Decision ID: b1e69172-b5c8-4016-ad30-524b6212137a
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a E._ bezog bis zu seinem Tod im Jahr 2005 reglementarische
Altersrentenleistungen von der damaligen Personalfürsorgestiftung der Bank D._.
Nach seinem Tod erhielt seine Witwe F._ reglementarische Witwenrentenleistungen
der beruflichen Vorsorge, zuletzt ausbezahlt von der AXA Stiftung Berufliche Vorsorge
als Rechtsnachfolgerin der Personalfürsorgestiftung. F._ verstarb am 15. Dezember
2013.
A.b Der Stiftungsrat des Wohlfahrtsfonds der Bank D._ hatte am 25. September
2013 die Auflösung des Wohlfahrtsfonds und die Verteilung der Stiftungsmittel an die
Destinatäre beschlossen. Die Ostschweizer BVG- und Stiftungsaufsicht genehmigte
den Verteilplan vom 16. September 2014 (Verfügung vom 19. November 2014, act. G
1.5).
A.c Mit an die verstorbene F._ gerichtetem Schreiben vom 14. November 2014 hielt
der Wohlfahrtsfonds fest, ihr individueller Anteil aus der Totalliquidation belaufe sich
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auf Fr. 49'789.70 (act. G 1.7). Die daraufhin beantragte Auszahlung an die Erben von
F._ verweigerte der Wohlfahrtsfonds mit Schreiben vom 10. März 2015 (act. G 1.8).
B.
B.a Die Söhne und Erben von F._, A._ und B._ sowie C._ erhoben am 21.
Januar 2016 Klage gegen den Wohlfahrtsfonds mit dem Antrag, dieser sei unter
Kosten- und Entschädigungsfolge zu verpflichten, ihnen mindestens Fr. 49'789.70
nebst Zins zu 5% p.a. seit 10. März 2015 zu bezahlen. Bei Rentnern seien die
Verhältnisse zum Zeitpunkt des Liquidationsbeschlusses, also am 25. September 2013,
massgebend. Da F._ dannzumal noch gelebt habe, sei ihr (nunmehr vererbter)
Anspruch auf einen Liquidationsanteil ohne weiteres zu bejahen. Selbst wenn von
einem relevanten Stichtag am 31. Dezember 2013 ausgegangen würde, bestände ein
entsprechender Anspruch, da für F._ am 31. Dezember 2013 eine Rente ausgerichtet
worden sei. Das Erleben dieses Tages sei kein konstitutives Kriterium (act. G 1).
B.b Die Beklagte beantragte mit Klageantwort vom 24. März 2016 die Abweisung der
Klage. Gemäss einem Bundesgerichtsurteil müsse eine Teilliquidation auf einen für alle
Versicherten gleichen Stichtag vorgenommen werden, es könnten für Abgangs- und
Fortbestand nicht zwei unterschiedliche Daten massgebend sein. Dieser Grundsatz
habe auch bei einer Totalliquidation zu gelten, wenn es darum gehe, die Ansprüche der
Mitarbeitenden der Stifterin von denjenigen der Rentenbeziehenden abzugrenzen. Die
Anwendung von zwei verschiedenen Stichtagen für Mitarbeitende und Rentner würde
zwangsläufig zu einer aus Vorsorgesicht nicht zu rechtfertigenden Ungleichbehandlung
führen. Würde die Auffassung der Kläger geteilt und bei Rentenbezügern auf die
Verhältnisse zum Zeitpunkt des Liquidationsbeschlusses abgestellt, sollte das Datum
der Verfügung der Aufsichtsbehörde, der 19. November 2014, als Stichtag gelten.
Damit eine Person an der Liquidation teilhaben könne, müsse sie am Stichtag effektiv
entweder Rentnerin oder Mitarbeitende der Bank Linth sein. Die Tatsache, dass die
Rente für den ganzen Dezembermonat 2013 ausgerichtet worden sei, ändere daran
nichts (act. G 5).

Erwägungen
1.
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Die Kläger sind Nachkommen und Erben der am 15. Dezember 2013 verstorbenen
F._ (act. G 1.1). Durch Erbgang sind die Forderungen der Erblasserin auf die Kläger
übergegangen (vgl. Art. 560 Abs. 2 ZGB). Dazu gehören auch Anwartschaften (BSK-
ZGB II, 5. Aufl. 2015, IVO SCHWANDER, N 8 zu Art. 560). Die Kläger sind zur
Klageerhebung legitimiert.
2.
2.1 Gemäss Art. 73 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG; SR 831.40) bezeichnet jeder Kanton ein
Gericht, das als letzte kantonale Instanz über Streitigkeiten zwischen
Vorsorgeeinrichtungen, Arbeitgebern und Anspruchsberechtigten entscheidet. Im
Kanton St. Gallen ist das Versicherungsgericht zuständig (Art. 65 Abs. 1 lit. ebis des
Verwaltungsrechtspflegegesetzes [VRP; sGS 951.1]). Gerichtsstand ist gemäss Abs. 3
der schweizerische Sitz oder Wohnsitz des Beklagten oder der Ort des Betriebes, bei
dem der Versicherte angestellt wurde.
2.2 Streitigkeiten betreffend die (generelle) Erstellung des Verteilplans im Rahmen einer
Liquidation einer Vorsorgeeinrichtung sind auf dem Rechtsweg nach Art 74 BVG,
solche betreffend den (individuell-konkreten) Vollzug auf jenem gemäss Art. 73 BVG
geltend zu machen (BGE 141 V 605 E. 3.2.3). Die vorliegende Streitigkeit, bei der im
Kern nicht die Festsetzung des Stichtages als solche strittig ist, sondern vielmehr
insbesondere zu interpretieren ist, welcher Stichtag sich für eine Destinatärgruppe aus
den massgebenden Dokumenten (Verteilplan bzw. aufsichtsbehördliche Genehmigung)
ergibt (vgl. dazu die nachfolgende E. 3.2), fällt in die zweitgenannte Kategorie und
damit in die Zuständigkeit des angerufenen Gerichts.
2.3 Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung stand der Rechtsweg des Art. 73 BVG
grundsätzlich nur dann offen, wenn die Destinatäre eines Wohlfahrtsfonds Beiträge an
die Vorsorgestiftung geleistet hatten oder wenn ihnen ein Rechtsanspruch auf
Leistungen zustand (siehe etwa BGE 130 V 80 und 9C_193/2008 vom 2. Juli 2008;
m.w.H. HANS-ULRICH STAUFFER/BASILE CARDINAUX, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum BVG, 3. Aufl. 2013, S. 257; BBl 2014 6149 f.). Ob es sich bei der
Beklagten um einen patronalen Wohlfahrtsfonds mit reinen Ermessensleistungen
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handelt, ist ohne Kenntnis von Reglement und Statuten nicht beurteilbar. Weitere
Abklärungen erübrigen sich jedoch. Denn seit Inkrafttreten des Art. 89a Abs. 7 des
Zivilgesetzbuchs (SR 210) am 1. April 2016 gilt u.a. der Rechtsweg gemäss Art. 73 BVG
auch für patronale Wohlfahrtsfonds mit Ermessensleistungen (Ziff. 8). Dadurch wollte
der Gesetzgeber sicherstellen, dass alle auf dem Gebiet der beruflichen Vorsorge
tätigen Einrichtungen der gleichen Gerichtsbarkeit unterstellt sind (Bericht der
Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrates vom 26. Mai 2014
zur parlamentarischen Initiative 'Stärkung der Wohlfahrtsfonds mit
Ermessensleistungen', BBl 2014 6158).
2.4 In intertemporalrechtlicher Hinsicht gilt der Grundsatz, dass neues
Zivilprozessrecht grundsätzlich sofort, d.h. ab Inkrafttreten der gesetzlichen
Verfahrensbestimmungen, anzuwenden ist (m.w.H. IVO SCHWANDER, Grundsätze des
intertemporalen Rechts und ihre Anwendung auf neuere Gesetzesrevisionen, in: AJP
2016 S. 1582; ferner m.H. THOMAS SUTTER-SOMM/BENEDIKT SEILER, in: Sutter-
Somm/Hasenböhler/Leuenberger, Kommentar zur Schweizerischen
Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2016, N 7 zu Art. 404). Dies gilt grundsätzlich auch für
das verwaltungsgerichtliche Verfahren (so sinngemäss SCHWANDER, AJP, a.a.O., S.
1582). Vor diesem Hintergrund ist unbeachtlich, dass vorliegend die Klage bereits am
21. Januar 2016 und damit vor Inkrafttreten von Art. 89a Abs. 7 ZGB anhängig
gemacht wurde. Die sachliche Zuständigkeit des angerufenen Gerichts ist jedenfalls
gegeben.
2.5 Die Beklagte hat ihren Sitz in G._ im Kanton St. Gallen, sodass auch die örtliche
Zuständigkeit gegeben ist. Auf die Klage ist einzutreten.
3.
3.1 Die Beklagte nannte in ihrem am 16. September 2014 an die Ostschweizer BVG-
und Stiftungsaufsicht gerichteten Antrag auf Genehmigung der Verteilung der freien
Mittel als anspruchsberechtigte Destinatärgruppen einerseits Mitarbeitende, die am 31.
Dezember 2013 in einem Anstellungsverhältnis mit der Bank D._ standen und am
Stichtag über mindestens ein volles Dienstjahr verfügten, und andererseits Rentner und
Rentnerinnen, die Renten aus der beruflichen Vorsorge der Bank D._ bei der AXA
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beziehen (act. G 5.1 S. 1 Ziff. 1). Zur Auszahlung wurde festgehalten, dass die Beklagte
den Rentenbezügern im Dezember 2014 in einer Einmalzahlung ihre Anteile an den
freien Mitteln auf ein Konto ihrer Wahl auszahle (act. G 5.1 S. 3 Ziff. 3b). Die
Ostschweizer BVG- und Stiftungsaufsicht genehmigte den Antrag mit Verfügung vom
19. November 2014 und hielt betreffend Rentner fest, der auf diese entfallende Anteil
werde nach Köpfen auf die Rentner aufgeteilt, wobei bei den Rentnern, welche von der
Beklagten eine Überbrückungsrente erhielten oder erhalten hätten, die bereits
entrichtete und die noch auszurichtende Überbrückungsrente auf ihrem Anspruch
angerechnet werde (act. G 1.5 S. 2). Die Genehmigung nennt folglich für die
Destinatärgruppe der Rentnerinnen und Rentner keinen Stichtag.
3.2 Die Kläger vertreten die Ansicht, dass bei Rentnern die Verhältnisse zum Zeitpunkt
des Liquidationsbeschlusses, also am 25. September 2013, massgebend seien. Dem
kann nicht gefolgt werden. Anlässlich der Stiftungsratssitzung vom 25. September
2013 wurde zwar unstreitig die Totalliquidation der Stiftung und die Verteilung der
Stiftungsmittel auf die Destinatäre beschlossen. Der Verteilplan wurde aber erst am 16.
September 2014 erstellt und am 19. November 2014 von der Aufsichtsbehörde
gestützt auf Art. 53c BVG bewilligt (act. G 1.5 S. 1). Die Wahl des Stichtages erfolgt
erst im Rahmen der Erstellung des Verteilplans und fällt ins Ermessen des Liquidators
(vgl. Urteil A-6625/2014 des Bundesverwaltungsgerichts vom 19. Mai 2016 E. 4;
m.w.H. Bundesgerichtsurteil 9C_446/2016 vom 24. November 2016 E. 3.1.1). Zu
Lebzeiten von F._ war der Verteilplan unstreitig noch nicht erstellt. Vor diesem
Hintergrund ist offenkundig, dass der 25. September 2013 nicht als Stichtag für die
Verteilung der auf die Rentner entfallenden freien Mittel betrachtet werden kann. Im
Schreiben vom 16. September 2014 an die Aufsichtsbehörde betreffend Genehmigung
der Mittelverteilung findet sich auf S. 4 abschliessend und umfassend formuliert (nicht
nur auf die Destinatärgruppe der Mitarbeitenden beschränkt) der Antrag, die Verteilung
gemäss Totalliquidationsbilanz und Verteilplan "per Stichtag 31. Dezember 2013" zu
genehmigen. Dies lässt darauf schliessen, dass für die beiden definierten
anspruchsberechtigten Destinatärgruppen der Mitarbeitenden und der Rentner der
Stichtag einheitlich auf den 31. Dezember 2013 festgelegt werden sollte. Den
Rentenbezug am 1. Januar 2014 zum Kriterium für die Destinatärgruppe der Rentner zu
machen, hätte sich entgegen der Ansicht der Kläger (act. G 1 S. 6 Ziff. 10) nicht
aufgedrängt. Die Totalliquidationsbilanz wurde - wie dies üblich ist - per Jahresende,
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also per 31. Dezember 2013 erstellt (vgl. auch Art. 27g Abs. 1bis der Verordnung über
die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge [BVV2, SR 831.441.1] zur
Pflicht der Vorsorgeeinrichtung, die freien Mittel gestützt auf eine kaufmännische und
technische Bilanz mit Erläuterungen zu berechnen, aus denen die tatsächliche
finanzielle Lage deutlich hervorgeht). Die Mitarbeiter- oder Rentnereigenschaft an
diesem Datum lässt sich eindeutig feststellen, sodass die offensichtlich beabsichtigte
Festsetzung eines einheitlichen entsprechenden Stichtags durchaus sinnvoll erscheint
und dem in Art. 53d Abs. 1 BVG statuierten Gleichbehandlungsgrundsatz Rechnung
trägt. Die Beklagte weist im Übrigen zutreffend darauf hin, dass das Bundesgericht im
Rahmen einer Teilliquidation festgehalten hat, dass die Liquidation auf einen
bestimmten Stichtag vorgenommen werde, der für alle Versicherten der gleiche sei
(act. G 5 S. 3f Ziff. II/7 mit Hinweis auf BGE 131 II 533). Zusammenfassend ist auch für
die Destinatärgruppe der Rentner vom Stichtag 31. Dezember 2013 auszugehen.
3.3 Für den Fall, dass von einem relevanten Stichtag am 31. Dezember 2013
ausgegangen würde, vertreten die Kläger die Auffassung, die Beklagte habe das
Merkmal des Rentenbezugs zum ausschlaggebenden Kriterium machen wollen, weil
sonst die Formulierung "Rentner der Vorsorgeeinrichtung der Bank D._" genügt
hätte. Für F._ sei am 31. Dezember 2013 eine Rente ausgerichtet worden (act. G 1 S.
5 Ziff. 8). Auch diese Sichtweise ist unplausibel. Die Destinatäre sind Mitarbeitende
einerseits und Rentner andererseits. Diese Eigenschaften sind in den Personen der
Destinatäre selbst begründet. Am 31. Dezember 2013 gehörte F._ der Gruppe der
Rentner nicht mehr an, da sie zuvor verstorben war. Dass die Rente für den ganzen
Monat Dezember 2013 ausbezahlt wurde (vgl. die Rentenbestätigung vom 24.
November 2014, act. G 1.4), ändert daran nichts, liegt dies doch in der regelmässig
monatlich im Voraus erfolgenden Rentenzahlung (vgl. etwa Ziff. 37/2 des
Vorsorgereglements für die BVG-Basisvorsorge der AXA Stiftung berufliche Vorsorge,
im Internet abrufbar) und in durchführungstechnischen bzw. -ökonomischen
Überlegungen begründet. Die Massgeblichkeit der Rentnereigenschaft am Stichtag 31.
Dezember 2013 ergibt sich aus dem Gesamtkontext hinreichend deutlich.
3.4 Zusammenfassend ist folglich festzuhalten, dass auch für die Destinatärgruppe der
Rentenbeziehenden der 31. Dezember 2013 der massgebende Stichtag ist und dieser
Gruppe angehört, wer am 31. Dezember 2013 effektiv Rentnerin oder Rentner war,
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diesen Tag also erlebt hat. Da F._ bereits am 15. Dezember 2013 verstorben war,
zählte sie am Stichtag nicht mehr zum Kreis der Rentnerinnen und Rentner und damit
nicht zur anspruchsberechtigten Destinatärgruppe. Die Beklagte hat die
Leistungsausrichtung an die Kläger damit zu Recht verweigert.
4.
Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist die Klage abzuweisen. Gerichtskosten sind
keine zu erheben (Art. 73 Abs. 2 BVG). Eine Parteientschädigung ist nicht
zuzusprechen.