Decision ID: 57716c4b-369f-474e-8957-309e0f63f1cc
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1966, meldete sich am 2
3.
Mai 2008
unter Hin
weis auf
ein chronisches
zervikobrachiales
Schmerzsyndrom bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
6/16
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
verneinte
mit Verfügung vom
1
7.
Dezember 2008
bei einem Invaliditätsgrad von
31
%
einen Rentenanspruch
(Urk.
6/52
).
Nach erneuter Anmeldung am 2
7.
März 2009 (
Urk.
6/59) sprach ihr die
IV-Stelle
nach entsprechenden Abklärungen
mit Verfügung vom
5.
April 2011
bei einem Invaliditätsgrad von
45
%
eine
Viertelsrente
ab
Dezember 2009
zu (Urk.
6/105
).
1.2
Nach Eingang eines am
1
9.
Juli 2013
ausgefüllten Revisionsfragebogens (Urk.
6/112
) holte
die IV-Stelle nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/134
;
Urk.
6/135 =
Urk.
3/1
)
unter anderem beim
Zentrum Y._
ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am
2
0.
April 2015
erstattet wurde (Urk.
6/150
).
Mit Verfügung vom 1
1.
Juni 2015 sprach
die IV-Stelle der Versicherten
weiterhin
eine
Viertelsrente
zu (Urk.
6/154
= Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
6.
Juli 2015
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
1
1.
Juni 2015
(
Urk.
2) und beantragte
sinngemäss
, diese sei aufzuheben und es sei
ihr eine ganze Invalidenrente auszurichten
(
Urk.
1 S.
1
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2
8.
August 2015
(
Urk.
5
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
7.
Sep
tember 2015
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
7
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetz über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG).
Erwerbsunfä
higkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Ein
gliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1
ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichti
gen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Ge
sundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkun
gen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätig
keit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen Beein
trächti
gung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versicherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Nach der Rechtsprechung werden leicht- bis mittelgradige Episoden einer Depression und selbst mittelgradige depressive Episoden regelmässig nicht als von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im Sinne eines verselbständigten Gesundheitsschadens betrachtet, die es der betroffenen Person verunmöglicht, die Folgen der bestehenden Schmerzproblematik zu überwinden. Daran ändert nichts, wenn die depressive Episode vor dem Hintergrund einer rezidivierenden depressiven Störung diagnostiziert worden ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_104/2014 vom 2
6.
Juni 2014 E. 3.3.4 mit Hinweisen; vgl. auch Urteil 9C_856/2013 vom 8. Oktober 2014 E. 5.1.2).
Zwar ist eine invalidisierende Wirkung einer mittelschweren depressiven Stö
rung nicht schlechthin auszuschliessen, indes bedingt deren Annahme, dass es sich nicht bloss um eine Begleiterscheinung einer Schmerzkrankheit, sondern um ein selbständiges, vom psychogenen Schmerzsyndrom losgelöstes depressi
ves Leiden handelt und im Weiteren, dass eine konsequente Depressionstherapie befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist (Urteil des Bun
desgerichts 8C_774/2013 vom
3.
April 2014 E. 4.2 mit Hinweisen).
Eine diagnostizierte rezidivierende depressive Störung als solche stellt keinen psychischen Gesundheitszustand dar, der eine Arbeitsunfähigkeit dauerhaft zu
begründen vermag (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_506/2014 vom 10. November 2014 E. 4.2).
Praxisgemäss ist eine leichte depressive Episode mit somatischen Symptomen grundsätzlich nicht geeignet, eine leistungsspezifische Invalidität zu begründen (Urteil des Bundesgerichts 9C_506/2014 vom 1
0.
November 2014 E. 4.2). Leichte bis höchstens mittelschwere psychische Störungen aus dem depressiven Formenkreis gelten zudem grundsätzlich als therapeutisch
angehbar
(Urteil des Bundesgerichts 8C_759/2013 vom
4.
März 2014 E. 3.6.1 mit Hinweisen). Bei mittelschweren depressiven Episoden (ICD-10 F32.1) verneint das Bundesgericht regelmässig deren invalidisierende Wirkung (Urteil des Bundesgerichts 8C_774/2013 vom
3.
Ap
ril 2014 E. 4.2 mit Hinweisen).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revi
sionsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Ein
spracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.
5
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkom
mensvergleichs
(bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Recht
sprechung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 134 V 131 E. 3 und 133 V 108 E. 5.4 mit Hinweis). Nach der bundesgerichtlichen Rechtspre
chung ist eine Verfügung verzichtbar, wenn bei einer von Amtes wegen durch
geführten Revision keine leistungsbeeinflussende Änderung der Verhältnisse festgestellt wurde (
Art.
74
ter
lit
. f
der Verordnung über die Invalidenversiche
rung, IVV
) und die bisherige Invalidenrente daher weiter ausgerichtet wird. Wird auf entsprechende Mitteilung hin keine Verfügung verlangt (
Art.
74
quater
IVV), ist jene in Bezug auf den Vergleichszeitpunkt einer (ordentlichen) rechts
kräftigen Verfügung gleichzustellen (Urteile des Bundesgerichts 9C_771/2009 vom 10. September 2010 E. 2.2 und 9C_586/2010 vom 15. Oktober 2010 E. 2.2 mit Hin
weisen).
1.
6
Gemäss
Art.
88a
Abs.
2 IVV ist bei einer Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen oder bei einer Zunahme der Hilflosigkeit oder Erhöhung des
invaliditätsbeding
ten
Betreuungsaufwandes
oder Hilfebedarfs die anspruchsbeeinflussende Änderung zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat.
Art.
29
bis
IVV ist sinngemäss anwendbar.
1.7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung
(
Urk.
2)
gestützt auf die medizinischen Abklärungen, insbesondere das eingeholte
polydiszipli
näre
Gutachten, davon aus, dass der Beschwerdeführerin
ihre angestammte Tätigkeit als Pflegeassistentin nicht mehr
, eine
leidens
angepasste Tätigkeit hin
gegen zu 70
%
zumutbar sei (S. 2 f.)
.
Entsprechend
bestätigte
sie
weiterhin den Anspruch auf eine
Viertelsrente
(S. 3).
2.2
Die Beschwerdeführerin bestritt beschwerdeweise (
Urk.
1) die von der
Beschwer
de
gegnerin
angenommene Arbeitsfähigkeit
in einer
leidens
angepassten Tätigkeit
und machte geltend, die Beschwerdegegnerin gehe nicht auf die Unterlagen des betreuenden Psychiaters ein. Es werde behauptet, dass sie aus eigener Kraft die vom behandelnden Psychiater seit 2008 bestätigte chronische Depression über
winden könne. Auch die fortgeschrittene
Glaukomerkrankung
sowie die bestehende schwere Störung der Schilddrüse
würden
ignoriert. Sie sei inzwi
schen kaum mehr fähig
,
eine leichte Arbeit zu 50
%
zu verrichten, da sich der Gesundheitszustand zusehends verschlechtere.
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit, ob und in welchem Ausmass sich der Gesund
heitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei
t
der Verfü
gung vom
5.
April 2011 verändert haben.
3.
3.1
Bei der ursprünglichen
Zusprache
einer
Viertelsrente
im
April 2011
(Urk.
6/105
) lagen die folgenden medizinischen Beurteilungen vor:
3.2
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
berichtete am 1
2.
Mai 2009 (
Urk.
6/62/1-5) unter Beilage von weiteren Berichten (vgl.
Urk.
6/62/6-35) von persistierenden Nackenschmerzen und einem depressi
ven Zustandsbild (
Ziff.
1.4).
Die Beschwerdeführerin könne keine Lasten heben, die Arme seien nicht belastbar. Die bisherige Tätigkeit sei nur zu 50
%
zumutbar (
Ziff.
1.7).
3.3
Im Bericht über ein
Arbeitsassessment
am
Spital A._
,
Rheuma
kli
nik
und Institut
K._
,
vom 1
3.
Mai 2009 (
Urk.
6/63)
führte
n
die Ärzte aus, die Beschwerdeführerin habe bei den Tests im Wesentli
chen eine mässige Leistungsbereitschaft gezeigt. Es sei
en
eine deutliche
Selbst
limitierung
festgestellt
und dabei
7
Inkonsistenzpunkte
beobachtet wor
den. Infolge erheblicher Selbstlimitierung und Inkonsistenz seien die Resultate von ergo
no
mischen Tests für die Beurteilung der zumutbaren Belastbarkeit nur teilweise verwertbar. Es sei davon auszugehen, dass bei gutem
Effort
eine bessere Leistung erbracht werden könnte (S. 3 oben). In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit ergebe sich eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von aktuell 50
%. Län
gerfristig sei mit dem Erreichen einer vollen Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Arbeitstätigkeit zu rechnen (S. 3 Mitte). Für eine leichtere, wechselbelastende Tätigkeit ergebe sich eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von aktuell 75
%
. Die Beschwerdeführerin sei über diese Beurteilung informiert worden und damit ein
verstanden (S. 3 unten).
3.4
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte in seinem Bericht vom
6.
Januar 2010 (
Urk.
6/68/
1-5) als psychiatrische Diagnose eine
rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelschwere depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11)
,
sowie einen Verdacht auf
eine
somatoforme Schmerzstörung (
Ziff.
1.1). Die Depressionen der Beschwerdeführerin seien einerseits konstitutionell bedingt, andererseits verstärkt und
chronifiziert
durch das somatische Leiden. Die Prognose sei ungünstig (
Ziff.
1.4). Sie sei in jeder Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
1.6). Sie könne
hingegen
4 Stunden sitzenden Unterricht (Deutschkurs) absolvieren
(
Ziff.
1.7)
.
In einer Stellungnahme vom 2
6.
März 2010 (
Urk.
6/72) führte
Dr.
B._
aus, aus psychiatrischer Sicht sei die Beschwerdeführerin wegen der
Chronifiziertheit
der Depression und der unglücklichen Interaktion zwischen Depression und Schmerz zurzeit 50
%
erwerbsunfähig. Im Sinne einer Chance
,
ihre Situation besser in den Griff zu bekommen, habe er sie ab Januar 2010 nicht mehr arbeitsunfähig geschrieben und sie bemühe sich seither um Arbeit.
3.5
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
Regiona
ler Ärztlicher Dienst (RAD),
nannte im psychiatrischen Untersuchungs
bericht vom 1
4.
Juni 2010 (
Urk.
6/74) als psychiatrische Diagnose eine rezidi
vierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somati
schem Syndrom (ICD-10 F33.11)
,
sowie eine anhaltende somatoforme Schmerz
störung (ICD-10 F45.4).
Dazu führte sie aus, es
ergäben
sich keine zur fachärztlichen Einschätzung des behandelnden Psychiaters
differenten Beurtei
lungen
. Während der Exploration
sei
deutlich
geworden
, dass die Beschwerde
führerin sehr angstvoll bezüglich eines Reintegrationsversuches
gewesen sei
, was auf die depressive Selbstwertminderung und die im Rahmen der Depression stehenden Insuffizienzgefühle zurückgeführt, jedoch auch als Hinweis der
Selbst
limitierung
begriffen werden könne. Unter dem Aspekt der
Symptomaus
weitung
würden
sich sowohl die dissoziativen Zustände als auch die anhaltende Beschäftigung mit dem Schmerzerleben subsumieren
lassen
. Gesamthaft könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin aktuell in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Pflegehelferin
als
zu 50
%
arbeitsfähig zu betrachten sei, für
leidens
angepasste Tätigkeiten gelte eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
mit Steigerungsmöglichkeit (S. 4 f.).
4.
4.1
Im Rahmen der
vorliegenden Rentenrevision
holte die Beschwerdegegnerin die folgenden medizinischen Berichte ein:
4.2
Dr.
Z._
(vorstehend E. 3.2) nannte im Bericht vom 2
1.
August 2013 (
Urk.
6/115/1-6) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chro
nisches
zervikobrachiales
Schmerzsyndrom rechts, ein chronisches
lumbo
vertebrales
Schmerzsyndrom, muskuläre Haltungsinsuffizienz (Oktober 2010) mit
pseudoradikulärer
Komponente (im MRI deutliche
Segmentdegenera
tion
C6/7 mit bilateral betonten
Diskushernien
, rechts
medial
Anteil des
F
oramen
massiv eingeengt
)
,
sowie eine rezidivierende depressive Störung mit
somato
former
Schmerzstörung (
Ziff.
1.1).
Die Beschwerdeführerin habe immer noch Nacken
-
und Armschmerzen sowie intermittierende Kopfschmerzen (
Ziff.
3.4). Der Gesundheitszustand seit stationär (
Ziff.
4.1), die Arbeitsfähigkeit könne durch medizinische
Massnahmen
nicht mehr verbessert werden (
Ziff.
4.2). Der Beschwerdeführerin gehe es psychisch nicht gut, sie habe per
sistierende Schmerzen und müsse täglich Schmerzmittel einnehmen (
Ziff.
5.1). In der bis
herigen Tätigkeit sei sie nicht mehr arbeitsfähig, in einer
leidensange
passten
Tätigkeit bestehe zirka eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
5.2).
4.3
Dr.
B._
(vorstehend E. 3.4) nannte in seinem Bericht vom
9.
Dezember 2013 (
Urk.
6/117/1-3 =
Urk.
3/2) als neue psychiatrische Diagnose eine
Chronifi
zierung
der mittelschweren Depression. Es sei trotz adäquater Pharmakotherapie und Psychotherapie keine Remission erreichbar. Im Verlauf habe sich gezeigt, dass die Beschwerdeführerin in der Bewältigung des Alltages als Hausfrau min
destens um 50
%
eingeschränkt sei
. Sie benötige für alles doppelt so viel Zeit wie eine
gesunde Person. Sie habe sich auf
viele Halbtagsstellen beworben, aber angesichts der
S
chwere der gesundheitlichen Beeinträchtigungen findet sie keine Beschäftigung auf dem freien Arbeitsmarkt (
Ziff.
1.1). Die Beschwerde
führerin sei weiterhin depressiv verstimmt und habe rezidivierende suizidale Krisen. Die schlechte Prognose der fortgeschrittenen
Glaukomerkrankung
ver
stärke die Depressivität und der schwache
Visus
verschlechtere die berufliche Leistungsfähigkeit zusätzlich.
Aus psychiatrischer Sicht
sei in Anbetracht der
Chronifiziertheit
des Krankheitsbildes kaum mit einer Besserung zu rechnen (
Ziff.
1.4). Es erfolge alle 2 Wochen eine einstündige Psychotherapie (
Ziff.
1.5). In der bisherigen Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin weiterhin zu 100
%
, in einer
leidens
angepassten leichten Tätigkeit sei sie 50
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
1.6). Es werde eine 3⁄4-Berentung vorgeschlagen (
Ziff.
1.11).
4.4
Dr.
B._
hielt in seinem Bericht vom 1
2.
September 2014 (
Urk.
6/137) aber
mals fest, dass er die
Beschwerdeführerin regelmässig
in zirka 2
wöchentlichen Abständen sehe. Bei der ersten Konsultation habe eine mittelschwere bis schwere depressive Episode mit somatischem Syndrom bei rezidivierender depressiver Störung vorgelegen. Es sei nicht gelungen, sie trotz bester Compli
ance zu einer Remission zu führen. Im Beobachtungszeitraum habe
die Beschwerdeführerin
ununterbrochen verschiedene Antidepressiva einnehmen müssen (S. 1).
Sie
sei wegen der verminderten psychischen Stabilität und dadurch Belastbarkeit sowie durch ihre Vergesslichkeit und die Konzentrations
störungen nicht fähig
,
mehr als höchstens 30
%
in
leidens
angepasster Tätigkeit zu arbeiten. Es werde eine erneute Begutachtung durch einen kompetenten Fachkollegen und die 3⁄4-Berentung vorgeschlagen (S.
2).
4.5
Dr.
Z._
führte im Bericht vom 1
6.
September 2014 (
Urk.
6/138/1-2 =
Urk.
6/139/5-6) aus, dass sich die Situation der Halswirbelsäule und der
Dis
kushernie
verschlechtert habe. Die Diskushernie C7 rechts und die degenerati
ven Abnützungen hätten zugenommen, die Beschwerdeführerin habe vermehrte Schmerzen. Sie
-
Dr.
Z._
-
sei der Meinung, dass die Beschwerdeführerin auf
grund der Änderung der Situation nochmals fachärztlich beurteilt werden sollte.
4.6
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für
Oto
-
Rhino
-Laryngologie
(ORL)
,
nannte
im Bericht vom 1
2.
November 2014 (
Urk.
6/140
/6-9
)
als Diagnose eine mittelgradige, kombinierte symmetrische Schwerhörigkeit unklarer Ursache (
Ziff.
1.1). Aus ORL-Sicht bestehe keine Arbeitsunfähigkeit (
Ziff.
1.6 und 1.11).
4.7
Dr.
med.
E._
,
Augenzentrum F._
, nannte im Bericht vom
3.
Dezember 2014 (
Urk.
6/142) als
Diagnose ein
Pigmentdis
persionsglaukom
mit Gesichtsfeldschäden (
Ziff.
1.4).
Ophtalmologischerseits
würden
leichtgradige
Gesichtsfelddefekte bestehen. Diese sollten sich
auf die Tätigkeit
als Krankenpflegerin nicht signifikant auswirken. Die bisherige Tätig
keit sei aus
ophtalmologischer
Sicht zumutbar. Die Leistungsfähigkeit sei mög
licherweise
leichtgradig
reduziert im Sinne einer leichten Verlangsamung bei komplexen visuellen Anforderungen (Multitasking in einem dynamischen visu
ellen Umfeld) und in kontrastarmen, wenig beleuchteten Umfeld. Aus
ophtal
mologischer
Sicht sei ein leicht erhöhter Zeitbedarf für die Verrichtung der angeordneten Aufgaben einzuräumen. (
Ziff.
1.7).
4.8
Im
polydisziplinären
Y._
-
Gutachten vom
20
.
April
201
5
(Urk.
6
/
150
/1-29
)
stellten
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie,
Dr.
med.
H._
, Facharzt für
Chirurgie und für
Orthopädi
sche Chirurgie und Traumotologie des Bewegungsapparates,
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, sowie
Dr.
med.
J._
, Fachärztin für Neurologie, folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 21):
r
ezidivierende depressive Störung, mittelgradige depressive Episode (
ICD-10
F33.1), ohne suffiziente psychopharmakologische Therapie
c
hronisches
z
ervi
k
obrachiales
Schmerzsyndrom rechts bei D
i
skushern
i
e C6/7 bilateral mit
Foramenstenose
und Kompression der Nervenwurzel C7 rechts, klinisch Verdacht auf intermittierende
radikuläre
Reiz-Symp
tomatik Wurzel C7 rechts
c
hronische
Lumboischialgien
rechtsbetont
In psychiatrischer Hinsicht hielten die Gutachter fest, d
ie erhobenen psycho
pa
t
ho
logischen Befunde
würden
das Vorliegen einer depressiven Episode von mittelgradigem Ausprägungsgrad
bestätigen
. Ferner erhärte
sich vor dem Hinter
grund der psychobiographischen Belastungsf
aktoren und innerseelischer Konfl
ikte bei gleichzeitig nicht vollumfänglich durch somatische Befunde erklär
barem Schmerz auch der Eindruck einer anhaltenden
somatoformen
Schmerz
störung. Die von der
Beschwerdeführerin
auf gezieltes Befragen beschriebenen
mnestischen
Episoden
seien
nach den erhobenen Befunden nicht eindeutig als Ausdruck einer dissoziativen Störung zu interpretieren, sie
würden
in depressiv bedingten gelegentlich
en
mnestische
n
Einbussen aufgehen, ohne dass sich ein Anhaltspunkt für eine primär hirnorganisch bedingte
mnestische
Störung ergebe
(S. 18)
.
Die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin sei
durch die depressive Erkran
kung und die damit verknüpften Beeinträchtigungen von Affektregulation, Psychomotorik, Antrieb und Durchhaltevermögen beeinträchtigt, aber nicht aufgehoben. Aus der begleitenden anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung bzw. chronischen Schmerzstörungen mit somatischen und psychischen Faktoren
resultiere
darüber hinausgehend keine Relevanz für die Arbeitsfähigkeit und auch aus der möglichen dissoziativen Störung
ergebe
sich kein zusätzlicher Befund, welcher die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin
weiter einschrän
ken
könne
. Die sogenannten Foerster-Kriterien
seien
nicht hinlänglich
erfüllt
. Es
bestehe
keine so gravierende Komorbidität auf somatischem oder psychiatri
schem Fachgebiet, dass die
Beschwerdeführerin
unfähig wäre,
Wil
lenskräfte
zu mobilisieren, um schmerzassoziierte Hemmungen gegenüber einer Arbeits
leistung zu überwinden. Ferner
liege bei der Versicherten kein
ausge
wiesener sozialer Rückzug aus allen Lebensbereichen vor und darüber hinaus
könne
man sich auch nicht von Therapieresistenz oder einem schwerwiegenden primären Krankheitsgewinn ohne therapeutischen Zugang überzeugen. Überdies
seien
Zweifel an der
Therapiecompliance
angebracht
(S. 18
Mitte)
.
Vor diesem Hintergrund sei aus rein psychiatrischer Optik die Arbeitsfähigkeit der Beschwer
deführerin mit 50
%
einzuschätzen, ohne dass sich eine darüber hin
aus
gehende weitere Minderung der Leistungsfähigkeit ergebe
(S. 18
unten
).
Aus orthopädisch-
traumatologischer
Sicht
sei
ebenso wie aus neurologischer Sicht auf die
Cervicobrachialgie
rechts bei Bandscheibenschaden C6/7 rechts bei
foraminaler
Einengung und einer Nervenwurzelkompression C7 rechts hinge
wiesen
worden
. Ferner
weise
der Orthopäde auch auf
c
hronische
Lumbo
ischialgien
rechtsbetont hin. Insbesondere in Folge
einer
Kraftminderung und
Bewe
gungseinschränkung
ergebe
sich eine deutliche Minderbelastbarkeit des rechten Armes, die zu einer Verminderung der Arbeitsfähigkeit auch somatisch
führe
. Dabei
sei
die vom Orthopäden (und auch der Neurologin) eingeschätzte vermin
derte Leistungsfähigkeit von
zirka
30
%
in der psychiatrisch angenommenen halbtägigen Arbeitsfähigkeit integrativ berücksichtigt
(S. 23).
Aus internistischer Sicht hielten die Gutachter fest, es könne keine Diagnose mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit gestellt werden (S. 23 Mitte).
Die arterielle Hypertonie
sei
eingestellt, die Vitamin D
3
-lnsuffizienz
werde
behandelt. Die Hypothyreose
sei
substituiert. Auch das Raynaud-Syndrom, die ORL-Problema
tik und das Glaukom beidseits beeinträchtig
t
e
n
den Grad der Arbeitsfähigkeit nicht,
seien
aber beim Belastungsprofil zu beachten
(S. 19 unten)
.
Die Gutachter gelangten zusammenfassend
zur Einschätzung,
dass eine Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes bestehe. Somatisch sei zumindest ab September 2014 von einer Verschlechterung auszugehen. Psychiatrisch werde
der anlässlich der RAD-Untersuchung festgehaltene Gesundheitsschaden
2009/2010 bei im Wesentlichen gleichem Gesundheitszustand anders beurteilt (S. 26 unten). D
ie Beschwerdeführerin
sei
seit September 2007 nicht mehr in der Lage, die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Pflegekraft in einem Altersheim auszu
üben. Tätigkeiten im nachfolgend beschriebenen
Belastungs
/Ressourcenprofil
seien
der
Beschwerdeführerin
aber noch in einem Umfang von 4.25 Stunden täglich
zumutbar
,
dies
ohne weitere Minderung der Leistungsfähigkeit (bei ledi
glich halbtägiger Arbeit bestehe
auch orthopädisch und neurologisch keine zusätzli
che Minderung der Leistungsfähigkeit), so dass sich für adaptierte Arbeits
berei
che eine Arbeitsfähigkeit in der Grössenordnung von 50
%
ergebe (S. 23 Mitte)
.
Dabei seien der Beschwerdeführerin
leichte Tätigkeit
en
im Wechsel von Sitzen, Gehen und Stehen zumutbar. Geeignet
seien
leichte und wechsel
belastende Tätigkeiten unter Schonung der rechten Hand.
Ü
berkopfarbeiten
seien
nicht geeignet. Die zumutbare Gehstrecke
sei
aufgrund der erhobenen Be
funde nicht eingeschränkt. Wegstrecken über 500 Meter
seien
zumutbar. Arbeiten in ungünstiger
Haltung mit, wie schon erwähnt,
Überkopfarbeiten sowie
Armvor
haltetätigkeiten
und Arbeiten in Vorneige
seien
nicht geeignet und nicht zumutbar. Das Tragen und Heben von Gewichten
über
5 kg, vor allem rechts,
könne
nicht zugemutet werden.
Die Beschwerdeführerin sei
in der Lage, Tätig
keiten einfacher bis durchschnittlicher geistiger Art mit einfachen bis durch
schnittlichen Verantwortungen, welche ihrem Kenntnisstand entspr
ä
chen
,
zu verrichten. Sie
solle dabei nicht unter besonderem Zeitdruck,
im
Akkord und unter Nachtarbeitsbedingungen tätig sein
(S. 23 f.)
.
Schliesslich hielten die Gutachter fest, die Beschwerdeführerin habe mehrfach angegeben, dass sie ihre Medikamente regelmässig und zuverlässig angebe. Die erhobenen Medikamentenspiegel würden allerdings deren Nichteinnahme nach
weisen. Lediglich das Analgetikum Paracetamol sei in niedriger, therapeu
tisch irre
levanter Dosierung festgestellt worden. Es müsse mithin von bewussten
Fals
ch
angaben
ausgegangen werden (S.
28 unten).
5.
5.1
Strittig und zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführe
rin im relevanten Zeitraum (vgl. E. 2.3) in einer für den Anspruch relevanten Weise verändert hat.
5.2
Unbestritten und aufgrund der medizinischen Akten ausgewiesen ist, dass sich der somatische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der Verfügung vom
5.
April 2011 aufgrund einer zunehmenden Kompression der rechten C7
Wurzel verschlechtert hat.
In psychiatrischer Hinsicht hielten die Gutachter fest, dass sie den psychischen Gesundheitsschaden bei im Wesentlichen gleich gebliebenen Gesundheitszustand anders beurteilen würden (vorstehend E. 4.8). Die Beschwerdegegnerin
ging schliesslich davon aus, dass in psychiatrischer Hinsicht kein IV-relevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen sei. Es
stellt sich im Folgenden daher die Frage,
ob der vorliegende
psychische Gesundheitszu
stand eine Invalidität
im Sinne des Gesetzes
zu begründen vermag
(vorstehend E. 1.1-2)
.
Den
im Rahmen des Verwaltungsverfahrens durch die Sozialversicherung
recht
mässig
eingeholten Gutachten ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht kon
krete Indizien gegen deren Zuverlässigkeit sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/
bb
).
Für die Beurteilung in medizinischer Hinsicht ist vorliegend auf das
Y._
-Gut
achten (vorstehend E. 4.8) abzustellen. Das Gutachten berücksichtigt die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden in angemessener Weise, wurde in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den Vorakten erstattet und trägt der konkreten medizinischen Situation Rechnung. Die Beurteilung le
u
chtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ein und die vorgenommenen Schlussfolgerungen werden ausführlich begründet (vgl. vorstehend E. 1.6).
Die Gutachter kamen zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin in der angestamm
ten Tätigkeit als Pflegekraft nicht mehr arbeitsfähig sei. In einer
leidensange
passten
Tätigkeit bestehe
aus rein somatischer Sicht
eine Arbeitsfähigkeit von
70
%
. Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe schliesslich noch eine Arbeitsfä
higkeit von 50
%
(vgl. vorstehend E. 4.8).
Soweit die Beschwerdeführerin bemängelt, dass
die fortgeschrittene
Glaukomer
krankung
sowie die sch
w
ere Störung der Schilddrüse nicht berücksichtigt wor
den seien
, verkennt sie, dass
d
ie Gutachter dazu ausdrücklich fest
hielten
, dass
die Schilddrüsenerkrankung substituiert sei und die
Glaukokmerkrankung
den Grad der Arbeitsfähigkeit
nicht
beeinträchtige, sondern lediglich beim
Belas
tungsprofil
zu berücksichtigen sei (vgl.
vorstehend E. 4.8
). Im Übrigen
ging
auch die behandelnde Ärztin von keiner signifikanten Auswirkung der
Glaukomerkrankung
auf die Arbeitsfähigkeit aus (vorstehend E. 4.7).
5.3
Bei der Würdigung eines Gutachtens gilt es
schliesslich
zu
berücksichtigen
,
dass der Arztperson bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit keine
abschliessende
Beurteilungs
kompetenz
zukommt. Der Umstand, dass das Gutachten bezüglich der Darle
gung der medizinischen Situation voll beweiskräftig ist, bedeutet nicht, dass auch die dortige Einschätzung der Restarbeitsfähigkeit für die Belange der Invalidenversicherung ohne weiteres
massgeblich
ist. Die Beurteilung, ob ein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliegt, ist eine Rechtsfrage und obliegt damit nicht den Ärztinnen und Ärzten, sondern den rechtsanwendenden Behör
den. Es ist folglich mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung vereinbar, einem Gutachten vollen Beweiswert zuzuerkennen, jedoch von der medizini
schen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung
sozialversi
cherungsrechtlicher
Aspekte abzuweichen (BGE 140 V 193 E. 3.1 f., 132 V 393 E. 3.1 f., 130 V 352 E. 3; Urteil des Bundesgerichts 9C_636/2007 vom 28. Juli 2008 E. 3.3.1).
5.
4
Die Gutachter stützten ihre Einschätzung der 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer
leidensangepassten
Tätigkeit auf die in der laufenden Psychotherapie gewonne
nen Erkenntnisse einer engen Verknüpfung des zunehmend
chronifizierenden
Schmerzsyndroms bei zervikaler Diskusgeneration und der depressiven Störung (
Urk.
6/150 S. 25).
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, dass die Beschwerdegegnerin
behaupte
,
dass
die chronische Depression überwunden werden könne
,
ist darauf hinzuweisen,
dass eine objektive Betrachtung des Forderbaren vorzunehmen ist (vgl. vorstehend E. 1.2) und mittelschwere psychische Störungen aus dem depressiven Formenkreis grundsätzlich als therapeutisch
angehbar
gelten (vor
stehend E. 1.3).
Ein Rentenanspruch kann zudem grundsätzlich nicht entstehen, solange zumutbare therapeutische und andere schadenmindernde Vorkehren nicht ausgeschöpft werden. Solange durch eine tatsächlich realisierbare Verän
derung der für die gesundheitliche Situation bedeutsamen Rahmenbedingungen eine wesentliche Verbesserung des (psychischen) Gesundheitszustandes und damit der dadurch eingeschränkten Arbeitsfähigkeit bewirkt werden kann, liegt kein invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne des Gesetzes vor (Urteil
9C_947/2012 vom 19. Juni 2013 E. 3.2.2 mit Hinweis). Dies folgt aus dem Grundsatz der Selbsteingliederungs- und Schadenminderungspflicht.
In dem im Rahmen der Begutachtung erhobenen Medikamentenspiegel
liessen
sich bis auf das Analgetikum Paracetamol in niedriger therapeutisch irrelevan
ter Dosierung keine anderen Medikamente nachweisen, obwohl deren
regel
mässige
und zuverlässige Einnahme von der Beschwerdeführerin mehrfach angegeben wurde. Die Gutachter sprachen
diesbezüglich
von einem massiven Zweifel an der
Therapiecompliance
(vgl. E. 4.8).
G
egen eine konsequente Depressionsbehandlung
spricht
ausserdem
, dass die Beschwerdeführerin nur einmal monatlich einen Termin beim Psychiater wahrnimmt (vgl.
Urk.
6/150 S.
31).
Folglich ist der mittelschweren depressiven Störung vorliegend die inva
li
disierende Wirkung abzusprechen, das es
an einer konsequenten
Depressions
therapie
fehlt
, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweisen
würde (vgl. vor
stehend E. 1.3).
5.
5
Der
Beschwerdeführerin
ist
es
bei objektiver Betrachtung
zumutbar, ihre Arbeits
fä
higkeit
in einer leidensangepassten Tätigkeit
, unterstützt
durch
eine
entsprechende konsequente
Depressionst
herapie,
ab September 2014
unter Berück
sichtigung der somatischen Beschwerden
in einem
Pensum
von 70
%
zu verwerten (vgl. zum Ganzen BGE 140 V 193).
Bei dieser Schlussfolgerung bleibt
es
a
ngesichts der obigen
Feststellungen
auch unter dem Gesichtspunkt der unlängst ergangenen Änderung der Rechtsprechung (vgl.
Entscheid des Bundes
gerichts 9C_492/2014 vom 3. Juni 2015
).
6.
6.1
Angesichts der
ausgewiesenen und
revisionsrelevanten Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit ab September 2014 ist
der durch die Beschwerdegegnerin zur Ermittlung der erwerblichen Auswirkungen vorgenommene
Einkommensver
gleich
zu beurteilen.
6.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Ver
bindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen
Erwerbsein
kommen
ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkom
mensvergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
Für die Vornahme des Einkommensvergleichs ist auf die Gegebenheiten im Zeit
punkt
der für den Anspruch relevanten Verän
derung des Gesundheitszustandes
, mithin auf das Jahr 2014,
abzustellen (
vgl.
BGE 129 V 222 E. 4.3.1).
6.3
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validenein
kommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkom
mensentwicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrschein
lichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweisen).
Bei der Bestimmung des
Valideneinkommens
ging die Be
schwerdegegnerin
in der Verfügung vom
5.
April 2011
(vgl.
Urk.
6/99 S. 2)
sowie im Vorbescheid vom 1
5.
Juli 2014 (
Urk.
6/134) vom
zuletzt erzielten und
der Teuerung ange
passten Verdienst
als Pflegehelferin aus.
In
der angefochtenen Verfügung
stützte sich die Beschwerdegegnerin
hingegen
zur Ermittlung des
Validenein
kommen
s
neu auf die Tabellenlöhne ab
und nahm
dabei ein
Valideneinkommen
von
Fr.
58‘074.80 an (
Urk.
2 S. 3 Mi
tte)
.
Eine nachvollziehbare Begründung für
dieses
Vorgehen lässt sich der ange
fochte
nen Verfügung nicht entnehmen. Einzig aus einer
Einkommensge
gen
überstellung
in den Akten geht hervor,
dass die Beschwerdegegnerin die
Tabellen
löhne
heranzog
, da die Beschwerdeführerin seit einigen Jahren der Tätigkeit als Pflegeassistentin nicht mehr nachgehe (vgl.
Urk.
6/151 S. 1). Dieser Ansicht ist nicht zu folgen, entspricht es doch
empirischer Erfahrung, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre.
Es lassen sich sodann in den Akten keine Hinweise finden, wonach vorliegend aus
nah
msweise davon abzuweichen wäre.
Ausgehend vom Lohn 2007 gemäss Arbeitgeberfragebogen vom 1
2.
September 2008
(
Urk.
6/40)
und
unter
Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung der Frauen
(
Schweizerische
r Lohnindex insgesamt [1939=100], Frauen, Stand 2007: 2‘454, Stand 2014: 2‘673;
www.bfs.admin.ch
, Arbeit und Erwerb, Löhne/
Erwerbs
einkommen
, detaillierte Daten, Lohnentwicklung)
ergibt sich ein massgebendes hypothetische
s
Valideneinkommen
von
rund
Fr.
62
‘
30
6.--
(
Fr.
59‘322.-- x 2‘6
73
:
2‘545) für das Jahr 201
4
.
6.4
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-er
werblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebun
gen
(LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E.
4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom sogenannten Zentralwert (Median) aus
zugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40
Wochenstunden zugrunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende betriebsübliche Wochenarbeitszeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 E. 3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
6.5
Bei der Festlegung des Invalideneinkommens
stellte die Beschwerdegegnerin
auf Tabellenlöhne
gemäss
LSE
ab.
Dies ist nicht zu beanstanden.
Ausgehend von der seit September 2014 ausgewiesenen relevanten Verschlechterung des soma
tischen Gesundheitszustandes hätte die Beschwerdegegnerin das
Invalidenein
kommen
jedoch
korrekterweise ausgehend von der LSE 2010 und nicht von der LSE 2012 bestimmen sollen, da diese Zahlen erst
später
veröffentlicht wurden
(vgl. IV-Rundschreiben Nr. 328 vom 2
2.
Oktober 2014 des Bundesamtes für Sozialversicherungen, BSV).
Das im Jahr 20
10
von Frauen im Durchschnitt aller einfach
en
und repetitiven Tätigkeiten erzielte Einkommen betrug pro Monat
Fr.
4‘225.-- (LSE 2010, S. 26, TA1, Niveau 4).
Unter Berücksichtigung d
er durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden
(Normalarbeitszeit;
www.bfs.admin.ch
, Arbeit und Erwerb, Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit, detaillierte Daten, betriebsübliche Wochenarbeitszeit)
,
der
Nominallohnentwicklung der Frauen
(
Schweizerische
r Lohnindex insgesamt [1939=100], Frauen, Stand 2010: 2‘579, Stand 2014: 2‘673;
www.bfs.admin.ch
, Arbeit und Erwerb, Löhne/Erwerbseinkommen, detaillierte Daten, Lohnentwicklung)
und des der Beschwerdeführerin zumut
baren Arbeitspensums von 70
%
(vorstehend E. 5.4)
ergibt sich ein massgeben
des hypothetisches Invalideneinkommen von
rund
Fr.
38
‘
347
.
--
(Fr. 4‘225 x 12 : 40 x 41.7 x 2‘673 : 2‘579
x 0.7
)
für das
Jahr 2014
.
6.6
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kür
zen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten
nurmehr
beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest
)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75).
6.7
Die Beschwerdegegnerin gewährte einen leidensbedingten Abzug von 10
%
(
Urk.
2 S. 3), wogegen sie im Vorbescheid vom 1
5.
Juli 2014 (
Urk.
6/134)
sowie auch in der
Verfügung vom
5.
April 2011 (vgl.
Urk.
6/99 S. 2)
noch von einem
Abzug von 20
%
ausgegangen war.
Gründe, welche eine solche Reduktion rechtfertigen würden, sind vorliegend keine ersichtlich und w
u
rden in der angefochtenen Verfügung auch nicht dargetan.
Ausweislich der Akten hat sich m
it der
Verschlechterung des
somatischen
Gesundheitszustandes
auch
das Belastungsprofil
entsprechend
verändert. Angesichts des Umstandes, dass die Beschwerdeführerin
seit der Verfügung vom
5.
April 2011
nur noch leichte wechselbelastende Tätigkeiten unter Schonung der rechten Hand
ausführen
und das Tragen und Heben von Gewichten von mehr als 5 kg
(bisher von mehr als 10 kg; vgl.
Urk.
6/91 S. 2)
nicht mehr zugemutet werden kann
sowie bezüglich de
r
Gl
aukomerkrankung
, der Schwerhörigkeit und des Raynaud-Phänomens weitere Einschränkungen bestehen
, erscheint
ein
Abzug von 20
%
, so wie er bis anhin gewährt wurde,
als angemessen. Das Invalideneinkommen beträgt damit
rund
Fr.
30‘677.-- (= 0
.
80 x Fr. 38‘347.--).
6.8
Die Gegenüberstellung von Validen- und Invalideneinkommen ergibt eine
Ein
kommenseinbusse
von
Fr.
31‘629.-- und damit einen Invaliditätsgrad von gerundet 51
%
.
Schliesslich
ist darauf hinzuweisen, dass
bei der Ermittlung des Invalideneinkommens
selbst
bei der Anwendung der LSE 2012
-
bei
entspre
chendem
leidensbedingten Abzug
-
kein anderes
Ergebnis
resultiert.
Bei diesem Ergebnis steht der Beschwerdeführerin
eine halbe Rente der Invalidenversiche
rung zu.
Dementsprechend ist die angefochtene Verfügung in teilweiser
Gutheissung
der Beschwerde aufzuheben mit der Feststellung, dass die Beschwerdeführerin
unter Berücksichtigung von
Art.
88a
Abs.
2 IVV
(vgl. vorstehend E. 1.6)
ab
Dezember
201
4
Anspruch auf eine halbe
Invalidenr
ente hat.
7
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzu
erlegen.