Decision ID: 31f38a67-1e45-479a-a66d-a8e534dfde0f
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend fahrlässige Körperverletzung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Ein-
zelgericht, vom 4. Februar 2014 (GG130229)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 2. September
2013 (Urk. 34) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. a) Die Beschuldigte A._ ist der Freiheitsberaubung im Sinne von
Art. 183 Ziff. 1 StGB sowie des Amtsmissbrauchs im Sinne von
Art. 312 StGB nicht schuldig und wird von diesen Vorwürfen freige-
sprochen.
b) Die Beschuldigte B._ ist schuldig der fahrlässigen Körperverlet-
zung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB.
Der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 StGB sowie des
Amtsmissbrauchs im Sinne von Art. 312 StGB ist die Beschuldigte
B._ nicht schuldig und wird von diesen Vorwürfen freigesprochen.
c) Der Beschuldigte C._ ist schuldig der fahrlässigen Körperverlet-
zung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB.
2. a) Die Beschuldigte B._ wird bestraft mit einer Geldstrafe von 20 Ta-
gessätzen zu Fr. 150.–.
b) Der Beschuldigte C._ wird bestraft mit einer Geldstrafe von 20
Tagessätzen zu Fr. 150.–.
3. a) Der Vollzug der Geldstrafe der Beschuldigten B._ wird aufgescho-
ben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
b) Der Vollzug der Geldstrafe des Beschuldigten C._ wird aufge-
schoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
4. Auf das Schadenersatzbegehren des Privatklägers D._ wird nicht ein-
getreten.
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5. Auf das Genugtuungsbegehren des Privatklägers D._ wird nicht einge-
treten.
6. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 5'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'000.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. 990.00 Kosten Kantonspolizei
Fr. 570.25 Auslagen Untersuchung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
7. a) Die auf die Beschuldigte A._ anfallenden Kosten der Untersu-
chung und des gerichtlichen Verfahrens im Umfang von je 1/4 werden
vollumfänglich auf die Gerichtskasse genommen.
b) Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden
der Beschuldigten B._ im Umfang von je 1/4 auferlegt und im Um-
fang von 1/4 auf die Gerichtskasse genommen.
c) Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden
dem Beschuldigten C._ im Umfang von je 1/4 auferlegt.
8. a) Der Beschuldigten A._ wird eine Prozessentschädigung von
Fr. 19'650.– (inkl. Mehrwertsteuer) für anwaltliche Verteidigung aus der
Gerichtskasse zugesprochen.
b) Der Beschuldigten B._ wird eine reduzierte Prozessentschädigung
von Fr. 13'950.– (inkl. Mehrwertsteuer) für anwaltliche Verteidigung aus
der Gerichtskasse zugesprochen.
9. a) Die Beschuldigte B._ wird verpflichtet, dem Privatkläger D._
eine reduzierte Prozessentschädigung von Fr. 4'072.– (inkl. Mehrwert-
steuer) für anwaltliche Vertretung zu bezahlen.
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b) Der Beschuldigte C._ wird verpflichtet, dem Privatkläger D._
eine Prozessentschädigung von Fr. 4'072.– (inkl. Mehrwertsteuer) für
anwaltliche Vertretung zu bezahlen.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung der Beschuldigten B._:
(Urk. 75 S. 2)
1. Die Beschuldigte B._ sei vom Vorwurf der fahrlässigen Körperver-
letzung freizusprechen.
2. Die Kosten der Untersuchung, des erstinstanzlichen gerichtlichen Ver-
fahrens und des Berufungsverfahrens seien vollumfänglich auf die
Staatskasse zu nehmen.
3. B._ sei für die Kosten ihrer anwaltlichen Vertretung vollumfänglich
zu entschädigen.
b) Der Verteidigung des Beschuldigten C._:
(Urk. 76 S. 2)
1. C._ sei von Schuld und Strafe vollumfänglich freizusprechen.
2. Sämtliche Kosten seien auf die Gerichtskasse zu nehmen.
3. C._ sei für die Kosten seiner Verteidigung vollumfänglich zu ent-
schädigen.
c) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich:
(Urk. 63)
Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils.
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d) Des Vertreters des Privatklägers:
(Urk. 78 S. 2)
1. Die Berufungen der Beschuldigten B._ und C._ seien abzu-
weisen und das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 4. Februar 2014
zu bestätigen unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der
Berufungskläger eventualiter zu Lasten des Staates.
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang
Mit Urteil vom 4. Februar 2014 sprach die Einzelrichterin am Bezirksgericht Zürich
A._ (Beschuldigte 1) und B._ (Beschuldigte 2) vom Vorwurf der Frei-
heitsberaubung und des Amtsmissbrauchs frei. Hingegen wurden die Beschuldig-
te 2 und C._ (Beschuldigter 3) wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt
und mit je einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 150.– verurteilt, wobei der
Vollzug der Geldstrafe je aufgeschoben und die Probezeiten auf je 2 Jahre fest-
gesetzt wurden. Gegen dieses am 25. Februar 2014 mündlich eröffnete Urteil
(Prot. I S. 26) meldeten die Verteidiger der Beschuldigten 2 und 3 sowie die
Staatsanwaltschaft je rechtzeitig Berufung an (Urk. 51; Urk. 52; Urk. 53). Die Ver-
teidiger der Beschuldigten 2 und 3 reichten ihre Berufungserklärungen je fristge-
recht ein (Urk. 58; Urk.60). Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf Berufungserklä-
rung und Anschlussberufung (Urk. 59; Urk. 63).
II. Prozessuales
1. Da von Seiten der Staatsanwaltschaft innert Frist keine Berufungserklärung
einging und das Einreichen einer Berufungserklärung zwingend, also keine blosse
Ordnungsvorschrift ist (vgl. Hug/Scheidegger, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber
[Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO], 2. Auflage,
Zürich 2014, Art. 399 N 10; ZR 110 [2011] Nr. 69), ist auf ihre Berufung in An-
wendung von Art. 403 Abs. 1 lit. a und Abs. 3 StPO nicht einzutreten.
2.1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung lediglich im Umfang der Anfechtung
aufschiebende Wirkung. Angefochten wurden die Verurteilungen wegen fahrlässi-
ger Körperverletzung, nicht jedoch die Freisprüche bezüglich Freiheitsberaubung
und Amtsmissbrauch. Daraus folgend wurden auch die Strafen samt Vollzugsre-
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gelung sowie die Kosten-und Entschädigungsfolgen angefochten (Urk. 58;
Urk. 60).
2.2. Somit ist festzustellen, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, Einzelge-
richt, vom 4. Februar 2014 bezüglich den Dispositivziffern 1. a) (Freispruch der
Beschuldigten A._ vom Vorwurf der Freiheitsberaubung sowie des Amts-
missbrauchs), 1. b) teilweise (Freispruch der Beschuldigten B._ vom Vorwurf
der Freiheitsberaubung sowie des Amtsmissbrauchs), 4. (Schadenersatzbegeh-
ren des Privatklägers D._), 5. (Genugtuungsbegehren des Privatklägers
D._), 6. (Kostenfestsetzung), 7. a) (Kostenauflage Beschuldigte A._), 8.
a) (Prozessentschädigung A._) in Rechtskraft erwachsen ist.
3. Mit Eingabe vom 7. Oktober 2014 (Urk. 68) stellte der Verteidiger des Be-
schuldigten 3 den Beweisantrag, dass die eingereichte DVD (Urk. 69) zu den Ak-
ten zu nehmen und als Beweismittel in den Urteilserwägungen der Berufungs-
instanz zu berücksichtigen sei. Diesem Beweisantrag ist insofern zu entsprechen,
als dass die DVD als elektronischer Datenträger zu den Akten zu nehmen ist (vgl.
aber Erwägung IV. 3.4.).
4. Auf die Argumente der Verteidiger ist im Rahmen der nachstehenden Erwä-
gungen einzugehen. Dabei muss sich das Gericht nicht ausdrücklich mit jeder tat-
sächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen; viel-
mehr kann es sich auf die für die Entscheidfindung wesentlichen Gesichtspunkte
beschränken (BGE 138 I 232 E. 5.1 und BGE 133 I 270 E. 3.1, je mit Hinweisen;
Urteile 6B_484/2013 vom 3. März 2014 E. 3.2, 6B_526/2009 vom 2. September
2009 E. 3.2 und 6B_678/2009 vom 3. November 2009 E. 5.2).
III. Beanstandungen der Berufungskläger
1. Der Verteidiger der Beschuldigten 2 macht im Wesentlichen geltend, dass
man aus Schaden klug werde, im Nachhinein alles besser wisse und sich das Ge-
richt deshalb nicht von einer ex post Betrachtungsweise leiten lassen solle. Im vo-
rinstanzlichen Urteil fehle es an einer Begründung für die angebliche Sorgfalts-
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pflichtverletzung. Der Privatkläger könne keine verlässlichen Angaben zum Ablauf
vor dem Tor machen. Es sei auf die überzeugenden Schilderungen der beiden
Polizisten abzustellen. Der in der Anklage umschriebene Sachverhalt lasse sich
daher nicht erstellen und gehe von einem falschen Lebensvorgang aus. Nachdem
sich der Privatkläger beruhigt habe, sei bewusst auf körperlichen Kontakt verzich-
tet worden, um die Situation nicht wieder erneut eskalieren zu lassen. Somit sei
keine Sorgfaltspflichtverletzung ersichtlich. Die den Beschuldigten vorgeworfene
Unterlassung könne nicht mit einem aktiven Tun gleichgesetzt werden. Es sei für
die Beschuldigten nicht vorhersehbar gewesen, dass sich der Privatkläger derart
widersinnig verhalten und in die falsche Türöffnung treten werde. Die Argumente
der Vorinstanz zur Vorhersehbarkeit würden nicht überzeugen. Die beiden Be-
schuldigten hätten schliesslich keine Chance gehabt, den Privatkläger früher zu-
rückzuhalten, weshalb es an der Tatmacht und damit der Vermeidbarkeit fehle
(Urk. 44; Urk. 75).
2. Der Verteidiger des Beschuldigten 3 macht im Wesentlichen geltend, dass
es dem Privatkläger darum gehe, die Beschuldigten zu diskreditieren. Zudem sei-
en seine Ausführungen generell nicht sehr glaubhaft, weil er nicht in der Lage ge-
wesen sei, die Örtlichkeiten und den Ablauf der Geschehnisse korrekt und detail-
liert zu schildern und gewisse Ausführungen nachweislich falsch seien. Demge-
genüber seien, entgegen der Vorinstanz, die Ausführungen der Beschuldigten
nicht "wenig glaubhaft". Auch belegten die Arztberichte nicht, dass sich der Pri-
vatkläger die Handverletzungen durch das schliessende Tor zugezogen habe.
Auch der Umstand, dass die technischen Abklärungen der Stadtpolizei ergeben
hätten, dass der Privatkläger überhaupt vom Tor eingeklemmt worden sei, sei im
vorinstanzlichen Urteil unberücksichtigt geblieben. Demnach sei nicht ohne Zwei-
fel erwiesen, dass sich der Privatkläger auf die im Anklagesachverhalt umschrie-
bene Weise am Tor verletzt habe. Gemäss Gutachten sei der gehaltene Abstand
vertretbar und damit auch nicht pflichtwidrig. Das Verhalten des Beschuldigten sei
für alle Beteiligten völlig überraschend und nicht vorhersehbar gewesen. Insbe-
sondere sei nicht vorhersehbar gewesen, dass der Privatkläger statt den Weg in
das sich öffnende Licht den Weg in die dunkle Nische gewählt habe. Was
schliesslich die Vermeidbarkeit des Unfalles anbelange, sei es den beiden Be-
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schuldigten nicht möglich gewesen, schneller zu handeln. Es habe den Beschul-
digten schlicht und einfach an der notwendigen Tatmacht gefehlt (Urk. 46;
Urk. 60; Urk. 75).
IV. Sachverhalt
1. Der verbleibende Anklagevorwurf lautet im Wesentlichen so, dass die bei-
den Beschuldigten am Tor bei der Wache E._ mit dem Privatkläger ausge-
stiegen seien. Als sich dort das Tor geöffnet habe, sei letzterer nicht in den offe-
nen Teil des Torbogens, sondern in den Bereich zwischen Wand und sich
schliessender Türe getreten. Als er gemerkt habe, dass etwas nicht stimme, habe
er sich umgedreht und es seien ihm seine auf dem Rücken gefesselten Hände
und Handgelenke eingeklemmt und gequetscht worden. Die beiden Beschuldigten
hätten keinen Körperkontakt zum Privatkläger und einen Abstand von 1,5 bis 3
Meter zu diesem gehabt. Als der Beschuldigte 3 realisiert habe, dass ersterer
falsch laufe, sei er diesem nachgesetzt und habe ihm am Arm aus der Nische ge-
rissen. Dabei habe dieser sich diverse Verletzungen zugezogen, welche einer
längeren Behandlung bedurft hätten. Die Beschuldigten hätten auf Grund der
Umstände mit diesem Fehlverhalten des Privatklägers rechnen und entsprechen-
de Vorkehrungen treffen müssen, um dies zu verhindern, was ihnen ohne weite-
res möglich und zumutbar gewesen wäre (Urk. 34 S. 6 ff.).
2. Die Beschuldigten bestreiten, dass sich der Privatkläger dabei die Hände
eingeklemmt und verletzt habe, dass sie mit diesem Fehlverhalten hätten rechnen
müssen und es ihnen ohne weiteres möglich und zumutbar gewesen sei, dies zu
verhindern (Urk. 12/1 S. 15 ff.; Urk. 12/3 S. 17 ff.).
3.1. An Beweismitteln stehen der ärztliche Befund des Kantonsspitals Schwyz
(Urk. 11/9), der ärztliche Befund und weitere Unterlagen der F._ (Urk. 11/11-
17), die Foto- und Videodokumentation des Tores (Urk. 8/2-3; Urk. 13/2 = Urk.
14/30), die Foto- und Videodokumentation betreffend der Rekonstruktion der Er-
eignisse am Garagentor (Urk. 69), das Gutachten von G._ (Urk. 14/46), der
Journaleintrag (Urk. 2/4), die Aussagen der Beschuldigten 2 und 3 in den staats-
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anwaltschaftlichen Einvernahmen, soweit sie Aussagen machten, (Urk. 12/1;
Urk. 12/3; Urk. 12/13; Urk. 12/15; Urk. 12/16) und die Aussagen des Privatklägers
(Urk. 12/5) sowie eine Sachverhaltsschilderung des Privatklägers (Urk. 2/11) zur
Verfügung.
3.2. Die undatierte und nicht unterzeichnete schriftliche Schilderung des Vorfalls
durch den Privatkläger (Urk. 2/11) wurde mit Eingabe seines Vertreters vom
25. Oktober 2010 eingereicht (Urk. 2/10). Bei der Beweiswürdigung wäre eigent-
lich zu berücksichtigen, dass der Privatkläger seine Sachverhaltsschilderung ohne
die entsprechenden Hinweise und Belehrungen, wie sie in Einvernahmen üblich
sind, deponierte. Jedoch wurde dem Privatkläger sein undatierter Bericht "Zum
Vorfall 01.08.2010" in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 29. Februar
2012 vorgehalten und er wurde dabei explizit gefragt, ob er darin wahrheitsge-
mässe Aussagen gemacht habe, was er bejahte (Urk. 12/5 S. 6 f.). Sodann hatten
die Verteidiger Gelegenheit, dem Privatkläger Ergänzungsfragen zu stellen, wo-
von sie auch Gebrauch machten (Urk. 12/5 S. 24 ff.). Schliesslich wurde die
Sachverhaltsschilderung den Beschuldigten 2 und 3 in den staatsanwaltschaftli-
chen Einvernahmen auch vorgehalten (Urk. 12/1 S. 17 f.; Urk. 12/3 S. 21 f.).
Demnach kommt diesem Schriftstück volle Beweiskraft zu. Im Übrigen deckt sich
dessen Inhalt in den wesentlichen Punkten ohnehin mit dem bei der Staatsan-
waltschaft Ausgesagten (Urk. 2/11; Urk. 12/5).
3.3. Beim ärztlichen Befund des Kantonsspitals Schwyz (Urk. 11/9) und dem
ärztlichen Befund der F._ (Urk. 11/12) handelt es sich zwar nicht um Gutach-
ten im Sinne von Art. 182 ff. StPO. Dabei gilt es aber zu berücksichtigen, dass
beide ärztlichen Befunde unter der Strafandrohung von Art. 307 StGB erstattet
wurden (Urk. 11/8; Urk. 11/10).
3.4. Was die vom Verteidiger des Beschuldigten 3 mit Eingabe vom 7. Oktober
2014 (Urk. 68) eingereichte DVD (Urk. 69) hinsichtlich der Rekonstruktion der Er-
eignisse am Garagentor des ... (Anlieferung ZAS) betrifft, ist zunächst darauf hin-
zuweisen, dass die Foto- und Videodokumentation vom 21. Mai 2014 von der
Stadtpolizei Zürich, der Arbeitgeberin der Beschuldigten 2 und 3, vorgenommen
wurde. Die vom Verteidiger der Beschuldigten 2 mit Stellungnahme vom 19. Sep-
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tember 2012 (Urk. 13/1 _= Urk. 14/29) eingereichte DVD (Videoaufnahme) ist mit
"... B._, StPo Augenschein vom 13.8.12" beschriftet (Urk. 13/2 = Urk. 14/30).
Demgegenüber wurde die Foto- und Videodokumentation des Tores vom 9. Feb-
ruar 2011 (Urk. 8/2-3) vom Forensischen Institut Zürich, einer gemeinsamen Or-
ganisation der Kantonspolizei und der Stadtpolizei Zürich, aufgrund eines Ermitt-
lungsauftrages durch den verfahrensführenden Staatsanwalt erstellt (Urk. 8/1).
Auch wenn die von den Verteidigern eingereichten DVD bzw. Foto- und Videodo-
kumentationen (Urk. 69; Urk. 13/2 = Urk. 14/30) zu den Akten genommen und
dem Vertreter des Privatklägers jeweils zur Kenntnis gebracht wurden
(Urk. 14/32; Urk. 14/36; Urk. 68; Prot. II S. 6), womit dieser dazu Stellung nehmen
konnte, handelt es dabei - im Gegensatz zur Foto- und Videodokumentation des
Forensischen Instituts Zürich (Urk. 8/2-3) - lediglich um Parteibehauptungen der
Beschuldigten 2 und 3. Im Übrigen konnte die besagte Video- und Fotodokumen-
tation nur deshalb erstellt werden, weil es sich beim Tatort um Räumlichkeiten der
Stadtpolizei Zürich, der Arbeitgeberin der Beschuldigten 2 und 3, handelt. So wä-
re dem Privatkläger seinerseits nur schon aus diesem Grund eine entsprechende
Dokumentation oder Rekonstruktion des Vorfalls vom 1. August 2010 verwehrt
gewesen. Soweit strafrechtlich relevante Vorwürfe gegen Angehörige der Stadt-
polizei Zürich abzuklären sind, tätigt zudem gemäss ständiger Praxis die Kan-
tonspolizei Zürich die notwendigen Ermittlungen und Erhebungen, um allfällige In-
teressenskollisionen zu vermeiden. Dies war vorliegend offensichtlich nicht der
Fall.
3.5. Die Vorinstanz hat diese Beweismittel zutreffend dargestellt und einer aus-
führlichen und sorgfältigen Würdigung unterzogen. Es kann, um unnötige Wieder-
holungen zu vermeiden, vollumfänglich darauf verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4
StPO).
4. Bei der Würdigung der Aussagen der Beschuldigten und den übrigen mit der
Sache befassten Polizeibeamten fällt auf, dass diese vor der eigentlichen Einver-
nahme durch die Staatsanwaltschaft nie polizeilich befragt worden sind und gene-
rell kein polizeiliches Ermittlungsverfahren stattgefunden hat. Obwohl im Rahmen
des Vorverfahrens ein polizeiliches Ermittlungsverfahren gesetzlich nicht vorge-
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schrieben ist (BSK StPO-Rhyner, Art. 306 N 2), ist ein solches in Strafverfahren,
in denen es um Vorwürfe wie die vorliegenden geht, die Regel. Nachdem die Ver-
fahrensbeteiligten und Zeugen lediglich einmal befragt wurden - mit Ausnahme
der Beschuldigten 2, welche zu einem Nebenpunkt ergänzend befragt wurde,
aber keine relevanten Aussagen mehr machte (Urk. 12/13) - und die Beschuldig-
ten bei der Konfrontations- und Schlusseinvernahme wie auch anlässlich der erst-
instanzlichen Hauptverhandlung und der Berufungsverhandlung im Wesentlichen
jeweils auf diese eine Einvernahme verwiesen, vorgaben, sich nicht mehr erin-
nern zu können oder schlicht die Aussage verweigerten (Urk. 12/15; Urk. 12/16;
Prot. I S. 11 f. und S. 13 f.; Prot. II S. 7, 10 und 13), erstaunt es nicht weiter, wenn
die Vorinstanz zum Schluss kommt, dass bei den Aussagen für sich betrachtet,
weder Widersprüche noch Strukturbrüche erkennbar seien (Urk. 57 S. 29).
5.1. Die erste und einzige Befragung des Privatklägers fand am 29. Februar
2012 bei der Staatsanwaltschaft statt, mithin über eineinhalb Jahre nach dem
fraglichen Vorfall. Dort schilderte er die Geschehnisse so, dass er bei Ankunft vor
der Wache selbständig ausgestiegen und stabil auf den Beinen gewesen sei. Er
sei auf Geheiss etwa zwei oder drei Meter losgegangen in den vermeintlichen
Gang und zwar ganz normal, ohne zu rennen. Dann habe er bemerkt, dass es gar
kein Gang, sondern eine Art Keil gewesen sei. Als er Geräusche gehört und ge-
merkt habe, dass etwas "reinfahre", sei er erschrocken und fast nicht mehr raus-
gekommen. Der Polizist habe sofort reagiert und ihn rausgezogen, ansonsten es
schlimm ausgegangen wäre. Auf entsprechendes Nachfragen führte er aus, dass
die Polizisten generell gesagt hätten, "jetzt gehen wir", ihn aber nicht explizit ge-
heissen hätten, in die Nische hinein zu gehen. In der Nische sei er mit der Hand
hängen geblieben und er habe gemerkt, dass es ihm die Hand gequetscht habe,
worauf er sofort einen Schmerz verspürt habe, welcher immer mehr angestiegen
sei. Erst nach dem Vorfall habe er bemerkt, dass dort nicht nur eine Nische, son-
dern auch ein Tor gewesen sei (Urk. 12/5 S. 14 ff.).
5.2. Die Aussagen des Privatklägers wirken insgesamt glaubhaft: Wesentliche
Widersprüche sind nicht auszumachen und er schildert das Vorgefallene soweit
sachlich. Auch wirkt die Art der Schilderung lebensnah und nachvollziehbar. Zu-
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dem deckt sich der äussere Ablauf des Geschehens, wie später noch aufzuzeigen
sein wird, in den wesentlichen Punkten mit den Aussagen der übrigen dazu Be-
fragten, weshalb kein Anlass zu erheblichen Zweifeln an den Aussagen des Pri-
vatklägers besteht. Der Verteidiger der Beschuldigten 2 bringt vor, dass der Pri-
vatkläger keine verlässlichen Angaben zum Ablauf vor dem Tor machen könne.
Wie die Vorinstanz angesichts dieser Erinnerungslücken zum Schluss kommen
könne, dass der Privatkläger den Vorfall "an sich grundsätzlich verständlich und
lebensnah" beschrieben habe, sei nicht nachvollziehbar. Deshalb sei auf die
überzeugenden Schilderungen der beiden Beschuldigten abzustellen (Urk. 75
S. 7 f.). Bereits die Vorinstanz wies zutreffend darauf hin, dass die glaubhaften
Aussagen des Privatklägers durch seine unrichtige Schilderung, wonach die Ni-
sche beim Aussteigen bereits da gewesen sei (Urk. 12/5 S. 15), etwas relativiert
werde (Urk. 57 S. 40). Dabei fällt zunächst allerdings in Betracht, dass die Einver-
nahme des Privatklägers (Urk. 12/5) über eineinhalb Jahre nach besagtem Vorfall
stattfand, während die zwei Einvernahmen der Beschuldigten 2 und 3 immerhin
ein halbes Jahr früher, mithin ein Jahr nach dem eingeklagten Ereignis, stattfan-
den (Urk. 12/1; Urk. 12/3). Auf diesen Umstand weist der Verteidiger der Beschul-
digten 2 denn auch gleich selber hin (Urk. 75 S. 8). Zudem ergab beim Vorfall
vom 1. August 2010 ein Alkoholtest beim Privatkläger unbestrittenermassen einen
Wert von rund 1.5 Promille. Ausserdem erklärte er, dass er sich komisch, eigenar-
tig gefühlt habe und etwas schockiert gewesen sei, als er aus dem Transporter
ausgestiegen sei (Urk. 12/15 S. 14), was nach seiner Verhaftung durchaus als
plausibel erscheint. Vor diesem Hintergrund sind an den Detaillierungsgrad seiner
Schilderungen geringere Anforderungen zu stellen, als an diejenigen der Be-
schuldigten 2 und 3, zumal sie sich damals im Dienst befanden und von Berufs
wegen ihre Wahrnehmungen genau wiederzugeben haben. Sodann wurde der
Privatkläger in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme auch nicht explizit da-
nach gefragt, wie etwa, ob sich der Beschuldigte 3 bei der Fernsprechanlage an-
gemeldet habe oder wie lange es gedauert habe, vom Moment, als er aus dem
Transporter ausgestiegen sei, bis zum Moment, als er eingeklemmt worden sei
(vgl. dazu die Ausführungen des Verteidigers der Beschuldigten 2, Urk. 75 S. 7).
Vor allem aber deklarierte der Privatkläger Spekulation und Nichtwissen. So gab
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er auf die Frage, wo sich die Polizisten befunden hätten, als er vom Transport-
fahrzeug zum Tor gegangen sei, zu Protokoll, dass er denke, dass sie sich vor
dem Tor befunden hätten. Er könne es nicht genau sagen (Urk. 12/15 S. 14 f.).
Auf die Frage, ob er auf der Strecke zwischen Transportfahrzeug und Nische
einmal stehen geblieben sei, antwortete er, dass er das nicht sagen könne. Das
wisse er nicht mehr. Das wäre reine Spekulation (Urk. 12/15 S. 15). Dieses zu-
rückhaltende Aussageverhalten kontrastiert insbesondere mit demjenigen des
Beschuldigten 3, der sich widersprüchlich geäussert hat, wie sogleich aufzuzeigen
sein wird (hinten Erwägung VI. 6.4.). Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass der
Privatkläger zu Protokoll gab, dass der Beschuldigte schnell reagiert und ihn
rausgezogen habe, ansonsten es schlimm ausgegangen wäre (Urk. 12/15 S. 14).
Dass der Privatkläger den Beschuldigten 3 entlastete, spricht mit der Vorinstanz
(Urk. 57 S. 40) für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen. Zusammenfassend ver-
mögen die Argumente des Verteidigers der Beschuldigten 2 nicht zu überzeugen.
6.1. Die Beschuldigte 2 schilderte in ihrer staatsanwaltschaftlichen Einvernahme
die Ereignisse am Tor wie folgt: Sie habe mit dem Beschuldigten 3 den Privatklä-
ger zum Tor begleitet, indem sie hinter diesem hergegangen seien. Der Abstand
sei so kurz gewesen, dass sie hätten intervenieren können, falls er etwas ge-
macht hätte. Beim Tor angekommen habe sie dem Privatkläger gesagt, dass sie
warten müssten, bis das Tor aufgehe. Der Abstand des Privatklägers zum Tor
habe einen bis anderthalb Meter betragen. Als es langsam aufgegangen sei, sei
der Privatkläger direkt in den Spickel hineingelaufen, anstatt bis zur gänzlichen
Öffnung zu warten. Da habe sie "hey, stopp" gerufen. Dieser sei aber bereits ab-
gedreht in der Öffnung gestanden, worauf der Beschuldigte 3 zu diesem hinge-
rannt und ihn heraus gezerrt habe (Urk. 12/3 S. 14 f.). Ob er sich etwas einge-
klemmt habe, könne sie nicht sagen, es könne aber fast nicht sein, denn wenn
der Privatkläger sich eingeklemmt hätte, so hätte es ja auch den Beschuldigten 3
einklemmen müssen . Der Privatkläger habe geschrien und im Gebäude innen
angekommen, habe er über Schmerzen am Knie und an der Hand geklagt
(Urk. 12/3 S. 19).
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6.2. Bei der Würdigung ihrer Aussagen fällt auf, dass sie beschreibt, wie sie na-
he beim Privatkläger gestanden seien und jederzeit rechtzeitig hätten intervenie-
ren können, falls etwas passiert wäre. Diese Schilderung erscheint plausibel, ent-
spricht es doch dem gängigen Vorgehen in einer solchen Situation. Hingegen
geht die danach folgende Schilderung der Geschehnisse in sich nicht auf und ist
deshalb nicht glaubhaft: Führt man sich vor Augen, dass der Privatkläger bei den
beiden Polizisten in "Greifdistanz" und doch mit einem gewissen Abstand zum Tor
stand und weder losrannte noch sprang, so nahm das Zurücklegen des Weges
vom Zeitpunkt des Losgehens bis zum Einklemmen doch eine gewisse Zeit, min-
destens einige Sekunden in Anspruch. Und genau zu diesem zeitlichen Abschnitt
liegt in den Schilderungen der Beschuldigten 2 eine Lücke vor. Sie gibt keine de-
taillierte Schilderung ab, wie sich der Privatkläger entfernte, auf die falsche Seite
des Tors losging und wie sich das Tor schliesslich schloss. Gemäss den Schilde-
rungen der Beschuldigten 2 müsste sich dies alles im selben Augenblick oder je-
denfalls in einer sehr raschen, momentartigen Abfolge ereignet haben, was aber
schlicht nicht möglich ist. So ist auf den Videoaufnahmen der Torschliessung zu
sehen, dass der Öffnungsvorgang des Tors rund 10 Sekunden in Anspruch nimmt
(Urk. 8/3; Urk. 13/2), was denn auch die Beschuldigte 2 insofern anerkennt, wenn
sie erklärt, dass das Tor langsam aufgegangen sei (Urk. 12/3 S. 15; Prot. I S. 11).
Zu dieser Phase fehlt in den Aussagen der Beschuldigten 2 die entsprechende
Umschreibung, was lebensfremd ist und die Schilderung nicht plausibel macht.
Dieser Aufnahme ist ebenfalls zu entnehmen, dass der von der Beschuldigten 2
beschriebene Ablauf, wonach der Privatkläger beim Aufgehen des Tores losge-
gangen und sogleich in die linke Ecke des Tores hineingegangen sei, sich nicht
so zugetragen haben kann. Auf dem Video ist sehr gut erkennbar, dass sich das
Tor ab dem Moment des Öffnens zuerst während einigen Sekunden seitlich ver-
schiebt und dann der Winkel zwischen Tor und Wand immer noch fast 90° beträgt
und mithin der von ihr beschriebene "Spickel" eben gar noch nicht besteht. Die
Ausführungen der Beschuldigten 2 sind somit bezüglich der entscheidenden Pha-
se der Toröffnung und des Hineinlaufens des Privatklägers mit dem objektiven
Beweismittel des Augenscheins bzw. der dabei gemachten Videoaufnahme nicht
- 17 -
in Einklang zu bringen und sind zudem nicht nachvollziehbar und nicht schlüssig,
weshalb nicht darauf abzustützen ist.
6.3. Dasselbe gilt für die Ausführungen des Beschuldigten 3: Er schilderte den
fraglichen Vorfall so, dass der Privatkläger beim Öffnen des Tors auf die falsche
Seite zugegangen sei, worauf er "Halt, Stopp" gerufen habe. Als dieser nicht rea-
giert habe, sei er ihm nachgegangen, habe ihn gepackt und auf die Strasse zu-
rückgezogen, so dass er nicht eingeklemmt worden sei. Der Privatkläger habe
nicht über Schmerzen geklagt (Urk. 12/1 S. 10 f.).
6.4. Mit dieser Aussage setzte sich der Beschuldigte 3 allerdings zu seinem ei-
genem, unmittelbar nach dem Vorfall verfassten Journaleintrag in Widerspruch, in
welchem er festhielt, dass sich der Privatkläger eingeklemmt habe (Urk. 2/4). Der
Verteidiger des Beschuldigten 3 bringt vor, dass der Journaleintrag kein Beweis
darüber erbringen könne, zu welchem Zeitpunkt der Beschuldigte 3 Kenntnis von
der Handverletzung des Privatklägers erhalten habe (Urk. 76 S. 6). Wenn sich der
Beschuldigte 3 jedoch darauf beruft, dass ihn der Wachtchef angewiesen habe,
einen entsprechenden Journaleintrag (Urk. 2/4) zu verfassen (Urk. 12/1 S. 11 f.),
dann ist dies als reine Schutzbehauptung zu qualifizieren, zumal er sich andern-
falls der Gefahr einer Strafverfolgung wegen Falschbeurkundung im Amt (Art. 317
Ziff. 1 Abs. 2 StGB) aussetzen würde. Im Übrigen erscheinen wie bei den Schilde-
rungen der Beschuldigten 2 auch seine Schilderungen wenig plausibel und le-
bensnah, da auch er die Geschehnisse so schildert, als wäre alles in praktisch ei-
nem Augenblick passiert und nicht in einem Zeitraum von immerhin fast 10 Se-
kunden.
7.1. Fasst man die Würdigung dieser Schilderungen zusammen und bringt sie in
Zusammenhang mit den weiteren objektiven Beweismitteln, wie insbesondere den
ärztlichen Zeugnissen und Berichten, so verbleiben keine Zweifel daran, dass sich
der Beschuldigte beim Betreten des Tors eingeklemmt und sich dabei die in der
Anklage geschilderten Verletzungen zuzog, welche schliesslich zu den ebenfalls
in der Anklage umschriebenen Folgen führten.
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7.2. So hielt der medizinische Eintrittsbericht der ZAS klar eine Verlet-
zung/Quetschung der rechten Hand fest, welche sich der Privatkläger zugezogen
habe (Urk. 2/5). Dies wurde in einem ergänzenden Bericht des selben Ärztediens-
tes vom 19. August 2011 weiter bestätigt (Urk. 11/12). Schliesslich ist auch auf
der beim Eintritt in die ZAS angefertigten Fotografie der Hand deutlich ein starke
Schwellung erkennbar (Urk. 11/14).
7.3. Zwar lässt der Beschuldigte 3 anzweifeln, dass sich der Privatkläger die Ver-
letzungen beim Toreintritt zugezogen hat (Urk. 46 S. 6; Urk. 76 S. 4 ff.). Soweit er
dies mit den Aussagen der Beschuldigten 2 begründet, gilt es festzuhalten, dass
diese dazu widersprüchliche Aussagen gemacht hat und auf deren Aussagen
nicht abzustützen ist. Auch seine übrigen Ausführungen dazu vermögen nicht zu
überzeugen. Wenn gesagt wird, dass der Druck des Tores nicht ausreiche, um
eine solche Verletzung herbeizuführen, so trifft das so nicht zu. Es gilt zu berück-
sichtigen, dass der Privatkläger bereits weit im Spickel drinnen war und sich um-
gedreht hatte, die Hände mithin ziemlich weit im "Spitz" des Spickels drin waren.
Bei diesem geringen Abstand zum Scheitelpunkt herrschen ungleich höhere Kräf-
te als an den Enden bei der Toröffnung. Daran ändert auch der Umstand nichts,
dass der Beschuldigte 3 nicht mit eingeklemmt wurde. Das Tor schloss nicht pa-
rallel zur Wand, sondern machte eine Drehbewegung. Dementsprechend verbrei-
terte sich die Öffnung des "Spickels" gegen aussen. Nachdem dem Privatkläger
"lediglich" die Hände, nicht aber der Rumpf eingeklemmt wurde, der Beschuldigte
3 vor dem Privatkläger stand und sich demnach der Abstand zwischen Wand und
Tor mit zunehmendem Abstand vom Scheitelpunkt vergrösserte ist es klar, dass
der Abstand zwischen Tor und Wand auf der Höhe des Beschuldigten 3 wesent-
lich grösser war als beim sich weiter innen befindenden Privatkläger und ersterer
deshalb nicht eingeklemmt werden konnte.
7.4. Gemäss Anklageschrift ging der Beschuldigte (recte: der Privatkläger) in
Richtung des Tores los und, als die Automatik-Türe aufzufahren begann, in die
erwähnte Nische hinein. Als der Geschädigte merkte, dass etwas nicht stimmte,
und sich umdrehte, wurden seine Hände bzw. die Handschellen bzw. seine mit
Handschellen versehenen Handgelenke zwischen der Wand und der auffahren-
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den Türe eingeklemmt und gequetscht (Urk. 34 S. 7). In Bezug auf den Moment
der Körperverletzung weist auch der Verteidiger des Beschuldigten 3 zu Recht auf
den Anklagesachverhalt hin (Urk. 76 S. 8). Die Vorinstanz hielt bei der Beweis-
würdigung dazu fest, dass in Anbetracht der gesamten Umstände keine Zweifel
vorliegen würden, dass sich der Privatkläger durch das Schliessen des Tores an
der Hand verletzt habe (Urk. 57 S. 41). Dem Verteidiger des Beschuldigten 3 ist
insofern beizupflichten, als dass diese Formulierung etwas unglücklich gewählt ist
und eigentlich eher von einem "seitlichen Schliessen des sich öffnenden Tores"
bzw. vom Wortlaut der Anklageschrift ("der auffahrenden Türe") auszugehen wäre
(Urk. 76 S. 7). Soweit der Verteidiger des Beschuldigten 3 jedoch vorbringt, dass
die Vorinstanz im selben Urteil bei der rechtlichen Würdigung davon ausgehe,
dass der Beschuldigte 3 erst reagiert und den Privatkläger aus der Nische gezo-
gen habe, nachdem sich der Privatkläger bereits Quetschungen an den Händen
zugezogen habe (Urk. 57 S. 43), womit sich die Urteilsbegründung in sich wider-
spreche (Urk. 76 S. 7), kann ihm nicht gefolgt werden. Die erwähnte Passage fin-
det sich bei den Erwägungen zum Subsidiaritätsprinzip und dient lediglich der Ab-
grenzung zwischen Handlung und Unterlassung. Zudem steht die besagte Fest-
stellung im Einklang mit dem Anklagesachverhalt.
Einer näheren Prüfung zu unterziehen sind allerdings die Ausführungen des Ver-
teidigers des Beschuldigten 3, wonach die Begründung der Vorinstanz, dass sich
der Privatkläger auch eingeklemmt haben könnte, als sich der Beschuldigte 3
womöglich bereits ausserhalb der Nische befunden habe (Urk. 57 S. 41), nicht
stimmen könne (Urk. 76 S. 8). Mit dem Wort "womöglich" lässt die Vorinstanz er-
kennen, dass sie einen entsprechenden Hergang nicht gänzlich ausschliesst, was
insofern auch mit der Anklageschrift übereinstimmt (vgl. dazu Urk. 34 S. 7, wo-
nach der Privatkläger "bei diesen Vorgängen" [gemeint wohl, das in die Nische
Hineinlaufen, das Einklemmen und das Herausziehen] die folgenden Verletzun-
gen erlitten habe). Die Vorinstanz ist an den Anklagesachverhalt gebunden (Art.
350 Abs. 1 StPO) und demnach gehalten, sich darüber zu äussern, ob sich der
Anklagesachverhalt - oder allenfalls welche Teile davon - rechtsgenügend erstel-
len lässt. Mit der Feststellung bei der Beweiswürdigung, dass keine Zweifel vor-
liegen würden, dass sich der Privatkläger durch das Schliessen des Tores an der
- 20 -
Hand verletzt habe (Urk. 57 S. 41), bringt die Vorinstanz unzweideutig zum Aus-
druck, dass sich der eingeklagte Sachverhalt, so wie in der Anklageschrift um-
schrieben, verwirklicht hat. Die Schlussfolgerung des Verteidigers des Beschul-
digten 3, wonach die Vorinstanz dadurch das Anklageprinzip verletzt habe
(Urk. 76 S. 8), trifft somit nicht zu. Wie soeben unter Erwägung IV. 7.3. ausge-
führt, ist davon auszugehen, dass der Privatkläger im Spitz des "Spickels" einge-
klemmt wurde. Im Übrigen ist, wie bei der rechtlichen Würdigung unter Erwägung
V. aufzuzeigen sein wird, die rechtlich relevante sorgfaltswidrige Unterlassung da-
rin zu erblicken, dass der Privatkläger überhaupt ungehindert in die Nische hinein-
laufen konnte. Vor diesem Hintergrund kommt dem Umstand, wo und wann ge-
nau der Privatkläger in der Nische eingeklemmt wurde, keine entscheidende Be-
deutung zu. Wenn der Verteidiger des Beschuldigten 3 schliesslich mit Verweis
auf die eingereichte DVD bzw. Fotodokumentation (Urk. 69) geltend macht, dass
ein Einklemmen innerhalb der Nische gar nicht möglich sei (Urk. 76 S. 8 f.), ist,
wie bereits in Erwägung IV. 3.4. festgehalten, in Erinnerung zu rufen, dass es sich
bei der besagten Video- und Fotodokumentation lediglich um eine Parteibehaup-
tung handelt und der es somit von Vornherein an der für einen vollen Beweis not-
wendigen Objektivität mangelt. So weist denn auch der Verteidiger der Beschul-
digten 2 selber darauf hin, dass die nachgestellte Szene nichts darüber aussage,
wo genau vor dem Tor die Beschuldigten 2 und 3 sowie der Privatkläger gestan-
den seien (Urk. 75 S. 15). Somit taugt die Videosequenz erst Recht nicht als Be-
weis, wie etwa zur Reaktionszeit der Beschuldigten oder den Geschehnissen in
der Nische. Demgegenüber ist aber erstellt, dass der alkoholisierte, desorientier-
te, unter einem Verhaftungsschock stehende, mit Handschellen auf dem Rücken
gefesselte Privatkläger in die sich schliessende Nische hineinlief, in der zuletzt
praktisch kein Platz mehr vorhanden war (vgl. Urk. 8/2 Fotobogen 13 unten). Es
erhellt nicht, weshalb es bei diesem Vorgang nicht möglich gewesen sein soll,
dass sich der Privatkläger zwischen der massiven Stahltüre und der Wand einge-
klemmt und dabei an der Hand verletzt haben soll.
8. Im Lichte all dieser Umstände bestehen demnach keinerlei Zweifel daran,
dass sich der äussere Ablauf der Geschehnisse, wie in der Anklage unter Ziffer 2
beschrieben (Urk. 34 S. 6 ff.), zugetragen hat.
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V. Rechtliche Würdigung
1. Die Vorinstanz hat eine sehr ausführliche und sehr gründliche rechtliche
Würdigung vorgenommen, welche nur geringfügiger Ergänzungen und Korrektu-
ren bedarf (Urk. 57 S. 42 ff.). Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, kann
grundsätzlich darauf verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
2.1. Insbesondere trifft zu, dass es sich vorliegend um ein unechtes Unterlas-
sungsdelikt handelt. Auf Grund ihrer Funktion als diensthabende Polizeibeamte
hatten sie zweifelsohne eine Garantenstellung inne. Gestützt auf § 3 und § 8
PolG/ZH sind sie zum Schutz der Personen in ihrer Gewahrsam verpflichtet. Dies
gilt in verstärkten Mass für den Privatkläger, welcher zum Tatzeitpunkt stark alko-
holisiert und erheblich selbstgefährdet war und zwar so stark, dass er ja genau
aus diesem Grund verhaftet werden musste. Ebenso klar ist, dass in jener Situati-
on ein rechtzeitiges Eingreifen zumutbar gewesen wäre. Dies beweist alleine
schon der Umstand, dass der Beschuldigte 3 schliesslich den Privatkläger doch
noch aus der Nische herausgezogen hat. Abgesehen von der Frage ob er dies
nicht schon früher hätte tun können, hätte unter dem Aspekt der Zumutbarkeit
nichts gegen ein früheres Eingreifen gesprochen.
2.2. Dass es sich vorliegend um eine Unterlassung handelt und die fahrlässige
Körperverletzung als unechtes Unterlassungsdelikt zu prüfen ist, wird von den
Verteidigern offensichtlich nicht beanstandet. Auch der tatbestandsmässige Er-
folg, mithin die dokumentierten Verletzungen des Privatklägers, wird, soweit er-
sichtlich, nicht bestritten (insofern unklar jedoch der Verweis im Plädoyer des Ver-
teidigers der Beschuldigten 2 [vgl. Urk. 75 S. 8] auf das Plädoyer des Verteidigers
des Beschuldigten 3 [vgl. Urk. 76 S. 10]). Der Verteidiger des Beschuldigten 3 er-
wähnt, dass "sich der angebliche Verletzungshergang nicht nachweisen lasse"
(Urk. 76 S. 10). Was er damit genau vorbringen will, ist auslegungsbedürftig. So-
weit aus seinem Plädoyer ersichtlich, räumt er ein, dass ein tatbestandsmässiger
Erfolg eingetreten sei (Urk. 75 S. 2 ff.). Wie unter Erwägung IV. ausführlich darge-
legt, ist zudem erstellt, dass sich der Privatkläger die Handverletzungen bei den
Geschehnissen am Tor zuzog. Falls der Verteidiger des Beschuldigten 3 in recht-
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licher Hinsicht vorbringen will, dass kein Kausalzusammenhang zwischen dem
Verhalten der Beschuldigten und den Handverletzungen des Privatklägers beste-
he, ist ihm entgegenzuhalten, dass bei Unterlassungsdelikten ausschliesslich ein
hypothetischer Kausalzusammenhang zu prüfen ist. Demnach macht er möglich-
erweise geltend, dass kein hypothetischer Kausalzusammenhang vorliege (vgl.
dazu Urk. 57 S. 44 sowie Erwägung V. 2.3. und 2.8. hiernach).
2.3. Die Vorinstanz führt zunächst aus, dass ein unechtes Unterlassungsdelikt
unter anderem voraussetze, dass ein hypothetischer Kausalzusammenhang zwi-
schen der Unterlassung und dem Erfolg bestehen müsse (Urk. 57 S. 44), und
prüft an anderer Stelle, ob es dem Täter grundsätzlich möglich gewesen wäre,
durch sein pflichtgemässes Verhalten den Erfolgseintritt zu vermeiden (Urk. 57 S.
50). Beim fahrlässigen Unterlassungsdelikt sind jedoch die Tatbestandsvoraus-
setzungen der hypothetischen Kausalität und der Vermeidbarkeit faktisch de-
ckungsgleich bzw. fallen zusammen und müssten somit nicht zwingend kumulativ
geprüft werden. Denn sowohl bei der hypothetischen Kausalität als auch bei der
Vermeidbarkeit ist zu beurteilen, ob der Erfolg bei pflichtgemässem Verhalten mit
höchster Wahrscheinlichkeit nicht eingetreten wäre. Aus diesem Umstand er-
wuchs den Beschuldigten jedoch kein Nachteil.
2.4. Sowohl der Verteidiger der Beschuldigten 2 wie auch der Verteidiger des
Beschuldigten 3 berufen sich darauf, dass die Beschuldigten keine Chance ge-
habt hätten, den Privatkläger zurückzuhalten bzw. es den beiden Beschuldigten
nicht möglich gewesen sei, schneller zu handeln, womit es an der Tatmacht (und
damit der Vermeidbarkeit) fehle (Urk. 75 S. 16; Urk. 76 S. 14). Der Verteidiger des
Beschuldigten 3 thematisiert die Tatmacht überdies bei der Sorgfaltspflichtverlet-
zung (Urk. 76 S. 12). Entgegen den Verteidigern ist bei einem fahrlässigen Unter-
lassungsdelikt denkbar, dass Tatmacht, mithin die physisch reale Möglichkeit, die
gebotene Handlung vorzunehmen, besteht, auch wenn die Vermeidbarkeit einer
Sorgfaltspflichtverletzung anschliessend zu verneinen ist. Nicht möglich ist jedoch
der umgekehrte Fall, ohne Tatmacht ist es von Vornherein ausgeschlossen, eine
Sorgfaltspflichtverletzung zu vermeiden. Vor diesem Hintergrund ist die kumulati-
ve Prüfung der Vorinstanz hinsichtlich den Tatbestandsvoraussetzungen der Tat-
- 23 -
macht (Urk. 57 S. 44) und der Vermeidbarkeit (Urk. 57 S. 50 f.) nicht zu bean-
standen. Mit der Vorinstanz (Urk. 57 S. 44) hatten die Beschuldigten sämtliche
physisch realen Möglichkeiten, den Privatkläger davon abzuhalten, in die Nische
hineinzulaufen.
2.5. Der Verteidiger der Beschuldigten 2 macht mit Verweis auf Art. 11 Abs. 3
StGB geltend, dass vorliegend fraglich sei, inwiefern eine allfällige Unterlassung
einem aktiven Handeln gleichzusetzen sei (Urk. 75 S. 10 f.). Bei Erfolgsdelikten
wie der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 StGB besteht jedoch
keine besondere Identitätsproblematik über die Garantenstellung hinaus, die Ga-
rantenstellung genügt bereits für die Identität des Vorwurfs (vgl. BSK StGB I-
Seelmann, 3. Auflage, Basel 2013, Art. 11 N 90), worauf bereits die Vorinstanz
zutreffend hingewiesen hat (Urk. 57 S. 45).
2.6. Etwas weiter auszuholen ist bei der Frage der Sorgfaltspflichtverletzung. Ei-
ne solche lassen die beiden Beschuldigten verneinen (Urk. 44 S. 17; Urk. 46
S. 10; Urk. 75 S. 8 ff.; Urk. 76 S. 10 ff.). Der Verteidiger der Beschuldigten 2
macht zunächst geltend, dass die Vorinstanz erst davon ausgehe, dass keine
Sorgfaltspflichtverletzung vorliege (Urk. 57 S. 48), dann aber aufgrund der Vor-
hersehbarkeit und Vermeidbarkeit dennoch zum Schluss komme, dass nun doch
ein sorgfaltswidriges Verhalten vorgelegen haben soll, was rechtlich nicht korrekt
sei, da diese Elemente unabhängig voneinander zu prüfen seien (Urk. 75 S. 4 und
S. 8). Hinsichtlich einer Sorgfaltspflichtverletzung hielt die Vorinstanz zutreffend
fest, dass aufgrund der Beschreibungen der Beteiligten die Minimalkriterien erfüllt
gewesen seien, um auf einen Körperkontakt zu verzichten. Damit sei für die vor-
liegende Prüfung der Sorgfaltspflichtverletzung nicht von Relevanz, ob der Privat-
kläger am Arm oder dergleichen hätte geführt werden müssen, sondern es müsse
gestützt auf den Umstand des fehlenden Körperkontakts geprüft werden, ob das
entsprechende Verhalten der Beschuldigten pflichtwidrig gewesen sei oder nicht
(Urk. 57 S. 47 f.). Die Vorinstanz hat somit nur die Sorgfaltspflichtverletzung mit
Blick auf die Pflicht, den Privatkläger zwingend am Arm zu führen, nicht jedoch
anderweitige Pflichtwidrigkeiten verneint. Überdies müssen in Bezug auf eine
Sorgfaltspflichtverletzung die massgebenden generell-abstrakten Normen bzw.
- 24 -
Regeln in Anwendung von Art. 12 Abs. 3 StGB den konkreten Umständen des
Einzelfalles sowie den persönlichen Verhältnissen des potenziellen Täters ange-
passt werden. Das Verbot, fremde Rechtsgüter zu gefährden und tatbestands-
mässige Erfolge herbeizuführen, kann in Anbetracht der Bestimmungsfunktion der
Norm nur sinnvoll sein, wenn und soweit der Normadressat den Umstand der Ge-
fährdung und die Möglichkeit eines Erfolgseintritts voraussehen kann und muss.
Folglich ist die Frage der Voraussehbarkeit im Zusammenhang mit der Bemes-
sung des Sorgfaltsinhalts zu berücksichtigen (Donatsch/Tag, Strafrecht I, Verbre-
chenslehre, 9. Auflage, Zürich 2013, S. 351 f.). Die entsprechende Kritik des Ver-
teidigers der Beschuldigten 2 zielt demnach ins Leere. Vor diesem Hintergrund ist
somit nicht so sehr von Bedeutung, wie die Verteidiger erneut vorbringen (Urk. 75
S. 9 f.; Urk. 76 S. 12), ob die beiden Beschuldigten den Privatkläger körperlich ge-
führt haben oder nicht. Ebenso wenig entscheidend ist die Frage, ob sie ihn ge-
heissen haben, stehen zu bleiben und sich auf ihr Kommando zu bewegen. Geht
man davon aus, dass die Umstände es geboten haben, den Privatkläger auf
Grund der vorgängig angespannten Situation und der nun erfolgten Entspannung
trotz seiner starken Alkoholisierung frei laufen zu lassen, so stellt dies für sich ge-
nommen noch keine Sorgfaltspflichtverletzung dar. Die Beschuldigten waren aber
unter diesen Umständen verpflichtet, den Privatkläger ununterbrochen im Auge zu
behalten, da in dessen Zustand stets mit einer überraschenden Situation zu rech-
nen war. So wurde er ja eben gerade verhaftet, weil er immer wieder versucht
hatte, auf die befahrene Strasse zu rennen. Folglich musste auch hier, trotz der
vordergründigen Beruhigung der Situation, mit einer überraschenden, auch un-
vernünftigen und gefährlichen Handlung gerechnet werden. Und mit der gebote-
nen unablässigen Kontrolle wäre im Falle einer solchen Reaktion auch rasches
und adäquates Eingreifen möglich gewesen. Wie oben unter Erwägung IV. 6. be-
schrieben und entgegen des Verteidigers des Beschuldigten 3 (Urk. 76 S. 12) wi-
ckelten sich die Geschehnisse nicht innerhalb von Sekundenbruchteilen ab, was
ein Eingreifen der Polizeibeamten unmöglich gemacht hätte. Der Toröffnungsvor-
gang dauerte vielmehr rund 10 Sekunden. Bei den dermassen beschriebenen
Abständen zwischen den Beteiligten wäre es den Beschuldigten aber ohne weite-
res möglich gewesen, beim Loslaufen desselben und nach dem Ignorieren der
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Halterufe diesem sofort nachzustellen und zu arretieren bzw. vom Tor wegzuzie-
hen. Entgegen dem Verteidiger des Beschuldigten 3 (Urk. 76 S. 12) öffnete sich
das Tor erst, nachdem sich der Beschuldigte 3 bei der Gegensprechanlage an-
gemeldet hatte. Obwohl der Verteidiger des Beschuldigten 3 zunächst darauf
hinweist, dass sich der Beschuldigte 3 über die Fernsprechanlage auf der linken
Torseite angemeldet habe (vgl. Urk. 76 S. 10 f.), blendet er anschliessend jedoch
konsequent aus (vgl. Urk. 76 S. 12), dass genau dort, wo sich die Gegensprech-
anlage befindet, auf der linken Seite des Tores (vgl. Urk. 8/2 Fotobogen 3 unten
links), der Privatkläger in die Nische hineinlief (vgl. Urk. 8/2 Fotobogen 5 und 6).
Auf diesen Umstand weist denn auch die Vorinstanz - allerdings bei der Frage
nach der Vermeidbarkeit - hin (Urk. 57 S. 51). Kommt dazu - wie die Vorinstanz
zu Recht festhält - dass bei dem kurzen Abstand zum und bei der Breite des Tors
bereits vom ersten Moment an erkennbar sein musste, dass der Privatkläger in
die falsche Richtung ging. Als Gründe für dieses unterlassene bzw. zu späte Ein-
greifen kommen theoretisch verschiedene in Frage. Am ehesten dürfte es so ge-
wesen sein, wie es der Beschuldigte 3 bei der Staatsanwaltschaft auf die Frage,
ob die Beschuldigte 2 beim im die Nische hineinlaufen des Privatklägers jeman-
dem etwas zugerufen habe, zu Protokoll gab: "Nein, ich glaube nicht. Sie "schnall-
te" es auch relativ spät, dass D._ in die Nische hineingeht." (Urk. 12/1 S. 16).
Die Beschuldigten haben zu spät, das heisst eben nicht rechtzeitig bemerkt, was
sich ereignete und deshalb auch nicht adäquat reagieren können. Geht man wei-
ter davon aus, dass sie nicht mit Absicht ihre Aufmerksamkeit vom Beschuldigten
abgewendet haben, so bleibt als einziges die momentane Unaufmerksamkeit.
2.7. Sodann waren die Folgen ihres Fehlverhaltens bzw. der Erfolg auch voraus-
sehbar. Auch hier lassen die Beschuldigten das Gegenteil behaupten (Urk. 44
S. 21 ff.; Urk. 46 S. 15 ff.; Urk. 75 S. 11 ff.; Urk. 76 S. 12 f.). Die Verteidiger beru-
fen sich zunächst darauf, dass es bei den Zuführungen über das Holztor bis anhin
noch nie zu einem Vorfall gekommen sei (Urk. 75 S. 11 f.; Urk. 76 S. 12 f.). Ob
dies tatsächlich so ist, kann nicht überprüft werden und stellt demnach lediglich
eine Behauptung dar. Ferner erhellt nicht, was die Verteidiger daraus ableiten
wollen. Nur weil es bei vergangenen - offensichtlich gefahrenbehafteten - Zufüh-
rungen via das Holztor glücklicherweise noch nie zu einem Unfall kam, bedeutet
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dies jedoch nicht, dass bei solchen Zuführungen weiterhin immer alles gutgehen
wird. In Bezug auf die damals herrschenden Lichtverhältnisse können diese nicht
mehr abschliessend festgestellt werden, weil mit dem Verteidiger der Beschuldig-
ten 2 (Urk. 75 S. 12) letztlich nicht feststeht, zu welchem Zeitpunkt und bei wel-
chem Öffnungswinkel der Privatkläger loslief. Sodann ist aber ergänzend zur Vo-
rinstanz (Urk. 57 S. 49), entgegen den Verteidigern (Urk. 75 S. 12; Urk. 76 S. 13)
und unbesehen von den konkreten Lichtverhältnissen weiter nicht ersichtlich,
weshalb der alkoholisierte, desorientierte und unter einem Verhaftungsschock
stehende Privatkläger mit einer absoluten Selbstverständlichkeit Richtung Licht-
quelle hätte streben sollen. Wenn der Verteidiger des Beschuldigten 3 zudem gel-
tend macht (Urk. 76 S. 13), dass der Weg ins Licht der üblichere und plausiblere
Weg sei, dann übersieht er, dass "üblich" und "plausibel" eben gerade nicht
gleichbedeutend mit "unvorhersehbar" ist. Schliesslich fällt ergänzend in Betracht,
dass es sich vorliegend mit Blick auf sämtliche denkbaren Möglichkeiten, wie ein
Tor geöffnet werden kann, um eine äusserst ungewöhnliche Öffnungsmechanik
handelt, was den Beschuldigten auch bekannt war. Bei einer anderen Türöff-
nungsmechanik wäre ein entsprechendes Vorkommnis gänzlich ausgeschlossen
gewesen. Abgesehen davon musste zwar im Moment des Aussteigens aus dem
Gefangenentransporter noch nicht damit gerechnet werden, dass der Privatkläger
in die falsche Nische laufen würde. Dies wird den Beschuldigten in der Anklage
auch nicht vorgeworfen. Aber sie hätten auf Grund seines Zustandes und der be-
sonderen Situation mit einer plötzlichen inadäquaten, von der Norm abweichen-
den Verhalten rechnen müssen. Ob von ihnen in jedem konkreten Einzelfall auch
eine adäquate Reaktion erwartet werden durfte (vgl. Urk. 75 S. 13), ist eine ande-
re Frage, welche hier nicht interessiert. Im vorliegenden Fall bestand die unerwar-
tete und inadäquate Reaktion darin, dass er auf die - bei nüchterner Betrachtung
offensichtlich - falsche Seite des Tores zu ging. Und es stellt sich nun die Frage,
ob für die beiden Beschuldigten im Moment des Losgehens voraussehbar war,
dass er in die falsche Öffnung gehen und sich damit in Gefahr begeben würde.
Dies ist zu bejahen. Wie oben ausgeführt war auf Grund der tatsächlichen Ver-
hältnisse schon vom ersten Schritt an erkennbar, dass er sich in die falsche Rich-
tung bewegt und dass es dort zu einer gefährlichen Situation kommen und er sich
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Verletzungen in der Art der tatsächlich zugezogenen zufügen könnte. Somit ist
auch diese Voraussetzung klar erfüllt.
2.8. Mit der Vorinstanz (Urk. 57 S. 50 f.) wäre der Privatkläger nicht in die Nische
hineingelaufen und somit auch nicht eingeklemmt worden, wenn die Beschuldig-
ten dem Privatkläger klare verbale Anweisungen über den einzuschlagenden Weg
erteilt oder wenn sie den Privatkläger explizit vor den Besonderheiten und Gefah-
ren des Öffnungsvorganges der Automatik-Aussentüre gewarnt hätten (vgl. Urk.
34 S. 8 f.). Und sogar wenn die Beschuldigte 2 gesagt hätte, dass sie hier warten
müssten, bis das Tor aufgehe (Urk. 12/3 S. 15 und S. 17), was ohnehin eine
Selbstverständlichkeit darstellt, da man selbstredend nicht durch ein geschlosse-
nes Tor eintreten kann, wäre dies nicht als klare Anweisung über den einzuschla-
genden Weg zu verstehen gewesen. Überdies hätten sich die Beschuldigten an-
schliessend überzeugen und hätten kontrollieren müssen, ob der Privatkläger die-
se Instruktionen auch wahrnimmt und einhält. Die aufgezeigten Handlungsoptio-
nen hätten mit höchster Wahrscheinlichkeit dazu geführt, dass der Privatkläger
nicht in die Nische hineingelaufen wäre und sich somit auch keine Handverlet-
zungen zugezogen hätte. Vor allem aber wäre das schädigende Ereignis ver-
meidbar gewesen, wenn sich die Beschuldigten auf die Arbeit konzentriert hätten,
so dass sie früher auf den Irrtum des Privatklägers hätten reagieren und interve-
nieren können (vgl. Urk. 34 S. 9). Wie oben ausgeführt, verging zwischen dem
Zeitpunkt des Loslaufens in die falsche Richtung und dem Einklemmen einige
Zeit, in welcher der Privatkläger zu greifen und ein Einklemmen zu verhindern
gewesen wäre. Weshalb die Frage nach der rechtzeitigen Reaktion eine Frage
der Sachverhaltserstellung sein soll, wie der Verteidiger der Beschuldigten 2 an-
führt (Urk. 75 S. 13), erschliesst sich nicht. Es ist eine Frage der Sachverhaltser-
stellung, wann die Beschuldigten reagierten, nicht jedoch, ob die Verletzungen
des Privatklägers bei einer rechtzeitigen Reaktion der Beschuldigten vermeidbar
gewesen wären. Letzteres ist eine Rechtsfrage. Somit ist vollumfänglich der Vo-
rinstanz zu folgen, wonach bei einem pflichtgemässen Verhalten, das vorliegend
in einer rechtzeitigen Reaktion bestanden hätte, die Verletzungen des Privatklä-
gers ausgeblieben wären (Urk. 57 S. 51).
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3. Zusammenfassend ist somit das Verhalten der Beschuldigten als sorgfalts-
widrig zu qualifizieren, und da weder Rechtfertigungs- noch Schuldausschluss-
gründe vorliegen, sind die Beschuldigten 2 und 3 der fahrlässigen Körperverlet-
zung durch Unterlassung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB in Verbindung mit
Art. 11 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
VI. Strafzumessung
1. Die Vorinstanz hat den Strafrahmen und die allgemeinen Strafzumessungs-
gründe umfassend und zutreffend dargestellt (Urk. 57 S. 52 ff.). Es kann, um un-
nötige Wiederholungen zu vermeiden, vollumfänglich darauf verwiesen werden.
2. Hinsichtlich der objektiven Tatschwere gilt es in erster Linie die Art und
Schwere der Verletzungen zu berücksichtigen, welche nicht allzu gravierend sind.
Auf der anderen Seite war die Pflicht, für die Unversehrtheit des notabene stark
selbstgefährdeten Privatklägers zu sorgen, eine zentrale, deren Verletzung des-
halb objektiv nicht mehr leicht wiegt. Demgegenüber gilt es zu berücksichtigen,
dass sie diese Pflicht nur über sehr kurze Zeit verletzt haben und zwar, davon ist
zu Gunsten der Beschuldigten auszugehen, zu Folge einer momentanen Unauf-
merksamkeit. Schliesslich gilt es weiter zu berücksichtigen, dass der Privatkläger
selbst mit seinem Verhalten erheblich zur Erfolgsverwirklichung beigetragen hat.
Zwar mussten die Polizeibeamten damit rechnen, dass er in seinem Zustand un-
vernünftig reagiert, dass er aber auf die offensichtlich falsche Seite des Tores zu
ging, drängte sich nicht gerade auf. Somit erweist sich die von der Vorinstanz er-
mittelte hypothetische Einsatzstrafe von 20 Tagessätzen als korrekt.
3. Ebenso zutreffend sind die Ausführungen zu den Täterkomponenten. Die
Beschuldigten leben in geordneten und geregelten Verhältnissen und sind tadel-
los beleumundet. Auch die wirtschaftliche Situation wurde vollständig und zutref-
fend wieder gegeben. Anlässlich der Berufungsverhandlung haben die Beschul-
digten zu ihren persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen keine abweichen-
den Angaben gemacht (Prot. II S. 7 ff. und S. 10 ff.), die eine andere Tagessatz-
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höhe rechtfertigen würde, so dass die von der Vorinstanz ermittelte Höhe der Ta-
gessätze von je Fr. 150.– ebenfalls als angemessen erscheinen.
Zusammenfassend sind die Beschuldigten je mit einer Geldstrafe von 20 Tages-
sätzen zu Fr. 150.– zu bestrafen.
VII. Vollzug
Hierzu kann vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz
verwiesen werden, welche weder der Ergänzung noch der Präzisierung bedürfen
(Urk. 57 S. 56). Der Vollzug der Geldstrafe ist aufzuschieben und die Probezeit
auf 2 Jahre anzusetzen.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesem Verfahrensausgang ist die vorinstanzliche Kostenfolge zu bestä-
tigen. Ebenso zu bestätigen ist die Zusprechung einer reduzierten Prozessent-
schädigung an die Beschuldigte 2.
2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Nachdem die Be-
schuldigten heute mit ihren Anträgen vollumfänglich unterliegen, sind ihnen die
gesamten Kosten je zur Hälfte aufzuerlegen und es sind keine Entschädigungen
zuzusprechen.
3. Wenn sie obsiegt, hat die Privatklägerschaft gegenüber der beschuldigten
Person Anspruch auf angemessene Entschädigung für notwendige Aufwendun-
gen im Verfahren (Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO). Die Privatklägerschaft hat ihre Ent-
schädigungsforderung bei der Strafbehörde zu beantragen, zu beziffern und zu
belegen (Art. 433 Abs. 2 Satz 1 StPO). Zunächst ist die Verpflichtung der Be-
schuldigten 2 und 3 zur Zahlung einer (reduzierten) Prozessentschädigung von je
Fr. 4'072.– an den Privatkläger für das erstinstanzliche Verfahren zu bestätigen
(Dispositivziffern 9. a und b). Der Vertreter des Privatklägers macht für das Beru-
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fungsverfahren einen Aufwand von Fr. 4'144.90 geltend (Urk. 76), was angemes-
sen erscheint. Die Beschuldigten 2 und 3 sind daher zu verpflichten, dem Privat-
kläger für das erst- und zweitinstanzliche Verfahren eine Prozessentschädigung
von je Fr. 6'144.45 (Fr. 4'072.– + Fr. 2'072.45 [Fr. 4'144.90 : 2] inkl. Mehrwert-
steuer) für anwaltliche Vertretung zu bezahlen.