Decision ID: d84c2640-f380-51d9-93a5-57a24c0a2f68
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, Jahrgang 1972, war
zuletzt von
Oktober 2002
bis
November 2015
als
Reisezugbegleiter International
respektive
seit Dezember 2016 als Kundenberater
bei der
Z._
AG tätig
(
Urk.
7/1
Ziff.
2.1,
Ziff.
2.7-2.8
,
Urk.
7/58
Ziff.
2.2)
. Unter Hinweis auf
eine schmerzhafte sensorische
S1
Radikulopathie bei einem Bandscheibenvorfall
L5
/
S1
mediolateral
links, welche seit einigen Jahren bestehe,
meldete er sich am
9.
März 2016
bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug an (
Urk.
7/
5
Ziff.
6.1)
. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und
teilte
dem Versicherten am
6.
Juni (
Urk.
7/23)
und
am
1
0.
Juni 2016 (
Urk.
7/27)
mit, dass
sie die
Kosten für Frühinterventionsmassnahmen in Form eines Ausbildungs
kurses
übernehmen werde. Mit Mitteilung vom 2
0.
Juni 2016
(
Urk.
7/32)
gewährte sie Kostengutsprache für Frühinterventionsmassnahmen in Form ei
nes Bewerbungs
coachings
sowie
mit Mitteilung vom 3
1.
Oktober 2016 (
Urk.
7/41)
Kostengut
sprache
für die Ausbildung zum Infomitarbeiter bei der
A._
.
Mit Schrei
ben vom 2
3.
November 2016 (
Urk.
7/45)
hielt sie sodann fest
, dass der Arbeits
platzerhalt erfolgreich abgeschlossen worden sei.
1.2
Mit Schreiben vom
7.
Februar 2018 meldete sich der Versicherte erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/48)
. Die IV-Stelle teilte dem Versicherten am 1
2.
Dezember 2018 (
Urk.
7/53) den Abschluss des
Arbeits
platzerhaltes
mit. Nach weiteren medizinischen und erwerblichen Abklärungen
(
Urk.
7/57,
Urk.
7/60,
Urk.
7/63,
Urk.
7/67,
Urk.
7/70-71
)
holte die IV-Stelle bei
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Rheumatologie und für Allgemeine Innere Medizin, und
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie
und Ps
y
chotherapie, ein
bidisziplinäres
Gutachten ein, welches am
7.
November 2019 erstattet wurde (
Urk.
7/79).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
7/84,
Urk.
7/97) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
4.
März 2020 einen Rentenanspruch (
Urk.
7/99 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am
5.
Mai 2020 Beschwerde gegen die Verfügung vom
4.
März 2020 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei die Be
schwerdegegnerin zu verpflichten, ihm rückwirkend per
1.
August
2018 eine Dreiviertelsrente, mindestens aber eine Viertelsrente
,
auszurichten. Eventuell sei die Sache
an die Beschwerdegegnerin
zwecks ergänzender A
bklärung des medi
zinischen Sach
verhalts
mittels polydisziplinärem Gutachten inklusive E
valuation
der funktionellen Leistungsfähigkeit (E
FL
)
zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-2). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
0.
Juni 2020 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 2
1.
Juli 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7,
Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen
Verfügung (
Urk.
2) davon aus, d
ie angestammte Tätigkeit als Zugbegleiter sowie auch die Tätigkeit am Info-Point sei dem Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht noch in einem Pensum von 50
%
zumutbar. Eine angepasste Tätigkeit sei ihm zu 80
%
zumutbar. Das Belastungsprofil beinhalte leichte, maximal intermittierend mittelschwere, strikt
rückenadaptierte und wechselbelastende Tätigkeiten, bei der alle mit einer Zwangs
haltung des Oberkörpers verbundene
n
Arbeiten ausgeschlossen seien. V
or der gesundheitlichen Einschränkung sei der Versicherte in einem 90%-Pensum tätig gewesen, weshalb der IV-Grad proportional auf das Pensum anzupassen sei. So
mit entstehe ein IV-Grad von 31
%
, womit kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe. Dem Versicherten sei eine angepasste Tätigkeit vollzeitig zumutbar mit einer Leistungsminderung von 20
%
. Die angepasste Tätigkeit sei zu 80
%
an
ge
rechnet worden und somit entfalle die Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzugs. Der Versicherte sei zwar langjährig bei der
Z._
tätig gewesen, mit 47
Jahren bestünden jedoch durchaus noch gute Chancen, eine Anstellung auf dem Arbeitsmarkt zu finden (S. 1-2).
2.2
Demgegenüber wandte der Beschwerdeführer im Wesentlichen ein (
Urk.
1)
, im Gesundheitsfall wäre er entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin ge
mäss Aktenlage zu 100
%
erwerbstätig. Bereits im Jahr 2011/2012 habe er sein
Pensum als Zugbegleiter bei der
Z._
aus gesundheitlichen Gründen auf 90
%
, dann auf 85
%
und ab 2013 auf 80
%
reduzieren müssen. Laut IK-Auszug habe er
als Zugbegleiter
im Jahr 2011 ein Jahreseinkommen von
Fr.
88'159.55 ver
dient. Dieses sei im konkreten Fall als Valideneinkommen anzunehmen (S.
6
Ziff.
1)
.
Es werde bestritten, dass er in einer angepassten Tätigkeit eine 80%ige Arbeitsfähigkeit realisieren könnte (S. 6
Ziff.
2). Der behandelnde Arzt attestiere ihm aktuell eine Restarbeitsfähigkeit von etwa 50
%
(S. 7
Ziff.
3).
Ferner
würden sich
der vermehrte Pausenbedarf und die medizinisch begründete Wechselbe
las
tung als zusätzliche Einsc
hränkungen lohnmindernd auswirk
en, was einen Lei
dens
abzug von mindestens 10
%
rechtfertige (S. 7
Ziff.
2). Unter Berücksich
ti
gung sämtlicher Umstände des konkreten Falles habe er rückwirkend ab
1.
August
2018 mindestens Anspruch auf eine Viertelsrente (S. 8
Ziff.
3
-4
).
Trotz akten
kundig neurologischer Befunde wie Radikulopathie, Schlafstörungen und Migräne
s
e
i er lediglich bidisziplinär in den Bereichen Rheumatologie und Psychiatrie begutachtet worden. In den IV-Akten fehle eine neurologische und neuropsycho
logische Abklärung, obwohl eine neurologische und neuropsychologische Unter
suchung im Februar 2017 in der Universitätsklinik
D._
aktenkundig sei und er auch aktuell täglich das ärztlich verordnete
Gabapentin
einnehmen müsse. Die Beschwerdegegnerin habe somit den medizinisch-erwerblichen Sachverhalt nicht rechtsgenügend abgeklärt (S. 8-9
Ziff.
5). Des Weiteren würden in den IV-Akten auch neue bildgebende Befunde fehlen (S. 9
Ziff.
7).
2.3
Streitig und zu prüfen ist
, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Invali
den
rente hat und ob der Sachverhalt
diesbezüglich
rechtsgenüglich abgeklärt wurde.
3.
3.1
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte in seinem
am 1
9.
Mai 2016 bei der IV-Stelle eingegangenen Bericht (
Urk.
7/20/1-6) aus, dass
er den Versicherten seit 2
1.
Oktober 1999 ambulant behandle (
Ziff.
1.2), und nannte
die folgenden Diagnosen (
Ziff.
1.1):
-
Status nach mikrochirurgischer
Sequestrektomie
L5
/
S1
links vom 1
8.
November 2015
-
immobilisierendes lumbovertebrales Schmerzsyndrom mit/bei:
-
Massen-Prolaps L5/S1 median bis links paramedian reichend
-
chronischem
Lumbovertebralsyndrom
bei
subligamentärer
Diskus
her
nie L5/S1, Erstdiagnose (ED im Januar 2006
)
Wegen Schlägen beim fahrenden Zug sei die Arbeit im Zug nicht mehr möglich, Büroarbeit sei jedoch möglich (
Ziff.
1.6). Die bisherige Tätigkeit sei aus medizi
nischer Sicht nicht mehr zumutbar, eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei seit dem 1
4.
März 2016 zu 100
%
möglich (
Ziff.
1.7).
3.2
Die Ärzte der Universitätsklinik
D._
, Zentrum für Paraplegie, berichteten am
3.
Februar 2017 über die gleichentags erfolgte neurologische und neurophysio
logische
Untersuchung (
Urk.
7/60/24-25)
und nannten die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
Status nach mikrochirurgischer
Sequestrektomie
L5
/
S1
links
vom 1
8.
November 2015 mit/bei:
-
Neurophysiologie (Februar 2017): keine Hinweise auf akute
floride
Radikulopathie in den Segmenten L4-S1 auf der linken Seite
-
schmerzhaft sensorischer
S1
Radikulopathie links bei
-
Bandscheibenvorfall
L5
/
S1
mediolateral
links
In der klinisch-neurologischen und neurophysiologischen Untersuchung hätten sich neurologisch keine Hinweise auf eine radikuläre Ausfallsymptomatik im Bereich des S1-Dermatoms links gezeigt. Allerdings hätten Schmerzen in dem Bereich, ausstrahlend vom Gesäss und vom Rücken
,
bestanden. Nadel-elektro
myo
graphisch hätten sich in der untersuchten L4, L5 und S1-Kennmuskulatur auf der linken Seite keine Hinweise auf eine akute
floride
Radikulopathie gezeigt. Es fänden sich weiterhin keine Hinweise auf einen chronisch neurogenen Schaden (S. 2).
3.3
Die Fachpersonen des Universitätsspitals
F._
, Klinik für
Konsiliarpsychiatrie
und Psychosomatik,
nannten im Bericht vom
5.
Oktober 2018 über das gleichen
tags erfolgte Erstgespräch (
Urk.
7/70/7-9) die folgende Diagnose (S. 1):
-
Verdacht auf chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychi
schen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
depressive Störung, aktuell mittelgradige Episode (ICD-10 F32.1)
Beim Patienten mit vorbeschriebenem
lumboradikulären
Schmerzsyndrom
S1
links (Erstmanifestation 2007) bestünden Hinweise auf eine depressive Sympto
matik in Form von Stimmungsminderung, Interessen- und Motivationsverlust, sozialem Rückzug, Zukunftsängsten, Reizbarkeit und innerer Unruhe sowie Zu
kunftsängsten in finanzieller und beruflicher Hinsicht und starke Schmerzfo
kussie
rung und -
vermeidungstendenz
(S. 1 oben).
3.4
Am 1
9.
November 2018 berichteten die Ärzte des Universitätsspital
s
F._
, Klinik für Rheumatologie, über die Hospitalisation vom
6.
bis 2
0.
November 2018
im Rahmen der Schmerzkomplextherapie
(
Urk.
7/57/2-4) und nannten die folgen
den, hier verkürz
t aufgeführten Diagnosen (S. 1-2
):
-
chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom
-
Differenzialdiagnose (DD)
Piriformissyndrom
, DD intermittierend
lumboradikuläres
Schmerzsyndrom L5/S1 links
-
Klinik: Haltungsinsuffizienz,
myofasziale
Befunde, betont Beckenkamm und Hüftadduktoren
-
Bildgebung: MRI LWS vom 2
6.
September
2018
: Osteochondrose LWK 4/5 mit vorwiegend fettigen Bodenplatten-Veränderungen LWK5 mit kleiner aktivierter Komponente links anterior.
Anulusriss
dorsal und basal LWK4/
5.
Linksbetonte Facettengelenksarthrose mit
Ligflavum
-Hyperplasie und Tangierung der L5 Nervenwurzel am Eingang zum linken
Neuroforamen
-
konvenionell
-radiologisch: Keine wesentlichen degenerativen Veränderungen
-
Status nach mikrochirurgischer
Sequestrektomie
L5
/
S1
links 2015
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4; ED Oktober 2018)
-
Verdacht auf Dermatitis
seborrhoica
im Gesichts- und Kopfhautbereich
Klinisch seien vor allem
myofasziale
Befunde und eine Haltungsinsuffizienz auf
gefallen. Bereits vor der Hospitalisation sei der Patient psychiatrisc
h
beurteilt worden, wobei hier der Verdacht auf eine chronische Schmerzstörung und depres
sive Episode gestellt worden sei. Aktuell hätten sich in einem erneuten psychia
trischen Gespräch keine Hinweise auf eine depressive Episode mehr gezeigt, eher auf eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Der Patient habe sich gegen
über dem Einbezug psychologischer Faktoren in sein Krankheitsmodell nur partiell offen gezeigt, sei jedoch insgesamt sehr therapiemotiviert gewesen. Zur Schmerzdistanzierung sei gemäss Empfehlung der Neurologen eine Therapie mit
Gabapentin
begonnen worden. Diese sei vom Patienten gut vertragen worden und habe zur Besserung
der Schmerzausstrahlung in die Beine geführt. Der stationäre Verlauf habe sich als erfreulich erwiesen. Hierbei habe eine Schmerzreduktion von VAS 9/10 auf 5-6/10 und eine deutliche Verbesserung der Gehstrecke im 6-Minuten
Gehtest
erzielt werden können. Die Arbeitsfähigkeit sei langsam zu steigern. Eine Arbeit mit wechselnden Positionen und häufigem Gehen (bezie
hungs
weise Vermeiden von längerem Sitzen oder Stehen) wäre für den Patienten ideal. Ihm sei eine Arbeitsunfähigkeit von 70
%
für die ersten zwei Dezember
wochen ausgestellt worden (S. 2).
3.5
Dr.
E._
(vorstehend E.
3.1
) nannte in seinem Bericht vom
6.
April
2019 (
Urk.
7/67/2-5) blockierende Rückenschmerzen als Funktionseinschränkungen (
Ziff.
3.4). Die Prognose sei ungünstig (
Ziff.
2.7). Die Bürotätigkeit, welche der Beschwerdeführer derzeit ausführe (vgl.
Ziff.
3.1), sei
ihm
1-3 Stunden pro Tag zumutbar (
Ziff.
4.1-4.2).
In einem weiteren
Bericht, welcher am 2
0.
Juni 2019 bei der IV-Stelle einge
gan
gen ist (
Urk.
7/71/1-3)
,
nannte
Dr.
E._
eine mitteschwere depressive Episode als funktionelle Einschränkung. Die körperliche Belastbarkeit sei schlechter ge
worden
,
und
es
sei zu einer vermehrten Ausstrahlung der Schmerzen L4/L5 und L5/S1 links betont gekommen (
Ziff.
1.3). Die bisherige beziehungsweise eine an
gepasste Tätigkeit sei aufgrund der Verschlechterung und Zunahme der Schmerze
n 2.5 Stunden pro Tag zumutbar (
Ziff.
2.1).
3.6
3.6
.1
Dr.
med.
B._
,
Fachärztin für Rheumatologie und für Allgemeine Innere Medizin, und
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie,
erstatteten am
7.
November 2019 ein
bidisziplinäres
Gutachten im Auftrag der Bes
chwerdegegnerin (
Urk.
7/79
).
Sie stützten sich auf die ihnen über
lassenen Akten (
Urk.
7/
79/1-45 S. 4-27
,
Urk.
7/79/46-54 S. 1-2
), die Angaben des
Beschwerde
führers (
Urk.
7/79
/1-45
S. 27 ff.
,
Urk.
7/79/46-54 S. 2 ff.
) und ihre am
2
2.
Oktober und am
6.
November
2019
in den Disziplinen
Rheumatologie
(
Urk.
7/79/1-45) und Psychiatrie (
Urk.
7/79/46-54) erhobenen Befunde. Sie nannten
die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
7/79/55-62
S. 4
):
-
chronisches lumbales Schmerzsyndrom mit am ehesten
pseudorad
i
kulärer
Ausstrahlung links mit/bei
:
-
DD
Piriformissyndrom
, D
D intermittierend
lumbo-radikulä
res
Schmerzsyndrom (L5) oder S1 links
-
MRI LWS vom 2
6.
September
2018: Osteochondrose
LWK5
/
SWK1
Modic
I-II, linksbetonte
Fazettengelenksarthrose
mit Ligamentum
flavum
-Hyperplasie und Tangierung der L5-Nervenwurzel am Eingang zum linken
Foramen
-
konventionell-radiologisch gemäss Akten keine wesentlichen degenerativen Veränderungen
-
Status nach mikrochirurgischer
Sequestektomie
L5
/
S1
links 2015
-
August 2016:
periradikuläre
Infiltration
S1
links ohne
jegliche Wirkung
-
Februar 2017:
S1-Wurzel-Infiltration ohne Wirkung bis 1 Woche n
ach Infiltration
-
Juli 2018:
Ultiva
-Test
i.v.
positiv 30
%
-
Juli 2018:
Lidocain
-Test
i.v.
negativ
-
Juni 2018:
Ketamin
-Test schwach positiv
-
Mai 2018: Diagnostische Wurzelblockade S1 links negativ
-
Mai 2018: Diagnostische Wurzelblockade S1 links partiell positiv
3.6
.2
In rheumatologischer Hinsicht (
Urk.
7/
79/1-45)
sei klinisch wie bereits anlässlich des stationären Aufenthalts im Universitätsspital
F._
im Jahr
2018 vor allem
eine muskuläre Komponente im Beckengürtel linksbetont, aber auch im Schulter
gürtel aufgefallen. Aktuell lasse sich kein sicheres sensomotorisches Ausfallsyn
drom feststellen. Die Muskelkraft sei in allen Kennmuskeln voll erhalten, der Zehenspitzen- und Fersengang, wie auch der
Einbeinstand
seien beidseitig sicher möglich.
Neu finde sich eine Verminderung der Berührungssensibilität der linken Gesichtshälfte, des linksseitigen Thorax und des gesamten linken Beines.
Eine Störung, die organisch nicht zu erklären sei, ausser als Residuum einer zerebralen
Durchblutungsstörung, wofür sich sonst keine Hinweise fänden (negativer
Babinski
, gute Muskelkraft). Das Untersuchungsresultat sei nicht ganz eindeutig, eine radikuläre Reizproblematik wäre aber durchaus möglich, wobei diese in der letzten durchgeführten MRT-Untersuchung kein anatomisches Korrelat finde, ausser der Narbenbildung nach
Hemilaminektomie
, welche durchaus zu Nerven
wurzelirritationen führen könne. Es dürfte dann aber eigentlich ein klares An
sprechen auf
periradikuläre
Infiltrationen dieser Wurzel erwartet werden, was beim Versicherten nicht der Fall gewesen sei. Aufgrund der Untersuchungsbe
funde werde in Übereinstimmung mit der Beurteilung durch die Rheumatologie
des Universitätsspitals
F._
eher davon ausgegangen, dass die Schmerzaus
strahlungen aktuell vorwiegend
pseudoradikulär
,
muskulotendinös
bedingt seien, eine intermittierende radikuläre Reizkomponente
S1
links könne jedoch nicht ganz ausgeschlossen werden
(S. 40-41
Ziff.
7.1). Aufgrund der degenerativen
Veränderungen des lumbalen Achsenskelettes sei dieses minderbelastbar. Die nicht
ganz auszuschliessende intermittierende radikuläre Reizproblematik bedinge zu
dem einen e
rhöhten Pausenbedarf, das heiss
e
eine Reduktion der Leistungs
fähig
keit (S. 41
Ziff.
7.2). Die Beschwerden würden vom Versicherten über mehrer
e Jahre konstant geschildert und
sich durch alle Lebensbereiche
ziehen
und hätten Auswirkung
en
auf seine Berufstätigkeit
,
aber auch im Privatleben gehabt. Aller
dings seien die vom Versicherten angegebenen sehr hohen Schmerzintensitäten aus rheumatologischer Sicht aufgrund der zu erhebenden Befunde nur schwierig nachzuvollziehen
(S. 42
Ziff.
7.5).
Sowohl die Arbeit als Zugbegleiter wie auch die Arbeit am Info-Point seien rheu
matologisch nicht angepasst und könnten dem Versicherten nur sehr reduziert (2x2 Stunden täglich mit einer mindestens einstündigen Unterbrechung) zuge
mutet werden. Dies ab drei Monate
n
nach der Operation
am 1
8.
November 2015,
mithin
seit Ende Februar 2016 (S. 43
Ziff.
8.1). Seit Ende Februar 2016 (drei
Monate postoperativ) wären dem Versicherten aus rheumatologischer Sicht leichte
, maximal intermittierend mittelschwere, strikt rückenadaptierte, wechselbe
lasten
de Tätigkeiten, bei der alle Arbeiten, die mit einer Zwangshaltung des Oberkörpers verbunden seien, ausgeschlossen seien, zu 80
%
zumutbar. Infolge der nicht ganz
auszuschliessenden radikulären Komponente bestehe auch in adaptierter Tätigkeit ein erhöhter Pausenbedarf. Kürzere Teil- und vollständige Arbeitsunfähigkeiten aufgrund von
Schmerzexazerbationen
könnten aus rheumatologischer Sicht auch bei adaptierter Tätigkeit in Zukunft nicht ganz ausgeschlossen werden (S. 43-44
Ziff.
8.2).
3.6
.3
Im psychiatrischen Teilgutachten
(
Urk.
7/79/46-54)
wurde festgehalten, dass es bezüglich einer depressiven Störung einer dauerhaften gedrückten Stimmung mit
Interessenverlust, Rückzug
und Energielosigkeit bedürfe. D
iese könne beim Exp
lo
randen allerdings nicht bestätigt werden, er verneine
,
unter einer dauerhaft ge
drückten Stimmung zu leiden. Er könne durchaus Freude empfinden und ver
suche, sich mit der Situation abzufinden. Es bestehe nicht eine ausgesprochene Interessenlosigkeit. Es
gelinge
ihm, Interessen nachzugehen, indem er lese und sich informiere. Soziale Kontakte pflege er schon seit Jahren praktisch keine, mit Ausnahme des engsten Familienkreises. In diesem Sinne müsse daher von einer Remission der depressiven Störung ausgegangen werden.
Es sei denkbar, dass er teilweise mit affektiven Schwankungen reagiert habe, als die Zukunftsaussichten unklar und insbesondere die Arbeitssituation schwierig geworden seien.
Eine Schmerzstörung mit körperlichen und psychischen Faktoren werde heute gemein
hin angenommen, sobald ein länger dauernder Schmerzzustand vorliege, der wenig beeinflussbar sei. Es finde sich aus psychiatrischer Sicht ein nicht ganz unauffälliger Explorand, wobei möglich akzentuierte zwanghafte Züge angenom
men werden könnten. Das Ausmass einer Persönlichkeitsstörung sei nicht erfüllt. Er sche
i
n
e
aufgrund seiner Persönlichkeitszüge nie wesentliche Schwierigkeiten im beruflichen Bereich gehabt und sich nie inadäquat verhalten zu haben. Auf
grund des psychischen Zustands bestünden keine Beeinträchtigungen im Alltag (S. 6-7
Ziff.
6). Der Explorand sei in der Lage, sein Leben weitgehend selbständig zu gestalten, ohne wesentliche Hilfen (S. 8
Ziff.
7.1). Er besuche keine psychiatri
schen Massnahmen
. Er habe einige Zeit in psychosomatischer Beratung gestan
den, wobei keine eigentlichen Therapiemassnahmen stattgefunden h
ätten
. Es werde
empfohlen, nochmals verhaltenstherapeutische Massnahmen in Angriff zu neh
m
en, insbesondere um den Umgang mit den Beschwerden zu verbessern (S. 8
Ziff.
7.2, S. 9
Ziff.
8).
Subjektiv fühle sich der Explorand nicht mehr in der Lage, die Tätigkeit als Zugbegleiter durchzuführen. Diese müsse vorwiegend aus somatischer Sicht beurteilt werden. Aufgrund des psychischen Zustands sollte eine körperlich nicht zu belastende Tätigkeit möglich sein, das heiss
e
jede leichte bis mittelschwere Tätigkeit
sei
grundsätzlich vollumfänglich möglich. Aus psychiatrischer Sicht sei ihm nie eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert worden (S. 9
Ziff.
8).
3.6
.4
Aus gesamtmedizinischer Sicht
(
Urk.
7/79/55-62) seien s
owohl die Arbeit als Zugbegleiter wie auch die Arbeit am Info-Point
nicht angepasst und könnten dem Versicherte
nur sehr reduziert (2x2 Stunden täglich mit einer mindestens ein
stündigen Unterbrechung) zugemutet werden
.
Dies ab drei Monate
n
nach der Operation am 1
8.
November 2015, das heiss
e
seit En
de Februar 2016 (S. 7
Ziff.
4.7
)
.
Seit Ende Februar 2016 (drei Monate postoperativ) wären dem Versi
cherten aus rheumatologischer Sicht leichte, maximal intermittierend mittel
schwere, strikt rückenadaptierte, wechselbelastende Tätigkeiten, bei der alle Arbeiten, die mit einer Zwangshaltung des Oberkörpers verbunden seien, ausge
schlossen seien, zu 80
%
zumutbar. Infolge der nicht ganz auszuschliessenden radikulären Komponente bestehe auch in adaptierter Täti
gkeit ein erhöhter Pausenbedarf (S. 7
Ziff.
4.8). Sinnvoll wäre die Durchführung von psycho
so
ma
tisch orientierten Gesprächen, insbesondere verhaltenstherapeutischen Mass
nah
men, um einen geeigneten Umgang mit den Beschwerden zu finden. Medika
men
töse Massnahmen seien in der Vergangenheit verschiedentlich durchgeführt worden, ohne dass ein subjektiver Erfolg habe erreicht werden können. Eine Verbes
se
rung der Arbeitsfähigkeit sei aus rheumatologischer Sicht durch medi
zinische Massnahmen oder Therapien nicht erreichbar (S. 8
Ziff.
4.10).
3.7
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato
logie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), nahm am 2
0.
November 2019 Stellung zum medizinischen Sachverhalt (
Urk.
7/81 S. 8-9) und hielt fest, dass die Gut
achter nach ausführlicher fachspezifischer Diskussion in einer interdisziplinären Zusammenfassung zu plausiblen Diagnosen und nachvollziehbaren Schlussfol
gerung
en
hinsichtlich der bestehenden Leistungsfähigkeit des Versicherten gekommen seien. Auf das bidisziplinäre
Gutachten (vgl. vorstehend E. 3.6)
könne somit abgestellt werden. In der bisherigen Tätigkeit bestehe seit Ende Februar 2016 eine etwa 50%ige Arbeitsfähigkeit (2x2 Stunden pro Tag mit mindestens einer Stunde Pause dazwischen). In einer angepassten Tätigkeit bestehe seit Ende Februar 2016 durchgehend eine 80%ige Arbeitsfähigkeit (vollschichtig mit einer Leistungsminderung von 20
%
; S. 9).
3.8
Für die Beurteilung der Gesetzmässigkeit der angefochtenen Verfügung oder des Einspracheentscheides ist für das Sozialversicherungsgericht in der Regel der Sachverhalt massgebend, der zur Zeit des Erlasses des angefochtenen Verwal
tungsaktes gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung bilden (BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweis). Sie können indessen, unter Wahrung des rechtlichen Gehörs, berücksichtigt werden, wenn sie kurze Zeit nach dem Erlass des angefochtenen Entscheids eingetreten sind, sich ihre Beachtung aus
prozessökonomischen Gründen unbedingt aufdrängt und sie hinreichend klar feststehen (BGE 105 V 156 E. 2d; ZAK 1984 S. 349 E. 1b). Dies ist der Fall, wenn sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beeinflussen (BGE 99 V 98 E. 4 mit Hinweisen).
Diese Voraussetzungen sind hinsichtlich des im Rahmen des Beschwerde
verfah
rens eingereichten Berichtes von
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumatologie, vom 2
4.
April 2020 (
Urk.
3/3)
erfüllt, weshalb dieser vorliegend berücksichtigt werden kann.
3.9
Dr.
H._
(vorstehend E. 3.8)
hielt
im Bericht vom 2
4.
April 2020 (
Urk.
3/3)
fest, dass er den Patienten das erste Mal am 2
5.
März 2020 in seiner ambulanten
fachärztlichen rheumatologischen Sprechstunde gesehen und untersucht habe (S.
1).
Er könne in seiner Untersuchung aufgrund der erhobenen Befunde die Diagnose eines chronische
n
lumbo-pseudoradikulären
Schmer
z
syndroms links im Bereiche des
Dermatoms
L5
und
S1
bei Status nach mikrochirurgisch erfolgter Wurzeldekompression links eines Massenprolapses L5/S1 bestätigen.
Der Patient leide aktuell immer noch, insbesondere bei körperlicher Belastung, wie auch bei längerem Sitzen oder Verharren in gleicher Position an rezidivierenden tieflum
balen Rückenschmerzen mit Ausstrahlung ins linke Bein, wobei er die Schmerz
ausstrahlung ziemlich genau im S1-Dermatom links angebe, ebenfalls hier ver
bunden mit Angaben einer Hypästhesie
. Andere neurologische Ausfälle, insbe
son
dere Paresen, seien in der aktuellen Untersuchung nicht nachweisbar, die Reflexe seien symmetrisch, der Patellarsehnenreflex auslösbar. Beide Achillesseh
nenreflexe wie auch der
Tibialis
anterior-Reflex beidseits seien nicht auszulösen. Muskelatrophien distal des Beckens wie auch im Bereich der unteren Rücken
partien seien nicht nachweisbar. Die Operationsnarbe, obwohl beim Palpieren vom Patienten als schmerzhaft empfunden, erscheine reizlos. Er gehe mit der Beurteilung der Gutachterin
Dr.
B._
einig, dass sämtliche bisher durchge
führten konservativen therapeutischen Massnahmen ausgeschöpft seien. Eben
falls sei er der Meinung, dass eine neue operative Intervention in dieser Situation nichts bringen würde (S. 2). Die angestammte Tätigkeit als Zugbegleiter
Z._
sei dem Patienten seit November 2015 nicht mehr zumutbar. Diese Einschätzung decke sich in etwa mit der Arbeitsfähigkeitseinschätzung
im
bidisziplinären
Gut
achten
. Bereits seit 2011/2012 sei ihm jedoch diese körperlich schwere Tätigkeit aufgrund der ausgewiesenen rheumatologischen Beschwerden im Bewegungs
apparat mit Ausstrahlung ins linke Bein wegen der ausschliesslich stehenden
Arbeit und den ruckelnden, insbesondere Seitwärtsbewegungen des Zuges, welche
sich auf den Rücken des Patienten übertr
a
gen
hätten
, nur eingeschränkt zu
mut
bar (zirka
80
%
; S. 3
Ziff.
1). Die leidensangepasste Tätigkeit als Kunden
berater am Infopoint, welche der Patient im Rahmen von Eingliede
rungs
mass
nahmen bei der
Z._
2016/2017 ausgeführt habe, seien ihm seit Oktober 2017 nicht mehr zumutbar. Diese Einschätzung decke sich in etwa mit der Ein
schät
zung im
bidis
ziplinären
Gutachten (S. 3
Ziff.
2). Die Arbeitsfähigkeit des Patien
ten in wechsel
belastender körperlich leichter Tätigkeit mit zusätzlichem Pausen
bedarf schätze er aktuell aufgrund der fortgeschrittenen Chronifizierung auf zirka 50
%
. Mittel- bis langfristig könne wohl, nach erfolgreich durchgeführter erweiterter Therapie, bei einer optimalen Arbeit eine Erwerbsfähigkeit von 60-70
%
erreicht werden
. Eine optimale Arbeitsstelle in der aktuell geschätzten Arbeitsfähigkeit von zirka 50
%
müsste Folgendes beinhalten: die Möglichkeit, alle 15 Minuten
seine Posi
tion wechseln zu dürf
en (stehend, sitzend, wenige Schritte laufen, Pausen mit Liegemöglichkeit), ohne Treppensteigen oder Besteigen von Leitern, ohne Tragen von Lasten über 2 kg und ohne Tätigkeiten mit Zwangshaltung des Oberkörpers (S. 3
Ziff.
3).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verf
ügung (
Urk.
2) gestützt auf das bidisziplinäre Gutachten vo
m November 2019 (vorstehend E. 3.6
) sowie die Stellungnahm
e des RAD vom November 2019 (vorstehend E. 3.7
) davon aus, die bisherige Tätigkeit als Zugbegleiter sowie auch die Tätigkeit am Info-Point sei
en
dem Beschwerdeführer noch in einem Pensum von 50
%
zumutbar
.
Eine dem Leiden angepasste Tätigkeit s
ei ihm zu 80
%
zumutbar (vgl. vorstehend E.
2.1). Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend, gestützt auf die Beurteilung des behandelnden Arztes sei er in einer angepassten Tätigkeit ledig
lich zu 50
%
arbeitsfähig, weshalb ihm rückwirkend per
1.
August 2018 eine Dreiviertelsrente, mindestens jedoch eine Viertelsrente, zustehe (vgl. vorstehend E. 2.2).
4.2
In psychiatrischer Hinsicht konnten im
bidisziplinären
Gutachten vom November 2019
(vgl. vor
stehend E. 3.6.3
) keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit festgestellt werden. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit wurden eine mögliche Schmerzstörung mit körperlichen und psychi
schen Faktoren (ICD-10 F45.41), ein Status nach einer möglichen depressiven Episode, remittiert (ICD-10 F32)
,
sowie eine akzentuierte zwanghafte Persön
lichkeit genannt
(
Urk.
7/79/46-54 S. 7
Ziff.
6 unten)
.
Der Gutachter hat sich bei seiner Beurteilung an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehal
ten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägige
n Indika
to
ren (vorstehend E. 1.3-1.4
) eingeschätzt.
Er legte nachvollziehbar dar, dass die für die Diagnose einer depressiven Störung erforderlichen Kriterien, insbesondere eine dauerhaft gedrückte Stimmung mit Interessenverlust, Rückzug und Energie
losigkeit beim Beschwerdeführer aktuell nicht vorliegen. Die Aussagen des Beschwerdeführers zu seinem Tagesablauf legen nahe, dass er durchaus in der Lage ist, Freude zu empfinden, Interessen nachzugehen und soziale Kontakte zu pfle
gen. Auch die anlässlich der Begutachtung festgestellten akzentuierten zwang
haften Persönlichkeitszüge, welche das Ausmass einer Persönlichke
itsstörung jedoch nicht erreich
en, vermögen nachvollziehbar keine Auswirkungen auf seine Leistungsfähigkeit zu zeitigen. So ist der Beschwerdeführer insbesondere in der Lage, Termine wahrzunehmen, Aufgaben zu strukturieren und sich verschiedenen Begebenheiten anzupassen. Auch seine bisherige Erwerbsbiografie lässt auf keine wesentlichen Beeinträchtigungen
im Zusammenhang mit den erwähnten akzen
tu
ierten Persönlichkeitszügen
schliessen.
Unter Würdigung seiner Schilderungen zum Tagesablauf lassen sich keine wes
entlichen Einschränkungen in der Alltagsbewältigung erkennen. Er meistert seine
n Alltag selbständig und ist in der Lage, seine Freizeit zu gestalten, soziale Kontakte zu pflegen sowie Reisen zu tätigen (vgl. auch
Urk.
7/79/1-45 S. 33). Auch hin
sichtlich der vom Gutachter genannten möglichen Schmerzstörung mit körper
lichen und psychischen Faktoren lässt sich demzufolge keine wesentliche Beein
trächtigung seines sozialen Funktionsniveaus feststellen. Der Umstand, dass der Gutachter verhaltenstherapeutische Massnahmen für einen geeigneten Umgang mit den Beschwerden als sinnvoll erachtete, lässt sodann nicht auch auf das Vorliegen einer psychischen Erkrankung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit schliessen. Zudem wurde dem Beschwerdeführer bis anhin nie eine Arbeitsun
fähigkeit
aus psychiatrischer Sicht
attestiert. Nach dem Gesagten ist
keine im invalidenversicherungsrechtlichen Sinne hinreichende funktionelle Leistungs
ein
schränkung mit überwiegender Wah
rscheinlichkeit ausgewiesen.
Im Rahmen des
beweiswertigen fachärztlichen Gutachtens wurde eine Arbeitsunfähigkeit in ange
passter Tätigkeit
aus psychiatrischer Sicht somit in
nachvollziehbar begründeter Weise verneint.
4.3
In somatischer Hinsicht
(vgl. vorstehend E. 3.6.
1 und 3.6.
2
) wurde ein chronisches lumbales Schmerzsyndrom mit am ehesten
pseudoradikulärer
Ausstrahlung links mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostiziert. Anlässlich der klinischen Untersuchung fiel der Gutachterin vor allem eine muskuläre Komponente im
Beckengürtel linksbetont, aber auch im Schultergürtel auf. Ein sicheres sensomo
torisches Ausfallsyndrom liess sich aktuell nicht feststellen. Eine radikuläre Reiz
problematik erachtete sie aufgrund des nicht ganz eindeutigen Untersuchungs
resultats jedoch als möglich, wobei sich in der letzten MRT-Untersuchung diesbe
züglich kein anatomisches Korrelat finden liess.
Gestützt auf die eingehende klinische Untersuchung und in Würdigung der Vorakten
gelangte sie in nach
vollziehbarer Weise zum Schluss, dass die Schmerzausstrahlungen aktuell vor
wiegend
pseudoradikulär
,
muskulotendinös
bedingt seien.
Ihre Beurteilung
deckt sich
dabei
weitgehend mit der Einschätzung der behandelnden Ärzte des Univer
sitätsspitals
F._
vo
m November 2018 (vorstehend E. 3.4
), welchen klinisch
vor allem
myofasziale
Befunde und eine Haltungsinsuffizienz
auffielen.
Auch
der
beh
andelnde Rheumatologe
Dr.
H._
bestätigte
in seinem
im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichten Bericht
vom April 2020 (vorstehend E. 3.9
) explizit die Diagnose eines chronische
n
lumbo-pseudoradikulären
Schmerzsyn
droms links im Bereiche des
Dermatoms
L5
und
S1
und veranlasste diesbezüglich
keine n
eue MRT-Untersuchung.
Die
nicht
ganz
auszuschliessende radikuläre Komponente
berücksichtigte die Gut
achterin
sodann
bei der
dem Beschwerdeführer
attestierten
80%igen Leistungs
fähigkeit
in angepasster Tätigkeit
.
Gemäss Gutachterin bedinge diese einen er
höh
ten Pausenbedarf
und damit
eine Reduktion der Leistungsfähigkeit.
Die
20%ige Leistungsreduktion
wurde dem Beschwerdeführer somit
infolge des er
höhten Pausenbedarfs attestiert. Daher ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwer
de
gegnerin gestützt auf das Gutachten und die Stellungnahme des RAD-Arztes (vorstehend E. 3.7) von
eine
r
80%ige Arbeitsfähigkeit (vollschichtig mit einer
Leistungsminderung von 20
%
) in angepassten Tätigkeiten
ausging. Auch das von
den Gutachtern genannte Belastungsprofil, welches insbesondere strikt rücken
ada
ptierte Tätigkeiten beinhaltet, erweist
sich in Anbetracht der geklagten Be
schwerden und relevanten Befunde als umfassend dargelegt und schlüssig be
gründet.
4.4
Nach dem Gesagten
wurde die nicht ganz auszuschliessende intermittierende radikuläre Reizproblematik in der medizinischen Beurteilung des Gesundheitszu
stands des Beschwerdeführers vollumfänglich berücksichtigt
und es ist
nicht zu beanstanden, dass die Gutachter auf
zusätzliche bildgebe
nde Abklärungen ver
zich
teten
(vgl.
Urk.
1 S. 9
Ziff.
7). Im Übrigen ist es gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung grundsätzlich den Gutachterpersonen überlassen, über Art und Umfang der aufgrund der konkreten Fragestellung erforderlichen Untersu
chun
gen zu befinden (Urteil des Bundesgerichts 8C_827/2018 vom 1
0.
April
2019 E.
6.2.1).
Auch von
weiteren neurologischen respektive neurophysiologischen
Abklärungen (vgl.
Urk.
1 S. 8-9
Ziff.
5) wären
diesbezüglich
k
eine neuen Erkennt
nisse zu erwarten.
Anlässlich
der einmalig erfolgten klinisch-neurologischen und neurophysiologischen Untersuchung vom
3.
Februar
2017 (vorstehend E.
3.2
) fanden sich neurologisch keine Hinweise auf eine radikuläre Ausfallsymptomatik im
Bereich des S1-Dermatoms links oder einen chronisch neurogenen Schaden.
Nadel-elektromyographisch fanden sich auch keine Hinweise auf eine akute
floride
Radikulopathi
e. Hinsichtlich d
er geklagten Migränebeschwerden gab der Beschwerdeführer an, diese mit den ihm zur Verfügung stehenden Schmerz
mitteln wegzubringen (vgl.
Urk.
7/79/1-45
S. 30).
Soweit ersichtlich steht der Beschwerdeführer auch nicht in fachärztlicher
neurologischer
Behandlung.
Den Gutachtern lagen somit
alle relevanten medizinischen Akten für eine fundierte Befunderhebung und Diagnostik vor
.
4.5
Die Berichte der
behandelnden
Ärzte (vorstehend E.
3.5 und E. 3.9
) vermögen
die gutachterliche Einschätzung
indes
nicht in Zweifel zu ziehen
.
Dass
Dr.
H._
im Bericht vom
April 2020 (vorstehend E. 3.9
) e
ine dem Leiden optimal angepasste Tätig
keit als
aktuell
lediglich
zu zirka 50
%
zumutbar erachtete, le
uchtet in Anbetracht der von ihm
festgestellten Funktionseinschränk
ungen und mangels einer entspre
chenden Begründung nicht ein
.
In Bezug auf Berichte von Haus
ärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen bezie
hungsweise Therapiekräften is
t ferner auf die Erfahrungstats
ache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE
135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
4.6
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das bidisziplinäre Gutachten vom Novem
ber 2019
(vorstehend E. 3.6
)
sämtliche Anforderungen an den Beweiswert medizi
nischer Berichte im Sinne der Rechts
prechung (vgl. vorstehend E. 1.5-1.6
) erfüllt
.
Der medizinische Sachverhalt ist dahingehend erstellt,
dass
der Beschwerdeführer
seit
Ende Februar 2016 in den bisherigen Tätigkeiten zu etwa 50
%
arbeitsfähig (2x2 Stunden pro Tag mit einer mindestens einstündigen Unterbrechung) ist. In
einer
leichte
n
, maximal intermittierend mittelschwere
n
, strikt rückenadaptierte
n
und wechselbelastende
n
Tätigkeit, bei der alle mit einer Zwangshaltung des Ober
körpers verb
undenen Arbeiten ausgeschlossen sind,
besteht seit Ende Februar 2016
eine 80%ige
Arbeitsfähigkeit
(vollschichtig mit einer Leistungsminderung von 20
%
).
5.
5.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des Validen
einkommens entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an
gepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 144 I 103 E. 5.3, 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
Ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versicherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das Valideneinkommen auf Grundlage der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) be
rech
net werden, wobei die für die
Entlöhnung
im Einzelfall gegebenenfalls rele
vanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berücksichtigen sind (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014, Rn 55 f. zu Art.
28a
).
5.2
Für die Berechnung des Valideneinkommens stützte sich die Beschwerdegegnerin in ihrem Einkommensvergleich vom
2
9.
November 2019 (
Urk.
7/80
) auf das vom
Beschwerdeführer gemäss Arbeitgeberfragebogen vom
4.
Januar
2019 (
Urk.
7
/58/1-7)
als Kundenberater i
m 90%-Pensum
erzielte Einkommen
, welches sich im Jahr 2018 auf
Fr.
74'202.
05
belief. Dies erweist sich
aus den nach
folgenden Gründen
indes
als nicht
korrekt
.
Seit Oktober 2002 war der Beschwerdeführer als Reisezugbegleiter International bei der
Z._
AG tätig (vgl. Arbeitgeberfragebogen vom März 2016,
Urk.
7/1
Ziff.
2
.
1
,
Ziff.
2.7). Aufgrund der aktenkundigen gesundheitlichen Beschwerden meldete er sich b
ereits im März 2016 bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/5)
. Nachdem die Beschwerdegegnerin diverse Frühinterventionsmass
nah
men gewährt hatte (vgl.
Urk.
7/23,
Urk.
7/26-27,
Urk.
7/32,
Urk.
7/37,
Urk.
7/41,
Urk.
7/44), war es dem Beschwerdeführer möglich,
per
1.
Dezember 2016
inner
halb der
Z._
in eine an sein Leiden besser angepasste Tätigkeit als Kundenberater am Infopoint zu wechseln (vgl. Arbeitgeberfragebogen vom Januar 2019,
Urk.
7/58
/1-7
Ziff.
2.2). Daraufhin schloss die
Beschwerdegegnerin mit Mitteilung vom November 2016 den Arbeitsplatzerhalt
erfolgreich
ab
(
Urk.
7/45). Somit erfolgte der Tätigkeitswechsel zum Kundenberater
2016
nachweislich
be
reits infolge
der
aktenkundigen
gesundheitli
chen Beschwerden
des Beschwer
de
führers.
Das gemäss Arbeitgeberfragebogen vom Januar 2019 (
Urk.
7/58/1-7) im Jahr 2018 erzielte Einkommen
widerspiegelt demnach nicht jenes Einkommen, welches der Beschwerdeführer als Gesunder tatsächlich verdient hätte
(vgl. vorstehend E. 5.1
)
.
Dafür spricht auch der Umstand, dass es seit Aufnahme der Tätigkeit gemäss
Absenz
en
liste
des Arbeitgebers zu diversen krankheitsbedingten Abwesenheiten gekommen ist (vgl.
Urk.
7/58/9). Ferner weisen die in den
Jahren 2016-2018 als Ku
ndenberater erzielten Einkommen
Schwankungen auf (vgl.
Urk.
7/58/1-7
Ziff.
5.3).
5.3
Nach dem Gesagten ist
m
it dem Beschwerde
führer davon auszugehen, dass er
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
im Gesundheitsfall weiterhin als Reisezugbegleiter International bei der
Z._
AG tätig wäre. Die ge
mäss Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug) erzielten Einkommen in den Jahren
2002-2015 unterliegen
aus unbekannten Gründen
indes
Schwan
kun
gen (
Urk.
7/56)
.
Gemäss Aussage des Beschwerdeführers sei es seit 2011/2012
schrittweise zu gesundheitsbedingten
Pensumsreduktionen
gekommen (
Urk.
1 S. 6
Ziff.
1). Gemäss Aktenlage bestehen zumindest Anhaltspunkte, dass der Be
schwerdeführer schon seit zirka 2004/2005 an intermittierenden Rücken
schmer
zen leidet (vgl.
Urk.
7/20/1-6
Ziff.
1.4). Ob es aufgrund der gesundheitlichen Beschwerden im Laufe seiner Anstellung zu
Pensumsreduktionen
gekommen ist, lässt sich
anhand der
in erwerblicher Hinsicht
nur spärlich
vorhandenen
Angaben
nicht verifizieren.
Dem
Arbeitgeberfragebogen vom
9.
März 2016 (
Urk.
7/1)
ist
diesbezüglich
lediglich zu entnehmen, dass die Arbeitszeit des Beschwerdeführers vor Eintritt des Gesundheitsschadens 33 Stunden pro Woche
betrug, was einem 80%-Pensum entspricht. Lohnabrechnungen sowie g
enaue
re Angaben zu allfälli
gen
Pensumsänderungen
oder ausbezahlten Überstunden, welche die schwanken
den Einkommen erklären könnten, liegen den Akten nicht bei.
Des Weiteren fällt auf, dass
die im Arbeitgeberfragebogen aufgeführten Jahresverdienste 2014-2015 (
Urk.
7/1
Ziff.
2.12) nicht mit den Angaben im IK-Auszug überein
stimmen
.
Ge
mäss
Angaben des Beschwerdeführers sei er
bis 2011 zu 100
%
arbeitstäti
g ge
wesen
(
Urk.
1 S. 3
Ziff.
3)
.
Indes ergibt sich auch aus den Einkommen vor 2012
, welche im Übrigen sehr lange zurückliegen,
ein inkongruentes Bild
mit
Einkom
mens
sc
hwa
nkungen.
Nach dem Gesagten lässt sich das Valideneinkommen gestützt
auf die vorhan
de
nen Angaben im Arbeitgeberfragebogen und IK-Auszug
nicht mit Sicherheit bestimmen
. Ferner ist nicht rechtsgenüglich erstellt,
in welchem Pensum der Beschwerdeführer im Gesundheitsfall tätig wäre.
Es erweisen sich somit weitere Abklärungen zum Valideneinkommen und zur sozialversicherungsrechtlichen Qualifikation des Beschwerdeführers als erforderlich.
5.4
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
be
nen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3,
135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1). Dabei sind grundsätzlich die im Verfü
gungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE
143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1).
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienst
jahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswir
kungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E.
3b
/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurch
schnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht auto
matisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflicht
gemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25
%
nicht übersteigen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E.
5b
/
aa
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalidenein
kommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E.
5a
/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der
medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht
zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (BGE 146 V
16 E. 4.1 mit Hinweisen).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Ver
waltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137
V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerde
instanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichts
9C_808/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.4.3 und
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2
).
5.
5
Für die Berechnung des Invalideneinkommens stellte die Beschwerdegegnerin auf das von Männern für einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art durchschnittlich erzielte Einkommen (LSE 2016, TA1_tirage_skill_level, Total Männer, Kompetenzniveau 1 von
Fr.
5'340.--) ab, was nicht
zu beanstanden und unter den Parteien nicht streitig ist.
Angesichts
des leichte, maximal intermittierend mittelschwere, strikt rücken
adaptierte und wechselbelastende Tätigkeiten umfassenden Belastungsprofils
ist vorliegend
von einem genügend breiten Spektrum
an möglichen Verweisungs
tätigkeiten auszugehen
.
Rechtsprechungsgemäss ist der Umstand allein, dass nur noch leichte bis mittelschwere Arbeiten zumutbar sind, auch bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit kein Grund für einen zusätzlichen leidensbedingten Abzug, weil der Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts 9C_507/2020 vom 2
9.
Oktober 2020 E. 3.3.3.2 mit Hinweisen).
Die bundesgerichtliche Recht
sprechung hat
ferner
wiederholt darauf hingewiesen, dass körperlich leichte und wechselbelastende Tätigkeiten auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt durchaus vorhanden sind (Urteil des Bundesgerichts 9C_469/2016 vom 2
2.
Dezember 2016 E. 3.2 und 6.3 mit Hinweisen).
Des Weiteren ist nicht ersichtlich, dass sich der Beschwerdeführer bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage aufgrund der gesundheit
lichen Einschränkungen überwiegend
wahrscheinlich
mit einem geringeren Lohn zu begnügen hätte als voll leistungsfähige und entspr
echend einsetzbare Arbeit
nehmer (vgl.
BGE 129 V 472 E. 4.2.3
).
Die nicht ganz auszuschliessende intermittierende radikuläre Reizproblematik beding
t
sodann
gemäss Gutachterin einen erhöhten Pausenbedarf, das heisst eine Reduktion der Leistungs
fähigkeit
. Somit wurde die 80%ige Leistungsfähigkeit
explizit
infolge des erhöhten Pausenbedarfs attestiert, welcher
damit
in der Beur
teilung der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit
bereits vollumfän
glich
abgegolten wurde
(vgl. vorstehend E. 4.3
)
. Somit bleibt kein Raum für einen leidensbedingten Abzug.
5.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den
Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrele
vante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
5.7
Nach dem Gesagten
ist
der medizinische Sachverhalt
dahingehend erstellt, dass
dem Beschwerdeführer
eine
angepasste Tätigkeit unter Berücksichtigung des Belastungsprofils seit Ende Februar 2016 zu 80
%
zumutbar ist. Hinsichtlich
der erwerblichen Auswirkungen der gesundheitlichen Beeinträchtigung
ist ein abschliessender materieller Entscheid
gestützt auf die vorhandenen Akten
indes
nicht möglich.
D
ie angefochtene Verfügung ist folglich aufzuheben und die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen respektive zur
Bestimmung des Validenein
kommens sowie zur
Klärung d
er sozialversicherungsrechtlichen Qualifikation des Beschwerdeführers
und zur erneuten Verfügung über den Rentenanspruch
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfa
hrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1b
is
IVG) und auf
Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese
wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
des Gesetzes über das Soz
ialversiche
rungsgericht, GSVGer) und ist beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 185.--
(ohne MWSt)
für Juristinnen und Juristen
ermessensweise auf Fr. 1’700.-- (inkl. MWSt und Auslagenersatz) festzusetzen.