Decision ID: 6a625bb0-9e58-4121-80c5-826e01e224d1
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Die Gebäudeversicherung St. Gallen erhob in der Prämienrechnung vom 21. Januar
2021, Rechnungs-Nr. 0000003.03, gegenüber der E._ AG, in S._, als Eigentümerin
der Grundstücke an der T._ strasse, in S._, Vers.-Nr. 01.00001, und an der R._
strasse, in S._, Vers.-Nr. 02.00002, u.a. eine gesetzliche Feuerschutzabgabe von
CHF 537.35 und CHF 403.55 für das Jahr 2021 (act. G 11.9.1). Die von der E._ AG am
3. Februar 2021 gegen die Erhebung der gesetzlichen Feuerschutzabgabe gerichtete
Einsprache (act. G 11.9.2) wies die Gebäudeversicherung St. Gallen ab
(Einspracheentscheid vom 19. März 2021, act. G 11.9.4).
B.
Dagegen erhob die E._ AG am 8. April 2021 beim Verwaltungsrat der
Gebäudeversicherung St. Gallen Rekurs (act. G 11.1.1; zur ergänzenden Begründung
vom 29. April 2021 siehe act. G 11.3), den dieser nach einem mehrfachen
Schriftenwechsel (siehe hierzu act. G 11.9 ff.) mit Entscheid vom 22. Juni 2022,
Register-Nr. 8.4/01-2022, abwies (act. G 2).
C.
Den Rekursentscheid vom 22. Juni 2022 focht die E._ AG (Beschwerdeführerin) mit
Beschwerde vom 11. Juli 2022 beim Verwaltungsgericht an (act. G 1). In der
ergänzenden Eingabe vom 22. August 2022 beantragte sie dessen Aufhebung und es
sei auf die Erhebung der in Rechnung gestellten Feuerschutzabgabe zu verzichten;
unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich Mehrwertsteuer. Zur Begründung
brachte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, die Feuerschutzabgabe sei mit
den verfassungsmässigen Grundsätzen der Rechtsgleichheit, der Allgemeinheit der
Besteuerung sowie der Verhältnismässigkeit nicht zu vereinbaren. Entgegen der
Auffassung der Vorinstanz dürfe für den Vergleich der Abgabenerträge (und damit für
den Vergleich der Abgabenbelastung verschiedener Personenkreise) nicht das ganze
C.a.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
2.
Zwischen der Beschwerdeführerin und der Vorinstanz umstritten ist die
System des Feuerschutzes im Kanton St. Gallen betrachtet werden. Die Interessenlage
der Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer werde im Vergleich zu jener der
Mobiliareigentümerinnen und -eigentümer unverhältnismässig hoch gewichtet (act.
G 5).
In der Vernehmlassung vom 5. Oktober 2022 beantragte die Vorinstanz die Abweisung
der Beschwerde. Sie hielt der Argumentation der Beschwerdeführerin im Wesentlichen
entgegen, dass bei der Beurteilung der Rechtmässigkeit der Feuerschutzabgabe eine
gesamtheitliche Betrachtung des Feuerschutzsystems im Kanton St. Gallen unter
Beachtung der verschiedenen dazu beitragenden Einnahmequellen erfolgen müsse
(act. G 10).
C.b.
Die Beschwerdeführerin verzichtete stillschweigend auf eine Stellungnahme (vgl. act.
G 12 f.).
C.c.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 56 des
Gesetzes über die Gebäudeversicherung [GVG; sGS 873.1] i.V.m. Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]). Die Beschwerdeführerin
ist zur Beschwerde berechtigt (Art. 64 i.V.m. Art. 45 Abs. 1 VRP). Im Weiteren erfüllt die
Beschwerdeeingabe vom 11. Juli 2022 samt ergänzender Begründung vom 22. August
2022 zeitlich, formal und inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 i.V.m.
Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist demnach einzutreten.
1.1.
bis
Das Verwaltungsgericht hatte bislang noch nicht über die Rechtmässigkeit der
Feuerschutzabgabe zu befinden. Deshalb ergeht der vorliegende Entscheid in
Fünferbesetzung (Art. 18 Abs. 3 lit. b Ziff. 1 des Gerichtsgesetzes [GerG; sGS 941.1]).
1.2.
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Rechtmässigkeit der gegenüber der Beschwerdeführerin für das Jahr 2021 geltend
gemachten Feuerschutzabgabe.
Gemäss Art. 81 der Verfassung des Kantons St. Gallen (KV; sGS 111.1) überprüfen
Recht sprechende Instanzen im konkreten Anwendungsfall eine Gesetzes- oder
Verordnungsvorschrift auf ihre Übereinstimmung mit übergeordnetem Recht.
2.1.
Die Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer entrichten eine zweckgebundene
jährliche Abgabe zur Finanzierung der Aufwendungen, die dem Kanton aus der
Erfüllung der ihm nach diesem Erlass zukommenden Aufgaben entstehen (Art. 44
Abs. 1 des Gesetzes über den Feuerschutz [FSG; sGS 871.1]). Die Feuerschutzabgabe
beträgt 10 Rappen je CHF 1'000 des versicherten Gebäudewerts (Art. 59 der
Feuerschutzverordnung [FSV; sGS 871.11] i.V.m. Art. 44 Abs. 2 und Abs. 3 FSG). Bei
der Feuerschutzabgabe handelt es sich nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
(BGE 122 I 305 [= Pra 86 {1997} Nr. 83]) um eine Kostenanlastungssteuer, was
zwischen der Beschwerdeführerin und der Vorinstanz unbestritten ist.
2.2.
Der vorliegende Streit lässt es sinnvoll erscheinen, zunächst die
Entstehungsgeschichte der Feuerschutzabgabe in Erinnerung zu rufen. Das Gesetz
über die Gebäudeversicherung vom 26. Dezember 1960 gewährleistete einerseits einen
umfassenden Versicherungsschutz bei Feuer- und Elementarschäden an Gebäuden
und stellte anderseits über die Verbindung von Sicherung und Versicherung die
Förderung einer angemessenen Schadenverhütung sowie die Finanzierung einer
zweckmässigen Schadenbekämpfung sicher (siehe hierzu die Botschaft und den
Entwurf der Regierung vom 28. März 1995 zum II. Nachtragsgesetz zum Gesetz über
die Gebäudeversicherung, ABl 1995, 977 ff., 999). Die Gebäudeversicherung war mehr
als eine blosse Sachversicherung. Nebst der Gewährleistung eines umfassenden
Versicherungsschutzes war es seit je ihr gesetzlicher Auftrag, Schadenverhütung in
wesentlichem Mass zu fördern und Schadenbekämpfung finanziell mitzutragen. Die
Verbindung von Sicherung und Versicherung, von Vorsorge und Schutz, war
Wesensmerkmal der Gebäudeversicherung (ABl 1995, 1002), woran sich bis heute
nichts geändert hat (siehe Art. 1 Abs. 2 und Abs. 3 GVG). Bis zum
II. Nachtragsgesetz zum Gesetz über die Gebäudeversicherung (Vollzugsbeginn am
1. Januar 1997, nGS 31-133) trugen die Versicherten zur Finanzierung von
Brandschutz- und Brandbekämpfungsmassnahmen bei, indem sie im Rahmen der
Versicherungsprämie einen entsprechenden Solidaritätsbeitrag leisteten. Die
2.3.
bis
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3.
In einem ersten Schritt ist die Frage zu prüfen, ob sich die Feuerschutzabgabe mit dem
Grundsatz der Allgemeinheit der Besteuerung (Art. 127 Abs. 2 der Bundesverfassung
der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV; SR 101]) vereinbaren lässt. Als
Kostenanlastungssteuer steht sie in einem Spannungsverhältnis zum Grundsatz der
Allgemeinheit der Besteuerung und setzt daher voraus, dass sachlich haltbare Gründe
vorliegen, die betreffenden staatlichen Aufwendungen der erfassten Personengruppe
anzulasten (BGE 143 II 288 f. E. 2.3.2 mit Hinweisen).
Gebäudeversicherung finanzierte über diese Doppelfunktion in ihrer Prämie ihren
Auftrag von Sicherung und Versicherung. Für den Fall, dass das
Versicherungsmonopol einmal aufgehoben werden könnte, erachtete es der
Gesetzgeber im Rahmen des II. Nachtragsgesetzes für erforderlich, die Finanzierung
der Feuerschutzaufgaben anderweitig sicherzustellen. Die Finanzierung der
Versicherungsaufgaben und der Feuerschutzaufgaben sollte deshalb in einen
Versicherungs- und einen Feuerschutzanteil aufgeteilt und schon in der Prämie sichtbar
gemacht werden. Die Regierung betonte, mit der Möglichkeit, den Bezug der
Feuerschutzabgabe mit den Prämien der Gebäudeversicherung zu verbinden, würde
sich für die Versicherten an ihrer Belastung nichts ändern. Sie würden mit der
Versicherungsprämie weiterhin auch einen Feuerschutzanteil entrichten. Auf der
Prämienrechnung werde dieser aber separat ausgewiesen. Diese Feuerschutzabgabe –
die im Art. 51 des Gesetzes über den Feuerschutz vom 18. Juni 1968 kodifiziert
worden war (nGS 31-133) – belaste die Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer
nicht zusätzlich, weil sich im Gegenzug die Prämien im gleichen Umfang reduzieren
würden. Zudem entstehe auf diese Weise ein erheblicher Minderaufwand bei der
Stempelsteuer, was den Versicherten zugutekomme. Die Feuerschutzabgabe werde
keine Mehrbelastung der Hauseigentümerinnen und -eigentümer zur Folge haben
(ABl 1995, 1013).
sexies
Wie sich aus der Entstehungsgeschichte der Feuerschutzabgabe konkret ergibt (siehe
vorstehende E. 2.3) und es dem Wesen einer Versicherung allgemein regelmässig
entspricht, ist der Zweck der Gebäudeversicherung seit jeher nicht auf den (teilweisen)
Ersatz des im Brandschadenfall erlittenen materiellen Verlusts beschränkt, sondern
besteht vor allem auch in der Gewährleistung eines umfassenden Schutzes des
versicherten Guts (vorliegend Schutz der Gebäude auf dem Gebiet des Kantons
St. Gallen gegen Brandschaden; Art. 9 GVG). Ein solcher bedingt Schadenverhütungs-
und Schadenminderungsleistungen sowie Schadendeckung. Diese Leistungen erfolgen
3.1.
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im Interesse des Versichertenkollektivs, indem sie einerseits dem Vermeiden
schädigender Ereignisse (präventive Massnahmen) und andererseits – im Fall des
Eintritts eines schädigenden Ereignisses – der Schadensbekämpfung bzw. -minderung
dienen. Ein Verzicht auf Schadenverhütungs- und Schadenbekämpfungsmassnahmen
würde zwangsläufig sowohl zum Anstieg schädigender Ereignisse als auch zu
grösseren Schäden führen. Dadurch müssten mehr und jeweils höhere
Versicherungsleistungen ausgerichtet werden, was wiederum höhere
Versicherungskosten und folglich auch höhere Versicherungsprämien verursachen
würde. Die Versicherten haben deshalb ein vorrangiges Interesse an
Schadenverhütungs- und Schadenminderungsleistungen. Die sich daraus für sie
ergebenden erheblichen Vorteile bestehen in Form einer vergleichsweise tieferen
Prämie bei gleichzeitig besserem Schutz des versicherten Guts (tiefere
Schadenseintrittswahrscheinlichkeit und geringeres Schadensausmass im Brandfall;
vgl. betreffend den vorbeugenden Brandschutz BGE 124 I 30 E. 3f). Es ist der
konkreten Ausgestaltung der Versicherungslösung überlassen, ob sie entsprechende
Massnahmen ganz oder teilweise durch nicht beim Versicherungsträger angestellte
Personen oder Stellen erbringen lässt. Mit Blick auf die unmittelbare Brandbekämpfung
wurde bei der Ausgestaltung der Gebäudeversicherung auf die Schaffung (wohl
kostenintensiver) versicherungsinterner Leistungserbringer verzichtet. Stattdessen wird
die Erfüllung dieser Aufgabe von der Feuerwehr übernommen. In mit dieser Darstellung
zu vereinbarender Weise erläuterte die Regierung in der Botschaft zum Gesetz über
den Feuerschutz vom 13. März 2018 (ABl 2018, 1433 ff.), dass die Feuerschutzabgabe
die Beteiligung der Hauseigentümerinnen und -eigentümer an den Kosten von
Intervention und Prävention sicherstellt. Die dadurch generierten Mittel werden der
Gebäudeversicherung zur Unterstützung der Prävention und Intervention zur Verfügung
gestellt, um weiterhin von tiefen Prämien profitieren zu können (ABl 2018, 1477 Mitte;
zur Korrelation von Feuerschutz und Versicherungsprämien siehe ABl 2018, 1437 Mitte
und 1440 unten). Allein schon vor diesem Hintergrund erhellt, dass die
Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer einen besonderen Vorteil aus der von der
Feuerwehr erbrachten Brandbekämpfung ziehen (vgl. zum Ganzen auch G. Müller, in:
Glaus/Honsell [Hrsg.], Gebäudeversicherung, Systematischer Kommentar, 2009,
N 1.4.37; BGE 122 I 315 ff. E. 6b/aa, E. 6b/cc und E. 6d am Schluss).
Ein Gebäudebrand beinhaltet ein hohes Schadenspotenzial (Müller, a.a.O. N 1.4.4;
anschaulich für das Schadenspotenzial von Gebäudebränden in der Vergangenheit
siehe M. Lemmenmeier, ‹Fürio!› – Brandfälle und ihre Bekämpfung im 19. Jahrhundert,
in: Wissenschaftliche Kommission der Sankt-Galler Kantonsgeschichte [Hrsg.], 2003,
3.2.
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4.
Die Beschwerdeführerin rügt des Weiteren, die Feuerschutzabgabe stehe im
Widerspruch zum Grundsatz der Rechtsgleichheit und sei unverhältnismässig.
Band 5, Die Zeit des Kantons 1798-1861, mit einer Übersicht über die grossen
Brandunglücke und der davon betroffenen Gebäude in der Zeit von 1807 bis 2000,
S. 28 f.). Wenn ein Brand ein Gebäude erfasst, wird er regelmässig bereits
Proportionen angenommen haben, die einen grösseren Feuerwehreinsatz – nicht
zuletzt auch in Bezug auf die Personenrettung – bedingen, als es ein auf Mobiliar
begrenzter Brand erfordern würde. Zudem bleibt der Feuerwehreinsatz bei einem
Gebäudebrand oft nicht nur auf das betroffene Gebäude beschränkt, sondern es
müssen auch allfällige Nachbargebäude vor einem Übergriff des Brandes geschützt
werden (Feuerwehr 2015, Konzeption der FKS, Beschluss der Regierungskonferenz der
Feuerwehr Koordination Schweiz FKS vom 5. Juni 2009, S. 7 f.; Download unter:
<docs.feukos.ch/Konzeption_2015/Konzeption_2015_DE/>; abgerufen am
5. Dezember 2022). Von Bedeutung ist ausserdem, dass zur Bekämpfung von
Gebäudebränden regelmässig besonders teure Einsatzgeräte (Hubretter,
Autodrehleitern oder mobile Grossventilatoren; siehe hierzu ABl 2018, 1434 f.) benötigt
werden, die zudem mit hohen Unterhalts- und Ausbildungskosten verbunden sind (ABl
2018, 1454 f.; siehe auch die plausiblen Ausführungen der Vorinstanz in act. G 10, ad
Ziff. 3.3.b). Ein Gebäudebrand führt somit im Vergleich zu einem blossen Mobiliarbrand
in der Regel zu einer überproportionalen Inanspruchnahme der
Feuerwehrdienstleistungen, Feuerwehrgeräte und des übrigen Feuerwehrmaterials mit
entsprechenden Kostenfolgen. Im Licht dieser Umstände betrachtet erscheinen die
Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer als vorrangige Verursacher der
Feuerwehrkosten. Es ist daher angebracht, diese nicht vollumfänglich der Allgemeinheit
bzw. einem weiteren Personenkreis zu überbinden, sondern die
Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer (zusätzlich) einen separaten Anteil daran
mittragen zu lassen.
Bei einer Kostenanlastungssteuer muss die Abgrenzung des Kreises der
steuerpflichtigen Personengruppe nach haltbaren Kriterien erfolgen; andernfalls verletzt
die Abgabe das Gleichheitsgebot (Art. 8 Abs. 1 BV), das im Steuerrecht durch den
Grundsatz der Gleichmässigkeit der Besteuerung (Art. 127 Abs. 2 BV) konkretisiert wird
(vgl. zum Ganzen BGE 143 II 288 f. E. 2.3.2 mit Hinweisen).
4.1.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, entgegen der Sichtweise der Vorinstanz dürfe
4.2.
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für den Vergleich der Abgabenbelastung verschiedener Personenkreise im Kanton
St. Gallen nicht das ganze System des Feuerschutzes betrachtet werden (act. G 5, III.
Rz 3.1 und Rz 3.3). Da die Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer vom gesamten
System des Feuerschutzes profitieren bzw. dieses in seiner Gesamtheit auch in ihrem
Interesse ist, besteht kein Grund, einzelne Finanzierungsquellen bei der Beurteilung der
Kostenverteilung auszuklammern. Wie sich aus den zutreffenden Ausführungen der
Vorinstanz ergibt (siehe act. G 10, ad Ziff. 3.2, mit detaillierter, unbestritten gebliebener
Darstellung der Finanzierungsquellen), werden im Kanton St. Gallen – anders als bei
der vom Bundesgericht in BGE 122 I 305 beurteilten Abgaberegelung – die Kosten der
Feuerwehr nicht einzig den Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümern aufgebürdet.
Vielmehr besteht eine sachlich differenzierende Kostenaufteilung (Feuerschutzabgabe,
Ertrag aus «Löschfünfer», Ertrag aus Feuerwehrersatzabgabe, Ertrag aus allgemeinen
Steuermitteln und diversen Einnahmen; vgl. auch ABl 2018, 1439; zur Kostentragung
durch die Halterinnen und Halter von Fahrzeugen siehe Art. 40 Abs. 3 FSG und zu den
Voraussetzungen für einen Rückgriff bezüglich der Einsatzkosten der Feuerwehr siehe
Art. 41 FSG). Im Rahmen der Gesetzgebungsarbeiten wurde zudem bei der
Kostenaufteilung berücksichtigt, dass die Leistungen der Feuerwehr nicht nur den
Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümern zugutekommen, weshalb etwa auf eine
zusätzliche Sonderabgabe zugunsten der Gemeinden verzichtet wurde. Auch daran
zeigt sich, dass der kantonale Gesetzgeber eine massvolle Kostenbeteiligung der
Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer kodifiziert und dem allgemeinen Nutzen
einer Feuerwehr Rechnung getragen hat (ABl 2018, 1441).
Bezüglich des bei den freiwillig privatversicherten Mobiliareigentümerinnen und -
eigentümern erhobenen sogenannten «Löschfünfers» führt die Beschwerdeführerin
aus, vom dadurch finanzierten Feuerschutz würden auch nicht versicherte
Mobiliareigentümerinnen und -eigentümer profitieren (act. G 5, III. Rz 3.2 am Schluss).
Zudem würden die durch den «Löschfünfer» erzielten Erträge im Missverhältnis zu den
Erträgen der Feuerschutzabgabe stehen (act. G 5, III. Rz 3.3).
4.3.
Die gesetzliche Grundlage dafür, dass die Kantone den privaten
Feuerversicherungsunternehmen «mässige» Beiträge u.a. für den Brandschutz
auferlegen können, enthält Art. 88 Abs. 3 des Bundesgesetzes betreffend die Aufsicht
über Versicherungsunternehmen (SR 961.01; VAG; eingehend zum Beitrag nach Art. 88
Abs. 3 VAG sowie zur Darstellung ähnlicher Sondersteuern H. Daxelhoffer,
Gebäudeversicherung, a.a.O., N 9.3.2, N 9.3.4 ff. und N 9.3.8 ff.; siehe auch C. Quinto,
4.3.1.
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Direkte Demokratie und Staatswirtschaft, in: recht 2013 S. 195 ff., S. 204). Der Kanton
St. Gallen hat von dieser Kompetenz im Gesetz über Beitragsleistung von
Feuerversicherungsgesellschaften zu Feuerlöschzwecken (sGS 872.1) Gebrauch
gemacht. Der Beitrag beträgt 5 Rappen von je CHF 1'000 der im Kanton versicherten
Summe (Art. 1 des Gesetzes über Beitragsleistung von
Feuerversicherungsgesellschaften zu Feuerlöschzwecken). Vorweg ist aus dieser
Bestimmung auf die vorliegend zu beurteilende Streitigkeit zu schliessen, dass weder
der eidgenössische noch der kantonale Gesetzgeber davon ausgingen, der
Brandschutz sei ausschliesslich über die allgemeinen Steuermittel zu finanzieren.
Vielmehr wird ausdrücklich ein – wenn auch «mässiger» – Beitrag seitens der privaten
Feuerversicherungsunternehmen als zulässig betrachtet. Von Bedeutung ist weiter,
dass dem Löschbeitrag – wie bei der Feuerschutzabgabe – ebenfalls die Überlegung
zugrunde liegt, dass eine effiziente Feuerpolizei- und Löschvorsorge auch den
(privaten) Feuerversicherungen und ihren Versicherten zugutekommen, weshalb ihnen
eine besondere Abgabe zugemutet werden kann (Daxelhoffer, a.a.O., N 9.3.2). Da nicht
feuerversicherte Mobiliareigentümerinnen und -eigentümer im Schadenfall nicht von
(mit verhältnismässig tiefen Prämien finanzierten) Versicherungsleistungen profitieren,
liegt ein sachlicher Grund für eine Ungleichbehandlung vor, zumal die
Abgabebelastung bescheiden ist (vgl. zum besonderen Interesse von versicherten
Eigentümerinnen und Eigentümern von Gütern BGE 122 I 315 E. 6b/aa und 321 E. 6d
am Schluss). Nicht beizupflichten ist deshalb dem Vorbringen der Beschwerdeführerin,
die abstrakte Interessenlage gehe sowohl bei Gebäudeeigentümerinnen und -
eigentümern als auch bei Mobiliareigentümerinnen und -eigentümern (ausschliesslich)
dahin, dass eine funktionierende Feuerwehr zum Schutz ihres Eigentums und nicht zum
Schutz vor eventuell höheren Versicherungsprämien bestehen würde (act. G 5, III. 3.4).
Ohnehin ergibt sich die personelle Differenzierung unmittelbar aus Art. 88 Abs. 3 VAG
und ist für die gerichtlichen Behörden massgebend (Art. 190 BV). Im Übrigen wird in
der Lehre davon ausgegangen, dass die Zahl der nicht feuerversicherten
Mobiliareigentümerinnen und -eigentümer eher gering sei (siehe Daxelhoffer, N 9.3.9).
Von Bedeutung ist des Weiteren, dass reine Mobiliarbrände, die einen
Feuerwehreinsatz erforderlich machen, wohl regelmässig entweder im Strassenverkehr
oder in GVG-versicherten Gebäuden stattfinden. In den erstgenannten Fällen tragen die
GVG-Versicherten die Feuerwehreinsatzkosten entgegen dem Vorbringen der
Beschwerdeführerin (act. G 5, III. 3.2 am Schluss) nicht mit (Art. 40 Abs. 3 FSG, worauf
die Vorinstanz in act. G 10, ad Ziff. 3.2, S. 2, zutreffend hinwies). Demgegenüber
4.3.2.
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profitieren sie in der zweitgenannten Sachverhaltskonstellation von einer
Mobiliarbrandbekämpfung insoweit, als der Feuerwehreinsatz ein Übergreifen auf die
GVG-versicherten Güter verhindert bzw. dadurch verursachte Schäden (etwa durch
Hitze oder Rauch) vermindert.
Im Übrigen wird mit der Errichtung eines Gebäudes eine im Vergleich zu einer
beweglichen Sache ungleich grössere potenzielle Brandsubstanz und dadurch eine
erhöhte Brandgefahr für Leib und Gut geschaffen, sodass auch unter diesem Aspekt
ein besonderer Beitrag der Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer an die
Feuerwehr vertretbar erscheint (siehe vorstehende E. 3.2). Anders als Gebäude sind
Mobilien für deren Eigentümerinnen und Eigentümer zudem kaum je von existenzieller
Bedeutung (vgl. zum Ganzen J. Reich, Gebäudeversicherung und «negativ
nachgeführte» Bundesverfassung, in: AJP 9/2013, IV. B. am Schluss, S. 1408 mit
Hinweisen; Müller, a.a.O., N 1.4.15). Diesbezüglich kann ergänzend auf die
eingehenden zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (act. G 10,
ad Ziff. 3.3.a).
4.3.3.
Mit Blick auf den im Rekursverfahren diskutierten BGE 122 I 305 räumt die
Beschwerdeführerin zu Recht ein, dass dieser Leitentscheid im Vergleich mit dem
vorliegend zu beurteilenden Fall einen anderen Sachverhalt und eine abweichende
kantonale Regelung betroffen hatte (act. G 5, III. Rz 3.4). So lässt sich bereits dessen
Regeste entnehmen, dass die ausschliessliche Belastung der Grundeigentümerinnen
und -eigentümer für die vom Bundesgericht bejahte Verletzung der Rechtsgleichheit
bedeutsam war (siehe auch BGE 122 I 310 E. 4c). Die teilweise Finanzierung der
Ausgaben für die Feuerwehr mit einer bei den Eigentümerinnen und Eigentümern von
Gütern bzw. konkret von Gebäuden erhobenen Zwecksteuer hielt es zugleich für
zulässig (BGE 122 I 315 E. 6b/aa).
4.4.
Ferner vertritt die Beschwerdeführerin den Standpunkt, es gehe nicht an, dass das
System der Gebäudeversicherung mit jenem des Feuerschutzes verknüpft werde. Die
Gebäudeversicherung befasse sich mit Elementarschäden jeglicher Art und betreffe nur
Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer. Der Feuerschutz hingegen betreffe die
ganze Bevölkerung (act. G 5, III. Rz 3.4 am Schluss).
4.5.
Diesem Standpunkt kann schon deshalb nicht beigepflichtet werden, als der Schutz
4.5.1.
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gegen Elementarschäden ebenfalls Ereignisse (Elementarereignisse wie etwa
Sturmwind, Hagel, Hochwasser, Überschwemmung, Lawine oder Steinschlag; siehe
Art. 31 Abs. 1 Ziff. 3 GVG) erfasst, welche die gesamte Bevölkerung betreffen können.
Zwar trifft es zu, dass die gesamte Bevölkerung des Kantons St. Gallen ein Interesse
am Brandschutz hat. Entscheidend ist jedoch, dass die Gebäudeeigentümerinnen und
-eigentümer ein besonderes Interesse an der Brandbekämpfung durch die Feuerwehr
haben. Es bestehen somit objektive und vernünftige Gründe (besondere bzw. im
Vergleich zur Allgemeinheit zusätzliche Vorteilnahme, E. 3.1, und Verursacherprinzip,
E. 3.2), dass die Kosten für den von der Feuerwehr gewährleisteten Brandschutz zu
einem grossen Teil von ihnen getragen werden. Eine Verletzung von Art. 8 Abs. 1 BV
liegt nicht vor. Der Vollständigkeit halber bleibt anzufügen, dass die Mieterinnen und
Mieter von Gebäuden bzw. Gebäudeteilen über ihre Mietzinsen die
Versicherungsprämien und damit wohl auch die Feuerschutzabgabe zumindest indirekt
mitfinanzieren. Dieser Umstand bewegte den Bundesgesetzgeber immerhin dazu, in
Art. 95c Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Versicherungsvertrag (VVG;
SR 221.229.1; in Kraft seit 1. Januar 2022) betreffend das Regressrecht ein
sogenanntes «Nutzungsprivileg» einzuführen. Denn der Sachversicherer soll nicht mit
einer Hand die Versicherungsprämie einnehmen und mit der anderen Hand auf die
faktisch selben Prämienzahlenden, die Mieterinnen und Mieter sind, uneingeschränkt
einen Regress durchführen (Moreno/Wendelspiess, Der Regress im neuen VVG, in:
HAVE 2021, S. 243). Die Feuerschutzabgabe ist auch sachlich ausgestaltet, da deren
Höhe in Relation zum gegen Brandschäden versicherten Gut bestimmt wird (0,1‰;
Art. 59 FSV i.V.m. Art. 44 Abs. 2 und Abs. 3 FSG). Die Satzhöhe ist überdies gering,
jedenfalls angemessen (vgl. zur relativ kostspieligen Feuerwehr und deren günstigen
Auswirkungen auf die Prämien der Gebäudeversicherung BGE 122 I 321 E. 6d am
Schluss), und beträgt lediglich einen Fünftel der vom Bundesgericht in BGE 122 I 305
beurteilten Feuerschutzabgabe von 0,5‰. Damit erweist sich auch die Rüge, die
Feuerschutzabgabe sei nicht verhältnismässig (act. G 5, III. Rz 4), als unzutreffend.
Dass in Bezug auf die Grundeigentümerinnen und -eigentümer untereinander eine
rechtsungleiche Behandlung vorliegen würde, d.h. die Kosten anders auf die Gebäude
verteilt werden müssten oder eine weitergehende Differenzierung erforderlich wäre, ist
weder ersichtlich noch (substanziiert) von der Beschwerdeführerin vorgebracht worden.
Anzufügen bleibt, dass es kein verfassungsmässiges Recht und auch keine sonstige
Norm des Bundesrechts oder des kantonalen Rechts gibt, wonach alle Aufgaben, die
(auch) im staatlichen oder im öffentlichen Interesse liegen, (vollumfänglich) aus
4.5.2.
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5.