Decision ID: 13104221-bc7a-5eed-a490-b912478ac5ef
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Juni 2012 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum
Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Sie gab an, seit Jahren an Herzklopfen sowie
unter Bauch-, Rücken-, Hand- und Fussschmerzen zu leiden. Im Jahr 1990 sei sie von
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B._ in die Schweiz eingereist. Sie verfüge weder über eine Schul- noch über eine
Berufsausbildung; sie sei Hausfrau. Am 14. Juni 2012 teilte die IV-Stelle der
Versicherten mit, dass keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen angezeigt seien,
da die Versicherte als Hausfrau tätig sei (IV-act. 9).
A.b Der Hausarzt der Versicherten, Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeine Medizin,
berichtete am 29. Juni 2012, dass die Versicherte an einer depressiven Episode Grad
II, an einem zervikoradikulären Schmerzsyndrom C6 rechts mehr als links, an einer
Fibromyalgie und an einer Cholezystolithiasis (Gallensteinleiden) leide. Keine
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten ein Status nach Nephrolithiasis
(Nierensteinleiden), eine arterielle Hypertonie, ein komplizierter Harnwegsinfekt und
eine Synkope (Kreislaufkollaps) am 06.05.2012 (gemeint wohl: 16.05.2012; IV-act. 11-3
ff.). Die Versicherte sei im Haushalt höchstens zu 50 % arbeitsfähig. Von sich aus
mache sie nichts. Auf Anweisung könne sie gewisse Arbeiten wie Rüsten ausführen.
Die Versicherte sei nicht fähig, den Haushalt selbständig zu führen. Hinzu komme, dass
sie immer wieder plötzlich zu schreien und zu toben beginne. Sie beklage
Ganzkörperschmerzen, ausser „C6/C7“ bestünden aber keine eigentlichen
somatischen Krankheiten. Trotz Indikation wolle sie sich wegen der schlechten
Erfahrungen ihres Ehemannes jedoch nicht operieren lassen. Eine psychiatrische
Behandlung würde nichts bringen. Sämtliche Medikamente, auch Antidepressiva, seien
ausprobiert worden. Wahrscheinlich spielten auch die geringe Schulbildung und die
geringen kognitiven Fähigkeiten eine Rolle. Dem Bericht des Hausarztes lag ein
Austrittsbericht des Spitals D._ vom 1. Juni 2012 über eine Hospitalisation vom 13.
bis 22. Mai 2012 bei (IV-act. 11-6 ff.), in welchem als Diagnosen ein komplizierter
Harnwegsinfekt, eine Synkope am 16. Mai 2012, eine arterielle Hypertonie, eine
Cholezystolithiasis, eine Fibromyalgie, ein Status nach Nephrolithiasis und
anamnestisch ein Verdacht auf eine Depression angegeben worden waren.
A.c In einem Bericht vom 20. August 2012 (IV-act. 15-1 f.) erklärte der Hausarzt, dass
die Versicherte absolut nicht imstande sei, alleine zu handeln. Wegen Angstzuständen
könne sie nicht länger als eine Stunde alleine zuhause gelassen werden. Sie könne sich
kaum allein im Freien fortbewegen. Ob die Versicherte zusätzlich an kognitiven
Beeinträchtigungen leide, könne er nicht beurteilen. Wahrscheinlich könne sie weder
lesen noch schreiben. Die Versicherte nehme wegen der multiplen somatischen
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Beschwerden ständig Medikamente, auch Tranquilizer und Antidepressiva. Trotzdem
habe sich ihre Situation nicht gebessert. Er habe die Versicherte nie einem Psychiater
überwiesen, da eine psychiatrische Therapie mit Sicherheit keine Besserung bringen
würde. Derselbe Arzt berichtete am 19./22. Oktober 2012 (IV-act. 16), dass die
Versicherte seit zwei bis drei Jahren an einer depressiven Episode Grad II-III leide.
Zudem bestehe der Verdacht auf eine anhaltende affektive Störung. Die Versicherte
verfüge über fast keine Schulbildung und eine schlechte Kognition; eventuell leide sie
an einer Demenz. Sie sei aus psychischen und kognitiven Gründen nicht mehr in der
Lage, selbständig eine Arbeit auszuführen. Die bisher durchgeführten psychiatrischen
Behandlungen seien erfolglos gewesen.
A.d Im Fragebogen vom 17. Oktober 2012 liess die Versicherte angeben, dass sie
heute auch ohne Behinderung keine Erwerbstätigkeit ausüben würde (IV-act. 17). Im
Haushalt könne sie nichts selbständig erledigen. Unter Anweisung könne sie die
folgenden Tätigkeiten ausführen: Staubsaugen, leichtere Reinigungsarbeiten, Betten,
Bad/Dusche/WC/Lavabo reinigen (selten), Wäsche sortieren und in die
Waschmaschine füllen, kleinere Wäsche an den Wäscheständer aufhängen und die
Wäsche versorgen. Im Haushalt würden ihr die Schwiegertochter, der Ehemann und
der Sohn helfen. Die Einschränkungen im Haushalt seien seit zehn Jahren vorhanden.
Seit 1995 führe sie keine Haushaltarbeiten mehr durch. Am 19. Dezember 2012 reichte
der Rechtsvertreter der Versicherten ein Zeugnis des Hausarztes ein, wonach die
Versicherte vom 1. November 2012 bis 31. Januar 2013 zu 100 % arbeitsunfähig sei
(IV-act. 21). Voraussichtlich handle es sich um eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit.
A.e Am 7. Februar 2013 fand eine Haushaltabklärung statt (IV-act. 24). Die
Abklärungsperson protokollierte, dass die Versicherte nicht aktiv am Gespräch
teilgenommen habe. Sie verstehe die deutsche Sprache nicht. Die Auskünfte hätten vor
allem der Sohn und die beiden Schwiegertöchter gegeben, von denen eine sehr gut
Schweizerdeutsch spreche. Die Verwandten hätten angegeben, dass die Versicherte
seit Jahren immer wieder über Herzklopfen, Bauch- und Rückenschmerzen sowie
Hand- und Fussschmerzen klage. Sie habe keinerlei Antrieb mehr und mache ohne
Anleitung oder Aufforderung überhaupt nichts mehr. Die Versicherte sei völlig unfähig,
selbständig Haushaltarbeiten zu erledigen. In Abständen von ein bis zwei Wochen habe
sie laute Schreikrämpfe, während denen sie keine Kontrolle über ihren Körper habe und
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kaum zu beruhigen sei. Im Anschluss an die etwa ein bis zwei Minuten dauernden
Anfälle sei sie völlig erschöpft. Nachts schlafe die Versicherte schlecht und tagsüber
sei sie immer müde. Die gesundheitlichen Probleme hätten schon im Jahr 1995
begonnen. Seit etwa zehn Jahren sei der Gesundheitszustand in etwa unverändert. Die
Versicherte würde heute ohne Behinderung keine Erwerbstätigkeit ausüben. Die
Abklärungsperson hielt abschliessend fest, dass die Versicherte, obwohl sie gemäss
den Angaben des Ehemannes kein Deutsch verstehe und weder lesen noch schreiben
könne, dem Gespräch aufmerksam gefolgt sei. Sie habe aber den Anschein erweckt,
sich nicht dafür zu interessieren. Die Versicherte sei Vollzeit als Hausfrau einzustufen.
Ob die geltend gemachte, völlige Arbeitsunfähigkeit im Haushalt medizinisch begründet
werden könne, müsse der RAD beurteilen.
A.f RAD-Arzt Dr. med. E._ notierte am 26. März 2013 (IV-act. 25), dass die
beschriebene Hilflosigkeit zum Syndrom einer schweren depressiven Erkrankung, einer
Demenzentwicklung oder einer vorbestehenden geistigen Behinderung passen würde.
Dass der Hausarzt die Versicherte als hoffnungslosen Fall sehe, bei dem sich weder
eine fachärztliche Abklärung noch eine Depressionstherapie lohne, erstaune jedoch. Dr.
C._ schlug vor, dem Hausarzt Rückfragen zu stellen (siehe IV-act. 26). Letzterer
antwortete am 8. April 2013 (IV-act. 28), dass er keine genaue psychiatrische Diagnose
nach ICD-10 angeben könne. Er habe die Versicherte bisher keinem Psychiater
überwiesen, weil dies seines Erachtens keine therapeutischen „Konsequenzen“ hätte.
Die Versicherte müsse von ihrer Familie ständig überwacht werden. Es sei möglich,
dass die Symptomatik nicht nur durch die depressive Episode, Grad III, sondern auch
durch andere Persönlichkeitsstörungen bedingt sei. Möglicherweise spielten auch
bipolare Störungen eine Rolle. Jedenfalls sei die Versicherte absolut nicht fähig, alleine
etwas Vernünftiges zu tun.
A.g RAD-Arzt Dr. E._ hielt am 16. Mai 2013 fest (IV-act. 32), dass aus dem
Hospitalisationsbericht vom 1. Juni 2012 keine Hinweise für Verhaltensauffälligkeiten,
gravierende Probleme in der sprachlichen Verständigung oder depressive Symptome
hervorgingen. Auch sei kein erhöhter Pflegeaufwand notwendig gewesen. Bei einer
klinisch gravierenden depressiven Beeinträchtigung müsste zumindest eine
antidepressive Behandlung stattfinden. Die erwähnten Ungereimtheiten und
Inkonsistenzen könnten anhand der vorliegenden medizinischen Aktenlage und den
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schlecht nachvollziehbaren Angaben des Hausarztes nicht abschliessend beurteilt
werden, sodass eine polydisziplinäre Begutachtung notwendig sei. Neben einer
allgemein-internistischen Abklärung empfehle er eine rheumatologische, psychiatrische
und neuropsychologische Untersuchung und Beurteilung. In Absprache mit Dr. C._
ersetzte die mit der Begutachtung beauftragte Medas Bern die vorgesehene
rheumatologische Untersuchung wegen des zervikoradikulären Schmerzsyndroms, der
unklaren Synkope sowie wegen der Tatsache, dass keine Hinweise auf eine
entzündlich-rheumatische Erkrankung bestünden, durch eine orthopädische und
neurologische Untersuchung (IV-act. 33-1 und 34).
A.h Die interdisziplinäre Begutachtung erfolgte im August/September 2013 (Gutachten
vom 27. Dezember 2013, IV-act. 42). Als Diagnose mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit
wurde lediglich eine intellektuelle Minderbegabung/Grenzbegabung (ICD-10: F70.0)
angegeben. Die Diagnosen ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit lauteten:
- Somatisierungsstörung (F45.0)
- anamnestische Angabe einer generalisierten Schmerzsymptomatik ohne
neurologisches Korrelat
- deutliche Dekonditionierung mit verminderter Belastbarkeit bei schlechtem Trainings-
zustand und Fehl- und Überlastung des Bewegungsapparates bei einem Übergewicht
von mehr als 20 kg
- rezidivierende Beschwerden der Wirbelsäule bei Fehlstatik, Haltungsinsuffizienz,
muskulärem Hartspann und verschmächtigter Rumpfmuskulatur
- radiologisch finden die Beschwerden ihr Korrelat in degenerativen Veränderungen in
allen drei Abschnitten; kein nervenwurzelbezogenes neurologisches Defizit
- Status nach Operation bei Karpaltunnelsyndrom rechts ohne erkennbare
neurologische Residuen
- beginnende degenerative Veränderungen der Gelenke der Daumen beidseits
- freie Funktionen der Hände
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- freie Funktionen der grossen/kleinen Gelenke der oberen/unteren Extremitäten ohne
Anhalt auf eine eigenständige Pathologie
- Hypertonie (bekannt seit ca. 1998)
- Cholezystolithiasis ED 05/12
- Status nach passagerer linksventrikulärer Dekompensation 05/12
- Hinweise für suboptimale Anstrengungsbereitschaft, vereinbar mit nicht
authentischer Symptompräsentation.
In somatischer Hinsicht hielten die Gutachter in der interdisziplinären Beurteilung fest,
dass die von der Versicherten eigentlich am ganzen Körper angegebenen Schmerzen
nicht oder nur zu einem geringen Teil durch objektive Befunde plausibel begründbar
seien. Die Röntgendiagnostik habe an der LWS und in geringerem Masse an der HWS
mässige degenerative Veränderungen gezeigt. Klinisch bestünden zudem eine
deutliche Dekonditionierung mit verminderter Belastbarkeit bei schlechtem
Trainingszustand und eine Fehl- und Überlastung des Bewegungsapparates bei einem
Übergewicht von mehr als 20 kg. In gewissem Rahmen könnten rezidivierende
Beschwerden der Wirbelsäule durch die Fehlstatik, die Haltungsinsuffizienz, den
muskulären Hartspann und die verschmächtigte Rumpfmuskulatur erklärt werden.
Diese vermöchten jedoch die Tätigkeit im Haushalt nicht in relevanter Weise zu
beeinträchtigen. Aus neurologischer Sicht hätten sich keinerlei Hinweise für radikuläre,
myelogene oder peripher neurogene Schädigungen ergeben. Ebenfalls bestünden
keine Hinweise für eine residuale Karpaltunnelsymptomatik. Die vom Hausarzt zuletzt
geäusserte Überlegung einer allfälligen initialen Demenz sei klinisch-
neuropsychologisch nicht plausibel begründbar. Aus somatischer Sicht ergäben sich
somit keine Diagnosen, die die Versicherte an der Haushaltstätigkeit hindern würden.
Bei der gutachterlichen Untersuchung seien diverse Befundinkonsistenzen und
auffällige Verhalten aufgefallen, die eine suboptimale Anstrengungsbereitschaft, ein
Vermeidungsverhalten sowie eine Aggravation und teilweise eine nicht authentische
Symptompräsentation annehmen liessen. Aus psychiatrischer Sicht seien die
Beweggründe dieses Verhaltens in der (vor dem Hintergrund einer anzunehmenden
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intellektuellen Grenzbegabung) bereits sehr lange bestehenden Somatisierungsstörung
auf der Basis einer histrionischen Persönlichkeitsstruktur zu sehen. Das gezeigte
Verhalten könnte für die Versicherte ein hilfreiches Reaktionsmuster zur Befriedigung
ihrer Bedürfnisse über einen sekundären Krankheitsgewinn sein, da ihr keine
kompetenteren Verhaltensmechanismen bekannt seien. Die Akzentuierung der
Symptomatik sei am ehesten so zu interpretieren, dass die Versicherte darüber einen
ihr aus subjektiver Sicht zustehenden Versorgungsanspruch in unterbewusster,
sozialkompetent eingeschränkter Art und Weise zum Ausdruck bringe. Die
fremdanamnestischen und anamnestisch beschriebenen Defizite im Rahmen der
Haushaltstätigkeiten, die seit der Kindheit bzw. der Jugend existierten, bestünden
offensichtlich darin, dass die Versicherte im Rahmen intellektueller Einschränkungen
nicht ausreichend in der Lage sei, Arbeitsnotwendigkeiten zu erkennen und Tätigkeiten
zu planen und zu strukturieren, sondern ihr Leben lang letztlich lediglich auf Anweisung
hin habe tätig werden können. Eine akute Verschlechterung lasse sich unter Würdigung
der anamnestischen Angaben trotz der Diskrepanz zu allfällig zweckgebundenen
fremdanamnestischen Angaben nicht erkennen. Diese Einschränkung sei offensichtlich
seit jeher derart vorhanden, dass die Versicherte ohne Aufforderung und Anleitung
nicht in der Lage sei, zu arbeiten. Aus psychiatrischer Sicht dürfte sie im Haushalt
schon immer lediglich zu ca. 70 % leistungsfähig gewesen sein. Die Arbeitsfähigkeit in
einer Verweistätigkeit wurde ebenfalls auf 70 % geschätzt.
A.i Der Hausarzt wies in seinem Bericht vom 7. Oktober 2013 darauf hin, dass die
Versicherte an schweren psychosomatischen Störungen leide (IV-act. 37). Am 22.
November 2013 reichte der Rechtsvertreter der Versicherten eine Anmeldung zum
Bezug einer Hilflosenentschädigung ein (IV-act. 36). Die Versicherte machte einen
Hilfsbedarf bei der Körperreinigung/Überprüfung der Reinlichkeit, der Fortbewegung in
der Wohnung und im Freien, bei der Pflege gesellschaftlicher Kontakte und teilweise
bei der Körperpflege geltend (IV-act. 35). Ausserdem benötige sie eine dauernde
medizinisch-pflegerische Hilfe und eine ständige persönliche Überwachung. Wenn
niemand da sei, schreie die Versicherte, kriege Atemnot und werde unruhig. Die
Pflegebedürftigkeit bestehe seit drei bis vier Jahren.
A.j RAD-Arzt Dr. E._ fasste am 17. Januar 2014 zusammen (IV-act. 43), dass
gesamtgutachterlich wegen der intellektuellen Minderbegabung eine 30 %ige
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Einschränkung der Leistungsfähigkeit attestiert worden sei, wobei dieses Handicap
bereits bei der Einreise in die Schweiz bestanden habe. Im Gutachten gebe es
zahlreiche Hinweise für ein suboptimales Leistungsverhalten im Zusammenhang mit
einem sekundären Krankheitsgewinn.
A.k Mit Vorbescheid vom 3. Februar 2014 (IV-act. 46) stellte die IV-Stelle der
Versicherten die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht. Zur Begründung führte sie
aus, dass der Gesundheitsschaden, der zu einer Leistungseinschränkung führe, bereits
seit der Jugend bestehe. Da die Versicherte mit dem Gesundheitsschaden in die
Schweiz eingereist sei, seien die versicherungsmässigen Voraussetzungen nicht erfüllt.
Dagegen wendete der Rechtsvertreter der Versicherten am 11. März 2014 ein (IV-act.
49), dass der Versicherten rückwirkend ab Dezember 2012 mindestens eine halbe IV-
Rente zuzusprechen sei. Zudem sei ihr für das Vorbescheidverfahren die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung zu gewähren. Zur Begründung brachte er vor, dass das Kapitel
Kindererziehung im Gutachten völlig ausgeklammert worden sei. Die Versicherte habe
nach der Einreise in die Schweiz mindestens fünf Jahre lang den Haushalt erledigt und
die damals _ bis _ Jahre alten Söhne betreut. Die erstmalige Hospitalisation im
November 1995 belege, dass die Erkrankung erst im Jahr 1995 eingetreten sei. Als
1995 die gesundheitlichen Probleme entstanden seien, habe möglicherweise der bis zu
diesem Zeitpunkt unterdrückte Verlust der Eltern nachgewirkt. Daher sei ohne weiteres
nachvollziehbar, dass die Versicherte seit 1995 auch an ernsthaften psychischen
Problemen leide. Im Zusammenhang mit den versicherungsmässigen Voraussetzungen
stelle sich die Frage, ob nicht die Beitragsjahre des Ehegatten und die Erziehungs- und
Betreuungsgutschriften von der dreijährigen, in der Schweiz zu absolvierenden
Beitragsfrist dispensierten.
A.l Im Rahmen der Abklärungen zur Hilflosigkeit notierte RAD-Ärztin Dr. med. F._ am
1. April 2014 (IV-act. 50), dass aufgrund der detaillierten und umfassenden
fachärztlichen Befunde im Gutachten aus versicherungsmedizinischer Sicht bestätigt
werden könne, dass keine relevanten somatischen und/oder psychomentalen
Funktionsstörungen bestünden, die einen Hilfsbedarf bei den alltagspraktischen
Verrichtungen begründen würden. Von psychiatrischer Seite her könne ausgeschlossen
werden, dass die Versicherte unter einer neu aufgetretenen depressions- oder affektiv
bedingten Antriebsstörung leide. Die nach eigenen Angaben in den letzten Jahren
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verstärkte Inaktivität bei der Haushaltführung müsse in Zusammenhang mit der
psychiatrisch diagnostizierten histrionischen Persönlichkeit und der
Somatisierungsstörung gewertet werden. Die Passivität und die Dekonditionierung
dürften durch soziokulturell geprägte Gewohnheiten und die innerfamiliäre
Rollenverteilung eher noch verstärkt worden sein.
A.m Mit Verfügung vom 3. April 2014 (IV-act. 51) wies die IV-Stelle das Rentengesuch
der Versicherten wie angekündigt ab. Zum Einwand des Rechtsvertreters erwiderte sie,
dass die Versicherte bei einem IV-Grad von 30 % auch keinen Anspruch auf eine IV-
Rente hätte, wenn die versicherungsmässigen Voraussetzungen erfüllt wären. Die
Berücksichtigung der Schadenminderungspflicht der im gleichen Haushalt lebenden
Familienangehörigen würde zu einer weiteren Reduktion der anerkannten
Einschränkungen im Haushalt führen.
B.
B.a Gegen diese Verfügung liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
am 16. Mai 2014 Beschwerde erheben (act. G 1, IV 2014/260). Ihr Rechtsvertreter
beantragte die Zusprache mindestens einer halben IV-Rente ab Dezember 2012.
Eventualiter sei eine konkrete Arbeitsabklärung vorzunehmen. Zudem beantragte der
Rechtsvertreter die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (inkl. Verbeiständung)
für das Beschwerdeverfahren. Ergänzend zur Einwandbegründung machte er geltend,
im Gutachten sei vermerkt worden, dass die Beschwerdeführerin quasi nie gewusst
habe, was sie machen solle; ihr seien immer Anweisungen gegeben worden, was sie im
Haushalt machen solle. Angesichts der fehlenden Schulbildung und des frühen Verlusts
der Eltern sei eine solche Demotivation nichts Aussergewöhnliches. Die
Beschwerdeführerin habe nie lesen und schreiben gelernt und sei deshalb immer auf
andere Personen angewiesen gewesen. Im Sinne eines Verhaltensmusters scheine sie
sich dies so eingeprägt zu haben. Das sei aber noch lange kein Beweis für eine
intellektuelle Minderbegabung. Im Gutachten sei nicht zwischen der angeblichen
intellektuellen Minderbegabung und der fehlenden Bildung unterschieden worden. Eine
angeborene Schwäche in der Intelligenz etc. habe sich nicht nachweisen lassen. Das
Gutachten habe einzig aufgezeigt, dass die Beschwerdeführerin ihre Pflichten als
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Familienfrau sehr wohl vollständig und untadelig erfüllt habe, wegen der fehlenden
Schulbildung und dem frühen Verlust der eigenen
Eltern aber immer gehorsam habe sein müssen, was sich im Laufe der Jahre zu einer
Gehorsams-Haltung entwickelt habe. Dass die Schwiegertöchter im Laufe der Jahre in
der Schweiz quasi die Haushaltsführung übernommen hätten, habe nichts mit einer
angeblichen intellektuellen Minderbegabung der Beschwerdeführerin, sondern mit der
mentalitätsmässigen „Üblichkeit“ zu tun. Die Frage nach der Erwerbstätigkeit im
hypothetischen Gesundheitsfall werde von den Angehörigen regelmässig falsch
verstanden. Der Ehemann sei im Jahr 2007 arbeitsunfähig geworden und später
berentet worden. Die Beschwerdeführerin hätte, hätte sie nicht an gesundheitlichen
Problemen gelitten, damals aus finanziellen Gründen eine Erwerbstätigkeit
aufgenommen. Eine Arbeitsfähigkeit in einer ausserhäuslichen Tätigkeit sei jedoch
offensichtlich nicht gegeben, und zwar nicht nur wegen fehlender Sprach- und
Lesekenntnissen, sondern auch und insbesondere aus gesundheitlichen Gründen. Eine
allfällige Restarbeitsfähigkeit wäre wegen des Alters und der fehlenden Bildung
unmöglich verwertbar. Die Beschwerdeführerin benötige gemäss ihrem Hausarzt eine
dauernde Überwachung. Der Ehemann habe dargelegt, dass die Beschwerdeführerin
seit 1995 an einer depressiven Symptomatik mit Angst, Traurigkeit und Unzufriedenheit
leide. Der Beschwerde war ein Bericht vom 11. April 2014 (act. G 1.2, IV 2014/260)
beigelegt, in welchem der Hausarzt dargelegt hatte, dass er den Entscheid der
Gutachter überhaupt nicht verstehe, da die Beschwerdeführerin nicht einmal im
eigenen Haushalt mithelfen könne.
B.b Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 19. Juni 2014 die
Abweisung der Beschwerde (act. G 5, IV 2014/260). Zur Begründung führte sie aus,
dass das Medas-Gutachten in Bezug auf die medizinischen Tatsachenfeststellungen
beweiskräftig sei. Da die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit als Hausfrau von den
Gutachtern auf 30 % geschätzt worden sei, habe die Invalidität bei der Einreise in die
Schweiz nicht bereits eingetreten sein können. Dafür hätte eine Arbeitsunfähigkeit von
mindestens 40 % vorliegen müssen. Die Ablehnung des Rentenanspruchs sei im
Ergebnis aber dennoch rechtmässig gewesen. Für die Beschwerdeführerin sei die
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit aus psychosozialen und soziokulturellen Gründen nie
ein Thema gewesen; sie sei zu Recht als Nichterwerbstätige qualifiziert worden. Es
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seien keine Aspekte ersichtlich, die Zweifel an der gutachterlichen
Arbeitsfähigkeitsschätzung begründen könnten. Dies heisse aber nicht, dass diese
medizinisch begründete Arbeitsunfähigkeit auch rechtlich relevant sei. Die
gegenwärtige Situation, in welcher der Beschwerdeführerin sämtliche Haushaltarbeiten
von der Schwiegertochter abgenommen würden, deute auf einen erheblichen, aus
rechtlicher Sicht unbeachtlichen sekundären Krankheitsgewinn hin. Im Rahmen der
Schadenminderungspflicht habe die Beschwerdeführerin die Mithilfe ihres Ehemannes
und der im selben Haushalt lebenden Schwiegertochter im Bereich der Planung und
Strukturierung der Haushaltarbeiten in Anspruch zu nehmen. Dadurch wirkten sich die
aus der Minderbegabung herrührenden Defizite nicht mehr einschränkend aus. Im
Aufgabenbereich als Hausfrau liege deshalb im rechtlichen Sinn keine Invalidität vor.
B.c Am 23. Juni 2014 bewilligte das Gericht das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung durch RA lic. iur. D. Ehrenzeller) für das Verfahren IV 2014/260
(act. G 6, IV 2014/260).
B.d In seiner Replik vom 20. August 2014 (act. G 8, IV 2014/260) machte der
Rechtsvertreter ergänzend geltend, das Gutachten sei derart widersprüchlich, dass es
nicht verwertbar sei. Die Gutachter hätten die Arbeitsunfähigkeit im Haushalt
ungenügend begründet. Auf die körperlichen Einschränkungen sei zu wenig Rücksicht
genommen worden. Beispielsweise seien die degenerativen Veränderungen an der
LWS als mässig bezeichnet worden. Bei einer Untersuchung in B._ wegen anhaltend
starker Beschwerden sei jedoch eine Verschiebung der Wirbelkörper Th12/L1
festgestellt worden. Das Gutachten sei auch insoweit widersprüchlich, als auf Seite 14
für eine Verweistätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit angenommen worden sei, dann aber
trotzdem eine Einschränkung von 30 % aus psychiatrischer Sicht attestiert worden sei.
Des Weiteren sei im Gutachten nicht darauf eingegangen worden, dass die
Beschwerdeführerin nicht mehr in der Wohnung alleine gelassen werden könne und
dass sie nicht in der Lage sei, alleine ausser Haus zu gehen. Da die gesundheitlichen
Beeinträchtigungen seit 1995 bestünden, sei nicht von Relevanz, dass die
Beschwerdeführerin nach dem Eintreten der gesundheitlichen Probleme des
Ehemannes im Jahr 2008 keine Anstrengungen unternommen habe, ins Erwerbsleben
einzusteigen. Sollte die Beschwerdeführerin als im Haushalt tätig eingestuft werden,
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wäre von einer völligen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Für die Arbeitsfähigkeit im
Haushalt sei einzig massgebend, was die betroffene Person selber noch in der Lage sei
zu machen und was nicht. Würde jedoch gestützt auf die Schadenminderungspflicht
ein Abzug von 50 % vorgenommen, würde trotzdem noch eine Einschränkung von 50
% und damit eine halbe IV-Rente resultieren. Dem der Replik beigelegten
mazedonischen Arztbericht vom 19. Juni 2014 resp. der dazugehörigen deutschen
Übersetzung (act. G 8.2) war zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin wegen
starker Schmerzen in der lumbalen Wirbelsäule spezialärztlich untersucht worden war.
Die Ärzte hatten befunden, dass der Wirbelkörper Th12-L1 verschoben sei. Als
Therapie wurde „Th. Idem“ (wohl: dieselbe Therapie) angegeben. Eine Kontrolle wurde
in drei Monaten vorgesehen.
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik im Verfahren IV 2014/260
(act. G 10, IV 2014/260).
B.f Am 12. September 2014 informierte der Rechtsvertreter das Gericht über einen
Schreibfehler in der Replik (act. G 12, IV 2014/260). Er stellte klar, dass die
gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin frühestens im Jahr 1995 (und nicht
bereits im Jahr 1990) begonnen hätten.
B.g Am 27. März 2015 eröffnete die IV-Stelle der Beschwerdeführerin, dass das
Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Vorbescheidverfahren mangels
sachlicher Gebotenheit und fehlender Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung
abgewiesen werde (IV-act. 71). Zur Begründung führte sie an, dass es in der
vorliegenden Angelegenheit hauptsächlich um die Beurteilung der
versicherungsmässigen Voraussetzungen gegangen sei. Insbesondere sei strittig
gewesen, ob die gesundheitliche Einschränkung bereits vor der Einreise in die Schweiz
bestanden habe. Insgesamt hätten sich keine besonders schwierigen Rechtsfragen
gestellt, weshalb von einem „normalen Durchschnittsfall“ im Sachgebiet der
Invalidenversicherung auszugehen sei. Es wäre der Beschwerdeführerin resp. ihren
Familienangehörigen zumutbar gewesen, selber einen Einwand zu erheben. Im Übrigen
sei nicht dargetan worden, dass eine Verbeiständung durch Verbandsvertreter,
Fürsorgestellen oder andere Fach- und Vertrauensleute sozialer Institutionen nicht in
Betracht gekommen wäre.
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B.h Gegen diese Verfügung liess die Beschwerdeführerin am 4. Mai 2015 ebenfalls
Beschwerde erheben und beantragen, ihr sei im Vorbescheidverfahren die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu gewähren (act. G 1, IV 2015/138). Ihr
Rechtsvertreter erklärte, dass aus seiner Sicht die Verfahren IV 2014/260 und IV
2015/138 vereinigt werden könnten. Zur Begründung der Beschwerde machte er
geltend, dass mit der Diskussion und Kritik am Medas-Gutachten sowie mit der neu
vorgebrachten Begründung (fehlende versicherungsmässige Voraussetzungen)
schwierige rechtliche und sachliche Fragen aufgeworfen worden seien. Dazu sei noch
die Frage des Status gekommen. Unter solchen Umständen könne die Verantwortung
für eine richtige Vertretung zweifellos nicht den Angehörigen überbunden werden,
selbst wenn diese in der Lage wären, einen einfachen Einwand zu formulieren. Des
Weiteren läge es an der Beschwerdegegnerin, konkret aufzuzeigen, welcher
Verbandsvertreter etc. eine solche Vertretung im Vorbescheidverfahren übernommen
hätte. Die Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung müsse daher bejaht werden.
Auch die übrigen Voraussetzungen seien klar erfüllt.
B.i Am 19. Mai 2015 informierte das Gericht die Parteien darüber, dass es
beabsichtige, die Beschwerdeverfahren IV 2014/260 und IV 2015/138 zu vereinigen
(act. G 2, IV 2015/138).
B.j Die Beschwerdegegnerin beantragte am 5. Juni 2015 die Abweisung der
Beschwerde gegen die Verfügung vom 27. März 2015 (act. G 3, IV 2015/138). Zur
Begründung führte sie an, dass ein strittiges Gutachten rechtsprechungsgemäss
keinen Anspruch auf eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung begründe. Weiter seien
im Hinblick auf den Verfügungserlass (noch) keine differenzierten Kenntnisse der
Rechtsprechung notwendig gewesen. Die Notwendigkeit einer anwaltlichen
Verbeiständung könne nicht allein wegen Rechtsunkundigkeit bejaht werden. In Fällen
ohne komplexe Fragestellung hätten sich die beschwerdeführenden Personen
deswegen mit dem Beizug von Fach- und Vertrauensleuten sozialen Institutionen/
unentgeltlicher Rechtsberatungen zu behelfen.
B.k Am 11. Juni 2015 bewilligte das Gericht das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung durch lic. iur. D.
Ehren¬zeller) für das Beschwerdeverfahren IV 2015/138.
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Erwägungen
1.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat sinngemäss die Vereinigung der
Verfahren IV 2014/260 und IV 2015/138 beantragt. Die Beschwerdegegnerin hat sich
zur vom Gericht geäusserten Absicht, die Beschwerdeverfahren zu vereinigen, nicht
geäussert. Im Verfahren IV 2014/260 ist streitig, ob die Beschwerdeführerin einen
Anspruch auf eine IV-Rente hat. Anfechtungsobjekt dieses Beschwerdeverfahrens ist
die Rentenabweisungsverfügung vom 3. April 2014. Im Verfahren IV 2015/138 ist zu
klären, ob die Beschwerdeführerin für das Vorbescheidverfahren betreffend das
Rentengesuch, welches mit der Eröffnung der Verfügung vom 3. April 2014 beendet
worden ist, Anspruch auf einen unentgeltlichen Rechtsbeistand gehabt hat. Die
Beschwerdeverfahren IV 2014/260 und IV 2015/138 weisen somit einen engen
sachverhaltlichen und rechtlichen Zusammenhang auf. Eine gemeinsame Beurteilung
der Beschwerden ist somit zweckmässig, weshalb die beiden Verfahren zu vereinigen
sind.
2.
2.1 Zunächst ist zu prüfen, ob die Beschwerden rechtzeitig erhoben worden sind.
Gemäss Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) ist die Beschwerde innerhalb von 30
Tagen nach der Eröffnung der Verfügung einzureichen.
2.2 Die Rentenabweisungsverfügung datiert vom 3. April 2014, die Beschwerde ist
aber erst am 16. Mai 2014 erhoben worden. Die Verfügung ist gemäss dem
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin am 4. April 2014 zugestellt worden. Die Frist
hat somit am 5. April 2014 zu laufen begonnen. Gesetzliche oder behördliche Fristen,
die nach Tagen oder Monaten bestimmt sind, stehen vom siebten Tag vor Ostern bis
und mit dem siebten Tag nach Ostern still (Art. 38 Abs. 4 lit. a ATSG). Der Ostersonntag
ist im Jahr 2014 auf den 20. April gefallen, d.h. die Frist hat vom Sonntag, 13. April bis
Sonntag, 27. April, stillgestanden. Der letzte Tag der Frist wäre somit der 19. Mai 2014
gewesen. Der Rechtsvertreter hat am 16. Mai 2014 und damit rechtzeitig Beschwerde
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erhoben. Auf die Beschwerde betreffend die Verfügung vom 3. April 2014 ist deshalb
einzutreten.
2.3 Die Verfügung betreffend die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im
Verwaltungsverfahren datiert vom 27. März 2015 und ist dem Rechtsvertreter gemäss
eigenen Aussagen am Folgetag zugestellt worden. Die Beschwerde ist erst am 4. Mai
2015 erhoben worden. Die Beschwerdefrist hätte grundsätzlich am 29. März 2015 zu
laufen begonnen. Ostersonntag ist im Jahr 2015 der 5. April gewesen, d.h. die Frist hat
von Sonntag, 29. März bis Sonntag, 12. April, stillgestanden. Die Frist hat somit erst am
13. April 2015 zu laufen begonnen. Der letzte Tag der Frist ist auf den 12. Mai 2015
gefallen. Die Beschwerdeerhebung ist daher rechtzeitig erfolgt. Demnach ist auch auf
die Beschwerde gegen die Verfügung vom 27. März 2015 einzutreten.
3.
3.1 Zunächst ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin die versicherungsmässigen
Voraussetzungen für die Zusprache einer allfälligen IV-Rente erfüllt.
3.2 Gemäss Art. 1b des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG, SR
881.20) i.V.m. Art. 1a Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung (AHVG, SR 831.10) sind namentlich natürliche Personen,
die ihren Wohnsitz in der Schweiz haben oder in der Schweiz eine Erwerbstätigkeit
ausüben, nach dem IVG versichert. Nach Art. 4 Abs. 1 des Abkommens zwischen der
Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Republik Mazedonien über Soziale
Sicherheit vom 9. Dezember 1999 (SR 0.831.109.520.1) sind die Staatsangehörigen
des einen Vertragsstaates sowie deren Familienangehörige und Hinterlassene,
vorbehältlich abweichender Bestimmungen in diesem Abkommen, in ihren Rechten
und Pflichten aus den Rechtsvorschriften des anderen Vertragsstaates den
Staatsangehörigen dieses Vertragsstaates beziehungsweise deren
Familienangehörigen und Hinterlassenen gleichgestellt. Ein mazedonischer
Staatsangehöriger hat demnach dieselben versicherungsmässigen Voraussetzungen zu
erfüllen wie ein Schweizer Bürger, damit ihm ein Anspruch auf eine Rente der
schweizerischen Invalidenversicherung zusteht.
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3.3 Einen Anspruch auf eine ordentliche Rente haben Versicherte, die bei Eintritt der
Invalidität während mindestens drei Jahren Beiträge geleistet haben (Art. 36 Abs. 1
IVG). Ist eine versicherte Person bei der erstmaligen Einreise in die Schweiz also bereits
zu mindestens 40 % invalid gewesen, ist der Versicherungsfall Rente eingetreten
gewesen, bevor die Anspruchsvoraussetzung der Leistung von Beiträgen während
mindestens drei Jahren hat erfüllt sein können (vgl. BGE 136 V 369 E. 1.1 mit
Hinweisen).
3.4 Einen Anspruch auf eine ausserordentliche Rente haben Schweizer Bürger (und
damit auch B._ische Staatsangehörige, da sie den Schweizern gemäss dem
vorgenannten Abkommen gleichgestellt sind) mit Wohnsitz und gewöhnlichem
Aufenthalt in der Schweiz, die während der gleichen Zahl von Jahren versichert waren
wie ihr Jahrgang, denen aber keine ordentliche Rente zusteht, weil sie bis zur
Entstehung des Rentenanspruchs nicht während eines vollen Jahres der Beitragspflicht
unterstellt gewesen sind (Art. 39 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 42 Abs. 1 AHVG). Eine
ausserordentliche Invalidenrente erhalten also in der Schweiz wohnende Geburts- und
Kindheitsinvalide, d.h. Personen, die von Geburt an invalid sind oder vor dem 1.
Dezember des der Vollendung des 22. Altersjahres folgenden Jahres in
rentenbegründendem Ausmass invalid geworden sind, aber keinen Anspruch auf eine
ordentliche Rente erworben haben (Rz. 7006 der Wegleitung über die Renten in der
Eidgenössischen Alters-, Hinterlassenen und Invalidenversicherung, RWL). Die
Anspruchsvoraussetzungen auf eine ausserordentliche IV-Rente für eine ausländische
geburts- oder kindheitsinvalide Person setzen somit nicht voraus, dass sich die invalide
Person seit Geburt in der Schweiz aufgehalten hat. Die Anspruchsvoraussetzungen
sind erfüllt, wenn die Einreise in die Schweiz vor dem 1. Januar nach Vollendung des
20. Altersjahres erfolgt ist (Rz. 7007 RWL).
3.5 Die Beschwerdeführerin ist erst im Jahr 1990, d.h. mit 37 Jahren, von B._ in die
Schweiz gezogen. Ein Anspruch auf eine ausserordentliche IV-Rente fällt daher von
Vornherein ausser Betracht. Bezüglich der versicherungsmässigen Voraussetzungen
für eine ordentliche IV-Rente hat der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
argumentiert, dass sich die Frage stelle, ob die Beitragsjahre des Ehemannes und die
Erziehungs- und Betreuungsgutschriften die Beschwerdeführerin von der dreijährigen
Beitragspflicht dispensierten. Gemäss Art. 2 IVG i.V.m. Art. 3 Abs. 3 lit. a AHVG sind
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nichterwerbstätige Ehegatten von erwerbstätigen Versicherten von der Beitragspflicht
befreit. Der Beschwerdeführerin hat, als sie noch in B._ gelebt hat, keine
Beitragspflicht oblegen, weshalb sie auch nicht von einer solchen hat befreit werden
können. Sollten die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Beschwerden
somit bereits bei ihrer Einreise in die Schweiz im Jahr 1990 bestanden und eine
mindestens 40 %ige Invalidität begründet haben, wären die versicherungsmässigen
Voraussetzungen gestützt auf Art. 36 Abs. 1 IVG nicht erfüllt.
4.
4.1 Zunächst ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin an einem die Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigenden Gesundheitsschaden leidet. Sollte dies der Fall sein, wäre zu
klären, ob der Gesundheitsschaden resp. die daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit
schon bei der Einreise in die Schweiz bestanden hat.
4.2 In somatischer Hinsicht ist die Beschwerdeführerin allgemein-internistisch,
neurologisch und orthopädisch begutachtet worden. Eine Diagnose mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit haben die Gutachter nicht angegeben. Sie haben erklärt, dass die am
ganzen Körper geltend gemachten Schmerzen nicht oder nur zu einem geringen Teil
durch objektive Befunde plausibel begründbar seien. An der HWS und der LWS
bestünden nur mässige degenerative Veränderungen; Hinweise für radikuläre,
myelogene oder peripher neurogene Schädigungen hätten sich nicht ergeben. Die
rezidivierenden Beschwerden der Wirbelsäule könnten teilweise durch die Fehlstatik,
die Haltungsinsuffizienz, den muskulären Hartspann und die verschmächtigte
Rumpfmuskulatur erklärt werden. Eine relevante Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit
im Haushalt resultiere daraus jedoch nicht. Die Einschätzung der Gutachter, wonach
die Beschwerdeführerin in körperlicher Hinsicht in der Haushalttätigkeit wie auch in
einer adaptierten Tätigkeit voll arbeitsfähig sei, überzeugt angesichts der geringen
objektivierbaren pathologischen Befunde. Bei der deutlichen Dekonditionierung infolge
Trainingsmangels und der Fehl- und Überbelastung des Bewegungsapparates wegen
starken Übergewichts handelt es sich nicht um bleibende, invalidisierende
Gesundheitsschäden, weshalb diese in der Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht
berücksichtigt werden können. Der Hausarzt wie auch das Spital D._ haben in ihren
Berichten vom Juni 2012 als Diagnose u.a. eine Fibromyalgie angegeben. Das Spital
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D._ hat erklärt, dass 13 von 18 tender points positiv gewesen seien. Eine
weitergehende Begründung der Diagnose enthalten die Berichte jedoch nicht. Bei der
Fibromyalgie handelt es sich um ein nicht entzündlich bedingtes Schmerzsyndrom mit
chronischen Weichteilbeschwerden (Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, Berlin 2014,
S. 681). Die Gutachter haben zwar keine Fibromyalgie, dafür eine
Somatisierungsstörung diagnostiziert. Hierbei handelt es sich um eine somatoforme
Störung, bei der gemäss ICD-10: F45.0 multiple, wiederholt auftretende und häufig
wechselnde körperliche Symptome, die wenigstens zwei Jahre bestehen,
charakteristisch sind. Die Symptome können sich auf jeden Körperteil oder jedes
System des Körpers beziehen. Der Verlauf der Störung ist chronisch und fluktuierend
[...]. Die Gutachter haben die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten
Schmerzen also einer anderen Diagnose zugeordnet als die behandelnden Ärzte. Da für
die Arbeitsfähigkeit letztlich nicht die Diagnose, sondern die aus einer gesundheitlichen
Beeinträchtigung resultierenden funktionellen Beeinträchtigungen relevant sind, kann
offen gelassen werden, welche Diagnose nun die Richtige ist, zumal der
invalidisierende Charakter beider Diagnosen anhand des vom Bundesgericht mit BGE
141 V 281 eingeführten Indikatorenkatalogs zu überprüfen ist (betreffend die
Fibromyalgie vgl. BGE 139 V 547 E. 2.2; siehe Erw. 4.9). Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin hat im Beschwerdeverfahren einen mazedonischen Arztbericht
vom 19. Juni 2014 eingereicht. Gemäss der beiliegenden deutschen Übersetzung
hatten die Ärzte eine Verschiebung der Wirbelkörper Th12-L1 festgestellt. Die
Gutachter haben anlässlich der Begutachtung im August/September 2013
Röntgenaufnahmen der LWS erstellen zu lassen (IV-act. 42-42). Hätte zum Zeitpunkt
der Röntgendiagnostik im September 2013 bereits eine Wirbelkörperverschiebung
beim Übergang der Brustwirbelsäule zur Lendenwirbelsäule (Th12-L1) bestanden, wäre
diese auf der Röntgenaufnahme ersichtlich gewesen und folglich im Gutachten erwähnt
worden. Da dies nicht der Fall gewesen ist, muss mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die Wirbelkörperverschiebung im
September 2013 noch nicht vorgelegen hat. Im vorliegenden Verfahren ist lediglich der
Gesundheitszustand resp. die Arbeitsfähigkeit bis zum Verfügungserlass relevant. Die
Wirbelkörperverschiebung ist im Juni 2014 und somit erst nach Verfügungserlass (3.
April 2014) festgestellt worden. Ob die Wirbelkörperverschiebung bereits vor
Verfügungserlass bestanden hat, kann nicht mehr eruiert werden. Da die
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Beschwerdeführerin den Nachteil der Beweislosigkeit zu tragen hat (vgl. BGE 117 V
261 E. 3b), muss davon ausgegangen werden, dass die Wirbelkörperverschiebung im
Zeitpunkt des Verfügungserlasses noch nicht vorgelegen hat. Sofern der entglittene
Wirbel nicht auf einen Nerv oder direkt auf eine Bandscheibe drückt, verläuft
Wirbelgleiten weitgehend schmerzfrei (siehe Schön Klinik, www.schoen-kliniken.de/
ptp/medizin/ruecken/ verschleiss/wirbelgleiten/, besucht am 22. Dezember 2016). Da
die mazedonischen Ärzte keine therapeutischen Massnahmen eingeleitet und die
nächste Kontrolle erst in drei Monaten vorgesehen haben, ist davon auszugehen, dass
sie keine radikulären Zeichen haben feststellen können. Zusammenfassend ist
festzuhalten, dass mit den Gutachtern davon auszugehen ist, dass die
Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht im Haushalt sowie in einer körperlich
adaptierten Tätigkeit (wechselbelastende, körperlich sehr leichte Arbeit) mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit voll arbeitsfähig ist.
4.3 Der psychiatrische Gutachter med. pract. G._ hat eine intellektuelle
Minderbegabung/Grenzbegabung sowie, wie oben erwähnt, eine
Somatisierungsstörung diagnostiziert, letzterer jedoch keinen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit beigemessen. Wegen der intellektuellen Minderbegabung hat er die
Arbeitsfähigkeit (resp. die Leistungsfähigkeit) im Haushalt sowie in einer
Verweistätigkeit als zu 30 % reduziert betrachtet. Der Hausarzt der Beschwerdeführerin
hat demgegenüber im Oktober 2012 erklärt, dass die Beschwerdeführerin seit zwei bis
drei Jahren an einer depressiven Episode Grad II-III leide. Zudem hat er den Verdacht
auf eine affektive Störung, Persönlichkeitsstörungen und bipolare Störungen geäussert.
Ausserdem hat er die Frage aufgeworfen, ob die Beschwerdeführerin an einer Demenz
leiden könnte.
4.4 Bezüglich der depressiven Symptomatik hat der Hausarzt mit Verweis auf sein
fehlendes psychiatrisches Fachwissen keine ICD-10-konforme Diagnose nennen
können (IV-act. 28). Gerade bei psychiatrischen Erkrankungen, bei denen es sich um
innerseelische Vorgänge handelt, ist es wichtig, dass die diagnosestellende Arztperson
über psychiatrisches Fachwissen verfügt. Hinzu kommt, dass den Berichten des
Hausarztes ein detaillierter psychopathologischer Befund fehlt. Als depressive
Symptome hat er hauptsächlich eine Antriebsstörung genannt. Gerade diese
Antriebsstörung hat der psychiatrische Gutachter jedoch nicht als depressionsbedingt
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interpretiert, sondern den intellektuellen Defiziten zugeschrieben (verminderte Fähigkeit
zum Planen und Strukturieren von Aufgaben und verminderte Fähigkeit,
Arbeitsnotwendigkeiten zu erkennen). Diese Einschätzung des psychiatrischen
Gutachters überzeugt auch vor dem Hintergrund, dass er ansonsten keine
wesentlichen depressionsspezifischen Symptome festgestellt hat: Die
Beschwerdeführerin habe während der psychiatrischen wie auch während der
neuropsychologischen Untersuchung im Wesentlichen affektiv adäquat gewirkt. Erst
auf Nachfrage hin habe sie lediglich von einer temporären Herabgestimmtheit berichtet.
Auch Phänomene wie eine Grübelneigung, eine Denkhemmung, Interessen- und
Lustlosigkeit, die aus depressiven Symptomen resultierten, seien nicht vorhanden
gewesen. Der psychiatrische Gutachter hat zudem darauf hingewiesen, dass die
Annahme einer bipolaren Störung aus gutachterlicher Sicht jeglicher Grundlage
entbehre. Weder anamnestisch noch fremdanamnestisch existierten Indizien für
maniforme oder manische Zustandsveränderungen. Es sei anzunehmen, dass der
Hausarzt einige der histrionisch bedingten Verhaltensvarianten der Beschwerdeführerin
im maniformen Sinne fehlinterpretiert habe (IV-act. 42-30). Der Hausarzt hat seine
Verdachtsdiagnose einer bipolaren Störung denn auch mit keinem Wort begründet.
Gestützt auf die überzeugenden Ausführungen des psychiatrischen Gutachters med.
pract. G._ kann deshalb mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
ausgeschlossen werden, dass die Beschwerdeführerin an einer depressiven Episode/
Störung oder an einer anderen affektiven Störung wie einer bipolaren Störung leidet.
4.5 Die Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, dass sie wegen Ängsten dauernd
auf die Anwesenheit einer Drittperson angewiesen sei. Wenn niemand bei ihr sei,
beginne sie zu schreien, kriege Atemnot und werde unruhig. Die Beschwerdeführerin
hat während der Anamneseerhebung durch den neurologischen Gutachter Dr. med.
H._ einen solchen Schreianfall gehabt. Das Schreien hat auf ihn jedoch theatralisch
aufgesetzt und nicht authentisch gewirkt (IV-act. 42-12). Der psychiatrische Gutachter
hat erklärt, dass die von der Beschwerdeführerin geschilderten Ängste insgesamt
diskrepant gewirkt hätten. Einerseits habe sie geschildert, sich nicht alleine nach
Draussen zu trauen; andererseits habe sie aber bei der Befragung zum Tagesablauf
angegeben, alleine nach Draussen zu gehen. Auch die Angaben bezüglich der Ängste
während der Abwesenheit der Familienangehörigen seien in sich diskrepant gewesen
(IV-act. 42-30). Der psychiatrische Gutachter hat den Verdacht geäussert, dass die von
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der Beschwerdeführerin beschriebenen Ängste eine gewisse Zweckgebundenheit in
der familiären Interaktion repräsentieren könnten. Diese Aussage wird auch dadurch
gestützt, dass die Beschwerdeführerin, nach der Art ihrer Ängste befragt, geäussert
hat, vor allem Angst zu haben, hingegen in Begleitung des Ehemannes keinerlei Ängste
zu haben. Zudem hat sie das Vorliegen spezifischer Phobien verneint (IV-act. 42-24).
Somit steht nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest,
inwieweit die geltend gemachten Ängste die Beschwerdeführerin tatsächlich in ihrer
Arbeitsfähigkeit einschränken. Von zusätzlichen Abklärungen sind keine
weitergehenden Erkenntnisse zu erwarten, da in antizipierender Beweiswürdigung
davon auszugehen ist, dass die Beschwerdeführerin die Ängste wieder (ob bewusst
oder unbewusst) "falsch" oder übertrieben darstellen würde. Die geltend gemachten
Ängste sind daher bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht zu berücksichtigen.
4.6 Die neuropsychologische Gutachterin Dr. phil. I._ hat dargelegt, dass es weitere
Abklärungen per Bildgebung, EEG und eingrenzender laborchemischer
Differenzialdiagnostik bedürfe, um eine Demenz ausschliessen zu können (IV-act.
42-52). Allerdings hat sie angemerkt, dass vom klinischen Eindruck her keine
Aufmerksamkeitseinbussen vorhanden gewesen seien und eine Aphasie, Apraxie oder
ausgeprägtere Gedächtnisstörungen ausgeschlossen werden könnten. Die
neuropsychologische Gutachterin hat also keine Hinweise auf eine Demenz gefunden,
jedoch die Diagnose nicht ausschliessen wollen, da hierfür gewisse weitere
Untersuchungen notwendig wären. Auch der neurologische Gutachter Dr. H._ hat
darauf hingewiesen, dass in der Untersuchung bezüglich des Verdachts auf eine
Demenz keine Auffälligkeiten erkennbar gewesen seien. Die Beschwerdeführerin sei
trotz fehlender Schulbildung bestens in der Lage gewesen, z.B. das Alter ihrer
Enkelkinder zu erinnern und gute zeitliche Zuordnung zu leisten. Die Gesprächsführung
sei unauffällig gewesen. Die Einschätzung des Hausarztes beruhe offensichtlich auf der
subjektiven Beschwerdeangabe und dem demonstrativ erscheinenden Verhalten der
Beschwerdeführerin. Bei den klinischen gutachterlichen Untersuchungen haben sich
also keine Hinweise auf eine allfällige Demenz ergeben. Die Gutachter sind deshalb
zum Schluss gekommen, dass eine Demenz klinisch-neuropsychologisch nicht
plausibel begründbar sei. Die Aussage des neurologischen Gutachters, dass der vom
Hausarzt der Beschwerdeführerin geäusserte Verdacht auf eine Demenz wohl
hauptsächlich auf den subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin beruhe, leuchtet
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ein. Aus dessen Berichten geht nämlich hervor, dass er die Angaben der
Beschwerdeführerin jeweils unreflektiert, d.h. ohne ihre Plausibilität zu überprüfen,
übernommen hat. Gegen das Vorliegen einer Demenz spricht im Übrigen auch, dass
die Verwandten der Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung angegeben
haben, dass deren Gesundheitszustand seit etwa zehn Jahren unverändert sei. Bei der
Demenz handelt es sich jedoch um ein Krankheitsbild, das meist als Folge einer
chronisch fortschreitenden Erkrankung des Gehirns auftritt (Schweizerische
Alzheimervereinigung, www.alz.ch/index.php/demenzkrankheiten.html, besucht am 12.
Januar 2017). Würde die Beschwerdeführerin also an einer Demenz leiden, hätte sich
ihr Gesundheitszustand − zumindest ohne Behandlung − in den letzten zehn Jahren mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit verschlechtert. Hinzu kommt, dass, wie bereits
erwähnt, nicht die Diagnose an sich, sondern vielmehr die durch das Leiden bedingte
Beeinträchtigung bei der Ausübung einer Tätigkeit relevant ist. Solange sich eine
Demenz klinisch also nicht nachweisen lässt, hat sie mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit (noch) keinen wesentlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Aus
diesem Grund erübrigen sich die von der neuropsychologischen Gutachterin erwähnten
zusätzlichen Abklärungen. Die Beschwerdeführerin leidet somit mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nicht an einer ihre Arbeitsfähigkeit beeinflussenden Demenz.
4.7 Der Hausarzt hat den Verdacht geäussert, dass die Symptomatik der
Beschwerdeführerin nicht nur durch die depressive Episode, sondern auch durch
„andere“ Persönlichkeitsstörungen bedingt sein könnte. Was der Hausarzt mit
„anderen Persönlichkeitsstörungen“ gemeint hat, ist unklar, da es sich bei einer
depressiven Episode nicht um eine Persönlichkeitsstörung handelt. Er hat seinen
Verdacht denn auch nicht begründet. Der psychiatrische Gutachter med. pract. G._
hat erklärt, dass in der Primärpersönlichkeit vor allem histrionische und ängstlich
vermeidende sowie sicherlich abhängige Anteile dominierten. Eine eigentliche
Persönlichkeitsstörung, die die Arbeitsfähigkeit beeinflussen könnte, hat er jedoch nicht
diagnostiziert. Hinweise, die gegen diese Einschätzung sprächen, liegen nicht vor. Die
Beschwerdeführerin leidet daher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht an einer
Persönlichkeitsstörung.
4.8 Als einzige psychiatrische Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hat der
psychiatrische Gutachter schliesslich eine intellektuelle Minderbegabung/
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Grenzbegabung diagnostiziert, wobei er lediglich von einer leichten
Intelligenzminderung ausgegangen ist (siehe ICD-10: F70.0). Er hat erklärt, dass die
Beschwerdeführerin seit jeher zu 30 % in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei, da
sie ohne Aufforderung und Anleitung nicht in der Lage sei, zu arbeiten (IV-act. 42-15).
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat dagegen vorgebracht, dass im
Gutachten nicht zwischen der angeblichen intellektuellen Minderbegabung und der
fehlenden Bildung unterschieden worden sei. Zudem habe die Beschwerdeführerin
nach der Einreise in die Schweiz mindestens fünf Jahre lang den Haushalt erledigt und
die damals _ bis _ Jahre alten Söhne betreut. Der psychiatrische Gutachter hat
explizit festgehalten, dass auch unter Ausklammerung der fehlenden Schulbildung und
des dadurch bedingten Analphabetismus die Verhaltens- und Reaktionsweisen der
Beschwerdeführerin den Schluss auf eine Grenzbegabung zuliessen (IV-act. 42-29). Die
Beschwerdeführerin hat selber angegeben, dass sie auch bei ihrer Schwiegermutter
nichts von alleine gemacht habe; sie sei darauf angewiesen gewesen, dass ihr die
Schwiegermutter immer gesagt habe, welche Tätigkeiten sie ausführen solle. Nach
dem Auszug bei der Schwiegermutter (1990; Einreise in die Schweiz) habe sie von ihrer
Schwägerin Hilfe und Strukturierung bei der Haushaltsführung erhalten (IV-act. 42-29).
1993 sei die erste Schwiegertochter ins gemeinsame Haus eingezogen. Die
Beschwerdeführerin hat weiter ausgeführt, dass sie, seit sie in der Schweiz gewesen
sei, eigentlich stets intensive Unterstützung im Haushalt gehabt habe und kaum etwas
habe machen müssen (IV-act. 42-8). Entgegen der Ansicht des Rechtsvertreters muss
aufgrund der Aktenlage demnach davon ausgegangen werden, dass die
Beschwerdeführerin bereits vor der Einreise in die Schweiz Hilfe bei der
Haushaltsführung benötigt und auch in Anspruch genommen hat. Die vom
psychiatrischen Gutachter angegebene Diagnose einer leichten Intelligenzminderung
überzeugt auch vor dem Hintergrund, dass die Beschwerdeführerin laut der
Dolmetscherin über einen sehr beschränkten Wortschatz verfüge und Mühe gehabt
habe, diskret komplexere Inhalte zu verstehen (IV-act. 42-23 und 42-24). Ob die leichte
Intelligenzminderung tatsächlich eine 30 %igen Arbeitsunfähigkeit im Haushalt und in
einer adaptierten Tätigkeit zur Folge hat, ist demgegenüber fraglich. Viele Erwachsene
mit einer leichten Intelligenzstörung können nämlich arbeiten, gute soziale Beziehungen
unterhalten und ihren Beitrag zur Gesellschaft leisten. Zudem hat eine leichte
Intelligenzminderung definitionsgemäss keine oder nur eine geringfügige
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Verhaltensstörung zur Folge (ICD-10:F70-79/F70.0). Es stellt sich deshalb einerseits die
Frage, ob die Angaben der Beschwerdeführerin (und ihrer Familienangehörigen), dass
sie nicht in der Lage sei, irgendeine Tätigkeit ohne Aufforderung und Anleitung
auszuführen, der Realität entspricht. Die Beschwerdeführerin hat zu ihren Fähigkeiten
gegenüber den Gutachtern nämlich teilweise widersprüchliche Angaben gemacht:
Während sie gegenüber dem psychiatrischen Gutachter angegeben hat, auch nach 23
Jahren in der Schweiz kein Deutsch zu sprechen, ja nicht einmal eine deutsche
Grussformel zu kennen, hat sie sich mit den Büromitarbeiterinnen der Gutachterstelle in
einfacher Weise auf Deutsch verständigen können (IV-act. 42-21 f.). Des Weiteren hat
die Beschwerdeführerin bei der psychiatrischen Begutachtung geäussert, dass sie
überhaupt keine Zahlen kenne, dass sie die Uhr nicht lesen könne und dass sie keine
Geldwerte kenne (IV-act. 42-21). Gegenüber der neuropsychologischen Gutachterin hat
sie dann jedoch erklärt, bis fünf zählen zu können. Zudem habe sie teilweise Angaben
zur Uhrzeit machen können und berichtet, Münzen im Wert von 5 Franken
mitzunehmen, wenn sie einkaufen gehe (IV-act. 42-22 und 42-28). Zum Vergleich:
Bereits ein durchschnittlich entwickeltes 5-jäh-riges Kind kann bis 10
zählen(stiftungNETZ,www.stiftungnetz.ch/entwicklung_des_kindes.html#vierjaehrig,
besucht am 12. Januar 2017; eine leichte Intelligenzminderung bei Erwachsenen
entspricht dem Intelligenzalter von 9 bis unter 12 Jahren, siehe ICD-10: F70-79). Die
genannten Aussagen der Beschwerdeführerin überzeugen auch deshalb nicht, weil sie
bei der Begutachtung die Anamnese mit ihrem niedrigen Bildungsstand angemessenen
Mitteln habe beschreiben können (IV-act. 42-12) und bestens in der Lage gewesen sei,
das Alter der Enkelkinder zu nennen und eine zeitliche Zuordnung zu leisten (IV-act.
42-13). Andererseits stellt sich auch die Frage, wie weit die Unfähigkeit, irgendeine
Tätigkeit ohne Aufforderung und Anleitung auszuführen, durch psychosoziale und
soziokulturelle Faktoren mitbeeinflusst wird (Analphabetismus, niedriger Bildungsstand,
keine ausserhäusliche Tätigkeit, frühzeitige Übergabe der Haushaltsaufgaben an
Schwiegertöchter). Ob bzw. inwieweit die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im
Haushalt und in einer adaptierten Tätigkeit durch die leichte Intelligenzminderung
eingeschränkt ist, kann jedoch, wie in Erw. 4.10 aufgezeigt werden wird, offen gelassen
werden.
4.9
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4.9.1 Der psychiatrische Gutachter hat als Diagnose ohne Relevanz für die
Arbeitsfähigkeit eine Somatisierungsstörung angegeben. Er hat es unterlassen, den
Einfluss der Somatisierungsstörung auf die Arbeitsfähigkeit anhand der gemäss der
damaligen höchstrichterlichen Rechtsprechung geltenden Foerster-Kriterien zu prüfen.
Inzwischen hat das Bundesgericht seine Rechtsprechung zur Beurteilung des
Anspruchs auf eine Invalidenrente wegen somatoformer Schmerzstörungen und
vergleichbarer psychosomatischer Leiden jedoch ohnehin geändert (vgl. z.B. IV-
Rundschreiben Nr. 334). Die vor der Rechtsprechungsänderung eingeholten Gutachten
haben durch die Praxisänderung nicht per se ihren Beweiswert verloren. Vielmehr ist im
Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen
Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes
Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält. In jedem
einzelnen Fall ist zu prüfen, ob die beigezogenen administrativen und/oder
gerichtlichen Sachverständigengutachten ‒ gegebenenfalls im Kontext mit weiteren
fachärztlichen Berichten ‒ eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen
Indikatoren erlauben oder nicht (BGE 141 V 281 E. 8). Nachfolgend ist somit zu prüfen,
ob das psychiatrische Teilgutachten mit Bezug auf die Diagnose einer
Somatisierungsstörung eine schlüssige Beurteilung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit
im Lichte der neuen Rechtsprechung erlaubt.
4.9.2 Das Bundesgericht hat mit BGE 141 V 281 die bisherige Vermutung, dass der
versicherten Person eine Willensanstrengung zuzumuten sei, mit welcher die Folgen
einer somatoformen Schmerzstörung oder eines vergleichbaren psychosomatischen
Leidens überwunden werden könnten, aufgegeben. Neu muss eine ergebnisoffene
symmetrische Beurteilung anhand eines Kataloges von Indikatoren des tatsächlich
erreichbaren Leistungsvermögens erfolgen. Die Handhabung des Katalogs muss stets
den Umständen des Einzelfalls gerecht werden; es handelt sich nicht um eine
"abhakbare Checkliste". Die im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren sind:
1. Funktioneller Schweregrad:
- Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome;
- Behandlungserfolg oder -resistenz;
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- Komorbiditäten;
- "Persönlichkeit" (Persönlichkeitsentwicklung und -struktur, grundlegende psychische
Funktionen);
- sozialer Kontext.
2. Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens):
- Gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren
Lebensbereichen (sozialer Rückzug, Ressourcen);
- Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen;
- Verhalten im Rahmen der beruflichen (Selbst-)Eingliederung.
Die Beschwerdeführerin hat anlässlich der Begutachtung über Schmerzen am ganzen
Körper geklagt. Sie fühlt sich vollständig arbeitsunfähig und hilfsbedürftig (IV-act.
42-12). Das Verhalten der Beschwerdeführerin während der gutachterlichen
Untersuchung hat auf den neurologischen Gutachter Dr. H._ sehr demonstrativ und
theatralisch gewirkt. Die Darstellung der Beschwerden sei unspezifisch und plakativ
gewesen. Die Schmerzen schienen aufmerksamkeitsabhängig zu bestehen respektive
seien bei Ablenkung nicht mehr auslösbar gewesen (IV-act. 42-12). Bei der
Thematisierung von Beinschmerzen habe die Beschwerdeführerin beispielsweise das
linke Bein in frei schwebender Vorhalteposition über mehr als zwei Minuten gehalten,
was eine kraftanstrengende und belastende Haltung sei, die ein schmerzgepeinigter
Mensch sicherlich vermeiden würde. Des Weiteren habe sich die Beschwerdeführerin
beim Ausziehen der Schuhe und der Socken sehr gut zum Boden vorbeugen können,
während sie in Widerspruch dazu in der Untersuchung einen Lasègue von lediglich
30-40° gezeigt habe. Auch bei der Erhebung des Motorikstatus seien wiederholt
ausgeprägte Befundinkonsistenzen erkennbar gewesen, die mit einer verminderten
Anstrengungsbereitschaft im Sinne versuchter Aggravation und teilweise nicht
authentischer Symptompräsentation vereinbar seien. Dem psychiatrischen Gutachter
med. pract. G._ ist aufgefallen, dass die Beschwerdeführerin die am Boden stehende
Tasche sehr schnell und sich problemlos bückend habe aufheben können. Zudem
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habe sie den Untersuchungsraum zügig verlassen (IV-act. 42-23). Der internistische
Gutachter Dr. med. J._ hat keine Auffälligkeiten beim Gehen und beim An- und
Entkleiden beobachten können. Ihm ist ausserdem aufgefallen, dass die
Beschwerdeführerin die beklagten Beschwerden teilweise lachend geschildert habe
(IV-act. 42-34). Die Beschwerdeführerin hat anlässlich der Begutachtung mit Bezug auf
die von ihr geltend gemachten Schmerzen also ein sehr widersprüchliches Bild gezeigt,
das über ein bloss verdeutlichendes Verhalten hinausgeht. Hinzu kommt, dass ein
sekundärer Krankheitsgewinn besteht, indem die Beschwerdeführerin Hilfe durch die
Familie erhält (IV-act. 42-29). So wird inzwischen der gesamte Haushalt von den
Schwiegertöchtern erledigt; sogar bei den alltäglichen Lebensverrichtungen helfen ihr
die Schwiegertöchter (Haarpflege). Beim sekundären Krankheitsgewinn handelt es sich
jedoch um einen krankheitsfremden Faktor, der medizinisch nicht angehbar und
deshalb für die Invaliditätsbemessung irrelevant ist (Urteil des Bundesgerichts vom 25.
April 2016, 9C_894/2015 E. 6.3). Aufgrund der aufgezählten Widersprüchlichkeiten ist
es unmöglich, zu ermitteln, inwieweit die Beschwerdeführerin im Alltag tatsächlich
durch Schmerzen eingeschränkt ist. Unter Berücksichtigung des Grundsatzes, dass die
Beschwerdeführerin den Nachteil der Beweislosigkeit zu tragen hat, überzeugt daher
die Einschätzung des psychiatrischen Gutachters, dass die Somatisierungsstörung
keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hat.
4.10 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit lediglich an einer leichten Intelligenzminderung
leidet. Auch wenn diese einen IV-Grad von 40 % oder mehr zur Folge hätte, wären die
versicherungsmässigen Voraussetzungen für die Zusprache einer IV-Rente nicht erfüllt,
da die Intelligenzminderung seit der Geburt besteht und somit bereits vor der Einreise
in die Schweiz bestanden hat. Aus diesem Grund kann auch die Statusfrage offen
gelassen werden. Die Beschwerdeführerin hat somit keinen Anspruch auf eine
Invalidenrente.
5.
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5.1 Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf einen unentgeltlichen
Rechtsbeistand im Vorbescheidverfahren gehabt hat. Ihr Rechtsvertreter hat den
Anspruch damit begründet, dass mit der Diskussion und Kritik am Medas-Gutachten
sowie mit der neu vorgebrachten Begründung (fehlende versicherungsmässige
Voraussetzungen) schwierige rechtliche und sachliche Fragen aufgeworfen worden
seien. Dazu sei noch die Frage des Status gekommen. Unter solchen Umständen
könne die Verantwortung für eine richtige Vertretung nicht den Angehörigen
überbunden werden, selbst wenn diese in der Lage wären, einen einfachen Einwand zu
formulieren.
5.2 Gemäss Art. 37 Abs. 4 ATSG wird der gesuchstellenden Person ein unentgeltlicher
Rechtsbeistand bewilligt, wo die Verhältnisse es erfordern. Die Voraussetzungen des
Anspruchs auf eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung im
sozialversicherungsrechtlichen Verfahren sind die Notwendigkeit einer rechtskundigen
Vertretung, die fehlende Aussichtslosigkeit der Begehren und die Bedürftigkeit der
Partei. Dabei ist das Erfordernis der sachlichen Gebotenheit einer
Rechtsverbeiständung mit Blick auf den im sozialversicherungsrechtlichen
Verwaltungsverfahren geltenden Untersuchungsgrundsatz aber nur in Ausnahmefällen
zu bejahen. Es müssen sich schwierige rechtliche oder tatsächliche Fragen stellen und
eine Interessenwahrung durch Verbandsvertreter, Fürsorgestellen oder andere Fach-
und Vertrauensleute sozialer Institutionen muss ausser Betracht fallen (vgl. BGE 132 V
200 E. 4.1). Von Bedeutung ist auch die Fähigkeit der versicherten Person, sich im
Verfahren zurecht zu finden (vgl. BGE 125 V 32 E. 4b).
5.3 Zunächst ist zu prüfen, ob sich im Vorbescheidverfahren betreffend die Verfügung
vom 3. April 2014 schwierige rechtliche oder tatsächliche Fragen gestellt haben. Nach
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung begründet ein umstrittenes Gutachten für
sich allein keinen Anspruch auf unentgeltliche Rechtsverbeiständung (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 16. April 2013, 9C_993/2012 E. 4.1). Dies gilt auch für Fälle wie
den vorliegenden, wo eine Somatisierungsstörung oder ein vergleichbares syndromales
Leiden im Raum steht (Urteil 9C_993/2012 E. 4.2.2). Auch die Frage des Status ist im
vorliegenden Fall nicht komplexer gewesen als in anderen Fällen. Die
Beschwerdeführerin (resp. ihre Familienangehörigen) hat einzig die Frage beantworten
müssen, ob sie ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen erwerbstätig wäre oder nicht.
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Auch der Umstand, dass die Ablehnung des Rentengesuchs damit begründet worden
ist, dass die versicherungsmässigen Voraussetzungen nicht erfüllt sind, macht eine
Rechtsverbeiständung im Vorbescheidverfahren noch nicht notwendig: Aus dem
Vorbescheid geht klar hervor, dass die Abweisung des Rentengesuchs beabsichtigt
worden war, weil der leistungseinschränkende Gesundheitsschaden nach Ansicht der
Beschwerdegegnerin seit der Jugend besteht und demzufolge bereits vor der Einreise
in die Schweiz bestanden hat. Die Beschwerdeführerin resp. ihre Familienangehörigen
hätten also gegen den Vorbescheid lediglich vorbringen müssen, dass sie nicht damit
einverstanden seien, dass der Gesundheitsschaden bereits vor der Einreise bestanden
habe. Hinsichtlich des Schwierigkeitsgrades hat es sich vorliegend also um einen
durchschnittlichen Rentenfall gehandelt.
5.4 Zu klären bleibt, ob die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer persönlichen
Fähigkeiten in der Lage gewesen wäre, sich im Vorbescheidverfahren zurecht zu
finden. Die Beschwerdeführerin kann weder lesen noch schreiben und verfügt nur über
geringe Deutschkenntnisse. Sie ist also offensichtlich nicht in der Lage gewesen, ihre
Interessen im Vorbescheidverfahren selber zu vertreten. Allerdings genügen
mangelhafte sprachliche Kenntnisse für sich allein nicht, eine anwaltliche Vertretung im
Vorbescheidverfahren zu rechtfertigen (Urteil des Bundesgerichts vom 15. Februar
2012, 8C_650/2011 E. 4.2.2). Der Beschwerdeführerin wäre es nämlich zumutbar
gewesen, die Hilfe ihrer Familienangehörigen in Anspruch zu nehmen. Die
Beschwerdeführerin ist im Jahr 1990 mit ihren drei Söhnen in die Schweiz eingereist,
die zum Zeitpunkt der Einreise zwischen _ und _ Jahre alt gewesen sind. Der
Ehemann hat offenbar seit der Eheschliessung (19_) in der Schweiz gearbeitet (IV-act.
42-21). Es ist daher davon auszugehen, dass der Ehemann sowie die Söhne, die
zwischenzeitlich zwischen _ und _ Jahre alt gewesen waren, über genügende
Deutschkenntnisse verfügt haben, um sich gegen einen Vorbescheid der
Beschwerdegegnerin zur Wehr zu setzen. Hinzu kommt, dass eine der
Schwiegertöchter, die im selben Haus wie die Beschwerdeführerin lebt, sehr gut
Schweizerdeutsch spricht (IV-act. 24-1). Die Beschwerdeführerin wäre also mithilfe
ihrer Familienangehörigen in der Lage gewesen, der Beschwerdegegnerin zur Kenntnis
zu bringen, dass sie mit dem Vorbescheid nicht einverstanden ist. Die
Beschwerdegegnerin hat das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung im
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Vorbescheidverfahren daher mangels sachlicher Gebotenheit zu Recht abgelehnt.
Somit erübrigt sich die Prüfung der weiteren Voraussetzungen.
5.5 Demnach sind die Beschwerden gegen die Rentenabweisungsverfügung vom 3.
April 2014 (IV 2014/260) sowie gegen die Verfügung vom 27. März 2015 betreffend die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Vorbescheidverfahren (IV 2015/138)
abzuweisen.
6.
6.1 Für das Verfahren IV 2015/138 sind keine Gerichtskosten zu erheben (Art. 61 lit. a
ATSG). Das Beschwerdeverfahren IV 2014/260 ist demgegenüber kostenpflichtig. Die
Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im
Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie
vollumfänglich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher
Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu befreien.
6.2 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr.
12'000.--. In einem durchschnittlichen IV-Rentenfall spricht das Versicherungsgericht
praxisgemäss eine pauschale Entschädigung von Fr. 3'500.-- zu. Der Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin hat keine Kostennote eingereicht. In der vorliegend zu
beurteilenden Angelegenheit erscheint mit Blick auf vergleichbare Fälle für das
Verfahren IV 2014/260 eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- als
angemessen. Der Aufwand für das Verfahren IV 2015/138 ist wesentlich geringer
gewesen und rechtfertigt deshalb eine pauschale Entschädigung von Fr. 1'000.--. Die
Parteientschädigungen sind um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Somit
entschädigt der Staat den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin für das Verfahren IV
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2014/260 mit Fr. 2'800.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) und für das
Verfahren IV 2015/138 mit Fr. 800.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
6.3 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung der Gerichtskosten und zur Rückerstattung der Parteientschädigung
verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO, SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP, sGS 951.1]).