Decision ID: 0a42d8bc-e418-5e4e-a3c9-b567841b786d
Year: 2018
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdeführer reichte am 24. Februar 2017 bei der Gemeinde Pieterlen ein
Baugesuch ein für den Neubau einer Scheune für Geräte, Maschinen und
Pflanzenbauprodukte auf der Parzelle Pieterlen Grundbuchblatt Nr. B._. Unter der
Scheune soll zudem eine Wasserfassung gebaut werden für die Erweiterung der
Drainageleitung. Die Parzelle ist der Landwirtschaftszone zugewiesen und befindet sich auf
einer Fruchtfolgefläche.
2. Das Amt für Landwirtschaft und Natur des Kantons Bern (LANAT) kam im
Fachbericht vom 25. April 2017 zum Schluss, das Bauvorhaben sei in der
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Landwirtschaftszone nicht zonenkonform gemäss Art. 16a RPG1. Für das Bauvorhaben sei
daher eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24 ff. RPG erforderlich. Mit Verfügung vom
31. Oktober 2017 verweigerte das AGR die Anerkennung der Zonenkonformität nach
Art. 16a RPG sowie die Ausnahmebewilligung nach Art. 24 ff. RPG. Die Gemeinde
Pieterlen erteilte dem Vorhaben daraufhin mit Entscheid vom 6. November 2017 den
Bauabschlag, ohne das Projekt vorgängig zu publizieren.
3. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 4. Dezember 2017 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er beantragt
sinngemäss die Bewilligung seines Baugesuchs vom 24. Februar 2017 oder die Umzonung
der Bauparzelle Pieterlen Grundbuchblatt Nr. B._ in eine
Intensivlandwirtschaftszone. Zur Begründung macht der Beschwerdeführer geltend, das
geplante Betriebszentrum sei standortgebunden und gewährleiste, dass er auch künftig
seiner landwirtschaftlichen Tätigkeit nachkommen könne.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Das AGR beantragt mit Stellungnahme
vom 18. Dezember 2017 die Abweisung der Beschwerde. Auch die Vorinstanz beantragt in
ihrer Stellungnahme vom 18. Dezember 2017 die Abweisung der Beschwerde. Das
Rechtsamt gab dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 10. Januar 2018 Gelegenheit,
nähere Angaben zu seinem Betrieb zu machen und ein allfälliges Betriebskonzept
einzureichen. Nach einer Fristverlängerung reichte der Beschwerdeführer ein
Betriebskonzept ein. Mit Verfügung vom 29. März 2018 ersuchte das Rechtsamt das
LANAT, in einem ausführlich begründeten Bericht zu erläutern, ob die vom
Beschwerdeführer gemachten Betriebsangaben Einfluss haben auf die ursprüngliche
Beurteilung im vorinstanzlichen Verfahren. Hierzu liess es die Vorakten der Gemeinde
Pieterlen sowie die Beschwerdeakten mit dem Betriebskonzept dem LANAT zukommen.
Den daraufhin eingereichten Bericht des LANAT vom 24. April 2018 stellte das Rechtsamt
den Verfahrensbeteiligten zu. Es gab diesen Gelegenheit, Schlussbemerkungen zum
1 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700) 2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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Verfahren einzureichen. Auf die Rechtsschriften und das Beweisergebnis wird, soweit für
den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
a) Bauentscheide – und mit ihnen zusammen die Verfügungen des AGR nach
Art. 24 ff. RPG – können innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei der BVE
angefochten werden (Art. 40 Abs. 1 und Art. 84 Abs. 4 BauG3). Die BVE ist somit zur
Beurteilung der Beschwerde gegen den Entscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen und Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen und Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40
Abs. 2 BauG). Der Beschwerdeführer ist als Baugesuchsteller zur Beschwerde legitimiert.
c) Der Beschwerdeführer verlangt alternativ zur Bewilligung seines Vorhabens, die
Bauparzelle Pieterlen Grundbuchblatt Nr. B._ sei vom Kanton Bern oder von der
Gemeinde Pieterlen in eine Intensivlandwirtschaftszone umzuzonen.
Der Erlass oder die Änderung von Zonenplänen folgt einem gesetzlich definierten
Verfahren unter Einbezug der Bevölkerung (Art. 53 ff. BauG). Weder die Gemeinde
Pieterlen noch die BVE sind zuständig oder haben die Kompetenz, die Parzelle Pieterlen
Grundbuchblatt Nr. B._ im Rahmen eines Baubewilligungsverfahrens bzw.
Beschwerdeverfahrens einer anderen Zone zuzuweisen. Auf diesen Antrag des
Beschwerdeführers kann nicht eingetreten werden. Im Übrigen ist auf die frist- und
formgerechte Beschwerde einzutreten.
3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0)
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2. Zonenkonformität in der Landwirtschaftszone, Allgemeines
a) Im angefochtenen Bauabschlag vom 6. November 2017 verweist die Vorinstanz auf
den negativen Fachbericht zur Zonenkonformität des LANAT vom 25. April 2017 und die
negative Verfügung des AGR vom 31. Oktober 2017. Das LANAT machte im Bericht vom
25. April 2017 rechtliche Ausführungen zur Zonenkonformität und hob mittels grafischer
Unterstreichung hervor, dass nicht gewinn- und ertragsorientierte Freizeitlandwirtschaft
«nicht» zonenkonform sei. Bei der konkreten Beurteilung des Vorhabens wies das LANAT
summarisch darauf hin, der Betrieb des Beschwerdeführers verfüge nicht über die
notwendige Grösse für eine Teilaussiedlung respektive Aussiedlung. Mangels zwingender
objektiver Standortbegründung widerspreche die Feldscheune zudem dem
Konzentrationsprinzip. Das AGR schloss sich diesen Ausführungen in der Verfügung vom
31. Oktober 2017 an.
b) In der Landwirtschaftszone zonenkonform sind Bauten und Anlagen, die zur
landwirtschaftlichen Bewirtschaftung oder für den produzierenden Gartenbau nötig sind
(Art. 16a Abs. 1 RPG). Bauten und Anlagen für die Freizeitlandwirtschaft gelten nicht als
zonenkonform (Art. 34 Abs. 5 RPV4). Zonenkonforme landwirtschaftliche Erwerbsbetriebe
können von Betrieben der Freizeitlandwirtschaft nicht nach generellen Massstäben
abgegrenzt werden. Ob es sich um eine hobbymässig betriebene landwirtschaftliche oder
gartenbauliche Bewirtschaftung handelt, lässt sich nur im Einzelfall auf Grund
verschiedener Indikatoren feststellen.5 So fehlt es im Falle der Freizeitlandwirtschaft
beispielsweise an der Gewinn- und Ertragsorientierung, d.h. es wird mit der
landwirtschaftlichen Tätigkeit nicht ein regelmässiges Einkommen erzielt, oder es wird eine
Mindestgrösse nicht erreicht.6 Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung stellt weder ein
Jahreseinkommen von bis zu Fr. 7'000.-- noch ein Einkommen von monatlich Fr. 800.-- ein
ins Gewicht fallendes Erwerbseinkommen dar.7 Die zonenkonforme landwirtschaftliche
Bewirtschaftung unterscheidet sich von der Freizeitlandwirtschaft insbesondere durch
4 Raumplanungsverordnung des Bundesrats vom 28. Juni 2000 (RPV; SR 700.1) 5 Vgl. Entscheid des Bundesgerichts 1A.64/2006 vom 7. November 2006 E. 3.2, m.w.H.; Ruch/Muggli, in: Aemisegger/Moor/Ruch/Tschannen (Hrsg.), Praxiskommentar RPG: Bauen ausserhalb der Bauzone, 2017, Art. 16a N 18, m.w.H. 6 Vgl. auch Ruch/Muggli, a.a.O., Art. 16a N 18 7 Entscheid des Bundesgerichts 1A.64/2006 vom 7. November 2006 E. 4.2, m.w.H.
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einen dauernden, auf Wirtschaftlichkeit ausgerichteten und organisierten Einsatz von
Kapital und Arbeitskraft in einem wirtschaftlich bedeutsamen Umfang.8
c) Eine Baute oder Anlage in der Landwirtschaftszone darf weiter nur bewilligt werden,
wenn sie für die in Frage stehende Bewirtschaftung nötig ist (Art. 34 Abs. 4 Bst. a RPV),
wenn am vorgesehenen Standort keine überwiegenden Interessen entgegenstehen (Bst. b)
und wenn der landwirtschaftliche Betrieb voraussichtlich längerfristig bestehen kann
(Bst. c). Das Erfordernis der betrieblichen Notwendigkeit verlangt den Nachweis, dass die
Anlagen objektiv betrachtet betriebswirtschaftlich nötig und nicht überdimensioniert sind.
Bei der Standortwahl für Bauten und Anlagen in der Landwirtschaftszone ist der Bauherr
nicht frei, sondern er muss nachweisen, dass die Baute oder Anlage am vorgesehenen
Standort objektiv notwendig ist, d.h. ein schutzwürdiges Interesse daran besteht, die
streitige Baute am gewählten Ort zu errichten und, nach Abwägung aller Interessen, kein
anderer, besser geeigneter Standort in Betracht kommt.9 Auf subjektive Vorstellungen und
Wünsche des Einzelnen kann es dabei nicht ankommen. Selbst wenn ein Standort objektiv
begründbar ist, können ihm überwiegende Interessen wie die Erhaltung genügender
Flächen geeigneten Kulturlands entgegenstehen (vgl. Art. 3 Abs. 2 Bst. a RPG).10 Auf die
Erhaltung genügender Fruchtfolgeflächen ist besonders Rücksicht zu nehmen.11
d) Voraussetzung für die Beanspruchung von Kulturland, d.h. von landwirtschaftlicher
Nutzfläche und Fruchtfolgefläche, ist nach der Regelung im Baugesetz der Nachweis, dass
der angestrebte Zweck ohne die Beanspruchung nicht sinnvoll erreicht werden kann
(Art. 8a Abs. 2 Bst. a und Art. 8b Abs. 3 Bst. a BauG). Wird Kulturland für andere
bodenverändernde Nutzungen wie z.B. Bauvorhaben beansprucht, ist zudem die
besonders hohe Nutzungsdichte nach Absatz 6 im Einzelfall qualitativ nachzuweisen
(Art. 11c Abs. 6 BauV12). Diese Anforderungen gelten nicht, wenn Kulturland im Einzelfall
im Umfang von höchstens 300 m2 beansprucht wird (Art. 11b Abs. 2 BauV, Art. 11g
8 BVR 2011 S. 163 E. 4.3, m.w.H.; Entscheid des Bundesgerichts 1A.64/2006 vom 7. November 2006 E. 3.2, m.w.H. 9 Entscheid des Bundesgerichts 1C_567/2015 vom 29. August 2016 E. 6.1, m.w.H. 10 Ruch/Muggli, a.a.O., Art. 16a N 56; BVR 2011 S. 163 E. 4.1, m.w.H. 11 Vgl. Entscheid des Bundesgerichts 1C_567/2015 vom 29. August 2016 E. 6.1, m.w.H. 12 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1)
RA Nr. 110/2017/152 6
Abs. 3 BauV).13 In jedem Fall ist eine umfassende Interessenabwägung vorzunehmen und
es sind Alternativen zu prüfen.
3. Zonenkonformität des Vorhabens
a) Im vorinstanzlichen Verfahren erfolgte lediglich eine knappe Beurteilung des Betriebs
des Beschwerdeführers, da aufgrund der Betriebsstruktur offenbar zum Vornherein von
keinem landwirtschaftlichen Zweck ausgegangen wurde. Um nähere Angaben zur
Zonenkonformität zu erhalten, gab das Rechtsamt dem Beschwerdeführer daher
Gelegenheit, genauere Ausführungen zum Sachverhalt zu machen und ein allfälliges
Betriebskonzept einzureichen. Der Beschwerdeführer nahm diese Gelegenheit wahr und
reichte ein von der «ES Agro Consulting» erstelltes Betriebskonzept vom März 2018 ein.
b) Aus dem Betriebskonzept geht hervor, dass die landwirtschaftliche Nutzfläche auf der
Parzelle Pieterlen Grundbuchblatt Nr. B._ insgesamt 4.63 ha beträgt. Diese
Fläche bewirtschaftet der Beschwerdeführer mit Winterweizen (1.5 ha), Körnermais (1.65
ha) und mit einer Baumnussanlage (0.9 ha; 150 Bäume). Die Rotationsbrache beträgt 0.5
ha, die Gebäude- und Hofplatzfläche 0.08 ha. Der Beschwerdeführer verfügt momentan
über zwei gemietete Einstellräume in der Kernzone von Pieterlen. Er führt in seiner
Beschwerde vom 4. Dezember 2017 und im Betriebskonzept vom März 2018 aus, diese
Situation sei nicht mehr tragbar und er sei auf eine Scheune auf dem Bewirtschaftungsfeld
angewiesen. So seien die Räume im Dorfzentrum von Pieterlen verkehrstechnisch schlecht
gelegen und rund 2 km vom Feld entfernt. Ausserdem seien die Räume zu klein und
teilweise zu wenig hoch. Beim geltend gemachten Platzbedarf stützt sich der
Beschwerdeführer auf den Bericht der Eidgenössische Forschungsanstalt für
Agrarwirtschaft und Landtechnik (FAT) Nr. 509/2002, welcher den jeweiligen Raumbedarf
für die vom Beschwerdeführer in der Beschwerde aufgelisteten Maschinen und Geräte
ausweist. Die geplante Wasserfassung unter der Scheune sei zudem notwendig für die
Bewässerung der Nussbaumanlage. Der Ertrag und die Qualität der Walnüsse würden
stark vom Wasserhaushalt im Boden abhängen. Die Bewässerungsmöglichkeit stelle für
eine hohe Produktqualität eine unabdingbare Voraussetzung dar.
13 Vortrag der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion an den Regierungsrat vom 1. Februar 2017 zur Änderung der Bauverordnung vom 1. April 2017, S. 10
RA Nr. 110/2017/152 7
Den Standort des Vorhabens begründet der Beschwerdeführer u.a. mit der
Wasserfassung. Diese diene der Bewässerung der Walnüsse und soll daher bei der
Nussbaumanlage errichtet werden. Der Baustandort an einer Kreuzung mit befestigtem
Strassenbelag sei zudem so gewählt, dass kein zusätzlicher Erschliessungsaufwand für
das geplante Bauprojekt getätigt werden müsse. Zudem würden zwei
Hochspannungsfreileitungen das Grundstück überqueren, zu welchen ein Abstand
einzuhalten sei.
Der Beschwerdeführer führt weiter aus, er beabsichtige seinen Landwirtschaftsbetrieb die
nächsten 26 Jahre neben seiner selbständigen Tätigkeit als Holzbauunternehmer bis zu
seiner Pensionierung zu bewirtschaften. Die Baumnussanlage stehe heute im vierten
Standjahr und werde im Jahr 2023 in das Vollertragsstadium kommen. Künftig könne ein
Einkommen aus landwirtschaftlicher Tätigkeit von maximal ca. Fr. 42'000.-- pro Jahr
generiert werden. Der Mindestgewinn betrage ca. Fr. 32'600.-- pro Jahr. Dieses Ergebnis
trage gemessen am Gesamteinkommen einen Anteil von maximal 44.5 % und minimal
38.3 % zum Unternehmensergebnis bei. Mit dem Einkommen aus landwirtschaftlicher
Tätigkeit könnten künftig maximal ca. 70 % und minimal ca. 55 % der Privatausgaben plus
der Ausgaben für die jährlich betriebsnotwendigen Investitionen plus die Ausgaben für die
Tilgung der Schulden gedeckt werden. Momentan stehe der Beschwerdeführer zudem
zusammen mit Landwirten aus der Region im Realisierungsprozess einer gemeinsamen
regionalen Verarbeitungs- und Vermarktungsplattform, welche die Vermarktung von
regionalen Walnüssen zum Ziel habe. Er beabsichtigt, ca. 50 % der Erntemenge als
Premiumnusshälften zu vermarkten und die übrigen ca. 50 % als trockener Nussbruch an
die Firma C._ zu verkaufen. Der Landwirtschaftsbetrieb sei nach der Realisierung
des Neuprojekts finanziell nachhaltig und sehr gut tragbar.
c) Im Beschwerdeverfahren beurteilte das LANAT den Betrieb des Beschwerdeführers
aufgrund des Betriebskonzepts als mehr als einen blossen Freizeitlandwirtschaftsbetrieb.14
Das landwirtschaftliche Einkommen sei zwar geringer als das Nebeneinkommen, vermöge
gemäss den Angaben im Betriebskonzept aber einen namhaften Beitrag an die
Existenzsicherung zu leisten. Dieser Einschätzung schloss sich das AGR mit
Stellungnahme vom 18. Mai 2018 an. Angesichts der dargelegten Einkommensverhältnisse
ist in Übereinstimmung mit dem LANAT und dem AGR von mehr als einem blossen
14 Bericht des LANAT vom 24. April 2018
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Freizeitlandwirtschaftsbetrieb des Beschwerdeführers auszugehen. Das Vorhaben dient
demnach einem landwirtschaftlichen Zweck und ist insoweit zonenkonform.
d) Das LANAT führt im Beschwerdeverfahren mit Bericht vom 24. April 2018 aus, das
Projekt erfülle die übrigen Voraussetzungen von Art. 16a RPG dennoch nicht. So nehme
der Beschwerdeführer keine vertiefte Standortbegründung respektive eine Prüfung von
Alternativen für den Neubau der Scheune vor, obwohl dies zwingend nötig wäre. Das
Betriebskonzept (Walnussproduktion) setze zudem kein eigentliches Betriebsgebäude
(Einstellraum) in unmittelbarer Nähe zur Anlage voraus und auch der in der Beschwerde
vom 4. Dezember 2017 dargestellte Raumbedarf begründe den konkreten Standort des
Bauvorhabens nicht. Für die Bewässerung müssten zwar gewisse Bauten und Anlagen
erstellt werden, allerdings sei keine Scheune notwendig und es seien auch weniger
umfangreiche Bauten und Anlagen denkbar. In den Unterlagen seien zudem keine
umfassende Interessenabwägung und die Prüfung von Alternativen oder Ausführungen zur
optimalen Nutzung enthalten oder erkennbar. Zwar sei aufgrund der Unterlagen nicht
abschliessend beurteilbar, wie viel Fruchtfolgefläche effektiv durch das Bauvorhaben
dauerhaft und irreversibel beansprucht würde. Aufgrund der Gebäudefläche, der Zufahrt,
den Rangierbereichen und dessen Lage handle es sich um eine Fläche, welche grösser als
300 m2 sei. Dem Vorhaben stünden am gewählten Standort somit überwiegende
Interessen entgegen.
Das AGR sprach dem Vorhaben in den Schlussbemerkungen vom 18. Mai 2018 unter
Verweis auf Art. 34 Abs. 4 RPV die Zonenkonformität ebenfalls ab.
e) Es ist Aufgabe der Behörden, den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
eine Interessenabwägung vorzunehmen. Sie bestimmen Art und Umfang der Ermittlungen,
ohne an die Beweisanträge der Parteien gebunden zu sein (Art. 18 Abs. 1 und 2 VRPG15).
Der rechtserhebliche Sachverhalt ist richtig und vollständig abzuklären. Fehlendes ist ein
zu verlangen. Die Behörde hat nach der materiellen Wahrheit (wirklichen Sachlage) zu
suchen und darf sich nicht mit der formellen, d.h. sich aus den eingebrachten
Informationen ergebenden, Wahrheit zufrieden geben.16 Im Baubewilligungsverfahren hat
die Baubewilligungsbehörde bei formellen Mängeln, wie beispielsweise mangelhaften
Plänen und fehlenden Angaben, der Bauherrschaft Gelegenheit zur Verbesserung zu
15 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 16 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 18 N. 1
RA Nr. 110/2017/152 9
geben (Art. 18 Abs. 1 BewD17). Ist ohne Weiteres erkennbar, dass ein Vorhaben nicht oder
nur mit Ausnahmen, die nicht beantragt wurden, bewilligt werden könnte, hat die
Baubewilligungsbehörde die Bauherrschaft auf die Mängel aufmerksam zu machen und ihr
Gelegenheit zur Verbesserung zu geben Art. 18 Abs. 2 BewD).
Im vorinstanzlichen Verfahren gingen die beteiligten Behörden offenbar ohne nähere
Prüfung von einem nicht der landwirtschaftlichen Nutzung dienenden Betrieb aus.
Entsprechend summarisch fiel die Beurteilung des Vorhabens aus. Die Behörden gaben
dem Beschwerdeführer auch keine Gelegenheit, sein Gesuch hinsichtlich der
Voraussetzungen zur Zonenkonformität zu verbessern oder mit notwendigen Angaben zu
seinem Betrieb zu ergänzen. Im Beschwerdeverfahren konnte der Beschwerdeführer mit
einem Betriebskonzept darlegen, dass er einen landwirtschaftlichen Betrieb führt und nicht
nur Freizeitlandwirtschaft betreibt. Die Fachbehörden anerkennen dies zwar, vertreten aber
nach wie vor ohne näheren Abklärungen und ohne vertiefte Auseinandersetzung mit dem
Projekt die Auffassung, das Vorhaben sei nicht bewilligungsfähig. Dies unter anderem mit
der Begründung, der Beschwerdeführer habe sich nicht ausreichend zu alternativen
Standorten geäussert, seine Unterlagen enthielten keine umfassenden
Interessenabwägung und es würden mehr als 300 m2 Fruchtfolgefläche beansprucht. Der
Beschwerdeführer legt allerdings mit seinen Angaben dar, weshalb aus seiner Sicht das
Vorhaben betrieblich notwendig ist. Er nennt die Überlegungen zur Standortwahl, listet die
von ihm als notwendig erachteten Maschinen und Geräte und den sich daraus ergebenden
Raumbedarf detailliert auf, erläutert, weshalb die bisher genutzten Räume nicht geeignet
seien, präsentiert seine Verarbeitungs- und Vermarktungsstrategie und äussert sich zum
voraussichtlichen, längerfristigen Bestehen des Betriebs. Genügen diese Angaben den
Fachbehörden noch nicht, ist dem Beschwerdeführer zunächst Gelegenheit zu geben, den
Sachverhalt zu vervollständigen. Eine Auseinandersetzung mit den konkreten Argumenten
des Beschwerdeführers darf vor obigem Hintergrund nicht einfach unterbleiben. Dies gilt
umso mehr, als das LANAT im Bericht vom 24. April 2018 immerhin anerkennt, dass für die
Bewässerung bestimmte Bauten und Anlagen notwendig sind. Das LANAT müsste näher
prüfen, ob die vom Beschwerdeführer angegebenen Geräte und Maschinen für seinen
Betrieb notwendig sind und welcher Platzbedarf dafür besteht. Weiter müsste näher geprüft
werden, ob die vom Beschwerdeführer bisher genutzten Räume in der Kernzone von
Pieterlen ausreichend und geeignet sind, den Raumbedarf zu decken. Allenfalls ist dem
17 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
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Beschwerdeführer Gelegenheit zu geben, nähere Angaben zu Alternativstandorten zu
machen. Hinzu kommt, dass auch die Annahme des LANAT, die beanspruchte
Fruchtfolgefläche betrage mehr als 300 m2, nicht erstellt ist: Die Grundfläche der geplanten
Scheune beträgt rund 180 m2. Das Gebäude soll rund 13 m von der D._strasse
entfernt errichtet werden. Es ist entgegen der Auffassung des LANAT nicht ohne Weiteres
klar, ob mit der Erstellung einer Zufahrt zur Scheune und einem allfälligen Rangierbereichs
eine zusätzliche Fläche von 120 m2 beansprucht werden müsste und tatsächlich mehr als
300 m2 Fruchtfolgefläche verloren gingen. Eine Zufahrtsstrasse ist aus den Plänen eben so
wenig ersichtlich wie Rangierbereiche. Dem Beschwerdeführer müsste daher Gelegenheit
gegeben werden, die Pläne zu ergänzen.
4. Rückweisung an die Vorinstanz
a) Nach Art. 72 Abs. 1 VRPG entscheidet die Beschwerdeinstanz in der Sache oder
weist die Akten ausnahmsweise mit verbindlichen Anordnungen an die Vorinstanz zurück.
Erweist sich die Beschwerde als begründet, soll die Beschwerdeinstanz das streitige
Rechtsverhältnis wenn möglich nach ihrer eigenen Erkenntnis und in Abweichung der
angefochtenen Verfügung neu regeln. Das Gesetz verbietet ihr jedoch nicht, kassatorisch
zu entscheiden. Die Beschwerdeinstanz soll von der Möglichkeit der Rückweisung aber nur
ausnahmsweise Gebrauch machen. Es müssen besondere Gründe dafür sprechen, welche
die prozessökonomischen Gesichtspunkte überwiegen. Mangelnde Entscheidreife der
Angelegenheit kann einen solchen Grund darstellen, sofern die Beschwerdebehörde selber
umfassende Beweismassnahmen durchführen müsste.18
b) Eine umfassende Beurteilung des Vorhabens durch die Fachbehörden fand bisher
nicht statt. Zwar erscheint das Vorhaben in der beantragten Form tatsächlich nicht ohne
Weiteres als bewilligungsfähig. Dennoch müssen zunächst der Sachverhalt korrekt
ermittelt und die Bewilligungsvoraussetzungen einer konkreten rechtlichen Würdigung
unterzogen werden, ehe ein Entscheid gefällt werden kann. Es fehlen nach wie vor
Informationen für eine fundierte Beurteilung. Dem Beschwerdeführer ist Gelegenheit zu
geben, die bereits gemachten Angaben zu vervollständigen. Allenfalls ist eine Publikation
erforderlich.
18 Zum Ganzen: Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 72, N. 2 f.
RA Nr. 110/2017/152 11
c) Die Angelegenheit ist dem Gesagten zufolge noch nicht entscheidreif. Es ist nicht
Aufgabe der BVE als Beschwerdeinstanz, in diesem Umfang weitere Abklärungen
vorzunehmen, das Projekt erstmals umfassend zu beurteilen, den Beschwerdeführer auf
allfällige Mängel aufmerksam zu machen und eine mögliche Publikation des Gesuchs
nachzuholen. Die Beschwerde wird daher insofern gutgeheissen, als dass der
Bauentscheid der Gemeinde Pieterlen aufgehoben wird. Die Sache wird zur Fortführung
des Verfahrens bzw. zur vollständigen Prüfung im Sinne der Erwägungen an die
Vorinstanz und an das Amt für Gemeinden und Raumordnung zurückgewiesen.
5. Kosten
a) Bei diesem Verfahrensausgang werden keine Verfahrenskosten erhoben (Art. 108
Abs. 1 und 2 VRPG).
b) Der Beschwerdeführer reichte eine Kostennote von insgesamt Fr. 14'574.60 ein. Die
Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden Aufwand
(Art. 104 Abs. 1 VRPG). Da der Beschwerdeführer nicht anwaltlich vertreten war, sind
keine Parteikosten angefallen. Eine Billigkeitsentschädigung gemäss Art. 104 Abs. 2 VRPG
wird nur ausnahmsweise und mit grosser Zurückhaltung zugesprochen. Sie ist auf
aufwändige Verfahren beschränkt, in denen die beteiligte Privatperson durch sorgfältige
Auseinandersetzung mit den sich stellenden Fragen und durch erheblichen persönlichen
Arbeitsaufwand wesentlich zur Entscheidfindung beigetragen hat.19
Der Beschwerdeführer hat zwar ein Betriebskonzept eingereicht. Mit den darin gemachten
Angaben hat sich ein längerfristig planender und ökonomisch denkender Betriebsinhaber
indes ohnehin auseinanderzusetzen, und zwar unabhängig von einem allfälligen
Beschwerdeverfahren.20 Ausserdem ist es Aufgabe eines Gesuchstellers, die zur Prüfung
seines Gesuchs notwendigen Angaben zu machen. Die Kosten für das Zusammentragen
dieser Angaben im Betriebskonzept sind daher nicht erstattungsfähig. Der
19 BVR 2012 S. 1 E. 6; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 104 N. 12, m.w.H. 20 Bundesamt für Raumentwicklung, Neues Raumplanungsrecht. Erläuterungen zur Raumplanungsverordnung und Empfehlungen für den Vollzug, 2001, S. 32, abrufbar unter:
https://www.are.admin.ch/are/de/home/medien-und-publikationen/publikationen/raumplanungsrecht/-erlauterungen-zur-raumplanungsverordnung.html
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Beschwerdeführer macht zudem eine Umtriebsentschädigung, Zeitaufwand und weitere
Kosten wie Druckkosten, Telefonate usw. geltend. Solche Aufwendungen sind in einem
Beschwerdeverfahren üblich und fallen bei jeder Partei an. Auch der Kauf von Fachliteratur
rechtfertigt keine Entschädigung. Die strengen Voraussetzungen einer
Billigkeitsentschädigung gemäss Art. 104 Abs. 2 VRPG sind daher nicht erfüllt und es
werden keine Parteikosten gesprochen.
c) Über die Kosten des (bisherigen) Baubewilligungsverfahrens (Fr. 855.00) hat die
Gemeinde zusammen mit den Kosten für die Fortsetzung des Baubewilligungsverfahrens
in der neuen Verfügung zu entscheiden.