Decision ID: 14486438-ef97-4b48-a532-1d71883d7316
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1956,
meldete sich
am
5.
September 2005 u
nter Hinweis auf die Folgen einer Diskushernie bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/8
Ziff.
7.2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
sprach
ihm
mit Verfügung vom 2
6.
Juni 2006 bei ei
nem Invaliditätsgrad von 40
%
ab dem
1.
Dezember 2005
eine Viertelsrente zu (
Urk.
11/39,
Urk.
11/30)
.
Nach
dagegen
erhobener
Einsprache (
Urk.
11/48)
hob die IV-Stelle die zugesprochene
R
ente m
it Einspracheentscheid vom 1
4.
Februar 2008
rückwirkend ab dem
1.
Dezember 2005
wieder
auf (
Urk.
11/74
S. 4
Dispo
sitiv
Ziff.
1).
Die
dagegen
erhobene Beschwerde (
Urk.
11/77/3-6) wurde vom hiesigen Gericht mit
Urteil vom
8.
Juli 2008 in dem Sinne gut
geheissen
, dass
der
E
ntscheid vom 1
4.
Februar 2008
aufgehoben und die
Sache zur erneuten Abklärung
an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde
(
Urk.
11/84 S. 8 Dispositiv
Ziff.
1
, Prozess Nr. IV.2008.00274
).
Nach weiteren medizinischen Abklärungen
sprach
die IV-Stelle
dem Versicher
ten
m
it Verfügung vom
3.
Dezem
ber 2009
bei einem Invaliditätsgrad von 45
%
rück
wirkend ab dem
1.
Dezember 2005
erneut
eine Viertelsrente zu (
Urk.
11/118,
Urk.
11/109
).
1.2
I
m Juli 2012
wurde
eine Revision ein
geleitet
(
Urk.
11/135).
Am 2
4.
Januar 2014 teilte
die IV-Stelle
dem Versicherten mit, dass eine polydisziplinäre Abklärung notwendig sei (
Urk.
11/147).
Der Versicherte nahm am 3
0.
Januar 2014
dazu
Stellung (
Urk.
11/148).
Am 1
9.
Februar 2014 teilt
die IV-Stelle
dem Versicherten das Begutachtungsinstitut
und die Namen der
beteiligten
Fachärzte
mit (
Urk.
11/152). Der
Versicherte
nahm dazu
am 2
5.
Februar 2014 Stellung
(
Urk.
11/155).
Mit Zwischenverfügung vom 2
8.
Februar 2014 hielt die IV-Stelle an der vorgesehenen Abklärungsstelle fest (
Urk.
11/160 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am
2.
April 2014 Beschwerde (
Urk.
1) gegen die Verfü
gun
g vom 2
8.
Februar 2014 (
Urk.
2)
und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei die IV-Stelle anzuweisen, von einer Begutachtung bei der
Y._
AG ge
nerell und insbesondere bei den ausgewählten Gutachtern a
b
zusehen (
Urk.
1 S.
2
Ziff.
1 oben).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
8.
Mai 2014 (
Urk.
10) die Abweisung der Beschwerde. Mit Gerichtsverfügung vom
7.
Juli 2014 wurde das Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung
(vgl. Urk. 1 S. 2 Ziff. 2)
abgewiesen und dem Beschwerde
führer die Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Bei der angefochtenen Verfügung vom 2
8.
Februar 2014 (
Urk.
2) handelt es sich um eine verfahrensleitende Verfügung, mit welcher die Beschwerdegegnerin an der
Y._
AG als Abklärungsstelle festhielt. Da sie das Administrativverfahren nicht abschliesst, handelt es sich um eine Zwischenverfügung.
Nach
Art.
55
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozial
ver
sicherungsrechts
(ATSG) in Verbindung mit
Art.
5
Abs.
2 und
Art.
46 des Bun
desgesetzes über
das Verwaltungsverfahren (
VwVG
)
kann eine
Zwi
schen
verfügung
bei Bejahung
eines
nicht wieder gutzumachenden Nachteils (
Art.
46
Abs.
1 lit. a VwVG; BGE 132 V 93 E.
6.1) grundsätzlich selbständig mit Be
schwer
de angefochten werden
.
Die Anfechtbarkeitsvoraussetzung des nicht wieder gutzumachenden Nachteils ist beim vorliegenden Verfahrensstand der Gutachtensanordnung
, in welchem
dem Beschwerdeführer
das Gutachtensinstitut und die Gutachtenspersonen
mit
geteilt
wurden
,
zu
bejahen (vgl. dazu insbesondere BGE 138 V 271 E. 1.2.1 und 1.2.3).
1.2
Polydisziplinäre Gutachten, das heisst solche, an denen drei oder mehr
Fach
disziplinen
beteiligt sind, haben bei einer Gutachterstelle zu erfolgen, mit wel
cher das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) eine Vereinbarung getrof
fen hat. Gemeint sind die medizinischen Abklärungsstellen (MEDAS) im Sinne von
Art.
59
Abs.
3 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG). Die Vergabe der Aufträge erfolgt gemäss
Art.
72
bis
Abs.
2
der Verordnung über die Invalidenversicherung
(
IVV
)
nach dem Zu
fallsprinzip (vgl. BGE 139 V 349 E. 2.2).
2.
2.1
Der Beschwerdeführer brachte in der Beschwerde vor, den für die Begutachtung vorgesehenen Ärzten fehle es an der nötigen Fachkompetenz. Dies ergebe sich
allein schon daraus, dass diese Personen allesamt in
Z._
lebten und nicht
in der Schweiz.
Aufgrund der unterschiedlichen
Sozialversicherungssys
te
me
verfüge jedes Land über eigene
medico
-legale Vorgaben.
Die
Z._
Ärzte
seien allein schon aufgrund ihres Wohn- und Arbeitsortes in
Z._
nicht in der Lage, die Besonderheiten des schweizerischen
medico
-legalen Sys
tems zu
kennen. Sie
hätten denn auch keine entsprechenden Ausbildungen ge
nossen
, wie
beispielsweise eine SIM-Zertifizierung
(
Urk.
1 S. 3 f.
Ziff.
3 und 5).
2.2
Die Beschwerdegegnerin
hielt in der Zwischenverfügung vom 2
8.
Februar 2014 an
der
Y._
AG als Abklärungsstelle fest mit der Begründung
,
für das Er
stellen eines Gutachtens sei nicht relevant, wo Prof.
A._
als Professor tätig gewesen sei, sondern über welche Qualifikationen er verfüge
. Zu beachten sei zudem, dass nur die für eine Gutachterstelle tätigen Personen, nicht die
Gut
achterstelle
als solche befangen sein könnten
(
Urk.
2 S. 2).
Laut Medizinal
beru
fe
register verfügten d
ie beauftragten Gutachter allesamt über einen Facharzttitel und über eine Berufsausübung
sbewilligung
(
Urk.
10 S. 1).
2.3
Streitig ist, ob am über das Zufallsprinzip ausgewählten Begutachtungsinstitut
Y._
AG und an den ausgewählten Gutachtern festgehalten werden kann.
3.
Die Anforderungen an die Unbefangenheit eines medizinischen Sachverständi
gen ergeben sich aus dem Anspruch auf ein faires Verfahren gemäss
Art.
29
Abs.
1 der Bundesverfassung und
Art.
6
Ziff.
1 der Europäischen
M
enschen
rechtskonvention
(Urteil des Bundesgerichts 6B_299/2007 vom 1
1.
Oktober 2007,
E.
5.1.1). Nach der Rechtsprechung ist
Befangenheit anzunehmen,
wenn Um
stände vorliegen, die geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit zu er
wecken.
Bei der Befangenheit handelt es sich allerdings um einen inneren Zu
stand, der nur schwer bewiesen werden kann. Es braucht daher für die Ab
leh
nung
nicht nachgewiesen zu werden, dass die sachverständige Person tat
sächlich
befangen ist. Es genügt vielmehr, wenn Umstände vorliegen, die den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit zu be
gründen ver
mögen. Bei der Beurteilung des Anscheins der Befangenheit und der
Gewich
tung solcher Umstände kann jedoch nicht auf das subjektive Empfinden einer Partei abgestellt werden. Das Misstrauen muss vielmehr in objektiver Weise als begründet erscheinen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, wel
che den Arztgutachten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unpar
teilichkeit des Gutachters ein strenger Massstab anzusetzen (BGE 132 V 93 E. 7.1).
Deshalb ist ein triftiger Grund auch etwa gegeben, wenn es dem Gutachter an der im konkreten Fall erforderlichen Kompetenz fehlt oder er aus persönlichen Gründen nicht als geeignet erscheint (
Kieser
, ATSG-Kommentar,
2.
Aufl., Zürich
2009,
Rz
18 zu
Art.
44 ATSG mit Verweis auf
Maeschi
, Kommentar zum Bun
des
gesetz über die Militärversicherung, Bern 2000,
Rz
12 zu
Art.
93
; vgl. auch Kreis
schreiben über das Verfahren in der Invalidenversicherung, KSVI, Stand
1.
Janu
ar 2014,
Rz
2081
).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin informierte den Beschwerdeführer in einem Schreiben
vom 2
4.
Januar 2014 über
die vorgesehene polydisziplinäre
Abklärung und teilte
ihm die Fachdisziplinen
mit
(
Urk.
11/147 S.
1
,
Urk.
11/149
)
. Am 1
9.
Februar 2014
gab
sie
ihm
die Begutach
tungsstelle bekannt und teilte
die Namen der Gutachter mit (
Urk.
11/152).
4.2
Vorab
ist
festzuhalten
, dass
die Wahl der Begutachtungsstelle
nach dem Zufalls
prinzip
(
Art.
72
bis
Abs.
2 IVV)
erfolgte. Dabei fiel
die Wahl
auf die
Y._
AG
(vgl. E-Mail vom 1
0.
Februar 2014,
Urk.
11/151). Die Auswahl der
Begutach
tungsstelle
erfolgte
korrekt und ist nicht zu beanstanden.
Soweit der Beschwer
de
führer den Antrag stellt, es sei generell von einer Begutachtung bei der
Y._
AG abzusehen, ist dieser somit
unbehelflich
, zumal nur die für eine
Gutach
ter
stelle
tätigen Personen, nicht die Stelle als solche, befangen sein können.
Im Weiteren ist auf die gegen
Prof.
Dr.
med.
A._
vorgebrachte Kritik einzugehen
.
4
.
3
Der Beschwerdeführer schätzte, Prof
.
A._
habe in dreissig Jahren 5‘000 Gutach
ten verfasst, was 166 Gutachten pro Jahr oder 14 Gutachten pro Monat ergebe (
Urk.
1 S. 5
Ziff.
11).
A
uf
der
h
omepage
der Gutachtensstelle
Y._
AG
wird
unter der Rubrik Profil ausgeführt,
Prof.
A._
habe
im Ver
lauf seiner Tätigkeit
mehrere Tausend
Gutachten
verfasst
(
Urk.
11/156)
. Ent
gegen dem Beschwerdeführer lässt
sich
daraus
nicht
auf fehlende Seriosität des Gut
achters schliessen. Die A
nzahl der erstellten Gutachten spricht
eher
für
eine
grosse
Erfahrung
des Gutachters
.
Auch der
in diesem Zusammenhang erhobene
Vorwurf, Prof.
A._
verfasse stereotype Begründungen (
Urk.
1 S.
5
Ziff.
11),
ver
f
ängt nicht
.
Es
handelt sich
denn auch
um eine blosse Behauptung
des Be
schwer
deführers
.
Der Beschwerdeführer reichte im
vorinstanzlichen
V
erfahren Teilgutachten
ein, in denen
das
B._
Prof.
A._
als Gutachter beigezogen hatte
. In den Teilgutachten wird
Prof.
A._
in der Tat
mit der
Be
zeichnung
”
Chefarzt Neurologie
”
aufgeführt
(
Urk.
11/154/2
Ziff.
5.2,
Urk.
11/154
/12,
Urk.
11/154/21
).
Hingegen unterzeichnete er
die Gutachten
nicht
mit dieser Bezeichnung
(
Urk.
11/154/14,
Urk.
11/154/44)
.
Auf der H
ome
page der Abklärungsstelle
ist Prof.
A._
als Facharzt für Neu
rologie FMH, nicht aber als Chefarzt der Klinik
C._
aufgeführt (
Urk.
11/156).
Die näheren Umstände, weshalb sich Prof.
A._
in Gutachten des
B._
als Chefarzt
bezeichnete, sind nicht bekannt.
Die
zwischenzeitliche Be
zeichnung lässt jeden
falls nicht auf eine fehlende fachliche Eignung als Gut
achter schliessen.
4.4
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung wird für eine Gutachtertätigkeit eine
Fachausbildung verlangt, die auch im Ausland erworben werden kann
(BGE 137
V 210 E.
3.3.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_270/2008 vom 1
2.
August 2008, E.
3.3).
Neben Prof.
A._
wurden
Dr.
med.
D._
, Allgemeine Innere Medizin,
Dr.
med.
E._
, Orthopädie,
Dr.
med.
F._
, Psychiatrie, und Dipl.-Psych.
G._
, Neuropsychologie, als
Fachärzte
ausgewählt (
Urk.
11/152).
Die genannten Ärzte
besitzen
alle die
Z._
Staatsangehörig
keit. Prof
.
A._
ist Facharzt für Neurologie. Dem
Medizinalberuferegister
(
www.medregom.admin.ch
) ist zu entnehmen, dass der
in
Z._
erwor
bene Titel
in der Schweiz anerkannt wurde (
Urk.
14/1).
Dr.
D._
hat
in der Schweiz
den Facharzttitel für Allgemeine Innere Medizin
FMH
erworben
(
Urk.
14/2)
.
Dr.
E._
verfügt über einen in
Z._
erworbe
nen Facharzttitel für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewe
gungsapparates, der in der Schweiz anerkannt wurde
(
Urk.
14/3
)
.
Dr.
F._
verfügt
über
einen in
Z._
erworbenen Facharzttitel für Psychiatrie und
Psy
chotherapie, der
ebenfalls
in der Schweiz anerkannt wurde
(
Urk.
14/4)
.
Einzig
Dipl
.-psych.
G._
verfügt, soweit ersichtlich,
nicht
über einen
Fach
arzttitel
.
Die genannten Ärzte
sind
sodann
im Besitz
eine
r
Berufsaus
übungs
be
willigung
für den Kanton Zürich
(
Urk.
14/1-4)
. Abgesehen von
Dipl.
- psych.
G._
verfügen die Ärzte in den
jeweiligen Fachdisziplin
en
über die hierfür notwendige Ausbildung in Form eines Facharzttitels.
Der Beschwer
de
führer
nannte
keinen
Ausstandsgrund
ge
gen Dipl.-psych.
G._
. Er stört sich
vielmehr
wesentlich daran, dass die genannten
Personen
allesamt in
Z._
lebten und sie mit dem schweizerischen
medico
-legalen System nicht vertraut seien.
In einem Urteil des hiesigen Gerichts
(
Prozess-Nr.
IV.2013.00867
)
vom 3
1.
Dezember 2013, E.
3.4.4, wird ein Schreiben des BSV an
einen Rechtsver
treter zitiert.
Das hiesige Gericht
hielt dazu fest
,
d
as BSV be
stätige
in dem Schreiben
, dass die Gutachterinnen und Gutachter regelmässig an
versiche
rungsmedizinischen
Fortbildungen teilnehmen würden und über kli
nische Er
fahrung verfügten. Zudem würden die Gutachterstellen garantieren, dass die für sie tätigen ausländischen Gutachterinnen und Gutachter mit den (
versiche
rungs
-)medizinischen Anforderungen an ein Gutachten für die schwei
ze
rische Invalidenversicherung vertraut seien.
Demnach
ist
davon auszugehen, dass
die genannten Fachärzte
über ausreichende Kenntnisse des schweizerischen
me
dico-legalen
Systems
verfügen. Nach der eingangs zitierten Rechtsprechung ist eine SIM-Zertifizierung
nicht Voraussetzung für
die Tätigkeit als Gutachter.
4.5
Zusammenfassend steht fest, dass weder
die
Y._
AG als
Abklä
rungsstelle
noch die genannten Gutachter als befangen gelten und
keine stich
haltigen Gründe
gegen deren
Beizug
vorliegen. Die Beschwerdegegnerin hielt im an
ge
fochtenen Entscheid folglich zu Recht an der polydisziplinären Abklä
rung des
Beschwerdeführers durch
die
Y._
AG
und
an den
ausgewählten Fach
ärzt
en
fest. Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.
5.
Da es vorliegend nicht um die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung geht, ist das Beschwerdeverfahren kostenlos (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG in Verbindung mit
Art.
61 lit. a ATSG).