Decision ID: 61d07122-ab7a-456c-8276-6a678648dcdf
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache versuchte Tötung etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom
3. April 2013 (DG120358)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 27. Sep-
tember 2012 (Urk. 60) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist der mehrfachen versuchten Tötung gemäss
Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig.
2. Der Beschuldigte B._ ist der mehrfachen versuchten Tötung gemäss
Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig.
3. Der Beschuldigte C._ ist des Angriffs gemäss Art. 134 StGB schuldig.
4. Der Beschuldigte A._ wird bestraft mit 8 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe, wo-
von 654 Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft erstanden sind.
5. Die Freiheitsstrafe des Beschuldigten A._ wird vollzogen.
6. Von der Anordnung einer Massnahme betreffend den Beschuldigten
A._ wird abgesehen.
7. Die gegen den Beschuldigten A._ mit Urteil des Kreisgerichtes VIII
Bern-Laupen vom 17. März 2010 bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe
von 20 Monaten wird widerrufen und für vollziehbar erklärt. Davon sind 356
Tage durch damalige Untersuchungshaft erstanden.
8. Der Beschuldigte B._ wird bestraft mit 9 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe, wo-
von 654 Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft erstanden sind.
9. Die Freiheitsstrafe des Beschuldigten B._ wird vollzogen.
10. Von der Anordnung einer Massnahme betreffend den Beschuldigten
B._ wird abgesehen.
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11. Der Beschuldigte C._ wird bestraft mit 28 Monaten Freiheitsstrafe, wo-
von 127 Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft erstanden sind.
12. Die Freiheitsstrafe des Beschuldigten C._ wird vollzogen.
13. Die gegen den Beschuldigten C._ mit Urteil des Kreisgerichtes VIII
Bern-Laupen vom 17. März 2010 bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe
von 15 Monaten wird widerrufen und für vollziehbar erklärt. Davon sind 115
Tage durch damalige Untersuchungshaft erstanden.
14. Die nachfolgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons
Zürich vom 24. September 2012 beschlagnahmten und unter Sachkautions-
nummer ... bei der Gerichtskasse gelagerten Gegenstände des Beschuldig-
ten A._ werden nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils durch die Kas-
se des Bezirksgerichts Zürich verwertet:
- 1 iPhone, Tel. ...
- 1 Mobiltelefon Samsung, schwarz, Tel. ...
Ein allfälliger Erlös wird zur Deckung der Verfahrenskosten des Beschuldig-
ten A._ herangezogen. Nicht verwertbare Gegenstände werden durch
die Lagerbehörde vernichtet.
15. Die nachfolgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons
Zürich vom 24. September 2012 beschlagnahmten und bei der Lagerstelle
des Forensischen Instituts Zürich gelagerten Gegenstände der Beschuldig-
ten A._, B._ und C._ werden nach Eintritt der Rechtskraft des
Urteils durch die Lagerbehörde vernichtet:
- 1 Pfefferspray "Pfeffer KO FOG" Fabrikat F.W. KLEVER GmbH, 50 ml
(Asservatsnummer ...)
- 1 Pfefferspray "Pfeffer KO FOG" Fabrikat F.W. KLEVER GmbH, 50 ml
(Asservatsnummer ...)
- 4 -
- 1 Fuchsschwanz mit Holzgriff (Asservatsnummer ...)
- 1 Eisenrohr mit Kunststoffhandgriff (Asservatsnummer ...)
- 1 Flasche Champagner "Champagne Pommery", 0,375 l (Asser-
vatsnummer ...)
- 1 PET-Flasche Vodka "Trojka Green", 0,5 l (Asservatsnummer ...)
- 1 Flasche "Rimus Champion", 0,75 l, (Asservatsnummer ...)
- 1 Pastiksack beige (Asservatsnummer ...)
- 1 Eisenstange Aluminium, Vierkantprofil (Asservatsnummer ...)
- 1 Eisenstange Aluminium (Asservatsnummer ...)
- 1 Flasche "J&B" Scotch Whisky (Asservatsnummer ...)
- 1 zerbrochene Flasche "J&B" Scotch Whisky (Asservatsnummer ...)
- 1 Pfefferspray "Sabre red Foam", 54 ml (Asservatsnummer ...)
- 1 Rüstmesser (Asservatsnummer ...)
16. Die nachfolgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons
Zürich vom 24. September 2012 beschlagnahmten und bei der Lagerstelle
des Forensichen Instituts Zürich gelagerten Kleidungsstücke der Beschuldig-
ten A._, B._ und C._ werden dem jeweils Berechtigten nach
Eintritt der Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen innert Frist von drei
Monaten herausgegeben:
Kleider des Beschuldigten A._
- 1 Jeanshose, dunkelblau, "Armani Jeans" (Asservatsnummer ...)
- 1 Polo Shirt, grau, "on the rock" (Asservatsnummer ...)
- 1 Paar Turnschuhe, weiss, "Lacoste" (Asservatsnummer ...)
- 5 -
Kleider des Beschuldigten B._
- 1 Jeanshose, dunkelblau, "Clockhouse" (Asservatsnummer ...)
- 1 T-Shirt, schwarz, "Paul Smith" (Asservatsnummer ...)
- 1 Paar Schuhe, blau, "Rivieras" (Asservatsnummer ...)
Kleider des Beschuldigten C._
- 1 Jeanshose, schwarz, "Smog" (Asservatsnummer ...)
- 1 Pullover, blau, "H&M" (Asservatsnummer ...)
- 1 Paar Turnschuhe, schwarz, "Nike" (Asservatsnummer ...)
- 1 Kapuzenjacke, schwarz, "La Reve" (Asservatsnummer ...)
Nach ungenutztem Ablauf der Frist werden die Kleidungsstücke der Lager-
behörde zur Vernichtung überlassen.
17. Die nachfolgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons
Zürich vom 24. September 2012 beschlagnahmten und bei der Lagerstelle
des Forensichen Instituts Zürich gelagerten Kleidungsstücke der Geschädig-
ten D._ und E._ werden dem jeweils Berechtigten nach Eintritt der
Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen innert Frist von drei Monaten
herausgegeben:
Kleider des Geschädigten D._
- 1 Hemd, weiss-grün, "WE" (Asservatsnummer ...)
- 1 T - Shirt, blau, "75 St-Q" (Asservatsnummer ...)
- 1 Hose, schwarz, "Take a look" (Asservatnummer ...)
- 1 Paar Schuhe, beige, "Land Rover" (Asservatsnummer ...)
Kleider des Geschädigten E._
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- 1 Hemd, violett, "Chief" (Asservatsnummer ...)
- 1 Hose, schwarz, "Puma" (Asservatsnummer ...)
- 1 Paar Schuhe, schwarz, "About blue" (Asservatsnummer ...)
- 1 Gurt, schwarz-orange, "Puma" (Asservatsnummer ...)
Nach ungenutztem Ablauf der Frist werden die Kleidungsstücke der Lager-
behörde zur Vernichtung überlassen.
18. Es wird festgestellt, dass die Beschuldigten gegenüber dem Geschädigten
D._ aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach unter solida-
rischer Haftbarkeit schadenersatzpflichtig sind. Zur genauen Feststellung
des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird der Geschädigte auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen.
19. Es wird festgestellt, dass die Beschuldigten gegenüber dem Geschädigten
E._ aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach unter solida-
rischer Haftbarkeit schadenersatzpflichtig sind. Zur genauen Feststellung
des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird der Geschädigte auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen.
20. Die Beschuldigten werden unter solidarischer Haftbarkeit verpflichtet, dem
Geschädigten D._ CHF 10'000 zuzüglich 5 % Zins ab 18. Juni 2011 als
Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren
abgewiesen.
21. Die Beschuldigten werden unter solidarischer Haftbarkeit verpflichtet, dem
Geschädigten E._ CHF 10'000 zuzüglich 5 % Zins ab 18. Juni 2011 als
Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren
abgewiesen.
22. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
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Fr. 9'000.00 ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 5'968.65 Kosten der Kantonspolizei
Fr. Kanzleikosten Untersuchung
Fr. 45'257.80 Kosten Untersuchung
Fr. 9'000.00 Gebühr Strafuntersuchung
Fr. amtliche Verteidigung (ausstehend)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
23. Die Kosten der jeweiligen psychiatrischen Gutachten werden den Beschul-
digten A._ und B._ auferlegt. Die übrigen Untersuchungskosten
werden den Beschuldigten je zu einem Drittel auferlegt. Die Kosten des ge-
richtlichen Verfahrens werden den Beschuldigten je zu einem Drittel aufer-
legt.
24. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Staatskasse genom-
men; vorbehalten bleibt eine jeweilige Nachforderung gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO. Über die Höhe der Kosten wird separat entschieden.
25. Die Kosten für die unentgeltliche Verbeiständung der Privatklägerschaft
werden auf die Staatskasse genommen. Über die Höhe der Kosten wird se-
parat entschieden.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten 1:
(Urk. 184 S. 1 f.)
1. Es sei Ziffer 1 des Dispositivs des Urteils des Bezirksgerichts Zürich,
9. Abteilung, vom 3. April 2013 aufzuheben und es sei der Beschuldig-
te vollumfänglich freizusprechen.
2. Entsprechend sei auch von jeglicher Bestrafung des Beschuldigten
(und Massnahmeanordnung) sowie von einem Widerruf der mit Urteil
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des Kreisgerichtes VIII Bern-Laupen vom 17. März 2010 bedingt aus-
gesprochenen Freiheitsstrafe abzusehen und somit Ziffer 4, 5, 6 und 7
des vorgenannten Urteils ersatzlos zu streichen.
3. Infolge Freispruchs des Beschuldigten sei auf die Zivilansprüche der
Geschädigten nicht einzutreten und somit auch Ziffern 18, 19, 20 und
21 des vorgenannten Urteils ebenfalls ersatzlos aufzuheben.
4. In Abänderung von Ziffer 14 des vorgenannten Urteils seien die beiden
beschlagnahmten und unter Sachkautionsnummer ... bei der Gerichts-
kasse gelagerten Mobilgeräte (IPhone und Samsung, schwarz) dem
Beschuldigten nach Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen her-
auszugeben.
5. In Abänderung von Ziffern 23 und 24 des vorgenannten Urteils (Kos-
tenregelung/-verteilung) seien die gesamten Verfahrenskosten des
erstinstanzlichen Verfahrens, inkl. Kosten der amtlichen Verteidigung
auf die Staatskasse zu nehmen.
6. Es sei festzustellen, dass der Beschuldigte seit dem 19. Juni 2011 bis
zum obergerichtlichen Urteil insgesamt 912 Tage in Untersuchungs-
und Sicherheitshaft sowie vorzeitigem Strafvollzug erstanden hat. Die
912 Tage erstandener Haftzeit seien sodann auf die im Verfahren vor
Ihrer Instanz (II. Strafkammer, SB 130444, Berufung gegen ein Urteil
des Bezirksgerichts Zürich, 9. Abteilung, vom 12.08.2013, DG120415)
noch festzulegende Strafe anzurechnen und damit ein allfälliger Ent-
scheid bezüglich Entschädigung und Genugtuung entsprechend bis
dahin aufzuschieben.
7. Die Kosten des obergerichtlichen Verfahrens (inklusive Kosten der
amtlichen Verteidigung) seien vollumfänglich auf die Staatskasse zu
nehmen.
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b) Der Verteidigung des Beschuldigten 2:
(Urk. 185 S. 2)
1. Der Beschuldigte sei vollumfänglich freizusprechen.
2. Auf die Zivilansprüche der Privatkläger sei nicht einzutreten.
3. Der Beschuldigte sei aus dem vorzeitigen Strafvollzug zu entlassen.
4. Es sei festzustellen, dass sich der Beschuldigte bis und mit heute seit
912 Tagen in Untersuchungshaft und vorzeitigem Strafvollzug befindet.
5. Das Gericht wird ersucht, dem Jugendgericht Zürich betreffend das un-
ter der Geschäfts-Nr. DJ12004-L geführten Nachverfahren über die
vorzunehmende Anrechnung von 912 Tagen an den Vollzug der mit
Urteil des Jugendgerichtes Zürich vom 4. November 2011 unbedingt
ausgesprochenen Freiheitsstrafe Mitteilung zu machen.
6. Die Kosten der Untersuchung und des vorinstanzlichen Gerichtsverfah-
rens seien auf die Gerichtskasse zu nehmen.
7. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien auf die Gerichtskasse zu
nehmen.
8. Die Kosten der amtlichen Verteidigung des vorinstanzlichen Verfahrens
seien auf die Gerichtskasse zu nehmen und die Kosten der amtlichen
Verteidigung für das Berufungsverfahren seien auf die Gerichtskasse
zu nehmen.
9. Die amtliche Verteidigung sei für ihre Aufwendungen für das Beru-
fungsverfahren mit CHF 12'366.85 (inkl. Mehrwertsteuer) aus der Ge-
richtskasse zu entschädigen.
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c) Der Verteidigung des Beschuldigten 3:
(Urk. 186 S. 1)
1. Es sei die Ziffer 3 des Dispositivs des Urteils des Bezirksgerichtes Zü-
rich, 9. Abteilung, vom 3. April 2013 aufzuheben und es sei der Be-
schuldigte vollumfänglich freizusprechen.
2. Dementsprechend seien die Ziff. 11, 12, 13, 18, 19, 20, 21, 23 des vor-
genannten Urteils ebenfalls aufzuheben.
3. Es sei dem Beschuldigten aus der Gerichtskasse eine Entschädigung
von Fr. 16'758.– zu entrichten.
4. Es sei dem Beschuldigten aus der Gerichtskasse eine Genugtuung von
Fr. 28'500.– zu entrichten.
5. Die Verfahrenskosten des Berufungsverfahrens und des erstinstanzli-
chen Verfahrens seien auf die Gerichtskasse zu nehmen.
6. Die Kosten der amtlichen Verteidigung des Berufungsverfahrens und
des erstinstanzlichen Verfahrens seien auf die Gerichtskasse zu neh-
men.
7. Der amtliche Verteidiger sei für seine Aufwendungen für das Beru-
fungsverfahren angemessen gemäss eingereichter Note aus der Ge-
richtskasse zu entschädigen.
d) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 183 S. 2)
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 9. Abteilung, vom 3. April 2013
sei grundsätzlich zu bestätigen, mit folgenden wesentlichen Ausnah-
men:
2. Der Beschuldigte A._ sei mit 12 Jahren Freiheitsstrafe, unter An-
rechnung der bisher erstandenen Haft von 915 Tagen, zu bestrafen;
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3. Der Beschuldigte B._ sei mit 13 Jahren Freiheitsstrafe, unter An-
rechnung der bisher erstandenen Haft von 915 Tagen, zu bestrafen;
4. Der Beschuldigte C._ sei mit 3 Jahren Freiheitsstrafe, unter An-
rechnung der bisher erstandenen Haft von 130 Tagen, zu bestrafen;
5. Der dem Beschuldigten A._ mit Urteil des Kreisgerichts VIII Bern-
Laupen vom 17. März 2010 gewährte bedingte Strafvollzug für die da-
mals ausgefällten 20 Monate Gefängnis sei zu widerrufen;
6. Der dem Beschuldigten C._ mit Urteil des Kreisgerichts VIII Bern-
Laupen vom 17. März 2010 gewährte bedingte Strafvollzug für die da-
mals ausgefällte Freiheitsstrafe von 15 Monaten sei zu widerrufen;
7. Gegenüber den beiden Beschuldigten A._ und B._ ist eine
Verwahrung gemäss Art. 64 Abs. 1 lit. b StGB anzuordnen, eventualiter
eine stationäre Behandlung nach Art. 59 StGB.
_

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Prozessuales
1. Mit Urteil der Vorinstanz vom 3. April 2013 wurden A._ (nachfolgend Beschuldigter 1) und B._ (nachfolgend Beschuldiger 2) der mehrfachen ver-
suchten Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 StGB und
C._ (nachfolgend Beschuldigter 3) des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB
schuldig gesprochen. Der Beschuldigte 1 wurde zu einer Freiheitsstrafe von 8 1⁄2
Jahren, der Beschuldigte 2 zu einer solchen von 9 1⁄2 Jahren und der Beschuldigte
3 zu einer solchen von 28 Monaten verurteilt. Sodann wurde die mit Urteil des
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Kreisgerichtes VIII Bern-Laupen vom 17. März 2010 gegen den Beschuldigten1
bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe von 20 Monaten widerrufen und für voll-
ziehbar erklärt. Die gegen den Beschuldigten 3 mit Urteil des Kreisgerichtes VIII
Bern-Laupen vom 17. März 2010 bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe von 15
Monaten wurde ebenfalls widerrufen und für vollziehbar erklärt. Sodann wurde
festgestellt, dass die Beschuldigten gegenüber den Privatklägern D._ (nach-
folgend Privatkläger 1 genannt) und E._ (nachfolgend Privatkläger 2 ge-
nannt) aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach unter solidarischer
Haftbarkeit schadenersatzpflichtig sind. Zur genauen Feststellung des Umfanges
des Schadenersatzanspruches wurden die Privatkläger auf den Weg des Zivilpro-
zesses verwiesen. Des Weiteren wurden die Beschuldigten unter solidarischer
Haftbarkeit verpflichtet, den Privatklägern je Fr. 10'000 zuzüglich 5 % Zins ab 18.
Juni 2011 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wurden die Genugtu-
ungsbegehren abgewiesen (Urk. 160).
Gegen dieses Urteil meldeten die Staatsanwaltschaft und die Beschuldigten innert
der Frist von Art. 399 Abs. 1 StPO schriftlich Berufung an (Urk. 161 - 164). Die
Beschuldigten beantragen einen vollumfänglichen Freispruch. Die Staatsanwalt-
schaft beschränkt die Berufung auf die Strafzumessung (Art. 399 Abs. 4 lit b
StPO) und gegen das Absehen der Anordnung einer Massnahme bei den Be-
schuldigten A._ und B._ (Art. 399 Abs. 4 lit. c StPO).
Die Privatkläger erhoben keine Berufung und verzichteten auf Anschlussberufung
(Urk. 168, 169).
Mit Beschluss vom 12. November 2013 wurde dem Antrag des amtlichen Vertei-
digers des Beschuldigten 3 vom 12. November 2013 stattgegeben und die Akten
des Strafverfahrens gegen F._, geb. tt. März 1985 (BG Zürich, Proz. Nr.
DG130180) beigezogen. Zur heutigen Berufungsverhandlung erschienen die An-
klägerin sowie die Beschuldigten und ihre amtlichen Verteidiger (Prot. II, S. 5).
2. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung (Art.
402 StPO). Die nicht von der Berufung erfassten Punkte erwachsen in Rechtskraft
(Schmid, StPO Praxiskommentar, Art. 402 N 1; Art. 437 StPO).
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Bei einem Antrag auf Freispruch gelten für den Fall der Gutheissung automatisch
auch die mit der Tat untrennbar zusammenhängenden Folgepunkte des Urteils
(z.B. Sanktion, Zivilpunkt, Kostenfolgen) als angefochten, also alle Punkte nach
Art. 399 Abs. 4 lit. b - g StPO.
3. In prozessualer Sicht brachten die amtlichen Verteidiger der Beschuldigten
verschiedene Einwände vor.
3.1.1. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten 1 kritisiert zunächst die zögerli-
che Sicherung des Videomaterials der Kiosküberwachungskamera durch die Poli-
zei sowie dessen fehlende Auswertung. Vermutungsweise sei davon auszugehen,
dass der Anfangszeitpunkt der Videoaufzeichnung durch die direkt am Vorfall be-
teiligten Personen festgelegt worden sei (Urk. 116 S. 4 ff. und Urk. 184 S. 3). Ins-
besondere für die Klärung der Frage des geltend gemachten Angriffs durch die
beiden nachmaligen Privatkläger wären auch die weiteren Minuten vor dem Be-
ginn der vorliegenden Aufzeichnung von äusserst grosser Bedeutung für die Ver-
teidigung gewesen. Sodann hätte die Auswertung nur schon des vorliegenden Vi-
deomaterials vor den Aussagen der Auskunftspersonen und Zeugen diese so-
dann bereits vor mehr als einem Jahr klaren Lügen oder zumindest deutlichen
Verstellungen des Sachverhalts überführt werden können. Diese Möglichkeit sei
den Beschuldigten letztlich aufgrund der fragwürdigen Beweissicherung und des
Vorgehens der Untersuchungsbehörden genommen worden. Dadurch seien die
Verteidigungsrechte des Beschuldigte 1 massiv beschnitten worden und es sei
nachweislich nicht mit gleicher Sorgfalt nach den entlastenden Beweismitteln ge-
sucht worden.
Auf diese Vorbringen wird im Rahmen der Erstellung des Sachverhalt zurückzu-
kommen sein. Wie sich dann auch zeigen wird, kann nicht von einer massiven
Beschneidung der Verteidigungsrechte die Rede sein, da der Verteidiger vor Vor-
instanz detailliert die Aussagen der Auskunftspersonen und Zeugen mit den Vide-
oaufzeichnungen abgleichen konnte. Dass im Übrigen die Aufzeichnungen mani-
puliert worden seien, behauptet der Verteidiger unter Hinweis auf die entspre-
chende Feststellung der Kantonspolizei (Urk. 10/13) zu Recht nicht.
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3.1.2. Sodann verweist der Verteidiger auf die Unverwertbarkeit der Aussagen
sämtlicher Mitbeschuldigter zulasten des Beschuldigten mangels Konfrontation
(Urk. 116 S. 7). Die Vorinstanz hat im Zusammenhang mit der Angriffsthese bzw.
Notwehrsituation der Beschuldigten A._ und B._ auf Aussagen von
G._ und H._ verwiesen (Urk. 160 S. 50 ff). Dabei hat sie, da diese Mit-
beschuldigten nicht mit den Beschuldigten konfrontiert worden sind (Urk. 12/7 und
Urk. 12/16), diese Aussagen nicht zu Lasten der Beschuldigten verwertet, indes-
sen zufolge "ihrer Inkohärenz, Sprunghaftigkeit und Willkür" und somit Unglaub-
haftigkeit auch nicht zugunsten der Beschuldigten verwertet. Diesem Vorgehen
kann nicht gefolgt werden, da mit der Würdigung der Aussagen indirekt auch sol-
che zuungunsten der Beschuldigten lautende Aussagen einbezogen werden. In-
dessen ist in der Gewichtung der verschiedenen Beweismittel dem Umstand
Rechnung zu tragen, dass es Aussagen von Mitbeschuldigten mit Eigeninteresse
sind, was den Beweiswert erheblich relativiert.
3.1.3. Die Verteidigung machte sodann vor Vorinstanz eine Verletzung von Art. 29
Abs. 1 lit. b StPO geltend, indem der Mitbeschuldigte F._ (genannt F._)
nicht im gleichen Verfahren angeklagt worden sei. Diesbezüglich kann auf die zu-
treffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 160 S. 14 f.). Zwi-
schenzeitlich wurde F._ (F._) erstinstanzlich freigesprochen, wobei die
Staatsanwaltschaft dagegen Berufung erklärt hat (beigez. Akten i.S. Staatsan-
waltschaft IV des Kantons Zürich gegen F._ betr. Angriff und Widerruf,
Proz.Nr. SB130476, Urk. 73 und 82). Nachdem diese Akten beigezogen wurden,
erachtete die Verteidigung den geltend gemachten Mangel als korrigiert (Urk. 184
S. 5).
3.2.1. Die amtliche Verteidigerin des Beschuldigten 2 brachte vor Vorinstanz vor, die den Beschuldigten vorgehaltenen Schlussvorhalte seien nicht identisch bzw.
entsprächen nicht der Anklageschrift (Urk. 118 S. 2 ff.). Soweit die Verteidigung
ein Mehr im Schlussverhalt im Vergleich zur Anklageschrift moniert, ist dieser
Einwand unbeachtlich, da nur der Anklagesachverhalt verhandlungsrelevant ist
(z.B. Anzahl Schläge). Soweit die Verteidigerin vorbringt, den Beschuldigten seien
in der Schlusseinvernahme nicht exakt die gleichen Vorwürfe vorgehalten worden
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(Einschlagen des Beschuldigten 3 und F._ auf die Privatkläger nacheinander
mit einer Eisenstange; Erwähnung von H._ im Schlussvorhalt, Weglassung
in der Anklageschrift; Treffen mit Eisenstange am Rücken beim Beschuldigten 3
nur in Anklage) so ist auch hier letztlich unklar, was die Verteidigung daraus für
sich ableiten will. Entscheidend ist der Vorwurf in der Anklageschrift. Im Übrigen
ist darauf hinzuweisen, dass Art. 317 StPO nur eine Ordnungsvorschrift darstellt
(Schmid, StPO Praxiskommentar, 2. Aufl., Art. 317 N 4).
3.2.2. Was die Ausführungen der Verteidigung des Beschuldigten 2 betreffend die
Videoaufnahmen im Kiosk betrifft, so kann auf die vorstehenden Erwägungen
verwiesen werden (Ziff. 3.1.1.), ebenso was die Verwertbarkeit der Aussagen der
Mitbeschuldigten und Mitbeteiligten angeht (Ziff. 3.1.2.).
3.3.1. Die Verteidigung des Beschuldigten 3 liess vor Vorinstanz vorbringen, der
Schlussvorhalt entspreche nicht der Anklageschrift (Urk. 120 S. 2 f.). Nebst dem
Hinweis auf die Ausführungen in Ziff. 3.2.1. vorstehend ist ebenfalls unklar, was
die Verteidigung daraus ableiten will. Der Beschuldigte bestreitet, sich überhaupt
am Vorfall beteiligt zu haben, weshalb die monierten Differenzen zwischen
Schlussvorhalt und Anklageschrift seine Haltung zu den Vorwürfen kaum beein-
flusst haben dürfte (vgl. Schmid, StPO Praxiskommentar, 2. Aufl., Art. 317 N 1 zur
Informationsfunktion der Schlusseinvernahme).
3.3.2. Was den angeblichen Verstoss gegen Art. 29 Abs. 1 lit. b StPO angeht
(Urk. 120 S. 3), so kann auf Ziff. 3.1.3 verwiesen werden.
II. Sachverhalt
1. Die Anklagebehörde wirft den Beschuldigten 1 und 2 vor, sie hätten zusammen
mit dem Beschuldigten 3 und weiteren Beteiligten im Rahmen eines Angriffs am
Samstagabend des 18. Juni 2011 nach 22.00 Uhr vor dem Kiosk "I._" mit ei-
ner Axt (Beschuldigter 1) und einem Gertel (Beschuldigter 2) gleichzeitig bewusst
und gewollt mehrfach auf die Köpfe und Oberkörper der wehrlosen Privatklägern
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1 und 2 eingeschlagen. Der Beschuldigte 3 sowie der in einem separaten Verfah-
ren beurteilte Mittäter F._ hätten sodann den Privatkläger 1 mit einer Eisen-
stange auf den Rücken geschlagen.
2. Die Beschuldigten 1 und 2 bestreiten nicht, mit den erwähnten Gegen-
ständen auf die Privatkläger 1 und 2 eingeschlagen und die entsprechenden Ver-
letzungen verursacht zu haben. Sie machen jedoch geltend, nur je einzeln auf ei-
nen Privatkläger eingewirkt und in einer Notwehrsituation gehandelt zu haben.
Der Beschuldigte 3 bestreitet überhaupt eine Beteiligung am Angriff.
3. Als Beweismittel stützt sich die Anklage nebst den Aussagen der Be-
schuldigten und Privatkläger auf eine Vielzahl von Aussagen von Auskunftsper-
sonen und Zeugen. Sodann befindet sich eine CD mit Aufnahmen der Kioskinnen-
raumvideoüberwachung bei den Akten (Urk. 10/12; vgl. dazu die von der Verteidi-
gung des Beschuldigten 2 erstellte Protokollierung der Videoaufzeichnung [Urk.
119]). Des Weiteren liegen Arztberichte und Fotos betreffend den Verletzungen
der Privatkläger (Urk. 15/1-8 und 16/1-6) sowie ein diesbezügliches IRM-
Gutachten (Urk. 17/4) vor, sowie verschiedene Berichte und Akten des forensi-
schen Instituts betr. Spurenauswertung (Urk. 18/1-9), ein IRM-Gutachten zur
Auswertung und Beweiswertberechnung von DNA-Spuren (Urk. 20/3), verschie-
dene chemisch-toxikologische Gutachten betreffend Alkoholisierung und Drogen-
konsum der Beteiligten (21/3, 22/3, 23/3, 24/3, 25/2, 26/2, 27/2, 28/2, 29/3, 30/3
und 31/3). Sodann wurden verschiedene Telefonauswertungen vorgenommen
(Urk. 33/1-43).
4. Die Vorinstanz hat die Aussagen der Beteiligten zutreffend wiedergegeben und
es kann darauf verwiesen werden (Urk. 160 S. 19 - 21 [Aussagen der Beschuldig-
ten], S. 27 - 42 [Aussagen der Privatkläger, weiterer Auskunftspersonen und Zeu-
gen]; Art. 82 Abs. 4 StPO). Ergänzungen weiterer Aussagen finden sich in der
Würdigung (vgl. Erw. II.5.1.1. ff.).
5. Sie hat auch die Beweiswürdigungsregeln umfassend angeführt, worauf eben-
falls zu verweisen ist (Urk. 160 S. 23 - 26).
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5.1.1. Was nun die eigentliche Würdigung der Aussagen angeht, so sind die Wer-
tungen der Vorinstanz betreffend der Motivlage aller Beteiligten bei den Aussagen
(Urk. 160 S. 43/44) etwas zu relativieren. Zunächst ist festzuhalten, dass die Be-
teiligten klarerweise der einen oder anderen Gruppe zuzuordnen sind. Die Aus-
kunftspersonen und Zeugen halten mit Beschuldigungen und Verdächtigungen
der Gegenseite jeweils nicht zurück. Dies ist u.a. Folge von langjährigen Ausei-
nandersetzungen unter den verschiedenen Gruppen innerhalb der tamilischen
Gemeinschaft. So erklärt beispielsweise der später als Zeuge einvernommene
J._, genannt J._, bei der Polizei, dass diese Gruppe (der Angreifer) der
'Schlangengruppe' angehöre. Die Leute würden Drogen nehmen und hätten kein
Geld. Diese Gruppe mache jeden Tag irgendwo Probleme, an drei oder vier Or-
ten. Diese 'Schlangengruppe' sei wie die Al-Kaida. Diese Gruppe gebe es an ver-
schiedenen Orten auf der Welt, z.B. in Paris. Diese Gruppe gehe nur gegen Tami-
len los. Es habe mit Schutzgeld zu tun. Er habe Angst, weitere Aussagen wolle er
nicht machen. Um dennoch anzufügen, dass diese Gruppe in Bern vor ca. zwei
bis drei Jahren eine Hochzeit gestürmt und mit Messer um sich geschlagen habe.
Diese Gruppe sei wirklich gefährlich und sie wüssten nicht, wie sie sich schützen
könnten (Urk. 14/11 S. 3 ff.). Als Zeuge erklärte er sodann, er sei von F._
(F._) im Sommer 2011 angegriffen worden. Früher sei er ein Freund von ihm
gewesen (Urk. 14/12 S. 5). Der Beschuldigte 2 habe auch einmal versucht, ihn für
einen 'K._' anzugreifen. K._ habe mehrmals versucht, ihn und den Ge-
schäftsinhaber zu schlagen (Urk. 14/12 S. 27). Der als Zeuge einvernommene
L._, genannt L._, (der ehemalige Kioskbesitzer), erklärte bei der Polizei
ebenfalls, dass diese Leute zur Schlangengruppe gehören würden. Sie hätten
kein Geld und würden Drogen konsumieren. Diese Leute würden immer wieder zu
seinen Kollegen kommen, um nach Geld und alkoholischen Getränken zu fragen.
Letztes Jahr hätten sie immer Geld und Alkohol erhalten. Als sein Kollege kein
Geld mehr gegeben habe, weil sie die Schulden nicht zurückbezahlt hätten, habe
er Probleme bekommen. In den letzten zwei Wochen habe er deswegen jedes
Wochenende Probleme gehabt (Urk. 14/20 S. 3). Der Zeuge M._ führte bei
der Polizei aus, die Angreifer seien einfach Leute, die gerne Probleme machen
würden. Sie hätten ja auch im Geschäft nicht weit von ihrem Kiosk, im 'N._',
- 18 -
zwei bis drei Tage zuvor die Scheiben eingeschlagen. Die Tätergruppe heisse
Schlangengruppe. Er habe nun Angst, dass er von ihnen angegriffen werden
könnte (Urk. 14/16 S. 6 f.) Die Auskunftsperson O._ erklärte sodann, dass er
trotz Angst Aussagen mache, da er nicht möchte, dass nochmals jemand darunter
leiden müsse. Sie seien ja bekannt. Sie seien bis jetzt einfach noch nicht richtig
bestraft worden. Wenn sie nicht bestraft würden, würde es niemand lernen (Urk.
13/4 S. 23). Der Privatkläger 1 bezeichnet den Beschuldigten 3 als Hauptperson
der 'Schlangengruppe'. Es habe schon mehrere Schlägereien wegen denen an
der ...-strasse gegeben. Er habe Angst, dass er wieder geschlagen werde (Urk.
13/9 S. 11; Urk. 13/11 S. 29).
Der im Zusammenhang mit den Tatwerkzeugen einvernommene Zeuge P._
erklärte dagegen, die Leute vom ...platz (i.e. 'Kioskleute') müssten auch bestraft
werden. Sie hätten einmal Q._ am Hals verletzt. Er habe das gehört. Bei die-
sem Kiosk würden sich die Leute fast zu Tode trinken und koksen; dann würden
sie Probleme machen. Sie stünden vor dem Kiosk und suchten sich dann jemand
der Vorbeilaufenden aus, würden diese provozieren und dann Probleme machen.
Er habe dies bei Q._, als dieser am Hals verletzt worden sei, selbst erlebt.
Einmal seien sie in ein Restaurant gegangen mit Eisenstangen und hätten alles
zusammenschlagen wollen. Zuvor hätten sie Pfefferspray im Restaurant ver-
sprüht. In Tamilenkreisen habe dieser Kiosk den Ruf, dass sie von anderen Tami-
len Geld (Erpressung/Schutzgeld) verlangen würden. Die Leute aus dem Kiosk
würden Leute in andere Läden schicken, um die Geschäftsinhaber zu erpressen.
So hätten sie es dann bei R._ und Q._ gemacht. Zu den Kioskleuten
gehörten 'J._' (i.e. J._), 'L._' (i.e. L._) sowie 'S._' mit
Spitznamen 'S._' (i.e. Privatkläger 2), wobei er diese Leute nicht kennen
würde, sondern nur die Gerüchte kenne (Urk. 14/33 S. 12 ff.). Q._, der eben-
falls im Zusammenhang mit den Tatwerkzeugen einvernommen wurde, gab als
Zeuge an, er sei im April 2011 beim Kiosk von J._ (i.e. J._) und ca. 20
weiteren Tamilen angegriffen worden, als er gegenüber im Lokal 'T._' geges-
sen habe. Er habe schon öfters Probleme mit 'J._' und 'L._' gehabt.
Wenn sie betrunken seien, würden sie ihn anpöbeln und sagen, er solle sich nicht
in dieser Umgebung blicken lassen. Dies würden sie fast jedem jungen Tamilen
- 19 -
sagen, der da vorbeilaufe. J._ sei ein Alkoholiker, der jeden Tag vor dem Ki-
osk Alkohol trinke (Urk. 14/34 S. 10 f.). Ein gegen ihn (den Zeugen) geführtes
Strafverfahren betreffend Einsatz Pfefferspray am 18. April 2011 sei eingestellt
worden, da er den Pfefferspray zu seiner Verteidigung eingesetzt hätte. Er sei von
J._ angegriffen worden, L._ sei vor dem Laden gestanden. Es seien
noch 4 - 5 Tamilen dort gewesen (Urk. 14/34 S. 13).
Diese klaren Positionierungen auf beiden Seiten sind bei der jeweiligen Aussage-
würdigung zu beachten. Angesichts der langjährigen Auseinandersetzungen zwi-
schen den beiden Gruppen muss allerdings bereits hier festgehalten werden,
dass der Ansicht der Verteidigung des Beschuldigten A._, es bestünde kein
Motiv für einen Angriff (Urk. 184 S. 10), nicht gefolgt werden kann.
5.1.2. Ebenso zu relativieren ist die Ansicht der Vorinstanz, dass es zu keinerlei
Absprachen oder gar Aussageinstruktionen zwischen den einzelnen Personen
gekommen sei (Urk. 160 S. 43). Dies haben auch die Verteidiger der Beschuldig-
ten A._, B._ und C._ zu Recht gerügt (Urk. 184 S. 15, Urk. 185 S.
8 und Urk. 186 4 f.). Aus den verschiedenen Befragungen ergeben sich zahlrei-
che Hinweise darauf, dass die Personen jeweils miteinander über den Vorfall ge-
sprochen haben (L._: Urk. 14/2 S. 15; J._: Urk. 14/8 S. 10 f.; J._:
Urk. 14/12 S. 22; J._: Urk. 14/16 S. 5; 14/17 S. 15; L._: 14/21 S. 11).
Sodann haben die Zeugen M._ (Urk. 14/16 S. 7; 14/17 S. 18), L._ (Urk.
14/21 S. 11, 15) und die Auskunftsperson O._ (Urk. 13/4 S. 23) die Video-
aufzeichnung aus dem Kioskinnern vor den Befragungen teilweise mehrmals visi-
oniert. Der Zeuge J._ hatte sodann für die Zeugeneinvernahme Notizen über
den Vorfall bei sich (Urk. 14/11 S. 10). Dass er diese erst im Zug auf dem Weg
zur Einvernahme gemacht haben soll, schliesst eine vorgängige Rücksprache mit
Mitbeteiligten nicht aus.
Angesichts der Vielzahl der geführten Gespräche unter den Beteiligten ist eine
gegenseitige - allenfalls auch unbeabsichtigte - Beeinflussung der Aussagen er-
fahrungsgemäss nicht auszuschliessen: in der Erinnerung vermischt sich die ei-
gene Wahrnehmung mit den Angaben Dritter (vgl. z.B. Urk. 14/17 S. 11, auf Vor-
halt, dass der Zeuge bei der Polizei gesagt habe, er habe das Auto nicht selber
- 20 -
gesehen: "Ich bin mir nicht mehr sicher, ob O._ mir das erzählt hat"). Dieser
Umstand ist bei der Würdigung ebenfalls zu beachten. Aus der fehlenden Kon-
vergenz der Aussagen der verschiedenen Personen kann entgegen der Vo-
rinstanz deshalb nicht auf unbeeinflusste Aussagen geschlossen werden. Auf-
grund der Dynamik des Geschehens, aber auch der unterschiedlichen und wech-
selnden Standorte der Zeugen und Auskunftspersonen ist auch bei Absprachen
eine vollständige Konvergenz der Aussagen wenig wahrscheinlich. Absprachen
betreffend die Täter können aber nicht ausgeschlossen werden. Auch kann nicht
allgemein die Feststellung getroffen werden, dass die Schilderungen der Zeugen
und Auskunftspersonen authentisch, sehr stimmig und entsprechend glaubhaft
seien, ohne eigentliche Auseinandersetzung mit den einzelnen Aussagen im Un-
tersuchungsverlauf bzw. im Lichte der anderen Aussagen.
5.1.3. Die Vorinstanz leitet aus gewissen eigenbelastenden Zugaben der Zeugen
und Auskunftspersonen eine besondere Glaubhaftigkeit der Aussagen ab. So hät-
ten sie belastende Umstände nicht verschwiegen, wie das Behändigen und Ein-
setzen eines Pfeffersprays, einer Stange, einer Glasflasche zur Abwehr sowie
teilweise erheblichen Alkoholkonsum (Urk. 160 S. 43). Diese Analyse zielt zu
kurz. So bestreitet der Privatkläger 2 (E._ genannt "E._") schlichtweg
jeglichen tatzeitaktuellen Kokainkonsum, obwohl das IRM-Gutachten klar das Ge-
genteil belegt (Urk. 31/3 S. 2 und 3; Urk. 13/19 S. 8). Ebenso bestreitet er, eine
Eisenstange gesehen (und demnach zwecks Abwehr in den Händen gehalten) zu
haben (Urk. 13/19 S. 17), entgegen den klaren Aussagen von O._ genannt
"O._" (Urk. 13/4 S. 16) und G._ (Urk. 12/6 S. 4; vgl. auch Urk. 184 S.
29). Ebenso bestreitet er, nach der Rückkehr von der Geburtstagsparty, welche er
ebenfalls in vollständiger Abweichung der Aussagen der übrigen Beteiligten
(J._, L._, O._) alleine mit dem öffentlichen Verkehr gemacht haben
will (Urk. 13/16 und 13/19), im hinteren Teil des Kiosks noch mit den anderen Al-
kohol konsumiert zu haben (Urk. 13/19 S. 19). Auch wenn der Privatkläger 2 of-
fensichtlich Angst hat, auszusagen, erklärt dies sein Aussageverhalten nicht. Sei-
ne Aussagen sind mit grosser Zurückhaltung zu würdigen. Ebenso findet sich klar
ausweichendes Aussageverhalten, so bei U._, der während der Auseinan-
dersetzung direkt hinter O._ stand und nicht bemerkt haben will, dass dieser
- 21 -
eine Stange in der Hand gehalten und damit geschlagen hat (Urk. 14/2 S. 12; Urk.
10/12 [DVD 22:57:42; entsprechender Protokolleintrag in Urk. 119 S. 2). Ebenso
erklärt der Zeuge J._ auf Vorhalt, es sei seien ihm im Laden keine Stangen
aufgefallen und soweit er sich erinnern könne, glaube er nicht, dass einer der Ver-
letzten oder jemand im Laden eine Stange in den Händen gehalten habe (Urk.
14/12 S. 19). Diese Aussage kontrastiert deutlich zur DVD-Aufzeichnung, wo der
Zeuge erkenntlich zunächst an vorderster Front steht und alles beobachtet. In-
dessen kann nicht der Interpretation der Verteidigung gefolgt werden, wonach
J._ "draussen vor dem Kiosk ganz kurz eine helle Stange hochhalte und sie
an eine andere Person übergebe" (Urk. 119: 22:56:55 bis 22:56:57).
Bei der Erstellung der einzelnen Sachverhaltselemente kann deshalb nicht unbe-
sehen auf diese Aussagen abgestellt werden.
5.1.4. Bei der Würdigung der Aussagen ist sodann zu berücksichtigen, dass die
Zeugen und Auskunftspersonen während des Vorfalls an unterschiedlichen
Standorten standen. Ebenso ist der hohe Alkoholisierungsgrad bei den Privatklä-
ger zu beachten. Der Privatkläger D._ wies gemäss Gutachten des IRM (Urk.
30/3) einen Blutalkoholgehalt von 2.85 0/00 - 3.15 0/00 auf. Dies stellt einen mitt-
leren bis schweren Rauschzustand dar, welcher die Wahrnehmungsfähigkeit er-
heblich beeinträchtigt. Die Aussagen des Privatklägers D._ sind deshalb mit
grosser Vorsicht zu würdigen. Beim Privatkläger E._ wurde nebst dem Koka-
inkonsum noch ein Blutalkoholgehalt von 1.88 bis 2.08 o/oo festgestellt (Urk.
31/3). Die Zeugen J._ und L._ haben eigenen Angaben gemäss eben-
falls an diesem Abend erheblich Alkohol konsumiert (Urk. 14/12 S. 12 und S. 20;
14/21 S. 6). Rechnung zu tragen bei der Aussagewürdigung ist sodann die von
den Auskunftspersonen und Zeugen geschilderte Angst vor den Beschuldigten
und deren Gruppe (Urk. 14/11 Frage 40 ff.; Urk. 13/9 S. 11; Urk. 13/11 S. 29;
14/16 S. 6 etc.). Auffällig ist dabei noch, dass die Privatkläger D._ und
E._ teilweise nicht einmal die Beschuldigten A._ und B._ identifizie-
ren konnten (Urk. 13/11 S. 32 und Urk. 13/19 S. 10).
5.2.1. Was nun die Erstellung der einzelnen Sachverhaltselemente angeht, so
hat die Vorinstanz zunächst zutreffend und gestützt v.a. auf die Aussagen der Be-
- 22 -
schuldigten A._ und B._ die Vorgeschichte aufgeführt (Urk. 160 S. 44
betr. Anklagesachverhalt 1. Abschnitt). Die Beschuldigten A._ und B._
bestritten indessen in Absprache mit den weiteren Beteiligten gehandelt zu ha-
ben, insbesondere auch betreffend die Drohung aus dem vorbeifahrenden Fahr-
zeug.
Diese Absprache ist für die Frage von Bedeutung, ob die aus dem fahrenden Auto
ausgestossene Drohung der Mitbeteiligten vor dem Kiosk, die im folgenden An-
klageabschnitt aufgeführt ist, den Beschuldigten A._ und B._ zugerech-
net werden kann. Die Vorinstanz hat als rechtsgenügend erstellt erachtet, dass
A._ und B._ zusammen in einer Gruppe mit den Insassen des roten
Peugeot 206, Kontrollschilder ..., insbesondere mit dem die Drohungen ausspre-
chenden Beifahrer H._, sowie zumindest mit den anlässlich der Verhaftung
im Wagen sitzenden C._, G._ und V._ handelten.
Hierzu ist Folgendes festzuhalten: Die Anklage umschreibt im ersten Abschnitt
der Anklage keinen gemeinsamen Entschluss für ein gemeinsames Vorgehen der
Beteiligten A._, B._, C._, H._, G._, V._ und F._
gegen die Privatkläger bzw. 'Kioskleute'. Gemäss Anklage beschlossen um ca.
22.00 Uhr alle, nach Zürich zu fahren und sich dort in einem tamilischen Take-
Away an der ...-strasse wieder zu treffen. Im folgenden Abschnitt der Anklage mit
der Drohung wird nur der Vorgang an sich beschrieben und nicht erwähnt, diese
Drohung sei, wie zuvor mit allen besprochen oder vereinbart, ausgestossen wor-
den. Damit fehlt es aber an der Zurechenbarkeit der Drohung in der Anklage zu
den beiden Beschuldigten A._ und B._. Das Anklageprinzip würde ver-
letzt, wenn ein solcher gemeinsamer Entschluss nur aufgrund einer Abfolge von
äusseren Ereignissen unterstellt wird, obwohl von der Anklage selbst nicht be-
hauptet. Es wird in der Anklage auch nicht angeführt, die Gruppe bestehend aus
A._, B._, C._, H._, G._, V._ und F._ hätten zu-
vor regelmässig solche Aktionen unternommen. Diesfalls hätte keine besondere
Entschlussfassung behauptet werden müssen, da jedem Mitglied der Gruppen-
zweck bewusst gewesen wäre.
- 23 -
Anders ist im Fall des Beschuldigten 3 (C._) zu entscheiden. Er sass gemäss
Anklage ebenfalls im Auto und hatte somit Kenntnis von dieser Drohung. Da er
gemäss Anklage sich an den weiteren Auseinandersetzungen beteiligte, ist er
diesem Entschluss zum gemeinsamen Vorgehen gegen die Kioskleute zumindest
konkludent beigetreten.
5.2.2. Was nun den eigentlichen Vorfall angeht, so machen die Beschuldigten
A._ und B._ geltend, sie seien von den Privatkläger D._ und
E._ angegriffen worden und hätten in Notwehr gehandelt. Dabei hätten sie
nur je einen Privatkläger geschlagen.
5.2.2.1. a) Der Beschuldigte A._ hat in seinen Aussagen durchgehend er-
wähnt, beim Vorbeigehen beim Kiosk sei er vom Privatkläger E._ ("Er hatte
lange schwarze Haare und diese sind hinten zusammengebunden", Urk. 11/8 S.
3) mit einer 1 Meter langen vierkantigen Eisenstange angegangen worden, wobei
er dies sagen könne, weil er diese Stange reflexartig mit der linken Hand gepackt
hätte und sich dabei an der linken Hand beim Daumenansatz verletzt habe. Dann
habe ihm jemand aus dem Kiosk Pfefferspray ins Gesicht gesprüht; es sei weis-
ser Schaum gewesen (Urk. 11/8 S. 3). Wie noch zu zeigen sein wird, stimmt be-
reits diese erste Aussage in vielen Details mit den Aussagen der Auskunftsperson
O._ überein. Im Verlauf der weiteren Einvernahmen macht der Beschuldigte
Zugaben zu seinem in der ersten Einvernahme ausgeblendeten Tatbeitrag, hält
indessen am Standpunkt der Notwehrsituation fest. Seinen Angaben gemäss hat-
ten dann beide Privatkläger eine Stange und hätten versucht, sie zu schlagen.
Nunmehr soll aber der Privatkläger D._ versucht haben, ihn mit einer Metall-
stange zu schlagen. Er habe diese mit der einen Hand fassen können und habe
mit der stumpfen Seite des Beils gegen den Kopf des Angreifers geschlagen (Urk.
11/9 Frage 19). Der Mitbeschuldigte H._, genannt "H._", sei dann dazu-
gekommen und habe ihm geholfen, die Metallstange zu halten (Urk. 11/9 Frage
49; Urk. 11/10 S. 3). Sie seien aber angegriffen worden (Urk. 11/9 Frage 72).
Auch später hält er daran fest, nur den Privatkläger D._ verletzt zu haben
(Urk. 11/10 S. 2; 11/11 S. 12). Diese Aussagen sind im Kern gleichbleibend, mit
Ausnahme, dass er in der ersten Einvernahme vom Privatkläger E._ ange-
- 24 -
griffen worden sei. Der Beschuldigte hält in der ganzen Untersuchung daran fest,
von den Privatklägern mit Metallstangen angegriffen worden zu sein und aus
Notwehr gehandelt zu haben. Abweichend schildert er allerdings die Bewaffnung
der Privatkläger mit den Metallstangen: Während er bei der Polizei ausführte, sie
(beide Privatkläger) hätten die Eisenstangen auf dem Rücken getragen (Urk. 11/9
Frage 14), will er in der staatsanwaltschaftlichen Schlusseinvernahme vom 24.
September 2012 nur noch den Privatkläger E._ mit einer Stange im Rücken
gesehen haben. In tamilischen Filmen sei es so, dass man als Gangster die Waf-
fen hinter dem Rücken im Hemd trägt, dass der Gegner sie sehen kann (Urk.
11/11 S. 9). Bei dieser Aussage fällt auf, dass wiederum nur der Privatkläger
E._ mit einer Stange auf dem Rücken beschrieben wird. Nicht stimmig ist
dabei der Umstand, dass er aber gleichzeitig vom Privatkläger D._ angegrif-
fen worden sein soll. Bei dieser Konstellation wäre zu erwarten gewesen, dass er
sich auf diesen Angreifer konzentriert und dies in der Erinnerung als wesentlich
gespeichert wird.
b) B._, genannt "B._", hält nach anfänglichen Bestreitungen in der ers-
ten Einvernahme (Urk. 11/1) fest, dass er und A._ beim Vorbeigehen am Ki-
osk von mehreren Männern von hinten angegriffen worden seien, welche grosse
Stangen am Rücken gehabt hätten. Einer habe sie hinten im Pullover gesteckt
gehabt, ein anderer habe die Eisenstange an die Hausmauer gelehnt gehabt (Urk.
11/2 S. 12). Nach zwei bis drei Meter seien sie von hinten gekommen und hätten
etwas auf tamilisch wie 'hei' gesagt. Als er sich umgedreht habe, seien die Leute
schon fast bei ihnen gewesen. Als er sich umgedreht habe, habe A._ Axt und
Messer aus dem Rucksack genommen und ihm das Messer gegeben. Dann habe
er gesehen, wie ein Angreifer am Ausholen gewesen sei mit einer Metallstange.
Er habe das Messer vor sich hingehalten, um es ihnen zu zeigen, um sie abzuhal-
ten. Der Angreifer sei bereits am zuschlagen gewesen und habe ihn im Brustbe-
reich treffen wollen. Er habe ihm ausweichen und einen Schritt zurückmachen
können. Er wisse nicht, ob er dann A._ getroffen habe. Er wisse nur, dass
die Stange an seinem Oberkörper vorbeigegangen sei. Er denke, dass er in die-
sem Moment mit dem Messer zugeschlagen habe (Urk. 11/2 S. 13). Er beschreibt
den Angreifer als ca. einen Kopf grösser als er selber (ca. 1.75m), wobei er lange,
- 25 -
hinten zusammengebundene Haare gehabt habe (Urk. 11/2 S. 13). Er habe ihn
am Gesicht (Wange) getroffen. Er habe dann nochmals auf die gleiche Art und
Weise zugeschlagen und ihn irgendwo am Arm getroffen. Er sei zu Boden gefal-
len, sei wieder aufgestanden und Richtung Kiosk gegangen. Jemand sei dazu ge-
kommen und habe Pfefferspray gesprüht. Den zweiten Schlag des Angreifers ha-
be er mit dem Messer stoppen können (Urk. 11/2 S. 14). Der zweite Angreifer sei
auch auf sie losgegangen. Er habe etwas grosses aus Holz gehabt (Urk. 11/2 S.
15). Auch in den weiteren Einvernahmen hält er daran fest, dass sie angegriffen
worden seien und er nur eine Person verletzt habe (Urk. 11/5 S. 6; Urk. 11/11 S.
11).
c) Was die mitgeführten Waffen auf Seiten der Beschuldigten angeht, so geben
die Beschuldigten an, die Axt und der Gertel gehörten P._ (genannt
P._). A._ habe mit ihm vereinbart, den Rucksack um 13.00 Uhr zurück-
zubringen. P._, weitere Kollegen und er hätten in Schlieren übernachtet und
anderntags nach Zürich gewollt. Da im Auto nicht alle Platz gehabt hätten, habe
ein Teil der Kollegen mit dem Zug reisen müssen. P._ habe ihm (A._)
den Rucksack übergeben, da er (P._) einer der Zugreisenden gewesen sei.
P._ habe solche Werkzeuge mit sich geführt, da er direkt nach der Arbeit
nach Schlieren gekommen sei. Er habe auch Arbeitskleidung getragen. Er wohne
beim ... [Ortsteil in Zürich]. Sie hätten dann um 13.00 Uhr telefoniert und eine
Übergabe um 22.30 Uhr vereinbart (Urk. 11/9 Frage 73 ff.).
Diese Angaben vermochte der als Zeuge einvernommene P._ (genannt P._) nicht zu bestätigen, obwohl er offensichtlich bereits vor der Einvernah-
me über das Beweisthema informiert war ("...Ich weiss aber, um was es geht.
Kann ich es Ihnen gerade sagen? Es ja um die Sachen, die die Tatverdächtigen
benützt haben sollen" (Urk. 14/33 S. 7). Abgesehen davon, dass damit grundsätz-
lich die Neutralität des Zeugen anzuzweifeln ist, bestritt er auch, dass diese
Werkzeuge ihm gehört hätten. Vielmehr hätte Q._ (genannt Q._) diese
Werkzeuge im Coop Bau und Hobby in Zürich-Brunau oder im Letzipark gekauft.
Sie seien in einem Coop-Plastiksack gewesen. Q._ habe ihm diese Tüte
übergeben und er habe sie dann in der Wohnung von W._ (an der
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AA._-strasse) vergessen. Er habe dann von einem Kebab-Stand aus gegen-
über des Kanzleiareals W._ angerufen und gesagt, sie sollen ihm die Tasche
bringen. Er habe dann eine Frau getroffen, weshalb er dann doch nicht auf die
Übergabe gewartet habe. Selbst auf Vorhalt der Version der Beschuldigten
(Übergabe in Schlieren) hielt der Zeuge an seinen Aussagen fest ("Ich habe es so
im Kopf, wie ich es gesagt habe.") bzw. verblieb im Unverbindlichen ("Es kann
sein..., Daran kann ich mich nicht erinnern. ... Ich weiss nicht..."). Er beharrte
aber, den Beschuldigten keinen Rucksack übergeben zu haben und die Werk-
zeuge in einer Plastiktüte in der Wohnung von W._ liegen gelassen zu haben
(Urk. 14/33 S. 7 ff.).
Der Zeuge Q._ wusste ebenfalls über das Beweisthema Bescheid ("Wahr-
scheinlich geht es um die Axt, die ich gekauft habe"). Er sei von P._ (ge-
nannt P._) vor ca. einer Woche (vor der Einvernahme) informiert worden (
Urk. 14/36 S. 7). Deshalb überrascht seine detaillierte Wiedergabe dieses an sich
unbedeutenden Ereignisses mit genauen Zeitangaben ("Ich war an diesem Frei-
tag um 14.00 Uhr mit der Arbeit fertig. P._ eine halbe Stunde später. Ich war-
tete auf ihn. Um ca. 14.45 Uhr nahmen wir den Zug und gingen in den Letzipark",
Urk. 14/36 S. 8), nicht weiter, macht sie indessen nicht glaubhaft, immerhin erfolg-
te diese Zeugeneinvernahme rund 7 Monate nach dem Vorfall. Trotz sehr vieler
weiterer Details ging dann aber doch der Preis für den behaupteten Kauf der
Werkzeuge vergessen ("Keine Ahnung." [Urk. 14/36 S. 8]), was vor dem Hinter-
grund der sonstigen Detailtreue Zweifel am Erwerb dieser Werkzeuge weckt.
Dass diese Einvernahme in Anlehnung an die Aktenlage vorbereitet wurde, bele-
gen die Aussagen mit dem Transfer der Tasche mit den Werkzeugen von der
Wohnung von W._ am Freitagabend nach Schlieren (vgl. dazu Urk. 14/36 S.
9 und 10). Zur Erinnerung: Gemäss seiner Zeugenaussage hat P._ die
Werkzeuge in der Coop-Tasche in der Wohnung von W._ am Freitagabend
vergessen, was nicht mit den Aussagen der Beschuldigten übereinstimmte, wel-
che diese in Schlieren entgegen genommen haben sollen. Entgegen der Aussage
von P._ wird dann sogar noch das Werkzeug mit der normalen Coop-Tasche
in die Arbeitstasche von ihm verstaut, wo er auch noch Arbeitskleidung drin ge-
habt habe (getreu der Aussage des Beschuldigten B._ in Urk. 11/2 S. 8). Um
- 27 -
die Aussage des Beschuldigten A._ (Übernahme der Tasche in Schlieren)
mit den Aussagen von P._ in Übereinstimmung zu bringen, bringt Q._
den "total besoffenen" P._ ("In der Zwischenzeit hatte er eine Flasche Whis-
ky getrunken.") auf seinen Wunsch hin mit dem Auto und mit der Tasche nach
Schlieren (Urk. 14/34 S. 9). Dies macht gar keinen Sinn, hätte Q._ seine
Werkzeuge spätestens in diesem Zeitpunkt wieder behändigen können. Über-
haupt macht dieser ganze Geschichte keinen Sinn, da Q._ nach dem angeb-
lichen Kauf der Gegenstände nach Hause ging ("Nachdem ich meine Freundin
am HB getroffen hatte, ging ich noch nach Hause duschen"; Urk. 14/34 S. 9).
Diese Aussagen der Beschuldigten A._ und B._ zur Frage, weshalb sie mit den Tatwaffen im Rucksack vor dem Kiosk "I._" erschienen sind, sowie
die diesbezüglichen Zeugenaussagen von P._ und Q._, sind insgesamt
als unglaubhaft und Lügenkonstrukt zu qualifizieren. Die Einwände der Verteidi-
gung vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern (Urk. 184 S. 30).
5.2.2.2. a) Die Auskunftsperson O._ stand während des ganzen Vorfalls
vor und im Eingang zum Kiosk "I._". Gemäss IRM-Gutachten (Urk. 29/3) hat-
te er im Tatzeitpunkt weder Drogen- noch Alkoholspuren im Blut, was auch seinen
eigenen Angaben entspricht. Von den Beschuldigten kennt er C._ genannt
"C._" (Beschuldigter 3), mit dem er vor einem Jahr gesprochen haben soll
und welcher behauptet habe, er habe ihn bereits einmal in Sri Lanka gesehen.
Ebenso kenne er dem Namen nach 'A._i', der aus Luzern komme (Beschul-
digter 1). Den Beschuldigten 2 kenne er nicht, habe ihn aber schon einmal im
'I._' gesehen (Urk. 13/1 S. 2 ff.). Weitere Beteiligte der Gruppe kenne er nicht
und habe sie auch nicht beim fraglichen Vorfall gesehen (G._ genannt
"G._", V._ genannt "V._"). Folgende Beteiligte kenne er nicht und
habe sie erstmals gesehen (AB._, AC._, H._ genannt "H._").
F._ genannt "F._" kenne er von einer früheren Schlägerei vor dem Res-
taurant .... Er sei ein Kollege eines Kollegen; er habe ihm damals ein Glas Was-
ser gebracht, als er verletzt worden sei (Urk. 13/4 S. 5 ff.). Den Privatkläger
E._ genannt "E._" kenne er von verschiedenen Festen, den Privatkläger
D._ genannt "D._" (D._) und "P._" kenne er gar nicht (Urk.
- 28 -
13/4 S. 8). Zu J._ genannt "J._" und L._, dem ehemaligen Kiosk-
besitzer habe er kollegiale Beziehungen und er habe bei letzterem früher gearbei-
tet (Urk. 13/4 S. 8 f.). Er sei zufälligerweise in diese Sache hineingeraten. Ein per-
sönliches Interesse am Verfahrensausgang ist nicht erkennbar, mit Ausnahme al-
lenfalls der vorstehend bereits erwähnten Positionierung betreffend der Wünsch-
barkeit einer Bestrafung der Angreifer (vgl. vorstehend Erw. II.5.1.1. und Urk. 13/4
S. 23).
O._ hat in seinen Aussagen von Anbeginn an A._ (Beschuldigter 1) als
Angreifer mit der Axt und B._ (Beschuldigter 2) als Angreifer mit dem Gertel
identifiziert (Urk. 13/1 Frage 20, Urk. 13/4 S. 13 f.). Diese Aussagen stimmen in-
sofern mit den Aussagen der beiden Beschuldigten überein (Urk. 11/10 S. 7; Urk.
11/2 S. 12 f.). Ebenso die Aussagen, wonach B._ (Beschuldigter 2) den
Rucksack getragen und A._ (Beschuldigter 1) die Axt und den Gertel aus
dem Rucksack genommen und B._ (Beschuldigter 2) den Gertel übergeben
und selbst die Axt genommen habe. Übereinstimmung findet sich auch in der ge-
schilderten Schlagbewegung mit der Axt (horizontaler Schlag gegen den Privat-
kläger E._ [Urk. 13/1 S. 6; 13/4 S. 16]). Der Beschuldigte A._ spricht
von horizontalen Hin- und Herbewegungen mit der Axt (Urk. 11/9 Frage 19). Die-
se Übereinstimmungen belegen, dass die Schilderungen der Auskunftsperson
nicht nur detailliert sind, sondern auch mit den Zugaben des Beschuldigten
A._ übereinstimmen. Wenn nun Letzterer, wie auch der Mitbeschuldigte
B._ behaupten, mit ihren Handlungen einen Angriff des Privatklägers
E._ abgewehrt zu haben, so ist diese Aussage zunächst im Lichte der weite-
ren Aussagen O._s zu würdigen.
Hier fällt auf, dass die gesamte Schilderung der Auskunftsperson einen in sich
stimmigen Ablauf schildert: die Drohung aus dem vorbeifahrenden Fahrzeug (Urk.
13/1 Frage 15), die Erkenntnis, dass etwas passieren könnte (Urk. 13/1 Frage
17), dann zunächst der Gedanke, L._, den ehemaligen Besitzer des Kiosks
zu holen, dass er mit den 'Anderen' (gemeint die andere Gruppe) reden könne,
um sie dazu zu bringen, wegzugehen (Urk. 13/1 Frage 17). Schon bei der ersten
Einvernahme weist er sodann darauf hin, dass er im Kiosk zwecks eigenem
- 29 -
Schutz einen Pfefferspray behändigte und sodann mit L._ vor dem Eingang
des Geschäftes gestanden habe. In diesem Moment seien zwei Personen (i.e. die
Beschuldigten A._ B._) der Gegenpartei vorbeigegangen. Vier bewaff-
nete Personen seien laut schreiend in ca. 50 Meter Entfernung gestanden, wobei
einer eine Eisenstange in der Hand gehalten habe (Urk. 13/1 Frage 17). Die bei-
den Beschuldigten seien nach 20 Meter stehen geblieben, hätten eine Doppelaxt
und eine Schwert hervorgenommen und seien in ihre Richtung gekommen, wobei
auch die vier anderen Leute schreiend auf sie zugekommen seien (Urk. 13/1 Fra-
ge 20/21).
Nicht ganz eindeutig lässt sich in diesem Ablauf der Beginn der  aus dem Kioskinnern platzieren. Beim Beginn der Aufnahme steht J._
vor dem Kioskeingang, wobei links von ihm O._ im weissen Hemd zu erken-
nen ist (Urk. 10/12; Urk. 119 22:56:14). 24 Sekunden später erscheint O._
mit dem Pfefferspray in der linken Hand von draussen im Türrahmen und behän-
digt rechts im Türrahmen eine Stange (Urk. 10/12; Urk. 119 22:56:14-38). Ge-
mäss seinen Aussagen bei der Polizei und der Staatsanwaltschaft sei dies der
Moment gewesen, als die Beschuldigten A._ und B._, zusammen mit
den Mitbeteiligten aus ca. 50 Meter Entfernung auf sie zugekommen seien (Urk.
13/1 Frage 21; 13/4 S. 15). Gemäss seinen weiteren Aussagen soll ihm dann der
Privatkläger E._ die Stange aus der Hand genommen haben, um sich zu
schützen (Urk. 13/1 Frage 21; Urk. 13/4 S. 16). Diese Aussage lässt sich indes-
sen nicht anhand der Videoaufnahme verifizieren: O._ hält die Stange bis
zum Schluss in der Hand.
Hierzu ist Folgendes festzuhalten: In der polizeilichen Einvernahme führte er aus,
im Zeitpunkt des Angriffs eine am Boden liegende Stange aufgehoben zu haben,
welche ihm dann der Privatkläger E._ weggenommen habe. Er habe grosse
Angst vor dem Schwert und der Axt gehabt. Daher habe er das Stück Metall zu
sich genommen, um sich zu schützen (Urk. 13/1 Frage 21). Die Unterlegung der
Handlung mit den motivierenden Angstgefühlen angesichts des Angriffs wirkt
glaubhaft. Die Vorinstanz (Urk. 160 S. 49/50) sieht diese von O._ geschilder-
te Behändigung der Metallstange vom Boden in der Sequenz 22:56:51 (Urk. 119;
- 30 -
10/12). Dieser Interpretation kann nicht gefolgt werden, wenn die Aussagen von
O._ zugrunde gelegt werden. Zwar erklärt er bei der Staatsanwaltschaft,
nach Behändigung der Stange rechts vom Eingang sei ihm diese vom Privatklä-
ger E._ weggenommen worden (Urk. 13/4 S. 15). Der Videoaufzeichnung ist
indessen zu entnehmen, dass in diesem Zeitpunkt O._ bereits einen Pfeffer-
spray in der linken Hand hatte, als er in der Sequenz 22:56:38 wieder den Kiosk
betritt. Diesen hatte er seinen Aussagen gemäss bereits nach der Drohung (aus
dem vorbeifahrenden Auto) behändigt. Dies bedeutet, dass die Videoaufzeich-
nung knapp vor dem Erscheinen der Beschuldigten A._ und B._ vor
dem Kiosk einsetzt. O._ hat in der tatnahen Einvernahme bei der Polizei -
wie ausgeführt - glaubhaft dargetan, die Eisenstange vom Boden behändigt zu
haben, als er der Beschuldigten A._ und B._ und weiterer Angreifer ge-
wahr worden sei. Somit ist der Zeitpunkt der Wegnahme der Stange durch den
Privatkläger E._ vor Einsetzen der Videoaufzeichnung zu situieren. Die Dis-
krepanz zwischen den Aussagen von O._ und dem Video ist wohl damit zu
erklären, dass er bei der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme unter dem Ein-
druck der Videoaufzeichnung gestanden hat ("Das könnte man im übrigen auf der
Videoaufzeichnung sehen."; Urk. 13/4 S. 21).
Mit der Verteidigung des Beschuldigten 1 (Urk. 184 S. 9 ff.) ist deshalb der Beginn
der Videoaufzeichnung kurze Zeit vor der Auseinandersetzung zu verorten. Im
Zeitpunkt 22:56:48, als O._ die Stange behändigt, ist gemäss seien Aussa-
gen davon auszugehen, dass sich die Gruppe (mit einer Eisenstange bewaffnet)
und die Beschuldigten 1 und 2 (mit Axt und Gertel) aus ca. 20 - 50 Meter auf sie
zubewegt. Der eigentliche Beginn der Auseinandersetzung dürfte im Bereich
22:57:00 liegen, sieht man doch im oberen linken Türrahmen die Bewegung von
etwas Stangenähnlichem und schauen die Kunden bei der Kasse erstmals Rich-
tung Eingang, wobei sie sich nachher wieder der Kasse zuwenden. L._ geht
22:57:15 vor den Kioskeingang, 16 Sekunden später kommt J._ in den Kiosk
und verlässt ihn wieder 9 Sekunden später. Dazwischen, um 22:57:33, erscheint
L._ mit dem Telefon in der Hand und wählt eine Telefonnummer, wobei da-
von auszugehen ist, dass er die Polizei angerufen hat (vgl. Aussage O._,
[Urk. 13/4 S. 14]; gemäss Polizeibericht ging der Anruf um 23:04 Uhr in der Not-
- 31 -
rufzentrale von der Mobil-Telefon: ... ein [Urk. 2 S. 1), welche Nummer L._
gehört [Urk. 14/20 S. 1]. Der Zeitunterschied zur Zeitzählung auf dem Video ist
wohl Folge einer Ungenauigkeit der Zeitanzeige der Videoaufzeichnung.). Ab
22:57:48 scheint die Lage zu eskalieren: O._ fuchtelt und schlägt mit der
Stange aus dem Kioskeingang heraus und die Kunden und Leute an der Kasse
schauen wieder zum Eingang. Um 22:58:00 kommt J._ zurück, wenig später
wird der verletzte E._ hereingeführt. 8 Sekunden später (22:58:12) ist der
schwankende D._ links vom Kioskeingang zu erkennen. Danach richtet sich
das Geschehen nach rechts: um 22:58:48 wirft O._ mit voller Wucht eine
Flasche nach rechts, als die Beschuldigten die Schaufensterscheibe am Ein-
schlagen sind, was nicht sichtbar ist, aber den Aussagen der Beschuldigten ent-
spricht. Gemäss Aussagen von O._ wollte er damit verhindern, dass die Be-
schuldigten in den Laden kommen (Urk. 13/4 S. 20).
Das Kerngeschehen, nämlich die eigentliche zu den Verletzungen der Privatklä-
ger führende Auseinandersetzung, dürfte sich im Zeitfenster zwischen 22:57:48
und 22:58:12 abgespielt haben, mithin innert knapp 30 Sekunden. Wie auch die
Verteidigung bei der Protokollierung der Videoaufzeichnung festgehalten hat, er-
scheint der verletzte Privatkläger D._ links bei der Türe (Urk. 119 22:58:12).
Aufgrund dieser Aufnahmen ergibt sich, dass sich das Geschehen in unmittelba-
rer Nähe des rechten Kioskeingangs (von Innen aus gesehen) abgespielt hat.
Diese Einschätzung stimmt auch mit dem Spurenbild des Tatorts überein (Urk.
10/10 S. 5 - 11).
Die Aussagen O._s sind insgesamt als glaubhaft zu bezeichnen. Sie enthal-
ten einen hohen Detaillierungsgrad, differenzierte Angaben zu den Handlungen
der einzelnen Beteiligten und widerspiegeln Gefühle und Empfindungen. Sie wei-
sen zwar im Abgleich mit der Videoaufzeichnung Abweichungen auf, die indessen
nicht das Kerngeschehen betreffen. Ganz entscheidend ist dabei, dass er bereits
bei der Polizei auf den Einsatz einer Metallstange auf Seiten des Privatklägers
E._ hingewiesen und seine eigene Bewaffnung (Pfefferspray und Metallstan-
ge) erwähnt hat. Dass er die wechselnden Positionen von J._ und L._
während des ganzen Geschehens unzutreffend wiedergegeben hat, vermag die
- 32 -
Glaubhaftigkeit seiner übrigen Darstellung nicht nachhaltig zu schaden; dies auch
vor dem Hintergrund, dass er sich v.a. auf das Geschehen vor dem Kiosk und der
Auseinandersetzung zwischen den Beschuldigten und den Privatkläger kon-
zentrierte. Seine Belastungen sind im Übrigen zurückhaltend. Er weist darauf hin,
wenn er etwas nicht gesehen hat (z.B. Art der Bewaffnung "Stange oder ähnlich"
vom Beschuldigten C._). Auffällig ist letztlich auch die hohe Übereinstim-
mung mit den Aussagen der beiden Beschuldigten (mit Ausnahme der Notwehrsi-
tuation), was Einzelheiten im Tatablauf angeht. Die Ausführungen der Verteidi-
gung von B._ zu den Aussagen von O._s (Urk. 185 S. 16) vermögen
daran nichts zu ändern.
Die Verteidiger verweisen im Zusammenhang mit der Glaubhaftigkeit der Aus-
kunftsperson O._ auf den Beschluss der III. Strafkammer des Oberge-
richts vom 13. März 2013, womit eine Beschwerde gegen die Einstellung der
gegen die Beschuldigten wegen Drohung und Angriff zum Nachteil von O._
geführten Strafuntersuchung abgewiesen wurde. In den Erwägungen betreffend
Drohung kommt die III. Strafkammer zum Schluss, dass sowohl aufgrund des
Verhaltens des Beschwerdeführers O._ wie auch aufgrund der Tatsache,
dass lediglich eine weitere Person seine Ausführungen bestätigt habe, welche
sich überdies zuvor mit ihm besprochen habe, erhebliche Zweifel an der Sachdar-
stellung des Beschwerdeführers O._ bestünden. Die Glaubhaftigkeit seiner
Aussagen sei entsprechend reduziert. Es sei wenig wahrscheinlich, dass ein
Sachrichter bei dieser Sachlage den Sachverhalt, wie ihn der Beschwerdeführer
schildere, als erstellt erachten würde (Urk. 109 S. 13). Dem ist Folgendes entge-
genzuhalten. Wie noch zu zeigen sein wird, hat nur noch J._ diese Drohung
mitbekommen. Er stand zusammen mit den Privatkläger und O._ draussen
auf dem Trottoir neben dem Kiosk. Weitere Zeugen bzw. Auskunftspersonen hiel-
ten sich im Kiosk auf. In den Erwägungen wird moniert, dass die Privatkläger
nichts von der Drohung mitbekommen hätten (Urk. 109 S. 12 f.). In diesen Erwä-
gungen wird jedoch mit keinem Wort auf den hohen Alkoholisierungsgrad der bei-
den Privatkläger von 2.85 bis 3.15 o/oo (Urk. 30/4) und 1.88 - 2.08 o/oo hingewie-
sen (Urk. 31/3). Es ist gerichtsnotorisch, dass in einem solchen Zustand die
Wahrnehmungsfähigkeit sehr erheblich eingeschränkt ist. Demgegenüber war -
- 33 -
wie bereits erwähnt - O._ vollständig nüchtern (Urk. 29/3). Dass sodann die
Fahrzeuginsassen, notabene selber Beschuldigte, davon nichts wissen wollten,
wie die III. Strafkammer ebenfalls festhielt, überrascht nicht weiter. Vor diesem
Hintergrund kann den Erwägungen der III. Strafkammer nicht gefolgt werden.
Ebenso bestätigt die Reaktion von O._ auf diese Drohung (Orientierung von
L._, Behändigen eines Pfeffersprays, dann einer Metallstange), dass eine
solche ausgestossen wurde, und wirkt mithin glaubhaft. Ob die Drohung gegen
ihn selbst gerichtet war, kann dabei offen bleiben. Gegen eine Absprache zwi-
schen O._ und J._ spricht zudem auch der unterschiedlich wiedergege-
bene Wortlaut der Drohung. Dass sie im Übrigen vor der polizeilichen Einvernah-
me nach einem solchen dramatischen Ereignis mit zwei sehr erheblich und stark
blutenden Verletzten detailliert über das Vorgefallene 'strategisch' ihre Aussagen
koordiniert haben sollen, erscheint eher unwahrscheinlich. Mitnichten kann des-
halb der III. Strafkammer in ihrem Urteil gefolgt werden, die Aussagen der Aus-
kunftsperson O._ seien in ihrer Glaubhaftigkeit reduziert. Entgegen der An-
sicht der Verteidigung des Beschuldigten C._ (Urk. 186 S. 4) kann daher
nicht davon ausgegangen werden, aus dem roten Peugot, in dem auch C._
sass, seien keine Drohungen ausgestossen worden.
b) Die aus dem vorbeifahrenden Auto ausgestossene Drohung wurde auch von
J._ (genannt "J._"), der sich ebenfalls vor bzw. neben dem Kiosk beim
"..." [Bäcker] aufgehalten hat, wahrgenommen (Urk. 14/11 Frage 10; 14/12 S. 13).
Dass der Zeuge sich nicht mehr an den genauen Wortlaut, hingegen an den dro-
henden Charakter erinnern konnte, vermag diese Aussage nicht zu entkräften.
Nach dieser Drohung hätten sie sich in den Kiosk begeben und dann seien sie
wieder vor dem Kiosk gestanden. Dann seien von drei Seiten Personen ange-
rannt gekommen. Er habe sich dann in den Kiosk zurückgezogen und O._
sei mit einer Flasche in der Hand vor ihnen gestanden und habe sie beschützt
(Urk. 14/11 Frage 13 und 14; Urk. 14/12 S. 15 unten). Diese Aussagen stimmen
zumindest in der Anfangsphase mit den Videoaufzeichnungen überein, wo er ne-
ben O._ vor dem Kiosk steht (Urk. 10/12; 119 22:56:14) und sich nach 77
Sekunden (22:57:31) in den Kiosk begibt. Er erwähnt noch einen Telefonanruf vor
dem Angriff an den Privatkläger D._ von AD._ (Urk. 14/12 S. 10), wel-
- 34 -
ches der Privatkläger bei der Polizei bestätigte und erklärte, AD._ habe wis-
sen wollen, wo er sei (Urk. 13/9 Frage 34). Dieser AD._ wohne im Asylheim
an der AA._-gartenstrasse und die (Angreifer-)Gruppe besuche ihn norma-
lerweise. Bei der Staatsanwaltschaft führte er ergänzend aus, AD._, der ab
und zu zu ihm essen komme, habe gefragt, ob er etwas gekocht habe. AD._
habe ihn gefragt, wo er sei und er (der Privatkläger D._) habe ihm gesagt, er
sei beim McDonalds, er solle doch zu ihm nach Hause gehen, P._ sei da und
habe vielleicht etwas für ihn. Er sehe aber keinen Zusammenhang zwischen dem
Anruf und dem Angriff (Urk. 13/11 S. 23). Der Zeuge J._ will hingegen gehört
haben, dass andere Leute ihn (den Privatkläger D._) suchen würden, um ihn
zu schlagen. Der Anruf sei um ca. 22.00 Uhr erfolgt, er sei vor dem Kiosk
draussen gestanden. Er sei neben D._ gestanden und habe gehört, was letz-
terer gesagt habe. Er habe auch verstanden, dass D._ gefragt worden sei,
wo er sei und er solle aufpassen, er würde nun bald geschlagen (Urk. 14/12 S.
10). Diese Aussagen sind mit grosser Zurückhaltung zu würdigen, insbesondere
jene mit der Wiedergabe des Telefongesprächs, da ein solches 'Mithören', auch
aus den Antworten, eher ungewöhnlich erscheint. Dieses Telefongespräch kann
nicht als Indiz für den bevorstehenden Angriff gewertet werden. Sodann sind ge-
wisse Übertreibungstendenzen in den Aussagen von J._ erkennbar, was
auch die Verteidiger der Beschuldigten A._, B._ und C._ korrekt
festhalten (Urk. 184 S. 14 f., Urk. 185 S. 13 f. und Urk. 186 S. 14 f.). In seinen
Aussagen tendiert er dazu, die Angreifer übermässig zu belasten: So hat er als
einziger beide Privatkläger auf dem Boden liegen sehen (Urk. 14/12 S. 17; vgl.
dazu Aussage von O._, Urk. 13/4 S. 16 und 19) sowie dass der Beschuldigte
A._ eine Faustfeuerwaffe habe hervorziehen wollen (Urk. 14/11 S. 3; wobei
Abschwächung in Zeugenaussage betr. Person, Urk. 14/12 S. 25). Auch hätten
alle ca. 10 Angreifer mit Äxten und Messern (in der Mehrzahl!) auf die beiden Pri-
vatkläger eingeschlagen (Urk. 14/11 S. 3). Dies sind klare Übertreibungssignale.
Formulierungen wie "Soweit ich mit erinnere, glaube ich nicht. ... Das kann ich
nicht genau sagen. ... Darauf habe ich nicht geachtet" sind sodann typisch für
ausweichendes Aussageverhalten, welches der Zeuge betreffend die Frage, ob
- 35 -
die Privatkläger Stangen in den Händen gehalten haben oder ob sie auch die
mutmasslichen Täter losgegangen seien, benützte (Urk. 14/12 S. 19).
c) L._ hat die Drohung aus dem vorbeifahrenden Fahrzeug nicht persönlich
wahrgenommen, da er sich im Kiosk befunden habe (14/21 S. 6). Er sei dann von
O._ gerufen worden, sei aber nicht hinausgegangen, sondern sei auf der
Treppe stehen geblieben (Urk. 14/21 S. 6). Er habe gesehen, wie sich vier oder
sechs Personen von der rechten Seite hergekommen seien und wie sie sich vor-
bereitet hätten. Sie hätten eine Axt hervorgenommen und einige hätten eine Müt-
ze tief in die Stirn gezogen gehabt. Er habe 'A._, B._ und C._' ge-
kannt. C._ habe die Axt aus einem Sack oder etwas ähnliches herausge-
nommen. Er habe nur kurz, ca. 1 Minute aus dem Laden geschaut. Dann habe er
mit dem Handy die Polizei gerufen (Urk. 14/21 S. 7). O._ und er seien beim
Eingang gestanden. Sie hätten Angst gehabt, dass die Leute in den Laden rein
gewollt hätten. Er habe dann eine Metallstange, ca. 1 Meter lang, in die Hände
genommen. Er habe sie zu seinem Schutz genommen. 'E._' (i.e. der Privat-
kläger E._) habe ihm diese Metallstange zu seinem Schutz weggezogen
(Urk. 14/21 S. 8). Er habe eine Holzstange und eine Metallstange zu ihrem Schutz
beim rechten Schaufenster versteckt gehabt, weil sie schon mehrere Schlägerei-
en im Kiosk gehabt hätten. Allerdings habe nur er von diesen Stangen gewusst.
Die andere Stange sei nachher immer noch dagewesen, die habe niemand geholt
(Urk. 14/21 S. 8). Diese Aussagen vor der Staatsanwaltschaft sind insofern be-
merkenswert, weil sie den Aussagen von O._ betreffend Wegnahme der
Stange durch den Privatkläger E._ klar widersprechen und auch in der Vide-
oaufzeichnung keine Entsprechung finden. Die Videoaufzeichnung zeigt nur
O._ mit einer Metallstange in der Hand. Da gemäss Aussage von L._
nur eine Metallstange (und eine nicht benützte Holzstange) im Laden gewesen
seien) ist seine Aussage nicht überzeugend. Auch kontrastieren seine ereignisna-
hen Aussagen bei der Polizei deutlich mit jenen bei der Staatsanwaltschaft. Bei
der Polizei stand er vor dem Vorfall draussen und habe eine Zigarette geraucht,
als drei bis vier Personen gekommen seien, wobei zwei Personen eine Axt in der
Hand gehalten hätten. Er habe Angst bekommen, habe die Zigarette weggewor-
fen und sei in den Kiosk gegangen. Die Leute hätten dann auf die zwei verbliebe-
- 36 -
nen Bekannten vor dem Kiosk mit den Äxten eingeschlagen und diese am Kopf
verletzt. Er habe dies alles vom Kiosk aus von der Kasse beobachtet (Urk. 14/20
Frage 6 ff.). Auch unter Berücksichtigung, dass die Befragung bei der Polizei eher
summarischer Natur war, weicht sie doch erheblich von der späteren Befragung
beim Staatsanwalt ab, insbesondere auch im Hinblick auf den erwarteten Angriff.
Die Aussagen von L._ sind somit mit grosser Zurückhaltung zu würdigen,
was auch die Verteidiger der Beschuldigten B._ und C._ bereits anführ-
ten (Urk. 185 S. 12 f. und Urk. 186 S. 12 ff.).
d) Der Privatkläger D._ gab am 29. Juni 2011 bei der Polizei an, vom Be-
schuldigten A._ mit der Axt von oben auf den Kopf geschlagen worden zu
sein. Den zweiten Schlag habe er mit dem Unterarm abwehren können. Deshalb
habe ihn dieser Schlag nicht voll erwischt und er habe die rechte Kopfseite ge-
streift, woraus eine kleinere Wunde resultiert habe. Er sei zweimal von A._
geschlagen worden. Zwischenzeitlich sei er einmal vom Beschuldigten B._
mit dem Messer am Unterarm verletzt worden (Urk. 13/9 Frage 45 ff.). Der Privat-
kläger E._ sei nicht vom Beschuldigten A._ angegriffen worden (Urk.
13/9 Frage 53). Ob der Beschuldigte B._ seinen Kollegen angegriffen habe,
könne er nicht sagen, da er, als er geschlagen worden sei, bewusstlos zu Boden
gefallen sei. Er hätte aber gehört, dass dieser von beiden Beschuldigten geschla-
gen worden sei (Urk. 13/9 Frage 54). C._ habe ihn noch mit einer Eisenstan-
ge und F._ mit einem Pfefferspray bespritzt (Urk. 13/9 Frage 44, 55, 62). Bei
der Staatsanwaltschaft führte er am 3. Oktober 2011 aus, F._ habe ihn mit
einer Metallstange geschlagen (Urk. 13/11 S. 6). Dann verwechselt er auf Vorhalt
der Fotodokumentation den Beschuldigten C._ genannt "C._" mit
AC._ (Urk. 13/11 S. 7/8). Der Beschuldigte B._ habe ihm eine Schnitt-
verletzung an der Stirn zugefügt (Urk. 13/11 S. 10). Den Beschuldigten A._
kenne er nicht, er habe ihn einmal gesehen. Er könne sich nicht an sein Gesicht
erinnern. Auf Vorhalt, dass dieser Mann A._ genannt werde, erklärte der Pri-
vatkläger, er habe nach dem Vorfall erfahren, dass er auch dabei gewesen sei
und dass er ihn geschlagen habe (Urk. 11/13 S. 10). Auf Frage: "Also Sie meinen
A._ oder dieser Mann auf Foto Nr. 9?", antwortete er, man habe ihm gesagt,
- 37 -
dass der Mann, der ihn geschlagen habe, A._ heisse. Auf nochmaligen Vor-
halt des Fotos konnte er ihn nicht erkennen. Er habe ihn nur einmal gesehen. Auf
dem Foto erkenne er ihn nicht. Er habe aber von O._ erfahren, dass der
Mann aus Luzern A._ heisse und ihn geschlagen habe. O._ habe in be-
sucht, als er im Spital gelegen habe. Auf Vorhalt, ob er mit O._ über den Fall
geredet hätte, sagte er: "Nein, er arbeitet beim Kiosk". Er habe auch mit den an-
deren Kollegen, die ihn im Spital besucht hätten, nicht über den Vorfall geredet
(Urk. 11/13 S. 11). Mit dem Privatkläger E._ sei er sehr gut befreundet und
mit ihm habe er über den Fall gesprochen (Urk. 11/13 S. 12). Den Vorfall schildert
er folgendermassen: Zuerst seien die zwei Personen, A._ und B._ (i.e.
die Beschuldigten A._ und B._) normal auf ihn zugekommen. Er habe
die beiden Männer ja schon vorher gekannt und habe nicht damit gerechnet. Er
sei dann plötzlich angegriffen und verletzt worden. Es sei dann eine Schweizerin
gekommen und habe ihm irgendein Kleidungsstück an den Kopf gehalten (Urk.
13/11 S. 18). Wer Axt und Messer gehalten habe, könne er nicht sagen. Nachher
habe ihn noch C._ (i.e. der Beschuldigte C._) mit einer Eisenstange und
dann auch noch F._ (i.e. F._), welcher C._ die Stange aus der
Hand genommen habe, geschlagen. Mit der Axt sei er drei Mal geschlagen wor-
den, mit dem Messer sei er am Unterarm verletzt worden. Er habe nicht gesehen,
wie der Privatkläger E._ verletzt worden sei. Dieser wisse auch nicht, was
genau passiert sei (Urk. 13/11 S. 22). Auf erneuten Vorhalt der Fotos erklärt er bei
C._, dass er ihn auch nicht gesehen habe (Urk. 13/11 S. 22).
Diese ausführliche Wiedergabe der Aussagen des Privatklägers D._ belegt,
wie bereits unter Ziffer 5.1.4. ausgeführt und wie auch die Verteidiger der Be-
schuldigte B._ und C._ zu Recht geltend machen (Urk. 185 S. 10 ff. und
Urk. 186 S. 6 -9), dass auf diese Aussagen nicht abgestellt werden kann. Was
den eigentlichen Vorfall angeht, so erinnert er sich nur an einen plötzlichen Angriff
und dann wieder an die Schweizerin, die ihm geholfen hat. Alle anderen Informa-
tionen kennt er nur vom Hörensagen. Deshalb ist auch unklar, wieweit seine spe-
zifischen Angaben zur Anzahl und Art der Schläge mit den Waffen eigene Wahr-
nehmungen wiedergeben. Auch seine Schwierigkeiten bei der Identifikation der
Beteiligten deutet auf ein Blackout zufolge des Schlages auf den Kopf, mit nach-
- 38 -
folgender Gedächtnislücke. Dass nach einem solchen Schlag eine Erinnerungslü-
cke entstehen kann, ist gerichtsnotorisch. Zudem befand er sich in einem mittle-
ren bis schweren Rauschzustand. Deshalb können seine Aussagen nicht zur
Identifikation der Beteiligten und zur Erstellung des Sachverhalts herangezogen
werden.
e) Zum Aussagenverhalten des Privatklägers E._ wurden ebenfalls bereits
vorstehend Ausführungen gemacht (Ziff. 5.1.3.). Bei der Polizei führte er am 12.
Juli 2011 aus, er sei an der rechten Wange mit der Axt verletzt worden, der Kno-
chen sei gebrochen. Er habe dabei versucht, mit der linken Hand abzuwehren.
Dabei sei er mit dem Säbel an der linken Handoberfläche und am linken Ellbogen
verletzt worden, wobei er Schnittwunden erlitten habe. Der Beschuldigte A._
habe eine Axt in der Hand gehabt und der Beschuldigte B._ habe ihn mit ei-
nem Säbel verletzt (Urk. 13/16 Frage 19 f.). Auf Vorhalt der Fotos aller beteiligten
beschuldigten Personen konnte er keine mit Sicherheit als am Tatort anwesend
bezeichnen (Urk. 13/16 Frage 35; vgl. auch Urk. 13/15). Die Namen der Angreifer
habe er erst vom Sohn des Kioskbesitzers und vom Kioskbesitzer selber erfahren.
Sie (die Angreifer) seien plötzlich gekommen und hätten auf ihn eingeschlagen.
Wie hätte er sie erkennen können. Er könne das nicht genau sagen. Auf nochma-
ligen Vorhalt der Fotobogen identifiziert er alle drei Beschuldigten, wobei C._
genannt "C._" die Axt in der Hand gehalten habe. B._ habe er nur kurz
gesehen, wo er glaublich entweder einen Pfefferspray oder einen Säbel in der
Hand gehalten habe. Als sie sich ihm genähert hätten, habe er gesprayt und das
habe er gesehen. Der Beschuldigte A._ sei auch dabei gewesen, aber er sei
sofort weggerannt, als er angegriffen worden sei. Nach wiederholtem Betrachten
der Bilder zweifelt er indessen, dass der Beschuldigte A._ dabei gewesen sei
(Urk. 13/16 Frage 36 ff.). Bei der Staatsanwaltschaft erklärte er am 24. Oktober
2011, dass er nach der Verletzung in den Kiosk gerannt sei und dort von der an-
deren Leuten gehört habe, wer dabei gewesen sei (Urk. 13/19 S. 12). Er sei allei-
ne vor dem Kiosk gestanden, als ihn drei Männer plötzlich angegriffen hätten. Der
Beschuldigte B._ (später korrigiert als A._, S. 17 f.) habe ihn mit der Axt
angegriffen und ihm eine Schnittverletzung an der rechten Wange in der Nähe
des Ohres zugefügt. Dann habe er versucht, sich mit beiden Händen zu wehren,
- 39 -
und habe diese schützend vor das Gesicht gehalten. Dabei sei er an der linken
Hand mit dem Messer verletzt worden. Auch am linken Ellbogen habe er eine
Schnittverletzung. Dann sei er in den Kiosk gerannt. Mit der Axt sei eine Aushol-
bewegung nach oben gemacht worden und es sei von oben herab zugeschlagen
worden. Dabei sei er einmal mit der Axt und zweimal mit dem Messer verletzt
worden. Mit der Axt sei ein Schlag ausgeführt worden, mit dem Messer könne er
es nicht genau sagen, nach er Verletzung im Gesicht habe er sich nicht mehr auf
die Schläge konzentrieren können. Die dritte Person habe ihm nichts spezielles
gemacht. So weit er es in Erinnerung habe, habe sie einen Spray in der Hand ge-
habt. Er habe dann im Laden gefragt, wer ihn verletzt habe. Ihm seien die Namen
gesagt worden und wer was in den Händen gehabt habe. Was die anderen Per-
sonen angehe, so habe er mitbekommen, dass sie irgendwo gestanden seien,
aber er habe sie nicht gesehen. Er habe nur drei Angreifer gesehen (Urk. 13/6 S.
18). Aus diesen Aussagen geht klar hervor, dass der Privatkläger E._ nie-
manden belasten möchte, auch nicht sich selbst. Unübersehbar hat er Angst, sei-
ne Angreifer zu identifizieren und zu belasten ("Kriege ich Probleme, weil ich hier
Aussagen mache? Es gibt ja sicher noch andere Leute draussen von der Gruppe.
Ich befürchte, dass ich von den anderen erneut angegriffen werde."; Urk. 13/16
Frage 51). Auf Frage, ob er sich vor jemandem fürchte, führte er aus, eigentlich
nicht, aber es könnte ihm etwas zustossen. Dies, weil er sie identifiziere. Es könn-
ten dann Probleme mit deren Kollegen entstehen. Er habe sie nicht so identifi-
ziert, aber vielleicht würden sie dies denken (Urk. 13/16 Frage 62). Diese Aussa-
gen wirken durchaus glaubhaft, weniger hingegen die Darstellung seiner eigenen
Rolle, die sich nicht damit begründen lässt. Auf diese Aussagen kann nur mit
grösster Zurückhaltung abgestellt werden. Auch gerade für die zentrale Frage,
wie gegen ihn die Axt und der Gertel eingesetzt wurden, kann die Antwort nicht
zum Nennwert genommen werden, da er den Einsatz der Metallstange, der auf-
grund der Aussagen von O._ und J._ zur Abwehr des Angriffs als er-
stellt zu gelten hat, verneint. Immerhin lässt sich seiner Aussage entnehmen,
dass die dritte beteiligte Person ihm gegenüber nichts gemacht hat.
- 40 -
f) Die übrigen Zeugen und Auskunftspersonen (U._, M._) vermögen
mangels eigener direkter Wahrnehmungen zu dieser Phase keine wesentlichen
sachdienlichen Angaben zu machen.
5.2.2.3. Die Vorinstanz hat die Frage, ob der Privatkläger D._ eine Metall-
stange in der Hand gehalten habe, verneint (Urk. 160 S. 50). Das Institut für
Rechtsmedizin hat an einer am Tatort sichergestellten Eisenstange am mutmass-
lichen Griff DNA-Spuren des Privatklägers D._ festgestellt. Die Vorinstanz
führt dazu aus, es seien am anderen Ende der Stange auch noch Blutanhaftun-
gen mit dem DNA-Profil des Privatklägers D._ gefunden worden. Dies stim-
me mit der Anklage überein, die dem Beschuldigten C._ vorwerfe, den Pri-
vatkläger D._ mit der Stange geschlagen zu haben. Es sei durchaus möglich,
dass der mit der Stange an beiden Enden in Berührung gekommen sei (Urk. 160
S. 50). Die Beschuldigten A._ und B._ behaupten, auch der Privatkläger
D._ habe eine Metallstange benützt. Den Aussagen der Zeugen und der
Auskunftsperson O._ lassen sich keine diesbezüglichen direkten Aussagen
entnehmen. Letzterer war nach dem ersten Angriff auf den Privatkläger E._
damit beschäftigt, ihn in den Kiosk zu ziehen (Urk. 13/4 S. 16, Urk. 10/12, Urk.
119 22:58:01). Seine Aufmerksamkeit war somit auf die Bergung des Privatklä-
gers E._ gerichtet bzw. auch auf seinen Eigenschutz (Urk. 13/4 S. 17). Der
Zeuge J._ hat zur Frage der Bewaffnung der Privatkläger - wie bereits er-
wähnt - ausweichend geantwortet (vgl. Ziff. 5.1.3.). Dazu kommt, dass der Privat-
kläger E._ nach seiner Verletzung die Metallstange offenbar fallen gelassen
hat (so O._ in Urk. 13/4 S. 17). Vor diesem Hintergrund kann nicht ausge-
schlossen werden, dass der Privatkläger D._ zur eigenen Abwehr die am
Boden liegende Metallstange kurz behändigte. Indessen ist zu berücksichtigen,
dass er sich - wie erwähnt - in einem schweren Rauschzustand befand (vgl. Ziff.
5.1.4.). Deshalb mag es auch nicht überraschen, dass er in seinen Aussagen, die
mehrheitlich die Angaben der Mitbeteiligten wiedergeben, davon nichts erwähnte.
Somit kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Privatkläger D._ die Me-
tallstange in den Händen gehalten hat.
- 41 -
5.2.2.4. Eine Würdigung der bisherigen Aussagen zur Frage, ob die Beschuldig-
ten A._ und B._ sich gegen einen Angriff gewehrt haben, ergibt Folgen-
des: Der Umstand, dass zumindest der Privatkläger E._ und später auch
D._ eine Metallstange behändigten, vermag die "Angriffsthese" der Beschul-
digten nicht zu stützen. Dieses Behändigen hatte rein defensiven Charakter. Aus
den gesamten Umständen ergibt sich, dass der Angriff für die 'Kioskleute' nicht
völlig unerwartet gekommen ist. Im Vorfeld der Auseinandersetzung fanden (al-
lerdings offensichtlich erfolgslose) 'Friedensgespräche' im 'N._' mit dem
zweiten Chef der 'Schlangengruppe' statt, an dem auch L._ teilgenommen
haben soll (vgl. dazu Aussagen von O._ [Urk. 13/1 Frage 9; J._ [Urk.
14/11 Frage 49; 14/12 S. 10 f.], L._ [Urk. 14/21 S. 10]). J._ führt dazu
aus, er und seine Kollegen hätten gewusst, dass diese Gruppe an diesem Abend
kommen wolle. Dies sei auch der Grund für die Friedensgespräche gewesen (Urk.
14/11 Frage 49). Nach der aus dem vorbeifahrenden Wagen ausgestossenen
Drohung durch H._ vermag die erhöhte Alarmbereitschaft bis mithin zur Be-
händigung von Metallstangen als Abwehrmittel nicht den Eindruck einer Vorberei-
tung einer Offensivaktion zu erwecken. Unter diesen Umständen vermag auch die
These der Verteidigung des Beschuldigten A._, wonach sich die Privatkläger
mit Eisenstangen und Pfefferspray bewaffnet hätten, um einen Angriff auszufüh-
ren, nicht zu überzeugen (Urk. 184 S. 22 f.)
Die Aussagen der Beschuldigten A._ und B._ vermögen diese Ein-
schätzung nicht umzustossen. Wie bereits die Vorinstanz ausgeführt hat, ist die
Darstellung der Beschuldigten nicht überzeugend. Nicht nachvollziehbar ist der
zeitliche Ablauf bzw. die kurze Reaktionszeit auf den angeblichen Angriff der Pri-
vatkläger. Zwar ist die bei der Staatsanwaltschaft getätigte erste Schilderung des
Angriffs nachvollziehbar. Beim Vorbeigehen habe eine vor dem Kiosk stehende
Person eine Eisenstange hinter ihrem Rücken hervorgezogen und habe ihn damit
schlagen wollen, wobei er die Stange reflexartig mit der linken Hand gepackt ha-
be. Dann sei einer aus dem Kiosk gekommen und habe ihm einen Pfefferspray
ins Gesicht gesprüht (Urk. 11/8 S. 3). Angesichts der Verletzungen der Privatklä-
ger war diese Version allerdings nicht überzeugend. Die in der nächsten Einver-
nahme gemachte Zugabe, er hätte sich mit einer Axt zur Wehr gesetzt, lässt sich
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jedoch nicht nahtlos in den zuvor geschilderten Ablauf einfügen. Nunmehr sind es
zwei Personen vor dem Kiosk, die Eisenstangen auf dem Rücken getragen hätten
(P._ und E._), und als er sich umgedreht habe, hätten sie sie bereits in
den Händen gehabt. Sie seien auf sie (die Beschuldigten A._ und B._)
zugelaufen. Er habe dann aus dem vom Beschuldigten B._ getragenen
Rucksack die Axt behändigt und den Gertel letzterem übergeben. Jemand
('J._') habe von hinten noch mit Pfefferspray gespritzt. Trotz horizontalen
Abwehrbewegungen sei der Mann trotzdem näher gekommen und habe versucht,
ihn auf den Kopf zu schlagen (Urk. 11/9 S. 3). Dieser zeitliche Ablauf erscheint für
einen Angriff bzw. dessen Abwehr eher ungewöhnlich, da das Behändigen der
Axt und des Gertels aus dem Rucksack doch eine gewisse Zeit in Anspruch
nimmt, was aber der Schilderung entgegensteht, die Privatkläger seien ihnen mit
den Metallstangen in den Händen hinterher gelaufen. Der Beschuldigte A._
hat in der Schlusseinvernahme auf Urk. 11/12 die Situation im Zeitpunkt des an-
geblichen Angriffs der Privatkläger eingezeichnet. Daraus ist die äusserst geringe
Distanz von wenigen, zwei bis drei Metern, ersichtlich, in der sich der ganze oben
geschilderte Vorfall abgespielt haben soll. Ähnlich B._ ("Wir waren nicht weit
weg vom Kiosk, sondern nur zwei oder drei Meter. Dann kamen sie von hinten";
Urk. 11/2 S. 12). Dies ist schlicht undenkbar, selbst wenn man mit der Verteidi-
gung der Beschuldigten A._ und B._ davon ausgehen würde, dass die
beiden Beschuldigten vorgewarnt gewesen wären (Urk. 184 S. 28 und Urk. 185 S.
4 f.). Auch so hätten sie nicht schnell genug den Gertel und die Axt aus dem
Rucksack nehmen können, um einen Angriff abzuwehren.
Umgekehrt erweist sich die Darstellung der Auskunftsperson O._ stimmiger,
wonach die beiden Beschuldigten, nachdem sie am Kiosk vorbei gegangen und
auf die restliche Truppe gestossen seien, die bereits vom Denner her lärmend
entgegen gekommen sei, die Axt und Gertel aus dem Rucksack behändigt haben
und Richtung Kiosk und auf die Privatkläger zugekommen seien. Dass dann der
Privatkläger E._ sich mit der Stange zu schützen versucht und ein paar
Schritte auf die Beschuldigten zu geht, wurde von O._ glaubhaft dargestellt
und entspricht wiederum den Aussagen des Beschuldigten A._. Allerdings ist
die Handlung des Privatklägers klar als Reaktion auf den Angriff zu werten und
- 43 -
nicht als Angriff, wie dies die Beschuldigten behaupten. Für das Verhalten des
Privatklägers E._ spricht sodann auch der Mischkonsum aus Alkohol und
Kokain, welcher - wie die Verteidigung zu Recht darauf hinweist - eine erhöhte
Gewaltbereitschaft mit sich bringt, aber auch eine Neigung, sich selbst zu über-
schätzen und ein stark eingeschränktes Reaktionsvermögen (Urk. 184 S. 27;
www.mindzone.info). Der Einwand des Verteidigers, bei dem behaupteten Angriff
durch die Beschuldigten wäre zu erwarten gewesen, sie hätten sich vorher beim
Denner getroffen und dann den Angriff gestartet (Urk. 184 S. 12 f.), vermag bei
einem planmässigen Vorgehen durchaus einleuchten. Vorliegend kamen aber die
Mitbeschuldigten bereits den beiden Beschuldigten entgegen, so dass ihnen
nichts anderes übrig blieb, als sich ihnen anzuschliessen und sich ebenfalls zu
bewaffnen.
Dazu kommt, dass bereits aufgezeigt wurde, dass die Beschuldigten A._ und
B._ die Axt und den Gertel nicht zufällig dabei hatten (vorstehend Ziff.
5.2.2.1. c), wie dies die Verteidigung von A._ behauptet (Urk. 184 S. 10 f.),
sondern sie gezielt für den Einsatz als Waffe mitgetragen haben. Dieses Mitfüh-
ren solcher waffenfähiger Instrumente spricht ebenfalls für einen Angriff. Nicht in
Übereinstimmung mit den Aussagen der Beschuldigten lässt sich sodann die Be-
teiligung der weiteren Mitglieder der Gruppe, insbesondere des Beschuldigten
C._ genannt "C._" (vgl. Ziff. 5.3.2. weiter unten) an der Auseinanderset-
zung bringen. Dies wird zwar von den Beschuldigten bestritten. Gemäss Aussa-
gen des Beschuldigten A._ soll aber zumindest H._ helfend eingegriffen
und die Eisenstange gehalten haben (Urk. 11/9 Frage 49 ff.). Bereits diese Aus-
sage macht wenig Sinn, eingedenk seiner Darstellung, er habe die Stange mit der
linken Hand gehalten und mit der Axt dem Privatkläger auf den Kopf geschlagen.
In diesem raschen Ablauf ist diese Art von 'Hilfe' ("Wir waren nur zu zweit. Erst
gegen Schluss kam 'H._' dazu"; Urk. 11/9 Frage 49 und 64) nicht möglich.
Unklar in seinen Aussagen ist auch, dass er zwar vom Privatkläger E._ an-
gegriffen worden und mit dessen Metallstange bei der Abwehr an der linken Hand
leicht verletzt worden sei (Urk. 11/8 S. 3; Urk. 11/9 Frage 64), dann aber nur den
Privatkläger D._ mit der Axt verletzt haben will (Urk. 11/9 Frage 19). Bereits
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in der ersten Einvernahme beim Staatsanwalt beschreibt er den Privatkläger
E._ als (einzigen) Angreifer mit der Metallstange (Urk. 11/8 S. 3). Erst bei der
zweiten Einvernahme sind es zwei Angreifer mit je einer Metallstange (Urk. 11/9
S. 3). Gegen die Angriffsthese der Beschuldigten spricht auch, dass sie keinerlei
Verletzungen (mit Ausnahme einer leichten Verletzung an der linken Hand von
A._) davongetragen haben.
Als Fazit ist erstellt, dass der Angriff von den Beschuldigten A._ und B._
ausgelöst wurde, sich der Privatkläger E._ mit einer Metallstange wehren
wollte und der Privatkläger D._ seinem Kollegen zu Hilfe eilen wollte und al-
lenfalls nach dessen Verletzung zum Selbstschutz die am Boden liegende Metall-
stange behändigen wollte. Die Einwände der Verteidigung des Beschuldigten
A._, dessen sofortiger Antrag auf Auswertung der Videoaufzeichnungen be-
weise, dass dieser sich im Recht geglaubt habe (Urk. 184 S. 11), vermögen daran
nichts zu ändern.
5.2.3. Was nun die Zurechenbarkeit der verschiedenen Verletzungen angeht,
so ist Folgendes festzuhalten: Die Privatkläger haben unbestrittenermassen die in
der Anklageschrift aufgeführten Verletzungen anlässlich dieses Vorfalles erlitten.
Sie entsprechen den Arztberichten (Urk. 15/3 und 16/3) und sind insoweit erstellt.
Was die Verursachung dieser Verletzungen angeht, so waren die Beschuldigten
A._ und B._ geständig, mit der Axt und dem Gertel auf die Privatkläger
eingewirkt zu haben. Sie machen indessen - wie bereits erwähnt - geltend, nur je
auf einen Privatkläger eingeschlagen zu haben. Die Anklageschrift geht davon
aus, dass diese Verletzungen den Privatkläger in Mittäterschaft zugefügt worden
sind. Dies bedeutet vorliegend, dass die von den Privatkläger erlittenen Verlet-
zungen auf das gemeinsame Einwirken der beiden Beschuldigten zurückzuführen
sein müssen. Nicht notwendig ist deshalb die Zuordnung der Verursachung der
Verletzungen auf jeden einzelnen Täter. Die entsprechenden Ausführungen der
Verteidigung des Beschuldigten A._ (Urk. 184 S. 30 f.) wirken sich daher
nicht zu dessen Gunsten aus.
5.2.3.1. Die Untersuchungsbehörden haben ein Aktengutachten beim Institut für
Rechtsmedizin u.a. zur Frage der Zuordnung der Verletzungen zu den Tatwaffen
- 45 -
(Urk. 17/4 Frage 7) erstellen lassen. Bei beiden Verletzten hätten sich Zeichen
scharfer, halbscharfer und stumpfer Gewalt gefunden. Sowohl die Axt wie auch
der Gertel seien je nach Führung des Werkzeugs durch die Täter geeignet, alle
diese Gewaltausprägungen zu verursachen. Die Metallstange ohne Kante (Urk.
10/10S. 12) führe am ehesten zu stumpfen Verletzungen wie bspw. über dem lin-
ken Schulterblatt des Privatklägers D._ (Urk. 10/10 S. 41). Die Feststellun-
gen im Gutachten lassen somit keine Zuordnung zu, da sowohl Axt wie Gertel je
allein für die Verletzungen in Frage kommen.
5.2.3.2. Die Auskunftsperson O._ hat - wie bereits erwähnt (vorstehend Ziff.
5.2.2.2. a) - detaillierte Aussagen zum Ablauf gemacht. Seinen Angaben gemäss
wurde zunächst der Privatkläger E._ vom Beschuldigten mit der Axt mit hori-
zontalen Schnittbewegungen auf Bauchhöhe angegangen, wobei er ihn nicht ge-
troffen habe. In diesem Moment habe der Beschuldigte B._ mit dem Messer
eine Ausholbewegung über dem Kopf gemacht und habe den Privatkläger
E._ von oben herab auf den Kopf geschlagen, was zu einer grossen Schnitt-
verletzung an der rechten Wange geführt habe. Den Privatkläger D._ habe
der Beschuldigte A._ mit der Axt auf den Kopf geschlagen, wobei er mit der
Axt eine Ausholbewegung über den Kopf gemacht habe. Wer dem Privatkläger
D._ die Schnittwunden am Arm zugefügt habe, habe er nicht mitbekommen,
da er im Moment damit beschäftigt gewesen sei, sich selber zu schützen, da sie
aus allen Richtungen gekommen seien (Urk. 13/1 Frage 22 ff.; Urk. 13/4 S. 16 f).
Diese Aussagen stimmen zunächst mit den Angaben der Beschuldigten A._
und B._ überein, welche beide behaupten, nur je einen Privatkläger verletzt
zu haben, nämlich B._ den Privatkläger E._ und A._ den Privatklä-
ger D._. Sodann passt sie auch zum Ablauf der Auseinandersetzung (mit
Ausnahme der Angriff-Notwehrthese), wonach der Beschuldigte A._ zu-
nächst den Privatkläger E._ erwähnt, der mit der Stange auf ihn zugekom-
men sei und er ihn mit horizontalen Bewegungen mit der Axt habe abwehren wol-
len. Die Aussagen von O._ sind sodann zurückhaltend. Er belastet den Be-
schuldigten B._ nicht unnötig. Seine Aussagen sind auch mit dem IRM-
Gutachten kompatibel, dass die Verletzungen mit der Axt und dem Gertel keiner
bestimmten Waffe zuordnet.
- 46 -
5.2.3.3. Der Beschuldigte A._ führte aus, er habe mit der stumpfen Seite der
Axt auf den Privatkläger eingewirkt. Das IRM-Gutachten kommt zum Schluss,
dass eine abschliessende Beurteilung aus rechtsmedizinischer Sicht aufgrund der
Aktenlage nicht möglich sei, da die Verletzungen erst nach der medizinischen
Versorgung untersucht worden sei (Urk. 17/4 Antwort zu Frage 8 bzw. 4). Aus den
Aussagen der Beteiligten lässt sich nichts herleiten. Demnach kann die Behaup-
tung des Beschuldigten A._ nicht widerlegt werden. Auch in der Anklage-
schrift wird ihm nicht vorgeworfen, er habe mit der Schneide der Axt geschlagen.
5.2.3.4. Was die Verursachung der Kieferfraktur des Privatklägers E._ an-
geht, so ist die Vorinstanz zum Ergebnis gelangt, dass diese nicht auf die Gewalt-
anwendung der beiden Beschuldigten A._ und B._ zurückzuführen sei
(Urk. 160 S. 59).
Es ist hier auf die diesbezüglichen Ausführungen der Vorinstanz zu verweisen,
welche dem Grundatze in dubio pro reo folgend nicht ausschliessen konnte, dass
diese Verletzung - wie bereits erwähnt - einem weiteren Mitbeteiligten dieser Aus-
einandersetzung zuzurechnen ist (Urk. 160 S. 58 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
5.2.3.5. Als Fazit kann festgehalten werden, dass die in der Anklage umschriebe-
nen Verletzungshandlungen durch die beiden Beschuldigten A._ und
B._ rechtsgenügend erstellt sind.
5.3.1. Der Beschuldigte C._, genannt "C._", bestreitet überhaupt eine
Beteiligung am Angriff. Er wird durch mehrere Personen belastet.
5.3.1.1. Die Vorinstanz hat die Aussagen von C._ zutreffend wiedergege-
ben, worauf zu verweisen ist (Urk. 160 S. 21/22; Art. 82 Abs. 4 StPO). Immerhin
ist aufgrund seiner Aussagen erstellt, dass er den frühen Abend vor dem Vorfall
mit allen Mitbeschuldigten in Schlieren verbracht hat, und sich danach mit allen an
der ...-strasse am Take Away vis-à-vis des Kiosks "..." wieder treffen wollte. Aus
seinen Zugaben ergibt sich auch, dass er im roten Peugeot 204, der von V._
genannt "V._" gesteuert und als Beifahrer H._ genannt "H._" sass,
nach Zürich gefahren ist. Die Auseinandersetzung zwischen den tamilischen Leu-
- 47 -
ten will er von der anderen Strassenseite aus bemerkt haben. Widersprüchlich
sind die Aussagen dort, wo er zunächst erklärt, niemanden gekannt zu haben, um
später, als er mit verschiedenen belastenden Aussagen konfrontiert wird, zu be-
haupten, er habe gesehen, wie H._ jemanden mit einer Eisenstange ge-
schlagen habe. Der Beschuldigte A._ genannt "A._" sei auch dort ge-
wesen und habe mit H._ gemeinsam eine Person angegriffen (Urk. 11/15
Frage 89 ff.), obwohl er noch auf Frage 57 klar geantwortet hatte, er hätte
A._ und B._ nicht gesehen. Die ihn belastende Auskunftsperson
O._ kennt er aus einem Camp in Sri Lanka, als der dort noch in die Schule
gegangen sei. Er sei kein Kollege von ihm und sie seien aber auch nicht verfein-
det. Wenn sie sich sehen würden, würden sie sich gegenseitig nach dem Wohler-
gehen erkundigen. Er sei eine ältere Person. O._ habe ihn dort (an der ...-
strasse) sehen können und er habe vielleicht gedacht, er sei mit A._ und
B._ gekommen. Wenig glaubhaft sind seine Aussagen im Zusammenhang
mit den Vorhalten, wonach er nachher wieder mit A._ und B._ bei der
Verhaftung im gleichen Fahrzeug betroffen worden ist und dass davor mehrere
Telefon-Kontakte (23:32, 23:46, 23:57) mit ihm stattgefunden haben (Urk. 11/16
S. 9 ff.). So kann er den zeitlichen Ablauf nicht mit diesen Telefonkontakten in
Übereinstimmung bringen und macht Erinnerungslücken geltend, obwohl er zuvor
noch detailliert zu Telefonkontakten mit seiner Frau Angaben machen konnte.
Auch kann er nicht den Telefonanruf von V._ genannt "V._" um 23:56
Uhr erklären, zumal sie seinen früheren Ausführungen gemäss gemeinsam in ei-
nem türkischen Lokal am Essen gewesen seien (Urk. 11/16 S. 11).
5.3.1.2. a) Die Auskunftsperson O._ bezeichnete in seiner Einvernahme
am 19. Juni 201, rund 3 1⁄2 Stunden nach dem Ereignis, den Beschuldigten
C._ genannt "C._" als dritten Täter (Urk. 13/1 Frage 23). Er fügt ihn da-
bei zwangslos in den chronologischen Ablauf der Ereignisse nach dem Angriff der
Beschuldigten A._ und B._ ein. C._ sei mit einem Gegenstand be-
waffnet gewesen, er wisse aber nicht, was es gewesen sei. Sie seien zu Dritt auf
den Privatkläger D._ losgegangen. Dass die Auskunftsperson O._ diffe-
renziert aussagt, zeigt sich auch bei der Identifikation der Beteiligten anhand der
Fotobogen, wo er klar zwischen den verschiedenen Beteiligungsarten und Stand-
- 48 -
orte (z.B. AE._, genannt AE._) unterscheidet bzw. auch kundtut, wenn
er unsicher ist [z.B. bei F._ genannt "F._"; vgl. auch beigez. Akten
SB130180] (Urk. 13/1 Frage 31; Urk. 13/4 S. 18 f). Zu C._ habe er noch ge-
sagt, er solle aufhören, sie bräuchten keinen Streit. Er habe darauf aber nicht re-
agiert (Urk. 13/1 Frage 31; Urk. 13/4 S. 17)). Diese Aussage ist originell. Sie wirkt
auch deshalb glaubhaft, weil sich aus den Aussagen des Beschuldigten C._
ergibt, dass er die Auskunftsperson kennt, somit eine solche Bemerkung auch
Sinn macht. Gemäss O._ sei ein Cousin oder enge Verwandte von C._
mit ihm gut befreundet (Urk. 13/1 Frage 34). Auch vor der Staatsanwaltschaft hielt
er an seinen Belastungen gegenüber dem Beschuldigten C._ fest (Urk. 13/4
S. 17). Er sei mitbeteiligt gewesen, als der zweite Mann geschlagen worden sei.
Er habe ihn auch geschlagen. Er habe irgendeine Stange oder etwas in der Hand
gehalten und damit zugeschlagen. Er habe aber nicht gesehen, wo er ihn getrof-
fen habe (Urk. 13/4 S. 19). Diese Aussagen sind - auch unter Berücksichtigung
der eingangs erwähnten Interessenlagen (Ziff. 5.1.1.) glaubhaft .
b) Wie bereits erwähnt, konnte der Privatkläger E._ anhand der Fotodoku-
mentation niemanden zweifelsfrei identifizieren. Der Privatkläger D._ be-
schreibt zwar die Schlaghandlungen des Beschuldigten 3 mit einer Stange, indes-
sen sind - wie angeführt - erhebliche Zweifel an der Authentizität seiner Beobach-
tungen angebracht (vgl. Ziff. 5.1.4. und 5.2.2.2. d).
c) Der Zeuge J._ hat den Beschuldigten C._ ebenfalls als Täter identifi-
ziert (Urk. 14/12 S. 6). Er sei eine Art Freund von ihm. Allerdings erwähnt er den
Beschuldigten C._ nicht, als er die Mitglieder der Gruppe, die auf ihn zuge-
kommen seien, aufzählt, und die er mit eigenen Augen gesehen habe, nämlich
A._, B._ und H._ (Urk. 14/12 S. 15). Er habe sodann nicht gese-
hen, wie die Privatkläger verletzt worden seien (Urk. 14/12 S. 17). Als er im Kiosk
drin gewesen sei, habe er aus dem Kiosk heraus nebst den bisher erwähnten
noch den Beschuldigten C._, F._ genannt "F._" und AC._ ge-
sehen (Urk. 14/12 S. 17). Aus folgenden Gründen kann indessen nicht auf diese
Belastungen des Beschuldigten C._ abgestellt werden. Bei der Polizei hat
der Zeuge alle anwesenden Verhafteten als Täter bezeichnet (Urk. 14/11 Frage
- 49 -
20). Seine Schilderung des Vorfalls erweist sich auch als undifferenziert ("Alle
diese Männer haben auf die Privatkläger eingeschlagen."; Urk. 14/11 Frage 21).
Bei der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft am 8. November 2011 erklärte er
sodann mit Bezug auf seine Kenntnisse der Namen der Verdächtigten, dass sie
schriftlich informiert worden seien, wer alles verhaftet worden sei (Urk. 14/12
S. 6). Vor diesem Hintergrund kann deshalb auf seine Angaben zur Identifizierung
der Täter nicht zurückgegriffen werden.
d) Der Zeuge L._ machte vor der Polizei nur differenzierte Angaben zu
F._ genannt "F._", welcher auf der anderen Strassenseite mit anderen
Kollegen gewartet habe. Er habe aber nicht mit der Axt oder dem Schwert ge-
schlagen (Urk. 14/20 Frage 20). Bei der Staatsanwaltschaft wurde er am 20. De-
zember 2011 einvernommen, wobei er namentlich auch den Beschuldigten
C._ als Täter bezeichnet (Urk. 14/21 S. 6). Gemäss seinen Angaben soll er
die Axt aus der Tasche genommen haben (Urk. 14/21 S. 7). Da dies den übrigen
Aussagen (mit Ausnahme jener seines knapp sechszehnjährigen Sohnes) völlig
widerspricht, kann nicht auf diese Aussage zur Identifizierung des Beschuldigten
C._ abgestellt werden. Da der Zeuge gleichzeitig davon spricht, dass er die
Gesichter der Männer nicht habe erkennen können, da sie Mützen angehabt hät-
ten, die sie fast über die Augen gezogen gehabt hätten (Urk. 14/21 S. 9), ist eine
Personenverwechslung durch den Zeugen nicht auszuschliessen.
e) Dem als Auskunftsperson einvernommenen U._, Sohn des L._, wur-
den erst am 24. Oktober 2011 bei der Staatsanwaltschaft Fotos der Verdächtigen
vorgelegt. Dabei identifizierte er den Beschuldigten C._ als einzige Person,
die vor dem Kiosk gewesen sei. Alle weiteren Beschuldigten gemäss Urk. 10/1
habe er an diesem Abend nicht gesehen (Urk. 14/2 S. 4 ff.). Der Beschuldigte ha-
be mit der Axt geschlagen (Urk. 14/2 S. 11). Aus der Aussage geht sodann her-
vor, dass die Auskunftsperson nach der Tat mit seinem Vater über den Vorfall ge-
sprochen hat und ihm dieser gesagt habe, dass die drei Männer (A._,
B._ und C._) dabei gewesen seien (urk. 14/2 S. 13). Diese Aussage ist
deshalb nicht für die Identifizierung des Beschuldigten C._ brauchbar. Insbe-
- 50 -
sondere ist die Übereinstimmung in den Aussagen betreffend die Axt kaum zufäl-
lig.
f) Die Auskunftsperson AF._, Sohn des Zeugen J._, bezeichnete bei der
Polizei rund drei Stunden nach der Tat den Beschuldigten C._ anhand des
Fotobogens als Mittäter (Urk. 14/6 S. 8). Bei der Staatsanwaltschaft am 24. Okto-
ber 2011 bestätigte er auf Vorhalt der Fotos diese Aussage, konnte indessen sei-
nen Namen nicht benennen (Urk. 14/8 S. 5). Am Schluss der Einvernahme erklär-
te er indessen, er wisse nicht mehr, ob er diesen Mann gesehen habe und ver-
weist auf seine Aussagen bei der Polizei (Urk. 14/8 S. 14). Trotz dieser Zugabe
sind keine Anzeichen vorhanden, dass er bei der Polizei nicht die Wahrheit ge-
sagt hätte. Für eine Beeinflussung seiner damaligen Aussage im Vorfeld der poli-
zeilichen Einvernahme, die seine Aussage bzw. Identifikation hätte wesentlich
Beeinflussen oder gar Verfälschen können, fehlen Hinweise (Es sei nur darüber
geredet worden, weshalb sie angegriffen worden seien und nicht über die Perso-
nen, die auf sie losgekommen seien; vgl. dazu Urk. 114/8 S. 10). Zu beachten ist
auch, dass er den Beschuldigten anhand der Foto identifizierte und nicht mit Na-
men bezeichnete, was eher für eine Beeinflussung gesprochen hätte. Es gibt so-
mit keinen triftigen Grund, weshalb diese Aussage nicht in die Beweiswürdigung
einbezogen werden könnte.
g) Der Zeuge M._, Sohn des Zeugen J._, wurde bei der Polizei eben-
falls rund drei Stunden nach dem Vorfall einvernommen, jedoch nicht zu den Ver-
dächtigen befragt. Bei der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft am 8. No-
vember 2011 konnte er den Beschuldigten C._ nicht identifizieren (Urk. 14/17
S. 5, 16, 17).
5.3.2. Eine Gesamtwürdigung dieser Aussagen führt zum Ergebnis, dass sich aus
den Aussagen von O._ und AF._ ergibt, dass der Beschuldigte C._
am Angriff teilgenommen hat. Die Aussagen des Beschuldigten C._ vermö-
gen dieses Ergebnis nicht in Zweifel zuziehen. Dass er zufolge seiner zugestan-
denen Anwesenheit auf der gegenüberliegenden Strassenseite und seiner Be-
kanntschaft mit den Beschuldigten A._ und B._ zu Unrecht als in den
Vorfall involviert bezeichnet worden sein könnte, ist nicht wahrscheinlich. Insbe-
- 51 -
sondere die Angaben der Auskunftsperson O._ wirken, wie bereits erwähnt,
glaubhaft.
Was den Tatbeitrag des Beschuldigten C._ angeht, so lässt sich gestützt auf
die Aussagen von O._ erstellen, dass er ihn mit irgendeiner Stange bzw. mit
etwas, was er in der Hand gehalten habe, zugeschlagen habe. Insofern ist auch
hier der Sachverhalt erstellt.
III. Rechtliche Würdigung
A. A._ und B._
1. Die Anklagebehörde hat das Verhalten der Beschuldigten A._ und
B._ als mehrfache versuchte vorsätzliche Tötung im Sinne von Art. 111 StGB
in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie des Angriffs im Sinne von Art. 134
StGB qualifiziert. Die Vorinstanz verurteilte die Beschuldigten wegen mehrfacher
versuchter vorsätzliche Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art.
22 Abs. 1 StGB. Da die Staatsanwaltschaft keine Berufung im Schuldpunkt erho-
ben hat, würde eine allfällige zusätzliche Verurteilung wegen Angriffs gegen den
Grundsatz der reformatio in peius verstossen.
2.1. Die Vorinstanz hat die rechtliche Würdigung mit einlässlicher und sorgfältiger
Begründung zutreffend vorgenommen, worauf zu verweisen ist (Urk. 160 S. 62 -
66; Art. 82 Abs. 4 StPO). Die Verteidigung des Beschuldigten A._ wandte
ein, es könne nicht angenommen werden, beim einmaligen Schlagen mit der fla-
chen Seite einer relativ kleinen Axt auf den Kopf habe der Beschuldigte zwingend
in Kauf nehmen müssen, möglicherweise den Tod des Opfers zu verursachen
(Urk. 184 S. 35). Auch die Verteidigung von B._ bringt vor, aus dem Verhal-
ten des Beschuldigten könne nicht auf die Inkaufnahme des Todes des Opfers
geschlossen werden (Urk. 185 S. 26 f.). Dies überzeugt nicht. Gemäss erstelltem
Sachverhalt haben beide mit der flachen Seite einer Axt respektive mit einem
Gertel auf die Köpfe der Privatkläger eingeschlagen. Dass bereits ein einzelner
- 52 -
solcher Schlag tödliche Verletzung verursachen kann und dies dem Beschuldig-
ten bekannt war, stellten die Verteidigungen nicht in Abrede (Urk. 184 S. 35 und
Urk. 185 S. 27). Wie bereits die Vorinstanz überzeugend festhielt, schlugen die
Beschuldigten in einer dynamischen Auseinandersetzung mit roher Gewalt zu
(Urk. 160 S. 65). Auch die näheren Umstände der Tat begründen damit den Even-
tualvorsatz.
2.2. Die Verteidigung des Beschuldigten A._ macht geltend, es liege keine
Mittäterschaft mit B._ vor, da ein Motiv für die Tat fehle und es reine Speku-
lation sei, dass die beiden Beschuldigten bei ihrem Handeln jeweils die Tötung
des anderen Kontrahenten in ihr Handeln hätten einbeziehen müssen (Urk. 184
S. 33). Die Verteidigung des Beschuldigten B._ stellt eine Mittäterschaft mit
A._ ebenfalls in Abrede und begründet dies mit dem Vorliegen einer Not-
wehrsituation (Urk. 118 S. 34 und Urk. 185 S. 25). Nach der Rechtsprechung ist
Mittäter, wer bei der Entschliessung, Planung oder Ausführung eines Deliktes
vorsätzlich und in massgebender Weise mit anderen Tätern zusammenwirkt, so
dass er als Hauptbeteiligter dasteht. Dabei kommt es darauf an, ob der Tatbeitrag
nach den Umständen des konkreten Falles und dem Tatplan für die Ausführung
des Deliktes so wesentlich ist, dass sie mit ihm steht oder fällt. Das blosse Wollen
der Tat, der subjektive Wille allein genügt zur Begründung von Mittäterschaft je-
doch nicht. Der Mittäter muss vielmehr bei der Entschliessung, Planung oder Aus-
führung der Tat auch tatsächlich mitwirken. Daraus folgt aber nicht, dass Mittäter
nur ist, wer an der eigentlichen Tatausführung beteiligt ist oder sie zu beeinflus-
sen vermag. Dass der Mittäter bei der Fassung des gemeinsamen Tatentschlus-
ses mitwirkt, ist nicht erforderlich; es genügt, dass er sich später den Vorsatz sei-
ner Mittäter zu eigen macht (BGE 130 IV 58 S. 66 mit Hinweisen).
Die beiden Beschuldigten sind gemeinsam auf die Privatkläger losgegangen. Zu-
vor haben sie aus einem vom Beschuldigten B._ getragenen Rucksack die
Axt und den Gertel behändigt. Dabei nahm der Beschuldigte A._ die beiden
Gegenstände aus dem Rucksack, behielt die Axt für sich und übergab den Gertel
dem Beschuldigten B._. Beide sind zunächst auf den Privatkläger E._
los und haben Beide mit der Axt und dem Gertel auf ihn eingewirkt, wobei es wohl
- 53 -
eher vom Zufall abgehangen ist, wer die Verletzung verursacht hat. Dann haben
sich Beide dem Privatkläger D._ zugewendet, und ebenfalls mit Axt und Ger-
tel auf ihn eingewirkt. Dass die Verletzungen allenfalls bei einem Privatkläger nur
durch einen Beschuldigten erfolgte, ändert entgegen der Ansicht der Verteidigung
von B._ (Urk. 185 S. 24) nichts daran. Spätestens als der Beschuldigte
A._ dem Mitbeschuldigten aus dem Rucksack den Gertel übergab und dieser
sich ebenfalls anschickte, auf die Privatkläger loszugehen, hat er sich den Vorsatz
des Mittäters, die Privatkläger mit gefährlichen Waffen anzugreifen und ihnen da-
mit allenfalls tödliche Verletzungen zuzufügen, zu eigen gemacht.
2.3. Die Verteidigung macht sodann das Vorliegen einer Notwehrsituation geltend.
Sie verweist sodann auf das Aktengutachten des IRM, worin auch festgehalten
werde, dass auch eine Metallstange geeignet sei, lebensgefährliche Verletzungen
bzw. den Tod herbeizuführen (Urk. 17/4 S. 6; Urk. 118 S. 34 ff.).
Wie sich aus der Sachverhaltserstellung ergibt, wurde vorliegend verneint, dass
die Privatkläger die Aggressoren gewesen seien. Indessen wurde festgestellt,
dass der Privatkläger E._ und eventuell nachher auch der Privatkläger
D._ eine Metallstange zwecks Abwehr des Angriffs der Beschuldigten be-
händigten.
Festzuhalten ist indessen, dass sich die Beschuldigten, die den Angriff initiiert ha-
ben, nicht auf Notwehr berufen können. Das Abwehrrecht entfällt, wenn der An-
griff vorsätzlich provoziert wurde (Trechsel/Geht in Trechsel/Pieth (Hrsg.), StGB
PK, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013, Art. 15, N 11).
2.4. Die Beschuldigten A._ und B._ haben sich demnach der mehrfa-
chen versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung
mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gemacht.
B. C._
3. Die Vorinstanz hat eine zutreffende rechtliche Würdigung vorgenommen, wo-
rauf zu verweisen ist (Urk. 160 S. 68 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Die Verteidigung
hat diese nicht gerügt.
- 54 -
Zu ergänzen ist noch, dass selbst wenn sich nicht rechtsgenügend erstellen lässt,
welche Verletzungen durch den Beschuldigten C._ dem Privatkläger
D._ zugefügt worden sind, der Tatbestand erfüllt wird. Für die objektive
Strafbarkeitsbedingung genügt es nach Art. 134, dass er Schläge ausgeteilt hat.
Der Beschuldigte C._ hat sich demnach des Angriffs im Sinne von Art. 134
StGB schuldig gemacht.
IV. Strafzumessung
A. Allgemein: A._ und B._
1. Die Vorinstanz hat die theoretischen Grundlagen und die allgemeinen Strafzu-
messungskriterien zutreffend und umfassend dargelegt. Auf die entsprechenden
Ausführungen in den vorinstanzlichen Erwägungen kann vorab verwiesen werden
(Urk. 160 S. 70 ff.).
2. Ausgangspunkt für die Strafzumessung betreffend die Beschuldigten A._
und B._ ist vorliegend die (mehrfach) versuchte Tötung im Sinne von
Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, welche mit einer Freiheits-
strafe nicht unter fünf Jahren bedroht ist (Art. 111 StGB). Tritt der zur Vollendung
der Tat gehörende Erfolg nicht ein, so kann das Gericht die Strafe mildern (Art. 22
Abs. 1 StGB). War der Täter zur Zeit der Tat nur teilweise fähig, das Unrecht sei-
ner Tat einzusehen oder gemäss dieser Einsicht zu handeln, so mildert das Ge-
richt die Strafe ebenfalls (Art. 19 Abs. 2 StGB). Das Gericht ist in solchen Fällen
nicht an die angedrohte Mindeststrafe gebunden. Es kann auch auf eine andere
als die angedrohte Strafart erkennen, ist aber an das gesetzliche Höchst- und
Mindestmass der Strafart gebunden (Art. 48a StGB). Die Frage einer Unterschrei-
tung des ordentlichen Strafrahmens kann sich stellen, wenn verschuldens- bzw.
strafreduzierende Faktoren zusammentreffen, die einen objektiv an sich leichten
Tatvorwurf weiter relativieren, so dass eine Strafe innerhalb des ordentlichen
Rahmens dem Rechtsempfinden widerspräche. Es sind vorliegend keine ausser-
- 55 -
ordentlichen Umstände erkennbar, die eine Öffnung des ordentlichen Strafrah-
mens, die hier ohnehin nur nach unten möglich wäre, nach sich ziehen müssten.
Eine (höchstens leichtgradige) rechtserhebliche Verminderung der Schuldfähig-
keit im Sinne von Art. 19 StGB besteht laut psychiatrischem Gutachten nur beim
Beschuldigten A._ (Urk. 51/5 S. 71). Diese führt indessen nicht - wie die Vo-
rinstanz zu Recht festgehalten hat (Urk. 160 S. 74/75) - vorliegend zu einer Un-
terschreitung des Strafrahmens. Es bleibt somit bei einem theoretischen Straf-
rahmen von fünf bis zwanzig Jahren Freiheitsstrafe (Art. 111 StGB in Verbindung
mit Art. 40 StGB). Das Gericht ist indessen verpflichtet, Strafschärfungsgründe
(i.c. zufolge Tatmehrheit) zumindest straferhöhend und Strafmilderungsgründe
strafmindernd im Rahmen des ordentlichen Strafrahmens zu berücksichtigen
(BGE 6B_238/2009 E. 5.8; BGE 6B_611/2010 E. 4; BGE 6B_475/2011 E. 1.4.4;
BGE 6S_73/2006 E. 3.2; BGE 116 IV 300 E. 2.a).
3. Haben die Täter mehrfach den gleichen Straftatbestand erfüllt, ist für die Straf-
zumessung grundsätzlich von der schwersten Straftat auszugehen und die Dauer
der für sie auszufällenden Strafe angemessen, jedoch nicht um mehr als die Hälf-
te, zu erhöhen. Dabei ist der Richter an das gesetzliche Höchstmass der Strafart
gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Bei der Bildung der Gesamtstrafe nach Art. 49
Abs. 1 StGB hat der Richter in einem ersten Schritt den Strafrahmen für die
schwerste Straftat zu bestimmen und alsdann die Einsatzstrafe für diese Tat, un-
ter Einbezug aller straferhöhenden und strafmindernden Umstände, innerhalb
dieses Strafrahmens festzusetzen. In einem zweiten Schritt hat er diese Einsatz-
strafe unter Einbezug der anderen Straftaten in Anwendung des Asperationsprin-
zips angemessen zu einer Gesamtstrafe zu erhöhen, wobei er ebenfalls den je-
weiligen Umständen Rechnung zu tragen hat (BGE 127 IV 101 E. 2b mit Hinweis;
Urteil 6B_460/2010 vom 4. Februar 2011 E. 3.3.4 mit Hinweis, nicht publ. in: BGE
137 IV 57).
Im vorliegenden Fall rechtfertigt es sich indessen, die Tatmehrheit im Rahmen der
Strafzumessung als einheitlichen Vorgang aufzufassen bzw. quasi als Einheitstat
mit zwei Opfern (so auch die Staatsanwaltschaft, Urk. 183 S. 9). Es rechtfertigt
sich deshalb, diesem Umstand bereits auf Stufe der Tatkomponente Rechnung zu
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- 56 -
tragen, ohne eigentliches zweistufiges Vorgehen. Die Vorinstanz hat - entgegen
der Ansicht der Staatsanwaltschaft - diese Tatmehrheit bei der Bemessung der
Strafe durchaus berücksichtigt, spricht sie doch jeweils von Opfern (Urk. 160
S. 76).
4. Hat der Sachrichter im gleichen Verfahren zwei Mittäter zu beurteilen, so ist bei
der Verschuldensbewertung mit zu berücksichtigen, in welchem gegenseitigen
Verhältnis die Tatbeiträge stehen. Der Grundsatz der Gleichbehandlung und
Gleichmässigkeit der Strafzumessung gebietet, dass sich jeder für den ihm zu-
kommenden Anteil an der Unrechtmässigkeit der Tat zu verantworten hat. Ist der
Tatbeitrag gleichwertig, so führt das zunächst zu einer gleichen (objektiven)
Schuldeinschätzung. Erst wenn auch die subjektive Vorwerfbarkeit identisch ist
und sich überdies namentlich die individuellen Täterkomponenten gleichmässig
auswirken, drängt sich die gleiche Strafe für beide Mittäter auf. Häufig liegen je-
doch ungleiche Strafzumessungsfaktoren vor, weil sich die subjektive Verschul-
densbewertung oder die persönlichen Verhältnisse unterscheiden. In diesen Fäl-
len kann es zu unterschiedlichen Strafen kommen. Der Grundsatz der Gleich-
mässigkeit ist nur verletzt, wenn es der Richter bei der Festlegung der einzelnen
Strafen unterlässt, im Sinne einer Gesamtbetrachtung beide Strafzumessungen in
Einklang zu bringen. Die Berücksichtigung des richtigen Verhältnisses der Strafe
zu derjenigen des Mittäters kann als eigenes und zusätzliches Element der Straf-
zumessung betrachtet werden. aArt. 63 StGB (wie auch Art. 47 StGB) ist verletzt,
wenn dieser Umstand unbeachtet bleibt oder falsch gewichtet wird (vgl. Urteil
6S.410/2005 vom 7. Juni 2006 E. 17.4.2; BGE 135 IV 191 S. 194)
5. Tatkomponente
Vorerst ist die objektive Tatschwere als Ausgangskriterium für die Verschuldens-
bewertung festzulegen und zu bemessen. Es gilt zu prüfen, wie stark das straf-
rechtlich geschützte Rechtsgut überhaupt beeinträchtigt worden ist. Darunter fal-
len etwa das Ausmass des Erfolges (Gefährdung/Risiko, Zahl der Verletzten, kör-
perliche und psychische Schäden beim Opfer, Sachschaden etc.) sowie die Art
und Weise des Vorgehens. Von Bedeutung ist auch die kriminelle Energie, wie sie
- 57 -
durch die Tat und die Tatausführung offenbart wird. Wichtig ist ferner die Prüfung
der Frage, was der Täter gewollt bzw. in Kauf genommen hat.
In einem nächsten Schritt ist eine Bewertung des subjektiven Verschuldens vor-
zunehmen. Es stellt sich die Frage, wie dem Täter die objektive Tatschwere tat-
sächlich anzurechnen ist. Dabei spielen neben der Frage der Schuldfähigkeit
(Art. 19 StGB) das Motiv, die Willensrichtung und das Mass der Entscheidungs-
freiheit des Täters eine Rolle. Egoistische bzw. verwerfliche Beweggründe, ein
Handeln aus eigenem Antrieb etc. wirken verschuldenserhöhend, während bei-
spielsweise ein Handeln "bloss" mit Eventualvorsatz statt direktem Vorsatz gerin-
ger wiegt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6P.119/2003/6S.333/2003 vom 20. Janu-
ar 2004, E. II. 7.5; Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, AT II, 2.A., Bern 2006
S. 185 f. N 25 ff.). Eine verminderte Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 StGB
oder die in Art. 48 StGB genannten Strafmilderungsgründe sind verschuldens-
mindernd zu gewichten sind (Hans Mathys, Zur Technik der Strafzumessung, SJZ
100/2004 S. 173 ff., S. 181).
B. A._
6.1.1. Bezüglich der objektiven Tatschwere ist zunächst zu berücksichtigen,
dass der Beschuldigte mit der Axt auf den Kopf des Privatklägers D._ einge-
schlagen und dem Privatkläger ein Schädel-Hirn-Trauma beigebracht hat, ohne
ihn indessen in konkrete Lebensgefahr zu bringen (Urk. 15/3, 15/4; Urk. 17/4). Be-
reits der Umstand indessen, dass der Beschuldigte und sein Mittäter "im Aus-
gang" ein solches Werkzeug mit sich führten, das sich als gefährliche Schlagwaffe
einsetzen lässt, zeugt von grosser krimineller Energie. Der Einsatz erfolgte so-
dann ohne Skrupel. Zu seinen Gunsten ist davon auszugehen, dass er nicht mit
der scharfen Seite des Beils den Schlag ausgeführt hat und der Schlag wohl nicht
mit voller Wucht geführt worden ist. Verschuldensmässig fällt dies indessen kaum
ins Gewicht, da es angesichts des dynamischen Tatgeschehens nicht mehr in
seiner Hand lag, ob die Verletzung doch nicht lebensgefährlich sein würde. Viel-
mehr ist dies nachfolgend bei der Strafminderung zufolge der versuchten Tatbe-
gehung zu beachten. Sein Vorgehen ist umso rücksichtsloser, als er gegen einen
erkennbar unter Alkoholeinfluss stehenden Privatkläger diese Tatwaffe eingesetzt
- 58 -
hat. Nichts zu seinen Gunsten kann der Beschuldigte aus einer allfälligen Ab-
wehrhandlung des Privatklägers selbst mit einer Metallstange ableiten, hat er
doch den Angriff (zusammen mit den Mittätern) initiiert.
Völlig zu Recht bezeichnete die Vorinstanz den Einsatz der Axt als archaisch bru-
tal und die Art und Weise des Vorgehens anlässlich der Tatausübung als durch
Hemmungslosigkeit und Feigheit gekennzeichnet. Dies gereicht zu einem keines-
falls leichten Verschulden.
6.1.2. Das zweite, vom Mittäter angegriffene Opfer, E._ erlitt eine Hautdurch-
trennung an der rechten Wange über dem rechten Kieferwinkel, unmittelbar vor
dem Ohr (Urk. 16/3). Diese Verletzung war nicht lebensgefährlich (Urk. 16/3). Die
Tathandlung des Mittäters B._ muss sich der Beschuldigte A._ anrech-
nen lassen. Er hatte ihm im Hinblick auf den Angriff den Gertel überlassen und
musste damit rechnen, dass mit dessen Einsatz lebenswichtige Organe beim Pri-
vatkläger verletzt werden könnten, auch wenn er keinen Einfluss auf das Vorge-
hen des Mittäters nehmen konnte. Indessen war ihm die Gefährlichkeit dieses
Werkzeuges als Tatwaffe bewusst.
6.1.3. Dies führt zu einer Erhöhung der Tatschwere (i.S. von Art. 49 Abs. 1 StGB).
Aufgrund der keinesfalls leichten bis mittleren Tatschwere erscheint für die in Mit-
täterschaft hypothetisch vollendet begangene vorsätzliche Tötung der beiden Pri-
vatkläger insgesamt eine Einsatzstrafe im Bereich von 12 Jahren Freiheitsstrafe
angemessen.
6.2.1. Wenn der zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eingetreten ist,
ohne dass dies vom Täter beeinflusst worden ist, so bleibt dessen Verschulden
unberührt. Gleichwohl hat sich dieser Umstand letztlich zugunsten des Täters
auszuwirken. Ausgehend von einer vollendeten versuchten Tötung ist der Ver-
such bereits bei der objektiven Tatkomponente, also unabhängig vom Verschul-
den des Beschuldigten, strafmindernd innerhalb des ordentlichen Strafrahmens
zu berücksichtigen ((vgl. Mathys, Zur Technik der Strafzumessung, SJZ
100/2004, S. 178). Das Mass der zulässigen Reduktion der Strafe hängt beim
Versuch nach der Rechtsprechung unter anderem von der Nähe des tatbe-
- 59 -
standsmässigen Erfolgs und den tatsächlichen Folgen der Tat ab (Wiprächtiger/
Keller, in: Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], Strafrecht I, 3. Aufl., N 24 zu Art. 48a; Urteil
des Bundesgerichtes 6S.44/2007 vom 6. Juni 2007, E. 4.5.4 und 4.5.5 unter Ver-
weis auf BGE 121 IV 49 Erwägung 1b).
6.2.2. Die Verletzungen der Privatkläger waren zwar erheblich, sie hatten jedoch
keine nachhaltige körperliche Behinderung zur Folge (Urk. 15/3 S. 2 und 17/4 S. 6
f.). Indessen weist das IRM-Aktengutachten auf mögliche posttraumatische Belas-
tungsstörungen oder Angststörungen hin (Urk. 17/4 S. 6 f.). Darauf verweisen
auch die Rechtsvertreter (Urk. 114 S. 3, Urk. 115 S. 8).
Zu berücksichtigen ist sodann, dass keine konkrete Lebensgefahr für die Privat-
kläger bestanden hat. Wenn der beim Privatkläger D._ ausgeführte Schlag
mit der Axt auf den Kopf bewirkte Bruch des Schädeldachs allerdings tiefer ge-
gangen wäre, hätte dies Folgen, wie lebensgefährliche Einblutungen im Bereich
der Hirnhäute und Hirngewebeverletzungen durch die direkte Gewalteinwirkung
haben können, was zum Tode hätte führen können (Urk. 17/4 S. 5 f.). Beim Pri-
vatkläger E._ hätte es laut IRM-Gutachten bei einer Verletzung der Gefässe
im Wangenbereich zu lebensbedrohlichem Blutverlust kommen können. Zudem
verlaufen beidseits am Hals die für die Versorgung des Gehirns unabdingbaren
Hauptgefässe (Arterien und Venen), weshalb eine Verletzung derselben innert
kurzer Zeit zu einer lebensgefährlichen Situation wie Blutverlust oder Lufteintritt in
das Gefässsystem führen kann (Urk. 17/4 S. 6).
Insgesamt überwiegt jedoch die Tatsache, dass die Verwirklichung des tatbe-
standsmässigen Erfolges relativ weit weg und die langfristigen Folgen relativ ge-
ring sind. Die versuchte Tatbegehung ist somit deutlich strafmindernd zu berück-
sichtigen, nämlich mit einer Reduktion der Einsatzstrafe im Umfang von 3 Jahren.
6.3.1. In subjektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass der Beschuldigte eventual-
vorsätzlich handelte, d.h. er wollte mit seinem Vorgehen die Privatkläger nicht tö-
ten. Dies ist verschuldensmindernd zu veranschlagen. Dagegen fällt teilweise
kompensierend verschuldenserhöhend ins Gewicht, dass er offenbar grundlos
(zusammen mit dem Mittäter) auf die zufällig anwesenden Privatkläger losgegan-
- 60 -
gen ist und ungehemmt losgeschlagen hat. Da er nicht geständig ist (bzw. sich
auf eine Notwehrsituation beruft), bleibt letztlich das Motiv im Dunkeln. Die Zerstö-
rung der Schaufensterscheibe deutet zumindest an, dass allenfalls ein Konflikt mit
den Kioskbesitzern bestand. Umso verwerflicher erscheint es, dass die Privatklä-
ger als Opfer herhalten mussten, nachdem die Täter offenbar noch am Morgen
mit dem Privatkläger D._ friedlich an der AA._-strasse zusammen wa-
ren.
6.3.2. Das psychiatrische Gutachten der Fachärztin für Psychiatrie, Dr. med.
AG._, vom 6. Juli 2012, stellt Folgendes fest: Der Beschuldigte leide an einer
Persönlichkeitsstörung vom unreifen Typus, wobei es sich um eine schwerwie-
gende Störung handle. Sodann könne beim Beschuldigten für den Tatzeitpunkt
eine mittelgradige Alkoholintoxikation (0.88 bis 1.74 0/00 Gewichtspromille Äthyl-
alkohol im Blut) vor dem Hintergrund eines Alkoholmissbrauchs diagnostiziert
werden. Bei der Persönlichkeitsstörung handle es sich um eine schwere psychi-
sche Störung. Die Fähigkeit des Beschuldigten zur Einsicht in das Unrecht der Tat
oder zum Handeln gemäss dieser Einsicht sei nicht aufgehoben gewesen. Hinge-
gen sei der Beschuldigte aufgrund der diagnostizierten Störung in seiner Fähig-
keit, sich entsprechend der Einsicht in das Unrecht der Tat zu steuern, in leichtem
Grade eingeschränkt gewesen (Urk. 51/5 S. 69, 75; Urk. 160 S. 76-79). Dem Be-
schuldigten A._ wurde deshalb zu Recht von der Vorinstanz verschuldens-
mindernd eine leichtgradig verminderte Schuldfähigkeit attestiert.
6.3.3. Entsprechend reduziert sich hier die hypothetische Einsatzstrafe auf 7 Jah-
re.
7. Täterkomponente
Die Täterkomponente (Art. 47 Abs. 1 Satz 2 StGB) umfasst das Vorleben, die per-
sönlichen Verhältnisse sowie das Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren.
Bei der Beurteilung des Vorlebens fallen einerseits früheres Wohlverhalten, ande-
rerseits Zahl, Schwere und Zeitpunkt von Vorstrafen ins Gewicht. Unter dem Ge-
sichtspunkt der persönlichen Verhältnisse ist etwa zu berücksichtigen, ob sich der
Täter im Strafverfahren kooperativ verhielt, ob er Reue und Einsicht zeigte, ob er
mehr oder weniger strafempfindlich ist.
- 61 -
7.1.1. Werdegang und persönliche Verhältnisse A._
Die Vorinstanz hat das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse zutreffend
aufgeführt, worauf zu verweisen ist (Urk. 160 S. 79 - 81). An der Berufungsver-
handlung haben sich keine neuen Erkenntnisse ergeben (Prot. II S. 11 - 15). Die-
ser Zumessungsfaktor ist als neutral zu werten.
7.1.2. Vorstrafen
Was das Vorleben betrifft, kommt bei der Strafzumessung den Vorstrafen grund-
sätzlich eine ausserordentlich wichtige Rolle zu (BSK Strafrecht I - Wiprächtiger,
2. Aufl., Basel 2007, Art. 47 N 94 ff.; Schwarzenegger/Hug/Jositsch, Strafrecht II,
8. Aufl., Zürich 2007, S. 100).
Gemäss Vorstrafenbericht (Urk. 102), welchen der Beschuldigte A._ als rich-
tig anerkennt (Urk. 53/12 S. 2; Prot. II S. 13), ist er einschlägig vorbestraft: Mit Ur-
teil des Kreisgerichtes VIII Bern-Laupen, vom 17. März 2010, wurde er wegen
Angriffs, schwerer und einfacher versuchter Körperverletzung, Irreführung der
Rechtspflege, mehrfacher grober Verletzung der Verkehrsregeln und weiterer
Verstösse gegen das SVG sowie wegen Übertretung des Waffengesetzes zu ei-
ner Freiheitsstrafe von 20 Monaten und einer Busse von Fr. 400.– bestraft, wobei
betreffend die Freiheitstrafe der Strafvollzug bedingt aufgeschoben wurde, unter
Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren. Der Beschuldigte verbrachte ferner 356
Tage in Untersuchungshaft.
Vorliegender Vorfall ereignete sich am 18. Juni 2011. Der Beschuldigte delinquier-
te somit knapp 15 Monate nach der der ersten Verurteilung und somit während
laufender Probezeit.
Zudem delinquierte der Beschuldigte während laufendem Verfahren der Staats-
anwaltschaft IV des Kantons Zürich betreffend schwerer Körperverletzung (vgl.
Strafuntersuchungen, Urk. 102).
Diese einschlägige Vorstrafe, das Delinquieren während der Probezeit und lau-
fendem Verfahren und der Umstand, dass auch eine erstandene Untersuchungs-
- 62 -
haft von fast einem Jahr den Beschuldigten nicht von weiterer Delinquenz abhal-
ten konnte, fallen stark straferhöhend ins Gewicht.
7.1.3. Nachtatverhalten
Bei der Strafzumessung ist auch das Nachtatverhalten eines Täters mit zu be-
rücksichtigen. Darunter fällt das Verhalten nach der Tat sowie im Strafverfahren,
wie zum Beispiel Reue, Einsicht und Strafempfindlichkeit. Ein Geständnis, das
kooperative Verhalten eines Täters bei der Aufklärung von Straftaten sowie Ein-
sicht und Reue wirken strafmindernd (BSK Strafrecht I - Wiprächtiger, Basel 2007,
Art. 47 N 130 ff.).
Die Vorinstanz wertete das teilweise Geständnis des Beschuldigten nur leicht
strafmindernd (Urk. 160 S. 81). Das ist nicht zu beanstanden. Es zeugt auch nicht
von Einsicht oder Reue, da - wie die Vorinstanz zu Recht festhielt - der Beschul-
digte mit seiner Notwehrausrede versuchte, die Opfer zu Tätern zu machen.
Das Nachtatverhalten des Beschuldigten wirkt sich insgesamt nur leicht strafmin-
dernd aus.
Eine erhöhte Strafempfindlichkeit ist sodann nicht ersichtlich.
7.1.4 Fazit
Zusammenfassend überwiegen bei der Täterkomponente die straferhöhenden
Faktoren die strafmindernden insgesamt in einem sehr beträchtlichen Ausmass.
7.2. Fazit Strafzumessung A._
In Würdigung aller massgeblichen Strafzumessungsgründe erweist sich eine
Freiheitsstrafe von 9 Jahren dem Verschulden und den persönlichen Verhält-
nissen - auch im Vergleich zum Mittäter B._ (vgl. nachfolgend) - als ange-
messen.
An diese Freiheitsstrafe anzurechnen sind bis und mit heute 915 Tage Unter-
suchungshaft und vorzeitiger Strafvollzug (Art. 51 StGB).
C. B._
- 63 -
8. Tatkomponente
8.1.1. Was die objektive Tatschwere angeht, so ist zu berücksichtigen, dass der
Beschuldigte B._ den Privatkläger E._ mit dem Gertel eine Hautdurch-
trennung an der rechten Wange über dem rechten Kieferwinkel, unmittelbar vor
dem Ohr, zugefügt hat, welche nicht lebensgefährlich war (Urk. 16/3). Der Einsatz
des Gertels als Schlag- und Hiebwaffe zeugt von einer grossen Skrupellosigkeit.
Daran ändert nichts, dass er laut eigenen Angaben die Waffe eher zurückhaltend
eingesetzt habe (weil sonst der Kopf ab gewesen wäre [Urk. 50/7 S.57]). Er-
schwerend kommt hinzu, dass er diesen Gertel (zusammen mit der Axt) im Ruck-
sack mit sich führte, somit der Einsatz als Waffe bereits im Vorfeld eingeplant war.
Dies ist daraus ersichtlich, dass er keinen Moment zögerte und den Gertel an sich
nahm, als ihm der Mittäter A._ diesen vor dem Kiosk zu Beginn des Angriffs
übergab. Dabei war es wohl eher zufällig, wer welches Werkzeug behändigte.
Das objektive Verschulden ist im Vergleich zum Mittäter A._ als gleich
schwer zu gewichten.
8.1.2. Auch das Vorgehen des Beschuldigten A._ gegen den Privatkläger
D._ ist dem Beschuldigten B._ verschuldensmässig anzulasten, war er
mit dem gemeinsamen Vorgehen einverstanden. Dabei kann grundsätzlich auf die
vorstehenden Ausführungen verwiesen werden (Erw. III. Ziff. 6.1.2.).
8.1.3. Dies führt zu einer Erhöhung der Tatschwere (i.S. von Art. 49 Abs. 1 StGB)
und insgesamt erscheint für die in Mittäterschaft hypothetisch vollendet began-
gene vorsätzliche Tötung der beiden Privatkläger eine Einsatzstrafe im Bereich
von 12 Jahren Freiheitsstrafe auch für den Beschuldigten B._ angemessen,
waren doch beide gleichmassgeblich an diesem Angriff auf die beiden Privatklä-
ger beteiligt.
8.2. Unter Verweis auf vorstehende Erwägungen (Erw. III. 6.2.) ist der vollendete
Versuch strafmindernd mit 3 Jahren zu berücksichtigen.
8.3.1. Bei der subjektiven Tatschwere ist beim Beschuldigten B._ ebenfalls
von einem eventualvorsätzlichen Handeln auszugehen, was verschuldensmil-
- 64 -
dernd zu berücksichtigen ist. Auch was die Motivlage angeht, kann auf das bereits
zum Mittäter Ausgeführte verwiesen werden (Erw. III.6.3.).
8.3.2. Der Facharzt für Psychiatrie an der Universitätsklinik Zürich, med. pract.
AH._, kam in seinem psychiatrischen Gutachten vom 11. September 2012
zum Schluss, dass der Beschuldigte an einer dissozialen Persönlichkeitsstörung
leide. Seine Persönlichkeit sei des Weiteren durch narzisstische und histrionische
Persönlichkeitszüge gekennzeichnet, wobei letzteren aber kein eigener Krank-
heitswert beigemessen werden könne. Die dissoziale Persönlichkeitsstörung sei
von erheblicher Schwere und werde zusätzlich durch einen hohen "psychopathy"-
Wert weiter erschwert. Diese Störung habe aber nicht dazu geführt, dass der Be-
schuldigte nicht in der Lage gewesen wäre, das Verbotene seines Handelns zu
erkennen. Auch sei seine Steuerungsfähigkeit durch die dissoziale Persönlich-
keitsstörung nicht in forensisch-relevanter Weise beeinträchtigt gewesen. Sie sei
handlungsmotivierend, aber nicht freiheitseinschränkend im Sinne von Art. 19
StGB.
Auch die Alkoholisierung des Beschuldigten im Tatzeitpunkt von 0.82 o/oo bis
1.73 o/oo hatte gemäss Gutachter ebenfalls nicht eine derartige Verminderung
seiner Kritikfähigkeit und seiner Hemmungskräfte zur Folge gehabt, dass seine
Steuerungsfähigkeit eingeschränkt gewesen wäre (Urk. 50/7 S. 65 f.).
Folgerichtig hat die Vorinstanz keine Verminderung der Schuldfähigkeit ange-
nommen (Urk. 160 S. 84).
8.3.3. Damit wird das objektive Tatverschulden nur leicht durch die subjektive
Komponente relativiert und es ist eine hypothetische Einsatzstrafe von 8 1⁄4 Jah-
ren auszugehen.
9. Täterkomponente
9.1. Werdegang und persönliche Verhältnisse
9.1.1. Die Vorinstanz hat das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse zutref-
fend aufgeführt, worauf zu verweisen ist (Urk. 160 S. 85-86). Aus der Berufungs-
- 65 -
verhandlung resultierten diesbezüglich keine neuen Erkenntnisse (Prot. II S. 15
ff.).
9.1.2. Dem erwähnten psychiatrischen Gutachten von med. pract. AH._ vom
11. September 2012 zufolge leidet der Beschuldigte an einer dissozialen Persön-
lichkeitsstörung schwerer Ausprägung. Beim Beschuldigten sei eine Störung der
charakterlichen Konstitution und des Verhaltens erkennbar, die sich in seinen Er-
lebens-, Verarbeitungs- und Reaktionsbereitschaften zeige, seine zwischen-
menschlichen Beziehungen betreffe und schon über einige Jahre eine zuneh-
mende Konstanz aufweise. Für den Beschuldigten charakteristisch liessen sich
eine Unausgeglichenheit der Stimmungslage, eine ungenügende Fähigkeit, Im-
pulse zu kontrollieren, und ein häufiger Wechsel in seiner Selbstwahrnehmung
nachweisen. Die Erlebens-, Reaktions- und Verhaltensmuster seien trotz schwan-
kender Intensität überdauernd, wobei die Intensität von den jeweiligen äusseren
Umständen abhängig scheine und er sie kaum in konstruktiver Art beeinflussen
könne bzw. wolle. Diese abnormen Verhaltensmuster seien tiefgreifend, sozial
unpassend und würden zu einer zusätzlichen Beeinträchtigung seiner beruflichen
und sozialen Leistungsfähigkeit führen (Urk. 50/7 S. 50 ff.). Diese Störung im So-
zialverhalten stellt eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensführung des Be-
schuldigten dar und ist gemäss Gutachter - wie erwähnt - sogar handlungsmoti-
vierend (ohne indessen die Schuldfähigkeit zu beeinträchtigen). Diesem Umstand
ist deshalb im Rahmen der persönlichen Verhältnisse leicht strafmindernd Rech-
nung zu tragen.
9.2. Vorstrafe
Gemäss Vorstrafenbericht (Urk. 103), welchen der Beschuldigte B._ als rich-
tig anerkennt (Urk. 52/11 S. 2; Prot. II S. 17), ist er einschlägig vorbestraft: Mit Ur-
teil des Jugendgerichtes Zürich vom 4. November 2010 wurde er wegen Raubes,
mehrfachen Diebstahls, mehrfacher versuchter schwerer Körperverletzung, An-
griffs, Widerhandlung gegen das Waffengesetz, mehrfachen Vergehens gegen
das Betäubungsmittelgesetz sowie mehrfacher Übertretung des Betäubungsmit-
telgesetzes zu 3 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe bestraft, wobei eine Unterbringung im
Sinne von Art. 15 Abs. 1 JStG, verbunden mit einer ambulanten Massnahme im
- 66 -
Sinne von Art. 14 JStG angeordnet und der Vollzug der Freiheitsstrafe aufge-
schoben wurde (act. 52/9).
Mit der Vorinstanz ist die einschlägige Vorstrafe merklich straferhöhend zu be-
rücksichtigen. Die weiteren persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten lassen
keine strafzumessungsrelevanten Faktoren erkennen.
9.3. Nachtatverhalten
Die Vorinstanz wertete das teilweise Geständnis des Beschuldigten nur leicht
strafmindernd. Das ist nicht zu beanstanden. Auch er versteckt sein Handeln hin-
ter einer angeblichen Notwehrsituation. Von echter Einsicht und Reue ist nichts zu
spüren.
Das Nachtatverhalten des Beschuldigten wirkt sich insgesamt nur leicht strafmin-
dernd aus.
Eine erhöhte Strafempfindlichkeit ist sodann nicht ersichtlich.
9.4. Fazit
Bei der Täterkomponente überwiegen die straferhöhenden Faktoren die strafmin-
dernden Faktoren leicht.
10. Fazit Strafzumessung B._
In Würdigung aller massgeblichen Strafzumessungsgründe erweist sich eine
Freiheitsstrafe von 8 1⁄2 Jahren dem Verschulden und den persönlichen Verhält-
nissen des Beschuldigten - auch im Vergleich zum Mittäter A._ - als ange-
messen.
An diese Freiheitsstrafe anzurechnen sind bis und mit heute 915 Tage Unter-
suchungshaft und vorzeitiger Strafvollzug (Art. 51 StGB).
D. C._
11. Strafrahmen
- 67 -
Ausgangspunkt für die Strafzumessung ist vorliegend Art. 134 StGB (Angriff),
welcher als Sanktion eine Geldstrafe bzw. eine Freiheitsstrafe mit einer Maximal-
dauer von 5 Jahren vorsieht.
12.1. Tatkomponente
12.1.1. Zum objektiven Tatverschulden ist festzuhalten, dass der Beschuldigte -
wie die Vorinstanz zu Recht ausführte - (Urk. 160 S. 87) im Schutze einer grösse-
ren Gruppe gewältig gegen zwei wehrlose Menschen vorgegangen ist. Seine Rol-
le innerhalb dieser Angriffsgruppe ist zwar nicht klar feststellbar. Aber zumindest
ist nicht erkennbar, dass er als Anführer gehandelt hat. Indessen sass er auch im
Fahrzeug, dass vor dem Angriff die Drohung gegen die 'Kioskleute' und insbe-
sondere die nachmaligen Privatkläger ausstiess. Dies belegt, dass der Angriff
nicht eine spontane Aktion war. Sein äusserst feiges Vorgehen zeigt sich darin,
dass er auf die Privatkläger losging, nachdem diese bereits durch den zuvor er-
folgten Angriff der Mittäter A._ und B._ sehr erheblich verletzt worden
waren, stark bluteten und dadurch völlig wehrlos den Schlägen des Beschuldigten
ausgesetzt waren. Auch wenn die durch den Beschuldigten benutzte Tatwaffe
und deren Einsatz gegen den Privatkläger D._ nicht eindeutig festgestellt
werden konnte, so ist bereits dieser Umstand des Angriffs auf bereits wehrlose
Opfer ein Akt von grosser Rücksichtslosigkeit und zeugt von einer unverständli-
chen Geringschätzung der physischen Integrität der Privatkläger. Sich in einer
solchen Situation an einem Angriff zu beteiligen, ist besonders niederträchtig, was
sich erheblich verschuldenserhöhend auswirkt. Das objektive Tatverschulden ist
als keinesfalls leicht einzustufen.
12.1.2. In subjektiver Hinsicht ist weiter festzuhalten, dass das Verschulden eines
Täters, der eine Tat vorsätzlich begeht, wesentlich schwerer zu werten ist, als das
Verschulden eines Täters, der "bloss" fahrlässig oder mit Eventualvorsatz handelt.
Was den Beschuldigten dazu veranlasste, auf den Privatkläger loszugehen, ist bis
dato unklar. Nachdem der Beschuldigte selbst keinerlei Angaben zu seinem Motiv
machte und auch sonst nicht nachvollziehbar ist, was ihn dazu bewogen haben
könnte, sich am Angriff gegen wehrlose Opfer zu beteiligen, muss davon ausge-
- 68 -
gangen werden, dass die Privatkläger ohne irgendeinen Anlass dazu gegeben zu
haben, aus nichtigem Grund vom Beschuldigten attackiert wurden. Was die kör-
perliche Verfassung des Beschuldigten anbetrifft, so wurde bei ihm ein Blutalko-
holgehalt von max. 1.81 o/oo festgestellt (Urk. 23/4). Daraus lässt sich eine ge-
wisse Enthemmung ableiten. Die Vorinstanz hat diesen Umstand nicht berück-
sichtigt (Urk. 160 S. 87). Aufgrund des gesamten Nachtatverhaltens, insbesonde-
re der Flucht und der Organisation der Heimreise (vgl. Befragung zu Telefonanru-
fen Urk. 11/16 S. 10) ist von einer nicht erheblich und rechtsrelevant einge-
schränkten Einsichts- und Steuerungsfähigkeit auszugehen. Unter diesem Titel
kann der Beschuldigte daher nichts zu seinen Gunsten ableiten. Demgegenüber
ist erschwerend zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte direkt vorsätzlich han-
delte. Insgesamt ist die subjektive Tatschwere mit der Vorinstanz als keinesfalls
leicht zu bezeichnen.
12.1.3. Die objektive Tatschwere erfährt durch das subjektive Tatverschulden kei-
ne Relativierung, weshalb insgesamt von einem keinesfalls leichtem  auszugehen ist. Unter diesen Umständen ist die Einsatzstrafe auf 22 Monate
festzulegen.
12.2. Täterkomponente
12.2.1. Die Vorinstanz hat das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse zutref-
fend aufgeführt, worauf zu verweisen ist (Urk. 160 S. 88 - 89). Hinzuzufügen ist,
dass der Beschuldigte gemäss eigener Aussage bereits von 1999 bis 2003 in der
Schweiz lebte, ehe er diese wieder verliess, bis er im Jahre 2006 illegal erneut
einreiste. Desweitern verlor er nach einer Verhaftung in anderer Sache seine Stel-
le, zuletzt verdiente er Fr. 3'800.– pro Monat. Seine Frau ist nicht mehr erwerbstä-
tig; er nimmt an, sie lebe von der Fürsorge (Prot. II S. 31). Dieser Zumessungs-
faktor ist als neutral zu werten.
12.2.2. Vorstrafen
Gemäss Vorstrafenbericht (Urk. 104), welchen der Beschuldigte C._ als rich-
tig anerkennt (Urk. 54/14 S. 2), ist er einschlägig vorbestraft (Urk. 160 S. 89 f.):
- 69 -
- Mit Strafmandat der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 16. Januar 2006 wurde der Beschuldigte, wie erwähnt, wegen Vergehen  das Ausländergesetz sowie wegen Verwendung oder Verschaffung  fremdenpolizeilicher Ausweispapiere zu einer Gefängnisstrafe von 2 Monaten verurteilt unter Gewährung des bedingten Strafvollzuges und  einer Probezeit von 2 Jahren.
- Mit Strafmandat des Statthalteramtes Luzern vom 25. September 2008 wurde C._ wegen Diebstahls zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu CHF 30 verurteilt, wobei der bedingte Vollzug unter Ansetzung einer  von 3 Jahren gewährt wurde. Zusätzlich wurde eine Busse von CHF 200 ausgesprochen.
- Mit Urteil des Kreisgerichtes VIII Bern-Laupen vom 17. März 2010  C._ sodann wegen mehrfachen Angriffs, versuchter schwerer , Tätlichkeiten, Fälschung von Ausweisen, Fahren ohne  und Vergehen gegen das Waffengesetz zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten, unter Gewährung des bedingten Strafvollzuges und  einer Probezeit von 4 Jahren, sowie einer Geldstrafe von 60  zu CHF 60 und einer Busse von CHF 700 verurteilt.
- Mit Strafmandat vom 12. August 2010 wurde der Beschuldigte sodann wegen Angriffs, Fahren in fahrunfähigem Zustand, Fälschung von  und eines geringfügigen Vermögensdeliktes zu gemeinnütziger Arbeit von 360 Stunden verurteilt, wobei es sich um eine Teilzusatzstrafe zum  des Kreisgerichtes VIII Bern-Laupen vom 17. März 2010 handelte.
Sodann delinquierte Beschuldigte C._ während laufender Probezeit der mit
Urteil des Kreisgerichtes VIII Bern-Laupen vom 17. März 2010 bedingt ausge-
sprochenen Freiheitsstrafe.
12.2.3. Die Vorinstanz legte zu Recht die - teilweise einschlägigen - Vorstrafen
sowie die Delinquenz während laufender Probezeit deutlich straferhöhend in die
Waagschale.
Weitere für die Strafzumessung relevanten Umstände sind nicht ersichtlich. Ins-
besondere liegt kein Geständnis vor.
12.3 Im Rahmen der Gesamtwürdigung ist von der Einsatzstrafe von 22 Monaten
auszugehen. Aufgrund der Täterkomponente, namentlich unter Berücksichtigung
der Vorstrafen und der Delinquenz während laufender Probezeit erscheint es an-
gemessen, den Beschuldigten C._ mit einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten
zu bestrafen.
- 70 -
12.4. Die vom Beschuldigten C._ ausgestandene Untersuchungs- und Si-
cherheitshaft von 127 Tagen ist - soweit sie nicht bereits an die zu widerrufende
Strafe anzurechnen sein wird (vgl. nachstehend - auf die Strafe anzurechnen
(Art. 51 StGB).
13. Angesichts der mehrfachen und teilweise einschlägigen Vorstrafen des Be-
schuldigten C._ und angesichts der Tatsache, dass er bereits in der Vergan-
genheit eine Probezeit nicht bestand und heute eine weitere zunächst bedingt
aufgeschobene Strafe zu widerrufen sein wird (vgl. nachfolgend Ziffer V. B.), und
er bereits fast vier Monate in Untersuchungshaft verbrachte, kann nicht mehr da-
von ausgegangen werden, dass er sich durch eine weitere bedingt aufgeschobe-
ne Strafe von weiterer Delinquenz abhalten lassen wird. Die heute auszuspre-
chende Freiheitsstrafe von 28 Monaten ist daher zu vollziehen.
V. Widerruf
Begeht der Beschuldigte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen
und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten verüben wird, so widerruft
das Gericht die bedingte Strafe oder den bedingten Teil der Strafe (Art. 46 Abs. 1
Satz 1 StGB). Wird von einem Widerruf abgesehen, so kann das Gericht den Be-
schuldigten verwarnen und die Probezeit um höchstens die Hälfte der im Urteil
festgesetzten Dauer verlängern. Für die Dauer der verlängerten Probezeit kann
das Gericht Bewährungshilfe anordnen und Weisungen erteilen.
A. A._
1. Der Beschuldigte A._ wurde mit Urteil des Kreisgerichtes VIII Bern-Laupen
vom 17. März 2010 zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten verurteilt, unter Ge-
währung des bedingten Strafvollzuges und unter Ansetzung einer Probezeit von 2
Jahren sowie zu einer Busse von Fr. 400.– (Urk. 102). Wie bereits ausgeführt
wurde, beging der Beschuldigte A._ die heute zu beurteilenden Straftaten
während dieser Probezeit, weshalb der Widerruf der bedingt ausgefällten Frei-
heitsstrafe von 20 Monaten zu prüfen ist.
- 71 -
2. Der Beschuldigte liess sich weder durch die bereits erstandenen 356 Tage Un-
tersuchungshaft noch durch eine weitere zum Zeitpunkt der zu beurteilenden
Straftaten bereits laufende Strafuntersuchung von erneuter Delinquenz abhalten.
Die gegen den Beschuldigten A._ mit Urteil des Kreisgerichtes VIII Bern-
Laupen vom 17. März 2010 bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe von
20 Monaten ist daher zu widerrufen und für vollziehbar zu erklären. Davon sind
356 Tage durch damalige Untersuchungshaft erstanden.
B. C._
1. Das Kreisgericht VIII Bern-Laupen verurteilt den Beschuldigten C._ mit Ur-
teil vom 17. März 2010 zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten, unter Gewährung
des bedingten Strafvollzuges und unter Ansetzung einer Probezeit von 4 Jahren
sowie zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 60.– und einer Busse von
Fr. 700.– (Urk. 103). Damit stellt sich auch bei ihm die Frage des Widerrufs der
bedingt ausgefällten Freiheitsstrafe.
2. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass der mehrfach und einschlägig vorbestrafte
Beschuldigte sich weder durch die erstandene Untersuchungshaft von 115 Tagen
noch durch den drohenden Vollzug der Reststrafe von weitere Delinquenz abhal-
ten liess. Ihm kann daher ebenfalls keine gute Prognose mehr gestellt werden.
Die gegen ihn mit Urteil des Kreisgerichtes VIII Bern-Laupen vom 17. März 2010
bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe von 15 Monaten ist somit zu widerrufen
und für vollziehbar zu erklären. Davon sind 115 Tage durch damalige Untersu-
chungshaft erstanden.
VI. Massnahme
1. Die Staatsanwaltschaft beantragt, sowohl gegenüber dem Beschuldigten
A._ als auch gegenüber dem Beschuldigten B._ eine Verwahrung nach
Art. 64 Abs. 1 lit. b StGB anzuordnen, allenfalls eine Massnahme gemäss Art. 59
StGB, welche später in eine Verwahrung umgewandelt werden könne (Urk. 183
- 72 -
S. 2; Prot. II S. 51 ff.). Vor Vorinstanz beantragte die Staatsanwaltschaft nur die
Anordnung von Massnahmen gemäss Art. 59 und 61 StGB respektive Art. 63
StGB (Urk. 113 S. 2 f.).
Hierzu ist zunächst festzuhalten, dass sich keines der vorliegenden Gutachten
über den Beschuldigten A._ und den Beschuldigten B._ zur Frage der
Anordnung einer Verwahrung äussert (Urk. 50/7 und 51/5). Die entsprechenden
Gutachtensaufträge beschränkten sich auf die Prüfung von Massnahmen gemäss
Art. 59-61 StGB und Art. 63 StGB (Urk. 50/5 S. 3 und Urk. 51/1 S. 3). Unter die-
sen Umständen ist die Anordnung einer Verwahrung gegen die erwähnten Be-
schuldigten bereits mangels eines qualifizierten Gutachtens, das als Grundlage
zur Prüfung der Voraussetzungen der Verwahrung dienen könnte, nicht möglich.
2. Wie bereits die Vorinstanz zutreffend festhielt (Urk. 160 S. 97) empfiehlt sich
gemäss psychiatrischem Gutachten vom 6. Juli 2012 beim Beschuldigten
A._ die Anordnung einer therapeutische Massnahme aufgrund seiner festge-
stellten Persönlichkeitsstörung vom unreifen Typus sowie dem zusätzlich diag-
nostizierten Alkoholmissbrauch, welcher, wie auch die Persönlichkeitsstörung,
Tatrelevanz besitzt. Empfohlen wird die intensive und mehrjährige Kombination
einer Massnahme für junge Erwachsene gemäss Art. 61 StGB mit einer stationä-
ren Massnahme gemäss Art. 59 StGB (Urk. 51/5 S. 76 und S. 79 ff.).
Wie schon im vorinstanzlichen Verfahren (Urk. 110 S. 2) erklärte der Beschuldigte
aber auch in der Berufungsverhandlung, er brauche keine Massnahme (Prot. II
S. 14 f.). Auch die Verteidigung beantragte keine Massnahme. Von einer aus-
drücklichen Ablehnung einer Massnahme kann aber nicht gesprochen werden.
Ebenso wenig liegt eine Massnahmeunfähigkeit vor. Angesichts der klaren Emp-
fehlung im Gutachten, dessen Begründung überzeugt, und der Tatrelevanz der zu
behandelnden Persönlichkeitsstörung sowie des noch jungen Alters des Beschul-
digten ist eine ambulante Massnahme im Sinne von Art. 63 anzuordnen. Der Voll-
zug der Freiheitsstrafe ist nicht zugunsten der Massnahme aufzuschieben.
3. In Bezug auf den Beschuldigten B._ äusserte sich dieser negativ, was sei-
nen Willen, eine Massnahme anzutreten, anging. Angesichts einer bevorstehen-
- 73 -
den Ausweisung aus der Schweiz sehe er keinen Grund, eine Therapie zu ma-
chen (Prot. II S. 19). Entscheidend ist hier, dass das vorliegende Gutachten eine
Massnahme ausdrücklich als aussichtslos bezeichnet und von einer Empfehlung
absieht (Urk. 50/7 S. 68). Dementsprechend ist für den Beschuldigten B._
keine Massnahme anzuordnen.
VII. Schadenersatzbegehren / Genugtuung
1. Die Privatkläger D._ und E._ beantragten vor Vorinstanz, es sei fest-
zustellen, dass die Beschuldigten dem Grundsatze nach und unter solidarischer
Haftbarkeit verpflichtet seien, ihnen den im Verlauf und als Folge des Vorfalles
vom 18. Juni 2011 entstandenen und noch entstehenden Schaden - z.B. zukünfti-
ge Behandlungs- und Therapiekosten - vollumfänglich zu ersetzen (Urk. 114 S. 1
und Urk. 115 S. 2).
2. Da die Schuldsprüche gegen alle drei Beschuldigten heute zu bestätigen sind
und alle drei für die von den Privatklägern D._ und E._ erlittenen Verlet-
zungen verantwortlich sind, der genaue Schaden aber auch im heutigen Zeitpunkt
noch nicht abschliessend beziffert werden kann, ist festzustellen, dass die Be-
schuldigten gegenüber den Privatklägern D._ und E._ aus dem einge-
klagten Ereignis dem Grundsatze nach unter solidarischer Haftbarkeit schadener-
satzpflichtig sind. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatz-
anspruches sind die Privatkläger auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen.
3. Die Vorinstanz sprach den Privatklägern D._ und E._ je Fr. 10'000.–
als Genugtuung zu. Im Mehrbetrag wurden ihre Genugtuungsbegehren abgewie-
sen. Unter Hinweis auf die überzeugende Begründung der Vorinstanz (Urk. 160
S. 100 ff.) ist dieser Entscheid zu bestätigen. Die Beschuldigten sind somit unter
solidarischer Haftbarkeit zu verpflichten, den Privatklägern D._ und E._
je Fr. 10'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 18. Juni 2011 als Genugtuung zu bezahlen.
Im Mehrbetrag sind die Genugtuungsbegehren abzuweisen
- 74 -
VIII. Einziehung
Mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 24. September
2012 wurden ein iPhone, Tel. ..., und ein Mobiltelefon Samsung, schwarz, Tel. ...,
des Beschuldigten A._ beschlagnahmt. Die unter Sachkautionsnummer ...
bei der Gerichtskasse gelagerten Gegenstände sind nach Eintritt der Rechtskraft
des Urteils durch die Kasse des Bezirksgerichts Zürich zu verwerten und der Er-
lös zur Deckung der Verfahrenskosten des Beschuldigten A._ zu verwenden.
Für den Fall, dass die Mobiltelefone nicht verwertbar sind, sind sie an den Be-
schuldigten A._ herauszugeben.
IX. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind auf Fr. 6'000.– zu veranschlagen
(Art. 424 Abs. 1 StPO i.V.m. § 16 Abs. 1 und § 14 der Gebührenverordnung des
Obergerichts, LS. 211.11).
2. Die Beschuldigten unterliegen in zweiter Instanz mit ihren Anträgen vollumfäng-
lich, weshalb die erstinstanzliche Kostenregelung (Dispositiv-Ziffer 23-25) zu be-
stätigen ist und die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen
der amtlichen Verteidigungen und derjenigen der unentgeltlichen Verbeiständun-
gen, den Beschuldigten 1 und 2 je zu zwei Fünfteln und dem Beschuldigten 3 zu
einem Fünftel aufzuerlegen sind. Die Kosten der amtlichen Verteidigungen sind
einstweilen auf die Staatskasse zu nehmen wobei die Rückzahlungspflicht ge-
mäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten bleibt. Die Kosten für die unentgeltliche
Verbeiständung der Privatklägerschaft sind auf die Staatskasse zu nehmen.