
alle vier, fünf Tage, letztmals im April 2015, erschienen. Er habe auch nicht
nachvollziehbar erklären können, wieso die Behörden ihn über Jahre hin-
weg aufgesucht und befragt hätten, es aber nie zu weiteren Massnahmen
oder offiziellen Verfahrensschritten gekommen sei. Ebenso wenig habe er
einleuchtend erläutern können, wieso er freigelassen und kurze Zeit später
wieder aufgesucht worden sei, oder wieso das Verbot, D._ verlas-
sen zu dürfen, im Jahr 2014 aufgehoben worden sei, obwohl er zu jenem
Zeitpunkt als verdächtig gegolten habe.
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Aufgrund der widersprüchlichen und unplausiblen Aussagen erstaune es
wenig, dass der Beschwerdeführer trotz mehrfachen Nachfragens auch
nicht in der Lage gewesen sei, den Ablauf des ersten Besuches bei ihm zu
Hause detailliert zu beschreiben. So habe er etwa nicht sagen können, wie
sich die Situation abgespielt und wieder aufgelöst habe oder wie seine Fa-
milienangehörigen reagiert hätten. Hierzu habe er spontan von seinen Kin-
dern gesprochen, was angesichts des Umstandes, dass das jüngere Kind
zu jener Zeit noch gar nicht auf der Welt gewesen sei, überrasche. Dazu
aufgefordert, von einem Ereignis zu berichten, das ihm besonders in Erin-
nerung geblieben sei, habe er vom Vorfall gesprochen, bei welchem Sol-
daten seine Frau angefasst hätten, dabei aber trotz mehrmaliger Aufforde-
rung keine Details schildern können. Nach dem Zeitpunkt des Vorfalls ge-
fragt, habe er erklärt, es sei im Januar 2015 gewesen. Damit konfrontiert,
dass er im BzP gesagt habe, es sei im April 2015 gewesen, habe er darauf
beharrt, dass es im Januar 2015 gewesen sei. Allerdings habe er in einem
späteren Zeitpunkt der Anhörung, als er nach dem letzten Ereignis gefragt
worden sei, erklärt, dieses sei im April 2015 gewesen, und dabei wieder die
gleiche Situation mit seiner Frau genannt; diese Unstimmigkeit habe er
wiederum nicht auflösen können. Weiter habe sich der Beschwerdeführer
dahingehend widersprochen, dass er in der Anhörung gesagt habe, die Be-
hörden hätten ihm ein Foto auf dem Mobiltelefon gezeigt, worauf seine
Frau in einer Uniform zu sehen gewesen sei. Demgegenüber habe er in
der BzP angegeben, es sei ihm ein "YouTube"-Video gezeigt worden, in
dem zu sehen gewesen sei, wie seine Frau eine Mine baue. Auch diese
Widersprüchlichkeit habe er nicht erklären können.
An der Feststellung, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien unstim-
mig, unplausibel und undetailliert ausgefallen, vermöchten die abgegebe-
nen Unterlagen nichts zu ändern. Diese bestätigten lediglich, dass der Be-
schwerdeführer in Rehabilitationshaft gewesen sei, was gar nicht bezwei-
felt werde. Bei den Schreiben seiner Frau und des Dorfvorstehers handle
es sich um Gefälligkeitsschreiben ohne Beweiswert. Auch die abgegebe-
nen medizinischen Unterlagen vermöchten keine Verfolgung nachzuwei-
sen.
4.1.2 Sodann hielt das SEM fest, das Ziel der Rehabilitationshaft sei ge-
mäss offiziellen Angaben sicherzustellen, dass ehemals den LTTE nahe-
stehende Personen nicht weiter separatistisches Gedankengut verbreite-
ten und in die Gesellschaft integriert würden. Mit der Entlassung aus der
Rehabilitation hätten die betroffenen Personen in den Augen der sri-lanki-
schen Behörden ihre Strafe wegen Unterstützung der LTTE verbüsst. So
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würden mit Abschluss der Rehabilitationshaft denn auch sämtliche Reise-
restriktionen aufgehoben. Allerdings würden die Betroffenen von den Si-
cherheitsbehörden weiterhin überwacht, etwa durch Melde- und/oder Un-
terschriftspflichten, Aufenthaltskontrollen sowie Befragungen. Diese Über-
wachungsmassnahmen und die damit verbundenen Beeinträchtigungen
erreichten jedoch in der Regel kein asylrelevantes Ausmass. Auch im Fall
des Beschwerdeführers lägen keine asylrelevanten Massnahmen nach der
Entlassung aus der Rehabilitationshaft vor. So habe er nicht glaubhaft ma-
chen können, danach Opfer von Verfolgungsmassnahmen asylrelevanten
Ausmasses geworden zu sein. Allfällige, im Zeitpunkt seiner Ausreise be-
stehende Risikofaktoren hätten folglich kein Verfolgungsinteresse seitens
der sri-lankischen Behörden auslösen können. Auch lägen keine konkreten
Anhaltspunkte vor, dass sich dies seit seiner Ausreise geändert haben
hätte. Somit bestehe kein begründeter Anlass zur Annahme, der Be-
schwerdeführer könnte bei einer Rückkehr nach Sri Lanka wegen der gel-
tend gemachten Verbindungen zu den LTTE mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit und in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmassnah-
men ausgesetzt werden.
4.2
4.2.1 In der Beschwerdeschrift wird vorab geltend gemacht, die vorinstanz-
liche Verfügung verletze die Ansprüche des Beschwerdeführers auf gleiche
und gerechte Behandlung sowie auf rechtliches Gehör. Die Begründungs-
pflicht werde verletzt und der rechtserhebliche Sachverhalt sei unvollstän-
dig und unrichtig abgeklärt worden. Die Anhörung vom 7. Februar 2017 sei
von schwerwiegenden und unheilbaren Mängeln geprägt gewesen (so
habe ihn die Befragerin einer Art Polizeiverhör unterzogen und auf akten-
widrige Weise Widersprüche selber konstruiert), und es sei auch die feh-
lende zeitliche Nähe zur BzP zu rügen. Des Weiteren sei der Sachverhalt
in verschiedener Hinsicht unvollständig und unrichtig abgeklärt und die Be-
gründungspflicht verletzt worden.
Sodann wird in der Beschwerde der anlässlich der BzP und der Anhörung
vorgebrachte Sachverhalt insoweit ergänzt als ausgeführt wird, der Be-
schwerdeführer habe nach Durchlaufen des militärischen Trainings an di-
versen Kampfhandlungen teilgenommen und eine Truppeneinheit von 15
Soldaten angeführt. Nach der im Jahr 1998 erlittenen (...) sei er im Jahr
2000 von den LTTE bei der (...) eingesetzt worden, wo er in der Geschäfts-
leitung einer (...) für die Qualitätskontrolle zuständig gewesen sei. Sodann
wird auf die allgemeine Gefährdungslage tamilischer Rückkehrerinnen und
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Seite 12
Rückkehrer verwiesen. Der Beschwerdeführer erfülle zahlreiche der im Ur-
teil E-1866/2015 des Bundesverwaltungsgerichts vom 15. Juli 2016 defi-
nierten Risikofaktoren (insbesondere habe er die LTTE unterstützt und den
Rehabilitationsprozess durchlaufen, auch betätige er sich exilpolitisch und
verfüge über keine gültigen Papiere für die Einreise nach Sri Lanka), was
bei einer allfälligen Rückkehr zur Verhaftung direkt am Flughafen oder aber
zu einem späteren Zeitpunkt führen würde, dies mit den entsprechenden
asylrelevanten Folgen. Im Übrigen sei die Glaubhaftigkeitsprüfung des
SEM absolut mangelhaft gewesen, weshalb die gesamte entsprechende
Argumentation der Vorinstanz fast vollständig widerlegt werden könne.
4.2.2 In der Eingabe vom 6. September 2017 wird – unter Hinweis auf den
gleichzeitig eingereichten, online publizierten Artikel aus der Zeitung "Tamil
Guardian" – geltend gemacht, die Rehabilitation habe nur einen "freiwilli-
gen" Umerziehungscharakter, es existiere kein Amnestiegesetz und dort
"verbüsste" Strafen würden nicht an andere Verurteilungen angerechnet,
wobei Delikte im Zusammenhang mit Terrorismus auch nicht verjähren
würden. Es stehe im Belieben der sri-lankischen Strafverfolgungsbehör-
den, gegenüber früheren LTTE-Aktivisten eine Strafverfolgung einzuleiten,
unabhängig davon, ob diese Angeklagten bereits eine Rehabilitation durch-
laufen hätten.
4.2.3 Schliesslich wird in der Eingabe vom 27. Februar 2020 auf eine mit
der Wahl von Gotabaya Rajapaksa begründete "massiv verschlechterte
menschenrechtliche und politische Situation in Sri Lanka" hingewiesen,
aufgrund welcher der Beschwerdeführer einer erhöhten Gefahr von Über-
griffen auf seine unverzichtbaren Rechte an Leib, Leben und Freiheit aus-
gesetzt sei. Es müsse zudem abgeklärt werden, ob der Name des Be-
schwerdeführers auf dem Mobiltelefon der entführten Angestellten der
Schweizer Botschaft in Colombo zu finden sei und welche Daten allgemein
vom fraglichen Telefon abgegriffen worden seien.
4.3 In seiner Vernehmlassung vom 5. Mai 2020 äusserte sich das SEM
vorab zu den vom Beschwerdeführer beziehungsweise dessen Rechtsver-
treter geäusserten formellen Rügen. Soweit im Rahmen der Rüge der Ver-
letzung des "Anspruchs auf gleiche und gerechte Behandlung" geltend ge-
macht wurde, es sei nicht klar, welche Person den Asylentscheid erlassen
habe, gab das SEM den vollständigen Nachnamen und die Funktion der
Sachbearbeiterin bekannt. Im Weiteren nahm es eingehend zu den Vor-
würfen, die Befragungsmethode sei extrem aggressiv gewesen und habe
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den Beschwerdeführer extrem verunsichert und in ihm ein tiefes Miss-
trauen ausgelöst, weshalb der Anspruch des Beschwerdeführers auf recht-
liches Gehör massiv verletzt worden sei, Stellung. Sodann seien – entge-
gen der in der Beschwerdeschrift vertretenen Auffassung – Widersprüche
nicht auf Übersetzungsprobleme zurückzuführen, sondern allein aufgrund
der unterschiedlichen Angaben entstanden, wobei sich aus den Akten so-
gar noch weitere Unstimmigkeiten (etwa bezüglich des Ausreisedatums)
ergeben würden. Dem Beschwerdeführer sei lediglich dahingehend Recht
zu geben, dass seine Angaben hinsichtlich des Zeigens von Bildern aus
einem "YouTube"-Video, auf welchem seine Frau in Militäruniform zu se-
hen sein solle, in der BzP und in der Anhörung konsistent ausgefallen
seien, auch wenn nicht zweifelsfrei festgestellt werden könne, ob es sich
bei der Frau im Video tatsächlich um die Ehefrau handle.
Was den beanstandeten Verzicht auf die Prüfung von Risikofaktoren be-
treffe, so entspreche dieser Vorwurf nicht den Tatsachen. Es werde nicht
bestritten, dass der Beschwerdeführer in der Vergangenheit Verbindungen
zu den LTTE gehabt habe, in der Folge rehabilitiert und deshalb behördlich
registriert worden sei. Seine Angaben zu den Tätigkeiten für die LTTE seien
jedoch äusserst widersprüchlich ausgefallen, und die Aussagen in der An-
hörung zeichneten ein deutlich niedrigeres Profil als das nunmehr auf Be-
schwerdeebene dargelegte. Auch eine allfällige Inhaftierung im L._
lasse noch nicht auf eine hohe Position innerhalb der LTTE schliessen, zu-
mal der Beschwerdeführer angeblich nach einem Jahr ohne formelle An-
klage wieder freigelassen worden sei. Da seine Angaben zur Vorverfolgung
nicht glaubhaft ausgefallen seien, sei auch nicht davon auszugehen, dass
gegen ihn neue, konkrete Verdachtsmomente aufgetaucht wären, aufgrund
welcher er bei einer Rückkehr eine erneute Inhaftierung beziehungsweise
Rehabilitierung oder eine Aufführung auf einer "Stop List" zu befürchten
habe.
Sodann überzeuge die Erklärung, der Beschwerdeführer würde Tätigkeiten
wie die Teilnahme an verschiedenen Demonstrationen in der Schweiz und
jeweils am (...) vom (...) in K._ nicht als "politisch" betrachten, wes-
halb er in der Anhörung angegeben habe, in der Schweiz nicht politisch
aktiv zu sein, nicht. Im Übrigen seien – obwohl in der Beschwerdeschrift in
Aussicht gestellt – auch keine diesbezüglichen Beweismittel eingereicht
worden.
Die mit Schreiben vom 27. Februar 2020 vorgebrachte Präsidentschafts-
wahl vermöge die Einschätzung, es sei nicht ersichtlich, inwiefern die sri-
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Seite 14
lankischen Behörden dem Beschwerdeführer ein ernsthaftes Interesse am
Wiederaufflammen des tamilischen Separatismus zuschreiben könnten,
ebenfalls nicht umzustossen. Auch wenn die Überwachung der Zivilbevöl-
kerung seit den dschihadistisch motivierten Terroranschlägen an Ostern
und nochmals nach der Präsidentschaftswahl zugenommen habe, so gebe
es zum jetzigen Zeitpunkt keinen Anlass zur Annahme, dass ganze Volks-
oder Berufsgruppen unter Gotabaya Rajapaksa kollektiv einer Verfol-
gungsgefahr ausgesetzt wären. Im Fall des Beschwerdeführers sei kein
persönlicher Bezug zur Präsidentschaftswahl beziehungsweise deren Fol-
gen gegeben, weshalb die Anforderungen an die Annahme einer begrün-
deten Verfolgungsfurcht nicht gegeben seien.
Schliesslich habe die vorübergehende Festhaltung und die Beschlagnah-
mung des Mobiltelefons einer lokalen Mitarbeiterin der Schweizer Vertre-
tung in Sri Lanka zwar zu einer kurzzeitigen Belastung der diplomatischen
Beziehung zwischen der Schweiz und Sri Lanka geführt. Gemäss Auskunft
der Schweizer Vertretung habe sich das nach dem Vorfall eröffnete Verfah-
ren jedoch ausschliesslich gegen die lokale Mitarbeiterin gerichtet und es
seien keine Informationen über sich in der Schweiz aufhaltende, asylsu-
chende Personen aus Sri Lanka an Dritte gelangt. Es gebe somit keine
Hinweise, dass abgewiesene Asylsuchende infolge des Vorfalls bei der
Rückkehr aus der Schweiz einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären.
4.4 In der Replik werden im Wesentlichen die bereits in der Beschwerde-
schrift vom 7. April 2017 erhobenen formellen Rügen wiederholt und es
wird festgehalten, auch die vom SEM in der Vernehmlassung neu gefun-
denen Widersprüche könnten widerlegt beziehungsweise es könne ihre Ir-
relevanz gezeigt werden. Durch das Eingeständnis eines falschen Wider-
spruchs (Anmerkung des Gerichts: bezüglich gezeigter Bilder aus einem
"YouTube"-Video; (vgl. oben E. 4.3, 1. Abschnitt, letzter Satz) gebe das
SEM zu erkennen, dass das fluchtauslösende Ereignis sehr wohl glaubhaft
gemacht worden sei. Es zeige, dass der Beschwerdeführer nicht nur selber
Verbindungen zu den LTTE gehabt habe, sondern auch jahrelang mit ei-
nem andern LTTE-Mitglied zusammengelebt habe und diesen Umstand vor
den sri-lankischen Sicherheitsbehörden verheimlicht habe.
5.
5.1 Der Beschwerdeführer verlangt vollständige Akteneinsicht und rügt
eine Verletzung des Anspruchs auf gleiche und gerechte Behandlung, eine
Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör, eine Verletzung der Be-
gründungspflicht sowie eine unvollständige und unrichtige Abklärung des
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rechtserheblichen Sachverhalts. Diese formellen Rügen sind vorab zu be-
urteilen, da sie – sofern begründet – allenfalls geeignet wären, eine Kas-
sation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes;
3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.).
5.2 Hinsichtlich des Antrags auf Gewährung der Einsicht in die Akten des
ersten, bei der Schweizer Botschaft in Colombo eingereichten Asylgesuchs
wies das SEM in seiner Vernehmlassung (vgl. S. 1) darauf hin, der Rechts-
vertreter habe sich im Nachgang zur Gewährung der Akteneinsicht vom
27. März 2017 nie beim SEM gemeldet und explizit Einsicht in diese Akten
verlangt, auch nicht, als er am 29. November 2018 ein zweites Mal Akten-
einsicht beantragt habe, weshalb ihm diese nicht zugestellt worden seien.
Gleichzeitig mit dem Versand der Vernehmlassung wurden dem Rechts-
vertreter aber am 5. Mai 2020 eine Kopie des Aktenverzeichnisses sowie
die wesentlichen Akten des Auslandverfahrens seines Mandanten zuge-
stellt, wobei er gebeten wurde, das SEM – falls er darüber hinaus auch
Einsicht in den internen Abschreibungsbeschluss sowie in den Antrag auf
Datenverschmelzung im ZEMIS verlange – so rasch als möglich zu kon-
taktieren.
Der Beschwerdeführer beziehungsweise dessen Rechtsvertreter verzich-
tete darauf, das SEM um Zustellung der besagten Akten zu ersuchen.
Stattdessen rügt er in der Replik vom 25. Mai 2020 (vgl. S. 2 f.), das SEM
habe bis heute nicht über den Beschwerdeantrag [3] befunden. Aus den
nun zugestellten Akten ergebe sich indessen, dass diese Akten zahlreiche
Beweismittel enthielten, welche das Profil des Beschwerdeführers bestä-
tigten. Da ihm jedoch erneut, angeblich aus Gründen der Verfahrensöko-
nomie, die Einsicht in einzelne Akten verwehrt worden sei, werde ein wei-
teres Mal der Antrag auf vollständige Einsicht in die Akten des ersten Asyl-
verfahrens gestellt, verbunden mit dem Gesuch um Ansetzung einer Frist
zu Einreichung einer Beschwerdeergänzung.
Angesichts der Tatsache, dass der Rechtsvertreter sich trotz des entspre-
chenden Hinweises im Schreiben vom 5. Mai 2020 nicht mehr zwecks Er-
halt weiterer Akten (insbesondere des Abschreibungsbeschlusses) an das
SEM wandte, kann davon ausgegangen werden, dass er bewusst auf de-
ren Einsichtnahme verzichtete. Dessen ungeachtet ist festzuhalten, dass
er spätestens nach Erhalt der ihm am 5. Mai 2020 vom SEM übermittelten
Unterlagen des Auslandverfahrens im Besitz der wesentlichen Akten war
und seither ausreichend Zeit hatte, sich eingehend dazu zu äussern, was
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Seite 16
er jedoch bis heute unterlassen hat. Angesichts dieser Sachlage ist eine
allfällige Verletzung des verfahrensrechtlichen Anspruchs auf Aktenein-
sicht als geheilt zu erachten, und es besteht keine Veranlassung zur An-
setzung einer Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung. Die ent-
sprechenden Anträge (Rechtsbegehren [3]) sind daher abzuweisen.
5.3 Gemäss dem verfassungsmässigen Grundsatz von Art. 29 Abs. 1 BV
hat eine Person in einem Verwaltungsverfahren Anspruch auf gleiche und
gerechte Behandlung und somit auch auf eine rechtmässig zusammenge-
setzte, zuständige und unbefangene Behörde. Dieser Anspruch setzt die
Bekanntgabe der personellen Zusammensetzung der Behörde voraus, wo-
bei eine Bekanntgabe in irgendeiner Form ausreicht, beispielsweise wenn
deren Namen dem Betroffenen gar nicht persönlich mitgeteilt werden,
diese jedoch einer allgemein zugänglichen Publikation wie etwa in einem
amtlichen Blatt, einem Staatskalender oder einem Rechenschaftsbericht
der Behörde entnommen werden können.
Hinsichtlich des Kürzels "M._" erschliesst sich der Name aus allge-
mein zugänglichen Quellen nicht, was einer Verletzung der vorgenannten
Verfahrensrechte gleichkommt.
Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 5. Mai 2020 allerdings fest,
bei "M._" handle es sich um N._, Fachspezialistin Asyl.
Durch den Erhalt einer Kopie dieser Vernehmlassung erhielt der Beschwer-
deführer beziehungsweise dessen Rechtsvertreter Kenntnis vom Namen
der fraglichen SEM-Mitarbeiterin. In der Replik (vgl. S. 4) wird jedoch gegen
diese Mitteilung eingewendet, eine Fachspezialistin unter diesem Kurzzei-
chen sei nicht im Staatskalender zu finden und bleibe ein "Phantom".
Der Beschwerdeführer ist der SEM-Mitarbeiterin bereits in der Anhörung
persönlich begegnet, da diese seine Anhörung vom 7. Februar 2017 gelei-
tet hat, was sich aus dem im Anhörungsprotokoll (vgl. S. 1) aufgeführten
Kürzel ergibt. Nach gewährter Akteneinsicht war dies dem Beschwerdefüh-
rer sowie dessen Rechtsvertreter bekannt. Es handelt sich deshalb weder
um eine komplett unbekannte Person noch um ein Phantom, etwaige Ein-
wände gegen deren Involvierung in das Verfahren konnten und mussten
bereits in der Beschwerde geltend gemacht werden. Da der Beschwerde-
führer, auch nachdem ihm der Name bekannt gegeben wurde, keine sub-
stanziierten Einwände gegen die betreffende Person anzubringen ver-
mochte, ist der vormalige Mangel als geheilt zu erachten (vgl. zum Ganzen
BVGE 2019 VI/6 E. 8). Der Umstand, dass Frau N._ mittlerweile
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Seite 17
nicht mehr als Fachspezialistin für das SEM tätig ist (und folglich auch nicht
mehr als solche im Staatskalender der Bundes aufgeführt wird), vermag
daran nichts zu ändern.
Es besteht keine Veranlassung festzustellen, dass die angefochtene Ver-
fügung den Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung verletze und
daher nichtig beziehungsweise ungültig sei. Dieses Begehren sowie der
Antrag, es sei (aus diesem Grund) das SEM anzuweisen, das Asylverfah-
ren des Beschwerdeführers weiterzuführen (Rechtsbegehren [2]), sind
demzufolge abzuweisen.
5.4
5.4.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE
2009/35 E. 6.4.1 m.H.). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der
Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in
ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich
ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus-
einandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl.
BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Un-
richtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-
scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
5.4.2 Der Beschwerdeführer macht vorab schwerwiegende Mängel in der
Anhörung vom 7. Februar 2017 geltend. Statt den Beschwerdeführer zu
befragen, habe die Mitarbeiterin des SEM ihn einer Art Polizeiverhör unter-
zogen und zahlreiche Widersprüche auf aktenwidrige Weise selbst produ-
ziert. Die aggressive und offensive Befragung – insbesondere auch die
wiederholte Konfrontation mit Widersprüchen und Lücken – habe den Be-
schwerdeführer extrem verunsichert und in ihm grosses Unverständnis
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
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Seite 18
hervorgerufen, weshalb er nie die Möglichkeit gehabt habe, seine Flucht-
geschichte frei und unbeeinträchtigt vorzubringen (vgl. Beschwerde
S. 8–13).
Das SEM hat sich in seiner Vernehmlassung (vgl. S. 2) eingehend mit den
vorstehenden Vorwürfen zum Befragungsstil in der Anhörung auseinander-
gesetzt. Zutreffend hat es auch darauf hingewiesen, dass die als neutrale
Beobachterin anwesende Hilfswerksvertreterin weder während der Anhö-
rung noch auf ihrem Unterschriftenblatt irgendwelche Einwände oder An-
merkungen zur Befragung, der Verdolmetschung beziehungsweise zur
Kommunikation oder zum Befragungsstil angebracht habe. Dem Be-
schwerdeführer sei mit offenen Fragen Gelegenheit gegeben worden,
seine Vorbringen substanziiert vorzutragen. Da er dies nicht getan habe,
habe die Sachbearbeiterin geschlossene Fragen zur Feststellung des
Sachverhalts gestellt. Überdies konfrontiere das SEM die asylsuchende
Person gestützt auf ihre Pflicht, den rechtserheblichen Sachverhalt exakt
und vollständig festzustellen, mit den Widersprüchen oder der mangelnden
Substanz und Klarheit ihrer Darstellung.
Das Bundesverwaltungsgericht kann sich den diesbezüglichen Ausführun-
gen der Vorinstanz anschliessen, weshalb zur Vermeidung von Wiederho-
lungen darauf verwiesen werden kann. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen,
dass in der Replik (vgl. S. 8) – trotz erneuten Hinweisen auf die angeblich
mangelhafte Anhörung und insbesondere auf die angeblich erfolgte Ein-
schüchterung durch die Befragerin – eingeräumt wird, die Anhörung sei
nicht durch und durch schlecht gewesen und der Beschwerdeführer habe
tatsächlich die Möglichkeit gehabt, sich frei zu äussern.
5.4.3 Des Weiteren kritisiert der Beschwerdeführer die fehlende zeitliche
Nähe zwischen BzP und Anhörung. Die Anhörung habe 15 Monate nach
der BzP stattgefunden, weshalb es sich von selber verstehe, dass die in
der BzP gemachten Angaben verblasst seien und der Beschwerdeführer
auch ganz allgemein seine Fluchtgeschichte weniger präsent und detailliert
habe schildern können (vgl. Beschwerde S. 13).
Es ist zwar durchaus wünschenswert, wenn zwischen BzP und Anhörung
nur ein relativ kurzer Zeitraum liegt. Es gibt jedoch keine zwingende, mit
Rechtsfolgen versehene gesetzliche Verpflichtung des SEM, die Anhörung
innerhalb eines gewissen Zeitraums nach der BzP durchzuführen. Bei dem
vom Beschwerdeführer zitierten Rechtsgutachten handelt es sich zudem
lediglich um eine Empfehlung von Prof. Dr. Walter Kälin an das SEM, aus
D-2130/2017
Seite 19
welcher der Beschwerdeführer keine Ansprüche ableiten kann. Die Frage,
ob Widersprüche in den Aussagen allenfalls mit der Zeitspanne zwischen
BzP und Anhörung begründet werden können, ist im Rahmen der materi-
ellen Beurteilung zu erörtern. Die Rüge, eine Zeitspanne von 15 Monaten
stelle (generell) eine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar, geht fehl.
5.4.4 Sodann wird in der Beschwerde (vgl. S. 13 ff.) beanstandet, der
rechtserhebliche Sachverhalt sei nicht vollständig und richtig abgeklärt
worden. Da der Beschwerdeführer sich nie frei, unbeeinträchtigt und ein-
gehend zu seinen Fluchtgründen habe äussern können, habe das SEM
sein hohes Profil aufgrund seiner LTTE-Vergangenheit nicht erkannt. Dies
gelte umso mehr, als das SEM offenbar auch die Logik des Rehabilitati-
onsprozesses nicht begriffen habe. Der rechtserhebliche Sachverhalt sei
auch insofern nicht vollständig, als nicht darauf eingegangen worden sei,
welche Risiken sich für den – im Übrigen auch exilpolitisch tätigen – Be-
schwerdeführer aus dem Umstand ergeben könnten, dass er im Hinblick
auf einen Vollzug der Wegweisung beim sri-lankischen Generalkonsulat
werde vorsprechen müssen beziehungsweise durch das Konsulat ein so-
genannter "Background Check" durchgeführt werde (vgl. Beschwerde
S. 18–22). Auch sei nicht abgeklärt worden, inwiefern sich verschiedene
Ereignisse, die sich in jüngster Zeit in Sri Lanka abgespielt hätten, auf ihn
auswirken würden (vgl. Beschwerde S. 22 ff.).
Wie bereits festgestellt wurde (vgl. oben E. 5.3.2), bestehen keine Hin-
weise auf eine mangelhafte Anhörung. Ausserdem machte der Beschwer-
deführer im vorinstanzlichen Verfahren noch keine exilpolitischen Aktivitä-
ten geltend. Der Umstand, dass die Vorinstanz in ihrer Länderpraxis zu Sri
Lanka einer anderen Linie folgt als vom Beschwerdeführer vertreten, und
sie aus sachlichen Gründen auch zu einer anderen Würdigung der Vorbrin-
gen (und insbesondere auch hinsichtlich allenfalls vorhandener Risikofak-
toren) gelangt als von ihm verlangt, stellt keine ungenügende Sachver-
haltsfeststellung dar. Betreffend die angebrachten Befürchtungen im Hin-
blick auf die Vorsprache auf dem sri-lankischen Generalkonsulat ist auf das
Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts BVGE 2017 VI/6 E. 4.3.3
zu verweisen, wonach es sich bei der Ersatzreisepapierbeschaffung um
ein standardisiertes, lang erprobtes und gesetzlich geregeltes Verfahren
handelt. Nur aufgrund der Datenübermittlung der schweizerischen Behör-
den an die sri-lankischen Behörden und der Nennung des (unglaubhaften)
Ausreisegrundes anlässlich einer Vorsprache auf dem sri-lankischen Ge-
D-2130/2017
Seite 20
neralkonsulat ist bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht mit einer asylre-
levanten Verfolgung zu rechnen. Folglich hatte das SEM diesbezüglich
keine weiteren Sachverhaltsabklärungen zu tätigen.
Soweit der Beschwerdeführer in seiner Eingabe vom 27. Februar 2020 eine
mit der Wahl von Gotabaya Rajapaksa begründete massiv verschlechterte
menschenrechtliche und politische Situation in Sri Lanka und eine erhöhte
Verfolgungsintensität insbesondere auch gegenüber Rückkehrern aus der
Schweiz geltend macht, vermengt er die Frage der Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhalts mit der Frage der rechtlichen Würdigung der Sa-
che. In der Beschwerdeschrift wird zudem nicht substanziiert dargelegt, in-
wieweit der Beschwerdeführer von der jüngsten Lageentwicklung in Sri
Lanka persönlich betroffen sein könnte. Dessen ungeachtet ist darauf hin-
zuweisen, dass sich das SEM in seiner Vernehmlassung vom 5. Mai 2020
auch mit den neusten (beziehungsweise nach der Wahl von Gotabaya
Rajapaksa entstandenen) Entwicklungen im Heimatland des Beschwerde-
führers eingehend auseinandergesetzt hat. Der Sachverhalt ist damit als
hinreichend erstellt zu erachten; die diesbezügliche Rüge geht fehl.
Schliesslich ist erneut festzuhalten, dass die Frage, ob und in welcher
Weise sich Veränderungen der allgemeinen politischen Situation in Sri
Lanka auf den Beschwerdeführer auswirken, nicht unter dem Aspekt des
rechtlichen Gehörs, sondern bei der materiellen Beurteilung der konkreten
Asylvorbringen zu berücksichtigen ist.
Im Übrigen ist festzuhalten, dass das Bundesverwaltungsgericht den Akten
auch sonst keinerlei Hinweise entnehmen kann, dass die Vorinstanz den
Sachverhalt nicht ausreichend erstellt haben könnte. Was die Rüge der
Fehlerhaftigkeit des Lagebilds des SEM zu Sri Lanka (vgl. insbesondere
Beschwerde S. 25–27, Eingabe vom 27. Februar 2020 S.1–5 sowie Replik
S. 14 ff.) betrifft, so wurde in diesem Zusammenhang bereits in mehreren
vom nämlichen Rechtsvertreter geführten Verfahren (vgl. etwa Urteil des
BVGer D-804/2019 vom 7. März 2019 E. 5.4) festgestellt, dass diese län-
derspezifische Lageanalyse des SEM öffentlich zugänglich ist. Darin wer-
den neben nicht namentlich genannten Gesprächspartnern und anderen
nicht offengelegten Referenzen überwiegend sonstige öffentlich zugängli-
che Quellen zitiert. Damit ist trotz der teilweise nicht im Einzelnen offenge-
legten Referenzen auch dem Anspruch des Beschwerdeführers auf recht-
liches Gehör ausreichend Genüge getan. Die Frage wiederum, inwiefern
sich ein Bericht auf verlässliche und überzeugende Quellen abstützt, ist
ebenfalls keine formelle Frage, sondern ist gegebenenfalls im Rahmen der
D-2130/2017
Seite 21
materiellen Würdigung der Argumente der Parteien durch das Gericht zu
berücksichtigen.
5.4.5 Der Beschwerdeführer behauptet weiter, das SEM habe seine Be-
gründungspflicht verletzt. So habe es bei der Beurteilung seiner Vorbringen
und seines Risikoprofils überhaupt nicht berücksichtigt, dass er über eine
klare LTTE-Verbindung verfüge, rund zwei Jahre lang in Haftanstalten be-
ziehungsweise in einem Rehabilitierungscamp verbracht, nach der Freilas-
sung auf eine "Watch List" gesetzt worden und noch heute auf einer "Stop
List" aufgeführt sei, dass er sich durch Flucht dem Zugriff der sri-lankischen
Behörden entzogen habe, sich exilpolitisch betätige und über keine gülti-
gen Einreisepapiere verfüge (vgl. Beschwerde S. 28–33).
Entgegen der vom Beschwerdeführer vertretenen Auffassung ist die Beur-
teilung der Gefährdung eine Frage der rechtlichen Würdigung, welche die
materielle Entscheidung beschlägt. Wie bereits vorstehend (vgl. E. 5.3.4)
festgehalten wurde, hat die Vorinstanz alle wesentlichen Sachverhaltsele-
mente festgehalten und die Ausführungen des Beschwerdeführers vor dem
Hintergrund der aktuellen Lage in Sri Lanka gewürdigt, weshalb auch eine
Verletzung der Begründungspflicht zu verneinen ist (vgl. BVGE 2011/37
E. 5.4.1 und 2008/47 E. 3.2). Das SEM hat nachvollziehbar und im Einzel-
nen hinreichend differenziert aufgezeigt, von welchen Überlegungen es
sich leiten liess, und dem Beschwerdeführer dadurch die sachgerechte An-
fechtung der Verfügung vom 7. März 2017 ermöglicht. Der blosse Um-
stand, dass der Beschwerdeführer beziehungsweise dessen Rechtsvertre-
ter die Auffassung der Vorinstanz nicht teilt, ist auch keine Verletzung der
Begründungspflicht, sondern eine Frage des materiellen Rechts.
5.5 Zusammenfassend erweisen sich die erhobenen formellen Rügen als
unbegründet. Es besteht daher – entgegen der in der Beschwerdeschrift
vertretenen und sinngemäss auch in der Replik wiederholten Auffassung –
keine Veranlassung, die SEM-Verfügung vom 7. März 2017 aus diesen
Gründen aufzuheben und die Sache wegen Verletzung des Anspruchs auf
das rechtliche Gehör, eventuell wegen Verletzung der Begründungspflicht
beziehungsweise zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechts-
erheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen. Die entsprechenden Anträge (Rechtsbegehren [4]–[6]) sind
demzufolge abzuweisen.
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Seite 22
6.
6.1 Für den Fall einer materiellen Beurteilung der Beschwerde wird bean-
tragt, den Beschwerdeführer erneut ausführlich anzuhören; dies durch eine
Fachperson, welche über ausreichendes Hintergrundwissen zu Sri Lanka
verfüge und bemüht sei, ihn gemäss den internen Richtlinien des SEM ob-
jektiv und neutral zu befragen (vgl. Beschwerde S. 34, Antrag 1). Sodann
sei ihm eine angemessene Frist zur Beibringung weiterer Beweismittel zu
seinem exilpolitischen Engagement anzusetzen (Antrag 2).
Da der Sachverhalt als hinreichend erstellt und die Anhörung als korrekt
durchgeführt zu erachten ist, ist das Begehren, den Beschwerdeführer er-
neut anzuhören, abzuweisen. Sodann hatte der Beschwerdeführer hinrei-
chend Gelegenheit, Beweismittel betreffend seine exilpolitischen Tätigkei-
ten einzureichen und hat denn auch zusammen mit seiner Replik vom 25.
Mai 2020 ein Bild, das ihn bei der Teilnahme am (...) in K._ im (...)
zeigen soll, zu den Akten gegeben. Ohnehin obliegt es der asylsuchenden
Person in Nachachtung ihrer Mitwirkungspflicht, allfällige Beweismittel un-
verzüglich einzureichen (Art. 8 Abs. 1 Bst. d AsylG).
6.2 Auch der Antrag, es seien Abklärungen vorzunehmen betreffend den
Vorfall im November 2019, als eine Angestellte der Schweizer Botschaft in
Sri Lanka entführt wurde (vgl. Eingabe vom 27. Februar 2020, S. 7), ist
abzuweisen. Gemäss dem Gericht vorliegenden diesbezüglichen Abklä-
rungen befanden sich keine Daten über sich in der Schweiz aufhaltende,
asylsuchende Personen aus Sri Lanka auf dem beschlagnahmten Mobilte-
lefon der vom Sicherheitsvorfall betroffenen lokalen Angestellten der
Schweizer Botschaft und es gelangten auch anderweitig keine personen-
bezogenen Informationen an Dritte. Weitere Abklärungen drängen sich
nicht auf.
6.3 Nach dem Gesagten sind die Beweisanträge abzuweisen.
7.
7.1 Materiell ist vorab festzuhalten, dass das SEM weder die vom Be-
schwerdeführer zu seiner Person und seiner Herkunft gemachten Angaben
noch dessen anlässlich der BzP sowie der Anhörung genannten Aktivitäten
für die LTTE, seine Probleme während des Bürgerkrieges oder die zwei-
jährige Haft mit Rehabilitation grundsätzlich in Frage stellte, zumal diese
Punkte mittels Einreichung verschiedener Unterlagen untermauert wurden.
D-2130/2017
Seite 23
7.2 Was die auf Beschwerdeebene ergänzte Sachverhaltsdarstellung an-
belangt, kann grundsätzlich auf die vorinstanzlichen Ausführungen in der
Vernehmlassung (vgl. S. 4) und die nachfolgenden Erwägungen verwiesen
werden. Auch wenn das Gericht eine Beteiligung des Beschwerdeführers
an Kampfhandlungen in den 90er-Jahren nicht vollumfänglich ausschlies-
sen kann, erscheint die Behauptung, er sei in leitender Funktion in einer
(...) tätig gewesen, aus den vom SEM angeführten Überlegungen nicht
glaubhaft.
7.3 Die Vorinstanz erachtete es auch nicht als glaubhaft, dass der Be-
schwerdeführer nach der Entlassung aus der Rehabilitationshaft im Mai
2011 den von ihm geschilderten Nachstellungen seitens der sri-lankischen
Behörden ausgesetzt gewesen sein soll.
7.3.1 Nach eingehender Prüfung der vorliegenden Akten und insbesondere
auch unter Berücksichtigung der vorstehenden Einwendungen schliesst
sich das Bundesverwaltungsgericht der vorinstanzlichen Einschätzung der
Vorbringen des Beschwerdeführers an. Zur Vermeidung von Wiederholun-
gen kann auf die einlässlichen Erwägungen in der angefochtenen Verfü-
gung und in der Vernehmlassung sowie auf die Zusammenfassung unter
E. 4.1.1, 4.1.2 und 4.3 verwiesen werden. Soweit der Beschwerdeführer
die Abweichungen in seinen Aussagen damit erklären will, dass zwischen
der BzP und der Anhörung längere Zeit verstrichen sei (vgl. dazu auch
E. 5.3.3), vermag diese Argumentation nicht zu überzeugen. Es ist nicht
erkennbar, weshalb die Schilderungen des Beschwerdeführers, welche im
Übrigen Punkte betreffen, die für den Entschluss der Ausreise ausschlag-
gebend gewesen sein sollen, aufgrund des Zeitablaufs von 15 Monaten in
derart signifikanter Art und Weise widersprüchlich ausgefallen sein sollen.
Dies gilt umso mehr, als der Beschwerdeführer beispielsweise in der BzP
auch auf ausdrückliches Nachfragen hin noch verneint hatte, irgendwel-
chen (insbesondere körperlichen) Angriffen seitens der Sicherheitsbehör-
den ausgesetzt gewesen zu sein (vgl. Akten SEM A3 Ziff. 7.02). Im Übrigen
sind auch keinerlei Hinweise ersichtlich, dass Probleme bei der Überset-
zung zu den festgestellten Widersprüchen geführt haben könnten, zumal
dem Beschwerdeführer die erstellten Protokolle rückübersetzt wurden und
er die Richtigkeit und Vollständigkeit der darin enthaltenen Aussagen un-
terschriftlich bestätigte. Daraus sowie aus dem Umstand, dass – wie be-
reits unter E. 5.3.2 bemerkt wurde – keine Anhaltspunkte dafür vorhanden
sind, dass die Anhörung nicht korrekt abgelaufen sein könnte, ergibt sich,
dass das SEM zu Recht zum Schluss gelangte, der Beschwerdeführer
habe keine asylrelevante Verfolgung glaubhaft machen können.
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Ein Vorbehalt in Bezug auf die von der Vorinstanz festgestellten Ungereimt-
heiten ist – nebst dem von der Vorinstanz in der Vernehmlassung ange-
brachten Bemerkung zu einem angeblichen Widerspruch (vgl. oben E. 4.3,
1. Abschnitt, letzter Satz) – lediglich in Bezug auf den Zeitraum und die
Anzahl der behördlichen Nachstellungen anzubringen, können doch die
vom Beschwerdeführer in der Anhörung (vgl. A10 zu F49–61) dazu ge-
machten Aussagen nicht als klar unsubstanziiert oder gar widersprüchlich
bezeichnet werden. Demgegenüber ist der Vollständigkeit halber darauf
hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer in der BzP noch erwähnt hatte,
zwei Jahre lang in einem Internierungslager ("camp de détention") und
auch in einem Rehabilitationslager festgehalten worden zu sein (vgl. A3
Ziff. 1.17.04), wohingegen er in der Anhörung bei der freien Erzählung an-
gab, vom Flüchtlingslager ins Rehabilitationsprogramm geschickt worden
zu sein (vgl. A19 zu F36).
Ebenfalls der Vollständigkeit halber bleibt anzumerken, dass mit dem SEM
(vgl. angefochtene Verfügung S. 5) davon auszugehen ist, dass ehemals
LTTE-nahe Personen auch nach der Rehabilitation von den Sicherheitsbe-
hörden noch überwacht werden. Dass dies für die Betroffenen unange-
nehm und unter Umständen auch beängstigend sein kann, ist nicht in Ab-
rede zu stellen. Dies entbindet die asylsuchende Person jedoch nicht da-
von, die von ihr konkret erlebte Verfolgung in asylrelevantem Ausmass zu-
mindest glaubhaft zu machen. Dies ist dem Beschwerdeführer nicht gelun-
gen.
7.3.2 Schliesslich sind auch die sich bei den Akten befindenden Unterlagen
und Beweismittel nicht geeignet, zu einer anderen Beurteilung der Glaub-
haftigkeit der geltend gemachten Verfolgungssituation zu führen.
So bestätigen diese entweder Angaben des Beschwerdeführers, welche
gar nicht in Zweifel gezogen worden sind (etwa die Identität des Beschwer-
deführers und seiner Angehörigen, seine [...] und seinen Aufenthalt in Re-
habilitationshaft) oder stellen – wie die Schreiben der Ehefrau und des
Dorfvorstehers sowie die auf den 3. April 2017 datierte Bestätigung eines
angeblichen Bekannten aus der Militärdienstzeit – blosse Gefälligkeits-
schreiben ohne Beweiswert dar.
7.4 Nunmehr bleibt zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer trotz fehlender
Vorverfolgung bei einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im
Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden.
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Seite 25
7.4.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei
einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Ge-
fahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl. a.a.O. E. 8.3). Zur Be-
urteilung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in
Form von Verhaftung und Folter zu werden, wurden verschiedene Risiko-
faktoren identifiziert. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder
vergangene Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der "Stop List" und die
Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden als
stark risikobegründende Faktoren eingestuft, da sie unter den im Entscheid
dargelegten Umständen bereits für sich allein genommen zur Bejahung ei-
ner begründeten Furcht führen könnten. Demgegenüber stellen das Fehlen
ordentlicher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri Lanka, Narben und
eine gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land schwach risiko-
begründende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden, die diese weitrei-
chenden Risikofaktoren erfüllten, habe jedoch nur jene kleine Gruppe tat-
sächlich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne
von Art. 3 AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-lankischen Behör-
den bestrebt sei, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen
und so den sri-lankischen Einheitsstaat gefährde. Mit Blick auf die darge-
legten Risikofaktoren seien in erster Linie jene Rückkehrer gefährdet, de-
ren Namen in der am Flughafen in Colombo abrufbaren "Stop-List" ver-
merkt seien und der Eintrag den Hinweis auf eine Verhaftung beziehungs-
weise einen Strafregistereintrag im Zusammenhang mit einer tatsächlichen
oder vermuteten Verbindung zu den LTTE enthalte. Entsprechendes gelte
für sri-lankische Staatsangehörige, die sich im Ausland regimekritisch be-
tätigt hätten (vgl. a.a.O. E. 8).
7.4.2 Der Beschwerdeführer vermochte die erst auf Beschwerdeebene be-
hauptete Tätigkeit in leitender Stellung für die LTTE nicht glaubhaft zu ma-
chen. Hingegen ist sein Beitritt zu den LTTE im Jahr 1994 und die anläss-
lich BzP und Anhörung geschilderte, mehr als zehn Jahre zurückliegende
Verbindung zu diesen glaubhaft. Auch eine Beteiligung an Kampfhandlun-
gen bis zur (...) im Jahr 1998 schliesst das Gericht nicht aus. Wie in der
angefochtenen Verfügung (vgl. Ziff. II. 2.) allerdings zutreffend ausgeführt
wurde, erreichen die mit dem Abschluss der Rehabilitationshaft regelmäs-
sig einhergehenden Überwachungsmassnahmen und die damit verbunde-
nen Beeinträchtigungen in der Regel kein asylrelevantes Ausmass. Vorlie-
gend konnte der Beschwerdeführer nicht glaubhaft dartun, dass er nach
der Rehabilitation Opfer von besonderen Verfolgungsmassnahmen asylre-
levanten Ausmasses geworden ist. Wäre tatsächlich von einem ernsthaften
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Interesse der sri-lankischen Behörden am Beschwerdeführer auszugehen,
ist mit der Vorinstanz nicht anzunehmen, diese hätten es bei gelegentlichen
Besuchen und Befragungen belassen, zumal damals Mahinda Rajapaksa,
der heute amtierende Premierminister und Bruder des derzeitigen Präsi-
denten, als Präsident in Sri Lanka im Amt war.
Sodann ergeben sich aus dem Umstand, dass seine (Verwandte) und sein
(Verwandter) im Bürgerkrieg ums Leben gekommen sind und seine Ehe-
frau angeblich ebenfalls vor mehr als zehn Jahren niederschwellige Tätig-
keiten für die LTTE ausgeübt hat, keine Hinweise auf ein aktuell bestehen-
des Verfolgungsinteresse seitens der sri-lankischen Behörden, und auch
aus der tamilischen Ethnie, der Verletzung am (...) sowie der längeren Lan-
desabwesenheit kann der Beschwerdeführer keine Gefährdung ableiten.
Selbst wenn er ohne Reisepass respektive mit temporären Reisedokumen-
ten nach Sri Lanka zurückkehren müsste, würde dies zwar allenfalls bei
der Wiedereinreise in Sri Lanka zu einem "Background-Check" führen. Es
muss damit gerechnet werden, dass er nach dem Verbleib seiner Reisepa-
piere und zum Grund seiner Ausreise befragt und überprüft wird. Dabei
kann nicht ausgeschlossen werden, dass er wegen des fehlenden Reise-
passes gebüsst wird, wobei ein entsprechendes Vorgehen der sri-lanki-
schen Behörden aber keine flüchtlingsrechtliche Relevanz entfaltet (vgl.
Referenzurteil E-1866/2015 vom 25. Juli 2016 E. 8.4.4). Nach dem Gesag-
ten ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Falle einer
Rückkehr in sein Heimatland dort Massnahmen zu befürchten hat, welche
über eine einfache Kontrolle hinausgehen, und er wegen seines Profils von
den Behörden als Bedrohung wahrgenommen wird.
7.4.3 Sodann macht der Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene erst-
mals exilpolitische Aktivitäten geltend, nachdem er dies in der Anhörung
noch verneint hatte (vgl. dazu auch oben E. 4.3, 3. Abschnitt). Die nun vor-
gebrachten Tätigkeiten erschöpfen sich in der – nicht näher substanziierten
– Teilnahme an Demonstrationen sowie am jährlichen (...) in K._,
wobei er die Teilnahme am (...) im (...) mit einem zusammen mit der Replik
am 25. Mai 2020 eingereichten Foto, das ihn mit Landsleuten zeigt, bele-
gen will. Allein durch die – unter in der Schweiz lebenden sri-lankischen
Staatsangehörigen weit verbreitete – Teilnahme an Demonstrationen und
Gedenktagen hat sich der Beschwerdeführer indessen nicht derart expo-
niert, dass Anlass zur Annahme bestehen würde, die sri-lankischen Behör-
den hätten davon Kenntnis bekommen. Das Vorliegen von subjektiven
Nachfluchtgründen ist somit ebenfalls zu verneinen.
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Seite 27
7.4.4 Schliesslich ergibt sich auch aus den auf Beschwerdeebene auf ver-
schiedenen CD-ROMs eingereichten Dokumenten, Berichten und Länder-
informationen – und auch unter Berücksichtigung der aktuellen politischen
Lage in Sri Lanka nach der Wahl von Gotabaya Rajapaksa vom 16. No-
vember 2019 – nichts, was an der Einschätzung, es sei nicht davon aus-
zugehen, dass dem Beschwerdeführer im Fall einer Rückkehr nach Sri
Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen könnte, etwas
ändern könnte.
7.5 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, seine
Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu ma-
chen. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt die Vorinstanz das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Bei der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2, m.w.H.).
9.2
9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
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gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
9.2.2 Das SEM wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin,
dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen
schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerde-
führer nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich erhebliche Gefährdung
glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden.
Eine Rückkehr nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5
AsylG rechtmässig.
9.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Men-
schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste
der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR, Saadi gegen Italien,
Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.).
Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegwei-
sungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil des
BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 12.2 sowie statt vieler Urteil des
BVGer E-895/2020 vom 15. April 2020 E. 9.2). Es ergeben sich aus den
Akten auch keine konkreten Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer
bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen so genannten "Back-
ground Check" (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und
Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet wäre.
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Daran vermögen der Regierungswechsel vom November 2019 sowie die
seither veränderte Lage in Sri Lanka nichts zu ändern.
9.2.4 Der Vollzug der Wegweisung erweist sowohl im Sinne der asyl- als
auch der völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig.
9.3
9.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.3.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Das Bundesverwal-
tungsgericht geht weiterhin davon aus, dass der Wegweisungsvollzug in
die Nordprovinz zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen Zumut-
barkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder
sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkom-
mens- und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil
E-1866/2015 E. 13.2). Auch der Wegweisungsvollzug ins "Vanni-Gebiet",
wo der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise gelebt haben will, gilt als zu-
mutbar (vgl. Urteil des BVGer D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5).
Diese Einschätzung bleibt auch nach den aktuellen Entwicklungen in Sri
Lanka (vgl. dazu im Einzelnen etwa Urteil des BVGer D-7353/2017 vom
24. Juni 2020 E. 11.3.1) und insbesondere auch nach den Parlamentswah-
len vom 5. August 2020 weiterhin zutreffend.
9.3.3 Sodann sind auch keine individuellen Gründe erkennbar, welche ge-
gen die Rückkehr des Beschwerdeführers sprechen könnten. Wie in der
angefochtenen Verfügung zutreffend bemerkt wurde, verfügt er über mehr-
jährige Erfahrung in der Landwirtschaft, ein eigenes Grundstück sowie ein
tragfähiges Beziehungsnetz (insbesondere Ehefrau und zwei Kinder, wel-
che bei Verwandten in G._ lebten, sowie eine Tante, bei der er sel-
ber in E._ habe wohnen können; vgl. A10 zu F13 ff. und F155 f.).
Es ist daher nicht davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr in seine
Heimat in eine existenzielle Notlage geraten würde.
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Schliesslich bestehen auch keine medizinischen Wegweisungshinder-
nisse. Der Beschwerdeführer erklärte, wegen der (...), die er sich vor mehr
als 20 Jahren zugezogen habe, bereits in Sri Lanka in Behandlung gewe-
sen zu sein (vgl. A10 zu F158–160). Es ist daher – wie das SEM zutreffend
bemerkte – davon auszugehen, dass die medizinische Versorgung auch
bei einer allfälligen Verschlechterung gewährleistet wäre.
9.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar, zumal sich die Einwendungen des Beschwerdeführers (vgl.
Beschwerde S. 39 f.) im Wesentlichen auf eine Wiederholung von Argu-
menten, welche bereits im Rahmen der Flüchtlingseigenschaft vorgetragen
wurden, beschränken.
9.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Es erübrigt sich, auf den weiteren Inhalt der
Beschwerde, der Eingabe vom 27. Februar 2020 und der Replik sowie auf
und die eingereichten Beweismittel – die sich allesamt auf die generelle
Situation in Sri Lanka beziehen, ohne einen individuellen Bezug zum Be-
schwerdeführer zu haben – noch näher einzugehen. Die Beschwerde ist
abzuweisen.
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Instruktionsverfü-
gung vom 11. Mai 2017 wurde ihm allerdings die unentgeltliche Prozess-
führung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt. Da keine Veranlassung
besteht, auf diesen Entscheid zurückzukommen, sind keine Kosten aufzu-
erlegen.
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Seite 31
11.2 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden
Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr er-
wachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen
(Art. 64 Abs. 1 VwVG). Obsiegt eine Partei nur teilweise, so ist die Partei-
entschädigung zu kürzen (Art. 7 Abs. 2 VGKE). Sind die Kosten verhältnis-
mässig gering, kann von einer Parteientschädigung abgesehen werden
(Art. 7 Abs. 4 VGKE). Als geringe Kosten gelten Aufwendungen von weni-
ger als Fr. 100.– (analog zu Art. 13 Bst. b VGKE: als verhältnismässig hohe
Kosten gelten Spesen von mehr als Fr. 100.–; vgl. zum Ganzen: Mo-
ser/Beusch/Kneubühler, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht,
2. Aufl., RZ 4.69). Hinsichtlich der Rüge der Offenlegung des Namens der
SEM-Mitarbeiterin hat der Beschwerdeführer insofern obsiegt, als ihm die-
ser erst in der Vernehmlassung vom 5. Mai 2020 genannt wurde. Mit allen
anderen Rechtsbegehren ist er unterlegen. Im vorliegenden Verfahren ist
der Aufwand für die Rüge der Offenlegung des Namens der SEM-Mitarbei-
terin als gering einzustufen (weniger als Fr. 100.–), weshalb von einer Par-
teientschädigung abzusehen ist. Es bestand deshalb auch keine Veranlas-
sung, ihm zur Einreichung einer Kostennote Frist anzusetzen. Das entspre-
chende, in der Replik (vgl. S. 24) enthaltene Gesuch ist daher gegen-
standslos.
(Dispositiv nächste Seite)
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