Decision ID: c69ca164-cc25-4bfe-9c92-ae5875f305cd
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1972 geborene
X._
schloss die kaufmännische Lehre ab und
arbeitete ab dem 1
8.
März 2003 als Kundenberaterin bei der
Z._
.
Berufsbegleitend bildete sie sich zur
eidgenössischen Bankfachfrau und Finanz
planerin
mit Fachausweis
weiter
(
Urk.
7/1/5,
Urk.
7/6/2
,
Urk.
7/72-73
).
Am
4.
Juli 2008 erlitt sie als Radfahrer
in eine Kollision mit einem Auto
. Die behan
delnden Ärzte des
A._
, Klinik für Unfallchirurgie, diagnostizierten in ihren Berichten vom 1
1.
und 1
5.
Juli 2008
ein Schädelhirn
trauma, eine minime
Subarachnoidalblutung
rechts, eine h
omonyme Hemianop
sie nach rechts
, eine Unterkieferfraktur rechts sowie eine
Collumfraktur
links, Schmelz-Dentin-Frakturen der Zähne 12 und 13, eine Schürfung der Oberlippe und eine Schnittwunde frontal rechts sowie mental rechts. Als weitere Diag
nosen erwähnten
sie
eine laterale
undislozierte
Klavikulafraktur
rechts, eine Kontusion des linken Knies sowie multiple Schürfungen. Die operative Versor
gung der Unterkieferfraktur erfolgte am
6.
Juli 2008, diejenige der Schmelz-Dentin-Frakturen an den Zähnen am
8.
Juli 200
8.
Die Ärzte bescheinigten der Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
7/
5
/21-22
,
Urk.
7/5/31-32
).
Mit zeitlicher Verzögerung wurde
zusätzlich eine
Scaphoidfraktur
festgestellt, welche am 2
0.
August 2008 operativ mittels einer offenen Reposition und Schraubenfixation behandelt wurde (
Urk.
7
/
5/23
). Anschliessend hielt sich die Versicherte vom 1
0.
September bis 1
6.
Oktober 2008 in den
B._
zur stationären Re
habilitation auf (
Urk.
7/5/10 ff.
).
Unter Hinweis
auf die Unfallfolgen und die nach wie vor bestehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit meldete sich die Versicherte am
1
4.
November 2008
bei der Invalidenversicherung zum
Leistungsbezug
an
(
Urk.
7/1)
. Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte Berichte der behandelnden Ärzte ein
(
Urk.
7/
5,
Urk.
7/7
,
Urk.
7/18
,
Urk.
7/21-22
)
und traf berufliche Abklärungen
(
Urk.
7/6).
Zudem zog sie die Akten des
zuständigen
Unfallver
sicherers bei
(
Urk.
7/9
,
Urk.
7/11,
Urk.
7/15-17,
Urk.
7/20
).
Nach Durchführung des
Vorbescheidverfahrens
(
Urk.
7/2
7; vgl. auch
Urk.
7/25) sprach s
ie der Ver
sicherten mit Verfügung
vom 1
1.
November 2010 ab
1.
Juli 2009 eine ganze Rente zu. Dabei
stellte sie darauf ab
, dass die Versicherte ab
1.
Juli 2009 in ihrer angestammten Tätigkeit als Bankangestellte bei ihrem bisherigen Arbeitgeber
und
im Einklang mit den medizinischen Zumutbarkeitsbeurteilungen
im
Rahmen eines 50
%
igen Beschäftigungspensums eine Leistung von 30
%
eines Vollzeitpensums erbr
achte
, und ermittelte einen Invaliditätsgrad von 70
%
(
Urk.
7/37; vgl. auch
Urk.
7/25/6). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Im Rahmen einer im Juli 2011 eingeleiteten Revision der Rente (
Urk.
7/40)
traf
die IV-Stelle
erneut
medizinische
und berufliche Abklärungen
(
Urk.
7/
41-46)
und ermittelte einen unveränderten Invaliditätsgrad von
7
0
%
(
Urk.
7/47
/2
). Dies teilte sie der Versicherten am
6.
September 2011 mit (
Urk.
7/48).
Nach Erhalt
des
vom Unfallversicherer
eingeholten
interdisziplinäre
n
Gutachten
s
der
C._
vom 1
1.
Juli 2014 (
Urk.
7/58)
, in welchem auch die Zusatz
fragen der IV-Stelle beantwortet worden waren (vgl.
Urk.
7/51-52
,
Urk.
7/63
)
,
setzte die IV-Stelle im Rahmen eines weiteren Rentenrevisionsverfahrens den Invaliditätsgrad aufgrund
der von den Gutachtern attestierten 100%igen Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten ohne erhöhte kognitive Herausforderungen neu auf 24
%
fest
(
Urk.
7/
61-
62)
. Nach Durchführung des
Vorbescheidverfahrens
(
Urk.
7/64,
Urk.
7/76
; vgl. auch
Urk.
7/78-79,
Urk.
7/81
-82
),
in dessen Rahmen die Versich
erte zwei Stellungnahmen ihres
beratenden
Arztes
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Neurologie, vom 2
4.
Sep
tember 2014 und
6.
März 2015 eingereicht
hatte (
Urk.
7/74-75)
,
hob die
IV-Stelle die laufende ganze Rente mit Verfügung vom 2
6.
November 2015 auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte, vertreten durch
lic
.
iur
.
Y._
, mit Eingabe vom 2
3.
Dezember 2015 Beschwerde und beantragte
sinngemäss
, es sei ihr weiterhin eine ganze Rente auf
der
Basis eines
Valideneinkommens
von
Fr.
142'814.-- im Jahr 2015 und eines Invaliditätsgrades von mindestens 75
%
zuzusprechen
; eventualiter sei
die Sache an
die Beschwerdegegnerin
zurückzu
weisen und diese
anzuweisen, die Höhe des
Valideneinkommens
näher abzu
klären (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 2
1.
Januar 2016 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6).
Mit Eingabe vom 1
9.
April 2017 (
Urk.
9) liess die Beschwerdeführerin ihren ab
1.
März 2017 gültigen Arbeitsvertrag mit der
Z._
(
Urk.
10/1)
inklusive Stellenbeschreibung (
Urk.
10/2)
sowie eine
Bestätigung ihres Arbeitgebers, dass sie
aus gesundheitlichen Gründen
nur noch ein Arbeits
pensum von 30
%
bewältigen könne (
Urk.
10/3
), einreichen.
Die IV-Stelle verzichtete auf eine Stellungnahme (
Urk.
11-12).
Das Gericht holte
im parallel hängigen
Verfahren der Beschwerdeführerin gegen den Unfallversicherer (Prozess-Nr. UV.2015.00196) einen Arbeitgeberbericht ein. Die entsprechenden Unterlagen wurden beigezogen und
den Parteien zur Stellungnahme zugestellt (
Urk.
14,
Urk.
15/1-2,
Urk.
16/1-11). Die IV-Stelle liess sich am 1
4.
Juni 2018 vernehmen (
Urk.
18), die Beschwerdeführerin reichte ihre Stellungnahme am 1
6.
Juni 2018 ein (
Urk.
19).
Mit Beschlüssen
vom
6.
September (
Urk.
22) und 2
8.
November 2018 (
Urk.
27)
ordnete das Gericht eine interdisziplinäre
(internistische, neurologische, neuropsychologische, ophthalmologische
, psychiatrische und
oto-rhi
no-laryngologische
)
Begutachtung der Beschwerdeführerin a
n und es wurde den Parteien Gelegenheit zu Ergänzungsfragen gegeben (
Urk.
24, 26).
Die Gerichts
expertise
der Gutachtenstelle
E._
des
F._
vom 3
1.
Dezember 2019 (
Urk.
43/1-6) wurde den Parteien
sodann
zugestellt (
Urk.
44);
während die IV-Stelle
am
1
0.
März 2020 auf eine Stellungnahme verzichtete (
Urk.
46), äusserte sich die Beschwerdeführerin mit Eingabe
vom 1
5.
Mai 2020
zum Gutachten
und reichte weitere Belege ein
(
Urk.
50,
Urk.
51/1-3)
, was der jeweiligen
Gegenpartei zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
52).
Mit Verfügung vom
9.
Juli 2020
(Urk.
53
) wurde die
Bafidia
Pensionskasse Genossenschaft
als für die Beschwerdeführerin zuständige Vorsorgeeinrichtung zum Verfahren beigeladen.
Innert der ihr angesetzten Frist reichte sie keine
Stellungnahme
ein
(vgl. Urk.
53-55
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversiche
rung (IVG)
aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenüber
gestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Renten
revision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesent
lichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche
Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete die Aufhebung der laufenden Rente in der angefochte
nen Verfügung damit,
der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
habe sich
verbessert, so dass
ihr
ab März 2014
eine leidensangepasste Tätigkeit neu zu 100
%
zumutbar gewesen sei.
Dies habe das im Rahmen der amtlichen Rentenrevision beigezogene Gutachten der
C._
vom 1
1.
Juli 2014 ergeben.
Dieses sei g
emäss Beurteilung ihres Regionalen Ärztlichen Diens
tes (RAD)
voll beweiskräftig
. Die neurologischen Stellungnahmen von
Dr.
D._
enthielten keine neuen medizinischen Befunde, welche geeignet seien, den Beweiswert des Gutachtens in Frage zu stellen. Ohne gesundheitliche Einschränkung könnte die Beschwerdeführerin unter Berücksic
htigung des zuletzt verdienten Lohnes und der Nominallohnentwickl
ung in ihrer ange
stammten Tätigkeit als Bankkundenberaterin
im Jahr 2015
ein
E
inkommen von
Fr.
120'565.
--
verdienen
(
Valideneinkommen
)
.
Eine nachweisbare
Vereinbarung mit dem Arbeitgeber, dass sie nach Abschluss ihrer Weiterbildung
im Gesund
heitsfall
eine Aufgabe in der Geschäftsführung übernommen hätte,
fehle. Deshalb
seien ein entsprechender beruflicher Aufstieg und das von der Beschwerdeführerin geltend gemachte höhere hypothetische
Valideneinkommen
von
Fr.
142'814.-- nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt. Gemäss der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2012
, Ausgabe 2015, könne die Beschwerdeführerin im Jahr 2015 als Mitarbeiterin, die in der Finanz
branche komplexe Tätigkeiten
versehe
, welche Spezialwissen voraussetzten (Kompetenzniveau 3)
,
im zumutbaren Vollzeitpensum einen Jahreslohn von
Fr.
91'277.-- verdienen.
Gemessen am
Valideneinkommen
resultiere bei einer invaliditätsbedingten Erwerbseinbusse von
Fr.
29'338.
--
ein
I
nvaliditätsgrad von 24
%
,
welcher unter der rentenerheblichen
Grenze
von 40
%
li
ege (
Urk.
2).
In der Beschwerdeantwort hielt die IV-Stelle an ihrer Auffassung fest (
Urk.
6).
In ihrer Stellungnahme zum vom Gericht
veranlassten
Arbeitgeberbericht
vom 1
3.
November 2017 (
Urk.
15/2)
wies sie darauf hin, der Arbeitgeber habe ledig
lich bestätigt, dass mit der abgeschlossenen Ausbildung die Ausübung der Funktion «Leiter Kredite» möglich wäre, sofern eine entsprechende Kaderstelle
zu besetzten wäre. Dies sei noch kein konkreter Hinweis darauf, dass die Beschwerdeführerin eine entsprechende Beförderung in Aussicht gehabt habe oder bei der nächsten Besetzung einer solchen Stelle auch berücksichtigt worden wäre (
Urk.
18; vgl. auch
Urk.
46).
2.2
Die Beschwerdeführerin
macht
demgegenüber
in ihrer Beschwerdeschrift geltend
,
sie habe
nach wie vor Anspruch auf eine ganze Rente.
In den Akten sei hinlänglich belegt, dass sie durch den Unfall ein schweres Schädelhirntrauma erlitten habe. A
ls Folge
davon
beziehungsweise
der erlittenen Hirnverletzungen führe eine grössere Belastung jeweils zu Kopfschmerzen, welche sich dann negativ auf
die Arbeitsleistung auswirkten
.
Entgegen der Ansicht der IV-Stelle sei nicht
ausgewiesen
, dass
ihre
Beeinträchtigungen (verminderte Belastbarkeit
und
Konzentrati
on, Schmerzen bei Stress etc.) sich
wesentlich
gebessert hätten
.
Zusätzlich
schränke
die Hemianopsie nach rechts ihre Arbei
tsfähigkeit
ein
(
Urk.
1 S. 24 ff.
).
Aufgrund
der Abklärungen im Rahmen des
Case Managements des Unfallversicherers,
der
Erhebungen
beim Arbeitgeber und der Beurteilung des
behandelnden Neurologen
Dr.
med.
D._
steh
e fest, dass sie
höchstens
zu 33
%
arbeitsfähig sei. Das Ergebnis der Begutachtung in der
C._
stehe zu diesen Feststellungen und zu ihren Ang
aben in frappantem Widerspruch
(
Urk.
1 S. 26 f.)
.
Die Expertise
sei in zahlreichen wesentlichen Punkten mangelhaft
.
Deshalb
hätte die IV-Stelle weit
ere Abklärungen tätigen müssen
(
Urk.
1 S. 28-30).
Der
Arbeitgeber
bestätige
in seinem Schreiben vom 1
3.
November 2017
, dass ihre Restarbeitsfähigkeit nicht mehr als 30
%
betrage
(
Urk.
19 S. 2).
Das
Valideneinkommen
dürfe nicht anhand ihres letzten verdienten Lohnes vor dem Unfall festgesetzt werden. Sie sei ehrgeizig und zielstrebig und habe ihre berufsbegleitende Ausbildung zur eidgenössisch diplomierten Finanzplanerin und Bankfachfrau allein im Hinblick auf ihre Karriere gemacht.
B
ereits während ihrer Ausbildung
habe sie
die Prokura erhalten
. Zudem
habe
sie vor dem Unfall
ihren beruflichen Aufstieg in die Geschäftsleitung der Bank mit den Vorge
setzten diskutiert
; die
Durchfü
h
rung von Gesprächen über die konkrete Umsetzung
sei
für die Zeit nach den Sommerferien geplant gewesen
. Nach dem Unfall vom
4.
Juli 2008 hätten die Gespräche indes nicht mehr stattfinden können. Indem die IV-Stelle
ihre Vorgesetzten dazu
nicht befragt habe, habe sie den Sachverhalt ungenügend abgeklärt
(
Urk.
1 S. 31-32)
.
In seinem Schreiben vom 1
3.
November 2017 habe der Arbeitgeber bestätigt, dass sie dank ihrer Ausbildung weiter Karriere gemacht hätte und zur Leiterin Kredite aufgestiegen wäre (
Urk.
19 S. 2).
Aufgrund dieser Überlegungen sei ab 2011 von einem
E
inkommen
im Gesundheitsfall
von
Fr.
140'000.-- auszugehen, was indexiert im Jahr 2015 einem
Valideneinkommen
von
Fr.
142'814
.--
entspreche. Sollte
das Gericht die geltend gemachte Höhe des
Valideneinkommens
bezweifeln, so sei die IV-Stelle anzuweisen, ihre Vorgesetzten dazu als Zeugen zu befragen (
Urk.
1 S. 33).
In ihrer Stellungnahme vom 1
5.
Mai 2020 hielt die Beschwerdeführerin
nach Kenntnisnahme des Gerichtsgutachtens
fest,
die Gutachter des
E._
seien im Gegensatz zu ihr, ihrem Arbeitgeber und dem behandelnden Neurologen
Dr.
D._
nicht von einer 30%igen, sondern von einer 50%igen Restarbeits
fähigkeit ausgegangen. Diese erhebliche
Abweichung bedürfe einer genauen
und differenzierten
Begründung. E
ine solche fehle
in der Expertise
.
Die
E._
-Neurologin sei wohl von der Tatsache
ausgegangen, dass sie
– die Beschwerde
führerin -
während
der Ferienstellvertretung des K
redit Officer zeitweise vier Vormittage entsprechend einem Pensum von 40
%
gearbeitet habe; aus diesem Pensum in einer anspruchsvolleren Arbeit müsse
die Gutachterin
geschlossen haben
, dass sie die üblichen einfachen Tätigkeiten auch zu 50
%
ausüben könnte.
Dabei habe
die Neurologin
übersehen, dass sie mit der Stellvertretung überfordert gewesen sei
und die Mehrarbeit
mit 40%igem
Pensum jeweils in der Folgewoche durch Freitage habe kompensieren müssen (
Urk.
50 S. 6).
D
ie Gut
achter
hätten sich
nicht hinreichend mit den Ergebnissen des Coachings durch
Dr.
D._
und die Case Managerin des Unfallversicherers (
Urk.
50 S. 2
und 5
)
sowie mit den gescheiterten Versuchen einer Erhöhung des Arbeitspensums auf 50
%
auseinandergesetzt. Zudem hätten sie ihre Einschätzung und diejenige ihres Arbeitgebers nicht diskutiert und ausser Acht gelassen, dass
sie
seit 2011 unabhängig vom geleisteten Arbeitspensum immer den gleichen Lohn erhalten habe (
Urk.
50 S. 6)
.
Ihre Arbeitsfähigkeit
in einer angepassten Tätigkeit
habe sich seit 2011 nicht verändert und entspreche nach wie vor einem Pensum von 30
%
(
Urk.
50 S. 7
). Im Übrigen sei ihr die bisherige Stelle per
3
1.
Juli 2020 gekündigt worden
.
Die
Begründung der Kündigung
, sie
könne den Anfor
derun
gen der Bank nicht genügen,
bestätige ihre Vermutung, dass sie ihren Arbeits
platz in der Bank nach dem Unfall im Jahr 2008 nur dank der wohlwollenden Unterstützung des früheren Bankdirektors habe behalten können
.
Es sei unrealistisch, dass sie mit ihren Behinderungen wieder eine Stelle bei einer Bank finden und gleich viel wie bisher verdienen werde.
Zu beachten sei
auch, dass die
E._
-Gutachter davon
ausgegangen seien
, dass sie bei einem Stellen
wechsel in der Eingliederungsphase eine noch tiefere Leistung erbringen werde. Dies wirke sich ebenfalls lohnmindernd aus
(
Urk.
50 S.
3 f.
).
Es sei weiterhin von einem 70%igen Invaliditätsgrad auszugehen (
Urk.
50 S. 7).
3.
3.1
Der r
entenzusprechenden Verfügung vom 1
1.
November 2010 lagen in medizi
nisch
er Hinsicht im Wesentlichen die Berichte des behandelnden Neurologen
Dr.
D._
vom
8.
Februar und
8.
Mai 2010 sowie die versicherungsmedizi
nische Aktenbeurteilung des
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie
,
vom
Regionalen Ärztlichen Dienst
(
RAD
)
vom 1
0.
Juni 2010
zug
runde
(
Urk.
7/25/3-6)
.
Am
8.
Febr
uar 2010 berichtete
Dr.
D._
, welcher seit Anfang Jahr für den Unfallversicherer die berufliche Wiedereingliederung neurologisch überwachte, über seine Standortbestimmung am 2
7.
Januar 201
0.
Er hielt fest, nach dem Velounfall vom
4.
Juli 2008
mit traumatischer Hirnverletzung vorwiegend rechts
arbeite die Beschwerdeführerin
aktuell
jeden Vormittag viereinhalb Stunden. Als Beschwerden bestünden noch ein häufig sturmer Kopf, eine verminderte Belastbarkeit und die Hemianopsie nach rechts
(
Urk.
7/22
/1
).
Rund 18 Monate nach der schweren traumatischen Hirnverletzung stünden weiterhin kognitive Störungen vorwiegend im Zusammenhang mit der visuellen
Informa
tions
-Verarbeitung im Vordergrund.
Die neuropsychologischen Störungen seien immer noch leicht bis mittelschwer. Die digitale Nachprüfung des Gesichtsfeldes ergebe den Eindruck einer Verbesserung der Hemianopsie nach rechts.
Die Arbeitsfähigkeit
als Bankprokuristin
werde nach Rücksprache mit dem direkten Vorgesetzten der Beschwerdeführerin bei 30
%
belassen. Eine weitere vorsichti
ge Steigerung des Arbeitspensums
und die Wiederaufnahme leichter Kunden
gespräche
sei
en
erst Anfang April zu versuchen. Weitere Verbesserungen seien noch über längere Zeit zu erwarten (
Urk.
7/18/2,
Urk.
7/22/3
; vgl. auch
Urk.
7/20
).
Am
8.
Mai 2010 beantwortete
Dr.
D._
die Anfrage der IV-Stelle, ob eine dem Gesundheitsschaden besser angepasste Tätigkeit denkbar sei (
Urk.
7/25/5), dahingehend,
eine Umschulung oder Zuteilung einer anderen Tätigkeit nach der erlittenen schweren Hirnschädigung
wäre
wohl wenig erfolgreich
(
Urk.
7/21).
Nach Hirnverletzungen gebe es nämlich Probleme beim Erlernen von Neuem. Die Erfahrung zeige, dass die vorhandenen Schwierigkeiten in denkbaren alter
nativen Tätigkeitsfeldern gleich wären und somit keine höhere Arbeitsfähigkeit erreicht werden könnte
. Aktuell könne
die Beschwerdeführerin wesentliche Teile ihrer
Arbeit als Bankprokuristin wieder fehlerfrei ausüben, brauche dafür aber mehr Zeit und könne nur im Rahmen eines Pensums von
50
%
arbeiten
(
Urk.
7/21).
In seiner Stellungnahme vom
1
0.
Juni 2010
resümierte
Dr.
G._
,
gestützt auf die medizinischen
Vorakten
sei ausgewiesen
,
dass die Beschwerdeführerin
sowohl in der bisherigen Tätigkeit als auch in angepassten Tätigkeiten vom
4.
Juli 2008 bis 3
0.
Juni 2009 zu 100
%
und ab
1.
Juli 2009 zu 70
%
(im Rahmen eines Pensums von 50
%
) arbeitsunfähig sei
respektive gewesen sei
. Zumutbar seien körperlich leichte wechselbelastende Tätigkeiten
, wobei höher
e Ansprüche an alle kognitiven T
ätigkeiten zu vermeiden seien und individuelle Erholungspausen gewährleistet sein müssten. Prognostisch sei eine
B
esserung zu erwarten, eine medizinische Neubeurteilung sei in einem Jahr vorzunehme
n
(
Urk.
7/25/6).
3.2
Die
die la
ufende ganze Rente bestätigende
Mitteilung vom
6.
September 2011 (
Urk.
7/48)
basierte
in medizinischer Hinsicht
auf dem
Verlaufsbericht von
Dr.
D._
vom
4.
August 2011 und
dem
beigelegte
n
Abschlussbericht
dessel
ben Arztes
an den Unfallversicherer vom 1
4.
Juli 2011 über den Verlauf seines neurologisch-rehabilitativen Coachings der Beschwerdeführerin (
Urk.
7/47/2).
Im Bericht vom
4.
August 2011 hielt
Dr.
D._
fest
, die Beschwerdeführerin sei
unverändert seit September 2010 zu 33
%
arbeitsfähig,
basierend auf einem zeitlichen Pensum von 50
%
mit reduzierter Leistung. Eine weitere wesentliche Verbesserung sei leider sehr unwahrscheinlich. Im Übrigen v
erweise er auf seinen Abschlussbericht an den Unfallversicherer vom 1
4.
Juli 2011
(
Urk.
7/41/5).
Laut den Angaben von
Dr.
D._
in seinem Abschlussbericht vom 1
4.
Juli 2011 über sein neurologisch-rehabilitatives Coaching verblieben als unfall
bedingte Funktionsstörungen
im Wesentlichen
leichte bis mittelschwere neuropsychologische Funktionsstörungen
,
insbesondere in den Bereichen visuelle
r
Exploration, Konzentrationsvermögen und Aufmerksamkeit, Lernen und Gedächtnis mit Verlangsamung und kognitiver Ermüdung. Weiter bestehe der halbseitige Gesichtsfeldausfall beider Augen (homonyme Hemianopsie) nach rechts fort. Zudem bestünden chronische / rezidivierende posttraumatische Kopfschmerzen, leichte
residuelle
Gleichgewichtsstörungen sowie eine Verlang
samung der Feinmotorik der
Hände. Das
Führen eines Motorfahrzeuges sei der Beschwerdeführerin sehr wahrscheinlich definitiv nicht erlaubt.
S
ie habe nach ihrem schweren Polytrauma im Juli 2008 mit der traumatischen Hirnverletzung ihre Arbeit bei der
Z._
mit vereinfachtem Pflichtenheft wieder teilzeitlich aufnehmen können. Verschiedene Anläufe mit dem Versuch einer langsamen Erhöhung der Präsenzzeiten hätten zwei klare Grenzen aufge
zeigt: Die Arbeitszeit könne nicht über 50
%
erhöht werden, ohne dass die Leistung sich verschlechtere - im Sinne einer Verlangsamung und einer teils erhöhten Fehleranfälligkeit – und dass die Beschwerden deutlich zunähmen. Ferner habe sich gezeigt, dass die Leistung pro Zeiteinheit wegen der unfallbe
dingten, auf die Hirnverletzung zurückzuführenden Beeinträchtigungen um rund einen
Drittel reduziert sei. Anlässlich der letzten gemeinsamen Besprechung habe ein interner Wechsel in die Abteilung Finanzplanung aufge
gleist werden können, die Beschwerdeführerin arbeite nun halbtags als Assis
tentin des Verantwortlichen für die Finanzplanung. Unfallbedingt
verbleibe
e
ine Arbeitsunfähigkeit von 67
%
(33%ige
Restarbeitsfähigkeit
mit einem
zeitlichen
Pensum von 50
%
eines Vollzeitpensums
[
Urk.
7/41/6-8]
).
3.3
Das interdisziplinäre neurologisch-neuropsychologisch-psychiatrische Gutach
ten der
C._
vom 1
1.
Juli 2014 basiert
im Wesentlichen
auf der neurologischen Untersuchung der Beschwerdeführerin vom 1
7.
März 2014 durch
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Neurologie sowie Psychiatrie und Psycho
therapie, der neuropsychologischen Befunderhebung am 1
7.
und 1
9.
März 2014 durch
lic
. phi
l.
I._
, Psychologe FSP
und
der psychiatrischen Untersuchung durch
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie, vom 1
8.
März 2014
(
Urk.
7/58/2,
Urk.
7/58/40).
M
it Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
wurden
ein
Schädel-Hirn-Trauma, eine minime
Subarachnoidalblutung
rechts
f
alxnahe
,
ein
Verdacht auf eine
Contusio
bulbi
(
Augapfelprellung
) rechts,
ein
Verdacht auf eine
retrochiasmale
Läsion
,
eine homonyme Hemianopsie (G
esichtsfeldausfall) nach rechts sowie
eine minimale bis leichte neuropsychologische Störung mit rechtsseitiger Hemianop
sie, verlangsamter visueller Exploration mit erhöhter Lesezeit sowie leichten Minderleistungen der
phasischen
Alertness
und der verbalen und visuellen episodischen Lernleistungen
genannt
(
Urk.
7/58/31-32).
Bei den Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter
unter anderem
einen Status nach einem (zwischenzeitlich abgeklungenen) posttraumatischen hirnorganischen Psychosyndrom mit Minderung der Konzentration
und verminderter Stresstoleranz,
einen unspezifischen Kopfschmerz vom Span
nungstyp mit einer möglicherwei
se posttraumatischen Komponent
e
sowie
eine
leichte spezifische
Phobie mit
agoraphober
und
klaustrophober
Charakteristik
(
Urk.
7/58/
30-31).
Der neurologische Gutachter
Dr.
H._
gelangte zur Beurteilung, aufgrund der bildgebenden und der dokumentierten initialen klinischen Befunde sei nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin infolge des Unfalls vom
4.
Juli 2008 eine
höhergradige
oder ausgedehnte Hirnschädigung erlitten habe. Neuro
logisch beurteilt sei auf der im Verlauf erhobenen CT- und MRI-Bildgebung kein Schädigungsmuster erkennbar, wie es bei einer diffusen
axonalen
Schädi
gung zu erwarten wäre. Die klinischen Symptome nach dem Unfall, mit Beschreibung einer kurzen Bewusstlosigkeit am Unfallort und nachfolgend ansteigendem Wert auf der GCS
(Glasgow
Coma
Scale
)
von 8 auf 15 mit fehlen
den Hinweisen auf signifikant klinisch-neurologische Ausfälle wären auch nicht gut mit einer diffusen
axonalen
Hirnschädigung vereinbar
(
Urk.
7/58/21-22)
. Abgesehen von der angegebenen halbseitigen Gesichtsfeldstörung nach rechts hätten keine objektivierbaren neurologischen
Ausfälle erhoben werden können
(
Urk.
7/58/
23
).
Die in der
C._
am 1
7.
und 1
9.
März 2014 durchgeführten neuropsychologischen Untersuchungen hätten leichte Minderlei
s
tungen in der
phasischen
Alertness
und den verbalen und visuellen episodischen Lernleistun
gen ergeben. In Verbindung mit der verlangsamten visuellen Exploration und der erhöhten Lesezeit wegen der rechtsseitigen Hemianopsie seien Einbussen beim verbalen und visuellen Lernen beschrieben worden, welche jedoch mit einem ansteigenden Lernzuwachs bei Wiederholung der Durchgänge verbunden gewesen sei
en
. Die neurologische Beurteilung der vom Neuropsychologen
lic
. phil.
I._
erhobenen Befunde führe zur Einordnung in eine
«
minimale bis leichte neuropsychologische Störung
»
. Die erhobenen neuropsychologischen Befunde korrelierten gut mit den auf den MRI-Bildern sichtbar gewordenen geringfügigen Residuen früherer kleiner
Einblutungen
als Folge des Unfalls im Jahr 200
8.
Bei fehlenden Zeichen für relevante Hirnsubstanzschädigungen seien
höhergradige
kognitive oder neuropsychologische Einbussen nicht erklärbar. Unter
Berücksichtigung der Anamnese sowie der erhobenen klinischen und MRI-Befunde sei die Versicherte bei allen Tätigkeiten, die ein visuelles Explorie
ren erforderten, in ihrer Leistungsf
ähigkeit zu 30
%
eingeschränkt
. Zusätzlich sei etwa bei Bürotätigkeiten ein vermehrter Pausenbedarf begründbar
(
Urk.
7
/58/26-27
).
Laut dem psychiatrischen Teilgutachten
von
Dr.
J._
vom 1
4.
Juli 2014
litt die Beschwerdeführerin
unter einer
leicht ausgeprägte
n
,
spezifische
n
Angststörung vor allem
klaustrophober
und
agoraphober
Natur mit Vermeidungstendenzen
. Diese sei
überwindbar
(
Urk.
7/57/91
)
. Die Akzentuierung gewisser Ängste nach dem Unfall verweise auf eine gewisse angstbereite und eher Absicherung suchende Komponente in ihrer Persönlichkeitsstruktur hin.
Zudem
sei
sie
nach dem Unfall gemäss eigenen Angaben zurückhaltender, unsicherer und
dünn
häutiger geworden
(
Urk.
7/58/92
-93
)
. Aus rein psychiatrischer Sicht sei ihre Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt
(
Urk.
7/58/91,
Urk.
7/58/93
)
.
Abschliessend hielten die Gutachter fest, in den interdisziplinären Konsens
besprechungen sei festgestellt worden, dass
eine Diskrepanz zwischen der Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin bezüglich ihrer beruflichen Leistungsfähigkeit und den im Rahmen der Begutachtung erhobenen objekti
vierbaren Untersuchungsbefunde
n
bestehe (
Urk.
7/58/40
). Wegen der Hemi
anopsie sei eine Leistungseinbusse in Höhe von 30
%
in der angestammten Tätigkeit als Bankangestellte/Kundenberaterin begründbar. In einer behinde
rungsangepassten Tätigkeit, welche nur selten das Lesen von längeren Texten und/oder die längerfristige Arbeit an einem PC erfordere, körperlich höchstens leicht bis mittelschwer sei und nicht das Lenken von Kraftfahrzeugen im Strassenverkehr erfordere, wäre sie in leistungsmässiger und zeitlicher Hinsicht uneingeschränkt arbeitsfähig
(
Urk.
7/58/34-35
,
Urk.
7/58/38
).
3.4
Am 2
4.
September 2014 erstellte
Dr.
D._
im Auftrag der Beschwerdeführe
rin eine
«
neurologische Replik
»
zum Gutachten der
C._
. Dabei hielt er fest, die Beschwerdeführerin habe anlässlich ihres Unfalls sicher auch eine schwere traumatische Hirnverletzung erlitten. Die Korrelation der bildge
bend gefundenen Veränderungen mit den erfahrungsgemäss sehr variablen Funktionsstörungen sei beschränkt. Nach Meinung aller kritischen Neuroradio
logen könnten bei weitem nicht alle Hirnläsionen bildgebend festgehalten werden. Eine Einschätzung der nach Hirnverletzungen verbleibenden
Funk
tionsstörungen sei nur durch eine Kombination von klinischer Evaluation und praktischer
Erprobung am Arbeitsplatz möglich
(
Urk.
7/74/1)
. Die neuropsycho
logische Untersuchung allein erlaube nie, eine schadensbedingte Arbeitsun
fähigkeit seriös festzulegen. Die unter seiner Federführung mit sehr guter Kooperation sowohl der Beschwerdeführerin als auch des Arbeitgebers durchge
führten Arbeitsversuche hätten die von ihm bereits früher attestierte maximal zumutbare Arbeits
zeit
von
50
%
eines Vollzeitpensums mit Einschränkung der Leistungsfähigkeit pro Zeiteinheit um einen Drittel
ergeben.
Die Erfahrungen am Arbeitsplatz seien im Gutachten in keiner Weise berücksichtigt worden.
Sodann sei die neuropsychologische Untersuchung durch einen Psychologen FSP und nicht einen diplomierten Neuropsychologen, welcher auf der offiziellen Liste der Neuropsychologen figuriere, durchgeführt worden
(
Urk.
7/74/2)
. Die Ergebnisse der anlässlich der Begutachtung durchgeführten neuropsychologischen Unter
suchung seien auch inhaltlich sehr zu bezweifeln.
Bei der Beschwerdeführerin sei vor allem die Dauerbelastung problematisch, was zur Folge habe, dass die Leistungen über den Tag mit der Zeit abnähmen. Eine seriöse Untersuchung müsse deshalb bei Vorbelastung erfolgen und sicher nicht wie anlässlich der Begutachtung am frühen Morgen
(
Urk.
7/74/3)
.
3.5
Auf Anfrage des Gerichts (
Urk.
15/1) reichte
K._
, Direktor der
Z._
,
am 1
3.
November 2017 eine Übersicht über die berufliche Laufbahn der Beschwerdeführerin ein.
Danach habe
sie die Arbeit nach ihrer unfallbedingten Abwesenheit vom Arbeitsplatz am
1.
Oktober 2010 mit einem Pensum von 30
%
wieder auf
genommen
. Dieses Pensum
sei
in der Folge nie erhöht
worden
(
Urk.
15/2).
Laut dem Arbeitsvertrag vom
1.
März 2017 (
Urk.
10/1 =
Urk.
16/1), dem Stellenbeschrieb
(
Urk.
10/2)
und
einer
schriftlichen Bestätigung
von
K._
, die er der Beschwerdeführerin gegenüber am
1
6.
März 2017
abgegeben hatte
(
Urk.
10/3)
,
arbeitet
e
die Beschwerdeführerin seit
1.
März 2017 in den Abteilun
gen Anlagen/Vorsorge und Finanzierungen als Assistentin und Unterstützung mit
Prokura. Zu ihren Aufgaben gehört
e
auch die Stellvertretung des Leiters Anlagen und Vorsorge (
Urk.
10/2
). Laut
dessen
Beurteilung
konnte sie ihre Arbeitsleistung nach dem Unfall im Lauf der Zeit etwas steigern: Sie sei auch heute noch in der Konzentration eingeschränkt. Kopfschmerzen und Schwindel nähmen bei erhöhter Arbeitsbelastung und Arbeitszeit zu und der Leistungs
abfall sei sichtbar. Deshalb sei sie oft gezwungen, den Arbeitsplatz früher als gewollt zu verlassen. Sie benötige einen verhältnismässig ruhigen Arbeitsplatz, welcher so ausgerichtet sein müsse, dass sie Personen von der Seite wahrneh
men könne. Heute sei es ihr möglich, ihre Arbeitsleistung von 30
%
im Rahmen eines zeitlichen Arbeitspensums von 40
%
zu erbringen. Die zu verrichtenden Arbeiten könnten ohne zeitlichen Druck erledigt werden (
Urk.
10/3).
Im Schreiben an das Gericht vom 1
3.
November 2017 bestätigte
K._
seine Einschätzung, dass die aktuelle Arbeitssituation den gesundheitlichen Möglich
keiten der Beschwerdeführerin entspreche (
Urk.
15/2).
3.6
3.6.1
Das
Gerichtsgutachten
der
E._
vom 3
1.
Dezember 2019 basiert
auf den fach
ärztlichen Untersuchungen der Inneren Medizin vom
3.
Juni (
Dr.
med.
L._
, Ärztlicher Leiter
E._
), der Psychiatrie (
Dr.
med.
M._
) und der Neurologie (
Dr.
med.
N._
) vom 2
5.
Juni, der
Oto
-
Rhino
-Laryngologie (Prof.
Dr.
med.
O._
) vom 1
2.
Juni, der Neuropsychologie (M. Sc.
P._
und
Dr.
phil
Q._
) vom 1
1.
und 1
2.
Juni sowie 1
5.
August und der Ophthalmologie (
Dr.
med.
R._
) vom
8.
Juli 2019
(
Urk.
43/1 S. 6). Zusätzlich erfolg
ten eine Laboruntersuchung, eine
Nachbefundung
der MRI-Untersuchungen des Schädels und des
Neurocraniums
vom
5.
September 2008 und vom
3.
April 2014, eine elektrophysiologische Zusatzdiagnostik
(visuell evozierte Potentiale), eine
Perimetrie
Messung sowie verschiedene
neurootologische
Untersuchungen (
Urk.
43/1 S. 7).
Die Gutachter berücksichtigten überdies die medizinischen
Vorakten
(
Urk.
43/1 S. 37 ff.) und die von der begutachtenden Neurologin eingeholten fremdanamnestischen Angaben
von
K._
(
Urk.
43/2 S. 10 ff.).
3.6.2
Als Diagnose
n
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die
Gutachter gemäss ihrer Konsensbesprechung eine schwere traumatische Hirnverletzung nach EFNS 2012 (ICD-10: S06.38; S06.6) mit
einer
GCS
von
8 am Unfallort, einer mehrstündigen retrograden und mehrtägigen
anterograden
posttrauma
tischen Amnesie, mit Pupillendifferenzen rechts mehr als links und einer
h
omonymen Hemianopsie nach rechts, mit dem bildgebenden Nachweis einer initialen traumatischen
Subarachnoidalblutung
falx
-
nah, einer progredienten posttraumatischen Atrophie des
Tractus
opticus
links sowie multiplen
axonalen
Scherverletzungen im Zentrum semiovale, kortikal und subkortikal im
Gyrus
frontalis
superior
beidseits sowie mit einem Status nach persistierenden Kopf
schmerzen, zurückzuführen auf eine mittelschwere oder schwere traumatische Hirnverletzung nach ICHD-
3.
Als neurologische Residuen bestünden die
h
omonyme Hemianopsie nach rechts (ICD-10: H53.4), ein
Verdacht auf eine zentral-vestibuläre Störung beziehungs
weise differentialdiagnostisch
auf
eine
e
peripher-vestibuläre Störung in Überkompensation. Neuropsychologische Residuen seien eine mittelgradige neuropsychologische Störung mit verminderter Belastbarkeit und eine
Fatigue
. Als
n
europsychiatrische Residuen verblieben ein organisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma (ICD-10: F07.2) mit Veränderung der affektiven Schwingungsfähigkeit und Wahrnehmung von Vitalgefühlen ohne depressiven Affekt, Energielosigkeit, Konz
entrations- und Schlafstörungen sowie eine
komplexe
Anpassungsleistung an den Unfall mit organischem Psychosyndrom (gemäss ICD-10: F43.9 nicht näher bezeichnete
Reaktion auf schwere Belastung) mit
leicht ausgeprägter spezifischer
Angststörung, vor allem
agoraphober
Ausprägung (ICD-10: F40.0) sowie der Entwicklung von Persönlichkeitsakzen
tuierungen (
Urk.
43/1 S. 13 f.).
3.6.3
Zu
de
n
funktionellen Auswirkungen der
erwähnten
Befunde
hielten sie fest
, die
h
omonyme Hemianopsie habe zur Folge, dass alle Dinge rechts der Mittellinie bei Geradeausblick nicht erkannt würden. Dies könne kompensiert werden, indem der Kopf oder die A
ugen nach rechts gedreht würden, was
nach einer Gewöhnungsphase von in der Regel einigen Monaten oft automatisch
erfolge
. Trotzdem bestünden Einschränkungen gerade in nicht alltäglichen Situationen
; auch würden überraschend im rechten Gesichtsfeld aufgetretene Objekte nur verzögert erkannt. Aus
oto-rhino-laryngologischer
Sicht sei wegen der Anhalts
punkte für das Bestehen einer zentral-vestibulären Funktionsstörung davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin einen vermehrten Erholungsbedarf
habe, was sich auf ihre Dauerbelastbarkeit auswirke. Die neuropsychologischen Befunde wirkten sich
insbesondere
auf folgende Fähigkeitsbereiche gemäss Mini-ICF-APP aus: Die Fähigkeit
zur Planung und Strukturierung von Aufgaben se
i
je nach Anforderung und Dauer der vorangegangenen mentalen Belastung mässig bis erheblich
(2-3)
eingeschränkt; die Flexibilität und Umstel
lungsfähigkeit sei je nach Grad der Ermüdung leicht
(1-2)
erschwert
; die Kompetenz- und Wissensanwendung sei durch den leicht erschwerten Abruf von Gedächtnisinhalten, das verminderte Lesetempo, das beeinträchtigte Planungs- und Organisationsvermögen, die anforderungsabhängige Verlang
samung, die verminderte Stresstoleranz und die zeitlich limitierte Belastbarkeit erheblich beeinträchtigt
(3)
; die Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit sei wegen eines erhöhten Zeitbedarfs und einer erhöhten Angst vor Fehlentscheidungen mässig
(2)
eingeschränkt;
die Durchhaltefähigkeit sei wegen der verminderten Stresstoleranz und Belastbarkeit erheblich
(3)
vermindert
.
D
ie Gruppenfähigkeit sei mässig eingeschränkt
aufgrund
einer erhöhten Ablenkbarkeit durch Stör
reize, Lärmempfindlichkeit und einer Tendenz zum sozialen Rückzug bei erlebter und antizipierter Überforderung; für eine leitende Funktion mit Führungsverantwortung und/oder die Tätigkeit als Finanzplanerin stelle dies eine erhebliche
(3)
Beeinträchtigung dar; die Verkehrsfähigkeit sei durch die dauerhaft aufgehobene Fahreignung wegen der Hemianopsie
schwer (4)
einge
schränkt (
Urk.
43/1 S. 24 f.
). D
ie Anpassungsfähigkeit an Regeln und Strukturen, die Selbstbehauptungsfähigkeit, Kontaktfähigkeit zu Dritten und zu engen dyadischen Beziehungen erachteten sie als nicht eingeschränkt (
Urk.
43/1
S. 24
f.).
3.6.4
Unter Berücksichtigung d
er funktionellen Einschränkungen sei die Beschwerde
führerin in der angestammten Tätigkeit als Bankkauffrau und Finanzplanerin mit eidgenössischem Fachausweis
sowie stellvertretende
Filialleiterin
vollstän
dig
a
rbeitsunfähig.
Einschränkend wirkten sich insbesondere die verminderte Belastbarkeit und Stresstoleranz, die beeinträchtigten Gedächtnissuchprozesse, die verminderte Fähigkeit zu problemlösendem
und vorausschauendem Denken sowie zum Organisieren mit vertretbarem Zeitaufwand
, die eingeschränkte Fähigkeit, Störreize auszublenden und die Angst vor Fehlern aus. In
ihrer
aktuell
en
optimal angepassten Tätigkeit beim angestammten Arbeitgeber führe die Beschwerdeführerin die interne Schlusskontrolle bei Kreditabschlüssen durch, erledige einfache Steuererklärungen oder unterstütze Kundenberater vereinzelt bei der Finanzplanung. Kundenkontak
t und Zeitdruck bestünden nicht, alle Aufgaben seien in hohem Masse vorstrukturiert, Entscheidungen müsse sie nicht treffen. Aus
interdisziplinärer
Sicht sollte sie in der Lage sein,
das aktuell versehene Pensum von 30
%
verte
ilt auf drei Wochentage
mit
ein
em
Arbeitspensum von 50
%
verteilt auf fünf Wochentage mit einer zusä
tzlichen Pause
von etwa 20 Minuten pro Tag und freier Zeiteinteilung auszuüben. Ihre momentane
subjektive Einschätzung
, mit einem Pensum
von über 30
%
über
fordert zu sein
, gründe auf
den
während
der Ferienvertretung des Kredit
Officer der Bank
gemachten Erfahrungen
. In diesen Phasen
, in denen sie
jeweils vier Vormittage
pro Woche
gearbeitet
habe, sei sie an ihre Grenzen gekommen und habe mit Kopfschmerzen und Schlafstörungen reagiert. Grund dafür seien aber die mit der Ferienvertretung des Kredit
Officer verbundenen höheren inhalt
lichen Anforderungen, das eigenverantwortliche Fällen von Entscheidungen und das Einhalten von Fristen
gewesen
. Bei einer rein zeitlichen Mehrbelastung ohne Ausweitung des inhaltlichen Anforderungsprofils sei mit einer mittelfris
tigen Adaptation und dem Nachlassen anfänglicher Stress
s
ymptome zu rechnen. Allenfalls
könne
eine vorübergehende therapeutische Unterstützung
helfen
(
Urk.
43/1 S. 25-26
,
Urk.
43/6 S. 13
).
Die gleiche Arbeits- und Leistungs
fähigkeit bestehe auch für jegliche vergleichbare
n
Verweistätigkeiten (
Urk.
43/1 S. 27).
Die attestierte Arbeitsfähigkeit gelte bereits für das Jahr 2015 (
Urk.
43/1 S.
30).
Die Beschwerdeführerin (und ihr Arbeitgeber) unterschätzten ihre effektive Leistungsfähigkeit leicht; ihre Haltung gründe wohl auf der initialen
ärztlichen
Beurteilung, dass
die Beschwerdeführerin
nur zu 33
%
arbeitsfähig sei, und die darauf basierende Rentenzusprechung. Die
se
von der gutachterlichen Beurtei
lung, welche sich an den objektivierbaren Gesundheitsbeeinträchtigungen orientiere, abweichende
Einschätzung
k
önne am ehesten mit einer Unter
schätzung der
eigenen
Leistungsfähigkeit wegen einer gewissen Beteiligung psychischer Faktoren am Beschwerdebild erklärt werden. Die (
neuro
)psycho
logischen Tests hätten das Bild einer Person
ergeben, welcher der Einblick in beziehungsweise das Verständnis für ihr eigenes Verhalten fehle, und die psychische
n
Probleme
,
wie eine erhöhte Ängstlichkeit und Versagens
ängste
,
abwehre bis verleugne. Unter Belastung entwickle sie spezifische somatische Beschwerden. Diese
psychischen
Faktoren
würden die hirnorganisch bedingten Affektmodulationen und Stressreaktionen allerdings nicht mehr als akzentuieren (
Urk.
43/1 S. 27 f.).
3.6.5
Der neurologische Gutachter der
C._
Dr.
H._
habe die auf den MRI-Bildern vom
3.
April 2014 sich
t
baren kleineren
Einblutungen
nicht im
Sinne von diffusen
axonalen
Sch
erverletzungen
gewertet. Entgegen der Ansicht von
Dr.
H._
seien die Voraussetzungen für die Diagnose einer solchen
,
höhergradigen
Hirnschädigung
jedoch
gegeben: Mit der
h
omonymen Hemi
anopsie und der posttraumatischen Amnesie hätten nach dem Unfall durchaus signifikante
klinisch-neurologische Ausfälle vorgelegen.
Im Gutachten von
Dr.
H._
fehle eine Auseinandersetzung mit der konsistent deklarierten post
traumatischen Amnesie, welche angesichts ihrer Dauer mit
antero
- und retrograden
Amnesieanteilen
gut mit einer
höhergradigen
traumatischen Hirnverletzung korreliere.
Der alleinige Umstand, dass keine sonstigen
höher
gradigen
fokal-neurologischen Ausfälle bestanden hätten, führe zu keinem anderen Schluss, zumal das Ausmass diffuser
axonaler
Scherverlet
zungen erheblich variiere. Die r
asche Besserung des GCS von 8 auf 15 schliesse das Vorliegen
axonaler
Scherverletzungen ebenfalls nicht aus
(
Urk.
43/1 S. 31-32
und S. 34
).
Die Annahme einer
insbesondere
im Vergleich zur Einschätzung der Spezialisten der
C._
höheren neuropsychologischen Funk
tions
störung sei unter anderem einer ausgedehnteren neuropsychologischen Untersuchung mit anspruchsvolleren Verfahren, insbesondere zum Planungs- und Organisationsvermögen, geschuldet. Diese Fähigkeiten stellten in der früheren Tätigkeit der Beschwerdeführerin Kernkompetenzen dar. Die letzte neuropsychologische Untersuchung sei überdies in stationärem Rahmen erfolgt, so dass zusätzliche Belastungen vor der Untersuchung wie die aversiv erlebte Anreise mit dem öffentlichen Verkehr weggefallen seien
(
Urk.
43/2 S. 21)
.
D
ie Untersuchung
in der
C._
weise
weitere Mängel auf
(
Urk.
43/4
S. 41 ff.)
, insbesondere seien anhand der gewählten Untersuchungsmethoden
kaum Aussagen zur Dauerbelastbarkeit möglich (
Urk.
43/4 S. 43).
Der von
Dr.
D._
in seiner Replik zum Gutachten der
C._
erhobenen Kritik an den Ergebnissen der neuropsychologischen Untersuchungen in der
C._
sei zuzustimmen. Das Ausmass der Störungen
müsse
insge
samt etwas höher eingeschätzt
werden
,
als
dies die Ärzte
der
C._
gemacht hätten
. Gleiches gelte für die
Auswirkungen der
h
omonymen Hemi
anopsie
. In der
C._
seien insbesondere die Auswirkungen dieser Störungen auf die Dauerbelastbarkeit unterschätzt worden (
Urk.
43/1
S. 33).
Unter Würdigung aller relevanten Aspekte inklusive der eigen- und fremd
anamnestischen Angaben und der Erkenntnisse der neuropsychologischen Untersuchung sei von einer etwas höheren Restarbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten auszugehen als die von
Dr.
D._
veranschlagten 33
%
(
Urk.
43/1 S. 34)
.
4
.
4
.1
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer
revisionsrechtlich relevanten
Änderung
des Invaliditätsgrades
bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht.
Unter einer rechtskonformen Sachverhaltsabklärung in diesem Sinne wird eine Abklärung verstanden, die - wenn sie inhaltlich zu einem anderen Ergebnis führt - geeignet ist, eine Rentenerhöhung, -herabsetzung oder
-aufhebung zu begründen (Urteil
des Bundesgerichts 9C_52/2016 vom 23. März 2016 E. 3.1-2
).
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine Verfügung verzichtbar, wenn bei einer von Amtes wegen durchgeführten Revision keine leistungsbeein
flussende Änderung der Verhältnisse festgestellt wurde (
Art.
74
ter
lit
. f
der
Verordnung ü
ber die Invalidenversicherung [IVV]
) und die bisherige Invaliden
rente daher weiter ausgerichtet wird. Wird auf entsprechende Mitteilung hin keine Verfügung verlangt (
Art.
74
quater
IVV), ist jene in Bezug auf den Vergleichszeitpunkt einer (ordentlichen) rechtskräftigen Verfügung gleichzu
stellen (Urteile des Bundesgerichts 9C_771/2009 vom 10. September 2010 E. 2.2 und 9C_586/2010 vom 15. Oktober 2010 E. 2.2 mit Hin
weisen).
4
.2
Im Rahmen der
im Juli 2011
eingeleiteten Revision von A
mtes wegen (
Urk.
7/40) holte die IV-Stelle den
Bericht des behandelnden
Neurologen
Dr.
D._
vom
4.
August 2011 (
Urk.
7/41/5), welchem der Verlaufsbericht desselben Arztes vom 1
4.
Juli 2011
beigelegt war (
Urk.
7/41/6-8), den Arbeit
geberfragebogen vom 1
5.
August 2011 (
Urk.
7/42), die neuesten Akten des Unfallversicherers (
Urk.
7/44) sowie einen Auszug aus dem individuellen Konto der Ausgleichskasse
vom
2.
September 2011
(
Urk.
7/45) ein.
Alsdann nahm sie anhand der auf das Jahr 2011 hochgerechneten Invaliden- und
Validenein
kommen
einen Einkommensvergleich vor (
Urk.
7/46).
Dem RAD
unterbreitete sie die neuen medizinischen Unterlagen nicht zur Stellungnahme
.
Der Sachbe
arbeiter
gelangte gemäss Feststellungsblatt vom
6.
September 2011
zum Ergebnis, der Gesundheitszustand
und die weiteren erheblichen Umstände hätten
sich gemäss den Akten nicht verändert
(
Urk.
7/47/1-2
; vgl. auch
Urk.
7/46
)
.
Am
6.
September 2011 wurde der Beschwerdeführerin deshalb mitgeteilt, mangels einer Änderung des Invaliditätsgrades habe sie weiterhin Anspruch auf die bisherige Rente bei einem Invalid
itätsgrad von 70
%
(
Urk.
7/48).
Dies
es Vorgehen
ist angesichts der zwischenzeitlichen Erhöhung des
vom behandelnden Neurologen
Dr.
D._
als zumutbar erachteten Arbeitspensums von 30
%
(gemäss seinen Berichten vom
8.
Februar und
8.
Mai 2010 [
Urk.
7/21-22; vgl. auch
Urk.
7/25/5-6])
auf 33
%
nicht
nachvollziehbar
, zumal diese auch im Feststellungsblatt festgehalten (
Urk.
7/47/1-2
)
wurde. Auch
im Arbei
t
geber
fragebogen vom 1
5.
August 2011
wurde erwähnt, im Gespräch mit
Dr.
D._
sei vereinbart worden, dass der Beschäftigungsgrad (von bisher 30
%
bei einer Anwesenheit von 50
%
) auf 33
%
im Rahmen des bisherigen Anwesenheitspen
sums von 50
%
erhöht werden könne
(
Urk.
7/
42/4-6).
Eine
rechtsgenügliche
Abklärung
des medizinischen Sachverhalts hätte
mindestens
einer Auseinander
setzung mit der von
Dr.
D._
bescheinigten veränderten Arbeitsfähigkeit und
einer Stellungnahme
hierzu
durch den
RAD bedurft (vgl.
Art.
49
Abs.
1 IVV
).
W
egen der attestierten geringfügig höheren Arbeitsfähigkeit
stellte sich nämlich
die Frage nach einer Rentenherabsetzung
:
Beim bisherigen Invalidi
tätsgrad von 70
%
reichte bereits eine Reduktion des Invaliditätsgrades um 1
%
aus, um die laufende ganze Rente auf eine Dreiviertelrente herabzusetzen (vgl. vorstehend E. 1.4 sowie
Meyer/
Reichmuth
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung,
3.
Auflage, Zürich 2014
,
Art.
30-31
Rz
15
mit Hinwei
sen
).
Zwar hielt
Dr.
D._
in seinem Bericht vom
4.
August 2011 fest, die 33%ige Arbeits
fähigkeit gelte unverändert seit September 2010
(
Urk.
7/41/5)
, mithin
einem Zeitpunkt vor Erlass der ursprünglichen Rentenverfügung vom 1
1.
November 201
0.
Bei Erlass der
ursprünglichen
Rentenverfügung
hatte
diese Einschätzung
der IV-Stelle
aber noch nicht vor
gelegen
, weshalb sie im Revisionsverfahren als neue Tatsache zu berücksichtigen war (
vgl.
Meyer/
Reichmuth
,
a.a.O.
,
Art.
30-31
Rz
42
).
Aufgrund dieser Überlegungen
kann nicht von einer
rechtskonformen Sachverhaltsabklärung im Sinne der Rechtsprechung ausgegangen werden
(vgl. auch das Urteil des Bundesgerichts 9C_52/2016 vom 2
3.
März 2016 E. 3.2)
.
Damit kann die rentenbestätigende Mitteilung vom
6.
September 2011
nicht Vergleichsbasis für die Beurteilung einer revisionsrechtlich relevanten Änder
ung des Invaliditätsgrades sein; relevanter Vergleichszeitpunkt ist
viel
mehr die ursprüngliche Rentenverfügung
vom
1
1.
November 2010.
4.3
Wie vorstehend dargelegt, w
urde
mit dem Verlaufsbericht von
Dr.
D._
vom
4.
August 2011
eine Verbesserung des Gesundheitszustandes und der Arbeits
fähigkeit
belegt
, indem
der Beschwerdeführerin
darin
ab
September 2010 eine Restarbeitsfähigkeit von 33
%
bei einem zeitlichen Pensum von 50
%
bescheinigt
wurde
(
Urk.
7/41/5
; ebenso im späteren Bericht von
Dr.
D._
vom 2
4.
September 2014 [
Urk.
7/74/2]
).
In den früheren Berichten vom
8.
Februar
und
8.
Mai 2010
hatte
Dr.
D._
noch eine Arbeitsfähigkeit von 30
%
attestiert
,
eine weitere vorsichtige Steigerung in Aussicht gestellt
(
Urk.
7/21-22)
und mit weiteren Verbesserungen über längere Zeit gerechnet (
Urk.
7/22/3)
.
Dem
ausführlicheren
Bericht von
Dr.
D._
vom
1
4.
Juli 2011
ist
ferner
zu entnehmen
, dass
der behandelnde Neurologe
die Präsenzzeiten der Beschwerdeführerin am Arbeitsplatz seit Beginn ihrer Betreuung im Januar 2010 langsam erhöht
hatte
, wobei die aktuelle Arbeitsfähigkeit von 33
%
bei einer Arbeitszeit von 50
%
die Belastungsgrenze bilde (
Urk.
7/41/7-8)
.
Gleiches ergibt sich aus dem Arbeitgeberbericht
vom 1
5.
August 2011, wonach im Gespräch mit
Dr.
D._
vereinbart worden sei, dass der Beschäftigungsgrad (von bisher 30
%
bei einer Anwesenheit von 50
%
) auf 33
%
im Rahmen
des bisherigen Anwesenheitspensums von 50
%
erhöht werden könne
(
Urk.
7/
42/3-6).
Da die Beschwerdeführerin
l
aut
Dr.
D._
vor September 2010
zu 30
%
arbeitsfähig war
, kam sie – bei seit April 2008 gleich gebliebenem Lohn nach Massgabe des Beschäftigungsgrades (vgl.
Urk.
16/2-3) -
auf eine ganze Rente bei einem Invaliditätsgrad von 70
%
(
Urk.
7/25/7,
Urk.
7/37)
.
Deshalb vermag
bereits diese relativ geringfügige Verbesserung der Arbeitsfähigkeit den Renten
anspruch (auf lediglich noch eine
Dreiviertelsrente
bei einem Invaliditätsgrad von 60-69
%
)
zu beeinflussen, w
eshalb sie revisionsrechtlich erheblich
ist
(Meyer/
Reichmuth
, a.a.O.,
Art.
30-31
Rz
15 f.).
Aus den Akten ergeben sich zudem zahlreiche Hinweise für
eine
weitere Stabilisierung und
V
erbesserung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit
bis zum Erlass der angefochte
nen Verfügung:
Im Gutachten der
C._
vom
1
1.
Juli 2014
wurde
auf die stabilisierende Wirkung der im Jahr 2011 begonnene
n
psychothera
peutische
n
Behandlung hingewiesen (
Urk.
7/58/3).
Der psychiatrische
E._
-Gutachter bemerkte einen weiteren deutlichen Rückgang der
klaustrophobischen
Sym
p
t
ome (
Urk.
43/6 S. 12).
Die Gutachter der
C._
und des
E._
konnten
-
im Gegensatz zu
Dr.
D._
gemäss dessen Angaben im Bericht vom
1
4.
Juli 2011 (
Urk.
7/41/7)
-
während ihrer Explorationen keinen posttraumatischen Kopfschmerz mehr feststellen (
Urk.
7/58/39,
Urk.
43/1 S. 23 und 33
).
Für eine weitere Steigerung der beruflichen Leistungsfähigkeit spricht, dass
die Beschwerdeführerin
anlässlich der Begutachtung in der
C._
im Jahr 2014 ihre Arbeitslast bei der Bank, entsprechend einem Pensum von 30
%
, zwischenzeitlich im Rahmen eines zeitlichen Aufwands von 40
%
eines Vollzeitpensums (und nicht mehr wie früher 50
%
) erledigen konnte (
Urk.
7/58/16,
Urk.
7/58/30,
Urk.
7/58/65,
Urk.
10/3
,
Urk.
42/2 S. 32
).
Anlässlich der Begutachtung in der
E._
gab sie an, ihr 30%-Pensum mit einer
Präsenzzeit von 30
%
, verteilt auf drei Vormittage pro Woche, bewältigen zu können (
Urk.
43/4 S. 4). Weiter erklärte sie
der neurologischen
E._
-Gutachterin
, ihr Gesundheitszustand sei seit 2010 stabiler und
seit
zwei Jahren so wie
aktuell (
Urk.
43/2 S. 3 und 6)
.
Zu keinem
anderen Schluss vermag der Umstand zu führen, dass die Beschwerdeführerin
spätestens
seit Oktober 2010 unverändert mit einem Beschäftigungsgrad von 30
%
arbeitet (
Urk.
15/2)
: E
ntscheidend ist
letztlich
, welches Pensum ihr zumutbar wäre.
Nach dem Gesagten ist eine erhebliche Veränderung des Sachverhalts und mithin ein Revisionsgrund ausgewiesen. Der medizinische Sachverhalt ist
frei
anhand sämtlicher verfügbaren medizinische
r
Stellungnahmen zu prüfen (vgl. vorstehend E. 1.4).
4.4
Zum gleichen Ergebnis würde im Übrigen die substituierte Begründung führen, die Mitteilung vom
6.
September 2011
, welche die ursprüngliche Rentenver
fügung
vom 1
1.
November 2010
bestätige, sei aufgrund der vorerwähnten Gründe offensichtlich unrichtig und deshalb in Wiedererwägung zu ziehen.
In solchen Konstellatione
n kann der Rentenanspruch ex
nu
n
c
et pro
futuro
ohne Bindung an die ursprüngliche Verfügung in allen seinen Teilen neu beurteilt werden
.
Grund dafür ist die Überlegung, dass
die Mitteilung vom
6.
September 2011 an Stelle der ursprünglichen Rentenverfügung vom 1
1.
November 2010 getreten ist und diese
im Fall des wiedererwägungsweisen Zurückkommens auf die Mitteilung vom
6.
September 2011 nicht wieder auflebt
(BGE 140 V 514
E. 5.2; vgl. auch die Urteile des Bundesgerichts 9C_725/2018 vom
6.
März 2019 E. 4-5 sowie 9C_346/2019 vom
6.
September 2019 E. 4.4).
5.
5.1
Nach den Richtlinien zur Beweiswürdigung weicht das Gericht praxisgemäss nicht ohne zwingende Gründe von Gerichtsgutachten ab. Die Richtlinien messen den Gerichtsgutachten, unter Vorbehalt abweichender Ergebnisse im Rahmen fallweiser pflichtgemässer Beweiswürdigung, höheren Beweiswert zu als den Administrativgutachten (BGE 143 V 269 E. 6.2.3.2 mit weiteren Hin
weisen).
Das vom Gericht eingeholte
polydiszi
plinäre Gutachten der
E._
vom 3
1.
Dezember 2019 ist
für die streitigen Belange umfassend,
beruht
auf allseiti
gen Untersuchungen,
berücksichtigt
die geklagten Beschwerden
und die fremd
anamnestischen Angaben des Arbeitgebers der Beschwerdeführerin
,
ist
in Kenntnis
und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden,
leuchtet
in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein
und
enthält nachvollziehbar
begründete
Schlussfolgerungen (
Urk.
43/1 S. 5-35;
BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Demnach kann zur Beurteilung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit ab
1.
Januar 2015
(zur vorherigen Entwicklung der Arbeitsfähigkeit wird in der Expertise nicht Stellung genommen; vgl.
Urk.
43/1 S.
30
)
grundsätzlich auf
das Gerichts
gutachten der
E._
abgestellt werden.
Dieses hat höheren Beweiswert als das vom Unfallversicherer eingeholte
Administrativg
utachten der
C._
vom 1
1.
Juli 2014 (
Urk.
7/58/2), welches verschiedene Mängel aufweist (
vgl. nachfolgend E.
7.
2.1
), und
als
die Einschätzung des behandelnden Neuro
logen
Dr.
D._
.
5.2
Entgegen
der
Ansicht
der Beschwerdeführerin
(
Urk.
50 S. 2 und 5) haben sich die Gutachter mit den Ergebnissen des Coachings durch
Dr.
D._
und die Case Managerin des Unfallversicherers
und
mit den gescheiterten Versuchen einer Erhöhung des Arbeitspensums auf 50
%
auseinandergesetzt. Ebenso haben sie
ihre
subjektive Einschätzung der
Leistungsfähigkeit
und die fremdanam
nestisch erhobenen Angaben ihres Arbeitgebers
im Gutachten
eingehend
dargelegt und
gewürdigt
(
Urk.
43/1 S. 19 und 33 in
fine
und 34 in
fine
,
Urk.
43/2
S. 10-13 und
S. 19
,
Urk.
43/4 S. 39-40
).
Es leuchtet ohne Weiteres ein, dass der Arbeitgeber zur Beurteilung
der
(quanti
tativen) beruflichen Leistungsfähigkeit
der Beschwerdeführerin angesichts ihrer besonderen Beeinträchtigungen
praktisch einzig auf ihre subjektiven Angaben abstellen konnte.
Die
E._
-Gutachter hatten ihre
Arbeits
fähigkeit indessen aus objektiver Sicht zu beurteilen (vorstehend E. 1.1).
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin haben
s
ie
nachvollziehbar
dargelegt, dass
s
ie (und ihr Arbeitgeber) ihre effektive Leistungsfähigkeit leicht unterschätzte
. Dies liegt nach überzeugender
Begründung
der
Sachverständigen
zum einen w
ohl
an
der initialen
(tieferen)
Einschätzung der verbleiben
d
en Arbeitsfähigkeit durch
Dr.
D._
, zum anderen
an
einer Beteiligung psychischer Faktoren am Beschwerdebild. Die
ausführliche (
neuro
)psychologische Testung ergab
das Bild einer Person, welcher der Einblick in beziehungsweise das Verständnis für ihr eigenes Verhalt
en fehlt
,
die psychische Probleme
wie eine erhöhte Ängstlich
keit und Versagensängste abwehrt
bis verleugne
t und die u
nter Belastung spezi
fische somatische Beschwerden
entwickelt
(
Urk.
43/1 S. 27 f.).
Während
der Ferienvertretung des Kredit
Officer der Bank arbeitete
die Beschwerdeführerin
jeweils etwas me
hr, n
ämlich vier Vormittage pro Woche. Dabei kam sie an ihre Grenzen und reagierte mit Kopfschmerzen und Schlafstörungen. Grund dafür
war laut den Gutachtern
aber
nicht die Erhöhung des Arbeitspensums; vielmehr führten
die mit der
V
ertretung des Kredit
Officer verbundenen höheren inhalt
lichen A
rbeitsa
nforderungen, das eigenverantwortliche Fällen von Entscheidun
gen und das Einhalten von Fristen
zu
r
Dekompensation
(
Urk.
43/1 S. 26)
.
Dass die Beschwerdeführerin wegen der Unfallfolgen mit solchen Tätigkeiten über
fordert ist, ergibt sich aus
den
in der Expertise detailliert a
uf
gelisteten
funktionellen Einschränkungen mit Bezugnahme auf
das konkrete berufliche
Umfeld (
Urk.
43/1 S. 24 f.).
Bei einer rein zeitlichen Mehrbelastung ohne Ausweitung des inhaltlichen Anforderungsprofils
ist
demgegenüber
laut den Gutachtern
mit einer mittelfristigen Adaptation und dem Nachlassen anfäng
licher Stres
s
symptome zu
rechnen
(
Urk.
43/1 S.
26)
.
Die medizinische
Folgen
abschätzung beziehungsweise die Festsetzung der Restarbeitsfähigkeit in Prozenten eines Vollpensums trägt
sodann
notwendigerweise Ermessenszüge. Die gutachterlich attestierte Restarbeitsfähigkeit liegt zwischen den Ein
s
chätzungen des
beratenden
Rheumatologen
Dr.
D._
und der Gutachter der
C._
,
wobei die letzteren eine etwas weniger ausgeprägte unfall
kausale Anfangsverletzung annahmen, welche nun jedoch seitens der
E._
-Gutachter gut untersucht und überzeugend als etwas schlimmer
befundet
wurde. Mithin ist die Einschätzung einer 50%igen Arbei
tsfähigkeit im konkreten Fall
gut und überzeugend begründet. Sie liegt – am Rande erwähnt - auch im Rahmen
der
vom Bundesgericht beurteilten Fälle mit
h
omonymer Hemianopsie
(und zusätzlichen Beeinträchtigungen)
,
wo
jeweils ebenfalls von einer
rund
50%igen Restarbeitsfähigkeit ausgegangen wurde (Urteile des
Bundesgerichts
I 6/07 vom 2
1.
Januar 2008 E. 3.
3
sowie
8C_384/2010
vom 1
2.
Dezemb
er 2011
E. 7
).
Die
Behauptung
der Beschwerdeführerin, die neurologische Gutachterin habe einfach aus ihrer sporadischen Ferienstellvertretun
g des K
redit Officer im Rahmen eines 40%igen Pensums darauf geschlossen, dass sie ihre üblichen ein
facheren Tätigkeiten auch zu 50
%
ausüben könnte
(
Urk.
50 S. 6)
, findet im Gutachten keine Stütze.
Wie bereits weiter oben dargelegt, kann die Beschwer
deführerin aus dem Umstand, dass sie seit Jahren unverändert mit einem Pensum von 30
%
angestellt ist und einen entsprechenden Lohn erhält (
Urk.
50 S. 6-7), nichts zu ihren Gunsten ableiten; entscheidend ist, welches Arbeitspen
sum ihr bei objektiver Betrachtung zumutbar wäre.
Die Kündigung der Stelle bei der Bank per 3
1.
Juli 2020
(
Urk.
50 S. 3 f.)
ist erst nach Erlass der angefochtenen Verfügung vom 2
6.
November 2015 erfolgt
, welche
die zeitliche Grenze
d
er
richterlichen
Überprüfungsbefugnis markiert
.
D
eshalb
ist sie im vorliegenden Verfahren
grundsätzlich unbeachtlich. Soweit daraus Rückschlüsse auf die Verhältnisse bei Erlass der angefochtenen Verfü
gung getroffen werden können, ist
F
olgendes zu beachten:
Die Stelle wurde der Beschwerdeführerin gekündigt, nachdem sie ihrem neuen Chef im April 2020
mitgeteilt hatte, dass sie die Stellvertretung des Kredit Officer aus gesundheit
lichen Gründen nicht mehr übernehmen könne (
Urk.
51/1). Dass ihr dieser Teilbereich ihrer bisherigen Funktion bei der Bank nicht mehr zumutbar
ist
, ergibt sich auch aus dem
E._
-Gutachten (
Urk.
43/1 S. 26).
Aus der Kündigung
(
Urk.
51/3)
und dem
Begründungss
chreiben des Arbeitgebers vom
6.
Mai 2020 (
Urk.
51/2)
lässt sich aber nicht ableiten, dass die Beschwerdeführerin mit ihren einfacheren, von den Gerichtsgutachtern als
im Rahmen eines Beschäftigungs
pensums von 50
%
zumutbar
erachteten Tätigkeiten
(
Urk.
43/1 S. 26)
überfor
dert war.
Vielmehr ergibt sich aus diesem Schreiben, dass das Anforderungs
profil der Funktion des Kredit Officer (und damit auch der Stellvertretung) in den letzten Jahren
wegen
des starken Wachstums des Kreditgeschäfts
anspruchsvoller wurde
und die Organisationsstruktur der Bank angepasst werden musste
(
Urk.
51/2).
5.3
Somit ergibt sich
aus
dem
E._
-Gutachten vom 3
1.
Dezember 201
9
, dass
die Beschwerdeführerin
spätestens seit Januar 2015
in
der
optimal
leidens
ange
passten
Tätigkeit
bei der Bank mit in hohem Masse vorstrukturierten Aufgaben (interne Schlusskontrolle bei Kreditabschlüssen, Erledigung einfacher Steuer
erklärungen, vereinzelte Unterstützung der Kundenberater bei der Finanz
planung, kein Kundenkontakt und Zeitdruck sowie keine Notwendigkeit, Entscheidungen zu treffen)
und ohne die Stellvertretung des Kredit-Officer
zu 50
%
arbeitsfähig
ist
. Diese Restarbeitsfähigkeit gilt auch für vergleichbare Verweisungstätigkeiten (
Urk.
43/1 S. 26 f.)
.
Da aufgrund der übrigen Akten eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustandes
und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin seit der Zusprechung einer ganzen Rente mit Verfügung vom 1
1.
November 2010 (
Urk.
7/37)
ausgewiesen ist
(vorstehend E. 4)
, stellt die Beurteilung der
E._
-Gutachter nicht einfach eine andere Einschätzung des gleich gebliebenen Gesundheitszustandes dar.
6.
6.1
Zu prüfen bleibt
anhand
eines
V
ergleichs des
Valideneinkommens
mit dem Invalideneinkommen
, wie sich die Verbesserung der medizinisch-theoretischen Restarbeitsfähigkeit in erwerblicher Hinsicht auswirkt (vorstehend E. 1.3).
Mass
gebend
sind die Verhältnisse im
Zeitpunkt der
(hypothetischen)
Anpassung des Rentenanspruchs (Urteil des Bundesgerichts 8C_486/2019 vom 18. September 2019 E. 7.4
), hier also im Jahr 2015.
6.2
6.2.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung wird für die Ermittlung des
Valideneinkommens
in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesund
heitsschaden fortgesetzt worden wäre
. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein
(BGE 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
Da die Invaliditätsbemessung
der voraussichtlich bleibenden oder längere Zeit
dauernden Erwerbsunfähigkeit zu entsprechen hat (vgl.
Art.
8
Abs.
1 ATSG), ist auch die berufliche Weiterentwicklung zu berücksichtigen, die eine versicherte Person normalerweise vollzogen hätte; dazu ist allerdings erforderlich, dass konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass ohne gesundheitliche Beeinträch
tigung ein beruflicher Aufstieg und ein entsprechend höheres Einkommen tatsächlich realisiert worden wären. Blosse Absichtserklärungen genügen nicht. Vielmehr muss die Absicht, beruflich weiterzukommen, bereits durch konkrete Schritte wie Kursbesuche, Aufnahme eines Studiums etc. kundgetan worden sein (
BGE 145 V 141 E. 5.2.1;
Urteil
des Bundesgerichts 8C_575/2018 vom 3
0.
Januar 2019 E. 5.1 mit Hinweisen
).
6.2.2
Zur Erwerbslaufbahn
ist
den Akten
zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin die kaufmännische Lehre abschloss und ab August 2003 bei der
Z._
als Kreditsachbearbeiterin arbeitete (
Urk.
15/2,
Urk.
43/1
S. 38). Per
1.
Juli 2004 erhielt sie die Handlungsvollmacht (
Urk.
16/7), ab dem 2
5.
Januar 2006 wurden ihr weitere Kompetenzen in der Kreditabteilung erteilt (
Urk.
16/5).
Ab 2005 absolvierte sie berufsbegleitend die Ausbildung zur Bank
fachfrau
mit eid
genössischem Fachausweis, welche sie 2007 abschloss (
Urk.
7/73,
Urk.
15/2). Per
1.
Juli 2007 wurde sie zur Prokuristin befördert (
Urk.
16/4).
Im August
2008 erlangte sie zudem aufgrund der erfolgreich
zu Ende geführten
berufsbegleitenden Ausbildung
den
eidgenössisch
en Fachaus
weis Finanzplanung
(
Urk.
7/72)
.
Bereits a
b
April 2008
wurde
mit ihr aufgrund der erfolgreichen Ausbildungen ein neuer Vertrag abgeschlossen
als Kunden
beraterin für sämtliche in der Kreditabteilung anfallenden Arbeiten
mit Kollektivprokura
und sie wurde
– gemäss Darlegung von
K._
-
mit der Stellvertretung des Leiters Kredite betraut
(
Urk.
15/2,
Urk.
43/1 S. 38).
Am
4.
Juli 2008
erlitt sie ihren Unfall.
6.2.3
Da die Beschwerdeführerin eine berufliche Weiterentwicklung im Gesundheits
fall im Sinne eines Aufstiegs in die Geschäftsleitung
der
Z._
geltend macht (
Urk.
1 S. 31 ff.), ist zu prüfen, ob
genügend
konkrete Anhaltspunkte
für einen solchen beruflichen Aufstieg bestehen
.
A
us der Zeit vor dem Unfall
sind keine schriftlich dokumentierten Absprachen mit dem Arbeitgeber
über den weiteren beruflichen Karriereweg
vorhanden.
Den
E._
-Gutachtern gab der Direktor
der
Z._
an,
die Bank mache mit ihren Mitarbeitern grundsätzlich keine Zielvereinbarungen (
Urk.
43/2 S. 13).
Auch im Falle der Beschwerdeführerin war das offenbar nicht anders, reichte der Direktor
K._
solche doch nicht nach (
Urk.
43/2 S. 13)
.
Die von d
er Beschwerdeführerin erwähnten, noch wenig
konkreten
(mündlichen)
Diskussionen mit den Vorgesetzen
(
Urk.
1 S. 32
)
über ihre
weiteren beruflichen
Entwicklungsmöglichkeiten
bilden noch kein
en
genügend
en
Anhaltspunkt für
die behauptete Karriere
im Gesundheitsfall
.
Zudem ist zu beachten, dass sie den Ärzten der
B._
, welche sie nach dem Unfall vom 1
0.
September bis 1
6.
Oktober 2008 behandelten, angab, geplant sei ein beruflicher Aufstieg als Finanzplanerin (
Urk.
7/
5/14
), also in erster Linie eine Fachkarriere.
Auch die Tatsache, dass sie die Prokura bekommen hatte, stellt noch keinen Hinweis auf eine weitere, naheliegende Beförderung dar, gemäss ihren eigenen Angaben verfügten sodann mehrere Mitarbeiter gleichzeitig mit ihr über eine Prokura (
Urk.
7/5/14).
Von
einer hypothetischen Beförderung
in die Geschäftsleitung sprach sie erstmals im Einwand vom
4.
September 2015 gegen die ihr am 2
4.
Juni 2015 von der IV-Stelle vorbeschiedene
A
ufhebung
der Rente
(
Urk.
7/64,
Urk.
7/76/3-4).
Am 1
3.
November 2017 gab
K._
auf Anfrage des Gerichts (
Urk.
15/1) die schriftliche Auskunft, jemand mit den Berufsabschlüssen und der Berufserfah
rung der Beschwerdeführerin arbeite in seiner Bank üblicherweise in der Funktion
als
stellvertretender Leiter Kredite. Später sei auch die Ausübung der Funktion Leiter Kredite möglich, sofern eine solche Kaderstelle zu besetzen sei (
Urk.
15/2 S. 2).
Diese Erklärungen des
Direktors
sind ebenfalls kein genügend konkreter
Anhaltspunkt für einen beruflichen Aufstieg
, da sie
konditional formuliert sind und
den Aufstieg
insbesondere vom Bestehen einer vakanten Kaderstelle abhängig machen
(
Urk.
15/2 S. 2
).
Die von der Beschwerdeführerin offerierte Befragung
von
K._
(
Urk.
1 S. 32) kann unterbleiben, da davon auszugehen ist, dass er die bereits schriftlich
(nach dem gerichtlichen Hinweis, dass er später als Zeuge einvernommen werden könne [
Urk.
15/1])
gemachten Aussagen im Rahmen einer Befragung als Zeuge bestätigen würde (antizipierte Beweiswürdigung;
BGE 137 V 64 E. 5.2
).
K._
, der als Direktor dieser eher kleinen regionalen Bank nach eigenen Angaben die Beschwerdeführerin seit 20 Jahren kannte, beschrieb diese als vor dem Unfall «hochintelligente, analytische Person, die stark im Kopf gewesen sei». Deshalb habe sie vor dem Unfall die beschriebenen
Beförderungen erhalten (
Urk.
43
/2 S. 10). Dabei hatte es sich um
mit ihrem Fachwissen verbundene
Beförderungen gehandelt, jedoch noch nicht um eine eigentliche Führungs
position. Bei den während der Tä
tigkeit abgeschlossenen Zusatza
usbildungen zur Bankfachfrau und Finanzplanerin werden primär Fachkenntnisse
zwecks Übernahme fachlicher Verantwortung vermittelt (vgl. etwa https://www.ausbildung-weiterbildung.ch/bankfachfrau-bankfachmann-info.html). Die Weiterbildungen und die bisherige erfolgreiche Fachkarriere allein qualifizierten die Beschwerdeführerin somit noch nicht für eine Führungsfunktion, welche die Tätigkeit als Geschäftsleitungsmitglied einer Bank oder diejenige einer Leiterin der Kreditabteilung fraglos beinhaltet.
Z
u beachten
ist auch
, dass die Beschwerdeführerin erst kurz vor ihrem Unfall den letzten Karriereschritt
gemacht
hatte
. Es ist deshalb – nicht zuletzt auch dem Arbeitgeber – unbekannt, wie sie sich
in der neuen Funktion
als Gesunde längerfristig
bewähr
t hätte.
Der nach dem Unfall tatsächlich durchlaufene beruflich-erwerbliche Werdegang
beim bisherigen Arbeitgeber, in dessen Rahmen sie mit der Ferienstellvertretung des Kredit-Officer Mühe bekundete (
Urk.
43/1 S. 26), hilft diesbezüglich nicht weiter.
Abschliessend ist festzustellen, dass es höchstens
im Bereich des Möglichen
ist,
dass die Beschwerdeführerin
in die behauptete Position aufgestiegen wäre.
Ins
gesamt bestehen
nach dem Gesagten
aber zu viele Faktoren, welche den geltend gemachten beruflichen Aufstieg im Gesundheitsfall als
nicht hinreichend gesichert
erscheinen lassen, als dass ein solcher als überwiegend wahrscheinlich betrachtet werden könnte.
D
amit bleibt es gemäss der Rechtsprechung dabei
, dass
die Beschwerdeführerin
bei Erlass der angefochtenen Revisionsverfügung im Jahr 2015 als Gesunde weiterhin in ihrer letzten Position als Kundenbera
terin für sämtliche in der Kreditabteilung anfallenden Arbeiten
gemäss dem Dienstvertrag vom
2.
April 2008
und
als
Stellvertreterin des Leiters Kredite tätig gewesen wäre.
Auf weiter
e
Beweisabnahmen kann mangels geltend gemachter klarer und konkreter Zusagen verzichtet werden (
Urk.
1 S. 32).
6.2.4
Die IV-Stelle hat zur Festsetzung des
Valideneinkommens
den
letzte
n
vor dem Unfall
erzielte
n
Lohn
in der Position als Kundenberaterin Kredite und Stellver
treterin des Leiters Kredite im Jahr 2008 von
Fr.
111'475.
--
(
Urk.
7/6/3,
Urk.
16/3
)
der Nominalloh
nentwicklung bis 2015 angepasst und
so
ein Einkommen von
Fr.
120'565.-- ermittelt
(
Urk.
2
,
Urk.
7/24,
Urk.
7/61)
. Der
Arbeitgeber gab auf Anfrage des Gerichts
in seiner schriftlichen Auskunft vom 1
3.
November 2017
an, die Beschwerdeführerin hätte im Gesundheitsfall ab
1.
Januar 2015 in
der gleichen Position rund
Fr.
125'000.-- verdient (
Urk.
15/2
; vgl. auch
Urk.
15/1
). Dieser
vom Arbeitgeber angegebene und deshalb
der
konkreten
Lohnpolitik
im Betrieb Rechnung tragende Lohn ist als
Validenein
kommen
einzusetzen
.
Dieser Lohn weicht zwar um rund
Fr.
5'000.— vom bis 2015 der Nominallohnentwicklung angepassten Ausgangslohn von 2008 von
Fr.
111'475.— ab (vgl. Bundesamt für Statistik, T1.93 Nominallohnindex 1993-2019, Index 1993=100, Total Frauen, 2008: 123.5, 2015: 132.7; [im Internet abrufbar] und damit angepasst
bis 2015
:
Fr.
119'779.--). Doch ist zu beachten, dass eine solche betriebliche Abweichung vom statistisch angepassten Lohn im Verlauf von sieben Jahren zum einen nicht aussergewöhnlich ist. Zum anderen wurden bei der Neufestsetzung des Lohnes im Jahr 2008 gemäss dem Vertrag vom
2.
April 2008 zwar die erfolgreiche Ausbildung zur Bankfachfrau und bereits der Lehrgang Finanzplanung berücksichtigt; die Tatsache jedoch, dass die Beschwerdeführerin damals auch die Stellvertretung des Leiters Kredit über
nahm, wurde nic
ht in der Vereinbarung erwähnt,
weshalb auch darin ein gewisser finanzieller Nachholbedarf während der Folgejahre gesehen werden kann, so dass der - verglichen mit der Nominallohnentwicklung –
überpro
portionale
Lohnanstieg plausibel erscheint
.
6.3
6.3.1
Für die Festsetzung des trotz Gesundheitsschädigung
zumutbarerweise
noch realisierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 139 V 592 E. 2.3; 135 V 297 E. 5.2; 129 V 472 E. 4.2.1; 126 V 75 E. 3b/
aa
).
Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Recht
sprechung die LSE-Tabellenlöhne herangezogen werden
(Urteil des Bundes
gerichts
8C_811/2018 vom 1
0.
April 2019
E. 5.3 mit Hinweisen).
6.3.2
Die Beschwerdeführerin schöpfte die zumutbare Restarbeitsfähigkeit von 50
%
Anfang 2015 mit ihrer Tätigkeit beim angestammten Arbeitgeber im 30
%
-Pensum
(
Urk.
15/2)
nicht voll aus.
Es fehlen hinreichende Anhaltspunkte dafür, dass sie ihr 30%iges Beschäftigungspensum bei der
Z._
Anfang 2015 auf ein 50
%
-Pensum, beschränkt auf die von den
E._
-Gutachtern definierten leidensangepassten Tätigkeiten, hätte erhöhen können, wenn sie dies gewollt hätte. Aus dem Umstand, dass
ihr die Stelle per 3
1.
Juli 2020 gekündigt wurde,
nachdem sie ihrem Chef mitgeteilt hatte, die Stellver
tretung des Kredit Officer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr über
nehmen zu können (
Urk.
51/1),
kann nämlich geschlossen werden, dass die
Übernahme der Stellvertretung für den Arbeitgeber unabdingbare Voraus
setzung für die Aufrechterhaltung des Beschäftigungsverhältnisses war
. Dieser Teil
bereich
ihrer
bisherigen Funktion in der Bank
ist der Beschwerdeführerin nach dem Gesagten aber gesundheitsbedingt nicht mehr zumutbar.
Deshalb sind für die Bestimmung des Invalideneinkommens die
LSE-
Tabellenlöhne heranzu
ziehen.
Die Beschwerdeführerin
ist
seit ihrer Lehre in der Bank- und Finanzbranche tätig
.
Sie
hat
zwei Weiterbildungen
zur Bankfachfrau und
zur
Finanzplanerin
abgeschlossen
(
Urk.
43/1 S. 38). Nach übereinstimmender Einsch
ätzung von
Dr.
D._
und der Gerichtsgutachter der
E._
kann sie die verbliebene Restarbeitsfähigkeit auch
leidens
bedingt am besten in der angestammten
Finanz
branche verwerten (
Urk.
7/21,
Urk.
43/1 S. 26 f.
).
Soweit die Beschwerde
führerin einwendet,
e
s sei unrealistisch, dass sie mit ihren Behinderungen wieder eine Stelle bei einer Bank finden
werde (
Urk.
50 S. 4)
,
kann ihr
nicht
gefolgt werden
.
Wie bereits dargelegt, erhielt sie von
der
Z._
erst per Juli 2020
die Kündigung
und
dies
nur, weil sie die Stellvertre
tung des Kredit Officer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr übernehmen kann und die interne Organisation der Bank veränderten Anforderungen ange
passt wird (vorstehend E. 5.2).
Es kann ohne Weiteres davon ausgegangen werden
, dass s
ie mit ihrer langjährigen Berufserfahrung, de
n
durch Weiter
bildungen vertieften Fachkenntnisse
n
und der verbleibenden Restarbeitsfähig
keit von 50
%
auf dem hier massgeblichen ausg
eglichenen Arbeitsmarkt
(vgl. vorstehend E. 1.1)
für Mitarbeiter in der
Finanz
branche
im Jahr 2015
als Arbeitnehmerin gefragt
war
,
und zwar
auch unter Berücksichtigung ihrer gesundheitsbedingten Einschränkungen (
in hohem Masse vorstrukturierte Aufgaben ohne Kundenkontakt, Zeitdruck sowie ohne die Notwendigkeit, Entscheidungen zu treffen).
Es kann deshalb auf das statistische Durchschnitts
einkommen in der Finanzbranche abgestellt werden (Urteil
e
des Bundesgerichts
8C_457/2017 vom 1
1.
Oktober 2017 E. 6.2 sowie
8C_811/2018 vom 1
0.
April 2019 E. 5.3 mit
weiteren Hinweisen).
Dabei sind die Daten der LSE 2012 (und zwar die nach dem Kompetenzniveau differenzierte Tabelle TA 1 [
Urteil des Bundesgerichts
8C_575/2018 vom 3
0.
Januar 2019
E. 5.1
]) und nicht diejenigen der LSE 2014 heranzuziehen; die einschlägige Tabelle TA1 der LSE 2014 wurde nämlich erst am 1
5.
April 2016 veröffentlicht, mithin nach dem Verfügungs
zeitpunkt (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 9C_414/2017 vom 2
1.
September 2017 E. 4.2 sowie die Angaben auf www.bfs.admin.ch).
Gemäss der
LSE
belief sich das durchschnittliche Einkommen der Frauen
im Sektor Finanzdiens
t
leistungen
für Tätigkeiten
mit dem Kompetenzniveau 3 (komplexe praktische Tätigkeiten, welche ein grosses Wissen in einem Spezial
gebiet voraussetzen)
im Jahr
201
2
auf
Fr.
7’170
.--
im Monat (
LSE
2012
,
Privater Sektor, TA1
,
Ziff.
64, 66
). Umgerechnet auf die betr
iebsübliche Arbeits
zeit von 41,5
Stunden pro Woche (Bundesamt für Statistik
[BFS]
, Betriebs
übliche Arbeitszeit nach Wirtschaftszweigen
in Stunden pro Woche
, im Internet abrufbar) und angepasst an die Nominallohnerhöhung
(BFS, Schweizerischer Lohnindex nach Branche [
Index Basis
2010 = 100; im Internet abrufbar],
Nominallohnindex
Frauen
2011 – 2018,
T1.2.10, Finanz- und Ver
sicherungs
dienstleistungen; 2012: 102,8; 2015: 106,
1)
resultiert für das Jahr 2015 ei
n Einkommen von
Fr.
92'132.10
(
Fr.
7
'
170
.--
: 40 x 41,5
x 12 : 102,8
x 106,1
).
Der Ve
rgleich mit dem im Jahr 2015
bei der
Z._
erziel
ten Bruttolohn
von (umgerechnet auf ein Vollzeitpensum)
Fr.
118'240.50
(
Fr.
35'472.
15 :
30 x 100 [
Urk.
16/10/3])
zeigt, dass die Erzielung eines solchen Lohns realistisch ist
(vgl. dazu auch den im Urteil des Bundesgerichts 8C_575/2018 vom 3
0.
Januar 2019 E. 5 beurteilten Fall)
. Das Abstellen auf den Ta
bellenlohn von monatlich
Fr.
6'536
.-- für Tätigkeiten mit dem niedrigeren Kompetenzniveau 2 (Praktische Tätigkeiten wie Verkauf/Pflege/Datenver
arbeitung und Administration/Bedienen von Maschinen und elektronischen Geräten/Sicherheitsdienst/Fahrdienst) würde demgegenüber
den Fachkennt
nissen der Beschwerdeführerin nur
ungenügend Rechnung tragen
.
Zwar
erscheint das
Valideneinkommen
von
Fr.
125'000.-- verglichen mit dem gestützt auf die LSE ermittelten statistischen Branchenlohn überdurch
schnittlich. Dafür mögen verschiedene Gründe – wie
das in den Akten durchscheinende
Wohlwollen der Vorgesetzten,
das lange Arbeitsverhältnis und
gute Arbeitsleistungen
während längerer Zeit -
verantwortlich sein
.
Es kann aber nicht davon ausgegangen werden, d
ass die Beschwerdeführerin als Invalide
auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
erneut solche Arbeitsbedingungen vorfindet und
überdurchschnittliche Leistungen zu erbringen vermag. Deshalb besteht kein Grund, das statistische Invalideneinkommen zu erhöhen
(vgl. das Urteil des Bundesgerichts
I 130/06 vom
9.
Mai 2007 E. 9
.3).
Wir
d
der statis
tische Lohn von
Fr.
92'132.10
im Vollzeitpensum
auf das zumutbare Pensum
von 50
%
umgerechnet,
res
ultiert ein Einkommen von
Fr.
46'066.05
.
Da die Beschwerdeführerin leidensbedingt nur noch in hohem Masse vorstruk
turierte Aufgaben ohne Kundenkontakt, Zeitdruck sowie ohne die Notwendig
keit, Entscheidungen zu treffen, versehen kann,
muss sie mit unterdurchschnitt
lichen Lohnansätzen rechnen; deshalb
rechtfertigt sich ein Abzug vom statistischen Durchschnittslohn in Höhe von 10
%
. Mitberücksichtigt ist dabei der
(
nicht wesentlich ins Gewicht fallende
)
Umstand, dass die Beschwerdefüh
rerin laut den
E._
-Gutachtern bei einem Stellenwechsel
mit Erhöhung des Beschäftigungsgrads auf 50
%
behinderungsbedingt eine etwas längere Ein
arbeitung
sphase benötigt (
Urk.
43/1 S. 26 f.
,
Urk.
50 S. 4). Dass die Beschwerdeführerin nur noch teilzeitlich zu 50
%
arbeiten kann, rechtfertigt demgegenüber keinen Abzug vom Tabellenlohn (vgl. zum ganzen
Meyer/
Reichmuth
, a.a.O.,
Art.
28a
Rz
100 ff.).
Demnach beläuft sich d
as Invali
deneinkommen auf
Fr.
41'459.4
5.
6.4
W
i
rd das
Valideneinkommen
von
Fr.
125'000.--
mit dem Invalideneinkommen von
Fr.
41'459.45
verglichen,
resultiert
bei einem invaliditätsbedingten Minder
verdienst von
Fr.
83'540.5
5
ein Invaliditätsgrad von
67
%
. Dieser Berechtigt zum Bezug einer
Dreiviertelsrente
(vorstehend E. 1.3).
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung aufzuheben und es ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin ab
1.
Januar 2016 (
vgl.
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. a IVV
) Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
hat.
7.
7.1
7.
1
.1
Art.
43
Abs.
1 ATSG schreibt vor, dass der Versicherungsträger die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vornimmt. Lagert er diese Aufgabe - zulässigerweise - an externe Abklärungsstellen aus, so hat er sicherzustellen, dass er von den beauftragten Stellen alle
entscheiderheblichen
Angaben in der erforderlichen Qualität erhält (vgl. BGE 137 V 210 E. 3.2). Laut
Art.
45
Abs.
1 ATSG übernimmt der Versicherungsträger die Kosten der Abklärung, soweit er die Massnahmen angeordnet hat (Satz 1). Hat er keine Massnahmen angeordnet, übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Massnahmen für die Beurteilung des Anspruches unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesproche
ner Leistungen bilden (Satz 2).
Mit
BGE 139 V 496
E. 4.4 hat das Bundesgericht für den Bereich der Invaliden
versicherung Kriterien aufgestellt, die bei der Beurteilung der Frage zu berück
sichtigen sind, ob die Kosten eines Gerichtsgutachtens der Verwaltung auferlegt werden können. Es erwog, es müsse ein Zusammenhang bestehen zwischen dem Untersuchungsmangel seitens der Verwaltung und der Notwendigkeit, eine Gerichtsexpertise anzuordnen. Dies sei namentlich
der Fall,
wenn die Verwal
tung zur Klärung der medizinischen Situation notwendige Aspekte unbeantwor
tet gelassen oder auf eine Expertise abgestellt habe, welche die Anforderungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage nicht erfülle.
7.1.2
Für die revisionsweise Rentenaufhebung stützte sich die IV-Stelle auf das
vom Unfallversicherer in Auftrag gegebene
neurologisch-neuropsychologisch-psychiatrische Gutachten der
C._
vom
1
1.
Juli 2014 (
Urk.
7/58)
, eigene eingehendere Abklärungen tätigte sie keine.
Diese Administrative
xpertise beruht zwar auf vielseitigen, aufwändigen Abklärungen. Sie weist
aber auch erhebliche Mängel auf.
Nebst den von der Beschwerdeführerin (
Urk.
1
S. 28-30
) und
Dr.
D._
im Bericht vom
2
4.
September 2014 (
Urk.
7/74)
genannten, nicht einfach von der Hand zu
weisenden
Unzulänglichkeiten
(Unterschätzung der Schwere des erlittenen Hirnschadens, ungenügende Prüfung der Dauer
belastbarkeit)
fällt insbesondere
F
olgendes ins Gewicht:
Die Gutachter der
C._
hätten angesichts der erheblichen Diskrepanz ihrer Einschätzung zu derjenigen der behandelnden Ärzte und des Arbeitgebers eine aktuelle Stellungnahme beim Arbeitgeber und allenfa
lls
Dr.
D._
einholen müssen.
Dies gilt umso mehr,
als
die Beschwerdeführerin vor und nach dem Unfall beim gleichen Arbeitgeber
tätig war
und ihre Wiedereingliederung nach dem Unfall durch ein Coaching von
Dr.
D._
und der Case Managerin des Unfallversicherers begleitet wurde. Deshalb konnte
die
nach dem Unfall
am Arbeitsplatz über einen längeren Zeitraum gezeigte Leistungsfähigkeit speziell bei geistigen Tätigkeiten (Daueraufmerksamkeit/-belastung) wertvolle Hinweise zur Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit liefern (vgl. auch das Urteil
des Bundesgerichts
8C_411/2015
vom 1
7.
September 2015
E. 5.2). Mangels einer eingehenden Auseinandersetzung mit den konkreten Arbeitsleistungen beruht das Gutachten nicht auf allseitigen Abklärungen, und es fehlt eine überzeu
gende Begründung der stark abweichenden gutachterlichen Beurteilung.
Zudem erwähnte
Dr.
H._
in seinem Teil des Gutachtens nebst der Einschränkung der Leistungsfähigkeit um 30
%
in allen Tätigkeiten, welche ein visuelles Explorie
ren erfordern (also praktisch in sämtlichen Tätigkeiten), einen zusätzlichen vermehrten Pausenbedarf bei Bürotätigkeiten (also ebenfalls praktisch bei sämt
lichen Arbeiten der Beschwerdeführerin) wegen der
h
omonymen Hemianopsie
(
Urk.
7/58/27). Dieser führt grundsätzlich zu einer Verringerung der effektiv zur Verfügung stehenden Arbeitszeit. Demgegenüber wurde der Beschwerdeführerin bei der abschliessenden interdisziplinären Beurteilung wegen der Hemianopsie eine Leistungseinbusse von 30
%
ohne zeitliche Einschränkung der Arbeits
fähigkeit in der angestammten Tätigkeit attestiert (
Urk.
7/58/34).
Die von
Dr.
D._
benannten Mängel
des Gutachtens der
C._
wurden im Übrigen nachträglich von den
E._
-Gutachtern grösstenteils bestätigt (
Urk.
43/1 S. 31-34,
Urk.
43/2 S. 21,
Urk.
43/4 S. 41-43
).
Die IV-Stelle hätte deshalb nicht ohne
eigene,
weitere Abklärungen
über den Rentenanspruch entscheiden dürfen. Da sie ihre Abklärungspflicht verletzt hat, dürfen ihr die Kosten des
Gerichtsg
utachtens der
E._
vom 3
1.
Dezember 2019 (
Urk.
43/1-6)
im Grundsatz
auferlegt werden.
Weil das Gerichtsgutachten für das parallel laufende Beschwerdeverfahren UV.2015.00196 der Beschwerdefüh
rerin gegen den Unfallversicherer zusätzliche
, hier nicht interessie
rende Fragen zur Unfallkausalität der Beeinträchtigungen und
zum Integritätsschaden
klärt, rechtfertigt es sich, der Invalidenversicherung
grundsätzlich
einen Drittel
der
K
osten aufzuerlegen.
7.
1
.
3
Im Rahmen der in
BGE 139 V 496
umschriebenen Grundsätze haben die IV-Stellen gestützt auf
Art.
45
Abs.
1 Satz 2 ATSG für die gesamten Kosten des Gerichtsgutachtens aufzukommen. Die kantonalen Gerichte sind in ihren
Vereinbarungen mit den Gutachter
stellen grundsätzlich nicht an den zwischen dem BSV und den MEDAS vereinbarten Tarif für Administrativgutachten gebunden, zumal Gerichtsgutachten oft mit einem grösseren Arbeitsaufwand verbunden sind und regelmässig die Funktion von Obergutachten erfüllen.
Abzulehnen ist insbesondere eine Lösung, die die Kantone im Umfang der den Tarif überschiessenden Kosten in die Pflicht nähme. Denn damit würde die mit BGE 137 V 210 aus Gründen der Verfahrensfairness angestrebte Zielsetzung, in vermehrtem Masse Gerichtsgutachten zu veranlassen, unterlaufen (BGE 143 V 269 E. 6.2.3.2-3 und 7.2).
Der vom BSV mit den MEDAS vereinbarte Tarif kann als Richtschnur dienen, an der sich die Beteiligten zu orientieren haben.
Das bedeutet, dass die Gründe darzulegen sind, weshalb im konkreten Fall die im betreffenden Tarif vorgesehenen Pauschalen nicht genügen (BGE 143 V 269 E.
7.3).
Mit den Gutachtern wurde – nachdem diese die Akten eingehend studiert
und die Begutachtung als besonders aufwändig eingeschätzt
hatten – ein ausser
ordentliches Kostendach von
Fr.
35'000.-- zuzüglich Diagnostik ve
reinbart (
Urk.
29,
Urk.
30-31).
Die in Rechnung gestellten Kosten von
Fr.
37'249.70 (
Fr.
35'000.-- zuzüglich Diagnostik;
Urk.
45)
für ein
Gutachten der Kategorie E
mit sechs Disziplinen
sind
zwar
eher
hoch.
Das Gerichtsgutachten hatte sich jedoch mit einer umfangreichen medizinischen Aktenlage auseinanderzusetzen, insbesondere auch
mit dem
rund 90
Seiten umfassenden
Administrativgut
achten der
C._
vom 1
1.
Juli 2014 (
Urk.
7/58)
und diversen, im Unfallversicherungsverfahren produzierten ausführlichen fachärztlichen Ansich
ten.
Es handelt sich folglich um ein eigentliches
Obergutachten.
Das
E._
-Gutachten beruht auf Abklärungen
in
sechs Disziplinen und
umfangreichen
Zusatzuntersuchungen (Laboruntersuchung,
Nachbefundung
der früheren MRI-Untersuchungen des Schädels und des
Neurocraniums
, elektrophysiologische Zusatzdiagnostik,
Perimetrie
Messung sowie verschiedene
neurootologische
Untersuchungen [
Urk.
43/1 S. 7]). D
es Weiteren
nahm
d
ie neurologische Gutachterin eine eingehende Befragung des Arbeitgebers der Beschwerdeführe
rin vor (
Urk.
43/2 S. 10 ff
.)
und das Gutachten wurde sehr sorgfältig und überzeugend erstellt und begründet
.
Dementsprechend weist
es
einen Umfang von
rund 220
Seiten
(inkl. Teilgutachten)
auf
(
Urk.
43/1-6).
Angesichts der
eher ungewöhnlichen
Unfallverletzungen der Beschwerdeführerin und
d
er zu b
eur
teilenden Arbeitsfähigkeit in einer
anspruchsvollen
Bürotätigkeit
mit hohen Anforderungen an die geistige (Dauer-)Leistungsfähigkeit
in spezifischen Funktionsbereichen
war die Fragestellung zudem ausserordentlich schwierig.
Nicht zuletzt deshalb
war die Suche einer geeigneten Gutachtenstelle
auch für das Gericht nicht einfach
und es bestand bei Ablehnung des von der
E._
ange
botenen Kostendachs die reale Gefahr, dass keine andere Gutachtensstelle
gefunden w
ürde
, welche bereit und in der Lage ist, ein Gutachten mit der gefor
derten Qualität zu einem tieferen
oder
ähnlich
hohen
Preis zu erstellen.
Aufgrund dieser Überlegungen
ist es
gerechtfertigt
, der IV-Stelle
einen Drittel
der
gesamten
Gutachtenskosten in Höhe von
Fr.
37'249.70, also
Fr.
12'416.55, aufzuerlegen.
7.2
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§ 34 Abs. 1 des
Gesetz
es
über das Sozialversiche
rungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Mit Blick auf die Eingaben der Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren sowie unter Berücksichtigung der
grossen
Bedeutung der Streitsache und des besonders aufwändigen Prozesses ist ihre Prozessentschädigung in einem ersten Schritt ermessensweise auf
Fr.
5’000.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzu
setzen.
Ist das Quantitative einer Leistung strittig, rechtfertigt eine
«
Überklagung
»
nach der in Rentenangelegenheiten ergangenen Rechtsprechung eine Reduktion der Parteientschädigung nur, wenn das ziffernmässig bestimmte Rechtsbegehren den Prozessaufwand beeinflusst hat (
Urteil des Bundesgerichts 8C_568/
2010 vom 3. Dezember 2010 E. 4.1).
Die Beschwerdeführerin obsiegt zu drei Vierteln. Die Kritik an der von den
E._
-Gutachtern attestierten Restarbeitsfähigkeit, welcher nach dem Gesagten nicht gefolgt werden kann, sowie die unzutreffenden Ausführungen zum beruf
lichen Aufstieg im Gesundheitsfall haben den Prozessaufwand beeinflusst (vgl.
Urk.
1,
Urk.
50). Die
Überklagung
hat den Prozessaufwand somit teilweise beeinflusst. Gesamthaft betrachtet rechtfertigt sich deshalb eine Kürzung der Prozessentschädigung um 10
%
auf
Fr.
4’
5
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) aufgrund des nur teilweisen Obsiegens.
7.3
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200-1000 Franken festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Im vorlie
genden, besonders aufwändigen Fall rechtfertigt sich die Auferlegung einer Kostenpauschale von
Fr.
1’000.--.
Die zur Parteientschädigung ergangene bundesgerichtliche Rechtsprechung zum «Überklagen» ist nicht auf die Verteilung der G
erichtskosten im kantonalen Ver
fahren übertragbar (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_568/2010 vom
3.
Dezember 2010 E. 4.2). Die Beschwerdeführerin obsiegt teilweise, indem sie weiterhin Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
hat; mit ihrem Antrag auf Zusprechung einer ganzen Invalidenrente (
Urk.
1 S. 2) unterliegt sie damit teil
weise. Es rechtfertigt sich, die Gerichtskosten entsprechend dem teilweisen Obsiegen zu drei Vierteln (
Fr.
750.--) der Beschwerdegegnerin und zu einem Viertel (
Fr.
250.--) der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.