Decision ID: c870cf38-315d-53c9-8317-45df8abd5f3b
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 197
3, war zuletzt
vom
1.
Oktober 2010 bis 3
1.
Oktober 2012
in einem Pensum von 50
%
als Buchhalte
r beim
Y._
,
Z._
, angestellt
(
Urk.
6/86
Ziff.
2-3,
Ziff.
5-6
).
Am 3
1.
Oktober 2012
meldete sich der Versicherte beim Regionalen
Arbeitsver
mittlungszen
trum
(RAV)
A._
zum Leistungsbezug ab
1.
November 2012
an und stellte sich der Arbeitsvermittlung für ein
Arbeits
pensum
von 50
%
zur Verfügung (
Urk.
6/85,
Urk.
6/84
Ziff.
2-3
).
Gestütz
t auf die Meldung des RAV vom 2
9.
April 2014 (
Urk.
6
/1) stellte das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) den V
ersicherten mit Verfügung vom
5.
Mai 2014 (
Urk.
6/
2
) wegen ungenügender persönlicher Arbeitsbemühungen ab
1.
April 2014
für die Dauer von
27
Tagen
in der Anspruchsberechtigung ein.
Die dagegen vom Versicherten am 1
3.
Mai 2014 erhobene Einsprache
(
Urk.
6/3)
hiess das AWA mit
Einspracheentscheid
vom 2
4.
Juli 2014 teilweise gut und stellte ihn wegen ungenügender persönlicher Arbeitsbemühungen ab
1.
April 2014 für 9 Tage in der Anspruchsberechtigung ein (
Urk.
6/
4
=
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob
am 1
5.
August 2014 Beschwerde
gege
n den
Ein
spracheent
scheid
vom 2
4.
Juli 2014
(
Urk.
2)
und beantragte, dieser sei auf
zuheben (
Urk.
1). Am 1
7.
September 2014
ersuchte das AWA um Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), was dem Beschwerdeführer am 2
2.
September 2014
zur
Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7
)
.
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Nach
Art.
17
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die obligatorische Arbeits
losen
versi
cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
muss die versicherte Person, die Versicherungsleistungen beanspruchen will, mit Unter
stützung des zuständigen Arbeitsamtes alles Zumutbare unterneh
men, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Insbe
sonde
re ist sie verpflich
tet, Arbeit zu suchen, nötigenfalls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufes. Sie muss ihre Bemühun
gen nachweisen können. Gemäss
Art.
30
Abs.
1
lit
.
c AVIG ist die
versicherte Person in der Anspruchsberechtigung ein
zustellen, wenn sie sich persönlich nicht genügend um zumut
bare Arbeit bemüht.
1.3
Bei der Beurteilung der Frage, ob sich eine versicher
te Person genügend um zumutbare Arbeit bemüht hat, ist nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität ihrer Bewer
bungen von Bedeutung (BGE 124 V 225 E. 4a mit Hinweis).
Dabei kommt es nicht auf den Erfolg der Arbeitsbemühungen an, sondern viel
mehr auf die Tatsache und Intensität der
selben (ARV 1980 Nr. 45 S. 112 E. 2). Die Arbeitsbemühungen müssen zudem um
so intensiver sein, je weniger Aus
sicht eine versicherte Person hat, eine Stelle zu finden (Gerhards, Kommentar zum Arbeitslosenversicherungsgesetz, Band I, Bern/Stuttgart 1987, N 13 ff. zu Art. 17 AVIG). Betreffend Quantität der persönlichen Arbeitsbemühungen kön
nen zwar keine eindeutigen Zahlenwerte angegeben werden, in der Regel müs
sen aber mindestens zehn bis zwölf geeignete Arbeitsbemühungen je
Kontroll
periode
nachgewiesen wer
den (vgl. Gerhards, a.a.O., N 15 zu Art. 17 AVIG).
Bei der Beantwortung der Frage, ob die ausgewiesenen Arbeitsbemühungen in qualitativer Hinsicht genügen, sind die persönlichen Umstände und Möglich
keiten der versicherten Person sowie Schul- und Berufsbildung zu berücksichti
gen (Jacqueline
Chopard
, Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Zürich 1998, S. 139 mit Hinweis auf BGE 120 V 74 E.
4a).
1.4
Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (
Art.
30
Abs.
3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30
Tage bei mittelschwerem und 31
bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (
Art.
45
Abs.
3
der
Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung
und die Insol
venzentschädigung; AVIV
).
2.
2.1
Der Beschwerdegegner begründete die Einstellung des Beschwerdeführers in
der Anspruchsberechtigung für 9
Tage in seinem
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) damit, die im Monat März 2014
getätigten Arbei
tsbemühungen vermöchten in qual
itativer Hinsicht
nicht
zu genügen.
Zwar könne
ihm
nicht vorgeworfen werden, dass er seine Hobbies und/oder seine Tätigkeit im Mittagshort in seinen Bewerbungsschreiben erwähnt habe, jedoch habe es sich abgesehen
davon
um standardisierte Bewerbungsschreiben gehandelt
,
und der Bezug zur jeweiligen ausgeschriebenen Stelle sei trotz entsprechender Weisung
vom 2
2.
Oktober 2013
zu wenig hergestellt worden.
Da die ungenügenden Arbeitsbemühungen vorangegangener Kontrollperioden anlässlich des Berat
ungsgespräches vom 6.
März 2014
gemeldet worden seien, müsse d
avon ausgegangen werden, dass
der Beschwerdeführer
spätestens ab diesem Zeitpunkt darüber informiert gewe
sen sei, dass die Arbeitsbemühungen in der bisherigen Form definitiv nicht mehr geduldet würden.
Erschwerend
wirke sich aus, dass
er
in den vergangenen zwei Jahren bereits wegen ungenügender Arbeitsbemühungen vorübergehend in der Anspruchsberechtigung ha
be
eingestellt werden müssen
(S. 2 f.
Ziff.
4).
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (
Urk.
1) geltend, er sei nie angewiesen worden
,
sein Motivationsschreiben anzupassen oder zu ändern. Er habe die Anweisungen gemäss dem Schreiben des RAV vom 11.
November 2013 umgesetzt. Darin sei nichts davon gestanden, er solle den Bezug zur jeweiligen Stelle st
ärker herstellen. Es sei auch unzutreffend, dass er ab dem
6.
März 2014 darüber informiert gewesen sei, dass seine
Arbeitsbemü
hungen
in dieser
Form nicht mehr geduldet würde
n. Er habe erst mit Verfügung vom
2.
April 2014 erfahren, dass er im Bewerbungsschreiben die Tätigkeit im Hort nicht zu erwähnen habe
und
sei im Beratungsgespräch nie bezüglich der Motivationsschreiben beraten oder darauf aufmerksam gemacht worden, dass
diese
angeblich qualitativ ungenügend sei
en
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer zu Recht in der
Anspruchsbe
rechtigung
eingestellt wurde und in diesem Zusammenhang, ob seine
Arbeitsbemühungen für den Monat März 2014
den qualitativen Anforde
rungen genügen.
3.
3.1
Der Beschwerdegegne
r warf dem Beschwerdeführer vor -
e
ntgegen ergangener Anweisungen -
immer ein nur unwesentlich verändertes Motivationsschreiben verwendet zu haben, welches zu wenig auf die ausgeschriebenen Stellen einge
gangen sei (vorstehend E. 2.1).
3.2
Die Motivationsschreiben des Beschwerdeführers im Monat
März
2014
entspre
chen sich abgesehen von kleinen Abänderungen im We
sentlichen. Dem Beschwerdegegner
ist dahingehend Recht zu geben, dass die
Motivations
schreiben
nicht präzise auf die im Stelle
nbeschrieb aufgeführten Anforderungen
und Erwartungen an die Ausbildung
und Qualifikation des potentiellen
Stellen
bewerbers
ein
gehen. So erscheint die vom Beschwerdeführer verwendetet For
mulierung „als tatkräftige Persönlichkeit erfülle ich die von Ihnen ausge
schriebenen Anforderungen“ nicht genügend für
eine Bewerbung für
Tätig
keitsbereiche, wo
konkrete,
fundi
erte Sachkenntnisse vorausgesetzt werden
. Zu seiner Ausbildung oder allfälligen Qualifikationen schweigt sich der Beschwer
deführer
in seinen Motivationsschreiben
völlig aus. So ging denn auch ver
schiedentlich aus den Antwortschreiben
der Firmen
hervor, dass das
Anforde
rungsprofil
nicht erfüllt worden sei
(vgl.
Urk.
6/7)
.
Die Motivationsschreiben genügen daher den qualitativen Anforderungen nicht.
3.3
Den Ausführungen des Beschwerdeführer
s
, er sei nie angewiesen worden, seine Motivationsschreiben anzupassen (vorstehend E. 2.2)
,
stehen die gegenteiligen Ausführungen im prozessorientierten Beratungsprotokoll entgegen, wo die qualitativ ungenügenden Motivationsschreiben Thema der Beratungsgespräche bildeten.
Schon anlässlic
h des Beratungsgespräches vom 1
2.
Dezember 2012
wurde besprochen, dass die Stellensuche qualitativ zu optimieren sei und die Anforderungen genauer durchzulesen seien
(
Urk.
6/22 S. 6)
.
A
m 2
2.
August 2013
wurde der Beschwerdeführer aufgefordert
,
die Aufgaben,
unter anderem Bewerbungen zielgerichtet und besser zu formulieren,
zu erfüllen, ansonsten die Arbeitslosenversicherung
entsprechend informiert werde. Aus den Ausführungen zum Folgegespräch vom 2
2.
Oktober 2013 geht hervor, dass die persönlichen Arbeitsbemühungen
der beiden vorangegangenen Monate
erneut qualitativ nicht
genügend
waren
und die gestellten Anforderungen nicht ausreich
en
d beachtet
wurden
. So seien die Bewerbungsbriefe
inhaltlich
immer etwa gleich und ein Bezug zur Stelle sei nicht erfolgt. Dafür habe der Beschwer
deführer ausführlich seinen Zwischenverdienst und seine Hobbys
erwähnt. Er sei darauf hingewiesen worden,
den Bezug zur Stelle mehr aufzunehmen und seine Erfahrungen und gegebenenfalls Spezialkenntnisse einzub
ringen
. Auf die daraufhin folgende Aufforderung zur Stellungnahme, reagierte der Beschwer
deführer nicht
,
und aus dem Eintrag zum Gespräch vom 1
2.
Dezember 2013 geht hervor,
dass er
an seinen Bewerbungsbriefen weiterhin nichts geändert und nicht
eingesehen habe
, dass
die Briefe individueller und stellenbezogener
zu schreiben seien
und
er
dafür die Hobbys und den Zwischenverdienst weglassen könne (vgl.
Urk.
6/22
)
.
Demnach ist dem prozessorientierten Beratungsprotokoll eindeutig zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer sich der qualitativen Man
gelhaftigkeit seiner Motivationsschreiben bewusst gewesen sein musste.
I
n Anbetracht dieser Gegebenheiten
kann er auch
aus dem Schreiben des RAV vom 1
1.
November 2013 (
Urk.
3/1) nichts zu seinen Gunsten ableiten.
3.4
Auf Grund des Gesagten sind die
im Monat März 2014 getätigten
Bewerbungen
als
qualitativ nicht genügend
anzusehen, weshalb der Beschwerdeführer
zu Recht in der Anspruchsberechtigung eingestellt wurde.
4.
4.1
Wird die versicherte Person wiederholt in der Anspruchsberechtigung einge
stellt, so wird die Einstellungsdauer angemessen verlängert. Für die Verlänge
rung werden die Einstellungen der letzten zwei Jahre berücksichtigt (
Art.
45
Abs.
5 AVIV).
4.2
Die vom Beschwerdegegner verfügte – einem mittleren leichten Verschulden entsprechende – Einstellung von 9 Tagen erscheint angesichts des konkreten Fehlverha
ltens und des Umstands, dass der Beschwerdeführer
bereits zuvor wegen ungenügender persönlicher Arbeitsbemühungen
und Nichtbefolgens von Kontrollvorschriften und Weisungen des RAV
in der Anspruchsberechtigung sank
t
ioniert worden ist (vgl.
Urk.
6/71,
Urk.
6/79,
Urk.
6/81
), als angemessen.
5.
Folglich erweist sich der angefochtene
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.