Decision ID: ee2b1fc8-1cff-553f-89ec-86a7acd8ca92
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_BRK
Chamber: ZH_BRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A.
Mit Beschluss vom 8. März 2017 verzichtete der Stadtrat Bülach beim
ehemaligen Krankenasyl "Brunnerstift" und dem Bettenhaus A auf dem
Grundstück Kat.-Nr. 8130 an der Spitalstrasse 24 in Bülach (Spital Bülach)
auf die Anordnung von Schutzmassnahmen.
B.
Gegen diesen Entscheid erhob der Zürcher Heimatschutz ZVH mit Eingabe
vom 18. April 2017 fristgerecht Rekurs beim Baurekursgericht des Kantons
Zürich mit folgenden Anträgen:
"1. Der Beschluss des Stadtrates von Bülach, auf die Anordnung für Schutzmassnahmen betreffend das Gebäude "Brunnerstift" zu , sei aufzuheben.
2. Das Gebäude "Brunnerstift" sei definitiv unter Schutz zu stellen. Der Schutzumfang sei gemäss dem Fachgutachten vom 21. Juni 2015 festzulegen.
3. Eventualiter sei vor einer erneuten Entscheidung über  für das "Brunnerstift" eine ergänzende Machbarkeitsstudie  von den Parteien unabhängigen, ausgewiesenen Fachperson . Darin seien vertiefte Entscheidungsgrundlagen zu entwickeln, zur Klärung der Frage, ob die geplante Spitalsanierung und ‒ auch unter der Vorgabe möglich und ökonomisch vertretbar ist, dass das "Brunnerstift" als Schutzobjekt zu erhalten sei.
4. Der Stadtrat sei anzuweisen, über die Schutzwürdigkeit des Platzes zwischen Bettenhaus und Hochfelderstrasse, gebildet durch die  Fassadenlinie des Bettenhauses A und der Strassenlinie, zu .
5. Ebenso sei der Stadtrat anzuweisen, einen Beschluss zur  des Spitalareals nach Vorgaben des ISOS zu treffen.
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen."
C.
Mit Verfügung vom 19. April 2017 wurde der Rekurseingang vorgemerkt
und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet.
R4.2017.00049 Seite 3
D.
Mit Eingabe vom 18. Mai 2017 beantragte die Vorinstanz die Abweisung
des Rekurses, soweit darauf einzutreten sei, unter Kosten- und Entschädi-
gungsfolgen zulasten des Rekurrenten.
Die private Rekursgegnerin beantragte mit Eingabe vom 19. Mai 2017
ebenfalls die Abweisung des Rekurses, soweit darauf einzutreten sei, unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Rekurrenten.
E.
Mit Replik vom 17. Juni 2017 bzw. Dupliken vom 11. Juli 2017 hielten die
Parteien an ihren Anträgen fest.
F.
Am 23. August 2017 führte die 4. Abteilung des Baurekursgerichtes im Bei-
sein der Parteien einen Augenschein auf dem Lokal durch.
G.
Auf die Vorbringen der Parteien und die anlässlich des Lokaltermins ge-
machten Feststellungen wird, soweit zur Entscheidbegründung erforderlich,
in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen.

Es kommt in Betracht:
1.
Die Verbandsbeschwerde ist gemäss § 338 b Abs. 1 lit. a des Planungs-
und Baugesetzes (PBG) zulässig gegen Anordnungen und Erlasse, soweit
sie sich auf den III. Titel (oder § 238 Abs. 2 PBG) stützen. Dies trifft auf den
angefochtenen Beschluss zu, weshalb der Rekurrent aufgrund des Ver-
bandsbeschwerderechtes zum Rekurs berechtigt ist (§ 338 b Abs. 1 PBG).
R4.2017.00049 Seite 4
Da die übrigen Prozessvoraussetzungen ebenfalls erfüllt sind, ist auf den
Rekurs einzutreten.
2.
Der Rekurs beruht auf folgender Ausgangslage: Die private Rekursgegne-
rin plant den Ausbau und die Instandstellung der Gebäude des Spitals
Bülach. Sie verlangte deshalb einen Entscheid über die Schutzwürdigkeit
des Gebäudes Brunnerstift und des angebauten Bettenhauses A
(act. 8.10), beides Teile der bestehenden Spitalanlage, obwohl diese weder
im kommunalen noch im kantonalen Inventar schutzwürdiger Objekte ent-
halten sind. Laut Erwägungen im angefochtenen Beschluss sei eine
Schutzabklärung angeordnet worden, da das Spitalareal im Inventar der
schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) enthalten sei. Aufgrund ei-
nes Gutachtens X [....] habe der Stadtrat die Schutzwürdigkeit des "Brun-
nerstifts" und des durch die südliche Fassadenlinie des Bettenhauses und
der Strassenlinie Hochfelderstrasse geschaffenen Platzes sowie die im
Gutachten eingearbeiteten Bewertungen des ISOS hinsichtlich der "Bau-
gruppe Spital" anerkannt. Weil die Erhaltung der Schutzobjekte die Pla-
nungsfreiheit für die Erweiterung und Instandstellung des Spitals beein-
trächtige, habe der Stadtrat eine Güterabwägung vorgenommen. In einer
Machbarkeitsstudie seien drei Varianten für die Realisierung der Spitaler-
weiterung vorgestellt worden. Zwei davon liessen sich mit den Forderungen
des ISOS und den Empfehlungen der denkmalpflegerischen Begutachtung
"zumindest theoretisch" und "prinzipiell" in Einklang bringen. Unter Berück-
sichtigung auch betrieblicher und finanzieller Aspekte, der Etappierbarkeit
der Ausbauten und der massiven, auch langfristigen Einschränkungen,
welche eine Unterschutzstellung der fraglichen Elemente auf die weitere
Entwicklung des Spitals Bülach zeitigen würde, habe der Stadtrat das öf-
fentliche Interesse an der Aufrechterhaltung der Funktionalität des Ge-
sundheitssystems gepaart mit den Erwägungen zum finanziellen Aufwand
der Spitalerweiterung und den Erfordernissen des Spitalbetriebs höher ge-
wichtet als das öffentliche Interesse an einem adäquaten Denkmalschutz.
Folglich wurde auf die Anordnung von Schutzmassnahmen verzichtet.
R4.2017.00049 Seite 5
3.1.
Der Rekurrent stellt in Abrede, dass der Stadtrat mit der vorgenommenen
Güterabwägung eine ermessensfehlerfreie Entscheidung getroffen habe.
Es sei nicht hinreichend untersucht worden, ob der Raumbedarf des Spitals
gedeckt werden kann, ohne das Schutzobjekt zu beeinträchtigten. Es ist
somit zu prüfen, ob der Erhalt des "Brunnerstifts" verhältnismässig wäre.
Dazu ist zunächst die Frage der Schutzwürdigkeit zu klären.
3.2.
Laut Rekurrent ist das Brunnerstift hochgradig schützenswert. Implizit für
schützenswert hält er auch den Platz zwischen dem Bettenhaus A und der
Hochfelderstrasse.
Die Vorinstanz führt in ihrer Rekursantwort aus, der Grad der Schutzwür-
digkeit des Brunnerstifts sei als mittel bis hoch einzustufen; es handle sich
nicht um einen hochkarätigen Zeitzeugen und das Erhaltungsinteresse sei
durchschnittlich. Das Gebäude habe mehrfach erhebliche Änderungen er-
fahren und dadurch an Originalität eingebüsst. Zudem werde der Grad der
Schutzwürdigkeit durch die umliegenden, aus verschiedenen Epochen
stammenden Bauten des Spitalareals geschmälert. Das Bettenhaus A sei
nicht schutzwürdig.
Die private Rekursgegnerin ist der Auffassung, das Gutachten von X sei
mangelhaft, wie das von ihr in Auftrag gegebene Gutachten der YZ aufzei-
ge, und bestreitet die Schutzwürdigkeit der Objekte Brunnerstift und Bet-
tenhaus A. Das Gutachten von X habe die bauliche Integrität und die sub-
stantiellen Veränderungen nicht berücksichtigt. Es lasse ausser Acht, dass
das Treppenhaus und weitere Bestandteile im Inneren, wie die Flügeltüren
und Fensterflügel, ersetzt und auch räumlich verändert worden seien. Das
Gutachten verkenne, dass sämtliche Fassaden und auch die Dachgestal-
tung erheblich verändert worden seien. Von einem authentischen Erhal-
tungszustand könne nicht die Rede sein. Die Bekanntheit des Architekten
sei nicht näher geprüft worden. Die typologische Einordnung als Villa beru-
he auf der falschen Annahme, dass eine rechteckige Grundfläche bestan-
den habe, und sei nicht fundiert. Sodann stütze sich das Gutachten von X
auf falsch eingeordnete Abbildungen und einseitig beigezogene Literatur,
ohne den Primärquellen genügend Beachtung zu schenken. Gemäss Gut-
achten YZ sei der baukünstlerische Stellenwert durchschnittlich und werde
R4.2017.00049 Seite 6
durch Umbauten stark reduziert. Das Gebäude eigne sich nicht mehr als
Denkmal für einen Spitalbau der Zeit um 1900. In städtebaulicher Hinsicht
sei eine herausragende und wichtige Bedeutung des Brunnerstifts zu ver-
neinen. Dessen Stellenwert beschränke sich auf seine Eigenschaft als
Kernbau der Spitalanlage.
3.3.
Der Rekurrent entgegnet, ältere Teile eines Denkmals seien nicht von
vornherein wertvoller als jüngere; auch frühere Restaurierungen könnten zu
den historisch bedeutsamen Zeugnissen gehören. YZ messe die Authenti-
zität fast ausschliesslich am vorhandenen Baubestand aus der Bauzeit. Der
1923 eingebaute Operationssaal mit innovativer Oberlichtausleuchtung und
grosser lichtdurchfluteter Fensterfront werde im Gutachten YZ nicht ange-
messen gewürdigt. Dessen Konzeption komme eine wichtige baukünstleri-
sche Zeugenschaft zu, was allein schon ein gewichtiger Grund für die Er-
haltung des Brunnerstifts sei. Weiter werde der Verlust verschiedener Aus-
stattungselemente von YZ bloss vermutet und viele Aussagen zum angeb-
lichen Ursprungszustand würden nicht belegt. Der bautypologische Ver-
gleich beziehe sich auf grosse spitalartige Bauten aus Städten, die mit den
Krankenasylen auf der Landschaft nicht zu vergleichen seien. YZ habe die
Sozialgeschichte des Brunnerstifts vollständig ausgeklammert und sich
auch mit dem ISOS und dem hohen Situationswert nicht auseinanderge-
setzt.
3.4.1.
Schutzobjekte sind unter anderem Ortskerne, Quartiere, Strassen und Plät-
ze, Gebäudegruppen, Gebäude und Teile sowie Zugehör von solchen, die
als wichtige Zeugen einer politischen, wirtschaftlichen, sozialen oder bau-
künstlerischen Epoche erhaltenswürdig sind oder die Landschaft oder Sied-
lungen wesentlich mitprägen, samt der für ihre Wirkung wesentlichen Um-
gebung (§ 203 Abs. 1 lit. c PBG).
Aus der vom Gesetz alternativ zur landschafts- oder siedlungsprägenden
Wirkung vorausgesetzten Zeugeneigenschaft ergibt sich das Erfordernis,
dass ein Objekt, über welches Schutzmassnahmen verhängt werden sol-
len, namentlich auf Grund seiner ortsbaulichen, baulichen oder ausstat-
tungsmässigen Eigenschaften von einer Epoche Zeugnis abzulegen, d.h.
die betreffende Epoche zu veranschaulichen und im eigentlichen Wortsinne
R4.2017.00049 Seite 7
zu dokumentieren vermag. Allein der Umstand, dass ein Objekt einer Epo-
che zugeordnet werden kann, ist somit für die Bejahung der Zeugeneigen-
schaft noch nicht ausreichend. Zudem lässt das Gesetz auch die blosse
Zeugeneigenschaft noch nicht genügen; das betreffende Objekt muss viel-
mehr ein wichtiger Zeuge sein. Diese Qualifikation kann sich aus verschie-
denen, hier nicht abschliessend aufzuzählenden Gründen ergeben. Ein
wichtiger Zeuge liegt namentlich dann vor, wenn die betreffende Baute auf
Grund ihrer gesamten Beschaffenheit eine Epoche besonders aussagekräf-
tig und qualitätsvoll zu dokumentieren vermag.
3.4.2.
Gemäss dem Gutachten von X kommt dem Brunnerstift eine wichtige sied-
lungsgeschichtliche Zeugenschaft zu. Es handle sich um eine der frühesten
Bauten des "Kirchfelds" und als einst freistehendes Krankenasyl um die
Keimzelle des Spitals. Seine heutige besondere ortsbauliche Qualität liege
in der exponierten Stellung am Eingang des Spitalareals (Visitenkartenfunk-
tion). Im baulichen und spirituellen Zusammenspiel mit der östlich situierten
katholischen Kirche bilde das Krankenasyl eine Torsituation, die derzeit al-
lerdings durch die Tiefgarage und das Parkdeck stark beeinträchtigt werde.
Dem prägenden Charakter des quartiertypischen Netzes der Sichtbezüge
folgend, stehe das Krankenasyl in einer räumlich-visuellen Ausrichtung zur
Kirche und dem südöstlich positionierten Bezirksgebäude. Das villenartige
Gebäude erinnere mit seinem Habitus grossbürgerlicher Repräsentanz an
das grosszügige Legat des Donators Sir John Brunner. Das Krankenasyl
als Institution zähle seit jeher zum unverzichtbaren Bestandteil der Orts-
und Regionalgeschichte. Im Gebäude manifestiere sich der Pioniergeist
sowie die damit verbundene Botschaft von sozialem und medizinischem
Engagement als auch gesellschaftlicher Verantwortung. Zur baukünstleri-
schen Bedeutung wird im Gutachten festgehalten, die besondere baukünst-
lerische Ausdruckskraft komme bis dato stark zum Ausdruck, obwohl die
reich ornamentieren Giebelabschlüsse der Dachaufbauten 1938 einer Puri-
fizierung zum Opfer gefallen seien. Aufgrund seines villenartigen Charak-
ters in der Formensprache des Historismus werde es als besonderes Ge-
bäude des Spitalkomplexes wahrgenommen. Das Herzstück bilde das Ent-
ree mit dem Treppenhaus. Es widerspiegle in Formgebung, Ornamentik,
Materialien und Farbigkeit in nahezu authentischer Überlieferung die zeitty-
pische Raumausstattung von 1900/1901 mit ihrem speziellen Ambiente. Ei-
ne typologische Besonderheit sei der 1923 eingefügte Operationssaal, der
R4.2017.00049 Seite 8
mit seiner speziellen Lichtführung von oben (Oberlichter) und von der Seite
(raumbreites Fenster) als Novum und in der Spitalarchitektur als Unikum
und Wegweiser gewürdigt werden könne. Im typologischen als auch bau-
künstlerischen Vergleich sei dem Brunnerstift sehr hohe Bedeutung beizu-
messen, vereine es doch – als Krankenasyl gebaut – die Villen- mit der Sa-
natorienarchitektur. Es liefere prototypisch eine Basis für die Entwicklung
des kleineren bis mittelgrossen Asyls, sei baukünstlerisch, trotz späterer
Fassadenpurifizierung, der reichste und ausdrucksstärkste Vertreter seiner
Gattung zur Zeit der Jahrhundertwende und eines der wenigen erhaltenen
Krankenasyle dieser Art und Bauzeit im Kanton Zürich.
Zusammengefasst sei das Brunnerstift wegen seiner wichtigen siedlungs-
geschichtlichen und insbesondere seiner ortsbaulichen Qualitäten, seiner
bemerkenswerten baukünstlerischen Bedeutung sowie seiner herausra-
genden orts- und sozialgeschichtlichen Zeugenschaft als schützenswerter
Bau einzustufen. Aufgrund seiner ortsgeschichtlichen Bedeutung für das
Zürcher Unterland und seiner typologischen Gewichtung in der Architektur-
landschaft der Krankenasyle des Kantons Zürich könne es als überkommu-
nal schutzwürdige Baute qualifiziert werden.
3.4.3.
Gemäss Gutachten X vermag das Bettenhaus A die Kriterien für ein
Schutzobjekt nicht zu erfüllen. Es sei jedoch wegen seiner räumlichen Wir-
kung und Situierung von hoher Bedeutung: Mit der kleinen Einfriedungs-
mauer entlang der Hochfelderstrasse definiere es zusammen mit dem
Brunnerstift den südlichen Rand des Spitalensembles und übernehme
durch seine von der Strasse abgerückte Stellung die charakteristische
Quartierstruktur mit den breiten, begrünten Vorgartenzonen. Dieser Grün-
streifen und die feinfühlige Einbettung des Gebäudes in die Parklandschaft
verleihe dem Spitalensemble einen ländlichen Habitus und zeichne es als
Landspital aus. Aus ortsbaulichen Gründen empfiehlt das Gutachten den
Erhalt dieser Situation.
3.4.4.
YZ hatte den Auftrag, den Baubestand des Brunnerstifts hinsichtlich Au-
thentizität und Integrität, den Eigenwert in baukünstlerischer Hinsicht und
die städtebauliche Bedeutung zu beurteilen. Zu diesem Zweck prüfte YZ
R4.2017.00049 Seite 9
zunächst den Sachverhalt, der dem Gutachten von X zugrunde gelegt wor-
den war.
Die Baugeschichte wird im Wesentlichen und zumindest soweit sie für die
Beurteilung der Schutzwürdigkeit von Bedeutung ist, in beiden Gutachten
übereinstimmend wiedergegeben. Dies trifft auch auf die Dokumentation
der Veränderungen der Fassaden zu. Dass die Abgrabungen vor dem
Haupteingang und an der Rückseite im Gutachten X nicht erwähnt werden,
wie im Gutachten YZ festgehalten, ist für die Beurteilung nicht erheblich.
Zur Bestandesbeurteilung des Innern wird ausgeführt, das Treppenhaus sei
erheblich verändert worden und präsentiere sich nicht mehr authentisch für
die Bauzeit. Begründet wird dies mit dem Fehlen zeittypischer, zu erwar-
tender Wandbespannungen, mit dem nicht entstehungszeitlichen Boden
aus sechseckigen Fliesen im Obergeschoss, den Handläufen aus Chrom,
den veränderten Geschossabschlüssen und drei modernen Fensterflügeln
im oberen der beiden Fenster. Das Gutachten X steht nicht im Widerspruch
zu diesen Feststellungen. Dessen Wertung, das Treppenhaus sei "nahezu
authentisch" erhalten bzw. die Eingangshalle und das Treppenhaus würden
in ihrer Raumdisposition und Ausstattung "noch weitgehend" den Erbau-
ungszustand dokumentieren, wird indes zu Recht relativiert. Wie sich auch
anlässlich des Lokaltermins zeigte, kann nicht davon die Rede sein, dass
das Entree mit dem Treppenhaus "die zeittypische Raumausstattung von
1900/1901 mit ihrem speziellen Ambiente [...] in Formgebung, Ornamentik,
den verwendeten Materialien und ihrer Farbigkeit in nahezu authentischer
Überlieferung" widerspiegelt. Obwohl das Treppenhaus, wie auch YZ fest-
hält, über einen "beachtlichen Teil an Substanz aus der Bauzeit" verfügt
und die hauptsächlichen Elemente (Eingangstür, Böden, Treppenlauf, Po-
deste, Treppengeländer, ein Teil der Fensterflügel) unstrittig aus der Ent-
stehungszeit stammen, ist der Zeugenwert durch die Veränderungen er-
heblich gemindert. Was die Ausstattung der übrigen Räume angeht, ge-
langt YZ zu keinen anderen Erkenntnissen als X.
Das Gutachten YZ bemängelt am Gutachten X, es sei ungenügend geklärt
worden, wer das Brunnerstift entworfen und realisiert habe, kommt dann
aber nach eigenen Recherchen zum Schluss, es handle sich um eine weit-
gehend unbekannte Firma. Somit ergibt sich in dieser Hinsicht nichts Neu-
es, was für die Schutzwürdigkeit von Bedeutung wäre.
R4.2017.00049 Seite 10
YZ kritisiert die typologische Einordnung des Brunnerstifts durch X. Diese
sei fälschlicherweise von einer langgestreckten, rechteckigen Grundfläche
ausgegangen. Der Grundriss sei aber tatsächlich L-förmig und lasse sich
nur schwer in Verbindung mit dem Villenbau bringen. Äusserlich bediene
sich das Krankenasyl der Stilmittel des repräsentativen Wohnbaus um
1900. X stütze sich einseitig auf die äussere Erscheinung und habe die his-
torische Raumdisposition unzureichend abgeklärt, was zur angemessenen
Beurteilung der Typologie notwendig gewesen wäre. Dem ist zu entgegnen,
dass durchaus nachvollzogen werden kann, weshalb im Gutachten X von
einem ursprünglich rechteckigen Grundriss die Rede ist (s. Grundrisse Erd-
geschoss und 1. Obergeschoss mit Terrasse, Gutachten X, S. 74 u. 78. Der
nördliche Vorbau war ursprünglich nur eingeschossig und diente im Ober-
geschoss als Dachterrasse). Gemäss Gutachten X präsentierte sich das
Gebäude ursprünglich als repräsentativ gestaltete Villa, habe einen villenar-
tigen Charakter aufgewiesen bzw. die Villen- mit der Sanatorienarchitektur
vereint (ursprünglich doppelstöckige offene Veranda an der Westfassade).
Dies erscheint plausibel. Mit der Aussage, äusserlich bediene sich das
Krankenasyl der Stilmittel des repräsentativen Wohnbaus um 1900, ist YZ
nicht weit von dieser Einstufung entfernt. Ferner hält YZ fest, das Brunner-
stift folge einem zeittypischen Schema, wobei die Unterordnung der Funkti-
on unter die repräsentative Gebäudehülle bestimmend sei. Damit sei das
Krankenasyl in baukünstlerischer Hinsicht typisch für die Bauten der Jahr-
hundertwende.
Bezüglich der bautypologischen Bedeutung stellt YZ die Wertung von X in
Frage, was sie mit einer ihrer Ansicht nach unzureichenden Abklärung be-
gründet. Stichhaltige Gründe, die gegen die Wertung im Gutachten X spre-
chen würden, bringt YZ indes nicht vor. Dies gilt auch in Bezug auf den
Operationssaal von 1923, dessen Einzigartigkeit nach Auffassung von YZ
nicht belegt sei.
Zur ortsbaulichen Bedeutung hält YZ fest, die gebäudeeigene Erschlies-
sung des Brunnerstifts sei im Laufe der Zeit komplett verändert worden. Die
ortsbauliche Bedeutung des Brunnerstifts in Bezug zur Achse der Spi-
talstrasse, die heute gekröpft in die Hochfelderstrasse geführt werde, sei
heute von untergeordneter Bedeutung. Sein Eingang habe die repräsenta-
tive Funktion verloren. Mit einer visuellen Fernwirkung trete v.a. die Ostfas-
sade in Erscheinung (Ansicht vom Parkplatz her). In diesen Ansichten sei
R4.2017.00049 Seite 11
jedoch das Bettenhaus E ebenfalls exponiert und zumindest im gleichen
Masse bedeutend. Ein besonderer Situationswert fehle.
3.4.5.
Das Gutachten der YZ kommt zum Schluss, das Brunnerstift erfülle in ar-
chitektonischer Hinsicht nicht mehr die Voraussetzungen für einen wichti-
gen Zeugen. Der baukünstlerische Stellenwert sei durchschnittlich und die
Bausubstanz sei durch Umbauten stark reduziert. Durch die Purifizierung
des Äusseren, den Abbruch wesentlicher Elemente (Veranda) und den
weitgehenden Verlust der Innenausstattung sei der Eigenwert wesentlich
geschmälert. Insgesamt eigne sich das Gebäude nicht mehr als Denkmal
für einen Spitalbau der Zeit um 1900. In sozial- und spitalgeschichtlicher
Hinsicht sei der Verlust des 1915-16 erbauten Absonderungshauses ein
schwerwiegender Verlust. Das Gebäude des Brunnerstifts habe keinen we-
sentlichen Einfluss auf die Siedlungsstruktur westlich des Bahnhofs. Seine
Bedeutung in städtebaulicher Hinsicht sei untergeordnet und gehe nicht
über den Stellenwert als Kernbau der Spitalanlage hinaus.
3.4.6.
Insgesamt ist festzuhalten, dass beide Gutachten in Bezug auf den Baube-
stand im Wesentlichen vom selben Sachverhalt ausgehen. Divergenzen
bestehen hinsichtlich der Wertung der Authentizität, der genauen typologi-
schen Einordnung und der ortsbaulichen Qualitäten. Für die Beurteilung der
Schutzwürdigkeit wesentliche Lücken in den Sachverhaltsfeststellungen
oder Widersprüche im Gutachten X zeigt das Gutachten YZ nicht auf.
Demzufolge durfte sich die Vorinstanz zur Beurteilung der Schutzwürdigkeit
auf das Gutachten von X abstützen.
3.4.7.
Durch die Aufnahme eines Objektes von nationaler Bedeutung in ein Inven-
tar des Bundes wird dargetan, dass es in besonderem Masse die unge-
schmälerte Erhaltung, jedenfalls unter Einbezug von Wiederherstellungs-
oder angemessenen Ersatzmassnahmen die grösstmögliche Schonung
verdient (Art. 6 Abs. 1 Natur- und Heimatschutzgesetz [NHG]). Ein Abwei-
chen von der ungeschmälerten Erhaltung im Sinne der Inventare darf bei
Erfüllung einer Bundesaufgabe nur in Erwägung gezogen werden, wenn ihr
bestimmte gleich- oder höherwertige Interessen von ebenfalls nationaler
Bedeutung entgegenstehen (Art. 6 Abs. 2 NHG).
R4.2017.00049 Seite 12
Das ISOS gilt lediglich bei der Erfüllung von Bundesaufgaben (Art. 2 und 3
NHG) in unmittelbarer Weise. Bei der Erfüllung von kantonalen und kom-
munalen Aufgaben – wie im vorliegenden Fall – wird der Schutz von Orts-
bildern durch kantonales und kommunales Recht gewährleistet. Dies ergibt
sich verfassungsrechtlich aus Art. 78 Abs. 1 der Bundesverfassung (BV),
wonach die Kantone für den Natur- und Heimatschutz zuständig sind. Auch
bei der Erfüllung von kantonalen und kommunalen Aufgaben sind Bundes-
inventare wie das ISOS indes von Bedeutung. Die Pflicht zur Beachtung
findet ihren Niederschlag zum einen in der Anwendung der die Schutzan-
liegen umsetzenden (Nutzungs-)Planung, zum andern darin, dass im Ein-
zelfall erforderliche Interessenabwägungen im Lichte der Heimatschutzan-
liegen vorzunehmen sind (vgl. BGr 1C_578/2016 vom 28. Juni 2017,
E. 3.1., mit Hinweis auf BGE 135 II 209 E. 2.1.).
3.4.8.
Der Ortsteil Kirchfeld wird im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbil-
der von nationaler Bedeutung (ISOS) als "Gebiet" mit Erhaltungsziel C auf-
geführt (Erhalten des Charakters, d.h. Gleichgewicht zwischen Alt- und
Neubauten bewahren, die für den Charakter wesentlichen Elemente integ-
ral erhalten, s. Erläuterungen zum ISOS, www.bak.admin.ch). Das darin
gelegene Brunnerstift figuriert wegen seiner besonderen Bedeutung für das
Ortsbild als schützenswertes Einzelelement mit Erhaltungsziel A (integrales
Erhalten der Substanz). Das alte Spitalgebäude, das als eines der ersten
Gebäude um 1900 auf der damals noch völlig unverbauten Terrasse ent-
standen sei, trete eindrücklich in Erscheinung. Der zweigeschossige Mas-
sivbau mit prägendem Mansardwalmdach sei im Laufe der Zeit um mehrere
Gebäudetrakte erweitert worden (ISOS, Gemeinde Bülach, S. 20, https://
data.geo.admin.ch/ch.bak.bundesinventar-schuetzenswerte-ortsbilder/PDF/
ISOS_5332.pdf). Dieser Bewertung ist beim Entscheid über den Verzicht
auf Schutzmassnahmen für das Brunnerstift Rechnung zu tragen.
3.4.9.
Das Gutachten X setzt sich nebst dem Brunnerstift als Einzelobjekt auch
mit dem Gebiet Kirchfeld und der Baugruppe Spital auseinander. Im Leitbild
"Bülach Nord" werde für das Gebiet Kirchfeld mit seinen markanten, archi-
tektonisch qualitätsvollen öffentlichen Bauten – wie der katholischen und
neuapostolischen Kirche, dem Spital und dem Bezirksgebäude – eine Bei-
behaltung der prägenden, von der Strasse zurückversetzten Bauten postu-
R4.2017.00049 Seite 13
liert. Als besondere Qualität werde der schöne, öffentlich zugängliche Park
beim Spital und der im Nordwesten das Spitalareal umschliessende Wald
als Naherholungsgebiet gewürdigt. Laut Gutachten gilt es langfristig, die
besondere Charakteristik des Kirchfeldes zu bewahren sowie einer Aufwei-
chung seiner Quartierstrukturen entgegenzuwirken. In Bezug auf die Bau-
gruppe Spital im Speziellen wird ausgeführt, die Begrenzung des Spitalare-
als durch den breiten Grünstreifen zwischen Bettentrakt und Strasse sowie
die kleine Einfriedungsmauer entlang des Trottoirs, die das Gebiet von der
Strasse aus räumlich fasse, solle unbedingt Beachtung finden, da eine Auf-
gabe dieser strukturprägenden Elemente eine Entfremdung der charakteris-
tisch ländlichen Situation zugunsten einer städtischen Wirkung von Spital-
gruppe und Kirchfeld bedeuten würde. Ebenso erscheine die Aufrechterhal-
tung des grossen Strassenabstandes von Bedeutung, da ansonsten, bei-
spielsweise durch die Situierung eine monolithartigen Bauvolumens nahe
der Strasse, die ländliche Wirkung der Baugruppe preisgegeben werde. Ei-
ne Sonderstellung im Spitalareal nehme das Brunnerstift ein. Als ursprüng-
licher Kernbau des Spitals – gar des gesamten Quartiers – basiere dieses
Gebäude auf dem Konzept des Solitärbaus und nehme im ortsbaulichen
Kontext als Markstein und als repräsentativer Zugang ("Visitenkarte") zum
Spitalgebäude eine besondere Rolle ein. Aufgrund seiner exponierten Lage
– wie auch Volumen, Dachform, Stilistik –, vor allem aber wegen seiner ar-
chitektonischen Ausdruckskraft, werde das Krankenasyl als besonderes
Gebäude des Spitalkomplexes wahrgenommen. Im baulichen Ensemble
steche es durch seine repräsentativ gestalteten, historischen Süd- und Ost-
fassaden deutlich hervor.
3.4.10.
Das Gutachten von X legt die Bedeutung des Brunnerstifts in siedlungs-,
orts- und sozialgeschichtlicher sowie in baukünstlerischer Hinsicht grund-
sätzlich überzeugend und schlüssig dar. Auch die ortsbauliche Bedeutung
wird nachvollziehbar dargelegt. Sie ergibt sich zudem aus dem Eintrag im
ISOS. Es steht somit ausser Frage, dass es sich beim Brunnerstift um ein
Schutzobjekt handelt. Zur Bedeutung des Brunnerstifts für das Ortsbild ist
allerdings festzuhalten, dass sich der Situationswert im Wesentlichen auf
dessen Ost- und Südfassade beschränkt. An der Westfassade wurde das
Bettenhaus A angebaut und die stark veränderte Nordfassade kann durch
ihre Ausrichtung auf den Gebäudekomplex des Spitals keine siedlungsprä-
gende Wirkung entfalten. Die städtebauliche Situation wird sodann durch
R4.2017.00049 Seite 14
die Tiefgarage und das Parkdeck stark beeinträchtigt. Dementsprechend
kann der Auffassung von YZ gefolgt werden, wonach das Brunnerstift in
städtebaulicher Hinsicht von untergeordneter Bedeutung ist und sich auf
seinen Stellenwert als Kernbau der Spitalanlage beschränkt. Dass dem
Brunnerstift, so das Gutachten X, in baukünstlerischer Hinsicht eine sehr
hohe Bedeutung beizumessen sein soll, überzeugt angesichts der grossen
Veränderungen im Inneren wie im Äusseren nicht, dies insbesondere in
Bezug auf seine Eigenschaft als Vertreter eines Krankenasyls aus jener
Zeit. Hingegen vermag es nach wie vor Zeugenschaft abzulegen für die
Entstehungsgeschichte des Spitals und die Stiftung des Krankenasyls
durch Sir John Brunner und ist insofern ein wichtiger Zeuge einer sozialen
Epoche. Bei diesen Gegebenheiten erscheint es richtig, dass die Vo-
rinstanz das Erhaltungsinteresse als durchschnittlich einstuft.
Heimatschutzrechtlich nicht begründet erscheint die Beibehaltung der Stel-
lung der Südfassade des Bettenhauses A zwecks Erhaltung des breiten
Grünstreifens zwischen dem Bettenhaus und der Hochfelderstrasse. X be-
gründet dies mit dem Erhalt der charakteristisch ländlichen Wirkung der
Baugruppe Spital bzw. mit dem "ländlichen Habitus" des Spitalensembles.
Von einem diesbezüglich schützenswerten (qualifizierten) Situationswert
des Bettenhauses A, bewirkt durch dessen Stellung, kann indes nicht ge-
sprochen werden. Auch aus dem ISOS ergibt sich keine besondere Bedeu-
tung dieser Struktur für das Ortsbild (siehe dazu auch was folgt).
3.5.
Der Rekurrent beantragt, der Stadtrat sei anzuweisen, über die Schutzwür-
digkeit des Platzes zwischen Bettenhaus und Hochfelderstrasse, gebildet
durch die südliche Fassadenlinie des Bettenhauses A und der Strassenli-
nie, zu beschliessen. Ebenso sei der Stadtrat anzuweisen, einen Beschluss
zur Schutzwürdigkeit des Spitalareals nach Vorgaben des ISOS zu treffen.
Zur Begründung wird ausgeführt, der Stadtrat habe die Schutzwürdigkeit
des "Spital-Ensembles" und des besagten Platzes gemäss den Erwägun-
gen im angefochtenen Beschluss anerkannt, aber im Beschluss diesbezüg-
lich nichts geregelt. Insofern sei der Beschluss lückenhaft.
Dem kann nicht gefolgt werden. Mit dem Provokationsgesuch vom 2. März
2015 (act. 8.10) verlangte die private Rekursgegnerin einzig einen Ent-
scheid über die Schutzwürdigkeit des Gebäudes des Brunnerstifts und des
R4.2017.00049 Seite 15
angebauten Bettenhauses A. Wie die Vorinstanz daher zutreffend entgeg-
net, ist die Schutzwürdigkeit des fraglichen Platzes und des übrigen Spital-
areals nicht Gegenstand des angefochtenen Beschlusses und hätte es
auch nicht sein müssen; sie kann daher nicht Gegenstand des vorliegen-
den Rekursverfahrens sein. Daran ändert nichts, dass der Stadtrat im an-
gefochtenen Beschluss erwog, er anerkenne aufgrund des Gutachtens die
Schutzwürdigkeit des Brunnerstifts und des durch die südliche Fassadenli-
nie des Bettenhauses und die Strassenlinie Hochfelderstrasse geschaffe-
nen Platzes sowie die im Gutachten eingearbeiteten Bewertungen des
ISOS hinsichtlich der "Baugruppe Spital". Diese Erwägungen erwachsen
nicht in formelle Rechtskraft. Auf die Anträge 4 und 5 ist daher nicht einzu-
treten.
4.1.
Die Qualifikation eines Baudenkmals als wichtiger Zeuge im Sinne von
§ 203 PBG führt nach ständiger Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts
nicht zwingend zum Erlass von Schutzmassnahmen gemäss § 205 PBG,
sondern nur, wenn das öffentliche Interesse an der Erhaltung des
Schutzobjekts höher zu werten ist als entgegenstehende öffentliche und
private Interessen (RB 1992 Nr. 62). Im Folgenden sind die der Erhaltung
des Brunnerstifts entgegenstehenden öffentlichen und privaten Interessen
zu beurteilen.
Für das Projekt des Ausbaus und der Instandstellung des Spitals Bülach
verfasste die M. AG eine Machbarkeitsstudie (act. 8.3). Diese soll zeigen,
ob die Unterbringung des Raumprogrammes und die Erfüllung der funktio-
nalen Anforderungen unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen
Empfehlungen (Erhalt des Brunnerstifts, Übernahme der südlichen Fassa-
denlinie des Bettenhauses A und Freihaltung des Grünstreifens zur Hoch-
felderstrasse) möglich ist. Die Studie zeigt drei Konzepte auf und kommt
zum Ergebnis, dass die gleichzeitige Erfüllung der Forderungen aus dem
Gutachten von X sowie die Umsetzung einer ökonomischen, betrieblich
funktionierenden Spitalorganisation nicht umsetzbar sind.
R4.2017.00049 Seite 16
Konzept A erfülle zwar die denkmalpflegerischen Empfehlungen, bedinge
aber einen wesentlich teureren und langwierigen Neubau, welcher erhebli-
che Eingriffe in den Bestand verursache, da intakte Gebäude rückgebaut
würden.
Konzept A
Konzept B könne weder die denkmalpflegerischen Anforderungen hinrei-
chend erfüllen, noch sei auf der Grundfläche des Neubaus ein sinnvoll zu
betreibendes Spital denkbar.
Konzept B
R4.2017.00049 Seite 17
Konzept C erfülle durch den Rückbau des Brunnerstifts und des Betten-
hauses A die Erwartungen seitens Denkmalpflege nicht, biete jedoch auf
Grund des grossen, zur Verfügung stehenden Perimeters, ausreichend
Flexibilität um ein Neubauvolumen zu platzieren, welches sowohl betriebli-
che wie auch städtebauliche Ansprüche erfülle und die langfristige Entwick-
lung des Spitals am heutigen Standort gewährleiste.
Konzept C
4.2.
Der Rekurrent geht mit der Studie einig, dass die Variante A schon aus
Kostengründen und auch aus ortsbaulicher Sicht nicht zu favorisieren sei.
Hingegen bezweifelt er, ob die M. AG ernsthaft daran gearbeitet habe, Va-
riante B mit den Bedürfnissen des Spitalbetriebs in Einklang zu bringen. Zu
denken sei an die Hinzunahme des Entwicklungsperimeters II westlich da-
von, was möglich sei, wie die Variante A zeige. Ohne Hinzunahme dieser
Fläche verliere die Variante B einen wesentlichen Teil der grundsätzlich zur
Verfügung stehenden Grundfläche.
Der Rekurrent ist ferner der Auffassung, die Vorinstanz hätte sich nicht al-
lein auf die von der privaten Rekursgegnerin in Auftrag gegebene Mach-
barkeitsstudie abstützen dürfen. Sie hätte sich über die angebotenen Ent-
scheidungsgrundlagen hinaus Gedanken machen müssen, welche weiteren
und möglichen Varianten in Betracht kommen könnten, ohne dass schutz-
R4.2017.00049 Seite 18
würdige Objekte beeinträchtigt würden. Insbesondere hätten auch Varian-
ten zur Erweiterung im Entwicklungsperimeter IV geprüft werden müssen.
4.3.
Die Vorinstanz führt aus, die Machbarkeitsstudie sei aussagekräftig, stich-
haltig und nachvollziehbar; weitere Studien würden sich nicht aufdrängen.
Mit Variante C könne das notwendige Volumen geschaffen werden und
grössere An- und Umbauten des Bestandes liessen sich auf ein Minimum
reduzieren. Es entstehe eine grosse, zusammenhängende Fläche, welche
einen effizienten Betrieb ermögliche und vom bestehenden Eingang aus
zentral erschlossen werden könne. Allein mit diesem Konzept könne eine
Spitalüberbauung geschaffen werden, welche sich städtebaulich optimal
eingliedere. Demgegenüber könnten mit dem Konzept B die für das Spital
zwingend notwendigen Betriebsabläufe nicht umgesetzt werden. Des Wei-
teren wären die Etappierbarkeit und künftige Entwicklung des Spital-Areals
eingeschränkt. Weitere Negativpunkte seien der Städtebau, die Eingriffs-
tiefe in den Bestand und die internen Verbindungen und Wege. Würde im
Konzept B der bestehende Wald im Entwicklungsperimeter II auch noch in
Anspruch genommen, müssten sämtliche bestehenden Bauten, Anlagen
und Baumbestände entlang der Hochfelderstrasse geopfert werde. Auch in
ortsplanerischer und einordnungsrechtlicher Hinsicht werde das Belassen
des besagten Waldbestandes aber begrüsst. Das Spitalareal erfahre
dadurch eine gute Anbindung an den angrenzenden Wald und die Dimen-
sionen des Spitalareals würden reduziert wahrgenommen. Deshalb sei die
Konzentration der Neubauten auf den Bereich des Bettenhauses A und des
Brunnerstifts sinnvoll.
4.4.
Die private Rekursgegnerin führt aus, laut einer Expertise zum Bestand der
Gebäude (act. 12.5) werde der Zustand aller Gebäude ausser derjenige
des Brunnerstifts und des Bettenhauses A als "mittel-gut" bis sehr gut in
Bezug auf ihre Gebäudesubstanz sowie auch der Haustechnik beurteilt.
Das Brunnerstift und das Bettenhaus A dagegen seien bezüglich dieser
beiden Aspekte als minder bzw. schlecht bewertet worden und eine adä-
quate Nutzung für den Spitalbetrieb sei nicht möglich. Schon deshalb drän-
ge sich ein Ersatzbau an Stelle der genannten Gebäude auf. Andere Erwei-
terungsmöglichkeiten auf dem bestehenden Areal seien durch gesetzliche
Faktoren wie Waldgrenze, Waldabstandslinie und Baulinie und der bereits
R4.2017.00049 Seite 19
ausgenützten Fläche nicht vorhanden. Die dem Rekurrenten vorschweben-
de Verbindung der Varianten B und A sei aufgrund betrieblicher Anforde-
rungen nicht umsetzbar. Zudem hätte dies den Rückbau des Traktes B zur
Folge, was aus betrieblichen und ökonomischen Gründen nicht realisierbar
sei.
4.5.1.
Die Erweiterung bzw. Erneuerung des Spitals stellt eine hochkomplexe An-
gelegenheit dar. Für die Ausarbeitung von dahingehenden Bauvorhaben
müssen daher Sachverständige mit dem notwendigen Fachwissen beige-
zogen werden, so wie dies vorliegend die private Rekursgegnerin für die
Erstellung der Machbarkeitsstudie gemacht hat. Grundsätzlich durfte und
musste sich die Vorinstanz, die als Denkmalpflegebehörde nicht über spi-
talbauspezifisches Spezialwissen verfügt, auf die Erkenntnisse dieser Stu-
die abstützen. Dies zumal aus der Studie keine Irrtümer, Lücken oder Wi-
dersprüche zutage treten und an der Fachkompetenz der Verfasserin keine
Zweifel aufkommen. Daran ändert nichts, dass derartige Studien ebenso
wie Gutachten tendenziell die für den Auftraggeber günstige Betrachtungs-
weise wiedergeben. Diesem Umstand ist mit einer kritischen Würdigung der
Erkenntnisse Rechnung zu tragen. Jedenfalls ginge es aber zu weit, von
der Vorinstanz zu verlangen, im Rahmen der Schutzabklärung selbst weite-
re Varianten für die Spitalerweiterung zu entwickeln oder von unabhängiger
Seite entwickeln zu lassen, die den Erhalt des Schutzobjekts sicherstellen.
4.5.2.
Die Kritik des Rekurrenten an der Machbarkeitsstudie der M. AG zielt nicht
darauf ab, die drei präsentierten Varianten und deren Wertung in Frage zu
stellen. Vielmehr ist er der Auffassung, dass "unter Aufbietung planerischen
Geschicks" eine vierte Variante möglich wäre, indem ausgehend von der
Variante B der Raumbedarf unter Hinzunahme des westlich anschliessen-
den Entwicklungsperimeters II abgedeckt werde. Mit der Rekursantwort
reichte die private Rekursgegnerin eine Ergänzung der M. AG zur Mach-
barkeitsstudie zu den Akten (act. 12.8), die zu diesem Einwand Stellung
bezieht. Darin wird festgehalten, dass der Behandlungsbereich mit zentra-
len Funktionen (u.a. Notfallstation, Röntgendiagnostik, OP, Intensivpflege),
mithin der "Motor" des Spitals neu gebaut werden soll. Daran würden sehr
hohe betriebliche Anforderungen gestellt. Bestimmte Bereiche müssten
zwingend auf einem zusammenhängenden Geschoss organisiert werden.
R4.2017.00049 Seite 20
Insbesondere im Operationsbereich und in der Notfallstation sei zwingend
eine Gebäudetiefe von ca. 30-32 m notwendig. Aus dem Flächenbedarf der
zusammenhängenden Bereiche ergebe sich eine Grundfläche für den Neu-
bau von ca. 85-90 m x 30-32 m. Die Dimensionen des Entwicklungsperime-
ters II seien für die verlangte Gebäudetiefe nicht ausreichend. Eine Inan-
spruchnahme jener Fläche mit einem Bau des Konzeptes B würde den
Rückbau und Ersatz des Bettenhauses B bedeuten, was wiederum die
Nachteile des Konzeptes A zur Folge hätte. Schliesslich würden auch die
Dimensionen im Entwicklungsperimeter IV nicht ausreichen.
4.5.3.
In der Ergänzung zur Machbarkeitsstudie (S. 7) gelangt die Verfasserin
zum Schluss, dass die Dimensionen im Entwicklungsperimeter nicht aus-
reichend seien. Dabei geht sie allerdings sehr schematisch vor, indem sie
von einem Gebäude mit einer rechteckigen Grundfläche ausgeht, welches
durchwegs die angeblich notwendige Gebäudetiefe von 30-32 m aufweist.
Diese Gebäudetiefe ist allerdings nur für den Operationsbereich erforder-
lich, soweit ersichtlich aber nicht für den Aufwachbereich, der sich aus be-
trieblichen Gründen auf demselben zusammenhängenden Geschoss befin-
den muss (s. Machbarkeitsstudie S. 16). Sodann ist nicht nachvollziehbar,
weshalb auch die Tagesklinik (Raumbedarf von 347 m2) zwingend auf dem-
selben Geschoss wie die Operationsabteilung und der Aufwachbereich lie-
gen muss (s. Ergänzung zur Machbarkeitsstudie, S. 5). Aus der Machbar-
keitsstudie selbst geht dies nicht hervor und in der bevorzugten Variante C
ist dies auch nicht so geplant. Gleiches gilt für die Notfallpraxis (Raumbe-
darf 217 m2), die entgegen der Ergänzung zur Machbarkeitsstudie offen-
sichtlich nicht auf demselben Geschoss wie die Notfallstation und die Radi-
ologie angelegt sein muss. Damit ist der minimale Flächenbedarf pro Ge-
schoss etwas geringer anzunehmen, als in der Ergänzung zur Machbar-
keitsstudie.
Selbst wenn aber die dem Rekurrenten vorschwebende Lösung in betriebli-
cher Hinsicht tatsächlich möglich wäre, führte die Interessenabwägung zu
keinem anderen Resultat. So könnte der im Entwicklungsperimeter II vor-
handene Wald nicht erhalten werden, wodurch die Qualität des Spitalparks
empfindlich beeinträchtigt würde. Dies und ein gezwungenermassen höchs-
tens minimaler Abstand zwischen dem Trakt B und dem Neubau würde
sich insbesondere auf die zum Spitalpark hin gerichteten Räume nachteilig
R4.2017.00049 Seite 21
auswirken. Vor allem aber würden die Möglichkeiten der langfristigen Wei-
terentwicklung eingeschränkt, indem der Perimeter II für mögliche Erweite-
rungen des Neubaus als Ersatz für den Trakt B nicht zur Verfügung stünde
und die zentrale Fläche auf dem Areal, wo sich heute das Brunnerstift be-
findet, einer verbesserten Nutzung entzogen würde. Weiter müsste das
Brunnerstift, dessen Substanz und Haustechnik als minder bzw. schlecht
bewertet werden (s. act. 12.5, S. 27 f.), saniert werden und könnte an jener
zentralen Lage aber nach wie vor nur für die Verwaltung oder medizinisch
nicht sensitive Bereiche (z.B. Labor, Schmerz-/Komplementärmedizin,
Seelsorge) genutzt werden. Schliesslich erweist sich die Integration des
Brunnerstifts in die Spitalanlage in gestalterischer Hinsicht als äusserst an-
spruchsvoll.
Wie die Vorinstanz somit zu Recht erkannt hat, stehen dem Erhalt des
Brunnerstifts gewichtige private Interessen der Spitalbetreiberin wie auch
das hoch einzustufende öffentliche Interesse an einer kostengünstigen,
leistungsfähigen und qualitativ zeitgemässen Gesundheitsversorgung ent-
gegen. Dass das lediglich durchschnittliche öffentliche Interesse an der Er-
haltung des Brunnerstifts diese Interessen nach Auffassung der Vorinstanz
nicht zu überwiegen vermag, erscheint nachvollziehbar und liegt in deren
Ermessen. Die Erhaltung der Stellung der Südfassade des Bettenhauses A
ist wie dargelegt heimatschutzrechtlich nicht begründet. Der Stadtrat hat
folglich zu Recht auf Schutzmassnahmen verzichtet.
5.