Decision ID: 3e8e603e-59be-550a-8ed9-68184157bf0d
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1990, absolvierte
die Grundschule
sowi
e ein 1
0.
Schuljahr. Danach begann
er
im August 2008
eine
Lehre im Detailhandel
(
Urk.
7/13)
.
Nach rund neun Monaten wurde das
Lehrverhältnis durch den Ar
beitgeber vorzeitig beendet (
Urk.
7/11).
Im Januar 2012 meldete er sich unter Hinweis
auf
eine Depression zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/2). Die
Sozialversi
cherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, traf medizinische sowie erwerbli
che Abklärungen
. Weiter führte sie mit dem Versicherten eine Berufsberatung
durch
(
Urk.
7/15/2-3)
.
Von beruflichen Massnahmen wurde aber aufgrund
be
vorstehender Operationen des Versicherten
abgesehen
(
Urk.
7
/14).
In der Folge veranlasste die IV-Stelle
bei
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie, ein Gutachten (
Urk.
7/21-22
,
7
/27)
. Nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(
Urk.
7/29, 7/39)
wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 2
8.
Januar 2014 ab (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob
X._
am 2
6.
Februar 2014 Beschwerde und beantragte die Zusprechung einer ganzen Invalidenrente (
Urk.
1). Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom
2
8.
März 2014
auf Abweisung der Be
schwerde (
Urk.
6
)
. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels, hielten die Par
teien, soweit sie sich verlauten liessen, an ihren Anträgen fest (
Urk.
11, 14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak-ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu-
sammenhänge
und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). Aus rechtlicher Sicht kann von einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit abgewichen werden, ohne dass diese ihren Beweiswert verlöre (SVR 2015 IV Nr. 16 S. 45 E. 2.
3 [9C_662/2013]; U
rteil
des Bundesgerichts
9C_3/2015 vom 2
0.
Mai 2015 E. 3.3.2).
2.
Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Invaliden
rente hat. Die Beschwerdegegnerin verneinte einen solchen mit der Begründung, dass kein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliege (
Urk.
2).
Demgegenüber verweist der Beschwerdeführer
auf das Gutachten von
Dr.
Y._
. Darin werde eine
vollumfängliche
Arbeitsunfähigkeit attestiert, wo
mit ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente ausgewiesen sei (
Urk.
1, 11).
3.
3.1
Von Januar bis Mai 2010
stand
der Beschwerdeführer
wegen einer adoleszenten Störung resp. Persönlichke
itsstörung mit depressiver Kompo
nente und THC-Konsum
bei
med.
pract
.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, in Behand
lung
. Dieser hielt
fest, der Beschwerdeführer habe im Rahmen der Konsultatio
nen seine transsexuelle Neigun
g eröffnet. Bereits damals sei
eine delegierte Gesprächstherapie am laufen gewesen.
Weiter wies er darauf hin, dass der
Be
schwerdeführer
im Mai
2009
seine Le
hre im Detailhandel abgebrochen
habe
.
Gesehen habe er den Beschwerdeführer letztmals im Mai 201
0.
Anfang Septem
ber 2011
habe ihn der Vater des Beschwerdeführers kontaktiert und über eine zunehmende Verschlechterung des
psychischen Gesundheitszustandes
infor
miert
(Bericht med.
pract
.
Z._
vom 1
0.
Januar 2012,
Urk.
7/5
/5
)
.
3.2
Auf Überweisung von med.
pract
.
Z._
hin begab sich der
Beschwerdeführer ab
2.
Juli 2010
einmal monatlich in das
A._
, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie,
in Behandlung. Im Bericht vom
5.
Juli 2010 di
agnostizierten die Klinikärzte nach einem Erstuntersuch
eine leichte bis mittel
gradige
depressive
Episode (ICD-10 F32.1), ein Cannabis-Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F12.2), einen Verdacht auf Transsexualismus von Mann-zu-Frau (ICD-10 F64.0) und einen Verdacht auf eine atypische Essstörung (ICD-10 F50.1). Dazu führten sie aus, aufgrund der depressiven Symptomatik und allenfalls auch wegen der Störung der Geschlechtsidentität scheine die psychosoziale Si
tuation des Beschwerdeführers aus dem Ruder gelaufen zu sein. Er habe
keine Berufsausbildung, habe mit den Eltern gebrochen und wohne momentan bei Freunden. Über eine Tagesstruktur verfüge er nicht. Unabhängig von der schwierigen psychos
ozialen Situation bestehe
beim Beschwe
rdeführer wohl ein primärer
Transsexualismus mit bisexueller Orientierung. Der Beschwerdeführer berichte von früh gegengeschlechtlich erlebten Identitätsmerkmalen.
Entspre
chendes habe auch die Mutter in einem Tagebuch schon früh beschrieben.
Ty
pisch für diese Identitätsproblematik habe der Beschwerdeführer im Alter
von
15 bis 16 Jahren eine massive psychische Krise mit Suizidalität erlebt. In der Folge habe sich die Situation auf niedrigem Niveau stabilisiert (
Urk.
7/5/8-11).
3.3
Vom 1
5.
Februar bis 2
0.
Mai 2011 war der Beschwerdeführer im
B._
stationär hospitalisiert. Im Austrittsbericht wurde ein Verdacht auf eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.31), eine re
zidivierende
depressive Störung, gegenwertig remittiert (ICD-10 F33.4), eine Störung durch
Cannabinoide
, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F12.21)
,
und Transsexualismus (ICD-10 F64.0) diagnostiziert. Während seines Aufenthalts wurde der
Beschwerdeführer darin unterstützt,
eine Tagesstruktur einzuhalten und Verantwortung zu übernehmen. Dabei erreichte er
gemäss der behandeln
den Therapeutin
sichtbare Fortschritte (
Urk.
7/5/6-7).
3.4
Im Bericht vom 3
0.
Mai 2012 diagnostizierten die behandelnden Ärzte des
A._
, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
,
mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit rezidivierende depressive Episoden, aktuell remit
tiert
(ICD-10 F33.4), eine ängstlich-
vermeidende Pers
önlichkeitsstörung (ICD-10 F60.6
)
,
ein Abhängigkeitssyndrom von Cannabis, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F12.2
0
)
,
und einen Verdacht auf eine atypische Essstörung (ICD-10 F50.1).
Keinen Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit
massen sie der Störung der
Ge
schlechtsidentität
im Sinne eines Mann zu Frau Transsexualismus (ICD-10 F64.0) bei.
Sie erklärten, im Rahmen einer depressiven Episode fänden sich oft Konzentrationsstörungen sowie Störungen des Antriebs mit verminderter psychophysischer Belastbarkeit. Eine ängstlich-vermeidende
Persönlichkeits
störung
, welche Diagnose
beim Beschwerdeführer
von
den Ärz
ten der Klin
i
k
B._
gestellt worden sei
, ziehe oft interpersonelle Schwierigkeiten bzw.
Ab
grenzungsprobleme
am Arbeitsplatz mit sich.
Die Persönlichkeitsstörung
beur
teilten sie als Folge von Mikrotr
aumen
aufgrund des Transsexualismus und des Umstands, dass der Beschwerd
eführer als Kind adoptiert worden sei
.
Weiter führten sie aus, laut eigenen Angaben habe der Beschwerdeführer bereits als kleines Kind
Mädchenkleider anziehen wollen. Die Geschlechtsidentitätsstörung habe sich immer wieder bemerkbar gemacht, so auch in der Pubertät. Der Be
schwerdeführer habe
diese Zeit
als sehr belastend erlebt. Mit
etwa
17 Jahren sei es
zu einer ersten depressiven Episode mit suizidalen Gedanken und
Selbstver
letzungen
gekommen. Er habe zunehmend THC konsumiert, um unangenehme Gefühle zu überdecken, was die psychische Situation weiter verschlechtert habe. 2007 sei die erste psychologische Behandlung erfolgt. Nach dem Abbruch der Lehre im Mai 2009 aufgrund von interpersonellen Schwierigkeiten
seien meh
rere stationäre Kriseninterventionen erfolgt. Die soziale Situation sei
bei
Ar
beitslosigkeit
mit
fehlender Tagesstruktur zunehmend problematischer gewor
den. Seit Januar 2010 stehe der Beschwerdeführer in regelmässiger psychothe
rapeutischer Behandlung, wo er
erstmals auch konkret
seine transsexuellen Ge
danken geäussert habe
. Zudem wiesen die Kl
inikärzte darauf hin, dass
der Be
schwerdeführer
im
September 2011
wieder freiwillig in das
B._
eingetreten
und dort bis
April 2014
verblieben
sei
. Die Arbeitsfähigkeit vermochten sie nicht zu beurteilen
(
Urk.
7/9
/7-11
)
.
3.5
3.5.1
Dr.
Y._
diagnostizierte im Gutachten vom 2
5.
September 2013 mit Auswirkun
gen auf die Arbeitsfähigkeit akzentuierte ängstlich-vermeidende
Persönlichkeitszüge (ICD-10 F61.1), sonstige anhaltende affektive Störungen (ICD-10 F34.8) und Transsexualismus (ICD-10 F64.0). Der rezidivierenden de
pressiven Störung, derzeit remittiert (ICD-10 F33.4), und dem
Abhängigkeits
syndrom
von Cannabis, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F12.20), mass er keine Auswirkung
en auf die Arbeitsfähigkeit zu (
Urk.
7/27/7).
Gegenüber dem Gutachter gab der Beschwerdeführer an, es gehe ihm durchzo
gen. Er habe demnächst ein Gespräch mit dem Chirurgen des
A._
über die anstehende operative Geschlechtsumwandlung. Voraussichtlich finde diese in einem halben Jahr statt. Anschliessend müssten noch eine Namensän
derung und die Änderung des Geschlechts im Pass veranlasst werden. Seine Stimmung sei tendenziell gut. Immer wieder ziehe er sich aber zurück und ver
krieche sich ins Bett. Beim Arbeiten gehe es ihm „
tip
-top“.
Zu Hause
in der
so
zialpsychiatrischen
Wohngemeinschaft
gehe es ihm jedoch s
chlechter. Sein Selbstwertgefühl sei schwankend. Besser gehe es, wenn er mit ihm bekannten Menschen zusammen sei. In der Öffentlichkeit sei es schwieriger, weil er dann nicht wisse, ob er mit seiner sexuellen Identität akzeptiert werde (
Urk.
7/27/4).
3.5.2
Nach dem Abbruch der Lehre im Mai 2009 hatte der Beschwerdeführer keine Stelle in der freien Wirtschaft mehr inne.
Im Zeitpunkt der Begutachtung im September 2013 arbeitete er in einer geschützten Werkstatt (
Urk.
7/27/6). Den vom Gutachter eingeholten fremdanamnestischen Angaben des Werkstattleiters ist zu entnehmen, dass das Arbeitspensum per Anfang September
2013
von 50 auf 60
%
erhöht worden
war. Der Werkstattleiter
führte aus, die Stärke des Be
schwerdeführers sei seine Teamfähigkeit. Er füge sich gut ein und könne gut mit anderen umgehen, arbeite konzentriert und erbringe qualitativ gute Leistungen. Eine Schwäche sei der geringe quantitative Output. Zudem lasse er sich gerne ablenken, wenn jemand mit ihm reden wolle. Auch stelle er geringe Leistungs
anforderungen an sich selbst. In letzter Zeit sei es wieder vermehrt zu psychisch bedingten Ausfällen gekommen. Die
s
hänge allenfalls mit der Situation in der Wohngemeinschaft zusammen. Ausserdem müsse er sich derzeit verstärkt mit dem Thema Geschlechtsumwandlung auseinandersetzen. Der Werkstattleiter äusserte sich weiter dahingehend, dass er eine Lehre im freien Arbeitsmarkt für möglich halte und es aufgrund der Fähigkeiten des Beschwerdeführers bedauern würde, wenn eine solche im geschützten Rahmen stattfände (
Urk.
7/27/6).
Weiter holte der Gutachter fremdanamnestische Auskünfte beim behandelnden Psychologen ein. Dieser pflichtete der diagnostischen
Einschätzung des Gut
achters bei. Er wies darauf hin, dass demnächst ein Gespräch für die Ge
sch
lechtsumwandlung stattfinde. D
en Beginn der Berufsausbildung in
etwa
ei
nem Jahr hielt er f
ür realistisch. Derzeit sei
der Beschwerdeführer woh
l damit überfordert
. Insbesondere seien die sozialen Fertigkeiten zum Teil noch pro
ble
matisch.
Er befürworte eine
Ausbildung im freien Arbeitsmarkt, da die Belas
tung für den Beschwerdeführer ähnlich sei wie im geschützten Rahmen. Der be
handelnde Psychologe gab weiter zu bedenken,
dass
aufgrund der
Transsexua
lität
verhältnismässig viele Termine auf den Beschwerdeführer zukommen wür
den, was eine Terminplanung erschwere. Er selber schätze den Aufwand für die
Termine auf 20
%
. Fraglich sei
, ob eine Ausscheidung eines
20%-Pensums im Rahmen
der Ausbildung möglich sei. Zeitaufwendig seien insbesondere die Un
tersuchungen im
A._
, die Psychotherapie, die Ergotherapie und die Stimmbildung (
Urk.
7/27/6).
3.5.3
In der Beurteilung der erhobenen Angaben und Befunde führte der Gutachter aus, beim Beschwerdeführer liege ein seit Kindheit bestehender Transsexualis
mus vor. Die Behandlung sei bereits weit fortgeschritten. Eine hormonelle Be
handlung finde statt. Ein Gespräch mit dem Chirurgen
bezüglich der operativen Massnahmen sei terminiert. Im Rahmen der aus der Transsexualität resultieren
den Herausforderung für
die
Identität und
die
psychosexuelle Entwicklung lä
gen akzentuierte ängstlich-vermeidende Persönlichkeitszüge und eine fluktuie
rende affektive Begleitsymptomatik vor. Zwar würden in der gutachterlichen Untersuchung einzelne depressive Symptome genannt, aktuell könne jedoch keine eigentliche Depression diagnostiziert werden. Da indes trotz relevanter antidepressiver Medikation immer noch eine die Lebensqualität beeinträchti
gende affektive Teilsymptomatik bestehe, sollte sie in der Diagnostik abgebildet werden. Dafür komme die
Diagnose einer sonstigen anhaltenden affektiven Störung in Frage. Im Gegensatz zu den aktenkundigen Einschätzungen könnten keine Anhaltspunkte für eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung gefunden werden. Das Ausmass des Erlebens,
des
Verhaltens und der Affekte seien bezüglich der in dieser Diagnose abgebildeten Persönlichkeitsmerkmale nicht derart stark verändert, dass sich diese Diagnose rechtfertige
n würde
. In ihrer Ausp
rägung würden sie eher
akzentuierten Pe
rsönlichkeitszügen entspre
chen (
Urk.
7/27/7).
Weiter erklärte der Gutachter, trotz der zurückhaltend gestellten Diagnosen müsse bezüglich der Arbeitsfähigkeit die ich-strukturell bedingte Fragilität des Beschwerdeführers berüc
ksichtigt werden. Sie gehe auf die Transsexualität zu
rück, zu der vermutlich Wechselwirkungen bestünden. Dem Beschwerdeführer müsse eine angemessene Zeit eingeräumt werden, um eine volle Arbeitsfähig
keit in der freien Wirtschaft zu erwerben. Eine sofortige, vollumfängliche In
tegration in den ersten Arbeitsmarkt sei mit einem hohen Risiko des Scheiterns und des Auftretens psychiatrischer Symptomatik verbunden. In absehbarer Zeit sei die Aufnahme einer erstmaligen beruflichen Ausbildung möglich. Etwas unterschiedlich seien die Ideen zu den erforderlichen Rahmenbedingungen. Während der Beschwerdeführer aufgrund seiner ängstlich-vermeidenden
Per
sönlichkeitszüge
einen geschützten Arbeitsplatz zumindest initial bevorzuge, trauten ihm der Therapeut, der Werkstattleiter und der Gutachter zu, eine Aus
bildung in der freien Wirtschaft erfolgreich zu absolvieren. Noch sei unklar, ob die Ausbildung bereits nächsten Sommer in Angriff genommen werden könne oder noch ein Jahr zugewartet werden müsse. Aufgrund des sich noch stark verändernden Gesundheitsbildes und der anstehenden Herausforderungen sei eine rollende Planung unter Einbezug des Therapeuten und des Werkstattleiters geboten (
Urk.
7/27/8).
Zur Arbeitsfähigkeit fü
hrte der Gutachter aus, dass dem Beschwerdeführer
die bisherige Tätigkeit im Detailhandel se
it dem Abbruch der Lehre unzumutbar
sei. Momentan
bestehe
für sämtliche Tätigkeiten in der
freien Wirtschaft eine Ar
beitsunfähigkeit.
D
er Beschwerdeführer
arbeite zur Zeit
60
%
in einer geschütz
ten Werkstatt. Medizinisch-theoretisch könne in einem Jahr das Ar
beitspensum auf 100
%
erhöht
werden. Indes sei dem Vorschlag des Therapeuten zu folgen, wonach 20
%
für therapeutische Termine reserviert werden sollte.
Die Arbeits
fähigkeit solle zunächst im geschützten Rahmen auf 80
%
gesteigert werden.
Ein direkter Einstieg in die freie Wirtschaft
respektive
in eine Ausbildung sei nicht aussichtsreich, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit mit Rückschlägen und aus psychiatrischer Sicht nicht zu
mutbarer Risiken verbunden
.
Auf die Frage nach
den
kon
kreten Funktionseinschränkungen
erklärte der Gutachter, insbesondere lägen
eine verminderte Belastbarkeit mit reduzierten interp
erso
nellen Fähigkeiten und ein stark vermindertes
Selbstwertgefü
hl und Selbstver
trauen
vor
,
begleitet
von einer schnellen Rückzugsbereitschaft. Der Beschwer
deführer sei aktuell nicht in der Lage, konstant am Arbeitsplatz zu erscheinen und
sich nachhaltig zu integrieren
(
Urk.
7/27/9-11).
4.
4.1
Im Zeitpunkt der Begutachtung durch
Dr.
Y._
am 1
8.
September 2013 war die depressive Störung remittiert
. Da noch eine Teilsymptomatik bestand, diag
nostizierte er eine sonstige anhaltende affektive Störung. Dabei handelt es sich definitionsgemäss um
eine Stimmungsstörung
, die nic
ht ausreichend schwer genug ist oder lange genug dauert
,
um die Kriterien für eine
Dysth
ymia
oder gar für eine
leichte depressive Episode zu erfüllen. Im Bericht des
A._
vom
5.
Juli 2010 war noch eine leichte bis mittelgradige Episode diag
nostiziert worden
(
Urk.
7/5/8)
. Insofern war zwischenzeitlich eine Besserung der depressiven Symptomatik des Beschwerdeführers eingetreten.
Rec
htsprechungsgemäss werden
mittelgradige depressive Episoden regelmässig als keine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andau
ernde Depressionen betrachtet, weshalb sie in Bezug auf die
versicherungs
rechtliche
Beurteilung nicht massgebend sind. Leichte bis höchstens mittel
schwere psychische Störungen depressiver Natur gelten grundsätzlich als thera
peutisch
angehbar
(Urteile des Bundesgerichts 8C_68/2013 vom 1
4.
Mai 2013 E. 3.5 und 9C_736/2011 vom
7.
Februar 2012 E. 4.2.2.1, je mit weiteren Hinwei
sen).
Die depressive Symptomatik des Beschwerdeführers ist somit aus
versi
cherungsrechtlicher
Sicht nicht relevant.
4.2
Soweit
Dr.
Y._
der von ihm diagnostizierten anhaltenden affektiven Störun
gen eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit beimass
,
kann ihm somit nicht gefolgt werden. Gleich verhält es sich mit der Diagno
se der akzentuierten ängstlich-v
ermeidenden Persönlichkeitszüge. Im Gutachten legte er nachvoll
ziehbar
dar
, dass beim Beschwerdeführer mangels Schweregrad der Störung keine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung vorliegt, sondern dass bloss, aber immerhin von
akzentuierten Persönlichkeitszügen gesprochen wer
den kann (
Urk.
7/27/7). In diesem Zusammenhang erwähnte der Gutachter das umfassende Gefühl von Anspannung und Besorgtheit sowie einen einge
schränkten Lebensstil
wegen des Bedürfnisses nach körperlicher
Sicherheit (
Urk.
7/27/8). Ein
Be
fund
, aus dem auf eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu schliessen wäre, ist darin nicht zu erblicken. Zudem werden akzentuierte Persönlichkeitsstörungen gemäss ICD-10 nicht als F61.1, sondern als Z73.1 ko
diert. Z-Kodierungen fallen
nicht unter den Begriff der invaliditätsrech
tlich er
heblichen Gesundheitsbe
einträchtigungen und stellen grundsätzlich kein
en in
validisierenden Gesund
heitsschaden dar (Urteil des Bundesgerichts
9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012
E. 3.1 mit Hinweisen).
4.3
4.3.1
Die von ihm attestier
te Arbeitsunfähigkeit führte
Dr.
Y._
primär auf
den
Transsexualismus
zurück
. Die Diagnose Transsexualismus
definiert sich gemäss ICD-10 F64.0 dadurch, dass der Wunsch besteht, als Angehöriger des anderen
Geschlechts zu leben und anerkannt zu werden. Dieser geht meist mit Unbeha
gen oder dem Gefühl der Nichtzugehörigkeit zum eigenen anatomischen Ge
schlecht einher. Es besteht der Wunsch nach chirurgischer und hormoneller Be
handlung, um den eigenen Körper dem bevorzugten Geschlecht soweit wie möglich anzugleichen.
Dr.
Y._
legte nicht dar, inwiefern der
Transsexualismus
allein
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hat.
Er
begründete die Arbeitsunfähigkeit denn auch nicht
bloss
mit der Geschlechtsidentitätsstörung als solcher, sondern im Einzel
nen damit, dass die Transsexualität zu einer ich-strukturell bedingten Fragilität des Beschwerdeführers geführt habe.
Laut Gutachter muss dem Beschwerdefüh
rer deshalb eine angemessene Zeit eingeräumt werden, um eine volle Arbeitsfä
higkeit in der freien Wirtschaft zu erwerben. Eine sofortige Integration in den Arbeitsmarkt sei mit einem hohen Risiko des Scheitern
s
und des Auftretens psy
chischer Symptomatik
verbunden.
Dabei handelt es sich indessen lediglich um eine Prognose. An Befunden erw
ähnt der Gutachter lediglich eine
verm
inderte
Belastbarkeit mit reduzierten interp
ersonellen Fähigkeiten und ein stark ver
mindertes Selbstwertgefühl sowie eine
schnelle Rückzugsbereitschaft
. Diese Be
funde wurden auch von den Ärzten des
A._
, Klinik für Psy
chiatrie und Psychotherapie, erhoben, indessen hauptsächlich unter die Diag
nose der
– zwischenzeitlich
remittierten -
rezidivierenden depressive
n
Episode subsumiert.
Die aktuelle Befundlage
rechtfertigt
indes
keine Annahme
eines Gesundheitsschadens, der die Verwertung der Arbeitsfähigkeit als unzumutbar erscheinen liesse.
4.3.2
Offensichtlich erging die Einschätzung des Gutachters vor dem Hintergrund, dass
in naher zeitlicher Distanz
zum Begutachtungszeitpunkt
Geschlechtsum
wandlungsoperationen
anstanden und
in beruflicher Hinsicht konkret die Ab
solvierung einer Berufslehre im Raum stand. Die Ausführungen des Gutachters zur Arbeitsfähigkeit erfolgten denn auch in Hinblick auf eine erstmalige berufli
che Ausbildung. Dass der Beschwerdeführer eine solche absolvieren will, ist zu begrüssen.
Die Frage ob
hierfür die Invalidenversicherung einzustehen
hat, bil
det indes nicht Streitgegenstand, so dass sich diesbezügliche Weiterungen erüb
rigen
. Aufgrund der Aktenlage kann nicht davon ausgegangen werden, dass der Abbruch der Lehre gesundheitsbedingt
erfolgte.
Zwar mögen
die
ängstlich-ver
meidenden Persönlichkeitszüge des Beschwerdeführer
s
interpersonelle Schwie
rigkeiten begünstigen
. Krankheitswert in dem Sinne,
dass
sie
die Absolvierung
einer Lehre
beziehungsweise
deren
Fortführung
ausschliessen, kommt ihnen je
doch nicht zu.
Aus
den
Akten ergibt sich zudem, dass
die Verschärfung der
psychosoz
ialen Situation un
d als deren Folge
die Verschlechterung des
psychi
schen
Gesundheitszustandes
ers
t nach Abbruch der Lehre
eintraten
.
Da der Beschwerdeführer aus invaliditätsfremden Gründen über keine Lehrausbil
dung verfügt, ist i
h
m aus versicherungsrechtlicher Sicht die Aus
übung einer Hilfsarbeitertätigkeit zumutbar.
Der Fragilität des Beschwerdefüh
rers, insbesondere den reduzierten interpersonellen Fähigkeit
en
, kann bei der Wahl der
leidensangepassten Tätigkeit Rechnung getragen werden.
Es ist nicht einzusehen, weshalb in einer einfacheren
, nicht stressbehafteten
Tätigkeit keine volle Arbei
tsleistung zumutbar sein sollte. Stimmt das
persönliche
Umfeld, wie etwa in der Werkstätte, fühlt sich der Beschwerdeführer wohl und vermag er die geforderten Leistungen
offenbar
weitestgehend
zu erbringen
(
Urk.
7/27/6)
.
Wenn
die
im Zeitpunkt des Erlasses der hier angefochtenen Verfügung
bevor
stehenden Operationen länger andauernde Arbeitsunfähigkeiten mit sich brin
gen
, was
für deren versicherungsrechtliche Relevanz Voraussetzung ist,
müsste ein allfälliger daraus resultierender Leistungsanspruch im Rahmen einer Neu
anmeldung geprüft werden.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5.
Die Kosten des Verfahrens gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind auf
Fr. 7
00.-- festzu
setzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens
dem Beschwerde
führer
aufzuerlegen.