Decision ID: ed7e1cc7-5461-5f2d-b523-e4ee964b9b25
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte), welche zuletzt mit einem 100% Pensum als
Betriebsmitarbeiterin bei der Firma B._ im Fürstentum Liechtenstein angestellt war
(das Ende des Arbeitsverhältnisses datiert vom 30. Oktober 2013), meldete sich im
Februar 2013 wegen Rückenschmerzen zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1). Diese
leitete die Anmeldung zur Erstprüfung der IV-Stelle des Fürstentums Liechtenstein
weiter (IV-act. 9 f.), welche mit Verfügung vom 4. September 2013 bei ab Juli 2013
wieder 100%-iger Arbeitsfähigkeit der Versicherten in der angestammten Tätigkeit
einen Rentenanspruch ablehnte (IV-act. 22). Mit Verfügung vom 21. Januar 2014 wies
die IV-Stelle des Kantons St. Gallen ihrerseits einen Rentenanspruch ab (IV-act. 52).
B.
Im September 2015 meldete sich die Versicherte aufgrund von
Bandscheibenvorfällen erneut zum Bezug von Leistungen bei der IV-Stelle des Kantons
St. Gallen an (IV-act. 57). Im Anschluss daran reichte die Versicherte einen
Sprechstundenbericht vom 2. Juli 2015 des Spitals Altstätten ein, worin nach einem
Sturz auf das linke Handgelenk vom 2. Juni 2014 (IV-act. 97, 101) persistierende
Schmerzen bei Status nach Handgelenksarthroskopie und SL-Bandrekonstruktion bei
scapholunärer Dissoziation Handgelenk links vom 15. Dezember 2014 diagnostiziert
wurden (IV-act. 59). Nach Einholung weiterer Dokumente (insbesondere von der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt [Suva; Fremdakten]; von Dr. med. C._
vom 5. November 2015 [IV-act. 67]; vom Spital Grabs [IV-act. 70]; vom Spital Altstätten
[IV-act. 86 f., 94 ff. bis 113]) und interner Anfrage beim regionalen ärztlichen Dienst
(RAD; IV-act. 82) trat die IV-Stelle auf die Wiederanmeldung ein.
B.a.
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Am 4. Februar 2016 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass keine beruflichen
Massnahmen angezeigt seien und ein Rentenanspruch geprüft werde (IV-act. 120). Mit
Vorbescheid vom 25. Februar 2016 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung
des Rentenbegehrens in Aussicht (IV-act. 125). Dagegen liess die Versicherte durch
ihren Vertreter, Rechtsanwalt lic. iur. D. Ehrenzeller, Teufen, am 14. April 2016 Einwand
erheben. Dieser beantragte, es sei der Versicherten mit Wirkung spätestens ab Juni
2015 mindestens eine halbe IV-Rente zuzusprechen. Eventualiter sei eine
polydisziplinäre Begutachtung vorzunehmen. Der Versicherten sei im Weiteren für das
Vorbescheidsverfahren die unentgeltliche Verbeiständung zu gewähren (IV-act. 130).
B.b.
In der Folge teilte die IV-Stelle nach Rücksprache mit dem RAD (IV-act. 140) dem
Rechtsvertreter der Versicherten mit, dass eine polydisziplinäre medizinische
Untersuchung (Allgemeine Innere Medizin, Rheumatologie, Handchirurgie, Psychiatrie)
notwendig sei und dafür die MEDAS Interlaken GmbH (MEDAS) beauftragt werde (IV-
act. 134, 144).
B.c.
Die Begutachtung wurde am 16. und 29. November 2016 durchgeführt und die
Expertise am 1. Februar 2017 erstellt (IV-act. 149). Die Gutachter diagnostizierten
residuelle Schmerzen und Kraftminderung der linken Hand nach Bandläsion
(scapholunär und TFC-Komplex) und arthroskopischer Bandplastik am 15. Dezember
2014. Diesem Befund massen sie Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu. Weiter
diagnostizierten die Ärzte ein unspezifisches Ganzkörperschmerzsyndrom mit/bei
operierter Diskushernie L4/5 im November 2012 und Schmerzausweitung,
Selbstlimitierung, Aggravationstendenzen sowie psychische und Verhaltensfaktoren bei
andernorts klassifizierten Krankheiten. Diesen Befunden massen sie keinen Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit zu. Die Restbeschwerden in der linken Hand und die lokalen
Schmerzen bei degenerativen Lendenwirbelsäulenveränderungen würden im Rahmen
des ungünstigen Krankheitsverhaltens der Versicherten generalisiert und als Ursache
einer subjektiven ausgeprägten Belastungs- und Leistungsinsuffizienz empfunden. In
der zuletzt ausgeübten Tätigkeit bestehe seit dem Unfall und der Operation bis aktuell
keine Arbeitsfähigkeit mehr, da diese zwar körperlich leicht, aber bimanuell auszuüben
sei. In einer angepassten Tätigkeit, körperlich leicht, in Wechselhaltung, mit einem
Gewichtslimit für Heben und Tragen von maximal 15 Kilogramm für die dominante
rechte Hand, von maximal 3 Kilogramm für die linke Hand, bestehe eine zeitlich
B.d.
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C.
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Eine Leistungsminderung von 20% sei aufgrund des
chronischen Schmerzes (Arbeitstempo, Pausen) zu berücksichtigen. Die Einschätzung
gelte ab sechs Monaten postoperativ, das heisse ab Juni 2015 (IV-act. 149-39 ff.).
Nach Einholung einer Stellungnahme des RAD (IV-act. 148) teilte die IV-Stelle der
Versicherten am 17. Februar 2017 mit, dass gestützt auf das MEDAS-Gutachten
weiterhin vorgesehen sei, an der Rentenablehnung festzuhalten (IV-act. 152). Mit
Stellungnahme vom 10. März 2017 wies der Rechtsvertreter der Versicherten auf
verschiedene Mängel (Widersprüche/Diskrepanzen) am Gutachten hin und hielt am
Antrag um eine halbe Rente fest (IV-act. 159). Nach nochmaliger Stellungnahme durch
den RAD (IV-act. 163) verfügte die IV-Stelle am 3. Mai 2017 die Abweisung des
Rentengesuchs (IV-act. 165). Bereits mit Verfügung vom 31. März 2017 war das
Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Vorbescheidverfahren abgewiesen
worden (IV-act. 162).
B.e.
Gegen die Verfügung vom 3. Mai 2017 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 6. Juni 2017. Der Rechtsvertreter der Versicherten (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) beantragte darin die Aufhebung der Verfügung und die Zusprache
einer mindestens halben Rente der Invalidenversicherung mit Wirkung ab März 2016.
Eventualiter sei unter Aufhebung der Verfügung die Angelegenheit im Sinne der
Erwägungen an die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin (act. G 1).
C.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 29. August 2017 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
C.b.
In der Replik vom 28. September 2017 liess die Beschwerdeführerin unverändert
an der Beschwerde festhalten (act. G 8). Mit der Replik reichte der Rechtsvertreter
unter anderem einen Arztbericht von Dr. C._ vom 20. September 2017 ein (act. G
6.1-5). Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G
8).
C.c.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist ein Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin.
Gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) wird unter Invalidität die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit
verstanden. Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird
gemäss Art. 16 ATSG durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das
Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der
Durchführung der notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt wird zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
1.1.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Für das
gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und
das Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
1.2.
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Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens formgerecht eingeholten Gutachten
von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; vgl. ferner
Thomas Flückiger, Medizinische, insbesondere hausärztliche Berichte und ihre
Beweiskraft – mit einem Seitenblick auf die medizinischen Gutachten, in: Kieser/
Lendfers [Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2013, St. Gallen 2014, S. 138 ff.). In
Bezug auf Berichte von Hausärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache
Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE
125 V 351 E. 3b/bb und cc). Dies gilt auch für Stellungnahmen behandelnder
Spezialärzte (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 6. April
2006, I 803/05, E. 5.5). Widersprechen Berichte behandelnder Ärzte dem von der
Verwaltung bei externen Spezialärzten eingeholten Gutachten, ist die unterschiedliche
Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Ärzte einerseits und
Begutachtungsauftrag der amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits zu
beachten (Urteil des EVG vom 18. April 2006, I 783/05, E. 2.2). Es ist deshalb nicht
zulässig, ein medizinisches Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu
stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden
Ärzte später zu anderslautenden Einschätzungen gelangen oder an vorgängig
geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten. Vorbehalten bleiben aber Fälle, in
denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte
wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte
benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben
sind (Urteil des Bundegerichts vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008, E. 2.3.2).
1.3.
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
1.4.
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2.
Um den Invaliditätsgrad festlegen zu können, muss die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
feststehen.
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 f. E. 4a). In beweisrechtlicher Hinsicht gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die urteilenden Instanzen
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Die Verwaltung resp. das Gericht dürfen eine Tatsache nur
dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im
Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht
etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts
genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener
Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als
die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b mit Hinweisen).
Die angefochtene Verfügung der Beschwerdegegnerin stützt sich in medizinischer
Hinsicht auf das polydisziplinäre Administrativgutachten der MEDAS vom 1. Februar
2017 (IV-act. 149). Dieser formgerecht eingeholten Expertise von externen Fachärzten
(IV-act. 134, 141 ff.) ist bei der Beweiswürdigung voller Beweiswert zuzuerkennen,
sofern nicht konkrete Indizien gegen deren Zuverlässigkeit sprechen (vgl. vorstehende
E. 1.4).
2.1.
Die Beschwerdeführerin kritisiert das MEDAS-Gutachten in verschiedener Hinsicht
und stellt dessen Beweiswert/Verwertbarkeit in Frage. Es bestünden Unklarheiten und
Widersprüche sowohl innerhalb der als auch zwischen den einzelnen Disziplinen,
weshalb nicht darauf abgestellt werden könne. Insbesondere sei auch der
wesentlichste Teilaspekt, die handchirurgische Beurteilung, nicht umfassend und weise
Ungereimtheiten auf. Letztlich sei nicht ersichtlich, welche konkreten Tätigkeiten noch
in Frage kommen würden, nachdem sämtliche bimanuellen Tätigkeiten, auch leichte,
nicht mehr zur Diskussion stünden und das vorhandene LWS-Syndrom längeres Sitzen
2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/12
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verhindere bzw. Einfluss auf stehende und gehende Tätigkeiten habe, wobei
diesbezüglich wiederum an das OSG zu erinnern sei (act. G 1).
Zu diesen erwähnten Kritikpunkten ist folgendes festzuhalten. Es trifft zu, dass im
rheumatologischen Teilgutachten von Dr. med. D._, Facharzt FMH Rheumatologie
(IV-act. 149-76 bis 85), die qualitativen Auswirkungen der Handgelenksbeschwerden
links anders beurteilt wurden als im handchirurgischen Teilgutachten von Dr. med.
E._, Belegarzt FMH für Handchirurgie. Dies aufgrund der Tatsache, dass Dr. D._ in
Bezug auf das Handgelenk und die Hand links keine messbaren Befunde aufgrund
fehlender Compliance/Mitarbeit eruieren konnte (IV-act. 149-80). Dr. E._ seinerseits
notierte eine im Gegensatz zur rechten Seite deutlich tiefere Kraftentwicklung bzw.
einen erheblichen Kraftverlust und liess dies in die qualitative
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung einfliessen (IV-act. 149-59 f.). Entsprechend sind die
unterschiedlichen Einschätzungen (gemäss Dr. E._ ist nur noch eine leichte
Belastung der linken Hand bis 3 Kilogramm zumutbar [IV-act. 149-60]; Dr. D._
erachtet gestützt auf das Gesagte eine relevante Einschränkung in Bezug auf das linke
Handgelenk für nicht erurierbar) erklärbar. Welches die objektiv richtige ist, kann
dahingestellt bleiben, nachdem auch Dr. E._ nachvollziehbar und schlüssig der
Beschwerdeführerin in angepassten Tätigkeiten keine quantitative Einschränkung in der
Arbeitsfähigkeit bescheinigte (IV-act. 149-60) und diese – wie sich nachfolgend zeigt –
gestützt auf die Rechtsprechung verwertbar ist. Auch trifft zu, dass das
handchirurgische Teilgutachten, wie es die Beschwerdeführerin ausführen lässt, eher
kurz gehalten wurde (IV-act. 149-57 bis 60). Die Beschwerdeführerin wurde aber auch
von Dr. E._ umfassend klinisch untersucht. Die Anamnese wurde erhoben, die
geklagten Beschwerden wurden berücksichtigt und die Befunde – auch mittels eigener
Röntgenaufnahme – dargelegt. Zu bemängeln wäre einzig die fehlende
Auseinandersetzung mit allfälligen Diskrepanzen/Inkonsistenzen mittels
Verhaltensbeobachtung oder durch klinischen Vergleich beider Hände (Beschwielung,
Atrophie), wie es Dr. D._ in seinem Teilgutachten thematisiert und gewürdigt hat (IV-
act. 149-83). Dies, zumal auch Dr. E._ die geklagten Beschwerden und
Einschränkungen offensichtlich nicht genügend objektivieren konnte und lediglich eine
Verdachtsdiagnose (Verdacht auf Tendovaginitis der Beugesehne mit leichtgradiger
Karpaltunnel-Symptomatik und Reizung im A1-Ringbandbereich) äusserte (IV-act.
149-59), welche indes auch nicht zu quantitativen Einschränkungen führen würde.
Dieser genannte Mangel führt vorliegend indes nicht dazu, dass das Teilgutachten und
das gesamte Gutachten nicht verwertbar wären bzw. ergänzende Abklärungen
notwendig würden, zumal er sich nicht zuungunsten der Beschwerdeführerin auswirkt
und letztlich die Beurteilungen von Dr. E._ im interdisziplinären Konsens
2.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/12
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3.
berücksichtigt wurden (IV-act. 149-39, 41). In Bezug auf das rheumatologische
Teilgutachten von Dr. D._ (IV-act. 149-76 bis 85) ist abschliessend festzuhalten, dass
insgesamt keine Anhaltspunkte bestehen, dass die klinische Untersuchung mit
Anamneseerhebung, Symptomerfassung und – wie erwähnt – Verhaltensbeobachtung
als wichtigste Grundlage gutachterlicher Feststellungen und Schlussfolgerungen (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 28. Mai 2019, 9C_867/2018, E. 5.2.1) nicht lege artis
erfolgt wäre. Es beruht auf sorgfältigen und allseitigen Untersuchungen (IV-act. 149-78
ff.), berücksichtigt die geklagten Beschwerden (IV-act. 149-77 f.) und ist in Kenntnis der
relevanten Vorakten (IV-act. 149-76) abgegeben worden. Gestützt darauf ergingen die
Diagnosen (IV-act. 149-82) bzw. die Beurteilung in Bezug auf die quantitative und
qualitative Arbeitsfähigkeit aus rheumatologischer Sicht (IV-act. 149-82 ff.). Konkrete
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sind nicht auszumachen. Dasselbe gilt
in Bezug auf das psychiatrische Teilgutachten (IV-act. 149-61 bis 75) von Dr. med.
F._, Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie, wogegen zu Recht keine
konkreten Einwände erhoben wurden, sowie die interdisziplinäre Gesamtbeurteilung
(IV-act. 149-1 bis 43).
Zusammengefasst ist festzuhalten, dass auf das MEDAS-Gutachten abgestellt
werden kann. Allfälligen Mängeln/Widersprüchen kann mittels kritischer gerichtlicher
Würdigung der (entsprechenden) medizinischen Erkenntnisse begegnet werden bzw.
es sind allfällige unterschiedliche Einschätzungen nicht ausschlaggebend für die
Beantwortung der Frage, ob ein rentenrelevanter Invaliditätsgrad vorliegt.
Entsprechend kann von weiteren Abklärungen abgesehen werden. Gestützt auf das
MEDAS-Gutachten besteht in der zuletzt ausgeübten bimanuellen Tätigkeit als
Betriebsmitarbeiterin (u.a. Heben von Kisten mit Gewichten von 15 bis 17 Kilogramm
vom Boden bis zur Lende; IV-act. 163-2) seit dem Unfall betreffend das linke
Handgelenk bzw. der dabei verursachten Bandläsion (2. Juni 2014; IV-act. 149-9) keine
Arbeitsfähigkeit mehr. In einer körperlich leichten Tätigkeit in Wechselhaltung mit
Gewichtslimiten für Heben und Tragen von maximal 15 Kilogramm für die rechte
dominante Hand und aktuell 3 Kilogramm für die linke Hand besteht eine zeitlich
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit, wobei eine Leistungsminderung aufgrund des
chronischen Schmerzes mit Einfluss auf das Arbeitstempo und zusätzlich benötigter
Pausen von 20% zu berücksichtigen ist. Die Einschränkung gilt seit Juni 2015, 6
Monate postoperativ (IV-act. 149-41).
2.4.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass eine allfällige (Rest-)Arbeitsfähigkeit
nicht mehr verwertbar sei.
3.1.
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4.
Damit verbleibt die Bestimmung des Invaliditätsgrad auf der Grundlage einer seit Juni
2015 bestehenden 80%-igen Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten im
Rahmen eines Einkommensvergleichs (vgl. dazu vorstehende E. 1.1).
Rechtsprechungsgemäss ist in der Regel die Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit umso eingehender abzuklären und nachzuweisen, je restriktiver
das medizinische Anforderungsprofil umschrieben ist. Der ausgeglichene Arbeitsmarkt
(vgl. Art. 7 Abs. 1 und 16 ATSG) umfasst aber auch sogenannte Nischenarbeitsplätze,
also Stellen- und Arbeitsangebote, bei denen gesundheitlich beeinträchtigte Personen
mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können.
Von einer Arbeitsgelegenheit kann jedoch dann nicht mehr gesprochen werden, wenn
die zumutbare Tätigkeit nur noch in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der
ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem
Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden
einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil
des Bundesgerichts vom 6. Juli 2017, 9C_253/2017, E. 2.2.1, mit Hinweisen).
3.2.
Die Beschwerdeführerin ist in einer angepassten Tätigkeit zu 80% leistungsfähig.
Zumutbar sind ihr in qualitativer Hinsicht körperlich leichte Tätigkeiten in
Wechselhaltung mit Gewichtslimiten für Heben und Tragen von maximal 15 Kilogramm
für die rechte dominante Hand und aktuell 3 Kilogramm für die linke Hand. Selbst wenn
es für die Beschwerdeführerin bei diesem Anforderungsprofil schwierig sein dürfte, eine
geeignete Stelle zu finden, so sind die Einschränkungen nicht als derart gravierend zu
qualifizieren, dass dies – jedenfalls auf dem massgebenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt – nicht mehr denkbar bzw. von vornherein ausgeschlossen wäre. Wie die
Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort vom 29. August 2017 richtig
ausgeführt hat, sind beispielsweise einfache Überwachungs-, Prüf- und
Kontrolltätigkeiten sowie die Bedienung und Überwachung von voll- oder
halbautomatischen Maschinen oder Produktionseinheiten denkbar (vgl. dazu Urteile
des Bundesgerichts vom 17. Oktober 2016, 8C_451/2016, E. 5.1, und vom 8.
September 2009, 8C_207/2009, E. 3.2). Dafür benötigt die Beschwerdeführerin weder
besondere Berufskenntnisse noch Berufserfahrung. Von einer Unverwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit ist demnach nicht auszugehen.
3.3.
Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin im Jahr 2011 an ihrer letzten
Arbeitsstelle, welche als Hilfsarbeiterinnentätigkeit zu qualifizieren ist, ein Einkommen
von jährlich Fr. 49'400.-- (13 * Fr. 3'800.--) erzielte. Damit resultiert für das Jahr 2016
4.1.
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5.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG).
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie
vollumfänglich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss
von Fr. 600.-- ist ihr daran anzurechnen. Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.