Decision ID: 90610505-5e11-51ee-84ae-ee94e09da51d
Year: 2019
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin, eine Staatsangehörige aus B._, stellte am
13. Februar 2019 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) des SEM in
Vallorbe ein Asylgesuch, bevor sie in das EVZ Basel transferiert wurde (Ak-
ten der Vorinstanz [SEM-act.] A5/10 Ziff. 5.05 f. S. 7).
B.
Am 25. Februar 2019 erhob das SEM im EVZ Basel die Personalien der
Beschwerdeführerin und befragte sie zu ihrem Reiseweg sowie – summa-
risch – zu ihren Ausreisegründen (Befragung zur Person BzP). Sie führte
dabei unter anderem aus, sie habe ein Visum für Holland und Belgien ge-
habt, aber gelebt habe sie in Holland. Nachdem ihr das rechtliche Gehör
zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid nach Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG (SR 142.31) infolge der mutmasslichen Verfahrenszuständigkeit
Hollands oder Belgiens aufgrund der Dublin-Vertragsgrundlagen gewährt
wurde, äusserte sie sich dahingehend, ihr Ziel sei, Schutz zu bekommen.
In Holland habe sie Bekannte, die nicht wissen dürften, wo sie sich auf-
halte. Auch nach Belgien möchte sie nicht, da der Ehemann einer Bekann-
ten dort sei und sie sich deshalb nicht sicher fühlen würde (SEM-act. A5/10,
Ziff. 8.01 S. 8f.).
C.
Am 11. März 2019 ersuchte das SEM die niederländischen Behörden um
Bestätigung der Angaben der Beschwerdeführerin, wonach sie ein nieder-
ländisches Visum besessen habe (SEM-act. A9/2 und A10/2). Die Behör-
den teilten am 10. April 2019 mit, dass die Beschwerdeführerin für die Ein-
reise in die Niederlande am 23. November 2016 ein Visum erhalten habe.
Anschliessend sei sie im Besitz eines bis zum 31. Dezember 2017 gültigen
Aufenthaltstitels gewesen. Sie habe gemäss Auskunft der Au-pair Agentur
das Land am 31. Dezember 2017 in Richtung Belgien verlassen (SEM-act.
A11/1).
D.
Am 11. April 2019 ersuchte das SEM gestützt auf Art. 12 Abs. 4 der Ver-
ordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestim-
mung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaats-
angehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags
auf internationalen Schutz zuständig ist (Abl. L 180/31 vom 29. Juni 2013;
nachfolgend: Dublin-III-VO), die belgischen Behörden um Übernahme der
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Beschwerdeführerin (SEM-act. A13/5 und A14/2). Die Vorinstanz führte da-
bei aus, die Beschwerdeführerin habe angegeben, sie habe in Belgien ei-
nen Aufenthaltstitel gehabt, der bis zum 31. Dezember 2018 gültig gewe-
sen sei. Die belgischen Behörden hiessen das Rückübernahmeersuchen
des SEM am 16. April 2019 explizit gut (SEM-act. A15/1).
E.
Mit Verfügung vom 17. April 2019, eröffnet am 6. Mai 2019, trat das SEM
in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch der
Beschwerdeführerin nicht ein, wies sie aus der Schweiz weg und forderte
sie auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Eintritt der Rechtskraft der
Verfügung zu verlassen, ansonsten sie in Haft genommen und unter Zwang
nach Belgien zurückgeführt werden könne. Ferner beauftragte das SEM
den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung und ordnete die
Aushändigung der editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an
die Beschwerdeführerin an (SEM-act. A17/9 und A18/1).
F.
Mit Eingabe vom 9. Mai 2019 erhob die Beschwerdeführerin beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde. Sie beantragte die Aufhebung der vor-
instanzlichen Verfügung vom 17. April 2019 und die Rückweisung der An-
gelegenheit an die Vorinstanz zur Durchführung des Asylverfahrens in der
Schweiz. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der
aufschiebenden Wirkung der Beschwerde. Des Weiteren beantragte sie
die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Verzicht auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses [BVGer-act.] 1).
G.
Am 10. Mai 2019 verfügte das Bundesverwaltungsgericht im Sinne einer
superprovisorischen Massnahme gestützt auf Art. 56 VwVG einen Voll-
zugsstopp (BVGer-act. 2).
H.
Die vorinstanzlichen Akten gingen am 14. Mai 2019 beim Bundesverwal-
tungsgericht ein (Art. 109 Abs. 1 AsylG).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
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und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwer-
deführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.2 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Asylgesetz und nicht
das am 1. März 2019 in Kraft getretene geänderte Gesetz (vgl. Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September
2015).
2.
Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG oder AsylG
nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG; Art. 6 und Art. 105 ff. AsylG
[SR 142.31]).
3.
3.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.2. Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin bzw. eines
zweiten Richters entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Vorliegend handelt es
sich, wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche, weshalb auf einen
Schriftenwechsel verzichtet und der vorliegende Entscheid nur summa-
risch begründet wird (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
4.
Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM
ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
5.
5.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
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Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
5.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
5.3 Bei sogenannten Aufnahmeverfahren (engl.: take charge) sind die in
Art. 8–15 Dublin-III-VO genannten Kriterien in der dort aufgeführten Rang-
folge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1
Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation im Zeitpunkt, in
dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt
hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO; FILZWIESER/SPRUNG, Dub-
lin III-Verordnung, Wien 2014, K4 zu Art. 7). Im Rahmen eines Wiederauf-
nahmeverfahrens (engl.: take back) findet demgegenüber grundsätzlich
keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III statt (vgl. zum Gan-
zen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.).
5.4 Besitzt die antragstellende Person mehrere Aufenthaltstitel, die weni-
ger als zwei Jahre zuvor abgelaufen sind, aufgrund deren sie in ein Ho-
heitsgebiet eines Mitgliedstaats einreisen konnte, so sind gemäss Art. 12
Abs. 4 Dublin-III-VO die Absätze 1, 2 und 3 dieses Artikels anwendbar, so-
lange die antragstellende Person das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten
nicht verlassen hat. Art. 12 Abs. 3 Bst. a bestimmt, dass wenn die antrag-
stellende Person mehrere gültige Aufenthaltstitel verschiedener Mitglied-
staaten besitzt, so sind die Mitgliedstaaten für die Prüfung des Antrags auf
internationalen Schutz in folgender Reihenfolge zuständig: der Mitglied-
staat, der den Aufenthaltstitel mit der längsten Gültigkeitsdauer erteilt hat,
oder bei gleicher Gültigkeitsdauer der Mitgliedstaat, der den zuletzt ablau-
fenden Aufenthaltstitel erteilt hat. Die Beschwerdeführerin besass je einen
Aufenthaltstitel für die Niederlande (21. Dezember 2016 bis 31. Dezember
2017) und für Belgien (gemäss Ausführungen des SEM [vgl. Bst. D] gültig
bis zum 31. Dezember 2018). Aus den Akten ist nicht ersichtlich, wann die
belgischen Behörden den Aufenthaltstitel erteilten. Es ist vorliegend davon
auszugehen, dass der Aufenthaltstitel für Belgien länger oder gleich lang
gültig gewesen ist wie der niederländische, zumal die belgischen Behörden
das Rückübernahmeersuchen des SEM in Kenntnis des Sachverhalts und
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der einschlägigen Bestimmungen der Dublin-III-VO guthiessen. Ihre grund-
sätzliche Zuständigkeit für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungs-
verfahrens der Beschwerdeführerin ist somit gegeben. Der nach der Dub-
lin-III-VO zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet, eine asylsuchende Per-
son, die in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat, nach
Massgabe der Artikel 21, 22 und 29 aufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. a
Dublin-III-VO).
5.5 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-
ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die
Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für
Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-
sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-
lung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen
Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich brin-
gen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat
als zuständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als
zuständig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitglied-
staat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
5.6 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin III-VO
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintritts-
recht). Sowohl der Mitgliedstaat, in dem ein Antrag auf internationalen
Schutz gestellt worden ist und der das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates durchführt, als auch der zuständige Mitgliedstaat
kann vor der Erstentscheidung in der Sache jederzeit einen anderen Mit-
gliedstaat ersuchen, den Antragsteller aus humanitären Gründen oder zum
Zweck der Zusammenführung verwandter Personen aufzunehmen, wobei
die betroffenen Personen diesem Vorgehen schriftlich zustimmen müssen
(Art. 17 Abs. 2 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. humanitäre Klausel).
6.
6.1 Eine Prüfung der Akten ergibt, dass die im erstinstanzlichen Verfahren
und auf Beschwerdeebene vorgebrachten Gründe nicht geeignet sind, die
staatsvertragliche Zuständigkeit Belgiens für die Durchführung des Asyl-
und Wegweisungsverfahrens zu ändern.
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6.2 Wie das SEM zutreffend festgehalten hat, gibt es keine Gründe für die
Annahme, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für asylsu-
chende Personen in Belgien würden Schwachstellen im Sinne von Art. 3
Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO aufweisen, die eine Gefahr einer un-
menschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4
der EU-Grundrechtecharta und Art. 3 EMRK mit sich bringen würden.
6.3 Belgien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR
0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich-
tungen grundsätzlich nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser
Staat anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus
den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU
vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und
Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) so-
wie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie) ergeben.
6.4 Die Beschwerdeführerin hat des Weiteren nicht konkret dargetan, die
belgischen Behörden würden sich weigern, einen Antrag auf internationa-
len Schutz unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen.
Den Akten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen,
Belgien werde in ihrem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missach-
ten und sie zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem ihr Leib, ihr Leben
oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist
oder in dem sie Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land ge-
zwungen zu werden. Ausserdem hat die Beschwerdeführerin nicht darge-
tan, die bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen in Belgien seien
derart schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-Grund-
rechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten (vgl. BVGE 2017
VI/10 E. 5).
Sie hat auch keine konkreten Hinweise für die Annahme dargetan, Belgien
würde ihr die gemäss Aufnahmerichtlinie zustehende medizinische Versor-
gung vorenthalten. Eine Nachkontrolle des kürzlich bei der Beschwerde-
führerin eingesetzten neuen Zahns kann auch bei einem Zahnarzt in Bel-
gien erfolgen.
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6.5 Belgien ist ein Rechtsstaat mit funktionierendem Justizsystem und ver-
fügt über eine Polizeibehörde, die – wie die Vorinstanz zutreffend festhielt
– sowohl als schutzwillig wie auch als schutzfähig gilt, sollten die Befürch-
tung der Beschwerdeführerin vor Übergriffen durch Privatpersonen be-
gründet sein.
6.6 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-
III-VO nicht gerechtfertigt.
7
7.1 Soweit die Beschwerdeführerin sinngemäss das Vorliegen von "huma-
nitären Gründen" geltend macht, ist Folgendes festzuhalten:
Gemäss Art. Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999
(AsylV 1, SR 142.311) kann das SEM "aus humanitären Gründen" das
Asylgesuch auch dann behandeln, wenn die Prüfung ergeben hat, dass ein
anderer Staat dafür zuständig ist.
In diesem Zusammenhang ist aber darauf hinzuweisen, dass der
Gesetzgeber mit der Asylgesetzrevision vom 1. Februar 2014 die Kognition
des Bundesverwaltungsgericht im Asylbeschwerdeverfahren einge-
schränkt hat (Streichung der Angemessenheitskontrolle des Bundesver-
waltungsgerichts gemäss aArt. 106 Abs. 1 Bst. c AsylG). Das Gericht hat
in einem Grundsatzurteil (vgl. BVGE 2015/9) festgestellt, es bei dieser
Rechtslage den vorinstanzlichen Verzicht auf die Anwendung der Kann-
Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 nicht mehr inhaltlich auf Ange-
messenheit hin überprüfen darf, dass das SEM bei der Anwendung von
Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspielraum verfügt und dass
das Gericht seine Beurteilung nunmehr im Wesentlichen darauf zu be-
schränken hat, ob das SEM den Sachverhalt diesbezüglich korrekt und
vollständig erhoben, allen wesentlichen Umständen Rechnung getragen
und seinen Ermessensspielraum genutzt hat (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a
und b AsylG).
7.2 Die angefochtene Verfügung ist unter diesem (eingeschränkten) Blick-
winkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten keine Hinweise
auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über- respektive Unterschreiten
des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb in diesem
Zusammenhang weiterer Äusserungen.
7.3 Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Er-
messenklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Der Vollständigkeit halber ist
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festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht ein-
räumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch
BVGE 2010/45 E. 8.3).
7.4 Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1
Bst. b AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eingetreten.
Da die Beschwerdeführerin nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder
Niederlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Belgien in An-
wendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a
AsylV 1).
8.
Aus den Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung kein
Bundesrecht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106
AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist somit abzuweisen.
9.
Das Beschwerdeverfahren ist mit diesem Urteil abgeschlossen, weshalb
sich die Anträge auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Be-
schwerde sowie auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
als gegenstandslos erweisen.
10.
Der am 10. Mai 2019 angeordnete Vollzugsstopp fällt mit vorliegendem Ur-
teil dahin.
11.
Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den
vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind,
weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind.
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2])
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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