Decision ID: 683fa168-023d-4764-af4d-63648900f8ca
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X, geb. 1967, ist in G/SG wohnhaft. Er ist im Bereich Immobilien tätig und
Eigentümer mehrerer Grundstücke sowie an mehreren Immobiliengesellschaften, u.a.
der t ag und der e ag, beide mit Sitz in Herisau, beteiligt. Für die Kantons- und
Gemeindesteuern 2012 wurde er am 11. März 2015, nachdem er trotz mehreren
Mahnungen und Bussen keine Steuererklärung eingereicht hatte, ermessensweise mit
einem steuerbaren Einkommen von Fr. xxx.– und einem steuerbaren Vermögen von
Fr. xxx.– veranlagt. Gegen diese Veranlagung erhob der Pflichtige am 17. April 2015
Einsprache und reichte gleichzeitig die Steuererklärung ein. Am 24. August 2016 wurde
X mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. xxx.– und einem steuerbaren Vermögen
von Fr. xxx.– veranlagt. Die Änderung der ursprünglich veranlagten Steuerfaktoren
erfolgte mittels einer Korrekturveranlagung. Gegen diese erhob X mit Eingabe vom
27. September 2016 Einsprache und verlangte eine Änderung der
Vermögensbewertung. Das Kantonale Steueramt hiess die Einsprache mit Entscheid
vom 19. Januar 2017 teilweise gut und veranlagte X mit einem steuerbaren Einkommen
von Fr. xxx.– und einem steuerbaren Vermögen von Fr. xxx.–.
B.- Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 23. Februar 2017 erhob X Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, der Einspracheentscheid vom
19. Januar 2017 sei teilweise aufzuheben und das steuerbare Vermögen G/SG sei auf
Fr. xxx.–, das steuerbare Vermögen Kanton St. Gallen auf Fr. xxx.– und das
satzbestimmende Vermögen auf Fr. xxx.– festzusetzen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zu Lasten des Rekursgegners. Die
Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 28. März 2017 die Abweisung des
Rekurses. Der Rekurrent nahm mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 20. April 2017
zur
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vorinstanzlichen Vernehmlassung Stellung und hielt an seinem Antrag fest.

Auf Einzelheiten wird, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig (Art. 194 Abs. 1 des
Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 41 lit. h Ziff. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 23. Februar 2017 ist rechtzeitig
eingereicht worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 StG; Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf den Rekurs ist
einzutreten.
2.- Anfechtungsobjekt ist der Einspracheentscheid der Vorinstanz vom 19. Januar
2017. Streitig ist die steuerliche Bewertung der 100'000 Aktien der t ag. Diese wurden
von der Vorinstanz im Einspracheentscheid mit Fr. xxx.– bewertet (in der
Korrekturveranlagung noch mit Fr. xxx.–).
a) Das Vermögen wird zum Verkehrswert bewertet, soweit die gesetzlichen
Bestimmungen nichts anderes vorsehen (vgl. Art. 54 StG). Wertpapiere werden nach
dem Kurswert oder, wenn kein solcher besteht, nach dem inneren Wert (Art. 56 Abs. 1
StG) – der dem Verkehrswert entspricht (vgl. VRKE I/2-2012/54 vom 26. August 2013
E. 3a/aa, publiziert in: www.gerichte.sg.ch) – bewertet. Die Bewertung erfolgt dabei
nach einheitlichen Kriterien auf der Grundlage der Wegleitung zur Bewertung von
Wertpapieren ohne Kurswert für die Vermögenssteuer, Kreisschreiben Nr. 28 vom
28. August 2008 der Schweizerischen Steuerkonferenz (nachfolgend: KS Nr. 28,
publiziert in: www.steuerkonferenz.ch). Dieses Kreisschreiben stellt zwar weder
Bundesrecht dar noch zählt es zum kantonalen Recht und vermag als
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Verwaltungsverordnung weder Rechte noch Pflichten zu begründen. Es gilt indessen
nach ständiger Praxis des Bundesgerichts als zuverlässige Methode zur Bestimmung
des Verkehrswertes, da in ihm die für die Preisbildung bei den nicht an der Börse
kotierten Aktien im Allgemeinen massgebenden Überlegungen zum Ausdruck kommen
(Urteile des Bundesgerichts 2C_504/2009 vom 15. April 2010 E. 3.3 und 2C_800/2008
vom 12. Juni 2009 E. 5.1; GVP 1995 Nr. 22; vgl. Schneller/Widrig/Wigger, Bewertung
von Wertpapieren ohne Kurswert, in: Der Schweizer Treuhänder, 5/09, S. 364).
b) Unbestritten ist, dass die t ag bzw. deren Tochter e ag Immobiliengesellschaften
sind. Diese haben ihren Sitz im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Die e ag ist
Eigentümerin von vier Grundstücken im Kanton Thurgau. Die Vorinstanz übernahm die
Bewertung durch die Steuerverwaltung Appenzell Ausserrhoden und setzte den
Verkehrswert der vier Grundstücke im Kanton Thurgau auf Fr. 33'787‘417.– fest (act. 6/
III/b und c). Diese Bewertungen kamen zustande, indem die Steuerverwaltung
Ausserrhoden die faktischen Erträge gemäss den amtlichen Schätzungen des Kantons
Thurgau aus dem Jahr 2014 mit einem Satz von 6,12% kapitalisierte und die so
ermittelten Ertragswerte den Verkehrswerten gleichsetzte (act. 6/III/a-c).
Demgegenüber beträgt die Summe der amtlichen Verkehrswerte gemäss den
Schätzungen des Kantons Thurgau vom 26. November 2014 lediglich Fr. xxx.–.
c) Die Vorinstanz hielt im Einspracheentscheid fest, bei der e ag sei in der
Steuerperiode 2012 eine Aufrechnung von Fr. xxx.– für Zinsen auf verdecktem
Eigenkapital vorgenommen worden. Die Steuerpflichtige habe dagegen Einsprache
erhoben mit der Begründung, die Verkehrswerte der Liegenschaften würden die
Buchwerte wesentlich übersteigen. Die Einsprache sei in diesem Punkt gutgeheissen
und die Mieteinnahmen der Liegenschaften im Kanton Thurgau mit 6,12 % kapitalisiert
worden, wodurch das verdeckte Eigenkapital vollständig beseitigt worden sei. Alles in
allem habe sich für das Jahr 2012 ein Verkehrswert der Immobilien von ca. 35 Millionen
Franken ergeben, welcher in die Aktienbewertung eingeflossen sei. In derartigen Fällen
werde der Steuerpflichtige auf die gewählte Bewertungsmethode behaftet und diese
werde in der Regel während fünf Steuerperioden angewendet. Weiter sei zu bemerken,
dass die in der Einsprache vorgelegten Schätzungen des Kantons Thurgau im Jahr
2014 gemacht worden seien und somit für die Vermögenssteuer für 2012 nicht
angewendet werden könnten.
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Der Rekurrent macht geltend, für die Jahre 2012 und 2013 hätten noch keine amtlichen
Schätzungen vorgelegen, an denen sich die Verkehrswertermittlung hätte ausrichten
können. Es stelle keine pflichtgemässe Ermessensausübung dar, wenn angenommen
werde, die Liegenschaften hätten 2012 und 2013 einen exorbitant höheren Wert gehabt
als 2014, obwohl sich weder an Ausbau noch Nutzung irgendetwas geändert und auch
der Markt keine solchen gravierenden Einbrüche verzeichnet habe. Viel plausibler sei
es anzunehmen, der Verkehrswert 2012 und 2013 liege etwa in der Höhe der
Schätzung aus dem Jahr 2014. Aufgrund der Mindestbewertung zum Buchwert sei
indessen auf die höher als die geschätzten Verkehrswerte verbuchten Buchwerte von
insgesamt Fr. xxx.– abzustellen.
d) Nach Abs. 3.5 des Kreisschreibens Nr. 28 gilt bei Immobiliengesellschaften als
Unternehmenswert der Substanzwert (Ziff. 42). Unüberbaute und überbaute
Grundstücke von Immobilien-Gesellschaften werden zum Verkehrswert bewertet; wenn
dieser nicht bekannt ist zur amtlichen Schätzung oder zum kapitalisierten Ertragswert,
jedoch mindestens zum Buchwert. Falls Grundstücke zum Verkehrswert oder zum
Ertragswert bewertet werden oder die amtliche Schätzung dem Verkehrswert
entspricht, beträgt der Abzug für latente Steuern 15 %. Als Kapitalisierungssatz für
Mietzinserträge gilt – vorbehältlich kantonaler Regelungen – der um ein Prozentpunkt
erhöhte Zinssatz für Althypotheken im ersten Rang am Ende der für die Bewertung
massgebenden Steuerperiode.
Im vorliegenden Fall wurden die Grundstücke im Kanton Thurgau am 26. November
2014 neu geschätzt. Die Schätzung erfolgte im Rahmen einer Zwischenschätzung
gestützt auf die §§ 4 und 5 der Verordnung des Thurgauer Regierungsrates über die
Steuerschätzung der Grundstücke vom 24. November 1992 (640.12). Solche
Zwischenschätzungen können vom Eigentümer beantragt oder von Amtes wegen
vorgenommen werden. Aufgrund der Schätzungsmitteilungen lagen die früheren
Verkehrswerte im Bereich von 10 bis 20% der neu geschätzten Werte. Die
Zwischenschätzungen wurden somit offensichtlich aufgrund wesentlich veränderter
Verhältnisse vorgenommen. Bei dieser Sachlage geht das Argument der Vorinstanz
fehl, die im Jahr 2014 vorgenommenen Schätzungen seien für die
Vermögensveranlagungen 2012 nicht massgebend. Die Praxis wendet Schätzungen,
die aufgrund wesentlich veränderter Verhältnisse vorgenommen werden, regelmässig
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rückwirkend an. Daher ist im vorliegenden Fall nicht von einem Sachverhalt
auszugehen, bei dem im Sinne von Abs. 3.5 Rz 43 des Kreisschreibens Nr. 28 kein
Verkehrswert bekannt ist. Unerheblich ist im Weiteren, ob die
Verkehrswertschätzungen im Kanton Thurgau möglicherweise auf anderen Grundlagen
beruhen als bei einer Schätzung im Sitzkanton der Gesellschaft oder dem Wohnort des
Aktionärs. Die Bewertung von Grundstücken für die Vermögenssteuer ist in der
Schweiz nicht harmonisiert (Zweifel/Beusch [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen
Steuerrecht, 3. Aufl. 2017, N 5 der Vorbem. zu Art. 13 bis 14a StHG).
Zwar sieht Abs. 3 des Kreisschreibens Nr. 28 vor, dass der Verkehrswert von
nichtkotierten Wertpapieren in der Regel durch den Sitzkanton der zu bewertenden
Gesellschaft vorgenommen wird, und beim Fehlen eines Verkehrswertes ist die
amtliche Schätzung oder der kapitalisierte Ertragswert, jedoch mindestens der
Buchwert, heranzuziehen. Vorliegend bestanden Verkehrswertschätzungen des
Belegenheitskantons Thurgau (act. 6/I/d). Von diesen Schätzungen wich der Sitzkanton
Appenzell-Ausserrhoden ab, zumindest beim Verkehrswert. Er übernahm die
Verkehrswerte der Thurgauer Schätzungen nicht, sondern lediglich deren Mietwerte
und kapitalisierte diese mit einem Satz von 6,12 % (vgl. act. 6/III/b). Dies belegt im
Übrigen, dass die Vorinstanz widersprüchlich argumentiert, wenn sie behauptet, die
Schätzung 2014 sei für zurückliegende Perioden nicht anwendbar, und gleichwohl die
auf den Mietwerten der Schätzungen 2014 beruhenden Verkehrswerte übernimmt. Die
Vorinstanz begründet ihren Standpunkt mit der Argumentation der Gesellschaft im
Rahmen deren Veranlagung für die Gewinnsteuer in Appenzell-Ausserrhoden. Zu
diesen Veranlagungen finden sich aber nur eine Berechnung des verdeckten
Eigenkapitals sowie die Kapitalisierung der Erträge gemäss den Schätzungen des
Kantons Thurgau von 2014 und die Bewertungsformulare in den Akten (act. 6/III/a bis
d). Selbst wenn diesbezüglich also gleichsam ein Durchgriff auf die Aktiengesellschaft
vorgenommen würde, lässt sich die Argumentation der Vorinstanz aufgrund der
vorliegenden Akten nicht nachvollziehen.
Somit bleibt festzuhalten, dass bei der von der Vorinstanz übernommenen
Aktienbewertung des Kantons Appenzell-Ausserrhoden die thurgauischen
Schätzungen selektiv angewendet wurden, nämlich nur in Bezug auf die Mietwerte,
während die Verkehrswerte ausser Acht gelassen wurden. Das KS 28 sieht wie erwähnt
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vor, dass beim Fehlen eines Verkehrswertes Grundstücke einer Immobiliengesellschaft
zur amtlichen Schätzung oder zum kapitalisierten Ertragswert zu bewerten sind.
Weshalb im konkreten Fall von der amtlichen Schätzung nur der Mietwert, nicht aber
der Verkehrswert übernommen wurde, erschliesst sich aus den vorliegenden Akten
nicht. Das KS 28 gibt zwar der amtlichen Schätzung nicht den Vorzug gegenüber dem
kapitalisierten Ertragswert (gemeint ist damit der kapitalisierte Mietwert). Wenn aber die
amtliche Schätzung des Belegenheitskantons einen Verkehrswert ausweist, ist dieser
zu übernehmen und nicht auf der Grundlage eines Hilfswertes eine eigene Schätzung
vorzunehmen. Es ist zudem methodisch unzulässig, ohne stichhaltigen Gründe von
einer ausserkantonalen Schätzung nur jene Faktoren zu übernehmen, die zu einer
höheren Steuerbelastung führen, während die anderen Faktoren mit der Ablehnung
deren rückwirkenden Anwendung ausser Betracht gelassen werden.
e) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Grundstücke der e ag für die
Aktienbewertung mit den Verkehrswerten gemäss den Schätzungen des Kantons
Thurgau vom 26. November 2014 bzw. den Buchwerten zu bewerten sind und nicht
nach den kapitalisierten Erträgen. Dementsprechend ist der Rekurs gutzuheissen und
der angefochtene Einspracheentscheid vom 19. Januar 2017 aufzuheben. Die
Angelegenheit ist zur Neuveranlagung des Vermögens im Sinne der Erwägungen
gestützt auf Art. 56 VRP an die Vorinstanz zurückzuweisen. Aufgrund der nur teilweise
nachvollziehbaren Vermögensveranlagung (vgl. act. 6/II/c) ist eine Korrektur der
Veranlagung durch das Gericht nicht möglich.
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten zu Lasten des
Staates (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'000.– ist angemessen
(Art. 7 Ziff. 122 Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Dem Rekurrenten ist der
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 1'000.– zurückzuerstatten.
Der Rekurrent hat Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung (Art. 98 VRP).
Sein Vertreter hat keine Honorarnote eingereicht, weshalb die Entschädigung
ermessensweise festzusetzen ist (Art. 6 und 19 der Honorarordnung für Rechtsanwälte
und Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt: HonO). Im vorliegenden Fall ist eine
bis
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Entschädigung von Fr. 1'500.– zuzüglich 4% Barauslagen und Mehrwertsteuer
angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO).