Decision ID: cc1c1223-6434-4827-90f5-115ed03f5b82
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war seit 1. Juli 1995 als Plattenleger bei B._
angestellt und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva)
obligatorisch unfallversichert, als er gemäss Unfallmeldung am 1. Juni 2001 einen
Zeckenstich erlitt (Suva-act. 1). Diagnostiziert wurde eine frische Borrelioseerkrankung
im Generalisierungsstadium (Suva-act. 4). Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht
und erbrachte die gesetzlichen Versicherungsleistungen. Ab dem 22. Oktober 2001
konnte der Versicherte die Arbeit wieder zu 100 % aufnehmen (Suva-act. 8). Mit
Schreiben vom 28. November 2001 erklärte der behandelnde Hausarzt die Behandlung
als weitestgehend resp. zur Zeit abgeschlossen (Suva-act. 7). Am 25. März 2002
meldete der Versicherte einen Rückfall (Suva-act. 11). Dr. med. C._, Arzt für
Neurologie, stellte im Schreiben vom 24. Juni 2002 die Diagnose einer Neuroborreliose
(Suva-act. 18) und Dr. med. D._, Facharzt für Rheumatologie FMH, diagnostizierte
eine wahrscheinliche Post-Lyme-Erkrankung mit Fibromyalgie-Syndrom sowie Status
nach vierwöchiger Rocephin-Therapie wegen einer Neuroborreliose im Sommer 2002
(Suva-act. 68). Dr. med. E._, Facharzt für Innere Medizin FMH, hielt im Schreiben
vom 12. November 2003 einen Status nach Lyme-Neuroborreliose gemäss auswärtiger
Beurteilung fest, wobei aktuell laborchemisch kein Hinweis auf Aktivität bestehe (Suva-
act. 93). Im polydisziplinären Gutachten der MEDAS der Universitätskliniken Basel vom
21. September 2004 wurde der Verdacht auf ein Post-Lyme-Disease-Syndrom und ein
A.a.
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chronisches generalisiertes Schmerzsyndrom unklarer Ätiologie geäussert (Suva-act.
126). In einer weiteren Stellungnahme vom 26. September 2005 hielt der
rheumatologische Gutachter der MEDAS der Universitätskliniken Basel fest, er wolle
seine Beurteilung für das schlecht definierte generalisierte Beschwerdebild nach
nochmaliger Durchsicht der Literatur und der vorliegenden Akten bezüglich einer
überwiegenden Wahrscheinlichkeit revidieren in dem Sinne, dass ihm ein
Zusammenhang zwischen Beschwerden und Borrelioseinfekt vor dem Hintergrund
seiner persönlichen Erfahrung zumindest möglich bis wahrscheinlich erscheine (Suva-
act. 165). In einer weiteren Stellungnahme vom 7. Oktober 2005 führte der fallführende
Gutachter aus, er würde seine Einschätzung, dass die bestehenden Beschwerden mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit borreliosebedingt seien, in dem Sinne revidieren,
dass hier nur ein möglicher, nicht aber ein wahrscheinlicher Kausalzusammenhang mit
der Borreliose bestehe (Suva-act. 166). Mit Verfügung vom 20. März 2006 lehnte die
Suva das Erbringen von Versicherungsleistungen für die ca. im März 2002 (Rückfall)
aufgetretene Gesundheitsschädigung ab (Suva-act. 173). Die erhobene Einsprache
vom 19. April 2006 bzw. 31. Mai 2006 (Suva-act. 176 und 181) wurde mit Entscheid
vom 30. März 2007 abgewiesen (Suva-act. 185). Die dagegen erhobene Beschwerde
vom 10. Mai 2007 (Suva-act. 196) wurde vom Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen mit Entscheid vom 27. Februar 2008 gutgeheissen. Die Suva wurde verpflichtet,
dem Versicherten bis am 21. September 2004 weiterhin die gesetzlichen
Versicherungsleistungen auszurichten. Zur Kausalitätsprüfung ab dem 21. September
2004 wurde die Sache im Sinne der Erwägungen und zur allfälligen Neuverfügung über
die Leistungseinstellung an die Vorinstanz zurückgewiesen. Die Frage, ob das
Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung zwischen Beschwerden und Zeckenstich mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden könne, sei umstritten. Im
vorliegenden Fall sei durch die Suva noch kein rechtsgenüglicher Fallabschluss
vorgenommen und die Kausalität nur unter der Annahme eines Rückfalls und nicht
eines Grundfalls geprüft worden. Dies werde die Suva vorerst im Verwaltungsverfahren
nachzuholen und sich dafür zur Leistungseinstellung nochmals zu äussern haben (UV
2007/64; Suva-act. 196).
Ein von der Suva in Auftrag gegebenes Gutachten der Universitätsklinik für
Infektiologie des Inselspitals Bern vom 8. März 2010 ergab ein chronisches
A.b.
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Schmerzsyndrom und anamnestisch einen Status nach Borrelieninfektion. Die Frage,
ob mit überwiegender Wahrscheinlichkeit kein kausaler Zusammenhang mehr zu einem
früheren oder aktuellen Zeckenstich bestehe, müsse verneint werden. Dieser
Zusammenhang sei möglich, aber es sei in dieser Situation unmöglich, eine kausale
Beziehung zwischen Zeckenstich und klinischem Bild zu beweisen (Suva-act. 258). In
der von der Suva eingeholten neurologischen Beurteilung vom 4. Oktober 2011 hielt Dr.
med. F._, Facharzt für Neurologie FMH, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Versicherungsmedizin Suva, fest, die Frage, ob der Versicherte im Jahr 2001 die
klinischen Symptome einer sogenannten "Lyme-disease" gezeigt habe, könne im
Rahmen einer neurologischen Beurteilung nicht beantwortet werden, es könne jedoch
mit Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass der Versicherte in den Jahren 2001
und 2002 oder davor Kontakt mit dem Erreger Borrelia burgdorferi gehabt habe. Aus
rein neurologischer Sicht sei keine ausgeprägte oder schwere Erkrankung an einer
Borreliose anzunehmen, unter anderem da der Versicherte oral frühzeitig mit einem
wirksamen Antibiotikum behandelt worden sei und keine erheblichen objektivierbaren
pathologischen Befunde dokumentiert worden seien. Das Vorliegen einer
Neuroborreliose könne aus neurologischer Sicht mit hinreichender Sicherheit verneint
werden (Suva-act. 277). Am 6. November 2012 liess die Suva eine psychiatrische
Beurteilung durch Dr. med. G._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
Leiterin versicherungspsychiatrischer Dienst der Suva, vornehmen, welche eine
organisch-psychische Störung aufgrund einer Neuroborreliose klar verneinte, da schon
die Neuroborreliose selbst allenfalls möglich, nicht aber wahrscheinlich sei. Die Frage,
ob die Variante einer in einem teilkausalen natürlichen Zusammenhang mit der
Borrelieninfektion stehenden psychischen Störung vorliege, könne allein aufgrund der
Aktendokumentation nicht beantwortet werden (Suva-act. 293). Mit Schreiben vom 1.
November 2013 führten die Gutachter des Inselspitals bezüglich mehrerer Zusatzfragen
der Suva (vgl. Suva-act. 300) aus, dass die Beurteilung vom 8. März 2010 zu
Missverständnissen geführt habe. Die Beschwerden des Versicherten seien nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit Folgen des Zeckenstichs. Das "Post-Lyme-
Syndrom" sei ein ungenügend definiertes Krankheitsbild, welches in vielen Fällen nicht
mit Sicherheit ausgeschlossen werden könne. Dies bedeute aber nicht, dass die
Diagnose mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vorliege. Alternative Ätiologien als
Ursache der Beschwerden seien aus klinischen und epidemiologischen Gründen
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wahrscheinlicher. Zusammenfassend seien die Beschwerden nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit Folgen des Zeckenstichs (Suva-act. 303). Mit Verfügung vom 17.
Juni 2014 hielt die Suva fest, dass aufgrund der durchgeführten medizinischen
Abklärungen und der Beurteilung der Unterlagen die Beschwerden des Versicherten
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit Folge des Zeckenstichs vom 1. Juni 2001
seien. Es würden weder Folgen eines Unfalles noch eine unfallähnliche
Körperschädigung vorliegen. Der Fall müsse betreffend Unfallfolgen abgeschlossen
und die Versicherungsleistungen per 21. September 2004 wegen eines fehlenden
überwiegend wahrscheinlichen Kausalzusammenhangs der psychischen Beschwerden
mit dem Zeckenstich eingestellt werden. Die Suva könne für die weitere ärztliche
Behandlung nicht mehr aufkommen (Suva-act. 311). Die dagegen erhobene Einsprache
des Versicherten vom 12. August 2014 (Suva-act. 321) wurde von der Suva mit
Einspracheentscheid vom 22. Mai 2015 abgewiesen (Suva-act. 330). Die dagegen
erhobene Beschwerde vom 25. Juni 2015 (Suva-act. 331) wurde vom
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 18. Oktober 2017
gutgeheissen, der Einspracheentscheid aufgehoben und die Suva verpflichtet, dem
Beschwerdeführer auch über den 21. September 2004 hinaus die gesetzlichen
Leistungen zu erbringen. Aufgrund sämtlicher Unterlagen könne nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit gesagt werden, dass kein Post-Lyme-Syndrom
vorliege, womit ein Dahinfallen der Kausalität nicht nachgewiesen sei. Die
Voraussetzungen für eine Einstellung der Versicherungsleistungen seien demzufolge
nicht erfüllt (UV 2015/36; Suva-act. 343).
Mit Schreiben vom 21. März 2018 informierte die Suva den Versicherten, dass eine
asim-Begutachtung am Universitätsspital Basel vorgesehen sei und legte den
vorgesehenen Fragenkatalog bei (Suva-act. 352, 355). Mit Schreiben vom 27. April
2018 forderte der Versicherte die Berechnung und Leistung der Taggelder bis zum
aktuellen Datum. Bis dahin sei die beabsichtigte Begutachtung zu sistieren. Nach
Erhalt der Abrechnung sei er mit einer Begutachtung (für die Gegenwart, nicht aber für
die Vergangenheit) einverstanden (Suva-act. 366). Mit Zwischenverfügung vom 11. Juli
2018 hielt die Suva an der Begutachtung durch das asim fest, da ohne Gutachten nicht
zur weiteren Leistungspflicht Stellung genommen werden könne und gegen die
Gutachterstelle keine grundsätzlichen Einwände erhoben worden seien (Suva-act. 374).
A.c.
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B.
Die dagegen erhobene Beschwerde vom 27. August 2018 (Suva-act. 376) wurde vom
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 18. Februar 2019
abgewiesen, soweit darauf eingetreten wurde. Zusammengefasst kam das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen zum Schluss, dass eine neuerliche
polydisziplinäre Begutachtung des Versicherten geeignet sei, relevante Antworten für
die Beurteilung seiner Ansprüche gegenüber der Suva zu geben (UV 2018/57; Suva-
act. 393).
Am 26. Juni 2019 gab die Suva bei der asim Begutachtung (nachfolgend: asim),
Universität Basel, ein Gutachten in den Disziplinen Innere Medizin, Neuropsychologie,
Infektiologie, Neurologie und Psychiatrie in Auftrag (Suva-act. 399, 421). Der
Versicherte wurde im September und Oktober 2019 an mehreren Tagen untersucht; die
Expertise selbst datiert vom 6. März 2020 (Innere Medizin und Konklusion [Suva-act.
431], Teilgutachten [Suva-act. 431/1, 431/2, 431/3, 431/4]). Im Konsens kamen die
Gutachter und die Gutachterin zum Schluss, dass das Vorliegen eines post-treatment
Lyme Disease Syndroms (PTLDS) nicht überwiegend wahrscheinlich sei. Die Borreliose
könne mit Abschluss der lege artis durchgeführten antibiotischen Behandlung als
geheilt angesehen werden. Spätestens ab Anfang Oktober 2001 sei die Unfallkausalität
aus somatischer Sicht gänzlich weggefallen und es habe sich im Verlauf die
psychiatrische Diagnose der Schmerzchronifizierung entwickelt. Es gebe keine
Behandlungsempfehlungen mit Aussicht auf Verbesserung der Beschwerden oder der
Leistungsfähigkeit. Die Situation sei nach bald 20 Jahren hochgradig chronifiziert. Aus
psychiatrischer Sicht ergebe sich in der angestammten und in einer angepassten
Tätigkeit eine leichte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von etwa 20 % (Suva-act. 431
S. 13 ff.).
B.a.
Mit Verfügung vom 25. September 2020 verneinte die Suva
Versicherungsleistungen (Heilbehandlung und Taggeldleistungen) über den 21.
September 2004 hinaus. Es würden keine natürlich kausalen organischen Unfallfolgen
mehr vorliegen und die psychischen resp. organisch nicht hinreichend nachweisbaren
Beschwerden würden in keinem adäquaten Kausalzusammenhang zum Unfall vom 1.
Juni 2001 stehen (Suva-act. 439). Gegen diese Verfügung liess der Versicherte,
B.b.
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C.
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Ronald Pedergnana, St. Gallen, am 2. Oktober
2020 Einsprache erheben. Die Verfügung sei aufzuheben und dem Versicherten sei ein
volles Taggeld bis 31. März 2020 auszurichten (Suva-act. 440). Mit Entscheid vom 4.
Juni 2021 wies die Suva die Einsprache ab (Suva-act. 449).
Gegen den Einspracheentscheid vom 4. Juni 2021 liess der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer), weiterhin vertreten durch Rechtsanwalt Pedergnana,
am 5. Juli 2021 Beschwerde erheben und beantragen, dass der Einspracheentscheid
vom 4. Juni 2021 aufzuheben und dem Beschwerdeführer ein volles Taggeld bis am
31. März 2020 auszurichten sei. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der
Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin; act. G 1).
C.a.
In der Beschwerdeantwort vom 20. August 2021 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 4. Juni 2021 (act. G 3).
C.b.
Mit Replik vom 15. Dezember 2021 hielt der Beschwerdeführer an seinen
Anträgen fest. Eventualiter beantragte er, dass das Gericht eine Ergänzung des asim-
Gutachtens mit der Klärung der Diagnosen (Ergänzungsfragen) und einer Ergänzung
durch ein rheumatologisches Gutachten einzuholen habe. Subeventualiter sei die
Beschwerde gutzuheissen und die Beschwerdegegnerin aufzufordern, das Gutachten
gemäss Anträgen zu ergänzen und die Zusatzfragen des Beschwerdeführers zu
beantworten. Im Weiteren beantragte Rechtsanwalt Pedergnana eine mündliche
Verhandlung. Er halte es für wichtig, dass der Beschwerdeführer angehört werde (act.
G 13).
C.c.
Mit Duplik vom 21. Januar 2022 hielt die Beschwerdegegnerin unverändert an
ihren Anträgen und Begründungen fest (act. G 15).
C.d.
Am gestellten Antrag auf eine mündliche Verhandlung hielt Rechtsanwalt
Pedergnana auf Nachfrage nicht fest (act. G 17), weshalb darauf verzichtet wurde.
C.e.
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Erwägungen
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die nach dem Unfall vom 1. Juni
2001 ausgerichteten temporären Versicherungsleistungen (Heilbehandlung und
Taggeldleistungen) zu Recht über den 21. September 2004 hinaus verweigert hat oder
ob ein Anspruch bis längstens 31. März 2020 bestanden hätte.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
C.f.
Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) werden Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt. Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung
bildet die Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht besteht demnach nur für
Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit einem versicherten
Unfallereignis zusammenhängen (vgl. André Nabold, N 48 ff. zu Art. 6, in Marc
Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Kommentar
zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018 [nachfolgend zitiert: KOSS UVG];
Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. 2012, S.
53 ff.). Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher
Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht regelmässig auf
Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht
nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (BGE 129 V 181
E. 3.1, 123 III 110; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55, 88). Die Adäquanz spielt im
Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen indessen praktisch keine Rolle,
da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt. Sind die
Unfallfolgen dagegen organisch nicht (hinreichend) fassbar, bewirkt die Bejahung der
natürlichen Kausalität nicht automatisch auch die Bejahung des adäquaten
Kausalzusammenhangs. In diesen Fällen ist eine eigenständige Adäquanzbeurteilung
vorzunehmen (BGE 134 V 111 f. E. 2.1).
1.1.
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Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall
nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache der fortdauernd geklagten
Beschwerden darstellt, d.h., wenn die Beschwerden nur noch und ausschliesslich auf
unfallfremden Ursachen beruhen. Im Rahmen der Prüfung des Dahinfallens der
Leistungspflicht des Unfallversicherers genügt es mithin für die Bejahung des
fortbestehenden natürlichen Kausalzusammenhangs, wenn der Unfall für die fragliche
gesundheitliche Störung immer noch eine Teilursache darstellt. Ebenso wie der
leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder
kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit
dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (Rumo-Jungo/ Holzer, a.a.O., S. 4).
Dahingefallen ist die kausale Bedeutung, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie
er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige
Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf einer Vorerkrankung auch
ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (Koss
UVG-Nabold, N 54 zu Art. 6; Rumo-Jungo/ Holzer, a.a.O., S. 54). Da es sich um eine
anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast – anders als bei der Frage,
ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht
bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (vgl. nebst vielen Urteil des
Bundesgerichts vom 4. November 2016, 8C_594/2016, E. 2.2). Dieser muss jedoch
nicht den Beweis für unfallfremde Ursachen erbringen. Ebenso wenig geht es darum,
vom Unfallversicherer den negativen Beweis zu verlangen, dass kein
Gesundheitsschaden mehr vorliege oder dass die versicherte Person nun bei voller
Gesundheit sei. Welche Ursachen ein nach wie vor geklagtes Leiden hat, ist
unerheblich. Entscheidend ist allein, ob die unfallbedingten Ursachen eines
Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind
(Urteil des Bundesgerichts vom 29. April 2008, 8C_465/2007, E. 3.1 mit Hinweisen).
1.2.
Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht von Amtes wegen für
die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen.
Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den
Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 122 V 158 E. 1a, BGE 121 V 210 E. 6c). Der
Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast
begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsrecht tragen mithin die Parteien in der
Regel eine Beweislast nur insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu
Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt
1.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/16
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Rechte ableiten wollte; bei einer leistungsaufhebenden Tatfrage liegt die Beweislast
somit beim Unfallversicherer, bei einer leistungsbegründenden Tatfrage bei der
versicherten Person. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als
unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer
Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit
für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen).
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 351, E. 3a mit
Hinweis). Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens formgerecht eingeholten
Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen
und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4).
Widersprechen Berichte behandelnder Ärzte dem von der Verwaltung bei externen
Spezialärzten eingeholten Gutachten, ist die unterschiedliche Natur von
Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Ärzte einerseits und
Begutachtungsauftrag der amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits zu
beachten (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 18. April 2006,
I 783/05, E. 2.2). Es ist deshalb nicht zulässig, ein medizinisches Administrativ- oder
Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu
nehmen, wenn die behandelnden Ärzte später zu anderslautenden Einschätzungen
gelangen oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten.
Vorbehalten bleiben aber Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt,
weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher
Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung
1.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/16
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2.
unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundegerichts vom 27. Mai
2008, 9C_24/2008, E. 2.3.2).
Ziffer 1 des Dispositivs des in Rechtkraft erwachsenen Entscheids vom 18.
Oktober 2017 (UV 2015/36; Suva-act. 345) lautet dahingehend, dass die
Beschwerdegegnerin verpflichtet werde, dem Beschwerdeführer auch über den 21.
September 2004 hinaus die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. Nachdem die
Beschwerdegegnerin entgegen dieser Dispositiv-Ziffer in der Verfügung vom 25.
September 2020 (Suva-act. 439), bestätigt mit Einspracheentscheid vom 4. Juni 2021
(Suva-act. 449), den Anspruch auf Versicherungsleistungen (Heilbehandlung und
Taggeldleistungen) über den 21. September 2004 hinaus verneint (und solche auch
nicht mehr geleistet) hat, stellt sich vorab die Frage, ob der Grundsatz der abgeurteilten
Sache (res iudicata) missachtet wurde. Eine abgeurteilte Sache liegt vor, wenn der
streitige Anspruch mit einem schon rechtskräftig beurteilten identisch ist. Dies trifft zu,
wenn der Anspruch dem Gericht aus demselben Grund und gestützt auf den gleichen
Sachverhalt erneut zur Beurteilung unterbreitet wird. Die Rechtskraftwirkung tritt nur
soweit ein, als über den geltend gemachten Anspruch entschieden worden ist.
Inwieweit dies der Fall ist, ergibt die Auslegung der Motive des Entscheids, zu welchem
dessen ganzer Inhalt heranzuziehen ist. Zwar erwächst der Entscheid nur in jener Form
in Rechtskraft, wie er im Dispositiv zum Ausdruck kommt, doch ergibt sich dessen
Tragweite vielfach erst aus dem Beizug der Erwägungen. Insbesondere ist in
sozialversicherungsrechtlichen Verfahren ein vorinstanzlicher Gerichtsentscheid nicht
nach seinem Wortlaut, sondern nach seinem tatsächlichen rechtlichen
Bedeutungsgehalt zu verstehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Juli 2013,
8C_79/2013, E. 2.1, mit Verweisen auf die Rechtsprechung und die Literatur).
2.1.
Der Wortlaut von Dispositiv-Ziffer 1 des Entscheids UV 2015/36 (Suva-act. 345),
wonach die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer auch über den 21.
September 2004 hinaus die gesetzlichen Leistungen zu erbringen hat, kann isoliert
betrachtet ohne weiteres dahingehend verstanden werden, dass die gesetzlichen
Leistungsansprüche bezüglich der geforderten temporären Versicherungsleistungen
formell und materiell abschliessend beurteilt worden sind und damit – vorbehältlich von
Revisionsgründen – Ansprüche über den 21. September 2004 hinaus bestehen. Aus
den Erwägungen des Entscheids UV 2015/36 ergibt sich jedoch einzig, dass die
damalige Aktenlage nicht mit dem erforderlichen Beweismass der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit darauf schliessen liess, dass das Unfallereignis am 21. September
2004 keine Folgen mehr in Form eines allfälligen Post-Lyme-Syndroms zeitigte resp.
2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/16
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3.
Umstritten ist die Unfallkausalität der über den 21. September 2004 hinaus und auch
aktuell noch bestehenden Beschwerden.
jegliche Kausalität zwischen dem Zeckenstich und den anhaltenden Beschwerden am
21. September 2004 dahingefallen war, weshalb die Voraussetzungen für eine
Einstellung der Versicherungsleistungen zu diesem Zeitpunkt nicht erfüllt waren (E. 3.10
und 5.1 in UV 2015/36). Aus den Erwägungen des Entscheids geht aber nicht hervor,
dass die Voraussetzungen für einen Anspruch auf Taggeld- und
Heilbehandlungsleistungen über den 21. September 2004 hinaus erfüllt wären und die
Einstellung der temporären Versicherungsleistungen bei hinlänglichem (überwiegend
wahrscheinlichem) Nachweis der anspruchsaufhebenden Tatsachen nicht mehr, auch
rückwirkend per 21. September 2004, erfolgen kann (vgl. auch E. 3.2 f. in UV 2018/57).
Von einer Beweislosigkeit in Bezug auf den umstrittenen Sachverhalt ging das Gericht
demnach nicht aus. Die Beschwerdegegnerin war in Beachtung ihrer
Untersuchungspflicht und des Legalitätsprinzips daher gehalten, weitere Abklärungen
im Hinblick auf eine allfällige erneute Einstellung der temporären Leistungen resp. im
Hinblick auf die Prüfung der neben der Unfallkausalität bestehenden Voraussetzungen
für die einzelnen gesetzlichen Leistungen zu tätigen. In dem Sinne handelte es sich
beim Entscheid vom 18. Oktober 2017 (UV 2015/36), wenn auch nicht ausdrücklich, so
zumindest sinngemäss, wie es die Beschwerdegegnerin interpretierte, um einen
Rückweisungsentscheid zu weiteren Abklärungen und zur Prüfung der
Anspruchsvoraussetzungen ab 21. September 2004, wobei nicht in Abrede zu stellen
ist, dass die Formulierung in Dispositiv-Ziffer 1 auch missverstanden werden kann.
Gestützt auf das Gesagte kommt der Grundsatz der res iudicata demnach nicht zum
Tragen resp. es konnte von der Beschwerdegegnerin eine Einstellung der
Versicherungsleistungen auch rückwirkend per 21. September 2004 geprüft und bei
Verneinung der Anspruchsvoraussetzungen verfügt werden.
Die Beschwerdegegnerin veranlasste unter anderem zur Klärung dieser Frage im
Nachgang zum Entscheid vom 18. Oktober 2017 (UV 2015/36) beim asim ein
Gutachten in den Disziplinen Innere Medizin, Neurologie, Psychiatrie, Infektiologie und
Neuropsychologie (Suva-act. 399, 421). Im Konsens führten die Gutachter und die
Gutachterin aus, es werde davon ausgegangen, dass unfallkausal initial eine Borreliose
(ohne Neuroborreliose) vorgelegen habe, die lege artis behandelt worden sei. Im
Verlauf habe sich eine chronifizierte Schmerz-/Beschwerdeverarbeitungsstörung
ausgebildet, welche einem Mischbild aus somatisch begründbaren Ursachen
3.1.
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(unfallfremd) bei chronischem zervikovertebralem bis zervikocephalem
Schmerzsyndrom, chronischem lumbovertebralem Schmerzsyndrom und einer
funktionellen Schmerzstörung mit somatoformer Überlagerung, Zeichen einer
möglichen zentralen Schmerzsensitivierung, einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit,
einer Dekonditionierung und einer Schmerzausweitung entsprechen würde. Dieses
Mischbild werde unter der psychiatrischen Diagnose einer Schmerz-/
Beschwerdeverarbeitungsstörung (ICD-10: F54) zusammengefasst. Die psychiatrische
Diagnose sei als überwiegend wahrscheinlich teilkausal zur initialen Borreliose
anzusehen, indem ohne die vorausgehende Borreliose als auslösendes Moment die
nachfolgende Kaskade der (ungewöhnlichen) Fehlverarbeitung nicht in Gang
gekommen wäre. Die beklagte Persistenz der Beschwerden (Fatigue, Müdigkeit,
Schmerzen) sei im Rahmen dieser Diagnose überwiegend wahrscheinlich erklärt. Aus
neurologisch-infektiologischer Sicht liege mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit kein PTLDS vor (Suva-act. 431/3 S. 35) und die Borreliose könne
mit Abschluss der lege artis durchgeführten antibiotischen Behandlung als geheilt
angesehen werden. Spätestens ab Anfang Oktober 2001 sei die Unfallkausalität aus
somatischer Sicht gänzlich weggefallen (Suva-act. 431 S. 13 ff.).
Der Beweiswert des asim-Gutachtens vom 6. März 2020 ist nicht in Zweifel zu
ziehen. Die Expertise in der Gesamtbeurteilung (Suva-act. 431) und ihre Teilgutachten
(Neuropsychologie [Suva-act. 431/1], Infektiologie [Suva-act. 431/2], Neurologie [Suva-
act. 431/3] und Psychiatrie [Suva-act. 431/4]) beruhen auf einem umfassenden
Aktenstudium und setzen sich eingehend mit den bisherigen fachärztlichen Berichten
(Suva-act. 431 S. 24 bis 49) auseinander. Es erfolgte gestützt auf ausführliche und
umfangreiche klinische Untersuchungen und Befragungen des Beschwerdeführers in
den jeweiligen Fachgebieten. Das Gutachten berücksichtigt auch alle vom
Beschwerdeführer geklagten Beschwerden und ist in seinen Schlussfolgerungen
uneingeschränkt nachvollziehbar und überzeugend. Widersprüchlichkeiten oder
Unklarheiten sind keine auszumachen. Die früher gestellte Diagnose einer
Neuroborreliose wurde nachvollziehbar (erneut) widerlegt (vgl. Suva-act. 431/2 S. 7,
431/3 S. 29 f.) und ein PTLDS aufgrund eines Ausschlusskriteriums resp. bei Vorliegen
von rheumatologischen/neurologischen Befunden (unfallfremde Rückenproblematik bei
chronischem zervikovertebralem bis zervikocephalem Schmerzsyndrom sowie
chronischem lumbovertebralem Schmerzsyndrom; Suva-act. 431/3 S. 27) und
psychiatrischer Diagnose (chronifizierte Schmerz-/Beschwerdeverarbeitungsstörung,
psychische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei anderorts klassifizierten Krankheiten;
Suva-act. 431/4 S. 19 ff.), welche die Persistenz der Beschwerden erklären, schlüssig
verworfen (vgl. Suva-act. 431/2 S. 9, 431/3 S. 32 ff.), womit die vormals bestehenden
3.2.
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diesbezüglichen Unklarheiten (vgl. dazu E. 3.10 in UV 2015/36) beseitigt werden
konnten. Die Beurteilungen im Konsens und in den Teilgutachten erfüllen vollends die
praxisgemässen Voraussetzungen und bilden eine beweistaugliche Grundlage für die
Beurteilung der streitigen Belange, namentlich auch der Kausalitätsfrage, weshalb
vollumfänglich darauf abzustellen ist. Daran ändert nichts, dass die
Beschwerdegegnerin oder die asim keine rheumatologische Begutachtung
veranlassten. Wie die Beschwerdegegnerin in der Duplik vom 21. Januar 2022 richtig
ausführte, kommt den Gutachtern, was die Wahl der Untersuchungsmethoden und die
Auswahl der fachärztlichen Abklärungen betrifft, ein weiter Ermessensspielraum zu
(Urteil des Bundesgerichts vom 27. September 2017, 8C_820/2016, E. 5.5). Im Übrigen
war die neurologische Expertin durchaus in der Lage, die vorliegend zur Diskussion
stehende und bildgebend ausgewiesene auch orthopädisch-rheumatologische
(Rücken-)Problematik in ihre Beurteilung miteinzubeziehen.
Gestützt auf das asim-Gutachten ist damit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
davon auszugehen, dass weder aktuell noch per 21. September 2004 ein PTLDS
vorliegt/vorlag, welche die vom Beschwerdeführer beschriebenen (unspezifischen)
Beschwerden (vermehrte Müdigkeit/Schlafprobleme, Schmerzen multipler
Lokalisationen [Nacken und Rücken, Gliederschmerzen, Gelenksschmerzen,
Kopfschmerzen], Sehstörungen/Doppelbilder, kognitive Einschränkungen, Fatigue und
verminderte Leistungsfähigkeit) erklären könnten (Suva-act. 431 S. 14 f.). Vielmehr
beruhen diese Beschwerden, welche nicht in Frage gestellt werden, auf anderer
Ursache als der Borrelioseerkrankung. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zeitigte
diese schon per Oktober 2001 keine somatischen Folgen mehr resp. liessen sich die
beklagten Beschwerden per diesem Zeitpunkt nicht mehr auf eine organische
unfallkausale Ursache zurückführen. Mit anderen Worten gelingt der
Beschwerdegegnerin in Beachtung des schlüssigen asim-Gutachtens der
rechtsgenügliche Beweis, dass per Oktober 2001 aus somatischer Sicht der Status
quo ante wieder erreicht und jegliche Unfallkausalität dahingefallen war.
3.3.
Zu prüfen bleibt eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin über den 21.
September 2004 hinaus aufgrund der diagnostizierten chronifizierten Schmerz-/
Beschwerdeverarbeitungsstörung (Suva-act. 431/4 S. 19 ff.). Dabei handelt es sich
gemäss dem beweiswerten asim-Gutachten nicht um eine organisch-psychische
Störung als direkte Folge der Borreliose, sondern um eine reaktive sekundäre
psychische Erkrankung (Suva-act. 431 S. 15 f.). Diese wird nachvollziehbar als natürlich
(teil-)kausal qualifiziert und der Auslöser unter anderem in der iatrogen langjährig
aufrechterhaltenen (falschen) Diagnose einer Neuroborreliose gesehen (Suva-act. 431
3.4.
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4.
Nach dem Gesagten ist der angefochtene Einspracheentscheid vom 4. Juni 2021 nicht
zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind mangels gesetzlicher Grundlage im UVG keine zu erheben (vgl. dazu Art. 61 lit. f
ATSG). Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG).