Decision ID: bb754fa2-1f10-4304-9701-a34327e994d9
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1972, verfügt über eine sechsmonatige Aus
bildung als Pflegehelferin und arbeitete zuletzt ab Mai 2003 Vollzeit in der Radio-Onkologie eines Spitals (Urk. 11/2, 11/11/3 ff. und 11/13/10). Bei einem Unfall mit dem Motorroller im Februar 2007 erlitt sie eine Kontusion der linken Schulter mit undislozierter Fraktur des Tuberculum majus und entwickelte in der Folge eine Frozen shoulder (Urk. 11/6/20-24). Bis zum Verlust ihrer Arbeitsstelle Ende 2008 arbeitete sie noch phasenweise in einem reduzierten Pensum und mit ange
passtem Aufgabenbereich (Urk. 11/6/23 f., 11/9/6 f., 11/20 und 11/38/6).
1.2
Im August 2007 wurde die Versicherte zunächst an der rechten Schulter (Resek
tion der ersten Rippe, Neurolyse und Arteriolyse bei symptomatischem Thoracic-outlet-Syndrom) operiert (Urk. 11/9/13). Anschliessend führte Dr. med. Y._, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie, im Februar sowie im September 2008 Operationen an der linken Schulter durch (arthroskopisch assistierte zirkumferenzielle Kapsulotomie und subacromiales Débridement res
pektive Revisionsarthroskopie mit Adhäsiolyse im Intervallbereich, Bizeps lon
gus-Tenotomie, subacromialer Adhäsiolyse und subacromialem Débridement so
wie Reacromioplastik anterior, Urk. 11/13/1-4, 11/14/3 f. und 11/15/2 f.).
Dazwischen erfolgte im Dezember 2007 die Erstanmeldung der Versicherten bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfolgend: IV-Stelle), zum Rentenbezug (Urk. 11/2). Die IV-Stelle liess sich laufend die Akten der Unfallversicherung zustellen (Urk. 11/6, 11/13-14, 11/18-19, 11/21, 11/26 und 11/28), holte einen Auszug aus dem individuellen Konto (Urk. 11/8) sowie Auskünfte bei der Arbeitgeberin (Urk. 11/11/3 ff.) ein und nahm regelmässig ärzt
liche Verlaufsberichte zu den Akten (Urk. 11/9/6 f., 11/10/7, 11/16/3, 11/22, 11/27, 11/29 und 11/32). Die Unfallversicherung gab schliesslich ein rheumato
logisches Gutachten in Auftrag. Dieses wurde, einschliesslich einer Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL), am 2. Februar 2010 von PD Dr. med. Z._, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie Rheuma
tologie im A._, erstattet (Urk. 11/38). Gestützt darauf sprach die Unfallversicherung der Versicherten am 3. Juni 2010 mit Wirkung ab 1. August 2010 eine Rente bei einem Invaliditäts
grad von 15 % und eine Integritätsentschädigung bei einer Integritätseinbusse von 10 % zu (Urk. 11/41). Die IV-Stelle legte das Gutachten dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) zur Prüfung vor (Urk. 11/44/5 f.) und verfügte am 18. November 2010 rückwirkend eine befristete Rente. Für den Zeitraum von Februar 2008 bis März 2009 sprach sie der Versicherten eine ganze und für die Monate April bis August 2009 eine halbe Invalidenrente zu (Urk. 11/53 und 11/61). Die Versicherte machte hierauf einen Anspruch auf berufliche Massnah
men geltend (Urk. 11/63), den die IV-Stelle mit Verfügung vom 10. Juni 2011 verneinte (Urk. 11/67).
1.3
Im Juni 20011 erfolgte eine weitere Revisionsarthroskopie der linken Schulter (mit zirkumferenzieller Kapsulotomie und intraartikulärem Débridement, subacromialem Débridement mit Adhäsiolyse und anteriorer Acromioplastik so
wie Mobilisation in Narkose) durch Dr. Y._ (Urk. 11/72).
Darüber informierte die Versicherte die IV-Stelle im Oktober 2011 und ersuchte erneut um Hilfe (Urk. 11/69). Gestützt auf die Stellungnahmen des RAD (Urk. 11/73 und 11/83) zu den nachgereichten Arztberichten (Urk. 11/72 und 11/76) trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 13. April 2012 nicht auf das Begeh
ren ein (Urk. 11/84). Ebenfalls mit einem Nichteintretensentscheid, datiert vom 29. August 2012 (Urk. 11/92), erledigte sie das anschliessend von der Versicher
ten gestellte Gesuch um berufliche Massnahmen (Urk. 11/89).
1.4
Einer weiteren Schulterarthroskopie links (mit superior-anteriorer und antero-in
feriorer Kapsulotomie, subtotaler Synovektomie, Reacromioplastik und Mobilisa
tion in Narkose) unterzog sich die Versicherte im August 2012 (Urk. 11/99, 11/108/1 und 11/133/3). Im Juni 2013 konsultierte sie einen zweiten Facharzt für Orthopädische Chirurgie, PD Dr. med. B._ (Urk. 11/99). Dieser implan
tierte ihr im August 2013 links eine Schultertotalprothese (Urk. 11/108).
Hernach meldete sich die Versicherte im März 2014 abermals zum Leistungsbezug bei der IV-Stelle an (Urk. 11/105). Diese nahm die neuen Arztberichte (Urk. 11/108 und 11/111) sowie einen aktuellen Auszug aus dem individuellen Konto (Urk. 11/110) zu den Akten. Zudem liess sie die Versicherte im August 2014 von der RAD-Ärztin med. pract. C._, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, untersuchen (Urk. 11/117/3 ff. und 11/133; ferner Urk. 11/116). Nach Eingang eines weiteren Arztberichts (Urk. 11/131), Durchfüh
rung eines Vorbescheidverfahrens (Urk. 11/118, 11/126, 11/129 und 11/136) und nochmaliger Rücksprache mit dem RAD (Urk. 11/137) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 25. Februar 2015 erneut einen Rentenanspruch (Urk. 11/138).
Dagegen erhob die Versicherte Beschwerde (Urk. 11/144/3-9), mitunter gestützt auf aktuelle Berichte der D._ (Urk. 11/148/6-9). Mit Urteil IV.2015.00422 vom 11. Dezember 2015 wies das Sozialversicherungsgericht diese ab (Urk. 11/151). Am 18. Januar 2016 liess die Versicherte in der E._ die bisher letzte Operation an der linken Schulter (mit Arthrotomie, Entfer
nung der anatomischen Prothese und Implantation einer inversen Schultertotal
prothese) vornehmen (Urk. 11/156). Auf die anschliessend am 26. Januar 2016 (Urk. 11/152/2-6) erhobene Beschwerde gegen den kantonalen Entscheid vom 15. Dezember 2015 trat das Bundesgericht mangels genügender Substantiierung mit Urteil 8C_70/2016 vom 15. Februar 2016 nicht ein (Urk. 11/153).
1.5
Mit Schreiben vom 6. Januar 2017 (Urk. 11/159) ersuchte die Versicherte unter Beilage eines Verlaufsberichts von Dr. B._ (Urk. 11/156) erneut um Zu
sprechung einer Invalidenrente. Die IV-Stelle legte den Bericht der RAD-Ärztin Dr. med. F._, praktische Ärztin, zur Stellungnahme vor (Urk. 11/160). Hernach trat sie, wie im Vorbescheidverfahren (Urk. 11/161 und 11/162) angekündigt, mit Verfügung vom 11. April 2017 nicht auf das Gesuch ein (Urk. 2).
2.
Gegen diesen Nichteintretensentscheid erhob die Versicherte mit Eingabe vom 23. Mai 2017 Beschwerde und beantragte, ihr die gesetzlichen Leistungen zuzu
sprechen (Urk. 1). Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom 11. Juli 2017 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 10). In prozessualer Hinsicht ersuchte die Versicherte um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Bestel
lung einer unentgeltlichen Rechtsvertreterin in der Person von Rechtsanwältin Gonçalves (Urk. 1). Ergänzend bezifferte Rechtsanwältin Gonçalves mit Eingabe vom 1. Juni 2017 ihre bisherigen Aufwendungen (Urk. 5) und reichte das ausge
füllte Formular zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit (Urk. 6) samt Bele
gen (Urk. 7/1- 9) nach. Mit Verfügung vom 9. Juni 2017 forderte das Sozialver
sicherungsgericht die Versicherte auf, ihr prozessuales Gesuch weiter zu substan
tiieren und belegen (Urk. 8), worauf sie dieses mit Schreiben vom 29. Juni 2017 zurückzog (Urk. 9). Am 13. Juli 2017 (Urk. 12) wurde der Versicherten die Be
schwerdeantwort zur Kenntnis gebracht.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Gesuch von der versicherten Person glaubhaft zu machen, dass sich ihr Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Dazu hat das Bundesgericht in BGE 130 V 64 E. 5.2.5 festgehalten, dass der versicherten Person damit ausnahmsweise eine Be
weisführungslast zukommt. Zweck der Eintretensvoraussetzung ist zu verhindern, dass sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger Leistungsverwei
gerung immer wieder mit gleich lautenden und nicht näher begründeten, das heisst keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Gesuchen befassen muss (BGE 109 V 108 E. 2a). Dabei ist zu beachten, dass sich die versicherte Person nicht nur die ursprüngliche Leistungsverweigerung, sondern auch das Ergebnis einer späteren materiellen Rentenprüfung entgegenhalten lassen muss, wenn der Rentenanspruch nach rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs abermals rechtskräftig verneint wurde (BGE 130 V 71 E. 3.2.3). Vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wie
dererwägung und prozessualen Revision (vgl. BGE 127 V 466 E. 2c mit Hinwei
sen). Der Vergleichszeitraum erstreckt sich grundsätzlich bis zur Prüfung und Be
urteilung des Gesuchs, d.h. bis zum Erlass der Verfügung betreffend die Neuan
meldung. Massgeblich ist somit die Aktenlage bei Erlass der Verfügung (BGE 130 V 64 E. 5.2.5; Urteil des Bundegerichts 9C_683/2013 vom 2. April 2014 E. 3.3).
1.2
Tritt
die Verwaltung
auf das erneute
Leistungsbegehren ein, hat sie
gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen und das Gesuch letzt
lich gutzuheissen oder abzuweisen (
Art.
43
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
,
Art.
57
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
in Verbindung mit
Art.
69 ff. IVV; SVR 2006 IV Nr. 10 S. 39 E. 4.1 [I 457/04]; BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
Verneint sie indessen die Glaubhaftmachung einer entsprechenden Tatsachenän
derung, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintre
ten (ZAK 1966 S. 279, vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 72 E. 2.2 mit Hinweisen). Wird gegen einen solchen Nichteintretensentscheid Beschwerde erhoben, hat das Gericht nur zu prüfen und darüber zu entscheiden, ob die Verwaltung zu Recht nicht auf das Leistungsbegehren eingetreten ist (BGE 121 V 157 E. 2b, 116 V 265 E. 2a, SVR 1997, UV Nr. 66 S. 225 E. 1a).
2.
2.1
Im angefochtenen Nichteintretensentscheid erwog die Beschwerdegegnerin, die berufliche und medizinische Situation der Beschwerdeführerin habe sich seit der Verfügung vom 25. Februar 2015 nicht verändert. Insbesondere würden keine neuen Diagnosen oder Befunde vorliegen (Urk. 1).
2.2
Dem hielt die Beschwerdeführerin entgegen, sie sei am 18. Januar 2016 erneut an der linken Schulter operiert worden, weil sich inzwischen herausgestellt habe, dass ihre anhaltenden Beschwerden auf eine zu grosse Prothese zurückzuführen gewesen seien. Dr. B._ habe sodann im Dezember 2016 festgestellt, dass ihre Schulter nach unbefriedigendem Heilungsverlauf sozusagen funktionslos sei. Er habe ihr deshalb eine volle Arbeitsunfähigkeit auch in Verweistätigkeiten at
testiert. Die Beurteilung ihres Leistungsanspruchs bedürfe somit einer orthopädi
schen und neurologischen Begutachtung (Urk. 1 S. 4 f.).
3.
3.1
Die Argumentation der Beschwerdeführerin, wonach sich in der Prothesengrösse nachträglich eine Erklärung für ihre anhaltenden Schmerzen gefunden habe, deu
tet vorderhand eine ursprüngliche Unrichtigkeit der Verfügung vom 25. Februar 2015 an. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass jene Verfügung mit Urteil IV.2015.00422 vom 11. Dezember 2015 vom Sozialversicherungsgericht bestätigt wurde (Urk. 11/151).
3.2
Von vornherein ausser Betracht fällt somit eine Wiedererwägung.
Der Versiche
rungsträger kann nach
Art.
53
Abs.
2
ATSG
in Verbindung mit
Art.
2 ATSG und
Art.
1
Abs.
1 IVG
nämlich nur
auf formell rechtskräftige Verfügungen
zurück
kommen
, die nicht
schon
Gegenstand materieller richterlicher Überprüfung ge
bildet haben
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_634/2017 vom 20. Februar 2018 E. 5.3 mit Hinweisen).
3.3
Für Entscheide eines Gerichts steht ausschliesslich das Institut der Revision offen. Gemäss Art. 61 lit. i ATSG muss die [prozessuale] Revision von Entscheiden we
gen Entdeckung neuer Tatsachen oder Beweismittel oder wegen Einwirkung durch Verbrechen oder Vergehen gewährleistet sein. Im Übrigen ist die Ausge
staltung des Revisionsverfahrens dem kantonalen Recht überlassen (vgl. Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl., 2015, N 45 zu Art. 53 und N 229 zu Art. 61 ATSG). § 29 lit. a des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) sieht ent
sprechend vor, dass gegen rechtskräftige Entscheide des Gerichts von den am Verfahren Beteiligten Revision verlangt werde kann, wenn sie neue erhebliche Tatsachen erfahren oder Beweismittel auffinden, die sie im früheren Verfahren nicht beibringen konnten.
Gemäss §
30
Abs.
1 GSVGer
ist
das Revisionsgesuch
innert 90 Tagen, von der Entdeckung des Revisionsgrundes an
gerechnet, beim Geri
cht schriftlich einzureichen
.
Spätestens im Zeitpunkt der Operation vom 18. Januar 2016 wusste die Be
schwerdeführerin mit Sicherheit, dass die im August 2013 implantierte erste Schulterprothese nach Ansicht der behandelnden Ärzte zu gross war. Da sie ihr neues Gesuch, datiert vom 6. Januar 2017 (Urk. 11/159), indes erst rund ein Jahr später einreichte, ist die 90-tägige Revisionsfrist nicht gewahrt.
3.4
Offen bleiben kann unter diesen Umständen die Frage, ob die Beschwerdeführerin die während laufender Rechtsmittelfrist gegen das Urteil IV.2015.00422 vom 11. Dezember 2015 durchgeführte Operation (und die daraus gewonnenen Er
kenntnisse über ihren Gesundheitszustand bei Erlass der Verfügung vom 25. Februar 2015) bereits in der Beschwerde ans Bundesgericht vom 26. Januar 2016 (Urk. 11/152/2-6) hätte vorbringen können oder gar müssen (Art. 99 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin prüfte das Gesuch vom 6. Januar 2017 somit zu Recht einzig unter dem Aspekt der Neuanmeldung.
Eine
erneute materielle Prüfung des Rentenanspruchs der Beschwerdeführerin gestützt auf den Untersuchungsgrund
satz
setzt folglich
voraus, dass diese eine
anspruchserhebliche Tatsachenänderung im Sinne von
Art.
87 IVV seit
dem 25. Februar 2015 (Zeitpunkt der letzten ma
teriellen Beurteilung mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung) glaubhaft macht. Beim
Glaubhaftmachen derselben als Eintretensvoraussetzung
ist
das Be
weismass zwar herabgesetzt. Dennoch müssen für das Vorhandensein eines gel
tend gemachten rechtserheblichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhalts
punkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen (BGE 130 V 64 E. 5.2, 130 V 71 E. 2.2 mit Hinweisen).
4.2
Ihrer Neuanmeldung legte die Beschwerdeführerin einzig den Verlaufsbericht von Dr. B._ vom 15. Dezember 2016 bei. Dieser hielt bei den Diagnosen erstmals einen Status nach Revisionsoperation am 18. Januar 2016 fest. In der Anamnese erläuterte er, es gehe der Beschwerdeführerin nicht gut. Sie habe mäs
siggradige Schmerzen und könne die Arme nicht zum Gesäss bringen. Zum Be
fund notierte er: Flexion 70°, Abduktion 40°, Aussenrotation -20°, Schürzengriff bis zum Trochanter, Deltoideus kräftig. Daraus schlussfolgerte er, der Verlauf sei absolut unbefriedigend. Die Beschwerdeführerin habe sozusagen eine funktions
lose linke Schulter. Therapeutisch gebe es wenig Optionen. Die Beschwerdefüh
rerin sei so nicht arbeitsfähig und habe sicherlich Anrecht auf eine Invaliden
rente. Sie sei auch in einer angepassten Tätigkeit nicht vermittelbar (Urk. 11/156).
4.3
Zwischen ärztlich gestellter Diagnose und Arbeitsunfähigkeit besteht - und zwar sowohl bei somatisch dominierten als auch bei psychisch dominie
rten Leiden – keine Korrelation.
Deshalb weist die medizinische Folgenabschätzung notgedrun
gen eine hohe Variabilität auf und trägt unausweichlich Ermessenszüge (vgl. BGE
140 V 193
E. 3.1). Allein der Umstand, dass bei den
Diagnosen
neu ein Status nach einer Revisionsoperation am 18. Januar 2016 erwähnt
wurden, ist
also nicht entscheidend.
Sodann setzte sich das Sozialversicherungsgericht bereits in Erwägung 6.3 seines Urteils IV.2015.00422 vom 11. Dezember 2015 mit der Tatsache auseinander, dass die Schulterbeschwerden im Zusammenhang mit einer zu grossen Schulter
prothese stehen könnten. Konkret erwog es, den neu eingereichten Berichten der D._, datiert vom 3. März und 27. April 2015, sei im Wesentlichen zu
sätzlich zu entnehmen, dass unter Umständen etwas zu viel Prothese eingebaut worden sei. Verglichen mit den früheren Arztberichten sei also erstmals eine mögliche Ursache für die schmerzhafte Beweglichkeitseinschränkung angespro
chen worden. Eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes in dem Sinne, dass der Beschwerdeführerin eine die Schulter nicht belastende Arbeit im Gegen
satz zur Untersuchung [durch die RAD-Ärztin med. pract. C._] im August 2014 nicht mehr zumutbar wäre, ergebe sich daraus jedoch nicht. Im Übrigen wies es in Erwägung 6.2.3 auch auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung hin, wonach selbst für versicherte Personen, die den einen Arm nicht mehr oder die eine Hand höchsten noch als Hilfshand einsetzen könnten, Arbeitsmöglichkeiten bestünden (Urk. 11/151/14).
An diesen Überlegungen ist auch nach Einsicht in den neu eingereichten Bericht von Dr. B._ festzuhalten. So legte er darin weder Komplikationen im Rahmen der letzten Operation, noch eine massgebliche Zunahme der Schmerzen oder zusätzliche Funktionseinschränkungen gegenüber seinen Vorberichten dar. Wenige und im Vergleich zu früheren nicht auffällig schlechtere Befunde (vgl. Urk. 11/148/6, 11/131/2, 11/133/6 und 11/108/2; ferner Urk. 11/160/2) sowie subjektive Angaben der Beschwerdeführerin genügen nicht, um eine rentenrele
vante gesundheitliche Verschlechterung glaubhaft zu machen. Dies muss vorlie
gend aufgrund der schon im letzten Urteil diskutierten augenscheinlichen Inkon
sistenzen, welche die RAD-Ärztin med. pract. C._ nach eigener Untersu
chung beschrieb, umso mehr gelten (vgl. Urk. 9/151/13). Dr. B._ erach
tete die Situation bereits im Bericht vom 11. November 2014 als «absolut unklar», beschrieb eine völlig eingesteifte Schulter und schlussfolgerte, die Beschwerde
führerin sei nicht fähig, eine Arbeit auszuüben, egal ob belastend oder nicht (Urk. 11/131/2). Diese Beurteilung deckt sich sowohl mit derjenigen in seinem aktuellen Bericht vom 15. Dezember 2016 (Urk. 11/156), als auch derjenigen in seinem früheren Bericht vom 16. April 2014 (Urk. 11/108). Dabei deutet nichts darauf hin, dass seine von der RAD-Beurteilung abweichende Arbeitsfähig
keitseinschätzung nicht einzig d
er hohen Variabilität der medizinischen Folgen
abschätzung geschuldet
ist.
4.4
Zusammenfassend ist somit nicht nachvollziehbar, weshalb respektive inwiefern sich die Schulterbeschwerden mit der Implantation einer anatomisch günstigeren Schulterprothese
(ausserhalb des Zeitraums der Operation und Rekonvaleszenz während drei bis sechs Monaten
gemäss RAD-Beurteilung
,
Urk.
11/160/2)
ver
schlechtert haben könnten. Der Verlaufsbericht von Dr. B._
reicht nach dem vorstehend Ausgeführten
nicht aus, um eine Verschlechterung der gesund
heitlichen Verhältnisse
bzw. Arbeitsfähigkeit
glaubhaft zu machen, die zu einem rentenbegründenden Invaliditätsgrad
bei Ablauf der Anmeldefrist im Juli 2017 (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG)
führen könnte.
5.
Nachdem sich gestützt auf den neuen Verlaufsbericht von Dr. B._ somit unter keinem Titel eine erneute materielle Prüfung des Rentenanspruchs recht
fertigt, ist d
ie
angefochtene
Nichteintretensverfügung zu bestätigen und die Be
schwerde abzuweisen.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand unabhängig vom Streitwert i
m Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1‘000.-- festzulegen (
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Sie sind beim vorliegenden einfachen Verfah
ren
auf
Fr. 4
00.-- anzusetzen und der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzu
erlegen.