Decision ID: 25343ef5-8304-5ecb-9e0a-d57315722d3c
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie und (...) Glaubens aus B._, – reiste am 23. Juli 2016 in die
Schweiz ein und suchte am gleichen Tag um Asyl nach. Am 2. August 2016
fand die Befragung zur Person statt (BzP; Protokoll in den SEM-Akten:
A5/11) und am 24. August 2018 erfolgte die Anhörung zu den Asylgründen
(Protokoll in den SEM-Akten: A14/21).
B.
Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen vor, er habe von 1995 bis 1996 wegen des Kriegs mit seiner
Familie in C._, Distrikt D._ (E._) bei einem Onkel ge-
lebt. Dort habe er als (...) beziehungsweise als (...) für die Liberation Tigers
of Tamil Eelam (LTTE) gearbeitet. Er sei kein Mitglied gewesen, sondern
nur Helfer. Nach seiner Rückkehr aus E._ habe er sich, wie alle
zurückkehrenden Leute, im Camp registrieren lassen und angeben müs-
sen, welche Arbeiten er zuvor für die LTTE verrichtet habe. Er habe dann
geheiratet und als (...) gearbeitet.
Am 14.·Januar 2008 sei in der Nähe seines Gartens in B._
eine·Landmine explodiert. Da die sri-lankische Armee (SLA) ihn in diesem
Zusammenhang verdächtigt habe, seien er und eine weitere Person (nach-
folgend F.) am nächsten Tag von der SLA festgenommen und ins Camp
F._ gebracht worden, das sich in der Nähe seines Hauses befinde.
Dort sei er schwer misshandelt worden; er leide noch heute gesundheitlich
daran, sein Bein sei nicht mehr richtig durchblutet. Am darauffolgenden
Morgen hätten sie ihn freigelassen, allerdings mit der Auflage, wöchentlich
für eine Unterschrift ins Camp zu kommen.
Als er am (...) 2008 in einem Vorort von G._ zusammen mit F. mit
dem Motorrad unterwegs gewesen sei, hätten Angehörige des militäri-
schen Geheimdiensts auf sie geschossen. F. sei getötet worden und er
selbst habe am Arm eine Schussverletzung erlitten. Danach habe er die
wöchentliche Unterschrift im Camp F._ nicht mehr geleistet. Als-
dann sei er zu Hause vom Criminal Investigation Department (CID) gesucht
worden, weshalb sein jüngerer Bruder H._ dann ein Mitglied der
Eelam People's Democratic Party (EPDP) um Hilfe gebeten habe. Nach-
dem sie den von der EPDP verlangten Geldbetrag bezahlt hätten und er
ihrer Aufforderung, für sie – gegen Bezahlung eines Lohnes – als (...) bei
den Parlamentswahlen von 2009 tätig zu werden, zugestimmt habe, hätten
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sie ihm versprochen, dafür zu sorgen, dass er seitens des CID und der
Armee in Ruhe gelassen werde. Er habe fortan im Camp der EPDP in
G._ gelebt. Nach etwa einem halben Jahr habe die EPDP ihm kei-
nen Lohn mehr bezahlt. Er sei deshalb einen Monat lang von der Arbeit
ferngeblieben. Nachdem sie dann bei ihm zu Hause vorbeigekommen
seien und ihn um seine Rückkehr gebeten hätten, sei er ihrer Aufforderung
nachgekommen. Als er danach erneut vom CID zu Hause gesucht worden
sei, habe er 2014 seine Arbeit für die EPDP endgültig beendet. Er habe
sich fortan nicht mehr zu Hause aufgehalten, sei aber dort von Angehöri-
gen der EPDP und des CID gesucht worden.
In der Folge habe er 2015 einem Mitglied der Tamil National Alliance (TNA)
von seinen Problemen erzählt und um Schutz ersucht, da sein Leben auf-
grund des Vorfalls vom (...) 2008 nach wie vor in Gefahr gewesen sei. Da
die TNA von ihm Unterstützung für die Wahlen im August 2015 verlangt
habe, sei er für sie als (...) tätig geworden.
Als er nach längerer Zeit wieder einmal nach Hause gegangen sei, hätten
ihn dort zwei unbekannte Personen beziehungsweise Mitglieder der EPDP
gesucht. Nachdem einer von ihnen vom Hund gebissen worden sei, seien
sie wieder gegangen. Daraufhin habe er die TNA informiert und sie hätten
ihn in seinem Entschluss zur Ausreise aus Sri Lanka bestätigt. Die EPDP
habe sich nie mit ihm in Verbindung gesetzt wegen seiner Arbeit für die
TNA. Beziehungsweise habe er sich zur Ausreise entschieden, nachdem
die Mitglieder der EPDP von ihm verlangt hätten, sofort mit seiner Arbeit
für die TNA aufzuhören und er deswegen Angst bekommen habe.
Am (...) 2015 sei er mit seinem eigenen Reisepass von Colombo nach
I._ geflogen, wo ihm der Schlepper seinen Pass abgenommen
habe. Zehn Tage später sei er in die J._ weitergereist, wo er sich
während rund einem Jahr aufgehalten habe. Am (...) 2016 sei er von
K._ auf dem Landweg in die Schweiz gereist.
Nach seiner Ausreise aus Sri Lanka habe die sri-lankische Armee respek-
tive das CID seinen ältesten Sohn nach seinem Aufenthaltsort gefragt und
ihn mit dem Tod bedroht. Daher lebe sein Sohn nun bei seinem Bruder
H._ in L._ und könne die Schule nicht mehr besuchen.
Bei einer Rückkehr befürchte er aufgrund des Ereignisses vom (...) 2008
erschossen zu werden.
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B.a Zu seinen persönlichen Umständen gab der Beschwerdeführer an,
während zehn respektive sechs Jahren die Schule besucht zu haben.
Seine Ehefrau lebe mit den beiden gemeinsamen jüngeren Kindern in
B._ in ihrem eigenen Haus. Seine Eltern und vier seiner Schwes-
tern wohnten in B._ (...), zwei weitere Geschwister in M._
und N._. Ausserdem seien diverse Tanten und Onkel im Bezirk
G._ wohnhaft.
B.b Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer unter anderem fol-
gende Dokumente zu den Akten: seine Identitätskarte (im Original), eine
Kopie eines sri-lankischen Zeitungsberichts vom 3. Februar 2008 (inkl.
deutscher Übersetzung), ein auf Englisch verfasstes Schreiben eines Pfar-
rers der (...) Church in B._ vom 14. Oktober 2016 (im Original) und
eine Kopie des Arztberichts vom 8. September 2016 des O._, von
Dr. med. P._.
C.
Mit Verfügung vom 17. März 2020 – eröffnet am 18. März 2020 – verneinte
das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und lehnte
sein Asylgesuch vom 23. Juli 2016 ab. Gleichzeitig ordnete es seine Weg-
weisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an.
D.
Der Beschwerdeführer gelangte mit Beschwerde seiner Rechtsvertreterin
vom 14. April 2020 an das Bundesverwaltungsgericht und beantragt, seine
Flüchtlingseigenschaft sei festzustellen und ihm sei Asyl zu gewähren,
eventualiter sei der Wegweisungsvollzug als unzulässig und unzumutbar
festzustellen und ihm die vorläufige Aufnahme zu gewähren, dies unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates.
In prozessualer Hinsicht ersucht er um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
sowie um Beiordnung seiner Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeistän-
din.
Als Beilagen legte er eine Kopie der angefochtenen Verfügung, eine Voll-
macht vom 8. April 2020 sowie diverse Unterlagen zum Nachweis seiner
Bedürftigkeit zu den Akten.
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E.
Mit Verfügung vom 16. April 2020 bestätigte die Instruktionsrichterin den
Eingang der Beschwerde und stellte das einstweilige Anwesenheitsrecht
des Beschwerdeführers in der Schweiz fest.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015 [SR 142.31]).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht (in der Folge:
BVGer) zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5
VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel –
und auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
1.5 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
1.6 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh-
rung eines Schriftenwechsels verzichtet.
2.
2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
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Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Gegen-
satz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus
Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Be-
schwerdeführers. Für die Glaubhaftmachung reicht es jedoch nicht aus,
wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der
gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die
vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. dazu ausführlich
BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3).
3.
3.1 Zur Begründung des Asylentscheids qualifiziert die Vorinstanz die Vor-
bringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit
als nicht genügend. Zudem seien keine zusätzlichen Hinweise erkennbar,
welche für die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG bedeutsam wä-
ren.
3.1.1 Zunächst erwägt sie unter dem Aspekt der Glaubhaftigkeit, die Vor-
bringen im Zusammenhang mit der angeblichen Explosion einer Landmine
am (...) 2008 wirkten konstruiert. Zudem erscheine die relativ kurze Haft
vom (...) 2008 ungewöhnlich. Im Weiteren sei der Beschwerdeführer trotz
Hinweis auf seine Mitwirkungspflicht nicht in der Lage gewesen, Medien-
berichte zum vorgebrachten Anschlag von 2008 nachzureichen. Erwar-
tungsgemäss hätten die Medien von diesem verheerenden Ereignis berich-
tet. Der Umstand, dass er keine entsprechenden Berichte einzureichen
vermocht habe, bekräftige den Schluss, dass er die angeblich deswegen
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erlittene Haft fingiert habe. Überdies habe er widersprüchliche Angaben
gemacht. Zum einen habe er anlässlich der BzP vorgebracht, F. sei am
(...) 2015 umgebracht worden. Zum anderen habe er bei der Anhörung er-
klärt, dieser Vorfall habe sich bereits am (...) 2008 ereignet, als er mit F.
mit dem Motorrad unterwegs gewesen sei. Es wäre zudem zu erwarten
gewesen, dass der Beschwerdeführer bereits im Rahmen der BzP ange-
geben hätte, dass er Augenzeuge des Mordes an F. geworden sei.
Betreffend seine Vorbringen im Zusammenhang mit der TNA habe er an-
lässlich der BzP erklärt, Mitglieder der EPDP hätten ihn aufgefordert, die
Fahrdienste für die TNA zu beenden. Er habe Angst bekommen und sei
danach ausgereist. Folglich habe er diesen bedrohlichen Unterlassungs-
befehl der EPDP als unmittelbaren Ausreisegrund angegeben. Im Gegen-
satz dazu habe er bei der Anhörung erklärt, ihm sei nicht bekannt, dass die
EPDP von seiner Schutzsuche bei der TNA gewusst habe. Die EPDP habe
sich nie mit ihm in Verbindung gesetzt wegen seiner Arbeit für die TNA.
Sodann seien auch die zu den Akten gereichten Beweismittel nicht geeig-
net, seine Vorbringen glaubhaft erscheinen zu lassen. Die im Arztbericht
vom 8. September 2016 diagnostizierte Stressfraktur am Unterschenkel
sowie der Innenmeniskusschaden seien nicht zwingend eine Folge der gel-
tend gemachten Misshandlungen. Sie könnten auch andere Ursachen ha-
ben. Im Weiteren sei das priesterliche Bestätigungsschreiben bloss als Ge-
fälligkeitsschreiben zu kategorisieren. Auch der Zeitungsbericht vermöge
nichts zur Glaubhaftigkeit der Asylbegründung des Beschwerdeführers bei-
zutragen. So werde er in diesem Bericht, entgegen seinen Angaben in der
Anhörung, nicht namentlich erwähnt. Ausserdem sei darin geschrieben,
dass das Opfer nach einem Besuch in B._ auf dem Weg nach
Hause gewesen sei. Hingegen habe der Beschwerdeführer anlässlich der
Anhörung behauptet, er habe sich damals auf dem Rückweg von
Q._ nach B._ befunden.
3.1.2 Unter dem Aspekt der Risikofaktoren ergebe sich keine flüchtlings-
rechtlich relevante Furcht vor Verfolgung. Der Beschwerdeführer habe
nicht glaubhaft machen können, dass er vor seiner Ausreise asylrelevanten
Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen sei. Vielmehr sei er bis im
(...) 2015 in Sri Lanka wohnhaft gewesen; er habe also nach Kriegsende
noch mehr als (...) Jahre in seinem Heimatstaat gelebt. Allfällige, im Zeit-
punkt seiner Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten demnach kein
Verfolgungsinteresse seitens der sri-lankischen Behörden auszulösen ver-
mocht. Aufgrund der Aktenlage sei nicht ersichtlich, weshalb er bei einer
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Rückkehr nach Sri Lanka nunmehr in den Fokus der Behörden geraten und
in asylrelevanter Weise verfolgt werden sollte. An dieser Einschätzung än-
dere auch die Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 nichts. We-
der habe der Beschwerdeführer diese, respektive deren Folgen, als Ge-
fährdungselement vorgebracht, noch seien den Akten Hinweise auf eine
Verschärfung seiner persönlichen Situation aufgrund dieses Ereignisses zu
entnehmen.
3.2 In seiner Beschwerdeschrift hält der Beschwerdeführer an der Glaub-
haftigkeit seiner Sachdarstellung fest, weshalb seine Flüchtlingseigen-
schaft festzustellen sei. Die Vorinstanz habe die Beweisregel von Art. 7
AsylG zu restriktiv gehandhabt, zumal seine Darlegungen in einer Gesamt-
würdigung den Anforderungen an die Glaubhaftmachung durchaus stand-
hielten. Auf einzelne Einwände wird in den folgenden Erwägungen einge-
gangen.
4.
4.1 Das Bundesverwaltungsgericht stellt nach eingehender Prüfung der
Akten fest, dass die Einschätzung des SEM, die Vorbringen des Beschwer-
deführers seien nicht glaubhaft und es seien auch sonst keine für die
Flüchtlingseigenschaft relevanten Hinweise erkennbar, zutrifft. Vorab ist
Folgendes festzuhalten:
4.2 In der Beschwerdeschrift wird unter anderem geltend gemacht, an ei-
nigen Stellen der Befragungen entstehe aufgrund der protokollierten Ant-
worten der Eindruck, dass der Beschwerdeführer gewisse Fragen nicht
verstanden habe. Das ergibt sich tatsächlich aus der genannten Protokoll-
stelle A14 F121-123. Gleichzeitig ist aber ersichtlich, dass der Beschwer-
deführer nach entsprechender Nachfrage sehr wohl in der Lage war, ver-
ständlich Auskunft zu geben. Entgegen seiner Ansicht löste er auch kein
Unverständnis beim Befrager aus, vielmehr waren dessen Rückfragen er-
klärend und sorgfältig formuliert (vgl. ebd. F124-126). Demnach ist die
Rüge des Beschwerdeführers, das SEM habe es unterlassen, ihm konkrete
Nachfragen zu stellen oder er hätte seinen Befragungsstil ändern müssen,
nicht stichhaltig. Auch aus anderen Stellen des Anhörungsprotokolls geht
hervor, dass zahlreiche konkretisierende Anschlussfragen gestellt wurden
(vgl. ebd. F104 ff., F135 ff., F144f. und F169 ff.). Schliesslich rügt der Be-
schwerdeführer, das SEM habe bei der BzP im Zusammenhang mit seinen
Angaben zum Angriff auf dem Motorrad fälschlicherweise 2015 anstatt
2008 protokolliert. Auch bei den Vorbringen zu seinen Aktivitäten für die
TNA habe sich wohl ein Fehler ins Protokoll geschlichen. So habe er sich
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diesbezüglich auf die Parlamentswahlen und nicht auf die Präsident-
schaftswahl bezogen. Der Beschwerdeführer gab sowohl bei der BzP als
auch bei der Anhörung an, den Dolmetscher gut zu verstehen (vgl. A5
Bst. h und A14 F1) und bestätigte am Ende der jeweiligen Befragungen mit
seiner Unterschrift, dass die protokollierten Angaben seinen Vorbringen
entsprächen, wobei ihm das Protokoll in eine ihm verständliche Sprache
rückübersetzt worden sei (vgl. A5 S. 8 und A14 S. 20). Dennoch ist eine
einmalige Falschprotokollierung der Jahreszahl oder auch ein Versprecher
seitens des Beschwerdeführers nicht auszuschliessen; angesichts der
zahlreichen anderen Unstimmigkeiten, die unbestrittenermassen auf einer
korrekten Protokollierung beruhen, vermag dies allerdings von vornherein
nichts zu bewirken. Das gleiche gilt für den Fall, dass sich der Beschwer-
deführer übereinstimmend hinsichtlich der Art der Wahlen vom August
2015 geäussert hätte.
4.3
4.3.1 Was die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Asylgründe in
materieller Hinsicht betrifft, kann vorab auf die zutreffenden Erwägungen
des SEM verwiesen werden (vgl. oben E. 3.1). Ergänzend ist folgendes
festzuhalten:
Das SEM hält dem Beschwerdeführer zu Recht entgegen, die geltend ge-
machten Ereignisse könnten unter anderem deshalb nicht geglaubt wer-
den, weil nicht nachvollziehbar sei, dass keine Medienberichte zu einer
derart grossen Explosion beigebracht werden könnten. Aus den in der Be-
schwerde genannten Berichten im Internet (vgl. S. 6 der Beschwerde) über
Anschläge in seiner Heimatregion, vermag er nichts zu seinen Gunsten
ableiten, zumal diese weder die angebliche Explosion einer Landmine am
(...) 2008 noch den Beschwerdeführer namentlich erwähnen. Das Gericht
teilt angesichts des geltend gemachten Ausmasses des Ereignisses mit 50
getöteten Soldaten auch die Einschätzung, es sei nicht nachvollziehbar,
dass der Beschwerdeführer nach so kurzer Zeit in Haft wieder freigelassen
worden wäre, wäre er tatsächlich verdächtigt worden, etwas mit dem An-
schlag zu tun zu haben. Daran ändert nichts, dass er angeblich wöchentlich
einer Meldepflicht habe nachkommen müssen und es ist nicht ersichtlich,
welche Rückfragen das SEM noch hätte stellen müssen. Was die geltend
gemachten Misshandlungen betrifft, sind die Schilderungen des Beschwer-
deführers oberflächlich ausgefallen (vgl. A14 F105 oder F112) und die ge-
sundheitlichen Beschwerden vermögen diese nicht zu belegen. Hinsicht-
lich des darauffolgenden Angriffs auf dem Motorrad anfangs Februar (...)
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hält das SEM zu Recht fest, es wäre zu erwarten gewesen, dass der Be-
schwerdeführer bereits bei der BzP angegeben hätte, Augenzeuge des an-
geblichen Mordes geworden zu sein. Die Behauptung in der Rechtsmitte-
leingabe, er sei bei der BzP vom Dolmetscher darauf hingewiesen worden,
sich auf die unmittelbaren Ausreisegründe zu beschränken, vermag diese
Einschätzung nicht zu relativieren. Denn aus dem Protokoll der BzP geht
hervor, dass der Beschwerdeführer dort nicht nur von den jüngsten Ereig-
nissen erzählte, welche ihn zur Ausreise bewogen hätten, sondern insbe-
sondere auch von der Explosion sowie von den Fahrdiensten für die EPDP,
die ja gemäss seinen späteren Angaben gerade auf dem Bombenanschlag
von Januar (...) beruht hätten. Demnach wäre sehr wohl zu erwarten ge-
wesen, dass er bereits bei der BzP den persönlichen Bezug zum Mord an
F. hergestellt hätte, anstatt bloss allgemein zu erwähnen, eine Person, die
mit ihm 2008 festgenommen worden sei, sei umgebracht worden (vgl. A5
Ziff. 7.02 S. 8). Dies umso mehr, als er ja auf demselben Motorrad geses-
sen habe und selbst angeschossen worden sei. Zu Recht und mit zutref-
fender Begründung verweist das SEM auf die Untauglichkeit des bereits
erstinstanzlich eingereichten Zeitungsberichts. Nicht ersichtlich ist auch,
weshalb im Bericht von nur einer Person die Rede sein sollte, wäre der
Beschwerdeführer ebenfalls auf dem Motorrad gewesen und getroffen wor-
den.
Der Beschwerdeführer vermag insgesamt weder die geltend gemachte
Verdächtigung seitens der sri-lankischen Behörden, er habe mit der Bom-
benexplosion vom (...) 2008 etwas zu tun noch die damit zusammenhän-
gende Haft glaubhaft zu machen. Ebenfalls unglaubhaft bleibt, dass er, zu-
sammen mit F., anfangs (...) 2008 Opfer eines Anschlags geworden sei.
Damit ist grundsätzlich seinen Vorbringen rund um die Schutzgewährung
seitens der EPDP sowie der diesbezüglichen späteren Verfolgung bereits
die Grundlage entzogen. Zu Recht verweist das SEM aber auch diesbe-
züglich auf nicht miteinander zu vereinbarende Aussagen.
4.3.2 Schliesslich verneinte die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung
auch zu Recht das Vorliegen allfälliger Risikofaktoren im Hinblick auf die
Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri Lanka (vgl. Urteil des Bundes-
verwaltungsgerichtes E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 [als Referenzurteil
publiziert], E. 8.4) beziehungsweise eine im heutigen Zeitpunkt begründete
Furcht vor künftiger Verfolgung. Der Beschwerdeführer selbst hatte nicht
geltend gemacht, vor seiner Ausreise je im Zusammenhang mit seiner Hilfe
für die LTTE in den Jahren (...) und (...) in den Fokus geraten zu sein (vgl.
A14 F178) und die geltend gemachten Vorfälle ab dem Jahr 2008 sind, wie
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erwogen, nicht glaubhaft. Bezeichnenderweise war es ihm auch möglich,
mit seinem eigenen Pass über den Flughafen Colombo auszureisen. Damit
ist insgesamt nicht davon auszugehen, der Beschwerdeführer sei bei einer
heutigen Rückkehr nach Sri Lanka in flüchtlingsrelevanter Weise gefähr-
det, insbesondere, weil er verdächtigt würde, den tamilischen Separatis-
mus wieder aufleben lassen zu wollen. Sein inzwischen rund (...)jähriger
Aufenthalt in der Schweiz ändert daran nichts. Im Übrigen ist auch das Vor-
bringen des Beschwerdeführers, sein ältester Sohn sei nach seiner Aus-
reise zu seinem Aufenthaltsort befragt und mit dem Tod bedroht worden,
nicht geeignet, eine in naher Zukunft drohende flüchtlingsrechtlich rele-
vante Gefährdung des Beschwerdeführers überwiegend wahrscheinlich
scheinen zu lassen. Zum einen sind die entsprechenden Vorbringen an-
lässlich der Anhörung mehrheitlich pauschal ausgefallen (vgl. A14 F36ff.),
auch wenn durchaus Emotionen des Beschwerdeführers aus dem Proto-
koll hervorgehen, dort wo er erzählt, sein ältester Sohn habe deswegen
seine Prüfungen nicht ablegen können (vgl. ebd. F182). Des Weiteren wird
nirgends geltend gemacht, die zahlreichen übrigen Familienangehörigen –
darunter die beiden weiteren Söhne des Beschwerdeführers und seine
Ehefrau – seien in irgendeiner Weise nach ihm befragt oder gar bedroht
worden, obwohl sie nach wie vor am Familienwohnsitz lebten.
Zu Recht kommt das SEM schliesslich zum Schluss, der Machtwechsel in
Sri Lanka von Ende letztem Jahr, ändere an dieser Einschätzung nicht.
Das Bundesverwaltungsgericht beobachtet die Entwicklungen aufmerk-
sam und berücksichtigt sie bei der Entscheidfindung. Zwar ist beim derzei-
tigen Kenntnisstand durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Ge-
fährdungslage für Personen, die bestimmte Risikofaktoren erfüllen, auszu-
gehen (vgl. Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015,
Human Rights Watch [HRW], Sri Lanka: Families of "Disappeard" Threate-
ned, 16.02.2020). Dennoch gibt es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund
zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölke-
rungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter
diesen Umständen ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug
der asylsuchenden Personen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November
2019 respektive deren Folgen besteht. Die vom Beschwerdeführer geäus-
serte Angst, ist zwar aufgrund des erlebten Bürgerkrieges und nicht zuletzt
aufgrund dessen, dass er (...) und (...) – wie dies im Übrigen für zahlreiche
Personen tamilischer Ethnie aus dem Norden Sri Lankas der Fall war – für
die LTTE gearbeitet hat subjektiv nachvollziehbar. Angesichts des zuvor
dargelegten Profils, insbesondere dem fehlenden politischen Konnex, ist
jedoch nicht mit der notwendigen Wahrscheinlichkeit davon auszugehen,
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dass sich für ihn persönlich die Gefahr einer asylrelevanten Verfolgung er-
höht.
4.4 Dem Beschwerdeführer ist es aufgrund des Gesagten nicht gelungen,
die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nachzuweisen oder glaub-
haft zu machen. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
Die Vorbringen in der Beschwerde vermögen an dieser Einschätzung
nichts zu ändern.
5.
5.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
5.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet
(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
6.
6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
6.2 Der Wegweisungsvollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Ver-
pflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Aus-
länders in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen
(Art. 83 Abs. 3 AIG).
Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, sind das
flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkom-
mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Voll-
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zuges beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- und völ-
kerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkom-
mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un-
menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105];
Art. 3 EMRK). Gemäss Praxis des EGMR sowie jener des UN-Anti-Folter-
ausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real
risk») nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rück-
schiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl.
EGMR, Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr.
37201/06, §§ 124–127 m.w.H.).
Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka für sich allein lässt
den Wegweisungsvollzug nach konstanter Rechtsprechung des Bundes-
verwaltungsgerichts nicht als unzulässig erscheinen. Auch der EGMR hatte
sich wiederholt mit der Gefährdungssituation für Tamilen auseinanderge-
setzt, die aus einem europäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müs-
sen (vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013,
Beschwerde Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien, Urteil vom
31. Mai 2011, Beschwerde Nr. 41178/08; T.N. gegen Dänemark, Urteil vom
20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 20594/08; P.K. gegen Dänemark, Urteil
vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08; N.A. gegen Grossbritan-
nien, Urteil vom 17. Juli 2008, Beschwerde Nr. 25904/07). Dabei unter-
streicht der Gerichtshof, dass nicht in genereller Weise davon auszugehen
sei, zurückkehrenden Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung.
Vielmehr müssten im Rahmen der Beurteilung, ob Betroffene ernsthafte
Gründe für die Befürchtung ihrer Festnahme und Befragung vorbringen
können, verschiedene Aspekte beziehungsweise persönliche Risikofakto-
ren in Betracht gezogen werden (vgl. EGMR, T.N. gegen Dänemark,
a.a.O., § 94; EGMR, E.G. gegen Grossbritannien, a.a.O., § 13 und 69 so-
wie das bereits erwähnte Referenzurteil des BVGer E-1866/2015).
Nachdem der Beschwerdeführer nicht darlegen konnte, dass er bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka befürchten müsste, die Aufmerksamkeit der sri-
lankischen Behörden in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmass auf
sich zu ziehen (vgl. E. 4), bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, ihm
würde aus demselben Grund eine menschenrechtswidrige Behandlung in
seinem Heimatstaat drohen. Alleine aus seiner tamilischen Ethnie und dem
Umstand, dass er nach inzwischen (...)jähriger Landesabwesenheit aus
der Schweiz nach Sri Lanka zurückkehrt, ergibt sich auch bei einer heuti-
gen Rückkehr – über einen sogenannten Backgroundcheck (Befragungen,
Überprüfungen von Auslandaufenthalten, Tätigkeiten in Sri Lanka und im
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Ausland) hinaus – keine ernsthafte Gefahr von Folter oder unmenschlicher
Behandlung. Daran vermögen der Regierungswechsel vom Novem-
ber 2019 sowie die seither veränderte Lage in Sri Lanka nichts zu ändern
(vgl. statt vieler Urteil des BVGer E-6774/2019 vom 22. April 2020 E. 8.2.3).
Soweit in der Beschwerde dann auf die Anschläge islamischer Extremisten
im Frühjahr 2019 verwiesen wird und die entsprechenden Folgen, insbe-
sondere die muslimische Minderheit, ist nicht klar, was der Beschwerde-
führer als Angehöriger der (...) Religion daraus ableiten will. Ein "real risk"
im hier massgeblichen Sinne ergibt sich daraus jedenfalls nicht.
Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers erweist sich demzu-
folge als zulässig.
6.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
6.3.1 Im bereits zitierten Referenzurteil E-1866/2015 hat das Bundesver-
waltungsgericht seine bisherige Rechtsprechung (vgl. BVGE 2011/24) be-
stätigt, wonach der Wegweisungsvollzug in die Ost- und Nordprovinz zu-
mutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien
(insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Bezie-
hungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und
Wohnsituation) bejaht werden kann.
6.3.2 Der Beschwerdeführer stammt aus dem Distrikt G._, Nord-
provinz, wohin der Vollzug grundsätzlich zumutbar ist. Wie das SEM zu
Recht ausführt, verfügt er dort über ein tragfähiges Beziehungsnetz, weist
Berufserfahrung in verschiedenen Bereichen auf und stammt aus einem
eher wohlhabenden familiären Umfeld. Überdies machte er keine gesund-
heitlichen Probleme in einem Ausmass geltend, dass sie gegen seine
Rückkehr nach Sri Lanka sprechen könnten. Schliesslich stehen auch –
entgegen der Ansicht in der Beschwerdeschrift – unter diesem Aspekt we-
der die Osteranschläge noch der Regierungswechsel im letzten Jahr und
die bisherige Folgen der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs entge-
gen.
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Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit insgesamt auch als zumut-
bar.
6.4 Der Vollzug ist schliesslich auch möglich (Art. 83 Abs. 2 AIG). Der Be-
schwerdeführer hat seine sri-lankische Identitätskarte zu den Akten gege-
ben, weshalb auch in technischer Hinsicht kein Wegweisungsvollzugshin-
dernis ersichtlich ist. Ohnehin obliegt es ihm, sich bei der zuständigen Ver-
tretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reisedoku-
mente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12).
6.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist (Art. 49 Bst. c VwVG). Es erübrigt sich, auf
den weiteren Inhalt der Beschwerde näher einzugehen. Die Beschwerde
ist abzuweisen.
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich
dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1
VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]). Da seine Rechtsbegehren jedoch nicht von vornherein als
aussichtslos betrachtet werden können und aufgrund der diversen Unter-
lagen hinsichtlich seiner finanziellen Verhältnisse (vgl. Beilage 3 der Be-
schwerde) von seiner Bedürftigkeit auszugehen ist, ist das Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG
gutzuheissen. Es sind somit keine Verfahrenskosten zu erheben.
8.2 Demgemäss ist auch das Gesuch um Beiordnung einer amtlichen
Rechtsbeiständin gestützt auf aArt. 110a Abs. 1 gutzuheissen. Die bevoll-
mächtige Rechtsvertreterin lic. iur. Isabelle Müller erfüllt die Anforderungen
von aArt. 110a Abs. 3 AsylG. Die Rechtsvertreterin macht in der Beschwer-
deschrift einen zeitlichen Vertretungsaufwand von insgesamt 6 Stunden
geltend (vgl. Ziff. 6.5 der Beschwerde), was als angemessen einzuschät-
zen ist. Allerdings ist der geforderte Stundenansatz von Fr. 180.– auf
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Fr. 150.– zu reduzieren (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Die in der
Beschwerde ausgewiesene Spesenpauschale von Fr. 54.– erscheint dem
vorliegenden Verfahren als überhöht, zumal nur die notwendigen und ver-
hältnismässig hohen Kosten zu entschädigen sind (Art. 64 Abs. 1 VwVG
i.V.m. Art 7 ff. VGKE). Die Entschädigung für die Auslagen ist somit mit
Fr. 25.– zu veranschlagen. Entsprechend ist das Honorar der amtlich ein-
gesetzten Rechtsvertreterin auf insgesamt Fr. 996.– (inkl. Mehrwertsteuer-
zuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) festzusetzen. Dieser
Betrag ist durch die Gerichtskasse zu vergüten.
(Dispositiv nächste Seite)
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