Decision ID: 45815eea-f343-5316-8166-faa14748ea7b
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ stellte am 17. Mai 2005 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen Antrag auf
IV-Leistungen (IV-act. 1). Die dipl. Malermeisterin, welche seit Mai 2000 selbständig
erwerbend war (IV-act. 14), litt unter einer Coxarthrose rechts und chronischem
Lumbovertebralsyndrom (LVS) mit Osteochondrose L4 bis S1 und Skoliose LWS. Ihr
Hausarzt Dr. med. B._, Allg. Medizin FMH, attestierte ihr eine 50%ige Einschränkung
der Leistungsfähigkeit, da sie immer wieder Ruhepausen einlegen müsse (IV-act. 11).
Am 18. Mai 2006 verfügte die IV-Stelle ab dem 1. Mai 2005 eine Dreiviertelsrente
gestützt auf einen IV-Grad von 63% (IV-act. 29).
A.a.
Nach einer Hüft-OP rechts im Kantonsspital St. Gallen (KSSG) vom 24. Januar
2007 (IV-act. 43-10) wurde die IV-Rente im Rahmen der Rentenrevision mit Verfügung
vom 7. Februar 2008 rückwirkend per 1. April 2007 auf eine ganze Rente erhöht und
auf Grund einer Verbesserung des Gesundheitszustands ab 1. September 2007 nach
Zustellung der Verfügung auf Ende des folgenden Monats aufgehoben (IV-act. 57f.).
A.b.
Mit Formular vom 30. Mai 2009 meldete sich die Versicherte erneut bei der IV-
Stelle zum Leistungsbezug an (IV-act. 59). Die IV-Stelle trat mit Verfügung vom 21. Juli
2009 nicht auf das Leistungsbegehren ein (IV-act. 72), weshalb die Versicherte
dagegen mit Schreiben vom 6. August 2009 Beschwerde ans Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen erhob (IV-act. 79). Mit Verfügung vom 12. August 2009 widerrief die
IV-Stelle ihre Verfügung vom 21. Juli 2009. Sie begründete das vorangegangene
Nichteintreten mit einem internen Zustellungsproblem des hausärztlichen Berichtes (IV-
act. 76). In der Folge schrieb das Gericht die Beschwerde am 20. August 2009 ab (IV-
act. 84).
A.c.
Im Arztbericht vom 18. September 2009 diagnostizierte Dr. B._ eine Coxarthrose
links, ein chronisches Cervikalsyndrom, eine Periathropathia humeroscapularis rechts,
A.d.
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chronische mässiggradige depressive Episoden sowie ein chronisches
Lumbovertebralsyndrom. Er sah die Versicherte zu 50% in der Arbeitsfähigkeit
eingeschränkt (IV-act. 88-2f.). Am 22. Januar 2010 fand eine transossäre
Sehnenrefixation in mini open Technik rechts in der Klinik C._ statt (IV-act. 96).
Mit Eingabe vom 17. Juni 2010 erhob die Versicherte
Rechtsverzögerungsbeschwerde ans Versicherungsgericht (IV-act. 103). Dieses schrieb
das Verfahren am 16. August 2010 ab, nachdem die Versicherte die Beschwerde
vorbehaltlos zurückgezogen hatte (IV-act. 127). Im Abklärungsbericht für
Selbständigerwerbende vom 25. November 2010 stellte sich der
Abklärungsverantwortliche auf den Standpunkt, der Sachverhalt sei unter dem Begriff
"Wiederaufleben der Invalidität nach Aufhebung der Rente" zu prüfen. Nachdem der
Einsatz einer Hüft-TP links beschlossene Sache sei und im Anschluss daran eine
längere Rehabilitationsphase folgen werde, rechtfertige es sich, heute zur Rente
Stellung zu nehmen und das Revisionsdatum nach Ablauf der postoperativen Phase
festzulegen (IV-act. 138-12f.).
A.e.
Mit Verfügungen vom 17. März 2011 sprach die IV-Stelle der Versicherten ab 1.
Juni 2009 eine halbe Rente und ab 1. Januar 2010 eine ganze Rente zu (IV-act. 151,
155f.). Am 7. April 2011 wurde die Versicherte schliesslich an der linken Hüfte operiert
(IV-act. 137).
A.f.
Im Rahmen der Rentenrevision von Mai 2012 (IV-act. 157) ersuchte die Versicherte
mit Schreiben vom 16. Juni 2012 um Gewährung einer Umschulung, da alle Versuche,
das Malergeschäft zu halten, nichts gebracht hätten und sie selber ihren Beruf als
Malerin nicht mehr ausüben könne (IV-act. 165).
A.g.
RAD-Arzt Dr. med. D._ hielt am 5. Oktober 2012 gestützt auf die medizinischen
Unterlagen fest, als Malerin sei die Versicherte zu 100% arbeitsunfähig, weshalb ein
grundsätzlicher Anspruch auf berufliche Massnahmen/Umschulung bestehe. In einer
adaptierten leichten Tätigkeit sei sie zu 100% ("sicher" zu 80%) arbeitsfähig (IV-act.
169). Durch Mitteilung vom 6. Februar 2013 gewährte die IV-Stelle der Versicherten
Berufsberatung und Abklärung der beruflichen Eingliederungsmöglichkeiten (IV-act.
173). Im Schlussbericht der Berufsberatung hielt der Eingliederungsverantwortliche am
A.h.
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B.
7. Januar 2016 fest, auf Grund von Operationen habe sich die medizinisch/
gesundheitliche Ausgangslage seit Januar 2015 geändert und die Versicherte fühle sich
subjektiv nicht arbeits- bzw. ausbildungsfähig. Damit werde der Fall bei der
Berufsberatung abgeschlossen (IV-act. 181). In der Mitteilung vom 1. April 2016 teilte
die IV-Stelle der Versicherten mit, dass das Leistungsbegehren um berufliche
Massnahmen abgewiesen werde (IV-act. 184).
Am 4. November 2016 wurde die Versicherte durch Dr. med. E._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, sowie Dr. med. F._, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH,
begutachtet. Im Gutachten vom 27. Dezember 2016 befanden sie die Versicherte aus
interdisziplinärer Sicht in angepassten Tätigkeiten zu 50% arbeitsfähig. In der
bisherigen Tätigkeit als Malerin betrage die Arbeitsunfähigkeit 100% (IV-act. 230-62).
A.i.
Mit Vorbescheid vom 17. Januar 2017 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, die bisherige ganze Rente auf eine Dreiviertelsrente herabzusetzen (IV-act.
234). Dagegen reichte die Versicherte mit Schreiben vom 30. Januar 2017 Einwand ein
(IV-act. 237) und in der Folge weitere Arztberichte (IV-act. 242, 246). Mit Stellungnahme
vom . Mai 2017 hielt RAD-Arzt Dr. med. G._ fest, dass die geltend gemachten
Beschwerden und Befunde bereits im orthopädischen Gutachten berücksichtigt
worden seien. Bei der Einschätzung des Hausarztes Dr. med. H._, dass zurzeit keine
verwertbare Arbeitsfähigkeit bestehe, handle es sich um eine andere Beurteilung des
gleichen medizinischen Sachverhaltes (IV-act. 247).
A.j.
Mit Verfügung vom 22. Mai 2017 setzte die IV-Stelle die bisherige ganze Rente
gestützt auf einen IV-Grad von 60% ab 1. Juli 2017 auf eine Dreiviertelsrente herab (IV-
act. 253, vgl. auch 249).
A.k.
Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 6. Juni 2017
(Postaufgabe) mit dem sinngemässen Antrag auf deren Aufhebung und auf
Weiterausrichtung der ganzen IV-Rente. Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass
sie mit ihren gesundheitlichen Problemen auf dem freien Arbeitsmarkt keine Stelle für
drei Tage pro Woche in angepasster Tätigkeit mehr finde. Sie sei bereits _ Jahre alt
B.a.
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Erwägungen
1.
und habe auf Grund ihrer Krankheiten und infolge von Unfällen alles verloren und viele
Schulden gemacht. Die Arthrose werde sich kaum mehr verbessern und seit längerer
Zeit habe sie nicht nur Schmerzen im Rücken, sondern auch oft geschwollene Knie, die
sie kaum mehr beugen und strecken könne. Ohne die ganze Rente könne sie nicht
mehr existieren. Zur Begründung verweist sie auf die bereits im Vorbescheidverfahren
eingereichten Berichte der sie behandelnden Ärzte (IV-act. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 4. September 2017 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 9).
B.b.
Am 11. September 2017 bewilligt die Einzelrichterin des Versicherungsgerichts
das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspflege für das
Beschwerdeverfahren (act. G 10).
B.c.
Mit Replik vom 8. Oktober 2017 hält die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
fest. Im Weiteren führt sie aus, sie hätte sehr gerne eine Ausbildung als Arbeitsagogin
gemacht, aber auf Grund ihrer Schmerzen und Operationen sei es ihr leider nicht
möglich gewesen, eine Ausbildung als eine vorbildliche Person durchzustehen. Zudem
habe sie sich nicht in der Verfassung gefühlt eine Operation der linken Schulter machen
zu lassen, da ihr Vater bereits schwer krank gewesen sei. Nur sie kenne ihren Körper
und die täglichen Schmerzen, die sie trotz der Einnahme täglicher Schmerzmittel
erdulden müsse (act. G 12).
B.d.
Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act.
G 14).
B.e.
Mit Schreiben vom 22. Januar 2019 (Postaufgabe) teilt die Beschwerdeführerin
dem Gericht ihre neue Adresse mit (act. G 15).
B.f.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist die Frage, ob die
verfügte Rentenherabsetzung zu Recht erfolgt ist.
1.1.
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Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder
geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) besteht
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu
70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein
Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente
und bei einem IV-Grad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
1.2.
Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der
Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden
können (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
1.3.
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer rentenbeziehenden Person erheblich, so wird
die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht,
herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt
jede Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad
und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen (BGE 130 V 349 E. 3.5, vgl. BGE 133 V
545). Ein Revisionsgrund ist auch gegeben und die Rente allenfalls nach unten oder
1.4.
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2.
nach oben anzupassen, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich
gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 133 V 546 E. 6.1).
In diesem Zusammenhang schliessen selbst identisch gebliebene Diagnosen eine
revisionsrechtlich erhebliche Steigerung des Leistungsvermögens (Arbeitsfähigkeit)
nicht grundsätzlich aus. Zu denken ist etwa an eine Veränderung des Schweregrades
des Gesundheitsschadens oder wenn es der versicherten Person gelungen ist, sich
besser an das Leiden anzupassen (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. Zürich
2015, Rz 29 zu Art. 17; zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts vom 31. Januar 2012,
9C_869/2011, E. 3.1). Ob eine solche Änderung eingetreten ist, beurteilt sich durch
Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der letzten, der versicherten Person
eröffneten rechtskräftigen Verfügung vorlag, die auf einer materiellen Prüfung des
Rentenanspruchs beruht, mit demjenigen zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung
(BGE 133 V 108 E. 5.4). Wenn eine entsprechende erhebliche Änderung des
Sachverhalts vorliegt, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht
allseitig, das heisst unter Berücksichtigung des gesamten für die
Leistungsberechtigung ausschlaggebenden Tatsachenspektrums, zu prüfen (vgl. BGE
117 V 200 E. 4b, Urteil des Bundesgerichts vom 4. Mai 2009, 8C_541/2008, 4.3.1).
Eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit ist für die Herabsetzung oder Aufhebung
der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden
kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu
berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert
hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird (Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über
die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Die Herabsetzung oder Aufhebung der
Rente erfolgt frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung
folgenden Monats an (Art. 88 Abs. 2 lit. a IVV).
1.5.
bis
Vorliegend diagnostizierten die beiden Gutachter Dr. E._ und Dr. F._ nach
interdisziplinärer Besprechung als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
ein Schulterimpingement links (M75.4) bei Arthrose des AC-Gelenks und leichter
Omarthrose (M19.01), ein chronisches Lumbovertebralsyndrom (M54.5) bei
degenerativen Veränderungen diskogener (M51.8) und ossärer Art (M47.86), eine
chronische Zervikalgie (M54.2) bei degenerativen Veränderungen diskogener (M50.3)
und ossärer Art (M47.82), eine Gonarthrose beidseits (M17.0), Migräne (G43.9) sowie
eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (F43.21). Dazu hielten die
Gutachter fest, dass die morphologisch nachweisbaren und dokumentierten
Veränderungen an der Wirbelsäule sowie den Hüft-, Knie- und Schultergelenken
2.1.
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zweifellos schmerzhaft seien und die Beschwerdeführerin in ihren Aktivitäten
einschränken würden. Es sei in orthopädischer Hinsicht von mittelgradigen
Einschränkungen auszugehen. Im psychiatrischen Teilgutachten werde dargelegt, dass
die Beschwerdeführerin aktuell unter Zuständen von subjektiver Bedrängnis und
emotionaler Beeinträchtigung mit leichten depressiven Symptomen als Reaktion auf
eine länger anhaltende Belastungssituation im Sinne einer Trauerreaktion leide. Unter
diesen Umständen werde die Diagnose einer Anpassungsstörung mit längerer
depressiver Reaktion nach dem Tod des Vaters im Jahr 20_ - im Sinne einer
Trauerreaktion - gestellt. Anamnestisch sei es seit 2006 zu mehreren relevanten
Belastungssituationen gekommen (Tod der Mutter 20_, Verkauf des Hauses 2004,
Aufgabe der Tätigkeit als Baumalerin, Aufgabe des Malergeschäfts, Auszug aus dem
gemieteten Haus 2015, Versterben des Hundes 2016). Schliesslich gebe es
laborchemisch Hinweise auf einen regelmässigen Alkoholkonsum, ohne dass die
Kriterien einer manifesten Abhängigkeitserkrankung erfüllt wären (IV-act. 230).
Gemäss Dr. F._ stünden laut der Beschwerdeführerin zurzeit die Beschwerden
an der LWS und an der linken Schulter im Vordergrund, sodann auch die Beschwerden
an der HWS. Es bestehe folglich eine verminderte Belastbarkeit des Achsenskeletts vor
allem im Bereich der LWS, aber auch im Bereich der HWS. Beide oberen Extremitäten
seien vermindert belastbar: die linke Schulter weise eine Impingementssymptomatik
mit deutlicher Einengung des Subacromialraumes und sich daraus ergebender
schmerzhafter Einschränkung der Beweglichkeit über der Horizontalebene auf. Auch
die unteren Extremitäten seien vermindert belastbar: Beide Hüftgelenke wiesen ein
Zustandsbild nach Hüftgelenkstotalendoprothesenimplantation auf. Klinisch sei von
einem sehr guten Resultat auszugehen. Es handle sich jedoch um künstliche Gelenke,
die einem schnelleren Verschleiss unterworfen seien und deshalb nicht übermässig
stark belastet werden sollten. Beide Kniegelenke seien ebenfalls mehrmals
arthroskopisch angegangen worden. Auch hier lägen klinisch recht befriedigende
Befunde vor; jedoch sei angesichts der festgestellten Knorpelveränderungen auch hier
von einer verminderten Belastbarkeit auszugehen. Weiter bestünden Migräneanfälle,
während denen die Beschwerdeführerin nicht eingesetzt werden könne (IV-act.
230-43f.). Sämtliche Funktionseinschränkungen könnten krankheitsbedingt begründet
werden. Zudem sei die Beschwerdeführerin während der Befragung und der
Untersuchung in ihren Aussagen und in ihrem Benehmen konsistent gewesen. Auch
ausserhalb der eigentlichen Untersuchungssituation hätten keine Diskrepanzen oder
Widersprüche bemerkt werden können (IV-act. 230-44f.). Die Kooperation der
Beschwerdeführerin sei bei Eingliederungsbemühungen aus somatischer Sicht positiv
zu beurteilen. Da es jedoch nach einem vielversprechenden Beginn der
2.2.
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Eingliederungsbemühungen zu einer Verstärkung der körperlichen Beschwerden
gekommen sei, hätten diese einen Abbruch der Massnahmen bedingt. Die körperlichen
Beschwerden, namentlich im Bereich der Schultern, der Kniegelenke und der
Wirbelsäule, und die in der Folge vorgeschlagenen und teilweise auch durchgeführten
therapeutischen Massnahmen hätten zu den Problemen bei den
Eingliederungsversuchen geführt, dies zum überwiegenden Teil aus somatischer Sicht
(IV-act. 230-47). Weiter führte Dr. F._ aus, bei der Beschwerdeführerin sei in der
angestammten Tätigkeit seit spätestens ab 2010 von einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen. In einer leidensadaptierten Tätigkeit (wechselbelastend,
körperlich leicht ohne Heben und Tragen von Lasten über 5kg, mit der Möglichkeit des
Wechselns zwischen Sitzen, Gehen und Stehen, ohne Zwangspositionen der
Wirbelsäule, der Schulter- und der Hüftgelenke, ohne Absolvieren längerer
Gehstrecken, ohne Überwinden von Höhendifferenzen wie Treppen, Leitern oder
Gerüsten) sei mit einer Arbeitsfähigkeit von 50% zu rechnen. Die Beschwerdeführerin
könne während drei Tagen pro Woche arbeiten, allerdings sei das Arbeitstempo
reduziert und es sollten ihr betriebsunübliche und längere Pausen zur Erholung
zugestanden werden. Prognostisch hielt er fest, dass degenerative Veränderungen
ossärer und diskogener Art vorliegen würden, die im Verlauf der Zeit zunehmen dürften,
wobei keine schlüssigen Aussagen zur Geschwindigkeit der Zunahme gemacht werden
könnten. Die Situation am linken Schultergelenk sei einer operativen Sanierung
zugänglich, allerdings müssten die Operation und die anschliessende
Rehabilitationszeit abgewartet werden, bevor schlüssige Aussagen gemacht werden
könnten. Auch die degenerativen Veränderungen an beiden Kniegelenken würden im
Verlaufe der Zeit zunehmen und schlussendlich eines totalendoprothetischen Ersatzes
bedürfen. Hier könne ebenfalls bezüglich der Geschwindigkeit der Zunahme keine
schlüssige Angabe gemacht werden (IV-act. 230-48).
Weiter hielt der orthopädische Gutachter fest, die zur Zeit der letzten
Rentenfestlegung geschilderten Beschwerden seien an der linken Hüfte, am Rücken
und an der linken Schulter beschrieben worden und es hätten diverse therapeutische
Massnahmen zur Diskussion gestanden. Auf Grund des Verlaufs inklusive der
therapeutischen Massnahmen sei es gerechtfertigt, von einer Veränderung des
gesundheitlichen Zustands im Vergleich zu November 2010 / Januar 2011 auszugehen.
So sei das postoperative Resultat der Hüftoperation als sehr befriedigend anzusehen,
wonach seit Mai 2012 von einem stabilen Gesundheitszustand auszugehen sei. Da in
den ärztlichen Berichten, namentlich demjenigen von Dr. med. I._ vom 5. Juli 2010,
allerdings das linke Schultergelenk noch nicht thematisiert worden sei, sei es
diesbezüglich gerechtfertigt, von einer relevanten Verschlechterung auszugehen.
2.3.
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Seither sei es im Verlauf des Jahres 2012 dann zu vermehrten Beschwerden im Bereich
der HWS gekommen, die einerseits auf die im MRI festgestellten degenerativen
Veränderungen ossärer und diskogener Art, andererseits aber auch auf die
Schulterproblematik zurückgeführt worden seien. Hier sei zurzeit ein konservatives
Vorgehen angebracht (IV-act. 230-49). Gegen Ende des Jahres 2014 hätten sich
linksseitige Kniebeschwerden gezeigt, die einen arthroskopischen Eingriff Mitte Januar
2015 nach sich gezogen hätten. Gehe man vom heutigen Zustandsbild aus, welches
sich vermutlich seit spätestens Juni 2015 (Datum des letzten fachärztlichen Berichts)
nicht wesentlich geändert haben dürfte, so wäre ab jenem Zeitpunkt die oben
bescheinigte leidensangepasste Arbeitsfähigkeit gegeben gewesen (IV-act. 230-50
bzw. 230-64). RAD-Arzt Dr. med. J._ befand dazu, dass sich der
Gesundheitszustand durch die therapeutischen Massnahmen gegenüber dem
Referenzdokument folglich so verbessert habe, dass ab Juni 2015 eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit resultiere (vgl. Stellungnahme
vom 11. Januar 2017, IV-act. 231).
Obgleich eine Veränderung des Gesundheitszustands in somatischer Hinsicht
offensichtlich eingetreten ist, erscheint es auf Grund der aufgeführten Verbesserungen
und Verschlechterungen erstaunlich, dass in der Summe eine Verbesserung resultiert.
Da diese durch die mehrheitlich erfolgreich durchgeführten Operationen und Therapien
begründet wird und während den Operations- und Rehabilitationszeiten offensichtlich
von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen war, erscheint eine
Verbesserung der Leistungsfähigkeit trotzdem nachvollziehbar. Dennoch lässt Dr. F._
es offen, wie lange von einer solchen ausgegangen werden kann. Er hält explizit fest,
dass eine weitere Schulteroperation wieder zu einer längeren Rehabilitationszeit führen
wird und dadurch auch die Arbeitsfähigkeit verunmöglicht sein dürfte. Auch die
weiteren Problemherde hält der Gutachter bei der Beschwerdeführerin lediglich für den
Begutachtungszeitpunkt als stabil fest und nimmt eine zukünftige Verschlechterung als
sehr wahrscheinlich an (vgl. IV-act. 230-48).
2.4.
Im psychiatrischen Teilgutachten befand Dr. E._, dass die Beschwerdeführerin
wegen der diagnostizierten Trauerreaktion mit verlängerter depressiver Reaktion
angestammt und adaptiert zu 20% eingeschränkt sei (IV-act. 230-59). Aus rein
psychiatrischer Sicht seien Eingliederungsmassnahmen zu 80% möglich (IV-act.
230-58). Hinsichtlich der leidensadaptierten Tätigkeit befand Dr. E._, es sollte sich
aus psychiatrischer Sicht um zeitlich flexible Tätigkeiten handeln, da die
Beschwerdeführerin angesichts ihrer früheren selbständigen Tätigkeit Mühe habe, sich
an streng geregelte Arbeitszeiten zu halten (IV-act. 230-62).
2.5.
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Aus Sicht der beiden Fachgebiete ergänzen und verstärken sich unter den
gegebenen Umständen die Auswirkungen der somatischen und der psychischen
Gesundheitsschädigungen. Die Schmerzen würden die Psyche negativ beeinflussen,
wodurch die körperlich begründeten Schmerzen stärker empfunden würden, womit
insgesamt die Leistungsfähigkeit vermindert werde (IV-act. 230-62). Gesamthaft gingen
die Gutachter von einer Arbeitsunfähigkeit von 50% in leidensadaptierten Tätigkeiten
aus (IV-act. 230-62). RAD-Arzt Dr. J._ sah die versicherungsmedizinischen
Anforderungen an das Gutachten als erfüllt an, weshalb darauf abgestellt werden
könne (IV-act. 231).
2.6.
Hinsichtlich der von der Beschwerdeführerin mit Einwand vom 22. Februar 2017
eingereichten medizinischen Akten (IV-act. 241ff.) hielt RAD-Arzt Dr. G._ fest, dass
der im Sprechstundenbericht der Neurochirurgie des KSSG beschriebene Kurzstatus
sich mit den Befunden decke, die auch bei der orthopädischen Begutachtung
festgestellt worden seien. Neue objektivierbare Funktionseinschränkungen würden
nicht beschrieben. Auch das von Dr. H._ erwähnte zervikale Schmerzsyndrom werde
bereits im Gutachten beschrieben und sei vom orthopädischen Gutachter
berücksichtigt worden. Schliesslich seien auch die weiteren von Dr. H._ genannten
orthopädischen Krankheiten mit Beeinträchtigung der Gehfähigkeit und des Gebrauchs
der Schultern vom Gutachter bereits beschrieben und gewürdigt worden. Es sei daher
von keinen neuen objektivierbaren Befunden und Funktionseinschränkungen
auszugehen, weshalb es sich einzig um eine andere Beurteilung des gleichen
medizinischen Sachverhalts handle (IV-act. 247).
2.7.
Schliesslich fällt bei der Würdigung der gutachterlichen Beurteilung weiter ins
Gewicht, dass sie auf eigenständigen Abklärungen beruht und für die streitigen
Belange umfassend ist. Die medizinischen Vorakten wurden verwertet und die von der
Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden berücksichtigt und gewürdigt. Eine
Verbesserung der gesundheitlichen Einschränkungen leuchtet in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein.
Weiter bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht
berücksichtigt worden wären. Zusammenfassend ist demnach gestützt auf das
bidisziplinäre Gutachten vom 27. Dezember 2016 von einem im Vergleich zur
Abklärung für Selbständigerwerbende vom 25. November 2010 (vgl. vorstehende
E. 2.3) bis zum Erlass der streitigen Revisionsverfügung vom 22. Mai 2017
verbesserten Gesundheitszustand auszugehen, der bis dahin lediglich noch zu einer
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von 50% führt.
2.8.
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3.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie finde mit diesen körperlichen
Einschränkungen in ihrem Alter in der freien Wirtschaft keine Arbeit mehr. Auch ihr
Hausarzt Dr. H._ hielt im ärztlichen Zeugnis vom 20. Februar 2017 fest, dass er auf
Grund der orthopädischen Krankheiten und der erheblich beeinträchtigten psychischen
Belastbarkeit der Beschwerdeführerin eine verwertbare Arbeitsfähigkeit auf dem freien
Markt zurzeit nicht als gegeben erachte (IV-act. 242-1).
3.1.
Folglich ist im Zusammenhang mit der Bestimmung des Invalideneinkommens zu
klären, ob und inwieweit die Beschwerdeführerin ihre medizinisch-theoretische
Restarbeitsfähigkeit von 50% auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt sozialpraktisch
noch verwerten kann. Im Zusammenhang mit der Beurteilung der Zumutbarkeit der
Einkommenserzielung ist festzuhalten, dass sich Art und Mass dessen, was einer
versicherten Person an Erwerbstätigkeit noch zugemutet werden kann, nach ihren
besonderen persönlichen Verhältnissen einerseits und nach den allgemein
herrschenden Anschauungen anderseits richten. Für die Zumutbarkeitsbeurteilung ist
letztlich insofern eine objektive Betrachtungsweise massgebend, als es nicht auf eine
bloss subjektiv ablehnende Bewertung der in Frage stehenden Erwerbstätigkeit durch
die versicherte Person ankommt (BGE 109 V 25 E. 3c mit Hinweisen; vgl. auch Ulrich
Meyer/Marco Reichmuth, Die Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Aufl.
Zürich 2014, S. 320, Rz 28 mit Hinweis).
3.2.
Bei der verwertbaren Restarbeitsfähigkeit darf nicht von realitätsfremden
Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden. Insbesondere kann von einer zumutbaren
Tätigkeit dort nicht gesprochen werden, wo diese nur in so eingeschränkter Form
möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder dass sie
nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers
möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle deshalb von vornherein als
ausgeschlossen erscheint. Ferner beinhaltet der Begriff des ausgeglichenen
Arbeitsmarkts nicht nur ein gewisses Gleichgewicht zwischen dem Angebot und der
Nachfrage nach Stellen, sondern bezeichnet einen Arbeitsmarkt, der von seiner
Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält, und zwar sowohl
bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie
auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG] vom 3. Dezember 2003, I 349/01, mit Hinweisen). Das
fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, in der
Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit weiteren persönlichen
und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer versicherten Person
3.3.
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verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch
gestützt auf die Selbsteingliederungslast nicht mehr zumutbar ist. Fehlt es an einer
wirtschaftlich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, liegt eine vollständige
Erwerbsunfähigkeit vor, die einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente begründet
(Urteile des Bundesgerichts vom 10. Mai 2013, 9C_954/2012, E. 2, und vom 21. August
2006, I 831/05, E. 4.1.1 mit Hinweisen).
Für den Zeitpunkt, in welchem die Frage der Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit bei vorgerücktem Alter beantwortet wird, ist auf das Feststehen
der medizinischen Zumutbarkeit der (Teil-) Erwerbsfähigkeit abzustellen (BGE 138 V
461 E. 3.3, vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2014, 8C_248/2014,
E. 2).
3.4.
In der Praxis erachtete das EVG beispielsweise einen 60-jährigen Versicherten,
welcher mehrheitlich als Wirker in der Textilindustrie tätig gewesen war, als zwar nicht
leicht vermittelbar. Es sah aber mit Bezug auf den hypothetisch ausgeglichenen
Arbeitsmarkt gleichwohl Möglichkeiten für ihn, eine Stelle zu finden, zumal Hilfsarbeiten
auf dem hypothetisch ausgeglichenen Arbeitsmarkt grundsätzlich altersunabhängig
nachgefragt werden und der Versicherte zwar eingeschränkt (weiterhin zumutbar waren
leichte und mittelschwere Arbeiten im Gehen, Stehen und Sitzen in geschlossenen
Räumen), aber immer noch im Rahmen eines Vollpensums arbeitsfähig war (Urteil vom
5. August 2005, I 376/05, insbesondere E. 4.2). Bejaht hat das Bundesgericht auch die
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit eines (ebenfalls) 60-jährigen Versicherten mit
einer auf Grund verschiedener psychischer und physischer Limitierungen (es
bestanden u.a. rheumatologische und kardiale Probleme) um 30% eingeschränkten
Leistungsfähigkeit (Urteil vom 22. Januar 2007, I 304/06, E. 4.1 und 4.2). Ebenfalls
bejaht wurde die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit einer Versicherten, die drei
Jahre und vier Monate vor der Pensionierung stand und in der angestammten Tätigkeit
als Pflegehelferin zu 50% bzw. in adaptierten Tätigkeiten zu 70% arbeitsfähig war
(Urteil vom 9. Juli 2015, 9C_118/2015). Verneint wurde hingegen die Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit eines über 61-jährigen Versicherten, der über keine
Berufsausbildung verfügte, bezüglich der aus medizinischer Sicht im Umfang von 50%
zumutbaren feinmotorischen Tätigkeiten keinerlei Vorkenntnisse besass, dessen
Teilarbeitsfähigkeit weiteren krankheitsbedingten Einschränkungen unterlag und dem
von den Fachleuten der Berufsberatung die für einen Berufswechsel erforderliche
Anpassungsfähigkeit abgesprochen wurde (Urteil vom 23. Oktober 2003, I 392/02, E.
3.2 und 3.3). Als unverwertbar erachtet wurde auch eine - zwar in zumutbaren
3.5.
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4.
adaptierten leichten, nicht schulterbelasteten Tätigkeiten mit Wechselbelastung -
ganztags bestehende Arbeitsfähigkeit eines Versicherten, da diese in Verbindung mit
einem Herzleiden und einer damit verknüpften Verzögerung einer allfälligen
Schulteroperation eine Situation mit vielen Unwägbarkeiten schaffte. Es musste damit
gerechnet werden, dass eine Anstellung durch krankheitsbedingte Unterbrüche
geprägt und eine halbwegs ungestörte Tätigkeit gar nicht möglich sein würde (Urteil
vom 13. März 2014, 9C_734/2013). Ebenfalls verneinte das Bundesgericht die
Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit einer im Verfügungszeitpunkt 61 Jahre und einen
Monat alten Versicherten ohne Berufs- und Fachkenntnisse, die bezüglich der für sie in
Frage kommenden Tätigkeiten einer Umschulung bedurft hätte (Urteil vom 19. März
2009, 9C_437/2008, E. 4 mit weiteren Hinweisen). Auf Grund der zitierten sehr strengen
Rechtsprechung des Bundesgerichts erscheint bei der im Zeitpunkt des Gutachtens
vom 27. Dezember 2016 56-jährigen Beschwerdeführerin eine Arbeitstätigkeit gestützt
auf das Alter und die spezifischen Umstände noch zumutbar und im Rahmen eines
hypothetisch ausgeglichenen Arbeitsmarkts auch möglich.
Ausgehend von einer Arbeitsfähigkeit von 50% bei einer Präsenzzeit von 60% mit
längeren Pausen zur Erholung (IV-act. 230-48) ab spätestens Juni 2015 (vgl. IV-act.
230-64) verbleibt damit die Bestimmung des Invaliditätsgrads im Rahmen eines
Einkommensvergleichs.
4.1.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG). Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist
entscheidend, was die versicherte Person im massgebenden Zeitpunkt auf Grund ihrer
beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde. Die
Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Da nach empirischer
Feststellung in der Regel die bisherige Tätigkeit im Gesundheitsfall weitergeführt
worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für die Bestimmung des Valideneinkommens
grundsätzlich der letzte vor Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielte, nötigenfalls der
Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepasste Verdienst (BGE 134 V
322 E. 4.1 S. 325, 129 V 222 E. 4.3.1 S. 224 mit Hinweisen).
4.2.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-V-322%3Ade&number_of_ranks=0#page322 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F134-V-322%3Ade&number_of_ranks=0#page322
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Das Valideneinkommen von Selbständigerwerbenden kann grundsätzlich auf
Grund der Einträge im individuellen Konto (IK) bestimmt werden (Urteil des
Bundesgerichts vom 30. Dezember 2013, 8C_567/2013 E. 2.2.2 mit Hinweisen). Weist
das bis Eintritt der Invalidität erzielte Einkommen starke und verhältnismässig
kurzfristig in Erscheinung getretene Schwankungen auf, ist dabei auf den während
einer längeren Zeitspanne erzielten Durchschnittsverdienst abzustellen (ZAK 1985 S.
464 E. 2c, I 370/84; vgl. auch AHI 1999 S. 237 E. 3b, I 377/98, mit Hinweisen; Urteil des
EVG vom 23. Dezember 2004, I 316/04, E. 5.1.1). Die bundesgerichtliche
Rechtsprechung schliesst jedoch nicht aus, dass auch bei Erwerbstätigen unter
Umständen nicht auf das zuletzt erzielte Einkommen abgestellt wird. Das trifft
namentlich bei Selbständigerwerbenden dann zu, wenn auf Grund der Umstände mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, dass die versicherte Person im
Gesundheitsfall ihre nicht einträgliche selbstständige Tätigkeit aufgegeben und eine
besser entlöhnte andere Tätigkeit angenommen hätte, oder dann, wenn die vor der
Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeübte selbstständige Tätigkeit wegen ihrer kurzen
Dauer keine genügende Grundlage für die Bestimmung des Valideneinkommens
darstellt, zumal in den ersten Jahren nach Aufnahme der selbstständigen
Erwerbstätigkeit üblicherweise aus verschiedenen Gründen (hohe Abschreibungsquote
auf Neuinvestitionen etc.) die Betriebsgewinne gering sind (Urteil vom 30. Dezember
2013, 8C_567/2013, E. 2.2.2).
4.3.
Vorliegend geht aus dem IK-Auszug hervor, dass die Beschwerdeführerin als
Arbeitnehmerin der Stiftung K._ in den Jahren 1998 Fr. 57'498.--, 1999 Fr. 57'518.--
(anders IV-act. 21-5: 57'782.--) und von Januar bis April 2000 Fr. 22'533.-- (was einem
Jahreslohn von Fr. 67'599.-- entspräche) verdiente (vgl. IV-act. 9-1, 21-5). Gemäss
ihrem Arbeitszeugnis vom 28. April 2000 sowie einer Bestätigung der Arbeitgeberin
vom 8. Dezember 1999 handelte es sich dabei um eine 80%-Stelle (IV-act. 3-6, 5-6),
weshalb bei einer 100%-Anstellung Löhne von Fr. 71'873.-- (1998), Fr. 71'898.-- (1999)
und Fr. 84'499.-- (2000) resultiert hätten. Im ersten Jahr der Selbständigkeit, im Jahr
2000, wies die Beschwerdeführerin sodann einen Umsatz von Fr. 62'364.-- aus,
gegenüber der AHV Ausgleichskasse rechnete sie aber erst ab 2001 ein Einkommen
von Fr. 56'900.-- (bei einem Umsatz von Fr. 103'945.--), im Jahr 2002 ein solches von
Fr. 29'100.-- (bei einem Umsatz von Fr. 67'002.--) und im Jahr 2003 lediglich noch ein
Einkommen von Fr. 12'200.-- (bei einem Umsatz von Fr. 35'635.--) ab (IV-act. 9-1). Da
bereits im Jahr 2003 die Probleme mit der Hüfte begonnen haben (vgl. IV-act. 21-4),
erscheint es nachvollziehbar, dass auf Grund der kurzen Dauer seit der Aufnahme der
selbständigen Erwerbstätigkeit bis zum Eintreten der gesundheitlichen Probleme noch
nicht von stabilen Einkommensverhältnissen ausgegangen werden kann. Zudem
4.4.
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erscheint es naheliegend, dass die Beschwerdeführerin ihre selbständige Tätigkeit im
Gesundheitsfall wohl bei einem weiterhin schlechten Geschäftsverlauf wieder zu
Gunsten einer unselbständigen Tätigkeit aufgegeben hätte. Somit ist für das
Valideneinkommen zu prüfen, was eine Malerin mit Meisterdiplom im Durchschnitt in
etwa verdient hätte. Gemäss dem Gesamtarbeitsvertrag 2012 - 2015 für das Maler-
und Gipsergewerbe (gültig ab 1. April 2012 [vgl. www.smgv.ch, abgefragt am
19.09.2019]) galt als Mindestlohn für einen Vorarbeiter im Jahr 2015 ein Monatslohn
von Fr. 5'473.--, was aufs ganze Jahr hochgerechnet (x 13, vgl. Art. 9.6 GAV) einen
Jahreslohn von Fr. 71'149.-- ergibt. Als Vorarbeiter werden gemäss Art. 9.1 GAV alle
Arbeitnehmer bezeichnet bzw. eingestuft, welche eine anerkannte Vorarbeiterschule
SMGV oder eine gleichwertige Ausbildung im EU-Raum mit Erfolg absolviert haben und
die vom Arbeitgeber als solche anerkannt und eingesetzt sind. Da die
Beschwerdeführerin den Ausbildungskurs für Lehrmeisterinnen und Lehrmeister der
L._ besuchte und in M._ das Diplom zur Malermeisterin erlangte (IV-act. 3-8 bis
3-10), muss dieser Ausbildung der Titel des Vorarbeiters zumindest gleichgestellt
werden. Folglich ist für das Jahr 2015 (vgl. Erwägung 2.3 vorstehend) mindestens von
einem Valideneinkommen von Fr. 71'149.-- auszugehen. Dieser Lohn liegt auch im
Bereich dessen, was die Beschwerdeführerin 15 Jahre früher bereits bei der Stiftung
K._ verdient hatte.
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht.
Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der - kumulativ -
besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die
ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, sowie das
Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn erscheint,
gilt grundsätzlich der von ihr tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein
solches effektives Erwerbseinkommen gegeben, namentlich, weil die versicherte
Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich
zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der
Rechtsprechung statistische Werte (Tabellenlöhne) beigezogen werden (BGE 129 V
472 E. 4.2.1, Urteil des Bundesgerichts vom 19. Juni 2008, 9C_81/2008). Da die
Beschwerdeführerin keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgeht, hat die
Beschwerdegegnerin zu Recht auf die Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes
für Statistik abgestellt und dort auf den Durchschnittslohn für Hilfsarbeiterinnen von im
Jahr 2015 Fr. 54'055.-- (vgl. Invalidenversicherung, Informationsstelle AHV/IV (Hrsg.),
2018, Anhang 2: Lohnentwicklung).
4.5.
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Schliesslich bleibt die Frage der Höhe des Tabellenlohnabzugs zu klären. Die
Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin keinen solchen Abzug gewährt. Mit
dem Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte
Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im Vergleich zu
voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren arbeitnehmenden Personen
lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit unterdurchschnittlichen Lohnansätzen
rechnen müssen. Sodann wird dem Umstand Rechnung getragen, dass weitere
persönliche und berufliche Merkmale einer versicherten Person, wie Alter, Dauer der
Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie
Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 129 V 481
E. 4.2.3, vgl. auch BGE 134 V 327 E. 5.2).
4.6.
Vorliegend rechtfertigen das Alter der Beschwerdeführerin, die mit der Aufnahme
einer adaptierten Tätigkeit erforderliche Umstellung sowie die erheblichen
Einschränkungen selbst bei einer leichten Tätigkeit (vgl. die in E. 2.2 bzw. in IV-act.
230-48 und 230-59 beschriebenen Adaptionskriterien) gemäss den vorstehenden
Ausführungen zwar nicht die Annahme der Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit,
jedoch einen höheren Tabellenlohnabzug. Die schliesslich doch über mehrere Jahre
selbständig erwerbende Beschwerdeführerin verrichtete über sehr lange Zeit die
körperlich anstrengende und insbesondere Kraft in den Armen, Händen und Schultern
erfordernde Tätigkeit als Malerin auf dem Bau, bei der zudem auf Gerüsten zu stehen
und sämtlichen Witterungsumständen zu trotzen war. Nun ist sie auch bei leichten
Arbeiten erheblich eingeschränkt und auf Grund der vielen Adaptionskriterien ist ihr nur
noch ein sehr kleines Spektrum an Hilfsarbeiter-Tätigkeiten zumutbar. Zudem ist aus
orthopädischer Sicht von einer zukünftigen Verschlimmerung der Beschwerden
auszugehen und es steht eine operative Sanierung des linken Schultergelenkes in
Aussicht, welche wiederum eine längere Rehabilitationsphase mit sich bringen dürfte
(vgl. IV-act. 230-48), was für eine zukünftige Anstellung ebenfalls mit einschneidenden
negativen Folgen behaftet sein wird. Kommt hinzu, dass die Gutachter zwar festhielten,
dass sich die Auswirkungen der somatischen und psychischen
Gesundheitsschädigungen nicht nur ergänzen würden, sondern sie auch festgehalten
haben, dass sich diese verstärken würden. Allerdings haben sie gesamthaft dennoch
eine Arbeitsfähigkeit von 50% postuliert, weshalb die Verstärkung vorliegend ebenfalls
zugunsten eines höheren Tabellenlohnabzugs zu berücksichtigen ist (IV-act. 230-62).
Diese Umstände rechtfertigen insgesamt einen Tabellenlohnabzug von 20% (vgl. u.a.
Urteil des Bundesgerichts vom 31. August 2018, 8C_117/2018, E. 3.3.4). Damit
resultiert bei einem Invalideneinkommen von Fr. 21'622.-- (0,5 x 0.8 x Fr. 54'055.--) und
einem Valideneinkommen von mindestens Fr. 71'149.-- ein Erwerbsausfall von
4.7.
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5.