Decision ID: beaa5fd6-d99f-5b06-9fc4-836fa72ed1e9
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Thomas Zogg, rechtsanwälte.og42, Oberer
Graben 42, 9000 St. Gallen,
gegen
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IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 9. Februar 2006 erstmals zum Bezug von IV-Leistungen
der Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1).
A.b Die IV-Stelle gab ein interdisziplinäres Gutachten in Auftrag, welches von der
MEDAS am 12. März 2007 erstattet wurde. Die Gutachter diagnostizierten im
Wesentlichen Spannungskopfschmerzen, belastungsabhängige lumbale Rücken
schmerzen ohne Myelo- oder Radikulopathie und Dysthymia. Der Versicherten wurde
eine Arbeitsfähigkeit von 80% attestiert (IV-act. 36).
A.c Mit Verfügung vom 31. Mai 2007 erwog die IV-Stelle einen Invaliditätsgrad von
16% und verneinte einen Rentenanspruch (IV-act. 47). Am 9. Januar 2008 zog die Ver
sicherte die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 2. Juli 2007 zurück,
worauf das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen das Verfahren mit Entscheid
vom 11. Januar 2008 abschrieb (IV-act. 57).
A.d Aufgrund der Schmerzproblematik im Lendenwirbelsäulenbereich unterzog sich
die Versicherte am 10. November 2008 einer neurochirurgischen Operation (Dekom
pression L4/5 und L5/S1 beidseits mit gleichzeitiger Rezessotomie) im Kantonsspital
H._ (IV-act. 75).
B.
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B.a Die Versicherte meldete sich am 5. März 2009 erneut zum Bezug einer Rente der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 59). Dem
Gesuch wurde ein ärztlicher Bericht von Dr. med. B._, Psychiatrisches Zentrum
J._, vom 17. Februar 2009 beigelegt. Darin wurde die Versicherte als 100%
arbeitsunfähig betreffend Erwerbstätigkeit und als 70% arbeitsunfähig bezüglich
Haushaltsarbeiten erachtet (IV-act. 60).
B.b Mit Eingabe vom 24. März 2009 reichte die Versicherte – handelnd durch ihren
Rechtsvertreter – einen ärztlichen Bericht von Dr. med. C._, Innere Medizin FMH,
datierend vom 20. März 2009, zu den Akten. Der Arzt attestierte der Versicherten eine
Arbeitsfähigkeit für leichte körperliche Arbeiten von 50% (IV-act. 71).
B.c Im Verfahren liegen diverse eingereichte und erhobene ärztliche Berichte aus den
Jahren 2005, 2006 und 2008 (IV-act. 66).
B.d Am 26. Mai 2009 wurde durch die Klinik I._ eine Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit (EFL) der Versicherten durchgeführt, die ergab, dass die zumutbare
Belastbarkeit aus medizinisch-theoretischer Sicht zu beurteilen sei (IV-act. 75-77 ff.).
B.e Das von der IV-Stelle bei der Klinik I._ in Auftrag gegebene bidisziplinäre
Gutachten wurde am 6. Juli 2009 erstattet (Untersuchungszeitraum Mai 2009) und er
gab Folgendes: Dr. D._ diagnostizierte in seiner rheumatologisch-orthopädischen
Teilbegutachtung vom 25. Juni 2009 ein therapierefraktäres lumbovertebrales und
lumbospondylogenes Syndrom, ein zervikovertebrales und zervikobrachiales Syndrom
links und ein Impingementsyndrom des linken Schultergelenkes. Dr. med. E._,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte eine Dysthymie,
Stressinkontinenz II und Reizblasenymptomatik, die sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit
der Versicherten auswirken würden. Der Versicherten wurde - somatisch bedingt - eine
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50% attestiert (IV-act. 75).
B.f Mit Stellungnahme vom 12. August 2009 führte Dr. med. F._, Regionalärztlicher
Dienst der IV-Stelle (RAD), im Wesentlichen aus, in der angestammten Tätigkeit als
Putzfrau werde eine Arbeitsfähigkeit von 50% als nachvollziehbar erachtet, indessen
sei in einer leidensadaptierten Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 70% aus
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zugehen. Zur Klärung empfahl er die Einholung einer Stellungnahme beider Gutachter
(IV-act. 76 und 103).
B.g Mit Schreiben vom 2. September 2009 nahm Dr. D._ dazu Stellung; er schliesse
sich den Überlegungen des RAD-Arztes an und es sei von einer Arbeitsfähigkeit von
60% in dem Leiden
angepassten Tätigkeiten auszugehen (IV-act. 79 und 103).
B.h Mit Vorbescheid vom 23. Oktober 2009 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass die Abweisung des Rentengesuchs vorgesehen sei (IV-act. 83 und 84).
B.i Mit Einwand vom 19. November 2009 hielt die Versicherte im Wesentlichen fest,
dass die IV-Stelle ihren Invaliditätsgrad fälschlicherweise aufgrund der gemischten
Methode berechnet habe (IV-act. 85).
B.j Mit Vorbescheid vom 16. Dezember 2009 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass sie bei einer Arbeitsfähigkeit von 60% einen Invaliditätsgrad von 46% aufweise
und ab dem 1. September 2009 Anspruch auf eine Viertelsrente habe (IV-act. 89 und
90).
B.k Mit Einwand vom 5. Januar 2010 hielt die Versicherte im Wesentlichen fest, dass
sie entgegen der Ansicht der IV-Stelle eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 70%
aufweise (IV-act. 8.1.91). Mit Schreiben vom 28. Januar 2010 reichte sie einen
Arztbericht von Dr. G._, Klinik für Neurologie des Kantonsspitals H._, datierend
vom 11. Januar 2010, zu den Akten, wonach ein Verdacht auf eine Affektion des
Iliosakralgelenks (ISG) linksseitig diagnostiziert wurde (IV-act. 95).
B.l Mit Verfügung vom 5. Juli 2010 sprach die IV-Stelle der Versicherten ab 1.
September 2009
eine Viertelsrente bei einem Invaliditätsgrad von 46% zu (IV-act. 96, 97 und 102).
C.
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C.a Mit Beschwerde vom 13. September 2010 beantragt die Beschwerdeführerin die
Aufhebung der Verfügung vom 5. Juli 2010 und die Zusprache einer halben Invaliden
rente. Zur Begründung führt sie im Wesentlichen aus, ihre ernsthaften psychischen
Probleme würden von der Vorinstanz in keiner Weise gewürdigt, obwohl Dr. B._ in
ihrem Arztbericht von einer 70%igen Arbeitsunfähigkeit ausgehe. Die Stellungnahme
von Dr. D._ vom 2. September 2009, womit nachträglich die im Gutachten vom
25. Juni 2009 attestierte Arbeitsfähigkeit von 50% unerklärt auf 60% erhöht worden
sei, sei offensichtlich aufgrund der Stellungnahme des RAD "nachgebessert" worden
und somit nicht objektiv. Es sei auf das erste Gutachten vom 25. Juni 2009 abzustellen
und von einer Arbeitsfähigkeit von 50% auszugehen (act. G 1). Die Beschwerdeführerin
verweist diesbezüglich auf den ärztlichen Bericht von Dr. B._ vom 17. Februar 2009.
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 15. November 2010 beantragt die Beschwerde
gegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führt sie im Wesentlichen
aus, die Stellungnahme der Klinik I._ erscheine gegenüber den Aussagen im Gut
achten schlüssiger, da sinngemäss auch die Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit von
40% aufgrund der nicht erheblichen pathologischen Befundlage bereits als grosszügig
erscheine (act. G 8).
C.c Mit Verfügung vom 22. Dezember 2010 wird das Gesuch um unentgeltliche
Prozessführung bewilligt (act. G 11).
C.d Mit Replik vom 19. Januar 2011 hält die Beschwerdeführerin an den mit Be
schwerde vom 13. September 2010 gestellten Anträgen fest (act. G 12).
C.e Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik.
D.
Am 28. August 2012 teilt die verfahrensleitende Richterin der Beschwerdeführerin mit,
dass der medizinische Sachverhalt aufgrund einer vorläufigen Beurteilung nicht als hin
reichend klar erscheine, so dass das Gericht eine Rückweisung der Sache an die IV-
Stelle zur ergänzenden Abklärung in Erwägung ziehe (act. G18). Daher werde ihr ge
mäss BGE 137 V 314 Gelegenheit zum Rückzug der Beschwerde gegeben. Davon
macht die Beschwerdeführerin keinen Gebrauch.
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Erwägungen:
1.
Streitig ist vorliegend, ob die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin zu Recht auf eine Viertelsrente festgesetzt hat.
1.1 Versicherte haben einen Rentenanspruch, falls sie ihre Erwerbsfähigkeit oder die
Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können,
während mindestens eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig im Sinn von Art. 6 ATSG gewesen sind und nach
Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid im Sinn von Art. 8 ATSG sind (Art. 28
Abs. 1 IVG). Invalidität im Sinn von Art. 8 Abs. 1 ATSG ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Als
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen und
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verstehen (Art. 7 Abs. 1
ATSG).
1.2 Ob ein Anspruch besteht und - bejahendenfalls - in welcher Höhe eine Invaliden
rente ausgerichtet wird, bestimmt sich nach dem Invaliditätsgrad (Art. 28 Abs. 2 IVG).
Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 40% vor, besteht Anspruch auf eine Viertels
rente. Aus einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% resultiert ein Anspruch auf
eine halbe Rente. Eine Dreiviertelsrente steht denjenigen Versicherten zu, die einen
Invaliditätsgrad von mindestens 60% aufweisen und eine ganze Rente denjenigen,
deren Invaliditätsgrad mindestens 70% beträgt (Art. 28 Abs. 2 IVG). Für die
Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte
Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht
invalid (Valideneinkommen) geworden wäre (Art. 16 ATSG).
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1.3 Um den Grad der Arbeitsunfähigkeit, der Erwerbsunfähigkeit und der Invalidität
bemessen zu können, sind Verwaltung und Gericht auf Unterlagen angewiesen, die von
ärztlichen und gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind.
Aufgabe der ärztlichen Sachverständigen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen
und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und betreffend welche Tätigkeiten
die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen). Unter Be
rücksichtigung des Grundsatzes der freien Beweiswürdigung hat das Gericht alle
Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen.
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist deshalb allein entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des
Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a). Je mehr ein Gutachten von diesen
Standards, von diesen Qualitätsanforderungen, abweicht, desto kleiner ist sein
Beweiswert (Gabriela Riemer-Kafka [Hrsg.], Versicherungsmedizinische Gutachten,
2007, S. 20). Die Rechtsprechung hat es aber mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung als vereinbar betrachtet, in Bezug auf bestimmte Formen
medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen. So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten
von externen Spezialärzten (sofern sie auf Grund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen) volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb mit Hinweisen). In Bezug auf Berichte von
Hausärzten darf und soll das Gericht demgegenüber der Erfahrungstatsache Rechnung
tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Stellung in
Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc mit
Hinweisen). Dies gilt für den allgemein praktizierenden Hausarzt wie für den behandeln
den Spezialarzt (Urteil des Bundesgerichts 8C_871/2008 vom 24. März 2009, E. 3.2 mit
Hinweisen). Mit Blick auf die Verschiedenheit von Behandlungs- und Begutachtungs
auftrag kann daher im Streitfall unter Umständen nicht auf die Sicht des behandelnden
(Fach-) Arztes abgestellt werden (vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts I 701/05
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vom 5. Januar 2007, E. 2 mit Hinweisen). Falls der behandelnde Arzt hingegen Ge
sichtspunkte vorbringt, die gewisse Aspekte des eingeholten Gutachtens begründet in
Frage stellen, sind diese freilich zu beachten.
2.
Zunächst ist zu prüfen, ob das bidiziplinäre Gutachten (bestehend aus einem psy
chiatrischen Gutachten und einem rheumatologisch-orthopädische Teilgutachten) die
Kriterien der Beweistauglichkeit erfüllt und sich somit als Grundlage für die Bemessung
des Invaliditätsgrades der Beschwerdeführerin eignet.
2.1
2.1.1 Im Rahmen des durch die Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebenen
bidisziplinären Gutachtens wurde am 13. Mai 2009 durch Dr. D._ ein rheuma
tologisch-orthopädisches Teilgutachten erstellt. Darin wird im Wesentlichen befunden,
dass die Beschwerdeführerin aus pathologisch-anatomischer Sicht
Lendenwirbelsäulenprobleme aufweise, die auch mittels Dekompression L4/5 und L5/
S1 (beidseits durchgeführt mit gleichzeitiger Rezessotomie) nur zu einer
unwesentlichen Verbesserung geführt hätten. Auch aufgrund der Prognose sei
sinngemäss keine Besserung zu er warten. Zusätzlich bestehe ein
Impingementsyndrom des linken Schultergelenkes. Unter Berücksichtigung sämtlicher
Umstände werde die Beschwerdeführerin als zu mindestens 50% arbeitsunfähig
erachtet. Der das psychiatrische Gutachten ausstellende Arzt Dr. E._ führte am
11. Mai 2009 eine psychiatrische Untersuchung durch und diagnostizierte eine
Dysthymie Stressinkonsistenz II und eine Reizblasenymptomatik. Dabei hielt er fest,
aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Minderung der Leistungsfähigkeit. Die beiden
von der IV-Stelle beauftragten Ärzte stimmten überein, dass die Beschwerdeführerin
als mindestens 50% arbeitsunfähig anzusehen sei (IV-act 75).
2.1.2 Der RAD-Arzt führte in seiner Stellungnahme aus, dass das bidisziplinäre
Gutachten medizinisch gut erstellt sei, aber die arbeitsmedizinische Würdigung der
zumutbaren leidensadaptierten Arbeitsfähigkeit nicht überzeuge. Namentlich sei nicht
nachvollziehbar, dass Dr. D._ die Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin für ihre
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angestammte Tätigkeit als Reinigungsfrau gleich hoch eingestuft habe wie ihre Arbeits
unfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit.
2.1.3 In seiner diesbezüglichen Stellungnahme, datiert vom 2. September 2009,
begründete Dr. D._ zunächst die von ihm angewandten Untersuchungsmethoden
mit Verweis auf seine langjährige Berufserfahrung. Hinsichtlich der vom RAD aufge
worfenen Frage führte er aus, dass für die Beschwerdeführerin auch die Durchführung
einer angepassten Tätigkeit schwierig sei. Die Belastung als Reinigungskraft werde
heutzutage nicht mehr mittelschwer bis schwer beurteilt, weshalb der Beschwerde
führerin diesbezüglich eine hälftige Arbeitsfähigkeit zuzumuten sei. Eine leidensange
passte Tätigkeit gestalte sich jedoch bei ihren Halswirbelsäulen- und Schultergürtel
problemen, die zur eingeschränkten Belastbarkeit der Lendenwirbelsäule hinzukäme,
als schwierig. Es sei jedoch - sich den Überlegungen des RAD anschliessend - von
einer 60%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen, zumal der komplexe neurochirurgische
Eingriff zwischenzeitlich durchgeführt worden sei.
2.2 Die Beschwerdeführerin moniert im Wesentlichen, es sei unzulässig, dass ein
seriös erarbeitetes und umfassend begründetes Gutachten derart "nachgebessert"
werde, dass die Arbeitsfähigkeit plötzlich um 10% erhöht werde. Diesbezüglich falle
auf, dass das Umschwenken des untersuchenden Arztes in seiner Stellungnahme vom
2. September 2009 äusserst zaghaft erfolge und sich die zugestandene bessere
Arbeitsfähigkeit nicht mit den vorstehenden Äusserungen im Schreiben decke, welche
sogar von einer Erhöhung der Beschwerden sprächen. Offenbar sei diese Anpassung
auf Druck hin entstanden; durch die Nachfrage der SVA, ob nicht ein anderer Schluss
möglich sei, gehe die Neutralität des Gutachtens verloren. Es sei somit auf das Gut
achten vom 6. Juli 2009, welches als objektiv richtig zu beurteilen sei, abzustützen und
von einer Arbeitsfähigkeit von 50% auszugehen.
2.3
2.3.1 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung hat ein medizinisches
Gutachten aufgrund seiner erheblichen Bedeutung hinsichtlich der Qualität hohen
Anforderungen zu genügen. Zunächst hat der Gutachter sämtliche Vorakten
angemessen zu beachten (vgl. BGE 125 V 351 E. 3a; Gabriela Riemer-Kafka [Hrsg.],
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a.a.O., S. 33). In gleichem Sinn hat der begutachtende Arzt die tatsächlichen
Grundlagen des Gutachtens, die er nicht selbst beschafft hat, einzeln und mit ihrem
wesentlichen Inhalt zu rekapitulieren (vgl. Alfred Bühler, Beweismass und
Beweiswürdigung bei Gerichtsgutachten unter Berücksichtigung der jüngsten Lehre
und Rechtsprechung, in: Jusletter: 21. Juni 2010, S. 18). Es wird weiter vorausgesetzt,
dass das Gutachten schlüssig erscheint, nachvollziehbar begründet und
widerspruchsfrei ist und keine Indizien vorliegen, die gegen die Zuverlässigkeit des
Begutachters sprechen (BGE 125 V 351 S. 353 f.). Gemäss Bundesgericht ist auch die
Unparteilichkeit des Gutachters einem strengen Masstab zu unterziehen (BGE 122 V
161 f. Erw. 1c).
2.3.2 Der begutachtende Arzt Dr. D._ hat sich eingehend mit den vorhandenen
Arztberichten und wesentlichen Tatsachen der Krankengeschichte auseinandergesetzt
und diese dementsprechend in seinem ausführlichen Teilgutachten gewürdigt. Er hat
zahlreiche Untersuchungen durchgeführt, die Klagen der Beschwerdeführerin berück
sichtigt und dargelegt, weshalb sich diese Methoden im vorliegenden Falle eignen.
Seine medizinischen Überlegungen wirken schlüssig und sind überzeugend begründet.
Betreffend eine zumutbare angestammte und angepasste Arbeitsfähigkeit der Be
schwerdeführerin hat er sich differenziert geäussert. Er hat somit grundsätzlich ein Gut
achten von guter Qualität erstellt.
2.3.3 Seine Stellungnahme vom 2. September 2009 relativiert jedoch die
Schlussfolgerungen seines ursprünglichen Teilgutachtens: Seine Ausführungen
beinhalten hauptsächlich Rechtfertigungen der in der Untersuchung angewandten
Methoden und der entsprechenden Überlegungen in seinem ursprünglichen
Teilgutachten. Die Erhöhung der Arbeitsfähigkeit um 10% entbehrt einer fundierten
Begründung: Erstens stellt der Verweis auf die erfolgte Operation vom 10. November
2008 keine Erklärung für die erhöhte Arbeitsfähigkeit dar, da der erwähnte
neurochirurgische Eingriff nicht zwischenzeitlich erfolgte, sondern zum Zeitpunkt der
Erstellung des Gutachtens bereits ein Jahr zurückgelegen hatte. Zweitens ist die
Aussage von Dr. D._, er schliesse sich den Überlegungen des RAD-Arztes an,
angesichts seiner vorangegangenen Rechtfertigungen (die darlegen sollen, weshalb er
auf eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit geschlossen hatte) widersprüchlich. Diesbezüglich
ist sodann auch nicht nachzuvollziehen, weshalb Dr. D._ sich den Überlegungen des
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RAD-Arztes anschliessen wollte, indessen auf eine adaptierte Arbeitsfähigkeit von 60%
schloss; der RAD-Arzt war von einer 70%igen und nicht von einer 60%igen adaptierten
Arbeitsfähigkeit ausgegangen. An dieser Stelle entsteht in der Tat der Eindruck - wie
von der Beschwerdeführerin zutreffend bemängelt -, dass die Erhöhung lediglich
aufgrund der Stellungnahme des RAD erfolgte. Eine solche unbegründete
nachträgliche Erhöhung der Arbeitsfähigkeit stösst die Zuverlässigkeit des
ursprünglichen Teilgutachtens - ungeachtet der guten inhaltlichen Qualität - um. Im
Übrigen ist auch nicht nachvollziehbar, aufgrund welcher Überlegungen der RAD-Arzt
nach der erfolgten Stellungnahme von Dr. D._ sodann eine adaptierte
Arbeitsfähigkeit von 60% anerkannte (IV-act. 80).
2.3.4 Nach dem Gesagten kann weder dem Gutachten vom 6. Juli 2009 noch der
Stellungnahme vom 2. September 2009 ein tauglicher Beweiswert zugemessen
werden. Die festgestellte Beweisuntauglichkeit des Teilgutachtens beschlägt das
gesamte bidisziplinäre Gutachten beziehungsweise die bidisziplinäre
Arbeitsfähigkeitsschätzung, womit es sich erübrigt, näher auf das psychiatrische
Teilgutachten einzugehen.
2.3.5 Es stellt sich an dieser Stelle die Frage, ob auf andere bei den Akten
liegende ärztliche Berichte zur Beurteilung des Invaliditätsgrades abgestellt werden
kann. Betreffend den psychologischen Zustand der Beschwerdeführerin liegt ein
ärztliches Zeugnis von Dr. B._ vom 17. Februar 2009 vor (IV-act. 60). Darin wurden
eine mittelgradige, depressive Episode ICD-10 F32.2 und eine somatoforme
Schmerzstörung ICD-10 F45.0 diagnostiziert. Im Wesentlichen wird ausgeführt, dass
sich bei der Beschwerdeführerin die depressiven Symptome (Traurigkeit,
Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit) seit ihrer Operation verstärkt hätten. Eine
durchgeführte Psychotherapie habe zu keiner Verbesserung des psychischen Zustands
geführt. Sie sei daher zu 100% arbeitsunfähig. Für Haushaltsarbeit sei sie zu 70%
arbeitsunfähig einzustufen. Dr. D._ hielt in seinem Gutachten vom 6. Juli 2009
diesbezüglich fest, dass Dr. B._ in ihrem ersten Schreiben vom Juli 2008 nur von
einer Dysthymie ausgegangen sei und erst in ihrem Bericht vom Februar 2009 eine
mittelgradige, depressive Episode diagnostiziert habe. Indessen gehe weder aus ihren
Ausführungen noch aus den Akten hervor, aus welchem Grund sie auf diese Diagnose
geschlossen habe (IV-act. 75 S. 35 und 39). Auch für die von ihr diagnostizierte
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somatoforme Schmerzstörung gebe es keine Hinweise, denn derartige Schmerzen
hätten erstens einen organisch fassbaren Kern und zweitens liessen sich bei der
Beschwerdeführerin auch keine emotionalen oder psychosozialen Probleme
identifizieren, die die erforderliche Intensität erreichen würden, um als entscheidende
Ursache für die Entstehung dieser Schmerzen zu gelten. Diese Frage sei bereits im
Gutachten der MEDAS aus dem Jahre 2007 (vgl. oben stehender lit. A.b) behandelt
worden und es hätten sich diesbezüglich auch keine neuen Gesichtspunkte ergeben.
Diese Ausführungen sind einleuchtend und lassen daran zweifeln, dass die Diagnose
von Dr. B._ auf medizinischen Überlegungen beruht. Schliesslich fehlt in ihrem
Bericht auch die Begründung betreffend die aus der Diagnose hergeleitete Höhe der
Arbeitsunfähigkeit. Es muss daher davon ausgegangen werden, dass sich Dr. B._
diesbezüglich der subjektiven Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin ange
schlossen hat, ohne dies – wie von Dr. D._ kritisiert – in erkennbarer Weise medi
zinisch zu begründen. Nach dem Gesagten kann auf diese Einschätzungen nicht ab
gestellt werden, womit der Beweiswert dieses Attests entfällt. Der vorliegende Arzt
bericht des Hausarztes der Beschwerdeführerin, Dr. C._, datierend vom 20. März
2009, attestiert ihr eine Arbeitsunfähigkeit von 50% (IV-act. 71,100 und 103). Auch
dieser Arztbericht eignet sich nicht als Grundlage für die Berechnung des Invaliditäts
grades, da dessen Inhalt hauptsächlich aus der Wiedergabe der Krankengeschichte
der Beschwerdeführerin besteht und sich lediglich in wenigen Sätzen in nicht diffe
renzierter Weise mit Diagnoseüberlegungen auseinander setzt. Diesbezüglich ist auch
die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu beachten, wonach Hausärzte mitunter im
Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Stellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer
Patienten aussagen (vgl. oben stehende E. 2.3). Dem Arztbericht von Dr. G._,
datierend vom 11. Januar 2010, ist im Wesentlichen zu entnehmen, dass ein Verdacht
auf eine ISG-Affektion diagnostiziert wurde und dass die Beschwerdeführerin eine dem
Arzt adäquat erscheinende Behandlung (ISG-Infiltration) aufgrund ihrer Ängste ver
weigert habe. Sie werde voraussichtlich ihre Physiotherapie fortführen (IV-act. 95). Der
Bericht enthält keinerlei Überlegungen betreffend Arbeitsfähigkeit, womit er sich auch
nicht für die Bestimmung der Invaliditätsrente eignet.
2.4 Zusammenfassend kann weder auf das bidisziplinäre Gutachten noch auf die
soeben erläuterten Arztberichte abgestellt werden. Daher ist es vorliegend nicht
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möglich, den Invaliditätsgrad abschliessend zu bestimmen. Eine erneute Begutachtung
ist somit unumgänglich.
3.
3.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde unter Aufhebung der angefochtenen
Verfügung vom 5. Juli 2010 teilweise gutzuheissen. Die Sache ist zur weiteren
Abklärung und zu neuer Verfügung im Sinn der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu
bezahlen.
3.3 Die obsiegende beschwerdeführende Partei hat gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat
Anspruch auf eine Parteientschädigung. Deren Höhe wird vom Versicherungsgericht
unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand festgesetzt.
In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat keine Kostennote eingereicht. Im
vorliegenden Fall erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inkl. Barauslagen
und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP