Decision ID: 47957986-a1b0-56e1-a351-0fe8b032a14f
Year: 2016
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden suchten am 25. Mai 2016 in der Schweiz um
Asyl nach. Am 6. Juni 2016 fanden die Befragungen zur Person statt und
es wurde das rechtliche Gehör zum Gesundheitszustand sowie zur Zustän-
digkeit Bulgariens und zur Wegweisung dorthin gewährt.
B.
Gestützt auf die europäische Fingerabdruck-Datenbank (Asylgesuche am
28. April 2016 in Bulgarien und am 19. Mai 2016 in Ungarn) ersuchte das
SEM die bulgarischen Behörden am 17. Juni 2016 um Übernahme; diese
nahmen innert Frist keine Stellung.
C.
Mit Verfügung vom 7. Juli 2016 trat das SEM auf die Asylgesuche nicht ein,
verfügte die Wegweisung nach Bulgarien und beauftragte den zuständigen
Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung.
D.
Mit Eingabe vom 21. Juli 2016 reichten die Beschwerdeführenden unter
Beilage zweier Kurzberichte zur allgemeinen Lage der Flüchtlinge in Bul-
garien (Die Welt und Pro Asyl, beide April 2015) beim Bundesverwaltungs-
gericht Beschwerde ein und beantragten, es sei die Verfügung des SEM
vom 7. Juli 2016 aufzuheben, auf die Asylgesuche einzutreten und der Be-
schwerde aufschiebende Wirkung zu erteilen. In prozessualer Hinsicht sei
auf die Erhebung eines Verfahrenskostenvorschusses zu verzichten.
E.
Die vorinstanzlichen Akten gingen am 25. Juli 2016 beim Bundesverwal-
tungsgericht ein.
F.
Mit Verfügung vom 28. Juli 2016 setzte der zuständige Instruktionsrichter
gestützt auf Art. 56 VwVG den Vollzug der Überstellung per sofort einst-
weilen aus.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Die
Beschwerdeführenden sind als Verfügungsadressaten zur Beschwerde-
führung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde ist insoweit einzutreten (Art. 108 Abs. 2 AsylG und
Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Bei Beschwerden gegen einen Nichteintretensentscheid ist die Beur-
teilungskompetenz der Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage be-
schränkt, ob die Vorinstanz bei vollständig und richtig festgestelltem Sach-
verhalt auf das Asylgesuch zu Recht oder Unrecht nicht eingetreten ist (vgl.
BVGE 2012/4 E. 2.2 m.w.H.). Soweit die Beschwerdeführenden beantra-
gen, es sei auf ihre Asylgesuche einzutreten, nehmen sie eine Erweiterung
des Streitgegenstandes vor, was unzulässig ist. Auf die Beschwerde ist in-
soweit nicht einzutreten.
3.
3.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG wird in der Regel auf Asylgesuche
nicht eingetreten, wenn Asylsuchende in einen Drittstaat ausreisen kön-
nen, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens
staatsvertraglich zuständig ist. Zur Bestimmung des staatsvertraglich zu-
ständigen Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien nach der Ver-
ordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestim-
mung des Mitgliedstaates, der für die Prüfung eines von einem Drittstaats-
angehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags
auf internationalen Schutz zuständig ist (Neufassung), ABl. L 180/31 vom
29. Juni 2013 (nachfolgend Dublin-III-VO). Führt diese Prüfung zur Fest-
stellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die Prüfung des Asylgesuchs
zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betreffende Mitgliedstaat einer
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Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt hat – oder bei fingierter
Zustimmung – auf das Asylgesuch grundsätzlich nicht ein.
3.2 Die Schlussfolgerung der Vorinstanz ist weder in tatsächlicher noch in
rechtlicher Hinsicht zu beanstanden. Die Beschwerde zeigt nicht auf, in-
wiefern die Vorinstanz Bundesrecht verletzt oder den Sachverhalt fehler-
haft festgestellt haben soll. Solches ist auch nicht ersichtlich.
So bestätigt die Beschwerde selbst die Zuständigkeit Bulgariens (Be-
schwerde S. 4). Die Vorinstanz hat aufgrund der am 28. April 2016 in Bul-
garien gestellten Asylgesuche zu Recht die Zuständigkeit Bulgariens er-
kannt und die bulgarischen Behörden – gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b
Dublin-III-VO – um Übernahme ersucht. Dass Bulgarien nicht ausdrücklich
Stellung genommen hat, bleibt ohne Bedeutung. Bereits mit Fristablauf
wird die Zustimmung fingiert. Bulgarien ist somit verpflichtet, die Personen
aufzunehmen und angemessene Vorkehrungen für die Ankunft zu treffen
(Art. 22 Abs. 7 Dublin-III-VO).
Sodann geht das Bundesverwaltungsgericht in ständiger Rechtsprechung
davon aus, dass es keine Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren
und die Aufnahmebedingungen in Bulgarien wiesen systemische
Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO auf (statt vieler
Urteile des BVGer E-1210/2016 vom 2. März 2016; E-838/2016 vom
16. Februar 2016; E-8188/2015 vom 11. Februar 2016; D-197/2016 vom
19. Januar 2016 und D-7940/2015 vom 14. Januar 2016). Trotz gegentei-
liger Kritik („Erniedrigt, misshandelt, schutzlos: Flüchtlinge in Bulgarien“,
PRO ASYL, April 2015), liegen keine Anhaltspunkte vor, die eine Änderung
der Rechtsprechung nahelegen. In der Beschwerde werden solche auch
nicht dargetan.
Soweit die Beschwerdeführerenden eine unmenschliche Behandlung be-
fürchten, erschöpfen sich ihre Vorbringen in nicht überprüfbaren persönli-
chen Erlebnissen. Sie lassen den Schluss nicht zu, dass Bulgarien im vor-
liegenden Fall seine staatsvertraglichen Verpflichtungen missachten würde
und die Beschwerdeführenden einer menschenunwürdigen oder erniedri-
genden Behandlung ausgesetzt wären (Art. 3 EMRK). Bulgarien ist Signa-
tarstaat der EMRK, des Übereinkommens gegen Folter und andere grau-
same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK,
SR 0.105) und des Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
(FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
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(SR 0.142.301). Ferner gelten auch in Bulgarien die Richtlinien des Euro-
päischen Parlaments und Rats 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 betreffend
gemeinsames Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des inter-
nationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie die Richtlinie
2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie).
Schliesslich liegen auch keine Umstände vor, die einen – nach Ermessen
zu beurteilenden – Selbsteintritt aus humanitären Gründen im Rahmen der
Souveränitätsklausel (Art. 29a Abs. 3 Asylverordnung 1 [AsylV 1,
SR 142.311] i.V.m. Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO) rechtfertigten. Die
Vorinstanz ist zu Recht auf die Asylgesuche nicht eingetreten. Die Über-
stellung nach Bulgarien als zuständigen Dublin-Staat verletzt kein Recht.
4.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen, so-
weit darauf eizutreten ist.
Mit vorliegendem Urteil fällt der am 28. Juli 2016 verfügte Vollzugsstopp
dahin und ist der Antrag betreffend aufschiebende Wirkung gegenstands-
los geworden.
5.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600.– (Art. 1–
3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) den
Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit dem vor-
liegenden Urteil ist der Antrag auf Verzicht der Erhebung eines Kostenvor-
schusses gegenstandslos geworden.
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