Decision ID: 52930493-8b31-45e0-a42f-aa3c0d3bd1f1
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1984 geborene
X._
meldete sich a
m 8. Dezember 2020
beim Re
gionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV)
Zürich
Eggbühlstrasse
zur Arbeits
vermittlung an und bean
tragte
ab
demselben
Tag
Arbeitslosenentschädi
gung
(Urk. 22/96)
.
In der Folge wurde er wegen des
Antritts
verschiedener neuer
Arbeitsstellen
mehrfach
von der Arbeits
vermittl
ung abgemeldet (Urk. 22/98 ff.) und n
ach erhaltener Kündigung jeweils wieder an
gemeldet
(vgl. Urk. 22/95 ff.).
Mit Verfügung vom
2. Dezember
2021 stellte das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) den Versicherten wegen Nichtbefolgens von
Wei
sungen des RAV ab dem
23. November 2021 für 6
Tage in der Anspruchsberechti
gung ein (Urk.
22/2
). Dagegen erhob der Versicherte mit Schreiben vom
7.
und 10. Dezember 20
21 Einsprache (Urk.
22/
3
, 22/8
), welche das AWA mit
Einspracheentscheid
vom
25. Januar 2022
abwies (Urk.
22/10
).
2.
A
m
31. Januar 2022
erhob der Versicherte Beschwerde, aus welcher das Anfech
tungsobjekt nicht klar hervorging,
und beantrag
te sinngemäss
,
es sei von einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung abzusehen
(Urk.
1
).
Mit Verfügung vom 8. Februar 2022 wurde dem Beschwerdeführer Frist angesetzt, um anzuge
ben, gegen welchen Entsche
id sich seine Beschwerde richte
, den angefochtenen Entscheid einzureichen und die Beschwerdeschrift eigenhändig original unter
zeichnet zurückzusenden (Urk. 6). Am 23. Februar 2022 reichte
dieser
eine ver
besserte Beschwerdeschrift sowie den
(unvollständigen)
Einspracheentscheid
ein (Urk. 15-17).
Mit Beschwerdeantwort vom
18. März 2022
schloss der Beschwer
degegner auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
21
), wo
rüber der Beschwerdefüh
rer mit Ver
fügung vom
5. April 2022
in Kenntnis gesetzt wurde (Urk.
23
).
Am 9. Mai 2022 reichte der Beschwerdeführer eine weitere Stellungnahme zu den Akten (Urk. 25).
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert Fr. 3
0’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einz
elrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
,
GSVGer
, in der ab 1.
Juni 2020 geltenden Fassung
).
1.2
Nach Art. 17 Abs. 2
des
Bundesgesetz
es
über die obligatorische Arbeitslosenver
sicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
muss sich die versicherte Per
son möglichst frühzeitig, spätestens jedoch am ersten Tag, für den sie Arbeitslo
senentschädigung beansprucht, persönlich zur Arbeitsvermittlung melden und von da an die Kontrollvorschriften des Bundesrates befolgen. Dazu gehört nach Art.
17 Abs.
3 Satz 2
lit
. b AVIG, dass die arbeitslose Person auf Weisung der zuständigen Amtsstelle an Beratungsgesprächen und Informationsveranstaltun
gen teilnimmt. Nach Art. 21 Abs. 1 Satz 1
der
Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung (
AVIV
)
führt die zuständige Amtsstelle mit jeder versicherten Person in angemessenen Abständen, jedoch mindestens alle zwei Monate, Beratungs- und Kontrollgespräche durch.
Gemäss Art.
30 Abs. 1
lit
.
d
AVIG ist die versicherte Person in der Anspruchsbe
rechtigung einzustellen, wenn sie die Kontrollvorschriften oder die Weisungen der zuständigen Amtsstelle nicht befolgt. Als Nichtbefolgen einer Weisung gilt insbesondere das unentschuldbare Versäumen eines Beratungsgesprächs. Dabei stellt jedoch nach der Rechtsprechung ein unentschuldigtes Nichtwahrnehmen eines Beratungs- und Kontrollgespräches insbesondere dann kein einstellungs
würdiges Fehlverhalten dar, wenn die versicherte Person während zwölf Monaten davor ihren Pflichten als Arbeitslose korrekt nachgekommen ist und sich für das Fehlverhalten nachträglich von sich aus entschuldigt hat, wobei ein allfälliges früheres Fehlverhalten nicht zu berücksichtigen ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_761/2016 vom 6. Juli 2017 E. 2.1 mit Hinweisen).
1.3
Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30 Abs. 3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30
Tage bei mittel
schwerem und 31
bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 3 AVIV).
Wird die versicherte Person wiederholt in der Anspruchsberechtigung eingestellt, so wird die Einstelldauer angemessen verlängert. Für die Verlängerung werden die Einstellungen der letzten zwei Jahre berücksichtigt (Art. 45 Abs. 5 AVIV).
2.
2.1
Der Beschwerdegegner begründete den angefochtenen Entscheid damit, dass der Beschwerdeführer das Beratungsgespräch vom 22. November 2021 nicht wahr
genommen habe.
Dass dieser Termin von der Beraterin abgesagt worden
sei
, bringe der Beschwerdeführer weder vor noch lasse sich dies den Akten entneh
men. Auch gehe nicht hervor, da
ss
der Beschwerdeführer
allenfalls darauf hinge
wie
sen worden
sei
, im letzten Monat vor Antritt einer Stelle nicht mehr an
Kon
troll
- und Beratungsgesprächen teilnehmen zu müssen. Ü
be
rdies habe er das Online-Pflichtinformationsmodul absolviert, in welchem unter anderem auf die Pflichten der Versicherten hingewiesen werde. Der Beschwerdeführer habe
dem
nach
davon ausgehen müssen, zur Wahrnehmung des Kontroll- und
Be
r
a
tungs
gespräches verpflichtet zu sein, solange das geplante Gespräch seitens des RAV nicht abgesagt worden sei. Dies selbst im Falle
der
Zusage für eine neue S
telle, zumal
der Beschwerdeführer
im November 2021 noch Leistungen der Arbeitslo
senversicherung beantragt und bezogen habe (Urk. 22/10).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend, dass er am 19. November 2021 mit der
stellvertretenden
RAV-Beraterin Kontakt gehabt habe, nachdem sie ihm zwei Stellen zugewiesen habe, bei welchen er sich hätte bewerben müssen. Da er zu diesem Zei
tpunkt bereits eine neue Stelle
als Bauführer gehabt
habe
, habe er sich
telefonisch
bei ihr gemeldet. Sie habe ihm dann gesagt, dass er auf
grund der neuen Stelle von seinen Verpflichtungen als Arbeitsuchender
befreit sei, womit der B
eratungs
termin und die Arbeitsbemühungen gemeint gewesen seien. Am Dienstag habe er sich bei seiner zuständigen RAV-Beraterin für sein Fernbleiben entschuldigt, was entweder ein Fehler seinerseits gewesen sei oder ein Missverständnis innerhalb des RAV, da er ja
bereits abgemeldet gewesen sei
. Zudem habe
er an den internen Kommunikationen
im RAV
gezweifelt (Urk. 1, 15, 16).
3.
3.1
Es ist unbestritten un
d mit den Akten belegt, dass der Beschwerdeführer
das Beratungsgespräch vom
22. November 2021
um 15
.30 Uhr nicht wahrge
nommen hat
(vgl. Urk. 22/21)
.
3.2
Im Rahmen des Einsprache- und Beschwerdeverfahrens erklärte der Beschwerde
führer diesbezüglich, dass er die stellvertretende RAV-Beraterin am 19. N
ovember 2021
über seine Stellenzusage informiert habe, woraufhin diese ihn von der Erfüllung der Pflichten
(Arbeitsbemühungen und Beratungstermin
e
)
entbunden habe
(Urk. 1, 22/8
)
.
Dies lässt sich aufgrund der vorliegenden Akten allerdings nicht
nachweisen
.
Zwar ist
aktenkundig, dass die besagte RAV-Beraterin dem Beschwerdeführer am
19. November 2021
um 9:06 Uhr eine Stellenausschreibung per E-Mail weiter
leitete
(Urk. 22/75). E
benso ist dem telefonischen Verbindungs
nachweis
des Beschwerdeführers zu e
ntnehmen, dass
dies
er daraufhin um 9
:25:01, 9:28:08 und 9:56:07
Uhr
die Nummer der RAV-Beraterin
wählte
(Urk. 22/9). Allerdings
erhellt
aus der Dauer der Verbindung
en
von 11, 5 und 7 Sekunden, dass
d
er
Beschwerdeführer
lediglich
mit einer automatischen Ansage beziehungsweise einem
Telefonbeantworter
verbunden
gewesen sein muss
und die Telefonverbindung nach kurzer Zeit wieder beendet
wurde
. Ein Gespräch kann in
diesen kurzen
Zeit
spannen
nicht stattgefunden haben und ebenso wenig die Bitte nach einem Rückruf platziert worden sein, dauert doch bereits
eine
automa
tische Telefo
n
an
sage regelmässig länger als 10 Sekunden.
Unter diesen Umstän
den erübrigt sich auch das Einfordern eines Telefonauszuges beim RAV (vgl. Urk. 25)
, zumal
im RAV-Beratungsprotokoll
(Urk. 22/95) oder den übrigen Akten kein entsprechendes Telefongespräch ver
merkt
ist
.
Und schliesslich
erklärte
die stellvertretende RAV-Beraterin am 28. Janua
r 2022
, dass sie grundsätzlich keine Aussage über Te
rminbefreiu
n
gen für Versicherte von anderen Personalberatern
mache
(Urk. 22/76), was durchaus glaubwürdig und nachvollziehbar erscheint.
Mithin muss da
von ausgegangen werden, dass der Beschwerde
führer
das RAV
erst über seine Stellenzusage informiert hat, nachdem der Beratungstermin bereits verstrichen war
(vgl. Urk. 22/52)
,
und diesen folglich nicht (rechtzeitig) ab
sagte
. Die offenbar erfolgten
Kontaktaufnahmeversuche vermögen den Beschwerdefüh
rer selbstredend nicht zu entschuldigen, standen ihm doch weitere Möglichkeiten
der Kontaktaufnahme
auf schriftlichem (per Post oder E-Mail) oder telefonischem Weg (erneute Telefonversuche)
offen. Kommt hinzu, dass
d
er
Beschwerdeführer
am 22. November 2022
noch
nicht
einmal
verhindert war, sondern eine Teil
nahme
am Beratungsgespräch
aufgrund der
angeblich
zuvor erfolgten Stellenzu
sage
(
der Arbeitsvertrag
war in diesem Zeitpunkt noch n
icht unterzeichnet
)
schlichtweg
nicht für nötig hielt.
Dabei ist namentlich darauf hinzuweisen, dass zwar regelmässig auf den Nachweis von Arbeitsbemühungen verzichtet wird, wenn die versicherte Person eine zumutbare Arbeit –
mittels unterzeichnetem Vertrag
–
gefunden hat
, die sie innert Monatsfrist antreten kann (AVIG-Praxis ALE
Rz
. B320
, vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_40/2016 E. 4.2
)
. Dies bedeutet aber nicht gleichzeitig auch eine Freistellung von vereinbarten Beratungsge
sprächen.
Dem Beschwerdeführer musste die Wichtigkeit und der Pflichtcharakter der Bera
tungsgespräche
bewusst sein,
weil sie ihm
einerseits
im Online-Pflichtinf
ormationsmodul mitgeteilt
(vgl. Urk. 22/10)
,
und
ihm andererseits
bereits am 17. September 2018 (Urk. 22/37) und am 24. Januar 2020 (Urk. 22/39, mit
Einspracheentscheid
vom 28. Februar 2020 wieder aufgehoben, Urk. 22/43) Sank
tionen aufgrund der Nichteinhaltung von Kontroll- und Beratungsterminen auf
erlegt
worden waren.
Vor diesem Hintergrund fällt
ein Absehen von einer Einstellung in der Anspruchs
berechtigung trotz zuverlässiger Einhaltung
seiner
Pflichten als Arbeitslose
r
in den vergangenen zwölf Mon
aten
(E. 1.2) ausser Betracht
, hat sich der Beschwerdeführer
doch für
sein
Fehlverhalten nachträglich nicht entschuldigt
,
sondern vielmehr
sowohl
in der Einsprache
als auch in der Beschwerde
vorgebracht, den Termin gar nicht versäumt zu haben
, weil er bereits abgemeldet gewesen sei
(Urk. 22/8
,
Urk.
1).
Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung g
estützt auf Art. 30 Abs. 1
lit
.
d AVIG
ist
somit rechtens.
3.3
Der Beschwerdegegner stellte den Beschwerdeführer
für sechs Tage in der Anspruchsberechtigung ein, was einer Sanktion im mittleren Bereich des leichten V
erschuldens entspricht (vgl. E.
1.3
). Dies ist nicht zu beanstanden (vgl.
Rz
. D79 Ziff. 3.A/1 des «Einstellrasters KAST/RAV» des SECO in der AVIG-Praxis ALE, wonach beim erstmaligen
Fernbleiben/Versäumnis am Beratungsgespräch
[inner
halb der
letzten zwei Jahre
, vgl. E. 1.3]
ohne entschuldbaren Grund
zwischen 5 und 8 Einstelltage zu verfügen sind).
4.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
ist deshalb zu bestätigen und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.