Decision ID: a08b9935-f9e3-4a23-ab26-0bebcc44fc27
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1957 und zuletzt tätig als Angestellter bei der Y._ im Nachtdienst (Urk. 8/8), meldete sich erstmals am 20. Mai 2011 (Eingangsdatum) bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 8/1). Die IV-Stelle tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und holte insbesondere das bidisziplinäre Gutachten von Dr. med. M. Y._, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie, und Dr. med. M. A._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 7. Juli 2013 ein (Urk. 8/35-36; ergänzende Ausführungen zum Gutachten vom 6. November 2013, Urk. 8/39). Mit Verfügung vom 10. April 2014 wurde dem Versicherten mit Wirkung ab Dezember 2011 eine Viertelsrente zugesprochen (Urk. 8/56-57).
Mit Schreiben vom 26. Februar 2016 (Eingangsdatum) brachte der Versicherte vor, dass sich sein Gesundheitszustand seit der Verfügung vom 10. April 2014 deutlich verschlechtert habe und ihm eine ganze Rente zuzusprechen sei (Urk. 8/64). Die IV-Stelle tätigte wiederum erwerbliche und medizinische Abklärungen und holte das bidisziplinäre Gutachten von Prof. Dr. med. habil. B._, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie und Psycho
therapie, und Dr. med. C._, Facharzt für orthopädische Chirur
gie und Traumatologie, vom 10. August 2016 ein (Urk. 8/80). Nach durchge
führtem Vorbescheidverfahren (Vorbescheid vom 28. September 2016, Urk. 8/81; Ein
wand vom 24. November 2016, Urk. 8/88) wies die IV-Stelle das Erhöhungs
gesuch mit Verfügung vom 4. Januar 2017 ab (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 30. Januar 2017 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei die bisherige Invalidenrente mit Wirkung ab Februar 2016 auf eine Dreiviertelsrente zu erhö
hen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um unentgeltliche Prozessführung und Bestellung von Rechtsanwalt Dr. André Largier als unentgeltlichen Rechtsver
treter. Mit Beschwerdeantwort vom 2. März 2017 (Urk. 7 unter Beilage ihrer Akten, Urk. 8/1-95) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 6. März 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin hielt dafür, dass die psychischen Beschwerden seit 20 Jahren bestünden und seither unverändert seien. Auch die körperlichen Ein
schränkungen seien bereits bekannt und zeigten keine Veränderung auf. Es handle sich dabei um eine andere Einschätzung eines medizinischen gleichen Sachverhaltes, welche nicht zu berücksichtigen sei (Urk. 2 und Urk. 7).
Der Beschwerdeführer brachte demgegenüber im Wesentlichen vor, dass das Störungsbild gemäss Prof. B._ weitgehend unverändert sei und sich der psychische Gesundheitszustand damit nur leicht verschlechtert habe. Diese leichte Verschlechterung sei allerdings nicht unwesentlich, weil sie den Invali
ditätsgrad aufgrund der Reduktion der Arbeitsfähigkeit von 60 % auf 50 % ver
ändere, so dass neu ein Invaliditätsgrad von 60 % resultiere (Urk. 1).
2.
2.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revi
sionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Ein
spracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.1 mit Hinweisen).
2.2
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen fest
zustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
liegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversiche
rung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann Fredenhagen, Das ärztliche Gut
achten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
3.
3.1
Der Verfügung vom 10. April 2014 lag in medizinischer Hinsicht das bidiszipli
näre Gutachten von Dr. Y._ und Dr. A._ zugrunde (vgl. Fest
stellungsblatt vom 2. Dezember 2013, Urk. 8/42).
Dr. A._ und Dr. Y._ notierten folgende Diagnosen mit Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 8/35/17):
-
Rezidivierende depressive Störung zurzeit mittelgradig
(ICD-10 F33.
1
)
-
Dysthymie
(
ICD-10 F34.1
)
-
A
nhaltend somatoforme Schmerzstöru
ng
(
ICD-10 F45.4
)
-
Chronisches, langjähriges thorakovertebrales Schmerzsyndrom mit fixier
ter Kyphoskoliose und Fehlhaltung der Brustwirbelsäule, vermin
derter Extensionsfunktion
(
ICD-10 M41.25
)
-
a
usgeprägte Osteochondrose mit Spondylosen
Brustwirbelkörper (BWK) 10-
12
-
Intermittierend zervikales und zervik
o
zephales Schmerzsyndrom ausge
hend von myofaszialen Beschwerden im Nacken
(ICD-10
M54.82
) mit/
bei
-
Degenerationen Segment
Halswirbelkörper (
HWK
)
5/6 und 6/7 mit Osteo
chondrosen C5/6 und C
/
7 sowie bei
medianer Diskusprotrusion C7/Th
1 (20.06.2011)
Als
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
hielten sie folgende fest:
-
Anamnestisc
h intermittierend lumbovertebral
e Schmerzen
(ICD-10
M54.5
)
, aktuell seit Jahren beschwerdefrei
-
Retrolisthesis L3/
4.
Durchgehende
Osteochondrose L3-L5 und ventral
e Spondylose. Spondylarthrosen caudal, Funktionsaufnahmen mit dis
kreter Gleitinstabilität L3/
4.
-
Verletzung linker Daumen und ulnarer Unterarm distal bei Schnittver
letzung ca
.
1997 mit subjektiv Kraftminderung Dig IV und V bei Hand- und Faustschluss, Funktion erhalten
-
Senkfuss-Stellung und leichte Spreizfuss-Stellung beidseits
-
Metabolisches Syndrom mit
-
Adipositas, BMI 33 kg/m
2
-
Diabetes mellitus Typ II
-
Arterielle Hypertonie, aktuell nicht ausreichend therapiert bei zusätz
lich Tachykardie
-
Hypercholesterinämie/
Dyslipidämie
-
Nikotinabusus (ca. 40 py)
-
Intermittierend symptomatische Cholezystolithiasis
-
pAVK Grad l A. femoralis links in Adduktorenkanal
-
Kardiovaskuläre Risikofaktoren; Insulinpflichtiger Diabetes mel
l
itus Typ II, Adi
positas, Nikotinabusus, arteriel
le Hypertonie, Hypercho
lesterinämie
Aus p
sychiatrischer
Sicht liege
beim
Beschwerdeführer
unter Berücksichtigung der Aktenlage, der subjektiven Angaben und der objektiven Befunde eine rezidivierende, heute mittelgradige depressive Episode vor. Anlässlich der
aktu
ellen Untersuchung fä
nden sich keine Hinweise für
eine schwere depressive Episode. Vorbestehend aber mü
ss
e
von einer Dysthymie aus
gegangen werden. Diese begründe
sich mit der frühen Lebensgeschichte des
Beschwerdeführers
. Neben der
depressiven Symptomatik bestehe
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörun
g. Die Förster-Kriterien seien
berücksichtigt
worden
; sie
wü
rden teilweise erfüllt. Die psychosoziale Belastungssit
uation sei
nicht erheblich.
Aus
rheumatologischer Bewegungsapparat-
spezifischer Sicht best
ünden
lang
jährig, wie in den Vorbeurteilungen beschrieben, radiologische Veränderungen im Bere
ich der unteren Halswirbelsäule und
der mittleren und unteren Brust
wirbelsäule mit Osteochondrosen und Spondylarthrosen. Überbrückende Spon
dylosen, im Sinne einer DISH, was einer
knöchernen Einsteifung gleichkomm
e, kö
nn
ten
im aktuellen Gutachten nicht objektiviert werden,
seien
jedoch im weiteren Verlauf durchaus eine mögliche pathologische Entwicklung im Zus
ammenspiel mit dem metabolischen
Syndrom. Die verminderte Beweglich
keit der
Brustwirbelsäule komme
hauptsä
chlich auf Grund der Kyphoskoli
o
s
e, der Osteochondrosen und Spondy
larthrosen zustande. Dadurch sei eine Belastungsl
imitierung gegeben. Hier wäre unter geeigneten medizinischen Massnahmen eine Linderung der Beschwerden durchaus denkbar. Im Bereich der Halswirbelsäul
e und der Lendenwirbelsäule seien
die Beschwerden bei dege
nerativen Veränderungen seit längerem haupt
sächlich myofaszial bedingt, trä
ten ca. alle zwe
i Wochen kurzzeitig auf und seien
als mindestens teil-reversibel zu werten.
Aus rein ps
y
chiatrischer Sicht
müsse beim Beschwerdeführer
aufgrund der Dys
thymie, der Depressivität und der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung, die in einem Circulus vitiosus miteinander in Verbindung st
ünden
, von einer 40%igen Beeinträchtigung der Arbeits-
und Leistungsfähigkeit (gemittelt) ab Datum des Beginns der psychiatrischen Behandlung im Jahre 2010 bei Frau
Dr.
med.
D._
, ausgegangen
werden. Eine höhere Bemessung kö
nn
e
mit objek
tiven Befunden nicht begründet werden. Dem
Beschwerdeführer seien
einerseits ein Arbeitstraining und andererseits eine Reintegration im ersten Arbeitsmarkt zu 60
%
zumutbar. Zu empfehlen
sei
, dass
er
seine Restarbeit
sfähigkeit aufge
teilt realisiere
und zwar mit einer Arbeit von zwei
[richtig: drei, vgl. auch Urk. 8/39]
Stunden morgens und zwei Stunden nachmittags. Die Strukturierung des A
lltags we
rd
e ihm
auch wieder etwas Halt geben.
Er müsse
aber psycho
therapeutisch und psychopharmakologisch weiterb
ehandelt werden und auch während der Arbeitsintegration sei
ein gutes Case-Management wichtig, da vom Arbeitgeber viel Verständnis vor allem zu Beginn d
er Arbeitsaufnahme gefor
dert sei
.
Aus rheumatologischer Sicht bestehe
medizintheoretisch eine 100%ige Arbeits
fä
higkeit für leichtere bis intermittierend mit
telschwere Tätigkeiten. Dies kö
nn
e
begründet werden durch die progredienten degenerativen Veränderungen im Achsenske
lett, welche im Verlauf auch durch
metabolische Veränderungen im Rahmen einer beginnenden diffusen idiopathisch skelettalen Hyperostose (DISH) m
itbedingt sein dürften. Somit kö
nn
e
die angestammte Tätigkeit als Lager
mitarbeiter und Stapelfahrer wie vor Aufgabe der Arbeitstätigkeit und des Erwerbs
lebens am 04.08
.2010 aktuell und ab April 2011
(
wie in der Beurteilung von
Dr. E._
zuhanden der KPT und des R
egionalen ärztlichen Dienstes vom
4.12.2012
)
aus somatischer Sicht zugemutet werden. Dem
rheumatologi
schen Referenten sei nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer aus Bewegungsapparat-
medizinischer Sicht und rheumatologischer Sicht bereits in den Jahren zuvor aus somatischer Sicht als
arbeitsunfähig eingestuft worden sei
. Dass die Beschwerden im Bereich des Bewegungsapparats intermittierend auftreten könn
t
en,
sei
verständlich und nachvollziehbar. Dies könne jedoch durch ambulante Therapien und Training in Eigeninitiative mindestens teilweise kompensiert werden zum Erhalt einer Arbeitsfähigkeit
(Urk. 8/35/17 f. i.V.m. Urk. 8/39)
.
Gesamtmedizinisch bestehe eine 60%ige Arbeitsfähigkeit in einer leichten bis intermittierend mittelschweren Tätigkeit. Darunter falle auch die angestammte Tätigkeit als Lagermitarbeiter und Stapelfahrer. Die Arbeitsleistung sollte über den Tag aufgeteilt werden in drei Stunden vormittags und 2 Stunden nach
mittags (Urk. 8/35/20). Diese Einschätzung gelte
seit dem Zeitpunkt der psyc
hia
trischen Behandlung im 2010 (Urk. 8/35/17 f. i.V.m. Urk. 8/39).
3.2
Die angefochtene Verfügung basiert in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf dem Gutachten von Prof. B._ und Dr. C._ vom 10. August 2016.
Darin werden die bis zur Begutachtung
des Beschwerdeführers
aktenkun
digen medizinischen Berichte zusammengefasst (Urk.
8/80/4 ff.; vgl. Urk. 8/80/77),
weshalb sie an dieser Stelle nicht noch einmal wiedergegeben werden. Soweit erforderlich, wird in den nachfolgenden Erwägungen aber darauf Bezug genommen.
Prof. B._ und Dr. C._ notierten folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 8/80/2):
-
Double depression mit
-
c
hronifizierter, rezidivierender depressiver Störung, ggw. mittel
schwer; schwankend
(ICD-10 F33.8)
-
Dysthymie
(ICD-10
F34.1
)
-
C
hronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom ohne Radikulopathie mit
(ICD-10 M54.10)
:
-
t
reppenförmiger polysegmentaler Retrolisthese, betont im Segment
LWK5/SWK1
-
p
olysegmentalen Facettengelenksarthrosen und Osteochondrosen betont in den Segmenten LWK3 bis SWK1
-
Chronisches cervico-cephales Schmerzsyndrom ohne Radikulopathie bei
(ICD-10 M35.0)
:
-
p
olysegmentaler Spondylosis
-
p
olysegmentalen Osteochondrosen betont in den Segmenten C5/6 und C6/C7
-
medianer Diskusprotrusion C7/Th
1
Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit notierten sie folgende (Urk. 8/80/2):
-
Chronischer Schmerz (ICD-10 R52)
-
Status nach ehemaliger Schnittverletzung im Bereich des rechten dista
len Unterarmes ohne funktionelle Einschränkungen (ICD-10 S61.8)
-
Senk-Spreizfuss beidseits (ICD-10 M21.4)
Aus psychiatr
isch-gutachterlicher Sicht liege
beim
Beschwerdeführer
im Ver
gleich zur Vorbegutachtung durch
Dr. A._
aus 07/2013 ein im Wesentli
chen unveränder
ter psychischer Gesundheitszustand
vor.
Dem
Beschwerdeführer sei
mit Verfügung vom 09.04.2014 eine Viertelsrent
e ab dem 01.11.2011 bei einem I
V-Grad von 46
%
zugesprochen
worden
. Die Haupt
diagnosen für
die
Rente
seien
gemäss dem Feststellungsblatt
vom 03.05.2016 eine
mittelgradige depressive Störung und eine
somatoforme Schmerzstörung
gewesen.
Die breite Palette an Fähigkeitsstörungen
führe
aus
gutachterlicher
Sicht zu einem mässiggradige
n Gesundheitsschaden, der die Arbeitsfähigkeit
in der zuletzt ausgeübten und in adaptierten Tätigkeiten um 50
% bezogen auf ein Vollpensum einschränke
. Dies
durch die
Schwankungen des Störungsbildes
begründet
, die
gelegentlich
in Richtung einer schweren
Depression ausschlü
gen. Bei dieser Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit handle
es sich um eine veränderte Einschätzung eines medizinisch gleichen Sachverhaltes, wobei
er
die Fähig
keitsstörungen
bei vergleichbaren psychischen
G
esundheitszuständen als höher
gradig einstufe als der psychiatrische
Vorgutachter. In
der Arbeitsfähig
keitseinschätzung plädiere er für eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
in Bezug auf ein Vollpensum.
Aus orthopädischer Sicht sei der Beschwerdeführer
gemäss den klinischen und bildtechnischen Befunden in der biomechanischen Funktion seiner Hals- und Lendenwirbelsäule limitiert.
Aus orthopädisch-chirurgischer Sicht bestünden folgende Leistungseinschränkungen in qualitativer Hinsicht:
-
Schwerst- und Schwerarbeiten
-
Ständige mittelschwere Arbeiten
-
Heben und Tragen von Lasten körperfe
rn
über 10 kg ohne technische Hilfsmittel
-
Heben und Tragen von Lasten körpernah über 15 kg ohne technische Hilfsmittel
-
Repetitive stereotype Bewegungsabläufe
-
Tätigkeiten mit repetitivem Bücken, Kauern und Hocken
-
Das mehr als gelegentliche Arbeiten in Zwangshaltungen
-
Tätigkeiten mit vermehrter Vibrationsbelastung
-
Tätigkeiten mit Pressen
oder Stemmen, welche zu einer i
ntraspinalen Druckerhöhung führ
t
en
-
D
as mehr als gelegentliche Heben von Lasten über die Horizontale (Hyper
lordosierung der
Lendenwirbelsäule,
LWS)
-
Überkopftätigkeiten (Hyperlordosierung der
Halswirbelsäule,
HWS)
Unter Wahrung dieser Schonkriterien bestehe für eine rückenadaptierte Tätig
keit mit intermittierender stehender, gehender und sitzender Körperposition aus orthopädisch-versicherungsmedizinischer Sicht bezogen auf ein volles Pensum eine quantitativ unlimitierte Arbeitsfähigkeit von 100 % (Urk. 8/80/3 f.).
4.
Es ist zu prüfen, ob ein Revisionsgrund im Sinne von Art. 1
7 ATSG vorliegt.
Ob eine relevante Veränderung des Gesundheitszustandes und damit ein
entspre
chender Revisionsgrund
zu bejahen ist
, ist durch Gegenüberstellung der beide
n bidisziplinären Gutachten zu prüfen, welche beide die erforderlichen Kriterien für ein beweiskräftiges Gutachten erfüllen (vgl. E. 2.2) - was auch seitens der Parteien unbestritten blieb (vgl. Urk. 1; Urk. 2 und Urk. 7).
4.1
Aus somatischer Sicht ist - gestützt auf die beiden Gutachten (E. 3) - von keiner relevanten Verschlechterung bzw. Veränderung des Gesundheitszustandes aus
zugehen. Sowohl Dr. C._ als auch Dr. Y._ attestierten dem Beschwerdeführer in einer qualitativ angepassten Tätigkeit eine volle Arbeitsfä
higkeit in einem 100%-Pensum. Dies blieb auch seitens der Parteien unbe
stritten.
4.2
Strittig und zu prüfen bleibt, ob sich der psychische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers relevant verändert hat.
4.2.1
Prof. B._ konstatierte, dass er aus gutachterlicher Sicht
in der Ein
schätzung des Vorgutachters konform
gehe
, dass das Stö
rungsbild nicht über
windbar sei. Er
stufe jedoch den G
esundheitsschaden als schwererer ein
als
Dr. A._
. Der
Beschwerdeführer
sei schnell erschöpfbar. Es bestehe ein erhöhter Pausenbedarf. Die
fehlende Selbstbehauptung, die
eingeschränkte soziale Kontakt- und vor allen Dingen auch die Gruppen
fähigkeit seien betroffen. Der Beschwerdeführer
sei in seiner Flexibilität eingeschränkt. Es bestehe eine Selbstlimitierung und Fixierung auf seine depressive Symptomatik und die Arbeitsunfähigkeit. Planen und strukturieren könne der
Beschwerde
führer
in einem einfachen, überschaubaren, zeitlich limitierten Au
smass. An Regeln und Routinen kö
nn
e
er sich grundsätzlich anpassen. Die Selbstpflege sei gegeben.
Prof. B._ führte aus, dass er
das Störungsprofil weitgehend unverändert an
sehe
. Diese b
reite Palette an Störungen führe
jedoch aus
gutachterlicher
Sicht zu einem zumindest mässiggradige
n Gesundheitsschaden, der die Arbeitsfähig
keit
in der zuletzt ausgeübten und in adaptierten Tätigkeiten um 50
% ein
schränk
e
. Bei dieser Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit handle
es sich um eine veränderte Einschätzung bei medizinisch im Wesentlichen unverändertem Stö
rungsbild (andere B
eurteilung). Insofern stimme er
der Behandlerin zu, dass die vorliegenden Fähigkeitsstörungen einen höheren Gesundheitsschaden hervor
rufen
würden. Eine volle Arbeitsunfähigkeit liege
indes nicht vor, da der
Beschwerdeführer
durchaus noch Ressourcen besitze, die er beruflich
einsetzen könnte. Die Fixierung auf das depressive Störungsbild
bei Selbstlimitierung verhindere
dies
(Urk. 8/80/65; vgl. auch Urk. 8/35/19)
.
4.2.2
Aufgrund der - wie von Prof
.
B._
festgehaltenen und auch anhand der Akten klar feststellbaren (Urk.
8/35/14; Urk. 8/80/54 f.
) - fehlenden wesentli
chen Unterschiede der Befunde ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass keine relevant
e Veränderung des Gesundheitszu
standes erstellt ist, sondern lediglich eine unter
schiedliche Beurteilung der Aus
wirkun
gen auf die Arbeitsfähigkeit eines im
Wesentlichen unverändert geblie
benen Gesundheitszustandes
vorliegt. Dies stellt allerdings
keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (vgl. E. 2.1).
4.3
Auch die Berichte von Dr. med. D._, Fachärztin für Psych
iatrie und Psychotherapie, vom 23. Februar 2016 (Urk. 8/63) und vom 4. April 2016 (Urk. 8/70) vermögen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG zu begründen. Dr. D._
attestierte bereits im Bericht vom 19. Juni 2011 (Urk. 8/10) eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit aufgrund von Erschöpfbarkeit, Schlafstörungen, Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen, Antriebsstörung und Reizbarkeit, was im Wesentlichen ihrem Verlaufsbericht vom 4. April 2016 (Urk. 8/70) und ihrem Bericht zur Neubeurteilung vom 23. Februar 2016 (Urk. 8/63) entspricht.
4.4
Da kein Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG erstellt ist erweist sich die angefochtene Verfügung als rechtens und die Beschwerde ist vollum
fänglich abzuweisen.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG) und auf Fr.
6
00.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie dem Beschwerdeführer auf
zuerlegen.
5.2
Der vorliegende Prozess kann nicht als von vornherein aussichtslos bezeichnet werden. Des Weiteren ist der Beschwerdeführer bedürftig (Urk.
4 und Urk. 5
). Antragsgemäss (Urk. 1) ist ihm deshalb die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen. Die dem Beschwerdeführer auferlegten Gerichtskosten sind demnach einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Da zudem die anwaltliche Vertretung des Beschwerdeführers geboten war, ist ihm Rechtsanwalt
Dr. André Largier
als unentgeltlicher Rechtsvertreter zu bestellen. Eine Honorarnote wurde nicht eingereicht, womit - wie mit Verfü
gung
6. März 2017
(Urk.
9
) mitgeteilt - die Entschädigung nach Ermessen fest
zusetzen ist. Unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses ist eine Entschädigung in Höhe von Fr.
1‘800.--
(inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) angemessen.
Kommt der Beschwerdeführer künftig in günstige wirtschaftliche Verhältnisse, so kann ihn das Gericht zur Nachzahlung der Auslagen für die unentgeltliche Rechtspflege verpflichten (§ 16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozial
versiche
rungsgericht, GSVGer).
Das Gericht beschliesst,
In Bewilligung des Gesuchs vom
30. Januar 2017 wird dem Beschwerdeführer
die unentgeltliche Prozessführung gewährt und Rechtsanw
alt Dr. André Largier
, Zürich, als unentgeltliche
r Rechtsvertreter
für das vorliegende Verfahren bestellt,
und erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt
, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse genommen.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4 GSVGer hingewiesen.
3.
Der unentgeltliche Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Dr. iur. André Largier, Zürich,
wird mit
Fr. 1‘800
.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) aus der Gerichtskasse entschädigt.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4 GSVGer hingewiesen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Dr. iur. André Largier
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.