Decision ID: 55cb20a5-8e88-4046-9ede-0867fa1a677e
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1977, arbeitete bei der
Y._
AG als Gerüstbauer und war dadurch bei der Suva gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert, als er
sich
am 1. Oktober 2012 beim Abladen von Material am rechten Handgelenk verletzte (Urk. 13/4). Die erstbe
handelnden Ärzte diagnostizierten
am Tag darauf
eine Schnittverletzung
durch eine
Scherbe am rechten Handgelenk
und äusserten im Verlauf den Verdacht auf eine Schädigung des
Nervus
medianus und attestierten eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (Urk. 13/1)
. Die Suva trat auf den Schaden ein und leistete Heilbe
handlung und Taggelder.
Mit Verfügung vom 9. April 2018 sprach die Suva dem Versicherten mit Wirkung ab 1. Dezember 2016 bei einem Invaliditätsgrad von 21 % eine Invalidenrente auf der Basis eines versicherten Jahresverdienstes von Fr. 55'960.
sowie gestützt auf eine Integritätseinbusse von 7.5 % eine Integritätsentschädigung von Fr. 9'450.
zu (Urk. 13/228). Die dagegen erhobene Einsprache des Versicherten vom 9. Mai 2018, mit welcher er eine 21 % übersteigende Invalidenrente und eine 7.5 % übersteigende Integritätsentschädigung beantragt hatte
(Urk. 13/239)
,
wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 26. September 2019 ab (Urk. 13/262 = Urk. 2).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 26. September 2019 (Urk. 2) erhob der Versicherte am 24. Oktober 2019 Beschwerde mit dem Antrag, die Suva sei zu verpflichten, ihm eine Invalidenrente von mehr als 21 % und eine Integritätsent
schädigung von mehr als 7.5 % auszurichten (Urk. 1 S. 2 Ziff. 2). Mit Beschwer
deantwort vom 13. Februar 2020 schloss die Suva auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 12).
Am 18. Februar 2020
(
Urk.
14)
zog das Gericht die Akten der Eidgenössischen Invalidenversicherung (Urk. 16/1-188) bei und bewilligte
am
6.
März 2020
dem Beschwerdeführer antragsgemäss (vgl. Urk. 1 S. 2 Ziff. 3) die unentgeltliche Rechtsvertretung (Urk. 17).
3.
Mit Verfügung vom
5. Mai 2015 wies die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, das Leistungsgesuch des Versicherten ab (Urk. 13/
124/2-3
). Das
hies
ige Gericht hob die Verfügung mit Urteil vom 10. November 2015
im Prozess Nr. IV.2015.00616
auf und wies die Sache zu ergänzenden Abklärungen an die IV-Stelle zurück
(Urk. 16/47)
. Mit Verfügung vom 14. September 2018
verneinte
die
IV-Stelle
einen Rentenanspruch des Versicherten
(Urk. 13/250). Mit Urteil vom 29. März 2019
im Prozess Nr. IV.2018.000883
wurde die Verfügung
erneut
aufgehoben und die Sache
abermals
zu ergänzenden Abklärungen an die
IV-Stelle zurückgewiesen
(Urk. 16/175)
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am 1. Oktober 2012 ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmäs
sige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat (Art. 18 Abs. 1 UVG). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesund
heitszustandes mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmass
nahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG).
1.3
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10 % invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Zur Bestimmung des Invaliditätsgrades wird
gemäss Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der (unfallbedingten) Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
)
.
1.4
Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG). Die Integritätsentschädigung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens abgestuft (Art. 25 Abs. 1 UVG).
1.5
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invali
dität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.6
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater
Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
Für die Beurteilung der Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychische Gesundheitsschädigung herbeizuführen, ist nach der in BGE 115 V 133 ergange
nen Rechtsprechung auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Dazu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Veranlagung für psychische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut verkraften als Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung des Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus versiche
rungsmässiger Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE 115 V 133
E. 4b).
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinweisen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Un
fallereignis anzuknüpfen, wobei
– ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf – folgende Einteilung vorge
nommen wurde: banale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle anderseits und schliesslich der dazwischen liegende mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E. 5b/
aa
; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
1.7
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin sprach dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab Dezem
ber 2016 eine Invalidenrente bei einer Erwerbsunfähigkeit von 21 % sowie eine Integritätsentschädigung auf der Grundlage einer Integritätseinbusse von 7.5 % zu (Urk. 2). Zur Begründung führte sie an, für die psychischen Beschwerden sei sie nicht leistungspflichtig (S. 3 unten). Laut kreisärztlicher Zumutbarkeitsbeur
teilung sei
dem Beschwerdeführer eine leichte Tätigkeit mit näher dargelegten Einschränkungen zumutbar, und es bestehe kein Grund, von dieser Einschätzung abzuweichen (S. 6 Ziff. 4). Der Einkommensvergleich ergebe unter Berücksichti
gung eines Tabellenlohnabzuges einen Invaliditätsgrad von 21.13 % (S. 7 oben) und die Integritätsentschädigung betrage in Anwendung der Suva-Tabelle 1.2 7.5 % (S. 8 Mitte).
2.2
Der Beschwerdeführer machte dagegen geltend (Urk. 1), sein Gesundheitszustand habe sich
nach
dem Zeitpunkt der kreisärztlichen Untersuchung verändert. Es gebe an der kreisärztlichen Beurteilung Zweifel, weshalb darauf nicht abgestellt werden könne (S. 5 Ziff. 7). Das von der Beschwerdegegnerin herangezogene
Valideneinkommen
treffe aus verschiedenen Gründen nicht zu
(S. 8 f. Ziff. 8)
,
und auch die Festsetzung des Inval
ideneinkommens aufgrund der Lohnstruk
turerhebung werde der Sache nicht gerecht (S. 9 ff. Ziff. 9).
B
ei der Festsetzung der Integritätsentschädigung seien Zweifel an der Einschätzung durch den Kreis
arzt angebracht
, und es sei von einem Integritätsschaden von mindestens 22.5 % auszugehen
(S. 11 Ziff. 10).
2.3
Streitig und zu prüfen sind
der Umfang des anerkanntermassen bestehenden Anspruchs auf eine Invalidenrente sowie die Höhe der de
m Beschwerdeführer
zustehenden Integritätsentschädigung.
Nicht mehr streitig ist die Kausalität der psychischen
Beschwerden
.
3.
3.1
Die Ärzte des Spitals
Z._
, Institut für klinische Notfallmedizin, diagnosti
zierten
laut
Austrittsbericht vom
9. Oktober 201
2
(Urk. 13/1) anlässlich der Erst
versorgung eine Schnittverletzung am rechten Handgelenk, differentialdiagnos
tisch eine Reizung des
Nervus
(N.) medianus (S. 1) und äusserten im Verlauf den Verdacht auf eine traumatische Verletzung des
N.
medianus rechts (S. 2). Sie attestierten eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % vom
9.
bis 16. Oktober 2012.
3.2
Dr.
med.
A._
, Oberarzt Neurologie am Spital
Z._
,
stellte im Bericht vom 8. November 2012 (Urk. 13/9) folgende Diagnose
(S. 1)
:
-
Verletzung
durch
Glasscherbe am rechten Handgelenk im
Medianus
bereich
mit/bei
-
assoziierter
Medianusläsion
mit Teilläsion
der sensorischen Fasern zu Digitus (
Dig
.) III
-
aktuell: Schmerzzustand mit positivem
Tinel
z
eichen
an der Verlet
zungsstelle
Die Prognose sei per se gut, allerdings sei der Heilungsverlauf im Rahmen
von Wochen bis Monaten zu sehen.
Es gebe momentan keine m
edikamentöse
Therapiestrategien
.
Aktuell
sei
der Beschwerdeführer als Gerüstbauer einsatzfähig (wohl eher: nicht einsatzfähig) und er sei bis 19. November 2012
«
krankgeschrie
ben
»
worden (S. 2).
3.3
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Chirurgie, speziell Handchirurgie,
erhob
im Bericht vom 19. Dezember 2012 (Urk. 13/15
; vgl. auch Urk. 13/19
) eine Partial
läsion des
N.
medianus im Handgelenk rechts. Es sei eine Nervenrevision mit allfälliger Sekundärnaht der sensiblen Fasern f
ür den Mittelfinger indiziert.
Am 22. Januar 2013 führte
Dr.
B._
die vorgeschlagene Operation durch (
vgl.
Bericht vom
19. Dezember 2012, Urk. 13/15).
Am 8. Mai 2013 (Urk. 13/32) berichtete er, der Beschwerdeführer klage immer noch über elektrisierende Schmerzen, die Wiederaufnahme der Arbeit sei noch unbestimmt.
3.4
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Chirurgie, nannte nach der kreisärztlichen Untersuchung im Bericht vom 2. Juli 2013 (Urk. 13/39) folgende Diagnose (S. 5 Ziff. 5):
-
Status nach Fremdkörperinkorporation (Glasscherbe) im Bereich des rechten Handgelenks mit Teilläsion des
N.
medianus rechts am 1. Oktober 2012 und Neurolyse des
N.
med
ianus rechts am 22. Januar 2012
Subjektiv persistierten Schmerzen und Sensibilitätsstörungen. Objektiv fänden sich reizlose Narbenverhältnisse und nur eine leichte Bewegungseinschränkung im
Handgelenk rechts gegenüber links und eine Kraftverminderung. Es
sei eine
neurologische Kontrolluntersuchung
indiziert
(S. 5).
3.5
Dr.
A._
berichtete am 18. Juli 2013 (Urk. 13/41), elektrophysiologisch sei die Situation unverändert mit weiterhin klinisch gut fassbarer
S
törung
der Sensorik
im Bereich des
Dig
. III rechts. Das Extensionsdefizit im Bereich des rechten Hand
gelenks dürfte schmerzbedingt sein, für eine zusätzliche Pathologie liessen sich keine Hinweise finden. Haupts
t
örend sei neben der Hyposensibilität allerdings weiterhin ein Reizzustand mit positivem
Tinelzeichen
im Bereich der Narbe und im Handteller, und es zeigten sich leichte Überlastungszeichen im Ellbogen.
Dies sollte ergotherapeutisch angegangen werden.
Es werde versucht, d
ie Neuropathie beziehungsweise die Reizsymptomatik mit auslösbarem
Tinelzeichen
medikamen
tös zu behandeln. Ein Karpaltunnelsyndrom habe ausgeschlossen werden können. Für eine abschliessende neurologische Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei es noch zu früh (S. 2 Mitte).
Nach einer Verlaufsuntersuchung
führte
Dr.
A._
am 31. Januar 2014 (Urk. 13/55)
aus
, es sei weder anamnestisch, klinisch noch elektrophysiologisch eine Verän
derung gegenüber der letzten Untersuchung
vo
m
Juli 2013 auszumachen. Als Hauptstörung beziehungsweise die Funktionalität einschränkend sei wahrschein
lich ein neuropathischer Schmerz, der
anscheinend
auf die ausreichend dosierte antineuropathische Medikation
n
icht positiv angesprochen habe. Im Plasmaspie
gel habe sich überraschenderweise kein messbarer
Wert
finden lassen, was Zwei
fel an den Angaben des Beschwerdefüh
r
ers
über
die Medikamente
n
ein
nahme
aufkommen lasse. Somit sei die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit, welche vor allem auf den subjektiven Angaben beziehungsweise de
n
angegebenen neuropa
thischen Schmerze
n
beruhe, schwierig
beziehungsweise
un
möglich. Auch
sei schwierig zu beurteilen,
ob weitere Abklärungen und die Suche nach einer noch vorhandenen
Komprimittierung
des Nervs sinnvoll seien. Dass durch den Unfall eine Läsion einzelner sensorischer Fasern des Nervs an der bereits durch eine Amputation vorgeschädigten Hand
stattgefunden habe
,
sei nicht anzuzweifeln. Die berufliche Haupteinschränkung sei allerdings der Schmerz (S. 2 Mitte).
3.6
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Neurologie, berichtete am 17. April 2014 (Urk. 13/73), Kopf und Hals seien frei beweglich. Die zervikalen
Foramenokklu
sionszeichen
seien negativ. Der
Phalentest
sei auf der rechten Seite ebenso wie das
Tinel
z
eichen
bei Perkussion des
N.
medianus im Bereich des palmaren Hand
gelenks positiv mit typischer Ausstrahlung schwerpunktmässig in den Finger II. Bei Status nach Amputation des Fingers V re
chts ergäben sich keine Paresen,
Feinmotorikstörungen
oder Muskelatrophien im Bereich der rechten Hand beziehungsweise des rechten
Unterarms. Reproduzierbar sei eine Hypästhesie und
Hypalgesie
des Fingers III beziehungsweise der radialen Hälfte des Fingers IV rechts. Trophische Störungen im Si
nne von Defiziten der
Sudorisekretion
beziehungsweise des Wachstumsverhaltens von Haut und Hautanhangsgebilden ergäben sich nicht. Der übrige neurologische Befund in Form des Hirnnervenbe
fundes, der übrigen Motorik, der Muskeleigenreflexe
und
der Oberflächen- und Tiefensensibilität sei insgesamt regelrecht (S. 2 oben). Die Befunde der moto
rischen und der sensiblen Neurographie belegten bei einem Potentialverlust der sensiblen Neurographie mit Ableitung vom Finger III und IV rechts eine sensible Funktionsstörung im
N.
medianus-Versorgungsbereich
von Belang
. Diese dürfte zweifelsfrei mit dem zur Diskussion stehenden Trauma in einem ursächlichen Zusammenhang stehen (S. 2 unten).
Am 5. Mai 2014 (Urk. 13/76) ergänzte
Dr.
D._
, es bestehe weiterhin ein
neuropathisches Schmerzsyndrom, und
er empfehle eine medikamentöse Thera
pie
. A
us neurologischer Sicht sei keine Arbeitsfähigkeit gegeben.
3.7
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Orthopädie, speziell Handchirurgie, berich
tete am 7. Mai 2014 (Urk. 13/82), es bestehe eine erhebliche Diskrepanz zwischen den subjektiv angegebenen Beschwerden und Einschränkungen und den objekti
ven Befunden. Auffällig sei die deutliche Hautverschmutzung der rechten Hand und die seitengleiche
Beschwielung
. Die physiologische Umfangdifferenz am Unterarm zugunsten des betroffenen dominanten rechten Armes von 0.5 cm spreche gegen die geltend gemachten Einschränkungen der rechten Hand und des rechten Unterarms. Die Beschwerden über dem Olecranon dorsal seien auf einen Knochensporn mit
Bursabildung
zurückzuführen und hätten keinen Zusammen
hang mit dem Unfall. Es
gebe
keine Mö
glichkeit für weitere Therapien,
und es bestehe keine Indikation für einen weiteren handchirurgischen Eingriff am
N.
medianus rechts
. D
ie Sensibilität in den Fingern III und IV könne damit nicht verbessert werden (S. 3 Mitte)
.
3.8
Laut Bericht der Universitätsklinik
F._
,
Institut für Anästhesiologie,
Schmerzambulatorium, vom 13. Januar 2015 (Urk. 13/103
= Urk. 13/110
/6-7
) sei die präsentierte Symptomatik am ehesten im Rahmen eines neuropathischen Schmerzgeschehens im Bereich des Ausbreitungsgebiets des rechtsseitigen
N.
medianus zu beurteilen. Es sei eine diagnostische
Ultraschall (US)-
assistierte Lokalanästhetika-Blockade des
N.
medianus durchgeführt worden, die nur
inkon
klusive
Resultate gezeigt habe, so dass von weiteren interventionellen Massnah
men abgesehen worden sei. Aufgrund der
inkonklusiven
Blockaderesultate seien keine operativen Massnahmen zu empfehlen. In medikamentöser Hinsicht zeige der
Beschwerdeführer keine Bereitschaft, diagnostische Medikamententests oder perorale antineuropathische Medikamente einzunehmen (S. 1 unten).
3.9
Dr.
C._
gab am 9. Februar 2015 (Urk. 13/115) folgende Beurteilung ab: Subjektiv persistierten Schmerzen und Sensibilitätsstörungen und rezidivierend «Stromstösse». Objektiv fänden sich reizlose Narbenverhältnisse und eine Bewe
gungseinschränkung in Bezug auf die Dorsalflexion des rechten Handgelenks und Tinel-artige Phänome
ne im gesamten
Medianusverlauf
(S. 5 oben).
3.10
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Neurologie am
F._
, Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, berichtete
am 10. März 2015 (Urk. 13/119)
, es bestehe weiterhin eine schwere Hypästhesie im Bereich des
Dig
. III, normalisiert habe sich die Sensibilität des
Dig
. IV. Neurographisch zeige sich der Befund einer schweren, aber nicht kompletten, rein sensiblen, axonalen
faszikulären
Läsion zum
Dig
. III und zum
Dig
. IV (
N.
media
nus). Im Ultraschall könne die o
berfläch
liche
faszikuläre
Läsion des
N.
medianus, di
e fokale ulnare, oberflächliche und
hypoechogene
Auftreibung
des
N.
medianus unmittelbar in seinem Verlauf um den Flexor digitorum
superficialis
p
ro
ximal des Handgelenks dargestellt werden. Von der Lokalisation her passe dieser Befund gut zur Klinik, da genau in diesem Bereich die sensiblen Faszikel zu den
Dig
. III und IV verliefen,
was
zu
der typischen V-förmigen Hypäst
h
e
sie des
Dig
. III und radial des
Dig
.
IV
führe
. Obschon von Seiten der Sensibilität 2
1/2 Jahre posttraumatisch eine weitere Besserung nicht mehr zu erwarten sei, könnten durch einen handchirurgischen Eingriff
möglicherweise
die lokalen,
«
belastungsabhängigen und
/ Druck» verbes
sert werden (S. 2 Mitte).
3.11
Am 25. September 2015 führte
Dr.
med.
H._
, Oberarzt
an
der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie am
F._
,
eine Spaltung des
Sulcus
ulnaris
links
,
Neurolyse des
N.
medianus Zone 4-5
und Deckung mittels
Unter
armfaszienlappens
durch (vgl. Urk. 13/145). Im Austrittsbericht vom 2. Oktober 2015 (Urk. 13/144 = Urk. 13/146)
wurden
folgende Diagnosen
festgestellt
(S. 1):
-
neuropathisches Schmerzsyndrom der rechten Hand (dominant) mit Ausstrahlung nach proximal, vor allem an
Dig
. III rechts bei
Status nach Glassplitter-Teilläsion des
N.
medianus rechts proximal des Handgelenks am 1.10.2012
-
Erstversorgung durch
Spital Z._
am 3. Oktober 2012
-
Revision, Ne
ur
olyse
faszikulär
N.
medianus rechts am 22. Januar 2013 (fecit
Dr.
B._
)
-
U
S
-assistierte
Nervenblockade im November 2014 mit ausbleibendem Therapieerfolg
-
aktuell persistierende, schwere, aber nicht komplette axonale,
fasziku
läre
Schädigung Medianus-Faszikel zum
Dig
. III und
Dig
. IV
-
Status nach Amputation
Dig
. V Hand rechts 2010 auf Höhe proximale Grundphalanx
-
arterielle Hypertonie (Erstdiagnose Juli 2015)
-
bei fortgeführtem Nikotinkonsum (ca. 20 pack
years
)
-
Asthma Bronchiale (Erstdiagnose zirka 1985)
-
Steatosis hepatis (Erstdiagnose August 2015)
-
rezidivierende depressive Episoden
-
aktuell eingestellt mit medikamentöser Therapie
D
er intra- und postoperative Verlauf
habe sich komplikationslos gestaltet
.
3.12
Vom 2
9.
bis 30. Oktober 2015 war der Beschwerdeführer
erneut
im
F._
, Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie
,
hospitalisiert. Die
Ärzte nannten
im Austrittsbericht vom 3. November 2015 (Urk. 13/153)
neben den
bereits bekann
ten Diagnose
n
folgende Diagnose (S. 1):
-
Weichteilentzündung des rechten Arms
mit/bei
-
Verdacht auf Bursitis olecrani
-
Entzündungszeic
hen und normwertigen Leukozyten
Der gesamte mediale Ellbogen und der Oberarm auslaufend bis in die Axilla seien gerötet. Eine diskrete Rötung bestehe auch am Unterarm perifokal um die Narbe. Im Bereich des
Sulcus
ulnaris
bestehe eine
Druckdolenz
mit p.m. und über dem Olekranon eine Schwellung ohne palpable Fluktuation. Die
axillären Lymphkno
ten
sei
en
druckdolent und vergrössert. Unter intravenöser Antibiose seien die Rötung und die Schmerzen zurückgegangen und laborchemisch hätten sich normwertige Leukozyten und ein
regredientes
CRP gezeigt (S. 2 oben).
3.13
Am 12. November 2015
führte
PD
Dr.
med.
I._
,
Stellvertretender Direktor der
Klinik für Pl
ast
ische Chirurgie und Handchirurgie am
F._
(Urk. 13/154 = Urk. 13/163),
aus,
der Beschwerdeführer berichte, dass er weiter
hin Schmerzen habe. Die Hand bewege sich besser, aber er habe fast mehr Schmerzen als vor der Operation. Der Unterarm sei unauffällig, reizlos und ohne Infektionszeichen. Es bestehe eine Hyperästhesie über der Narbe mit Ausstrahlung nach distal. Der Ellenbogen sei noch leicht gerötet und etwas druckdolent.
Es finde sich k
ein
Tinel
z
eichen
. Die Fingerbeweglichkeit und die Handgelenksbe
weglichkeit mit eingekrallten Fingern seien praktisch uneingeschränkt. Sobald der Beschwerdeführer die Finger strecke, habe er mehr Schmerzen.
3.14
Dr.
G._
berichtete am 1. März 2016 (Urk. 13/168), nach dem operativen Eingriff vom 25. September 2015 sei es zu keiner Besserung, sondern im Gegen
teil zu einer Verschlechteru
ng des neuropathischen Schmerzs
yndroms gekommen. Zum aktuellen Zeitpunkt bestünden Dysästhesien im Bereich der ganzen rechten Hand
und zwar palmar und dorsal, eine Überempfindlichkeit des
N.
me
dianus proximal des Handgelenks und
des
N.
ulnaris
cubital
sowie
sekundä
r ein myofasziales Verspannungss
yndrom, wahrscheinlich infolge einer chronischen Einnahme einer unphysiologischen Schonhaltung. Therapeutisch sei
das
inter
disziplinäre
Schmerzmanagement
auszubauen und zusätzlich zur psychiatrischen Therapie die Anbindung in einer Schmerzklinik
erforderlich
. Bei den aktuellen Befunden könne nicht mehr davon ausgegangen werden, dass eine relevante Verbesserung des aktuellen Zustands
durch nervenchirurgische
Mass
nahmen
erreicht werden könne. Zur Verbesserung der myofaszialen Schmerz
komponente sei dem Beschwerdeführer Physiotherapie für
detonisie
rende
Mass
nahmen verordnet worden. Insgesamt sei es wenig wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer eine relevante Verbesserung seines chroni
schen, neuropathi
schen Schmerzs
yndrom
s
erreichen könne und wieder eine relevante Arbeits
fähigkeit erreicht werden könne
(S. 2)
.
3.1
5
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte im Bericht vom 31. März 2016 (Urk. 13/172) neben den bekannten somatischen Diagnosen eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (F32.2
; S
. 1
). Vom Setting her sei eine wöchentliche Therapiestunde ganz klar indiziert. Bisher hätten jedoch seit
Oktober 2015 nur gerade 11 Sitzun
gen durchgeführt werden können, wobei die G
ründe
der Unterbrüche vielfältig seien. Aktuell lasse sich keine Prognose stellen (S. 3).
3.16
PD
Dr.
med.
K._
, Institut für Anästhesiologie am
F._
, Schmerzam
bulatorium
,
berichtete am 12. April 2016 (Urk. 13/176), unter Zusammenschau der Berichte, Anamnese, Klinik und der bisher durchgeführten Interventionen sei von einem chronifizierten, stark bewegungsabhängigen neuropathischen Schmerzsyndrom der Hand rechts mit mittlerweile muskulärer Ausweitung auf die gesamte obere Extremität auszugehen. Die medikamentöse Therapie scheine noch ausbaufähig, als erstes sei eine Medikamentenaustestung durchzuführen (S. 1 unten).
Am
3
.
August
2016 berichtete PD
Dr.
K._
(Urk. 13/1
83
),
die Schmerzsituation sei stabil schlecht. Die Medikamententests der verschiedenen Stoffklassen inklu
sive Opioide seien alle deutlich negativ. Es blieben nicht mehr viele therapeutische Optionen. Es werde ein Versuch mit einer lokal wirksamen näher genannten Crème durchgeführt und die Behandlung abgeschlossen (S. 1 unten).
3.17
Kreisarzt
Dr.
C._
führte im Bericht vom 21. September 2016 (Urk. 13/191)
aus
, subjektiv persistierten Schmerzen und Elektrisieren vor allem im Unterarm-
und
Handbereich, teilweise jedoch auch bis zur rechten Schulter ausstra
h
lend, und
eine
verminderte Kraft rechtsseitig. Objektiv fänden sich eine Einschränkung der
Handgelenksbeweglichkeit rechts in Bezug auf die Dorsalflexion, ein Tinel-artiges Phänomen im Bereich des
N.
ulnaris
und
N.
medianus rechts,
aber
keinen Anhalt für eine muskuläre Atrophie im Bereich des Ober- und Unterarms. Insgesamt wirke der Beschwerdeführer nicht sehr schmerzgeplagt, er habe jedoch während der einzelnen Untersuchungsgänge jeweils
immer Schmerzen angegeben. Gesamthaft sei die Stimmung etwas gedrückt gewesen
(S. 6 Mitte)
.
Die
frühere körperlich schwere Tätigkeit im Gerüstbau sei nicht mehr zumutbar. Aus medizinischer Sicht sei eine körperlich sehr leichte Tätigkeit, bei welcher die rechte Hand nur als
Zudienhand
einzusetzen sei, ohne Heben und Tragen von Lasten, ohne Zug-, Druck- und Stossbelastungen und ohne Schläge und Vibra
tionen auf die rechte obere Extremität
zumutbar
. Bei Schmerzexazerbation sollte auch die Möglichkeit vermehrter Pausen bestehen, so dass bei einer 100
%igen Arbeitsfähigkeit eine 80
%ige Leistungsfähigkeit resultier
e
(S. 6
unten
).
3.18
3.18
.1
Am 15. Juni 2017 erstatten
Dr.
med.
L._
, Facharzt für orthopädische C
hirurgie und Traumatologie,
Dr.
med.
M._
, Facharzt für Innere Medizin, Prof.
Dr.
med.
N._
, F
acharzt für Neurologie, und
Dr.
med.
O._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, das
von der IV-Stelle in Auftrag gegebene
polydisziplinäre Gut
achten der
P._
(Urk.
13/212
/
7
-47
) und stellten folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
S. 28
Ziff. 4.4):
-
Zustand nach Glassplitter-Teilläsion des N. medianus rechts proximal des Handgelenks am 1. Oktober 2012
-
Zustand nach R
evision Neurolyse
faszikulär
N.
medianus rechts am 22. Januar 2013
-
Neurolyse
N.
medianus Zone 4-5, Deckung mit Unterarm
Faszienlappen
am 25. September 2015
-
CRPS mit myofaszialer Überlagerung
-
neuropathisches Schmerzsyndrom der rechten Hand, Teilläsion des N. medianus rechts durch Glassplitterverletzung am 1. Oktober 2012 (Erstversorgung Spital
Z._
)
-
Spaltung des
Sulcus
ulnaris
links am 3. Oktober 2012
(25. September 2015)
-
Zustand nach Amputation
Dig
. V rechte Hand 2010 auf Höhe proximale Grundphalanx
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie (
S. 28 Ziff. 4.4
):
-
Zustand nach phlegmonöser Weichteilentzündung Arm rechts bei Ver
dacht auf Bursitis olecrani
-
arterielle Hypertonie
-
Asthma bronchiale
-
Steatosis hepatis
-
Adipositas, WHO Grad I
-
Nikotinabhängigkeit
-
weitgehend remittierte depressive Störung, F32.8 (DD: Anpassungsstö
rung, F43.2)
-
dysfunktionale Krankheitsverarbeitung, F54
3.
1
8
.2
Die orthopädisch-chirurgische Untersuchung
(Urk. 13/
212/20-29
)
habe eine leicht verminderte Behaa
rung im Bereich des rechten Handrückens gezeigt. Das Hautkolorit erscheine ins
gesamt etwas dunkler. Zum Zeitpunkt der Untersuchung fänden sich vereinzelte lokale Hautinfektionen von ca. 0.3 cm Durchmesser im Bereich des Handrückens in Verlängerung vom 2. Strahl dorsalseitig. Die Ampu
tationswunde im Bereich des V. Fingers der rechten Hand sei reizlos verheilt. Sie habe eine Gesamtlänge von 8 cm, sei nicht
keloidartig
verändert, sei verschieblich und weich. Die Sensi
bilität im Bereich des rechten distalen Unterarms und des Handrückens sei vor
handen, die Sensibilität des IV. Fingers der rechten Hand dorsalseitig sei voll
ständig erhalten, die Sensibilität des III. Fingers der rechten Hand dorsalseitig sei bis zur Fingerkuppe unauffällig, die Fingerkuppe werde als leicht gemindert in der Empfindung beschrieben. Der II. Finger der rechten Hand sei dorsalseitig in der Sensibilität erhalten. Die Sensibilität im Bereich des Daumens sei vollstän
dig dorsalseitig erhalten, im Bereich der vier Langfinger dorsalseitig könne keine Schmerzsensation ausgelöst werden. Im Bereich des rechten Unterarmes, etwa 10 cm unterhalb des Ellenbogengelenkes, fände sich eine z-förmig geschwungene Narbe, die bis in die Mitte der Hohlhand reiche. Sie sei reizlos, leicht verbreitert, aber nicht
keloidartig
verändert. Sie sei gegen die Unterfläche verschieblich. Die Narbe messe eine Gesamtlänge von 30 cm. Beim Klopfen des Unterarms w
ü
rden Stromschläge im Bereich der Finger II bis IV wahr
genommen. Sie seien teilweise unerträglich, sodass der Beschwerdeführer zusätz
lich Tabletten einnehmen müsse. Im Bereich des Daumenballens sei die Sensibilität gemindert, aber wahr
nehmbar. Die Sensibilität im Bereich der Hohl
hand sei laut Angaben des Beschwerdeführers nicht mehr vorhanden (zentraler Anteil), die grobe Kraft sei mas
siv vermindert, beim Zugreifen gebe der Beschwer
deführer unerträgliche Schmer
zen an, sodass er bei dieser Untersuchung die Hand sofort öffne. Die Untersu
chung mit dem
Virgometer
ergebe an der linken Hand 0.7 bar, an der rechten Hand 0.3 bar. Beim Zugreifen sei auffällig, dass sofortige massivste Schmerzen im Bereich der Hohlhand ausgelöst würden. Die Schmerzen seien glaubhaft (S. 20 f.
Ziff. 2.2
).
Zwischen den subjektiven Beschwerden und den objektiven Befunden fänden sich keine Diskrepanzen (S. 23
Ziff. 2.5.5
).
Die Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Gerüstbauer betrage 100 %. In einer Verweisungstätigkeit (zum Beispiel in einem Sicherheitsunter
nehmen, Wachtätigkeit als Pförtner, Sicherheitszentrale Monitorüberwachung) betrage sie 30 % (S. 23
Ziff. 2.5.7
).
3.
1
8
.3
Der Neurologe
(Urk. 13/212/61-66)
fand normale Verhältnisse im Bereich des N. medianus und
ulnaris
beidseits. Sensibel zeige sich rechts an der ulnaren Handseite sowie an der
Ulnar
seite
von
Dig
. IV ein normaler Befund, die Radial
seite von
Dig
. IV spüre schlech
ter. In einer schmalen Zone im Bereich der rechten Hohlhand sei die Berührungs- und Schmerzempfindung praktisch fehlend, diese reiche bis zum III. Finger. Auf Höhe des distalen
Interphalangelenks
(DIP) von
Dig
. III rechts bestehe ulnar eine kleine fünfrappengrosse Zone mit Restsensibili
tät. An
Dig
. II gebe der Beschwer
deführer radialseits ebenfalls eine verlorene Sensibilität an.
Dig
. IV distal radial zeige eine diskrete Restsensibilität. Im Narbenbereich auf Handgelenkshöhe zeige sich unmittelbar radialseits vom N. medianus ein heftiges Tinel-Phänomen, wel
ches in alle Medianus-Finger ausstrahle. Neurographisch
(vgl. auch Urk. 13/212/67-76)
lasse sich keine signi
fi
kante motorische
oder sensible Schädigung des
N.
medianus rechts auf Höhe de
s Handgelenks nachweisen. Im
N.
medianus links lägen völlig normale
Verhältnisse vor, ebenso im
N.
ulnaris
links. Die m
otorischen Leitungswerte des
N.
ulnaris
rechts seien in Ordnung. Die sensible Leitung lasse sich distal nicht prüfen, da an
Dig
. IV kein eindeutiges
andidrom
-sensibles Antwortpotenzial nachweisbar sei
(
S. 4 f.
Ziff. 2.3
).
Bezüglich Arbeitsfähigkeit müsse in der bisherigen Tätigkeit von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden. In einer angepassten Tätigkeit sei beim Rechtshänder allenfalls eine geringgradige Restarbeitsfähigkeit gegeben, sofern eine Tätigkeit nicht mit der Führungshand durchgeführt werden müsse. Pragma
tisch betrachtet bleibe die Chance sehr gering, dass eine Restarbeitsfähigkeit
er
reicht werden könne (
S. 6
Ziff. 2.5).
3.
1
8
.4
Im psychiatrischen Teilgutachten
(Urk. 13/212/77-92)
wurde darauf hingewiesen, dass die Compliance unklar sei, der Beschwerdeführer ordne dem psychiatrisch-therapeutischen Ge
schehen nur auf mehrfaches Rückfragen hin eine gewisse Bedeutung zu. Stelle man die Frage, ob die berichteten, nicht direkt beobacht
baren Beschwerden stim
mig seien, ergäben sich zahlreiche Diskrepanzen. Der Leidensdruck sei nicht sicher
eruierbar
, es dominierten immer wieder Inkonsis
tenzen, einerseits gar nichts mehr machen zu können, andererseits Reisen nach Spanien, Leben im eigenen Haus dort, regelmässiges Besuchen der Tochter. Die
Konsistenzparameter nach Widder seien teilweise positiv, etwa im Sinne der Diskrepanzen zwischen den geschilderten Symptomen und dem Verhalten in der Untersuchungssituation (stärkste Migräne, erbrechen müssen). Auf konkrete Nachfrage ergäben sich oft wechselhafte oder unpräzis ausweichende Schilderun
gen von Beschwerden und in Bezug auf den Krankheitsverlauf. Die angegebenen Beschwerden könnten nicht in allen Lebensbereichen verifiziert werden. Darüber hinaus seien
sie wenig moduliert dargestellt und
blieben oft diffus
,
und die Funk
tionsbeeinträchtigungen im Alltag liessen sich nicht konkret verifizieren
(
S. 10 f.
Ziff. 4.3.2.4
).
Die Arbeitsfähigkeit sei weder in der bisherigen noch in einer angepassten Tätig
keit dauerhaft eingeschränkt (
S. 16
Ziff. 5.3.5.6).
3.
1
8
.5
Aus internistischer Sicht
(Urk. 13/212/50-60)
wurde festgehalten, das Sitzen sei problemlos während 70 Minuten möglich gewesen. Ein Nachlassen der Konzent
ration habe anhand der gleichbleibenden Qualität der Antworten nicht gesehen werden können. Am Ende der Untersuchung sei etwas verwunderlich gewesen, dass der Beschwerde
führer die rechte Hand zum Anziehen der Schuhe verwendet habe und nicht die gesunde linke. Der Händedruck zur Verabschiedung sei seitens des Untersuchers bewusst kräftig ausgeführt worden, wobei der Beschwerdeführer überraschender
weise nicht mit Schmerzen der rechten Hand reagiert habe (anders als anamnes
tisch geschildert, wonach schon bei leichter Berührung der Hand ein Schmerz ausgelöst werde). Weitere konkrete Anhaltspunkte für Aggravation oder Simula
tion seien nicht vorhanden (
S. 8
Ziff. 2.2).
Aufgrund der aktuellen Anamnese, der körperlichen Untersuchung sowie hin
sichtlich der Aktenlage ergäben sich auf allgemein-internistischem Fachgebiet keine IV-relevanten Diagnosen oder Funktionseinschränkungen. Vorbeschrieben sei ein Asthma bronchiale, welches auch therapiert werde, allerdings seien vom Beschwerdeführer keine Atembeschwerden angegeben worden. Eine IV-Relevanz könnte sich daher allenfalls bei Aufnahme einer körperlich anstrengenden Arbeit ergeben. Bei einer erneuten Arbeitsaufnahme sollten asthmaauslösende Faktoren vermieden werden (
S. 10 f.
Ziff. 2.5).
3.
1
8
.6
Aus interdisziplinärer Sicht
(Urk. 13/212
/7-47)
ergebe sich eine Arbeitsunfähig
keit in der ange
stammten Tätigkeit von 100 % und in einer Verweistätigkeit von 70 %. In einer angepassten Tätigkeit sei beim Rechtshänder allenfalls eine geringgradige Rest
arbeitsfähigkeit gegeben, sofern er die Tätigkeit mit der
adominanten
Hand durchführen könne. Somit bleibe pragmatisch betrachtet auch hier die Chance sehr gering, dass eine Restarbeitsfähigkeit erreicht werden könne. Im Falle einer
erneuten Arbeitsaufnahme sollten asthmaauslösende Faktoren vermieden werden (
S. 38
Ziff. 5.7.2).
3.19
PD
Dr.
med.
Q._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabili
tation, Universitätsklinik
R._
, Rheumatologie,
dem der Beschwerdeführer von der Beschwerdegegnerin zur Evaluation von Therapieoptionen zugewiesen wurde,
diagnostizierte im Sprechstun
denbericht vom 25. Januar 2018 (Urk. 13/219) in seinem Fachbereich Folgendes:
-
neuropathisches Schmerzsyndrom Hand rechts
-
Status nach Glassplitterteilläsion des
N.
medianus rechts proximal des Handgelenks am 1. Oktober 2012
-
Status nach Revision Neurolyse
faszikulär
N.
medianus rechts am 21. Januar 2013
-
Status nach Neurolyse
N.
medianus am 25. September 2015
-
Spaltung
Sulcus
ulnaris
links am 3. Oktober 2012
-
Status nach Amputation
Dig
. V Hand rechts 2010
Der Beschwerdeführer berichte über Dauerschmerzen bis
cervical
mit Exazerba
tion bei Bewegung und Belastung. Daneben bestünden auch ausgeprägte Nacht
schmerzen. Die Schmerzen betrüg
en auf der Schmerzskala 4-9/1
0.
Der Schmerz selbst sei inkonstant, der Schmerzcharakter könne nicht weiter beschrieben wer
den. Initial werde der Arm rechts in Schonhaltung präsentiert. Vorderarm und Hand rechts zeigten sich mit reizlosen Operationsnarben, ohne Schwellung, ohne Verfärbung, ohne Hyperhidrose, ohne Hypertrichose, ohne trophische Störungen der Nägel und mit symmetrischer Hauttemperatur. Der Faustschluss sei knapp möglich, die Dorsalextension des Handgelenks rechts sei zu 2/3 eingeschränkt. Ellbogen und Schulter seien endgradig eingeschränkt.
3.
20
Dr.
C._
schätzte die Integritätseinbusse
im
Bericht vom 31. Januar 2018 (Urk. 13/221) auf 7.5 %
(S. 1
Ziff. 2
)
. Gemäss Feinrastertabelle
1.2
ergebe eine distale
Medianuslähmung
eine Integritätseinbusse von 15
%
.
Subjektiv persistier
ten Schmerzen und Elektrisieren vor allem im Unterarm- und Handbereich
rechts
, teilweise jedoch auch bis zur rechten Schulter ausstrahlend, und
eine
verminderte
Kraft. Objektiv fänden sich eine Einschränkung der Handgelenksbeweglichkeit in Bezug auf die Dorsalflexion, ein Tinel-artiges Phänomen im Bereich des
N.
ulnaris
und
N.
medianus rechts, aber keinen Anhalt für eine muskuläre Atrophie im Bereich des Ober- und Unterarms (S. 1 Ziff. 1). Lähmungen
seien auch im neurologischen Teilgutachten der
P._
(vgl. E. 3.1
8
.3) nicht beschrieben worden und seien auch aufgrund des
Elektromyographie (
EMG
)
-Befundes nicht überwiegend wahrscheinlich. Eine Atrophie der intrinsischen Handmuskulatur sei ebenfalls nicht vorhanden, so dass als Schädigung im
Medianusbereich
ein neuropathisches Schmerzsyndrom (welches jedoch nicht objektivierbar sei) verbleibe. Somit scheine eine Integritätseinbusse von 7.5 % angemessen (
S. 1
Ziff. 3
).
Mit Beurteilung vom 30. Januar 2018 (Urk. 13/222) nahm
Dr.
C._
zum Gutach
ten der
P._
Stellung. Die Diagnose eines aktuell bestehenden CRPS könne nach der
Untersuchung
durch
Dr.
Q._
nicht nachvollzogen werden. Im Gutachten der
P._
werde auch undifferenziert ein CRPS diagnostiziert, ohne Spezifizierung, ob es sich um ein CRPS I oder II handle (S. 6 unten). Es werde in keinem Teilgutachten eine muskuläre Hypotrophie der rechten oberen Extremität beschrieben, was bei einem bestehenden CRPS mit entsprechend anzunehmender Gebrauchseinschränkung der rechten Hand hätte vorhanden sein müssen (S. 7 unten). Die Gutachter hätten sich auch nicht mit den Inkonsisten
zen/Diskrepanzen, die bei den einzelnen Untersuchungen aufgetreten seien, auseinandergesetzt (S. 6 unten)
,
und der neurologische Gutachter setzte sich nur unzureichend mit den neurophysiologischen Befunden, die von seinem Mitarbei
ter erhoben worden seien
, auseinander
(S. 7 oben).
Auf das Gutachten könne daher nicht abgestellt werden (S. 7 unten).
4.
4.1
Aus den medizinischen Akten geht unzweifelhaft hervor, dass sich der Beschwer
deführer bei einer Verletzung mit einer Glasscherbe eine Partialläsion des
N.
medianus im Handgelenk rechts zuzog (E.3.3). Nach einer Neurolyse des
N.
medianus rechts im Januar 2012 persistierten Schmerzen und Sensibilitätsstö
rungen, eine leichte Bewegungseinschränkung und eine Kraftverminderung (E. 3.4). Im
September
2015 wurde sodann eine Spaltung des
Sulcus
ulnaris
links, eine Neurolyse des
N.
medianus Zone 4-5 und Deckung mittels
Unterarm
faszienlappens
vorgenommen
(E. 3.11), worauf sich eine Weichteilentzündung des rechten Arms, die in der Folge wieder abklang, einstellte (E. 3.12). Nach dem operativen Eingriff kam es zu keiner Besserung, sondern eher Verschlechterung der Schmerzen (E. 3.1
3
).
In seiner kreisärztlichen Beurteilung vom 21. September 2016 ging
Dr.
C._
davon aus, dass der Beschwerdeführer in der ursprünglichen Tätigkeit als Gerüst
bauer nicht mehr arbeitsfähig sei, ihm aber in einer näher umschriebenen körperlich sehr leichten Tätigkeit bei einer 100%igen Arbeitsfähigkeit eine 80%ige Leistungsfähigkeit zumutba
r sei (E. 3.17
). In Übereinstimmung damit, kamen die Gutachter der
P._
zum Schluss, dass als Gerüstbauer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe
, d
agegen erachteten sie den Beschwerdefüh
rer in einer behinderungsangepassten Tätigkeit
nur noch als zu 30 % arbeitsfähig
(E. 3.18
.6).
Die Beschwerdegegnerin folgte den Einschätzungen des Suva-Kreisarztes
Dr.
C._
.
4.2
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
Zu prüfen ist im Folgenden, ob das Gutachten der
P._
die Feststellungen von
Dr.
C._
in Zweifel zu ziehen vermag.
4.3
Der Beschwerdeführer zeigte in den Untersuchungen durch die Ärzte der
P._
offenbar ein teilweise dis
krepantes Verhalten: So wurde anlässlich der inter
nistischen Untersuchung beo
bachtet, dass er trotz behaupteter Schmerzauslösung bei nur geringer Berührung der rechten Hand und eingeschränkter Handgelenks
beweglichkeit die Schuhe mit der rechten und nicht mit der gesunden linken Hand anzog und beim Verabschie
den mit festem Händedruck nicht mit Schmerzen reagierte (E. 3.1
8
.5). Die neurographischen Untersuchungen ergaben, dass keine signifikante motorische oder sensible Schädigung des N. medianus rechts auf Höhe des Hand
gelenks nachzuweisen und die motorischen Leitungswerte des N.
ulnaris
rechts in Ordnung waren
(E. 3.18
.
3)
. In der psychiatrischen Unter
suchung gab der Beschwerdefüh
rer oft wechselhafte oder unpräzis ausweichende Schilderungen von Beschwerden und auch in Bezug auf den Krankheitsverlauf an
(E. 3.18
.4)
. Dass die Gutachter in der Ge
samtbeurteilung unter diesen Umstän
den lediglich die vom Psychiater, der im Übrigen von keinem die Arbeitsfähigkeit einschränkenden Gesundheitsschaden ausging, festgestellten Diskrepanzen erwähnten und versicherten, dass sich aus allen anderen Teilgutachten keine Diskrepanzen zwischen den subjektiven Be
schwerden und den objektiven Befun
den ergäben
(
Urk.
13/212/7-47 S. 28
Ziff.
4.5
)
, widerspricht offensichtlich den in den einzelnen Teilgutachten beschriebenen Beobachtungen und den Untersu
chungsergebnissen. Hätten die Gutachter die festgestellten Inkonsistenzen für die Beurteilung des medizinischen Sachverhalts als nicht relevant erachtet, hätten sie dies darlegen und vor allem erklären müssen, weshalb sie die vom Beschwerde
führer dargetanen Beschwerden trotz der Diskrepanzen und Inkonsistenzen den
noch als glaubhaft erachteten.
Aus den von den Gutachtern wiedergegeben
en
Schmerzschilderungen ist zu schlies
sen, dass die Schmerzen vor allem bei Berührung sowie Bewegung auftreten
,
und der Beschwerdeführer den rechten Arm/die rechte Hand deswegen und aufgrund einer verminderten Kraft und der angegebenen Sensibilitätsstörungen nicht mehr einsetzen kann
(E.3.18
.2)
. Dauerschmerzen oder Einschränkungen in anderen Körperpartien wurden nicht beschrieben, ausser dass aus internistischer Sicht asthmaauslösende Faktoren vermieden werden sollten. Weshalb die Gutachter eine derart hohe Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit in einer funktionell einar
migen Tätigkeit attes
tierten, wurde im Gutachten nicht weiter ausgeführt.
Dies und die nicht diskutierten Diskrepanzen und Inkonsistenzen erwecken den Eindruck, dass sich die Gutachter bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit viel
mehr von den subjektiven Klagen des Beschwerdeführers als von den objektiven Befunden leiten liessen. Darauf deutet im Übrigen auch ihre Bemerkung hin, pragmatisch betrachtet, bleibe die Chance sehr gering, dass der Beschwerdeführer die von ihnen attestierte Restarbeitsfähigkeit erreichen könne, ist es doch Auf
gabe der Mediziner, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen,
bezüglich welcher konkreten Tätigkeiten und in welchem Umfang
ein
Versicherte
r
medizinisch-theoretisch
arbeitsunfähig ist
. Die Beurteilung, ob die von den Medizinern festgestellte (verbliebene) Arbeitsfä
higkeit auf dem ausge
glichenen Arbeitsmarkt noch verwertbar ist, obliegt dage
gen dem Rechtsanwen
der.
Insgesamt
vermag
das
P._
-Gutachten
die Feststellungen von
Dr.
C._
nicht in Zweifel zu ziehen
.
4.4
Des Weiteren rügte der Beschwerdeführer
, es bestünden hinsichtlich der Diagno
sestellung Diskrepanzen,
und
es sei auch ein CRPS mit myofaszialer Überlagerung diagnostiziert worden
. Dies sei von
Dr.
C._
verneint worden, welcher als Chirurg fachfremd ein neuropathisches Schmerzsyndrom diagnostiziert habe (
Urk.
1
S. 6 unten).
D
er Beschwerdeführer
wurde
im Verlauf sowohl von Chirurgen, Orthopäden und Handchirurgen
als auch
von Neurologen untersucht und behandelt
,
und es
wurde
von diesen
niemals
ein CRPS diagnostiziert oder nur in Erwägung gezogen
. So verneinte
Dr.
D._
ausdrücklich Paresen,
Feinmotorikstörungen
, Muskelatro
phien, trophische Störungen im Sinne von Defiziten der
Sudorisekret
i
on
beziehungsweise des Wachstumsverh
altens von Haut und
Hautanhangsg
ebliden
. In seiner Untersuchung war lediglich eine Hypästhesie und
Hypalgesie
des III. Fingers und der radialen Hälfte des IV. Fingers rechts reproduzierbar (E. 3.6).
Dr.
G._
befundete eine normale
muskuläre
Trophik
und
ein
en
normale
n
Tonus
sowie eine normale Einzelkraftprüfung der rechten oberen Extremität (E. 3.10)
sowie
ein
seitengleich
normales Haukolorit,
eine
normale Behaarung
,
keine unwillkürlichen Bewegungen, palpatorisch seitengleich normale Tempera
tur und normale Sudation (E. 3.14).
Dr.
Q._
erhob weder eine Schwellung, eine Verfärbung, eine Hyp
er
hi
drose, eine Hypertrichose oder
trophische Störun
gen der Nägel und eine symmetrische Hauttemperatur (E. 3.19).
Einzig im
P._
-Gutachten wurde
die Diagnose eines
CRPS
gestellt, wobei die Gutachter nicht zwischen den beiden Typen unterschieden und nicht erklärten, welche Befunde und Symptome auf ein CRPS
hindeuteten.
Einzig dem orthopädische
n Teilgutachten (E. 3.18
.2) kann
entnommen werden, dass
eine leicht verminderte Behaarung im Bereich des rechten Handrückens und ein insgesamt etwas dunk
leres Hautkolorit
aufgefallen sei
en
.
Im neurologischen Teilgutachten
dagegen
wurde
darauf hingewiesen, dass sich neurographisch gute Restamplituden an den mittleren drei Fingern zeig
t
e
n
, was im Gegensatz zu der beschriebenen Sensibili
tätsstörung stehe, welche aber allerdings durchaus glaubhaft sei (E. 3.18.3). Weshalb die Sensibilitätsstörung im subjektiv angegebenen Ausmass glaubhaft ist, wird nicht weiter dargelegt. Ebenso wenig finden sich Befunde, die das Vorliegen eines CRPS stützen könnten.
In Würdigung der gesamten Aktenlage kann somit
die Diagnose eines CRPS nicht nachvollzogen werden.
4.5
Der Beschwerdeführer moniert
e
weiter, dass der Kreisarztbericht vom September 2016
datiere
, für die Beurteilung des Gesundheitszustandes indessen der Zeitraum bis zum Einspracheentscheid im September 2019
massgebend
sei (Urk. 1 S. 5 Mitte).
Die letzte kreisärztliche Untersuchung fand tatsächlich im September 2016 statt (E. 3.17). Zu jenem Zeitpunkt waren die spezialärztlichen Behandlungen abgeschlossen.
Dr.
G._
hielt am 1. März 2016 fest, dass bei den aktuellen Befunden nicht mehr davon ausgegangen werden könne, dass durch nerven
chirurgische Massnahmen eine relevante Verbesserung des aktuellen Zustands
erreicht werden könne (E. 3.14)
,
und PD
Dr.
K._
schloss die Behandlung im August 2016 ab (E. 3.16). Ausser der Begutachtung durch die Ärzte der
P._
(E. 3.18) fand nur noch eine Konsultation bei
Dr.
Q._
zur Evaluation von Therapieoptionen statt (E. 3.19). Dass zwischen der kreisärztlichen Beurteilung vom September 2016 und dem Einspracheentscheid vom September 2019 eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes eingetreten sein sollte, ist weder aus den Akten ersichtlich noch wurde
dies
vom Beschwerdeführer substanziiert
begründet
.
4.6
Schliesslich machte der Beschwerdeführer geltend, im IV-Verfahren habe das Gericht nicht auf eine versicherungsinterne Beurteilung abgestellt, sondern die Sache an die Verwaltung zur ergänzenden Abklärung zurückgewiesen, was nicht zur Folge haben
könne
, dass sich die Beschwerdegegnerin auf den kreisärztlichen Bericht von
Dr.
C._
abstütze (
Urk.
1
S. 6 f.).
Im Unterschied zum vorliegenden Verfahren waren im invalidenversicherungs
rechtlichen Verfahren in Sachen des Beschwerdeführers nicht nur die im Zusam
menhang mit der Handgelenksverletzung aufgetretenen Beschwerden
zu prüfen, sondern auch die bei einem Sturz
erlittene Rückenkontusion, welche sich zwischen dem Zeitpunkt der Erstattung des
P._
-Gutachtens und dem Verfü
gungszeitpunkt im September 2018 ereignet
hatte und in deren Folge Rücken
schmerzen aufgetreten waren,
für welche die Leistungen des Unfallversicherers per November 2017 rechtskräftig eingestellt
worden waren
(vgl. Urteil des Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich im Prozess Nr. UV.2018.00190 vom 29. März 2019).
Im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren waren somit nicht nur reine Unfallfolgen zu prüfen
, sondern auch die
im Zusammen
hang
mit dem Sturz aufgetretenen und möglicherweise
über
die Unfallfolgen hinausgehenden
Gesundheitsschäden
.
Da im
Bericht von
Dr.
C._
zu Recht
lediglich die Folgen des Unfalls vom Februar 2012
berücksichtigt wurden, konnte
das Gericht diesen zur Beurteilung, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung hat, nicht heran
ziehen
.
Dies heisst indessen nicht, dass er für die vorliegend strittigen Belange nicht beweiskräftig wäre.
4.7
Nach dem Dargelegten vermag der Beschwerdeführer den kreisärztlichen Bericht vom 21. September 2016 (E. 3.17) nicht zu entkräften. Im Übrigen erfüllt dieser die beweisrechtlichen Kriterien (E. 1.
7
). Mit
Dr.
C._
ist somit davon auszu
gehen, dass der Beschwerdeführer als Gerüstbauer nicht mehr arbeitsfähig ist, in einer leichten Tätigkeit, bei welcher
er
die rechte Hand
nicht oder lediglich als
Zudienhand
benützen muss, indessen medizinisch-theoretisch eine Leistungs
fähigkeit von 80 % besteht.
5.
5.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbsein
kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durch
führung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungs
mass
nahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage
erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbs
einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbs
einkommen ziffernmässig mög
lichst genau ermittelt und einander gegenüber
gestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
5.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt s
ein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1,
134 V 322 E. 4.1).
Ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versicherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das
Valideneinkommen
auf Grundlage der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) berechnet werden, wobei die für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenenfalls relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berücksichtigen
sind (BGE 139 V 28 E. 3.3.2;
Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversiche
rung, 3. Auflage 2014,
Rn
55 f. zu Art.
28a
).
Bezog eine versicherte Person aus invaliditätsfremden Gründen (z.B. geringe Schulbildung, fehlende berufliche Ausbildung, mangelnde Deutschkenntnisse, beschränkte Anstellungsmöglichkeiten wegen
Saisonnierstatus
) ein deutlich unterdurchschnittliches Einkommen, ist diesem Umstand bei der Invaliditäts
bemessung nach Art. 16 ATSG Rechnung zu tragen, sofern keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie sich aus freien Stücken mit einem bescheideneren Einkommensniveau begnügen wollte. Nur dadurch ist der Grundsatz gewahrt, dass die auf invaliditätsfremde Gesichtspunkte zurückzuführenden Lohnein
bussen entweder überhaupt nicht oder aber bei beiden Vergleichseinkommen gleichmässig zu berücksichtigen sind (BGE 141 V 1 E. 5.4). Diese Parallelisierung der Einkommen kann praxisgemäss entweder auf Seiten des
Valideneinkommens
durch eine entsprechende Heraufsetzung des effektiv erzielten Einkommens oder aber auf Seiten des Invalideneinkommens durch eine entsprechende Herab
setzung des
statistischen Wertes erfolgen (BGE 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1). Eine Parallelisierung ist indessen nur vorzunehmen, wenn die Differenz zum massgebenden Durchschnitt deutlich ist. Deutlich unterdurchschnittlich im Sinne von
BGE 134 V 322
E. 4 ist der tatsächlich erzielte Verdienst, wenn er mindestens 5
%
vom branchenüblichen LSE-Tabellenlohn abweicht (vgl. BGE 135 V 297
E. 6.1.2).
5.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1).
Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom so genannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zugrunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende betriebsübliche Wochenarbeits
zeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 E. 3b/
bb
, 124 V 321
E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
Die Verwendung der Tabellenlöhne ist subsidiär, das heisst deren Beizug erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkom
mens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung,
3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Recht
sprechung).
5.4
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Ein
zelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25
%
nicht übersteigen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc). Die
Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (Urteile des Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.1 und 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abwei
chende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichtes 9C_808/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.4.3 und
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2
).
6.
6.1
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothe
tischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungs
erlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3, 129 V 222 E. 4.1 und E. 4.2, 128 V 174).
Massgebender
Rentenbeginn
ist der Zeitpunkt
, in welchem von medizinischen Massnahmen keine Besserung des Gesundheitszustandes zu erwarten ist (
vorste
hend
E. 1.2)
. Die Beschwerdegegnerin ging davon aus, dass der Rentenbeginn ins Jahr 2016, mithin auf den Zeitpunkt der kreisärztlichen Untersuchung (E. 3.17), f
alle (Urk. 2 S. 6 f. Ziff. 4). Dies ist nicht zu beanstanden, kann doch davon ausgegangen werden, dass sich der Gesundheitszustand nach der kreisärztlichen Untersuchung vom September 2016 nicht mehr verändert hatte und in diesem Zeitpunkt keiner Besserung mehr zu erwarten war.
6.2
6.2.1
Laut
Auskunft der Arbeitgeberin hätte der Beschwerdeführer im Jahr 2016 einen
Basiss
tundenlohn von
22.85 zuzüglich
Ferien- und Feiertagsentschädigung sowie 1
3.
Monatslohn erzielen können
(Urk. 13/205
S. 2
)
.
Unter Berücksichtigung der
jährliche
n
Bruttoarbeitszeit, das heisst
der
Sollarbeitszeit vor Abzug von Ferien und Feiertagen von 2'190 Stunden und des 1
3.
Monatslohnes von 8.3 % auf dem Basisstundenlohn
errechnete die Beschwerdegegnerin
ein
Valideneinkommen
von Fr. 54'210.
-- (
Urk.
2 S. 7
Ziff.
4)
.
6.2.2
Der Beschwerdeführer machte geltend, es dürfe nicht auf einen Lohn laut einem Formular abgestellt werden, es wäre konkret abzuklären gewesen, was
er
bei guter Gesundheit mit seinem Leistungsausweis
, seiner Betriebszugehörigkeit und unter Berücksichtigung der Löhne vergleichbarer Arbeitnehmer
im Jahr 2016 tatsäch
lich verdient hätte. Es treffe auch nicht zu, dass es sich beim herangezogenen Stundenlohn um einen Lohn nach Gesamtarbeitsvertrag (GAV) handle. Der GAV-Lohn habe im Jahr 2016 Fr. 25.85 pro Stunde betragen. Der herangezogene Lohn liege somit unter dem Mindestlohn und
sei
unterdurchschnittlich. Im Übrigen sei zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer nicht mehr bei einem Personal
verleih tätig wäre und es wahrscheinlicher sei, dass er eine Festanstellung inne hätte (
Urk.
1
S. 8
Ziff.
8).
6.2.3
Der Beschwerdeführer
verunfallte
bereits
ein gutes halbes Jahr
nach der Einreise in die Schweiz
und
gut vier Monate nach der Arbeitsaufnahme
(vgl. Urk. 13/4 Ziff. 3 und 4 in Verbindung mit Urk. 13/64 S. 2 Ziff. 1.6).
Dass der Beschwerde
führer vier Jahre später immer noch über einen Personalverleih temporär tätig
gewesen
wäre, erscheint daher fraglich, weshalb für die Bestimmungen des
Valideneinkommens
nicht auf die Lohnangaben der ehemaligen Arbeitgeberin abzustellen ist, sondern auf
das durchschnittliche Einkommen f
ür Männer des Kompetenzniveaus 1
(
einfache Tätigkeiten) im Baugewerbe
. Dieses betrug im Jahr 2016 monatlich
Fr. 5'508.
(LSE 2016 TA1_trage-skill-level
Ziff.
41-43
). Unter Berücksichtigung einer betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit
im Bauge
werbe von 41.4
Stunden
im Jahr 2016
(BFS, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen
Ziff. 41-43
) ergibt
dies
ein
Valideneinkommen
von
abgerundet
Fr
.
68'409.
(Fr.
5'508.
x 12 x 41.
4
: 40
).
Wird das
Valideneinkommen
aufgrund statistischer Werte ermittelt, kann dieses nicht unterdurchschnittlich sein, weshalb von einer Parallelisierung abzusehen ist.
6.3
Dem Beschwerdeführer stehen seinem Leiden angepasste Tätigkeiten
nicht nur
,
wie er behauptet (Urk. 1 S. 10 oben), in konkreten Verweistätigkeiten, sondern
in sämtlichen Wirtschaftszweigen offen, weshalb bei der Bestimmung des Invali
deneinkommens vom Total der Tabellenlöhne auszugehen ist
(LSE 2016 TA1_trage-
skill-level
Ziff.
01-96
)
. Dieses betrug im Jahr 2016 für Männer Fr. 5'340.
pro Monat. Unter Berücksichtigung einer betriebsüblichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden im Jahr 2016 (BFS, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen
Ziff.
01-96) ergibt dies bei einer Leistungseinbusse
von 20 % ein mutmassliches
Jahreseinkommen von aufgerundet F
r. 53’443.
(Fr. 5'340.
x 12 x 41.7 : 40 x 0.8).
6.4
Entgegen des Einwands des Beschwerdeführers (Urk. 1 S. 10 Mitte) berücksich
tigte die Beschwerdegegnerin einen Tabellenlohnabzug von 20 %. Dieser erscheint angesichts der Tatsache, dass dem Beschwerdeführer auch leichte Tätigkeiten nur zumutbar sind, sofern die rechte Hand lediglich als
Zudienhand
eingesetzt werden muss, und seine Nationalität und die fehlende Berufsausbil
dung einen lohnmindernden Effekt haben können, als grosszügig bemessen.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung vermag eine faktische
Einhändigkeit
oder Beschränkung der dominanten Hand als
Zudienhand
grundsätzlich einen Abzug von 20 bis 25 % zu rechtfertigen, wobei das Bundegericht auch einen Abzug von lediglich 10 % als angemessen bezeichnet h
at (Urteile des Bundesge
richts 8
C_
587/2019 vom 30. Oktober 2019 E. 7.3
und 8C_58/2018 vom 7. August 2018 E. 5.3).
M
angelnde Sprachkenntnisse oder
eine
ungenügende Ausbildung
sind
nicht abzugsrelevant, da diesen Aspekten bei der Wahl des Kompetenz
niveaus Rechnung zu tragen ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_549/2019 vom 26. November 2019 E. 7.7).
Im Übrigen erachtete der Beschwerdeführer selber einen Abzug vom Tabellenlohn von 15 % als angemessen (Urk. 1 S. 11 oben).
Unter Berücksichtigung eines Tabellenlohnabzugs von 20 % beträgt das Invali
deneinkommen abgerundet Fr. 42'754.
(Fr. 53'443.
x 0.8). Verglichen mit dem
Valideneinkommen
von
Fr
.
68'409.
resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr. 25'655.
(Fr. 68'409.
- Fr. 42'754.
) beziehungsweise ein Invaliditätsgrad von 37.5 % (Fr. 25'655.
x 100 : 68'409.
).
7.
7.1
Nach Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der
Integritätse
nt
schädigung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Abs. 1 bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang besteht; er ist erheblich, wenn die körperliche, geistige oder psychische Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird. Gemäss Abs. 2 gelten für die Bemessung der Integritätsentschädigung die Richtlinien des Anhangs
3.
Fallen mehrere körperliche, geistige oder psychische Integritätsschä
den
aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die Integritätsentschä
digung nach der gesamten Beeinträchtigung festgesetzt. Die Gesamtent
schädigung darf den Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und bereits nach dem Gesetz bezogene Entschädigungen werden prozentual angerechnet (Abs. 3). Voraussehbare Verschlimmerungen des Integritätsschadens werden angemessen berücksichtigt. Revisionen sind nur im Ausnahmefall möglich, wenn die Verschlimmerung von grosser Tragweite ist und nicht voraussehbar war (Abs. 4).
Die medizinische Abteilung der Suva hat in Weiterentwicklung der
bundesrät
lichen
Skala weitere Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sogenannte Feinraster) erarbeitet (Mitteilungen der Medizinischen Abteilung der Suva). Diese Tabellen stellen zwar keine Rechtssätze dar, soweit
sie jedoch lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die
Gleichsbehandlung
aller Versicherten gewährleistet werden soll, sind sie mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 32, 116 V 158; RKUV 1998 S. 236 und 1987 S. 329).
7.2
Bei der Zusprache einer Integritätsentschädigung basierend auf einer Integritäts
einbusse von 7.5 % stützte sich die Beschwerdegegnerin auf die medizinische Beurteilung
durch
Dr.
C._
vom 31. Januar 2018
(E. 3.20)
.
Der Umstand, dass der Beschwerdeführer die rechte Hand nur noch als
Zudien
hand
einsetzen kann, ist
entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (Urk. 1 S. 11 Ziff. 10)
nicht gleichzusetzen mit dem Verlust eines Arms respektive einer Hand. Objektiv fand
Dr.
C._
lediglich eine Einschränkung der Handgelen
k
s
beweglichkeit in Bezug auf die Dorsalflexion, ein Tinel-artiges
Pänomen
im Bereich des
N.
ulnaris
und
N.
medianus rechts und keinen Anhalt für eine muskuläre Atrophie im Bereich des Ober
-
und Unterarms, weshalb der Integri
tätsschaden mit
Dr.
C._
ausgehe
nd von einer
Medianuslähmung
, für welche nach der Suva-Tabelle 1.2 ein Integritätsschaden von 15 % vorgesehen ist, festzusetzen ist. Da Lähmungen nicht überwiegend wahrscheinlich sind und auch keine Atrophie der int
r
insischen Handmuskulatur vorliegt,
sondern objektiv lediglich eine Einschränkung der Handbeweglichkeit und ein Tinel-artiges Phänomen im Bereich des
N.
ulnaris
und des
N.
medianus rechts gefunden werden konnte (E. 3.20),
erscheint vorliegend ein Integrationsschaden von 7.5 % als angemessen.
8.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer in teilweiser Gut
heissung der Beschwerde Anspruch hat auf eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 37.5 %. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
9.
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend hat d
er
anwaltlich vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine
reduzierte
Parteientschädigung
(§ 34 Abs. 3 GSVGer)
.
Sein
unentgeltlicher
Rechtsvertreter machte mit Honorarnote vom 13. März 2020 einen Aufwand von 12.9 Stunden und Bara
uslagen von Fr. 116.10 geltend (Urk. 19). Unter Berücksichtigung eines gerichtsüblichen Ansatzes von Fr. 220.
zuzüglich Mehrwertsteuer ist die Entschädigung auf Fr.
3'182.
festzusetzen, wovon
die Hälfte
im Betrag von
Fr. 1'591.
von der Beschwerdegegnerin zu bezahlen und
die andere Hälfte
im Betrag
von
Fr. 1'591.
auf die Gerichtskasse zu nehmen
ist
.