Decision ID: 4db8b86b-0824-4432-a6cb-f980e0c0b3b2
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1981, war von September 2003 bis August 2005 als Automechanikerin tätig und arbeitete anschliessend als kaufmännische Ange
stellte (Urk. 7/3 Ziff. 6.3.1). Unter Hinweis auf einen gebrochenen Rückenwirbel sowie verschobene Bandscheiben mit ständig entzündeter Rückenmuskulatur meldete sie sich am 13. Juni 2006
erstmals
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/3 Ziff. 7.2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische
(Urk. 7/13-14
)
und erwerbliche
(Urk. 7/7-8, Urk. 7/12)
Situation ab
und
zog Akten der
Schweizerischen Unfall
versicherungsanstalt (Suva) bei (Urk.
7/11).
Mit Verfügung vom 18. Dezember 2006 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 7/21) und lehnte mit Verfügung vom 4. Januar 2007 auch eine Kostengutsprache für eine Matratze sowie einen Lattenrost ab (Urk. 7/22).
1.2
Am 8. Mai 2013
bzw. 11. September 2013
meldete sich die Versicherte unter Hin
weis auf
Rücken- sowie Nackenschmerzen
erneut zum Leistungsbezug (Urk. 7/23
Ziff. 6.2
, Urk. 7/35
) sowie zur Früherfassung an (Urk. 7/24)
, worauf
d
ie IV-Stelle medizinische (Urk. 7/28,
Urk. 7/38, Urk. 7/49
) und er
werbliche (Urk. 7/29) Ab
klä
rungen
tätigte
. In der Folge übernahm die
se am 23. Oktober 2013
im Rahme
n
der Frühintervention die Kosten für eine arbeitsplatzbezogene Rehabilitation (
ABR,
Urk. 7/42) und schloss mit der Versi
cherten
gleichentags
eine entspre
chen
de Zielvereinbarung ab (Urk. 7/45).
Nach Eingang des Berichts zur ambu
lanten
ABR (Urk. 7/53) wurde die
Arbeitsplatzer
haltung
am 11. März 2014 abge
schlossen
(Urk.
7/55).
Nach weiteren medizinischen
(Urk. 7/61, Urk. 7/68
, Urk. 7/71
)
sowie erwerbli
chen
(Urk. 7/58
, Urk. 7/70
)
Abklärungen, in deren Rahmen die IV-Stelle die Akten de
r
AXA Winterthur beizog
(Urk. 7/59
, Urk. 7/75
)
, verneinte die IV-Stelle nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/78, Urk. 7/82, Urk. 7/85) mit Ver
fü
gung vom 26. Mai 2015 einen
Leistungs
anspruch der Versi
cherten (Urk. 7/87 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 26. Mai 2015 (Urk. 2) erhob die
Versicherte am 26. Juni
2015 Beschwerde und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Ver
fügung sowie die Vornahme weiterer Abklärung
en
(Urk. 1 S. 2). Mit
Be
schwer
deantwort
vom 6. August 2015 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der
Be
schwerde (Urk. 6), was der Beschwerdeführerin am 10. September 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Sie kann Folge von
Ge
burts
gebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
träc
hti
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den aus
geglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlie
gens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heit
li
chen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Mit Urteil vom 3. Juni 2015
(BGE 141 V 281)
hat das Bundesgericht seine bis
herige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursache und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 und anschliessende Urteile) ange
passt und festgehalten, dass die Invaliditätsbemessung stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Aus
wirkungen zu berücksichtigen hat, was sich schon in den diagnostischen An
for
derungen niederschlagen muss. Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit be
zweck
te die durch BGE 130 V 352 begründete Rechtspre
chung die Sicher
stellung eines gesetzmässigen Versicherungsvollzuges mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe beziehungsweise (seit E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der
Über
windbarkeitsvermutung
. Deren Rechtsnatur kann offen bleiben. Denn an dieser Rechtsprechung ist nicht festzuhalten. Das bishe
rige Regel/Ausnahme-Modell wird durch ein strukturiertes Beweisverfahren er
setzt. An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – ausschliessliche Berück
sichtigung der Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung und objektivierte Zumutbarkeitsprüfung bei mate
rieller Beweislast der rentenansprechenden Per
son (Art. 7 Abs. 2 ATSG) – ändert
sich dadurch nichts. An die Stelle des bishe
rigen Kriterienkatalogs (bei anhal
ten
der
somatoformer
Schmerzstörung und vergleichbaren psychosomatischen Lei
den)
treten im Regelfall beachtliche
Stan
dardindikatoren
. Diese lassen sich in
die Kategorien Schweregrad und Konsis
tenz der funktionellen Auswirkungen ein
teilen. Auf den Begriff des primären Krankheitsgewinnes und die
Präponderanz
der psychiatrischen Komorbidität ist zu verzichten. Der Prüfungsraster ist recht
licher Natur. Recht und Medizin wir
ken sowohl bei der Formulierung der
Stand
ardindikatoren
wie auch bei deren – rechtlich gebotener – Anwendung im Ein
zel
fall zusammen. Im Grunde konkre
tisieren die in E. 4 und 5 formulierten
Beweis
themen
und Vorgehensweisen für die Invaliditätsbemessung bei psychoso
mati
schen Leiden die gesetzgeberischen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die
Anerkennung eines
rentenbegrün
denden
Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn
die funktionellen Auswirkun
gen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nach
ge
wiesen sind. Fehlt es da
ran, hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wie vor die materiell
beweisbelas
tete
versicherte Person zu tragen (E. 6).
1.3
Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit bezweck
te BGE 130 V 352 die Sicher
stel
lung eines gesetzmässigen Versicherungsvollzuges mittels der Regel/Aus
nahme-Vorgabe beziehungsweise (seit E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der Überwindbarkeitsvermutung. Gemäss
BGE 141 V 281
ist die
Über
windbarkeitspraxis
in Änderung der Rechtspre
chung aufzugeben (E. 3.5). In
methodischer Hinsicht ergibt sich Folgendes: Die Frage, ob die diagnostizierte Schmerzstörung zu einer ganzen oder teilweisen Arbeitsunfähigkeit führe, stellt sich nicht mehr im Hinblick auf die Widerlegung einer Ausgangsvermutung. Das bisherige Regel/Ausnahme-Modell wird durch einen strukturierten, norma
ti
ven Prüfungsraster ersetzt. Anhand eines Kataloges von Indikatoren erfolgt eine
ergebnisoffene
symmetrische Beurteilung des – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und
Kompensations
potentialen
(Ressourcen) anderseits – tatsächlich er
reichbaren Leistungsver
mö
gens (E. 3.6). Betont wird, dass die Aufgabe der Überwindbarkeitsvermutung an den Regeln betreffend die Zumutbarkeit nichts ändert, namentlich nicht am
Erfordernis einer objektivierten
Beurteilungs
grundlage
. Nach Art. 7 Abs. 2 zweiter
Satz ATSG liegt eine Erwerbsunfähigkeit nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist. Medizinisch-psy
chiatrisch nicht begründbare Selbstein
schätzungen und -limitierungen, wie sie gerichtsnotorisch ärztlicherseits sehr oft unterstützt werden – wobei erst noch häufig gar keine konsequente Be
hand
lung stattfindet –, sind auch künftig nicht als invalidisierende
Gesund
heits
be
einträchtigung
anzuerkennen (E. 3.7.1).
1.4
Nach Aufgabe des Konzepts der Überwindbarkeitsvermutung, welche durch eine ergebnisoffene Beurteilung des funktionellen Leistungsvermögens als zentralem
Beweisgegenstand abgelöst wird, scheint der Begriff des Kriteriums nicht mehr geeignet. Das Bundesgericht spricht fortan von Indikatoren, einem Begriff, der massgebliche Beweisthemen bezeichnet, anhand welcher ein bestimmter Sach
verhalt ermittelt wird (vgl. dazu auch Peter Henningsen, Probleme und offene Fragen in der Beurteilung der Erwerbsfähigkeit bei Probanden mit funktionellen
Körperbeschwerdesyndromen, in: SZS 2014 S. 533 und 541 [Gutachten des Prof.
Dr.
Peter Henningsen, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Technische Universität München, vom Mai 2014 zu Fragen der Schweizer Praxis zur Invaliditätsfeststellung bei
somatoformen
und ver
wandten Störungen]; E. 4.1.1 und E. 4.1.2).
Die im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren, welche nach gemeinsamen Eigenschaften systematisiert werden können, umschreibt das Bundesgericht im erwähnten Leitentscheid
BGE 141 V 281
wie folgt:
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
(E. 4.3.1.2)
Komorbiditäten
(E. 4.3.1.3)
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen; E. 4.3.2)
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens; E. 4.4)
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Lei
dens
druck
(E. 4.4.2)
Die Antworten, welche die medizinischen Sachverständigen anhand der (im Ein
zelfall relevanten) Indikatoren geben, verschaffen den Rechtsanwendern In
di
zien, wie sie erforderlich sind, um den Beweisnotstand im Zusammenhang mit der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit bei psychosomatischen Störungen zu über
brücken (E. 4.1.3).
1.5
Wie in
BGE 141 V 281
festgehalten (E. 5.2.1), hat sich das Bundesgericht ver
schiedentlich, so auch jüngst, über das Zusammenwirken von Recht und Medi
zin bei der konkreten Rechtsanwendung geäussert. Danach ist es sowohl den be
gutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsan
wendung aufge
ge
ben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die nor
mativ vorgege
be
nen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht (BGE 137 V 64 E. 5.1). Bei der Abschätzung der Folgen aus den diagnosti
zierten gesundheit
li
chen Beeinträchtigungen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit.
Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die an
schliessende juris
ti
sche Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versi
cherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 140 V 193 E. 3.2; Ulrich Meyer, Der Rechtsbegriff der Arbeitsunfähigkeit und seine Bedeutung in der So
zialversicherung, nament
lich für den Einkommensvergleich in der
Invaliditäts
bemessung
, in: Schmerz und
Arbeitsunfähigkeit, Schaffhauser/
Schlauri
[Hrsg.], 2003, S. 49).
In diesem Sinne lautet die normativ bestimmte Gutachterfrage, wie die sachver
ständige Person das Leistungsvermögen einschätzt, wenn sie dabei den ein
schlägigen Indikatoren folgt. Die Rechtsanwender überprüfen die betreffenden Angaben frei, insbesondere dahin, ob die Ärzte sich an die massgebenden nor
mativen Rahmenbedingungen gehalten haben, das heisst, ob sie ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt haben, welche Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind (Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG), sowie, ob die
versiche
rungs
medizinische
Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektivierter Grundlage er
folgt ist (Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG; vgl. BGE 137 V 64 E. 1.2 in
fine
). Dies sichert die einheitliche und rechtsgleiche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit (BGE 140 V 290 E. 3.3.1, 135 V 201 E. 7.1; E. 5.2.2).
Jedenfalls in der Invalidenversicherung tragen Recht und Medizin, je nach ihren
fachlichen und funktionellen Zuständigkeiten, zur Feststellung ein und dersel
ben
Arbeitsunfähigkeit bei. Das heisst, dass die medizinischen Gutachter nicht, wie häufig anzutreffen, eine quasi freihändige Beurteilung abgeben und dane
ben noch Grundlagen liefern sollen, anhand derer die Rechtsanwender eine von der subjektiven ärztlichen Einschätzung losgelöste Parallelüberprüfung vor
nehmen. Es gibt keine unterschiedlichen Regeln gehorchende, getrennte Prü
fung einer medizinischen und einer rechtlichen Arbeitsfähigkeit (E. 5.2.3).
1.
6
In intertemporalrechtlicher Hinsicht ist sinngemäss wie in BGE 137 V 210 (be
treffend die rechtsstaatlichen Anforderungen an die medizinische Begutach
tung) vorzugehen. Nach diesem Entscheid verlieren gemäss altem
Verfahrens
standard
eingeholte Gutachten nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Ge
geben
heiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstel
len auf die vor
handenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE a.a.O. E. 6 in
initio
). In sinngemässer Anwendung der nunmehr
materiell-be
weisrechtlich
geänderten Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prü
fen, ob die beigezogenen admi
nistrativen und/oder gerichtlichen Sachverständi
gen
gutachten – gegebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berich
ten – eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren er
lauben
oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Um
ständen eine punktuelle Ergänzung genügen (
BGE 141 V 281
E. 8).
1.7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den
Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine
Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren über
haupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
rele
vante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Von der Rückweisung der Sache an den Versicherungsträger zur Gewährung des rechtlichen Gehörs ist nach dem Grundsatz der Verfahrensökonomie dann abzu
sehen, wenn dieses Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem gleichlaufenden und der Anhörung gleichgestellten Interesse der versicherten Person an einer möglichst
beförderlichen
Beurteilung ihres Anspruchs nicht zu vereinbaren sind (vgl. zum Ganzen BGE 137 I 195 E. 2.3.2; BGE 136 V 117 E. 4.2.2.2; BGE 133 I 201 E. 2.2).
Bei ungenügenden Abklärungen durch den Versicherungsträger holt die Be
schwer
deinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im
Ver
waltungsverfahren
anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt
für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine
Administrativ
expertise
in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Be
weis
erhebung erfolgt alsdann vor der
–
anschliessend
reformatorisch ent
schei
den
den
–
Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwal
tung. E
ine Rückweisung an den Versicherungsträger
bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig unge
klär
ten Frage begründet ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem
Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuwei
sen, wenn
lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Aus
führungen erforderlich ist (B
GE
137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
2.
2.1
I
n der angefochtenen Verfügung vom 26. Mai 2015 (Urk. 2) führte die
Be
schwerdegegnerin
aus, der Arbeitsplatzerhalt sei nicht möglich gewesen, da sich die Beschwerdeführerin aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage gefühlt habe, an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen (S. 1). Aus somatischer Sicht bestehe eine mindestens 80%ige Arbeitsfähigkeit in einer leichten bis mittel
schweren Tätigkeit. Nachdem die Überwindbarkeit der gesundheitlichen Ein
schränkungen
ge
geben sei, liege kein
invalidenversicherungsrechtlich
relevanter Gesundheitsschaden vor. Auch unter Berücksichtigung des neu vorliegenden
Berichts von Dr. med.
Z._
, Facharzt für Neurologie sowie Psychi
a
trie und Psychotherapie, lägen keine neuen Ta
t
sachen vor
,
und eine psychiat
ri
sche Begutachtung sei nicht angezeigt. Die vorliegenden medizinischen Un
ter
lagen seien umfassend, schlüssig und nachvollziehbar. Ob bei einer
somato
formen
Schmerzstörung eine invalidisierende Wirkung bejaht werden könne, sei eine frei überprüfbare Rechtsfrage (S. 2). Zudem sei aus medizinischer Sicht die Behandlung noch nicht ausgeschöpft. Es werde eine stabilisierende Physiothe
rapie der Rumpfmuskulatur, eine Schmerztherapie, eine medizinische
Trai
nings
therapie
sowie die Weiterführung der Psychotherapie beziehungsweise ein Über
tritt in eine tagesklinische Behandlung empfohlen (S. 2 f.). In der Gesamt
schau seien die gesundheitlichen Einschränkungen überwindbar (S. 3).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend, den vorliegenden Be
richten sei zu entnehmen, dass die Ärzte allesamt die Diagnose einer
Persön
lich
keitsstörung
gestellt
oder zumindest den Verdacht
geäussert hätten
. Dabei handle es sich um eine eigenständige psychische Erkrankung. Bezüglich einer
möglichen Persönlichkeitsstörung und der damit verbundenen Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit seien jedoch keine weiteren Abklärungen vorgenommen worden
(Urk. 1 S. 5). Die Beschwerdegegnerin stütze ihren Entscheid einzig auf eine Stellungnahme von
Dr.
med.
A._
, Facharzt für orthopädische Chi
rurgie
und Traumatologie, Regionaler Ärztlicher Dienst der
Beschwerdegeg
nerin
(RAD). Aufgrund einer Ferndiagnose stelle Dr.
A._
kurz und knapp fest, die deutlich gebesserte psychische Situation führe zu keiner
höhergradigen
Reduk
tion der Arbeitsfähigkeit. Darauf könne nicht abgestellt werden. Mit einer ein
fachen Stellungnahme des RAD werde dem Untersuchungsgrundsatz nicht ge
nüge getan, wenn der medizinische Sachverhalt nicht feststehe oder die Be
funde umstritten seien. Es seien zwingend weitere Abklärungen durch einen Facharzt vorzunehmen. Dabei sei in erster Linie festzustellen, ob und in wel
chem Aus
mass eine Persönlichkeitsstörung vorliege und wie sich diese auf die Arbeits
fähigkeit auswirke (S. 5
f.
Ziff. 2.3).
Bezüglich der Vorbringen der
Be
schwerde
gegnerin
im Zusammenhang mit der Überwindbarkeit der gesundheit
lichen
Einschränkungen werde zudem auf das Urteil des Bundesgerichts vom 3. Juni 2015 (9C_492/2014
; nunmehr publiziert in
BGE 141 V 281
) verwiesen. Gemäss diesem Urteil sei das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen der betroffenen Person in einer
Gesamtbetrach
tung
einzelfallgerecht und ergebnisoffen zu beur
teilen (S. 6 Ziff. 3.1).
2.3
Strittig und zu prüfen ist demnach, ob die Beschwerdegegnerin ihrer
Abklä
rungspflicht
genügend nachgekommen ist.
3.
3.1
Der frühere Hausarzt Dr. med.
B._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, nannte in seinem Bericht vom 25. August 2006 folgende Diagnosen
mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk. 7/14
/5
lit
. A):
chronisches
L
umbovertebralsyndrom
Status nach Morbus Scheuermann am
thorakolumbalen
Übergang mit grosser Randleistenhernie LWK3
degenerative Veränderungen bzw.
Schmorl’sche
Knötchen im LWK2/
LWK3-Bereich
Beinverkürzung rechts 8mm
Hypermobilitätssyndrom
Tendenz zu depressiver Entwicklung
Die Beschwerdeführerin habe täglich Rückenschmerzen im Übergang der unte
ren BWS und oberen LWS. Ohne Gebrauch von starken Schmerzmitteln seien die Schmerzen unerträglich, jeder Schritt verursache Schmerzen. Mit Schmerz
mitteln schlage es auf die Psyche, sie werde depressi
v und habe keine Energie
mehr. Deshalb halte sie sich mit Schmerzmitteln zurück (Urk. 7/14/6
lit
. D.4). In einer leichten bis mittelschweren Arbeit in oft wechselnden Positionen sei die Beschwerdeführerin ganztags arbeitsfähig
(Urk. 7/14/4).
3.
2
Am 3. März 2013 wurde die Beschwerdeführerin nach einer notfallmässigen Selbstvorstellung bei stärksten Kopf- und Nackenschmerzen und fünfmaligem Erbrechen auf der medizinischen Notfallstation des Spitals
C._
behandelt. In ihrem Bericht vom 3. März 2013 diagnostizierten die Ärzte ein chronisches
Pan
vertebralsyndrom
aktuell mit Kopfschmerzen (Urk. 7/49/9) und empfahlen die Fort
führung der zuvor suffizienten Selbstmedikation mittels der
vorbeste
henden
Medikation, eine zeitnahe hausärztliche Vorstellung sowie eine psychi
atrisch/
psychologische Anbindung zur Verarbeitung der psychischen Ausnah
mesitua
tion
(Urk. 7/49/10).
3.
3
In ihrer zusammenfassenden Beurteilung vom
10. Mai 2013
(Urk. 7/68/15-19)
nannten
die Ärzte der Rheumaklinik des
D._
insbe
son
dere
folgende
arbeitsrelevante
Diagnosen (S. 2
Ziff. 1
):
chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom
chronisches
zervikozephales
Schmerzsyndrom
Als nicht arbeitsrelevante Diagnose nannten die Ärzte unter anderem sodann
eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (S.
2 Ziff. 2). D
ie Beschwerdeführerin berichte aktuell über bandförmige Schmerzen im Bereich der oberen LWS mit Ausstrahlung in die seitlichen Rip
pen. Die Beschwerden seien permanent und auch nachts vorhanden, strahlten jedoch nicht in die Beine aus. Sie könne deswegen nicht mehr lange sitzen. Zu
dem be
stünden Nackenschmerzen mit Ausstrahlung ins
Okziput
. Sie habe keine Pare
sen oder Sensibilitätsstörungen. Insgesamt sei von einem seit der Kindheit be
stehenden und nach Unfallereignissen in den Jahren 2002 und 2007 akzen
tuier
ten
lumbovertebralen
Schmerzsyndrom bei ausgeprägten Veränderungen im Rahmen eines Morbus Scheuermann mit sekundären
myofaszialen
Befunden bei muskulärer Insuffizienz auszugehen.
Es lägen mehrsegmentale
Bandschei
ben
ver
schmälerungen
und eine
Fehlform
der Wirbelsäule mit
anteriorer
Knick
bildung in den Segmenten L1-3 vor. Klare Hinweise auf eine Fraktur fänden sich unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Unterlagen nicht. Zu
dem bestehe seit dem Auffahrunfall im Jahre 2007 ein chronisches
zervikoze
phales
Syndrom. Die Symptomatik werde durch die Neigung zur Hypermobilität unterstützt und weiter aufrechterhalten. Da neben den somatischen auch einige psychische Faktoren zu verzeichnen seien, sei von einer chronischen
Schmerz
erkrankung
mit somatischen und psychischen Faktoren auszugehen. Eine de
pressive Störung habe sich nicht feststellen lassen (S. 3 f. Ziff. 4). Die funk
tio
nelle Leistungsfähigkeit liege teilweise unter den
Belastungsanforderun
gen
der bisherigen Arbeit. Mühe bereite insbesondere das längere Sitzen (S. 4 Ziff. 5). In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als technische
Supporterin
bestehe eine zumut
bare Arbeitsfähigkeit von 40 % mit vermehrten Pausen. Durch medi
zinische Mass
nahmen sowie ergonomische Anpassungen könne die Leistungs
fähigkeit deutlich gesteigert werden. Infolge der langdauernden Arbeitsunfähig
keit werde ein schrittweiser Wiedereinstieg beginnend mit einer Arbeitsfähigkeit von 40 % mit sukzessiver Steigerung auf ein volles Arbeitspensum empfohlen
. Allerdings sei die ab 22. April 2013 attestierte Arbeitsfähigkeit von 40 % bereits nach wenigen Tagen wegen stark zunehmenden Kopfschmerzen bei der Arbeit am PC nicht mehr umgesetzt und die Beschwerdeführerin erneut zu 100 % ar
beits
un
fähig geschrieben worden. Aus rheumatologischer Sicht lasse sich keine dauer
haft aufgehobene Arbeitsfähigkeit begründen und auch aus psychiatri
scher Sicht
liege keine Störung vor, welche eine dauerhafte erhebliche Ein
schränkung der
Arbeitsfähigkeit begründen könne. Inwiefern die Kopfschmer
zen eine dauer
haft
e
Leistungseinbusse begründen könnten, müsse aus neurolo
gischer Sicht festge
leg
t werden (S. 4 Ziff. 5.1). Eine angepasste, leichte bis mit
telschwere,
wechsel
be
lastende
Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin mit ver
mehrten Pausen in einem Pensum von 80 % zumutbar (S. 4 Ziff. 5.2).
3.
4
Am 14. Mai 2013 beantragte
Dr.
med.
E._
, Oberarzt, Rheumaklinik, Phy
siotherapie Ergotherapie,
D._
, Kostengutsprache für eine ambulante
ar
beits
be
zogene
Rehabilitation (ABR) und nannte dabei im Wesentlichen folgende Diag
nosen (Urk. 7/28 S. 2 Ziff. 1):
chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom
exazerbiert
nach Wirbelsäulenkontusion am 8. Februar 2002 (direktes Trauma) und Auffahrkollision von hinten am 13. Oktober 2007
mit Wirbelsäulenfehlform bei
Morbus
Scheuermann
Tendenz zu
Hyperlaxizität
(
Beighton
-Score 2/9) mit
Überbeweglich
keit
der Wirbelsäule
muskuläre
Dysbalance
der gesamten paravertebralen Muskulatur HWS
beidseits, untere BWS bis
Sacrum
beidseits,
gluteal
links
chronisches
zervikozephales
Schmerzsyndrom
nachfolgend an Auffahrkollision am 13.
Januar
(richtig: Oktober)
2007
Die arbeitsbezogenen relevanten Probleme seien vor allem eine verminderte
Be
lastungstoleranz
der
LWS
bei verminderter muskulärer Stabilisierung. Weiter seien
eine verminderte Belastungstoleranz des Schulter- und Nackenbereichs bei verminderter Kraftausdauer der Schulter-/Nackenmuskulatur, eine verminderte muskuläre Stabilisierung beider Schulterblätter sowie eine allgemeine
Dekon
di
tio
nierung
beobachtet worden. Die ergonomischen Arbeitstechniken der Beschwer
deführerin seien gut (S. 2 Ziff. 2). Es werde ein ambulantes inter
diszipli
näres umfassendes
Ergonomietraining
(ABR) durchgeführt mit dem Ziel, die ge
nannten Aktivitätseinschränkungen positiv zu beeinflussen. Das Pro
gramm
er
folge halbtags wochentags während acht Wochen. Inhaltlich umfasse es phy
si
otherapeutische und ergotherapeutische Massnahmen, die ärztliche Betreu
ung während de
s
Programm
s
sowie die delegierte psychologische Gesprächstherapie. Ausserdem erfolge eine Sozialberatung nach Bedarf. Die Verminderung der
Ak
tivitätseinschränkungen
führten auch zu verbesserten Voraussetzungen auf eine Reintegration in Beruf und Freizeit (S. 2 f. Ziff. 3).
3.
5
Im Verlaufsbericht vom 14. Juni
2013 berichtete Dr.
E._
, die Beschwerde
führerin könne bei der Arbeit während zwei Stunden pro Tag anwesend sein und
dies durchhalten. Seit dem 10. Juni 2013 habe sie ihre Präsenz auf drei Stunden pro Tag gesteigert, was mühsam sei aber gerade knapp gehe. Die Symptomatik mit
chronifizierten
Schmerzen auf dem Boden segmentaler Dys
funktionen bei
Hyperlaxi
zi
tät
und
Dekonditionierung
passe gut zum ermittelten
Beschwerde
bild
. Durch ein intensives Aufbautraining könnten weitere
Schmerz
exazer
ba
tionen
womöglich vermieden werden, im Idealfall könnten diese Mass
nahmen
sogar eine Besserung der Schmerzen bringen. Aktuell werde eine Ar
beitsun
fähig
keit von 65 % attestiert (Urk.
7/59/15).
Am 22. Juli 2013 hielt Dr.
E._
fest, die Nacken- und Kopfschmerzen wür
den aktuell im Vordergrund stehen, die Schmerzen der LWS hätten sich etwas gebessert. Die Steigerung auf drei Stunden Präsenz am Arbeitsplatz pro Tag bereite ihr erheblich Mühe. Bei klinisch in etwa unveränderter Situation habe er sie ermuntert, die Präsenz von drei Stunden durchzuhalten, da es klinisch keine Argumente für eine tiefere Präsenz am Arbeitsplatz gebe (Urk. 7/68/13).
Am 27. November 2013 führte Dr.
E._
aus, die Situation habe sich leider nicht verändert. Die Beschwerdeführerin arbeite weiterhin zweieinhalb Stunden pro Tag, da sie bei dreistündiger Präsenz an der Arbeit eine rasche
Schmerzzu
nahme
im Rücken und Nacken bemerke. Auch in der selbständig durchgeführ
ten
medizinischen Trainingstherapie habe sie wegen
Schmerzexazerbationen
Mühe, die Belastung zu steigern. Klinisch zeigten sich keine neuen Aspekte, die Be
schwerdeführerin wirke aber niedergeschlagen. Sie habe eine ambulante Psy
cho
therapie begonnen (Urk. 7/68/11).
3.
6
In ihrem Bericht vom 3. Januar 2014 (Urk. 7/53) bezüglich der vom 29. Novem
ber bis 18. Dezember 2013 durchgeführten ambulanten
arbeitsbezo
genen
Rehab
i
li
tation diagnostizierten die Ärzte der Rheumaklinik des
D._
ins
besondere ein chronisches
lumbovertebrales
und
zervikozephales
Schmerzsyn
drom
sowie eine
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (Ziff. 1.1)
.
Die Beschwerdeführerin habe die Rehabilitation regulär an drei Nachmittagen pr
o
Woche absolviert. Sie habe mit einer guten
Leistungsbe
reitschaft
trainiert und di
e vorgegebenen Trainingssteigerungen umsetzen kön
nen. Rein aufgrund der
Trai
ningsresultate
habe sie die Probezeit bestanden und es wäre möglich ge
we
sen, das Training fortzusetzen. Die Beschwerdeführerin sei aufgrund der Mehr
be
lastung durch das Training allerdings zunehmend überfor
dert gewesen
. Sie habe vermehrt eine depressive Symptomatik mit
Suizidgedan
ken
und Wutan
fällen gegenüber ihrem Partner gezeigt. In gemeinsamer Abspra
che mit Patientin, Psy
chologin, Therapeutin und Arzt sei die Rehabilitation auf
grund der psychi
schen Situation am 18. Dezember 2013 frühzeitig beendet und ein stationärer psychia
trischer Aufenthalt empfohlen worden. Eine Anmeldung sei bereits erfolgt (S. 2
f. Ziff. 1.3). In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als tech
nische
Supporterin
ergebe sich eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von 75 % aus somatischer Sicht. Bei Fort
setzen der Trainingsbemühungen sei längerfristig mit dem Erreichen einer vollen
Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Arbeitstätigkeit zu rechnen (S. 3 Ziff. 1.6). Für angepasste, leichte bis mittelschwere Tätigkeiten er
gebe sich eine zumutbare Arbeitsdauer von acht Stunden pro Tag, entsprechend einer Arbeitsfähigkeit von 80 % aus rein somatischer Sicht. Bei sich im
Tages
verlauf
kumulierenden Beschwerden müsse aktuell noch eine
Leistungsminde
rung
von 20 % attestiert werden. Bei Fortsetzen der Trainingsbemühungen sei längerfristig mit dem Er
reichen einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer angepass
ten Tätigkeit zu rech
n
en. Bezüglich möglicher Leistungseinschränkungen aus psychischen Gründen müsse aus psychiatrischer Sicht Stellung bezogen werden (S. 3 Ziff. 1.7).
3.
7
Der frühere Psychiater
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie
,
in dessen Praxis die Beschwerdeführerin bei
lic
. phil.
G._
in psychotherapeutischer Behandlung war,
diagnostizierte in seinem Bericht vom
1. Februar 2014 (Urk. 7/59/7-8) eine mittelgradige depressive Stö
rung,
angstbe
tont
,
sowie ein
chronifiziertes
ausgedehntes Schmerzsyndrom (ad 4).
Die Be
schwerdeführerin sei aktuell in der Klinik
H._
hospitali
siert (ad 5). Zuletzt habe sie zweieinhalb bis drei Stunden am Tag gearbeitet, eine Stei
ge
rung sei insbesondere wegen der Schmerzzunahme nicht möglich, das Pensum habe sie ans Ende ihrer Kräfte gebracht (ad 6)
. Die Arbeitsunfähig
keit habe zuletzt 65 % betragen, aktuell sei sie aufgrund der
Hospitalisation
zu 100 % arbeits
unfähig (ad 7). Die Prognose sei aufgrund der
Chronifizierung
so
wohl aus somatischer Sicht als auch bezüglich der psychischen Beschwerden ungünstig (ad 8).
3.
8
In seinem Bericht vom
29. März 2014
(Urk. 7/61)
nannte Dr.
F._
folgende Diag
nosen
(Ziff. 1.1):
mittelgradige depressive Störung, angstbetont
Verdacht auf emotional instabile Persönlichkeit
ausgedehntes
chronifiziertes
Schmerzsyndrom
Seit dem 4. März 2013 sei die Beschwerdeführerin in ihrer zuletzt ausgeübten Tätigkeit als technische
Supporterin
vollständig arbeitsunfähig (Ziff. 1.6). Es be
stünden eine psychisch und physisch hohe Erschöpfbarkeit, eine massiv redu
ziert
e physische und psychische Belastbarkeit sowie Konzentrations- und Ge
dächtnisstörungen, die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar (Ziff. 1.7). Die Prognose sei körperlich und psychisch ungünstig (Ziff. 1.4).
3.
9
Vom 9. Januar bis 28. Februar 2014 war die Beschwerdeführerin im
I._
erstmals in stationär-psychiatrischer Behandlung. Im Austrittsbericht vom 3. April 2014 (Urk. 7/68/2-5) nannten die verantwortlichen Ärzte folgende Diagnosen (S. 1):
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
dependente
und emotional-instabile Persönlichkeitszüge
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
Hypothyreose, substituiert
Kreuzschmerz, chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom
z
ervikozephales
Syndrom
Die Beschwerdeführerin habe initial Symptome einer mittelschweren depressi
ve
n Episode vor dem Hintergrund mehrerer psychosozialer Be
lastungsfaktoren und
chronischer
Rückenschmerzen gezeigt. Sie habe zuverlässig, regelmässig und mo
ti
viert an den multimodalen Therapien bestehend aus Kunst-, Ergo-,
Bewe
gungs
-
und Milieutherapie teil
genommen
. Im Behandlungsverlauf seien des Weiteren
psychotherapeutisch auf kognitiv verhaltenstherapeutischer Grundlage orien
tiert
e sowie stützende und motivierende ärztliche und psycho
logische sowie pflege
rische Gespräche erfolgt (S. 3). Unter diesem
Behandlungs
konzept
habe sich die Patientin insgesamt deutlich aufgehellter, emotional aus
geglichener und ent
spannter gezeigt.
Sie habe einen deutlichen Rückgang sämtlicher depressiver Symptome bei weiterhin stark fluktuierender Schmerzsymptomatik gezeigt. Bei Austritt hätten ihr eine persönliche Abgren
zung und der Umgang mit negativen
Emotionen und innerer Anspannung nach wie vor Schwierigkeiten bereitet (S. 4).
3.
10
Der aktuelle Hausarzt
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Allgemeinmedizin,
nannte in seinem Bericht vom 3. Juni 2014 insbesond
ere folgende Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk. 7/
71
):
depressive Störung
chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom
zervikozephales
Syndrom
chronische Schmerzstörungen mit somatischen und psychischen Fakto
ren
Bei langwierigem Verlauf und unklarem psychotherapeutischem Ausgang sei die Prognose unsicher (S. 2 Ziff. 1.4). Nach wechselnden Arbeitsunfähigkeiten seit März 2013 bestehe seit dem 9. Januar 2014 aufgrund der psychischen und somatischen Beschwerden eine volle Arbeitsunfähigkeit als kaufmännische An
gestellte und Automechanikerin (S. 2 Ziff. 1.6). Bei erfolgreicher psychothera
peu
tischer Intervention könnte die Arbeitsfähigkeit gesteigert werden (S. 2 Ziff. 1.7)
.
3.
1
1
Der aktuelle Psychiater
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie sowie Neurologie, diagnostizierte in seinem Bericht vom 28. August
2014 eine
somatoforme
Schmerzstörung sowie einen Verdacht auf
konfliktmeidende und emotional-instabile Persönlichkeitsanteile (Urk. 7/75 S. 1).
Eine quantifizierende Einschätzung des Grades der zumutbaren
Arbeitsin
tensität
in der bisher ausgeübten Tätigkeit sei vor allem auch deswegen sehr schwierig, da es sich um ein komplexes Störungsbild mit sowohl somatischen als auch
psy
chischen Anteilen handle, bei dem die Abgrenzung der somatisch verur
sach
ten und unterhaltenen Beschwerden von der psychiatrischen Kompo
nente der
zeit noch nicht ausreichend sicher möglich sei. Ausserdem sei
en
bisher noch keine interdisziplinären Abklärungen über die Anteile der verschiedenen Be
schwerden auf rheumatologischem beziehungsweise psychiatrischem Fachge
biet in ihrer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
erfolgt
. Insgesamt
würden
die Hin
weise dafür
überwiegen
, dass sich mittlerweile eine ausgeprägte eigenstän
dige Schmerzerkrankung in Form einer
somatoformen
Schmerzstörung entwi
ckelt habe. Angaben zu psychischen und psychosomatischen Leistungsdefiziten könnten daher nur vorläufig und unter dem Vorbehalt einer allfälligen differen
zierteren psychiatrischen Begutachtung erfolgen. Die zumutbare
Anwesenheits
dauer
im Betrieb in administrativer Funktion werde auf derzeit zwei Stunden täglich eingeschätzt
,
und es bestehe nach psychiatrischer Einschätzung eine Ar
beitsunfähigkeit von 80 % (S. 6 Ziff. 6). Derzeit lasse sich noch nicht absehen, wann voraussichtlich mit einer Wiederaufnahme der bisherigen Arbeitstätigkeit
oder Erhöhung der Einsatzfähigkeit gerechnet werden könne (S. 7 Ziff. 8). Grund
sätzlich se
i
auch eine andere Arbeit nach ihren beruflichen Qualifikatio
nen und ihren Kenntnissen möglich, sofern es sich nicht um eine die Wirbel
säule belas
tende körperliche Tätigkeit handle. Selbst in einem anderen Arbeits
gebiet dürfte die Arbeitsfähigkeit vorerst jedoch 20 % beziehungsweise eine Einsatzdauer von zwei Stunden täglich
nicht
übersteigen (S. 7 Ziff. 9).
Nach seiner Einschätzung wäre grundsätzlich eine stationäre Behandlung in einer Klinik sinnvoll, welche interdisziplinär die psychischen und somatischen Fak
toren der
Schmerzer
kran
kung
ganzheitlich behandle (S. 8 Ziff. 13).
3.
1
2
In seinem Bericht vom 11. März 2015 (Urk. 7/84
/1-4
) nannte Dr.
Z._
einzig
noch
die Diagnose einer
somatoformen
Schmerzstörung (S. 1 Ziff. 1).
Seit Jah
ren leide die Beschwerdeführerin unter chronischen Schmerzen im Bereich der LWS und auch im Nackenbereich, weswegen sie dauerhaft
Schmerzmedika
mente
einnehmen müsse. Die Arbeitsfähigkeit betrage derzeit zwei Stunden pro Tag, wobei nach spätestens einer Stunde eine Pause zur Entlastung der schmer
zen
den Bereiche eingelegt werden sollte (S. 1 Ziff. 2). Nach Angaben der Pati
en
tin würden die Schmerzen regelmässig auch bei fehlender körperlicher Be
lastung auftreten
,
also ebenfalls im Sitzen oder Stehen. Da die Beschwerden so
wohl bei versuchten probeweisen Arbeitstätigkeiten
in den letzten Monaten als auch im privaten und häuslichen Bereich in gleicher Form auftr
ä
ten, gebe es keine
Hinweise darauf, dass eine angepasste Tätigkeit derzeit eine Vermeidung oder erhebliche Verminderung der Schmerzintensität bewirken könnte. Unter diesen Gesichtspunkten sei daher derzeit in seiner Einschätzung eine Arbeitsfä
higkeit in einer „leidensangepassten“ Tätigkeit nicht gegeben (S. 2 Ziff. 3). Eine
psychische Komorbidität liege nicht vor (S. 2 Ziff. 4). Es gebe auch keine Hin
weise dafür, dass die Beschwerdeführerin etwa aufgrund fehlender ausreichen
der Eigenmotivation darin beeinträchtigt wäre, sich auf eine intensivierte The
rapie mit einem strukturierten Arbeitstraining einzulassen (S. 3 Ziff. 5). Seines
Erachtens sei sie derzeit nicht in der Lage, sich trotz der Schmerzen zur Ar
beits
leistung zu überwinden (S. 4).
3.
1
3
Am 17. Juni 2015 hielt
lic
. phil.
K._
, Psychologin,
L._
, fest, die Beschwerdeführerin sei seit dem 9. Juni 2015
zwecks Abklärung und Therapie in Behandlung. Aufgrund der von ihr geschil
der
ten Beschwerden und einiger
Vorakten
seien folgende vorläufigen
Ver
dachts
diag
nosen
formuliert worden:
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode, mit somatischem Syndrom
chronische Schm
erzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
emotional instabile Persönlichkeitsstörung:
Borderline
-Typ
Sollte sich die Beschwerdeführerin entscheiden, weiterhin in
die
Behandlung zu kommen, werde im Rahmen der nächsten Sitzungen die Diagnostik fortgeführt und ein geeigneter Therapieplan aufgestellt (Urk. 3/7).
4.
4.1
Was die psychischen Beschwerden betrifft, wies der frühere Hausarzt Dr.
B._
b
ereits im Jahre 2006 auf eine Tendenz zur depressiven Entwicklung hin (E. 3.1)
. Im März 2013 empfahlen sodann sie Ärzte des Spitals
C._
eine psy
chiatrisch/psychologische Anbindung zur Verarbeitung der psychischen Aus
nahmesituation (E. 3.2)
,
und auch die Ärzte der Rheumaklinik des
D._
erwähn
ten
psychische Faktoren im Rahmen eine
r chronischen Schmerzerkrankung
, ver
nein
ten jedoch das Vorliegen einer eigentlichen depressiven Störung (E. 3.3).
Im weiteren Verlauf diagnostizierten die Ärzte insbesondere eine rezidivierende de
pressive Störung, mittelgradige Episoden, sowie
emotional-instabile
Persön
lich
keitszüge
(E. 3.9, E. 3.13), wobei die Ärzte diesbezüglich teilweise lediglich einen
Verdacht äusserten (E. 3.8, E. 3.11)
.
Was die aufgrund der vorliegend unbestrittenen psychiatrischen Beschwerden bestehende
Restarbeitsfähigkeit
betrifft,
hielt der frühere Psychiater Dr.
F._
im Februar 2014 fest, die Arbeitsunfähigkeit habe zuletzt 65 % betragen, ohne dies
jedoch näher zu begründen. Aufgrund der
Hospitalisation
sei die Beschwerde
füh
rerin derzeit vollständig arbeitsunfähig. Zur Arbeitsfähigkeit in einer
behin
de
rungsangepassten
Tätigkeit machte Dr.
F._
keine Angaben (E. 3.7-8). Auch die Ärzte des
I._
äusserten sich nicht zur Arbeits- und Leis
tungsfähigkeit der Beschwerdeführerin (E. 3.9). Der aktuelle Psychiater Dr.
Z._
sodann
schätzte
die zumutbare Anwesenheitsdauer sowohl in der bis
herigen administrativen Tätigkeit als auch in einer anderen Tätigkeit auf zwei Stunden täglich
ein
. Dabei hielt er jedoch ausdrücklich fest, eine quantifizie
rende Einschätzung des Grades der zumutbaren Arbeitsintensität sei vor allem auch deswegen sehr schwierig, da es sich um ein komplexes Störungsbild mit sowohl somatischen als auch psychischen Anteilen handle, bei welchem die Abgrenzung der somatisch verursachten und unterhaltenen Beschwerden von der psychiatrischen Komponente noch nicht ausreichend sicher möglich sei. Seine Angaben zu psychischen und psychosomatischen Leistungsdefiziten er
folgten daher nur vorläufig und unter dem Vorbehalt einer allfälligen differen
zierteren psychiatrischen Begutachtung (E. 3.11).
Damit lieg
t
jedoch keine nachvollziehbar begründete und überzeugende Beurtei
lung der verbliebenen Restarbeitsfähigkeit vor.
4.2
Ebenfalls ungenügend ist die Aktenlage sodann zur Prüfung der Frage, ob die
vorliegenden Beeinträchtigungen aus objektiver
Sicht
überwindbar sind. Die
vo
r
liegenden Arztberichte
enthalten zu wenig ausreichende, den
gemäss der neusten
bundesgerichtlichen Rechtsprechung massgeblichen
Stan
dardindika
toren
ver
gleich
bare Ausführungen
.
D
er medizinische Sachverhalt
erweist sich daher
als nicht genügend abgeklärt
,
und die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese eine umfassende rheumatologisch-psychiatrische Begutachtung veranlasst, aufgrund
welcher die Auswirkungen der festgestellten gesundheitlichen Beeinträchtigun
gen
unter Berücksichtigung der neuen bundesgerichtliche
n
Rechtsprechung an
hand
der
verschiedene
n
Standardindikatoren
einzelfallgerecht und
ergebnisof
fen
beur
teilt werden können. Nach Vorliegen der notwendigen Angaben wird über den
Leistungs
anspruch der Beschwerdeführerin neu zu befinden sein. Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von
IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang
des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Vorliegend erscheint eine Prozessentschädigung von Fr.
2‘100
.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) als angemessen.