Decision ID: cb909ef5-2647-40ce-b534-4fd4b2b48f5f
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1981, besuchte 12 Jahre die Schule im Kosovo (Urk. 8/2/5, Urk. 8/8/3
)
. Gemäss eigenen Angaben lebte er
in den Jahren
1999
bis
2008 in Amerika und arbeitete dort als Service
angestellte
r in einem Restaurant. Danach
wohnte er in
Schweden, wo er
v
on 2008 bis
2013 als Gipser tätig
war
(Urk. 8/6/57)
.
Nach seiner Einreise in die Schweiz im Jahr 2013 war er
weiterhin
als Gipser tätig
, wobei er zuletzt ab
dem 1. April 2018 bei der
Y._
GmbH ange
stellt
war
(Urk. 8/13/1
, Urk. 8/9
). Am 17. August 2018 erlitt er einen
Verkehrs
unfall
, als
ihm ein nach rechts abbiegendes Auto den Vortritt genommen und sein Motorrad so touchiert habe, dass er zu Boden gegangen und auf die rechte Schulter gestürzt sei (Urk. 8/6/151, Urk. 8/6/113, Urk. 8/6/107). Er begab sich noch am selben Tag notfallmässig ins Spital
Z._
(Urk. 8/6/124
).
In der Folge wurde er insgesamt dreimal an der rechten Schulter operiert (Operationen vom
23
. August 2018,
30. November
2018 und 18. April 2019, Urk. 8/6/133, Urk. 8/6/91, Urk. 8/6/46).
Ab
dem
17. August 2018
wurde ihm ausserdem
eine anhaltende 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert und er bezog Unfalltaggelder (vgl. Urk. 8/6/150, Urk. 8/6/131, Urk. 8/6/121, Urk. 8/6/106, Urk. 8/6/85 ff., Urk. 8/20/60 f.).
Das Arbeitsverhältnis wurde seitens der Arbeitgeberin per 3
1.
Mai 2019 gekündigt (
Urk.
8/13/1).
Am 11. November 2019 meldete sich
der Versicherte
unter Hinweis auf den besagten Unfall bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/2/7 f.)
.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medi
zinische und erwerbliche Situation ab und zog Akten der Unfallversicherung bei (Urk. 8/6, Urk. 8/12, Urk. 8/20).
Vom 28. Juli bis 24. August 2020
befand sich
der Versicherte
überdies
zur
ambulante
n
Rehabilitation
in der Rehaklinik
A._
(Urk. 8/21).
Nachdem die IV-Stelle dem
Versicherten
mit
Vorbescheid vom 4. September 2020
die
Verneinung eines Anspruchs auf Arbeitsvermittlung, auf Umschulung und eine Invalidenrente
angekündigt
hatte
(Urk. 8/23),
verfügte sie am
15. Oktober 2020
im gleichen Sinn
(Urk. 8/24 = Urk. 2). Am 25. November 2020
verneinte
die
Unfallversicherung
sodann
einen
Anspruch
des Versicherten
auf eine Invalidenrente
und
eine Integritätsen
tschädigung (Urk. 8/27/2 ff.).
2.
Gegen die Verfügung der IV-Stelle vom 15. Oktober 2020 erhob der Versicherte am
13. November 2020 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zu weiteren Abklärungen und zwecks Prüfung beruflicher Massnahmen, eventualiter zur Ren
ten
prüfung, zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2). Seiner Beschwerde legte er den pro
visorischen Kurzbericht der Rehaklinik
A._
vom 24. August 2020 bei (Urk. 3). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 4. Januar 2021 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7).
In seiner Replik vom
14. April 2021
hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest (Urk. 13 S.
3). Er
machte
jedoch
neu geltend,
sofern kein Anspruch auf berufliche Massnahmen bestehe, sei die Sache eventualiter an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese erneut über Frühinterventionsmassnahmen entscheide
(Urk. 13
S. 6 f.
)
. D
ie Beschwerdegegnerin
verzichtete
am 4. Mai 2021 auf das Einreichen einer Duplik (Urk. 16). Dies wurde dem Beschwerdeführer am 6. Mai 2021 zur Kenntnis gebracht (Urk. 17).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
3
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1
IVG
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
). Nach Massgabe der Art. 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2
lit
. c IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbs
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung, die bisherige Tätigkeit als Gipser sei dem Beschwerdeführer nic
ht mehr zumutbar. Hingegen könn
e er eine opti
mal angepasste Tätigkeit zu 100
% ausüben. Da weder psychi
sche Beschwerden noch Sinnesbeeinträchtigungen bestünden, sei das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV)
für ihn
zuständig. Ein Umschulungsanspruch bestehe ebenfalls nicht, da der Beschwerdeführer über keine in der Schweiz anerkannte Ausbildung verfüge und das vor dem Unfall erwirtschaftete Ein
kommen zu tief gewesen sei.
Die fehlenden Deutschkenntnisse seien invaliden
versicherungsrechtlich nicht relevant und könnten nicht berücksichtigt werden
(
Urk.
2 S. 1).
Es sei dem
Beschwerdeführer
möglich,
in einer adaptierten Tätigkeit ein rentenausschliessendes Einkommen
zu
erzielen (Urk. 2 S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, die Voraus
setzung für die
Zusprechung
einer Umschulungsmassnahme sei, dass die versi
cherte Person vor Eintritt der Invalidität eine Berufsausbildung abgeschlossen oder ein bestimmtes Erwerbseinkommen erzielt habe.
Letzteres
sei bei ihm ganz offensichtlich der Fall (Urk. 1 S. 4).
Die Sach- und Rechtslage sei unvollständig abgeklärt (
Urk.
1 S. 5).
Auch wenn eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit bestehe, schliesse das den Anspruch auf eine Umschulung nicht aus, allerdings sei eine Einkommenseinbusse von 20
%
notwendig, die bei ihm gegeben sei. Die Beschwerdegegnerin habe gar keinen Einkommensvergleich vor
genommen (
Urk.
13 S. 3).
D
er Einkommensvergleich der Unfallversicherung
habe einen Invaliditätsgrad von 2.6 % ergeben. Die Beschwerdegegnerin habe
beim Einkommensvergleich
seine persönlichen Umstände und die funktionellen Einschränkungen nicht berücksichtigt. Diese wirkten sich in einer Verweistätigkeit realistischerweise lohn
mindernd aus (Urk. 13 S. 4). Das Abstellen auf die
vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE
) erfahre in der Lehre
überdies
zusehends begründete Kritik
, dies gestützt auf neue Studien.
Es recht
fertige sich ein Leidensabzug von 20 % auf dem Invalideneinkommen. Im Ergeb
nis sei von einem Invaliditätsgrad von 22 % auszugehen. Daher sei der Anspruch auf berufliche Massnahmen
von der Beschwerdegegnerin
erneut zu prüfen. Ferner bestehe zwar kein Rechtsanspruch auf Frühinterventionsmassnahmen (Urk. 13 S. 5). Allerdings sei das Ziel der Bestimmung
nicht ausser Acht zu lassen (Urk. 13 S. 5 f.). Es sei überwiegend wahrscheinlich, dass beispielsweise das Absolvieren eines Deutschkurses gestützt auf Art. 7d
Abs.
2
lit
. b IVG die Anzahl der verfüg
baren Verweistätigkeiten für ihn erhöhe (Urk. 13 S. 6).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf
Eingliederungs
massnahmen oder eine Rente
der Invalidenversicherung hat.
Da auf
Massnahmen der Frühintervention kein Recht
sanspruch besteht (Art. 7d Abs.
3 IVG)
, lässt sich der Anspruch nicht auf dem Rechtsweg durchsetzen. Auf
den Antrag betreffend Frühinterventionsmassnahmen ist daher mangels
eines
Anfechtungsobjekt
s
nicht einzutreten
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_478/2016 vom 7. Oktober 2016 E. 4.3.2,
Erwin
Murer
, Invalidenversicherung: Prävention, Früherfassung und Integration, 2009
,
Rz
41 zu Art. 7d).
3.
3.1
Der Beschwerdeführer
erlitt beim Unfall
eine
Akromioklavikulargelenkluxation
Tossy
III rechts sowie eine Schürfwunde am linken Daumen (
Urk.
8/6/124). Aufgrund der deutlichen Achs
enfehlstellung des
Akromioklavik
ulargelenks
(AC-Gelenks)
wurde
am 23. August 2018
eine Operation am Schultergelenk
durch
geführt (Urk. 8/6/133 f.).
Anlässlich der Sprechstunde vom 23. November 2018
im Spital
Z._
beschlossen
die Ärzte aufgrund der störenden Hakenplatte
und der verheilten Bandsituation
die
Entfernung
des Implantats. Gemäss B
ericht vom 5. Dezember 2018 wurde diese
Operation
am 30. November 2018 vorgenommen (Urk. 8/6/91).
Die Ärzte des Spitals
Z._
hatten
dem Beschwerdeführer
seit dem 17. August 2018
jeweils eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (Urk. 8/6/150, Urk. 8/6/131, Urk. 8/6/121, Urk. 8/6/106, Urk. 8/6/87).
3.2
Im Sprechstundenbericht vom 27. März 2019 hielt der lei
t
ende Arzt
der Ortho
pädie
des Spitals
Z._
eine anhaltende AC-Gelenkssymptomatik mit vermehrter Instabilität im Sinne einer
Rockwood
2b-Schulter rechts fest (Urk. 8/6/68).
Zusätzlich bestehe eine Läsion der kranialen
Rotatorenmanschette
, welche aber nicht überwiegend führend für die Grundproblematik sei.
Der
Leidensdruck
sei hoch. Der Beschwerdeführer sei aufgrund dieser Beschwerden derzeit
als Gipser
nicht
arbeitsfähig.
E
r wünsche die weitere operative Behandlung. Es
werde
eine Revision
des AC-Gelenks
empfohlen
(Urk. 8/6/69).
Am
18. April 2019
unterzog sich der Beschwerdeführer
einer arthroskopischen transossär-äquivalenten Rekonstruktion der
Rotatorenmanschette
, einer
supra
pectoralen
Bizepssehnentenodese
, einer Revision des AC-Gele
nks mit einer
cora
coclavicularen
Stabilisation, einer AC-Gelenksdekompression und einer plas
tischen Rekonstruktion und Augmentation der AC-Gelenkskapsel an der rechten Schulter (Urk. 8/6/46).
Am 16. Juli 2019 berichteten die Ärzte des Spitals
Z._
, Orthopädie, über einen regulären postoperativen Heilungsverlauf. Sie attestierten dem Beschwerdeführer weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 8/6/24).
3.3
Am 3. September 2019 stellten die Orthopäden des Spitals
Z._
die Diagnose einer leichten adhäsiven Kapsulitis mit
subakromialer
Impingement
-Sympto
matik der rechten Schulter
. Der Beschwerdeführer berichte insgesamt über ein gutes Befinden. Er benötige keine Schmerzmi
ttel mehr und führe regelmässig
Physiotherapie durch
(Urk. 8/6/19). Klinisch zeige sich eine Restsymptomatik. Diesbezüglich sei eine Infiltration
glenohumeral und
subakromial
erfolgt. Die 100%ige Arbeitsunfähigkeit sei bis zur Verlaufskontrolle verlängert worden
(Urk. 8/6/20).
Die Ärzte berichteten sodann am
4.
Oktober 2019, die Infiltration habe keinen Einfluss auf die Schmerzsymptomatik gehabt. Der Beschwerdeführer gebe aktuell Schmerzen im Ruhezustand
und be
i Bewegung
im Überkopfbereich
an
(Urk. 8/6/14). Nach einer Infiltration seien die Ruhebeschwerden vollständig weg gewesen und es habe sich eine uneingeschränkte Schulterbeweglichkeit mit erhaltener Funktion und Kraft gezeigt.
Die Ärzte
verordneten
erneut Physiothe
rapie und empfahlen ein Arbeitsplatz-Assessment durch die Unfallversicherung
, dies gegebenenfalls mit der Unterstützung zur beruflichen Wiedereingliederung als Gipser.
Die 100%ige Arbeitsunfähigkeit werde bis zum 31. Oktober 2019 ver
längert. Im Anschluss könne
dem Beschwerdeführer
ein 50%iges Arbeitspensum
mindestens mit
körperlich
en
Tätigkeiten unterhalb der Horizontalen zugemutet werden (Urk. 8/6/15).
3.4
Am 25. Oktober 2019 begab sich der Beschwerdeführer für eine Zwei
t
meinung in die
Schultersprechstunde der
Universitätsklinik
B._
.
Die
Ärzte
stellten die Diagnose einer adhäsiven Kapsulitis rechts (Urk. 8/6/9). Dazu ergänzten sie, beim Beschwerdeführer bestehe eine immer noch ausgeprägt schmerzhafte
Frozen
shoulder
. Es werde eine glenohumerale Infiltration unter Durchleuchtung durch
geführt. Er sei weiterhin zu 100 % arbeitsunfähig (Urk. 8/6/10).
Nachdem der Beschwerdeführer von der durchgeführten glenohumeralen Infilt
ration nicht profitiert hatte, verschrieben
ihm
die
Ärzte eine
anti
-
inflammato
rische Medikation und veranlassten ein MRI der rechten Schulter (Urk. 8/12/27).
Mit Bericht vom 6. März 2020 hielten sie einen gleichgebliebenen Status mit beträchtlichen Nachtschmerzen und Schmerzen bei der aktiven Elevation fest, dies trotz Physiotherapie und Medikation
(Urk. 8/12/20). MR-tomographisch zeige sich erfreulicherweise eine intakte Rekonstruktion der
Rotatoren
man
schette
, jedoch ein verdicktes Intervall und ein verkleinerter
Rezessus
axil
laris
, passend zum klinischen Bild der Kapsulitis. Diese sei über den Verlauf des Jahres tendenziell etwas besser geworden. Es sei daher am konservativen Proze
dere festzuhalten. Der Beschwerdeführer sei über den potentiell langen Verlauf einer
Frozen
shoulder
aufgeklärt worden. Es seien vorerst keine Verlaufskon
trollen geplant
(Urk. 8/12/21).
3.5
Vom 28. Juli bis 24. August 2020
befand
sich der Beschwerdeführer zur ambu
lanten
Tagesr
ehabilitation in der Rehaklinik
A._
.
Im
Austrittsbericht vom 28. August 2020 nannten die Behandler
als im Vordergrund stehende Probleme eine reduzierte Beweglichkeit des Schultergelenks mit einer schmerzhaften Range-
of
-Motion vor allem bei Aussenrotation, Anteversion und Elevation.
Es
bestünden b
elastungs- und bewegungsabhängige Schmerzen der rechten Schulter und
ausserdem eine unklare berufliche Zukunft, da der Beschwerdeführer aktuell stellenlos sei (Urk. 8/21/1 f.).
Das Ausmass der Einschränkungen l
a
sse sich mit den objektivierbaren pathologischen Befunden der klinischen Untersuchung sowie den Diagnosen aus somatischer Sicht gut erklären
, der Beschwerdeführer habe motiviert
die
Therapien mitgestaltet und
habe
leistungsbereit bei den Tests mitgemacht
(Urk. 8/21/2).
Es werde eine erneute Verlaufskontrolle in der ortho
pädischen Sprechstunde der Universitätsklinik
B._
zur weiteren Festlegung des Prozederes und auch zur Beurteilung der weiteren Prognose empfohlen (Urk. 8/21/1).
Zur Arbeitsfähigkeit fügten die Behandler an,
die
bisherige Tätigkeit als Gipser sei dem Beschwerdeführer nicht mehr zumutbar.
Die Anforderungen seien bei dieser schweren, die Schulter belastenden Tätigkeit zu hoch.
Aktuell sei eine leichte bis mittelschwere Arbeit ganztags möglich.
Es müsse sich um eine Beschäftigung ohne repetitiven Krafteinsatz des rechten Armes,
ohne länger
dauernd
e
Tätigkeiten
über der
rechten
Schulterhöhe, ohne Hantieren
mit
Gewich
ten in der Körperferne (mit langem Heben) und ohne Schläge oder Vibrationen auf die rechte obere Extremität
handeln
.
Diese Zumutbarkeit gelte, sofern sich bei den weiteren Kontrollterminen aus orthopädischer Sicht keine grundsätzlich neuen Erkenntnisse/Massnahmen ergäben
(Urk. 8/21/2).
Während des Aufenthaltes in der Rehaklinik sei der Beschwerdeführer zudem in der «Fachstelle Arbeit» angemeldet worden. Die Abklärungsperson habe festge
halten, die fehlenden Deutschkenntnisse stellten eine zusätzliche Einschränkung dar. Es bestehe eher kein Anspruch auf Umschulungsmassnahmen der Invaliden
versicherung. Zudem sei davon auszugehen, dass seine im Ausland absolvierte Berufsausbildung in der Schweiz nicht anerkannt werde. Der Beschwerdeführer werde in Zukunft eine seinen körperlichen Beschwerden angepasste Tätigkeit aus
üben müssen. Er sei als
«
Eingliederungsfall
»
zu betrachten. Auf dem ersten Arbeits
markt werde der Beschwerdeführer vermutlich keine grossen Auswahl
möglichkeiten haben und er werde flexibel sein müssen.
Es wäre zudem hilfreich, wenn er niederschwellig
–
beispielsweise im Rahmen von Frühinterventionsmass
nahmen
–
unterstützt werde
(Urk. 8/21/3).
4.
Aufgrund der Akten steht fest und ist unbestritten, dass dem Beschwerdeführer seine bisherige Tätigkeit als Gipser seit seinem Unfall vom 17. August 2018 nicht mehr zumutbar ist (Urk. 8/21/2, vgl. Urk. 8/6/150, Urk. 8/6/131, Urk. 8/6/121, Urk. 8/6/106, Urk. 2 S. 1, Urk. 13). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit stützte sich die Beschwerdegegnerin offenbar
auf
die Berichterstattung der
Rehaklinik
A._
vom 28. August 2020
(Urk. 2 S. 1,
Urk. 8/22/4).
Darin bescheinigten
die Behandler dem Beschwerdeführer
zum Zeit
punkt des Austritts eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit
.
Sie merkten zwar an, die festgelegte Zumutbarkeit gelte, sofern sich bei den weiteren Kontrollterminen
in der Universitätsklinik
B._
aus orthopädischer Sicht keine grundsätzlich neuen Erkenntnisse oder Massnahmen ergäben (Urk. 8/21/
2
).
Solche weiteren Erkenntnisse sind indes nicht aktenkundig. Die Ärzte der Universitätsklinik
B._
hatten
denn auch
bereits
in ihrem letzten
Verlaufsbericht vom 6. März 2020
von einem
gleichgebliebenen Status
der rechten Schulter
mit beträchtlichen Nachtschmerzen und Schmerzen bei der aktiven Elevation
gesprochen
(Urk. 8/12/20).
Gleichzeitig führten sie aber auch aus, die Kapsulitis
sei über den Verlauf des Jahres tendenziell etwas besser geworden
, weshalb am
konservativen Prozedere
festgehalten werde. Eine weitere Verlaufskontrolle
hatten sie nicht ge
plant
(Urk. 8/12/21).
Daher ist mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Beschwerdeführer
s
eit dem Austritt aus der Rehaklinik
A._
am 24. August 2020 in einer Tätigkeit ohne repeti
tiven Krafteinsatz des rechten Armes, ohne längerdauernde Tätigkeiten über der rechten Schulterhöhe, ohne Hantieren mit körperfernen Gewichten mit langen Hebeln und ohne Schläge oder Vibrationen auf die rechte obere Extremität voll leistungsfähig
ist
, was seitens des Beschwerdeführers auch nicht bestritten wird
(Urk. 8/21/2
,
Urk.
1,
Urk.
13
).
Bis zu diesem Zeitpunkt war der Beschwerdeführer auch in einer angepassten Tätigkeit nicht arbeitsfähig.
Dies bestätigte
insbesondere
der Kreisarzt am 27. März 2020, als er festhielt, der Beschwerdeführer befinde sich noch in der medizinischen Phase. Er erklärte, es sei der Folgetermin in der Universitätsklinik
B._
abzuwarten
,
und
akzeptiert
e
in dieser Zeit e
ine 100%ige Arbeitsunfähig
keit (Urk. 8/20/48).
Die Zumutbarkeitsbeurteilung fand schliesslich
im Rahmen
der ambulanten R
ehabilitation in
A._
statt. Anlässlich dieser wurde
– wie bereits erwähnt – eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit festgehalten (Urk. 8/21/2).
Insbesondere
konnte anlässlich des Rehabi
litationsaufenthaltes
eine Verbess
erung der Schulterbeweglichkeit,
eine Steige
rung der allgemeinen körperlichen Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit sowie
eine Verbesserung
der Schulterbelastbarkeit
erreicht werden
(Urk. 8/21/3).
Somit is
t
vom 17. Aug
u
st 2018
bis zum Austritt aus der Rehaklinik
A._
am 24. August 2020 von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit
in sämtlichen Tätig
keiten
auszugehen.
5.
5.1
Zwecks Ermittlung der mit der dauerhaften Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Gipser verbundenen
Erwerbseinbusse
ist ein Einkommensvergleich durchzuführen (Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG).
Wie der Beschwerdeführer korrekt anmerkt (
Urk.
13 S. 3 f.), nahm die Beschwerdegeg
nerin in der angefochtenen Verfügung keinen Einkommensvergleich vor.
Sie führte lediglich aus, der Beschwerdeführer verfüge über keine in der Schweiz anerkannte Ausbildung und das vor dem Unfall bei der
Y._
GmbH erwirt
schaftete Einkommen sei zu tief gewesen (Urk. 2 S. 1).
Sinngemäss kann der Verfügung allerdings entnommen werden, dass die
Beschwerdegegnerin davon aus
ging
, die rechtsprechungsgemäss geforderte
, in der Regel notwendige
Erwerbs
einbusse von 20 % für eine Umschulung
(vgl. E. 7.1 nachfolgend)
liege nicht vor und es sei auch kein Mindestinvaliditätsgrad von 40 % erreicht.
5.
2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 144 I 103 E. 5.3, 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
Der Beschwerdeführer ist seit seinem Unfall vom 17. August 2018 nicht mehr arbeitsfähig in seiner bisherigen Tätigkeit als Gipser (Urk. 8/6/150, Urk. 8/6/131, Urk. 8/6/121, Urk. 8/6/106). Das Wartejahr war demnach in Anwendung von Art. 28
Abs.
1
lit
. b IVG am 16. August 2019 bestanden. Nachdem sich der Beschwerdeführer am 11. November 2019 bei der Beschwerdegegnerin ange
meldet hatte (Urk. 8/2/8)
,
konnte ein Rentenanspruch nach Ablauf der sechs
monatigen Karenzfrist frühestens am 1. Mai 2020 entstehen (Art. 29
Abs.
1 und 3 IVG).
Gemäss Angaben der
Y._
GmbH hätte der Beschwerdeführer dort per
2020
ein
Einkommen von Fr.
70'821.60
erzielt
(Urk. 8/20/24)
, was als
Valideneinkommen
zu gelten hat
.
5.
3
5.3.1
Für die Festsetzung des trotz Gesundheitsschädigung
zumutbarerweise
noch realisierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die ver
sicherte Person konkret steht (BGE 139 V 592 E. 2.3; 135 V 297 E. 5.2; 129 V 472 E. 4.2.1; 126 V 75 E. 3b/
aa
). Übt eine versicherte Person nach Eintritt eines unfallbedingten Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aus, so dass bei der Bestimmung des Invaliden
einkommens nicht von dem mit der aktuellen erwerblichen Betätigung erzielten Verdienst ausgegangen werden kann, können nach der Rechtsprechung bei der Invaliditätsbemessung die Tabellenlöhne
gemäss
den LSE herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1). Dabei sind grund
sätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3).
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allen
falls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und
Ausmass
der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäf
tigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Ein
zelfall nach
pflichtgemässem
Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc).
5.3.2
Der Arbeitgeber löste das Arbeitsverhältnis mit dem Beschwerdeführer per 31. Mai 2019 auf (Urk. 8/13/10). Im Mai 2020 war der Beschwerdeführer nicht erwerbstätig. Daher kann die Ermittlung des Invalideneinkommens nicht nach
Massgabe
der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles erfolgen und es sind die Tabellenlöhne der im Verfügungszeitpunkt aktuellsten LSE 2018 heranzuziehen.
Die Verwendung der Tabellenlöhne entspricht zudem nach wie vor der
ständigen
bundesgerichtlichen Rechtsprechung (
vgl. beispielsweise Urteil des Bundes
gerichts 8C_
761
/20
20
vom
2
9.
April 2021
E.
7.1
), weshalb
davon
entgegen de
m
Einwand des Beschwerdeführers (Urk. 13 S. 5)
auch vorliegend
nicht abzuwei
chen ist.
Dabei ist auf den monatlichen Bruttolohn für Hilfsarbeitertätigkeiten männlicher Angestellter im untersten Kompetenzniveau 1 von Fr. 5'417.-- abzustellen (LSE
2018, TA1, monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Wirtschaftszweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht, Privater Sektor, Total).
Im Austrittsbericht der Rehaklinik
A._
ist zwar von einer im Ausland abgeschlossenen Ausbildung die Rede (Urk. 8/21/3). Der Beschwerdeführer selbst gab jedoch sowohl im Rahmen der Anmeldung bei der Beschwerdegegnerin als auch im Rahmen des Standortgesprächs an, er habe 12 Jahre die Schule im Kosovo besucht und keine Ausbildung abgeschlossen (Urk. 8/2/5, Urk. 8/8/3).
Dies bestätigte er auch im
Rahmen der Replik (Urk. 13 S. 4).
Ein
Abstellen auf
das
Kompetenzniveau 1
erscheint daher sachgerecht
.
Aufgerechnet auf die durchschnittliche betriebsübliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden pro Woche (vgl. Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen
, Tabelle
T
03.02.03.01.04.01
) und angepasst an die Entwicklung der Nominallöhne
(0.9 % im Jahr 2019 und 0.8 % im Jahr 2020, [
vgl. Entwicklung der Nominallöhne, Bundesamt für Statistik, T 39, Männer
und Quartalsschätzung für das Jahr 2020, vgl.
www.bfs.admin.ch
, Lohnentwicklung]),
resultiert ein Invalideneinkommen von gerundet Fr. 5‘
744
.-- pro Monat (Fr. 5‘417.--: 40.0 x 41.7
x 0.9 x 0.8
) respektive gerundet Fr. 68‘
92
6
.-- pro Jahr.
5.
4
Zu prüfen ist ein allfälliger Abzug vom Tabellenlohn des Invalideneinkommens. Der Beschwerdeführer verlangt einen Tabellenabzug von 20 % und verweist zunächst auf seinen ausländerrechtlichen Status, seine fehlende Ausbildung und seine rudimentären Deutschkenntnisse (Urk. 13 S. 4). Diesbezüglich ist zu erwäh
nen, dass
vorliegend weder die mangelnden Sprachkenntnisse noch die fehlende Ausbildung des Beschwerdeführers abzugsrelevant sind. Diesen Aspekten wurde bereits bei der Wahl des untersten Kompetenzniveaus
1
Rechnung getragen
, weshalb
kein weiterer Abzug gerechtfertigt ist (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_549/2019 vom 26. November 2019 E. 7.7 und
8C_151/2020 vom 15. Juli 2020 E. 6.3.4 mit Hinweis
).
Auch der ausländerrechtliche Status des Beschwerde
führers vermag keinen Abzug vom Tabellenlohn zu rechtfertigen (Urteil des Bundesgerichts 9C_318/2015 vom 10. Dezember 2015 E. 4.3).
Was die funktionellen Einschränkungen des Beschwerdeführers anbelangt, so ist dem Belastungsprofil des Austrittsberichts der Rehaklinik
A._
zu entnehmen, dass
der
Beschwerdeführer in einer
leichten bis mittelschweren
Tätigkeit ohne repetitiven Krafteinsatz des rechten Armes, ohne längerdauernde Tätigkeiten über der rechten Schulterhöhe, ohne Hantieren mit körperfernen Gewichten mit langen Hebeln und ohne Schläge oder Vibrationen auf die rechte obere Extremität voll leistungsfähig ist (Urk. 8/21/2).
Damit ist grundsätzlich von einem genügend breiten Spektrum an zumutbaren Verweisungstätigkeiten auszugehen.
Denn d
er Beschwerdefü
hrer ist mehrsprachig (darunter auch
sehr gut Englisch und
Schwedisch), er steht noch
m
itten im Erwerbsalter und wird als positiv wirkender und motivierter Versicherter beschrieben.
Sein mangelhaftes Deutsch begründete er damit, dass er es auf den Baustellen nicht gebraucht hatte, eine grundsätzliche Sprachbegabung scheint er auf alle Fälle zu haben. Er wurde vom Arbeitgeber geschätzt und hätte wieder dort arbeiten können, wenn seine Gesundheit die Tätigkeit wieder zugelassen hätte, was nun nicht der Fall ist. Für einen Abzug vom Tabellenlohn aufgrund eines völlig unrealistischen, dem Beschwerdeführer nicht offen stehenden Arbeitsmarktes, wie dies von ihm mit Blick auf die Lehre gefordert wird (
Urk.
13 S. 5), besteht unter diesen Umständen
kein Anlass.
Der Umstand allein, dass nur noch leichte bis mittelschwere Tätigkeiten zumutbar sind, ist kein Grund für einen leidensbedingten Abzug, zumal der Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts 9C_447/2019 vom 8. Oktober 2019 E. 4.3.2). In Anbetracht der Einschränkungen des rechten
dominanten
Armes erscheint ein Leidensabzug von 5 % – wie ihn die Unfallversicherung vornahm
(Urk. 8/27/3)
–
gerade
noch angemessen. Damit reduziert sich das Invaliden
einkommen auf geru
ndet Fr. 65‘48
0
.-- (Fr. 68‘92
6
.--
x 0.95).
Dass der Beschwer
deführer ein solches trotz seiner Einschränkungen erzielen kann, davon ist aus
zugehen.
5.
5
Vergleicht man das
Valideneinkommen
von
Fr.
70'821.60
.--
mit dem Invaliden
einkommen von Fr. 65‘48
0
.-- resultiert ein invaliditätsbedingter Minderverdienst von Fr.
5‘341.60
.-- und somit
ab Austritt aus der Rehaklinik
A._
am 24. August 2020
ein
rentenausschliessender
Invaliditätsgrad von gerundet 8 % (Fr.
—5‘341.60
x 100 /
Fr. 70'8
21.60
.--
, zum Runden: BGE 130 V 121).
Für die Zeit vom
1. Mai 2020 (frühestmöglicher Rentenbeginn) bis zum Austritt aus
der
Reha
klinik
A._
am 24. August 2020 besteht bei einer 100%igen Arbeits
unfähigkeit in j
eglicher Tätigkeit ein gleich ho
her Invaliditätsgrad von 100 %
.
Gemäss
Art. 88a Abs. 1
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
ist eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird. Gestützt darauf hat der Beschwerdeführer Anspruch auf
eine ganze Rente vom 1. Mai bis zum 30. November 202
0.
6.
6.1
Arbeitsunfähige (
Art.
6 ATSG) Versicherte, welche eingliederungsfähig sind, haben gemäss
Art.
18
Abs.
1 IVG Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche eines
geeigneten Arbeitsplatzes (
lit
. a) und auf begleitende Beratung im Hinblick auf die Aufrechterhaltung ihres Arbeitsplatzes (
lit
. b). Die IV-Stelle ver
anlasst diese Massnahmen unverzüglich, sobald eine summarische Prüfung ergibt, dass die Voraussetzungen dafür erfüllt sind (
Abs.
2).
Der Anspruch auf Arbeitsvermittlung bedarf weder der Invalidität noch eines Mindestinvaliditätsgrades. Zur Begründung dieses Anspruchs ist jedoch eine spezifische Einschränkung gesundheitlicher Art notwendig, wenn die Arbeits
fähigkeit einzig insoweit betroffen ist, als der versicherten Person nur leichte Tätigkeiten voll zumutbar sind. Die leistungsspezifische Invalidität des Anspruchs liegt vor, wenn die Behinderung Probleme bei der Stellensu
che verursacht. Dies trifft zum Beispiel
zu, wenn wegen Stummheit oder mangelnder Mobilität kein Bewerbungsgespräch möglich ist oder dem potenziellen Arbeitgeber die beson
deren Möglichkeiten und Grenzen der versicherten Person erläutert werden müssen (z.B. welche Tätigkeiten trotz Sehbehinderung erledigt werden können), damit sie überhaupt eine Chance hat, den gewünschten Arbeitsplatz zu erhalten
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_641/2015 vom 12. Januar 2016 E. 2 mit Hinweisen; vgl. auch Kreisschreiben über die
Eingliederungsmassnahmen
beruflicher Art [KSBE], Stand 1. Januar 2020,
Rz
5005).
Ist
die fehlende berufliche Eingliederung im Sinne der Verwertung der bestehenden Arbeitsfähigkeit nicht auf gesund
heitlich bedingte Schwierigkeiten bei der Stellensuche zurückführen, fällt die Arbeitsvermittlung nicht in die Zuständigkeit der Invalidenversicherung, sondern allenfalls
in jene
der Organe der Arbeitslosenversicherung
(Urteil des Bundes
gerichts I 630/02 vom 5. Dezember 2003 E. 3.1).
6.2
Aus dem Austrittsbericht der Rehaklinik
A._
geht hervor
, dass dem Beschwerdeführer leichte bis mittelschwere Tätigkeiten zumutbar sind.
Die gesund
heitlichen Einschränkungen des Beschwerdeführers bestehen primär in einer Minderbelastbarkeit der rechten Schulter (Urk. 8/21/2). Die geforderte spezifische Einschränkung gesundheitlicher Art muss sich jedoch dahingehend auswirken, dass diese selbst Probleme bei der Stellensuche verursacht. Derartige spezifische Einschränkungen sind vorliegend ohne Weiteres zu verneinen.
Auch die Abklärungsperson der Fachstelle Arbeit der Rehaklinik
A._
sah die Einschränkungen
bei der Arbeitssuche
darin, dass
der Beschwerdeführer
in der
Schweiz ohne Ausbildung
ist
und
mangelnde Deutschkenntnisse
hat
(Urk. 8/21/3).
Ein Anspruch auf Arbeitsvermittlung ist daher zu verneinen.
7.
7.1
Gemäss
Art.
17 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und
dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (
Abs.
1). Der Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit ist die Wiedereinschulung in den bisherigen Beruf gleichgestellt (
Abs.
2). Als Umschu
lung gelten gemäss
Art.
6
Abs.
1 IVV Ausbildungsmassnahmen, die Versicherte nach Abschluss einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vorgängige berufliche Ausbildung wegen ihrer Inva
lidität zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit benötigen.
Der Anspruch auf Umschulung setzt voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten Beruf und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumut
baren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbsein
busse von etwa 20 % erleidet, wobei es sich um einen blossen Richtwert handelt (BGE 124 V 108 E. 2a und b mit Hinweisen; vgl. auch BGE 130 V 488 E. 4.2; AHI 2000 S. 27 E. 2b und S. 62 E. 1 je mit Hinweisen).
7.2
Sofern die Beschwerdegegnerin den Abschluss einer beruflichen Ausbildung vor Eintritt der Invalidität als zwingend notwendig für eine Umschulung erachtet (vgl. Urk. 2 S. 1), ist ihr zu widersprechen, da eine generelle Unterscheidung zwischen Versicherten mit und ohne Berufsausbildung bei der Prüfung des Umschulungsanspruches nicht zulässig ist (
vgl. Art. 6 Abs. 1
IVV
sowie Urteil des Bundesgerichts I 210/05 vom 10. November 2005 E. 3.3.2
).
Hingegen
resultiert
beim Beschwerdeführer nach durchgeführtem Einkommens
vergleich
eine
Erwerbseinbusse
von
rund
Fr.
5‘
342
.--
und damit ein In
validitäts
grad von gerundet 8 %.
Der Richtwert des für den Umschulungsanspruch voraus
gesetzten
Invaliditätsgrad
es
von 20 %
ist damit
weit unterschritten, zumal auch bereits ein leidensbedingter Abzug von 5 % vorgenommen wurde.
Vom gefor
derten Mindestinvaliditätsgrad kann zwar bei jungen Versicherten mit entspre
chend langer verbleibender Aktivitätsdauer – wie
beim
Beschwerdeführer – abgewichen werden. Dies allerdings nur, wenn es sich bei den ohne Umschulung zumutbaren angepassten Tätigkeiten um unqualifizierte Hilfsarbeiten handelt, die
im Vergleich zur erlernten Tätigkeit qualitativ nicht als annähernd gleichwertig bezeichnet werden können (Urteil des Bundesgerichts 9C_320/2020 vom 6. August 2020 E. 2.2).
Der Beschwerdeführer war seit seiner Einreise in die Schweiz im Jahr 2013 ohne Ausbildung als
Gipser
tätig (Urk. 8/9). Dass er
im Rahmen dieser Tätigkeit beruflich aufgestiegen wäre, lässt sich den Akten nicht entnehmen und macht er auch nicht geltend.
Daher kann
insgesamt von der Gleichwertigkeit einer allgemeinen Hilfsarbeitertätigkeit mit einer solchen als ungelernter Gipser ausgegangen werden (vgl. beispielsweise
das
Urteil des Bundes
gerichts
8C_808/2017 vom 11. Januar 2018 E. 4.3).
Ein Anspruch
auf Umschulung besteht daher ebenfalls nicht.
Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass auch in der Zeit vom 1. Mai bis 30. November 2020 kein Anspruch auf
eine Umschulung
bestand, da der Beschwerdeführer in dieser Zeit vollständig arbeitsunfähig und damit auch nicht eingliederungsfähig war (Urteil des Bundesgerichts 9C_885/2008 vom 8. April 2009 E. 7).
7.3
Die Beschwerde ist teilweise gutzuheissen
, soweit auf sie einzutreten und
sie
nicht abzuweisen ist.
8.
8.1
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG in der hier anwendbaren, bis am 31. Dezember 2020 in Kraft gewesenen Fassung (Art. 83 ATSG) kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- zu bemessen und sind vorliegend auf Fr. 800.-- festzusetzen. Entsprechend dem geringfügigen Obsiegen des Beschwerdeführers sind sie zu drei Vierteln
(
Fr.
600.
)
dem Beschwerdeführer und zu einem Viertel
(Fr. 200.--)
der Beschwerde
gegnerin aufzuerlegen.
8.2
Bei diesem Verfahrensausgang steht dem Beschwerdeführer gegenüber der Beschwerdegegnerin eine Prozessentschädigung zu.
Diese wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Pro
zesses und dem Mass des Obsiegens bemessen
(
Art.
61
lit
. g ATSG
).
Rechtsanwältin
Evalotta
Samuelsson reichte keine Honorarnote ein, weshalb die Entschädigung in Anwendung der dargelegten Grundsätze ermessensweise auf Fr. 2‘400.-- festzusetzen ist.
Da der Beschwerdeführer nur in einem Punkt, nämlich hinsichtlich der befristeten Rente obsiegt, hingegen hinsichtlich der beruflichen
Eingliederungsmassnahmen
, zu
deren Anspruch
er sich vor allem
geäussert
hat,
unterliegt
und auf den Antrag betreffend
Frühinterventions
massnahmen
nicht einzutreten ist,
ist die Entschädigung um drei Viertel zu kürzen; die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer somit eine Prozess
entschädigung von
Fr.
600
.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
zu bezahlen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_568/2010 vom 3. Dezember 2010 E.
4.1 mit weiteren Hinweisen).