Decision ID: aa63c934-6535-44df-8e61-7c1c4def41fc
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_001
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. A._, geboren am B._ und Staatsangehöriger von C._,
verfügte von 1992 bis 1997 jeweils über Kurzaufenthaltsbewilligungen im
Fürstentum Liechtenstein, bevor dessen Fremdenpolizei im Jahr 1998 die
Wegweisung verfügte. Sie begründete dies mit der mangelnden
Integration (mehrere Strafverfügungen, keine geregelte Arbeit,
fortdauernde fürsorgerische Unterstützung und keine Anhaltspunkte für
die geltend gemachte Krankheit). Die dagegen erhobene Beschwerde
wurde letztinstanzlich abgewiesen. Am 28. November 1998 heiratete
A._ die mazedonische Staatsangehörige und in E._ arbeitende
D._, reiste im Rahmen des Familiennachzugs am 21. Mai 1999 zu ihr
in die Schweiz ein und verfügt seither über eine
Jahresaufenthaltsbewilligung in der Schweiz. Per 1. Mai 2002 trennte sich
das Ehepaar, bevor die Ehe am 15. November 2005 rechtskräftig
geschieden wurde. Aus der Ehe gingen keine Kinder hervor.
2. Im Anschluss an die Trennung und nach Kenntnisnahme der
Mutationsmeldung der Einwohnerkontrolle wies ihn die Fremdenpolizei
des Kantons Graubünden (Amt für Migration und Zivilrecht, nachfolgend
AFM) aufgrund mangelnder Erwerbstätigkeit darauf hin, dass seine
finanzielle Situation neu beurteilt werde. Das AFM habe eine
Aufenthaltsüberprüfung eröffnet und dazu (mehrfach und erfolglos)
Auskünfte eingefordert. A._ teilte daraufhin mit, er bemühe sich um
Arbeit, beziehe aber kein Arbeitslosentaggeld oder Sozialhilfe. Bisher
habe er vom Einkommen der Frau gelebt und werde von seinem Bruder,
welcher im Fürstentum Liechtenstein lebt, unterstützt. In der Folge traf das
AFM weitere Abklärungen. A._ war in den folgenden Jahren an
verschiedenen Orten temporär angestellt, während ihm die
Jahresaufenthaltsbewilligung jeweils verlängert wurde.
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3. Im Juli 2013 erlitt er während eines Urlaubs in C._ einen Herzinfarkt
und kehrte im November 2013 in die Schweiz zurück. Im Februar 2014
wechselte er seinen Wohnsitz von E._ nach F._, bevor er im
April 2014 nach G._ zog. Das AFM tätigte im Frühjahr und Sommer
2014 wiederum Abklärungen betreffend allfälliger Fürsorgeleistungen.
Gemäss der Gemeinde F._ bezog A._ für die Zeit vom 24.
Februar 2014 bis 31. März 2014 Sozialleistungen im Umfang von
CHF 2'248.--, während die Gemeinde G._ mitteilte, er werde seit dem
1. April 2014 sozialhilferechtlich unterstützt. Seither bezieht er
ununterbrochen Fürsorgeleistungen, da er keiner existenzsichernden
Tätigkeit mehr nachging.
4. Im September 2014 teilte die Sozialversicherungsanstalt Graubünden
(SVA) dem AFM mit, es werde ein Gutachten zur Prüfung des
Leistungsanspruchs angeordnet. Mit Vorbescheid vom 17. März 2015
sprach die SVA A._ vom 1. September 2014 bis zum 31. März 2015
eine befristete, ganze IV-Rente (100 %) zu. Ab dem 1. April 2015 liege der
IV-Grad unter 40 %, weshalb kein Anspruch auf Rentenleistungen
bestehe. Nach dagegen erhobenem Einwand bestätigte die SVA den
Vorbescheid mit Verfügung vom 7. Oktober 2016, wogegen A._
Beschwerde erhob. Am 1. März 2017 reichte er einen Arbeitsvertrag vom
24. Februar 2017 ein, welchen er aber per 10. März 2017 wieder kündigte,
was er mit schweren gesundheitlichen Problemen begründete. Am 9.
November 2017 gewährte ihm das AFM das rechtliche Gehör i.S.
Verweigerung der Jahresaufenthaltsbewilligung mit dem Hinweis, es
beabsichtige – wegen mangelnder existenzsichernder Erwerbstätigkeit
und wegen fortdauernder sowie erheblicher Fürsorgeabhängigkeit – die
Jahresaufenthaltsbewilligung nicht mehr zu verlängern und ihn aus der
Schweiz wegzuweisen. Am 15. Februar 2018 sistierte das AFM das
Verfahren betreffend Aufenthaltsprüfung, bis das Urteil des
Verwaltungsgerichts vorliegt. Das Verwaltungsgericht wies die
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Beschwerde mit Urteil S 16 147 vom 22. Juni 2017, mitgeteilt am 16.
Februar 2018, ab und kam zum Schluss, dass A._ eine (leichte)
leidensangepasste Tätigkeit im Umfang von 70 % zumutbar sei.
5. Am 15. August 2018 reichte A._ ein neues Gesuch bei der IV-Stelle
ein. Im Vorbescheid vom 24. Juni 2019 erkannte die SVA eine
Verschlechterung des Gesundheitszustands an, ging von einem neuen
Invaliditätsgrad von 57 % aus und sah eine leichte körperliche Tätigkeit
ohne Stressbelastung noch zu 50 % als zumutbar. Am 4. Juli 2019
gewährte ihm das AFM die Möglichkeit zum Nachweis einer
Erwerbstätigkeit im Umfang von 40 bis 50 % oder sich zur
Verlängerungsverweigerung zu äussern und wies darauf hin, dass die ihm
zugesprochene halbe IV-Rente (IV-Grad 57%) für die Deckung der
Lebenshaltungskosten nicht ausreichen würde. Er werde zukünftig zwar
keine Fürsorgeleistungen beziehen, stattdessen aber zum Bezug von
Ergänzungsleistungen berechtigt sein. Am 5. September 2019 teilte
A._ mit, er warte noch auf definitive Zusage des Rentenanspruchs.
6. Nachdem das Urteil S 16 147 in Rechtskraft erwachsen ist, gewährte das
AFM A._ am 5. März 2019 erneut das rechtliche Gehör i.S.
Verweigerung der Verlängerung der Jahresaufenthaltsbewilligung.
Wiederum wies es ihn darauf hin, es prüfe die Verweigerung der
Verlängerung der Bewilligung und seine Wegweisung aus der Schweiz
wegen mangelnder existenzsichernder Erwerbstätigkeit und wegen
fortdauernder sowie erheblicher Fürsorgeabhängigkeit. Mit Verfügung
vom 10. Oktober 2019 sprach die SVA eine halbe IV-Rente (IV-Grad 57
%) ab dem 1. Februar 2019 zu. Das AFM gewährte ihm am 4. November
2019 erneut die Möglichkeit, sich zur Verlängerungsverweigerung zu
äussern, da die halbe IV-Rente für die Deckung des Lebensbedarfs nicht
ausreiche. In der Stellungnahme vom 21. November 2019 hielt A._
fest, die Verweigerung der Jahresaufenthaltsbewilligung sei nicht
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verhältnismässig. Der Bezug von Fürsorgeleistung sei ohne Verschulden,
sondern aufgrund des Herzinfarkts im Jahr 2013 erfolgt.
7. Am 16. Juli 2020 verfügte das AFM die Verweigerung der Verlängerung
der Aufenthaltsbewilligung und die Ausweisung aus der Schweiz. Zur
Begründung wurde festgehalten, A._ befinde sich seit über 20 Jahren
in der Schweiz und die Eingliederung ins Erwerbsleben sei – auch unter
Berücksichtigung der Zeit vor dem Herzinfarkt im Jahr 2013 – nur mässig
gelungen. Zwischen 2010 und 2013 sei dieser während lediglich 8.5
Monaten erwerbstätig gewesen und seit seiner Rückkehr in die Schweiz
habe er lediglich 10 Tage gearbeitet. Seit dem 24. Februar 2014 werde er
ununterbrochen sozialhilferechtlich unterstützt (Stand Juni 2020: ca.
CHF 92'000.--). Sodann sei er weder beim RAV noch bei einer
Arbeitslosenkasse angemeldet und habe keine Arbeitsbemühungen
eingereicht. Die Verweigerung sei verhältnismässig.
8. Dagegen erhob A._ am 13. August 2020 Beschwerde an das
Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit Graubünden
(nachfolgend DJSG) mit dem Antrag um Aufhebung der Verfügung sowie
deren Rückweisung an die Vorinstanz zur erneuten Beurteilung. In
prozessualer Hinsicht beantragte er die Erteilung der aufschiebenden
Wirkung sowie unentgeltliche Prozessführung. Im Wesentlichen brachte
er vor, der relevante Sachverhalt sei unvollständig abgeklärt und folglich
eine lückenhafte Verhältnismässigkeitsprüfung vorgenommen worden.
Die Vorinstanz habe unberücksichtigt gelassen, dass er in den nahezu 22
Jahren in der Schweiz bis Februar 2014 wirtschaftlich selbständig und
nicht auf Fürsorgeleistungen angewiesen gewesen sei. Es sei zum klar
überwiegenden Teil seiner Aufenthaltsdauer von gelungener
wirtschaftlicher Integration auszugehen. Die gesundheitlichen Probleme
seien zudem massiv verschuldensmindernd. Ferner rügte er die fehlende
Verwarnung.
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9. In seiner Vernehmlassung vom 25. August 2020 beantragte das AFM die
vollumfängliche Abweisung der Beschwerde. Es verwies auf die
Verfügung vom 16. Juli 2020, da keine wesentlichen bzw. neuen beim
Erlass der Verfügung noch nicht bekannten Tatsachen geltend gemacht
worden seien. In seiner Stellungnahme vom 8. September 2020 hielt
A._ fest, dass nicht die Sachverhaltsdarstellung, sondern die
entsprechende Würdigung bzw. die unvollständige und im Ergebnis
unrichtige Verhältnismässigkeitsprüfung Beschwerdegrund bilde.
10. Mit Verfügung vom 28. Januar 2021 wies das DJSG die Beschwerde ab.
A._ erfülle den gesetzlichen Widerrufsgrund, da er in den
vergangenen Jahren Fürsorgeleistungen im Umfang von über CHF
100'000.-- bezogen habe und davon auszugehen sei, dass die
Abhängigkeit von der öffentlichen Hand weiter andauern wird. Die
öffentlichen Interessen an seiner Wegweisung würden das private
Interesse am Verbleib in der Schweiz überwiegen; die Wegweisung sei
verhältnismässig. Die beantragte unentgeltliche Prozessführung wurde
nicht gewährt. Das DJSG begründete dies mit der Aussichtslosigkeit des
Verfahrens, stellte aufgrund seiner finanziellen Situation jedoch nur die
hälftigen Kosten in Rechnung.
11. Dagegen erhob A._ (nachfolgend Beschwerdeführer) am 25. Februar
2021 Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
mit den Anträgen, der angefochtene Departementsentscheid sei
aufzuheben und das AFM sei anzuweisen, die Aufenthaltsbewilligung des
Beschwerdeführers zu verlängern. Eventualiter sei der angefochtene
Departementsentscheid aufzuheben und zur erneuten Beurteilung der
Sache an das AFM zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht beantragte
der Beschwerdeführer die Erteilung der aufschiebenden Wirkung sowie
die unentgeltliche Prozessführung für das gesamte Verfahren. Der
Beschwerdeführer rügte eine teilweise unrichtige bzw. unvollständige
Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanzen sowie die zu Unrecht bejahte
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Verhältnismässigkeit der Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Er
bemühe sich seit Jahren um eine passende Arbeitsstelle (50 % leichte
Tätigkeit ohne Stressbelastung). Seit dem 22. August 2019 sei er zur
Arbeitsvermittlung beim RAV angemeldet und er bewerbe sich seither
regelmässig. Zur Verhältnismässigkeit hielt er fest, die Erheblichkeit des
Sozialhilfebezugs befinde sich mit CHF 103'000.-- im unteren Bereich.
Weiter sei die Aufenthaltsdauer zu berücksichtigen. Der
Beschwerdeführer befinde sich seit fast 22 Jahren in der Schweiz, sei
sprachlich sowie sozial integriert und verwurzelt. Seine wirtschaftliche
Integration sei während zwei Dritteln seines Aufenthalts in der Schweiz
(bis zum Herzinfarkt 2013) genügend. So habe er bis dahin keine
Sozialhilfe bezogen und sei damit wirtschaftlich mindestens genügend,
wenn auch nicht hervorragend, integriert. Die Zeit, seit er seit dem 24.
Februar 2014 ununterbrochen Fürsorgeleistungen bezieht, gliederte der
Beschwerdeführer in drei Phasen. Bis zum 31. März 2015 sei er von der
IV anerkannt zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Dabei könne ihm kein
Vorwurf gemacht werden. Vom 1. März 2015 bis im Januar 2018 sei er zu
70 % in angepasster Tätigkeit arbeitsfähig gewesen. Man könne ihm zwar
vorwerfen, die Restarbeitszeit nicht verwertet zu haben, dem komme im
Gesamtkontext jedoch untergeordnete Bedeutung zu. Seit Februar 2018
sei er sodann zu 50 % in leichter Tätigkeit ohne Stress arbeitsfähig. Auch
in dieser Zeit habe der Beschwerdeführer Arbeitsbemühungen
unternommen. Der Beschwerdeführer habe bis zu seinem Herzinfarkt und
damit während rund zwei Dritteln seines Aufenthalts seinen
Lebensunterhalt selbst getragen. Ihn treffe kein Verschulden an der
Sozialhilfeabhängigkeit. Es sei nachvollziehbar und entschuldbar, dass er
trotz nachgewiesener Suchbemühungen und seines Alters keine Stelle im
Bereich seiner Restarbeitsfähigkeit von 50 % für eine leichte
Arbeitstätigkeit ohne Stress gefunden habe. Sodann habe er weder in der
Schweiz noch im Heimatland engere Familienangehörige, sei aber hier
stärker verwurzelt. Er habe keine Schulden angehäuft und sich auch in
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strafrechtlicher Hinsicht nichts zu Schulden kommen lassen. Ferner wäre
aus seiner Sicht eine Verwarnung angemessen gewesen.
12. Der Instruktionsrichter erkannte der Beschwerde am 11. März 2021 die
vom Beschwerdeführer beantragte aufschiebende Wirkung zu, nachdem
das DJSG dagegen keine Einwände erhoben hat.
13. In seiner Vernehmlassung vom 22. März 2021 beantragte das DJSG
(nachfolgend Beschwerdegegner) die Abweisung der Beschwerde. Zur
Begründung verwies er grundsätzlich auf die Ausführungen in der
angefochtenen Verfügung und hielt fest, der Beschwerdeführer habe
nichts wesentlich Neues vorgebracht. Bezüglich der
beschwerdeführerischen Rüge, dieser sei nie verwarnt worden, führte der
Beschwerdegegner aus, auf eine formelle Verwarnung habe verzichtet
werden können, da sich vorliegend die Massnahme nach einer
umfassenden Verhältnismässigkeitsprüfung als angemessen erwiesen
habe. Bereits im Jahre 2005 habe man mitgeteilt, welches Verhalten von
ihm verlangt werde und auch anlässlich der Aufenthaltsprüfung im Jahre
2016 wurde die Verweigerung der Verlängerung angedroht. Der
Beschwerdeführer sei stets darüber orientiert gewesen, unter welchen
Voraussetzungen ihm die Bewilligung verlängert wird.
14. In seiner Replik vom 12. April 2021 hielt der Beschwerdeführer an seinen
Anträgen fest und bestritt, dass keine wesentlichen neuen Argumente
vorgebracht worden seien. So sei z.B. das öffentliche Interesse an einer
Nichtverlängerung im Vergleich zu anderen Fällen um den Faktor vier bis
fünf niedriger und er bestritt den Vorwurf der mangelnden
Arbeitsbemühungen. Es habe keine umfassende, sondern lediglich
rudimentäre und einseitige Verhältnismässigkeitsprüfung stattgefunden.
Abschliessend fasste er zusammen, weshalb die Verhältnismässigkeit der
Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und der Wegweisung nicht
gegeben sei: langer Aufenthalt in der Schweiz, damit anzunehmende
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Verwurzelung in der Schweiz und entsprechender Entwurzelung in der
Heimat; gesundheitliche Probleme, welche seine Arbeitslosigkeit
mindestens teilweise bis grösstenteils entschuldigen würden; die –
angesichts des Alters und Gesundheitszustandes nachvollziehbar
erfolglosen – dargelegten Arbeitssuchbemühungen. Dies im Gegensatz zu
den geringen öffentlichen finanziellen Interessen.
15. Mit Eingabe vom 14. April 2021 verzichtete der Beschwerdegegner auf die
Einreichung einer Duplik.
16. Im Sinne einer Noveneingabe teilte der Beschwerdeführer dem Gericht am
10. Dezember 2021 mit, dass er inzwischen Ergänzungsleistungen
bewilligt erhalten habe und reichte die zugehörige Verfügung sowie das
Berechnungsblatt als Beilagen ein. Der Beschwerdegegner verzichtete
diesbezüglich am 7. Januar 2022 erneut auf die Einreichung einer
Stellungnahme.
Auf die Erwägungen in der angefochtenen Departementsverfügung vom
28. Januar 2021 sowie auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren
Rechtsschriften wird, soweit entscheidrelevant, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet die
Departementsverfügung vom 28. Januar 2021, mit welcher der
Beschwerdegegner die Verfügung des Amtes für Migration und Zivilrecht
Graubünden (AFM) vom 16. Juli 2020 betreffend Verweigerung der
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung bestätigt hat. Gemäss Art. 49
Abs. 1 lit. c des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR
370.100) beurteilt das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
Beschwerden gegen Entscheide der kantonalen Departemente, soweit
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diese nicht nach kantonalem oder eidgenössischem Recht endgültig sind.
Die Departementsverfügung vom 28. Januar 2021 ist nicht endgültig, so
dass sie ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden darstellt. Als formeller und
materieller Adressat der angefochtenen Verfügung ist der
Beschwerdeführer berührt und weist ein schutzwürdiges Interesse an
deren Aufhebung oder Änderung auf (Art. 50 VRG), zumal er direkt
nachteilig von der Wegweisung aus der Schweiz betroffen ist. Das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden ist daher zur Beurteilung der
vorliegenden Beschwerde sachlich und örtlich zuständig. Die Beschwerde
wurde am 25. Februar 2021 frist- und formgerecht eingereicht (Art. 52
i.V.m. Art. 38 VRG). Auf die Beschwerde ist folglich einzutreten.
1.2. Nach Art. 51 VRG erstreckt sich die Kognition des Verwaltungsgerichtes
bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde auf Rechtsverletzungen
einschliesslich Überschreitung oder Missbrauches des Ermessens sowie
unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhaltes. Das
Verwaltungsgericht überprüft somit den Sachverhalt und die Rechtsfragen
frei. Dagegen beurteilt es nicht, ob der angefochtene Entscheid
zweckmässig oder angemessen sei.
1.3. Streitig und zu prüfen ist, ob die Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung und die damit einhergehende Wegweisung des
Beschwerdeführers aus der Schweiz mit Verfügung des AFM vom 16. Juli
2020, bestätigt und geschützt durch den vorliegend angefochtenen
Beschwerdeentscheid des Beschwerdegegners vom 28. Januar 2021, zu
Recht erfolgt ist. Streitgegenstand bildet insbesondere die Frage, ob die
Verhältnismässigkeit gegeben ist und ob die privaten Interessen des
Beschwerdeführers am Verbleib in der Schweiz das öffentliche Interesse
an seiner Wegweisung überwiegen.
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2.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und
Ausländer und über die Integration (Ausländer- und Integrationsgesetz,
AIG; SR 142.20) gilt dieses Gesetz, soweit keine anderen Bestimmungen
des Bundesrechts oder von der Schweiz abgeschlossene völkerrechtliche
Verträge zur Anwendung kommen. Der Beschwerdeführer ist
Staatsangehöriger von C._ und verfügt somit über eine
Aufenthaltsbewilligung für Nicht-EU/EFTA-Angehörige (Drittstaat).
Zwischen der Schweiz und C._ besteht keine staatsvertragliche
Vereinbarung, welche dem Beschwerdeführer einen Anspruch auf
Anwesenheit in der Schweiz gewähren würde. Entsprechend sind für den
konkreten Fall die Bestimmungen des AIG, vorbehältlich anderer
völkerrechtlicher Verträge, anwendbar.
2.2. Grundsätzlich sind Ausländerinnen und Ausländer zur Anwesenheit in der
Schweiz berechtigt, wenn sie eine Aufenthalts- oder
Niederlassungsbewilligung besitzen oder wenn sie von Gesetzes wegen
keiner solchen bedürfen (vgl. Art. 10 und 11 AIG). Über die Zulassung zu
einem Aufenthalt mit oder ohne Erwerbstätigkeit entscheidet die
zuständige kantonale Behörde gemäss Art. 18 ff. und 27 ff. AIG – im
Rahmen der gesetzlichen Vorschriften und der Verträge mit dem Ausland
– nach freiem Ermessen. Einen Rechtsanspruch auf die Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung hat der Ausländer somit grundsätzlich nicht, es sei
denn, dass AIG oder völkerrechtliche Verpflichtungen sehen dies vor (vgl.
BGE 133 I 185 E.2.3; SPESCHA, in: SPESCHA/ZÜND/BOLZLI/HRUSCHKA/DE
WECK [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht, 5. Aufl., Zürich 2019, N 1 ff. zu
Art. 3 AIG). Solange kein gesetzlicher Bewilligungsanspruch besteht, liegt
der Entscheid über die Nichtverlängerung im pflichtgemässen
behördlichen Ermessen (vgl. SPRING, Der Bewilligungswiderruf im
schweizerischen Ausländerrecht, Dissertation, Zürich/St. Gallen 2022, Rz.
106 m.w.H.).
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3.1. Gemäss Art. 33 Abs. 1 und Abs. 3 wird die Aufenthaltsbewilligung für
Aufenthalte mit einer Dauer von mehr als einem Jahr erteilt, ist befristet
und kann verlängert werden, wenn keine Widerrufsgründe nach Art. 62
Abs. 1 AIG vorliegen. Art. 62 Abs. 1 lit. e AIG sieht die Möglichkeit des
Widerrufs der Aufenthaltsbewilligung vor, wenn die Ausländerin oder
Ausländer oder eine Person, für die sie oder er zu sorgen hat, auf
Sozialhilfe angewiesen ist. Eine Aufenthaltsbeendigung mittels
Nichtverlängerung ist immer dann zulässig, wenn die Bewilligung auch
hätte widerrufen bzw. die betroffene ausländische Person hätte
ausgewiesen werden können (vgl. SPRING, a.a.O., Rz. 103 f. m.w.H.).
3.2. Der Widerrufsgrund des Sozialhilfebezugs gemäss Art. 62 Abs. 1 lit. e AIG
ist nach der Rechtsprechung erfüllt, wenn konkret die Gefahr einer
fortgesetzten Sozialhilfeabhängigkeit besteht; blosse finanzielle Bedenken
genügen nicht. Für die Beurteilung der Gefahr der Sozialhilfeabhängigkeit
ist von den aktuellen Verhältnissen auszugehen; die zu erwartende
finanzielle Entwicklung ist aber auf längere Sicht abzuwägen.
Ausschlaggebend ist dabei eine Prognose zur voraussichtlichen
Entwicklung der finanziellen Situation in Berücksichtigung der
realisierbaren Einkommensaussichten sämtlicher Familienmitglieder.
Beim Widerrufsgrund nach Art. 62 Abs. 1 lit. e AIG geht es in erster Linie
darum, eine zusätzliche und damit künftige Belastung der öffentlichen
Wohlfahrt zu vermeiden. Der auf diese Bestimmung gestützte Widerruf der
Bewilligung (bzw. deren Nichtverlängerung) fällt grundsätzlich in Betracht,
wenn eine Person hohe finanzielle Unterstützungsleistungen erhalten hat
und nicht damit gerechnet werden kann, dass sie in Zukunft für ihren
Lebensunterhalt sorgen wird. Ob der Widerrufsgrund der
Sozialhilfeabhängigkeit nach Art. 62 Abs. 1 lit. e AIG erfüllt ist, wird also
objektiv, d.h. ohne Rücksicht auf das Verschulden, beurteilt. Massgeblich
ist die Höhe der ausgerichteten Beträge und die prognostische
Beurteilung, ob in absehbarer Zeit eine Ablösung von der Sozialhilfe
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erfolgen kann. Hierbei sind die Umstände des Einzelfalls gebührend zu
würdigen und dabei namentlich die Frage zu beantworten, ob die
Sozialhilfe beziehende Person ihre Schadenminderungspflicht erfüllt hat.
Ob und inwieweit die betroffene Person ein Verschulden an der
Sozialhilfebedürftigkeit trifft, beschlägt nicht die Frage des
Widerrufsgrundes, sondern die Verhältnismässigkeitsprüfung, worauf
nachfolgend (vgl. E.5 ff.) einzugehen ist (vgl. Urteile des Bundesgerichts
2C_423/2020 vom 26. August 2020 E.3.2 und 3.3; 2C_442/2019 vom 11.
September 2019 E.3.1 und 3.2; 2C_291/2019 vom 9. August 2019 E.4.1.
und E.4.2; vgl. auch SPESCHA, a.a.O., N 14 zu Art. 62 AIG).
3.3. In seiner Beschwerde vom 25. Februar 2021 (S. 5) hielt der
Beschwerdeführer fest, dass sich die Parteien einig seien, dass sein
Sozialhilfebezug vorliegend einen Grund gemäss Art. 62 Abs. 1 lit. e AIG
für die Verweigerung der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung setzt.
Gleiches gelte – mit Verweis auf den zukünftigen Bezug von
Ergänzungsleistungen – auch in Bezug auf die wahrscheinliche finanzielle
Entwicklung auf längere Sicht. Am 10. Dezember 2021 teilte er dem
Gericht im Sinne einer Noveneingabe mit, er habe inzwischen
Ergänzungsleistungen bewilligt erhalten. Mit Verfügung vom 1. und 7.
Dezember 2021 betreffend Ergänzungsleistungen zur AHV/IV gewährte
die SVA bzw. der regionale Sozialdienst dem Beschwerdeführer folgende
monatlichen Ansprüche: Ergänzungsleistungen im Umfang von CHF
1'720.-- sowie eine Krankenkassenprämienpauschale von CHF 412.--
(total CHF 2'132.--/Monat) für die Zeit vom 1. Juli 2020 bis 31. Dezember
2020; Ergänzungsleistungen im Umfang von CHF 1'732.-- sowie eine
Krankenkassenprämienpauschale von CHF 414.-- (total CHF 2'146.--
/Monat) für die Zeit vom 1. Januar 2021 bis 31. Juli 2021;
Ergänzungsleistungen im Umfang von CHF 1'565.-- sowie eine
Krankenkassenprämienpauschale von CHF 414.-- (total CHF 1'979.--
/Monat) für die Zeit ab dem 1. August 2021.
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3.4. Betreffend Ergänzungsleistungen gilt es zunächst festzuhalten, dass
Sozialversicherungsleistungen unter Einschluss der
Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung und Leistungen der Individuellen
Prämienverbilligung nach gefestigter Rechtsprechung grundsätzlich keine
Sozialhilfe im Sinne von Art. 62 Abs. 1 lit. e bzw. Art. 63 Abs. 1 lit. c AIG
darstellen und nicht unter diesen Begriff zu subsumieren sind (vgl. BGE
141 II 401 E.6.2.3; 135 II 265 E.3.7 m.w.H.; Urteile des Bundesgerichts
2C_458/2019 vom 27. September 2019 E.3.2; 2C_714/2018 vom 30.
Januar 2019 E.2.1; 2C_98/2018 vom 7. November 2018 E.4.1). Die
Rechtsprechung hat diese Annahme aber dahingehend relativiert, dass
die Zusprechung von Sozialversicherungsleistungen (Invalidenrente) den
Widerrufsgrund der Sozialhilfeabhängigkeit nicht zwingend entfallen lasse
und zwar, falls der betroffene Ausländer danach auf
Ergänzungsleistungen angewiesen sei und damit die öffentliche Hand
weiter belaste (vgl. WEISS, Der Widerruf von Aufenthalts- und
Niederlassungsbewilligungen, in: Jusletter vom 24. August 2020, S. 18).
So hielt das Bundesgericht beispielsweise auch in seinem Urteil
2C_98/2018 vom 7. November 2018 fest, dass der Lebensunterhalt künftig
zu einem erheblichen Teil über Ergänzungsleistungen gedeckt werden
müsste. Diese schlössen sich praktisch nahtlos an die vorbestehende
Sozialhilfeabhängigkeit an. Durch den voraussichtlich lebenslangen
Bezug der Ergänzungsleistungen als beitragsunabhängige
Sonderleistungen würde die öffentliche Hand weiterhin in erheblichem
Mass belastet. Obwohl der Bezug von Ergänzungsleistungen keinen
Widerrufsgrund bilde, dürfe er im Rahmen der Prüfung der
Verhältnismässigkeit der aufenthaltsbeendenden Massnahme dennoch
mitberücksichtigt werden. Die Vorinstanz habe das öffentliche Interesse
am Widerruf der Bewilligung deshalb als bedeutend einstufen dürfen, ohne
damit Bundesrecht zu verletzen (vgl. BGE 135 II 265 E.3.7; Urteile des
Bundesgerichts 2C_534/2019 vom 4. Februar 2020 E.3.2.13;
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2C_458/2019 vom 27. September 2019 E.3.3; 2C_83/2018 vom 1.
Februar 2019 E.4.1 und E.4.2.4; 2C_1018/2016 vom 22. Mai 2017 E.6.2).
Ergänzungsleistungen sind demnach zumindest dann Fürsorgeleistungen
im Sinne des ausländerrechtlichen Widerrufsgrundes, wenn diese lediglich
eine vorbestehende Sozialhilfeabhängigkeit ablösen und den zukünftigen
Lebensunterhalt zur Hauptsache decken, während die Invalidenrente nur
in ganz untergeordneter Weise zur Bedarfsdeckung beiträgt.
3.5. Wie bereits ausgeführt, ist zwischen den Parteien unbestritten, dass der
Sozialhilfebezug des Beschwerdeführers sowie dessen finanzielle
Entwicklung auf längere Sicht (Anspruch des Beschwerdeführers auf
Ergänzungsleistungen seit dem 1. Juli 2020 als eindeutige Prognose)
vorliegend einen Grund gemäss Art. 62 Abs. 1 lit. e AIG für die
Verweigerung der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung setzt (vgl.
oben E.4.1 und Beschwerde, S. 5). Dies weicht von der vorstehend
ausgeführten Rechtsprechung denn auch nicht ab. Der Beschwerdeführer
ist indes der Ansicht, dass der Beschwerdegegner bei der Prüfung der
Verhältnismässigkeit unhaltbare Würdigungen vorgenommen habe. Dies
ist im Folgenden zu prüfen.
4.1. Die vom AFM am 16. Juli 2020 verfügte Verweigerung der Verlängerung
der Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers sowie dessen
Wegweisung aus der Schweiz wurde zusammenfassend damit begründet,
dass ein erhebliches Interesse daran bestehe, Personen, welche einen
Widerrufsgrund gestützt auf Art. 62 Abs. 1 lit e AIG gesetzt haben, die
Aufenthaltsbewilligung nicht mehr zu verlängern, zumal er seinen
Aufenthaltszweck, nämlich das Ausüben einer existenzsichernden
Erwerbstätigkeit, nicht mehr erfülle. Ihm sei die Ausreise in sein
Heimatland absolut zumutbar (vgl. AFM-act. 274, S. 12). Der
Beschwerdeführer wandte dagegen ein, die Vorinstanz habe den
relevanten Sachverhalt unvollständig abgeklärt und daraus folgend eine
lückenhafte Verhältnismässigkeitsprüfung vorgenommen. Insbesondere
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sei die Verhältnismässigkeit der angefochtenen Massnahme nicht erfüllt.
Ferner stelle die verfügte Massnahme nicht das mildeste Mittel dar, da
keine Verwarnung erfolgt sei (vgl. Bg-act. 1, S. 2). Der Beschwerdegegner
erwog sodann im angefochtenen Entscheid im Wesentlichen, der
Beschwerdeführer erfülle den Widerrufsgrund von Art. 62 Abs. 1 lit. e AIG
und die öffentlichen Interessen an seiner Wegweisung würden seine
privaten Interessen am weiteren Verbleib in der Schweiz überwiegen,
weshalb die Wegweisung verhältnismässig sei (vgl. Bf-act. 2, S. 12 f.).
4.2. Gemäss Art. 96 AIG berücksichtigen die zuständigen Behörden bei der
Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die persönlichen
Verhältnisse sowie die Integration der Ausländerinnen und Ausländer
(Abs. 1). Ist eine Massnahme begründet, aber den Umständen nicht
angemessen, so kann die betroffene Person unter Androhung dieser
Massnahme verwarnt werden (Abs. 2). Liegt also ein Widerrufsgrund vor,
ist zu prüfen, ob die damit verbundene aufenthaltsbeendende Massnahme
verhältnismässig ist. Die Prüfung der Verhältnismässigkeit setzt eine
Abwägung aller vorhandenen Interessen voraus und verlangt, dass die
von der Behörde getroffene Massnahme angemessen und notwendig ist,
um das angestrebte Ziel des öffentlichen oder privaten Interesses zu
erreichen. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, welche sich auf
Art. 8 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) stützt, sind für die Beurteilung, ob dies
der Fall ist, namentlich die Schwere des Verschuldens an der
Sozialhilfeabhängigkeit, der Grad der Integration und die Dauer der
bisherigen Anwesenheit sowie die der betroffenen Person und ihrer
Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen. Zu beachten ist auch die
Qualität der sozialen, kulturellen und familiären Beziehungen sowohl im
Gast- als auch im Heimatland (vgl. BGE 135 I 377 E.4.3; Urteile
2C_311/2021 vom 7. Oktober 2021 E.4.1; 2C_423/2020 vom 26. August
2020 E.4; 2C_709/2019 vom 17. Januar 2020 E.4).
- 17 -
4.3. Der Widerruf einer Bewilligung rechtfertigt sich also nur, wenn die jeweils
im Einzelfall vorzunehmende Interessenabwägung die entsprechende
Massnahme auch als verhältnismässig erscheinen lässt. Der Integration
kommt dabei insbesondere bei Entscheiden über die Verlängerung oder
den Widerruf von Bewilligungen eine wesentliche Bedeutung zu. Die
Aufzählung der relevanten Integrationskriterien und deren Konturierung
finden sich in Art. 58a AIG. In Anwendung dieser Kriterien hat die
erforderliche Güterabwägung sorgfältig und in Berücksichtigung
sämtlicher Umstände des Einzelfalles zu erfolgen (vgl. SPESCHA, a.a.O., N
1 ff. zu Art. 3 AIG). Zu den öffentlichen Interessen gehören konkret in
erster Linie die gesamtwirtschaftlichen Interessen der Schweiz. Dabei
kann auf die Grundsätze der Zulassung und der Integration in Art. 3 und 4
AIG abgestellt werden (vgl. SPESCHA, a.a.O., N 3 zu Art. 96 AIG). Der
Bewilligungswiderruf infolge Sozialhilfebezugs verfolgt als
sozialgestaltende Massnahme öffentliche fiskalische Interessen. Damit
erfüllt er einen wirtschaftlichen Zweck (vgl. SPRING, a.a.O., Rz. 78). Bei
den persönlichen Interessen sind insbesondere (aber nicht abschliessend)
die Faktoren berufliche Situation, finanzielle Verhältnisse,
Aufenthaltsdauer in der Schweiz, Alter, familiäre Situation in der Schweiz,
sozialer Bezug zum Heimatland, gesundheitliche Situation sowie der
strafrechtliche Leumund zu berücksichtigen. Bei Sozialhilfebezug ist im
Besonderen auch der Grund und das Verschulden an der
Sozialhilfeabhängigkeit zu berücksichtigen (vgl. WEISS, a.a.O., S. 23).
5.1. Hinsichtlich des privaten Interesses des Beschwerdeführers spricht
vorliegend insbesondere das Kriterium seiner Aufenthaltsdauer in der
Schweiz für die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung respektive gegen
eine Wegweisung aus der Schweiz. Er reiste am 21. Mai 1999, mithin vor
über 20 Jahren, in die Schweiz ein (vgl. Bf-act. 2, S. 1). Gemäss der
Rechtsprechung im Ausländerrecht soll einem Ausländer, der sich seit
- 18 -
langer Zeit in der Schweiz aufhält, die Bewilligung nur mit Zurückhaltung
widerrufen werden.
5.2. Ebenso, jedoch in abgeschwächter Form, für die Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung, spricht das Alter des Beschwerdeführers, welches
dieser zwar lediglich in Bezug auf die mangelnden Erfolge seiner
Arbeitssuche vorbrachte. Das Bundesgericht hob in seiner aktuellen
Rechtsprechung beispielsweise das hohe Lebensalter eines 71-jährigen
Ausländers bei der Interessensabwägung nach Art. 96 Abs. 1 AIG
besonders hervor, hielt aber fest, dass trotz des hohen Alters des
Beschwerdeführers – infolge Delinquenz – nicht davon auszugehen sei,
dass dieser in Zukunft gewillt oder fähig sei, sich an die Rechtsordnung zu
halten und ging aufgrund der bisherigen Entwicklung nicht von einer
biographischen Kehrtwende aus (vgl. Urteil des Bundesgerichts
2C_575/2018 vom 12. Februar 2020, E.5.4). Vorliegend war der am
B._ geborene Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Verfügung des
AFM vom 16. Juli 2020 bzw. der Departementsverfügung vom 28. Januar
2021 62 Jahre alt.
5.3. Sowohl die Aufenthaltsdauer des Beschwerdeführers in der Schweiz als
auch dessen das Alter sind vorliegend bei der
Verhältnismässigkeitsprüfung zu Gunsten des Beschwerdeführers zu
berücksichtigen.
6.1. Demgegenüber sprechen diverse weitere Kriterien gegen eine Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung respektive für eine Wegweisung
aus der Schweiz, auf welche im Folgenden einzugehen ist. Zuerst gilt es,
die berufliche Situation sowie die finanziellen Verhältnisse des
Beschwerdeführers zu erörtern. In diesem Zusammenhang sind
insbesondere auch Grund und Verschulden an der Sozialhilfeabhängigkeit
zu bestimmen und in die Verhältnismässigkeitsprüfung miteinzubeziehen.
Der Beschwerdeführer macht neben der Aufenthaltsdauer geltend, dass
- 19 -
einerseits sein unverschuldeter gesundheitlicher Zustand sowie seine
Arbeitsbemühungen nicht ausreichend berücksichtigt worden seien (vgl.
Beschwerde, S. 5-7).
6.1.1. Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers kann bei ihm nicht
von einer gelungenen wirtschaftlichen Integration gesprochen werden;
dies aus den folgenden Gründen: Die Teilnahme am Wirtschaftsleben ist
gemäss Art. 58a Abs. 1 lit. d AIG ein Integrationskriterium. Wer hingegen
Sozialhilfe bezieht, nimmt im Sinne dieser Bestimmung nicht am
Wirtschaftsleben teil. So kann der Bezug von Sozialhilfe zum Widerruf der
ausländerrechtlichen Bewilligung führen, wobei im Einzelfall die Ursachen
für den Sozialhilfebezug zu berücksichtigen sind (vgl. statt vieler BGE 137
II 297 E.4; Urteil des Bundesgerichts 2C_430/2011 vom 11. Oktober 2011
E.4.2; Weisung AIG, Weisungen und Erläuterungen Ausländerbereich,
Staatssekretariat für Migration SEM vom Oktober 2013 [nachfolgend
Weisung AIG], Stand am 1. März 2022, Ziff. 3.3.1.4.1, S. 48, abrufbar unter
https://www.sem.admin.ch/sem/de/home/publiservice/weisungen-
kreisschreiben/auslaenderbereich.html).
6.1.2. Gemäss der Verfügung des AFM vom 20. Juli 2020 sowie der
angefochtenen Departementsverfügung vom 28. Januar 2021 sei er
zwischen 2010 und 2013 während lediglich 8.5 Monaten erwerbstätig
gewesen und seit seiner Rückkehr in die Schweiz nach dem Herzinfarkt
im Jahr 2013 habe er nur 10 Tage gearbeitet (vgl. AFM-act. 274, S. 6 f.;
Bf-act. 2, S. 9). Dies blieb vom Beschwerdeführer denn auch unbestritten.
Mit Urteil des Verwaltungsgerichts (VGU) S 16 147 vom 22. Juni 2017
wurde beim Beschwerdeführer noch eine minimale Arbeitsfähigkeit von
70 % in leidensangepasster Tätigkeit festgestellt. Nach einer
Verschlechterung seines Gesundheitszustandes wurde ihm sodann mit
Verfügung der SVA vom 10. Oktober 2019 eine halbe IV-Rente (IV-Grad
57 %) ab dem 1. Februar 2018 zugesprochen und eine körperlich leichte
Tätigkeit ohne Stressbelastung zu 50 % zugemutet (vgl. AFM-act. 256).
- 20 -
6.1.3. Bis zur Mutationsmeldung im Mai 2006 betreffend Scheidung verlängerte
das AFM dem Beschwerdeführer die Jahresbewilligung jeweils, da es die
ausreichende finanzielle Existenzsicherung an die Vollzeitarbeitstätigkeit
der (Ex-)Frau bzw. an die Unterstützung durch seinen Bruder aus dem
Fürstentum Liechtenstein knüpfte, während er sich in den Gesuchen als
stellensuchend bezeichnete (vgl. AFM-act. 46, 55, 59, 61, 70, 89). Insofern
überinterpretiert der Beschwerdeführer für die Jahre von seiner Einreise
im Jahre 1999 bis zur Scheidung 2005 und darüber hinaus seine
wirtschaftliche Integration, während er andererseits Weisungen des RAV
nicht befolgte. So wurde ihm im September 2002, im Anschluss an seine
Trennung im Mai 2002, die Vermittlungsfähigkeit wegen mehrfacher
Nichtbefolgung von Weisungen und Kontrollvorschriften, Ablehnung der
Teilnahme an arbeitsmarktlichen Massnahmen sowie ungenügender
Arbeitsbemühungen abgesprochen und in der Folge der Anspruch auf
Arbeitslosenversicherungstaggeld abgelehnt (vgl. AFM-act. 29, 32).
Hinsichtlich seiner beruflichen Situation für die Jahre 2007 bis 2013 finden
sich in den Bewilligungsgesuchen Hinweise auf mehrere (Kurzzeit-
)Anstellungen des Beschwerdeführers (vgl. z.B. AFM-act. 95, 98, 102,
104, 112, 114, 117 f.). Diese Temporäreinsätze und daraus abgeleitet die
bereits erwähnten 8.5 Monate bzw. 10 Tage Arbeitstätigkeit vor und nach
dem Herzinfarkt vermögen keine wirtschaftliche Integration zu begründen.
Die nun vom Beschwerdeführer ins Recht gelegte handschriftliche Liste
von möglichen Arbeitgebern, wo er sich persönlich und telefonisch
beworben haben will, stellt keinen ausreichenden Nachweis für
genügende Arbeitsbemühungen dar (vgl. Bf-act. 4). Sowohl für die Zeit vor
dem vom Beschwerdeführer vorgebrachten Grund des Herzinfarkts im
Jahre 2013 mit 8.5 Monaten Arbeitstätigkeit als auch danach mit 10 Tagen
liegt offensichtlich keine gelungene wirtschaftliche Integration vor.
Inwiefern der Beschwerdeführer nach dem Gesagten daraus eine
- 21 -
"mindestens genügende" wirtschaftliche Integration (vgl. Beschwerde, S.
5) erkennen will, erschliesst sich dem Gericht nicht.
6.1.4. Im Folgenden gilt es noch, das gewichtige Kriterium des Verschuldens an
der Sozialhilfeabhängigkeit (im Sinne einer Schadenminderungspflicht) zu
bestimmen. Der seit dem 1. Februar 2014 vollumfänglich
fürsorgeabhängige Beschwerdeführer macht geltend, der Bezug der
Fürsorgeleistungen erfolge ohne anrechenbares Verschulden seinerseits,
sondern sei alleine gesundheitlich bedingt infolge des Herzinfarkts im
Jahre 2013. Auch dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden, wie sich
anschliessend zeigen wird. Die Hintergründe, warum eine Person
sozialhilfeabhängig wurde, müssen in der Beurteilung mitberücksichtigt
werden. Unverschuldete Sozialhilfeabhängigkeit nimmt das
Bundesgericht beispielsweise etwa bei Frauen an, welche während der
Ehe den Haushalt besorgt und Betreuungsaufgaben übernommen haben
und bei Scheidung oder Tod des Ehegatten von der Sozialhilfe abhängig
werden (vgl. Weisung AIG, Ziff. 8.3.2.4., S. 191; Urteil des Bundesgerichts
2C_958/2011 vom 18. Februar 2013 E.3.1). Die Sozialhilfeabhängigkeit
des Beschwerdeführers ist hingegen zu einem überwiegenden Anteil
aufgrund seiner mangelnden wirtschaftlichen bzw. beruflichen Integration
selbstverschuldet. Zwar ist der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers sicherlich mildernd zu berücksichtigen. So war er im
Anschluss an seinen Herzinfarkt ab Februar 2014 während 13 Monaten
zu 100 % arbeitsunfähig und erhielt eine volle IV-Rente. Für diese Zeit
kann ihm entsprechend auch kein Vorwurf gemacht werden. Die nächsten
drei Jahre ab März 2015 war er dagegen wieder zu 70 % und seit Februar
2018 noch zu 50 % in angepasster Tätigkeit arbeitsfähig. Wie der
Beschwerdegegner – im Übrigen unbestritten – ausführte, arbeitete der
Beschwerdeführer in dieser Zeit während lediglich zehn Tagen. Die
Nichtverwertung der Restarbeitszeit ist dem Verhalten des
Beschwerdeführers anzurechnen. Entgegen seiner Ausführung in der
- 22 -
Beschwerde vom 25. Februar 2021 (S. 6) kommt dem im Gesamtkontext
nicht nur untergeordnete Bedeutung zu. Sein Gesundheitszustand ist nicht
der alleinige Grund für seine Sozialhilfeabhängigkeit, sondern
überwiegend seine mangelnde berufliche und soziale Integration. Die
gesundheitliche, unverschuldete Komponente vermag jene der
selbstverschuldeten nicht zu überwiegen. Trotz den geltend gemachten
gesundheitlichen Problemen wäre es dem Beschwerdeführer zumutbar
gewesen, eine geeignete Arbeitsstelle zu finden, während er lediglich
pauschal auf die abstrakten Schwierigkeiten hinwies, die
Restarbeitsfähigkeit auszuschöpfen (vgl. Beschwerde, S. 5-7). An dieser
Stelle sei erneut darauf hinzuweisen, dass die handschriftliche Liste keine
zureichenden Arbeitsbemühungen nachzuweisen vermag (vgl. Bf-act. 4).
6.1.5. Schulden habe der Beschwerdeführer sodann nach eigener Aussage
keine angehäuft. Dem Auszug aus dem Betreibungsregister des
Betreibungsamtes der Region G._ vom 21. Januar 2021 sind denn
auch keine registrierten Betreibungen oder Verlustscheine zu entnehmen
(vgl. BG-act. 7).
6.2. Zu prüfen ist ausserdem, ob der Beschwerdeführer ein Recht aus Art. 8
Ziff. 1 EMRK für sich ableiten kann. Dieser bzw. der inhaltlich identische
Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) schützt im Zusammenhang der
Bewilligung respektive Beendigung des Aufenthalts in erster Linie die
Kernfamilie, d.h. die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjährigen
Kindern (BGE 135 I 143 E.1.3.2). Der sich im Land aufhaltende
Angehörige muss über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht, etwa über das
Schweizer Bürgerrecht oder die Niederlassungsbewilligung, verfügen
(BGE 130 II 281 E.3.1 mit Hinweisen; 139 I 330 E.2.1). Ist es dieser Person
ohne Schwierigkeiten möglich bzw. zumutbar, das Familienleben
zusammen mit der von der Wegweisung betroffenen Person andernorts
zu pflegen, liegt kein Eingriff in ein konventionsrechtlich geschütztes
- 23 -
Rechtsgut vor (BGE 139 I 330 E.2.1 mit Hinweisen). Wird in das durch Art.
8 Ziff. 1 EMRK geschützte Rechtsgut der Achtung des Privat- und
Familienlebens eingegriffen, ist auch eine Verhältnismässigkeitsprüfung
nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK vorzunehmen; diese entspricht jener nach Art. 96
Abs. 1 AIG und kann grundsätzlich in einem einzigen Schritt
vorgenommen werden (Urteil des Bundesgerichts 2C_91/2014 vom 18.
Dezember 2014 E.4.1). Hinsichtlich Art. 8 Ziff. 1 EMRK kann der
Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten ableiten, zumal er nach der
am 15. November 2005 in Rechtskraft erwachsenen Scheidung nicht mehr
in einer ehelichen Gemeinschaft lebt, keine Kinder hat und auch keine
weiteren Familienangehörigen in der Schweiz hat. Er nannte lediglich die
Verwurzelung in der Schweiz, welche mit der langen Aufenthaltsdauer
einhergehe. Dem Beschwerdeführer misslingt – trotz der langen
Anwesenheit – der Nachweis von aufgebauten, engeren sozialen
Beziehungen (vgl. so auch im vom Beschwerdeführer zitierten Urteil des
Bundesgerichts 2C_953/2018 vom 23. Januar 2019 E.3.3.2). Eine
Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung sowie eine Wegweisung
zieht keine Nachteile für seine Familie mit sich, womit besondere Gründe
vorliegen, um den Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Schweiz zu
beenden.
6.3. Bezüglich des Kriteriums des sozialen Bezugs zum Heimatland macht der
Beschwerdeführer geltend, mit der Verwurzelung in der Schweiz sei
entsprechend eine Entwurzelung in der Heimat anzunehmen (vgl. Replik,
S. 2). Das Recht auf Verbleib in der Schweiz kann dann weiterbestehen,
wenn die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet
erscheint. Die Frage ist nicht, ob es für die betroffene Person leichter ist,
in der Schweiz zu leben; es gilt lediglich zu prüfen, ob bei einer Rückkehr
in das Herkunftsland die Bedingungen für die soziale Wiedereingliederung
der betroffenen Person in Anbetracht ihrer persönlichen, beruflichen und
familiären Situation stark beeinträchtigt sind. Lange Aufenthaltsdauer in
- 24 -
der Schweiz stellt dabei für sich noch keinen wichtigen persönlichen Grund
dar (vgl. Weisung AIG, Ziff. 6.15.3.4, S. 184 f.; Urteil des Bundesgerichts
2C_475/2010 vom 29. Oktober 2020 E. 4.4).
Zunächst ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer die
persönlichkeitsprägenden Kinder- und Jugendjahre in seinem Heimatland
verbrachte, dort die Schule besuchte und die Sprache spricht (vgl.
Verfügung des AFM vom 16. Juli 2020, S. 11). Erst im Alter von 34 Jahren
reiste er ins Fürstentum Liechtenstein, wo er eine vom 9. Oktober 1992 bis
zum 31. Oktober 1997 gültige Kurzaufenthaltsbewilligung erhalten hatte
(vgl. AFM-act. 1, S. 809), bevor er nach seiner Heirat (28. November 1998)
am 21. Mai 1999 im Rahmen des Familiennachzugs zu seiner Frau in die
Schweiz zog. Er dürfte mit den kulturellen und gesellschaftlichen
Gepflogenheiten seines Heimatlandes bestens vertraut sein. Ferner erlitt
er seinen Herzinfarkt am 21. Juli 2013 während eines Urlaubs in seinem
Heimatland und besuchte z.B. im Jahr 2006 seine Mutter in C._ (vgl.
AFM-act. 80). Es kann angenommen werden, dass noch weitere Besuche
in seinem Heimatland stattgefunden haben bzw. weiterhin stattfinden.
Wenn der Beschwerdeführer geltend macht, auch in seiner Heimat über
keine engere Familie zu verfügen (vgl. Beschwerde, S. 7), kann dabei nicht
von gar keiner Integration oder Bezug zum Heimatland gesprochen
werden. Es sind auch sonst keine drohenden Nachteile ersichtlich; bloss
die finanzielle Absicherung in der Schweiz reicht nicht aus. Nach dem
Gesagten erscheint die soziale Wiedereingliederung des
Beschwerdeführers in seinem Heimatland nicht als stark gefährdet.
6.4. Im Zusammenhang mit dem erlittenen Herzinfarkt und den daraus
folgenden gesundheitlichen Beschwerden ist weiter zu prüfen, ob sich die
Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers
aufgrund von gesundheitlichen Problemen als unverhältnismässig erweist.
Gesundheitliche Probleme bilden allenfalls dann einen wichtigen Grund
für einen (dauerhaften) Verbleib im Land, wenn eine Beeinträchtigung
- 25 -
vorliegt, die längere Pflege oder eine punktuelle dringliche Behandlung
erfordert, die im Heimatland nicht sichergestellt wäre, sodass die Pflicht,
die Schweiz zu verlassen, für die betroffene Person mit gewichtigen
gesundheitlichen Konsequenzen verbunden wäre. Allein der Umstand,
dass in der Schweiz allenfalls eine bessere oder finanziell günstigere
medizinische Behandlung erhältlich gemacht werden kann, genügt hierzu
nicht (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_721/2014 vom 15. Januar 2015
E.3.2.1 m.w.H.). Die Rechtsprechung des Bundesgerichts im Rahmen von
Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG deckt sich bei gesundheitlichen Problemen
weitgehend mit jener des Bundesverwaltungsgerichts zur Zumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs; dieses verneint eine solche, wenn die
ungenügende Möglichkeit der Behandlung eine drastische und
lebensbedrohende Verschlechterung des Gesundheitszustands nach sich
zieht (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_721/2014 vom 15. Januar 2015
E.3.2.2 m.w.H.). Eine dringliche Behandlung der gesundheitlichen
Probleme des Beschwerdeführers, welche in seinem Heimatland nicht
sichergestellt wäre, ist vorliegend nicht ersichtlich. Diesbezüglich kann
vollumfänglich auf die Ausführungen der angefochtenen
Departementsverfügung vom 28. Januar 2021 (E.4d, S. 12) verwiesen
werden, welche wiederum auf die Verfügung des AFM vom 16. Juli 2020
(S. 11) verweist.
6.5. Gemäss der Beschwerde (S. 8) habe sich der Beschwerdeführer auch
strafrechtlich nichts zu Schulden kommen lassen. Aus den Akten gehen
jedoch zwei Strafbefehle der Staatsanwaltschaften St. Gallen bzw.
Thurgau hervor. Zum einen ein Strafbefehl vom 9. April 2014 wegen
Fahrens in fahrunfähigem Zustand (Führen eines Personenwagens in
angetrunkenem Zustand, vgl. AFM-act. 141), zum anderen ein Strafbefehl
vom 10. September 2020 wegen einfacher Verletzung der Verkehrsregeln
(mangelnde Aufmerksamkeit auf die Strasse und den Verkehr, wobei der
Beschwerdeführer auf der Autobahn mit lediglich 90-100km/h fuhr,
- 26 -
während er das Smartphone in der linken Hand hielt und über einen
Zeitraum von mindestens drei Sekunden nach unten auf das Display
schaute, vgl. AFM-act. 280 f.).
6.6. Das primäre, vorliegend abzuwägende öffentliche Interesse ist die
Belastung der öffentlichen Hand. Der Beschwerdeführer sieht diese eher
weniger stark belastet und die Erheblichkeit des Sozialhilfebezugs liege
summenmässig im unteren Bereich. Die (zumindest teilweise) von der
Lehre und Rechtsprechung entwickelte Schwelle von CHF 100'000.-- wird
vom Beschwerdeführer nicht bestritten; der geringere Bezug von
CHF 103'148.-- (Stand Ende Februar 2021) korreliere jedoch mit dem
vergleichsweise geringen öffentlichen Interesse an der Nichtverlängerung
der Ausweisung. Er verweist dabei auf die beiden Urteile des
Bundesgerichts 2C_953/2018 vom 23. Januar 2019 und 2C_730/2018
vom 20. März 2019, denen ein Sachverhalt zugrunde lag, wo sich der
Sozialhilfebezug auf CHF 403'000.-- bzw. 460'000.-- belief (vgl.
Beschwerde, S. 5). Der Beschwerdeführer verkennt dabei jedoch, dass es
sich bei ersterem um eine geschiedene Mutter mit zwei Kindern, welche
während über 20 Jahren vollumfänglich unterstützt wurde. Bei letzterem
handelte es sich ebenfalls um eine Familie mit zwei Kindern, welche
während über 13 Jahre vollumfänglich sozialhilferechtlich unterstützt
wurden. Vor dem Hintergrund, dass der Beschwerdeführer vorliegend
neben seiner halben IV-Rente – und mit Blick auf die mögliche
Restarbeitsfähigkeit – seit 2014 für sich alleine Sozialhilfe bezieht, zielt
dieser Vergleich ins Leere. In beiden Fällen urteilte das Bundesgericht im
Übrigen, das öffentliche Interesse an einer Verweigerung der
Bewilligungsverlängerung und an einer Wegweisung überwiege die
privaten Interessen und wies in der Folge die Beschwerde ab.
7. Der Beschwerdeführer rügte schliesslich die fehlende Verwarnung
gemäss Art. 96 Abs. 2 AIG (vgl. Beschwerde, S. 7 f.). Demnach kann die
von einer Massnahme betroffene Person unter Androhung dieser
- 27 -
Massnahme verwarnt werden, wenn diese begründet, aber den
Umständen nicht angemessen ist. Dem entgegnete der
Beschwerdegegner, auf eine formelle Verwarnung habe verzichtet werden
können, da sich vorliegend die Massnahme nach einer umfassenden
Verhältnismässigkeitsprüfung als angemessen erwiesen habe (vgl.
Vernehmlassung vom 22. März 2021, S. 2). Beispielsweise gewährte das
AFM bereits am 9. November 2017 oder am 5. März 2019 (nach
Rechtskraft des Urteils VGU U 16 147) dem Beschwerdeführer im
Rahmen der Aufenthaltsabklärung das rechtliche Gehör. So wurde er
darauf hingewiesen, das AFM beabsichtige "wegen mangelnder
existenzsichernder Erwerbstätigkeit/keine IV-Rente mehr/fortdauernde
und erhebliche Fürsorgeabhängigkeit", die Jahresaufenthaltsbewilligung
nicht mehr zu verlängern und ihn aus der Schweiz wegzuweisen (vgl.
AFM-act. 217 und 237). Die Rüge der mangelnden Verwarnung ist nicht
zu hören, zumal es sich bei Art. 96 Abs. 2 AIG um eine "kann"-
Formulierung handelt und somit keine Pflicht dazu besteht. Die
Massnahme erwies sich als begründet und angemessen, weshalb keine
Verwarnung angezeigt war. Diesbezüglich kann den Ausführungen des
Beschwerdegegners in seiner Vernehmlassung vom 22. März 2021 (vgl.
S. 2) gefolgt werden.
8. Aus den vorstehenden Ausführungen geht hervor, dass das öffentliche
Interesse an der Verweigerung der Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung das private Interesse des Beschwerdeführers an
einem weiteren Verbleib in der Schweiz überwiegt. Folglich hat die
Vorinstanz ihr Ermessen i.S.v. Art. 96 Abs. 1 AIG in korrekter Weise
ausgeübt. Es besteht ein gewichtiges öffentliches Interesse an einer
aufenthaltsbeendenden Massnahme, welches nicht durch ein
untergeordnetes Verschulden des Beschwerdeführers an der
Sozialhilfeabhängigkeit relativiert wird und welchem kein erhebliches
persönliches Interesse am Verbleib in der Schweiz gegenübersteht. In
- 28 -
Anbetracht der gesamten Umstände erweist sich die Nichtverlängerung
der Aufenthaltsbewilligung sowie die Wegweisung des
Beschwerdeführers als verhältnismässig. Die Beschwerde erweist sich
diesbezüglich unbegründet und ist abzuweisen.
9.1. Der Beschwerdeführer beantragt des Weiteren die Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege für das gesamte Verfahren. Die Vorinstanz
lehnte den Antrag wegen Aussichtslosigkeit des Verfahrens ab.
Vorliegend musste immerhin eine umfassende
Verhältnismässigkeitsprüfung vorgenommen werden, bei der
insbesondere die lange Aufenthaltsdauer des Beschwerdeführers die
Beschwerde insgesamt nicht aussichtslos erscheinen lässt. In Würdigung
des zu beurteilenden Falles und aufgrund eingehender Befassung damit,
ist die Vorinstanz zu Unrecht von einer Aussichtslosigkeit des Verfahrens
ausgegangen, weshalb die Beschwerde in diesem Punkt gutzuheissen ist.
Die Vorinstanz ist demnach zu verpflichten, die unentgeltliche
Rechtspflege für das Vorverfahren zu gewähren. Die
Departementsverfügung vom 28. Januar 2021 ist deshalb in diesem Punkt
(Ziff. 2 des Dispositivs) aufzuheben und die Angelegenheit zur
Behandlung des Gesuchs um unentgeltliche Prozessführung an die
Vorinstanz zurückzuweisen.
9.2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Beschwerdeführer gemäss
Art. 73 Abs. 1 VRG grundsätzlich kostenpflichtig. Praxisgemäss wird für
solche Verfahren eine Staatsgebühr in der Höhe von CHF 1'500.--
erhoben (vgl. statt vieler: VGU U 19 73 vom 16. August 2021 [Ziff. 2
Urteilsdispositiv] oder VGU U 20 95 vom 16. Juni 2021 [Ziff. 2.1.
Urteilsdispositiv]). In Folge mangelnder Aussichtslosigkeit des
vorinstanzlichen Verfahrens und damit einhergehender Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege im Vorverfahren (vgl. vorstehend E.9.1) ist
dem Beschwerdeführer auch im vorliegenden Beschwerdeverfahren vor
dem Verwaltungsgericht die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren.
- 29 -
Weil der Kostenpunkt im Vergleich zum Entscheid über die
Aufenthaltsbewilligung stark untergeordnet ist, werden für das teilweise
Obsiegen keine Kosten separat ausgeschieden.
9.3. Eine aussergerichtliche Entschädigung steht dem Beschwerdegegner,
welcher nach Art. 78 Abs. 2 VRG grundsätzlich keine Parteientschädigung
geltend machen kann, da er lediglich in seinem amtlichen Wirkungskreis
obsiegte, nicht zu. Ebenso wenig wird aufgrund der untergeordneten
Bedeutung des teilweisen Obsiegens des Beschwerdeführers bezüglich
der unentgeltlichen Rechtspflege eine Entschädigung ausgeschieden. Der
vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers für das
Beschwerdeverfahren vor dem Verwaltungsgericht geltend gemachte
Stundenaufwand von neun Stunden erscheint aufwandmässig als
gerechtfertigt (vgl. Honorarnote, Positionen 9-21). Im Rahmen der
unentgeltlichen Rechtspflege wird aber anstelle des von ihm geltend
gemachten Stundenansatzes von CHF 250.-- nur ein reduzierter
Stundenansatz von CHF 200.-- ausgerichtet (vgl. Art. 5 Abs. 1 der
Verordnung über die Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen
und Rechtsanwälte, BR 310.250). Mit diesem reduzierten Stundenansatz
ergibt sich ein Betrag von CHF 1'996.75 (inkl. 3 % Kleinspesen und 7.7%
MWST), der vorläufig auf die Gerichtskasse zu nehmen ist.