Decision ID: 1177673b-9640-5969-8b13-e22236ce5804
Year: 2015
Language: de
Court: FR_TC
Chamber: FR_TC_011
Canton: FR
Region: Espace_Mittelland
Law Area: social_law

Sachverhalt
A. A._, geboren im Jahr 1959, wohnhaft in B._, ist bei der Kolping Krankenkassen AG (nachfolgend: Krankenversicherung) obligatorisch krankenpflegeversichert. Während eines Aufenthalts auf Gran Canaria im März 2014 musste er wegen eines Herzinfarktes im Hospital Santa Catalina in Las Palmas notfallmässig operiert werden, wofür ihm der Betrag von CHF 13‘318.64 in Rechnung gestellt wurde.
B. Am 7. Juli 2015 (Datum der Postaufgabe) erhob der Versicherte beim Kantonsgericht Freiburg eine Rechtsverzögerungsbeschwerde. Er stellt den Antrag, es sei die Krankenversicherung anzuweisen, unverzüglich eine anfechtbare Verfügung betreffend die notfallmässigen Spital- und Behandlungskosten im Ausland (Spanien) zu erlassen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung führt er aus, die Krankenversicherung habe zwar ihre Leistungspflicht grundsätzlich bejaht. Sie stelle sich jedoch auf den Standpunkt, dass weder eine Leistungsauszahlung noch der Erlass einer anfechtbaren Verfügung möglich seien, bevor die Zahlungen, welche sie bereits an die gemeinsame Einrichtung KVG geleistet habe, von dieser zurückerstattet worden seien. Die Leistungsabrechnung in Zusammenhang mit den Spital- und Behandlungskosten im Hospital Santa Catalina in Las Palmas sei damit noch immer ausstehend. Selbst die Vermittlung durch den Ombudsmann Krankenversicherung sei ohne den gewünschten Erfolg geblieben.
C. In der Folge wurde die Krankenversicherung mit Schreiben vom 8. Juli 2015 aufgefordert, ihre Bemerkungen und die vollständigen Akten einzureichen. Da sie dieser Aufforderung nicht nachkam, wurde ihr am 22. September 2015 unter Hinweis auf die Pflicht, an der Sachverhaltsfeststellung mitzuwirken (Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]), eine Nachfrist angesetzt, um die vollständigen Akten einzureichen. Auch diese Frist liess die Krankenversicherung unbenutzt verstreichen.
Am 25. September 2015 reichte der Beschwerdeführer aufforderungsgemäss die sich in seinem Besitz befindlichen Akten ins Recht.
Mit Eingaben vom 29. Oktober 2015 und 4. November 2015 legte die Krankenversicherung diverse Unterlagen zu den Akten.
Am 6. November 2015 hielt der Beschwerdeführer vollumfänglich an seinen Anträgen fest.

Erwägungen
1. a) Gegen Einspracheentscheide oder Verfügungen, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist, kann Beschwerde erhoben werden. Beschwerde kann auch erhoben werden, wenn der Versicherungsträger entgegen dem Begehren der betroffenen Person keine Verfügung oder keinen Einspracheentscheid erlässt (Art. 56 ATSG, welches gemäss Art. 1 des Bundesgesetzes vom 18. März 1994 über die Krankenversicherung [KVG; SR 832.10] anwendbar ist).
Kantonsgericht KG
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Art. 56 Abs. 2 ATSG bezieht sich auf die Sachverhalte von Rechtsverzögerung und Rechtsverweigerung. Rechtsverzögerung ist anzunehmen, wenn der Versicherungsträger das Verfahren nicht innert angemessener Frist abschliesst; Rechtsverweigerung liegt vor, wenn der Versicherungsträger trotz entsprechender Pflicht eine ihm obliegende Amtshandlung nicht vornimmt. Beides gilt als Verfügung, wogegen gestützt auf Art. 56 Abs. 2 ATSG ein Rechtsmittel eingereicht werden kann (KIESER, ATSG-Kommentar, 2. Auflage, 2009, Art. 56 N. 12). Die Rechtsverzögerungs- bzw. Rechtsverweigerungsbeschwerde ist im Rechtspflegeverfahren nach Art. 56 ff. ATSG zu beurteilen (BGE 130 V 90 E. 2).
b) Die Rechtsverzögerungsbeschwerde vom 7. Juli 2015 wurde vom Beschwerdeführer, rechtsgültig vertreten durch Fürsprecher Herbert Bracher, formgerecht eingereicht. Dieser hat ein schutzwürdiges Interesse daran, dass das sachlich und örtlich zuständige Kantonsgericht Freiburg, II. Sozialversicherungsgerichtshof, prüft, ob eine unzulässige Rechtsverzögerung vorliegt, und gegebenenfalls die Krankenversicherung anweist, die verlangte Verfügung innert nützlicher Frist zu erlassen.
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Art. 56 Abs. 2 ATSG legt den Streitgegenstand bei Rechtsverzögerungs- und Rechtsverweigerungsbeschwerden nicht ausdrücklich fest. Gemäss bisheriger Rechtsprechung bilden die materiellen Rechte oder Pflichten nicht Streitgegenstand entsprechender Beschwerden, sondern dieser beschränkt sich auf die Frage der Rechtsverzögerung bzw. Rechtsverweigerung. Denn die in Art. 56 Abs. 2 ATSG eingeräumte Befugnis, welche auf den Erhalt eines Entscheids unter Verkürzung des Verfahrensweges (Ausschaltung des Verfügungs- bzw. Einspracheverfahrens) ausgerichtet ist, kann nicht beinhalten, materielle Fragen zu beurteilen (KIESER, a.a.O., Art. 56 N. 14). Entsprechend ist der Versicherungsträger im Falle der Gutheissung einer Rechtsverzögerungs- bzw. Rechtsverweigerungsbeschwerde durch die Gerichtsinstanz anzuweisen, das Verfahren innert nützlicher Frist abzuschliessen bzw. die fragliche Handlung vorzunehmen (KIESER, a.a.O., Art. 56 N. 22). Die Rechtsprechung betrachtet es als grundsätzlich genügende Genugtuung, dass die Gerichtsinstanz eine unzulässige Rechtsverzögerung feststellt (BGE 129 V 411 E. 3.4; bestätigt in BGE 131 II 361 E. 4.6).
Damit ist im Folgenden einzig zu prüfen, ob im konkreten Fall eine unzulässige Rechtsverzögerung vorliegt.
3. a) Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) legt fest, dass jede Person in Verfahren vor Gerichts- und Verwaltungsinstanzen Anspruch auf Beurteilung innert angemessener Frist hat. Im Sozialversicherungsrecht kommt der Raschheit der Entscheidung eine besonders hohe Bedeutung zu, was darauf zurückzuführen ist, dass – bei leistungsrechtlichen Fragen – regelmässig über den Anspruch auf existenzsichernde Mittel zu entscheiden ist (KIESER, a.a.O., Art. 56 N. 16).
b) Gemäss Art. 49 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträger über Leistungen, Forderungen und Anordnungen, die erheblich sind oder mit denen die betroffene Person nicht einverstanden ist, schriftlich Verfügungen zu erlassen. Die Verfügungen sind mit einer Rechtsmittelbelehrung zu versehen und zu begründen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen (Art. 49 Abs. 3 Sätze 1 und 2 ATSG).
Im Bereich des KVG werden sämtliche Versicherungsleistungen im formlosen Verfahren nach Art. 51 ATSG gewährt. Dies gilt in Abweichung von Art. 49 Abs. 1 ATSG auch für erhebliche Leistungen (Art. 80 Abs. 1 KVG). Damit wird ermöglicht, dass das bisherige (administrativ
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einfache) Abrechnungsverfahren durch direkte Vergütung der eingereichten Rechnung beibehalten werden kann. Art. 51 Abs. 2 ATSG legt aber klar fest, dass es der betroffenen Person (auch im Bereich des KVG) freisteht, den Erlass einer formellen Verfügung zu verlangen. Zwar verzichtete der Gesetzgeber auf die Einführung einer einheitlichen Frist, innert welcher das Begehren, eine formelle Verfügung zu erlassen, erfolgen muss; im Bereich des KVG hat die Rechtsprechung als ungefähre obere zeitliche Grenze einen Zeitpunkt von einem Jahr nach Zustellung der formlosen Entscheidung bezeichnet, der allerdings bei einer fachkundigen Vertretung „um einiges Kürzer“ sei (vgl. KIESER, a.a.O., Art. 51 N. 14 mit weiteren Hinweisen).