Decision ID: fbc842fc-5128-5de5-9c1e-6c52f648b64a
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reichte am 29. Juli 2015 in der Schweiz ein Asylge-
such ein. Am 17. August 2015 wurde er zur Person befragt (BzP). Sodann
folgte am 27. September 2016 die Anhörung zu den Asylgründen durch das
SEM (Art. 29 Abs. 1 AsylG [SR 142.31]).
B.
Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen geltend, er sei ethnischer Oromo und stamme aus Addis Ab-
eba. Er habe (...) Jahre lang die Schule besucht (bis 2001/2002). Danach
habe er eine Berufsausbildung als (...) gemacht und zuletzt sein Einkom-
men als (...)unternehmer mit drei eigenen (...) und mehreren (...) erwirt-
schaftet. Seine Mutter sei im Jahr (...) getötet worden. Wo sich sein Vater
aufhalte, wisse er nicht. Er sei von den Behörden als Terrorist bezeichnet
und gesucht worden. Er sei kein Terrorist, habe aber die Oppositionspar-
teien unterstützt (u.a. Ginbot 7, Semayawi- und Andenet-Partei). Er sei di-
verse Male (erstmals 2005/2006, zuletzt im [...] 2014) verhaftet, misshan-
delt und jeweils für kurze Zeit (höchstens drei Tage lang) festgehalten wor-
den. Einmal seien ihm die Fingerabdrücke abgenommen worden. Aufgrund
dieser Probleme habe er keine (...) mehr für seine (...) gefunden. Später
habe er zwei (...) verkauft und eines seiner Tante überlassen. Im (...) 2015
habe er an einer Kundgebung teilgenommen. Die Teilnehmer hätten sich
in Dreiergruppen organisiert, damit im Ernstfall möglichst wenig Leute ver-
haftet würden beziehungsweise die Polizei habe sie festgenommen und in
Fünfergruppen getrennt. Sie seien auf einen Fussballplatz geführt und dort
geschlagen worden. Einer der Polizisten sei ein Bekannter gewesen. Die-
ser habe ihn erkannt und dafür gesorgt, dass er freigelassen worden sei.
Ferner habe ihn dieser Polizist aufgefordert, das Land zu verlassen. Da-
raufhin sei er zu seiner Tante und nicht mehr nach Hause gegangen. Den
letzten Monat respektive die letzte Woche vor der Ausreise habe er sich
bei ihr, in einem anderen Quartier von Addis Abeba, aufgehalten. Später
hätten ihm Freunde berichtet, dass die Polizei seine Wohnung durchsucht
und Dokumente mitgenommen habe.
In der Schweiz sei er Mitglied der «Association des Ethiopiens en Suisse»
(AES) geworden und habe an Kundgebungen gegen das äthiopische Re-
gime teilgenommen.
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Als Beweismittel reichte er seine Identitätskarte, einen Geburtsschein, eine
Schülerkarte, eine Bestätigung der AES sowie sechs Fotografien von sich
an Kundgebungen / Zusammenkünften (u.a. in B._, Schweiz) ein.
C.
Mit Verfügung vom 18. Oktober 2018 stellte das SEM fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab
und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an.
D.
Mit Schreiben an das SEM vom 6. November 2018 erklärte der Beschwer-
deführer, er sei nicht bereit, nach Äthiopien zurückzukehren, und habe Aus-
sichten auf eine Anstellung in einem Restaurant, sobald er hier eine Auf-
enthaltsbewilligung erhalte.
E.
Mit Eingabe vom 15. November 2018 reichte der Beschwerdeführer Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein und beantragte, die Verfü-
gung des SEM sei aufzuheben und sein Asylgesuch sei aufgrund neuer
Tatsachen neu zu überprüfen. Ferner ersuchte er um eine Fristverlänge-
rung, damit er sich anwaltlichen Beistand suchen könne.
Der Beschwerde wurde eine Abklärung des (...) für eine (...) des Universi-
tätsspitals B._ vom 13. November 2018 beigelegt.
F.
Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 5. Dezember
2018 wurde der Beschwerdeführer aufgefordert, innert Frist einen Kosten-
vorschuss zu leisten.
G.
Mit Eingabe vom 17. Dezember 2018 ersuchte der Beschwerdeführer um
unentgeltliche Rechtspflege, unter Beilage einer Fürsorgebestätigung vom
9. Januar 2018 sowie des Formulars «Gesuch um unentgeltliche Rechts-
pflege».
H.
Mit Instruktionsverfügung vom 21. Dezember 2018 wurden die Ziffern 2
und 3 der obgenannten Zwischenverfügung aufgehoben und wiedererwä-
gungsweise auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet. Ferner
wurden die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
und Rechtsverbeiständung gutgeheissen. Der Beschwerdeführer wurde
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aufgefordert, innert Frist einen Rechtsbeistand zu bezeichnen und zu be-
vollmächtigen.
I.
Mit Schreiben vom 10. Januar 2019 wies sich Advokat Guido Ehrler als
bevollmächtigter Rechtsvertreter des Beschwerdeführers aus, ersuchte um
Akteneinsicht sowie um Fristansetzung zur Einreichung einer Beschwer-
deergänzung.
J.
Mit Zwischenverfügung vom 16. Januar 2019 wurde Advokat Guido Ehrler
für das vorliegende Verfahren als amtlicher Rechtsbeistand eingesetzt.
Ferner wurde ihm soweit möglich Einsicht in die Akten des Gerichts sowie
der Vorinstanz gewährt und eine Frist zur Einreichung einer ergänzenden
Stellungnahme angesetzt.
K.
Mit Stellungnahme vom 7. Februar 2019 wies der Beschwerdeführer auf
seine (...) und (...) sowie auf die daraus resultierende unvollständige Sach-
verhaltsfeststellung durch die Vorinstanz hin. Des Weiteren ersuchte er um
Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Durchführung einer erneu-
ten Anhörung.
L.
Mit Instruktionsverfügung vom 12. Februar 2019 wurde das SEM um Ein-
reichung einer Vernehmlassung ersucht. Mit Vernehmlassung vom
26. Februar 2019 hielt das SEM unter weiteren Ausführungen an den bis-
herigen Erwägungen fest.
M.
Mit Replik vom 2. April 2019 wurden ein Arztbericht des Universitätsspitals
B._ vom 28. März 2019 sowie eine Honorarnote vom 2. April 2019
eingereicht.
N.
Mit Zwischenverfügung vom 3. März 2020 wurde der Beschwerdeführer
aufgefordert, innert Frist die im obigen Arztbericht erwähnten ärztlichen Be-
richterstattungen sowie allfällige aktuelle Arztberichte nachzureichen.
O.
Mit Schreiben vom 10. März 2020 reichte der Beschwerdeführer die ange-
forderten Arztberichte ein und wies darauf hin, dass am 12. März 2020 eine
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weitere Untersuchung stattfinde und der Bericht dazu dem Gericht bald-
möglichst zugestellt werde. Der entsprechende Arztbericht des Universi-
tätsspitals B._ vom 2. April 2020 sowie eine ergänzende Honorar-
note vom 6. April 2020 gingen am 7. April 2020 beim Gericht ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG) teilrevidiert (AS 2018 3171; SR 142.20) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert übernommen worden. Das
Gericht verwendet nachfolgend die neue Gesetzesbezeichnung.
1.3 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwer-
deführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
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des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, die geltend
gemachten Vorbringen des Beschwerdeführers seien als nicht asylrelevant
respektive als unglaubhaft zu qualifizieren (Art. 3 und 7 AsylG).
4.1.1 Der Beschwerdeführer habe diverse widersprüchliche, nicht nach-
vollziehbare Aussagen gemacht, weshalb grosse Zweifel an seinen Vor-
bringen aufgekommen seien. Er habe an der BzP von sieben bis acht Ver-
haftungen gesprochen, während er an der Anhörung angegeben habe,
zehn, fünfzehn bis zwanzig Mal verhaftet worden zu sein (SEM-Akten A3
S. 9; A10 F86–89). Auf Vorhalt hin habe er seine Aussage an der BzP be-
stritten. Zur vermeintlichen Festnahme bei der Kundgebung habe er an der
BzP erwähnt, der bekannte Polizist habe ihn zusammen mit anderen Per-
sonen mitgenommen, er habe aber nur die anderen geschlagen. An der
Anhörung habe er zuerst angegeben, dieser Polizist habe auch ihn ge-
schlagen, um kurz darauf zu sagen, er habe nur so getan, als ob er ihn
schlagen würde. Geschlagen worden sei er aber von anderen Polizisten
(SEM-Akten A3 S. 8; A10 F31 ff.). Weiter habe er an der BzP erklärt, sie
hätten sich bei der Kundgebung in Gruppen von drei Personen aufgeteilt,
während er an der Anhörung davon gesprochen habe, die Behörden hätten
die Teilnehmer in Fünfergruppen getrennt. Er habe die Aussage an der BzP
als unrichtig bezeichnet, ohne eine Erklärung hierfür anzufügen (SEM-Ak-
ten A3 S. 9; A10 F33 f., 41). Stattdessen habe er ausweichend geantwortet
und auf die Ziele der äthiopischen Opposition hingewiesen (SEM-Akte A10
F41). Auch zu seiner Rolle bei Ginbot 7 habe er unterschiedliche Angaben
gemacht. Während er an der BzP angegeben habe, er habe Transporte
verlangsamt und blockiert, habe er an der Anhörung davon gesprochen,
seine (...) zur Verfügung gestellt zu haben. Auf Vorhalt hin sei er ausgewi-
chen (SEM-Akten A3 S. 8; A10 F62 ff.). Sodann habe er bezüglich des Vor-
falls, bei dem er am (...) verletzt worden sei, einmal von zwei Tagen Haft
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Seite 7
gesprochen, um später anzugeben, er sei am selben Tag wieder freigelas-
sen worden (SEM-Akten A3 S. 9; A10 F85). Ferner habe er sich einen Mo-
nat beziehungsweise nur eine Woche bei seiner Tante aufgehalten (SEM-
Akten A3 S. 4; A10 F117 ff.). Weiter sei sein Haus in Äthiopien vor respek-
tive erst nach seiner Ausreise abgerissen worden (SEM-Akte A10 F11,
147). Nicht klar geworden sei sodann der Grund für seine Ausreise aus der
Heimat. An der BzP habe er die behördliche Drohung mit harten Folgen
genannt, für den Fall, dass er sich wieder politisch betätige. An der Anhö-
rung habe er erklärt, der bekannte Polizist habe ihm gesagt, er solle Addis
Abeba verlassen. Zudem sei er davon ausgegangen, dass er von den Si-
cherheitskräften durch Aufnahmen der Überwachungskameras entdeckt
werde, was nicht nachvollziehbar sei, zumal er von ebendiesen Sicher-
heitskräften freigelassen worden sei (SEM-Akten A3 S. 9; A10 F27 ff.). So-
dann seien auch die Schilderungen bezüglich der vermeintlichen politi-
schen Aktivitäten nicht klar und allgemein ausgefallen. Abgesehen von sei-
nem Beitrag und einem angeblichen Kontakt mit einem Vertreter der Ginbot
7-Bewegung habe er nicht mehr hierzu sagen können. Auf die Frage, ob er
Mitglied einer Partei sei, habe er die Arbegnoch / Ginbot 7 genannt, zu-
gleich aber eine Bestätigung des Vereins AES eingereicht. Diese Organi-
sationen hätten aber keine Gemeinsamkeiten. Ferner sage die Bestätigung
nichts über seine Ausreisegründe aus. Insgesamt könnten seine Asyl-
gründe somit nicht geglaubt werden.
4.1.2 Weiter mache der Beschwerdeführer mit seiner Mitgliedschaft im Ver-
ein AES sowie der Teilnahme an Kundgebungen in der Schweiz exilpoliti-
sche Aktivitäten, mithin subjektive Nachfluchtgründe, geltend. Da er keine
politisch motivierte Verfolgung durch die äthiopischen Behörden habe
glaubhaft machen können, sei nicht davon auszugehen, er sei von den Be-
hörden bereits vor Verlassen des Heimatstaates als regimefeindliche Per-
son registriert worden. Entsprechend stehe er auch nicht unter spezieller
Beobachtung. Die blosse Mitgliedschaft bei der AES führe sodann zu kei-
ner Verfolgung, zumal sich der Verein kulturell betätige und als politisch
unabhängig bezeichne. AES sei keine exilpolitische Oppositionspartei.
Ausserdem habe sich die politische Lage in Äthiopien entscheidend verän-
dert. Die Organisation Arbegnoch / Ginbot 7 sei mit ihren Anführern im Sep-
tember 2017 aus dem Exil nach Äthiopien zurückgekehrt. Das bedeute,
dass der Beschwerdeführer in der Heimat nichts zu befürchten habe, selbst
wenn er Anhänger dieser Organisation wäre. Somit hielten die vorgebrach-
ten subjektiven Nachfluchtgründe den Anforderungen an die Flüchtlingsei-
genschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand.
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4.1.3 Zusammenfassend erfülle der Beschwerdeführer die Flüchtlingsei-
genschaft nicht, weshalb sein Asylgesuch abzulehnen sei.
4.2 Hiergegen wendete der Beschwerdeführer mit der Beschwerde und der
ergänzenden Stellungnahme ein, er sei krankheitsbedingt (...) (Arztbericht
vom 13. November 2018, [...]), weswegen er mittlerweile (...) erhalten
habe. Zum Zeitpunkt der Prüfung seines Asylgesuchs (2015/2016) habe er
keine (...) gehabt und sei nicht in der Lage gewesen, den Befragungen (...)
vollumfänglich zu folgen. Er habe den Dolmetscher darauf hingewiesen,
dass dieser (...) müsse. Dem Anhörungsprotokoll sei zu entnehmen, dass
(...) bestanden hätten (SEM-Akte A10 F12, 27). Bei seinem (...) sei eine
leichte Beeinträchtigung der Aussprache üblich, was bei einem Verhör ver-
zerrend wirken könne. Zudem sei er wenig selbstsicher und gerate schnell
unter Stress, weshalb es zu divergierenden Aussagen gekommen sei. Der
(...) sei die Folge von (...) während eines Polizeigewahrsams im Heimat-
land. Sodann stehe zur Abklärung seines (...) Zustands ein Arzttermin aus
(Bericht werde nachgereicht). Da nicht klar sei, ob er ohne (...) alle Fragen
(...) habe, könne keine Glaubhaftigkeitsprüfung seiner Vorbringen erfolgen
respektive Widersprüche zwischen der BzP und der Anhörung könnten
nicht verwertet werden. Es müsse eine neue Anhörung durchgeführt wer-
den. Die Vorinstanz habe das rechtliche Gehör verletzt, den Sachverhalt
unvollständig festgestellt und die angefochtene Verfügung nicht rechts-
genüglich begründet.
4.3 In der Vernehmlassung gab das SEM an, die Anhörung habe mehr als
zwei Jahre vor der ärztlichen Untersuchung des (...) des Beschwerdefüh-
rers stattgefunden. Die (...) sei im Arztbericht nicht angegeben, weshalb
nicht klar sei, ob der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Anhörung (...) als
bei der ärztlichen Untersuchung (...) habe. Selbst wenn er nicht wesentlich
(...) habe, sei es offenbar (...), um die Fragen zu verstehen und logisch
sowie angemessen darauf zu antworten. Genau das sei der Eindruck, der
beim Lesen des Protokolls entstehe. Der Beschwerdeführer habe den Dol-
metscher darauf hingewiesen, (...), was dieser offenbar gemacht habe. So-
dann habe der Beschwerdeführer die Protokolle der BzP und der Anhörung
unterzeichnet und damit bestätigt, dass er (...) habe und seine Angaben
korrekt aufgenommen worden seien. Fraglich sei, weshalb der Beschwer-
deführer erst auf Beschwerdeebene ein Arztzeugnis eingereicht habe.
Schliesslich habe sich die politische Lage in Äthiopien seit der Anhörung
des Beschwerdeführers grundlegend verändert. Dies bedeute, dass er bei
einer Rückkehr nichts zu befürchten habe, selbst wenn seine Vorbringen
glaubhaft wären.
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Seite 9
4.4 Darauf replizierte der Beschwerdeführer, gemäss Arztbericht vom
28. März 2019 könne nicht gesagt werden, ob er bei der Anhörung im
Jahr 2016 (...) habe. Ferner stehe fest, dass eine (...) verantwortlich sei.
Damit bestehe ein starkes Indiz dafür, dass er im Jahr 2016 (...) habe, zu-
mal seine (...) durch ein Trauma im Jahr 2005 (SEM-Akte A10 F82) aus-
gelöst worden seien. Dies werde durch das Argument des SEM, beim Le-
sen der Protokolle entstehe der Eindruck, er habe (...), nicht widerlegt. Pro-
tokolliert worden seien die Aussagen des Übersetzers. Er habe auf (...)
hingewiesen (SEM-Akte A10 F1, 12, 27 und 62). Der Befrager habe ferner
den Eindruck gehabt, der Dolmetscher übersetze nicht korrekt (SEM-Akte
A10 F12). Demnach könne nicht gesagt werden, die Aussagen des Be-
schwerdeführers seien im Protokoll ausreichend zuverlässig abgebildet.
Die vom SEM dargelegten Widersprüche gründeten im (...) und würden
zudem untergeordnete Sachverhaltselemente betreffen (SEM-Akte A10
F70). Er habe nachvollziehbar erklärt, weshalb er bei einer Rückkehr ob-
dachlos wäre, wie seine Mutter getötet worden und er oppositionell gewor-
den sei. Die Umstände der Inhaftierungen sowie der Ausreise habe er
ebenfalls detailliert beschrieben (SEM-Akte A10 F41, F53 ff., 65 ff., 92 f.,
101, 111). Auch den Aufbau der Ginbot 7 habe er erklären können. Zwar
habe sich die Lage in Äthiopien verändert, eine sichere Prognose sei aber
noch nicht möglich und das Land sei weit entfernt von Stabilität. Er müsse
als vorverfolgter Terrorverdächtiger qualifiziert werden, weshalb ihm Asyl
zu erteilen sei. Sodann seien aufgrund seiner exilpolitischen Tätigkeiten
(SEM-Akte A10 F128) – Aktivisten der Ginbot 7 seien auch Mitglieder der
AES – subjektive Nachfluchtgründe erfüllt.
5.
5.1 Zunächst wurde in der Beschwerde geltend gemacht, die Vorinstanz
habe den Anspruch auf rechtliches Gehör, die Pflicht zur vollständigen und
richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie ihre Be-
gründungspflicht verletzt.
5.1.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches der Sachaufklärung dient und als Mitwirkungsrecht alle Be-
fugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, um in einem Verfah-
ren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung zu bringen (vgl. BGE 144 I 11
E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die
Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prü-
fen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Zudem
stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest (Art. 12 VwVG).
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Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung insbesondere, wenn der Verfü-
gung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder
Beweise nicht erfasst oder gewürdigt wurden; unvollständig ist sie, wenn
nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksich-
tigt wurden.
5.1.2 Laut den auf Beschwerdeebene eingereichten Arztberichten des Uni-
versitätsspitals B._ (zuletzt vom 2. April 2020) wurde beim Be-
schwerdeführer eine (...) diagnostiziert, welche mit (...) therapiert werden
konnte. Dem Arztbericht vom 28. März 2019 ist weiter zu entnehmen, dass
rückwirkend nicht beurteilt werden kann, wie (...) des Beschwerdeführers
zum Zeitpunkt der BzP und der Anhörung (2015 respektive 2016) gewesen
ist. Aus dem Arztbericht vom 1. Juni 2018 geht hervor, dass der Beschwer-
deführer bei der Untersuchung angegeben habe, (...) und er besuche re-
gelmässig einen Deutschkurs. Sodann ist dem BzP- und dem Anhörungs-
protokoll zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer jeweils zu Beginn auf
seine (...) hingewiesen und den Dolmetscher gebeten hat, (...) (SEM-Ak-
ten A3 S. 2, A10 S. 1). Ebenfalls wurden der Beschwerdeführer wie auch
der Dolmetscher von der SEM-Mitarbeiterin angewiesen, sich bei (...) so-
fort zu melden (SEM-Akte A10 S. 1, F27). Entsprechende Hinweise sind
dem Anhörungsprotokoll vereinzelt zu entnehmen (SEM-Akte A10 F12 und
46). Weiter geht aus den Protokollen aber – entgegen der Ansicht des Be-
schwerdeführers – nicht hervor, er hätte dem Ablauf und den ihm gestellten
Fragen aufgrund (...) nicht folgen können. Er hat logische Antworten und
wiederholt längere Ausführungen vorgenommen. Auch musste er den Dol-
metscher offenbar nicht erneut darauf hinweisen, (...). Ebenfalls wurden im
Rahmen der Rückübersetzung Korrekturen gemacht (u.a. SEM-Akte A10
F53 und 146), was darauf hindeutet, dass der Beschwerdeführer Unzutref-
fendes hat erkennen und berichtigen können. Sodann hat der Beschwer-
deführer die Richtigkeit beider Protokolle respektive seiner Äusserungen
nach der Rückübersetzung unterschriftlich bestätigt (SEM-Akten A3 S. 10;
A10 S. 23). Insgesamt gehen aus den Protokollen genügend Angaben her-
vor, sodass der Sachverhalt als erstellt erachtet werden kann. Daher ist
nicht zu erblicken, weshalb eine weitere Anhörung erforderlich wäre. Auch
sind den Beschwerdeeingaben keine entsprechenden Sachverhaltsergän-
zungen zu entnehmen. Mithin liegen weder eine Verletzung des Anspruchs
auf rechtliches Gehör noch der Sachverhaltsfeststellungspflicht vor. Das-
selbe ist für die unbegründet gebliebene monierte Verletzung der vo-
rinstanzlichen Begründungspflicht festzuhalten. Schliesslich dürften die
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von der Vorinstanz aufgezeigten Widersprüche in den Angaben des Be-
schwerdeführers nicht auf Übersetzungsfehler oder (...) zurückzuführen
sein (vgl. dazu jedoch nachfolgend).
5.2 In materieller Hinsicht ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer
seine Furcht vor Verfolgung in Äthiopien im Wesentlichen mit seinem poli-
tischen Engagement für Oppositionsparteien (u.a. Ginbot 7 sowie Sema-
yawi-Partei) und Inhaftierungen deswegen begründet. Ferner weist er da-
rauf hin, dass sich die Lage in Äthiopien mit dem neuen Präsidenten zwar
verändert, nicht aber stabilisiert habe. In den Eingaben auf Beschwerde-
ebene wiederholt er hauptsächlich seine bereits an der BzP und an der
Anhörung vorgenommenen Ausführungen. Dabei unterlässt er es, stichhal-
tige Argumente gegen die ausführlichen Erwägungen der Vorinstanz, wes-
halb seine Vorbringen nicht glaubhaft seien, darzutun. Inwieweit letztlich
von der Glaubhaftigkeit der vom Beschwerdeführer geltend gemachten
Asylgründe ausgegangen werden kann, ist vorliegend angesichts des
Nachfolgenden jedoch nicht abschliessend zu beurteilen.
5.2.1 Die Situation in Äthiopien hat sich mit Amtsantritt von Abiy Ahmed als
erstem Präsidenten des Landes mit Oromo-Volkszugehörigkeit im April
2018 und den damit einhergehenden Reformen deutlich verbessert (vgl.
Referenzurteil des BVGer D-6630/2018 vom 6. Mai 2019 E. 7.3.). Dieser
Wandel manifestierte sich unter anderem in der Versöhnung mit den oppo-
sitionellen Kräften sowie deren Einbezug in den politischen Prozess, in der
Stärkung der Menschenrechte sowie im geschlossenen Frieden mit Erit-
rea. Auch wenn die Protestbewegungen noch nicht vollständig abgeklun-
gen sind und das Land in den Regionen teilweise nach wie vor unter eth-
nischen Konflikten zu leiden hat, was sich insbesondere im kürzlich aufge-
flammten Konflikt im Regionalstaat Tigray zeigt, ist insgesamt von einer
Normalisierung der Situation auszugehen. Politische Dissidenten, ehema-
lige Rebellen, Abspaltungsanführer und Journalisten sind nach Äthiopien
zurückgekehrt. Tausende politische Gefangene wurden seit April 2018 be-
gnadigt und freigelassen. Unter anderem die Ginbot 7 und die Vereinigun-
gen Oromo-Befreiungsfront (OLF) wurden im Juli 2018 von der Liste der
terroristischen Gruppierungen gestrichen (vgl. a.a.O., E. 7). Auch Mitglie-
der der Semayawi Partei profitierten von diesen Massnahmen (vgl. Urteil
des BVGer E-6048/2019 vom 5. März 2020 E. 6.1 m.w.H.). Im Mai 2019
lösten sich sieben Oppositionsparteien – namentlich die Ginbot 7 sowie die
Semayawi Partei – auf und schlossen sich zu einer neuen Partei namens
E-6506/2018
Seite 12
Ethiopian Citizens for Social Justice (ECSJ) zusammen, welche als politi-
sche Partei anerkannt worden ist (vgl. Urteile des BVGer E-4867/2020 vom
18. November 2020 E. 6.4 und E-6048/2019 E. 6.2).
5.2.2 Dem Beschwerdeführer ist zwar darin zuzustimmen, dass sich die
Lage in Äthiopien insgesamt noch nicht vollständig stabilisiert hat. An den
Veränderungen, die in Äthiopien derzeit im Gange sind, ist politischer und
gesellschaftlicher Wandel ersichtlich, es ist aber keine objektive Furcht vor
Verfolgung für den Beschwerdeführer erkennbar. Für die Bejahung der
Flüchtlingseigenschaft im Sinn von Art. 3 AsylG bedarf es einer aktuellen
gezielten Verfolgung oder der Furcht vor einer solchen aufgrund einer asyl-
relevanten Motivation. Vor dem Hintergrund obiger Ausführungen ist nicht
wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer wegen seiner geltend ge-
machten Aktivitäten und Inhaftierungen als Unterstützer von Oppositions-
parteien – sollte von deren Glaubhaftigkeit ausgegangen werden – seitens
der heimatlichen Behörden im heutigen Zeitpunkt einer asylrechtlich rele-
vanten Verfolgung ausgesetzt wäre. Die Parteien, für die er sich engagiert
haben will – respektive deren Nachfolgepartei ECSJ – sind mittlerweile an-
erkannt und in den Demokratisierungsprozess einbezogen worden. Folg-
lich lassen die im Zeitpunkt der Gesuchstellung dargelegten Asylgründe –
entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers – nicht auf eine aktuelle Ver-
folgung schliessen.
5.2.3 Es bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer aufgrund der geltend
gemachten exilpolitischen Aktivitäten für die AES bei einer Rückkehr nach
Äthiopien begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne vom Art. 3 AsylG hat.
5.2.4 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge-
schaffen worden ist, macht sogenannte subjektive Nachfluchtgründe im
Sinne von Art. 54 AsylG geltend.
5.2.5 Im oberwähnten Referenzurteil D-6630/2018 (E. 8) kam das Bundes-
verwaltungsgericht zum Schluss, dass angesichts der positiven Entwick-
lung der politischen Lage in Äthiopien seit dem Amtsantritt des neuen Pre-
mierministers Abiy Ahmed im April 2018 die Befürchtung, im Fall einer
Rückkehr nach Äthiopien wegen exilpolitischer Tätigkeit flüchtlingsrechtlich
relevanten Nachteilen ausgesetzt zu sein, unbegründet ist (vgl. Urteil des
BVGer D-366/2018 vom 24. Februar 2020 E. 6).
E-6506/2018
Seite 13
5.2.6 Der Beschwerdeführer hat sich gemäss eigenen Angaben in der
Schweiz für die AES engagiert, indem er an Kundgebungen sowie
Zusammenkünften teilgenommen habe. In Anbetracht der Entwicklungen
in Äthiopien (vgl. E. 5.2.5) begründet sein dargelegtes exilpolitisches En-
gagement, wodurch er im Übrigen nicht als ernsthafter Regimekritiker ein-
zustufen wäre, jedoch keine ernsthafte Gefahr vor asylrelevanter Verfol-
gung. Daran vermögen die Ausführungen des Beschwerdeführers in sei-
nen Rechtsmitteleingaben nichts zu ändern.
5.3 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Vorinstanz die
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht verneint und sein
Asylgesuch folgerichtig abgelehnt hat.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
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So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig
erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl
im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
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festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.4.1 Der Beschwerdeführer machte geltend, der Wegweisungsvollzug
nach Äthiopien sei für ihn unzumutbar. Er könne wegen seines (...) nicht
mehr (...). Er sei nicht gesund, könne irgendwann (...) werden und sei da-
her nicht arbeitsfähig. Reparatur und Unterhalt der (...) seien in Äthiopien
zudem nicht ausreichend sichergestellt. Hinzu komme die instabile allge-
meine Lage.
7.4.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist bisher in konstanter Praxis von der
grundsätzlichen Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in alle Regionen
Äthiopiens ausgegangen (vgl. Referenzurteil D-6630/2018 E. 12.2;
BVGE 2011/25 E. 8.3). Trotz der weiterhin herrschenden ethnischen Span-
nungen und Protestbewegungen ist die Lage seit Amtsantritt von Premier-
minister Abiy Ahmed stabiler geworden. Aktuell finden zwar in der nördli-
chen Region Tigray Gefechte zwischen Regierungstruppen und Kämpfern
der in der Region verankerten TPLF (Tigray People’s Liberation Front)
statt, weshalb die bisherige Rechtsprechung mit Bezug auf die Region Ti-
gray zu relativieren ist. Der Rest des Landes scheint aber von der dortigen
Konfliktsituation bisher nicht unmittelbar betroffen zu sein, so dass die
Rückkehr für äthiopische Staatsangehörige in diese vom Konflikt nicht be-
rührten Regionen des Landes weiterhin zumutbar bleibt. Mithin liegt in Äthi-
opien zurzeit keine Situation vor, aufgrund derer die Zivilbevölkerung allge-
mein als konkret gefährdet bezeichnet werden müsste (vgl. u.a. Urteile des
BVGer D-5284/2020 vom 12. November 2020 E. 7.4.1 und E-1643/2020
vom 11. November 2020 E. 8.6.1, je m.w.H.).
7.4.3 Das SEM hat im Ergebnis zu Recht festgestellt, dass nicht davon
auszugehen ist, der Beschwerdeführer würde bei einer Rückkehr nach
Äthiopien aus individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesund-
heitlicher Natur in eine seine Existenz gefährdende Situation geraten. Der
junge Beschwerdeführer stammt aus Addis Abeba, hat (...) Jahre lang die
Schule besucht und eine Berufsausbildung absolviert. Ferner kann er meh-
rere Jahre Arbeitserfahrung vorweisen (SEM-Akte A3 S. 4). Sodann verfügt
er im Heimatstaat mit seiner Tante, Grossmutter und Freunden über ein
soziales Beziehungsnetz, welches ihm bei der Reintegration behilflich sein
kann (SEM-Akte A10 F8, 13, 16 f.). Seine Tante hat ihn vor der Ausreise
bereits unterstützt, unter anderem, indem er bei ihr wohnen und sein (...)
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bei ihr unterbringen konnte. Mithin ist davon auszugehen, dass er bei sei-
ner Rückkehr wiederum (vorübergehend) bei ihr wird unterkommen kön-
nen.
Zu den gesundheitlichen Beschwerden (...) des Beschwerdeführers ist
festzuhalten, dass diese in der Schweiz mit Hilfe von (...) behandelt werden
konnten (vgl. aktuellster Arztbericht des Universitätsspitals B._ vom
2. April 2020). Weitere medizinische Massnahmen seien aktuell nicht an-
gezeigt. Mithin liegen keine medizinischen Gründe vor, die gegen die Zu-
mutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung sprechen würden (vgl. auch Ur-
teile des BVGer D-969/2018 vom 16. September 2019 E. 9.3.4; D-
6793/2017 vom 25. Februar 2019 E. 7.4.2.3; D-2299/2015 vom 30. August
2016 E. 9.4.2). Es ist davon auszugehen, dass ein allfälliger Unterhalt der
erhaltenen (...) in Addis Abeba, Herkunftsort des Beschwerdeführers, mög-
lich ist (vgl. u.a. [...]; beide abgerufen am 23.11.2020). Schliesslich hat sich
die gesundheitliche Versorgung in Äthiopien in den letzten Jahren verbes-
sert und der Zugang zum Gesundheitssystem ist grundsätzlich gewährleis-
tet (vgl. Referenzurteil D-6630/2018 E. 12.3.4).
Nachdem der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben bis zu seiner
Ausreise im Jahr 2015 als (...) – ohne (...) – für seinen Lebensunterhalt
aufgekommen ist und sich eines seiner (...) bei seiner Tante befindet, kann
davon ausgegangen werden, dass er mit Hilfe der mittlerweile erhaltenen
(...) auch künftig in der Lage sein wird, für sich zu sorgen. Entsprechend
ist nicht anzunehmen, der Beschwerdeführer gerate bei seiner Rückkehr
nach Äthiopien in eine existenzielle Notlage.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
7.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
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Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Indes wurden mit
Instruktionsverfügung vom 21. Dezember 2018 die Gesuche um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung und amtlichen Rechtsverbeistän-
dung gutgeheissen, weshalb keine Kosten zu erheben sind.
9.2 Die eingereichten Kostennoten vom 2. April 2019 sowie vom 6. April
2020, die einen zeitlichen Aufwand von 10.33 Stunden aufweisen, erschei-
nen nicht angemessen und sind auf sieben Stunden zu reduzieren. Unter
Berücksichtigung des massgebenden Stundenansatzes (vgl. obgenannte
Instruktionsverfügung) und der Bemessungsfaktoren (Art. 12 i.V.m. Art. 9–
Art. 11 VGKE), ist dem amtlichen Rechtsbeistand zulasten der Gerichts-
kasse ein amtliches Honorar in der Höhe von Fr. 1‘715.– (inkl. Auslagen
und Mehrwertsteuerzuschlag) zuzusprechen.
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