Decision ID: f25245f5-755d-4ccb-8c6b-696c5c53195d
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1966,
meldete sich am 9. August 2011 unter Hin
weis auf psychische Beschwerden bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an (Urk. 7/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihm nach medizinischen und erwerblichen Abklärungen mit Verfügung vom 9. Oktober 2012 bei einem Invaliditätsgrad von 100 % mit Wirkung ab 1. Februar 2012 eine ganze Rente zu (Urk. 7/33, Urk. 7/40).
Am
3. Oktober 2013 t
eilte die IV-Stelle
dem Ver
sicherten mit, der Rentenanspruch sei unverändert (Urk.
7/48)
.
1.2
Am 20. Februar 2015 leitete die IV-Stelle erneut ein Revisionsverfahren ein (Urk. 7/49) und holte un
ter anderem bei Dr. med. Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
sowie für Neurologie
, ein psychiatrisches Gut
achten ein, das am 28. Januar 2017 erstattet wurde (Urk. 7/59). Nach
Auferlegung einer Schadenminderungspflicht im Sinne einer leitliniengerechten
psychiatri
schen Behandlung (Urk. 7/60) und
durchgeführtem
Vorbescheid
ver
fahren
(Urk. 7/63; Urk. 7/65; Urk. 7/68; Urk. 7/72 f.) setzte die IV
Stelle mit Verfügung vom 18. Januar 2018 die bisher ausgerichtete ganze Rente auf eine
Drei
vierte
l
s
rente
herab (Urk. 7/80 und
Urk. 7/82
= Urk. 2
).
2.
Der Versicherte
erhob am
7. Februar 2018
Beschwerde gegen die Verfügung vom
18. Januar 2018 (Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
ihm eine ganze Rente zuzusprechen (Urk. 1 S. 2
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
13. März 2018 (Urk. 6)
die Abweisung der Beschwerde.
Mit Replik vom 17. April 2018 (Urk. 9) hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest. Die Beschwerdegegnerin
verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (Urk. 12), was dem Beschwerdeführer am 14. Mai 2018 (Urk. 13) zur Kenntnis gebracht wurde
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrech
ts,
ATSG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131
V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.6
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK
1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gut
achtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestell
ten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Unter
suchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychi
schen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenen
falls in Aus
einandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfol
gerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebe
nen
falls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren Entscheid (Urk. 2) damit, ihre Abklä
rungen hätten ergeben, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerde
führers
seit
spätestens ab dem Zeitpunkt der Begutachtung verbessert habe und
diesem
seither leichte
körperliche Tätigkeiten oder leichte Bürotätigkeiten zu 50 % zumut
bar seien. Nach durchgeführtem Einkommensvergleich, bei welchem
kein leidensbedingter Abzug zu g
ewähren sei, resultiere ein Invaliditätsgrad von 60 % und somit
ein
Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
(S. 2 f.).
2.2
Demgegenüber brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor (Urk. 1)
, es sei ihm ein leidensbedingter Abzug von mindestens 10 % zu gewähren, wenn nicht sogar ein solcher von 15 %, was zu einem Invaliditätsgrad von 71.57 % und dem
zufolge zu einer ganzen Rente führe (S 7). Bei verbleibender Resterwerbs
fähigkeit von gerundet 30 % sei es auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zudem nicht mehr realistisch, eine Anstellung zu finden (S. 8).
In der Replik (Urk. 9
) präzisierte der Beschwerdeführer
, es sei keine gesund
heitli
che Verbesserung eingetreten, namentlich bestehe ein stationärer Zustand, wes
halb kein Revisionsgrund vorliege (S. 2).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
verbessert hat, mithin ob ein Revisionsgrund vorliegt und falls
dies zu
bejahen
wäre
, der leidensbedingte Abzug und die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit.
Nachdem di
e Beschwerdegegnerin im Zuge des
amtlichen Revisionsverfahren
s
i
m
Jahre 2013
nur eine rudimentäre Überprüfung des Rentenanspruchs vorge
nomme
n hat
te
(vgl. Feststellungsblatt
vom
3. Oktober 2013, Urk. 7/47),
ist als Ver
gleichsbasis, ob sich der Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers
verändert hat, der Gesundheitszustand, wie er sich im Zeitpunkt
der rentenzusprechenden Verfügung vom 9. Oktober 2012
(Urk. 7/3
3; Urk. 7/40
) präsentiert hat, heran
zu
ziehen.
3.
3.1
Der erstmaligen
Rentenzusprache
lagen die folgenden Arztberichte zugrunde:
3.1.1
Am 18. Mai
2011 berichtete Dr. med. Z._
, Fachärztin für Psychia
trie und Psychotherapie, der
Taggeldversicherung
des Beschwerdeführers (Urk. 7/11/5-6). Sie
nannte
als Diagnosen eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischen Symptomen sowie ein Abhängigkeitssyndrom von Hypnotika (B
e
nzodiazepine), gegenwärtig abstinent
(Ziff. 1a). Dem Beschwerdeführer fehle
es
derzeit an Motivation und Antrieb, einer Arbeit nachzugehen. Jegliche Anforderung würde in eine Überforderung münden. Die
Anforderungen eines beruflichen Alltags würden derzeit die Belast
barkeit übersteigen, Kommunikation und Kooperation wären reduziert, die Fehlerquote bei Tätigkeiten
jedwelcher
Art wäre unverantwortlich hoch (Ziff. 1c). Bei Fortsetzung der bisherigen Behandlung (psychotherapeutische Behandlung im Einzelsetting, Kriseninterventionen) werde die Episode remittieren, dann werde die Arbeitsfähigkeit
wiederhergestellt sein (Ziff. 3
a-c).
3.1.2
Dr.
Z._
nannte in ihrem Bericht vom 25. Januar 2012 zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk. 7/21) die folgenden Diagnosen (Ziff. 1.1):
-
r
ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10 F32.11) seit Herbst 2010
-
a
nankastische
(zwanghafte) Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.5)
-
Abhängigkeitssyndrom Sedativa/Hypnotika (Benzodiazepine), gegen
wär
tig abstinent (ICD-10 F13.20), anamnestisch mehrere Jahre, abstinent seit Januar 2011
Die
berufliche
,
zeitintensive Tätigkeit als Produktmanager habe der Beschwerde
führer zuletzt mit Hilfe fester Rituale und
Benzodiazepinmissbrauch
aufrechter
halten
. Per 31. Oktober
2011
sei ihm gekündigt worden, was ihn wie ein Schock getroffen habe. Im Frühsommer 2011 habe eine suizidale Krise bestanden, nach
dem sich zusätzlich seine Partnerin von ihm getrennt ha
be
. Ein erneuter Partner
schaftsversuch habe seine suizidale Krise vorläufig beendet. Seither sei eine Stabilisierung auf prekärem Niveau mit depressiver Stimmung, anhaltenden Schlafstörungen und perfektionistisch-rigiden Verhaltensmustern eingetreten (Ziff. 1.4). Aktuell besehe seit
dem
25. Januar 2011 sowohl in der angestammten als auch in einer angepassten Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit (vgl. Ergänzende Fragen, Urk. 7/21/5).
3.1.3
Am 19. Ap
ril 2012 erstattete Dr. med. A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, ein von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebenes
psy
chiatrisches
Gutachten (Urk. 7/25).
Gestützt auf die ihr zur Verfügung gestellten Akten und ihre eigenen Untersuchungen und Beobachtungen im Rahmen der Begutachtung vom 19. April 2012 nannte sie die folgenden Diagnosen (S. 23):
-
mittelschwere bis knapp schwere depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11) bei
-
Burn-out durch jahrelange Ausschöpfung der Ressourcen im Rahmen einer schweren Belastungssituation im Arbeitsbereich (ICD-10 Z73.0)
-
Zwangsstörung, Zwangsgedanken und Zwangshandlungen (Zwangs
ritu
ale) gemischt (ICD-10 F42.2)
-
Störung durch Be
n
zodiazepine, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F13.20) bei
nichtorganischer Insomnie (ICD-10 F51.0)
Die
Gutachterin führte aus,
die Entwicklungs-, Sozial- und Berufsbiographie liessen keine Hinweise auf eine etwaige strukturelle Entwicklungs-/Per
sönlich
keitsstörung, tiefgreifende Verhaltens- oder Beziehungsstörungen eruieren (S. 20 Mitte).
Die
Mitteilung der
Entlassung aus dem Arbeitsbetrieb am 13. Januar 2011 und damit der Verlust des einzigen Lebensinhaltes der vergangenen sieben Jahre habe den Beschwerdeführer in eine schwere depressive Phase zurückgeworfen. Auch die Zwangssymptomatik habe sich im Verarbeitungsprozess des ersten Jahres nach der Entlassung zugespitzt (S. 21 unten).
Der Beschwerdeführer sei in seinem bisherigen Aufgabenbereich als Produktma
nager eines Elektronikgrosskonzerns aufgrund der gegenwärtig anhaltenden mit
telgradigen bis knapp schweren depressiven Episode (einer rezidivierenden depressiven Störung) und der ebenso ins Gewicht fallenden Zwangsstörung seit 25. Januar 2011 vollständig und durchgehend arbeitsunfähig. Die Arbeitsunfä
higkeit gelte generell für eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft. Sowohl die Zwangsstörung als auch die depressive Störung beeinträchtigten Kognition, Belastbarkeit, Ausdauer, Anpassungsfähigkeit, Antrieb und soziale Kompetenzen in derart hohem Masse, dass für Tätigkeiten in der freien Wirtschaft von einer aktuell 100%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden müsse. Es könne keine Tätigkeit
,
in der eine Restarbeitsfähigkeit gegeben wäre
,
beziehungsweise keine angepasste Tätigkeit in der freien Wirtschaft genannt werden (S. 24 unten).
Berufliche Massnahme
n
würden zum jetzigen Zeitpunkt nicht aussichtsreich erscheinen, da die depressive Episode und die Zwangsstörung noch zu ausgeprägt seien. Eine berufliche Reintegration werde erst nach einer weiteren intensiven Therapiephase ab Ende 2013 sinnvoll anzustreben sein. Es sei auf die aus arbeits
medizinischer Sicht positive Prognose hinzuweisen, dies aufgrund der differen
zierten Persönlichkeitsstruktur des Beschwerdeführers mit guter
Reflektions
- und Introspektionsfähigkeit sowie einer glaubwürdigen Motivation, sich beruflich wieder zu integrieren. Voraussichtlich werde langfristig eine Tätigkeit in einem weniger exponierten Bereich (
Backoffice
) in Verkauf oder Technik sinnvoll anzu
streben sein. Aus heutiger Sicht erscheine nach weiterer Therapie und beruflicher Integration das Erreichen einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer solchen Tätigkeit innerhalb von zwei Jahren (per Ende 2013) realistisch (S. 26).
3.2
Den Verlauf nach der
Rentenzusprache
betreffend liegen die folgenden medizini
schen Berichte vor:
3.2.1
Am 23. September 2013 berichtete Dr.
Z._
(Urk. 7/46), der Beschwerde
führer leide weiterhin an einer mittelgradigen rezidivierenden depressiven Störung mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11), an einer
anankastischen
(zwanghaften)
Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.5) sowie an einem Abhängig
keitssyndrom (Benzodiazepine, ICD-10 F13.20), gegenwärtig abstinent (Ziff. 1.1).
Gegenüber ihrem Bericht vom 25. Januar 2012 (vgl.
vorstehend E. 3.1.2) bestün
den kaum Veränderungen. Es sei eine Stabilisierung auf prekärem Niveau mit depressiver Stimmung, anhaltenden Schlaf
störungen und perfektionistisch-rigiden Verhaltensmustern, welche sich aus
weite
te
n, eingetreten (Ziff. 1.4).
Es bestehe weiterhin eine vollständige Arbeits
unfähigkeit sowohl in angestammter als auch in einer angepassten Tätigkeit (Ziff. 1.6 f.).
3.2.2
Med.
pract
. B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regiona
ler Ärztlicher Dienst (RAD), nahm am 26. September 2013 zur medizinischen Situation Stellung (Urk. 7/47/3) und gelangte zum Schluss, dass der Beschwerde
führer bei bekannten Diagnosen und unveränderten Funktions
einschränkungen weiterhin vollständig arbeitsunfähig sei.
3.2.3
Dr.
Z._
berichtete am 14. Juni 2015 (Urk. 7/52) bei gleichbleibender Diag
nose (vgl. vorstehend E. 3.2.1) von einem stationären Gesundheitszustand bei vollständiger Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 2.1).
Am 26. September 2015 (Urk. 7/55) präzisierte Dr.
Z._
, gegenüber den Vorberichten gebe es kaum Veränderungen. Es bestehe eine Stabilisierung auf prekärem Niveau mit depressiver Stimmung, anhaltenden Schlafstörungen und perfektionistisch-rigiden Verhaltensmustern, die sich ausweiteten (Ziff. 1.3). Aktuell finde eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung mit regel
mässigen, durchschni
t
tlich zwei wöchentlichen Konsultationen im Einzelsetting in delegierter Psychotherapie statt (Ziff. 3.1).
Die Diagnosen seien keine von
einander gelösten Entitäten, sondern in der Person des Beschwerdeführers komplex verflochten. Ein stationärer Aufenthalt wäre zwar naheliegend, wenn die Diagnose der Depression losgelöst betrachtet werden könnte, doch stehe dem die zwanghafte Persönlichkeitsstörung entgegen, die
durch einen
regulierten Klinikbetrieb äusserst negativ aktiviert
werden
würde. Nach der Entlassung habe der Beschwerdeführer ein stark strukturiertes Leben aufgebaut, das sich vor
wiegend in seiner Wohnung abspiel
e
und zwanghaft ritualisiert verlaufe.
Täglich verlasse er sein Zuhause wenigstens einmal, um Essen zu gehen, gelegentlich auch um einen Kollegen zu treffen oder um mit seinem Auto eine kleine Ausfahrt zu machen. Jährlich unternehme er auch mindestens eine Reise an einen Ort, den er noch von seiner Berufstätigkeit her genau kenne, weswegen er sich gut darauf vorbereiten könne (Ziff. 7).
3.2.4
Dr.
Y._
erstattete am 28. Januar 2017 ein von der Beschwerdegegnerin ver
anlasstes psychiatrisches Gutachten
(Urk. 7/59). Er nannte gestützt auf die ihm überlassenen Akten und seine eigene gutachterliche Untersuchung
vom
14. Dezember 2016 (vgl. S. 2) die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 31):
-
rezidivierende depressive Störung, aktuell leichtgradige Episode (ICD-10 F33.0)
-
gemischte Zwangsstörung mit vorwiegend Zwangshandlungen (ICD-10 F43.2)
-
Substanzabhängigkeit (
Chloraldurat
), gegenwärtig Gebrauch (ICD-10 F13.22)
-
Benzodiazepinabhängigkeit
, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F13.20)
Der Gutachter führte aus,
im psychiatrischen Querschnitt zeige sich beim Beschwerdeführer eine leicht gedrückte bis
euthyme
Stimmung ohne Schwingungs
fähigkeit zum positiven Pol. Antrieb, Gestik und Psychomotorik seien unauffällig. Eigenanamnestisch beschreibe der Beschwerdeführer elabo
rierte Zwangsrituale, vor allem Dinge in den Bereichen Schlafen und Essen. Des Weiteren bestünden zahlreiche Ängste, zum Teil diffuser, zum Teil situationsbe
zogener Natur (S. 23 f.). Eine Persönlichkeitsstörung habe nicht eruiert werden können, da es keine klaren Belege dafür gebe, dass beim Beschwerdeführer seit der Kindheit oder spätestens Jugend
eine
ausgeprägte invalidis
ierende zwang
hafte Symptomatik
vorläge (S. 24 unten).
Hinsichtlich der Standardindikatoren (vgl. S. 33 ff.) hielt der Gutachter fest, es bestehe als invaliditätsfremde Faktoren eine lange Abwesenheit vom Arbeits
markt (S. 33). Die Zwangsstörung und die depressive Störung verstärkten sich gegenseitig negativ. Die depressionsbedingten
negativistischen
und dys
funktio
nalen Kognitionen führten zur Aufrechterhaltung der Zwangsrituale. Die zeitfres
sende Ausführung der Zwangsrituale verursache beim Beschwerde
führer Enttäu
schung darüber, dass er diese nicht abstellen könne und sie einen erheblichen Teil seines Alltags bänden, was wiederum die depressiven Kognitionen und die damit verbundene geringe Einschätzung des eigenen Rest
leistungsvermögens und der Selbstwirksamkeitserwartung verstärke (S. 34 f.). Hinsichtlich der Konsistenz gebe es keine Diskrepanzen (S. 36). In seiner früher ausgeübten Tätigkeit als Pro
duktmanager
bestehe eine vollständige Arbeitsun
fähigkeit, welche mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit seit Anerkennung der Rente bestehe. Es gebe keine Hinweise darauf, dass die Arbeitsunfähigkeit in der Zwischenzeit niedriger gewe
sen sei (S. 37 f.). Rein medizintheoretisch bestehe in einer angepassten Tätigkeit ein Restleistungsvermögen von einigen Stunden pro Tag, maximal vier Stunden mit Pausen. Die von der behandelnden Psychiaterin Dr.
Z._
pauschal gemachte Angabe des fehlenden Restleistungsvermögens sei nicht plausibel. Der Beschwerdeführer habe eine Wegefähigkeit, mache Ausflüge mit dem Auto und auch Urlaubsreisen nach Thailand. Er komme dort auch nach Eigenangaben gut zurecht. Er könne seinen Haushalt erledigen und die Angelegenheiten des tägli
chen Lebens regeln, einschliesslich seiner Finanzen. Somit gebe es ein gewisses Restleistungsvermögen für eine angepasste Tätigkeit.
Aufgrund seiner zahlrei
chen Zwangsrituale, seiner konstanten Ambivalenz und
Ambitendenz
, könne der Beschwerdeführer zumindest zu
m jetzigen Zeitpunkt einen 8-stü
ndigen Arbeits
tag keinesfalls ableisten. Infrage kämen leichte körperliche Tätigkeiten oder leichte Büroarbeiten. Es bestehe bei ihm ein ausgeprägter Widerstand gegen jeg
liche Veränderung. Es sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer, wenn er mit einem solchen Ansinnen konfrontiert wäre, rasch
dekompensieren
würde. Eine solche angepasste Tätigkeit wäre überhaupt nur möglich, wenn der Beschwerdeführer langsam an ein solches Konzept herangeführt werden würde. Dies sei nur realistisch, wenn vorher eine entsprechend begleitende Potenzialab
klärung stattfinde mit anschliessendem Übergang in einen geschützten Arbeits
platz (S. 39).
Dies wiederum würde jedoch voraussetzen, dass eine leitlinienge
rechte psychiatrische Behandlung mit Psychopharmakotherapie sowie einer störungsspezifischen Psychotherapie begonnen werden würde (S. 40).
3.2.
5
RAD-Arzt
med.
pract
.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
the
rapie, erachtete in seiner Stellungnahme vom 9. März 2017 (Urk. 7/62 S. 5 f.) das Gutachten von Dr.
Y._
(vgl. vorstehend E. 3.2.4)
als
schlüssig und nachvoll
ziehbar und legte gestützt darauf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers wie folgt fest: Keine Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit. In einer ange
passten Tätigkeit (leichte körperliche Tätigkeiten oder leichte Büro
arbeiten) bestehe seit
dem
Zeitpunkt der Begutachtung
(Dezember 2016)
eine Arbeitsfähig
keit von vier Stunden täglich. Als medizinische Massnahme sei die Therapie leit
liniengerecht zu optimieren sowie zu versuchen, das Medikament
Chloraldurat
zu entziehen (S. 5).
Hinsichtlich beruflicher Massnahmen sei gemäss Gutachter eine Potenzialabklärung mit anschliessendem Übergang in einen geschützten Arbeits
platz angezeigt (S. 6).
3.2.6
Dr.
Z._
nahm zuhanden des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers am 20. Juli 2017 Stellung zum Gutachten von Dr.
Y._
(Urk. 7/73).
Sie sei entge
gen der Ansicht des Gutachters der Auffassung, beim Beschwerdeführer bestehe nicht eine gemischte
Zwangsstörung
sondern eine
anankastische
(zwanghafte) Persönlichkeitsstörung (Ziff. 1) und begründete
dies
näher
(Ziff. 1.1
1.5).
Ferner kritisierte sie die Aussage des Gutachters über die ausgeprägte Veränderungsre
sistenz und die Andeutung, wonach der hohe sekundäre Krankheitsgewinn zusätzlich veränderungshemmend
wirke
. Die Hal
tung des Beschwerdeführers zu Veränderungen, zu medikamentösen oder stationä
ren Behandlungen sowie zu Arbeitsversuchen und Potenzialabklärungen sei vor dem Hintergrund der Persön
lichkeitsstörung verständlich (Ziff. 1.6).
Die
u
nterschiedlichen Diagnosen erk
l
är
ten die unterschiedliche Bewertung der bis
herigen Behandlung und die un
t
er
schiedliche Einschätzung zu den Chancen zukünftiger Behandlungen. Eine leitliniengerechte Behandlung einer Zwangs
störung sei bei tatsächlichem Vor
liegen einer
anankastischen
(zwanghaften) Per
sönlichkeitsstörung selbstredend nicht angebracht (Ziff. 2).
3.2.7
RAD-Arzt med.
pract
.
C._
nahm zur Frage der Diagnose einer
anan
kasti
schen
Persönlichkeitsstörung beziehungsweise gemischten Zwangs
störung am
8. Januar
201
8
Stellung (Urk. 7/83 S. 4). Er führte aus, im aktuellen wie auch im Vorgutachten werde eine
anankastische
Persönlichkeit
sstörung ausge
schlossen. Im Gutachten lasse sich durch die Angaben des Beschwerdeführers die gestellte Diagnose einer Zwangsstörung auch nach ICD-10-Kriterien nachvoll
ziehen. Ferner könne an der auferlegten medizinischen Massnahme vom 23. März 2017 festgehalten werden. Die Art und Weise der Durchführung der Behandlung wie auch die Behandlungsplanung obliege dem therapeutischen Ermessen der
Behandlerin
. An seiner Stellungnahme vom 9. März 2017 (vgl. vorstehend E. 3.2.5) könne festgehalten werden.
4
.
4
.1
Die Beschwerdegegnerin ging gestützt auf das psychiatrische Gutachten von Dr.
Y._
(vgl. vorstehend E. 3.2.4) von einem seit der letztmaligen Prüfung des Rentenanspruches
verbesserten Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers und von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit von 50 % aus (vgl. vorstehend E. 2.1).
4
.2
Neben den durch die Rechtsanwendung zu prüfenden allgemeinen beweis
rechtli
chen Vorgaben an ein Gutachten (vgl. vorstehend E. 1.6) ergibt sich aus BGE 141 V 281,
dass die medizinische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage ist, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann. Hin
sicht
lich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit haben sich sowohl die medizi
nischen Sachverständigen als auch die Organe der Rechtsanwendung bei ihrer Ein
schätzung des Leistungsvermögens an den normativen Vorgaben zu orientieren; die Gutachter im Idealfall gemäss der entsprechend formulierten Fragestellung. Die Rechtsanwendung prüft die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbe
dingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen. Im Rahmen der Beweiswürdigung obliegt es der Rechtsan
wendung, zu überprüfen, ob ausschliesslich funktionelle Ausfälle bei der medizi
nischen Ein
schätzung berücksichtigt wurden und ob die Zumutbarkeits
beur
teilung auf einer objektivierten Grundlage erfolgte. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüber
prüfung nach Massgabe des strukturierten Beweisver
fahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswürdigung überprüft werden, ob die funktionellen Aus
wirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Ent
scheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsun
fähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der mass
geblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmi
ges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenan
sprechenden Person auswirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3).
4
.
3
Der psychiatrische Gutachter Dr.
Y._
ist Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie sowie für Neurologie, so dass er zur Beurteilung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers grundsätzlich befähigt ist. Das psychiatrische
Gutachten
erscheint denn auch für die streitigen Belange umfassend und berücksichtigt die geklagten Beschwerden des Beschwerdeführers. Zudem wurde es in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) erstellt und leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge
und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und die Schlussfolgerungen wurden nachvollziehbar begründet. Damit erfüllt das psychi
atri
sche
Gutachten
die
praxisgemässen
Kriterien an ein beweiskräftiges G
utach
ten (vgl. vorstehend E.
1.6
), weshalb zur Beurteilung des Gesundheits
zustands des Beschwerdeführers grundsätzlich darauf abzustellen ist.
4
.4
Dr.
Y._
diagnostizierte eine rezidivierende depressive Störung, aktuell leicht
gradige Episode (ICD-10 F33.0), eine gemischte Zwangsstörung mit vor
wiegend Zwangshandlungen (ICD-10 F42.2), eine Substanzabhängigkeit (
Chloraldurat
; ICD-10 F13.22) sowie eine gegenwärtig abstinente
Benzodiazepin
ab
hängigkeit
. Er verneinte eine Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in der angestammten Tätigkeit
und attestierte
-
nach durchgeführter Potenzialab
klärung und Übergang in einen geschützten Arbeitsplatz - für eine angepasste Tätigkeit rein quantitativ eine Restarbeitsfähigkeit von vier Stunden (vgl. vor
stehend E. 3.2.4).
Im Gut
a
chten setzte sich der psychiatrische Gutachter eingehend mit den Standard
indikatoren (
vgl.
vorstehend E.
1.4
) auseinander
.
Die von der Rechts
an
wendung zu prüfende Frage, ob sich die Gutachter an die massgebenden norma
tiven Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksich
tigung der einschlägigen Indikatoren eingeschätzt haben (BGE 141 V 281 E.
5.2.2), ist demnach klar zu bejahen. Die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage lassen sich anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit über
wiegender Wahr
scheinlichkeit nachweisen.
4
.5
Aus psychiatrischer Sicht ist
– neben der attestierten Arbeitsfähigkeit
–
haupt
sächlich strittig, ob der Beschwerdeführer an einer Persönlichkeitsstörung leidet, wie dies von der behandelnden Ärztin
Dr.
Z._
festgestellt wurde
(vgl.
vor
stehend E. 3.1.2, E. 3.2.1, E.
3.2.3, E. 3.2.6)
. Auf deren Beurteilung kann indessen nicht abgestellt werden,
zumal schon Dr.
A._
in ihrem Gutachten
vom April 2012
eine Persönlichkeitsstörung
nachvollziehbar mit dem Hinweis auf die
Ent
wicklungs
-, Sozial- und Berufsbiographie
beziehungsweise aufgrund fehlender Eingangskriterien für eine Persönlichkeitsstörung
au
sschloss (vgl.
vor
stehend E. 3.1.3
)
.
Ebenso erachtete auch RAD-Arzt med.
pract
.
C._
die Diagnose einer Zwangsstörung und nicht diejenige einer Persönlichkeits
störung
als
mass
gebend
(vgl. vorstehend E. 3.2.7).
Namentlich
fehlen
bei den Angaben von Dr.
Z._
(vgl. vorstehend E. 3.2.6)
jegliche
ausführlichen
Angaben zur Kindheit oder Adole
szenz des Beschwerdeführers
(vgl. hierzu die klinisch-diagnostischen Leitlinien der Internationalen Klassifikation psychischer Stö
rungen, ICD-10 Kapitel V (F),
Dilling
/
Mombour
/Schmid, Hrsg.,
10. Auflage, Bern 2015,
S. 274 ff. und insbesondere S.
28
1
). Das Vorliegen einer Persönlich
keits
störung kann deshalb nicht nachvollzogen werden.
Demgegen
über legte Dr.
Y._
in seinem Gutachten in schlüssiger und nachvollziehbarer Weise dar, weshalb keine Persönlichkeitsstörung vorliegt. Darauf ist abzu
stellen.
4
.6
Hinsichtlich der Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers
kann auf die Ausführungen
von Dr.
Z._
(vgl. vorstehend E. 3.21, E. 3.2.3 und E. 3.2.6)
ebenfalls
nicht abgestellt werden.
Ihre Erklärung, wonach gar keine Arbeits
fähigkeit
in jeglicher Hinsicht
beim Beschwerdeführer vorliegen soll
und wonach die Problematik prognostisch persistieren werde (vgl.
Urk.
7/55/4 Ziff. 3.3)
, erscheint im Hinblick auf die erhobenen Befunde einer nunmehr leicht
gradigen depressiven Episode sowie der gemischten Zwangsstörung als
nicht ohne weiteres
überzeugend
,
v
or allem unter Berücksichtigung der
teilweise
erhal
tene
n
Alltagsfunktionalität (selbständige Haushaltsführung)
und des gewissen
Aktivitäts
niveau
s
des Beschwerdeführers (Kollegen treffen, Reisen, etc.
bei insge
samt in sehr
grossem
Ausmass
reduzierten Sozialaktivitäten
; vgl.
vorstehend E. 3.2
.
3 und E. 3.2.4
,
Urk.
7/59 S. 37 oben
).
Dabei ist e
ine medizinische Administrativ- oder Gerichtsexpertise
nicht
stets dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an vorgängig
geäusserten
abweichenden Auffassungen festhalten (BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des Bundes
gerichts 9C_794/2012 vom
4.
März 2013 E. 4.2 mit Hinweisen).
Ohnehin sind Berichte behandelnder haus- und Spezialärzte aufgrund deren auftragsrechtli
chen Vertrauensstellung zu Patientin und Patient zurückhaltend zu gewichten (BGE 125 V 351 E. 3b/cc; Urteil des Bundesgerichts 8C_787/2013 vom 14. Februar 2014 E. 3.3.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch BGE 135 V 465 E. 4.5).
4.7
Zwar attestierte
Dr.
Y._
bei den Befunden eine gesundheitliche Verbesserung
,
indem der Beschwerdeführer nicht mehr gehetzt, getrieben, ungeduldig, überrum
pelnd und gehastet, das formale Denken nicht mehr so stark eingeengt auf die körperliche Befindlichkeit und er insgesamt weniger
negativistisch
gewesen sei. Auch sei er nicht mehr deprimiert, niedergeschlagen und affektstarr gewesen (
Urk.
7/59 S.
26 f., S. 30).
Dennoch bezeichnete
Dr.
Y._
das Restleistungsvermögen weiterhin als sehr stark eingeschränkt und hielt fest, es sei sicherlich eine gewisse
Chronifizierung
eingetreten, von der unklar sei, ob sie noch umkehrbar sei (
Urk.
7/59 S. 30 unten). Im Zusammenhang mit der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit führte
Dr.
Y._
aus, rein medizinisch-theoretisch bestehe ein Rest
leistungsvermögen
von einigen Stunden pro Tag, maximal 4 Stunden mit Pausen (
Urk.
7/59 S. 38 Mitte) beziehungsweise von 4 Stunden (
Urk.
7/59 S. 39 oben).
Dr.
Y._
relativierte diese Einschätzung jedoch zugleich, indem er festhielt, beim Beschwerdeführer bestehe ein ausgeprägter Widerstand gegen jegliche Ver
änderung und es sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer, wenn er mit einem solchen Ansinnen konfrontiert würde, rasch
dekompensieren
würde. Eine solche angepasste Tätigkeit würde überhaupt nur möglich sein, wenn der Beschwerdeführer langsam an ein solches Konzept herangeführt werden würde. Dies sei nur realistisch, wenn vorher eine entsprechend begleitende Potenzialab
klärung stattfinde mit anschliessendem Übergang in einen geschützten Arbeits
platz. Dies wiederum würde voraussetzen, dass die Therapie optimiert beziehungs
weise überhaupt erst einmal begonnen würde. Hierzu würde unter anderem auch der Versuch eines
Chloralduratentzuges
gehören (
Urk.
7/59 S. 39 Mitte).
Die Beschwerdegegnerin kam gestützt auf die genannten Ausführungen von Dr.
Y._
beziehungsweise die Einschätzung des RAD, wonach einerseits eine Arbeitsfähigkeit von 4 Stunden in angepasster Tätigkeit bestehe, in beruflicher Hinsicht andererseits eine Potenzialabklärung mit anschliessendem Übergang in einen geschützten Arbeitsplatz nötig seien (
Urk.
7/62/5-6), zum Schluss, es bestehe spätestens seit der Begutachtung eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in leidens
angepasster Tätigkeit, weshalb die Rente herabzusetzen sei. Falls der Beschwer
deführer Unterstützung bei der Stellensuche wünsche, könne er diese mit separa
tem Gesuch beantragen (
Urk.
2 S.
2
f.).
Diese Schlussfolgerung der Beschwerdegegnerin greift zu kurz, denn aus dem Gutachten ergibt sich keine ohne Weiteres umsetz- und verwertbare 50%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit. Vielmehr machte der Gutachter Dr.
Y._
die von ihm als zumutbar erachteten rund 4 Stunden (allenfalls mit zusätzlichen Pausen) Arbeit pro Tag nicht nur abhängig von einer Intensivierung der Therapien, sondern vor allem von namhafter Begleitung und Unterstützung durch berufliche Massnahmen mit anschliessendem Übergang in einen geschütz
ten Arbeitsplatz von unbestimmter Dauer, um der Gefahr des
Dekompensierens
zu begegnen. Dabei setzte sich die IV-Stelle mit der widersprüchlichen Ein
schätzung des RAD, wonach gleichzeitig eine 50%ige Arbeitsfähigkeit angepasst vorliegen soll, in beruflicher Hinsicht jedoch eine geschützte Tätigkeit nötig sei, nicht näher auseinander. Zudem liegt die
gutachterlicherseits
empfohlene lang
same und schrittweise Heranführung an eine berufliche Tätigkeit schlussendlich auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht an einer
invalidenversicherungsrechtlich nicht zu berücksichtigenden
Dekonditionierung
zufolge einer nicht krankheitsbeding
ten Untätigkeit oder nicht primär an der Behandlung des Leidens an sich (
vgl.
Urteile des
Bundesgerichts
I 601/05 vom 1
1.
August 2006 E. 2.3.2 und I 2/06 vom 2
3.
Mai 2006 E. 2.2
). Vielmehr ist gestützt auf die medizinische Aktenlage davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer das
prinzipiell vorhandene erwerbliche Potential aus Gründen, die mit dem Gesundheitsschaden zusammenhängen, auch bei zumutbarer Willensanstrengung nicht in eigener Ver
antwor
tung realisieren kann. Dabei sollen
im Rahmen von
Eingliederungs
massnahmen
den Folgen des Gesund
heitsschadens zugehörige, nicht aus eigenem Antrieb überwindbare Defi
zite in erwerbsrelevanten Fertigkeiten ausgeglichen oder etwa das krankheitsbe
dingt verlorene Vertrauen in die Belastbarkeit (im Umfang der objektiven Leistungs
fähigkeit)
wieder aufgebaut
werden (vgl. Urteile des
Bundesgerichts
I 601/05 vom 1
1.
August 2006 E. 2.3.2 und I 2/06 vom 2
3.
Mai 2006 E. 2.2).
In diesem Zusammenhang ist auch zu erwähnen, dass
Dr.
A._
in ihrem Gut
achten vom 1
9.
April 2012 explizit festgehalten hatte, dass zum damaligen Zeit
punkt berufliche Massnahmen nicht aussichtsreich gewesen seien, da die depressive Episode und die Zwangsstörung noch zu ausgeprägt seien (
Urk.
7/25 S. 26). Die von
Dr.
Y._
nunmehr in den Befunden beschriebene Verbesserung der depressiven Symptomatik ist denn auch – aufgrund seiner Ausführungen zu den benötigten beruflichen Eingliederungsmassnahmen und dem Einsatz im geschützten Rahmen - dahingehend zu verstehen, dass zum Verfügungszeitpunkt vom 1
8.
Januar 2018 noch keine auf dem ersten Arbeitsmarkt verwertbare 50%ige Arbeitsfähigkeit bestand, jedoch berufliche Eingliederungsmassnahmen wie von ihm beschrieben zumutbar sind.
4.8
Insgesamt ist damit festzuhalten, dass zwar eine gewisse Verbesserung in den Befunden eingetreten ist. Diese ist jedoch (noch) nicht geeignet, den Invaliditäts
grad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen, da (noch) keine auf dem ersten Arbeitsmarkt verwertbare 50%ige Arbeitsfähigkeit vorliegt (vgl. vorste
hend E. 1.2). Es ist demnach (noch) keine Rentenrevision gemäss
Art.
17 ATSG möglich; die von der IV-Stelle vorgenommene Rentenreduktion erfolgte somit zu früh.
Es ist jedoch gestützt auf das Gutachten von
Dr.
Y._
davon auszugehen, dass berufliche Massnahmen (Potenzialabklärung mit anschliessendem Übergang in eine Tätigkeit im geschützten Bereich mit Verstärkung der therapeutischen Massnahmen) zumutbar sind. Dabei besteht gemäss
Art.
7b
Abs.
1 IVG die Mög
lichkeit, Leistungen nach
Art.
21
Abs.
4 ATSG zu kürzen oder zu verweigern, wenn die versicherte Person
den Pflichten unter anderem nach
Art.
7 IVG nicht nachkommt. Erst nach Durchführung der vom Gutachter vorgeschlagenen Mass
nahmen kann geprüft werden, ob tatsächlich eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit vorliegt, welche als Grundlage für die weitere Invali
ditätsbemessung genommen werden kann.
Die Beschwerde ist daher gutzuheissen und die Sache – nach Eintritt der Rechts
kraft dieses Urteils - an die Beschwerdegegnerin zu überweisen, damit diese einerseits die angeordneten therapeutischen Massnahmen (vgl.
Urk.
7/60) begleite und andererseits die im Gutachten empfohlenen beruflichen Massnahmen veran
lasse. Je nach weiterem Verlauf wird die Beschwerdegegnerin nach
Art.
21
Abs.
4 ATSG verfahren oder erneut die Revisionsvoraussetzungen nach
Art.
17 ATSG prüfen können. In dem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
Damit erübrigt sich auch die Auseinandersetzung über den Leidensabzug und
die Frage nach der
Verwertung der Restarbeitsfähigkeit.
5
.
5
.1
Die Gerichtskosten nach Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr.
8
00.-- anzusetzen und
ausgangsgemäss
der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5
.2
Nach § 34 Abs.
1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs.
3
GSVGer
)
und
sind
beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr.
220.-- (exkl.
MWSt
) auf Fr. 2'600.-- (inkl.
MWSt
und Auslagenersatz) festzusetzen.