Decision ID: 982aba96-c981-5439-99ea-1e1c8837dd14
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 2. Dezember 2021 im Bundesasylzent-
rum (BAZ) der Region B._ um Asyl nach.
B.
Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentralein-
heit EURODAC) durch das SEM ergab, dass der Beschwerdeführer am
31. Januar 2020 in Griechenland ein Asylgesuch gestellt hatte. Er reichte
zudem eine griechische Aufenthaltsbewilligung und seinen griechischen
Reisepass ein.
C.
Am 3. Dezember 2021 fand die Personalienaufnahme (PA) statt.
D.
Am 6. Dezember 2021 beauftragte der Beschwerdeführer die Mitarbeiten-
den des Rechtsschutzes für Asylsuchende im BAZ mit der Wahrung seiner
Rechte im Asylverfahren.
E.
Anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 14. Dezember 2021 bestätigte der
Beschwerdeführer das Asylgesuch und die erhaltene Aufenthaltsbewilli-
gung in Griechenland. Zudem führte er aus, er habe wegen der schlechten
Situation nicht länger dort bleiben können. Im Camp C._ habe es
viele Auseinandersetzungen und Streitigkeiten gegeben. Er habe keine
Möglichkeit gehabt, Sprachkurse zu besuchen. Er habe zuletzt in einem
Camp auf D._ gelebt, welches er nach Erhalt seines Schutzstatus
innerhalb von drei Tagen habe verlassen müssen. Zudem sei er bei seiner
Ankunft in Griechenland krank gewesen. Er habe von einer Operation im
E._ noch immer Schmerzen. Er sei zum Arzt gegangen, der ihm
empfohlen habe, mehr Wasser zu trinken, sich aber nicht weiter um ihn
gekümmert habe. Aus diesen Gründen sei er in die Schweiz gereist, wo ein
(...) lebe.
F.
Am 14. Dezember 2021 ersuchte das SEM die griechischen Behörden um
Rückübernahme des Beschwerdeführers gestützt auf die Richtlinie
2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. De-
zember 2008 über gemeinsame Normen und Verfahren in den Mitglied-
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staaten zur Rückführung illegal aufhältiger Drittstaatsangehöriger (Rück-
führungsrichtlinie) sowie das Abkommen vom 28. August 2006 zwischen
dem Schweizerischen Bundesrat und der Regierung der Hellenischen Re-
publik über die Rückübernahme von Personen mit irregulärem Aufenthalt.
G.
Am 14. Dezember 2021 reichte die Rechtsvertretung diverse ärztliche Un-
terlagen (Befragungsresultate mm-check vom 2. Dezember 2021, Endbe-
richt F._ vom 2. Dezember 2021, medizinische Dokumentation
[letzter Eintrag vom 3. Dezember 2021], Befundbericht des Röntgeninsti-
tuts G._ vom 7. Dezember 2021 und ärztlicher Kurzbericht des BAZ
vom 10. Dezember 2021) ein, gemäss denen der Beschwerdeführer vor
zirka drei Jahren im E._ einer Hernien-Operation in der Leiste un-
terzogen worden sei. Zudem seien in Griechenland Nierensteine und di-
verse Infektionen festgestellt worden. Es wurde ein erhöhter Tbc-score mit
leichtem, mehrheitlich trockenem Husten festgestellt. Weiter wurden post-
operative Hodenschmerzen rechts mit Dysurie und Restharnbeschwerden
unbekannter Ätiologie diagnostiziert und Flankenschmerzen rechts, unbe-
kannter Ätiologie, als Differenzialdiagnose Nephrolithiasis festgestellt. Es
wurden zur Behandlung Medikamente abgegeben und die Zuweisung in
die Urologie als angezeigt erachtet. Gemäss Befundbericht des Röntgen-
instituts G._ hinsichtlich des Tbc-score (Nachuntersuchung) seien
keine postspezifischen Veränderungen festgestellt worden.
H.
Die griechischen Behörden stimmten dem Rückübernahmeersuchen am
16. Dezember 2021 zu und teilten mit, dass der Beschwerdeführer am
21. September 2021 in Griechenland als Flüchtling anerkannt und ihm eine
bis am 22. September 2022 gültige Aufenthaltsbewilligung ausgestellt wor-
den sei.
I.
Am 19. Januar 2022 händigte das SEM den Entwurf seines Entscheids mit
allen relevanten Akten der Rechtsvertretung zur Stellungnahme aus.
J.
In ihrer Stellungnahme vom 20. Januar 2022 teilte die Rechtsvertretung
mit, der Beschwerdeführer möchte auf keinen Fall nach Griechenland zu-
rückkehren. Es gebe keine Arbeit und keine Unterstützung. Er habe kein
Dach über dem Kopf und nichts zu essen. Weiter wird von der Rechtsver-
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tretung auf Berichte hingewiesen, gemäss denen Griechenland seinen völ-
kerrechtlichen Verpflichtungen in Bezug auf internationale Schutzberech-
tigte nicht nachzukommen vermöge. Gemäss einem Urteil des EGMR wür-
den die dortigen Zustände Art. 3 EMRK verletzen. In der deutschen ver-
waltungsgerichtlichen Praxis seien Abschiebungen von anerkannten
Flüchtlingen nach Griechenland als unzulässig erklärt worden. Der Be-
schwerdeführer habe nach Erhalt des Schutzstatus das Camp verlassen
müssen und sei fortan obdachlos gewesen. Er habe auch keine medizini-
sche Behandlung erhalten.
K.
Mit Verfügung vom 20. Januar 2022 trat das SEM in Anwendung von
Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers nicht ein, wies ihn aus der Schweiz weg und forderte ihn
auf, die Schweiz am Tag nach Eintritt der Rechtskraft dieser Verfügung zu
verlassen, ansonsten er in Haft genommen und unter Zwang nach Grie-
chenland zurückgeführt werden könne. Sollte diese Frist wegen der aus-
serordentlichen Lage aufgrund des Corona-Virus nicht ausreichen, stehe
ihm frei, um Fristerstreckung zu ersuchen. Ferner beauftragte die
Vorinstanz den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung und
händigte dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Ak-
tenverzeichnis aus. Sie begründete ihren Entscheid im Wesentlichen da-
mit, der Beschwerdeführer sei in Griechenland als Flüchtling anerkannt
worden. Der Vollzug der Wegweisung sei zulässig, zumutbar und möglich.
L.
Mit Schreiben vom 21. Januar 2022 teilte die damalige Rechtsvertretung
die Beendigung des Mandatsverhältnisses mit.
M.
Mit Eingabe vom 28. Januar 2022 erhob der Beschwerdeführer durch seine
Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht dagegen Beschwerde
und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die An-
ordnung an das SEM, das Recht auf Selbsteintritt auszuüben und auf das
Asylgesuch einzutreten. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (sinngemäss Prozessfüh-
rung) und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
Gleichzeitig wurden Unterlagen eines Familiennachzugsgesuches des (...)
des Beschwerdeführers vom April 2020 (E-Mail der griechischen Rechts-
vertreterin des Beschwerdeführers, Schreiben des (...), Informationen der
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SFH [Schweizerische Flüchtlingshilfe]), ein ärztlicher Bericht des
H._, vom 31. Dezember 2021, Auszüge aus dem Handbuch HE-
LIOS vom Juli 2000 und das Inhaltsverzeichnis einer Stellungnahme von
Pro Asyl/RSA zur aktuellen Situation von international Schutzberechtigten
in Griechenland vom April 2021 als Beweismittel eingereicht.
N.
Mit Verfügung vom 2. Februar 2022 hiess die Instruktionsrichterin das Ge-
such um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Ver-
zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gut. Gleichzeitig lud sie
die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein.
O.
Die Vorinstanz nahm mit Vernehmlassung vom 11. Februar 2022 Stellung.
P.
Der Beschwerdeführer reichte am 22. Februar 2022 eine Replik ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
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Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist – abgesehen von den nachfolgenden Einschränkungen – ein-
zutreten.
1.4 Soweit in der Beschwerdeschrift Ausführungen zum Selbsteintrittsrecht
gemäss der Dublin-III-Verordnung gemacht werden, ist auf diese nicht ein-
zutreten, da sie nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens sind.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
3.2 Hinsichtlich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs
hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb das
Bundesverwaltungsgericht diese Punkte insoweit ohne Einschränkung
prüft.
4.
4.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG tritt das SEM auf ein Asylgesuch
nicht ein, wenn die asylsuchende Person in einen nach Art. 6a Abs. 2 Bst. b
AsylG als sicher bezeichneten Drittstaat zurückkehren kann, in welchem
sie sich vorher aufgehalten hat.
4.2 Die Vorinstanz hat ihren Nichteintretensentscheid zutreffend damit be-
gründet, dass der Beschwerdeführer nach Griechenland und damit in einen
sicheren Drittstaat gemäss Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren kann,
wo er sich vorher aufgehalten hat und als Flüchtling anerkannt worden ist.
Mit der Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und der Erteilung einer (ver-
längerbaren) Aufenthaltsbewilligung haben die griechischen Behörden
dem Beschwerdeführer Schutz vor Verfolgung gewährt, so dass er nach
Griechenland zurückkehren kann, ohne eine Rückschiebung in Verletzung
des Non-Refoulement-Gebotes befürchten zu müssen. Der Beschwerde-
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führer hat denn auch weder im erstinstanzlichen Verfahren noch auf Be-
schwerdeebene vorgebracht, es würde ihm in Griechenland eine Rück-
schiebung in seinen Heimatstaat unter Verletzung des Refoulement-Ver-
bots drohen. Die griechischen Behörden haben sich am 16. Dezember
2021 bereit erklärt, ihn zurückzunehmen.
4.3 Das SEM ist demnach zu Recht gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. a
AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten.
5.
5.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
5.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
6.
6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
6.2 Gemäss Art. 6a AsylG besteht zugunsten sicherer Drittstaaten – wie
Griechenland einer ist – die (widerlegbare) Vermutung, dass diese ihre völ-
kerrechtlichen Verpflichtungen, darunter im Wesentlichen das Refoule-
ment-Verbot und grundlegende menschenrechtliche Garantien, einhalten
(vgl. FANNY MATTHEY, in: Cesla Amarelle/Minh Son Nguyen, Code annoté
de droit des migrations, Bern 2015, Art. 6a AsylG N 12 S. 68). Gestützt auf
Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass eine Wegweisung in
einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist. Es obliegt der be-
troffenen Person, diese beiden Legalvermutungen umzustossen. Dazu hat
sie ernsthafte Anhaltpunkte dafür vorzubringen, dass die Behörden des in
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Frage stehenden Staates im konkreten Fall das Völkerrecht verletzen, ihr
nicht den notwendigen Schutz gewähren oder sie menschenunwürdigen
Lebensumständen aussetzen würden respektive, dass sie im in Frage ste-
henden Staat aufgrund von individuellen Umständen sozialer, wirtschaftli-
cher oder gesundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten würde
(vgl. statt vieler das Urteil des BVGer E-5435/2021 vom 22. Januar 2022
E. 7.2.1).
7.
7.1 Das SEM führt hinsichtlich der Lebensbedingungen in Griechenland
aus, der Beschwerdeführer habe mit seinem Schutzstatus in Griechenland
Zugang zu Unterstützungsleistungen des griechischen Staates sowie zur
nationalen staatlichen Gesundheitsversorgung. So habe Griechenland die
Richtlinie 2011/95/EU (sogenannte Qualifikationsrichtlinie), welche unter
anderem die Ansprüche von Personen mit internationalem Schutzstatus
hinsichtlich Sozialleistungen sowie deren Zugang zu Wohnraum, Beschäf-
tigung und medizinischer Versorgung regle, umgesetzt. Der Beschwerde-
führer habe in Griechenland subsidiären Schutz erhalten, wodurch ihm alle
Rechte aus der FK zustünden. Dadurch stünden ihm notfalls einklagbare
Ansprüche in Bezug auf Sozialleistungen, Wohnraum und medizinische
Versorgung zu. Ferner weist die Vorinstanz darauf hin, dass sich der Be-
schwerdeführer auch an das HELIOS-Programm (Hellenic Integration Sup-
port for Beneficiaries of International Protection) wenden könne, um Unter-
stützung zu erhalten. Es lägen keine erhärteten Hinweise vor, wonach sich
Griechenland nicht an seine völkerrechtlichen Verpflichtungen halten
würde, weswegen auch von weiteren diesbezüglichen Abklärungen oder
der Einholung von allfälligen Garantien abgesehen werde. Es gebe sodann
in keinem Staat eine Garantie auf eine bezahlte Arbeitsstelle. Schwierig-
keiten beim Zugang zum Arbeitsmarkt und eine sich daraus ergebende
schwierige Lebenssituation führten nicht zu einer Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs nach Griechenland. Weiter wird in der angefochte-
nen Verfügung ausgeführt, es bestünden neben staatlichen Strukturen, die
primär existenzielle Bedürfnisse abdeckten, private und internationale Or-
ganisationen, an die sich der Beschwerdeführer in Griechenland wenden
könne. Die in Griechenland im Allgemeinen schwierigen ökonomischen Le-
bensbedingungen sowie die herrschende Wohnungsnot würden die ganze
Bevölkerung treffen. Diese würden die Zulässigkeit und die Zumutbarkeit
des Vollzugs der Wegweisung nach Griechenland nicht widerlegen. Das
SEM gehe weiter davon aus, dass der Beschwerdeführer durch seinen
Schutzstatus über eine AMKA-Sozialversicherungsnummer verfüge, da die
AMKA-Nummer automatisch mit der Schutzgewährung ausgestellt werde.
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Diese ermögliche den Zugang zum griechischen Gesundheits- und Versi-
cherungswesen. Mit der AMKA-Nummer und weiteren Unterlagen könne
man sich ebenfalls als arbeitssuchend bei den entsprechenden Stellen
melden.
Hinsichtlich des medizinischen Sachverhalts erachtet das SEM diesen vor-
liegend als erstellt. Aufgrund der vorhandenen medizinischen Unterlagen
und in Berücksichtigung der geschilderten gesundheitlichen Beeinträchti-
gung sei nicht davon auszugehen, dass die hohe Schwelle für eine dro-
hende Verletzung von Art. 3 EMRK überschritten werde. Eine medizinische
Notlage und eine drastische Verschlechterung des Gesundheitszustandes
bei einer Rückkehr nach Griechenland könnten ausgeschlossen werden.
Griechenland verfüge über eine ausreichende medizinische Infrastruktur
und sei gemäss der Aufnahmerichtlinie verpflichtet, ihm die notwendige
medizinische Versorgung zu gewähren. Schutzberechtigte Personen seien
mit griechischen Staatsbürgern bezüglich dem Zugang zur medizinischen
Versorgung gleichgestellt. Ferner trage das SEM dem aktuellen Gesund-
heitszustand des Beschwerdeführers bei der Organisation der Überstel-
lung Rechnung, indem es Griechenland vor der Überstellung über allfällige
notwendige medizinische Behandlungen informiere.
7.2 Der Beschwerdeführer hält dem entgegen, die Situation sei für ihn sehr
schwierig gewesen. Darüber hinaus sei er Opfer von Gewalt und Amts-
missbräuchen durch Polizisten geworden. Er sei im Zuge einer Polizeipat-
rouille zusammen mit Kollegen auf die Polizeistation mitgenommen wor-
den, wo er von einem Polizisten geschlagen und vergewaltigt worden sei.
Er habe sich aus Scham und Angst gegen das Fehlverhalten der Polizisten
nicht wehren können. Im Übrigen habe sein in der Schweiz wohnhafter (...)
im April 2020 ein Gesuch um Familiennachzug bei den griechischen und
schweizerischen Asylbehörden eingereicht. Die Schweiz habe das Gesuch
jedoch abgelehnt. Im Weiteren gehe es ihm psychisch und physisch nicht
gut. Er habe unerklärliche Schmerzen im Bauch, an Hoden, am Kopf und
am Hals. Er sei deswegen mehrmals zum Arzt geschickt worden. Ferner
wird in der Beschwerdeschrift ausgeführt, die Situation für Schutzberech-
tigte in Griechenland sei unrechtmässig. Die griechischen Behörden wür-
den ihren Pflichten nicht nachkommen. Gemäss Berichten (u.a. PRO
ASYL) sei das HELIOS-Programm befristet und mit vielen Hürden und ad-
ministrativen Voraussetzungen erschwert. Zwar könnten Schutzberech-
tigte wie Griechen reguläre Leistungen des Sozialsystems in Anspruch
nehmen; diese seien meist an lange Vorlaufzeiten geknüpft, was dazu
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führe, dass sie wegen des nicht ununterbrochenen mehrjährigen Aufent-
halts davon ausgeschlossen seien. Das Bundesverwaltungsgericht habe
dies in seinen Urteilen D-2041/2020 und D-2044/2020 vom 28. April 2020
erkannt. Der Beschwerdeführer habe keinen Sprachkurs angeboten erhal-
ten. Zudem sei ihm gegen die ständigen körperlichen Beschwerden jeweils
eine einzige Tablette gegeben worden. Auch das SFH rate von einer Rück-
überstellung von Personen mit Schutzstatus nach Griechenland ab, da ein
überwiegendes Risiko einer Verletzung von Art. 3 EMRK bestehe. Die Re-
gelvermutung der Zulässigkeit und Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs nach Griechenland sei deshalb nicht haltbar. Schliesslich benötige
der Beschwerdeführer weitere medizinische Abklärungen. Er leide unter
ständigen, chronischen Schmerzen, welche nicht klar hätten prognostiziert
werden können. Zudem sei wegen seines psychischen Zustandes ein Ter-
min bei einem Psychiater angeordnet worden. Der medizinische Sachver-
halt sei entgegen der Argumentation der Vorinstanz nicht ausreichend er-
stellt.
Im eingereichten ärztlichen Bericht des H._ vom 31. Dezember
2021 wurden eine Epididymitis links, eine kompensierte Blasenentlee-
rungsstörung bei insignifikantem Restharnvolumen, intermittierende,
rechtsseitige Flankenschmerzen unklarer Ätiologie mit DD muskulär, sono-
graphisch ohne Hinweis für Harntransportstörung sowie Status nach un-
klarer Hernienoperation rechts im E._ zirka im Jahre 2018 diagnos-
tiziert. Es wurde eine antibiotische Therapie mit Ciprofloxacin für 14 Tage
verschrieben. Zudem wurde eine analgetische Therapie mit Ibuprofen in-
klusive Magenschoner für 7 Tage rezeptiert. Bezüglich der Flankenschmer-
zen wurde von einer weitergehenden Abklärung mittels Computertomogra-
phie abgesehen. Bei Beschwerdepersistenz könne der Patient jederzeit
wieder zugewiesen werden.
7.3 Die Vorinstanz hält in ihrer Vernehmlassung ergänzend fest, Bezüglich
der vorgebrachten Drangsalierung mit anschliessender Vergewaltigung
durch einen griechischen Polizisten vor einem Jahr seien diese Ereignisse
erstmals auf Beschwerdeebene geltend gemacht worden. Sollte der Be-
schwerdeführer durch die griechischen Behörden ungerecht oder rechts-
widrig behandelt worden sein, könne er sich mit einer Beschwerde an die
zuständigen Stellen wenden. Dabei wird auf karitative Organisationen wie
das "Greek Council for Refugees" verwiesen. Dies gelte auch für Belange
seiner Integration. Diese Organisation biete neben Rechtsberatung und
Unterstützung von anerkannten Schutzberechtigten ebenfalls kostenlose
Sprachkurse und Hilfe bei der Integration an. Ferner weist die Vorinstanz
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nochmals auf die Qualifikationsrichtlinie hin, welche unter anderem die An-
sprüche von Personen mit internationalen Schutzstatus definiere und
regle. Hinsichtlich der in der Beschwerdeschrift erwähnten Berichte handle
es sich um solche mit allgemeinem Charakter, welche den Beschwerde-
führer nicht persönlich betreffen würden. Zudem seien seine Aussagen zu
den Aufnahmebedingungen in Griechenland nicht belegt und könnten so-
mit eine Verletzung der erwähnten Richtlinien nicht aufzeigen. Das BVGer
stütze die Argumentation des SEM im Urteil E-1985/2021. Nebst dem HE-
LIOS-Projekt stelle die Europäische Union, Kirchenorganisationen und Pri-
vate weitere Hilfsangebote unter anderem für Unterkünfte und Unterstüt-
zungsleistungen zur Verfügung. Es könne vom Beschwerdeführer erwartet
werden, dass er sich bei Bedarf an diese wende. Die griechischen Behör-
den würden ihr Augenmerk vermehrt auf die Integration von Personen mit
Schutzstatus setzen. Unter Berücksichtigung des Gesundheitszustandes
und dem auf Beschwerdeebene eingereichten ärztlichen Bericht vom
31. Dezember 2021 sei nicht davon auszugehen, dass die hohe Schwelle
für eine drohende Verletzung von Art. 3 EMRK überschritten werde.
7.4 Der Beschwerdeführer macht in seiner Replik demgegenüber geltend,
die Situation in Griechenland sei anders als von den Schweizer Behörden
angenommen. Die griechischen Behörden seien weder fähig noch gewillt,
so viele Asylsuchende aufzunehmen. Die Institutionen seien bürokratisch,
was eine Integration der Flüchtlinge stark einschränke. Inzwischen sei mit
seiner ehemaligen Anwältin in Griechenland Kontakt aufgenommen wor-
den, welche eine Stellungnahme zum Asylgesuch in der Schweiz und zu
einer allfälligen Rückkehr nach Griechenland in Aussicht gestellt habe.
8.
8.1 Der Vollzug der Wegweisung ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche
Verpflichtungen der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des
Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30],
Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984
gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende
Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiter-
reise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder
einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG).
8.1.1 Zwar anerkennt das Bundesverwaltungsgericht, dass die Lebensbe-
dingungen in Griechenland für dort anerkannte Schutzberechtigte in fast
allen Bereichen des täglichen Lebens äusserst schwierig sind und sich die
Alltagsbewältigung als beschwerlich gestaltet. Es ist aber nicht von einer
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Situation auszugehen, in der jeder Person mit Schutzstatus in Griechen-
land eine unangemessene und erniedrigende Behandlung im Sinne einer
Verletzung von Art. 3 EMRK drohen würde. Personen mit Schutzstatus
sind griechischen Bürgern und Bürgerinnen grundsätzlich gleichgestellt in
Bezug auf Fürsorge, den Zugang zu Gerichten und den öffentlichen Schul-
unterricht respektive gleichgestellt mit anderen Ausländern und Auslände-
rinnen beispielsweise in Bezug auf Erwerbstätigkeit oder Gewährung einer
Unterkunft (vgl. Art. 16-24 FK). Unterstützungsleistungen und weitere
Rechte können direkt bei den zuständigen Behörden eingefordert werden,
falls notwendig auf dem Rechtsweg. Es kann trotz der erheblichen Schwä-
chen nicht von einem völlig dysfunktionalen Aufnahmesystem gesprochen
werden. Immerhin ist nicht von der Hand zu weisen, dass gewisse Ange-
bote für Schutzberechtigte in Griechenland bestehen, wenn auch die Ka-
pazitäten knapp sind und Infrastrukturhilfen und Angebote bisher vor allem
von internationalen Akteuren, zuvorderst der Europäischen Union, dem
Hohen Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen für Flüchtlinge
(UNHCR) und der Internationalen Organisation für Migration (IOM) abhän-
gen, die – in Zusammenarbeit mit der lokalen Zivilgesellschaft – Leistungen
erbringen und finanzieren. Nicht zuletzt können Schutzberechtigte sich
auch auf die Garantien in der Qualifikationsrichtlinie berufen, auf die sich
Griechenland als EU-Mitgliedstaat behaften lassen muss. Von Interesse
sind diesbezüglich insbesondere die Regeln betreffend den Zugang von
Personen mit Schutzstatus zu Beschäftigung (Art. 26), Bildung (Art. 27),
Sozialhilfeleistungen (Art. 29), Wohnraum (Art. 32) und medizinischer Ver-
sorgung (Art. 30). Im Falle einer Verletzung der Garantien der EMRK steht
gestützt auf Art. 34 EMRK sodann letztinstanzlich der Rechtsweg an den
EGMR offen (vgl. Referenzurteil D-559/2020 vom 13. Februar 2020 E. 8).
Soweit in der Beschwerdeschrift unter Beilage eines E-Mail-Schreibens der
griechischen Anwältin des Beschwerdeführers eine Stellungnahme dersel-
ben in Aussicht gestellt wird, kann darauf verzichtet werden, eine solche
abzuwarten, da gestützt auf eine antizipierende Beweiswürdigung nicht
von einer anderen Beurteilung der hievor erwähnten Situation in Griechen-
land auszugehen ist, welche zu einer veränderten Einschätzung führen
könnte.
8.1.2 Aufgrund der Akten liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass er für
den Fall einer Ausschaffung nach Griechenland dort mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe
oder Behandlung ausgesetzt wäre. Der Beschwerdeführer machte anläss-
lich des persönlichen Gesprächs vom 14. Dezember 2021 geltend, er habe
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das Flüchtlingscamp verlassen müssen. Zudem wies er (erstmals) auf Be-
schwerdeebene auf Übergriffe (Schläge und Vergewaltigung) durch Poli-
zisten hin. Dabei handelt es sich um rechtswidrige Übergriffe, gegen die
der Beschwerdeführer hätte Anzeige erheben und/oder sich an eine hö-
here Stelle hätte wenden können. Dies hat er offenbar nicht getan, wobei
durchaus verständlich erscheint, dass er dies aus Scham unterlassen
habe. Zudem kann seinen Aussagen nicht entnommen werden, dass er
gegen eine Verweigerung von Unterstützungsleistungen, nachdem er das
Flüchtlingscamp innert 3 Tagen habe verlassen müssen, vorgegangen
wäre. Er machte auch nicht geltend, dass er eine Organisation um Unter-
stützung gebeten hätte oder sonst eine Möglichkeit in Erwägung gezogen
hätte, um seine Rechte einzufordern. Immerhin bestanden offenbar bereits
im April 2020 im Zusammenhang mit einem Familiennachzugsgesuch sei-
nes (...) in der Schweiz Kontakte zu einer griechischen Rechtsanwältin, zu
der er auch im heutigen Zeitpunkt in Verbindung steht. Schliesslich ist fest-
zuhalten, dass die blosse Möglichkeit, in nicht absehbarer Zeit aus nicht
voraussehbaren Gründen in eine derart missliche Lebenssituation getrie-
ben zu werden, die einer Aussetzung einer existenziellen Notlage und an-
dauernden menschenrechtswidrigen Behandlung gleichkäme, die
Schwelle zu einem entsprechenden "real risk" nicht zu erreichen vermag.
8.1.3 In Bezug auf den medizinischen Sachverhalt rügt der Beschwerde-
führer zudem, die Vorinstanz habe diesen entgegen ihrer Argumentation
nicht ausreichend abgeklärt.
8.1.3.1 Im Verwaltungs- und namentlich im Asylverfahren gilt der Untersu-
chungsgrundsatz, das heisst die Behörde stellt den rechtserheblichen
Sachverhalt von Amtes wegen fest (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG; vgl.
Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Für das erstinstanzliche Asylverfahren be-
deutet dies, dass das SEM zur richtigen und vollständigen Ermittlung und
zur Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts verpflichtet ist und
auch nach allen Elementen zu forschen hat, die zugunsten der asylsuchen-
den Person sprechen. Der Untersuchungsgrundsatz gilt nicht uneinge-
schränkt, zumal er sein Korrelat in der Mitwirkungspflicht des Asylsuchen-
den findet (Art. 13 VwVG und Art. 8 AsylG; vgl. CHRISTOPH AUER, in:
Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das
Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Art. 12 Rz. 9; BVGE 2012/21
E. 5.1). Die entscheidende Behörde darf sich trotz des Untersuchungs-
grundsatzes in der Regel darauf beschränken, die Vorbringen einer asyl-
suchenden Person zu würdigen und die von ihr angebotenen Beweise ab-
zunehmen, ohne weitere Abklärungen vornehmen zu müssen. Nach Lehre
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und Praxis besteht eine Notwendigkeit für über die Befragung hinausge-
hende Abklärungen insbesondere dann, wenn aufgrund der Vorbringen der
asylsuchenden Person und der von ihr eingereichten oder angebotenen
Beweismittel Zweifel und Unsicherheiten am Sachverhalt bestehen, die vo-
raussichtlich mit Ermittlungen von Amtes wegen beseitigt werden können
(vgl. BVGE 2009/50 E. 10.2.1 S. 734 m.H.a. Entscheidungen und Mittei-
lungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 23
E. 5a).
8.1.3.2 Den eingereichten ärztlichen Unterlagen kann entnommen werden,
dass der Beschwerdeführer an verschiedenen gesundheitlichen Proble-
men leidet. Zwar wurde auf Beschwerdeebene nochmals ein ärztlicher Be-
richt der H._ vom 31. Dezember 2021 eingereicht. Die darin gestell-
ten Diagnosen waren jedoch bereits im vorinstanzlichen Verfahren bekannt
und in der angefochtenen Verfügung gewürdigt worden (Ziff. I/5.). Damit
durfte das SEM von einem erstellten medizinischen Sachverhalt ausgehen.
Überdies wurde in der angefochtenen Verfügung erwähnt, dass selbst
wenn sich durch eine zukünftige fachärztliche Beurteilung der Diagnose die
gesundheitlichen Beschwerden bestätigen sollten, dies nichts an der Ein-
schätzung des SEM ändern würde. Entgegen der auf Beschwerdeebene
geäusserten Auffassung ist damit nicht zu beanstanden, dass die Vo-
rinstanz den medizinischen Sachverhalt nicht weiter abklärte. Es liegt da-
mit keine Verletzung der Pflicht zur Abklärung des rechtserheblichen Sach-
verhalts vor, weshalb eine Aufhebung der angefochtenen Verfügung aus
formellen Gründen abzuweisen ist.
8.1.4 Unter Berücksichtigung der erwähnten Diagnosen liegen beim Be-
schwerdeführer keine Hinweise auf eine schwerwiegende Erkrankung vor.
Zudem ist darauf hinzuweisen, dass gewisse dieser Leiden offenbar von
einer Operation im E._ stammen und damit schon seit längerer Zeit
bestehen sollen. In seiner Stellungnahme zum Entscheidentwurf machte
der Beschwerdeführer zwar geltend, er habe sich in Griechenland wegen
Schmerzen an einen Arzt gewendet, der ihn zum häufiger Wasser trinken
aufgefordert, ihm jedoch nicht weiter geholfen habe. Indes war der Be-
schwerdeführer trotz diesen Schmerzen offenbar nicht derart beeinträch-
tigt, dass es ihm verunmöglicht gewesen wäre, seine Reise in die Schweiz
zu organisieren. Auch unter Berücksichtigung der hievor erwähnten ärztli-
chen Unterlagen geben diese jedenfalls keinen Anlass zur Befürchtung,
dass bei einer Überstellung nach Griechenland eine ernsthafte, rapide und
irreversible Verschlechterung seiner Lage, verbunden mit übermässigem
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Leiden oder einer bedeutenden Verkürzung der Lebenserwartung, zu er-
warten wäre, wie sie zur Annahme der Unzulässigkeit des Wegweisungs-
vollzugs aus medizinischen Gründen gefordert wird.
8.1.5 Insgesamt erweist sich der Vollzug der Wegweisung somit als zuläs-
sig.
8.2 Der Vollzug der Wegweisung kann nach Art. 83 Abs. 4 AIG für Auslän-
derinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Her-
kunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner
Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wie bereits er-
wähnt, besteht gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG die Vermutung, dass eine
Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist. Der
Bundesrat ist – auch in Anbetracht der gegenwärtigen Asylpolitik Griechen-
lands – auf seine diesbezügliche Einschätzung, welche periodisch zu über-
prüfen ist (vgl. Art. 83 Abs. 5bis AIG), bisher nicht zurückgekommen.
8.2.1 Die Vorinstanz hat in ihrer Verfügung den Vollzug der Wegweisung
auch unter dem Aspekt der Zumutbarkeit mit zutreffender Begründung be-
jaht. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann vorab auf die betreffenden
Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. In den
Beschwerdeeingaben finden sich keine über diejenigen in der Stellung-
nahme vom 20. Januar 2022 substanziell hinausgehenden Einwendungen,
welche zu einer anderen Einschätzung führen könnten. Soweit mit Hinweis
auf verschiedene Berichte vorgebracht wird, es gebe übermässige admi-
nistrative Hürden beim Zugang zur medizinischen Versorgung und zu an-
deren Hilfsangeboten für Schutzberechtigte in Griechenland, ist festzustel-
len, dass das griechische Fürsorgesystem zwar in der Kritik steht. Grie-
chenland ist aber an die erwähnte Richtlinie 2011/95/EU gebunden. Das
Bundesverwaltungsgericht geht – wie die Vorinstanz – deshalb nicht davon
aus, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr die zwingend vorge-
sehenen Dienstleistungen in Griechenland nicht erhalten würde. Selbst
wenn die Lebensbedingungen in Griechenland aufgrund der herrschenden
Wirtschaftslage nicht einfach sind, liegen keine Hinweise für die Annahme
vor, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Griechenland ei-
ner existenziellen Notlage ausgesetzt wäre. Es darf von ihm erwartet wer-
den, sich bei Unterstützungsbedarf an die griechischen Behörden zu wen-
den und die erforderliche Hilfe nötigenfalls auf dem Rechtsweg einzufor-
dern, auch wenn es durchaus möglich ist, dass ihm der Zugang zu inner-
staatlichen Instanzen nicht mühelos alleine gelingt. Indes kann er sich an
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seine griechische Rechtsvertreterin oder aber eine Nichtregierungsorgani-
sation wenden, die ihm in dieser Hinsicht behilflich sein kann. Es geht sei-
nen Angaben nicht hervor, dass ihm – insbesondere hinsichtlich der Unter-
bringungsmöglichkeiten – dauerhaft Unterstützung verwehrt worden wäre.
Er machte sodann weder im vorinstanzlichen Verfahren noch auf Be-
schwerdeebene geltend, dass er nicht im Besitz einer AMKA–Nummer sei,
respektive inwiefern es ihm konkret unmöglich sein sollte, eine solche
Nummer zu beantragen. Gestützt auf das Gesagte konnte er sich bereits
in der Vergangenheit selbständig an die zuständigen griechischen Behör-
den sowie an eine Rechtsanwältin wenden, um erfolgreich Ansprüche ein-
zufordern und Behördengänge zu meistern – selbst für den Erhalt eines
griechischen Reisepasses –, weshalb er künftig ebenfalls auf die notwen-
dige Unterstützung zurückgreifen können sollte.
8.2.2 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich auch unter Berücksichti-
gung des medizinischen Sachverhalts als zumutbar. Den Akten sind keine
Hinweise darauf zu entnehmen, dass eine Behandlung der in der Be-
schwerdeschrift vorgebrachten gesundheitlichen Probleme in Griechen-
land nicht angemessen gegeben wäre. Dies gilt auch für allfällige psychi-
sche Probleme, weshalb gemäss seinen Angaben in der Beschwerde-
schrift ein Termin bei einem Psychiater angeordnet worden sei. Ferner ist
darauf hinzuweisen, dass er eigenen Angaben zufolge bereits in Griechen-
land einen Arzt aufgesucht hat, welche ihm angeblich nicht geholfen habe.
Dort sollen gemäss der medizinischen Dokumentation vom 3. Dezember
2021 Nierensteine und diverse Infektionen festgestellt worden sein, wobei
unklar ist, ob sich seine Angaben, "oft Antibiotika" eingenommen zu haben,
auf diese Zeit bezieht (vgl. Akte 18). Es kann von ihm jedoch erwartet wer-
den, dass er sich – allenfalls mit Unterstützung einer (karitativen) Organi-
sation – erneut an eine medizinische Institution wendet. Letztlich steht es
ihm auch frei, von den Möglichkeiten der Rückkehrhilfe Gebrauch zu ma-
chen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG, Art. 75 der Asylverordnung 2 vom
11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]). Unter diesen Umständen besteht
kein Anlass individuelle Garantien von den griechischen Behörden einzu-
holen.
8.2.3 Im Ergebnis ist aufgrund der Aktenlage nicht davon auszugehen, der
Beschwerdeführer gerate bei einer Rückkehr nach Griechenland zwangs-
läufig in eine seine Existenz gefährdende Situation. Damit ist der Vollzug
der Wegweisung auch zumutbar.
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8.3 Der Vollzug der Wegweisung ist schliesslich nach Art. 83 Abs. 2 AIG
möglich, da die griechischen Behörden einer Rückübernahme des Be-
schwerdeführers ausdrücklich zugestimmt haben, er dort über eine Aufent-
haltsbewilligung verfügt und den Akten keine Hinweise auf eine Reiseun-
fähigkeit zu entnehmen sind.
8.4 Zusammenfassend hat das SEM zu Recht den Wegweisungsvollzug
nach Griechenland als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet, wes-
halb die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme ausser Betracht fällt.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da-
rauf einzutreten ist.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen wurde
mit Verfügung vom 2. Februar 2022 das Gesuch um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung gutgeheissen und ist den Akten keine Ände-
rung seiner finanziellen Lage zu entnehmen, womit keine Verfahrenskos-
ten zu erheben sind.
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