Decision ID: addaf99f-f109-4b29-a480-755f5598bfe1
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1986 geborene
X._
war
ab
1
4.
September 2009 bis 3
1.
August
2014 bei der Y._ AG
angestellt und im Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses bei der
Axa Versicherungen AG
(nachfolgend: Axa)
gegen die Folgen von
Un
fällen versichert. Mit Schadenmeldung UVG
vom 27. Februar 2014
liess
sie
der Axa mitteilen, dass sie am 1
4.
Februar 2014 einen Autounfall mit Verletzungen am ganzen Körper (systemische Wirkung) erlitten habe (Urk. 18/A1
und Urk. 18/A11
). Die die Versicherte am Unfalltag behandelnden Ärzte des
Stadt
spitals
Z._
stellten die Diagnose einer HWS-Distorsion Grad II (Bericht über die ambulante Behandlung vom 14. Februar 2014,
Urk.
18/M1). Die Axa erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld).
Mit Verfügung vom
14. Januar 2015
schloss die Axa den Fall per
31. Dezember 2014
ab und stellte ihre Leistungen ein. Einen Anspruch auf weitere Versiche
rungsleistungen verneinte sie
mit der Begründung, die aktuellen Restbeschwer
den seien nicht unfallbedingt
(Urk.
18/A58
). Die von der Versicherten gegen diesen Entscheid erhobene Einsprache vom
30. März 2015
(Urk.
18/A73
) wies die Axa am
4. März 2016 ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
die
Versicherte am
20. April 2016
Beschwerde (
Urk.
1) und bean
tragte,
der
Einspracheentscheid
vom
4. März 2016 sei aufzuheben und es seien ihr die Leistungen gemäss UVG über den 31. Dezember 2014 hinaus zu gewähren. Eventualiter sei eine medizinische Expertise aus den Fachrichtungen Neurologie, Psychiatrie und Neuropsychologie durch das Gericht anzuordnen. Subeventualiter sei die Sache zu weiteren Abklärungen an die Vorinstanz zu
rückzuweisen.
Zudem sei ih
r
die Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsvertre
tung zu bewilligen
.
Am 6. Mai 2016 (Urk. 7) legte sie einen ärztlichen Bericht auf (Urk. 8).
Am 2
9.
August 2016 (Urk. 17) beantragte die Axa die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 3
0.
August 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 19).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgeset
zes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallver
sicherung (UVV) in Kraft getre
ten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sach
verhalt ver
wirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Än
derung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufs
krankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am 1
4.
Februar 2014 ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorübergehen
den Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invaliden
rente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortset
zung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszu
standes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Ein
gliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschl
ossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2
UVG; Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2.
Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3).
In diesem Zeitpunkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2.
Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
454/2014 vom 2. September 2014 E. 6.3).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfä
higkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist
. Die Verwendung des Be
griffes „
namhaft" in Art.
19 Abs.
1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art.
10 Abs.
1 UVG er
hoffte Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglich
keit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen
–
wie etwa einer Badekur
–
zu erwartender ge
ringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durch
führung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versi
cherten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2.
Mai 2014 E. 4.1 mit Hinweisen, insbes. auf BGE
134 V 109 E. 4.3; vgl. auch Urteil 8C_6
39/2014 vom 2. Dezember 2014 E.
3).
1.3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4
Ist ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule diagnostiziert und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörun
gen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung und so weiter vor, so ist der natürliche Kausal
zusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen. Es ist zu beto
nen, dass es gemäss obiger Begriffsumschreibung für die Bejahung des natürli
chen Kausalzusammenhangs genügt, wenn der Unfall für eine bestimmte ge
sundheitliche Störung eine Teilursache darstellt (BGE 117 V 359 E. 4b).
1.5
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.
6
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
Objektivierbar
sind
Untersu
chungsergebnisse, die reproduzierbar sind und von der Person des Un
tersuchenden und den Angaben des Patienten unabhängig sind. Von organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen kann erst dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden Abklärungen bestätigt werden (BGE 138 V 248 E. 5.1 mit Hinweis). Ob eine organisch objektiv ausge
wiesene Unfallfolge vorliegt, beurteilt sich nach dem im Sozialversiche
rungs
recht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 129
V 177 E. 3.1).
1.7
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer ge
wissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Be
einträchtigun
gen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zu
rückzuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Rechtsprechung des Bundesgerichts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psychische Störun
gen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeu
tung für die Entstehung der Arbeits- bezie
hungsweise der Erwerbsunfähigkeit zu
kommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit ande
ren Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Demnach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adä
quate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beeinträch
tigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne Weiteres zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittle
ren Bereichs weitere Kriterien in die Beurteilung mit einzu
beziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig da
von, ob einzelne dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
-
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
-
erhebliche Beschwerden;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das Bundes
gericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die Beurtei
lung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer psy
chischen Fehlentwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beur
teilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleudertrauma der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Be
schwerden auf eine Dif
ferenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht ent
scheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als organischer und/oder psy
chischer Natur bezeichnet werden (BGE 134 V 109; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., 1999 Nr. U 341 S. 409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117 V 359 E. 5d/aa und 367 E. 6a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren Einspracheentscheid (Urk. 2) damit, dass es keinen bildgebenden Nachweis einer unfallbedingten Schädigung gebe. Der Endzustand sei am 31. Dezember 2014 erreicht worden. Der Unfall sei im mittleren Bereich an der Grenze zu den leichten Ereignissen einzuordnen. Von den Adäquanzkriterien sei keines erfüllt. Sowohl der natürliche als auch der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 14. Februar 2014 und den geklagten Beschwerden seien zu verneinen. Weitere Abklärungen wür
den sich damit erübrigen (S. 7 f.).
In ihrer
Beschwerdeantwort (
Urk. 17
) hielt sie ergänzend fest,
auch dem neu eingereichten Bericht von Dr. med. A._, FMH für Chirurgie, seien keine
unfallkausalen objektivierbaren Befunde zu entnehmen (S. 5). Die Berichte von
Dr.
med.
B._
, Spezialarzt FMH für Rheumatologie und Innere Medizin
, und Dr.
med.
C._
, Physikalische Medizin und Rehabilitation spez. Rheumaerkran
kungen FMH, seien voll beweistauglich. Die Fachärzte seien übereinstimmend zum Schluss gelangt, dass der Status quo sine rund zehn
Monate nach dem Unfall erreicht worden sei. Diese Einschätzung decke sich mit der nur geringen Schwere des Unfallereignisses sowie der versicherungsmedizinischen Lehre und bundesgerichtlichen Rechtsprechung in ähnlich gelagerten Sachverhalten (S. 11 und S. 13 f.). Es sei fraglich, ob die HWS-Rechtsprechung überhaupt anwendbar sei, sei doch die psychische Problematik bereits einen Monat nach dem Unfall im Vordergrund gestanden. Im Weiteren begründete sie, weshalb die Adäquanz
kriterien ihrer Ansicht nach allesamt nicht erfüllt seien (S. 16-19).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
auf die Berichte der versicherungsinternen medizinischen Fachpersonen sei nicht abzustellen. Vielmehr sei eine weitere Abklärung insbesondere aus dem Bereich der Neurologie, allenfalls der Psychiatrie und der Neuropsychiatrie, an
zuberaumen (S. 8-12). Die Adäquanzkriterien der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen, der fortgesetzt spezifischen, belastenden ärztlichen Behandlung, der erheblichen Beschwerden, des schwierigen Heilungsverlaufs und erheblichen Komplikationen sowie der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen seien - aus näher dargelegten Gründen - erfüllt. Sowohl der natürliche als auch der adäquate Kausalzusammenhang seien zu bejahen (S. 13-15).
3.
3.1
Die Erstbehandlung fand am Unfalltag im Stadtspital Z._ statt. Die behandelnden Ärzte diagnostizierten eine HWS-Distorsion Grad II, eine Hyper
kaliämie von 4.7 mmol/l sowie als Nebendiagnosen einen Verdacht auf eine Eisenmangelanämie, chronische Rückenschmerzen, eine Bicepssehnenentzün
dung rechts sowie eine Zöliakie. Sie führten aus, es beständen keine ossären Läsionen der Halswirbelsäule (HWS) beziehungsweise der Rippen, ebenso wenig beständen Hinweise auf eine Organläsion im Abdomen, hingegen bestehe eine Druckdolenz über der unteren HWS und paravertebral, ebenso eine leichte Druckdolenz paravertebral an der Brust- und Lendenwirbelsäule (LWS), welche jedoch vorbestehend sei (Urk. 18/M1).
3.2
Dr. med. D._, Stv. Chefarzt der E._, stellte im Bericht vom 4. August 2014 (Urk. 18/M7) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Chronisches zervikovertebrales Schmerzsyndrom bei/mit:
-
Status nach HWS-Distorsionstrauma am 14. Februar 2014
-
CT HWS (Stadtspital Z._): keine ossäre Läsion
-
Anamnestisch Status nach HWS-Distorsionstraumen 2004, 2007 sowie 2011
-
Intermittierendes lumbovertebrales bis lumbospondylogenes Schmerzsyn
drom rechts, DD Ausweitung im Rahmen des zervikovertebralen Schmerz- syndroms, tendomyotisch
-
Chronisches Impingement-Syndrom Schulter rechts
-
Sonografie Schulter rechts vom 16. Juli 2014: chronische Bursi
tis subdeltoidea rechts bei intakter Rotatorenmanschette
Dazu führte er aus, die Beschwerdeführerin sei vom 26. Juni bis 23. Juli 2014 zur Rehabilitation hospitalisiert gewesen. Klinisch habe sich bei Eintritt eine in alle Richtungen bewegungsdolente HWS mit Tendomyosen parazervikal beid
seits und im Bereich der Nacken-/Schultermuskulatur gefunden. Sensomotori
sche Ausfälle hätten, abgesehen von einer leichten diffusen Hyposensibilität des linken Armes und des linken Beines, keine bestanden. An der rechten Schulter hätten sich ein positiver Impingement-Test nach Neer, ein positiver Jobe-Test sowie eine Allodynie gezeigt. Die Beschwerdeführerin sei in ein multimodales interdisziplinäres Schmerzprogramm eingeschlossen worden. Des Weiteren seien eine ergotherapeutische Beratung und eine intensive Begleitung durch den psy
chologischen Dienst erfolgt. Insgesamt habe sich ein stark fluktuierender Ver
lauf gezeigt. Eine deutliche Besserung der Schmerzsymptomatik habe nicht er
reicht werden können, die Beschwerdeführerin habe aber ein besseres Coping bezüglich ihrer Schmerzen erlangt (S. 1 f.). Es werde eine weitere intensive physiotherapeutische Behandlung im ambulanten Setting sowie dringend eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung empfohlen. Ab 1. August 2014 sei die Beschwerdeführerin medizinisch-theoretisch aus rein rheumatologischer Sicht in ihrer angestammten Bürotätigkeit zu 30 % arbeitsfähig. Es werde emp
fohlen, die Arbeitstätigkeit anschliessend gemäss Klinik im Verlauf langsam zu erhöhen (S. 3).
3.3
Dr. B._, welcher die Beschwerdeführerin am 17. und 25. November 2014 rheu
matologisch konsiliarisch untersucht hatte, führte in seinem Bericht vom 15. Dezember 2014 (Urk. 18/M18) folgende Diagnosen auf (S. 6):
-
Chronisches zervikovertebrales Syndrom rechts mit/bei
-
Vorwiegend myofaszialem Schmerzsyndrom im Schulter-Nackenbereich rechts mit deutlicher Generalisierungstendenz
-
Status nach HWS-Distorsion am 14. Februar 2014 mit vorübergehender Verschlimmerung eines schmerzhaften Vorzustandes, anhaltend seit 2011
-
Kernspintomographisch diskreter Dehydratation des Discus intervertebra
lis C5/C6 ohne posttraumatische Läsionen (MRI vom 12. August 2014)
-
Status nach HWS-Distorsionen 2003, 2007 und 2011
-
Psychosozialen Belastungsfaktoren (Finanzen, Job)
-
Verdacht auf Schmerzverarbeitungsstörung
Dazu hielt er fest,
i
n der klinischen Untersuchung
sei
eine altersentsprechende Beweglichkeit der HWS auf
gefallen
mit Endphasenschmerz für die beidseitige Seitneigung und für die Rotation nach rechts. Der
Kinn-Sternum-Abstand
be
trage
2,5/20 cm. Auch die LWS
sei
altersentsprechend beweglich mit Endpha
senschmerz für die Extension bei einem
Finger-Boden-Abstand
nach vorne
0 cm. Die Dornfortsätze der gesamten Wirbelsäule
seien
druckdolent mit deutli
cher muskulärer Verspannung im Schulter-Nacken-Bereich
beidseits
rechtsbe
tont, paravertebral thorakolumbal
beidseits
, in den Gesässen
beidseits
und we
niger auch in den Extremitäten, so dass von einem generalisierten Weich
-
t
eilrheumatismus ausgegangen werden
könne
. Die peripheren Gelenke
seien
al
tersentsprechend beweglich mit Ausnahme der Schulter rechts, die einen End
phasenschmerz für die Abduktion und für die Aussenrotation zeig
e
. Eine Mus
kelatrophie
könne
nicht objektiviert werden, ebenso
sei
der Neurostatus kurso
risch geprüft bland mit Ausnahme einer Hypästhesie im Bereich der gesamten linken Körperseite
.
Aktuell f
ä
nden sich weder anamnestisch, klinisch noch kernspintomographisch Hinweise für eine posttraumatische Läsion im Nacken- oder Schulterbereich rechts. Deshalb
könne
neun Monate nach
der
Frontalkolli
sion mit HWS-Distorsion
nach Quebec-Task-Force (QTF)
II davon ausgegangen werden, dass nun der Status quo sine erreicht worden
sei
. Die Schmerzen könn
t
en praktisch nur über die Muskulatur und über gewisse Bewegungen im HWS- und Schulterbereich rechts reproduziert werden. Diese Schmerzen
würden
nun schon seit 2011 an
dauern
und
hätten
schon damals zu einer Arbeitsunfä
higkeit
geführt
. Die
Beschwerdeführerin sei zu
75
%
arbeitsunfähig
gewesen
, als sie am 1
4. Februar 20
14 die Frontalkollision verursacht
hab
e. Aus rheumatolo
gischer Sicht beständen keine unfallbedingten Beschwerden mehr. Aus rein unfallbedingter Sicht bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in der Tätigkeit als Buchhalterin sowie in einer Verweistätigkeit (S. 6 f
f
.).
3.4
Dr. C._, beratender Arzt der Beschwerdegegnerin, hielt in seiner Akten- beurtei
lung vom 24. Februar 2016 (Urk. 18/M21) fest, die geklagten Be
schwerden seien genügend abgeklärt. Es hätten sich verschiedene spezialisierte Institutionen in ausführlicher Art und Weise mit dem Beschwerdebild befasst. Keine der aktuell objektivierbaren Befunde seien unfallkausal auf die Ereignisse von 2011 oder 2014 zurückzuführen. Von einer weiteren Behandlung sei keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes zu erwarten. Dieser sei sicher seit 31. Dezember 2014 stabil. Seither lasse sich keine unfallkausale Arbeitsun
fähigkeit mehr begründen. Strukturelle Veränderungen seien sowohl prä- wie posttraumatisch nicht nachweisbar (S. 4 f.).
3.5
Dr. A._ stellte in seinem Bericht vom 22. April 2016 (Urk. 18/M23) fol
gende Diagnosen (S. 1):
-
posttraumatisches cervicocephales Schmerzsyndrom und Verdacht auf neu
ropsychologische Defizite bei Status nach Kopftrauma 2000, Status nach HWS-Traumen als Beifahrerin 2003 und 2007 sowie Status nach HWS-Traumen als Fahrerin 2011 und 2014
-
sensibles Hemisyndrom links, wahrscheinlich funktioneller Genese
Dazu hielt er fest, dass eine schmerzbedingte Bewegungseinschränkung der HWS allseits um ca. 30 % mit palpatorisch verdickter und druckdolenter Na
cken- und Schultermuskulatur beidseits sowie weitere Druckdolenzen der übri
gen paravertebralen Muskulatur beständen. Zudem bestehe eine diskrete Hypästhesie im Bereich der linken Körperhälfte, im Übrigen seien die Sensibili
tät, Motorik und die Reflexe an den oberen und unteren Extremitäten symmetrisch intakt. Im Weiteren bestehe der Verdacht auf neuropsychologische Defizite mit erhöhter Ermüdbarkeit, Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit, erhöhter Reizbarkeit, verminderter Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit. Wegen dieses Verdachtsbefundes werde eine neuropsychologische Abklärung empfoh
len (S. 2).
4.
Strittig und zu prüfen ist zunächst der Zeitpunkt des Fallabschlusses, mithin die
Frage, ob von einer weiteren ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Stei
gerung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten ist.
I
m
März
2015
liess die Beschwerdeführerin um Übernahme der Kosten der phy
siotherapeutischen Behandlung ersuchen (Urk. 18/A71), nachdem sie zuvor spätestens ab November 2014 keine solche mehr absolviert hatte (vgl. Urk. 18/M18 S. 3). Dass diese Therapie nicht bloss der Erhaltung der gesund
heitlichen Situation diente, sondern zu einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit führen würde, ist angesichts des zeitlichen Verlaufs nicht zu erwarten und den medizinischen Unterlagen auch nicht zu entnehmen.
Ebenso wenig legte Dr. A._ dar, dass er von der empfohlenen neuropsycho
logischen Abklärungsuntersuchung eine Besserung des letztlich somatisch nicht fassbaren klinischen Bildes (vgl. dazu nachstehende E. 5) er
warte, was im Übrigen auch die Beschwerdeführerin nicht behauptete.
Gemäss Dr. med. F._, leitende Ärztin der G._, bei welcher die Beschwerdeführerin seit 24. November 2014 in Behandlung steht, ist die Beschwerdeführerin zu 100 % arbeits- unfähig; mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit könne mo
mentan nicht
gerechnet werden (Bericht vom 1
9.
Mai 2015;
Urk.
18/M20). Eine ins Gewicht fallende Besserung des Gesundheitszustands
mit
Steigerung der Ar
beitsfähigkeit
durch Fortsetzung der ärztlichen Behandlung ist in Anbetracht dieser Umstände nicht mehr zu erwarten, zumal für die Leistungseinstellung nicht entscheidend ist, dass die Beschwerden (vollständig) abgeklungen sind (vgl. BGE 134 V 109 E. 4.1).
Dr. C._
befand denn auch, dass von einer wei
teren Behandlung keine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustandes mehr zu erwarten ist (E. 3.4 hievor). Ein unfallbedingter Behandlungsbedarf über den 3
1.
Dezember 2014 hinaus ist damit nicht erstellt. Der per
1.
Januar 2015 vorgenommene Fallabschluss ist folglich nicht zu beanstanden.
5.
Gemäss der am Unfalltag erstellten CT der Halswirbelsäule bestanden keine Hin
weise auf ossäre Läsionen (E. 3.1 hievor), äussere Verletzungen wies die Be
schwerdeführerin ebenfalls keine auf. Das MRI vom 1
2.
August 2014 (Urk. 18/M9) zeigte bezüglich des Schädels und der Halswirbelsäule normale Befunde, keine wesentlichen degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule und
keine radiologisch sichtbaren cerebralen oder spinalen Traumafolgen.
Zu den gemäss Dr. A._ allenfalls bestehenden neuropsychologischen Ein
schränkungen (E. 3.5 hievor) ist festzuhalten, dass v
on organisch objektiv aus
gewiesenen Unfallfolgen - bei denen die Unfalladäquanz praktisch keine Rolle spielt - erst gesprochen werden kann, wenn die erhobenen Befunde mit appara
tiven/bildgebenden Abklärungen bestätigt werden und die angewendeten Un
tersuchungsmethoden wissenschaftlich auf breiter Basis anerkannt sind. Dies gilt auch für neuropsychologische Defizite (Urteil
des Bundesgerichts 8C_948/2012 vom 7. März 2013 E. 2 mit Hinweisen
).
In den Akten sind keine im Zeitpunkt der Leistungseinstellung per 31. Dezember 2014 bestehenden or
ganischen Schäden dokumentiert, welche für allfällige neuropsychologische Einschränkungen in Frage kommen könnten.
Auch sonst sind
weder
dem Bericht von Dr. A._ noch den übrigen
Unterla
gen Hinweise darauf zu entnehmen, dass im Zeitpunkt der Leistungseinstellung (noch) organisch nachweisbare Verletzungen vorhanden
gewesen wären. Dies wird von der Beschwerdeführerin denn auch nicht behauptet.
Ein unfallbeding
tes organisches Substrat der geklagten
gesundheitlichen Störungen im Sinne ei
ner bildgebend oder son
st wie nachweisbaren strukturel
len Veränderung ist zusammenfassend nicht erstellt.
Von weiteren Abklärung
en
- insbesondere von der von der Beschwerdeführerin beantragten neurologisch-psychiatrisch-neu
ropsychologischen Expertise -
sind
diesbezüglich
keine zusätzlichen Erkennt
nisse zu erwarten, weshalb darauf in antizipierter Beweiswürdigung (
vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen)
zu
verzichte
n
ist
.
Nachfolgend ist zu prüfen, ob die geklagten Beschwerden in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum Unfall vom 1
4.
Februar 2014 stehen.
Ob dabei der adäquate Kausalzusammenhang nach den in BGE 115 V 133 ge
nannten Grundsätzen (sogenannte Psycho-Praxis) oder nach der vom Bundes
gericht mit BGE 117 V 359 begründeten und in BGE 134 V 109 präzisierten Rechtsprechung (sogenannte Schleudertrauma- oder HWS-Praxis, vgl. dazu
E. 1.7 hievor) zu prüfen ist, kann offen bleiben, wenn die
Adäquanz des Kausal
zusammenhang
s auch bei Anwendung der für die versicherte Person günstige
ren HWS-Praxis zu verneinen ist (vgl. Rumo-Jungo/Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Bundesgesetz über die Unfallversicherung,
4.
Aufl. 2012,
S. 60).
6.
6.1
Bei der Adäquanzprüfung ist die Schwere des Unfalls aufgrund des augenfälli
gen Geschehensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kräften zu beurteilen (BGE 134 V 109 E. 10.1). Aufgrund des Polizeirapports
(Urk. 18/P5)
ist akten
kundig, dass die Beschwerdeführerin
mit einer Geschwindigkeit von ungefähr 40 km/h auf das abrupt bremsende Fahrzeug vor ihr auffuhr. Durch die Kolli
sion wurde die Front ihres Fahrzeuges total eingedrückt, der Airbag hingegen nicht ausgelöst. Die Beschwerdeführerin war nach dem Unfall weder bewusstlos noch musste sie erbrechen, auch wies sie keine äusseren Verletzungen auf. Hin
gegen klagte sie über initial leichten Schwindel sowie eine Hörstörung (Urk. 18/M1).
Entsprechend der Praxis in vergleichbaren Fällen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_252/2007 vom 16. Mai 2008 E. 6.2, 8C_163/2009 vom 25. März 2009 E. 3.2, 8C_1020/2008 vom 8. April 2009 E. 5.1 und 8C_714/2009 vom 14. April 2010 E. 6.2) ist von einem mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den
leichten Ereignissen auszugehen, was von der Beschwerdeführerin nicht bestritten wird.
Die Adäquanz wäre daher zu bejahen, wenn ein einzelnes der in die Beurteilung einzubeziehenden Krite
rien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt wäre oder mindestens vier der zu berücksichtigenden Kriterien gegeben wären (Urteil des Bundesgerichts 8C_487/2009 vom 7. Dezember 2009 E. 5).
6.2
6.2.1
Die Diagnose einer HWS-Distorsion (oder einer anderen, adäquanzrechtlich gleich zu behandelnden Verletzung) genügt für sich allein nicht zur Bejahung des Kriteriums der Schwere und besonderen Art der erlittenen Verletzung. Zur Bejahung dieses Kriteriums bedarf es einer besonderen Schwere der für das Schleudertrauma beziehungsweise für die adäquanzrechtlich äquivalente Verlet
zung typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, die das Beschwerdebild beeinflussen können. Es kann sich dabei zum Beispiel um eine beim Unfall ein
genommene spezielle Körperhaltung und die dadurch bewirkten Komplikationen handeln. Auch erhebliche Verletzungen, welche sich die versicherte Person ne
ben dem Schleudertrauma, der äquivalenten Verletzung der HWS oder dem Schädel-Hirntrauma beim Unfall zugezogen hat, können bedeutsam sein (
BGE 134 V 109
E. 10.2.2).
Eine HWS-Distorsion, welche eine bereits erheblich vorgeschädigte Wirbelsäule trifft, ist speziell geeignet, die „typischen" Symptome hervorzurufen, weshalb sie als Verletzung besonderer Art zu qualifizieren ist. Dabei ist allerdings in der Regel vorausgesetzt, dass die versicherte Person aufgrund der Vorschädigung unmittelbar vor dem Unfall mindestens teilweise arbeitsunfähig war
(Urteil des Bundesgerichts 8C_757/2013 vom 4. März 2014 E. 4.3 mit Hinweisen, insbes. auf
SVR 2007 UV Nr. 1 S. 1).
Eine Verletzung besonderer Art ist nicht schon deshalb anzunehmen, weil die versicherte Person bereits in der Vergangenheit Autounfälle erlitten hat. Viel
mehr rechtfertigt sich eine entsprechende Qualifikation der erlittenen Verlet
zungen nur bei Vorliegen einer erheblich vorgeschädigten Wirbelsäule
(Urteil des Bundesgerichts 8C_682/2013 vom 14. Februar 2014 E. 11.1 mit Hinweis auf Urteil
8C_413/2008 E. 6.3.2
).
Der Röntgenuntersuch
und das CT (im Stadtspital Z._, Urk. 18/M1)
sowie das MRI der HWS vom 1
4.
Februar 2014 ergaben keine Hinweise auf ossäre Läsio
nen, die Beschwerdeführerin wies auch keine äusseren Verletzungen auf. Auch sonst kann nicht von erheblichen Verletzungen oder einer besonderen Schwere der am Unfalltag geklagten Beschwerden gesprochen werden.
E
ine beim Unfall eingenommene spezielle Körperhaltung und dadurch bewirkte Komplikationen
sind nicht auszumachen.
Die Beschwerdeführerin erlitt zwar bereits vor dem Unfall vom 14. Februar 2014 mehrere Auffahrunfälle und war im Zeitpunkt des Unfalls in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Eine erheblich vorgeschädigte Wirbelsäule hatte sie jedoch nicht (vgl. MRI vom 12. August 2014; Urk.
18/M9).
Selbst wenn
erhebliche Vorschädigungen vorhanden und
das Kriterium
der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen
zu bejahen
wäre
n
, so
beständen
jedenfalls keine Anhaltspunkte dafür, dass
das Kriterium
in beson
ders ausgeprägter Weise erfüllt wäre.
6.2.2
Das Kriterium der fortgesetzt spezifischen, belastenden ärztlichen Behandlung bis zum Fallabschluss (
BGE 134 V 109
E. 10.2.3) bedingt, gesamthaft betrachtet, eine kontinuierliche, mit einer gewissen
Planmässigkeit
auf die Verbesserung des Gesundh
eitszustandes gerichtete ärztli
che Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer.
Blosse
ärztliche Verlaufskontrollen und
Abklärungsmassnahmen
sowie manualtherapeutische und medikamentöse Behandlungen vermögen das Kriterium nicht zu erfüllen (
Urteil des Bundesgerichts 8C_62/2013 vom 11. September 2013 E. 8.3
). Dies gilt auch für ärztlich/physiotherapeutische Be
handlungen, medizinische Trainingstherapie sowie für einen stationären Auf
enthalt in einer
Rehaklinik, soweit sich die Be
handlungen in einem nach HWS-Distorsionen üblichen Umfang bewegen. Insbesondere können Behandlungen mit Massage, Heimgymnastik, Atlastherapie, Kraniosakraltherapie, Neuralthera
pie sowie Kortisoninfiltration oder Lymph
drainage nicht als überdurchschnitt
lich belastend im Sinne der Rechtsprechung bezeichnet werden;
praxisgemäss
werden an dieses Kriterium deutlich höhere Anforderungen gestellt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_635/2013 vom
9. April 2014 E.
4.4.3
mit Hinweis auf Urteil 8C_910/2009 vom 13. Januar 2010 E. 4.4
).
Daran ändert auch nichts, wenn Schmerzmittel verabreicht oder Psycho
pharmaka eingenommen wurden und letztere allenfalls Nebenwirkungen auf
wiesen (vgl. Urteile des Bundesge
richts 8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E.
7.3.2 und
8C_29/2010 vom 27. Mai 2010 E. 5.3).
Einzig aufgrund des Umstandes, dass die Beschwerdeführerin ihre Beschwerden
seit dem Unfall bei verschiedenen Fachpersonen zu lindern versuchte,
resultiert noch keine erhebliche Belastung im Sinne der Rechtsprechung, zumal eine Be
handlungsbedürftigkeit (in Form medikamentöser Schmerz- und
Physiotherapie) während zwei bis drei Jahren nach einem Schleudertrauma der HWS respektive äquivalenten Verletzungen mit ähnlichem Beschwerdebild durchaus üblich ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_402/2007 vom 23. April 2008 E. 5.2.3).
Inwiefern die Behandlungen äusserst belastend gewesen sein sollen, wie von der Be
schwerdeführerin geltend gemacht, ist zudem nicht ersichtlich.
Ein unfallbe
dingter Behandlungsbedarf über den 3
1.
Dezember 2014 hinaus, welcher zu ei
ner zusätzlichen Belastung führen könnte, ist zudem
-
wie bereits dargelegt
-
nicht erstellt. Das Kriterium der fortgesetzten spezifischen, belastenden ärztli
chen Behandlung ist damit nicht erfüllt.
6.2.3
Adäquanzrelevant können nur in der Zeit zwischen dem Unfall und dem Fallab
schluss ohne wesentlichen Unterbruch bestehende erhebliche Beschwerden sein. Die Erheblichkeit beurteilt sich nach den glaubhaften Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden im Le
bensalltag erfährt (
Urteil des Bundesgerichts 8C_682/2013 vom 14. Februar 2014 E.
11.2
mit Hinweis auf BGE 134 V 109 E. 10.2.4).
Die Beschwerdeführerin leidet unter anderem an Nacken-, Schulter- und Rücken
schmerzen und ist in der Gestaltung ihres Lebensalltags eingeschränkt.
So könne sie beispielsweise nicht mehr
e
i
nkaufen und waschen (Urk. 18/IV
1/107/3). Aufgrund ihrer gesundheitlichen Beschwerden wurde ihr zudem die Stelle gekündigt (
vgl. Urk.
18/
A
11).
Das Kriterium der erheblichen Beschwerden ist damit zu bejahen.
Die Beschwerden übersteigen das bei HWS-Distorsionen übliche Mass jedoch nicht derart, dass das Kriterium in besonders ausgeprägter Weise bejaht werden könnte (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_580/2010 vom 30. August 2010 E. 5.3.2 mit weiterem Hinweis).
6.2.4
Auf einen schwierigen Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen (BGE 134 V 109 E. 10.2.6) darf nicht schon aus der
blossen
Dauer der ärztlichen Be
handlung und der geklagten Beschwerden geschlossen werden. Es bedarf viel
mehr besonderer Gründe, welche die Genesung bis zum Fallabschluss beein
trächtigt oder verzögert haben. Der Umstand, dass trotz verschiedener Therapien keine Beschwerdefreiheit erreicht werden konnte und der Heilungsverlauf nicht linear verlief, genügt hiefür nicht (vgl. Urteile
des Bundesgerichts 8C_682/2013 vom 1
4.
Februar 2014
E. 11.3 und 8C_29/2010 vom 2
7.
Mai 2010 E. 5.3).
Ebenso wenig genügt der
Umstand, dass die versicherte Person unter verschieden
artigen Symptomen leidet, die sich im Rahmen umfassender medizi
nischer Unter
suchungen keinem organisch nach
weisbaren Substrat zuordnen lassen, handelt es sich dabei doch gerade um ein für eine Schleudertrauma-Verletzung charakteristisches Phänomen (vgl. BGE 117 V 359 E. 4b).
Auch eine Schmerzchronifizierung oder eine psychische Überlagerung reichen dazu nicht aus, weil sie zum typischen Beschwerdebild eines Schleudertraumas gehören (Urteil des Bundesgerichts U 365/05 vom 11. Juli 2007 E. 5.2).
B
esondere Gründe, welche die Genesung bis zum Fallabschluss beeinträchtigt oder verzögert haben
, sind vorliegend keine auszumachen. Dass die
Beschwer
deführerin
bei mehreren Fachpersonen in Behandlung war, ändert daran nichts. Mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung ist das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs oder der erheblichen Komplikationen damit zu verneinen.
6.2.5
Was schliesslich das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewie
sener Anstrengungen anbelangt, ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass bei leichten bis mittelschweren Schleudertraumen der HWS ein längerer oder gar dauernder Ausstieg aus dem Arbeit
sprozess vom medizinischen Stand
punkt aus als eher ungewöhnlich erscheint. Nicht die Dauer der Arbeitsunfähig
keit ist daher
massgebend
, sondern eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit als sol
che, die zu überwinden die versicherte Person ernsthafte Anstrengungen unter
nimmt. Darin liegt der Anreiz für die versicherte Person, alles daran zu setzen, wieder ganz oder teilweise arbeitsfähig zu werden. Gelingt es ihr trotz solcher Anstren
gungen nicht, ist ihr dies durch Erfüllung des Kriteriums anzurechnen. Konkret muss ihr Wille erkenn
bar sein, sic
h durch aktive Mitwirkung rasch
möglichst wieder optimal in den Arbeitsprozess einzugliedern. Solche Anstren
gungen der versicherten Person kön
nen sich
insbesondere in ernsthaften Ar
beitsversuchen trotz allfälliger persönli
cher Unannehmlichkeiten manifestieren. Dabei ist auch der persönliche Einsatz im Rahmen von medizinischen
Thera
piemassnahmen
zu berücksichtigen. Soda
nn können Bemühungen um alterna
tive, der gesundheitlichen Einschränkung besser Rechnung tragende Tätigkeiten ins Gewicht fallen. Nur wer in der Zeit bis zum Fallabschluss nach Art. 19 Abs. 1 UVG in erheblichem Masse arbeitsunfähig ist und solche Anstrengungen auszuweisen vermag, kann das Kriterium erfüllen (Urteil des Bundesgerichts 8C_252/2007 vom 16. Mai 2008 E. 7.7.1 mit Hinweis
auf
BGE 134 V 109
E. 10.2.7; vgl. auch
Urteil 8C_635/2013 vom 9. April 2014 E. 4.4.5
).
Das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengun
gen bis zum Fallabschluss bezieht sich nicht nur auf den ange
stammten Beruf, sondern auch auf alternative leidensangepasste Arbeiten (Urteil des Bundesge
richts
8C_62/2013 vom 11. September 2013 E. 8.7 mit Hinweis auf BGE 134 V 109
E. 10.2.7).
Obwohl aus medizinischer Sicht bereits nach dem Rehabilitationsaufenthalt in der
E._
von einer 30%igen Arbeitsfähigkeit mit anschliessender langsamer Steigerung die Rede gewesen war (E. 3.2 hievor), unternahm die Be
schwerdeführerin keine entsprechenden Anstrengungen und
startete bis zum Fallabschluss keinen Arbeitsversuch.
6.2.6
Es bestehen keine Anhaltspunkte und wird von der Beschwerdeführerin auch nicht behauptet, dass die Kriterien der
besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls oder der ärztlichen Fehlbehand
lung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert, erfüllt sein könnten, weshalb darauf nicht weiter einzugehen ist.
6.3
Von den sieben relevanten Kriterien sind demnach höchstens zwei in nicht beson
ders ausgeprägter Weise erfüllt. Das genügt beim gegebenen Schweregrad des Unfalls nicht für die Bejahung der Adäquanz.
6.
4
Die von der Beschwerdeführerin ab 1. Januar 2015 weiterhin beklagten Gesund
heitsstörungen stehen damit in keinem überwiegend wahrscheinlichen adäqua
ten Kausalzusammenhang zum Verkehrsunfall vom
14. Februar 2014
. Ob ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, kann unter diesen Umständen offen gelassen werden (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 8C_571/2015 vom 1
4.
Oktober 2015 E. 2.2.5)
.
A
uf die diesbezüglichen Einwendungen der
Be
schwerdeführerin
(vgl.
Urk.
1 S. 5-12)
, insbesondere die Kritik an den Berichten der Dres. B._ und C._,
ist entsprechend nicht einzugehen. Es
ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen per
31. Dezember 2014
einstellte. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
7.
7.1
Da die Voraussetzungen für die unentgeltliche Rechtsvertretung im vorliegen
den Gerichtsverfahren erfüllt sind, ist Rechtsanwalt Martin Hablützel als unent
geltlicher Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin zu bestellen und bei diesem Ausgang des Verfahrens aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
7.2
Nach
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeit
aufwand und den Barauslagen. Gemäss
§
8 in Verbindung mit
§
7
Abs.
1 der seit
1.
Juli 2011 in Kraft stehenden Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (GebV SVGer) wird - auch im Rahmen der unentgeltlichen Rechtsvertretung - namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
7.3
Der von Rechtsanwalt Hablützel mit Eingabe vom
8.
September 2016 geltend gemachte Aufwand von 24.40 Stunden und
Fr.
219.60 Barauslagen (
Urk.
20) ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht ange
messen, insbesondere aufgrund der Tatsache, dass er die Beschwerdeführerin schon im Einsprache
- und IV-V
erfahren vertrat und
ihm
die Akten somit
be
kannt waren. Ein Aufwand von 8.7 Stunden für die Beschwerdeschrift
(nebst Instruktion und Aktenstudium)
sowie von 1.9 Stunden im Zusammenhang mit dem Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung erscheint zudem als über
höht.
Weiter sind insbesondere
die vor dem angefochtenen Einspracheentscheid vom
4.
März 2016 angefallenen Aufwände im Umfang von 5 Stunden in vorlie
gendem Verfahren nicht zu entschädigen, ebenso wenig
diejenigen im IV-Ver
fahren (so beispielsweise 8. März 2016: Brief an Kl. betrf. Verfügung SVGer; 29. März 2016: Telefon von Kl. betr. Urteil des Sozialversicherungsgericht d. Kt. Zürich; 5. April 2016: Aktenstudium Urteil des Sozialversicherungsgerichts d. Kt. Zürich vom 14.03.2016; 6. April 2016: Tel. mit Kl. bzgl. weiteres Vorgehen bzgl. Urteil SozGer) sowie alle im Zusammenhang mit der Krankentaggeldversi
cherung beziehungsweise Visana angefallenen Aufwen- dungen. Die Rechnungs
stellung wird sodann nicht entschädigt. Ein als unentgeltlicher Rechtsbeistand tätiger Rechtsvertreter hat sein Mandat schliesslich persönlich auszuüben und die unentgeltliche Verbeiständung ist auf Rechtsanwältinnen und –anwälte be
schränkt (Urteil des Bundesgerichts 8C_246/2012 vom 17. August 2012 E. 2.2). Die von MLaw H._ verfasste Eingabe (Urk. 7) ist damit ebenfalls nicht zu entschädigen.
Sodann ist die geltend gemachte Auslagenpauschale von Fr. 219.60 nicht ansatz
weise substantiiert und in dieser Höhe nicht nachvollziehbar.
Angesichts der zu rekapitulierenden Aktenstücke der Beschwerdegegnerin, der 17-seitigen Beschwerdeschrift, den Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung sowie der in ähnlichen Fällen zugesprochenen Beträgen ist die Entschädigung von Rechtsanwalt Martin Hab
lützel bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 220.-- (zu
züglich Mehrwertsteuer) auf Fr. 2‘800.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwert
steuer) festzusetzen.
7.4
Die Beschwerdeführerin ist auf
§
16
Abs.
4 GSVGer hinzuweisen, wonach sie
zur Nachzahlung der Auslagen für die Vertretung verpflichtet werden kann, sofern sie dazu in der Lage ist.