Decision ID: 131cc496-76d4-4bbe-befc-f44c82e8735e
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach dem 1964 geborenen
X._
mit Verfügung vom 23. Juli 2003 mit Wirkung ab 1. Mai 2000 bei einem Invaliditätsgrad von 56 % eine halbe Rente der Invali
den
versicherung zu (Urk. 11/28).
Mit Verfügung vom
5. Juli 2004
erhöhte
die
IV-Stelle
diese
Rente mit Wirkung ab 1. Januar 2004 bei einem
Invalidi
täts
grad
von 100 % auf eine ganze Rente
(Urk. 11/41).
Am 17. Oktober 2007 wurde dem Versicherten mitgeteilt, bei der Überprüfung des
Invaliditäts
grades
sei keine rentenbeeinflussende Änderung
der tatsächlichen Verhältnisse
fest
gestellt worden, weshalb er weiterhin Anspruch auf die bisher ausgerichtete
ganze
Rente habe (Urk. 11/45).
1.2
Ende 2012 eröffnete
die IV-Stell
e
ein weiteres Rentenrevisionsverfahren (Urk. 11/59). Im Rahmen dieses Verfahrens ordnete
sie
eine medizinische Abklärung durch die Begutachtungsstelle
Y._
an
(Urk. 11/65)
. Das
bidisziplinäre
(rheumatologisch-psychiatrische
) Gut
achten
wurde
am
23. Oktober 2013
erstattet
(
Urk. 11/70
).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
stellte die IV-Stelle die Invalidenrente
mit Verfügung vom 24. März 2014
per Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats ein;
einer allfälligen dagegen gerichteten Beschwerde wurde die
auf
schiebende Wirkung entzogen
(Urk. 2)
.
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 4. Mai 2014 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm weiter
hin eine ganze Invalidenrente auszurichten. Eventualiter sei die Sache zur Vor
nahme weiterer medizin
i
scher Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht
ersuchte der Beschwerdeführer um
Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung
sowie
um Gewährung der unentgeltlichen
Prozess
führung
und
um Bestellung von Rechtsanwalt Dr. Rolf
Zwahlen
zum unentgelt
lichen Rechtsbeistand (Urk. 1 S. 2).
Mit
Beschwerdeantwort vom 13. Juni 2014 (Urk. 10) schloss die
Beschwerde
geg
nerin
auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerde
führer mit Schreiben vom 24. Juni 2014 (Urk. 12) zur Kenntnis gebracht wurde.
Auf Antrag des Beschwerdeführers (Urk. 13) setzte ihm das hiesige Gericht m
it Verfügung vom 9. Juli 2014
Frist
an, um zur Beschwerdeantwort Stellung zu nehmen
(Urk. 14)
.
Mit derselben Verfügung wurde
überdies
das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung abgewiesen sowie
dem
Beschwer
de
führer die unentgeltliche Prozessführung gewährt und ihm für das vorliegende Verfahren Rechtsanwalt Dr. Rolf
Zwahlen
als unentgeltliche
r
Rechts
vertreter bestellt.
Mit Eingabe vom 16. August 2014 nahm der Beschwerdeführer zur
Beschwerde
antwort
Stellung
(Urk. 16), was der
Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 27. Oktober 2014 zur Kenntnis gebracht
wurde
(Urk. 18).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder tei
lweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (A
rt.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überw
indbar ist (Art. 7 Abs.
2 ATSG).
1.2
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerz
störung
begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die
somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprä
gung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllte Faktoren, so: chronische körperliche
Begleiterkrankun
gen
; ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung; ein ausgewiese
ner sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeu
tisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer
Krank
heitsgewinn
;
„
Flucht in die Krankheit"); ein
unbefriedigendes
Behandlungs
er
gebnis
trotz konsequent durchgeführter ambulanter und/oder stationärer Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und gescheiterte Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung (kooperative Haltung) der versicherten Person. Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde dar
stellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Voraussetzungen für eine zumut
bare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352, 131 V 49 E. 1.2,
BGE 139 V 547 E. 3 ff.
).
Die im Bereich der
somatoformen
Schmerzstörungen entwickelten Grundsätze werden rechtsprechungsgemäss bei der Würdigung des invalidisierenden Cha
rakters von Fibromyalgien (BGE 132 V 65 E. 4), dissoziativen Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen (SVR 2007 IV Nr. 45 S. 150, I 9/07 E. 4 am Ende),
Chro
nic
Fatigue
Syndrome (CFS; chronisches Müdigkeitssyndrom) und Neurasthenie (Urteile 9C_662/2009 vom 17. August 2010 E. 2.3; 9C_98/2010 vom 28. April 2010 E. 2.2.2 und I 70/07 vom 14. April 2008 E. 5), bei dissoziativen Bewe
gungsstörungen (Urteil 9C_903/2007 vom 30. April 2008 E.
3.4), bei einer HWS-Verletzung (Schleudertrauma) ohne organisch nachweisbare
Funktions
fälle
(BGE 136 V 279) sowie bei nicht organischer
Hypersomnie
(BGE 137 V 64 E. 4.1 und 4.2 mit Hinweisen) analog angewendet, nicht hingegen,
wenn sich die Frage nach der invalidisierenden Wirkung einer
Cancer-related
Fatigue
stellt (
BGE
139 V 346
E. 3
mit Hinweisen
).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 des Bundesgesetze
s
über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf
eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.5
Gemäss
lit
. a Abs. 1 der am 1. Januar 2012 in Kraft getretenen
Schluss
bestimmun
gen
der Änderung vom 18. März 2011 des IVG (6.
IV
Revision, erstes
Massnahmepaket
; kurz:
lit
. a Abs. 1
SchlB
IVG 6. Revision) werden
Renten, die bei
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syn
dromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage gespro
chen wurden, innerhalb von drei Jahren nach Inkraft
treten dieser Änderung überprüft. Sind die Voraussetzungen nach
Art.
7 ATSG
(vgl. E. 1.1)
nicht erfüllt, so wird die Rente herabgesetzt oder aufgehoben, auch wen
n die Voraussetzun
gen für eine Rentenrevision nach Art.
17
Abs.
1 ATSG
(
vgl.
E. 1.4)
nicht erfüllt sind.
1.6
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem
sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
liegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt
was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist
, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE
134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer
Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2
.
2
.1
Im angefochtenen Entscheid wurde erwogen, bei den Diagnosen, die zur
Renten
zusprache
geführt hätten, handle es sich um ätiologisch-
pathogenetisch
unklare
syndromale
Zustandsbilder ohne nachweisbare organische Grundlage, weshal
b die zugesprochene Rente nach
lit
. a Abs. 1 der am 1. Januar 2012 in Kraft getretenen Schlussbestimmungen der Änderung vom 18. März 2011 des IVG
zu überprüfen sei
.
Anlässlich der
Y._
-Begutachtung seien ein Schmerzsyndrom
thoracolumbal
mit massiver Symptomausweitung sowie eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert worden. Da diese Leiden
beziehungsweise die diesbezüglichen Folgen
mit einer zumutbaren
Willensan
strengung
überwindbar seien, bestehe kein invalidisierender
Gesundheitsscha
den
. Somit sei die Rente einzustellen (Urk. 2, siehe auch Urk. 10).
2
.2
Der Beschwerdeführer macht demgegenüber
in der Beschwerdeschrift
im Wesentli
chen geltend,
das
Y._
-Gut
achten sei nicht beweiskräftig.
E
s
sei des
halb
nochmals
eine psychiatrische
Begutachtung vorzunehmen
, um seinen Gesundheitszustand respektive seine Arbeitsfähigkeit genauer abzuklären
(Urk. 1).
Mit Eingabe vom
16. August 2014
teilte er ausserdem mit, der ihn neu therapierende Arzt habe eine
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit paranoi
den,
histrionischen
und emotional instabilen Zügen (ICD-10 F61.0)
, bestehend seit der Adoleszenz, diagnostiziert und eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert.
Auch a
ngesichts
dieser
von der gutachterlichen Einschätzung diver
gierenden
medizinischen Beurteilung
seien
weitere Abklärungen vorzunehmen
(Urk. 16).
3
.
3
.1
3
.1.1
Am 20. April 2001 wurde der Beschwerdeführer im
Z._
rheumatologisch
untersucht
(Gutachten vom 10. Mai 2001, Urk. 11/9).
Im Gut
achten wurde festgehalten, im Juni 1999 seien Schmerzen in der Kreuzregion und über der unteren Brustwirbelsäule aufgetreten, welche sekundär gegen den Schultergürtel in beide Arme und über die Gesässregion diffus in beide Beine auszustrahlen begonnen h
ätten
. Diese Schmerzen
hätten sich in den anschlies
senden Monaten trotz ambulanter Physiotherapie kontinuierlich verstärkt und würden gegenwärtig vom Beschwerdeführer als extrem stark empfunden (Urk. 11/9/3). Der Gutachter diagnostizierte ein
Panvertebralsyndrom
bei leich
ter Fehlhaltung und –form der Wirbelsäule sowie eine Symptomausweitung mit psychischen und physischen Defiziten bei psycho-sozialer Belastungssituation
(Urk. 11/9/6
) und
hielt fest, die Gründe für den eingetretenen
Chronifizierungs
prozess
seien
auf der
psycho-sozialen Ebene zu suchen (Urk. 11/9/7).
Er
kam zum Schluss, dass der
Beschwerdeführer
aus rheumatologischer Sicht
für kör
perlich leichte und mittelschwere Tätigkeiten vollständig arbeitsfähig
sei
. Kör
perliche Schwerarbeiten seien dem Exploranden jedoch aufgrund der in den letzten beiden Jahren eingetretenen physischen Leistungsdefizite nicht
mehr
zumutbar (Urk. 11/9/9).
3
.1.2
Im August und September 2001 wurde der Beschwerdeführer von
Dr. med.
A._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, begutachtet (G
utachten vom 23. November 2001,
Urk. 11/14).
Dr.
A._
diagnostizierte eine
somato
forme
Schmerzstörung
und eine
Symptomausweitung und hielt dafür,
aufgrund
dessen
bestehe lediglich noch eine Arbeitsfähigkeit von 50 % für leichte und mittelschwere Arbeiten (Urk. 11/14/
5
-7).
3
.
1.
3
Gestützt auf diese Gutachten kam der Medizinische Dienst der IV-Stelle zum Schluss, dass ein Arbeits
pensum
von 50 % für leichte und mittelschwere
Tätig
keiten
zumutbar sei (Urk. 11/15), worauf die IV-Stelle
einen IV-Grad von 56 %
errechnete und
dem
Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1.
Mai 2000
eine
halbe
Rente zusprach (Verfügung vom
23. Juli 2003
, Urk.
11
/
28
).
3
.2
Im
Frühjahr
2004 berichtete
Dr.
med.
B._
, Spezialarzt A
llgemeine Medizin FMH und damaliger Hausarzt des Beschwerdeführers
,
der
psychische
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
habe sich verschlechtert. Seit Mitte 2003 leide
der
Beschwerdeführer
unter einer grotesken Depression. Er sei auf
grund der Depression weder in der Lage
,
mit jemandem zu sprechen
,
noch
fähig,
irgendeine Tätigkeit auszuüben (Urk. 11/34/5).
Ausserdem leide
der Beschwerdeführer
an einem schweren panvertebralen Schmerzsyndrom, das nur mit
allerhöchsten Dosen von Analgetika und Morphium
ertragbar
sei
(Urk. 11/
31, 11/
32/3). Gestützt auf diese Berichte
hielt
der Regionale Ärztliche Dienst (RAD)
dafür
, dass sich der Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers
verschlechtert habe (Urk. 11/36
/3
), worauf die IV-Stelle die zuvor ausgerichtete halbe Invalidenrente mit Wirkung ab dem 1. Januar 2004
bei einem
Invalidi
tätsgrad
von 100 %
auf eine ganze Rente erhöhte (Urk. 11/41).
3
.3
Nachdem Dr.
B._
mit Verlaufsbericht vom 25.
September 2007 (Urk. 11/43)
berichtet
hatte, der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers sei stationär und es bestehe
nach wie vor
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit, teilte die IV-Ste
lle dem Beschwerdeführer am 17.
Oktober 2007 mit, es bestehe weiterhin Anspruch auf die bisherige
R
ente (Urk. 11/45).
4
.
4
.1
4
.1.1
Am 2. und 3. Oktober 2013 wurde der Beschwerdeführer in der
Begutachtungs
stelle
Y._
psychiatrisch und rheumatologisch untersucht (Gutachten vom
23. Oktober 2013, Urk. 11/70).
Der psychiatrische Gutachter
diagnostizierte eine mittelgradige depressive Epi
sode (ICD-10 F32.1)
und
hielt fest
,
es bestünden
neben der depressiven St
im
mung und der Affektlabilität
ein sozialer Rückzug, ein Interessenverlust, ein verminderter Antrieb, ein Appetitverlust, Konzentrationsstörungen, eine psycho
motorische Agitiertheit, ein
Libidoverlust
sowie der Verlust des Selbst
wertgefühls.
Schlafstörungen hätten unter antidepressiver Medikation behoben werden können. Ebenfalls seien die anlässlich der Untersuchung erkennbaren Merkfähigkeits- und Gedächtnisstörungen als ein Merkmal der Depression einzuordnen und nicht einer dementiellen Störung. Auch die erhöhte Angst des Exploranden vor anderen Menschen mit starker Verunsicherung könne als Ausdruck eines depressiven Selbstwertverlustes gesehen werden. Für eine
soziale Phobie seien die Kriterien nicht ausreichend.
Eine
somatoforme
Schmerzstörung liege
ebenfalls
nicht vor.
So
bestehe kein psychosozialer Kon
flikt und die depressive Symptomatik sei einzig der affektiven Störung zuzu
ordnen.
Der Gutachter kam zum Schluss, dass der Beschwerdeführer a
us psychi
atrischer Sicht sowohl für die angestammte als auch für angepasste Tätigkeiten zu 50 % arbeits
un
fähig
sei
.
Hinsichtlich
Massnahmen
zur Verbesserung der Arbeitsfähigkeit
empfahl er eine psychiatrische stationäre Behandlung und hielt fest, der Beschwerdeführer
sei
bisher nicht ausreichend psychiatrisch behandelt worden (Urk. 11/70/6-7).
Der rheumatologische Gutachter berichtete, die klinische Untersuchung sei aus rheumaorthopädischer Sicht pro
blemlos lege
artis
durchführbar
und dem Alter des
Exploranden
entsprechend völlig unauffällig gewesen.
Das allgemeine
Bewegungsverhalten
des Beschwerdeführers
, sein Gangbild sowie Kleider
-
und Positionswechsel auf der Untersuchungsliege seien unauffällig gewesen, ledig
lich beim Blindstrichgang sei es zu einem grotesken Abweichen nach links und rechts gekommen (Urk. 11/70/16).
D
ie bereits im
rheumatologischen und psy
chiatrischen Gutachten vom Jahr 2001 abgegebene Beurteilung einer
Symptom
ausweitung
ohne entsprechendes somatisches Korrelat könne aufgrund der aktuellen Untersuchung bestätigt werden, wobei sich dies vorliegend nicht somatisch am Bewegungsapparat manifestiert habe, sondern durch die beschriebe
nen nicht klassifizierbaren und grotesk anmutenden Krampf- und Weinattacken. Rein somatisch gesehen sei die Untersuchung des Bewegungs
apparates lege
artis
problemlos durchführbar gewesen. Es hätten sich bei der Untersuchung keine relevante
n
pathologische
n
Befunde bezüglich Funktions
störungen gezeigt, welche die angegeben
en
Beschwerden
thorakolumbal
hätten erklären können. Auch das spontane körperliche Verhalten des
Exploranden
in Bezug auf den Bewegungsapparat sei völlig unauffällig gewesen und die neu angefertigten Röntgenbilder der BW
S
und LW
S
hätten altersnormal una
uffällige Verhältnisse gezeigt (Urk. 11/70/18).
Der Gutachter
stellte die Diagnose eines nicht objektivierbaren
Schmerzsyndrom
s
thorakolumbal
mit massiver Symp
tomausweitung und hielt dafür, es
bestehe weder in der angestammten noch in einer angepassten Tätigkeit eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Therapeu
tische
Massnahmen
hielt
er
als nicht indiziert (Urk. 11/70/
17+
19).
4
.1.2
Mit ergänzendem Schreiben vom 12. Dezember 2013 (Urk. 11/74) präzisierte der psychiatrische Gutachter, dass lediglich noch Tätigkeiten ohne hohe A
nforde
rung an die Konzentration, emotionale Stressbewältigung und Publikumsver
kehr zumutbar sei
en
.
4
.2
4.2.1
Das
Y._
-
Gutachten beruht auf den erforderlichen und allseitigen Untersu
chungen (Urk.
11
/
70
/
3
-
6, 11/70/16-17
), berücksichtigt die geklagten Beschwer
den (Urk.
11
/
70/6, 11/70/15
) und ist in Kenntnis der relevanten
Vorakten
abge
geben worden (Urk. 7/7
0
/
10-13
).
Dafür, d
ass es bei der Begutachtung aufgrund unzureichender Sprachkenntnisse zu Verständigungsschwierigkeiten gekommen wäre - wie
dies
der Beschwerdeführer geltend macht (Urk. 1 S. 6 f.) – gibt es keine Hinweise
.
Der Beschwerdeführer
ist seit dem Jahr
1990
in
der
Schweiz
wohnhaft (Urk. 11/1/3)
, besuchte einen Deutschkurs
(Urk. 11/70/3)
, war
während fünf Jahren
mit einer Schweizerin v
erheiratet
(Urk. 11/1/11)
und während fast zehn
Jahren in einer Grossbäckerei
in der Schweiz
tätig
(Urk. 11/4/1)
.
D
er psychiatrische Gutachter
hielt denn
auch
explizit fest, die Verständigung sei in der deuts
chen Sprache gut möglich gewesen
(Urk. 11/70/3
, Urk. 11/70/8
). Der
Beschwerdeführer
führte
schliesslich
auch nicht aus,
inwiefern er
von den Gutachtern falsch verstanden worden
wäre
.
4.2.2
Im psychiatrischen Teilgutachten wurde schlüssig dargetan, dass eine
mittel
schwere
depressive Störung
vorliege und die Arbeitsfähigkeit aufgrund dieser psychischen Beeinträchtigung zu 50 % eingeschränkt sei
(E. 4.1.1)
.
Im Vergleich zur früher
vom behandelnden Arzt
diagnostizierten
schwer
gradigen
depressiven Störung stellt dies eine erhebliche Verbesserung des
psychischen
Gesundheits
zustandes dar.
So hielt
Dr.
B._
im Frühjahr 2004 dafür, der Beschwerdeführer sei
aufgrund der Depression
weder in der Lage
,
mit jemandem zu sprechen
,
noch fähig, irgendeine Tätigkeit auszuüben (E. 3.2).
Seither wurde der Beschwerdeführer Vater von drei Kindern (Urk. 11/47, Urk. 11/49)
und lebt nun mit seiner Ehefrau und den Kindern zusammen.
Wenn er sodann anlässlich der aktuellen Begutachtung angab,
er begleite
seine
Ehef
rau
beim Einkaufen nicht
, da er Schmerzen verspüre, wenn er von der Wärme draussen in den gekühlten Supermarkt g
ehe (Urk. 11/70/15), zeigt sich, dass keine vollständige Antriebslo
sigkeit mehr vorliegt, sondern sich der Beschwerdeführer
aufgrund von Schmer
zen
eingeschränkt fühlt. So liest der Beschwerdeführer
denn
gemäss
eigenen
Angaben auch die Zeitung
-
wobei er beim Lesen rasch müde werde mit Ver
spannungen im Schultergürtel (
Urk.
11/70/16)
- ausserdem koche er kleine Sachen
und r
äume die Wohnung teilweise auf (Urk. 11/70/5, Urk. 11/70/7).
Wenn
der psychiatrische Gutachter
aufgrund der Schilderungen des Beschwer
de
führers dafür hielt, die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers sei seit Mai 2001 durchgehend lediglich zu 50 % eingeschränkt gewesen (
Urk. 11/70/1-2,
Urk. 11/
74
), handelt es sich um eine Einschätzung, die zwar zutreffen könnte, aufgrund des Umstandes, dass Dr.
B._
im Frühjahr 2004 berichtet hatte, die Depression sei so schwerwiegend, dass der Beschwerdeführer mit niemandem mehr sprechen könne (E.
3
.2), nicht mit dem im
Sozialversi
cherungsrecht
massge
benden
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich
keit ausgewiesen ist. Entsprechend muss davon ausgegangen werden, dass die
gesundheitlichen
Beschwerden des Beschwerdeführers in der Vergangenheit eine Erwerbstätigkeit verunmöglichten,
die
depressive
Symptomatik
jedoch seit
her
insoweit
abgeklungen
ist
, dass lediglich noch eine Einschränkung
im Aus
mass von
50 % besteht.
Bei dieser Sachlage liegt ein Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 ATSG vor (E.
1.4
).
Damit erübrigt sich eine Überprüfung der Rente gestützt auf die Schlussbestimmungen der 6. IV
Revision (E
.
1.5).
4.2.3
Mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung (E. 1.2) z
u k
einen Beanstan
dungen Anlass
gibt die Beurteilung
der
Gutachter
(E. 4.1.1)
und der
Beschwerdegegnerin
(Urk. 2)
, wonach das nicht objektivierbare
Schmerzsyn
drom
keine
Arbeitsunfähigkeit
zu begründen vermöge
. Insbesondere ist diesbe
züglich darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer
gemäss eigenen Anga
ben keine Schmerzmittel mehr nimmt (Urk. 11/70/4). Auch
mit Blick auf die rheumatologische Untersuchung, anlässlich welcher das allgemeine
Bewegungs
verhalten
des Beschwerdeführers völlig unauffällig war und es zu weitgehend keinen Schmerzzuständen oder Bewegungseinschränkungen mehr kam
(Urk. 11/70/16),
erscheint
diese Einschätzung
als schlüssig und
nachvollziehbar.
4.2.4
Der im Beschwerdeverfahren aufgelegte Bericht von Dr. med.
C._
, Praktischer Arzt FMH
,
vom 7. August 2014 (Urk. 17/1) gibt zu keiner anderen Beurteilung Anlass.
Dr.
C._
verfügt gemäss dem vom Bundes
amt für Gesundheit geführten
Medizinalberuferegister
über keinen Facharzttitel auf dem Fachgebiet der Psych
ia
trie
(
www.medregom.admin.ch
)
.
Entsprechend vermag seine Einschätzung die Beurteilung der Gutachter nicht in Frage zu stellen; im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass das Gericht der Erfahrungstat
sache, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre
auftragrechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, Rechnung tragen soll und darf (BGE 125 V 353 E. 3b/cc).
4.2.5
Nach dem Gesagten ergibt sich, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwer
deführers wesentlich verbessert hat und er spätestens seit Oktober 2013 (
Begut
achtungszeitpunkt
) für Tätigkeiten
ohne hohe Anforderung
en
an die Konzent
ration, emotionale Stressbewältigung und Publikumsverkehr zu 50 % arbeitsfä
hig ist.
5
.
5
.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu
bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
5
.2
5
.2.1
Für die Bemessung des
Valideneinkommens
ist entscheidend, was die versi
cherte Person im
massgebenden
Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde und nicht, was sie bestenfalls verdienen könnte. Die Ermittlung des
Valideneinkom
mens
muss so konkret wie möglich erfolgen. Da die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden
erfahrungsgemäss
fortgesetzt worden wäre, ist in der Regel vom letzten Einkommen auszugehen, das vor Eintritt der
Gesundheitsschädi
gung
erzielt wurde. Dieses ist wenn nötig der Teuerung und der realen
Ein
kommensentwicklung
anzupassen (SVR 2008 IV Nr. 35 S. 118
Erw
. 3.2.2).
5
.2.2
Vor Eintritt des Gesundheitsschadens war der Beschwerdeführer
für eine Bäcke
rei in der Produktion tätig
(Urk.
11/4,
11/7)
.
Aus dem Arbeitgeberbericht vom 18. Juli 2000 geht hervor, dass das jährliche Einkommen Fr. 57‘070.-- betrug (13 x Fr. 4‘390.--, siehe Urk. 11/4/2).
Angepasst an die Entwicklung der Nomi
nallöhne für
männliche Arbeitskräfte von 18
56
Punkten im Jahr
2000
auf
2204
Punkte im Jahr 20
13
(Die Volkswirtschaft
1/2
-201
5
S.
93
Tabelle B10.3) ergibt sich
ein
Valideneinkommen
von Fr.
67‘771.--.
5
.3
5
.3.1
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebun
gen
(LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 f. E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom so genannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40
Wochenstunden zugrunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende betriebsübliche Wochenarbeitszeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 f. E. 3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten
nurmehr
beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen.
Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest
)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). Dabei
ist zu beachten, dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der
Vergleichsein
kommen
mitverantwortliche invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des soge
nannten
Leidensabzuges nicht nochmals berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 322 E. 5.2).
Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen. Es ist nicht von dem von der IV-Stelle vorgenommenen Abzug auszugehen und dieser ange
messen zu erhöhen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_796/2013 vom 28. Januar 2014 E.
3
.
2 mit Hinweis auf
SVR 2011 IV Nr. 31 S. 90, 9C_728/2009 E. 4.1.2).
5
.3.2
Da der Beschwerdeführer
derzeit
keiner Erwerbstätigkeit nachgeht, ist
zur Bestim
mung des Invalideneinkommens ein Tabellenlohn heranzuziehen. Auf dem hypothetischen, als ausgeglichen unterstellten Arbeitsmarkt (vgl. etwa Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 1
0.
Juli 2006, I 186/05,
Erw
. 2.3) finden sich genügend adaptierte, dem medizinischen
Zumut
barkeitsprofil
entsprechende
Tätigkeiten
, welche dem Beschwerdeführer
trotz
seiner
gesundheitlichen Einschränkungen und unter Berücksichtigung
seiner
Fähigkeiten offen stehen. Daher ist vom nicht nach Branchen differenzierten standardisierten monatlichen Bruttolohn (inklusive 13.
Monatslohn, basierend auf einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden) für
männliche
Arbeits
kräfte an Arbeitsplätzen des niedrigsten Anforderungsniveaus (Kategorie 4) von
Fr.
4‘901
.-- auszugehen (Tabelle TA1 der LSE 20
10, S. 26
). Aufgerechnet auf die durchschnittliche betriebsübliche Arbeitszeit von 41,7
Stunden pro Woche im Jahr 20
13
(Die Volkswirtschaft
1/2
2015
S.
92
Tabelle B9.2) und angepasst an die Entwicklung der Nominallöhne der
männlichen
Arbeitskräfte von
2150
Punk
ten im Jahr 20
10
auf
2204
Punkte im Jahr 20
13
(Die Volkswirtschaft
1/2
2015
S.
93
Tabelle B10.3) ergibt dies ein jäh
rliches Bruttoeinkommen von Fr.
62‘851
.--.
Für ein Pensum von 50 %, welches dem Beschwerdeführer nach der gutachterlichen Beurteilung zumutbar ist, resultiert somit ein Einkommen von 31‘426.--.
Da dem
Beschwerdeführer
nur noch Tätigkeiten zu einem eingeschränkten Pen
sum von 50 % ohne hohe Anforderung an die Konzentration, emotionale Stressbewältigung und Publikumsverkehr offenstehen
(E.
4
.
2.5
), rechtfertigt sich
ein leidensbeding
ter Abzug von
insgesamt
10 %
.
Das Invalideneinkommen beträgt somit Fr.
28'283
.--.
5
.4
Bei einem
solchermassen
festgele
gten Invalideneinkommen von Fr.
28
'2
83
.-- resultiert im Verglei
ch zum
Valideneinkommen
von Fr. 67‘771
.
-- eine
Erwerbs
einbusse
von Fr. 39‘488.--
, was einem Invaliditätsgrad von gerundet
5
8
%
entspricht
(zur Rundung: BGE 130 V 121 E
. 3.2). Bei einem
Invaliditäts
grad
von 5
8
% besteht Anspruch auf eine halbe Rente
(E. 1.3)
. Die angefochtene Verfügung vom 24. März 2014, mit welcher die Rente eingestellt wurde (Urk. 2) ist demnach in teilweiser
Gutheissung
der Beschwerde dahingehend abzuän
dern, dass der Beschwerdeführer ab 1. Mai 2014 Anspruch auf eine halbe Inva
lidenrente hat.
6
.
6
.1
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Der Beschwerdeführer beantragte zwar die
Weiterausrichtung
einer ganzen Rente und obsiegte somit nicht voll
umfänglich, die "
Überklagung
" führte indes nicht zu einem Mehraufwand, weshalb es sich rechtfertigt, ihm eine nicht reduzier
te Prozessentschädigung von Fr.
2‘
8
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
auszurichten. Diese ist dem mit Verfügung vom
9.
Juli 2014 bestellten unentgeltlichen Rechts
vertreter, Rechts
anwalt
Dr.
Rolf
Zwahlen
, zuzusprechen.
6
.2
Die Kosten des Verfahrens sind auf
Fr.
600.-- festzulegen und
ausgangsgemäss
von der Beschwerdegegnerin zu tragen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).