Decision ID: 9996cf6f-ed06-4d83-b729-836fab9071fe
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die im Jahre
1972 geborene
X._
besuchte in Syrien die Schule und erwarb keine berufliche Ausbildung. Nach ihrer Einreise in die Schweiz im Jahre 1987 übte sie verschiedene Tätigkeiten aus, wobei aufgrund der erzielten Einkommen zumeist auf ein tiefes Pensum zu schliessen ist. Ab 2004 war die Versicherte
nicht mehr erwerbstätig; sie
ist mittlerweile Mutter von zwei Kin
dern (1993, 2004;
Urk.
8/10 S. 1-4,
Urk.
8/7).
Aufgrund seit
ca. 10 Jahren
be
ste
hen
der Depressionen und Angstzustände meldete sie sich am 1
0.
November 2015 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungs
bezug an (
Urk.
8/10 S. 5 f.).
In der Zeit
vom 2
5.
Januar bis 1
5.
April
2016 nahm die Versicherte an einem multimodalen Therapieprogramm an der Tagesklinik d
er Y._
teil (Urk.
8/19). Mit Vorbescheid vom
6.
Februar 2017 stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leis
tungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
8/23) und hielt an diesem Entscheid mit Ver
fügung vom 1
1.
September 2017 fest (
Urk.
8/33 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Vertreterin der Versicherten am
1
1.
Oktober 2017 Beschwer
de und beantragte, es seien der Beschwerdeführerin – allenfalls nach weiteren medizinischen Abklärungen – die gesetzlichen Leistungen zu gewähren, insbe
sondere Integrationsmassnahmen nach
Art.
14a IVG, eventualiter eine Invali
denrente
,
zuzusprechen. Weiter sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung zu gewähren; unter Kosten- und Entschä
digungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
0.
November 2017 beantragte die Beschwerde
gegnerin die Abweisung der Beschwerde unter Hinweis auf die Aktenlage (
Urk.
7). Mit Verfügung vom
1.
Dezember wurde der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung gewährt und ihr Rechtsanwältin Susanne von Aesch, Zürich, als unentgeltliche Rechtsvertreterin für das vorliegende Verfah
ren bestellt; weiter wurde ihr die Beschwerdeantwort zur Kenntnis gebracht (
Urk.
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung;
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krank
heitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu er
zielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fach
ärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleich
bedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diag
nose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objekti
vierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl. BGE 127 V 294 E. 4c; 139 V 547 E. 5.2;
BGE 143 V 409
E. 4.2.1).
Gemäss der für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosoma
tische Leiden entwickelten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die tatsächli
che Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person grundsätzlich in einem strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahren anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren zu ermitteln (BGE 141 V 281).
In BGE 143 V 418
hat das Bundesgericht erkannt, dass grundsätz
lich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisverfahren nach
BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krankheitsbild allenfalls gewisser Anpassungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren bedürfe. Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (E. 7).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens sind als Standardindikatoren die folgenden Aspekte massgebend (BGE 141 V 281 E. 4.1.3):
Funktioneller Schweregrad
-
Gesundheitsschädigung
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
-
Komorbiditäten
-
Persönlichkeit: Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen
-
sozialer Kontext
Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichba
ren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungs
anamnestisch
ausgewiesener Leidens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschät
zen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_2
60/2017 vom 1. Dezember 2017 E.
4.2.3).
Die Anerkennung eines renten
begründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die materiell beweisbe
lastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V
281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen
wieder
herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
,
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsren
te
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Versicherte, die seit mindestens sechs Monaten zu mindestens 50 %
arbeitsun
fähig (Art.
6 ATSG) sind, haben Anspruch auf Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (Integrationsmassnahmen), sofern dadurch die Voraussetzungen für die Durchführung von Massnahmen berufli
cher Art geschaffen werden können (
Art.
14a
Abs.
1
IVG
). Als Integrations
massnahmen gelten
gemäss Abs. 2
gezielte, auf die berufliche Eingliederung gerichtete Massnahmen zur sozialberuflichen Rehabilitation (
lit
.
a) und
Beschäf
ti
gungsmassnahmen (
lit
.
b). Es geht darum, bei denjenigen Versicherten, die aktuell nicht eingliederungsfähig sind oder deren Eingliederungsfähigkeit ver
loren zu gehen droht, die Eingliederungsfähigkeit herzustellen oder zu erhalten (
BBl
2005 4521
ff., 4564; Erwin
Murer
, Invalidenversicherung: Prävention, Früherfassung und Integration, Bern 2009, N.
4 und 31 zu Art.
14a IVG; Silvia Bucher, Die Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung nach Art.
14a IVG, in: Soziale Sicherheit
–
Soziale Unsicherheit, Festschrift für Erwin
Murer
zum 65.
Geburtstag, 2010, S.
111). Ist aber jemand in einer anderen zumutbaren Tätigkeit arbeitsfähig, so ist er (in dieser anderen Tätigkeit) bereits eingliederungsfähig; er braucht keine Integrationsmassnahmen mehr, um die Eingliederungsfähigkeit herzustellen. Es gibt keinen Grund, Mass
nahmen zur Ermöglichung einer beruflichen Eingliederung durchzuführen, wenn auch ohne solche Massnahmen eine berufliche Eingliederung bereits um
gesetzt werden kann (BGE
137 V 1 E.
7.2.3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass bezüglich des depressiven Geschehens von keiner Therapieresistenz auszugehen sei
. Damit liege kein IV-relevanter Gesundheitsschaden vor, so dass kein Anspruch auf berufliche Eingliederungsmassnahmen oder eine Rente bestehe. Wei
ter liege auch keine längerdauernde Einschränkung vor, welche die Arbeitsfä
higkeit beeinträchtige, so dass kein Anspruch auf Integrationsmass
-
nahmen be
stehe (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte die Vertreterin der Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass sich die Beschwerdegegnerin allein mit der affektiven Erkrankung auseinandergesetzt und sich zur Auswirkung der Persönlichkeitsstörung auf die Arbeitsfähigkeit nicht geäussert habe (
Urk.
1 S. 4). In medikamentöser
Hinsicht
habe die Beschwerdeführerin als austherapiert zu gelten; dies ergebe sich auch aus der Tatsache, dass sich der psychiatrische Gesundheitszustand trotz jahre
langer anhaltender ambulanter und auch stationärer sowie psychopharmakolo
gischer Behandlung bislang nicht wesentlich habe verbessern lassen (S. 5). Zudem sei anzumerken, dass die Depressionspraxis gegen BGE 127 V 294 verstos
se
und das Kriterium der Therapieresistenz bei depressiven Erkrankungen mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz nicht zu vereinbaren sei (S. 8 f.). Was die In
tegrationsmassnahmen betreffe, sei die Beschwerdeführerin seit mehr als einem halben Jahr zu mehr als 50
%
arbeitsunfähig; auch seien die Anfor
derungen an die Mindestpräsenz erfüllt und die Beschwerdeführerin auf Massnahmen zur so
zialberuflichen Rehabilitation angewiesen (S. 7 f.).
3.
3.1
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
diag
nostizierte in ihrem Bericht vom
9.
Januar
2016 eine schwere rezidivierende Depression bei
familiärer Belastung (ICD-10 F
31.31) sowie eine abhängige Per
sönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7)
. Die Beschwerdeführer
in
habe von 2005 bis 2007 in ihrer Behandlung gestanden und jetzt wieder ab 2014, wobei ca. alle drei Wochen eine Sitzung stattfinde. Die Beschwerdeführerin nehme Psycho
pharmaka ein, zudem sei eine tag
esklinische Behandlung geplant, wobei höchs
tens eine Teilarbeitsfähigkeit von 30 bis 40
%
erreichbar sei (
Urk.
8/17).
3.2
Die für den Bericht der
Y._
vom 1
7.
Juni 2016 verantwortlichen Fachärzte
diagnostizierten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1). Der Be
schwerdeführerin sei
es
während des gesamten Behandlungszeitraumes nicht gelungen, kontinuierlich am tagesklinischen Programm teilzunehmen, insofern könnten sie aufgrund der unzureichenden Beobachtungen keine abschliessende Prognose abgeben. Indiziert sei eine Fortsetzung der psychiatrischen/psycho
-
therapeutischen Therapie, gegebenenfalls und nur bei entsprechender Motivati
on der Beschwerdeführerin auch im stationären Setting. Vor einer beruflichen Reintegrationsmassnahme sei eine Überprüfung des Zustandsbildes und der Be
lastbarkeit im weiteren Verlauf nach ausreichender Behandlung zu empfehlen (
Urk.
8/19).
3.3
In ihrem Bericht vom 2
7.
August
2016 diagnostizierte
Dr.
Z._
eine schwere rezidivierende Depression bei familiärer Be
lastung (ICD-10 F
31.4
) sowie eine abhängige Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7).
Die Tagesklinik habe vorzeitig abgebrochen werden müssen. Die Beschwerdeführerin sei nach eige
nen Angaben zu belastet gewesen vom Schicksal der anderen Patienten. Bei einer Arbeitsfähigkeit von 60 bis 70
%
seien Integrationsversuche zu prüfen (
Urk.
8/20).
3.4
In ihrem Schreiben vom
6.
April
2017 führte
Dr.
Z._
aus, dass die Be
schwerdeführerin die verordneten Antidepress
iva zuverlässig einnehme und sie
im Rahmen der Gesprächstherapie alles durchgesprochen hätten, insbesondere die ganze Familiengeschichte sowie ihre Beziehung zum Vater der Kinder
. Die
ser habe
sie stets
schlecht behandelt; aufgrund des bestehenden Abhängigkeits
verhältnisses sei sie trotzdem nicht von ihm losgekommen. Entsprechend liege bei ihr eine abhängige Persönlichkeitsstörung vor. Inzwischen habe sie sich de
finitiv getrennt, das heisst
,
er störe sie nicht mehr. Während des Aufenthalts in der Tagesklinik sei ihr Ex-Mann noch einmal Vater geworden, was zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands und wohl zum Abbruch der Behand
lung geführt habe. Sie habe akzeptiert, dass sich ihr Sohn nicht mehr so oft bei ihr melde, zudem habe sie den Suizid des Bruders verarbeitet. Es gehe ihr somit besser als noch während des Aufenthalts in der Tagesklinik. Was sie jetzt brau
che
sei
ein Rahmen für die berufliche Integration, wofür sie für zwei Stunden am Tag arbeitsfähig sei (
Urk.
8/30).
4.
4.1
Bezüglich der Berichte von
Dr.
Z._
ist anzumerken, dass
die Fachärztin diagnostisch von einer schweren rezidivierenden Depression bei familiärer Belastung sowie einer abhängigen Persönlichkeitsstörung ausgeht. D
ie ICD
Codierung des depressiven Geschehens
entspricht dabei aber
einer bipolaren affektiven Störung, gegenwärtig leichte oder mittelgradige depressive Ep
isode mit somatischem
Syndrom (F31.31) respektive einer bipolaren affek
tiven Stö
rung, gegenwärtig schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (F31.4). Dabei erscheint – bei Würdigung der vorliegenden medizinischen Akten - schon allein die diagnostische Einordnung
nicht nachvollziehbar;
zudem ge
hen sowohl der Bericht vom
9.
Januar als auch jener vom 2
7.
August 2016 von einer Arbeitsfähigkeit von 30 bis 40
%
aus, so dass
die diagnostisch vorge
nommene Verschlechterung der Situation (sofern man von der ICD-Codierung ausgeht) nicht nachzuvollziehen ist.
Die vorgenommene diagnostische
Kodifika
tion erscheint auch unter diesem Titel nicht schlüssig zu
sein. Weiter
begründet
Dr.
Z._
die Persönlichkeitsstörung mit dem Abhängigkeitsverhältnis
zum Ex-Mann. Entsprechend den
diagnostischen Leitlinien muss eine solche Störung immer in der Kindheit und Jugend (ICD-10 F60) beginnen, was aus den vorlie
genden Berichten nicht hervorgeht. Die Einschätzung von
Dr.
Z._
er
scheint auch in dieser Hinsicht – zumindest für einen medizinischen Laien – nicht überzeugend. Generell ist dabei i
n Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen
beziehungswei
se Therapiekräften
auf die Erfah
rungs
tatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auf
trags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Abzustellen ist vor diesem Hintergrund auf die Einschätzung der Fachärzte der
Y._
, welche die Beschwerdeführerin ebenfalls über einen längeren Zeitraum
therapeutisch betreuten. Diagnostisch ist dementsprechend von einer rezidivie
renden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, auszugehen (ICD-10 F33.1); dies
umsomehr
als auch
Dr.
Z._
in ihrer neusten Ein
schätzung
vom
6.
April 2017
von einer Verbesserung der gesundheitlichen Situation ausgeht.
4.2
Bei dieser diagnostischen Einordnung ist
zu bemerken
, dass
gemäss BGE 143 V 418
sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen
sind
, wobei es je nach Krankheitsbild allenfalls gewisser Anpassungen hinsichtlich der Wertung
einzelner Indikatoren bedürfe. Vor diesem Hintergrund kann bei Vorliegen einer mittelgradig depressiven Stö
rung das Leistungsbegehren nicht mehr allein unter Hinweis auf noch bestehen
de Therapieoptionen verweigert werden. Vielmehr ist die Arbeitsfähigkeit sorg
fältig zu ermitteln und ein strukturiertes Beweisverfahren durchzuführen.
Schon allein deshalb erscheint die Rückweisung der Sache an die Beschwerde
gegnerin zur psychiatrischen Begutachtung
unter Berücksichtigung der Stan
dardindikatoren
unerlässlich.
4.3
Zuzustimmen ist der
beschwerdeführenden
Partei
zudem
darin, dass zumindest ab Januar 2016 von einer um mehr als 50
%
verm
inderten Arbeitsfähigkeit (Art.
6 ATSG) auszugehen ist.
In dieser Hinsicht vermag die äusserst knappe und erst im Rahmen der angefochtenen Verfügung vorgetragene Argumentation
der Beschwerdegegnerin zum Thema Eingliederungsmassnahmen nicht zu über
zeugen; dies umso weniger
,
als nun aufgrund der geänderten Rechtsprechung ohne
hin
ein strukturiertes Beweisverfahren durchzuführen ist.
Auch erscheint die Beschwerdeführerin mittlerweile die
im Zusammenhang mit den Integrati
onsmassnahmen im Sinne von Art. 14a IVG nötige
Mindestanforderung bezüg
lich der Präsenzzeit zu erfüllen (
Art.
4
quater
Abs.
1
der Verordnung über die Invalidenversicherung [
IVV
]
,
Urk.
8/30).
Ob durch solche Integrati
ons
massnahmen
die Voraussetzungen für die Durchführung von Massnahmen beruflicher Art ge
schaffen werden können, wird die Beschwerdegegnerin im Rahmen der weiteren Anspruchsprüfung zu beantworten haben. Dazu ist die Sache
ebenfalls
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind
sie der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der unentgeltli
chen Rechtvertreterin der Beschwerdeführerin eine Prozessentschädi
gung zu bezahlen, welche in Anwendung von
Art.
61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozes
ses sowie nach Einsicht in die Honorarnote vom
1.
März 2018 (
Urk.
11)
festzu
setzen ist. Ausgehend von einem geltend gemachten Aufwand von 8.5 Stunden, Barauslagen von
Fr.
30.-- sowie dem massgebenden Stundenansatz von
Fr.
220.-- pro Stunde führt dies zu einer Entschädigung von
Fr.
2'052.--
(inklu
sive Barauslagen und
Mehrwertsteuer)
.