Decision ID: 443698ea-488a-5038-8146-d7cc218d3555
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1966, war seit dem
1.
September 2018
als Versicherungs
broker bei
der
Z._
AG
angestellt und damit bei der ÖKK Versicherungen AG (nachfolgend: ÖKK) für Berufs- und Nichtberufsunfälle sowie Berufskrankheite
n versichert
, als er am 2
9.
Juni 2019 auf der Treppe stürzte (vgl. Unfallmeldung vom
2.
Juli 2019,
Urk.
9/1).
Anlässlich der
gleichentags erfolgte
n
Erstbehandlung im Spital
A._
wurde
ein
Impingement
der rechten Schulter nach Kontusion
diagnostiziert
(vgl.
Urk.
9/4).
Die ÖKK erbrach
te die gesetzlichen Leistungen.
Mit Schreiben vom 2
1.
Januar 2021 (
Urk.
9/30)
lehnte
sie
eine Leis
tungspflicht rückwirkend über den 3
1.
Dezember 2019 hinaus ab und verzichtete auf eine Rückforderung. Dagegen erhob der Versicherte Einwände (vgl.
Urk.
9/34).
Mit Verfügung vom 2
8.
Januar 2021 (
Urk.
9/38) lehnte die ÖKK eine Leistungs
pflicht
rückwirkend
über den 3
1.
Dezember 2019 hinaus ab, da die
noch
beste
henden Beschwerden nicht unfallkausal seien, und verzichtete auf eine Rück
forderung. Die dagegen vom Versicherten erhobene Einsprache (
Urk.
9/43) wies die ÖKK mit Einspracheentscheid vom
6.
April 2021 (
Urk.
9/49 =
Urk.
2) ab.
Die zuständige Krankenkasse zog ihre vorsorglich erhobene Einsprache wieder zurück (
Urk.
9/46;
Urk.
9/48).
2.
Der Versicherte erhob am 1
1.
Mai 2021 Beschwerde gegen den Einsprache
entscheid vom
6.
April 2021 (
Urk.
2) und beantragte, dieser sei aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen ab
dem
1.
Januar 2020 weiter auszu
richten. Eventuell sei eine medizinische Begutachtung
durchzuführen
(
Urk.
1 S. 2).
Die ÖKK beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
5.
Juni 2021 (
Urk.
8) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2
1.
Juni 2021 (
Urk.
10) zur Kenntnis gebracht
und gleichzeitig der beantragte zweite Schriftenwechsel (vgl.
Urk.
1 S. 2) als nicht erforderlich erachtet wurde
. Die Eingabe des Beschwerdeführers vom
9.
Juli 2021 (
Urk.
11-12) wurde der Beschwerdegegnerin am 2
7.
Juli 2021
zur Kenntnis gebracht
(
Urk.
13)
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch bei den im Einzelnen in Abs. 2 aufgeführten Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind. Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teil
weise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss
Art.
16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat (
Art.
18 Abs. 1 UVG). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG).
1.2
Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG erbringt die Versicherung ihre Leistungen auch
bei folgenden
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind: Knochenbrüche (
lit
. a); Verrenkungen von Gelenken (
lit
. b), Meniskusrisse (
lit
. c), Muskelrisse (
lit
. d), Muskelzerrungen (
lit
. e), Sehnenrisse (
lit
. f), Bandläsionen (
lit
. g) und Trommelfellverletzungen (
lit
. h).
Diese Aufzählung der den Unfällen gleichgestellten Körperschädigungen ist abschliessend (BGE 146 V 51 E. 7.1 sowie BGE 116 V 136 E. 4a, 147 E. 2b, je mit Hinweisen).
Seit dem Inkrafttreten der Revision des UVG und der dazugehörigen Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) per 1. Januar 2017 ist das Bestehen einer vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung nicht
länger vom Vorliegen eines äusseren Ereignisses abhängig. Die Tatsache, dass eine in Art. 6 Abs. 2 UVG genannte Körperschädigung vorliegt, führt zur Vermu
tung, dass es sich hierbei um eine unfallähnliche Körperschädigung handelt, die vom Unfallversicherer übernommen werden muss. Dieser kann sich aber von der Leistungspflicht befreien, wenn er beweist, dass die Körperschädigung vorwie
gend auf Abnützung oder Krankheit zurückzuführen ist (Zusatzbotschaft zur Änderung des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [Unfallversicherung und Unfallverhütung; Organisation und Nebentätigkeiten der Suva] vom 19. September 2014,
BBl
2014 7922 7934 f.).
Gemäss BGE 146 V 51 ergibt sich aus der in Art. 6 Abs. 2 UVG vorgesehenen Möglichkeit des Gegenbeweises weiterhin die Notwendigkeit der Abgrenzung der vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung von der abnützungs- und erkrankungsbedingten Ursache einer Listenverletzung und damit letztlich zur Leistungspflicht des Krankenversicherers. Insoweit ist die Frage nach einem initialen
erinnerlichen
und benennbaren Ereignis - nicht zuletzt auch aufgrund der Bedeutung eines zeitlichen Anknüpfungspunktes (Versicherungsdeckung; Zuständigkeit des Unfallversicherers; Berechnung des versicherten Verdienstes; intertemporalrechtliche Fragestellungen) - auch nach der UVG-Revision relevant. Lässt sich dabei kein initiales Ereignis erheben oder lediglich ein solches ganz untergeordneter respektive harmloser Art, so verein
facht dies zwangsläufig in aller Regel den Entlastungsbeweis des Unfallver
sicherers. Denn bei der in erster Linie von medizinischen Fachpersonen zu beur
teilenden Abgrenzungsfrage ist das gesamte Ursachenspektrum der in Frage stehenden Körperschädigung zu berücksichtigen. Nebst dem Vorzustand sind somit auch die Umstände des erstmaligen Auftretens der Beschwerden näher zu beleuchten. Die verschiedenen Indizien, die für oder gegen Abnützung oder Erkrankung sprechen, müssen aus medizinischer Sicht gewichtet werden. Damit der Entlastungsbeweis gelingt, hat der Unfallversicherer gestützt auf beweis
kräftige ärztliche Einschätzungen - mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit - nachzuweisen, dass die fragliche Listenverletzung vorwie
gend, das heisst im gesamten Ursachenspektrum zu mehr als 50 %, auf Abnüt
zung oder Erkrankung zurückzuführen ist. Besteht das Ursachenspektrum einzig aus Elementen, die für Abnützung oder Erkrankung sprechen, so folgt daraus unweigerlich, dass der Entlastungsbeweis des Unfallversicherers erbracht ist und sich weitere Abklärungen erübrigen (E. 8.6).
1.3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invali
dität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des
natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Beding
ungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4
Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheits
schadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfall
fremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo
sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbe
grün
dende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatsache handelt, liegt die entsprechende Beweis
last
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausal
zusammenhang gegeben ist
nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallver
sicherer. Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rück
fällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_669/2019 vom 25. März 2020 E. 2.2 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch dieser Zustand noch nicht wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG Leistungen zu erbringen (Urteil des Bundesgerichts 8C_589/2017 vom 21. Februar 2018 E. 3.2.3 mit Hinweisen).
1.5
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, das heisst rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang prak
tisch keine selbständige Bedeutung (Urteil des Bundesgerichts 8C_75/2016 vom 18. April 2016 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 134 V 109 E. 2.1).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzu
nehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Leistungseinstellung
im Wesentlichen
damit,
dass gestützt auf die
beweiskräftige
vertrauensärztliche Beurteilung
durch
Dr.
B._
der Status quo sine sechs Monate nach dem Ereignis erreicht worden sei. Aus der abweichenden Einschätzung des behandelnden Arztes
Dr.
C._
könne keine Kausalität ab
geleitet werden (
vgl.
Urk.
2
S. 4 f.
;
Urk.
8 S. 6 f.
).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer im Wesentli
chen auf den Stand
punkt
,
die vertrauensärztliche Beurteilung
durch
Dr.
B._
sei – aus näher genannten Gründen - weder nachvollziehbar noch schlüssig begründet
und bilde
daher
keine Entscheid
ungs
grundlage
. Es liege eine Verletzung des Unter
suchungsgrundsatzes vor. Da die Beschwerdegegnerin den Beweis nicht erbracht habe, dass der Befund und die Beschwerden nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit auf den Unfall zurückzuführen seien, habe sie
die
gesetzliche
n
Leistungen
weiterhin
auszurichten
. Es sei auf die Beurteilung
durch
Dr.
C._
abzustellen, wonach der Gesundheitsschaden mit überwiegender Wahrscheinlich
keit auf das Ereignis vom 2
9.
Juni 2019 zurückzuführen sei
(
vgl.
Urk.
1
S. 4
ff.
;
Urk.
11 S. 2 f.
).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin einen Leistungsanspruch des Beschwerdeführers
über den 3
1.
Dezember 2019 hinaus
zu Recht verneint hat.
3.
3.1
Am 2
9.
Juni 2019
ging
der Beschwerdeführer laut Unfallmeldung vom
2.
Juli 2019 (
Urk.
9/1)
zu Hause die Treppe herunter und
glitt dabei aus
, wobei er rück
wärts auf den Rücken und die Schulter fiel (S. 1
Ziff.
6, S. 2). Als Art der Verlet
zung wurde eine Bewegungseinschränkung der rechten Schulter sowie eine Prellung am Rücken erwähnt (S. 1
Ziff.
9).
Die Erstbehandlung erfolgte gleichentags im Spital
A._
, wobei ein
Imping
e
ment
der rechten Schulter nach Kontusion diagnostiziert wurde.
Als Befund wurde Folgendes festgehalten:
rechte Schulter immobil, Pseudoparese, neuro
logisch unauffällig. Die Bildgebung der rechten Schulter
zeigte eine regelrechte Artikulation
glenohumeral
, kein
en
Nachweis einer frischen Fraktur und keine Luxation, den
Subacromialraum
normal breit, keine Weichteilverkalkung und keine Fraktur des
Akromioklavikulargelenks
(
AC-Gelenks
)
beziehungsweise der lateralen Clavicula
(vgl. Bericht vom 2
9.
Juni 2019,
Urk.
9/4 S. 1
f.
).
3.2
Die am
4.
Juli 2019 durchgeführte Magnetresonanztomographie (MRI) der rechten Schulter ergab eine
Tendinopathie
der
Rotatorenmanschette
mit
höher
gradigem
bursaseitigem
Riss der
Supraspinatussehne
und leicht auch
mediali
sierter
Bizepssehne
bei offensichtlicher
Pulley
-Läsion sowie eine vorbestehende
Impingement
-Konstellation mit auch
differentialdiagnostisch (DD)
: traumati
sierter/aktivierter AC
-Gelenksarthrose,
Begleitbursitis
subakromiale
/-
deltoidea
(vgl. Bericht vom
4.
Juli 2019,
Urk.
9/5).
3.3
Dr.
med.
D._
, Facharzt für
Chirurgie, Trauma Zentrum
E._
, diagnostizierte mit Bericht vom 1
7.
Juli 2019 (
Urk.
9/9) Folgendes:
-
Periarthropathia
Humeroscapularis
nach di
rektem Trauma von hinten mit
Tendinopathie
der
Rotatorenmanschette
mit
höhergradigem
bursaseitigem
Riss der
Supraspinatussehne
sowie einer leicht
medialisierten
Bizepssehne
bei
Pulley
-Läsion
-
vorbestehende
Impingement
-
Konstellation mit
Acromia
Typ 2 und aufge
triebenem AC-Gelenk bei Arthrose (DD: aktiviert, traumatisiert)
-
Begleitbursitis
subacromialis
und
subdeltoidea
Aktuell
bestünden akute Schulterschmerzen nach Traumatisierung der wahr
scheinlich vorbestehenden degenerativen Veränderungen im AC-Gelenk, der
Supraspinatussehne
und der langen
Bizepssehne
.
Die kräftige
Rotatoren
manschettenmuskulatur
sei intakt.
M
it der konservativen Therapie
sei aktuell
fortzufahren. Nach Abklingen der akuten Entzündungssymptomatik
habe
erneut
eine
klinische Evaluation
zu erfolgen
und
es sei
möglicherweise
eine
Indikation
zum
subacromialen
Débridement
zu stellen
.
3.4
Am
7.
Januar 2020 erfolgte im Trauma Zentrum
E._
durch
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Chirurgie, eine
Schulterarthroskopie rechts, ein
Dé
bridement
Synovitis
, eine
Bizep
ssehnentenotomie
, ein
Débridement
craniale
Subscapularissehne
(
Shrinking
) sowie eine Mini open
Bizepssehnentenodese
am proximalen
Humerus
rechts (vgl. Operationsbericht vom
7.
Januar 2020,
Urk.
9/18).
3.5
Nach der ambulanten Kontrolle
vom 2
9.
September 2020 berichtete
Dr.
C._
knapp zehn Monate
postoperativ
über einen primär sehr guten Verlauf mit Erreichen einer zwischenzeitlich kompletten Beschwerdefreiheit. Der Beschwer
deführer störe sich
jedoch
seit einigen Wochen an unbestimmten Beschwerden
in der rechten Schulter, eher im ventralen Bereich
(vgl. Bericht vom 2
9.
September 2020,
Urk.
9/27)
.
3.6
Das am 2
2.
Dezember 2020 erfolgte MRI der rechten Schulter ergab Zeichen einer subtotalen Partialruptur der
Supraspinatussehne
, eine regelrechte Lage der Fixa
tionsschrauben im distalen
Sulcus
bicipitalis
bei Status nach
Tenodese
der langen
Bizepssehne
sowie eine
Subscapularis
- und
Infraspinatussehne
mit diskreten Zeichen einer
Tendinopathie
(vgl. Bericht vom 2
3.
Dezember 2020,
Urk.
9/24).
3.7
Anlässl
ich der ambulanten Kontrolle
vom
6.
Januar 2021
empfahl
Dr.
C._
aufgrund des zunehmenden Leidensdrucks sowie des zu erwartenden Komplettabrisses der Suprasehne eine
Supraspinatussehnenrekonstruktion
, wobei diese für den
2.
Februar 2021
geplant wurde
(vgl. Bericht vom
6.
Januar 2021,
Urk.
9/28).
3.8
Am 1
5.
Januar 2021 erfolgte eine vertrauensärztliche Beurteilung durch
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates. Dieser kam zum Schluss, dass der natürliche Kausal
zusammenhang zwischen dem Ereignis vom 2
9.
Juni 2019 und den Beschwerden entfallen sei. Eine Schulterkontusion sei biomechanisch nicht in der Lage, eine
Rotatorenmanschettenruptur
auszulösen. Die Mechanismen hierfür seien komplexer. Ferner
gehe
ein
Traumamechanismus
, der eine derartige struktu
relle Läsion herbeiführe
, zwingend mit entsprechenden muskulären Prell
marken und Hämatomen einher
. Stattdessen präsentiere sich eine
tendinopathisch
veränderte
Rotatorenmanschette
, passend zu einem auslö
senden
subacromialen
Impin
gement
. Die instabile
Bizepssehne
habe durch Scheuern zu einer Partialruptur der
Subscapularissehne
geführt. Im MRI vom
4.
Juli 2019 und damit eine Woche
nach dem Ereignis
hätten sich chronisch entzündliche Reparationsprozesse präsentiert, jedoch keine Zeichen einer akuten Traumatisierung. Der Beschwerdeführer habe bereits vor dem Ereignis vom 2
9.
Juni 2019 an Beschwerden gelitten, an einer
Impingement
-K
onstellation mit
tendinopathisch
veränderter
Rotatoren
manschette
,
Pulley
-L
äsion und konsekutiver, chronisch bedingter
Subscapularis
schädigung
. Die Kontusion der vorbestehend degenerierten rechten Schulter habe zu einer vorübergehenden Verschlimmerung geführt. Der Status quo sine sei nach sechs Monaten und damit am 2
9.
Dezember 2019 eingetreten. Die vorgesehene Operation stehe nicht mit übe
rwiegender Wahrscheinlichkeit in einem
kausalen Zusammenhang zum Ereignis vom 2
9.
Juni 2019 (vgl. Stellungnahme vom 1
5.
Januar 2021,
Urk.
9/31 S. 1 f.).
3.9
Mit Schreiben vom
3.
Februar 2021 (
Urk.
9/41) hielt
Dr.
C._
fest
, dass die diagnostizierten Verletzungen auf den Sturz zurückzuführen seien.
Der Beschwerdeführer sei v
or dem Sturz absolut beschwerdefrei gewesen und habe auch problemlos Kraftübungen ausführen können.
Nach
seiner Meinung
handle es sich
um ein
e klassische unfallbedingte
Supraspinatussehnenläsion
, welche im Intervallbereich begonnen habe. Beweisführend sei die
absolute Beschwerde
freiheit vor dem Treppensturz. Eine unfallbedingte Ursache der Verletzung sei zu 100
%
gegeben.
3.10
In dem im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichten Bericht vom 3
1.
Mai 2021 (
Urk.
12)
erachtete es
Dr.
C._
als
eine rein the
oretische A
nnahme
, dass bei einer Schulterkontusion beziehungsweise bei einem Sturz auf die Schulter zwingend
entsprechende
P
rellmarken und sichtbare
H
ämatome
einhergehen müss
t
e
n
. Es sei völlig normal und gehöre zu einer akuten Traumatisierung, dass sich im MRI eine Woche
danach
Reparationsprozesse beziehungsweise Signal
störungen
gezeigt hätten
(S. 1). Es
sei einem P
atienten gegenüber,
welcher
vor seinem Sturz keinerlei Beschwerden gezeigt habe,
nahezu frech,
chronisch dege
nerative Veränderungen in der Schulter als Ursache zu unterstellen. Die Kausa
lität sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gegeben und ganz sicher zu deut
lich weniger als 50
%
abnützungsbedingt zu erklären (S. 2).
4.
4.1
Zur
Frage
der vorliegend strittigen Unfallkausalität
der Schulterbeschwerden
erfolgte eine ärztliche
Beurteilung
durch
Dr.
B._
(vorstehend E. 3.8
). Dieser legte in Kenntnis sämtlicher Vorakten sowie des geschilderten Unfallherganges
schlüssig und n
achvollziehbar dar, weshalb der Status quo sine überwiegend wahrscheinlich bereits nach sechs Monaten erreicht war und das Ereignis vom 2
9.
Juni 2019 lediglich zu einer vorübergehenden Verschlimmerung eines krank
haften Vorzustandes geführt hat.
Darauf ist abzustellen. Der Beurteilung
durch
Dr.
B._
schadet nicht, dass dieser den Beschwerdeführer nicht selbst untersucht hat, da auch reinen Aktengutachten voller Beweiswert zukommt, sofern – wie im konkreten Fall – ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_46/2019 vom 10. Mai 2019 E. 3.2.1 und 8C_641/2011 vom 22. Dezember 2011 E. 3.2.2).
Wesentlich dabei ist, dass
eine
Schulterkontusion
gemäss
Dr.
B._
biome
chanisch nicht geeignet
sei
, eine
Rotatorenmanschettenruptur
auszulösen
und ein
Traumamechanismus
, der eine derartige strukturelle Läsion herbeiführen könnte, zwingend mit entsprechenden Prellmarken und Hämatomen einhergehen würde
(
vgl.
Urk.
9/31 S. 2
; vgl. die Urteile des Bundesgerichts 8C_672/2020 vom 1
5.
April 2021 E. 4.5,
8C_59/2020 vom 1
4.
April 2020 E. 5.4 und 8C_446/2019 vom 2
2.
Oktober 2019 E. 5.2.3
zur medizinischen Literatur
).
Solche konnten jedoch gerade nicht festgestellt werden
. Anlässlich der Erstbehandlung im Spital
A._
wurde einzig eine Bewegungseinschränkung der rechten Schulter erkannt. Hämatome oder muskuläre Prellmarken wurden dagegen nicht erwähnt
. Die Bild
gebung ergab keine
ossäre
Läsion
(vgl.
Urk.
9/4 S. 1 f.).
Gemäss
Dr.
B._
habe sich eine
tendinopathisch
veränderte
Rotatorenmanschette
präsentie
rt, passend zu einem auslösenden
,
subacromialen
Impingement
. Die instabile
Bizepssehne
habe durch Scheuern zu einer Partialruptur der
Subscapularissehne
geführt.
Die MRI-Untersuchung vom
4.
Juli 2019
habe
chronisch entzündliche Reparationsprozesse
offenbart
, jedoch keine Zeichen einer akuten Traumatisie
rung
(vgl.
Urk.
9/5;
Urk.
9/31 S. 2).
4.2
Indizien gegen die Zuverlässigkeit dieser Beurteilung bestehen nicht. So vermag insbesondere die abweichende Einschätzung
durch
Dr.
C._
(vorstehend E. 3.9-
3.
10
) – worauf sich der Beschwerd
eführer beruft (vgl.
Urk.
11 S. 3
) - nichts daran zu ändern.
Der
aus Sicht von
Dr.
C._
beweisführende
Hinweis, wonach der Beschwerdeführer bis zum Unfallereignis keine Besch
werden beklagt habe (vgl.
Urk.
9/41;
Urk.
12 S. 2
), läuft auf die unzulässige Beweismaxime «
post
hoc ergo
propter
hoc» hinaus (im Sinne von «nach dem Unfall, also wegen des Unfalls»; BGE 119 V 335 E. 2b/
bb
,
Urteil des Bun
desgerichts 8C_355/2018 vom 2
9.
Juni 2018 E. 3.2).
Z
udem l
ässt insbesondere
sein
Schreiben vom
5.
Februar 2021 (
Urk.
9/45)
stark
an einer objektiven Betrachtungsweise zweifeln. In diesem Zusammenhang ist auch auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, wonach Haus
ärzte
wie überhaupt behandelnde Arztpersonen
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE
135 V 465 E. 4.5,
125 V 351 E. 3b/cc
).
Andere ärztliche Beurteilungen, welche
von einer Unfallkausalität der noch bestehenden Beschwerden
zum Ereignis vom 2
9.
Juni 2019 ausgehen, liegen nicht vor. Insge
samt wecken demnach die übrigen Berichte keine auch nur geringen Zweifel an der
vertrauensärztlichen
Beurteilung
durch
Dr.
B._
.
Auf die
eventuell beantragte
Begutachtung
(vgl.
Urk.
1 S. 2) kann in antizipierter Beweiswürdigung (vgl. BGE 122 V 157 E. 1d) verzichtet werden.
4.3
Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, die Schlussfolgerung von
Dr.
B._
sei nicht nachvollziehbar und schlüssig begründet (vgl.
Urk.
1 S. 4), kann dem nicht gefolgt werden. So setzt
e
sich
Dr.
B._
eingehend
mit den vorhan
denen Berichten und den erhobenen
– klinischen
sowie
bildgebenden (nativradio
logischen und magnetresonanztomographischen) -
Befunden auseinander
und begründete seine Schlussfolgerung in Kenntnis des geschilderten Unfallherganges gestützt auf diese Befunde
.
D
ie beklagten Beschwerden
blieben entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers
nicht unberücksichtigt, wies
Dr.
B._
auf das beklagte
Impingement
über der rechten Schulter hin
(vgl.
Urk.
9/31 S. 1 f.)
.
Eine vom Beschwerdeführer erwähnte Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes liegt nicht vor.
4.4
Nach dem Gesagten ist festzuhalten,
dass der Status quo sine hinsichtlich der geklagten Schulterbeschwerden überwiegend wahrscheinlich bereits Ende Dezember 2019 erreicht war, weshalb die seither geltend gemachten Beschwerden nicht kausal auf das Ereignis vom 2
9.
Juni 2019 zurückzuführen sind.
Auch im Lichte von
Art.
6
Abs.
2 UVG (vorstehend E. 1.2) ist ein natürlicher Kausal
zu
sammenhang zwischen dem Gesundheitsschaden und dem geltend gemachten Ereignis Leistungsvoraussetzung. Fehlt es an einem natürlichen Kausal
zu
sammenhang ist gleichzeitig erstellt, dass die Listenverletzung vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist (vgl. BGE 146 V 51 E. 9.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_519/2020 vom 2
0.
Januar 2021 E. 5.5).
Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin eine weitere Leistungspflicht verneinte.
Der angefochtene Einspracheentscheid erweist sich demnach als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
5.1
Das Verfahren ist kostenlos.
5.2
Der Beschwerdegegnerin steht – trotz entsprechendem Antrag (vgl.
Urk.
8 S. 2) – praxisgemäss
keine Parteientschädigung
zu (BGE 126 V 143 E. 4a, 112 V 356 E. 6).