Decision ID: 02f89ab1-82ac-40f1-aa3c-387ea03b2011
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im September 2009 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, dass
sie B._ die Volksschule besucht und eine Ausbildung zur Kauffrau absolviert habe.
Von 1995 bis Ende März 2009 habe sie zu ca. 77 % als Montagearbeiterin gearbeitet.
Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen bestünden seit etwa einem Jahr. Seit dem 30.
März 2009 sei sie bis auf Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig.
A.b Dipl. Psych. C._, Psychiatrie-Zentrum D._, gab am 20. Oktober 2009
gegenüber RAD-Ärztin Dr. med. E._ an (IV-act. 12), dass die Versicherte an einer
mittel- bis schwergradigen depressiven Episode, einem Restless-Legs-Syndrom (RLS),
an einer Epilepsie (anfallsfrei seit 2003) sowie unter starken psychosozialen
Belastungen (Kündigung durch Arbeitgeber, vier teilweise schwer kranke Kinder,
schlechte Deutschkenntnisse) leide. Sie sei bis auf Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig.
Das Protokoll wurde am 28. Oktober 2009 von Dr. med. F._, Bereichsleiter
Ambulatorium, unterzeichnet (IV-act. 19). Einem gefaxten Bericht von Dr. med. G._,
Fachärztin für Neurologie vom 16. Juni 2009 (IV-act. 14) waren die Diagnosen eines
RLS, einer Epilepsie, eines episodischen Spannungskopfschmerzes und einer
mittelgradigen depressiven Episode zu entnehmen.
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A.c Die H._ AG berichtete am 20. Oktober 2009 (IV-act. 15), dass sie die
Versicherte vom 2. Januar 1995 bis 31. Dezember 2009 für Montagearbeiten
beschäftigt habe. Die Kündigung aus wirtschaftlichen Gründen sei am 30. März 2009
ausgesprochen worden. Ab dem 31. März 2009 sei die Versicherte zu 100 %
krankgeschrieben gewesen. Sie
habe 32.15 Stunden pro Woche im Betrieb gearbeitet und zuletzt ein
Jahreseinkommen von Fr. 38'512.50 erzielt.
A.d Dr. med. I._, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, gab am 22. Oktober
2009 gegenüber RAD-Ärztin Dr. E._ an (IV-act. 16 und 20), dass die Versicherte an
Epilepsie, einem RLS und einer Depression (mit einer Art Verfolgungsangst) leide. Das
RLS habe keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Das Hauptproblem stelle klar die
depressive Symptomatik dar. Ergänzend berichtete er der IV-Stelle am 5. November
2009 (IV-act. 20-3), dass die Versicherte anlässlich der Untersuchung vom 3.
November 2009 von halluzinationsähnlichen Erlebnissen, allerdings mit unklarer
Symptomatik, berichtet habe und er sie zurzeit als zu 100 % arbeitsunfähig betrachte.
Dipl. Psych. C._ gab am 17. Dezember 2009 gegenüber RAD-Ärztin Dr. E._ die
Diagnose einer schweren depressiven Störung/schweren Depression mit psychotischer
Symptomatik und eines Verdachts auf Panikattacken an (IV-act. 22 und 27). Der
Gesundheitszustand habe sich wegen der Mitteilung, dass die Krankentaggelder
eingestellt würden und aufgrund der vorgezogenen Kündigung seitens der
Arbeitgeberin auf den 30. November 2009 verschlechtert. Der Gesundheitszustand sei
instabil. Die Versicherte sei weiterhin in allen Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig.
A.e Am 22. Dezember 2009 wurde der Versicherten mitgeteilt, dass aufgrund ihres
instabilen Gesundheitszustandes zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen
möglich seien (IV-act. 25).
A.f Die Klinik J._ gab im Austrittsbericht vom 10. März 2010 an (IV-act. 42), dass
sich die Versicherte vom 8. bis 27. Februar 2010 einer stationären Behandlung
unterzogen habe. Die Diagnosen lauteten:
- Mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (F32-11);
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- sonstige belastende Lebensumstände, die Familie und Haushalt negativ
beeinflussen (Z63.7);
- epileptische Anfälle seit der Kindheit;
- Nacken-Schulter-Schmerzsyndrom;
- Kachexie;
- Verdacht auf Hypothalamus (Hypophyse-Achse-Störung);
- Verdacht auf periphere Schilddrüsen-Hypofunktion;
- arterielle Hypotonie;
- RLS.
Die Klinikärzte erklärten, dass die depressive Symptomatik und die starke physische
Schwäche der Versicherten im Zusammenhang mit diversen somatischen
Beschwerden, einem starken Gewichtsverlust und einer damit einhergehenden
Kraftlosigkeit sowie einer belastenden familiären Situation zu sehen seien. Die
Versicherte habe sich stets motiviert gezeigt, am Rehabilitationsprogramm aktiv
teilzunehmen. In den psychotherapeutischen Gesprächen habe sich zunächst gezeigt,
wie schwierig es der Versicherten gefallen sei, nicht zu Hause bei ihrer Familie zu sein.
Zwar sei sie sich bewusst gewesen, dass sie sich dringend Zeit für sich nehmen
müsste und dass sie über sehr viele Jahre hinweg immer nur gearbeitet und nie an ihre
Bedürfnisse gedacht habe. Trotzdem habe es den Eindruck gemacht, dass sie nie
richtig zur Ruhe gekommen sei. Aufgrund der sprachlichen Barrieren sei während den
Gesprächen vieles im Diffusen geblieben. Da die Versicherte jeweils erst gegen Ende
der Stunde bereit gewesen sei, Themen wie Ängste vor dem Tod anzusprechen und
auch auf mehrmaliges Nachfragen und Rückversichern in ihren Ausführungen sehr
vage geblieben sei, hätten nur geringe Einsichten in die tatsächliche Problematik
gewonnen werden können.
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A.g Dr. med. K._, Innere Medizin und Nephrologie FMH, gab am 10. April 2010 (IV-
act. 35) die folgenden Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit an: Mittelgradige
depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11; seit März 2009),
cerviko-vertebragenes Syndrom (seit August 2009), Kachexie und Epilepsie. Die letzte
Kontrolle habe am 29. Januar 2010 stattgefunden. Es bestehe eine Progression und
Chronifizierung mit multiplen somatischen Leiden. Die Versicherte sei als
Montagearbeiterin vom 1. Mai bis 14. Dezember 2009 zu 50 % arbeitsunfähig
gewesen. Seit dem 14. Dezember 2009 und bis auf Weiteres sei sie zu 100 %
arbeitsunfähig. Aufgrund der Depression mit Kachexie sei sie kraftlos. Aktuell sei sie
auch in einer adaptierten Tätigkeit zu 100 %arbeitsunfähig.
A.h Das Psychiatrie-Zentrum D._ gab am 16. April 2010 (IV-act. 36) als Diagnosen
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige depressive Episode mit
somatischem Syndrom (F32.11) und sonstige belastende Lebensumstände, die Familie
und Haushalt negativ beeinflussten (Z63.7), an (diagnostiziert im April 2009). Dr. G._
habe in ihrem Zuweisungsschreiben vom 10. März 2009 berichtet, dass die Versicherte
in den letzten 2-3 Jahren zunehmend unter Müdigkeit, rascher Erschöpfung, Nervosität
sowie Schlafstörungen gelitten habe. Beim Erstgespräch am 8. April 2009 habe die
Versicherte berichtet, dass die Symptomatik schon länger bestehe, das i-Tüpfelchen
aber die Kündigung gewesen sei. Im Verlauf sei es zu einer Zustandsverschlechterung
sowohl psychisch als auch physisch gekommen. Die Versicherte sei blass, mager,
kraftlos und schwach. Die Gespräche müssten zum Teil vorzeitig beendet werden, da
die Versicherte nicht länger sitzen könne und die Gespräche sie anstrengten. Sie
beklage aktuell deutlich depressive Symptome wie Kraftlosigkeit, Lustlosigkeit,
Interessenverlust und Appetitlosigkeit mit weiterer Gewichtsabnahme. Vor allem leide
sie unter der weiter bestehenden Schlaflosigkeit. Sie habe angegeben, lebensmüde zu
sein und sie äussere immer wieder Gedanken, dass ihre Familie ohne sie besser dran
wäre bzw. dass sie in diesem Zustand nicht mehr leben wolle. Zugenommen hätten
Klagen über körperliche Beschwerden wie Schwindel, Atemprobleme, Gefühllosigkeit
im Knie, Übelkeit, Erbrechen, Nervosität, Zittern und Verstopfung. In Bezug auf die
Situation der belastenden Lebensumstände gebe es keine Verbesserungen. Die
Versicherte mache sich zunehmend Sorgen um die Gesundheit ihres Ehemannes. Sie
sei mit Vorbehalt, Unsicherheiten sowie Ängsten ins Psychiatrie-Zentrum gekommen
und aufgrund von pessimistischen Zukunftsgedanken und Hoffnungslosigkeit lange
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unentschlossen gewesen, ob sie überhaupt eine Therapie machen solle. Dennoch sei
sie regelmässig zu den Konsultationen gekommen. Es sei gelungen, die Versicherte zu
motivieren. Inzwischen nehme sie auch ein Psychopharmakon ein, allerdings nur
unregelmässig. Die Kündigung des Arbeitsverhältnisses und die Streichung des
Krankentaggeldes hätten zu einer deutlichen Verschlechterung des psychischen
Befindens geführt. Die Versicherte habe sich unverstanden, als Simulantin hingestellt
und, auch aufgrund der finanziellen Situation, verzweifelt und ratlos gefühlt. Seit dem 8.
April 2009 fänden in zweiwöchentlichen Abständen psychotherapeutische Gespräche
statt. Die Versicherte sei seit dem 8. April 2009 in ihrer angestammten Tätigkeit als
Fabrikangestellte zu 100 % arbeitsunfähig. Ihre Belastbarkeit sei aufgrund des
depressiven Zustandbildes mit somatischen Symptomen stark reduziert. Die
Konzentration und die Merkfähigkeit seien eingeschränkt. Vor allem leide die
Versicherte aber unter Stimmungsschwankungen und häufigem grundlosem Weinen.
Ausserdem bestehe ein starker sozialer Rückzug. Die Versicherte sei im Kontakt mit
anderen schnell überfordert und reizbar. Suizidalität liege latent vor. Mittelfristig sei
mindestens von einer eingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen.
A.i Am 12. Oktober 2010 wurde die Versicherte von der ABI GmbH internistisch,
neurologisch und psychiatrisch untersucht (Gutachten vom 25. November 2010, IV-act.
50). Die Versicherte gab anlässlich der Begutachtung an, dass sie unter
Magenproblemen leide, schwach sei und keine Kraft habe, sich zu bewegen. Von den
Medikamenten sei es ihr übel. Die Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
lauteten:
· Leichte bis mittelgradige depressive Episode (F32.01, F32.11)
- niederfrequente (wahrscheinlich idiopathische) Epilepsie mit seltenen Grand-Mal
und möglichen kleinen Anfällen (G40.8);
- anfallsfrei unter Carbamazepin seit 2003;
· Spannungskopfschmerzen (G44.2).
Als Diagnosen ohne Einfluss gaben die Sachverständen die folgenden an:
· RLS (G25.9);
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· Verdacht auf beginnende sensible Polyneuropathie (G62.9)
- bei anamnestischem Vitamin B12 Mangel;
- kachektischer Ernährungszustand.
· rezidivierende gastritische Beschwerden (K29.7);
· grenzwertige Leberenzymerhöhung von GPT und GOT
- Gamma-GT und alkalische Phosphatase im Normbereich;
- DD: bei Medikamenteneinnahme (Carbamazepin).
Der psychiatrische Sachverständige Dr. med. L._ hielt in seinem Teilgutachten fest,
neben einer Schmerzsymptomatik im Schulter-/Nackenbereich habe in der
Untersuchung eine leichte bis mittelgradige depressive Symptomatik mit depressiven
Verstimmungen, Ängsten, erhöhter Ermüdbarkeit, Antriebsstörungen, Schlafstörungen
und vermindertem Appetit im Vordergrund gestanden. Es liege keine deutliche
Symptomausweitung vor. Im Rahmen der Depression bestehe aber eine Somatisierung
mit subjektiver Schmerzverstärkung. Der Medikamentenspiegel der verordneten
Antidepressiva habe unter dem therapeutischen Bereich gelegen. Die Versicherte habe
angegeben, dass sie inzwischen nur noch ein- bis dreimal pro Woche erbrechen
müsse. In den Akten fänden sich keine Hinweise auf eine aktuelle Essstörung. Die
Appetitverminderung und die Gewichtsabnahme seien im Rahmen der Depression zu
sehen. Die Versicherte schlafe in der Nacht wenig. Das frühmorgendliche Erwachen sei
ebenfalls ein mögliches Symptom eines somatischen Syndroms im Rahmen der
Depression. Auch dass die Versicherte keine Lust mehr habe, im gemeinsamen Zimmer
mit dem Ehemann zu schlafen, sei ein Symptom des somatischen Syndroms.
Bezüglich der Arbeit bestünden negative Zukunftsperspektiven und ein verminderter
Selbstwert. Die Versicherte fühle sich wertlos und schäme sich, weil sie nicht mehr
arbeite. Deshalb fühle sie sich auch beobachtet. Da sie am Tag müde sei, lege sie sich
oft hin und schlafe manchmal praktisch den ganzen Tag. Wenn es ihr besser gehe,
könne sie eigentlich auch den Haushalt erledigen. Sie gehe nirgendwo alleine hin.
Kolleginnen habe sie keine mehr. Manchmal besuche sie zusammen mit dem Ehemann
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dessen Schwester. Innerhalb der Familie bestehe sonst eine gute Beziehungssituation.
Die psychosozialen Belastungen (finanzielle Abhängigkeit vom Ehemann, angespannte
finanzielle Situation, eigenes Epilepsieleiden und Epilepsieleiden des Sohnes) hätten
seit 2009 zu einer Verstärkung der vorwiegend psychischen Störung geführt, seien als
solche aber krankheitsfremd. Die Prognose sei aufgrund der deutlich ausgeprägten
Krankheits- und Behinderungsüberzeugung ungünstig. Aus psychiatrischer Sicht
bestehe in einer den körperlichen Einschränkungen angepassten Tätigkeit eine
30 %ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die depressive Symptomatik bewirke vor
allem eine erhöhte Ermüdbarkeit, die einen vermehrten Pausen- und Erholungsbedarf
erfordere. Diese Einschätzung gelte mindestens seit dem Untersuchungszeitpunkt. Für
die Zeit davor könne aufgrund der Diagnostik des Psychiatrie-Zentrums D._ von einer
50 %igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden. Die Einschätzung des Psychiatrie-
Zentrums D._, wonach die Versicherte zu 100 % arbeitsunfähig sei, sei aufgrund der
gestellten Diagnosen nicht nachvollziehbar. Dr. med. M._, Facharzt für Neurologie,
erklärte in seinem Teilgutachten, dass die Versicherte eine erhebliche
Druckempfindlichkeit der Nackenmuskulatur angegeben habe, welche etwas
diskrepant zu dem lockeren, unauffälligen Tastbefund gewesen sei. Ein (subjektiv
angegebenes) grenzwertig gemindertes Vibrationsempfinden an den Innenknöcheln
und ein für das Alter grenzwertig unsicher wirkender Strichgang deuteten bei einem
anamnestisch erwähnten Vitamin B 12 Mangel auf eine beginnende, bisher rein
sensible Polyneuropathie hin. Das anamnestisch angegebene RLS sei möglicherweise
als sekundäres RLS anzusehen. Die Epilepsie sei mit Carbamazepin voll befriedigend
eingestellt und das RLS mit einem Dopaminagonisten hinreichend behandelt. Aufgrund
der Epilepsie könne die Versicherte keine Arbeiten mit Absturzgefahr, an offenen
Maschinen oder in Wechselschichten ausüben. Überkopfarbeiten und Tätigkeiten in
Zwangshaltungen sowie in lauter Umgebung seien wegen der
Spannungskopfschmerzen zu vermeiden. Angepasste Tätigkeiten könne die
Versicherte ganztägig verrichten. Gesamthaft bestehe aus neurologischer Sicht wegen
eines erhöhten Pausenbedarfs eine Arbeitsunfähigkeit von 20 %. In der
Gesamtbeurteilung hielten die Sachverständigen fest, dass die Arbeitsunfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit aus polydisziplinärer Sicht 30 % betrage. Die
Leistungseinbussen aus psychiatrischer und somatischer Sicht ergänzten sich, d.h. es
könnten die gleichen Zeitabschnitte zum Einlegen von Pausen und zur Erholung
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genutzt werden. Das Pensum könne vollschichtig umgesetzt werden. Den Beginn der
Arbeitsunfähigkeit legten die Sachverständigen auf April 2009 fest, da sich zu diesem
Zeitpunkt die psychiatrische Erkrankung manifestiert habe. Nach längerer 50 %iger
Arbeitsunfähigkeit habe sich die Situation bis zum heutigen Zeitpunkt remittiert, sodass
seit Oktober 2010 noch eine 30 %ige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Für die
Haushalttätigkeit könne von einer maximalen Einschränkung von 20 % ausgegangen
werden, da sich die Versicherte die Zeit für die Erledigung des Haushalts frei einteilen
könne und da die Tätigkeit in einer vertrauten Umgebung stattfinde.
A.j RAD-Ärztin Dr. E._ erklärte am 10. Januar 2011 (IV-act. 51), dass das ABI-
Gutachten umfassend, kohärent, in sich widerspruchsfrei und aus medizinischer Sicht
nachvollziehbar sei. Es könne vollumfänglich darauf abgestellt werden.
A.k Die Versicherte teilte der IV-Stelle am 25. Februar 2011 auf Anfrage mit (IV-
act. 57), dass sie noch immer zu 100 % arbeitsunfähig und deshalb nicht bereit sei,
einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Am 8. März 2011 (IV-act. 59) teilte die IV-Stelle der
Versicherten mit, dass eine Arbeitsvermittlung nicht möglich sei, da sie sich nicht in der
Lage fühle, eine Erwerbstätigkeit auszuüben.
A.l Im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt vom
1. April 2011 (IV-act. 63) gab die Versicherte u.a. an, dass sie heute auch ohne
Behinderung keine Erwerbstätigkeit ausüben würde.
A.m Am 10. August 2011 fand eine Haushaltabklärung statt (IV-act. 69). Die
Versicherte gab an, dass sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert habe und ihr zu
einer stationären Behandlung geraten worden sei. Bisher habe sie sich jedoch nicht zu
einem Klinikaufenthalt entschliessen können, weil sie kaum auf Distanz zu ihrer Familie
gehen könne und sehr schlechte Erinnerungen an den Aufenthalt in der Klinik J._
habe. Die Sorge um ihre Kinder, welche seit ihrer Kindheit unter gesundheitlichen
Problemen litten (Migräne, Epilepsie, Skoliose), habe sie schon vor dem eigentlichen
Zusammenbruch wegen der Kündigung Ende März 2009 sehr belastet. Sie habe sich
oft bedrückt und krank gefühlt, sei aber trotzdem zur Arbeit gegangen. Die Versicherte
gab an, dass sie heute ohne Behinderung weiterhin im bisherigen Pensum arbeiten
würde. Die Abklärungsperson schlug vor, die Versicherte als zu 80 % erwerbstätig und
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zu 20 % im Haushalt tätig einzustufen und auf die von den ABI-Sachverständigen
festgelegte Einschränkung von 20 % im Haushalt abzustellen.
A.n Mit Vorbescheid vom 29. November 2011 (IV-act. 75) kündigte die IV-Stelle der
Versicherten die Zusprache einer befristeten Viertelsrente für die Zeit vom 1. März 2010
bis 31. Dezember 2010 an. Zur Begründung gab sie an, die Abklärungen hätten
ergeben, dass die Versicherte ohne Gesundheitsschaden weiterhin in einem 80 %-
Pensum als Montagemitarbeiterin tätig sein könnte. Die restlichen 20 % entfielen in den
Aufgabenbereich. Der IV-Grad im Haushalt betrage 4 % (20 % von 20 %), derjenige im
Erwerb 24 % (Valideneinkommen von Fr. 42'278.--, Invalideneinkommen von
Fr. 29'595.-- [70 % des Valideneinkommens]). Gesamthaft betrage der IV-Grad ab
Oktober 2010 somit 28 %. Da die Arbeitsfähigkeit bis Ende September 2010 50 %
betragen habe, habe die Versicherte für die Zeit vom 1. März 2010 bis 31. Dezember
2010 bei einem IV-Grad von 45 % (4 % im Haushalt, 40.80 % im Erwerb) einen
Anspruch auf eine befristete Viertelsrente.
A.o Die Procap St. Gallen-Appenzell wandte am 16. Januar 2012 ein (IV-act. 81),
dass die Versicherte seit 2009 nie mehr arbeitsfähig gewesen sei. Die behandelnde
Psychiaterin habe bei der Versicherten eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen, diagnostiziert. Sie halte
die Versicherte für nicht arbeitsfähig. Des Weiteren sei die Anwendung der gemischten
Methode nicht zulässig, da die Versicherte vor ca. sechs Jahren auf Anraten ihres
Arztes von einem Vollpensum auf ein Teilzeitpensum reduziert habe. Bereits damals
seien erste Erschöpfungssymptome aufgetreten. Dem Einwand lag ein Bericht von
Dr. N._ vom 11. Dezember 2011 an den Hausarzt der Versicherten bei (IV-act. 81-3
ff.). Diesem war zu entnehmen, dass die Versicherte ihr Arbeitspensum fünf bis sechs
Jahre vor der Kündigung der Arbeitsstelle wegen erster Symptome einer
psychophysischen Erschöpfung auf Anraten ihres Ehemannes auf 75 % reduziert habe.
Zu Behandlungsbeginn (Erstkonsultation am 27. Oktober 2010) habe die Versicherte
sich sehr misstrauisch gegenüber Antidepressiva gezeigt, da sie gelesen habe, dass
diese die Schwelle für epileptischen Anfälle senken könnten. Sie habe deshalb nur bei
Remeron eine gute Compliance gezeigt. Der psychische Zustand habe sich seit dem
Erstgespräch weiter verschlechtert. Die Versicherte habe berichtet, die Nähe ihrer
Familie und ihres Ehemannes nicht mehr ertragen zu können. Sie habe versucht, sich
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das Leben zu nehmen. Sie verspüre immer den Drang, von zu Hause weg zu laufen
und nie wieder zurückzukommen. Sie habe das Gefühl, als Person "anders zu sein", sie
erkenne sich selber nicht mehr. Für eine stationäre Behandlung in der Klinik O._ habe
sich die Versicherte bisher nicht entschliessen können, da ihr Sohn aktuell wegen der
Epilepsie abgeklärt werde. Als Diagnosen gab Dr. N._ eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen, und eine
andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (eigene Epilepsie,
schwere Epilepsie des Sohnes, Tätigkeit im Haushalt und in der Fabrik, Erziehung von
vier Kindern, Kündigung am Arbeitsplatz) an. Die Versicherte sei aus psychiatrischer
Sicht zu 100 % arbeitsunfähig.
A.p RAD-Psychiater Dr. med. P._ hielt am 8. Februar 2012 fest (IV-act. 83), dass
die Diagnose einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung mit
den von Dr. N._ beschriebenen psychosozialen Belastungsfaktoren nicht begründbar
sei. Zudem sei es aus fachärztlicher Sicht kaum möglich, bei gleichzeitig
diagnostizierter schwer ausgeprägter depressiver Episode eine solche Diagnose zu
stellen. Ausserdem hätte eine Persönlichkeitsänderung bereits von den langjährigen
Behandlern im Psychiatrie-Zentrum D._ diagnostiziert werden müssen, da die
damalige weniger schwerwiegende depressive Symptomatik eine
Persönlichkeitsstörung bzw. -änderung weniger maskiert hätte. Auch der
psychiatrische Sachverständige der ABI GmbH habe das Vorliegen einer
Persönlichkeitsstörung ausgeschlossen. Allerdings könne aufgrund des Berichts von
Dr. N._ nicht ausgeschlossen werden, dass sich der Gesundheitszustand der
Versicherten verschlechtert habe.
A.q Die Procap St. Gallen-Appenzell reichte am 19. April 2012 weitere medizinische
Berichte ein (IV-act. 85). Dr. med. Q._, Facharzt für Neurologie FMH, hatte am 12.
März 2012 berichtet (IV-act. 86), dass sich die psychische Verfassung der Versicherten
durch die Auseinandersetzung mit der IV und darüber hinaus durch Sorgen um ihren
schwer kranken Vater deutlich verschlechtert habe. Das Angebot einer tagesklinischen
Betreuung habe sie wegen der Sorgen um den Vater und die anstehende Reise in die
Heimat noch nicht annehmen können. In somatischer Hinsicht habe die Versicherte
über eine deutliche Verschlechterung des RLS berichtet. Das Psychiatrie-Zentrum
D._ hatte am 27. Januar 2012 über die psychiatrisch-psychotherapeutische
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Behandlung vom 8. April 2009 bis 25. November 2010 berichtet (IV-act. 87). Als
Diagnose hatte sie eine mittelgradige depressive Episode (F32.1) und epileptische
Anfälle seit der Kindheit angegeben. Während des gesamten Behandlungsverlaufs
habe keine erkennbare Verbesserung der depressiven Symptomatik erzielt werden
können. Die Klinik O._ hatte in ihrem Austrittsbericht vom 15. Februar 2012 berichtet
(IV-act. 88), dass die Versicherte vom 31. Januar bis 7. Februar 2012 hospitalisiert
gewesen sei. Als Diagnosen hatte sie u.a. eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (F33.2), angegeben. Als
aktuellen Belastungsfaktor habe die Versicherte die Epilepsieerkrankung ihres Sohnes
genannt, der sich im Frühjahr einer schweren Operation werde unterziehen müssen.
Zudem sei sie mit der Versorgung ihrer Familie überfordert. Die Versicherte habe initial
unruhig und innerlich angespannt gewirkt und starke Stimmungsschwankungen
gezeigt. Bezüglich der stationären Therapie habe sie einen ambivalenten Eindruck
gemacht. Im Stationsmilieu sei sie nur wenig spürbar gewesen, habe sich häufig in ihr
Zimmer zurückgezogen und über Heimweh geklagt. Eine eigentliche
psychotherapeutische Bearbeitung der präsentierten Kernkonflikte sei von der
Versicherten schlecht toleriert worden und habe regelmässig zu einer
Überforderungssituation geführt. Die Versicherte sei auf ausdrücklichen Wunsch am 7.
Februar 2012 nach Hause entlassen worden.
A.r Dr. N._ berichtete der IV-Stelle am 1. Juni 2012 (IV-act. 89) über ein seit
Monaten unverändertes Zustandsbild und eine anhaltende 100 %ige
Arbeitsunfähigkeit.
A.s Am 21. September 2012 erfolgte eine psychiatrische Verlaufsbegutachtung
durch die Medizinisches Gutachterzentrum Region St. Gallen GmbH (MGSG-
Gutachten vom 24. September 2012, IV-act. 94). Dr. med. R._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, gab als Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit für die Zeit von April 2009 bis Dezember 2010 eine rezidivierende
depressive Störung mit mittelgradigen Episoden mit somatischem Syndrom (F33.11)
und für die Zeit ab Januar 2011 eine mittelgradige bis schwere depressive Episode an.
Keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten akzentuierte Persönlichkeitszüge mit
infantilen und histrionischen Zügen (Z73.1). Dr. R._ hielt in seiner Beurteilung fest,
dass die Versicherte seit ca. 2006/2007 eine rezidivierende depressive Störung
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entwickelt habe, wobei für die Zeit ab April 2009, d.h. nach der Kündigung, eine
überwiegend mittelgradige depressive Störung erhoben werden könne. Seit etwa
Januar 2011 bestehe eine mittelgradige bis schwere depressive Störung. Es bestünden
keine eindeutigen Hinweise für das Vorliegen psychotischer Symptome. Zwar habe die
Versicherte gewisse optische und akustische Trugwahrnehmungen geschildert.
Aufgrund der ungenauen Angaben sei jedoch fraglich, ob es sich hierbei um
Halluzinationen handle. Auch paranoide Ideen hätten sich keine gefunden. Bei der
Untersuchung seien ungenaue Angaben, ungenaue Schilderungen der Symptome,
ungenaue zeitliche Angaben, Affektstörungen mit Affektlabilität und teils
überschiessendem Verhalten mit psychogenen Verhaltensweisen, eine Dramatisierung
der Beschwerden, Selbstbezogenheit und eine erhöhte Kränkbarkeit aufgefallen, die
infantilen und histrionischen Persönlichkeitszügen entsprächen. Die Versicherte habe
ein stark wechselndes psychisches Zustandsbild geboten. Eine andauernde
Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung könne trotz den erhebbaren
Belastungen und psychosozialen Problemen nicht diagnostiziert werden, da der
Vorgeschichte keine Situationen mit aussergewöhnlicher Bedrohung oder
lebensbedrohlichen Situationen zu entnehmen seien. Die depressive Störung sei durch
eine niedergeschlagene Stimmungslage mit Lustlosigkeit, Freudlosigkeit,
Affektstörungen mit Affektlabilität, psychomotorischer Unruhe und Antriebsminderung
gekennzeichnet. Die Versicherte zeige wenig Geduld, es störe sie alles und sie reagiere
mit Hassgefühlen auf die Umgebung, auf die Familie und auf sich selbst. Die
Versicherte leide zudem an Schlafstörungen, insbesondere an Durchschlafstörungen.
Im Denken habe sie wenig flexibel gewirkt und sie könne andere Ansichten nicht
akzeptieren. Die Versicherte reagiere mit Angstzuständen, wobei zum
Untersuchungszeitpunkt keine Angstsymptome erkennbar gewesen seien, und mit
einem sozialen Rückzug. Sie habe seit Jahren keine exogenen Kontakte mehr.
Zusätzlich hätten sich körperliche Symptome mit Gewichtsabnahme, Appetitlosigkeit
und rezidivierenden abdominellen Beschwerden erheben lassen. Seit etwa Januar 2011
lasse sich eine Verschlechterung des psychischen Zustandbildes mit verstärkten
depressiven Symptomen erheben. Die Versicherte habe angegeben, dass sich diese
Verschlechterung vor allem nach dem IV-Bescheid eingestellt habe und sie sich
unverstanden fühle. Die emotionale Belastbarkeit, die geistige Flexibilität, der Antrieb,
die Interessen, die Motivation, die Anpassungsfähigkeit und die Dauerbelastbarkeit der
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Versicherten seien wegen der depressiven Störung erheblich beeinträchtigt. Es hätten
sich aber auch gewisse Ressourcen erheben lassen. So besorge die Versicherte
zumindest teilweise den Haushalt. Sie bereite das Mittag- und Abendessen zu, gehe
einkaufen und gehe ausser Haus. Somit hätten gewisse Aktivitäten und Interessen
erhoben werden können. Zwar bestünden Hinweise für eine Somatisierung im Rahmen
der depressiven Erkrankung, nicht jedoch für das Vorliegen einer somatoformen
Schmerzstörung oder eines syndromalen Geschehens. In den Akten seien Hinweise
bezüglich einer dissoziativen Störung beschrieben worden. Solche hätten sich im
Rahmen der Untersuchung jedoch nicht erheben lassen. Aus psychiatrischer Sicht
liege aufgrund der rezidivierenden depressiven Störung ein psychisches Leiden mit
Krankheitswert vor. Ein Überwiegen von psychosozialen Faktoren sei nicht
anzunehmen, wobei an belastenden Faktoren Arbeitslosigkeit und familiäre
Belastungen bei Epilepsieerkrankung des Sohnes hätten erhoben werden können. Aus
rein psychiatrischer Sicht sei die Versicherte seit etwa Januar 2011 in der Tätigkeit als
Montagearbeiterin zu 70 % und in einer adaptierten Tätigkeit zu 60 % arbeitsunfähig.
Bei einer adaptierten Tätigkeit handle es sich um eine Tätigkeit ohne erhöhte
emotionale Belastung, ohne erhöhten Zeitdruck (Stressbelastung), ohne vermehrte
Kundenkontakte und ohne überdurchschnittliche Dauerbelastung. Für die
Haushalttätigkeit könne wegen der freien Zeiteinteilung ab Januar 2011 von einer 30
%igen Einschränkung ausgegangen werden. Nach dem bisherigen Krankheitsverlauf
erscheine die Prognose eher ungünstig. Trotz konsequenter psychiatrischer und
psychotherapeutischer Behandlung sei innerhalb eines Jahres nur eine leichte
Besserung des psychischen Zustandsbildes mit Leistungssteigerung zu erwarten. Es
könne mit einer etwa 50 %igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
gerechnet werden, wobei die Motivation und Compliance eher fraglich schienen.
A.t RAD-Arzt Dr. P._ hielt am 19. November 2012 fest (IV-act. 95), das MGSG-
Gutachten sei in sich widerspruchsfrei, die Beurteilung sei schlüssig und die
medizinischen Schlussfolgerungen seien plausibel nachvollziehbar. Auf das Gutachten
könne daher abgestellt werden.
A.u Der Rechtsdienst der IV-Stelle hielt in einer Stellungnahme vom 4. Februar 2013
(IV-act. 96) fest, dass die rezidivierende depressive Störung aufgrund der
gutachterlichen Feststellungen ihre hinreichende Erklärung in psychosozialen
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Umständen und subjektiven Auffassungen finde. Deshalb könne sie im Rahmen der
invalidenversicherungsrechtlichen Leistungszusprache nicht berücksichtigt werden.
Ausserdem sei aufgrund der Feststellung im MGSG-Gutachten, wonach die
Compliance und Motivation der Versicherten zu einer Intensivierung der psychiatrisch-
psychotherapeutischen Behandlung fraglich erschienen, und den von der Klinik O._
erwähnten Gründen für die vorzeitige Beendigung des stationären Aufenthalts
anzunehmen, dass die Versicherte die ihr zumutbaren Behandlungsmöglichkeiten nicht
ausreichend genutzt und umgesetzt habe. Solange durch eine tatsächlich realisierbare
Veränderung der für die gesundheitliche Situation bedeutsamen Rahmenbedingungen
eine wesentliche Veränderung der psychischen Befindlichkeit und damit der durch
diese eingeschränkte Arbeitsfähigkeit bewirkt werden könne, liege kein
invalidisierender Gesundheitsschaden vor. Bei der Versicherten seien daher ein
invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden und damit eine
sozialversicherungsrechtlich relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu verneinen.
A.v Mit Vorbescheid vom 21. Februar 2013 (IV-act. 99) kündigte die IV-Stelle der
Versicherten bei einem IV-Grad von 0 % die Abweisung des Rentengesuchs an. Zur
Begründung führte sie an, dass rechtsprechungsgemäss eine rezidivierende depressive
Störung, welche ihre hinreichende Erklärung in psychosozialen Umständen und
subjektiven Auffassungen finde, nicht als invalidisierende Einschränkung anerkannt
werde. Dagegen liess die Versicherte am 8. April 2013 einwenden (IV-act. 100), dass
gemäss dem Sachverständigen Dr. R._ ein Überwiegen von psychosozialen Faktoren
gerade nicht anzunehmen sei.
A.w Mit Verfügung vom 18. April 2013 (IV-act. 101) wies die IV-Stelle das
Rentengesuch aus den im Vorbescheid angegebenen Gründen ab. Bezüglich des
Einwandes verwies die IV-Stelle erneut auf die psychosozialen Belastungen.
B.
B.a Gegen diese Verfügung liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
am 17. Mai 2013 durch die Procap Beschwerde erheben (act. G 1). Der Rechtsvertreter
der Procap beantragte die Aufhebung der Verfügung, die Zusprache mindestens einer
Dreiviertelsrente und die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege im
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Beschwerdeverfahren. Zur Begründung führte er in Ergänzung zum Einwand an,
inzwischen sei unbestritten, dass die Invalidität ausschliesslich mittels
Einkommensvergleich zu ermitteln sei. Dr. R._ habe in seinem Gutachten
ausdrücklich festgehalten, dass zwar psychosoziale Faktoren vorlägen, diese aber
nicht im Vordergrund stünden. Daher könne die klare Diagnose der mittelschweren bis
schweren Depression nicht einfach als nicht invalidisierend betrachtet werden. Dass
neben der Depression begleitend auch psychosoziale Umfeldfaktoren vorlägen, spiele
keine Rolle. Im Übrigen dürfte es kaum psychische Erkrankungen geben, die losgelöst
von jeglichen psychosozialen Faktoren bestünden.
B.b Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 4. Juli 2013 die
Abweisung der Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung brachte sie vor, dass die
Frage, inwiefern die ärztliche Einschätzung der psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeit
invaliditätsfremde Gesichtspunkte mitberücksichtige, eine Rechtsfrage darstelle. Dr.
R._ habe angegeben, dass sich die Verschlechterung des psychischen
Zustandbildes ab Januar 2011 vor allem durch den IV-Bescheid eingestellt habe und
sich die Versicherte unverstanden fühle. Gemäss dem psychiatrischen ABI-
Sachverständigen habe sich die leichte bis mittelgradige depressive Episode unter den
psychosozialen Belastungen mit durch die finanzielle Abhängigkeit vom Ehemann
angespannter finanzieller Situation und dem Epilepsieleiden des Sohnes manifestiert
und seit 2009 verstärkt, was zu einer fachärztlichen Behandlung geführt habe.
Angesichts der gutachterlichen Feststellungen werde das Beschwerdebild augenfällig
durch die erwähnten psychosozialen Faktoren bestimmt und unterhalten. Unter diesen
Umständen könne nicht von einem invalidisierenden psychischen Gesundheitsschaden
gesprochen werden. Zudem könne in reaktiven Störungen, welche einer adäquaten
ärztlichen Behandlung zugänglich seien, keine invalidisierende psychische
Beeinträchtigung erblickt werden, da der gesetzliche Invaliditätsbegriff ansonsten seine
Konturen verlöre. Hinzu komme, dass davon ausgegangen werden müsse, dass die
Beschwerdeführerin die ihr zumutbaren Behandlungsmöglichkeiten nicht ausreichend
genutzt und umgesetzt habe. Und schliesslich hätten die ABI-Sachverständigen keine
ausgeprägten organischen Befunde erwähnt, die eine quantitative Einschränkung der
Leistungsfähigkeit infolge eines körperlichen Leidens zu begründen vermöchten. Die
Beschwerdeführerin sei aus somatischer Sicht in einer angepassten Tätigkeit daher als
zu 100 % arbeitsfähig zu betrachten. Da unabhängig von der Methodenwahl kein
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anspruchsbegründender Invaliditätsgrad resultiere, erübrigten sich weitere
Ausführungen dazu.
B.c Mit einer Replik vom 7. November 2013 (act. G 14) liess die Beschwerdeführerin
an den in der Beschwerdeschrift gestellten Rechtsbegehren festhalten.
B.d Am 14. November 2013 teilte das Gericht dem Rechtsvertreter mit (act. G 16),
dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege könne mangels Prozessarmut nicht
entsprochen werden. Ohne einen ausdrücklichen Gegenbericht bis 28. November 2013
werde davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin mit der formlosen Erledigung
des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege einverstanden sei.
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 17).

Erwägungen:
1.
1.1 Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin einen Renten
anspruch der Beschwerdeführerin bei einem Invaliditätsgrad von 0 % verneint. Strittig
ist demnach, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
1.2 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist
gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
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1.3 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander
gegenübergestellt werden; sie können aber auch nach Massgabe der im Einzelfall
bekannten Umstände geschätzt werden (AHI 1998 S. 120). Wird eine Schätzung
vorgenommen, muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von
Annäherungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser
Prozentzahlen genügen (sog. Prozentvergleich; BGE 114 V 310 E. 3a mit Hinweisen).
1.4 Bei nichterwerbstätigen versicherten Personen im Sinne von Art. 5 Abs. 1 IVG –
namentlich bei im Haushalt tätigen Personen – wird für die Bemessung der Invalidität
darauf abgestellt, in welchem Mass eine Behinderung besteht, sich im bisherigen Auf
gabenbereich zu betätigen (spezifische Methode des Betätigungsvergleichs; Art. 28a
Abs. 2 IVG). Als Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen versicherten Personen gilt
unter anderem die übliche Tätigkeit im Haushalt sowie die Erziehung der Kinder (Art. 27
IVV). Bei versicherten Personen, die teilweise erwerbstätig sind, erfolgt die
Invaliditätsbemessung nach der gemischten Methode. Dabei sind die Anteile der
Erwerbstätigkeit und der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzustellen und der
Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen
(Art. 28a Abs. 3 IVG).
2.
2.1 Vorab ist zu klären, anhand welcher Methode (Einkommensvergleich, gemischte
Methode oder Betätigungsvergleich) die Invaliditätsbemessung im vorliegenden Fall
vorzunehmen ist. Ob und gegebenenfalls in welchem Ausmass eine versicherte Person
auch ohne den Gesundheitsschaden im Aufgabenbereich tätig wäre, ist anhand der
hypothetischen Verhaltensweise der versicherten Person zu prüfen. Namentlich ist
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abzuklären, ob die versicherte Person ohne den Gesundheitsschaden mit Rücksicht
auf die gesamten Umstände (persönlicher, familiärer, sozialer und erwerblicher Art)
erwerbstätig oder im Aufgabenbereich tätig wäre. Dabei sollen die finanzielle
Notwendigkeit der Aufnahme oder der Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit, allfällige
Erziehungs- und Betreuungsaufgaben, das Alter der versicherten Person und deren
berufliche Fähigkeiten, Neigungen und Begabungen massgebend sein. Die Statusfrage
beurteilt sich nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung
entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall
ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 125 V 146 E. 2c mit
Hinweisen; vgl. auch BGE 133 V 504 E. 3.3).
2.2 Die Beschwerdeführerin ist vor Eintritt der geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit
zu 80 % erwerbstätig gewesen. Im Fragebogen zur Rentenabklärung vom 1. April 2011
hat sie angegeben, dass sie heute ohne Behinderung keine Erwerbstätigkeit ausüben
würde. Diese Antwort ist nicht nachvollziehbar, da die Beschwerdeführerin bis zum
Eintritt der geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu 80 % erwerbstätig gewesen ist
und keine Gründe ersichtlich sind, weshalb sie die Erwerbstätigkeit ohne
gesundheitliche Probleme hätte aufgeben sollen. Zudem hat sie im selben Fragebogen
angegeben, dass sie sich wegen Krankheit nicht um Stellen beworben habe. Es muss
daher davon ausgegangen werden, dass sie die Frage falsch verstanden hat. Während
der Haushaltabklärung vom 10. August 2011 hat die Beschwerdeführerin erklärt, dass
sie ohne Gesundheitsschaden weiterhin zu 80 % erwerbstätig wäre. Zwar erscheint
diese Angabe auf den ersten Blick als plausibel. Allerdings ist zu bezweifeln, dass die
Beschwerdeführerin in diesem Zeitpunkt, d.h. als die Depression schon seit mehreren
Jahren bestanden hat, überhaupt hat beurteilen können, wie sich ihr Leben und damit
auch ihre Erwerbstätigkeit entwickelt hätte, wenn sie gesund geblieben wäre. Hinzu
kommt, dass ‒ insbesondere mit Blick auf die offensichtlich falsche Angabe im
Fragebogen zur Rentenabklärung ‒ nicht ausgeschlossen werden kann, dass die
Beschwerdeführerin die Frage erneut nicht richtig verstanden hat. So hat sie denn auch
im Einwand gegen den ersten Vorbescheid im Jahr 2012 angeben lassen, dass sie
heute ohne Gesundheitsschaden zu 100 % erwerbstätig wäre. Nachfolgend ist daher
zu prüfen, ob aufgrund der gesamten Umstände überwiegend wahrscheinlich ist, dass
die Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche Probleme im Verfügungszeitpunkt zu 100
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% erwerbstätig gewesen wäre. Die Beschwerdeführerin liess im Einwand gegen den
ersten Vorbescheid darauf hinweisen, dass sie ihr Arbeitspensum vor ca. sechs Jahren
reduziert habe, weil bereits damals die ersten Erschöpfungssymptome aufgetreten
seien. Aus dem IK-Auszug (IV-act. 8) geht allerdings nicht hervor, dass die
Beschwerdeführerin in besagtem Zeitraum ihr Arbeitspensum geändert hätte. Aufgrund
der im IK-Auszug ausgewiesenen Jahreseinkommen muss davon ausgegangen
werden, dass sie von 1988 bis 1994 eine Teilzeitarbeitstätigkeit ausgeübt hat. In
diesem Zeitraum hat sie drei Kinder geboren (198_, 199_, 199_). 1995 hat sie ihr
Pensum offenbar auf 100 % erhöht. 199_ ist das vierte Kind zur Welt gekommen. Im
Jahr X._, als ihre Kinder ca. 2-, 3-, 6- und 10-jährig gewesen sind, hat sie ihr Pensum
wieder reduziert. Die Reduktion des Arbeitspensums ist somit zu einem Zeitpunkt
erfolgt, als die Beschwerdeführerin gemäss ihren eigenen Angaben noch nicht an
depressiven Symptomen gelitten hat. Die Pensumsreduktion ist deshalb mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den hohen Betreuungsaufwand der zu diesem
Zeitpunkt noch sehr jungen Kinder zurückzuführen gewesen, zumal der Ehemann
offenbar stets zu 100 % erwerbstätig gewesen ist. Im Zeitpunkt des
Verfügungserlasses (18. April 2013) ist das jüngste Kind 1_-jährig gewesen und der an
Epilepsie erkrankte Sohn hat in einer geschützten Werkstätte gearbeitet (IV-act. 69-5).
Die Kinder der Beschwerdeführerin haben ihren Alltag im Verfügungszeitpunkt somit
weitgehend selbständig meistern können. Da die Beschwerdeführerin ihr
Vollzeitpensum im Jahr 1999 oder 2000 wegen der Kinderbetreuung aufgegeben hat,
ist davon auszugehen, dass sie im Verfügungszeitpunkt, als die Kinder nur noch wenig
Betreuung benötigt haben, ohne gesundheitliche Probleme wieder zu 100 %
erwerbstätig gewesen wäre. Dass sie ihr Pensum nicht bereits vor März 2009 auf 100
% erhöht hat, kann zum einen mit dem Alter des jüngsten Sohnes, welcher zu diesem
Zeitpunkt 1_-jährig gewesen ist und damit noch die Primarschule besucht hat, erklärt
werden. Zum anderen ist den Akten zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin
bereits ab dem Jahr 2006 oder 2007 an depressiven Symptomen wie Müdigkeit, rasche
Erschöpfung und Schlafstörungen gelitten hat (siehe z.B. IV-act. 36). Somit wird sie
eine Erhöhung des Arbeitspensums auch aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in
Erwägung gezogen haben. Schliesslich leuchtet die spätere Wiederaufnahme einer
Vollerwerbstätigkeit im fiktiven Gesundheitsfall auch vor dem Hintergrund der
finanziellen Situation der Familie ein: Der Ehemann erzielt lediglich ein
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Jahreseinkommen von Fr. 61'100.-- (plus Schichtzulage, Stand 2011, siehe IV-
act. 69-4). Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann ca. im Jahr
200_ ein Haus gekauft haben, welches im Jahr 201_ noch mit einer Hypothek über
Fr. 350'000.-- belastet gewesen ist (IV-act. 69-4). Unter Berücksichtigung der
gesamten Umstände ist deshalb davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin
ohne Gesundheitsschaden im Verfügungszeitpunkt zu 100 % erwerbstätig gewesen
wäre. Die Invaliditätsbemessung hat daher anhand eines reinen Einkommensvergleichs
zu erfolgen.
3.
3.1 Als Nächstes ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin aus psychischer Sicht in
ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt ist.
3.1.1 Die Invalidenversicherung ist eine finale Versicherung, das heisst, es wird nicht
nach der Art und Genese eines Gesundheitsschadens gefragt, welcher die Erwerbsun
fähigkeit verursacht. Der Gesundheitszustand ist folglich immer gesamtheitlich zu
betrachten. Selbst eine Erwerbsunfähigkeit, deren psychogene krankhafte Grundlage
(auch) durch eine soziokulturelle Überforderung verursacht worden ist, fällt in den
Geltungsbereich der Invalidenversicherung, vorausgesetzt es handelt sich um ein
verselbständigtes psychisches Leiden. Eine rentenbegründende Invalidität kann damit
nicht allein mit dem Hinweis auf das Vorhandensein soziokultureller oder
psychosozialer Belastungsfaktoren verneint werden (Urteil des Bundesgerichts vom
29. April 2014, 8C_830/2013 E. 5.2.3; BGE 136 V 279 E. 3.2.1). Ist eine psychische
Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, kommt der Frage zentrale Bedeutung zu,
ob und in welchem Ausmass, allenfalls bei geeigneter therapeutischer Behandlung, der
versicherten Person objektiv betrachtet trotz ihres psychischen Leidens eine
Erwerbstätigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt sozial-praktisch noch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar ist (BGE
102 V 165; BGE 127 V 294 E. 4c und 5a).
3.1.2 Der psychiatrische ABI-Sachverständige Dr. L._ hat für die Zeit von April 2009
bis Oktober 2010 als Diagnose eine leichte bis mittelgradige depressive Episode (mit
somatischem Syndrom) angegeben und die Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten
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Tätigkeit von April 2009 bis September 2010 auf 50 % und ab Oktober 2010 auf 30 %
geschätzt. Diese Einschränkung hat er mit einer erhöhten Ermüdbarkeit begründet.
Dr. L._ hat explizit festgehalten, dass es sich bei der depressiven Symptomatik um
eine vorwiegend psychische Störung handle, die seit 2009 durch psychosoziale
Belastungen, die krankheitsfremd seien, verstärkt worden sei. Das Psychiatrie-Zentrum
D._ hat im Oktober 2009 als Diagnose eine mittel- bis schwergradige depressive
Episode, im Dezember 2009 eine schwere depressive Störung/schwere Depression mit
psychotischer Symptomatik und im April 2010 eine mittelgradige depressive Episode
mit somatischem Syndrom angegeben. Im Januar 2012 hat die Klinik rückblickend in
einem zusammenfassenden Bericht über den gesamten Behandlungsverlauf lediglich
noch die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode angegeben. Somit
stimmen die Diagnosen von Dr. L._ und dem Psychiatrie-Zentrum D._ für den
Zeitraum April 2009 bis Oktober 2010 grundsätzlich überein. Demgegenüber weichen
die Arbeitsfähigkeitsschätzungen weit voneinander ab, denn das Psychiatrie-Zentrum
hat der Beschwerdeführerin von April 2009 bis November 2010 eine 100 %ige
Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. Dr. L._ hat in seinem Teilgutachten Stellung zur
abweichenden Arbeitsfähigkeitsschätzung des Psychiatrie-Zentrums genommen und
erklärt, dass die attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit schon aufgrund der
gestellten Diagnosen nicht nachvollziehbar sei. Das Psychiatrie-Zentrum hat in seinen
Berichten vom Oktober 2009 und Januar 2012 angegeben, dass ‒ neben der
depressiven Symptomatik ‒ auch starke psychosoziale Belastungen bzw. sonstige
belastende Lebensumstände, die Familie und Haushalt negativ beeinflussten,
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Es muss also davon ausgegangen
werden, dass das Psychiatrie-Zentrum diese psychosozialen, IV-fremden Faktoren in
seiner Arbeitsfähigkeitsschätzung berücksichtigt hat und die Schätzung deshalb höher
ausgefallen ist als jene von Dr. L._. Das Gutachten von Dr. L._ ist zudem
widerspruchsfrei und schlüssig, weshalb grundsätzlich auf seine
Arbeitsfähigkeitsschätzung abzustellen ist. Da die Beschwerdeführerin von den
behandelnden Ärzten bereits Ende März 2009 krankgeschrieben worden ist, ist der
Beginn der Arbeitsunfähigkeit jedoch auf März 2009 und nicht auf April 2009
festzulegen. Dementsprechend ist die Beschwerdeführerin in einer adaptierten
Tätigkeit von März 2009 bis September 2010 zu 50 % und ab Oktober 2010 zu 30 %
arbeitsunfähig gewesen.
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3.1.3 Der MGSG-Sachverständige Dr. R._ hat für die Zeit ab Januar 2011 eine
rezidivierende depressive Störung mit mittelgradiger bis schwerer depressiver Episode
diagnostiziert und die Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit, d.h. einer
Tätigkeit ohne erhöhte emotionale Belastung, ohne erhöhten Zeitdruck, ohne vermehrte
Kundenkontakte und ohne überdurchschnittliche Dauerbelastung auf 60 % geschätzt.
Dr. R._ hat die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mit einer erheblichen
Beeinträchtigung der emotionalen Belastbarkeit, der geistigen Flexibilität, des Antriebs,
der Interessen, der Motivation, der Anpassungsfähigkeit und der Dauerbelastbarkeit
begründet. Er hat zudem angegeben, dass es sich bei der rezidivierenden depressiven
Störung um ein psychisches Leiden mit Krankheitswert handle. Zwar bestünden
psychosoziale Belastungsfaktoren, diese würden jedoch nicht überwiegen.
Demgegenüber hat die Psychiaterin Dr. N._, die die Beschwerdeführerin seit Oktober
2010 behandelt, im Dezember 2011 über eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen und eine andauernde
Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung berichtet und der Beschwerdeführerin
ab Oktober 2010 eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Weder der ABI-
Sachverständige noch der MGSG-Sachverständige oder die Klinik O._, in welcher
die Beschwerdeführerin vom 31. Januar bis 7. Februar 2012 hospitalisiert gewesen ist,
haben psychotische Symptome feststellen können. Die Diagnose einer andauernden
Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung hat die behandelnde Psychiaterin mit
der eigenen Epilepsie und er Epilepsieerkrankung des Sohnes, der Doppelbelastung
von Beruf und Haushalt und der Kündigung am Arbeitsplatz begründet. Dr. R._ hat
hierzu erklärt, dass eine solche Diagnose nicht gestellt werden könne, da der
Vorgeschichte keine Situationen mit aussergewöhnlicher Bedrohung oder
lebensbedrohlichen Situationen zu entnehmen sei. Diese Einschätzung überzeugt, da
es sich bei den von der behandelnden Ärztin aufgezählten Ursachen nicht um eine
Belastung katastrophalen Ausmasses handelt (siehe ICD-10: F62.0). Auch RAD-Arzt Dr.
P._ hat unter Hinweis auf weitere Unstimmigkeiten darauf hingewiesen, dass diese
Diagnose im vorliegenden Fall nicht gestellt werden könne. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der behandelnden Psychiaterin überzeugt daher nicht, da
sie diese gestützt auf (mit überwiegender Wahrscheinlichkeit) falsche Diagnosen
abgegeben hat. Das Gutachten von Dr. R._ hingegen ist widerspruchsfrei und die
Arbeitsfähigkeitsschätzung leuchtet insbesondere aufgrund der detaillierten
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Umschreibung der arbeitsfähigkeitseinschränkenden Faktoren ein. Lediglich die
(rückwirkende) Festlegung des Zeitpunkts des Eintritts der Verschlechterung des
psychischen Gesundheitszustandes und damit des Beginns der 60 %igen
Arbeitsunfähigkeit ist nicht nachvollziehbar. Denn den medizinischen Akten ist nicht zu
entnehmen, dass sich im Januar 2011 eine gesundheitliche Verschlechterung
eingestellt hätte. Die Einschätzung von Dr. R._ basiert somit einzig auf der Angabe
der Beschwerdeführerin, die während der Begutachtung durch ungenaue zeitliche
Angaben imponiert hat. Die Angabe der Beschwerdeführerin, dass sich die
Verschlechterung nach dem Erhalt eines IV-Bescheides im Januar 2011 eingestellt
habe, ist denn auch nicht schlüssig, denn zu diesem Zeitpunkt ist kein solcher
Entscheid ergangen. Die Beschwerdeführerin ist am 31. Januar 2012 in die Klinik O._
eingetreten. Aus dem Umstand, dass sich die ‒ stationären Klinikaufenthalten
abgeneigte ‒ Beschwerdeführerin im Januar 2012 doch zu einer Hospitalisation
entschlossen hat, kann geschlossen werden, dass sich ihr Gesundheitszustand noch
einmal verschlechtert hat. Die Klinik O._ hat denn auch eine gegenwärtig
schwergradige rezidivierende depressive Störung diagnostiziert. Hinzu kommt, dass
die Beschwerdeführerin Ende November/Anfang Dezember 2011 den ersten
Vorbescheid mit Zusprache einer nur befristeten Viertelsrente erhalten hat. Möglicher
weise hat es sich bei dem gegenüber Dr. R._ erwähnten IV-Bescheid also um diesen
Vorbescheid gehandelt. Vor diesem Hintergrund ist überwiegend wahrscheinlich, dass
die Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes im Januar 2012
eingetreten ist. Daher ist davon auszugehen, dass sich die psychisch bedingte
Arbeitsunfähigkeit erst im Januar 2012 von 30 % auf 60 % erhöht hat.
3.1.4 Die Beschwerdegegnerin ist von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit aus psy
chischer Sicht ausgegangen. Sie hat diese Einschätzung damit begründet, dass das
Beschwerdebild durch psychosoziale Faktoren bestimmt und unterhalten werde, die
depressive Störung einer adäquaten ärztlichen Behandlung zugänglich sei und die
Beschwerdeführerin die ihr zumutbaren Behandlungsmöglichkeiten nicht ausreichend
genutzt und umgesetzt habe. Hierzu ist anzumerken, dass der ABI-Sachverständige
wie auch der MGSG-Sachverständige unmissverständlich darauf hingewiesen haben,
dass die Beschwerdeführerin an einer psychischen Störung mit Krankheitswert leide.
Wie die Beschwerdegegnerin trotzdem gestützt auf die "gutachterlichen
Feststellungen" zum Schluss gekommen ist, dass die depressive Störung ihre
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hinreichende Erklärung in psychosozialen Umständen und subjektiven Auffassungen
finde, ist unerklärlich. Aufgrund der expliziten Auseinandersetzung der psychiatrischen
Sachverständigen mit den psychosozialen Belastungsfaktoren muss gerade davon
ausgegangen werden, dass sie diese in ihrer Arbeitsfähigkeitsschätzung
ausgeklammert haben. Zudem hat, wie auch Dr. R._ erklärt hat, sehr wohl eine
konsequente psychotherapeutische Therapie stattgefunden: Während der Behandlung
im Psychiatrie-Zentrum O._ von April 2009 bis November 2010 hat die
Beschwerdeführerin in zweiwöchentlichen Abständen an psychotherapeutischen
Gesprächen teilgenommen, wobei sie keinen einzigen Termin abgesagt hat (siehe IV-
act. 36-3). Seit Oktober 2010 ist sie in Behandlung bei der Psychiaterin Dr. N._.
Zudem hat sie im Februar 2010 einen stationären Aufenthalt in der Klinik J._
absolviert. Der Medikamentenspiegel der verordneten Antidepressiva hat bei der ABI-
Begutachtung unter den therapeutischen Bereichen gelegen. Dies ist u.a. darauf
zurückzuführen, dass die Beschwerdeführerin Angst davor hat, dass die Antidepressiva
die Schwelle für epileptische Anfälle senken könnten. Offenbar ist es bisher nicht
gelungen, der Beschwerdeführerin diese Angst zu nehmen (siehe IV-act. 81-4). Es wird
daher die Aufgabe der behandelnden Psychiaterin sein, die Beschwerdeführerin
gründlichst über das sehr geringe Risiko einer Anfallsprovokation (siehe epi info,
Behandlung psychischer Störungen bei Epilepsie, www.swissepi.ch/fileadmin/pdf/
Zentrum/Behandlung_psychischer_Stoerungen_bei_Epilepsie.pdf, besucht am 24. Juli
2015) aufzuklären und sie zu einer regelmässigen Einnahme der verordneten
Medikamente zu ermutigen bzw. anzuhalten. Für die Vergangenheit kann die
unregelmässige Medikamenteneinnahme der Beschwerdeführerin unter diesen
Umständen nicht zum Nachteil gereichen. Schliesslich ist noch zu beachten, dass die
von Dr. R._ angegebene fragliche Motivation und Compliance der
Beschwerdeführerin bezüglich einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung
offenbar (auch) auf das psychische Störungsbild selbst zurückzuführen ist. Denn Dr.
R._ hat angegeben, dass die Motivation der Beschwerdeführerin aufgrund der
depressiven Störung erheblich beeinträchtigt sei. Die von der Beschwerdegegnerin
angeführten Argumente sind daher nicht stichhaltig.
3.1.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin aus
psychischer Sicht in einer adaptierten Tätigkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
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von März 2009 bis September 2010 zu 50 %, von Oktober 2010 bis Dezember 2011 zu
30 % und ab Januar 2012 zu 60 % in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen ist.
3.2 Somit bleibt noch die Arbeitsfähigkeit in somatischer Hinsicht zu überprüfen.
Der ABI-Sachverständige Dr. M._ hat als Diagnosen mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit eine niederfrequente Epilepsie mit seltenen Grand-Mal und möglichen
kleinen Anfällen und Spannungskopfschmerzen angegeben. Die Epilepsie sei mit
Carbamazepin voll befriedigend eingestellt. Aufgrund der genannten Diagnosen dürfe
die Beschwerdeführerin keine Arbeiten an offenen Maschinen oder in
Wechselschichten oder in lauter Umgebung, keine Arbeiten mit Absturzgefahr, keine
Überkopfarbeiten und keine Tätigkeiten in Zwangshaltungen ausüben. Zudem benötige
sie vermehrte Pausen im Umfang von 20 %. Während die genannten qualitativen
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit aus neurologischer Sicht überzeugen, ist die
zusätzlich eingeräumte quantitative 20%ige Einschränkung aufgrund der organischen
Befunde nicht ohne Weiteres nachvollziehbar. Eine Begründung für den erhöhten
Pausenbedarf hat der Sachverständige nicht angeführt. Da die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin aus psychischer Sicht durchgehend zu mindestens 30 %
eingeschränkt ist und gemäss den ABI-Sachverständigen für die psychischen und
somatischen Leiden dieselben Zeitabschnitte zum Einlegen von Pausen genutzt
werden können, kann die Frage, ob in somatischer Hinsicht eine 20 %ige
Arbeitsunfähigkeit besteht, jedoch offen gelassen werden.
4.
4.1 Die Arbeitsunfähigkeit ist Ende März 2009 eingetreten. Das Wartejahr gemäss
Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG hat somit frühestens am 1. März 2009 zu laufen begonnen. Die
Beschwerdeführerin hat sich im September 2009 zum Bezug von Leistungen der Inva
lidenversicherung angemeldet. Die sechsmonatigen Frist nach Art. 29 Abs. 1 IVG ist ‒
wie auch das Wartejahr ‒ am 28. Februar 2010 abgelaufen. Die Beschwerdeführerin
hätte somit frühestens ab dem 1. März 2010 Anspruch auf eine Invalidenrente.
4.2 Anzumerken bleibt, dass Dr. R._ in seinem Gutachten vom September 2012
die Prognose aufgestellt hat, dass innerhalb eines Jahres mit einer leichten Besserung
des psychischen Zustandsbildes und einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf ca. 50
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% gerechnet werden könne. Sollte der Beschwerdeführerin eine unbefristete
Invalidenrente zugesprochen werden, müsste die Beschwerdegegnerin diese daher
zeitnah überprüfen.
5.
5.1 Schliesslich ist noch der Einkommensvergleich vorzunehmen. Die Beschwerde
führerin hat zuletzt als Hilfsarbeiterin Montagearbeiten ausgeführt. Seit April 2008 hat
sie einen Stundenlohn von Fr. 22.95 erhalten. Aus den monatlichen Lohnabrechnungen
ist jedoch ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin einen 13. Monatslohn erhalten hat
(siehe z.B. IV-act. 15-23/32) und ihr ‒ offenbar in unregelmässigen Abständen ‒ ein
unterschiedlich hoher "Zetflex Bonus" vergütet worden ist (siehe z.B. IV-act.
15-18/30/33). Da die Beschwerdeführerin zeitweise sogar Überzeit geleistet hat (siehe
z.B. IV-act. 15-27/33), ist auch unklar, welchem Pensum der im IK-Auszug angegebene
Lohn entspricht. Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin zuletzt in einem 80 %-
Pensum gearbeitet hat, die Validenkarriere jedoch einer Vollerwerbstätigkeit entspricht.
Unter Umständen hätte sie im gleichen Betrieb bei einem 100 %-Pensum mehr Lohn
erhalten als in einem Teilzeitpensum. Und schliesslich ist das Arbeitsverhältnis aus
wirtschaftlichen Gründen aufgelöst worden, weshalb sich die Beschwerdeführerin im
Gesundheitsfall eine neue Arbeitsstelle hätte suchen müssen. Unter diesen Umständen
kann das Valideneinkommen nicht anhand des zuletzt erzielten Einkommens bestimmt
werden. Die Beschwerdeführerin hat in B._ von 1981-1984 eine Ausbildung zur
Kauffrau absolviert. Zumindest in der Schweiz hat sie jedoch nie auf diesem Beruf
gearbeitet. Da sich die Tätigkeit der Kauffrau aufgrund der technischen Entwicklung
seit ihrer Ausbildung zudem völlig verändert hat, sind ihre damals erworbenen
Kenntnisse in der heutigen Berufswelt nicht mehr verwertbar. Die Beschwerdeführerin
hätte sich somit im Gesundheitsfall nach der Kündigung wieder eine
Hilfsarbeiterinnentätigkeit suchen müssen. Für die Bemessung des Valideneinkommens
ist deshalb auf den durchschnittlichen Jahreslohn einer Hilfsarbeiterin im Zeitpunkt des
frühestmöglichen Rentenbeginns (März 2010) abzustellen. Auch die Invalidenkarriere
besteht in einer Hilfsarbeiterinnentätigkeit. Da die Grundlagen für die Berechnung des
Validen- und Invalideneinkommens somit gleich hoch sind, kann ein Prozentvergleich
vorgenommen werden. Zu prüfen bleibt noch, ob die Beschwerdeführerin aufgrund des
Gesundheitsschadens verhältnismässig weniger verdienen würde, als wenn sie gesund
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geblieben wäre, d.h. ob ein Tabellenlohnabzug angezeigt ist. Die Beschwerdeführerin
leidet an einer mittelgradigen bis schweren depressiven Störung und ist damit in ihrer
psychischen Gesundheit erheblich beeinträchtigt. Das Krankheits- und Ausfallrisiko ist
aufgrund der Depression erheblich erhöht. Zudem wird ein zukünftiger Arbeitgeber auf
die Leistungsschwankungen und die erheblichen Beeinträchtigungen der Belastbarkeit,
der Anpassungsfähigkeit und der geistige Flexibilität Rücksicht nehmen müssen. Ein
Tabellenlohnabzug von 15 % erscheint deshalb angemessen. Diese rein
betriebswirtschaftlichen bzw. ökonomischen Faktoren haben in den
Arbeitsfähigkeitsschätzungen der psychiatrischen Sachverständigen selbstverständlich
nicht berücksichtigt werden können, da sie mit der aus medizinischer Sicht zumutbaren
Arbeitsleistung nichts zu tun haben.
5.2 Gemäss Art. 88a Abs. 1 IVG ist eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit für die
Herabsetzung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem
angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in
jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei
Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird. Eine
Verschlechterung der Erwerbfähigkeit ist zu berücksichtigen, sobald sie ohne
wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat (Abs. 2). Der
Invaliditätsbemessung ist für die Zeit vom 1. März 2010 bis 31. Dezember 2010 somit
in analoger Anwendung dieser Bestimmung eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %, für die
Zeit vom 1. Januar 2011 bis 31. März 2012 eine solche von 30 % und ab dem 1. April
2012 eine solche von 60 % zugrunde zu legen. Gestützt auf einen Prozentvergleich
beträgt der IV-Grad für die Periode 1. März 2010 bis 31. Dezember 2010 folglich 57.5
% [50 % + (50 % x 0.15)], für die Periode 1. Januar 2011 bis 31. März 2012 40.5 % [30
% + (70 % x 0.15)] und ab 1. April 2012 66 % [60 % + (40 % x 0.15)].
5.3 Demnach ist die Beschwerde gutzuheissen und der Beschwerdeführerin für den
Zeitraum 1. März 2010 bis 31. Dezember 2010 eine halbe Rente, für den Zeitraum 1.
Januar 2011 bis 31. März 2012 eine Viertelsrente und für die Zeit ab 1. April 2012 eine
Dreiviertelsrente zuzusprechen. Zur Festsetzung der Rentenhöhe wird die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.
6.
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6.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin
zurückzuerstatten.
6.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der
Rechtsvertreter hat keine Honorarnote eingereicht. In einem Fall mit mittlerem Aufwand
und Schwierigkeitsgrad wird praxisgemäss eine Pauschalentschädigung von Fr.
3'500.-- ausgerichtet. Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin
entsprechend mit Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu
entschädigen.