Decision ID: 9e0eaca6-fb98-5cb4-89c9-d51732482045
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reichte am 11. September 2019 in der Schweiz ein
Asylgesuch ein und wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region (...)
zugewiesen. Am 16. September 2019 wurde (...) zur unentgeltlichen
Rechtsvertretung bevollmächtigt.
B.
Das SEM befragte den Beschwerdeführer am 17. September 2019 sum-
marisch zu seiner Person (PA). Am 4. November 2019 und am 28. Novem-
ber 2019 wurde er vertieft zu seinen Asylgründen angehört.
Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er im Wesentlichen Folgen-
des geltend: (...).
Zum Nachweis seiner Identität reichte der Beschwerdeführer einen Identi-
tätsausweis sowie eine Personenstandsurkunde ein. Als Beweismittel wur-
den das Studiendiplom, eine Arbeitsbestätigung sowie eine Arbeitskarte
eingereicht.
C.
Am 5. Dezember 2019 wurde der Rechtsvertretung ein Entscheidentwurf
zur Stellungnahme unterbreitet, welcher eine Abweisung des Asylgesuchs
vorsah. Das SEM befand, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers un-
glaubhaft seien.
D.
Am 6. Dezember 2019 nahm die Rechtsvertretung Stellung zum Entschei-
dentwurf. Ausgeführt wurde im Wesentlichen, aufgrund der kurzen Frist für
die Einreichung der Stellungnahme sei es nicht möglich, auf sämtliche von
der Vorinstanz ausgemachten Unglaubhaftigkeitselemente in den Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers einzugehen. Es werde auf einzelne Aspekte
verwiesen, namentlich auf den von Realkennzeichen und von direkter
Rede geprägten Vortrag des Beschwerdeführers, die von ihm eingereich-
ten Beweismittel und die während der Anhörung gefertigte Skizze vom Ar-
beitsort, welche nicht respektive ungenügend gewürdigt worden seien. Es
handle sich vorliegend um einen komplexen und umfangreichen Fall, der
für die Beurteilung im beschleunigten Verfahren nicht geeignet sei. Es
werde daher die Zuweisung in das erweiterte Verfahren beantragt.
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E.
Mit Verfügung vom 9. Dezember 2019 (gleichentags eröffnet) stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und
ordnete den Vollzug der Wegweisung an. Der Kanton B._ wurde mit
dem Vollzug der Wegweisung beauftragt. In der Rechtsmittelbelehrung
wurde festgehalten, dass gegen diesen Entscheid innerhalb von sieben Ar-
beitstagen Beschwerde zu erheben sei.
Im Wesentlichen begründete das SEM, die vom Beschwerdeführer geltend
gemachten Probleme im Rahmen seiner Berufstätigkeit, welche für die
Ausreise ausschlaggebend gewesen seien, würden konstruiert wirken, und
aufgrund der ausweichenden, in sich widersprüchlichen und unklaren An-
gaben würden die Vorbringen insgesamt nicht glaubhaft erscheinen. Im
Hinblick auf die Behandlung des Asylgesuchs im beschleunigten Verfahren
wurde ausgeführt, es handle sich vorliegend zwar um einen inhaltlich um-
fangreichen Fall, dieser Umfang sei jedoch lediglich auf die Quantität der
Aussagen und nicht auf eine allfällige Komplexität der Vorbringen zurück-
zuführen. Konkret wurde in diesem Zusammenhang formuliert: «Vielmehr
liegt der Länge des Entscheids eine Auseinandersetzung mit einer Vielzahl
der in Ihren Schilderungen zahlreich enthaltenen Unglaubhaftigkeitsele-
mente zugrunde, welche für die Entscheidfindung, wie beispielsweise an-
hand der bewusst unterlassenen Auseinandersetzung mit weiteren Un-
glaubhaftigkeitselementen betreffend die (...), die (...) oder die erlebte (...)
ersichtlich, selbst in reduzierter Form ausreichend gewesen wäre.» Den
Vollzug der Wegweisung erachtete die Vorinstanz als zulässig, zumutbar
und möglich.
F.
Handelnd durch die zugewiesene und rubrizierte Rechtsvertretung focht
der Beschwerdeführer die Verfügung des SEM mit Eingabe vom 18. De-
zember 2019 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragte, die ange-
fochtene Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben und die Sache zur Neu-
beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses. Auf die Ausführungen im Einzelnen wird – soweit entscheidwe-
sentlich – in den Erwägungen eingegangen.
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Seite 4
G.
Mit Schreiben vom 23. Dezember 2019 wurde dem Beschwerdeführer der
Eingang seiner Beschwerde bestätigt.
H.
Mit Verfügung vom 20. Januar 2020 wurde das Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen und auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses verzichtet.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des Asylgesetzes in Kraft getreten
(AS 2016 3101), welche für das vorliegende Verfahren gilt (vgl. Abs. 2 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September
2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde.
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG, dem BGG und
dem AsylG (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde (Art. 105, Art. 108 Abs. 1 AsylG sowie Art. 52 Abs. 1
VwVG) ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung
eines Schriftenwechsels verzichtet.
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Seite 5
4.
Aufgrund des kausalen und zeitlichen Zusammenhangs wird das vorlie-
gende Verfahren mit demjenigen der (...) des Beschwerdeführers (E-
6712/2019 [N (...)]) koordiniert behandelt.
5.
Das Urteil erging in Besetzung mit fünf Richterinnen und Richtern und bil-
dete Gegenstand eines von der Vereinigung der Abteilungen IV und V im
Sinne von Art. 25 Abs. 2 und Abs. 3 VGG getroffenen Entscheids.
6.
Das Beschwerdebegehren beschränkt sich vorliegend auf den Antrag auf
Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung des Verfah-
rens an die Vorinstanz zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und
Neubeurteilung des Asylgesuches im Rahmen des erweiterten Verfahrens.
In der Rechtsmitteleingabe wird vorgebracht, das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers sei von der Vorinstanz zu Unrecht im beschleunigten Ver-
fahren behandelt worden. Das vorinstanzliche Verfahren habe 89 Tage in
Anspruch genommen und damit die vom Gesetz für das beschleunigte Ver-
fahren vorgesehene Behandlungsfrist deutlich überschritten. Spätestens
zum Zeitpunkt der ersten einlässlichen Anhörung am 4. November 2019
sei klar gewesen, dass es sich vorliegend um einen komplexen Fall handle,
in dem zusätzliche Abklärungen notwendig seien. Deshalb habe nach der
sechseinhalbstündigen Anhörung vom 4. November 2019 am 28. Novem-
ber 2019 eine zweite Anhörung von ähnlicher Dauer durchgeführt werden
müssen. Die entsprechenden Protokolle würden einen Umfang von 18 Sei-
ten und 19 Seiten aufweisen. Die angefochtene Verfügung erstrecke sich
über acht Seiten. Angesichts des umfangreichen Aktenmaterials sei es in
der kurzen Beschwerdefrist nicht möglich gewesen, das Beschwerderecht
effektiv wahrzunehmen. Entsprechend könne man sich nur summarisch
zur angefochtenen Verfügung äussern (vgl. Beschwerde, S. 5 ff.). Ange-
sichts der Vorbringen und der eingereichten Beweismittel wäre die Vo-
rinstanz zufolge des Untersuchungsgrundsatzes sodann verpflichtet gewe-
sen, die Zuweisung ins erweiterte Verfahren vorzunehmen und weitere Ab-
klärungen zu treffen, beispielsweise im Heimatstaat. Es liege mithin eine
Verletzung der Untersuchungspflicht vor. Auch sei die Begründungspflicht
verletzt, weil die Vorinstanz bestimmte Vorbringen nicht ernsthaft geprüft
und in ihrem Entscheid nicht gewürdigt habe (vgl. Beschwerde, S. 8).
7.
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Seite 6
7.1 Die am 1. März 2019 in Kraft getretene Änderung des schweizerischen
Asylgesetzes zielt darauf ab, eine Mehrzahl der Asylverfahren beschleunigt
und effizient abzuwickeln. Neben dem Dublin-Zuständigkeitsverfahren un-
terscheidet man zwei Verfahrenstypen: Die Behandlung des Asylgesuchs
im beschleunigten Verfahren und diejenige im erweiterten Verfahren. Beide
Verfahren unterscheiden sich im Verfahrensprozedere.
7.2 Das beschleunigte Verfahren zielt darauf ab, in nicht komplexen Fällen
innerhalb von 140 Tagen einen rechtskräftigen Asylentscheid (einschliess-
lich des Durchlaufens eines Rechtsmittelverfahrens) herbeizuführen und
diesen zu vollziehen (vgl. dazu [und auch zum Folgenden] BRUNNER
ARTHUR, Beschleunigung des Asylverfahrens in der Schweiz: Verfah-
rensökonomie im Dienste eines fairen Verfahrens?, in: Zeitschrift für das
gesamte Verfahrensrecht [GVRZ] 2020, S. 8 ff.). Um dieser zeitlichen Vor-
gabe gerecht zu werden, ist das Verfahren auf Ebene der Vorinstanz zeit-
lich streng getaktet in eine maximal 21-tägige Vorbereitungsphase und
eine daran anschliessende achttägige Entscheidphase. Die Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhalts, die Gewährung der Parteirechte und die
Abfassung und Eröffnung des erstinstanzlichen Asylentscheids folgen ei-
nem rechtssatzmässig genau vorgegebenen Zeitplan. Das beschleunigte
Verfahren wird in den Asylzentren des Bundes geführt. Die Asylgesuchstel-
lenden verbleiben dort während des Verfahrens; eine Zuweisung in den
Kanton erfolgt nicht. Sowohl die Beschwerdefristen als auch die Fristen zur
Behandlung der Beschwerde durch das Bundesverwaltungsgericht sind
kurz bemessen. So gilt für die Beschwerde im beschleunigten Verfahren –
in Abweichung von der in Art. 50 Abs. 1 VwVG für das Verwaltungsbe-
schwerdeverfahren vorgesehenen ordentlichen 30-tägigen Beschwerde-
frist – eine Frist von lediglich sieben Arbeitstagen seit Entscheideröffnung
(Art. 108 Abs. 1 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat über die Be-
schwerde innerhalb von 20 Tagen zu befinden (Art. 109 Abs. 1 AsylG).
Im Sinne einer flankierenden Massnahme (Art. 35 Abs. 1 BV) hat der Ge-
setzgeber vorgesehen, dass jede asylsuchende Person im beschleunigten
Verfahren Zugang zu unentgeltlicher Beratung und Rechtsvertretung im
Verfahren hat, sofern sie nicht darauf verzichtet (Art. 102f AsylG, Art. 52a
ff. AsylV 1 [Asylverordnung 1 über Verfahrensfragen vom 11. August 1999,
SR 142.311]). Grundsätzlich wird daher jeder asylsuchenden Person ab
Beginn der Vorbereitungsphase ohne Antrag eine umfassende Rechtsver-
tretung von Amtes wegen beigeordnet. Diese Rechtsvertretung soll sicher-
stellen, dass das Asylverfahren trotz der zeitlich straffen Taktung und der
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kurzen Fristen rechtsstaatlich korrekt und fair durchgeführt wird (vgl. Bot-
schaft zur Änderung des Asylgesetzes [Neustrukturierung des Asylbe-
reichs] vom 3. September 2014, Botschaft BBl 2014 7991, 8038), zumal
die asylsuchenden Personen in der Regel des Verfahrens und der Verfah-
renssprache unkundig sind. Die Aufgaben der zugewiesenen Rechtsver-
tretung sind auf eine ganzheitliche Beratung und Vertretung ab dem Mo-
ment der Asylgesuchstellung angelegt. Sie umfassen im Wesentlichen die
Information der Asylsuchenden zum Ablauf des Verfahrens, die Beratung
über die Chancen im Asylverfahren einschliesslich Fragen der Rückkehr-
hilfe, die Teilnahme an der Erstbefragung in der Vorbereitungsphase und
an der Anhörung zu den Asylgründen, das Verfassen der Stellungnahme
zum Entwurf eines ablehnenden Asylentscheides im beschleunigten Ver-
fahren sowie die Rechtsvertretung im Beschwerdeverfahren, sofern eine
Beschwerde nicht als aussichtslos erachtet und das Mandat niedergelegt
wird (Art. 102g – k AsylG). Für die Vertretung wird an die für diese Vertre-
tungstätigkeit mandatierten Leistungserbringer seitens des SEM eine Pau-
schale ausgerichtet (Art. 102k Abs. 2 AsylG). Der Leistungserbringer sorgt
für die Qualität der Beratung und Rechtsvertretung (Art. 102i Abs. 1 Satz 2
AsylG). Zur Rechtsvertretung zugelassen sind Rechtsanwälte und Rechts-
anwältinnen sowie Personen mit juristischem Hochschulabschluss, die
sich beruflich mit der Beratung und Vertretung von Asylsuchenden befas-
sen (Art. 102i Abs. 4 AsylG).
7.3 Eine Zuweisung in das erweiterte Verfahren erfolgt hingegen bei Asyl-
verfahren, in welchen sich im Rahmen der vorzunehmenden Triage ergibt,
dass weitere Abklärungen oder Verfahrenshandlungen notwendig sind. Die
Triage erfolgt im Anschluss an die einlässliche Anhörung der asylsuchen-
den Person (Art. 20c Bst. d AsylV 1). Kommt das erweiterte Verfahren zur
Anwendung, werden asylsuchende Personen für die weitere Dauer des
Asylverfahrens und des Wegweisungsvollzugs einem Kanton zugewiesen
(Art. 27 AsylG). Innert Jahresfrist soll das erweiterte Verfahren abgeschlos-
sen und eine allfällige Wegweisung vollzogen worden sein (vgl. Botschaft
BBl 2014 7991, 8011). Die Betroffenen können sich im erweiterten Verfah-
ren im Kanton kostenlos an eine Rechtsberatungsstelle wenden, wenn ent-
scheidrelevante Verfahrensschritte (z.B. eine weitere Anhörung zu den
Asylgründen) durchzuführen sind (Art. 102l Abs. 1 AsylG, Art. 52f Abs. 2
AsylV 1). Unter bestimmten Voraussetzungen können sich die Betroffenen
für entscheidrelevante Verfahrensschritte auch an die in den Zentren des
Bundes zugewiesene Rechtsvertretung wenden beziehungsweise in deren
Vertretungsobhut bleiben (Art. 52f Abs. 3 AsylV 1). Eine umfassende Bera-
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tung und Rechtsvertretung bei jedem Verfahrensschritt, wie sie im be-
schleunigten Verfahren normiert ist, wurde (bewusst) nicht vorgesehen.
Die Frist zur Beschwerdeerhebung beträgt im erweiterten Verfahren 30
Tage (Art. 108 Abs. 2 AsylG). Für das Bundesverwaltungsgericht ergibt
sich eine Behandlungsfrist von 30 Tagen (Art. 109 Abs. 2 AsylG).
8.
8.1 Vorliegend steht die Behandlung des Asylgesuchs im beschleunigten
Asylverfahren in Rede, weshalb die einzelnen gesetzlich normierten Ver-
fahrensschritte sowie die flankierenden Massnahmen näher darzulegen
sind.
8.2 Nach der Asylgesuchstellung beginnt die sogenannte Vorbereitungs-
phase (Art. 26 AsylG). Sie ermöglicht der Vorinstanz, die zur Durchführung
eines Asylverfahrens notwendigen Vorabklärungen unmittelbar nach Ein-
tritt der asylsuchenden Person in ein Zentrum des Bundes vorzunehmen.
Sie soll insbesondere dazu dienen, die spätere Anhörung zu den Asylgrün-
den gut vorzubereiten und so die kurzen Fristen für die Behandlung von
Asylgesuchen einhalten zu können (vgl. Botschaft BBl 2014 7991, 8012).
Konkret erhebt das SEM die Personalien der asylsuchenden Person, er-
stellt Fingerabdrücke und Fotografien. Es kann weitere biometrische Daten
erfassen und Altersgutachten erstellen, Beweismittel, Reise- und Identi-
tätspapiere überprüfen und herkunfts- sowie identitätsspezifische Abklä-
rungen treffen (Art. 26 Abs. 2 AsylG). In die Vorbereitungsphase fällt auch
die Feststellung des medizinischen Sachverhalts (Art. 26bis AsylG). Wäh-
rend der Vorbereitungsphase kann sodann eine Erstbefragung der be-
troffenen Person zur Identität, zum Reiseweg und zu den Ausreisegründen
durchgeführt werden (Art. 26 Abs. 3 AsylG).
8.3 Die Dauer der Vorbereitungsphase ist in Art. 26 Abs. 1 AsylG festgelegt
und beträgt höchstens 21 Tage. Es handelt sich um eine Maximalfrist, de-
ren effektive Dauer sich nach den Bedürfnissen im Einzelfall richtet. Eine
schematische Festlegung der Dauer der Vorbereitungsphase für alle Ge-
suche wurde als nicht sinnvoll erachtet (vgl. Botschaft BBl 2014 7991,
8012).
8.4 Nach Abschluss der Vorbereitungsphase folgt die Taktenphase, das ei-
gentliche Asylverfahren. Auch diesbezüglich ist der Ablauf gesetzlich nor-
miert. Gemäss Art. 20c AsylV 1 werden folgende Verfahrensschritte vorge-
nommen: die Vorbereitung der Anhörung zu den Asylgründen (Bst. a), die
Anhörung zu den Asylgründen (Bst. b), die Triage, ob die Fortführung im
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beschleunigten Verfahren erfolgt oder der Wechsel in das erweiterte
(Bst. d), sofern letzteres nicht der Fall ist, die Redaktion des Entscheident-
wurfs (Bst. e), die Stellungnahme der Rechtsvertretung zum Entwurf des
ablehnenden Asylentscheids (Bst. f), die Schlussredaktion und die Eröff-
nung des Entscheids (Bstn. g/h).
8.5 Entscheide im beschleunigten Verfahren sind innerhalb von acht Ar-
beitstagen nach Abschluss der Vorbereitungsphase zu treffen (Art. 37
Abs. 2 AsylG). Ob ein Fall im beschleunigten Verfahren behandelt werden
kann, entscheidet sich im Anschluss an die Anhörung zu den Asylgründen
nach Art. 29 AsylG. Steht nach dieser fest, dass ein Entscheid im Rahmen
des beschleunigten Verfahrens nicht möglich ist, namentlich, weil weitere
Abklärungen erforderlich sind, erfolgt die Zuteilung ins erweiterte Verfahren
und eine Zuweisung in einen Kanton (vgl. auch den Wortlaut der franzö-
sischsprachigen und italienischsprachigen Fassungen von Art. 26d AsylG
[«des mesures d’instruction supplémentaires doivent être engagées»;
«segnatamente perché sono necessari accertamenti supplementari»]). Un-
ter den Begriff «weitere Abklärungen» sollen nach Intention des Gesetzge-
bers Abklärungen fallen, die nicht innerhalb kurzer Zeit vorgenommen wer-
den können, beispielsweise solche bei schweizerischen Vertretungen im
Ausland, das Einfordern von weiteren Beweismitteln, die im Herkunftsland
beschafft werden müssen, oder allenfalls die Durchführung einer weiteren
Anhörung (vgl. Botschaft BBl 2014 7991, 8074). Die vom SEM vorzuneh-
mende Triage ist mithin im Wesentlichen davon abhängig, welche Sach-
verhaltsinstruktionen für die Beurteilung des Asylgesuchs nach der Anhö-
rung noch erforderlich scheinen. Der genaue Umfang der erforderlichen
Sachverhaltsinstruktionen ergibt sich dabei aus dem Untersuchungsgrund-
satz. Das SEM muss innert der achttägigen Frist die für den Entscheid not-
wendigen Unterlagen beschaffen, die rechtsrelevanten Umstände abklären
und ordnungsgemäss Beweis führen können.
8.6 Bei der genannten Frist von acht Arbeitstagen für den Entscheid han-
delt es sich um eine Ordnungsfrist. Die Nichteinhaltung der Frist wirkt sich
grundsätzlich nicht per se auf die Rechtmässigkeit des materiellen Ent-
scheids aus. Beliebig zulässig ist sie aber auch nicht. Einzig bei Vorliegen
triftiger Gründe und sofern absehbar ist, dass der Entscheid im Zentrum
des Bundes getroffen werden kann, kann diese Frist um einige Tage über-
schritten werden (Art. 37 Abs. 3 AsylG; vgl. Botschaft BBl 2014 7991, 8015;
CARONI MARTINA, Das neue Asylverfahren – ein Überblick, recht 2019, S.
90). Wenn eine pflichtgemässe Schätzung nach Durchführung der Anhö-
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rung zu den Asylgründen zum Resultat führt, dass der Entscheid realisti-
scherweise nicht innert acht Tagen getroffen werden kann, hat daher nach
der gesetzgeberischen Intention eine Zuweisung ins erweiterte Verfahren
zu erfolgen (grundlegend Urteil des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer]
E-4534/2019 vom 25. September 2019 E. 7.5.1 ff.; vgl. ebenfalls Urteile
des BVGer E-4367/2019 vom 9. Oktober 2019 E. 7, D-5585/2019 vom
5. November 2019 E. 6 und E-5624/2019 vom 13. November 2019 E. 5.2,
vgl. auch Botschaft BBl 2014 7991, 8074).
9.
9.1 Auf Beschwerdeebene wird ausgeführt, aufgrund der vom SEM vorge-
nommenen falschen Triage und der Fortführung des Verfahrens als be-
schleunigtes seien die Verfahrensgarantien verletzt, weil es dem Be-
schwerdeführer respektive der zugewiesenen Rechtsvertretung nicht mög-
lich sei, innert der kurzen Beschwerdefrist von sieben Tagen eine Be-
schwerde einzureichen, die sich mit allen Aspekten des vorliegend kom-
plexen Vorbringens und den Erwägungen des SEM im angefochtenen Ent-
scheid auseinandersetze. Es könne nur auf einige Punkte in nicht ab-
schliessender Form eingegangen werden.
9.2 Es besteht kein gesetzlicher Anspruch auf die Behandlung eines Asyl-
gesuches im erweiterten oder beschleunigten Verfahren. Die Vorinstanz
erlässt jedoch für die Zuteilung ins erweiterte Verfahren eine Zwischenver-
fügung, welche nur durch Beschwerde gegen die Endverfügung angefoch-
ten werden kann (vgl. Botschaft BBl 2014 7991, 8015, 8032).
9.3 Die in Art. 29a BV verankerte Rechtsweggarantie garantiert, dass
Rechtsstreitigkeiten mindestens einmal durch eine richterliche Instanz
überprüft werden können, die in tatsächlicher wie in rechtlicher Hinsicht
über eine umfassende Prüfungsbefugnis verfügt. Art. 29a BV vermittelt
dem Einzelnen mithin einen Anspruch auf effektiven gerichtlichen Rechts-
schutz (vgl. BIAGGINI GIOVANNI, BV Kommentar, Zürich, 2. Aufl. 2017, N. 7
zu Art. 29a BV; WALDMANN BERNHARD, in: Waldmann/Belser/Epiney
[Hrsg.], Basler Kommentar zur BV, 2015, N. 14 zu Art. 29a BV; KLEY AN-
DREAS, in: Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender [Hrsg.], St. Galler
Kommentar zur BV, 3. Aufl. 2014, N. 15 zu Art. 29a BV).
9.4 In dieselbe Richtung weist Art. 13 EMRK. Nach dieser Bestimmung hat
jede Person, die eine (drohende) Verletzung ihrer Konventionsrechte plau-
sibel geltend macht, das Recht, bei einer innerstaatlichen Instanz eine wirk-
same Beschwerde zu erheben (vgl. Urteil des Europäischen Gerichtshofs
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für Menschenrechte [EGMR] vom 25. März 1983, Nr. 5947/72, Silver und
andere v. Vereinigtes Königreich, § 113). Die durch Art. 13 EMRK gewähr-
leistete Verfahrensgarantie ist akzessorisch und kann nur in Verbindung
mit materiellen Konventionsrechten und -freiheiten angerufen werden. Weil
mit der abschlägigen Beurteilung eines Asylgesuchs regelmässig die An-
ordnung des Wegweisungsvollzugs einhergeht, kommt Art. 3 EMRK in Ge-
stalt des Non-Refoulement-Gebots zum Tragen (vgl. HRUSCHKA CONSTAN-
TIN/MOTZ STEPHANIE, Das Recht auf eine wirksame Beschwerde – die Aus-
wirkungen der neueren Rechtsprechung zu Art. 13 EMRK auf nationale
Asylverfahren, Asyl 1/14, S. 3 ff., S. 3, m.w.H auf die Rechtsprechung des
EGMR; BRUNNER ARTHUR/TEICHMANN FABIAN, Das Zusammenwirken von
nationalen Gerichten und Europäischem Gerichtshof für Menschenrechte
– dargestellt am Beispiel des Non-Refoulement-Gebots im schweizeri-
schen Asylrecht, EuGRZ 2019, S. 20 ff., S. 20 f).
9.5 Übermässig kurz bemessene Beschwerdefristen sind geeignet, die
Rechtsweggarantien von Art. 29a BV und Art. 13 EMRK faktisch zu verei-
teln (vgl. KUHN MATHIAS, Verkürzung der Beschwerdefrist im Asylverfahren
– Rechtsstaatlichkeit einer 15-tägigen Beschwerdefrist, Asyl 4/10, S. 3 ff.,
S. 3.). Sowohl verfassungsrechtlich wie auch konventionsrechtlich ist es
dem Gesetzgeber daher verboten, Beschwerdefristen derart kurz zu be-
messen, dass sie prohibitiv wirken (vgl. KIENER REGINA, Zugang zur Justiz,
ZSR 138 [2019] II, S. 5 ff., S. 47).
9.6 Wenn Art. 29a BV durch die Zuweisung ins beschleunigte Verfahren
aufgrund einer übermässigen Verkürzung der Beschwerdefrist verletzt
würde, wäre das Bundesverwaltungsgericht durch Art. 190 BV an die ent-
sprechende Gesetzesordnung gebunden. Vorliegend ist jedoch die Aus-
gangslage eine andere. Strittig ist hier nämlich nicht die verfassungs- be-
ziehungsweise konventionsrechtliche Zulässigkeit der kurzen Beschwer-
defrist im beschleunigten Verfahren an sich. Vielmehr steht die Frage im
Vordergrund, ob die Behandlung des vorliegenden Asylgesuches im be-
schleunigten Verfahren dazu geführt hat, dass die konventionsrechtlichen
Verfahrensgarantien verletzt wurden und die Behandlung des Asylverfah-
rens im beschleunigten Verfahren gleichzeitig auch einen Verstoss gegen
Art. 13 i.V.m. Art. 3 EMRK begründen kann; diese Bestimmungen gehen
der dargelegten Konzeption des Gesetzgebers vor (vgl. BGE 142 II 35
E. 3.2 S. 38 ff., m.H.a. BGE 125 II 417 E. 4d S. 425).
9.7 Der Bundesrat führte zur kurzen Frist im beschleunigten Verfahren sei-
nerseits aus, dass weder die EMRK noch andere völkerrechtliche Verträge
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Seite 12
Mindestfristen für die Erhebung von Beschwerden enthielten. Ebenso we-
nig lasse sich aus der Rechtsprechung der einschlägigen Kontrollorgane
eine solche Frist bestimmen. Somit verfüge der Gesetzgeber über einen
Ermessenspielraum. Der Bundesrat erachtete aber angesichts der derart
kurzen Frist einen wirksamen und effektiven Rechtsschutz (mit Einschluss
einer Rechtsvertretung) als notwendig und verfassungsrechtlich geboten.
Er formulierte, es müsse sichergestellt sein, dass die Betroffenen effektiven
Zugang zum Gericht erhalten und ihr Recht auf eine wirksame Beschwerde
wahrnehmen könnten, dies unter Hinweis auf Art. 29a BV, Art. 6 und Art. 13
EMRK (vgl. Botschaft BBl 2014 7991, 8054, mit Hinweisen auch auf die
Ausführungen des Bundesrates in der Botschaft zur Änderung des Asylge-
setzes vom 26. Mai 2010, 10.052, S. 4502 f.).
10.
10.1 Im vorliegenden Fall hat die Vorinstanz zur Abklärung des rechtser-
heblichen Sachverhalts neben einer Kurzbefragung zur Person am 4. No-
vember 2019 und am 28. November 2019 zwei ausführliche Anhörungen
für notwendig erachtet, die sich beide über mehrere Stunden erstreckten
(Anhörung vom 4. November 2019: 8.30 – 15.00 Uhr; Anhörung vom
28. November 2019: 8.40 – 15.10 Uhr). Die Protokollierungen dieser An-
hörungen nahmen 19 und 18 Seiten in Anspruch. Aufwändig gestaltete sich
offenbar auch die Würdigung der Aussagen in der angefochtenen Verfü-
gung, deren Umfang mit acht Seiten und insbesondere aufgrund der aus-
gedehnten Prüfung der Aussagen des Beschwerdeführers über dem
Durchschnitt liegt.
Der Erlass der angefochtenen Verfügung erfolgte sodann nicht innerhalb
der vorgesehenen Maximalfrist von 29 Tagen (max. 21 Tagen Vorbereitung
und acht Tagen Entscheidphase), sondern nach 89 Tagen. Der vom Ge-
setzgeber vorgesehene «Spielraum» der Fristüberschreitung um einige
Tage ist vorliegend massiv überschritten. Von einem einfachen Verfahren
mit vergleichsweise kleinem Komplexitätsgrad, welches nach der einläss-
lichen Anhörung keiner weiteren Abklärungen mehr bedarf, kann mithin
keine Rede sein. Die Ausführungen in der Verfügung, warum sich vorlie-
gend keine Zuweisung in das erweiterte Verfahren gebietet, sind zum einen
rein sprachlich bereits nicht nachvollziehbar. Sie sind zum anderen auch
frei von objektiven Gründen betreffend die vorgenommene Triage (vgl. zi-
tierte Erwägungen Bst. E).
10.2 Die Rechtsvertretung hatte bereits im Rahmen der Stellungnahme da-
rauf hingewiesen, dass eine solche, die innerhalb eines Tages zu erfolgen
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hat (Art. 102j Abs. 3 AsylG i.V.m. Art. 52d Abs. 1 AsylV 1), aufgrund des
Verfahrensumfanges nicht möglich sei. Es wurde sodann von der Rechts-
vertretung nachvollziehbar aufgezeigt, dass die zur Verfügung stehende
Beschwerdefrist von sieben Arbeitstagen unter diesen Umständen zur Aus-
arbeitung der Beschwerdeschrift nicht ausreiche, um die angefochtene
Verfügung auf ihre Stichhaltigkeit hin zu überprüfen und den Standpunkt
des Beschwerdeführers entsprechend darzulegen, allenfalls weitere Be-
weismittel beizubringen oder Ausführungen zur vorgenommenen Würdi-
gung der eingereichten Beweismittel zu treffen. Das Bundesverwaltungs-
gericht folgt dieser Einschätzung aus den dargelegten Gründen.
10.3 Zuletzt sei auch darauf hingewiesen, dass die gesetzgeberische In-
tention der Beschleunigung in einem rechtsstaatlich fairen Verfahren nur
gewährleistet werden kann, wenn die Vorinstanz die gesetzlich vorgese-
hene Triage im vorinstanzlichen Verfahren sorgfältig vornimmt. Dies ist
Grundvoraussetzung für das Funktionieren des gesamten Verfahrens, in
welchem neben dem SEM auch die Rechtsvertretungen wichtige Akteure
sind. Dabei ist nicht zuletzt auch von Belang, dass die Rechtsvertretungen
aufgrund ihres umfangreichen Leistungsauftrages im Verfahrenszentrum
in verschiedenen Verfahren parallel Verfahrensschritte zu führen haben,
welche allesamt zeitlich straffen Taktungen unterliegen. Sie ist sodann
auch gesetzlich zur Qualität in der Beratung und Rechtsvertretung ver-
pflichtet (Art. 102i AsylG). Beim vorliegenden Verfahren handelt es sich so-
dann nicht um einen Einzelfall (vgl. beispielsweise Urteile des BVGer
D-3333/2019 vom 12. Juli 2019 E. 6.5 und E. 8.2; D-3503/2019 vom
24. Juli 2019 E. 7.1; E-3987/2019 vom 27. September 2019 E. 9;
E-3990/2019 vom 27. September 2019 E. 9; E-4338/2019 vom 5. Septem-
ber 2019 E. 6, E-4367/2019 vom 9. Oktober 2019 E. 7.4 f.; E-244/2020
vom 31. Januar 2020 E. 3.7).
10.4 Die Behandlung des vorliegenden Asylgesuchs im beschleunigten
Verfahren und entsprechend mit einer gesetzlichen Beschwerdefrist von
sieben Arbeitstagen verletzt mithin das Recht auf wirksame Beschwerde
im Sinne von Art. 29a BV und Art. 13 i.V.m. Art. 3 EMRK. Diese Verfahrens-
pflichtverletzung rechtfertigt für sich gesehen bereits die Aufhebung der an-
gefochtenen Verfügung, da vorliegend ein reformatorischer Entscheid auf
Beschwerdeebene von vornherein nicht in Betracht fällt (Art. 61 Abs. 1
VwVG). Das Gericht kann die Auswirkung einer solchermassen falschen
Triage, die letztlich in der Anwendung der kurzen gesetzlichen Beschwer-
defrist resultiert, nicht heilen.
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11.
In Bezug auf die weiteren Verfahrenspflichtverletzungen, namentlich die
geltend gemachte ungenügende Sachverhaltsfeststellung und Verletzung
der Begründungspflicht, kann sich das Bundesverwaltungsgericht von
vornherein nicht abschliessend äussern, da die Beschwerdeausführungen
hierzu nicht vollständig vorgenommen werden konnten. Es ist jedoch fest-
zustellen, dass das SEM in der angefochtenen Verfügung selbst festhält,
sich mit verschiedenen Aspekten des Vorbringens nicht auseinander ge-
setzt zu haben (vgl. Verfügung, S. 6).
12.
Der Antrag des Beschwerdeführers erweist sich aufgrund der vorstehen-
den Erwägungen als begründet und die Beschwerde ist im Sinne der Er-
wägungen gutzuheissen. Die angefochtene Verfügung ist aufzuheben und
die Vorinstanz anzuweisen, das Asylgesuch im erweiterten Verfahren zu
behandeln.
13.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63
Abs. 1 VwVG).
Es ist keine Parteientschädigung auszurichten, da es sich vorliegend um
eine zugewiesene unentgeltliche Rechtsvertretung im Sinne von Art. 102h
AsylG handelt, deren Leistungen vom Bund nach Massgabe von Art. 102k
AsylG entschädigt werden (vgl. auch Art. 111aterAsylG).
(Dispositiv nächste Seite)
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