Decision ID: 610e656f-59a5-4e9b-9895-01ebf859dc0c
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1970 geborene
X._
absolvierte von
1988 bis 1992 eine Lehre als Druckerin und von Oktober 2008 bis Februar 2009 eine Ausbildung als Pfle
gehelferin (
Urk.
8/6). Zuletzt war sie von Mai 2017 bis
März
201
9
als Behinder
ten-Assistentin einer jungen Frau in Zürich
beschäftigt
(
Urk.
8/23).
Ab 2
9.
April 2018 war sie
krank geschrieben
(
Urk.
8/16/22) und kehrte nicht mehr an die Ar
beitsstelle zurück.
Am 31. Oktober 2018 meldete sie sich unter Hinweis auf starke Fussschmerzen bei längerem Stehen und Gehen bei der Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invalidenver
sicherung an (Urk. 8/6).
Die IV-Stelle führte am
7.
Dezember 2018 ein telefoni
sches Standortgespräch mit der Versicherten durch (
Urk.
8/17), zog zur Klärung der erwerblichen und medizinischen Verhältnisse Auszüge aus dem individuellen
Konto (
Urk.
8/5 und
Urk.
8/18), sowie
die Akten de
s
Kranken
taggeld
versicher
ers
(
Urk.
8/
16)
bei
und
holte einen Bericht der behandelnden Ärztin (
Urk.
8/21)
sowie Auskünfte der Arbeitgeberin (
Urk.
8/23)
bei
.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidver
fahren
(
Urk.
8/27)
wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom
1.
Juli 2019 (
Urk.
2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte
am
1
7.
Juli 2019 (
Urk.
1)
Beschwerde und bean
tragte, die Verfügung vom
1.
Juli 2019 sei aufzuheben und es seien die beantrag
ten beruflichen Massnahmen (Berufsberatung, Kostenübernahme Umschulung, Taggelder inkl.
a
llfällig
er Wartetaggelder) gutzuheissen
, eventualiter sei die Ver
fügung vom
1.
Juli 2019 aufzuheben und das Verfahren im Sinne der Ausfüh
rungen und vorliegenden IV-Akten zur Neubeurteilung und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen
, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerd
egegnerin
.
Mit Beschwerdeantwort vom
4.
Oktober 2019
(
Urk.
6)
beantragte die IV-Stelle unter Beilage einer Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom
selben Tag
(
Urk.
7) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit Gerichtsverfügung vom
7.
Oktober 2019 (
Urk.
9) zur Kenntnis gebracht wurde.
Mit Replik vom
4.
November 2019 (
Urk.
11) hielt die Beschwerdegegnerin am Antrag hinsichtlich der beantragten beruflichen Massnahmen fest und zog den Eventualantrag zurück. Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (Urk. 13), was der Beschwerdeführerin am 20. November 2019 mit
geteilt wurde (Urk. 14)
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben ge
mäss Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
An
spruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu
be
-
rücksichtigen
(Abs. 1
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige be
rufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung vom 1
1.
Juli 2019 (
Urk.
2)
damit, dass
aus ärztlicher Sicht die bisherige Tätigkeit als Pflegeas
sistentin bei leichter Anpassung in einer anderen Anstellung noch vollumfänglich
ausgeübt werden könne
(S. 1)
. Das Belastungsprofil sehe eine vollschichtige Tä
tigkeit bei Wechselbelastung (sitzend, gehend, stehend) und sporadischem Anhe
ben und Tragen von mittelschweren Gewichten vor. Bei Ausübung der bisherigen Tätigkeit in vollem Umfang bestehe kein Anspruch auf berufliche Massnahme und Rentenleistungen. Zur selben Beurteilung sei auch der beratende Arzt der
Kollektivtaggeldversicherung
gekommen. Die Ausführungen zu hypothetischen Patienten seien für die Beurteilung der zuletzt ausgeübten Tätigkeit nicht zu be
rücksichtigen. Aus den eingereichten Berichten sei auch ersichtlich, dass sich die Beschwerdeführerin nicht leitliniengerecht behandeln lasse. Somit sei aus Sicht der Invalidenversicherung der Leidensdruck nur gering
(S. 2)
.
Mit Beschwerdeantwort
vom
4.
Oktober 2019
(Urk.
6
)
führte
die IV-Stelle
aus,
soweit gesundheitliche Beeinträchtigungen objektiv ausgewiesen seien,
handle
es sich um behandelbare,
vorübergehende Einschränkungen
, welche langfristig kei
nen Berufswechsel notwendig machen würden. Zudem gebe es auch im Pflege
beruf z.B. in Polikliniken, Arztpraxen und psychiatrischen Abteilungen überwie
gend sitzende und körperlich leichte Tätigkeiten, welche die Beschwerdeführerin trotz Einschränkungen ausüben könne. Zu beachten
sei ausserdem, dass der bis
herige Arbeitgeber der Beschwerdeführerin sie weiterhin dringend gebraucht und gewünscht habe, dass sie gemäss ihren gesundheitlichen Möglichkeiten zumin
dest teilzeitig weiter tätig bleibe (S. 1). Insgesamt liege keine invaliditätsbedingte Notwendigkeit für die von der Beschwerdeführerin beantragten beruflichen Mas
snahmen vor, auch keine drohende Invalidität und kein Anspruch auf IV-Leistungen (S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
dass die Fussbeschwerden beziehungsweise die Diagnosen und der bleibende Ge
sundheitsschaden von keiner Seite her bestritten w
ü
rden. Dass
s
ie mit ihren Fuss
beschwerden so nicht weiterarbeiten könne, anerkenne auch die Beschwerdegeg
nerin, sei jedoch der irrigen Ansicht,
s
ie sei bei einer leichten Anpassung
in ihrem Beruf voll arbeitsfähig. Das Berufsbild, wie es der Beschwerdegegnerin vor
schwebe, sei utopisch und realitätsfremd (S. 5). Es müsse vor
l
iegend nicht bewie
sen werden, dass erwachsene Menschen in jedem Fall unter
eine
Schwerlast
(>25 kg)
fallen, da sie durchschnittlich etwa 80 kg wiegen würden und gemäss Krite
rien unter die schweren Gewichte f
ielen
. Mangels fachspezifischer Ausbildung dürfe eine Pflegehelferin nicht in einer Säuglings-
oder Kinderabteilung arbeiten und habe daher mit erwachsenen Menschen und somit Schwerlastgewichten zu tun (S. 6). Weiter handle es sich nicht um ein gelegentliches, sondern häufiges Anheben von Patienten. Die zuletzt betreute Patientin der Beschwerdeführerin habe gar alle fünf Minuten umgelagert werden müssen. Es sei allgemein bekannt,
dass es sich beim Pflegeberuf um eine körperlich sehr schwere und verantwor
tungsvolle Arbeit handle, bei welcher man ständig auf den Beinen sei und diese in jedem Fall die uneingeschränkte Funktionsfähigkeit beider Arme/Hände und Beine/Füsse verlange. Der Pflegeberuf könne niemals vorwiegend sitzend ausge
übt werden
(S. 6). Da
s
ie in ihrem bisherigen Beruf und auch in einer angepassten Tätigkeit als Pflegehilfe 100
%
arbeitsunfähig geworden sei, wohl aber - wie ärzt
lich attestiert - in einer ihren Beschwerden angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig wäre, habe sie Anspruch auf berufliche Massnahmen
(S. 8). Die Verweisung in eine andere x-beliebige Hilfsarbeit
sei auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht zumutbar, weil dies mit einer markanten Lohneinbusse von etwa 50
%
verbunden wäre (S. 10). Von
ihr
dürfe grundsätzlich nichts Unrealistisches verlangt werden. Niemand würde eine Pflegehelferin mit einer «
frozen
shoulder
» rechts und funk
tioneller Schmerzsymptomatik an beiden Füssen einstellen. Auch könne
sie
nicht mehr in ihrem ursprünglich gelernten Beruf als Kleinoffsetdruckerin arbeiten, da dieser Beruf längst ausgestorben sei (S. 11). Die pauschale Unterstellung der Be
schwerdegegnerin,
s
ie lasse sich nicht leitliniengerecht behandeln
,
sei aus der Luft gegriffen (S. 12). Tatsache sei, dass betreffend die Fussproblematik mit den Ab
nützungserscheinungen und der
Impingement
Konfiguration der Schulter rechts ein unveränderbarer Gesundheitsschaden vorliege und mit der
«
frozen
shoulder
»
ein voraussichtlich langdauernder Gesundheitsschaden.
S
ie sei daher sowohl hin
sichtlich der Füsse als auch der Schulter invalid im Sinne des Gesetzes und somit in Bezug auf die beruflichen Massnahmen anspruchsberechtigt (S. 14).
In ihrer Replik vom
4.
November 2019 (
Urk.
11)
führte die Beschwerdeführerin zudem aus, die Argumentation der Beschwerdegegnerin sei widersprüchlich.
Zum einen behaupte der RAD,
ihr
sei eine berufliche Aktivität zumutbar, welche wech
selbelastend, teils sitzend, teils ebenerdig gehend oder
steh
end ausgeführt werden könne, wobei die Sitzphase 50
%
ausmachen solle; das sporadische Anheben und Tragen von mittelschweren Gewichten sei ebenfalls zumutbar. In der Stellung
nahme zur Vernehmlassung habe er die Steh- und
Gehdauer
indes
auf 25
%
an
gesetzt. Gleichzeitig behaupte die Beschwerdegegnerin, es handle sich um behan
delbare, vorübergehende Einschränkungen, welche langfristig keinen Berufs
wechsel notwendig machen würden (S. 2).
Abgesehen von der Fussproblematik habe die Beschwerdegegnerin beim Erlass der Verfügung vom
1.
Juli 2019 die
frozen
shoulder
gänzlich ausser Acht gelassen
(S. 3).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf berufliche Massnahmen nach
Art.
15 ff. IVG hat. Dabei ist vo
rab die Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
in einer angepassten Tätigkeit und das hierbei zumutbare medizinische Belastungsprofil zu klären, wobei die Verhältnisse im Zeitpunkt des Erlasses des angefochtenen Entscheids massgebend sind
.
3.
3.1
In ihrem Arztbericht vom 1
4.
Februar
2019 (
Urk.
8/21/1-5
) hielt die Hausärztin der Beschwerdeführerin,
Dr.
med.
Y._
fest, die Beschwerdeführerin sei seit dem 29. April 2018 zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 2). Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannte
sie die Folgenden (S. 3):
-
Z
unehmende Schmerzen im Bereich mittlere laterale Fusspartie rechts und links nie simultan, immer hintereinander
-
R
ezidivierende flüchtige schmerzlose Fühlstörung der Zehen II bis IV beid
seits
-
N
ächtliche Fühlstörung der Fin
g
er V und IV beidseits
-
Zustand nach
Pneumonie links basal 12/2018
-
Unklare Schwellung des rech
t
en Armes 10/2018
,
Ausschluss Thrombose
Des Weiteren gab
Dr.
Y._
an, die Beschwerdeführerin werde ihre zuletzt ausge
übte Tätigkeit als Pflegehelferin nicht mehr durchführen können, da dort eine volle Gebrauchsfähigkeit beider Arme und Beine vorhanden sein müsse.
Zum weiteren Vorgehen schlug sie eine berufliche Rehabilitation, eventuell Umschu
lungsmassnahmen oder eine sitzende Tätigkeit vor (S. 3). So solle die Beschwer
deführerin eine körperlich leichte Tätigkeit, vorwiegend im Sitzen
,
ausüben kön
nen,
indes keine stehende Tätigkeit und solche mit
Ersteigen von Treppen, Lei
tern oder Gerüsten, schwere
m
Heben und Tragen von Lasten, Kälte, Zugluft oder Nässe (S. 4). Die bisherige Tätigkeit sei zwar nicht mehr zumutbar, eine dem Lei
den angepasste Tätigkeit hingegen zu 100
%
. Eine entsprechende Tätigkeit würde eine Eingliederungsmassnahme in ein neues berufliches Umfeld prognostisch ver
bessern. Eine berufliche Rehabilitation sei bei dem jungen Alter der Beschwerde
führerin sicher medizinisch sinnvoll (S. 5).
3.2
PD
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für
Radiologie FMH, vom
Institut
A._
beurteilte den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin anhand des MRI der rechten Schulter vom 2
6.
April 2019 (
Urk.
8/36/
1) folgendermassen:
-
S
ubakromiale
Impingement
Konfiguration mit Verdickung des Ligamen
tum
coraco-claviculare
, mässig Flüssigkeit in der Bursa
subdeltoide
a
/
subacromialis
sowie einem Ödem im
myotendinösen
Übergang und in der
vaniralen
Sehne des
Musculus
supraspinatus
. Kleine Oberflächenun
regelmässigkeiten der distalen
artikulärseitigen
Supraspinatussehne
und
leichte
Auftreibung
der
Supraspinatussehne
auf Höhe der ventralen Fuss
platte.
-
Auffallende Verdickung des Ligamentum
coracohumerale
auf 6 mm sowie
Fibrosierungen
im
Rotatorenintervall
, daneben auch Verdickung der Kap
sel im
Recessus
axillaris
. Dies seien Hinweise für eine
Kapsulitis
/
frozen
shoulder
, allerdings kein Beweis.
-
Verdacht auf eine SLAP II Läsion
3.3
Dr.
med.
B._
, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie FMH
,
hielt in seinem Bericht
vom 1
2.
Juni 2019 (
Urk.
8
/
36/2-3
) als Diagnose eine
retraktile
Kapsulitis
der rechten Schulter fest (S. 1).
Er gab zudem an, dass man sicher konstatieren könne, dass diese Beschwerden bereits vor März 2019 vor
handen gewesen seien. In der Regel handle es sich dabei um eine schleichend langsam zunehmende schmerzhafte Einschränkung der Beweglichkeit. Durch diese Beeinträchtigung sei die Beschwerdeführerin aus schulterorthopädischer Sicht ebenfalls sicher nicht arbeitsfähig, auch nicht in einer angepassten Tätigkeit als Pflegehilfe. Aus therapeutischer Sicht habe er der Beschwerdeführerin zur Be
handlung der Schmerzen und zur Abkürzung des Spontanverlaufes eine intraar
tikuläre Steroidinfiltration empfohlen, welche sie jedoch nicht
durchführen möchte
(S. 2).
3.4
RAD-Arzt
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Chirurgie, führte in seiner Stellung
nahme vom 1
9.
September 2019 (
Urk.
7) aus, nach dem Abheilen der rechtsseiti
gen
frozen
shoulder
nach spätestens zwei Jahren sei eine volle Arbeitsfähigkeit in der bisher nicht belastenden Tätigkeit wieder zumutbar, ohne das erhöhte Ri
siko eines Rückfalles einzugehen. Es sei seit der dokumentierten Manifestation der Schulterbeschwerden im Juni 2019 keine Arbeitsfähigkeit in Tätigkeiten mit folgendem Belastungsprofil möglich: Tätigkeiten mit häufigen Schlägen und Vib
rationen auf die rechte
Schulter sowie Überkopfarbeiten und Arbeiten in ständi
gen Armvorhalten, insbesondere repetitive Tätigkeiten seien der Beschwerdefüh
rerin nicht mehr zumutbar. Beim Heben, Tragen und Transportieren von Lasten sei ein Gewichtslimit von 5-8 kg (unter günstigem Hebeln) zu beachten. Ange
passte Tätigkeiten mit folgendem Belastungsprofil seien jedoch weiterhin möglich und zumutbar: Leichte (angepasste) Tätigkeiten ohne Heben, Tragen und Trans
portieren von Lasten
> 5 kg
ohne (beidseitiges) Arbeiten in
Armvorhalten und Über
kopfarbeiten.
Die bisherige Tätigkeit entspreche gemäss Arbeitgeberfragebogen, jedoch spätes
tens nach der von der Arbeitgeberin angebotenen Anpassung, dem zumutbaren Belastungsprofil (S. 7).
4.
4.1
Gemäss den medizinischen Akten sind sich die Ärzte einig
, dass die Beschwerde
führerin
ihrer zuletzt
geh- und stehbelasteten Tätigkeit als Pflegehelferin gesund
heitsbedingt nicht mehr nachgehen kann.
Die Beschwerdeführerin ist daher auf
grund ihrer ausgewiesenen gesundheitlichen Einschränkungen nicht mehr in der Lage in vollem Umfang als Pflegehelferin tätig zu sein.
Die Ärzte sind sich
ins
besondere
einig
, dass aufgrund der Schmerzen und eingeschränkten Bewegl
ich
keit in der rechten Schulter
eine Tätigkeit mit häufigem Heben oder Tragen von Lasten, wie dies im Rahmen des Pflegeberufs üblich
ist, nicht mehr in Frage kommt
. Von der Beschwerdegegnerin wird auch nicht bestritten, dass die bishe
rige Tätigkeit
der Beschwerdeführerin
zur
weiteren
vollumfänglichen Ausübung angepasst werden müsste. Die Beschwerdegegnerin sieht beim Belastungsprofil eine Wechselbelastung (sitzend, gehend, stehend) und sporadische
s
Anheben und Tragen vo
n mittelsc
hweren Gewichten vor (
Urk.
2 S.
2). In ihrer
Beschwerdeant
wort
führte die Beschwerdegegnerin
insbesondere
aus, dass
die Beschwerdefüh
rerin überwiegend sitzende und körperlich leichte Tätigkeiten weiterhin ausüben
könne
(
Urk.
6 S. 1).
4.2
Bei diesen unbestrittenen medizinischen Verhältnissen ist umstritten, ob die Be
schwerdeführerin noch im angestammten Beruf als Pflegehelferin tätig sein kann - wovon die Beschwerdegegnerin ausgeht - oder ob sie auf eine andere Tätigkeit angewiesen ist.
Hierzu ist zu bemerken, dass sowohl die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als auch das Ausbildungsprofil auf das intensive Betreuen, und damit auch Heben oder Tragen von erwachsenen Personen ausgerichtet
sind. Dass im Tätigkeitsbereich der Be
schwerdeführerin als Pflegehelferin Stellen erhältlich sind, welche überwiegend sitzend auszuüben sind, ist unrealistisch. Der Beruf der Pflegehelferin beinhaltet unter anderem das Ausführen eigenhändiger Pflegeleistungen. Dabei hat sich die Körperhaltung der pflegerischen Handlung anzupassen und nicht umgekehrt.
Die Pflegeassistentin übt ihren
Beruf grundsätzlich unter Ü
berwachung von diplo
miertem
Pflegepersonal aus, d.h. sie hat die «handwerkliche» Tätigkeit zu verrich
ten und keinerlei körperschonende Führungsaufgaben. Anzufügen bleibt, dass die Beschwerdeführerin über keine weiterführende qualifizierte Ausbildung verfügt, so dass ein allenfalls denkbarer Einsatz im körperlich weniger belastenden admi
nistrativen Bereich der Pflege ausser Betracht fällt.
4.3
Angesichts des zuletzt erzielten Verdienstes von rund
Fr.
7'000.-- (
Urk.
8/23/6) ergibt sich ohne Weiteres, dass die Beschwerdeführerin, welche auf keine weiteren beruflichen Kenntnisse zurückgreifen kann (das Stellenbild des vor 30 Jahren
erlernten Berufes der Offset-Druckerin hat sich zwischenzeitlich erheblich verän
dert), eine erhebliche Lohneinbusse zu gewärtigen hat, welche jedenfalls über 20
%
liegt. Damit fällt sie selbstredend in die Kategorie der von Invalidität be
drohten Personen und hat daher Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, wo
bei berufliche Massnahmen im Vordergrund stehen. Ob die einzelnen Vorausset
zungen geben sind, wurde bislang nicht geprüft und wird durch die Beschwerde
gegnerin zu prüfen sein.
4.4
Irrelevant ist im vorliegenden Zusammenhang der Grund für den Verlust der bis
herigen Arbeitsstelle. Ob die Arbeitgeberin ihr tatsächlich eine angepasste Tätig
keit angeboten hat, ist zu bezweifeln. Jedenfalls konnte die Beschwerdeführerin nicht mehr mit dem bisherigen Lohn rechnen, da sie nur noch partielle Tätigkeiten zu verrichten in der Lage war. Wie es sich damit genau verhält, ist angesichts der Auflösung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr von Bedeutung. Die Beschwerde
führerin ersucht aktuell um berufliche Massnahmen und der Anspruch ist gemäss den gesetzlichen Bestimmungen zu prüfen. Die Verweigerung von Leistungen mit der Begründung des selbstverschuldeten Stellenverlustes ist im Gesetz nicht vor
gesehen.
4.5
Diese Erwägungen führen zur Gutheissung der Beschwerde und zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung mit der Feststellung, dass die Beschwerdeführerin Anspruch auf berufliche Massnahmen hat, sofern die übrigen Voraussetzungen erfüllt sind.
5.
Damit ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf
Eingliederungsmassnahmen
im Grundsatz zu bejahen.
Dies ist umso wichtiger, als aufgrund des Alters der Beschwerdeführerin noch von einer langen verbleibenden Aktivitätsdauer auszu
gehen ist.
In Gutheissung der Beschwerde ist nach Gesagtem die angefochtene Verfügung aufzuheben.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.