Decision ID: 30ef16ec-8e7c-5451-9385-072fbbc4b3ea
Year: 2007
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
H._,
Beschwerdeführerin,
gegen
Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft, Hohlstrasse 552, Postfach, 8048 Zürich,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
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Die 1951 geborene H._ ist als Sekretärin bei der A._ angestellt und in dieser
Funktion bei der Allianz Suisse, Versicherungsgesellschaft, obligatorisch gegen die
Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Am 11. September 2006 liess
sie einen Bagatell-Unfall melden. Sie gab an, am Abend des 21. Juli 2006 beim Trinken
das Glas an den linken Schaufelzahn geschlagen zu haben. Mit Schreiben vom 14.
September 2006 teilte die Allianz der Versicherten mit, mangels eines ungewöhnlichen
äusseren Faktors liege kein Unfall im Rechtssinn vor. Somit bestehe kein Anspruch auf
Leistungen der Unfallversicherung. Die Versicherte teilte der Allianz am 8. November
2006 per E-Mail als Ergänzung der Schadenanzeige mit, sie habe am 21. Juli 2006 in
der Küche ein Glas Wasser trinken wollen. Während sie das Glas an den Mund geführt
und sich einen Schritt rückwärts habe bewegen wollen, sei sie gestolpert und mit dem
Kopf gegen die offene Türe der Küchenkombination geprallt. Gleichzeitig sei sie mit
dem vollen Glas derart heftig gegen den Schaufelzahn gestossen, dass dessen Wurzel
gebrochen sei. Der Schlag gegen den Zahn sei derart gravierend gewesen, dass das
Vorkommnis kaum als alltäglich angesehen werden könne, umso mehr als es ihr noch
nie passiert sei.
B.
B.a Mit Verfügung vom 21. November 2006 lehnte die Allianz eine Leistungspflicht für
das Ereignis vom 21. Juli 2006 ab. Aufgrund der Rechtsprechung zur "Aussage der
ersten Stunde" sei auf die Sachverhaltsdarstellung in der Unfallmeldung abzustellen. Es
sei am Wahrscheinlichsten, dass sich das Ereignis tatsächlich entsprechend dieser
Darstellung zugetragen habe. Die zweite Version sei erst nach der Information der
Versicherten über den Unfallbegriff entstanden und habe daher als weniger
wahrscheinlich zu gelten. Zudem sei die ergänzende Darstellung erst mit einer
Verzögerung von zwei Monaten eingetroffen. Gemäss der Unfallmeldung vom 11.
September 2006 sei die Versicherte am 21. Juli 2006 beim Trinken nicht durch etwas
Aussergewöhnliches gestört worden. Da somit kein ungewöhnlicher äusserer Faktor
vorliege, stelle das Ereignis keinen Unfall im Rechtssinn dar.
B.b Dagegen richtete sich die vom Ehemann der Versicherten am 12. November 2006
per E-Mail eingereichte und alsdann von der Versicherten innert angesetzter Frist
unterschriftlich bestätigten Einsprache. Bei der ersten Meldung habe es sich um eine
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kurze Darstellung zur vorsorglichen Anmeldung des Falls gehandelt, ohne Wissen über
den weiteren Schadensverlauf. Im zweiten Schreiben sei der Tathergang detailliert
erörtert und in keiner Weise anders dargelegt worden. Der Zahnschaden sei damals
vom Zahnarzt akut behandelt worden. Im Moment sei noch nicht absehbar, welche
Behandlung notwendig sei. Dies sei auch der Grund für die verzögerte Reaktion auf die
erste Leistungsablehnung.
B.c Mit Entscheid vom 3. Juli 2007 wies die Allianz die Einsprache ab. Abzustellen sei
auf die erste Sachverhaltsschilderung. Diese erscheine wahrscheinlicher als die zweite,
die bereits von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher Art beeinflusst
sei. Gemäss den zitierten Gerichtsurteilen stelle das Ansetzen eines Wasserglases an
den Mund nichts Ungewöhnliches dar, selbst wenn dies mit einer gewissen Heftigkeit
erfolge und das Glas an die Zähne schlage. Auch wenn der Versicherten solches bisher
nicht passiert sei, handle es sich dabei um etwas durchaus Gewöhnliches, das im
Alltag hin und wieder passiere. Das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit sei nicht
erstellt. Da auch keine unfallähnliche Körperschädigung vorliege, bestehe kein
Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung.
C.
Dagegen richtet sich die von der Versicherten eingereichte Beschwerde vom 25. Juli
2007 mit dem Antrag auf Kostenübernahme der Zahnbehandlung durch die
Beschwerdegegnerin. Bei der ersten Meldung habe es sich lediglich um eine
Kurzdarstellung des Sachverhalts gehandelt, wie dies üblich sei. In Ausnahmefällen
würden danach noch Präzisierungen angefordert. Das Schreiben der
Beschwerdegegnerin vom 14. September 2006 habe sie veranlasst, den Sachverhalt
im Detail darzustellen. Die Beschwerdegegnerin räume nun zwar ein, dass sich die
Aussagen nicht widersprechen würden. Gleichzeitig unterstelle sie ihr aber, die
Unwahrheit zu sagen und bezeichne den geschilderten Sachverhalt als
Schutzbehauptung und als unwahrscheinlich.
D.
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Mit der Beschwerdeantwort vom 13. August 2007 beantragt die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde. Unabhängig von der Frage, ob zwischen den beiden
Sachverhaltsdarstellungen eine Divergenz bestehe, vertrete sie die Ansicht, dass die
Beschwerdeführerin das Wasserglas an den linken Schaufelzahn geschlagen habe,
ohne dass dabei etwas Programmwidriges wie Stolpern oder Stossen vorgefallen sei.
Unter den möglichen Geschehensabläufen sei dies der wahrscheinlichste.
E.
Die Beschwerdeführerin hat auf eine Replik verzichtet.

Erwägungen:
1.
Strittig und zu prüfen ist, ob das Geschehen vom 21. Juli 2006 einen Unfall im
Rechtsinn darstellt und - verneinendenfalls - ob es sich dabei um eine unfallähnliche
Körperschädigung handelt. Die Beschwerdegegnerin verneint sowohl das Vorliegen
eines Unfalls wie auch einer unfallähnlichen Körperschädigung.
2.
2.1 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20)
werden die Versicherungsleistungen, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, bei
Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt. Unfall ist die
plötzliche, nicht beabsichtigte, schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen
äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der
körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (Art. 4 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR
830.1]). Dabei bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die
Wirkung des äusseren Faktors, sondern auf den Faktor selbst. Ohne Belang für die
Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls
schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich gezogen hat. Ein äusserer Faktor ist
aussergewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen
oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich im Einzelfall, wobei
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grundsätzlich nur die objektiven Umstände in Betracht fallen (RKUV 2000 Nr. U 368 S.
99 E. 2b mit Hinweisen; BGE 122 V 233 E. 1, 121 V 38 E. 1a, je mit Hinweisen). Bei
unkoordinierten Bewegungen ist das Merkmal der Ungewöhnlichkeit erfüllt, wenn ein in
der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung
gleichsam "programmwidrig" beeinflusst hat, was beispielsweise dann zutrifft, wenn
die versicherte Person stolpert, ausgleitet oder an einen Gegenstand anstösst oder
wenn sie, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine reflexartige Abwehrhaltung ausführt
oder auszuführen versucht (RKUV 2004 Nr. U 502 S. 183 E. 4.1). Der Bundesrat kann
sodann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalls ähnlich sind, in die
Versicherung einbeziehen (Art. 6 Abs. 2 UVG). In Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) hat er in einer abschliessenden Aufzählung
folgende Körperschäden auch ohne ungewöhnliche äussere Einwirkung den Unfällen
gleichgestellt, sofern sie nicht eindeutig auf eine Erkrankung oder eine Degeneration
zurückzuführen sind: Knochenbrüche, Verrenkungen von Gelenken, Meniskusrisse,
Muskelrisse, Muskelzerrungen, Sehnenrisse, Bandläsionen sowie
Trommelfellverletzungen.
2.2 Im Unfallversicherungsrecht herrscht, wie allgemein im Sozialversicherungsrecht
der Untersuchungsgrundsatz. Der Unfallversicherer und im Streitfall das Gericht haben
den Sachverhalt von Amtes wegen zu ermitteln. Indessen ist die
leistungsansprechende Person gesetzlich verpflichtet, dabei mitzuwirken.
Praxisgemäss muss sie die einzelnen Umstände des Unfalls glaubhaft machen. Kommt
sie dieser Forderung nicht nach, indem sie unvollständige, ungenaue oder
widersprüchliche Angaben macht, die das Bestehen eines unfallmässigen Schadens
als unglaubwürdig erscheinen lassen, besteht keine Leistungspflicht der
Unfallversicherung. Im Streitfall obliegt es dem Gericht, zu beurteilen, ob die einzelnen
Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind. Der Untersuchungsmaxime
entsprechend hat es von Amtes wegen die notwendigen Beweise zu erheben und kann
es zu diesem Zweck auch die Parteien heranziehen. Wird auf Grund dieser
Massnahmen das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht wenigstens mit
Wahrscheinlichkeit erstellt - die blosse Möglichkeit genügt für die Begründung eines
Leistungsanspruchs nicht -, so hat dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu
Lasten der den Anspruch erhebenden Person auswirkt (BGE 116 V 140 E. 4b, 114 V
305 E. 2b; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50).
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2.3 Bei sich widersprechenden Angaben der versicherten Person über den
Unfallhergang kann praxisgemäss auf die Beweismaxime abgestellt werden, wonach
die so genannten spontanen "Aussagen der ersten Stunde" in der Regel unbefangener
und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von
nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst
sein können. Wenn die versicherte Person ihre Darstellung im Lauf der Zeit wechselt,
kommt den Angaben, die sie kurz nach dem Unfall gemacht hat, in der Regel grösseres
Gewicht zu als jenen nach Kenntnis einer Ablehnungsverfügung des Versicherers (BGE
121 V 47 E. 1a mit Hinweisen).
3.
3.1 Wer vom Versicherer Leistungen beanspruchen will, hat also eine plausible und
überzeugende Schilderung des Unfallhergangs zu liefern. Blosse Vermutungen
genügen nicht. Ebensowenig kann der Versicherer gezwungen werden, die Angaben
der versicherten Person bedingungslos anzuerkennen. Sind ihre Angaben ungenau
oder gar widersprüchlich oder vermag sie das Unfallgeschehen nicht überzeugend
darzutun, so erscheint das Vorliegen eines Unfalls nicht glaubhaft. Vorliegend ist
einzuräumen, dass die im Schreiben vom 8. November 2006 enthaltene Schilderung
des Unfallhergangs als detaillierte Ergänzung und nicht als eigentlicher Widerspruch
zur ursprünglichen Unfallmeldung gesehen werden kann. Wäre die Versicherte
allerdings, als der Zahnbruch nach dem als gravierend bezeichneten Ereignis im Juli
2006 festgestellt worden war, der Auffassung gewesen, beim Anschlagen an das
Wasserglas sei etwas Besonderes vorgefallen, so muss angenommen werden, dass sie
dies unverzüglich (wie dies im Übrigen auch ihre Pflicht gewesen wäre) dem
Versicherer gemeldet hätte. Dies hat sie indessen erst im September 2006 mit einer
Kurzdarstellung des Sachverhalts getan. Insbesondere wenn die Zahnwurzel – wie
vorliegend - beim Ereignis tatsächlich brach, was bereits unmittelbar nach dem Vorfall
hätte festgestellt werden können, ist eine derart verspätete Meldung nicht
nachvollziehbar. Daran vermag auch die fehlende Kenntnis über den weiteren
Behandlungsverlauf nichts zu ändern. Auch die Verzögerung um weitere zwei Monate
bis zur zweiten Stellungnahme, lässt sich damit nicht plausibel erklären. Es mag daher
möglicherweise zutreffen, dass sich das Ereignis so abgespielt hat, wie dies die
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Beschwerdeführerin nun darlegt. Wahrscheinlich erscheint diese Darstellung unter
Berücksichtigung der gesamten Umstände nicht.
3.2 Die Behauptung der Beschwerdeführerin, dass die Zahnwurzel beim Anschlagen an
ein Trinkglas brach, wozu es kam, weil sie beim Ausweichen vor einer offenen
Küchenschranktür ins Stolpern geraten war, ist somit nicht genügend glaubhaft
gemacht. Genauso wahrscheinlich ist, dass der Schaden beim blossen Anstossen mit
dem Trinkglas an den Zahn, was praxisgemäss kein Unfall im Rechtssinn ist (RKUV
1996 Nr. U 243 S. 137), eingetreten ist. Da weitere Beweisabnahmen nichts zur Klärung
des Sachverhalts beitragen könnten, ist darauf zu verzichten (antizipierte
Beweiswürdigung: BGE 122 V 162 Erw. 1d mit Hinweisen). Somit liegt Beweislosigkeit
vor, deren Folgen die Beschwerdeführerin zu tragen hat, die aus dem unbewiesen
gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte.
4.
Da der geltend gemachte Zahnschaden mit keiner der in Art. 9 Abs. 2 lit. a - h UVV
aufgezählten Verletzungen gleichzusetzen ist, besteht auch keine Leistungspflicht
wegen unfallähnlicher Körperschädigung.
5.
Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
Gerichtskosten sind nach Art. 61 lit. h ATSG keine zu erheben.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG