Decision ID: 1b80402a-4b9f-5e3c-b0f9-1117e161529c
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 22. September 2010 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 11). Er hatte im Juli 2010 bei einem Verkehrsunfall
unter anderem multiple Frakturen und ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten.
Nach der Erstversorgung im Kantonsspital St. Gallen wurde er im REHAB Basel,
Zentrum für Querschnittgelähmte und Hirnverletzte, Schweizerisches
Paraplegikerzentrum Basel, in der Klinik B._ und anschliessend wiederum im REHAB
Basel stationär behandelt. Im Februar 2013 wurde er in die Rehaklinik Bellikon
überwiesen (vgl. IV-act. 115). Ende August 2013 trat der Versicherte aus der Rehaklinik
Bellikon aus; er wurde ins Wohnheim C._ verlegt (IV-act. 121). Im Juli 2013 hatte die
IV-Stelle dem Versicherten eine ganze Rente mit Wirkung ab dem 1. Juli 2011
zugesprochen (IV-act. 116).
A.b Bereits im Juni 2012 hatten die Ärzte der Kinik B._ darauf hingewiesen, dass der
Versicherte für die Beurlaubungen zu Hause einen Badelift, einen Toilettenstuhl, eine
Schwellenrampe, einen Schwellenausgleicher, einen Rollstuhl, einen Duschstuhl sowie
je nach dem weiteren Verlauf und der langfristigen Wohnsituation weitere Hilfsmittel
benötige (IV-act. 62). Die IV-Stelle hatte mit einer Verfügung vom 26. September 2012
die Abgabe dieser Hilfsmittel mit der Begründung verweigert, dass Hilfsmittel nur für
den Ort abgegeben würden, an dem sich die versicherte Person den grössten Teil der
Zeit aufhalte (IV-act. 73). Im Januar 2013 ersuchten die Eltern des Versicherten um die
Vergütung der Kosten von baulichen Massnahmen an ihrem Wohnhaus (IV-act. 90 f.).
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Im März 2013 führten sie aus (IV-act. 94), dass sich der Versicherte sicher jedes zweite
Wochenende und über die Feiertage zuhause aufhalten werde. Die baulichen
Änderungen würden sie bei der Pflege wesentlich entlasten und die Möglichkeit
schaffen, den Versicherten später eventuell zuhause wohnen zu lassen. Die IV-Stelle
antwortete am 25. März 2013 (IV-act. 97), dass sie die Kosten für die geplanten
baulichen Massnahmen nicht übernehmen werde. Bauliche Massnahmen könnten nur
an dem Ort auf Kosten der Invalidenversicherung vorgenommen werden, wo sich die
versicherte Person den grössten Teil der Zeit aufhalte. Da der Versicherte von der
Rehaklinik Bellikon ins C._ wechseln und sich nur jedes zweite Wochenende und
über die Feiertage bei den Eltern aufhalten werde, rechtfertige es sich nicht, die Kosten
der baulichen Massnahmen der Invalidenversicherung aufzuerlegen. Am 8. Mai 2013
liess der Versicherte den Erlass einer beschwerdefähigen Verfügung betreffend diese
Kostenverweigerung beantragen (IV-act. 105). Die IV-Stelle teilte dem Versicherten in
der Folge ihren Entscheid zunächst in der Form eines Vorbescheides (IV-act. 107) und
anschliessend, wohl Mitte Juni 2013, in Form einer Verfügung mit (IV-act. 114; die
Verfügung trägt fälschlicherweise das Datum des Vorbescheides: 16. Mai 2013).
B.
B.a Am 23. August 2013 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen diese Verfügung erheben (act. G 1). Sein Rechtsvertreter
beantragte die Aufhebung der Verfügung und die Gutheissung des Anspruchs des
Beschwerdeführers auf eine Kostengutsprache für bauliche Änderungen in der
Wohnung seiner Eltern dem Grundsatz nach sowie die Rückweisung der Sache an die
IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) zur Festsetzung des genauen
Betrages. Zur Begründung führte er aus, das Bundesgericht habe im BGE 134 I 105
festgehalten, dass gestützt auf den Art. 8 EMRK ein Anspruch auf bauliche
Massnahmen auch am Wohnhaus des Teils getrennt lebender Eltern bestehe, bei dem
die versicherte Person nicht mehrheitlich wohne. Der grundrechtlich geschützte
Aufenthalt der versicherten Person bei diesem Elternteil dürfe nicht völlig verunmöglicht
werden. Der Schutzbereich des Art. 8 EMRK müsse weit ausgelegt werden;
grundsätzlich fielen alle Beziehungen zwischen „nahen Verwandten“, die in der Familie
eine wichtige Rolle spielten, darunter. Das Bundesgericht habe im BGE 115 Ib 1
festgehalten, dass auch die Beziehung zwischen Eltern und volljährigen Kindern von
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diesem Schutzbereich erfasst sei, sofern zwischen den Eltern und dem Kind eine so
enge Beziehung bestehe, dass von einem Abhängigkeitsverhältnis gesprochen werden
müsse. Ein solches – „krasses“ – Abhängigkeitsverhältnis liege hier vor. Seit dem Unfall
im Sommer 2010 sei der Beschwerdeführer für die elementarsten Handlungen wie
essen, anziehen, sich waschen und auf die Toilette gehen auf die Hilfe Dritter
angewiesen. Er könne sich ohne fremde Hilfe nicht selbständig fortbewegen und er
könne nicht sprachlich kommunizieren. Seit dem Unfall hätten seine Eltern eine zentrale
Rolle in der Pflege und beim Wiederaufbau sämtlicher Lebensfunktionen gespielt. Die
elterliche Wohnung stelle eine verlässliche und vertraute Konstante dar. Der
Beschwerdeführer, der sich ohne den Unfall langsam vom Elternhaus abgelöst hätte,
könne keine eigenständigen sozialen Kontakte ausserhalb der Familie mehr knüpfen.
Der Kontakt zur Familie und zu den früheren Bekannten und Freunden sei daher sehr
wichtig. Der Beschwerdeführer werde zuhause regelmässig besucht, erhalte aber
praktisch keine Besuche, wenn er sich im Heim befinde. Längerfristig sei zu hoffen,
dass der Beschwerdeführer in der Lage sein werde, wieder überwiegend bei den Eltern
zu wohnen.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 19. November 2013 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie aus, der vorliegende Fall könne nicht
mit dem vom Bundesgericht im BGE 134 I 105 beurteilten Fall verglichen werden, weil
der Beschwerdeführer volljährig sei, der BGE 134 I 105 aber eine minderjährige
versicherte Person betroffen habe. Das Bundesgericht habe zudem in seinem Urteil
9C_463/2008 vom 30. April 2009 festgehalten, dass der Schwerpunkt der sozialen
Kontakte, der die Abgabe eines Hilfsmittels rechtfertige, dort liege, wo der grösste Teil
der Zeit verbracht werde. Der Beschwerdeführer werde auf absehbare Zeit mehrheitlich
im C._ leben. Den Kontakt zur Familie könne er auf vielfältige Weise wahren. Die
Finanzierung baulicher Änderungen der elterlichen Wohnung wäre daher
unverhältnismässig. Es liege kein Abhängigkeitsverhältnis im Sinne des BGE 115 Ib 1
vor, das die Abgabe von Hilfsmitteln für zwei verschiedene Orte rechtfertigen würde.
B.c Der Beschwerdeführer liess an seinen Anträgen festhalten (act. G 8). Sein
Rechtsvertreter führte aus, dass die Beschwerdegegnerin den massgebenden
Sachverhalt gar nicht rechtsgenüglich abgeklärt habe, denn sie habe einen Anspruch
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auf bauliche Massnahmen verweigert, ohne die konkreten tatsächlichen
Gegebenheiten abzuklären.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 10).
B.e Der Beschwerdeführer liess am 14. April 2014 darauf hinweisen (act. G 14), dass
es sinnvoll wäre, wenn sich das Gericht einen eigenen Eindruck von der Situation
verschaffen und einen Augenschein durchführen würde. Im direkten Gespräch mit der
zuständigen Betreuungsperson, dem Beschwerdeführer und dessen Eltern könnten
weitere relevante Gesichtspunkte erhoben werden, weshalb eine entsprechende
Zeugenbefragung und ein Augenschein im C._ beantragt würden.

Erwägungen:
1. Eine versicherte Person hat laut dem Art. 21 Abs. 1 IVG im Rahmen der Liste im
Anhang zur HVI (vgl. Art. 14 IVV und Art. 1 f. HVI) einen Anspruch auf jene Hilfsmittel,
derer sie für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit oder einer Tätigkeit im
Aufgabenbereich, zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit, für die
Schulung, für die Aus- und Weiterbildung oder zum Zwecke der funktionellen
Angewöhnung bedarf. Darüber hinaus besteht gemäss dem Art. 21 Abs. 2 IVG ohne
Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit ein Anspruch auf die Hilfsmittel, derer die
versicherte Person infolge ihrer Invalidität für die Fortbewegung, für die Herstellung des
Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge bedarf. Das zuständige
Departement hat im Anhang zur HVI zwischen den Hilfsmitteln im Sinne des Art. 21
Abs. 1 IVG und jenen im Sinne des Art. 21 Abs. 2 IVG unterschieden, indem es die
Hilfsmittel im Sinne des Art. 21 Abs. 1 IVG mit einem Asterisk versehen hat (vgl. Art. 2
Abs. 2 HVI). Für beide Kategorien gilt, dass nur ein Anspruch auf Hilfsmittel in
einfacher, zweckmässiger und wirtschaftlicher Ausführung besteht (Art. 2 Abs. 4 HVI).
2.
2.1 Der Beschwerdeführer lebt mehrheitlich in einem Wohnheim, das ihm die
Hilfsmittel, die er im Alltag benötigt, zur Verfügung stellt. Gemäss den Ausführungen
der Eltern ist es dem Beschwerdeführer aber ein Bedürfnis, sich nicht nur
ausschliesslich im Heim, sondern auch regelmässig bei ihnen aufzuhalten. Sollte der
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Beschwerdeführer tatsächlich dieses Bedürfnis verspüren, so stellte sich die Frage, ob
dieses eine Leistungspflicht der Invalidenversicherung in der Form baulicher
Massnahmen am Elternhaus auslösen könne. Diese Frage ist auf dem Wege der
Auslegung der massgebenden Bestimmung (Art. 21 Abs. 2 IVG) zu beantworten. Für
die Gesetzesinterpretation sind in erster Linie der Wortlaut, die Entstehungsgeschichte,
die systematische Stellung und der Sinn und Zweck einer Norm massgebend. Der
Wortlaut des Art. 21 Abs. 2 IVG enthält keine Einschränkungen des
Hilfsmittelanspruchs. Er steht insbesondere der mehrfachen Abgabe eines Hilfsmittels
oder der Finanzierung baulicher Massnahmen an mehreren Orten nicht entgegen.
Vielmehr spricht die bedingungslose Zusicherung von für die Fortbewegung, für die
Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt und für die Selbstsorge notwendigen
Hilfsmitteln dafür, dass eine versicherte Person unter Umständen bestimmte Hilfsmittel
mehrfach erhalten kann und bauliche Massnahmen an mehreren Orten durchgeführt
werden müssen. Der Gesetzgeber hat sich die Frage der allfälligen mehrfachen Abgabe
bestimmter Hilfsmittel oder der allfälligen Finanzierung von baulichen Massnahmen an
mehreren Orten offenbar nicht gestellt. Die Botschaften zur Einführung der
Invalidenversicherung und zur ersten Revision des IVG enthalten nur Ausführungen zur
Natur des Hilfsmittelanspruchs gemäss dem Art. 21 Abs. 2 IVG respektive zur
Abgrenzung des Anspruchs gemäss dem Art. 21 Abs. 1 IVG, zur Frage der
Finanzierbarkeit der entsprechenden Hilfsmittel und zur Idee, eine Art
„Erheblichkeitsschwelle“ zu normieren. Immerhin lässt sich den Ausführungen aber
entnehmen, dass der Gesetzgeber den Versicherten einen umfassenden Anspruch hat
gewähren wollen, was eher für die allfällige Mehrfachabgabe von Hilfsmitteln spricht
(vgl. BBl 1958 II 1186 f. und BBl 1967 I 676 f.). Aus der Systematik des Gesetzes lassen
sich keine zuverlässigen Antworten auf die Frage der Zulässigkeit einer allfälliger
Mehrfachabgabe von Hilfsmitteln ableiten. Angesichts des wenig aussagekräftigen
Wortlautes und der unergiebigen Entstehungsgeschichte sowie mangels
systematischer Querbezüge erweist sich das Ergebnis der teleologischen Interpretation
als ausschlaggebend. Mit dem Art. 21 Abs. 2 IVG hat der Gesetzgeber im Rahmen der
ersten IV-Revision eine neue Leistungskategorie geschaffen. Zwar hatte bereits davor
der Art. 21 Abs. 1 IVG einen Hilfsmittelanspruch vorgesehen, doch war damit letztlich
die berufliche Eingliederung bezweckt worden. Der Zweck der Hilfsmittel, fehlende
Körperteile oder Körperfunktionen zu ersetzen, war kein Selbstzweck gewesen,
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sondern hatte dem Ziel, die Versicherten beruflich wieder möglichst optimal
einzugliedern, gedient. Der Art. 21 Abs. 1 IVG regelt so betrachtet eine besondere Form
beruflicher Eingliederungsmassnahmen. Der Art. 21 Abs. 2 IVG dient dagegen nicht der
beruflichen Eingliederung, sondern dem „Funktionieren“ der Versicherten im Alltag. Der
von der Norm bezweckte Ersatz der fehlenden Körperteile und Körperfunktionen dient
dem Ziel, den Versicherten eine weitgehend selbstbestimmte Lebensführung zu
ermöglichen, das heisst all das zu tun, was gesunde Menschen im Alltag – ausserhalb
einer Erwerbstätigkeit – tun, also für sich selbst zu sorgen, sich fortzubewegen und mit
der Umwelt in Kontakt zu treten. Da sich der Alltag einer versicherten Person nicht nur
an einem Ort abspielt, müssten idealerweise an jedem Ort, an dem sich diese aufhält,
die notwendigen baulichen Massnahmen auf Kosten der Invalidenversicherung
durchgeführt werden, denn nur so könnte der Zweck des Art. 21 Abs. 2 IVG umfassend
erreicht werden. Eine Beschränkung der Finanzierung von Hilfsmitteln wäre mit
anderen Worten als zweckwidrig zu qualifizieren. Allerdings gebietet das in Art. 2
Abs. 4 HVI leistungsspezifisch konkretisierte Verhältnismässigkeitsprinzip eine gewisse
Beschränkung, denn andernfalls könnte eine versicherte Person beispielsweise unter
Hinweis auf den Zweck des Art. 21 Abs. 2 IVG bauliche Massnahmen an ihrer eigenen
Wohnung, an den Wohnungen ihrer Verwandten und an den Wohnungen all ihrer
Freunde und Bekannten verlangen, bei denen sie sich ab und zu aufzuhalten gedenkt,
was offenkundig unverhältnismässig wäre. Der Wortlaut des Art. 2 Abs. 4 HVI, wonach
nur ein Anspruch auf Hilfsmittel in einfacher, zweckmässiger und wirtschaftlicher
Ausführung bestehe, erweist sich als unvollständig, weil er nur das
Verhältnismässigkeitsprinzip hinsichtlich der Ausführung eines Hilfsmittels konkretisiert,
aber nicht regelt, dass der Entscheid, ob überhaupt ein bestimmtes Hilfsmittel
abgegeben werde, unter Berücksichtigung des Verhältnismässigkeitsprinzips gefällt
werden müsse. Angesichts des mit dieser Bestimmung angestrebten Zwecks erweist
sich der Wortlaut als offenkundig lückenhaft. Deshalb ist der Art. 2 Abs. 4 HVI insofern
lückenfüllend zu ergänzen, als auch der Entscheid über die Abgabe eines bestimmten
Hilfsmittels vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht verhältnismässig sein muss. In der
Regel gebietet sich aus Verhältnismässigkeitsgründen etwa die Beschränkung der
Finanzierung von baulichen Massnahmen an der Wohnung der versicherten Person
respektive an der elterlichen Wohnung einer minderjährigen versicherten Person. Lebt
eine versicherte Person in einem Heim, würde sich in erster Linie die Finanzierung von
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baulichen Massnahmen am Heim aufdrängen, doch sind Heime in aller Regel so
gebaut, dass den Heimbewohnern die für sie vorgesehenen Räume uneingeschränkt
zugänglich sind, weshalb die Finanzierung baulicher Massnahmen an einem Heim wohl
nur äusserst selten – wenn überhaupt – in Betracht fallen dürfte. Die in einem Heim
lebenden Versicherten haben einen Anspruch auf einen regelmässigen „Urlaub“ vom
Heimbetrieb respektive auf einen Rückzugsort, denn andernfalls entstünde ein
faktischer Heimzwang. Ein solches Bedürfnis kann nur befriedigt werden, wenn dieser
Rückzugsort für die Versicherten zugänglich ist. Würde die Finanzierung baulicher
Massnahmen an diesem Ort verweigert, würden die Versicherten faktisch gezwungen,
sich ausschliesslich im Heim aufzuhalten, was dem Sinn und Zweck des Art. 21 Abs. 2
IVG klar zuwider liefe. Eine derartige Einschränkung könnte nicht mit dem
Verhältnismässigkeitsgrundsatz gerechtfertigt werden, da ja für den Aufenthalt im Heim
kaum je bauliche Massnahmen notwendig sein dürften, die die Invalidenversicherung
zu übernehmen hätte. Die Finanzierung baulicher Massnahmen an dem Ort, an dem
sich eine im Heim lebende Person ausserhalb des Heims am häufigsten aufhält,
entspricht mit anderen Worten der Finanzierung baulicher Massnahmen an der
Wohnung einer nicht im Heim lebenden Person, denn in beiden Fällen werden bloss an
einem einzigen Ort bauliche Massnahmen finanziert. Entscheidend ist natürlich, ob die
versicherte Person im Einzelfall auch tatsächlich das Bedürfnis hat, sich regelmässig an
einem Ort ausserhalb des Heims aufzuhalten. Besteht ein solches Bedürfnis und kann
es nur mittels baulicher Massnahmen an jenem Ort befriedigt werden, besteht ein
Anspruch auf die Finanzierung dieser Massnahmen durch die Invalidenversicherung.
Dies ergibt sich bereits aus der Auslegung des Art. 21 Abs. 2 IVG anhand der
„klassischen“ Auslegungselemente. Das vom Bundesgericht in solchen Fällen
herangezogene verfassungsmässige Recht auf Familie begründet keinen Anspruch, der
sich nicht bereits aus der gesetzlichen Norm selbst ergäbe, und verfälscht darüber
hinaus das Auslegungsergebnis, indem es den Anspruch auf die elterliche Wohnung
beschränkt, obwohl der Sinn und Zweck des Art. 21 Abs. 2 IVG einen Anspruch für
jede mögliche Wohnung vorsieht, in die sich die versicherte Person regelmässig
zurückziehen will, und sich aus dem Art. 2 Abs. 4 HVI nur die Einschränkung ableiten
lässt, dass in aller Regel bauliche Massnahmen bloss an einem Ort finanziert werden
können, dies jedoch unabhängig davon, ob es sich um die elterliche Wohnung handelt
oder nicht.
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2.2 Grundsätzlich kann also vorliegend ein Anspruch auf bauliche Massnahmen an
der elterlichen Wohnung bestehen. Entscheidend ist diesbezüglich insbesondere, ob
der Beschwerdeführer überhaupt das Bedürfnis verspürt, regelmässig einige Tage bei
seinen Eltern zu verbringen. Selbstverständlich könnte ein Interesse nur der Eltern, den
Beschwerdeführer regelmässig bei sich zu haben, keinen Hilfsmittelanspruch auslösen.
Den Akten lässt sich nicht entnehmen, ob der Beschwerdeführer ein solches Bedürfnis
verspürt, da er nie persönlich befragt worden ist. Zwar kann er nur beschränkt
kommunizieren und folglich wohl keine differenzierte Antwort auf die Frage nach seinen
Bedürfnissen geben. Das bedeutet aber nicht, dass es zum Vorneherein als
aussichtslos erscheint, vom Beschwerdeführer eine weiterführende Antwort auf die
Frage, ob er regelmässig die Wochenenden und Feiertage bei seinen Eltern verbringen
wolle, zu erhalten. Folglich kann nicht in antizipierender Beweiswürdigung auf eine
persönliche Befragung des Beschwerdeführers verzichtet werden. Die Befragung muss
also noch durchgeführt werden. Da es sich dabei um die Ermittlung des
massgebenden Sachverhaltes handelt und da die Sachverhaltsermittlung die
ureigenste Aufgabe der Verwaltung darstellt, kann es nicht die Aufgabe des
Versicherungsgerichtes sein, diese Befragung durchzuführen. Vielmehr ist die Sache
hierfür an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Da das Bedürfnis des
Beschwerdeführers und nicht das Bedürfnis der Eltern des Beschwerdeführers
entscheidend ist und da nicht davon ausgegangen werden kann, dass die Eltern
objektiv zum Bedürfnis ihres Sohnes Stellung nehmen können, ist ausschliesslich der
Beschwerdeführer zu befragen.
2.3 Auch wenn der Beschwerdeführer laut den Akten bei seinen Eltern wohl besser
auf Therapiemassnahmen anspricht, das heisst die Therapien in der elterlichen
Wohnung wirksamer sind als im Heim (vgl. IV-act. 121–4 f.), rechtfertigt dies für sich
allein noch nicht die Vergütung der Kosten der baulichen Massnahmen durch die
Invalidenversicherung. Massnahmen, welche die Wirksamkeit von Therapien erhöhen,
können nämlich nicht unter den Begriff der Hilfsmittel subsumiert werden, sondern
stellen vielmehr therapeutische Massnahmen dar. Als rein therapeutische Massnahme
müsste der Umbau der elterlichen Wohnung als unverhältnismässig qualifiziert werden,
weil der dadurch erzielte Erfolg der (wohl beschränkten) Steigerung der
Therapieeffizienz die hohen Kosten nicht aufwiegen würde. Ein Anspruch auf die
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Vergütung der Umbaukosten durch die Invalidenversicherung lässt sich also nicht mit
der Steigerung der Wirksamkeit der Therapie begründen.
2.4 Sollte sich ergeben, dass der Beschwerdeführer selbst den Wunsch verspürt,
regelmässig einige Tage bei seinen Eltern zu verbringen, müsste das Gesuch um die
Übernahme der Kosten der baulichen Änderungen im Grundsatz gutgeheissen werden.
Mit anderen Worten stünde diesfalls fest, dass der Beschwerdeführer einen Anspruch
auf die baulichen Änderungen der elterlichen Wohnung zulasten der
Invalidenversicherung hätte, die notwendig wären, um ihm die regelmässigen
Übernachtungen bei den Eltern mit einem zumutbaren Aufwand zu ermöglichen.
Hinsichtlich der konkreten Massnahmen wäre diesfalls selbstverständlich in einem
zweiten Schritt zu prüfen, welche spezifischen Massnahmen als einfach, zweckmässig
und wirtschaftlich zu qualifizieren wären. Der von den Eltern des Beschwerdeführers
eingereichte Kostenvoranschlag (IV-act. 91) sieht Umbaukosten von total rund 85’000
Franken vor. Dieser Betrag ist noch als verhältnismässig zu qualifizieren, wenn der
Beschwerdeführer tatsächlich jedes zweite Wochenende und die Feiertage bei seinen
Eltern verbringen will und wenn davon ausgegangen werden kann, dass dies
mindestens für die nächsten Jahre so bleiben wird. Die Beschwerdegegnerin wird also
zu untersuchen haben, ob das Gesuch noch aktuell ist und ob der Beschwerdeführer
und seine Eltern gewillt sind, die Investitionen während der nächsten Jahre im Sinne
des Antrages zu nutzen. Weiter wird die Beschwerdegegnerin zu prüfen haben, ob die
Invalidenversicherung sämtliche der beantragten Kosten zu vergüten hätte oder ob der
angestrebte Zweck, dem Beschwerdeführer regelmässige Übernachtungen bei den
Eltern zu ermöglichen, mittels einfacherer und günstigerer baulicher Massnahmen
erreicht werden könnte. Hierfür wird sie gegebenenfalls eine Expertise einzuholen
haben. Anschliessend wird sie erneut über den Hilfsmittelanspruch bezüglich der
baulichen Massnahmen zu verfügen haben.
3. Praxisgemäss gilt die Rückweisung einer Sache zur Durchführung weiterer
Abklärungen hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen als vollständiges
Obsiegen der Beschwerde führenden Partei. Folglich sind die auf 600 Franken
festzusetzenden Gerichtskosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen; dem
Beschwerdeführer wird der von ihm geleistete Kostenvorschuss von 600 Franken
zurückerstattet. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine
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praxisgemäss auf 3’500 Franken (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer)
festzulegende Parteienschädigung auszurichten.