Decision ID: 1db8d56e-7f45-5fc7-8b60-337f7078996b
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch rechtsanwälte.og42, Oberer Graben 42, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A._ meldete sich am 17. Januar 2008 wegen Hüftschmerzen, Schmerzen beim
Gehen, Knie- und Rückenschmerzen zum Bezug von Invalidenleistungen an (IV-act.
98). Am 13. September 2002 war er als Asylsuchender in die Schweiz eingereist (IV-act.
97-5). Das Bundesamt für Migration BFM verfügte am 27. Mai 2008 u.a., dass er die
Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 Abs. 1 und 2 des Asylgesetzes (AsylG; SR 142.31)
erfülle, das Asylgesuch abgelehnt, er aus der Schweiz weggewiesen werde, der Vollzug
der Wegweisung jedoch zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme aufgeschoben werde
(IV 2011/393 act. G 17.1). Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens verneinte die
IV-Stelle mit Verfügung vom 3. November 2011 einen Anspruch auf Invalidenrente. Als
Begründung wies sie darauf hin, es hätten bereits bei der Einreise des Versicherten in
die Schweiz im Jahr 2002 wesentliche gesundheitliche Einschränkungen mit Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit vorgelegen. Dadurch sei der Invaliditätsfall bereits eingetreten
gewesen.
B.
Die gegen diese Verfügung durch den Versicherten erhobene Beschwerde hiess das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 23. September 2013,
IV 2011/393, unter Aufhebung der Verfügung vom 3. November 2011 teilweise gut und
wies die Sache zur ergänzenden Abklärung und zu neuer Verfügung im Sinne der
Erwägungen an die IV-Stelle zurück.
C.
C.a Mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten vom 30. Oktober 2013
beantragte die IV-Stelle vor Bundesgericht die Aufhebung des kantonalen Entscheids
und die Bestätigung ihrer Verfügung vom 3. November 2011.
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C.b Mit Urteil vom 30. Januar 2014, 8C_775/2013, hiess das Bundesgericht die
Beschwerde vom 30. Oktober 2013 insofern gut, als es den Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 23. September 2013 aufhob und die Sache zu neuem
Entscheid im Sinne der Erwägungen ans kantonale Gericht zurückwies.

Erwägungen:
1.
Vorliegend ist streitig, ob die versicherungsmässigen Voraussetzungen zur Bejahung
eines Anspruchs des Beschwerdeführers auf Invalidenrente erfüllt sind, insbesondere
ob der Versicherungsfall Invalidität bereits bei der Einreise des Beschwerdeführers in
die Schweiz eingetreten war.
2.
2.1 Der Beschwerdeführer macht vorab eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
geltend. Die durch ihn eingereichten Belege würden im direkten Widerspruch zur
ärztlichen Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 22. August
2011 stehen. Weshalb die Beschwerdegegnerin der ärztlichen Stellungnahme trotzdem
den Vorzug gegeben habe, werde mit keinem Wort begründet. Dadurch sei eine
Gehörsverletzung offensichtlich.
2.2 Verfügungen sind zu begründen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll
entsprechen (Art. 49 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die grundsätzliche Pflicht einer Behörde,
ihren Entscheid zu begründen, folgt aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör. Dabei
darf sich die Verwaltung nicht damit begnügen, die von der betroffenen Person
vorgebrachten Einwendungen zur Kenntnis zu nehmen und zu prüfen. Die Verwaltung
hat vielmehr ihre Überlegungen auch namhaft zu machen und sich dabei ausdrücklich
mit den konkreten Einwendungen auseinander zu setzen oder zumindest die Gründe
anzugeben, weshalb sie gewisse Gesichtspunkte nicht berücksichtigen kann (BGE 124
V 183 E. 2b).
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2.3 Vorliegend unternahm die Beschwerdegegnerin auf Grund des Einwands des
Beschwerdeführers vom 20. Dezember 2010 und 31. Januar 2011 weitere
Abklärungen. Sie ersuchte einerseits das Bundesamt für Migration mit Schreiben vom
16. März 2011 um Auskunft betreffend die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers bei
dessen Einreise (IV-act. 27) und liess andererseits den RAD-Arzt Dr. B._ zur Frage
der Arbeitsfähigkeit vor Einreise des Beschwerdeführers in die Schweiz Stellung
beziehen (IV-act. 18). Die Ergebnisse dieser Abklärungen stellte die
Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 30. August 2011 zur
Kenntnis- und allfälligen Stellungnahme zu (IV-act. 19). Der Beschwerdeführer hielt in
der Folge an seinen Einwänden fest und ersuchte um eine zusätzliche Nachfrist zur
Nachreichung weiterer Dokumente aus der C._ (IV-act. 14). Indem die
Beschwerdegegnerin dem begründeten Fristerstreckungsgesuch nicht entsprach und
auch die eingereichten Aktenstücke in keiner Weise würdigte, hat sie das rechtliche
Gehör verletzt. Diese Gehörsverletzung hat indessen keine weiteren Folgen, da die
Streitsache auch in materieller Hinsicht zurück zu weisen ist, wie die nachfolgenden
Erwägungen zeigen.
3.
3.1 Der Beschwerdeführer reiste am 13. September 2002 in die Schweiz ein, wo er
Asyl beantragte und gestützt darauf den Ausweis N für Asylsuchende erhielt (IV-act.
97-5). Mit Entscheid des Bundesamts für Migration vom 27. Mai 2008 wurde er per
Verfügungsdatum als Flüchtling vorläufig in der Schweiz aufgenommen (IV 2011/393,
act. G 17.1). Damit war für die Beurteilung der Versicherungsunterstellung ab dem
Zeitpunkt der Einreise in die Schweiz bis 26. Mai 2008, und somit auch im Zeitpunkt
des Rentengesuchs vom Januar 2008, auf Grund des internationalen Bezugs das
Abkommen zwischen der Schweiz und der Republik C._ über Soziale Sicherheit
(nachfolgend: Abkommen; SR 0.831.109.763.1) anwendbar. Mit der Anerkennung des
Flüchtlingsstatus ab 27. Mai 2008 ist auf den Beschwerdeführer sodann der
Bundesbeschluss über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und Staatenlosen in der
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung anzuwenden (FlüB; SR 831.131.11;
vgl. zur Nichtrückwirkung BGE 136 V 33 mit Hinweis auf BGE 135 V 94 E. 4). Beide
Abkommen gewährleisten u.a. im Bereich des Anspruchs auf eine Invalidenrente
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grundsätzlich eine Gleichbehandlung mit Schweizer Bürgern (vgl. Art. 10 Abkommen
und Art. 1 FlüB).
3.2 Am 1. Januar 2008 ist die 5. Revision des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Die Beschwerdegegnerin hat
die angefochtene Verfügung am 3. November 2011, also unter der Geltung des Rechts
dieser Revision, erlassen. Für den vorliegenden Fall nicht relevant sind die späteren
Rechtsänderungen (erster Teil der 6. IV-Revision, in Kraft seit 1. Januar 2012). Zu
beurteilen ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses der
erwähnten Verfügung entwickelt hat. Dieser Sachverhalt reicht zurück in eine Zeit vor
Inkrafttreten der 5. IV-Revision. Die 5. IV-Revision enthält keine die Rente betreffende
übergangsrechtliche Bestimmung. Das Bundesamt für Sozialversicherungen unterstellt
aber (in Bezug auf den Rentenbeginn) zu Recht eine ausfüllungsbedürftige Lücke (vgl.
das Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 2007, BGE 138 V 475). Bezüglich des
Rentenbeginns sind deshalb angesichts der IV-Anmeldung im Januar 2008 und der seit
2005 geltend gemachten Beschwerden allenfalls die bis zum 31. Dezember 2007 gültig
gewesenen Bestimmungen anzuwenden. Auch hinsichtlich der notwendigen
Beitragsdauer von einem Jahr (Art. 36 Abs. 1 IVG in der Fassung bis 31. Dezember
2007) oder drei Jahren (Art. 36 Abs. 1 IVG in der seit 1. Januar 2008 geltenden
Fassung) ist die Anspruchsvoraussetzung gestützt auf die im Zeitpunkt des Eintritts
des Versicherungsfalls geltende Gesetzgebung zu prüfen. Bezüglich der
Invaliditätsbemessung sind indessen keine materiellen Änderungen gegenüber der bis
31. Dezember 2007 bzw. 31. Dezember 2011 gültig gewesenen Rechtslage
eingetreten, und die zur altrechtlichen Regelung ergangene Rechtsprechung ist
weiterhin massgebend. Daher werden nachfolgend - wo nicht anders gekennzeichnet -
die aktuell geltenden Gesetzesbestimmungen wiedergegeben.
4.
4.1 Das Bundesgericht hat in Erwägung 3.4 seines Urteils vom 30. Januar 2014
festgehalten, aus dem Entscheid des Versicherungsgerichts gehe nicht klar hervor, ob
das kantonale Gericht festgestellt habe, der Versicherungsfall sei erst nach Einreise des
Beschwerdegegners in die Schweiz eingetreten (mit der Folge, dass die
versicherungsmässigen Voraussetzungen erfüllt wären und im weiteren Verfahren nur
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noch die übrigen Voraussetzungen für eine Rente zu prüfen wären), oder ob das
Versicherungsgericht diesbezüglich von einer Situation der Beweislosigkeit
ausgegangen sei (mit der Folge, dass im weiteren Verfahren auch zur Frage der
versicherungsmässigen Voraussetzungen noch weitere Abklärungen getroffen werden
könnten). Während für die erste Variante der Wortlaut gewisser Formulierungen
spreche, ergebe sich die zweite Variante insbesondere aus dem Umstand, dass die
Rückweisung zu ergänzenden Abklärungen zwecks Bestimmung des Eintritts der
Invalidität bzw. des Versicherungsfalls und der erneuten Prüfung der
Versicherungsunterstellung erfolge, was wiederum auch einen Eintritt des
Versicherungsfalls vor Einreise in die Schweiz zulasse.
4.2 Gemäss Art. 4 Abs. 2 IVG gilt die Invalidität als eingetreten, sobald sie die für die
Begründung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere
erreicht hat. Im Falle einer Rente galt nach der bis 31. Dezember 2007 geltenden
Regelung die Invalidität in dem Zeitpunkt als eingetreten, in dem der Anspruch nach
Art. 28 Abs. 1 aIVG entstand, d.h. gemäss Art. 29 aIVG frühestens dann, wenn die
versicherte Person mindestens zu 40% bleibend erwerbsunfähig geworden war (lit. a)
oder während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
zu 40% arbeitsunfähig gewesen war (lit. b). Seit 1. Januar 2008 ist der
Versicherungsfall nur noch nach der Variante von Art. 29 lit. b aIVG zu prüfen (vgl. Art.
28 Abs. 1 lit. b IVG). Der Eintritt des Versicherungsfalls nach Art. 29 lit. a aIVG steht
vorliegend nicht zur Diskussion. Damit ist nachfolgend zu prüfen, ob und wann der
Beschwerdeführer die Voraussetzung von Art. 29 lit. b aIVG bzw. Art. 28 Abs. 1 lit. b
IVG erfüllte.
5.
5.1 Vorliegend verneinte die Beschwerdegegnerin eine Leistungspflicht mit der
Begründung, gestützt auf die Beurteilung von Dr. B._ vom 22. August 2011 habe
beim Beschwerdeführer bereits bei seiner Einreise in die Schweiz im September 2002
eine Invalidität vorgelegen. Auf Grund der vorhandenen Akten fehlt es jedoch an einem
schlüssigen Nachweis eines bereits im Zeitpunkt der Einreise in die Schweiz
eingetretenen Invaliditätsfalls, d.h. am Nachweis einer ununterbrochenen,
durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit von 40% während eines Jahres und einer
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anschliessenden Erwerbsunfähigkeit von mindestens 40%. Die Beurteilung durch Dr.
B._ vermag nicht zu überzeugen, liegen doch keine echtzeitlichen medizinischen
Akten vor, die auf einen Invaliditätseintritt vor Mitte September 2002 hinweisen oder
einen solchen gar belegen würden. Dr. B._ postuliert denn auch allein wegen den im
Oktober 2002 aufgetretenen heftigen Rückenschmerzen im Operationsgebiet der
Lendenwirbelsäule eine durchgehende und anhaltende Arbeitsunfähigkeit von
mindestens 40% seit mindestens September 2001. Entgegen der im
Beschwerdeverfahren vor Bundesgericht vertretenen Auffassung der
Beschwerdegegnerin führen Beweisschwierigkeiten nicht ohne Weiteres dazu, die
Beweislast umzukehren bzw. gar zur Vermutung einer massgeblichen
Arbeitsunfähigkeit. Für rechtshindernde Sachumstände - wie das für den Eintritt des
Versicherungsfalls vor der Einreise in die Schweiz zutrifft - trägt die Beweislast jene
Partei, die sich darauf beruft. Zu beweisen ist ihr Vorliegen und nicht ihr Fehlen (vgl.
Prof. Dr. h.c. H.P. Walter, Berner Kommentar zu Art. 1-9 ZGB, Bern 2012, Rz 290 zu
ZGB 8). Darüber hinaus dürften generelle "Gesundheitsatteste" auch in der C._ nicht
üblich sein, weshalb der Nachweis für eine nicht vorhandene Invalidität vor der Einreise
in die Schweiz mit mindestens ebenso grossen Beweisschwierigkeiten verbunden wäre
wie der Nachweis für das Vorliegen einer Invalidität. Es bleibt mithin dabei, dass eine
massgebliche Arbeitsunfähigkeit letztlich von jener Partei zu beweisen ist, die sich
darauf beruft.
5.2 Die ersten echtzeitlichen medizinischen Unterlagen datieren zwar vom 14. Oktober
sowie 12. und 19. November 2002 (IV-act. 82-44, 82-42f., 82-41), jedoch wurden darin
weder Angaben zur Arbeitsfähigkeit bzw. Arbeitsunfähigkeit noch rückwirkende
Beurteilungen des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers vorgenommen. So
hielten die Ärzte der Klinik für Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) im
Wesentlichen fest, dass die Lendenwirbelsäule bei Inklination und Reklination beinahe
steif bleibe. Ansonsten bestünden keine wesentlichen sensomotorischen Defizite und
Lasèguezeichen. Die Reflexe seien seitengleich auslösbar. Auf den mitgebrachten
Röntgenbildern erkenne man eine Fraktur einer Pedikelschraube im Segment LWK3
links. Ansonsten sei das Osteosynthesematerial regelrecht (IV-act. 82-44). In der darauf
folgenden Abklärung der Schmerzproblematik zeigte sich gemäss Bericht vom 12.
November 2002 der postmyelographische Verlauf soweit komplikationslos. Der
Beschwerdeführer zeigte kein Schonhinken, Zehen- und Fersenstand und Einbeinstand
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waren ohne Befund. Es war keine Neurokompression nachweisbar und aus
neurochirurgischer Sicht keine Operation indiziert. Das Osteosynthesematerial stand
korrekt, die ganze Situation wurde als stabil bezeichnet. Es sei (einzig) eine adäquate
Schmerztherapie durchzuführen (IV-act. 82-42f.). Auch dem Bericht von Dr. med.
D._, Facharzt FMH für Neurochirurgie, ist nur zu entnehmen, dass er den
Beschwerdeführer (erst) seit 24. August 2004 engmaschig behandle, dieser angegeben
habe, bis zum Sommer 2002 schmerzfrei gewesen zu sein und er (erst) seit Anfang
2004 über zunehmende invalidisierende Lumbalgien und Ischialgie beidseits klage (IV-
act. 82-38f.). Selbst wenn, wie Dr. B._ argumentiert, unbestritten davon auszugehen
ist, dass der Beschwerdeführer im Herbst 2002 starke Schmerzmittel eingenommen
hatte, ist allein deshalb noch keine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von mindestens
40% von Mitte September 2001 bis Mitte September 2002 erstellt. Gerade im Hinblick
auf die sich im Herbst 2002 vor allem auf den Rücken mit Ausstrahlung in den rechten
Oberschenkel begrenzten Beschwerden ist zu berücksichtigen, dass sich
Rückenbeschwerden in der Regel vor allem in qualitativer Hinsicht auf die
Arbeitsfähigkeit auswirken, während solche Beschwerden nur selten eine höhergradige
Arbeitsunfähigkeit zur Folge haben. Das zeigt sich im Ergebnis auch im MEDAS-
Gutachten vom 4. Februar 2009. Der orthopädische Gutachter machte vorab Angaben
zur leidensangepassten Tätigkeit, die er - wegen des vermehrten Pausenbedarfs - mit
einer Leistungseinschränkung von 30% für zumutbar hielt (IV-act. 53-25). Die vom
Beschwerdeführer eingereichten Bescheinigungen, mit denen er den Nichteintritt des
Versicherungsfalls vor seiner Einreise zu belegen suchte, können zwar keine
Arbeitsfähigkeit in quantitativer Hinsicht belegen. Immerhin sind es Hinweise für eine
Erwerbstätigkeit in der C._: So bescheinigte die Steuerverwaltung in E._ eine
Registrierung des Beschwerdeführers als Steuerpflichtiger in der Zeit vom 19. Januar
1995 bis 26. August 2002 im Bereich "Elektrizität: Reparatur/Fremdaufträge" (IV
2011/393, act. G 1.2f.), ein "Steuerschild" für die Jahre 1999 und 2000 weist auf
deklarierte und versteuerte Einkommen hin (IV-act. 28-6, 9) und ein Auszug auf die in
den Jahren 1999 bis 2002 in der C._ geleisteten Sozialversicherungsprämien (deren
Berechnungs- sowie Rechtsgrundlagen jedoch unklar bleiben; vgl. IV-act. 28-5). Auf
Grund der gesamten Aktenlage ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, dass im Zeitpunkt der Einreise des Beschwerdeführers in die Schweiz im
September 2002 der Versicherungsfall Invalidität nicht bereits eingetreten war.
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5.3 An diesem Ergebnis ändert auch die Tatsache nichts, dass der Beschwerdeführer
offensichtlich mit einem Gesundheitsschaden in die Schweiz eingereist ist. Ein solcher
ist nicht per se mit einer Invalidität gleichzusetzen. Vielmehr ist vorliegend nicht
bewiesen und lässt sich rückwirkend gestützt auf die vorhandenen echtzeitlichen
medizinischen Unterlagen auch nicht mehr beweisen, dass bei der Einreise des
Beschwerdeführers eine "Invalidität" im Sinne des IVG eingetreten bzw. im September
2002 einerseits eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40% ohne
wesentlichen Unterbruch während eines Jahres bereits vorgelegen und anschliessend
eine Erwerbsunfähigkeit von mindestens 40% gegeben war.
6.
6.1 Sodann bleibt auf Grund der weiteren Akten unklar, wann beim Beschwerdeführer
nach seiner Einreise eine relevante Arbeitsunfähigkeit eingetreten ist, gestützt auf
welche die versicherungsmässigen Voraussetzungen bzw. der Anspruch auf eine
Invalidenrente weiter zu prüfen wären. Dr. med. F._, Innere Medizin, speziell
Rheumatologie FMH, diagnostizierte im Bericht vom 28. Januar 2005 neu eine
Femurkopfnekrose links, beginnend rechts (IV-act. 82-32), woraufhin dem
Beschwerdeführer am 9. März 2005 in der Orthopädischen Klinik des KSSG beidseits
eine Hüft-Totalprothese implantiert wurde (IV-act. 82-27f.). Ein Jahr später erfolgte am
rechten Hüftgelenk operativ eine Exostosen-Abtragung und Lösen des Impingements
am rechten Hüftgelenk (IV-act. 82-12) und infolge weiterhin bestehender Schmerzen im
Bereich der rechten Hüfte, tief in der Leiste (IV-act. 82-4), am 1. März 2007 eine weitere
Operation (IV-act. 82-3). Gemäss dem Bericht des KSSG vom 2. Mai 2007 war der
Beschwerdeführer danach beim Gehen nahezu beschwerdefrei. Aus Sicht des
behandelnden Arztes sollte er damals für leichte körperliche Arbeiten wieder
einsatzfähig gewesen sein (IV-act. 82-2).
6.2 Weder anlässlich der MEDAS-Begutachtung vom 17. bis 19. November 2008 (vgl.
IV-act. 53), noch der RAD-Untersuchungen vom 11. November 2009 und 7. Januar
2010 (IV-act. 41) beurteilten die Experten und Fachärzte Beginn und Verlauf einer
dauerhaften Arbeitsunfähigkeit. Gerade auf Grund der langwierigen Behandlungen und
mehrfachen Operationen an den Hüften ab 2005 sowie der psychiatrischen
Behandlungsphasen in den Jahren 2006 und 2008 hätten hierzu aber weitere
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Abklärungen durch Nachfragen bei den behandelnden Ärzten bzw. den abklärenden
Fachärzten erfolgen müssen. Nachdem diese fehlen, vermag auch die von RAD-Arzt
Dr. B._ vorgenommene Aktenbeurteilung vom 4. Mai 2010 nicht vollends zu
überzeugen, zumal er diese später revidierte. In diesem Bericht war Dr. B._ auf
Grund häufiger Arztwechsel von einer zeitlich und inhaltlich erheblich erschwerten
Sachverhaltsabklärung ausgegangen. Gestützt auf die MEDAS-Abklärung und die
psychiatrische RAD-Untersuchung gelangte er gesamthaft zu einer 50%igen
Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit, welche mit relativ hoher
Wahrscheinlichkeit (mit Ausnahme der stationären orthopädischen und psychiatrischen
Behandlungen) im Wesentlichen schon seit längerer Zeit vorgelegen habe, weshalb die
50%ige Arbeitsfähigkeit ab Beginn des Anspruchszeitraums bei der Bemessung von
IV-Leistungen zugrunde zu legen sei (IV-act. 39). Zwar mag die Sachverhaltsabklärung
nicht einfach sein; indessen ist der Sachverhalt durch Beizug aller Arztberichte
(allenfalls durch Beizug der Krankenkassenakten) zu ergänzen und gegebenenfalls
durch eine Rückfrage bei der MEDAS zu Beginn und Verlauf der attestierten
Arbeitsunfähigkeit abzuklären.
7.
7.1 Zusammenfassend kann folglich gestützt auf die vorhandenen Akten mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass bei Einreise des
Beschwerdeführers in die Schweiz im September 2002 der Invaliditätsfall nicht bereits
eingetreten war. Von weiteren, die Vergangenheit betreffenden Beweiserhebungen sind
keine relevanten Aufschlüsse zu erwarten. Entsprechende Abklärungen wurden
überdies auch nicht beantragt. Offen und weiter abzuklären bleibt demgegenüber, ob
und wann nach dieser Einreise eine relevante Arbeitsunfähigkeit eingetreten ist. Erst
wenn feststeht, zu welchem Zeitpunkt eine Arbeitsunfähigkeit von erheblicher Dauer
eintrat und wie hoch diese Arbeitsunfähigkeit im Verlaufe war, kann auf Grund der zu
der betreffenden Zeit geltenden Bestimmungen, d.h. unter Anwendung entweder des
Abkommens oder des FlüB sowie gestützt auf die dannzumal geltende Fassung des
Art. 36 Abs. 1 IVG (vgl. Erwägungen 3.1 und 3.2) geprüft werden, ob sämtliche
Voraussetzungen für den Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung erfüllt
sind.
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7.2 Damit liegt ein Fall analog jenem vor, bei dem bis zu einem bestimmten Zeitpunkt
gestützt auf eine überzeugende Aktenlage feststeht, dass (noch) keine Invalidität
eingetreten ist, für die Zeit danach der Eintritt einer Invalidität jedoch weiter abzuklären
ist. Analog verhält es sich in Fällen, bei welchen für eine klar definierte Zeitspanne von
einer vollen Arbeitsunfähigkeit auszugehen ist und ab Ende dieser Zeitspanne auf
Grund der medizinischen Unterlagen nicht mehr schlüssig dargetan ist, wie sich die
Arbeitsfähigkeit bzw. Arbeitsunfähigkeit entwickelt hat. Auch anlässlich solcher
Sachverhalte sind Rückweisungsentscheide zur medizinischen Sachverhaltsabklärung
ab einem bestimmten Zeitpunkt zulässig (vgl. u.a. Urteil des Bundesgerichts vom 15.
Februar 2013, 8C_661/2012, worin der versicherten Person von Januar bis August
2008 bei voller Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit eine ganze Invalidenrente
zugesprochen und die Sache zu weiteren Abklärungen des Rentenanspruchs für die
Zeit ab September 2008 an die Verwaltung zurückgewiesen wurde). Analog dazu
konnte vorliegend für die Zeit bis zur Einreise des Beschwerdeführers (September
2002) in die Schweiz dargetan werden, dass zu diesem Zeitpunkt kein Invaliditätsfall
nachgewiesen ist. Für den Zeitraum danach kann demgegenüber gestützt auf die
vorhandene Aktenlage nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit festgestellt werden,
ob und wann eine Arbeitsunfähigkeit von erheblichem Ausmass und Dauer eingetreten
ist. Zur Klärung und erneuten Verfügung ist die Angelegenheit daher an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
8.
8.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
3. November 2011 aufzuheben und es ist festzustellen, dass beim Beschwerdeführer
im September 2002 (noch) kein Invaliditätsfall eingetreten war. Die Sache ist zur
ergänzenden Abklärung und zu neuer Verfügung im Sinne der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
8.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
bis
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vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu
bezahlen.
8.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Angesichts der
eingeschränkten Fragestellung ist diese auf Fr. 3'000.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festzulegen. Mit der Zusprache einer Parteientschädigung von
pauschal Fr. 3'000.-- erübrigt sich die Frage einer Entschädigung aus unentgeltlicher
Rechtsverbeiständung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP