Decision ID: 31d4eb8e-6504-4c52-8d61-3825230c8fc4
Year: 2008
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Mit Verfügung vom 6. März 2007 liess der Einzelrichter in Strafsachen des Bezirkes Zürich die Klage von A. vom 25. Januar 2006 wegen  (durch die Presse) gegen B., C. sowie Unbekannt mangels örtlicher Zuständigkeit nicht zu und schrieb das Verfahren als erledigt ab (act. 1.3; act. 1.4). Mit Beschluss vom 28. November 2007 hob das Obergericht des Kantons Zürich in teilweiser Gutheissung des Rekurses von A. (bzw. des Eventualantrages) die Verfügung des Einzelrichters in Strafsachen des  Zürich vom 6. März 2007 auf und wies die Sache an den  zurück, mit der Auflage, vor einer erneuten allfälligen förmlichen  der örtlichen Zuständigkeit mit dem Kanton Aargau einen  durchzuführen (vgl. E. III., S. 6, des Beschlusses des  des Kantons Zürich vom 28. November 2007; act. 1.5). Dagegen erhoben A., B. und C. Beschwerde beim Bundesgericht. Das  überwies die Eingaben zuständigkeitshalber in Anwendung von Art. 30 Abs. 2 BGG dem Bundesstrafgericht. Mit Entscheiden vom 8. Februar 2008 (TPF BG.2008.3/4; Nebenverfahren BP.2008.4/5) sowie vom 13. Februar 2008 (TPF BG.2008.5) trat die I. Beschwerdekammer des  mangels eines Meinungsaustausches des Kantons Zürich mit dem  für die Zuständigkeit in Frage kommenden Kanton Aargau auf die Beschwerden nicht ein (act. 1.6; act. 1.7).
B. Am 26. Februar 2008 hat das Bezirksgericht Zürich dem Bezirksgericht Zo-
fingen des Kantons Aargau die erwähnten Entscheide (Lit. A) übermittelt mit dem Ersuchen, die Zuständigkeit für die Verfolgung und Beurteilung der B. und C. zur Last gelegten Delikte anzuerkennen (act. 1.8). Am 31. März 2008 hat die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau dem Bezirksgericht Zürich die erhaltenen Beilagen retourniert mit der Feststellung, der Kanton Zürich sei für die Verfolgung und Beurteilung der B. und C. vorgeworfenen Anschuldigungen zuständig (act. 1.9).
C. Mit Gesuch vom 11. April 2008 gelangt das Bezirksgericht Zürich an die
I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts mit dem Antrag, die  des Kantons Aargau seien für die Strafverfolgung von B. und C. für berechtigt und verpflichtet zu erklären (act. 1).
D. Gestützt auf das Schreiben der I. Beschwerdekammer vom 24. April 2008
bestätigte die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich in ihrer  vom 29. April 2008, sie anerkenne das Gesuch des Bezirksgerichts
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Zürich vom 11. April 2008 als eigenes, wonach die  des Kantons Aargau für die Strafverfolgung von B. und C. zuständig seien (act. 3; act. 4).

Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. 1.1 Die Zuständigkeit der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zum
Entscheid über Gerichtsstandsstreitigkeiten ergibt sich aus Art. 345 StGB i.V.m. Art. 279 Abs. 1 BStP und Art. 28 Abs. 1 lit. g SGG. Voraussetzung für die Anrufung der Beschwerdekammer ist allerdings, dass ein Streit über einen interkantonalen Gerichtsstand vorliegt und dass die Kantone über diesen Streit einen Meinungsaustausch durchgeführt haben (SCHWERI/ BÄNZIGER, Interkantonale Gerichtsstandsbestimmung in Strafsachen, 2. Aufl., Bern 2004, N. 599; TPF BG.2004.9 vom 26. Mai 2004 E. 2.2).
1.2 Das Bezirksgericht Zürich für den Gesuchsteller und der Gesuchsgegner
haben als ernstlich in Betracht kommende Kantone einen abschliessenden und erfolglosen Meinungsaustausch betreffend die interkantonale  durchgeführt. Im Rahmen der Eintretensvoraussetzungen ist weiter zu prüfen, ob das Bezirksgericht Zürich in  vor der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zur Vertretung des Kantons Zürich aktivlegitimiert ist, denn dieses hat das Gesuch . Gemäss der kantonsinternen Zuständigkeitsordnung ist das  Zürich dazu nicht befugt. Einzig die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich ist gemäss § 6 lit. m der Verordnung über die  der Oberstaatsanwaltschaft und der Staatsanwaltschaft vom 27.  2004 berechtigt, bei interkantonalen Gerichtsstandskonflikten den Kanton Zürich vor der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zu vertreten (ZH-LS 213.21). Das Gesuch wurde somit von einer  Behörde eingereicht. Grundsätzlich wird in solchen Fällen auf das  ohne Weiterungen nicht eingetreten. Vorliegend rechtfertigen jedoch die besonderen Umstände - die behaupteten Straftaten liegen rund 2 1⁄2 Jahre zurück -, von dieser Praxis ausnahmsweise in Anwendung des Beschleunigungsgebotes (Art. 6 Ziff. 1 EMRK, Art. 29 Abs. 1 BV bzw. Art. 31 Abs. 4 BV) und des damit einhergehenden Gebotes der möglichst tatnahen Beurteilung abzuweichen; es wurde deshalb von der zur  des Kantons Zürich zuständigen Oberstaatsanwaltschaft direkt eine Stellungnahme eingeholt. Mit ihrer Stellungnahme vom 29. April 2008  sie um Gutheissung der bereits vom Bezirksgericht Zürich gestellten
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Anträge, womit auf diese eingetreten werden kann. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau ist zur Vertretung des Gesuchsgegners zuständig (SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., S. 213, Anhang II). Die übrigen  sind erfüllt. Auf das Gesuch ist somit einzutreten.
2. 2.1 Die vorgeworfenen Ehrverletzungsdelikte wurden angeblich durch die von
B. und C. verfassten, am 25. und 26. Oktober 2005 in der Tageszeitung „D.“ erschienenen Artikel begangen (act. 1.3). Die örtliche Zuständigkeit richtet sich somit beim vorliegenden mutmasslichen Delikt durch die  nach Art. 341 StGB. Gemäss Art. 341 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2  sich der Gerichtsstand am Sitz des Medienunternehmens oder am schweizerischen Wohnort des Autors, wenn dieser bekannt ist (NAY/, Basler Kommentar, 2. Aufl. Art. 341 StGB N. 4). Vorliegend hat  lediglich einer der angezeigten Autoren Wohnsitz in der Schweiz (vgl. act. 1.3; act. 1.6; act. 1.7), weshalb der Sachzusammenhang am ehesten am Sitz des Medienunternehmens gegeben ist und sich der gesetzliche Gerichtsstand danach zu richten hat (vgl. act. 1.9). Bei den im  eingetragenen Unternehmen ist der Sitz aus dem Handelsregister  (SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 192; HAUSER/SCHWERI/HARTMANN, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl., § 33 N. 23).
2.2 Bei der Tageszeitung „D.“ handelt es sich um ein Presseerzeugnis der Me-
dienunternehmung E. AG (act. 1.3; act. 1.5). Die E. AG ist als juristische Person in demjenigen Kanton im Handelsregister eingetragen, in dem sie ihren Sitz hat (vgl. Art. 640 OR). Die E. AG hat ihren Sitz gemäss  in Z. im Kanton Aargau (act. 5). Der gesetzliche Gerichtsstand  sich vorliegend somit im Kanton Aargau.
3. 3.1 Zusätzlich zu den Situationen, für welche die Art. 262 und 263 BStP dies
vorsehen, kann auch ganz allgemein aus Zweckmässigkeitsgründen vom gesetzlichen Gerichtsstand des Art. 341 StGB abgewichen werden (SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 204), allerdings nur bei Vorliegen triftiger Gründe (SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 435), und wenn am festgelegten Gerichtsstand ein entsprechender Anknüpfungspunkt besteht.
3.2 Geht in einem Kanton eine Strafanzeige oder ein Strafantrag ein, so haben
die zuständigen Behörden von Amtes wegen zu prüfen, ob nach den  Gerichtsstandsregeln ihre örtliche Zuständigkeit und damit die
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Gerichtsbarkeit ihres Kantons gegeben ist. Diese Prüfung hat summarisch und beschleunigt zu erfolgen, um eine Verzögerung und Unterbrechung der Strafverfolgung zu vermeiden (SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 553; vgl. act. 1.9). Damit diese Prüfung zuverlässig erfolgen kann, muss die fragliche Behörde alle für die Festlegung des Gerichtsstandes wesentlichen  erforschen und alle dazu notwendigen Erhebungen durchführen, wie beispielsweise die Vornahme von Abklärungen über den Sitz eines  (SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 553; vgl. act. 1.9).  sind die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Zürich seit dem 25. Januar 2006 bzw. seit über 2 Jahren mit der Ehrverletzungsklage von A. bzw. mit diesbezüglichen Zuständigkeitsabklärungen befasst, was nicht einer beschleunigten Zuständigkeitsabklärung im vorgenannten Sinne . Das Verfahren sollte nun so rasch wie möglich abgeschlossen . In dieser Situation bildet das Beschleunigungsgebot (Art. 6 Ziff. 1 EMRK, Art. 29 Abs. 1 BV bzw. Art. 31 Abs. 4 BV) den triftigen Grund dafür, vom gesetzlichen Gerichtsstand abzuweichen und das Verfahren in der Zuständigkeit der Strafverfolgungsbehörden des Kantons Zürich zu , zumal diese bereits Aktenkenntnisse besitzen und im Kanton Aargau ein Privatstrafverfahren (Art. 181 ff. StPO/AG; Gesetz über die  des Kantons Aargau vom 11. November 1958) mit einem  Sühneversuch (§ 182 StPO/AG) durchzuführen wäre (act. 1.9; act. 6), was wiederum einer beschleunigten Erledigung des Verfahrens . Mit der Tatsache, dass die beiden Beschuldigten ihre  in Y. (Kanton Zürich) haben (act. 1) und die angeblich  Presseartikel in Y. verfasst und verbreitet wurden (Art. 341 Abs. 2 StGB), mithin der mutmassliche Deliktsort sich in Y. befindet, bestehen  die nötigen Anknüpfungspunkte für den Gerichtsstand im Kanton  (vgl. BGE 120 IV 280 E. 2b). Die Behörden des Kantons Zürich sind somit berechtigt und verpflichtet, die B. und C. zur Last gelegten strafbaren Handlungen zu verfolgen und zu beurteilen.
4. Bei dieser Ausgangslage wird, insbesondere mit Rücksicht auf das bereits
erwähnte Beschleunigungsgebot, in analoger Anwendung von Art. 219 BStP auf die Einholung einer Gesuchsantwort verzichtet.
5. Es werden keine Gerichtskosten erhoben (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m.
Art. 66 Abs. 4 BGG).
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