Decision ID: 2c57fabb-08b1-4861-8426-757de91e3d77
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 196
1,
hat
ein
e
Berufsausbildung zur Fach
person Pflege absolviert (
Urk.
10/109/18-19) und
war
zuletzt vom
1.
März 2014 bis 3
1.
März 2017 im Umfang eines Arbeitspensums von 70
%
als Fachfrau Gesundheit bei der
Y._
(
Urk.
10/109/4-5
)
,
und daneben als Über
setzerin auf Abruf (
Urk.
10/109/6-8) erwerbstätig
,
als sie sich am 2
0.
November 2017 (
Urk.
10/110/8) beziehungsweise am
4.
Dezember 2017 (Urk. 10/108)
mit dem Hinweis auf
Rückenschmerzen (
Urk.
10/110/1-8
Ziff.
6.1)
bei der Inva
liden
versi
che
rung zum
Bezug von beruflichen Massnahme
n
im Sinne einer Umschulung
anmeldete (Urk.
10/108,
Urk.
10/110/1-8
Ziff.
4.2)
.
Per
1.
Juni 2018 nahm die Ver
sicherte beim
Z._
,
A._
, eine Tätigkeit als Betreuerin Wohnheim im Umfang eines Arbeitspensums von 60
%
auf (
Urk.
10/128).
Mit Mit
teilung vom
4.
September 2018 (
Urk.
10/132) verneinte die
Sozialversiche
rungs
an
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
einen Anspruch der Versicherten auf
berufliche Massnahmen
.
Nach durchgeführtem Vorbescheid
verfahren (
Urk.
10/140,
Urk.
10/144,
Urk.
10/146) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
7.
Februar 2019 (
Urk.
10/148) einen Anspruch der Versicherten auf eine Invalidenrente. Diese Verfügung ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen.
1.2
Am
5.
Juni 2019 meldete sich die Versicherte mit dem Hinweis auf psychische Beschwerden erneut bei der IV-Stelle zum Rentenbezug an (
Urk.
10/150).
In der Folge unterzog sie sich am
2
3.
August 2019
einer Operation
im Bereich ihres rech
ten Fusses
im Sinne
eine
r
lateralisierende
n
Calcaneusosteotomie
(Urk.
10/160/3-4). Mit Mitteilung vom 1
5.
Juni 2020
(
Urk.
10/172)
teilte die IV-Stelle
der Versicherten mit, dass die Durchführung beruflicher Eingliederungsmassnahmen gegenwärtig nicht möglich sei. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
10/180, Urk. 10/186)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
2.
November 2020 (Urk. 10/197 =
Urk.
2) erneut einen Rentenanspruch der Versicherten.
2.
Gegen die Verfügung vom
2.
November
2020 (Urk. 2) erhob die Versicherte am
2
5.
November 2020
Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, diese sei aufzu
heben und es sei
en
ihr
mindestens eine halbe Rente und/oder berufliche Massnahmen zuzusprechen. Gleichzeitig ersuchte die Versicherte um Gewährung der unent
geltlichen Prozessführung (S. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom
2
5.
Januar 2021
(Urk.
9
) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, wovon der Beschwerdeführerin am
1.
Februar 2021
Kenntnis gegeben wurde (
Urk.
11
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver
lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art.
87 Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn
die Voraussetzungen gemäss Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie
die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des
Invaliditätsgrades auch
tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie be
i einem Revi
sionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE
117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festge
stellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auc
h dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E.
2b
).
1.
4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.5
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht u
m eine formelle Verfügung (Art.
49 ATSG) zu han
deln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materi
ellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit. f IVV auf dem W
eg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauf
folgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bun
desgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E.
3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 201
3 E.
3.1.2).
1.6
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1,
130
V
396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145
V
215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.7
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbe
gründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswir
kungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.8
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und all
fälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemesse
n werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E.
7.1). Insbesondere in Fällen, in welchen nach der Aktenlage überwiegend wahrscheinlich von einer bloss leichtgradigen depressi
ven Störung auszugehen ist, die nicht schon als
chronifiziert
gelten kann und auch nicht mit Komorbiditäten einhergeht, bedarf es in aller Regel keines struk
turierten Bew
eisverfahrens (BGE 143 V 409 E.
4.5.3; vgl. Urteil des Bundesge
richts 9C_580/20
17 vom 16. Januar 2018 E. 3.1).
1.9
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
hat die Beschwerdeführerin
in der angefochtenen Ver
fügung vom
2.
November
2020 (Urk. 2)
als
Erwerbstätige ohne einen anerkannten Aufgabenbereich
im Umfang eines Arbeitspensums von
7
0 %
qualifiziert (vgl.
Urk.
10/147/2 und
Urk.
10/139/6) und ging davon aus,
dass selbst
dann,
wenn davon auszugehen wäre, dass sie ohne Gesundheitsschaden eine Erwerbstätigkeit im Umfang eines Arbeitspensums von 100
%
ausüben würde, sich an der Invali
ditätsbemessung beziehungsweise am Eink
ommensvergleich nichts änderte (S. 2). Da der
Beschwerdeführerin
ab Februar 2020 die Ausübung einer behinderungs
angepassten Tätigkeit im Umfang eines Arbeitspensums von 50
%
und ab Mai 2020 im vollzeitlichen Umfang zuzumuten sei
(S. 1)
,
und da sie dabei
ein renten
ausschliessendes Einkommen erzielen könnte, sei ein Rentenanspruch weiterhin zu verneinen (S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte
hiegegen
vor, dass sie bei Gesundheit im U
mfang eines Arbeitspensums von 10
0
%
eine Erwerbs
tätig
keit ausüben würde
und als vollzeitlich Erwerbstätige zu qualifizieren sei
(Urk. 1 S.
2
),
und
dass sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert habe. Sie sei nicht mehr nur auf Grund von Rückenbeschwerden, sondern auch auf Grund von Beschwerden im Bereich des rechten Fusses in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Im Frühjahr 2019 habe sich zudem ihr psychischer Gesundheitszustand verschlechtert (
Urk.
1 S. 1)
. Seit
her
sei ihr lediglich noch die Ausübung einer angepassten Tätigkeit im Umfang eines Pensums von 50
%
zuzumuten
, weshalb ein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung, insbesondere auf berufliche Massnahmen im Sinne einer Umschulung, ausgewiesen sei
(S. 2).
3.
3.1
Vor Erlass der angefochtenen Verfügung
vom
2.
November
2020 (
Urk.
2) stellte die Beschwerdegegnerin
mit
Mitteilung vom
1
5.
Juni 2020
(
Urk.
10/172
)
fest, dass zurzeit die Durchführung beruflicher Eingliederungsmassnahmen nicht möglich sei und verneinte einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf solche Massnahmen. Mit der in Rechtskraft erwachsenen Verfügung vom 2
7.
Februar 2019 (
Urk.
10/148)
verneinte
die Beschwerdegegnerin sodann einen Rentenan
spruch der Beschwerdeführerin.
3.2
Da die Beschwerdegegnerin vor Erlass der angefochtenen Verfügung vom
2.
November
2020 (
Urk.
2) den Sachverhalt letztmals
zum Zeitpunkt
bei Erlass der
Verfügung vom
2
7.
Februar 2019
(
Urk.
10/148
) umfassend materiell geprüft und dabei einen Einkommensvergleich durchgeführt hatte (vgl.
Urk.
10/138 und Urk.
10/139/6
), steht vorliegend die Entwicklung des anspruchsrelevanten Sach
verhalts im Vergleichszeitraum seit Erlass der
Verfügung vom 2
7.
Februar 2019
(
Urk.
10/148)
bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom
2.
November
2020 (
Urk.
2) im Streite.
4.
4.1
Vorerst zu prüfen ist die Statusfrage beziehungsweise die Frage, in welchem Um
fang die Beschwer
deführerin im Gesundheitsfall erwerbstätig wäre.
4.2
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invalidi
täts
be
messung (Art. 28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungs
vergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist
somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Ge
sundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypo
thetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Beson
deren sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigun
g
en und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhält
nisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbs
tätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Be
ur
teilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4 und Urteil des Bundesgerichts 8C_27/2018 vom 26. September 2018 E. 4.1.1).
4.3
Nach der Anmeldung zum Leistungsbezug vom 2
0.
November 2017 (
Urk.
10/110) war die Beschwerdeführerin gemäss
ihren eigenen Angaben (
Urk.
10/120) sowie gemäss
den Angaben
von
Dr.
med. B._
vom 1
2.
März 2018 (
Urk.
10/119
und
Urk.
10/124/1-8
Ziff.
1.3
)
ab
6.
Februar 2018 in ihrer Arbeits
fähigkeit beeinträchtigt, weshalb von einem
Eintritt des Gesundheitsschadens
zu diesem Zeitpunkt auszugehen ist. Vor Eintritt des Gesundheitsschadens
war die Beschwerdeführerin
vom
1.
März 2014 bis 3
1.
März 2017 im Umfang eines Beschäftigungsgrades von 70
%
als Fachfrau Gesundheit bei der
Y._
(
Urk.
10/109/4-5) sowie im Umfang eines variablen Pensums auf Abruf bei der
C._
und dem
D._
als Übersetzerin (
Urk.
10/109/6-8,
Urk.
10/152/4-5) tätig. Gemäss den Angaben der Beschwerde
führerin seien ihre beiden Kinder zwischenzeitlich erwachsen geworden und sie habe keine Betreuungspflichten mehr, weshalb sie ohne gesundheitliche Ein
schränkungen
gegenwärtig
im Umfang eines Arbeitspensums von 100
%
als Fachfrau Gesundheit erwerbstätig wäre
(Urk.
10/186/1-2 S. 1).
4.4
Den Akten ist zu entnehmen, dass die Ärzte des
E._
, Rheu
maklinik und Institut für Physikalische Medizin, bereits in ihrem Bericht vom
4.
März 1998 (
Urk.
10/16/1-5) feststellten, dass die Beschwerdeführerin aus rheu
matologischer Sicht in Bezug auf die angestammte Tätigkeit als Krankenpflegerin und
Spitexhelferin
in einem Umfang von 50
%
in ihrer Arbeitsfähigkeit beein
trächtigt
gewesen
sei
(S. 5). In der Folge hat die Beschwerdegegnerin mit Verfü
gung vom 1
4.
Juni 2005 (
Urk.
10/76) der Beschwerdeführerin berufliche Mass
nahmen im Sinne einer Umschulung im Rahmen von Dolmetscherkursen zuge
sprochen.
Die
Beschwerdeführerin
hat
die Aufnahmeprüfung für eine Ausbildung zur Behörden- und Gerichtsdolmetscherin
jedoch
nicht bestanden (
Urk
10/78/3), weshalb sie anschliessend lediglich in einem beschränkten Umfang
bei der
C._
und dem
D._
als Übersetzerin
(vgl.
Urk.
10/109/6-8) tätig
war
. Demzufolge ist davon auszugehen, dass die Beschwer
deführerin aus gesundheitlichen Gründen nicht in einem vollzeitlichen Pensum als Krankenpflegerin beziehungsweise
Spitexhilfe
tätig war
.
4.5
In Würdigung der gesamten Umstände ist daher mit überwiegender Wahrschein
lichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ohne Gesundheitsscha
den
bei Eintritt des Gesundheitsschadens ausschliesslich
im vollzeitlichen Umfang als Fachfrau Gesundheit tätig
gewesen
wäre,
ohne
dass sie
noch
zusätz
lich
eine Tätigkeit als
Übersetzerin
ausgeübt hätte
. Die Beschwerdeführerin ist daher als Erwerbstätige im vollzeitlichen Umfang zu qualifizieren.
5.
5.1
Vorerst
gilt es
auf Grund der medizinischen Aktenlage
zu prüfen
, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
im Vergleichszeitraum vom 2
7.
Feb
ruar 2019 (
Urk.
10/148) bis
2.
November 2020 (
Urk.
2)
in einer
für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
massgebenden Weise beziehungsweise
im revisi
onsrechtli
che
n Sinne erheblich verändert hat.
5.2
Bei Erlass der
ursprünglichen
renten
vernein
enden
Verfügung
vom
2
7.
Februar 2019
(
Urk.
10/148
) stellte sich der massgebende medizinische Sachverhalt fol
gendermassen dar:
5.3
Dr.
med.
F._
, Fach
ä
rztin f
ür
Allgemeine Innere Medizin
, stellte in ihrem Bericht vom 1
8.
Januar 2018 (
Urk.
10/115/1-
7
) die folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
2.5):
-
chronisch rezidivierendes
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom ohne senso
motorische Ausfälle
Die Ärztin erwähnte, dass die Beschwerdeführerin in ihrer bisherigen Tätigkeit bei der
Y._
vor allem durch eine Aggravation der Rückenschmerzen beim Heben von Patienten beeinträchtig
t
gewesen sei (
Ziff.
3.4), und dass bei einem konsequenten muskelaufbauenden Rückentraining eine gute Prognose zu stellen sei (
Ziff.
2.7). Sie führte aus, dass der Beschwerdeführerin vom
1.
bis
7.
November 2013 und vom 2
1.
bis 2
3.
März 2016 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
sowie vom 1
6.
bis 2
1.
August 2016 eine solche von 50
%
attestiert worden sei (Ziff. 1.3).
5.4
Dr.
med.
B._
, Fachärztin
für
Allgemeine Innere Medizin
und für
Rheumatologie,
stellte in ihrem Bericht 2
4.
April 2018 (
Urk.
10/124/1-
8
) die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
2.5):
-
Schmerzen in den Extremitäten (ICD-10 M79.6)
-
s
onstige biomechanische Funktionsstörungen
(ICD-10 M99.8)
-
Narben und
Fibrosen
der Haut (ICD-10 L90.5) bei der Erstuntersuchung vom Februar 2018
Die
Ärztin erwähnte, dass die Beschwerdeführerin unter
ausgeprägte
n
Hüft
schmerzen rechts mit Irritationen und Ausstrahlung in
den
rechten Oberschenkel
leide (
Ziff.
2.2).
Infolge ausgeprägter
Faszienstörungen
und
myofaszialer
Distor
sionen, insbesondere
im Bereich der tiefen Rückenmuskulatur
thor
akolumbal
, sei
die Artikulation des rechten
Hüftgelenkes nicht frei möglich. Die
thorakolumba
len
Flankenschmerzen
seien
plausibel
(
Ziff.
2.4) und es bestünden keine Hinweise für eine
Somatisierungstendenz
(
Ziff.
2.6). In der Zeit vom
6.
Februar bis
4.
März 2018 habe ei
ne Arbeitsunfähigkeit von 100
%
und
vom
5.
bis 3
1.
März 2018 eine solche von 70
%
bestanden. Ab
1.
April 2018 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
in der bisherigen Tätigkeit im Pflege- und
Spitexdienst
(
Ziff.
1.3).
Während die
Ausübung der bisherigen Tätigkeit der Beschwerde
führerin
noch
in einem Umfang von vier bis sechs Stunden im Tag (
Ziff.
4.1)
möglich sei, sei ihr
die Ausübung einer angepassten Tätigkeit, ohne Rotationsbewegungen mit dem Becken und ohne das Tragen schwerer Lasten über einem Gewicht von zehn Kilogramm, im Umfang von sechs bis acht Stunden im Tag (
Ziff.
4.2) zuzumuten.
In ihrem Bericht vom 1
2.
November 2018 (
Eingangsdatum;
Urk.
10/137
/1-4) führte
Dr.
B._
aus, dass
die Beschwerdeführerin gegenwärtig im Umfang eines Arbeitspensums von 60
%
als Pflegeperson in einem Wohnheim für geistig und körperlich behinderte Menschen tätig sei
,
und
dass sie oft Überstunden leis
ten müsse.
Der
Beschwerdeführerin
werde
indes
ein Pensum von 50
%
, ohne
Heben und Tragen von körperlich behinderten Menschen
, empfohlen
(
Ziff.
2.1).
5.5
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Chirurgie und für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Regionaler Ärztlicher Dienst der Beschwerdegegnerin (RAD),
führte in seiner auf Grund der Akten ver
fassten Stellungnahme vom 2
1.
November 2018 (
Urk.
10/139/4-5) aus, dass die Beschwerdeführerin in der bisherigen Tätigkeit als Fachfrau Gesundheit insbe
sondere in der Ausübung von Tätigkeiten, welche ein regelmässiges mittelschwe
res und schweres Heben, Tragen und Transportieren von Lasten, Arbeiten mit Überstreckbelastung der Wirbelsäule über Kopf und Schulterhöhe, Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, Überkopfarbeiten, ausschliesslich stehende Tätigkeiten, häufiges Bücken sowie körperliche Zwangshaltungen wie Knien, Kriechen, Hocken, repetitive Rotationsbelastungen der Wirbelsäule erforderten, sowie
bei
Tätigkeiten mit erhöhten Anforderungen a
n die Stand- und Gangsicherheit, bei andauerndem
Gehen und Stehen auf unebenem Grund,
bei
Tätigkeiten im Freien ohne Schutz
vor Kälte, Zugluft, Nässe, bei Tätigkeiten auf
regen- und eisglattem Untergrund sowie
bei
Tätigkeiten mit vermehrter Vibrationsbelastung
,
in ihrer Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigt sei.
Der Beschwerdeführerin sei
indes die
Ausübung einer angepassten, körperlich leichten,
wechselbelastenden, abwechselnd sitzend und gehend auszuführenden
Tätigkeit,
mit gelegentlichem Heben, Tragen und Transportieren von Lasten, ohne Verharren in Zwangshaltungen, ohne
das Bes
teigen von Leitern und Gerüsten, ohne
Kauern, Knien, Bücken und
Hocken, ohne repetitive Rotation im Sitzen, ohne Überkopfarbeiten, ohne Tätigkeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne Arbeiten mit erhöhten Anforderungen an die Stand- und Gangsicherheit und ohne
andau
erndes
Gehen und Stehen auf unebenem Grund
(S. 1)
, ohne Tätigkeiten mit ver
mehrter Vibrationsbelastung
,
im vollzeitlichen Umfang zuzumuten (S. 2)
.
6.
Den erwähnten medizinischen Akten bei Erlass der
Verfügung vom 2
7.
Februar 2019 (
Urk.
10/148)
ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin unter einem chronischen, rezidivierenden,
lumbovertebralen
Schmerzsyndrom, ohne senso
motorische Ausfälle (vorstehend E. 5.3), beziehungsweise
unter
Schmerzen in den Extremitäten und unter sonstigen biomechanischen Funktionsstörungen (vorste
hend E. 5.4)
litt
, und dass sie deswegen
in der
Ausübung
ihrer
bisherigen Tätigkeit als Fachfrau Gesundheit vor allem beim Heben von Patienten in ihrer Arbeitsfä
higkeit beeinträchtig
t
war.
Gemäss den Beurteilungen durch
Dr.
B._
vom 2
4.
April 2018 und vom
1
2.
November 2018
(vorstehend E. 5.4) war der Beschwerdeführerin indes die
A
usübung einer angepassten, wechselbelastenden
Tätigkeit, ohne Rotationsbewegungen und ohne das Tragen schwerer Lasten über ei
nem Gewicht von zehn Kilogramm
in einem vollzeitlichen Umfang zuzumuten.
Gestützt darauf ist daher davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt
bei Erlass der Verfügung vom 2
7.
Februar 2019 (
Urk.
10/148)
die Aus
übung einer behinderungsangepassten Tätigkeit im vollzeitlichen Umfang zuzu
muten war.
7.
7.1
Im Folgenden gilt es zu prüfen, ob sich die gesundheitlichen Verhältnisse seither beziehungsweise während des massgeblichen Vergleichszeitraums vom 2
7.
Feb
ruar 2019 (
Urk.
10/148) bis
2.
November 2020 (
Urk.
2
)
erheblich verändert haben.
7.2
Dipl. Arzt (med.
pract
.)
H._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
, erwähnte in seinem Bericht vom 2
6.
April 2019 (
Urk.
10/149/1), dass die psychi
atrische
und
psychotherapeutische Behandlung der Beschwerdeführerin am
2.
April 20
1
9
aufgenommen
worden sei
,
und führte aus, dass
ihn die
Beschwer
deführerin auf Grund von
traumatisierenden
Ereignissen am Arbeitsplatz, welche zur Kündigung der Arbeitsstelle geführt hätten, konsultiert
habe
.
Er
attestierte der Beschwerdeführerin vom
1.
April bis 3
0.
Juni 2019 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(
Urk.
10/149/2-4).
7.
3
Die Ärzte der
I._
erwähnten im Austrittsbericht vom
2.
September 2019 (
Urk.
10/160/1-2), dass die Beschwerdeführerin vom 2
3.
bis 3
0.
August 2019 hospitalisiert gewesen sei, und dass am 2
3.
August 2019 im Bereich ihres rechten Fusses eine
lateralisierende
Calcaneusosteotomie
und
Peron
e
alsehneninspektion
durchgeführt worden sei. Sie stellen die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
Rückfussvarus
rechts mit/bei lateraler Fussrandüberlastung
-
Längssplit der
Peron
e
alsehne
brevis
und Reizzustand der
Peroneus
lon
gus
- Sehne
-
chronische Lumbalgie und
Zervikalgie
mit
Pseudoradikulopathie
rechts
Die Beschwerdeführerin sei am 3
0.
August 2019 mit reizlosen Wundverhältnissen nach Hause entlassen worden (S. 1).
7.4
Dipl. Arzt
H._
stellte in seinem Bericht
vom
6.
September 2019
(
Urk.
10/
161/
1-
7
) die folgende psychiatrische Diagnose (
Ziff.
2.5):
-
Anpassungsstörung mit längerer depressive
r
Reaktion (ICD-10 F43.21)
Der Arzt führte aus, dass die Beschwerdeführerin bei der Arbeit als
Pflegefachfrau an ihrem Arbeitsplatz von einer verwirrten Patientin beschuldigt worde
n sei, sie geschlagen
zu
habe
n
. Die
Beschwerdeführerin
, welche
in ihrem Beruf oft diskri
miniert worden
sei, habe diesen Vorwurf
indes
glaubhaft
und
unter Tränen ver
neint (
Ziff.
2.1). Die Beschwerdeführerin wirke stark verunsichert und fürchte sich vor Diskriminierung und Verleumdung, weshalb sie nicht mehr unter
die
Leute gehen möchte (
Ziff.
2.2).
Auf Wunsch der Beschwerdeführerin würden keine Psychopharmaka verabreicht (
Ziff.
2.3).
Es handle sich bei der Beschwerdeführe
rin um eine gepflegte, intelligente, schwarzhäutige Frau mit unauffälligem Psy
chopathologie-Status (
Ziff.
2.4).
Gegenwärtig und bis auf Weiteres könne
sie
nicht mehr arbeiten. Eine Rückkehr in den Pflegeberuf werde wohl nicht mehr möglich sein
(
Ziff.
2.7)
.
Die Beschwerdeführerin sei
mehrsprachig und spreche fliessend Französisch, Suaheli und sehr gut Deutsch. Sie interessiere sich für Kunst, sei in einer christlichen Kirche integriert und schreibe in ihrer Freizeit ein Buch über den Genozid in Ruanda (Ziff. 3.5).
Gegenwärtig sei
unter anderem auf Grund der Covid-19 Pandemie
keine weitere psychiatrische und psychotherapeu
tische Behandlung vorgesehen (
Ziff.
2.8). Die Ausübung der gegenwärtigen Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin nicht mehr zuzumuten (
Ziff.
4.1). Die Beschwerdeführerin fürchte sich vor Diskriminierung durch Kollegen und Klien
ten (
Ziff.
4.4). Die Ausübung einer angepassten, überwiegend sitzenden Tätigkeit an einem ruhigen Arbeitsplatz sei der Beschwerdeführerin
indes
nach
einer
Erho
lung
von den Operationsfolgen
im Umfang von vier bis fünf Stunden im Tag zuzumu
ten (Ziff.
4.2), wobei für eine zukünftige Eingliederung nicht die psychi
sche
,
sondern die somatische Erholung ausschlaggebend sei (
Ziff.
5).
7.5
Die Ärzte der
I._
führten
in ihrem Bericht vom 2
6.
Oktober 2019 (
Urk.
10/163/7-10) aus, dass ein regelrechter Verlauf sechs Wochen posto
perativ
festzustellen sei
,
und
attestierten der Beschwerdeführerin eine Arbeitsfä
higkeit von 100
%
vom
4.
Oktober bis 1
5.
November 2019 (
Ziff.
1.3)
. Sie
erwähn
ten, dass
sowohl im Hinblick auf die
Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
2.7)
als auch der
Ein
gliederung (
Ziff.
4.3) ein
e gute Prognose zu stellen sei
.
In ihrem Bericht vom 1
9.
Februar 2020 (
Urk.
10/167/9-10) stellten die Ärzte der
I._
einen guten Verlauf nach einer initial verzögerten Wundheilung fest und erwähnten, dass der
rechte
Fuss
der Beschwerdeführerin
nach Massgabe der Beschwerden voll belastet werden dürfe. Bei noch vorhande
nem Rehabilitationsdefizit bestehe
indes weiterhin
eine Arbeitsunfähigkeit von 40
%
(S. 2).
Mit Bericht vom 2
5.
Februar 2020 (
Urk.
10/167/4-6) führten die Ärzte der
I._
aus, dass nur noch minimale Schmerzen vorhanden seien. In der bisherigen Tätigkeit
habe
bis
3
1.
Januar 2020 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden. Ab
1.
Februar 2020 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 40
%
. Längerfristig werde die Beschwerdeführerin die bisheri
ge Tätigkeit in einem reduzierten Pensum
wiederaufnehmen können. In einer körperlich angepassten Tätigkeit sei eine höhere Einsatzfähigkeit zu erwarten (
Ziff.
4.4). Der Beschwer
deführer
in
sei insbesondere die Ausübung einer mehrheitlich sitzenden Tätigkei
t zuzumuten (
Ziff.
4.2).
7.6
Dipl. Arzt
H._
führte
in seinem Bericht
vom 2
5.
Mai 2020 (
Urk.
10/171/1-4) aus, dass
eine Arbeitsfähigkeit im Umfang von vier Stunden im Tag in einer ange
passten Tätigkeit, zum Beispiel in einer Tätigkeit mit Büroarbeit, anderweitigen Schreibarbeiten und Übersetzungen, bestehe (
Ziff.
2.1).
Gegenwärtig fänden ver
einzelte kurze telefonische Konsultationen statt (
Ziff.
3.1). Eine medikamentöse Behandlung habe die Beschwerdeführerin abgelehnt (Ziff. 3.2).
Die Beschwerde
führerin könne nicht mehr in den Pflegeberuf zurückkehren, da
sie
durch
Diskri
minierungen durch Mitarbeiterinnen (an ihrem bisherigen Arbeitsplatz) nachhal
tig verletzt
worden sei. Eine
solche Erfahrung
möchte sie
inskünftig möglichst vermeiden. Gegenwärtig stünden die somatischen Beschwerden im Vordergrund. Der Beschwerdeführerin werde eine Wiedereingliederung mit einem Schwerpunkt auf Büroarbeit empfohlen (S. 4).
7.7
Dipl. Arzt
J._
, Facharzt für
Arbeitsmedizin
und Praktischer Arzt,
RAD,
stellte
in seiner Stellungnahme vom
4.
Juli 2020 (
Urk.
10/179/5-7)
aus ver
sicherungsmedizinischer Sicht die folgenden Diagnosen mit dauerhafter Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 2):
-
Calcaneusosteotomie
bei
Rückfussvarus
rechts mit lateraler Fussrandüber
lastung
-
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion
Der Arzt führte aus,
dass gestützt auf die Beurteilung durch die Ärzte der
I._
davon auszugehen
sei
, dass nach einem im Wesentlichen regelrechten Verlauf der Operation und der postoperativen Rekonvaleszenz bereits Ende Februar 2020 nur noch minimale Schmerzen
dokumentiert worden seien
,
und
dass
der Beschwerdeführerin in
der überwiegend
stehenden und
gehenden Tätigkeit als Fachfrau Gesundheit eine Arbeitsfähigkeit
im Umfang
von 40
%
attestiert worden sei
(S. 1)
, wobei gemäss den Ärzten der
I._
in einer mehrheitlich sitzenden Tätigkeit eine deutlich höhere Arbeitsfä
higkeit bestanden habe. Aus
arbeitsmedizinischer Sicht
sei daher
in einer
ange
passten
Tätigkeit
,
ohne Belastung des
(rechten)
Fusses
,
nicht mehr von einer wesentlichen Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit
auszugehen
(S. 2)
.
Dipl. Arzt
H._
, welcher
die Diagnose einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion gestellt
habe, habe sich in seiner Beurteilung der Arbeitsfähigkeit au
s psychiatrischer Sicht
lediglich
auf die bisherige Tätigkeit
der Beschwerdeführerin bezogen und sei davon ausgegangen, dass d
ie zukünftige Eingliederung nicht von der psychiatrischen, sondern von der somatischen Erholung ab
hänge, und dass bezüglich der Arbeitsfähigkeit
in einer angepassten Tätigkeit die somati
schen Einschränkungen im Vordergrund
stünden.
In
Bezug auf die bisherige Tätigkeit als Fachfrau Gesundheit
werde die Beschwer
deführerin ein
erseits
durch
die psychischen Einschränkungen auf
G
rund der Erfah
rungen am letzten Arbeitsplatz und
andererseits
durch eine
verminderte körperliche Belastbarkeit in einem körperlich anstrengenden Beruf
beeinträchtigt
.
In Bezug auf die bisherige
Tätigkeit als Fachfrau Gesundheit
sei mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit ab April 2019 dauerhaft
von
eine
r
Arbeitsunfähigkeit von
100
%
aus
zugehen
. Der Beschwerdeführerin sei jedoch die Ausübung einer ange
passten, k
örperlich leichte
n
, sitzende
n
oder wechselbelastende
n
Tätigkeit mit der Möglichkeit
,
die Arbeitsposition selbstständig zu wählen
, an einem ruhigen
Arbeitsplatz (
ohne
Lärmbelastung)
, sp
ätestens
ab Februar
2020 mindestens
im Umfang eines Pensums von
50
%
zuzumuten
. Aus arbeitsmedizinischer Sicht
sei sodann
davon auszugehen, dass diese Arbeitsfähigkeit
in einer angepassten Tätigkeit innerhalb weniger Monate auf
ein Pensum von
100
%
gesteigert werden könne
. Somit
sei ab ungefähr Mai 2
020 medizin
isch
-theoretisch von einer
Arbeitsfähigkeit
von 100
%
in einer angepassten Tätigkeit auszugehen (S. 2)
.
8
.
8
.1
Den erwähnten medizinischen Akten zum
Vergleichszeitraums vom 2
7.
Februar 2019 (
Urk.
10/148) bis
2.
November 2020 (
Urk.
2
)
lässt sich in somatischer Hin
sicht entnehmen, dass
am 2
3.
August 2019 im Bereich
des
rechten Fusses
der Beschwerdeführerin eine
lateralisierende
Calcaneusosteotomie
und
Peron
e
alseh
neninspektion
durchgeführt wurde
(vorstehend E. 7.3)
.
Die
Ärzte der
I._
attestierten der Beschwerdeführerin in ihrem Bericht vom
2
5.
Februar 2020 (
vorstehend E.
7.5
)
für die Zeit ab
1.
Februar 2020 eine Arbeits
unfähigkeit
als Fachfrau Gesundheit
von 40
%
und erwähnten, dass in
einer kö
r
perlich angepassten, überwiegend sitzenden Tätigkeit
eine höhere Einsatzfähig
keit
bestehe.
Dipl. Arzt
J._
ging in seiner
Stellungnahme vom
4.
Juli 2020
(
vorstehend E.
7.7
)
davon aus, dass in somatischer Hinsicht
in einer angepassten Tätigkeit, ohne Belastung des (rechten) Fusses, nicht mehr von einer wesentlichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen
sei, und dass d
er Beschwerde
führerin die Ausübung einer angepassten, körperlich leichten, sitzenden oder wechselbelastenden Tätigkeit mit der Möglichkeit, die Arbeitsposition selbststän
dig zu wählen,
und
ohne Lärmbelastung
, spätestens ab Februar 2020 im Umfang eines Pensums von 50
%
sowie ab
Mai 2020
im Umfang eines Arbeitspensums von
1
00
%
zuzumuten sei
.
8.2
In somatischer Hinsicht erfüllt die Stellungnahme von
d
ipl.
Arzt
J._
vom
4.
Juli 2020 (vorstehend E. 7.7) die nach der Rechtsprechung für eine beweiskräf
tige medizinische Entscheidungsgrundlage vorausgesetzten Kriterien (vgl. vorste
hend E. 1.9). Denn als Facharzt für Arbeitsmedizin verfügte er über eine für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in somatischer Hinsicht angezeigte medizinische Weiterbildung. Auch in inhaltlicher Hinsicht vermag die Beurteilung durch
dipl.
Arzt
J._
, welche weitgehend mit derjenigen durch die Ärzte der
I._
übereinstimmt, zu überzeugen. Insbeson
dere vermag zu überzeugen, dass
dipl.
Arzt
J._
in Übereinstimmung mit den Ärzten der
I._
, welche in ihrer Beurteilung vom 2
5.
Februar 2020 (vorstehend E. 7.5) in Bezug auf behinderungsangepasste, über
wiegend sitzende Tätigkeiten eine höhere Einsatzfähigkeit als eine solche im Umfang eines Arbeitspensums von 40
%
feststellten, davon ausging, dass die Beschwerdeführerin nach Abschluss der postoperativen Rekonvaleszenz Ende Februar 2020 in somatischer Hinsicht nur noch unter minimalen Schmerzen gelitten habe, und dass ihr in somatischer Hinsicht ab diesem Zeitpunkt die Aus
übung einer angepassten, körperlich leichten, sitzenden oder wechselbelastenden Tätigkeit mit der Möglichkeit, die Arbeitsposition selbstständig zu wählen, ohne Lärmbelastung, in einem
höheren
Umfang zuzumuten gewesen sei, und dass ihr gesamthaft beziehungsweise aus psychischen und somatischen Gründen spätes
tens ab Mai 2020 die Ausübung einer solchen Tätigkeit
zu 100
%
zuzumuten gewesen sei.
Dabei schadet nicht, dass es sich um ein Aktengutachten handelt, da auch nicht auf eigenen Untersuchungen beruhende Berichte und Stellungnahmen regionaler ärztlicher Dienste beweiskräftig sein können, sofern ein lückenloser Befund vor
liegt und es im Wesentlichen nur um die Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte fachärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteile des Bundesgerichts 9C_558/2016 vom
4.
November 2016 E. 6.1 und 8C_641/2011 vom 2
2.
Dezember 2011 E. 3.2.2). Dies ist bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aus somatischen
Gründen vorliegend der Fall, weshalb insoweit einer Aktenbeurteilung nichts ent
gegenstand.
8.3
Gestützt auf die nachvollziehbare Beurteilung durch
dipl.
med.
J._
und durch die Ärzte der
I._
ist in somatischer Hinsicht daher davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin
spätestens ab Mai
2020 die Aus
übung einer angepassten Tätigkeit im vollzeitlichen Umfang zuzumuten war.
8.4
8.4.1
In psychischer Hinsicht ist den Akten zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin nach Erlass der Verfügung vom 2
7.
Februar 2019 (Urk. 10/148) ab
2.
April 2019 in psychiatrischer Behandlung stand. Dipl. Arzt
H._
stellte am
6.
September 2019 (vorstehend E. 7.4) die Diagnose einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion und ging davon aus, dass der Beschwerdeführerin die Aus
übung der bisherigen Tätigkeit als Fachfrau Gesundheit aus psychischen Gründen nicht mehr zuzumuten sei, und dass ihr die Ausübung einer angepassten, über
wiegend sitzenden Tätigkeit an einem Arbeitsplatz ohne Lärmbelastung, nach Erholung von den somatischen Operationsfolgen
,
im Umfang von vier bis fünf Stunden im Tag zuzumuten sei. Dipl. Arzt
H._
ging indes davon aus, dass für eine zukünftige Eingliederung nicht die psychische, sondern die somatische Erholung ausschlaggebend sei, und dass gegenwärtig die somatischen Beschwer
den im Vordergrund stünden (vorstehend E. 7.6). Demgegenüber vertrat
dipl.
Arzt
J._
die Ansicht, dass die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatri
scher Sicht durch
dipl.
Arzt
H._
lediglich die bisherige Tätigkeit der Beschwer
deführerin betreffe, und dass auf Grund des Umstandes, dass
dipl.
Arzt
H._
die Ansicht vertreten habe, dass die zukünftige Eingliederung von der somatischen Erholung abhänge, und dass bezüglich der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit die somatischen Einschränkungen im Vordergrund stünden, aus arbeits
medizinischer Sicht davon auszugehen sei, dass die Beschwerdeführerin die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit innerhalb weniger Monate auf ein Pensum von 100 % hätte steigern können, und dass ab Mai 2020 eine Arbeitsfä
higkeit in einer angepassten Tätigkeit von 100
%
ausgewiesen sei.
8.4.2
In Bezug auf die Stellungnahme von
dipl.
Arzt
J._
vom
4.
Juli 2020 (vor
stehend E. 7.7) gilt es zu beachten, dass der Beweis
wert von RAD-Berichten (Art. 49 Abs. 2 IVV) gemäss der Rechtsprechung mit jenem exter
ner medizini
scher Sach
verständigen
gutach
ten vergleichbar ist, sofern sie den praxis
gemässen Anforderungen an ein ärztli
ches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (BGE
137 V 210 E. 1.2.1). Auf das Ergebnis versicherungsinterner ärzt
licher Abklärun
gen – zu denen die RAD-Berichte gehören – kann indes nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit beste
hen (BGE 139 V 225 E. 5.2 und 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7; Urteil des Bundes
gerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4). Der Stel
lung
nahme von
dipl.
Arzt
J._
kommt daher lediglich ein eingeschränkter Be
weiswert als Admi
nistrativbericht zu, und es kann darauf nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an seiner Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit be
stehen.
Des Weiteren gilt es in Bezug auf die Beurteilung durch
dipl.
Arzt
J._
zu beachten, dass dieser über eine in der Schweiz anerkannte medizinische Weiter
bildung als Facharzt für Arbeitsmedizin und als Praktischer Arzt
verfügt (
Medizi
nal
berufe
regis
ter
; www.medregom.admin.ch),
dass er indes keinen Facharzttitel für Psy
chiatrie und Psychotherapie erworben hat. Insoweit
dipl.
Arzt
J._
in seiner Stellungnahme vom
4.
Juli 2020 (vorstehend E. 7.7) die Ansicht vertrat, dass der Beschwerdeführerin die Ausübung ihrer bisherigen Tätigkeit als Fachfrau Gesundheit aus psychischen Gründen nicht mehr zuzumuten sei, dass indes auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten in psychischer Hinsicht durch
dipl.
Arzt
H._
, wonach eine solche im Umfang von vier bis fünf Stunden im Tag bestehe, nicht abzustellen sei, fehlt es ihm daher an einer für die Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin angezeigten Weiterbildung als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. In Bezug auf die Beurteilung der psychischen Komponenten des Gesundheitszustan
des der Beschwerdeführerin und dessen Folgen durch
dipl.
Arzt
J._
bezie
hungsweise auf dessen Beurteilung, wonach aus arbeitsmedizinischer Sicht aus psychischen und somatischen Gründen ab Mai 2020 eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit bestanden habe, kann vorliegend daher nicht abgestellt werden, weil es
dipl.
Arzt
J._
an einer dafür ange
zeigten fachärztlichen Qualifikation fehlte.
8.5
Demgegenüber erfüllen die Beurteilungen durch
dipl.
Arzt
H._
(vorstehend E. 7.4 und E. 7.6) in Bezug auf die psychische Komponente des Gesundheitsschadens der Beschwerdeführerin die von der Rechtsprechung für eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage vorausgesetzten Kriterien (vgl. vorstehend E. 1.9). Denn als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie verfügte er über eine für die Beurteilung der psychischen Komponente des Gesundheitsschadens der Beschwerdeführerin angezeigte medizinische Weiterbildung. In inhaltlicher Hinsicht vermag zu überzeugen, dass
dipl.
Arzt
H._
am
6.
September 2019 (vor
stehend E. 7.4) davon ausging, dass die Beschwerdeführerin unter einer Anpas
sungsstörung mit längerer depressiven
Reaktion leide, welche durch Probleme an ihrem bisherigen Arbeitsplatz als Pflegefachfrau ausgelöst worden sei, und dass der Beschwerdeführer
in
deswegen eine Rückkehr an ihren bisherigen Arbeitsplatz beziehungsweise die Ausübung ihrer bisherigen Tätigkeit als Pflegefachfrau nicht mehr zuzumuten gewesen sei. Sodann vermag zu überzeugen, dass
dipl.
Arzt
H._
davon ausging, dass die Beschwerdeführerin, welche mehrsprachig sei, sich für Kunst interessiere, in einer christlichen Kirche integriert sei und ein Buch über den Genozid in Ruanda verfasse, über nicht unerhebliche psychische Ressourcen verfüge. Des Weiteren erscheint als nachvollziehbar und vermag zu überzeugen, dass
dipl.
Arzt
H._
davon ausging, dass für eine zukünftige Eingliederung nicht die psychische, sondern die somatische Komponente des Gesundheitsschadens ausschlaggebend sei (vorstehend E. 7.4), und dass er in seinem Bericht vom 2
5.
Mai 2020 (vorstehend E. 7.6) die Ansicht vertrat, dass die somatischen Beschwerden gegenwärtig im Vordergrund stünden, und dass eine Eingliederung im administrativen Bereich beziehungsweise die Ausübung einer Büroarbeit angezeigt sei.
8.6
Gestützt auf die nachvollziehbaren Beurteilungen durch
dipl.
Arzt
H._
ist in psychischer Hinsicht daher davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin unter verhältnismässig eher leichtgradigen, reaktiven psychischen Beeinträchtigungen im Sinne einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion litt, welche durch Probleme an ihrem bisherigen Arbeitsplatz als Pflegefachfrau ausgelöst wurden, und dass hinsichtlich der Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit die somatischen Beschwerden eindeutig i
m
Vordergrund standen.
So wurde
denn
auch ausdrücklich ein unauffälliger Psychopathologie-Status erhoben und einzig festgehalten, dass e
ine starke Verunsicherung und Angst vor Diskriminierung sowie
Dünnhäutigkeit
vorliege
(vorstehend E. 7.4)
. Auch
weist der Umstand, dass auf eine psychiatrische Behandlung weitgehend verzichtet wird, auf einen gerin
gen Leidensdruck hin
.
Demzufolge ist davon auszugehen, dass bei einer Beurtei
lung der für eine Eingliederung massgeblichen Restarbeitsfähigkeit in behinde
rungsangepassten Tätigkeiten nicht den psychischen Beschwerden
,
sondern aus
schliesslich den somatischen Beeinträchtigungen ausschlaggebende Bedeutung zukam. Infolgedessen ist gestützt auf die Beurteilungen durch
dipl.
Arzt
H._
, welche in psychischer Hinsicht mit der arbeitsmedizinischen Beurteilung durch
dipl.
Arzt
J._
vom
4.
Juli 2020 grundsätzlich übereinstimmt (vorstehend E. 7.7), davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin die Ausübung der bisheri
gen Tätigkeit als Pflegefachfrau aus psychischen Gründen nicht mehr zuzumuten war, und dass die Beschwerdeführerin in der Ausübung einer angepassten Tätig
keit aus psychischen Gründen nicht beeinträchtigt war.
8.7
Nach Gesagtem ist gestützt auf die Beurteilungen durch
dipl.
Arzt
J._
und
dipl.
Arzt
H._
daher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin
spätestens
ab
Mai
2020 die Ausübung einer ihren somatischen Gesundheitsbeeinträchtigungen angepassten, ihrer Ausbildung und beruflichen Erfahrungen entsprechenden Erwerbstätigkeit in einem vollzeitlichen Umfang zuzumuten war.
8.8
Da ergänzende Beweismassnahmen an diesem Ergebnis nichts mehr änderten, besteht für weitere Abklärungen keine Notwendigkeit und es ist von einer Rück-weisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur Durchführung solcher abzu
sehen (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 90 E. 4b, 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen).
8.9
Da in psychischer Hinsicht lediglich von einem geringfügig ausgeprägten, für die Zeit ab
1.
Mai 2020 die Arbeitsfähigkeit nicht massgeblich beeinträchtigenden, psychopathologischen Befund auszugehen ist, kann gemäss der erwähnten Recht
sprechung (vorstehend E. 1.8) aus Gründen der Verhältnismässigkeit von einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden.
9.
9.1
Im Folgenden sind die erwerblichen Auswirkungen zu prüfen.
9.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbs
einkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
über
gestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
9.3
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des hypotheti
schen Rentenbeginns massgebend. Validen- und Invalideneinkommen sind auf zeitidentischer Grundlage zu erheben; allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen sind bis zum Verfügungszeitpunkt zu berücksichtigen
(BGE 129 V 222 E. 4.1 und 4.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_22/2014 vom 18. Februar 2014 E. 4.3).
9.4
Da der Beschwerdeführer
in
die Ausübung ihrer bisherigen Tätigkeit als Pflege
fachfrau gestützt auf die Angaben von
dipl.
Arzt
H._
vom 2
6.
April 2019 (vor
stehend E. 7.2) ab
1.
April 2019 aus psychischen Gründen nicht mehr zuzumuten war, und da sie ihren Leistungs
anspruch anlässlich der Neuanmeldung vom
5.
Juni 2019 geltend machte (Art. 29 Abs. 1 ATSG; vgl. Urk. 10/150), konnte ein Rentenanspruch früh
estens im April 2020 entstehen (Art. 28 Abs. 1 lit. b in Ver
bindung mit Art. 29 Abs. 1 IVG), wes
halb bei der Invaliditätsbemessung die Ver
hältnisse zu diesem Zeitpunkt massge
bend sind.
9.5
Um das von der versicherten Person ohne Gesundheitsschaden hypothetisch erzielbare
Valideneinkommen
zu bestimmen, ist entscheidend, was diese im Zeit
punkt des frühestmöglichen Rentenbeginns überwiegend wahrscheinlich als Gesunde tatsächlich verdienen würde, und nicht, was sie bestenfalls verdienen könnte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da erfahrungsgemäss die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen von diesem Grundsatz müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 135 V 297 E. 5.1, 134 V 322 E. 4.1 und 129 V 222 E. 4.3.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_678/2015 vom 9. Juni 2016 E. 4.2).
9.6
Anknüpfungspunkt für die Bestimmung des
Valideneinkommens
ist grundsätz
lich der letzte vor Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielte, der Nominallohn
entwicklung angepasste Verdienst (BGE 139 V 28 E. 3.3.2).
Da, wie bereits erwähnt (vorstehend E. 4.5)
,
davon auszugehen ist, dass die Beschwerdeführerin bisher aus gesundheitlichen Gründen nicht
in
einem vollzeitlichen Umfang erwerbstätig war, und dass sie ohne Gesundheitsschaden in einem vollzeitlichen Umfang als Fachfrau Gesundheit tätig gewesen wäre, kann das
Valideneinkom
men
vorliegend nicht anhand des von der Beschwerdeführerin vor Eintritt des Gesundheitsschadens am
1.
April 2019 zuletzt beim
Z._
im Umfang eines Arbeitspensums von 60
%
erzielten Verdienstes (vgl.
Urk.
10/128) bemessen werden.
9.7
Lässt sich aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse das ohne gesundheitliche Beeinträchtigung realisierte Einkommen nicht hinreichend genau beziffern, ist auf Erfahrungs- und Durchschnittswerte (Tabellenlöhne) abzustellen (vgl. AHI 1999 S. 240 E. 3b), wobei die für die
Entlöhnung
im Einzelfall gegebenenfalls relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren mit zu berücksichtigen sind (AHI 1999 S. 237, E. 3; Urteile des Bundesgerichts 8C_163/2008 vom
8.
August
2008 E. 3.2.1, 9C_868/2013 vom 2
4.
März 2014 E. 4.2.2, 9C_210/2011 vom 2
1.
April 2011 E. 3.2.1.2). Nach der Rechtsprechung können die
Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
benen Lohnstruk
turerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisio
nen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1).
9.8
Praxisgemäss ist beim anhand der LSE vorgenommenen Einkommensvergleich von der Tabellengruppe A (standardisierte Bruttolöhne) auszugehen (BGE
124
V
321 E. 3b/
aa
). Üblich ist die Tabelle TA1 (BGE 126 V 75 E. 7a). Dieser Grundsatz gilt jedoch nicht absolut, sondern kennt Ausnahmen. Es kann sich rechtfertigen, auf die Tabelle T17 (ab der LSE 2012) abzustellen, wenn dies eine genauere Fest
setzung des Invalideneinkommens erlaubt und wenn der versicherten Person der öffentliche Sektor auch offensteht (Urteile des Bundesgerichts 8C_212/2018 vom 1
3.
Juni 2018 E. 4.4.1, 8C_704/2009 vom 2
7.
Januar 2010 E. 4.2.1.1 und 9C_599/2011 vom 1
3.
Januar 2012 E. 4.3). Ein Abstellen auf das statistische Durchschnittseinkommen einzelner Branchen gemäss der Tabelle T17 ist insbe
sondere dann gerechtfertigt, wenn die versicherte Person vor der Gesundheits
schädigung eine lange Zeit in eine
m
bestimmten Bereich oder einer bestimmten Berufsgruppe tätig gewesen ist und wenn dies im Einzelfall als sachgerecht erscheint, um der zumutbaren erwerblichen Verwertung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit Rechnung zu tragen (Urteile des Bundesgerichts 9C_276/2017 vom 2
3.
April 2018 E. 6.2, 8C_457/2017 vom 1
1.
Oktober 2017 E. 6.2 und 8C_12/2017 vom 2
8.
Februar 2017 E. 5.3).
9.9
Da vorliegend davon auszugehen ist, dass die Beschwerdeführerin bei Eintritt des Gesundheitsschadens am
1.
April 2019 nicht an ihrem bisherigen Arbeitsplatz im Umfang eines Arbeitspensums von 60
%
erwerbstätig gewesen wäre, sondern im Umfang eines Arbeitspensums von 100 % als Pflegefachfrau tätig gewesen wäre, ist bei der Bemessung des
Valideneinkommens
auf Erfahrungs- und Durch
schnittswerte (Tabellenlöhne) abzustellen. Da die Beschwerdeführerin seit ihrer Einreise in die Schweiz nahezu ausschliesslich im Pflegebereich tätig war, und da ihr auch der öffentliche Sektor offenstand
,
erscheint es als sachgerecht, das
Valideneinkommen
ausgehend von der Tabelle T17 der LSE 2018, Berufshaupt
gruppe 53 (Betreuungsberufe), zu welcher die Pflegeberufe zu zählen sind (vgl. ILO, International Standard
Classification
of
Occupations
ISCO-08; www.ilo.org/public/english/bureau/stat/isco/docs/publication08.pdf), zu bemes
sen. Gegen ein Abstellen auf die Tabellenlöhne der Tabelle 17 spricht vorliegend
auch nicht der Umstand, dass die Tabellenlöhne der Berufshaupt
gruppen 4 bis 8 der Tabelle T17 dem Kompetenzniveau 2 der Tabelle TA1 der LSE 2018 entspre
chen. Denn gemäss der Tabelle TA1_tirage_skill_level der LSE 2018 gehören praktische Tätigkeiten wie Verkauf und Pflege zum Kompetenzniveau
2.
9.10
Unter Berücksichtigung des Zentralwerts der Tabelle T17 der LSE 2018 für die Berufshauptgruppe 53 (Betreuungsberufe) für Frauen eines Alters über 50 Jahren von
Fr.
5’629.--, bei einer betriebsüblichen Wochenarbeitszeit ab dem Jahre 2019 von insgesamt 41.7 Stunden (www.bfs.admin.ch; Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen), bei einem mutmasslichen Beschäftigungsgrad von 100 % und bei einer durchschnittlichen Nominallohnentwicklung im Jahre 2019 von 0.9 % und im Jahre 2020 von 1.3
%
(www.bfs.admin.ch; Quartalschätzung der Nominallohnentwicklung, veröffentlicht am 2
6.
November 2020) resultiert im Jahre 2020 ein
Valideneinkommen
von rund
Fr.
71’976.-- (
Fr.
5‘629.-- x 12 Monate ÷ 40 Stunden x 41.7 Stunden x 1.009 x 1.013).
10.
10.1
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1). Die Verwendung der Tabellenlöhne ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Inva
lideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversi
cherung, 3. Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
10.2
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Ein
zelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 %
nicht übersteigen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen kör
perlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Ein
schränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts füh
ren dürfen (Urteile des Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.1 und 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abwei
chende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichtes 9C_808/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.4.3 und
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2
).
10.3
Die Rechtsprechung gewährt einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Gemäss der Rechtsprechung ist indes der Umstand allein, dass nur mehr leichte Arbeiten zumutbar sind, selbst bei einer - hier nicht vorliegenden - eingeschränkten Leis
tungsfähigkeit kein Grund für einen zusätzlichen leidensbedingten Abzug, weil der Tabellenlohn bereits eine Vielzahl von leichten Tätig
keiten umfasst (Urteile des Bundesgerichts 8C_61/2018 vom 23. März 2018 E. 6.5.2, 8C_439/2017 vom 6. Oktober 2017 E. 5.5 und 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.4.2). Angesichts des Zumutbarkeitsprofils von
dip
l
.
Arzt
J._
(vorstehend E. 7.7), der von der Beschwerdefüh
rerin absolvierten beruflichen Ausbildung zur Fachfrau Gesund
heit und der absolvierten Weiterbildungen im Bereich Übersetzung (vorstehend
Urk.
10/109/6-8) sowie der umfangreichen Berufserfahrung der Beschwerdefüh
rerin ist von einem genügend breiten Spektrum an zumutbaren Verweisungstä
tigkeiten auszugehen. Folglich können unter dem Titel leidensbedingter Abzug grundsätzlich nur Umstände berücksichtigt werden, die auch auf einem ausgegli
chenen Arbeitsmarkt als aus
serordentlich zu bezeichnen sind (Urteil des Bundes
gerichts 9C_421/2017 vom 19. September 2017 E. 2.4 mit Hinweisen). Solche Umstände sind vorliegend nicht ersichtlich. Zudem führt der Umstand, dass ver
sicherte Personen allenfalls auf Grund ihres medizinischen Zumutbarkeitsprofils nicht mehr alle Tätigkeiten innerhalb eines Kompetenzniveaus ausüben können und die Möglichkeit besteht, dass sie den Zentralwert der LSE nicht erreichen könnten, gemäss der Rechtsprechung nicht zu einem grundsätzlich vorzuneh
menden leidensbedingten Tabellenlohnabzug. Denn jeder Anwendung statisti
scher Werte ist die Abstrahierung, das heisst die Ausblendung der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles, immanent (BGE 142 V 178 E. 2.5.7; Urteile des Bundesgerichts 9C_266/2017 vom 2
9.
Mai 2018 E. 3.4.3 und 9C_200/2017 vom 1
4.
November 2017 E. 4.3.2). Dass weitere abzugsrelevante Merkmale gegeben wären, macht die Beschwerdeführerin nicht geltend und ist nicht ersichtlich. Damit erscheint ein Abzug vom Tabellenlohn bei der Bemessung des Invaliden
einkommens als nicht gerechtfertigt.
10.4
Unter Berücksichtigung des Zentralwerts der Tabelle TA1_tirage_skill_level der LSE 2018 (Privater Sektor, Schweiz 2018) für praktische Tätigkeiten wie Verkauf, Pflege, Datenverarbeitung und Administration, Bedienen von Maschinen und elektronischen Geräten und Sicherheitsdienst (Kompetenzniveau 2) für Frauen (Total) von Fr. 4'849.-- resultiert unter Berücksichtigung einer betriebsüblichen Wochenarbeitszeit ab dem Jahre 2019 von insgesamt 41.7 Stunden und bei einer durchschnittlichen Nominallohnentwicklung im Jahre 2019 von 0.9
%
und im Jahre 2020 von 1.3
%
(vgl. vorstehend E. 9.10) sowie bei einem mutmasslichen Beschäftigungsgrad von 100
%
im Jahre 2020 ein hypothetisches Invalidenein
kommen von (gerundet) Fr. 62’003.-- (Fr. 4'849.-- x 12 Monate ÷ 40 Stunden x 41.7 Stunden x 1.009 x 1.013).
10.5
Der Vergleich des Invalideneinkommens im Betrag von Fr. 62’003.-- mit dem
Valideneinkommen
im Betrag von Fr. 71’976.
ergibt eine Erwerbseinbusse von Fr. 9’973.-- Daraus resultiert ein Invaliditätsgrad von (gerundet) 14 %. Damit wird für die Zeit ab 1. April 2020 ein für den Anspruch auf eine Invalidenrente vorausgesetzter Invaliditätsgrad von mindestens 40 % nicht erreicht.
Demzufolge
verneinte die Beschwerdegegnerin zu Recht einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin, was zur Abweisung der
diesbezüglichen
Beschwerde führt.
11.
11.1
Zu prüfen bleibt der Anspruch der Beschwerdeführerin auf berufliche Massnah
men.
Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin mit der ange
fochtenen Verfügung vom
2.
November 2020
(
Urk.
2)
einzig über den Rentenan
spruch der Beschwerdeführerin entschieden hat.
11.2
Mit Mitteilung vom 1
5.
Juni 2020 (
Urk.
10/172) teil
t
e die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin mit, dass die Durchführung beruflicher Eingliederungs
massnahmen gegenwärtig
aufgrund ihres Gesundheitszustandes
nicht möglich sei
. Sie würden derzeit den medizinischen Sachverhalt abklären und die Beschwerdeführerin zu einem späteren Zeitpunkt wiederum informieren. Zudem wies die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin darauf hin,
dass sie schrift
lich den Erlass einer beschwerdefähigen Verfügung verlangen könne (S. 2)
.
Mit Vorbescheid vom 2
3.
Juli 2020 stellte die Beschwerdegegnerin der Beschwer
deführerin die Verneinung eines Rentenanspruchs in Aussicht
(
Urk.
10/180)
.
In ihrer am 1
5.
September 2020 bei der Beschwerdegegnerin eingegangenen Stel
lungnahme zum Vorbescheid beantragte die Beschwerdeführerin neben der
Zusprache
einer Rente ausdrücklich auch die Gewährung beruflicher Massnah
men (
Urk.
10/186).
11.3
Gemäss
Art.
49
Abs.
1 ATSG hat der Versicherungsträger über Leistungen, For
derungen und Anordnungen, die erheblich sind oder mit denen die betroffene Person nicht einverstanden ist, schriftliche Verfügungen zu erlassen. Leistungen, Forderungen und Anordnungen, die nicht unter
Art.
49
Abs.
1 ATSG fallen, kön
nen in Anwendung von
Art.
51
Abs.
1 ATSG in einem formlosen Verfahren behandelt werden. Die betroffene Person kann nach
Art.
51
Abs.
2 ATSG den Erlass einer Verfügung verlangen. Zwar bezieht sich
Art.
51 ATSG ausdrücklich nur auf das zulässige formlose Verfahren, doch erachtet es die Rechtsprechung - in Analogie zu
Art.
51
Abs.
2 ATSG - auch dann als angezeigt, dass die betroffene Person einen Entscheid in Form einer Verfügung verlangen kann, wenn der Ver
sicherungsträger zu Unrecht formlos und nicht mittels Verfügung entschieden hat (BGE 134 V 145 E. 5.1). Die Frist für eine solche Intervention gegen den
unzu
lässigerweise
formlos mitgeteilten Entscheid beträgt im Regelfall ein Jahr seit der Mitteilung. Eine längere Frist kommt allenfalls dann in Frage, wenn die betroffene Person -
insbesondere
wenn sie rechtsunkundig und nicht anwaltlich vertreten ist - in guten Treuen annehmen durfte, der Versicherer habe noch kei
nen abschliessenden Entscheid fällen wollen und sei mit weiteren Abklärungen befasst. Ohne fristgerechte Intervention erlangt der Entscheid rechtliche Wirk
samkeit, wie wenn er zulässigerweise im Rahmen von
Art.
51
Abs.
1 ATSG
ergangen wäre (BGE 134 V 145 E. 5.3 und 5.4; Urteile des Bundesgerichts 8C_485/2018 vom 1
1.
Februar 2019 E. 4.2 und 8C_536/2017 vom
5.
März 2018 E. 3.4).
11.4
Vorliegend
ist auf
die Frage, ob die Anordnung der Beschwerdegegnerin vom 1
5.
Juni 2020 (
Urk.
10/172) zu Recht als im formlosen Verfahren gemäss
Art.
51
Abs.
1 ATSG ergangene Mitteilung qualifiziert worden ist oder ob sie gemäss
Art.
49
Abs.
1 ATSG in Form einer Verfügung hätte ergehen müssen, nicht weiter einzugehen. Denn, wie bereits erwähnt (vorstehend E. 11.3), steht selbst in den Fällen, in denen ein Entscheid zu Unrecht im formlosen Verfahren ergangen ist, rechtsprechungsgemäss
eine Frist
von im Regelfall einem Jahr zur
Intervention zur
Verfügung. In dem Umfang, in welchem die Beschwerdeführerin mit ihrer
Stellungnahme zum Vorbescheid vom September 2020 und spätestens mit
Beschwerde vom 2
5.
November 2020 (
Urk.
1) die Gewährung beruflicher Mass
nahmen beantragte, stellt die Eingabe der Beschwerdeführerin von ihrem Gehalt her daher ein fristgemässes Begehren um Erlass einer formellen Verfügung über ihren Anspruch auf berufliche Massnahmen dar.
Die Akten sind daher an die Beschwerdegegnerin zu überweisen, damit sie den Anspruch der Beschwerdeführerin auf berufliche Massnahmen prüfe und darüber verfüge.
12.
12.1
Zu prüfen bleib
t
das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der unent
geltlichen Prozessführung vom 2
5.
November 2020 (
Urk.
1 S. 1).
12.2
Gemäss
Art.
29
Abs.
3 der Bundesverfassung (BV) hat jede Person, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint.
Gemäss
Art.
61 lit. f Satz 2 ATSG wird der
beschwerdeführenden
Person dort, wo es die Verhältnisse rechtfertigen, ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt.
Gemäss
§
16
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) ist einer Partei, der die nötigen Mittel fehlen und deren Begehren nicht offensichtlich aussichtslos erscheint, in kostenpflichtigen Verfahren auf Gesuch hin die Bezahlung der Verfahrenskosten zu erlassen.
12.3
Bedürftig ist eine Person, welche nicht in der Lage ist, für Prozesskosten aufzu
kommen, ohne dass sie Mittel beanspruchen müsste, die zur Deckung des Grund
bedarfs für sie und ihre Familie notwendig sind (BGE 128 I 225 E. 2.5.1).
Gemäss
der Rechtsprechung besteht indes auch bei Bedürftigkeit kein Anspruch auf
unentgeltliche Rechtspflege, soweit eine Rechtsschutzversicherung, ein Verband oder eine Gewerkschaft für die Gerichts- und Anwaltskosten tatsächlich auf
kommt, wobei die entsprechenden Leistungen zugesichert sein müssen. Dies gilt
gemäss
der Rechtsprechung auch dann, wenn die Kostenübernahme durch den Kostenträger als nur subsidiär bezeichnet wird, andernfalls das durch den Mit
gliederbeitrag versicherte Prozesskostenrisiko auf den Staat überwälzt würde (Urteil des Bundesgerichts 9C_347/2007 vom
6.
März 2008 E. 6).
12.4
Die Beschwerdeführerin gab in dem von ihr am
2.
Januar 20
2
1 ausgefüllten und unterzeichneten Formular zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit (
Urk.
6) an, dass sie über eine Rechtsschutzversicherung verfüge (S. 2
Ziff.
5). Unter diesen Umständen ist davon auszugehen, dass die Rechtsschutzversicherung der Beschwerdeführerin für die Kosten des vorliegenden Verfahren aufkommen wird, weshalb ein Anspruch auf unentgeltliche Prozessführung nicht ausgewiesen ist.
Demzufolge ist das Gesuch der Beschwerdeführerin vom 2
5.
November 2020 um unentgeltliche Prozessführung abzuweisen
.
13.
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ver
weige
rung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Ver
fahrens
auf
wand und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des gesetzli
chen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) auf Fr. 700.-- festzusetzen und
aus
gangsgemäss
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.