Decision ID: 62d26232-ab75-582c-96c6-845c271836db
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 1. November 2017 im Empfangs-
und Verfahrenszentrum (EVZ) des SEM in B._ um Asyl nach. Dort
wurde er am 6. November 2017 zu seiner Person, zu seinem Reiseweg
und summarisch zu seinen Asylgründen befragt (Befragung zur Person
[BzP]). Am 8. August 2019 hörte ihn das SEM ausführlich zu seinen Asyl-
gründen an (Anhörung).
A.b In Bezug auf seinen persönlichen Hintergrund machte er geltend, er
sei sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer Ethnie hinduistischen
Glaubens und stamme aus C._ (Distrikt D._, Nordprovinz),
wo er aufgewachsen sei, das O-Level abgeschlossen und erste Arbeitser-
fahrungen auf dem (...) gesammelt habe. Im Jahr 2003 sei er nach
E._ (Distrikt F._, Nordprovinz) gezogen, um als Land-
minenentferner für verschiedene Nichtregierungsorganisationen zu arbei-
ten. Im Jahr 2005 habe er geheiratet und der Ehe seien (...) Kinder ent-
sprungen.
A.c Zu seinen Gesuchsgründen brachte er im Wesentlichen vor, dass am
26. Juni 2006 in G._ ein Selbstmordattentat durch die LTTE (Libe-
ration Tigers of Tamil Eelam) durchgeführt worden sei, bei dem mehrere
Personen – insbesondere H._, ein hochrangiger Offizier der sri-lan-
kischen Armee – ums Leben gekommen seien. Er habe sich in derselben
Zeit für einige Tage in G._ aufgehalten. Wenige Stunden nach die-
sem Vorfall habe er von einem Freund (I._) einen Telefonanruf er-
halten. Jener habe ihn darüber informiert, dass bei diesem Attentat ein Mo-
torrad verwendet worden sei und ihn die LTTE beim Erwerber dieses Mo-
torrades (J._) missbräuchlicherweise als Garanten genannt habe.
Daraufhin sei er umgehend zu einer seiner (...) nach C._ geflohen.
Nach seiner Abreise hätten ihn Angehörige des CID (Criminal Investigation
Department) in der Unterkunft in G._ gesucht. Ausserdem hätten
sich dieselben Personen bei verschiedenen Verwandten nach ihm erkun-
digt. Aus Angst habe er sich in der Folge im Vanni-Gebiet versteckt, bevor
er wegen des neu aufgeflammten Krieges Ende 2006 gezwungen gewesen
sei, mehrmals umzuziehen. Bei Kriegsende im Jahr 2009 sei er in einem
Flüchtlingscamp in K._ (Distrikt L._, Nordprovinz) gewesen
und im Oktober 2010 nach E._ zurückgesiedelt worden. Dort habe
er erneut als Landminenentferner und daneben selbständig als (...) gear-
beitet. Daraufhin seien Angehörige der sri-lankischen Armee und des CID
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respektive einzig Angehörige der sri-lankischen Armee zehn bis zwölfmal
bei seiner Familie zu Hause vorbeigekommen, hätten ihn zum Stützpunkt
in E._ vorgeladen und dort jeweils einvernommen, zuletzt im Jahr
2013. Aufgrund seiner Tätigkeit als Landminenentferner hätten sie ihn be-
schuldigt, Verbindungen zur LTTE zu haben. Sodann habe er angesichts
seiner Probleme mit dem CID nicht das letzte Ritual für seine (...) durch-
führen können, als diese im Juni 2013 und September 2014 gestorben
seien. Um weitere Probleme zu vermeiden, sei er mit seiner Familie im
Oktober 2014 nach M._ (Distrikt N._, Ostprovinz) – dem
Heimatort seiner Ehefrau – gezogen. Dort hätten ihn Angehörige des CID
im Mai 2015 zu Hause gesucht, als er nicht zugegen gewesen sei. Diese
hätten seiner Ehefrau mitgeteilt, dass sie ihn im CID-Büro zu einer Befra-
gung erwarten würden. Er habe Angst bekommen, dass diese Vorladung
im Zusammenhang mit dem Selbstmordattentat in G._ am 26. Juni
2006 erfolgt sei. Aus diesem Grund habe er der Vorladung keine Folge ge-
leistet und sei zunächst bei Verwandten seiner Ehefrau in O._ (Dis-
trikt D._, Nordprovinz) und später in P._ (Distrikt Q._,
Ostprovinz) untergetaucht. Schliesslich habe er seinen Heimatstaat am
22. Juni 2015 – mit Hilfe eines Schleppers und mit einem gefälschten Pass
– auf dem Luftweg verlassen. Danach habe er zwei Jahre illegal in
R._ gelebt, bevor er am 25. Oktober 2017 in die Schweiz weiterge-
reist sei. Auch nach seiner Ausreise hätten sich Angehörige des CID bei
seiner Familie mehrmals nach seinem Verbleib erkundigt. Ausserdem hät-
ten sie seiner Ehefrau im Jahr 2018 kurz nacheinander zwei Vorladungen
ausgehändigt. Darin sei er jeweils aufgefordert, sich «nach Colombo in den
4. Stock» zu begeben.
A.d Im Laufe des vorinstanzlichen Verfahrens reichte der Beschwerdefüh-
rer seine Geburts- und Heiratsurkunde, einen Artikel der Zeitung Uthayan
vom 27. Juni 2006 über das Selbstmordattentat in G._ am 26. Juni
2006, eine «Ration Card», eine auf seinen Namen ausgestellte «Relief As-
sistance Card», ein Ausweis der Nichtregierungsorganisation «(...)» (gültig
vom 1. Januar 2012 bis 31. Dezember 2012), ein Schreiben der «(...)» be-
treffend seine Funktion innerhalb der Organisation vom 29. Juli 2012, die
Traueranzeigen für seine (...) (gestorben am [...] 2013 und [...] 2014) – je-
weils in Kopie – sowie zwei Vorladungen des CID auf den 15. August 2018
und 10. November 2018 (in singhalesischer Sprache und im Original) zu
den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 17. März 2020 – tags darauf eröffnet – stellte das SEM
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fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte
sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ord-
nete den Vollzug an.
C.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
17. April 2020 (Datum des Poststempels) – handelnd durch den rubrizier-
ten Rechtsvertreter – beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und
beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, er sei als Flücht-
ling anzuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Un-
zulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Subeventualiter sei
die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In ver-
fahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung sowie um Beiordnung seines Rechtsvertreters als amtli-
chen Rechtsbeistand.
Der Beschwerde lagen – neben der angefochtenen Verfügung, einer Voll-
macht vom 24. März 2020 sowie einer Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung
vom 3. April 2020 – diverse, Sri-Lanka betreffende, Medienartikel (in Kopie)
bei.
D.
Mit Schreiben vom 21. April 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsge-
richt den Eingang der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998
(AS 2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfah-
ren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem
Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerdeführer ist als Verfü-
gungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die
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frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (aArt. 108
Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-
fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Weiterungen und mit summarischer
Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge-
richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in ver-
schiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf
kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
5.
5.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten weder den Anforderungen
an das Glaubhaftmachen gemäss Art. 7 AsylG, noch denjenigen an die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG stand.
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Im Einzelnen hielt sie fest, seine Schilderungen betreffend die Furcht vor
Behelligungen im Zusammenhang mit dem Selbstmordattentat in
G._ am 26. Juni 2006 würden in wesentlichen Punkten der allge-
meinen Erfahrung und Logik des Handels widersprechen. Gemäss eige-
nen Angaben sei er zumindest der Beihilfe, wenn nicht gar der Mittäter-
schaft an einem Attentat bezichtigt worden, dem mehrere Personen, da-
runter ein hoher Offizier der sri-lankischen Armee, zum Opfer gefallen
seien. Seine Vorbringen seien stets vor diesem Hintergrund zu bewerten.
Dabei sei zunächst festzuhalten, dass er seinen Heimatstaat erst neun
Jahre nach dem genannten Vorfall verlassen und in der Zwischenzeit keine
besonderen Vorsichtsmassnahmen ergriffen habe. So habe er sich wäh-
rend der Kriegswirren ab Ende 2006 bis im Mai 2009 nicht anders als der
Rest der tamilischen Bevölkerung verhalten und sei nach seiner Entlas-
sung aus einem Flüchtlingscamp – im Rahmen dessen er den sri-lanki-
schen Behörden im Übrigen auch offenbar nicht besonders aufgefallen sei
– wieder einer Erwerbstätigkeit, unter anderem als Landminenentferner für
Nichtregierungsorganisationen im Auftrag der staatlichen Behörden nach-
gegangen. Des Weiteren habe er zu Protokoll gegeben, nach seiner Um-
siedlung im Oktober 2010 bis Oktober 2014 im Distrikt F._ gelebt
zu haben, am selben Ort, wo er offiziell registriert gewesen sei. Ferner habe
er dargelegt, im Anschluss daran mit der Familie nach M._ – dem
Heimatort seiner Ehefrau – gezogen zu sein. Nach dem zuvor Dargelegten
wäre er für die sri-lankischen Behörden leicht auffindbar gewesen, weshalb
sein Verhalten angesichts der geltend gemachten Suche durch das CID
nicht nachvollziehbar sei. Hinzu komme, dass er im Verlauf des Verfahrens
zu wesentlichen Punkten auch unterschiedliche Angaben gemacht habe.
So habe er in der BzP erklärt, er sei nach der Umsiedlung im Oktober 2010
bis zur Ausreise im Juni 2015 sowohl von der sri-lankischen Armee als
auch vom CID mehrmals zu Hause aufgesucht und einvernommen worden.
In der Anhörung habe er hingegen dargelegt, im selben Zeitraum sei das
CID nur einmal in seiner Abwesenheit bei seiner Familie zu Hause vorbei-
gegangen. Unbesehen davon habe er auf die Frage in der Anhörung, aus
welchem Grund die sri-lankische Armee seinen Aufenthaltsort habe ausfin-
dig machen können, nicht aber das CID, ausgeführt, dass dies zwei sepa-
rate Organe mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen seien. Dieser Erklä-
rungsversuch vermöge nicht zu überzeugen. Insgesamt könne ihm des-
halb nicht geglaubt werden, dass er im Zusammenhang mit dem Selbst-
mordattentat in G._ am 26. Juni 2006 ins Visier der heimatlichen
Sicherheitsbehörden geraten sei. An dieser Einschätzung würden auch die
in diesem Zusammenhang eingereichten Beweismittel nichts zu ändern
vermögen. Der Zeitungsartikel über das Attentat selber sei als Beweis nicht
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zu berücksichtigen, zumal er keinen Bezug zur Person des Beschwerde-
führers aufweise. Sodann könne angesichts der dargelegten Unglaubhaf-
tigkeit der Vorbringen auf eine eingehende Würdigung der Vorladungen
des CID verzichtet werden, zumal diese überhaupt keine formellen Ele-
mente, beispielsweise einen Briefkopf aufweisen würden, was den tatsäch-
lichen Gegebenheiten in Sri Lanka keinesfalls entspreche.
Im Zusammenhang mit der Prüfung, ob der Beschwerdeführer im Falle der
Rückkehr nach Sri Lanka begründete Furcht vor künftigen Verfolgungs-
massnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG hat, stellte die Vorinstanz mit Blick
auf die vom Bundesverwaltungsgericht im Urteil E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 festgelegten Risikofaktoren fest, dass er bis im Juni 2015 – und somit
noch sechs Jahre nach Kriegsende – in seinem Heimatstaat gelebt habe.
Sodann sei er zwar von der sri-lankischen Armee aufgrund des Verdachts,
infolge seiner Tätigkeit als Landminenentferner Verbindungen zur LTTE zu
haben, mehrmals einvernommen worden. Weitergehende und konkretere
Massnahmen seien seitens der Behörden aber nicht eingeleitet worden.
Auch seine Narben, die er sich von einer Granatenexplosion zugezogen
habe, müssten den Behörden aufgrund der Einvernahmen bekannt gewe-
sen sein. Allfällige, im Zeitpunkt seiner Ausreise bestehende Risikofaktoren
hätten folglich kein Verfolgungsinteresse seitens der sri-lankischen Behör-
den auszulösen vermocht. Aufgrund der Aktenlage sei nicht ersichtlich,
weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nunmehr in den Fokus der
Behörden geraten und in asylrelevanter Weise verfolgt werden sollte. Auch
die am 16. November 2019 erfolgten Präsidentschaftswahlen vermöchten
diese Einschätzung nicht umzustossen.
5.2 Demgegenüber wendet der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitte-
leingabe im Wesentlichen ein, die Vorinstanz habe die Beweisregel von
Art. 7 AsylG zu restriktiv gehandhabt. Die Glaubhaftigkeit seiner Vorbrin-
gen sei bei einer Gesamtbetrachtung seiner Aussagen klar zu bejahen.
Vorweg sei die Vorinstanz in ihrer falschen Feststellung zu korrigieren,
dass er als Landminenentferner in einer behördlichen Funktion agiert habe.
Diese Tätigkeit habe im Rahmen von Projekten von Nichtregierungsorga-
nisationen stattgefunden, die vollumfänglich von den LTTE überwacht und
instruiert worden seien. Daher habe er sich keineswegs in Gefahr gebracht,
vom CID entdeckt zu werden, indem er sich nach dem Verlassen des
Flüchtlingscamps wieder in diesem Bereich engagiert habe. Ferner habe
er auch durch die offizielle Registrierung an seinem Wohnort keine Gefahr
ableiten können, vom CID wieder entdeckt zu werden. Nachdem er auf-
grund der Verwicklung mit dem Selbstmordattentat untergetaucht und der
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Krieg ausgebrochen sei, habe er davon ausgehen dürfen, dass das CID
nach all den Jahren und den anderweitigen nachkriegerischen Komplikati-
onen wohl nicht mehr auf ihn aufmerksam würde. Sein Verhalten wider-
spreche daher aufgrund der ausserordentlichen Notlage des Landes nicht
der Logik des Handelns. Er habe eingehend dargelegt, dass erst durch die
späteren Einvernahmen durch die sri-lankische Armee und der schliesslich
bedrohlichen Vorladung zum «4th Floor» durch das CID eine imminente
Verfolgungsgefahr für ihn bestanden habe. Der «4th Floor» sei ein Name
für eine geheime Haftanstalt, die notorisch für Folter und menschenrechts-
verletzende Befragungsmethoden sei. Sodann zeigten seine Ausführun-
gen deutlich auf, dass er stets zwischen den behördlichen und militärischen
Aufsuchungen in Bezug auf seine Tätigkeit als Landminenentferner und
den Fahndungen des CID, die mutmasslich aufgrund seiner LTTE-Verwick-
lung mit dem Selbstmordattentat in G._ am 26. Juni 2006 erfolgt
seien, unterschieden habe. Auch wenn man von einer minimen Durchmi-
schung der Angaben ausgehe, würden seine vorgebrachten Präzisierun-
gen anlässlich der Anhörung nicht per se gegen die Glaubhaftigkeit der
Vorbringen sprechen, zumal diese spontan und nicht erst auf Vorhalt erfolgt
seien. Des Weiteren missachte die Vorinstanz, dass die im Asylverfahren
vorkommende schwierige interkulturelle Kommunikation schnell zu Miss-
verständnissen führen könne. Er habe in der BzP sowohl von «Behörden»
als auch vom «CID» gesprochen und erst anlässlich der Anhörung reali-
siert, wie wichtig diese Unterscheidung für das Verständnis seiner Asyl-
gründe sei. Im Übrigen verkenne die Vorinstanz, dass seine Ausführungen
etliche Realkennzeichen enthielten. So habe er die Ereignisse rund um das
Selbstmordattentat über Seiten hinweg detailliert geschildert und die da-
rauffolgenden Fluchtorte mitsamt Daten in beiden Befragungen identisch
wiedergegeben. Dem Protokoll der Anhörung sei zudem zu entnehmen,
dass er vor der Beantwortung der Frage 72 dem Sachbearbeiter zunächst
das Versprechen, dass im Falle der Rückkehr keine Informationen an sein
Heimatland weitergeleitet würden, abgenommen habe. Diese Intervention
bilde ebenfalls ein Indiz dafür, dass seine Aussagen glaubwürdig seien.
Im Zusammenhang mit der Frage, ob er über ein Risikoprofil verfüge, auf-
grund dessen er begründete Furcht vor künftiger Verfolgung habe, wendet
der Beschwerdeführer schliesslich ein, bei ihm würden gleich mehrere Ri-
sikofaktoren vorliegen. Er habe glaubhaft machen können, dass er auf-
grund der Verwicklung in das Selbstmordattentat in G._ am 26. Juni
2006 an Leib und Leben gefährdet sei. Sodann habe sich zwar der Ver-
dacht auf eine Verbindung zu den LTTE anlässlich der wiederholten Anhö-
rungen durch die sri-lankische Armee nicht erhärtet, dies schliesse eine
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zukünftige Verfolgung allerdings nicht aus. Ausserdem sei er mit mehreren
Personen bekannt und verwandt, die LTTE-Verbindungen (gehabt) hätten
oder denen welche nachgesagt würden und deshalb verhaftet worden
seien, was die Vorinstanz ausser Acht gelassen habe. Zusätzliche Risiko-
faktoren seien ferner seine exilpolitische Tätigkeit und das Durchlaufen ei-
nes Asylverfahrens in der Schweiz. Darüber hinaus habe sich seine Ge-
fährdungslage seit den Wahlen im November 2019 massiv verschärft, was
die eingereichten Medienberichte über die Sicherheitslage belegten. Die-
sen Umstand habe die Vorinstanz unberücksichtigt gelassen. Dasselbe
gelte für die Entführung einer Angestellten der Schweizer Botschaft in Co-
lombo durch Unbekannte.
6.
6.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu
beurteilen sind, da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassation der
vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Der Beschwerdeführer wirft der
Vorinstanz eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör sowie die
unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts vor.
6.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist,
dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei-
nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl.
BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet
einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und ak-
tenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt
wurde. Unvollständig ist sie, wenn die Behörde trotz Untersuchungsma-
xime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt oder nicht alle für
die Entscheidung wesentlichen Sachumstände berücksichtigt hat (vgl.
dazu CHRISTOPH AUER/ANJA MARTINA BINDER, in: Kommentar zum Bundes-
gesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Art. 12 N 16).
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6.3 Der Beschwerdeführer rügt, dass zwischen der BzP und der Anhörung
ein Zeitraum von rund zwei Jahren gelegen habe. Daher sei der Sachver-
halt von verschiedenen Sachbearbeitern analysiert worden und die konkre-
ten Fragestellungen seien nicht zielorientiert gewesen. Er habe an mehre-
ren Stellen auf Fragen antworten müssen, welche kaum zur Erstellung des
rechtserheblichen Sachverhalts respektive zur Beurteilung des Asylge-
suchs beigetragen hätten (vgl. S. 7 der Beschwerdeschrift). Hierzu ist zu-
nächst festzuhalten, dass es zwar durchaus wünschenswert ist, wenn zwi-
schen der BzP und der Anhörung ein relativ kurzer zeitlicher Abstand liegt.
Es gibt aber keine zwingende, mit Rechtsfolgen versehene gesetzliche
Verpflichtung der Vorinstanz, die Anhörung innerhalb eines gewissen Zeit-
rahmens nach der BzP durchzuführen. Der Zeitraum von 22 Monaten zwi-
schen der BzP und der Anhörung bedeutet – wie auch der Umstand, dass
dieselben nicht vom gleichen Sachbearbeiter durchgeführt worden sind –
jedenfalls keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör (vgl. statt
vieler Urteil des BVGer D-2799/2018 vom 25. Juni 2019 E. 6.2). Sodann
legt der Beschwerdeführer auch nicht näher dar, welche Fragen nicht ziel-
orientiert gewesen sein sollen und inwiefern ihm daraus, dass ihm diese
gestellt worden seien, ein Nachteil erwachsen sei. Auch aus den Protokol-
len ergeben sich keine Hinweise darauf, dass der Befragungsstil unange-
messen gewesen und der Beschwerdeführer systematisch nach unwe-
sentlichen Sachverhaltselementen gefragt worden wäre. Diesbezüglich ist
keine Verletzung der Untersuchungspflicht beziehungsweise keine unge-
nügende oder falsche Sachverhaltsfeststellung festzustellen.
6.4 Der Beschwerdeführer rügt weiter, die Vorinstanz habe es unterlassen,
vorgebrachte Tatsachen und Beweismittel korrekt zu würdigen und den
rechtserheblichen Sachverhalt richtig, vollständig und willkürfrei festzustel-
len. Anders als in der angefochtenen Verfügung dargelegt, handle es sich
bei seinen Vorbringen nicht um unlogische und widersprüchliche Sachver-
haltsschilderungen, sondern um eine Fehlinterpretation seiner Aussagen
durch die Vorinstanz (vgl. S. 6-12 der Beschwerdeschrift). Der Umstand,
dass der Beschwerdeführer hinsichtlich der Glaubhaftigkeit seiner Aussa-
gen zu einer anderen Auffassung gelangt als die Vorinstanz, stellt weder
eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör noch eine unvollstän-
dige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts dar. Die Glaubhaftigkeit
der Vorbringen ist vielmehr im Rahmen der materiellen Beurteilung zu prü-
fen, weshalb diesbezüglich auf die nachfolgenden Erwägungen zu verwei-
sen ist.
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Seite 11
6.5 Schliesslich bringt der Beschwerdeführer vor, die Vorinstanz habe den
(aktuellen) sri-lankischen Kontext unzureichend miteinbezogen bezie-
hungsweise sich auf veraltete Berichterstattungen gestützt (vgl. S. 15, 18,
21, 22 und 26 der Beschwerdeschrift). Diesbezüglich ist festzuhalten, dass
sich die Vorinstanz sehr wohl mit der aktuellen Lage in Sri Lanka auseinan-
dersetzte und die am 16. November 2019 erfolgten Präsidentschaftswah-
len und deren Folgewirkungen berücksichtigte. Alleine darin, dass die Vo-
rinstanz aus sachlichen Gründen zu einer anderen Würdigung der Vorbrin-
gen (inklusive Risikoanalyse) gelangt und in seiner Länderpraxis zu Sri
Lanka einer anderen Linie folgt als der Beschwerdeführer, liegt keine Ver-
letzung der Untersuchungspflicht beziehungsweise keine ungenügende o-
der falsche Sachverhaltsfeststellung vor.
6.6 Aufgrund des Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefochtene
Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vor-
instanz zurückzuweisen. Der diesbezügliche Antrag ist abzuweisen.
7.
7.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten so-
dann in materieller Hinsicht zum Schluss, dass die Vorinstanz in ihren Er-
wägungen zutreffend festgehalten hat, die Vorbringen des Beschwerdefüh-
rers würden den Anforderungen von Art. 7 AsylG an das Glaubhaftmachen
eines Asyl begründenden Sachverhalts und jenen von Art. 3 AsylG an die
flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit nicht genügen. Auf die betreffenden
Ausführungen in der angefochtenen Verfügung (vgl. oben E. 5.1) kann mit
den nachfolgenden Ergänzungen verwiesen werden. Die Ausführungen
auf Beschwerdeebene und die eingereichten Beweismittel vermögen zu
keiner anderen Betrachtungsweise zu führen.
7.2 Demnach ist festzuhalten, dass das Gericht mit der Vorinstanz die Tä-
tigkeit des Beschwerdeführers als Landminenentferner für verschiedene
Nichtregierungsorganisationen sowie die in diesem Zusammenhang er-
folgten Einvernahmen durch die Angehörigen der sri-lankischen Armee in
den Jahren 2010 bis 2013 als glaubhaft erachtet. Wie der Beschwerdefüh-
rer sowohl im vorinstanzlichen Verfahren als auch auf Beschwerdeebene
selber einräumt, drohten ihm die Angehörigen der sri-lankischen Armee
insbesondere keine konkreten Nachteile an respektive ergriffen sie keine
Massnahmen (vgl. A6/14 Ziff. 7.01 f.; A15/24 F64, F119-121, F123). Die
Einvernahmen durch die Angehörigen der sri-lankischen Armee erreichen
demnach die Intensität ernsthafter Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG
nicht. Sodann seien letztere gemäss seinen Angaben auch nicht der Grund
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Seite 12
für seine Ausreise aus Sri Lanka im Juni 2015 gewesen (vgl. A15/24 F72-
79, F130). Diese Vorbringen sind somit mangels Intensität und aufgrund
des fehlenden sachlichen sowie zeitlichen Kausalzusammenhangs – ent-
gegen der auf Beschwerdeebene vertretenen Ansicht – nicht asylrelevant.
7.3 Ferner hat sich die Vorinstanz im vorliegenden Fall keine unrichtige An-
wendung der Beweisregel von Art. 7 AsylG vorzuwerfen. Wie in den Erwä-
gungen der Vorinstanz mit zutreffender Begründung erläutert wird, halten
die Vorbringen des Beschwerdeführers betreffend die Furcht vor Behelli-
gungen durch das CID im Zusammenhang mit dem Selbstmordattentat in
G._ am 26. Juni 2006 in den wesentlichen Punkten den Anforde-
rungen an das reduzierte Beweismass des Glaubhaftmachens nicht stand.
7.3.1 Der Einwand auf Beschwerdeebene, er habe zahlreiche Angaben
rund um das obgenannte Attentat und seine anschliessende Flucht ge-
macht, bietet für sich alleine noch kein Indiz für die Glaubhaftigkeit der Vor-
bringen, zumal die gemachten Angaben die erforderliche Substanz vermis-
sen lassen und mithin – entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers –
nicht als Realkennzeichen taxiert werden können (vgl. A6/14 Ziff. 7.01 f.;
A15/24 F75, F80-95, F101-112, F114). Vielmehr wäre zu erwarten gewe-
sen, dass der Beschwerdeführer auf Nachfrage hin präzise und subjektiv
geprägt über das Geschehene hätte berichten können, wenn er die Ereig-
nisse tatsächlich auf die geschilderte Art und Weise erlebt hätte. In der An-
hörung – im Rahmen des freien Berichts – erklärte er beispielsweise einzig,
am Abend nach dem Attentat ins Vanni-Gebiet zurückgekehrt zu sein
(A15/24 F75). Auch die Nachfrage, ob diese Rückreise mit Problemen ver-
bunden gewesen sei, verneinte er und fügte lediglich hinzu, dass letztere
erst später begonnen hätten (vgl. A15/24 F114). Die insgesamt einfach ge-
haltene Sachverhaltsdarstellung ist mit der erfahrungsgemäss um ein Viel-
fach komplexeren Wirklichkeit nur schwer vereinbar. Zweifel entstehen zu-
dem insofern, als er sich in Widersprüche verstrickte. So vereinte er in der
BzP beispielsweise die Frage, ob er wisse, weshalb die LTTE ausgerech-
net seinen Namen benutzt hätten (vgl. A6/14 Ziff. 7.02). Im Gegensatz
hierzu legte er im Rahmen der Anhörung dar, er habe nach seiner Flucht
ins Vanni-Gebiet mit LTTE-Angehörigen Kontakt aufgenommen und diese
hätten ihm das Folgende erklärt: «Wir wussten Bescheid. Du hast engen
Kontakt zu J._. Deshalb haben wir deinen Namen verwendet.»
(A15/24 F102).
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7.3.2 Entgegen den Beschwerdeausführungen hat die Vorinstanz sodann
zu Recht festgehalten, es widerspreche der allgemeinen Erfahrung und Lo-
gik des Handelns, dass der Beschwerdeführer trotz angeblicher Behelli-
gungen durch das CID ab Oktober 2010 einer Erwerbstätigkeit nachgegan-
gen sei (vgl. Ziff. 1.17.05; A15/24 F53) und an derselben Adresse gelebt
habe, wo er auch gemeldet gewesen sei (vgl. A6/14 Ziff. 2.01; vgl. A15/24
F129). Ein solches Verhalten entspricht offensichtlich nicht einer an Leib
und Leben bedrohten Person. Die oberflächlichen Erklärungsversuche auf
Beschwerdeebene vermögen daran nichts zu ändern. Insbesondere ist an-
zuzweifeln, dass er sich durch seine Tätigkeit als Landminenentferner kei-
neswegs in Gefahr gebracht haben soll, nachdem er die Frage in der An-
hörung, ob die sri-lankischen Behörden davon Kenntnis gehabt hätten,
ausdrücklich bejahte (vgl. A15/24 F58). Ferner kann die pauschale Be-
hauptung in der Beschwerde, dass er nach all den Jahren und den ander-
weitigen nachkriegerischen Komplikationen davon habe ausgehen dürfen,
dass das CID nicht mehr auf ihn aufmerksam würde, mit Blick auf die Ge-
samtumstände nicht gehört werden.
7.3.3 Der Vorinstanz ist weiter Recht zu geben, dass die Aussagen des
Beschwerdeführers zu den geltend gemachten Behelligungen durch das
CID inhaltliche Abweichungen aufweisen (vgl. A6/14 Ziff. 7.01; A15/24
F116, F119-121, F130). Entgegen der vom Beschwerdeführer vertretenen
Ansicht erweisen sich diese als eindeutig gegensätzlich und stellen keine
Präzisierungen dar. Auch der Versuch in der Beschwerdeschrift, diese Wie-
dersprüche als Missverständnisse darzustellen, welche durch interkultu-
relle Kommunikationsschwierigkeiten anlässlich der BzP entstanden seien,
ist offensichtlich nicht stichhaltig, zumal der Beschwerdeführer die Richtig-
keit und Vollständigkeit des Protokolls anlässlich der Rückübersetzung un-
terschriftlich bestätigte.
7.3.4 Somit ist im Sinne eines Zwischenergebnisses festzustellen, dass es
dem Beschwerdeführer angesichts dieser zahlreichen Widersprüche und
Ungereimtheiten nicht gelungen ist, eine im Zeitpunkt seiner Ausreise aus
Sri Lanka bestehende oder drohende asylrechtlich relevante Gefährdung
seitens des CID glaubhaft zu machen.
7.4 Schliesslich ergibt sich – entgegen der auf Beschwerdeebene vertrete-
nen Ansicht – auch unter Berücksichtigung allfälliger Risikofaktoren im Hin-
blick auf die Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Ge-
fährdung beziehungsweise eine im heutigen Zeitpunkt begründete Furcht
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vor künftiger Verfolgung (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 [als Referenzurteil publiziert], E. 8.4). Wie
soeben dargelegt, konnte der Beschwerdeführer keine asylrelevante Ver-
folgung vor seiner Ausreise nachweisen oder zumindest glaubhaft machen.
Sodann führt die geltend gemachte Bekannt- und Verwandtschaft zu Per-
sonen, die mit den LTTE in Verbindung stehen oder denen Verbindungen
nachgesagt werden und deshalb verhaftet wurden, für sich allein nicht zu
einem asylrelevanten Profil. Auch die geltend gemachte exilpolitische Tä-
tigkeit (Teilnahme an der Geburtstagsfeier zu Ehren von Prabhakaran im
Jahr 2017; vgl. A15/24 F99-100) ist als äusserst niederschwellig einzustu-
fen, weshalb nicht anzunehmen ist, dass ihm seitens der sri-lankischen
Behörden ein überzeugter Aktivismus mit dem Ziel der Wiederbelebung
des tamilischen Separatismus zugeschrieben werden könnte. Alleine aus
der tamilischen Ethnie, seinen Narben ([...]; vgl. 15/24 F63) und der Asyl-
gesuchseinreichung in der Schweiz kann er keine Gefährdung seiner Per-
son ableiten.
7.5 An dieser Einschätzung ändern – entgegen den Beschwerdevorbrin-
gen – weder der Regierungswechsel vom 16. November 2019 noch die
Mitte Dezember 2019 erfolgte Verhaftung einer sri-lankischen Mitarbeiterin
der Schweizerischen Botschaft in Colombo etwas, da kein individueller Be-
zug zum Beschwerdeführer ersichtlich ist. Gemäss Auskunft der Schwei-
zerischen Botschaft sind im Zusammenhang mit der Entführung der Bot-
schaftsmitarbeiterin keine Informationen in Bezug auf Einzelpersonen –
mithin auch nicht betreffend den Beschwerdeführer – an die sri-lankischen
Behörden gelangt, so dass keine Anhaltspunkte auf eine erhöhte Gefähr-
dungssituation hinweisen.
Hinsichtlich des Machtwechsels vom 16. November 2019 gilt festzuhalten:
Gotabaya Rajapaksa wurde zum neuen Präsidenten Sri Lankas gewählt
(vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ], In Sri Lanka kehrt der Rajapaksa-Clan
an die Macht zurück, 17.11.2019; https://www.theguardian.com/world/
2019/nov/17/sri-lanka-presidential-candidate-rajapaksa-premadas-count-
continues, abgerufen am 4. September 2020). Er war unter seinem älteren
Bruder, dem ehemaligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa, der von 2005
bis 2015 an der Macht war, Verteidigungssekretär und wurde angeklagt,
zahlreiche Verbrechen gegen Journalistinnen und Journalisten sowie Akti-
visten begangen zu haben. Zudem wird er von Beobachtern für Menschen-
rechtsverletzungen und Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er be-
streitet die Anschuldigungen (vgl. Human Rights Watch: World Report 2020
– Sri Lanka, 14.1.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident
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seinen Bruder Mahinda zum Premierminister und band einen weiteren Bru-
der, Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya,
Mahinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regierungskabi-
nett zusammen zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl.
https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-
brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state20191127174753/,
abgerufen am 4. September 2020). Beobachter und ethnische/religiöse
Minderheiten befürchten verstärkte Repression und die vermehrte Über-
wachung von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen
und Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl.
Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste
bei Minderheiten, 21.11.2019). Anfang März 2020 löste Gotabaya Rajapa-
ksa das Parlament vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri
Lankas Präsident löst das Parlament auf, 3.3.2020).
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka
bewusst, beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt sie
bei der Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durch-
aus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage für Perso-
nen, die bestimmte Risikofaktoren erfüllen, auszugehen (vgl. Referenzur-
teil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW,
Sri Lanka: Families of "Disappeard" Threatened, 16.02.2020). Zum heuti-
gen Zeitpunkt gibt es aber keinen Grund zur Annahme, dass seit dem
Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer
Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Ein-
zelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen
zu den Präsidentschaftswahlen vom 16. November 2019 respektive deren
Folgen besteht.
Im vorliegenden Fall sind den Akten keine Hinweise auf eine Verschärfung
der persönlichen Situation des Beschwerdeführers aufgrund dieser Ereig-
nisse zu entnehmen. Auch den vom Beschwerdeführer eingereichten Me-
dienartikeln (vgl. Prozessgeschichte, Bst. C) fehlt es an persönlichem Be-
zug. Die Anforderungen an die Annahme einer begründeten Verfolgungs-
furcht sind somit nicht gegeben.
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7.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer nichts
vorgebracht hat, was geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzu-
weisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asyl-
gesuch daher zu Recht abgelehnt.
8.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4; BVGE 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die Wegweisung
wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet.
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen.
Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist das
flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkom-
mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Voll-
zugs beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- und völ-
kerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkom-
mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un-
menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105];
Art. 3 EMRK).
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Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka
lässt den Wegweisungsvollzug nach Auffassung des Gerichts nicht als un-
zulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 E. 12.2 sowie statt vieler Urteil BVGer E-895/2020 vom 15. April 2020
E. 9.2). Es ergeben sich aus den Akten auch keine konkreten Hinweise
darauf, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit dort Massnahmen zu befürchten hätte, die
über einen so genannten "Background Check" (Befragung und Überprü-
fung von Tätigkeiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass
er persönlich gefährdet wäre. Daran vermögen der Regierungswechsel
vom November 2019 sowie die seither veränderte Lage in Sri Lanka nichts
zu ändern. Der Wegweisungsvollzug erweist sich somit als zulässig.
9.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
9.3.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt; dies gilt auch unter
Berücksichtigung der dortigen aktuellen Ereignisse (vgl. dazu vorstehend
E. 7.5 sowie statt vieler Urteil BVGer E-2271/2020 vom 7. Juli 2020
E. 8.3.1). Gemäss nach wie vor gültiger Rechtsprechung ist der Wegwei-
sungsvollzug in die Ost- und Nordprovinz weiterhin zumutbar, wenn das
Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz
eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aus-
sichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht wer-
den kann.
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9.3.2 Der Beschwerdeführer stammt ursprünglich aus C._ (Distrikt
D._, Nordprovinz) und lebte zuletzt in M._ (Distrikt
N._, Ostprovinz). Der Vollzug in diese Provinzen ist im Lichte der
Rechtsprechung grundsätzlich zumutbar. Im vorliegenden Fall sprechen
sodann keine individuellen Gründe gegen einen Wegweisungsvollzug. Ge-
mäss eigenen Angaben verfügt der Beschwerdeführer in seinem Heimat-
staat über einige Verwandte seiner Kernfamilie ([...]; vgl. A6/14 Ziff. 1.14
und 3.01; A15/24 F12, F23), welche ihn bei einer Rückkehr und Wiederein-
gliederung in den Alltag in Sri Lanka unterstützen und ihm eine gesicherte
Wohnsituation bieten können, zumal seiner Familie ein eigenes Haus ge-
hört (vgl. A15/24, F36). Aufgrund seiner guten Schulbildung und berufli-
chen Erfahrungen in verschiedenen Tätigkeitsgebieten (vgl. Prozessge-
schichte, Bst. A.; A6/14 Ziff. 1.17.04 f.; A15/24 F44 f.) ist ferner davon aus-
zugehen, dass er zukünftig in der Lage sein wird, seinen Lebensunterhalt
zu bestreiten, zumal auch seine Familie eigenen Angaben zufolge wirt-
schaftlich gut gestellt ist (vgl. A15/24 F38-42). Schliesslich leidet der Be-
schwerdeführer den Akten zufolge an keinen nennenswerten gesundheitli-
chen Problemen (vgl. A6/14 Ziff. 8.02; A15/24 F4, F132-133). Etwas ande-
res wird in der Beschwerdeschrift auch nicht vorgebracht. Besondere Um-
stände, aufgrund derer von einer Existenzbedrohung ausgegangen wer-
den müsste, sind vorliegend keine ersichtlich. Nach dem Gesagten erweist
sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar.
9.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und die Beiordnung seines Rechtsvertreters als amtlichen
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Rechtsbeistand (Art. 65 Abs. 1 VwVG und aArt. 110a Abs. 1 AsylG). Auf-
grund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass seine Begehren als
aussichtslos zu gelten haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden
Voraussetzungen nicht gegeben, weshalb die Gesuche ungeachtet der
ausgewiesenen Mittellosigkeit abzuweisen sind.
11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
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