Decision ID: 731f7c8c-e925-5647-820b-8d93549429b6
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die aus E._ stammenden Beschwerdeführenden verliessen ih-
ren Heimatstaat am (...) respektive (...) September 2017. Die Beschwer-
deführenden 1 und 4 seien wegen ihnen auferlegter Reiseverbote mit Hilfe
eines Schleppers illegal auf dem Landweg nach Istanbul gelangt, während
die Beschwerdeführerinnen 2 und 3 regulär nach Istanbul geflogen seien.
Von dort seien sie alle gemeinsam am (...) September 2017 via Athen nach
Genf gelangt, wo sie am 2. Oktober 2017 um Asyl nachsuchten.
A.b Der Beschwerdeführer 1 (Ehemann/Vater) gab an seiner Befragung
zur Person (BzP) vom 9. Oktober 2017 an, bis zu seiner Ausreise aus dem
Iran als (...) gearbeitet zu haben. Als Gründe für seine Ausreise führte er
aus, am 22. Februar 2014 sei ein durch ihn verfasster Artikel in der Zeitung
(...) veröffentlicht worden, in welchem er den neuen Gouverneur der Pro-
vinz F._ kritisiert habe. In der Folge sei er angezeigt und zu einer
(...)jährigen Haftstrafe verurteilt worden. Der dagegen erhobene Rekurs
sei zwar abgelehnt worden, seine Haftstrafe sei aber für (...) Jahre zur Be-
währung ausgesetzt worden. Er sei Mitglied der Partei Eradeye Melat Iran
gewesen. Einmal wöchentlich hätten sich Mitglieder seiner Partei sowie
zwei weiterer Parteien in seinem Büro getroffen. Der iranische Geheim-
dienst habe solche Versammlungen nicht gerne gesehen und so sei er ei-
nes Tages von diesem befragt sowie dazu angehalten worden, keine sol-
chen Versammlungen mehr zu organisieren. Daraufhin habe er dies zwar
unterlassen, sei aber an zwei anderen Aktionen beteiligt gewesen. Einer-
seits sei er in E._ und in G._ für eine illegale Organisation
der Qashqai namens Ojagh aktiv gewesen, welche zum Ziel gehabt habe,
die Sprache dieser Ethnie an den Schulen zu lehren. Andererseits habe er
in den Jahren 2016 und 2017 Kurse organisiert, anlässlich welcher er die
Teilnehmenden über Menschenrechte, über die UNO-Pakte I und II sowie
über Minderheitenrechte gelehrt habe.
Er habe sich am (...) Juli 2017 mit seinem Sohn in H._ aufgehalten,
als ihn seine Ehefrau angerufen und darüber informiert habe, dass Beamte
mit einem Haftbefehl gegen ihn und den Sohn wegen regierungsfeindlicher
Propaganda sowie wegen der Gefahr der nationalen Sicherheit zu Hause
aufgetaucht seien und seine Sachen konfisziert hätten. Im Falle einer Ver-
haftung hätte ihm eine zehnjährige Haftstrafe gedroht, weshalb er und sein
Sohn nicht nach Hause zurückgekehrt, sondern bis zu ihrer Ausreise bei
Freunden untergekommen seien. Die Behörden hätten in der Folge seine
Konten eingefroren.
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A.c Die Beschwerdeführerin 2 (Ehefrau/Mutter) gab an der BzP vom 9. Ok-
tober 2017 als Ausreisegrund an, ihr Ehemann und ihr Sohn hätten sich
politisch betätigt und sich für Menschenrechte eingesetzt. Sie wisse nur,
dass sie Versammlungen organisiert hätten, kenne die Details aber nicht.
Eines Tages, als sie alleine zu Hause gewesen sei, hätten vier Männer in
Zivil ihr Haus durchsucht, weil sie ihren Ehemann und ihren Sohn hätten
verhaften wollen. Sie hätten ihr einen Haftbefehl gezeigt und ihr mitgeteilt,
dass ihrem Ehemann und ihrem Sohn Propaganda gegen das Regime und
Aktivitäten gegen die nationale Sicherheit vorgeworden werde. Die Beam-
ten hätten sich zwar ruhig und höflich verhalten, aber sie habe trotzdem
Angst gehabt und sich gestresst gefühlt. Sie hätten schliesslich Bücher,
CDs und Computer konfisziert und ihr eine Adresse des Ettelaat angege-
ben, an welchen sie sich wenden solle, wenn sie neue Informationen be-
komme. Danach habe sie ihren Ehemann über die Geschehnisse infor-
miert, woraufhin er und der gemeinsame Sohn nicht mehr nach Hause zu-
rückgekehrt seien. In den folgenden Tagen sei weitere Male nach dem Ehe-
mann gesucht worden, sowohl zu Hause als auch in seinem Büro, und ihm
sei die Zulassung als (...) entzogen worden. Sie selber habe keine persön-
lichen Probleme mit den heimatlichen Behörden gehabt.
A.d An der BzP vom 16. Oktober 2017 trug die Beschwerdeführerin 3 vor,
sie habe ihren Heimatstaat wegen der Aktivitäten ihres Vaters sowie ihres
Bruders verlassen. Sie selber habe keine persönlichen Probleme mit den
heimatlichen Behörden gehabt.
A.e Der Beschwerdeführer 4 gab anlässlich seiner BzP vom 10. Oktober
2017 zu Protokoll, er habe mit seiner Familie seinen Heimatstaat verlas-
sen, weil er gemeinsam mit seinem Vater Versammlungen organisiert
habe, an welchen sie über Menschenrechte gelehrt hätten. Aus diesem
Grund seien sie zur Verhaftung ausgeschrieben gewesen, hätten sich bei
der geplanten Festnahme aber in H._ aufgehalten. Sie hätten des-
halb sogleich ihre Ausreise organisiert.
B.
B.a Anlässlich der Anhörung zu den Asylgründen vom 22. Oktober 2019
erklärte der Beschwerdeführer 1, er sei von 1993 bis 2016 als Reformist
aktiv gewesen. Im Jahr 2008 sei seine Kandidatur für das Parlament in
I._ abgelehnt worden, weil er in den Tagen vor den Wahlen
regierungskritische Vorträge gehalten habe. In der Folge seien alle seine
Kandidaturen abgelehnt worden, und während der Präsidentschaft von
Ahmadinejad bis im Jahr 2013 hätten die reformistischen Parteien sowieso
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jegliche Aktivitäten unterlassen. Er habe in der Provinz F._ als Gast-
geber jeweils die Sitzungen der reformistischen Parteien in seinem Büro
abgehalten. Als Rohani zum Präsidenten gewählt worden sei, habe dieser
in seiner Provinz wider Erwarten einen Gouverneur eingesetzt, der nicht
mit den Reformisten kooperiert habe. Aufgrund dessen sei er mit drei wei-
teren Personen gewählt worden, um mit dem Gouverneur über diese Prob-
lematik zu sprechen. Trotz dessen Zusicherungen habe der Gouverneur in
der anschliessenden Pressekonferenz bekannt gegeben, lediglich mit der
Iranischen Revolutionsgarde zusammenarbeiten zu wollen. Er (Beschwer-
deführer) habe in der Folge in einem Zeitungsartikel die Regierung kritisiert
und geschrieben, der Gouverneur achte nicht auf die Stimme der Bevölke-
rung, sondern versuche lediglich seine Machtstellung zu erhalten. Der
Gouverneur habe deswegen im März 2014 Anzeige gegen ihn erstattet,
weshalb er im August 2014 von einem Gericht zu einer (...)jährigen Haft-
strafe verurteilt worden sei, gegen das er aber Berufung eingelegt habe.
Das Berufungsgericht habe zwar das Urteil bestätigt, aber seine Haftstrafe
für (...) Jahre auf Bewährung aufgeschoben. Es seien weder ihm selbst
noch seinem Anwalt Gerichtsdokumente ausgehändigt worden, vielmehr
habe nur sein Anwalt das Urteil vor Gericht anschauen und Notizen davon
erstellen können. Wegen der in seinem Büro abgehaltenen Sitzungen sei
er eines Tages vom Ettelaat vorgeladen und während eines ganzen Tages
befragt worden. Zum Schluss habe er eine schriftliche Verpflichtung unter-
zeichnen müssen, dass er in seinem Büro keine Reformistensitzungen
mehr durchführen werde. Er habe sich infolgedessen für eine gewisse Zeit
von politischen Aktivitäten distanziert, sei nach einer Weile aber zum
Schluss gekommen, er wolle sich weiterhin mit Menschenrechten beschäf-
tigen und diese lehren. Er habe hierzu eine Lehrmethode erfunden und
gemeinsam mit seinem Sohn entsprechende Kurse durchgeführt. Eines
Tages, als er und sein Sohn sich gerade in H._ aufgehalten hätten,
hätten Beamte der Revolutionsgarde sie zu Hause verhaften wollen. Es sei
ihnen Propaganda gegen das System und Handlung gegen die nationale
Sicherheit vorgeworfen worden. Weil er wegen seiner früheren Strafe noch
auf Bewährung gewesen sei, habe er seinen Heimatstaat verlassen. Den
genauen Grund für diese Verfolgungsmassnahme kenne er nicht. Er habe
sich neben seinen politischen und rechtlichen Aktivitäten auch für kulturelle
und gesellschaftliche Angelegenheiten der Ethnie Qashqai, der er selber
auch angehöre, eingesetzt; bisher habe er deswegen aber keine Probleme
gehabt. Abschliessend gab er zu Protokoll, er glaube sie seien auf den
Radar der heimatlichen Behörden gelangt, weil sie einerseits Auslandrei-
sen unternommen hätten und andererseits bereits sein Vater im Jahr 1982
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Khosrow Khan und Naser Khan Qashqai unterstützt habe, weswegen der
Vater (...) Jahre lang inhaftiert worden sei.
Zur Untermauerung seiner Vorbringen legte der Beschwerdeführer meh-
rere Beweismittel ins Recht, darunter seinen Zeitungsartikel, Dokumente
betreffend seine politische Tätigkeit in der Region F._ sowie sein
Rechtsstudium, Fotos, die ihn mit hohen Politikern und Menschrechtsakti-
visten zeigen würden, und digitale Datenträger zum Beleg weiterer politi-
scher Aktivitäten.
B.b Die Beschwerdeführerin 2 führte an ihrer Anhörung zu den Asylgrün-
den im Wesentlichen aus, aufgrund der Aktivitäten ihres Ehemannes sowie
ihres Sohnes hätten Beamte unter Vorweisung eines Haftbefehls die Fami-
lienwohnung durchsucht und unter anderem Computer und Dokumente
beschlagnahmt. Eine Woche bevor sie ausgereist sei, hätten Beamte der
Sicherheitsbehörde zudem unter Vorweisung einer Bescheinigung ihr
Wohnhaus in Beschlag genommen. Sie und ihre Tochter hätten in eine
Wohnung eines Bekannten ziehen können. Die Bescheinigung sei ihr aber
nicht ausgehändigt worden, weil sie nicht als Hausbesitzerin eingetragen
gewesen sei. Einige Monate nach ihrer Ausreise seien Beamte zu den
Schwiegereltern gegangen und hätten ihnen mit Gefängnis gedroht, sollten
sie nicht mit ihnen zusammenarbeiten.
B.c Anlässlich der Anhörung der Beschwerdeführerin 3 erklärte diese, sie
habe keine eigenen Probleme gehabt, sondern wegen der Schwierigkeiten
ihres Vaters und ihres Bruders den Heimatstaat verlassen müssen. Sie sei
zwar nicht über den genauen Grund informiert worden, als sie aber im Juli
2017 von einem (...)kurs nach Hause zurückgekehrt sei, habe sie die Fa-
milienwohnung durchwühlt und die Mutter weinend vorgefunden. Es sei ihr
lediglich erklärt worden, dass ein Haftbefehl gegen ihren Vater und ihren
Bruder vorliege. Nach ungefähr einer Woche seien wiederum Beamte mit
dem Haftbefehl aufgetaucht. Für sie sei es sehr schwierig gewesen, weil
sie keine direkten Informationen bekommen habe, sondern sich alles sel-
ber habe zusammenreimen müssen. So habe sie auch erst beim (...) Kon-
sulat in H._ erfahren, dass ihre Ausreise geplant werde. Es sei eine
eigenartige Situation gewesen; einerseits sei da dieses Wiedersehens-
glück gewesen, andererseits sei ihre Mutter in Sorge gewesen und habe
mit ihren Gefühlen gekämpft. Vom Konsulat aus seien sie direkt zum Flug-
hafen gefahren. Sie habe keine besonderen Vorkehren treffen müssen, sei
von ihrer Mutter aber aufgefordert worden, sich nicht zu schminken und
sich richtig zu verschleiern. Hinsichtlich der Vergangenheit ihres Vaters er-
innere sie sich einzig noch an eine Versammlung, anlässlich welcher Herr
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Khatami nach E._ gekommen sei und sie diesem mit dem Enkel
von Mohammad Bahmanbeigi einen Blumenstrauss überreicht habe.
B.d Der Beschwerdeführende 4 machte an der Anhörung geltend, er sei in
seinem Heimatstaat Student gewesen, habe Fussball gespielt und "unpro-
fessionell" Musik gemacht, während sein Vater ihn finanziell unterstützt
habe. Er sei Mitglied der "Jugend Hasan Rohani" in E._ gewesen
und habe gemeinsam mit seinem Vater seit dem Jahr 2016 in dessen (...)
Kurse zu Menschenrechten angeboten. Dabei sei er vor allem für Adminis-
tratives verantwortlich gewesen; er habe aber auch an den Kursen aktuelle
Nachrichten vorgelesen. Zunächst hätten sie deswegen keine Probleme
gehabt, bis im Juni 2017 Beamte zu Hause aufgetaucht seien, um ihn und
den Vater zu verhaften. Sie hätten sich zu dieser Zeit glücklicherweise in
H._ aufgehalten und seien sogleich untergetaucht. Er selber habe
zuvor keine Probleme mit den Behörden gehabt, sein Vater sei aber bereits
jahrelang aktiv gewesen. Sie hätten anfänglich nicht mit irgendwelchen
Konsequenzen gerechnet, da sie lediglich andere Menschen über ihre
Rechte informiert hätten. Nach ihrer Ausreise hätten Beamte ihre im Iran
zurückgebliebenen Familienangehörigen aufgesucht und bedroht.
C.
Mit zwei Verfügungen vom 18. Juni 2020 – eröffnet je am 23. Juni 2020 –
lehnte das SEM die Asylgesuche der Beschwerdeführenden ab und ord-
nete die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an.
D.
Mit Eingabe vom 23. Juli 2020 liessen die Beschwerdeführenden gegen
die Verfügungen des SEM beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde
erheben. Sie beantragten darin, es sei ihre Flüchtlingseigenschaft anzuer-
kennen und ihnen Asyl zu gewähren; eventuell sei den Beschwerdeführe-
rinnen 2 und 3 unter Anerkennung der abgeleiteten Flüchtlingseigenschaft
Asyl zu gewähren, subeventuell sei die Sache zur Ergänzung des Sach-
verhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In pro-
zessualer Hinsicht ersuchten sie um Einsicht in die von ihren Beweismitteln
erstellten Übersetzungen, die koordinierte Führung der Verfahren
E-3712/21 und E-3716/21 sowie um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses.
Als weitere Beweismittel gaben sie einen Scan eines Bestätigungsschrei-
bens ihres Anwalts im Iran, einen Abklärungsbericht des European Asylum
Support Office (EASO) vom 21. April 2020 sowie die Anhörungsberichte
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der bei ihren Anhörungen mitwirkenden Hilfswerksvertretung und eine
Bestätigung des Qashqai Human Rights Defenders Committee Schweiz
vom 21. Juli 2020 zu den Akten.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 10. August 2020 vereinigte der Instruktions-
richter die Beschwerdeverfahren E-3712/2020 und E-3716/2020, hiess die
Gesuche der Beschwerdeführenden um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung von Kostenvorschüs-
sen. Gleichzeitig wurde das SEM zur Vernehmlassung eingeladen.
F.
Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 3. September 2020 an den
Erwägungen in seiner Verfügung vom 18. Juni 2020 fest.
G.
Die Vernehmlassung des SEM wurde den Beschwerdeführenden mit
Zwischenverfügung vom 9. September 2020 zur Kenntnis gebracht und
ihnen Gelegenheit zur Stellungnahme gewährt.
Nach gewährter Fristerstreckung gaben die Beschwerdeführenden mit Ein-
gabe vom 5. Oktober 2020 ihre Replik zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von
Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-
ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe-
rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinn von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor,
weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
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1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für die vorliegenden Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die (zwei separate Asylentscheide des SEM betreffenden) Beschwer-
den sind frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Beschwerdefüh-
renden haben an den Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind
durch die angefochtenen Verfügungen besonders berührt und haben ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
Auf die Beschwerden ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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4.
4.1 Das SEM führte zur Begründung seiner Asylverfügungen aus, die
Behauptung der Beschwerdeführerin 2, es sei ihr kein Haftbefehl ausge-
händigt worden, als die heimatlichen Beamten die Beschwerdeführenden 1
und 4 hätten verhaften wollen, widerspreche den gesetzlichen Vorgaben
der iranischen Vollzugsbehörden und müsse damit als tatsachenwidrig
gewertet werden. Es sei deshalb davon auszugehen, dass weder die ver-
suchte Verhaftung, noch die Hausdurchsuchung und die Beschlagnahmun-
gen verschiedener Datenträger stattgefunden habe. Die Zweifel an der Au-
thentizität dieser Vorbringen würden dadurch erhärtet, dass die Beschwer-
deführerin 2 anlässlich ihrer BzP eine kurz vor ihrer Ausreise angeordnete
einschneidende behördliche Massnahme – die Konfiskation ihres Hauses
– an keiner Stelle erwähnt habe. Es sei unlogisch, dass der Beschwerde-
führer 1 die Teilnehmer seiner Kurse nicht über seine versuchte Verhaftung
informiert habe. Dieses unlogische Handeln sei nicht nachvollziehbar, hätte
er sich doch gemäss seiner Schilderung in einer lebensgefährlichen Lage
befunden. Sodann seien beim Vergleich der Aussagen des Beschwerde-
führers 1 mit denjenigen seines Sohnes (Beschwerdeführer 4) Wider-
sprüche aufgefallen, wie die durch den Vater nicht erwähnten Verhöre ein-
zelner Kursteilnehmer und Angaben betreffend die Funktion des Sohnes.
Insgesamt würden die Schilderungen einen konstruierten und lebensfrem-
den Eindruck hinterlassen, weshalb es den Beschwerdeführenden nicht
gelungen sei, die geltend gemachte Furcht vor Verfolgung durch die hei-
matlichen Behörden glaubhaft zu machen. Weder die politische Situation
noch andere Gründe würden gegen die Rückkehr in den Iran sprechen.
Angesichts der als unglaubhaft erachteten Vorbringen könne auch die vor-
gebrachte Beschlagnahmung des Hauses und der Entzug der Lizenz als
(...) nicht geglaubt werden.
4.2 Zur Begründung ihrer Beschwerdeanträge hielten die Beschwerdefüh-
renden zunächst fest, dass sie alle an den jeweils mehrstündigen Anhörun-
gen eine hohe Bereitschaft zur Mitwirkung gezeigt hätten, was durch die
Kurzberichte der anwesenden Hilfswerksvertretung (HWV) bestätigt
werde. Zudem habe der Beschwerdeführer 1 zahlreiche Beweismaterialien
eingereicht, um den Sachverhalt begreiflich zu machen. Demgegenüber
seien die Parteiaussagen – und insbesondere die durch den Beschwerde-
führer 1 erläuterten rechtlichen Sachverhalte – unpräzise protokolliert wor-
den. Insgesamt würden die Schilderungen des Beschwerdeführers 1 sehr
viele Realitätskennzeichen aufweisen, wie etwa präzise sowie überprüf-
bare Details und individuelle Persönlichkeitskonturen; die Aussagen wür-
den weder Stilbrüche aufweisen noch sei der Beschwerdeführer 1 Fragen
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ausgewichen. Seinen Aussagen komme daher hohe Glaubhaftigkeit zu.
Die Verfügung des SEM entspreche keineswegs den Anforderungen, wel-
che sich das SEM selber setze, und sei den Ausführungen des Beschwer-
deführers weder betreffend ihres Umfangs noch inhaltlich angemessen.
Mit der Feststellung in der angefochtenen Verfügung, dass die Einbehal-
tung des Haftbefehls dem iranischen Gesetz widerspreche, verkenne die
Vorinstanz, dass Unrechtsregime gerade dazu tendieren würden, sich mit
rechtsstaatlichen Regeln zu schmücken, diese aber nicht zu befolgen.
Auch die vorinstanzlichen Vorwürfe, der Beschwerdeführer habe wider
Erwartens seine Kursteilnehmenden nicht über seinen Festnahmeversuch
informiert, würden ebensowenig wesentlichen Aspekte seiner Verfolgung
betreffen wie die Aussagen betreffend die Funktion seines Sohnes.
Schlicht falsch sei die Behauptung des SEM, seine Aussagen würden
keine wichtigen Realkennzeichen enthalten.
4.3 Den Beschwerdevorbringen entgegnet das SEM in seiner Vernehmlas-
sung, dass wortreiche Schilderungen nicht per se eine signifikante Dichte
an Realkennzeichen bedeuten und daher für eine erhöhte Aussagequalität
sprechen würden. Gerade bei gut gebildeten Personen vermöge deshalb
die Anzahl von Realkennzeichen keinen kausalen Zusammenhang mit der
inhaltlichen Qualität des Geschilderten zu begründen. Die Aussage der
Beschwerdeführerin 3 betreffend die Situation, als sie die durchsuchte
Wohnung vorgefunden habe, sei deshalb entgegen der Behauptung in der
Beschwerde als qualitativ aussageschwaches Realkennzeichen zu werten,
weil zu erwarten gewesen wäre, dass sie sich in solch einer Situation in-
tensiver zum Tathergang, zum ganzen Kontext und zum weiteren Gesche-
hen bei ihrer Mutter informiert hätte. Auch passe ihre Aussage, sie habe
nie richtige Informationen erhalten, nicht zum späteren Vorbringen, wonach
sie ihm Leben ihres Vaters stets einen politischen Teil gesehen habe und
froh gewesen sei, den Präsidenten des Landes treffen zu können. Die gel-
tend gemachten exilpolitischen Aktivitäten der Beschwerdeführenden 1
und 4 – ihre zweimalige Demonstrationsteilnehmen und das Engagement
des Beschwerdeführer 1 für das schweizerische Qashqai-Komitee – wür-
den ebenfalls nicht zur Flüchtlingseigenschaft führen. Es sei nämlich nicht
davon auszugehen, die iranischen Behörden würden sämtliche exilpoliti-
sche Aktivitäten ihrer Staatsangehörigen im Ausland überwachen, sondern
lediglich solche, die als ernsthafte Bedrohung für das iranische Regime
wahrgenommen würden. Nachdem auch keine Anhaltspunkte bestehen
würden, welche auf die Einleitung behördlicher Massnahmen hindeuten
würden, sei nicht davon auszugehen, die Beschwerdeführenden würden
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von ihrem Heimatstaat als konkrete Bedrohung des Regimes wahrgenom-
men und deshalb verfolgt.
4.4 In ihrer Replik wiesen die Beschwerdeführenden darauf hin, dass
unbesehen der Richtigkeit der Aussage des SEM, wonach auch wortreiche
Schilderungen erfunden sein könnten, nicht darauf geschlossen worden
sei, die Aussagen des Beschwerdeführers 1 seien irrelevant. Überdies sei
die Vorinstanz ihrer Beweiswürdigungspflicht nicht nachgekommen, indem
sie keine wissenschaftlich-methodisch geleitete Glaubhaftigkeitsbeurtei-
lung vorgenommen habe und die tatsächlich vorgenommene Glaubhaftig-
keitsprüfung nicht den Massstäben des SEM-Handbuchs entspreche.
Die Beschwerdeführenden hätten sehr detailreiche Aussagen getroffen,
die durchwegs in sich konsistent seien, und die ganze Familie habe homo-
gen von den Geschehnissen erzählt. In Bezug auf das durch das SEM als
realitätsfremd eingeschätzte Verhalten der Beschwerdeführerin 3 sei der
Vorinstanz klar zu widersprechen, zumal die Tochter zu diesem Zeitpunkt
noch sehr jung gewesen sei und die Beurteilung des SEM, was als logi-
sches Handeln anzusehen sei, doch sehr weit hergeholt erscheine.
Die Vorinstanz habe die Kinderrechtskonvention unbeachtet gelassen.
Es sei schliesslich nochmals auf die Kurzberichte der HWV hinzuweisen,
welche allesamt die Verfolgungsmotive als flüchtlingsrechtlich relevant
eingestuft hätten. Abschliessend wurde auf die langdauernden politischen
Aktivitäten des Beschwerdeführers 1 sowie des Beschwerdeführers 4 hin-
gewiesen und darauf, dass Menschenrechtsaktivisten vom repressiven
Regime im Iran als Systemgefährdung wahrgenommen würden. Hinzu-
kommend zu den Aktivitäten im Iran sei das exilpolitische Engagement der
Beschwerdeführenden 1 und 4 mit zu berücksichtigen, aufgrund dessen
davon auszugehen sei, dass die Familie auch in der Schweiz überwacht
und sämtliche Aktivitäten als Gefahr für das politische System eingestuft
werde.
5.
5.1 In der Beschwerde beantragen die Beschwerdeführenden eventualiter
die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Ergänzung des Sach-
verhalts. Es wird gerügt, dass die Länge und Substanz der Würdigung der
Parteiaussagen in den vorinstanzlichen Verfügungen nicht der Länge und
Substanz der ausführlichen Schilderungen des Beschwerdeführers 1 ent-
spreche und die Auseinandersetzung mit seinen Aussagen die erforderli-
che Gewissenhaftigkeit vermissen lasse. Insgesamt genüge die angefoch-
tene Verfügung den Anforderungen gemäss SEM-Handbuch jedenfalls
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nicht (vgl. Verfahren E-3712/2020, Beschwerde S. 8). Das SEM habe da-
mit den Sachverhalt ungenügend abgeklärt und ihren Gehörsanspruch ver-
letzt.
5.2 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungs-
gericht in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindli-
chen Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückwei-
sung an die Vorinstanz ist insbesondere dann angezeigt, wenn weitere Tat-
sachen festgestellt werden müssen sowie ein umfassendes Beweisverfah-
ren durchzuführen ist (vgl. BVGE 2012/21 E. 5 m.w.H.).
5.3
5.3.1 Im Asylverfahren ist der Sachverhalt grundsätzlich von Amtes wegen
festzustellen (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Die Asylbehörden haben
aufgrund dieser Untersuchungspflicht für die richtige und vollständige
Abklärung des Sachverhalts zu sorgen. Unvollständig ist die Sachverhalts-
feststellung, wenn nicht alle für den Entscheid rechtserheblichen Sachum-
stände berücksichtigt wurden; unrichtig ist sie, wenn dem Entscheid ein
falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wurde, wie dies
der Fall ist, wenn die Rechtserheblichkeit einer Tatsache zu Unrecht ver-
neint und diese gar nicht erst zum Gegenstand eines Beweisverfahrens
gemacht wurde. Die behördliche Untersuchungspflicht wird durch die den
Asylsuchenden gestützt auf Art. 8 AsylG auferlegte Mitwirkungspflicht ein-
geschränkt, wobei diese insbesondere bei der Anhörung vollständig anzu-
geben haben, weshalb sie um Asyl nachsuchen.
5.3.2 Die Parteien haben ein aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör
fliessendes Recht, an der Erstellung des Sachverhaltes mitzuwirken
(Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 29 VwVG). Der Grundsatz des rechtlichen
Gehörs verlangt unter anderem, dass sich die Parteien zumindest zu den
Grundlagen des Entscheids, insbesondere zum Sachverhalt, vorweg äus-
sern und insbesondere ihre Standpunkte einbringen können (vgl. BGE
132 II 257 E. 4.2). Die verfügende Behörde hat die Vorbringen des
Betroffenen tatsächlich zu hören, sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und in
der Entscheidfindung zu berücksichtigen, was sich entsprechend in der
Entscheidbegründung niederschlagen muss (Art. 32 Abs. 1 und Art. 35
Abs. 1 VwVG). Die Begründungsdichte richtet sich dabei nach den Ver-
fahrensumständen, dem Verfügungsgegenstand und den Interessen der
Betroffenen, wobei die bundesgerichtliche Rechtsprechung bei schwerwie-
genden Eingriffen in die rechtlich geschützten Interessen der Betroffenen
eine sorgfältige Begründung verlangt (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2 m.w.H.).
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Seite 13
6.
6.1 Nach Durchsicht sämtlicher Verfahrensakten und dem Abgleich der An-
hörungsprotokolle aller Beschwerdeführenden kommt das Gericht zum
Schluss, dass die angefochtenen Verfügungen des SEM nicht zu überzeu-
gen vermögen.
6.2 Der Beschwerdeführer 1 vermochte überaus detailliert und substanzi-
iert über seine politischen Aktivitäten bis im Jahr 2013/2014 zu berichten.
Zu Recht wurde in der Beschwerdeschrift auf die zahlreichen Realkennzei-
chen hingewiesen, die seine Beschreibungen enthalten (vgl. Beschwerde
S. 6 f.); diesen Ausführungen ist nichts hinzuzufügen.
Seine Aussagen decken sich zudem mit Country of Origin Information-
Berichten, und er untermauerte seine Vorbringen mit weiteren objektiven
Beweismitteln, welche sein politisches Engagement sowie die damit ein-
hergehenden Schwierigkeiten belegen (vgl. A37: Beweismittel 1 [vom
Beschwerdeführer 1 verfasster regimekritischer Zeitungsartikel]; Beweis-
mittel 2 [Ernennung des Beschwerdeführers 1 zum Parteisekretär der
Will of the Iranian Nation Party]; Beweismittel 3 und 4 [Briefe der jeweiligen
Gouverneure betreffend Disqualifikation für Wahlen aus den Jahren 2008
und 2013]; Beweismittel 12–15 [verschiedene Fotografien des Beschwer-
deführers 1 mit bekannten Politikern und Aktivisten]; Beweismittel 21
[Masterarbeit des Beschwerdeführers 1 mit dem Thema "(...)"]). Die einge-
reichten Dokumente weisen keine erkennbaren Fälschungsmerkmale auf.
Die eingereichte Ausgabe der Regionalausgabe von (...) entspricht der
online-Ansicht dieser Zeitung.
6.3 Demgegenüber fiel die Auseinandersetzung des SEM mit den Aussa-
gen des Beschwerdeführers 1 ebenso oberflächlich wie selektiv aus. Seine
eingehenden Schilderungen zu den jahrelangen politischen Aktivitäten und
zu der infolgedessen erfolgten Verurteilung wurden keiner Glaubhaftig-
keitsprüfung unterzogen. Die in diesem Zusammenhang ins Recht geleg-
ten Beweismittel wurden bei der Glaubhaftigkeitsprüfung in keiner Weise
berücksichtigt; vielmehr blieb es bei einer blossen Erwähnung bei der
Sachverhaltsdarstellung (vgl. Verfügung S. 2 f.). Die Vorinstanz hat sich
stattdessen darauf beschränkt, auf einige Widersprüche zwischen den
Aussagen der Beschwerdeführenden 1 und 4 und auf einen EASO-Bericht
zu verweisen, gemäss welchem die iranischen Behörden gesetzlich ver-
pflichtet seien, Haftbefehle auszuhändigen (vgl. Verfügung S. 5).
6.4 Der genannte EASO-Bericht aus dem Jahr 2020, welcher laut Vor-
instanz belege, dass die Aussagen der Beschwerdeführerin 2 betreffend
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den vorgebrachten Verhaftungsversuch tatsachenwidrig seien, stützt sich
unter anderem auf den Code of Criminal Procedure (CCP) sowie auf
weitere Berichte. Diesen Berichten zufolge sollten Vorladungen gemäss
dem CCP zwar ausgehändigt werden, doch würden unter den Gerichten
grosse Unterschiede bei der Handhabung dieser Vorgaben bestehen.
Revolutionary Courts würden sich aber gerade nicht an die Vorgaben hal-
ten und beispielsweise per Telefon oder via andere Mittel über Vorladungen
informieren. Urteile würden zudem oft weder dem Verurteilten noch dessen
Anwalt ausgehändigt, vielmehr könnten diese lediglich von den Anwälten
vor Ort eingesehen und von Hand abgeschrieben werden (vgl. DANISH
IMMIGRATION SERVICE / DANISH REFUGEE COUNCIL [DIS/DRC], Iran, Judicial
issues, vom Februar 2018, S. 6, abrufbar unter: < (...) >; UN HUMAN
RIGHTS COUNCIL, Report of the Special Rapporteur on the situation of hu-
man rights in the islamic Republic of Iran, A/HCR/25/61, vom 18. März
2014, § 76, abrufbar unter: < http://www.ecoi.net/file_upload/
1930_1396875258_a-hrc-25-61-eng.doc >; AMNESTY INTERNATIONAL,
Caught in a Web of Repression: Iran's Human Rights Defenders Under At-
tack, vom August 2017, S. 61, abrufbar unter: < (...) >; LANDINFO /
DIS/DRC, On Conversion to Christianity, Issues concerning Kurds an Post-
2009 Election Protestors as well as Legal Issues and Exit Procedures –
Joint report from the DIS, the Norwegian LANDINFO and DRC, vom Feb-
ruar 2013, S. 61, abrufbar unter: < https:// www.refworld.org/do-
cid/519c99d14.html > [alle im Urteil zitierten Internet-quellen abgerufen am
18. Januar 2022]; Akten N [...] A37 Beweismittel 24). Damit erweist sich die
Folgerung in der angefochtenen Verfügung, die Ausführungen der Be-
schwerdeführerin 2 seien tatsachenwidrig, als zweifelhaft. Auch die Aus-
führungen in der Vernehmlassung liefern keine nachvollziehbare Begrün-
dung, weshalb die Vorinstanz auf eine eingehende Auseinandersetzung
mit den Aussagen und den Beweismitteln des Beschwerdeführers 1 ver-
zichtete.
6.5 Nach dem Gesagten hat das SEM einerseits eine einseitige Glaubhaf-
tigkeitsbeurteilung der Asylvorbringen vorgenommen und andererseits
mutmasslich aussagekräftige Beweismittel völlig ausser Acht gelassen.
Damit hat es den rechtserheblichen Sachverhalt nicht vollständig festge-
stellt und den Untersuchungsgrundsatz, seine Begründungspflicht sowie
den Anspruch der Beschwerdeführenden auf rechtliches Gehör verletzt.
6.6 Derart massive prozessuale Mängel des erstinstanzlichen Verfahrens
sind einer Heilung auf Beschwerdeebene nicht zugänglich. Dass die Vor-
instanz das Fehlende – namentlich eine eingehende Auseinandersetzung
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mit den eingereichten Beweismitteln – auch im Rahmen des Schriften-
wechsels nicht nachgeholt hat, verunmöglicht eine Heilung zusätzlich.
6.7 Soweit die Beschwerdeführenden beantragen, es sei ihnen Einsicht in
die bei den Vorakten liegenden Übersetzungen ihrer Beweismittel zu ge-
währen, ist festzuhalten, dass sich keine solchen Übersetzungen bei den
Akten befanden (was den Eindruck verstärkt, das SEM habe sich mit den
Beweismitteln inhaltlich nicht befasst). Der Instruktionsrichter hat den
Artikel auf der Frontseite der Zeitung (...) von Amtes wegen übersetzen
lassen; diese Übersetzung ist den Beschwerdeführenden zur Vervollstän-
digung ihrer Akten zuzustellen (und auch dem SEM zur Kenntnis zu brin-
gen).
6.8 Das SEM ist anzuweisen, die notwendigen Verfahrenshandlungen
nachzuholen und die Asylgesuche danach neu zu beurteilen. Hierzu wer-
den insbesondere weitere Übersetzungen der eingereichten Beweismittel
einzuholen und die Authentizität jener Dokumente in geeigneter Weise zu
verifizieren sein.
7.
Die Beschwerde ist somit gutzuheissen, soweit die Kassation der vor-
instanzlichen Verfügungen beantragt worden ist. Diese sind aufzuheben
und die Sache zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung und Neubeurtei-
lung im Sinn der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen.
8.
Angesichts dieses Verfahrensausgangs erübrigt es sich, auf die weiteren
Ausführungen in den Eingaben der Beschwerdeführenden einzugehen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63
Abs. 1 und 2 VwVG).
10.
Der vertretenen Beschwerdeführenden ist angesichts ihres Obsiegens in
Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die
ihnen notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Es
wurde keine Kostennote zu den Akten gereicht, weshalb auszurichtende
Entschädigung aufgrund der Akten zu bestimmen ist (Art. 14 Abs. 2
VGKE). Die von der Vorinstanz auszurichtende Parteientschädigung wird
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in Anwendung der genannten Bestimmungen und unter Berücksichtigung
der massgeblichen Bemessungsfaktoren demnach – für beide Verfahren –
von Amtes wegen auf insgesamt Fr. 3'000.– (inkl. Mehrwertsteueranteil
und Auslagen) festgelegt.
(Dispositiv nächste Seite)
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