Decision ID: d3744555-b3ad-54d4-8981-7e52ad509135
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer (marokkanischer Staatsangehöriger, geb.
1966) reiste am 6. August 2002 in die Schweiz ein und heiratete am
12. September 2002 die Schweizer Staatsangehörige B._. Ihm
wurde daraufhin eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei seiner Ehe-
frau erteilt, die letztmals bis zum 11. September 2004 verlängert wurde. Am
29. April 2004 wurde den Ehegatten die Trennung ab Dezember 2003 ge-
richtlich bewilligt; bereits zuvor hatten sie vorübergehend getrennt gelebt.
Am 30. Juni 2004 wurde der gemeinsame Sohn geboren. Das Amt für Mi-
gration des Kantons Basel-Landschaft (AfM) lehnte es am 24. Februar
2005 ab, die Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers zu verlängern.
Zur Begründung wurde festgehalten, der Beschwerdeführer halte in rechts-
missbräuchlicher Weise an der Ehe fest, um seine Aufenthaltsbewilligung
nicht zu verlieren. Die Beziehung zu seinem Sohn werde nicht gelebt, so
dass er sich nicht auf das Recht auf Familienleben berufen könne. Die ge-
gen diese Verfügung erhobenen Rechtsmittel blieben ohne Erfolg (vgl. Ur-
teil des BGer 2A.240/2006 vom 20. Juli 2006). Vom 8. November 2006 bis
zum 2. Juli 2008 befand sich der Beschwerdeführer in Ausschaffungs- bzw.
Durchsetzungshaft. Für die Dauer seiner Inhaftierung hatte der Beschwer-
deführer das Recht, seinen Sohn alle 2 Wochen während 2 Stunden zu
sehen. Nach seiner Entlassung sollte das Besuchsrecht 1 Tag alle 2 Wo-
chen und begleitet ausgeübt werden. Am 11. Juli 2007 wurde die Ehe ge-
schieden.
Am 18. April 2008 ersuchte der Beschwerdeführer das AfM, seine Verfü-
gung vom 24. Februar 2004 in Wiedererwägung zu ziehen. Auf dieses Ge-
such trat das AfM am 24. April 2008 nicht ein. Die gegen diese Verfügung
erhobenen Rechtsmittel blieben ohne Erfolg (vgl. Urteil des BGer
2C_335/2009 vom 12. Februar 2010).
A.b Am 18. November 2010 heiratete der Beschwerdeführer die Schwei-
zer Bürgerin C._. Nach Abklärungen betreffend Verdacht auf
Scheinehe wurde dem Beschwerdeführer gestützt auf diese Ehe am
25. Oktober 2011 im Kanton Basel-Stadt eine Aufenthaltsbewilligung er-
teilt, die letztmals bis zum 5. Oktober 2015 verlängert wurde. Den Ehegat-
ten wurde am 9. Februar 2015 das seit spätestens 1. Dezember 2014 be-
stehende Getrenntleben gerichtlich gestattet. Nach diversen Abklärungen
zum Sachverhalt unterbreitete das Migrationsamt des Kantons Basel-Stadt
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(nachfolgend: Migrationsamt) der Vorinstanz am 2. Mai 2016 die Angele-
genheit zur Zustimmung gestützt auf Art. 50 AuG (SR 142.20; zur Bezeich-
nung vgl. unten E. 3). Die Ehe wurde am 27. Februar 2017 geschieden.
B.
Nachdem die Vorinstanz dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör ge-
währt hatte, verweigerte sie am 7. Februar 2018 die Zustimmung zur Ver-
längerung der Aufenthaltsbewilligung und wies den Beschwerdeführer aus
der Schweiz weg.
In der Begründung hielt sie im Wesentlichen fest, die eheliche Gemein-
schaft des Beschwerdeführers und seiner zweiten Ehefrau habe zwar mehr
als drei Jahre gedauert, die Integration des Beschwerdeführers könne je-
doch insgesamt nicht als erfolgreich angesehen werden (vgl. Art. 50 Abs. 1
Bst. a AuG). Es seien auch keine wichtigen persönlichen Gründe ersicht-
lich, die einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen wür-
den (vgl. Art. 50 Abs. 1 Bst. b i.V.m. Art. 50 Abs. 2 AuG). Die Vorinstanz
kam weiter zum Schluss, dass der Beschwerdeführer auch aus Art. 8
EMRK (Schutz des Privat- und Familienlebens) keinen Anspruch auf Ver-
längerung der Aufenthaltsbewilligung ableiten könne. Die Vorinstanz sah
auch keine Gründe, die eine ermessensweise Erteilung einer Aufenthalts-
bewilligung rechtfertigen würden (vgl. insb. Art. 30 Abs. 1 Bst. b AuG).
C.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 19. März 2018 beantragte der Beschwerde-
führer die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und (sinngemäss) die
Erteilung der Zustimmung zur Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung.
In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses sowie darum festzustellen, dass die Beschwerde auf-
schiebende Wirkung habe.
Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, entgegen der Auf-
fassung der Vorinstanz sei seine Integration als erfolgreich anzusehen. Zu-
dem habe er als Vater eines Kindes mit Schweizer Bürgerrecht gestützt auf
Art. 8 EMRK einen Anspruch auf Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilli-
gung.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 9. April 2018 wurde das Gesuch um Verzicht
auf Erhebung eines Kostenvorschusses als Gesuch um unentgeltliche Pro-
zessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG geprüft und abgewiesen, da die
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gestellten Begehren aussichtslos seien. Dem Beschwerdeführer wurde zur
Bezahlung des Kostenvorschusses eine Frist bis zum 9. Mai 2018 gesetzt.
Die Verfügung wurde von der Post mit dem Vermerk «nicht abgeholt» re-
tourniert (Abholfrist bis 17. April 2018). Das am 25. April 2018 per Fax und
am 30. April 2018 per Post gestellte Fristerstreckungsgesuch wies der In-
struktionsrichter am 1. Mai 2018 ab. Daraufhin ersuchte der Beschwerde-
führer am 9. Mai 2018 um Bewilligung der Bezahlung des Kostenvorschus-
ses in vier Raten. Dieses Gesuch wies der Instruktionsrichter am 15. Mai
2018 ab und gewährte dem Beschwerdeführer eine nicht erstreckbare
(Nach-)Frist von 10 Tagen ab Erhalt der Verfügung zur Bezahlung des Ko-
stenvorschusses. In der Folge ging der Kostenvorschuss fristgerecht ein.
E.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 8. Juni 2018 die Ab-
weisung der Beschwerde und verwies zur Begründung auf die angefoch-
tene Verfügung und die Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsge-
richts vom 9. April 2018.
F.
Am 12. Juni 2018 wurde der Beschwerdeführer eingeladen, bis zum
12. Juli 2018 eine Replik einzureichen. Diese Verfügung wurde von der
Post mit dem Vermerk «nicht abgeholt» retourniert (Abholfrist bis 20. Juni
2018). Am 27. Juni 2018 ersuchte der Beschwerdeführer um Akteneinsicht
und bezog sich dabei ausdrücklich auf die Verfügung vom 12. Juni 2018.
Daraufhin wurde dem Beschwerdeführer am 3. Juli 2018 die Verfügung
vom 12. Juni 2018 nochmals zugestellt und ihm Gelegenheit gegeben, in-
nerhalb der dort genannten Frist seine Replik einzureichen.
Nachdem der Instruktionsrichter das Fristerstreckungsgesuch vom 12. Juli
2018 teilweise gutgeheissen hatte, reichte der Beschwerdeführer am
2. August 2018 seine Replik ein. Darin wies er auf das Urteil des Bundes-
gerichts 2C_105/2017 vom 8. Mai 2018 hin und machte geltend, aufgrund
dieser Rechtsprechung habe er einen Anspruch auf Aufenthalt aus Art. 8
EMRK.
G.
Am 21. August 2018 brachte das Migrationsamt dem Bundesverwaltungs-
gericht einen Arbeitsvertrag des Beschwerdeführers vom 14. August 2018
zur Kenntnis.
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Seite 5

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Vom SEM erlassene Verfügungen betreffend Verweigerung der Zustim-
mung zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung und die Anordnung der
Wegweisung sind mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht an-
fechtbar (Art. 31 ff. VGG i.V.m. Art. 5 VwVG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das
VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde le-
gitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf seine frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49
VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdeverfahren
das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG
an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Be-
schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheis-
sen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeit-
punkt seines Entscheids (vgl. BVGE 2014/1 E. 2 m.H.).
3.
Am 1. Januar 2019 trat eine Teilrevision des Ausländergesetzes vom 16.
Dezember 2005 (AuG) in Kraft (AS 2018 3171). Unter anderem wurde es
in Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG; SR 142.20) umbenannt. Paral-
lel dazu sind entsprechende Anpassungen der Verordnung vom 24. Okto-
ber 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE,
SR 142.201; AS 2018 3173) in Kraft getreten. Der Gesetzgeber hat keine
Regelung zum Übergangsrecht getroffen. In Anwendung der allgemeinen
Grundsätze zum intertemporalen Recht sind vorliegend die materiellen
Bestimmungen des Ausländergesetzes – unter Beibehaltung der Bezeich-
nung AuG – sowie der VZAE in der zum Zeitpunkt des Erlasses der ange-
fochtenen Verfügung geltenden Fassung massgebend (vgl. hierzu ausführ-
lich Urteile des BVGer F-3709/2017 vom 14. Januar 2019 E. 2.4 und F-
6775/2018 vom 2. Juni 2020 E. 3.3). Am 1. Juni 2019 trat eine Änderung
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von Art. 99 AIG in Kraft (AS 2019 1413). Da es sich um eine verfahrens-
rechtliche Bestimmung handelt, ist diese sofort anzuwenden (vgl. Urteil des
BVGer F-6072/2017 vom 4. Juli 2019 E. 4 m.H.).
4.
Gemäss Art. 40 AuG sind die Kantone für die Erteilung und Verlängerung
von Bewilligungen zuständig. Vorbehalten bleibt die Zuständigkeit des
SEM für das Zustimmungsverfahren (vgl. Art. 99 AIG i.V.m. Art. 85 VZAE).
Stammt die Ausländerin oder der Ausländer nicht aus einem Mitgliedstaat
der EU oder der EFTA und wird die Verlängerung der Aufenthaltsbewilli-
gung nach der Auflösung der ehelichen Gemeinschaft oder nach dem Tod
des schweizerischen oder ausländischen Ehegatten beantragt, so ist der
Antrag dem SEM zur Zustimmung zu unterbreiten (vgl. Art. 85 Abs. 2 VZAE
i.V.m. Art. 4 Bst. d der Verordnung des EJPD vom 13. August 2015 über
die dem Zustimmungsverfahren unterliegenden ausländerrechtlichen Be-
willigungen und Vorentscheide [SR 142.201.1]). Das SEM kann die Zustim-
mung ohne Bindung an die Beurteilung durch den Kanton verweigern oder
mit Bedingungen und Auflagen verbinden (vgl. Art. 90 Abs. 2 AIG; Art. 86
Abs. 1 VZAE).
5.
Ausländische Ehegatten von Schweizerinnen und Schweizern haben An-
spruch auf Erteilung und Verlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung, soweit
sie mit diesen zusammenwohnen (Art. 42 Abs. 1 AuG) oder wenn bei fort-
dauernder Ehegemeinschaft ein wichtiger Grund für das Getrenntleben be-
steht (Art. 49 AuG). Nach Auflösung der Ehe oder der Familiengemein-
schaft – mitgemeint ist auch die eheliche Gemeinschaft – besteht der An-
spruch nach Art. 42 AuG weiter, wenn die Ehe bzw. eheliche Gemeinschaft
mindestens drei Jahre gedauert und die betroffene Person sich hier erfolg-
reich integriert hat (Art. 50 Abs. 1 Bst. a AuG; vgl. BGE 140 II 289 E. 3; 138
II 229 E. 2; 136 II 113 E. 3.3.3) oder wenn wichtige persönliche Gründe
geltend gemacht werden, die ihren weiteren Aufenthalt in der Schweiz er-
forderlich machen (Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG; BGE 138 II 229 E. 3 ["nach-
ehelicher Härtefall"]). Solche wichtigen persönlichen Gründe können na-
mentlich vorliegen, wenn die ausländische Person Opfer ehelicher Gewalt
wurde, sie die Ehe nicht aus freiem Willen geschlossen hat oder die soziale
Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint (Art. 50
Abs. 2 AuG; Art. 77 Abs. 5 und 6 VZAE).
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6.
6.1 Die eheliche Gemeinschaft des Beschwerdeführers mit seiner zweiten
Ehefrau dauerte vom 18. November 2010 bis längstens 30. November
2014. Vorliegend ist unbestritten, dass die Anforderung gemäss Art. 50
Abs. 1 Bst. a AuG – dreijährige eheliche Gemeinschaft – erfüllt ist. Es bleibt
somit, die erfolgreiche Integration als zweite, kumulative Voraussetzung
von Art. 50 Abs. 1 Bst. a AuG zu prüfen.
6.2 Die Integration im Sinne von Art. 50 Abs. 1 Bst. a AuG soll längerfristig
und rechtmässig anwesenden Ausländerinnen und Ausländern ermögli-
chen, am wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben der Gesellschaft
teilzuhaben. Dazu ist erforderlich, dass sie sich mit den gesellschaftlichen
Verhältnissen und Lebensbedingungen in der Schweiz auseinandersetzen
und insbesondere eine Landessprache erlernen (Art. 4 Abs. 2 AuG). Nach
aArt. 77 Abs. 4 VZAE (AS 2007 5497 5523) liegt eine erfolgreiche Integra-
tion im Sinne von Art. 50 Abs. 1 Bst. a AuG vor, wenn die ausländische
Person namentlich die rechtsstaatliche Ordnung und die Werte der Bun-
desverfassung respektiert (Bst. a) und den Willen zur Teilnahme am Wirt-
schaftsleben und zum Erwerb der am Wohnort gesprochenen Landesspra-
che bekundet (Bst. b). Nach Art. 4 der bis zum 31. Dezember 2018 in Kraft
gewesenen Verordnung vom 24. Oktober 2007 über die Integration von
Ausländerinnen und Ausländern (VIntA, AS 2007 5551) zeigt sich der Bei-
trag der ausländischen Person zu ihrer Integration namentlich in der Res-
pektierung der rechtsstaatlichen Ordnung und der Werte der Bundesver-
fassung (Bst. a), im Erlernen der am Wohnort gesprochenen Landesspra-
che (Bst. b), in der Auseinandersetzung mit den Lebensbedingungen in der
Schweiz (Bst. c) sowie im Willen zur Teilnahme am Wirtschaftsleben und
zum Erwerb von Bildung (Bst. d). Es versteht sich von selbst, dass die ge-
nannten Integrationsvoraussetzungen während der Gültigkeitsdauer der
Aufenthaltsbewilligung gegeben sein müssen (vgl. Urteile des BVGer
F-821/2018 vom 21. Mai 2019 E. 8.4 und F-3879/2018 vom 10. September
2020 E. 8.4.2).
6.3 Ist die ausländische Person in der Schweiz beruflich integriert und ver-
fügt sie über eine feste Anstellung, beherrscht sie die am Wohnort gespro-
chene Sprache, war sie immer finanziell unabhängig und verhielt sie sich
immer korrekt, so bedarf es besonders ernsthafter Gründe, um eine erfolg-
reiche Integration im Sinne von Art. 50 Abs. 1 Bst. a AuG zu verneinen (vgl.
Urteil des BGer 2C_154/2018 vom 17. September 2019 E. 4.3 m.H.).
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Seite 8
7.
7.1 Die Vorinstanz hielt in der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen
fest, aufgrund des gesamten Verhaltens des Beschwerdeführers in Bezug
auf die Respektierung der rechtsstaatlichen Ordnung könne nicht von einer
erfolgreichen Integration gesprochen werden. Seine wirtschaftliche und be-
rufliche Situation sei während der gesamten Aufenthaltsdauer prekär ge-
wesen (temporäre Einsätze; Arbeitslosigkeit; Sozialhilfebezug; Verschul-
dung). Das Verhalten des Beschwerdeführers gegenüber seiner ersten
Ehefrau habe zu Klagen Anlass gegeben (zwei Strafanzeigen wegen Kör-
perverletzung, Tätlichkeiten und häuslicher Gewalt bzw. Drohung und
häuslicher Gewalt; gerichtliche Anordnung, die eheliche Wohnung nicht zu
betreten. Später zurückgezogen). Ferner habe der Beschwerdeführer sich
konsequent geweigert, beim Vollzug der Wegweisung mitzuwirken, wes-
halb er in Ausschaffungs- bzw. Durchsetzungshaft genommen werden
musste. In den Jahren 2008, 2012, 2015 und 2016 sei der Beschwerdefüh-
rer strafrechtlich belangt worden (Verstösse gegen das Ausländer- und das
Strassenverkehrsgesetz; Fälschung von amtlichen Wertzeichen; Verurtei-
lungen zu Geldstrafen und Bussen). Es seien zwar keine schweren Delikte
gewesen, die Verurteilungen zeigten jedoch, dass der Beschwerdeführer
Mühe habe, sich an die geltende Rechtsordnung zu halten. Die Deutsch-
kenntnisse des Beschwerdeführers seien zwar genügend. Dies ändere je-
doch nichts daran, dass die Integration insgesamt nicht als erfolgreich im
Sinne von Art. 50 Abs. 1 Bst. a AuG bezeichnet werden könne.
7.2 Der Beschwerdeführer macht hiergegen in seiner Beschwerde geltend,
er erfülle die Voraussetzungen gemäss Art. 50 Abs. 1 Bst. a AuG. Er sei
erfolgreich in der Schweiz integriert. Seine finanzielle Situation sei zwar
angespannt, und er stehe nicht in einem längerfristigen Arbeitsverhältnis.
Er sei jedoch seit längerer Zeit nicht mehr auf die Unterstützung durch die
Sozialhilfe angewiesen. Er spreche perfekt Französisch und inzwischen
auch sehr gut Deutsch. Die von der Vorinstanz erwähnten Vorkommnisse
während seiner ersten Ehe lägen über 10 Jahre zurück und hätten mit der
Trennung und Scheidung von seiner ersten Frau in Zusammenhang ge-
standen. Die einzigen Straftaten, die ihm vorzuwerfen seien, stünden im
Zusammenhang mit seiner ausländerrechtlichen Situation und seinem
Wunsch, in der Schweiz bei seinem Sohn zu bleiben. Hieraus und aus den
Verurteilungen wegen Strassenverkehrsdelikten könne nicht geschlossen
werden, er respektiere die rechtsstaatliche Ordnung nicht.
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Seite 9
7.3
7.3.1 Aus den Akten ergibt sich in Bezug auf die wirtschaftliche Situation
des Beschwerdeführers Folgendes: Dem Urteil des Kantonsgerichts Basel-
Landschaft vom 8. Februar 2006 ist zu entnehmen, dass der Beschwerde-
führer von 2003 bis 2005 Temporäreinsätze in verschiedenen Firmen hatte,
für eine gewisse Zeit Arbeitslosengelder bezogen hat und aus gesundheit-
lichen Gründen seiner Tätigkeit als Metzger nicht (mehr) nachgehen
konnte (E. 3/c S. 10; Akten der Vorinstanz [nachfolgend: Akten SEM] 4).
Das gleiche Gericht hielt im Urteil vom 11. Februar 2009 fest, dass sich die
wirtschaftliche Situation des Beschwerdeführers «nicht oder höchstens zu
[seinen] Ungunsten» verändert habe (E. 6.2; Akten SEM 8). Vom 1. Juli
2008 bis zum 30. November 2010 bezog der Beschwerdeführer Sozialhilfe
bzw. Nothilfe im Kanton Basel-Landschaft (Akten des Migrationsamts des
Kantons Basel-Stadt [nachfolgend: Akten BS] Teil 2 S. 2). Vom 1. Februar
2011 bis zum 31. Januar 2014 wurden der Beschwerdeführer und seine
damalige Ehefrau im Kanton Basel-Stadt von der Sozialhilfe mit insgesamt
Fr. 108'910.55 unterstützt (Akten BS Teil 1 pag. 86). Weil der Beschwerde-
führer keine Stelle finden konnte, übernahm er 2014 eine Brockenstube,
mit der er jedoch kein genügendes Einkommen erzielte. Deshalb verkaufte
er sie wieder. Danach deckte er seinen Lebensunterhalt mit Flohmarkt- und
Internethandel (vgl. Akten SEM 19/pag. 266; 26/pag. 345-347; 43/pag.
571-573). Gegenüber dem Migrationsamt gab er am 1. Februar 2017 an,
er habe das ganze letzte Jahr (d.h. 2016) nicht gearbeitet und lebe derzeit
bei Kollegen. Er sei in Ausbildung zum Taxifahrer (Akten SEM 27/pag. 348).
In den Akten finden sich Arbeitsverträge des Beschwerdeführers vom
29. März 2016 bzw. vom 4. Februar 2018 (vgl. Akten BS Teil 1 pag. 71-73
bzw. Akten SEM 46/pag. 596-599). Ob der Beschwerdeführer die Arbeits-
stellen je angetreten hat, lässt sich den Akten nicht entnehmen. Insgesamt
kann dem Beschwerdeführer zwar der Wille zur Teilhabe am Wirtschafts-
leben (vgl. Art. 77 Abs. 4 Bst. b VZAE) nicht grundsätzlich abgesprochen
werden. Allerdings ist es ihm in der gesamten Zeit seines Aufenthalts in der
Schweiz nicht gelungen, wirtschaftlich Fuss zu fassen und über längere
Zeit ein kontinuierliches Einkommen zu erzielen, das seinen Grundbedarf
decken konnte. Dies zeigt sich auch an den Darlehen, die der Beschwer-
deführer aufgenommen hat (Akten SEM 24/pag. 330-332) und den in den
Betreibungsauskünften vom 22. November 2015 bzw. 21. April 2016 auf-
geführten Betreibungen (neun, total Fr. 17'761.75 bzw. elf, total
Fr. 19'800.05) und offenen Verlustscheinen (sechs, total Fr. 8'784.05 bzw.
sieben, total Fr. 10'764.05; vgl. Akten BS Teil 2 S. 73, Akten BS Teil 1
pag. 1).
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Seite 10
An dieser Einschätzung vermag auch der Arbeitsvertrag des Beschwerde-
führers vom 14. August 2018 nichts zu ändern, den das Migrationsamt dem
Gericht am 21. August 2018 in Kopie zukommen liess (BVGer Akt. 25).
Vielmehr bestätigt der Abschluss von zwei unbefristeten Verträgen inner-
halb von nur sechs Monaten die Unbeständigkeit der wirtschaftlichen Situ-
ation des Beschwerdeführers. Angesichts dieser langjährigen Geschichte
kann offenbleiben, wie sich die wirtschaftliche Situation des Beschwerde-
führers seit August 2018 entwickelt hat, zumal Integrationsbemühungen,
welche nach Ablauf der Gültigkeitsdauer einer Aufenthaltsbewilligung un-
ternommen werden, nicht ins Gewicht fallen können (vgl. auch oben E. 6.2
in fine m.H.). Das Bundesverwaltungsgericht kommt in antizipierender Be-
weiswürdigung zum Schluss, dass auch eine mögliche Stabilisierung der
wirtschaftlichen Situation seit August 2018 zu keiner anderen Beurteilung
führen könnte.
7.3.2 Mit Blick auf das Kriterium Respektierung der rechtsstaatlichen Ord-
nung (aArt. 77 Abs. 4 Bst. a VZAE) geht aus den Akten hervor, dass das
Verhalten des Beschwerdeführers diesem Anspruch in verschiedener Hin-
sicht nicht entsprochen hat. Das Kantonsgericht des Kantons Basel-Land-
schaft kam in seinem Urteil vom 8. Februar 2006 zum Schluss, dass sich
der Beschwerdeführer in rechtsmissbräuchlicher Weise auf seine (erste)
Ehe berufe, um sich weiterhin in der Schweiz aufhalten zu können (E. 2/d;
Akten SEM 4). Während dieser Ehe erstattete seine damalige Ehefrau
2003 und 2006 Anzeige wegen Körperverletzung, Tätlichkeit und häusli-
cher Gewalt bzw. Drohung und häuslicher Gewalt; der Beschwerdeführer
musste von der Polizei aus der Wohnung weggewiesen werden, weil er
gegen seine Ehefrau handgreiflich geworden war, und ihm wurde gericht-
lich verboten, sich ihr zu nähern (Kantonsgericht Basel-Landschaft, a.a.O.,
E. 2/c). Das Bundesgericht kam im Urteil 2C_335/2009 vom 12. Februar
2010 E. 2.2.3 zum Schluss, der Beschwerdeführer sei der Aufforderung,
die Schweiz zu verlassen während Jahren nicht nachgekommen und sei
deshalb in Ausschaffungs- und später in Durchsetzungshaft genommen
werden. Er habe sich seit Jahren renitent verhalten und versucht, den Voll-
zug seiner Wegweisung aktiv zu hintertreiben. Das Migrationsamt sah sich
2011 aufgrund der konkreten Umstände veranlasst, im Vorfeld der Ertei-
lung der Aufenthaltsbewilligung gestützt auf die zweite Ehe des Beschwer-
deführers umfangreiche Abklärungen zu tätigen. Obwohl offenbar gewisse
Indizien vorlagen, dass es dem Beschwerdeführer (auch) bei der zweiten
Ehe um die Sicherung seines Aufenthalts ging, wurde ihm die Bewilligung
erteilt (vgl. angefochtene Verfügung E. 3.2.1 - E. 3.2.3; Akten BS Teil 2
S. 38-42, 46). Der Beschwerdeführer wurde in den Jahren 2008 (Vergehen
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gegen ausländerrechtliche Bestimmungen), 2012 (drei Verurteilungen we-
gen SVG-Delikten), 2015 (SVG-Delikt) und 2016 (Fälschung amtlicher
Wertzeichen) mehrfach mittels Strafbefehl zu Geldstrafen und Bussen ver-
urteilt (vgl. angefochtene Verfügung E. 3.3.3 S. 9; Akten BS Teil 1 pag. 86).
Der Beschwerdeführer führt hierzu in der Beschwerdeschrift aus, diese
Vorkommnisse lägen mehr als zehn Jahre zurück und hätten im Zusam-
menhang mit der Trennung bzw. Scheidung von seiner ersten Ehefrau ge-
standen. Aus den ausländerrechtlichen Vergehen und den Geldstrafen we-
gen Strassenverkehrsdelikten könne nicht geschlossen werden, er respek-
tiere die Rechtsordnung nicht. Dem Beschwerdeführer ist insofern zuzu-
stimmen, als die Delikte bereits einige Jahre zurückliegen. Allerdings da-
tiert der jüngste Strafbefehl vom 16. Juni 2016; der Beschwerdeführer
wurde wegen Fälschung amtlicher Wertzeichen zu einer Geldstrafe von
10 Tagessätzen und zu einer Busse von Fr. 200.- verurteilt (Akten BS Teil 1
pag. 119-120). Wenn diese Verurteilungen auch nicht allzu schwer wiegen,
wie die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung (S. 9) zu Recht festhält,
so zeigt sich daran doch eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber der gel-
tenden Rechtsordnung. Dies zeigt sich auch daran, dass der Beschwerde-
führer in seinen Stellungnahmen diese Verurteilungen zu bagatellisieren
und mit äusseren Umständen zu erklären sucht, die weder zeitlich noch
sachlich einen Zusammenhang aufweisen (vgl. Beschwerdeschrift Ziff. 8
S. 4; Stellungnahme vom 9. Dezember 2016, Akten SEM 26).
7.3.3 Insgesamt ist die Integration des Beschwerdeführers somit nicht als
erfolgreich im Sinne von Art. 50 Abs. 1 Bst. a AuG anzusehen. Zwar ist der
Wille zur Teilhabe am Wirtschaftsleben erkennbar. Dem Beschwerdeführer
ist es aber trotz seines langjährigen Aufenthalts nicht gelungen, eine stabile
wirtschaftliche Grundlage zu schaffen, die ihm ein genügendes Einkom-
men sichern würde. Äussere Umstände, die ausserhalb des Einflusses des
Beschwerdeführers liegen und welche die mangelnde wirtschaftliche In-
tegration relativieren könnten, lassen sich den Akten nicht entnehmen. Zu-
dem hat der Beschwerdeführer mit seinem Verhalten wiederholt gezeigt,
dass er nicht gewillt ist, die geltende Rechtsordnung einzuhalten. Die un-
bestrittenermassen ausreichenden Deutschkenntnisse des Beschwerde-
führers vermögen die beiden erwähnten Bereiche nicht aufzuwiegen, zu-
mal sie zu einem guten Teil in einer Zeit erworben wurden, in welcher der
Beschwerdeführer sich aufgrund des rechtsmissbräuchlichen Festhaltens
an seiner ersten Ehe und der nachfolgenden Weigerung, die Schweiz zu
verlassen, erworben wurden.
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Seite 12
8.
8.1 Die Vorinstanz hält mit Blick auf Art. 50 Abs. 1 Bst. b i.V.m. Art. 50
Abs. 2 AuG fest, es seien keine wichtigen persönlichen Gründe ersichtlich,
die den weiteren Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Schweiz erfor-
derlich machen würden. Weder aus der allgemeinen Lage in Marokko noch
aus der individuellen Situation des Beschwerdeführers könne auf eine
starke Gefährdung der Weidereingliederung geschlossen werden. Die Auf-
enthaltsdauer sei zwar als relativ lang zu bezeichnen. Er sei jedoch erst im
Alter von 36 Jahren in die Schweiz gekommen und habe verschiedentlich
Ferienreisen in sein Heimatland unternommen.
8.2 Der Beschwerdeführer hält dem entgegen, dass er seit mehr als
15 Jahren in der Schweiz lebe. Eine definitive Rückkehr nach Marokko er-
scheine nach dieser langen Zeit kaum zumutbar.
8.3 Mit dieser Argumentation macht der Beschwerdeführer geltend, dass
seine soziale Wiedereingliederung im Heimatland gefährdet sei (vgl.
Art. 50 Abs. 1 Bst. b i.Vm. Abs. 2 AuG). Gemäss Rechtsprechung ist in die-
ser Hinsicht entscheidend, ob die persönliche, berufliche und familiäre Ein-
gliederung der betroffenen ausländischen Person bei einer Rückkehr in
ihre Heimat stark gefährdet wäre, und nicht, ob ein Leben in der Schweiz
einfacher wäre und vorgezogen würde. Ein persönlicher, nachehelicher
Härtefall setzt aufgrund der konkreten Umstände des Einzelfalls eine er-
hebliche Intensität der Konsequenzen für das Privat- und das Familienle-
ben der ausländischen Person voraus, die mit ihrer Lebenssituation nach
dem Dahinfallen des abgeleiteten Aufenthaltsrechts verbunden sein muss
(BGE 137 II 351 E. 3.2.3; Urteil des BGer 2C_335/2020 vom 18. August
2020 E. 3.2 m.H.). Wird geltend gemacht, bei einer Rückkehr erweise sich
die soziale Wiedereingliederung als stark gefährdet, genügen allgemeine
Hinweise nicht. Die befürchtete Beeinträchtigung muss im Einzelfall auf-
grund der konkreten Umstände glaubhaft erscheinen. Die ausländische
Person trifft bei der Feststellung des entsprechenden Sachverhalts eine
weitreichende Mitwirkungspflicht (BGE 138 II 229 E. 3.2.3; Urteil des BGer
2C_335/2020 vom 18. August 2020 E. 3.3 m.H.).
8.4 Der Beschwerdeführer hält sich seit mittlerweile 18 Jahren in der
Schweiz auf. Nach dem eben Gesagten genügt dieser lange Zeitraum je-
doch für sich alleine nicht, um einen weiteren Verbleib in der Schweiz als
erforderlich im Sinne von Art. 50 Abs. 1 Bst. b i.V.m. Abs. 2 AuG anzuse-
hen. Insbesondere ist nicht erkennbar, dass die soziale Wiedereingliede-
rung des Beschwerdeführers in seinem Herkunftsland stark gefährdet
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wäre. Der Beschwerdeführer bestreitet die Feststellung der Vorinstanz
nicht, dass er den Kontakt zu seinem Heimatland durch Ferienaufenthalte
aufrechterhalten habe; die eingereichten Passkopien und die Anträge auf
Rückreisevisa für Reisen nach Marokko bestätigen diesen Umstand (Akten
SEM 43/pag. 574-577; Akten BS Teil 1 pag. 12, 18, 55, 221). Er hat den
grössten Teil seines Lebens in Marokko verbracht, hat dort die Schulen bis
zur Universität besucht und war dort auch erwerbstätig (Akten SEM 19/pag.
201). Vor diesem Hintergrund und auch angesichts der diversen berufli-
chen Tätigkeiten in der Schweiz erscheint eine Wiedereingliederung im
Heimatland nicht als stark gefährdet. Der Umstand, dass der Ende Oktober
1966 geborene Beschwerdeführer demnächst das 54. Lebensjahr vollen-
det, mag sich zwar erschwerend auswirken, kann bei der vorliegenden Be-
urteilung jedoch nicht entscheidend sein, ist doch nicht ersichtlich, dass ihn
diese mögliche Erschwernis stärker treffen würde als andere Personen die-
ses Alters in Marokko. Weitere Gründe, welche die Wiedereingliederung
stark gefährden könnten und die in einem Zusammenhang mit der Ehe und
dem damit einhergehenden Aufenthalt stehen, macht der Beschwerdefüh-
rer nicht geltend und sind auch aus den Akten nicht ersichtlich.
9.
Aus diesen Erwägungen folgt, dass der Beschwerdeführer aus Art. 50 AuG
keinen Anspruch auf die Verlängerung seiner ursprünglich auf Art. 42 AuG
basierenden Aufenthaltsbewilligung ableiten kann.
10.
10.1 Der Beschwerdeführer macht sodann geltend, eine Wegweisung aus
der Schweiz würde gegen Art. 8 EMRK verstossen. Zum einen, weil sein
Sohn, der Schweizer Bürger sei, in der Schweiz lebe. Die Beziehung werde
zwar kaum gelebt, weil die Mutter dies mit allen Mitteln zu verhindern su-
che. Dieser Umstand sei deshalb nicht von ihm zu verantworten. Aufgrund
der langen Aufenthaltsdauer würde die Wegweisung zudem sein ebenfalls
aus Art. 8 EMRK fliessendes Recht auf Privatleben verletzen.
10.2 Im Rahmen des Aufenthaltsverfahrens (Urteil vom 8. Februar 2006)
und des Gesuchs um Wiedererwägung in diesem Punkt (Urteil vom
11. Februar 2009) kam das Kantonsgericht des Kantons Basel-Landschaft
gestützt auf die einschlägige bundesgerichtliche Rechtsprechung zum
Schluss, dass der weder sorge- noch obhutsberechtigte Beschwerdeführer
aus der Beziehung zu seinem Sohn keinen Anspruch auf eine Aufenthalts-
bewilligung gestützt auf Art. 8 EMRK ableiten könne. Es fehle an einer be-
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sonders engen Beziehung in affektiver und wirtschaftlicher Hinsicht. Zu-
dem könne das Verhalten des Beschwerdeführers nicht als tadellos ange-
sehen werden. Beide Urteile wurden vom Bundesgericht bestätigt (vgl. Ur-
teile 2A.240/2006 vom 20. Juli 2006 und 2C_335/2009 vom 12. Februar
2010). Aus den Vorbringen im vorliegenden Verfahren geht nicht hervor,
dass sich die Beziehung zwischen dem Beschwerdeführer und seinem
mittlerweile 16-jährigen Sohn seither wesentlich verändert hätte. Der Be-
schwerdeführer führt in der Beschwerdeschrift aus, die Kindsmutter verhin-
dere seit 2012 jeglichen Kontakt. Auch zahle er keine Alimente, da die
Kindsmutter dies nicht einfordere (Beschwerdeschrift Ziff. 11). Gemäss
Auskunft der zuständigen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde
(KESB) vom 7. April 2016 hingegen war es der Sohn selbst, der den Kon-
takt über Jahre ablehnte (Akten BS Teil 1 pag. 74-75). Welche genau die
Gründe für die Situation sind, spielt vorliegend allerdings keine wesentliche
Rolle; entscheidend ist vielmehr, wie sich die Beziehung tatsächlich dar-
stellt. Vor diesem Hintergrund ist die Schlussfolgerung der Vorinstanz, dass
sich aus der Beziehung des Beschwerdeführers zu seinem Sohn kein An-
spruch auf Aufenthalt gestützt auf Art. 8 EMRK ergebe, nicht zu beanstan-
den.
10.3 Der Beschwerdeführer beruft sich aufgrund seiner langen Anwesen-
heit in der Schweiz auch auf den anderen Teilaspekt von Art. 8 EMRK, die
Garantie des Privatlebens. In seiner Replik vom 2. August 2018 weist er
ausdrücklich auf das Urteil des Bundesgerichts 2C_105/2017 vom 8. Mai
2018 (auszugsweise publiziert in BGE 144 I 266) hin. Das Bundesgericht
hielt dort fest, dass bei ausländischen Personen, die sich seit rund 10 Jah-
ren rechtmässig in der Schweiz aufhalten, regelmässig davon ausgegan-
gen werden könne, die sozialen Beziehungen in diesem Land seien so eng
geworden, dass es für die Beendigung des Aufenthalts besonderer Gründe
bedürfe. Im Einzelfall könne es sich jedoch anders verhalten und die In-
tegration zu wünschen übrig lassen (BGE 144 I 266 E. 3.9 S. 278; Urteil
des Bundesgerichts 2C_266/2020 vom 20. August 2020 E. 3.6). Zwar hält
sich der Beschwerdeführer seit deutlich mehr als 10 Jahren in der Schweiz
auf. Wie oben in E. 7.3 ausführlich dargelegt wurde, kann jedoch nicht von
einer gelungenen Integration des Beschwerdeführers ausgegangen wer-
den. Vielmehr ergeben sich daraus besondere Gründe, die es rechtferti-
gen, von der vom Bundesgericht aufgestellten Vermutung abzuweichen.
Die Schlussfolgerung der Vorinstanz, wonach ein Anspruch auf Aufenthalt
auch unter dem Aspekt des Schutzes des Privatlebens ausser Betracht
falle, ist demnach im Ergebnis ebenfalls nicht zu beanstanden.
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11.
Die Vorinstanz prüfte sodann, ob Gründe ersichtlich seien, die eine ermes-
sensweise Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung rechtfertigen würden (an-
gefochtene Verfügung E. 5). Sie verneinte das Vorliegen der Vorausset-
zungen einer «allgemeinen ausländerrechtlichen Härtefallregelung» nach
Art. 30 Abs. 1 Bst. b AuG i.V.m. aArt. 31 Abs. 1 VZAE (AS 2007 5497
5507). Diese Schlussfolgerung ist angesichts der Ausführungen oben zu
Art. 50 AuG und Art. 8 EMRK nicht zu beanstanden.
12.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die Vorinstanz die Zustimmung
zur Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung auch unter diesen Aspekten
zu Recht verweigert hat.
13.
Die Vorinstanz hat sodann den Beschwerdeführer gestützt auf Art. 64
Abs. 1 Bst. c AuG aus der Schweiz weggewiesen und das Vorliegen allfäl-
liger Wegweisungsvollzugshindernisse (vgl. Art. 83 Abs. 1 AuG) geprüft
und verneint (vgl. angefochtene Verfügung E. 8 und 9 S. 13-14). Der Be-
schwerdeführer macht einzig geltend, es sei für ihn unzumutbar, nach so
vielen Jahren nach Marokko zurückzukehren. Oben wurde bereits ausge-
führt, dass die Wiedereingliederung des Beschwerdeführers in seinem
Herkunftsland nicht gefährdet erscheint. In Marokko herrscht sodann auch
kein Krieg, Bürgerkrieg oder eine Situation allgemeiner Gewalt. Zudem
sind keine gesundheitlichen Probleme ersichtlich, die eine Rückkehr des
Beschwerdeführers unzumutbar machen könnten (vgl. Art. 83 Abs. 4 AuG).
Gründe, die den Vollzug der Wegweisung unmöglich oder unzulässig er-
scheinen liessen (vgl. Art. 83 Abs. 2 und Abs. 3 AuG), sind nicht ersichtlich
und werden vom Beschwerdeführer auch nicht geltend gemacht.
14.
Die angefochtene Verfügung ist somit im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu
beanstanden. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.
15.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer
die Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff.
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-
gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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