Decision ID: 0417d1a3-1c48-5fb9-ab2f-2e248e00cdf0
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X fuhr am Samstag, 22. Mai 2010 von Gossau in Richtung Niederbüren. Ein
Verkehrsteilnehmer, welcher hinter ihm her fuhr, informierte um 19.50 Uhr die kantonale
Notrufzentrale St. Gallen darüber, dass der vor ihm fahrende Lenker aufgrund seiner
Fahrweise offensichtlich betrunken sein müsse. Nach dieser Meldung begab sich die
Polizei vor Ort und fuhr X nach. Sie stellte fest, dass ca. 5 Meter geflochtener Draht am
Auto hing und hinter diesem hergezogen wurde. Aufgrund der unsicheren Fahrweise
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wurde X in Oberbüren zur Kontrolle angehalten. Die Polizei führte zwei Atemlufttests
durch, welche Blutalkoholkonzentrationen (abgekürzt: BAK) von 1,70 und 1,64 Gew.-‰
ergaben. Gestützt auf diese Ergebnisse wurden eine Blutprobe angeordnet und der
Führerausweis auf der Stelle abgenommen. Die Analyse der Blutprobe ergab für den
Zeitpunkt des Ereignisses eine BAK von mindestens 1,81 Gew.-‰.
B.- Mit Bussenverfügung vom 16. Juni 2010 wurde X des Fahrens in fahrunfähigem
Zustand sowie des Führens eines nicht betriebssicheren Fahrzeugs schuldig erklärt
und zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je Fr. 100.-- und zu einer
Busse von Fr. 3'200.-- verurteilt. Das Strassenverkehrsamt entzog X mit Verfügung
vom 13. Juli 2010 den Führerausweis wegen Lenkens eines Motorfahrzeugs in
angetrunkenem Zustand mit mindestens 1,81 Gew.-‰ für die Dauer von 5 Monaten.
C.- Gegen diese Verfügung erhob X am 23. Juli 2010 Rekurs beim
Strassenverkehrsamt, welches die Eingabe mit Schreiben vom 27. Juli 2010
zuständigkeitshalber an die Verwaltungsrekurskommission weiterleitete. X beantragte,
der Führerausweis sei für 3 Monate zu entziehen. Die Vorinstanz beantragte mit
Vernehmlassung vom 26. August 2010 die Abweisung des Rekurses. Auf die
Ausführungen zur Begründung der Anträge wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 23. Juli 2010 (Poststempel) ist
rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist daher
einzutreten.
2.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 (SR 741.03)
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ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung
ausgesprochen. Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG),
mittelschweren (Art. 16b SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG).
Wer wegen Alkoholeinflusses nicht über die erforderliche körperliche und geistige
Leistungsfähigkeit verfügt, gilt während dieser Zeit nach Art. 31 Abs. 2 SVG als
fahrunfähig und darf kein Fahrzeug führen. Fahrunfähigkeit wegen Alkoholeinwirkung
(Angetrunkenheit) gilt gemäss Art. 1 Abs. 1 der Verordnung der Bundesversammlung
über die Blutalkoholgrenzwerte im Strassenverkehr (SR 741.13, nachfolgend: VO BAK)
in jedem Fall als erwiesen, wenn der Fahrzeugführer oder die Fahrzeugführerin eine
Blutalkoholkonzentration von 0,5 oder mehr Gew.-‰ aufweist oder eine Alkoholmenge
im Körper hat, die zu einer solchen Blutalkoholkonzentration führt. Eine schwere
Widerhandlung im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. b SVG in Verbindung mit Art. 55 Abs. 6
SVG und Art. 1 Abs. 2 VO BAK begeht, wer in angetrunkenem Zustand mit einer BAK
von 0,8 Gew.-‰ oder mehr ein Motorfahrzeug führt.
Das Ergebnis der Blutalkoholbestimmung ergab eine BAK von 1,81 Gew.-‰ und wird
vom Rekurrenten nicht bestritten. Damit hat er Art. 31 Abs. 2 SVG schuldhaft verletzt
und eine schwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsbestimmungen im Sinn
von Art. 16c Abs. 1 lit. b SVG begangen.
3.- Umstritten ist die Dauer des Entzugs des Führerausweises.
a) Bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzugs sind
gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen,
namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Die Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden. Gemäss Art. 16c
Abs. 2 lit. a SVG wird der Lernfahr- oder Führerausweis nach einer schweren
Widerhandlung mindestens für 3 Monate entzogen.
b) Die Vorinstanz ist von der gesetzlich vorgeschriebenen minimalen Entzugsdauer von
3 Monaten abgewichen und hat dem Rekurrenten den Führerausweis für die Dauer von
5 Monaten entzogen. Zur Begründung wird in der angefochtenen Verfügung
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festgehalten, die Höhe der BAK habe eine Erhöhung der Entzugsdauer zur Folge. Der
Rekurrent habe sich nicht zum Besuch des angebotenen Kurses entschliessen können
und mache auch nicht geltend, dass er beruflich auf den Führerausweis angewiesen
sei. Sein Leumund als Motorfahrzeuglenker sei ungetrübt. Diesem Umstand sei bei der
Bemessung der Entzugsdauer Rechnung getragen worden. Unter Berücksichtigung
aller relevanten Beurteilungskriterien sei ein Führerausweisentzug für die Dauer von 5
Monaten angemessen.
Mit der Mindestentzugsdauer von 3 Monaten hat der Gesetzgeber der Schwere der
Widerhandlung Rechnung getragen. Dies schliesst allerdings eine Erhöhung der
Entzugsdauer aufgrund der konkreten Umstände nicht aus. Zudem ist es grundsätzlich
nicht zu beanstanden, für die Bemessung der Massnahme auf Tarife abzustellen, wo
sich die objektive Tatschwere, wie beim Fahren in angetrunkenem Zustand das
Ausmass der Alkoholisierung, zumindest teilweise in einem Messergebnis
niederschlägt. Da solchen Tarifen aber lediglich eine Richtlinienfunktion zukommt,
dürfen sie nicht schematisch gehandhabt werden. Der Tarif dient deshalb lediglich als
Ausgangspunkt, von welchem aus die Sanktion im Rahmen einer Gesamtwürdigung
aller wesentlichen Zumessungsfaktoren des Einzelfalls festgesetzt werden muss (vgl.
Ph. Weissenberger, Die Zumessung des Warnungsentzugs von Führerausweisen, in:
SJZ 95/1999, S. 461 mit Hinweis auf BGE 124 II 44). Nach den vorinstanzlichen
Richtlinien vom 26. Oktober 2005 zieht ein Alkoholisierungsgrad zwischen 1.70 und
2.19 Gew.-‰ eine Erhöhung der Mindestentzugsdauer um 3 Monate nach sich.
Gefährdung und Verschulden sind als überdurchschnittlich einzustufen. Die beim
Rekurrenten festgestellte Alkoholisierung von mindestens 1,81 Gew.-‰ entspricht
einer schweren Angetrunkenheit, welche den Reaktionsablauf erschwert und zu
Störungen des Gleichgewichtssinns und des Muskelzusammenspiels führt (vgl. P.M.
Macri, Schluss- und Nachtrunk beim Fahren in angetrunkenem Zustand, Diessenhofen
1976, S. 21 f.). Um eine BAK von 1.81 Gew.-‰ zu erreichen, ist ein massiver
Alkoholkonsum notwendig. Dessen ungeachtet setzte sich der Rekurrent ins Auto und
fuhr los. Ein Fahrzeugführer handelt vorsätzlich, wenn er die Fahrt antritt, obwohl er
weiss oder mit der Möglichkeit rechnen muss, dass er angetrunken ist (BGE 128 II 182
E. 3b). Dem Rekurrenten muss bewusst gewesen sein, dass er so kurze Zeit nach dem
Trinken zufolge Alkoholisierung noch nicht fahrfähig war. Hinzu kommt, dass sich an
der Vorderachse des Autos des Rekurrenten mehrere Meter geflochtenen Drahts
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verhakt hatten. Dieser hatte sich zudem teilweise um die Hinterachse gewickelt. Etwa 5
Meter Draht wurden hinter dem Fahrzeug hergezogen. Im Weiteren waren der vordere
linke Kotflügel sowie die Beleuchtungseinheit frisch beschädigt. Dies lässt darauf
schliessen, dass der Rekurrent mit seinem Fahrzeug eine Kollision mit einem Viehzaun
hatte, auch wenn - soweit aus den Akten ersichtlich - bei der Polizei keine
entsprechende Schadensmeldung einging. Dieser Unfall - und damit eine
Konkretisierung der Gefährdung - wirkt sich ebenfalls erhöhend auf die Entzugsdauer
aus.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist der seit mehr als 5 Jahren
ungetrübte automobilistische Leumund bei der Bemessung der Entzugsdauer zu
Gunsten des Betroffenen zu berücksichtigen. Diese Rechtsprechung ging davon aus,
dass das automatisierte Datensystem für Administrativmassnahmen (ADMAS) zweimal
jährlich auf den neuesten Stand gebracht wird, indem sämtliche Massnahmen, die 5
Jahre und länger zurückliegen – bei Sicherungsentzügen und Warnungsentzügen
wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand sowie Vereitelung der Blutprobe nach 10
Jahren – im System gelöscht werden, wenn in der Zwischenzeit keine neue
Massnahme angeordnet worden ist (vgl. BGE 122 II 21 E. 1b). Die Rechtslage hat sich
seit diesem Entscheid insoweit geändert, als Verweigerungen, Entzüge und
Aberkennungen von Lernfahr-, Führer- oder Fahrlehrerausweisen sowie Fahrverbote
nicht mehr bereits nach 5, sondern erst nach 10 Jahren nach ihrem Ablauf oder ihrer
Aufhebung und lediglich andere Massnahmen 5 Jahre nach Eintreten der Rechtskraft
aus dem ADMAS entfernt werden (vgl. Art. 104b Abs. in Verbindung mit Art. 10 Abs. 1
der Verordnung über das automatisierte Administrativmassnahmen-Register; ADMAS-
Register-Verordnung, SR 741.55). Diese Änderung der Rechtslage und die
bundesgerichtliche Rechtsprechung zur Strafzumessung, nach welcher die
Vorstrafenlosigkeit als Normalfall gilt und neutral zu behandeln, also nicht zwingend
strafmindernd zu veranschlagen ist (vgl. BGE 136 IV 1 E. 2.6.4), rechtfertigen es, einen
automobilistischen Leumund erst massnahmemindernd zu berücksichtigen, wenn er
seit mehr als 10 Jahren ungetrübt erscheint. Der Rekurrent besitzt den Führerausweis
seit dem 16. Juni 1981 und ist im ADMAS nicht verzeichnet. Dieser seit über 10 Jahren
ungetrübte automobilistische Leumund führt zu einer Reduktion der Entzugsdauer.
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Bei der beruflichen Notwendigkeit, ein Fahrzeug zu führen, ist dem Grundsatz der
Verhältnismässigkeit Rechnung zu tragen und deshalb zu berücksichtigen, in welchem
Masse ein Fahrzeugführer stärker als der normale Fahrer vom Führerausweisentzug
betroffen ist. Im Einzelfall ist daher zu bestimmen, in welchem Grad der Betroffene auf
den Führerausweis angewiesen ist. Eine berufliche Notwendigkeit, ein Fahrzeug zu
führen, wird nach der Praxis des Bundesgerichts grundsätzlich nur angenommen,
wenn die Ausübung des Berufs durch den Führerausweisentzug materiell verboten
wird, wie dies z.B. bei einem Berufschauffeur der Fall ist, der für die Fahrdienste
entschädigt wird. Dasselbe gilt, wenn die Unmöglichkeit, ein Fahrzeug zu führen, einen
solchen Einkommensverlust oder so beachtliche Kosten verursachen würde, dass
diese Massnahme offensichtlich als unverhältnismässig erscheint (Praxis 1990 Nr. 150).
Der Rekurrent hat im vorinstanzlichen Verfahren den Fragebogen zur beruflichen
Angewiesenheit nicht eingereicht. Im Rekurs führt er aus, für den Weg zur Arbeit
brauche er kein Auto. Es gebe aber verschiedene Transporte und Kommissionen, die er
mit dem Traktor oder dem Auto und dem Anhänger erledigen müsse. Aus den Akten
geht hervor, dass der Rekurrent Schweinezüchter ist. Die Ausübung dieser Tätigkeit
wird dem Rekurrenten mit dem Entzug des Führerausweises nicht verboten. Sie wird
indessen erschwert. Namentlich hat er für die notwendigen geschäftlichen Transporte
eine vorübergehende Ersatzlösung zu finden. Dies geht über die normalen
Auswirkungen eines Führerausweisentzugs geringfügig hinaus, was für die übrigen
Kommissionen nicht zutrifft. Aus diesen Gründen kann lediglich von einer leicht
erhöhten Sanktionsempfindlichkeit des Rekurrenten ausgegangen werden.
4.- Unter Berücksichtigung der massgebenden Bemessungskriterien, insbesondere der
Höhe der BAK, der Schwere von Gefährdung und Verschulden, der lediglich leicht
erhöhten Sanktionsempfindlichkeit, aber auch des bisher ungetrübten
automobilistischen Leumunds erscheint die von der Vorinstanz verfügte Entzugsdauer
von 5 Monaten als angemessen.
Daran ändert nichts, dass der Untersuchungsrichter, welcher das Strafverfahren führte,
angeblich gesagt haben soll, der Rekurrent habe mit 3 Monaten Führerausweisentzug
zu rechnen. Selbst wenn der Untersuchungsrichter sich so geäussert haben sollte,
kann der Rekurrent daraus nichts zu seinen Gunsten ableiten. Das
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Administrativmassnahmeverfahren, in welchem der Führerausweisentzug bestimmt
wird, ist ein vom Strafverfahren verschiedenes Verfahren, welches nicht von den
Strafbehörden, sondern von einer Verwaltungsbehörde durchgeführt wird. Folglich ist
der Untersuchungsrichter nicht zuständig zum Entscheid über den
Führerausweisentzug. Von Seiten der Vorinstanz wurde dem Rekurrenten zudem nicht
signalisiert, dass der Führerausweis für 3 Monate entzogen werde. Vielmehr wies sie in
der Korrespondenz darauf hin, dass der Führerausweis für mindestens 3 Monate
entzogen werde. Dies bedeutet nichts anderes, als dass auch eine längere
Entzugsdauer möglich ist. Folglich durfte der Rekurrent nicht einfach von einem
dreimonatigen Führerausweisentzug ausgehen. Schliesslich geht aus der
angefochtenen Verfügung entgegen der Auffassung des Rekurrenten nicht hervor, dass
sich der Umstand des Nichtteilnehmens am Verkehrsunterricht massnahmeerhöhend
ausgewirkt hat.
5.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, in: Amtsblatt des
Kantons St. Gallen Nr. 52/27.12.2010, S. 4042 ff.). Der Kostenvorschuss von
Fr. 1'200.-- ist zu verrechnen.