Decision ID: 209f37fa-6b31-5998-b30c-850124a02068
Year: 2007
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Die Eheleute E. und D. E.-B. sind in M. wohnhaft. Der Ehemann ist als Inhaber der
Einzelfirma X. selbständig erwerbstätig. Die Einzelunternehmung bezweckt gemäss
Handelsregistereintrag die Akquisition, den Verkauf und den Service von technischen
Produkten. Die Ehefrau bezieht eine IV-Rente.
Die Eheleute E. und D. E.-B. wurden für 2001 ermessensweise mit einem steuerbaren
Einkommen von Fr. 81'500.-- und ohne steuerbares Vermögen veranlagt. Der
Ermessensveranlagung waren Einkünfte aus selbständiger Erwerbstätigkeit des
Ehemannes von Fr. 60'000.-- zugrunde gelegt worden. Die Ermessensveranlagung
wurde vorgenommen, weil die Pflichtigen im Veranlagungs- und im
Einspracheverfahren trotz Mahnung und Androhung der Ermessensveranlagung weder
Bilanz und Erfolgsrechnung noch eine Aufstellung über Aktiven und Passiven,
Einnahmen und Ausgaben sowie Privatentnahmen und -einlagen eingereicht hatten.
Die Ermessensveranlagung wurde im Rekurs- und im Beschwerdeverfahren bestätigt
(VerwGE B 2005/84 vom 13. September 2005).
In der Steuererklärung für 2002 deklarierten die Eheleute E. und D. E.-B. ein
steuerbares Einkommen von Fr. 8'700.-- und ein steuerbares Vermögen von Fr. 0.--.
Die Einkünfte aus selbständiger Erwerbstätigkeit des Ehemannes deklarierten sie mit
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Fr. 41'000.--. Die Veranlagungsbehörde forderte die Pflichtigen am 8. Dezember 2005
zur Einreichung verschiedener Unterlagen auf. Namentlich verlangte sie den
Jahresabschluss 2002 mit Bilanz und Erfolgsrechnung oder eine Aufstellung über
Aktiven und Passiven, Einnahmen und Ausgaben sowie Privatentnahmen und -
einlagen, sämtliche Belege zum selbständigen Erwerbseinkommen und
Einzelkontenblätter sowie Grundaufschriebe. Nachdem diese Aufforderung erfolglos
blieb, wurde sie am 26. Januar 2006 erneuert. Die Pflichtigen reichten in der Folge
verschiedene Unterlagen ein, die von der Veranlagungsbehörde aber als untauglich zur
ziffernmässig genauen Ermittlung des Erwerbseinkommens betrachtet wurden. Am 14.
März 2006 wurden die Steuerpflichtigen für die Staats- und Gemeindesteuern 2002
ermessensweise mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 110'700.-- und einem
steuerbaren Vermögen von Fr. 0.-- veranlagt. Die Einkünfte aus selbständiger
Erwerbstätigkeit des Ehemannes wurden auf Fr. 60'000.-- festgesetzt. Diese
Ermessensveranlagung wurde im Einspracheverfahren bestätigt und das steuerbare
Einkommen auf Fr. 101'500.-- reduziert. Zur Begründung der Ermessensveranlagung
hielt die Veranlagungsbehörde fest, es seien keine beweiskräftigen Unterlagen für eine
ziffernmässig genaue Veranlagung eingereicht worden und die mit der Einsprache
eingereichten Unterlagen liessen eine Ueberprüfung der Selbstdeklaration nicht zu.
B./ Gegen den Einspracheentscheid vom 22. Juni 2006 erhoben E. und D. E.-B. Rekurs
und beantragten, die Einnahmen aus der AVS E. für 2002 seien auf Fr. 10'923.45 zu
reduzieren. Die Verwaltungsrekurskommission wies den Rekurs mit Entscheid vom 29.
März 2007 ab.
C./ Mit Eingabe vom 16. Mai 2007 erhoben E. und D. E.-B. Beschwerde beim
Verwaltungsgericht. Sie halten an ihrem Antrag fest, die Einnahmen aus der
selbständigen Erwerbstätigkeit des Ehemannes im Rahmen der AVS E. seien für 2002
auf Fr. 10'923.40 festzusetzen. Zur Begründung machen sie geltend, das Ermessen bei
der Festlegung der Einkünfte aus der AVS E. sei offensichtlich unrichtig und willkürlich
gehandhabt worden. Die Aufstellungen der Einkünfte und Ausgaben seien komplett,
und das Steuersubstrat könne zuverlässig und einwandfrei ermittelt werden. Bei einem
Umsatz von Fr. 317'966.95 könne kein Reingewinn von Fr. 60'000.-- erzielt werden.
Zudem seien die AHV-Beiträge aufgrund der willkürlichen Ermessensbetätigung
untragbar erhöht worden.
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Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 11. Juni 2007 die Abweisung
der Beschwerde. Sie macht geltend, die neu eingereichten Unterlagen mit Rechnungen
und Zahlungsbelegen würden zum überwiegenden Teil Lebenshaltungskosten
ausweisen. Die Beschwerdeführer seien offenbar der Auffassung, es handle sich dabei
um Betriebsaufwand, und sie schienen die für die Lebenshaltungskosten bezahlte
Mehrwertsteuer als Vorsteuerabzug geltend gemacht zu haben. Unter diesen
Umständen sei es fraglich, ob der ermessensweise auf Fr. 60'000.-- festgelegte
Gewinn nicht erheblich zu tief geschätzt worden sei.
Auch das kantonale Steueramt beantragte in seiner Vernehmlassung vom 26. Juni
2007 die kostenfällige Abweisung der Beschwerde.
Die Beschwerdeführer erhielten Gelegenheit, zu den Vernehmlassungen der Vorinstanz
und des Beschwerdegegners Stellung zu nehmen. In ihrer Eingabe vom 11. Juli 2007
halten sie an ihrem Antrag fest und bestreiten die Ausführungen der Vorinstanz,
wonach in den als Betriebsaufwand geltend gemachten Kosten teilweise
Lebenshaltungskosten aufgeführt seien. Es seien stets alle
Mehrwertsteuerabrechnungen wahrheitsgetreu und richtig abgerechnet worden. Damit
könne das Steuersubstrat ermittelt werden. Es sei schlechthin unmöglich, als
Einmannfirma ohne Fremdkapital und aufgrund des grossen Preisdrucks die von der
Steuerbehörde ermittelten Gewinne zu erzielen.
Die weiteren von den Verfahrensbeteiligten vorgebrachten Ausführungen werden,
soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen dargelegt und gewürdigt.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 196 Abs. 1
des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt StG; Art. 59 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die Beschwerdeführer sind zur
Ergreifung des Rechtsmittels befugt, und die Beschwerdeeingabe wurde rechtzeitig
eingereicht (Art. 196 Abs. 1 StG). Die Beschwerde kann als den gesetzlichen
Anforderungen genügend betrachtet werden (Art. 161 StG in Verbindung mit Art. 64
Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
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2. Nach Art. 177 StG nimmt die Veranlagungsbehörde die Veranlagung nach
pflichtgemässem Ermessen vor, wenn Steuerfaktoren oder Steuersubstrat mangels
zuverlässiger Unterlagen nicht einwandfrei ermittelt werden können oder der
Steuerpflichtige seine Verfahrenspflichten trotz Mahnung nicht erfüllt hat. Nach Art. 180
Abs. 2 StG kann eine Ermessensveranlagung vom Steuerpflichtigen nur wegen
offensichtlicher Unrichtigkeit angefochten werden.
2.1. Die Verwaltungsrekurskommission hat im angefochtenen Entscheid ausführlich
dargelegt, inwiefern der Beschwerdeführer seinen gesetzlichen Mitwirkungspflichten im
Veranlagungs- bzw. Einspracheverfahren nicht nachgekommen ist und auf welche
tatsächlichen und rechtlichen Grundlagen sich die Ermessensveranlagung stützt.
Zutreffend hielt sie fest, dass der Beschwerdeführer lediglich eine Aufstellung über die
im Jahr 2002 getätigten Aufwendungen einreichte, aber die Einnahmen lediglich durch
die Mehrwertsteuerabrechnungen belegte. Es wurden weder Buchungen oder
Kontoführungen nachgewiesen noch Grundaufschriebe über den Kassa-, Post- und
Bankverkehr eingereicht. Auch die Lieferantenrechnungen sind nicht vollständig
vorhanden, und insbesondere wurden bis auf einige Ausnahmen keine
Kundenrechnungen eingereicht. Damit verstiess der Beschwerdeführer gegen die in
Art. 169 Abs. 2 und Art. 170 Abs. 2 StG verankerten Vorschriften, wonach natürliche
Personen mit Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit der Steuererklärung die
unterzeichneten Jahresrechnungen der Steuerperiode oder Aufstellungen über Aktiven
und Passiven, Einnahmen und Ausgaben sowie Privatentnahmen und Privateinlagen
beilegen müssen und der Steuerpflichtige auf Verlangen der Veranlagungsbehörde
mündlich oder schriftlich Auskunft erteilen sowie Belege und Bescheinigungen bzw.
Urkunden über den Geschäftsverkehr vorlegen muss. Diesbezüglich kann
vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen in Ziff. 2 der Begründung des
angefochtenen Entscheids verwiesen werden. Der Einwand der Beschwerdeführer, die
Aufstellungen der Einkünfte und Ausgaben der X. seien komplett und das
Steuersubstrat könne zuverlässig und einwandfrei ermittelt werden, sind unzutreffend.
Für den genauen Nachweis der steuerlich massgebenden Faktoren sind eine
ordnungsgemässe Buchführung bzw. vollständige Aufstellungen im Sinn von Art. 169
Abs. 2 StG notwendig. Da namentlich eine überprüfbare und mit Belegen versehene
vollständige Aufstellung über die Einnahmen der X. fehlt, war die Steuerbehörde
gezwungen, eine Ermessensveranlagung vorzunehmen. Aufgrund der von den
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Beschwerdeführern eingereichten Unterlagen kann das Steuersubstrat jedenfalls nicht
annähernd zuverlässig ermittelt werden. Die Mehrwertsteuerabrechnungen vermögen
die Buchhaltungsunterlagen nicht zu ersetzen, zumal wie erwähnt Belege über die
Einkünfte weitgehend fehlen und die gemachten Angaben nicht überprüft werden
können. Auch die Aufwendungen können aufgrund der vorliegenden Unterlagen nicht
zweifelsfrei festgestellt werden. Wie die Vorinstanz zutreffend festhält, sind in den
geltend gemachten Betriebsauslagen auch Aufwandpositionen enthalten, die
unzweifelhaft den Lebenshaltungskosten zuzurechnen sind (z.B Aufwendungen für
Haustiere). Die Vorinstanz hat nach dem Gesagten die Voraussetzungen für eine
Ermessensveranlagung zu Recht bejaht.
2.2. Die Veranlagungsbehörde setzte die Einkünfte aus selbständiger Erwerbstätigkeit
des Ehemannes ermessensweise auf Fr. 60'000.-- fest. Dies entsprach dem Betrag,
der für 2001 festgelegt worden war. Die Beschwerdeführer beziffern ihren Umsatz auf
Fr. 317'966.95. Ob der Umsatz diesem Betrag entspricht oder ob von einem Betrag
von Fr. 342'132.45 auszugehen ist, wie dies die Vorinstanz unter Berücksichtigung der
Mehrwertsteuer tat, kann offen bleiben. Ein Gewinn von knapp 20 Prozent des
Umsatzes kann jedenfalls nicht als offensichtlich unrichtig oder willkürlich qualifiziert
werden. Ohnehin macht der Beschwerdeführer keine genauen Angaben über die Art
der im Rahmen der X. ausgeführten Arbeiten, welche eine zuverlässige Schätzung des
Bruttogewinns ermöglichen würden. Jedenfalls ist der Hinweis auf andere
Unternehmungen, bei denen sich der erzielte Gewinn zwischen zwei und zehn Prozent
des Umsatzes bewegt, nicht stichhaltig. Veranlagungsbehörde und Vorinstanz haben
zutreffend und nachvollziehbar dargelegt, wie die ermessensweise festzulegenden
Einkünfte ermittelt wurden. Auch diesbezüglich kann auf die ausführliche Begründung
im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Ziff. 3).
2.3. Die Beschwerdeführer halten fest, sie würden in Zukunft mit professioneller
Treuhand und juristischer Unterstützung vorgehen. Es ist den Beschwerdeführern
dringend zu empfehlen, für die Buchhaltung professionelle Unterstützung beizuziehen,
um künftig beweiskräftige Unterlagen zur Steuererklärung einreichen zu können.
Ueberdies sind sie darauf hinzuweisen, dass die Missachtung von gesetzlichen
Pflichten nach Art. 247 StG mit Busse geahndet werden kann.
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2.4. Aus dem Gesagten folgt, dass die Beschwerdeführer eine offensichtliche
Unrichtigkeit der Ermessensveranlagung weder in formeller noch in materieller Hinsicht
darzutun vermögen. Folglich ist die Beschwerde abzuweisen.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens den Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen.
Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 98 Abs. 1 VRP). Die
Beschwerdeführer sind unterlegen (Art. 98bis VRP), und der Beschwerdegegner hat
keinen Anspruch auf Ersatz ausseramtlicher Kosten (vgl. R. Hirt, Die Regelung der
Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S.
176).