Decision ID: a6292740-fa52-5234-89e9-c856596806de
Year: 2009
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer, ein ethnischer Igbo mit letztem Wohnsitz in B._ (C._ State), Nigeria eigenen Angaben zufolge am 15. Oktober 2008 verliess und am 4. November 2008 in der Schweiz um Asyl nachsuchte,
dass der Beschwerdeführer bei der Kurzbefragung vom 11. November 2008, die im Empfangs- und Verfahrenszentrum Chiasso stattfand, und der Anhörung zu den Asylgründen vom 11. März 2009 im  geltend machte, er sei im Juli 2004 während eines Streits mit  Kollegen von diesem mit einer zerbrochenen Flasche attackiert und am linken Arm verletzt worden,
dass er seinen Kollegen mit einem Holzstock geschlagen habe und  festgenommen und inhaftiert worden sei,
dass sein Kollege im Spital verstorben sei,
dass er während der Haft dreimal einem Richter vorgeführt und nach einem Jahr Haft einer Putzequipe zugeteilt worden sei, die ausserhalb des Gefängnisses Aufträge verrichtet habe,
dass er im Mai 2008 während der Arbeit habe fliehen können, weil sein Onkel die Wächter bestochen habe,
dass sein Onkel für ihn die Ausreise organisiert habe,
dass das BFM mit Verfügung vom 1. April 2009 in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht eintrat und die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug anordnete,
dass das BFM zur Begründung im Wesentlichen anführte, der  habe keine entschuldbaren Gründe für das  von Reise- oder Identitätspapieren benennen können,
dass seine Aussagen zahlreiche Widersprüche und Ungereimtheiten enthielten, weshalb sie den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht zu genügen vermöchten,
dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle,
Seite 2
D-2241/2009
dass für den genauen Inhalt der Verfügung auf die Akten zu verweisen ist,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 7. April 2009 gegen  Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und dabei beantragte, die Verfügung sei im Wegweisungspunkt , es sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung zurzeit  sei, und sein Aufenthalt sei nach den Bestimmungen der  Aufnahme zu regeln, es sei ihm die unentgeltliche  zu bewilligen und insbesondere auf die Erhebung eines  zu verzichten,
dass der Beschwerdeführer zudem beantragt, es sei ihm die  zu erstrecken,
dass er die Beschwerde damit begründet, dass er seit einem Unfall seinen Arm nicht mehr richtig bewegen und belasten könne, weshalb er in der Schweiz in ärztlicher Behandlung sei,
dass hier bereits verschiedene Abklärungen gemacht worden seien und er für den 29. April 2009 einen Termin habe, an dem er sehr  operiert werde,
dass die erforderlichen Behandlungen für ihn in Nigeria nicht  seien,
dass der Eingabe ein Arztzeugnis von Dr. D._ vom 6. April 2009 und ein Aufgebot zur Hand-Sprechstunde (des Spitals) vom 27. März 2009 beilagen,
dass die vorinstanzlichen Akten am 8. April 2009 beim  eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden  Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]) des BFM  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-34 des Verwaltungsgerichtsge-
Seite 3
D-2241/2009
setzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),
dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung  berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung  Änderung hat und daher zur Einreichung der  legitimiert ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde  ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG),
dass mit Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass die Ziffer 1 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung ( auf das Asylgesuch) nicht angefochten wurde, weshalb sie in Rechtskraft erwachsen ist,
dass bezüglich der Ziffer 2 des Dispositivs (Wegweisung) weder in den Anträgen der Beschwerde noch in deren Begründung dargelegt wurde, inwiefern das BFM die Wegweisung zu Unrecht verfügt haben soll, weshalb mangels einer diesbezüglichen Begründung davon  ist, die Beschwerde richte sich ausschliesslich gegen den vom BFM angeordneten Vollzug der Wegweisung (Ziffern 3 und 4 des  der angefochtenen Verfügung),
dass der Beschwerdeführer im Übrigen keinen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung hat (Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21 E. 9 f.),
dass die Vorinstanz die Frage der Wegweisung und des Vollzugs  geprüft hat, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht  volle Kognition zukommt,
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in  Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters  wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich vorliegend, wie  aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb der  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
Seite 4
D-2241/2009
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen  verzichtet wurde,
dass - wie oben dargelegt - im vorliegenden Verfahren lediglich zu  ist, ob es Gründe gibt, die dem Vollzug der Wegweisung , da im Fall eines unzulässigen, unzumutbaren oder  Vollzugs das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  über die vorläufige Aufnahme von Ausländern geregelt wird (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20),
dass der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig ist, wenn  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG),
dass keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land  werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]),
dass der Vollzug der Wegweisung vorliegend in Beachtung dieser massgeblichen völker- und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist, da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen,  das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet und keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK ersichtlich sind, die dem Beschwerdeführer in Nigeria droht,
dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als  erweist, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG),
dass weder die allgemeine Lage in Nigeria noch individuelle Gründe auf eine konkrete Gefährdung des Beschwerdeführers im Falle einer
Seite 5
D-2241/2009
Rückkehr schliessen lassen, weshalb der Vollzug der Wegweisung  zumutbar ist,
dass der junge Beschwerdeführer über eine angemessene  und ein familiäres Beziehungsnetz (Mutter, Onkel) verfügt,  es ihm gelingen wird, sich in Nigeria eine Existenz aufzubauen,
dass medizinisch notwendige Behandlungen, die im Heimat- oder  eines abgewiesenen Asylbewerbers nicht durchgeführt werden können - oder zu denen er keinen Zugang hat - dann zur  der Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung führen , wenn sein Gesundheitszustand sich derart verschlechtern würde, dass er in eine seine Existenz bzw. sein Leben bedrohende Lage  würde,
dass aufgrund der Ausführungen in der Beschwerde und dem  Arztzeugnis nicht davon auszugehen ist, ein Unterlassen der Operation würde zu einer derartigen Verschlechterung des  des Beschwerdeführers führen,
dass angesichts der Akten davon auszugehen ist, die Durchführung der Operation in der Schweiz wäre zwar wünschbar, aber nicht  erforderlich,
dass dem Anliegen des Beschwerdeführers - Durchführung der  in der Schweiz - unter Umständen durch eine Erstreckung der Ausreisefrist Rechnung getragen werden könnte, zu deren Prüfung  die Vorinstanz zuständig ist,
dass der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers in den  schliesslich möglich ist, da keine Vollzugshindernisse  (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei der Beschaffung gültiger Reisepapiere mitzuwirken (Art. 8 Abs. 4 AsylG),
dass nach dem Gesagten der vom Bundesamt verfügte Vollzug der Wegweisung zu bestätigen ist,
dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt
Seite 6
D-2241/2009
oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde  ist,
dass der Antrag, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten, durch den direkten Entscheid in der Hauptsache  geworden ist,
dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege  Art. 65 Abs. 1 VwVG trotz ausgewiesener Fürsorgeabhängigkeit des Beschwerdeführers abzuweisen ist, da die Beschwerde sich als aussichtslos erwiesen hat,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 600.-- (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG),
dass das Doppel der Beschwerde mit den eingereichten Beweismitteln im Original (Arztzeugnis vom 6. April 2009 und Aufgebot vom 27. März 2009) zur Prüfung des Gesuchs um Erstreckung der Ausreisefrist an das BFM zu überweisen ist (vgl. Art. 8 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
Seite 7
D-2241/2009