Decision ID: df1adc20-7c40-4fda-9f24-22961d50a04e
Year: 2021
Language: de
Court: BE_SRK
Chamber: BE_SRK_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

hat die Steuerrekurskommission den Akten entnommen:
A. A._ (Rekurrent) betrieb bis am 31. Oktober 2017 im Rahmen einer selbstständigen Erwerbstätigkeit das Restaurant B._ in E._, bestehend aus
einem Restaurationsbetrieb inkl. Bar und Ferienwohnungen. Dem Betrieb ist zudem der
Campingplatz C._ angegliedert. Seit dem 1. November 2017 wird der Betrieb durch die
per 21. Juni 2018 im Handelsregister eingetragene B._ GmbH geführt, deren alleiniger
Inhaber und Geschäftsführer der Rekurrent ist.
B. In der Steuererklärung 2017 deklarierte der Rekurrent einen steuerbaren Ertrag aus selbstständiger Erwerbstätigkeit von CHF _ (kantonale Steuern) bzw. CHF _
(direkte Bundessteuer; Akten Vorinstanz, pag. 106), basierend auf der von der D._ AG
(Treuhänderin) erstellten Jahresrechnung für das Geschäftsjahr 1. November 2016 bis
31. Oktober 2017 (pag. 109-115). Bei einer am 12. März 2019 durchgeführten Buchprüfung (die
zugleich auch das erste Geschäftsjahr der B._ GmbH vom 1.11.2017 bis 31.10.2018
betraf) errechnete die Steuerverwaltung des Kantons Bern, Region _
(Steuerverwaltung), eine ihrer Auffassung nach zu geringe Bruttogewinnmarge I im
Gastronomiebereich und stellte eine Erhöhung des Umsatzes nach Ermessen um CHF 86'000.-
- in Aussicht (Protokoll Buchprüfung, pag. 57). Eingaben der Treuhänderin vom 3. April 2019
(pag. 53) und vom 13. Mai 2019 (pag. 31) vermochten am Standpunkt der Steuerverwaltung
nichts zu ändern. Mit Verfügungen vom 9. Juli 2019 (pag. 21-28) veranlagte sie den
Rekurrenten für das Steuerjahr 2017 auf ein steuerbares Einkommen von CHF _ bei den
kantonalen Steuern und von CHF _ bei der direkten Bundessteuer. Dabei erhöhte die
Steuerverwaltung den Erfolg aus selbstständiger Erwerbstätigkeit um jeweils CHF 54'000.--
(Aufrechnung Umsatz CHF 86'000.-- minus vorliegend nicht umstrittene Korrekturen von
insgesamt CHF 32'000.--, Details siehe pag. 27).
C. Die Einsprache des Rekurrenten vom 25. Juli 2019 (pag. 19 f.) wurde von der  mit Einspracheentscheiden vom 4. Februar 2020 (pag. 1-9) teilweise gutgeheissen
und die nach Ermessen vorgenommene Aufrechnung im Umsatz um CHF 36'000.-- auf
CHF 50'000.-- reduziert. Unter Einbezug des im Gegenzug um CHF 4'000.-- reduzierten
Sozialversicherungsaufwands betrug das steuerbare Einkommen noch CHF 186'015.-- bei den
kantonalen Steuern und CHF 195'875.-- bei der direkten Bundessteuer.
D. Mit Eingabe vom 2. März 2020 hat der Rekurrent bei der Steuerrekurskommission des Kantons Bern (Steuerrekurskommission) gegen die Einspracheentscheide Rekurs betreffend
die kantonalen Steuern und Beschwerde betreffend die direkte Bundessteuer erhoben. Er
beantragt, die Aufrechnung im Umsatz vollumfänglich zu streichen. Die Steuerverwaltung habe
- 3 -
die besonderen Umstände seines Betriebs zu wenig berücksichtigt. Das Restaurant habe
wegen seiner besonderen Lage eigentlich nur während wenigen Monaten im Jahr seine
Berechtigung. In der übrigen Zeit diene es primär den Gästen des Campingplatzes, was sich in
tieferen Margen niederschlage. Der Rekurrent räumt ein, dass er das Kassabuch mangelhaft
geführt habe. Dies ändere aber nichts daran, dass sämtliche Umsätze "getippt" worden seien.
E. Am 6. April 2020 hat sich die Steuerverwaltung vernehmen lassen und die kostenpflichtige Abweisung von Rekurs und Beschwerde beantragt. Sie führt aus, dass die
Buchführung und namentlich die Dokumentation des Bargeldverkehrs ungenügend seien,
weshalb nicht auf die Jahresrechnung abgestellt werden könne. Die Argumente des
Rekurrenten seien mit der teilweisen Gutheissung der Einsprache ausreichend berücksichtigt
worden.
F. Mit Schreiben vom 28. April 2020 hat der Rekurrent zur Vernehmlassung der Steuerverwaltung Stellung genommen und an seinen Standpunkten festgehalten.
G. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat sich nicht vernehmen lassen.
H. Auf die weiteren Vorbringen der Parteien wird, soweit für den Entscheid von Bedeutung, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Die Steuerrekurskommission zieht in Erwägung:
1. Einspracheentscheide der Steuerverwaltung betreffend die Einkommens- und Vermögensveranlagung können bei der Steuerrekurskommission durch Rekurs bzw.
Beschwerde angefochten werden (Art. 195 ff. des Steuergesetzes vom 21. Mai 2000 [StG; BSG
661.11] und Art. 140 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte
Bundessteuer [DBG; SR 642.11] i.V.m. Art. 9 der Verordnung vom 18. Oktober 2000 über den
Vollzug der direkten Bundessteuer [BStV; BSG 668.11]). Die Steuerrekurskommission ist
deshalb sachlich und örtlich zuständig. Der Rekurrent ist im vorinstanzlichen Verfahren mit
seinen Anträgen nicht durchgedrungen. Er ist daher beschwert und zur Anfechtung befugt
(Art. 195 Abs. 2 StG und Art. 140 ff. DBG i.V.m. Art. 3 BStV i.V.m. Art. 86 und 65 des Gesetzes
vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]). Auf die form- und
fristgerecht eingereichte Eingabe ist deshalb einzutreten.
Die vorliegende Streitsache wird von der Steuerrekurskommission in Dreierbesetzung beurteilt,
da der Streitwert über CHF 10'000.-- (Art. 70 Abs. 3 und Abs. 4 Bst. c des Gesetzes vom
- 4 -
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG;
BSG 161.1]).
2. Vorab ist darauf hinzuweisen, dass die Steuerverwaltung mit identischer Begründung auch bei der Veranlagung der B._ GmbH für die Steuerperiode 1. November 2017 bis
31. Oktober 2018 (siehe Bst. A hiervor) eine Aufrechnung im Umsatz vorgenommen hat. Jene
Veranlagung ist ebenfalls an die Steuerrekurskommission weitergezogen worden (Verfahrens-
Nrn. 100 20 88 / 200 20 71). Weil es sich beim Rekurrenten und der B._ GmbH um
zwei verschiedene Steuersubjekte handelt und zudem unterschiedliche Steuerperioden
betroffen sind, werden trotz weitgehend identischer Sach- und Rechtslage zwei separate
Verfahren geführt.
3. Vorliegend ist einzig die von der Steuerverwaltung im Einkommen des Rekurrenten aus selbstständiger Erwerbstätigkeit vorgenommene Aufrechnung nach Ermessen strittig. Sie betrifft
den mit dem Restaurationsbetrieb erzielten Umsatz.
4. Selbstständig Erwerbstätige, die eine ordnungsgemässe Buchhaltung führen, ermitteln das steuerbare Einkommen anhand des Saldos der handelsrechtlichen Erfolgsrechnung
(Art. 21 Abs. 5 i.V.m. Art. 85 StG; Art. 18 Abs. 3 i.V.m. Art. 58 DBG). Damit ist der
buchhalterisch ausgewiesene Gewinn grundsätzlich auch für die steuerliche Gewinnermittlung
massgebend ("Massgeblichkeitsprinzip", vgl. Brülisauer/Mühlemann in: Kommentar zum
Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, 3. Aufl., 2017,
N. 8 ff. zu Art. 58 DBG).
4.1 Dies gilt jedoch nur dann, wenn die Bücher nach den zwingenden Vorschriften des Handelsrechts ordnungsgemäss geführt werden (Brülisauer/Mühlemann, a.a.O., N. 12 zu
Art. 58 DBG). Trifft dies zu, wird vermutet, dass die in den Büchern aufgezeichneten Geschäfts-
vorfälle und der ausgewiesene Geschäftserfolg wahrheitsgemäss wiedergegeben werden
(Zweifel/Casanova/Beusch/Hunziker, Schweizerisches Steuerverfahrensrecht, Direkte Steuern,
2. Aufl., 2018, N. 29 zu § 14). Demgegenüber ist eine mit erheblichen formellen Mängeln
behaftete Buchhaltung von vornherein als materiell unrichtig zu vermuten. Dies ist dann der
Fall, wenn die festgestellten Mängel derart zahlreich oder schwerwiegend sind, dass sie die
inhaltliche Richtigkeit der Bücher als unwahrscheinlich erscheinen lassen (Zweifel/Casa-
nova/Beusch/Hunziker, a.a.O., N. 31 zu § 14). In einem solchen Fall ist es zulässig, den
steuerbaren Gewinn nach pflichtgemässem Ermessen festzusetzen, z.B. aufgrund von
Erfahrungszahlen (sogenannte "Vollschätzung"). Allerdings führt nicht jede Ungewissheit im
Sachverhalt zu einer Vollschätzung. Wenn eine Buchhaltung an formellen Mängeln leidet, aber
dennoch Anhaltspunkte für einen Teil der geltend gemachten Ertrags- und
- 5 -
Aufwandkomponenten zu liefern vermag, sind nur jene Bestandteile ermessensweise zu
schätzen, deren Höhe ungewiss ist (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum
DBG, 3. Aufl., 2016, N. 27 ff. und N. 65 zu Art. 130 DBG; BGer 2C_554/2013 vom 30.1.2014,
E. 2.3).
4.2 Laut bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist bei bargeldintensiven Unternehmen, wozu namentlich Restaurationsbetriebe gehören, das Führen eines Kassabuchs unabdingbar. Darin
sind die Bareinnahmen und -ausgaben fortlaufend, lückenlos und zeitnah aufzuzeichnen.
Zudem ist der tatsächliche Bargeldbestand täglich zu überprüfen ("Kassensturz"). Nur so kann
die Richtigkeit der Bartransaktionen nachgewiesen werden. Eine Kassabuchführung, die diesen
Anforderungen nicht entspricht, bewirkt die Vermutung der Unrichtigkeit der gesamten Buch-
haltung, indem sie eine nicht zu beseitigende Ungewissheit über die Höhe von Ertrag und
Aufwand sowie von Aktiven und Passiven schafft (BGer 2C_973/2018 vom 9.1.2019, E. 2.4.2;
BGer 2C_849/2015 vom 3.6.2016, E. 3.2 ff.; VGE 100 2019 253/254 vom 8.10.2020, E. 2.2, mit
weiteren Hinweisen).
5. Anlässlich der Buchprüfung vom 12. März 2019 stellte die Steuerverwaltung diverse Mängel fest (Protokoll, pag. 55-59). So seien die Bareinnahmen und -ausgaben nicht in einem
Kassabuch erfasst und nur monatlich (Restaurant, Bar, Camping) oder halbjährlich
(Ferienappartements sowie bar bezahlte Löhne) verbucht worden. Die Tagesumsätze des
Restaurationsbetriebs hätten mangels Kassenstreifen nicht kontrolliert werden können. Für die
Einnahmen aus dem Campingbetrieb existierten zwar Belege. Die verbuchten Monatstotale
seien jedoch nicht dokumentiert und liessen sich nur mit einer sehr zeitaufwändigen Addition
der einzelnen Quittungen überprüfen. Sämtliche durchgeführten Stichproben hätten Differenzen
zu den verbuchten Erträgen offenbart. Weitere Unregelmässigkeiten betrafen die Verbuchung
der Einnahmen aus Kartenzahlungen als Bareinnahmen sowie die erst im Rahmen der
Abschlussarbeiten "ermessensweise" vorgenommene Verbuchung des Ertrags aus dem
Verkauf von Tabakprodukten. Schliesslich stellte die Steuerverwaltung fest, dass die zeitliche
Abgrenzung der AHV-Beiträge unrichtig vorgenommen wurde. Insgesamt kam sie zum Schluss,
dass die Buchhaltung des Rekurrenten aufgrund dieser Mängel sowie der unübersichtlichen
Belegablage selbst mit grossem Zeitaufwand nicht vollständig geprüft werden könne und
dementsprechend nicht ordnungsgemäss geführt sei.
5.1 Die bei der Buchprüfung gemachten Feststellungen in Zusammenhang mit den Bargeldtransaktionen werden durch die der Steuerrekurskommission zur Verfügung stehenden
Akten bestätigt. Ein bedeutender Teil der Einnahmen und Ausgaben des vom Rekurrenten
geführten Betriebs entfiel im Geschäftsjahr 11/2016 bis 10/2017 auf Bargeldtransaktionen, wie
- 6 -
sich aus den Buchungen auf dem Konto Nr. 1000 "Kasse" ergibt (pag. 67-70, auf CHF 100.--
gerundet):
Einnahmen total 790'000
davon Kartenzahlungen -436'200
Bareinnahmen 353'800
Einzahlungen auf Bankkonto -160'700
Saldozunahme -400
Barausgaben 192'700
Sowohl die eigentlichen Bareinnahmen als auch die mit Kredit- oder Debitkarten erzielten
Umsätze wurden zunächst über das Konto "Kasse" verbucht (die Gutschriften der
Kartenherausgeber wurden sodann auf die Konten Nr. 1010 "Postcheck" und Nr. 1020 "UBS-
Kontokorrent" umgebucht). Sämtliche Einnahmen wurden dabei nicht tagesaktuell, sondern mit
monatlichen (Restaurant, Bar, "Camp/Pass"), halbjährlichen (Appartement, Camping, Verkäufe
"über die Gasse") oder jährlichen (Tabakprodukte) Sammelbuchungen erfasst. Auffällig ist
weiter, dass von den in bar getätigten Ausgaben rund CHF 147'000.-- auf Lohnzahlungen
entfielen, wobei auch hier nur zwei Sammelbuchen (Winter/Sommer) erfolgt sind. Weil die
Bargeldtransaktionen nicht tagesaktuell erfasst wurden, stimmten die Tagesendsaldi nicht mit
dem tatsächlichen Bargeldbestand überein und lagen häufig im Minusbereich, was
naturgemäss im Konto "Kasse" nicht möglich ist. Korrekturbuchungen zum Ausgleich von
festgestellten Differenzen zwischen buchmässigem und tatsächlichem Bargeldbestand sind
keine ersichtlich.
5.2 Aus diesen Feststellungen ergibt sich zum einen, dass der Betrieb des Rekurrenten als "bargeldintensiv" im Sinn der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gilt und zum anderen, dass
der Rekurrent seinen handels- und steuerrechtlichen Buchführungs- und
Aufzeichnungspflichten in Bezug auf die Bargeldtransaktionen nicht nachgekommen ist. Dies
wird auch vom Rekurrenten im Grundsatz anerkannt (vgl. Einsprache vom 25.7.2019, pag. 20;
Rekursschrift vom 2.3.2020).
6. Nach dem bis anhin Ausgeführten ist aufgrund der mangelhaften Dokumentation der Bargeldtransaktionen die Richtigkeit der vom Rekurrenten eingereichten Jahresrechnung nicht
zu vermuten. Die Steuerverwaltung war daher berechtigt, den ausgewiesenen Umsatz anhand
von Vergleichswerten zu überprüfen und gegebenenfalls nach Ermessen anzupassen. Sie
durfte dabei Erfahrungszahlen berücksichtigen (E. 4.1 hiervor).
- 7 -
6.1 Anhand der Jahresrechnung errechnete die Steuerverwaltung für den  des Rekurrenten eine Bruttogewinnmarge I (Differenz zwischen Umsatz und
Warenaufwand in Prozent des Umsatzes) von 59 % (Details siehe Beilage zum Schreiben vom
23.4.2019, pag. 51):
Relevanter Umsatz 234'395 100 %
Warenaufwand -96'214 -41 %
Bruttogewinn 138'181 59 %
Die Steuerverwaltung erachtete indes eine Bruttogewinnmarge von 70 % als realistisch,
basierend auf Erfahrungswerten. Dabei ging sie davon aus, dass im Durchschnitt ein
traditionelles Restaurant eine Bruttogewinnmarge von 71 % und ein Barbetrieb eine solche von
79 % erzielt. Daraus errechnete die Steuerverwaltung in einem ersten Schritt eine Soll-
Bruttogewinnmarge von 74 %, indem sie die Durchschnittsmarge der Restaurants mit 60 % und
diejenigen der Barbetriebe mit 40 % gewichtete, entsprechend dem Umsatzverhältnis zwischen
den beiden Betriebsteilen. Das Ergebnis reduzierte die Steuerverwaltung in einem zweiten
Schritt um vier Prozentpunkte auf die genannte Soll-Bruttogewinnmarge von 70 %, womit sie
den von der Treuhänderin mit Schreiben vom 3. April 2019 (pag. 53) vorgebrachten
Argumenten Rechnung trug. Darin wurde namentlich geltend gemacht, dass viele Lebensmittel
von lokalen Lieferanten bezogen, dass langjährige Stammgäste des Campingplatzes
gelegentlich zum Essen eingeladen und dass die Portionen generell grosszügig bemessen
würden. Insgesamt errechnete die Steuerverwaltung einen zusätzlichen Umsatz von
gerundeten CHF 86'000.-- (pag. 51) und stellte eine entsprechende Aufrechnung in Aussicht:
Warenaufwand (Ist) 96'214 30 %
Bruttogewinn (Soll) 224'499 70 %
Umsatz (Soll) 320'713 100 %
Umsatz (lst) -234'395
Aufrechnung 86'318
6.2 Diese Berechnung wurde von der Treuhänderin mit Schreiben vom 13. Mai 2019 (pag. 31 f.) zurückgewiesen. Sie wies zunächst darauf hin, dass in der Bar die gleichen Preise
gelten würden wie im Restaurant, weshalb es nicht gerechtfertigt sei, bei der Soll-
Bruttogewinnmarge teilweise auf Kennzahlen eines Barbetriebs abzustützen. Dem Schreiben
fügte die Treuhänderin eine eigene Berechnung der Bruttogewinnmarge bei (pag. 33). Darin
wird diese für den gesamten Restaurationsbetrieb mit 67.6 % beziffert, basierend auf einer
Marge von 68.5 % auf alkoholischen Getränken (Umsatzanteil 75 %) und einer geschätzten
Marge von 65 % für die Küche. Weiter seien die den Campinggästen gewährten Leistungen
sowie die in der Nebensaison ungünstige Lage des Betriebs nicht mit vier, sondern mit acht
- 8 -
Prozentpunkten zu berücksichtigen. Im Ergebnis resultiere somit eine Bruttogewinnmarge von
rund 60 %, die in etwa mit der Jahresrechnung (59 %) übereinstimme. Die Steuerverwaltung
wies mit Schreiben vom 24. Mai 2019 (pag. 29) die Berechnungen der Treuhänderin als
unvollständig (so seien wesentliche Warengruppen wie Süss- und Kaffeegetränke nicht
berücksichtigt worden) oder nicht nachvollziehbar zurück und hielt an der Aufrechnung von
CHF 86'000.-- fest.
6.3 In der Einsprache vom 25. Juli 2019 (pag. 19) bemängelte der Rekurrent zunächst, dass die Steuerverwaltung den seiner Auffassung nach offensichtlichen Fehler bei der auf die Bar
entfallenden Bruttogewinnmarge nicht korrigiert habe. Unter Einbezug von Süssgetränken und
Kaffee resultiere eine Bruttogewinnmarge von knapp 69 %, ohne Berücksichtigung der
schlechten Lage und der Vergünstigungen für die Camping- und Stammgäste. Die
Steuerverwaltung hielt in ihrer Antwort vom 28. November 2019 (pag. 11) an einer
ermessensweisen Aufrechnung im Umsatz fest, reduzierte diese jedoch auf CHF 50'000.-- mit
Verweis auf die identischen Getränkepreise in Bar und Restaurant. Damit entspricht die den
Einspracheentscheiden zugrundeliegende Aufrechnung einer Bruttogewinnmarge von 66 %:
Umsatz (Ist) 234'395
Aufrechnung 50'000
Umsatz (Soll) 284'395 100 %
Warenaufwand (Ist) -96'214 -34 %
Bruttogewinn (Soll) 188'181 66 %
7. Wie in E. 6 hiervor ausgeführt, hat die Steuerverwaltung zu Recht eine teilweise Veranlagung nach Ermessen vorgenommen. Eine solche Veranlagung kann von der
steuerpflichtigen Person nur wegen offensichtlicher Unrichtigkeit angefochten werden (Art. 191
Abs. 3 StG; Art. 132 Abs. 3 DBG), was einer Umkehr der Beweislast entspricht. Der
Unrichtigkeitsnachweis kann auf zwei Arten erfolgen: Die steuerpflichtige Person kann entweder
den tatsächlichen Sachverhalt durch nachgereichte Unterlagen beweisen oder sie zeigt auf,
dass die Schätzung der Steuerverwaltung offensichtlich zu hoch ausgefallen ist
(BGer 2C_973/2018 vom 9.1.2019, E. 2.2).
7.1 Die verletzten Buchführungs- und Aufzeichnungspflichten vermag der Rekurrent  nicht nachträglich zu korrigieren. Dies betrifft primär das vom Rekurrenten wiederholt
geltend gemachte vollständige "Eintippen" der Einnahmen. Hierzu ist festzuhalten, dass das
Verwaltungsgericht in einem vergleichbaren Sachverhalt aufgrund des nicht korrekt
dokumentieren Bargeldverkehrs eine ermessensweise Aufrechnung im Umsatz zugelassen hat,
obwohl der betroffene Gastronomiebetrieb Kassenstreifen vorlegen konnte. Das Gericht führte
- 9 -
aus, dass Registrierkassen bei bargeldintensiven Betrieben zwar ein wichtiges Hilfsmittel seien,
ein Kassabuch jedoch nicht ersetzen könnten (VGE 100 2019 253/254 vom 8.10.2020, E. 3.1).
Vorliegend legte der Rekurrent gemäss unwidersprochenen Feststellungen der
Steuerverwaltung nicht einmal Kassenstreifen vor (Protokoll Buchprüfung, pag. 56). Im
Folgenden ist daher nur zu prüfen, ob die nach Ermessen vorgenommene Aufrechnung der
Steuerverwaltung offensichtlich unrichtig ist. Dies trifft dann zu, wenn bei der Schätzung ein
wesentlicher Gesichtspunkt übergangen oder falsch gewürdigt worden ist (BGer 2C_849/2015
vom 3.6.2016, E. 4.1).
7.2 Wie in E. 6.3 hiervor dargelegt, basiert die Aufrechnung der Steuerverwaltung auf einer Bruttogewinnmarge von 66 %. Diese liegt damit tiefer als die vom Rekurrenten in seiner
Einsprache vom 25. Juli 2019 als realistisch bezeichnete Marge von 69 %. Der Rekurrent macht
indes geltend, dass besondere Umstände eine Reduktion dieser Marge um acht Prozentpunkte
rechtfertige. So sei zu berücksichtigen, dass nicht das Restaurant, sondern der Campingplatz
das Kerngeschäft seines Betriebs darstelle. Das Restaurant diene hauptsächlich den
Campinggästen, denen regelmässig Gratisleistungen erbracht würden. Weiter gelte es zu
beachten, dass das Lokal ausserhalb der Hauptsaison ungünstig gelegen und nur
vergleichsweise schlecht erreichbar sei. Soweit der Rekurrent mit diesen Ausführungen geltend
macht, dass sein Betrieb aufgrund der ungünstigen Lage und der primär aus Campinggästen
bestehenden Kundschaft tiefere Verkaufspreise als andere Restaurants verlangen könne, ist
dieser Umstand in der vom Rekurrenten anerkannten Bruttogewinnmarge von 69 % bereits
enthalten. Dass diese zu einem grossen Teil auf Schätzungen beruht (durch
Lieferantenrechnungen und Getränkekarten belegt sind einzig die Margen auf Bier und Wein,
pag. 33-44), vermag daran nichts zu ändern. Einzig die geltend gemachten Gratisleistungen an
Stammgäste würden sich reduzierend auf die Bruttogewinnmarge auswirken. Hierzu ist
festzuhalten, dass der mit einer Marge von 69 % berechnete Umsatz CHF 310'367.--
(Warenaufwand CHF 96'214.-- / 31 * 100) betragen würde, was um CHF 25'972.-- über dem
von der Steuerverwaltung geschätzten Umsatz von CHF 284'395.-- liegt (siehe E. 6.3 hiervor).
Damit hat die Steuerverwaltung den ihr zustehenden Ermessensspielraum keineswegs zu
Ungunsten des Rekurrenten ausgeschöpft. Wollte man entsprechend dem Antrag des
Rekurrenten auf jegliche Aufrechnung verzichten, würden die Gratisleistungen sogar
CHF 75'972.-- ausmachen (CHF 310'367.-- minus verbuchter Umsatz von CHF 234'395.--), was
vollkommen unrealistisch erscheint. Dementsprechend misslingt dem Rekurrenten der
Nachweis, dass die von der Steuerverwaltung nach Ermessen vorgenommene Aufrechnung im
Umsatz offensichtlich unrichtig ist. Rekurs und Beschwerde sind daher abzuweisen.
- 10 -
7.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Rekurrent kostenpflichtig. Er hat die gesamten Verfahrenskosten zu tragen einschliesslich allfälliger Auslagen für Gutachten oder
andere externe Kosten (Art. 144 Abs. 1 und 5 DBG sowie Art. 200 Abs. 1 StG i.V.m. Art. 1, 2,
53, 58 und 59 des Dekrets vom 24. März 2010 betreffend die Verfahrenskosten und die
Verwaltungsgebühren der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft
[Verfahrenskostendekret, VKD; BSG 161.12]). Dem Umstand, dass die
Steuerrekurskommission zwei verschiedene Verfahren mit weitgehend identischen
Sachverhalten zu beurteilen hatte, wird mit einer reduzierten Pauschalgebühr von CHF 1'000.--
Rechnung getragen. Da der Rekurrent im vorliegenden Fall unterliegt, werden keine
Parteikosten gesprochen (Art. 200 Abs. 4 StG sowie Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1
des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren
[Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG; SR 172.021]).