Decision ID: 99a9b4fa-1b2e-5873-9016-49ee964bbf90
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Juni 2013 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu einer
Altersrente der AHV an (act. G 3.3.55). Sie gab an, sie lebe seit April 2013 in einem
Heim. Ihr Vermögen belaufe sich auf 89’315 Franken. Sie erhalte eine Altersrente der
AHV von 25’920 Franken pro Jahr und eine Rente der beruflichen Vorsorge von 19’529
Franken pro Jahr. Mit einer Verfügung vom 2. September 2013 sprach die EL-
Durchführungsstelle der Versicherten mit Wirkung ab dem 1. April 2013 eine
Ergänzungsleistung von je 2’652 Franken für die Monate April und Mai 2013, von je
2’926 Franken für die Monate Juni, Juli und August 2013 sowie von 1’983 Franken pro
Monat ab September 2013 zu (act. G 3.3.46). Bei der Anspruchsberechnung hatte sie
es versehentlich versäumt, die im Gesuchsformular angegebene Rente der beruflichen
Vorsorge als Einnahme anzurechnen, weil die EL-Ansprecherin im Beiblatt 4
angegeben hatte, dass sie nie berufstätig gewesen sei, und weil die EL-
Durchführungsstelle nicht bedacht hatte, dass die EL-Ansprecherin Leistungen von der
beruflichen Vorsorge ihres verstorbenen Ehemannes erhalten könnte (vgl. act. G 3.3.47
ff.). Die Verfügung vom 2. September 2013 erwuchs unangefochten in formelle
Rechtskraft.
A.a.
Im Rahmen einer periodischen Überprüfung des EL-Anspruchs im Jahr 2016
bemerkte die EL-Durchführungsstelle ihren bei der ursprünglichen
Anspruchsberechnung begangenen Fehler. Mit einer Verfügung vom 28. Dezember
A.b.
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2016 setzte sie die Ergänzungsleistung rückwirkend ab dem 1. April 2013 neu fest (act.
G 3.3.13). Den Berechnungsblättern zur Verfügung liess sich entnehmen (act. G 3.3.14
ff.), dass sie die folgenden Korrekturen bei der Anspruchsberechnung vorgenommen
hatte: Sie hatte neu die Rente der beruflichen Vorsorge von 19’529 Franken als
Einnahme berücksichtigt, sie hatte für den ganzen Zeitraum vom 1. April 2013 bis zum
31. Dezember 2016 tiefere Vermögenserträge angerechnet und sie hatte für die Monate
April bis und mit Dezember 2013 einen leicht höheren Betrag für das anrechenbare
Vermögen und folglich auch einen leicht höheren hypothetischen Vermögensverzehr,
für die Zeit ab Januar 2014 aber einen tieferen Betrag für das anrechenbare Vermögen
und folglich auch einen leicht tieferen hypothetischen Vermögensverzehr
berücksichtigt. Da der EL-Anspruch insgesamt für den gesamten Zeitraum deutlich
tiefer ausfiel, forderte die EL-Durchführungsstelle von der EL-Bezügerin
Ergänzungsleistungen im Gesamtbetrag von 71’857 Franken zurück. In einer Eingabe
vom 24. Januar 2017 liess die durch ihren Sohn vertretene EL-Bezügerin geltend
machen (act. G 3.3.10), die Rückforderung von 71’857 Franken sei begründet. Ihre
Höhe sei aber unerwartet. Da sich der Stand des Vermögens der EL-Bezügerin
lediglich noch auf rund 74’000 Franken belaufe, würde die Begleichung der
Rückforderung praktisch das gesamte Restvermögen aufbrauchen und folglich eine
grosse Härte darstellen. Die EL-Bezügerin beantrage einen Teilerlass, „das heisst dass
die SVA auf einen Teil der geforderten Summe verzichtet“, wobei „auch der Fehler der
SVA berücksichtigt werden“ solle. Zu bedenken sei auch, dass sich das Vermögen bei
einer korrekten Berechnung jährlich reduziert hätte, was zur Folge gehabt hätte, dass
die Ergänzungsleistung bei einer entsprechenden Meldung jährlich erhöht worden
wäre. Die EL-Durchführungsstelle interpretierte die Eingabe vom 24. Januar 2017 (ohne
bei der EL-Bezügerin nachzufragen) als ein Erlassgesuch. Mit einer Verfügung vom 7.
März 2017 wies sie dieses Gesuch ab (act. G 3.3.7). Zur Begründung führte sie an, bei
einer sorgfältigen Kontrolle der ursprünglichen leistungszusprechenden Verfügung
hätte die EL-Bezügerin die versehentlich versäumte Anrechnung der Rente der
beruflichen Vorsorge entdecken und melden müssen. Indem sie dies nicht getan habe,
habe sie ihre Sorgfaltspflicht verletzt und die Ausrichtung von teilweise
unrechtmässigen Ergänzungsleistungen mitverursacht, was einen Erlass der
Rückforderung ausschliesse.
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Am 24. März 2017 liess die nun anwaltlich vertretene EL-Bezügerin eine
Einsprache gegen die Verfügung vom 7. März 2017 erheben (act. G 3.3.1). Ihr
Rechtsvertreter beantragte die Gutheissung des Erlassbegehrens. Zur Begründung
führte er aus, die EL-Bezügerin habe die Ergänzungsleistungen gutgläubig bezogen,
weil sie den Fehler der EL-Durchführungsstelle nicht habe erkennen können. Zudem
leide die Verfügung vom 28. Dezember 2016 an einem offensichtlichen Irrtum, der
korrigiert werden müsse. Die Rückforderung müsse nämlich „zeitlich kongruent“ bei
der EL-Anspruchsberechnung berücksichtigt werden, sodass sich das anrechenbare
Vermögen laufend um die Differenz zwischen den tatsächlich bezogenen und den
rechtmässigen Ergänzungsleistungen verringere. Diesbezüglich sei diese Eingabe vom
24. März 2017 als ein Wiedererwägungsbegehren zu verstehen. Mit einem formlosen
Schreiben vom 8. Mai 2017 teilte die EL-Durchführungsstelle der EL-Bezügerin mit,
dass sie nicht auf das Wiedererwägungsbegehren eintrete (act. G 3.2.12). Mit einem
Entscheid vom 22. September 2017 wies sie die Einsprache gegen die Verfügung vom
7. März 2017 ab (act. G 3.2.5). Zur Begründung führte sie an, die EL-Bezügerin habe
die Rente der beruflichen Vorsorge zwar korrekt deklariert, aber sie hätte bei der
zumutbaren Kontrolle der Berechnungsblätter zur leistungszusprechenden Verfügung
bemerken müssen, dass die EL-Durchführungsstelle diese Rente versehentlich nicht
angerechnet habe. Die Berechnungsblätter hätten unter der Position „Rente BVG/
Pensionskasse“ einen Betrag von null Franken ausgewiesen; die Rente habe sich aber
auf fast 20’000 Franken belaufen. Das hätte der EL-Bezügerin auffallen müssen. Zur
Erfüllung ihrer Sorgfaltspflicht hätte sie den Fehler melden müssen. Infolge der
Verletzung der Sorgfaltspflicht liege kein gutgläubiger Leistungsbezug im Sinne des
Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG vor, weshalb die Rückforderung nicht erlassen werden
könne.
A.c.
Am 20. Oktober 2017 liess die EL-Bezügerin eine
Rechtsverweigerungsbeschwerde sowie eine Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid vom 22. September 2017 erheben (vgl. act. G 3.2.1). Ihr
Rechtsvertreter beantragte die Behandlung der am 24. Januar 2017 fristgerecht gegen
die Verfügung vom 28. Dezember 2016 erhobenen Einsprache durch die EL-
Durchführungsstelle sowie die Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheides
und den Erlass der Rückforderung. Mit einem Entscheid vom 4. Juli 2019 (EL 2017/42,
A.d.
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B.
EL 2017/43; vgl. act. G 3.1.9) hob das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
den Einspracheentscheid vom 22. September 2017 auf. Es wies die Sache zur
materiellen Behandlung der vom Gericht als Einsprache gegen die Verfügung vom 28.
Dezember 2016 qualifizierten Eingabe vom 24. Januar 2017 an die EL-
Durchführungsstelle zurück. Die Rechtsverweigerungsbeschwerde wies es ab.
Mit einem Entscheid vom 14. Oktober 2019 wies die EL-Durchführungsstelle die
Einsprache vom 24. Januar 2017 gegen die Verfügung vom 28. Dezember 2016 ab
(act. G 3.1.4). Zur Begründung führte sie an, die rückwirkende wiedererwägungsweise
Korrektur der ursprünglichen leistungszusprechenden Verfügung sei rechtmässig
gewesen, weil diese an einem erheblichen Mangel gelitten habe. Die EL-
Durchführungsstelle habe zu Recht die Rente der beruflichen Vorsorge neu als
Einnahme angerechnet. Entgegen der Ansicht der EL-Bezügerin sei es mangels einer
gesetzlichen Grundlage nicht zulässig, hypothetische Rückzahlungen bei der
Anspruchsberechnung zu berücksichtigen. Die effektive Begleichung der
Rückforderung werde aber natürlich bei der Anspruchsberechnung für die Zukunft
berücksichtigt werden. Auf das gleichzeitig mit der Einsprache gestellte
Erlassbegehren könne nicht eingetreten werden, weil der Erlass einer Rückforderung
erst nach dem Eintritt der formellen Rechtskraft der Rückforderungsverfügung materiell
geprüft werden könne.
A.e.
Am 29. Oktober 2019 liess die EL-Bezügerin (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 14.
Oktober 2019 erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheides und die Neuberechnung respektive Reduktion
der „Rückforderungsansprüche“. Zur Begründung führte er aus, im Zuge der
rückwirkenden Neuberechnung der Ergänzungsleistungen durch die EL-
Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) hätten sich die
Rückforderungsbeträge über die Jahre hinweg summiert. Das effektive Vermögen der
Beschwerdeführerin habe sich nur deshalb nicht reduziert, weil sie in jenem Zeitraum
über mehr finanzielle Mittel verfügt habe, als ihr bei einer korrekten EL-
Anspruchsberechnung zur Verfügung gestanden hätten. Wenn die Berechnung
B.a.
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Erwägungen
1.
Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung des angefochtenen
Einspracheentscheides auf dessen Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand jenem
des Einspracheverfahrens entsprechen muss. Auch beim Einspracheverfahren hat es
sich um ein („echtes“) Rechtsmittelverfahren gehandelt, was bedeutet, dass sich sein
Zweck in der Überprüfung der Verfügung vom 28. Dezember 2016 auf deren
Rechtmässigkeit erschöpft hat und dass sein Gegenstand folglich zwingend mit jenem
des vorangegangenen Verwaltungsverfahrens identisch gewesen ist. Die Antwort auf
die Frage, ob überhaupt rechtzeitig eine Einsprache gegen die Verfügung vom 28.
Dezember 2016 erhoben worden war, hat sich aus dem unangefochten in formelle
Rechtskraft erwachsenen und damit verbindlich gewordenen Urteil des
Versicherungsgerichtes EL 2017/42, EL 2017/43 vom 4. Juli 2019 ergeben, weshalb
sich diese Frage im Einspracheverfahren nicht mehr gestellt hat und auch in diesem
Beschwerdeverfahren nicht mehr zu beantworten ist. Das am 28. Dezember 2016
abgeschlossene Verwaltungsverfahren ist ein Wiedererwägungsverfahren im Sinne des
Art. 53 Abs. 2 ATSG gewesen, das auf eine Korrektur der ursprünglichen
leistungszusprechenden Verfügung vom 2. September 2013 sowie der zwischen dem
2. September 2013 und dem 28. Dezember 2016 ergangenen Revisionsverfügungen
abgezielt hat. Es hat also sowohl die Prüfung der Zulässigkeit einer
wiedererwägungsweisen Aufhebung der früheren Verfügungen als auch die erneute
Zusprache einer rückwirkend abgestuften Ergänzungsleistung mit Wirkung ab dem 1.
April 2013 beinhaltet. Dabei haben sämtliche Anspruchsvoraussetzungen und
Berechnungspositionen geprüft werden müssen. Weil die wiedererwägungsweise
Korrektur einen unrechtmässigen Bezug von Ergänzungsleistungen ergeben hat, aus
der eine entsprechende Rückerstattungspflicht der Beschwerdeführerin resultiert hat,
hat die Verfügung vom 28. Dezember 2016 als zweiten Gegenstand eine
entsprechende Rückforderung enthalten müssen. Folglich sind in diesem
Beschwerdeverfahren einerseits die wiedererwägungsweise Korrektur der
korrigiert werde, müsse im Umfang der jeweiligen Korrekturen eine
Vermögensreduktion berücksichtigt werden.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 18. November 2019 unter Hinweis auf die
Erwägungen im angefochtenen Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde
(act. G 3).
B.b.
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Ergänzungsleistung per 1. April 2013 und andererseits die daraus resultierende
Rückforderung auf ihre Rechtmässigkeit zu überprüfen.
2.
Eine formell rechtskräftige Verfügung kann gemäss dem Art. 53 Abs. 2 ATSG in
Wiedererwägung gezogen werden, wenn sie zweifellos unrichtig gewesen ist und wenn
ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Diese Voraussetzungen sind hier
erfüllt gewesen, denn die versehentlich unterbliebene Anrechnung der Rente der
beruflichen Vorsorge als Einnahme ist zweifellos unrichtig gewesen und die Korrektur
dieses Fehlers ist angesichts des Umstandes, dass sich diese Rente auf 19’529
Franken pro Jahr belaufen hat, von erheblicher Bedeutung gewesen, was auch der
Betrag der aus der Korrektur resultierenden Rückforderung zeigt.
2.1.
Die persönlichen Anspruchsvoraussetzungen nach Art. 4 ELG sind erfüllt gewesen.
Da die Beschwerdeführerin per 1. April 2013 in ein Heim eingetreten war und da sie
sich weniger als sechs Monate später zum Leistungsbezug angemeldet hat (nämlich im
Juni 2013), hat sie gemäss dem Art. 12 Abs. 2 ELG ab dem 1. April 2013 einen
Anspruch auf eine Ergänzungsleistung gehabt.
2.2.
Als Ausgaben sind für den gesamten hier massgebenden Zeitraum vom 1. April
2013 bis zum 28. Dezember 2016 die kantonale Durchschnittsprämie für die
obligatorische Krankenpflegeversicherung, die Heimkosten und die Pauschale für die
persönlichen Auslagen anzurechnen. Die kantonale Durchschnittsprämie für die
obligatorische Krankenpflegeversicherung hat sich im Jahr 2013 auf 3’984 Franken, im
Jahr 2014 auf 4’128 Franken, im Jahr 2015 auf 4’332 Franken und im Jahr 2016 auf
4’476 Franken belaufen (Prämienregion 3). Die Tagestaxe für den Heimaufenthalt hat
zunächst – einschliesslich der Kostenbeteiligung am Selbstbehalt der Pflegekosten –
128 Franken (April und Mai 2013) respektive 137 Franken betragen (act. G 3.3.55–9)
und sich ab dem 1. Januar 2015 auf 143.21 Franken belaufen (act. G 3.3.38). Die
Pauschale für die persönlichen Auslagen hat 6’408 Franken beziehungsweise (ab dem
1. Januar 2016) 6’432 Franken betragen. Da die Beschwerdeführerin den Mietvertrag
ihrer Wohnung erst per Ende August 2013 hatte kündigen können (vgl. act. G 3.3.51–5
ff.), ist der Wohnungsmietzins von 11’316 Franken für die Monate April bis und mit
August 2013 als weitere Ausgabe zu berücksichtigen. Damit ergibt sich ein
Ausgabentotal von 68’428 Franken für die Monate April und Mai 2013, von 71’713
Franken für die Monate Juni bis und mit August 2013, von 60’397 Franken für die
Monate September bis und mit Dezember 2013, von 60’541 Franken für das Jahr 2014,
von 63’036 Franken für das Jahr 2015 und von 63’180 Franken für das Jahr 2016.
2.3.
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Als Einnahmen sind die Altersrente der AHV von 26’148 Franken respektive 26’256
Franken (ab dem 1. Januar 2015) und die Rente der beruflichen Vorsorge von 19’529
Franken anzurechnen. Hinzu kommt ein (fiktiver) Vermögensverzehr von einem Fünftel
des anrechenbaren Vermögens (vgl. Art. 11 Abs. 1 lit. c ELG und Art. 3 Abs. 2 ELG/
SG). Das Vermögen der Beschwerdeführerin hat sich von 89’515 Franken im Jahr 2013
auf 89’381 Franken im Jahr 2014, auf 86’095 Franken im Jahr 2015 und schliesslich auf
83’047 Franken im Jahr 2016 verringert. Die Beschwerdeführerin hat geltend gemacht,
sie hätte ihr Vermögen viel rascher verbrauchen müssen, wenn die Ergänzungsleistung
von Beginn weg richtig berechnet worden und entsprechend tiefer ausgefallen wäre.
Dadurch hätte sich auch der Betrag des Vermögensverzehrs rasch verringert, sodass
die Ergänzungsleistung entsprechend höher ausgefallen wäre. Bei der rückwirkenden
Neuberechnung der Ergänzungsleistung müsse diesem Umstand Rechnung getragen
werden. Diese Argumentation überzeugt nicht, weil der Sinn und Zweck der
Ergänzungsleistung sich darin erschöpft, jederzeit den gerade aktuellen Existenzbedarf
zu decken. Die Beschwerdeführerin hat in der Zeit von April 2013 bis und mit
Dezember 2016 mehr Ergänzungsleistungen bezogen, als sie zur Deckung ihres jeweils
aktuellen Existenzbedarfs benötigt hat. Sie ist also gerade nicht gezwungen gewesen,
ihr Sparguthaben in jener Zeit real so stark zu verzehren, wie wenn sie „nur“ die ihr
gesetzlich zustehenden Ergänzungsleistungen bezogen hätte. Die aus der
wiedererwägungsweisen Korrektur der Ergänzungsleistung resultierende
Rückforderung (vgl. die nachfolgende E. 3) hat daran nichts geändert, denn bei dieser
Rückforderung hat es sich um eine erst im Dezember 2016 entstandene Schuld
gehandelt, die folglich nicht vor Januar 2017 bei der Berechnung der
Ergänzungsleistung hat berücksichtigt werden können. Wenn der klar gesetzwidrigen
Argumentation der Beschwerdeführerin gefolgt würde, wäre diese also
unzulässigerweise besser gestellt als alle anderen EL-Bezüger, weil sie dadurch
letztlich einen Teil der ihr von Gesetzes wegen nicht zustehenden
Ergänzungsleistungen behalten könnte, was eine Verletzung des
Gleichbehandlungsgebotes darstellen würde (vgl. dazu auch den Entscheid EL 2019/2
des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 10. November 2020, E. 2.4). Bei der
korrigierten Anspruchsberechnung darf deshalb kein zusätzlicher fiktiver
Vermögensverzehr berücksichtigt werden. Unter Berücksichtigung eines Freibetrages
von 37’500 Franken ergibt sich ein anrechenbares Vermögen von 52’015 Franken für
das Jahr 2013, von 51’881 Franken für das Jahr 2014, von 48’595 Franken für das Jahr
2015 und von 45’547 Franken für das Jahr 2016. Folglich ist ein (sogenannter)
Vermögensverzehr von 10’403 Franken für das Jahr 2013, von 10’376 Franken für das
Jahr 2014, von 9’719 Franken für das Jahr 2015 und von 9’109 Franken für das Jahr
2016 anzurechnen. Der Vermögensertrag hat sich im Jahr 2013 auf 368 Franken, im
2.4.
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3.
Die Beschwerdeführerin hat für das Jahr 2013 Ergänzungsleistungen von insgesamt
14’082 Franken + 4 × 1’983 Franken (= 22’014 Franken; vgl. EL-act. 46), für das Jahr
2014 Ergänzungsleistungen von 12 × 1’651 Franken (= 19’812 Franken; vgl. EL-act.
44), für das Jahr 2015 Ergänzungsleistungen von 12 × 1’833 Franken (= 21’996
Franken; vgl. EL-act. 34) und für das Jahr 2016 Ergänzungsleistungen von 12 × 1’833
Franken (= 21’996 Franken; vgl. EL-act. 33) bezogen. Der direkt an die obligatorische
Krankenpflegeversicherung ausbezahlte Teil der Ergänzungsleistungen ist in diesem
Beschwerdeverfahren nicht von Bedeutung. Der Gesamtbetrag der von der
Beschwerdeführerin im Zeitraum vom 1. April 2013 bis zum 31. Dezember 2016
bezogenen Ergänzungsleistungen hat sich also auf 85’818 Franken belaufen. Das sind
71’857 Franken mehr, als der Beschwerdeführerin von Gesetzes wegen zugestanden
hätten (= 85’818 Franken – 13’961 Franken). Gemäss dem Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG
Jahr 2014 auf 174 Franken, im Jahr 2015 auf 140 Franken und im Jahr 2016 auf 257
Franken belaufen. Damit ergibt sich ein Einnahmentotal von 56’448 Franken für die
Monate April bis und mit Dezember 2013, von 56’227 Franken für das Jahr 2014, von
55’644 Franken für das Jahr 2015 und von 55’151 Franken für das Jahr 2016.
Zusammenfassend ergibt sich für den ganzen massgebenden Zeitraum vom 1.
April 2013 bis zum 28. Dezember 2016 ein Ausgabenüberschuss. Dieser beläuft sich
für die Monate April und Mai 2013 auf 11’980 Franken, für die Monate Juni bis und mit
August 2013 auf 15’265 Franken, für die Monate September bis und mit Dezember
2013 auf 3’949 Franken, für das Jahr 2014 auf 4’314 Franken, für das Jahr 2015 auf
7’392 Franken und für das Jahr 2016 auf 8’029 Franken. Die Beschwerdeführerin hat
folglich einen EL-Anspruch von je 999 Franken für die beiden Monate April und Mai
2013, von je 1’273 Franken für die drei Monate Juni, Juli und August 2013, von je 332
Franken für die vier Monate September bis und mit Dezember 2013, von monatlich 360
Franken für das Jahr 2014, von monatlich 616 Franken für das Jahr 2015 und von
monatlich 670 Franken für das Jahr 2016. Das ergibt einen Gesamtbetrag von 26’897
(= 2 × 999 + 3 × 1’273 + 4 × 332 + 12 × 360 + 12 × 616 + 12 × 670) Franken. Davon
sind 12’936 (= 12 × 344 + 12 × 361 + 12 × 373) Franken direkt der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung auszubezahlen, wodurch sich der an die
Beschwerdeführerin auszubezahlende Gesamtbetrag der Ergänzungsleistung für die
Zeit vom 1. April 2013 bis zum 31. Dezember 2016 auf 13’961 Franken reduziert. Die
Beschwerdegegnerin ist zum selben Ergebnis gelangt. Damit erweist sich der
angefochtene Einspracheentscheid hinsichtlich der wiedererwägungsweisen
rückwirkenden Korrektur der Ergänzungsleistung als rechtmässig.
2.5.
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müssen unrechtmässig bezogene Leistungen, das sind Leistungen, auf die von
Gesetzes wegen objektiv kein Anspruch bestanden hat, zurückgefordert werden. In
grundsätzlicher Hinsicht erweist sich die von der Beschwerdegegnerin verfügte
Rückforderung folglich als rechtmässig. Der Rückforderungsanspruch verwirkt
innerhalb von fünf Jahren nach der Ausrichtung einer unrechtmässigen Leistung und
innerhalb eines Jahres (nach der gemäss dem Art. 83 ATSG hier anwendbaren, bis zum
31. Dezember 2020 gültigen Fassung des Art. 25 Abs. 2 ATSG), nachdem der
Sozialversicherungsträger Kenntnis vom Rückforderungsanspruch erhalten hat. Weil
die Beschwerdegegnerin die ab dem 1. April 2013 unrechtmässig bezogenen
Leistungen am 28. Dezember 2016 zurückgefordert hat, ist die sogenannte absolute
Verwirkungsfrist von fünf Jahren offensichtlich gewahrt gewesen. Die
Beschwerdegegnerin hat ihren Fehler bei der ursprünglichen Leistungszusprache erst
im Juli 2016 entdeckt. Sie hätte ihn nicht bereits früher entdecken müssen, weil es sich
bei der in der Mitte des Jahres 2016 durchgeführten Überprüfung des
Ergänzungsleistungsanspruchs um die erste periodische Revision gehandelt hat.
Folglich ist auch die relative einjährige Verwirkungsfrist gewahrt gewesen. Damit
erweist sich der angefochtene Einspracheentscheid auch hinsichtlich der
Rückforderung als rechtmässig.
4.
In Bezug auf den Hinweis der Beschwerdegegnerin im angefochtenen
Einspracheentscheid, der Beschwerdeführerin stehe es frei, nach dem Eintritt der
formellen Rechtskraft der Rückforderung ein Erlassbegehren zu stellen, ist
klarzustellen, dass die Beschwerdeführerin schon längst (nämlich bereits am 24.
Januar 2017) ein Erlassbegehren gestellt hat. Die Beschwerdegegnerin wird dieses
Begehren selbstverständlich nach dem Eintritt der formellen Rechtskraft der
Rückforderung materiell prüfen.
5.
Die Beschwerde ist folglich abzuweisen. Gerichtskosten sind gemäss dem nach Art. 83
ATSG für dieses Verfahren massgebenden Art. 61 lit. a ATSG in der bis zum 31.
Dezember 2020 gültigen Fassung nicht zu erheben. Die unterliegende
Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.