Decision ID: 3207ec53-081f-44a3-8057-f081780513b2
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis für die Kategorie B seit 2. September 1983. In den
Jahren 2000 bis 2002 musste er sich mehreren Fahreignungsbegutachtungen
unterziehen, da er einerseits das Fahrzeug für deliktische Zwecke verwendet
(Diebstähle) und andrerseits Verkehrsregelverletzungen begangen sowie wiederholt ein
Fahrzeug trotz Führerausweisentzugs gelenkt hatte. Nachdem eine Psychiaterin und
ein Verkehrspsychologe seine Fahreignung bejaht hatten, wurde der am 13. März 2001
angeordnete vorsorgliche Führerausweisentzug mit Verfügung des Strassenverkehrs-
und Schifffahrtsamts des Kantons St. Gallen, Abteilung Administrativmassnahmen
(nachfolgend: Strassenverkehrsamt), vom 22. April 2002 aufgehoben. Wegen Führens
eines Motorrads in angetrunkenem Zustand (minimale Blutalkoholkonzentration von
0,69 Gewichtspromille) und Nichtbeherrschens des Fahrzeugs (Selbstunfall) wurde X
am 24. Juni 2008 vom Strassenverkehrsamt verwarnt. Nach einer weiteren
Trunkenheitsfahrt mit dem Motorrad (minimale Blutalkoholkonzentration von
0,51 Gewichtspromille) wurde ihm der Führer-ausweis mit Verfügung vom 11. Mai 2009
für einen Monat entzogen.
B.- Am 24. November 2013 stellte die Stadtpolizei St. Gallen anlässlich einer
Verkehrskontrolle fest, dass X mit einem beschädigten Personenwagen unterwegs war
und dazu keine näheren Angaben machen konnte. Der Führerausweis wurde ihm
vorsorglich entzogen und eine verkehrsmedizinische Kontrolluntersuchung angeordnet.
Nachdem seine Fahreignung vom Institut für Rechtsmedizin am Kantonsspital St.
Gallen (nachfolgend: IRM) bejaht worden war, wurde der Führerausweis am 28. Juli
2014 unter der Auflage einer Alkoholfahrabstinenz wieder ausgehändigt. Wegen
Nichtbeherrschens des Fahrzeugs, Inverkehrbringens eines nicht betriebssicheren und
nicht vorschriftsgemässen Fahrzeugs sowie Führens eines Fahrzeugs ohne Licht wurde
zudem ein einmonatiger Führerausweis verfügt. Am 1. September 2016 wurde die
Auflage der Fahrabstinenz aufgehoben.
C.- Am 25. August 2016 wurde X bei der Stadtpolizei Solothurn vorstellig und meldete,
sein Personenwagen sei durch ein unbekanntes Fahrzeug beschädigt worden.
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Aufgrund des Spurenbildes ging die Stadtpolizei Solothurn davon aus, dass die
Beschädigungen nicht von einem anderen Fahrzeug, sondern von einer Kollision mit
einer Leitplanke stammen könnten. Die Stadtpolizei St. Gallen befragte X dazu
rechtshilfeweise am 14. Dezember 2016; dieser machte keine näheren Angaben. Im
Bericht vom 3. Januar 2017 an das Strassenverkehrsamt hielt die Stadtpolizei St.
Gallen fest, dass X bei der Einvernahme psychisch angeschlagen gewirkt habe,
weshalb sich die Frage stelle, ob er in seinem Zustand noch ein Fahrzeug lenken
könne. Gestützt darauf ordnete das Strassenverkehrsamt mit Verfügung vom 20.
Februar 2017 eine verkehrsmedizinische Untersuchung zwecks Abklärung der
Fahreignung an.
D.- Mit Schreiben vom 4. März 2017 erhob X dagegen Rekurs und beantragte die
Aufhebung der Verfügung. Zudem stellte er ein Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege, welches mit Verfügung des Verfahrensleiters vom 26. Juli
2017 bewilligt wurde (Proz.-Nr. ZV-2017/46). Die Vorinstanz verzichtete am 4. August
2017 auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 4. März 2017 ist rechtzeitig eingereicht
worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege,
sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Die angefochtene Verfügung vom 20. Februar 2017 ist von Amtes wegen auf
formelle Rechtmässigkeit hin zu überprüfen.
a) Art. 29 Abs. 2 BV gewährt den Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Daraus
leitet das Bundesgericht in ständiger Rechtsprechung die Pflicht der Behörde ab, ihre
Verfügungen und Entscheide zu begründen (vgl. BGE 133 III 439 E. 3.3, 133 I 270 E.
3.1, 129 I 236 E. 3.2, 126 I 102 E. 2b). Als persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht
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verlangt dieser Grundsatz, dass die Behörde die Vorbringen der vom Entscheid oder
der Verfügung in ihrer Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und
berücksichtigt und ihren Entscheid vor diesem Hintergrund begründet (vgl. Steinmann,
St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014, N 49 zu Art. 29 BV). Der von einem Entscheid oder
einer Verfügung Betroffene soll wissen, warum die Behörde entgegen seinem Antrag
entschieden hat; die Begründung muss deshalb so abgefasst sein, dass er den
Entscheid oder die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann (BGE 133 III
439 E. 3.3, 129 I 232 E. 3.2; vgl. auch Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 1010). Dies ist nur möglich, wenn sowohl der
Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein
Bild machen können; in diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen
genannt werden, von denen sich die Behörde leiten liess und auf welche sich ihr
Entscheid stützt. Allerdings bedeutet dies nicht, dass sich die Behörde ausdrücklich
mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand
auseinandersetzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen
Gesichtspunkte beschränken (BGE 133 I 270 E. 3.1; Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O.,
Rz. 1010 und 1038). Umfang und Dichte der Begründung richten sich generell nach
den Umständen (Steinmann, a.a.O., N 49 zu Art. 29 BV). Ist die Sachlage klar und sind
die anwendbaren Normen bestimmt, kann ein Hinweis auf diese Rechtsnormen
genügen, während ein weiter Spielraum der Behörde – aufgrund von Ermessen oder
unbestimmten Rechtsbegriffen – und eine Vielzahl von in Betracht fallenden
Sachverhaltselementen eine ausführliche Begründung gebieten (BGE 112 Ia 110 E. 2b,
104 Ia 213 E. 5g; Steinmann, a.a.O., N 49 zu Art. 29 BV; Tschannen/Zimmerli,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 2. Aufl. 2005, § 29 N 13). Die Begründungspflicht,
welche aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV fliesst,
hat der st. gallische Gesetzgeber für Verfügungen in Art. 24 Abs. 1 lit. a VRP
ausdrücklich festgehalten; nach dieser Bestimmung soll die Verfügung unter anderem
die Gründe enthalten, auf die sie sich stützt (vgl. zum Ganzen Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen B 2009/211 vom 18. März 2010 E. 2.1, im
Internet abrufbar unter www.gerichte.sg.ch).
b) Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung vom 20. Februar 2017 aus,
wie bereits im rechtlichen Gehör erwähnt, sei aufgrund der Zweifel an der Fahreignung
eine Untersuchung bei einem Arzt oder einer Ärztin der Stufe 3 erforderlich. Im
http://www.gerichte.sg.ch
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genannten Brief zum rechtlichen Gehör vom 31. Januar 2017 verwies die Vorinstanz
auf ein Schreiben der Stadtpolizei St. Gallen vom 3. Januar 2017, wonach bezüglich
der Eignung des Rekurrenten zum Führen von Motorfahrzeugen Zweifel bestehen
würden. Das erwähnte Schreiben der Stadtpolizei, bei dem es sich namentlich um den
Bericht zu einer rechtshilfeweisen Einvernahme des Rekurrenten am 14. Dezember
2016 handelt, lag dem Brief nicht bei. Weder aus der Verfügung vom 20. Februar 2017
noch aus dem Schreiben vom 31. Januar 2017 geht in irgendeiner Weise hervor,
inwiefern oder aufgrund welcher Vorfälle Zweifel an der Fahreignung des Rekurrenten
bestehen sollen. Damit verletzte die Vorinstanz den Anspruch des Rekurrenten auf
rechtliches Gehör. Auf die Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz zu neuer
Verfügung ist aber zu verzichten, da die Gehörsverletzung im vorliegenden
Rekursverfahren geheilt werden kann. Das Gericht verfügt über volle
Überprüfungsbefugnis (Art. 46 Abs. 1 VRP).
3.- Im Rekurs ist umstritten, ob die Vorinstanz zu Recht an der Fahreignung des
Rekurrenten zweifelte und mit der angefochtenen Verfügung eine verkehrsmedizinische
Untersuchung anordnete.
a) Der Rekurrent macht geltend, für den Verdacht auf fehlende Fahreignung sei es nicht
ausreichend, wenn ein Polizist, der weder Arzt noch Psychologe sei, meine, dass er
einen psychisch angeschlagenen Eindruck gemacht habe. Im Strassenverkehr sei
nichts vorgefallen, das eine Fahreignungsabklärung rechtfertigen würde.
b) Der Führerausweis muss entzogen werden, wenn festgestellt wird, dass die
gesetzlichen Voraussetzungen für die Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16
Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG). In diesen Fällen
dient der Entzug des Ausweises der Sicherung des Verkehrs vor ungeeigneten
Fahrzeugführern und wird daher als Sicherungsentzug bezeichnet. Ein solcher Entzug
wird grundsätzlich auf unbestimmte Zeit ausgesprochen (Art. 16d Abs. 1 SVG).
Bestehen Zweifel an der Fahreignung einer Person, so wird diese einer
Fahreignungsbegutachtung unterzogen (Art. 15d Abs. 1 SVG), unter anderem
namentlich bei Meldung einer kantonalen IV-Stelle nach Art. 66c des Bundesgesetzes
vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung (lit. d) oder bei Meldung eines Arztes,
dass eine Person wegen einer körperlichen oder psychischen Krankheit, wegen eines
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Gebrechens oder wegen einer Sucht Motorfahrzeuge nicht sicher führen kann (lit. e).
Die Zweifel an der Fahreignung gründen in einer summarischen und vorläufigen
Prüfung der Fahreignung. Die Aufzählung der Verdachtsgründe fehlender Fahreignung
in Art. 15d SVG ist nicht abschliessend zu verstehen. Eine Fahreignungsuntersuchung
kann auch aus anderen Gründen angeordnet werden, und zwar immer dann, wenn
begründete, ernsthafte Zweifel an der Fahreignung vorliegen. Vorausgesetzt dafür sind
hinreichend konkrete Anhaltspunkte, abstrakte Zweifel genügen nicht. Zudem ist das
Verhältnismässigkeitsprinzip zu beachten (BSK SVG-Bickel, Basel 2014, Art. 15d N 35;
Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_446/2012 vom 26. April 2013 E. 3.2).
Wegen fehlender Fahreignung wird einer Person der Führerausweis entzogen, wenn
ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nicht oder nicht mehr ausreicht, ein
Motorfahrzeug sicher zu führen (Art. 16d Abs. 1 lit. a SVG). Darunter fallen alle in
Betracht kommenden medizinischen und psychischen Gründe (Botschaft zur Änderung
des SVG vom 31. März 1999, in: BBl 1999 S. 4491, nachfolgend: Botschaft). Damit
Motorfahrzeuglenker zum Strassenverkehr zugelassen werden können, müssen sie
gewisse medizinische Mindestanforderungen erfüllen (Art. 25 Abs. 3 lit. a SVG, Art. 7
Abs. 1 der Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum
Strassenverkehr, SR 741.51, abgekürzt: VZV); diese werden im Anhang 1 zur VZV
aufgelistet. Die Führerausweiskategorien sind in zwei medizinische Gruppen eingeteilt.
Die Führerausweiskategorien A und B, die Unterkategorien A1 und B1 sowie die
Führerausweisspezialkategorien F, G und M fallen in die erste medizinische Gruppe.
Die übrigen Führerausweiskategorien, darunter auch die Kategorien D1 und D1E,
gehören zur zweiten medizinischen Gruppe, für welche erhöhte Anforderungen an den
Gesundheitszustand gelten. Der Rekurrent ist für die Fahrzeugkategorien A, B, D1, BE
und D1E fahrberechtigt und hat daher die medizinischen Anforderungen der Gruppe 2
zu erfüllen. Dies heisst unter anderem, dass der Betreffende keine psychischen
Störungen mit bedeutsamen Auswirkungen auf die realitätsgerechte Wahrnehmung, die
Informationsverarbeitung und -bewertung, das Reaktionsvermögen oder die
situationsgerechte Verhaltenssteuerung haben darf. Ebenso steht die Beeinträchtigung
von Leistungsreserven der Fahreignung entgegen. Der Betroffene darf sodann keine
manische oder erheblich depressive Symptomatik, keine erheblichen
Persönlichkeitsstörungen, insbesondere keine ausgeprägten dissozialen
Persönlichkeitsstörungen, keine erhebliche Intelligenzminderung und keine
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rezidivierenden oder phasenhaft verlaufende erhebliche affektive oder schizophrene
Störungen aufweisen (vgl. Anhang 1 zur VZV). In der Literatur werden als die
Fahreignung verhindernde, psychische Krankheiten solche bezeichnet, deren
Symptome direkten Einfluss auf die Fahreignung haben, indem es zu
Bewusstseinstrübungen, Halluzinationen, Verwirrung oder psychotischen Ideen kommt
(R. Schaffhauser, Grundriss des Strassenverkehrsrechts, Bd. III, Bern 1995, N 2096).
Die Voraussetzung zum sicheren Führen von Motorfahrzeugen dürfte bei ausgeprägten
Persönlichkeitsstörungen nicht gegeben sein, wenn sie mit ausgeprägt dissozialem und
rücksichtslosem Verhalten und mangelnder Impulssteuerung einhergehen, besonders
bei dissozialer, emotional instabiler oder ausgeprägt narzisstischer
Persönlichkeitsstörung (vgl. V. Dittmann, Psychische Störungen und Fahreignung, in:
Stöckli/Werro [Hrsg.], Strassenverkehrsrechtstagung 2006, Bern 2006, S. 111 f.).
c) Die Vorinstanz stützt ihre Verfügung auf einen Bericht der Stadtpolizei St. Gallen vom
3. Januar 2017 (act. 6/84 ff.). Darin schilderte ein Polizeibeamter, dass die Stadtpolizei
St. Gallen von der Stadtpolizei Solothurn um die rechtshilfeweise Einvernahme des
Rekurrenten im Zusammenhang mit einem möglichen Verkehrsdelikt ersucht worden
sei. Mehrere telefonische Kontakte seien fehlgeschlagen. Auf ein Schreiben hin habe
sich der Rekurrent schliesslich bei der Polizei gemeldet und sei am 14. Dezember 2016
für eine Einvernahme vorbeigekommen. Dabei habe er sich anständig, aber sehr
unkooperativ und anteilslos verhalten. Er habe abwesend gewirkt. Nach seiner
Einschätzung habe er genau Bescheid gewusst, weshalb er vorgeladen worden sei,
und trotzdem sämtliche Aussagen verweigert. Er habe psychisch angeschlagen
gewirkt. Bereits am 24. November 2013 habe es einen ähnlich gelagerten Fall gegeben,
als der Rekurrent mit seinem Personenwagen von der Stadtpolizei St. Gallen
angehalten worden sei, da er ohne Licht unterwegs gewesen sei. Die Fahrzeugfront sei
komplett beschädigt gewesen. Er habe nicht sagen wollen oder können, woher die
Beschädigung stamme. Er habe damals ebenfalls einen psychisch labilen Eindruck
gemacht und sei dem Amtsarzt vorgeführt worden. Zudem habe er schon einmal eine
Fahrtauglichkeitsprüfung über sich ergehen lassen müssen. Aufgrund des aktuellen
Falles in Solothurn sei eine erneute Überprüfung angebracht. Es stelle sich die Frage,
ob der Rekurrent in seinem Zustand und nach den entsprechenden Vorfällen noch ein
Fahrzeug führen dürfe oder solle.
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Das als unkooperativ, anteilslos sowie abwesend beschriebene Verhalten des
Rekurrenten anlässlich der rechtshilfeweisen Einvernahme vom 14. Dezember 2016
vermag keine hinreichend konkreten Hinweise auf das Vorliegen einer psychischen
Krankheit, welche die Fahreignung ausschliessen würde, zu begründen. Auch aus dem
Umstand, dass der Rekurrent sich nicht zu seinem Aufsuchen der Stadtpolizei in
Solothurn äussern wollte, lässt sich kein begründeter Verdacht auf eine fehlende
Fahreignung ableiten, ist es doch sein Recht, die Aussage in einem Strafverfahren zu
verweigern. Da im Polizeirapport sodann nicht näher umschrieben wird, worin sich die
"psychische Angeschlagenheit" des Rekurrenten äusserte, ergeben sich daraus
ebenfalls keine konkreten Anhaltspunkte auf eine mangelnde Fahreignung. Dabei ist
auch zu berücksichtigen, dass diese Aussage nicht von einer medizinisch geschulten
Fachperson gemacht und der psychische Zustand des Rekurrenten damals offenbar
nicht als derart gravierend beeinträchtigt eingestuft wurde, dass die Polizei ihm den
Führerausweis auf der Stelle abgenommen oder die Vorinstanz anschliessend einen
vorsorglichen Führerausweisentzug verfügt hätte.
Der Polizist verweist zudem auf die zwei ähnlich gelagerten Vorfälle mit einem
beschädigten Fahrzeug. Beim ersten Vorfall aus dem Jahr 2013 wurde der Rekurrent
von der Polizei angehalten, da er in der Dunkelheit das Licht nicht eingeschaltet hatte.
Dabei wurde festgestellt, dass die Front des Fahrzeugs stark beschädigt war. Der
Rekurrent erklärte damals, er sei in einen Metallzaun gefahren, könne jedoch das
Datum und die Örtlichkeit nicht mehr nennen. Dabei habe er gemäss Polizeirapport
einen psychisch verwirrten Eindruck gemacht. Anschliessend wurde seine Fahreignung
abgeklärt. Im Bericht vom 16. Mai 2014 führte ein Psychiater aus, dass der Rekurrent
an einer schizoiden Persönlichkeitsstörung leide. Diese Krankheit schliesse die
Fahreignung nicht in jedem Fall aus. Der Rekurrent zeige zwar eine erhöhte
Wahrscheinlichkeit für einen Verstoss gegen Verkehrsregeln, er sei aber in der Lage,
aus seinen Fehlern zu lernen. Die Fahreignung sei daher aus psychiatrischer Sicht zu
bejahen. Das IRM kam zum selben Schluss. Die Vorinstanz hob den vorsorglichen
Führerausweisentzug in der Folge auf und sprach einen Warnungsentzug für die Dauer
eines Monats aus. Die Fahreignung des Rekurrenten im Zusammenhang mit dem
Vorfall aus dem Jahr 2013 wurde somit nach eingehender Abklärung bejaht. Jenes
Ereignis, das bereits mehr als vier Jahre zurückliegt, kann folglich nicht Anlass für die
heute zur Diskussion stehende Abklärung der Fahreignung bilden.
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Beim zweiten Vorfall meldete sich der Rekurrent am 25. August 2016 bei der
Stadtpolizei in Solothurn und teilte mit, dass sein Fahrzeug durch ein unbekanntes
Fahrzeug beschädigt worden sei. Die Polizisten stellten anschliessend fest, dass die
Kollision an einem anderen Ort geschehen sein musste, vermutlich bei einer
Streifkollision mit einer Leitplanke. Selbst wenn der Rekurrent gegenüber der Polizei in
Solothurn damals falsche Angaben machte, steht letztlich nicht fest, dass die
Beschädigung am Fahrzeug auf ein verkehrsregelwidriges Verhalten seinerseits
zurückzuführen ist, welches wiederum ernsthafte Zweifel an seiner Fahreignung
aufkommen liesse. In ihrem Bericht vom 14. Januar 2017 machten die Solothurner
Polizisten auch keine anderweitigen Feststellungen, welche auf eine fehlende
Fahreignung hindeuten könnten. Unter diesen Umständen liegen keine hinreichend
konkreten Anhaltspunkte vor, dass der Rekurrent wegen seiner psychischen Krankheit
nicht in der Lage wäre, ein Motorfahrzeug sicher zu führen. Hinzu kommt, dass seit
Ende 2013 kein Verstoss des Rekurrenten gegen Strassenverkehrsvorschiften
nachgewiesen ist, insbesondere kein Vorfall mit einer Gefährdung der Sicherheit
anderer Verkehrsteilnehmer oder rücksichtslosem Verhalten. Dies deckt sich mit der
Einschätzung des Psychiaters aus dem Jahr 2014, wonach der Rekurrent zwar ein
Einzelgänger sei und manchmal Mühe habe, gesellschaftliche Regeln zu erkennen und
zu befolgen, seine schizoide Persönlichkeitsstörung insgesamt aber nicht gegen die
Fahreignung spreche. Eine ausgeprägte dissoziale Persönlichkeitsstörung, bei welcher
die Fahreignung nach Anhang 1 zur VZV nicht gegeben ist, wurde nicht diagnostiziert.
d) Zusammengefasst fehlen hinreichend konkrete Anhaltspunkte dafür, dass der
Rekurrent wegen seiner psychischen Erkrankung nicht in der Lage ist, ein Fahrzeug
sicher zu führen. Daher sind die Voraussetzungen für die Anordnung einer
verkehrsmedizinischen Untersuchung zur Abklärung der Fahreignung gemäss der
Generalklausel (Art. 15d Abs. 1 SVG) vorliegend nicht gegeben; entsprechend ist die
Verfügung vom 20. Februar 2017 aufzuheben.
4.- Bei diesem Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten dem Staat aufzuerlegen
(Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint angemessen
(vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12).
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