Decision ID: bd301498-f600-4304-8dc1-09c488337bc4
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Ehescheidung / vorsorgliche Massnahmen / 
Berufung gegen eine Verfügung des Einzelgerichtes (2. Abteilung) des  Zürich vom 27. Juli 2021; Proz. FE171016
- 2 -
Rechtsbegehren Klagebegründung Ehescheidung (Auszug):
(act. 6/136 S. 2 f.)
" 1. [...] 2. [...] 3. [...] 4. [...] 5. Der Kläger/Widerbeklagte sei zu verpflichten, der Beklag-
ten/Widerklägerin einen angemessenen Prozesskostenvorschuss von einstweilen mindestens CHF 10'000 zu bezahlen;
6. Eventualtiter zu Ziff. 5 vorstehend sei der /Widerklägerin die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und es sei ihr in der Person der Unterzeichnenden eine  Rechtsbeiständin zu bestellen.
7. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.)  des Klägers/Widerbeklagten."
Rechtsbegehren Replik Ehescheidung (Auszug):
(act. 6/149 S. 2 f.)
" 1. [...] 2. [...] 3. [...] 4. [...] 5. [...] 6. Der Kläger/Widerbeklagte sei zu verpflichten, der Beklag-
ten/Widerklägerin einen angemessenen Prozesskostenvorschuss von einstweilen mindestens CHF 25'000 zu bezahlen;
7. Eventualtiter zu Ziff. 5 [recte: 6] vorstehend sei der /Widerklägerin die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und es sei ihr in der Person der Unterzeichnenden eine  Rechtsbeiständin zu bestellen;
8. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.)  des Klägers/Widerbeklagten."
- 3 -
Verfügung des Einzelgerichts: (act. 5 S. 4 f. [Aktenexemplar])
1. Auf das Gesuch der Klägerin auf Verpflichtung des Beklagten zur Bezah-
lung eines Prozesskostenvorschusses bzw. auf Gewährung der unentgelt-
liche Rechtspflege wird nicht eingetreten.
2. [Schriftliche Mitteilung].
3. [Rechtsmittelbelehrung].
Berufungs- und Beschwerdeanträge:
der Berufungsklägerin (act. 2 S. 3):
" 1. Es sei Dispositiv-Ziff. 1 der Verfügung vom 27. Juli 2021 des  Zürich, 2. Abteilung – Einzelgericht, Geschäfts-Nr. FE171016-L, aufzuheben und a) es sei der Beklagte / Berufungsbeklagte zu verpflichten, der
Klägerin / Berufungsklägerin einen angemessenen  von einstweilen mindestens CHF 25'000 zu bezahlen;
b) eventualiter sei der Klägerin / Beschwerdeführerin die  Rechtspflege zu bewilligen und es sei ihr in der  von Rechtsanwältin MLaw X1._, vom 12. April 2021 bis 31. August 2021 substituiert durch Rechtsanwältin lic. iur. X2._, eine unentgeltliche Rechtsbeiständin zu bestellen;
c) subeventualiter sei die Sache an die Vorinstanz ;
2. Es sei der Beklagte zu verpflichten, der Klägerin für das  Beschwerde- und Berufungsverfahren einen  Prozesskostenvorschuss von einstweilen min. CHF 2'000 zu bezahlen.
3. Eventualiter zu Ziff. 2 vorstehend sei der Klägerin für das  Beschwerde- und Berufungsverfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen und es sei ihr in der Person von Rechtsanwältin MLaw X1._, vom 12. April 2021 bis 31. August 2021 substituiert durch Rechtsanwältin lic. iur. X2._, eine unentgeltliche Rechtsbeiständin zu bestellen.
4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.)  des Beklagten und/oder der Staatskasse."
- 4 -
des Berufungsbeklagten (act. 12 S. 3):
" 1. Die Anträge der Berufungsklägerin in der Berufung vom
12. August 2021 seien vollumfänglich abzuweisen. 2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich 7.7 %
MwSt.) zu Lasten der Berufungsklägerin."

Erwägungen:
I. Sachverhalt und Prozessgeschichte
1. Zwischen der Klägerin und Berufungsklägerin (ehemals Beklagte und ; fortan Berufungsklägerin) und dem Beklagten und Berufungsbeklagten
(ehemals Kläger und Widerbeklagter; fortan Berufungsbeklagter) ist seit Dezem-
ber 2017 ein strittiges Scheidungsverfahren beim Einzelgericht (2. Abteilung) des
Bezirksgerichts Zürich (fortan Vorinstanz) hängig (act. 6/1). Am 29. März 2019
verpflichtete sich der Berufungsbeklagte im Gegenzug für die Übertragung des
Miteigentumsanteils der Berufungsklägerin an der ehelichen Liegenschaft zu einer
güterrechtlichen Ausgleichszahlung von Fr. 217'000.–. Die genaue Tilgungsart
der Schuld (Auszahlung, Verrechnung bis zu einem gewissen Grad) ist zwischen
den Parteien, im Gegensatz zur Tilgung selbst, umstritten. Unstreitig und belegt
ist jedoch, dass von den vereinbarten Fr. 217'000.– ein Betrag von Fr. 118'000.–
auf das ZKB Konto-Nr. 1 der Berufungsklägerin sowie ein Betrag von Fr. 70'000.–
auf ihr damaliges, zwischenzeitlich saldiertes UBS Konto-Nr. 2 überwiesen wurde,
zusammengezählt also ein Betrag von Fr. 188'000.–. Während die Berufungsklä-
gerin behauptet, darüber hinaus zufolge Verrechnungen keine Auszahlungen er-
halten zu haben, stellt sich der Berufungsbeklagte auf den Standpunkt, dass der
komplette Betrag von Fr. 217'000.– ausbezahlt worden sei. Belege hierfür hat er
allerdings keine eingereicht (zum Ganzen act. 6/53/1–2; act. 6/108 Rz 16;
act. 6/137/17 S. 24; act. 6/137/18; Prot. Vi S. 44 und S. 49).
2. Mit Eingabe vom 30. April 2020 beantragte die Berufungsklägerin als  Massnahme die Abänderung der im Eheschutzverfahren getroffenen Tren-
- 5 -
nungsvereinbarung und stellte zugleich den Antrag auf Verpflichtung des Beru-
fungsbeklagten zur Leistung eines Prozesskostenvorschusses von einstweilen
Fr. 6'000.– bzw. eventualiter Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
(act. 6/101 S. 2). Mit Verfügung vom 23. November 2020 wies die Vorinstanz die
Anträge vollumfänglich ab (act. 6/132 S. 17). Hinsichtlich des beantragten Pro-
zesskostenvorschusses bzw. der beantragten unentgeltlichen Rechtspflege kam
sie zum Ergebnis, dass die Mittellosigkeit der Berufungsklägerin nicht überwie-
gend wahrscheinlich erscheine, da der geltend gemachte Vermögensverzehr der
erwähnten Fr. 188'000.– (mit Ausnahme einer belegten Schuldtilgung von
Fr. 10'000.–) nicht nachvollziehbar sei (act. 6/132 E. IV. 6.).
3. Mit der Klagebegründung vom 6. Januar 2021 beantragte die  erneut einen Prozesskostenvorschuss, dieses Mal von einstweilen mindestens
Fr. 10'000.–, bzw. eventualiter die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
(act. 6/136 S. 2). In der Replik vom 14. Juni 2021 wurde der geltend gemachte
Prozesskostenvorschuss sodann auf einstweilen mindestens Fr. 25'000.– erhöht
(act. 6/149 S. 2). Mit Verfügung vom 27. Juli 2021 befand die Vorinstanz über die
Gesuche betreffend Prozesskostenvorschuss bzw. unentgeltliche Rechtspflege
vorweg und fällte diesbezüglich einen Nichteintretensentscheid (act. 3/1 = act. 5
[Aktenexemplar] = act. 6/157, nachfolgend zitiert als act. 5). Dagegen erhob die
Berufungsklägerin mit Eingabe vom 12. August 2021 Berufung und Beschwerde
(act. 2). Die Berufung richtet sich gegen den vorinstanzlichen Nichteintretensent-
scheid bezüglich des beantragten Prozesskostenvorschusses, die Beschwerde
gegen den vorinstanzlichen Nichteintretensentscheid bezüglich der eventualiter
beantragten unentgeltlichen Rechtspflege. Während die Berufung unter der vor-
liegenden Verfahrensnummer geführt wird, wurde für die Beschwerde das Ge-
schäft PC210031 eröffnet. Nachdem die vorinstanzlichen Akten beigezogen wor-
den sind (act. 6/1–166) und die mit Verfügung vom 13. Januar 2022 beim Beru-
fungsbeklagten einverlangte Berufungsantwort fristgerecht eingegangen ist
(act. 10–12), erweist sich das vorliegende Verfahren als spruchreif.
- 6 -
II. Prozessuale Vorbemerkungen
1. Die Verpflichtung zur Leistung eines Prozesskostenvorschusses wird von der Kammer als Entscheid über vorsorgliche Massnahmen qualifiziert. Bei der Anord-
nung vorsorglicher Massnahmen während des Scheidungsverfahrens sind die Be-
stimmungen über die Massnahmen zum Schutz der ehelichen Gemeinschaft
sinngemäss anwendbar (Art. 276 Abs. 1 ZPO i.V.m. Art. 271 ff. ZPO und
Art. 172 ff. ZGB). Es gelangt das summarische Verfahren zur Anwendung mit ent-
sprechender Beweismittel- und Beweismassbeschränkung, und es gilt die einge-
schränkte Untersuchungsmaxime (Art. 276 Abs. 1 ZPO i.V.m. Art. 272 ZPO; zum
Ganzen
OGer ZH LY210012 vom 24. August 2021, E. II./1.1.; siehe auch OGer ZH
LY210010 vom 15. Juli 2021, E. 2.2.).
2. Gegen den Entscheid über die Zusprechung eines  kann nach Art. 308 Abs. 1 lit. b ZPO Berufung erhoben werden, sofern der er-
forderliche Streitwert erreicht ist oder es sich um eine nicht vermögensrechtliche
Angelegenheit handelt (vgl. Art. 308 Abs. 2 ZPO), was sich nach dem Hauptsa-
cheverfahren richtet (OGer ZH LY210010 vom 15. Juli 2021, E. 2.2.). In der
Hauptsache geht es vorliegend um einen Scheidungsprozess. Es ist daher von
einer nicht vermögensrechtlichen Streitigkeit auszugehen. Entsprechend ist der
vorinstanzliche Nichteintretensentscheid, soweit er sich auf den Antrag auf Zu-
sprechung eines Prozesskostenvorschusses bezieht, der Berufung zugänglich.
Die Berufungsklägerin ist durch den vorinstanzlichen Entscheid beschwert und
damit zur Berufung legitimiert. Sie erhob diese innert der zehntägigen Frist (act. 2
S. 1; act. 6/158/2), und die Berufung erfüllt die formalen Anforderungen, indem sie
Anträge und eine ausreichende Begründung enthält. Dem Eintreten auf die Beru-
fung steht insoweit nichts entgegen.
III. Zur Berufung im Einzelnen
1. Die Vorinstanz erwog, dass ein Anspruch auf Beurteilung eines erneuten  betreffend Prozesskostenvorschuss und unentgeltliche Rechtspflege nur
- 7 -
dann bestehe, wenn sich dieses auf echte oder zulässige unechte Noven stützen
könne. Sie führte dazu aus, dass das zweite Gesuch der Berufungsklägerin auf
dem gleichen Sachverhalt wie das erste beruhe, wobei lediglich die Begründung
leicht ergänzt worden sei. Indem die Berufungsklägerin in ihrem neuen Gesuch
weitestgehend an den Ausführungen des ersten Gesuchs festhalte, auf die glei-
chen Beilagen verweise und neu lediglich detaillierte Kontoauszüge einreiche,
mache sie weder veränderte Verhältnisse (echte Noven) geltend noch führe sie
erhebliche Tatsachen oder Beweismittel an, die ihr im früheren Verfahren nicht
bekannt gewesen seien, die schon damals geltend zu machen für sie rechtlich
oder tatsächlich unmöglich gewesen sei oder für deren damalige Geltendma-
chung noch keine Veranlassung bestanden habe (zulässige unechte Noven;
act. 5 E. 2. f.).
2. 2.1. Es ist zwar zutreffend, dass ein Anspruch auf Beurteilung eines erneuten Ge-
suchs betreffend unentgeltliche Rechtspflege gemäss bundesgerichtlicher Recht-
sprechung nur unter der Voraussetzung besteht, dass veränderte Verhältnisse
(echte Noven) geltend gemacht oder unechte Noven vorgebracht werden, die der
gesuchstellenden Partei im früheren Verfahren nicht bekannt waren, die schon
damals geltend zu machen für sie rechtlich oder tatsächlich unmöglich war oder
für deren damalige Geltendmachung noch keine Veranlassung bestand. Im erste-
ren Fall liegt ein zulässiges neues Gesuch vor, im letzteren ein Wiedererwä-
gungsgesuch, auf dessen Beurteilung unter den erwähnten Voraussetzungen
ausnahmsweise ein Anspruch besteht. Davon abgesehen genügt es aus verfas-
sungsrechtlicher Sicht, wenn die betroffene Partei im Rahmen desselben Zivilpro-
zesses einmal die Gelegenheit erhält, die unentgeltliche Rechtspflege zu erlangen
(zum Ganzen ausführlich BGer 5D_112/2015 vom 28. September 2015, E. 4.4.2).
2.2. Anders verhält es sich hingegen bei einem erneuten Gesuch betreffend Pro-
zesskostenvorschuss. Während es sich beim Entscheid über die Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege um eine prozessleitende Verfügung mit prozessua-
lem Inhalt handelt, stellt die Verpflichtung zur Leistung eines Prozesskostenvor-
schusses à Konto Güterrecht eine vorsorgliche Massnahme dar, welche ihre
- 8 -
Grundlage im materiellen Recht hat (Art. 163 ZGB). Ein Gesuch um Erlass vor-
sorglicher Massnahmen kann nach Abweisung eines früheren Gesuchs mit einer
veränderten, um neue Tatsachen und Beweismittel ergänzten Begründung (für
die Zukunft) erneut eingereicht werden. Es spielt dabei keine Rolle, aus welchen
Gründen diese Noven bis anhin noch nicht vorgebracht wurden, weshalb auch
unechte Noven voraussetzungslos zulässig sind. Einem neuen Gesuch steht ge-
mäss Bundesgericht nur dann der Einwand der "res iudicata" entgegen, wenn es
auf dem völlig gleichen Sachverhalt beruht wie das frühere (BGE 138 III 382
E. 3.2.2 f.; BGE 141 III 376 E. 3.3.4). Grund für das Nichteintreten ist in einem
solchen Fall gemäss Praxis der Kammer dann aber weniger die "Rechtskraftwir-
kung" des älteren Entscheids (vorsorgliche Massnahmen erwachsen nicht in ma-
terielle Rechtskraft im eigentlichen Sinne), als vielmehr die Unzulässigkeit mutwil-
liger Prozessführung bzw. das fehlende (schützenswerte) Rechtsschutzinteresse
(OGer ZH PS200252 vom 2. März 2021, E. III./1.2.; OGer ZH PS160037 vom
31. März 2016, E. II./3.2; OGer ZH PS140080 vom 29. April 2014, E. 2.3).
3. Die Berufungsklägerin bestreitet die Feststellung der Vorinstanz, im erneuten Gesuch die Begründung nur leicht ergänzt zu haben. Vielmehr habe sie in diesem
(nun) im Einzelnen dargetan, dass die Voraussetzungen der Mittellosigkeit heute
bzw. im Zeitpunkt des neuen Gesuchs gegeben seien. Eine gewisse Überschnei-
dung mit der Begründung des ersten Gesuchs und einzelner bereits damals ein-
gereichter Belege liege dabei auf der Hand und dürfe nicht dazu führen, dass sich
die Vorinstanz mit dem Gesuch, insbesondere mit den zum Nachweis der Mittel-
losigkeit neu eingereichten detaillierten Kontoauszügen, nicht auseinandersetze
(act. 2 Rz 12). Der Berufungsbeklagte bestreitet hingegen das Vorliegen massge-
bender neuer Beweismittel und Tatsachenbehauptungen (act. 12 Rz 15 f.).
4. 4.1. Die Berufungsklägerin begründete den Vermögensverzehr hinsichtlich der
güterrechtlichen Ausgleichszahlung in ihren beiden Gesuchen um Verpflichtung
des Berufungsbeklagten zur Leistung eines Prozesskostenvorschusses bzw.
eventualiter um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege zusammengefasst
damit, dass sie nach der Trennung mangels hinreichendem Einkommen (Unter-
- 9 -
halt und Erwerbseinkommen) diverse Schulden habe eingehen müssen und die
güterrechtliche Ausgleichszahlung sodann insbesondere zur Tilgung dieser
Schulden und zur Bestreitung ihres laufenden Lebensunterhalts und desjenigen
ihres Sohnes verwendet habe (zum Ganzen act. 6/101 I. Rz 5; act. 6/106 Rz 14 f.;
act. 6/136 Rz 55 ff.; act. 6/149 Rz 117 ff.; Prot. Vi S. 44).
4.2. Während die Berufungsklägerin zusammen mit ihrem ersten Gesuch bezüg-
lich der beiden Konten, auf welche die fraglichen Überweisungen getätigt wurden,
nur einen Kontoauszug für die Dauer vom 27. bis 28. April 2020 (ZKB-Konto) bzw.
eine Saldierungsbescheinigung vom 1. November 2019 (UBS-Konto) einreichte
(act. 6/102/5; act. 6/102/8), legte sie ihrem zweiten Gesuch Kontoauszüge vom
1. März 2019 bis 7. Januar 2021 (ZKB-Konto) bzw. vom 11. bis 31. März 2019,
des gesamten Monats Juli 2019 und des gesamten Monats Oktober 2019 (jeweils
UBS-Konto) bei (act. 6/137/17–18). Damit ist nun einerseits der Zufluss der
Fr. 118'000.– vom 29. März 2019 auf das ZKB-Konto sowie der Zufluss der
Fr. 70'000.– vom 29. März 2019 auf das UBS-Konto ersichtlich. Andererseits sind
anhand dieser Belege nun aber vor allem sämtliche Abflüsse ersichtlich. Während
diese beim ZKB-Konto über einen längeren Zeitraum hinweg stattfanden, wurde
das UBS-Konto nur in den erwähnten Monaten Juli und Oktober 2019 belastet
(dreimal mit einem Bargeldbezug von je Fr. 20'000.–, einmal mit einer Dienstleis-
tungsgebühr von Fr. 2.– und sodann anlässlich der Kontosaldierung mit
Fr. 9'998.–).
4.3. In ihrem zweiten Gesuch stützte die Berufungsklägerin ihre Behauptungen
denn auch, im Gegensatz zu ihrem ersten Gesuch, auf diese Kontoauszüge, in-
dem sie einerseits ausführte, dem eingereichten ZKB-Kontoauszug könne ent-
nommen werden, dass die auf dieses Konto überwiesenen Fr. 118'000.– für
Schuldtilgungen und zur Deckung des laufenden Lebensunterhalts verwendet
worden seien, und andererseits erläuterte, wofür die drei vom UBS-Konto getätig-
ten Bargeldbezüge von je Fr. 20'000.– verwendet worden seien. So führte sie be-
züglich der Bargeldbezüge aus, dass zwei dieser Abhebungen zur Rückzahlung
eines Darlehens ihrer Schwester und eine Abhebung zur Tilgung diverser kleine-
rer Schuldbeträge verwendet worden seien (act. 136 Rz 55 ff.).
- 10 -
4.4. Damit liegt hinsichtlich des zweiten Gesuchs eine um neue Tatsachenbe-
hauptungen und Beweismittel ergänzte Begründung vor, während von einer mut-
willigen Prozessführung oder einem fehlenden (schutzwürdigen) Rechtsschutzin-
teresse jedenfalls nicht schon die Rede sein kann, wenn wie vorliegend wesentli-
che Unterlagen neu eingereicht werden und sodann gestützt darauf argumentiert
wird. Die Vorinstanz hätte demnach auf das Gesuch betreffend Prozesskosten-
vorschuss eintreten und dieses inhaltlich beurteilen müssen. Die Berufung ist in-
sofern gutzuheissen und der vorinstanzliche Entscheid aufzuheben. Da sich die
Vorinstanz bisher inhaltlich nicht mit der Sache beschäftigt hat, ist diese zur allfäl-
ligen Ergänzung des Verfahrens und zur neuen Entscheidung im Sinne der Erwä-
gungen an sie zurückzuweisen (Art. 318 Abs. 1 lit. c Ziff. 1 ZPO), zumal den Par-
teien ansonsten eine Instanz verloren ginge. Das parallel laufende Beschwerde-
verfahren ist bei diesem Verfahrensausgang (hinsichtlich der Beschwerde selbst)
als gegenstandslos geworden abzuschreiben (Art. 242 ZPO), da infolge Aufhe-
bung des vorinstanzlichen Entscheids die Vorinstanz, sollte sie das Gesuch be-
treffend Prozesskostenvorschuss abweisen, auch erneut über das eventualiter
gestellte Gesuch betreffend unentgeltliche Rechtspflege zu befinden hätte.
4.5. Auf die weiteren Vorbringen der Berufungsklägerin, insbesondere auf die Be-
hauptung, ihr zweites Gesuch beruhe entgegen der Annahme der Vorinstanz auf
veränderten Verhältnissen im Sinne echter Noven (act. 2 Rz 14 ff.), braucht bei
diesem Ergebnis nicht eingegangen zu werden. Entsprechendes gilt für die Be-
streitungen des Berufungsbeklagten.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen / Prozesskostenvorschuss bzw. unentgeltliche Rechtspflege für das Rechtsmittelverfahren
1. Bezüglich der erstinstanzlichen Kosten- und Entschädigungsfolgen wurde im vorinstanzlichen Entscheid keine Regelung getroffen (act. 5 S. 4 f.). Die Vorin-
stanz wird über ihre Prozesskosten für die Behandlung des Gesuchs betreffend
Prozesskostenvorschuss bzw. eventualiter Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege spätestens im Endentscheid des Scheidungsverfahrens zu befinden
haben (Art. 104 ZPO).
- 11 -
2. Im vorliegenden Rechtsmittelverfahren bemisst sich die Höhe der  nach § 12 Abs. 1 und 2 i.V.m. §§ 2, 5 Abs. 1, 6 Abs. 1 und 8 Abs. 1 GebV
OG. Unter Berücksichtigung des tatsächlichen Streitinteresses, des Zeitaufwands
des Gerichts und der Schwierigkeit des Falls sowie aufgrund des summarischen
Verfahrens erscheint nach den erwähnten Bestimmungen eine Entscheidgebühr
von Fr. 1'500.– für das Berufungsverfahren angemessen. Ausgangsgemäss ist
die Entscheidgebühr dem Berufungsbeklagten aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 1
ZPO). Dieser ist ferner zu verpflichten, der obsiegenden Berufungsklägerin für
das Rechtsmittelverfahren eine reduzierte Parteientschädigung zu bezahlen. Die
Höhe der Parteientschädigung bemisst sich nach § 13 Abs. 1 i.V.m. §§ 5 Abs. 1, 6
Abs. 1 und 9 AnwGebV. Unter Berücksichtigung der Verantwortung und des Zeit-
aufwands der Rechtsbeiständin der Berufungsklägerin und der Schwierigkeit des
Falls sowie aufgrund des summarischen Verfahrens erscheint nach den erwähn-
ten Bestimmungen eine Parteientschädigung von Fr. 2'000.– (inkl. MwSt.) für das
Berufungsverfahren angemessen.
3. Die Berufungsklägerin verlangt für das Rechtsmittelverfahren (Berufung und Beschwerde) einen Prozesskostenvorschuss von einstweilen mindestens
Fr. 2'000.– (act. 2 S. 3 und Rz 24). Mangels anderweitiger Ausführungen darf da-
von ausgegangen werden, dass dieser Minimalbetrag die effektiven Kosten der
Rechtsverbeiständung (gemäss vereinbartem Stundenhonorar) solange zu de-
cken vermag, wie neben der Rechtsmittelschrift selbst nicht zusätzliche Eingaben
an die Kammer notwendig werden sollten. Da solche Eingaben weder im Beru-
fungs- noch im Beschwerdeverfahren erfolgt sind, entfällt mit der Zusprechung
einer Parteientschädigung in gleicher und damit kostendeckender Höhe das
Rechtsschutzinteresse der Berufungsklägerin am Gesuch betreffend Prozesskos-
tenvorschuss. Ebenso verhält es sich bezüglich des eventualiter gestellten Ge-
suchs betreffend unentgeltliche Rechtspflege. Diese beiden Gesuche sind dem-
nach als gegenstandslos geworden abzuschreiben (Art. 242 ZPO). Dasselbe gilt
auch im parallel laufenden Beschwerdeverfahren.
- 12 -