Decision ID: ada4260c-eeb7-4045-b814-79d1d31d767c
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 19
67
,
bezieht seit September 2003
bei einem In
v
aliditätsgrad von 58 %
eine halbe Invalidenrente (
Urk.
8/A = 8/108) und
meldete sich am
1
1.
Oktober
200
6
bei der
Ge
meinde
A._
,
Amt
für Zusatzleistungen zur AHV/IV (
Durch
füh
rungsstelle
)
,
zum Bezug von Zusatz
leistungen an (Urk. 8/Anmeldung
= 8/110
).
Die Durchführungsstelle richtete dem
Versicherten Zusatzleistungen aus, wobei sie ihm jeweils ein hypothe
ti
sches Erwerbseinkommen anrechnete.
1.2
Mit Verfügung vom 21. März 2014 (Urk. 8/8) legte die Durchführungsstelle den Anspruch des Versicherten ab April 2014 auf monatlich Fr. 1‘225.-- fest, wobei
sie ein hypothetisches Erwerbseinkommen in Höhe von Fr. 19‘210.-- (und da
von
2/3) anrechnete. Die dagegen am 23. April 2014 (Urk. 8/9 = Urk. 8/184) erho
bene und am 10. Juni 2014 (Urk. 8/4 = Urk. 8/180) ergänzte Einsprache
wies die Durchführungsstelle mit
Ein
spracheentscheid
vom 2
0.
August 2014 (
Urk.
8/1 = 8/179 =
Urk.
2) ab
.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
2
0.
August
2014 (Urk. 2) erhob der Versi
cherte am
17
.
September
2014 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte
,
sinngemäss, es seien ihm unter Verzicht auf die Anrechnung eines hypothetischen Ein
kommens höhere Ergänzungsleistungen zuzusprechen
(S.
1
f.
).
Mit Beschwerdeantwort vom
8.
Oktober 2014 beantragte die
Beschwer
degegne
rin
die Abweisung der Beschwerde (Urk.
7
), was dem Beschwerdeführer am
1
4.
Oktober 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
9
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkann
ten
Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 des Bundes
gesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und In
validen
versicherung, ELG). Als Einnahmen angerechnet werden unter anderem Ein
künfte und Vermögenswerte, auf die verzichtet worden ist (Art. 11 Abs. 1
lit
. g ELG). (Teil-)Invaliden unter 60 Jahren ist bei einem Invaliditätsgrad von 50 bis unter 60 % mindestens der Höchstbetrag für den Lebensbedarf von Allein
steh
enden nach Artikel 10 Absatz 1 Buchs
tabe a Ziffer 1 ELG anzurechnen
; mithin
Fr.
19‘201.
--
jährlich
(Art. 14a Abs. 2
lit
. b der Verordnung über die
Ergän
zungs
leistungen
zur Al
ters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung [ELV] in Ver
bindung mit Art. 9 Abs. 5
lit
. c ELG).
1.2
Wird der Grenzbetrag in Art. 14a Abs. 2
lit
. b ELV nicht erreicht, insbesondere wenn keine Erwerbstätigkeit ausgeübt wird, gilt die Vermutung eines Verzichts auf Einkünfte im Sinne von Art. 11 Abs. 1
lit
. g ELG. Diese Vermutung kann
durch den Nachweis, dass invaliditätsfremde Gründe wie Alter, mangelhafte Aus
bildung und Sprachkenntnisse, persönliche Umstände oder die
Arbeits
markt
situation
die Verwertung der Resterwerbsfähigkeit
übermässig
erschweren oder verunmöglichen, widerlegt werden. Dabei besteht eine verstärkte
Mitwir
kungs
pflicht
der Bezügerin von Ergänzungsleistungen bei der
Sachverhaltsab
klärung
durch die Verwaltung (Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG) in dem Sinne, dass sie die Umstände geltend zu machen hat, welche nach ihrer Auffassung geeignet sind, die Ver
mutung eines Einkommensverzichts
umzustossen
. Werden solche Um
stände nicht
geltend gemacht und sind sie auch nicht ohne Weiteres ersichtlich, oder führen die Abklärungen zu keinem schlüssigen Ergebnis, hat die invalide Bezügerin die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen. Sie hat sich anrechnen zu lassen, was sie mit überwiegender Wahrscheinlichkeit trotz der gesundheitlichen Beeinträchti
gung an
Erwerbseinkommen
tatsächlich noch erzielen könnte (Ur
teil des Bunde
s
gerichts 9C_321/2013 vom 19. September 2013, E. 2.1-2).
1.3
Mit Bezug auf die invaliditätsbedingte Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit haben sich EL-Organe und Sozialversicherungsgerichte grundsätzlich an die
Invaliditätsbemessung durch die Invalidenversicherung zu halten (Urteil des Bun
desgerichts 9C_12/2013 vom 19. November
2013, E.
4.1). Diese Rechtsprechung bezieht sich auf Fälle, in denen sich die Invalidenversicherung mit der versi
cherten Person bereits befasst und diese rechtskräftig als
teilinvalid
qualifiziert hat
. Davon ausgenommen ist eine nach dem rechtskräftigen IV-Entscheid ein
getretene oder geltend gemachte gesundheitliche Veränderung.
Diesfalls
haben die EL-Organe den Gesundheitszustand der versicherten Person im Rahmen des Beweisgrades der überwiegenden Wahrscheinlichkeit selbständig zu prüfen (Ur
teil des Bundesgerichts 8C_172/2007 vom 6. Februar 2008, E. 7.1-2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens des Beschwerdeführers bei der Berechnung des Anspruchs auf Zusatzleistungen im angefochtenen
Einspracheentscheid
damit,
dass sich die EL-
Stellen
bei der Festsetzung des anrechenbaren Erwerbseinkommens Teilin
valider
gemäss
Art.
14a
Abs.
2 ELV grundsätzlich an die Invaliditätsbemessung durch die Invalidenversicherung zu halten und eigene Abklärungen nur bezüg
lich
in
validitätsfremder
Beeinträchtigungen der Erwerbsfähigkeit vorzunehmen hätten. Es würden keinerlei Hinweise auf eine wesentliche Verschlechterung des
Ge
sundheitszustands vorgebracht.
Bei den vom Beschwerdeführer zur Begrün
dung
seines Anliegens eingereichten Unterlagen
h
andle
es
sich um einfache vor
ge
druckte At
teste mit Angabe von rückdatierten
Arbeitsunfähigkeits
beschei
ni
gungen
, welche keine Rückschlüsse zum Gesundheitszustand zulassen würden (
Urk.
2 S.
2 un
ten).
Es
sei nicht Sache der für die Festset
zung der
Ergänzungs
leistungen
zuständigen EL-
Stelle
, den nach
Massgabe
der
invalidenversiche
rungs
rechtlich
relevanten Erwerbsunfähigkeit ermittelten
In
validitätsgrad
zu über
prüfen. Die Beurteilung des Gesundheitszustands bezie
hungsweise der
Rest
arbeitsfähigkeit
sei durch die IV festgelegt worden und für die EL-
Stellen
bindend.
Habe sich der Gesundheitszustand seit der letzten IV-Verfügung oder der letzten Rentenrevision offensichtlich verschlechtert, habe der
Rentenbe
rech
tigte
eine höhere IV-Rente zu beantragen (S. 3 oben).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber im Wesentlichen geltend,
die
Be
schwerdegegnerin
habe es vorliegend unterlassen
,
in Bezug auf die ärztlich at
te
stierte Arbeitsunfähigkeit detaillierte Abklärungen vorzunehmen. Diesbezüg
lich hätte die Möglichkeit bestanden, einen Bericht bei
Dr.
B._
einzu
holen oder einen Vertrauens- oder Amtsarzt mit einer Begutachtung zu be
trauen. Es liege eine Arbeitsunfähigkeit vor, welche nicht als Erwerbsunfähig
keit einzu
stufen sei und im jetzigen Zeitpunkt gegenüber der Invalidenversi
cherung keinen
Anspruch auf eine Rentenerhöhung auslösen würde (S. 3 Mitte).
2.3
Strittig
und zu prüfen ist,
ob
dem Beschwerdeführer bei der Berechnung der jährlichen Zusatzleistungen ein hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen ist.
3.
3.1
Zunächst ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer hinsichtlich der gesetzli
chen Vermutung eines Verzichts auf Einkünfte keine invaliditätsfremden Gründe
(vgl. E.
1.2) vorbringt
,
welche
die Verwertung der verbleibenden Er
werbs
fähig
keit verunmöglichen
würden
.
Der Beschwerdeführer macht einzig
in
validitäts
bedingte
Beeinträchtigungen der Erwerbsfähigkeit geltend
und beruft sich dabei auf Arbeitsunfähigkeitszeugnisse zweier Hausärzte (vgl.
Urk.
1 S. 2
Ziff.
2 und S. 3
Ziff.
6)
.
3.2
Die Beschwerdegegnerin hält diesbezüglich im
Einspracheentscheid
vom 2
0.
August 2014 (
Urk.
2) zu Recht fest, dass
keine
stichhaltig
en
Hinweise
vor
liegen würden, welche
eine wesentliche Veränderung der gesundheitlichen Ver
hältnisse seit der Verfügung der IV-Stelle
vom 2
1.
Juni 2004 (
Urk.
8/A = 8/108)
ausweisen
(vgl. E.
1.3)
. Zwar attestierte
n die
Haus
ä
rzt
e
Dr.
med.
C._
,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, sowie
Dr.
med.
B._
, praktischer Arzt, für
gewisse
Zeiträume eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (vgl.
Urk.
3/1-4 = 8/11-14)
, doch
handelt es sich dabei um unbegründete At
t
e
ste, aus welchen
weder die erhobenen Befunde noch die gestellten Diagnosen noch d
ie konkret zur angeblichen Verschlechterung (100%ige Arbeitsunfähig
keit) füh
rende gesundheitliche Problematik hervorgehen.
Eine Änderung (ins
besondere Verschlechterung) des Gesundheitszustandes ist damit nicht mit dem erforder
lichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt.
Glei
ches gilt für den Austrittsbericht des Spitals
D._
vom 2
9.
Mai
2013 (
Urk.
3/5 = 8/15 = 8/30), welchem
keine
Angaben zu
r
Arbeitsunfä
higkeit ent
nommen werden k
ö
nn
en
.
Gegen eine wesentliche Verschlechterung des Gesund
heitszustandes spricht in diesem Bericht zudem,
dass der Beschwerdeführer im Rahmen des Eintrittsgesprächs berichtete,
bis zu
vier St
unden am Tag arbeiten zu können
(S.
1 unten).
Dies entspricht einer weiterhin bestehenden Arbeits
fähigkeit von 50 %, wie sie auch seitens der Invalidenversicherung attestiert wurde (vgl. Urk. 8/A Verfügungsteil 2).
3.3
Da sich die EL-Stellen grundsätzlich an die Invaliditätsbemessung der IV-Stellen zu halten haben (vgl. E. 1.3)
,
nach
den obigen Ausführungen
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
keine Verschlech
terung des Gesundheitszustandes ausge
wiesen ist (vgl. E. 3.2) und
auch
eine Rentenerhöhung vor zwei Jahren offenbar nicht
erfolgte
(
vgl.
Urk.
3/5 S.
2 oben)
, ist
im Rahmen der Festsetzung der
Er
gänzungsleistungen
weiterhin von einem
In
validitätsgrad
von 58
%
und damit von einem anrechenbaren hypothetischen Erwerbseinkommen in Höhe von 2/3 von Fr. 19‘201.-- jährlich auszugehen
.
Bei dieser Ausgangslage musste die
Be
schwerdegegnerin
entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (
Urk.
1 S.
3
Ziff.
6)
keine weiteren Abklärungen vornehmen.
4.
4.1
Die gesetzliche Vermutung von
Art.
14a ELV (vgl. E.
1.2, E.
3.1) ist nach dem Gesagten nicht
rechtsgenüglich
widerlegt.
Da
eine Verschlechterung des Ge
sundheitszustands weder mit einer Kopie des (Verschlechterungs-)Antrags an die
Invalidenversicherung noch
mit einem
fundierte
n
Arztzeugnis
ausgewiesen
ist
,
erfolgte
die Anrechnung des
ziffernmässig
unbestritten gebliebenen hypo
the
tischen Einkommens
durch die Durchführungsstelle
vorliegend
zu Recht.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
4.2
Das Verfahren ist kostenlos
, der Antrag auf unentgeltliche Prozessführung
(vgl. Urk.
1 S.
1 Ziff. 2)
ist daher gegenstandslos
. Aufgru
nd des Ausgangs des Ver
fahrens wird dem Be
schwerdeführer keine
Parteientschädigung
(vgl.
Urk.
1 S.
1
Ziff.
3)
zugespro
chen.