Decision ID: 6d8f78a4-2aef-4bb7-927c-fa9c84049a7f
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Dezember 2010 erstmals zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an, dies unter Hinweis auf eine Operation an der
Lendenwirbelsäule (LWS) im Jahr 2003 und auf eine weitere Operation an der
Halswirbelsäule (HWS) im Jahr 2010 (IV-act. 13). Ihre Anstellung als Mitarbeiterin
Hausdienst im Alters- und Pflegeheim B._, die sie seit 2001 mit einem Pensum von
55% innehatte (IV-act. 9-5), wurde ihr per Ende März 2011 wegen langanhaltender
Arbeitsunfähigkeit gekündigt (IV-act. 46-2, 46-9). Eine weitere Tätigkeit als
Zeitungsverträgerin, die sie seit 1. Juli 2010 wegen Arbeitsunfähigkeit nicht mehr
ausgeführt hatte (IV-act. 44-3), wurde per 30. September 2012 aufgelöst (IV-
act. 161-1).
A.a.
Im Auftrag der IV-Stelle erstatteten Dr. med. C._, Spezialarzt Orthopädie FMH,
und Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom Medizinischen
Gutachterzentrum St. Gallen (MGSG), am 12. Dezember 2011 ein bidisziplinäres
Gutachten. Die bisherige Tätigkeit als Mitarbeiterin des Wohndienstes in einem
Pflegeheim wurde aus somatischer Sicht nur noch als zu 10% möglich bezeichnet. In
einer leidensangepassten Tätigkeit wurde eine Arbeitsfähigkeit von 70% attestiert. Der
psychiatrische Gutachter erkannte in einer solchen Tätigkeit keine Einschränkung (IV-
act. 95-21, 95-25 f.). Nach einer Haushaltabklärung vom 3. April 2012 wurde die
Versicherte als zu 55% erwerbstätig und zu 45% im Haushalt tätig eingestuft (IV-
act. 108-8).
A.b.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
Mit Verfügung vom 13. Dezember 2012 wurde der Rentenanspruch der
Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 3% verneint (IV-act. 156, zur inhaltlich
gleichlautenden Verfügung vom 14. August 2012 und deren Widerruf am 15. August
2012 vgl. IV-act. 144, 146). Diese Verfügung erwuchs in Rechtskraft.
A.c.
Am 26. September 2015 meldete sich die Versicherte erneut zum IV-
Leistungsbezug an (IV-act. 159). Nach einer Aufforderung der IV-Stelle, eine
Sachverhaltsveränderung glaubhaft zu machen (IV-act. 166), wurde seitens des
Schmerzzentrums des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) am 8. Oktober 2015 ein
Bericht eingereicht (IV-act. 168). Nach Einholung weiterer Arztberichte (IV-act. 171,
174, 182, 185 ff.) und Rückfrage beim regionalen ärztlichen Dienst (RAD; IV-act. 188)
kündigte die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom 23. März 2016 das
Nichteintreten auf das Leistungsgesuch mangels Glaubhaftmachung einer Veränderung
der tatsächlichen Verhältnisse an (IV-act. 191). Nach einem Einwand der
Rechtsschutzversicherung der Versicherten (IV-act. 196) beschloss sie jedoch die
Einholung eines Verlaufsgutachtens (IV-act. 199). Nachdem sich die
Rechtsschutzversicherung gegen das von der IV-Stelle vorgesehene MGSG als
Gutachterstelle ausgesprochen hatte (IV-act. 203), beauftragte die IV-Stelle schliesslich
die medexperts ag mit der Verlaufsbegutachtung (IV-act. 209, 215). Im bidisziplinären
Gutachten vom 6. Dezember 2016 nannten Dr. med. E._, Facharzt Psychiatrie und
Psychotherapie, und Dr. med. F._, Facharzt Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, insbesondere die Diagnosen chronisches,
zeitweise lumboradikuläres Syndrom bei degenerativen Veränderungen ossärer und
diskogener Art, Cervikobrachialgie rechts und Impingement des rechten
Schultergelenks (IV-act. 218-44). Aus psychiatrischer Sicht bestehe weder angestammt
noch für Verweistätigkeiten eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Orthopädisch
bestehe angestammt keine Arbeitsfähigkeit mehr. In einer adaptierten Tätigkeit
schätzte Dr. F._ die Arbeitsfähigkeit auf 60% (IV-act. 218-49).
B.a.
Nachdem der RAD das Gutachten für beweistauglich befunden hatte (IV-act. 220),
wurde die Eingliederungsfähigkeit der Versicherten überprüft (vgl. IV-act. 224). Mit der
Begründung, diese fühle sich aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage, an
B.b.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
C.
Eingliederungsmassnahmen mitzuwirken, verneinte die IV-Stelle am 23. Januar 2017
einen Anspruch auf berufliche Massnahmen (IV-act. 226). Am 1. März 2017 füllte die
Versicherte einen Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/
Haushalt aus (IV-act. 233). Rechtsanwalt Marcel Strehler machte dazu in Vertretung der
Versicherten weitere Ausführungen und reichte Akten ein (IV-act. 234, 236-240). Die IV-
Stelle kam daraufhin zum Schluss, die Versicherte sei für die Invaliditätsbemessung als
vollerwerbstätig zu qualifizieren, und errechnete einen Invaliditätsgrad von 37% (IV-
act. 243). Mit Vorbescheid vom 23. März 2017 kündigte sie die Rentenverweigerung an
(IV-act. 244). Trotz Einwands von Rechtsanwalt Strehler (IV-act. 246) verfügte sie am
30. Mai 2017 gemäss Vorbescheid (IV-act. 249).
Gegen die Verfügung vom 30. Mai 2017 liess die Versicherte am 30. Juni 2017
Beschwerde erheben. Die Verfügung sei aufzuheben und ihr sei mindestens eine halbe
Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Das Valideneinkommen sei mit Fr. 49'875.-- zu tief veranschlagt
worden. Die Beschwerdegegnerin verweise lediglich auf die Angaben der Arbeitgeberin
im Fragebogen vom 10. Januar 2011; diese seien aber unrichtig bzw. widersprüchlich.
Beantragt werden eine Parallelisierung der Vergleichseinkommen und die Gewährung
eines Tabellenlohnabzugs von 20%, was einen Invaliditätsgrad von 54% ergebe
(act. G 1).
C.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 8. September 2017 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie bestreitet, dass die
Gewährung eines Tabellenlohnabzugs angezeigt sei. Im Weiteren berechnet sie einen
um nur rund 3% unterdurchschnittlichen Verdienst und bezeichnet eine Parallelisierung
der Vergleichseinkommen als nicht notwendig. Bei einem Invaliditätsgrad von 37.7%
bestehe kein Rentenanspruch (act. G 4).
C.b.
In der Replik vom 10. November 2017 lässt die Beschwerdeführerin unverändert
an ihren Anträgen festhalten. Wenn man davon ausgehe, dass sie für in einem
reduzierten Pensum ausgeführte Hilfsarbeit aktuell trotz den Gesundheitsbeschwerden
ein Einkommen in der Höhe der statistischen Werte der LSE erzielen könnte, müsse
dies zweifelsfrei auch für die Beurteilung ihrer Validenkarriere gelten (act. G 10).
C.c.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin hielt am 16. November 2017 unverändert an ihrem
Abweisungsantrag fest (act. G 12).
C.d.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin reichte am 14. Dezember 2017 eine
Honorarnote über insgesamt Fr. 2'123.80 (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) ein
(act. G 14).
C.e.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Auf die bei der Beschwerdegegnerin am
28. September 2015 eingegangene Wiederanmeldung vom 26. September 2015 ist die
Beschwerdegegnerin unbestrittenermassen zu Recht eingetreten, nachdem die
Beschwerdeführerin eine Verschlechterung ihrer gesundheitlichen Situation glaubhaft
gemacht hatte (vgl. IV-act. 168 sowie die Einschätzung des RAD vom 3. November
2015, IV-act. 170).
1.1.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.2.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
1.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.
In medizinischer Hinsicht sind sich die Parteien ebenfalls darüber einig, dass die
Invalidität basierend auf einer Arbeitsfähigkeit von 60% in einer dem Leiden optimal
angepassten Tätigkeit (zum Anforderungsprofil siehe IV-act. 218-42 Ziff. 5.6.4) zu
bemessen ist. Auch dies ist nicht zu beanstanden. So sind einerseits die Ausführungen
der beiden psychiatrischen Gutachter Dr. D._ und Dr. E._ nachvollziehbar und ihre
übereinstimmende Schlussfolgerung, wonach die psychischen Beeinträchtigungen die
Beschwerdeführerin nicht relevant in einer angepassten Tätigkeit einschränken,
plausibel, dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund dessen, dass in psychiatrischer
Hinsicht keine ernsthaften Therapiebemühungen der Beschwerdeführerin aktenkundig
sind (vgl. IV-act. 95-21, 218-32). Andererseits erscheint schlüssig, dass Dr. F._
aufgrund der festgestellten Zunahme insbesondere der degenerativen Zustände an
einem HWS-Segment und an der LWS sowie einer gewissen Objektivierung der
Schulterschmerzen rechts (vgl. v.a. Ziff. 5.4.2, IV-act. 218-39) mit einer
Arbeitsunfähigkeit adaptiert von 40% von einer leicht grösseren Einschränkung ausging
als Dr. C._ knapp fünf Jahre zuvor (IV-act. 95-28, 218-42). Aus dem Hinweis der
Beschwerdeführerin in der Replik, wonach es sich bei den gegebenen Beschwerden
um einen fortschreitenden degenerativen Prozess handle, die Einschränkungen im
Verlauf weiter zugenommen hätten und davon auszugehen sei, dass sich dies auch auf
die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit künftig weiter negativ auswirken werde (act. G 10
S. 3), resultiert für das vorliegende Verfahren kein weiterer Erkenntnisgewinn.
Mutmassungen über den künftigen Verlauf erscheinen ohne fundierte medizinische
Begründung spekulativ, sind aber vor dem Hintergrund, dass das Datum des
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG).
Diese Bemessungsmethode des sog. Einkommensvergleichs gelangt vorliegend
unstrittig zur Anwendung. Die Beschwerdeführerin hat nachvollziehbar dargelegt, dass
sie ohne Gesundheitsschaden zu 100% erwerbstätig wäre. So war sie bereits vor
Eintritt der Rückenprobleme trotz der Betreuung ihrer drei damals noch minderjährigen
Kinder längere Zeit vollerwerbstätig gewesen (IV-act. 234-2; 236) und hatte auch nach
der ersten Rückenoperation mit persistierenden Beschwerden neben dem Pensum von
55% im Altersheim täglich frühmorgens Zeitungen ausgetragen (IV-act. 9-5, 44), also
insgesamt eine hohe Leistungsbereitschaft unter Beweis gestellt.
1.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verfügungserlasses (30. Mai 2017) zeitliche Grenze der richterlichen
Überprüfungsbefugnis bildet, ohnehin unnötig.
3.
Bei Anmeldung im September 2015 besteht ein allfälliger Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin frühestens ab 1. März 2016 (vgl. Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG). Die
Invaliditätsbemessung ist auf das Jahr 2016 hin vorzunehmen.
3.1.
3.2.
Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte
Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte, nicht aber,
was sie bestenfalls hätte verdienen können. Auch wenn dieses Einkommen nicht ohne
Weiteres mit dem ohne Invalidität erzielbaren Einkommen gleichzusetzen ist, wird in
der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer
Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden
fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
erstellt sein (Ulrich Meyer/Marco Reichmuth, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
IVG, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 28a N 49; BGE 129 V 222 E. 4.3.1 und BGE
131 V 51 E. 5.1.2). Zulässig ist auch, aus dem nach Eintritt der gesundheitlichen
Beeinträchtigung noch erzielten Einkommen auf das Valideneinkommen zu schliessen,
sofern anzunehmen ist, dass die betreffende Person ohne Gesundheitsschaden in
einem Vollpensum prozentual hochgerechnet den gleichen Lohn erzielen würde (vgl.
Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl., Bern/St. Gallen/Zürich 2015, Art. 16 N 22 ff.).
Ist es nicht möglich, zur Bestimmung des Valideneinkommens vom zuletzt vor
Invaliditätseintritt erzielten Lohn auszugehen oder liegen keine konkreten
Anhaltspunkte für dessen Bestimmung vor, dann ist auf Erfahrungs- und
Durchschnittswerte, insbesondere auf die vom Bundesamt für Statistik periodisch
herausgegebene Schweizerische Lohnstrukturerhebung (nachfolgend: LSE)
zurückzugreifen (Meyer/Reichmuth, a.a.O., Art. 28a N 55 f.).
3.2.1.
Im Fragebogen für Arbeitgebende vom 6. Januar 2011 hielt das Alters- und
Pflegeheim B._ auf S. 3 (Ziff. 2.10) einen Jahreslohn von Fr. 26'809.90 ab 1. Januar
2011 fest (IV-act. 46-3). Offenbar waren die Monatslöhne schwankend (vgl. IV-
act. 46-4). Im IK-Auszug wurde für das Jahr 2009 ein im Alters- und Pflegeheim
erzieltes Einkommen von Fr. 28'258.-- ausgewiesen (IV-act. 33-1), was mit der Angabe
3.2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.
auf S. 4 des Fragebogens übereinstimmt. Für das Jahr 2010 ist ein Einkommen von
Fr. 28'271.70 vermerkt. Ins Jahr 2010 fällt jedoch bereits eine lange Phase der
Arbeitsunfähigkeit (vgl. IV-act. 46-4), sodass dieses Jahr nicht massgebend sein kann.
Folglich erscheint es gerechtfertigt, das Einkommen 2009 von Fr. 28'258.-- bei einem
Pensum von 55% auf ein Vollpensum hochzurechnen, was per 2009 ein Einkommen
von Fr. 51'378.-- ergibt. Dass die Beschwerdegegnerin eine solche Hochrechnung
vorgenommen und das Einkommen als Zeitungsverträgerin deswegen unberücksichtigt
gelassen hat (vgl. IV-act. 242), wird von der Beschwerdeführerin nicht beanstandet und
ist auch überzeugend, da dieser Nebenerwerb stark schwankte und nicht ausgewiesen
ist, dass das Lohnniveau dieser Tätigkeit über jenem im Alters- und Pflegeheim lag. Bei
Nominallohnbereinigung des Einkommens von Fr. 51'378.-- resultiert der Betrag von
Fr. 54'539.-- (Index Frauen 2009: 2552, 2016: 2709). Damit entspricht das
Valideneinkommen ziemlich genau dem Durchschnittslohn von Hilfsarbeiterinnen
gemäss LSE 2016, Tabelle TA1 (Fr. 54'581.--). Also ist erwiesen, dass die
Beschwerdeführerin vor Eintritt des Gesundheitsschadens im Stand war, das
statistische Durchschnittseinkommen zu erzielen. Da sie weiterhin als Hilfsarbeiterin zu
betrachten ist und die beiden Vergleichseinkommen auf derselben Grundlage zu
berechnen sind, kann ein Prozentvergleich vorgenommen werden (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 25. Januar 2011, 9C_882/2010, E. 7.1). Entgegen der Ansicht der
Parteien stellt sich demzufolge die Frage nach einer Einkommensparallelisierung nicht.
Zu prüfen bleibt, ob ein sog. Tabellenlohnabzug zu gewähren ist. Während die
Beschwerdeführerin einen solchen von 20% beantragt, hat die Beschwerdegegnerin
keinen anerkannt (IV-act. 242, act. G 4). Das Alter der Beschwerdeführerin (Jahrgang
19_) lässt zumindest keinen wesentlichen Abzug zu. Da statistisch nicht erwiesen ist,
dass Teilzeitbeschäftigung bei Frauen anteilsmässig schlechter entlöhnt ist als
Vollzeitarbeit, ist diesbezüglich kein Abzugsgrund gegeben. Ein gewisser allgemeiner
Konkurrenznachteil mag durch die gesundheitliche Beeinträchtigung zwar vorliegen.
Darauf muss jedoch nicht näher eingegangen werden. Denn auf der Basis der
ausgewiesenen Arbeitsunfähigkeit von 40% würde selbst bei Gewährung eines Abzugs
von 15% der zur nächsthöheren Rentenstufe berechtigende Invaliditätsgrad von 50%
nicht erreicht (40% + [60% x 15%] = 49%). Ein Abzug von über 15% ist jedenfalls nicht
angezeigt, sodass die genaue Festsetzung mangels Relevanz unterbleiben kann.
3.3.
Gemäss den vorstehenden Erwägungen hat die Beschwerdeführerin ab 1. März
2016 Anspruch auf eine IV-Viertelsrente. Die angefochtene Verfügung ist aufzuheben
4.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte