Decision ID: fd1dbec1-6fae-4b5b-a129-46cccca30580
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_HG
Chamber: ZH_HG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Bauhandwerkerpfandrecht
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Rechtsbegehren: (act. 1)
1. Es sei das Grundbuchamt C._ richterlich anzuweisen, auf dem Grundstück der Gesuchsgegnerin Kataster Nr. ... Grundregisterblatt ... ein Bauhandwerkerpfandrecht für eine Pfandsumme von CHF 713'032.-- zu Gunsten der Gesuchstellerin vorläufig vorzumerken;
2. Es sei das Grundbuchamt C._ richterlich anzuweisen, auf dem Grundregisterblatt ... über das im Eigentum der Gesuchsgegnerin stehende selbständige und dauernde Baurecht ein  für eine Pfandsumme von CHF 356'516.-- zu Gunsten der Gesuchstellerin vorläufig vorzumerken;
3. Diese Verfügung sei superprovisorisch (ohne Anhörung der ) zu erlassen;
4. Unter Kosten und Entschädigungsfolgen (zzgl. 8 % MwSt.) zu  der Gesuchsgegnerin.

Das Einzelgericht zieht in Erwägung:
1. Prozessverlauf
Die Klägerin machte ihr Gesuch mit Eingabe vom 16. April 2015 (Datum Post-
stempel) hierorts anhängig (act. 1). Mit Verfügung vom 17. April 2015 wurde dem
klägerischen Gesuch um Eintragung eines Pfandrechts zulasten der im Rechts-
begehren genannten Liegenschaften der Beklagten – einstweilen ohne diese an-
zuhören – stattgegeben, und das Grundbuchamt C._ wurde angewiesen, die
Pfandrechte vorläufig im Grundbuch einzutragen. Gleichzeitig erging die Aufforde-
rung an die Beklagte, zum klägerischen Begehren Stellung zu nehmen (act. 4).
Mit Eingabe vom 7. Mai 2015 ersuchte die Beklagte um eine Fristerstreckung und
brachte dem Gericht zur Kenntnis, dass zwischen der Gesuchstellerin und der
D._ AG, E._ [Ort] [nachfolgend "D._"], als Bestellerin der Werkleis-
tung Vergleichsgespräche liefen, auf welche die Beklagte vermittelnd einzuwirken
versuche, damit das Pfandrecht durch eine hinreichende Sicherheit i.S.v. Art. 839
Abs. 3 ZGB abgelöst werden könne. Der Beklagten wurde hierauf eine Frister-
streckung bis zum 1. Juni 2015 gewährt (act. 8/1). Mit Eingabe vom 20. Mai 2015
brachte die D._ dem Gericht die von ihr gestellte Bankgarantie Nr. ... der
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F._ Kantonalbank vom 18. Mai 2015 (act. 12) bei, welche die Klägerin ge-
mäss Darstellung der D._ als hinreichende Sicherheit für die beiden proviso-
risch eingetragenen Bauhandwerkerpfandrechte anerkannt habe. Die D._
beantragte daher die Abschreibung des Verfahrens (act. 10). Mit Verfügung vom
21. Mai 2015 wurde der Klägerin eine Kopie der Bankgarantie zugestellt, und es
wurde ihr Frist bis zum 5. Juni 2015 angesetzt, um zur angebotenen Sicherheit
Stellung zu nehmen (act. 14). Mit Eingabe vom 28. Mai 2015 reichte die Beklagte
ihre Stellungnahme ein und beantragte die Löschung der vorläufig eingetragenen
Pfandrechte (act. 16). Mit Eingabe vom 2. Juni 2015 beantragte die Klägerin die
Aushändigung der zu ihren Gunsten lautenden Bankgarantie sowie die Löschung
der beiden vorläufig eingetragenen Pfandrechte (act. 19).
2. Hinreichende Sicherheit
2.1. Gemäss Art. 839 Abs. 3 ZGB kann die Eintragung eines Bauhandwerker-
pfandrechts nicht verlangt werden, wenn der Eigentümer oder ein Dritter für die
angemeldete Forderung hinreichende Sicherheit leistet. Ein bereits eingetragenes
Pfandrecht ist in diesem Fall zu löschen. Sofern der Unternehmer die Sicherheit
nicht als genügend anerkennt, stellt das Gericht fest, ob die Sicherheit für die an-
gemeldete Forderung hinreichend im Sinne von Art. 839 Abs. 3 ZGB ist (vgl.
SCHUMACHER, Das Bauhandwerkerpfandrecht, 3. Aufl., N 1314 f.).
2.2. Die Klägerin akzeptierte die durch die D._ eingereichte Sicherheit
(Bankgarantie Nr. ... der F._ Kantonalbank vom 18. Mai 2015, act.12) als
hinreichend i.S.v. Art. 839 Abs. 3 ZGB. Das Original sei ihr auszuhändigen und
die vorläufig eingetragenen Bauhandwerkerpfandrechte seien nach Eintritt der
Rechtskraft durch das Gericht löschen zu lassen (act. 19 Rz. 6).
2.3. Da die Klägerin die Sicherheit als genügend erachtet, kann eine entspre-
chende Prüfung der Sicherheit bzw. der die Sicherheit leistenden Person durch
das Gericht unterbleiben. Demnach ist die Löschung der beiden vorläufig einge-
tragenen Bauhandwerkerpfandrechte anzuordnen, und es ist das Grundbuchamt
C._ anzuweisen, die vorläufig eingetragenen Bauhandwerkerpfandrechte zu
löschen.
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3. Folgen der Sicherheitsleistung
3.1. Mit Leistung einer hinreichenden Sicherheit wird der Streit nur dann beendet,
wenn die Sicherheit definitiv bestellt wird. Im vorliegenden Fall leistete die
D._ AG, E._, die Sicherheit nur zur Ablösung des vorläufig eingetrage-
nen Bauhandwerkerpfandrechts, was sich bereits aus dem einleitenden Wortlaut der vorliegend eingereichten Bankgarantie ergibt ("[...] wird zur Löschung der vorläufigen
Eintragung eines Bauhandwerkerpfandrechts [...]"; act. 12). Der definitive Anspruch auf
Eintragung des Pfandrechts bzw. nunmehr auf Inanspruchnahme der Sicherheit
gilt deshalb als bestritten. Demgemäss ist der Klägerin Frist anzusetzen, um beim
zuständigen Gericht auf definitive Bestellung der Sicherheit zu klagen. Es liegt
dabei in der Verantwortung der Klägerin, ob sie die Klage gegen die Sicherheit
leistende D._ AG, Zürich, und / oder die Beklagte (als Grundeigentümerin)
einreicht.
3.2. Die Prosequierungsfrist ist praxisgemäss auf 60 Tage festzulegen, wobei all-
fällige Gerichtsferien berücksichtigt werden. Eine Verlängerung dieser Frist ist
möglich, bedarf aber eines gesonderten und begründeten Gesuches (Art. 144
Abs. 2 ZPO); dieses wird in einem kostenpflichtigen Nachverfahren behandelt. Als
zureichende Gründe für eine Fristerstreckung gemäss Art. 144 Abs. 2 ZPO wer-
den nur entweder die Zustimmung der Gegenpartei oder von der Partei nicht vor-
hersehbare oder nicht beeinflussbare Hinderungsgründe anerkannt.
3.3. Die Bankgarantie Nr. ... der F._ Kantonalbank vom 18. Mai 2015
(act. 12) wurde zugunsten der Klägerin ausgestellt und ist demzufolge nach un-
benutztem Ablauf der Rechtsmittelfrist im Original an die Klägerin herauszugeben.
4. Kosten- und Entschädigungsfolgen
4.1. Die D._ trägt vor, das vorliegende Verfahren sei vermeidbar gewesen,
da die D._ der Klägerin auf deren Schreiben vom 16. April 2015, worin die
Klägerin die Eintragung eines Bauhandwerkerpfandrechts in den nächsten Tagen
angekündigt habe, mit E-Mail vom 19. April 2015 mitgeteilt habe, sie würde die
Gesamtforderung mit einer Bankgarantie sichern. Die Klägerin habe ihr Gesuch
um Eintragung eines Bauhandwerkerpfandrechts dennoch bereits am 16. April
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2015 eingereicht. Zudem habe die Klägerin im Betrag von CHF 529'548.-- über-
klagt, was aus dem Umstand ersichtlich sei, dass sie eine Bankgarantie über
CHF 540'000.-- als hinreichende Sicherheit anerkenne. Dies sei bei der Verle-
gung der Prozesskosten zu berücksichtigen. Zudem seien Kosten, welche der
Beklagten auferlegt würden, direkt zulasten der D._ zu verlegen (act. 10
S. 2). Die Beklagte schliesst sich diesen Überlegungen die Kostenverlegung be-
treffend vollumfänglich an (act. 16 S. 2).
4.2. Die Klägerin wendet dagegen ein, dass sie der D._ bereits am
17. Februar 2015 mitgeteilt habe, dass sie beabsichtige, in den nächsten Wochen
ein Bauhandwerkerpfandrecht einzutragen, falls die Werklohnzahlung unterblei-
ben würde. Die D._ habe darauf geantwortet, dass sie die Forderung bestrei-
te und der Ansicht sei, der angedrohte Eintrag eines Bauhandwerkerpfandrechts
sei missbräuchlich. Darauf habe die Klägerin zur Wahrung der gesetzlichen Frist
das Bauhandwerkerpfandrecht eintragen lassen und dies der Rechtsvertreterin
der D._ kollegialiter mitgeteilt. Die diesbezüglichen Ausführungen der
D._ gingen daher an der Sache vorbei (act. 19 Rz. 2-4). Es läge auch kein
Überklagen ihrerseits vor, da das Bauhandwerkerpfandrecht auch für die Siche-
rung zukünftiger Werklohnforderungen diene, weshalb die gesamte Werklohnfor-
derung eingetragen werden könne (act. 19 Rz. 7). Würde zudem hinreichende Si-
cherheit geleistet, so verhalte es sich hinsichtlich der Prozesskostenverlegung
gleich, wie wenn die Grundeigentümerin den Anspruch auf Eintragung des Bau-
handwerkerpfandrechts anerkannt habe. Diejenige Partei, welche ein Begehren
anerkenne, gelte jedoch als unterliegend, weshalb dieser die Prozesskosten auf-
zuerlegen seien (act. 19 Rz. 9). Die Kosten seien daher der Beklagten bzw. der
D._ aufzuerlegen. Die Beklagte sei zudem dazu zu verpflichten, der Klägerin
eine angemessene Parteientschädigung zu bezahlen (act. 19 Rz. 11).
4.3. Die Höhe der Gerichtsgebühr wird nach der Gebührenverordnung des Ober-
gerichts bestimmt (Art. 96 ZPO i.V.m. § 199 Abs. 1 GOG) und richtet sich in erster
Linie nach dem Streitwert bzw. nach dem tatsächlichen Streitinteresse (§ 2 Abs. 1
lit. a GebV OG). Der Streitwert wiederum bestimmt sich nach den Verhältnissen
zum Zeitpunkt des Eintritts der Rechtshängigkeit und resultiert aus dem Rechts-
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begehren (STEIN-WIGGER, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg].,
Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO), 2. Aufl. 2013, N 12,
16 zu Art. 91 ZPO). Vorliegend ist somit von einem Streitwert von
CHF 1'069'548.-- auszugehen, wobei die Gerichtsgebühr in Anwendung von § 4
Abs. 1 und 2 sowie § 8 Abs. 1 GebV OG sowie unter Berücksichtigung des Äqui-
valenzprinzips (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_237/2013 vom 8. Juli 2013,
E. 3.2.) auf CHF 5'000.-- festzusetzen ist. Ob seitens der Klägerin allenfalls ein
Überklagen vorlag oder nicht, ist für die Ermittlung des Streitwerts bzw. der dar-
aus abgeleiteten Gerichtsgebühr irrelevant.
4.4. Über den Pfand- bzw. Sicherstellungsanspruch der Klägerin ist noch nicht de-
finitiv entschieden. Es wird im ordentlichen Verfahren erst noch festzustellen sein,
ob die Klägerin endgültig obsiegt. Daher rechtfertigt es sich, im vorliegenden Ver-
fahren lediglich eine einstweilige Kostenregelung zu treffen. Gemäss Praxis des
Handelsgerichtes des Kantons Zürich werden die Gerichtskosten im Verfahren
betreffend die vorläufige Eintragung des Pfandrechts von der Klägerin bezogen,
wobei der endgültige Entscheid des Gerichts im ordentlichen Verfahren vorbehal-
ten bleibt. Auch unter Berücksichtigung der von den Parteien hinsichtlich der Kos-
tenverlegung vorgetragenen Argumente ist hiervon aufgrund des provisorischen
Charakters nicht abzuweichen.
4.5. Auch der Entscheid betreffend die Entschädigungsfolgen wird dem ordentli-
chen Verfahren vorbehalten. Für den Fall, dass die Klägerin ihren Anspruch je-
doch nicht prosequieren sollte, ist der Beklagten in Anwendung von § 4 Abs. 1
und 2 sowie § 9 AnwGebV OG eine Parteientschädigung von CHF 8'000.-- zuzu-
sprechen.