Decision ID: 814875c9-de2b-5321-948c-f475a8c65d27
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger, wurde im
Jahr 1990 in der Schweiz geboren und war im Besitze einer Niederlas-
sungsbewilligung.
B.
Bereits in seiner Jugend wurde der Beschwerdeführer straffällig und wegen
Erpressung und Drohung während sechs Monaten in einem Jugendheim
untergebracht. Als junger Erwachsener trat er seit dem Jahr 2008 wieder-
holt strafrechtlich in Erscheinung wegen Widerhandlungen gegen das
Strassenverkehrs-, Betäubungsmittel- und Waffengesetz sowie wegen An-
griff, Diebstahl, Raufhandel, einfacher Körperverletzung, Sachbeschädi-
gung und Drohung. Mit Urteil des Obergerichts des Kantons B._
vom 28. August 2015 wurde er schlussendlich wegen schwerer Körperver-
letzung zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt.
C.
Am 9. Juni 2016 verfügte das Amt für Justizvollzug des Kantons B._
die bedingte Entlassung mit Bewährungshilfe des sich seit dem 23. Januar
2015 im Strafvollzug befindenden Beschwerdeführers, unter Ansetzung ei-
ner Probezeit von 518 Tagen (bis zum 16. Dezember 2017).
D.
Mit Verfügung vom 14. Dezember 2016 widerrief das Amt für Migration und
Personenstand des Kantons C._ (nachfolgend: Migrationsamt) die
Niederlassungsbewilligung und wies den Beschwerdeführer aus der
Schweiz weg. Dieser Entscheid wurde mit Urteil des Bundesgerichts
2C_787/2018 vom 11. März 2019 letztinstanzlich bestätigt.
E.
Während der Dauer des Verfahrens betreffend Widerruf der Niederlas-
sungsbewilligung und Wegweisung heiratete der Beschwerdeführer am
21. April 2017 eine Schweizer Staatsangehörige sri-lankischer Herkunft.
Am (...) 2018 kam die gemeinsame Tochter zur Welt. Mit Eingabe vom
25. September 2018 ersuchte der Beschwerdeführer im Rahmen eines Fa-
miliennachzugsverfahrens um Aufenthalt und Verbleib bei seiner Familie.
Das Migrationsamt trat am 25. Oktober 2018 auf das Gesuch nicht ein.
Eine hiergegen erhobene Beschwerde blieb erfolglos. Nach rechtskräfti-
gem Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung stellte der Beschwerde-
führer am 28. März 2019 erneut ein Gesuch um Familiennachzug, welches
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von der zuständigen kantonalen Behörde mit Verfügung vom 25. April 2019
abgewiesen wurde.
F.
Ein gegen den Beschwerdeführer eröffnetes Strafverfahren betreffend Tät-
lichkeit wurde von der Staatsanwaltschaft D._ mit Verfügung vom
18. Mai 2018 eingestellt.
G.
Anlässlich seines Ausreisegesprächs am 22. Mai 2019 wurde dem Be-
schwerdeführer das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Einreiseverbot
gewährt. Am 10. Juli 2019 reiste er aus der Schweiz nach Sri Lanka aus.
H.
Mit Verfügung vom 3. Juli 2019 (eröffnet am 9. Juli 2019) verhängte die
Vorinstanz ein neunjähriges Einreiseverbot für die Schweiz und Liechten-
stein (gültig ab 10. Juli 2019 bis 9. Juli 2028) und ordnete dessen Aus-
schreibung im Schengener-Informationssystem (SIS) an. Einer allfälligen
Beschwerde entzog sie die aufschiebende Wirkung.
I.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
30. Juli 2019 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte
die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung. Eventualiter sei das Einrei-
severbot in seiner Dauer angemessen zu kürzen. Subeventualiter sei die
Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
J.
Die Vorinstanz liess sich mit Eingabe vom 24. Oktober 2019 vernehmen.
Replizierend legte der Beschwerdeführer am 22. November 2019 einen Ar-
tikel der NZZ vom 17. November 2019 mit dem Titel «In Sri Lanka kehrt der
Rajapaksa-Clan an die Macht zurück» zu den Akten. Mit Eingabe vom
25. November 2019 reichte er einen Screenshot einer Instagram Story vom
Oktober 2017 nach.
K.
Die unterzeichnende Richterin hat vorliegendes Verfahren im August 2020
vom vormaligen Instruktionsrichter übernommen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Verfügungen des SEM, die ein Einreiseverbot im Sinne von Art. 67 AIG
(SR 142.20) zum Gegenstand haben, unterliegen der Beschwerde an das
Bundesverwaltungsgericht (Art. 112 Abs. 1 AIG i.V.m. Art. 31 ff. VGG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (Art. 48 ff. VwVG).
1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Sache
endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49
VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdeverfahren
das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG
nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann eine Be-
schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheis-
sen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeit-
punkt des Entscheids (BVGE 2014/1 E. 2).
3.
Nach Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG kann ein Einreiseverbot gegenüber Auslän-
derinnen und Ausländern verfügt werden, die gegen die öffentliche Sicher-
heit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen haben oder
diese gefährden. Das Einreiseverbot wird für eine Dauer von höchstens
fünf Jahren verfügt. Es kann für eine längere Dauer verfügt werden, wenn
die betroffene Person eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Si-
cherheit und Ordnung darstellt (Art. 67 Abs. 3 AIG). Aus humanitären
oder anderen wichtigen Gründen kann ausnahmsweise von der Verhän-
gung eines Einreiseverbots abgesehen oder ein Einreiseverbot vollständig
oder vorübergehend aufgehoben werden (Art. 67 Abs. 5 AIG).
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4.
4.1 Die Vorinstanz begründet die Verhängung des Einreiseverbots gegen
den Beschwerdeführer mit seiner wiederholten, bereits im Jugendalter be-
gonnen Delinquenz und der damit einhergehenden ernsthaften Gefähr-
dung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Sein Verhalten, insbeson-
dere die Verletzung besonders hochwertiger Rechtsgüter wie Leib und Le-
ben, lasse auf eine ausgeprägte Geringschätzung gegenüber der schwei-
zerischen Rechtsordnung schliessen. Das Wohlverhalten in der engma-
schigen Betreuung während seines Aufenthalts im Strafvollzug sowie im
Verlaufe ausländerrechtlicher Verfahren werde erwartet und erlaube keine
verlässlichen Rückschlüsse auf die Bewährungsaussichten nach Ablauf
dieser Zeit. Erschwerend komme hinzu, dass gegen den Beschwerdefüh-
rer wegen einer im Oktober 2017 begangenen Tätlichkeit Anzeige erstattet
worden sei. Auch wenn das Strafverfahren eingestellt worden sei, weise
dieser Vorfall darauf hin, dass es ihm nach wie vor schwerfalle, Konfliktsi-
tuationen angemessen zu begegnen. Mit seiner an den Tag gelegten wie-
derholten kriminellen Energie sei von einer erheblichen Rückfallgefahr aus-
zugehen. Der Beschwerdeführer stelle eine schwerwiegende Gefahr für
die öffentliche Sicherheit und Ordnung dar.
Die Dauer des Einreiseverbots sei verhältnismässig und angemessen. Die
mit der Fernhaltemassnahme zu erleidende Beschränkung seines Famili-
enlebens sei in erster Linie auf den Verlust seines Aufenthaltsrechts zu-
rückzuführen. Seine Eheschliessung sei zudem erst nach dem Widerruf
der Niederlassungsbewilligung und der Wegweisung erfolgt. Besuche in
Sri Lanka zur Pflege des Familienlebens seien grundsätzlich möglich.
Ebenfalls könne aus wichtigen Gründen eine zeitweilige Suspension der
angeordneten Fernhaltemassnahme beantragt werden. Der Beschwerde-
führer habe während längerer Zeit ausserhalb der Schweiz und dem übri-
gen Schengen-Raum zu beweisen, dass er gewillt und fähig sei, sich in
Zukunft an die geltende Rechtsordnung zu halten.
4.2 Der Beschwerdeführer bringt rechtsmittelweise vor, seine letzte Straftat
liege nunmehr über sechs Jahre zurück. Im Juli 2016 sei er aufgrund sei-
nes vorbildlichen Verhaltens bedingt aus dem Strafvollzug entlassen wor-
den. Hiernach habe er alles unternommen, um gesellschaftlich rasch wie-
der Fuss zu fassen. Er habe den Kontakt zu seinem früheren Beziehungs-
kreis abgebrochen und sich ein stabiles soziales Umfeld aufgebaut. Ab
Februar 2017 habe er bereits eine neue Stelle als Lagermitarbeiter antre-
ten können. Weiter tätige er zur Wiedergutmachung seines verübten Un-
rechts monatliche Zahlungen auf ein Wiedergutmachungskonto. Mit der
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Familiengründung sei er definitiv in seinem neuen Leben angekommen.
Dass die Vorinstanz den Vorfall vom Oktober 2017 in ihre Verfügung ein-
fliessen lasse, verstosse gegen die Unschuldsvermutung. Der Vorwurf sei
unbegründet, zumal es lediglich eine hitzige Diskussion, nicht aber eine
körperliche Auseinandersetzung gegeben habe.
Dem öffentlichen Interesse an der Fernhaltemassnahme würde bereits mit
dem Widerruf der Niederlassungsbewilligung und der Wegweisung zur Ge-
nüge Rechnung getragen. Seine privaten Interessen würden überwiegen;
er sei in der Schweiz geboren und aufgewachsen und verfüge hierzulande
über sein gesamtes familiäres und berufliches Beziehungsnetz. Die Fern-
haltemassnahme verstosse gegen das in der Bundesverfassung und der
EMRK verankerte Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens, da
er die Kindheit seiner Tochter zu einem grossen Teil verpassen würde. Sus-
pensionsgesuche brächten einen grossen bürokratischen Aufwand mit
sich. Besuche im angrenzenden Ausland seien aufgrund der Ausschrei-
bung im SIS nicht möglich. Eine Reise nach Sri Lanka erscheine aus Si-
cherheitsgründen bedenklich. Dort sei er völlig auf sich alleine gestellt. Die
tamilische Schriftsprache beherrsche er nicht. Auch sonst fehle es ihm an
Bezugspunkten zu seinem Heimatland. Er habe kaum Möglichkeiten, sich
auf dem Arbeitsmarkt durchzusetzen und den gesellschaftlichen Anschluss
zu finden.
4.3 In ihrer Vernehmlassung führt die Vorinstanz an, das Verschulden des
Beschwerdeführers wiege ausländerrechtlich schwer. Im Ausländerrecht
stehe das Interesse der öffentlichen Ordnung und Sicherheit im Vorder-
grund, woraus sich ein im Vergleich mit den Straf- und Strafvollzugsbehör-
den strengerer Beurteilungsmassstab ergebe. Bei – wie vorliegend –
schweren Straftaten müsse zum Schutz der Öffentlichkeit selbst ein gerin-
ges Restrisiko weiterer Beeinträchtigungen wesentlicher Rechtsgüter nicht
in Kauf genommen werden. In Anbetracht der massiven Straffälligkeit des
Beschwerdeführers und der betroffenen hochwertigen Rechtsgüter gehe
von ihm auch nach längerem Strafvollzug und der erst Mitte Juli 2019 er-
folgten Ausreise immer noch eine schwerwiegende Gefahr aus.
4.4 Replizierend erwidert der Beschwerdeführer, die verübten Straftaten
seien vor dem Hintergrund seiner schweren Kindheit und der schwierigen
Familiensituation während seiner Jugendzeit zu relativieren. Im Übrigen sei
eine länger als fünf Jahre andauernde Einreisesperre aus entwicklungs-
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psychologischer Sicht geeignet, die Entwicklung seiner Tochter zu gefähr-
den. Die Reise nach Sri Lanka sei seiner Ehefrau und der kleinen Tochter
unter Berücksichtigung der Reiseempfehlungen des EDA nicht zumutbar.
5.
5.1 Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann sich die
schwerwiegende Gefahr (im Sinne von Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AIG) aus
der Hochwertigkeit der deliktisch bedrohten Rechtsgüter (insb. Leib und
Leben, körperliche und sexuelle Integrität und Gesundheit), aus der Zuge-
hörigkeit der Tat zur Schwerkriminalität mit grenzüberschreitendem Cha-
rakter (z.B. Terrorismus, Menschenhandel, Drogenhandel oder organi-
sierte Kriminalität), aus der mehrfachen Begehung – unter Berücksichti-
gung einer allfälligen Zunahme der Schwere der Delikte – oder aus der
Tatsache, dass keine günstige Prognose gestellt werden kann, ergeben.
Die zu befürchtenden Delikte müssen einzeln oder in ihrer Summe das Po-
tenzial haben, eine aktuelle und schwerwiegende Gefahr zu begründen
(BGE 139 II 121 E. 6.3; BVGE 2014/20 E. 5.2, je m.H.).
5.2 Die Verneinung des Vorliegens einer schwerwiegenden Gefahr ist erst
nach einer längerfristigen Bewährung der straffällig gewordenen Person
möglich. Dabei ist für die Berechnung der Dauer des klaglosen Verhaltens
nicht auf den Begehungs- oder Urteilszeitpunkt abzustellen. Entscheidre-
levant ist vielmehr, wie lange sich die betroffene Person nach ihrer Entlas-
sung aus der Haft in Freiheit bewährt hat (vgl. BVGE 2014/20 E. 5.4 m.H.;
Urteil des BVGer F-7959/2016 vom 3. Juli 2019 E. 4.5 m.H.). Zudem muss
bei schweren Straftaten – wozu die schwere Körperverletzung gehört –
zum Schutz der Öffentlichkeit ausländerrechtlich selbst ein geringes Rest-
risiko weiterer Beeinträchtigungen der dadurch gefährdeten Rechtsgüter
(Gesundheit, Leib und Leben usw.) nicht in Kauf genommen werden (vgl.
BGE 139 I 31 E. 2.3.2 m.H.).
5.3 Im Weiteren ist zu beachten, dass Straf- und Ausländerrecht unter-
schiedliche Ziele verfolgen. Während der Strafvollzug auch der Resoziali-
sierung dient, steht für die Migrationsbehörden das Interesse der öffentli-
chen Sicherheit und Ordnung im Vordergrund. Daraus ergibt sich im Aus-
länderrecht ein im Vergleich mit den Straf- und Strafvollzugsbehörden
strengerer Beurteilungsmassstab (vgl. BGE 137 II 233 E. 5.2.2 m.H.).
5.4 Der Beschwerdeführer wurde bereits als Jugendlicher erstmals straf-
fällig. In der Folge delinquierte er in regelmässigen Abständen weiter, wo-
bei seine Straftaten immer gravierender wurden. Schliesslich erwirkte er
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am 28. August 2015 eine Verurteilung zu vier Jahren und drei Monaten
Freiheitsstrafe wegen schwerer Körperverletzung, begangen im Juli 2013
im Alter von 23 Jahren. Seine deliktische Entwicklung erstreckte sich über
acht Jahre und war geprägt von immer schwereren, gegen höchstwertige
Rechtsgüter gerichtete Straftaten. Weder seine Vorstrafen noch die Probe-
zeiten hinderten ihn an der Begehung von weiteren Taten, weshalb von
einer schwerwiegenden Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung
im Sinne von Art. 67 Abs. 3 AIG auszugehen ist. Diese Gefahrenprognose
ergibt sich auch aus dem Strafurteil des Obergerichts des Kantons
B._ vom 28. August 2015, welches hinsichtlich der Schwere seines
Verschuldens negativ wertete, dass er bereits mehrfach vorbestraft war
und die bisherigen Strafen ihn völlig unbeeindruckt liessen (kant. act.
S. 163 ff.). Er wurde zwar am 26. Juli 2016 vorzeitig aus dem Strafvollzug
entlassen und ist nicht mehr strafrechtlich in Erscheinung getreten. Aller-
dings wird dadurch die Gefahrenprognose nicht entscheidend zu seinen
Gunsten beeinflusst. Zum einen lässt die gute Führung während des eng-
maschig betreuten und überwachten Straf- bzw. Massnahmenvollzugs
keine verlässlichen Schlüsse auf das Verhalten in Freiheit zu (vgl. BGE 137
II 233 E. 5.2.2). Zum anderen erscheint die seit der Entlassung vergangene
Zeit angesichts seines schwer belasteten Vorlebens als zu kurz, als dass
von einer grundsätzlichen persönlichen Wandlung ausgegangen werden
könnte. Bei Gewaltdelikten, wie der Beschwerdeführer sie begangen hat,
muss selbst ein geringes Restrisiko eines Rückfalls nicht in Kauf genom-
men werden (vgl. BGE 139 I 31 E. 2.3.2). Er stand nach seiner bedingten
Entlassung zudem unter dem Druck der Rückversetzung in den Strafvoll-
zug sowie des Verfahrens auf Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung.
Entgegen der Ansicht der Vorinstanz ist hingegen das mittels Einstellungs-
verfügung vom 18. Mai 2018 abgeschlossene Strafverfahren nicht zu be-
rücksichtigen. In einer Gesamtwürdigung ist dennoch davon auszugehen,
dass aus ausländerrechtlicher Sicht zum jetzigen Zeitpunkt noch immer
keine positive Prognose gestellt werden kann und vom Beschwerdeführer
eine schwerwiegende Gefahr in Bezug auf zukünftige Verletzungen der öf-
fentlichen Sicherheit und Ordnung ausgeht. Demzufolge kann ihm gegen-
über gestützt auf Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AIG ein über fünf Jahre dau-
erndes Einreiseverbot erlassen werden. Die Vorinstanz ist somit zu Recht
davon ausgegangen, vorliegend rechtfertige sich eine lang andauernde
Fernhaltemassnahme.
6.
6.1 Den Entscheid darüber, ob ein Einreiseverbot anzuordnen und wie es
zeitlich auszugestalten ist, legt Art. 67 Abs. 2 AIG in das pflichtgemässe
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Seite 9
Ermessen der Behörde. Zentrale Bedeutung kommt dabei dem Grundsatz
der Verhältnismässigkeit zu, der eine wertende Abwägung zwischen den
berührten privaten und öffentlichen Interessen verlangt. Ausgangspunkt
der Überlegungen bilden die Stellung der verletzten oder gefährdeten
Rechtsgüter, die Besonderheiten des ordnungswidrigen Verhaltens und die
persönlichen Verhältnisse der betroffenen ausländischen Person (Art. 96
AIG; ferner statt vieler HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, 8. Aufl. 2020,
Rz. 555 ff.).
6.2 Das Einreiseverbot soll in seiner spezialpräventiven Wirkung weitere
Straftaten des Beschwerdeführers in der Schweiz sowie im Schengen-
Raum verhindern und ihn dazu anhalten, bei einer allfälligen künftigen Wie-
dereinreise keine weiteren Verstösse gegen die öffentliche Ordnung und
Sicherheit zu begehen. In generalpräventiver Hinsicht soll die öffentliche
Sicherheit und Ordnung durch eine konsequente Massnahmenpraxis ge-
schützt werden (vgl. BVGE 2014/20 E. 8.2 m.H.). Angesichts dessen sowie
der vom Beschwerdeführer ausgehenden schwerwiegenden Gefahr für die
öffentliche Sicherheit und Ordnung in einem besonders sensiblen Bereich
ist nach wie vor von einem erheblichen öffentlichen Fernhalteinteresse
auszugehen.
6.3 Den öffentlichen Interessen sind die privaten Interessen des Beschwer-
deführers gegenüber zu stellen. Dieser macht geltend, in der Schweiz eine
Ehefrau und eine gemeinsame Tochter zu haben, die beide die Schweizer
Staatsbürgerschaft besitzen würden. Wohl liegt damit ein schützenswertes
Familienleben im Sinne von Art. 8 EMRK vor, die Verhältnismässigkeit der
Massnahme wird dadurch jedoch nicht in Frage gestellt, wäre doch an-
sonsten das Instrument des Einreiseverbots gegenüber allen Personen mit
Angehörigen in der Schweiz per se unzulässig (vgl. Urteil des BGer
2C_270/2015 vom 6. August 2015 E. 8.2). Die Kinderrechtskonvention
räumt keine weitergehenden Rechte ein. Eine erneute Wohnsitznahme in
der Schweiz wie auch die Pflege regelmässiger Kontakte zu in der Schweiz
wohnhaften Personen scheitert sodann am fehlenden Aufenthaltsrecht
hierzulande. Der Beschwerdeführer trägt die alleinige Verantwortung für
den zurzeit nur eingeschränkt möglichen Kontakt zu seiner Familie. Die
Ehe wurde zudem im Wissen der begangenen Delikte und der damit zu-
sammenhängenden unsicheren aufenthaltsrechtlichen Situation geschlos-
sen. Auch bei der darauffolgenden Familienplanung haben die Eheleute
damit rechnen müssen, dass ein Familienleben in der Schweiz – vor allem
wegen der langjährigen Straffälligkeit des Beschwerdeführers – nicht mög-
lich sein wird. Die Ehefrau und die Tochter können ihn sodann in Sri Lanka
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besuchen und der Kontakt zur Familie kann auch über moderne Kommu-
nikationsmittel aufrecht erhalten werden. Damit ist ein gewisses Mass an
Familienleben gewährleistet, bei dem auch das Kindeswohl gebührend be-
rücksichtigt wird (vgl. Urteil des BVGer F-4301/2018 vom 24. Mai 2019
E. 7.6 m.H.).
Der Beschwerdeführer hielt sich insgesamt über 29 Jahre in der Schweiz
auf. Enge Bindungen zur Schweiz können ihm deshalb nicht abgesprochen
werden. Trotz seines langen Aufenthalts in der Schweiz ist es ihm jedoch
weder als Jugendlicher noch als Erwachsener gelungen, die schweizeri-
sche Rechtsordnung nachhaltig zu respektieren. Er mag zwar beruflich in-
tegriert gewesen sein (gemäss seinen eigenen Aussagen hat er eine Lehre
als Logistiker abgeschlossen und arbeitete nach seiner Haftentlassung als
Lagermitarbeiter) und verfügt hierzulande über sein gesamtes soziales
Umfeld, dennoch vermochte ihn die Präsenz der nächsten Angehörigen
nicht davon abzuhalten, immer wieder straffällig zu werden. Im Übrigen
dürften ihm seine in der Schweiz erworbenen beruflichen Fähigkeiten so-
wie die mündlichen Kenntnisse seiner Muttersprache bei der beruflichen
und gesellschaftlichen Integration in seinem Heimatland von Nutzen sein.
6.4 Eine wertende Abwägung der sich gegenüberstehenden Interessen
führt insgesamt zum Ergebnis, dass die öffentlichen Interessen die privaten
Interessen des Beschwerdeführers überwiegen. Das auf neun Jahre be-
fristete Einreiseverbot stellt dem Grundsatz nach und in Bezug auf seine
Dauer eine verhältnismässige und angemessene Massnahme zum Schutz
der öffentlichen Sicherheit und Ordnung dar. Diese Schlussfolgerung er-
weist sich auch unter Berücksichtigung der Praxis in ähnlich gelagerten
Fällen als verhältnismässig. Das Bundesverwaltungsgericht stützte bei-
spielsweise gegenüber einem nordmazedonischen Staatsangehörigen,
der (nach Vorstrafen) u.a. wegen schwerer Körperverletzung und räuberi-
scher Erpressung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt worden
war, ein Einreiseverbot von gar zehn Jahren, obwohl dieser sich seit 20
Jahren in der Schweiz aufhielt und hier eine Frau und zwei minderjährige
Kinder hatte (Urteil des BVGer C-960/2014 vom 15. Oktober 2014). Des-
gleichen bestätigte es ein zehnjähriges Einreiseverbot gegenüber einem
türkischen Staatsangehörigen, der (nach Vorstrafen) u.a. wegen Körper-
verletzung, Tätlichkeit und Drohung zu einer Freiheitsstrafe von zweiein-
halb Jahren verurteilt worden war, obwohl dieser seit 17 Jahren in der
Schweiz lebte und hier nebst Eltern und Geschwistern eine Tochter hatte
(Urteil des BVGer C-4713/2012 vom 23. Dezember 2014). Der Vollständig-
keit halber bleibt anzumerken, dass das in der Beschwerde zitierte Urteil
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F-2302/2016 vom 8. Mai 2017 von Vornerhein nicht zum Vergleich beige-
zogen werden kann, da die dort verübten Straftaten andere Rechtsgüter
tangierten.
7.
Wird gegen eine Person, die nicht die Staatsangehörigkeit eines Mitglied-
staats der Europäischen Union oder der Europäischen Freihandelsassozi-
ation besitzt, ein Einreiseverbot verhängt, so wird sie nach Massgabe der
Bedeutung des Falles im SIS zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben
(vgl. Art. 21 und 24 der Verordnung [EG] Nr. 1987/2006 vom 20. Dezember
2006 über die Einrichtung, den Betrieb und die Nutzung des Schengener
Informationssystems der zweiten Generation [SIS-II], Abl. L 381/4 vom
28.12.2006; Art. 21 der N-SIS-Verordnung vom 8. März 2013 [SR 362.0]).
Der Beschwerdeführer ist nicht Staatsangehöriger eines EU- oder EFTA-
Staates und verfügt über keine Aufenthaltsbewilligung in einem solchen
Staat. Seine Ausschreibung im SIS ist nicht zu beanstanden. Mit Verweis
auf die vorangegangenen Ausführungen ist ein überwiegendes öffentliches
Interesse nicht nur der Schweiz, sondern sämtlicher Schengen-Staaten an
der längerfristigen Fernhaltung des Beschwerdeführers gegeben. Es bleibt
den Schengen-Staaten unbenommen, dem Beschwerdeführer bei Vorlie-
gen besonderer Gründe die Einreise in ihr Hoheitsgebiet zu gestatten.
8.
Die angefochtene Verfügung ist als rechtmässig im Sinne von Art. 49
VwVG zu bestätigen. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen und auf Fr. 1'200.– festzusetzen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG
i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Sie sind durch den in gleicher Höhe geleisteten Kosten-
vorschuss gedeckt.
(Dispositiv nächste Seite)
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