Decision ID: 6011ea10-e657-5e2a-8f67-5350e6cb2e6b
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein (...) geborener nigerianischer Staatsangehöri-
ger, ersuchte im Jahr 2003 in der Schweiz unter falscher Identität um Asyl.
Sein Asylgesuch wurde vom damaligen Bundesamt für Flüchtlinge am
28. November 2003 abgewiesen und er selbst aus der Schweiz wegge-
wiesen. Einer dagegen erhobenen Beschwerde war kein Erfolg beschie-
den. Dennoch verliess der Beschwerdeführer in der Folge die Schweiz
nicht aus freien Stücken und er konnte in Unkenntnis seiner wahren Iden-
tität auch nicht ausgeschafft werden. Es folgten diverse Verurteilungen im
Kanton B._ wegen illegalen Aufenthalts und Missachtung einer
Ausgrenzung. Ab Mitte 2006 galt der Beschwerdeführer als verschwunden.
B.
Am 21. Januar 2009 wurde der Beschwerdeführer im Bahnhof C._
von der Kantonspolizei angehalten und kontrolliert. Dabei wies er sich mit
einem auf seine wahre Identität lautenden Reisepass aus. In der anschlies-
senden Einvernahme führte er aus, er habe die Schweiz im Jahre 2005
verlassen und sich nach Spanien begeben. Dort habe er ebenfalls um Asyl
ersucht; diesmal unter seinen richtigen Personalien. Später habe er dort
einen Ausländerausweis erhalten und geheiratet. In die Schweiz sei er wie-
der gekommen, weil er hier seit etwa vier Jahren eine Freundin habe.
C.
Am 4. Mai 2009 verhängte die Vorinstanz gegen den Beschwerdeführer ein
erstes, einjähriges Einreiseverbot. Nachdem ihm dieses anlässlich einer
Einreise Ende Juni 2009 eröffnet worden war, informierte und dokumen-
tierte ein inzwischen mandatierter Rechtsvertreter die Vorinstanz in zwei
Schreiben vom 6. und 13. Juli 2009 darüber, dass der Beschwerdeführer
mit einer spanischen Staatsangehörigen verheiratet sei, in Spanien über
eine Aufenthaltsbewilligung verfüge und auch «mehrheitlich» dort lebe.
D.
Mit Urteil des Regionalgerichts D._ vom 22. Februar 2017 wurde
der Beschwerdeführer der qualifizierten Widerhandlungen gegen das Be-
täubungsmittelgesetz (Verkauf, Besitz und Anstaltentreffen zum Verkauf ei-
ner grossen Menge von Kokain) sowie der mehrfachen Geldwäscherei
(Deliktssumme Fr. 15'000.–) – begangen zwischen Mitte 2013 und Mitte
2015 – schuldig erklärt und zu einer Freiheitsstrafe von 48 Monaten verur-
teilt.
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E.
Dem Beschwerdeführer wurde am 4. Januar 2018 das rechtliche Gehör zu
einem allfälligen Einreiseverbot und zur Wegweisung aus der Schweiz ge-
währt. Er äusserte sich nicht dazu und verweigerte die Unterschrift. Mit
Verfügung der Einwohner- und Spezialdienste der Stadt E._ vom
4. Januar 2018 wurde die Wegweisung aus der Schweiz angeordnet und
für sofort vollstreckbar erklärt. Diese Verfügung wurde dem Beschwerde-
führer gleichentags eröffnet, er verweigerte jedoch ebenfalls die Unter-
schrift.
F.
Mit Verfügung vom 12. Januar 2018 erliess die Vorinstanz gegen den Be-
schwerdeführer ein achtjähriges Einreiseverbot (gültig vom 12. Januar
2018 bis 11. Januar 2026) und verfügte die Ausschreibung im Schengener
Informationssystem (SIS). Einer allfälligen Beschwerde entzog sie die auf-
schiebende Wirkung.
G.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
12. Februar 2018 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und bean-
tragte die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung sowie den Verzicht
auf die Ausschreibung im SIS zufolge seines Aufenthaltsrechts in Spanien.
Eventualiter sei die angeordnete Fernhaltemassnahme unter Berücksichti-
gung seiner familiären Verhältnisse (er unterhalte mit seiner schweizeri-
schen Freundin eine langjährige Beziehung, aus der [...] eine gemeinsame
Tochter hervorgegangen sei) angemessen zu reduzieren oder das Verfah-
ren zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer
Hinsicht ersuchte er um die Wiederherstellung der aufschiebenden Wir-
kung der Beschwerde sowie um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung und um Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als unent-
geltlichen Rechtsbeistand.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 20. Februar 2018 hielt das Bundesverwal-
tungsgericht fest, es bestehe kein Anlass über das Gesuch um aufschie-
bende Wirkung der Beschwerde zu entscheiden, da sich der Beschwerde-
führer immer noch in der Schweiz befinde. Es bleibe dem Beschwerdefüh-
rer unbenommen, sein Gesuch nach erfolgter Ausreise zu aktualisieren.
Die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung
wies es ab und forderte den Beschwerdeführer zur Leistung eines Kosten-
vorschusses auf. Dieser ging fristgerecht ein.
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Seite 4
I.
Am 26. Februar 2018 wurde der Beschwerdeführer bedingt aus dem Straf-
vollzug entlassen und am 8. März 2018 wurde er unbegleitet nach Spanien
zurückgeführt.
J.
Die Vorinstanz liess sich mit Eingabe vom 28. März 2018 vernehmen und
beantragte die Abweisung der Beschwerde. Die Replik des Beschwerde-
führers erfolgte am 9. Mai 2018, die Vorinstanz duplizierte am 14. Juni
2018. Der Beschwerdeführer reichte seine Triplik am 12. Juli 2018 ein.
K.
Mit Eingabe vom 12. September 2018 informierte der Beschwerdeführer
das Bundesverwaltungsgericht über eine bei seiner langjährigen Schwei-
zer Freundin bestehende neue Schwangerschaft und darüber, dass er Va-
ter auch dieses noch ungeborenen Kindes sei.
L.
Am 7. Januar 2019 informierten die spanischen Behörden die Vorinstanz
über den Widerruf der Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Am 1. Januar 2019 ist die Teilrevision des Ausländergesetzes vom 16. De-
zember 2005 (AuG) abschliessend in Kraft getreten (AS 2018 3171). Dabei
wurde auch der Titel des Gesetzes in "Ausländer- und Integrationsgesetz"
(AIG) geändert. Das Gericht wendet ab diesem Zeitpunkt die neue Be-
zeichnung an, mit dem Hinweis, dass die in diesem Urteil behandelten we-
sentlichen Bestimmungen nicht geändert wurden (vgl. dazu Urteil des
BVGer F-1186/2018 vom 10. Januar 2019 E. 2).
2.
2.1 Verfügungen des SEM, die ein Einreiseverbot im Sinne von Art. 67 AIG
(SR 142.20) zum Gegenstand haben, unterliegen der Beschwerde an das
Bundesverwaltungsgericht (Art. 112 Abs. 1 AIG i.V.m. Art. 31 ff. VGG).
2.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
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Seite 5
2.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (Art. 48 ff. VwVG).
2.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Sache
endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
3.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49
VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdeverfahren
das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG
nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann eine Be-
schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheis-
sen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeit-
punkt des Entscheids (BVGE 2014/1 E. 2).
4.
4.1 Nach Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG kann ein Einreiseverbot gegenüber Aus-
ländern verfügt werden, die gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung
in der Schweiz oder im Ausland verstossen haben oder diese gefährden.
Das Einreiseverbot wird für eine Dauer von höchstens fünf Jahren verfügt.
Es kann für eine längere Dauer verfügt werden, wenn die betroffene Per-
son eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung darstellt (Art. 67 Abs. 3 AIG). Aus humanitären oder anderen wichti-
gen Gründen kann ausnahmsweise von der Verhängung eines Einreise-
verbots abgesehen oder ein Einreiseverbot vollständig oder vorüberge-
hend aufgehoben werden (Art. 67 Abs. 5 AIG).
4.2 Ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung liegt unter
anderem vor, wenn gesetzliche Vorschriften oder behördliche Verfügungen
missachtet werden (vgl. Art. 80 Abs. 1 Bst. a VZAE in der bis 31. Dezember
2018 geltenden Fassung).
5.
5.1 Zur Begründung des Einreiseverbots führte die Vorinstanz aus, Wider-
handlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz würden aus fremdenpoli-
zeilicher Sicht zu denjenigen Verhaltensweisen gehören, die nebst Gewalt-
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delikten die öffentliche Sicherheit und Ordnung in einem besonders sen-
siblen Bereich treffen und deshalb im Rahmen der Interessensabwägung
einen strengen Massstab rechtfertigen würden. Ausländische Straftäter,
die durch Verbreitung von Drogen die Gesundheit anderer gefährden oder
beeinträchtigen, seien daher während einer längeren Zeit von der Schweiz
fernzuhalten. Es müsse nur ein sehr geringes Restrisiko eines Rückfalls in
Kauf genommen werden. Aufgrund des bisherigen Verhaltens des Be-
schwerdeführers, der grossen kriminellen Energie und der wiederholten
Verstösse gegen hochwertige Rechtsgüter sei eine Prognose nicht mög-
lich. Er habe während längerer Zeit im Ausland unter Beweis zu stellen,
dass er gewillt und fähig sei, sich in Zukunft an die geltende Rechtsordnung
zu halten. Angesichts der schweren Verstösse und der damit einhergehen-
den schwerwiegenden Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ord-
nung sei der Erlass eines achtjährigen Einreiseverbots angezeigt und ver-
hältnismässig. Der Beschwerdeführer besitze aktuell kein Aufenthaltsrecht
in einem Schengenstaat, weshalb die Ausschreibung im SIS notwendig sei.
5.2 Der Beschwerdeführer macht mit Beschwerde geltend, sowohl die
Wegweisungsverfügung als auch das Einreiseverbot würden formelle und
materielle Mängel aufweisen. Er sei mündlich nur mangelhaft über sein Be-
schwerderecht gegen die Wegweisungsverfügung hingewiesen worden
und eine schriftliche Rechtsmittelbelehrung fehle gänzlich. Weiter habe er
keine Möglichkeit gehabt, sich im Rahmen des rechtlichen Gehörs zur
Wegweisung und zum Einreiseverbot zu äussern. Die Vorinstanz habe
ausser Acht gelassen, dass er Vater einer Tochter im Kleinkindalter sei.
Seine Lebenspartnerin (Kindsmutter) und auch die Tochter hätten die
Schweizer Staatsangehörigkeit. Das Einreiseverbot berühre daher sein
Recht auf Achtung des Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK. Aufgrund sei-
nes Aufenthaltsrechts in einem Schengenstaat (Spanien) könne er sich auf
den Schutz der Familie berufen, da ihm die Pflege von regelmässigen Kon-
takten in der Schweiz grundsätzlich möglich sein müsse. In der Verfügung
der Bewährungs- und Vollzugsdienste F._ vom 12. Januar 2018 be-
treffend bedingte Entlassung sei ihm eine günstige Legalprognose gestellt
worden. Aufgrund seines gültigen spanischen Aufenthaltstitels sei auf die
Ausschreibung im SIS zu verzichten. Es sei äusserst unwahrscheinlich,
dass er erneut straffällig werde.
5.3 In ihrer Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, die Beziehung zu ei-
ner Schweizerin und zum gemeinsamen Kind sowie die damit geltend ge-
machte günstige Prognose würden an der Einschätzung in der Verfügung
nichts zu ändern vermögen, zumal die Kindsmutter selber auch wegen
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Geldwäscherei verurteilt worden sei. In einer Gesamtwürdigung sei zu be-
rücksichtigen, dass der Beschwerdeführer bereits früher aufgrund von wie-
derholten ausländerrechtlichen Verstössen zu Klagen Anlass gegeben
habe. Der Beschwerdeführer könne gestützt auf Art. 67 Abs. 5 AIG ein Ge-
such stellen, um seine Familie in der Schweiz zu besuchen. Die Familie
könne ihn zudem im Ausland besuchen. Die zusätzlichen Erschwernisse
habe sich der Beschwerdeführer selbst zuzuschreiben. Entgegen seiner
Ansicht habe er im Rahmen des rechtlichen Gehörs zum Einreiseverbot
und zum Wegweisungsentscheid Stellung nehmen können. Er habe offen-
sichtlich darauf verzichtet und die Unterschrift verweigert. Es liege damit
keine Verletzung des rechtlichen Gehörs vor. Das Einreiseverbot führe zu
einer Ausschreibung im SIS und die spanischen Behörden seien darüber
informiert worden. Sollten diese beabsichtigen, ihm die Aufenthaltsbewilli-
gung nicht zu entziehen, so könnten sie um Löschung der SIS-Ausschrei-
bung ersuchen. Ein solches Begehren sei beim SEM jedoch nicht einge-
gangen. Die Dauer des Einreiseverbots sei unter Berücksichtigung der ge-
samten Umstände verhältnismässig und angemessen.
5.4 Replizierend macht der Beschwerdeführer geltend, die Beziehung zum
kleinen Kind könne nur durch regelmässige persönliche Kontakte gelebt
werden. Die Kinderrechtskonvention sei zu beachten, welche dem Kind ei-
nen Anspruch auf ungestörten und persönlichen Kontakt zu beiden Eltern-
teilen einräume. Das Einreiseverbot solle aufgehoben werden, damit er
sein Kind regelmässig für kurze Zeit in der Schweiz besuchen könne. Auf-
grund des Alters des Kindes und dessen Verwurzelung in der Schweiz so-
wie der Arbeitstätigkeit der Kindsmutter seien für die Wahrung der Kind-
Eltern-Beziehung Besuche in der Schweiz notwendig. Die Argumente der
Vorinstanz bezüglich der Verweigerung des rechtlichen Gehörs würden
nicht überzeugen. Er sei von den spanischen Behörden darüber informiert
worden, dass er sich im Schengenraum frei bewegen könne. Sein Status
im Schengenraum sei abzuklären. Das achtjährige Einreiseverbot sei zu
lange und damit willkürlich angeordnet worden.
5.5 Die Vorinstanz verweist in ihrer Duplik auf ihre früheren Eingaben und
hält fest, von den spanischen Behörden sei noch immer kein Gesuch um
Löschung der bestehenden SIS-Ausschreibung eingegangen.
5.6 Der Beschwerdeführer hält in seiner Triplik an seinen bisherigen Aus-
führungen fest. In seiner Beschwerdeergänzung informiert er über die be-
vorstehende Geburt seines zweiten Kindes. Das achtjährige Einreiseverbot
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würde es ihm verunmöglichen, eine Beziehung zum Neugeborenen aufzu-
bauen. Auch kurzzeitige Aufhebungen des Einreiseverbots würden nicht
ausreichen, um eine Vater-Kind-Beziehung aufzubauen.
6.
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers, wurde ihm am 4. Januar
2018 das rechtliche Gehör zum Erlass eines allfälligen Einreiseverbots so-
wie zur kantonalen Wegweisungsverfügung gewährt. Er verzichtete jedoch
darauf und verweigerte seine Unterschrift (vgl. SEM-Akten act. 18). Eine
Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt damit nicht vor. Die angeblich man-
gelhafte Eröffnung beziehungsweise die fehlende Rechtmittelbelehrung
der kantonalen Wegweisungsverfügung bildet nicht Gegenstand des vor-
liegenden Verfahrens.
7.
Der Beschwerdeführer wurde vom Regionalgericht D._ mit Urteil
vom 22. Februar 2017 zufolge Verkaufs von zirka 1'034 Gramm reinem
Kokain sowie wegen Besitz und Anstaltentreffen zum Verkauf von 856.5
Gramm reinem Kokain zu einer Freiheitsstrafe von 48 Monaten verurteilt.
Vor dem Hintergrund, dass bereits 12 Gramm reines Kokain genügen, um
die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr zu bringen (vgl. BGE 109 IV
143), stellt die vom Beschwerdeführer verkaufte Menge eine ungleich hö-
here Gefahr dar. Zudem machte er sich auch der mehrfachen Geldwäsche-
rei im Gesamtbetrag von Fr. 15'000.– schuldig. Dieser Deliktsbetrag ist
ebenfalls nicht mehr als Bagatelle einzustufen. Damit steht zweifellos fest,
dass er die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2
Bst. a AIG verletzt und einen Fernhaltegrund gesetzt hat.
8.
8.1 Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann sich die
schwerwiegende Gefahr (im Sinne von Art. 67 Abs. 3 Satz 2 AIG) aus der
Hochwertigkeit der deliktisch bedrohten Rechtsgüter (insb. Leib und Le-
ben, körperliche und sexuelle Integrität und Gesundheit), aus der Zugehö-
rigkeit der Tat zur Schwerkriminalität mit grenzüberschreitendem Charakter
(z.B. Terrorismus, Menschenhandel, Drogenhandel oder organisierte Kri-
minalität), aus der mehrfachen Begehung – unter Berücksichtigung einer
allfälligen Zunahme der Schwere der Delikte – oder aus der Tatsache, dass
keine günstige Prognose gestellt werden kann, ergeben. Die zu befürch-
tenden Delikte müssen einzeln oder in ihrer Summe das Potenzial haben,
eine aktuelle und schwerwiegende Gefahr zu begründen (BGE 139 II 121
E. 6.3; BVGE 2014/20 E. 5.2, je m.H.).
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Seite 9
8.2 Die Verneinung des Vorliegens einer schwerwiegenden Gefährdung ist
erst nach einer längerfristigen Bewährung der straffällig gewordenen Per-
son möglich. Dabei ist für die Berechnung der Dauer des klaglosen Verhal-
tens nicht auf den Begehungs- oder Urteilszeitpunkt abzustellen. Ent-
scheidrelevant erscheint vielmehr, wie lange sich die betroffene Person
nach ihrer Entlassung aus der Haft in Freiheit bewährt hat (vgl. BVGE
2014/20 E. 5.4 m.H.; vgl. Urteil des BVGer F-7959/2016 vom 3. Juli 2019
E. 4.5 m.H.). Zudem muss bei schweren Straftaten, wozu auch Drogende-
likte aus rein finanziellen Motiven gehören können, zum Schutz der Öffent-
lichkeit ausländerrechtlich selbst ein geringes Restrisiko weiterer Beein-
trächtigungen der dadurch gefährdeten Rechtsgüter (Gesundheit, Leib und
Leben usw.) nicht in Kauf genommen werden (vgl. BGE 139 I 31 E. 2.3.2
m.H.).
8.3 Im Weiteren ist zu beachten, dass Strafrecht und Ausländerrecht unter-
schiedliche Ziele verfolgen. Während der Strafvollzug auch der Resoziali-
sierung dient, steht für die Migrationsbehörden das Interesse der öffentli-
chen Ordnung und Sicherheit im Vordergrund. Daraus ergibt sich im Aus-
länderrecht ein im Vergleich mit den Straf- und Strafvollzugsbehörden
strengerer Beurteilungsmassstab (vgl. BGE 137 II 233 E. 5.2.2 m.H.).
8.4 Nach seiner bedingten vorzeitigen Entlassung aus dem Strafvollzug
kehrte der Beschwerdeführer am 8. März 2018 nach Spanien zurück (vgl.
SEM-Akten Anmeldeformular swissREPAT Linienflug). Obwohl er bislang
offenbar nicht mehr strafrechtlich in Erscheinung getreten ist, kann auf-
grund der Schwere und Art der begangenen Drogendelikte eine schwere
Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit nach wie vor nicht
ausgeschlossen werden (vgl. zur Hochwertigkeit der involvierten Rechts-
güter und zum strengen Beurteilungsmassstab bei Drogendelikten: BGE
139 I 145 E. 2.5 und BVGer F-7607/2015 vom 25. Juli 2016 E. 6.5). Dabei
fällt besonders ins Gewicht, dass sich der Beschwerdeführer durch die er-
hebliche Menge der verkauften Drogen der Gefährdung der Gesundheit
vieler Menschen schuldig gemacht und aus rein finanziellen Motiven (keine
eigene Drogenabhängigkeit) gehandelt hatte. Bei der Geldwäscherei lag
sodann ein hoher Deliktsbetrag vor.
8.5 Auch wenn die besagten Straftaten in der Zeit von 2013 bis 2015 be-
gangen wurden, so ist die Wahrscheinlichkeit der Realisierung weiterer
Straftaten nach wie vor als gross zu erachten. In Anbetracht der Schwere
der Drogendelikte erscheint eine Bewährungsfrist von fünf Jahren aus aus-
länderrechtlicher Perspektive als zu kurz, als dass die schwere Gefährdung
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der öffentlichen Ordnung und Sicherheit zum heutigen Zeitpunkt verneint
werden könnte (vgl. Urteil des BVGer F-395/2016 vom 18. Januar 2018
E. 6.3). Demzufolge kann gegenüber dem Beschwerdeführer gestützt auf
Art. 67 Abs. 3 zweiter Satz AIG ein über fünf Jahre dauerndes Einreisever-
bot erlassen werden. Die Vorinstanz ist zu Recht davon ausgegangen, vor-
liegend rechtfertige sich eine lange andauernde Fernhaltemassnahme.
9.
9.1 Den Entscheid darüber, ob ein Einreiseverbot anzuordnen und wie es
zeitlich auszugestalten ist, legt Art. 67 Abs. 2 AIG in das pflichtgemässe
Ermessen der Behörde. Zentrale Bedeutung kommt dabei dem Grundsatz
der Verhältnismässigkeit zu, der eine wertende Abwägung zwischen den
berührten privaten und öffentlichen Interessen verlangt. Ausgangspunkt
der Überlegungen bilden die Stellung der verletzten oder gefährdeten
Rechtsgüter, die Besonderheiten des ordnungswidrigen Verhaltens und die
persönlichen Verhältnisse der betroffenen ausländischen Person (Art. 96
AIG; ferner statt vieler HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwal-
tungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 555 ff.).
9.2 Das Einreiseverbot soll in seiner spezialpräventiven Wirkung weitere
Straftaten des Beschwerdeführers in der Schweiz sowie im Schengen-
Raum verhindern und ihn dazu anhalten, bei einer allfälligen künftigen Wie-
dereinreise keine weiteren Verstösse gegen die öffentliche Ordnung und
Sicherheit zu begehen. In generalpräventiver Hinsicht soll die öffentliche
Sicherheit und Ordnung durch eine konsequente Massnahmenpraxis ge-
schützt werden (vgl. BVGE 2014/20 E. 8.2 m.H.). Angesichts dessen sowie
der vom Beschwerdeführer ausgehenden schwerwiegenden Gefahr für die
öffentliche Sicherheit und Ordnung in einem besonders sensiblen Bereich
ist nach wie vor von einem erheblichen öffentlichen Fernhalteinteresse
auszugehen. Zu berücksichtigen ist weiter auch, dass er bereits zuvor
mehrmals verurteilt wurde, weil er wiederholt ausländerrechtliche Vor-
schriften nicht eingehalten hatte.
9.3 Den öffentlichen Interessen sind die privaten Interessen des Beschwer-
deführers gegenüber zu stellen. Dieser macht geltend, in der Schweiz eine
Lebenspartnerin und mit ihr zwei gemeinsame Kinder zu haben, die alle
über die schweizerische Staatsangehörigkeit verfügen würden. Wohl liegt
damit ein schützenswertes Familienleben im Sinne von Art. 8 EMRK vor,
die Verhältnismässigkeit der Massnahme wird dadurch jedoch nicht in
Frage gestellt, wäre doch ansonsten das Instrument des Einreiseverbots
F-867/2018
Seite 11
gegenüber allen Personen mit Angehörigen in der Schweiz per se unzuläs-
sig (vgl. Urteil des BGer 2C_270/2015 vom 6. August 2015 E. 8.2). Die
Kinderrechtskonvention räumt keine weitergehenden Rechte ein. Zudem
trägt der Beschwerdeführer die alleinige Verantwortung für den zurzeit nur
eingeschränkt möglichen Kontakt zu seiner Lebenspartnerin und den Kin-
dern. Ihnen ist es sodann möglich, den Beschwerdeführer in seinem Hei-
matstaat zu besuchen.
9.4 Eine wertende Gewichtung der sich gegenüberstehenden Interessen
führt das Bundesverwaltungsgericht zum Ergebnis, dass die öffentlichen
Interessen die privaten Interessen des Beschwerdeführers überwiegen.
Das auf acht Jahre befristete Einreiseverbot stellt dem Grundsatz nach und
in Bezug auf seine Dauer eine verhältnismässige und angemessene
Massnahme zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung dar.
10.
Wird gegen eine Person, die nicht die Staatsangehörigkeit eines Mitglied-
staats der Europäischen Union oder der Europäischen Freihandelsassozi-
ation besitzt, ein Einreiseverbot verhängt, so wird sie nach Massgabe der
Bedeutung des Falles im SIS zur Einreiseverweigerung ausgeschrieben
(vgl. Art. 21 und 24 der Verordnung [EG] Nr. 1987/2006 vom 20. Dezember
2006 über die Einrichtung, den Betrieb und die Nutzung des Schengener
Informationssystems der zweiten Generation [SIS-II], Abl. L 381/4 vom
28.12.2006; Art. 21 der N-SIS-Verordnung vom 8. März 2013 [SR 362.0]).
Der Beschwerdeführer verfügt mittlerweile nicht mehr über eine Aufent-
haltsbewilligung für Spanien. Das Vorliegen einer solchen würde der Aus-
schreibung im SIS jedoch nicht entgegenstehen. Die Ausschreibung des
Beschwerdeführers im SIS ist nicht zu beanstanden. Mit Verweis auf die
vorangegangenen Ausführungen ist ein überwiegendes öffentliches Inte-
resse nicht nur der Schweiz, sondern sämtlicher Schengen-Staaten an der
längerfristigen Fernhaltung des Beschwerdeführers gegeben. Es bleibt den
Schengen-Staaten unbenommen, dem Beschwerdeführer bei Vorliegen
besonderer Gründe die Einreise in ihr Hoheitsgebiet zu gestatten.
11.
Die angefochtene Verfügung ist als rechtmässig im Sinne von Art. 49
VwVG zu bestätigen. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.
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Seite 12
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 1'200.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Sie sind durch den geleisteten Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe gedeckt.
(Dispositiv nächste Seite)
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