Decision ID: 06334238-fea3-4669-b069-82cb47f08e4a
Year: 2019
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

schwankend eingestuft und ihre Arbeitsfähigkeit verneint. Zum Sachverhalt
sei festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin seit 2013 Schmerzen an der
linken Hüfte habe sowie seit 2015 an Szintigraphie leide und eine
ausgeprägte entzündliche Spondarthropathie (d.h. Morbus Bechterew)
bestätigt worden sei. Die IV-Stelle habe überdies eine Verletzung der
Untersuchungsmaxime begangen, da sie die Filme aus dem
Evaluationstest vom 24. März 2017 verwendet habe. Bei diesen
Evaluationsfilmen sei die Beschwerdeführerin unter grossem Stress
gestanden, weil sie zuerst mit Fragen konfrontiert worden sei, die nichts mit
ihrem Gesundheitszustand zu tun hatten. Erst danach sei sie gefragt
worden, ob gefilmt werden dürfe. Sie sei in angespanntem Zustand, voller
Angst und Ungewissheit gewesen und es sei eine demütigende Situation
für sie gewesen. Zuhause auf der Gartenterrasse sei sie hingegen
entspannt gewesen. Die Observationsfilme seien nur an guten Tagen
gemacht worden, an schlechten Tagen gehe sie gar nicht aus dem Hause.
Auch die Klinik Valens habe festgehalten, dass die Beschwerdeführerin
sprachlich sehr eingeschränkt sei, weshalb sie ihre Schmerzen mittels
Körpersprache beschrieben habe. Sie habe ihre Schmerzen durch Gesten
und ihre Mimik zum Ausdruck gebracht. Die Filme des Evaluationstests
seien nicht geeignet, um die materielle Wahrheit zu erforschen.
8. Mit Beschwerdeantwort vom 5. November 2018 beantragte die IV-Stelle
(nachfolgend Beschwerdegegnerin) die kostenfällige Abweisung der
Beschwerde. An ihrer Verfügung vom 10. September 2018 werde
festgehalten. Das Urteil des EGMR habe sich nicht mit Art. 59 IVG befasst.
Erst das Urteil des Bundesgerichts 9C_806/2016 vom 14. Juli 2017 habe
- 6 -
festgehalten, dass die Beschwerdegegnerin über keine genügende
gesetzliche Grundlage für Observationen verfüge. Darin seien die
Voraussetzungen aufgeführt, wann das Observationsmaterial dennoch
beweismässig verwertet werden dürfe. Eine Unterscheidung von
Observationen vor und nach dem Strassburger Urteil (EGMR) sei nicht
vorzunehmen, sondern - wenn überhaupt – dann vor und nach dem
zitierten Bundesgerichtsurteil. Im konkreten Fall sei die Observation vorher
gemacht worden. Die durchgeführten Observationen seien Vorermittlungen
durch interne Mitarbeiter der Beschwerdegegnerin (Team BVM), externe
Spezialisten (Detektive) seien nicht beigezogen worden. Sämtliches
Videomaterial sei den Akten beigelegt und bestätige ihr Vorgehen. Die
Ermittlungen seien auf einzelne Tage innerhalb von 4 Monaten beschränkt
gewesen und hätten jeweils nur kurze Zeit gedauert. Es habe aber keine
systematische und ständige Überwachung stattgefunden. Die
Observationsaufnahmen vom Waldstück seien oberhalb des Wanderwegs
und somit auf frei zugänglichem Gelände gemacht worden. Eine 'ultima
ratio' sei nicht nötig; es handle sich um Vorermittlungen von Mitarbeitern
der Beschwerdegegnerin ohne Beizug einer externen Observationsfirma.
Ein Anfangsverdacht habe sich aus der Formulierung im Austrittsbericht
Valens vom 19. September 2016 ergeben. Die erste Inaugenscheinnahme
habe am 13./14. Februar 2017 stattgefunden und es seien damals keine
körperlichen Einschränkungen festgestellt worden. Anlässlich des
Evaluationsgesprächs vom 24. März 2017 sei die Beschwerdeführerin
körperlich sehr eingeschränkt, leidend und kaum gehfähig gewesen. Die
Diskrepanzen am diesen Tag seien gross gewesen, da am Morgen noch
keine Einschränkungen festgestellt worden seien. Bei der
Beschwerdegegnerin bestehe ein grosses öffentliches Interesse an der
Verhinderung von Versicherungsmissbrauch; es sei grösser als der
Grundrechtseingriff infolge Observationsmassnahmen. Eine Verletzung
der Untersuchungsmaxime liege nicht vor, da sich die Beschwerdeführerin
nicht mit den RAD-Abklärungen auseinandergesetzt habe.
- 7 -
9. Mit Replik vom 13. Dezember 2018 hielt die Beschwerdeführerin an ihren
Anträgen fest und verlangte die Einvernahme verschiedener Zeugen. Sie
sollten über die Hochs und Tiefs der Beschwerdeführerin berichten. Ihr
Gesundheitszustand habe sich massiv verschlechtert und sie befinde sich
in einer psychiatrischen Klinik. Der Klinikbericht werde nachgereicht. Der
Entscheid des EGMR bezüglich Erfordernis einer gesetzlichen Grundlage
für Observationen sei auch auf die IV-Stellen anwendbar. Art. 59 IVG
genüge den geforderten Voraussetzungen nicht. Das Observationsmaterial
sei eine ergebnisorientierte Auswahl, weil die Beschwerdeführerin nur an
guten Tagen die Gartenterrasse habe betreten können. Es vermittle daher
kein objektives Bild. Die Anstalt der Beschwerdegegnerin und kantonale
Gebäude seien nicht frei zugängliche Orte. Die medizinischen
Einschätzungen hätten ohne Erkenntnisse der Fachstelle BVM eine volle
Rente ergeben, weshalb es an einem Anfangsverdacht für eine
Observation (ultima ratio) gefehlt habe, zumal an den medizinischen
Einschätzungen keine Zweifel bestanden hätten.
10. Mit Duplik vom 21. Dezember 2018 hielt die Beschwerdegegnerin
unverändert an ihren Anträgen in der Beschwerdeantwort fest. Die
beantragten Zeugeneinvernahmen würden nichts zur medizinischen Frage
des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin beitragen können. Die
Zeugen seien medizinische Laien und befangen. Vorliegend massgeblich
sei der Sachverhalt bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung, die
behauptete Verschlechterung des Gesundheitszustands sei daher
irrelevant. Die Mitarbeiter des BVM-Teams hätten die Beschwerdeführerin
jedes Mal aktiv angetroffen; es sei daher ohne Relevanz, wann und wie sie
den Augenschein vorgenommen hätten. Die Beschwerdeführerin sei im
öffentlichen Raum vor der Anstalt der Beschwerdegegnerin und vor dem
kantonalen Gebäude – und nicht im Inneren – observiert worden. Eine
Auseinandersetzung mit den RAD-Abklärungen habe nicht stattgefunden.
- 8 -
11. Mit Stellungnahme vom 14. Januar 2019 verlangte die Beschwerdeführerin
die Einvernahme von Dr. phil. klin. psych. C._ als Zeugen. Dieser
behandle die Beschwerdeführerin seit längerer Zeit. Die
Beschwerdeführerin gehe über ihre Kräfte hinaus, wenn sie die autistische
Enkeltochter hüte. Die Familienmitglieder sollten als Zeugen den Alltag der
Beschwerdeführerin darlegen, einschliesslich der schlechten Tage und
starken Schwankungen. Die Verschlechterung des Gesundheitszustands
habe sich bereits bei Erlass der Verfügung abgezeichnet, ausgelöst durch
die Strafanzeige mit Polizeieinsatz, weshalb die Verschlechterung im
Zusammenhang mit dem Streitgegenstand stehe.
12. Mit Stellungnahme vom 22. Januar 2019 hielt die Beschwerdegegnerin an
ihren bisherigen Anträgen fest. Wenn die Verschlechterung des
Gesundheitszustands wegen der Strafanzeige eingetreten sei, heisse dies,
dass vorher der Gesundheitszustand besser gewesen sei. Keine Rolle
spielten auch IV-fremde Faktoren, wie namentlich reaktive Störungen
wegen des IV-Entscheids (vgl. BGE 127 V 294; Urteil 9C_799/2012 E. 2.5
in fine).
13. Mit Eingabe vom 25. Januar 2019 beantragte die Beschwerdeführerin dem
Verwaltungsgericht die Sistierung des derzeit hängigen
verwaltungsgerichtlichen Verfahrens bis zum Abschluss des
Strafverfahrens.
14. Mit Stellungnahme vom 4. Februar 2019 hielt die Beschwerdegegnerin fest,
dass das eingeleitete Strafverfahren kein Sistierungsgrund darstelle.
15. Mit Eingabe vom 5. Februar 2019 bekräftige die Beschwerdeführerin ihren
Sistierungsantrag vom 25. Januar 2019 nochmals.
- 9 -
16. Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 11. Februar 2019 auf eine
(weitere) Stellungnahme in dieser Angelegenheit.
17. Mit prozessleitender Verfügung vom 6. Februar 2019 wies die zuständige
Instruktionsrichterin den Sistierungsantrag der Beschwerdeführerin ab.
18. Am 27. Februar 2019 stellte die Staatsanwaltschaft des Kantons
Graubünden beim Verwaltungsgericht ein Auskunftsbegehren betreffend
das laufende Verfahren S 18 129. Die Zustellung der massgebenden Akten
an die Staatsanwaltschaft erfolgte dann am 5. März 2019 durch das
Gericht.
19. Am 11. März 2019 erneuerte die Beschwerdeführerin ihren
Sistierungsantrag und verlangte den Erlass eines selbständigen
Zwischenentscheids.
20. Am 14. März 2019 teilte die Staatsanwaltschaft dem Verwaltungsgericht
mit, dass die eingeleitete Strafuntersuchung bis zur rechtskräftigen
Erledigung des derzeit beim Verwaltungsgericht pendenten Verfahrens S
18 129 sistiert werde.
21. Am 15. März 2019 verzichtete die Beschwerdegegnerin abermals auf eine
Stellungnahme in dieser Sache.
22. Mit Prozessbeschwerde vom 5. April 2019 beantragte die
Beschwerdeführerin auf die prozessleitende Verfügung vom 6. Februar
2019 (Verfahren S 19 40; i.S. formlose Mitteilung vom 6. Februar 2019)
zurückzukommen und ihre Sistierungsanträge im Ergebnis gutzuheissen.
23. Mit Stellungnahme vom 12. April 2019 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Prozessbeschwerde.
- 10 -
24. Mit Replik vom 27. Mai 2019 hielt die Beschwerdeführerin daran fest.
25. Am 5. Juni 2019 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die Einreichung
einer Duplik (zur Prozessbeschwerde).
26. Am 14. Juni 2019 äusserte sich die Instruktionsrichterin zur Beschwerde.
27. Mit Schreiben vom 26. Juni 2019 hielt die Beschwerdeführerin fest, dass
die Herausgabe der Aktenstücke an die Staatsanwaltschaft Graubünden
zumindest erstaunlich gewesen sei. Auf eine Replik werde verzichtet.
28. Mit Urteil des Verwaltungsgerichts vom 12. Juli 2019 (VGU S 19 40) wurde
die Prozessbeschwerde vom 5. April 2019 abgewiesen, soweit darauf
eingetreten wurde.
29. Dagegen erhob die Beschwerdeführerin am 13. September 2019
Beschwerde beim Bundesgericht mit den kostenfälligen Rechtsbegehren
um Aufhebung des angefochtenen Verwaltungsgerichtsurteils und
Sistierung des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens (S 19 40).
30. Mit Urteil des Bundesgerichts 8C_601/2019 vom 23. September 2019
wurde auf die Beschwerde der Beschwerdeführerin mit der Begründung
nicht eingetreten, diese sei offensichtlich verspätet eingereicht worden.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1 Nach Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen
IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
- 11 -
anfechtbar. Die Verfügung der IV-Stelle des Kantons Graubünden vom 10.
September 2018 stellt somit ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein
Verfahren vor dem Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar. Die
sachliche Zuständigkeit ergibt sich aus Art. 57 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in
Verbindung mit Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Als Adressatin der
angefochtenen Verfügung ist die Beschwerdeführerin berührt und weist ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung auf (Art. 59
ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
ist somit einzutreten.
1.2 Strittig und zu klären ist, ob die Beschwerdeführerin aufgrund des
festgestellten Gesundheitszustands einen Anspruch auf
Versicherungsleistungen der Beschwerdegegnerin gehabt hätte oder ob
ein solcher Anspruch wegen ausgeprägter Selbstlimitierung der eigenen
Leistungsfähigkeit mit klarer Aggravation oder Simulation der
Beschwerdeführerin zu Recht verneint wurde. Verfahrens- und
beweisrechtlich stellt sich dabei vorweg die Frage nach der Zulässigkeit
und Verwertbarkeit des erstellten Observationsmaterials (inkl.
Aktendokumentation BVM) einerseits und andererseits die Frage nach der
Rechtmässigkeit und Haltbarkeit des Verzichts auf die Einvernahme von
Zeugen, namentlich von Dr. med. B._ (Hausarzt), von Dr. phil.
C._ (Psychiater) und von Familienmitgliedern, um so ein möglichst
zuverlässiges Bild über den Gesundheitszustand sowie die verbliebene
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zum hierzu allein massgebenden
Zeitpunkt der Verfügung vom 10. September 2018 zu erhalten.
1.3 Zu den Akteneinlagen ist zunächst festzuhalten, dass die
Beschwerdeführerin in ihrer Replik (Ziff. III.5.) die Zustellung eines Berichts
einer psychiatrischen Klinik ankündigte, beim Verwaltungsgericht aber
diesbezüglich nichts ein-/nachgereicht wurde. Aufgrund des Zeitpunkts
- 12 -
dieses Berichts über eine allfällig 'spätere' Verschlechterung des
Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin (nach Erlass der Verfügung
vom 10. September 2018) wäre ein solcher Nachweis aber sowieso vorweg
irrelevant. Das Prinzip der Waffengleichheit ist nicht verletzt worden, da die
Möglichkeit zur Äusserung der Beschwerdeführerin hinreichend gewahrt
wurde
1.4 Zu den Verfahrens- und Beweisanträgen bezüglich der Einvernahme von
Zeugen ist für das Gericht offenkundig, dass die Einvernahme von
Familienangehörigen von vorneherein keine neuen Erkenntnisse
erbrächte, da sie die Ausführungen der Beschwerdeführerin nur bestätigen
würden. Der Einwand der Beschwerdeführerin, die Beschwerdegegnerin
habe sie jeweils genau nur an guten Tagen observiert, ist – wie die
Angaben zur Observation nachfolgend zeigen werden – nicht haltbar. Im
Übrigen ist nicht dargelegt, inwiefern Zeugen aus O.1._Kanton GL)
den Alltag der Beschwerdeführerin in O.2._/Kanton GR kennen
sollten, liegen diese beiden Ortschaften doch räumlich ca. 60 Kilometer
voneinander entfernt. Im Weiteren ist auch die Einvernahme des
Psychologen Dr. phil. C._ als Zeuge abzulehnen; wenn er die
Beschwerdeführerin schon seit längerem behandelt, hätte sie dies nämlich
der Beschwerdegegnerin auch bereits früher melden können und/oder
dessen Berichte einreichen können. Von der Beschwerdeführerin hätte
erwartet werden dürfen, nicht einfach passiv zu bleiben, bis von diesem
Facharzt etwas Neues kommt. Zudem ist ohnehin Vorsicht bei Aussagen
der behandelnden (Haus-) Ärzte geboten, da das Vertrauensverhältnis
zwischen Arzt und Patienten dazu führen kann, dass eher zu Gunsten des
Patienten ausgesagt wird und daher den Beurteilungen dieser Ärzte nicht
volle Beweiskraft zukommt, so wie dies bei völlig unabhängigen Fachärzten
und Spezialisten der Fall ist. Dasselbe gilt auch bezüglich des die
Beschwerdeführerin zuvor behandelnden Hausarztes Dr. med. B._.
Zudem hätten sowohl der bezeichnete Psychologe als auch der erwähnte
- 13 -
Hausarzt einfach von sich aus einen medizinischen Bericht einreichen
können, wobei allerdings unwahrscheinlich ist, dass einer dieser beiden
Fachkräfte die angeblich tagsüber starken Schwankungen der
Beschwerdeführerin selbst mitbekommen hat, zumal solche spezifischen
Behandlungen in der Regel 1-2 Stunden dauern. Auf die Einvernahme des
Psychologen Dr. phil. C._ als auch des Hausarztes Dr. med. B._
als Zeugen durfte mangels Notwendigkeit der Klärung des Sachverhalts
daher verzichtet werden. Dem ist hier umso mehr zuzustimmen, als den
zahlreich vorhandenen Abklärungsberichten und Beurteilungen des RAD
bereits alles Wesentliche entnommen werden konnte, was zur
zuverlässigen und umfassenden Beurteilung des Gesundheitszustands der
Beschwerdeführerin im September 2018 erforderlich war. Im Sinne einer
antizipierten Beweiswürdigung kann das Verwaltungsgericht stets auf die
Abnahme zusätzlicher Beweise (inkl. Zeugeneinvernahmen) verzichten,
wenn es anhand schon erhobener Beweise seine Überzeugung gebildet
hat und dabei ohne Willkür annehmen kann, seine Rechtsauffassung
werde auch durch zusätzliche Beweiserhebungen nicht geändert (vgl. BGE
134 I 148 E. 5.3, 131 I 157 E. 3). Gerade dies ist vorliegend für das
Verwaltungsgericht zweifelsfrei der Fall.
1.5 Zum Beweisantrag der Beschwerdeführerin, das gesammelte
Observationsmaterial der Beschwerdegegnerin sei aus dem Recht zu
weisen, da es rechtswidrig erlangt worden und deswegen nicht verwertbar
sei, gilt es festzuhalten, dass gerade diese Rechtsfrage nachfolgend durch
das Gericht geprüft werden wird. Nicht Streitthema ist hingegen die
behauptete Verschlechterung des Gesundheitszustands (nach erfolgter
Strafanzeige) oder die allfälligen Neuanmeldungen für den Erhalt von IV-
Leistungen im Sinne von Art. 87 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201). Massgeblich ist allein der
Sachverhalt im Zeitpunkt des Verfügungserlasses vom 10. September
2018 (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.3, 129 V 4 E. 1.2; VGU S 17 108 vom 23.
- 14 -
Oktober 2018 E. 2.1, S 18 5 vom 12. Februar 2019 E. 3). Zum Thema
'Observation' hat sich das Verwaltungsgericht zudem bereits in den Urteilen
VGU S 17 5 vom 6. Dezember 2017 (zum UVG), S 17 106 vom 31. Oktober
2017 E. 5 (zum IVG) und S 16 93 vom 5. September 2017 E. 3 (zum IVG)
geäussert.
1.5.1. Eine Observation der versicherten Person tangiert den Schutzbereich des
Grundrechts auf Schutz der Privatsphäre nach Art. 13 Abs. 1 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101).
Ein solcher Schutz gilt nicht absolut, sondern kann gemäss Art. 36 Abs. 1
BV eingeschränkt werden, wenn eine gesetzliche Grundlage vorliegt, ein
öffentliches Interesse an der Einschränkung besteht, die Einschränkung
verhältnismässig ist und der Kerngehalt des Grundrechts nicht angegriffen
wird (vgl. BGE 135 I 171 E. 4.4; HÄFELIN/HALLER/KELLER/THURNHERR,
Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 9. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2016, § 9
[Einschränkungen der Grundrechte] S. 88-97 Rz. 302-326; EHRENZELLER/
SCHINDLER/SCHWEIZER/VALLENDER, Die Schweizerische
Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf
2014, Art. 36 S. 830 Rz. 14 [Gesetzliche Grundlage], S. 836 Rz. 31
[Öffentliches Interesse], S. 839 Rz. 37 [Verhältnismässigkeit] und S. 841
Rz. 44 [Kerngehalt]).
1.5.2. Nach früherer Rechtsprechung des Bundesgerichts war die
privatdetektivliche Observation einer versicherten Person – angeordnet
durch die Unfallversicherung selbst und nicht lediglich mittels Verwertung
der Ergebnisse der von einer Haftpflichtversicherung veranlassten
Überwachung – zulässig, sofern sich die zu sammelnden Tatsachen im
öffentlichen Raum verwirklichten, von jedermann wahrgenommen werden
konnten (wie z.B. Gehen, Treppensteigen, Autofahren, Tragen von Lasten
oder Ausübung sportlicher Aktivitäten) und sich die beauftragte Person an
den durch Art. 179quater (Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch
- 15 -
Aufnahmegeräte) des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB; SR
311.0) vorgegebenen Rahmen hielt (BGE 135 I 171 E. 4.3 mit Hinweisen).
1.5.3. In BGE 137 I 327 (für das invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren)
bzw. im Bundesgerichtsurteil 8C_830/2011 vom 9. März 2012 (für das
unfallversicherungsrechtliche Verfahren) hielt das Bundesgericht noch fest,
dass Art. 43 i.V.m. Art. 28 Abs. 2 ATSG – und für das IV-Verfahren zudem
Art. 59 Abs. 5 IVG – eine genügende gesetzliche Grundlage für die
privatdetektivliche Observation in einem von jedermann ohne weiteres frei
einsehbaren Privatbereich bildeten (Blick auf den Balkon: BGE 137 I 331
E. 5.2). In Bezug auf die Frage der Verhältnismässigkeit sah es den
Persönlichkeitsbereich auch bei einer Observation im öffentlich
einsehbaren, privaten Raum als nur geringfügig tangiert, wenn konkrete
Anhaltspunkte bestünden, die Zweifel an der behaupteten
Arbeitsunfähigkeit weckten (objektive Gebotenheit der Observation), wenn
die Observation nur während einer verhältnismässig kurzen, begrenzten
Zeit stattfinde (im konkreten Fall: Während drei Tagen), und wenn einzig
Verrichtungen des Alltags ohne engen Bezug zur Privatsphäre (hier:
Vorwiegend Putzen des Balkons, Einkaufstüten tragen) gefilmt würden,
womit der Eingriff in die Persönlichkeitsrechte nicht schwer wiege (BGE
137 I 333 f. E. 5.4-5.6). Weil umgekehrt ein erhebliches schutzwürdiges
Interesse an der Missbrauchsbekämpfung bestehe, stufte es die Interessen
der die Observation anordnenden IV-Stelle im Vergleich zu den privaten
Interessen der Versicherten als höherwertig ein (BGE 137 I 334 E. 5.6).
Das Bundesgericht kam damals zum Schluss, dass Videoaufnahmen der
versicherten Person, die sie bei alltäglichen Verrichtungen
(Haushaltsarbeiten) auf dem frei einsehbaren Balkon zeigten, den dabei
durch Art. 179quater StGB vorgegebenen Rahmen nicht verletzten (BGE 137
I 335 f. E. 6.1 und E. 6.2).
- 16 -
1.5.4. Am 18. Oktober 2016 erging das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für
Menschenrechte (EGMR) 61838/10 i.S. Savjeta Vukota-Bojic gegen die
Schweiz. Darin wurde erkannt, dass keine ausreichende gesetzliche
Grundlage für eine Observation der versicherten Person im Auftrag des
Unfallversicherers durch einen Privatdetektiv bestehe, weshalb eine
Verletzung von Art. 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention
(EMRK; SR 0.101) (Recht auf Achtung des Privatlebens) angenommen,
aber eine Verletzung von Art. 6 Ziff. 1 EMRK (Gebot eines fairen
Verfahrens) durch die erfolgte Verwendung der Observationsergebnisse
verneint wurde.
1.5.5. Unter Berücksichtigung der mit Urteil 61838/10 vom 18. Oktober 2016 des
EGMR (i.S. Savjeta Vukota-Bojic gegen die Schweiz) ergangenen
Rechtsprechung erliess das Bundesgericht am 14. Juli 2017 das Urteil
9C_806/ 2016 (= BGE 143 I 377). Es hielt darin fest, dass es auch in der
Invalidenversicherung - gleichermassen wie in der Unfallversicherung - an
einer genügenden gesetzlichen Grundlage, welche die verdeckte
Überwachung umfassend klar und detailliert regelt, fehle. Es erachtete
daher die erfolgte Observation des dortigen Beschwerdeführers als
rechtswidrig, stellte eine Verletzung von Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 BV fest
(vgl. auch 9C_468/2017 vom 11. September 2017 E. 4.1; 9C_328/2017
vom 9. November 2017 E. 4.2 und E. 5.1; 8C_235/2017 vom 23. November
2017 E. 4.3) und erwog, dass an der bisherigen Rechtsprechung (BGE 137
I 327), gemäss der Art. 59 Abs. 5 IVG die Observation durch eine
Privatdetektei mitumfasse, nicht länger festgehalten werden könne (BGE
143 I 384 E. 4). Gleichzeitig und in Bezugnahme auf das Schweizerische
Straf- und Zivilprozessrecht führte das Bundesgericht aber auch aus, dass
für den Entscheid über die Verwertbarkeit des - durch die an sich ohne
gesetzliche Grundlage durchgeführte Observation - rechtswidrig erlangten
Beweises hauptsächlich eine Interessenabwägung zwischen privaten und
öffentlichen Interessen massgebend sei (E. 5.1.1). Das Bundesgericht
- 17 -
beurteilte in jenem Fall den Eingriff in das Grundrecht als relativ gering
(Observation im öffentlichen Raum auf vier Tage innerhalb von 14 Tagen
beschränkt, einzelne Phasen zwischen fünf und neun Stunden, keine
systematische noch ständige Überwachung) und das öffentliche Interesse
an der Verhinderung von Versicherungsmissbrauch als erheblich und
gewichtig. Es kam in jenem Fall deshalb zum Schluss, dass der fragliche
Observationsbericht (inklusive Fotodokumentation und Videoaufnahmen)
in die Beweiswürdigung miteinbezogen werden könne (E. 5.1.2). (Vgl.
auch: BGE 143 IV 391 E. 4.1.4; TEICHMANN/WEISS, Die Verwertbarkeit von
Observationen durch Privatdetektive im Verfahrensrecht, in: ZBJV, Bd. 155
2019, S. 137 ff., insb S. 153 f.; GÄCHTER/MEIER, Observation - ein
Rechtsinstitut unter Beobachtung, in: Jusletter vom 11. Dezember 2017,
insb. S. 25 ff.; sowie zuletzt Urteil des Bundesgerichts 8C_837/2018 vom
15. Mai 2019: Einkaufs- und Fitnesscenter hier öffentlicher Raum,
Verwendung von Zoom zum Fotografieren/Filmen als zulässig erachtet;
Urteil 6B_428/2018 vom 31. Juli 2019 E. 1.4: Observations-Ergebnisse [9
Tage im Juni, Sept, Okt 2010 verwertbar, Verhinderung
Versicherungsmissbrauch wichtig]).
1.5.6. Seit dem 1. Oktober 2019 gilt die Neuregelung für Observationen gemäss
Art. 43a und Art. 43b (Genehmigung des Einsatzes von technischen
Instrumenten zur Standortbestimmung) ATSG. Erstere Bestimmung lautet
dabei wie folgt (Art. 43a Abs. 1-9 ATSG): 1Der Versicherungsträger kann eine versicherte Person verdeckt observieren und dabei Bild- und Tonaufzeichnungen machen und technische Instrumente zur Standortbestimmung einsetzen, wenn: a. aufgrund konkreter Anhaltspunkte anzunehmen ist, dass die versicherte Person
unrechtmässig Leistungen bezieht oder zu erhalten versucht; und b. die Abklärungen sonst aussichtslos wären oder unverhältnismässig erschwert
würden. 2Für die Anordnung der Observation ist eine Person mit Direktionsfunktion im fallbearbeitenden Bereich oder im Bereich Leistungen des Versicherungsträgers zuständig. 3Der Einsatz von technischen Instrumenten zur Standortbestimmung ist genehmigungspflichtig. 4Die versicherte Person darf nur observiert werden, wenn sie sich: a. an einem allgemein zugänglichen Ort befindet; oder
- 18 -
b. an einem Ort befindet, der von einem allgemein zugänglichen Ort aus frei einsehbar ist.
5Eine Observation darf an höchstens 30 Tagen innerhalb von sechs Monaten ab dem ersten Observationstag stattfinden. Dieser Zeitraum kann um höchstens weitere sechs Monate verlängert werden, wenn hinreichende Gründe dafür bestehen. 6Der Versicherungsträger kann externe Spezialistinnen und Spezialisten mit der Observation beauftragen. Diese unterliegen der Schweigepflicht nach Artikel 33 und dürfen die gesammelten Informationen ausschliesslich im Rahmen ihres Auftrags verwenden. Der Versicherungsträger kann das Material einer Observation, die von einem anderen Versicherungsträger oder einem Versicherer nach dem Versicherungsaufsichtsgesetz vom 17. Dezember 2004 selbst oder in deren Auftrag durchgeführt wurde, verwenden, wenn bei der Observation die Voraussetzungen nach den Absätze 1-5 erfüllt waren. 7Spätestens vor Erlass der Verfügung über die Leistung informiert der Versicherungsträger die betroffene Person über den Grund, die Art und die Dauer der erfolgten Observation. 8Konnten die Anhaltspunkte nach Absatz 1 Buchstabe a durch die Observation nicht bestätigt werden, so: a. erlässt der Versicherungsträger eine Verfügung über den Grund, die Art und die Dauer
der erfolgten Observation; b. vernichtet der Versicherungsträger nach Rechtskraft der Verfügung das
Observationsmaterial, sofern die versicherte Person nicht ausdrücklich beantragt hat, dass das Observationsmaterial in den Akten verbleibt.
9Der Bundesrat regelt: a. das Verfahren zur Einsichtnahme des vollständigen Observationsmaterials durch die
versicherte Person; b. die Aufbewahrung und Vernichtung des Observationsmaterials; c. die Anforderungen an die Spezialistinnen und Spezialisten, die mit der Observation
beauftragt werden.
Auf den vorliegenden Fall findet diese Neuregelung vom 1. Oktober 2019
noch keine Anwendung, weil der Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung
vom 10. September 2018 massgebend ist und somit auf die damals gültige
Rechtsprechung des Bundesgerichts vom 14. Juli 2017 mit
vorzunehmender Interessensabwägung (siehe BGE 143 I 377 ff.)
abzustellen ist.
1.5.7. Vorliegend sind die Observationen im Zeitraum von Februar bis Juni 2017
durchgeführt worden, also zu einer Zeit nach dem Urteil EGMR i.S. Vukota-
Bojic (Oktober 2016), aber vor dem richtungsweisenden
Bundesgerichtsurteil BGE 143 I 377 (Juli 2017). Das Urteil EGMR 61838/10
erging zwar zum UVG, dennoch gibt es hier nichts daran auszusetzen,
dass die Beschwerdegegnerin trotzdem Ermittlungen (zum IVG) tätigte,
galt für sie in jenem Zeitpunkt doch noch die frühere bundesgerichtliche
Rechtsprechung, nach der Observationen unter bestimmten
- 19 -
Voraussetzungen zulässig waren (siehe BGE 135 I 169, 137 I 327). Für die
Verwertbarkeit des gesammelten Observations- und Videomaterials ist
denn auch BGE 143 I 377 zu beachten, auch wenn es nach den
Ausführungen der Beschwerdeführerin als 'Fehlurteil' kritisiert worden sei.
Die entsprechenden Einwände der Beschwerdeführerin, wonach die hier
zur Diskussion stehende Observation widerrechtlich sei, weil sie nach dem
Urteil EGMR erfolgt sei, sind daher nicht beachtlich. Die vorgenommene
Observation stellt zwar grundsätzlich einen Eingriff in die Grundrechte der
Beschwerdeführerin dar, zumal sie ohne ausreichende gesetzliche
Grundlage vorgenommen wurde (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_806/2016 vom 14. Juli 2017 = BGE 143 I 385 E. 5.1.1). Das
gesammelte Observationsmaterial darf aber dann beweisrechtlich
verwertet werden, wenn das öffentliche Interesse,
Versicherungsmissbrauch zu verhindern, das private Interesse der
Beschwerdeführerin am Schutz ihrer Privatsphäre überwiegt (vgl. abermals
wegweisendes Urteil des Bundesgerichts 9C_806/2016 vom 14. Juli 2017
= BGE 143 I 386 E. 5.1.2).
1.5.8. Aus chronologischer Sicht datiert das Urteil EGMR i.S. Vukota-Bojic gegen
die Schweiz vom 18. Oktober 2016 (zum UVG). Im konkreten Fall wurden
die Vorermittlungen während dreier Tage innerhalb von zwei Monaten (13.
Februar, 14. Februar und 24. März 2017) jeweils für 1-3 Stunden durch die
Fachstelle BVM vorgenommen. Die anschliessenden Ermittlungen wurden
sodann während 6 Tagen innerhalb von zwei Monaten (22. Mai 2017 – 1
Stunde; 23. Mai 2017 [vor und nach RAD-Untersuch] – 1⁄4 Std. und 5 1⁄2 Std.;
2. Juni 2017 – 20 Minuten; 15. Juni 2017 – 1⁄2 Std.; 21. Juni 2017 [vor und
nach EFL vormittags/RAD-Untersuch nachmittags] – 1⁄4 Std. und 10
Minuten; 22. Juni 2017 [ELF] – 1⁄4 Std. und 2 Std.) ebenfalls von der
Fachstelle BVM durchgeführt. Das massgebende Bundesgerichtsurteil
(BGE 143 I 377) datiert vom 14. Juli 2017 (zum IVG). Die Eröffnung der
Abklärungsresultate und damit auch die Wahrung des rechtlichen Gehörs
- 20 -
erfolgte am 28. September 2017 (vgl. dazu die Akten der IV-Stelle [IV-act.]
86). Dieser Geschehensablauf ist nun noch zu bewerten.
1.5.9. Nach Auffassung des Verwaltungsgerichts ist vorliegend der Eingriff in die
Grundrechte der Beschwerdeführerin relativ gering, zumal ausschliesslich
im öffentlich zugänglichen Raum beobachtet und gefilmt wurde. Der
Einwand der Beschwerdeführerin hinsichtlich einer illegalen Einsichtnahme
in den Garten/auf die Gartenterrasse ist objektiv nicht haltbar, da die
besagten Grundstücksanteile (Liegenschaftsbestandteile) vom Waldstück
oberhalb des Waldwegs frei einsehbar sind, also auch für Wanderer, etc.
(vgl. separate Beilage der Beschwerdegegnerin [Blauer Ordner mit
Planskizze auf S. 9 des Ermittlungsberichts vom 27. April 2018] ; zur
Rechtsprechung BGE 137 I 331 E. 5.2 [Blick auf Balkon]; VGU S 16 93 vom
5. September 2017 E. 3b und 4c, S 17 5 vom 6. Dezember 2017 E. 3.3 und
4.4.1). Der Einwand der Beschwerdeführerin, es sei aus dem Inneren der
Anstalt der Beschwerdegegnerin und eines kantonalen Gebäudes
observiert worden, konnte von der Beschwerdegegnerin in deren Duplik
vom 21. Dezember 2018 glaubhaft entkräftet werden. Richtig ist, dass die
Beschwerdeführerin nur zweimal kurz am 24. März 2017 und am 21. Juni
2017 – nach der Befragung durch die Beschwerdegegnerin in deren
Büroräumlichkeiten – beim Verlassen der Anstalt (aus dem Inneren
herkommend) von aussen auf öffentlich zugänglichem Gelände (ab
Parkplatz) observiert wurde und nur (unbeeinflusste) Handlungen
aufgenommen wurden. Die Beschwerdegegnerin observierte die
Beschwerdeführerin gesamthaft während 9 Tagen innerhalb eines
Zeitraums von 4 Monaten, in jeweils kurzen Zeitabständen und zudem in
Zusammenhang mit den RAD- und ELF-Untersuchungen. Ein solches
Vorgehen kann aber noch nicht als (verpönte) systematische oder ständige
Überwachung im Sinne einer rechtswidrigen Dauerkontrolle bezeichnet
werden (siehe zum Vergleich: VGU S 16 93 und S 17 5 E. 4.4.1: 15 Tage
Observation über vier Jahre). Der Einwand der Beschwerdeführerin, dass
- 21 -
die Beschwerdegegnerin nicht bewiesen habe, dass sie nicht noch
systematischer observiert habe, ist weder belegt noch wahrscheinlich,
zumal die Beschwerdegegnerin glaubhaft bestätigt hat, dass das
gesammelte Observationsmaterial der Beschwerdeführerin vollständig
mitgeteilt worden sei. Im Übrigen ist eine 'Negativ-Tatsache' nicht
beweisbar. Die Beschwerdeführerin bringt keine Anhaltspunkte dafür vor,
dass es anders sein könnte. Der Einwand der Beschwerdeführerin, die
Beschwerdegegnerin habe genau die guten Tage observiert, ist ebenfalls
nicht haltbar. In diesem Fall wären die Termine für die RAD- und EFL-
Untersuchungen allesamt zufälligerweise auf die guten Tage gefallen, was
ein riesiger Zufall wäre, da die Beschwerdegegnerin dann immer nur die
guten Tage für die Observation erwischt hätte, obwohl sie zuvor doch nicht
wissen konnte, wann die guten und wann die schlechten Tage der
Beschwerdeführerin sind. Allseits unbestritten ist immerhin, dass ein
erhebliches und gewichtiges öffentliches Interesse an der Verhinderung
von Versicherungsmissbrauch gegeben ist (siehe Urteil des
Bundesgerichts 8C_239/2008 vom 17. Dezember 2009 E. 6.4.1). Ein
Anfangsverdacht für eine Observation hat ebenfalls bestanden. Wie den
überzeugenden Angaben der Beschwerdegegnerin entnommen werden
kann, enthielt der Austrittsbericht aus der Klinik Valens vom 19. September
2016 bereits einen entsprechenden Hinweis, indem dort festgehalten
wurde: Der stationäre Rehabilitationsaufenthalt der Patientin gestalte sich
sehr schwierig. Geprägt von depressiver Stimmungslage und stärksten,
immobilisierenden Schmerzexazerbationen sei sie nur schwer zu
motivieren, respektive zu aktivieren. Es hätten sich insbesondere aktuell
keine Hinweise auf eine derart einschränkende Aktivität der
diagnostizierten seronegativen Spondylarthritis finden lassen, die die
Problematik erklären könnten (IV-act. 54 S. 4). Auch dem
Ermittlungsbericht vom 27. April 2018 ist zu entnehmen, dass die
organischen Befunde das Ausmass des beklagten Schmerzleidens nicht
begründen könnten und die Präsentationen der Patientin überwiegend
- 22 -
psychisch bedingt seien (vgl. Blauer Ordner, S. 7, Sachverhalt in fine). Es
folgten dann die Vorermittlungen durch die Beschwerdegegnerin (Team
BVM) im Februar 2017. Am Tag des Evaluationsgesprächs vom 24. März
2017 ergaben sich frappante Diskrepanzen zwischen den Aussagen der
Beschwerdeführerin (vgl. Blauer Ordner, Lasche 7) und der
Fotodokumentation der Vorermittlung vom 3. April 2017 (Blauer Ordner,
Lasche 10). Diese unerklärbaren Ungereimtheiten waren für weitere
Ermittlungen zwischen Mai und Juni 2017 ausreichend, da es an den
medizinischen Einschätzungen und Beurteilungen entgegen den
Ausführungen der Beschwerdeführerin durchaus Zweifel gab. Wie die
Beschwerdegegnerin in ihrer Vernehmlassung vom 5. November 2018 (S.
5) zu Recht festhielt, wurde die Observation auch nicht als ultima ratio
angeordnet, da die Vorabklärungen der Mitarbeiter der
Beschwerdegegnerin ein eindeutiges Bildmaterial ergeben hätten und
deshalb auf den Beizug einer externen Observationsfirma habe verzichtet
werden dürfen. In Würdigung und Bewertung des soeben geschilderten
Vorgehens und Verhaltens der Beschwerdegegnerin ist das
Verwaltungsgerichts zur Auffassung gelangt, dass das gesammelte
Observationsmaterial hier durchaus in die gerichtliche Beweis- und
Gesamtwürdigung des Einzelfalles miteinbezogen werden darf und die
Akten BVM somit nicht aus dem Recht gewiesen werden, sondern
berücksichtigt werden dürfen und daher verwertbar sind.
1.6.1. Nach Art. 43 Abs. 1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren,
nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die
erforderlichen Auskünfte ein. Laut Untersuchungsprinzip hat die Behörde
den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, ohne
dabei an die Anträge der Parteien gebunden zu sein. Sie hat deshalb aus
eigner Initiative vorzugehen und darf Parteivorbringen nicht mit der
Begründung abtun, diese seien nicht belegt worden. Der Grundsatz wird
ergänzt durch die Mitwirkungspflicht der Parteien (vgl. UELI KIESER, ATSG-
- 23 -
Kommentar, Zürich/Basel/Genf 2015, Art. 43, S. 571 Rz. 13 mit Hinweis auf
BGE 117 V 263 f.; sowie Urteil des Bundesgerichts 8C_481/2013 vom 7.
November 2013 E. 3, Urteil 9C_382/2018 vom 21. Januar 2019 E. 4.2).
1.6.2. Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung der Untersuchungsmaxime
durch die Beschwerdegegnerin, weil sie die Videofilme aus dem
Evaluationstest vom 24. März 2017 falsch interpretiert habe. Der Einwand
der Beschwerdeführerin, sie sei damals angespannt gewesen und die
Bildaufnahmen zeigten deshalb nicht die materielle Wahrheit, ist nicht
stichhaltig. Eine gewisse Angespanntheit bei Tests und beim
Gefilmtwerden darf als normal und üblich bezeichnet werden. Aus dem
Protokoll des betreffenden Evaluationsgespräches (vgl. Blauer Ordner,
Lasche 7) sind jedenfalls keine Angaben ersichtlich, dass die
Beschwerdeführerin – wie von ihr behauptet – zuerst mit anderweitigen
Fragen nervös gemacht oder absichtlich hinsichtlich ihres
Gesundheitszustands von der Beschwerdegegnerin verunsichert worden
wäre. Zudem hat die Beschwerdeführerin noch ausdrücklich bestätigt, dass
sie in der Lage sei, der persönlichen Befragung auch sprachlich zu folgen
und sie daher auf einen Dolmetscher verzichte. Der Einwand der
Beschwerdeführerin, dass das Observationsmaterial nur ihre
Gesundheitsverfassung an guten Tagen dokumentiere, wurde bereits
entkräftet (siehe E. 1.5.9, hiervor) und hat sich als unbegründet erwiesen.
2.1. In materieller Hinsicht gilt es die Frage der Rentenberechtigung zu klären.
Als Invalidität gilt die durch einen körperlichen oder geistigen
Gesundheitsschaden verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere
Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 ATSG i.V.m. Art. 4 ATSG). Bei
erwerbstätigen Versicherten erfolgt die Ermittlung der Invalidität in der
Regel nach der Methode des Einkommensvergleichs (Art. 16 ATSG; Art.
28a Abs. 1 IVG). Bei dieser Methode wird das gegenwärtig trotz
Behinderung noch zumutbare Erwerbseinkommen mit jenem ohne
- 24 -
Behinderung verglichen, wobei die daraus resultierende Differenz in
Prozenten den Invaliditätsgrad (IV-Grad) ergibt. Ist eine versicherte Person
danach mindestens 40 % invalid, so hat sich Anspruch auf eine
Viertelsrente, bei mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei mindestens
60 % auf eine Dreiviertelsrente und ab 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs. 2 IVG). Für die Festsetzung des IV-Grads kommt es in erster Linie auf
die wirtschaftliche Erwerbsunfähigkeit und nicht auf die medizinische
Arbeitsunfähigkeit an (so bereits: PVG 2005 Nr. 11, 1982 Nr. 80; BGE 132
V 395 E. 2.1). Ohne zuverlässige und beweistaugliche Festlegung der
graduellen Arbeitsfähigkeit durch die Ärzte oder IV-Haushaltsexperten ist
eine seriöse und sachgerechte Ermittlung der Erwerbsunfähigkeit (IV-
Grad) aber im Voraus gar nicht möglich (BGE 137 V 219 E. 1.2, 122 V 160
E. 1c, 115 V 134 E. 2).
2.2. Hier sind folgende Arzt-, Facharzt- und Klinikberichte sowie weitere
sachdienlichen Angaben zur Streitentscheidung aktenkundig und von
Belang:
2.2.1. Im Abklärungsbericht vom 23. März 2015 attestierte Dr. med. D._,
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, der Beschwerdeführerin eine
mittelgradige depressive Episode F:32.1, eine Panikstörung F:41.0 sowie
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung F:45.4 (IV-act. 15).
2.2.2 Im Abklärungsbericht vom 30. April 2015 bestätigte Dr. med. E._,
Facharzt für Rheumatologie FMH und Innere Medizin FMH, Manuelle
Medizin SAMM, der Beschwerdeführerin eine ausgeprägte entzündliche
Spondarthropathie, szintigraphisch (IV-act. 12).
2.2.3. In seinem zweiten Abklärungsbericht vom 28. Mai 2015 hielt Dr. med.
E._ fest, die festgestellte Entzündung sei trotz Medikamenten noch
- 25 -
nicht im Griff. Sollte keine Besserung eintreten, werde eine Hospitalisation
erforderlich (IV-act. 15 S. 9).
2.2.4. In ihrem zweiten Abklärungsbericht vom 11. August 2015 hielt Dr. med.
D._ fest, die Beschwerdeführerin leide seit 1 Jahr an depressiver
Symptomatik (ICD 10: F 32.1) und Panikattacken (F 41.0) (IV-act. 20).
2.2.5. Im dritten Abklärungsbericht vom 24. August 2015 hielt Dr. med. E._
fest, eine Skelettzintiggraphie habe den Befund Polyarthropathie ergeben.
Für deren Behandlung seien andere Medikamente nötig (IV-act. 23).
2.2.6. Mit Folgebericht vom 5. November 2015 diagnostizierte Dr. med. E._
der Beschwerdeführerin eine seronegative Spondylarthritis mit peripherem
und axialem Befall (dokumentiert mit SPECT CT vom 28. April 2015). Die
bisher verwendeten Medikamente seien ungenügend (IV-act. 30).
2.2.7. Laut Abklärungsbericht der Universitätsklinik Zürich, Klinik für
Rheumatologie, vom 8. September 2015 wurden bei der
Beschwerdeführerin eine seronegative Spondyloarthritis, ein myofasziales
Schmerzsyndrom, eine depressive Entwicklung, ein schwerer Vitamin-D-
Mangel und Spannungskopfschmerzen festgestellt (IV-act. 30 S. 4 ff.).
2.2.8. Im Abklärungsbericht vom 20. November 2015 stellte Dr. med. D._
eine negative Entwicklung der Symptomatik der Patientin fest (IV-act. 37).
2.2.9. Im Folgebericht vom 21. März 2016 attestierte Dr. med. D._ ihrer
Patientin keine Arbeitsfähigkeit, auch nicht im Haushalt (IV-act. 40).
2.2.10. Im Abklärungsbericht vom 20. April 2016 diagnostizierte Dr. med. F._,
Facharzt für Innere Medizin FMH sowie Leiter medizinisches
Ambulatorium/Tagesklinik, Kantonsspital Graubünden, der
- 26 -
Beschwerdeführerin eine seronegative Spondyloarthritis mit perpherem
und axialem Befall, eine latente Tuberkulose, eine depressive Entwicklung
sowie ein schwerer Vitamin-D-Mangel (IV-act. 42).
2.2.11. Mit Verfügung vom 6. Mai 2016 hielt die G._-Versicherung fest, dass
die Beschwerdeführerin 100 % arbeitsfähig in einer angepassten Tätigkeit
sei. Ab dem 1. September 2016 würden keine Taggelder mehr
ausgerichtet. Es werde eine Reha empfohlen (IV-act. 45 S. 2-3, S. 13-14).
Die Verfügung stützte sich auf einen Abklärungsbericht von Dr. med.
H._, FMH Innere Medizin, speziell Rheumatologie (IV-act. 46 S. 21).
2.2.12. Am 12. Oktober 2016 hielt Dr. med. D._ fest, dass sie ihre Patientin
nach dem Klinikaufenthalt nicht mehr gesehen habe (IV-act. 50).
2.2.13. Im Austrittsbericht der Klinik Valens, Physiotherapie vom 6. September
2016 wurden der Beschwerdeführerin eine seronegative Spondyloarthritis
mit peripherem und axialem Befall, eine Fibromyalige, eine schwere
depressive Episode mit somatischem Syndrom ohne psychische
Symptome, eine Panikstörung und eine latente Tuberkulose diagnostiziert.
Das Gehen am Unterarmrollator sei in der Therapie geübt worden, ohne
Gehhilfe müsse sie sich an Wänden und Mobiliar halten, das Aufstehen
und Absitzen habe sich aber durch die Therapie nicht verändert (IV-act. 54
S. 2).
2.2.14. Im Austrittsbericht der Klinik Valens vom 19. September 2016 wurde
vermerkt, dass sich der Klinikaufenthalt sehr schwierig gestaltet habe und
keine erklärbaren Hinweise auf derart stark einschränkende Schmerzen bei
der Beschwerdeführerin hätten festgestellt werden können. Aufgrund der
ausgeprägten Depression und Schmerzstörung sei keine Verbesserung
des Zustands möglich (IV-act. 54 S. 4).
- 27 -
2.2.15. Im Austrittsbericht der Klinik Valens, Psychosomatik vom 11. Oktober 2016
wurde der Beschwerdeführerin für die Dauer des Spitalaufenthalts vom 8.
August bis 3. September 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert.
Anschliessend sei die Patientin aus psychiatrischer Sicht weiterhin bis
einschliesslich zum 30. September 2016 voll arbeitsunfähig. Die weitere
Bestimmung der Arbeitsfähigkeit erfolge im Verlaufe durch die
nachbehandelnden Ärzte und den Hausarzt (IV-act. 54 S. 12).
2.2.16. Im Bericht vom 10. Februar 2017 empfiehlt der Regionale Ärztliche Dienst
(RAD) Ostschweiz, I._, Facharzt für Allgemeinmedizin; MAS
Versicherungsmedizin, eine Abklärung der Patientin an Ort und Stelle.
Sollte die versicherte Person alleine und problemlos gehen können (ohne
Anhalten an der Wand, Gehstrecke über 20 Meter etc.) oder gar andere
Handlungen vornehmen können, die der beschriebenen massivsten
Einschränkungen widersprächen, so läge mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit Aggravation oder gar Simulation vor. In diesem Fall
wären Videoaufzeichnungen des tatsächlichen Leistungsvermögens
unverzichtbar. Es werde eine RAD-Abklärung Psychiatrie und
Rheumatologie mit EFL inkl. Leistungsprofil für das Observationsteam
empfohlen (IV-act. 56 S. 2-3).
2.2.17. Im Bericht vom 18. Februar 2017 hielt Dr. med. D._ fest, dass sie ihre
Patientin wegen schwerer Depressionen und ausgeprägter
Schmerzsymptomatik vom 23. März 2015 bis auf weiteres als zu 100 %
arbeitsunfähig einstufe (IV-act. 57).
2.2.18. Mit Befragung (Evaluationsgespräch) vom 24. März 2017 erteilte die
Beschwerdeführerin der Beschwerdegegnerin Auskunft über ihren
aktuellen Gesundheitszustand mit Angaben zu ihren Schmerzen und ihrer
Bewegungsfähigkeit (inkl. Videoaufnahmen) anhand vorgegebener
- 28 -
Körperpositionen (IV-act. 71; vgl. zudem DVD-Bewegungsabläufe [Blauer
Ordner]).
2.2.19. In der RAD-Beurteilung vom 27. April 2017 wurde festgehalten, dass die
Beschwerdeführerin eine extrem schmerzgeplagte Person mit massiven
Einschränkungen in der Beweglichkeit (Kopf/Wirbelsäule/Arme/Beine) sei.
Sie sei praktisch unfähig, auch nur geringe Gewichte (2 kg) vom Boden
aufzuheben und bis auf Tischniveau zu heben, eine Gehstrecke von 10
oder 20 m frei zu gehen oder Treppen zu steigen (IV-act. 73 S. 6).
2.2.20. Mit zusätzlicher RAD-Beurteilung vom 27. April 2017 hielt RAD-Arzt
I._ zu den Vorermittlungen (inkl. Video-Observation vom 13./14.
Februar und 24. März 2017) fest, dass ein krasser Widerspruch zwischen
der Leidenspräsentation und den tatsächlichen Fähigkeiten bei der
Beschwerdeführerin bestehe. Es könnten keine Leistungseinschränkungen
(körperlich oder psychisch) bestätigt werden. Er stelle vielmehr eine
Simulation oder schwerste Aggravation fest. Unabhängig von den
Diagnosen lägen keine erkennbaren Funktionseinschränkungen vor,
weshalb auch von einer unverminderten Arbeitsfähigkeit auszugehen sei.
Aus medizinischer Sicht sei die versicherte Person mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit für eine leidensadaptierte Tätigkeit zu 100 %
arbeitsfähig. Von weiteren medizinischen Abklärungen könne Abstand
genommen werden (IV-act. 74 S. 3-4).
2.2.21. Aus der EFL-Beurteilung der Klinik Valens vom 22. Juni 2017 geht hervor,
dass die von der Explorandin demonstrierten Einschränkungen mit den
medizinischen Befunden nicht erklärbar seien. Das gezeigte Verhalten sei
als erhebliche Symptomausweitung zu bewerten. Betreffend Zumutbarkeit
sollte aus somatischer Sicht aufgrund der festgestellten
Symptomausweitung von einer höheren Belastbarkeit ausgegangen
werden. In vergleichbaren Fällen sei die Belastbarkeit für eine mindestens
- 29 -
sitzende oder sehr leichte Tätigkeit erreicht worden (Anmerkung des
Gerichts: ELF = Evaluation der körperlichen Leistungsfähigkeit; IV-act. 81
S. 2).
2.2.22. In der RAD-Beurteilung vom 12. September 2017 werden mehrere
Sachverhalte an jeweils verschiedenen Observationstagen zwischen Mai
und Juni 2017 geschildert und kommentiert. Es sei dabei festgestellt
worden, dass das Bewegungsverhalten der observierten Person an Tagen
ohne offizielle Termine anders als an Tagen mit offiziellen Terminen
gewesen sei. Für den RAD spreche dieses Verhalten eher für ein
zielgerichtetes Verhalten zur Leidenspräsentation, um etwaige Observierer
in die Irre zu führen (IV-act. 83 S. 3-4).
2.2.23. In der Befragung (rechtliches Gehör) vom 28. September 2017 wurde die
Beschwerdeführerin von der Beschwerdegegnerin mit dem Videomaterial
der durchgeführten Observationen konfrontiert (IV-act. 86 S. 1-6).
2.2.24. Mit Aktennotiz vom 28. September 2017 hielt die Beschwerdegegnerin ihre
Eindrücke über die durchgeführte Befragung fest (IV-act. 87).
2.2.25. Im Abklärungsbericht vom 6. Oktober 2017 hielt Dr. med. D._ fest,
dass eine Chronifizierung der Symptome eingetreten sei (IV-act. 92).
2.2.26. Mit Ergänzungsanträgen vom 19. Oktober 2017 veranlasste der RAD
zusätzliche fachärztliche Abklärungen betreffend Psychiatrie und
Rheumatologie aufgrund des erstellten Observationsmaterials (IV-act. 95
und 96).
2.2.27. In der RAD-Aktennotiz vom 8. Dezember 2017 hielt Dr. med. K._, FMH
Rheumatologie und Innere Medizin, fest, dass er bei seinen Abklärungen
anhand der zugestellten Ermittlungsakten ein stark invalidisierendes
- 30 -
Verhalten mit Bewegungseinschränkungen und Schmerzäusserungen
festgestellt habe, in den Video- und Ermittlungsakten davon aber nichts
mehr zu sehen sei. Die Beschwerden der versicherten Person seien
aufgrund des Observationsmaterials nicht nachvollziehbar (IV-act. 104 S.
2).
2.2.28. Mit RAD-Stellungnahme vom 22. Januar 2018 hielt L._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, zum Ergänzungsauftrag BVM fest, dass
die versicherte Person zumindest teilweise bewusst sehr ausgeprägt
wahrheitswidrige Angaben gemacht habe (IV-act. 105 S. 27).
2.2.29. In der Bidisziplinären RAD-Abklärung (Interdisziplinärer Konsens) vom 20.
Februar 2018 hielten Dr. med. K._ (Rheumatologe) und L._
(Psychiater) fest: Von psychiatrischer Seite würden keine Diagnosen
beigesteuert, da aufgrund der Inkonsistenzen keine arbeitsrelevante
Diagnose mit der notwendigen Sicherheit und Tragfähigkeit gestellt werden
könnte. Somit greife für die Beurteilung des Krankheitsgeschehens und der
Leistungsfähigkeit bzw. Leistungseinschränkung die entsprechende
versicherungsmedizinisch-rheumatologische Einschätzung. In dieser sei
die Beurteilbarkeit aufgrund der defizitären Mitwirkung bei Abklärungen
(z.B. erhebliche Symptomausweitung und daher Nichtbeurteilbarkeit bei
der EFL) zwar sehr eingeschränkt, immerhin habe der rheumatologische
RAD-Arzt eine auf alle Fälle zumutbare adaptierte Arbeitsfähigkeit bejahen
können. Dass die Leistungsfähigkeit der Explorandin höher sei 'als
adaptiert attestiert' stehe ausser Frage; es könne allerdings nicht mit
ausreichender Sicherheit eingeschätzt werden, wie viel höher (IV-act. 106
S. 37).
2.2.30. Mit RAD-Abschussbeurteilung vom 19. April 2018 hielt RAD-Arzt I._
fest, dass medizinisch auf die umfassenden RAD-Abklärungen abgestellt
werden dürfe und gestützt darauf erkannt werde, dass aufgrund einer
- 31 -
ausgeprägten Selbstlimitierung einerseits die rheumatologische
Beurteilung nur teilweise aussagekräftig sei sowie das psychiatrische
Gutachten bezüglich Arbeitsfähigkeit gar nicht aussagekräftig sei; letzteres
habe eine Nichtbeurteilbarkeit festgestellt. Versicherungsmedizinisch sei
auf die aus rheumatologischer Sicht getätigte Mindest-Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit abzustellen, da es bei Simulation/Aggravation nicht
möglich sei, eine seriöse Leistungseinschätzung abzugeben. Die in der
EFL genannte Mindest-Leistungsfähigkeit sei nur das allermindeste was zu
sehen sei, eine höhere Leistungsfähigkeit dürfe mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit angenommen werden (IV-act. 123 S. 12).
3.1. Laut Rechtsprechung des Bundesgerichts genügen Observationsberichte
für sich alleine nicht als Grundlage für Sachverhaltsfeststellungen
betreffend den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit einer
versicherten Person. Eine sichere Kenntnis des Sachverhalts kann in
dieser Hinsicht erst die ärztliche Beurteilung, in welche die Erkenntnisse
der Observation einfliessen, liefern; dabei können die Ergebnisse einer
zulässigen Observation zusammen mit einer ärztlichen Aktenbeurteilung
grundsätzlich geeignet sein, eine genügende Basis für
Sachverhaltsfeststellungen betreffend den Gesundheitszustand und die
Arbeitsfähigkeit zu bilden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_395/2016
vom 25. August 2016 E. 4.2.1). Die Einholung einer Aktenbeurteilung durch
den RAD genügt allerdings nur bei klaren Verhältnissen, mithin dann, wenn
keine auch nur geringen Zweifel an deren Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit
bestehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_254/2016 vom 7. Juli 2016 E.
3.2.1).
3.2. Vorliegend wurde das erstellte Observationsmaterial (vgl. Blauen Ordner)
von den RAD-Ärzten (Dr. K._/L._/I._) gewürdigt und sowohl
in die bidisziplinäre RAD-Abklärung vom 20. Februar 2018 (IV-act. 106) als
auch in die RAD-Abschlussbeurteilung vom 19. April 2018 (IV-act. 123)
- 32 -
aufgenommen und verarbeitet. Medizinisch-theoretisch sollten aus
rheumatologischer Sicht danach zumindest sitzende oder sehr leichte
körperliche Tätigkeiten im Umfang von 4 h/Tag (2 x 2 Stunden) möglich
sein. Eine zusätzliche Leistungseinschränkung von 10-20 % bei
langsamem Arbeitstempo im Rahmen der Schmerzsymptomatik werde
angenommen. Somit bestehe eine 40%ige als minimal angegebene
Arbeitsfähigkeit. Die tatsächliche Arbeitsfähigkeit liege sicher höher, könne
aufgrund der vorliegenden Ausweitungssymptomatik aber nicht genauer
quantifiziert werden. Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine
'Nichtbeurteilbarkeit' sowohl bezüglich der angestammten Tätigkeit (als
Reinigungskraft) wie auch bezüglich allfälliger adaptierter Tätigkeiten (vgl.
IV-act. 123 S. 11 – Arbeitsfähigkeit in einem leidensadaptierten Beruf).
Nach Auffassung des streitberufenen Gerichts hat das erstellte
Observationsmaterial die vorhandenen Diskrepanzen zwischen den
objektiv (rheumatologisch) nachweisbaren Einschränkungen und den
subjektiv geklagten Beschwerden der Beschwerdeführerin derart klar und
eindeutig aufgedeckt, dass die bidisziplinäre RAD-Abklärung vom 20.
Februar 2018 für die Sachverhaltsfeststellung betreffend
Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin als
ausreichend bezeichnet werden darf. Dem ist umso mehr beizupflichten,
wenn auch die RAD-Abschlussbeurteilung vom 19. April 2018 (IV-act. 123
S. 10/12), die früheren RAD-Berichte vom 8. Dezember 2017 (IV-act. 104
S. 2) und 22. Januar 2018 (IV-act. 105 S. 27), die Aktennotiz zur Befragung
vom 28. September 2017 (IV-act. 87), die RAD-Beurteilungen vom 12.
September 2017 (IV-act. 83) und 27. April 2017 zu den Vorermittlungen
(IV-act. 74) beigezogen und berücksichtigt werden.
3.3. Für das Gericht ist anhand dieser Facharztberichte und Aktenlage erstellt,
dass die vorinstanzliche Annahme einer klaren Aggravation bzw.
Simulation bezüglich des aktuellen Gesundheitszustands sowie der
verbliebenen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zutreffend,
- 33 -
nachvollziehbar sowie inhaltlich überzeugend ist. Die Diskrepanzen
zwischen den objektiv festgestellten Bewegungseinschränkungen und den
subjektiv geklagten Leiden der Beschwerdeführerin sind offensichtlich und
anhand des erstellten Observationsmaterials zwischen April und Juni 2017
im Detail nachgewiesen (vgl. dazu die kommentierte Fotodokumentation
vom 3. April 2017 (Blauer Ordner; Lasche 10 – insbesondere Fotos 7 und
8 [= Laufen ohne Gehhilfen; ohne Abstützen an Wänden], 10 [Bücken], 15
[Teppich ausschütteln], 22 [Heben 'Kleinkind'; ca. 20 kg], 24 [Laufen in
gebückter Haltung], 34 [Kauerposition], 38 [Laufen/Festhalten Kind am
linken Arm], 41 [Übersteigen Gartenzaun, Höhe ca. 30 cm, mit
Kindertrottinett], 49 und 50 [Aufheben/Tragen Kleinkind], 84 [Anschieben
Kinderfahrrad], 143 [Stehen auf Trampolin], 157 [Ziehen Kleinkind auf
Trampolinmatte] 163 [Treppen hoch steigen] und 185 [Treppen steigen
hinunter ohne Halten am Geländer]); bestätigt werden die geschilderten
Bewegungen und Handlungsabläufe noch durch die Fotodokumentation
vom 28. Juni 2017 (Blauer Ordner; Lasche 11 – siehe Fotos 2, 5, 13, 15,
21, 25, 47 und 49 [Wäschekorb tragen], 58, 110/111, 125, 129, 131/132,
134) und die Fotodokumentation vom 30. Juni 2017 (Blauer Ordner; Lasche
12 – siehe Fotos 3, 5, 6, 7, 27, 29, 48, 49, 51, 61, 77, 80, 126, 148, 156
[Ball werfen], 183 [Ball kicken]). Im krassen und unerklärlichen Gegensatz
dazu stehen die Selbstangaben der Beschwerdeführerin im Rahmen der
Befragung vom 24. März 2017 (Evaluationsgespräch) (vgl. Blauer Ordner;
Lasche 7), worin sie antwortete: "Ich kann gar nichts mehr machen. Seit ich
so schwer krank bin, kann ich gar nichts mehr machen. Früher habe ich so
viel gemacht und gearbeitet. Ich habe einfach keine Kraft mehr. Vielleicht
ist es wegen der Schmerzen. Ich habe keine Kraft zum Laufen" (Antwort
auf Frage 7, S. 2). Oder: "Ohne Dritthilfe sehe ich mich nicht in der Lage zu
gehen/laufen" (Antwort auf Frage 19, S. 4). Oder Frage 31: Welche Lasten
können Sie heben? Antwort (S. 5 unten): "Vom Boden bis zur Taillenhöhe:
Ich weiss es nicht. Mit Mühe kann ich schon etwas aufheben. Ich probiere
es immer. Wenn es nicht geht, geht es nicht. Von der Taille bis Kopfhöhe:
- 34 -
Nein das geht nicht. Überkopfhöhe: Dies geht gar nicht". Antwort auf Frage
32: "Die Schmerzen sowie das Gleichgewicht schränken mich beim Gehen
ein. Deshalb muss ich mich an den Wänden abstützen" (S. 6, oben). In der
zweiten Befragung vom 28. September 2017 (rechtliches Gehör) (vgl.
Blauer Ordner; Lasche 8) wurde die Beschwerdeführerin u.a. mit dem
erstellten Observations-/Videomaterial konfrontiert. Die Antwort auf Frage
12 (S. 3) lautete: "Ich kann ein wenig gehen, sonst kann ich nichts machen.
Ich mache wirklich nichts Zuhause. Wenn ich kann, dann mach ich, aber
mir ist schlecht. Wenn ich versuche zu gehen, dann wird mir ganz schlecht
und dann muss ich drei bis vier Tage liegen und kann überhaupt nichts
mehr tun." Oder Antwort auf Frage 13 (S. 3): "Ja, ich kann schon etwas mit
meinen Enkeln spielen, darf ich das nicht? Ich kann schon, wenn es mir gut
geht, etwas machen. Ich habe ja nur mit den Kindern gespielt [...]." Frage
15 (S. 4): Wissen Sie, wer die Wäsche rausgetragen hat? Antwort: "Sie war
vom Tumbler und daher auch nicht schwer." Frage 19: Haben Sie zu den
Videoaufnahmen etwas anzumerken? Antwort: "Es ist schon so, wie hier
auf den Videos zu sehen und ich kann Zuhause schon freilaufen, etwas
und mit den Kindern spielen kann ich doch schon. Zu den Videoaufnahmen
habe ich nichts beizufügen, das stimmt schon so, aber ich habe immer
Schmerzen. Ich nehme von der Observation und den Videoaufnahmen
Kenntnis und habe dazu nichts anzufügen." Sodann Frage 22 (S. 5):
Erklären Sie uns, weshalb Sie sich in beobachteten Momenten (Arzt,
Gutachter, Klinik, SVA GR) derart auffällig verhalten und kurz darauf in
unbeobachteten Momenten völlig problemlos ohne ersichtliche
Einschränkungen den Alltag bewältigen können? Antwort: "Ich darf doch
mit den Kindern etwas draussen spielen. Am Tag geht es mir halt etwas
besser. Wenn ich die Medikamente nehme, ist es mir sehr schlecht." Laut
Auffassung des Gerichts sind die erstellten Videoaufnahme unmittelbar vor
und nach den offiziellen Befragungsterminen bei der Beschwerdegegnerin
auf öffentlich frei zugänglichem Gelände (vgl. Blauer Ordner; Lasche 10 –
Fotos 191-193 [Stützhilfe des Ehemannes über Randstein des Gehsteigs,
- 35 -
Höhe ca. 10-15 cm); Lasche 11 – Fotos 66-70 sowie Lasche 12 – Fotos
91-100, 104, 109, 113, 115, 117-119 [Einhängen/Abstützen bei Ehemann])
schlichtweg unvereinbar mit den eingangs erwähnten, unbeobachtet im
Gartenareal frei an verschiedenen Tagen zuhause mannigfach erstellten
Videoaufnahmen (Fotos), worauf augenfällig weder körperliche noch
andere Defizite der Beschwerdeführerin erkennbar sind. Die Annahme der
Beschwerdegegnerin, dass es sich beim Verhalten der
Beschwerdeführerin daher um eine schwere Aggravation bzw. Simulation
handeln müsse, wird zusätzlich ärztlicherseits gleich mehrfach bestätigt
und untermauert (vgl. dazu hiervor E. 2.2.11 [IV-act. 45/46] - 100%ige
Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit zu Gunsten Beschwerdeführerin
attestiert; vgl. weiter E. 2.2.14 [IV-act. 54]; E. 2.2.16 [IV-act. 56], E. 2.2.20
[IV-act. 74], E. 2.2.21 [IV-act. 81]; E. 2.2.27 [IV-act. 104]; E. 2.2.28 [IV-act.
105] sowie im Besonderen E. 2.2.29 [Bidiziplinäre RAD-Abklärung; IV-act.
106] und E. 2.2.30 [RAD-Abschlussbeurteilung; IV-act. 123]). Überall
wurde erkannt, dass die demonstrierten Einschränkungen der
Beschwerdeführerin mit den ermittelten objektiven Befunden aus
rheumatologischer Sicht unerklärlich seien. Diesen aussagekräftigen
Befunden und Schlussfolgerungen vermag sich das Gericht vollumfänglich
anzuschliessen. Eine auf Aggravation bzw. Simulation beruhende
Leistungseinschränkung stellt regelmässig keine versicherte
Gesundheitsschädigung dar (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.2.1; VGU S 16 93
vom 5. September 2017 E. 4b, S 15 14 und S 15 18 vom 8. Dezember 2015
E. 6a und b). Mangels ärztlich dokumentierter
Gesundheitsverschlechterung bzw. Arbeitsunfähigkeit besteht somit kein
gesetzlicher Anspruch auf eine IV-Rente oder anderweitige Leistungen der
Beschwerdegegnerin.
3.4. Zusammengefasst ergibt sich, dass das gesammelte Observationsmaterial
nicht rechtswidrig ist und zur Streitentscheidung verwertet werden darf bzw.
nicht aus dem Recht zu weisen ist. Das Vorliegen einer Aggravation bzw.
- 36 -
Simulation ist hier anhand des Video- und Fotomaterials einerseits sowie
der eindeutigen RAD- und klinikärztlichen Befunde andererseits mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen und erstellt. Solche
Leistungseinschränkungen sind aber keine versicherten
Gesundheitsschäden, weshalb vorliegend keine IV-Leistungen gesprochen
werden können.
4.1. Die Beschwerde vom 11. Oktober 2018 erweist sich in jeder Beziehung als
unbegründet und ist deshalb vollständig – sowohl verfahrensrechtlich
(Beweisanträge) als auch inhaltlich (kein Rentenanspruch) – abzuweisen.
4.2. Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in Abweichung
von Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung,
Verweigerung oder Änderung von Leistungen der Invalidenversicherung
vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten
werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im
Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Aufgrund des Ausgangs
des Verfahrens und des damit verbundenen Aufwands für das Gericht
rechtfertigt es sich hier, die Gerichtskosten am obersten Rand des
Kostenrahmens festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdeführerin
damit Gerichtskosten von Fr. 1'000.-- zu überbinden.
4.3. Aussergerichtlich steht der Beschwerdegegnerin keine Entschädigung zu
(Umkehrschluss aus Art. 61 lit. g ATSG).