Decision ID: 0a881e35-1041-5e56-a6c3-6c99a50a3fe0
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 19
87
in
Y._
und
am 15. November 2006
in der Schweiz
eingebürgert (Urk. 8/85)
, leidet an
einer
congenitalen
spinalen
Mus
kelathropie
(
im Anhang 4 zur Verord
nung
über Geburtsgebrechen als Nr.
383
beschriebenes
Geburtsgebrechen
; Urk. 8/
4
Ziff.
3
).
Im Zusammenhang mit diesem Leiden
gewährte
d
ie
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle,
verschiedene
Leistun
gen
der Invalidenversicherung
(
berufliche Massnahmen
,
Urk.
8/25
,
Urk.
8/127
; Taggelder, Urk.
8/72-74
,
Urk.
8/87
; Hilfsmittel,
Urk.
8/39,
Urk.
8/56
,
Urk.
8/88
,
Urk.
8/143
, Urk. 8/165,
Urk.
8/169,
Urk.
8/171
,
Urk.
8/183
,
Urk.
8/201
-202
,
Urk.
8/218-219
,
Urk.
8/234
,
Urk.
8/226-227
,
Urk.
8/247
; medi
zinische Massnahmen, Urk.
8/114
115
,
Urk.
8/158
).
Mit Verfügung vom 27. April 2006 sprach die IV-Stelle der Versicherten für die Zeit vom 1. Februar bis 30
.
September 2005
e
ine
Hilflosenentschädigung
bei ei
ner
Hilflosigkeit
mittleren
Grades zu
(Urk. 8/
50)
, dies
nach Err
eichen der Volljäh
rigkeit
, mithin
mit Wirkung ab 1.
Oktober 20
05 bei Aufenthalt im Heim (Urk.
8/51,
Urk.
8/62
).
Am
4. August
2011
sprach
die IV-Stelle
mit Wirkung ab 1.
Dezember 2010 eine
Hilflosenentschädigung
wegen schwerer Hilflosigkeit
zu
(Urk.
8/200,
Urk.
8/204), welche Entschädigung n
ach
dem Heimaustritt (vgl. Urk.
8/205)
mit Wirkung
ab 1. August 2011 auf den doppelten Betrag erhöht
w
urde
(
Urk.
8/210).
Zudem
sprach die IV-Stelle
der Versicherten
m
it Verfügung vom 9. Januar 2008
bei einem Invaliditätsgrad von
100 % mit Wirkung ab 1. Juli
2007
eine ganze Invalidenrente zu (Urk. 8/
147
), welche mit Verfügung vom
21. Januar 2011
-
nunmehr bei einem Invaliditätsgrad von 92
%
-
bestätigt wurde (Urk.
8/180
).
1.2
Am
14. Dezember 2011
meldete
sich
X._
zum
Bezug von
Assistenzbei
trägen
an (vgl. Urk. 8/228).
Gestützt auf d
as standardisierte
Abklärungsin
stru
ment
(FAKT;
Urk.
8/229) stellte die IV-Stelle
mit Vorbescheid vom
13. März 2012 die
Zusprache
eines Assis
tenzbeitrages in Aussicht (Urk.
8/233).
Am
10. April und 21. Mai 2012
erhob die Versicherte Einwände
(Urk.
8/237,
Urk.
8/239)
. Nach
nochmaliger
Überprüfung des Anspruches mittels
FAKT
(vgl. Urk. 8/242, Urk.
8/244)
ermittelte
die IV-Stelle einen etwas höheren Hilfebedarf, worauf sie der
Versicherten m
it Verfügung vom 24.
August 2012
mit Wirkung ab 1. Januar 2012
einen
Assistenzbeitr
ag
in der Höhe von Fr.
2‘194.05
pro Mo
nat respektive
maximal
Fr.
26‘328.45
pro Jahr zu
sprach
(Urk.
8/243
= Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
mit Eingabe vom 4. September 2012
zunächst
bei der
IV
Stelle
Beschwerde
(
Urk.
8/250)
,
welche Eingabe
sie auf Aufforderung
hin (Urk. 8/251)
-
nunmehr mit
anwaltlicher Vertretung
-
am 26. September 2012
ergänzte und
folgende Rechtsbegehren zur Sache
stellte
(Urk. 1 S. 2 f.):
Es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerdeführe
rin die gesetzlichen Leistungen aus IVG zuzugestehen.
Es sei die Verfügung vom
24. August 2012
teilweise aufzuheben und die Sache zur erneuten Abklärung einer externen Stelle zuzuweisen und diese anzuhalten, den in zeitlicher Hinsicht effektiven Bedarf an Assistenz festzustellen gemäss Art. 42
quater
ff. IVG und diesen in Form von Stunden als Berechnungsgrundlage für den Assistenzbeitrag an
zunehmen.
Es sei der Institutionsaufenthalt nicht in Form von 60 Stunden pro Mo
nat in Abzug zu bringen.
Es sei die
Hilflosenentschädigung
von den ermittelten
Assistenzstun
den
nicht in Abzug zu bringen und es sei diese der Beschwerdefüh
rerin als Betrag zur freien Verfügung zu belassen, damit diese die Anstellungsverhältnisse in Bezug auf die Überstunden-
,
Notfallein
satz
- und Auslagenvergütung gesetzeskonform gemäss Art. 327a Abs. 1 OR abwickeln und die behinderungsbedingten Mehrkosten de
cken kann.
Es sei der Pflegebeitrag der obligatorischen
Krankenpflegeversiche
rung
nicht oder nicht vollumfänglich vom Assistenzbeitrag abzuzie
hen.
Es sei der effektive marktkonforme und sozialverträgliche Stunden
lohn für die Entschädigung der Assistenz zu ermitteln
, in jedem Fall höher als
Fr.
32.50
.
Es sei der Beschwerdeführerin im Rahmen der Berechnung des
Assis
tenzbeitrages
ein Extrabeitrag für die lebenspraktische Begleitung anzuerkennen.
In prozessualer Hinsicht ersuchte die Versicherte um Gewährung einer Nachfrist zur ergänzenden Begründung, um Durchführung eines zweiten
Schriftenwech
sels
sowie einer öffentlichen Verhandlung
mit ihrer persönlichen Befragung
(
Urk.
1 S.
3
).
Das Gericht verweigerte am 1. Oktober 2012 die Gewährung einer Nachfrist (
Urk.
5).
Die IV-Stelle beantragte in der
Vernehmlassung
vom
30. Ok
tober
2012 die Abweisung der Beschwerde
in der Sache wie auch die Abwei
sung des Antrages auf Durchführung einer öffentlichen Verhandlung
(Urk.
7
). Die Beschwerdeführerin hielt in der Replik vom
21. Januar
2013 an den ge
stellten Rechtsbegehren fest
, wobei sie
Ziff.
3 folgendermassen präzisierte (
Urk. 1
3 S. 2):
3.
Es sei der Institutionsaufenthalt nicht in Form von 60 Stunden pro Monat
vom anerkannten Assistenzbedarf in Abzug zu bringen und es sei der Abzug von 25
%
aufgrund des Institutionsaufenthaltes in diversen Teilbereichen des FAKT2 zu unterlassen.
Zudem ersuchte sie um Gewährung der unentgelt
lichen Rechtspflege (
Urk.
13 S.
1)
, welchen Antrag sie am 2
5.
Februar 2013 substantiierte (
Urk.
18-20)
.
Vom Verzicht der
Beschwerdegegnerin
vom
8.
Februar
2013 auf
Erstattung einer
Duplik
(Urk.
17
) wurde der Beschwerdeführerin am
7.
März 2013 Kenntnis ge
geben und gleichzeitig wurde die unentgeltliche Prozessführung gewährt und für die Zeit ab Gesuchstellung Rechtsanwalt Husmann als unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt (
Urk.
21).
Am
1
4.
April 2014 (
Urk.
24)
reichte der Rechtsvertreter seine Honorarnote ein (
Urk.
2
5
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 42
quater
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG
) haben Versicherte, denen eine
Hilflosenentschädigung
der Invalidenversi
cherung ausgerichtet wird (
lit
. a), die zu Hause leben (
lit
. b) und die volljährig sind (
lit
. c), Anspruch auf einen Assistenzbeitrag.
1.2
Laut Art. 42
quinquies
IVG wird ein Assistenzbeitrag gewährt für Hilfeleistungen, die von der versicherten Person benötigt und regelmässig von einer natürlichen Person (Assistenzperson) erbracht werden, die von der versicherten Person im Rahmen eines Arbeitsvertrages angestellt wird (
lit
. a), und weder mit der versi
cherten Person verheiratet ist, mit ihr in eingetragener Partnerschaft lebt oder eine faktische Lebensgemeinschaft führt noch in gerader Linie mit ihr verwandt ist (
lit
. b).
1.3
Nach Art. 42
sexies
Abs.
1 IVG ist
Grundlage für die Berechnung des
Assistenzbei
trags
die für die Hilfeleistungen benötigte Zeit. Davon abgezogen wird die Zeit, die
unter anderem den
Leistungen
der
Hilflosenentschädigung
nach den Arti
keln 42-42
ter
IVG (
lit
. a) und
dem für die Grundpflege ausgerichteten Beitrag der obligatorischen Krankenpflegeversicherung an Pflegeleistungen nach Artikel 25a
des Krankenversicherungsgesetzes (KVG;
lit
. c) entspricht.
Bei einem Aufenthalt in stationären und teilstationären Institutionen wird der für Hilfeleistungen im Rahmen des Assistenzbeitrags anrechenbare Ze
itbedarf entsprechend reduziert (Art. 42
sexies
Abs.
2 IVG).
1.4
Hilfebedarf kann in den folgenden Bereichen aner
kannt werden (Art. 39c der Verordnung über die Invalidenversicherung
;
IVV):
a.
alltägliche Lebensverrichtungen;
b.
Haushalts
führung;
c.
gesellschaftliche Teilhabe und Freizeitgestaltung;
d.
Erziehung und Kin
der
betreuung;
e.
Ausübung einer gemeinnützigen oder ehrenamtlichen Tätigkeit;
f.
beruf
liche Aus- und Weiterbildung;
g.
Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem regu
lären Arbeitsmarkt;
h.
Überwachung während des Tages;
i.
Nachtdienst.
1.
5
Nach Art. 39e Abs. 1 IVV bestimmt die IV-Stelle den anerkannten monatlichen Hilfebedarf in Stunden. Dabei gelten die folgenden monatlichen Höchstansätze (Art. 39e Abs. 2 IVV):
a.
für Hilfeleistungen in den Bereichen nach Art. 39c
lit
. a-c IVV pro alltägli
che Lebensverrichtung, die bei der Festsetzung der
Hilflosenentschädigung
festgehalten wurde:
1. bei leichter Hilflosigkeit: 20 Stunden,
2. bei mittlerer Hilflosigkeit: 30 Stunden,
3. bei schwerer Hilflosigkeit: 40 Stunden;
b.
für Hilfeleistungen in den Bereichen nach Art. 39c
lit
. d-g IVV: insgesamt 60 Stunden;
c.
für die Überwachung nach Art. 39c
lit
. h IVV: 120 Stunden.
Die Berechnung der Höhe des Assistenzbeitrages durch die IV-Stelle er
folgt pro Monat und pro Jahr (Art. 39g Abs. 1 IVV).
Die Höchstansätze werden für jeden Tag und jede Nacht, die die versicherte Per
son pro Woche in einer Institution verbringt, um 10 Prozent gekürzt
(Art. 39e
Abs.
4 IVV).
1.6
Der Hilfebedarf wird mit Hilfe eines standardisierten Abklärungsinstrumentes (FAKT
) sowohl für direkte als auch für indirekte Hilfeleistungen ermittelt. Als direkte Hilfe werden
Hilfeleistungen zur Unterstützung oder Ausführung von Tä
tig
keiten anerkannt. Als indirekte Hilfe werden Anleitungen, Kontrolle sowie
Über
wachung bei der Ausführung von Tätigkeiten anerkannt (vgl. Kreisschreiben
über den Assistenzbeitrag, KSAB,
Rz
4005).
Um die notwendige Einstufung für die einzelnen Hilfeleistungen zu bestimmen, müssen die IV-Stellen
Aussagen der versicherten Person, Anmerkungen der
Ab
klärungsperson
so
wie Erfahrungswerte berücksichtigen. Als Unterstützung sind im FAKT Fallbei
spiele hinterlegt, die eine möglichst standardisierte Erfas
sung erlauben (KSAB
Rz
4101).
1.7
Laut Art. 39f IVV beträgt d
er Assistenzbeitrag
Fr.
32.
50 (beziehungsweise ab 1. Januar 2013
Fr.
32.80) pro Stunde (
Abs.
1).
Muss die Assistenzperson für die benötigten Hilfeleistungen in den Bereichen nach Art
. 39c
lit
.
e-g
IVV
über be
sondere Qualifikationen verfügen, so beträgt der Assistenzbeitrag
Fr.
48.75 (be
ziehungsweise ab
1.
Januar 2013
Fr.
49.15
) pro Stunde (
Abs.
2).
Die IV-Stelle legt den Assistenzbeitrag für den Nachtdienst nach Intensität der zu erbringen
den Hilfeleistung fest. Er beträgt höchstens
Fr.
8
6.70 (beziehungsweise ab
1.
Januar 2013
Fr.
8
7.40
) pro Nacht (
Abs.
3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) auf
das
auf die Einwendungen der Beschwerdeführerin (
Urk.
8/239)
im
Vorbe
scheidverfahren
neu
erfasste
FAKT
(
Urk.
8/242)
und ging
von einem monatli
chen
Hilfe
b
edarf
von
16.83
Stunden aus
; b
eim Ansatz von Fr. 32.50
pro Stunde
bei Standardqualifikation
ermittelte sie eine
Entschädigung
von
Fr.
546.95
pro Monat respek
tive
maximal Fr.
6‘563.70
pro Jahr
.
Ferner bestehe für 30.42 Nächte, zu entschädigen mit
Fr.
54.15 pro Nacht, ein Anspruch von
Fr.
1‘647.06 pro Monat respektive maximal
Fr.
19‘764.75 pro Jahr
. Insgesamt legte sie die Entschädigung auf
Fr.
2‘194.05 (pro Mo
nat) respektive auf maximal Fr.
26‘328.45 (pro Jahr) fest
(S.
4
oben).
Des Weiteren legte d
ie Beschwerdegegnerin dar, dass
der Hilfebedarf mittels des
FAKT
ermittelt worden
sei
. Dies erfolge so, dass jeder Bereich weiter unterteilt werde in Teilbereiche (Art. 39c IVV). Für jeden Teilbereich müsse die
Stufen
höhe
bestimmt werden. Sobald diese festgelegt sei, stehe es der
Abklärungsper
son
nicht frei, die Anzahl benötigter Minuten zu bestimmen. Vielmehr sei die Anzahl der anrechenbaren Minuten bereits in der Stufeneinteilung vorgesehen. Die anrechenbare Minutenzahl pro Stufe sei bereits im FAKT enthalten, welches
„
vom Gesetzgeber erstellt" worden sei. Damit sei sichergestellt, dass für den gleich hohen Hilfebedarf die gleiche Zeitbemessung angerechnet werde. Die Stufeneinteilung diene der prä
ziseren Bestimmung des tatsächlich benötigten Hilfebedarfs. Um eine allzu the
oretische Einschätzung zu vermeiden, zeige FAKT bezüglich jeder Tätigkeit und jeder Stufe Beispiele auf. Diese sollen er
läutern, welche Tätigkeiten in den unterschiedlichen Stufen noch selbständig machbar seien und bei
welchen
Dritthilfe benötigt werde (S.
2
).
Ferner
erläuterte die Beschwerdegegnerin einzelne Einstufungen und
legte dar, inwiefern sie den Einwänden
der Beschwerdeführerin
bei der
neuen
Ermittlung des
Hilfebedarf
s Rechnung getragen hat
(S. 2-4).
In der Vernehmlassung
führte
die Beschwerdegegnerin
zur Sache aus
, der Ab
zug vom Hilfebedarf im Umfang von
25
%
respektive 60 Stunden
(
das heisst
25
%
von
240 Stunden
)
f
ür den Aufenthalt in einer Institution während zwei
einhalb Tagen pro Woche sei in Nachachtung von KSAB
Rz
4017 erfolgt. Der Abzug der Leistungen für die
Hilflosenentschädigung
und die für die
Grund
pflege
ausgerichteten Leistungen der Krankenversicherung
habe von
Gesetzes wegen
zu erfolgen
(
Urk.
7).
2.2
D
agegen
rügte
die
Beschwerdeführer
in
die Stufeneinteilung des
FAKT
als
unsach
gemäss.
N
amentlich
bleibe
unberücksichtigt, dass auch bei geringfügiger Mithilfe die Assistenzperson stets anwesend sein müsse, könne sie doch nicht für zwei Minuten nach Hause geschickt werden (
Urk.
1
S. 13). Der Hilfebedarf sei mit dem Arzt beziehungsweise mit dem Krankenversicherer oder der Spitex zu ermitteln.
Die Abklärungsperson sei nicht unabhängig und verfüge nicht über die notwendige Qualifikation (
Urk.
1
S. 14). Der Abzug
von 25
%
wegen des Aufenthalts am geschützten Arbeitsplatz
hinterlasse ein grosses Loch für die Assistenz
(
Urk.
1 S. 15,
Urk.
13 S. 4 f
.
)
Sodann
beanstandete
sie den Abzug der
Hilflosenentschädigung
(
Urk.
1
S. 15 f.
,
Urk.
13 S. 9 f.
)
wie auch der
Leistungen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (
Urk.
1
S. 19 f.
,
Urk.
13 S. 11
).
Zudem
decke die Entschädigung von
Fr.
32.50 nicht alle arbeitsvertraglichen Verpflichtungen (
Urk.
1
S. 18)
; die Entschädigung
sei auch nicht marktüblich und somit gesetzeswidrig (
Urk.
1
S. 21). Schliesslich sei bei schwerer Hilflosig
keit zusätzlich der Assistenzbedarf für die lebenspraktische Begleitung zu be
rücksichtigen (
Urk.
1
S. 21 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, auf
welchen Assistenzbeitrag die Beschwerdeführerin Anspruch hat.
3.
3.1
Art. 42
sexies
Abs.
1
lit
. a IVG sieht ausdrücklich vor, dass von der für die Hilfeleis
tungen benötigten Zeit
jene
Zeit abzuziehen ist, die der
Hilflosenent
schädigung
entspricht. Der durch die
Hilflosenentschädigung
gedeckte zeitliche Umfang wird ermittelt, indem der Betrag der
Hilflosenentschädigung
durch den Standard-Stundenansatz des Assistenzbeitrages dividiert wird (KSAB
Rz
4107). Da die
Hilflosenentschädigung
nicht aufgrund von zeitlichen Kriterien, sondern pauschal bemessen wird (je nach Grad der Hilflosigkeit
wird
ein gewisser Pro
zentsatz des Höchstbetrages der AHV-Altersrente
entrichtet
; Art. 42
ter
Abs.
1 IVG)
,
ist die im KSAB vorgesehene Umrechnung der
Hilflosenentschädigung
auf einen Stundenwert mittels Division des für den Assistenzbeitrag massgebenden Entschädigungsansatzes sachgerecht und entspricht der gesetzlichen Vorgabe.
Gesetzlich vorgeschrieben
ist auch
der
Zeitabzug für die von der Krankenversi
cherung ausgerichteten Beiträge für die Grundpflege. Für die Bemessung des Abzugs sind die gesamten ausgerichteten Beiträge massgebend (Art. 42
sexies
Abs.
1
li
t
. c IVG). An diese
m
Entscheid des Gesetzgebers
, an den sich die
Be
schwerdegegnerin
sowie das Gericht zu halten haben,
vermag die Kritik der Beschwerdeführerin
nicht
s
zu ändern
.
3.2
D
ie
Beschwerdeführer
in
beanstandete
sodann, dass
bei der Festsetzung ihres Assistenzbeitrags der Bedarf an lebenspraktischer Begleitung nicht berücksich
tigt worden
ist
.
Sie
sei
nicht bloss in den alltäglichen Lebensverrichtungen ein
geschränkt, sondern auch auf lebenspraktische Begleitung angewiesen. Im Rahmen der Ermittlung des Ass
istenzbeitrages müsse diesem Um
stand Rech
nung getragen werden, denn die
Hilflosenentschädigung
werde vom Gesamtbe
darf des Assistenzbeitrages abgezogen. Werde nicht der Gesamtbedarf unter Einbezug der lebenspraktischen Begleitung ermittelt, führe der Abzug der
Hilf
losenentschädigung
zu einer ungerechtfertigten Schlechterstellung
.
Der Bedarf einer versicherten Person an lebenspraktischer Begleitung wird unter den im Gesetz vorgesehenen Voraussetzungen im Rahmen der
Hilflosenent
schädigung
berücksichtigt (vgl. Art. 42
Abs.
3 IVG, Art. 38 IVV). Ein direkt
an
spruchsbegründendes
Element ist die lebenspraktische Begleitung indessen nur im Rahmen einer leichten beziehungsweise mittelschweren Hilflosigkeit (Art. 37
Abs.
2
lit
. c und
Abs.
3
lit
. e IVV; vgl. auch Ulrich Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG,
2.
Aufl
age
, Zürich 2010, S. 426 und S. 439). Die Be
schwerdeführerin
ist
jedoch
unstreitig
in schwerem Grade hilflos und es steht ihr eine diesem Grad der Hilflosigkeit entsprechende
Hilflosenentschädigung
zu
(vgl.
Urk.
8/210
). Eine zusätzliche Abgeltung für lebenspraktische Begleitung entfällt in dieser Situation
(vgl. insoweit auch Urteile des hiesigen
Sozialversi
cherungsgerichts
IV.2012.00949 vom 3
1.
Januar 2014 E. 3.2 und IV.2012.00950 vom 3
1.
Januar 2014 E. 3.2)
.
Zudem bleibt festzuhalten, dass i
m Rahmen
der Bemessung des
Assistenzbeitra
ges
de
m
Bedarf an lebenspraktischer Unterstützung
durchaus - im Rahmen der
massgebenden Hilfebereiche
-
Rechnung
getragen wird
.
Die
Teilbereich
e
„
Haus
halt
“ und „gesellschaftliche Teilhabe und Freizeitgestaltung“
gemäss
Art.
39c
lit
. b
-c
IVV
umfassen
neben der Haushaltführung an sich auch
a
dministrative Auf
gaben
, Ernährung, Wohnungspflege, Einkauf und
Besorgungen
wie auch
Hob
bys und
ausserhäusliche Verrichtungen
(vgl.
Bot
schaft zur Änderung des IVG, 6.
IV
Revision, erstes Massnahmenpaket, vom 2
4.
Februar 2010,
BB
l
2010
,
S.
1905 oben),
welche Hilfeleistungen auch unter die leb
enspraktische Beglei
tung fallen
(vgl.
Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invali
denversicherung
,
KSIH
,
Rz
8050
-8052).
Insofern kann nicht gesagt werden, dass die entsprechende Unterstützung ausser Acht gelassen würde, auch wenn
im Evaluationsinstrument FAKT keine
separate
V
ergütung für lebenspraktische Be
gleitung vorgesehen ist
.
Eine darüber hinaus gehende Berücksichtigung ist nicht vorgesehen. Dass dies zu einer nicht gerechtfertigten Ungleichbehandlung führt, ist entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin nicht ersichtlich
.
3.3
Die
se
rügte sodann den Abzug vom Hilfebedarf von 60 Stunden
im Zusammen
hang mit dem
Aufenthalt in der geschützten Werkstatt, weil dieser
Abzug
ein grosses Loch für die Assistenz hinterlasse (
Urk.
1 S. 15
,
Urk.
13 S. 4
f.
).
Art. 42
sexies
Abs.
2 IVG schreibt vor, dass bei einem Aufenthalt in stationären oder teilstationären Institutionen der für Hilfeleistungen anrechenbare
Zeitbe
darf
entsprechend reduziert wird. Der Bundesrat hat diese
gesetzliche
Ermächti
gung
in Art. 39e
Abs.
4 IVV dahingehend umgesetzt, dass die Höchstansätze gemäss Art. 39e
Abs.
2
lit
. a IVV für jeden Tag und jede Nacht, die
die versi
cherten
Person pro Woche in einer Institution v
erbringt, um 10
%
gekürzt
wer
den
.
Entgegen der Darstellung der Beschwerdeführerin kann nicht gesagt wer
den, die
s
sei gesetzeswidrig, erscheint doch eine Kürzung von 10
%
pro Tag und Nacht
als verhält
nismässig.
Die Beschwerdeführerin
hält sich unstreitig wäh
rend 2.5 Tagen pro Woche in der geschützten Werkstatt auf
(vgl.
Urk.
8/242/7,
Urk.
1
3
S.
6
).
Die
Beschwerde
gegnerin
nahm
daher
eine
Reduktion von
25
%
der generelle
n
Höchstgrenze von 240 Stunden (gemäss KSAB
Rz
4086)
vor
(vgl.
Urk.
7)
, wobei sie im FAKT bei gewissen (aber nicht bei allen)
Teilbereichen (vgl.
dazu auch
Urk.
13 S. 6 f.)
jeweils eine entsprechende Kürzung vom Hilfebedarf anbrachte (
Urk.
8/242/10-41). Bei diesem Vorgehen übersieht die Beschwerdegegnerin, dass
Art. 39e
Abs.
4 IVV
keine
direkte Kürzung
in jedem einzelnen Teilbereich
vorsieht
, son
dern nur (aber immerhin)
die jeweilige
Kürzung de
r drei
in Art. 39e
Abs.
2
lit
. a-c genannten
Höchstan
sätze. Davon profitiert, wer in einer der drei Teilberei
che oder aber bei der Überwachung keiner Hilfe bedarf.
Inwiefern dies
es von Gesetzes und Verordnung wegen
korrekte
Vorgehen
im Konkreten den Leistungsanspruch beeinflusst, kann aufgrund der aufliegenden
Akten nicht gesagt werden. Die Beschwerdegegnerin wird dies im Rahmen der neuen Ermittlung des Hilfebedarfs unter Berücksichtigung der
in Art. 39e
Abs.
2 in
lit
. a-c
IVV
genannten und jeweils einzeln gekürzten Höchstansätze
zu er
mitteln haben.
3.
4
Nach Auffassung der Beschwerdeführerin
können
mit de
m
in
Art.
39f
Abs.
3
IVV
festgelegten Stundenans
a
tz
von
Fr.
32.50 (ab
1.
Januar 2013 Fr.
32.80) der
gemäss
Verordnung
über den Normalarbeitsvertrag für Arbeitnehmerinnen
und Arbeitnehmer in der Hauswirtschaft
(NAV Hauswirtschaft)
garantierte
Mindest
lo
hn, die
Spesen der Assistenzpersonen und anderweitige Gestehungskosten nicht ausreichend abgegolten werden.
Den
Basisansatz für den Assistenzb
eitrag von
Fr.
32.50 pro Stunde
, aber auch denjenigen für qualifizierte
Assistenzper
sonen
in der Höhe von
Fr.
48.75 pro Stunde
(Art. 39f
Abs.
2 IVV)
erachtet
e
die Beschwerdeführerin als nicht marktkonform
(
Urk.
1 S. 20 f.)
.
Zu berücksichtigen ist, dass
die
Auslagen je nach versicherter Person, der Art des Gesundheitsschadens und der persönlichen Lebensführung unterschiedlich hoch ausfallen. Eine zusätzliche Berücksichtigung dieser individuell unter
schiedlichen Kosten ist vo
m Gesetz nicht vorgesehen. Art.
42
sexies
Abs.
4
lit
. b IVG bestimmt
vielmehr
ausdrücklich, dass für die Hilfeleistungen pro Zeiteinheit Pauschalen festzulegen sind.
Gemäss der derzeit verfügbaren Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2010 betrug im privaten Sektor der durchschnittliche Monatslohn (ohne Be
rücksichtigung des Geschlechts) für nichtquali
fizierte Arbeitskräfte (
Anforde
rungsniveau
4) im Durchschnitt aller Branchen
Fr.
4‘525.-- und im
Gesund
heits
- und Sozialwesen
Fr.
4‘700.-- (Tabelle
TA1 S. 26-27
). Die Lohnangaben der LSE basieren auf einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden. Das Monatsein
kommen von
Fr.
4‘525.-- entspricht somit einem Stundenlohn von
Fr.
28.30 (
Fr.
4‘525.
-- :
4 : 40) und das Monatseinkommen von
Fr.
4‘700.-- entspri
cht ei
nem Stundenansatz von Fr.
29.40 (
Fr.
4‘700.-- : 4 : 40). Diese Stundenansätze liegen selbst unter Berücksichtigung der Lohnentwicklung von 1,8
%
respektive 0,9
%
im Gesundheits- und Sozialwesen
in den Jahren 2011 und 2012 (vgl. Die Volkswirtschaft
3
-201
4
, S.
89
, Tabelle B10.2) unter dem in Art. 39f
Abs.
1
IVV
festgelegten Stundenansatz von
Fr.
32.5
0.
Gemäss LSE 2010 erzielten gelernte Arbeitskräfte (Anforderungsniveau 3) im Durchschnitt aller Branchen ein Einkommen von monatlich
Fr.
5‘674.-- und im Gesundheits- und Sozialwesen ein solches von
Fr.
5‘759.-- (
Tabelle TA1 S. 26
27)
. Dem Einkommen von Fr.
5‘674.--
liegt ein Stundenansatz von
Fr.
35.50 zu Grunde und dem Einkommen von
Fr.
5‘759.-- ein solcher v
on Fr.
36.-- (
Fr.
5‘674.-- respektive
Fr.
5‘759.
-- :
4 : 40).
In den Tätigkeiten auf dem Anforderungsniveau 1 oder 2 (Verrichtung selbständi
ger und qualifizierter Arbeiten resp
ektive
Verrichtung höchst an
spruchsvoller schwierigster Arbeiten) betrug das Total aller Löhne monatlich
Fr.
7‘629.-- und der durchschnittliche Monatslohn im Gesundheits- und Sozial
wesen
Fr.
7‘005.-- (vgl. Tabelle
TA1 S. 26-27). Dem Einkommen von
Fr.
7‘629.-- liegt ein Stundenansatz von
Fr.
47.70 zu Grunde und dem Einkommen von
Fr.
7‘005.-- ein solcher von
Fr.
43.80 (Fr.
7‘629.-- resp
ektive
Fr.
7‘005.
-- :
4 : 40).
Auch auf höherem Anforderungsniveau liegen die Stundenansätze unter Berück
sichtigung der
genannten
Lohnentwicklung in den Jahren 2011 und 2012
somit
unter respektive im Bereich des in Art. 39f
Abs.
2 IVV festgelegten Stundenansatzes von Fr.
48.75
(z
um Ganzen ebenso die vorgenannten Urteile IV.2012.00949 und IV.2012.00950 vom 3
1.
Januar 2014 E. 5)
.
Nichts anderes ergibt sich aus der NAV Hauswirtschaft.
Diese schreibt in
Art. 5
Abs.
1 NAV Hauswirtschaft, in Kraft vom
1.
Januar 2011 bis
31. Dezember 2013, Mindestlöhne zwischen
Fr.
18.55 (Ungelernte) und höchstens Fr. 22.40 (Gelernte mit Eidgenössischem Berufsattest als Fachfrau/
mann
Hauswirtschaft)
vor, was erheblich unter dem in Art. 39f
Abs.
1
IVV festgelegten Ansätzen liegt.
Ob diese Eidgenössische NAV in Anbetracht des Zürcher Normalarbeitsvertrages für hauswirtschaftliche Arbeitnehmer, der gar keine Mindestlöhne vorsieht, überhaupt zur Anwendung gelangt (Art. 1
Abs.
2 NAV Hauswirtschaft), braucht unter diesen Umständen nicht näher beleuchtet zu werden.
Von fehlender Marktkonformität kann
jedenfalls
in Bezug auf die in Art. 39f
Abs.
1 und 2 IVV genannten Stundenansätze für den Assistenzbeitrag nicht gesprochen werden.
Schliesslich bleibt
zu bemerken,
dass
in der Botschaft
zur Änderung des IVG, 6. IV
Revision, erstes
Massnahme
n
paket
,
von Stundenpauschalen von
Fr.
30.-- beziehungsweise
Fr.
45.--
die Rede war
(
BBl
2010
S. 1906).
Danach hat sich der Verordnungsgeber
korrekterweise
gerichtet
.
3.
5
Die Beschwerdeführerin bemängelt
e im Weiteren
die Qualifikation der
Abklä
rungsperson
der Beschwerdegegnerin
,
Z._
,
und deren Unabhängigkeit.
Zur Kritik betreffend die fehlende Unabhängigkeit
der Abklärungsperson
ist auf den Grundsatz hinzuweisen, dass im gesamten Verwaltungs- und
Verwa
ltungs
rechtspflegeverfahren
Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche
Be
weisregeln
zu würdigen sind. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie stammen, objek
tiv prüft und danach entscheidet, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Für
Abklärungsbe
richte
der Sozialversicherungsträger sind zusätzlich folgende Faktoren zu be
rücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer qualifizierten Person verfasst wird, die Kenntnis von den örtlichen und räumlichen Verhältnissen so
wie den aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht auf
zuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und an
gemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein und in Über
einstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen.
D
ie
Bemessung des Assistenzbeitrages
basiert
auf
den
Abklärung
en
des fakti
schen Hilfebedarfs
der A
ntragstellerin in sämtlichen Lebensbelangen
mittels FAKT (
Urk.
8/229,
Urk.
8/242)
. Die Abklärungs
person hat
die sich aus den me
dizinischen Unterlagen ergebenden respektive die von der versicherten Person angegebenen Einschränkungen und die nötigen Hilfeleistungen in den verschie
denen Hilfebereichen einer bestimmten Hilfebedarfsstufe zuzuordnen. Zur Ver
fügung stehen jeweils vier Stufen (vgl. KSAB
Rz
4009 ff.). Fachliche Vorausset
zungen im Sinne eines bestimmten Expertenwissens
beziehungsweise eine be
sondere Unabhängigkeit
sind hierfür grundsätzlich nicht erforderlich.
E
ntgegen der Darstellung der Beschwerdeführerin
kann im Umstand,
dass keine verwaltungsexterne Abklärung
und auch keine ärztliche Erhebung
durchgeführt
wurde
,
grundsätzlich
kein Mangel erblickt werden
. Bei der Beurteilung des er
mittelten Hilfebedarfs steht im
Vorder
grund, mit welcher Genauigkeit und Vollständigkeit die Abklärungsbeauftragten diesen erhoben haben
(ebenso er
wähntes Urteil IV.2012.00949 E. 6)
.
Entscheidend ist
schliesslich,
dass der Be
richt
die vorstehend genannten Voraussetzungen erfüllt, vom Gericht prüfend nachvollzogen werden kann und in seiner Beurteilung einleuchtet.
Zu bemerken blei
b
t
ferner
, dass der Vorwurf der Beschwerdeführerin, Anlass für niedrige Einstufungen könnten Sparbemühungen auf Kosten der Versicherten sein, jeder Substantiierung entbehrt.
4.
4.1
Die Anmeldung der Beschwerdeführerin
vom 1
4.
Dezember 2011
zum Bezug der Assistenzentschädigung (vgl.
Urk.
8/228) ist nicht aktenkundig. Nach Lage der Akten hat es die Beschwerdegegnerin entgegen KSAB
Rz
6011 und
Rz
6015 f. unterlassen,
zunächst
eine Selbstdeklaration des Hilfebedarfs durch die versi
cherte Person einzuholen, was in den beiden aufliegenden FAKT
entsprechend
vermerkt
ist
(Urk.
8/229 und
Urk.
8/242 je S. 1).
Aus den Akten geht
auch
nicht hervor
, ob das
FAKT
anlässlich eine
s
Gespräch
s
vor Ort
erfasst wurde; d
e
m
FAKT
sind
keine
Angaben
weder
in Bezug auf den Ort noch auf die
anwesenden Personen
zu entnehmen
. Ebenso wenig
gibt das
FAKT
Aufschluss
über die
Aussagen der
Beteiligten
ode
r ihre divergierenden Meinungen
. Die Beschwer
deführerin
bekam erst
mals
auf ihr Ersuchen hin - nach Erlass des Vorbescheids - Einsicht ins FAKT (vgl.
Urk.
8/237) und konnte damit erstmals im Einwand ihren Standpunkt zum Hilfebedarf darlegen (Urk. 8/239).
Unter diesen Umständen
kann dem FAKT kein B
eweiswert
(vgl. vorstehend E.
3.5)
bei
gemessen werden, ist doch darin allein die Beurteilung der
Abklä
rungsperson
eingeflossen, während
abweichende
Meinungen
weder aktenkundig gemacht
noch
gewürdigt wurden. Mit Blick auf die Verfahrensrechte
geht
es
nicht an, dass
die
versicherte Person
ihre
n
Standpunkt
erst
mals nach erfasstem FAKT
oder sogar
erst im
Vorbescheidverfahren
dartun kann
(vgl.
Urk.
8/239)
, so dass das Abklärungsverfahren faktisch ins
Vorbescheidverfahren
verschoben wird.
Wenn
die Beschwerdegegnerin
zudem -
wie hier
-
mittels
neuem
FAKT
(
Urk.
8/242)
, das heisst mittels eines neuen Beweismittels
einen
abweichenden
Hilfebedarf ermittelt,
ist der versicherten
Person
vor
Erlass der
entsprechenden Verfügung jedenfalls zunächst das rechtliche Gehör
einzuräumen,
damit sie dazu,
zu den neuen Schlussfolgerungen
wie auch zum von der
Beschwerdegeg
nerin
ausgeübten Ermessen
Stellung
nehmen
kann.
Dieser prozessuale Mangel wird auch nicht dadurch geheilt, dass
sich die
Be
schwerdegegnerin
in der Verfügung mit den Vorbringen im Einwand auseinan
dersetzt, wird doch dadurch die versicherte Person ins
kostenpflichtige
gericht
liche
Beschwerdeverfahren
gezwungen, um
die
in Verletzung ihres rechtlichen Gehörs durchgeführten Erhebungen und Festlegungen zu beanstanden.
Die fehlende Selbstdeklaration wie auch die dargelegte Verletzung des rechtli
chen Gehörs führen zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids und zur Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur gehörigen Durchfüh
rung des Verwaltungsverfahrens.
4.2
Hinsichtlich des mittels FAKT
ermittelten - von der Beschwerdeführerin als unge
nügend gerügten - Hilfebedarf
es bleibt festzuhalten, dass das Gericht in früheren Entscheiden festgehalten hat, dass die FAKT-Ausdrucke keine
rechts
genüglichen
Berichte darstellen, auf die das Gericht zur Anspruchsprüfung ab
stellen kann. Das FAKT
ist weder übersichtlich noch selbsterklärend. Der Aus
druck
ist hier teilweise nicht oder kaum leserlich (Urk. 8/242/57-78), er
verfügt
über kein Inhaltsverzeichnis und die massgeblichen Gesetzes- und
Verord
nungsbestimmungen
bei den einzelnen Berechnungsschritten werden nicht an
gegeben. Insbesondere bleibt unverständlich, wie die Ermittlung des Bedarfs in den einzelnen Teilbereichen zustande kommt und ob es sich um einen Numerus Clausus möglicher Begründungen der jeweiligen Stufe handelt. Ebenfalls nicht ersichtlich ist, ob die Begründungsbeispiele bloss – wie vermutet – alternativ oder auch kumulativ verwendet werden können. Zudem kann allein gestützt auf den FAKT-Ausdruck nicht nachvollzogen werden, ob sich hinter den verschie
denen Begründungsbeispielen immer dieselbe – und falls nicht, dann welche – Anzahl Minuten Hilfebedarf verbirgt, was zu erfahren aber notwendig wäre, um abschätzen zu können, ob die Verwaltung in ihrem Abklärungsinstrument an
gemessene generell-abstrakte Einschätzungen getroffen hat
.
Die
Beschwerde
gegnerin
hat im FAKT nicht sämtliche Begründungsbeispiele samt damit ver
bundener Minutenzahl offengelegt, weshalb
die
Beschwerdeführer
in
in Un
kenntnis der hinterlegten Zeiten für die verschiedenen Stufen kaum in der Lage war, die Verfügung sachgerecht anzufechten
, wodurch ihr rechtliches Gehör nochmals verletzt wurde.
Desgleichen bleibt dem
Gericht eine abschliessende Prüfung verwehrt
(
so bereits Urteile
des
hiesigen Sozi
alversicherungsgerichts vom 30.
November 2013, IV.2013.00278
;
und vom 3
1.
Januar 2014, IV.2012.00948, IV.2012.00981 und IV.2013.00129).
In Bezug auf die Fragen der Einstufung in den einzelnen Teilbereichen ist daher die Beschwerde gutzuheissen und die Sache ist nicht nur zur Offenlegung des dem FAKT zugrunde gelegten Berechnungsschlüssels, sondern zur nachvoll
ziehbaren Erläuterung der vorgenommenen Einstufungen an die
Beschwerde
gegnerin
zurückzuweisen, damit das Gericht im Beschwerdefall die im FAKT getroffenen generell-abstrakten Einschätzungen sowie das Ermessen der
Ab
klärungsperson
im konkreten Fall sachgerecht überprüfen kann
.
4.
3
Bei diesem Ausgang des Verfahrens kann von der Durchführung der vo
n der
Be
schwer
deführer
in
beantragten öffentlichen Verhandlung (Urk. 1 S.
3
). abgesehen werden.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung einer Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 199/02 vom 10. Feb
ruar 2004 E. 6 mit Hinweis auf BGE 110 V 57 E. 3a; SVR 1999 IV Nr. 10
S. 28 E. 3), weshalb die Gerichtskosten entsprechend dem Ausgang des Verfah
rens
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
5.3
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat
die obsiegende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten.
Mit Koste
nnote vom 1
4.
April 2014
machte der Rechtsvertreter einen Aufwand von 8.8 Stunden und Barauslagen von
Fr.
52.80 geltend
(
Urk.
25)
. Dies erscheint für die
- in Nachachtung der Gerichtsverfügung vom
7.
März 2013 (
Urk.
21) - ab 21. Januar 2013 angefallenen Bemühungen als angemessen. Angesichts des vollumfänglichen Obsiegens ist nicht bloss der ab 2
1.
Januar 2013 angefallene, sondern der ab Einreichung der Beschwerde (
Urk.
1) notwendige Aufwand zu ersetzen.
Demnach ist die Prozessentschädigung auf
Fr.
2‘500.-- (
inklusive
Bar
auslagen
und Mehrwertsteuer)
zu
bemessen
.