Decision ID: 9eb84b8a-10ec-5cd5-ba50-66f3056f1aa2
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der aus Afghanistan stammende Beschwerdeführer ersuchte am 2. Juli
2020 in der Schweiz um Asyl. Laut dem entsprechenden Rapport des
Grenzwachtskorps vom 3. Juli 2020 gab er anlässlich der Anhaltung im
Grenzbahnhof an, am (...) geboren zu sein (vgl. Akten der Vorinstanz [SEM
act.] 11). Bei der Ankunft im Bundesasylzentrum Basel erklärte er danach,
am (...) geboren und minderjährig zu sein (SEM act. 1). Da das SEM Zwei-
fel an der Minderjährigkeit des Beschwerdeführers hegte, wurde ihm hierzu
am 27. Juli 2020 im Rahmen der Erstbefragung für unbegleitete Minder-
jährige (UMA) im Beisein seiner Rechtsvertretung das rechtliche Gehör ge-
währt (SEM act. 14). Für den weiteren Verlauf des Asylverfahrens betrach-
tete ihn die Vorinstanz anschliessend als volljährig und registrierte ihn mit
dem Geburtsdatum (...).
B.
Am 7. August 2020 hörte die Vorinstanz den Beschwerdeführer gemäss
Art. 29 AsylG (SR 142.31) vertieft zu seinen Asylgründen an. Im Rahmen
dieser Anhörung reichte er eine Kopie des Duplikats seiner Tazkera ein und
erklärte erneut, minderjährig zu sein. In Ergänzung zu den vorgebrachten
Asylgründen führte er aus, er sei in die Schweiz gekommen, weil sein Bru-
der seit sechs Jahren hier lebe (SEM act. 18).
C.
Am 11. August 2020 brachte das SEM einen Bestreitungsvermerk zu den
Altersangaben im ZEMIS an (SEM act. 20) und unterbreitete dem Be-
schwerdeführer tags darauf einen Entwurf zum Asylentscheid (SEM
act. 22). Sein Rechtsvertreter reichte dazu am 13. August 2020 eine Stel-
lungnahme ein. Wie bereits bei der Erstbefragung beantragte er in diesem
Zusammenhang wiederum die Erstellung eines Altersgutachten. Mit Blick
auf das im ZEMIS registrierte Geburtsdatum ersuchte er um Erlass einer
anfechtbaren Verfügung (SEM act. 23).
D.
Mit Verfügung vom 14. August 2020 stellte die Vorinstanz fest, dass der
Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, lehnte sein Asyl-
gesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an (Ziff. 1, 2 und
3 des Verfügungsdispositivs). Mit gleichem Entscheid wurde er wegen Un-
zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenommen (Ziff. 4
und 5). Mit der Umsetzung der vorläufigen Aufnahmen beauftragte das
SEM den Kanton St. Gallen (Ziff. 6). Ferner hielt es fest, dass über das
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ZEMIS-Datenänderungsgesuch mit separater Verfügung befunden werde
(Ziff. 7).
E.
E.a Am 18. August 2020 gab die Vorinstanz beim Institut für Rechtsmedizin
der Universität Basel (nachfolgend: IRM Basel) eine forensische Lebens-
alterseinschätzung in Auftrag.
E.b Der Parteivertreter hielt dieses Vorgehen mit Schreiben vom 21. Au-
gust 2020 für unzulässig, weil der Sachverhalt unvollständig abgeklärt sei
und der Asylentscheid erst nach durchgeführter Altersbegutachtung hätte
ergehen dürfen (SEM act. 28).
E.c Am 25. August 2020 lag das Altersgutachten der IRM Basel vor. Zu-
sammenfassend wurde darin festgestellt, dass der Beschwerdeführer mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit das 18. Lebensjahr vollendet und die
Volljährigkeit erreicht habe (SEM act. 29).
E.d Am 7. September 2020 wurde dem Beschwerdeführer das rechtliche
Gehör zum Ergebnis der rechtsmedizinischen Altersuntersuchung gewährt
(SEM act. 31). Er machte davon am 11. September 2020 Gebrauch (SEM
act. 33).
F.
Mit Beschwerde vom 14. September 2020 an das Bundesverwaltungsge-
richt beantragt der Beschwerdeführer, die angefochtene Verfügung vom
14. August 2020 sei vollumfänglich aufzuheben und es sei seine Minder-
jährigkeit festzustellen. Eventualiter sei Ziff. 6 der Verfügung vom 14. Au-
gust 2020 aufzuheben, subeventualiter sei die angefochtene Verfügung
aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück-
zuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersucht er um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung und Verzicht auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses (BVGer act. 1).
Das Rechtsmittel war mit einer anonymisierten Fassung des rechtsmedizi-
nischen Gutachtens vom 25. August 2020 sowie zwei Unterstützungs-
schreiben (wovon eines unvollständig) betreffend Z._, den älteren,
dem Kanton Basel-Stadt zugewiesenen Bruder des Beschwerdeführers,
ergänzt.
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Seite 4
G.
Mit Zwischenverfügung vom 16. September 2020 forderte die ehemals zu-
ständige Instruktionsrichterin aus Abteilung V den Beschwerdeführer auf,
seine Rechtsbegehren zu präzisieren, insbesondere darzulegen, ob er
auch die Verneinung der Flüchtlingseigenschaft und die Verweigerung des
Asyls anfechten wolle oder ob sich die Begründung auf die Prüfung der
geltend gemachten Minderjährigkeit beschränke. Zudem wurde er gebe-
ten, jenes Schreiben, von welchem lediglich die erste Seite vorlag, vollstän-
dig einzureichen (BVGer act. 2).
H.
Am 24. September 2020 präzisierte der Parteivertreter die materiellen
Rechtsbegehren dahingehend, es sei die Verfügung des SEM vom 14. Au-
gust 2020 bezüglich der Feststellung des Alters des Beschwerdeführers
aufzuheben und die Minderjährigkeit festzustellen (Rechtsbegehren 1).
Des Weiteren sei Ziff. 6 der angefochtenen Verfügung aufzuheben und der
Kanton Basel-Stadt mit der Umsetzung der vorläufigen Aufnahme zu be-
auftragen (Rechtsbegehren 2); eventualiter seien die Altersfeststellung und
die Kantonszuweisung in der angefochtenen Verfügung aufzuheben, und
die Sache sei zur Neubeurteilung an das Staatssekretariat zurückzuweisen
(Rechtsbegehren 3). Ferner teilte der Rechtsvertreter mit, die Verneinung
der Flüchtlingseigenschaft und die Ablehnung des Asylgesuches nicht an-
fechten zu wollen und reichte das eine der beiden Unterstützungsschrei-
ben, wie verlangt, vollständig nach (BVGer act. 4).
I.
Mit Verfügung vom 24. September 2020 lehnte die Vorinstanz das Gesuch
um Datenänderung ab (Ziff. 1 des Verfügungsdispositivs), stellte fest, dass
die Personendaten im ZEMIS auf «X._, ZEMIS. Nr. (...), geboren
(...), alias Y._, geboren (...), Afghanistan» lauteten (Ziff. 2 des Ver-
fügungsdispositivs), wies den Antrag auf Aufhebung der Verfügung vom
14. August 2020 ab (Ziff. 3 des Verfügungsdispositivs) und gab auch dem
Antrag auf Zuweisung in den Kanton Basel-Stadt nicht statt (Ziff. 4 des Ver-
fügungsdispositivs).
Am 26. Oktober 2020 liess der Beschwerdeführer auch dagegen ein
Rechtsmittel einlegen.
J.
Aufgrund dieser Sachverhaltsentwicklung wurde dem Beschwerdeführer
am 18. November 2020 mitgeteilt, dass das Beschwerdeverfahren i.S.
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Seite 5
Kantonszuweisung unter der Geschäftsnummer F-4562/2020 in der Abtei-
lung VI fortgeführt werde (BVGer act. 7). Tags darauf wies ihn die neu zu-
ständige Instruktionsrichterin ausserdem darauf hin, dass die Beschwerde
vom 26. Oktober 2020 betr. Datenänderung im ZEMIS in einem separaten
Verfahren unter der Geschäftsnummer F-5250/2020 registriert worden sei,
aber mit dem vorliegenden Rechtsmittelverfahren koordiniert werde.
K.
Mit Schreiben vom 20. November 2020 reichte die berufliche Case Mana-
gerin von Z._ eine von ihr verfasste «Stellungnahme zur Familien-
zusammenführung» und eine vom 8. Oktober 2020 datierende Bestätigung
eines Allgemeinmediziners zu den Akten (BVGer act. 8).
L.
Mit Zwischenverfügung vom 24. November 2020 hiess das Bundesverwal-
tungsgericht das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von
Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und sah von der Erhebung eines Kostenvorschus-
ses ab (BVGer act. 9).
M.
Am 3. Dezember 2020 reichte die erwähnte Case Managerin ein Unterstüt-
zungsschreiben des Lehrbetriebes des älteren Bruders des Beschwerde-
führers nach (BVGer act. 10).
N.
Das SEM schliesst in seiner Vernehmlassung vom 31. Dezember 2020 auf
Abweisung der Beschwerde (BVGer act. 11).
O.
Replikweise hält der Beschwerdeführer am 1. März 2021 am eingereichten
Rechtsmittel und dessen Begründung fest. Die Replik war mit einem vom
15. Februar 2021 datierenden Bericht eines Psychiaters über den Gesund-
heitszustand des Beschwerdeführers ergänzt (BVGer act. 15).
P.
Das Bundesverwaltungsgericht hat zur Beurteilung der vorliegenden Ange-
legenheit nebst den vorinstanzlichen Akten des Beschwerdeführers auch
die Akten seines Bruders Z._ (N [...]) beigezogen.
Q.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-
gen eingegangen.
F-4562/2020
Seite 6

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Verfahrensgegenstand bildet Ziff. 6 des Dispositivs des Asylentscheids
vom 14. August 2020 («Der Kanton St. Gallen wird mit der Umsetzung der
vorläufigen Aufnahme beauftragt»). Mit jenem Entscheid wurde der Be-
schwerdeführer aufgrund der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
in der Schweiz vorläufig aufgenommen, wobei seine Flüchtlingseigen-
schaft verneint und das Asylgesuch abgewiesen wurden. Die entsprechen-
den Dispositivziffern erwuchsen unangefochten in Rechtskraft (siehe dazu
die Präzisierung des Rechtsmittels vom 24. September 2020 [BVGer
act.4]). Sein Asylverfahren wurde somit mit der Anordnung der Wegwei-
sung und deren vorläufiger Aufnahme abgeschlossen. Dies hat zur Folge,
dass für das vorliegende Verfahren – die Frage der Kantonszuweisung –
nicht mehr das Asylrecht, sondern das Ausländerrecht Anwendung findet.
Dafür spricht auch der Wortlaut von Art. 27 Abs. 3 AsylG, wo von der Kan-
tonszuweisung der Asylsuchenden gesprochen wird. Schliesslich verweist
Art. 44 AsylG für die Anordnung des Vollzugs der Wegweisung und eine
allfällige vorläufige Aufnahme auf das Ausländerrecht (vgl. dazu Urteile des
BVGer F-2081/2020 vom 11. September 2020 E. 1 oder F-4450/2019 vom
15. Juli 2020 E. 1).
2.
2.1 Verfügungen der Vorinstanz betreffend Kantonszuweisung unterliegen
der Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht (Art. 31 ff. VGG i.V.m.
Art. 112 Abs. 1 des Ausländer- und Integrationsgesetzes [ AIG, SR
142.20]).
2.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG i.V.m.
Art. 112 Abs. 1 AIG).
2.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Ergreifung des
Rechtsmittels legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formge-
recht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).
2.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Ange-
legenheit endgültig (vgl. Art. 83 Bst. c Ziff. 3 und 6 BGG).
3.
3.1 Die Ausgestaltung der vorläufigen Aufnahme ist in Art. 85 AIG geregelt.
Für die Verteilung von vorläufig aufgenommenen Personen verweist Art. 85
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Abs. 2 AIG auf Art. 27 AsylG, der sinngemäss anzuwenden ist. Demnach
weist die Vorinstanz die vorläufig aufgenommenen Personen den Kanto-
nen zu und trägt dabei den schützenswerten Interessen der Kantone und
der Betroffenen Rechnung. Die Verteilung erfolgt nach einem Schlüssel
gemäss Art. 21 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR
142.311), wobei die Vorinstanz bei der Verteilung bereits in der Schweiz
lebende Familienangehörige, die Staatsangehörigkeit der vorläufig aufge-
nommenen Personen und besonders betreuungsintensive Fälle berück-
sichtigt (Art. 22 Abs. 1 AsylV 1).
3.2 Entscheide über die Zuweisung von vorläufig aufgenommenen Perso-
nen an einen Kanton oder über den Kantonswechsel können gemäss
Art. 85 Abs. 4 AIG nur mit der Begründung angefochten werden, sie ver-
letzten den Grundsatz der Einheit der Familie. Das Bundesverwaltungsge-
richt wendet das Bundesrecht von Amtes wegen an. Massgebend ist
grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE
2014/1 E. 2 m.H.).
4.
4.1 Der Beschwerdeführer wurde mit Asylentscheid vom 14. August 2020
dem Kanton St. Gallen zugewiesen, er möchte jedoch zu seinem älteren
Bruder Z._, der seit Jahren als vorläufig Aufgenommener im Kanton
Basel-Stadt wohnt. Gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungs-
gerichts wird der Begriff «Einheit der Familie» im Ausländer- und Asylbe-
reich einheitlich verwendet und entspricht dem Schutzbereich von Art. 8
EMRK. Demnach fallen in der Regel Ehegatten, eingetragene Partnerin-
nen und Partner, die in dauernder eheähnlicher Gemeinschaft zusammen-
lebenden Personen sowie deren minderjährige Kinder in diesen Schutzbe-
reich (vgl. Art. 1a Bst. e AsylV 1). Der Beschwerdeführer macht geltend,
minderjährig zu sein. Es ist daher vorfrageweise zu prüfen, ob dies zutrifft,
damit darüber befunden werden kann, ob er mit dem älteren Bruder (als
für den unbegleiteten Minderjährigen verantwortlichen Geschwisterteil)
eine Kernfamilie bildet.
4.2 Die Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung in Bezug auf das
Alter aus, dem Rapport des Grenzwachtkorps vom 3. Juli 2020 könne ent-
nommen werden, dass der Beschwerdeführer volljährig sei. Auch bei der
Einreise nach Serbien habe er sich eigener Darstellung in der Erstbefra-
gung zufolge als Volljähriger ausgegeben. Dafür sprächen sodann die Aus-
sagen seines älteren Bruders in dessen Asylverfahren. Was der Beschwer-
deführer dagegen vorbringe, überzeuge nicht. Zwar habe er anlässlich der
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Seite 8
Anhörung zu den Asylgründen die Kopie des Duplikats einer Tazkera zu
den Akten gelegt, woraus hervorgehe, dass er im Jahr 2020 sechzehn
Jahre alt sei, jedoch enthielten auch seine Angaben zu diesem Dokument
einige Unstimmigkeiten. Abgesehen davon habe er lediglich eine Kopie
eingereicht. Darüber hinaus sei bekannt, dass afghanische Ausweise rela-
tiv einfach käuflich erwerbbar und leicht fälschbar seien. Eine weitere Un-
gereimtheit bestehe darin, dass der Beschwerdeführer in der Erstbefra-
gung behauptet habe, erstmals im Jahr (2020), als er in Österreich einge-
reist sei, über seine Mutter sein Alter in Erfahrung gebracht zu haben, was
aufgrund seines Vorlebens unwahrscheinlich sei. Somit gelinge es ihm
nicht, die geltend gemachte Minderjährigkeit glaubhaft zu machen (SEM
act. 22).
4.3 Der Beschwerdeführer hält in der Rechtsmitteleingabe vom 14. Sep-
tember 2020 diesbezüglich im Wesentlichen dagegen, bei der Beurteilung
der Altersangaben sei im Rahmen einer Gesamtwürdigung eine Abwägung
sämtlicher Anhaltspunkte, welche für oder gegen die Richtigkeit der betref-
fenden Altersangabe sprächen, vorzunehmen. Das Bundesverwaltungsge-
richt sei im Urteil A-1987/2016 vom 6. September 2016, mit Verweis auf
das Urteil A-7588/2015 vom 26. Februar 2016, zum Schluss gekommen,
dass im Asylverfahren im Zweifelsfall von der Minderjährigkeit der gesuch-
stellenden Person ausgegangen werden müsse. Inzwischen liege ein Al-
tersgutachten des IRM Basel vor, laut welchem sich in seinem Fall ein
wahrscheinliches Alter von achtzehn Jahren ergebe. Die Schlussfolgerun-
gen im Gutachten erschienen indes widersprüchlich, rein spekulativer Na-
tur und könnten so nicht akzeptiert werden. Die seitens der Vorinstanz ge-
hegten Zweifel an der geltend gemachten Minderjährigkeit wiederum gelte
es zurückzuweisen. Auch den vermeintlichen Unstimmigkeiten in Bezug
auf seine Äusserungen zur Tazkera könne nicht gefolgt werden. Die Aus-
sagen zu seinem Alter, so der Beschwerdeführer, erwiesen sich vielmehr
als konsistent und widerspruchsfrei. Davon ausgehend, dass es sich bei
ihm um einen Minderjährigen handle, hätte das SEM ihn dem Kanton Ba-
sel-Stadt, dem Wohnkanton des älteren Bruders, zuweisen müssen. Im
Übrigen kritisiert er das vorinstanzliche Vorgehen mit der separaten Prü-
fung des umstrittenen Alters losgelöst vom Asylentscheid als willkürlich und
gegen das Gebot von Treu und Glauben verstossend.
5.
5.1 Die Beweislast für die behauptete Minderjährigkeit trägt grundsätzlich
die asylsuchende Person. Im Rahmen einer Gesamtwürdigung ist eine Ab-
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Seite 9
wägung jener Anhaltspunkte, die für oder gegen die Richtigkeit der betref-
fenden Altersangaben sprechen, vorzunehmen. Wesentlich sind dabei als
für echt befundene Identitätspapiere oder eigene Angaben der betroffenen
Person (vgl. Urteil des BVGer E-4931/2014 vom 21. Januar 2015 E. 5.1.1
m.H.). Sämtliche Anhaltspunkte sind abzuwägen, wobei das Resultat des
Altersgutachtens nur ein Element bei der Beurteilung der Frage der Glaub-
haftigkeit einer geltend gemachten Minderjährigkeit darstellt (vgl. Urteil des
BVGer D-6422/2016 vom 10. Januar 2017 E. 5.5).
5.2 Wie eben erwähnt, ist das Geburtsdatum von der asylsuchenden Per-
son im Asylverfahren zumindest glaubhaft zu machen. Sofern der Be-
schwerdeführer auf das Urteil des BVGer A-1987/2016 hinweist, welches
mit Verweis auf das Urteil A-7588/2015 zum Schluss kommt, im Asylver-
fahren müsse im Zweifelsfall von der Minderjährigkeit der gesuchstellen-
den Person ausgegangen werden, so ist dieser Grundsatz insofern zu prä-
zisieren, als dass die gesuchstellende Person die von ihr behauptete Min-
derjährigkeit lediglich glaubhaft zu machen hat. Glaubhaft ist die Minder-
jährigkeit dann, wenn für deren Vorhandensein gewisse Elemente spre-
chen, selbst wenn das Gericht noch mit der Möglichkeit rechnet, dass die
gesuchstellende Person bereits volljährig ist (BGE 140 III 610 E. 4.1; 130
III 321 E. 3.3). In einer Gesamtwürdigung müssen die Gründe, welche für
die Minderjährigkeit sprechen, überwiegen (BVGE 2010/57 E. 2.3). Gelingt
es dem Beschwerdeführer nicht, seine Minderjährigkeit zumindest glaub-
haft zu machen, respektive bleiben entsprechende Behauptungen unsub-
stanziiert, so ist von der Beweislosigkeit und mithin von einer Volljährigkeit
auszugehen (vgl. Urteil des BVGer F-5170/2020 vom 16. März 2021 E. 6.6
m.H.).
5.3 Der Beschwerdeführer stellte am 2. Juli 2020 im Bundesasylzentrum
Basel ein Asylgesuch, wobei er erklärte, minderjährig zu sein (Geburtsda-
tum: (...), siehe SEM act. 1). Wie sich dem Sachverhalt entnehmen lässt,
hatte er beim Grenzübertritt gegenüber der Grenzwache zuvor angegeben,
am (...) geboren zu sein (SEM act. 11). Die Angabe jeweils unterschiedli-
cher Geburtsdaten lässt bereits gewisse Zweifel an der im Asylverfahren
behaupteten Minderjährigkeit aufkommen. Das SEM hat den Beschwerde-
führer im Rahmen der Erstbefragung vom 27. Juli 2020 damit konfrontiert
und sein Geburtsdatum auf den (...) angepasst. Soweit er behauptet, das
im Rapport des Grenzwachtkorps vom 3. Juli 2020 figurierende Geburts-
datum sei falsch, gilt es klarzustellen, dass die dort aufgenommenen Per-
sonalien auf den eigenen Angaben des Beschwerdeführers beruhen. Dass
besagte Datenaufnahme auf fehlende Englischkenntnisse bzw. angebliche
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Seite 10
Verständigungsprobleme zurückzuführen gewesen sein soll, kann ihm
nicht geglaubt werden, wurden sämtliche der sonst erfassten Personalien
doch korrekt aufgenommen. Dazu passt, dass er in der Erstbefragung zu-
nächst vorbrachte, auch in Serbien als Volljähriger erfasst worden zu sein,
weil das Camp für Erwachsene näher gewesen sei als dasjenige für Min-
derjährige (SEM act. 14/6). Dass er sich in Serbien nachträglich an die Be-
hörden gewandt habe, um sein Alter zu korrigieren, schob er nach, nach-
dem er sich im weiteren Verlauf der Befragung mit entsprechenden Un-
stimmigkeiten konfrontiert sah (SEM act. 14/10-11). Seine diesbezüglichen
Vorbringen erscheinen, entgegen der Auffassung des Parteivertreters, mit-
hin weder logisch noch nachvollziehbar.
5.4 Bekräftigt wird die Annahme der Volljährigkeit durch die Ausführungen,
die sein älterer Bruder Z._ (registriertes Geburtsdatum: 1. Januar
2000) im betreffenden Asylerfahren zu seinem familiären Umfeld zu Proto-
koll gegeben hatte. Anlässlich der Befragung zur Person führte jener näm-
lich aus, Kamran sei zirka eineinhalb Jahre jünger als er, was dafür spricht,
dass Letzterer volljährig ist. Wohl wird wiederholt eingewendet, Z._
sei damals sehr jung gewesen und habe das genaue Alter daher nicht wis-
sen können. Das entsprechende Protokoll der Befragung zur Person vom
2. Dezember 2015 enthält indes sowohl zur familiären Situation als auch
zu den Asylvorbringen zeitlich präzise und nachvollziehbare Angaben
(siehe N [...]), weshalb nicht ersichtlich wird, weshalb die Angaben von
Z._ zum Alter des Beschwerdeführers nicht der Wahrheit entspre-
chen sollten. Eine weitere Ungereimtheit ist darin zu erblicken, dass Letz-
terer in der Erstbefragung weismachen wollte, bei der Einreise nach Öster-
reich im Jahre 2020 durch seine Mutter erstmals in seinem Leben erfahren
zu haben, wie alt er sei (SEM act. 14/3). Zum einen musste ihm sein Alter
aufgrund der ihm einst ausgestellten Tazkera nämlich bekannt sein, zum
anderen erscheinen seine Äusserungen auch im Kontext der durchlaufe-
nen Schulzeit als unwahrscheinlich und stehen überdies im Widerspruch
zu den präzisen Altersangaben, welche er anlässlich der Anhörung vom
7. August 2020 im Zusammenhang mit Aussagen zu den Fluchtgründen
machte (SEM act. 18/6). Es ist der Vorinstanz demnach nicht vorzuwerfen,
dass sie aufgrund dessen Zweifel am geltend gemachten Alter des Be-
schwerdeführers hegte.
5.5 Dem Beschwerdeführer ist es sodann nicht gelungen, sein Geburtsda-
tum anhand rechtsgenüglicher Identitätspapiere zu belegen. Zwar reichte
er während der Anhörung zu den Asylgründen am 7. August 2020 eine Ko-
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Seite 11
pie des Duplikats seiner Tazkera nach, der zufolge er im Jahre 2020 sech-
zehn Jahre alt gewesen sei. Abgesehen davon, dass das Dokument nur in
Kopie vorliegt, kommt diesem gemäss Rechtsprechung ohnehin nur ein
verminderter Beweiswert zu, da es nicht fälschungssicher ist (siehe BVGE
2019 I/6 E. 6.2 und BVGE 2013/30 E. 4.2.2). Zudem lässt sich das darauf
figurierende Ausstellungsdatum (27. Juli 2020) weder mit den entsprechen-
den Aussagen des Beschwerdeführers in der Erstbefragung noch denjeni-
gen in der Anhörung in Einklang bringen.
5.6 Ein weiteres Indiz für seine Minderjährigkeit erblickt der Parteivertreter
schliesslich im Resultat des vom IRM Basel am 25. August 2020 erstellten
Altersgutachtens, worauf näher einzugehen ist.
5.6.1 Gemäss Gutachten des IRM Basel ergibt sich beim Beschwerdefüh-
rer anhand der erhobenen Befunde zum Zeitpunkt der Untersuchung am
21. August 2020 ein wahrscheinliches Lebensalter von achtzehn Jahren.
Der Parteivertreter wendet dagegen ein, das von seinem Mandanten an-
gegebene Alter von sechzehn Jahren und vier bzw. fünf Monaten stimme
mit den Befunden der Handknochen- und Schlüsselbeinanalyse überein
und erscheine demnach plausibel. Die Schlussfolgerungen der Experten
seien widersprüchlich und spekulativer Natur. Es werde nicht ersichtlich,
weshalb die einzelnen Altersuntersuchungen unterschiedlich gewichtet
worden seien.
5.6.2 Dem Altersgutachten, das nach wissenschaftlichen Kriterien erstellt
wurde und auf mehreren Einzeluntersuchungen basiert, kommt eine erheb-
liche Beweiskraft zu (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.2; BVGE 2019 I/6 E. 6.1,
6.3-6.5). Gemäss der medizinischen Altersabklärung des IRM Basel ent-
sprach der radiologische Befund der linken Hand des Beschwerdeführers
dem Referenzbild eines 19-jährigen Jungen. Es wurde darauf hingewie-
sen, dass eine Altersschätzung der linken Hand mittels Röntgenuntersu-
chung grundsätzlich nur bis zur vollständigen Verknöcherung des Hand-
skelettes durchgeführt werden könne, welche bei Knaben normalerweise
ab einem minimalen Alter von 16.1 Jahren vorliegt. Die radiologische Un-
tersuchung der medialen Schlüsselbeinepiphysen ergab ein mittleres Alter
von 18.2 Jahren (+/- 1.1 Jahre). Das minimale Alter lag bei 16.4 Jahren.
Nach den Ergebnissen der zahnärztlichen Untersuchung konnte beim Be-
schwerdeführer an den Zähnen 1 bis 7 im 3. Quadranten ein vollständiger
Abschluss des Wurzelwachstums festgestellt werden, was ab einem Alter
von sechzehn Jahren zur Beobachtung kommt. Dies kann jedoch nur als
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Seite 12
Mittelwert und nicht als Minimum gewertet werden. Die Ergebnisse der Un-
tersuchung an den 3. Molaren (Weisheitszähnen) weisen auf einen voll-
ständigen Abschluss des Wurzelwachstums hin. Es kann daher nur noch
ein Mindestalter angegeben werden. Dieses liegt bei siebzehn Jahren. Zu-
sammenfassend gelangten die Gutachter zum Schluss, dass der Be-
schwerdeführer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit das 18. Lebensjahr
vollendet und die Volljährigkeit erreicht habe. Das Mindestalter betrage
siebzehn Jahre (zum Ganzen siehe SEM act. 29).
5.6.3 Da sowohl bei der Schlüsselbeinanalyse wie auch bei der zahnärztli-
chen Untersuchung das ermittelte Mindestalter unter achtzehn Jahren lag,
sind gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts anhand der
Altersabklärung keine Aussage zur Minder- bzw. Volljährigkeit einer Person
möglich, wenn das Maximalalter bei beiden oder einer Methode darüber
liegt (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.2). In einem Fall wie vorliegend sind denn
sowohl eine Voll- wie auch eine Minderjährigkeit möglich, ohne dass sich
eine verlässliche Aussage darüber machen lässt, was wahrscheinlicher ist
(siehe F-5170/2020 E. 7.4). Unabhängig davon, dass der Beschwerdefüh-
rer ohnehin unterschiedliche Altersangaben machte, kann seiner Argumen-
tation, dass das rechtsmedizinische Gutachten seine Minderjährigkeit be-
lege, indes nicht gefolgt werden.
5.6.4 Anzumerken wäre der Vollständigkeit halber, dass im vorinstanzli-
chen Vorgehen, losgelöst vom Asylverfahren eine medizinische Altersbe-
stimmung in Auftrag zu geben, kein willkürliches oder gegen den Grund-
satz von Treu und Glauben verstossendes Verhalten erblickt werden kann.
Die Frage der Minderjährigkeit stand aus Sicht des SEM bereits zum Zeit-
punkt des Asylentscheids vom 14. August 2020 fest. Die obgenannte Be-
weisvorkehr nahm die Vorinstanz im Rahmen eines separaten Verfahrens
vor, da bei der Prüfung von Datenänderungsgesuchen zum Teil andere
Verfahrensregeln zur Anwendung gelangen. Dem Beschwerdeführer ist
daraus kein Nachteil erwachsen.
5.7 Eine Gesamtwürdigung aller Indizien ergibt, dass es dem Beschwerde-
führer nicht gelungen ist, seine Minderjährigkeit nachzuweisen oder zumin-
dest glaubhaft zu machen. Für die Kantonszuweisung hat dies zur Folge,
dass er mit seinem hier ansässigen älteren Bruder keine Kernfamilie bildet
(siehe E. 4.1 hiervor).
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Seite 13
6.
6.1 Hinsichtlich Beziehungen zwischen nahen Verwandten ausserhalb der
Kernfamilie, namentlich solchen von erwachsenen Kindern zu ihren Eltern
oder unter Geschwistern, setzt die Berufung auf Art. 8 Abs. 1 EMRK pra-
xisgemäss voraus, dass sich die ausländische Person in einem besonde-
ren, über die normalen affektiven Bindungen hinausgehenden Abhängig-
keitsverhältnis zum anwesenheitsberechtigten Elternteil beziehungsweise
Geschwister befindet (vgl. BGE 144 II 2 E. 6.1; BGE 137 I 154 E. 3.4.2).
Ein solches Abhängigkeitsverhältnis kann sich – unabhängig vom Alter –
namentlich aus besonderen Betreuungs- oder Pflegebedürfnissen wie bei
körperlichen oder geistigen Behinderungen und schwerwiegenden Krank-
heiten ergeben (vgl. BGE 120 Ib 257 E. 1e). Das besondere Abhängigkeits-
verhältnis muss gewachsen sein und im Zeitpunkt der Geltendmachung
des Anspruchs bereits vorliegen. Die Beziehung fällt mit anderen Worten
nur unter den Schutz von Art. 8 Abs. 1 EMRK, wenn das Abhängigkeitsver-
hältnis aufgrund der bestehenden Abhängigkeit besonders eng ist (Urteil
des BGer 2C_867/2016 vom 30. März 2017 E. 2.2).
6.2 Der Beschwerdeführer macht hierzu rechtsmittelweise geltend, sein
Bruder Z._ möchte ihn in der Schweiz unterstützen und begleiten,
damit er sich schnell in die hiesige Gesellschaft zu integrieren vermöge,
genauso motiviert wie er (Bruder) zielstrebig die Schule besuchen sowie
eine Ausbildung absolvieren könne. Eine Trennung der beiden Brüder
werde eine negative Einwirkung auf seine eigene psychische Entwicklung
haben und den gegenseitigen Kontakt sehr stark erschweren. Als Beleg
dafür legte er im Verlaufe des Beschwerdeverfahrens mehrere Dokumente
ins Recht. Die Vorinstanz stellt sich in der Vernehmlassung derweil auf den
Standpunkt, die eingereichten Schreiben vermöchten an der vorgenomme-
nen Kantonszuteilung nichts zu ändern. Die seitens des Beschwerdefüh-
rers geltend gemachten Probleme seien zwar bedauerlich, bislang habe er
jedoch keinen Arztbericht eingereicht, welcher die gesundheitlichen Vor-
bringen bestätigen könnte. Deshalb lägen auch keine besonderen Um-
stände vor, welche gemäss Art. 22 AsylV1 gegen eine reguläre Kantons-
verteilung sprächen.
6.3 Den Akten kann entnommen werden, dass Z._, der ältere Bru-
der des Beschwerdeführers, bereits im November 2015 in die Schweiz ein-
gereist ist und um Asyl nachgesucht hat. Seit dem 11. November 2016 ist
er vorläufig aufgenommen. Der Beschwerdeführer selbst gelangte erst an-
fangs Juli 2020 als Asylsuchender in die Schweiz. Daraus ist zu schliessen,
dass die Beteiligten über einen Zeitraum von mehreren Jahren physisch
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getrennt lebten und während dieser Zeitspanne keinen über die üblichen
Kommunikationsmittel hinausgehenden persönlichen Kontakt pflegten.
Gegenteiliges wird denn auch nicht behauptet. Von einem Abhängigkeits-
verhältnis im Sinne der zitierten Rechtsprechung (siehe E. 6.1) kann somit
keine Rede sein.
6.4 Vor diesem Hintergrund können die geltend gemachten gesundheitli-
chen Probleme zu keinem anderen Ergebnis führen. Zu den eingereichten
Unterlagen gilt es vorweg anzumerken, dass sie überwiegend von Perso-
nen aus dem Umfeld des Bruders stammen und sich primär mit dessen
Lebenssituation befassen. Auch die Mutmassungen, der Beschwerdefüh-
rer selber befinde sich in schlechter psychischer Verfassung und sei sui-
zidgefährdet, basieren auf Unterstützungsschreiben des Hausarztes von
Z._ und einer Koordinatorin des Schweizerischen Roten Kreuzes
(SRK), welche die betreffende Person weder medizinisch behandelt noch
betreut haben (BVGer act. 8). Der einzige medizinische Bericht, der konk-
ret auf den Beschwerdeführer Bezug nimmt, datiert vom 15. Februar 2021.
Dem entsprechenden Antwortschreiben einer Fachperson für Psychiatrie
und Psychotherapie zu Handen des Parteivertreters kann entnommen wer-
den, dass der Patient wegen einer Anpassungsproblematik fünf Mal zu ei-
ner Sprechstunde erschienen ist. Es seien weder weitere Sitzungen ver-
einbart noch eine Therapiebedürftigkeit festgestellt worden. Der Gesund-
heitszustand des Betroffenen, der immer noch auf seinen Wunsch fixiert
sei, nach Basel zu gehen, habe sich etwas stabilisiert. Zur Frage, ob eine
familiäre Unterstützung hilfreich oder notwendig erscheine, könne er nicht
Stellung nehmen (BVGer act. 15). Dem ist nichts beizufügen. Der Wunsch
des Beschwerdeführers, in der Nähe des älteren Bruders zu leben, ist zwar
nachvollziehbar, vermag jedoch kein Abhängigkeitsverhältnis im vorlie-
gend entscheidenden Sinne zu begründen. Im Übrigen steht es den Be-
troffenen offen, sich zeitweilig gegenseitig zu besuchen. Die Distanz zwi-
schen St. Gallen und Basel bewegt sich diesbezüglich in einem vertretba-
ren Rahmen.
6.5 Zusammenfassend hat die Zuweisung des Beschwerdeführers in den
Kanton St. Gallen den Grundsatz der Einheit der Familie im Sinne von
Art. 85 Abs. 2 AIG i.V.m. Art. 27 Abs. 3 AsylG nicht verletzt.
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung im
Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist des-
halb abzuweisen.
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8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens würde der Beschwerdeführer kosten-
pflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Zwischenverfügung vom 24. November
2020 hat das Bundesverwaltungsgericht dem Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG stattgege-
ben. Demzufolge ist der Beschwerdeführer von der Bezahlung der Verfah-
renskosten befreit. Da er auf Beschwerdeebene durch die ihm zugewie-
sene Parteivertretung vertreten ist, erwachsen ihm darüber hinaus keine
Kosten.
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