Decision ID: d67eddc0-bb06-5063-8351-c91e6ce2bf6c
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Mit Entscheid vom 2. Mai 2013 lehnte das SEM ein erstes Asylgesuch des
Beschwerdeführers vom 6. Juli 2011 ab und ordnete die Wegweisung aus
der Schweiz und deren Vollzug an. Eine gegen diesen Entscheid erhobene
Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-3194/2013
vom 13. August 2013 ab, womit der ablehnende Asylentscheid des SEM in
Rechtskraft erwuchs. Den für den 24. Februar 2015 geplanten Rückflug in
sein Heimatland trat er nicht an. In der Folge galt er seit dem 13. Mai 2015
als verschwunden.
B.
Am 15. Juni 2015 stellte Deutschland ein Übernahmeersuchen gemäss
Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO an die Schweiz, welchem das SEM am
17. Juni 2015 in Anwendung von Art.18 Absatz 1 Bst. d Dublin-III-VO zu-
stimmte. Die Überstellung in die Schweiz erfolgte jedoch nicht innert der
geltenden Überstellungsfrist bis zum 7. März 2016, womit die Zuständigkeit
zur Behandlung des Asylgesuchs bei Deutschland verblieb.
C.
Nachdem der Beschwerdeführer am 25. Juni 2020 in der Schweiz ein zwei-
tes Asylgesuch eingereicht hatte, gab er im Rahmen des rechtlichen Ge-
hörs zur Zuständigkeit Deutschlands im Wesentlichen an, nach dem Ver-
lassen der Schweiz in Deutschland ein Asylgesuch gestellt und seit fünf
Jahren mit einer Duldung (unter widrigen Umständen) in Deutschland ge-
lebt zu haben.
Aufgrund dieser Angaben und eines Eurodac Treffers (Asylgesuch des Be-
schwerdeführers am 20. April 2015 in Deutschland) ersuchte das SEM am
8. Juli 2020 die deutschen Behörden um die Übernahme des Beschwerde-
führers im Sinne von Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. Diesem Gesuch
stimmten die deutschen Behörden am 13. Juli 2020 zu.
D.
In der Folge trat die Vorinstanz mit Entscheid vom 13. Juli 2020 in Anwen-
dung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des
Beschwerdeführers vom 25. Juni 2020 nicht ein und verfügte seine Über-
stellung nach Deutschland, welches gemäss Dublin-III-VO für die Behand-
lung seines Asylgesuches zuständig sei. Eine gegen diesen Entscheid er-
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hobene Beschwerde wurde mit Urteil E-3703/2020 des Bundesverwal-
tungsgerichts vom 29. Juli 2020 abgewiesen, womit der Nichteintretens-
entscheid vom 13. Juli 2020 in Rechtskraft trat.
E.
Seit dem 5. August 2020 galt der Beschwerdeführer als verschwunden,
was das SEM den deutschen Behörden am 13. August 2020 unter antra-
gungsweiser Verlängerung der Überstellungsfrist von Art. 29 Abs. 2 Dublin-
III-VO auf 18 Monate mitteilte.
F.
In seiner als Mehrfachgesuch bezeichneter Eingabe vom 24. September
2021 ersuchte der Beschwerdeführer um Wiedererwägung des ablehnen-
den Asylentscheides vom 2. Mai 2013 und machte geltend, dass sich der
Beschwerdeführer im Januar 2021 bei den Behörden wiederangemeldet
und sich diesen seither stets zur Verfügung gehalten habe, weshalb er seit-
her nicht mehr als flüchtig im Sinne von Art. 29 Abs. 2 Dublin III VO zu
gelten habe. Daher sei die Überstellungsfrist als abgelaufen anzuerkennen
und das Asylverfahren in der Schweiz durchzuführen.
G.
Mit Entscheid vom 29. September 2021 nahm das SEM die Eingabe der
Rechtsvertretung vom 24. September 2021 entgegen dessen anderslau-
tender Bezeichnung als sinngemässes Wiedererwägungsgesuch (Anpas-
sung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung im Wegweisungspunkt an
eine nachträglich eingetretene Veränderung der Sachlage) entgegen, wies
dieses ab und erklärte die Verfügung des SEM vom 13. Juli 2020 als rechts-
kräftig und vollstreckbar. Gleichzeitig wurde festgehalten, dass einer allfäl-
ligen Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zukomme. Es wurde eine
Gebühr von Fr. 600.– erhoben.
H.
Mit Eingabe vom 1. Oktober 2021 wurde beim Bundesverwaltungsgericht
Beschwerde erhoben und dabei die Aufhebung der angefochtenen Verfü-
gung und die Rückweisung der Sache zur materiellen Beurteilung als
Mehrfachgesuch beantragt. Es sei der Beschwerde die aufschiebende Wir-
kung zu gewähren und als vorsorgliche Massnahme unter Anweisung der
kantonalen Behörde vom Vollzug der Überstellung abzusehen. Aufgrund
der Mittellosigkeit des Beschwerdeführers sei diesem unter Verzicht auf
das Erheben eines Kostenvorschusses die unentgeltliche Prozessführung
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zu gewähren und ihm der unterzeichnende Rechtsanwalt als amtlicher
Rechtsvertreter beizuordnen.
I.
Am 5. Oktober 2021 wurde gestützt auf Art. 56 VwVG die einstweilige Aus-
setzung des Vollzugs angeordnet.
J.
Mit Eingabe vom 23. Oktober 2021 ergänzte die Rechtsvertretung ihre Be-
schwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 Abs. 1 AsylG;
Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
1.4 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
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1.5 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachfolgend aufgezeigt wird, handelt es sich um eine solche, weshalb der
Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen
Schriftenwechsel verzichtet.
2.
Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich geregelt
(vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM innert
30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schriftlich und
begründet einzureichen (Art. 111b aAbs. 1 AsylG).
In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwägungs-
gesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine
nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl.
BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.).
3.
Vorliegend wurde vom Beschwerdeführer sinngemäss der Ablauf der Über-
stellungsfrist nach Deutschland – ohne dass die Überstellung erfolgt sei –
als neue Sachlage dargetan, weshalb der Entscheid vom 13. Juli 2020
(wiedererwägungsweise) aufzuheben sei. Durch den Fristablauf sei die Zu-
ständigkeit für die Behandlung seines Asylverfahrens auf die Schweiz
übergegangen. Bei dieser Sachlage hat das SEM die Eingabe vom
24. September 2021 zu Recht als Wiedererwägungsgesuch entgegenge-
nommen. Die von der Vorinstanz vorgenommene rechtliche Qualifikation
ist zutreffend und steht im Übrigen auch im Einklang mit der Vorgehens-
weise in ähnlich gelagerten Fällen (vgl. beispielsweise Urteil E-1366/2019
des BVGer vom 29. April 2019). Die hiergegen pauschal erhobene Rüge,
die Vorinstanz wäre gehalten gewesen, die Eingabe vom 24. September
2021 als Mehrfachgesuch im Sinne von Art. 111c AsylG zu behandeln, da
seit dem ablehnenden Asylentscheid des SEM vom 2. Mai 2013 mehr als
fünf Jahre vergangen seien und eine veränderte Sachlage hinsichtlich der
flüchtlingsrelevanten Gefährdungslage für den Beschwerdeführer geltend
gemacht werde, erweist sich als unzutreffend. Der in Rechtskraft erwach-
sene Nichteintretensentscheid des SEM vom 13. Juli 2020 ist, wie nachfol-
gend aufgezeigt, weiterhin vollstreckbar, weshalb keine Möglichkeit und
Notwendigkeit bestand, die Eingabe vom 24. September 2021 als Folge-
gesuch zu behandeln. Die geschilderte veränderte Lage in Afghanistan
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kann den weiterhin zuständigen deutschen Behörden gegenüber geltend
gemacht werden. Die Vorgehensweise des SEM ist nicht zu beanstanden.
Die entsprechende Rüge erweist sich als unbegründet.
4.
Aufgrund des unbekannten Aufenthalts des Beschwerdeführers seit dem
5. August 2020 verlängerte das SEM am 13. August 2020 in Anwendung
von Art. 29 Abs. 2 Dublin-III-VO die Frist zur Überstellung des Beschwer-
deführers nach Deutschland auf 18 Monate. In der Beschwerde wird gel-
tend gemacht, seit dem Wiederauftauchen des Beschwerdeführers im Ja-
nuar 2021 gelte dieser nicht mehr als flüchtig, weshalb die Frist zur Über-
stellung in der Zwischenzeit abgelaufen sei. Gegenstand der nachfolgen-
den Prüfung ist somit nicht, ob die vorgenannte Verlängerung der Überstel-
lungsfrist rechtskonform vorgenommen wurde, sondern vielmehr, ob und
inwiefern das Wiederauftauchen des Beschwerdeführers einen Einfluss
auf die noch laufende (verlängerte) Überstellungsfrist hat.
5.
5.1 Die Bestimmungen zur Überstellungsfrist in der Dublin-III-VO haben
den Charakter von Normen, die "self-executing" sind (vgl. BVGE 2015/19),
weshalb sich der Beschwerdeführer auf eine Verletzung von Art. 29 Abs. 2
Dublin-III-VO berufen kann.
5.2 Wird die Überstellung nicht innerhalb der in Art. 29 Abs. 1 Dublin-III-VO
vorgesehenen Frist von sechs Monaten durchgeführt, ist der zuständige
Mitgliedstaat nicht mehr zur Aufnahme oder Wiederaufnahme der asylsu-
chenden Person verpflichtet und die Zuständigkeit geht auf den ersuchen-
den Mitgliedstaat über. Die Überstellungsfrist kann höchstens auf ein Jahr
verlängert werden, wenn die Überstellung aufgrund der Inhaftierung der
betreffenden Person nicht erfolgen konnte, oder höchstens auf achtzehn
Monate, wenn die Person flüchtig ist (Art. 29 Abs. 2 Dublin-III-VO).
5.3 Unter den Begriff „flüchtig“ sind alle Sachverhalte zu subsumieren, in
denen die asylsuchende Person aus von ihr zu vertretenden Gründen für
die Behörden des Staats, der die Überstellung durchführen will, nicht auf-
findbar ist oder sonstwie das Verfahren absichtlich behindert. Ist die Person
einmal flüchtig, kann eine Verlängerung bis zur Maximalfrist erfolgen, un-
abhängig davon, ob sie wieder auftaucht (vgl. CHRISTIAN FILZWIESER / AN-
DREA SPRUNG, Dublin III-Verordnung, Wien/Graz 2014, K12 zu Art. 29; so-
wie Urteil F-4730/2020 des BVGer vom 14. Juli 2021, E. 10.2.).
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In Bezug auf das Kriterium „flüchtig sein“ ist insbesondere auf Art. 14 Abs. 2
Bst. b AsylG zu verweisen, gemäss welchem der Aufenthaltsort einer aus-
ländischen Person den Behörden stets bekannt zu sein hat. Der Gesetz-
geber wollte asylsuchende Personen mit Art. 14 Abs. 2 Bst. b AsylG davon
abhalten, während oder nach dem Asylverfahren unterzutauchen (vgl. PE-
TER NIDERÖST, Sans-Papiers in der Schweiz, in: Ausländerrecht, 2. Aufl.,
2009, Rz. 9.38). Die besagte Bestimmung ist mit Blick auf Art. 8 AsylG zu
sehen, der asylsuchenden Personen eine Reihe von Mitwirkungspflichten
auferlegt. So sind diese unter anderem verpflichtet, sich den Behörden von
Bund und Kantonen zur Verfügung zu halten und ihre Adresse sowie jede
Änderung der nach dem kantonalen Recht zuständigen Behörde des Kan-
tons oder der Gemeinde (kantonale Behörde) sofort mitzuteilen (Art. 8
Abs. 3 AsylG). Dem Erfordernis von Art. 8 Abs. 3 AsylG ist nicht entspro-
chen, wenn die mit dem Vollzug des Asylrechts betraute Behörde den Auf-
enthaltsort der betreffenden Person nicht kennt und diese Unkenntnis auf
eine dieser Person zurechenbare Verletzung der Mitwirkungspflicht zurück-
zuführen ist. Ob die zuständige Behörde durch mehr oder weniger umfang-
reiche Ermittlungen den Aufenthaltsort der betreffenden Person hätte in Er-
fahrung bringen können, ist grundsätzlich ohne Relevanz. Nicht relevant ist
grundsätzlich auch, ob andere als mit dem Vollzug direkt betraute Behör-
den Informationen über den Aufenthalt der betreffenden Person hatten.
Ebenso wenig von Bedeutung ist schliesslich, ob die asylsuchende Person
durchgehend oder, wie vorliegend, vorübergehend nicht auffindbar gewe-
sen ist. Ausschlaggebend ist die Pflicht der asylsuchenden Person, für die
Behörden effektiv erreichbar zu sein und eine allfällige Abwesenheit zu
melden (vgl. zum Ganzen Urteil F-4207/2020 des BVGer vom 31. August
2020, E. 6.2.). Bereits die Abwesenheit von lediglich wenigen Tagen kann
dazu führen, dass eine Verlängerung der Überstellungsfrist durch die Vor-
instanz gerechtfertigt ist (vgl. hierzu Urteil E-3154/2018 des BVGer vom
21. Juni 2018, E. 4.1.)
6.
6.1 In ihrer Eingabe vom 24. September 2021 an das SEM machte die
Rechtsvertretung im Wesentlichen geltend, der seit dem 5. August 2020
als verschwunden geltende Beschwerdeführer habe sich im Januar 2021
beim Bundesasylzentrum Basel wieder gemeldet. Es sei ihm mitgeteilt wor-
den, dass er sich beim Migrationsamt des Kantons Thurgau anmelden
solle, was er auch umgehend getan habe. Er befinde sich seither als ab-
gewiesener Asylsuchender in der Asylunterkunft in B._ (vgl. Bestä-
tigung [...] vom 03. September 2021).
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Da er sich seit Januar 2021 wieder in der Schweiz befinde und sein jewei-
liger Aufenthaltsort den Behörden bekannt sei, gelte er seither nicht mehr
als flüchtig im Sinne von Art. 29 Abs. 2 Dublin III VO. Der aufgrund seines
Verschwindens am 5. August 2020 begonnene Lauf der 18-monatigen Frist
im Sinne von Art. 29 Abs. 2 sei mit der Anmeldung beim Bundesasylzent-
rum in Basel unterbrochen worden. Weil er sich aktenkundig seit mehr als
sechs Monaten wieder in der Schweiz befinde, sein jeweiliger Aufenthalts-
ort den Behörden während dieser Zeit immer bekannt gewesen sei und
eine Überstellung nach Deutschland bisher nicht stattgefunden habe, sei
die Zuständigkeit für die Prüfung seines vorliegenden Gesuches im Sinne
von Art. 29 Abs. 2 Dublin III VO auf die Schweiz übergegangen.
6.2 In der angefochtenen Verfügung wurde dieser Annahme entgegenge-
halten, dass die Frist von 18 Monaten für die Überstellung des Beschwer-
deführers nach Deutschland nach wie vor gültig sei. Darüber hinaus sei
festzuhalten, dass ein Wiederauftauchen des Beschwerdeführers nach
dessen vorgängigem Verschwinden die 18-monatige Frist weder zu verkür-
zen noch zu erneuern vermöge. Bei einer Wiederanmeldung der zuvor un-
kontrolliert abgereisten Person bleibe die Laufzeit der Überstellungsfrist
unverändert. Andernfalls müssten Fristen nach mehrmaligem Auf- und Un-
tertauchen der Gesuchsteller ständig neu berechnet und angepasst wer-
den. Eine solche aufwendige und komplizierte Praxis sei weder in der Dub-
lin-Verordnung festgehalten noch sei sie jemals von einem Mitgliedstaat in
der Praxis angewendet worden.
6.3 In der Beschwerde vom 1. Oktober 2021 und der ergänzenden Eingabe
vom 23. Oktober 2021 wurde mit Hinweis auf zwei ausländische Verdikte
die Auffassung vertreten, ein Wiederauftauchen des Betroffenen vor Ablauf
der Maximalfrist von 18 Monaten zur Folge habe, dass dieser nicht mehr
als flüchtig gelte, was zu einer Fristverlängerung der Überstellungsfrist auf
zunächst sechs Monate, berechnet vom Zeitpunkt des Wiederauftauchens,
berechtige. Somit erweise sich die Behauptung der Vorinstanz, dass eine
solche Praxis noch nie angewendet worden sei, als unzutreffend. Im Übri-
gen wiederholte die Rechtsvertretung die bereits in ihrer Eingabe vom
24. September 2021 vorgebrachten Argumente.
7.
7.1 Der Beschwerdeführer begründet den Ablauf der Überstellungsfrist und
damit die Zuständigkeit der Schweiz zur Behandlung seines Asylgesuches
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damit, nach seinem Wiederauftauchen im Januar 2021 für die Asylbehör-
den jederzeit erreichbar gewesen zu sein, weshalb er seither nicht mehr
als flüchtig zu gelten habe.
7.2 Entgegen den Behauptungen des Beschwerdeführers kann davon,
dass er sich den Schweizer Behörden zur Verfügung gestellt habe, keine
Rede sein. Aus den Akten ergibt sich vielmehr, dass der Beschwerdeführer
am 27. Juni 2021 eine Überstellung nach Deutschland verunmöglicht hat,
indem er untertauchte und nicht aufgegriffen werden konnte. Die von der
Staatsanwaltschaft Bischofszell eingeleitete Strafuntersuchung gegen den
Beschwerdeführer wegen rechtswidriger Einreise musste in der Folge we-
gen dessen unbekanntem Aufenthalt mit Verfügung vom 28. Juli 2021 sis-
tiert werden (vgl. Sistierungsverfügung vom 28. Juli 2021). Zusätzlich geht
auch aus dem vom kantonalen Migrationsamt C._ an die Vorinstanz
gerichteten Schreiben (Mail) vom 29. September 2021 hervor, dass der
Beschwerdeführer als «dauerabwesend» gemeldet sei und sich womöglich
bei einer Drittperson aufhalte. Die Kantonspolizei habe ihn bereits versucht
an dieser Anschrift anzuhalten, was indes ohne Erfolg verblieben sei. Somit
erweist sich die Behauptung des Beschwerdeführers, er habe sich seit dem
Januar 2021 stets den Behörden zur Verfügung gehalten, als aktenwidrig.
Wie vorstehend ausgeführt, ist in Bezug auf das Kriterium „flüchtig sein“
insbesondere auf Art. 14 Abs. 2 Bst. b AsylG zu verweisen, gemäss wel-
chem der Aufenthaltsort einer ausländischen Person den Behörden stets
bekannt zu sein hat. Ausschlaggebend ist die Pflicht der asylsuchenden
Person, für die Behörden effektiv erreichbar zu sein und eine allfällige Ab-
wesenheit zu melden (vgl. zum Ganzen Urteil F-4207/2020 des BVGer vom
31. August 2020, E. 6.2.). Bereits die Abwesenheit von lediglich wenigen
Tagen kann dazu führen, dass eine Verlängerung der Überstellungsfrist
durch die Vorinstanz gerechtfertigt ist (vgl. hierzu Urteil E-3154/2018 des
BVGer vom 21. Juni 2018, E. 4.1.). Somit hat sich der Beschwerdeführer
auch nach seinem Wiederauftauchen den Behörden entgegen seiner Be-
hauptung nicht stets den Behörden zur Verfügung gehalten und ist damit
bereits aus diesem Grund (erneut und weiterhin) als flüchtig zu bezeich-
nen. Bei dieser Sachlage bedürfte die aufgeworfene Frage, ob und inwie-
fern das Wiederauftauchen des Beschwerdeführers nach dessen vorgän-
gigem Verschwinden (bei nachfolgend stets bekanntem Aufenthaltsort)
Einfluss auf die 18-monatige Frist habe, vorliegend nicht näherer Erörte-
rung. Es ist indessen in diesem Zusammenhang auf die gefestigte Praxis
der schweizerischen Asylbehörden hinzuweisen, dass, ist die Person ein-
mal flüchtig, eine Verlängerung bis zur Maximalfrist erfolgen kann, unab-
hängig davon, ob sie wiederauftaucht (vgl. Urteile des BVGer E-2214/21
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vom 20. Mai 2021, E. 6.3. und F-4730/2020 vom 14. Juli 2021, E. 10.2. [mit
Hinweis auf CHRISTIAN FILZWIESER / ANDREA SPRUNG, Dublin III-Verord-
nung, Wien/Graz 2014, K12 zu Art. 29]). Ein schutzwürdiges Interesse des
Betroffenen, der ja diese Sachverhalte in der Regel selbst verschuldet ha-
ben wird, steht dem hier nicht entgegen. Dieser Praxis ist auch das SEM
in der angefochtenen Verfügung zutreffend gefolgt. An dieser Einschätzung
vermögen letztlich auch die beiden vom Beschwerdeführer eingereichten,
für die Schweizer Migrationsbehörden ohnehin nicht bindenden, ausländi-
schen Verdikte nichts zu ändern.
7.3 Aufgrund des Gesagten waren die Voraussetzungen für die Verlänge-
rungen der Überstellungsfrist auf 18 Monate im Sinne von Art. 29 Abs. Dub-
lin-III-VO erfüllt und sind es auch in Berücksichtigung des (temporären)
Wiederauftauchens des Beschwerdeführers weiterhin. Der Beschwerde-
führer kann sich nicht auf einen Ablauf der Überstellungsfrist beziehungs-
weise eine angebliche Verfristung berufen. Die Zuständigkeit für die Be-
handlung des Asylgesuchs des Beschwerdeführers ist nicht an Deutsch-
land auf die Schweiz übergegangen.
7.4 Hinsichtlich des eingeleiteten Ehevorbereitungsverfahrens bezüglich
des Beschwerdeführers und seiner in der Schweiz wohnhaften Lebens-
partnerin ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer zuzumuten ist,
dieses im Ausland abzuwarten.
8.
Es liegt keine erheblich veränderte Sachlage im wiedererwägungsrechtli-
chen Sinne vor. Das SEM hat demnach zu Recht das Wiedererwägungs-
gesuch des Beschwerdeführers abgelehnt. Die Beschwerde ist abzuwei-
sen und die Verfügung des SEM vom 29. September 2020 zu bestätigen.
Folglich bleibt auch die Verfügung vom 15. Juli 2020 (Nichteintretensent-
scheid im Dublin-Verfahren) weiterhin in Rechtskraft und vollstreckbar.
9.
Das Beschwerdeverfahren ist mit vorliegendem Urteil abgeschlossen, wes-
halb sich der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Be-
schwerde als gegenstandslos erweist.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Kosten
zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG), die auf Fr. 1’500.– festzulegen sind
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
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schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Dem Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung kann
nicht stattgegeben werden, weil die Begehren als aussichtslos gelten, es
mithin an einer gesetzlichen Voraussetzung für die Gewährung der unent-
geltlichen Rechtspflege fehlt (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um un-
entgeltliche Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG ist
mangels Erfüllen der Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG ebenfalls
abzuweisen. Mit vorliegendem Urteil ist der Antrag auf Verzicht auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos geworden.
(Dispositiv nächste Seite)
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