Decision ID: 374b4398-4715-4af1-9111-c27d928f6522
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die
1984
geborene
X._
war zuletzt
im Rahmen einer Beschäf
ti
gungsmassnahme
(
Y._
)
des Sozialamtes
Z._
als Kellnerin tätig
(Urk.
11/17 S. 2)
. Am
25. Juli 2018
meldete sie sich unter Hinweis auf
Konzen
t
rations
schwierigkeiten, Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit, Vergesslichkeit, Licht
emp
find
lich
keit, andere Menschen kaum aushaltbar, Hass auf andere
,
Gefühl keine Luft zu bekom
men, Schweissausbrüche, Migräne und
Übelkeit bei Stress
bei der Inva
lidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
11/14
). Die Sozial
versicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Ab
klärungen, liess die Versicherte insbesondere
bidisziplinär
(psy
chia
trisch und neuropsychologisch)
von
Dr. med.
A._
, Fachärztin für Psy
chiatrie und Psy
cho
therapie FMH, sowie
Dr. sc. hum. Dipl.-Psych.
B._
,
Zertifi
zierte Neuropsy
chologische Gutachterin SIM
,
begutachten (Expertise
n
vom
17. Juni und
2. August 2019
; Urk.
11/47
). Nach durchgefüh
rtem
Vorbescheidver
fahren
(Urk.
11/50 f.
und Urk. 11/57
) wies sie das
Leistungsbegehren
mit Ver
fü
gung vom
10. Oktober 2019
(Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am
11. November 2019
Beschwerde (Urk. 1) und beantragte
, die Verfügung vom 10. Oktober 2019 sei aufzuheben und die Be
schwerdegegnerin zu verpflichten, ihr eine ganze IV-Rente auszurichten, even
tu
ell sei die Verfügung vom 10. Oktober 2019 aufzuheben und die Sache
sei
zur weiteren Abklärung (insbesondere Vervollständigung der
Vorakten
und Einho
lung eines externen psychiatrischen Gutachtens) und neuen Verfügung über ihren Rentenanspruch an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; alles unter Kosten
-
und Entschädigungsfolge (zuzüglich Mehrwertsteuer) zulasten der Beschwerde
gegnerin.
In
formeller
Hinsicht beantragte die Versicherte, es sei ihr die unent
geltliche Prozessführung zu gewähren und Rechtsanwältin Dr. Kathrin
Hässig
, Rüti ZH,
als ihre unentgeltliche Rechtsvertreterin zu bestellen (S. 2).
Die IV-Stelle schloss am 5. Dezember 2019 (Urk. 10) auf Abweisung der Be
schwerde, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 9. Dezember 2019 (Urk. 12) zur Kenntnis gebracht wurde.
Mit Schreiben vom 18. Dezember 2019 (Urk. 13) legte die Beschwerdeführerin einen neuen Kurzbericht ihrer behan
deln
den Psychotherapeutin auf (Urk. 14), welcher der Beschwerdegegnerin mit Mit
teilung vom 20. Dezember 2019 (Urk. 15) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
1.3.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
li
di
tät. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fä
higkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach
einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3.
2
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Be
weisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und all
fälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1). Insbesondere in Fällen, in welchen nach der Aktenlage überwiegend wahrscheinlich von einer bloss leichtgradigen depressi
ven Störung auszugehen ist, die nicht schon als
chronifiziert
gelten kann und auch nicht mit Komorbiditäten einhergeht, bedarf es in aller Regel keines struk
tu
rierten Beweisverfahrens (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. Urteil des Bundesge
richts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1).
1.3.
3
Rechtsprechungsgemäss liegt regelmässig kein versicherter Gesundheitsschaden vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation beruht. Dies trifft namentlich zu, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen oder Einschränkungen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken oder wenn schwere Einschrän
kun
g
en im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichendes Verhalten hin (BGE 141 V 281 E. 2.2.1, BGE 131 V 49 E. 1.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_899/2014 vom 29. Juni 2015 E. 4.1).
Eine auf Aggravation oder vergleichbaren Konstellationen beruhende Leistungs
einschränkung vermag einen versicherten Gesundheitsschaden nicht leichthin auszuschliessen, sondern nur, wenn im Einzelfall Klarheit darüber besteht, dass nach plausibler ärztlicher Beurteilung die Anhaltspunkte für eine klar als solche ausgewiesene Aggravation eindeutig überwiegen und die Grenzen eines bloss verdeutlichenden Verhaltens zweifellos überschritten sind, ohne dass das
aggra
vatorische
Verhalten auf eine verselbständigte, krankheitswertige psychische Stö
rung zurückzuführen wäre (vgl. BGE 143 V 418 E. 8.2; vgl. Urteile des Bundes
gerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 6.1 und 9C_899/2014 vom 29. Juni 2015 E. 4.2).
Steht fest, dass eine anspruchsausschliessende Aggravation oder ähnliche Kon
s
tel
lation im Sinne der Rechtsprechung gegeben ist, erübrigt sich die Durch
füh
rung eines strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 (vgl. BGE 141
V
281 E. 2.2.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_899/2014 vom 2
9.
Juni 2015 E. 4.4).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.5
Nach der Rechtsprechung gelten für medizinische Sachverständige grundsätzlich die gleichen Ausstands- und Ableh
nungsgründe, wie sie für Richter vorgesehen sind. Danach ist Befangenheit anzu
nehmen, wenn Umstände vorliegen, die geeignet sind, Misstrauen in die Unpar
teilichkeit zu erwecken. Bei der Befangen
heit handelt es sich allerdings um einen inneren Zustand, der nur schwer bewie
sen werden kann. Es braucht daher für die Ablehnung nicht nachgewiesen zu werden, dass die sachverständige Person tatsächlich befangen ist. Es genügt viel
mehr, wenn Umstände vorliegen, die den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit zu be
gründen vermögen. Bei der Beurteilung des Anscheins der Befangenheit und der Gewichtung solcher Umstände kann jedoch nicht auf das subjektive Empfinden einer Partei abgestellt werden. Das Misstrauen muss vielmehr in objektiver Weise als begründet erscheinen. Im Hin
blick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztgutachten im Sozialversiche
rungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters ein strenger Mass
stab anzusetzen (BGE 132 V 93 E. 7.1; SVR 2013 IV Nr. 35 S.
105, Urteil des Bundesgerichts 9C_689/2012 E. 2.2; vgl. auch BGE 137 V 210 E. 2.1.3
).
So kann das Expertenverhalten während der Exploration objektiv den Anschein von Befangenheit erwecken. Zu denken ist etwa an Äusserungen, welche die Glaub
haftigkeit der Angaben des Exploranden oder der Explorandin zum Ge
sundheitszustand und zur Selbsteinschätzung der Arbeitsfähigkeit von vorn
he
rein mehr oder weniger offen verneinen, an abschätzige Bemerkungen persön
li
cher Natur oder unter Umständen an die Art und Weise, wie die Untersuchung durchgeführt wird. Die Objektivität der Beurteilung steht auch in Frage, wenn die
begutachtende Person von weitgehend sachfremden Kriterien auf Aspekte des Gesundheitszustandes schliesst, welche für die zumutbare Arbeitsfähigkeit von Bedeutung sind. Schliesslich kann die Abfassung einer medizinischen Expertise in beleidigendem Ton oder sonst auf unsachliche Art und Weise objektiv Zweifel an der Unvoreingenommenheit der sachverständigen Person wecken (Urteil des Bundesgerichts 8C_665/2015 vom 21. Januar 2016 E.
4.1
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung vom 10. Okto
ber 2019 (Urk. 2) zur Hauptsache, sowohl die geschilderten Beschwerden als auch das Ausmass der geschilderten Einschränkungen hätten durch klinische Befunde nicht
bestätigt werden können (S. 1). Im Gutachten
habe
eine nachvollziehbare Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nicht bestätigt werden können. Vielmehr
sei
während der Untersuchung ein
aggravierendes
Verhalten festgestellt worden (S. 2).
2.2
Dagegen wendet die Beschwer
deführerin im Wesentlichen
ein, das von
Dr.
A._
erstellte psychiatrische Gutachten sei widersprüchlich, unvollständig, berück
sich
tige die
Vorakten
nicht und sei insgesamt weder ausgewogen noch objektiv nach
vollziehbar begründet, weshalb ihm keinerlei Beweiswert zukomme und ent
gegen der angefochtenen Verfügung nicht darauf abgestellt werden dürfe. Sie sei ent
gegen dem psychiatrischen Gutachten mit Sicherheit nicht 100
% arbeitsfähig,
sondern im Gegenteil aus gesundheitlichen Gründen 100 % arbeitsunfähig (S. 12).
Auch dem neuropsychologischen Gutachten, welches zu Unrecht
als
nicht beur
teil
bar erachtet habe, ob eine neuropsychologische Diagnose vorliege oder nicht, komme keinerlei Beweiswert zu (S. 13).
3.
3.1
In
i
hrem Bericht zuhanden der Beschwerdegegnerin vom 25. Oktober 2018 (Urk. 11/29) diagnostizierte die behandelnde Ä
rztin der
Klinik C._
, Dr. med.
D._
, Oberärztin,
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezi
divierende depressive Störung, gegenwärtig
schwergradige
depressive Episode (ICD-10 F33.2) sowie eine andauernde Persönlichkeitsveränderung nach
Extrem
belastung (ICD-10 F62), d
ifferenzialdiagnostisch posttraumatische Belastungs
stö
rung (ICD-10 F43.1; S. 4).
Sie hielt fest, die Beschwerdeführerin könne weder ein- noch dur
chschlafen, habe keinen Appetit und
habe mehr als 5kg abgenommen. Sie fühle sich ständig angespannt, mache sich Vorwürfe (Schuldgefühle gegen
über
der Tochter), dass sie ihre Tochter auf die Welt gebracht habe. Oft fühle sie sich nicht selber, sondern wie zwei Personen, wisse nicht, wer
sie
sei, oder höre eine Frauenstimme und sehe Schatten in ihrer Wohnung, welche andere nicht sehen oder hören. Ihre Stimmung sei eh
er gedrückt, sie habe mehrmals v
ersucht sich das Leben zu nehmen, zuletzt vor neun Monaten, als sie Alkohol und Tab
letten eingenommen habe. Ab und zu sei sie sehr angespannt und könne sich nicht unter Kontrolle haben, wie vor neun Monaten, als sie Tabletten und Alkohol in suizidaler Absicht genommen habe. Aber ihrer Tochter zu L
i
ebe möchte sie sich nicht umbringen und sie nicht im Stich lassen (S. 3). Dr.
D._
attestierte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit
dem
27. März 2018 (S. 2) und pro
gnos
ti
zierte, aufgrund der
schwergradigen
psychischen Störung sei mittel- und lang
fristig von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (S. 4).
3.2
3.2.1
Die neuropsychologische Gutachterin Dr.
B._
nannte in ihrer Expertise vom 17. Juni 2019 (Urk. 11/47/38-51) sowohl mit als auch ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit keine Diagnosen, da dies wegen
aggravierendem
Verhalten nicht beurteilbar gewesen sei (S. 8 f.). Sie wies darauf hin, die Zusammenstellung der Befunde der Leistungstests lasse auf ein Aggravationsverhalten der
Beschwerde
führerin
schliessen. Daher könnten die Ergebnisse der Leistungstests inhaltlich nicht ausgewertet werden und lieferten wegen mangelnder Mitarbeit keine ver
wertbaren neuropsychologischen Befunde, da sie wahrscheinlich nicht das effek
tiv vorhandene kognitive Leistungsniveau abbildeten. Unter diesen Umständen bestehe andererseits auch das Risiko, dass tatsächliche spezifische kognitive Defizite differenzialdiagnostisch nicht festgestellt werden könnten (S. 9). Das zu
mutbare Arbeitspensum im ersten Arbeitsmarkt sowie in einer angepassten Tätig
keit könnten wegen
aggravierendem
Verhalten aus neuropsychologischer Sicht nicht beurteilt werden (S. 12 f.).
3.2.2
Aus psychiatrischer Sicht stellte die Gutachterin Dr.
A._
in ihrer Expertise vom 2. August 2019 (Urk. 11/47/1-37) keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte sie psychische und Verhaltensstörungen durch
Cannabin
oi
de
, Abhängigkeits
syn
drom (ICD-10 F12.25), psychische und Verhaltensstörungen durch Nikotin, Ab
hän
gigkeitssyndrom (ICD-10 F17.25
)
, akzentuierte Persönlichkeitszüge (
histrio
nisch
;
ICD-10 Z73)
sowie Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung und mit Bezug auf die Lebensführung (ICD-10 Z72; S. 29). Sie führte aus, zum Zeitpunkt der Begutachtung habe sich die Beschwerdeführerin in einer psychiatrischen Behandlung im Zentrum
E._
befunden. Von dort sei eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrem
belastung und eine
posttraumatische Belastungsstörung postuliert worden. Im Rahmen der beiden aktuellen gutachterlichen Untersuchungen hätten sich jedoch diesbezüglich keine manifesten Hinweise ergeben, da die Beschwerdeführerin ein stark
aggravierendes
Verhalten gezeigt habe, dies sowohl im Rahmen der psy
chi
atrischen Untersuchung als auch im Rahmen der neuropsychologischen Unter
su
chung, wobei sie teilweise widersprüchliche und zeitlich nicht
kohärente Anga
ben gemacht habe
(S. 31).
3.2.
3
Klar vorliegend sei jedoch eine Cannabis-Abhängigkeit mit einem ständigen Kon
sum, wobei die Beschwerdeführerin angegeben habe, dass ihr dies von ihren be
handelnden Ärzten auch während der Schwangerschaft so empfohlen worden sei. Insofern könne man davon ausgehen, dass die Beschwerdeführerin wenig reflek
tiert sei, sich vor allem demonstrativ-leidend verhalte und ganz klar ein externer Reiz für den Erhalt einer entsprechenden finanziellen Ausgleichsrente vorliege, da die Beschwerdeführerin in sehr beengten finanziellen Verhältnissen zu leben scheine. Bei der Beschwerdeführerin seien vor allem psychosozial belastende Um
stände zu eruieren, eine manifeste psychische Erkrankung liege bei der Be
schwer
deführerin nicht vor. Hinsichtlich der Persönlichkeit imponiere die Beschwerde
führerin
histrionisch
anmutend mit einem demonstrativ, dramatisch leidenden Charakter. In der Darstellungsweise sehr expressiv. Insgesamt sei diesbezüglich von einer Persönlichkeitsakzentuierung auszugehen (S. 31 f.).
3.2.
4
Die Expertin
stellte fest
, es hätten Hinweise auf ein
aggravierendes
Verhalten mit
appellativer
, demonstrativer, übertriebener, dramatischer und theatralischer Wir
kung
des Vorbringens der Klagen
bestanden
. Die Symptombeschreibung sei un
differenziert geblieben und sei global, plakativ mit stereotyper Symptomdar
stel
lung gewesen. Es bestehe der Verdacht auf eine Selbstlimitierung. Zusammen
ge
fasst sei der Eindruck auf eine Aggravation entstanden, weshalb das tatsäch
liche Ausmass einer allfälligen psychischen Störung nicht adäquat habe beurteilt wer
den können (S. 33).
In der zuletzt ausgeübten Erwerbstätigkeit im Service sei die
Beschwerdeführer
in aus psychiatrischer Sicht seit dem Zeitpunkt der Begutachtung als zu 100 % arbeitsfähig anzusehen (S. 35).
3.3
Bei Bestätigung ihrer bisherigen Diagnosen (E. 3.1) ergänzten die behandelnden medizinischen Fachpersonen der
Klinik C._
in ihrem
im
Vorbescheid
verfahren
neu aufgelegten Bericht vom
29. August 2019 (Urk. 11/57), trotz grosser
Willensanstrengung der
Beschwerdeführerin
gelinge es kaum, einen kontinuier
lichen Therapieprozess in Gang zu bringen, sodass die Therapie eher einer an
dauernden Kriseni
ntervention gleichkomme. Der
d
esolate Gesundheitszustand
der
Beschwerdeführerin
ermögliche es ihr kaum, die Termine regelmässig wahr
zunehmen (S. 1).
Der Substanzkonsum der
Beschwerdeführerin
(Marihuana) sei bekannt und werde
als Selbstbehandlungsversuch angesehen, um Symptome wie innere Anspan
nung
, Appetitlosigkeit und damit verbundener Gewichtsverlust zu reduzieren. Es seien bereits diverse Versuche unternommen worden, die Symptomatik der
Beschwer
de
führerin
medikamentös zu lindern, welche jedoch wegen ungenügender Wir
kung oder Nebenwirkungen nicht zum Erfolg geführt hätten, so dass die
Be
schwerdeführerin
sich nicht anders zu helfen wisse, als immer auf Marihuana zurückzugreifen. Der Substanzkonsum der
Beschwerdeführerin
sei somit nicht als Ursache, sondern als Lösungsversuch der
Beschwerdeführerin
anzusehen (S. 1).
4.
4.1
Vorwegzuschicken ist, dass das psychiatrische und neuropsychologische Gutach
ten der
Dres
.
A._
und
B._
auf den
notwendigen Untersuchungen basiert und sich somit als für die strittigen Belange umfassend erweist. Die Gutach
te
rin
nen setz
ten sich detailliert mit den von
der
Beschwerdeführerin
geklagten Be
schwerden auseinander (Urk. 11/47/1-37 S. 12-16, Urk.
11/47/38-51 S. 3-5) und nahmen ihre Beurteilung in Kenntnis
(unter teilweise selbständigem
Beizug
)
der wesentlichen
Vorakten
vor (S. 6-12, S. 2).
Die medizinischen Zusammenhänge wurden einleuchtend dargelegt und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen überzeugen.
Das Gutachten
entspricht somit den praxisgemässen Anforderungen an eine beweiswertige Expertise (
E. 1.4
)
.
Namentlich
legten d
ie
Gutachterinnen
dar, dass die
echtzeitlich erhobenen Be
funde
die von der behandelnden Therapeutin der
Klinik C._
postulier
ten Leiden nicht erkennen lassen
(
E. 3.2.2
)
und
unter Berücksichtigung der glo
balen, plakativen sowie undifferenziert geblieben
en
Symptombeschreibung mit stereo
typer Symptomdarstellung,
diverser festgestellter Inkonsistenzen in den
beschwer
deführerischen
Darstellungen (
E. 3.2.4
)
und
insbesondere gestützt auf die Befunde der neuropsychologischen Leistungstests
(E. 3.2.1)
eine Beschwer
deaggravation festzustellen
ist
(
E. 3.2.1, E. 3.2.4
).
4.2
Was die
Beschwerdeführerin
hiergegen
vorbringt, vermag die gutachterlichen Schlüsse nicht in Zweifel zu ziehen.
Soweit die
Beschwerdeführerin
der
Beschwer
degegnerin
eine krasse Verletzung ihrer Abklärungspflicht vorhält (Urk. 1 S. 6), ist festzustellen, dass erstere in ihrer Anmeldung vom 25. Juli 2018 (Urk. 11/8) ausschliesslich Dr.
D._
als behandelnde Ärztin bezeichnete (S. 7)
. Welche
wei
teren Berichte hätten eingeholt werden müssen und was sich daraus bis zum
mass
geblichen Zeitpunkt
des
gerichtliche
n
Überprüfungszeitraum
s
,
de
m
Erlass der angefochtenen Verfügung vom
10. Oktober 2019 (Urk. 2)
,
für die Beschwer
deführerin respektive
deren
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
hätte ergeben sollen
, legte die
Beschwerdeführerin
nicht dar. Vielmehr geht aus dem Bericht von Dr.
D._
vom 25. Oktober 2018 (Urk. 11/2
9) hervor
, dass sich die
Beschwerdeführerin
be
reits mehrmals in psychiatrische Behandlungen
begeben hatte
, sich jedoch nicht an die Namen der Behandler sowie die Behandlungszeiten erinnern konnte (S. 3).
Auch im Verlaufe des Standortgesprächs vom 30. August 2018 (Urk. 11/17) nannte
die
Beschwerdeführerin
keine weiteren behandelnden medizinischen Fachper
so
nen.
Zwar gilt im Rahmen
des Sozialversicherungsverfahrens
der Untersu
chungs
grundsatz (Art. 43 Abs. 1 ATSG),
dieser wird aber durch die Mitwirkungspflichten der Parteien beschränkt
(BGE 138 V 86
E. 5.2.3, mit Hinweisen), weshalb das Vorgehen
der
Beschwerdegegnerin
an dieser Stelle nicht zu beanstanden ist.
Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass bei psychiatrischen Expertisen die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeob
achtung entscheidend ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_728/2018 vom 2
1.
März 2019 E. 3.3). Dass
Dr.
A._
allfällig vorhandene und von der Beschwerde
füh
rerin nicht bezeichnete Unterlagen über frühere Behandlungen der Beschwerde
führerin nicht zur Verfügung standen, vermag den Beweiswert des Gutachtens daher nicht zu schmälern.
4.3
Die
Beschwerdeführerin
wendet
sodann ein, die Gutachter
i
n
Dr.
A._
habe kei
nen Draht zu ihr gefunden
,
beanstandet diverse persönliche Unzulängl
ich
kei
ten der Gutachterin im Hinblick auf die vorliegende Begutachtung (Urk. 1 S. 7
ff.)
und mach
t somit
sinngemäss eine Befa
ngenheit von Dr.
A._
geltend (E. 1.5).
Ausstands- und Befangenheitsgründe sind indes umgehend geltend zu machen, das heisst grundsätzlich sobald die betroffene Person Kenntnis von den ent
spre
chenden Tatsachen erhält. Wer den Mangel nicht unverzüglich vorbringt, wenn er davon Kenntnis erhält, sondern sich stillschweigend auf ein Verfahren einlässt, verwirkt den Anspruch auf spätere Anrufung der vermeintlich verletzten
Aus
stands
bestimmung
(BGE 143 V 66 E. 4.3). Unverzüglich bedeutet ein
Geltend
ma
chen
binnen maximal sechs bis sieben Tagen; ein zwei- bis dreiwöchiges
Zuwar
ten ist bereits unzulässig (Urteil des Bundesgerichts 8C_41/2019 vom 9. Mai
20
19 E. 4.2
). Vor diesem Hintergrund ist die im Einwand zum Vorbescheid vom 15. August 2019 (Urk. 11/51) noch nicht thematisierte, sondern erst beschwerde
weise am 11. November 2019 erhobene Rüge der Befangenheit verspätet, weshalb nicht weiter darauf einzugehen ist.
Im Übrigen liegen aktenmässig keine objektiven Anhaltspunkte für eine unsach
gemässe Begutachtung vor.
Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin gegenüber
der Gutachterin Erlebnisse aus der Kindheit schilderte, die sie abgesehen von die
ser erst einer Person erzählt habe (Urk. 11/47 S. 13), lässt vielmehr darauf schlies
sen, dass während der Exploration ein professionelles Klima herrschte und die Beschwerdeführerin Vertrauen gegenüber der Gutachterin aufbauen konnte. Dass sie nun im Nachhinein geltend macht, die Gutachterin habe jeweils gelacht,
wenn
sie geweint habe, habe ihr gegenüber unfreundlich und misstrauisch ge
wirkt, was an den unterschiedlichen Religionen liegen könnte (die Gutachterin sei mut
mass
lich jüdisch, sie sei moslemisch) (Urk. 1 S. 7), erscheint vor diesem Hinter
grund abwegig.
4.4
Schliesslich kann d
ie psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen und
eröffnet
dem begutachtenden Psychiater deshalb praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medi
zinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege
artis
vorgegangen ist. Daher und unter Beachtung
der Divergenz von medizinischem Behandlungs- und Abklärungsauftrag (BGE
124 I 170 E. 4 S. 175; vgl. auch Urteil
des Bundesgerichts
8C_260/2011 vom 2
5.
Juli 2011 E. 5.2), kann es nicht angehen, ein Administrativgutachten stets dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte nachher zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten (Urteil
des Bundesgerichts
9C_4
/2015 vom 5. Mai 2015 E. 3.2).
Anders verhält es sich
nur
, wenn die behandelnden Ärzte objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorbringen, welche im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung unerkannt oder ungewür
digt geblieben und geeignet sind, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen (Urteil
des Bundesgerichts
9C_853/20
15 vom 23. Juni 2014 E. 3.1.2).
Abgesehen davon, dass es sich beim Bericht von Dr.
D._
(E. 3.1)
um die Ein
schätzung der behandelnden Ärztin handelt
und im Bericht zudem
eine nach
voll
ziehbare, schl
üssige Herleitung zu den von ihr
gestellten Diagnosen
fehlt,
ergeben sich daraus keine wichtigen, nicht rein subjektiver ärztlicher Interpre
tation ent
springender Aspekte, die eine andere Beurteilung überzeugender er
scheinen las
sen würden. Gleich verhält es sich mit dem im
Vorbescheidverfahren
neu aufge
legten Bericht der
Klinik C._
vom 29. August 2019 (
E. 3.3
), wobei es insbesondere
einer
kritische
n
Diskussion der gutachterlichen Ausfüh
rungen unter Darlegung nachvollziehba
rer medizinischer Zusammenhänge und der im Gutach
ten
erkannten Aggravation gänzlich mangelt
.
So zeigten die ver
antwortlich zeich
nenden medizinischen Fachpersonen insbesondere nicht auf, dass
das Verhalten der
Beschwerdeführerin
nicht
aggravierender
Natur entspringt,
sondern
Ausdruck eines verselbständigten Gesundheitsschadens darstellt
.
4.5
Betreffend das neuropsychologische Gutachten moniert die
Beschwerdeführerin
,
die Gutachterin habe dabei voreingenommen nicht einmal in Betracht gezogen,
dass die unterdurchschnittlichen Testresultate auch eine krankheitsbedingte Ursa
che
haben könnte
n
. Sie habe zudem vernachlässigt, dass sie, die Be
schwer
defüh
rerin, lediglich über eine 3.5-jährige Schulbildung vorab auf der Stufe Primar
schule verfüge und
es für sie schwierig gewesen sei, die
Tests am Computer zu absolvieren
(Urk. 1 S. 13).
Hierzu ist festzuhalten, dass gerade die Festlegung der durchzuführenden Testungen sowie deren Zumutbarkeit und schliesslich die
Aus
wertung der Ergebnisse die gutachterliche Kernkompetenz beschlägt.
Dr.
B._
verfügt als Diplompsychologin und zertifizierte neuropsychologische Gutachterin SIM über ausgewiesene Fachkompetenz. Anhaltspunkte, welche an ihren Darle
gungen und Schlussfolgerungen zweifeln lassen würden, liegen nicht vor. Viel
mehr stützen sich diese auf die erhobenen Befunde, so insbesondere auf die Resultate der Reaktionszeitmessung, welche im Bereich von jenen lagen, welche Patienten mit schwerem Schädelhirntrauma erreichten (Urk. 11/47/38-51 S. 11). Eine Erklärung dafür wurde von der Beschwerdeführerin nicht vorge
bracht, wes
halb auch dieses Vorbringen nicht geeignet ist, den Beweiswert des Gutachtens ins Frage zu stellen.
4.6
Gegenteiliges vermag die
Beschwerdeführerin
auch aus den im Beschwerde
ver
fahren neu aufgelegten Arztberichten des Spitals
F._
vom 10. Juni 2011 (Urk. 3/7), 25. Februar 2012 (Urk. 3/8) und 3. Mai 2017 (Urk. 3/4), ihrer dama
li
gen Hausärztin
Dr.
med.
G._
, Fachärztin Rheumatologie und Innere Medizin FMH, vom 1. Februar 2012 (Urk. 3/5) und 1
4.
Februar 2014 (Urk. 3/6), des Spitals
H._
vom 10. Juni 2012 (Urk. 3/9) sowie der ehemals behandelnden Psy
cho
login vom 12. November 2019 (betreffend Behandlung
en im Zeitraum
vom Mai 2012 bis November 2013; Urk. 14) nicht abzuleiten. Namentlich lassen besagte Berichte keine Hinweise auf eine langandauernde Arbeitsunfähigkeit in angestammter und angepasster Tätigkeit erkennen, wobei es der
Beschwer
de
füh
rerin
vielmehr
möglich war, von 2014-2018 einer Tätigkeit im Servicebereich
nachzugehen (vgl. Urk. 11/17 S. 2) sowie vom 1. November 2016 bis 30. April
2017 eine Schulung zur Lasertherapeutin zu absolvieren (S. 3). Da im Übrigen
bei Anmeldung am 25. Juli 2018
ein Rentenanspruch
von vornherein
frühestens ab Dezember 2018 zu diskutieren ist
, bleibt bereits im zeitlichen Kontext unklar, was die
Beschwerdeführerin
aus genannten Berichten ersehen will. Gleichermassen bleibt bezüglich des Berichtes der Kantonspolizei Zürich vom 7. August 2019
betreffend häusliche Gewalt des Vaters eines gemeinsamen Kindes
(Urk. 3/3) fraglich, inwiefern daraus Rückschlüsse auf funktionelle Einschränkungen und damit die Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin
gezogen werden können.
4.7
Dem Ausgeführten folgend ist festzuhalten, dass das Gutachten der
Dres
.
A._
und
B._
vom 17. Juni beziehungsweise 2. August 2019 beweiskräftig ist.
So wie
s
Dr.
A._
in ihrer Expertise
auf eine undifferenziert
e
Symptombe
schrei
bung hin, welche global und plakativ mit stereotyper Symptomdarstellung
blieb
(E. 3.2.4).
D
ie Beschwerdevalidierungstests anlässlich der
neuropsychologischen
Untersuchung
ergaben
auffällige Ergebnisse, und aufgrund der Verhaltens
be
obachtungen ging
auch die
neuropsychologische Gutachter
in
(E
. 3.2.1, Urk. 11/47/38-51 S. 11 f.
) von einer eingeschränkten Leistungsbereitschaft aus.
Dass die Gutachterinnen
unter diesen Voraussetzungen von einer Aggravation ausging
en
, erscheint nachvollziehbar.
Dies umso mehr
als neuropsychologische Testungen vornehmlich gerade der Beschwerdevalidierung dienen (vgl.
Jeger
, Auswirkung der neuen Rechtsprechung zu den psychosomatischen Krankheits
bildern auf die medizinische Begutachtung, HAVE, 2016, S. 100 ff.).
Eine Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit im Sinne von
Art.
6 und
Art.
7 ATSG ist vor dem Hintergrund einer Aggravation nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt,
da
sich
mögliche tatsächliche psy
chis
che Leiden nicht beurteilen la
ssen. Dies wirkt sich
nach den Regeln über die materielle Beweislast zuungunsten de
r
Beschwerdeführer
in
aus
. Bei diesem Ergebnis sind keine Anhaltspunkte gegeben, welche weitere Abklärungen als not
wendig erscheinen lassen. Der relevante Gesichtspunkt, ob nunmehr ein an
spruchserheblicher Gesundheitsschaden vorliegt, lässt sich aufgrund der beste
henden Aktenlage verlässlich beurteilen, weshalb sich in antizipierter Beweiswür
digung keine weiteren Abklärungen aufdrängen (vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen). Ebenso kann auch von einem nach BGE 143 V 418 bei psychischen Erkrankung grundsätzlich durchzuführenden strukturierten Beweisverfahren abgesehen werden (
E. 1.3.3
).
Damit ist die Beschwerde abzuweisen.
5.
5.1
Die Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss
§
16
Abs.
1 und 2 des Gesetztes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) sind
vorliegend erfüllt (vgl. insbesondere
Urk.
6/1
). Demzufolge ist der Beschwerde
führerin antragsgemäss (
Urk.
1
) die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und Rechtsanw
ä
lt
in
Dr.
Kathrin
Hässig
,
Rüti ZH
, als unentgeltliche Vertreter
in
für das vorliegende Verfahren zu bestellen und aus der
Gerichtskasse zu ent
schä
digen.
5.2
Die Kosten des Verfahrens gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind auf
Fr.
7
00.
--
fest
zusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Ge
richtskasse zu nehmen.
5.3
Nach
§
34
Abs.
3
GSVGer
bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozes
ses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss
§
8 in Verbindung mit
§
7
Abs.
1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) wird – auch im Rahmen der unentgeltlichen Rechtsvertretung – namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
5.4
Rechtsanwältin
Dr.
Kathrin
Hässig
macht mit Honorarnote vom 20. Novem
be
r
2019 (Urk. 9) einen Aufwand von 16 Stunden und Spesen von Fr. 129.30 ent
sprechend einem Honorar von
Fr.
3'930.30 (inklusive Mehrwertsteuer) geltend.
Dies erscheint der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen. Namentlich erscheint ein Aufwand von gut 9.5 Stunden im Zusammenhang mit der Ausarbeitung der Beschwerde als überhöht,
zumal sich die Ausführungen als nur bedingt in der Sache relevant erweisen und
ein
Auf
wand für Rechtsabklärungen
nicht zu ents
chädigen ist, da der Stun
den
ansatz für Rechtsanwälte das Voraussetzen der erforderlichen Rechtskenntnisse rechtfertigt.
Zudem wird ein Aufwand für diverse Telefonate
und Mails
geltend gemacht, deren Erforde
rlichkeit nicht ausgewiesen ist, wobei darauf hinzuweisen ist, dass
die Mehrkosten für schwierig zu führende Versicherte grundsätzlich nicht vom Gemeinwesen zu übernehmen sind
. Alsdann erwiesen sich die zusätzlichen Abklärungen in medizinischer Hinsicht als nicht notwendig.
5.5
Angesichts der zu studierenden gut 60 Aktenstücke, wobei sich die relevanten
medizinischen Akten auf
wenige
Berichte beschränk
t
en, der 15-seitigen Be
schwe
r
deschrift (Urk. 1) und den Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Ge
such um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
sowie der in ähnlichen Fällen zugespro
chenen Beträge ist die Prozessentschädigung
von Dr. Kathrin
Hässig
bei
Anwen
dung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 2
2
0.-- auf Fr. 2'00
0.
-
-
(inklu
sive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
5.6
Die
Beschwerdeführerin
wird auf
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozial
versi
cherungsgericht (
GSVGer
) aufmerksam gemacht, wonach
sie
zur Nachzah
lung der Auslagen für die unentgeltliche Rechtspflege verpflichtet ist, sobald
sie
dazu in der Lage ist.