Decision ID: 17053118-d719-473b-8cb5-e2d2230f76a8
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Bernhard Reeb, Hauptstrasse 11a,
8280 Kreuzlingen,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Ergänzungsleistung zur IV / URV im Einspracheverfahren
Sachverhalt:
A.
A.a A._, geb. 1961, bezieht seit 1. Juli 2004 aufgrund eines Invaliditätsgrads von 55
Prozent eine halbe Invalidenrente (vgl. act. G 3.1.108). Sie meldete sich am
14. November 2007 zum Bezug von Ergänzungsleistungen (EL) an und erwähnte dabei,
dass sie seit Ende Oktober 2007 kein Erwerbseinkommen mehr habe (act. G 3.1.102).
Mit Verfügung vom 21. Februar 2008 sprach die EL-Durchführungsstelle der
Versicherten ordentliche EL ab 1. November 2007 zu (act. G 3.1.94). Bei der
Anspruchsberechnung berücksichtigte sie neben den Renteneinkünften und
Unterhaltsbeiträgen die Arbeitslosenentschädigung (act. G 3.1.98).
A.b Mit Verfügung vom 6. Mai 2008 stellte die EL-Durchführungsstelle die EL mit
Wirkung ab 1. Mai 2008 ein. Sie begründete dies damit, dass die Einnahmen die
Ausgaben überstiegen, weshalb kein Anspruch auf EL mehr bestehe. Die EL-
Durchführungsstelle berücksichtigte dabei ein hypothetisches Erwerbseinkommen von
Fr. 18'140.-- (act. G 3.1.92). Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte am 21. Mai
2008 Einsprache (act. G 3.1.88). Die EL-Durchführungsstelle wies die Einsprache mit
Einspracheentscheid vom 19. Juni 2009 ab (act. G 3.1.64). Am 17. Juli 2009 liess die
Versicherte gegen den Einspracheentscheid Beschwerde führen. Sie beantragte unter
anderem die Aufhebung des Einspracheentscheids und die Neuberechnung des EL-
Anspruchs ohne Berücksichtigung eines hypothetischen Erwerbseinkommens (act.
G 3.1.39, 63). Die EL-Durchführungsstelle beantragte ihrerseits am 29. Oktober 2009,
dass die Beschwerde abzuweisen sei (act. G 3.1.37, 44). Im Zeitraum von Juli 2009 bis
Mai 2010 informierte die Versicherte die EL-Durchführungsstelle über ihre
Arbeitsbemühungen, das heisst Bewerbungen (act. G 3.1.2, 12, 22, 27, 32, 47, 68).
Bezüglich der eingegangenen Arbeitsbemühungen für die Monate Juli bis September
2009 teilte die EL-Durchführungsstelle der Versicherten mit Schreiben vom
4. November 2009 mit, dass die eingereichten Arbeitsbemühungen nicht ihren
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Richtlinien entsprechen würden. In Zukunft sollten vor allem schriftliche Bewerbungen
auf ausgeschriebene Stellen vorgenommen werden. Zumutbar seien monatlich acht bis
zehn qualitativ einwandfreie Bewerbungen. Allenfalls seien diese unter Mithilfe des RAV
vorzunehmen (act. G 3.1.43). Am 25. Januar 2010 hiess das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen die Beschwerde vom 17. Juli 2009 unter Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 19. Juni 2009 gut (EL 2009/22). Es begründete die
Gutheissung damit, dass die Versicherte erst ab Erhalt des Einspracheentscheids
Kenntnis von den Anforderungen an ihre Arbeitsbemühungen erhalten habe. Bis zum
Erlass des Einspracheentscheids sei ihr daher kein hypothetisches Erwerbseinkommen
anzurechnen, da eine Abweichung von den bisher gestellten Anforderungen ohne
Gewährung des rechtlichen Gehörs nicht zulässig sei. Es stehe der EL-
Durchführungsstelle jedoch frei, die Arbeitsbemühungen ab dem Zeitpunkt, in dem die
Versicherte Kenntnis von den Anforderungen erhalten hätte (das heisst ab Erhalt des
Einspracheentscheids), erneut zu überprüfen und bei mangelhafter Quantität und
Qualität derselben die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommen zu
erwägen.
A.c Mit Schreiben vom 16. Februar 2010 orientierte die EL-Durchführungsstelle die
Versicherte darüber, dass sie die Arbeitsbemühungen, welche bei ihr am 12. Oktober
2009 (Arbeitsbemühungen Juli bis September 2009) und am 11. Februar 2010
(Arbeitsbemühungen November 2009 bis Januar 2010) eingegangen seien, geprüft
habe. Arbeitsbemühungen würden als genügend gelten, wenn monatlich mindestens
acht ordentliche Bewerbungen auf tatsächlich freie Stellen erfolgen würden. Unter
ordentlichen Bewerbungen verstehe man eine fehlerfreie schriftliche Bewerbung mit
Lebenslauf ohne Negativformulierungen. Monatlich mindestens 15 Bewerbungen seien
zumutbar, wenn diese als Blindbewerbungen per Telefon, persönliche Vorsprache, E-
Mail oder als Kurzbrief erfolgen würden. Weiter wurde der Versicherten mitgeteilt, dass
sie die geforderten Bedingungen nicht erfülle und daher das hypothetische
Erwerbseinkommen weiterhin in der EL-Anspruchsberechnung belassen werde (act.
G 3.1.31). Sich auf Arbeitsbemühungen mit Posteingang vom 4. und 9. März 2010
beziehend wies die EL-Durchführungsstelle die Versicherte mit Schreiben vom
15. März 2010 darauf hin, dass die Arbeitsbemühungen vom Februar 2010 erstmals
einigermassen in Ordnung seien. Man werde die Arbeitsbemühungen zu einem
späteren Zeitpunkt nochmals einfordern. Sofern diese lückenlos in Qualität und
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Quantität den geforderten Bedingungen entsprechen, würde man das hypothetische
Erwerbseinkommen aus der EL-Anspruchsberechnung entfernen (act. G 3.1.25).
A.d Am 5. Mai 2010 sprach die EL-Durchführungsstelle der Versicherten die EL mit
Wirkung ab 1. Mai 2010 zu. In der Anspruchsberechnung wurde ein hypothetisches
Erwerbseinkommen von Fr. 18'720.-- berücksichtigt (act. G 3.1.14). Am 6. Mai 2010
verfügte die EL-Durchführungsstelle dann die EL rückwirkend für den Zeitraum vom
1. Mai 2008 bis 30. April 2010 (act. G 3.1.13). Hierbei wurde zwischen 1. Juli 2009 und
30. April 2010 ebenfalls ein hypothetisches Erwerbseinkommen von Fr. 18'720.--
berücksichtigt (act. G 3.1.19, 20).
A.e Die EL-Durchführungsstelle setzte die Versicherte mit Schreiben vom 19. Mai
2010 darüber in Kenntnis, dass die erforderlichen Bedingungen bezüglich der für April
2010 eingereichten Arbeitsbemühungen nicht erfüllt seien, weshalb weiterhin ein
hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet werde (act. G 3.1.10).
B.
B.a Am 4. Juni 2010 (mit Ergänzungen vom 11. Juni 2010 und 5. August 2010) liess
die Versicherte Einsprache gegen die Verfügung vom 6. Mai 2010 erheben. Sie
beantragte unter anderem, dass ab Juli 2009 und bis auf Weiteres kein hypothetisches
Erwerbseinkommen angerechnet werde (act. G 3.1.3, 5, 112).
B.b Mit Schreiben vom 21. Juni 2010 wies EL-Durchführungsstelle die Versicherte
darauf hin, dass es sich bei den Arbeitsbemühungen für den Monat Mai 2010
ausschliesslich um Standardbriefe handle, die den ausgeschriebenen Stellen nicht
angepasst worden seien. Auch seien immer die Anschrift sowie das Datum von Hand
eingefügt worden. Dies sei zu optimieren, indem diese Angaben mit dem Computer
eingefügt werden. Andernfalls müssten die Bewerbungen als ungenügend bewertet
werden (act. G 3.1.1).
B.c Die EL-Durchführungsstelle wies die Einsprache vom 4. Juni 2010 mit
Einspracheentscheid vom 25. August 2010 ab. Zur Begründung führte sie aus, die
Versicherte habe zu beweisen, dass sie aus invaliditätsfremden Gründen nicht in der
Lage sei, ein Erwerbseinkommen zu erzielen. Aus der tabellarischen Darstellung sowie
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der anschliessenden Ausführungen auf Seite 3 des Einspracheentscheids vom 19. Juni
2009 (vgl. Sachverhalt A.b) gehe hervor, dass mindestens zehn Arbeitsbemühungen
pro Monat notwendig seien, wobei diese zudem auch in schriftlicher Form zu erfolgen
hätten. Die Versicherte habe also aufgrund des Einspracheentscheids gewusst, welche
Arbeitsbemühungen von ihr erwartet werden würden. Da sie sich erst ab Februar 2010
erstmals schriftlich und auf ausgeschriebene Arbeitsstellen beworben habe, sei ihr zu
Recht ab Juli 2009 bis Ende Januar 2010 ein hypothetisches Erwerbseinkommen
angerechnet worden. Auch die Arbeitsbemühungen für Februar 2010 seien noch
ungenügend gewesen. Diese seien mittels Standardschreiben unter handschriftlichem
Einsetzen von Adresse, Datum und teilweise konkreter Arbeitsstelle erfolgt. Eine solche
Bewerbung hinterlasse bei einem Arbeitgeber nicht den Eindruck einer seriösen
Stellensuche. Weiter müsse die Pflicht der sorgfältigen Stellensuche nicht gestützt auf
Art. 21 Abs. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) abgemahnt werden. Falls die Versicherte
sich nicht im Stande fühle, eine sachgerechte Bewerbung einzureichen, könne sie sich
beispielsweise beim RAV beraten lassen. Somit sei das hypothetische
Erwerbseinkommen zu Recht angerechnet worden. Es sei der Versicherten zumutbar,
sich um eine Arbeitsstelle für eine Hilfstätigkeit zu bewerben. Ihre geltend gemachten
Sprachprobleme seien für solche Tätigkeiten kein Hindernis, weil für Hilfsarbeiterinnen
nur sehr beschränkte Deutschkenntnisse vorausgesetzt würden. Die EL-
Durchführungsstelle wies die von der Versicherten beantragte unentgeltliche
Rechtsverbeiständung mit der Begründung ab, gemäss dem Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 554/04 vom 3. März 2005 werde verlangt,
dass die Aussichten, eine Streitsache zu gewinnen, in etwa gleich hoch seien wie
diejenigen einer Niederlage. Das Risiko, eine Streitsache zu verlieren, dürfe nur leicht
über 50 Prozent liegen. Da vorliegend die Gewinnaussichten deutlich unter 50 Prozent
einzustufen seien, bestehe kein Anspruch auf unentgeltliche Rechtsverbeiständung.
Ausserdem sei der Beizug eines Rechtsvertreters sachlich nicht notwendig gewesen
(act. G 3.1.113).
C.
C.a Gegen diesen Entscheid lässt die Versicherte am 13. September 2010 mit dem
Antrag Beschwerde erheben, der Einspracheentscheid vom 25. August 2010 sei
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aufzuheben, ihr EL-Anspruch sei ab 1. Juli 2009 bis auf Weiteres ohne
Berücksichtigung eines hypothetischen Erwerbseinkommens neu zu berechnen bzw.
zur Neuberechnung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen und ihr sei für das
Einspracheverfahren sowie für das Verfahren vor Versicherungsgericht die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu gewähren, unter Entschädigungsfolgen
zulasten der Beschwerdegegnerin. Zur Begründung führt der Rechtsvertreter an, die
Beschwerdegegnerin habe der Beschwerdeführerin erst mit Schreiben vom
4. November 2009 mitgeteilt, welche konkreten Anforderungen an die
Arbeitsbemühungen gestellt würden. Die Beschwerdeführerin habe davon ausgehen
dürfen, dass ihre Bemühungen ausreichend gewesen seien, da ihr zu Beginn
Ergänzungsleistungen ohne Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens
ausgerichtet worden seien und da das RAV die Arbeitsbemühungen ebenfalls als
ausreichend qualifiziert habe. Auf das Schreiben vom 4. November 2009 hin habe sich
die Beschwerdeführerin dann vermehrt auch schriftlich beworben. Sie spreche schlecht
Deutsch. Deshalb sei sie nicht in der Lage, selbst schriftliche Bewerbungen zu
verfassen. Sie sei vollumfänglich auf Hilfe angewiesen. Die intensiven Bewerbungen
hätten Erfolg gezeigt, indem die Beschwerdeführerin Ende April 2010 eine Anstellung
auf Abruf als Küchenhilfe gefunden habe. Der Vorwurf, dass Standardschreiben mit
handschriftlichen Ergänzungen verwendet würden, sei unangebracht, weil die
Beschwerdeführerin keine schriftlichen Deutschkenntnisse und auch keine
Computerkenntnisse habe. Da die Beschwerdeführerin ausgesteuert sei, würde ihr das
RAV auch nur ein Standard-Bewerbungsschreiben verfassen. Ausserdem könne in
Bezug auf eine Hilfsarbeiterstelle, bei der kaum Deutschkenntnisse nötig seien, nicht
ein perfektes schriftliches Bewerbungsschreiben ausschlaggebend für ein
Vorstellungsgespräch oder eine Anstellung sein. Es sei eine notorische Tatsache, dass
Hilfsarbeiterstellen kaum je in Inseraten ausgeschrieben würden. Das RAV habe bei der
Beschwerdeführerin nicht einmal im Ansatz so harte Anforderungen an die
Arbeitsbemühungen gestellt, wie es die Beschwerdegegnerin nun tue. Dass es der
Beschwerdeführerin nicht gelinge, ihre Restarbeitsfähigkeit vollumfänglich zu
verwerten, sei durch die Bemühungen der vergangenen Jahre seit 2007 hinlänglich
belegt. Im Zusammenhang mit der Verweigerung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung für das Einspracheverfahren führt der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin aus, die Erfolgsaussichten müssten dermassen minim sein, damit
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von einer Aussichtslosigkeit gesprochen werden würde, dass die Anhebung des
Prozesses geradezu rechtsmissbräuchlich wäre. Im Sozialversicherungsrecht sei eine
solche Aussichtslosigkeit angesichts der Komplexität der Fragestellungen nur in
Ausnahmefällen anzunehmen. Es müsse sich also stets um völlig klare Fälle handeln.
Davon könne vorliegend keine Rede sein. Die sachliche Notwendigkeit eines
Rechtsbeistands sei darin begründet, dass die Beschwerdeführerin nicht in der Lage
sei, die Schreiben der EL-Durchführungsstelle (insbesondere den Einspracheentscheid)
zu verstehen (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 17. September 2010 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verweist sie auf

die Erwägungen im Einspracheentscheid (act. G 3; vgl. Sachverhalt
B.c).
C.c Ein weiterer Schriftenwechsel fand nicht statt (act. G 4).
Erwägungen:
1.
1.1 Streitig und zu prüfen ist die Frage, ob in der EL-Anspruchsberechnung für die
Beschwerdeführerin ab 1. Juli 2009 ein hypothetisches Erwerbseinkommen zu
berücksichtigen sei. Gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. a und g des Bundesgesetzes über
Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG; SR
831.30) in Verbindung mit Art. 14a Abs. 2 lit. b der Verordnung über
Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELV;
SR 831.301) ist Invaliden unter sechzig Jahren als Erwerbseinkommen mindestens der
Höchstbetrag für den Lebensbedarf eines Alleinstehenden anzurechnen, wenn ein
Invaliditätsgrad von 50 bis unter 60 Prozent vorliegt. Rechtsprechungsgemäss ist damit
eine natürliche Vermutung für die Erzielbarkeit eines Erwerbseinkommens in dieser
Höhe für den Fall aufgestellt worden, dass der invalide EL-Ansprecher keiner
Erwerbstätigkeit nachgeht. Diese Vermutung kann durch den Beweis des Gegenteils
umgestossen werden (vgl. Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über Ergänzungsleistungen zur AHV/IV,
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bearbeitet von Urs Müller, 2. Aufl., 2006, S. 152 Rz. 489). Hinter dieser
Verordnungsbestimmung steht die (in Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG verankerte) Überlegung,
dass die teilinvaliden EL-Ansprecher eine EL-spezifische "Schadenminderungspflicht"
treffe: Soweit ihnen dies möglich und zumutbar ist, haben sie selbst für ihren
Existenzbedarf zu sorgen. Dazu gehört auch, dass sie ihre verbliebene Arbeitsfähigkeit
soweit als möglich und zumutbar einsetzen, um ein Erwerbseinkommen zu erzielen.
Unmöglich ist die Ausübung einer Erwerbstätigkeit, sofern eine Arbeitsunfähigkeit
besteht oder die Restarbeitsfähigkeit aufgrund einer unüberwindbaren Arbeitslosigkeit
nicht verwertet werden kann. Im vorliegenden Fall kann davon ausgegangen werden,
dass der von der IV-Stelle ermittelte Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin eine
Erwerbstätigkeit im Umfang von 55 Prozent objektiv ausschliesst.
1.2 Die in Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG als "Sanktionsnorm" zum Ausdruck gelangende
EL-spezifische Schadenminderungspflicht, die sich im vorliegenden Fall auf die
anrechenbare Einnahmenposition "Erwerbseinkommen" (Art. 11 Abs. 1 lit. c ELG)
bezieht, ist erst dann erfüllt, wenn tatsächlich ein Erwerbseinkommen im Ausmass
mindestens des in Art. 14a Abs. 2 lit. b ELV vorgesehenen Betrags erzielt wird. Sie
entfällt dann, wenn nachweislich keine Möglichkeit besteht, die Arbeitslosigkeit zu
überwinden und die verbliebene Arbeitsfähigkeit an einer Arbeitsstelle zu verwerten.
Der EL-Ansprecher hat also den Tatbeweis zu erbringen, dass er unverschuldet
arbeitslos ist. Dies entspricht der Lösung in der Arbeitslosenversicherung (Art. 17
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0]), auch wenn dort ein anderes
Sanktionssystem zur Anwendung gelangt (Art. 30 Abs. 1 lit. c AVIG).
2.
2.1 Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hat mit Entscheid EL 2009/22
vom 25. Januar 2010 festgestellt, dass der Beschwerdeführerin bis zum Erhalt des
Einspracheentscheids vom 19. Juni 2009 kein hypothetisches Erwerbseinkommen
anzurechnen sei, da eine Abweichung von den bisher gestellten Anforderungen an die
Arbeitsbemühungen ohne Gewährung des rechtlichen Gehörs nicht zulässig sei.
Vorliegend ist somit nur für die Zeit ab Juli 2009 zu prüfen, ob die Arbeitsbemühungen
der Beschwerdeführerin den quantitativen und qualitativen Anforderungen genügen.
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2.2 Die Stellensuche stellt sich für die Beschwerdeführerin zweifellos als schwierig
dar. Allerdings ist es für sie nicht unmöglich, eine Stelle zu finden. Da bei ihr
offensichtlich nur Hilfsarbeitsstellen in Frage kommen, spielen die mangelhafte
Schulbildung und das Fehlen einer beruflichen Ausbildung zum Vornherein keine Rolle
im Zusammenhang mit der Möglichkeit, eine Stelle zu finden. Das gilt weitgehend auch
für eine allfällig beschränkte Erfahrung im Erwerbsleben, da sich dies bei einfachen und
repetitiven Tätigkeiten höchstens während einer Einarbeitungsphase auswirken würde
und zudem durch besonderen Einsatzwillen zu kompensieren wäre. Auch wenn gute
Deutschkenntnisse für die Stellensuche sicherlich von Vorteil sind, verunmöglichen
mangelhafte Kenntnisse - wie sie unbestrittenermassen bei der Beschwerdeführerin
vorliegen - es nicht, eine Arbeitsstelle zu finden. Daraus ergibt sich, dass bei der
Beschwerdeführerin keine in ihrer Person liegenden Gründe vorhanden sind, die es ihr
verunmöglichen, eine geeignete Arbeitsstelle zu finden, um ein Erwerbseinkommen zu
erzielen.
2.3 Die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens muss unterbleiben,
wenn eine versicherte Person anhand von erfolglosen Bewerbungen den Nachweis
erbringen kann, dass sie keine Stelle findet, obwohl sie sich qualitativ und quantitativ
ausreichend beworben hat. Daher ist nachfolgend zu prüfen, ob die
Beschwerdeführerin mit ihren Anstrengungen die Anforderungen erfüllt hat und ob sie
damit die natürliche Vermutung der Verwertbarkeit ihrer Arbeitsfähigkeit hat widerlegen
können. In Bezug auf die qualitativen und quantitativen Anforderungen an die
Arbeitsbemühungen ist auf die entsprechenden Bestimmungen und die dazu
entwickelte Praxis der Arbeitslosenversicherung abzustellen, da es sich auch dort um
eine Schadenminderungspflicht im Rahmen des sozialen Risikos der Arbeitslosigkeit
handelt.
2.4 In qualitativer Hinsicht bemängelt die Beschwerdegegnerin, dass sich die
Beschwerdeführerin zu oft blind bewerbe. Welche Bewerbungsart die grössten
Erfolgschancen auf eine Arbeitsstelle verspricht, ist letztlich im konkreten Einzelfall und
unter Berücksichtigung der gesamten Umstände zu prüfen, so dass die Qualität und
die Ernsthaftigkeit von Bewerbungen nicht alleine nach deren Form beurteilt werden
können. Blindbewerbungen können durchaus sinnvoll sein. So dienen sie der
Abklärung, ob eine Stelle frei ist, und sie können selbstverständlich auch zu
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Vorstellungsgesprächen führen. Zudem ist die Konkurrenz bei einer ausgeschriebenen
Stelle viel grösser als bei einer potentiellen Stelle, für die noch kein Inserat
veröffentlicht worden ist, die aber demnächst vakant sein wird. Gerade im Bereich der
Hilfsarbeiten werden Arbeitseinsätze oftmals nicht ausgeschrieben, so dass
Blindbewerbungen üblich sind. Selbst beim Einstieg ins Berufsleben im Bereich von
qualifizierten Arbeitsstellen kann die Erfolgsquote von Blindbewerbungen höher liegen
als bei Bewerbungen auf ausgeschriebene Stelleninserate ("Von der Hochschule ins
Berufsleben. Erste Ergebnisse der Absolventenbefragung 2005", hrsg. vom Bundesamt
für Statistik BFS, Neuchâtel 2006, S. 38). Eine Stellensuchende in der Situation der
Beschwerdeführerin – sie ist ausgesteuert und damit seit Längerem ohne Arbeit – wird
deshalb gezwungenermassen auf Blindbewerbungen zurückgreifen müssen. Die
Blindbewerbungen der Beschwerdeführerin sind somit grundsätzlich zur Erfüllung der
EL-spezifischen Schadenminderungspflicht geeignet gewesen und deshalb nicht zu
beanstanden. Sodann hat sich die Beschwerdeführerin ab Februar 2010 auch auf
konkret ausgeschriebene Stellen beworben (act. G 3.1.2, 12, 22, 27). Überdies
enthalten die Akten keinen Hinweis darauf, dass sich die Beschwerdeführerin
überwiegend auf Stellen beworben hätte, welche beispielsweise aufgrund fehlender
qualifizierter Fähigkeiten zum Vornherein für sie nicht in Frage gekommen wären.
2.5 Die Beschwerdegegnerin bemängelt ausserdem, dass die Beschwerdeführerin für
ihre schriftlichen Bewerbungen ein Standardschreiben (Computerausdruck) verwendet
habe, wobei sie die Adresse, Datum und teilweise die konkrete Arbeitsstelle
handschriftlich ergänzt habe. Die Beschwerdeführerin hat sich auf Hilfsarbeiterstellen
beworben. Hierbei handelt es sich um Tätigkeiten, die ohne Berufsausbildung oder
beruflichen Erfahrung verrichtet werden können. Hilfsarbeiterstellen unterscheiden sich
untereinander vom Profil her nicht in gleichem Masse, wie dies bei Stellen für gelernte
Arbeitskräfte der Fall ist. Eine Anpassung der Bewerbungen auf die jeweiligen
Stellenprofile ist daher nicht zwingend erforderlich und wohl auch nicht durchwegs
möglich. Zudem sind bei schlechten Deutschkenntnissen sprachlich saubere
Standardschreiben einem individuellen, aber dafür fehlerhaften Bewerbungsschreiben
im Einzelfall sogar vorzuziehen. Ein Arbeitgeber bzw. ein Personalverantwortlicher wird
normalerweise eine Person eher zu einem Vorstellungsgespräch einladen, wenn er ein
sprachlich sauberes Bewerbungsschreiben vor sich liegen hat. Der Beschwerdeführerin
kann daher nicht angelastet werden, dass sie durch die Verwendung von
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Standardschreiben ihre Erfolgschancen geschmälert habe. Zusammenfassend ist
festzuhalten, dass die Arbeitsbemühungen der Beschwerdeführerin bezogen auf den
Einzelfall den qualitativen Anforderungen genügen.
2.6 Die Beschwerdeführerin hat der Beschwerdegegnerin ab Juli 2009 folgende
Arbeitsbemühungen eingereicht (act. G 3.1.2, 12, 22, 27, 32, 47, 68):
Juli 2009:
8 Arbeitsbemühungen (4 durch persönliche Vorsprache, 3 telefonisch, 1 schriftlich)
August 2009:
8 Arbeitsbemühungen (3 durch persönliche Vorsprache, 5 telefonisch)
September 2009:
8 Arbeitsbemühungen (6 durch persönliche Vorsprache, 2 telefonisch)
Oktober 2009:
Keine Arbeitsbemühungen (Arbeitsunfähigkeit im Umfang von 70 Prozent gemäss
Arztzeugnis vom 1. Oktober 2009 [act. G 3.1.47])
November 2009:
10 Arbeitsbemühungen (4 durch persönliche Vorsprache, 6 telefonisch)
Dezember 2009:
11 Arbeitsbemühungen (5 durch persönliche Vorsprache, 3 telefonisch, 2 schriftlich,
1 ohne Angabe)
Januar 2010:
6 Arbeitsbemühungen (alle schriftlich [Bewerbungen bei B._ vom 25. und 27. Januar
2010 wurden lediglich einmal gezählt.])
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Februar 2010:
16 Arbeitsbemühungen (9 telefonisch, 7 schriftlich [Bewerbungen C._ vom 15./19.
und 26. Februar 2010 wurden lediglich einmal gezählt.])
März 2010:
16 Arbeitsbemühungen (2 durch persönliche Vorsprache, 5 telefonisch, 9 schriftlich)
April 2010:
14 Arbeitsbemühungen (4 durch persönliche Vorsprache, 2 telefonisch, 8 schriftlich)
Mai 2010:
19 Arbeitsbemühungen (6 durch persönliche Vorsprache, 4 telefonisch, 9 schriftlich).
Sinn und Zweck auch der quantitativen Prüfung ist der Nachweis, dass sich eine EL-
anspruchsberechtigte Person ernsthaft um eine Arbeitsstelle bemüht hat. Dies setzt
einerseits regelmässige Bewerbungen und andererseits eine vernünftige Anzahl an
Bewerbungen voraus. Die Beschwerdegegnerin prüft vorliegend monatlich, ob die
Voraussetzungen erfüllt sind. Ob ein Monat, ein Jahr oder nur eine Woche als
Vergleichsperiode festgelegt wird, ist rein willkürlich. Aus der zeitlichen Distanz ist
daher grundsätzlich losgelöst von bestimmten Zeiteinheiten zu prüfen, ob die
Arbeitsbemühungen genügen. Es darf auch nicht von einem starren Limit von
beispielsweise zehn Bewerbungen pro Monat ausgegangen werden, denn auch im
Zusammenhang mit den quantitativen Anforderungen ist der Einzelfall zu betrachten.
Demzufolge kann es sein, dass in einem Monat mit wenigen Bewerbungen kein
hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen ist, wenn sich die betreffende Person
gesamthaft betrachtet in einer genügenden Zahl sowie ernsthaft, aber erfolglos
beworben hat. Es muss also in grundsätzlicher Weise und nicht beschränkt auf
einzelne Zeiteinheiten beurteilt werden, ob die anspruchsberechtigte Person die
quantitativen (und auch die qualitativen) Voraussetzungen erfüllt. Vorliegend hat sich
die Beschwerdeführerin von Juli 2009 bis Mai 2010 regelmässig und mit Blick auf die
Praxis der Arbeitslosenversicherung in einer genügenden Anzahl beworben. Auch ist
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festzuhalten, dass die Zahl der Bewerbungen steigend gewesen ist. Die quantitativen
Anforderungen sind daher erfüllt.
2.7 Die Beschwerdeführerin hat sich gemäss den vorstehenden Ausführungen von
Juli 2009 bis Mai 2010 qualitativ und quantitativ genügend um eine Stelle bemüht. Die
Ernsthaftigkeit der Suche zeigt sich auch darin, dass die Beschwerdeführerin
vorübergehend eine Stelle gefunden hat (act. G 1.2.3, 1.2.7). Die natürliche Vermutung
der Verwertbarkeit der Erwerbsfähigkeit seit Juli 2009 ist somit als widerlegt zu
betrachten, weshalb von der Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens
abzusehen ist. Selbstverständlich hat sich die Beschwerdeführerin weiterhin intensiv
um Arbeit zu bemühen. Die EL-Durchführungsstelle wird die Arbeitsbemühungen
weiterhin periodisch überprüfen und dabei anhand der erfolgten Arbeitsbemühungen
über die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens zu befinden haben.
3.
3.1 Weiter ist zu prüfen, ob für das Einspracheverfahren (Verwaltungsverfahren) eine
unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu gewähren sei. Beim Einspracheverfahren
handelt es sich um ein bundesrechtliches Verfahren. Auf die Frage nach dem Anspruch
auf eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das Einspracheverfahren findet
deshalb das Bundesrecht Anwendung. Für die vorliegend strittige Frage, ob die
Beschwerdeführerin Anspruch auf die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung für das abgeschlossene Einspracheverfahren hat, ist demnach
Art. 37 Abs. 4 ATSG massgebend. Gemäss dieser Bestimmung wird der
gesuchstellenden Person im Sozialversicherungsverfahren ein unentgeltlicher
Rechtsbeistand bewilligt, wo die Verhältnisse es erfordern. Dieser Anspruch setzt die
Erfüllung derselben sachlichen Bedingungen voraus, die auch für eine unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im gerichtlichen Verfahren massgebend sind (Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 2. Aufl., 2009, Art. 37 Rz. 23 und Art. 61 Rz. 102 ff.): Die versicherte
Person muss finanziell bedürftig und das Verfahren darf nicht aussichtslos sein.
Sodann muss die Rechtsverbeiständung sachlich geboten, das heisst aufgrund der
Tragweite der Sache, aufgrund der Schwierigkeit der aufgeworfenen tatsächlichen und
rechtlichen Fragen und aufgrund der mangelnden Rechtskenntnisse der versicherten
Person notwendig sein. Diese Kriterien müssen kumulativ erfüllt sein (BGE 125 V 32 E.
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4b S. 35 f. mit Hinweisen; Peter Omlin, Erfahrungen in der UV, in: Praktische
Anwendungsfragen des ATSG, 2004, S. 72). Bei der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung im Einspracheverfahren sind im Vergleich zum
Gerichtsverfahren höhere Anforderungen zu erfüllen, denn die Erforderlichkeit der
Vertretung muss im konkreten Fall eingehend geprüft werden. Dazu ist auf die
Schwierigkeit des Falls und auf die Verfahrensphase abzustellen (Kieser, a.a.O., Art. 37
Rz. 23).
3.2 Streitig ist zum einen die Aussichtslosigkeit des Verfahrens und zum anderen, ob
die Rechtsverbeiständung sachlich geboten gewesen sei. Aufgrund der
Veranlagungsberechnung der Staats- und Gemeindesteuern 2009 ist die Bedürftigkeit
der Beschwerdeführerin ausgewiesen (act. G 1.2.1). Weiter handelt es sich vorliegend
um die Würdigung von Arbeitsbemühungen. Hierbei kann nicht zum Vornherein von
einer Aussichtslosigkeit des Verfahrens ausgegangen werden. Die Tragweite des
Einspracheverfahrens ist insofern genügend hoch, als dies je nach Entscheid für die
Beschwerdeführerin finanziell einschneidende Konsequenzen nach sich zieht. Ein
solches Einspracheverfahren ist für eine Person mit schlechten Deutschkenntnissen in
sachlicher Hinsicht schwierig, wenn nicht sogar unmöglich zu bewältigen. Wenn es der
Beschwerdeführerin schon nicht möglich ist, sich selbständig schriftlich zu bewerben,
dann wäre für sie erst recht die Führung des Einspracheverfahrens mit
unüberwindbaren Schwierigkeiten verbunden gewesen. Auch ist es illusorisch, dass
eine Person, die keine speziellen Rechtskenntnisse besitzt, sich ohne Beizug einer
Fachperson über die bestehende Rechtsprechung kundig macht, die entsprechenden
Schlüsse daraus zieht und die Einsprache selbständig verfasst. Es bleibt zu prüfen, ob
anstelle eines Anwalts die Vertretung durch einen Sozialarbeiter bzw. eine
Sozialarbeiterin oder durch Fach- und Vertrauensleute sozialer Institutionen in Frage
gekommen wäre (vgl. BGE 132 V 200 E. 4.1 S. 201). Im vorliegenden Fall handelt es
sich um eine Ermessensfrage, die unter Berücksichtigung der Rechtsprechung sowie
der besonderen Umstände des Einzelfalls zu beantworten ist. Es fällt weiter ins
Gewicht, dass der Sachverhalt aufgrund des mit der vorstehenden Frage
zusammenhängenden Entscheids des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
(EL 2009/22 vom 25. Januar 2010) aus verfahrensrechtlicher Sicht an Komplexität
gewonnen hat. Aus diesen Gründen muss die anwaltliche Vertretung als erforderlich
angesehen werden, womit die Voraussetzungen für die unentgeltliche
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/16
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St.Galler Gerichte
Rechtsverbeiständung im Einspracheverfahren erfüllt sind. Die Verweigerung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung ist zu Unrecht erfolgt.
3.3 Bei gegebenem Ausgang ist die Sache zur Festsetzung der Parteientschädigung
(Art. 52 Abs. 3 ATSG) an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Sollte der Anspruch
auf Parteientschädigung verweigert werden, ist der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin gestützt auf den Anspruch der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung zu entschädigen.
4.
4.1 Die Beschwerde ist unter Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids
vom 25. August 2010 gutzuheissen, als der EL-Anspruch der Beschwerdeführerin ab
1. Juli 2009 ohne Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens zu
berechnen ist. Die Sache ist zur entsprechenden Neuberechnung und Neuverfügung an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Bei diesem
Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin hingegen Anspruch auf eine
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
[VRP], sGS 951.1). Angemessen erscheint vorliegend eine Parteientschädigung von
Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
4.3 Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das vorliegende
Verfahren wird bei diesem Ausgang gegenstandslos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht