Decision ID: c8bfbe56-db98-4c3c-b512-b37c9e744090
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ war als Reinigerin teilzeitlich bei der B._ und der C._ AG angestellt und
aufgrund dieser Arbeitsverhältnisse bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt
(nachfolgend: Suva) gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten versichert,
als sie am 6. Oktober 2016 einen Verkehrsunfall erlitt. Sie sass als Beifahrerin hinten
rechts in dem von ihrem Ehemann gelenkten Auto, als der vor ihnen fahrende
Autolenker sein Auto verkehrsbedingt abbremsen musste. Der Ehemann der
Versicherten bremste ebenfalls ab, worauf der nachfolgende Autolenker mit seinem
Auto in das Auto der Versicherten und ihres Ehemannes prallte, welches dann
wiederum in das Heck des vorderen Autos geschoben wurde (Suva-act. 1, 6, 33). Die
Erstbehandlung erfolgte am Unfalltag im Landeskrankenhaus D._, wo aufgrund einer
klinischen Querschnittslähmung die gesamte Wirbelsäule einschliesslich Abdomen,
Thorax und Becken sowie auch der Schädel computertomographisch untersucht
wurden. Nachdem sich dabei keine Traumafolgen gezeigt hatten, diagnostizierte der
zuständige Arzt Dr. med. E._, Abteilung der Unfallchirurgie, eine klinische
Querschnittslähmung Höhe L3/L4 bei Status nach Auffahrunfall (Suva-act. 38 f.). Die
Versicherte wurde am selben Tag in die Klinik für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG)
A.a.
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eingewiesen. Dort wurde nach einer Röntgenuntersuchung des rechten
Schultergelenks (Suva-act. 20), einer MRI-Untersuchung der Wirbelsäule (Clivus -
SWK3; Suva-act. 19), einer neurologischen Untersuchung mit SSEP/MEP-
Untersuchung und einer Beurteilung durch die Psychosomatiker eine funktionelle
Parese sub Th4 im Rahmen einer akuten Belastungssituation mit/bei Verkehrsunfall am
6. Oktober 2016, unauffälligem CT und MRI und unauffälligem SSEP/MEP
diagnostiziert. Die Versicherte wurde bei Bescheinigung einer 100%igen
Arbeitsunfähigkeit am 12. Oktober 2016 aus der Klinik entlassen (Suva-act. 14). Ab 14.
Oktober 2016 befand sie sich bei ihrem Hausarzt Dr. med. F._, FMH Allgemeine
Medizin, in Behandlung, welcher ihr weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
attestierte (Suva-act. 15, 21 f.). Am 11. Oktober 2016 war ihr eine erste Physiotherapie
verordnet worden (Suva-act. 32).
Mit Schreiben vom 27. Oktober 2016 sprach ihr die Suva für die Folgen des
Unfalls vom 6. Oktober 2016 Leistungen für Heilbehandlungen sowie Taggelder zu
(Suva-act. 8; vgl. auch Suva-act. 10 f., 13).
A.b.
Anlässlich einer Besprechung mit der Suva vom 13. Dezember 2016 gab die
Versicherte unter anderem an, dass ihr nach dem Unfall auch das linke Knie wehgetan
habe, welches sie sich wahrscheinlich am Beifahrersitz angeschlagen habe. Sie leide
seither immer unter starken Rückenschmerzen und auch das linke Knie und der linke
Fuss täten ihr immer weh. Psychisch gehe es ihr ebenfalls nicht gut (Suva-act. 42).
A.c.
Am 29. November 2016 war die Versicherte in der Klinik für Psychosomatik des
KSSG durch Dr. med. G._, Oberarzt, untersucht worden, der im
Untersuchungsbericht vom 2. Dezember 2016 eine mittelgradige depressive Episode
F32.1/ICD-10 sowie einen schädlichen Gebrauch von Benzodiazepinen F13.1/ICD-10
diagnostizierte. Dr. G._ hielt ausserdem fest, dass er die von der Versicherten
geschilderten Schmerzen einerseits als Reaktion auf den Unfall, andererseits aber auch
als eine durch die aktuelle depressive Episode hervorgerufene Schmerzwahrnehmung
sehe (Suva-act. 46 f.).
A.d.
Dr. F._ attestierte der Versicherten weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
und stellte am 28. Dezember 2016 eine zweite Physiotherapieverordnung aus (Suva-
act. 54 f.).
A.e.
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Am 19. Januar 2017 wurde die Versicherte in der Klinik für Neurologie des KSSG
durch Dr. med. H._, Oberärztin/Fachärztin Neurologie FMH, und Dr. med. I._,
Assistenzärztin, untersucht, welche folgende Diagnosen stellten: 1. Verkehrsunfall am
6. Oktober 2016 mit leichtgradiger Kontusion und Distorsion des gesamten Rückens
mit/bei cervico-thorako-lumbalem Schmerzsyndrom, initial funktionellem
Querschnittssyndrom sub Th4, unauffälligem MRI longspine, unauffälligem SSEP/MEP,
aktueller Hypästhesie circulär Bein links sowie am ehesten schmerzbedingter
Minderbewegung des linken Beins, Reflexe seitengleich, Knieschwellung mit Angabe
von starken Schmerzen; 2. mittelgradige depressive Episode; 3. Schulter-Nacken-Arm-
Syndrom rechts mit/bei unauffälligen elektroneuro-myographischen Befunden zum
rechten Arm, aktuell diesbezüglich keine Schmerzen (Suva-act. 58).
A.f.
Dr. F._ bescheinigte der Versicherten daraufhin weiterhin eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 61). In einem am 20. Februar 2017 an die Suva
gerichteten Verlaufsbericht hielt er fest, dass die Versicherte weiterhin vor allem
ausgeprägte Schmerzen im Bein, jedoch mit Übergang auf ein generalisiertes
Schmerzsyndrom habe. Psychisch bestehe eine auffallend depressive Verstimmung
mit ausgeprägter Somatisierungstendenz. Die ambulante Beurteilung in der Klinik für
Psychosomatik des KSSG vom 29. November 2016 habe eine massive psychische
Überlagerung bestätigt (Suva-act. 65).
A.g.
Am 22. Februar 2017 wurde bei der Versicherten in der Rehaklinik Bellikon ein
ambulantes Assessment durchgeführt, welches insbesondere eine erhebliche
Symptomausweitung ergab (Suva-act. 72).
A.h.
Am 3. März 2017 fand in der Radiologie J._ eine MRI-Untersuchung der HWS
statt. Die Radiologin Dr. med. K._ erhob insgesamt einen altersentsprechend
normalen Befund des cervicalen Achsenskeletts, insbesondere keine
neurokompressiven Diskushernien oder Protrusionen, keine Spinalkanalstenose und
keine Myelopathie (Suva-act. 70).
A.i.
Am 28. März 2017 legte die Suva den Schadenfall ihrem Kreisarzt Dr. med. L._,
Chirurgie FMH, vor, der am selben Tag zur Beurteilung gelangte, dass mit dem
A.j.
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B.
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit keine strukturell objektivierbaren
Folgen des Unfalls vom 6. Oktober 2016 vorliegen würden (Suva-act. 81).
Dr. F._ attestierte der Versicherten weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
(Suva-act. 84).
A.k.
Am 16. Mai 2017 wurde durch die AGU Zürich eine biomechanische
Kurzbeurteilung erstellt. Aus biomechanischer Sicht ergab sich aufgrund der
technischen Bewertung und der medizinischen Unterlagen, dass die anschliessend an
das Ergebnis bei der Versicherten festgestellten von der HWS ausgehenden
Beschwerden und Befunde durch die Kollisionseinwirkung im Normalfall, wie im
vorliegenden Fall, "eher erklärbar" seien (Suva-act. 88).
A.l.
Mit Verfügung vom 24. Mai 2017 stellte die Suva die Versicherungsleistungen aus
der obligatorischen Unfallversicherung per 31. Mai 2017 ein, wobei sie ausführte, dass
aufgrund der Abklärungen die heute noch geklagten Beschwerden organisch nicht
hinreichend nachweisbar seien. Es sei daher die Adäquanz zu prüfen. Nachdem eine
psychische Störung im Vordergrund stehe, erfolge die Beurteilung gemäss BGE 115 V
133. Nach Prüfung der massgebenden Kriterien sei die Adäquanz zu verneinen.
Mangels Vorliegens adäquater Unfallfolgen bestehe auch kein Anspruch auf weitere
Geldleistungen der Suva in Form einer Invalidenrente und/oder einer
Integritätsentschädigung (Suva-act. 91).
A.m.
Am 24. Mai und 5. April 2017 stellte Dr. F._ der Versicherten weitere
Physiotherapieverordnungen aus (Suva-act. 102,107).
A.n.
Am 1. Juni 2017 liess die Versicherte durch die Fortuna Rechtsschutz-
Versicherungsgesellschaft AG (nachfolgend: Fortuna) Einsprache gegen die Verfügung
vom 24. Mai 2017 erheben (Suva-act. 95). Am 31. August 2017 reichte die Fortuna die
Einsprachebegründung ein (Suva-act. 114).
B.a.
Mit Einspracheentscheid vom 5. Januar 2018 wies die Suva die Einsprache der
Versicherten vom 1. Juni 2017 ab (Suva-act. 118).
B.b.
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C.
Gegen den Einspracheentscheid liess die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) durch Rechtsanwalt Mag. iur. E. M. Lang, Widnau, am 8. Februar
2018 Beschwerde erheben mit folgenden Rechtsbegehren: 1. Der Einspracheentscheid
der Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) vom 5. Januar 2018 sei aufzuheben und
es sei a) die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerdeführerin beginnend
ab 1. Juni 2017 die gesetzlichen Versicherungsleistungen auszurichten und die
unrechtmässig zurückbehaltenen Leistungen ab je Fälligkeitsdatum zu verzinsen;
eventualiter sei b) durch das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hinsichtlich
der unfallbedingten Gesundheitsfolgen ein poly-/interdisziplinäres Gutachten aus den
Fachbereichen Neurologie, Orthopädie, Psychiatrie und Neuropsychologie sowie
weiterer Fachbereiche, sofern sich das aus den beantragten Gutachten ergebe,
einzuholen und in der Folge die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der
Beschwerdeführerin beginnend ab 1. Juni 2017 die gesetzlichen
Versicherungsleistungen auszurichten und die unrechtmässig zurückbehaltenen
Leistungen ab je Fälligkeitsdatum zu verzinsen; (sub-)eventualiter sei c) die
Rechtssache an die Vorinstanz zurückzuweisen, zur Einholung eines poly-/interdiszi
plinären Gutachtens aus den Fachbereichen Neurologie, Orthopädie, Psychiatrie und
Neuropsychologie, sowie weiterer Fachbereiche, sofern sich aus den beantragten
Gutachten ergebe, dass dies erforderlich sei, und anschliessend ein neuer
Schriftenwechsel zu gewähren. 2. Das Verfahren sei bis zum Vorliegen des im
Haftpflichtverfahren in Auftrag gegebenen psychiatrischen Gutachtens zu sistieren und
anschliessend ein neuer Schriftenwechsel zu gewähren. 3. Alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen (zuzüglich Mehrwertsteuer) zulasten der Beschwerdegegnerin
gemäss beiliegender Honorarnote (act. G 1). Zusammen mit der Beschwerde reichte
der Rechtsvertreter ein unfallchirurgisch-fachärztliches Gutachten von Dr. med. M._,
Facharzt für Unfallchirurgie, vom 30. September 2017 (act. G 1.3), eine Stellungnahme
von Dr. med. N._, Fachärztin FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 6. Juli 2017
(act. G 1.5) sowie eine Honorarnote vom 8. Februar 2018 über insgesamt Fr. 4'214.60
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer [act. G 1.6]) ein.
C.a.
Mit Schreiben vom 12. und 16. Februar 2018 (act. G 3, G 5) reichte Rechtsanwalt
Lang eine fachärztliche Behandlungs-Bescheinigung von Dr. N._ vom 8. Februar
C.b.
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2018 (act. G 3.1) und ein Konvolut von Rechnungen betreffend im Zeitraum vom 27.
Oktober 2016 bis 28. Dezember 2017 erbrachter Physiotherapie-Leistungen (act. G 5.2)
ein.
Mit Eingabe vom 23. März 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin, auf die
Beschwerde vom 8. Februar 2018 sei nicht einzutreten. Die Beschwerde sei verspätet
eingereicht worden (act. G 9). Nach einem anschliessenden Schriftenwechsel zwischen
dem Versicherungsgericht mit Rechtsanwalt Lang und der Beschwerdegegnerin
erklärte das Versicherungsgericht mit Schreiben vom 29. Mai 2018 die Beschwerde als
rechtzeitig erhoben (act. G 16).
C.c.
Am 27. Juni 2018 reichte die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeantwort ein,
worin sie die Abweisung der Beschwerde vom 8. Februar 2018 und die Bestätigung
des Einspracheentscheids vom 5. Januar 2018 beantragte (act. G 17).
C.d.
In seiner Replik vom 28. August 2018 liess der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin an seinen Ausführungen in der Beschwerde vom 8. Februar 2018
festhalten. Im Weiteren stellte er den Antrag, das Beschwerdeverfahren sei bis zum
Vorliegen des im Gerichtsverfahren der Beschwerdeführerin mit der
Haftpflichtversicherung eingeholten psychiatrischen Sachverständigengutachtens zu
sistieren (act. G 20).
C.e.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine umfassende Duplik und reichte am
20. September 2018 eine kurze Stellungnahme ein. Sie hielt insbesondere fest, dass
der Eingang der anstehenden psychiatrischen Expertise nicht abzuwarten sei (act. G
22).
C.f.
Nachdem das Versicherungsgericht dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
mit Schreiben vom 25. September 2018 mitgeteilt hatte, dass angesichts der ohnehin
langen Dauer bis zur Bearbeitung der vorliegenden Streitigkeit von der beantragten
förmlichen Sistierung des Beschwerdeverfahrens abgesehen werde (act. G 23), teilte
dieser mit Schreiben vom 22. August 2019 mit, dass kein Gutachten nachgereicht
werde (act. G 24).
C.g.
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Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die
sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem
Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden
daher, nachdem ein Ereignis aus dem Jahr 2016 zur Diskussion steht, die bis 31.
Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung.
2.
Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht die im Nachgang zum Unfall vom 6.
Oktober 2016 erbrachten Leistungen (Übernahme der Kosten für Heilbehandlungen,
Taggelder) auf den 31. Mai 2017 einstellte und den Anspruch auf weitere Leistungen
der Unfallversicherung (Invalidenrente und/oder Integritätsentschädigung) ablehnte.
Auch nach der Leistungseinstellung wurden Heilbehandlungen durchgeführt (Suva-act.
110, act. G 1.5, G 3.1) und der Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
bescheinigt (act. G 1.5).
3.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art.
6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR. 830.1]), so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 UVG). Sie hat zudem
Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Art. 10 UVG). Ist die
versicherte Person infolge des Unfalls mindestens zu 10 Prozent invalid, so hat sie
Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person
durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene
Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG). Die vorübergehenden Leistungen
(Heilbehandlungen, Taggelder) sind einzustellen und der Anspruch auf eine
Invalidenrente ist zu prüfen, wenn allfällige Eingliederungsmassnahmen der
Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind und von der Fortsetzung der ärztlichen
Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands der versicherten
Person mehr erwartet werden kann (Art. 19 Abs. 1 UVG). Die Integritätsentschädigung
3.1.
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wird mit der Invalidenrente festgesetzt oder, falls kein Rentenanspruch besteht, bei der
Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). Das Erreichen
des medizinischen Endzustands bildet demgemäss die Voraussetzung für die Prüfung
der Rentenfrage und der Integritätsentschädigung. Angesichts des Gesagten besteht
ein Endzustand in einem Gesundheitszustand, der zumindest im Zeitpunkt der
Rentenprüfung (Art. 19 Abs. 1 oder Art. 19 Abs. 3 UVG) als stabil bzw. beständig
erscheint. Dies in dem Sinn, dass Invalidität die voraussichtlich bleibende und längere
Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit ist (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Angesichts der in Erwägung 3.1 angeführten gesetzlichen Bestimmungen besteht
ausserdem eine Leistungspflicht des Unfallversicherers nur für Gesundheitsschäden,
die natürlich und adäquat kausal mit einem versicherten Unfallereignis
zusammenhängen (Art. 6 Abs. 1 UVG; BGE 129 V 181 E. 3).
3.2.
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers endet, wenn der Unfall nicht mehr eine
natürliche und adäquate Ursache der fortdauernden Beschwerden darstellt, d.h. wenn
die Beschwerden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruhen
(vgl. zu den Begriffen Status quo sine und Status quo ante: Alexandra Rumo-Jungo/
André Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/
Basel/Genf, S. 54; André Nabold, in: Kommentar zum Schweizerischen
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung [UVG], Bern 2018,
N 54 zu Art. 6; BSK UVG-Irene Hofer, Basel 2019, N 71 zu Art. 71). Ebenso wie der
leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder
kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit
dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit gänzlich fehlender
Auswirkungen des Unfalls genügt nicht (Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 4; Thomas
Locher/Thomas Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. Bern 2014,
§ 70 N 58). Da es sich dabei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die
Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher
Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim
Unfallversicherer (Urteil des Bundesgerichts vom 25. April 2017, 8C_766/2016, E. 2.2).
Allerdings greift die vorgenannte Beweisregel erst dann Platz, wenn die Verwaltung und
- im Beschwerdefall - das Gericht dem Untersuchungsgrundsatz rechtsgenüglich
nachgekommen sind bzw. es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu
ermitteln, der zumindest die überwiegende Wahrscheinlichkeit für sich hat, der
3.3.
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Wirklichkeit zu entsprechen (Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55; BGE 117 V 264 E. 3b
mit Hinweisen; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 327 E. 1).
Der Beweis des natürlichen Kausalzusammenhangs bzw. dessen Wegfall ist in
erster Linie mit den Angaben medizinischer Fachpersonen zu führen. Die Frage nach
dem adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom
Gericht nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (Urteil
des Bundesgerichts vom 21. August 2015, 8C_331/2015, E. 2.2.3.1; Rumo-Jungo,
a.a.O., S. 55, 58; UVG-Kommentar-Nabold, a.a.O., N 53 und 59 zu Art. 6; BSK UVG-
Hofer, a.a.O., N 66 und 74 zu Art. 6; BGE 129 V 181 E. 3.1). Hinsichtlich des
Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die beklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten oder
der Expertin begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert eines ärztlichen
Gutachtens ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die
Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht
oder Gutachten (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a mit Hinweis). Insofern sind
auch Berichte und Gutachten, welche die Versicherungen während des
Administrativverfahrens von ihren eigenen Ärzten und Ärztinnen einholen,
beweistauglich. Bestehen indessen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende
Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 mit Hinweis; bestätigt in Urteil des
Bundesgerichts vom 23. November 2012, 8C_592/2012, E. 5.3; BGE 125 V 352 E. 3;
RKUV 1991 Nr. U 133 S. 311 ff.).
3.4.
Bei Unfällen mit klar ausgewiesenen organischen Unfallfolgen spielt die Adäquanz
als rechtliche Eingrenzung der aus dem natürlichen Kausalzusammenhang sich
ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle. Sie ist bei
ausgewiesener natürlicher Kausalität ohne weiteres sowohl bezüglich vorübergehender
als auch dauerhafter Gesundheitsschäden zu bejahen (BGE 134 V 111 f. E. 2.1, 127 V
103 E. 5b/bb; SVR 2000 UV Nr. 14 S. 45). Sind dagegen die Unfallfolgen organisch
nicht (hinreichend) nachweisbar, ist betreffend Dauerschäden (Invalidität und
Integritätsschaden) eine eigenständige Adäquanzbeurteilung durchzuführen, bei
welcher wie folgt zu differenzieren ist: Es ist zunächst abzuklären, ob die versicherte
Person beim Unfall ein Schleudertrauma der HWS, eine dem Schleudertrauma
äquivalente Verletzung oder ein Schädelhirntrauma (vgl. dazu Urteil des
3.5.
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Bundesgerichts vom 1. Juni 2016, 8C_12/2016, E. 7.1 mit Hinweisen; SVR 1995 UV Nr.
23 S. 67 E. 2) erlitten hat. Ist dies nicht der Fall, gelangt die Rechtsprechung gemäss
BGE 115 V 140 E. 6c/aa (sogenannte "Psycho-Praxis") zur Anwendung. Ergeben die
Abklärungen dagegen, dass eine versicherte Person eine der erwähnten Verletzungen
erlitten hat, muss geprüft werden, ob die zum typischen Beschwerdebild einer solchen
Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen zwar (teilweise) vorliegen, im Vergleich zur
psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten. Trifft dies zu, sind für die
Adäquanzbeurteilung ebenfalls die in BGE 115 V 140 E. 6c/aa für Unfälle mit
psychischen Unfallfolgen aufgestellten Grundsätze massgebend (BGE 123 V 99 E. 2a),
andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz gemäss den in BGE 117 V 359
festgelegten und in BGE 134 V 109 präzisierten Kriterien (sogenannte
"Schleudertrauma-Praxis"). Die Anwendung der Rechtsprechung zum adäquaten
Kausalzusammenhang bei Schleudertraumen der HWS setzt voraus, dass die
psychischen Beschwerden aus dem Unfall hervorgehen und zusammen mit den
organischen Beschwerden, die ebenfalls auf das Unfallereignis zurückzuführen sind,
ein komplexes Gesamtbild ergeben (RKUV 2000 Nr. U 397 S. 328 E. 3b).
Bei fehlender natürlicher und adäquater Kausalität zwischen einem Unfall und
fortdauernd geklagten Beschwerden entfällt zum Vornherein ein weiterer Anspruch auf
Heilbehandlung und Taggeld. Die Leistungseinstellung erfolgt diesfalls ohne Prüfung
des Erreichens des medizinischen Endzustands gemäss Art. 19 Abs. 1 UVG und es
muss deshalb auch nicht mehr geprüft werden, ob von der Fortsetzung der ärztlichen
Behandlung eine namhafte Besserung des Gesundheitszustands erwartet werden kann
(vgl. Erwägung 3.1). Dem Gesagten kommt insbesondere in Bezug auf organisch
objektivierbare Unfallfolgen Bedeutung zu, wo sich der Zeitpunkt des Erreichens des
medizinischen Endzustands in der Regel zuverlässig beurteilen lässt (vgl. SVR 2007 UV
Nr. 29 S. 99, E. 3.1, U 98/06). Sind hingegen die Unfallfolgen organisch nicht
(hinreichend) nachweisbar und hat die versicherte Person ein Schleudertrauma oder
eine schleudertraumaähnliche Verletzung erlitten (vgl. dazu nachfolgende Erwägung
5.1), wobei nicht entscheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als organischer
und/oder psychischer Natur bezeichnet werden (vgl. BGE 117 V 367 E. 6.a), liegt der
Fokus auf den Voraussetzungen für das Ende des Anspruchs auf Heilbehandlung und
Taggeld (Art. 19 Abs. 1 UVG). Hat der Unfallversicherer die vorübergehenden
Leistungen mit Blick auf das Erreichen des medizinischen Endzustands zu Recht
eingestellt, folgt erst hinsichtlich der Ansprüche auf die Dauerleistung Rente oder eine
Integritätsentschädigung die Prüfung, ob zum Zeitpunkt der Einstellung der
vorübergehenden Leistungen noch adäquat unfallkausale Restfolgen in Form eines
Dauerschadens (Invalidität und Integritätsschaden) vorhanden sind (vgl. Urteil des
3.6.
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4.
Bundesgerichts vom 18. Dezember 2017, 8C_254/2017, E. 4.3). Eine Adäquanzprüfung
nach Massgabe der in BGE 115 V 133 begründeten Rechtsprechung zu den
psychogenen Unfallfolgen bzw. der sogenannten "Psycho-Praxis" ist im Zeitpunkt des
Dahinfallens der kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines somatischen
Gesundheitsschadens oder des Erreichens des medizinischen Endzustands der
physischen Unfallverletzungen vorzunehmen. Dies ergibt sich daraus, dass die
psychischen Beschwerden im Rahmen der Adäquanzbeurteilung gemäss "Psycho-
Praxis", wo es gerade um die Beurteilung der Unfallkausalität psychischer
Beschwerden geht, auszuklammern und nur die physischen Unfallfolgen zu
berücksichtigen sind. Bei den psychischen Fehlentwicklungen nach dem Unfall (BGE
115 V 133) haben mithin die psychischen Unfallfolgen auf den Zeitpunkt der
Adäquanzbeurteilung keine Auswirkung (BGE 134 V 109 E. 6.1; SVR 2007 UV Nr. 29 S.
99, E. 3.1, U 98/06).
Vorerst ist zu prüfen, ob im Zeitpunkt der Leistungseinstellung per 31. Mai 2017
noch organisch objektivierbare Unfallfolgen vorhanden waren, welche die fortdauernd
geklagten Beschwerden verursachen konnten. Die Beschwerdeführerin beklagte über
die Leistungseinstellung hinaus insbesondere Schmerzen vom Nacken über den
gesamten Rücken in das linke Bein ausstrahlend. Weiter litt sie unter linksseitigen
Kniebeschwerden (act. G 1.3). Während von der Beschwerdeführerin schliesslich
echtzeitlich auch Schmerzen an der rechten Schulter beklagt worden waren und von
ärztlicher Seite eine Schulterkontusion rechts diagnostiziert worden war (Suva-act. 72),
waren diese Beschwerden im weiteren Verlauf nicht mehr aktenkundig (Suva-act. 58,
act. G 1.3 S. 6). Die röntgenologische Untersuchung vom 6. Oktober 2016 hatte
jedenfalls auch nicht auf einen strukturellen Gesundheitsschaden bzw. eine frische
ossäre Läsion hingewiesen (Suva-act. 20). Die Schulterverletzung scheint damit im
Leistungseinstellungszeitpunkt verheilt gewesen zu sein.
4.1.
4.2.
Für die Annahme unfallkausaler somatischer Restfolgen wird grundsätzlich eine
strukturelle Läsion bzw. eine schlecht verheilte strukturelle Läsion als objektivierbares
Korrelat verlangt. Objektivierbar sind Ergebnisse, die reproduzierbar und von der
Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten bzw. der Patientin
unabhängig sind. Folglich kann von objektiv ausgewiesenen organisch-strukturellen
Unfallfolgen dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit -
wissenschaftlich anerkannten - apparativen/bildgebenden Abklärungen (wie Röntgen,
4.2.1.
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MRT, CT, EEG) bestätigt werden (vgl. BGE 134 V 121 E. 9, 134 V 232 E. 5.1 mit
Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 28. Oktober 2009, 8C_216/2009, E. 2; SVR
2007 UV Nr. 25 S. 81 E. 5.4 mit Hinweisen [U 479/05]).
Die Beschwerdeführerin wurde mit Blick auf die von ihr im
Leistungseinstellungszeitpunkt beklagten Beschwerden, insbesondere hinsichtlich des
bei ihr am Unfalltag klinisch gezeigten dissoziativen Querschnittsbildes sub Th4,
umfassend radiologisch untersucht. Laut Ambulanzprotokoll von Dr. E._ vom 6.
Oktober 2016 sind bei der Beschwerdeführerin im Landeskrankenhaus D._ am
Unfalltag verschiedene CT-Untersuchungen - des Schädels/Gesichtsschädels, der
Wirbelsäule und der HWS, des Thorax und des Beckens - durchgeführt worden,
welche jedoch keine Traumafolge, insbesondere keine Wirbelsäulenfraktur, zur
Darstellung gebracht haben. Es zeigten sich eine regelrechte Darstellung der
Schädelcalotte, keine blutungstypische intercerebrale Veränderung, keine
Liquorzirkulationsstörung und keine Mittellinienverlagerung. Im Bereich der HWS
konnten regelrechte Stellungsverhältnisse ohne Nachweis einer Fehlstellung oder
Fraktur erhoben werden. Auch im Bereich des Thorax und Abdomens waren keine
Läsionen, auch keine Rippenfrakturen, feststellbar. BWS, LWS und Becken waren ohne
Nachweis einer frakturverdächtigen Linie. Auch die CT-morphologische Darstellung
des Myelons (Rückenmark) war ohne Nachweis einer intraspinalen Blutung (Suva-act.
39). In einer MRI-Untersuchung (Clivus bis SWK3) vom 6. Oktober 2016 durch Dr. med.
O._, Arzt der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin des KSSG, konnte sodann ein
altersentsprechend normales vertebrospinales Kernspintomogramm ohne Nachweis
posttraumatischer Veränderungen oder Läsionen des Myelons ausgemacht werden
(Suva-act. 19). Entsprechend hielten die Ärzte der Klinik für Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates im Austrittsbericht vom 14. Oktober 2016
fest, dass sich im Rahmen der long-spine MRT-Diagnostik keine Pathologien gezeigt
hätten. Weiter wurde ausgeführt, dass sich neurologisch das Querschnittsbild ebenfalls
dissoziativ gezeigt habe, jedoch als funktionell ohne somatische Ursache gewertet
worden sei. Eine neurologische Untersuchung mit SSEP/MEP habe sodann unauffällige
Befunde gezeigt. Bei fehlender somatischer Ursache bestehe kein orthopädischer
Handlungsbedarf (Suva-act. 14). Am 19. Januar 2017 erfolgte zur Abgrenzung
psychischer und somatischer Beschwerden eine weitere neurologische Untersuchung
in der Klinik für Neurologie des KSSG durch Dr. H._ und Dr. I._. Die Ärzte sahen
klinisch im Vergleich zum Vorbefund mit Parese sub Th4 nun insgesamt eine deutliche
Verbesserung und unverändert, bei damals unauffälligem MRI-long-spine-Befund, kein
Hinweis auf eine neurologische Genese der Beschwerden. Es falle allerdings eine
4.2.2.
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Schwellung im Bereich des linken Kniegelenks und des linken Unterschenkels auf,
welche möglicherweise einem Inaktivitätsödem entspreche (Suva-act. 58). Eine
traumatische Läsion wurde damit nicht in Erwägung gezogen. Auch dem
Untersuchungsbericht von Dr. med. P._, Assistenzärztin, Arbeitsorientierte
Rehabilitation, sowie Dr. med. Q._, Facharzt für Physikalische Medizin und
Rehabilitation, beide Rehaklinik Bellikon, vom 1. März 2017 über das ambulante
Assessment (Suva-act. 71) sind keine Hinweise auf strukturelle Verletzungen im
Bereich des Schädels, der Wirbelsäule und des linken Knies zu entnehmen. Vielmehr
wurde bei der Beschwerdeführerin eine erhebliche Symptomausweitung festgestellt,
was auf eine mangelnde Objektivierung einer strukturellen Schädigung, welche die
beklagte Schmerzsymptomatik erklären könnte, hinweist. Eine MRI-Untersuchung der
HWS durch Dr. K._ vom 3. März 2017 zeigte sodann insgesamt einen
altersentsprechend normalen MRI-Befund des cervikalen Achsenskelettes,
insbesondere weiterhin keine neurokompressiven Diskushernien oder Protrusionen,
keine Spinalkanalstenose und keine Myelopathie (Suva-act. 70).
Wie von Kreisarzt Dr. L._ am 28. März 2017 (Suva-act. 81) festgehalten, steht
mit den in Erwägung 4.2.2 genannten Röntgen-, MRI-, CT- sowie klinischen
Untersuchungsergebnissen ausser Frage, dass die Beschwerdeführerin mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit anlässlich des Unfalls vom 6.
Oktober 2016 keine klar ausgewiesene neue, bleibende oder allenfalls schlecht
verheilte, strukturelle Läsion im Bereich des Schädels, der Wirbelsäule, des Beckens
und linken Knies erlitten hat, welche die überwiegend wahrscheinliche Annahme von
Langzeitbeschwerden zulassen würde. Dies bestätigte auch die nachfolgende
unfallchirurgisch-fachärztliche Begutachtung durch Dr. M._ vom 30. September
2017. Dieser Arzt fertigte ein Röntgenbild des linken Kniegelenks an, welches
unauffällig war. Zusammenfassend hielt er mit Blick auf die gesamten vorliegenden
radiologischen Untersuchungsergebnisse sowie gestützt auf seine klinische
Untersuchung fest, dass für das Gesamtbeschwerdebild organische Ursachen fehlen
würden und aus unfallchirurgischer Sicht Dauerfolgen auszuschliessen seien (act. G
1.3). In den medizinischen Akten wird mithin eine übereinstimmende Schlussfolgerung
vertreten.
4.2.3.
4.3.
In den medizinischen Akten wurden allerdings nach dem Unfall vom 6. Oktober
2016 unstreitig organische Körperschädigungen in Form einer Kontusion und
Distorsion des gesamten Rückens respektive der gesamten Wirbelsäule, des Beckens,
4.3.1.
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des linken Kniegelenks und der rechten Schulter diagnostiziert (Suva-act. 58, 65; act. G
1.3), bezüglich welcher es zu prüfen gilt, ob sie bis zur Einstellung der
vorübergehenden Versicherungsleistungen per 31. Mai 2017 vollständig abgeheilt
gewesen sind. Wie in Erwägung 4.1 festgestellt, kann davon hinsichtlich der rechten
Schulter bereits ausgegangen werden, wofür im Übrigen ebenso die nachfolgenden
Ausführungen sprechen (vgl. Erwägung 4.3.2).
Bei einer Kontusion oder Distorsion handelt es sich grundsätzlich um eine
Weichteilverletzung ohne strukturelle Läsion der Gelenke, Knochen, Bänder und
Sehnen. Es entspricht einer medizinischen Erfahrung, dass Kontusionen oder
Distorsionen ohne strukturelle Läsionen normalerweise innert kurzer Zeit folgenlos
abheilen und sich die damit verbundenen Beschwerden gänzlich zurückbilden (vgl.
Alfred M. Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. Berlin 2002, S. 412,
1096 f.; Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl. Berlin/Boston 2017, S. 981;
Roche Lexikon, Medizin, 5. Aufl. München 2003, S. 357). Dauern die Beschwerden
nach einer einfachen Kontusion oder Distorsion länger, steht oftmals eine psychische
Anpassungsstörung oder Fehlentwicklung dahinter (vgl. dazu Urteil des
Bundesgerichts vom 28. Februar 2007, U 357/06, E. 4.5). Der vorgenannte
Erfahrungssatz darf im Rahmen des Wahrscheinlichkeitsbeweises berücksichtigt
werden (Locher/Gächter, a.a.O., § 70 N. 58 f.). Dies hat insbesondere für den Nachweis
des Dahinfallens natürlich kausaler Unfallfolgen bzw. des Status quo sine vel ante zu
gelten, bei dem es sich um einen hypothetischen Zustand handelt, welcher sich häufig
nur mit Erfahrungswerten bestimmen lässt (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG] vom 18. September 2002, U 60/02, E. 2.2). Auch ohne
Veränderung bzw. Besserung der klinischen Befundsituation kann ab einem
bestimmten Datum von einem Dahinfallen der Unfallfolgen ausgegangen werden bzw.
können fortdauernde Beschwerden aufgrund der obgenannten medizinischen
Erfahrungstatsache eben nicht mehr auf den Unfall zurückgeführt werden. In Bezug auf
Weichteilzerrungen bzw. -prellungen am Rücken hält Autor Erich Bär, Facharzt für
Chirurgie FMH, in den Medizinischen Mitteilungen der Suva Nr. 79 [2008], S. 101, fest,
dass diese ungeeignet seien, länger als einige Wochen bis wenige Monate
Beschwerden zu machen, die mit organischen Folgen der ursprünglichen Verletzung zu
erklären wären, und weist auf zahlreiche weitere Publikationen hin (Erich Bär, Prellung,
Verstauchung oder Zerrung der Wirbelsäule. Ein Update. In Medizinische Mitteilungen
der Suva Nr. 67 [1994], S. 45). Dr. M._ schätzt in seinem unfallchirurgisch-
fachärztlichen Gutachten vom 30. September 2017 die Heilungsdauer der von der
Beschwerdeführerin beim Unfall vom 6. Oktober 2016 erlittenen Kontusionen und
4.3.2.
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Distorsionen in Übereinstimmung mit der dargelegten medizinischen Erfahrung auf
maximal vier Monate ein (act. G 1.3). Angesichts dessen, dass Dr. H._ und Dr. I._
sowie Dr. F._ in ihren Untersuchungsberichten vom 3. und 20. Februar 2017 (Suva-
act. 58, 65) lediglich eine leichtgradige Kontusion und Distorsion des Rückens
diagnostizierten, erscheint die von Dr. M._ angenommene Heilungsdauer, welche er
auch auf die Beschwerden im Bereich des Beckens, des linken Knies und der rechten
Schulter bezieht, als angemessen. Im Übrigen stellte die Beschwerdegegnerin ihre
Leistungen erst rund acht Monate nach dem Unfall ein, weshalb die Heilung der
Unfallverletzungen selbst bei verzögertem Verlauf sicher abgeschlossen war.
Medizinische Erfahrungssätze beziehen sich auf den Regelfall, d.h. auf medizinische
Sachverhalte, die sich im konkreten Fall gleich dargestellt haben. Eine Ausnahme von
der Regel ist grundsätzlich nicht ausgeschlossen, doch muss sie sich eben als solche
präsentieren. In den vorliegenden Akten finden sich keine Hinweise, welche bezüglich
des Heilungsverlaufs der von der Beschwerdeführerin beim Unfall vom 6. Oktober 2016
erlittenen Kontusions- und Distorsionsverletzungen im Bereich der Wirbelsäule, des
Beckens, der rechten Schulter und des linken Kniegelenks auf einen Ausnahmefall
hinweisen. In Bezug auf die BWS, LWS und das Becken ist beizufügen, dass diese
durch die Sitzlehne eine erhebliche Verminderung der aufprallbedingten
Krafteinwirkung erfahren haben, zumal die Beschwerdeführerin angegurtet gewesen ist
(vgl. Suva-act. 42). Auch der Umstand, dass die Beschwerdeführerin gemäss Erklärung
gegenüber der Beschwerdegegnerin vom 13. Dezember 2016 vor dem Unfall vom 6.
Oktober 2016 nie an Rücken- und Nackenbeschwerden gelitten hat, vermag keine
längere Heilungsdauer zu begründen. Der zeitliche Aspekt allein besitzt in solchen
Fällen, in denen das Vorliegen einer strukturellen Verletzung mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit verneint werden kann, keine wissenschaftlich
genügende Erklärungskraft (vgl. dazu Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. Zürich/
Basel/Genf 2015, Art. 4 N 69; Alfred Maurer, Schweizerisches
Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. Bern 1989, S. 460 Fn 1205 [untaugliche
Beweisführung nach der Formel "post hoc ergo propter hoc"]; SVR 2009 UV Nr. 13, S.
52 E.7.2.4 mit weiteren Hinweisen; BGE 119 V 340 E. 2b/bb). Im Übrigen wurde von Dr.
N._ in der "Fachärztlichen Bescheinigung – Behandlung" vom 8. Februar 2018 (act. G
3.1) die somatische Diagnose eines cervicobrachialen Schmerzsyndroms seit Sommer
2009 intermittierend gestellt und in der Stellungnahme vom 6. Juli 2017 festgehalten,
dass die gesundheitlichen Beschwerden, Wirbelsäulenschmerzen im Nacken und
Brustbereich, laut Hausarzt Dr. F._ schon vor dem Unfall vom 6. Oktober 2016
bestanden hätten (act. G 1.5). Inwiefern sich vorbestehende Nackenschmerzen von
den über das Leistungseinstellungsdatum hinaus fortdauernden Nackenschmerzen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/24
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5.
Nachfolgend bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der
Leistungseinstellung allenfalls noch unter natürlich und adäquat kausalen nicht
objektivierbaren organischen und/oder psychischen Unfallrestfolgen litt.
unterscheiden sollten (vgl. dazu G 20), ist nicht nachvollziehbar oder zumindest nicht
nachgewiesen. In der biomechanischen Kurzbeurteilung vom 16. Mai 2017 (Suva-act.
88) wurde zwar festgehalten, dass sich aus biomechanischer Sicht aufgrund der
technischen Bewertung und der medizinischen Unterlagen ergebe, dass die
anschliessend an das Ereignis bei der Beschwerdeführerin festgestellten von der HWS
ausgehenden Beschwerden und Befunde durch die Kollisionseinwirkung im Normalfall,
wie im vorliegenden Fall, eher erklärbar seien. Eine biomechanische Kurzbeurteilung
kann zwar allenfalls bei der Adäquanzprüfung berücksichtigt werden, sie ist jedoch
keine hinreichende Grundlage für eine Kausalitätsbeurteilung (Rumo-Jungo/Holzer,
a.a.O., S. 57). So wurde denn auch in der biomechanischen Kurzbeurteilung vom 16.
Mai 2017 ausdrücklich festgehalten, dass sich diese auf den aus biomechanischer
Sicht überschaubaren Zeitraum von ungefähr einem halben Jahr konzentriere. Der
weitere Beschwerdeverlauf könne im individuellen Fall auch von vielen Einflüssen
abhängen, die nicht im Bereich der Biomechanik liegen würden (Suva-act. 88). Im
vorliegenden Fall ist vielmehr davon auszugehen, dass die über das
Leistungseinstellungsdatum hinaus andauernden Beschwerden insbesondere
psychisch begründet sind (vgl. dazu nachfolgende Erwägung 5.3).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass nach Massgabe der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit im Zeitpunkt der Leistungseinstellung per 31. Mai 2017, d.h. rund
acht Monate nach dem Unfallereignis, von einem Wegfall der Kontusions- und
Distorsionsfolgen als Ursache der noch geklagten Beschwerden auszugehen ist. Eine
weitergehende Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin wegen objektivierter
organischer Unfallrestfolgen infolge der Kontusionen bzw. Distorsionen lässt sich nicht
begründen.
4.3.3.
Nach den Ergebnissen der medizinischen Forschung ist bekannt, dass bei
Schleudertraumaverletzungen sowie äquivalenten Verletzungen (u.a. HWS-Distorsion,
Schädelhirntrauma; vgl. dazu RKUV Nr. 341 S. 408 E. 3b; BGE 117 V 369 E. 3) auch
ohne nachweisbare pathologische bzw. organische Befunde noch Jahre nach dem
Unfall funktionelle Ausfälle verschiedenster Art auftreten können. Der Umstand, dass
die für ein Schleudertrauma oder eine äquivalente Verletzung typischen Beschwerden
nicht mit entsprechenden Untersuchungsmethoden (wie Röntgen, MRT, CT, EEG)
5.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/24
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objektivierbar sind, rechtfertigt für sich allein nicht, die diesbezüglichen Beschwerden
in Abrede zu stellen (BGE 117 V 363 E. 5d/aa). Gemäss der sogenannten
"Schleudertrauma-Praxis" ist bei diagnostiziertem Schleudertrauma der HWS und
äquivalenten Mechanismen mit Vorliegen eines für diese Verletzungen typischen
Beschwerdebildes (mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen,
Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit,
Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung usw.) der
natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen
Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen, selbst wenn die
festgestellten Funktionsausfälle organisch nicht nachweisbar sind (vgl. BGE 134 V
116 f. E. 6.2; BGE 119 V 337 f. E. 1; BGE 117 V 360 f. E. 4b). Dieses Beschwerdebild
mit einer Häufung von Beschwerden muss nicht in seiner umfassenden Ausprägung
innerhalb von 24 bis höchstens 72 Stunden nach dem Unfall auftreten. Es genügt,
wenn sich in diesem Zeitraum Beschwerden in der Halsregion oder an der HWS
manifestieren (vgl. dazu Urteile des Bundesgerichts vom 5. Januar 2009, 8C_413/2008,
E. 5.2 mit zahlreichen Hinweisen, 28. Dezember 2007, 8C_498/2007, E. 4.1 mit
weiteren Hinweisen und 15. März 2007, U 258/06, E. 4.3; RKUV 2000 Nr. 359 S. 29 E.
5e). Die anderen im Rahmen des Schleudertraumas oder der HWS-Distorsion
typischerweise auftretenden Beschwerden müssen sich jedoch immerhin in einem
Zeitraum manifestieren, der es erlaubt, vom Vorhandensein eines natürlichen
Kausalzusammenhangs auszugehen.
Der von der Beschwerdeführerin erlittene Unfallmechanismus mit Doppelkollision
könnte an sich für ein Schleudertrauma und/oder eine dem Schleudertrauma
äquivalente Verletzung sprechen. Während sich in den echtzeitlichen medizinischen
Akten keine entsprechende Diagnose findet (Suva-act. 14, 39), könnte die in den
späteren medizinischen Akten (vgl. Suva-act. 58, 65, 72; act. G 1.3) aufgeführte
Diagnose einer Distorsion bzw. Zerrung des gesamten Rückens einer
schleudertraumaähnlichen Verletzung gleichgesetzt werden. Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin hält zudem der echtzeitlichen Situation in der Beschwerde vom 8.
Februar 2018 entgegen, es hätten mannigfache Hinweise für ein Schleudertrauma
vorgelegen, ohne dass diesen auf den Grund gegangen worden sei. Es sei davon
auszugehen, dass sich die behandelnden Ärzte des Landeskrankenhauses D._ bei
der Behandlung und Diagnose hauptsächlich mit der klinischen Querschnittslähmung
in den Beinen und der sich zeigenden Bewegungseinschränkung in der rechten oberen
Extremität beschäftigt hätten und aus diesem Grund das - weit weniger gravierende -
HWS-Syndrom nicht separat diagnostiziert worden sei. Selbst wenn dem so wäre, ist
jedoch festzuhalten, dass die innerhalb einer Latenzzeit von 24 bis höchstens 72
5.2.
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Stunden und auch später aktenkundige Beschwerdesymptomatik insgesamt gegen
das Vorliegen einer durch den Unfall vom 6. Oktober 2016 überwiegend wahrscheinlich
verursachten Schleudertraumaverletzung oder äquivalenten Verletzung spricht. Laut
Ambulanzprotokoll von Dr. E._ vom 6. Oktober 2016 gab die Beschwerdeführerin
ausgesprochene Wirbelsäulenbeschwerden an, welche offensichtlich auch die HWS
umfassten (Suva-act. 39). In den nachfolgenden medizinischen Akten sind aber keine
weiteren schleudertraumatypischen Beschwerden erwähnt (vgl. insbesondere Suva-
act. 14, 58, 65). Eine Häufung derselben (Kopfschmerzen, Drehschwindel,
Kraftlosigkeitsgefühl, Schwarzwerden vor den Augen und Verschwommensein,
Schlafstörungen, kognitive Probleme) ist erstmals und einzig im Bericht von Dr. P._
und Dr. Q._ vom 1. März 2017 über das ambulante Assessment und damit mehrere
Monate nach dem Unfall vermerkt. Entsprechend wurde bei der Beschwerdeführerin im
ambulanten Assessment eine erhebliche Symptomausweitung erhoben (Suva-act. 72).
Bereits Dr. F._ hatte im Verlaufsbericht vom 20. Februar 2017 von einem Übergang
auf ein generalisiertes Schmerzsyndrom geschrieben (Suva-act. 65). Die
Wirbelsäulenbeschwerden wurden sodann im Zeitpunkt des ambulanten Assessments
subjektiv eher von der LWS nach oben Richtung Rücken ausstrahlend beschrieben. Die
LWS- wie auch die BWS- und Schulterschmerzen waren wohl eher auf die Kontusionen
bzw. Prellungen zurückzuführen. Allein mit HWS-Beschwerden können keine typischen
Verletzungsfolgen nach einem Schleudertrauma oder einer äquivalenten Verletzung in
Form eines typischen Beschwerdebildes mit einer Häufung von Beschwerden bejaht
werden. Die in den medizinischen Akten wiederholt und übereinstimmend
diagnostizierte Depression bzw. depressive Episode (Suva-act. 46, 58, 72; act. G 3.1,
G 1.5) gehört an sich zwar auch zum typischen Beschwerdebild im Anschluss an ein
Schleudertrauma oder eine schleudertraumaähnliche Verletzung (vgl. Erwägung 5.1).
Im vorliegenden Fall ist jedoch mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Depression nicht aus einer allfälligen
Schleudertraumaverletzung bzw. äquivalenten Verletzung hervorgegangen ist und
zusammen mit den Nackenbeschwerden Teil schleudertraumaspezifischer
Beschwerden bildet, sondern ein davon zu trennendes eigenständiges Leiden darstellt
(vgl. nachfolgende Erwägung 5.3 f.).
Die vorliegenden medizinischen Akten zeigen diesbezüglich insgesamt
übereinstimmend und eindeutig die Beurteilung auf, dass die physischen
Beschwerdeanteile zumindest im Zeitpunkt der Leistungseinstellung an Bedeutung
verloren haben bzw. die ursprünglichen Verletzungen als abgeheilt betrachtet werden
können und die fortbestehenden Beeinträchtigungen schon frühzeitig zunehmend und
danach ausschliesslich die Folge einer psychischen Fehlentwicklung sowie
5.3.
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psychosozialer Belastungsfaktoren darstellten. So wurde bereits die echtzeitlich
erhobene funktionelle Parese sub Th4 im Rahmen einer akuten Belastungsreaktion,
mithin nicht organisch begründet, gesehen (Suva-act. 14, 39). Dr. G._ sah anlässlich
seiner Untersuchung vom 29. November 2016 die von der Beschwerdeführerin
berichteten Schmerzen einerseits als Reaktion auf den Unfall, andererseits auch als
durch die depressive Episode hervorgerufene verstärkte Wahrnehmung (Suva-act. 46).
Dr. F._ sprach im Verlaufsbericht vom 20. Februar 2017 bereits von einer psychisch
auffallend depressiven Verstimmung mit ausgeprägter Somatisierungstendenz und vor
allem auch von einer massiven psychischen Überlagerung (Suva-act. 65). Im Rahmen
einer Somatisierungstendenz werden körperliche Symptome bzw. Schmerzen geklagt,
die nicht als körperliches Leiden qualifiziert werden, denn auch eine psychische
Gesundheitsschädigung kann sich in körperlichen Beschwerden zeigen (AHI 2000 S.
159 E. 4b mit Hinweisen). Das Charakteristikum einer Somatisierungstendenz ist
gerade die wiederholte Darbietung subjektiv empfundener körperlicher Symptome,
obwohl im Vergleich zur objektiven Befunderhebung erhebliche Diskrepanzen bestehen
(vgl. Pschyrembel, a.a.O., S. 1622; WHO und Dilling/Momour/Schmidt [Hrsg.],
Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V, 10. Aufl. Bern
2015, S. 224 ff.). Wie bereits erwähnt, wurde sodann bei der Beschwerdeführerin im
Rahmen des ambulanten Assessments in der Rehaklinik Bellikon vom 22. Februar 2017
eine erhebliche Symptomausweitung erhoben. Im Bericht vom 1. März 2017 wurde von
Dr. P._ und Dr. Q._ ausserdem auf eine psychosoziale Belastungssituation zufolge
einer schwierigen finanziellen Situation durch die Arbeitslosigkeit der
Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes hingewiesen (Suva-act. 72). Dr. N._ stellte
überdies neben einer mittelgradigen depressiven Episode auch weitere psychiatrische
Diagnosen, nämlich eine posttraumatische Verbitterungsstörung F43.8 ICD-10 nach
dem Autounfall am 6. Oktober 2016 sowie einen Verdacht auf eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung, ängstlich vermeidend unsicher, zwanghaft F61.0 ICD-10 (act. G
3.1). In ihrer Stellungnahme vom 6. Juli 2017 wies Dr. N._ auf einen psychischen
Vorzustand in Form einer emotionalen Vulnerabilität bzw. eine Prädisposition für die
Entwicklung einer posttraumatischen Verbitterungsstörung und einer mittelgradigen
Depressivität hin. Es sei bei der Beschwerdeführerin nicht möglich zu differenzieren,
inwieweit sie oder ob sie überhaupt vor dem Unfall emotional gestört gewesen sei. All
ihre gesundheitlichen Beschwerden bringe sie mit dem Unfallereignis vom 6. Oktober
2016 in Verbindung. Bereits vor dem Unfallereignis habe bei der Beschwerdeführerin
laut hausärztlicher Angabe eine Schmerzstörung bzw. ein Cervicobrachialsyndrom seit
Sommer 2009 vorgelegen, welche bzw. welches durch den Unfall intensiviert worden
sei. Im Rahmen dieser Verstärkung sei die aktuelle mittelgradige Depressivität und
hochgradige Steigerung des Schmerzempfindens entstanden. In der Fachliteratur sei
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gut bekannt, dass sich Schmerzstörung und Depressivität gegenseitig verstärken und -
wie auch bei der Beschwerdeführerin - Ein- und Durchschlafstörungen verursachen
würden. Sie, Dr. N._, wolle insbesondere die Feststellung von Dr. G._ hervorheben
(vgl. Suva-act. 46), nach dessen Einschätzung die von der Beschwerdeführerin
berichteten Schmerzen einerseits auf den Unfall zurückgeführt, andererseits aber auch
als durch die aktuelle depressive Episode hervorgerufene, verstärkte
Schmerzwahrnehmung gesehen werden könnten. Hier bestätigten sich tatsächlich die
Depressivität und auch die Schmerzstörung im Zusammenhang. Laut diesen
Ausführungen von Dr. N._ kommt zwar dem Unfall für die Schmerzproblematik der
Beschwerdeführerin eine massgebende Bedeutung zu, doch entwickelt sich diese
offensichtlich auf einer rein psychischen Ebene. Diese dominiert die
Schmerzproblematik der Beschwerdeführerin ohne Mitbeteiligung einer somatischen
Unfallläsion oder einer schleudertraumaähnlichen Verletzung. Dr. N._ beschreibt
einzig psychische Vorgänge. So führt sie weiter aus, dass sicherlich eine unfallbedingte
Arbeitsunfähigkeit bzw. Teilzeitarbeitsunfähigkeit bestehe, da die Beschwerdeführerin
kein organisches Korrelat für ihre ganzkörperliche Schmerzstörung aufweise und da sie
unter mehreren psychiatrischen Diagnosen leide. Die Arbeitsunfähigkeit sei
ausschliesslich psychisch zu begründen.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass - selbst wenn davon ausgegangen
würde, dass der Unfall vom 6. Oktober 2016 ein Schleudertrauma bzw. eine
schleudertraumaähnliche Verletzung zur Folge gehabt hätte - daraus folgende
Beeinträchtigungen im Verlauf der ganzen Entwicklung vom Unfall bis zum
Beurteilungszeitpunkt stark überlagert und/oder durch psychische Vorzustände
intensiviert worden wären. Die psychische Symptomatik steht klar im Vordergrund und
ist demgemäss hauptverantwortlich für die Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin.
Für die Beurteilung der Adäquanz gelangen somit die Kriterien der "Psycho-Praxis" zur
Anwendung. Entsprechend sind die Folgen der organisch nicht ausgewiesenen
Beschwerden nicht in die Beurteilung miteinzubeziehen (vgl. u.a. Urteil vom 28. April
2010, 8C_903/2009, E. 4.6). Nachdem - wie in Erwägung 4.3 festgestellt - in Bezug auf
die somatischen Unfallfolgen per 31. Mai 2017 von einem Status quo sine vel ante und
damit von einer Heilung auszugehen ist, durfte die Beschwerdegegnerin die
Adäquanzprüfung in Bezug auf die vorliegenden psychischen Beschwerden auf
denselben Zeitpunkt hin vornehmen (vgl. Erwägung 3.5). Selbst wenn vorliegend - wie
von Dr. G._ und Dr. N._ offensichtlich angenommen - ein natürlicher
Kausalzusammenhang zwischen den psychischen Beschwerden der
Beschwerdeführerin und dem Unfall zu bejahen wäre, müsste - wie nachfolgend zu
zeigen sein wird - das Bestehen des adäquaten Kausalzusammenhangs verneint
5.4.
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6.
werden. Vor diesem Hintergrund kann die Frage, ob es sich bei den heute bestehenden
psychischen Gesundheitsstörungen der Beschwerdeführerin um eine natürliche Folge
des versicherten Unfalls handelt, offenbleiben (SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67). Auch von
einer polydisziplinären Begutachtung, welche in erster Linie der Beurteilung natürlicher
Kausalzusammenhänge dienen würde, kann abgesehen werden (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 20. März 2008, 8C_217/2008, E. 7.3), zumal die
Beschwerdeführerin in den verschiedenen, vorliegend in Betracht fallenden
medizinischen Fachrichtungen (insbesondere orthopädisch, neurologisch und
psychiatrisch) bereits umfassend abgeklärt wurde. Damit bedarf es also auch für die
Klärung von bei der Prüfung einzelner Adäquanzkriterien zuweilen auftauchenden
Problemen keines polydisziplinären Gutachtens (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27.
November 2008, 8C_527/2008, E. 3.2.2). Die Beschwerdegegnerin legte im
angefochtenen Einspracheentscheid die rechtlichen Voraussetzungen des Vorliegens
eines adäquat-kausalen Zusammenhangs zwischen Unfall und psychischer
Gesundheitsstörung zutreffend dar (Suva-act. 118, Erwägung Ziff. 2), darauf kann
verwiesen werden.
Zur Einstufung des Unfallereignisses nach dessen Schwere liefert die
biomechanische Kurzbeurteilung der AGU Zürich vom 16. Mai 2017 (Suva-act. 88)
Erkenntnisse zu den Geschwindigkeiten bzw. Geschwindigkeitsänderungen beim
Unfall. Das Auto, in welchem die Beschwerdeführerin als Beifahrerin sass, erfuhr beim
Unfall vom 6. Oktober 2016 eine Frontal- und Heckkollision, wobei man sich in der
biomechanischen Kurzbeurteilung auf die Heckkollision konzentrierte, welcher in Bezug
auf Beschwerden der HWS eine grössere Bedeutung zukomme als der Frontalkollision.
Das Auto erfuhr durch den Heckanstoss eine Geschwindigkeitsänderung in
Vorwärtsrichtung innerhalb oder oberhalb eines Bereichs von 10-15 km/h.
Biomechanisch relevante Besonderheiten seien nicht aktenkundig, es liege somit keine
Abweichung vom Normalfall vor. Es liege allerdings die äusserst seltene Diagnose einer
funktionellen Parese sub Th4 im Rahmen einer akuten Belastungsreaktion vor. Da die
Diagnose klar von einer nicht verletzungsbedingten Ursache der Parese spreche,
ergäben sich hier aus biomechanischer Sicht keine Erklärungsmöglichkeiten. Die
anschliessend an das Ereignis bei der Beschwerdeführerin festgestellten von der HWS
ausgehenden Beschwerden und Befunde seien durch die Kollisionseinwirkung im
Normalfall eher erklärbar. Gestützt auf diese biomechanische Kurzbeurteilung ging die
Beschwerdegegnerin von einem mittelschweren Ereignis an der Grenze zu den leichten
Unfällen aus. Dieser Einschätzung der Unfallschwere kann in Anbetracht der von der
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Beschwerdegegnerin zutreffenden Feststellung, dass die obgenannte Geschwindigkeit
nicht mehr als gering, aber auch nicht als besonders hoch zu bezeichnen sei, gefolgt
werden, zumal diese Qualifizierung auch der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl.
Kasuistik in Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 61 ff.; SVR 2009UV Nr.39 S. 134,
8C_304/2008; Urteile des Bundesgerichts vom 15. Dezember 2016, 8C_651/2016, E.
5.4, 6. Juni 2012, 8C_906/2011, 30. August 2010, 8C_580/2010, E. 5.2.2., und 16. Mai
2008, 8C_252/2007, E. 6.1 f. mit weiteren Hinweisen) entspricht und sich auch mit Blick
auf den konkreten Sachschaden am Auto, in welchem die Beschwerdeführerin sass
(vgl. Suva-act. 33, 88/2), keine andere Zuordnung aufdrängt.
Der adäquate Kausalzusammenhang bei einem mittelschweren Unfall im
Grenzbereich zu den leichten Unfällen ist zu bejahen, falls ein einzelnes der nach der
Rechtsprechung einzubeziehenden Kriterien (vgl. BGE 115 V 140 E. 6c/aa; Rumo-
Jungo/Holzer, a.a.O. S. 69 ff.) besonders ausgeprägt vorhanden ist oder mindestens
vier der massgeblichen Kriterien erfüllt sind (Urteil des Bundesgerichts vom 7.
Dezember 2009, 8C_487/2009, E. 5; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O. S. 64; UVG
Kommentar-Nabold, a.a.O., N 70 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, a.a.O., N 92 zu Art. 6). Die
Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Einspracheentscheid vom 5. Januar 2018
(Suva-act. 118) zu den einzelnen Adäquanzkriterien Stellung genommen. Ihre
Ausführungen sind nicht zu beanstanden. Zu ergänzen ist, dass auch durch den
Umstand, dass das Auto, welches demjenigen folgte, in welchem die
Beschwerdeführerin als Beifahrerin sass, möglicherweise ungebremst auf dieses
auffuhr, weil der Fahrer Gas gab, anstatt zu bremsen (vgl. Suva-act. 33/3; act. G 1, S. 9
Ziff. 1.2.2), keine besonders dramatischen Begleitumstände gegeben sind. Relevant ist
die konkrete Geschwindigkeitsänderung des Autos, in welchem die
Beschwerdeführerin sass. Diese war, wie bereits erwähnt, nicht gering aber auch nicht
besonders hoch. Im Übrigen ist davon auszugehen, dass sich das vorgenannte
Ereignis ohne Wahrnehmung der Beschwerdeführerin abspielte, womit ihm auch keine
besondere Eindrücklichkeit zukommen konnte. Selbst wenn dem Umstand Rechnung
getragen würde, dass die Beschwerdeführerin einen Schock verspürte, weil sie ihre
Beine nicht mehr bewegen konnte, könnte das Kriterium der besonders dramatischen
Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit höchstens in einfacher Form erfüllt
sein. Von einer besonderen Ausgeprägtheit kann nicht gesprochen werden (vgl. dazu
Urteil des Bundesgerichts vom 19. Dezember 2011, 8C_488/2011, E. 5.1.1). Die
meisten Adäquanzkriterien - ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung,
körperliche Dauerschmerzen, schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche
Komplikationen sowie Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit - können schliesslich
auch nicht wegen der ihnen allesamt zukommenden zeitlichen Komponente (Status
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