Decision ID: d79d34cd-2cd0-4f12-8c57-27b56815b86a
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend gewerbsmässiger Betrug etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung,
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vom 18. März 2019 (DG180173)
- 3 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 23. Juli 2018
(Urk. 53) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 110 S. 321 ff.)
" Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− des gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in Verbindung mit
Art. 146 Abs. 2 StGB;
− der gewerbsmässigen Markenrechtsverletzung im Sinne von Art. 61 Abs. 1 lit. b MSchG
in Verbindung mit Art. 61 Abs. 3 MSchG;
− des mehrfachen unlauteren Wettbewerbs im Sinne von Art. 23 UWG in Verbindung mit
Art. 3 Abs. 1 lit. d UWG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 3 1⁄2 Jahren, wovon 78 Tage
durch Haft erstanden sind, und einer Geldstrafe von 220 Tagessätzen à CHF 30.– (entspre-
chend CHF 6'600.–).
3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die
Probezeit auf 4 Jahre festgesetzt.
4. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 25. Juli 2017 be-
schlagnahmte und bei der Gerichtskasse lagernde Barschaft von CHF 10'500.– (Beleg-Nr.
260733) wird nach Eintritt der Rechtskraft zur teilweisen Deckung der dem Beschuldigten
auferlegten Verfahrenskosten verwendet.
5. Die nachfolgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom
30. August 2016 beschlagnahmten und bei der Gerichtskasse unter der Sachkaution
Nr. 10443 lagernden Gegenstände werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft
bis spätestens 3 Monate danach auf erstes Verlangen hin herausgegeben. Nach ungenutz-
tem Ablauf dieser Frist werden die Gegenstände der Lagerbehörde zur Vernichtung über-
lassen:
− Mobiltelefon Apple iPhone 6S, grau, inkl. Ladestation (A009'575'319 [HD 1 /
Pos. 1.1.1.]);
− Mobiltelefon Apple iPhone 6S, grau (A009'575'320 [HD 1 / Pos. 1.1.2]);
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− Mobiltelefon Samsung Galaxy Note, grau (A009'575'693 [HD 1 / Pos. 1.1.8]);
− Mobiltelefon HTC One M8 dual Sim, grau (A009'575'773 [HD 1 / Pos. 1.1.10]);
− Mobiltelefon HTC One mini, grau (A009'575'795 [HD 1 / Pos. 1.1.11]);
− Mobiltelefon Stockholm, schwarz (A009'577'542 [HD 1 / Pos. 1.1.25]);
− Mobiltelefon Vodafone, schwarz, inkl. rosa Post-it mit Telefonnummer
(A009'577'575 [HD 1 / Pos. 1.1.27]);
− Mobiltelefon Vodafone, schwarz, inkl. rosa Post-it mit Telefonnummer
(A009'577'586 [Pos. 1.1.28]).
6. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 30. August 2016
beschlagnahmte Mobiltelefon iPhone 6 plus, grau (A009'575'739 [HD 1 / Pos. 1.1.9]) wird
dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft bis spätestens 3 Monate danach auf erstes
Verlangen hin herausgegeben. Nach ungenutztem Ablauf dieser Frist wird der Gegenstand
der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen.
7. Die nachfolgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom
30. August 2016 beschlagnahmten und bei der Gerichtskasse unter der Sachkaution
Nr. 10500 lagernden Gegenstände werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft
bis spätestens 3 Monate danach auf erstes Verlangen hin herausgegeben. Nach ungenutz-
tem Ablauf dieser Frist werden die Gegenstände der Lagerbehörde zur Vernichtung über-
lassen:
− schwarzes Etui mit diversen SIM-Karten-Halterungen (A009'577'644 [HD 1 /
Pos. 1.1.31]);
− schwarzes Etui mit diversen SIM-Karten-Halterungen (A009'577'655 [HD 1 /
Pos. 1.1.32]);
− schwarzes Etui mit diversen SIM-Karten-Halterungen
(A'009'577'666 [HD 1 / Pos. 1.1.33]);
− diverse lose SIM-Karten sowie ein Halter (A'009'578'590 [HD 1 / Pos. 1.1.40)].
8. Die nachfolgenden, bei den Verfahrensakten befindlichen Unterlagen, erhoben aus den mit
Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 30. August 2016 beschlag-
nahmten Sicherstellungspositionen HD 1 / Pos. 1.1.26 (Kartonschachtel mit diversen
Dokumenten), HD 1 / Pos. 1.1.38 (Plastikschachtel mit Deckel, enthaltend diverse Akten),
HD 1 / Pos. 1.1.63 (grosse Tasche mit Ordnern) und HD 3 / Pos. 3.1.2 (Papiertasche mit
3 Bundesordnern), werden als Beweismittel bei den Akten belassen:
− act. 42/1-41 (Ordner 25);
− act. 45/1-134 (Ordner 28).
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9. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 30. August 2016
beschlagnahmte, bei der Kasse der Staatsanwaltschaft lagernde C._-Karte, lautend
auf D._ (A009'577'622 [HD 1 / Pos. 1.1.30b]), wird nach Eintritt der Rechtskraft bis spä-
testens 3 Monate danach auf erstes Verlangen hin an D._, im E._ ..., F._
herausgegeben. Nach ungenutztem Ablauf dieser Frist wird der Gegenstand der Lagerbe-
hörde zur Vernichtung überlassen.
10. Die nachfolgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom
11. Oktober 2016 beschlagnahmten, bei den Verfahrensakten lagernden Unterlagen bleiben
bis zur Rechtskraft bei den Akten und werden nach Eintritt der Rechtskraft bis spätestens
3 Monate danach auf erstes Verlangen hin an den Beschuldigten herausgegeben. Nach
ungenutztem Ablauf dieser Frist werden die Unterlagen der Lagerbehörde zur Vernichtung
überlassen:
− 4 Bundesordner, beschriftet mit "G._ GmbH Buchhaltung 2014/1", "G._ GmbH
Buchhaltung 2014/2", "G._ GmbH Buchhaltung 2014/3", "G._ GmbH Buchhal-
tung 2014/4" (A009'638'793 [HD 4 / Pos. 1.1.1]);
− 6 Bundesordner, beschriftet mit "G._ Buchhaltung C._ 1-6/2015", "G._
GmbH Buchhaltung C._ 7-12/2015", "G._ GmbH Buchhaltung Q1/2015",
"G._ GmbH Buchhaltung Q2/2015", "G._ GmbH Buchhaltung Q3/2015",
"G._ GmbH Buchhaltung Q4/2015" (A'009'638'862 [HD 4 / Pos. 1.1.2]);
− 2 Bundesordner, beschriftet mit "G._ GmbH Buchhaltung Q1/2016", "G._
GmbH Buchhaltung Q2/2016" (A'009'638'839 [HD 4 / Pos. 1.1.3]);
− blaues Sichtmäppchen mit Buchhaltungsunterlagen (A009'638'873).
11. In Bezug auf nachfolgende, mit Verfügungen der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich
vom 19. August 2016, 29. September 2016, 10. Oktober 2016, 17. Oktober 2016, 24. Okto-
ber 2016 und 26. Oktober 2016 beschlagnahmten Online-Accounts wird mit Eintritt der
Rechtskraft gegenüber den zuständigen Providern die Löschung angeordnet:
− Accounts auf H._.ch mit Benutzernummern 1 und 2, I._ AG, J._-strasse
..., K._;
− Accounts auf L._.ch, betreffend sämtliche auf A._, G._ GmbH, "M._",
"N._", "O._" und "P._" registrierten Rufnummern gemäss act. 90a,
Q._ GmbH, R._-strasse Nr. ..., S._;
− Accounts auf T._.ch, Benutzernummern Nr. 4 und Nr. 5, U._ AG, V._-
strasse ..., W._;
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− Account auf BA._.BB._.ch, Benutzername BC._, BB._ S.A., Avenue
de BD._ ..., BE._;
− Account auf BF._.ch, Benutzernamen A._ und BG._, BF._ (Schweiz)
AG, BH._-strasse ..., BI._;
− Account auf BJ._.com, Benutzername BK._@gmail.com, BJ._ Switzer-
land GmbH, BL._-strasse ..., ... Zürich.
12. Die Zivilforderung der Privatklägerin B._ wird abgewiesen.
13. Die Privatklägerin BM1._ GmbH wird mit ihrer Zivilforderung auf den Zivilweg verwie-
sen.
14. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
CHF 15'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
CHF 30'000.00 Gebühr Strafuntersuchung
CHF 3'016.50 Auslagen Untersuchung
CHF 29'260.00 Telefonkontrolle
CHF 60.00 Entschädigung Zeuge
CHF 9'400.00 amtliche Verteidigung (Akontozahlung)
CHF 51'749.85 Entschädigung amtliche Verteidigung
Weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
15. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen
der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.
16. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehal-
ten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
17. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Bemühungen und Barauslagen als amtlicher
Verteidiger mit CHF 61'149.85 (inkl. MwSt., abzüglich der bereits geleisteten Akontozahlung
von CHF 9'400.–) aus der Gerichtskasse entschädigt.
18. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ eine Prozessentschädigung
für anwaltliche Vertretung in der Höhe von CHF 10'500.– zu bezahlen.
19. (Mitteilung)
20. (Rechtsmittel) "
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Berufungsanträge: (Prot. II S. 7 ff.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 135 S. 2 f.)
1. Dispositiv-Ziffer 1 des Urteils der Vorinstanz sei aufzuheben und der
Beschuldigte sei von den Vorwürfen
− des gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1
StGB in Verbindung mit Art. 146 Abs. 2 StGB;
− der gewerbsmässigen Markenrechtsverletzung im Sinne von
Art. 61 Abs. 1 lit. b MSchG in Verbindung mit Art. 61 Abs. 3
MSchG;
− des mehrfachen unlauteren Wettbewerbs im Sinne von Art. 23
UWG in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1 lit. d UWG
freizusprechen.
2. Dispositiv-Ziffern 2 und 3 des Urteils der Vorinstanz seien aufzuheben
und es sei von einer Bestrafung abzusehen.
3. Dispositiv-Ziffer 4 des Urteils der Vorinstanz sei aufzuheben und die
mit Verfügung der Anklägerin vom 25. Juli 2017 beschlagnahmte und
bei der Gerichtskasse lagernde Barschaft von CHF 10'500.00 (Beleg-
Nr. 260733) sei dem Beschuldigten auf erstes Verlangen herauszuge-
ben.
4. Dispositiv-Ziffer 8 des Urteils der Vorinstanz sei aufzuheben und die
mit Verfügungen der Anklägerin vom 30. August 2016 beschlagnahm-
ten Sicherstellungspositionen HD 1 / Pos. 1.1.26 (Kartonschachtel mit
diversen Dokumenten), HD 1 / Pos. 1.1.38 (Plastikschachtel mit De-
ckel, enthaltend diverse Akten), HD 1 / Pos. 1.1.63 (grosse Tasche mit
Ordnern) und HD 3 / Pos. 3.1.2 (Papiertasche mit 3 Bundesordnern)
seien dem Beschuldigten auf erstes Verlangen herauszugeben.
5. Dispositiv-Ziffer 11 des Urteils der Vorinstanz sei aufzuheben und die
mit Verfügungen der Anklägerin vom 19. August 2016, 29. September
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2016, 10. Oktober 2016, 17. Oktober 2016, 24. Oktober 2016 und
26. Oktober 2016 beschlagnahmten Online-Accounts seien dem
Beschuldigten auf erstes Verlangen herauszugeben.
6. Dispositiv-Ziffer 13 des Urteils der Vorinstanz sei aufzuheben und die
Zivilforderung der Privatklägerin BM1._ GmbH sei abzuweisen.
7. Dispositiv-Ziffern 15 und 16 des Urteils der Vorinstanz seien aufzuhe-
ben und die Kosten der Untersuchung sowie des erstinstanzlichen Ge-
richtsverfahrens, einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung,
seien auf die Staatskasse zu nehmen.
8. Dispositiv-Ziffer 18 des Urteils der Vorinstanz sei aufzuheben und es
sei der Privatklägerin B._ keine Prozessentschädigung für die an-
waltliche Vertretung zu bezahlen.
9. Dem Beschuldigten sei eine angemessene Entschädigung in der Höhe
von mindestens CHF 250'000.00 und eine Genugtuung in der Höhe
von mindestens CHF 15'400.00 auszurichten.
10. Die Kosten des Berufungsverfahrens, einschliesslich derjenigen der
amtlichen Verteidigung, seien auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 118, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
c) Der Privatklägerin B._
(Urk. 143 S. 2)
1. Ziff. 12 des Urteils vom 18. März 2019 (DG180173) sei aufzuheben
und der Beschuldigte sei zu verpflichten der Berufungsklägerin
CHF 37'639.16 nebst Zins zu 5% seit dem 1. September 2016 zu be-
zahlen;
2. Der Berufungsklägerin sei eine angemessene Entschädigung für ihre
Anwaltskosten in Zusammenhang mit ihren Zivilforderungen im Vor-
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verfahren, im erstinstanzlichen Verfahren sowie im Berufungsverfahren
zuzusprechen;
3. Eventualiter sei die Berufungsklägerin mit ihrer Zivilforderung auf den
Zivilweg zu verweisen;
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zzgl. MwSt.) zu Lasten des
Berufungsbeschuldigten;
Im Übrigen sei das Urteil vom 18. März 2019 (DG180173) zu bestätigen.

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Umfang der Berufung
1. Prozessgeschichte
1.1. Für den Verfahrensablauf bis zum erstinstanzlichen Urteil kann auf die ent-
sprechenden zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden, um
Wiederholungen zu vermeiden (Urk. 110 S. 7 ff.).
1.2. Das vorstehend wiedergegebene Urteil vom 18. März 2019 wurde den Par-
teien am 19. März 2019 schriftlich eröffnet (Urk. 101/1-6). Der Beschuldigte mel-
dete mit Schreiben vom 25. März 2019 und die B._ mit Schreiben vom
26. März 2019 innert Frist Berufung an (Urk. 103 und 104).
1.3. Nach Zustellung des begründeten Urteils am 23. April 2019 respektive 18.
April 2019 (Urk. 105 und 108) reichten der Beschuldigte am 30. April 2019
(Urk. 111) und die B._ am 8. Mai 2019 (Urk. 114) fristgerecht die Berufungs-
erklärungen ein. Mit Präsidialverfügung vom 29. Mai 2019 wurde die Berufungs-
erklärung des Beschuldigten in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 und
Art. 401 StPO der B._ und der Staatsanwaltschaft sowie die Berufungserklä-
rung der B._ dem Beschuldigten und der Staatsanwaltschaft zugestellt, um
gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben oder Nichteintreten auf die Beru-
fung zu beantragen. Gleichzeitig wurde der B._ und der Staatsanwaltschaft
Frist gesetzt, um zu den Beweisanträgen des Beschuldigten Stellung zu nehmen,
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die dieser im Rahmen der Berufungserklärung gestellt hatte (Urk. 116). Die
Staatsanwaltschaft verzichtete auf Anschlussberufung und beantragte die Abwei-
sung der Beweisanträge (Urk. 118). Der Beschuldigte verzichtete auf Anschluss-
berufung betreffend die Berufung der B._ (Urk. 119). Die B._ liess sich
nicht vernehmen. Mit Präsidialverfügung vom 8. April 2020 wurde die Berufungs-
erklärung des Beschuldigten in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 und
Art. 401 StPO der BM1._ GmbH zugestellt, um gegebenenfalls Anschlussbe-
rufung zu erheben oder Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. Gleichzei-
tig wurde der BM1._ GmbH Frist gesetzt, um zu den Beweisanträgen des
Beschuldigten Stellung zu nehmen, die dieser im Rahmen der Berufungserklä-
rung gestellt hatte (Urk. 121). Die BM1._ GmbH liess sich nicht vernehmen.
Die Verfahrensleitung wies die Beweisanträge des Beschuldigten am 13. Mai
2020 ab (Urk. 123).
1.4. Am 13. August 2020 wurde auf den 5. November 2020 zur Berufungsver-
handlung vorgeladen (Urk. 125).
1.5. Mit Eingabe vom 26. Oktober 2020 reichte die Verteidigung ihre schriftlichen
Plädoyernotizen für die Berufungsverhandlung vom 5. November 2020 vorab ein
(Urk. 135). Diese wurden lediglich den Privatklägerinnen zugestellt, da die
Staatsanwaltschaft in der Zwischenzeit den Verzicht auf Teilnahme an der Beru-
fungsverhandlung angemeldet hatte (Urk. 127, Urk. 137 und Urk. 138).
1.6. Am 5. November 2020 fand die Berufungsverhandlung statt. Es erschienen
der Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers sowie die Vertreterin
der B._ (Prot. II S. 7). Vorfragen waren keine zu entscheiden (Prot. II S. 10).
In ihrer Berufungsbegründung erneuerte die amtliche Verteidigung ihren Beweis-
antrag auf Einvernahme von BN._, erklärte sich jedoch anlässlich der Beru-
fungsverhandlung damit einverstanden, dass über den Beweisantrag im Rahmen
der weiteren Beurteilung befunden werde (Urk. 135 S. 4; Prot. II. S. 11).
Nach den Parteivorträgen und dem Schlusswort des Beschuldigten verzichteten
die Parteien auf eine mündliche Urteilseröffnung und -erläuterung (Art. 84 Abs. 3
StPO; Prot. II S. 17). Die geheime Beratung fand am 5. und 6. November 2020
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statt und das Urteil wurde am Ende der Beratung gefällt (Prot. II S. 18 ff.;
Urk. 145) und den Parteien schriftlich im Dispositiv eröffnet (Urk. 145).
2. Umfang der Berufung
2.1. Der Beschuldigte verlangt, er sei von Schuld und Strafe freizusprechen
(Urk. 111 S. 3 f.). Die B._ wendet sich gegen die Abweisung ihrer Zivilforde-
rung und die Höhe der ihr zugesprochenen Prozessentschädigung.
Unangefochten blieben die Herausgabe verschiedener Gegenstände an den
Beschuldigten (Dispositiv-Ziffern 5, 6, 7 und 10), die Herausgabe einer Karte der
C._ an D._ (Dispositiv-Ziffer 9), die erstinstanzliche Kostenfestsetzung
(Dispositiv-Ziffer 14) und die Entschädigung der amtlichen Verteidigung (Disposi-
tiv-Ziffer 17). In diesem Umfang ist der vorinstanzliche Entscheid in Rechtskraft
erwachsen, was vorab mittels Beschluss festzustellen ist (Art. 399 Abs. 3 in Ver-
bindung mit Art. 437 StPO). Da der Beschuldigte bereits anlässlich der Beru-
fungsverhandlung die Herausgabe der für rechtskräftig befundenen Herausga-
beanordnungen des vorinstanzlichen Urteils verlangt hat (vorinstanzliche Dis-
positiv-Ziffern 5, 6, 7 und 10; Prot. II. S. 17), hat die Mitteilung der Rechtskraft
zuhanden der Lagerbehörden mit dem Hinweis zu erfolgen, dass der Beschul-
digte die Herausgabe bereits verlangt hat.
2.2. Im Übrigen steht der angefochtene Entscheid unter Berücksichtigung des
Verschlechterungsverbots im Sinne von Art. 391 Abs. 2 StPO zur Disposition.
II. Prozessuales und Vorbemerkungen
1. Prozessuales
1.1. Beweisanträge
1.1.1. Die Verteidigung beantragte im Berufungsverfahren wie bereits im ers-
tinstanzlichen Verfahren und im Untersuchungsverfahren nebst der Befragung
von BO._ und BP._ die Befragung von BN._, Inhaber und Ge-
schäftsführer der BG._ GmbH (nachfolgend BG._; Urk. 23/7, Ordner 3;
Urk. 58; Prot. I S. 8; Urk. 111 und Urk. 135 S. 4). Zur Begründung ihres Antrags
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auf Einvernahme von BN._ verwies sie auf ihre Berufungserklärung und
brachte in der Berufungsbegründung zusammengefasst vor, dass nur BN._
bestätigen könne, dass er bzw. die BG._ vom Beschuldigten damit beauf-
tragt worden sei, Anrufe von Kunden der vom Beschuldigten geleiteten G._
GmbH (nachfolgend G._) entgegenzunehmen, sollte die G._ dazu auf-
grund von Kapazitätsengpässen nicht in der Lage sein, und dass er diesen Auf-
trag letztlich nicht im vereinbarten Umfang erfüllt habe. Zudem könne auch nur
BN._ bestätigen, dass er für sämtliche Telefon-Schaltungen und -
Einrichtungen der BG._ alleine verantwortlich gewesen sei (Urk. 135 S. 4).
1.1.2. Die Vorinstanz wies die Beweisanträge auf (erneute) Befragung von
BN._, BO._ und BP._ ab (Urk. 110 S. 17 ff.).
1.1.3. Im vorliegenden Berufungsentscheid wird im Rahmen der Erwägungen zur
Sachverhaltserstellung auf die anlässlich der Berufungsverhandlung zumindest
einstweilen als nicht notwendig erachteten Beweisergänzungen zurückzukommen
sein (vgl. E. III.9.).
1.2. Verwertbarkeit von Beweismitteln
1.2.1. Im Berufungsverfahren wurde die Verwertbarkeit der Beweismittel nicht
beanstandet. Insbesondere betreffend die Hausdurchsuchungen, Beschlag-
nahmungen und die angeordneten Überwachungsmassnahmen kann auf die
ausführlichen und zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden
(Urk. 110 S. 24 ff.)
1.2.2. Ergänzend zur Vorinstanz ist jedoch festzuhalten, dass die Aktennotiz der
Staatsanwaltschaft, in welcher eine Aussage des BN._ anlässlich eines
Telefongesprächs festgehalten wurde, nicht zu Lasten des Beschuldigten ver-
wertbar ist (Urk. 34/7, Ordner 12). Dies, da die entsprechende Aussage des
BN._ offensichtlich ohne Möglichkeit des Beschuldigten erfolgte, sich zu die-
ser Aussage äussern respektive sein Fragerecht ausüben zu können.
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1.3. Vorbemerkungen der Verteidigung zum vorinstanzlichen Verfahren
1.3.1. Die Verteidigung bringt in ihrer Berufungsbegründung vor, von einer
Unvoreingenommenheit der Vorinstanz könne keine Rede sein. Unter anderem
habe der dortige Vorsitzende bereits in einem früheren Strafverfahren gegen
den Beschuldigten den Vorsitz innegehabt und ihn bereits als schuldig be-
trachtet, bevor er ihn überhaupt angehört habe. Dies könne insbesondere der
erstinstanzlichen Befragung anlässlich der Hauptverhandlung, in welcher der
dortige Vorsitzende den Beschuldigten gefragt habe, ob ihm denn das damali-
ge Strafverfahren bzw. Urteil keinen Eindruck gemacht habe, als auch den
Erwägungen im begründeten Urteil entnommen werden (Urk. 135 S. 4 ff.).
1.3.2. Diese Vorbringen werden vorliegend aufgrund ihres Wortlauts nicht als
nachträgliches eigentliches Ausstandsbegehren verstanden, weshalb auch
kein entsprechender prozessualer Entscheid ergehen muss. Einem solchen
wäre aber auch kein Erfolg beschieden gewesen: In der angesprochenen Stel-
le der Befragung legte der erstinstanzliche Vorsitzende zu Beginn der Frage
gegenüber dem amtlich verteidigten Beschuldigten offen, dass er bereits in ei-
nem früheren Strafverfahren gegen diesen den Vorsitz innegehabt habe
(Urk. 91 S. 13). Direkt im Anschluss an diesen Teil der Befragung – und nach
einer kurzen Verhandlungspause zwecks Absprache zwischen der Verteidi-
gung und dem Beschuldigten – hielt die amtliche Verteidigung ausdrücklich
fest, mit Blick auf das frühere Gerichtsverfahren keinen Ausstandsgrund gel-
tend zu machen (Urk. 91 S. 13 f.). Ein Ausstandsbegehren im heutigen Zeit-
punkt würde somit das Erfordernis des unverzüglichen Vorbringens klar nicht
erfüllen (Art. 58 Abs. 1 StPO). Wer einen Richter respektive eine sachverstän-
dige Person nicht unverzüglich ablehnt, wenn er vom Ablehnungsgrund Kennt-
nis erhält, verwirkt den Anspruch auf Anrufung der Garantie des unabhängigen
Richters gemäss Art. 30 Abs. 1 BV (BGE 128 V 82 E. 2b S. 85; 126 III 249 E.
3c S. 253 f.; je mit Hinweisen).
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1.4. Vorbemerkungen der Verteidigung zur Verfahrenseinleitung
1.4.1. Schliesslich moniert die Verteidigung, dass das gesamte Strafverfahren
gegen den Beschuldigten lediglich aufgrund von Ausführungen eines BQ._
angestrengt worden sei und dass dieser es auch gewesen sei, der eine Anzeige
beim Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) gegen den Beschuldigten ein-
gereicht habe. Dies sei interessant, da BQ._ ein direkter Konkurrent des
Beschuldigten gewesen sei. So habe BQ._ sich unterdessen auch die früher
vom Beschuldigten betriebenen Mehrwertdienstnummern 6 und 7 "geschnappt"
und bewerbe diese unter anderem bei BR._.ch mit "24/7 BV1._", "24/7
BV2._" und "BV1._ 24 Std. ..." (Urk. 135 S. 6 f.). Anlässlich der Beru-
fungsverhandlung offerierte die amtliche Verteidigung hierzu eine Aufnahme eines
Telefonats von Ende Januar 2019 zum Beweis, in welcher BQ._ den Be-
schuldigten – angeblich unter Verweis auf seine guten Beziehungen zur Staats-
anwaltschaft und zu BV._ – aufgefordert habe, jegliche operative Tätigkeit
mit der G._ zukünftig zu unterlassen (Prot. II S. 12).
1.4.2. Es ist bei diesen Ausführungen der Verteidigung nicht ersichtlich, was sie
daraus für das vorliegende Verfahren zu Gunsten des Beschuldigten ableiten
möchte. Auch wenn die Strafuntersuchung gegen den Beschuldigten ihren
Ursprung in der Anzeige eines früheren Konkurrenten gehabt haben sollte, so
ging die Entscheidung, das untersuchte Verhalten des Beschuldigten zur Anklage
zu bringen, einzig von der Staatsanwaltschaft aus. Gegenteiliges kann auch aus
den Ausführungen der Verteidigung nicht entnommen werden. Für die strafrechtli-
che Beurteilung eines Verhaltens hat es überdies weder eine Rolle zu spielen, ob
ein früherer Konkurrent dieses Verhalten zur Anzeige gebracht hat, noch ob der-
selbe Konkurrent sich in der Zwischenzeit unter Zuhilfenahme derselben Metho-
den gleich verhält. Sollte sich im Folgenden herausstellen, dass sich der Beschul-
digte mit seinem Verhalten strafbar gemacht hat, wäre allenfalls einzig von den
Strafuntersuchungsbehörden zu prüfen, ob auch dem angeblich gleichen Verhal-
ten von besagtem Konkurrenten ebenfalls Nachachtung zu schenken ist. Dies be-
träfe jedoch ein separates Strafverfahren, welches auf die vorliegende Beurteilung
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keinen Einfluss zeitigen würde. Die Ausführungen der Verteidigung erweisen sich
daher für das vorliegende Strafverfahren als unbehilflich.
III. Sachverhalt
1. Allgemeines
Die Vorinstanz hat die theoretischen Grundsätze der richterlichen Beweiswür-
digung dargelegt (Urk. 110 S. 40 ff.). Darauf kann verwiesen werden (Art. 82
Abs. 4 StPO), ebenso auf die vorinstanzlichen Erwägungen zur Frage der
Glaubwürdigkeit des Beschuldigten sowie von BN._, D._, BS._
und BT._ (Urk. 110 S. 43 ff.). Im Übrigen kann sich die Berufungsinstanz
auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken (vgl. BGE 141
IV 249 E. 1.3.1 S. 253; 141 III 28 E. 3.2.4 S. 41; je mit Hinweisen).
2. Mehrwertdienstnummer 1 ("24/7 BV1._")
2.1. Dem Beschuldigten wird im Wesentlichen vorgeworfen, er habe die Mehr-
wertdienstnummer 1 mit einer Gesprächsgebühr von Fr. 1.99 pro Minute auf sei-
nen eigenen Namen respektive auf seine Gesellschaft G._ registrieren
lassen. Diese Nummer habe er unter Angabe der Anrufgebühr auf der Webseite
www.N1._.ch/BV._ mit der Beschreibung "24/7 BV1._, ... Hotline"
sowie in den Online-Telefonverzeichnissen www.BR._.ch und
www.BU._.ch mit den entsprechenden Bezeichnungen (etwa "24/7
BV1._") beworben. Bei einer Suche mit den einschlägigen Stichworten
("BV1._", "BV._ Hilfe") sei die Mehrwertdienstnummer 6 in den Online-
Telefonverzeichnissen und seine Webseite respektive die Telefonbucheinträge
mit der Suchmaschine BJ._ zuoberst oder in den oberen Suchresultaten er-
schienen. Der Beschuldigte habe vorgegeben, rund um die Uhr einen technischen
Service zu bieten, dies direkt für die BV._ Inc. oder zumindest in deren Auf-
trag. In Tat und Wahrheit seien die Anrufenden mittels eines aufwendigen Sys-
tems grösstenteils direkt mit den offiziellen Hotlines der BV._ Inc. verbunden
worden. Auf die Mehrwertdienstnummer 1 seien 6'420 Anrufe eingegangen. Da-
bei sei die Verbindung nach der Weiterleitung zu den offiziellen Hotlines aufrecht-
- 16 -
erhalten geblieben, wodurch der Beschuldigte im Tatzeitraum (1. September 2015
bis 16. August 2016) Einnahmen von rund Fr. 164'500.– generiert habe.
2.2. Betreffend diesen in der Anklage umrissenen Tatvorwurf (Urk. 53 S. 3 - 13)
stellt die Vorinstanz zusammengefasst Folgendes fest (Urk. 110 S. 45 - 104).
2.2.1. Die Mehrwertdienstnummer 6 sei per 1. Oktober 2008 auf den Namen
des Beschuldigten registriert und per 16. Oktober 2014 auf die G._ über-
tragen worden. Der Beschuldigte habe die in der Anklage aufgeführten
Domains (etwa 247-BV._.care.de.com) betrieben, wobei sich einzig eine
Verknüpfung von 247-BV1._.de.com mit der Webseite 247-
BV1._.ch/... habe erstellen lassen. In der Folge bildet die Vorinstanz in ih-
rem Entscheid mehrere Bildschirmfotos vom November 2018 ab, um den Inhalt
verschiedener Domains zu dokumentieren. Sie hält fest, dass die Webseite
247-BV1._.ch/... der Umschreibung in der Anklage entspreche (Urk. 110
S. 45 - 50). Diese Feststellungen sind mehrheitlich zutreffend (vgl. nachfolgen-
de Präzisierung). Insbesondere betrieb der Beschuldigte die von der Vo-
rinstanz genannten Domains und stimmt die Umschreibung der Webseite 247-
BV1._.ch/... in der Anklage mit den Untersuchungsakten überein (Urk. 53
S. 3; Urk. 29/124, Ordner 7). Ebenso ist mit der Vorinstanz und entgegen der
Verteidigung (Urk. 98 S. 4 und 46) anzunehmen, dass der Zusatz "... G._
GmbH" im Titel der Homepage nicht bereits während des Tatzeitraums ange-
bracht war. Relativierend räumt die Verteidigung neu ein, der Hinweis sei unter
"Contact" respektive "Rubrum" (gemeint: Impressum) erfolgt (Urk. 135 S. 8).
Präzisierend kann festgehalten werden, dass betreffend die Anpreisung der
Mehrwertdienstnummer 6 einzig der Inhalt der Webseite 247-BV1._.ch/...
von Relevanz ist, nachdem der Anklagevorwurf nicht darüber hinausgeht
(Urk. 53 S. 3).
2.2.2. Der Anklagesachverhalt, die Mehrwertdienstnummer 6 in den Online-
Telefonverzeichnissen BR._.ch und BU._.ch inseriert zu haben (an
insgesamt zehn Standorten, unter verschiedenen Rubriken und mit verschie-
denen Bezeichnungen wie etwa "24/7 BV1._"), treffe laut Vorinstanz zu.
Der Beschuldigte habe das Ranking in den Verzeichnissen positiv beeinflusst.
- 17 -
Bei einer Suche mit den Stichworten "BV1._" und "BV._ Hilfe" sei die
Nummer 6 an oberster Stelle angezeigt worden (Urk. 110 S. 50 - 54). Dem ist
beizupflichten. Es ist entgegen der Verteidigung (Urk. 135 S. 10) nicht zweifel-
haft, dass das Suchergebnis (Urk. 29/147, Ordner 7) auch in Bezug auf den
Tatzeitraum von Relevanz ist. Ebenso ist nicht zweifelhaft, dass bei einer Su-
che auf BU._.ch mit den genannten Stichworten die Nummer auch im tat-
relevanten Zeitraum an oberster Stelle aufgeführt wurde. Die Vorinstanz
konsultierte die entsprechende Plattform und bildet die Suchergebnisse in ih-
rem Entscheid ab. Die entsprechenden Informationen sind zwar frei zugäng-
lich. Gleichwohl können sie nicht als den Strafbehörden bekannt im Sinne von
Art. 139 Abs. 2 StPO gelten. Wie das Bundesgericht präzisiert hat, gelten Infor-
mationen aus dem Internet grundsätzlich als notorische Tatsachen, wenn ihnen
aufgrund des Umstands, dass sie leicht zugänglich sind und aus verlässlichen
Quellen stammen (wie Statistiken des Bundesamtes für Statistik, Handelsregis-
tereinträge, Wechselkurse, SBB-Fahrpläne etc.), ein offizieller Anstrich anhaftet
(BGE 143 IV 380 E. 1.2 S. 384 f.; Urteil 1C_582/2018 vom 23. Dezember 2019
E. 2.4). Davon ist hier nicht auszugehen, weshalb die Suchergebnisse dem
Beschuldigten richtigerweise vorgehalten wurden (Urk. 85 S. 2 und Urk. 86 f.).
Zutreffend ist weiter, dass die gute Rangfolge nicht dem Zufall, sondern dem
gewählten, mit dem Suchbegriff übereinstimmenden Namen (z.B. "24/7
BV1._") und der Anzahl verschiedener Einträge zu verdanken ist (vgl.
Urk. 14 S. 3, Ordner 1). Mithin kann der Verteidigung nicht gefolgt werden, wo-
nach der Beschuldigte auf die Rangfolge der Resultate keinen Einfluss gehabt
habe (Urk. 98 S. 6, 43 und 47; Urk. 135 S. 10). Der Beschuldigte selbst gab
an, die Algorithmen der Online-Telefonbücher zu kennen (Urk. 16/9 S. 8, Ord-
ner 2). Selbst wenn eine detaillierte Kenntnis ausgeschlossen werden kann, ist
der Beschuldigte insoweit beim Wort zu nehmen, als er seine Einträge zu op-
timieren wusste.
2.2.3. Der Beschuldigte habe die BJ._ Werbedienstleistung BW._
genutzt, um die Suchresultate bei BJ._ in der Rubrik "Anzeigen" zu beein-
flussen (etwa mit Keywords wie "+BV1._+..."). Ebenso habe er die Such-
resultate in der Rubrik "Webseiten" beeinflusst. Die von der Anklagebehörde
- 18 -
zusammengefassten Resultate bei einer Suche mit den Stichworten
"BV1._" und "BV._ Hilfe" (vgl. Urk. 53 S. 5 f.) seien mit wenigen Kor-
rekturen zutreffend. Gestützt auf den Ermittlungsbericht der Kantonspolizei
vom 7. April 2017 sei auch von einer Beeinflussung der Suchresultate durch
Einträge in Online-Telefonverzeichnissen und die Verlinkung von Webseiten
auszugehen (Urk. 110 S. 54 - 56). Diese Erwägungen sind zu übernehmen (mit
der einzigen Präzisierung, dass auch das Suchresultat vom 22. Juni 2016 in
der Rubrik "Anzeigen" auf der zweiten Seite der BJ._-Resultate angezeigt
wird). Damit trifft entgegen der Verteidigung nicht zu, dass bei der Suche nach
"BV1._" stets die offizielle Hotline zuoberst gelistet wurde (etwa Urk. 135
S. 14, 28 und 36). Dass die Vorinstanz nicht zwischen den Resultaten in den
beiden Rubriken unterschieden hätte (Urk. 135 S. 12 f.), ist zudem offensicht-
lich unzutreffend. Es bestehen keine Zweifel, dass die fraglichen Suchresultate
unter anderem durch kostenpflichtige Keywords (in Bezug auf die Werbung
BW._) und nicht, wie von der Verteidigung vorgebracht (Urk. 98 S. 7 f.;
Urk. 135 S. 16), durch das Suchverhalten der fallführenden Staatsanwältin be-
einflusst wurden. Ebenso wenig kann der Verteidigung gefolgt werden, wenn
sie meint, eine Beeinflussung der Resultate in der Rubrik "Webseiten" sei prak-
tisch ausgeschlossen (Urk. 98 S. 6 f., 43 und 47; Urk. 135 S. 15; vgl. dazu
Urk. 14 S. 4, Ordner 1). Der Beschuldigte selbst gab an, die Algorithmen von
BJ._ zu kennen (Urk. 16/9 S. 8, Ordner 2). Selbst wenn eine detaillierte
Kenntnis ausgeschlossen werden kann, ist der Beschuldigte insoweit beim
Wort zu nehmen, als er seine Einträge zu optimieren wusste. Dass dies mög-
lich ist, kann als notorisch gelten, was den Parteien mittels einer entsprechen-
den Information auf der Internetseite von BJ1._ anlässlich der Berufungs-
verhandlung auch vorgehalten wurde (https://analytics.BJ1._.com/.../;
Prot. II. S. 10). Richtig ist auch, dass der Beschuldigte in die Verwaltung der
BJ._-Anzeigen involviert war. Dem Einwand der Verteidigung, die
Keywords seien allein durch BN._ definiert worden (so zuletzt in Urk. 135
S. 14), hält die Vorinstanz zu Recht die beim Beschuldigten sichergestellten
Abrechnungen für den Dienst BJ._ BW._ an ihn respektive an die
G._ entgegen (Urk. 45/106, Ordner 28). Ebenso finden sich in den Akten
- 19 -
Mailschreiben an den Beschuldigten respektive die G._ betreffend Anpas-
sung der Kosten der einzelnen Keywords ("Cost per click") und betreffend Ab-
lehnung von Keywords oder Anzeigen (Urk. 45/102 und 45/105, Ordner 28).
2.2.4. In einer Mehrzahl der Fälle sei bei BJ._-Anfragen mit dem Suchbe-
griff "BV1._" als erstes Anzeige-Resultat die "24/7 BV1._ Hotline" ge-
listet worden. Entsprechendes gelte für die Online-Telefonverzeichnisse
BR._.ch und BU._.ch. Zwar seien die Domainnamen der BV._
Inc. (BV._.com und BV._.ch) einem Durchschnittskonsumenten be-
kannt. Dennoch sei davon auszugehen, dass eine Vielzahl an BV._-
Kunden bei Anfragen über BJ._.ch, BU._.ch und BR._.ch zuerst
auf die Mehrwertdienstnummer des Beschuldigten gestossen sei. Wenig ver-
sierten Internetzbenutzern falle es zudem schwer zu erkennen, dass URLs (im
allgemeinen Sprachgebrauch Internet- oder Webadressen), die etwa auf
BV1._.de.com enden, nicht der First-Level-Domain BV._.com zuzu-
rechnen seien (Urk. 110 S. 57 - 58). Diese Erwägungen sind aufgrund der be-
reits thematisierten Suchresultate und unter anderem mit Blick auf die in den
Akten liegenden Gesprächsaufzeichnungen (etwa Urk. 16/6, Beilage 11, Ord-
ner 1) zutreffend. Macht die Verteidigung geltend, die Nummer sei nicht mit
"24/7 BV1._" beworben oder der Eintrag sei seitens BR._.ch und
BU._.ch eigenmächtig entsprechend umgewandelt worden (Urk. 98 S. 5,
Urk. 135 S. 9 und 12), kann ihr nicht gefolgt werden (vgl. etwa Urk. 29/122,
Urk. 29/124, Urk. 29/151, Ordner 7; Urk. 85 S. 2). In der von der amtlichen Ver-
teidigung eingereichten E-Mail des Beschuldigten vom 30. Juni 2015 an die
zuständige Person bei BR._.ch spricht der Beschuldigte nämlich aus-
schliesslich davon, dass einerseits die Postleitzahl und der Ort aufgrund eines
Updates bei BR._.ch neu doppelt erscheinen würden, und dass anderer-
seits ohne Voranmeldung die Webadressen bei den Einträgen gelöscht worden
seien (Urk. 136/13/1). Betreffend eine eigenmächtige Abänderung des Namens
"24/7 BV1._" ergibt sich daraus hingegen nichts. Nebenbei sei noch er-
wähnt, dass der Beschuldigte sodann die Wiederaufnahme der Webadressen
offensichtlich nicht infolge Abgrenzbarkeit seines Angebots von Dienstleistun-
gen der BV._ Inc. wünschte, sondern da ein Eintrag ohne Webadresse
- 20 -
von BR._.ch zurückgestuft werde (Urk. 136/13/1). Zuletzt liesse sich auch
bei zutreffender Auffassung des Beschuldigten nicht automatisch auch von ei-
ner entsprechenden eigenmächtigen Anpassung der weiteren vom Beschuldig-
ten verwendeten Internettelefonbücher (BU._.ch) ausgehen.
2.2.5. Mit den gewählten Bezeichnungen ("24/7 BV1._", "24 Stunden
7 Tage Hotline", "24h-BV1._.de.com", "247-BV1._.de.com", "247-
BV._.care.de.com", "247-BV1._.ch" etc.) hätten die Nutzer der Mehr-
wertdienstnummer 6 eine während 24 Stunden an sieben Tagen pro Woche
gewährleistete technische Support-Dienstleistung erwarten dürfen. Unter dem
Begriff Support werde eine technische Hilfeleistung verstanden und nicht eine
reine Weitervermittlung. Die Einträge in den Online-Telefonverzeichnissen mit
Postfachadressen an zehn verschiedenen Standorten hätten die Erwartung
geweckt, hinter "24/7 BV1._" stehe eine grössere, personalstarke Unter-
nehmung. Der Beschuldigte habe den Anrufern suggeriert, dass auf der Mehr-
wertdienstnummer im Auftrag der BV._ Inc. ... geleistet werde. Eine Viel-
zahl von Anrufern dürfte darüber hinaus davon ausgegangen sein, die fragliche
Nummer sei die offizielle Hotline der BV._ Inc. (Urk. 110 S. 58 - 60). Zwar
ist teilweise nachvollziehbar, dass der Beschuldigte je einen Eintrag in jeder
der drei schweizerischen Sprachregionen haben wollte, um so Kunden aus al-
len Sprachregionen der Schweiz auf sein Angebot aufmerksam zu machen; es
leuchtet aber nicht ein, weshalb zehn Postfachadressen hätten nötig sein sol-
len, um schweizweit Präsenz zu markieren. Diese Argumentation der Verteidi-
gung (Urk. 98 S. 5 und 45; Urk. 135 S. 19) verwirft die Vorinstanz zu Recht.
Ebenso wenig kann der Verteidigung gefolgt werden, wenn sie ausführt, ledig-
lich die geografisch nahegelegenen Treffer seien angezeigt worden, die "übri-
gen Treffer [würden] gar nicht zur Ansicht gelangen" (Urk. 135 S. 19; vgl. bei-
spielsweise Urk. 29/147, Ordner 7). Der Verteidigung ist betreffend die Verfol-
gung einer schweizweiten Präsenz jedoch insoweit beizupflichten, als die zahl-
reichen Einträge die Suchresultate positiv beeinflussten und damit mittelbar zu
einer weiten Präsenz führten. Es trifft sodann zu, dass unter "Support" (laut
Duden "Unterstützung, Hilfe"; Duden, Die deutsche Rechtschreibung, Band 1,
27. Aufl. 2017, S. 1079) in aller Regel mehr verstanden respektive erwartet
- 21 -
wird als eine blosse Weitervermittlung (so aber die Verteidigung, Urk. 98 S. 10
f. und 45; Urk. 135 S. 18). Die vorinstanzlichen Erwägungen können über-
nommen werden. Mit Blick auf die Anklage (Urk. 53 S. 3) ist auch hier präzi-
sierend festzuhalten, dass auf den verknüpften Webseiten 247-
BV1._.ch/... und 247-BV1._.de.com ein Hinweis auf die G._
einzig in den letzten Menüpunkten "Contact" und "Impressum" angebracht war.
Dass sodann jeder durchschnittliche Nutzer beim Anklicken des Suchresul-
tats "zwangsläufig immer auf die vorgenannten Webseiten" gelangt sei und
danach – unter anderem auch, da es sich um eine Second-Level-Domain ge-
handelt habe – realisiert haben müsse, dass es sich beim Angebot des Be-
schuldigten nicht um die offizielle BV1._ Hotline handeln könne (Urk. 135
S. 9), trifft nicht zu: Den Abbildungen der Suchresultate kann entnommen wer-
den, dass die Internetseite des Beschuldigten auf den Suchresultaten teilweise
gar nicht ersichtlich war und die Kunden entsprechend nicht ohne erheblichen
eigenen Aufwand auf die Internetpräsenz des Beschuldigten stossen konnten
(Urk. 29/144-154, Ordner 7). Diese Suchresultate stammen überdies mehrheit-
lich von der Zeit zwischen dem 26. August 2013 und dem 12. Juni 2014
(Urk. 29/144-150, Ordner 7) und somit deutlich vor der E-Mail des Beschuldig-
ten vom 30. Juni 2015, in welcher er gegenüber BR._.ch eine Änderung
der Einträge beanstandete (Urk. 136/13/1). Es ist zudem gerichtsnotorisch,
dass es die besagten Internettelefonbücher auch als Applikationen (umgangs-
sprachlich "Apps") für Mobiltelefone gibt, welche sodann ein direktes Wählen
der Nummer mittels eines "Anrufen"-Buttons ermöglichen, weshalb der allfällig
daneben abgebildeten Internetseite eine noch geringere Wichtigkeit zukommen
dürfte (vgl. zum Argument der Verteidigung, wonach es für alle ein Leichtes ge-
wesen sei, die offiziellen Webseiten etwa der BV._ Inc. von den Webseiten
des Beschuldigten zu unterscheiden, auch E. IV.1.3).
2.2.6. Belegt ist, dass laut BF._ hinter der Mehrwertdienstnummer 6 die
VoIP-Nummer 8 geschaltet war (Urk. 38/1/1, Beilage, und Urk. 38/1/5, Beilage,
Ordner 20). Die Vorinstanz gelangt zur Überzeugung, dass die Anrufer der
Mehrwertdienstnummer 6 mehrheitlich direkt zu den offiziellen BV._-
Hotline-Nummern umgeleitet wurden. Bei persönlicher Entgegennahme der
- 22 -
Anrufe sei die Weiterleitung nach kurzer, belangloser Unterhaltung und – in
nahezu allen Fällen – ohne sachdienliche Beratung erfolgt. Dazu würdigt die
Vorinstanz in erster Linie die Aussagen des Beschuldigten und von BT._
(Leiter der I._ AG, bei welcher die hinter der Mehrwertdienstnummer 6
stehende VoIP-Nummer 8 registriert war) sowie die Ergebnisse der Echtzeit-
überwachung.
Der Beschuldigte vertrat den Standpunkt, er habe eine qualitativ hochstehende
Support-Dienstleistung angeboten. Seine Hotline während 24 Stunden und an
sieben Tagen pro Woche sei einzigartig und biete einen Mehrwert für die Kun-
den. Um die Qualität seiner Dienstleistung sicherzustellen, habe ausschliess-
lich er selbst die Anrufe auf die Mehrwertdienstnummer entgegengenommen.
Gegebenenfalls seien die Kunden mit einer Bandansage informiert worden,
dass sie in fünf bis zehn Minuten wieder anrufen sollten. Es sei sein Ziel, die
Kunden direkt zu bedienen. Teilweise verweise er die Anrufer mündlich an die
Hersteller oder ziehe falls gewünscht den Hersteller durch ein Konferenzge-
spräch bei. Die G._ verbinde keine Kunden direkt mit den Herstellern.
Technische Fehler könne man aber nie ausschliessen. Eine indirekte Weiterlei-
tung über eine Nummer der BG._ auf die BV._-Hotline sei wegen des
Aufbaus von IVRs ("Interactive Voice Response"-Systemen) erfolgt. Da das
IVR im Aufbau gewesen sei, sei temporär auf die BV._-Hotline umgeleitet
worden. Es sei die BG._ gewesen, welche die Anrufer an die BV._-
Hotline weiterverwiesen habe. Er selbst habe nicht gewusst, was mit Anrufen
passiert sei, welche die BG._ bzw. BN._ nicht entgegengenommen
habe. Auch nach dem Aufbau des IVR hätten die Anrufe weiter auf die offizielle
Hotline weitergeleitet werden müssen. Die Vorinstanz bezeichnet diese Schil-
derungen als widersprüchlich. So habe der Beschuldigte zu Beginn erklärt, aus
Qualitätsgründen die Anrufe stets selbst entgegengenommen und für die nicht
abgenommenen Anrufe eine Bandansage installiert zu haben. Auf Vorhalt des
Untersuchungsergebnisses, wonach Anrufer auf die Mehrwertdienstnummer di-
rekt mit Mitarbeitern der offiziellen BV._-Hotline gesprochen hätten, habe
er seine Erklärungen offensichtlich angepasst. Die Vorinstanz zieht den
Schluss, dass der Beschuldigte über die Weiterleitungen der BG._ auf die
- 23 -
BV._ Hotline Kenntnis haben musste. Sie würdigt dabei seine wider-
sprüchlichen Aussagen. Die Verteidigung bezeichnet diese Würdigung als ak-
tenwidrig (Urk. 135 S. 21). Dem muss widersprochen werde: In der staatsan-
waltlichen Einvernahme vom 7. Oktober 2016 sagte der Beschuldigte aus-
drücklich aus, dass hinter der Mehrwertdienstnummer – wenn auch temporär –
die Telefonnummer 9 der BG._ geschalten war, welche die Anrufer auf die
Hotline der BV._ Inc. verwies. Er war sich somit der Weiterleitungen durch
die BG._ bewusst (Urk. 16/8 S. 6 ff., Ordner 2)
Die Aussagen des Beschuldigten stünden zudem in wesentlichen Punkten im
Widerspruch zu den Schilderungen von BT._, dem Leiter des Kunden-
dienstes der I._ AG. Aus seinen Aussagen gehe hervor, dass aufgrund
der Gesprächsdaten von der auf die BG._ registrierten VoIP-Nummer 10
direkte Weiterleitungen erfolgt seien. Der Zeuge habe zudem Konferenzschal-
tungen und die Einrichtung eines IVR-Systems ausgeschlossen.
Die Ergebnisse der Echtzeitüberwachung würdigt die Vorinstanz wie folgt. Die
Zusammenfassung der zweimonatigen Echtzeitüberwachung ergebe, dass von
1'043 Anrufen 760 Anrufe (über 72%) unmittelbar und 235 Anrufe (über 22%)
nach einem Gespräch des Beschuldigten mit dem Anrufer an die BV._-
Hotlines weitergeleitet worden seien. Letzteres bedeute nichts anderes, als
dass der Beschuldigte in diesen Fällen nicht in der Lage oder nicht gewillt ge-
wesen sei, den Support eigenständig zu leisten. Vielmehr habe sich der Be-
schuldigte bei persönlichen Gesprächen zumeist darauf beschränkt zu erklä-
ren, wo die Seriennummer (IMEI-Nr.) des Geräts zu finden sei. In weniger als
5% der Fälle sei keine direkte oder nachträgliche Weiterleitung an die
BV._-Hotline erfolgt, wobei höchstens bei rund 2-3% aller Anrufe tatsäch-
lich eine Support-Eigenleistung erfolgt sei. Selbst diese Support-
Dienstleistungen hätten sich jedoch vielfach auf eigentliche Banalitäten be-
schränkt (etwa auf die Anleitung, wie ein Reset bei einem iPhone geht). Es be-
stünden keine Zweifel, dass der Beschuldigte nicht nur während der konkret
überwachten Monate, sondern während des ganzen zur Anklage gebrachten
- 24 -
Zeitraums keine oder nur völlig ungenügende Support-Dienstleistungen er-
bracht habe.
Die vorinstanzlichen Erwägungen (Urk. 110 S. 60 - 66) sind nicht zu beanstan-
den. Führt die Verteidigung aus, eine direkte Weiterleitung von 760 der 1'043
Anrufen sei nicht belegt (Urk. 135 S. 22), offenbart die Überwachung das
Gegenteil (Urk. 16/11, Beilage, Ordner 2; Urk. 38/3/18 und 38/3/19, Ordner
20). Weiter hat der Zeuge BT._ entgegen der Verteidigung (Urk. 135
S. 21) direkte Weiterleitungen bestätigt, Konferenzschaltungen und die Einrich-
tung eines IVR-Systems ausgeschlossen und damit den (teilweise ersten) De-
positionen des Beschuldigten widersprochen. Der Einwand der Verteidigung,
der Beschuldigte habe nicht nur ab und an Hilfe geleistet (Urk. 98 S. 10 f.;
Urk. 135 S. 23), dringt bereits mit Blick auf die Zusammenfassung der über-
wachten Gespräche nicht durch (Urk. 16/5, Beilage, Ordner 1). Dass der Be-
schuldigte in den 235 persönlich geführten Gesprächen in einer Vielzahl von
Fällen lediglich den Fundort der sogenannten IMEI-Nr. erklärte, ist belegt (vgl.
beispielsweise Urk 16/5, Beilage, Ordner 1, TPN 30, 32, 52, 87, 89, 91, 92, 97,
143, 146, 164, 179, 180, 183, 184, 295, 310; Urk. 38/3/18 und 38/3/19, Ordner
20). Es bleibt zu wiederholen, dass 72% der Anrufe direkt an die BV._-
Hotline weitergeleitet wurden, ebenso 83% der Anrufe, die der Beschuldigte
entgegennahm. Es kann mithin keine Rede davon sein, dass es sich laut Ver-
teidigung um die Entgegennahme "äusserst vieler Anrufe" gehandelt und der
Beschuldigte "unzählige Kunden" beraten hätte (Urk. 98 S. 27, 29, 44 und 46).
Seine heute nachgeschobene Erklärung, eine Verletzung des Handgelenks sei
schuld daran gewesen, dass im Abhörzeitraum keine Leistungen erbracht wer-
den konnten (Urk. 135 S. 22), ist als reine Schutzbehauptung zu sehen. So ist
einerseits nicht ersichtlich, wie die Bedienung eines Telefons durch eine ent-
sprechende Verletzung massgeblich beeinträchtigt gewesen sein soll, zumal
die vollständige Arbeitsunfähigkeit lediglich zehn Tage gedauert hat
(Urk. 136/8/1-2). Andererseits brachte der Beschuldigte an der Berufungsver-
handlung selber vor, dass er bereits seit rund neun Jahren an der besagten
Verletzung des Handgelenks leide (Urk. 142 S. 5). So beschreibt einer der ein-
gereichten UVG-Unfallscheine in der Tat eine Arbeitsunfähigkeit von 50% seit
- 25 -
dem 30. Juni 2008 (Urk. 136/8/2). Trotz dieser teilweisen Arbeitsunfähigkeit
und der andauernden Beeinträchtigung seines Handgelenks hat sich der Be-
schuldigte dazu entschlossen, telefonische IT-Support-Dienstleistungen anzu-
bieten und hat zeitlich nachfolgend entsprechende Mehrwertdienstnummern
auf seinen Namen registrieren lassen und unbestrittenermassen bereits vor
dem relevanten Tatzeitraum entsprechende Handlungen vorgenommen. Hätte
ihn diese Verletzung in der Tat so stark an der Erbringung von telefonischen
Dienstleistungen gehindert, wie er glaubhaft machen will, dann wäre davon
auszugehen, dass er sich von Anfang an nicht diesem Geschäftsmodell zuge-
wandt hätte.
Unterstreicht die Verteidigung wiederholt, die Kunden hätten teilweise die ho-
hen Anrufkosten, nie aber den Service an sich kritisiert (Urk. 98 S. 5 f., 11, 14
und 47 f.) respektive es habe nur sehr wenige Kundenreklamationen gegeben
(Urk. 135 S. 18), ist ihr zwar beizupflichten. Nachdem über 90% der Anrufer direkt
oder nachträglich an die offiziellen Hotlines gelangten, trug der Beschuldigte dazu
aber nichts bei. Bringt die Verteidigung an der Berufungsverhandlung neu vor,
selbst die Kosten seien nie beanstandet worden (Urk. 135 S. 28), steht dies im
Widerspruch zu ihren eigenen Ausführungen sowie zu den Akten (vgl. beispiels-
weise Urk. 26/2/1, Ordner 4). Überdies ist es auch nicht weiter erstaunlich, dass
sich die Kunden des Beschuldigten nicht wegen Kosten von oftmals weit weniger
als Fr. 20.– in einem mehrjährigen Strafverfahren als Privatkläger konstituiert oder
Strafanzeige erstattet haben. Daher kann entgegen der etwas überspitzten Aus-
sage der Verteidigung nicht alleine aufgrund der Tatsache, dass sich keine Anru-
fer im vorliegenden Strafverfahren beteiligten, darauf geschlossen werden, dass
alle Kunden mit den Dienstleistungen des Beschuldigten und den dafür verrech-
neten Kosten zufrieden bzw. vorbehaltlos einverstanden gewesen seien (Prot. II
S. 17).
2.2.7. Die von der Kantonspolizei erstellte Übersicht der Echtzeitüberwachung
der Nummer 8 (Urk 16/5, Beilage, Ordner 1) gliedert die über 1'100 Anrufe in
verschiedene Kategorien ("direkte Weiterleitungen zu BV._ Care", "nach-
trägliche Weiterleitungen zu BV._ Care", "keine Weiterleitung", "doppelt
- 26 -
gespeicherte Gespräche", "keine Gespräche", "unbekannt" und "defekt"). Der
mit der Überwachung betraute Polizeibeamte BS._ erklärte als Zeuge die
Art und Weise der Zusammenfassung und die Funktionsweise des für die Ab-
hörung verwendeten Systems ISS (Interception System Schweiz). So hielt der
Zeuge etwa fest, die doppelt gespeicherten Gespräche seien vermutlich durch
eine Unterbrechung beim Abspeichern erfolgt. Damit nichts verloren gehe,
werde noch einmal aufgezeichnet (Urk. 18/1 S. 5 f. und 10, Ordner 3). Hält die
Vorinstanz fest, die geradezu penible Erfassung und Kategorisierung der Feh-
ler zeige auf, dass die Zusammenfassung der Telefonkontrolle gewissenhaft
und zuverlässig erfolgt sei, trifft dies ohne Weiteres zu.
Gleiches gilt, soweit der Beschuldigte respektive die Verteidigung die oben er-
wähnte Zusammenfassung in mehreren Punkten kritisieren. So wurde ange-
führt, es ergebe keinen Sinn, dass manche Anrufer etliche Male hintereinander
oder zu verschiedenen Zeiten nur für ein paar Sekunden angerufen hätten. Die
in der Zusammenfassung der Telefonkontrolle aufgeführten Rufnummern wür-
den nicht wie in der Schweiz üblich mit "0", "00" oder "+" beginnen. Es sei bei
Nichtannahme der Anrufe keine standardmässige Weiterleitung, sondern eine
Bandansage erfolgt. Die Gespräche seien nicht vollständig abgehört worden.
Letzteres hat der Zeuge BS._ glaubhaft widerlegt, der festhielt, die Ge-
spräche von Anfang an bis zur Beratung durch die BV._ Inc. abgehört zu
haben (Urk. 18/1 S. 6 f., Ordner 3). Im Übrigen hat die Vorinstanz die Einwän-
de überzeugend und im Detail entkräftet. Dies gilt auch, soweit sie die während
einer staatsanwaltschaftlichen Befragung auf Aufforderung des Beschuldigten
hin abgehörte Bandansage darauf zurückführt, dass die fragliche Konfiguration
zwischenzeitlich respektive unmittelbar vor der Verhaftung des Beschuldigten
manipuliert worden war (Urk. 110 S. 70 ff. mit Hinweis auf Urk. 46/3 S. 2, Ord-
ner 29; Urk. 16/4 S. 17, Ordner 1; Urk. 35/1 S. 1, Ordner 14; Urk. 16/8 S. 14 f.,
Ordner 2; Urk. 16/8, Beilage 3, Ordner 2). Zwar trifft mit der Verteidigung zu,
dass eine entsprechende Konfigurationsänderung den "Activity-Log-Daten"
nicht zu entnehmen ist (Urk. 98 S. 16 f.; Urk. 135 S. 24; vgl. Urk. 34/52, Beila-
ge, Ordner 13). Jedoch springt ins Auge, dass die Anrufe auf die Nummer 6
respektive 8 ab dem Tag der Verhaftung des Beschuldigten (17. August 2016)
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mit wenigen Ausnahmen eine Anrufdauer von 00:00 aufweisen, was vor dem
besagten Datum ebenfalls mit wenigen Ausnahmen nicht der Fall war
(Urk. 16/8, Beilage 3, Ordner 2). Dieses Moment wie auch die anderen von der
Vorinstanz aufgezeigten Umstände sind dahingehend zu würdigen, dass eine
Bandansage nachträglich (unmittelbar vor der Verhaftung des Beschuldigten)
installiert wurde. Dies wird untermauert durch den Umstand, dass der Beschul-
digte der Polizei am Morgen (06:25 Uhr) des 17. August 2016, an welchem die
Polizei bei seiner Wohnung erschien, um ihn festzunehmen, die Wohnungstüre
trotz mehrminütigem Klingeln nicht aufmachte, sodass ein Schlüsseldienst ge-
holt werden musste. Vom Balkon der Nebenwohnung konnte bis zum Zeitpunkt
der Türöffnung durch den Schlüsseldienst beobachtet werden, wie der Be-
schuldigte mit über den Kopf gezogener Bettdecke im Bett lag. Nachdem der
Schlüsseldienst rund eine Stunde später (07:25 Uhr) eintraf und das Tür-
schloss aufgebohrt werden konnte, wurde der Beschuldigte verhaftet. In der
auf die Verhaftung folgenden Hausdurchsuchung konnte sodann ein iPhone 5
inkl. Ladekabel unter seinem Kopfkissen sichergestellt werden (Urk. 46/3 und
Urk. 46/5, Ordner 29; Urk. 49/2 S. 2, Ordner 30). Dieses Verhalten des Be-
schuldigten sowie die grösstenteils veränderte Anrufzeit im Nachgang zur Ver-
haftung sind Indiz genug dafür, dass eine Änderung der Einstellungen stattge-
funden haben muss. Solches geht aber auch mit dem Ergebnis der Echtzeit-
überwachung und den Aussagen des Polizeibeamten BS._ einher, der zu
keinem Zeitpunkt eine Bandansage des Beschuldigten schilderte. Soweit die
Vorinstanz weiter unterstreicht, die vom Beschuldigten behauptete Weiterlei-
tung zu BN._ sowie die Weiterleitungen in Form von Konferenzgesprä-
chen könnten aufgrund der Telefonüberwachung ausgeschlossen werden, trifft
dies zu. BN._ und der Beschuldigte sind nach der Weiterleitung nicht
(mehr) zu hören. Ebenfalls nicht zweifelhaft ist, dass die direkten Weiterleitun-
gen zu jeder Uhrzeit und auch ausserhalb der Betriebszeiten der offiziellen
Hotlines vorgenommen wurden (vgl. beispielsweise Urk 16/5, Beilage, Ordner
1, TPN 354, 356, 433, 434, 436) und bei persönlicher Entgegennahme aus-
serhalb der Betriebszeiten die Anrufenden aufgefordert wurden, am nächsten
Tag wiederum die vom Beschuldigten betriebene Mehrwertdienstnummer zu
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wählen (vgl. beispielsweise Urk 16/5, Beilage, Ordner 1, TPN 58, 84, 85, 700).
Schlussfolgert die Vorinstanz, der anklagerelevante Sachverhalt sei erstellt
(Urk. 110 S. 66 - 74), so ist dem beizupflichten.
2.2.8. Die Anrufe habe der Beschuldigte jeweils mit "G1._" entgegenge-
nommen, ohne seinen eigenen Namen oder den Namen seines Unternehmens
zu nennen. Auf konkrete Nachfrage habe der Beschuldigte angefügt, der Anru-
fer sei mit "G1._ für BV._-Produkte" verbunden. Erst auf mehrmali-
ges Nachfragen habe der Beschuldigte offengelegt, ein unabhängiger Drittan-
bieter zu sein. Der Beschuldigte habe bewusst den Eindruck erweckt, der An-
rufer sei mit einem Mitarbeiter der BV._ Inc. oder zumindest mit einem au-
torisierten BV._-Dienstleistungserbringer verbunden. Diese Feststellungen
(Urk. 110 S. 75 - 78) sind richtig und spiegeln sich beispielshaft in folgenden
zwei Gesprächen wider.
Gespräch vom 25. März 2016, 11:48:22 Uhr (Urk. 16/6, Beilage 11, Ordner 1): Beschuldigter: G1._, guten Tag Anrufer: [...] wo bin ich bei welchem Support? Beschuldigter: Sie sind bei G1._ für BV._ Produkte, wie kann ich Ihnen weiterhelfen? Anrufer: Ah, dann habe ich völlig eine falsche Nummer gewählt, Entschuldigung, ich woll-
te eigentlich BV._. Beschuldigter: Ja, Sie sind eben bei G1._ für BV._ Produkte. Anrufer: Ach, da bin ich doch sogar am richtigen Ort. Ah, nicht schlecht, hätte ich jetzt
nicht gedacht. Gut, also, es geht um Folgendes [...]
Gespräch vom 26. März 2016, 21:27:44 Uhr, DVD Media 8, 2016_03_26, H21,
Urk. 38/3/19, Ordner 20: Beschuldigter: Wir sind schon 24 Stunden erreichbar. Aber die Abteilung, die das überprüfen
kann, ob die Antworten stimmen, BV._ Care, die ist erst wieder morgen ab 10 Uhr wieder erreichbar [...]. Ich muss Sie bitten, morgen uns nochmals zu .
Das zweitgenannte Gespräch zeigt entgegen der Verteidigung (Urk. 135 S. 26)
auch, dass der Beschuldigte BV._ Care als Abteilung bezeichnete und
damit als eine Organisationseinheit der vom Anrufer über die Mehrwertdienst-
nummer kontaktierten Stelle. Meint die Verteidigung, das Verhalten des Be-
schuldigten am Telefon sei in keiner Weise vergleichbar mit den Herstellern
(Urk. 98 S. 48), ist das Gegenteil der Fall.
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Die Gesprächsgebühr von Fr. 1.99 pro Minute hielt der Beschuldigte auf seinen
Webseiten, in den Einträgen der Online-Telefonverzeichnisse und teilweise
während der Gespräche fest. Diese Gebühr wurde den Anrufern auch für die
Zeit belastet, während der sie nach der Weiterleitung mit den offiziellen Hot-
lines verbunden waren. Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, er habe die
Anrufer darüber im Dunkeln gelassen, ebenso über die tieferen Kosten der of-
fiziellen BV._-Rufnummern. Dies trifft mit der Vorinstanz zu (Urk. 110
S. 78 - 80). Die weitergehenden vorinstanzlichen Erwägungen betreffen nicht
den Anklagesachverhalt, sondern tangieren die rechtliche Würdigung (vgl. da-
zu E. IV.1.).
2.2.9. Der Beschuldigte habe seine Dienstleistungen in den Domainnamen, auf
den Webseiten und in den Online-Telefonverzeichnissen als "24/7 BV1._"
und "24/7 BV._ Care" bezeichnet und die Rangfolge seiner Einträge auf
BJ._.ch und in den Telefonverzeichnissen optimiert. Dadurch habe er
den Anrufern auf die Mehrwertdienstnummer 6 suggeriert, sie würden eine offi-
zielle Dienstleistung der BV._ Inc. in Anspruch nehmen (Urk. 110 S. 80 -
81). Dies ist erstellt (E. III.2.2.5 vorstehend). Es ist mit der Vorinstanz zudem
notorisch, dass BV._ Care eine von der BV._ Inc. angebotene Sup-
port-Dienstleistung meint und sich der Beschuldigte auch insoweit an die
BV._ Inc. anlehnte.
Führt man sich vor Augen, dass in weniger als 5% der Fälle keine direkte oder
nachträgliche Weiterleitung an die BV._-Hotline erfolgte, bestehen auch
keine rechtsrelevanten Zweifel an folgendem Anklagesachverhalt. Hätten die
Anrufer gewusst, dass der Beschuldigte sie direkt oder nach einem kurzen Ge-
spräch an die offiziellen Hotlines weiterleitet und dabei die Verbindung zur
Mehrwertdienstnummer aufrechterhalten blieb, hätten die Kunden direkt die
kostenlosen oder kostengünstigeren Hotlines gewählt. Gegenteiliges ist nicht
plausibel. Der Beschuldigte vertrat dazu zusammengefasst den Standpunkt,
viele Hersteller würden die Kunden an ihre Webseiten verweisen, ohne die ei-
gene Telefonnummer zu bewerben. Was er anbiete, sei ein Mehrwert für die
Kunden, eine Weiterleitung zum jeweiligen Hersteller mit einem Konferenzge-
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spräch (Urk. 16/8 S. 3 f. und 11, Ordner 2). Die Kunden seien gewillt, eine kos-
tenpflichtige Mehrwertdienstnummer zu wählen, anstatt lange online zu suchen
oder Handbücher zu durchsuchen (Urk. 16/9 S. 10, Ordner 2). Auch die Vertei-
digung argumentierte, es sei sehr schwierig gewesen, im Internet eine Tele-
fonnummer von einer BV._-Hotline zu finden. Bereits die Vermittlung der
richtigen Anlaufstelle für ein Problem, welches der Beschuldigte selbst nicht
habe lösen können, sei eine grosse Hilfe gewesen (Urk 98 S. 11; Urk. 135
S. 18 und 27). Diese Darstellungen überzeugen nicht. Entgegen den Ausfüh-
rungen der Verteidigung leitete der Beschuldigte den grössten Teil der Anrufer
direkt weiter, wobei er entgegen seinen Beteuerungen nicht etwa Konferenz-
gespräche führte. Es darf wie erwähnt angenommen werden, die Kunden hät-
ten im Wissen darum die Hersteller direkt kontaktiert. Die Kontaktdaten des of-
fiziellen BV1._ waren im Übrigen nicht erst heute, sondern bereits im Tat-
zeitraum mittels einfacher Internetrecherche erhältlich (vgl. beispielsweise
Urk. 29/25 S. 1, Ordner 7). Selbst die Verteidigung unterstreicht, jeder Käufer
eines BV._-Produktes bekomme ein Begleitschreiben mit den relevanten
Telefonnummern des BV1._ (Urk. 98 S. 9; Urk. 135 S. 17) und es sei für
die Kunden ein Leichtes gewesen, die offizielle BV._-Hotline im Internet
zu finden (Urk. 135 S. 36). Träfe die Sichtweise des Beschuldigten zu, hätte er
transparent auftreten oder die Kunden zu Beginn jedes Gesprächs darauf hin-
weisen können, dass es sich bei den von ihm angebotenen Dienstleistungen
nicht um eine Dienstleistung des offiziellen Herstellers handelte. Genau dies
sicherte der heutige amtliche Verteidiger des Beschuldigten in einem Schrei-
ben an einen abmahnenden Rechtsvertreter der BV._ Inc. sodann auch
zu: "Entgegen Ihrer Ansicht lässt meine Mandantin [G._] ihre Kunden aber
keineswegs im Glauben, dass ihre Mehrwertdienste oder ihre Hotline von
BV._ Inc. oder einem lizenzierten Service-Partner von BV._ Inc. er-
bracht werden bzw. betrieben wird. [...]. Schliesslich werden die Kunden mei-
ner Mandantin bei ihrem Anruf sogar noch explizit darauf hingewiesen, dass es
sich um von BV._ Inc. unabhängige Dienstleistungen handelt" (Urk. 2/12
S. 2, Ordner 1). Dass dies jedoch nicht der Fall war, wird durch den Inhalt der
überwachten Anrufe, und insbesondere durch die beiden weiter oben aufge-
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zeigten Beispiele, klar bestätigt (vgl. E. III.2.2.8. vorstehend). An dieser Stelle
sei auch erneut erwähnt, dass die anrufenden Kunden – entgegen der Darstel-
lung der Verteidigung – entweder die Internetadresse des Beschuldigten in den
Telefonverzeichnissen gar nicht sehen konnten, und zudem, falls dies etwa
über die Suchresultate bei BJ._ doch der Fall gewesen ist, auch nicht da-
zu verpflichtet waren, weitere Nachforschungen über das Angebot des Be-
schuldigten vorzunehmen (vgl. E. III.2.2.4.), zumal der Beschuldigte durch
Verwendung der (Second-Level-)Domain mit der Bezeichnung "BV._" und
der Bezeichnung "24/7 BV1._" den Anschein erweckte, dass es sich eben
um ein Angebot der BV._ Inc. handelte. Dass bei seinen Kunden aufgrund
seines Auftritts der Eindruck entstehen könne, dass die Dienstleistung von der
BV._ Inc. oder einer von dieser beauftragten Firma erbracht wird, wurde
dem Beschuldigten zudem bereits im Februar 2014 in einer Notiz zur rechtli-
chen Beurteilung des Geschäftsmodells der G._, verfasst durch die
Rechtsanwälte Dr. BX._ und BY._, ausdrücklich mitgeteilt. Sie
schrieben: "Vorliegend könnte die Vorspiegelung von Tatsachen bzw. die Un-
terdrückung von Tatsachen durch aktives Tun darin bestehen, dass dem Kun-
den der Eindruck vermittelt wird, der von ihm beanspruchte und zu bezahlende
Support-Dienst stamme direkt von der Firma BV._ oder von einem Anbie-
ter, der in irgendeiner rechtlichen Beziehung zur Firma BV._ stehe.
G._ wird weder im Eintrag von BR._.ch noch anlässlich des Telefon-
gesprächs als derjenige Dienstleistungserbringer aufgeführt, der die gesamte
Gebühr einnimmt, obwohl er die eigentliche Support-Dienstleistung gerade
eben nicht erbringt" (Urk. 45/7 S. 4, Ordner 28). Die daraufhin vorgeschlage-
nen Anpassungen am Geschäftsmodell und am Werbeauftritt der G._
wurden vom Beschuldigten trotz dieses Hinweises allesamt nicht umgesetzt.
2.2.10. Das Weiterleitungssystem, welches der Beschuldigte installiert haben
soll, veranschaulicht die Staatsanwaltschaft anhand einer Graphik (vgl. Urk. 53
S. 10). Zu diesem System wurde der Leiter des Kundendienstes der I._
AG, BT._, als Zeuge befragt. Seine Ausführungen betreffend die Konfigu-
ration der Nummer 8 auf Nr. 11, die ihm vorgehaltenen Anrufbeispiele
(Urk. 18/3, Beilage 8, Ordner 3) sowie die Weiterleitungen der Anrufe vom Mo-
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biltelefon des Beschuldigten (Telefon Nr. 12) bei Nichtannahme und manuell
bei Entgegennahme an die offiziellen Hotlines hat die Vorinstanz sorgfältig zu-
sammengefasst. Soweit die Verteidigung in Bezug auf die genannten drei Bei-
spiele beanstandet, es bestünden zeitliche Diskrepanzen und die Weiterleitun-
gen entsprächen nicht dem von der Staatsanwaltschaft dargestellten Ablauf
(Urk. 98 S. 18 ff.; Urk. 135 S. 29), hat die Vorinstanz dies im Detail widerlegt.
Verweist sie etwa in Bezug auf das Beispiel 2 (Urk. 18/3, Beilage 8, Ordner 3) auf
das überwachte Gespräch des Beschuldigten mit dem Kunden während einer Mi-
nute und fünf Sekunden (Urk. 16/5, TPN 224, Ordner 1), treffen ihre Erklärungen
zu. Richtig ist auch, dass eine sekundengenaue Übereinstimmung auch deshalb
nicht zu erwarten ist, weil die unterschiedlichen VoIP-Anbieter in den Zeitangaben
leicht variieren (Urk. 32/1 S. 3, Ordner 9). In allen drei Beispielen ist etwa eine di-
rekte Weiterleitung von der Festnetznummer der G._ (Nr. 11) auf das Mobil-
telefon des Beschuldigten (Nr. 12) und unmittelbar respektive eine Minute spä-
ter die Weiterleitung zur BV._-Hotline als Endzielnummer klar abgebildet.
Wenn die Vorinstanz als erstellt erachtet, dass bei Nichtannahme der auf die Nr. 6
(respektive Nr. 8) erfolgten Anrufe über das Mobiltelefon des Beschuldigten (Nr.
12) eine direkte Weiterleitung (über eine auf die BG._ registrierte VoIP-
Nummer) auf die BV._-Hotline erfolgte und bei Entgegennahme die Weiter-
leitung an die BV._-Hotline manuell ausgelöst wurde, ist dem aufgrund des
Gesamtbildes der Telefonverbindungen nichts beizufügen. Irrelevant ist auch, ob
dies über die Weiterleitung auf die VoIP-Nummern der BG._ mit einer zu-
sätzlichen Schlaufe erfolgte. Die vorinstanzlichen Erwägungen können übernom-
men werden (Urk. 110 S. 82 - 87). Der Beschuldigte anerkannte, dass die Mehr-
wertdienstnummer Nr. 6 auf die VoIP-Nummer 8 geschaltet war und diese auf Nr.
11 und dann auf Nr. 12 weitergeleitet wurde (Urk. 16/4 S. 4, Ordner 1; Urk. 16/8
S. 4 f., Ordner 2). Hingegen erwähnte er dazu in den Befragungen, es sei über ei-
ne weitere Mobiltelefonnummer eine zusätzliche Schlaufe eingeleitet worden.
Nach der zweiten Abfolge sei eine Bandansage erfolgt mit der Aufforderung, in
fünf bis zehn Minuten wieder anzurufen. Die später eingeräumten Weiterleitungen
an die BG._ seien wegen eines Aufbaus eines IVR-Systems und die Be-
schaffung zusätzlicher Ressourcen erfolgt. Diese Aussagen sind mit der Vo-
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rinstanz widersprüchlich (Urk. 110 S. 87 - 88; vgl. bereits vorstehend E. III.2.2.6.
und 2.2.7. vorstehend). Sie vermögen das beschriebene Weiterleitungssystem
nicht in Frage zu stellen.
2.2.11. Das Weiterleitungssystem respektive die Weiterleitung auf die zweite
bei der BG._ registrierte Zielnummer sowie die Weiterleitung davon zur
BV._-Hotline sei teilweise mehrmals pro Tag abgeändert worden. Auch
habe es Abstände von bis zu rund zwei Wochen gegeben (Urk. 110 S. 88 -
89). Dies trifft zu und ist einzig dahingehend zu präzisieren, dass ganz verein-
zelt die Mutationen nach über einem Monat erfolgten (Urk. 18/3, Beilagen 1-4,
Ordner 3).
2.2.12. Das Untersuchungsergebnis brachte zu Tage, dass Anrufer auf die
Mehrwertdienstnummer direkt mit Mitarbeitern der offiziellen BV._-
Hotlines sprachen. Der Beschuldigte konnte deshalb an seiner ursprünglichen
Erklärung nicht mehr festhalten, sämtliche Anrufe aus Qualitätsgründen per-
sönlich entgegengenommen und im Übrigen eine Bandansage installiert zu
haben (E. III.2.2.6.). Soweit er in der Folge versuchte, die Verantwortung für
die Weiterleitungen zu den offiziellen Hotlines auf BN._ abzuwälzen, fie-
len auch diese Aussagen unstetig aus. So gab der Beschuldigte beispielsweise
an, es sei die BG._ gewesen, welche die Anrufer an die BV._-Hotline
verwiesen habe. Für die Schaltung der Nummern der BG._ sei BN._
verantwortlich gewesen. Er (der Beschuldigte) habe nicht gewusst, was mit
Anrufen geschehen sei, welche die BG._ respektive BN._ nicht ent-
gegengenommen habe. Im Widerspruch dazu gab er an, sich ca. alle zwei Wo-
chen mit BN._ getroffen zu haben, um die Abläufe zu besprechen und die
Schaltungen für das IVR-System zu vereinbaren. Die Änderungen in den Um-
leitungen seien anlässlich von gemeinsamen Treffen mit BN._ vorge-
nommen worden. Die Vorinstanz hat diese Aussagen des Beschuldigten sorgfäl-
tig und vollständig zusammengefasst. Würdigt sie die Erklärungen als wider-
sprüchlich und ausweichend, ist dies korrekt und es kann darauf verwiesen wer-
den (vgl. Urk. 110 S. 89 - 90). Will der Beschuldigte neu seine ersten Aussa-
gen deshalb gemacht haben, um BN._ nicht zu belasten, überzeugt diese
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weitere und nachgeschobene Erklärung nicht (Urk. 135 S. 31). Auch die doku-
mentierten Anpassungen der Nummer 8 (VoIP-Nummer der G._) und der
Nummer 10 (VoIP-Nummer der BG._) widerlegen die Sichtweise des Be-
schuldigten zweifelsohne. Die auf der Nummer 8 hinterlegte Umleitung wurde
beispielsweise am 10. Oktober 2015 um 00.15 Uhr geändert. Lediglich 6 und
18 Minuten später erfolgten Anpassungen auf der Nummer 10. Für die Anpas-
sungen wurde die identische IP-Adresse benutzt. Gleiches gilt im Übrigen auch
für die Nummer 13 (VoIP-Nummer der BG._), die in der gleichen Nacht
um 00.01 Uhr mittels der identischen IP-Adresse geändert wurde (vgl.
Urk. 18/3, Beilagen 1-4, Ordner 3). Will der Beschuldigte für die eigenen Num-
mern der G._ und BN._ für jene der BG._ besorgt gewesen
sein, ist dies entgegen der Verteidigung (Urk. 135 S. 32) durch die Akten wi-
derlegt. Aber auch wenn der Behauptung, dass man zusammengesessen sei,
und BN._ gleichzeitig unter Verwendung derselben IP-Adresse die Verän-
derungen bei den Nummern der G._ und der BG._ vorgenommen
habe, gefolgt würde, so wirkt sich für den Beschuldigten immer noch belastend
aus, dass dieser, wenn er die anrufenden Kunden nach einem persönlichen
Gespräch an die Anbieter-Hotline hat weiterleiten wollen, diese zuerst an die
Nummer der BG._ und nicht direkt an die entsprechende Hotline weiterge-
leitet hat. Er musste sich somit im Klaren gewesen sein, dass bei der Telefon-
nummer der BG._ eine direkte Weiterleitung an die Hersteller-Hotline in-
stalliert worden war. Hätte er dies nicht gewusst, so hätte er die Kunden,
nachdem er diesen erklärt hatte, dass er sie an die Hersteller-Hotline weiterlei-
ten werde, direkt auf deren Nummer weiterleiten müssen. Solche direkte Wei-
terleitungen von seinem Handyanschluss an die Hotline der BV._ Inc.
(und auch anderer Hersteller) können den Überwachungsunterlagen jedoch
keine entnommen werden. Darüber hinaus stehen seine Behauptungen im Wi-
derspruch zu den überzeugenden Depositionen von BN._. Dieser hielt an-
lässlich der staatsanwaltlichen Einvernahme vom 23. September 2016 als
Auskunftsperson zusammengefasst fest, dass diese Telefonnummern zwar auf
seinen Namen laufen würden, dass er jedoch mit diesen nichts zu tun habe
(Urk. 17/1, Ordner 3). So antwortete er auf den Vorhalt der Staatsanwaltschaft,
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wonach über die VoIP Nummern der BG._ Nr. 14, Nr. 13 und Nr. 10 Anru-
fe an diverse offizielle Support-Hotlines herausgingen, "darüber weiss ich
nichts, was darüber läuft", "ich selber mache mit diesen nichts" (Urk. 17/1 S. 9,
Ordner 3). Wenn die Vorinstanz unter anderem angesichts dieser Aussagen
schlussfolgert, es sei davon auszugehen, dass der Beschuldigte die Abänderun-
gen der Umleitungen auf die verschiedenen Nummern der BG._ und die
Weiterleitung von diesen zu den offiziellen Hotlines eigenhändig und ohne Zutun
von BN._ verwaltete, ist dem beizupflichten, zumal auch nicht behauptet
wird, dass noch weitere Personen damit zu tun gehabt hätten (Urk. 110 S. 91 -
94; Urk. 135 S. 32). Gleiches gilt, soweit sie eine anlässlich der Hauptverhandlung
eingereichte schriftliche Erklärung von BN._ thematisiert. Es ist in der Tat
nicht nachvollziehbar, dass die BG._ wie von der Verteidigung behauptet
(Urk. 98 S. 23; Urk. 135 S. 21) in Eigenregie, ohne den Beschuldigten zu informie-
ren und entgegen dessen Willen, die Anrufer an die offiziellen Hotlines weiterleite-
te, nachdem es wie erstellt der Beschuldigte war, der den Kunden die Weiterlei-
tung (zu den offiziellen Hotlines und nicht etwa zur BG._) mündlich ankündig-
te.
2.2.13. Das vom Beschuldigten betriebene System und die zahlreichen
Änderungen der Weiterleitungen auf die zweite bei der BG._ registrierte
Zielnummer und auf die BV._-Hotline erschwerten offensichtlich, die
Weiterleitung der eingehenden Anrufe auf die Mehrwertdienstnummer zu den
offiziellen Hotlines nachvollziehen zu können. Es ist nicht zweifelhaft, dass der
Beschuldigte damit sein aufwendiges System respektive die standardmässige
Weiterleitung der Anrufer von der Mehrwertdienstnummer auf die offiziellen
Hotlines vertuschen wollte. Dies zeigt sich letztendlich auch aus seinen vagen
und nicht überzeugenden Antworten auf die ebenso konkrete wie einfache
Frage, warum der Anrufer einer Mehrwertdienstnummer nicht über eine Num-
mer der G._ auf eine offizielle Hotline habe gelangen können (vgl.
Urk. 16/8 S. 11 f., Ordner 2).
2.2.14. Auf die Zusammenfassung der Telefonkontrolle und den prozentualen
Anteil der direkt weitergeleiteten sowie der persönlich entgegengenommenen
- 36 -
Anrufe wurde bereits eingegangen. Auch bereits festgehalten ist, dass der
Beschuldigte nur auf wiederholtes Nachfragen offenlegte, unabhängig von der
BV._ Inc. tätig zu sein (E. III.2.2.8.). Ebenso wurde bereits erwähnt, dass
der Beschuldigte etwa den Fundort der sogenannten IMEI-Nr. erklärte und sei-
ne Beratung grundsätzlich nicht darüber hinausging (E. III.2.2.6.). Entspre-
chende Abklärungen erfolgen ohnehin durch die offiziellen Hotlines. Ebenso ist
nicht zweifelhaft, dass der Beschuldigte nicht nur während der konkret über-
wachten Monate, sondern während des ganzen zur Anklage gebrachten fast
einjährigen Zeitraums keine oder nur völlig ungenügende Supportdienstleis-
tungen erbrachte (E. III.2.2.6.). Die entsprechenden vorinstanzlichen Erwägun-
gen (respektive der Anklagesachverhalt) sind in diesem Sinne blosse Wiederho-
lungen (Urk. 110 S. 94 - 96). Die Gespräche zur IMEI-Nr., zur Seriennummer des
Geräts oder zur BV._-ID waren mehrheitlich (wenn nicht belanglos, dann
mindestens) nicht zielführend. Die entsprechende Motivation des Beschuldigten
kann deshalb mit der Vorinstanz darin gesehen werden, die Gesprächszeit zu ver-
längern und damit Einkommen aus den Anrufgebühren zu generieren.
2.2.15. Soweit die Vorinstanz die Beeinflussung der Internet- und Telefonbuch-
recherche und die Vorgabe einer personalstarken Unternehmung erwähnt
(Urk. 110 S. 96 - 97), braucht auch dies keiner Wiederholung (E. III.2.2.2.,
2.2.3. und 2.2.5. vorstehend). Ebenso wenig ist zweifelhaft, dass der Beschul-
digte wusste, wo hauptsächlich nach Support im Computer- und Mobiltelefon-
bereich gesucht wird (nämlich auf jenen Plattformen, wo er seine Dienste ver-
marktete). Mit Blick auf die erzielten Suchergebnisse auf BJ._ kann zwar
entgegen der Anklage (Urk. 53 S. 12) nicht angenommen werden, dass der
Beschuldigte die Suche nach den offiziellen BV._-Hotlines auf der ge-
nannten Suchmaschine tatsächlich erschwerte. Insbesondere zeigen auch die
in den Akten liegenden Ausdrucke der Suchergebnisse, dass der offizielle
BV._-Support jeweils (soweit die Nummer des Beschuldigten auf der ers-
ten Seite erschien) ebenfalls auf der gleichen Seite aufgeführt wurde (vgl.
Urk. 29/24-58, Ordner 7). Die Vorinstanz hält jedoch fest, es sei insofern von
einer Erschwerung auszugehen, als die Mehrwertdienstnummer in den Online-
Telefonverzeichnissen und auf BJ._.ch chronologisch vor den offiziellen
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Hotline-Nummern aufgeführt worden sei (Urk. 110 S. 97). Dem ist mit einigen
Ausnahmen beizupflichten (vgl. Urk. 29/24, 29/35, 29/39, 29/41, 29/43, 29/48,
29/51, 29/54, 29/57, Ordner 7).
2.2.16. Laut Vorinstanz sei erstellt, dass die Kunden damit gerechnet hätten,
es werde rund um die Uhr eine Support-Dienstleistung erbracht (Urk. 110 S. 97
- 98). Dass die Nutzer der Mehrwertdienstnummer insbesondere aufgrund
der vom Beschuldigten gewählten Bezeichnungen eine während 24 Stunden
an sieben Tagen pro Woche gewährleistete technische Support-Dienstleistung
erwarten durften und auch erwarteten, ist richtig (E. III.2.2.5. vorstehend). Dies
zeigt sich auch klar in der Zusammenfassung der Telefonkontrolle und in der
Gesamtverbindungsliste. Die Mehrwertdienstnummer 6 wurde an sieben Tagen
pro Woche und teilweise auch in der Nacht angewählt (Urk. 16/5, Beilage,
Ordner 1; Urk. 32/3, Ordner 9, 10 und 11). Soweit die Anklage dem Beschul-
digten ein entsprechendes Wissen vorwirft (Urk. 53 S. 12), ist dies nicht zwei-
felhaft. Seine Vorkehrungen dienten nachgerade dazu, solche Erwartungen zu
schaffen. Seiner diesbezüglichen Erklärung, es müsse jedem Durchschnitts-
konsumenten bewusst sein, dass es selbst bei einem 24/7-Betrieb nicht jeder-
zeit eine freie Leitung gebe, sondern dass es sich hierbei in erster Linie um ei-
ne simple und leicht durchschaubare Werbemassnahme handle, welche nicht
wortwörtlich genommen werden könne (Urk. 135 S. 36 f.), kann nicht gefolgt
werden. So verwendete der Beschuldigte bei der Anpreisung seiner Dienstleis-
tung für BV._-Kunden unbestrittenermassen die Bezeichnungen "24h" und
"24/7", welche gemäss allgemeinem Sprachgebrauch klar eine Rund-um-die-
Uhr-Dienstleistung nahelegten (Urk. 29/144-154, Ordner 7). Damit sprach er
insbesondere Kunden an, welche ausserhalb der gewöhnlichen Geschäftszei-
ten Hilfe bei technischen Problemen mit BV._-Produkten suchten und die-
se bei der Telefonnummer, welche mit "24/7 BV1._" beworben wurde, zu
finden hofften. Zuletzt bestätigte auch der heutige amtliche Verteidiger des Be-
schuldigten schriftlich zuhanden eines abmahnenden Rechtsvertreters der
BV._ Inc., dass der Beschuldigte via G._ "...eine 24-Stunden/7-Tage-
Hotline unter der Rufnummer 6 anbiete [...], welche ihren Kunden bei techni-
schen Fragen zu oder Problemen mit BV._-Produkten anrufen könn[t]en".
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Der Beschuldigte biete seinen Kunden "damit einen kompetenten, unmittelba-
ren und jederzeit erreichbaren Support für BV._-Produkte – sowie unter
anderen Rufnummern für Produkte anderer Unternehmen – an". Und genau in
diesem Rund-um-die-Uhr-Angebot sei sodann der einmalige Mehrwertdienst zu
sehen (Urk. 2/12 S. 1 f., Ordner 1). Es ist insoweit richtig, dass mit der Be-
zeichnung "24/7 BV1._" nicht suggeriert wurde, dass der Beschuldigte die
Anrufe sofort entgegennehmen werde und nicht allenfalls eine Wartezeit anfal-
len könnte; aufgrund der Zusammenfassung der Telefonüberwachungen kann
jedoch festgestellt werden, dass die Kunden bei Anrufen ausserhalb der
gewöhnlichen Geschäftszeiten mehrheitlich nicht in der Leitung auf eine Ent-
gegennahme des Gesprächs warten mussten, sondern dass es in diesen Zei-
ten grösstenteils zu einer direkten Weiterleitung der Kunden an die Hotline der
BV._ Inc. kam, welche sodann zu diesen Zeiten geschlossen war
(Urk. 16/11 Anhang 1, Ordner 2, so zum Beispiel TPN 9-15, 36-38, 79-83, 115-
116, 168, 170 und 208-209). Dass es sich bei dieser Anpreisung um eine ledig-
lich leicht zu durchschauende Werbemassnahme gehandelt haben soll, ist
schon aufgrund der Frequenz der Anrufe, welche zu diesen Zeiten auf die
Mehrwertdienstnummer des Beschuldigten bzw. der G._ eingingen, un-
haltbar. Der Vollständigkeit halber sei auch an dieser Stelle darauf hingewie-
sen, dass das Vorbringen des Beschuldigten, das Telefonverzeichnis
BR._.ch hätte die Bezeichnung der Telefonnummer eigenständig und oh-
ne sein Wissen abgeändert, als reine Schutzbehauptung zu sehen ist (vgl.
E. III.2.2.4. vorstehend).
2.2.17. Der Beschuldigte habe seine Kunden laut Vorinstanz in der Regel zu-
mindest darüber getäuscht, dass er keine eigenständige Support-Leistung ha-
be erbringen wollen und die Kunden für die Leistungen Dritter (der Mitarbeiter
der offiziellen Hotlines) hätten zahlen müssen, die auf direktem Weg günstiger
oder kostenlos erhältlich gewesen wären. Zudem habe ein Grossteil der Kun-
den darauf vertraut, dass die Mehrwertdienstnummer 6 von der BV._ Inc.
oder einem autorisierten Geschäftspartner betreut würde. Dass die Kunden
keine weiteren Recherchen anstellen würden, habe der Beschuldigte voraus-
gesehen (Urk. 110 S. 98 - 99). Auf Letzteres wird im Rahmen der rechtlichen
- 39 -
Qualifikation soweit nötig zurückzukommen sein (E. IV.1.2. ff. nachfolgend). Im
Übrigen ist dieser Vorwurf erstellt (E. III.2.2.5. vorstehend). Dass die Kunden
die Mehrwertdienstnummer 6 der BV._ Inc. oder einem autorisierten Ge-
schäftspartner zuordneten, zeigt sich neben den bereits erwähnten Umständen
(wenn auch am Rande) aus verschiedenen Briefen und E-Mails von Kunden.
Die Kunden gelangten auch auf diesen Kanälen (mangels Antwort teilweise
wiederholt) an den Beschuldigten respektive an die vermeintlich offizielle Kon-
taktstelle des jeweiligen Herstellers. Dabei bestritt der Beschuldigte nicht, die
Anfragen erhalten zu haben (Urk. 16/10 S. 13 ff., beispielsweise Beilagen 8/6,
8/7, 8/12, 8/18, 8/20, 9/17 und 9/22, Ordner 2).
2.2.18. Die Vorinstanz kommt zusammengefasst zum Schluss, der in der Anklage
umschriebene Sachverhalt sei erstellt (Urk. 53 S. 13). Der Beschuldigte habe
durch sein Geschäftsmodell bewirkt, dass im tatrelevanten Zeitraum die in einem
100-seitigen Anhang zur Anklage aufgeführten Anrufe auf die Mehrwertdienst-
nummer 6 erfolgt seien. Dadurch seien die Kunden im Umfang von Fr. 164'501.13
geschädigt und der Beschuldigte im gleichen Umfang bereichert worden. Zur Ent-
stehung der Tabelle in Anhang 1 (einer Tabelle mit 6'420 Anrufen) als Auszug ei-
ner Gesamtverbindungsliste, die insgesamt drei Bundesordner umfasst, verweist
die Vorinstanz auf einen Bericht der Kantonspolizei zur Datenherkunft (Urk. 15/2
S. 3 ff, Ordner 1). Aus dem Bericht geht hervor, mit welcher Software die Verbin-
dungsdaten von den einzelnen Providern erhoben wurden. Zudem werden darin
die Schritte aufgezeigt, die nötig waren, um die Datenformate (JSON-String bei
H._.ch und HTML bei L._) zu konvertieren, um letztendlich über eine
Excel-Tabelle zu verfügen. Diese Gesamtverbindungsliste (mit 136'894 Zeilen)
wurde durch die Staatsanwaltschaft überarbeitet. Die fallführende Staatsanwältin
hielt dazu fest, jeweils die Verbindungsdaten einer einzigen Anrufabfolge farblich
markiert zu haben. Es habe sich gezeigt, dass die Zeitangaben der einzelnen
Fernmeldeanbieter nicht exakt übereinstimmen und nicht im gleichen Format an-
gezeigt würden (vgl. Urk. 32/1, Ordner 9). Die im Anhang 1 der Anklage aufge-
führten Gespräche (Urk. 53), die Gesamtverbindungsliste (Urk. 32/3, Ordner 9,
10 und 11) und die Gesamtdatentabelle (Urk. 15/1, Ordner 1) hat
die Vorinstanz stichprobenweise überprüft. Sie kommt zum Schluss, dass der
- 40 -
Anhang 1 der Anklage zu keinen Beanstandungen Anlass gibt. Die vorinstanz-
lichen Erwägungen sind sorgfältig verfasst und können ohne Weiteres über-
nommen werden (Urk. 110 S. 100 - 102).
2.2.19. Die Vorinstanz erwägt, die Berechnung des durch den Beschuldigten
pro Gespräch verursachten Schadens sei automatisiert erfolgt, indem die Kos-
ten von Fr. 1.99 pro Minute auf die jeweilige Anrufdauer umgerechnet worden
seien. Dies habe eine Gesamtschadenssumme von Fr. 164'501.13 ergeben.
Da der Beschuldigte bei etwa 2-3% aller Anrufe einen (wenn auch nur trivialen)
Support geleistet und damit eine adäquate geldwerte Leistung erbracht habe, sei
der Schaden auf abgerundet Fr. 150'000.– zu bemessen. Der Beschuldigte habe
seine Kunden zumindest darüber getäuscht, dass er grundsätzlich keine ei-
genständige Support-Leistung habe erbringen wollen und die Kunden für die
Leistungen Dritter (der Mitarbeiter der offiziellen Hotlines) hätten zahlen müs-
sen, die auf direktem Weg günstiger oder kostenlos erhältlich gewesen wären.
Es rechtfertige sich deshalb, von der gesamten Anrufdauer auszugehen. Die
blosse Umleitung stelle keinerlei geldwerte Support-Dienstleistung dar
(Urk. 110 S. 102 - 104). Richtig ist, dass die Kosten der einzelnen Anrufe automa-
tisch berechnet wurden. Erstellt ist auch, dass die über 6'000 Anrufe auf die kos-
tenpflichtige Mehrwertdienstnummer 6 Gebühren von insgesamt rund
Fr. 164'500.– generierten. Auf diese Gebühren zielte der Beschuldigte mit Berei-
cherungsabsicht ab. Hält die Verteidigung fest, die Anrufer hätten auch bei direk-
tem Kontakt mit der BV._ Inc. Kosten tragen müssen, was die Anklage nicht
berücksichtige (Urk. 98 S. 28), ist ihr mit der Vorinstanz insoweit zu widerspre-
chen, als die von der BV._ Inc. an die Anrufer verrechneten Kosten (etwa ei-
ne Servicegebühr von Fr. 35.–, wenn ein Anrufer die Hotline 90 Tage nach Kauf-
datum oder nach Ablauf eines erworbenen Servicevertrages wie den "BV3._"
kontaktierte) zusätzlich anfielen (vgl. E. IV.1.5.). Die Verteidigung wendet ein, der
einzelne Anrufer hätte den Minutentarif gekannt und sei bereit gewesen, diesen
für die Hilfe bei seinem technischen Problem zu bezahlen (Urk. 98 S. 28; Urk. 135
S. 60 f.). Auch die Auskunftsdienste würden den Kunden für die Weiterleitung pro
Minute Fr. 1.99 verrechnen (Urk. 98 S. 11 und 29; Urk. 135 S. 25). Darauf wie
- 41 -
auch auf den Inhalt der Täuschung wird im Rahmen der rechtlichen Qualifikation
zurückzukommen sein (E. IV.1.2 ff. nachfolgend).
3. Mehrwertdienstnummer 15 ("G._")
3.1. Dem Beschuldigten wird im Wesentlichen vorgeworfen, er habe die Mehr-
wertdienstnummer 15 mit einer Gesprächsgebühr von Fr. 1.99 pro Minute auf sei-
nen eigenen Namen respektive auf seine Gesellschaft G._ registrieren
lassen. Diese Nummer habe er unter Angabe der Anrufgebühr auf verschiedenen
Webseiten wie www.G1._.ch/software und www.G1._.ch/hardware mit
der Beschreibung " G1._ software - B._ / BV._ / CF._" und "
G1._ hardware - B._ / BV._ / CF._" sowie in den Online-
Telefonverzeichnissen www.BR._.ch und www.BU._.ch mit der entspre-
chenden Bezeichnung ("G1._") beworben. Bei einer Suche mit den einschlä-
gigen Stichworten ("BJ._ Support", "CF._ Support", "BV1._", "Soft-
ware Support", "B1._ Hotline", "G1._") seien die Mehrwertdienstnummer
15 in den Online-Telefonverzeichnissen und seine Webseiten respektive die Tele-
fonbucheinträge mit der Suchmaschine BJ._ an oberster Stelle erschienen.
Der Beschuldigte habe vorgegeben, rund um die Uhr einen technischen Service
zu bieten, dies direkt für die BV._ Inc., B._ und BJ._ LLC oder zu-
mindest in deren Auftrag. In Tat und Wahrheit seien die Anrufenden mittels eines
aufwendigen Systems grösstenteils direkt mit den offiziellen Hotlines der
BV._ Inc., B._ und BJ._ LLC verbunden worden. Auf die Mehrwert-
dienstnummer 15 seien 229 Anrufe eingegangen. Dabei sei die Verbindung nach
der Weiterleitung zu den offiziellen Hotlines aufrechterhalten geblieben, wodurch
der Beschuldigte im Tatzeitraum (1. September 2015 bis 16. August 2016) Ein-
nahmen von rund Fr. 3'460.– generiert habe.
3.2. Betreffend diesen in der Anklage umrissenen Tatvorwurf (Urk. 53 S. 14 - 24)
stellt die Vorinstanz zusammengefasst Folgendes fest (Urk. 110 S. 104 - 129).
3.2.1. Die Mehrwertdienstnummer 15 sei per 16. Oktober 2014 vom Beschul-
digten auf die G._ übertragen worden. Der Beschuldigte habe die in der
Anklage aufgeführten Domains (etwa G1._.ch) betrieben. Eine
- 42 -
Verknüpfung von G1._.de und G1._.ch mit G1._.ch (nicht aber
wie angeklagt von weiteren Domains mit G1._.ch/software und
G1._.ch/hardware) lasse sich gestützt auf eine durch den Beschuldigten
verfasste und bei ihm sichergestellte Domain-Liste vermuten (Urk. 110 S. 104 -
105). Diese Erwägungen sind korrekt und können übernommen werden. Zuzu-
stimmen ist der Verteidigung, dass die Domain G1._.ch seit 2005 auf eine
unbekannte Person lautet (Urk. 98 S. 30; Urk. 94/10), selbst wenn der Be-
schuldigte die Domain ebenfalls auf der besagten Liste aufführte (Urk. 45/71,
Ordner 28). Sie ist ihm deshalb nicht zuzurechnen. Auch die übrigen vo-
rinstanzlichen Erwägungen zum Inhalt der Webseite von G1._.ch/software
(nicht aber zu G1._.ch/hardware, die aus den Untersuchungsakten nicht
hervorgeht) sind zutreffend (Urk. 110 S. 106; vgl. Urk. 29/127 f., Ordner 7).
3.2.2. Der Anklagesachverhalt, die Mehrwertdienstnummer 15 in den Online-
Telefonverzeichnissen BR._.ch und BU._.ch inseriert zu haben (an
insgesamt zehn Standorten, unter verschiedenen Rubriken und mit der Be-
zeichnung "G1._"), treffe laut Vorinstanz zu, nicht aber eine positive Be-
einflussung der Rangfolge in den Verzeichnissen. Dem ist beizupflichten
(Urk. 110 S. 107 - 108; vgl. auch Urk. 29/186 und 29/187, Ordner 7, zu
"CF._" und "BJ._").
3.2.3. Der Beschuldigte habe die BJ._ Werbedienstleistung BW._
genutzt, um die Suchresultate bei BJ._ in der Rubrik "Anzeigen" zu beein-
flussen. Dies betreffe die BJ._-Suchen mit dem Stichwort "B1._ hot-
line". Die guten Suchresultate an erster Stelle seien auf BJ._ BW._
(und nicht auf die Einträge in den Online-Telefonverzeichnissen, die Registrie-
rung verschiedener Domains und die ohnehin nicht erstellten Verknüpfungen)
zurückzuführen (Urk. 110 S. 108 - 110). Diese Erwägungen sind zu überneh-
men. Es bestehen keine Zweifel, dass die fraglichen Suchresultate unter ande-
rem durch kostenpflichtige Keywords (in Bezug auf die Werbung BW._)
und nicht, wie von der Verteidigung vorgebracht (Urk. 98 S. 7 f. und S. 30;
Urk. 135 S. 16), durch das Suchverhalten der fallführenden Staatsanwältin be-
einflusst wurden. Ebenso wenig ist entgegen der Verteidigung zweifelhaft,
- 43 -
dass sich während des ganzen Tatzeitraums Suchresultate in ähnlicher Art
einstellten (Urk. 98 S. 30 f.; Urk. 135 S. 42). Richtig ist auch, dass der Be-
schuldigte in der Verwaltung der BJ._-Anzeigen involviert war. Auf den
Einwand der Verteidigung, die Keywords seien allein durch BN._ definiert
worden, wurde bereits zur Anklageziffer 1.1. ("BV1._") eingegangen
(E. III.2.2.3. vorstehend). Die entsprechenden Erwägungen gelten auch hier.
3.2.4. Bei BJ._-Anfragen mit dem Suchbegriff "B1._ Hotline" sei als
erstes Anzeige-Resultat die Mehrwertdienstnummer 15 gelistet worden
(Urk. 110 S. 110 - 111). Diese Erwägungen sind aufgrund der bereits themati-
sierten Suchresultate zutreffend. Zu präzisieren bleibt einzig, dass in den
Suchresultaten die Webseite G1._.ch/B1._... (und nicht die Mehr-
wertdienstnummer) erschien (vgl. Urk. 29/113 f. und 29/116, Ordner 7). Damit
stiessen die Kunden über die häufig als erstes gezeigte Webseite auf die
Mehrwertdienstnummer.
3.2.5. Die Nutzer der Mehrwertdienstnummer 15 hätten eine während 24 Stun-
den an sieben Tagen pro Woche gewährleistete technische Support-
Dienstleistung erwarten dürfen. Die Einträge in den Online-
Telefonverzeichnissen mit Postfachadressen an zehn verschiedenen Standor-
ten hätten die Erwartung geweckt, hinter "G1._" stehe eine grössere, per-
sonalstarke Unternehmung. Nicht erstellt sei, dass der Beschuldigte den Anru-
fern suggeriert habe, direkt für die BV._ Inc., B._ oder BJ._ LLC
tätig zu sein. Hingegen habe er den Eindruck erweckt, durch die entsprechen-
den Unternehmen zur Erbringung von Support-Dienstleistungen autorisiert ge-
wesen zu sein (Urk. 110 S. 111 - 112). Die vorinstanzlichen Erwägungen kön-
nen übernommen werden. Es liegt auf der Hand, dass die BV._ Inc.,
B._ und BJ._ LLC keine gemeinsamen Hotlines betreiben und der
Beschuldigte deshalb nicht vorgeben konnte, direkt für die BV._ Inc.,
B._ oder BJ._ LLC tätig zu sein (vgl. auch E. III.2.2.5. vorstehend).
3.2.6. Belegt ist, dass laut BB._ SA hinter der Mehrwertdienstnummer 15
die VoIP-Nummer 16 geschaltet war (Urk. 38/2/1, Beilage, Ordner 20). Die Vo-
rinstanz stellt zutreffend fest, dass auch hinsichtlich der Mehrwertdienstnum-
- 44 -
mer 15 höchstens bei vereinzelten Anrufen tatsächlich eine Support-
Eigenleistung erbracht wurde (Urk. 110 S. 113 - 114). Dies spiegelt sich in den
Ergebnissen der Echtzeitüberwachung wider, selbst wenn die Überwachung
auf 17 Tage respektive 12 Anrufe beschränkt war und damit im Vergleich zur
Nummer 8 im wesentlich geringeren Umfang erfolgte. Von zwölf Anrufen wurde
ein Anruf unmittelbar und neun Anrufe nach einem Gespräch des Beschuldig-
ten mit dem Anrufer an die Hotlines weitergeleitet (Urk. 38/3/6, Beilage, Ordner
20). Das Total direkt und nachträglich weitergeleiteter Anrufe entspricht dem
Bild, dass sich in Bezug auf die überwachte Nummer 8 abgezeichnet hatte.
Auch hier bestehen keine Zweifel, dass der Beschuldigte nicht nur während der
konkret überwachten Zeitspanne, sondern während des ganzen zur Anklage
gebrachten Zeitraums keine oder nur völlig ungenügende Supportdienstleis-
tungen erbracht hatte. Die Erklärungen des Beschuldigten dazu sind im Tenor
mit jenen betreffend die Mehrwertdienstnummer 6 gleichlautend (Urk. 110
S. 113; vgl. auch Urk. 16/7 S. 3 ff., Ordner 1; Urk. 16/8 S. 3 ff., Ordner 2;
E. III.2.2.6. f. vorstehend). Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb bei einer wie
behauptet erfolgreichen Eigenleistung in den meisten Fällen gleichwohl die of-
fiziellen Hotlines hätten bemüht werden müssen. Auf die Einwände des Be-
schuldigten betreffend die Zusammenfassung der Echtzeitüberwachung, die
behauptete Bandansage und die Konferenzgespräche wurde bereits im Rah-
men der Anklageziffer 1.1. ("BV1._") eingegangen (E. III.2.2.6. f. vorste-
hend).
3.2.7. Es steht fest, dass die direkten Weiterleitungen zu jeder Uhrzeit und
auch ausserhalb der Betriebszeiten der offiziellen Hotlines erfolgten (vgl.
Urk. 32/3, S. 181, Ordner 9, Anruf vom 2. Dezember 2015 um 21:26 Uhr;
Urk. 32/3, S. 222, Ordner 9, Anruf vom 14. Dezember 2015 um 22:27 Uhr).
Dabei brachte die Echtzeitüberwachung zu Tage, dass der Beschuldigte nur in
den wenigsten Fällen einen echten Support leistete. Die Gespräche wurden
korrekt zusammengefasst (vgl. Urk. 38/3/6, Beilage, Ordner 20, mit
Urk. 38/3/20, Ordner 20). Ebenso stimmt die Zusammenfassung der Telefon-
kontrolle mit der Gesamtverbindungsliste in den wesentlichen Punkten überein
(vgl. Urk. 38/3/6, Beilage, Ordner 20, mit Urk 32/3, S. 551 - 608, Ordner 9),
- 45 -
selbst wenn zeitliche Diskrepanzen vorliegen. Dabei ist nicht zweifelhaft, dass
sich dieses Muster auch bei den übrigen Anrufen zeigte. Schlussfolgert die Vo-
rinstanz, der anklagerelevante Sachverhalt sei erstellt (Urk. 110 S. 115 -116),
so ist dem beizupflichten.
3.2.8. Die Art und Weise, wie der Beschuldigte die Anrufe auf die Mehrwert-
dienstnummer 15 entgegennahm, entspricht dem bereits Ausgeführten zur
Mehrwertdienstnummer 6 (E. III.2.2.8. vorstehend). Richtig ist auch, dass der
Beschuldigte auf Aufforderung eines Kunden ("Ihren Namen hätte ich gerne")
sich mehrmals mit "BZ._" vorstellte (Urk. 16/6, Beilage 14, Ordner 1). Da
der Beschuldigte unter "G1._" einen Support für BV._, B1._ und
BJ._ bewarb, gab er sich als autorisierte Kontaktstelle der genannten Ge-
sellschaften aus (E. III.3.2.5 vorstehend). Ob und in welchen Gesprächen sich
der Beschuldigte darüber hinaus als offizieller Mitarbeiter der BV._ Inc.,
B._ respektive BJ._ LLC ausgegeben hat, kann entgegen der Vo-
rinstanz dahingestellt bleiben. Im Übrigen kann auf ihre Erwägungen verwiesen
werden (Urk. 110 S. 116 - 118).
3.2.9. Der Vorwurf, der Beschuldigte habe für den Fall einer fehlenden
Gesprächsannahme eine Bandansage eingerichtet und dort einen Hinweis auf
seine eigene Gesellschaft unterlassen, findet in den Akten keine Stütze
(vgl. Urk. 38/3/6, Beilage, Ordner 20). Betreffend den fehlenden Hinweis auf
die auch nach der Weiterleitung zu den offiziellen Hotlines anfallenden Gebüh-
ren und die tieferen Kosten der offiziellen Hotlines kann auf die Erwägungen
zur Mehrwertdienstnummer 6 (E. III.2.2.8. vorstehend) sowie auf den ange-
fochtenen Entscheid (Urk. 110 S. 119 - 120) verwiesen werden. Auch hier trifft
zu, dass der Beschuldigte eine Dienstleistung im Auftrag der BV._ Inc.,
B._ oder BJ._ LLC suggerierte und die Kunden im Wissen um die
tatsächlichen Verhältnisse direkt die kostenlosen oder kostengünstigeren Hot-
lines kontaktiert hätten (E. III.2.2.9. vorstehend).
3.2.10. Das vom Beschuldigten laut Anklage installierte Weiterleitungssystem
entspricht den Vorkehrungen betreffend die Mehrwertdienstnummer 6 respek-
tive die dahinter stehende Nr. 8(E. III.2.2.10. vorstehend). Die Weiterleitungen
- 46 -
erfolgten auch hier von der VoIP-Nummer 16 über die VoIP-Nummern der
BG._ an die Endzielnummern respektive ab Dezember 2015 mit Umlei-
tungen über die Nummern der G._ (Nr. 11 und Nr. 12). Auf die vorinstanz-
lichen Erwägungen kann verwiesen werden, ebenso zu den Mutationen der
Nummern, das Zuschieben der Verantwortung auf BN._ und das mit dem
Weiterleitungssystem verfolgte Ziel des Beschuldigten (Urk. 110 S. 121 - 122;
E. III.2.2.10. - 2.2.13. vorstehend).
3.2.11. Der Beschuldigte habe belanglose Gespräche geführt, in der Regel
keine eigenständige Support-Dienstleistung erbracht und die fehlende ge-
schäftliche Verbindung zu BV._ Inc., B._ oder BJ._ LLC nur auf
wiederholtes Nachfragen offengelegt (Urk. 110 S. 122 - 124). Die vorinstanz-
lichen Erwägungen (respektive der Anklagesachverhalt) sind in diesem Sinne
blosse Wiederholungen (E. III.3.2.6. ff. vorstehend). Zu betonen gilt es hinge-
gen, dass der Beschuldigte das in Bezug auf die Anklageziffer 1.1. ("24/7
BV1._") aufgezeigte Muster auch betreffend die Mehrwertdienstnummer
Nr. 15 anwandte und in diesem Sinne durchaus vergleichbar ans Werk ging.
Auch deshalb bestehen keine Zweifel, dass er nicht nur während der Zeitspan-
ne der Echtzeitüberwachung, sondern auch während des übrigen zur Anklage
gebrachten Zeitraums keinen oder keinen genügenden Support erbrachte.
3.2.12. Soweit die Vorinstanz die Beeinflussung der Internetrecherche und die
Vorgabe einer personalstarken Unternehmung erwähnt (Urk. 110 S. 124 -
125), braucht auch dies keiner Wiederholung (E. III.3.2.3., 3.2.4. und 3.2.5.
vorstehend). Ebenso wenig ist zweifelhaft, dass der Beschuldigte wusste, wo
hauptsächlich nach Support im Computer- und Mobiltelefonbereich gesucht
wird (nämlich auf jenen Plattformen, wo er seine Dienste vermarktete). Mit
Blick auf die erzielten Suchergebnisse auf BJ._ kann zwar entgegen der
Anklage (Urk. 53 S. 22) nicht angenommen werden, dass der Beschuldigte die
Suche nach den offiziellen Hotlines auf der genannten Suchmaschine tatsäch-
lich erschwerte. Insbesondere zeigen auch die in den Akten liegenden Ausdru-
cke der Suchergebnisse, dass der offizielle B1._-Support jeweils ebenfalls
auf der gleichen Seite aufgeführt wurde (vgl. Urk. 29/113 f. und 29/116, Ordner
- 47 -
7). Die Vorinstanz hält jedoch fest, es sei insofern von einer Erschwerung aus-
zugehen, als die Mehrwertdienstnummer auf BJ._.ch chronologisch vor
den offiziellen Hotline-Nummern aufgeführt worden sei (Urk. 110 S. 125). Dem
ist mit dem Hinweis beizupflichten, dass in den Suchresultaten die Webseite
G1._.ch/B1._... (und nicht die Mehrwertdienstnummer) erschien.
3.2.13. Laut Vorinstanz sei erstellt, dass die Kunden damit gerechnet hätten,
es werde rund um die Uhr eine Support-Dienstleistung erbracht (Urk. 110
S. 125 - 126). Dass die Nutzer der Mehrwertdienstnummer insbesondere auf-
grund der vom Beschuldigten gewählten Bezeichnung "G1._" eine wäh-
rend 24 Stunden an sieben Tagen pro Woche gewährleistete technische Sup-
port-Dienstleistung erwarten durften und auch erwarteten, ist richtig
(E. III.3.2.5. vorstehend). Dies zeigt sich auch klar in der Gesamtverbindungs-
liste. Die Mehrwertdienstnummer 15 wurde an sieben Tagen pro Woche und
teilweise auch spät abends angewählt (Urk. 32/3, Ordner 9 und 10). Soweit die
Anklage dem Beschuldigten ein entsprechendes Wissen vorwirft (Urk. 53
S. 22), ist dies nicht zweifelhaft. Seine Vorkehrungen dienten nachgerade da-
zu, solche Erwartungen zu schaffen (vgl. E. III.2.2.16. vorstehend).
3.2.14. Der Beschuldigte habe seine Kunden laut Vorinstanz in der Regel zu-
mindest darüber getäuscht, dass er keine eigenständige Support-Leistung ha-
be erbringen wollen und die Kunden für die Leistungen Dritter (der Mitarbeiter
der offiziellen Hotlines) hätten zahlen müssen, die auf direktem Weg günstiger
oder kostenlos erhältlich gewesen wären. Zudem habe ein Grossteil der Kun-
den darauf vertraut, dass die Mehrwertdienstnummer 15 zumindest von einem
lizenzierten Partner der BV._ Inc., B._ oder BJ._ LLC betreut
würde. Dass die Kunden keine weiteren Recherchen anstellen würden, habe
der Beschuldigte vorausgesehen (Urk. 110 S. 126 - 127). Auf Letzteres wird
soweit nötig im Rahmen der rechtlichen Qualifikation zurückzukommen sein
(E. IV.1.2. ff. nachfolgend). Im Übrigen ist dieser Vorwurf erstellt (E. III.3.2.5.
vorstehend).
3.2.15. Die Vorinstanz kommt zusammengefasst zum Schluss, der in der Anklage
umschriebene Sachverhalt sei erstellt (Urk. 53 S. 23 f.). Der Beschuldigte habe
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durch sein Geschäftsmodell bewirkt, dass im tatrelevanten Zeitraum die in einem
4-seitigen Anhang zur Anklage aufgeführten Anrufe auf die Mehrwertdienstnum-
mer 15 erfolgt seien. Dadurch seien die Kunden im Umfang von Fr. 3'467.77 ge-
schädigt und der Beschuldigte im gleichen Umfang bereichert worden (vgl. zur
Entstehung der Tabelle in Anhang 2 als Auszug einer Gesamtverbindungsliste
den Bericht der Kantonspolizei zur Datenherkunft, Urk. 15/2 S. 3 ff., Ordner 1).
Die im Anhang 2 der Anklage aufgeführten Gespräche (Urk. 53), die Gesamtver-
bindungsliste (Urk. 32/3, Ordner 9 und 10) und die Gesamtdatentabelle
(Urk. 15/1, Ordner 1) hat die Vorinstanz stichprobenweise überprüft. Sie kommt
zum Schluss, dass der Anhang 2 der Anklage zu keinen Beanstandungen An-
lass gibt. Den Schaden bemisst sie auf abgerundet Fr. 3'000.– (vgl.
E. III.2.2.19. vorstehend und IV.1.2. ff. nachfolgend). Die vorinstanzlichen Er-
wägungen sind sorgfältig verfasst und können ohne Weiteres übernommen
werden (Urk. 110 S. 127 - 129). Es ist nicht zweifelhaft, dass der Beschuldigte
auf die generierten Gebühren mit Bereicherungsabsicht abzielte.
4. Mehrwertdienstnummer 6 ("24/7 B._ Support")
4.1. Dem Beschuldigten wird im Wesentlichen vorgeworfen, er habe die Mehr-
wertdienstnummer 6 mit einer Gesprächsgebühr von Fr. 1.99 pro Minute auf sei-
nen eigenen Namen respektive auf seine Gesellschaft G._ registrieren las-
sen. Diese Nummer habe er unter Angabe der Anrufgebühr auf der Webseite
www.G1._.ch/B._ mit der Beschreibung "24/7 B._ Support -
24 Stunden 7 Tage Hotline" sowie in den Online-Telefonverzeichnissen
www.BR._.ch und www.BU._.ch mit den entsprechenden Bezeichnun-
gen ("24/7 B._ Support", "24/7 ... Support", "24/7 B1._ Support")
beworben. Bei einer Suche mit den einschlägigen Stichworten seien die Mehr-
wertdienstnummer 6 in den Online-Telefonverzeichnissen und seine Webseite
respektive die Telefonbucheinträge mit der Suchmaschine BJ._ zuoberst o-
der in den oberen Suchresultaten erschienen. Der Beschuldigte habe vorgege-
ben, rund um die Uhr einen technischen Service zu bieten, dies direkt für die
B._ oder zumindest in deren Auftrag. In Tat und Wahrheit seien die Anrufen-
den mittels eines aufwendigen Systems grösstenteils direkt mit den offiziellen Hot-
- 49 -
lines der B._ verbunden worden. Auf die Mehrwertdienstnummer 6 seien
1'692 Anrufe eingegangen. Dabei sei die Verbindung nach der Weiterleitung zu
den offiziellen Hotlines aufrechterhalten geblieben, wodurch der Beschuldigte im
Tatzeitraum (1. September 2015 bis 16. August 2016) Einnahmen von rund
Fr. 24'960.– generiert habe.
4.2. Betreffend diesen in der Anklage umrissenen Tatvorwurf (Urk. 53 S. 25 - 34)
stellt die Vorinstanz zusammengefasst Folgendes fest (Urk. 110 S. 129 - 152).
4.2.1. Die Mehrwertdienstnummer 6 sei per 16. Oktober 2014 vom Beschuldig-
ten auf die G._ übertragen worden. Der Beschuldigte habe die in der An-
klage aufgeführten Domains (etwa 247-B._.support.de.com) betrieben.
Eine Verknüpfung von G1._.ch/B._ mit 247-B._.support.de.com
(nicht aber wie angeklagt von weiteren Domains mit G1._.ch/B._)
lasse sich erstellen (Urk. 110 S. 129 - 130). Diese Erwägungen konnten durch
die Berufungsinstanz über den öffentlich zugänglichen Dienst
www.CA._.org/web und dessen Archivdaten überprüft werden, sind kor-
rekt und können übernommen werden. Zutreffend ist auch, dass die Umschrei-
bung der Webseite G1._.ch/B._ in der Anklage mit den Untersu-
chungsakten übereinstimmt (Urk. 53 S. 25; Urk. 29/134 f., Ordner 7). Es beste-
hen keine Zweifel, dass sich die Webseite während der eingeklagten Zeit
gleich präsentierte. So konnten bei der Internetseite betreffend die Dienstleis-
tungen für Kunden mit BV._-Produkten (247-BV1._.de.com) während
des Tatzeitraums nachweislich keine Änderungen festgestellt werden
(Urk. 29/118-124, Ordner 7). Der Beschuldigte ging nach einem einheitlichen
Muster vor und traf zwischen den Mehrwertdienstnummern keine Unterschei-
dungen. Daher darf davon ausgegangen werden, dass dies auch bei der ent-
sprechenden Internetseite, bei welcher der Beschuldigte seine Dienstleistun-
gen für Kunden mit B._-Produkten bewarb, ebenfalls nicht der Fall gewe-
sen ist. Entsprechend kann dem Ausdruck der Internetseite (Urk. 29/134 f.,
Ordner 7) – entgegen der Verteidigung (Urk. 135 S. 43) – sehr wohl die ent-
sprechende Aussagekraft beigemessen werden. Soweit die Vorinstanz auf den
Inhalt der Domains 247-B1._.support.de.com (anhand eines Bildschirmfo-
- 50 -
tos vom Dezember 2018) und 247-....support.de.com eingeht, ist dies zu präzi-
sieren. Betreffend die Anpreisung der Mehrwertdienstnummer 6 ist einzig der
Inhalt der Webseite
G1._.ch/B._ von Relevanz, nachdem der Anklagevorwurf nicht
darüber hinausgeht (Urk. 53 S. 25). Unzutreffend ist die Behauptung der Ver-
teidigung (Urk. 135 S. 43), nach der vorinstanzlichen Feststellung sei die
Mehrwertdienstnummer 6 auf 247-....support.de.com beworben worden
(Urk. 110 S. 130).
4.2.2. Der Anklagesachverhalt, die Mehrwertdienstnummer 6 in den Online-
Telefonverzeichnissen BR._.ch und BU._.ch inseriert zu haben (an
insgesamt zehn Standorten, unter verschiedenen Rubriken und mit den oben
genannten Bezeichnungen), treffe laut Vorinstanz zu (Urk. 110 S. 131 - 132).
Dem ist beizupflichten. Richtig ist auch, dass eine positive Rangfolge einzig
betreffend eine Suche mit dem Stichwort "B._" auf BR._.ch belegt ist
(Urk. 29/172, Ordner 7). Es kann angenommen werden, dass dieser Ausdruck
aus dem Jahre 2014 auch die Verhältnisse im Tatzeitraum abbildet. Im Übrigen
sind die von der Vorinstanz selbst getätigten Recherchen zur Rangfolge
(Urk. 110 S. 133 f.; Urk. 85 S. 9), soweit sie überhaupt den Beschuldigten
belasten, nicht genügend dokumentiert und konnten durch die Berufungs-
instanz nicht überprüft werden, weshalb sie hier unberücksichtigt bleiben
(vgl. E. III.2.2.2. vorstehend).
4.2.3. Der Beschuldigte habe die BJ._ Werbedienstleistung BW._
genutzt, um die Suchresultate bei BJ._ in der Rubrik "Anzeigen" zu beein-
flussen. Ebenso habe er die Suchresultate in der Rubrik "Webseiten" beein-
flusst. Die von der Anklagebehörde zusammengefassten Resultate bei einer
Suche mit den Stichworten "B._ Support", "B._ Hotline" und
"B1._ Support" seien zutreffend. Gestützt auf den Ermittlungsbericht der
Kantonspolizei vom 7. April 2017 sei auch von einer Beeinflussung der Such-
resultate in der Rubrik "Webseiten" durch Einträge in den Online-
Telefonverzeichnissen und die Verlinkung von Webseiten auszugehen
(Urk. 110 S. 134 - 136). Diese Erwägungen sind zu übernehmen (mit der einzi-
- 51 -
gen Präzisierung, dass das Suchresultat vom 15. August 2016 in der Rubrik
"Webseiten" an fünfter Stelle erschien). Es bestehen keine Zweifel, dass die
fraglichen Suchresultate unter anderem durch kostenpflichtige Keywords (in
Bezug auf die Werbung BW._) und nicht, wie von der Verteidigung vorge-
bracht (Urk. 98 S. 7 f. und S. 31; Urk. 135 S. 16), durch das Suchverhalten der
fallführenden Staatsanwältin beeinflusst wurden. Richtig ist auch, dass der Be-
schuldigte in der Verwaltung der BJ._-Anzeigen involviert war. Auf den
Einwand der Verteidigung, die Keywords seien allein durch BN._ definiert
worden, wurde bereits zur Anklageziffer 1.1. ("BV1._") eingegangen
(E. III.2.2.3. vorstehend). Die entsprechenden Erwägungen gelten auch hier.
4.2.4. Bei BJ._-Anfragen mit den Suchbegriffen "B._ Support",
"B._ Hotline" und "B1._ Support" sei als erstes Anzeige-Resultat die
Mehrwertdienstnummer 6 gelistet worden (Urk. 110 S. 136 - 137). Diese Erwä-
gungen sind aufgrund der bereits thematisierten Suchresultate zutreffend. Zu
präzisieren bleibt einzig, dass in den Suchresultaten die Webseite
G1._.ch/B._ (und nicht die Mehrwertdienstnummer) erschien
(vgl. Urk. 29/63 ff., Ordner 7). Damit stiessen die Kunden über die häufig als
erstes gezeigte Webseite auf die Mehrwertdienstnummer. Macht die Verteidi-
gung geltend, die Nummer sei nicht mit "24/7 B._ Support" beworben
worden (Urk. 98 S. 31 f., Urk. 135 S. 43), kann ihr nicht gefolgt werden (vgl.
etwa Urk 29/63 ff., Urk. 29/134 ff. und Urk. 29/170 ff., Ordner 7). Den Abbildun-
gen der Internettelefonbücher BR._.ch und BU._.ch kann klar entnom-
men werden, dass die besagte Mehrwertdienstnummer konstant mit der Bezeich-
nung "24/7 B._ Support" sowie auch mit "24/7 B1._ Support" beworben
wurde (Urk. 29/170-179, Ordner 7). Dass sodann eine eigenmächtige Änderung
der Bezeichnung durch BR._.ch vorgenommen worden sei, wurde bereits in
den entsprechenden Erwägungen zum Anklagevorwurf 1.1 ("BV1._") verwor-
fen (vgl. E. III.2.2.4.).
4.2.5. Die Nutzer der Mehrwertdienstnummer 6 hätten eine während 24 Stun-
den an sieben Tagen pro Woche gewährleistete technische Support-
Dienstleistung erwarten dürfen. Die Einträge in den Online-
- 52 -
Telefonverzeichnissen mit Postfachadressen an zehn verschiedenen Standor-
ten hätten die Erwartung geweckt, hinter "24/7 B._ Support" stehe eine
grössere, personalstarke Unternehmung. Der Beschuldigte habe den Anrufern
suggeriert, dass auf der Mehrwertdienstnummer im Auftrag der B._ Sup-
port geleistet werde. Eine Vielzahl von Anrufern dürfte darüber hinaus davon
ausgegangen sei, die fragliche Nummer sei die offizielle Hotline der B._
(Urk. 110 S. 137 - 138). Die vorinstanzlichen Erwägungen können übernom-
men werden (vgl. auch E. III.2.2.5. vorstehend).
4.2.6. Belegt ist, dass laut CB._ SA hinter der Mehrwertdienstnummer 6
die VoIP-Nummer 17 geschaltet war (Urk. 38/3/1, Beilage, Ordner 20). Die Vo-
rinstanz stellt zutreffend fest, dass auch hinsichtlich der Mehrwertdienstnum-
mer 60 höchstens bei vereinzelten Anrufen tatsächlich eine Support-
Eigenleistung erbracht wurde (Urk. 110 S. 139 - 140). Dies spiegelt sich in den
Ergebnissen der Echtzeitüberwachung wider, selbst wenn die Überwachung
auf 7 Tage respektive 60 Anrufe beschränkt war und damit im Vergleich zur
Nummer 8 im wesentlich geringeren Umfang erfolgte. Alle 60 Anrufe wurden
an die Hotlines weitergeleitet, 47 Anrufe unmittelbar und 13 Anrufe nach einem
Gespräch des Beschuldigten mit dem Anrufer (Urk. 38/4/12, Beilage, Ordner
20). Dies entspricht dem Bild, dass sich in Bezug auf die überwachte Nummer
8 abgezeichnet hatte. Bei den 13 Anrufern beschränkte sich der Beschuldigte
im Wesentlichen darauf zu erklären, welche Auswahl die Anrufer als Privat-
oder Geschäftskunden nach der Weiterleitung an die offizielle Hotline zu tref-
fen hätten (die Taste 1 für Privat- und die Taste 2 für Geschäftskunden). Das
sind eigentliche Banalitäten, die zudem in der automatischen Ansage der
B._ erklärt werden (vgl. die Aufzeichnungen in Urk. 38/3/20, Ordner 20).
Auch hier bestehen keine Zweifel, dass der Beschuldigte nicht nur während der
konkret überwachten Zeitspanne, sondern während des ganzen zur Anklage
gebrachten Zeitraums keine oder nur völlig ungenügende Supportdienstleis-
tungen erbracht hatte. Die Erklärungen des Beschuldigten dazu sind im Tenor
mit jenen betreffend die Mehrwertdienstnummer 6 gleichlautend (Urk. 110
S. 140; vgl. auch Urk. 16/8 S. 3 ff., Ordner 2; E. II.2.2.6. f. vorstehend). Es ist
nicht nachvollziehbar, weshalb bei einer wie behauptet erfolgreichen Eigenleis-
- 53 -
tung in den meisten Fällen gleichwohl die offiziellen Hotlines hätten bemüht
werden müssen. Auf die Einwände des Beschuldigten betreffend die Zusam-
menfassung der Echtzeitüberwachung, die behauptete Bandansage und die
Konferenzgespräche wurde bereits im Rahmen der Anklageziffer 1.1.
("BV1._") eingegangen (E. III.2.2.6. und 2.2.7. vorstehend).
4.2.7. Es steht fest, dass die direkten Weiterleitungen zu jeder Uhrzeit und
auch ausserhalb der Betriebszeiten der offiziellen Hotlines erfolgten (vgl.
Urk 32/3, S. 103, Ordner 9, Anruf vom 23. Oktober 2015 um 02:33 Uhr;
Urk. 32/3, S. 114, Ordner 9, Anruf vom 28. Oktober 2015 um 22:26 Uhr). Dabei
brachte die Echtzeitüberwachung zu Tage, dass der Beschuldigte nur in den
wenigsten Fällen einen echten Support leistete. Dies drängt sich bereits mit
Blick auf den Umstand auf, dass alle 13 persönlich entgegengenommene Anru-
fe weitergeleitet wurden. Die Gespräche wurden korrekt zusammengefasst
(vgl. Urk. 38/4/12, Beilage, Ordner 20, mit Urk. 38/3/20, Ordner 20). Ebenso
stimmt die Zusammenfassung der Telefonkontrolle mit der Gesamtverbin-
dungsliste in den wesentlichen Punkten überein (vgl. Urk. 38/4/12, Beilage,
Ordner 20, mit Urk 32/3, S. 623 - 645, Ordner 10), selbst wenn zeitliche Dis-
krepanzen vorliegen. Dabei ist nicht zweifelhaft, dass sich dieses Muster auch
bei den übrigen Anrufen zeigte. Dass der Beschuldigte die Anrufenden bei per-
sönlicher Entgegennahme ausserhalb der Betriebszeiten aufforderte, am
nächsten Tag wieder die Mehrwertdienstnummer 6 zu wählen, konnte zwar im
Gegensatz zu den Gesprächen, die auf die Nummer 6 eingingen, nicht abge-
hört werden. Gleichwohl und entgegen der Verteidigung (Urk. 135 S. 44) kann
dies aber auch hier ohne Weiteres angenommen werden, nachdem der Be-
schuldigte offensichtlich nach dem gleichen Muster vorging. Schlussfolgert die
Vorinstanz, der anklagerelevante Sachverhalt sei erstellt (Urk. 110 S. 141 -
142), so ist dem beizupflichten.
4.2.8. Die Art und Weise, wie der Beschuldigte die Anrufe auf die Mehrwert-
dienstnummer 6 entgegennahm, entspricht dem bereits Ausgeführten zur
Mehrwertdienstnummer 6 (E. III.2.2.8. vorstehend). Die Vorinstanz verweist
beispielhaft und richtig auf die abgehörten Gespräche (vgl. zum Gespräch TPN
- 54 -
26 auch die Transkription in Urk. 16/7, Beilage 17, Ordner 1). Gelangt sie zur
Überzeugung, dass der Beschuldigte abermals vorgab, die Anrufer seien mit ei-
nem Mitarbeiter der B._ oder zumindest mit einem autorisierten Dienstleis-
tungserbringer verbunden, ist dem nichts beizufügen (Urk. 110 S. 142 - 143).
4.2.9. Betreffend den fehlenden Hinweis auf die auch nach der Weiterleitung
zu den offiziellen Hotlines anfallenden Gebühren und die tieferen Kosten der
offiziellen Hotlines kann auf die Erwägungen zur Mehrwertdienstnummer 6
(E. III.2.2.8. vorstehend) sowie auf den angefochtenen Entscheid (Urk. 110
S. 144 - 145) verwiesen werden. Der Hinweis des Beschuldigten auf die nach
der Weiterleitung anfallenden Kosten von Fr. 1.99 pro Minute erfolgte bei den
13 persönlich entgegengenommenen Anrufen lediglich bei einem einzigen An-
ruf und erst auf konkrete Frage des Kunden hin (TPN 26, vgl. die Aufzeichnun-
gen in Urk. 38/3/20, Ordner 20). Auch hier trifft zu, dass der Beschuldigte eine
Dienstleistung der B._ suggerierte und die Kunden im Wissen um die tat-
sächlichen Verhältnisse direkt die kostenlosen oder kostengünstigeren Hot-
lines kontaktiert hätten (E. III.2.2.9. vorstehend).
4.2.10. Das vom Beschuldigten laut Anklage installierte Weiterleitungssystem
entspricht den Vorkehrungen betreffend die Mehrwertdienstnummer 6 respek-
tive die dahinter stehende Nr. 8 (E. III.2.2.10. vorstehend). Die Weiterleitungen
erfolgten auch hier von der VoIP-Nummer 17 über die VoIP-Nummern der
BG._ an die Endzielnummern respektive ab Dezember 2015 mit Umlei-
tungen über die Nummern der G._ (Nr. 11 und Nr. 12). Auf die vorinstanz-
lichen Erwägungen kann verwiesen werden, ebenso zu den Mutationen der
Nummern, das Zuschieben der Verantwortung auf BN._ und das mit dem
Weiterleitungssystem verfolgte Ziel des Beschuldigten (Urk. 110 S. 146 - 147;
E. II.2.2.10. - 2.2.13. vorstehend).
4.2.11. Der Beschuldigte habe belanglose Gespräche geführt, in der Regel
keine eigenständige Support-Dienstleistung erbracht und die fehlende ge-
schäftliche Verbindung zur B._ nur auf wiederholtes Nachfragen
offengelegt (Urk. 110 S. 147 - 148). Die entsprechenden vorinstanzlichen
Erwägungen (respektive der Anklagesachverhalt) sind in diesem Sinne blosse
- 55 -
Wiederholungen (E. III.4.2.6. ff. vorstehend). Zu betonen gilt es hingegen, dass
der Beschuldigte das in Bezug auf die Anklageziffer 1.1. ("BV1._") aufge-
zeigte Muster auch betreffend die Mehrwertdienstnummer 6 anwandte und in
diesem Sinne durchaus vergleichbar ans Werk ging. Auch deshalb bestehen
keine Zweifel, dass er nicht nur während der Zeitspanne der Echtzeitüberwa-
chung, sondern auch während des übrigen zur Anklage gebrachten Zeitraums
keinen oder keinen genügenden Support erbrachte.
4.2.12. Soweit die Vorinstanz die Beeinflussung der Internetrecherche und die
Vorgabe einer personalstarken Unternehmung erwähnt (Urk. 110 S. 148 -
149), braucht auch dies keiner Wiederholung (E. III.4.2.3., 4.2.4. und 4.2.5.
vorstehend). Ebenso wenig ist zweifelhaft, dass der Beschuldigte wusste, wo
hauptsächlich nach Support im Computer- und Mobiltelefonbereich gesucht
wird (nämlich auf jenen Plattformen, wo er seine Dienste vermarktete). Mit
Blick auf die erzielten Suchergebnisse auf BJ._ kann zwar entgegen der
Anklage (Urk. 53 S. 33) nicht angenommen werden, dass der Beschuldigte die
Suche nach den offiziellen Hotlines auf der genannten Suchmaschine tatsäch-
lich erschwerte. Insbesondere zeigen auch die in den Akten liegenden Ausdru-
cke der Suchergebnisse, dass der offizielle B._-Support jeweils ebenfalls
auf der gleichen Seite aufgeführt wurde (vgl. Urk. 29/63 ff., Ordner 7). Die Vo-
rinstanz hält jedoch fest, es sei insofern von einer Erschwerung auszugehen,
als die Mehrwertdienstnummer auf BJ._.ch chronologisch vor den offiziel-
len Hotline-Nummern aufgeführt worden sei (Urk. 110 S. 149). Dem ist mit dem
Hinweis beizupflichten, dass in den Suchresultaten die Webseite
G1._.ch/B._ (und nicht die Mehrwertdienstnummer) erschien.
4.2.13. Laut Vorinstanz sei erstellt, dass die Kunden damit gerechnet hätten,
es werde rund um die Uhr eine Support-Dienstleistung erbracht (Urk. 110
S. 149). Dass die Nutzer der Mehrwertdienstnummer insbesondere aufgrund
der vom Beschuldigten gewählten Bezeichnung "24/7 B._ Support" eine
während 24 Stunden an sieben Tagen pro Woche gewährleistete technische
Support-Dienstleistung erwarten durften und auch erwarteten, ist richtig
(E. III.4.2.5. vorstehend). Dies zeigt sich auch klar in der Gesamtverbindungs-
- 56 -
liste. Die Mehrwertdienstnummer 6 wurde an sieben Tagen pro Woche und
teilweise auch mitten in der Nacht angewählt (Urk. 32/3, Ordner 9 und 10).
Soweit die Anklage dem Beschuldigten ein entsprechendes Wissen vorwirft
(Urk. 53 S. 33), ist dies nicht zweifelhaft. Seine Vorkehrungen dienten nachge-
rade dazu, solche Erwartungen zu schaffen (vgl. E. III.2.2.16. vorstehend).
4.2.14. Der Beschuldigte habe seine Kunden laut Vorinstanz in der Regel
zumindest darüber getäuscht, dass er keine eigenständige Support-Leistung
habe erbringen wollen und die Kunden für die Leistungen Dritter (der Mitarbei-
ter der offiziellen Hotlines) hätten zahlen müssen, die auf direktem Weg güns-
tiger oder kostenlos erhältlich gewesen wären. Zudem habe ein Grossteil der
Kunden darauf vertraut, dass die Mehrwertdienstnummer 6 zumindest von ei-
nem lizenzierten Partner der B._ betreut würde. Dass die Kunden keine
weiteren Recherchen anstellen würden, habe der Beschuldigte vorausgesehen
(Urk. 110 S. 150 - 151). Auf Letzteres wird soweit nötig im Rahmen der rechtli-
chen Qualifikation zurückzukommen sein (E. IV.1.2. ff. nachfolgend). Im Übri-
gen ist dieser Vorwurf erstellt (E. III.4.2.5. und 4.2.8. vorstehend). Dass die
Kunden die Mehrwertdienstnummer 6 der B._ oder einem autorisierten
Geschäftspartner zuordneten, zeigt sich neben den bereits erwähnten Um-
ständen (wenn auch am Rande) aus verschiedenen Briefen und E-Mails von
Kunden. Die Kunden gelangten auch auf diesen Kanälen (mangels Antwort
teilweise wiederholt) an den Beschuldigten respektive an die vermeintlich offi-
zielle Kontaktstelle des jeweiligen Herstellers. Dabei bestritt der Beschuldigte
nicht, die Anfragen erhalten zu haben (Urk. 16/10 S. 13 ff., beispielsweise Bei-
lagen 8/4, 8/8, 8/9, 8/10, 8/11, 8/13 und 9/16, Ordner 2).
4.2.15. Die Vorinstanz kommt zusammengefasst zum Schluss, der in der Anklage
umschriebene Sachverhalt sei erstellt (Urk. 53 S. 34). Der Beschuldigte habe
durch sein Geschäftsmodell bewirkt, dass im tatrelevanten Zeitraum die in einem
27-seitigen Anhang zur Anklage aufgeführten Anrufe auf die Mehrwertdienst-
nummer 6 erfolgt seien. Dadurch seien die Kunden im Umfang von Fr. 24'959.58
geschädigt und der Beschuldigte im gleichen Umfang bereichert worden (vgl. zur
Entstehung der Tabelle in Anhang 3 als Auszug einer Gesamtverbindungsliste
- 57 -
den Bericht der Kantonspolizei zur Datenherkunft, Urk. 15/2 S. 3 ff., Ordner 1).
Die im Anhang 3 der Anklage aufgeführten Gespräche (Urk. 53), die Gesamtver-
bindungsliste (Urk. 32/3, Ordner 9 und 10) und die Gesamtdatentabelle
(Urk. 15/1, Ordner 1) hat die Vorinstanz stichprobenweise überprüft. Sie kommt
zum Schluss, dass der Anhang 3 der Anklage zu keinen Beanstandungen An-
lass gibt. Den Schaden bemisst sie auf abgerundet Fr. 22'000.–
(vgl. E. III.2.2.19. vorstehend und IV.1.2. ff. nachfolgend). Die vorinstanzlichen
Erwägungen sind sorgfältig verfasst und können ohne Weiteres übernommen
werden (Urk. 110 S. 151 - 152). Es ist nicht zweifelhaft, dass der Beschuldigte
auf die generierten Gebühren mit Bereicherungsabsicht abzielte.
5. Mehrwertdienstnummer 18 ("24/7 BM._ Support")
5.1. Dem Beschuldigten wird im Wesentlichen vorgeworfen, er habe die Mehr-
wertdienstnummer 18 mit einer Gesprächsgebühr von Fr. 1.99 pro Minute auf sei-
ne Gesellschaft G._ registrieren lassen. Diese Nummer habe er unter
Angabe der Anrufgebühr auf der Webseite www.G1._./BM._ mit der Be-
schreibung "24/7 BM._ Support 24 Stunden 7 Tage Hotline" sowie in den
Online-Telefonverzeichnissen www.BR._.ch und www.BU._.ch mit den
entsprechenden Bezeichnungen ("24/7 BM._ Support", "24/7 CF._ Sup-
port", "24/7 ... Support") beworben. Bei einer Suche mit den einschlägigen Stich-
worten seien die Mehrwertdienstnummer 18 in den Online-Telefonverzeichnissen
und seine Webseiten respektive die Telefonbucheinträge mit der Suchmaschine
BJ._ zuoberst oder in den oberen Suchresultaten erschienen. Der
Beschuldigte habe vorgegeben, rund um die Uhr einen technischen Service zu
bieten, dies direkt für die BM1._ GmbH (nachfolgend: BM._) oder zu-
mindest in deren Auftrag. In Tat und Wahrheit seien die Anrufenden mittels eines
aufwendigen Systems grösstenteils direkt mit den offiziellen Hotlines von
BM._ verbunden worden. Auf die Mehrwertdienstnummer 18 seien 607 Anru-
fe eingegangen. Dabei sei die Verbindung nach der Weiterleitung zu den offiziel-
len Hotlines aufrechterhalten geblieben, wodurch der Beschuldigte im Tatzeitraum
(1. September 2015 bis 16. August 2016) Einnahmen von rund Fr. 7'740.– gene-
riert habe.
- 58 -
5.2. Betreffend diesen in der Anklage umrissenen Tatvorwurf (Urk. 53 S. 35 - 44)
stellt die Vorinstanz zusammengefasst Folgendes fest (Urk. 110 S. 152 - 175).
5.2.1. Die Mehrwertdienstnummer 18 sei auf die G._ registriert gewesen.
Der Beschuldigte habe die in der Anklage aufgeführte Domain
247-BM._.support.de.com betrieben. Eine Verknüpfung dieser Domain mit
G1._.ch/BM._ sei erstellt (Urk. 110 S. 152 - 153). Diese Erwägungen
konnten durch die Berufungsinstanz über den öffentlich zugänglichen Dienst
www.CA._.org/web und dessen Archivdaten überprüft werden, sind kor-
rekt und können übernommen werden. Auch die übrigen vorinstanzlichen Erwä-
gungen zum Inhalt der Webseite von G1._.ch/BM._ sind zutreffend
(Urk. 110 S. 153 - 154; vgl. Urk. 29/133, Ordner 7).
5.2.2. Der Anklagesachverhalt, die Mehrwertdienstnummer 18 in den Online-
Telefonverzeichnissen BR._.ch und BU._.ch inseriert zu haben (an
insgesamt zehn Standorten, unter verschiedenen Rubriken und mit den ent-
sprechenden Bezeichnungen), treffe laut Vorinstanz im Wesentlichen zu
(Urk. 110 S. 154 - 155). Dem ist beizupflichten. Ebenso nicht zweifelhaft ist,
dass dies mit Blick auf einen Eintrag auf BU._.ch und die Recherchen der
Vorinstanz auch für das letztgenannte Portal gilt (Urk. 29/183, Ordner 7;
Urk. 85 S. 10 und Urk. 86 f., E. III.2.2.2. vorstehend). Eine positive Rangfolge
ist hingegen einzig betreffend eine Suche mit dem Stichwort "BM._" auf
BR._.ch belegt (Urk. 29/184, Ordner 7). Die von der Vorinstanz selbst ge-
tätigten Recherchen (Urk. 110 S. 156 - 157 f.; Urk. 85 S. 11) sind nicht genü-
gend dokumentiert und konnten durch die Berufungsinstanz nicht überprüft
werden, weshalb sie hier unberücksichtigt bleiben (vgl. E. III.2.2.2. vorste-
hend).
5.2.3. Der Beschuldigte habe die BJ._ Werbedienstleistung BW._
genutzt, um die Suchresultate bei BJ._ in der Rubrik "Anzeigen" zu beein-
flussen. Ebenso habe er die Suchresultate in der Rubrik "Webseiten" beein-
flusst. Die von der Anklagebehörde zusammengefassten Resultate bei einer
Suche mit den Stichworten "BM._ Support" und "BM._ Hotline" seien
zutreffend. Gestützt auf den Ermittlungsbericht der Kantonspolizei vom 7. April
- 59 -
2017 sei auch von einer Beeinflussung der Suchresultate in der Rubrik "Web-
seiten" durch Einträge in Online-Telefonverzeichnissen und die Verlinkung von
Webseiten auszugehen (Urk. 110 S. 158 - 159). Diese Erwägungen sind zu
übernehmen. Es bestehen keine Zweifel, dass die fraglichen Suchresultate un-
ter anderem durch kostenpflichtige Keywords (in Bezug auf die Werbung
BW._) und nicht, wie von der Verteidigung vorgebracht (Urk. 98 S. 7 f.
und S. 32; Urk. 135 S. 16), durch das Suchverhalten der fallführenden Staats-
anwältin beeinflusst wurden. Richtig ist auch, dass der Beschuldigte in der
Verwaltung der BJ._-Anzeigen involviert war. Auf den Einwand der Ver-
teidigung, die Keywords seien allein durch BN._ definiert worden, wurde
bereits zur Anklageziffer 1.1. ("24/7 BV1._") eingegangen (E. III.2.2.3.
vorstehend). Die entsprechenden Erwägungen gelten auch hier.
5.2.4. Bei BJ._-Anfragen mit den Suchbegriffen "BM._ Support" und
bei Suchen in den Online-Telefonverzeichnissen mit "BM._ Support" und
"CF._ Support" sei als erstes Resultat die Mehrwertdienstnummer 18 ge-
listet worden (Urk. 110 S. 159 - 160). Diese Erwägungen treffen aufgrund der
bereits thematisierten Suchresultate einzig auf die BJ._-Anfragen und die
Anfragen auf BR._.ch zu. Macht die Verteidigung geltend, die Nummer sei
nicht mit "24/7 BM._ Support" beworben (Urk. 98 S. 32) bzw. die Bezeich-
nungen der Anzeigen seien von BR._.ch eigenmächtig abgeändert wor-
den (Urk. 135 S. 12), kann ihr unter Verweis auf die Akten und die bereits ge-
machten Ausführungen nicht gefolgt werden (vgl. etwa Urk 29/133,
Urk. 29/184, Ordner 7; Urk. 85 S. 10; vgl. E. III.2.2.4.).
5.2.5. Die Nutzer der Mehrwertdienstnummer 18 hätten eine während 24 Stun-
den an sieben Tagen pro Woche gewährleistete technische Support-
Dienstleistung erwarten dürfen. Die Einträge in den Online-
Telefonverzeichnissen mit Postfachadressen an zehn verschiedenen Standor-
ten hätten die Erwartung geweckt, hinter "24/7 BM._ Support" stehe eine
grössere, personalstarke Unternehmung. Der Beschuldigte habe den Anrufern
suggeriert, dass auf der Mehrwertdienstnummer im Auftrag von BM._
Support geleistet werde. Eine Vielzahl von Anrufern dürfte darüber hinaus da-
- 60 -
von ausgegangen sei, die fragliche Nummer sei die offizielle Hotline von
BM._ (Urk. 110 S. 160 - 161). Die vorinstanzlichen Erwägungen können
übernommen und es kann ergänzend auf das bereits zur Bezeichnung "24/7
BV1._" Gesagte verwiesen werden, welches auch hier zutrifft (vgl. auch
E. III.2.2.5. vorstehend).
5.2.6. Belegt ist, dass laut CB._ SA hinter der Mehrwertdienstnummer 18
die VoIP-Nummer 19 geschaltet war (Urk. 38/3/1, Beilage, Ordner 20). Die Vo-
rinstanz stellt zutreffend fest, dass auch hinsichtlich der Mehrwertdienstnum-
mer 18 höchstens bei vereinzelten Anrufen tatsächlich eine Support-
Eigenleistung erbracht wurde (Urk. 110 S. 162 - 163). Dies spiegelt sich in den
Ergebnissen der Echtzeitüberwachung wider, selbst wenn die Überwachung
auf 7 Tage respektive 23 Anrufe beschränkt war und damit im Vergleich zur
Nummer 8 im wesentlich geringeren Umfang erfolgte. Die Anrufe wurden (ab-
gesehen von einer Kundin, die sich verwählt hatte) alle an die Hotlines weiter-
geleitet, 17 Anrufe unmittelbar und 5 Anrufe nach einem Gespräch des Be-
schuldigten mit dem Anrufer (Urk. 38/4/12, Beilage, Ordner 20). Dies entspricht
dem Bild, dass sich in Bezug auf die überwachte Nummer 8 abgezeichnet hat-
te. Bei den 13 Anrufern beschränkte sich der Beschuldigte im Wesentlichen
darauf, sich die Anliegen erklären zu lassen und die Anrufer in der Folge an die
offizielle Hotline weiterzuleiten (vgl. die Aufzeichnungen in Urk. 38/3/20, Ord-
ner 20). Auch hier bestehen keine Zweifel, dass der Beschuldigte nicht nur
während der konkret überwachten Zeitspanne, sondern während des ganzen
zur Anklage gebrachten Zeitraums keine oder nur völlig ungenügende Sup-
portdienstleistungen erbracht hatte. Die Erklärungen des Beschuldigten dazu
sind im Tenor mit jenen betreffend die Mehrwertdienstnummer 6 gleichlautend
(Urk. 110 S. 163; vgl. auch Urk. 16/8 S. 3 ff., Ordner 2; E. III.2.2.6. f. vorste-
hend). Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb bei einer wie behauptet erfolgrei-
chen Eigenleistung in den meisten Fällen gleichwohl die offiziellen Hotlines
hätten bemüht werden müssen. Auf die Einwände des Beschuldigten betref-
fend die Zusammenfassung der Echtzeitüberwachung, die behauptete Band-
ansage und die Konferenzgespräche wurde bereits im Rahmen der Anklagezif-
fer 1.1. ("24/7 BV1._") eingegangen (E. III.2.2.6. und 2.2.7. vorstehend).
- 61 -
Auch zeigen die abgehörten Gespräche, dass sämtliche direkt weitergeleiteten
Anrufe an die offiziellen Hotlines gelangten und bei persönlicher Entgegen-
nahme der Beschuldigte allen Anrufern ankündigte, sie mit den offiziellen Hot-
lines zu verbinden. Seine gegenteilige Darstellung, die nicht persönlich entge-
gengenommenen Anrufe an BN._ weitergeleitet zu haben, ist damit wider-
legt. Gleiches gilt für seine Behauptung, er habe nicht gewusst, was mit den
Anrufen passiere, welche die BG._ respektive BN._ nicht entgegen-
genommen habe. Zudem bringt die Echtzeitüberwachung auch hier zu Tage,
dass der Beschuldigte im Tatzeitraum keine Bandansage installiert hatte. Will
er schliesslich Konferenzgespräche geführt haben, ist auch dies einmal mehr
widerlegt. Nach den Weiterleitungen ist der Beschuldigte jeweils nicht mehr zu
hören. Es bleibt zudem sein Geheimnis, weshalb er sich noch vor der Weiter-
leitung bei sämtlichen Anrufen verabschiedete, wenn er weiterhin an den Ge-
sprächen mit den offiziellen Hotlines teilgenommen haben will.
5.2.7. Ebenfalls nicht zweifelhaft ist, dass die direkten Weiterleitungen zu jeder
Uhrzeit und auch ausserhalb der Betriebszeiten der offiziellen Hotlines erfolg-
ten. Dies geht mit der Vorinstanz aus der Gesamtverbindungliste (vgl. bei-
spielsweise Urk 32/3, S. 285, Ordner 9, Anruf vom 31. Dezember 2015 um
21:49 Uhr) und zudem auch aus der Echtzeitüberwachung hervor (Urk 38/3/20,
Ordner 20, Anruf vom 9. April 2016 um 14:24 Uhr). Dabei wird aus der Echt-
zeitüberwachung klar, dass der Beschuldigte nur in den wenigsten Fällen einen
echten Support leistete. Dies drängt sich bereits mit Blick auf den Umstand
auf, dass die persönlich entgegengenommenen Anrufe mit einer Ausnahme
weitergeleitet wurden. Die Gespräche wurden korrekt zusammengefasst (vgl.
Urk. 38/4/12, Beilage, Ordner 20, mit Urk. 38/3/20, Ordner 20). Ebenso stimmt
die Zusammenfassung der Telefonkontrolle mit der Gesamtverbindungsliste in
den wesentlichen Punkten überein (vgl. Urk. 38/4/12, Beilage, Ordner 20, mit
Urk 32/3, S. 625 - 646, Ordner 10), selbst wenn zeitliche Diskrepanzen vorlie-
gen. Dabei ist nicht zweifelhaft, dass sich dieses Muster auch bei den übrigen
Anrufen zeigte. Die vorinstanzlichen Erwägungen können übernommen werden
(Urk. 110 S. 164).
- 62 -
5.2.8. Die Art und Weise, wie der Beschuldigte die Anrufe auf die Mehrwert-
dienstnummer 18 entgegennahm, entspricht dem bereits Ausgeführten zur
Mehrwertdienstnummer 6 (E. III.2.2.8. vorstehend). Die Vorinstanz verweist
beispielhaft und richtig auf die abgehörten Gespräche (vgl. zum Gespräch TPN
21 auch die Transkription in Urk. 16/7, Beilage 20, Ordner 1). Gelangt sie zur
Überzeugung, dass der Beschuldigte abermals vorgab, die Anrufer seien mit ei-
nem Mitarbeiter von BM._ oder zumindest mit einem autorisierten Dienstleis-
tungserbringer verbunden, ist dem eigentlich nichts beizufügen (Urk. 110 S. 165 -
166). Hervorgehoben werden kann, dass der Beschuldigte auch gegenüber der
ihn abmahnenden BM._ (Urk. 45/1, Ordner 28) durch den heutigen amtlichen
Verteidiger mitteilen liess, dass die Kunden der G._ "bei ihrem Anruf aus-
drücklich darauf aufmerksam gemacht [würden], dass sie den gewünschten Sup-
port von einem von BM._ unabhängigen Unternehmen [erhielten]" (Urk. 45/4
S. 2, Ordner 28). Dies war jedoch nachweislich nicht der Fall, obwohl sich der Be-
schuldigte aufgrund der Abmahnung und des Schreibens seines Rechtsvertreters
der Problematik bewusst war.
5.2.9. Betreffend den fehlenden Hinweis auf die auch nach der Weiterleitung
zu den offiziellen Hotlines anfallenden Gebühren und die tieferen Kosten der
offiziellen Hotlines kann auf die Erwägungen zur Mehrwertdienstnummer 6
(E. III.2.2.8. vorstehend) sowie auf den angefochtenen Entscheid (Urk. 110
S. 166 - 167) verwiesen werden. Auch hier trifft zu, dass der Beschuldigte eine
Dienstleistung von BM._ suggerierte und die Kunden im Wissen um die
tatsächlichen Verhältnisse direkt die kostenlosen oder kostengünstigeren Hot-
lines kontaktiert hätten (E. III.2.2.9. vorstehend).
5.2.10. Das vom Beschuldigten laut Anklage installierte Weiterleitungssystem
entspricht den Vorkehrungen betreffend die Mehrwertdienstnummer 6 respek-
tive die dahinter stehende Nr. 8 (E. III.2.2.10. vorstehend). Die Weiterleitungen
erfolgten auch hier von der VoIP-Nummer 19 über die VoIP-Nummern der
BG._ an die Endzielnummern respektive ab Dezember 2015 mit Umlei-
tungen über die Nummern der G._ (Nr. 11 und Nr. 12). Auf die vorinstanz-
lichen Erwägungen kann verwiesen werden, ebenso zu den Mutationen der
- 63 -
Nummern, das Zuschieben der Verantwortung auf BN._ und das mit dem
Weiterleitungssystem verfolgte Ziel des Beschuldigten (Urk. 110 S. 168 - 169;
E. II.2.2.10. - 2.2.13. vorstehend).
5.2.11. Der Beschuldigte habe belanglose Gespräche geführt, in der Regel
keine eigenständige Support-Dienstleistung erbracht und die fehlende ge-
schäftliche Verbindung zu BM._ nur auf wiederholtes Nachfragen offenge-
legt (Urk. 110 S. 170). Die entsprechenden vorinstanzlichen Erwägungen (res-
pektive der Anklagesachverhalt) sind in diesem Sinne blosse Wiederholungen
(E. III.5.2.6. ff. vorstehend). Zu betonen gilt es hingegen, dass der Beschuldig-
te das in Bezug auf die Anklageziffer 1.1. ("24/7 BV1._") aufgezeigte
Muster auch betreffend die Mehrwertdienstnummer 18 anwandte und in die-
sem Sinne durchaus vergleichbar ans Werk ging. Auch deshalb bestehen kei-
ne Zweifel, dass er nicht nur während der Zeitspanne der Echtzeitüberwa-
chung, sondern auch während des übrigen zur Anklage gebrachten Zeitraums
keinen oder keinen genügenden Support erbrachte.
5.2.12. Soweit die Vorinstanz die Beeinflussung der Internetrecherche und die
Vorgabe einer personalstarken Unternehmung erwähnt (Urk. 110 S. 171),
braucht auch dies keiner Wiederholung (E. III.5.2.3., 5.2.4. und 5.2.5. vorste-
hend). Ebenso wenig ist zweifelhaft, dass der Beschuldigte wusste, wo haupt-
sächlich nach Support im Computer- und Mobiltelefonbereich gesucht wird
(nämlich auf jenen Plattformen, wo er seine Dienste vermarktete). Mit Blick auf
die erzielten Suchergebnisse auf BJ._ kann zwar entgegen der Anklage
(Urk. 53 S. 43) nicht angenommen werden, dass der Beschuldigte die Suche
nach den offiziellen Hotlines auf der genannten Suchmaschine tatsächlich er-
schwerte. Insbesondere zeigen auch die in den Akten liegenden Ausdrucke der
Suchergebnisse, dass der offizielle BM._-Support jeweils ebenfalls auf
der gleichen Seite aufgeführt wurde (vgl. Urk. 29/97 ff., Ordner 7). Die Vo-
rinstanz hält jedoch fest, es sei insofern von einer Erschwerung auszugehen,
als die Mehrwertdienstnummer auf BJ._.ch und in den Online-
Telefonbüchern chronologisch vor den offiziellen Hotline-Nummern aufgeführt
- 64 -
worden sei (Urk. 110 S. 171). Dem ist mit der genannten Präzisierung
(E. III.5.2.2.) beizupflichten.
5.2.13. Laut Vorinstanz sei erstellt, dass die Kunden damit gerechnet hätten,
es werde rund um die Uhr eine Support-Dienstleistung erbracht (Urk. 110
S. 172). Dass die Nutzer der Mehrwertdienstnummer insbesondere aufgrund
der vom Beschuldigten gewählten Bezeichnung "24/7 BM._ Support" eine
während 24 Stunden an sieben Tagen pro Woche gewährleistete technische
Support-Dienstleistung erwarten durften und auch erwarteten, ist richtig
(E. III.5.2.5.). Dies zeigt sich auch klar in der Gesamtverbindungsliste. Die
Mehrwertdienstnummer 18 wurde an sieben Tagen pro Woche und teilweise
auch mitten in der Nacht angewählt (Urk. 32/3, Ordner 9 und 10). Soweit die
Anklage dem Beschuldigten ein entsprechendes Wissen vorwirft (Urk. 53
S. 43), ist dies nicht zweifelhaft. Seine Vorkehrungen dienten nachgerade da-
zu, solche Erwartungen zu schaffen (vgl. E. III.2.2.16. vorstehend). So liess der
Beschuldigte zudem auch gegenüber der ihn abmahnenden BM._ durch
seinen heutigen amtlichen Verteidiger mitteilen, dass er seine Dienstleistung
rund um die Uhr anbiete, und dass dies auch der einmalige Mehrwert seiner
Dienstleistung für seine Kunden darstelle (Urk. 45/4 S. 1 f., Ordner 28).
5.2.14. Der Beschuldigte habe seine Kunden laut Vorinstanz in der Regel zu-
mindest darüber getäuscht, dass er keine eigenständige Support-Leistung ha-
be erbringen wollen und die Kunden für die Leistungen Dritter (der Mitarbeiter
der offiziellen Hotlines) hätten zahlen müssen, die auf direktem Weg günstiger
oder kostenlos erhältlich gewesen wären. Zudem habe ein Grossteil der Kun-
den darauf vertraut, dass die Mehrwertdienstnummer 18 zumindest von einem
lizenzierten Partner von BM._ betreut würde. Dass die Kunden keine wei-
teren Recherchen anstellen würden, habe der Beschuldigte vorausgesehen
(Urk. 110 S. 172 - 173). Auf Letzteres wird soweit nötig im Rahmen der rechtli-
chen Qualifikation zurückzukommen sein (E. IV.1.2. ff. nachfolgend). Im Übri-
gen ist dieser Vorwurf erstellt (E. III.5.2.5. und 5.2.8. vorstehend). Dass die
Kunden die Mehrwertdienstnummer 18 BM._ oder einem autorisierten
Geschäftspartner zuordneten, zeigt sich neben den bereits erwähnten Um-
- 65 -
ständen (wenn auch am Rande) aus verschiedenen E-Mails von Kunden. Die
Kunden gelangten auch auf diesen Kanälen an den Beschuldigten respektive
an die vermeintlich offizielle Kontaktstelle des jeweiligen Herstellers. Dabei be-
stritt der Beschuldigte nicht, die Anfragen erhalten zu haben (Urk. 16/10 S. 13
ff., beispielsweise Beilagen 8/3 und 8/19, Ordner 2).
5.2.15. Die Vorinstanz kommt zusammengefasst zum Schluss, der in der Anklage
umschriebene Sachverhalt sei erstellt (Urk. 53 S. 44). Der Beschuldigte habe
durch sein Geschäftsmodell bewirkt, dass im tatrelevanten Zeitraum die in einem
10-seitigen Anhang zur Anklage aufgeführten Anrufe auf die Mehrwertdienst-
nummer 18 erfolgt seien. Dadurch seien die Kunden im Umfang von Fr. 7'743.89
geschädigt und der Beschuldigte im gleichen Umfang bereichert worden (vgl. zur
Entstehung der Tabelle in Anhang 4 als Auszug einer Gesamtverbindungsliste
den Bericht der Kantonspolizei zur Datenherkunft, Urk. 15/2 S. 3 ff., Ordner 1).
Die im Anhang 4 der Anklage aufgeführten Gespräche (Urk. 53), die Gesamtver-
bindungsliste (Urk. 32/3, Ordner 9 und 10) und die Gesamtdatentabelle
(Urk. 15/1, Ordner 1) hat die Vorinstanz stichprobenweise überprüft. Sie kommt
zum Schluss, dass der Anhang 4 der Anklage zu keinen Beanstandungen An-
lass gibt. Den Schaden bemisst sie auf abgerundet Fr. 7'000.– (vgl.
E. III.2.2.19. vorstehend und IV.1.2. ff. nachfolgend). Die vorinstanzlichen Er-
wägungen sind sorgfältig verfasst und können übernommen werden (Urk. 110
S. 174 - 175). Es ist nicht zweifelhaft, dass der Beschuldigte auf die generier-
ten Gebühren mit Bereicherungsabsicht abzielte. Grundsätzlich zutreffend ist
auch, dass laut Gesamtverbindungsliste einzelne Anrufe nicht an die offiziellen
Hotlines weitergeleitet wurden. Dazu hält die Vorinstanz (unter Hinweis auf den
Anruf vom 23. November 2015, 11:35:19 Uhr, Anhang 4 S. 3, Urk. 32/3 S. 159,
Ordner 9) fest, entsprechende Anrufe seien trotz Weiterleitung an die VoIP-
Nummern der BG._ nicht an die offiziellen Hotlines weitergeleitet worden.
Es sei davon auszugehen, dass der Beschuldigte zeitweise Anrufe direkt über
die VoIP-Nummer entgegengenommen habe. Dies ist zu präzisieren. Weiterlei-
tungen an die VoIP-Nummern der BG._ sind in diesem Zusammenhang
nicht belegt. Vielmehr enden die Anrufe jeweils bei einer Nummer der G._
(vgl. oben genanntes Beispiel, ebenso etwa den Anruf vom 24. November
- 66 -
2015, 11:02:45 Uhr, Urk. 32/3 S. 161, Ordner 9, und den in Echtzeit überwach-
ten Anruf vom 11. April 2016, 11:45:23 Uhr, Urk. 32/3 S. 640, Ordner 10).
Gleichwohl kann ohne Weiteres daran festgehalten werden, dass ein Grossteil
der Anrufe auf die Mehrwertdienstnummer 18 (direkt oder nachträglich) an die
offiziellen Hotlines gelangten.
6. Mehrwertdienstnummer 20 ("CC._")
6.1. Dem Beschuldigten wird im Wesentlichen vorgeworfen, er habe die Mehr-
wertdienstnummer 20 mit einer Gesprächsgebühr von Fr. 1.99 pro Minute auf sei-
nen eigenen Namen respektive auf seine Gesellschaft G._ registrieren
lassen. Diese Nummer habe er unter Angabe der Anrufgebühr auf der Webseite
www.CC._.com unter anderem mit der Beschreibung "Airlines / Flugtickets /
Informationen / Hilfe / Auskunft 24/7" sowie in den Online-Telefonverzeichnissen
www.BR._.ch und www.BU._.ch mit den entsprechenden Bezeichnun-
gen ("CC._" und "CC1._.") beworben. Bei einer Suche mit den ein-
schlägigen Stichworten seien die Mehrwertdienstnummer 20 in den Online-
Telefonverzeichnissen und seine Webseite respektive die Telefonbucheinträge
mit der Suchmaschine BJ._ an einer der ersten Stellen erschienen. Der Be-
schuldigte habe vorgegeben, rund um die Uhr einen telefonischen Service zu bie-
ten, dies direkt für die CC2._ AG (nachfolgend teilweise CC2._) oder
zumindest in deren Auftrag. In Tat und Wahrheit seien die Anrufenden mittels ei-
nes aufwendigen Systems grösstenteils direkt mit der CC2._-Hotline, dem
CC2._-Online-Check-in und zu weiteren Hotlines der CC2._ AG ver-
bunden worden. Auf die Mehrwertdienstnummer 20 seien 2'378 Anrufe eingegan-
gen. Dabei sei die Verbindung nach der Weiterleitung zu den offiziellen Hotlines
aufrechterhalten geblieben, wodurch der Beschuldigte im Tatzeitraum
(1. September 2015 bis 16. August 2016) Einnahmen von rund Fr. 16'000.– gene-
riert habe.
6.2. Betreffend diesen in der Anklage umrissenen Tatvorwurf (Urk. 53 S. 45 - 54)
stellt die Vorinstanz zusammengefasst Folgendes fest (Urk. 110 S. 175 - 192).
- 67 -
6.2.1. Die Mehrwertdienstnummer 20 sei per 16. Oktober 2014 vom Beschul-
digten auf die G._ übertragen worden. Der Beschuldigte habe die in der
Anklage aufgeführten Domains (etwa CC._.com) betrieben. Eine Verknüp-
fung verschiedener Domains mit CC._.com lasse sich nicht erstellen
(Urk. 110 S. 175 - 176). Diese Erwägungen sind korrekt und können übernom-
men werden. Macht die Verteidigung geltend, der Beschuldigte habe verschiede-
ne in der Anklage aufgeführte Domains nicht betrieben (Urk. 98 S. 33), kann ihr
nicht gefolgt werden (vgl. Urk. 45/45, Urk. 45/51 f., 45/60 ff., Urk 45/71, Ordner
28). Zutreffend ist auch, dass die Umschreibung der Webseite CC._.com in
der Anklage mit den Untersuchungsakten übereinstimmt (Urk. 53 S. 45;
Urk. 29/137, Ordner 7). Soweit die Vorinstanz auf den Inhalt weiterer Domains
eingeht, ist dies zu präzisieren. Betreffend die Anpreisung der Mehrwertdienst-
nummer 20 verweist die Anklage ausschliesslich auf CC._.com. Der An-
klagevorwurf geht nicht darüber hinaus, selbst wenn die am besagten Ort ge-
wählten Bezeichnungen (beispielsweise die in der Anklage erwähnte Bezeich-
nung "CC3._", die auf CC3._.com und nicht auf CC._.com er-
scheint) andere Deutungen zulassen könnten (Urk. 53 S. 45; Urk. 29/136 -
138, Ordner 7).
6.2.2. Der Anklagesachverhalt, die Mehrwertdienstnummer 20 in den Online-
Telefonverzeichnissen BR._.ch und BU._.ch inseriert zu haben (an
insgesamt drei Standorten, unter verschiedenen Rubriken sowie mit den Be-
zeichnungen "CC._" und "CC1._"), treffe laut Vorinstanz zu (Urk. 110
S. 177). Dem ist beizupflichten. Ebenso nicht zweifelhaft ist, dass bei einer
Suche auf BR._.ch und BU._.ch mit den genannten Stichworten die
Nummer auch im tatrelevanten Zeitraum an oberster Stelle aufgeführt wurde.
Die Vorinstanz konsultierte die entsprechenden Plattformen und bildet die Er-
gebnisse ab (Urk. 110 S. 178 und Urk. 85 S. 12; E. III.2.2.2. vorstehend).
6.2.3. Laut Anklage habe der Beschuldigte die BJ._ Werbedienstleistung
BW._ genutzt, um die Suchresultate bei BJ._ in der Rubrik "Anzei-
gen" zu beeinflussen. Ebenso habe er die Suchresultate in der Rubrik "Web-
seiten" beeinflusst (Urk. 53 S. 46). Dieser Vorwurf geht aus den Untersu-
- 68 -
chungsakten nicht hervor. Darauf verweist die Verteidigung zu Recht (Urk. 98
S. 33).
6.2.4. Bei Anfragen mit den Suchbegriffen "CC2._" und "..." sei in den
Online-Telefonverzeichnissen (nicht aber bei BJ._) als erstes Resultat die
Mehrwertdienstnummer 20 gelistet worden (Urk. 110 S. 179). Diese
Erwägungen sind aufgrund der bereits thematisierten Suchresultate zutreffend
(vgl. E. III.6.2.2. vorstehend).
6.2.5. Die Nutzer der Mehrwertdienstnummer 20 hätten eine während 24 Stun-
den an sieben Tagen pro Woche gewährleistete eigenständige Dienstleistung
erwarten dürfen, die über eine blosse Weiterleitung an die offizielle Hotline
hinausgegangen sei. Die Einträge in den Online-Telefonverzeichnissen mit
Postfachadressen an drei verschiedenen Standorten hätten die Erwartung ge-
weckt, hinter der "CC._" respektive "CC4._" stehe eine grössere,
personalstarke Unternehmung. Der Beschuldigte habe einen Hinweis auf die
G._ ganz unterlassen und den Anrufern suggeriert, dass auf der Mehr-
wertdienstnummer im Auftrag der CC2._ AG Hilfe geleistet werde. Eine
Vielzahl von Anrufern dürfte darüber hinaus davon ausgegangen sei, die fragli-
che Nummer sei die offizielle Hotline der CC2._ AG (Urk. 110 S. 179 -
180). Die vorinstanzlichen Erwägungen können übernommen werden (vgl.
auch E. III.2.2.5. vorstehend), wenn auch der Vorwurf sich auf die "CC._"
beschränken muss (E. III.6.2.1. vorstehend). Anzufügen gilt es lediglich, dass
an dieser Einschätzung auch der Umstand, dass der Beschuldigte die Wort-
marke "CC._" auf seinen Namen eintragen liess, ebenfalls nichts ändert
(Urk. 136/11).
6.2.6. Dass der Beschuldigte unter der Mehrwertdienstnummer 20 eine
"CC._" betrieb, ist unbestritten (vgl. beispielsweise Urk. 16/11 S. 8, Ord-
ner 2; Urk. 16/10 S. 3 f. und S. 19 f., Ordner 2). Zwar zeigt die Vorinstanz nicht
auf, dass hinter der Mehrwertdienstnummer 20 die VoIP-Nummer 21 geschal-
tet war. Dies blieb aber vom Beschuldigten unbestritten. Zudem geht die Schal-
tung aus einer mit "Telefonnummern G._ 01.06.2016" betitelten Liste her-
vor, die beim Beschuldigten sichergestellt wurde (Urk. 16/8 S. 17 und Beilage
- 69 -
"5", Ordner 2). Dort werden die Nummern 20 und 21 in gleicher Art aufgelistet
wie beispielsweise die erstellte Verknüpfung der Nummern 15 und Nr. 16
Gleiches zeigt ein vom Beschuldigten mit "M._ Nummern 01.07.2016" be-
zeichnetes Dokument (Urk. 16/12, Beilage "4" S. 3, Ordner 2). Insgesamt be-
stehen deshalb keine Zweifel, dass die Mehrwertdienstnummer 20 zur VoIP-
Nummer 21 führte. Daran ändert nichts, dass die Gesamtverbindungsliste die
21, nicht aber die 20 aufführt. Es ist ohne Weiteres anzunehmen, dass die
2'378 Kunden die auf mehreren Plattformen publizierte Mehrwertdienstnummer
wählten. Dass der Beschuldigte zusätzlich auch die Nr. 21 beworben hätte,
geht zum einen aus den Untersuchungsakten nicht hervor. Zum andern wäre
dies sinnwidrig. Damit kann ausgeschlossen werden, dass die Kunden direkt
über die Nr. 21 zum Beschuldigten respektive zu den offiziellen Hotlines ge-
langten.
Die Vorinstanz stellt zutreffend fest, dass auch hinsichtlich der Mehrwert-
dienstnummer 20 höchstens bei vereinzelten Anrufen tatsächlich eine Support-
Eigenleistung erbracht wurde. Zwar sei laut Vorinstanz betreffend diese Mehr-
wertdienstnummer keine Echtzeitüberwachung erfolgt. Jedoch sei aus der Ge-
samtverbindungsliste zu schliessen, dass der grösste Teil der Anrufe auf ande-
re Hotlines weitergeleitet worden sei. Damit bestätige sich das Bild, dass sich
aus den überwachten Mehrwertdienstnummern ergebe. Wenn die Vorinstanz
schlussfolgert, der Beschuldigte habe höchstens gegenüber einigen wenigen
Anrufen eine Eigenleistung erbracht, so ist dem beizupflichten (Urk. 110 S. 181
- 182). Einzig wäre hier die Frage aufzuwerfen, wie der Beschuldigte als aus-
gebildeter Informatiker ohne Zugriff zu den Buchungssystemen der Anbieter,
deren Tickets er bewarb, ohne Beizug der Anbieterhotlines überhaupt hätte ei-
nen Mehrwert erbringen können. Da er dies jedoch auch nicht versuchte, kann
diese Frage an dieser Stelle unbeantwortet bleiben. Die Erklärungen des Be-
schuldigten dazu sind im Tenor mit jenen betreffend die Mehrwertdienstnum-
mer 6 gleichlautend. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb bei einer wie be-
hauptet erfolgreichen Eigenleistung in den meisten Fällen gleichwohl die offizi-
ellen Hotlines hätten bemüht werden müssen. Auf die Einwände des Beschul-
- 70 -
digten wurde bereits im Rahmen der Anklageziffer 1.1. ("24/7 BV1._")
eingegangen (E. III.2.2.6. und 2.2.7. vorstehend).
6.2.7. Ob die standardmässigen Weiterleitungen zu jeder Uhrzeit geschahen,
ist hier ohne Relevanz. Weiterleitungen ausserhalb der Betriebszeiten sind mit
der Vorinstanz nicht erstellt, nachdem der Grossteil der Weiterleitungen auf die
Nummer 22 erfolgte. Diese wird 24 Stunden pro Tag betrieben.
6.2.8. Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, die Anrufe persönlich mit
"CC._" entgegengenommen zu haben. Demgegenüber will der Beschul-
digte die Kunden mit "CC1._" begrüsst haben (Urk. 16/11 S. 8, Ordner 2).
Zu seinen Gunsten und entgegen der Vorinstanz ist vom Letzteren auszuge-
hen. Auf jeden Fall ist relevant und nicht zweifelhaft, dass der Beschuldigte wie
bei den vier Anschlüssen mit Echtzeitüberwachung auch hier seinen Namen
und jenen der G._ grundsätzlich unerwähnt liess (E. III.2.2.8. vorstehend).
Im Übrigen können die vorinstanzlichen Erwägungen übernommen werden
(Urk. 110 S. 183 - 184).
6.2.9. Betreffend den fehlenden Hinweis auf die auch nach der Weiterleitung
zu den offiziellen Hotlines anfallenden Gebühren und die tieferen Kosten der
offiziellen Hotlines kann auf die Erwägungen zur Mehrwertdienstnummer 6
(E. III.2.2.8. vorstehend) sowie auf den angefochtenen Entscheid (Urk. 110
S. 184 - 185) verwiesen werden. Auch hier trifft zu, dass der Beschuldigte eine
Dienstleistung der CC2._ AG oder von anderen Fluggesellschaften sugge-
rierte und die Kunden im Wissen um die tatsächlichen Verhältnisse direkt die
kostenlosen oder kostengünstigeren Hotlines kontaktiert hätten (E. III.2.2.9.
vorstehend).
6.2.10. Das vom Beschuldigten laut Anklage installierte Weiterleitungssystem
entspricht den Vorkehrungen betreffend die Mehrwertdienstnummer 6 respek-
tive die dahinter stehende Nr. 8 (E. III.2.2.10. vorstehend). Die Weiterleitungen
erfolgten auch hier von der VoIP-Nummer 21 über die VoIP-Nummern der
BG._ an die Endzielnummern respektive ab Dezember 2015 mit Umlei-
tungen über die Nummern der G._ (Nr. 11 und Nr. 12). Auf die vorinstanz-
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lichen Erwägungen kann verwiesen werden, ebenso zu den Mutationen der
Nummern, das Zuschieben der Verantwortung auf BN._ und das mit dem
Weiterleitungssystem verfolgte Ziel des Beschuldigten (Urk. 110 S. 185 - 187;
E. II.2.2.10. - 2.2.13. vorstehend).
6.2.11. Der Beschuldigte habe in der Regel keine eigenständige Dienstleistung
erbracht und die fehlende geschäftliche Verbindung zur CC2._ AG oder zu
den anderen Fluggesellschaften nur auf wiederholtes Nachfragen offengelegt
(Urk. 110 S. 187 - 188). Die entsprechenden vorinstanzlichen Erwägungen
(respektive der Anklagesachverhalt) sind in diesem Sinne blosse Wiederholun-
gen (E. III.6.2.6. ff. vorstehend). Zu betonen gilt es hingegen, dass der Be-
schuldigte das in Bezug auf die Anklageziffer 1.1. ("24/7 BV1._") aufge-
zeigte Muster auch betreffend die Mehrwertdienstnummer 20 anwandte und in
diesem Sinne durchaus vergleichbar ans Werk ging. Auch deshalb bestehen
keine Zweifel, dass er mit Blick auf die standardmässigen Weiterleitungen an
die offiziellen Hotlines keinen oder keinen genügenden Support erbrachte. Der
Umstand, dass hier nicht auf die Ergebnisse einer Echtzeitüberwachung zu-
rückgegriffen werden kann, ändert daran nichts.
6.2.12. Soweit die Vorinstanz die Beeinflussung der Internetrecherche und die
Vorgabe einer personalstarken Unternehmung erwähnt (Urk. 110 S. 188),
braucht auch dies keiner Wiederholung (E. III.6.2.4. und 6.2.5. vorstehend).
Ebenso wenig ist zweifelhaft, dass der Beschuldigte wusste, wo hauptsächlich
nach Dienstleistungen der Fluggesellschaften gesucht wird (nämlich auf jenen
Plattformen, wo er seine Dienste vermarktete). Mit Blick auf die erzielten
Suchergebnisse in den Online-Telefonbüchern kann mit der Vorinstanz inso-
fern von einer Erschwerung der Suche nach den offiziellen Hotlines ausgegan-
gen werden, als die Mehrwertdienstnummer in den Online-Telefonbüchern vor
den offiziellen Hotline-Nummern erschien (Urk. 110 S. 188 - 189).
6.2.13. Laut Vorinstanz sei erstellt, dass die Kunden damit gerechnet hätten,
es werde rund um die Uhr eine Dienstleistung erbracht (Urk. 110 S. 189). Dass
die Nutzer der Mehrwertdienstnummer insbesondere aufgrund der vom Be-
schuldigten gewählten Bezeichnung "Auskunft 24/7" und "24h" eine während
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24 Stunden an sieben Tagen pro Woche gewährleistete Dienstleistung erwar-
ten durften und auch erwarteten, ist richtig (E. III.6.2.5. vorstehend). Dies zeigt
sich auch klar in der Gesamtverbindungsliste. Die Mehrwertdienstnummer 20
wurde an sieben Tagen pro Woche und teilweise auch mitten in der Nacht an-
gewählt (Urk. 32/3, Ordner 9, 10 und 11). Soweit die Anklage dem Beschuldig-
ten ein entsprechendes Wissen vorwirft (Urk. 53 S. 53), ist dies nicht zweifel-
haft. Seine Vorkehrungen dienten nachgerade dazu, solche Erwartungen zu
schaffen (vgl. E. III.2.2.16. vorstehend).
6.2.14. Der Beschuldigte habe seine Kunden laut Vorinstanz in der Regel
zumindest darüber getäuscht, dass er keine eigenständige Dienstleistung habe
erbringen wollen und die Kunden für die Leistungen Dritter (der Mitarbeiter der
offiziellen Hotlines) hätten zahlen müssen, die auf direktem Weg günstiger o-
der kostenlos erhältlich gewesen wären. Zudem habe ein Grossteil der Kunden
darauf vertraut, dass die Mehrwertdienstnummer 20 zumindest von einem li-
zenzierten Partner der CC2._ AG betreut würde. Dass die Kunden keine
weiteren Recherchen anstellen würden, habe der Beschuldigte vorausgesehen
(Urk. 110 S. 189 - 190). Auf Letzteres wird soweit nötig im Rahmen der rechtli-
chen Qualifikation zurückzukommen sein (E. IV.1.2. ff. nachfolgend). Im Übri-
gen ist dieser Vorwurf erstellt (E. III.6.2.5. und 6.2.9. vorstehend). Dass die
Kunden die Mehrwertdienstnummer 2 der CC2._ AG oder einem autori-
sierten Geschäftspartner zuordneten, zeigt sich neben den bereits erwähnten
Umständen (wenn auch am Rande) aus verschiedenen E-Mails von Kunden.
Die Kunden gelangten auch auf diesen Kanälen an den Beschuldigten respek-
tive an die vermeintlich offizielle Kontaktstelle. Dabei bestritt der Beschuldigte
nicht, die Anfragen erhalten zu haben (Urk. 16/10 S. 13 ff., Beilage 7, Ordner
2; Urk. 26/2/198 und 26/2/210, Ordner 4).
6.2.15. Die Vorinstanz kommt zusammengefasst zum Schluss, der in der Anklage
umschriebene Sachverhalt sei erstellt (Urk. 53 S. 54). Der Beschuldigte habe
durch sein Geschäftsmodell bewirkt, dass im tatrelevanten Zeitraum die in einem
38-seitigen Anhang zur Anklage aufgeführten Anrufe auf die Mehrwertdienst-
nummer 20 erfolgt seien. Dadurch seien die Kunden im Umfang von Fr. 16'073.86
- 73 -
geschädigt und der Beschuldigte im gleichen Umfang bereichert worden (vgl. zur
Entstehung der Tabelle in Anhang 5 als Auszug einer Gesamtverbindungsliste
den Bericht der Kantonspolizei zur Datenherkunft, Urk. 15/2 S. 3 ff., Ordner 1).
Die im Anhang 5 der Anklage aufgeführten Gespräche (Urk. 53), die Gesamtver-
bindungsliste (Urk. 32/3, Ordner 9, 10 und 11) und die Gesamtdatentabelle
(Urk. 15/1, Ordner 1) hat die Vorinstanz stichprobenweise überprüft. Sie kommt
zum Schluss, dass der Anhang 5 der Anklage zu keinen Beanstandungen An-
lass gibt. Den Schaden bemisst sie auf abgerundet Fr. 15'000.–
(vgl. E. III.2.2.19. vorstehend und IV.1.2. ff. nachfolgend). Die vorinstanzlichen
Erwägungen sind sorgfältig verfasst und können übernommen werden
(Urk. 110 S. 191 - 192). Es ist nicht zweifelhaft, dass der Beschuldigte auf die
generierten Gebühren mit Bereicherungsabsicht abzielte.
7. Mehrwertdienstnummer 6 ("24 BV._ Center")
7.1. Dem Beschuldigten wird im Wesentlichen vorgeworfen, er habe die Mehr-
wertdienstnummer 6 mit einer Gesprächsgebühr von Fr. 1.99 pro Minute auf den
Namen "CD._, D._" aufschalten und später auf die BG._ übertra-
gen lassen. Diese Nummer habe er in den Online-Telefonverzeichnissen
www.BR._.ch und www.BU._.ch mit der Bezeichnung "24 BV._
Center" beworben. Bei einer Suche mit den einschlägigen Stichworten sei die
Mehrwertdienstnummer 6 in den Online-Telefonverzeichnissen in den oberen
Suchresultaten erschienen. Der Beschuldigte habe vorgegeben, rund um die Uhr
einen technischen Service zu bieten, dies direkt für die BV._ Inc. oder zu-
mindest in deren Auftrag. In Tat und Wahrheit seien die Anrufenden mittels eines
aufwendigen Systems grösstenteils direkt mit den offiziellen Hotlines der
BV._ Inc. oder deren autorisierten Geschäftspartnern verbunden worden. Auf
die Mehrwertdienstnummer 6 seien 117 Anrufe eingegangen. Dabei sei die Ver-
bindung nach der Weiterleitung zu den offiziellen Hotlines aufrechterhalten ge-
blieben, wodurch der Beschuldigte im Tatzeitraum (1. September 2015 bis 16.
August 2016) Einnahmen von rund Fr. 1'777.93 generiert habe.
7.2. Betreffend diesen in der Anklage umrissenen Tatvorwurf (Urk. 53 S. 55 - 62)
stellt die Vorinstanz zusammengefasst Folgendes fest (Urk. 110 S. 192 - 207).
- 74 -
7.2.1. Die Mehrwertdienstnummer 6 sei der CD._, D._ zugeteilt und
später auf die BG._ übertragen worden. Gleichwohl sei die Nummer durch
den Beschuldigten betrieben worden (Urk. 110 S. 192 - 193). Diese Würdigung
ist zutreffend. Nicht nur ordneten sowohl D._ als auch BN._ die
Nummer dem Beschuldigten zu (Urk. 17/1 S. 10 f., Urk. 17/2 S. 18, Ordner 3).
Sondern es fällt auch auf, dass die Bewerbung der Nummer auf BR._.ch
im gleichen Stil wie die übrigen Mehrwertdienstnummern ausfällt und in diesem
Sinne die Handschrift des Beschuldigten trägt (Urk. 29/192, Ordner 7). Zudem
geht die fragliche Nummer aus einer mit "Telefonnummern G._
01.06.2016" betitelten Liste hervor, die beim Beschuldigten sichergestellt wur-
de (Urk. 16/8, Beilage "5", Ordner 2), ebenso aus einem vom Beschuldigten
mit "M._ Nummern 01.07.2016" bezeichneten Dokument (Urk. 16/12, Bei-
lage "4" S. 4, Ordner 2). Weiter ist zu bemerken, dass auch die Mehrwert-
dienstnummer 18, wie noch zu zeigen ist, auf die Nummern der G._ (Nr.
11 und Nr. 12) umgeleitet wurde. Damit bleiben keine vernünftigen Zweifel,
dass sie dem Beschuldigten zuzurechnen ist. Argumentiert die Verteidigung,
die Nummer sei von CD._, D._ respektive von der BG._ bewor-
ben worden (Urk. 98 S. 33), kann ihr deshalb nicht gefolgt werden.
7.2.2. Der Anklagesachverhalt, die Mehrwertdienstnummer 23 in den Online-
Telefonverzeichnissen BR._.ch und BU._.ch inseriert zu haben, treffe
laut Vorinstanz einzig in Bezug auf BR._.ch zu (Urk. 110 S. 193 - 194).
Dem ist beizupflichten. Ebenso trifft zu, dass eine positive Rangfolge in Bezug
auf die genannte Plattform nicht erstellt ist. Wenngleich ein eigentlicher Wider-
spruch in der Anklage entgegen der Vorinstanz nicht vorliegt (vgl. Urk. 53 Ziff.
1.6.3. mit Ziffer 1.1.4.), wird im vorinstanzlichen Entscheid richtig festgehalten,
dass bei einer entsprechenden Suche die "24/7 BV1._" Nummer 6 (nicht
aber Nr. 23) erschien.
7.2.3. Die Nutzer der Mehrwertdienstnummer 23 hätten eine während 24 Stun-
den an sieben Tagen pro Woche gewährleistete eigenständige Dienstleistung
erwarten dürfen. Dies habe der Beschuldigte mit den Angaben "24 BV._
Center", "24.BV._.center.de.com" und "24 BV4._" vorgegeben. Der
- 75 -
Beschuldigte habe den Anrufern suggeriert, dass auf der Mehrwertdienstnum-
mer im Auftrag der BV._ Inc. Hilfe geleistet werde. Eine Vielzahl von An-
rufern dürfte darüber hinaus davon ausgegangen sei, die fragliche Nummer sei
die offizielle Hotline der BV._ Inc. (Urk. 110 S. 194 - 195). Die vorinstanz-
lichen Erwägungen können übernommen werden (vgl. auch E. III.2.2.5. vorste-
hend).
7.2.4. Dass der Beschuldigte unter der Mehrwertdienstnummer 23 ein "24
BV._ Center" bewarb, ist erstellt (E. III.7.2.1. vorstehend). Zwar zeigt die
Vorinstanz nicht auf, dass hinter der Mehrwertdienstnummer 23 die VoIP-
Nummer 24 geschaltet war. Dies geht aber aus einer mit "Telefonnummern
G._ 01.06.2016" betitelten Liste hervor, die beim Beschuldigten sicherge-
stellt wurde (Urk. 16/8, Beilage "5", Ordner 2). Dort werden die Nummern 23
und 24 in gleicher Art aufgelistet wie beispielsweise die erstellte Verknüpfung
der Nummern 15 und 16. Gleiches zeigt ein vom Beschuldigten mit "M._
Nummern 01.07.2016" bezeichnetes Dokument (Urk. 16/12, Beilage "4" S. 4,
Ordner 2). Insgesamt bestehen deshalb keine Zweifel, dass die Mehrwert-
dienstnummer 23 zur VoIP-Nummer 24 führte. Daran ändert nichts, dass die
Gesamtverbindungsliste die Nr. 24, nicht aber die Nr. 23 aufführt. Es ist ohne
Weiteres anzunehmen, dass die 117 Kunden die auf BR._.ch publizierte
Mehrwertdienstnummer wählten. Dass der Beschuldigte zusätzlich auch die
Nr. 24 beworben hätte, geht zum einen aus den Untersuchungsakten nicht
hervor. Zudem andern wäre dies sinnwidrig. Damit kann ausgeschlossen
werden, dass die Kunden direkt über die Nr. 24 zum Beschuldigten respektive
zu den offiziellen Hotlines gelangten.
Die Vorinstanz stellt im Übrigen zutreffend fest, dass auch hinsichtlich der
Mehrwertdienstnummer 23 höchstens bei vereinzelten Anrufen tatsächlich eine
Support-Eigenleistung erbracht wurde. Zwar sei laut Vorinstanz betreffend die-
se Mehrwertdienstnummer keine Echtzeitüberwachung erfolgt. Jedoch sei aus
der Gesamtverbindungsliste zu schliessen, dass der grösste Teil der Anrufe
auf andere Hotlines weitergeleitet worden sei. Damit bestätige sich das Bild,
dass sich aus den überwachten Mehrwertdienstnummern ergebe. Wenn die
- 76 -
Vorinstanz schlussfolgert, der Beschuldigte habe höchstens gegenüber einigen
wenigen Anrufen eine Eigenleistung erbracht, so ist dem beizupflichten
(Urk. 110 S. 196 - 197). Die Erklärungen des Beschuldigten dazu sind im Te-
nor mit jenen betreffend die Mehrwertdienstnummer 6 gleichlautend. Macht er
darüber hinaus geltend, die Nummer sei für die CD._ respektive für
"CS._" vorgesehen gewesen, vermag er damit das Beweisergebnis,
wonach die Nummer mit "24 BV._ Center" von ihm selbst beworben wur-
de, nicht in Frage zu stellen.
7.2.5. Es steht fest, dass die direkten Weiterleitungen zu jeder Uhrzeit und
auch ausserhalb der Betriebszeiten der offiziellen Hotlines erfolgten. Dies geht
aus der Gesamtverbindungliste hervor (vgl. beispielsweise Urk 32/3, S. 91,
Ordner 9, Anruf vom 16. Oktober 2015 um 22:57 Uhr). Die vorinstanzlichen
Erwägungen können übernommen werden (Urk. 110 S. 197).
7.2.6. Nicht zweifelhaft ist, dass der Beschuldigte wie bei den vier Anschlüssen
mit Echtzeitüberwachung auch hier seinen Namen und jenen der G._
grundsätzlich unerwähnt liess (E. III.2.2.8. vorstehend). Im Übrigen können die
vorinstanzlichen Erwägungen übernommen werden (Urk. 110 S. 197 - 198).
7.2.7. Betreffend den fehlenden Hinweis auf die auch nach der Weiterleitung
zu den offiziellen Hotlines anfallenden Gebühren und die tieferen Kosten der
offiziellen Hotlines kann auf die Erwägungen zur Mehrwertdienstnummer 6
(E. III.2.2.8. vorstehend) sowie auf den angefochtenen Entscheid (Urk. 110
S. 198 - 199) verwiesen werden. Auch hier trifft zu, dass der Beschuldigte eine
Dienstleistung der BV._ Inc. oder deren autorisierter Geschäftspartner
suggerierte und die Kunden im Wissen um die tatsächlichen Verhältnisse direkt
die kostenlosen oder kostengünstigeren Hotlines kontaktiert hätten (E. III.2.2.9.
vorstehend).
7.2.8. Das vom Beschuldigten laut Anklage installierte Weiterleitungssystem
entspricht den Vorkehrungen betreffend die Mehrwertdienstnummer 6 respek-
tive die dahinter stehende Nr. 8 (E. III.2.2.10. vorstehend). Die Weiterleitungen
erfolgten auch hier von der VoIP-Nummer 24 über die VoIP-Nummern der
- 77 -
BG._ an die Endzielnummern respektive ab Dezember 2015 mit Umlei-
tungen über die Nummern der G._ (Nr. 11 und Nr. 12). Auf die vorinstanz-
lichen Erwägungen kann verwiesen werden, ebenso zu den Mutationen der
Nummern, das Zuschieben der Verantwortung auf BN._ und D._ so-
wie das mit dem Weiterleitungssystem verfolgte Ziel des Beschuldigten
(Urk. 110 S. 200 - 202; E. II.2.2.10. - 2.2.13. vorstehend). Auch D._ hielt
glaubhaft fest, dass die Mehrwertdienstnummer dem Beschuldigten zuzuord-
nen ist (Urk. 17/2 S. 18, Ordner 3). Seine weiteren Aussagen zu "CE._
GmbH" und zum Bereich "CS._ Services", auf welche die Verteidigung
verweist (Urk. 98 S. 22; Urk. 135 S. 33), vermögen daran nichts zu ändern.
7.2.9. Laut Vorinstanz habe der Beschuldigte in der Regel keine eigenständige
Dienstleistung erbracht und die fehlende geschäftliche Verbindung zur
BV._ Inc. nur auf wiederholtes Nachfragen offengelegt (Urk. 110 S. 202 -
203). Die entsprechenden vorinstanzlichen Erwägungen (respektive der Ankla-
gesachverhalt) sind in diesem Sinne blosse Wiederholungen (E. III.7.2.4. ff.
vorstehend). Zu betonen gilt es hingegen, dass der Beschuldigte das in Bezug
auf die Anklageziffer 1.1. ("24/7 BV1._") aufgezeigte Muster auch betref-
fend die Mehrwertdienstnummer 23 anwandte und in diesem Sinne durchaus
vergleichbar ans Werk ging. Auch deshalb bestehen keine Zweifel, dass er mit
Blick auf die standardmässigen Weiterleitungen an die offiziellen Hotlines kei-
nen oder keinen genügenden Support erbrachte. Der Umstand, dass hier nicht
auf die Ergebnisse einer Echtzeitüberwachung zurückgegriffen werden kann,
ändert daran nichts.
7.2.10. Soweit die Vorinstanz die fehlende Beeinflussung der Internetrecher-
che und die Vorgabe einer zumindest mit BV._ Inc. zusammenarbeiten-
den Unternehmung erwähnt (Urk. 110 S. 203), braucht auch dies keiner Wie-
derholung (E. III.7.2.2. und 7.2.3. vorstehend). Nicht zweifelhaft ist, dass der
Beschuldigte wusste, wo hauptsächlich nach Support im Computer- und Mobil-
telefonbereich gesucht wird (nämlich unter anderem auf jener Plattform, wo er
seine Dienste vermarktete). Nachdem eine positive Rangfolge in Bezug auf
BR._.ch nicht erstellt ist, kann entgegen der Anklage nicht von einer Er-
- 78 -
schwerung der Suche nach den offiziellen Hotlines ausgegangen werden
(E. III.7.2.2. vorstehend; Urk. 110 S. 203).
7.2.11. Laut Vorinstanz sei erstellt, dass die Kunden damit gerechnet hätten,
es werde rund um die Uhr eine Dienstleistung erbracht (Urk. 110 S. 204). Dass
die Nutzer der Mehrwertdienstnummer insbesondere aufgrund der vom Be-
schuldigten gewählten Bezeichnungen "24 BV._ Center",
"24.BV._.center.de.com" und "24 BV4._" eine während 24 Stunden
an sieben Tagen pro Woche gewährleistete technische Support-Dienstleistung
erwarten durften und auch erwarteten, ist richtig (E. III.7.2.3. vorstehend). Dies
zeigt sich auch klar in der Gesamtverbindungsliste. Die Mehrwertdienstnum-
mer 23 wurde an sieben Tagen pro Woche und teilweise auch mitten in der
Nacht angewählt (Urk. 32/3, Ordner 9, 10 und 11). Soweit die Anklage dem
Beschuldigten ein entsprechendes Wissen vorwirft (Urk. 53 S. 61), ist dies
nicht zweifelhaft. Seine Vorkehrungen dienten nachgerade dazu, solche Erwar-
tungen zu schaffen (vgl. E. III.2.2.16. vorstehend).
7.2.12. Der Beschuldigte habe seine Kunden laut Vorinstanz in der Regel
zumindest darüber getäuscht, dass er keine eigenständige Dienstleistung habe
erbringen wollen und die Kunden für die Leistungen Dritter (der Mitarbeiter der
offiziellen Hotlines) hätten zahlen müssen, die auf direktem Weg günstiger o-
der kostenlos erhältlich gewesen wären. Zudem habe ein Grossteil der Kunden
darauf vertraut, dass die Mehrwertdienstnummer 23 zumindest von einem li-
zenzierten Partner der BV._ Inc. betreut würde. Dass die Kunden keine
weiteren Recherchen anstellen würden, habe der Beschuldigte vorausgesehen
(Urk. 110 S. 204 - 205). Darauf wird soweit nötig im Rahmen der rechtlichen
Qualifikation zurückzukommen sein (E. IV.1.2. ff. nachfolgend).
7.2.13. Die Vorinstanz kommt zusammengefasst zum Schluss, der in der Anklage
umschriebene Sachverhalt sei erstellt (Urk. 53 S. 62). Der Beschuldigte habe
durch sein Geschäftsmodell bewirkt, dass im tatrelevanten Zeitraum die in einem
zweiseitigen Anhang zur Anklage aufgeführten Anrufe auf die Mehrwertdienst-
nummer 23 erfolgt seien. Dadurch seien die Kunden im Umfang von Fr. 1'777.93
geschädigt und der Beschuldigte im gleichen Umfang bereichert worden (vgl. zur
- 79 -
Entstehung der Tabelle in Anhang 6 als Auszug einer Gesamtverbindungsliste
den Bericht der Kantonspolizei zur Datenherkunft, Urk. 15/2 S. 3 ff., Ordner 1).
Die im Anhang 6 der Anklage aufgeführten Gespräche (Urk. 53), die Gesamtver-
bindungsliste (Urk. 32/3, Ordner 9, 10 und 11) und die Gesamtdatentabelle
(Urk. 15/1, Ordner 1) hat die Vorinstanz stichprobenweise überprüft. Sie kommt
zum Schluss, dass der Anhang 6 der Anklage zu keinen Beanstandungen An-
lass gibt. Den Schaden bemisst sie auf abgerundet Fr. 1'500.– (vgl.
E. III.2.2.19. vorstehend und IV.1.2. ff. nachfolgend). Die vorinstanzlichen Er-
wägungen sind sorgfältig verfasst und können übernommen werden (Urk. 110
S. 205 - 207). Es ist nicht zweifelhaft, dass der Beschuldigte auf die generier-
ten Gebühren mit Bereicherungsabsicht abzielte.
8. Mehrwertdienstnummer 25 ("24/7 BJ._/CF._ Applications")
8.1. Dem Beschuldigten wird im Wesentlichen vorgeworfen, er habe die Mehr-
wertdienstnummer 25 mit einer Gesprächsgebühr von Fr. 1.99 pro Minute auf sei-
nen eigenen Namen respektive auf seine Gesellschaft G._ registrieren las-
sen. Diese Nummer habe er unter Angabe der Anrufgebühr auf verschiedenen
Webseiten wie www.247-BJ._.applications.de.com und in den Online-
Telefonverzeichnissen www.BR._.ch und www.BU._.ch beworben. Bei
einer Suche mit den einschlägigen Stichworten "BJ._", "CF._" und
"Support" seien die Mehrwertdienstnummer 25 in den Online-
Telefonverzeichnissen und seine Webseite respektive die Telefonbucheinträge
mit der Suchmaschine BJ._ an oberster Stelle erschienen. Der Beschuldigte
habe vorgegeben, rund um die Uhr einen technischen Service zu bieten, dies di-
rekt für die BJ._ LLC oder zumindest in deren Auftrag. In Tat und Wahrheit
seien die Anrufenden mittels eines aufwendigen Systems grösstenteils direkt mit
der BJ._-Hotline verbunden worden. Auf die Mehrwertdienstnummer 25 sei-
en 79 Anrufe eingegangen. Dabei sei die Verbindung nach der Weiterleitung zur
offiziellen Hotline aufrechterhalten geblieben, wodurch der Beschuldigte im Tat-
zeitraum (1. September 2015 bis 16. August 2016) Einnahmen von rund
Fr. 1'600.– generiert habe.
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8.2. Betreffend diesen in der Anklage umrissenen Tatvorwurf (Urk. 53 S. 63 - 70)
stellt die Vorinstanz zusammengefasst Folgendes fest (Urk. 110 S. 207 - 222).
8.2.1. Die Mehrwertdienstnummer 25 sei per 16. Oktober 2014
vom Beschuldigten auf die G._ übertragen worden. Der Beschuldigte ha-
be die in der Anklage aufgeführten Domains (etwa 247-
BJ._.applications.de.com) registriert. Die Umschreibung der Domains ge-
he aus den Akten hervor (Urk. 110 S. 208). Diese Erwägungen sind zu präzi-
sieren. Der Inhalt dreier Domains (247-BJ._. applications.de.com;
CF._.applications.de.com; ...-.de.com) ist belegt (Urk. 29/141 und 29/143,
Ordner 7; Urk. 85 S. 19). Nicht erstellt ist entgegen der Vorinstanz der Inhalt
von ...-.eu.com, da sich dazu keine Belege in den Akten finden. Dass der Be-
schuldigte die vorgenannten Domains betrieb, geht betreffend ...-.de.com aus
den Akten hervor (Urk 45/67, Ordner 28). Nicht belegt ist dies aber entgegen
der Vorinstanz in Bezug auf 247-BJ._.applications.de.com und 247-
CF._.aplications.de.com. Entsprechende Unterlagen finden sich (soweit
ersichtlich) nicht direkt in den Akten (vgl. Urk. 45/45 ff. und 45/60 ff., Ordner
28). Gleichwohl ist nicht zweifelhaft, dass der Beschuldigte auch diese zwei
Domains betrieb, da deren Inhalt offensichtlich dem Beschuldigten respektive
der G._ zuzurechnen ist, zumal auf den entsprechenden Internetseiten die
Mehrwertdienstnummer 25 und auch die Adresse an der CG._-strasse,
welche dem Beschuldigten zugeordnet werden können, aufgeführt sind
(vgl. Urk. 29/141 f., Ordner 7).
8.2.2. Der Anklagesachverhalt, die Mehrwertdienstnummer 25 in den Online-
Telefonverzeichnissen BR._.ch und BU._.ch inseriert zu haben (an
insgesamt drei Standorten und mit den Bezeichnungen "24/7 BJ._ Appli-
cations" und "24/7 CF._ Applications"), treffe laut Vorinstanz zu (Urk. 110
S. 208). Dem ist beizupflichten. Richtig sind auch die vorinstanzlichen Erwä-
gungen zu den Suchresultaten. Bei einer Suche mit den Stichworten
"BJ._" und "CF._" erschien die Nummer bei BR._.ch an erster
Stelle (Urk. 110 S. 209).
- 81 -
8.2.3. Laut Anklage habe der Beschuldigte die Suchresultate bei BJ._
(durch Einträge in den Telefonverzeichnissen, durch Registrierung mehrerer
Domains und durch BW._) beeinflusst (Urk. 53 S. 64 f.). Dieser Vorwurf
geht aus den Untersuchungsakten nicht hervor. Darauf verweist die Verteidi-
gung zu Recht (Urk. 98 S. 34).
8.2.4. Bei Anfragen mit den Suchbegriffen "BJ._", "BJ._ Support" und
"CF._" sei im Online-Telefonverzeichnis BR._.ch als erstes Resultat
die Mehrwertdienstnummer 25 gelistet worden (Urk. 110 S. 210). Diese Erwä-
gungen sind aufgrund der bereits thematisierten Suchresultate zutreffend (vgl.
E. III.8.2.2. vorstehend).
8.2.5. Die Nutzer der Mehrwertdienstnummer 25 hätten eine während 24 Stun-
den an sieben Tagen pro Woche gewährleistete eigenständige Dienstleistung
erwarten dürfen. Die Einträge in den Online-Telefonverzeichnissen mit Post-
fachadressen an drei verschiedenen Standorten hätten die Erwartung geweckt,
hinter der "24/7 BJ._ Applications" und "24/7 CF._ Applications" ste-
he eine grössere, personalstarke Unternehmung. Der Beschuldigte habe einen
Hinweis auf die G._ ganz unterlassen und den Anrufern suggeriert, dass
auf der Mehrwertdienstnummer im Auftrag der BJ._ LLC Hilfe geleistet
werde. Eine Vielzahl von Anrufern dürfte darüber hinaus davon ausgegangen
sein, die fragliche Nummer sei die offizielle Hotline der BJ._ LLC (Urk. 110
S. 211 - 212). Die vorinstanzlichen Erwägungen können übernommen werden
(vgl. auch E. III.2.2.5. vorstehend).
8.2.6. Zwar zeigt die Vorinstanz nicht auf, dass hinter der Mehrwertdienst-
nummer 25 die VoIP-Nummer 26 geschaltet war. Dies geht aber aus einer mit
"Telefonnummern G._ 01.06.2016" betitelten Liste hervor, die beim Be-
schuldigten sichergestellt wurde (Urk. 16/8, Beilage "5", Ordner 2). Dort wer-
den die Nummern 25 und 26 in gleicher Art aufgelistet wie beispielsweise die
erstellte Verknüpfung der Nummern 15 und 16 Gleiches zeigt ein vom Be-
schuldigten mit "M._ Nummern 01.07.2016" bezeichnetes Dokument
(Urk. 16/12, Beilage "4" S. 3, Ordner 2).
- 82 -
Die Vorinstanz stellt im Übrigen zutreffend fest, dass auch hinsichtlich der
Mehrwertdienstnummer 25 höchstens bei vereinzelten Anrufen tatsächlich eine
Support-Eigenleistung erbracht wurde. Zwar sei laut Vorinstanz betreffend die-
se Mehrwertdienstnummer keine Echtzeitüberwachung erfolgt. Jedoch sei aus
der Gesamtverbindungsliste zu schliessen, dass der grösste Teil der Anrufe
auf die offizielle BJ._-Hotline weitergeleitet worden sei. Damit bestätige
sich das Bild, dass sich aus den überwachten Mehrwertdienstnummern erge-
be. Wenn die Vorinstanz schlussfolgert, der Beschuldigte habe höchstens ge-
genüber einigen wenigen Anrufen eine Eigenleistung erbracht, so ist dem bei-
zupflichten (Urk. 110 S. 212 - 213). Die Erklärungen des Beschuldigten dazu
sind im Tenor mit jenen betreffend die Mehrwertdienstnummer 6 gleichlautend.
Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb bei einer wie behauptet erfolgreichen Ei-
genleistung in den meisten Fällen gleichwohl die offizielle Hotline hätte bemüht
werden müssen. Auf die Einwände des Beschuldigten wurde bereits im Rah-
men der Anklageziffer 1.1. ("24/7 BV1._") eingegangen (E. III.2.2.6. und
2.2.7. vorstehend).
8.2.7. Es steht fest, dass die direkten Weiterleitungen zu jeder Uhrzeit und
auch ausserhalb der Betriebszeiten der offiziellen Hotline erfolgten. Dies geht
aus der Gesamtverbindungliste hervor (vgl. beispielsweise Urk 32/3, S. 264,
Ordner 9, Anruf vom 25. Dezember 2015 um 02:24 Uhr). Die vorinstanzlichen
Erwägungen können übernommen werden (Urk. 110 S. 213 - 214).
8.2.8. Nicht zweifelhaft ist, dass der Beschuldigte wie bei den vier Anschlüssen
mit Echtzeitüberwachung auch hier seinen Namen und jenen der G._
grundsätzlich unerwähnt liess (E. III.2.2.8. vorstehend). Im Übrigen können die
vorinstanzlichen Erwägungen übernommen werden (Urk. 110 S. 214).
8.2.9. Betreffend den fehlenden Hinweis auf die auch nach der Weiterleitung
zur offiziellen Hotline anfallenden Gebühren und auf den Umstand, dass die
offizielle Hotline gebührenfrei betrieben wird, kann auf die Erwägungen zur
Mehrwertdienstnummer 6 (E. III.2.2.8. vorstehend) verwiesen werden. Auch
hier trifft zu, dass der Beschuldigte eine Dienstleistung der BJ._ LLC oder
deren autorisierter Geschäftspartner suggerierte und die Kunden im Wissen
- 83 -
um die tatsächlichen Verhältnisse direkt die gebührenfreie Hotline kontaktiert
hätten (E. III.2.2.9. vorstehend).
8.2.10. Das vom Beschuldigten laut Anklage installierte Weiterleitungssystem
entspricht den Vorkehrungen betreffend die Mehrwertdienstnummer 6 respek-
tive die dahinter stehende Nr. 8 (E. III.2.2.10. vorstehend). Die Weiterleitungen
erfolgten hier von der VoIP-Nummer 26 über die auf "M._" registrierten
VoIP-Nummern an die Endzielnummern respektive ab Dezember 2015 mit Um-
leitungen über die Nummern der G._ (Nr. 11 und Nr. 12). Auf die vo-
rinstanzlichen Erwägungen kann verwiesen werden, ebenso zu den Mutationen
der Nummern, das Zuschieben der Verantwortung auf BN._ und D._
sowie das mit dem Weiterleitungssystem verfolgte Ziel des Beschuldigten
(Urk. 110 S. 216 - 217; E. II.2.2.10. - 2.2.13. vorstehend). Auch D._ hielt
glaubhaft fest, dass die "M._" dem Beschuldigten zuzuordnen ist
(Urk. 17/2 S. 15 f., Ordner 3). Die von BN._ in dessen Einvernahme vom
23. September 2016 erwähnte "BJ._-Hotline" betrifft offensichtlich nicht
die Mehrwertdienstnummer 25, nachdem jene Anrufe auf sein Telefon weiter-
geleitet wurden und weniger als zehn Anrufe betrafen (Urk. 17/1 S. 8 f., Ordner
3).
8.2.11. Laut Vorinstanz habe der Beschuldigte in der Regel keine eigenständi-
ge Dienstleistung erbracht und die fehlende geschäftliche Verbindung zu
BJ._ LLC nur auf wiederholtes Nachfragen offengelegt (Urk. 110 S. 218).
Die entsprechenden vorinstanzlichen Erwägungen (respektive der Anklagesa-
chverhalt) sind in diesem Sinne blosse Wiederholungen (E. III.8.2.5. f. und
8.2.8. vorstehend). Zu betonen gilt es hingegen, dass der Beschuldigte das in
Bezug auf die Anklageziffer 1.1. ("24/7 BV1._") aufgezeigte Muster auch
betreffend die Mehrwertdienstnummer 25 anwandte und in diesem Sinne
durchaus vergleichbar ans Werk ging (vgl. E. III.2.2.14. vorstehend). Auch
deshalb bestehen keine Zweifel, dass er mit Blick auf die standardmässigen
Weiterleitungen an die offiziellen Hotlines keinen oder keinen genügenden
Support erbrachte. Der Umstand, dass hier nicht auf die Ergebnisse einer
Echtzeitüberwachung zurückgegriffen werden kann, ändert daran nichts.
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8.2.12. Soweit die Vorinstanz die Beeinflussung der Internetrecherche und die
Vorgabe einer zumindest mit BJ._ LLC zusammenarbeitenden Unterneh-
mung erwähnt (Urk. 110 S. 218 - 219), braucht auch dies keiner Wiederholung
(E. III.8.2.2. und 8.2.5. vorstehend). Nicht zweifelhaft ist, dass der Beschuldigte
wusste, wo hauptsächlich nach Support im Computer- und Mobiltelefonbereich
gesucht wird (nämlich unter anderem auf jener Plattform, wo er seine Dienste
vermarktete). Mit Blick auf die erzielten Suchergebnisse im Online-Telefonbuch
BR._.ch kann mit der Vorinstanz insofern von einer Erschwerung der Su-
che nach der offiziellen Hotline ausgegangen werden, als die Mehrwertdienst-
nummer vor der offiziellen Hotline-Nummer erschien (Urk. 110 S. 219).
8.2.13. Laut Vorinstanz sei erstellt, dass die Kunden damit gerechnet hätten,
es werde rund um die Uhr eine Dienstleistung erbracht (Urk. 110 S. 219 - 220).
Dass die Nutzer der Mehrwertdienstnummer insbesondere aufgrund der vom
Beschuldigten gewählten Bezeichnungen "24/7 BJ._ Applications", "24/7
CF._ Applications", "CT._ - Hotline 24/7" etc. eine während 24 Stun-
den an sieben Tagen pro Woche gewährleistete technische Support-
Dienstleistung erwarten durften und auch erwarteten, ist richtig (E. III.8.2.5.
vorstehend). Dies zeigt sich auch klar in der Gesamtverbindungsliste. Die
Mehrwertdienstnummer 25 wurde an sieben Tagen pro Woche und teilweise
auch mitten in der Nacht angewählt (Urk. 32/3, Ordner 9, 10 und 11). Soweit
die Anklage dem Beschuldigten ein entsprechendes Wissen vorwirft (Urk. 53
S. 69), ist dies nicht zweifelhaft. Seine Vorkehrungen dienten nachgerade da-
zu, solche Erwartungen zu schaffen (vgl. E. III.2.2.16. vorstehend).
8.2.14. Der Beschuldigte habe seine Kunden laut Vorinstanz in der Regel
zumindest darüber getäuscht, dass er keine eigenständige Dienstleistung habe
erbringen wollen und die Kunden für die Leistungen Dritter (der Mitarbeiter der
offiziellen Hotline) hätten zahlen müssen, die auf direktem Weg kostenlos er-
hältlich gewesen wären. Zudem habe ein Grossteil der Kunden darauf vertraut,
dass die Mehrwertdienstnummer 25 zumindest von einem lizenzierten Partner
der BJ._ LLC betreut würde. Dass die Kunden keine weiteren Recherchen
anstellen würden, habe der Beschuldigte vorausgesehen (Urk. 110 S. 220 -
- 85 -
221). Auf Letzteres wird soweit nötig im Rahmen der rechtlichen Qualifikation
zurückzukommen sein (E. IV.1.2. ff. nachfolgend). Im Übrigen ist dieser Vor-
wurf erstellt (E. III.8.2.5. vorstehend). Dass die Kunden die Mehrwertdienst-
nummer 25 der BJ._ LLC oder einem autorisierten Geschäftspartner zu-
ordneten, zeigt sich neben den bereits erwähnten Umständen (wenn auch am
Rande) aus verschiedenen E-Mails von Kunden. Die Kunden gelangten auch
auf diesen Kanälen an den Beschuldigten respektive an die vermeintlich offizi-
elle Kontaktstelle. Dabei bestritt der Beschuldigte nicht, die Anfragen erhalten
zu haben (Urk. 16/10 S. 13 ff., Beilage 7, Ordner 2; Urk. 26/2/109 und
26/2/231, Ordner 4). Die Verteidigung argumentiert, die BJ._ LLC betreibe
im Zusammenhang mit dem Betriebssystem CF._ oder den Applikationen
keine Support-Hotlines in der Schweiz (Urk. 135 S. 52). Dies hinderte den Be-
schuldigten nicht, solches vorzugeben. Zudem führt die Endzielnummer 27
zum Kundendienst der BJ._ LLC (Urk. 30/1, Ordner 8).
8.2.15. Die Vorinstanz kommt zusammengefasst zum Schluss, der in der Anklage
umschriebene Sachverhalt sei erstellt (Urk. 53 S. 70). Der Beschuldigte habe
durch sein Geschäftsmodell bewirkt, dass im tatrelevanten Zeitraum die in einem
zweiseitigen Anhang zur Anklage aufgeführten Anrufe auf die Mehrwertdienst-
nummer 25 erfolgt seien. Dadurch seien die Kunden im Umfang von Fr. 1'659.20
geschädigt und der Beschuldigte im gleichen Umfang bereichert worden (vgl. zur
Entstehung der Tabelle in Anhang 7 als Auszug einer Gesamtverbindungsliste
den Bericht der Kantonspolizei zur Datenherkunft, Urk. 15/2 S. 3 ff., Ordner 1).
Die im Anhang 7 der Anklage aufgeführten Gespräche (Urk. 53), die Gesamtver-
bindungsliste (Urk. 32/3, Ordner 9, 10 und 11) und die Gesamtdatentabelle
(Urk. 15/1, Ordner 1) hat die Vorinstanz stichprobenweise überprüft. Sie kommt
zum Schluss, dass der Anhang 7 der Anklage zu keinen Beanstandungen An-
lass gibt. Den Schaden bemisst sie auf abgerundet Fr. 1'500.– (vgl.
E. III.2.2.19. vorstehend und IV.1.2. ff. nachfolgend). Die vorinstanzlichen Er-
wägungen können grundsätzlich übernommen werden (Urk. 110 S. 221 - 222).
Es ist nicht zweifelhaft, dass der Beschuldigte auf die generierten Gebühren mit
Bereicherungsabsicht abzielte. Soweit die Vorinstanz drei Anrufe unberücksich-
tigt lässt (Urk. 110 S. 212 und S. 222), ist Folgendes zu ergänzen. Die Unter-
- 86 -
suchung ergab, dass einzelne Anrufe (vgl. auch den Anruf vom 11. September
2015 um 14:49 Uhr) nicht wie angeklagt an die BJ._-Hotline, sondern an
die BM._- oder BV._-Hotline gelangten. Dies ändert aber nichts da-
ran, dass das Beweisergebnis innerhalb des in der Anklage konkretisierten Vor-
wurfs liegt. Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegen-
stand des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 29 Abs. 2 und Art. 32
Abs. 2 BV; Art. 9 und Art. 325 StPO; Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a und b EMRK).
Das Gericht ist an den in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt gebunden
(Immutabilitätsprinzip), nicht aber an dessen rechtliche Würdigung durch die An-
klagebehörde (vgl. Art. 350 StPO). Die Anklage hat die der beschuldigten Person
zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass
die Vorwürfe im objektiven und subjektiven Bereich genügend konkretisiert sind.
Das Anklageprinzip bezweckt zugleich den Schutz der Verteidigungsrechte der
beschuldigten Person und dient dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Informa-
tionsfunktion; BGE 143 IV 63 E. 2.2 S. 65 mit Hinweisen). Der entsprechende
Vorwurf in Bezug auf die genannten Weiterleitungen zur BM._- oder
BV._-Hotline wahrt die Umgrenzungsfunktion und das Immutabilitätsprinzip.
Mit Blick auf die Informationsfunktion war für den Beschuldigten zudem hinrei-
chend klar ersichtlich, was ihm vorgeworfen wird. Dass und inwiefern ihm eine
wirksame Verteidigung nicht möglich gewesen sein sollte, ist weder aufgezeigt
noch erkennbar.
9. Beweisanträge
9.1. Das Beweisergebnis lässt keine vernünftigen Zweifel offen. Weist die
Vorinstanz den Beweisantrag der Verteidigung auf (erneute) Befragung von
BN._ ab (Urk. 110 S. 17), ist dies nicht zu beanstanden. Eine Befragung in
Nachachtung des Untersuchungsgrundsatzes und gestützt auf Art. 389 Abs. 3
StPO ist auch im Berufungsverfahren nicht angezeigt.
Gemäss Art. 6 StPO klären die Strafbehörden von Amtes wegen alle für die
Beurteilung der Tat und der beschuldigten Person bedeutsamen Tatsachen ab
(Abs. 1). Sie untersuchen die belastenden und entlastenden Umstände mit glei-
cher Sorgfalt (Abs. 2). Beim Verzicht auf weitere Beweisabnahmen muss die
- 87 -
Strafbehörde das vorläufige Beweisergebnis hypothetisch um die Fakten des Be-
weisantrags ergänzen und würdigen. Die Ablehnung des Beweisantrags ist zuläs-
sig, wenn die zu beweisende Tatsache nach dieser Würdigung als unerheblich,
offenkundig, der Strafbehörde bekannt oder bereits rechtsgenügend erwiesen
anzusehen ist (Art. 139 Abs. 2 StPO; Urteil 6B_644/2014 vom 28. Januar 2015
E. 3.1 mit Hinweisen). Gleich verhält es sich im Fall der sogenannten Wahrunter-
stellung, bei der die Strafbehörde die mit dem Beweisantrag verbundene
Tatsachenbehauptung zugunsten des Antragstellers als wahr ansieht (THOMAS
HOFER, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, Band I, 2.
Aufl. 2014 [nachfolgend: Basler StPO-Kommentar I], N. 68 zu Art. 10 StPO).
Lehnt die Strafbehörde den Beweisantrag ab, hat sie nicht nur darzulegen, wes-
halb sie aufgrund der bereits abgenommenen Beweise eine bestimmte Überzeu-
gung gewonnen hat, sondern auch, weshalb die beantragte Beweismassnahme
aus ihrer Sicht nichts an ihrer Überzeugung zu ändern vermag (Urteil
6B_479/2016 vom 29. Juli 2016 E. 1.4 mit Hinweis).
BN._ wurde bereits am 23. September 2016 von der Staatsanwaltschaft als
Auskunftsperson befragt. Die von der Verteidigung aufgeworfenen Themen wie
Verantwortlichkeit für Registrierung und Verwaltung der VoIP-Nummern der
BG._, Verantwortlichkeit betreffend allfällige Weiterleitungen zu den Hotlines
(ohne Wissen und entgegen dem Willen des Beschuldigten), Auftrag der
BG._ zur Entgegennahme von Anrufen der Kunden der G._ etc. (vgl.
auch Urk. 135 S. 4 und 33 f.) waren Gegenstand der genannten Einvernahme
(Urk. 17/1, Ordner 3). Wie bereits ausgeführt, fielen die Erklärungen des Beschul-
digten zur behaupteten Zusammenarbeit mit BN._ als nachgeschoben und
widersprüchlich aus. Zudem konnte insbesondere belegt werden, dass die Konfi-
gurationen der auf die BG._ registrierten Nummern zeitgleich mit den Konfi-
gurationen der G._-Nummern erfolgten, sie anhand der gleichen IP-Adresse
vorgenommen wurden und deshalb dem Beschuldigten zuzurechnen sind
(E. II.2.2.12 vorstehend). Weicht BN._ über zwei Jahre später in einer schrift-
lichen Stellungnahme von seinen früheren Aussagen ab (Urk. 94/6), fallen seine
späten Erklärungen wie ausgeführt wenig überzeugend aus und sind sie ungeeig-
net, das Beweisergebnis in Frage zu stellen. Sollte BN._ diese vor Schran-
- 88 -
ken wiederholen, präsentierte sich das Beweisergebnis deshalb nicht anders.
Soweit die Verteidigung zudem meint, BN._ könne "detaillierte Informationen
zur BJ._-Suche und zu den BJ._-Trefferlisten geben" (Urk. 111 S. 5 f.),
kann auch zu diesem Thema auf seine Befragung verzichtet werden. Die erzielten
Suchergebnisse auf www.BJ._.ch sind dokumentiert (Urk. 29/1 ff., Ordner 7).
Offenkundig ist damit auch, dass der Beschuldigte seine Einträge durch kosten-
pflichtige Keywords (in Bezug auf die Werbung BW._), aber auch in der
Rubrik "Webseite" zu optimieren wusste. Dies räumt er im Grunde genommen
selbst ein, wenn er unterstreicht, die Algorithmen von BJ._ zu kennen
(Urk. 16/9 S. 9, Ordner 2). Auch die Kantonspolizei erläutert mögliche Kriterien,
die einen Einfluss auf die Suchresultate haben (Urk. 14 S. 3 ff., Ordner 1). An die-
sem Beweisergebnis würden anderslautende Erklärungen von BN._ nichts
ändern.
9.2. Die Vorinstanz weist den Beweisantrag der Verteidigung auf Einvernahme
von BO._ ab (Urk. 110 S. 17 f.). Die Verteidigung argumentiert, BO._
sei für den Webauftritt der G._ verantwortlich gewesen. Er könne bestätigen,
dass der Beschuldigte alles daran gesetzt habe, bei den Kunden in Bezug auf die
Dienstleistungen der G._, die Kosten und die Verbindungen zu den offiziellen
Herstellern keinen falschen Eindruck zu erwecken. Zudem könne er bezeugen,
dass der Beschuldigte durchaus in der Lage gewesen sei, die von der G._
angebotenen Dienstleistungen zu erbringen. Schliesslich könne auch er detaillier-
te Informationen zur BJ._-Suche und zu den BJ._-Trefferlisten liefern
(Urk. 110 S. 7 f.). Die Befragung von BO._ ist auch im Berufungsverfahren
nicht angezeigt. Art und Weise, wie der Beschuldigte die Mehrwertdienstnummern
auf seinen Webseiten und in den Online-Telefonbüchern bewarb und welchen
Eindruck er damit erweckte, ist hinreichend dokumentiert (Urk. 29/118 ff. und
29/144 ff., Ordner 7). Gesamtverbindungsliste wie auch Echtzeitüberwachung füh-
ren zudem vor Augen, welcher Anteil der Anrufe direkt und welcher Anteil nach
einem kurzen Gespräch nachträglich an die offiziellen Hotlines gelangte. Bereits
der nur kleine Teil nicht weitergeleiteter Anrufe macht deutlich, dass die
Supportdienstleistung des Beschuldigten nicht genügte. Einen ungenügenden
Support offenbart auch die Echtzeitüberwachung von über 1'000 Anrufen. Ob der
- 89 -
Beschuldigte fachlich in der Lage gewesen wäre, den angepriesenen Support zu
erbringen, ist zumindest zweifelhaft, kann aber dahingestellt bleiben. Ebenso we-
nig ist aus oben genannten Gründen eine Befragung zur BJ._-Suche ange-
zeigt.
9.3. Mit der Befragung von BP._ will die Verteidigung schliesslich aufzeigen,
dass der Beschuldigte die Kunden am Telefon sachdienlich beraten hat und
transparent aufgetreten ist. BP._ sei eine wichtige Vertraute des Beschuldig-
ten und könne bezeugen, dass der Beschuldigte alles unternommen habe, eine
Verwechslung mit den Dienstleistungen anderer Unternehmen zu verhindern
(Urk. 111 S. 8 f.). Die Beweislage zeigt Gegenteiliges auf und muss als erdrü-
ckend bezeichnet werden. Es kann auf das bereits Ausgeführte verwiesen wer-
den. Auch hier ist in antizipierter Beweiswürdigung festzuhalten, dass entspre-
chende entlastende Erklärungen von BP._ am Beweisergebnis nichts ändern
würden.
10. Zusammenfassung
Der Beschuldigte ging wie aufgezeigt nach einem repetitiven und damit einheit-
lichen Handlungsmuster vor. Er betrieb sieben kostenpflichtige Mehrwert-
dienstnummern, die er mit einer Ausnahme ("24 BV._ Center") auf seinen
Namen respektive auf die G._ registrieren liess. Sämtliche Mehrwert-
dienstnummern bewarb er auf eigenen Webseiten und/oder in Online-
Telefonbüchern mit mehrheitlich zehn Standorten. Ein Hinweis auf die G._
fand sich auf den Webseiten nur in Untermenüs oder ("CC._", "24/7
BJ._ Applications", "24/7 CF._ Applications") überhaupt nicht. Eben-
so wenig enthielten die Online-Telefonbucheinträge einen Hinweis auf das Un-
ternehmen des Beschuldigten. Den Anrufern wurde ein technischer Support
respektive eine eigenständige Dienstleistung in Aussicht gestellt. Die überwie-
gende Mehrheit der Mehrwertdienstnummern (fünf von sieben) erschien auf
BR._.ch respektive BU._.ch an erster oder zweiter Stelle. Gute Such-
resultate (in Bezug auf "24/7 BV1._", "G1._", "24/7 B._ Support"
und "24/7 BM._ Support") wurden auch bei BJ._-Anfragen in der
Rubrik "Anzeigen" und teilweise in der Rubrik "Webseiten" erzielt. Dass der
- 90 -
Beschwerdeführer in der Vermarktung erfolgreich war, zeigt letztlich der Um-
stand, dass im rund einjährigen Tatzeitraum über 11'500 Anrufe und damit ca.
30 Anrufe pro Tag auf die Mehrwertdienstnummern verzeichnet wurden.
Hinter den einzelnen Mehrwertdienstnummern war jeweils eine VoIP-Nummer
(in der Regel der G._) geschaltet. Dass sodann die Mehrwertdienstnum-
mer 23 ("24 BV._ Center") offiziell auf den Namen CD._, D._ re-
gistriert wurde, ändert nichts daran, dass auch diese Mehrwertdienstnummer
aufgrund der Weiterleitungen auf eine Nummer der G._ und demselben
Vorgehen ohne Weiteres dem Beschuldigten zuzurechnen ist (vgl. E. III.7.2.1.,
7.2.8. und 7.2.13.). Die Weiterleitungen an die Endzielnummern erfolgten be-
treffend sechs von sieben Mehrwertdienstnummern über VoIP-Nummern der
BG._. In sämtlichen Fällen waren (ab Dezember 2015) Umleitungen über
identische Nummern der G._ und des Beschuldigten installiert. Die Mehr-
heit der Anrufe (rund 90%) gelangten direkt oder nachträglich an die offiziellen
Hotlines. Die Verbindung zur jeweils gewählten Mehrwertdienstnummer blieb
auch nach der Weiterleitung zu den offiziellen Hotlines aufrecht. Die Weiterlei-
tungen erfolgten zu jeder Uhrzeit und (mit Ausnahme der "CC._") auch
ausserhalb der Betriebszeiten der Hotlines. Die vom Beschuldigten eingerich-
teten sieben Systeme waren in diesem Sinne nahezu identisch. Sie dienten
dazu, die standardmässigen Weiterleitungen zu vertuschen. Diese spiegeln
sich in allen Echtzeitüberwachungen wider ("24/7 BV1._", "G1._",
"24/7 B._ Support" und "24/7 BM._ Support").
Die geheimen Überwachungsmassnahmen betrafen vier Mehrwertdienst-
nummern respektive über 1'100 Anrufe. Davon wurden rund drei Viertel direkt
weitergeleitet. Die Überwachungsmassnahmen offenbarten zudem Folgendes.
Bei sämtlichen Anrufen, welche der Beschuldigte entgegennahm, unterblieb
grundsätzlich ein Hinweis auf seinen Namen oder denjenigen seiner Unter-
nehmung. Erst auf mehrmaliges Nachfragen legte er in einzelnen Fällen offen,
ein Drittanbieter zu sein. Im Übrigen gab der Beschuldigte implizit oder sogar
ausdrücklich ("24/7 BV1._") vor, bei der offiziellen Hotline handle es sich
um eine Abteilung der vom Kunden gewählten Nummer. Teilweise meldete er
- 91 -
sich unter falschem Namen ("BZ._" bei "G1._"). Stets suggerierte der
Beschuldigte, die fragliche Mehrwertdienstnummer werde vom jeweiligen Her-
steller oder zumindest in dessen Auftrag von einem autorisierten Geschäfts-
partner betreut. Die Echtzeitüberwachung machte weiter deutlich, dass in
nahezu sämtlichen Fällen keine oder eine nur völlig ungenügende Support-
dienstleistung erfolgte. In gleicher Art verfuhr der Beschuldigte mit den Anrufen
der Mehrwertdienstnummern, bei denen nicht auf eine Echtzeitüberwachung,
wohl aber insbesondere auf die Gesamtverbindungsliste zurückgegriffen wer-
den kann. Unter sämtlichen Mehrwertdienstnummern gab er vor, eine eigen-
ständige Support-Dienstleistung zu erbringen. Einen Support rund um die Uhr
erwarteten auch die Anrufer, welche die Mehrwertdienstnummern an sieben
Tage pro Woche und auch nachts wählten. Der Beschuldigte unterschied of-
fensichtlich nicht zwischen den einzelnen Nummern. Vielmehr ging er gleichar-
tig ans Werk und täuschte mit gleichartigen falschen Angaben.
11. Anklagesachverhalt betreffend Widerhandlungen gegen das Marken-
schutzgesetz (MSchG) und das Bundesgesetz gegen den unlauteren
Wettbewerb (UWG)
11.1. Objektiver Sachverhalt
11.1.1. "BV._"
Beim in der Anklage umrissenen Tatvorwurf betreffend Widerhandlungen ge-
gen das MSchG und UWG (Urk. 53 S. 72 - 76) handelt es sich im Wesentli-
chen um eine Zusammenfassung der Anklage (Urk. 53 S. 3 ff.). Es erstaunt
deshalb nicht und ist ebenso wenig zu beanstanden, dass die Vorinstanz
mehrfach auf den bereits erstellten Sachverhalt betreffend "24/7 BV1._"
verweist (soweit die Anklage überhaupt tatsächliche Feststellungen abhandelt).
Dies braucht hier nicht rezitiert zu werden. Die Erwägungen im vorinstanzli-
chen Entscheid können als Ganzes übernommen werden (Urk. 110 S. 223 -
230).
11.1.2. "B._"
- 92 -
Gleiches gilt, soweit dem Beschuldigten zur Last gelegt wird, mit der verwen-
deten Bezeichnung "B._" gegen das MSchG und UWG verstossen zu ha-
ben (Urk. 53 S. 77 - 81). Auch hier handelt es sich im Wesentlichen um eine
Zusammenfassung der Anklage (Urk. 53 S. 25 ff.). Verweist die Vorinstanz
mehrfach auf den bereits erstellten Sachverhalt betreffend "24/7 B._ Sup-
port", sind ihre Erwägungen nur in wenigen Punkten zu präzisieren. Die
Schutzfrist an der Marke "B._" (Marken-Nr. ...) besteht seit 19. April 1995
(Urk 28/2, Ordner 6). Die Anklage verweist auf die Registrierung der Nummer 6
in den Online-Telefonverzeichnissen BR._.ch und BU._.ch sowie die
mit den Suchbegriffen "B._" und "Support" erzielten Resultate (Urk. 53
S. 78). Betreffend diese Ergebnisse ist wie ausgeführt in Abweichung der
Vorinstanz eine positive Rangfolge einzig mit dem Stichwort "B._" auf
BR._.ch belegt (Urk. 29/172, Ordner 7; E. III.4.2.2. vorstehend). Im Übri-
gen können die vorinstanzlichen Erwägungen übernommen werden (Urk. 110
S. 230 - 237).
11.1.3. "BM._"
Auch beim in der Anklage umrissenen Tatvorwurf, mit der verwendeten Be-
zeichnung "BM._" gegen das MSchG und UWG verstossen zu haben
(Urk. 53 S. 82 - 87), handelt es sich im Wesentlichen um eine Zusammenfas-
sung der Anklage (Urk. 53 S. 35 ff.). Verweist die Vorinstanz mehrfach auf den
bereits erstellten Sachverhalt betreffend "24/7 BM._ Support", sind ihre
Erwägungen nur in wenigen Punkten zu präzisieren. Dass der Beschuldigte als
Kontaktdaten die E-Mail-Adresse info@247-BM._.SUPPORT.de.com auf-
führte, ist belegt (Urk. 29/131, Ordner 7). Damit kann auch von einer entspre-
chenden Registrierung, wie ihm die Anklage vorwirft, ausgegangen werden.
Die Anklage verweist zudem auf die Registrierung der Nummer 18 in den Onli-
ne-Telefonverzeichnissen BR._.ch und BU._.ch sowie auf die mit den
Suchbegriffen "BM._" und "Support" erzielten Resultate (Urk. 53 S. 83).
Betreffend diese Ergebnisse ist in Abweichung der Vorinstanz wie ausgeführt
eine positive Rangfolge einzig mit dem Stichwort "BM._" auf BR._.ch
- 93 -
belegt (Urk. 29/184, Ordner 7; E. III.5.2.2. vorstehend). Im Übrigen können die
vorinstanzlichen Erwägungen übernommen werden (Urk. 110 S. 237 - 245).
11.1.4. "BJ._"
Auch beim in der Anklage umrissenen Tatvorwurf, mit der verwendeten Be-
zeichnung "BJ._" gegen das MSchG und UWG verstossen zu haben
(Urk. 53 S. 88 - 92), handelt es sich im Wesentlichen um eine Zusammenfas-
sung der Anklage (Urk. 53 S. 63 ff.). Verweist die Vorinstanz mehrfach auf den
bereits erstellten Sachverhalt betreffend "24/7 BJ._ Applications", ist dies
nicht zu beanstanden und können ihre Erwägungen als Ganzes übernommen
werden (Urk. 110 S. 245 - 251).
11.2. Subjektiver Sachverhalt
11.2.1. Der Beschuldigte anerkannte gewusst zu haben, dass es sich bei
"BV._", "B._", "BM._" und "BJ._" um geschützte Marken
handelte bzw. handelt, welche sich auch auf die in der Anklage erwähnten Be-
ratungs- bzw. Support-Dienstleistungen erstrecken; er bestritt jedoch bis zu-
letzt im Berufungsverfahren davon Kenntnis gehabt zu haben, dass er diese
Marken nicht für das Anpreisen seiner Dienstleistungen haben benützen dür-
fen. Hätte er eine Verwechslungsgefahr zu den besagten Eigentümern der
Marken herstellen wollen, dann hätte er die von ihm betriebenen Internetseiten
den Internetseiten der offiziellen Anbieter angeglichen, was er jedoch nicht ge-
tan habe (Urk. 135 S. 54 f.). Die Vorinstanz hat den subjektiven Sachverhalt
bereits zutreffend als erstellt erachtet. Diesen Erwägungen der Vorinstanz
wurde bereits unter der Erstellung des objektiven Sachverhalts gefolgt und sie
treffen auch insbesondere in Bezug auf den subjektiven Sachverhalt zu
(Urk. 110 S. 225 f. ["BV._"], S. 233 ["B._"], S. 240 f. ["BM._"],
S. 247 ["BJ._"]). Dennoch drängt es sich auf, vorliegend einzelne Erwä-
gungen hervorzuheben und ein wenig ausführlicher darzulegen:
11.2.2. Der Beschuldigte wurde von BM._ mit Schreiben vom 15. April
2015 und 25. Juni 2015 (Urk. 45/1 und Urk. 45/5, Ordner 28) und von
- 94 -
BV._ Inc. mit Schreiben von deren Rechtsvertreter vom 24. April 2015 und
30. April 2015 (Urk. 2/8 und Urk. 2/10, Ordner 1) explizit darauf hingewiesen,
dass er mit seinem Geschäftsmodell gegen deren Markenrechte verstosse. Sie
forderten den Beschuldigten in der Folge auf, entsprechende Nennungen der
Marken zu unterlassen. Bereits aus diesem Umstand geht klar hervor, dass der
Beschuldigte mit der Weiterführung seines Geschäftsmodells eindeutig in Kauf
nahm, dass er zumindest die Markenrechte von BV._ Inc. und BM._
verletzen könnte, was die Vorinstanz zutreffend erwogen hat. Dass der Be-
schuldigte sodann auch wissen musste, dass die Bezeichnungen "BJ._"
und "B._" ebenfalls geschützte Wortmarken darstellen, darf ohne Weite-
res als erstellt betrachtet werden, zumal er dies auch selber anerkannte.
11.2.3. Hinzu kommt jedoch, dass der Beschuldigte sich mehr als ein Jahr vor
diesen Abmahnungen aus eigenem Antrieb offensichtlich dazu veranlasst ge-
sehen hatte, das Geschäftsmodell der G._ in Bezug auf seine Dienstleis-
tungen betreffend BV._-Produkte von einer Anwaltskanzlei überprüfen zu
lassen. Diese kam in ihrer "Notiz" vom 28. Februar 2014 betreffend Verstösse
gegen das UWG zum Schluss, dass dem Beschuldigten "der Vorwurf gemacht
werden [könnte], er mache irreführende Angaben über die Art seiner Dienst-
leistung, indem er verschweigt, dass die Dienstleistung von G._ im Zu-
sammenhang mit dem Support für BV._-Produkte ausschliesslich bzw.
hauptsächlich darin besteht, die Kunden an den eigentlich unentgeltlichen
Support-Dienst der Firma BV._ weiter zu verbinden. [...]. Der durch-
schnittliche Adressat könnte aufgrund der Präsentation der G._ auf
BR._.ch dem Irrtum unterliegen, G._ sei irgendwie auf BV._
Produkte spezialisiert oder stehe in einer vertraglichen Beziehung mit
BV._" (Irreführende Angaben; Urk. 45/7 S. 5 f., Ordner 28). Weiter könne
aus Sicht eines betroffenen Kunden auch mit gutem Grund argumentiert wer-
den, dass dieser der irrigen Meinung unterliege, G._ erbringe die Support-
Dienstleistung selber bzw. hinter dem von G._ angebotenen G1._
stehe die Firma BV._ oder ein von der Firma BV._ autorisierter
Dienstleister (Schaffen einer Verwechslungsgefahr; Urk. 45/7 S. 6, Ordner 28).
Zuletzt wurde auch festgehalten, dass bei einem Testanruf auf die Mehrwert-
- 95 -
dienstnummer der G._ keine Tarifansage ab Band erfolgt sei. "Sollte die
G._ zum Beispiel Gebühren für die Zeit in einer Warteschlange berech-
nen, müsste dies dem Anrufenden gemäss Art. 11a PBV [Preisbekanntgabe-
verordnung] zwingend in einer Sprache des Dienstleistungsangebots unmiss-
verständlich und kostenlos angekündigt werden" (Preisbekanntgabe an Kon-
sumenten; Urk. 45/7 S. 7, Ordner 28). Die entsprechende Notiz vom
28. Februar 2014 äussert sich sodann auch zu möglichen Widerhandlungen
gegen das MSchG und hält fest, dass nach Ansicht der Verfasser eine reelle
Gefahr der Verletzung von Markenrechten der Firma BV._ bestehe
(Urk. 45/7 S. 8, Ordner 28). Die vom Beschuldigten beauftragte Anwaltskanzlei
bezeichnete in einer E-Mail an den Beschuldigten das Geschäftsmodell der
G._ als illegal. Sie hielt zusammenfassend fest, der Betrugstatbestand sei
mit hoher Wahrscheinlichkeit erfüllt. Ausserdem verstosse die G._ mit ho-
her Wahrscheinlichkeit gegen die Bestimmungen des UWG (Urk. 45/6, Ordner
28).
11.2.4. Es ist mithin nicht zweifelhaft, dass der Beschuldigte ab Erhalt des
besagten Rechtsgutachtens davon Kenntnis hatte, dass sein Geschäftsmodell
sowohl gegen das UWG als auch gegen das MSchG und damit gegen die
Rechte der BV._ Inc. verstossen könnte. Um dies zu verhindern, empfahl
ihm die um Rat ersuchte Anwaltskanzlei – insbesondere auch in Bezug auf die
nicht die BV._ Inc. betreffenden Mehrwertdienstleistungen der G._ –,
er solle die G._ in der Adresszeile aufführen, er solle eine Tarifansage für
die kostenpflichtige Weiterleitung aufschalten, er solle auf der Homepage über
die Art seiner Dienstleistung informieren, er solle technisch sicherstellen, dass
die Vorgaben der Preisbekanntgabeverordnung eingehalten würden und er sol-
le das schriftliche Einverständnis der BV._ Inc. zur von der G._ an-
gebotenen Mehrwertdienstleistung einholen (Urk. 45/7 S. 8 f., Ordner 28). In-
dem der Beschuldigte diese Empfehlungen allesamt nicht umsetzte, kann ohne
Weiteres davon ausgegangen werden, dass er – mindestens – in Kauf nahm,
gegen die besagten Vorschriften zu verstossen.
- 96 -
IV. Rechtliche Würdigung
1. Betrug
1.1. Gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB macht sich des Betrugs schuldig, wer in der
Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch
Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt oder ihn in ei-
nem Irrtum arglistig bestärkt und so den Irrenden zu einem Verhalten bestimmt,
wodurch dieser sich selbst oder einen andern am Vermögen schädigt.
Angriffsmittel beim Betrug ist die Täuschung des Opfers. Als Täuschung gilt jedes
Verhalten, das darauf gerichtet ist, bei einem andern eine von der Wirklichkeit
abweichende Vorstellung hervorzurufen. Sie ist eine unrichtige Erklärung über
Tatsachen, das heisst über objektiv feststehende, vergangene oder gegenwärtige
Geschehnisse oder Zustände. Der Tatbestand erfordert eine arglistige Täu-
schung. Betrügerisches Verhalten ist strafrechtlich erst relevant, wenn der Täter
mit einer gewissen Raffinesse oder Durchtriebenheit täuscht. Ob die Täuschung
arglistig ist, hängt nicht davon ab, ob sie gelingt. Wenn das Opfer der Täuschung
nicht erliegt, entfällt Arglist deswegen nicht notwendigerweise. Es ist dann hypo-
thetisch zu prüfen, ob die Täuschung unter Einbezug der Selbstschutzmöglichkei-
ten des Opfers als nicht oder nur erschwert durchschaubar erscheint (BGE 143 IV
302 E. 1.2 S. 303 f. mit Hinweis).
Arglist ist nach ständiger Rechtsprechung gegeben, wenn der Täter sich mehr-
fachen, raffiniert aufeinander abgestimmten Lügen bedient (sogenanntes Lügen-
gebäude), durch welche sich selbst ein kritisches Opfer täuschen lässt, oder bei
besonderen Machenschaften im Sinne von Inszenierungen, die durch intensive,
planmässige und systematische Vorkehrungen, nicht aber notwendigerweise
durch eine besondere tatsächliche oder intellektuelle Komplexität gekennzeichnet
sind. Dagegen genügen einfache Lügen, plumpe Tricks oder leicht überprüfbare
falsche Angaben als solche grundsätzlich nicht. Bei einfachen falschen Angaben
ist das Merkmal der Arglist jedoch dennoch erfüllt, wenn deren Überprüfung nicht
oder nur mit besonderer Mühe möglich oder nicht zumutbar ist und wenn der Tä-
ter den Getäuschten von der möglichen Überprüfung abhält oder nach den Um-
- 97 -
ständen voraussieht, dass dieser die Überprüfung der Angaben auf Grund eines
besonderen Vertrauensverhältnisses unterlassen werde (BGE 143 IV 302 E. 1.3.1
S. 304; 135 IV 76 E. 5.2 S. 79 ff. mit Hinweisen).
Arglist scheidet aus, wenn der Getäuschte den Irrtum mit einem Mindestmass an
Aufmerksamkeit hätte vermeiden können. Auch unter dem Gesichtspunkt der
Opfermitverantwortung erfordert die Erfüllung des Tatbestands indes nicht, dass
das Täuschungsopfer die grösstmögliche Sorgfalt walten lässt und alle erdenk-
lichen Vorkehren trifft. Entsprechend entfällt der strafrechtliche Schutz nicht bei
jeder Fahrlässigkeit des Getäuschten, sondern nur bei Leichtfertigkeit, welche das
betrügerische Verhalten des Täters in den Hintergrund treten lässt. Die zum Aus-
schluss der Strafbarkeit des Täuschenden führende Opferverantwortung kann nur
in Ausnahmefällen bejaht werden. Nach der Rechtsprechung ist die Vorspiege-
lung des Leistungswillens grundsätzlich arglistig im Sinne von Art. 146 StGB, weil
sie eine innere Tatsache betrifft, die vom Vertragspartner ihrem Wesen nach nicht
direkt überprüft werden kann (BGE 118 IV 359 E. 2 S. 361 mit Hinweisen). Arglist
kann bei einfachen falschen Aussagen gegeben sein, wenn eine weitere Über-
prüfung nicht handelsüblich ist, etwa weil sie sich im Alltag als unverhältnismässig
erweist und die konkreten Verhältnisse eine nähere Abklärung nicht nahelegen
oder gar aufdrängen und dem Opfer diesbezüglich der Vorwurf der Leichtfertigkeit
nicht gemacht werden kann. Mit einer engen Auslegung des Betrugstatbestands
würden die sozialadäquate Geschäftsausübung und damit der Regelfall des
Geschäftsalltags betrugsrechtlich nicht geschützt. Selbst ein erhebliches Mass an
Naivität des Geschädigten hat nicht in jedem Fall zur Folge, dass der Täter straf-
los ausgeht (BGE 142 IV 153 E. 2.2.2 S. 155 f. mit Hinweisen).
Der Tatbestand des Betrugs setzt einen Vermögensschaden voraus. Ein Ver-
mögensschaden liegt vor, wenn das Vermögen des Täuschungsopfers nach Vor-
nahme der irrtumsbedingten Vermögensverfügung in seinem Gesamtwert – durch
Verringerung der Aktiven oder Vermehrung der Passiven – tatsächlich vermindert
ist. Das ist auch der Fall, wenn das Vermögen in einem Masse gefährdet wird,
dass es in seinem wirtschaftlichen Wert herabgesetzt ist, mithin wenn der Gefähr-
dung im Rahmen einer sorgfältigen Bilanzierung durch Wertberichtigung oder
- 98 -
Rückstellung Rechnung getragen werden muss (BGE 142 IV 346 E. 3.2 S. 350;
129 IV 124 E. 3.1 S. 125 f.; Urteil 6B_97/2019 vom 6. November 2019 E. 2.1.1; je
mit Hinweisen; eingehend MARKUS BOOG, Die Rechtsprechung des Bundesgerichts
zum Begriff des Vermögensschadens beim Betrug, 1991, S. 13 ff.).
In subjektiver Hinsicht erfordert der Tatbestand Vorsatz und Handeln in unrecht-
mässiger Bereicherungsabsicht.
1.2. Der Beschuldigte ging vergleichbar ans Werk und täuschte mit gleichartigen
falschen Angaben. Sein Handlungsmuster war nicht auf ein konkretes Opfer,
sondern auf eine ganze Opfergruppe angelegt. Das Gericht darf in einer solchen
Konstellation die Tatbestandsmerkmale des Betrugs für alle Einzelhandlungen
gemeinsam prüfen (vgl. BGE 119 IV 284 E. 5a S. 286 f.; Urteil 6B_466/2008 vom
15. Dezember 2008 E. 3.3 mit Hinweisen, nicht publ. in: BGE 135 IV 76).
Mit dem Auftreten auf den Webseiten und in den Online-Telefonbüchern, den
verwendeten Bezeichnungen wie etwa "G1._" und "24/7 BV._ Care" (in
den Domainnamen, den Webseiten, den Online-Telefonbüchern und der mündli-
chen Begrüssung) sowie mit den persönlich geführten Gesprächen täuschte der
Beschuldigte eine (technische) Support-Dienstleistung vor. Eine eigenständige
Unterstützung respektive einen tatsächlichen Support wollte er nicht erbringen.
Vielmehr wollte er die Anrufer an die Hotlines der Hersteller verweisen, was zu
den (direkten oder nachträglichen) Weiterleitungen führte. Damit täuschte der Be-
schuldigte über seinen Erfüllungswillen. Aufgrund der Täuschung über sein ver-
folgtes Ziel und sein eigentliches Geschäftsmodell bewirkte der Beschuldigte bei
den Anrufern (als Spiegelbild) einen Irrtum. Diese Täuschung und der Irrtum –
und nicht der Umstand, dass der Beschuldigte die Kunden über die (fehlenden
oder tieferen) Gebühren der offiziellen Hotlines nicht aufklärte (Urk. 135 S. 27) –
sind Gegenstand des tatbestandmässigen Verhaltens. Die Kunden erwarteten
entgegen der Verteidigung (Urk. 135 S. 58) eine tatsächliche Hilfeleistung, die
über eine blosse Vermittlung hinausging und durften dies aufgrund des Auftritts
der G._ bzw. aufgrund des Auftritts des Beschuldigten im Zusammenhang
mit den angebotenen Mehrwertdienstnummern auch erwarten. Die Anrufer mein-
ten, der Beschuldigte respektive der Betreiber der kontaktieren Mehrwertdienst-
- 99 -
nummer würde die erwartete Hilfeleistung erbringen. Deshalb wählten sie die hin-
ter der Unternehmung jeweils stehende Mehrwertdienstnummer. Dies gilt sowohl
für Anrufer, die ein (kurzes) Gespräch mit dem Beschuldigten führten, als auch für
jene, die direkt weitergeleitet wurden. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern dies mit
dem Anrufer vergleichbar sein sollte, der im Beispiel der Verteidigung (Urk. 135
S. 46) seine Fahrzeugversicherung anruft und zweifelsohne nicht annimmt, des-
sen Gesprächspartner persönlich würde sein stehengebliebenes Fahrzeug repa-
rieren.
Das Tatbestandsmerkmal der Arglist ist erfüllt. Die Arglist ergibt sich schon aus
der festgestellten Vortäuschung des Erfüllungswillens, zumal dieser als innerer
Vorgang seinem Wesen nach nicht direkt überprüft werden kann. Hinzu kommt,
dass für die Anrufer keine Gründe vorlagen, besondere Vorsicht walten zu lassen.
Zum einen lagen keine konkreten Anhaltspunkte vor, die auf einen fehlenden
Leistungswillen hingewiesen hätten. Vielmehr erweckte der Beschuldigte gekonnt
den gegenteiligen Eindruck. Zum andern mussten die Anrufer mit Blick auf die
eher geringen Kosten, die ihnen durch einen Anruf entstehen würden, nicht grös-
sere Vorsicht oder gar Misstrauen an den Tag legen.
Der Betrug zeichnet sich dadurch aus, dass der Täter das Opfer durch motivie-
rende Einwirkung dazu veranlasst, sich selbst durch die Vornahme einer Vermö-
gensverfügung zugunsten des Täters oder eines Dritten zu schädigen (Urteil
6B_183/2014 vom 28. Oktober 2014 E. 3.2 mit Hinweisen, nicht publ. in BGE 140
IV 150). Vermögensverfügung ist grundsätzlich jedes Handeln oder Unterlassen,
das eine Vermögensverminderung unmittelbar herbeiführt. Unmittelbarkeit bedeu-
tet, dass das irrtumsbedingte Verhalten des Getäuschten zu der Vermögensmin-
derung führt, ohne dass dafür noch zusätzliche deliktische Zwischenhandlungen
des Täters erforderlich sind (BGE 126 IV 113 E. 3a S. 116 f. mit Hinweisen; Urteil
6B_24/2018 vom 22. Mai 2019 E. 3.3.1). Dies ist hier zu bejahen. Aufgrund des
Irrtums der Kunden wählten diese die jeweils vom Beschuldigten publizierte kos-
tenpflichtige Mehrwertdienstnummer. Für die Anrufe zahlten die Kunden pro Minu-
te Fr. 1.99, was im genannten Sinne unmittelbar eine Vermögensminderung be-
wirkte. Zwischen Täuschung, Irrtum und Vermögensdisposition muss ein
- 100 -
Motivationszusammenhang bestehen (BGE 128 IV 255 E. 2e/aa S. 256 f. mit
Hinweis; 126 IV 113 E. 3a S. 117; ANDREAS DONATSCH, Strafrecht III, Delikte gegen
den Einzelnen, 11. Aufl. 2018, S. 241). Ein solcher Zusammenhang liegt hier
ebenso vor. Hätten die Kunden vom fehlenden Erfüllungswillen des Beschuldigten
gewusst, hätten sie direkt die offiziellen kostenlosen oder kostengünstigeren Hot-
lines gewählt. Damit unterschieden sich die Kunden von jenen, die im Beispiel der
Verteidigung einen Auskunftsdienst kontaktieren und von diesem weitergeleitet
werden (Urk. 98 S. 12 und 49; Urk. 135 S. 18 f., 28 f. und 39).
1.3. Nebst dem fehlenden Erfüllungswillen wurde ein Grossteil der Kunden zu-
sätzlich über eine weitere Tatsache getäuscht. Mit den verwendeten Bezeichnun-
gen in den verschiedenen Domainnamen, in den (teilweise verknüpften) Websei-
ten, in den Mailadressen, mit URL's, die sich teilweise an den Domainnamen offi-
zieller Hersteller orientierten, mit der Art und Anzahl der Publikationen in den On-
line-
Telefonbüchern und mit den häufig guten Suchresultaten auf BJ._.ch und in
den Online-Telefonbüchern suggerierte der Beschuldigte, die fragliche Mehrwert-
dienstnummer werde vom jeweiligen Hersteller etc. oder zumindest in dessen
Auftrag von einem autorisierten Geschäftspartner betreut. Dies spiegelte der Be-
schuldigte auch in den persönlichen Gesprächen vor und bestärkte die Anrufer in
ihrem Irrtum. Soweit die Verteidigung vorbringt, dem Anrufer sei es nicht darauf
angekommen, wer vom Support-Team seinen Anruf entgegennimmt, vermag die-
se Argumentation den Beschuldigten nicht zu entlasten (Urk. 98 S. 12 und 44 f.;
Urk. 135 S. 27, 37, 52, 57 und 59). Zwar dürfte die Behauptung ohne Weiteres zu-
treffen. Hingegen schuf der Beschuldigte mit seinen Vorkehrungen die falsche
Vorstellung, die Anrufer würden über eine zu BV._ Inc., B._ etc. oder
eine zu deren autorisierten Geschäftspartnern gehörende Nummer an den ent-
sprechenden Hersteller oder an dessen autorisierten Geschäftspartner gelangen.
In diesem Glauben wählten die Anrufer die jeweiligen Mehrwertdienstnummern.
Einer Beilage zur Berufungsbegründung kann sodann auch direkt ein Beispiel ei-
nes Supports für BV._-Produkte des Eletronikfachgeschäfts CH._ ent-
nommen werden, welches seine Dienstleistungen auf BJ._ unter der Inter-
netseite "www.CH._.ch/BV._" bewirbt und somit keine Zweifel offen
- 101 -
lässt, dass der Support nicht von der BV._ Inc. selber angeboten wird
(Urk. 136/15 S. 1; Urk. 29/35, Ordner 7). Gleiches wäre auch dem Beschuldigten
offengestanden.
Das Tatbestandsmerkmal der Arglist ist wiederum erfüllt. Wohl wäre es möglich
gewesen zu prüfen, ob beispielsweise hinter der Mehrwertdienstnummer 6 tat-
sächlich die BV._ Inc. oder ein autorisierter Geschäftspartner der BV._
Inc. steht. Vertiefte Abklärungen waren aber nicht zumutbar. Zum einen waren die
Kunden, an die sich der Beschuldigte richtete, in aller Regel auf eine schnelle
Lösung ihres Problems respektive auf entsprechende Informationen angewiesen.
Zum andern rechneten die Kunden mit einer raschen Lösung ihres Anliegens und
damit mit einem Aufwand von wenigen Minuten und Franken. Auch deshalb war
eine Überprüfung nicht zumutbar. Dass die Kunden seinen Angaben wenig Zeit
und Aufmerksamkeit widmen würden, sah der Beschuldigte denn auch voraus. Es
leuchtet nicht ein, weshalb dessen Einträge in den Online-Telefonbüchern laut
Verteidigung einer sorgfältigen Überprüfung bedurft hätten (Urk. 98 S. 45;
Urk. 135 S. 57 f.).
Die Verteidigung unterstreicht, es sei für alle ein Leichtes gewesen, die offiziellen
Webseiten etwa der BV._ Inc. von den Webseiten des Beschuldigten zu un-
terscheiden (beispielsweise Urk. 98 S. 4 und 28; Urk. 135 S. 8 f., 19 f., 37 f. und
46). Dieses Argument kann von vornherein nur jene Anrufer tangieren, welche die
Webseiten des Beschuldigten konsultierten und so die Mehrwertdienstnummer in
Erfahrung brachten (und nicht bloss die Online-Telefonbucheinträge oder die
Suchresultate in den "Anzeigen" oder "Webseiten", welche die Nummern 6, 5 und
18 teilweise direkt abbildeten und damit ein Aufsuchen der Webseiten entbehrlich
machten). Bei diesen Anrufern verneint die Vorinstanz eine arglistige Täuschung
im genannten Sinne (nicht aber in Bezug auf den vorgetäuschten Erfüllungswillen;
Urk. 110 S. 258). Dies ist nicht richtig. Es lässt sich nicht sagen, die Getäuschten
hätten den Irrtum mit einem Blick auf die Webseite des Beschuldigten und mit ei-
nem Mindestmass an Aufmerksamkeit vermeiden können. Zwar trifft zu, dass die
Webseiten nicht professionell aufgebaut sind. Hingegen war ein Hinweis auf die
G._ überhaupt nicht oder nur in einem Untermenü enthalten. Diese Websei-
- 102 -
ten für die Webseiten autorisierter Partner der Hersteller gehalten zu haben, mag
fahrlässig gewesen sein. Sie darüber hinaus für die Webseiten der offiziellen Her-
steller gehalten zu haben, mag in gewisser Hinsicht sogar naiv gewesen sein.
Selbst ein erhebliches Mass an Naivität des Geschädigten hat aber nicht in jedem
Fall zur Folge, dass der Täter straflos ausgeht (BGE 142 IV 153 E. 2.2.2 S. 155 f.
mit Hinweis). Kann die zum Ausschluss der Strafbarkeit des Täuschenden füh-
rende Opferverantwortung nur in Ausnahmefällen bejaht werden, liegt ein solcher
Ausnahmefall hier nicht vor. Das Bundesgericht verneinte eine Opferverantwor-
tung etwa im Fall eines Beteiligten des European Kings Club, der den Käufern
von Anteilscheinen eine Rendite von 71% garantierte mit einer 100% Sicherheit
von Anlage und Rendite. Es wurde festgehalten, das Strafrecht schütze unter an-
derem auch unerfahrene und vertrauensselige Personen vor betrügerischen Ma-
chenschaften (Urteil 6P.172/2000 vom 14. Mai 2001 E. 8). Geschützt wurden
auch Geschädigte, die den Versprechen des Täters in Inseraten im "CI._"
und in der "CJ._" ("Jetzt sofort Bargeld per Telefon (...) auch bei bestehen-
den Krediten innert 24 Std.") Glauben schenkten (Urteil 6B_497/2014 vom 6.
März 2015 E. 3.4). Von einer Leichtfertigkeit, welche das betrügerische Verhalten
des Beschuldigten in den Hintergrund treten lässt, kann nicht gesprochen werden.
Es besteht kein Raum, den Kunden die Missachtung grundlegendster Vorsichts-
massnahmen vorzuwerfen (etwa, weil sie nicht alle Untermenüs konsultierten)
und ihnen die Verantwortung für den erlittenen Vermögensschaden zuzuschie-
ben.
Aufgrund der falschen Vorstellung, die fragliche Mehrwertdienstnummer werde
vom jeweiligen Hersteller etc. oder – insbesondere bei der Mehrwertdienstnum-
mer 15 – zumindest in dessen Auftrag von einem autorisierten Geschäftspartner
betreut, wählten die Kunden die kostenpflichtigen Mehrwertdienstnummern des
Beschuldigten. Eine Vermögensminderung und ein Motivationszusammenhang
zwischen Täuschung, Irrtum und Vermögensdisposition sind auch bei diesen
Kunden zu bejahen. Wären die Kunden nicht hinters Licht geführt worden, hätten
sie direkt die offiziellen kostenlosen oder kostengünstigeren Hotlines gewählt.
- 103 -
1.4. Überdies täuschte der Beschuldigte die Anrufer mit der Verwendung der
Bezeichnungen "24/7" oder "24h" auch darüber, dass er seine Dienstleistungen
während 24 Stunden an 7 Tagen erbringen würde. Aufgrund des erstellten
Sachverhalts ist klar, dass der Beschuldigte nie beabsichtigte, einen entspre-
chenden Rund-um-die-Uhr-Support anzubieten und er die Anrufer stattdessen
grösstenteils direkt und ohne Annahme des Gesprächs an die zu diesen Zeiten –
mit Ausnahme der Support-Hotline der CC2._ AG – geschlossenen Hotlines
der offiziellen Anbieter weiterleitete. Dass die Anrufer infolge dieser Täuschung
einem Irrtum unterlagen und es sich somit nicht wie von der Verteidigung einge-
wendet um eine leicht durchschaubare Werbemassnahme handelte (Urk. 135
S. 36 f.), zeigt sich am Umstand, dass zahlreiche Anrufe, wenn auch nicht die
Mehrzahl, auch tatsächlich ausserhalb der üblichen Geschäftszeiten auf die
Mehrwertdienstnummern eingingen. Insbesondere zu diesen Zeiten täuschte der
Beschuldigte die Anrufer damit mehrfach, da ihnen – entgegen dem Einwand der
Verteidigung (Urk. 135 S. 36) – insbesondere nicht offenstand, die offiziellen
Anbieter-Hotlines zu kontaktieren und dort um Hilfe zu ersuchen, sofern sie nicht
bereits davon ausgingen, an diese gelangt zu sein. In der Unterstützung der Anru-
fer ausserhalb der üblichen Geschäftszeiten haben die entsprechenden Anrufer
mutmasslich den Mehrwert der vom Beschuldigten angebotenen Dienstleistungen
gesehen, wie der heutige amtliche Verteidiger in seinen Antwortschreiben an die
BM1._ GmbH und an den Rechtsvertreter der BV._ Inc. auf deren Ab-
mahnungen hin selber treffend festhielt (Urk. 2/12 S. 2, Ordner 1; Urk. 45/4 S. 2,
Ordner 28).
Auch hierbei ist das Tatbestandsmerkmal der Arglist gegeben. Die Anrufer durften
aufgrund der gewählten Bezeichnungen der Mehrwertdienstnummern mit "24/7
BV1._", "G1._", "24/7 B._ Support", "24/7 BM._ Support",
"24/7 BJ._ Applications" und "24/7 CF._ Applications" ohne Weiteres
davon ausgehen, dass sie beim Wählen der entsprechenden Mehrwertdienst-
nummern während 24 Stunden an 7 Tagen Unterstützung für ihre Probleme erhal-
ten würden. Gegenteiliges hätte sich den Anrufern zudem auch nicht bei der An-
sicht der dazugehörigen Internetseiten eröffnet. Entsprechend bestand betreffend
- 104 -
diese Täuschung gar keine Möglichkeit für die Anrufer, einen Irrtum durch weitere
Nachforschungen aufzuklären.
Aufgrund der falschen Vorstellung, die fragliche Mehrwertdienstnummer werde
während 24 Stunden an 7 Tagen betreut, wählten die Kunden die kostenpflichti-
gen Mehrwertdienstnummern des Beschuldigten insbesondere auch ausserhalb
der üblichen Geschäftszeiten. Eine Vermögensminderung und ein Motivationszu-
sammenhang zwischen Täuschung, Irrtum und Vermögensdisposition sind auch
bei diesen Kunden zu bejahen. Wären die Kunden nicht hinters Licht geführt wor-
den, hätten sie sich ausserhalb der üblichen Geschäftszeiten nicht zu einem Anruf
auf eine kostenpflichtige Mehrwertdienstnummer entschieden.
1.5. Den Anrufern entstanden Kosten von Fr. 1.99 pro Minute während der ge-
samten Anrufdauer. Die vom Beschuldigten erbrachte Leistung erschöpfte sich
fast ausschliesslich in einer direkten oder nachträglichen Weiterleitung zu den of-
fiziellen Stellen. In der grossen Mehrheit der Fälle waren seine Leistungen für die
Anrufer nutzlos und verzichtbar und damit wirtschaftlich gesehen wertlos. Setzt
der wirtschaftliche Vermögens- und Schadensbegriff voraus, dass das Vermögen
vor und nach der Täuschung verglichen wird, wurde das Vermögen der Täu-
schungsopfer durch die Vornahme der irrtumsbedingten Vermögensverfügungen
in diesem Umfang geschmälert. Die wenigen Anrufer, die nicht mit den offiziellen
Hotlines verbunden wurden, erhielten vom Beschuldigten eine geldwerte Gegen-
leistung. Davon ist zugunsten des Beschuldigten auszugehen. In diesem Umfang
verringert sich der Vermögensschaden. Nimmt die Vorinstanz eine Reduktion von
jeweils rund 10 - 15% vor und bemisst sie den Deliktsbetrag auf insgesamt
Fr. 200'000.– (vgl. E. III.2.2.19., 3.2.15., 4.2.15., 5.2.15., 6.2.15., 7.2.13. und
8.2.15. vorstehend), ist dies wohlwollend und angemessen. Die Verteidigung
bringt in diesem Zusammenhang vor, die Anrufer hätten auch bei direktem Kon-
takt mit den Herstellern Kosten tragen müssen (Urk. 98 S. 28 und 49). Dies ver-
mag den Beschuldigten nicht zu entlasten. Zum einen wurden die offiziellen Hot-
lines im Tatzeitraum häufig als kostenlose ...-Nummern betrieben. Andere gebüh-
renpflichtige Nummern kosteten in der Regel lediglich Fr. 0.075 pro Minute und
damit einen Bruchteil der Mehrwertdienstnummern des Beschuldigten. Zumindest
- 105 -
teilweise fielen die Kosten der offiziellen Hotlines zusätzlich an. So wurden Anru-
fer etwa von der BV._ Inc. darauf hingewiesen, dass sie je nach Garantie ei-
nen kostenpflichtigen Beratungsvertrag zu erwerben hatten (vgl. Gespräche vom
23. März 2016, 9:34 Uhr, 12. April 2016, 12:07 Uhr, 17. März 2016, 11:17 Uhr,
Urk. 16/6, Beilagen 4, 7 und 10, Ordner 1). Es erstaunt deshalb nicht, dass der
Beschuldigte nicht etwa geltend macht, für die Gesprächsgebühren der offiziellen
Hotlines aufgekommen zu sein. Letztlich kann die Frage, bei wem diese Kosten
anfielen, unbeantwortet bleiben. Selbst wenn der Beschuldigte dafür aufgekom-
men wäre, würde dies mit Blick auf die höchstens geringen Gebühren der offiziel-
len Hotlines von Fr. 0.075 pro Minute am Umfang des Vermögensschadens nichts
Wesentliches ändern.
Hingegen wurde von der Verteidigung vor Vorinstanz vorgebracht, es könne nicht
stimmen, dass sich der Beschuldigte im Umfang von rund Fr. 164'500.– bei "24/7
BV1._" (und entsprechend bei den anderen Mehrwertdienstnummern)
bereichert habe. Es handle sich bei den von den Anrufern zu bezahlenden Beträ-
gen für das Wählen der Mehrwertdienstnummer um Bruttoerträge. Davon müss-
ten die vom Beschuldigten zu zahlenden Gebühren für die Mehrwertdienstnum-
mern und auch die übrigen Geschäftskosten abgezogen werden (Urk. 98 S. 30).
Dem kann nicht gefolgt werden. Die erzielten Vermögenswerte von insgesamt
rund Fr. 200'000.– sind wie ausgeführt deliktischer Herkunft. Der betriebliche
Aufwand für die Machenschaften schmälert den Vermögensschaden offensichtlich
nicht. Aus diesem Schaden bereicherte sich der Beschuldigte unrechtmässig. Die
sogenannte Stoffgleichheit als innerer Zusammenhang zwischen Schaden und
Bereicherung liegt vor (BGE 134 IV 210 E. 5.3 S. 213 f. mit Hinweisen; BERNARD
CORBOZ, Les infractions en droit suisse, Vol. I, 3. Aufl. 2010, N. 41 zu Art. 146
StGB). Wenngleich das genaue Ausmass der Bereicherung nicht für die Tatbe-
standsmässigkeit, sondern erst für die Strafzumessung relevant ist, kann Folgen-
des festgehalten werden. Die vom Beschuldigten betriebenen Mehrwertdienst-
nummern dienten einzig seinem betrügerischen Geschäftsmodell. Im Zusammen-
hang mit der Vermögenseinziehung im Sinne von Art. 70 StGB und der Festset-
zung einer Ersatzforderung nach Art. 71 StGB neigt das Bundesgericht zur An-
wendung des Bruttoprinzips. Es betonte, dass ein Abzug der Kosten der eigentli-
- 106 -
chen Straftat bei der Berechnung der Ersatzforderung ausser Betracht fällt (BGE
141 IV 317 E. 5.8 S. 326 f.; Urteile 6P.236/2006 vom 23. März 2007 E. 11, nicht
publ. in BGE 133 IV 112; 6B_728/2010 vom 1. März 2011 E. 4.5.3; 6B_56/2010
vom 29. Juni 2010 E. 3.2; vgl. auch FLORIAN BAUMANN, in: Basler Kommentar,
Strafrecht, Bd. I, 4. Aufl. 2019, N. 34 f. zu Art. 70/71 StGB; MARCEL SCHOLL, in:
Kommentar Kriminelles Vermögen, Kriminelle Organisation: Einziehung, Kriminel-
le Organisation, Finanzierung des Terrorismus, Geldwäscherei, Bd. I, 2018, § 5
N. 100 ff.). Damit fällt ein Abzug der geltend gemachten Gebühren für die Mehr-
wertdienstnummern und der "übrigen Geschäftskosten" auch beim Ausmass der
Bereicherung ausser Betracht.
1.6. Betreffend die objektiven Tatbestandsmerkmale handelte der Beschuldigte
gestützt auf das Beweisergebnis mit Wissen und Willen und damit vorsätzlich.
Zudem wollte er sich aus dem Vermögensschaden bereichern. Auf die erlangten
Gebühren hatte er keinen rechtmässigen Anspruch.
1.7. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, im Sinne von Art. 146 Abs. 2 StGB
gewerbsmässig gehandelt zu haben (Urk. 53 S. 71).
Nach der Rechtsprechung handelt der Täter gewerbsmässig, wenn sich aus der
Zeit und den Mitteln, die der Täter für die deliktische Tätigkeit aufwendet, aus der
Häufigkeit der Einzelakte innerhalb eines bestimmten Zeitraums sowie aus den
angestrebten und erzielten Einkünften ergibt, dass er die deliktische Tätigkeit
nach der Art eines Berufes ausübt. Wesentlich ist ausserdem, dass der Täter sich
darauf einrichtet, durch sein deliktisches Handeln relativ regelmässige Einnahmen
zu erzielen, die einen namhaften Beitrag an die Kosten seiner Lebensgestaltung
darstellen. Zudem muss er die Tat bereits mehrfach begangen haben (BGE 129
IV 188 E. 3.1.2 S. 191; 119 IV 129 E. 3a S. 132 f.; Urteil 6B_860/2018 vom
18. Dezember 2018 E. 4.3; je mit Hinweisen).
Der Beschuldigte betrieb sieben Mehrwertdienstnummern, auf die im rund einjäh-
rigen Tatzeitraum über 11'500 Anrufe (ca. 30 Anrufe pro Tag) eingingen. Nebst
den persönlich geführten Gesprächen leistete der Beschuldigte einen wesent-
lichen Aufwand, die Mehrwertdienstnummern auf zahlreichen Webseiten sowie
- 107 -
auf der Suchmaschine von BJ._, auf BR._.ch und auf BU._.ch
mit Erfolg zu bewerben. Einen grossen Aufwand betrieb er auch, um die stan-
dardmässigen Weiterleitungen zu vertuschen und damit sein System nicht auf-
fliegen zu lassen. Auch aus den angestrebten und tatsächlich erzielten Einkünf-
ten, die einen wesentlichen Beitrag an die Finanzierung seiner Lebenshaltung
darstellten, zeigt sich ein gewerbsmässiges Handeln. Dass der Beschuldigte
die eingeklagte Tätigkeit als Beruf verstand, geht auch aus dessen Aussagen
hervor. So hielt er etwa fest, die G._ sei in zwei Hauptbereichen mit
Mehrwertdienstleistungen tätig, unter anderem im anklagerelevanten Bereich
"G1._" (Prot. I S. 3). Es ist deshalb nicht zweifelhaft, dass der Beschuldig-
te die fraglichen Mehrwertdienstnummern und damit die deliktische Tätigkeit
gewerbsmässig betrieb. Hält die Verteidigung fest, eine solche Geschäftsart
sei bloss "in vieler Augen nicht gerade die feine" (Urk. 98 S. 49; Urk. 135
S. 60), redet sie die fraglichen Machenschaften schön.
1.8. Der Beschuldigte ist schuldig zu sprechen des gewerbsmässigen Betrugs im
Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 146 Abs. 2 StGB.
2. Betrügerischer Markengebrauch, Markenrechtsverletzung, unlauterer Wett-
bewerb
2.1. Nach Art. 61 Abs. 1 MSchG wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder
Geldstrafe bestraft, wer vorsätzlich das Markenrecht eines anderen verletzt, in-
dem er sich die Marke des anderen anmasst oder diese nachmacht oder nach-
ahmt (lit. a). Eine Markenrechtsverletzung begeht auch, wer unter der angemass-
ten, nachgemachten oder nachgeahmten Marke Waren in Verkehr setzt oder
Dienstleistungen erbringt, solche Waren anbietet, ein-, aus- oder durchführt, sie
zum Zweck des Inverkehrbringens lagert oder für sie wirbt oder solche Dienstleis-
tungen anbietet oder für sie wirbt (lit. b). Einen betrügerischen Markengebrauch
im Sinne von Art. 62 Abs. 1 MSchG begeht, wer Waren oder Dienstleistungen
zum Zwecke der Täuschung widerrechtlich mit der Marke eines anderen kenn-
zeichnet und auf diese Weise den Anschein erweckt, es handle sich um Original-
waren oder -dienstleistungen (lit. a). Tatbestandsmässig verhält sich auch, wer
widerrechtlich mit der Marke eines anderen gekennzeichnete Waren oder Dienst-
- 108 -
leistungen als Originalwaren anbietet oder in Verkehr setzt oder als Original-
dienstleistungen anbietet oder erbringt (lit. b).
Als Nachmachung im Sinne von Art. 61 Abs. 1 MSchG gilt die Verwendung eines
identischen Zeichens für gleiche oder gleichartige Produkte (Art. 3 Abs. 1 lit. a
und b MSchG) und als Nachahmung die Verwendung eines verwechselbar
ähnlichen Zeichens für gleiche oder gleichartige Produkte (Art. 3 Abs. 1 lit. c
MSchG). Die Anmassung fällt unter Art. 3 Abs. 1 lit. a oder b MSchG, sie ist be-
reits im Begriff der Nachmachung enthalten (MANUEL BIGLER, in: Basler Kommen-
tar zum Markenschutzgesetz und Wappenschutzgesetz, 3. Aufl. 2017 [nachfol-
gend: Basler MSchG-Kommentar], N. 8 zu Art. 61 MSchG).
Nach Art. 13 Abs. 1 MSchG verleiht das Markenrecht dem Inhaber das aus-
schliessliche Recht, die Marke zur Kennzeichnung der Waren oder Dienstleist-
ungen, für die sie beansprucht wird, zu gebrauchen und darüber zu verfügen. Der
Markeninhaber kann anderen verbieten lassen, dasselbe oder ein ähnliches
Zeichen zu gebrauchen, sofern sich daraus eine Verwechslungsgefahr ergibt
(Art. 13 Abs. 2 MSchG in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1 MSchG).
2.2. Gemäss Art. 23 Abs. 1 UWG wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder
Geldstrafe bestraft, wer vorsätzlich unlauteren Wettbewerb nach Artikel 3 begeht.
Gemäss Art. 3 UWG ("Unlautere Werbe- und Verkaufsmethoden und anderes
widerrechtliches Verhalten") handelt unter anderem unlauter, wer (Abs. 1 lit. d)
Massnahmen trifft, die geeignet sind, Verwechslungen mit den Waren, Werken,
Leistungen oder dem Geschäftsbetrieb eines anderen herbeizuführen. Unter den
mitunter als wettbewerbsrechtlicher Kennzeichenschutz bezeichneten Tatbestand
von Art. 3 Abs. 1 lit. d UWG fallen sämtliche Verhaltensweisen, bei denen
das Publikum durch die Schaffung von Verwechslungsgefahr irregeführt wird
(BGE 128 III 353 E. 4 S. 359; 126 III 239 E. 3a S. 245).
2.3. Die Vorinstanz hat in ihrer rechtlichen Würdigung theoretische Erwägungen
zum objektiven und subjektiven Tatbestand der Markenrechtsverletzung und zum
betrügerischen Markengebrauch im Sinne von Art. 61 f. MSchG gemacht. Sie hat
sich eingehend mit den entsprechenden Tatbestandsmerkmalen auseinanderge-
- 109 -
setzt. Ihre Erwägungen zur Gültigkeit und Fremdheit der Marke, zum kennzei-
chenmässigen Gebrauch im geschäftlichen Verkehr, zur Zeichenähnlichkeit, zur
Gleichartigkeit von Waren und Dienstleistungen und zur Verwechslungsgefahr
sind sorgfältig ausgefallen und können zu einem wesentlichen Teil übernommen
werden. Darauf sowie auf die vorinstanzlichen Erwägungen zum UWG kann vor-
ab verwiesen werden (Urk. 110 S. 260 ff.). Richtig ist auch, dass mit der Revision
des MSchG per 1. Januar 2017 (AS 2015 3631; BBl 2009 8533) aArt. 61 Abs. 1
lit. b MSchG leicht neu gefasst und aArt. 62 Abs. 3 MSchG gestrichen wurden.
Diese Gesetzesänderungen (wie auch eine weitere Änderung per 1. April 2019,
AS 2019 975, BBl 2017 5947) sind hier für die rechtliche Würdigung ohne Bedeu-
tung. Der Grundsatz der lex mitior (Art. 2 Abs. 2 StGB) gelangt nicht zur Anwen-
dung.
2.4. "BV._"
2.4.1. Zum Vorwurf der Widerhandlung gegen das MSchG und UWG in Bezug auf
"BV._" erwägt die Vorinstanz zusammengefasst Folgendes (Urk. 110 S. 266
ff.).
Die von BV._ Inc. in der Klasse 42 beanspruchten Dienstleistungen (vgl.
Urk. 28/1 S. 5, Ordner 6) setzten eine intensivere wirtschaftliche Beziehung vo-
raus. Deshalb sei anzunehmen, dass die Abnehmer bei der Inanspruchnahme
dieser Dienstleistungen einen leicht erhöhten Grad an Aufmerksamkeit walten
liessen. Eine relevante Verwechslungsgefahr mache die Anklage geltend mit der
Verwendung des Zeichens "BV._" im Zusammenhang mit dem Angebot ei-
ner Support-Hotline in verschiedenen Domains, in den Mailadressen, in der Be-
zeichnung "24/7 BV1._", auf der Webseite und in den Online-
Telefonverzeichnissen.
2.4.1.1. Zur Verwendung des Zeichens "BV._" in den Domains und auf der
Webseite gelte Folgendes. Der Beschuldigte habe seine Dienstleistungen über
die Domainnamen 24h-BV1._.de.com, 247-BV._.care.de.com, 247-
BV1._.de.com und 247-BV._.care.de.com angeboten. Ob dieser Ge-
- 110 -
brauch im geschäftlichen Verkehr ein kennzeichenmässiger Gebrauch sei, könne
offengelassen werden.
Bei "BV._" handle es sich um eine starke und berühmte Marke. Der Be-
schuldigte habe in den Domains mit "BV._" ein ähnliches Zeichen verwendet.
Die Zusätze ("24h", "support", "care"), der verwendete Bindestrich und die
Schreibweise ("BV._" und "BV._") führten zu keiner hinreichenden Un-
terscheidbarkeit. Das Publikum sei von einem Herkunftshinweis ausgegangen.
Folglich sei von Zeichenähnlichkeit auszugehen. Da sich die Markenschutzrechte
der Marke "BV._" unter anderem auf Beratungsdienstleistungen betreffend
Computerhardware und -software erstreckten und der Beschuldigte die Mehr-
wertdienstnummer mitunter für BV._-Supportleistungen angepriesen habe,
lägen gleichartige Dienstleistungen vor.
Die Domainnamen würden vom erhöht aufmerksamen Publikum in einen Zusam-
menhang zur BV._ Inc. gebracht und im markenschutzrechtlichen Sinne sei
von einer Verwechslungsgefahr auszugehen. Hingegen seien die Strafbestim-
mungen in den wettbewerbsrechtlichen Erlassen unter dem Aspekt des Legali-
tätsprinzips grundsätzlich restriktiv auszulegen. Für die Beurteilung, ob eine
ernsthafte Verwechslungsgefahr bestehe, sei der Inhalt der Webseite zu beach-
ten. Sämtliche Webseiten des Beschuldigten seien derart amateurhaft gestaltet,
dass kein rechtsgenügliches Risiko bestehe, ein Besucher würde diese der
BV._ Inc. oder einem mit der BV._ Inc. verbundenen Unternehmen zu-
ordnen. Die Verwendung des Zeichens "BV._" könne höchstens als Hinweis
auf ein von der BV._ Inc. unabhängiges Dienstleistungsangebot für
BV._-Produkte verstanden werden. Dies stelle keine Verletzung des Mar-
kenschutzstrafrechts dar. Eine Strafbarkeit nach aArt. 61 oder aArt. 62 MSchG
scheide aus, ebenso ein tatbestandsmässiges Verhalten im Sinne von Art. 23
UWG in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1 lit. d UWG. Dass es effektiv zu nicht weni-
gen Verwechslungen mit der BV._ Inc. gekommen sei, stehe dieser Ein-
schätzung nicht entgegen.
2.4.1.2. Zur Verwendung des Zeichens "BV._" in den E-Mail-Adressen gelte
Folgendes. In der Registrierung der E-Mail-Adressen (247-BV1._@...de.com,
- 111 -
247-BV._@care.de.com, 247-BV._@hotmail.com, ...-
strasse@BV._.com und 24h-BV1._@...de.com) liege kein kennzei-
chenmässiger Gebrauch des Zeichens "BV._". Ebenso falle ein tatbe-
standsmässiges Verhalten nach UWG ausser Betracht. Keine Markenrechtsver-
letzung stelle mangels ernsthafter Verwechslungsgefahr auch der Umstand dar,
dass die E-Mail-Adresse 247-BV1._@...de.com auf der Webseite
G1._/BV._ aufgeführt worden sei.
2.4.1.3. Die angeklagte Verwendung der Bezeichnung "BV1._" könne sich
(soweit nicht Bestandteil einer Domain, Mailadresse oder eines Telefonbuchein-
trags) nur auf die Verwendung der Postfächer beziehen. Die Umschreibung sei
aber markenschutz- und lauterkeitsrechtlich irrelevant, da Dritte diese Bezeich-
nung nie sehen würden.
2.4.1.4. Zur Verwendung des Zeichens "BV._" in den Online-Telefonbuchein-
trägen gelte weiter Folgendes. Nebst Zeichenähnlichkeit und Gleichartigkeit der
Dienstleistungen bestehe auch eine ernsthafte Verwechslungsgefahr. Der im Ver-
zeichnis Suchende könne die Mehrwertdienstnummer ohne Weiteres dem Eintrag
entnehmen und diese in der Folge wählen, ohne weitere Dienste von BJ._ in
Anspruch zu nehmen. Die Verwendung von "24/7 BV1._" in den Online-
Telefonbucheinträgen sei als Nachahmung im Sinne von aArt. 61 Abs. 1 lit. b
MSchG zu qualifizieren. Der Beschuldigte habe von "BV._" als geschützte
Marke gewusst und die Supportsuchenden auf seine Mehrwertdienstnummer hin-
führen wollen. Dazu habe er sich die Verwechslungsgefahr zunutze machen wol-
len und folglich direktvorsätzlich gehandelt.
2.4.1.5. Die Vorinstanz bejaht in Bezug auf die Einträge in den Online-Telefon-
büchern ein gewerbsmässiges Handeln und verneint einen betrügerischen Mar-
kengebrauch im Sinne von aArt. 62 MSchG. Zu diesem hält sie fest, er erfasse
eigentliche Fälschungen, die bei blossen Einträgen in Online-
Telefonverzeichnissen nicht gegeben seien.
2.4.1.6. Bei der Weiterleitung habe der Beschuldigte suggeriert, "BV._" res-
pektive "BV._ Care" sei eine interne Abteilung seines Unternehmens. Wer
- 112 -
auf eine Hotline anrufe und die Information erhalte, weitergeleitet zu werden, gehe
davon aus, dies würde "intern" erfolgen. Zudem seien die Anrufer beispielsweise
darauf hingewiesen worden, dass die zuständige Abteilung gerade nicht erreich-
bar sei und sie später die Hotline des Beschuldigten erneut kontaktieren sollten.
Damit sei von einer ernsthaften Verwechslungsgefahr auszugehen. Der Beschul-
digte habe gewusst, dass er durch sein Verhalten beim Telefonieren die Gefahr
geschaffen habe, die Anrufer würden sein Unternehmen zur BV._ Inc. zu-
rechnen. Diesen Irrtum habe der Beschuldigte gewollt. Insgesamt habe er den
Tatbestand von Art. 23 UWG in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1 lit. d UWG in objekti-
ver und subjektiver Hinsicht erfüllt. Da der Beschuldigte diesen Tatbestand und
die Markenrechtsverletzung durch voneinander unabhängige Handlungen erfüllt
habe, liege unechte (gemeint wohl: echte) Konkurrenz vor.
2.4.1.7. Zusammenfassend spricht die Vorinstanz den Beschuldigten der ge-
werbsmässigen Markenrechtsverletzung im Sinne von aArt. 61 Abs. 1 lit. b
MSchG in Verbindung mit Art. 61 Abs. 3 MSchG sowie des mehrfachen unlaute-
ren Wettbewerbs im Sinne von Art. 23 UWG in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1 lit. d
UWG schuldig.
2.4.2. Die Verteidigung beantragte im vorinstanzlichen Verfahren einen Frei-
spruch vom Vorwurf der Widerhandlungen gegen das MSchG und das UWG. Sie
stellte sich auf den Standpunkt, das Werbeverhalten des Beschuldigten sei bran-
chenüblich. Der Beschuldigte habe zu keinem Zeitpunkt angegeben, in einer ver-
traglichen Beziehung zu den jeweiligen Herstellern zu stehen. Für jeden Internet-
nutzer sei auf den ersten Blick klar gewesen, dass es sich bei seinen Webseiten
nicht um die offiziellen Webseiten der Hersteller gehandelt habe. Ebenso sei dem
Internetbenutzer klar, dass nicht nur die Hersteller Dienstleistungen im Zusam-
menhang mit ihren Produkten anbieten würden. Die Verwendung der jeweiligen
Bezeichnungen sei unerlässlich gewesen, um die vom Beschuldigten angebotene
Tätigkeit zu umschreiben. Er habe nicht über die Verhältnisse zum jeweiligen
Markeninhaber getäuscht. Dies gelte insbesondere auch aufgrund des Umstands,
dass er – anders als die offiziellen Hersteller – für seine Dienstleistungen eine
Gebühr von Fr. 1.99 pro Minute verlangt habe (Urk. 98 S. 49 ff.).
- 113 -
Im Berufungsverfahren erhob die Verteidigung im Wesentlichen die bereits vor
Vorinstanz vorgetragenen Einwände. Ergänzend führte sie aus, auch bei den On-
line-Telefonverzeichnissen habe keine relevante Verwechslungsgefahr bestan-
den, da in den Einträgen die jeweilige Domain des Beschuldigten aufgeführt ge-
wesen sei. Der Kunde hätte die Domain anklicken können. Aufgrund des Minuten-
tarifs sei sofort klar gewesen, ob es sich beim Anbieter einer Support-
Dienstleistung um einen offiziellen Hersteller oder um ein Drittunternehmen hand-
le. Im Hinblick auf die vorgeworfene Widerhandlung gegen das UWG habe er im
Übrigen nie behauptet, dass es sich bei "BV._ Care" um eine interne Abtei-
lung handle (Urk. 135 S. 61 ff.).
2.4.3. Verwendung des Zeichens "BV._" in Domains und auf der Webseite
2.4.3.1. Der Beschuldigte betrieb die Domains 247-BV1._.de.com, 24H-
BV._.care.de.com, 247-BV1._.com und 247-BV._.care.de.com. Auf
seiner Webseite G1._.ch/BV._ pries er die Mehrwertdienstnummer 6 mit
der Beschreibung "BV1._, 24 Stunden 7 Tage Hotline" an.
2.4.3.2. Das verletzende Zeichen muss nach Art eines Kennzeichens gebraucht
werden (vgl. Art. 13 Abs. 1 MSchG). Die Ausschliesslichkeitsrechte des Marken-
inhabers erfassen jeden kennzeichenmässigen Gebrauch der Marke im geschäft-
lichen Verkehr. Als Gebrauch im geschäftlichen Verkehr gilt jeder marktgeneigte
Gebrauch, also jede Verwendung, die auf dem Markt wahrgenommen wird oder
zumindest wahrgenommen werden kann. Der kennzeichenmässige geht über den
markenmässigen Gebrauch hinaus und umfasst auch die Verwendung der Marke
als Name, Firma, Geschäftsbezeichnung oder Domainname (THOUVENIN/DORIGO,
in: Handkommentar Markenschutzgesetz, 2. Aufl. 2017 [nachfolgend: MSchG-
Handkommentar], N. 13 und 24 zu Art. 13 MSchG). Domainnamen haben
grundsätzlich Kennzeichnungsfunktion (RETO ARPAGAUS, in: Basler Kommentar
zum Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, 2013 [nachfolgend: Basler
UWG-Kommentar], N. 189 f. zu Art. 3 Abs. 1 lit. d UWG). Jede Verwendung des
Fremdzeichens im Sinne einer individualisierenden Zuordnung zu bestimmten
Produkten, Dienstleistungen, Webseiten etc. wird vom Verbietungsrecht erfasst
(MICHAEL ISLER, in: Basler MSchG-Kommentar, a.a.O., N. 15 zu Art. 13 MSchG).
- 114 -
Erlaubt ist der rein sachliche und damit nicht kennzeichenmässige Mitgebrauch
dritter Marken. Verwendet ein Geschäftsinhaber die fremde Marke für sein Ange-
bot an Original-Markenartikeln oder zur Werbung für Reparatur- und Servicearbei-
ten, die Originalmarkenartikel zum Gegenstand haben, so verletzt er das Marken-
recht nicht, wenn seine Werbung sich deutlich auf seine eigenen Angebote be-
zieht. Angaben zur Beschreibung eigener Warenangebote oder Dienstleistungen
darf vielmehr jedermann verwenden, auch wenn davon Marken Dritter berührt
werden (BGE 128 III 146 E. 2b/aa S. 149 mit Hinweisen). Die Markeninhaber
können den Weiterverkäufern oder Dienstleistern ihrer Markenprodukte weder
vorschreiben, wie sie mit diesen umzugehen haben, noch welche Werbemass-
nahmen sie treffen dürfen. Allerdings bleibt den Markenberechtigten die allgemei-
ne Bewerbung der Marke, die ohne Bezug auf ein bestimmtes Warensortiment
oder konkrete Dienstleistungen dem Ansehen und dem Ruf der Marke beim Pub-
likum im Allgemeinen gilt, vorbehalten. Auch findet die Werbung mit einer Dritt-
marke ihre Grenze nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung dort, wo beim Pub-
likum der unzutreffende Eindruck einer besonderen Beziehung des mit der Marke
werbenden Anbieters zum Markeninhaber erweckt wird (BGE 128 III 146 E. 2b/bb
S. 150; Urteil 4A_95/2019 vom 15. Juli 2019 E. 2.2.1; je mit Hinweisen).
2.4.3.3. Es ist unbestritten, dass der Beschuldigte über die genannten Domains
seine Support-Dienstleistungen anpries. Dies offenbaren bereits die konkret
gewählten Domain-Bezeichnungen. Dieser marktgeneigte Gebrauch im geschäft-
lichen Verkehr und im selben Dienstleistungssegment wie die BV._ Inc. (vgl.
nachfolgend) reicht aus, um von einem kennzeichenmässigen Gebrauch des Zei-
chens "BV._" als Teil des fraglichen Domainnamens zu sprechen. Ein bloss
sachlicher Mitgebrauch des Zeichens liegt entgegen der Verteidigung nicht vor.
Es wäre dem Beschuldigten ohne Weiteres möglich und zumutbar gewesen, sei-
ne Dienstleistungen ohne Rückgriff auf die fremde Marke in seinen Domainnamen
anzubieten.
2.4.3.4. Die Marke BV._ weist einen notorisch überragenden Bekanntheits-
grad als eine der bekanntesten Marken der Welt überhaupt und allgemein be-
kannte Firmenbezeichnung auf (BGE 145 III 178 E. 2.3.3 S. 188). Bezeichnet die
- 115 -
Vorinstanz die Marke BV._ als stark und berühmt und die vom Beschuldigten
verwendeten Zeichen "BV._" und "BV._" als mit BV._ ähnlich, ist
dem nichts zuzufügen. Neben Zeichenähnlichkeit ist auch die Gleichartigkeit der
Dienstleistungen ohne Weiteres zu bejahen (Urk. 110 S. 271 f.).
2.4.3.5. Die Vorinstanz verneint eine Verwechslungsgefahr. Ihr kann nicht gefolgt
werden.
Eine Verwechslungsgefahr im Sinne von Art. 3 Abs. 1 lit. c MSchG besteht, wenn
das jüngere Zeichen die ältere Marke in ihrer Unterscheidungsfunktion beein-
trächtigt. Dies ist der Fall, wenn zu befürchten ist, dass die massgeblichen Ver-
kehrskreise sich durch die Ähnlichkeiten der Zeichen irreführen lassen und Wa-
ren, die das eine oder das andere Zeichen tragen, dem falschen Markeninhaber
zurechnen, oder falls das Publikum die Zeichen zwar auseinanderzuhalten ver-
mag, aufgrund ihrer Ähnlichkeit aber falsche Zusammenhänge vermutet (BGE
128 III 96 E. 2a S. 97 f., 441 E. 3.1 S. 445; 127 III 160 E. 2a S. 165 f.; 122 III 382
E. 1 S. 384; Urteil 4A_95/2019 vom 15. Juli 2019 E. 2.2.1; je mit Hinweisen). Für
die Verwechselbarkeit von Marken ist der Gesamteindruck massgebend, den sie
in der Erinnerung der Adressaten hinterlassen (BGE 128 III 441 E. 3.1 S. 445 f.
mit Hinweis). Ob zwei Marken sich hinreichend deutlich unterscheiden oder im
Gegenteil verwechselbar sind, ist nicht aufgrund eines abstrakten Zeichenver-
gleichs, sondern stets vor dem Hintergrund der gesamten Umstände zu beurteilen
(BGE 128 III 96 E. 2a S. 98; 122 III 382 E. 1 S. 385; je mit Hinweisen). Je näher
sich die Waren sind, für welche die Marken registriert sind, desto grösser wird das
Risiko von Verwechslungen und desto stärker muss sich das jüngere Zeichen
vom älteren abheben, um die Verwechslungsgefahr zu bannen (BGE 128 III 441
E. 3.1 S. 446; 126 III 315 E. 6b/bb S. 320; 122 III 382 E. 3a S. 387; je mit Hinwei-
sen). Der Schutzumfang einer Marke bestimmt sich nach ihrer Kennzeichnungs-
kraft. Für schwache Marken ist der geschützte Ähnlichkeitsbereich kleiner als für
starke. Wer sich mit seiner Marke dem Gemeingut annähert, nimmt eine geringe
Kennzeichnungskraft in Kauf, solange er seine Marke dem Publikum nicht durch
Werbeanstrengungen in besonderem Masse als Kennzeichen seiner Waren ein-
geprägt hat. Bei schwachen Marken genügen daher schon bescheidenere Abwei-
- 116 -
chungen, um eine hinreichende Unterscheidbarkeit zu schaffen. Als schwach gel-
ten insbesondere Marken, deren wesentliche Bestandteile sich eng an Sachbe-
griffe des allgemeinen Sprachgebrauchs anlehnen. Stark sind demgegenüber
Marken, die entweder aufgrund ihres fantasiehaften Gehalts auffallen oder aber
sich im Verkehr durchgesetzt haben (BGE 122 III 382 E. 2a S. 385; vgl. auch
BGE 139 III 176 E. 5.1 S. 181; 128 III 441 E. 3.1 S. 446; Urteile 4A_83/2018 vom
1. Oktober 2018 E. 4.1; 4A_123/2015 vom 25. August 2015 E. 5.2.1; je mit Hin-
weisen).
Zur Verwechslungsgefahr in Bezug auf Domainnamen hielt das Bundesgericht
Folgendes fest. Die Gefahr der Verwechslung kann insbesondere darin bestehen,
dass mit der Verwendung eines ähnlichen oder gleichlautenden Namens für eine
Internetseite durch einen schlechter Berechtigten die Gefahr von Fehlzurechnun-
gen geschaffen wird, das heisst einer Fehlidentifikation des hinter der Internetsei-
te stehenden Geschäftsbetriebs, oder dass falsche Zusammenhänge vermutet
werden. Dabei genügt auch die Gefahr einer bloss vorläufigen Fehlzurechnung.
Denn im Internet entsteht die mit der Verwendung eines Domainnamens allenfalls
verbundene Verwechslungsgefahr bereits im Moment, in dem sich der Benutzer
daran orientiert und erwartet, darunter bestimmte Informationen zu finden. Sie
kann durch eine bestimmte Gestaltung der Webseite nicht beseitigt werden (Urteil
4C.341/2005 vom 6. März 2007 E. 5.1, in: sic! 7+8/2007 S. 543). Das Bundes-
gericht lässt damit die Gefahr einer Fehlzurechnung bereits im Moment genügen,
in dem der Domainname beim Benutzer Assoziationen und das Interesse weckt,
auf der Webseite bestimmte Informationen zu finden (ebenso Urteile 4C.31/2004
vom 8. November 2004 E. 4.2, in: sic! 3/2005 S. 200; 4C.377/2002 vom 19. Mai
2003 E. 2.2, in: sic! 10/2003 S. 822; 4C.376/2004 vom 21. Januar 2005 E. 3.5, in:
sic! 5/2005 S. 390; 4C.141/2002 vom 7. November 2002 E. 4, in: sic! 5/2003
S. 438). Dies bestätigte das Bundesgericht auch in der jüngsten Rechtsprechung.
Es hielt fest, bei der Prüfung einer Verwechslungsgefahr sei nicht der Inhalt der
Webseite, sondern die Internetadresse massgebend. Diese allein wecke das
Interesse des Publikums und schaffe die Hoffnung, Informationen über die Ge-
sellschaft zu erhalten, die vermeintlich hinter dem Domainname stehe (Urteil
4A_630/2018 vom 17. Juni 2019 E. 6.1, in: sic! 1/2020 S. 29).
- 117 -
Diese Erwägungen sind auch in Bezug auf eine Strafbarkeit nach aArt. 61 f.
MSchG einschlägig. Es trifft zwar zu, dass das Bundesgericht in Bezug auf das
UWG eine restriktive Auslegung der strafrechtlichen UWG-Normen verlangt (BGE
139 IV 17 E. 1.1 S. 19; 122 IV 33 E. 2b S. 35 f.; 123 IV 211 E. 3b S. 216). Das
Bundesgericht sieht im Merkmal des "Herabsetzens", verstanden als "Anschwär-
zen" ("dénigrer" bzw. "denigrare" gemäss den romanischen Gesetzestexten), das
heisst Herunter- bzw. Schlechtmachen, de lege lata einen Ansatzpunkt zur gebo-
tenen Einschränkung des Anwendungsbereichs von Art. 3 Abs. 1 lit. a in
Verbindung mit Art. 23 UWG als Straftatbestand. Hingegen kann daraus nicht un-
besehen der Schluss gezogen werden, dass sämtliche relativ unbestimmte Tat-
bestände nach den Art. 3 ff. UWG unter dem Aspekt der Strafbarkeit nach Art. 23
UWG enger aufzufassen wären, als wenn es um reine lauterkeitsrechtliche An-
sprüche (Art. 9 UWG) ginge. Entsprechendes gilt in Bezug auf die Strafbestim-
mungen von aArt. 61 MSchG in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1 lit. c MSchG. Das
Bundesgericht unterstrich betreffend den als wettbewerbsrechtlichen Kennzei-
chenschutz bezeichneten Tatbestand von Art. 3 Abs. 1 lit. d UWG denn auch, die
Gefahr einer auch bloss vorläufigen Fehlzurechnung bei der Verwendung eines
ähnlichen oder gleich lautenden Namens für eine Webseite genüge für eine ent-
sprechende strafrechtliche Verurteilung gestützt auf Art. 23 UWG (Urteil
6P.37/2005 vom 24. Juni 2005 E. 9). Relativ unbestimmte Tatbestände finden
sich im Übrigen auch im Kernstrafrecht, etwa beim Tatbestand der Warenfäl-
schung im Sinne von Art. 155 Ziff. 1 Abs. 1 StGB ("Wer zum Zwecke der Täu-
schung in Handel und Verkehr eine Ware herstellt, die einen höheren als ihren
wirklichen Verkehrswert vorspiegelt, namentlich indem er eine Ware nachmacht
[...]").
Hält die Vorinstanz zu den Online-Telefonbucheinträgen fest, der Beschuldigte
habe eine Verwechslungsgefahr geschaffen und die Supportsuchenden auf seine
Mehrwertdienstnummer hinführen und sich dazu die Verwechslungsgefahr zunut-
ze machen wollen (Urk.110 S. 276 ff.), gilt in Bezug auf die Domainnamen nichts
anderes. Für den Internetbenutzer bezeichnet der Domainname zunächst eine
Webseite als solche. Zudem erlaubt er auch, die dahinterstehende Person, Sache
oder Dienstleistung zu identifizieren. Der Domainname ist insofern als Kennzei-
- 118 -
chen mit einem Namen, einer Firma oder Marke vergleichbar (Urteil 4A_630/2018
vom 17. Juni 2019 E. 6.1 mit Hinweis, in: sic! 1/2020 S. 29). Der Beschuldigte
lehnte sich, indem er in den Domainnamen das Zeichen "BV._" verwendete,
an die BV._ Inc. an und er schuf die Gefahr einer Fehlzurechnung. Selbst
wenn sich diese Gefahr nach einem Besuch der vom Beschuldigten betriebenen
Webseiten nicht verwirklicht hätte (vgl. dazu nachfolgend), bestand sie in einem
ersten Moment und genügt eine vorläufige Fehlzurechnung mit der Folge, dass es
zu ungewollten Zugriffen auf die Webseiten durch Personen kam, welche die
Webseite der berechtigten Markeninhaberin besuchen wollten. Eine solche Nach-
ahmung verletzt das Markenrecht der rechtmässigen Markeninhaberin. Dies gilt
im Übrigen auch aus einem weiteren Grund. Der mit einem widerrechtlichen Do-
mainnamen verletzende Gebrauch respektive das vom Täter verfolgte Ziel setzt
nicht zwingend voraus, dass der Domainname im eigentlichen Sinne verwendet
und die damit bezeichnete Webseite konsultiert wird. Der Domainname kann bei-
spielsweise auf Briefköpfen, als Teil der Absenderadresse eines E-Mails oder in
Adresslisten auftauchen, die von Internetsuchmaschinen dargestellt werden (BGE
128 III 401 E. 7.2.2 S. 410). Die Webseiten 247-BV1._.de.com und
G1._.ch/BV._ (wie auch die Webseite 247-B._.support.de.com)
wurden zumindest teilweise als Suchresultate mit der dazugehörigen Mehrwert-
dienstnummer abgebildet (vgl. Urk. 29/24 ff. und Urk. 29/97 ff., Ordner 7). Es be-
stand damit keine Notwendigkeit, die angezeigte Webseite überhaupt aufzurufen.
Zusammenfassend schuf der Beschuldigte eine Verwechslungsgefahr und ge-
fährdete er den Schutzbereich der Marke, indem er die genannten Domains be-
trieb, ohne dass auf den Inhalt oder die Gestaltung der Webseiten abzustellen
wäre. Ergänzend bleibt Folgendes anzufügen. Selbst wenn der Inhalt oder die
Gestaltung der Webseiten diesbezüglich relevant wäre, wäre eine Verwechs-
lungsgefahr gleichwohl zu bejahen. Eine relevante Beeinträchtigung der eingetra-
genen Marke in ihrer Unterscheidungsfunktion besteht bereits, wenn das Publi-
kum die Zeichen zwar auseinanderzuhalten vermag, aufgrund ihrer Ähnlichkeit
aber falsche Zusammenhänge vermutet, etwa von rechtlich, wirtschaftlich oder
organisatorisch verbundenen Unternehmen ausgeht (BGE 128 III 146 E. 2b/bb
S. 150; Urteil 4A_95/2019 vom 15. Juli 2019 E. 2.2.1; je mit Hinweisen; GALLUS
- 119 -
JOLLER, in: MSchG-Handkommentar, a.a.O., N. 29 ff. zu Art. 3 MSchG). Selbst
wenn der Webauftritt des Beschuldigten sich von demjenigen der BV._ Inc.
unterscheidet (vgl. etwa Urk. 29/122 ff., Ordner 7), bestand die Gefahr, dass das
Publikum zumindest auf ein Lizenzverhältnis schloss und hinter der Webseite ei-
nen autorisierten Partner der Markeninhaberin vermutete.
2.4.3.6. Indem der Beschuldigte die Domains 24h-BV1._.de.com, 24h-
BV._.care.de.com, 247-BV1._.de.com und 247-BV._.care.de.com
betrieb und auf seiner Webseite G1._.ch/BV._ seine Dienste mit der
Beschreibung "BV1._, 24 Stunden 7 Tage Hotline" anpries, handelte er tat-
bestandsmässig im Sinne von aArt. 61 Abs. 1 MSchG. Während Art. 61 Abs. 1
lit. a MSchG die Herstellungs- oder Kennzeichnungshandlungen umfasst, regelt
aArt. 61 Abs. 1 lit. b MSchG die zeitlich nachfolgenden Vertriebshandlungen, wel-
che jegliches Tätigwerden am Markt beinhalten. Art. 61 Abs. 1 lit. a MSchG um-
fasst damit Handlungen nach Art. 13 Abs. 2 lit. a und teilweise lit. e MSchG, wäh-
rend die Vertriebshandlungen sich auf Handlungen nach Art. 13 Abs. 2 lit. b, c
und teilweise lit. e MSchG beziehen (CORSIN BLUMENTHAL, Der strafrechtliche
Schutz der Marke, 2002, S. 222 ff.). Zwar gilt die blosse Registrierung eines Do-
mainnamens ohne tatsächliche Ingebrauchnahme nicht als ein das Markenrecht
verletzender Gebrauch im Sinne von Art. 13 MSchG (Urteil 4C.31/2004 vom 8.
November 2004 E. 4.2, in: sic! 3/2005 S. 200). Anderes gilt, wenn mit der Regist-
rierung das Angebot gleichartiger Waren oder Dienstleistungen vorbereitet wer-
den soll und die konkrete Gebrauchsabsicht nachweisbar ist (THOUVENIN/DORIGO,
a.a.O., N. 58 zu Art. 13 MSchG). Da der Beschuldigte die Domains registrierte
und zudem damit auf dem Markt auftrat, nahm er sowohl Herstellungs- als auch
Vertriebshandlungen vor (zu den letzteren Urteil 6B_766/2019 vom 10. Dezember
2019 E. 5). Damit erfüllte er den objektiven Tatbestand von aArt. 61 Abs. 1 lit. a
und b MSchG.
2.4.3.7. Der Tatbestand verlangt Vorsatz, wobei Eventualvorsatz genügt (Art. 12
Abs. 1 und 2 sowie Art. 333 Abs. 1 StGB). Der Beschuldigte wurde bereits im Ap-
ril 2015 von der BV._ Inc. abgemahnt (Urk. 2/8 und 2/10, Ordner 1). Über-
dies wurde der Beschuldigte auch in einem von ihm in Auftrag gegebenen
- 120 -
Rechtsgutachten, datierend vom 28. Februar 2014, bereits von Rechtsanwälten
darauf hingewiesen, dass das Geschäftsmodell der G._ in die Markenrechte
der BV._ Inc. eingreifen könnte (Urk. 45/7 S. 8, Ordner 28). Er wusste, dass
BV._ eine geschützte Marke ist und sich der Schutzumfang auch auf die
fraglichen Supportdienstleistungen erstreckte. Zudem wusste er um die Ver-
wechslungsgefahr und dass sein Vorgehen die Marke BV._ verletzte. Er
wollte sich die Verwechslungsgefahr zunutze machen und die Supportsuchenden
auf seine Mehrwertdienstnummer lenken. Die vorinstanzlichen Erwägungen (be-
treffend Online-Telefonbucheinträge) können hier sinngemäss übernommen wer-
den (vgl. Urk. 110 S. 278).
2.4.4. Verwendung des Zeichens "BV._" in den Mailadressen
Der Beschuldigte registrierte verschiedene E-Mail-Adressen (247-
BV1._@...de.com, 247-BV._@care.de.com und 247-
BV1._@...de.com). Die Vorinstanz verneint zutreffend einen kennzeichen-
mässigen Gebrauch in der Registrierung. Ist die blosse Registrierung eines Do-
mainnamens ohne tatsächliche Ingebrauchnahme nicht tatbestandsmässig (Urteil
4C.31/2004 vom 8. November 2004 E. 4.2, in: sic! 3/2005 S. 200), trifft dies auf
die Registrierung von E-Mail-Adressen ebenso zu. Dem Beschuldigten wird (mit
einer Ausnahme, vgl. nachfolgend) nicht vorgeworfen, die E-Mail-Adressen ver-
wendet zu haben (Urk. 53 S. 3 und 72 f.). Eine Markenrechtsverletzung nach
aArt. 61 MSchG liegt nicht vor. Damit traf der Beschuldigte auch keine Massnah-
me im Sinne von Art. 3 Abs. 1 lit. d UWG, die geeignet war, eine Verwechslungs-
gefahr zu schaffen. Ein tatbestandsmässiges Verhalten nach Art. 23 UWG in Ver-
bindung mit Art. 3 Abs. 1 lit. d UWG besteht nicht.
Angeklagt und erstellt ist jedoch, dass die E-Mail-Adresse 247-
BV1._@...de.com auf der Webseite G1._.ch/BV._ (unter der Rubrik
"Contact") erschien (Urk. 53 S. 3; E. III.2.2.1. vorstehend). Dieser kennzeichen-
mässige Gebrauch des Zeichens "BV._" im geschäftlichen Verkehr schuf
entgegen der Vorinstanz eine Verwechslungsgefahr. Damit erfüllte der Be-
schuldigte den objektiven und subjektiven Tatbestand von aArt. 61 Abs. 1 lit. a
- 121 -
und b MSchG. Es kann auf das bereits Ausgeführte verwiesen werden
(E. IV.2.4.3. vorstehend).
2.4.5. Verwendung des Zeichens "BV._" in den Online-
Telefonverzeichnissen
Der Beschuldigte inserierte die Mehrwertdienstnummer 6 in den Online-
Telefonverzeichnissen BR._.ch und BU._.ch unter der Bezeichnung
"24/7 BV1._". Wurden kennzeichenmässiger Gebrauch im geschäftlichen
Verkehr, Zeichenähnlichkeit und Gleichartigkeit von Dienstleistungen beim Zei-
chen "BV._" in den Domains, auf der Webseite und in einer E-Mail-Adresse
bejaht (E. IV.2.4.3. f. vorstehend), gilt dies ohne Weiteres auch betreffend die vom
Beschuldigten gewählte Bezeichnung in den Online-Telefonbucheinträgen. Zu-
dem schuf der Beschuldigte auch hier eine Verwechslungsgefahr. Es war zu be-
fürchten, dass die Benutzer der Online-Telefonbücher sich irreführen lassen und
die Bezeichnung "24/7 BV1._" der BV._ Inc. oder einem ihrer autorisier-
ten Partner zurechnen. Da die Telefonbucheinträge die Telefonnummer der "24/7
BV1._" aufführten respektive diese direkt anwählbar war, bestand keine
Notwendigkeit, allenfalls im Online-Telefonbucheintrag angezeigte Webseiten zu
konsultieren. Will die Verteidigung eine Verwechslungsgefahr ausschliessen, weil
der Beschuldigte – anders als die offiziellen Hersteller – für seine Dienstleistun-
gen eine Gebühr von Fr. 1.99 pro Minute verlangt habe (Urk. 98 S. 52), kann ihr
nicht gefolgt werden. Auch offizielle Hotlines sind teilweise gebührenpflichtig. Es
war nicht an den Benutzern der Online-Telefonbucheinträge, mögliche Preisun-
terschiede zu deuten. Viel eher hätte es am Beschuldigten gelegen, Transparenz
zu schaffen. Gleiches gilt, soweit die Verteidigung unterstreicht, die offiziellen Hot-
lines seien nicht über Mehrwertdienstnummern, sondern über Nr. 28- oder Nr. 29
-Nummern erreichbar (beispielsweise Urk. 135 S. 9, 17 und 20).
Da der Beschuldigte die Einträge auf den Online-Plattformen inserierte und zu-
dem damit auf dem Markt auftrat, nahm er sowohl Herstellungs- als auch Ver-
triebshandlungen vor. Damit erfüllte der Beschuldigte den objektiven und subjek-
tiven Tatbestand von aArt. 61 Abs. 1 lit. a und b MSchG. Es kann auf das bereits
Ausgeführte verwiesen werden (E. IV.2.4.3. vorstehend).
- 122 -
Schliesslich bleibt Folgendes festzuhalten. Die Bezeichnung "24/7 BV1._"
erschien auch auf der Webseite G1._.ch/BV._ ("24/7 BV1._, 24
Stunden 7 Tage Hotline"; E. IV.2.4.3. vorstehend). Ob die Anklage darüber hinaus
dem Beschuldigten die Verwendung der fraglichen Bezeichnung auch bei den
Postfächern vorwirft, kann offengelassen werden. Dies nimmt die Vorinstanz an,
ist aber zumindest fraglich (vgl. Urk. 53 S. 72 ff. und 76). Die Vorinstanz verneint
diesbezüglich zu Recht ein relevantes Verhalten (Urk. 110 S. 276).
2.4.6. Zusammenfassend liegt eine Markenrechtsverletzung im Sinne von aArt. 61
Abs. 1 lit. a und b MSchG vor, indem der Beschuldigte die Domains 24h-
BV1._.de.com, 24h-BV._.care.de.com, 247-BV1._.de.com und
247-BV._.care.de.com betrieb und auf der Webseite G1._.ch/BV._
seine Dienste mit der Beschreibung "24/7 BV1._, 24 Stunden 7 Tage Hot-
line" anpries (E. IV.2.4.3 vorstehend), er die E-Mail-Adresse 247-
BV1._@...de.com auf der Webseite G1._.ch/BV._ aufführte
(E. IV.2.4.4. vorstehend) und die Mehrwertdienstnummer 6 in den Online-
Telefonverzeichnissen BR._.ch und BU._.ch unter der Bezeichnung
"24/7 BV1._" bewarb (E. IV.2.4.5. vorstehend).
Das Verhältnis zwischen Herstellungs- oder Kennzeichnungshandlungen (Art. 61
Abs. 1 lit. a MSchG) und Vertriebshandlungen (aArt. 61 Abs. 1 lit. b MSchG) ist in
der Lehre umstritten. Laut BIGLER handle es sich um zwei separate Tatbestände.
Der Täter, der die von ihm rechtswidrig hergestellte Ware anschliessend vertrei-
be, verwirkliche ein Mehr an Unrecht, weshalb echte Konkurrenz anzunehmen sei
(BIGLER, a.a.O., N. 31 zu Art. 61 MSchG). Die Lehre geht hingegen überwiegend
von verschiedenen Verwirklichungsstufen desselben Angriffs auf das gleiche
Rechtsgut und damit von einer mitbestraften Vor- bzw. Nachtat aus (BLUMENTHAL,
a.a.O., S. 270 f.; DAVID RÜETSCHI, in: MSchG-Handkommentar, a.a.O., N. 39 zu
Art. 61 MSchG; LUCAS DAVID ET AL., Der Rechtsschutz im Immaterialgüter- und
Wettbewerbsrecht, SIWR Bd. 1/2, 3. Aufl. 2011, Rz. 947). Die Frage kann offen-
gelassen werden. Unter Berücksichtigung des Verschlechterungsverbots im Sin-
ne von Art. 391 Abs. 2 StPO bleibt es beim vorinstanzlichen Schuldspruch der
Markenrechtsverletzung im Sinne von aArt. 61 Abs. 1 lit. b MSchG. Steht eine
- 123 -
Verurteilung wegen beider Tatbestände nicht zur Diskussion, ist mit Blick auf die
Deliktsdauer von einer mitbestraften Vortat auszugehen, sofern diese Handlungen
zwischen dem 1. September 2015 und dem 16. August 2016 erfolgt sind.
2.4.7. Dem Beschuldigten wird in der Anklage ein betrügerischer Markengebrauch
im Sinne von aArt. 62 MSchG vorgeworfen (Urk. 53 S. 72 ff.). Bei dieser Bestim-
mung handelt es sich um einen qualifizierten Tatbestand der Markenrechtsver-
letzung nach aArt. 61 MSchG, welche auf die eigentliche Markenpiraterie abzielt
(BIGLER, a.a.O., N. 2 und 4 zu Art. 62 MSchG). Die Vorinstanz verneint eine
entsprechende Qualifikation (Urk. 110 S. 279 f.). Unter Nachachtung des Ver-
schlechterungsverbots im Sinne von Art. 391 Abs. 2 StPO erübrigen sich weitere
Erwägungen dazu. Für den Fall, dass der betrügerische Markengebrauch gegen-
über der Markenrechtsverletzung aufgrund der identischen Strafandrohungen
nicht als härtere rechtliche Qualifikation der Tat angeschaut wird (BGE 139 IV 282
E. 2.5 S. 288) und deshalb ein entsprechender Schuldspruch im Rechtsmittelver-
fahren das Verschlechterungsverbot nicht verletzen würde, kann auf die vo-
rinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden.
2.4.8. Das Verhalten des Beschuldigten bei persönlicher Entgegennahme von An-
rufen qualifiziert die Vorinstanz als unlauter im Sinne von Art. 3 Abs. 1 lit. d UWG.
Der Beschuldigte habe "BV._" respektive "BV._ Care" indirekt aber
auch durch aktives Tun als interne Abteilung ausgegeben, eine ernsthafte Ver-
wechslungsgefahr geschaffen und den Tatbestand von Art. 23 UWG in Verbin-
dung mit Art. 3 Abs. 1 lit. d UWG in objektiver und subjektiver Hinsicht erfüllt
(Urk. 110 S. 280 ff.). Die Straftatbestände nach MSchG und UWG habe der Be-
schuldigte durch voneinander unabhängige Handlungen begangen. In der Folge
fällt die Vorinstanz konkurrierende Schuldsprüche gestützt auf das MSchG und
das UWG aus. Diesen Erwägungen kann nicht gefolgt werden.
Zwar kann vorab festgehalten werden, dass der Tatbestand des unlauteren Wett-
bewerbs nach Art. 23 UWG als Antragsdelikt ausgestaltet ist und die entspre-
chende Prozessvoraussetzung vorliegt. Die Strafantragsfrist beginnt bei Dauer-
delikten an dem Tag, an welchem das strafbare Verhalten aufhört (BGE 132 IV 49
E. 3.1.2.3 S. 55 f.). Der Strafantrag kann auch vor Beendigung des Dauerdelikts
- 124 -
gestellt werden (Urteil 6B_1045/2014 vom 19. Mai 2015 E. 6.3 mit Hinweisen).
Die BV._ Inc. stellte am 4. August 2015 Strafantrag (Urk. 1). Indem sie in der
Folge auf ihre Stellung als Privatklägerin verzichtete (Urk. 47/2, Ordner 29), fiel ihr
Strafantrag nicht dahin (MAZZUCCHELLI/POSTIZZI, in: Basler StPO-Kommentar I,
a.a.O., N. 3 zu Art. 120 StPO). Dieser erfolgte noch vor Beginn des zur Anklage
gebrachten Zeitraums (1. September 2015). Dies schadet nicht, nachdem die
BV._ Inc. eine aus ihrer Sicht im Zeitpunkt des Strafantrags dauernde Straf-
tat zur Anzeige brachte und ihre Erklärung deshalb auch das folgende
tatbestandsmässige Verhalten mitumfasste (vgl. Urk. 1 S. 6 f., Ordner 1).
Hingegen geht der speziellere Tatbestand des aMSchG vor, wenn die Marken-
rechtsverletzung nach aArt. 61 MSchG auch die Voraussetzungen eines unlaute-
ren Verhaltens im Sinne von Art. 3 Abs. 1 lit. d UWG erfüllt (BGE 117 IV 45 E. 2c
S. 46; 117 IV 475 E. 1b S. 476 mit Hinweis; RÜETSCHI, a.a.O., N. 42 zu Art. 61
MSchG). Mit der Revision des Markenrechts wurde die Relevanz der ergänzen-
den Anwendung von Art. 3 Abs. 1 lit. d UWG stark eingeschränkt. Die Bestim-
mung ist von Bedeutung, wenn ein Schutz über das MSchG nicht möglich ist oder
wenn Umstände vorliegen, die einzig lauterkeitsrechtlich zu berücksichtigen sind
(Urteil 6B_411/2013 vom 20. November 2013 E. 3.3; SPITZ/BRAUCHBAR BIRKHÄU-
SER, in: Handkommentar Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, 2.
Aufl. 2016 [nachfolgend: UWG-Handkommentar], N. 48 zu Art. 3 Abs. 1 lit. d
UWG). Kann eine Verfolgung aus dem MSchG stattfinden, tritt das UWG zurück
(KILLIAS/ GILLIÉRON, in: Basler UWG-Kommentar, a.a.O., N. 50 zu Art. 23 UWG).
Geschütztes Rechtsgut von Art. 61 MSchG ist die Marke, die dem Markeninhaber
von der Rechtsordnung exklusiv zugewiesen worden ist (RÜETSCHI, a.a.O., N. 1
zu Art. 61 MSchG). Die vom Beschuldigten begangenen Markenrechtsverletzun-
gen trugen zu den inkriminierten Telefongesprächen bei. Das ihm in den Gesprä-
chen vorgeworfene Verhalten war Konsequenz und Fortsetzung der erfolgten
Markenrechtsverletzung und damit von letzterer mitumfasst. Es war keine intensi-
vere Angriffsform, sondern diente nur der Sicherung der durch die Markenrechts-
verletzung erlangten Position. Der Beschuldigte hat mithin gegenüber der Mar-
keninhaberin nicht ein Mehr an Unrecht geschaffen. Gleiches gilt mit Blick auf die
Anrufer. Ihre Interessen, die durch das irreführende Verhalten des Beschuldigten
- 125 -
tangiert wurden, werden durch den Betrugstatbestand geschützt (vgl. BGE 129 IV
53 E. 3 S. 56 f.) und brauchen keinen darüber hinausgehenden Schutz durch das
Lauterkeitsrecht.
Eine zusätzliche Verurteilung gestützt auf Art. 23 UWG in Verbindung mit Art. 3
Abs. 1 lit. d UWG fällt damit ausser Betracht. Ein separater Freispruch hat nicht
zu erfolgen (BGE 142 IV 378 E. 1.3 S. 381 f.; Urteil 6B_574/2012 vom 28. Mai
2013 E. 2.4.2; je mit Hinweisen).
2.4.9. Zusammenfassend hat sich der Beschuldigte der Markenrechtsverletzung
im Sinne von aArt. 61 Abs. 1 lit. b MSchG schuldig gemacht.
2.5. "B._"
2.5.1. Zum Vorwurf der Widerhandlung gegen das MSchG und UWG in Bezug auf
"B._" erwägt die Vorinstanz, der Sachverhalt entspreche weitestgehend
demjenigen zu "BV._". In der Verwendung der Bezeichnung "B._" in
den Online-Telefonbucheinträgen ("24/7 B._ Support") liege ein marken-
rechtlich tatbestandsmässiges Verhalten. Unlauter sei die Weiterleitung der Kun-
den an die offizielle Hotline der B._ gewesen, ohne dies offenzulegen
(Urk. 110 S. 283 f.).
2.5.2. Die B._ liess lediglich ausführen, dass der Beschuldigte Marken-
rechtsverletzungen und unlautere Handlungen begangen habe, ohne dies jedoch
näher zu begründen (Urk. 143 S. 3 ff.).
2.5.3. Der Beschuldigte betrieb die Domain 247-B._.support.de.com. Auf
seiner Webseite G1._.ch/B._ pries er die Mehrwertdienstnummer 18 mit
der Beschreibung "24/7 B._ Support 24 Stunden 7 Tage Hotline" an. Dieser
Gebrauch des Zeichens "B._" respektive "B._" erfüllt den objektiven und
subjektiven Tatbestand von aArt. 61 Abs. 1 lit. a und b MSchG. Auf die vorste-
henden Erwägungen zu "BV._" und zum kennzeichenmässigen Gebrauch
der Marke, zur Zeichenähnlichkeit, zur Gleichartigkeit der Dienstleistungen und
zur Verwechslungsgefahr kann verwiesen werden (E. IV.2.4.3.). Auch bei der
Marke "B._" handelt es sich um eine starke und berühmte Marke. Ebenso
- 126 -
wenig ist zweifelhaft, dass der Beschuldigte mit Wissen und Willen und damit vor-
sätzlich handelte. Die bereits erwähnten Abmahnungen durch die BV._ Inc.
und das eigens vom Beschuldigten eingeholte Rechtsgutachten sind betreffend
den subjektiven Tatbestand auch hier von Bedeutung, nachdem der Beschuldigte
in Bezug auf die Marken "BV._" und "B._" vergleichbar vorging. Tat-
bestandsmässig im Sinne von aArt. 61 Abs. 1 MSchG ist weiter die Verwendung
des Zeichens "B._" respektive "B._" in der E-Mail-Adresse 247-
B._@support.de.com, die auf der Webseite G1._.ch/B._ erschien
(E. IV.2.4.4. vorstehend), wie auch die Bezeichnung "24/7 B._ Support" in
den Online-Telefonverzeichnissen BR._.ch und BU._.ch (E. IV.2.4.5.
vorstehend).
In Nachachtung des Verschlechterungsverbots im Sinne von Art. 391 Abs. 2 StPO
ist das Verhalten des Beschuldigten als Vertriebshandlungen (aArt. 61 Abs. 1 lit. b
MSchG) zu qualifizieren. Im Übrigen ist von einer mitbestraften Vortat auszuge-
hen (E. IV.2.4.6. vorstehend).
2.6. "BM._"
2.6.1. Zum Vorwurf der Widerhandlung gegen das MSchG und UWG in Bezug auf
"BM._ " erwägt die Vorinstanz, der Sachverhalt entspreche demjenigen zu
"BV._" und "B._". Zwar seien die in der Anklage erwähnten Marken von
"BM._" im Schweizer Register in den relevanten Klassen nicht für Support-
bzw. Beratungsdienstleistungen eingetragen. Jedoch handle es sich bei
"BM._" um eine in der Schweiz im Elektronik- und Mobiltelefonbereich
notorisch bekannte Marke. BM._-Produkte seien den Schweizer Verbrau-
chern bestens bekannt. Die Bekanntheit der Marke sei auch für die damit verbun-
denen Beratungsdienstleistungen im Elektronik- und Mobiltelefonbereich anzu-
nehmen. Die BM._ Electronics Co. als ausländisches Unternehmen habe im
Ausland Markenschutzrechte erworben, die sich auch auf Beratungsdienstleistun-
gen im Elektronik- und Mobiltelefonbereich beziehen würden. "BM._" habe
daher auch in Bezug auf die Beratungsdienstleistungen in den entsprechenden
Bereichen als notorisch bekannte Marke im Sinne von Art. 3 Abs. 1 lit. b MSchG
(gemeint: Art. 3 Abs. 2 lit. b MSchG) zu gelten. Ihr würden entsprechende Mar-
- 127 -
kenschutzrechte zukommen. In der Verwendung des Zeichens "BM._" in den
Online-Telefonbucheinträgen liege ein markenrechtlich tatbestandsmässiges
Verhalten. Unlauter sei die Weiterleitung der Kunden an die offizielle Hotline der
BM._ Electronics Co. gewesen, ohne dies offenzulegen (Urk. 110 S. 284 f.).
2.6.2. Die laut Swissreg-Auszügen registrierten Wort-/Bildmarken Nr. ... und Nr.
... sind für Support- und Beratungsdienstleistungen nicht eingetragen (Urk. 28/4
und 28/6, Ordner 6). Bejaht die Vorinstanz gleichwohl entsprechende Marken-
schutzrechte, kann vorab auf ihre zutreffenden Erwägungen verwiesen werden.
Insbesondere ist nicht zweifelhaft, dass der Marke "BM._" im Ausland auch
in Bezug auf Beratungsdienstleistungen im Elektronik- und Mobiltelefonbereich
Schutz zukommt. Der Schutz der notorisch bekannten Marke kann angerufen
werden, soweit in der Schweiz für die betreffenden Dienstleistungen keine einge-
tragene Marke geschützt ist. Keine Rolle spielt, ob die Marke in der Schweiz für
andere Waren oder Dienstleistungen registriert ist (JOLLER, a.a.O., N. 374 zu
Art. 3 MSchG). Diese Voraussetzungen sind hier gegeben. Notorische Bekannt-
heit ist gesteigerte Bekanntheit. Notorisch bekannt ist eine Marke, wenn sie in ei-
nem der massgebenden Verkehrskreise allgemein als Herkunfts- oder
Individualisierungszeichen verstanden wird (BGE 130 III 267 E. 4.7.3 S. 281 mit
Hinweisen). Es ist nicht zweifelhaft, dass "BM._" eine in der Schweiz
etablierte Marke ist. Sie ist unter anderem bei Endabnehmern für Elektronik-
produkte und Mobiltelefone und damit zusammenhängende Beratungsdienstleis-
tungen weit verbreitet und damit offenkundig bekannt. Ihr kommen entsprechende
Schutzrechte zu.
Der Beschuldigte betrieb die Domain 247-BM._.SUPPORT.de.com. Auf sei-
ner Webseite G1._.ch/BM._ pries er die Mehrwertdienstnummer 18 mit
der Beschreibung "24/7 BM._ Support 24 Stunden 7 Tage Hotline" an. Die-
ser Gebrauch des Zeichens "BM._" respektive "BM._" erfüllt den objek-
tiven und subjektiven Tatbestand von aArt. 61 Abs. 1 lit. a und b MSchG. Auf die
vorstehenden Erwägungen zu "BV._" und zum kennzeichenmässigen Ge-
brauch der Marke, zur Zeichenähnlichkeit, zur Gleichartigkeit der Dienstleistungen
und zur Verwechslungsgefahr kann verwiesen werden (E. IV.2.4.3.). Nicht zwei-
- 128 -
felhaft ist, dass der Beschuldigte mit Wissen und Willen und damit vorsätzlich
handelte. So wurde der Beschuldigte betreffend den Gebrauch von "BM._"
konkret abgemahnt (Urk. 45/1, 45/3 und 45/5, Ordner 28), was er auch zur Kennt-
nis genommen und verstanden hat (Urk. 45/2). Zudem wurde er in einem eigens
von ihm eingeholten Rechtsgutachten auf mögliche Markenrechtsverletzungen
durch seine Tätigkeiten mit der G._ in Bezug auf die Marke "BV._", indi-
rekt aber auch in Bezug auf die Marke "BM._" hingewiesen (Urk. 45/7, Ord-
ner 28). Nicht tatbestandsmässig ist die Verwendung des Zeichens "BM._" in
der E-Mail-Adresse info@247-BM._.support.de.com, nachdem dem Be-
schuldigten nicht vorgeworfen wird, die E-Mail-Adresse verwendet zu haben
(Urk. 53 S. 35 und 82 f.; E. IV.2.4.4. vorstehend). Tatbestandsmässig ist hingegen
die Bezeichnung "24/7 BM._ Support" in den Online-Telefonverzeichnissen
BR._.ch und BU._.ch (E. IV.2.4.5. vorstehend).
In Nachachtung des Verschlechterungsverbots im Sinne von Art. 391 Abs. 2 StPO
ist das Verhalten des Beschuldigten als Vertriebshandlungen (aArt. 61 Abs. 1 lit. b
MSchG) zu qualifizieren. Im Übrigen ist von einer mitbestraften Vortat auszuge-
hen (E. IV.2.4.6. vorstehend).
2.7. "BJ._"
2.7.1. Zum Vorwurf der Widerhandlung gegen das MSchG und UWG in Bezug auf
"BJ._" erwägt die Vorinstanz, der Sachverhalt entspreche weitgehend dem-
jenigen zu "BV._". Die Marke Nr. ... habe erst per 28. Januar 2016 Schutz-
rechte erlangt. In Bezug auf die Zeit davor würden die Erwägungen zu
"BM._" gelten. Auch "BJ._" sei eine notorisch bekannte Marke im Sinne
von Art. 3 Abs. 2 lit. b MSchG. Deshalb sei auch für den Zeitraum ab 1. Septem-
ber 2015 bis 27. Januar 2016 von einem Markenschutz der Marke "BJ._"
auszugehen. In der Verwendung des Zeichens "BJ._" in den Online-
Telefonbucheinträgen liege ein markenrechtlich tatbestandsmässiges Verhalten.
Unlauter sei die Weiterleitung der Kunden an die offizielle Hotline von BJ._
LLC gewesen, ohne dies offenzulegen (Urk. 110 S. 286 f.).
- 129 -
2.7.2. Bejaht die Vorinstanz entsprechende Markenschutzrechte, kann vorab auf
ihre zutreffenden Erwägungen verwiesen werden. In Bezug auf die Zeitspanne
vor dem 28. Januar 2016 (vgl. Urk. 28/9, Ordner 6) kann zudem auf die vorste-
henden Erwägungen verwiesen werden (E. IV.2.6.2). Der Beschuldigte betrieb die
Domain 247-BJ._.APPLICATIONS.de.com. Auf dieser Webseite pries er die
Mehrwertdienstnummer 25 mit der Beschreibung "CF._ Consulting /
BJ._+, BJ2._, BJ3._, CU._, BJ4._ Support / CV._,
CW._, CX._ / CT._ Services-Hotline 24/7" an. Dieser Gebrauch
des Zeichens "BJ._" in der Domain erfüllt den objektiven und subjektiven
Tatbestand von aArt. 61 Abs. 1 lit. a und b MSchG. Auf die vorstehenden Erwä-
gungen zu "BV._" und zum kennzeichenmässigen Gebrauch der Marke, zur
Zeichenähnlichkeit, zur Gleichartigkeit der Dienstleistungen und zur Verwechs-
lungsgefahr kann verwiesen werden (E. IV.2.4.3.). Nicht zweifelhaft ist, dass der
Beschuldigte mit Wissen und Willen und damit vorsätzlich handelte. Die bereits
erwähnten Abmahnungen durch die BV._ Inc. sowie das eigens vom Be-
schuldigten eingeholte Rechtsgutachten sind betreffend den subjektiven Tatbe-
stand auch hier von Bedeutung, nachdem der Beschuldigte in Bezug auf die Mar-
ken "BV._" und "BJ._" vergleichbar vorging. Nicht tatbestandsmässig ist
die Verwendung des Zeichens "BJ._" in der E-Mail-Adresse 247-
BJ._@applications.de.com, nachdem dem Beschuldigten nicht vorgeworfen
wird, die E-Mail-Adresse verwendet zu haben (Urk. 53 S. 63 und 88 ff.;
E. IV.2.4.4. vorstehend). Tatbestandsmässig ist hingegen die Bezeichnung "24/7
BJ._ Applications" in den Online-Telefonverzeichnissen BR._.ch und
BU._.ch (E. IV.2.4.5. vorstehend).
In Nachachtung des Verschlechterungsverbots im Sinne von Art. 391 Abs. 2 StPO
ist das Verhalten des Beschuldigten als Vertriebshandlungen (aArt. 61 Abs. 1 lit. b
MSchG) zu qualifizieren. Im Übrigen ist von einer mitbestraften Vortat auszuge-
hen (E. IV.2.4.6. vorstehend).
2.8. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, im Sinne von Art. 61 Abs. 3 MSchG
gewerbsmässig gehandelt zu haben (Urk. 53 S. 72 ff.).
- 130 -
Der Begriff der Gewerbsmässigkeit stimmt mit jenem aus dem allgemeinen Ver-
mögensstrafrecht überein (BIGLER, a.a.O., N. 24 zu Art. 61 MSchG). Er ist mit der
markenrechtlich vorausgesetzte gewerblichen Nutzung nicht gleichzusetzen. Die-
se ist qualitativer Natur, während die qualifizierende Gewerbsmässigkeit ein
mehrheitlich quantitatives Kriterium darstellt (RÜETSCHI, a.a.O., N. 21 f. zu Art. 61
MSchG). Zu den Voraussetzungen einer gewerbsmässigen deliktischen Tätigkeit
kann auf die Erwägungen zum Betrugstatbestand verwiesen werden (E. IV.1.7.
vorstehend).
Der Beschuldigte betrieb die Mehrwertdienstnummern und damit die deliktische
Tätigkeit wie ausgeführt nach der Art eines Berufes. Hand in Hand gingen damit
seine Vorkehrungen, die fragliche Mehrwertdienstnummer erfolgreich bekannt-
zumachen und in Anlehnung an die BV._ Inc., die B._, die BM._
Electronics Co. und die BJ._ LLC respektive in Verletzung ihrer Marken zu
bewerben. Die zu diesem Zweck verwendeten Kanäle (die verschiedenen Do-
mains, die Webseite G1._.ch/BV._ etc. und die Einträge in den Online-
Telefonverzeichnissen BR._.ch und BU._.ch) betreute der Beschuldigte
während des rund einjährigen Tatzeitraums mit einem wesentlichen Aufwand. Es
ist nicht zweifelhaft, dass die Nachahmung der Marken "BV._", "B._",
"BM._" und "BJ._" eigentlicher Eckpfeiler des vom Beschuldigten be-
triebenen Systems war und damit entsprechende Einkünfte angestrebt und erzielt
wurden, die einen wesentlichen Beitrag an die Finanzierung seiner Lebenshaltung
darstellten. Damit handelte der Beschuldigte gewerbsmässig im Sinne von
aArt. 61 Abs. 1 lit. b MSchG in Verbindung mit Art. 61 Abs. 3 MSchG.
2.9. Zusammenfassend ist der Beschuldigte schuldig zu sprechen der gewerbs-
mässigen Markenrechtsverletzung im Sinne von aArt. 61 Abs. 1 lit. b MSchG in
Verbindung mit Art. 61 Abs. 3 MSchG.
Zum Tatbestand des gewerbsmässigen Betrugs liegt echte Konkurrenz vor.
Während beim strafrechtlichen Betrug das Vermögen sowie Treu und Glauben im
Geschäftsverkehr die geschützten Rechtsgüter darstellen, schützt aArt. 61
MSchG das ausschliessliche Recht des Markeninhabers an seiner Marke. Die
Schutzobjekte der beiden Tatbestände erweisen sich daher als verschieden,
- 131 -
weshalb diese in echter Konkurrenz anzuwenden sind (Urteil 6B_220/2011 vom
24. Februar 2012 E. 2.6; BLUMENTHAL, a.a.O., S. 284 und 347 ff.).
V. Strafzumessung
1. Anträge/Grundsätze
1.1. Die Vorinstanz bestraft den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von
3 1⁄2 Jahren und einer Geldstrafe von 220 Tagessätzen zu Fr. 30.–.
Die Verteidigung führte im Berufungsverfahren als Eventualantrag aus, der
Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und einer Geldstrafe von
100 Tagessätzen zu Fr. 30.– zu bestrafen (Urk. 135 S. 68 ff.).
Die Staatsanwaltschaft beantragte die Bestätigung der erstinstanzlich ausgefäll-
ten Strafe (Urk. 118).
1.2.
1.2.1. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff.
StGB und die an sie gestellten Begründungsanforderungen wiederholt dargelegt
(BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff. S. 59 ff. mit Hinweisen). Darauf sowie auf die zutreffen-
den vorinstanzlichen Erwägungen (Urk. 110 S. 287 ff.) kann verwiesen werden.
1.2.2. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzun-
gen für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der
Strafe der schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das
Höchstmass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen und
ist an das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1
StGB). Bei der Bildung der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB ist vorab
der Strafrahmen für die schwerste Straftat zu bestimmen und alsdann die Ein-
satzstrafe für die schwerste Tat innerhalb dieses Strafrahmens festzusetzen.
Die Einsatzstrafe ist unter Einbezug der anderen Straftaten in Anwendung des
Asperationsprinzips angemessen zu erhöhen. Das Gericht hat mithin in einem
ersten Schritt gedanklich die Einsatzstrafe für das schwerste Delikt festzule-
- 132 -
gen, indem es alle diesbezüglichen straferhöhenden und strafmindernden Um-
stände berücksichtigt. In einem zweiten Schritt hat es die Strafe zu erhöhen,
um die weiteren Delikte zu sanktionieren. Auch insoweit muss es den jeweili-
gen Umständen Rechnung tragen (BGE 127 IV 101 E. 2b S. 104 mit Hinweis;
Urteil 6B_460/2010 vom 4. Februar 2011 E. 3.3.4 mit Hinweis, nicht publ. in:
BGE 137 IV 57).
Die Bildung einer Gesamtstrafe ist indes nur bei gleichartigen Strafen möglich.
Ungleichartige Strafen sind kumulativ zu verhängen, da das Asperationsprinzip
nur greift, wenn mehrere gleichartige Strafen ausgesprochen werden. Mehrere
gleichartige Strafen liegen vor, wenn das Gericht im konkreten Fall für jeden
einzelnen Normverstoss gleichartige Strafen ausfällen würde. Dass die anzu-
wendenden Strafbestimmungen abstrakt gleichartige Strafen androhen, genügt
nicht (BGE 144 IV 217 E. 2.2 S. 219 f.; 142 IV 265 E. 2.3.2 S. 267 f.; 138 IV
120 E. 5.2 S. 122 f.; je mit Hinweisen). Das Bundesgericht unterstreicht in sei-
ner jüngeren Rechtsprechung, dass Art. 49 Abs. 1 StGB keine Ausnahme von
der konkreten Methode erlaubt. Es schliesst die Ausfällung einer Einheitsstrafe
im Sinne einer Gesamtbetrachtung aus (BGE 144 IV 217 E. 3.5.4 S. 235 f. mit
Hinweisen). Diese Rechtsprechung wurde wiederholt bestätigt (BGE 144 IV 313
E. 1.1.2 S. 317 f. und Urteile 6B_712/2018 vom 18. Dezember 2019 E. 3.1;
6B_1033/2019 vom 4. Dezember 2019 E. 5.2 und 5.3; 6B_166/2019 vom 6. Au-
gust 2019 E. 3.2.4; 6B_409/2018 vom 7. Juni 2019 E. 2.3; 6B_884/2018 vom 5.
Februar 2019 E. 1.2.2).
Die schwerste Tat im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB ist die mit der schwersten
Strafe bedrohte Tat (BGE 142 IV 265 E. 2.4.4 S. 272 mit Hinweisen).
1.2.3. Für den Normverstoss des gewerbsmässigen Betrugs steht aufgrund
des im konkreten Fall auszufällenden Strafmasses einzig eine Freiheitsstrafe
zur Diskussion. Für den Normverstoss der gewerbsmässigen Markenrechtsver-
letzung ist eine Geldstrafe auszufällen (vgl. nachfolgend). Damit liegen keine
gleichartigen Strafen vor und gebricht es an den Voraussetzungen für die
Bildung einer Gesamtstrafe.
- 133 -
1.2.4. Der Beschuldigte beging die Delikte vor den Änderungen des Sanktionen-
rechts am 1. Januar 2018. Zur Tatzeit betrug die Geldstrafe in aller Regel höchs-
tens 360 Tagessätze (aArt. 34 Abs. 1 StGB). Neu beträgt die Geldstrafe mindes-
tens drei und höchstens 180 Tagessätze (Art. 34 Abs. 1 StGB). Dem Beschuldig-
ten ist eine Freiheitsstrafe und eine Geldstrafe aufzuerlegen. Letztere liegt wie
noch zu zeigen ist über den neurechtlichen Rahmen von 180 Strafeinheiten, wes-
halb neurechtlich einzig eine Freiheitsstrafe in Frage kommen würde. Deshalb ist
das neue Sanktionenrecht für den Beschuldigten nicht milder. Der Grundsatz der
lex mitior (Art. 2 Abs. 2 StGB) gelangt nicht zur Anwendung. Massgebend ist hier
deshalb aArt. 34 StGB.
2. Gewerbsmässiger Betrug
2.1. Die objektive Tatschwere des vom Beschuldigten begangenen Betrugs ist in-
nerhalb des zur Verfügung stehenden Strafrahmens zu bemessen und damit zum
breiten Spektrum von denkbaren Betrugshandlungen in Relation zu setzen. Der
Beschuldigte betrieb sieben verschiedene Mehrwertdienstnummern (wenn auch je
verschieden lang) ab 1. September 2015 bis zum 16. August 2016 und damit
insgesamt über eine eher lange Zeitspanne von knapp einem Jahr bis zu seiner
Verhaftung am 17. August 2016. Mit Blick auf die rund 11'500 Anrufe respektive
die (entgegen der Verteidigung; Urk. 135 S. 7) ähnlich hohe Anzahl getäuschter
Personen war der Kreis der Geschädigten sehr gross, wenngleich dem einzelnen
Anrufer in aller Regel nur ein Schaden im unteren zweistelligen Frankenbereich
erwuchs (E. III.10. vorstehend). Negativ zu gewichten sind die tägliche Delin-
quenz und der nicht unerhebliche Deliktsbetrag von insgesamt rund Fr. 200'000.–
(E. IV.1.5. vorstehend). Dieser ist laut bundesgerichtlicher Rechtsprechung ein
wichtiger strafzumessungsrelevanter Gesichtspunkt neben anderen (vgl. Urteile
6B_866/2009 vom 22. Februar 2010 E. 1.2.2 und 6P.66/2006 vom 16. Februar
2007 E. 5.2; je mit Hinweisen). Eine Schätzung der Deliktssumme genügt (Urteil
6B_892/2013 vom 20. November 2014 E. 2.4.2). Straferhöhend fällt auch der
Umstand aus, dass der Beschuldigte einen verhältnismässig erheblichen Aufwand
betrieben hat, um sieben verschiedene Mehrwertdienstnummern erfolgreich zu
vermarkten (mehrere einfach gestaltete Webseiten; Online-Telefonbücher mit
- 134 -
mehrheitlich zehn Standorten; Optimierung der Suchresultate bei BJ._-
Anfragen sowie auf BR._.ch und BU._.ch; persönliche Telefongesprä-
che, um weitere Einnahmen zu generieren und eine Eigenleistung vorzuspiegeln),
hingegen nicht, wenn es darum ging, die Anrufer tatsächlich bei ihren Problemen
zu unterstützen. Einen wesentlichen Aufwand betrieb der Beschuldigte auch, um
die telefonischen Weiterleitungen zu vertuschen und damit sein System am Leben
zu erhalten (zahlreiche regelmässige Änderungen der Weiterleitungen auf die
zweite bei der BG._ oder M._ registrierte Zielnummer und auf die ver-
schiedenen offiziellen Hotlines). Dem gilt es Rechnung zu tragen, ohne dass dies
(so die Verteidigung, Urk. 135 S. 69 f.) gegen das Doppelverwertungsverbot
verstossen würde (BGE 142 IV 14 E. 5.4 S. 17 mit Hinweisen). Der Beschuldigte
zielte mit seiner vorgetäuschten Dienstleistung auf Personen, die auf der Suche
nach einer raschen Lösung eines (technischen) Problems waren. Seine Vorge-
hensweise erfolgte mit Plan sowie Raffinesse und zeigt eine nicht unerhebliche
kriminelle Energie. Von einer Mitverantwortung der Anrufer kann nicht gesprochen
werden und ihr Verhalten lässt das Verschulden in keinem milderen Licht erschei-
nen (Urk. 135 S. 70).
Das objektive Verschulden des Beschuldigten ist insgesamt als nicht mehr
leicht einzuordnen.
2.2. In subjektiver Hinsicht ist von direktem Vorsatz auszugehen. Der Beschul-
digte zweifelte offensichtlich selbst an der Rechtmässigkeit seiner Geschäftstä-
tigkeit und liess diese rechtlich überprüfen. Das folgende Rechtsgutachten
zeigte dem Beschuldigten klar auf, dass er mit seinen Handlungen den Tat-
bestand des gewerbsmässigen Betrugs erfüllen könnte. Die vorgeschlagenen
Änderungen übernahm er nicht und entschied sich trotzdem, das Geschäfts-
modell weiterzuführen. Somit entschied sich Beschuldigte auch aktiv für seine
Delinquenz. Dass der Beschuldigte ein möglichst hohes Einkommen erzielen
wollte und aus finanziellen Gründen handelte, ist der (unrechtmässigen)
Bereicherungsabsicht und der Gewerbsmässigkeit seines Tuns immanent.
Sein Handeln aus rein finanziellen Motiven gründete soweit erkennbar nicht
- 135 -
auf einer eigentlichen finanziellen Notlage. Insgesamt vermögen die Elemente
der subjektiven Tatkomponente die objektive Tatschwere nicht zu relativieren.
2.3. Aufgrund des objektiv nicht mehr leichten Verschuldens, welches durch
das subjektive Verschulden nicht in einem milderen Licht erscheint, ist die Ein-
satzstrafe – bei einem Strafrahmen bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe – im obe-
ren Bereich des unteren Strafrahmendrittels auf 3 1⁄2 Jahre Freiheitsstrafe
festzusetzen.
2.4. Die von der Verteidigung für die von ihr im Eventualantrag geforderte
Freiheitsstrafe von 15 Monaten angerufenen Entscheide des Obergerichts des
Kantons Zürich sind allesamt nicht vergleichbar mit der vorliegenden Konstella-
tion und eignen sich somit nicht für den angestrebten Rechtsvergleich
(Urk. 135 S. 70 f.). Einerseits erweisen sich die Deliktsbeträge in diesen Ver-
fahren als erheblich geringer, als im vorliegenden Verfahren (Fr. 120'444.–
[SB160398-O]; Fr. 117'000.– [SB160365-O]; Fr. 108'341.30 [SB160043-O]);
andererseits wurden bei diesen Fällen deutlich weniger Vorkehrungen getrof-
fen, um die Täuschungen zu vertuschen, was unter anderem auch in den deut-
lich längeren Deliktszeiträumen ersichtlich wird (Tatzeitraum von rund drei Jah-
ren [SB160398-O]; Tatzeitraum von zehn Jahren [SB160365-O]; Tatzeitraum
von über 10 Jahren [SB160043-O]). Überdies ist auch festzuhalten, dass die
dortigen Beschuldigten jeweils lediglich eine überschaubare Anzahl an Perso-
nen täuschen mussten, um an die Deliktssumme – jeweils zu Unrecht bezoge-
ne Sozialhilfegelder – gelangen zu können. Die kriminelle Energie sowie auch
der erzielte Deliktsbetrag lässt sich somit in keiner Weise mit den vom hiesigen
Beschuldigten begangenen Taten vergleichen. Auch das Bundesgericht hält
fest, dass entsprechende Vergleichsfälle in aller Regel beträchtliche Verschie-
denheiten aufweisen und nicht heranzuziehen sind (Urteil 6B_186/2010 vom
23. April 2010 E. 4.4).
2.5. Die Vorinstanz hat das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des
Beschuldigten korrekt wiedergegeben. Darauf kann vorab verwiesen werden
(Urk. 110 S. 303 ff.). Die Vorstrafe vom 30. März 2010 ist indes inzwischen aus
dem Strafregister gelöscht worden, weshalb sie nicht mehr berücksichtigt werden
- 136 -
darf (Urk. 113 und Urk. 141A; Art. 369 Abs. 3 und Abs. 6 lit. a StGB; Schlussbe-
stimmungen der Änderung vom 13. Dezember 2002 Ziff. 3 Abs. 1 [AS 2006
3459; BBl 1999 1979]). Ergänzend bzw. aktualisierend führte der Beschuldigte
anlässlich der Berufungsverhandlung aus, dass er seinen Lebensunterhalt
weiterhin mit der Verwertung privater Vermögenswerte bestreite und seit dem
1. Januar 2017 aus seiner Geschäftsführertätigkeit für die G._ kein Ein-
kommen erziele. Er habe sich indes nicht um eine Anstellung bemüht, da er
ohne die Rechts- und Planungssicherheit, welche ihm das Urteil geben würde,
nicht wissen könne, ob er seiner bisherigen Tätigkeit weiter nachgehen könnte.
Er habe überdies dreimal pro Woche seine schwerkranke Mutter, welche im
September 2020 verstorben sei, ins Krankhaus bringen müssen. Er habe der-
zeit zudem keine Schulden, sei weiterhin ledig und habe keine Kinder
(Urk. 142 S. 3 ff.). Das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse erweisen
sich für die Strafzumessung als neutral.
2.6. Der Beschuldigte bestritt den Tatvorwurf stets. Im Wesentlichen vertrat er den
Standpunkt, eine einzigartige und qualitativ hochstehende Support-Dienstleistung
geboten zu haben. Er habe keine direkten Weiterleitungen zu den offiziellen Hot-
lines eingerichtet und indirekte Weiterleitungen in Form von Konferenzgesprächen
vorgenommen. Im Übrigen trügen BN._ und die BG._ die Verantwor-
tung für die Weiterleitungen zu den offiziellen Hotlines. Aufgrund des Verbots des
(unter anderem in Art. 14 Ziff. 3 lit. g UNO-Pakt II und Art. 6 Ziff. 1 EMRK ver-
ankerten) Selbstbelastungszwangs ist es das prozessuale Recht des Beschul-
digten, die Vorwürfe abzustreiten. Gleichzeitig kann er unter diesem Titel für
sich keine Strafreduktion reklamieren. Während des gesamten Berufungsver-
fahrens konnte beim Beschuldigten weder Einsicht in das Unrecht seiner
Handlungen noch Reue für seine Taten erkannt werden, welche für eine Straf-
reduktion berücksichtigt werden könnten. Insbesondere anlässlich seines
Schlussworts zur Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte aus, er habe
alle Vorkehrungen getroffen, damit die Anklagevorwürfe nicht im Entferntesten
bestätigt werden könnten. Er habe seine Arbeit stets nach bestem Wissen und
Gewissen ausgeführt und es sei lediglich aufgrund einer falschen Anschuldi-
gung eines Mitbewerbers überhaupt zum vorliegenden Strafverfahren gekom-
- 137 -
men (Prot. II. S. 17). Dass bei dieser Haltung keine Strafreduktion infolge sei-
nes Nachtatverhaltens gewährt werden kann, ist offensichtlich.
2.7. Das in Art. 29 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 1 EMRK, Art. 14 Ziff. 3 lit. c UNO-Pakt II
und Art. 5 StPO geregelte Beschleunigungsgebot verpflichtet die Behörde, das
Strafverfahren zügig voranzutreiben, um den Beschuldigten nicht unnötig über die
gegen ihn erhobenen Vorwürfe im Ungewissen zu lassen. Es gilt für das ganze
Verfahren (BGE 143 IV 49 E. 1.8.2 S. 61 mit Hinweisen). Die Beurteilung der
angemessenen Verfahrensdauer entzieht sich starren Regeln. Welche Verfah-
rensdauer angemessen ist, hängt von den konkreten Umständen ab, die in ihrer
Gesamtheit zu würdigen sind. Kriterien hierfür bilden etwa die Schwere des Tat-
vorwurfs, die Komplexität des Sachverhaltes, die dadurch gebotenen Untersu-
chungshandlungen, das Verhalten des Beschuldigten und dasjenige der Behör-
den sowie die Zumutbarkeit für den Beschuldigten (BGE 143 IV 373 E. 1.3.1
S. 377; 130 I 269 E. 3.1 S. 273; je mit Hinweis).
Zur Verfahrensdauer geht aus den Akten Folgendes hervor. Der Beschuldigte
wurde am 17. August 2016 verhaftet, gleichentags durch die Kantonspolizei be-
fragt und am 18. August 2016 staatsanwaltschaftlich einvernommen (Urk. 16/1-3,
Ordner 1). Dannzumal wurde der Beschuldigte mit den hier zu beurteilenden
Straftaten konfrontiert. Nicht relevant ist deshalb, dass die Strafanzeige der
BV._ Inc. am 4. August 2015 erfolgte (Urk. 135 S. 69), da der Beschuldig-
te zu diesem Zeitpunkt mit diesen Vorwürfen noch nicht direkt konfrontiert wur-
de. Sodann führte die Anklägerin bis zur Anklageerhebung fünf Einvernahmen
mit dem Beschuldigten (7. Oktober 2016, 13. Oktober 2016, 23. März 2018,
17. April 2018 und 19. Juni 2018; Urk. 16/8-12, Ordner 2) und je eine Einver-
nahme mit BN._ (23. September 2016; Urk. 17/1, Ordner 3) und D._
(13. Oktober 2016; Urk. 17/2, Ordner 3) durch. Neben den beim Beschuldigten
zuhause, in seinen Büroräumlichkeiten und in einer Garagenbox durchgeführ-
ten (Haus-)Durchsuchungen (Urk. 46/1 und Urk. 46/12, Ordner 29), ordnete sie
solche auch betreffend die im Zusammenhang mit dem Beschuldigten stehen-
den Online-Accounts (19. August 2016; Urk. 35/2, Ordner 14) und bei der
CK._ Consulting (29. August 2016; Urk. 36/3, Ordner 16) an und musste
- 138 -
in der Folge die Beschlagnahmung der aufgefundenen Gegenstände, Unterla-
gen und Online-Accounts anordnen (Urk. 36/18, Ordner 16; Urk. 46/16 und
Urk. 46/39, Ordner 29; Urk. 34/1, Urk. 34/4, Urk. 34/10, Urk. 34/17, Urk. 34/20,
Urk. 34/22, Ordner 12). Weiter liess die Anklägerin Informationen zu den Bank-
und weiteren Konti des Beschuldigten edieren (Urk. 34/43, Ordner 13 [I._
AG]; Urk. 34/50, Ordner 13 [Q._ GmbH]; Urk. 37/1/1, Ordner 16
[C._]; Urk. 37/2/1, Ordner 17 [CL._ Schweiz Genossenschaft];
Urk. 37/3/1, Ordner 17 [CM._ Card Services]; Urk. 37/4/1, Ordner 17 [Stif-
tung CN._]; Urk. 37/5/1, Ordner 18 [Steuerauskünfte]; Urk. 37/6/1, Ordner
19 [CO._]; Urk. 37/7/1, Ordner 19 [Post CH AG]; Urk. 37/8/1, Ordner 19
[CP._ GmbH]; Urk. 37/10/1, Ordner 19 [CQ._ AG]; Urk. 37/11/1, Ord-
ner 19 [CR._ AG]). Nicht zuletzt ordnete die Untersuchungsbehörde die
Echtzeitüberwachung mehrerer Nummern an und musste die Anklägerin auch
sämtliche im Tatzeitraum verzeichneten Anrufe – deren rund 11'500 wurden
verzeichnet – analysieren und für die Zwecke der Anklageerhebung in Ge-
samtverbindungslisten zusammenfassen. Am 23. Juli 2018 erhob die Staats-
anwaltschaft Anklage an das Bezirksgericht Zürich (Urk. 53). Die vorinstanzli-
che Verfahrensleitung lud die Parteien am 14. August 2018 zur Hauptverhand-
lung auf den 23. Januar 2019 vor. Am 12. November 2018 beschloss die Vo-
rinstanz über die (fehlende) Parteistellung der BV._ Inc. und am 21. No-
vember 2018 wies sie die Beweisanträge des Beschuldigten, der B._ und
von BM._ sowie die Rückweisungsanträge der Privatklägerinnen ab. Nach
der Hauptverhandlung am 23. Januar 2019 fällte die Vorinstanz am 18. März
2019 ihr Urteil und eröffnete das Dispositiv am 19. März 2019 schriftlich. Am
18. und 23. April 2019 ging die schriftliche Urteilsbegründung den Parteien zu
(vgl. Urk. 54 ff.). Verzögerungen oder eigentliche Bearbeitungslücken sind da-
mit im Untersuchungsverfahren wie auch im erstinstanzlichen Verfahren nicht
erkennbar und vom Beschuldigten auch nicht aufgezeigt. Vielmehr kann fest-
gehalten werden, dass die Untersuchung und das erstinstanzliche Gerichtsver-
fahren mit Blick auf die angezeigten Delikte sowie den Umfang der Akten, der
Anklageschrift und des erstinstanzlichen Urteils beförderlich vorangetrieben
wurden.
- 139 -
Eine Verletzung des Beschleunigungsgebots liegt auch betreffend das Beru-
fungsverfahren nicht vor. Nach Eingang der Berufungserklärung des Beschul-
digten am 2. Mai 2019 und der B._ am 10. Mai 2019 sowie der Verfahren-
sakten am 22. Mai 2019 erfolgten die ersten verfahrensleitenden Anordnungen
(Art. 400 Abs. 2 StPO) am 29. Mai 2019. Die Stellungnahmen gingen am 13.
und 17. Juni 2019 ein. Da der BM1._ GmbH keine Gelegenheit gegeben
worden war, um allenfalls Anschlussberufung zu erheben, Nichteintreten auf
die Berufung zu beantragen und sich zu den Beweisanträgen des Beschuldig-
ten zu äussern, räumte ihr die Verfahrensleitung am 7. April 2020 das entspre-
chende rechtliche Gehör ein. Die BM1._ GmbH liess sich dazu nicht ver-
nehmen. Zudem erfolgten im Rahmen der Vorbereitung der Berufungsverhand-
lung am 25. März 2020 einzelne Abklärungen (Urk. 120A). Am 13. Mai 2020
wurden die Beweisanträge des Beschuldigten abgewiesen. Am 13. August
2020 wurden die Parteien auf den 5. November 2020 zur Berufungsverhand-
lung vorgeladen (Urk. 111 ff.). Insgesamt nahm das Berufungsverfahren nicht
übermässig viel Zeit in Anspruch. Daran ändert nichts, dass die Berufungserklä-
rung des Beschuldigten der BM1._ GmbH erst im April 2020 und nicht be-
reits im Mai 2019 übermittelt worden war. Dies führte nicht zu einer Verlängerung
des Verfahrens und tangierte den Beschuldigten nicht. Zwar wird nicht verkannt,
dass das begründete Urteil der Vorinstanz den Parteien am 18. und 23. April 2019
zuging und bis zur Berufungsverhandlung am 5. November 2020 respektive zur in
den Tagen darauf erfolgten Urteilseröffnung rund 18 1⁄2 Monate vergingen. Bei
dieser eher langen Zeitspanne handelt es sich aber nicht um einen übermässig
ausgedehnten Zeitraum im Sinne einer eigentlichen Verfahrensverschleppung
(vgl. Urteile 6B_164/2011 vom 23. Dezember 2011 E. 4.4.2: keine Verletzung bei
einer Zeitspanne von über 20 Monaten zwischen der erstinstanzlich schriftlichen
Entscheideröffnung und der Berufungsverhandlung in einem komplexen Fall mit
erheblichem Aktenumfang; Urteil 6B_711/2011 vom 31. Januar 2012 E. 2.2. und
2.4: keine Verletzung respektive keine "krasse Zeitlücke" bei einer Zeitspanne von
rund 16 Monaten zwischen der erstinstanzlich schriftlichen Eröffnung und der
zweitinstanzlichen Urteilsbegründung). Mit Blick auf die Schwere des Tatvorwurfs
sowie den Umfang der Akten, der Anklageschrift und des erstinstanzlichen Ur-
- 140 -
teils sowie unter Berücksichtigung der im Berufungsverfahren angefochtenen
Punkte erscheint die Dauer des Berufungsverfahrens nicht als stossend und
sie verletzt das Beschleunigungsgebot nicht. Nach der Rechtsprechung kann
von Behörden und Gerichten nicht verlangt werden, dass sie sich ständig ei-
nem einzigen Fall widmen, so dass Zeitspannen, in denen das Verfahren auf-
grund der Geschäftslast stillsteht, unumgänglich sind (BGE 130 IV 54 E. 3.3.3
S. 56 mit Hinweis). Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass die Verfahrens-
dauer auch strafmindernd berücksichtigt werden kann, wenn das Beschleuni-
gungsgebot nicht verletzt ist (Urteil 6B_988/2017 vom 26. Februar 2018
E. 2.4). Entsprechend ist nicht zu verkennen, dass das Berufungsverfahren
dennoch eine gewisse Länge aufwies, die insbesondere nicht durch den Be-
schuldigten verursacht wurde. So führte insbesondere auch die im Frühjahr
2020 aufgetretene COVID-19-Pandemie zu einer Verzögerung der durch das
hiesige Gericht möglichen Vorladungen und Verhandlungstermine. In Nachach-
tung dieses Umstandes rechtfertigt es sich deshalb, die Einsatzstrafe von 3 1⁄2
Jahren Freiheitsstrafe leicht im Umfang von 6 Monaten zu reduzieren.
2.8. Unter Berücksichtigung aller für die Strafzumessung relevanter Kriterien
erscheint für den gewerbsmässigen Betrug eine Freiheitsstrafe von 3 Jahren
angemessen. Die erstandene Untersuchungshaft von 78 Tagen ist anzurech-
nen (Art. 51 StGB).
3. Gewerbsmässige Markenrechtsverletzung
3.1. aArt. 61 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 61 Abs. 3 MSchG sieht für gewerbsmässige
Markenrechtsverletzungen eine Strafe von Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder
Geldstrafe vor. Für den Fall, dass als Strafe eine Freiheitsstrafe festgesetzt wer-
den sollte, ist diese zwingend mit einer Geldstrafe zu verbinden.
3.2. In Bezug auf die objektive Tatschwere der Markenrechtsverletzung ist
massgebend, dass der Beschuldigte vier verschiedene Markeninhaberinnen in
ihrem ausschliesslichen Recht auf ihre Marken "BV._", "B._",
"BM._" und "BJ._" verletzte. Die BV._ Inc. hielt etwa fest, das Ver-
halten des Beschuldigten bedrohe sie in ihrer Eigenschaft als Markeninhaberin, in
- 141 -
ihren wirtschaftlichen Interessen und in ihrem Ruf. Der Beschuldigte täusche über
die Authentizität der angebotenen Dienstleistungen (Urk. 1 S. 3 und 6 f., Ordner
1). Auch hier ist von einer eher langen Zeitspanne von knapp einem Jahr auszu-
gehen. Der Beschuldigte ahmte starke und berühmte Marken nach. Er verwende-
te die entsprechenden Zeichen in insgesamt sieben Domains und auf der Websei-
te G1._.ch. Damit und mit einem Marktauftritt an (überwiegend) zehn Stand-
orten in den Online-Telefonbüchern erreichte er eine breite Präsenz. Diese ging
mit einer weiträumigen Verletzung der Markenrechte einher, was negativ zu ge-
wichten ist. Gleichwohl muss die Tatschwere ins Verhältnis gesetzt werden zur
Bandbreite denkbarer gewerbsmässiger Markenrechtsverletzungen. Massive
Markenrechtsverletzungen können die rechtmässigen Inhaber wirtschaftlich in
Bedrängnis bringen und nachhaltigen Reputationsschaden verursachen. Anhalts-
punkte dafür liegen hier nicht vor. Vor diesem Hintergrund ist das objektive Ver-
schulden des Beschuldigten als noch leicht zu werten. Darin enthalten ist auch
das Verschulden betreffend das tatrelevante Verhalten der Widerhandlungen
gegen das UWG, für welche kein Freispruch erfolgt, welche aber von den mar-
kenrechtsrelevanten Tathandlungen konsumiert werden.
3.3. Subjektiv handelte der Beschuldigte mit direktem Vorsatz, wobei er die früh
erfolgten Abmahnungen durch die BV._ Inc. und durch BM._ ignorierte
(Urk. 2/8 und 2/10, Ordner 1; Urk. 45/1, 45/3 und 45/5, Ordner 28). Zusätzlich
wurde er in einem selbst eingeholten Rechtsgutachten ebenfalls darauf hinge-
wiesen, dass sein Verhalten eine Markenrechtsverletzung darstellen könnte
(Urk. 45/7 S. 8; Ordner 28). Er hat sich ganz bewusst dafür entschieden, delik-
tisch tätig zu werden. Damit erhöhen die Elemente der subjektiven Tatkompo-
nente die objektive Tatschwere.
3.4. Bei einer Gesamtbetrachtung wird das noch leichte objektive Verschulden
durch das subjektive Tatverschulden erhöht. Für die gewerbsmässige Marken-
rechtsverletzung erscheint eine Einsatzstrafe von 300 Tagessätzen respektive
eine Freiheitsstrafe von 10 Monaten angemessen.
3.5. Betreffend Täterkomponente und Verfahrensdauer kann auf das bereits Aus-
geführte verwiesen werden. Sie wirken sich auch in Bezug auf die gewebsmässi-
- 142 -
ge Markenrechtsverletzung leicht reduzierend aus. Somit wäre der Beschuldigte
mit einer Geldstrafe von leicht unter 300 Tagessätzen bzw. einer Freiheitsstrafe
von leicht unter 10 Monaten zu bestrafen.
3.6. Wahl der Sanktionsart/Tagessatzhöhe/Fazit
3.6.1. Bei der Wahl der Sanktionsart ist als wichtiges Kriterium die Zweck-
mässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und
sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen
(BGE 134 IV 97 E. 4.2 S. 100 mit Hinweisen). Nach dem Prinzip der Verhält-
nismässigkeit soll nach konstanter Rechtsprechung bei alternativ zur Verfü-
gung stehenden und hinsichtlich des Schuldausgleichs äquivalenten Sanktio-
nen im Regelfall diejenige gewählt werden, die weniger stark in die persönliche
Freiheit des Betroffenen eingreift (BGE 138 IV 120 E. 5.2 S. 123; Urteil
6B_125/2018 vom 14. Juni 2018 E. 1.3.2; je mit Hinweis). Für Strafen von we-
niger als sechs Monaten ist altrechtlich grundsätzlich eine Geldstrafe auszu-
sprechen (aArt. 34 Abs. 1, aArt. 40 und aArt. 41 Abs. 1 StGB).
Die Geldstrafe stellt die Hauptsanktion dar (BGE 134 IV 97 E. 4.2.2 S. 101).
Sie wiegt als Vermögenssanktion prinzipiell weniger schwer als ein Eingriff in
die persönliche Freiheit (BGE 138 IV 120 E. 5.2 S. 123; 134 IV 97 E. 4.2.2
S. 101, 82 E. 7.2.2 S. 90). Am Vorrang der Geldstrafe hat der Gesetzgeber im
Rahmen der erneuten Revision des Sanktionenrechts entgegen der ursprüngli-
chen Stossrichtung festgehalten (BGE 144 IV 217 E. 3.6 S. 237 f. mit Hinwei-
sen).
Von einer Freiheitsstrafe als einzige zweckmässige Sanktion ist hier nicht aus-
zugehen. Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft. Die Vorstrafe vom 30. März
2010 ist inzwischen aus dem Strafregister gelöscht worden und darf deshalb nicht
mehr berücksichtigt werden. Der Beschuldigte ist seit den heute zu beurteilenden
Vorfällen nicht mehr strafrechtlich in Erscheinung getreten. Ihm ist heute eine
Geldstrafe aufzuerlegen, die als empfindliche Sanktion zu bezeichnen ist. Es
kann davon ausgegangen werden, dass das vorliegende Strafverfahren, die
verbüsste 78-tägige Untersuchungshaft und die heute auszufällenden Sanktio-
- 143 -
nen eine Warnwirkung zeitigen, weshalb einer Geldstrafe die präventive
Effizienz nicht abgesprochen werden kann. Sie ist mit Blick auf die verübten
Markenrechtsverletzungen zudem schuldangemessen und zweckmässig. Mit-
hin kommt sie auch unter dem Gesichtspunkt des Schuldausgleichs in Frage.
Schliesslich bleibt festzuhalten, dass keine Hinweise bestehen und deshalb zu
Recht nicht behauptet wird, dass der Beschuldigte eine Geldstrafe, falls diese
zufolge Widerrufs des bedingten Vollzugs überhaupt vollstreckt werden sollte,
selbst unter dem Eindruck einer drohenden Ersatzfreiheitsstrafe nicht bezahlen
würde. Geldstrafen stehen zudem auch mittellosen und zahlungsunwilligen
Tätern offen (BGE 134 IV 97 E. 5.2.3 S. 104 f.; Urteil 6B_922/2016 vom 14. Juli
2017 E. 3.2.; je mit Hinweisen). Eine Freiheitsstrafe anstelle einer Geldstrafe
würde sich im Übrigen auch aufgrund des Verschlechterungsverbots verbieten.
3.6.2. Das Gericht bestimmt die Höhe des Tagessatzes nach den persönlichen
und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, na-
mentlich nach Einkommen und Vermögen, Lebensaufwand, allfälligen Fami-
lien- und Unterstützungspflichten sowie nach dem Existenzminimum (aArt. 34
Abs. 2 StGB). Ausgangspunkt für die Bemessung bildet das Einkommen, das
dem Täter durchschnittlich an einem Tag zufliesst. Was gesetzlich geschuldet
ist oder dem Täter wirtschaftlich nicht zufliesst, ist abzuziehen, so die laufen-
den Steuern, die Beiträge an die obligatorische Kranken- und Unfallversiche-
rung, sowie die notwendigen Berufsauslagen bzw. bei Selbständigerwerben-
den die branchenüblichen Geschäftsunkosten (im Einzelnen BGE 142 IV 315
E. 5.3.2 ff. S. 320 ff. mit Hinweisen).
Im Lichte der besagten Rechtsprechung und unter Berücksichtigung der
wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschuldigten ist im Folgenden die Höhe des
Tagessatzes festzusetzen. Der Beschuldigte hielt im erstinstanzlichen Verfah-
ren fest, Geschäftsführer und Inhaber der G._ zu sein, seit 2017 aber auf
einen Lohn zu verzichten. Er habe keine Möglichkeit, mit dem Unternehmen
einen Lohn zu erwirtschaften. Die G._ generiere "10 % der vor der Verhaf-
tung erzielten Einnahmen". Seit dem 1. Januar 2017 lebe er vom Privatvermö-
gen. Für seine Wohnung bezahle er monatlich Fr. 1'057.–, wobei das "Unter-
- 144 -
nehmen einen Anteil an die Kosten" zahle. In den letzten 2 1⁄2 Jahren habe er
das Vermögen verbraucht (Urk. 91 S. 1 ff.). Im Berufungsverfahren hielt er
aktualisierend fest, dass er weiterhin keiner Erwerbstätigkeit nachgehe und
somit auch kein Einkommen generiere. Er bestreite seinen Lebensunterhalt
derzeit weiterhin vom Privatvermögen, teilweise unter Verwertung von nicht li-
quiden Vermögenswerten (Urk. 142 S. 3 f.). Mit Blick auf diese finanziellen
Verhältnisse und zumal die Verteidigung selber in ihrem Eventualantrag von
einer Tagessatzhöhe von Fr. 30.– ausgeht, hat es bei der vorinstanzlich fest-
gesetzten Tagessatzhöhe von Fr. 30.– sein Bewenden.
3.6.3. Der Beschuldigte wäre aufgrund der gewerbsmässigen Markenrechts-
verletzung grundsätzlich mit einer Geldstrafe von leicht unter 300 Tagessätzen
zu Fr. 30.– zu bestrafen. Unter Berücksichtigung des Verschlechterungsver-
bots im Sinne von Art. 391 Abs. 2 StPO bleibt es bei der vorinstanzlichen
Strafhöhe von 220 Tagessätzen zu Fr. 30.–.
4. Zusammenfassend ist der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 3 Jah-
ren unter Anrechnung der erstandenen Untersuchungshaft von 78 Tagen sowie
mit einer Geldstrafe von 220 Tagessätzen zu Fr. 30.– zu bestrafen.
VI. Vollzug
1. Nach dem hier anwendbaren aArt. 42 Abs. 1 StGB schiebt das Gericht den
Vollzug einer Geldstrafe, von gemeinnütziger Arbeit oder einer Freiheitsstrafe von
mindestens sechs Monaten und höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn
eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Bege-
hung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten. Für den bedingten Vollzug
nach aArt. 42 Abs. 1 StGB genügt das Fehlen einer ungünstigen Prognose, das
heisst die Abwesenheit der Befürchtung, der Täter werde sich nicht bewähren
(BGE 134 IV 1 E. 4.2.2 S. 5 f.). Die Prüfung der Bewährungsaussichten des Tä-
ters ist anhand einer Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände vorzuneh-
men (vgl. dazu im Einzelnen: BGE 134 IV 1 E. 4.2.1 S. 5 mit Hinweisen).
- 145 -
Nach aArt. 43 Abs. 1 StGB kann das Gericht den Vollzug einer Geldstrafe, von
gemeinnütziger Arbeit oder einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr und
höchstens drei Jahren nur teilweise aufschieben, wenn dies notwendig ist, um
dem Verschulden des Täters genügend Rechnung zu tragen. Für die Festsetzung
des aufzuschiebenden und des zu vollziehenden Strafteils gemäss aArt. 43 StGB
gelten die gleichen Massstäbe. Als Bemessungsregel ist das Ausmass des
Verschuldens zu beachten, dem in genügender Weise Rechnung zu tragen ist.
Das Verhältnis der Strafteile ist so festzusetzen, dass darin die Wahrscheinlichkeit
der Legalbewährung des Täters einerseits und dessen Einzeltatschuld anderseits
hinreichend zum Ausdruck kommen. Je günstiger die Prognose und je kleiner die
Vorwerfbarkeit der Tat, desto grösser muss der auf Bewährung ausgesetzte
Strafteil sein. Der unbedingte Strafteil darf das unter Verschuldensgesichtspunk-
ten (Art. 47 StGB) gebotene Mass nicht unterschreiten (BGE 134 IV 1 E. 5.6
S. 15).
Die teilbedingte Strafe ist als Mittellösung zwischen dem vollständigen Aufschub
der Strafe und deren Vollzug eingeführt worden. Grundvoraussetzung für eine
teilbedingte Strafe gemäss aArt. 43 StGB ist wie bei aArt. 42 StGB, dass die Le-
galprognose des Täters nicht schlecht ausfällt. Der Hauptanwendungsbereich der
teilbedingten Strafe liegt bei Freiheitsstrafen zwischen zwei und drei Jahren. Fällt
die Legalprognose nicht negativ aus, tritt der teilbedingte Freiheitsentzug an die
Stelle des in diesem Bereich nicht mehr möglichen vollbedingten Strafvollzuges.
Im überschneidenden Anwendungsbereich von aArt. 42 und aArt. 43 StGB zwi-
schen einem und zwei Jahren Freiheitsstrafe ist hingegen der (vollständige)
Strafaufschub die Regel. Der teilbedingte Vollzug kommt nur (subsidiär) zur An-
wendung, wenn der Aufschub wenigstens eines Teils der Strafe aus spezialprä-
ventiver Sicht erfordert, dass der andere Strafteil unbedingt ausgesprochen wird.
Ergeben sich – insbesondere aufgrund früherer Verurteilungen – ganz erhebliche
Bedenken an der Legalbewährung des Täters, ermöglicht der Teilvollzug für die
Zukunft eine bessere Prognose. Das Gericht kann mit Hilfe der teilbedingten Stra-
fe im Bereich höchst ungewisser Prognosen dem Dilemma "Alles oder Nichts"
entgehen. Erforderlich ist aber stets, dass der teilweise Strafvollzug einerseits ei-
ne günstige Legalprognose erlaubt und anderseits für die Erhöhung der Bewäh-
- 146 -
rungsaussichten unumgänglich erscheint. Besteht hingegen keinerlei Aussicht,
dass der Täter sich durch den – ganz oder teilweise – gewährten Strafaufschub
im Hinblick auf sein zukünftiges Legalverhalten positiv beeinflussen lässt, ist die
Strafe in voller Länge zu vollziehen (BGE 144 IV 277 E. 3.1.1 S. 280 f. mit Hin-
weisen).
2. Die auszufällende Freiheitsstrafe von 3 Jahren bewegt sich im Hauptanwen-
dungsbereich der teilbedingten Strafe. Der Beschuldigte hat keine Vorstrafen
und ist seit den heute zu beurteilenden Vorfällen nicht mehr strafrechtlich in Er-
scheinung getreten. Das vorliegende Strafverfahren und die verbüsste 78-
tägige Untersuchungshaft dürften ihn genügend beeindruckt haben. Deshalb
ist nicht davon auszugehen, er werde in Zukunft erneut straffällig werden und
sich nicht bewähren. Damit fällt die Legalprognose nicht negativ aus und ist
ihm der teilbedingte Vollzug zu gewähren. Unter Berücksichtigung des Straf-
masses und der gesetzlichen Vorgaben (aArt. 43 Abs. 2 und 3 StGB) ist der
unbedingt vollziehbare Teil auf mindestens 6 und höchstens 18 Monate festzu-
setzen. Rechnung zu tragen gilt es dabei der Art des Delikts und dem nicht
mehr leichten Tatverschulden. Zudem delinquierte der Beschuldigte aus einer
beruflichen und privaten Situation heraus, die sich heute nicht wesentlich an-
ders präsentiert. Sein Tätigkeitsfeld scheint der Beschuldigte nicht gänzlich
gewechselt zu haben. Selbst die Verteidigung betont, dass der Beschuldigte
seit September 2018 über eine Wort-/Bildmarke "..." verfügt, die unter ande-
rem in den Klassen ... (Werbung, Geschäftsführung, Unternehmensverwal-
tung, Büroarbeiten) und ... (Telekommunikation) registriert ist (Urk. 135 S. 45;
Urk. 136/10). Der Beschuldigte habe aufgrund der Beschlagnahme der Mehr-
wertdienstnummern seiner Arbeitstätigkeit nicht mehr nachgehen können
(Urk. 135 S. 69). Überdies gab der Beschuldigte auch selber anlässlich der Be-
rufungsverhandlung an, weiterhin für die G._ tätig zu sein, welche über-
dies gemäss öffentlich zugänglichem Handelsregistereintrag weiterhin den
gleichen Unternehmenszweck verfolgt. Unter dem Titel einer günstigen Prog-
nose sind deshalb Vorbehalte angebracht. Es rechtfertigt sich, den unbedingt
vollziehbaren Teil der Freiheitsstrafe auf 12 Monate und den aufgeschobenen
Teil auf 24 Monate festzulegen. Aufgrund des Gesagten bestehen gewisse Be-
- 147 -
denken betreffend günstige Legalprognose, weshalb die Probezeit auf drei
Jahre und nicht auf die Minimaldauer von zwei Jahren festzusetzen ist (vgl.
dazu Urteil des Bundesgerichts 6B_593/2020 vom 19. Oktober 2020 E. 3.3).
3. Da die Legalprognose nicht negativ ausfällt, ist der Vollzug der Geldstrafe
aufzuschieben und die Probezeit ebenfalls auf drei Jahre festzusetzen.
4. Zusammenfassend ist der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 3 Jah-
ren zu bestrafen unter Anrechnung der ausgestandenen Haft von 78 Tagen.
Der Vollzug der Freiheitsstrafe ist im Umfang von 24 Monaten aufzuschieben und
die Probezeit auf 3 Jahre festzusetzen. Im Übrigen (12 Monate) ist die Freiheits-
strafe zu vollziehen.
Zudem ist der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 220 Tagessätzen zu Fr. 30.–
zu bestrafen. Der Vollzug der Geldstrafe ist aufzuschieben und die Probezeit
auf drei Jahre festzusetzen.
VII. Zivilansprüche
1. Allgemeines
Aufgrund des Schuldspruchs ist über die adhäsionsweise geltend gemachten
zivilrechtlichen Ansprüche zu entscheiden (Art. 126 Abs. 1 lit. a StPO). Der
Entscheid über die anhängig gemachte Zivilklage ist, soweit sie hinreichend
begründet und beziffert ist, bei dieser Konstellation zwingend (Urteil
6B_1401/2017 vom 19. September 2018 E. 4.3 mit Hinweisen). Die Voraus-
setzungen betreffend das Adhäsionsverfahren finden sich im angefochtenen
Urteil, auf welches vollumfänglich verwiesen werden kann (Urk. 110 S. 308).
2. Zivilforderung der B._
2.1. Zur Forderung der B._ erwägt die Vorinstanz, jene habe ihr Schadener-
satzbegehren im Rahmen der Hauptverhandlung von Fr. 79'435.05 auf
Fr. 37'639.16 nebst Zins reduziert. Die B._ sei betreffend die
gewerbsmässige Markenrechtsverletzung und den mehrfachen unlauteren Wett-
- 148 -
bewerb als geschädigt zu betrachten, grundsätzlich aber nicht hinsichtlich des
gewerbsmässigen Betrugs. Die Schädigung sei primär zulasten der Anrufenden
erfolgt. Die B._ sei durch die betrügerischen Machenschaften nicht unmittel-
bar geschädigt worden. Sie habe die Einnahmen aus ihrer Support-Hotline nach
entsprechender Weiterleitung der Kunden durch den Beschuldigten genauso ge-
nerieren können, wie wenn sich die Kunden direkt bei der offiziellen B._-
Hotline gemeldet hätten. Einzig in den wenigen Fällen, in welchen
der Beschuldigte ohne Weiterleitung anstelle der B._ einen eigenständigen
Support geleistet habe, sei der B._ ein Gewinn entgangen. Die so vom Be-
schuldigten erzielten Beträge seien primär den durch den gewerbsmässigen Be-
trug geschädigten Opfern zuzuordnen. Es sei davon auszugehen, dass die unmit-
telbar aus der Vermögensverschiebung resultierende Schadenersatzberechtigung
der Anrufenden allfälligen Gewinnherausgabeansprüchen aus MSchG und UWG
vorgehe. Deshalb sei der Zivilanspruch der B._ abzuweisen (Urk. 110 S. 308
ff.).
2.2. Die B._ liess vor Vorinstanz ausführen, der Beschuldigte habe mit den
als "B._ Hotline" beworbenen Mehrwertdienstnummern allein durch Verlet-
zung der Bestimmungen des UWG und durch Verletzung der Markenrechte der
B._ einen erheblichen Gewinn erwirtschaftet. Gestützt auf Art. 55 Abs. 2
MSchG und Art. 9 Abs. 3 UWG habe die B._ Anspruch aus Bereicherungs-
recht bzw. Geschäftsführung ohne Auftrag und könne diesen Gewinn für sich be-
anspruchen. Der Gewinn zwischen dem 1. September 2015 und 16. August 2016
belaufe sich auf Fr. 33'407.82 (Mehrwertdienstnummer 42) und Fr. 4'231.34
(Mehrwertdienstnummer 15) respektive auf insgesamt Fr. 37'639.16 (Urk. 97 S. 2
und 5 f., Prot. I S. 13). Im Rahmen der Berufungsverhandlung hielt die B._
unverändert an ihrer Zivilforderung fest, führte jedoch ergänzend aus, dass die
Vorinstanz zu Unrecht davon ausgegangen sei, dass der B._ nahezu kein
Schaden in Bezug auf die Markenrechtsverletzungen und unlauteren Handlungen
des Beschuldigten entstanden sei. So hätten die betroffenen Kunden, wenn auch
nur unterbewusst, das betrügerische Verhalten des Beschuldigten mit der Marke
"B._" assoziiert, womit bei der B._ sehr wohl ein Schaden in Form eines
Reputationsschadens entstanden sei. Die Markenrechtsverletzungen bzw. unlau-
- 149 -
teren Handlungen des Beschuldigten seien conditio sine qua non für den von ihm
erwirtschafteten Gewinn gewesen, weshalb dieser Gewinn der B._ als Mar-
kenrechtsinhaberin abzuliefern sei. Dies sei überdies unabhängig von einem all-
fälligen Schaden der B._ sowie dem Umstand, dass die B._ die allfälli-
gen Gewinne nicht selber hätte erwirtschaften können, der Fall. Der von der
B._ geltend gemachte Gewinnherausgabe- bzw. Bereicherungsanspruch zie-
le nämlich einzig darauf ab, einen durch eine unberechtigte Person erwirtschafte-
ten Gewinn, den diese durch einen Eingriff in die Markenrechte der B._ bzw.
durch gegen diese gerichtete unlautere Handlungen erwirtschaftet habe, der ei-
gentlich Berechtigten zuzuweisen. Dieser Anspruch sei entgegen der erstinstanz-
lichen Auffassung nicht subsidiär zu einem allfälligen Schadenersatzanspruch der
betrogenen Kunden. Sollte sodann von einer ungenügenden Begründung oder ei-
ner fehlenden Spruchreife der Zivilklage ausgegangen worden sein, so hätte die
Zivilforderung auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen werden müssen, was
sodann auch im vorliegenden Berufungsverfahren eventualiter beantragt werde
(Urk. 143 S. 5 ff.).
2.3. Die Verteidigung beantragt entsprechend dem verlangten Freispruch die
Abweisung der Zivilansprüche (Urk. 135 S. 67).
2.4. Wer in seinem Recht an der Marke oder an einer Herkunftsangabe verletzt
oder gefährdet wird, kann gestützt auf Art. 55 Abs. 1 MSchG vom Richter
verlangen, eine drohende Verletzung zu verbieten (lit. a) und eine bestehende
Verletzung zu beseitigen (lit. b). Nebst diesen Abwehrklagen steht dem
Rechtsinhaber eine Auskunftsklage zur Verfügung (vgl. lit. c). Vorbehalten
bleiben nach Art. 55 Abs. 2 MSchG die Klagen nach dem Obligationenrecht auf
Schadenersatz, auf Genugtuung sowie auf Herausgabe eines Gewinns ent-
sprechend den Bestimmungen über die Geschäftsführung ohne Auftrag. Der
mit Art. 55 MSchG gewährte zivilrechtliche Rechtsschutz knüpft an die Verletzung
eines Rechts an der Marke an, die darin besteht, dass ohne Zustimmung des
Markeninhabers eine der in Art. 13 Abs. 2 (und Abs. 2bis) MSchG umschriebenen
Handlungen vorgenommen wird (BGE 146 III 89 E. 8.1.3 S. 96).
- 150 -
Die Gewinnherausgabe gestützt auf Art. 423 OR beruht auf der Konstruktion,
der Verletzer habe als auftragsloser Geschäftsführer des verletzten Markenin-
habers gehandelt und sich dessen Geschäfte angemasst. Deshalb hat er die
erzielten Gewinne im Sinne von Art. 423 OR herauszugeben (MARKUS FRICK, in:
Basler MSchG-Kommentar, a.a.O., N. 91 zu Art. 55 MSchG).
In der Rechtsprechung und Lehre wird hierbei diskutiert, ob es sich bei Art. 55
Abs. 2 MSchG um eine Rechtsfolge- oder eine Rechtsgrundverweisung handelt.
Im Ersteren Fall (Rechtsfolgeverweisung) käme ein Anspruch auf Gewinnheraus-
gabe bereits als reine Folge einer Markenrechtsverletzung in Frage, ohne dass
hierbei eine Fremdgeschäftsführung im Sinne von Art. 423 OR verlangt wäre. Mit
anderen Worten wäre der Verweis lediglich betreffend die Folgen (Gewinnbe-
rechnung und -herausgabe) zu verstehen. Im Letzteren Fall (Rechtsgrundverwei-
sung) müssten jeweils kumulativ mit der Markenrechtsverletzung auch die Vo-
raussetzungen der Geschäftsführung ohne Auftrag erfüllt sein (TANJA DOMEJ, in:
Kommentar Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, 2018, N 93 zu
Art. 9 UWG, mit Hinweisen zum identischen Verweis unter Art. 9 UWG).
Das Bundesgericht äusserte sich soweit ersichtlich bis anhin noch nicht direkt zur
Natur der Verweisung von Art. 55 Abs. 2 MSchG. Allerdings äusserte es sich in
BGE 133 III 153 teilweise zur Natur der Verweisungsnorm in Art. 28a Abs. 3 ZGB,
welche identisch ist mit der Verweisungsnorm des MSchG. Darin sprach es sich
zwar nicht explizit für die Ansicht aus, in der entsprechenden Bestimmung des
ZGB sei eine Rechtsfolgeverweisung zu sehen; das Ergebnis, zu welchem es
kam, ist jedoch stark dahingehend zu verstehen (BGE 133 III 153 E. 2.4 S. 158
f.). Entsprechend wurde in einem späteren Bundesgerichtsentscheid, welcher die
Gewinnherausgabe nach FINMAG zum Inhalt hatte, festgehalten, dass gemäss
obengenanntem Entscheid "...zumindest der Verweis [von Art. 28a Abs. 3 ZGB]
auf die Gewinnherausgabe als Rechtfolgeverweisung auf die unechte Geschäfts-
führung ohne Auftrag im Sinne von Art. 423 Abs. 1 OR zu verstehen [sei]..." (Ur-
teil 2C_422/2018 vom 20. März 2019 E. 2.4.). Aufgrund dieser höchstrichterlichen
Erwägungen und aufgrund der Identität der Verweise von Art. 28a Abs. 3 ZGB
- 151 -
und Art. 55 Abs. 2 MSchG ist folglich von einer Rechtsfolgeverweisung auszuge-
hen.
Hat eine Person daher in Verletzung von Markenrechten einen Gewinn erzielt, so
ist dieser dem berechtigten Markenrechtsinhaber herauszugeben, ohne dass die
weiteren Voraussetzungen einer Geschäftsanmassung erfüllt sein müssten. Hin-
gegen muss die Markenrechtsverletzung natürlich kausal zum Verletzergewinn
sein (FRICK, a.a.O., N. 99 zu Art. 55 MSchG). Ob zusätzlich Adäquanz vorliegen
muss (ROGER STAUB, in: MSchG-Handkommentar, a.a.O., N. 118 zu Art. 55
MSchG), kann offenbleiben. Der Verletzergewinn ist nur insoweit herauszugeben,
als er auf der Rechtsverletzung beruht. Massgebend ist dabei, ob und inwieweit
das verletzte Recht ursächlich gewesen ist oder ob andere Umstände eine we-
sentliche Rolle gespielt haben. Der Gewinn ist aufzuteilen, wenn dieser nur teil-
weise auf die Verletzung zurückgeht (Urteil BPatGer vom 19. März 2014 E. 4.3,
in: sic! 9/2014 S. 560). Der Anspruch auf Gewinnherausgabe ist jedoch unabhän-
gig von einem beim Verletzten eingetretenen Schaden (FRICK, a.a.O., N. 91 zu
Art. 55 MSchG; DOMEJ, a.a.O., N. 78 und 90 zu Art. 9 UWG; PHILIPPE SPITZ, in:
UWG-Handkommentar, a.a.O., N. 185 zu Art. 9 UWG). Die Gewinnherausgabe ist
damit nicht Ersatz für einen Schaden, sondern Herausgabe der dem auftragslo-
sen Geschäftsführer entstandenen Vorteile (BGE 132 III 379 E. 3.2.3 S. 382 f.;
RÜETSCHI/ROTH, in: Basler UWG-Kommentar, a.a.O., N. 116 zu Art. 9 UWG).
Herauszugeben ist der Nettogewinn als Differenz zwischen Bruttoerlös und
Gestehungskosten Die Beweislast für die Gestehungskosten liegt beim Verletzer
(BGE 134 III 306 E. 4.1.2 S. 309).
2.5.
2.5.1. Die Vorinstanz unterstreicht, die Schädigung sei primär bei den Anru-
fenden erfolgt, während die B._ durch die Weiterleitung der Kunden
gleichwohl Einnahmen generiert habe. Nur in wenigen Fällen (nämlich bei den
nicht weitergeleiteten Anrufen) sei der B._ ein Gewinn entgangen. Diese
Erwägungen sind nicht einschlägig. Die Vorinstanz übersieht, dass die
B._ keine Schadenersatzforderung geltend macht. Die Privatklägerin ver-
langt nicht Schadenersatz wegen entgangenem Gewinn, Verwässerung der
- 152 -
Marke etc. (Art. 41 ff. OR). Vielmehr verlangt sie eine Gewinnherausgabe ge-
stützt auf Art. 423 OR, die keinen Schaden (und damit auch keinen entgange-
nen Gewinn) voraussetzt.
Zur Untermauerung ihrer Zivilforderung verweist die B._ auf Kontoauszü-
ge der "BB._" für die Monate September 2015 bis August 2016
(Urk. 34/37, Ordner 12). Diese betreffen unter anderem die auf die
G._ bei der BB._.ch registrierten Mehrwertdienstnummern 18 ("24/7
B._ Support") und Nr. 15 ("G1._"). Die von der B._ geltend ge-
machten Einnahmen, die in Abzug gebrachten Kosten (Abonnementskosten,
Servicegebühr, Routingkosten) und der resultierende Gewinn entsprechen die-
sen Kontoauszügen und sind belegt (Urk. 23/19 S. 16 ff., Ordner 3).
Es ist vorliegend erstellt, dass die Nummer des "24/7 B._ Support" auf ver-
schiedenen Kanälen in Verletzung der Markenrechte der B._ vermarktet
wurde und der damit generierte Gewinn auf ebendiese Rechtsverletzung zurück-
zuführen ist. Ein natürlicher (und auch adäquater) Kausalzusammenhang liegt
vor. Die Bekanntheit der Marke war ursächlich für die Anrufe. Andere Umstände,
die eine wesentliche Rolle gespielt hätten, sind nicht ersichtlich und werden vom
Beschuldigten auch nicht geltend gemacht. Ebenso wenig hat der Beschuldigte
über die von der B._ in Abzug gebrachten Kosten hinausgehende Geste-
hungskosten belegt. Damit ist in Bezug auf die Mehrwertdienstnummer 42 vom
geltend gemachten Betrag in der Höhe von Fr. 33'407.82 auszugehen. Zinsen
von 5% sind ab Gewinnerzielung geschuldet (OSER/WEBER, in: Basler Kom-
mentar, Obligationenrecht, 7. Aufl. 2020, N. 14 zu Art. 423 OR). Sie sind an-
tragsgemäss ab 1. September 2016 zuzusprechen.
Anders verhält es sich in Bezug auf die Mehrwertdienstnummer 15, unter wel-
cher der Beschuldigte einen Support für BV._, B._ und BJ._ an-
bot ("G1._"). Bei dieser Mehrwertdienstnummer wurde dem Beschuldigten
gemäss Anklage keine Markenrechtsverletzung vorgeworfen (vgl. Urk. 53 S. 72
ff.), weshalb im vorliegenden Verfahren auch nicht erstellt werden musste, ob
diesbezüglich Markenrechtsverletzungen im strafrechtlich relevanten Sinne
stattgefunden haben. Dies bedeutet jedoch freilich nicht, dass die B._
- 153 -
nicht in einem separaten Zivilverfahren entsprechende zivilrechtlich relevante
Markenrechtsverletzungen nachweisen könnte, welche einen Gewinnheraus-
gabeanspruch begründen könnten. Insofern ist ihre diesbezügliche Zivilklage
nicht hinreichend begründet und überdies auch nicht genügend beziffert, wes-
halb sie auf den Zivilweg zu verweisen ist (Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO).
2.5.2. Zum Verhältnis von Gewinnherausgabe und Schadenersatz bleibt Fol-
gendes festzuhalten. Es ist nicht zweifelhaft, dass der verletzte Geschäftsherr
Schadenersatz aus entgangenem Gewinn einerseits und Gewinnherausgabe
andererseits nicht kumulieren kann, sondern ihm die Ansprüche nur alternativ
zur Verfügung stehen. Bei mehreren verletzten Geschäftsherren geht die
herrschende Lehre mangels Willenserklärung des Schuldners bzw. gesetzli-
cher Anordnung (Art. 150 Abs. 1 OR) von Teilgläubigerschaft aus (DAVID ET AL.,
a.a.O., N. 430; JENNY/MAISSEN/HUGUENIN, Handkommentar zum Schweizer
Privatrecht, 3. Aufl. 2016, N. 23 zu Art. 423 OR). Stehen dem Verletzer Ge-
winnherausgabeansprüche des Geschäftsherrn und Schadenersatzansprüche
Dritter gegenüber, bestehen diese Ansprüche unter Umständen nebeneinan-
der. Wohl entspricht hier der vom Beschuldigten erzielte Verletzergewinn im
Wesentlichen dem Schaden der Betrugsopfer. Da aber die Gewinnherausgabe
an den Verletzten pönalen Charakter hat (SPITZ, a.a.O., N. 195 zu Art. 9 UWG),
geht der positive Schaden nicht im Anspruch auf Gewinnherausgabe auf.
Selbst wenn der Beschuldigte den Betrugsopfern ihren Schaden ersetzt hätte
und damit nicht mehr über den Verletzergewinn verfügte, könnte er dies der
B._ nicht entgegenhalten. Ihm steht die Entreicherungseinrede nach
Art. 64 OR nicht zur Verfügung (FRICK, a.a.O., N. 94 zu Art. 55 MSchG). Nach-
dem der Beschuldigte eine Schadloshaltung der Betrugsopfer im Übrigen nicht
behauptet, erübrigen sich weitere Erwägungen dazu.
2.5.3. Zusammenfassend ist der Beschuldigte zu verpflichten, der B._
Fr. 33'407.82 nebst Zins zu 5% ab 1. September 2016 zu bezahlen. Im Mehrbe-
trag ist das Gewinnherausgabebegehren auf den Weg des Zivilprozesses zu ver-
weisen.
3. Zivilforderung der BM1._ GmbH
- 154 -
Die Vorinstanz verwies die Zivilklage der BM1._ GmbH in Anwendung von
Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO auf den Zivilweg. Der Beschuldigte beantragt im Beru-
fungsverfahren die Abweisung der Forderung und begründet dies hauptsächlich
mit dem beantragten Freispruch. Da der Beschuldigte auch im vorliegenden Ver-
fahren der gewerbsmässigen Markenrechtsverletzung schuldig zu sprechen ist
und die vorinstanzlichen Erwägungen überdies zu teilen sind (Urk. 110 S. 309), ist
die BM1._ GmbH mit ihren Zivilforderungen auf den Weg des Zivilprozesses
zu verweisen.
VIII. Einziehung etc.
1. Die Zwangsmassnahme der Beschlagnahme ist in Art. 263 ff. StPO geregelt.
Gemäss Art. 263 Abs. 1 StPO können Gegenstände und Vermögenswerte ei-
ner beschuldigten Person oder einer Drittperson beschlagnahmt werden, wenn
die Gegenstände und Vermögenswerte voraussichtlich als Beweismittel ge-
braucht werden (lit. a), zur Sicherstellung von Verfahrenskosten, Geldstrafen,
Bussen und Entschädigungen gebraucht werden (lit. b; vgl. auch Art. 268
StPO) oder wenn sie voraussichtlich einzuziehen sind (lit. d; sogenannte
Einziehungsbeschlagnahme). Eine weitere Beschlagnahme regelt das Strafge-
setzbuch in Art. 71 Abs. 3 StGB im Zusammenhang mit der Ersatzforderung
(sogenannte Ersatzforderungsbeschlagnahme). Ist die Beschlagnahme eines
Gegenstands oder Vermögenswertes nicht vorher aufgehoben worden, so ist
über seine Rückgabe an die berechtigte Person, seine Verwendung zur Kos-
tendeckung oder über seine Einziehung im Endentscheid zu befinden (Art. 267
Abs. 3 StPO). Die Einziehung deliktischer Gegenstände und Vermögenswerte
ist in Art. 69 ff. StGB geregelt.
2. Das am 5. September 2016 beschlagnahmte Fahrzeug Lamborghini Gall-
ardo wurde am 25. Juli 2017 dem Beschuldigten herausgegeben. Gleichentags
beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft gestützt auf Art. 263 Abs. 1 lit. b StPO
einen Barbetrag von Fr. 10'500.–. Diese Barschaft hatte der Beschuldigte zur
"Auslösung" seines Autos der Staatsanwaltschaft überwiesen (Urk. 46/26,
- 155 -
46/38 und 46/39, Ordner 29). Der Betrag ist mit der Vorinstanz zur teilweisen
Deckung der Verfahrenskosten zu verwenden.
3.
3.1. Die Vorinstanz belässt zahlreiche beschlagnahmte Urkunden bei den Ak-
ten (Dispositiv-Ziffer 8; Urk. 110 S. 312 f.). Es handelt sich um Dokumente,
welche die Staatsanwaltschaft am 30. August 2016 beschlagnahmte und Teil
folgender Sicherstellungspositionen sind: Pos. 1.1.26 (eine Kartonschachtel
mit diversen Dokumenten), Pos. 1.1.38 (eine Plastikschachtel mit Deckel, ent-
haltend diverse Akten), Pos. 1.1.63 (eine grosse Tasche mit Ordnern), Pos.
2.1.3 (eine Plastiktasche mit Ordner) und Pos. 3.1.2 (eine Papiertasche mit
drei Bundesordnern). Ein Teil der Positionen wurde dem Beschuldigten im Lau-
fe der Untersuchung wieder ausgehändigt (vgl. Urk. 46/16, 46/19 S. 1, 46/22
S. 2 und 46/25; Ordner 29). Die Position 2.1.3 findet zwar Eingang in der vo-
rinstanzlichen Begründung (Urk. 110 S. 26 und 313), offensichtlich versehent-
lich nicht aber in das Urteilsdispositiv. Konkret verweist die Vorinstanz auf die
Urk. 42/1-41 im Ordner 25 und die Urk. 45/1-134 im Ordner 28 und erwägt,
diese seien als Beweismittel bei den Akten zu belassen.
3.2. Der Beschuldigte verlangt die Herausgabe der Sicherstellungspositionen
1.1.26, 1.1.38, 1.1.63 und 3.1.2 als Ganzes (Urk. 111 S. 4). Da ein Teil der
Urkunden bereits im Laufe der Untersuchung an ihn zurückging, ist anzuneh-
men, dass die Verteidigung sinngemäss die Herausgabe des verbleibenden
Teils beantragt. Im Rahmen des Berufungsverfahrens wiederholte sie ihren An-
trag (Urk. 135 S. 66 f.).
Die Staatsanwaltschaft verlangte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
(Urk. 118).
3.3. Vorab stellt sich die Frage, welche Schriftstücke respektive welcher Teil der
Sicherstellungspositionen 1.1.26, 1.1.38, 1.1.63, 2.1.3 und 3.1.2 nach der staats-
anwaltschaftlichen Beschlagnahme am 30. August 2016 (Urk. 46/16, Ordner 29)
bei den Untersuchungsakten verblieben. Die entsprechenden Herausgabe-
- 156 -
verfügungen und Empfangsscheine (Urk. 46/16, 46/19 S. 1, 46/22 S. 2 und
46/25; Ordner 29) fielen ebenso unklar aus wie die Umschreibung der in den
Untersuchungsakten verbleibenden Akten durch die Staatsanwältin: "Ergän-
zend weise ich darauf hin, dass einige weitere, anlässlich der Hausdurchsu-
chung beschlagnahmten Originalunterlagen aus den Sicherstellungspositionen
1.1.26, 1.1.38, 1.1.63, 2.1.3 und 3.1.2 zu den Akten genommen wurden (be-
zeichnet mit 'Akten aus Sicherstellungen...')" (Urk. 46/25, Ordner 29). Derarti-
ge Umschreibungen dienen freilich nicht der Klarheit. Nachdem die Urk. 42/1-
41 (Ordner 25) den Titel "Akten aus Sicherstellungen/Buchhaltungsunterlagen
(Rechnungen BF._ / BB._)" und die Urk. 45/1-134 (Ordner 28) den
Titel "Akten aus Sicherstellungen (Allgemeines/Buchhaltungsunterlagen)"
tragen, ist (mit der Vorinstanz) von diesen Beweismitteln auszugehen. In jedem
Fall zu den Verfahrensakten zu nehmen sind die von der Untersuchungsbe-
hörde gefertigten Papierausdrucke von Daten aus elektronischen Geräten des
Beschuldigten und der Datenexporte auf DVD (Urk. 45/96-110 inklusive
Schachtel [Urk. 45/110], Ordner 28).
Weitere "Akten aus Sicherstellungen" finden sich in Urk. 43/1-125 , Ordner 26
("Akten aus Sicherstellungen [betr. BG._ GmbH]") und Urk. 44/1-132,
Ordner 27 ("Akten aus Sicherstellungen [betr. CD._, D._]".
3.4. Bei den beschlagnahmten Unterlagen handelt es sich hauptsächlich um
Geschäftsdokumente wie Rechnungen der BF._ und BB._ (Urk. 42/1-
41, Ordner 25) sowie um verschiedene Korrespondenzen, Rechnungen der
ProLitteris, vom Beschuldigten verfasste Listen, Unterlagen zum BAKOM, Un-
terlagen zu Domains und zu verschiedenen Zielnummern, Ausdrucke von Da-
ten aus elektronischen Geräten des Beschuldigten, Buchhaltungsunterlagen
der G._ etc. (Urk. 45/1-134, Ordner 28). Zudem wurden beim Beschuldig-
ten Akten im Zusammenhang mit der BG._ (Urk. 43/1-125, Ordner 26)
und der "CD._" (Urk. 44/1-132, Ordner 27) beschlagnahmt.
Sämtliche Dokumente wurden in Anwendung von Art. 263 Abs. 1 lit. a StPO al-
lein zu Beweiszwecken beschlagnahmt (Urk. 46/16, Ordner 29). Ein Deliktskon-
nex und eine konkrete Gefährdung werden zu Recht nicht behauptet, weshalb ei-
- 157 -
ne Einziehung gestützt auf Art. 69 StGB ausgeschlossen ist. Ein reines Beweis-
mittel ist stets zurückzugeben (BOMMER/GOLDSCHMID, in: Basler Kommentar,
Schweizerische Strafprozessordnung, Band II, 2. Aufl. 2014 [nachfolgend: Basler
StPO-Kommentar II], N. 8 f. zu Art. 267 StPO). Die Dokumente sind deshalb ent-
gegen der Vorinstanz an den Beschuldigten zurückzugeben.
Zusammenfassend sind dem Beschuldigten folgende Unterlagen nach Eintritt
der Vollstreckbarkeit des Urteils herauszugeben: Urk. 42/1-41, Ordner 25;
Urk. 45/1-95 und 45/111-134, Ordner 28; Urk. 43/1-125, Ordner 26; Urk. 44/1-
132, Ordner 27.
4.
4.1. Die Vorinstanz ordnet bei verschiedenen Providern die Löschung folgen-
der Online-Accounts an, welche der Beschuldigte für den gewerbsmässigen
Betrug nutzte und die Staatsanwaltschaft am 19. August 2016, 29. September
2016 sowie am 10., 17., 24. und 26. Oktober 2016 beschlagnahmte:
- Accounts auf H._.ch, Benutzernummern 1 und 2, I._ AG,
J._-strasse ..., K._;
- Accounts auf L._.ch, betreffend sämtliche auf den Beschuldigten,
G._ GmbH, "M._", "N._", "O._" und "P._" re-
gistrierten Rufnummern gemäss Urk. 90A, Q._ GmbH, R._.-
strasse Nr. ..., S._ und I._ AG, J._-strasse ..., K._,
Letztere, soweit sie davon betroffen ist;
- Accounts auf T._.ch, Benutzernummern 4 und 5, U._ AG,
V._-strasse ..., W._;
- Account auf BA._.BB._ch, Benutzername BC._,
BB._ SA, Avenue de BD._ ..., BE._;
- Account auf BF._.ch, Benutzernamen A._ und BG._-gmbh,
BF._ (Schweiz) AG, BH._-strasse ..., BI._;
- Account auf BJ._.com, Benutzername BK._@gmail.com,
BJ._ Switzerland GmbH, BL._-strasse ..., ... Zürich.
- 158 -
4.2. Die vorinstanzlichen Erwägungen sind zutreffend. Soweit die Staatsanwalt-
schaft die Löschung der Accounts auf L._.ch betreffend sämtliche auf den
Beschuldigten, die G._, "M._", "N._", "O._" und "P._"
registrierten und in Urk. 33/1 aufgeführten Rufnummern beim Provider
Q._ beantragt (Urk. 53 S. 95), ist Folgendes festzuhalten. Laut Excel-
Tabelle der Staatsanwaltschaft werden die "L._"-Accounts von der
I._ AG betrieben, worauf die Vorinstanz zutreffend hinweist (Urk. 90;
Urk. 110 S. 315). Richtig ist auch, dass die "L._ "-Accounts von der
Q._ GmbH geführt werden (vgl. L._.ch/ueber-uns/impressum/, be-
sucht am 18. Mai 2020). In Widerspruch dazu fällt auf, dass einzelne L._-
Nummern bei der I._ AG beschlagnahmt wurden (Urk. 34/22, Ordner 12).
Zusammenfassend ist der vorinstanzliche Entscheid in Bezug auf die oben
genannten Löschungen (inkl. die Löschung der Accounts auf L._.ch, wel-
che von der Q._ GmbH betrieben werden, unter Hinweis auf Urk. 90A) zu
bestätigen.
IX. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Kosten- und Entschädigungsfolgen im erstinstanzlichen Verfahren
1.1. Die erstinstanzliche Kostenfestsetzung ist wie ausgeführt in Rechtskraft
erwachsen (Dispositiv-Ziffer 14). Ausgangsgemäss sind die Kosten der Unter-
suchung und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens dem Beschuldigten
vollumfänglich aufzuerlegen, nachdem er schuldig zu sprechen ist (Art. 426
Abs. 1 StPO). Dass eine zusätzliche Verurteilung gestützt auf das UWG ausser
Betracht fällt, ist in diesem Zusammenhang ohne Bedeutung, nachdem der
angeklagte Sachverhalt in einer Verurteilung mündet. Die Kosten der amtlichen
Verteidigung sind auf die Gerichtskasse zu nehmen. Eine allfällige Rücker-
stattungspflicht bleibt vorbehalten (Art. 135 Abs. 4 StPO).
1.2. Entschädigungsfolgen
1.2.1. Die von der B._ im erstinstanzlichen Verfahren geltend gemachte
Entschädigung von Fr. 47'324.– setzt die erste Instanz auf Fr. 10'500.– fest.
- 159 -
Sie erwägt, die B._ obsiege als Strafklägerin und unterliege als Zivilkläge-
rin. Ihr Anspruch hinsichtlich der Strafklage sei grundsätzlich zu bejahen. Je-
doch betrage das verlangte Honorar mehr als das Achtfache der Grundgebühr
in einem Zivilprozess bei einem Streitwert von Fr. 37'640.–. Angemessen er-
scheine ein Aufwand von 35 Stunden bei einem Stundenansatz von Fr. 300.–,
was eine Entschädigung von insgesamt Fr. 10'500.– ergebe (Urk. 110 S. 318
ff.).
1.2.2. Die B._ beantragt im Berufungsverfahren wie bereits vor Vo-
rinstanz, sie sei für ihre Bemühungen und Auslagen im Vorverfahren und erst-
instanzlichen Verfahren mit Fr. 47'324.– zu entschädigen. Zur Begründung
verwies sie auf ihr Plädoyer anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhand-
lung, welches wiederum auf eine Eingabe vom 18. Januar 2019 verwies, sowie
auf die an der Hauptverhandlung eingereichte Honorarnote (Urk. 143 S. 9;
Urk. 81; Urk. 92; Urk. 97). Zusammengefasst begründete die Vertreterin der
B._ diesen Antrag damit, dass der B._ ein nicht von ihr verschuldeter
Mehraufwand entstanden sei, "der insbesondere auf das wiederholte Ersu-
chen(müssen) um Gewährung der ihr zustehenden Akteneinsicht sowie auf
das mehrfache Begehren(müssen) um Erweiterung der Untersuchung bzw. der
Anklageschrift auf den tatsächlichen Deliktszeitraum" zurückzuführen sei
(Urk. 81).
1.2.3. Die Verteidigung beantragt im Falle eines Schuldspruchs, dass die
Prozessentschädigung auf höchstens Fr. 7'500.– festzusetzen sei (Urk. 135
S. 68).
1.2.4. Die Privatklägerschaft hat nach Art. 433 Abs. 1 StPO gegenüber der
beschuldigten Person Anspruch auf angemessene Entschädigung für notwendige
Aufwendungen im Verfahren, wenn sie obsiegt (lit. a) oder die beschuldigte Per-
son nach Art. 426 Abs. 2 StPO kostenpflichtig ist (lit. b).
Die Privatklägerschaft obsiegt, wenn es im Falle der Strafklage zu einer Ver-
urteilung der beschuldigten Person kommt. Wird die Zivilklage auf den Zivilweg
verwiesen, kann die Privatklägerschaft in ihrer Funktion als Zivilklägerin nicht als
- 160 -
obsiegende im Sinne von Art. 432 Abs. 1 StPO gelten. Ausschliesslich mit der
Zivilklage zusammenhängende Anwaltskosten oder anderweitige Auslagen der
Privatklägerschaft, die einzig den Zivilpunkt betreffen, sind im Falle der Verwei-
sung der Zivilklage auf den Zivilweg daher nicht im Strafverfahren zu entschädi-
gen. Die Privatklägerschaft muss ihre diesbezüglichen Aufwendungen mit der Zi-
vilforderung geltend machen. Die Unterscheidung der Anwaltskosten im Straf-
punkt von denjenigen im Zivilpunkt ist gesetzlich vorgesehen (BGE 139 IV 102
E. 4.3 - 4.5 S. 108 f.).
Die notwendigen Aufwendungen im Sinne von Art. 433 Abs. 1 StPO betreffen in
erster Linie die Anwaltskosten, soweit diese durch die Beteiligung am Strafverfah-
ren selbst verursacht wurden und für die Wahrung der Interessen der Privatklä-
gerschaft notwendig waren (BGE 139 IV 102 E. 4.1 S. 107). Als Partei hat die Pri-
vatklägerschaft das Recht, an den Beweisabnahmen teilzunehmen, zur Sache zu
plädieren etc. Die damit verbundenen Aufwendungen, insbesondere auch jene
der notwendigen Rechtsverbeiständung, sind zu entschädigen (YVONA GRIESSER,
Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 3 zu
Art. 433 StPO).
Grundlage für die Festsetzung der Gebühr bilden im Strafprozess gemäss § 2
Abs. 1 der Verordnung des Obergerichts vom 8. September 2010 über die An-
waltsgebühren (AnwGebV; LS 215.3) die Bedeutung des Falles (lit. b), die Ver-
antwortung der Anwältin oder des Anwalts (lit. c), der notwendige Zeitaufwand
(lit. d) und die Schwierigkeit des Falles (lit. e). Richtet sich die Gebühr nach dem
Zeitaufwand, beträgt sie in der Regel Fr. 150.– bis Fr. 350.– pro Stunde (§ 3 An-
wGebV). Gemäss § 16 Abs. 1 AnwGebV bemisst sich die Gebühr im Vorverfah-
ren nach dem notwendigen Zeitaufwand der Vertretung. Nach § 17 Abs. 1 lit. b
AnwGebV beträgt die Grundgebühr für die Führung eines Strafprozesses ein-
schliesslich Vorbereitung des Parteivortrags und Teilnahme an der Hauptverhand-
lung vor den Bezirksgerichten Fr. 1'000.– bis Fr. 28'000.–. Zur Grundgebühr kön-
nen Zuschläge für zusätzliche Verhandlungen, weitere notwendige Rechtsschrif-
ten sowie für über den ersten Tag hinausgehende Verhandlungstage berechnet
werden (§ 17 Abs. 2 AnwGebV), wobei die Summe der Zuschläge in der Regel
- 161 -
jedoch höchstens die Grundgebühr beträgt (§ 17 Abs. 3 in Verbindung mit § 11
Abs. 3 AnwGebV).
1.2.5. Die B._ konstituierte sich am 19. März 2018 als Strafklägerin und
am 13. Juli 2018 als Zivilklägerin (Urk. 47/14 und 47/27 S. 16 ff., Ordner 29).
Sie obsiegt als Strafklägerin. Betreffend Obsiegen und Unterliegen als Zivilklä-
gerin ist das Rechtsbegehren nach Abschluss der Hauptverhandlung (Zivilfor-
derung von rund Fr. 37'640.–) und nicht eine frühere Bezifferung (rund
Fr. 79'430.–) massgebend (ANNETTE DOLGE, Basler StPO-Kommentar I, a.a.O.,
N. 6 zu Art. 123 StPO). Die B._ unterliegt als Zivilklägerin zu einem Zehntel,
nachdem ihre Zivilforderung von Fr. 37'640.– im Umfang von Fr. 33'407.82
gutzuheissen ist.
Die B._ stellt Stundenansätze von Fr. 480.–, Fr. 320.– und Fr. 200.– in
Rechnung. Der Stundenansatz von Fr. 480.– erweist sich als zu hoch und ist
auf Fr. 320.– festzusetzen (vgl. § 3 AnwGebV). Entgegen der Verteidigung ist
dem hiesigen Gericht keine Praxis der Zürcher Strafgerichte bekannt, welche so-
dann einen Stundenansatz von Fr. 300.– als üblich betrachten würde (Urk. 135
S. 67). Der durch die Privatklägerin geltend gemachte Aufwand für das Vorverfah-
ren beläuft sich auf insgesamt 84.5 Stunden und derjenige für das erstinstanzliche
Verfahren auf 67.1 Stunden (Urk. 92).
1.2.5.1. Betreffend Vorverfahren ist Folgendes festzuhalten. Der veranschlagte
Aufwand von 84.5 Stunden ist angesichts des Aktenumfangs und der einzeln
bezifferten Positionen grundsätzlich vertretbar. Dazu gehört unter anderem die
Teilnahme an der Schlusseinvernahme des Beschuldigten und – entgegen den
vorinstanzlichen Erwägungen (Urk. 110 S. 319) – an einer Zeugeneinvernahme
von BT._ (Urk. 18/3, Ordner 3).
Ins Auge springt jedoch, dass die Privatklägerin Anstrengungen unternahm, damit
die Strafuntersuchung auf den Zeitraum ab spätestens September 2013 erweitert
würde (Urk. 23/19, Ordner 3). Dieser Aufwand findet sich in verschiedenen Positi-
onen der Kostennote ("request for extension", "request for the taking of evidence
and extension of the investigation" o.ä.). Er blieb ohne Erfolg. Das Gesuch der
- 162 -
B._ vom 13. Juli 2018 wies die Staatsanwaltschaft am 18. Juli 2018 ab
(Urk. 23/19 und 23/21, Ordner 3).
Die Strafklage (Art. 119 Abs. 2 lit. a StPO) lässt die geschädigte Person sich am
Strafverfahren neben der Staatsanwaltschaft beteiligen, indem der geschädigten
Person Verfahrensrechte eingeräumt werden, deren Wahrnehmung in ihrer
Entscheidungsfreiheit liegt (MAZZUCCHELLI/POSTIZZI, a.a.O., N. 5 zu Art. 119 StPO).
Damit kann die geschädigte Person die Tätigkeit der Strafbehörde kontrollieren
und gegebenenfalls Rechtsmittel ergreifen (vgl. Art. 382 StPO). Nachdem die
B._ vom Deliktszeitraum ab 1. September 2015 respektive vom Gegenstand
der Untersuchung erfahren hatte (vgl. das Schreiben der Staatsanwaltschaft vom
20. Februar 2018 in Urk. 47/10, Ordner 29, sowie den Vorhalt in der Schlussein-
vernahme des Beschuldigten am 19. Juni 2018, Urk. 16/12 S. 12 ff., Ordner 2),
ersuchte sie um Erweiterung der Deliktsperiode. Damit nahm sie Mitwirkungs- und
Kontrollrechte wahr, die ihr im Strafverfahren zustehen. Die damit zusammenhän-
genden Anstrengungen der Privatklägerschaft waren Ausfluss ihrer Rolle und
damit vertretbare und in diesem Sinne notwendige Aufwendungen. Daran ändert
nichts, dass die Staatsanwaltschaft an ihrer Auffassung festhielt und mit der nicht
anfechtbaren Anklageerhebung den Gegenstand des Verfahrens zeitlich enger
festlegte (Umgrenzungsfunktion der Anklage). Insbesondere liegt darin nicht etwa
ein Unterliegen der Straf- respektive Zivilklägerin. Der für das Vorverfahren gel-
tend gemachte Aufwand von 84.5 Stunden ist damit ausgewiesen und zu ent-
schädigen. Nachdem der Stundenansatz von Fr. 480.– auf Fr. 320.– festzu-
setzen ist, ergibt sich für das Vorverfahren ein Aufwand von 65.8 Stunden zu
Fr. 320.– und von 18.7 Stunden zu Fr. 200.–, was zu einer Entschädigung für
das Vorverfahren von Fr. 24'796.– führt.
1.2.5.2. Für das erstinstanzliche Gerichtsverfahren stellt die B._ einen Auf-
wand von 67.1 Stunden in Rechnung. Auch hier sind zahlreiche Positionen in der
Honorarnote aufgeführt, welche mit den Anstrengungen auf Erweiterung des Zeit-
raums in Zusammenhang stehen. Es stellt sich die Frage, ob diese Positionen
auch in diesem Verfahrensstadium notwendig waren.
- 163 -
Der Grundsatz der Unabänderbarkeit der Anklage (Immutabilitätsprinzip) wird in
Art. 329 Abs. 2 und Art. 333 StPO aus prozessökonomischen Gründen gemildert.
Die Vorinstanz hielt betreffend diese Bestimmungen – nachdem bei ihr ein glei-
ches Gesuch um Rückweisung der Anklage respektive um Abänderung der An-
klageschrift gestellt worden war – dazu im Wesentlichen fest, eine Rückweisung
der Anklage an die Staatsanwaltschaft zur Ergänzung oder Berichtigung gestützt
auf Art. 329 Abs. 2 StPO sei nur im Bereich des bereits eingeklagten Lebensvor-
ganges möglich. Ein bisher nicht Prozessthema bildender Vorgang dürfe nicht in
das Verfahren einbezogen werden. Gründe für eine Rückweisung könnten auch
zu einem späteren Zeitpunkt des Hauptverfahrens auftreten und vorgebracht wer-
den. Eine Rückweisung zur Klageänderung könne indes einzig gestützt auf
Art. 333 Abs. 1 StPO und ebenfalls nur im Rahmen des bereits angeklagten Le-
bensvorgangs vorgenommen werden. Damit sei hier eine Rückweisung gestützt
auf Art. 329 Abs. 2 und Art. 333 Abs. 1 StPO nicht möglich. Eine Rückweisung zur
Erweiterung im Sinne von Art. 333 Abs. 2 StPO könne ebenso wenig erfolgen.
Solches hätte aufwendige Datenerhebungen und Datenauswertungen betreffend
die nicht durch die Anklage erfassten Zeiträume zur Folge, was das Verfahren
deutlich erschweren würde (Urk. 110 S. 12 ff.). Diese Erwägungen sind zutref-
fend. Die Strafprozessordnung lässt eine Erweiterung der Anklage im Gerichtsver-
fahren nur zu, wenn dadurch das Verfahren nicht über Gebühr erschwert wird
(Art. 333 Abs. 3 StPO; vgl. Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitli-
chung des Strafprozessrechts, BBl 2006 1281 Ziff. 2.7.1). Wesentlich ist hier,
dass die Staatsanwaltschaft bereits am 18. Juli 2018 eine Erweiterung der Ankla-
ge ausgeschlossen hatte. Sie hielt fest, Verbindungs- und Verkehrsdaten seien
gestützt auf Art. 273 Abs. 3 StPO nur sechs Monate rückwirkend erhältlich. Der
Sachverhalt für den Zeitraum vor dem 1. September 2015 liesse sich wohl nicht
erstellen. Zudem stünde der weitere Aufwand für die Ermittlung und Aufarbeitung
in keinem zu rechtfertigenden Verhältnis zur bereits langen Dauer und zu den
bisher aufgelaufenen Kosten der Untersuchung (Urk. 23/21, Ordner 3). Mit Blick
auf diese überzeugenden Ausführungen muss das Festhalten der B._ an ih-
rem Standpunkt als aussichtslos und die entsprechenden Aufwendungen als nicht
nötig bezeichnet werden. Im Übrigen darf angenommen werden, dass die Staats-
- 164 -
anwaltschaft die Ausgangslage nicht auf einmal anders eingeschätzt hätte. Eine
gerichtliche Einladung zur Erweiterung der Anklage wäre deshalb – nachdem die
Staatsanwaltschaft dieser keine Folge hätte leisten müssen – einem prozessualen
Leerlauf gleichgekommen.
Der für das erstinstanzliche Gerichtsverfahren geltend gemachte Aufwand betraf
zu einem wesentlichen Teil die verfolgte Erweiterung der Anklage. Aus oben dar-
gelegten Gründen ist er nicht zu entschädigen. Notwendig war die Vorbereitung
auf die erstinstanzliche Gerichtsverhandlung. Mit Blick auf das fünfseitige schriftli-
che Plädoyer, das sich zudem zu einem wesentlichen Teil auf die bereits berück-
sichtigte Eingabe vom 13. Juli 2018 stützen konnte (Urk. 23/19, Ordner 3), ist der
Aufwand für das erstinstanzliche Gerichtsverfahren auf 15 Stunden zu bemessen
(inkl. eines Aufwandes von acht Stunden für die Hauptverhandlung, den Hin- und
Rückweg und eine Nachbesprechung). Dies führt bei einem Stundenansatz von
Fr. 320.– zu einer Entschädigung von Fr. 4'800.–. Dabei ist darauf hinzuweisen,
dass die Vertreterin der Privatklägerin sich – entgegen dem Einwand der Vertei-
digung (Urk. 135 S. 67 f.) – nicht auf das Sichten eines Teils der Akten beschrän-
ken konnte: Der Beschuldigte bestritt den Schuldpunkt bis zuletzt. Entsprechend
musste die Vertreterin der Privatklägerin insbesondere im Vorverfahren sämtliche
Akten sichten, um sich gebührend auf das Verfahren vorbereiten und eine Be-
gründung ihrer Anträge zum Schuldpunkt erarbeiten zu können. Dies, da über die
adhäsionsweise geltend gemachte Zivilforderung der B._ grundsätzlich nur
zu befinden ist, wenn der Schuldpunkt zu Ungunsten des Beschuldigten ausfällt.
1.2.5.3. Damit beläuft sich der entschädigungspflichtige Aufwand der B._
grundsätzlich auf Fr. 29'596.– (Fr. 24'796.– für das Vorverfahren, Fr. 4'800.–
für das erstinstanzliche Gerichtsverfahren). Aufgrund des Unterliegens im Zi-
vilpunkt zu einem Zehntel erscheint es angemessen, den Aufwand der Privat-
klägerin als Straf- und Zivilklägerin um 5% zu reduzieren. Damit ist die
B._ vom Beschuldigten für das Vorverfahren und erstinstanzliche Ge-
richtsverfahren mit Fr. 28'116.– zu entschädigen. Da die B._ Sitz im Aus-
land hat, verlangt sie zu Recht keinen Mehrwertsteuerzuschlag (vgl. das Kreis-
schreiben des Obergerichts des Kantons Zürich vom 17. Mai 2006 über die
- 165 -
Mehrwertsteuer, Ziffer 2.1.). Im Mehrbetrag ist das Begehren um Prozessent-
schädigung abzuweisen.
1.3. Die beschuldigte Person hat gemäss Art. 432 Abs. 1 StPO, soweit sie ob-
siegt, gegenüber der Privatklägerschaft grundsätzlich Anspruch auf angemessene
Entschädigung für die durch die Anträge zum Zivilpunkt verursachten Aufwend-
ungen. Ob der Beschuldigte (nebst der Mehrwertdienstnummer 32) in Bezug auf
die Mehrwertdienstnummer 15 als teilweise obsiegend zu betrachten ist, nachdem
das Gewinnherausgabebegehren wegen der zweitgenannten Nummer mangels
hinreichender Begründung auf den Zivilweg zu verweisen ist (in diesem Sinne
WEHRENBERG/FRANK, in: Basler StPO-Kommentar II, a.a.O., N. 6 zu Art. 432 StPO;
SCHMID/JOSITSCH, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 3. Aufl.
2018, N. 2 zu Art. 432 StPO), kann offengelassen werden. Aufwendungen des
Beschuldigten, die durch die Anträge im Zivilpunkt verursacht worden wären und
zu einer reduzierten Entschädigung berechtigen würden, sind nicht erkennbar.
2. Kosten- und Entschädigungsfolgen im Berufungsverfahren
2.1. Kostenfolgen
2.1.1. Die Gerichtsgebühr ist praxisgemäss mit Fr. 15'000.– zu veranschlagen
(Art. 424 Abs. 1 StPO in Verbindung mit § 16 Abs. 1 und § 14 der Gebühren-
verordnung des Obergerichts). Die Kosten im Rechtsmittelverfahren tragen die
Parteien nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1
StPO). Ob eine Partei im Rechtsmittelverfahren als obsiegend oder unterlie-
gend gilt, hängt davon ab, in welchem Ausmass ihre vor Beschwerdeinstanz
bzw. Berufungsgericht gestellten Anträge gutgeheissen wurden (THOMAS DO-
MEISEN, in: Basler StPO-Kommentar II, a.a.O., N. 6 zu Art. 428 StPO).
2.1.2. Der Beschuldigte strebte mit seiner Berufung einen Freispruch an und
unterliegt im Berufungsverfahren mit seinen Anträgen nahezu vollumfänglich.
Dass eine zusätzliche Verurteilung gestützt auf das UWG ausser Betracht fällt,
ist in diesem Zusammenhang ohne Bedeutung und kein Obsiegen, nachdem
der angeklagte Sachverhalt nicht in einen Freispruch mündet. Zwar erreicht der
- 166 -
Beschuldigte mit seiner Berufung eine Reduktion der gegen ihn auszuspre-
chenden Freiheitsstrafe; diese erfolgte jedoch einzig aufgrund der für die
Strafzumessung strafmildernd berücksichtigten langen Verfahrensdauer. Ins-
besondere war sie nicht Ausfluss einer milderen Beurteilung des Verschuldens
des Beschuldigten. Der Herausgabe verschiedener Unterlagen (E. VIII.3. vor-
stehend) kommt keine vorrangige Bedeutung zu. Die B._ focht einzig die
erstinstanzliche Abweisung ihrer Zivilforderung an und obsiegt grösstenteils.
Die Verweisung ihres Gewinnherausgabebegehrens in geringem Umfang auf
den Weg des Zivilprozesses hat auf die Frage von Obsiegen und Unterliegen
keinen Einfluss.
Ausgangsgemäss rechtfertigt es sich, dem Beschuldigten die Kosten des
Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten für die amtliche Verteidigung,
vollumfänglich aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Kosten der amtlichen
Verteidigung für das Berufungsverfahren sind auf die Gerichtskasse zu neh-
men. Eine allfällige Rückerstattungspflicht ist vorzubehalten (Art. 135 Abs. 4
StPO).
2.2. Entschädigungsfolgen
2.2.1. Die amtliche Verteidigung, Rechtsanwalt lic. iur X._, reichte im Vor-
feld der Berufungsverhandlung ihre Honorarnote ein (Urk. 141). Der geltend
gemachte Aufwand von 101.35 Stunden und Auslagen in der Höhe von
Fr. 233.20 sind ausgewiesen und zuzüglich eines Zuschlags für den Weg zur
und die Teilnahme an der Berufungsverhandlung sowie für das Urteilsstudium
und eine Nachbesprechung mit dem Beschuldigten zu entschädigen. Die
Entschädigung für die amtliche Verteidigung des Beschuldigten ist somit auf
pauschal Fr 28'500.–, inklusive Barauslagen und MwSt., festzusetzen.
2.2.2. Die B._ macht gegenüber dem Beschuldigten für ihre notwendigen
Aufwendungen im Berufungsverfahren eine Prozessentschädigung von
Fr. 11'496.– zuzüglich des Aufwands für die Teilnahme an der Berufungsver-
handlung, für den Weg sowie für eine Nachbesprechung mit der Mandantin
geltend (Urk. 144).
- 167 -
Ein Teil der geltend gemachten Kosten betrifft dabei Kosten, welche im Zusam-
menhang mit einem Vollstreckungsverfahren angefallen sind ("debt enforcement
proceedings"), wobei nicht klar ausgeschieden wurde, inwiefern dies die jeweilige
Kostenposition betraf. Während der Vertreterin der B._ die Akten des vorlie-
genden Verfahrens aufgrund des Vorverfahrens bekannt sein durften, hatte sie
jedoch das umfangreiche und im Voraus zugestellte Plädoyer der Verteidigung zu
studieren. Insgesamt hatte die Vertretung der Privatklägerin B._ jedoch einen
deutlich geringeren Aufwand als die amtliche Verteidigung. Pauschal erscheint
daher eine Prozessentschädigung von Fr. 8'000.–, namentlich auch im Verhältnis
zum von der Verteidigung geltend gemachten Aufwand, als angemessen. Somit
ist der Beschuldigte zu verpflichten, der B._ eine Prozessentschädigung von
Fr. 8'000.– zu bezahlen (Art. 436 Abs. 1 StPO in Verbindung mit Art. 433 Abs. 1
lit. a StPO).
2.2.3. Für die vom Beschuldigten beantragte Entschädigung und Genugtuung
(Urk. 135 S. 65 f.) besteht aufgrund des Verfahrensausgangs kein Raum.