Decision ID: 32dcf979-168d-455b-91c1-1c3b889ee347
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a D._ hatte im Jahr 1990 ihre Lehre als Pharma-Assistentin abgeschlossen.
Danach arbeitete sie an verschiedenen Orten insbesondere als Pharma-Assistentin,
zuletzt vom 1. Februar 1997 bis 31. Juli 1998 in einem 80%-Pensum und vom 1.
August 1998 bis 31. Januar 2001 in einem 70%-Pensum bei der E._ in F._ (IV-act.
9-1, 20-9). Aufgrund dieses Arbeitsverhältnisses war sie bei der C._ im Rahmen der
beruflichen Vorsorge versichert (act. G 1.8). Das Arbeitsverhältnis wurde am 31. Januar
2001 aufgelöst (IV-act. 20-9). Vom Sommer 1998 bis Sommer 2000 hatte D._
zusätzlich als Religionslehrerin im Umfang von vier Lektionen pro Woche unterrichtet
(IV-act. 9-1).
A.b Vom 24. März bis 20. April 2000 war D._ wegen einer schweren Depression in
stationärer Behandlung in der Klinik G._ (act. G 7.1).
B.
B.a Ab dem 1. Februar 2001 arbeitete D._ bei H._ in I._ mit einem 60%-Pensum
(IV-act. 9-2). In dieser Zeit war sie bei der B._ obligatorisch berurfsvorsorgeversichert
(act. G 1.7).
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B.b Vom 17. September bis 4. Oktober 2008 begab sich D._ wegen einer akuten
polymorphen psychotischen Störung erneut in stationäre Behandlung, dieses Mal in
der Psychiatrischen Klinik J._ (IV-act. 10-2, 10-6). Aufgrund einer depressiven
Episode im Anschluss an die akute polymorphe psychotische Störung setzte sie ab
dem 13. Oktober 2008 ihre Behandlung in der Klinik J._ fort (IV-act. 10-6).
C.
C.a Im Oktober 2008 meldete sich D._ zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 1). Mit Verfügung vom 9. Juni 2010 sprach die IV-
Stelle Schwyz D._ bei einem Invaliditätsgrad von 40% per 1. September 2009 eine
Viertelsrente zu (act. G 4). Am 5. April 2012 wurde ihr bei einem Invaliditätsgrad von
60% per 1. Juli 2011 eine Dreiviertelsrente (act. G 5) und am 22. April 2013 bei einem
Invaliditätsgrad von 90% per 1. Januar 2013 eine ganze Rente zugesprochen (act. G 6).
C.b Die B._ für die obligatorische berufliche Vorsorge entrichtete als letzte
Vorsorgeeinrichtung von D._ gestützt auf den von der IV-Stelle verfügten
Invaliditätsgrad per 1. September 2009 gemäss ihrer gesetzlichen Vorleistungspflicht
die Invalidenleistungen aus der beruflichen Vorsorge (act. G 1.14).
D.
D.a Mit Klageschrift vom 30. Januar 2015 gelangt die B._ für die obligatorische
berufliche Vorsorge (nachfolgend: Klägerin) an das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen und beantragt, es sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge festzustellen,
dass die C._ (nachfolgend: Beklagte) verpflichtet sei, D._ (nachfolgend:
Versicherte) die Invalidenleistungen aus beruflicher Vorsorge zu leisten. Die Beklagte
sei weiter zu verpflichten, der Klägerin die bis zur Rechtskraft des anbegehrten
Entscheids an die Versicherte bezahlten Leistungen zurückzuerstatten, mit Zins zu 5%
seit mittlerem Verfall. Zur Begründung brachte ihr Rechtsvertreter, Rechtsanwalt Peter
Rösler, St. Gallen, im Wesentlichen vor, dass bei der Versicherten im Januar 2000 eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit eingetreten sei, die nach Ablauf des Wartejahrs im
Januar 2001 zu einer Invalidität von 50% geführt habe. Die Versicherte sei immer als
Vollerwerbstätige einzustufen gewesen und habe ihr Arbeitspensum nicht freiwillig,
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sondern ausschliesslich aus gesundheitlichen Gründen gesenkt. Der enge zeitliche
Zusammenhang sei nie unterbrochen worden und damit die Beklagte zur Bezahlung
der Invalidenleistungen aus beruflicher Vorsorge verpflichtet (act. G 1).
D.b Mit Klageantwort vom 21. Mai 2015 beantragt die Beklagte, es sei unter Kosten-
und Entschädigungsfolge die Leistungspflicht der Klägerin festzustellen und diese zu
verpflichten, der Versicherten die reglementarischen Invalidenleistungen aus beruflicher
Vorsorge auszurichten. Das Begehren der Klägerin um Rückerstattung der bis zur
Rechtskraft des Entscheids an die Versicherte ausgerichteten Leistungen sei
abzuweisen. Es werde bestritten, dass die Arbeitsfähigkeit der Versicherten seit dem
Klinikaustritt im Jahr 2000 und der Kündigung durch die E._ per Januar 2001
lediglich und unverändert 50% betragen habe. Das Arbeitspensum sei während der
Anstellungszeit bei der E._ nicht gesenkt worden. Die Anstellung ab dem 1. Februar
1998 sei von Anfang an nur zu 80% erfolgt. Die nachfolgende Senkung auf 70% sei
zwecks Aufnahme der Tätigkeit der Versicherten als Katechetin erfolgt. Die
Arbeitsunfähigkeit der Versicherten habe mit Ausnahme der Zeit von Januar bis März
2000 nie mindestens 20% betragen. Die über Jahre andauernde Stabilität des
Gesundheitszustands der Versicherten sei im Jahr 2008 eingebrochen und habe
folglich zur Invalidität geführt. Weiter sei in keiner Weise erstellt, dass die Versicherte
immer voll erwerbstätig geblieben wäre. Tatsache sei, dass der Beitritt zur
Religionsgemeinschaft sowie die Ausbildung und anschliessende Anstellung als
Katechetin eher zur Schlussfolgerung führe, dass sie ihre Tätigkeit verlagert hätte,
indem die Erwerbstätigkeit zugunsten der Arbeit in der Religionsgemeinschaft reduziert
worden sei. Somit erweise sich die Annahme, die Versicherte sei während der Dauer
des Vorsorgeverhältnisses bei der Beklagten für die in einem Ausmass von 40%
erwerblich nicht verwertbare Arbeitsfähigkeit versichert gewesen, als unzutreffend (act.
G 16).
D.c Replizierend lässt die Klägerin am 28. September 2015 ausführen, dass die
Versicherte bis zum Eintritt in die Klinik G._ im Jahr 2000 vollerwerbstätig gewesen
sei. Unmittelbar nach dem Austritt habe sie ihre Stelle als Religionslehrerin aufgeben
müssen. Es sei unklar, ob die Versicherte auch das Pensum bei der E._ reduziert
habe. Die Arbeitgeberin habe aber das Arbeitsverhältnis auf den 31. Januar 2001
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gekündigt, offenbar wegen ungenügender Arbeitsleistung. Im Weiteren hält die Klägerin
an ihren Rechtsbegehren und deren
Begründungen fest (act. G 22).
D.d Mit Duplik vom 6. November 2015 hält die Beklagte an ihren Anträgen und der
Begründung vollumfänglich fest (act. G 26).

Erwägungen
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die beklagte Vorsorgeeinrichtung eine Invalidenrente aus
beruflicher Vorsorge auszurichten hat bzw. wann eine relevante Arbeitsunfähigkeit der
Versicherten, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, eingetreten ist.
2.
Die örtliche und sachliche Zuständigkeit des angerufenen Gerichts ist gegeben (vgl.
Art. 73 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenvorsorge [BVG; SR 831.40] in Verbindung mit Art. 65 Abs. 1 lit. ebis des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).
3.
3.1 Anspruch auf Invalidenleistungen haben gemäss Art. 23 lit. a BVG Personen, die im
Sinne der Invalidenversicherung zu mindestens 40% invalid sind und bei Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, versichert waren. Nach
Art. 23 BVG versichertes Ereignis ist einzig der Eintritt der relevanten
Arbeitsunfähigkeit, unabhängig davon, in welchem Zeitpunkt und in welchem Masse
daraus ein Anspruch auf Invalidenleistungen entsteht. Die Versicherteneigenschaft
muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht
notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Verschlimmerung der
Invalidität. Diese wörtliche Auslegung steht in Einklang mit Sinn und Zweck der
Bestimmung, nämlich denjenigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern
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Versicherungsschutz angedeihen zu lassen, welche nach einer längeren Krankheit aus
dem Arbeitsverhältnis ausscheiden und erst später invalid werden. Für eine einmal aus
während der Versicherungsdauer aufgetretene Arbeitsunfähigkeit geschuldete
Invalidenleistung bleibt die Vorsorgeeinrichtung somit leistungspflichtig, selbst wenn
sich nach Beendigung des Vorsorgeverhältnisses der Invaliditätsgrad ändert.
Entsprechend bildet denn auch der Wegfall der Versicherteneigenschaft kein
Erlöschungsgrund (Art. 26 Abs. 3 BVG e contrario; BGE 123 V 262 E. 1a, 118 V 35 E.
5). Die Arbeitsunfähigkeit ist relevant, wenn sie mindestens 20% beträgt und sich auf
das Arbeitsverhältnis sinnfällig auswirkt oder ausgewirkt hat. Es muss arbeitsrechtlich
in Erscheinung treten, dass die versicherte Person im bisherigen Beruf an
Leistungsvermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit
entsprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch
gehäufte, gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle. Der Zeitpunkt des Eintritts der
berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit muss mit dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
grundsätzlich echtzeitlich nachgewiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch
nachträgliche Annahmen und spekulative Überlegungen ersetzt werden (Urteil des
Bundesgerichts vom 17. Juni 2013, 9C_91/2013, 9C_110/2013, E. 4.1.2). Art. 23 BVG
kommt auch die Funktion zu, die Haftung mehrerer Vorsorgeeinrichtungen
gegeneinander abzugrenzen, wenn eine in ihrer Arbeitsfähigkeit bereits beeinträchtigte
versicherte Person ihre Arbeitsstelle (und damit auch die Vorsorgeeinrichtung) wechselt
und ihr später eine Rente der Invalidenversicherung zugesprochen wird. Der Anspruch
auf Invalidenleistungen nach Art. 23 BVG entsteht in diesem Fall nicht gegenüber der
neuen Vorsorgeeinrichtung, sondern gegenüber derjenigen, welcher die Person im
Zeitpunkt des Eintritts der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit angehörte (BGE 130 V
275 E. 4.1). Gemäss Art. 26 Abs. 1 BVG gelten für den Beginn des Anspruchs auf
Invalidenleistungen sinngemäss die entsprechenden Bestimmungen des IVG. Aufgrund
dieser Verweisung fällt in der Regel der berufsvorsorgerechtlich relevante Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit nach Art. 23 lit. a BVG mit dem Beginn der einjährigen Wartezeit
nach Art. 28 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) zusammen (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juni 2010, 9C_81/2010, E. 3.1).
3.2 Befindet sich der Versicherte beim Entstehen des Leistungsanspruchs nicht in der
leistungspflichtigen Vorsorgeeinrichtung, so ist jene Vorsorgeeinrichtung
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vorleistungspflichtig, der er zuletzt angehört hat. Steht die leistungspflichtige
Vorsorgeeinrichtung fest, so kann die vorleistungspflichtige Vorsorgeeinrichtung auf
diese Rückgriff nehmen (Art. 26 Abs. 4 BVG).
3.3 Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer
beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach Beendigung
des Vorsorgeverhältnisses eingetretene Invaliditätsrisiko aufzukommen hat, ist indes
erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität ein enger sachlicher und
zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 130 V 270 E. 4.1). In sachlicher Hinsicht liegt
ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Invalidität zu Grunde liegende
Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt
hat. Der zeitliche Zusammenhang setzt voraus, dass die versicherte Person nach
Eintritt der Arbeitsunfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig geworden
ist. Bei der Prüfung dieser Frage sind die gesamten Umstände des konkreten
Einzelfalles zu berücksichtigen, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen
prognostische Beurteilung durch den Arzt sowie die Beweggründe, welche die
versicherte Person zur Wiederaufnahme oder Nichtwiederaufnahme der Arbeit
veranlasst haben. Zu den für die Beurteilung des zeitlichen Konnexes relevanten
Umständen zählen auch die in der Arbeitswelt nach aussen in Erscheinung tretenden
Verhältnisse, wie etwa die Tatsache, dass eine versicherte Person über längere Zeit
hinweg als voll vermittlungsfähige Stellensuchende Taggelder der
Arbeitslosenversicherung bezieht. Allerdings kann solchen Zeiten nicht die gleiche
Bedeutung beigemessen werden wie Zeiten effektiver Erwerbstätigkeit. Mit Bezug auf
die Dauer der den zeitlichen Konnex unterbrechenden Arbeitsfähigkeit kann die Regel
von Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201)
als Richtschnur gelten. Nach dieser Bestimmung ist eine anspruchsbeeinflussende
Verbesserung der Erwerbsfähigkeit in jedem Fall zu berücksichtigen, wenn sie ohne
wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin
andauern wird. Eine mindestens drei Monate andauernde volle Arbeitsfähigkeit,
gestützt auf welche eine dauerhafte Wiedererlangung der Erwerbsfähigkeit als objektiv
wahrscheinlich erscheint, stellt daher ein gewichtiges Indiz für eine Unterbrechung des
zeitlichen Zusammenhangs dar. Hierbei genügt eine volle Arbeitsfähigkeit in einer
angepassten Tätigkeit, sofern diese bezogen auf die angestammte Tätigkeit die
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Erzielung eines rentenausschliessenden Einkommens erlaubt (vgl. BGE 134 V 20 E. 3.2,
3.2.1, E. 5.3).
4.
4.1 Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der
Invalidenversicherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich,
dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in
der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V
106 E. 3c). Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der
gesetzlichen Mindestvorsorge (Art. 6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt
der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des
Invaliditätsgrads) gebunden, soweit die invalidenversicherungsrechtliche Betrachtung
aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar
erscheint (BGE 126 V 309 E. 1). Diese Konzeption fusst auf der Überlegung, die Organe
der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Abklärungen
freizustellen und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurteilungen der IV-Organe,
welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Festlegung des
Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 1 E. 3.2).
4.2 Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung (spätestens) ins
Vorbescheidverfahren (Art. 73ter IVV) einbezogen und ihr die Rentenverfügung
formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juni 2010, 9C_81/2010,
E. 3.1). Dem BVG-Versicherer steht ein selbständiges Beschwerderecht im Verfahren
nach dem IVG zu. Unterbleibt ein solches Einbeziehen der Vorsorgeeinrichtungen, ist
die invalidenversicherungsrechtliche Festsetzung des Invaliditätsgrads (grundsätzlich,
masslich und zeitlich) berufsvorsorgerechtlich nicht verbindlich. Stellt die
Vorsorgeeinrichtung jedoch auf die invalidenversicherungsrechtliche
Betrachtungsweise ab, muss sich die versicherte Person diese entgegenhalten lassen,
soweit diese für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend
war, und zwar ungeachtet dessen, ob der Vorsorgeversicherer im Verfahren der
Invalidenversicherung beteiligt war oder nicht. Vorbehalten sind jene Fälle, in denen
eine gesamthafte Prüfung der Aktenlage ergibt, dass die Invaliditätsbemessung der
Invalidenversicherung offensichtlich unhaltbar war (BGE 130 V 270 E. 3.1). Eine
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Bindungswirkung an die Feststellungen der IV entfällt schliesslich ebenfalls, wenn der
Beginn der Wartefrist wegen der vorgängigen Durchführung von
Eingliederungsmassnahmen nicht exakt festgelegt werden musste oder wenn die IV-
Rente aufgrund einer verspäteten Anmeldung ausgerichtet wird, da diesfalls kein
Anlass für die IV-Stelle bestand, den Beginn der Arbeitsunfähigkeit genau zu ermitteln
(Urteil des Bundesgerichts vom 10. September 2010, 9C_693/2009, E. 5.1).
4.3 Aufgrund der im Recht liegenden Akten war die Klägerin im Vorbescheidverfahren
bis und mit Verfügung vom 9. Juni 2010 (act. G 1.14) am IV-Verfahren beteiligt (IV-act.
30 ff.). Vorbescheid und vorerwähnte Verfügung sind ihr demnach eröffnet worden. Die
Rentenverfügung vom 9. Juni 2010 ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Da
weiter die Klägerin reglementarisch von demselben Invaliditätsbegriff wie die
Invalidenversicherung ausgeht (vgl. Vorsorgereglement [Ziff. 18.2] und Prevo-
Reglement [lit. C4] der B._ für die obligatorische berufliche Vorsorge, Ausgabe
Januar 2015), sind die wesentlichen Feststellungen und Beurteilungen – unter
Vorbehalt der Ausführungen in E. 4.2 – für die Festsetzung der Leistung in dem das IV-
Verfahren abschliessenden Entscheid für die Klägerin verbindlich. In die folgenden IV-
Verfahren (zweimalige Erhöhung des Invaliditätsgrads) wurde die Klägerin nicht mehr
einbezogen, womit eine Bindungswirkung für diese Zeit entfällt. Die Beklagte wurde
erst ab November 2011 ins IV-Verfahren einbezogen (IV-act. 47 ff.). Für sie besteht
damit nur Verbindlichkeit, soweit sie relevante Feststellungen betreffen, die ab
November 2011 bis am 22. Februar 2013 (IV-act. 88) von den IV-Organen getroffen
wurden. Nach diesem Datum wurde die Beklagte nicht mehr einbezogen (IV-act. 91).
4.4 Die IV-Stelle Schwyz erachtete die Versicherte mit Verfügung vom 9. Juni 2010 ab
dem 17. September 2008 als zumindest 40% durchgehend arbeitsunfähig. Die
Wartezeit endete bei dieser Betrachtungsweise am 17. September 2009 (Art. 28 Abs. 1
lit. b IVG; IV-act. 34-2). Eine verspätete Anmeldung wird ausdrücklich verneint (IV-act.
33-1). An diese Feststellungen ist grundsätzlich zumindest die Klägerin gebunden (vgl.
E. 4.3). Im Folgenden ist zu beurteilen, ob eine gesamthafte Prüfung der Aktenlage
ergibt, dass die Feststellungen der Invalidenversicherung offensichtlich unhaltbar sind
bzw. ob eine durchgehende relevante Arbeitsunfähigkeit der Versicherten aufgrund
ihrer psychischen Leiden bereits offensichtlich bestanden hat, als die Versicherte bei
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der Beklagten vorsorgeversichert war (vgl. E. 3.1), womit der in E. 3.3 beschriebene
zeitliche Konnex nicht unterbrochen worden wäre.
5.
5.1 Die Klägerin macht geltend, eine durchgehende wesentliche Arbeitsunfähigkeit der
Versicherten habe ab ihrem Austritt aus der Psychiatrischen Klinik G._ am 20. April
2000, während des Versicherungsschutzes bei der Beklagten, bestanden. Die
Versicherte war – wie erwähnt – vom 1. Februar 1997 bis 31. Juli 1998 in einem 80%-
Pensum und vom 1. August 1998 bis 31. Januar 2001 in einem 70%-Pensum bei der
E._ in St. Gallen angestellt (IV-act. 9-1, 20-9). Gemäss Arbeitszeugnis vom 18.
Januar 2001 wurde das Arbeitsverhältnis per 31. Januar 2001 aufgelöst, weil die
Versicherte eine neue berufliche Herausforderung annehmen wollte (IV-act. 20-9). Die
von klägerischer Seite geltend gemachte Kündigung durch die Arbeitgeberin, weil die
Versicherte trotz reduziertem Beschäftigungsrad die geforderte Arbeitsleistung nicht
mehr habe erbringen können, ergibt sich daraus nicht. In den Akten ist weiter die
behauptete Pensenreduktion der Versicherten bei der E._ ab Mitte des Jahres 2000
von 70% auf 50% nicht dokumentiert. Ab dem 1. Februar 2001 arbeitete die
Versicherte bei H._ in I._ mit einem 60%-Pensum (IV-act. 9.2). Gestützt auf diesen
Sachverhalt ist die Annahme der IV-Stelle Schwyz, dass eine IV-rechtlich relevante
Arbeitsunfähigkeit nicht schon vor September 2008 bestanden hat, nicht offensichtlich
unhaltbar. Daran ändern auch die subjektiven Einschätzungen der Versicherten nichts,
nachdem diese in Bezug auf ihren Gesundheitszustand unterschiedlich ausfallen.
Während sie anlässlich ihres Aufenthalts in den Monaten September bis Dezember
2008 in der Psychiatrischen Klinik J._ davon spricht, dass sie bei anhaltender
Antriebs- und Kraftlosigkeit ab dem 20. April 2000 nur noch Stellen mit einem 60%-
Pensum ausgeübt habe (IV-act. 11-1; vgl. auch IV-act. 1-5, 14-1), gibt sie am 14.
Februar 2007 (richtig wohl 2008) im Formular der K._, an, bei voller Gesundheit voll
arbeitsfähig zu sein, keine Medikamente einzunehmen und in keiner psychologischen
Behandlung zu stehen (IV-act. 10-14). Ob die Versicherte ab dem 1. Februar 2001 aus
freien Stücken lediglich ein 60%-Pensum angenommen hat oder ob sie sich subjektiv
nicht zu einem weitergehenden Pensum in der Lage sah, ist nicht von Relevanz,
nachdem auch – wie sich nachfolgend zeigt – gestützt auf die medizinischen Akten die
Feststellungen der IV-Stelle in
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Bezug auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten nicht offenkundig unzutreffend sind.
5.2 Die Versicherte war vom 24. März bis 20. April 2000 in stationärer Behandlung in
der Psychiatrischen Klinik G._ (act. G 7.1). Als Hauptdiagnose nannten med. prakt.
L._ und med. prakt. M._ von der Klinik G._ am 8. Juni 2000 (act. G 7.1) und am
16. April 2008 (IV-act. 10.-15) einen Zustand nach multiplen Suizidversuchen bei
schwerer depressiver Episode. Sie hielten die Versicherte bei Austritt aus der Klinik für
noch nicht arbeitsfähig. Dr. med. N._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
behandelte die Versicherte anschliessend, ab August 2000 bis Juni 2004, ambulant.
Der Zustand habe sich recht gut stabilisiert, es seien aber immer wieder leichtere
depressive Episoden aufgetreten. Er habe mit der Versicherten meist nur noch
telefonischen Kontakt gehabt. Eine regelmässige Therapie habe nicht stattgefunden,
die Kontakte hätten sich auf telefonische Auskünfte bezüglich Medikamenteneinnahme
beschränkt. Die Versicherte sei sehr kooperativ und bemüht gewesen, sich an die
Therapieregeln zu halten. Er habe die Prognose für eher günstig gehalten (IV-act. 10-11
f.). Gestützt auf diese ärztlichen Berichte ist der Schluss der IV-Stelle in Bezug auf die
Arbeitsfähigkeit der Versicherten nachvollziehbar. Dagegen spricht einzig der Bericht
von Dr. med. O._ und lic. phil P._, Psychologin, von der Psychiatrischen Klinik
J._ vom 22. Dezember 2008, welche als Diagnose eine bipolare affektive Störung mit
gegenwärtig schwerer depressiver Episode festhalten und der Versicherten ab dem 21.
April 2000 eine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit attestieren (IV-act. 11-1). Diese
retrospektive, offenbar zentral auf den Aussagen der Versicherten beruhende
Einschätzung in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit – die Behandlung in der Psychiatrischen
Klinik J._ begann erst Mitte September 2008 (IV-act. 11-2) – ist zwar als Indiz für eine
Leistungseinschränkung der Versicherten bereits im Jahr 2000 zu werten, vermag aber
keine relevante und vor allem durchgehende Arbeitsunfähigkeit ab dem Austritt der
Versicherten aus der Psychiatrischen Klinik G._ am 20. April 2000 zu beweisen. Über
gesundheitliche oder psychiatrische Therapien zwischen Juni 2004 und September
2008 ist nichts aktenkundig.
5.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Feststellungen der IV-Stelle Schwyz
bezüglich Arbeitsunfähigkeit der Versicherten zum Zeitpunkt der Verfügung vom 9. Juni
2010 nicht offensichtlich unhaltbar, sondern nachvollziehbar sind. Nach dem
rechtsgenüglichen Einbezug in das IV-Verfahren ist die Klägerin daran gebunden (vgl.
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E. 4.3). Eine berufsvorsorgerechtliche Arbeitsunfähigkeit der Versicherten ist damit erst
(wieder) ab dem 17. September 2008 (vgl. E. 3.1, 4.4), während des
Versicherungsschutzes bei der Klägerin, eingetreten und der zeitliche Zusammenhang
durch die mehrjährige Arbeitstätigkeit der Versicherten ab Februar 2001 bei der H._
unterbrochen. Der von der Klägerin gemäss Rechtsprechung (Urteil des
Bundesgerichts vom 22. August 2008, 9C_292/2008, E. 4.3.2) erwähnte nicht allzu
strenge Massstab in Bezug auf die Beurteilung der zeitlichen Konnexität bei
Schubkrankheiten besagt gerade nicht, dass ein Unterbruch des Zusammenhangs
nicht leichthin anzunehmen ist. Nicht der Ausbruch der Schubkrankheit – sofern dieser
überhaupt festgestellt werden kann – ist entscheidend, wenn danach wieder eine
längere Arbeitsfähigkeit besteht. In diesem Sinne haben auch die von der Klägerin
zitierten Entscheide (vgl. auch Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG;
seit 1. Januar 2007 sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 4. Februar
2008, B 95/06, E. 3.4) festgestellt, dass der enge zeitliche Zusammenhang
unterbrochen wurde und die aktuelle Vorsorgeeinrichtung leistungspflichtig ist.
5.4 Nachdem der zeitliche Konnex unterbrochen wurde, erübrigt sich eine Prüfung des
sachlichen Zusammenhangs. Es fällt indes auf, dass die Diagnosen der behandelnden
Ärzte unterschiedlich ausfallen. Im Jahr 2008 wird bei der Beschwerdeführerin eine
akute psychotische Störung (F23.0) und eine bipolare affektive Störung festgestellt (IV-
act. 10-5 ff.). Diese Diagnosen werden von den Ärzten der Klinik G._ im Jahr 2000
nicht gestellt. Sie diagnostizieren eine schwere depressive Episode ohne psychotische
Symptome (F32.2; act. G 7.1). Ob nun der der Invalidität zugrunde liegende
Gesundheitsschaden des Jahres 2000 im Wesentlichen derselbe ist, der ab dem Jahr
2008 zur Arbeitsunfähigkeit geführt ist, ist gestützt auf diese Ausführungen fraglich,
bedarf aber – wie erwähnt – keiner abschliessenden Klärung.
5.5 Nach dem Gesagten ist die Klage vollumfänglich abzuweisen. Die von der
Beklagten beantragte Feststellung (vgl. Klageantwort vom 21. Mai 2015) erübrigt sich
bzw. es ist mangels Feststellungsinteresse darauf nicht einzutreten.
6.
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Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 73 Abs. 2 BVG) und ein Anspruch der
obsiegenden Partei auf Zusprechung einer Parteientschädigung besteht nicht (vgl. BGE
128 V 133 E. 5b).