Decision ID: 1e91007b-19ca-56a8-9740-fa62eaf4202b
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
De
r 1977 geborene
X._
arbeitete
ohne abgeschlossene Berufsausbil
dung (Urk. 10/2/5)
seit dem 1. Dezember 20
0
3
im Pflege
zentrum
Y._
als Hilfskoch (
Urk.
10/2/6, 10/
12
/1).
Am 12. Dezember 2016 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte
unter Hinweis auf psychische Beschwerden bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 10/2).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog den Bericht des Vertrauensarztes der Pensionskasse
Z._
bei (Urk. 10/9)
und
tätigte medizinische (Urk. 10/11, 10/15
, 10/19)
so
wie
erwerbliche (Urk. 10/12) Abklärungen
. Mit Mitteilung vom 3. April 2017 gewährte die
IV-Stelle dem Versicherten Beratung und Unterstützung bei
m Erhalt seines Arbeits
platzes
durch die Eingliederungsberatung
(Urk. 10/17) und erteilte Kostengut
sprache für ein Belastbarkeitstraining vom 3. Juli bis 3. Oktober 2017 (Urk. 10/23)
.
Am
3.
Oktober 2017 wurde
Kostengutsprache für ein Aufbautrai
ning vom 4. Oktober 2017 bis 4. April 2018
erteilt
(Urk. 19/36).
Mit Mitteilung vom 16. Januar 2018 wurde der Versicherte darüber in Kenntnis gesetzt, dass das Aufbautraining per 11. Januar 2018 abgebrochen und der Arbeitsplatzerhalt abgeschlossen werde (Urk. 10/59).
Die IV-Stelle
tätigte
in der Folge
weitere
medizinische Abklärungen und zog
Arztberichte (Urk. 10/79
, 10/83
, 10/93, 10/95
-96
)
sowie
Unterlagen der
Z._
(Urk.
10/80
, 10/98
-99
)
bei.
Schliesslich
liess
sie
den Versicherten durch
Dr.
med.
A._
, Facharzt Psychiatrie
und Psychotherapie
, und
Dr.
phil.
B._
, Neuropsychologin,
begutachten (Expertisen vom
1
0.
und 1
4.
Januar 2019, Urk. 10/106).
Mit Vorbescheid vom 30. April 2019 stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aus
sicht (Urk. 10/108). Dagegen liess der Versicherte Einwand erheben (Urk.
10/126). Mit
Verfügung vom 8. November 2019 wies
die IV-Stelle das Leistungsbe
gehren ab (Urk. 2 [= Urk. 10/132]).
2.
Dageg
en liess der Versicherte am 12.
Dezember 2019 Beschwerde
(Urk. 1)
erheben und beantragen, die Verfügung vom 8. November 2019 sei aufzuheben, es seien weitere Abklärungen vorzunehmen und hernach über den Anspruch neu zu ent
scheiden. Eventualiter sei die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen, damit sie nach Vornahme weiterer Abklärungen über den Anspruch neu entscheid
e
. In prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1 S. 2).
Die Beschwerdegegne
rin schloss mit Beschwerdeantwort vom 3. Februar 2020 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 9), worüber der Beschwerdeführer mit Verfügung vom 5. Feb
ruar 2020 in Kenntnis gesetzt wurde. Mit genannter Verfügung wurde dem
Beschwerdeführer sodann die unentgeltliche
Rechtspflege
gewährt und Rechts
anwalt Viktor
Györffy
als unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt (Urk. 11).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.
2
.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2,
143
V
409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
2
.2
Zur Annahme einer Invalidität aus psychischen Gründen bedarf es in jedem Fall eines medizinischen Substrats, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Bestimmen psy
chosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die Beeinträchtigungen nicht einzig von den belastenden invaliditätsfremden Fakto
ren herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychiatrisch zu unter
scheidende Befunde zu umfassen. Solche von der soziokulturellen oder psycho
sozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
ständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
Somit sind psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invaliditäts
begründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens beeinflussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, bleiben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert (Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3). In einer versi
cherungsmedizinischen Begutachtung, welche sich nach den normativen Vorga
ben der Rechtsprechung orientiert, ist es daher nicht nur zulässig, sondern sogar geboten, solche invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Umstände auf
zuzeigen und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auszu
klammern (Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1).
1.
2
.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat
die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1
.
5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung gestützt auf das psychiatrische und neuropsychologische Gutachten
– entgegen dem Dafürhalten des Beschwerdeführers sei diese
s
schlüssig -
fest, der Beschwerdeführer
sei
seit Sommer 2016 in seiner angestammten Tätigkeit
als Hilfskoch eingeschränkt
. Für jegliche Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt bestehe eine Beeinträchtigung
im Umfang von
30
%
. Eine Rente könne erst ab einem Invaliditätsgrad von 40 % zugesprochen werden, weshalb kein Anspruch auf Rentenleistungen bestehe
(Urk. 2)
.
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend,
das
Gutachten von
Dr.
phil.
B._
und Prof.
Dr.
A._
belege
eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
in jegli
cher Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht
rechtsgenüglich
. Die weiteren medizinischen Akten, insbesondere die Berichte
der spezialisierten
Kliniken
,
wür
den vielmehr zeigen, dass keine Arbeitsfähigkeit vorliege, die auf dem freien Arbeitsmarkt verwertet werden könne. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die
Gut
achter e
ine gesundhei
tliche Problematik fest
stell
t
en
,
die sich auf die Möglichkei
ten
,
eine Erwerb
stätigkeit auszuüben
,
auswirken
könn
e
,
sie
jedoch der Auffassung seien, der Beschwerdeführer sei im ersten Arbeitsmarkt lediglich 30 % beeinträch
tigt
.
Sodann seien im medizinischen Sachverhalt falsche Annahmen enthalten, die bei der Begründung der Arbeitsfähigkeit
wieder aufgenommen
worden seien
(
Urk.
1 S. 3 f.)
.
Die Gutachter
hätten
sich
ferner
nicht auf
nach
-
vollziehbare
Art und Weise mit den abweichenden Einschätzungen
– wonach eine Arbeitsfähigkeit im geschützten Rahmen
noch gegeben sei, nicht aber im freien Arbeitsmarkt – auseinandergesetzt
(Urk. 1 S.10). Die Festlegung der Invalidität durch die Beschwerdegegnerin
beruhe
damit nicht
auf
eine
r
tragfä
hige
n
Grundlage. Es sei ein weiteres Gutachten notwendig, weshalb ein gerichtliches Gutachten einzuho
len sei (Urk. 1 S. 13).
3.
3.1
Die Gutachter des Institut
s
C._
,
Dr.
A._
und
Dr.
B._
, nannten im Gutachten vom 26. März 2019 (Urk. 10/106) als Diag
nose
eine
Persönlichkeitsstörung mit paranoiden, narzisstischen und passiv aggressiven Anteilen (ICD-10 F60.0, F60.80 und F60.81,
Urk.
10/106/21).
3.
2
Dazu führte der psychiatrische Gutachter aus,
der Beschwerdeführer habe betont, er suche Hilfe für seine Sorgen, da er alles verloren habe.
Der Beschwerdeführer
habe geklagt, seit 15 Jahren alleine zu sein, da es ihm bisher nicht gelungen sei, eine Familie zu gründen (Urk. 10/106/14).
Im Gespräch seien immer wieder Inkonsistenzen aufgefallen, wenn er seine grosse Einsamkeit beschr
ieben
, dann aber über eine weitgefächerte Familie
berichtet habe
,
mit deren Mitglieder er
einen guten Kontakt habe. Auch die wenigen Stunden Schlaf könne er nicht schlüssig erklären
;
er habe ange
ge
ben
,
einfach im Bett zu liegen und allenfalls immer wieder einzuschlafen. Auffällig sei, dass der Beschwerdeführer seine depressive Symptomatik betone, dann aber affektiv schwingungsfähig und freu
dig über seine
Nichten
und
Neffen
erzähle. Des Weiteren habe der Beschwerde
führer angegeben, die Medik
amente einzunehmen;
nach Ankündigung, dass dies mit einer Blutentnahme überprüft werden
sollte
, habe er
ausgeführt
, wegen einer Erkältung
NeoCitran
und auf Anraten der Apothekerin
während den letzten vier Tagen
keine anderen Medikamente eingenommen zu haben.
Er
wirke in
der
Schil
derung seiner Beschwerden rech
t demonstrativ (Urk. 10/106/17). Der Beschwer
deführer
sei
bewusstseinsklar, wach und zu al
len Qualitäten voll orientiert und habe
in der groben klinischen Prüfung
keine gravierenden Auffassungsstörungen gezeigt.
Er
habe berichtet, am Tag manchmal plötzlich sehr emotional zu werden, es
seien
auch Erinnerungen an die drei Tage im Gefängnis oder an
seinen
Vater au
f
ge
kommen, v
on dem er als Kind keine Hilfe b
ekommen
habe
.
Der Gutachter hielt fest, d
ie Erinnerungen
entsprächen
in ihrer Dynamik
jedoch
nicht spezifi
sche
n
Nachhall-Erinnerungen (Flashbacks)
bei posttraumatischer
Stressstörung
.
Es
seien
keine Anhaltspunkte für Wahn
festgestellt
worden
.
A
llerdings habe der Beschwerdeführer über wahnähnliche Erlebnisse berichtet,
wobei
er manchmal im Halbschlaf
spüre
, dass ihn jemand aus dem Bett ziehen
wolle
.
Es
sei
dabei am wahrscheinlichsten
von
Träume
n oder Phänomena
im Halbschlaf beziehungs
weise beim Aufwachen
auszugehen
, da es sich nicht um eine plausible Schilde
rung von Halluzinationen handle. Der Beschwerdeführer habe immer wieder über die Sinnlosigkeit im Leben gesprochen, weil er keine Familie gründen könne. Bei der Schilderung seiner Familie sei er
hingegen
stimmungsmässig deutlich aufge
hellt
gewesen
und habe sogar gelacht. Von wenigen Gesprächsteilen abgesehen, sei er relativ starr und wenig schwingungsfähig in dem geschilderten depressiven
Affekt verharrt. Bezüglich seiner Situation in der Schweiz habe der Beschwerde
führer über einen deutli
chen sozialen Rückzug berichtet;
mit seiner Familie in der Türkei habe er
jedoch
vielfältige
n Kontakt
(
Urk.
10/106/18)
.
Vom Beschwerde
führer selbst werde im Rückblick auf die letzten Jahre ein durchgehendes Stim
mungsbild mit anhaltendem reaktive
m
depressivem Syndrom
aufgrund der psy
chosozialen Situation
beschrieben (Einsamkeit, Partnerlosigkeit).
Die
in der Aktenlage festgehaltene Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung
sei daher anzuzweifeln
. Beim Beschwerdeführer
sei
vielmehr von einer längerdau
ernden depressiven Reaktion aus
zugehen
,
da
er
vor allen Dingen auf ihn belas
tende Umgebungseinflüsse mit der depressiven Stimmung reagiere.
Ein Problem bei der Diagnose einer reaktiven depressiven Störung sei, dass die längerdauernde depressive Reaktion im Sinne einer Anpassungsstörung einen Zustand schildere, der nach ICD-10 zwei Jahre nicht überschreiten sollte.
Es schein
e
, dass b
eim Beschwerdeführer die dysfunktionalen Persönlichkeitsanteile so
stark überwie
gen
würden
, dass das depressive Syndrom am ehesten der vorherrschenden Per
sönlichkeitsstörung zuzuordnen sei. Eine eigenständige depressive Störung im Sinne einer
chronifizierten
depressiven Episode oder einer rezidivierenden depressiven Störung sei aufgrund der Verlaufsschilderung eher unwahrscheinlich. Ebenso sei auch die gestellte Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstö
rung
unplausibel
. Es fehle an den typischen Merkmalen wie dem wiederholten Erleben des Traumas, sogenannten Flashbacks, Träumen oder Albträume
n
, die vor dem Hintergrund eines andauernden Gefühls von
Betäubtsein
und emotiona
ler Stumpfheit auftreten würden. Sodann sei der Beschwerdeführer
der Umgebung gegenüber
nicht teilnahmslos, sondern suche aktiv Kontakte
,
sodass
er darum gebeten
habe, noch länger in der p
sychiatrischen Klinik stationär bleiben zu dür
fen (Urk.10/106/19-20).
Die Kriterien der Persönlichkeitsstörung seien fast mus
terhaft erfüllt. Insbesondere
würden
die inneren Erfahrungs- und Verhaltensmus
ter des Beschwerdeführers deutlich von kulturell erwarteten und akzeptierten Vorgaben bezüglich Affektivität, Impulskontrolle und der Art des Umgangs mit anderen Menschen
ab
weichen
. Neben paranoiden Anteilen
seien
beim Beschwer
deführer zusätzlich narzisstische sowie passiv aggressive Ante
ile
vorhanden
(Urk. 10/106/21).
Der Summenwert des Mini
-ICF-APP habe beim Beschwerdeführer 7 betragen. Die Aktivitäts- und Partizipationsbeeinträchtigung zeige sich in mässiger Ausprä
gung bei den Merkmalen Flexibilität und Umstellungsfähigkeit sowie der Fähig
keit zu engen dyadischen Beziehungen. Das Ergebnis des Mini-ICF-APP Ratings sei konsistent mit der Annahme einer mindestens 80%igen Arb
eitsfähigkeit (Urk. 10/106/22).
Der Beschwerdeführer habe verschiedene stationäre Behandlungen, auch auf spe
zialisierten
Traumastationen
, in Anspruch genommen
. Es sei jedoch zu
keine
r
wesentliche
n
Veränderung des psychopathologischen
Zustandbildes
gekommen
.
Hinsichtlich medikamentöser Behandlung sei die
Compliance zu bezweifeln, da
der Beschwerdeführer
bei Ankündigung einer Spiegelkontrolle angegeben habe, seit vier Tagen keine Medikamente mehr genommen zu haben
. Die Erfolg
s
aussichten
weiterer therapeutischer Behandlungen erachtete der Gutachter
bei der tiefgreifenden Persönlichkeitsstörung
als
sehr eingeschränkt, weshalb eine weitere stationäre Behandlung nicht indiziert erscheine
(Urk. 10/106/23).
Neu
ropsychologisch sei eine leichte bis mittelschwere kognitive Störung festgestellt worden. Die Funktions- und Fähigkeitsstörung beim Beschwerdeführer sei auch auf die dysfunktionale Persönlichkeitsstruktur zurückzuführen. Zusä
tzlich
sei davon auszugehen, dass auch
nicht medizinisch begründete Funktionsstörungen
–
wie die schwierige psychosoziale Situation mit der geschilderten Vereinsamung in einem dem Beschwerdeführer nach wie vor fremden Kulturkreis
–
hinzutr
ä
ten
(Urk. 10/106/24).
Zur Arbeitsfähigkeit hielt der Gutachter fest, d
er Beschwerdeführer könne in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Hilfskoch 100 % anwesend sein; es müsse jedoch mit einer leichten Einschränkung der Leistung
von rund 30 % gerechnet werden. Eine der Behinderung optimal angepasste Tätigkeit müsse ähnlich wie die letzte Tätigkeit als Hilfskoch aussehen. Ein kleines Team in eher familiärem Zusammen
hang und eine Tätigkeit ohne höhere kognitive Anforderungen wäre
n
optimal. In einer solchen Tätigkeit wäre auch im freien Arbeitsmarkt eine Präsenz von 100
%
möglich, wobei aufgrund der kognitiven Minderleistung
mit
eine
r
Einschränkung von 20-30 %
zu rechnen sei
(Urk. 10/106/25-26).
3.
3
Im neuropsychologischen
G
utachten hielt Dr.
B._
fest,
der Beschwerdeführer habe die kognitiven Tests ausreichend motiviert, konzentriert und sorgfältig bearbeitet. Das Vorgehen sei strukturiert und prinzipiell ausdauernd gewesen. Die zeitliche Belastbarkeit sei gut gewesen und es habe sich
weder im Verlauf längerer Aufgaben noch über die gesamte Dauer der neuropsychologischen Begutachtung eine
nachlassende Leistung gezeigt
(Urk. 10/106/34)
.
In den allermeisten über
prüften kognitiven Teilleistungen
hätten
sich durchschnittliche
Resultate
gezeigt. Überdurchschnittlich seien die Konzentrationsfähigkeit sowie die Lernleistung für verbale Informationen gewesen. Zu unterdurchschnittlichen Resultaten sei es beim Abzeichnen der komplexen geometrischen Figur sowie
bei
den Aufgaben zur Überprüfung der tonischen und
phasischen
Alertness
gekommen. Weit unter
durchschnittlich seien auch die intellektuelle Flexibilität und die verbale Interfe
renzkontrolle gewesen. Dr.
B._
bestätigte sodann, zur Validierung der kogniti
ven Defizite
Symptomvalidierungstests durchgeführt beziehungsweise verfah
rensimmanente Validierungsfaktoren überprüft zu haben (Urk. 10/106/35). Beim Beschwerdeführer seien keine Parameter der Symptomvalidierung auffällig gewesen, weshalb keine Hinweise auf eine Aggravation oder Simulation von Beschwerden best
ünden
. Die kognitiven Einschränkungen seien authentisch. Der Beschwerdeführer leide an einer leichten bis mittelgradigen neuropsychologi
schen Störung,
wobei die Funktionsfähigkeit im Alltag bei beruflichen Anforde
rungen leicht eingeschränkt sein könn
t
e. Bei Berufen oder Aufgaben mit über
durchschnittlich hohen kognitiven Anforderungen könn
t
e die Funktionsfähigkeit sogar mittelgradig eingeschränkt sein. Die angestammte Arbeitstätigkeit des Beschwerdeführers als Hilfskoch sei als Tätigkeit mit eher geringen Anforderun
gen an die kognitiven Leistungen anzusehen. In dieser Tätigkeit betrage die Arbeitsunfähigkeit aus rein neuropsychologischer Sicht maximal 30 %. Der Beschwerdeführer sei aus neuropsychologischer Sicht in der Lage, 100 % anwe
se
nd zu sein (Urk. 10/106/36-37).
4.
4.1
Das Gutachten vom 26. März 2019 erging in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den relevanten
Vorakten
(Urk. 10/106/4-13),
den geklagten Beschwerden sowie gestützt auf die klinischen Untersuchungen (Urk. 10/106/13-19).
Der
psy
chiatrische
Gutachter erhob den psychiatrischen Befund nach AMDP und Mini-ICF-APP (Urk. 10/106/38-41).
Er
begründete seine Diagnosen ausführlich und differenziert, nahm zu den Beurteilungen in den
Vorakten
einlässlich Stellung und begründete seine abweichende Einschätzung plausibel (Urk. 10/106/19-21).
Die
Beurteilung
der Gutachter
basiert sodann auf einer detaillierten Befundauf
nahme inklusive Testverfahren zur Symptomvalidierung (Urk. 10/106/35).
Mithin erfüllt das Gutachten die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an beweis
taugliche Entscheidungsgrundlagen (vgl. E.
1.5).
4.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend,
es sei nicht tragfähig, dass die Gutachter – entgegen der Beurteilung der spezialisierten Fachmediziner – festhielten, es liege keine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) oder kom
plexe PTBS vor (Urk. 1 S. 3 f.).
Dem ist entgegenzuhalten, dass
Dr.
A._
zur
Her
leitung der Diagnose
a
u
sführte
, in Bezug auf eine posttraumatische Belastungs
störung stelle ein dreitägiger Gefängnisaufenthalt als Jugendlicher oder die strenge und oft strafende Behandlung durch den patriarchalen Vater kein belas
tendes Ereignis mit aussergewöhnlicher Bedrohung oder
katastrophenartigem Ausmass nach ICD-10 dar. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass
gemäss
der klinisch diagnostischen Leitlinien
zur posttraumatischen Belastungsstörung (vgl. Horst
Dilling
/Werner
Mombour
/Martin H. Schmidt [Hrsg.],
Internationale
Klassi
fikation psychischer Störungen, ICD-10, Kapitel V (F), 10. Auflage 2015, F43.1 S. 208),
die Störung dem Trauma
mit einer Latenz folgt, die Wochen bis Monate dauern kann, jedoch selten mehr als sechs Monate nach dem Trauma
auftritt
. Beim Beschwerdeführer wäre die allfällige Störung nach 15 bis 20 Jahren oder je nach auslösendem Ereignis noch später aufgetreten, was vor dem erwähnten Hin
tergrund der Leitlinien und der Arbeits
fähig
keit des Beschwerdeführers in der Schweiz bis im Jahr 2016 nicht plausibel und nicht überwiegend wahrscheinlich erscheint.
Ergänzend ist auf die höchstrichterliche Rechtsprechung hinzuweisen, wonach es für die Herleitung und Begründung der Diagnose einer posttraumati
schen Belastungsstörung einer besonderen Achtsamkeit bedarf, was nicht bloss für das auslösende Trauma, sondern auch für die Latenzzeit zwischen initialer Belastung und Auftreten der Störung gilt und es eine besondere Begründung bei jenen Fällen braucht, in denen ganz ausnahmsweise aus bestimmten Gründen ein späterer Beginn berücksichtigt werden soll (vgl. zum Ganzen Urteil des Bundes
gerichts 9C_548/2019 vom 16. Januar 2020 E. 6.3). An diesen hierzu von der Rechtsprechung statuierten Anforderungen fehlte es für die
rechtsgenügliche
Begründung der Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung ganz offensichtlich.
Darüber hinaus wird im Gutachten detailliert und überzeugend dargelegt, dass auch die übrigen Merkmale einer posttraumatischen Belastungs
störung wie Flashbacks und Alpträume, die sich auf das traumatisierende Ereignis beziehen, sowie eine emotionale Stumpfheit (der Beschwerdeführer sei gerade nicht teilnahmslos der Umgebung gegenüber, sondern suche aktiv Kontakt) zum Zeitpunkt der Begutachtung gefehlt hätten (Urk. 10/106/20).
Dem
Einwand des Beschwerdeführers, wonach die behandelnden Ärzte eine komplexe posttrauma
tische Belastungsstörung diagnostiziert
hätt
en und dafür das Vorliegen eines traumatisierenden Ereignisses nicht notwendig sei (Urk. 1 S. 6), ist
ferner
entge
genzuhalten, dass die Ärzte der
Klinik D._
zwar eine komplexe post
traumatische Belastungsstörung nannten, sich
in der Beurteilung
jedoch
ebenso
auf die Klassifizierung der ICD-10 F43.1 (Urk. 10/11/1)
bezogen
wie die fallfüh
rende Psychologin Dipl. Psych.
E._
(
Urk.
10/96/3; vgl. auch Urk. 10/79/1).
Die Gutachter berücksichtigten sodann sämtliche
durch die behandelnden Ärzte
erhobenen Befunde
,
was in die psychiatrische
Beurteilung
Eingang fand
(Urk. 10/106/19-21).
Der Umstand alleine, dass die behandelnde Psychologin in ihrem Bericht vom 12. August 2019
(
Urk.
10/125)
darlegte, es liege kein manipu
latives Verhalten vor und auch nicht der Versuch,
sie
zu belügen (vgl. Urk. 1 S. 4),
vermag die Einschätzung der Gutachte
r
nicht in Zweifel zu ziehen.
Es ist Aufgabe des Gutachters, im Rahmen seiner Fachkenntnisse Diskrepanzen zu den anlässlich der Exploration gemachten Wahrnehmungen darzulegen, zu würdigen sowie unter Berücksichtigung der früheren medizinischen Aktenlage seine Schlüsse plausibel darzulegen. Dieser Aufgabe ist der Gutachter - unter Beachtung aller verfügbarer Berichte - in pflichtgemässer Ausübung des Begutachtungsauftrages nachgekommen (Urk. 10/106/24). Ein Mangel ist mithin nicht zu erblicken. Ebenso wenig vermag der Beschwerdeführer durchzudringen, soweit er vorbrin
gen liess, das angeblich übergriffige Verhalten gegenüber der lernenden Person habe sich nicht erhärten lassen und der effektive Ablauf hinsichtlich Integrati
onsmassnahme sei im Gutachten nicht korrekt wiedergegeben, womit die hierauf, auf offenkundig aktenwidrigen Annahmen beruhende, medizinische Beurteilung nicht einfach als richtig angenommen werden könne. Aktenkundig ist, dass die betroffene Person mit dem Verhalten des Beschwerdeführers nicht einverstanden war (vgl. Urk. 10/73/3), was in
eine polizeilichen Einvernahme
des Beschwerde
führers mündete (
Urk.
10/73/7). Die behandelnde Psychologin hielt denn mit Bericht vom 17. September 2018 fest, interaktionelle Probleme zwischen dem Beschwerdeführer und einer Mitarbeiterin (der Durchführungsstelle) hätten zum Abbruch des Arbeitsversuchs im Frühling 2018 geführt (
Urk.
10/93/4; vgl. auch
Urk.
10/73/5). Diese Gegebenheit fand denn nur insoweit Eingang ins psychiatri
sche Gutachten, als
Dr.
A._
im Rahmen der Klassifikation der Diagnosen aus
führte, die inneren Erfahrungs- und Verhaltensmuster des Beschwerdeführers würden deutlich von den kulturell erwarteten und akzeptierten Vorgaben abwei
chen sowohl bezüglich Affektivität und Impulskontrolle als auch was die Art des Umgangs mit anderen Menschen betreffe. Hierzu verwies er auf das in der
Klinik F._
auferlegte Stationsverbot (
Urk.
10/19/5) sowie die Kündigung «aus ähnlichen Gründen» (
Urk.
10/106/21). Das Kriterium G2 für die Diagnose der Persönlichkeitsstörung, wonach die Abweichung so ausgeprägt sein muss, dass das daraus resultierende Verhalten in vielen persönlichen und sozialen Situationen unflexibel, unangepasst oder auch auf andere Weise unzweckmässig ist, erachtete der Gutachter damit als erfüllt. Demgemäss erfolgte weder eine Qua
lifikation des fraglichen Verhaltens noch fand - entgegen dem
beschwerdeführe
rischen
Vorwurf - eine falsche Annahme Eingang in die medizinische Beurtei
lung. Dass das Verhalten des Beschwerdeführers in verschiedenen sozialen Situ
ationen unangepasst war, ergibt sich denn auch aus dem von ihm angerufenen Bericht der behandelnden Psychologin, wonach es teilweise auch zu aggressiven Durchbrüchen komme, weshalb eine Arbeitsfähigkeit in nicht geschütztem Rah
men nicht gegeben sei (
Urk.
10/125/3; vgl. auch
Urk.
10/98/6, wonach der Beschwerdeführer in der Klinik als «eher
unkooperativ
» wahrgenommen worden
sei; sowie den Bericht der psychiatrischen Klinik
G._
, welcher von noch bestehenden interaktionellen Problemen mit hinderlich wirkenden Impuls
durchbrüchen auf die berufliche Integration berichtete:
Urk.
10/79/5). Der Schluss des Gutachters auf eine Persönlichkeitsstörung ist mit Blick auf die von ihm erhobenen Befunde sowie angesichts des Dargelegten nachvollziehbar und steht mit der übrigen Aktenlage im Einklang (vgl.
Urk.
10/19/1, 10/90/1, 10/93/3, 10/98/2). Ferner hat der Gutachter das Vorliegen einer eigenständigen Depression überzeugend ausgeschlossen (
Urk.
10/106/20, E. 3.2).
Der Umstand alleine, dass behandelnde Fachärzte eine vom eingeholten Gutachten abweichende Meinung äussern, gibt nicht Anlass zu weiteren Abklärungen und vermag das Gutachten nicht in Frage zu stellen
(vgl. auch Urk. 10/129/3)
; anders würde es sich verhal
ten, wenn die behandelnden Ärzte konkrete objektiv fassbare Aspekte namhaft machen, die den ärztlichen Experten entgangen sind oder mit denen sie sich nicht befasst haben (vgl. Urteil U 58/06 des Bundesgerichts vom 2. August 2006 E. 2.2).
Hierfür sind v
orliegend keine Anhaltpunkte ersichtlich.
Des Weiteren brachte der Beschwerdeführer vor,
er könne nur im zweiten
Arbeitsmarkt, im Rahmen einer geschützten Arbeit, einer Tätigkeit nachgehen (Urk. 1 S. 8).
Die Ärzte der Klinik
G._
führten in ihrem Bericht zwar einerseits aus, dass beim Beschwerdeführer keine Funktionsausfälle im eigentli
chen Sinne vorliegen würden. Anderseits
hielten sie fest,
durch die hohe Anspan
nung, die massive Kränkbarkeit sowie die mangelnde Selbststeuerungsfähigkeit
drohe
die interpersonelle Situation rasch zu eskalieren (vgl. Urk. 10/95/4). Der
psychiatrische Gutachter
erwog
jedoch
, dass bei der bisherigen Tätigkeit mit einer Leistungseinschränkung von rund 30 % zu rechnen sei, die
s
sei auf die leichte bis mittelschwere kognitive Störung zurückzuführen. Eine Tätigkeit in einem kleinen Team in eher familiärem Zusammenhang und ohne höhere kognitive Anforde
rungen wäre
hingen
optimal angepasst;
mit einer Leistungseinschränkung sei dabei
kaum
zu rechnen
, allenfalls sei eine geringe Einschränkung infolge der kognitiven Minderleistung von 20-30
%
zu erwarten
(Urk. 10/106/25).
Die Aus
wirkungen der Persönlichkeitsstörungen wurden von den Gutachtern
mithin
berücksichtigt und flossen ins Belastungsprofil mit ein. Sodann ist in Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapeuten auf die Erfahrungstatsache hinzu
weisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauens
stellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE
135
V
465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Bei der Feststellung durch die
Eingliede
-
rungsbe
raterin
, wonach eine Integration im ersten Arbeitsmarkt beim
Beschwer
-
deführer
aufgrund fehlender Selbstkompetenzen nicht möglich sei
(
Urk.
10/1/60/17-18), handelt es sich
denn
nicht um einen medizinischen Bericht. Nach der Rechtspre
chung ist die Frage nach den noch zumutbaren Tätigkeiten und Arbeitsleistungen nach Massgabe der objektiv feststellbaren Gesundheitsschädigung in erster Linie durch die Ärzte und nicht durch die Eingliederungsfachleute auf Grundlage der von ihnen erhobenen, subjektiven Arbeitsleistungen zu beantworten (Urteile des Bundesgerichts 8C_334/2018 vom 8. Januar 2019 E. 4.2.1, 9C_396/2014 vom 15. April 2015 E. 5.4, je mit Hinweisen). Im Übrigen ist
es
nicht nachvollziehbar, inwiefern de
m
Beschwerdeführer, der im
mer einer vollständigen Arbeitstätigkeit
nachging (vgl.
Urk. 10/69 sowie
Urk. 10/106/22), keine Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt mehr zugemutet werden könnte.
4.3
Nach dem Gesagten erweisen sich die Einwendungen des Beschwerdeführers gegen das psychiatrisch-neuropsychologische Gutachten als unbegründet.
Es lie
gen keine konkreten Indizien vor, welche gegen die Zuverlässigkeit der Expertise spr
ä
chen (vgl. E. 1.4).
Der medizinische Sachverhalt
wurde
hinreichend abgeklärt und von weiteren Begutachtung
en
oder Abklärungen – wie vom Beschwerdefüh
rer beantragt
(Urk. 1 S. 13) – sind keine massgeblich neuen Erkenntnisse zu erwarten. Gestützt auf das beweiskräftige Gutachten erschliesst sich, dass
dem
Beschwerdeführer
seine bisherige Tätigkeit als Hilfskoch
mit dem im Sozialversi
cherungsrecht geltenden Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
aus psychiatrischer Sicht
zu 100 % zumutbar ist und er eine Leist
ungsfähigkeit von
mindestens
70 % erreicht
.
4.4
Die gutachterlich attestierte Arbeitsunfähigkeit basiert auf Einschränkungen im Bereich
Psychiatrie und
Neuropsychologie
, was grundsätzlich anhand einer Über
prüfung der massgeblichen Indikatoren zu validieren ist (vgl. E. 1.3.2). Da aus einer
Indikatorenprüfung
jedoch keine höhere Arbeitsunfähigkeit als die gut
achterlich attestierte
resultieren
kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_629/2019 vom 8. November 2019 E. 4.2.4 mit Hinweisen) und eine Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit von maximal 30 %, mithin einem Invaliditätsgrad von maximal 30 %
entsprechend
, vorliegend keinen Rentenanspruch begründet (E. 1.2), kann auf
die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens
ver
zichtet werden.
4.5
Gestützt auf den medizinischen Sachverhalt und den bisherigen beruflichen Wer
degang ist anzunehmen, dass der Beschwerdeführer in einer mit der
bisherigen
Tätigkeit vergleichbaren Tätigkeit (im 100
%-Pensum mit einer Leistungsfähig
keit von 70 %) bestmöglich eingegliedert wäre
(Urk. 10/106/25)
. Damit erübrigt sich ein ordentlicher Einkommensvergleich und es kann für das Validen- und das Invalideneinkommen dieselbe Bemessungsgrundlage herangezogen werden (vgl.
Urteil
e
des Bundesgerichts
9C_368/2019
vom
8. Oktober 2019, 9C_27/2018 vom 19. Juli 2019 E. 6.3
).
Bei einem Invaliditätsgrad von
maximal
30 % verfügt der
Beschwerdeführer über keinen Rentenanspruch (E. 1.3), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
5.
5.1
Da es vorliegend um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleis
tungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf Fr. 800.-- anzusetzen.
Die dem Beschwerdeführer ausgangsgemäss aufzuerlegenden Kosten sind
,
infolge Gewährung der unentgelt
lichen Prozessführung (Urk. 11)
,
einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
5.2
Mit Verfügung vom 5. Februar 2020 (Urk. 11) wurde dem Beschwerdeführer Rechtsanwalt Viktor
Györffy
als unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt (Disposi
tiv-Ziffer 1). Da dieser von der Möglichkeit, eine Honorarnote einzureichen (vgl. Dispositiv-Ziffer 3), keinen Gebrauch gemacht hat, ist die Entschädigung ermes
sensweise ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses festzulegen (
§
34 Abs. 3
des Gesetzes über das Soz
ialversicherungsgericht [
GSVGer
]). Unter Berücksichtigung der genannten Kriterien ist die Entschä
digung von Amtes wegen auf Fr. 1'
9
00.--
(inkl. Baraus
lagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
5.3
Der Beschwerdeführer ist auf
§
16 Abs. 4
GSVGer
hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung der Gerichtskosten und der Entschädigung an den unentgeltlichen Rechtsvertreter verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist.