Decision ID: 6633f15e-1b60-5a05-98a2-d7b98a3a8680
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Jakob Rhyner, St. Gallerstrasse 46, Postfach 945,
9471 Buchs,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente; berufliche Massnahmen
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Sachverhalt:
A.
A.a Die [...] geborene A._ wurde am 22./27. Februar 2008 von ihrer Arbeitgeberin im
Sinn einer Früherfassung der Invalidenversicherung gemeldet. Die seit 1981 vollzeitlich
tätige Büroangestellte sei seit dem 23. August 2007 wegen Krankheit
(Rückenschmerzen) zu 50 % arbeitsunfähig. Es habe eine vorhergehende Absenz
gemäss Arztzeugnis stattgefunden (act. 1). Dr. med. B._, FMH Innere Medizin, hatte
der Versicherten im Arztbericht vom 21. Dezember 2007 (act. 2) diese
Arbeitsunfähigkeit von 50 % (teilzeitlich) ab 23. August 2007 bescheinigt. In einem
ärztlichen Zeugnis vom 14. Februar 2008 (act. 3) hatte die Klinik Valens festgehalten,
die Versicherte sei vom 10. Januar 2008 bis 14. Februar 2008 in stationärer
Behandlung gewesen. Ab dem 18. Februar 2008 werde sie bis 2. März 2008 zu 50 %
und anschliessend bis 16. März 2008 noch zu 25 % arbeitsunfähig sein. Dr. med.
C._, Facharzt FMH für Neurochirurgie, hatte der Versicherten ab 27. September 2006
eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %, ab 2. Januar 2007 von 50 % und ab 19. Februar
2007 von 25 % (bis 28. Februar 2007) attestiert. Am 14. Mai 2007 hatte er ihr für drei
Tage (bis 16. Mai 2007) eine volle Arbeitsunfähigkeit und am 22. August 2007 ab
23. August 2007 bis auf weiteres eine solche von 50 % bescheinigt.
A.b Die IV-Eingliederungsberatung hielt am 12. März 2008 (act. 6) über das
Früherfassungsgespräch fest, dass die Versicherte unter konstanten Rückenschmerzen
leide, welche wenige Monate nach einer Rückenoperation wieder zurückgekehrt seien
und die langes Sitzen, Gehen und Stehen erschwerten. Sie sei seit 1969 als angelernte
Büroangestellte im selben Betrieb tätig, wo sie gern bleiben würde, allerdings in
reduziertem (idealerweise halbem) Pensum. Die IV-Beraterin hielt eine IV-Anmeldung
für angezeigt.
A.c Am 15./18. März 2008 (act. 8) meldete sich die Versicherte zum Bezug von
Leistungen an.
A.d Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung stellte sich in einer
Aktennotiz vom 30. April 2008 (act. 14) nach einem Telefonat mit Dr. B._ vom
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23. April 2008, welcher die optimistische Beurteilung der Klinik nicht teilte, auf den
Standpunkt, gemäss der Beurteilung der Klinik Valens sei die Versicherte in einer
mittelschweren, wechselbelastenden Tätigkeit ganztags arbeitsfähig. Sie habe eine
leichte, wechselbelastende Tätigkeit und sei somit dort voll arbeitsfähig.
A.e Dr. B._ reichte von sich ein einfaches Arztzeugnis und einen Bericht an die
Krankenversicherung vom 16. November 2007 sowie einen solchen an einen
Vertrauensarzt vom 21. Dezember 2007 und ausserdem einen Bericht der Klinik Valens
vom 27. Februar 2008 ein.
A.f Im Frühinterventions-Triage-Protokoll vom 26. Mai 2008 (act. 17) wurde
vorgesehen, die beruflichen Massnahmen und den Rentenanspruch abzuweisen. - Mit
Vorbescheid vom 30. Mai 2008 (act. 19 f.) wurde der Versicherten eine Abweisung des
Gesuchs um berufliche Massnahmen und Rente in Aussicht gestellt. Es sei ihr möglich,
die angestammte Tätigkeit weiterhin auszuüben, in welcher sie optimal eingegliedert
sei.
A.g Am 8. August 2008 (act. 24; vgl. Eingabe vom 25. Juni 2008, act. 21) liess die
Versicherte einwenden, nach der erneuten Eingliederung in den Arbeitsprozess habe
sie die in der Klink Valens verharmlosten bzw. verschwiegenen Schmerzen (sie habe
viele Übungen nur unter allergrösster Anstrengung und mit erheblichen Schmerzen
über sich ergehen lassen) nicht unterdrücken können, so dass Dr. B._ ihr - bei
fortgeführter Schmerzmittelverschreibung - wieder eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %
habe attestieren müssen. Hieran werde sich wohl nichts ändern: Dr. med. D._,
Kantonsspital Graubünden, habe im beigelegten Arztbericht vom 14. Mai 2008
festgehalten, die medizinisch-praktische Arbeitsfähigkeit werde sich aller
Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr über 50 % steigern lassen, da zudem eine gewisse
Selbstlimitierung vorliege. Das würde sicherlich auch der Therapeut bestätigen, bei
dem sie seit Februar 2008 erneut in ständiger Behandlung sei. Aus dem beigelegten
Bericht der Arbeitgeberin vom 7. August 2008 lasse sich herauslesen, dass nur dank
einem neu definierten und gesundheitsadäquat eingerichteten Arbeitsplatz die
Hoffnung gerechtfertigt erscheine, dass sich der Gesundheitszustand nicht noch weiter
verschlechtere und die Qualität der Arbeitsleistung auch weiterhin ein 50-prozentiges
Pensum rechtfertige. Es sei also auszuschliessen, dass sie ihre angestammte Tätigkeit
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wieder ganztägig werde aufnehmen können, wie das in Valens beurteilt worden sei. Es
sei ihr allenfalls nach Befragung von Dr. B._ und des Therapeuten und Einholung
eines Obergutachtens eine halbe Rente zuzusprechen. - Beigelegt war ferner ein
Meldeformular für ein Teilprojekt FEFI, das die Versicherte am 21. Februar 2008
ausgefüllt hatte.
A.h Der RAD befürwortete am 30. Oktober 2008 (act. 30) eine bidisziplinäre RAD-
Untersuchung, insbesondere zur Klärung der Frage, ob eventuell auch eine psychische
Komponente vorhanden sei. Er holte bei verschiedenen Stellen ärztliche Unterlagen ein
und der Rechtsvertreter der Versicherten reichte seinerseits am 16. März 2009 (act. 49)
weitere Akten ein.
A.i Am 27. Mai 2009 (act. 50) erstattete der RAD Bericht über die interdisziplinäre
Untersuchung vom 1. April 2009. Orthopädisch gesehen lägen ein
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom bei Status nach Bandscheiben-Operation L5/
S1 und Fensterung L4/L5 am 26.09.2006 sowie eine Osteochondrose L5/S1 vor.
Psychiatrisch sei eine somatoforme Schmerzstörung festgestellt worden. Aus
orthopädischer Sicht bestehe für die angestammte Tätigkeit bei einer maximalen
Gewichtsbelastung bis zu 2.5 kg eine Arbeitsfähigkeit von 80 % bei voller zeitlicher
Präsenz infolge zusätzlichen Pausenbedarfs. In psychiatrischer Hinsicht sei die
Leistungsfähigkeit bei voller zeitlicher Präsenz ebenfalls um 20 % reduziert (bei
eingeschränkter Kompensationsfähigkeit; eingeschränktes Tempo). Die
Einschränkungen interferierten, so dass insgesamt eine Arbeitsfähigkeit von 80 %
bestehe. Der gegenwärtige Arbeitsplatz sei nach Angaben der Versicherten optimal
adaptiert.
A.j Mit Verfügung vom 11. Juni 2009 (act. 52) wies die Sozialversicherungsanstalt/
IV-Stelle das Leistungsgesuch der Versicherten (berufliche Massnahmen und Rente)
ab.
B.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt Dr. iur. Jakob Rhyner für die
Betroffene am 13. Juli 2009 erhobene Beschwerde. Der Rechtsvertreter der
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Beschwerdeführerin beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei
der Beschwerdeführerin eine halbe Invalidenrente bei einer Arbeitsunfähigkeit von
50 % zuzusprechen, eventuell sei eine Oberexpertise anzuordnen. - In der
Beschwerdebegründung vom 17. August 2009 legt er dar, Dr. B._ - in bester
Kenntnis der Patientin (einschliesslich des Umfeldes) - bekräftige auch in Kenntnis des
RAD-Berichtes, auf den sich die Beschwerdegegnerin berufe, seine fachmännische
Haltung, dass die Beschwerdeführerin lediglich zu 50 % arbeitsfähig sei. Dies werde
praktisch auch von Dr. D._ bestätigt und der Therapeut werde das ebenfalls
bescheinigen können. Selbst die Arbeitgeberin gehe von einer maximalen
Arbeitsleistung von 50 % aus. Dem RAD hafte eine gewisse Parteilichkeit an. Sofern
die Zeugenaussagen bzw. Berichte der Dres. B._ und D._ sowie des Therapeuten
nicht genügen sollten, eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % anzunehmen, dränge sich eine
versicherungsexterne medizinische Begutachtung auf.
C.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 28. September/1. Oktober 2009 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Es liege im pflichtgemässen
Ermessen der Verwaltung, darüber zu befinden, mit welchen Mitteln der Sachverhalt
abzuklären sei. Sofern die RAD-Untersuchungsberichte den Anforderungen an ein
ärztliches Gutachten (auch hinsichtlich der erforderlichen ärztlichen Qualifikationen)
genügten, hätten sie einen vergleichbaren Beweiswert wie andere Gutachten. Berichte
der behandelnden Ärzte seien aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung
zum Patienten dagegen mit Vorbehalt zu würdigen, weil sie in Zweifelsfällen eher zu
deren Gunsten aussagten. Dass die behandelnden Ärzte die Patienten länger gesehen
hätten, vermöge hieran nichts zu ändern. Der RAD-Untersuchungsbericht beruhe auf
eigenständigen interdisziplinären Abklärungen. Die Vorakten seien verwendet und die
geklagten Beschwerden der Beschwerdeführerin berücksichtigt worden. Da keine
ausgeprägten Beeinträchtigungen am Bewegungsapparat und nebst der
somatoformen Schmerzstörung auch kein psychisches Leiden von erheblicher
Schwere und Dauer festgestellt worden seien, leuchte das Attest einer Einschränkung
der Leistungsfähigkeit für die angestammte Tätigkeit von 20 % ein. Für die Richtigkeit
spreche auch, dass die Klinik Valens und Dr. D._ medizinisch-theoretisch eine
ganztägige Arbeitsfähigkeit angenommen hätten. Die Berichte von Dr. B._ hätten
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dem RAD vorgelegen; darin seien keine Aspekte genannt, welche unerkannt oder
ungewürdigt geblieben wären. Sie würden keine Zweifel am RAD-
Untersuchungsbericht erwecken. RAD-Ärzte seien von Gesetzes wegen in ihrem
medizinischen Sachentscheid unabhängig. Die Ausführungen in ihrem Bericht seien
sachlich und neutral gehalten, so dass sich keine Anhaltspunkte für
Voreingenommenheit ergäben. Die Einkommenseinbusse der Beschwerdeführerin
entspreche dem Arbeitsunfähigkeitsgrad. Die Abweisung des Rentengesuchs sei nicht
zu beanstanden
D.
In seiner Replik vom 22./23. Oktober 2009 beanstandet der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin, dass die Beschwerdegegnerin auf die Beurteilungen der Klinik
Valens und des RAD abstelle, obwohl Dr. B._ - immerhin in namhafter Stellung in den
Berufsvereinen - und Dr. D._ von einer medizinischen (praktischen), auf 50 %
beschränkten Arbeitsfähigkeit ausgingen. Die Beschwerdeführerin habe in ihren
beigelegten Ausführungen eindrücklich ihre leidige Situation beschrieben. Wer ihre
Feststellungen auch nur einigermassen nachzuempfinden vermöge, könne nicht
ernsthaft daran zweifeln, dass sie bestenfalls zu 50 % arbeitsfähig sei. Wer wie sie in
den vergangenen Jahren so viele Ärzte und Therapeuten konsultiert und zum Teil
selber bezahlt habe, jahrelang gespritzt worden sei und starke Medikamente aller Art
zu sich habe nehmen müssen und zu sich nehme, sei zu Recht empört, wenn er von
eher parteiisch und oberflächlich wirkenden Ärzten und der Beschwerdegegnerin in die
Simulantenecke gedrängt werde. Seine (des Rechtsvertreters) bisherigen Bemühungen
hätten, was die Parteientschädigung (einschliesslich 4 % Barauslagen und 7.6 %
MWST) betreffe, insgesamt 18 Stunden ausgemacht.
E.
Die Beschwerdegegnerin hält am 5. November 2009 an ihrem Antrag fest und
verzichtet im Übrigen auf die Erstattung einer Duplik.

Erwägungen:
1.
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1.1 Am 1. Januar 2008 ist die 5. IV-Revision in Kraft getreten. Die
Beschwerdegegnerin hat die angefochtene Verfügung am 11. Juni 2009, also unter der
Geltung des Rechts dieser Revision, erlassen. Zu beurteilen ist der Sachverhalt, wie er
sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses dieser Verfügung entwickelt hat. Dieser
Sachverhalt reicht in eine Zeit vor Inkrafttreten der 5. IV-Revision zurück. Soll auf
bestimmte Sachverhalte nicht neues Recht Anwendung finden, sondern das
aufgehobene Recht massgebend bleiben, muss eine geltende Norm die
Weiteranwendbarkeit aufgehobenen Rechts für bestimmte Sachverhalte anordnen. Die
5. IV-Revision enthält keine die Rente betreffende übergangsrechtliche Bestimmung.
Das Bundesamt für Sozialversicherungen unterstellt aber zu Recht eine
ausfüllungsbedürftige Lücke (vgl. das Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 2007).
Die Definition der Sachverhalte, auf die noch altes Recht anwendbar sein soll, sollte
durch ein materiellrechtliches, unbeeinflussbares Merkmal erfolgen. In Frage kommen
der Zeitpunkt der Entstehung des Auszahlungsanspruchs oder der Eintritt des
Versicherungsfalls, beide definiert nach dem alten, ausser Kraft getretenen Recht (zum
Ganzen im Detail der Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S
M. vom 28. Oktober 2009, IV 2009/5). Das Bundesamt für Sozialversicherungen hat
ausserdem vorgesehen, dass der neurechtliche Rentenbeginn für alle Fälle nicht
anwendbar sei, in denen das Wartejahr vor dem 1. Januar 2008 zu laufen begann und
im Jahr 2008 erfüllt wurde und die Anmeldung spätestens am 31. Dezember 2008
eingereicht wurde. Diese Übergangsordnung hat das Gericht übernommen (vgl.
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S F. vom 25. März 2011,
IV 2009/425). Bezüglich des allfälligen Rentenbeginns sind deshalb vorliegend
angesichts der IV-Anmeldung von 2008 und des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit 2007
die bis zum 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Bestimmungen (im Folgenden
angeführt) anzuwenden. Für die Invaliditätsbemessung hat sich indessen materiell
keine Änderung der Rechtslage ergeben.
1.2 Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin den Anspruch der
Beschwerdeführerin auf berufliche Massnahmen und auf eine Rente abgelehnt.
Beantragt sind Rentenleistungen (eventuell eine weitere Abklärung).
2.
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Nach Art. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
3.
3.1 Für die Invaliditätsbemessung sind zunächst die medizinischen Vorbedingungen
von Bedeutung. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu
beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind im
Weiteren eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V
99 f. E. 4; ZAK 1982 S. 34). Ob die versicherte Person eine ihr zumutbare Tätigkeit
auch tatsächlich ausübt, ist für die Invaliditätsbemessung hingegen unerheblich
(Rz 3046 des vom Bundesamt für Sozialversicherungen erlassenen Kreisschreibens
über die Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung = KSIH).
3.2 Den Akten lässt sich entnehmen, dass bei der Beschwerdeführerin bereits im
August 2003 (Spital Grabs, act. 47-2) und erneut im Juli 2005 (Radiologie Bad Ragaz,
act. 47-3) chronische therapieresistente lumbale Schmerzen bzw. ein chronisches
therapieresistentes lumbospondylogenes Schmerzsyndrom festgestellt werden
mussten. Dr. med. E._, Orthopädische Chirurgie, hatte am 28. November 2005 die
Indikation für eine Spondylodese gestellt (act. 48-27) und sich am 6. Juli 2006
(act. 48-17) der Empfehlung der Klinik für Orthopädische Chirurgie am Kantonsspital
St. Gallen gemäss Bericht vom 22. Juni 2006 (act. 48-18) zu einer TLIF angeschlossen.
Schliesslich hat Dr. C._ am 28. September 2006 (Bericht vom 4. Oktober 2006,
act. 48-7) eine mikrochirurgische dekompressive Fensterung und Diskektomie
vorgenommen. Nach einer Phase (postoperativer, auslaufender) Arbeitsunfähigkeit trat
nach der Aktenlage ab 23. August 2007 erneut eine Arbeitsunfähigkeit auf.
3.3 Die Beschwerdegegnerin stützt sich für die Beurteilung der zumutbaren
Arbeitsleistung der Beschwerdeführerin auf das Ergebnis einer orthopädischen und
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psychiatrischen RAD-Abklärung (vgl. Art. 49 Abs. 2 IVV). Diese beinhaltete eine
Kenntnisnahme der Vorakten, eine Erhebung der Anamnese und eine Untersuchung
und sie ergab bidisziplinär, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in ihrer
angestammten Tätigkeit bei voller zeitlicher Präsenz zumutbarerweise 80 % ausmache.
Die Einschränkungen wurden sowohl mit orthopädischen (zusätzlicher Pausenbedarf
bei allgemeiner Verlangsamung und Müdigkeit zufolge Nebenwirkungsprofils der
Analgetika) wie psychiatrischen (eingeschränkt kompensierbares, Tempo und
Leistungsfähigkeit einschränkendes chronisches Schmerzsyndrom) Faktoren
begründet. Unter beiden Gesichtspunkten wurde eine Arbeitsunfähigkeit von 20 %
festgestellt, deren Kombination keine grössere Arbeitsunfähigkeit bedeute, da sich die
Einschränkungen überlappten.
3.4 Der psychiatrisch explorierende RAD-Arzt geht davon aus, dass sich ein
uniformer und eigentlich nie klar segmental zuzuordnender Rückenschmerz ohne
jemals fassbare neurologische Funktionsbeeinträchtigung auch nach der
Rückenoperation nicht gebessert habe. Die Beschwerdeführerin sei von der
körperlichen Ursache in hohem Mass subjektiv überzeugt und habe es auch immer
wieder geschafft, invasive ärztliche Eingriffe durchführen zu lassen, um diese
anschliessend als unwirksam gleichsam zu entwerten. Es verwundere, dass sie die bei
entsprechend hoher Dosierung auftretenden Nebenwirkungen der Morphinbehandlung
unkritisch akzeptiere. Durch diese Behandlung werde die subjektive Überzeugung der
Schmerzintensität augenfällig bestätigt. - Diesen vom Psychiater getroffenen
Annahmen ist allerdings entgegenzuhalten, dass wie oben erwähnt nebst dem
Operateur auch die Klinik für Orthopädische Chirurgie am Kantonsspital St. Gallen und
Dr. E._ eine Operationsindikation stellten. Am 4. August 2003 waren unter anderem
osteochondrotische Veränderungen in Höhe L5/S1 und Spondylarthrosen
insbesondere in Höhe L4/5 sowie in beiden Segmenten partiell etwas verschmälerte
Neuroforamina festgestellt worden. Bei einer Kernspintomographie vom 25. Juli 2005
waren unter anderem eine hochgradige, zum Teil erosive Osteochondrose LWK5/S1
mit deutlicher zirkulärer, etwas links lateral dorsalbetonter Protrusion, aber ohne
Nachweis einer eigentlichen Diskushernie, und mässige Spondylarthrosen mit
Schwerpunkt LWK5/S1 gefunden worden. Gemäss dem Bericht vom 21. Dezember
2007 (somit nach der Operation) stellte die Klinik Valens die Indikation für eine
stationäre Rehabilitation und stellte fest, die geklagten Beschwerden korrelierten mit
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einem lumbovertebralen bis lumbospondylogenen Syndrom links, dessen Ursache die
Fehlhaltung der WS und die klinisch nachweisbaren deutlichen muskulären
Ungleichgewichte im Bereich der unteren Rumpf- und Rückenmuskulatur sein dürften
(act. 15-18). Nach Auffassung von Dr. D._ lässt sich die Symptomatik (postoperativ)
nicht vollumfänglich (aber offenbar doch zumindest teilweise) objektivieren. Der Arzt
nimmt eine depressive Überlagerung (act. 27-2) und unter Hinweis auf die Angaben der
Klinik Valens eine gewisse Selbstlimitierung der Beschwerdeführerin an. Die Klinik
Valens hatte allerdings lediglich berichtet, die Beschwerdeführerin habe sich anfänglich
(und vorübergehend) schmerzbedingt etwas selbstlimitierend gezeigt, hatte ihr aber
eine gute Belastungsbereitschaft attestiert (act. 15-8). - Der RAD-Psychiater hat des
Weiteren dafürgehalten, eine depressive Symptomatik sei konkret nicht fassbar
geworden. Im Ergebnis hat er der somatoformen Schmerzstörung wie erwähnt wegen
einer eingeschränkten Kompensationsfähigkeit des subjektiv als sehr einschneidend
beeinträchtigend empfundenen Schmerzsyndroms die Auswirkung einer
Arbeitsunfähigkeit von 20 % (in Form einer Verlangsamung und Einschränkung der
Leistungsfähigkeit) zugeordnet (act. 50-14 f.).
3.5 Unter orthopädischem Aspekt wurde bei der RAD-Untersuchung festgehalten,
insgesamt finde sich kein patho-morphologisches Korrelat für die beklagten und hoch
analgetisch therapierten subjektiven Beschwerden. Klinisch orthopädisch wurde eine
mässige Bewegungseinschränkung im Bereich der Lendenwirbelsäule erhoben,
radiologisch habe postoperativ eine Osteochondrose des nukleotomierten Segmentes
L5/S1 imponiert.
3.6 Die (rein) psychiatrische Erklärbarkeit einer Schmerzsymptomatik allein (bei
weitgehendem Fehlen eines somatischen Befundes) würde nach der Rechtsprechung
für eine sozialversicherungsrechtliche Leistungsbegründung nicht genügen (vgl.
Bundesgerichtsentscheid i/S M. vom 29. Juli 2008, 9C_830/07; Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S N. vom 12. Dezember 2005, I 324/05; BGE
130 V 352). Der Schmerzstörung wird allerdings - mit konkreten Umständen
(mangelnde Kompensationsfähigkeit) begründet - eine psychiatrische
Arbeitsunfähigkeit zugeschrieben. Es ist auf der einen Seite zu beachten, dass
vorliegend zumindest gewisse objektivierbare Schädigungen der Wirbelsäule
anzunehmen sind, weshalb die erwähnte Rechtsprechung nicht unbedingt zur
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Anwendung gelangt. Auf der anderen Seite gibt es keine Anhaltspunkte für eine die
vom RAD genannten 20 % überschreitende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus
psychiatrischen Gründen.
3.7 Es kann im Ergebnis darauf abgestellt werden, dass der Beschwerdeführerin in
der angestammten, optimal adaptierten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80 %
zugemutet werden kann. Die aus orthopädischer Sicht vorliegende entsprechende
Einschränkung der Leistungsfähigkeit ist nachvollziehbar begründet.
3.8 Eine abweichende medizinische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit hat Dr. B._
abgegeben: Vor der stationären Rehabilitation, am 21. Dezember 2007, hatte er
berichtet, es bestehe (bei dem lumbovertebragenen Schmerzsyndrom, unter anderem
bei St. n. periduraler Infiltration L3/L4, L4/L5 und L5/S1 im Mai 2007) seit dem
23. August 2007 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %. Nach der Rehabilitation (und der
nachfolgenden Ausdehnung der Arbeitsfähigkeit) hat er ab 7. April 2008 erneut eine
Arbeitsunfähigkeit von 50 % angegeben. Diese Beurteilung vermag allerdings im
Beweiswert nicht gegen das Ergebnis der RAD-Untersuchung anzukommen. Zu
berücksichtigen ist nämlich, dass die Klinik Valens gemäss ihrem Bericht vom
27. Februar 2008 (act. 15-6 ff.) auf der Grundlage der Tests während des stationären
Aufenthalts der Beschwerdeführerin vom 10. Januar bis 14. Februar 2008 eine noch
höhere Leistungsfähigkeit festgestellt hatte. Erhoben worden waren dort nebst einer
akuten Bronchitis mit Kollaps am 25.01.2008 ein lumbovertebrales bis
lumbospondylogenes Syndrom links (bei Fehlform und Fehlhaltung der Wirbelsäule mit
Hohlrücken und dorsalem Überhang, Kopfprotraktionsstellung, mit muskulärer
Dysbalance/generalisierter Hyperlaxizität, mit degenerativen Diskopathien L4/L5 und
L5/S1, und mit St. n. Diskushernienoperation L5/S1 links 09/06). Das arbeitsbezogene
relevante Problem sei eine verminderte muskuläre Stabilisationsfähigkeit der
Lendenwirbelsäule beim Hantieren mit Lasten. Die Beschwerdeführerin sei unter
Berücksichtigung der ergonomischen Leistungsfähigkeit für eine mittelschwere,
wechselbelastende Arbeit ganztags arbeitsfähig. Auch die Einschätzung von Dr. D._
spricht gegen eine höhere als 20-prozentige massgebliche Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin. Er war gemäss seinem Bericht vom 14. Mai 2008 (in Kenntnis
unter anderem des Berichts der Klinik Valens) davon ausgegangen, dass ein
chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom vorliege, das gegenüber allen bisher
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durchgeführten Therapien resistent gewesen sei. Die Arbeitsfähigkeit werde sich aller
Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr über 50 % steigern lassen, da zudem eine gewisse
Selbstlimitierung vorliege. Rein medizinisch-theoretisch könnte man davon ausgehen,
dass die Beschwerdeführerin in ihrem Tätigkeitsbereich zu 100 % arbeitsfähig wäre. -
Weitere Abklärungen erscheinen nicht erforderlich.
3.9 Es wird nicht verkannt, dass die Beschwerdeführerin ihre Arbeitsleistung unter
Bekämpfung offensichtlich starker Schmerzen erbringt. Erfahrungsgemäss ist aber
nicht zu erwarten, dass die Schmerzsituation sich in der arbeitsfreien Zeit ohne
Weiteres substanziell verringert. Indessen könnte allenfalls mit einer
Schmerzbehandlung - wie vom RAD-Psychiater vorgeschlagen - eine Verbesserung
erreicht werden.
4.
In erwerblicher Hinsicht kann erwartet werden, dass die Beschwerdeführerin mit einer
Arbeitsfähigkeit von 80 % in der angestammten Tätigkeit ein Einkommen zu erzielen in
der Lage ist, das in etwa 80 % des Valideneinkommens entspricht und somit
rentenausschliessend ist. Die Beschwerdegegnerin hat einen Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin daher zu Recht abgelehnt.
5.
5.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200 bis 1000 Franken festgelegt. Als
unterliegende Partei hat die Beschwerdeführerin die Gerichtskosten zu bezahlen (vgl.
Art. 95 Abs. 1 VRP). Diese sind ermessensweise auf Fr. 600.-- zu veranschlagen. Mit
dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist die geschuldete Gerichtsgebühr
getilgt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
bis
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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP