Decision ID: 2a14b24a-83ac-4eab-bf80-45fa5eaa4116
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1964 geborene
X._
arbeitet
seit 1988 in dem zunächst se
inen Eltern und später ihm gehö
renden Bettwarengeschäft.
Dieses wurde bis 2019 als Aktiengesellschaft
(AG)
und
wird seit
2019 im Rahmen einer Einzelfirma
betrie
ben
(Urk.
6/51/1
-3
;
www.zefix.ch
).
Am 1
1.
April 2019 meldete
sich
X._
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/2,
Urk.
6/6). Die IV-Stelle führte in der Folge mit
X._
ein Standortgespräch durch (
Urk.
6/4), liess einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug) erstellen (
Urk.
6/12)
und holte Bericht
e
von
Dr.
med. Y._
, Facharzt FMH für Psychiatrie
und Psychotherapie, (Urk. 6/23) und
von
Dr.
med. Z._
, Facharzt FMH für Innere Medizin, (
Urk.
6/26)
ein
und gab bei
Dr.
med. A._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychothe
rapie, ein Gutachten in Auftrag
, welches am 2
2.
August 2020
erstattet wurde (
Urk.
6/31).
Mit Vorbescheid vom 2
7.
Oktober 2020 stellte die IV-Stelle in Aussicht, einen Rentenanspruch von
X._
zu verneinen (
Urk.
6/33). Dagegen liess dieser Einwand erheben (
Urk.
6/36,
Urk.
6/42). In der Folge forderte die IV-Stelle
X._
auf, die Erfolgsrechnungen der letz
ten drei Jahre vor Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung sowie die Erfolgsrechnungen seit Eintritt des Gesundheitsschadens und die aktuellste Bei
tragsverfügung der zuständigen Ausgleichskasse einzureichen
(
Urk.
6/43)
.
Am
9.
April 2021 reichte
X._
diverse Unterlagen ein (
Urk.
6/47,
Urk.
6/48). Am
2
9.
Juni 2021 führte die IV-Stelle mit
X._
ein Abklärungsgespräch durch
und verfasste dazu am 3
0.
Juni 2021 einen Abklä
rungsbericht für
Selbständigerwerbende
(
Urk.
6/51).
X._
liess sich am
4.
Oktober 2021 dazu vernehmen (
Urk.
6/55). Mit Verfügung vom
1.
Novem
ber 2021 verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch von
X._
(
Urk.
2).
2.
Mit Eingabe vom
2.
Dezember 2021 (
Urk.
1) liess
X._
Beschwerde erheben und beantragen, es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm die gesetzlichen Leistungen
,
insbesondere eine ganze Invalidenrente
,
auszurichten. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Anordnung eines zweiten Schriftenwech
sels. Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
4.
Januar 2022 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2
5.
Januar 2022 (
Urk.
7) unter dem Hinweis, dass das Gericht die Anordnung eines weiteren Schriften
wechsels nicht als erforderlich
erachte, es den Parteien jedoch unbenommen bleibe, sich nochmals zur Sache zu äussern und weitere sachbezogene Unterlagen einzureichen, mitgeteilt wurde. Nachdem der Beschwerdeführer Einsicht in die von der Beschwerdegegnerin eingereichten Akten (
Urk.
6/1-57) genommen hatte,
beantragte er mit Stellungnahme vom
2
1.
März 2022, es sei die Beschwerdegegnerin aufzufordern, Stellung dazu
zu
nehmen,
weshalb
sie ihm mit Aktenzustellung vom 2
0.
November 2020 nicht die vollständigen Akten habe zukommen lassen und
weshalb
sich ein Ausweis von «
B._
» in den Akten befinde. Mit Verfügung vom 2
3.
März 2022 wurde der Beschwerdegegnerin Frist angesetzt, um sich zur Stellungnahme vom 2
1.
März 2022 vernehmen zu lassen
(
Urk.
14)
. Die Beschwerdegegnerin reichte am 2
9.
April 2022 eine Stellungnahme ein (
Urk.
16), welche dem Beschwerdeführer mit Ver
fügung vom 1
0.
Mai 2022 zur Kenntnis gebracht wurde.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. De
zember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch i
n dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung
des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
-
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im
Re
-
gelfall
beachtlichen Standardindikatoren (
BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281)
hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
1.5.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.5.2
Der Einkommensvergleich hat auch bei
Selbständigerwerbenden
in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen zif
fernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu verglei
chen. Lassen sich die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen nicht zuverlässig
ermitteln oder schätzen, so ist in Anlehnung an die spezifische Methode für Nichterwerbstätige ein Betätigungsvergleich anzustellen und der Invaliditätsgrad nach Massgabe der erwerblichen Auswirkungen der verminderten Leistungs
fä
higkeit in der konkreten erwerblichen Situation zu bestimmen. Der grundsätz
liche Unterschied des ausserordentlichen Bemessungsverfahrens zur spezifischen Me
thode (
Art.
28a
Abs.
2 IVG) besteht darin, dass die Invalidität nicht unmittel
bar nach Massgabe des Betätigungsvergleichs als solchen bemessen wird. Viel
mehr ist zunächst anhand des Betätigungsvergleichs die leidensbedingte Behin
derung festzustellen; sodann ist aber diese im Hinblick auf ihre erwerbliche Auswirkung besonders zu gewichten. Eine bestimmte Einschränkung im funktionellen Leis
tungsvermögen einer erwerbstätigen Person kann zwar, muss aber nicht notwen
digerweise eine Erwerbseinbusse gleichen Umfangs zur Folge haben. Wollte man bei Erwerbstätigen ausschliesslich auf das Ergebnis des Betätigungsvergleichs abstellen, so wäre der gesetzliche Grundsatz verletzt, wonach bei dieser Kategorie von Versicherten die Invalidität nach Massgabe der Erwerbsunfähigkeit zu bestimmen ist (ausserordentliches Bemessungsverfahren; BGE 128 V 29 E. 1; AHI 1998 S. 120 E. 1a und S. 252 E. 2b je mit Hinweisen). Die ausserordentliche Bemessungsmethode des erwerblich gewichteten Betätigungsvergleichs unter
scheidet sich von der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs
Unselb
ständigerwerbender
gerade dadurch, dass bei der Einkommensermittlung nicht auf die LSE abgestellt wird, sondern deren Festsetzung unter Berücksichtigung der einzelfallbezogenen Kriterien (Betriebsgrösse, Branche, Erfahrung des Betriebsinhabers usw.) zu erfolgen hat (Urteil des Bundesgerichts I 707/06 vom 9. Juli 2007 E. 3.3.1 mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung kann die Aufnahme einer unselbständigen Erwerbstä
tigkeit als zumutbar erscheinen, wenn davon eine bessere erwerbliche Verwer
tung der Arbeitsfähigkeit erwartet werden kann und der berufliche Wechsel unter Berücksichtigung der gesamten Umstände (Alter, Aktivitätsdauer, Ausbildung, Art der bisherigen Tätigkeit, persönliche Lebensumstände) als zumutbar erscheint (Urteil des Bundesgerichts 9C_356/2014 vom 14. November 2014 E. 3.1 mit Hin
weisen auf Urteile I 116/03 vom 10. November 2003 E. 3.1 und I 145/01 vom 12. September 2001 E. 2b).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
stellte in ihrem Entscheid (
Urk.
2) fest, dass eine Arbeits
fähigkeit (auch in der bisherigen Tätigkeit) von 80 % bestehe. Den Einkommens
vergleich nahm sie gestützt auf die Buchhaltungsunterlagen vor und errechnete
einen Invaliditätsgrad von 33 %, dies bei einem
Valideneinkommen
von Fr. 67'960.15 und ein
em
Invalideneinkommen von Fr. 45'407.5
9.
Sie
setzte
dabei
das
Valideneinkommen
gestützt auf den
vom Beschwerdeführe
r
in den Jahren 2015 bis 2018 ausbezahlten Lohn von jeweils Fr. 50'135.-- zuzüglich zusätzli
chen behinderungsbedingten Lohnkosten für Mitarbeiter von Fr. 17'825.15
fest
(vgl.
Urk.
6/51/9).
Das Inv
a
lideneinkommen bestimmte
sie
aus dem Betriebsge
winn der Einzelfirma
im Jahr
2019
von Fr. 42'666.11
zuzüglich
im Ge
schäftsab
schluss 2019 enthalten
e Lohnaufwendungen für zwei inzwischen nicht mehr beschäft
igt
e Mitarbeiter in Höhe von Fr. 13'837.1
8.
Gleichzeitig zog sie gesund
heitsbedingt anfallende Lohnkosten für die Ehefrau von Fr. 14'375.
ab und addierte
AHV-Beiträge in Höhe von Fr. 3'279.30
(Urk.
6/51/9)
.
Die Beschwerde
gegnerin erklärte dazu, f
ür die E
r
werbstätigkeit des Beschwerdeführers würden eigentlich gar keine Geschäftsräumlichkeiten benötigt. Da er aber auf selbständi
ger Basis arbeite, fielen natürlich administrative Arbeiten an, wofür er Platz für einen Computer brauche.
Der in der Jahresrechnung 2019 verbuchte M
ietzins von
Fr. 2'000.
könne daher angerechnet werden,
was als grosszügig erachtet werden könne. Da d
er Beschwerdeführer mit den verbliebenen Aufträgen ausgelastet
sei
,
sei ke
in höherer Werbeaufwand
als verbucht
zu berücksichtigen
.
2.2
Der Beschwerdeführer liess zur Begründung seiner Beschwerde
im Wesentlichen
vorbringen
(
Urk.
1)
,
da er selbständig sei, habe er sich fortwährend an die sich schleichend verschlechternde Gesundheitssituation anpassen können. Dieser Anpassungsprozess sei bis zuletzt soweit fortgeschritten, dass er
eine
enge Ver
traute (insbesondere seine Ehefrau) um sich haben müsse, die ihn in alltäglichen und für eine Arbeitstätigkeit essentiellen Dingen begleite. Auf dem ersten Arbeitsmarkt stelle n
iemand eine Person ein, der aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation immer eine andere, ih
r vertraute Person
zur Seite gestellt werden müsse. Bei seiner jetzigen Stelle handle es sich um eine Stelle auf dem zweiten Arbeits
markt.
Er arbeite lediglich 30
%
im Büro. 70
%
seiner Tätigkeiten seien ausser Haus. Diese Tätigkeiten könne er nur in Begleitung seiner Frau ausführen.
Die Arbeitsfähigkeitsschätzung von
Dr.
A._
sei unbegründet und nicht nachvoll
ziehbar. Sie stehe in völligem Widerspruch zu den von ihm festgestellten Ein
schränkungen. Dieser Widerspruch zeige sich auch darin, dass
Dr.
A._
die Dia
gno
se einer Agoraphobie stelle und gleichzeitig ausführe, dass für eine Agora
phobie keine ausreichenden Anhaltspunkte
bestünden
.
Auch brauche er aus gesundheitlichen Gründen einen Mitarbeiter, um Aufträge zu generieren
, was
zeige, dass er seine Tätigkeit nicht mehr ausüben k
önne
– sicherlich nicht in einem Umfang von 80
%
.
Er
habe
anlässlich der Begutachtung unter dem Einfluss von
Temesta
gestanden. Das Bild, das
Dr.
A._
von ihm erhalten habe, sei als
o
nicht geeignet, die Arbeitsunfähigkeit zu bestimmen, weil es nicht der Rea
lität (wie sie ohne Benzodiazepine sei) entsprochen habe. Dies sei ein weiterer Grund, weshalb auf das Gutachten nicht abgestellt werden dürfe.
Dr.
A._
begründe
zudem
nicht schlüssig und
rechtsgenüglich
anhand der Standardindi
katoren, inwiefern sich aus funktionellen Ausfällen eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit ergebe. Die Schätzung der Arbeitsfähigkeit durch
Dr.
A._
sei
vielmehr
aus der Luft
gegriffen
.
Dr.
A._
setz
e
sich
zudem
auch nicht
rechts
genüglich
mit dem Bericht von
Dr.
Y._
auseinander.
Die Beschwerdegegnerin habe einen Betätigungsvergleich vorgenommen. Die Beurteilung der Abklärungsperson, gemäss welcher ein Invaliditätsgrad von lediglich 33,18
%
resultiere, sei unzutreffend.
Hinsichtlich des
Valideneinkom
mens
lasse die Beschwerdegegnerin ausser Acht, dass sich d
ie Krankheit über Jahre schleichend entwickelt
habe
. Der Beginn sei weit vor 2015 gewesen. Somit sei es nicht korrekt, wenn für die Bestimmung des
Valideneinkommens
der Durchschnittslohn gemäss IK-Buchungen 2015 bis 2018 genommen werde und ein gesundheitsbedingter Mehraufwand a
n
Personalkosten addiert werde
. Er habe
seine Tätigkeit fortwährend der sich verschlechternden Gesundheit angepasst. So sei es ihm gesundheitsbedingt seit Länge
rem
nicht mehr möglich, den Lohn zu erzielen, den er ohne gesundheitliche Einschränkungen erzielen würde.
Er sei
bei
spielsweise in der Akquise ein
ge
schränkt (er mache diese nur noch telefonisch), der persönliche und spontane Kontak
t
zu Kunden s
ei
nicht mehr möglich. Er könne
auch
nicht auf Messen gehen. Vor seiner Erkrankung habe er weit mehr verdient. 1993 habe er beispielsweise ein Einkommen von Fr. 131'900.
--
erzielt. Die Beschwerdegegnerin müsse als
V
a
lideneinkommen
demzufolge den Lohn nehmen, den er vor Beginn seiner gesundheitlichen Einschränkung erzielt habe. Alternativ könne auch auf Tabellenlöhne zurückgegriffen werden. Gemäss LSE T17, 2018, Ziffer 11, resultiere für Geschäftsführer, die älter als 50 Jahre als seien, für das Jahr 2019 unter Anpassung
a
n die Nominallohnentwicklung ein Einkom
men von Fr. 152'329.4
5.
Es sei zudem nicht korrekt, wenn sich die Beschwerdeg
eg
nerin zur Bestimmung des Invalideneinkommens eins zu eins auf den Geschäftsabschluss 2019 abstütze. Es seien Korrekturen vorzun
ehmen. Die Mietkosten von Fr. 2’
000.
--
seien nicht marktgerecht bewertet. Bei einer Drittmiete müssten für Büro, Maschinen, Ein
richtungen und Fahrzeugstellplätze mindestens Fr. 1'000.
pro Monat aufgewen
d
et werden. Dass er – wie von der Beschwerdegegnerin angenommen – für seine Erwerbstätigkeit eigentlich gar keine Geschäftsräumlichkeiten benötige, sei Unsinn. Ein Bettwarengeschäft brauche sehr wohl Geschäftsräumlichkeiten, bei
spielsweise um Produkte zu präsentieren, Laufkundschaft zu empfangen, Probe
liegen etc. Er führe seine Tätigkeit
nur
deshalb vom Keller seines eigenen Hause
s
aus
, weil er au
f
grund seiner gesundheitlichen Situation immer weniger verdient und dementsprechend an allen Ecken und Enden Einsparungen betrieben habe, um wenigstens seinen Lebensunterhalt noch halbwegs bestreiten zu können. Die fehlenden G
eschäftsräumlichkei
ten, die er sich nicht mehr leisten könne, hätten den Effekt, dass der Umsatz weiter sinken werde. Zudem seien im Jahr 2019 die Werbeausgaben mit Fr. 23.65 praktisch inexistent
gewesen
. Auch hier müsse eine Korrektur auf eine marktgerechte Höhe erfolgen. Bei 5
%
des Umsatzes betrage die Korrektur Fr. 10'000.--.
Er würde selbstverständlich mehr in die Werbung investieren, wenn sich sein Umsatz nicht aus gesundheitlichen Gründen derart vermindert hätte. Auch betreffend Werbung sei er unverschuldet in einer Abwärtsspirale.
Insgesamt ergebe sich so ein Invalideneinkommen von Fr. 25'407.5
9.
Aus der Gegenüberstellung des Validen- und des Invali
d
eneinkom
mens
resultiere
ein Invaliditätsgrad von 83,3
%
.
2.3
Nach Einsicht in die von der Beschwerdegegnerin eingereichten Akten (
Urk.
6/1-57) macht
e
der Beschwerdeführer m
it Stellungnahme vom 2
1.
März 2022 gel
tend (
Urk.
12), die von der Beschwerdegegnerin dem Gericht eingereichten Akten stimmten nicht mit denjenigen überein, welche ihm zugestellt worden seien. So sei nachträglich das Aktenstück mit dem Namen «Auftrag an Gutachter / FORM_002 / Auftrag für eine mediz
inische Abklärung – DFS –
A._
»
eingefügt worden. Es gehe nicht an, dass die Beschwerdegegnerin die Akten selektiv zustelle. Die unvollständige Aktenzustellung stelle eine krasse Verletzung des rechtlichen Gehörs dar. Das vorenthaltende Aktenstück sei sehr zentral, wenn es um die Frage der Verwertbarkeit des Gutachtens von
Dr.
A._
gehe. So
wi
e die Beschwerdegegnerin den Auftrag erteilt habe, nehme sie dem Gutach
ten a priori je
gliche Objektivität. Dies d
eshalb, weil der Auftrag an Dr.
A._
unzähli
g
e Suggestiv-Element enthalte. Der medizinische Sachverhalt
sei
zudem
von der Beschwerdegegnerin
Dr.
A._
präsentiert
worden
, was von vorn
her
e
in bereits fragwürdig sei, denn die Ermittlung des medizinischen Sachverhalts sei gerade eine der Kernaufgaben eines Gutachters. Wenn die Beschwerdegegne
rin dann im Auftrag noch Hinweise auf die eigene Beurteilung mitliefere, könne ein Gutachter unmöglich mehr unvoreingenommen sein. Der Gutachter werde durch die Instruktion zu einem internen Arzt, womit bloss geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und S
c
hlüss
igkeit der ärztlichen Feststellungen genügten, damit ergänzende (externe) Abklä
rungen, vorzunehmen seien. Vorl
i
egend
seien mehr als geringe Zweifel am Gutachten vo
n
Dr.
A._
vorha
n
d
en.
In den
Einlegerakten
sei zudem ein Ausweis von «
B._
» enthalten. Er könne diesen Ausweis in keinen Zusammenhang mit dem vorliegenden Fall bringen.
2.4
Die Beschwerdegegnerin erklärte dazu mit Stellungnahme vom 2
9.
April 2022
(
Urk.
16)
,
d
as Aktenstück
«
Auftrag an Gutachter / FORM_002 / Auftrag für eine medizinische Abklärung – DFS
–
A._
» sei
au
fgrund eines offensichtlichen Ve
rsehens dem Beschwerdeführer nich
t zugestellt worden. Das entspre
chende Aktenstück beinhalte insbesondere die Stellungnahme des
regio
nalen ärztlichen Dienstes
vom 2
2.
April 2020, welche dem Beschwerdeführer zur Kenntnis gebracht worden sei. Der Ausweis von «
B._
» sei komplett aus dem Dossier entfernt worden.
3.
3.1
Es liegen die folgenden ärztlichen Berichte und Gutachten vor:
3.2
Dr.
Y._
erklärte mit Bericht an die Beschwerdegegnerin vom 1
4.
Januar 2020 (
Urk.
6/23), der Beschwerdeführer sei als selbständiger Geschäftsführer einer Bett
warenfabrik tätig. Er sei in den 1990er Jahren in die Firma, welche von seinen Eltern gegründet worden sei, eingetreten. Die Firma habe seit den 0er Jahren einen schleichenden Niedergang erlebt. Dabei hätten die psychischen Einschrän
kungen des Beschwerdeführers sicher eine Rolle gespielt. Der Beschwerdeführer habe
sich
in seiner Firma
eine auf ihn und seine Einschränkungen optimierte Struktur eingerichtet. So habe er für die notwendigen Ausfahrten zu Kunden immer jemanden mit
genommen
. Für den Rahmen, dass er aktiv habe sein können, habe seine Frau anwesend sein müsse
n
.
Nach
Einschätzung
des
Beschwerde
-
führers
,
welche er teile, würde
er
–
der Beschwerdeführ
er
–
mit seinen konstitutio
nellen Voraussetzungen an einer «sogenannt normalen» Arbeitsstelle nicht bestehen
können. Er habe de
shalb die Bettwarenfabrik so lange wie möglich auf
-
recht
erhalten, obwohl ihm dies
in den letzten Jahren
zunehmend schwerer gefallen sei. Der Tod des Vaters im Mai 2018 habe eine weitere depressive Krise ausgelöst und den Ni
edergang der Firma beschleunigt
.
Psychisch offensichtlich sei die Agoraphobie, die
den
Aktionsradius
des Beschwerdeführers
ohne Begleitpe
r
son auf die Region zwischen Wohnort und Firmenstandort beschränk
e
. Auch sei
d
er
Beschwerdeführer
nicht in der Lage, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Weniger offensichtlich, aber auch ein
schränkend
,
seien die interpersonellen Schwierigkeiten.
Der Beschwerdeführer
gerate in seinem privaten Umfeld wiederholt mit diversen Personen (Herkunfts
familie, Nachbarn) in teilweise langanhaltende und eskalierende Konflikte. Dies wäre auch in einem Arbeitsumfeld so zu erwarten. Es bestehe jedoch auch eine
abhängige Beziehungsgestaltung
.
Fü
r sein Funktionieren sei
d
er
Beschwerdefüh
rer
auf die Anwesenheit von vertrauten Personen angewiesen; ohne diese trä
t
en ma
ssive diffuse Ängste auf. Alleine Wohnen wäre nicht möglich
.
Schwergewich
tig
gehe es darum
, das Funktionsniveau zu erhalten und weitere Einschränkungen zu verhindern. Neben der fixierten Angst- und Persönlichkeitssymptomatik liege phasenweise ein rezidivierendes de
pressives Zustandsbild vor, das
sich im Inter
val
l bisher ohne grosse Resid
uen aufgelöst habe. Aufgrund der genannten Ein
schränkungen erachte er eine 50%ige Tätigkeit im Rahmen der bisherigen Tätig
keit als
realisierbar
, wobei d
ie aktuelle Tätigkeit
bereits einer Arbeit in einem geschützten Rahmen entspreche. Eine zusätzliche Steigerung der Einsatzfähigkeit durch Eingliederungsmassnahmen sei nicht zu erwarten. Er erachte den Beschwerdeführer für eine normale T
ätigkeit als Angestellter
als nicht einsetzbar bzw. seine Arbeitsfähigkeit als nicht verwertbar.
Als Diagnosen mit Auswirkun
gen auf
die Arbeitsfähigkeit führte Dr.
Y._
an:
-
chronische Angststörung mit/
b
ei
-
chronischer Agoraphobie ohne Panikattacken
-
Verlustängste
-
akzentuierte Persönlichkeitszüge, hauptsächlich abhängig
-
rezidivierende depressive Episoden
-
aktuell unter Medikation teilremittiert
Als Diagnose ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte
Dr.
Y._
eine
Adipositas.
3.3
Dr.
Z._
erklärte mit Bericht an die Beschwerdegegnerin vom 1
0.
März 2020 (
Urk.
6/26), der Beschwerdeführer sei aufgrund seiner somatischen Leiden bei ihm in Behandlung. Als somatische Diagnosen führte
Dr.
Z._
an: arterielle Hypertonie, Asthma bronchiale, Diabetes mellitus, Adipositas. Die somatischen Erkrankungen seien gut eingestellt, es fänden lediglich zwei bis drei Konsultatio
nen pro Jahr statt. Die Arbeitsfähigkeit bzw. -unfähigkeit könne nur der behan
delnde Psychiater festlegen.
3.4
Dr.
A._
nannte in seinem Gutachten vom 2
2.
August 2020 (
Urk.
6/31) als Dia
gno
sen:
-
Dysthymia
(ICD-10 F34.1)
-
Agoraphobie (ICD-10 F40.0)
-
a
kzentuierte Persönlichkeit mit ängstlichen und abhängigen Zügen (ICD-10 Z73.1)
Dazu führte
Dr.
A._
aus, in der heutigen Untersuchung habe sich der Beschwer
deführer als intelligenter und umgänglicher Mensch gezeigt, freundlich, leicht
bekümmert über sein berufliches Versagen. Er habe die subjektiven Einschrän
kungen, insbesondere die Ängste seit seiner Kindheit, die zahlreichen Enttäu
schungen und die damit verbundenen Kränkungen betont. Für eine depressive Erkrankung gebe es nur leichte Hinweise: Grübeln, Klagen, Schlafstörungen und das Gefühl eigener Unzulänglichkeit. Trotzdem stehe der Beschwerdeführer jeden Morgen auf und versuche sein Leben zu meistern. In den Ferien und wenn er seine Ruhe habe, gehe es ihm deutlich besser. In diagnostischer Hinsicht entspre
che dies einer
Dysthymia
. Agoraphobische Symptome, die Suche nach einem sicheren Platz, vorzugsweise zu Hause, seien übereinstimmend von verschiedenen Untersuchern
fest
gestellt worden und h
ätten
in der Darstellung des Beschwerde
führers eine wichtige Rolle gespielt. Andererseits sei der Beschwerdeführer durch seine Symptome nicht an sein Haus gefesselt, sondern habe sich privat wie beruflich eine Umgebung geschaffen, mit er dieses Defizit weitgehend zu kom
pensieren vermöge. Für eine chronische Angststörung und Agoraphobie bezie
hungsweise eine generalisierte Angststörung finde er
–
Dr.
A._
–
keine ausrei
chenden Anhaltspunkte. Sie würde mit einer ständigen Nervosität, vegetativen Beschwerden und verschiedensten Zukunftsängsten einhergehen, was beim Beschwerdeführer angesichts seines souveränen Auftretens in der Untersuchung und seiner langjährigen selbständigen Tätigkeit als Unternehmer nicht nachvoll
ziehbar sei.
I
n
der a
usgeübten Tätigkeit als Geschäftsführer seiner Firma für Bettenreinigung könne der Beschwerdeführer bis zu acht Stunden tä
g
lich anwesend sein. Die Arbeit unterteile sich in die morgendlichen Fahrten mit seinem Transporter und die nachmittägliche Büroarbeit. Dem Beschwerdeführer fehle aufgrund seiner ängstlichen und depressiven Symptome die Fähigkeit, seine Arbeit als Chauffeur ohne die Anwesenheit seiner Ehefrau durchzuführen. Auch fehle ihm die Aggres
sivität im Umgang mit Kunden, sodass er nicht in der Lage sei, selber Aufträge zu akquirieren. Er habe für diese Aufgabe einen eigenen Mitarbeiter angestellt. Andererseits müsse man
die
Fähigkeit
des Beschwerdeführers
, sich das notwen
dige private wie berufliche Umfeld zu schaffen, auch als eine besondere Fähigkeit ansehen, die seine Handicaps im Wesentlichen auszugleichen vermöge. Daraus resultiere insgesamt eine Leistungseinschränkung
von
etwa 20
%
. Bis zu seinem sogenannten Nervenzusammenbruch vor 25 Jahren sei der Beschwerdeführer vollständig arbeitsfähig gewesen. Seither habe eine schrittweise Minderung ein
gesetzt, die eine fortgesetzte psychiatrische Betreuung notwendig gemacht und seine Arbeitsfähigkeit schrittweise auf etwa 80
%
reduziert habe.
4.
4.1
Aus den medizinischen Akten ergibt sich unbestritten
ermassen,
dass der psychi
sche Gesundheitszustand des Beschw
erdeführers beeinträchtigt ist und
er
auf
grund dieser Beeinträchtigungen in seiner L
eistungsfähigkeit eingeschränkt ist
(vgl. E. 3.)
. Hinsichtlich der
Beurteilung der
Auswirkungen der gesundheitlichen Beeinträchtigungen auf die Erwerbstätigkeit des Beschwerdeführers gilt es zu berücksichtigen, dass
er seit
1988 in dem zunächst seinen El
tern und später ihm gehö
renden Bettwarengeschäft tätig
ist
,
wobei er diese
s
seit 200
8
zunächst im Rahmen der bestehenden AG und seit 2019 im Rahmen einer Einzelfirma selb
ständig füh
rt (
Urk.
6/31/5,
Urk.
6/51/1-3;
www.zefix.ch
). Wie sich aus den medi
zinischen Akten ergibt, besteht die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einem gewissen Umfang seit etwa 25 Jahren (E. 3;
Urk.
6/31/16).
Sie dürfte sich ent
sprechend auch seit vielen Jahren auf
den
Betrieb
des Beschwerdeführers
ausge
wirkt haben.
Da sich nicht schlüssig feststellen
lässt
, inwieweit die betriebliche Entwicklung der letzten Jahre krankheitsbedingt und inwieweit durch invalidi
tätsfremde
, insbesondere wirtschaftsstrukturelle
Gründe beeinflusst war, ist eine Ermittlung des
Valide
n
einkommens
gestützt auf das vom Beschwerdeführer vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielten Einkommens nicht möglich (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 463/02 vom 1
7.
Februar
2003 E.
3.2; vgl. auch
Urk.
6/51/3)
.
Entsprechendes gilt auch für eine Ermittlung gestützt auf Tabellenlöhne.
Die Voraussetzungen für die Anwendung der
Einkommensvergleichmethode
sind daher nicht erfüllt. Vielmehr ist der Invaliditätsgrad nach der ausserordentlichen Methode des Betätigungsvergleichs zu ermitteln.
Hierzu ist festzuhalten, dass es sich bei der vom Beschwerdeführer ausgeübten Tätigkeit nicht um einen geschützten Arbe
i
tsplatz handelt, sondern um einen Nischenarbeitsplatz
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_910/2011 vom 3
0.
März 2012 E. 3.1)
, ist es
ihm
doch möglich, auf dem
ersten
Arbeitsmarkt ein
relevantes
Erwerbseinkommen zu erzielen.
Anzufügen bleibt hierbei
allerdings
, dass
ein allfälliger zukünftiger
Ver
lust
des
Nische
n
arbeitsplatzes einen Revisionsgrund darstellen kann (
Thomas
F
lück
iger
, in:
Basler Kommentar ATSG,
2020,
Art.
17 N 27)
, wo
bei vorliegend
jedoch
– wie nachfolgend zu zeigen – offenbleiben kann, ob dem Beschwerde
führer nicht auch eine andere angepasste Tätigkeit zumutbar ist.
4.2
4.2.1
Die Invaliditätsbemessung hat somit anhand d
er Vorgaben von BGE 128 V 29 E.
4c zu erfolgen. Danach ist für die Bemessung des wirtschaftlichen Werts einer Tätigkeit von den diesbezüglichen, möglichst einzelfallbezogenen Ansätzen aus
zugehen; diese können etwa bei den branchenspezifischen Berufsverbänden erfragt werden. Der Invaliditätsgrad ist anhand der Formel (T1
x
B1
x
s1 + T2
x
B2
x
s2
) :
(T1
x
s1 + T2
x
s2) festzulegen. Dabei entspricht T dem Anteil der
ent
-
sprechenden
Tätigkeit an der Gesamttätigkeit (T1 + T2 = 100
%
), B der Arbeits
-
unfähigkeit im jeweiligen Bereich des Geschäftes in Prozenten und s dem Stundenlohnansatz für den betreffenden Bereich. Letzterer kann auch durch Brut
tomonats- bzw. Bruttojahreslöhne ersetzt werden, ohne dass sich am Ergebnis etwas ändert (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_126/2015 vom 1
8.
Juni 2015 E.
4.2.2).
4.
2.
2
Anlässlich der am 2
9.
Juni 2021 durchgeführten Abklärung für
Selbständiger
werbende
(
Urk.
6/51) erklärte der Beschwerdeführer, dass er bei seiner Tätigkeit zu 70
%
im Aussendienst und zu 30
%
mit der Erledigung von administrativen Aufgaben beschäftigt sei.
Die geschilderten Tätigkeiten könne er im Prinzip wei
terhin selbständig ausführen. Sein erhebliches Problem würde bei der Fortbewe
gung liegen. In der näheren Umgebung habe er auch damit keine grösseren Pro
ble
me. Wenn er
aber beispielsweise mit dem Aut
o eine Str
ecke nach C._
zurücklegen sollte, so wäre ihm dies alleine unmöglich. Er könne also solche Fahrten nur mit einer Begleitperson unternehmen. Er könne auch nicht auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen, da er auch solche nicht oder kaum benützen könne. Für die Erledigung von Aufträgen bei Kunden würde er wirklich bis zur Haustür begleitet werden. Er werde seit 1993 bei seinen Arbeitseinsätzen von Drittpersonen begleitet. Diese Person würde ihn aber nicht für eine Mithilfe bei den Arbeiten begleiten. Noch im Jahr 2019 habe er für diese gesundheitsbe
dingte Unterstützung Angestellte beschäftigt. Den einen der beiden würde er inzwischen alter
s
- und pflegebedingt nicht mehr beschäftigen und mit dem anderen habe die Zusammenarbeit nicht geklappt. Von daher habe er jetzt also keine Angestellten mehr respektive nur noch seine Ehefrau. Ihr geleisteter Arbeitsaufwand würde rund zwei bis drei Stunden pro Tag betragen, dies an fünf Tagen pro Woche (
Urk.
6/51/4).
Einschränkungen für administrative Tätigkeiten schilderte der Beschwerdeführer a
nlässlich des Abklärungsgesprächs vom 2
9.
Juni 2021
nicht
.
So kontaktiert er seine Kunden regelmässig telefonisch. Zudem unterhält er seinen Online-Shop selbst (
Urk.
6/51/3).
Gegenüber dem Gutachter
Dr.
A._
hatte er demgegenüber noch angegeben, dass er für die Generierung von Aufträgen einen Mitarbeiter brauche (
Urk.
6/31/10). Diese Aussage steht jedoch im Widerspruch zur Angabe des Beschwerdeführers
anlässlich des Standortgesprächs mit der Beschwerdegeg
nerin vom 1
3.
Mai 2019 (
Urk.
6/4)
, hatte
er dabei doch
ausdrücklich
erklärt
, dass er während den Verkaufsgesprächen mit den Kunden keine Probleme habe (
Urk.
6/4/3).
Seit der Umstrukturierung seines Betriebes beschäftigt der B
eschwer
deführer mit Ausnahme seiner Ehefrau
keine Mitarbeiter mehr. Es ist daher davon
auszugehen, dass er
zumindest
seit der Aufgabe
der
Geschäftsräumlichkeiten sel
ber in der Lage ist, mittels Online-Shop und telefonische Kontaktaufnahme die Kundenkontakte zu pflegen, gab er doch – wie
eben
ausgeführt – anlässlich des Abklärungsgesprächs vom 2
9.
Juni 2021 (
Urk.
6/51) nur noch bei
Fahrten zu Kunden zur Ausübung von Arbeiten Einschränkungen an.
Für die Tätigkeit im Aussendienst besteht unbestrittenermassen eine Einschrän
kung, ist der Beschwerdeführer dabei doch auf die Begleitung durch seine Ehefrau angewiesen
, sofern es sich nicht um Fahrten in der näheren Umgebung handelt (
Urk.
8/51/4, vgl. auch
Urk.
8/23/2,
Urk.
8/31/3).
Die Ehefrau des Beschwerdefüh
rers, welche mit Ausnahme der Begleitung keine Tätigkeiten für den Bettwaren
betrieb ausübt, arbeitet gemäss Angaben des Beschwerdeführer
s
zwei bis drei Stunden pro Tag, und zwar fünf Tage pro Woche. Dabei erzielt sie ein Einkommen von Fr. 25.
--
pro Stunde (
Urk.
6/51/4).
Dieses Arbeitspensum entspricht in etwa einem 30%-Pensum
.
Da davon ausgegangen werden kann, dass die Hi
lf
stätigkeit der Ehefrau des Beschwerdeführers nicht höher zu werten ist bzw.
entlöhnt
wird
als die ausführende Tätigkeit des Beschwerdeführers
selbst
, kann für die Täti
gkeit im Aussendienst von einer
Einschränkung von maximal 30
%
ausgegangen wer
den
.
4.2.3
Zur Ermittlung der Gesamtinvalidität wäre grundsätzlich zu ermitteln, welcher Lohn für die administrativen und welcher Lohn für
Tätigkeiten im
Aussendienst heranzuziehen wäre, das heisst es wäre eine wirtschaftliche
Gewichtung der ver
schiedenen Tätigkeiten vorzunehmen
(vgl. E. 4.2.1)
. Eine solche kann vorliegend jedoch unterbleiben, da die administrativen Tätigkeiten, für welche keine rele
vante Einschränkung besteht, zumi
n
dest gleichwertig zu veranschlagen
sind
, wie die
ausführenden
Tätigkeiten
im Aussendienst
(vgl. BGE 128 V 29 E.
4d). Unter der Annahme, dass auch die unterstützende Tätigkeit der Ehefrau gleich hoch zu gewichten ist wie die vom Beschwerdeführer selbst ausgeübten Tätigkeiten ergibt sich
so ein Invaliditätsgrad von 30
%
(Anteil Aussendienst: 70 %, Invaliditäts
grad: 42,8 % [Einschränkung von 30 % bei einem 70 %-Pensum]; Anteil admi
nistrative Tätigkeiten: 30 %, Invaliditätsgrad: 0 %)
.
Bei einem Invaliditätsgrad von 30
%
besteht kein Rentenanspruch.
5.
Nachdem der Umstand, dass der Beschwerdeführer erst während des Beschwer
deverfahrens Einsicht in die vollständigen Akten nehmen konnte, keine Aufhe
bung der angefochtenen Verfügung aus formellen Gründen rechtfertigt (BGE 142 II 218 E. 2.8.1, BGE 137 I 195 E. 2.3.2, je mit Hinweisen), erweist sich
die Beschwerde als unbegründet und ist abzuweisen.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
m
unterliegenden Beschwerdefüh
rer aufzuerlegen.