Decision ID: 3d91f008-9207-43a8-8754-2481de00ad68
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend einfache Körperverletzung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, Einzelgericht, vom
22. Oktober 2015 (GG150025)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 4. September
2015 (Urk. 25) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der einfachen Körperverletzung im Sinne von
Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu
Fr. 50.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
4. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger Fr. 2'500.– zuzüglich 5 %
Zins ab 29. September 2014 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird
das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
5. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'800.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'800.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. 633.– Auslagen Untersuchung
Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt. Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
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6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerschaft für das gesamte Ver-
fahren eine Prozessentschädigung von Fr. 7'630.10 (inkl. 8 % MwSt.) zu be-
zahlen.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 60 S. 2)
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Horgen vom 22.10.2015 (Geschäfts-Nr.
GG150025-F/UB/Bar/JS) sei vollumfänglich aufzuheben.
2. Der Beschuldigte und Berufungskläger sei von Schuld und Strafe voll-
umfänglich freizusprechen.
3. Alle Zivilforderungen des Privatklägers seien vollumfänglich abzuwei-
sen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge, zuzüglich 8% MWST, und
zwar für das gesamte Strafverfahren, zu Lasten des Privatklägers bzw.
eventualiter zu Lasten der Staats-/Gerichtskasse.
b) Des Vertreters der Privatklägerschaft:
(Urk. 62 S. 1)
1. Die Berufung sei abzuweisen und das Urteil des Bezirksgerichtes Hor-
gen vom 22. Oktober 2015 sei zu bestätigen.
2. Die Verfahrens- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich Mehrwertsteuer)
seien dem Beschuldigten/Berufungskläger aufzuerlegen.
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte / Prozessuales
1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Horgen, Einzelgericht, vom 22. Oktober 2015
wurde der Beschuldigte A._, der einfachen Körperverletzung i.S. von Art. 123
Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen und mit einer Geldstrafe von 180 Ta-
gessätzen zu Fr. 50.– bestraft, wobei der Vollzug der Geldstrafe bei einer Probe-
zeit von zwei Jahren aufgeschoben wurde. Sodann wurde der Beschuldigte ver-
pflichtet, dem Privatkläger B._ (nachfolgend: Privatkläger), Fr. 2'500.– zuzüg-
lich 5% Zins ab 29. September 2014 als Genugtuung zu bezahlen (Urk. 47 S. 26
ff.). Dagegen liess der Beschuldigte durch seinen Verteidiger rechtzeitig Berufung
anmelden (Urk. 41) und reichte innert Frist sodann die Berufungserklärung ein
(Urk. 49). Die Staatsanwaltschaft sowie der Privatkläger verzichteten auf An-
schlussberufung und beantragten die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
(Urk. 53 und 56).
2. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung
(Art. 402 StPO). Die nicht von der Berufung erfassten Punkte erwachsen in
Rechtskraft (Schmid, StPO Praxiskommentar, Art. 402 N 1; Art. 437 StPO). Der
Beschuldigte ficht das Urteil vollumfänglich an (Urk. 49 S. 2). Damit erwächst kei-
ne Dispositiv-Ziffer in Rechtskraft.
3. Die Berufungsverhandlung fand am 21. Juni 2016 statt. Nach dieser Ver-
handlung, zu welcher heute der Beschuldigte mit seinem Verteidiger sowie der
Rechtsvertreter des Privatklägers erschienen sind (Prot. II S. 3), ist das Verfahren
spruchreif.
II. Sachverhalt
1. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, am Montag, 29. September 2014 um
ca. 13.15 Uhr den Privatkläger im Anschluss an eine verbale Auseinandersetzung
auf der Baustelle C._ in ... im 1. Untergeschoss des Hauses Nr. ... willentlich
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mit der rechten Faust voller Wucht gegen die linke Wange geschlagen zu haben,
wodurch der Privatkläger einen doppelten Kieferbruch erlitten haben soll (Urk. 25
S. 2).
2. Der Beschuldigte gibt zu, dass es am Montag, 29. September 2014, nach
der Mittagspause auf der fraglichen Baustelle zu einer verbalen Auseinanderset-
zung zwischen ihm und dem Privatkläger über ein Verbindungsstück zwischen
Schlauch und Wasserhahn gekommen ist (Prot. I S. 9 und 11 und Urk. 4 Rz. 4)
und dass er den Privatkläger im Anschluss daran aus der Baustellenwohnung
rausgeschoben hat. Er bestreitet indes, den Privatkläger mit der rechten Faust
voller Wucht gegen die linke Wange geschlagen zu haben (Prot. I S. 9 und 12;
Urk. 4 Rz. 12 und 19; Urk. 5 Rz. 16 und 70; Urk. 7 Rz. 23). Demnach ist nachfol-
gend zu prüfen, ob sich der Anklagesachverhalt anhand der vorhandenen Be-
weismittel erstellen lässt.
3. Die Anklage stützt sich auf die Aussagen des Beschuldigten (Urk. 4; Urk. 5
und Urk. 7; Prot. I S. 9 ff.), des Privatklägers (Urk. 8 und Urk. 9), der Zeugen
D._ (Urk. 11 und Urk. 12) und Dr. med. dent. E._ (Urk. 13 und Urk. 14),
auf die in einer Aktennotiz festgehaltene telefonische Auskunft des Polizeibeam-
ten F._ vom 19. Februar 2015 (Urk. 16) sowie auf die medizinischen Unter-
lagen betreffend den Privatkläger (Urk. 15/1-12).
4. Die Vorinstanz qualifizierte die Aussagen des Beschuldigten was das Sach-
verhaltselement des Hinausstossens des Privatklägers aus der Wohnung sowie
des Geschehens danach anbelangt als äusserst knapp und zurückhaltend. Sie
beurteilte deshalb die Aussagen des Beschuldigten mit Bezug auf das strittige
Sachverhaltselement als wenig glaubhaft. Zum gleichen Ergebnis gelangte sie
bezüglich der Aussagen des Zeugen D._. Die Schilderungen des Privatklä-
gers hingegen erachtete die Vorinstanz als inhaltlich konstant, widerspruchsfrei,
detailliert, frei von Strukturbrüchen und folglich als glaubhaft. Für die Vorinstanz
bestanden keine erheblichen Zweifel, dass der Beschuldigte, wie vom Privatklä-
ger geschildert, diesem einen Faustschlag erteilte, nachdem er ihn infolge einer
verbalen Auseinandersetzung aus der Wohnung im Haus Nr. ... auf der Baustelle
C._ hinausgestossen hatte. Weil sodann der festgestellte ärztliche Befund
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mit der Sachverhaltsschilderung des Privatklägers gemäss Vorinstanz absolut
vereinbar sei, gelangte sie zum Schluss, dass der in der Anklageschrift umschrie-
bene Sachverhalt erstellt sei.
4.1. Was die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten sowie des Privatklägers angeht,
so kann auf die vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden (Urk. 47 S. 6 f.;
Art. 82 Abs. 4 StPO). Hinsichtlich der Glaubwürdigkeit des Zeugen D._ hat
die Vorinstanz auf das gespannte Verhältnis zwischen dem Privatkläger und dem
Zeugen D._ hingewiesen sowie den Umstand hervorgehoben, dass diesem
eine Woche vor dem Vorfall gekündigt wurde, wobei der Privatkläger mittelbar in
die Kündigung involviert war (vgl. Urk. 8 Rz. 9). Betreffend die Beziehung zwi-
schen dem Beschuldigten und dem Zeugen D._ ist die Vorinstanz aufgrund
derer Angaben, dass sie jeweils die Mittagspausen zusammen verbracht hätten
und auch schon zusammen angeln gegangen seinen (Urk. 5 Rz. 36; Urk. 11 Rz.
12; Urk. 12 Rz. 97; Prot. I S. 13), von einem freundschaftlichen Verhältnis – und
entgegen dem Verteidiger des Beschuldigten nicht von einer engen Freundschaft
(vgl. Urk. 49 Rz. 13 und Urk. 60 Rz. 5) – ausgegangen. Gestützt auf diese Um-
stände hat die Vorinstanz zu Recht auf die Gefahr hingewiesen, dass der Zeuge
D._ geneigt sein könnte, den Sachverhalt zugunsten des Beschuldigten und
zuungunsten des Privatklägers darzustellen, diese Gefahr jedoch aufgrund der
Wahrheitspflicht gemäss Art. 307 StGB wiederum relativiert. Entscheidend ist –
wie auch die Vorinstanz zu Recht festgehalten hat – indessen ohnehin die Glaub-
haftigkeit der konkreten Aussagen und weniger die generelle Glaubwürdigkeit der
aussagenden Person.
4.2. Mit der Vorinstanz sind die Aussagen des Privatklägers als glaubhaft zu
qualifizieren. Zunächst ist festzuhalten, dass keinerlei Motiv ersichtlich ist, wes-
halb der Privatkläger den Beschuldigten zu Unrecht belasten sollte. Gemäss
übereinstimmender Darstellung des Privatklägers und des Beschuldigten haben
die beiden zuvor nichts miteinander zu tun gehabt (Urk. 4 Rz. 10; Urk. 5 Rz. 72;
Urk. 8 Rz. 8). Das Vorbringen des Verteidigers des Beschuldigten, wonach es
durchaus denkbar sei, dass der Beschuldigte in seiner ganzen Wut und Aufge-
brachtheit gestürzt sei und den Beschuldigten als Revanche dafür, dass er von
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diesem aus der Wohnung hinausgeschoben worden sei, angezeigt habe (Urk. 49
Rz. 23), ist lebensfremd. Wie nachfolgend zu zeigen sein wird (Erw. II. Ziff. 4.6.4.)
fällt die Möglichkeit, dass sich der Privatkläger den doppelten Kieferbruch durch
einen Sturz zugezogen hat, ausser Betracht. Selbst wenn sich der Privatkläger
durch die Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten gekränkt und in seinem
Stolz verletzt gefühlt hätte, könnte darin kein Grund dafür erblickt werden, dass er
ihn bewusst falsch angeschuldigt und sich dadurch selbst strafbar gemacht hätte.
4.2.1. Die Aussagen des Privatklägers zeichnen sich dadurch aus, dass dieser
sowohl die Vorgeschichte der Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten als
auch das Tatgeschehen selbst detailliert und konstant schilderte, wobei keine
Strukturbrüche ersichtlich sind (Urk. 8 Rz. 6; Urk. 9 Rz. 13). So führte er hinsicht-
lich des Tatgeschehens ab dem Hinausstossen aus der Wohnung – nachdem er
drei bis vier Mal vergeblich nach dem Verbindungsstück gefragt hatte – sowohl
anlässlich der polizeilichen als auch der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme
gleichbleibend aus, dass er lediglich abgewehrt und nicht zurückgestossen habe,
wobei der Zeuge D._ ihnen zugeschaut habe (Urk. 8 Rz. 6 und Urk. 9 Rz.
13). Nachvollziehbar und lebensnah schilderte er weiter, dass er, als er an der
Treppe angestossen sei, rechts nach hinten geschaut habe, um sicherzustellen,
dass er nicht stürze. Die Aussage, wonach er in dem Moment, als er wieder zum
Beschuldigten geschaut habe, von diesem mit hoher Intensität einen Faustschlag
an die linke Wange erhalten habe, ist mit dem vom Privatkläger geschilderten
Bewegungsablauf vereinbar und deckt sich sodann mit dem Polizeirapport vom
20. Oktober 2014, gemäss welchem die linke Wange des Privatklägers gerötet
gewesen sei (Urk. 1 S. 3). Gleichbleibend erklärte der Privatkläger sodann, dass
der Beschuldigte nach dem Faustschlag wieder in die Wohnung gegangen sei.
Weiter fällt auf, dass die Aussagen des Privatklägers Sinneswahrnehmungen ent-
halten. So erklärte dieser zum Beispiel sowohl anlässlich der polizeilichen als
auch der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme, dass er vom Haupteingang habe
hören können, dass der Beschuldigte und der Zeuge D._ im Untergeschoss
miteinander geredet hätten (Urk. 8 Rz. 6 und Urk. 9 Rz. 13). Hervorzuheben ist
sodann, dass der Privatkläger sehr präzise Angaben darüber machte, wo der
Zeuge D._ zu Beginn der Auseinandersetzung und im weiteren Verlauf ge-
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standen sein soll. Er führte aus, dass sich der Zeuge D._ zusammen mit dem
Beschuldigten im Korridor aufgehalten habe, als er die Wohnung betreten habe.
Zu Beginn der verbalen Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten habe sich
der Zeuge D._ zur Wohnungstür begeben und sei dort – ca. zwei Meter hin-
ter ihm – stehen geblieben (Urk. 8 Rz. 6). Als es zum Faustschlag gekommen sei,
sei er auf der dritten oder vierten Stufe der Treppe, welche vom Untergeschoss
ins Erdgeschoss führe, gestanden (Urk. 8 Rz. 6 und 17; Urk. 9 Rz. 13). Schliess-
lich ist festzuhalten, dass die Aussagen des Privatklägers durch die Aussagen
des fachkundigen Zeugen Dr. med. dent. E._ gestützt werden, wonach der
beim Privatkläger diagnostizierte doppelte Kieferbruch typisch sei für eine durch
eine Schlägerei verursachte Verletzung (vgl. weiter unten Erw. II. Ziff. 4.5.).
4.2.2. Der Verteidiger des Beschuldigten moniert, dass der Privatkläger anlässlich
der polizeilichen Einvernahme erklärt hatte, sich bestens an jedes Detail erinnern
zu können, jedoch erst anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme er-
wähnte, dass er nach dem behaupteten Schlag zum Zeugen D._ gesagt ha-
be, dass dieser alles [den Schlag] mitbekommen habe, was der Zeuge D._
angeblich verneint haben soll (Urk. 49 Rz. 11). Wenn der Detailreichtum der Erst-
aussage auch in der Zweitaussage wiederkehrt, dann ist das unter der Voraus-
setzung, dass auch Erweiterungen oder Präzisierungen stattfinden, ein Realitäts-
kriterium (Bender/Nack/Treuer, Tatsachenfeststellungen vor Gericht, 4. Aufl.
2014, N 454). Da sowohl die Erst- als auch die Zweitaussage des Privatklägers
detailliert ausgefallen sind, spricht die vom Privatkläger vorgenommene Ergän-
zung mit Bezug auf die Rolle des Zeugen D._ nach dem Gesagten eher für
die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Privatklägers.
4.2.3. Weiter bringt die Verteidigung des Beschuldigten vor, dass am vermeintli-
chen Tatort keine Blutspuren festgestellt worden seien, weshalb die Aussage des
Privatklägers anlässlich der polizeilichen Einvernahme, wonach er Blut ausge-
spuckt habe, in Zweifel gezogen werden müsse (Urk. 49 Rz. 11). Entgegen dem
Verteidiger hat der Privatkläger lediglich ausgesagt, dass er, als er ausgespuckt
habe, gesehen habe, dass er blute (Urk. 8 Rz. 6). Diese Aussage steht nicht im
Widerspruch zum Umstand, dass am behaupteten Tatort keine Blutspuren fest-
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stellt werden konnten, kann doch die Aussage des Privatklägers auch bedeuten,
dass der Privatkläger mit Blut versetzten Speichel ausspukte, weshalb es durch-
aus möglich ist, dass am behaupteten Tatort in der Folge keine Blutspuren mehr
festgestellt werden konnten. Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang so-
dann, dass die beim Privatkläger festgestellten Verletzungen gemäss Aussagen
des Zeugen Dr. med. dent. E._ nicht mit einer grossen Blutung verbunden
waren, sondern lediglich das leicht eingerissene Zahnfleisch des Privatklägers ein
wenig geblutet hat (Urk. 13 Rz. 12 und 43).
4.2.4. Insgesamt besteht kein Anlass an den Aussagen des Privatklägers zu zwei-
feln.
4.3. Wie erwähnt bestritt der Beschuldigte während des Untersuchungsverfah-
rens, anlässlich der Hauptverhandlung sowie anlässlich der Berufungsverhand-
lung, den Privatkläger geschlagen zu haben (Urk. 4 Rz. 12; Urk. 5 Rz. 7; Urk. 7
Rz. 23, Prot. I S. 9 und Prot. II S. 9). Die Aussagen des Beschuldigten zu den Hin-
tergründen der verbalen Auseinandersetzung decken sich im Wesentlichen mit
den Aussagen des Privatklägers. Auch seine Schilderungen bis zum Hinaus-
schieben des Privatklägers aus der Wohnung stimmen mit dessen Angaben
überein (Urk. 4 Rz. 4; Urk. 5 Rz. 7 und Prot. I S. 9), bis auf den Unterschied, dass
der Beschuldigte als Grund für das Hinausstossen des Privatklägers aus der
Wohnung angab, dieser sei auf den frisch verlegten Entkoppelungsmatten ge-
standen (Urk. 4 Rz. 4; Urk. 5 Rz. 7 und Prot. I S. 11). Bereits die Vorinstanz hat
zutreffend festgehalten, dass der Beschuldigte die verbale Auseinandersetzung
mit dem Privatkläger sowie die Hintergründe dazu sehr detailreich beschrieben
hat (vgl. Urk. 4 Rz. 4 und Urk. 5 Rz. 7), was für die Glaubhaftigkeit dieser Aussa-
gen spricht, wohingegen die Aussagen des Beschuldigten betreffend das Hinaus-
stossen aus der Wohnung sehr knapp und zögerlich ausfielen. Dazu gab er an-
lässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 11. Dezember 2014 ledig-
lich an, dass er nicht mehr so genau wisse, wie er den Privatkläger gestossen ha-
be. Er glaube, an der Brust und eventuell auch etwas am Oberarm. Der Privatklä-
ger sei sehr stämmig vor ihm gestanden in der Haltung "ich geh nicht raus" (Urk.
5 Rz. 10 und 11). Nach dem Stoss habe er die Tür zugemacht "und das war es
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dann" (Urk. 5 Rz. 12). Dieser Strukturbruch in den Aussagen des Beschuldigten
lässt Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussagen mit Bezug auf den strittigen
Faustschlag aufkommen. Sodann erscheint die Erklärung des Beschuldigten, wo-
nach er den Privatkläger hinausgeschoben habe, weil dieser auf den frisch verleg-
ten Entkoppelungsmatten gestanden sei, wenig plausibel. Wenn das Hauptanlie-
gen des Beschuldigten darin bestanden hätte, dass sich der Privatkläger aufgrund
der frisch verlegten Entkoppelungsmatten nicht länger in der Baustellenwohnung
aufhielt, so wäre zu erwarten gewesen, dass er dem Privatkläger das Verbin-
dungsstück ausgehändigt hätte.
4.3.1. Auffallend ist weiter, dass der Zeuge D._ bei den Schilderungen der
Geschehnisse des Beschuldigten keine Erwähnung findet. Erst auf Nachfrage er-
klärte der Beschuldigte, dass er und der Zeuge D._ sich kurz vor der Woh-
nung im Untergeschoss unterhalten hätten. Danach habe sich dieser ins Erdge-
schoss begeben. Eine oder zwei Minuten später sei der Privatkläger zu ihm in die
Wohnung gekommen (Urk. 4 Rz. 22). An dieser Sachdarstellung hielt der Be-
schuldigte anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom
11. Dezember 2014 zunächst fest, wobei er zusätzlich erklärte, dass er nicht wis-
se, wo sich der Zeuge D._ im Zeitpunkt der Auseinandersetzung befunden
habe (Urk. 5 Rz. 21). Später in der Befragung relativierte der Beschuldigte seine
Aussage und gab zu Protokoll, es könne sein, dass der Zeuge D._ mit ihm
heruntergekommen sei. Er fügte an, dass dieser gegen 12.55 Uhr die Treppe
hochgegangen sei, zumindest habe er die Wohnung verlassen (Urk. 5 Rz. 89).
Der Beschuldigte vermag bis auf fünf Minuten genau anzugeben, wann der Zeuge
D._ die Wohnung im Untergeschoss verlassen haben soll, gleichzeitig kann
er nicht mit Sicherheit sagen, ob der Zeuge D._ sich mit ihm überhaupt darin
aufgehalten hat. Das ergibt keinen Sinn. Dass der Privatkläger und der Zeuge
D._ in der Baustellenwohnung nicht begegnet sein sollen, steht ausserdem
im Widerspruch zu dessen Aussagen. Der Zeuge D._ erklärte sowohl vor der
Polizei als auch vor der Staatsanwaltschaft, er habe die Baustellenwohnung im
Untergeschoss verlassen, als der Privatkläger diese betreten habe (Urk. 11 Rz. 5;
Urk. 12 Rz. 10).
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4.3.2. Die Aussage des Beschuldigten, wonach der Privatkläger während der ver-
balen Auseinandersetzung in der Baustellenwohnung sehr aufgebracht gewesen
und laut geworden sei (Urk. 4 Rz. 4; Urk. 5 Rz. 7 und Prot. I S. 11), lässt sich so-
dann mit der Sachdarstellung, wonach der Privatkläger nicht reagiert habe, nach-
dem der Beschuldigte diesem die Türe vor der Nase zugeschlagen habe (Urk. 4
Rz. 4; Urk. 5 Rz. 7 und 12 und Prot. I S. 12), nicht vereinbaren. Dass die Ausei-
nandersetzung zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger, welcher sich
bereits in einer aufgebrachten Gemütsverfassung befunden haben soll, mit des-
sen Hinausschieben aus der Baustellenwohnung und ohne dass er in den Besitz
des fraglichen Verbindungsstück gelangt war, seinen Abschluss gefunden haben
soll, ist lebensfremd und damit wenig glaubhaft.
4.4. Die Aussagen des Zeugen D._ sind widersprüchlich und uneinheitlich.
Widersprüchlich schilderte der Zeuge D._ zunächst, wo er sich zum Zeit-
punkt der Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und dem Privatklä-
ger befunden hat. So erklärte er anlässlich der polizeilichen Befragung, dass er
den Raum verlassen und die Treppe hochgegangen sei, als der Privatkläger den
Raum betreten habe. Er habe sich noch auf der Treppe befunden, als dieser ca.
eine bis zwei Minuten später an ihm vorbeigeschossen sei (Urk. 11 Rz. 5). Vor
der Staatsanwaltschaft gab er dann zunächst zu Protokoll, dass er die Baustel-
lenwohnung verlassen habe, als der Privatkläger begonnen habe, mit dem Be-
schuldigten zu diskutieren. Er habe sich vor dem Gebäude bei der Ausgangstür
befunden, als der Privatkläger ungefähr 15 Minuten später schimpfend an ihm
vorbeigelaufen sei (Urk. 12 Rz. 10), um im weiteren Verlauf der Einvernahme zu
erklären, dass er beim Ausgang bei der Tür gestanden sei, als der Privatkläger an
ihm vorbeigelaufen sei (Urk. 12 Rz. 50 und 53), wobei die Auseinandersetzung
ungefähr fünf bis zehn Minuten gedauert habe (Urk. 12 Rz. 29 und Rz. 80). Auf
Ergänzungsfrage des Rechtsvertreters des Privatklägers erklärte er dann wiede-
rum, vielleicht habe er sich auch draussen vor der Tür aufgehalten und die Tür sei
zu gewesen (Urk. 12 Rz. 88). Mit dem Umstand konfrontiert, dass er sich sehr
nahe am Ort der Auseinandersetzung aufgehalten habe und vom Streit dennoch
nichts mitbekommen haben soll, erklärte er (Urk. 12 Rz. 54): "Oben hörst du das
nicht mehr, denke ich." Diese Aussage wirkt konstruiert und einstudiert, weshalb
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sich der Schluss aufdrängt, dass der Zeuge D._ nicht das tatsächlich Erlebte
widergibt. Ausserdem deckt sich die Aussage nicht mit seiner vor der Polizei ge-
machten Aussage, wo er auf die Frage, ob er mitbekommen habe, dass es zu
Handgreiflichkeiten gekommen sei, erklärt hatte, er habe hören können, wie die
beiden lautstark miteinander diskutiert hätten. Er sei sich nicht sicher, ob er allen-
falls gehört habe, wie jemand an die Blechtüre geflogen sei (Urk. 11 Rz. 17). Dass
der Zeuge D._ die Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und
dem Privatkläger nicht einmal akustisch wahrgenommen haben soll, ist nicht ver-
einbar mit dem Umstand, dass die Luftliniendistanz zwischen dem Standort des
Zeugen D._ und der Wohnung gemäss dessen Angaben lediglich acht bis
zehn Meter beträgt (Urk. 12 Rz. 87).
4.4.1. Weiter fallen die knappen Aussagen des Zeugen D._ mit Bezug auf
den fraglichen Faustschlag auf. Er erklärte auf Vorhalt der Aussage des Privatklä-
gers, wonach er, der Zeuge D._, ungefähr auf der Mitte der Treppe gestan-
den sei und den Faustschlag gesehen habe, lediglich knapp und pauschal, er ha-
be nichts gesehen, wobei er anfügte, dass er dem Privatkläger generell aus dem
Weg gehe (Urk. 12 Rz. 11). Ebenso wenig habe er mitbekommen, dass der Pri-
vatkläger aus dem Raum gestossen worden sei (Urk. 12 Rz. 27). Der Zeuge
D._ macht keine näheren Ausführungen dazu, weshalb er nichts gesehen
haben soll und stellt insbesondere nicht klar, ob er sich tatsächlich auf der Treppe
aufgehalten hat. Jedenfalls liefert die Aussage, wonach er dem Privatkläger gene-
rell aus dem Weg gehe, keine Erklärung dafür, weshalb der Zeuge D._ vom
fraglichen Faustschlag nichts mitbekommen haben soll.
4.4.2. Sodann sind die Aussagen des Zeugen D._ mit Bezug auf die Verlet-
zungen, welche er beim Privatkläger wahrnehmen konnte, nicht einheitlich. Auf
die Frage, ob der Privatkläger Verletzungen aufgewiesen habe, als er den Raum
verlassen habe, erklärte er, er habe von Weitem gesehen, dass der Privatkläger,
als dieser mit den anderen Arbeitern gesprochen habe, ein rotes Ohr gehabt ha-
be, wobei er anfügte, es sei anzunehmen, dass sich der Privatkläger die Verlet-
zung zugezogen habe, als er sich im Gebäude aufgehalten habe (Urk. 11 Rz. 10).
Nicht stimmig ist vor diesem Hintergrund die Aussage des Zeugen D._ an-
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lässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme, wonach er nichts Ausserge-
wöhnliches habe feststellen können, als der Privatkläger an ihm vorbeigelaufen
sei (Urk. 11 Rz. 48 und 49).
4.4.3. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Sachdarstellung des Zeugen
D._, wonach er nicht mitbekommen haben soll, was sich am Tatort zugetra-
gen hat, obwohl er sich nur wenige Meter davon entfernt aufgehalten hat, wenig
glaubhaft ist.
4.5. Der Zeuge Dr. med. dent. E._ hat keine eigenen Wahrnehmungen zum
Verletzungshergang gemacht. Seine Aussagen beschränken sich rein auf das
medizinisch Fachliche. Die Aussagen des Zeugen Dr. med. dent. E._ sind
sehr differenziert, weshalb sie mit der Vorinstanz als glaubhaft einzustufen sind.
Für die Sachverhaltserstellung von Relevanz sind insbesondere folgende Aussa-
gen: Der Zeuge erklärte, dass es beim Privatkläger abgesehen von einer kleinen
Schwellung äusserlich keine Anzeichen für einen doppelten Kieferbruch gegeben
habe (Urk. 13 Rz. 17). Insbesondere habe der Privatkläger weder Schürfungen
noch Rötungen aufgewiesen (Urk. 13 Rz. 18). Die Verletzung des Privatklägers
müsse durch eine äussere, stärkere Gewalteinwirkung entstanden sein. Beim Pri-
vatkläger müsse die Gewalteinwirkung von der Seite ausgegangen sein, da auf
der einen Seite der Kiefer und auf der anderen Seite das Gelenk gebrochen sei.
Er könne nicht mit Sicherheit sagen, von welcher Seite die Gewalteinwirkung ge-
kommen sei. Aufgrund des Verletzungsbilds sei eine Gewalteinwirkung von der
rechten Seite wahrscheinlicher, sicher sei diese jedoch nicht (Urk. 13 Rz. 26). Die
Angabe des Privatklägers, wonach ihm der Beschuldigte mit der rechten Faust an
die linke Wange geschlagen habe, sei mit der Art der Verletzung vereinbar (Urk.
13 Rz. 28). Ein blöder Sturz sei weniger wahrscheinlich, weil damit in der Regel
äussere Verletzungen, wie Blutergüsse und dergleichen einhergingen. Damit der
Kiefer breche, müsse schnell Energie freigesetzt werden (Urk. 13 Rz. 29). Die
beim Privatkläger vorgefundene Verletzung sei typisch. Etwa 70% der Kieferbrü-
che, welche im Spital behandelt würden, rührten von Schlägereien her. Unfallbe-
dingte Kieferbrüche seien meistens komplexer, d.h. dass noch andere Gesichts-
teile betroffen seien (Urk. 13 Rz. 37 und 39). Schliesslich bestätigt der Zeuge,
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dass ein derartiger Kieferbruch mit einer unsauberen Aussprache einhergehe. Da
der Biss nicht mehr stimme, sei es normal, dass man unsauber rede (Urk. 13 Rz.
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4.6. Der Verteidiger hält wie bereits vor Vorinstanz dafür, dass es bei objektiver
Betrachtung der Akten- und Beweislage durchaus möglich sei,
- dass die Verletzungen des Privatklägers bereits vor dem Zusammentreffen
mit dem Beschuldigten bestanden hätten,
- dass die Verletzungen nach dem Zusammentreffen mit dem Beschuldigten
erfolgt seien, oder
- dass die Verletzungen erst nach Erstattung der Strafanzeige entstanden
seien (Urk. 49 Rz. 18).
4.6.1. Die Vorinstanz verwarf alle drei vom Verteidiger angeführten Verletzungs-
varianten.
4.6.2. Zur Möglichkeit des Eintritts der Verletzung vor der Auseinandersetzung
zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger erwog sie zunächst, dass so-
wohl der Privatkläger als auch der Zeuge D._ übereinstimmend ausgesagt
hätten, dass der Privatkläger zu Beginn der Auseinandersetzung nicht verletzt
gewesen sei (Urk. 4 Rz. 6 und Urk. 11 Rz. 9). Vor dem Hintergrund, dass es ge-
mäss Angaben des Zeugen Dr. med. dent. E._ beim Privatkläger äusserlich
– bis auf eine kleine Schürfung – keine Hinweise auf eine Verletzung gegeben
habe, ist dem Verteidiger zuzustimmen, dass die vorinstanzliche Argumentation,
wenig stichhaltig ist. Die Vorinstanz hielt weiter fest, dass sich der Privatkläger
gemäss den Angaben des später vor Ort anwesenden Polizisten F._ am Kie-
fer gehalten und unsauber geredet habe, wobei das unsaubere Reden gemäss
Dr. med. dent. E._ einen Zusammenhang mit dem Kieferbruch haben könne.
Weder den Aussagen des Beschuldigten noch denjenigen des Zeugen D._
lasse sich indes entnehmen, dass der Privatkläger bereits während der verbalen
Auseinandersetzung unsauber geredet habe oder anderweitige Anzeichen be-
standen hätten, dass er grosse Schmerzen spüre. Zudem bestünden begründete
- 15 -
Zweifel, dass der Privatkläger mit einem doppelten Kieferbruch fähig gewesen
wäre, mit dem Beschuldigten eine lautstarke verbale Auseinandersetzung zu füh-
ren (Urk. 47 S. 16). Der Verteidiger bringt vor, dass der Polizist F._ die Aus-
sage, wonach der Privatkläger eine "nicht sehr saubere Aussprache" gehabt und
sich am Kinn gehalten habe, erst rund fünf Monate nach dem Vorfall anlässlich
einer telefonischen Nachfrage durch die Anklägerin und einen halben Monat nach
der Schlusseinvernahme des Beschuldigten gemacht, wobei die Angabe lediglich
als Aktennotiz ins Verfahren eingeführt worden sei, weshalb darauf aus formellen
Gründen nicht abgestellt werden könne (Urk. 49 Rz. 27).
4.6.3. Dass die unsaubere Aussprache im Polizeirapport nicht festgehalten wurde,
ist letztlich unerheblich. Bereits aufgrund des Umstandes, dass weder der Zeuge
D._ noch der Beschuldigte aussagten, dass der Privatkläger unsauber gere-
det habe, kann nämlich geschlossen werden, dass der Privatkläger vor der Aus-
einandersetzung noch nicht am Kiefer verletzt war. Unzutreffend ist in diesem Zu-
sammenhang sodann das Vorbringen des Verteidigers, wonach der Beschuldigte
vor dem Vorfall nie mit dem Privatkläger geredet habe (Urk. 49 Rz. 28), gaben
doch der Privatkläger und der Beschuldigte übereinstimmend an, dass Ersterer
Letzteren bereits während der Mittagspause nach dem Verbindungsstück gefragt
habe (Urk. Urk. 4 Rz. 4; Urk. 5 Rz. 7; Prot. I S. 10; Urk. 8 Rz. 6 und Urk. 9 Rz.
13). Zwar weist der Verteidiger zutreffend darauf hin, dass weder der Beschuldig-
te noch der Zeuge D._ nach der Aussprache des Privatklägers gefragt wor-
den seien (Urk. 49 Rz. 28), doch kann davon ausgegangen werden, dass die bei-
den von sich aus erwähnt hätten, wenn der Privatkläger eine unsaubere Ausspra-
che gehabt hätte, zumal der Beschuldigte angab, dass der Privatkläger laut ge-
sprochen habe (Urk. 4 Rz. 4 und Rz. 11; Urk. 5 Rz. 7, 38 und Rz. 43; Prot. I S.
11), ohne konkret danach gefragt worden zu sein. Dass auch mit einem doppelten
Kieferbruch eine lautstarke Auseinandersetzung geführt werden könne, gab der
Zeuge Dr. med. dent. E._ entgegen dem Verteidiger (vgl. Urk. 49 Rz. 29) so-
dann nicht zu Protokoll, sondern lediglich, dass man mit einem doppelten Kiefer-
bruch noch in der Lage sei, zu sprechen (Urk. 13 Rz. 23). Schliesslich ist das
Vorbringen, wonach sich der Privatkläger den doppelten Kieferbruch zugezogen
- 16 -
haben könnte, ohne etwas davon bemerkt zu haben (Urk. 49 Rz. 30), schlicht ab-
wegig, ist eine solche Verletzung doch mit erheblichen Schmerzen verbunden.
4.6.4. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht zum Ergebnis
gelangt ist, dass keinerlei Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Kieferbruch be-
reits vor der Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten vorhanden war.
4.6.5. Zum Vorbringen des Verteidigers, wonach es denkbar sei, dass sich der
Privatkläger die Verletzung erst nach der verbalen Auseinandersetzung mit dem
Beschuldigten zugezogen habe, hielt die Vorinstanz fest, dass sich die Auseinan-
dersetzung zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger unbestrittener-
massen um ca. 13.15 Uhr zugetragen habe (Urk. 1 S. 1), und die Polizei um
13.23 Uhr durch den Arbeitskollegen ... über den Vorfall per Telefon informiert
worden sei (Urk. 1 S. 2), weshalb unüberwindbare Zweifel an der vom Verteidiger
angeführten Sachverhaltsvariante bestünden (Urk. 47 S. 16). Die vom Verteidiger
angeführte Möglichkeit eines Kieferbruchs verursacht durch einen Sturz auf das
eigene, mit einer Hose bedeckte Knie oder auf die abgedeckte Reling eines Trep-
pengeländers (Urk. 49 Rz. 21), fällt ausser Betracht, weil sich der Privatkläger im
Untergeschoss befunden hat, weshalb ein Treppensturz von vornherein gar nicht
möglich ist. Weiter ist darauf hinzuweisen, dass das fragliche Treppengeländer
nicht abgedeckt war (vgl. Urk. 2 S. 2 und 3). Dass sich der Privatkläger verletzt
haben könnte, als er die Treppe hochgestiegen ist, lässt sich nicht mit der Aussa-
ge des Zeugen D._, wonach der Privatkläger eine bis zwei Minuten nach
Verlassen des Raums im Untergeschoss auf der Treppe an ihm "vorbeigeschos-
sen" sei (Urk. 11 Rz. 5), vereinbaren. Wäre der Privatkläger gefallen, so hätte der
Zeuge D._ den Sturz bemerken müssen. Wenn der Verteidiger schliesslich
vorbringt, nach der allgemeinen Lebenserfahrung dürfe angenommen werden,
dass ein durch einen Faustschlag verursachter doppelter Kieferbruch beim Zu-
schlagenden zu einer Verletzung der Hand führe (Urk. 49 Rz. 22), so ist festzuhal-
ten, dass eine Handverletzung des Zuschlagenden keineswegs zwingende Folge
eines Faustschlags ist. Es hängt von der Art des Schlages ab, ob der Zuschla-
gende sich durch das Zuschlagen ebenfalls verletzt.
- 17 -
4.6.5. Zusammenfassend ergibt sich in Übereinstimmung mit der Vorinstanz, dass
keine objektiven Anhaltspunkte dafür bestehen, wonach sich der Privatkläger den
Kieferbruch nach der Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten zugezogen ha-
ben könnte.
4.6.6. Schliesslich hat die Vorinstanz auch die Sachverhaltsvariante, nach wel-
cher sich der Privatkläger den doppelten Kieferbruch im Zeitpunkt zwischen der
Anzeigeerstattung um 13.23 Uhr und dem Spitaleintritt um 15.18 Uhr zugezogen
haben könnte, zu Recht verworfen. Wenn der Verteidiger in diesem Zusammen-
hang vorbringt, dass vor dem Spitaleintritt niemand eine Verletzung festgestellt
habe (Urk. 49 Rz. 32), so ist diesem Vorbringen entgegenzuhalten, dass der Zeu-
ge D._ zwar nicht von einer Verletzung berichtete, jedoch davon, dass er aus
einer Distanz von 30 Metern gesehen habe, dass der Privatkläger ein rotes Ohr
gehabt habe (Urk. 11 Rz. 10 und Urk. 12 Rz. 15). Ausserdem ist dem Polizeirap-
port zu entnehmen, dass die Polizei den Privatkläger mit einer geschwollenen
Wange und Blut an den Lippen angetroffen hat (Urk. 1 S. 3). Mit der Vorinstanz ist
festzuhalten, dass diese Sachverhaltsvariante nur dann einen Sinn ergeben wür-
de, wenn der Privatkläger einen Komplott geplant hätte, indem er zuerst die An-
zeige erstattet und sich erst im Nachhinein die Verletzung zugefügt hätte, wobei
nach wie vor eine Erklärung für das vom Zeugen D._ vor der Anzeigeerstat-
tung wahrgenommene rote Ohr des Privatklägers fehlen würde.
4.7. Zusammenfassend ergibt sich, dass die beim Privatkläger festgestellten Ver-
letzungen gemäss Einschätzung des fachkundigen Zeugen Dr. med. dent.
E._ durch eine massive äusserliche Gewaltanwendung von der Seite her
entstanden sind. Die fraglichen Verletzungen sind mit der Sachverhaltsschilde-
rung des Privatklägers vereinbar. Dessen Aussagen sind wie erwähnt aufgrund
ihrer Konstanz, Widerspruchsfreiheit und ihrem Detailreichtum als glaubhaft zu
qualifizieren, wohingegen die Aussagen des Beschuldigten betreffend das Sach-
verhaltselement des Hinausstossens des Privatklägers aus der Baustellenwoh-
nung und des Geschehens danach sehr knapp und zurückhaltend und damit we-
nig glaubhaft sind. Darüber hinaus ist es lebensfremd, dass der Streit zwischen
dem Beschuldigten und dem Privatkläger über das fragliche Verbindungsstück mit
- 18 -
dessen Hinausschieben aus der Wohnung seinen Abschluss gefunden haben
soll, zumal der Beschuldigte zu jenem Zeitpunkt nach wie vor im Besitz des fragli-
chen Verbindungsstücks war. Weil sodann aufgrund der Aussagen des Zeugen
Dr. med. dent. E._ Kieferbrüche durch Stürze in der Regel mit Verletzungen
wie Blutergüssen einhergehen, der Privatkläger keine solchen aufgewiesen hat
und ein Treppensturz aufgrund des Umstandes, dass sich der Privatkläger im
Tatzeitpunkt im Untergeschoss des Hauses Nr. ... aufgehalten hat, ausgeschlos-
sen werden kann, bestehen keine Zweifel, dass die Verletzungen des Privatklä-
gers diesem durch einen Menschen zugefügt wurden. Da sodann Anhaltspunkte
fehlen, welche darauf hinweisen würden, dass der Privatkläger innert der kurzen
Zeitspanne zwischen dem Hinausschieben aus der fraglichen Wohnung und dem
Verlassen des Hauses Nr. ... von einer andern, sich auf der Baustelle befindli-
chen Person, geschlagen wurde und keinerlei Gründe ersichtlich sind, weshalb
der Privatkläger den Beschuldigten zu Unrecht anschuldigen sollte, bestehen kei-
ne unüberwindbaren Zweifel, dass der Beschuldigte, wie vom Privatkläger ge-
schildert, diesem einen Faustschlag erteilte, nachdem er ihn infolge einer verba-
len Auseinandersetzung aus der Wohnung im Haus Nr. ... auf der Baustelle
C._ hinausgestossen hatte. Die Verletzungen, welche der Privatkläger durch
den Faustschlag erlitten hat, sind aufgrund der medizinischen Unterlagen (Urk.
15/2) ausgewiesen. Somit ist der eingeklagte Sachverhalt erstellt.
III. Rechtliche Würdigung
1. Eine einfache Körperverletzung begeht, wer vorsätzlich einen Menschen in
anderer Weise an Körper oder Gesundheit schädigt (Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB).
In anderer Weise schädigt ein Täter jemanden an Körper oder Gesundheit, wenn
die Verletzung weder den Tatbestand der schweren Körperverletzung im Sinne
von Art. 122 StGB noch denjenigen der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 StGB
erfüllt.
2. Vorsätzlich handelt, wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt. Vorsätzlich
handelt dabei bereits, wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf
nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB).
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Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts ist Eventualvorsatz ge-
geben, wenn der Täter den Eintritt des Erfolgs beziehungsweise die Tatbestands-
verwirklichung zwar nicht anstrebt, aber für möglich hält und dennoch handelt,
weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet,
mag er ihm auch unerwünscht sein. Eventualvorsatz kann indessen auch vorlie-
gen, wenn der Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolges bloss möglich ist, selbst
dann, wenn sich diese Möglichkeit, statistisch betrachtet, nur relativ selten ver-
wirklicht. Für den Nachweis des Vorsatzes kann sich das Gericht, soweit der Tä-
ter nicht geständig ist, regelmässig nur auf äusserlich feststellbare Indizien und
auf Erfahrungsregeln stützen, die ihm Rückschlüsse von den äusseren Umstän-
den auf die innere Einstellung des Täters erlauben. Zu den äusseren Umständen,
aus denen geschlossen werden kann, der Täter habe die Tatbestandsverwirkli-
chung in Kauf genommen, zählt auch die Grösse des dem Täter bekannten Risi-
kos der Tatbestandsverwirklichung und die Schwere der Sorgfaltspflichtverlet-
zung. Je grösser dieses Risiko ist und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung
wiegt, desto eher darf gefolgert werden, der Täter habe die Tatbestandsverwirkli-
chung in Kauf genommen (BGE 133 IV I, E. 4.1, bestätigt in BGer 6B_823/2010
vom 25. Januar 2011 E. 3.1; BGE 134 IV 26 E. 3.2.2. m.w.H., bestätigt in BGer
6B_527/2010 vom 30. September 2010 E. 4.1 sowie in BGer 6B_572/2011 vom
20. Dezember 2011 E. 2.1.2 f.).
3. Der Privatkläger erlitt eine offene Fraktur des Unterkiefers rechts, eine
dislozierte Kiefergelenkhalsfraktur sowie eine Zahnlücke mit einer Zahnfleisch-
risswunde zwischen den Positionen 22 und 23 (Urk. 13 Rz. 11; Urk. 15/2). Der un-
tere Knochenbruch musste operativ behandelt werden. Das Gelenk wurde ohne
operativen Eingriff behandelt, was eine längere Nachsorge mit sich zog (Urk. 13
Rz. 40 und Urk. 15/2). Diese Verletzungen stellen ohne Zweifel nicht nur Tätlich-
keiten i.S.v. Art. 126 StGB dar. Dagegen war andererseits keine schwere Körper-
verletzung gegeben, weil weder Lebensgefahr bestand, noch ein wichtiges Organ
oder Glied verstümmelt oder unbrauchbar gemacht wurde, oder das Gesicht des
Geschädigten bleibend entstellt wurde.
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4. Der Beschuldigte hat dem Privatkläger die Faust mit voller Wucht gegen
die linke Wange geschlagen, weshalb er die Möglichkeit von mindestens einer
einfachen Körperverletzung so nahe vor sich sah, dass er sie im Sinne von Art. 12
Abs. 2 Satz 2 StGB billigend in Kauf nahm, zumal als allgemein bekannt voraus-
gesetzt werden kann, dass ein wuchtiger Faustschlag gegen den Kopf zu den
eingetretenen Verletzungen führen kann.
5. Mit der Vorinstanz sind keine Rechtfertigungs- oder Schuldausschluss-
gründe ersichtlich und werden von der Verteidigung zu Recht auch nicht geltend
gemacht. Die rechtliche Würdigung durch die Vorinstanz ist somit zutreffend und
der Beschuldigte ist der einfachen Körperverletzung i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1
StGB schuldig zu sprechen.
IV. Strafe
1. Bei der Strafzumessung ist zunächst der abstrakte Strafrahmen zu bestim-
men. Vorliegend ist für die einfache Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs.
1 StGB von einem Strafrahmen auszugehen, welcher eine Freiheitsstrafe bis zu
drei Jahren oder Geldstrafe vorsieht.
2. Das Gericht misst die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es be-
rücksichtigt dabei das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wir-
kung der Strafe auf das Leben des Täters (Art. 47 Abs.1 StGB). Das Verschulden
wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechts-
gutes, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des
Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren
Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden
(Art. 47 Abs. 2 StGB).
Der Begriff des Verschuldens muss sich auf den gesamten Unrechts- und
Schuldgehalt der konkreten Straftat beziehen. Dabei ist zu unterscheiden zwi-
schen der Tat- und der Täterkomponente. Bei der Tatkomponente ist als Aus-
gangspunkt die objektive Schwere des Delikts festzulegen und zu bewerten. Da-
bei ist anhand des Ausmasses des Erfolgs sowie auf Grund der Art und Weise
- 21 -
der Herbeiführung dieses Erfolgs zu beurteilen, wie stark das strafrechtlich ge-
schützte Rechtsgut beeinträchtigt worden ist. Ebenfalls von Bedeutung sind die
kriminelle Energie sowie ein allfälliger Versuch. Hinsichtlich des subjektiven Ver-
schuldens sind insbesondere das Motiv, die Beweggründe, die Willensrichtung
sowie das Mass an Entscheidungsfreiheit des Täters zu beurteilen. Die Täter-
komponente umfasst die persönlichen Verhältnisse, das Vorleben, insbesondere
frühere Strafen oder Wohlverhalten, und das Verhalten nach der Tat und im Straf-
verfahren, insbesondere gezeigte Reue und Einsicht, oder ein abgelegtes Ge-
ständnis, die Willensrichtung, mit der der Täter gehandelt hat, und die Beweg-
gründe des Schuldigen (Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Schweizerisches
Strafgesetzbuch, Zürich 2013, N 6 ff. zu Art. 47).
3. Bezüglich der objektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass der Beschuldigte
dem Privatkläger mit voller Wucht mit der rechten Faust gegen die linke Wange
geschlagen hat, wodurch der Privatkläger einen doppelten Kieferbruch erlitten
hat. Im Spektrum der einfachen Körperverletzungen stellt dies eine ziemlich gra-
vierende Verletzung dar. Sodann zeugt ein Faustschlag ins Gesicht einerseits von
einer grossen Brutalität, andererseits von einer erheblichen Geringschätzung der
körperlichen Integrität. Ein solcher Faustschlag birgt die Gefahr einer erheblichen
Verletzung und kann auch zu einem unkontrollierten Sturz des Opfers mit unab-
sehbaren Folgen führen. Das objektive Tatverschulden ist insgesamt als nicht
mehr leicht zu werten.
Bei der subjektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass die Tat zwar
nicht geplant war, sondern sich vielmehr aus der Situation heraus ergeben hat
und sich der Beschuldigte provoziert fühlte (Urk. 4 Rz. 4; Urk. 5 Rz. 7 f. und Urk. 9
Rz. 16 ff.). Dennoch hat der Beschuldigte mit dem Faustschlag völlig unverhält-
nismässig auf die vorangegangene verbale Auseinandersetzung reagiert. Weiter
ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte nicht mit direktem, sondern mit
Eventualvorsatz gehandelt hat. Das subjektive Tatverschulden ist ebenfalls als
nicht mehr leicht zu bezeichnen und führt nicht zu einer Relativierung des objekti-
ven Verschuldens. Die Einsatzstrafe ist auf 180 Tage bzw. Tagessätze festzuset-
zen.
- 22 -
4. Bei den täterbezogenen Komponenten sind zunächst die persönlichen Ver-
hältnisse und Lebensumstände des Beschuldigten zu berücksichtigen. Die Vor-
instanz hat das Vorleben zutreffend wiedergegeben, worauf zu verweisen ist (Urk.
47 S. 21). Was die Lebensumstände angeht, so kann ebenfalls auf die vor-
instanzlichen Ausführungen verwiesen werden (Urk. 60 S. 21 f.). An der heutigen
Berufungsverhandlung führte er neu aus, dass er von Mitte Februar bis Mai 2016
arbeitslos gewesen sei und seit 23. Mai 2016 eine Festanstellung bei der G._
AG in ... habe (Prot. II S. 6 f.). Der Beschuldigte ist vorbestraft wegen grober Ver-
letzung der Verkehrsregeln. Die Verurteilung erfolgte am 10. Juli 2008 und liegt
damit weit zurück (Urk. 23/3), weshalb sich diese nicht einschlägige Vorstrafe
nicht mehr auf die Strafzumessung auszuwirken vermag.
5. Gesamthaft erscheint damit eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen als an-
gemessen.
6. Die Höhe eines Tagesatzes bestimmt sich nach Art. 34 Abs. 2 StGB. Mass-
gebend sind die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Täters im
Zeitpunkt des Urteils, namentlich Einkommen und Vermögen, Lebensaufwand,
Familien- und Unterstützungspflichten sowie das Existenzminimum. Der Beschul-
digte erzielte bei seiner früheren Arbeitgeberin, bei welcher er bis Februar 2016
angestellt war, ein monatliches Nettoeinkommen in Höhe von durchschnittlich
Fr. 6'000.– (Prot. II S. 6). Er wohnt mit seiner Freundin zusammen, wobei sein
Mietanteil monatlich Fr. 1'075.– beträgt. Die monatlichen Krankenkassenprämien
belaufen sich auf Fr. 280.– (Prot. II S. 8). Der Beschuldigte hat in Deutschland of-
fene Schulden in der Höhe von EUR 23'000.– aus dem Zwangsabbruch seines
Hauses, welche er abbezahlt (Prot. II S. 8). Ausserdem bezahlt er an seine in
Deutschland wohnhafte Tochter monatliche Unterhaltsbeiträge in der Höhe von
EUR 375.– (Prot. II S. 7). Damit erscheint die von der Vorinstanz festgesetzte
Tagsatzhöhe von Fr. 50.– als den Verhältnissen angemessen.
- 23 -
V. Vollzug
Was den Vollzug der Freiheitsstrafe anbelangt, so ist diese – unter Verweis auf
die in allen Punkten zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen (Urk. 47 S. 23 f.) –
aufzuschieben. Die Probezeit ist auf 2 Jahre anzusetzen.
VI. Zivilansprüche: Genugtuung
1. Bei Tötung eines Menschen oder Körperverletzung kann der Richter unter
Würdigung der besonderen Umstände dem Verletzten eine angemessene Geld-
summe als Genugtuung zusprechen (Art. 47 OR). Die Körperverletzung muss
beim Verletzten zu einer immateriellen Unbill (zu einem Schmerz) geführt haben.
Darüber hinaus muss der erlittene körperliche bzw. seelische Schmerz von einer
gewissen Schwere sein (BGE 110 II 166 = Pra 1984, 486). Bei der Bemessung
und Festsetzung von Genugtuungsleistungen kommt dem Gericht ein erheblicher
Ermessensspielraum zu. Abzustellen ist dabei vor allem auf die Art und Schwere
der Verletzung, die Intensität und Dauer der Beeinträchtigung sowie auf die
Schwere des Verschuldens (Schwenzer, Schweizerisches Obligationenrecht All-
gemeiner Teil, 6. Aufl. 2012, Rz. 17.12).
2. Der Privatkläger liess im vorinstanzlichen Verfahren die Zusprechung einer
Genugtuung von Fr. 4'500.– zuzüglich 5% Zins seit 29. September 2014 beantra-
gen (Urk. 35).
Die Vorinstanz sprach dem Privatkläger eine Genugtuung von Fr. 2'500.–
zuzüglich 5 % Zins ab 29. September 2014 zu.
3. Der Beschuldigte beantragt die Abweisung des Genugtuungsbegehrens
(Urk. 49 S. 2 und Urk. 60 S. 2).
4. Zum Verschulden des Beschuldigten wurden bereits Ausführungen gemacht
(vgl. Erw. IV. Ziff. 3. und Ziff. 4.). Die Verletzung des Privatklägers machte einen
operativen Eingriff notwendig. Der Privatkläger war während zwei Monaten zu
100% arbeitsunfähig (Urk. 15/6) und konnte während sieben Wochen nur flüssige
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Nahrung zu sich nehmen. Im Herbst 2015 musste die eingefügte Platte wieder
entfernt werden (Urk. 62 S. 3). Es entspricht der Lebenserfahrung, dass solche
Verletzungen mit grossen Schmerzen verbunden sind. Aufgrund der Schilderun-
gen des Privatklägers, wonach mit einer Arthrose im linken Kiefergelenk zu rech-
nen sei (Urk. 35 S. 3), ist ausserdem nicht auszuschliessen, dass der erfolgte Kie-
ferbruch auch in Zukunft Schmerzen verursachen wird. Es ist auch einfühlbar,
dass der Privatkläger durch den Vorfall eine seelische Beeinträchtigung erlitten
hat.
5. Unter Berücksichtigung des Verschuldens des Beschuldigten, der obigen
Erwägungen sowie vor dem Hintergrund vergleichbarer Fälle, in welchen Opfern
von vergleichbaren Verletzungen Genugtuungen zugesprochen wurden (vgl. Hüt-
te/Landolt, Genugtuungsrecht: Grundlagen zur Bestimmung der Genugtuung, Zü-
rich 2013, § 17, Tabelle II, S. 451), erscheint die von der Vorinstanz zugespro-
chene Genugtuung von Fr. 2'500.– zuzüglich 5% Zins ab dem 29. September
2014 angemessen.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Beim vorliegenden Ausgang des Verfahrens ist das erstinstanzliche Kosten-
und Entschädigungsdispositiv zu bestätigen.
2. Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt
mit seinen Anträgen vollumfänglich. Dementsprechend sind ihm die Kosten des
Berufungsverfahrens aufzuerlegen.