Decision ID: 35cb0e28-2db2-4052-8c33-3de7667427a0
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis der Fahrzeugkategorie B seit 12. März 1974. Zudem ist
er seit 26. März 1984 für die Kategorien A1, E, F und G sowie seit 1. Juni 1991 für die
Kategorien A2 und D2 fahrberechtigt. Im Administrativmassnahme-Register ist er nicht
verzeichnet.
B.- Am Samstag, 3. Oktober 2015, um 14.28 Uhr, lenkte X einen Personenwagen auf
der Goldacherstrasse in Rorschacherberg in Richtung Thal. Als er in den
Kreisverkehrsplatz Goldacher-/Rosengartenstrasse einfuhr, kam es zu einer Kollision
mit dem von links nahenden Personenwagen von Y, welcher bereits im Kreisel war. X
prallte mit der Front seines Fahrzeugs in die rechte Seite des Personenwagens von Y.
An beiden Fahrzeugen entstand Sachschaden. Verletzt wurde niemand.
C.- Mit Strafbefehl vom 11. Januar 2016 wurde X vom Untersuchungsamt St. Gallen
der einfachen Verletzung von Verkehrsregeln (Nichtgewähren des Vortritts beim
Einfahren in den Kreisel) schuldig gesprochen und zu einer Busse von Fr. 300.–
verurteilt. Der Strafbefehl erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
D.- Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen bot X am
11. Februar 2016 zu einer vertrauensärztlichen Untersuchung auf. Im Arztbericht vom
3. März 2016 wurde festgehalten, dass bezogen auf die Fahreignung keine kognitiven
oder körperlichen Einschränkungen vorliegen würden und X aufgrund der Testresultate
die Fahrtauglichkeit zuzusprechen sei. Mit Verfügung vom 7. April 2016 entzog das
Strassenverkehrsamt aufgrund des Vorfalls vom 3. Oktober 2015 den Führerausweis
wegen einer mittelschweren Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften für
die Dauer eines Monats.
E.- Mit Schreiben vom 18. April 2016 (Datum der Postaufgabe: 19. April 2016) wandte
sich X ans Strassenverkehrsamt und ersuchte um Aufhebung des
Führerausweisentzuges. Die Eingabe wurde am 20. April 2016 zuständigkeitshalber an
die Verwaltungsrekurskommission übermittelt und als Rekurs ins Geschäftsverzeichnis
aufgenommen. Nachdem X am 9. Mai 2016 persönlich auf der Gerichtskanzlei
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vorgesprochen hatte, orientierte ihn der Verfahrensleiter mit Schreiben vom 12. Mai
2016 nach summarischer und vorläufiger Aktendurchsicht über die Prozesschancen.
Am 20. Mai 2016 zahlte X den Kostenvorschuss ein. Die Vorinstanz liess sich mit
Schreiben vom 27. Mai 2016 vernehmen. Sie trug auf Abweisung des Rekurses an und
beantragte eventualiter die Anordnung einer Kontrollfahrt. Am 2. Juni 2016 nahm X auf
der Gerichtskanzlei Einsicht in die Akten.

Auf die Ausführungen des Rekurrenten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rechtsmittelerhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 18. April 2016 (Postaufgabe am
19. April 2016) ist rechtzeitig bei der Vorinstanz eingereicht und zuständigkeitshalber an
die Verwaltungsrekurskommission überwiesen worden. Er erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 11 Abs. 3, 41 lit. g , 45, 47
und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- In tatsächlicher Hinsicht ist unbestritten, dass der Rekurrent am Samstag,
3. Oktober 2015, um 14.28 Uhr, mit einem Personenwagen von Goldach in Richtung
Thal fuhr und im Kreisverkehrsplatz Goldacher-/Rosengartenstrasse in der Gemeinde
Rorschacherberg mit einem von links kommenden und bereits im Kreisel fahrenden
Personenwagen kollidierte. Im Strafverfahren wurde er deshalb wegen einfacher
Verletzung der Verkehrsregeln (Nichtgewähren des Vortritts beim Einfahren in den
Kreisel) zu einer Busse von Fr. 300.– verurteilt (act. 7/24 f.). Der Strafbefehl ist
rechtskräftig.
a) Der Rekurrent bringt vor, er habe Rechtsvortritt gehabt, da er von Goldach
hergekommen und die Fahrerin des anderen Personenwagens von ʺunten
heraufgekommenʺ sei. Die Fahrerin sei zudem viel zu schnell unterwegs gewesen und
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die Polizei habe bei ihr einen Alkoholwert von einer Gewichtspromille festgestellt
(act. 2).
b) Wer zur Gewährung des Vortritts verpflichtet ist, darf den Vortrittsberechtigten in
seiner Fahrt nicht behindern. Er hat seine Geschwindigkeit zu mässigen und, wenn er
warten muss, vor Beginn der Verzweigung zu halten (Art. 14 Abs. 1 der
Verkehrsregelnverordnung, SR 741.11, abgekürzt: VRV). Das Signal sowie die
Markierung "Kein Vortritt" verpflichten den Fahrzeuglenker, den Fahrzeugen auf der
Strasse, der er sich nähert, den Vortritt zu gewähren (Art. 27 Abs. 1 des
Strassenverkehrsgesetzes [SR 741.01, abgekürzt: SVG] und Art. 36 Abs. 2 Satz 1 der
Signalisationsverordnung [SR 741.21]). Vor der Einfahrt in den Kreisverkehrsplatz muss
der Fahrzeugführer die Geschwindigkeit mässigen und den im Kreis von links
herannahenden Fahrzeugen den Vortritt lassen (Art. 41b Abs. 1 VRV). In Abweichung
vom grundsätzlichen Rechtsvortritt (Art. 36 Abs. 2 SVG) gilt im Kreisverkehrsplatz
Linksvortritt (BGE 115 IV 139 E. 2).
Angesichts des unbestrittenen Sachverhalts ist in Übereinstimmung mit dem
Strafbefehl des Untersuchungsamtes St. Gallen vom 11. Januar 2016 davon
auszugehen, dass der Rekurrent das Vortrittsrecht beim Einfahren in den Kreisel
missachtete und dadurch einen Verkehrsunfall mit Sachschaden verursachte. Der
Kreisverkehrsplatz ist deutlich signalisiert (act. 7/7). Die Verkehrssituation ist
übersichtlich und die Bilder sowie die Skizze im Polizeirapport vom 27. Oktober 2015
dokumentieren, dass sich der von links kommende Personenwagen bereits im Kreisel
befand, als der Rekurrent frontal in dessen rechte Seite hineinfuhr (act. 7/6 und 7/8).
Die Tatsache, dass die Fahrerin des anderen Personenwagens alkoholisiert war
(gemäss Polizeirapport wurden bei ihr Atemalkoholwerte von 0,71 und 0,76
Gewichtspromille festgestellt; act. 7/4), vermag den Rekurrenten nicht zu entlasten.
Abgesehen davon lassen sich den Akten keine Anhaltspunkte entnehmen, wonach die
Fahrzeuglenkerin zu schnell unterwegs gewesen sein oder sich sonstwie
verkehrsregelwidrig verhalten haben sollte. Vielmehr ist anzunehmen, dass der
Rekurrent vor der Einfahrt in den Kreisel ein Gespräch mit seiner Beifahrerin führte und
deshalb das andere Fahrzeug übersah. Dies gab er gegenüber der Polizei unmittelbar
nach dem Unfall selbst zu Protokoll und wurde von seiner Beifahrerin bestätigt (act. 7/4
und 7/16). Eine schuldhaft begangene Verkehrsregelverletzung liegt damit vor.
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3.- a) Gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG wird nach Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das Verfahren nach dem
Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder
Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das Gesetz
unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG) und
schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche Gefahr für
die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die Widerhandlung
schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Von einer mittelschweren
Widerhandlung ist immer dann auszugehen, wenn nicht alle privilegierenden Elemente
einer leichten und nicht alle qualifizierenden Bestandteile einer schweren
Widerhandlung erfüllt sind (vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4487).
Eine Verkehrsgefährdung liegt vor, wenn die körperliche Integrität einer Person
entweder konkret oder zumindest abstrakt gefährdet wurde. Im Recht der
Administrativmassnahmen wird dabei zwischen der einfachen und der erhöhten
abstrakten Gefährdung unterschieden. Erstere zieht keine Administrativmassnahme
nach sich (vgl. Art. 16 Abs. 2 SVG). Von einem solchen Fall ist jedoch nur dann
auszugehen, wenn keine anderen Verkehrsteilnehmer vom Fehlverhalten hätten
betroffen werden können. Führte dieses hingegen zu einer Verletzung eines Rechtsguts
oder einer konkreten bzw. einer erhöhten abstrakten Gefährdung der körperlichen
Integrität, hat dies eine Administrativmassnahme zur Folge (R. Schaffhauser, Die neuen
Administrativmassnahmen des Strassenverkehrsgesetzes, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S. 181, Rz. 43 ff.). Innerhalb der erhöhten
abstrakten Gefährdung ist auf die Nähe der Verwirklichung der Gefahr abzustellen. Je
näher die Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder Verletzung liegt, umso
schwerer wiegt die erhöhte abstrakte Gefahr (vgl. BGE 118 IV 285 E. 3a). Eine konkrete
Gefahr liegt vor, wenn für einen bestimmten, tatsächlich daherkommenden
Verkehrsteilnehmer oder einen Mitfahrer des Täters die Gefahr einer Körperverletzung
oder gar Tötung bestand (J. Boll, Grobe Verkehrsregelverletzung, Davos 1999, S. 12).
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Zudem ist das Ausmass der üblicherweise entstehenden Schädigung bei Eintritt der
Rechtsgutverletzung zu berücksichtigen (vgl. VRKE IV-2011/113 vom 24. November
2011 E. 3b, abrufbar unter www.gerichte.sg.ch).
b) Die Vorinstanz wirft dem Rekurrenten eine mittelschwere Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften vor. Der Rekurrent habe im Kreisel das Vortrittsrecht
missachtet und einen Verkehrsunfall verursacht. Bedingt durch diese konkrete
Verkehrsgefährdung liege unabhängig vom Grad des Verschuldens ein mittelschwerer
Fall vor. In Anbetracht aller Beurteilungskriterien könne die Entzugsdauer auf das
gesetzliche Minimum von einem Monat beschränkt werden. Infolge der Äusserungen
des Rekurrenten im Rekurs müsse hingegen angenommen werden, dass er mit den
Vortrittsrechtsverhältnissen im Kreisverkehr nicht vertraut sei. Damit bestünden Zweifel
an seiner Fahrkompetenz, die die Anordnung einer Kontrollfahrt rechtfertigen würden
(act. 3 und 12).
c) Beim Unfall vom 3. Oktober 2015 wurden keine Personen verletzt; es entstand
Sachschaden. Die Polizei schätzte diesen beim Fahrzeug des Rekurrenten auf
Fr. 4‘000.– und beim Fahrzeug, mit dem er kollidierte, auf Fr. 3‘000.– (act. 7/3 ff.). Aus
diesen Umständen kann jedoch nicht geschlossen werden, die Gefährdung sei nur
gering gewesen. Durch die Verkehrsregelverletzung setzte der Rekurrent allfällige
vortrittsberechtigte Fahrzeuglenker der Gefahr einer Körperverletzung aus. Diese
erhebliche Gefährdung realisierte sich im konkreten Unfallereignis. Die vom
Rekurrenten verursachte Gefahr kann nicht mehr als gering eingestuft werden. Die
Annahme einer leichten Widerhandlung nach Art. 16a SVG ist damit ausgeschlossen
(vgl. E. 3 lit. a).
Der Grad des Verschuldens kann unter diesen Umständen offen bleiben. Immerhin sei
dazu bemerkt, dass auch das Ausmass des Verschuldens bei einem derartigen Unfall,
der unter Missachtung des Vortrittsrechts und aufgrund mangelnder Aufmerksamkeit
geschah (vgl. E. 2 lit. b), wohl nicht mehr als leicht beurteilt werden könnte.
d) Dementsprechend ergibt sich, dass die Vorinstanz die Verkehrsregelverletzung des
Rekurrenten zu Recht als mittelschwere Widerhandlung gegen das
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Strassenverkehrsgesetz qualifizierte und den Führerausweis gestützt auf Art. 16b Abs.
1 lit. a SVG entzog.
4.- a) Bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzuges sind
die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich die Gefährdung der
Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als Motorfahrzeugführer sowie die
berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen (Art. 16 Abs. 3 SVG). Die
Mindestdauer darf jedoch nicht unterschritten werden. Diese beträgt gemäss Art. 16b
Abs. 2 lit. a SVG nach einer mittelschweren Widerhandlung einen Monat.
b) Die vorinstanzlich verfügte Entzugsdauer von einem Monat entspricht der
gesetzlichen Mindestentzugsdauer, die nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
zu Art. 16 Abs. 3 SVG selbst bei einer beruflichen oder persönlichen Angewiesenheit
des Betroffenen auf den Führerausweis und bei einem ungetrübten automobilistischen
Leumund nicht unterschritten werden darf (vgl. BGE 132 II 234 E. 2.3).
Dementsprechend ist die angefochtene Verfügung auch hinsichtlich der Entzugsdauer
von einem Monat zu bestätigen. Der Rekurs ist folglich abzuweisen.
5.- Die Vorinstanz ordnete in Ziffer 2 der angefochtenen Verfügung an, dass der
Rekurrent den Führerausweis und allfällig vorhandene weitere Ausweise bis spätestens
am 7. Juli 2016 abzugeben habe. Hierbei handelt es sich um eine
vollstreckungsrechtliche Anordnung, die nach Eintritt der Rechtskraft des
Warnungsentzugs separat verfügt werden müsste. Darauf ist indessen nicht weiter
einzugehen; denn der Abgabetermin (7. Juli 2016) ist schon längst vorüber, weshalb
Ziffer 2 zufolge Gegenstandslosigkeit aufzuheben ist. Die Vorinstanz wird einen neuen
Abgabetermin festlegen müssen.
Im vorliegenden Verfahren geht es einzig um die Anfechtung eines Warnungsentzugs,
bei welchem die Fahreignung des Fahrzeuglenkers nicht in Frage steht. Die Anordnung
einer Kontrollfahrt setzt demgegenüber Bedenken über die Eignung des
Fahrzeugführers voraus (Art. 29 Abs. 1 der Verkehrszulassungsverordnung, SR 741.51).
Letzteres ist nicht Anfechtungsgegenstand, weshalb im Rekursverfahren auf den
Eventualantrag bereits aus diesem Grund nicht eingetreten werden könnte. Hinzu
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kommt, dass der Hauptantrag der Vorinstanz auf Abweisung des Rekurses zu schützen
ist, weshalb der Eventualantrag hinfällig ist.
6.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Die Anpassung am vorinstanzlichen Rechtsspruch
ist bloss redaktioneller Natur und daher für die Kostenverlegung ohne Bedeutung. Eine
Entscheidgebühr von Fr. 1‘200.– erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1‘200.– ist zu
verrechnen.