Decision ID: a06b726f-b262-42b4-ab2e-7b53810db66e
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1975
, ist
von Beruf
Englischlehrerin
(Urk.
5
/
3
,
Urk.
5/
5/2
und
Urk.
5/8)
und arbeitete
ab
dem
18.
Januar
2011 zu
100
%
als IT
Assistentin
bei de
r
Y._
(Urk.
5/3/1, Urk.
5/
5
/
2
und Urk.
5/8
/7
)
.
Seit
dem 17. September
2012 ist sie in unterschiedlichem Ausmass
arbeitsunfähig geschrieben
(Urk.
5/8/8, Urk.
5/18/
7
und Urk.
5/37/2)
.
Dr.
med.
Z._
,
Ärztin für
Allgemeine Medizin FMH,
diagnostizierte
eine depressi
ve
Episode mit somatischem Syndrom, Panikstörungen, chronische
lumbosakrale
Schmer
zen links und ein anamnestisch
anbehandelter
Harnwegsinfekt
(Urk.
5/12/1)
.
Am 4.
Februar
2013 meldete sich die Versicherte bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
(Urk.
5/8)
. Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle
,
klärte die
erwerblichen
(Urk. 5/13,
Urk. 5/21-25)
und
medizi
ni
schen
(Urk.
5/12, Urk.
5/20, Urk.
5/28, Urk.
5/30)
Verhältnisse
ab und liess die Versicherte durch
Dr.
med.
Dipl
.–
Psych.
A._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Zertifizierter foren
sischer Psychiater SGFP, Zertifizierter medizinischer Gutachter SIM und FA Vertrauensarzt FMH
, begutachten (Gut
achten vom 14.
Juni
2014
, Urk.
5/36
).
Mit Vorbescheid vom 20.
Juni
2014
teilte
die IV-Stelle der Versicherten mit, dass das Leistung
sbegehren abgewiesen w
e
rd
e
(Urk.
5/38)
.
Auf einen Einwand verzichtete die Versicherte.
Mit Verfügung vom 1.
September
2014 wies die IV-Stelle das
Leistungsbegeh
ren
der Versicherten ab
(Urk.
2
)
.
2.
Gegen die Verfügung vom 1.
September
2014
erhob
die Versicherte mit Eingabe vom 30.
September
2014 Beschwerde mit dem Antrag, es sei ihr eine Invali
den
rente
zuzusprechen
(
Urk.
1/
2
)
.
Ihren Antrag begründete sie damit, dass
s
ie weder
in der Lage
sei
zu sitzen, noch könne sie für längere Zeit gehen. Auch könne sie sich nicht nach vorne beugen. Sie leide unter
chronischer Müdigkeit
und habe starke Nackenmuskelprobleme
(Urk.
1/1 und Urk.
1/2)
.
Mit Beschwerdeantwort vom 31. Oktober 2014 schloss die IV-Stelle auf Abwei
sung der Beschwerde (Urk. 4), was der Beschwerdeführerin am 3. Novem
ber 2014
mitgeteilt wurde (Urk. 6).
Auf die Ausführungen in den Rechtsschriften und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
;
ATSG).
Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesge
setzes über die Invalidenversicherung
;
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be
ei
nträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zu
dem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
IVG).
2.
Die Beschwerdegegnerin verneinte den Rentenanspruch.
Sie stützte sich dabei
auf die medizinischen Unterlagen und das psychiatrische Gut
achten
von
Dr.
A._
vom 19.
Mai
2014 und hielt fest, dass kein
i
nva
lidi
sie
render
Gesund
heitsschaden
vorliege
. Die Diagnosen der chronischen
Schmerz
störung
, der remit
tierten depressiven Störung und der Panikstörungen seien
inva
lidenver
siche
rungs
rechtlich
nicht relevant
(Urk. 2)
.
3.
Aufgrund der Akten ist ausgewiesen, dass kein psychischer Gesundheitsschaden
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliegt (vgl. Gutachten von Dr.
A._
vom 14. Juni 2014; Urk. 5/36/12)
. Dies wird denn auch von der Beschwer
de
führerin nicht bestritten
(Urk. 1/2)
.
Sie bringt in ihrer Beschwerde
aus
schliess
lich somatische Gründe vor
, welche
i
hrer Meinung nach
eine Einschränkung in der Arbeits- und Erwerbsfä
higkeit hervorrufen.
4
.
4
.1
Laut
Bericht der Uniklinik
B._
, Radiologie, vom 3.
September
2012,
über das
gleichentags erfolgte
MRI des Beckens links
,
stellte man die
Teilsakralisa
tion
des L
endenwirbelkörpers
5 über die Massa
lateralis
sacralis
links mit
Neo
arth
r
os
e
zwischen
dem
5.
Lendenwirbel
und
dem 1.
Steissbeinwirbel
fest. Auch gab
es deutliche Hinweise auf stattgehabte Reizzustände ebendort, wobei aktuell kein
e Reizung bestand. Überdies konnte keine Kompression neurogener Struk
tu
ren
nachgewiesen werden. Hinweise auf eine Nervenreizung in der
Neurogra
phie
gab
es keine. Das
I
liosakralgelenk
war unauffällig
(Urk. 5/12/10)
.
Beim Zentrum für medizinische Radiologie, Röntgeninstitut
C._
, liess
die Beschwerdeführerin
am 13.
September
2012
einen Ultraschall des Ab
domen
s
durchführen.
Die Untersuchung
ergab eine partielle Doppelnierenanlage rechts. Ansonsten fiel das Resultat des Ultraschalles unauffällig aus
(Urk. 5/12/11)
.
4.2
Dr.
Z._
hielt in
ihrem
Bericht vom 26.
Februar
2013 fest, dass die Be
schwer
deführerin seit August
2012 unter chronischen
lumbosakralen
Schmerzen links leide (Urk. 5/12/
1
). Dieselbe Diagnose geht auch aus dem
Kurzaustrittsbe
richt
der
Notfallstation Medizin
des Stadtspitals
D._
vom 16.
Septem
ber
2012
hervor
(Urk. 5/12/5).
Dr.
med.
E._
, Facharzt
für
Innere Medizin
FMH
, hielt in seinem Schreiben vom 20. Februar 2013 an
Dr.
Z._
fest, dass im durchgeführten
Be
las
tungs
- und 24-Stunden-
EKG
vom 18. Februar 2013 keine Rhythmusstö
rungen
hätten
provoziert
werden k
ö
nnen
. Auch im
24
-
S
tunden
-
EKG
seien nur wenige ventri
kuläre Extrasystolen, vor allem nachts zwischen 01.20
Uhr
und 2.20
Uhr
ohne Komplexität
,
aufgetreten
(Urk. 5/12/12)
.
Dem Schr
eiben der Neuroradiologie – SNI der
Klinik
F._
ist zu entneh
men,
dass das
MR
des
Schädel
s
vom 18.
Ma
i
2013
einen
intrakraniell unauf
fälligen Be
fund
ergab (Urk. 5/20/9)
.
4.
3
Dr.
med.
G._
, Oberärztin der
H._
SA, hielt in ihrem Arztbericht vom
4.
Oktober 2013 bei der Ursache der Arbeitsunfähigkeit
fest, dass
nebst der chronischen Schmerzstörung
sonstige näher bezeichnete Krank
heiten der Wirbelsäule und des Rü
ckens
best
ünd
en
. Dabei diagnostizierte
sie
i
m
Zervikal
b
ereich
ein
HWS-Syn
drom (M53.82)
,
eine Instabilität der Wirbel
säule im Sakral- und
Sakrokokzyge
alberei
ch
(M53.28) und Schmerzen in der
Beckenregion und
den
Oberschenkel
n
(M79.65).
Sodann hielt
Dr.
G._
fest, dass
alle Diagnosen mit zuneh
mendem Ausmass seit circa zwei Jahren best
ünd
en
(Urk. 5/28/5)
.
Die Untersuchung
ergab
eine
leicht
e
Beweglich
keit
seinschränkung
der
Hals
wirbelsäule
bei extremen Muskelverspannungen im gesamten
Halswirbelsäule
n
- und Schulterbereich
beidseits
.
Die Patientin berichte
auch über gelegentliche Myokloni
en
im linken Oberschenkel, insbesondere wenn die HWS extrem ver
spannt sei und auch Schwindel und Kopfschmerzen bestünden
(Urk. 5/28/6)
.
Weiter
stellte
Dr.
G._
ein leicht im
Lendenwirbelsäulen
-Bereich versteiftes Gangbild bei starker
Druckdolenz
rechts im Steissbeinbereich mit
M
y
ogelosen
in diesem Bereich fest.
Auch hielt
sie
fest, dass die Wirbelsäule
bei
Myogelosen
lumbal und thorakal in der Beweglichkeit leicht eingeschränkt
sei
.
Insbesondere sei dies im unteren
Lendenwirbelsäulen
-Bereich am
Steissbein
übergang
rechts und im
Thorax
-
Bereich
der Fall
(Urk. 5/28/6)
.
Zu den körperlichen Einschränkungen führte
Dr.
G._
aus, die Pati
entin leide
mehr oder weniger - abhängig von der Tagesform -
unter dauerhaf
ten Schmer
zen
i
m
Steissb
ein-, Lenden-
sowie im Nackenbereich. Ihre Auffas
sung, Konzen
tra
tion und psychische Belastbarkeit seien dadurch deutlich ein
geschränkt. Daher könne die Patientin derzeit keine Arbeiten verrichten, die körperliche Belastung oder kognitive Leistungsfähigkeit erforderten
(Urk. 5/28/7)
.
Zur Arbeitsfähigkeit hielt Dr.
G._
fest, dass
die Beschwerdeführerin
nur
wech
selbelastende
Tätigkeiten
während einer
bis zwei Stun
den
täglich ausfüh
ren könne.
Diese Angaben würden seit dem
1.
Juli 2013 gel
ten.
Derzeit und in den nächsten Monaten
könne
die Arbeitsfähigkeit ohne entsprechende Gene
sung
nur minimal gesteigert werden
(Urk.
5/28/9)
.
4.4
Dr.
med.
I._
, Neurolog
e
FMH,
hielt in seinem Schreiben vom 23. Okto
ber 2013
als
Diagnosen
z
ervikobrach
i
algieartige
Beschwerden links ohne
Hinweis auf
eine
neurologische Ursache und
b
elastungsabhängige Schmerzen
lumbosakral
fest (Urk. 5/30/4).
D
ie Beschwerdeführerin
sei
zur Abklärung hart
näckiger Beschwerden im Kopfbereich (Druckgefühl und Missempf
i
ndungen)
so
wie
wegen
Zervikobrachialgien
und Schmer
zen im
Lumbosakralbereich
statio
när
aufgenommen
worden
. Der klinisch-neurologi
sche Befund sowie die im Be
richt genannten Zusatzuntersuchungen
seien
un
auffällig
gewesen
(Urk. 5/
30/5
).
Prof.
Dr.
med.
J._
,
Facharzt für Anästhesiologie FMH,
Praxis für
Schmerz
therapie
, führte in seinem Schreiben vom 4. November 2013 an die
Y._
aus, im Rahmen des interdisziplinären Schmerzkonsiliums seien die folgenden Diagnosen
gestellt worden:
z
ervi
k
o
z
ephales
und
lumbos
pondylogenes
Syndrom beidseits, rechtsbetont mit/bei
Fehlform
und
Fehlhal
tung
der Wirbel
säule (Skoliose, Hohl
-
/
Rundrücken), Tendenz zur
Hyperlaxität
,
Teilsakralisa
tion
des
fünften Lendenwirbels
links mit
Ne
o
arthros
e
bildung
, leichte
n
degenerative
n
Veränderungen, Schwindel sowie Migräne ohne Aura und chroni
sche
Spann
ungs
t
yp-Kopfschmerzen
(Urk. 5/30/2).
4.5
Auch das
K._
hielt in seinem Schreiben an
die
Y._
vom 1
0.
Oktober 2013
nebst der Diagnose einer c
hro
nische
n
Schmerzstörung mit somatischen un
d psychischen Faktoren (F45.41)
ein
rezidivierendes
Zervikalbereichssyndrom
(M53.82) und Schmerzen im
Sa
k
ral
bereich
(M53.28) fest (Urk. 5/30/6).
5
.
5
.1
Gestützt auf die dargestellten medizinischen Akten kann ein somatischer G
esundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nicht ausge
schlossen
werden. Wohl fand sich für die geltend gemachten Nacken-, Schulter- u
nd Kopfschmerzen keine somatische Ursache, doch hatte die MRI-Unter
suchung
des Beckens im September 2012 eine
Teilsakralisation
des 5.
Lenden
wirbel
kör
pers
gezeigt mit deutlichen Hinweisen auf stattgehabte Reizzustände (Urk. 5/12/10). Auch Dr.
G._
von der
H._
beschrieb eine Instabilität der Wirbelsäule im Sakral- und
Sakrokokzygealbereich
und ein leicht versteiftes Gangbild mit starker
Druckdolenz
und
Myogelosen
im Steissbeinbereich (Urk.
5/28/5-6). Die durchwegs geklagten Schmerzen im
Lendenwirbelsäulen
be
reich
haben somit mindestens teilweise ein somatisches Korrelat. Daran ändert nichts, dass aus psychiatrischer Sicht eine chronische Schmerzstörung diag
nos
tiziert wurde, denn eine solche Störung schliesst einen körperlichen
Gesund
heitsschaden
, der sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken kann, nicht aus. Der Gutachter Dr.
A._
, der die Beschwerdeführerin psychiatrisch untersuchte und aus psychiatrischer Sicht eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit attestierte (Urk. 5/36/12), äusserte sich denn auch nicht zur somatischen Situation.
Die IV-Stelle unterliess es abzuklären, ob und bejahendenfalls in welchem Um
fang eine objektiv begründete Einschränkung in der Leistungsfähigkeit besteht. Dr.
Z._
schrieb die Beschwerdeführerin aufgrund der chronischen
lumbosa
kra
len
Schmerzen in der angestammten Tätigkeit seit September 2012 arbeits
un
fähig und attestierte ihr in einer angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von maximal zwei Stunden täglich, erachtete indes eine psychiatrische Beur
teilung als erforderlich (Bericht vom 26. Februar 2013; Urk. 5/12/1-3). Auch Dr.
G._
erachtete im Fragebogen vom 4. Oktober 2013 für wechselbelastende Tätigkeiten nur eine Arbeitsfähigkeit im Ausmass von einer bis zwei Stunden
täg
lich als gegeben (Urk. 5/28/9). Demgegenüber äusserte sich Dr. med.
L._
vom
Regionalen Ärztlichen Dienst am 22. November 2013 ohne Begründung dahingehend, dass aus somatischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit bestehe (Urk.
5/37/4).
Aus den Berichten von Dr.
Z._
und Dr.
G._
ergibt sich nicht,
inwieweit das subjektive Schmerzempfinden der Beschwerdeführerin in die Beur
teilung der Leistungsfähigkeit mit einfloss. Auf diese Berichte kann deshalb ebenso wenig abgestellt werden wie auf die ohne Untersuchung der Beschwer
deführerin erfolgte Beurteilung des RAD-Arztes. Die Sache ist an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie abkläre, inwieweit die Beschwerdeführerin aus soma
tisch medizinischer Sicht in der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit eingeschränkt ist, und hernach neu über den Rentenanspruch befinde. In diesem Sinne ist die Be
schwerde gutzuheissen.
5.2
Soweit sich die Beschwerdeführerin auf eine chronische Müdigkeit als weiteren
einschränkenden Faktor beruft (Urk. 1/2), ist darauf hinzuweisen, dass das
Chronic
Fatigue
Syndrome nach der bisherigen Rechtsprechung des Bundes
ge
richts grundsätzlich als überwindbar galt (Urteil des Bundesgerichts 9C_662/2009
E.2.3 mit Hinweisen), wenn nicht gewisse Kriterien (so genannte Foerster-Kri
terien) erfüllt sind. Bei der Beschwerdeführerin wurde klarerweise keine psychi
sche Komorbidität diagnostiziert. Von den übrigen Faktoren (
chronische körper
liche Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rück
bildung; ein ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung
[
primärer Krankheitsge
winn; „Flucht in die Krankheit"]
; ein
unbefriedigendes
Be
handlungsergebnis
trotz konsequent durchgeführter ambulanter und/oder sta
tionärer Behandlung [
auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz
]
und
gescheiterte Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und
Eigen
anstrengung
[
kooperative Haltung
];
BGE
139 V 547 E. 3,
130 V 352, 131 V 49 E.
1.2
) sind höchstens die beiden ersten der chronischen körperlichen
Begleiter
krankung
und des mehrjährigen
chronifizierten
Krankheitsverlaufs erfüllt, je
doch
nicht in besonders ausgeprägter Weise. Aufgrund der bis anhin gültig gewe
se
nen Rechtsprechung ist ein Leistungsanspruch für das
Chronic
Fatigue
Syndrom zu verneinen.
Mit Urteil
9C_492/2014
vom 3. Juni 2015 änderte das Bundesgericht seine Praxis
zur Beurteilung des Anspruchs auf eine Invalidenrente wegen
somatoformer
Schmerzstörungen und vergleichbarer psychosomatischer Leiden, worunter auch das
Chronic
Fatigue
Syndrom fällt. Demnach ist die medizinische Befundlage Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 6 ff.
und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG. Eine Einschränkung der Leistungsfähig
keit
ist immer nur dann anspruchserheblich, wenn sie Folge einer
Gesundheitsbe
einträchtigung
ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (
Urteil
9C_492/2014 E. 2.1, BGE 130 V 396). Dem Gutachten von Dr.
A._
ist die
Diagnose
Chronic
Fatigue
Syndrom
nicht zu entnehmen (Urk. 5/3
6). Da es somit bereits an einer ärztlich festgestellten
Diagnose fehlt, erübrigt sich eine Prüfung der Einschränkung
in
der Leistungsfähigkeit. Im Ergebnis kann daher die Be
schwerdeführerin auch nach neuer Rechtsprechung aus dem
Chronic
Fatigue
Syn
drom nichts zu ihren Gunsten ableiten.
5.3
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerde in dem Sinne gutzu
heissen ist, dass die angefochtene Verfügung aufgehoben und die Sache an die
IV-Stelle zurückgewiesen wird, damit sie nach erfolgter Abklärung der soma
tisch
bedingten Einschränkung über den Rentenanspruch der Beschwerde
füh
rerin neu befinde.
6
.
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung
von Leistungen der Invalidenversicherung.
Das Verfahren ist daher kosten
pflich
tig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensau
f
wand und unabhän
gig vom
Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG)
. Sie sind
auf
Fr.
6
00.
--
festzu
setzen
.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Ver
wal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als Obsiegen der
beschwer
deführenden
Partei (BGE 137 V 57 E. 2.1 mit Hinweisen
)
.
Ausgangs
gemäss
sind die Gerichtskosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.