Decision ID: 44df2fdc-bd94-48b2-aabd-b8d105fc82ec
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1961,
Mutter einer im Jahr 2000 geborenen Tochter (Urk. 7/2),
war vom 2
4.
Oktober 2011 bis 3
1.
Mai 2013 als
Bereichs
leiterin
Personalservice bei der
Z._
AG in
A._
angestellt (
Urk.
7/14/2
Ziff.
2.1 und 2.7). Unter Hinweis auf
Anpas
sungs
störungen
meldete
sie
sich am 2
6.
Januar 2013 bei der Invali
den
versicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/7
Ziff.
6.2). Die
Sozialversi
che
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und er
werb
liche Situation ab
und holte beim
B._
ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am 2
2.
Mai 2014 er
stattet wurde (
Urk.
7/49).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/72-73) verneinte die IV-Stelle
mit Verfügung vom
1.
Dezember 2014 (
Urk.
7/81 =
Urk.
2) einen An
spruch auf IV-Leistungen.
2.
Die Versicherte erhob am 1
2.
Januar 2015 Beschwerde gegen die Verfügung vom
1.
Dezember 2014 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie über den Rentenanspruch neu verfüge (
Urk.
1
/1
S. 2
Ziff.
1-2 oben).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
7.
Februar 2015 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 1
6.
Juni 2015 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8).
Mit Gerichtsverfügung vom 1
9.
Februar 2016 wurde die Pensionskasse der
Y._
zum Prozess beigeladen (
Urk.
12 Dispositiv
Ziff.
1), die sich innert
an
gesetzter
Frist nicht vernehmen liess.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
prüfte einen Leistungsanspruch der Beschwerdeführe
rin
nach der zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung
vom
1.
Dezember 2014
geltenden Rechtsprechung des Bundesgerichts (BGE 130 V 352 und spä
tere Urteile), wonach eine diagnostizierte anhaltende somatoforme
Schmerz
störung
und ähnliche
pathogenetisch
-ätiologisch u
nklare Beschwerdebilder ohne nach
weis
bare organische Grundlage allein in der Regel keine Invalidität zu begrün
den vermochten
(vgl. E. 4.1 nachfolgend)
. Die Beschwerdegegnerin kam
dabei
zum Schluss, dass die diagnostizierte Anpassungsstörung nicht ge
nügend schwer
sei, um als Komorbidität im Sinne der damaligen Rechtspre
chung zu genügen.
Die Diagnosen einer
Persönlichkeitsstörung und einer mittelgradigen depressi
ven Episode sei
en
sodann
weder medizinisch noch juristisch nachvollziehbar. Die Beschwerdeführerin habe einen strukturierten Tagesablauf und ein hohes Aktivitätsniveau. Sie treffe andere Leute und unterstütze eine Frau bei Schreib
arbeiten.
Sie
sei weder in ihrer Aufmerksamkeit noch in d
er Konzentration ein
geschränkt
(
Urk.
2
S. 2 oben).
Der Regionalärztliche Dienst
(RAD)
der Beschwerdegegnerin
sei der Ansicht, dass das
psychiatrische Teilgutachten
des
B._
auch nach einer entsprechen
den Rückfrage nicht nachvollziehbar
sei
(
Urk.
6
Ziff.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte vor, für die Prüfung des Anspruchs auf Renten
leistungen sei das psychiatrische Teilgutachten
des
B._
vom 2
0.
März 2014 relevant. Darin werde nach umfangreichen Untersuchungen dargelegt, weshalb sie seit Sommer 2012 aus psychiatrischen Gründen arbeitsunfähig sei. Die Ar
beitsunfähigkeit sei nicht so einfach überwindbar, wie die Beschwerdegegnerin dies behaupte (
Urk.
1 S. 9 oben).
2.3
Streitgegenstand bildet der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
Strittig und zu prüfen ist zunächst
, ob gestützt auf die vorliegenden medizinischen Akten ein Ents
cheid in der Sache möglich ist, oder ob weitere Abklärungen er
forderlich sind.
3.
3.1
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Neurologie und für Psychiatrie und Psy
chotherapie,
D._
, nannte
im Bericht vom 1
4.
März
2013 (
Urk.
7/17
)
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mittel
gradige depressive Episode mit somatischem Syndrom, eine Somatisierun
gsstö
rung und eine
histrionische
Persönlichkeitsstörung (
S. 1
Ziff.
1.1).
Dr.
C._
führte
zur Anamnese
aus, die Patientin berichte
, dass es ihr bereits seit längerer Zeit schlecht gehe. Begonnen habe alles mit einer somatischen Er
krankung in Form von Myomen im Unterleib.
Es habe sehr lange gedauert, bis man diese diagnostiziert habe. Es seien verschiedene Operationen durchgeführt worden. Zunächst habe man versucht, die Myome zu entfernen. Nach einem Rezidiv
sei eine Hysterektomie erfolgt
(S. 1 f.
Ziff.
1.4).
Eine medikamentöse Therapie werde von der Patientin aufgrund von Nebenwir
kungen abgelehnt. Sie habe damit sehr schlechte Erfahrungen gemacht (S.
2
Ziff.
1.4 Mitte).
Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Bereichsleiterin im Lohnwesen bestehe während des stationären Aufenthaltes
im
D._
seit dem 2
3.
Januar 2013 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(
S. 2
Ziff.
1.6).
Die Patien
tin sei derzeit nicht in der Lage, sich den Tag selber ausreichend zu struktu
rieren sowie komplexe kognitive Aufgaben zu meistern (
S. 3
Ziff.
1.7).
Eine weiterführende intensive psychotherapeutische Behandlung mit einer gegebe
nen
falls im Verlauf zu etablierenden medikamentösen Unterstützung sei absolut erforderlich (S. 3
Ziff.
1.8).
3.2
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für Gastro
enterologie, attestierte der Beschwerdeführerin in einem Bericht vom
9.
April 2013 für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit seit dem
1.
September 2012 bis auf
Weiteres
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(
Urk.
7/19/2
Ziff.
1.6).
3.3
Die Beschwerdeführerin war
vom
2
3.
Januar bis
zu ihrem Austritt am
2
8.
März
2013
im
D._
in stationärer psychiatrischer Behandlung
(
Urk.
7/
50 S. 1 oben).
Med.
pract
.
C._
stellte im Austrittsbericht vom 2
5.
April 2013 (
Urk.
7/50) die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischem Syndrom. Als Nebendiagnose nannte
er
eine Somatisierungsstörung (S. 1).
3.4
Die Beschwerdeführerin war sodann vom
4.
b
is
2
4.
Mai
2013 im Spital
F._
hospitalisiert (
Urk.
7/
51 S. 1
).
Die Ärzte des
Spitals
F._
stellte
n im Bericht vom 2
4.
Mai
2013 (
Urk.
7/
51
)
folgende Diagnosen (S. 1 f.):
Verdacht auf Somatisierungsstörung, Gesicht
sdysästhesie rechts,
pul
s
synchrones
Pochen im Ohr rechts
November 2012 Hörtest
November 2012
1.
neurolog
isches
Konsil
G._ mit
Röntgen
HWS
ap
/
lat
/
dens
: degenerativ mit Fehlhaltung,
Dg
.
C
ervi
kos
pondylogenes
Schmerzsyndrom
Januar 2013
2.
neurologisches
Konsil
G._ MRI Schädel:
bland
bis
auf Verdacht auf inzi
dentelle und nicht hochgradige
Stenose A
carotis
interna
rechts vor Abgang A.
ophtalmica
Verdacht auf affektive Störung mit Somatisierung
Januar bis März 2013
D._
, Depression mit somati
schem Syndrom
März 2013 24h-Blutdruckmessung
April 2013 Notfall
F._
Nasenwurzelschmerz
Mai 2013 ORL
H._
Mai 2013
Hospitalisation
Spital
F._
mit
Neurokonsil
vo
m
8.
Mai 2013: keine weiteren neurologischen Abklärungen, allenfalls nochmalige Stellungnahme bezüglich der Darmproblematik (
Rekto
zele
), Röntgen Thorax vom
4.
Mai 2013 verglichen mit
Rx
2006/2007: vorbestehende längsovale Transparenzminderung Rippe 7 links
Darmentleerungsstörung
Januar 2013 MR-
Defäkographie
G._
: ausgeprägte
Enterocele
und
anteriore
Rectocele
G
ynäkologisches
Dezember 2012 Klinik
I._
Gynäkologie:
laparo
skopische
Hys
terektomie
Juni 2012
G._
Gynäkologie:
Laparaskopie
Darmadhäsio
lyse
,
Salpingoovariolyse
links,
Adnexektomie
en bloc links nach
Uterolyse
bei solidem zys
tischem Prozess im
Adnexbereich
links bei Status nach
lapar
o
skopischer
Hysterektomie
November 2012 Hormonbestimmung
Februar 2013 Hormonbestimmung
April 2013 Mammographie und US Mammae,
F._
Verdacht auf arterielle Hypertonie
diverse Allergien inklusive Kontrastmittelallergie
Panik vor Medikamentenwirkung generell
anamnestisch Laktoseintoleranz
Die Ärzte des Spitals
F._
führten aus, die Beschwerdeführerin sei zur
Krisenintervention stationär aufgenommen worden. Während der
Hospitali
sa
tion
habe sie h
auptsächlich unter
Dysästhesien
im Gesicht rechtsseitig zwischen Kie
fer
gelenk und der Nasenwurzel gelitten. Ausserdem
h
ätt
e
n
ein
pulssyn
chro
nes
Pochen im Kopf, intermittierende
Kribbelparästhesien
im rechten Arm und Bein sowie chronische Darmentleerungsstörungen bei einer bekannten
Enterocele
bestanden
. Weiter habe ein ausgeprägtes Gedankenkreisen rund um die Symp
tomatik und eingeengte Gedanken bezüglich Ursache, Diagnostik und Therapie ebendieser Symptome b
estanden. Die Beschwerdeführerin habe immer wieder ein hormonelles Ungleichgewicht vermutet. Die Einnahme von Medikamenten jeglicher Art habe zu Panik geführt (S. 2).
Man
habe einen Übertritt in die Klinik
J._
zur psychosomatischen
Weiterb
ehandlung organisiert, welche die Patientin nach dem Vorgespräch je
doch plötzlich abgelehnt habe. Nach einem Vorgespräch in einer Tagesklinik habe sie gemeint, dass sie dort falsch sei (S. 2 unten).
3.5
Die Beschwerdeführerin
war
seit dem
2.
Oktober 2012 mit längerer Unter
brechung bei
Dr.
med.
K._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psy
cho
therapie, und
Dr.
med.
L_
, Facharzt für
Psychiatrie und Psy
cho
therapie, in
ambulanter
psychiatrischer
Behandlung (
Urk.
7/28
Ziff.
1.2).
Dr.
K._
und
Dr.
L._
nannten
im
Bericht vom 1
1.
Oktober 2013 (
Urk.
7/28)
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
Anpas
sungsstörung
mit Angst und depressiver Reaktion gemischt
(seit mindestens Herbst 2012),
eine Somatisierungsstörung
und einen Verdacht auf Akzen
tu
ie
rung von Persönlichkeitszügen (
Ziff.
1.1).
Dr.
K._
und
Dr.
L._
gaben zum Befund an, die Stimm
ung sei subjektiv ausgegliche
n,
objektiv teilweise herabgesetzt. Es bestehe eine starke in
nere Unruhe und ein
Angetrieben
sein
, teilweise leicht
histrionisch
anmutend. Die Beschwerdeführerin s
ei im formalen Denken kohärent und
eingeengt auf die Kopfschmerzsymptomatik, die Verdauungs
probleme und andere körperliche
Be
schwerden.
Ein Hinweis für Zwänge bestehe nicht. Teilweise bestünden pani
k
ar
tige Angstzustände im Zusammenhang mit dem Erleben und Wahrnehmen kör
perlicher Symptome. Ein Hinweis auf ein Wahnerleben bestehe nicht. Sin
nes
täuschungen und Ich-Störungen würden verneint. Die Beschwerdeführerin
sei rasch ermüdbar und sozial eher zurückgezogen (S. 2
Ziff.
1.4
unten
).
Es bestehe eine regelmässige Behandlung alle zwei Woche
n
, da die Kranken
kasse nicht mehr Sitzungen erlaube. Aktuell bestehe keine Medikation. Versuche mit Antidepressive habe die Patientin nicht vertragen. Sie habe stets mit starken somatischen Nebenwirkungen reagiert (
Ziff.
1.5).
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit bestehe seit Oktober 2012 bis auf Weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. Die Patientin zeige aufgrund ihrer Erkran
kung eine ausgeprägte innere Unruhe, eine rasche Ermüdbarkeit und Angst-
und
Panikzustände, so dass ihr
eine Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt aktuell nicht möglich sei. Selbst eine geregelte Tätigkeit in einem geschützten Rahmen sei
ihr
zum aktuellen Zeitpunkt nicht möglich. Die Belastbarkeit sei nicht gege
ben - jegliche zusätzliche Belastung führe zu einer Symptomverstärkung und einer extremen
Verschlechterung des Zustandsbildes
. Aktuell sei die Patientin nur mit grosser Mühe in der Lage, ihren Haushalt zu führen und sich um die ju
gend
liche Tochter zu kümmern. Auch eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei zum aktuellen Zeitpunkt nicht möglich (S. 3 f.
Ziff.
1.6-1.7).
3.6
3.
6
.1
Die Beschwerdegegnerin gab
beim
B._
ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag, das vom 2
2.
Mai 2014 datiert (
Urk.
7/49).
Das Gutachten beruht auf den am
7.
und 1
9.
März 2014 erfolgten Untersuchun
gen in den Fachgebieten Allgemeine Innere Medizin, Neurologie,
O
rthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates und Psychiatrie
und Psy
chotherapie
und den
den
Gutachtern zur Verfügung gestellten Akten (S. 1).
Die Gutachter
des
B._
stellten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 13
lit
. F.1):
mittelgradige d
epressive Episode
(ICD-10 F32.1)
histrionische
Persönlichkeitsstörung
(ICD-10 F60.4)
Anpassungsstörung
(ICD-10 F43.2)
s
chwere Somatisierungsstörung
(ICD-10 F45.1)
Differentialdiagnose: wahnhafte Störung
Die Gutachter stellten sodann folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 13
lit
. F.2):
arterielle Hypertonie
Defäktionsproblematik
bei
anteriorer
Rectozele
und
Enterocele
nicht signifikante Stenose der
Arteria
carotis
interna
Hyperlipidämie
Laktoseintoleranz
Kontrastmittelallergie
myofasziale
s
Cervicalsyndrom
mit/bei
freier HWS-Beweglichkeit
röntgenologisch weitestgehend altersassoziierte degenerative
Aufbrauchbefunde im Sinne von mehrsegmentalen
Osteochondrosen
,
Spondylosen und
Spondylarthrosen
inkomplettes kongenitales Hypermobilitätssyndrom
dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen
Status na
ch Hysterektomie, Dezember 2012
3.
6
.2
Dr.
med.
M._
, Facharzt für Neurologie und für Psychiatrie und Psy
chotherapie,
führte im psychiatrischen Teilgutachten vom 2
0.
März 2014 aus, bei der Beschwerdeführerin bestünden seit spätestens Sommer 2012 auffällige psychiatrische Symptome.
Eine psychotherapeutische Behandlung
im
D._
Anfang 2013 habe eher zu einer Verschlechterung der psychi
schen Symptomatik geführt. Vorausgegangen seien in den Jahren 2010 und 2012 zwei Unterleib-Operationen, die zu einer Symptomverschiebung geführt hätten. Anstatt Schmerzen im Unterleib bestünden jetzt Magen-Darm-Probleme, Schwindel, Zittern und Angstsymptome (S. 42
Ziff.
1).
Die Bes
chwerdeführerin
habe
als ihr jetziges
Leiden angegeben, dass es zurzeit um ein Ziehen und eine Spannung im Nacken gehe. Die Spannung gehe bis
in den Hinterkopf, bis zur Stelle, wo die
B
lutgefässe eingeklemmt seien und auf die Seite, wo eine Arterienverkalkung und eine Stenose seien. An der rechten
Wange habe sie ein ständiges wechselndes Gefühl. Es fühle sich an wie Amei
sen
. Im Bereich der Nase bestehe ein Schmerz. Sie habe das Gefühl, als ob dort etwas auseinander gezogen werde (S. 43
Ziff.
2.1 oben).
Die Beschwerdeführerin wache gegen 4 Uhr morgens spontan auf. Sie glaube, dass sie die ganze Nacht hindurch denke, da sie morgens von den Gedanken an die rechte Gesichtshälfte geweckt werde. Morgens um 4 Uhr habe sie genug ge
schlafen. S
ie mache dann Kaffee und bereite
sich auf den Tag vor. Um 6
.30 Uhr wecke sie ihre Tochter und
bereite dieser das Frühstück und den Znüni vor. Sie gehe jeden Tag ins Fitness-Center und mache Anti-Stress-Kurse. Sie mache dies, weil sie nicht mehr so viel denken möchte.
W
enn sie nicht mehr ständig an die Beschwerden im Gesicht denke, würden diese eher wieder verschwinden. Ins Fitness-Center gehe sie auch, um Leute zu treffen. Sie sei ein Mensch, der
andere Menschen um sich brauch
e. Der grösste Fehler
des
D._
sei gewesen, dass man sie isoliert habe
. Am Nachmittag habe sie
Arzt
termine
, gehe wieder ins Fitness-Center und helfe einer Frau aus
N._
bei Schreibarbeiten. Sie wolle und müsse sich beschäftigen, um sich von den Be
schwerden abzulenken
. Die Tochter komme am Nachmittag zwar nach Hause, gehe aber gleich wieder
(S. 43 f.
Ziff.
2.1 unten).
Die aktuelle Behandlung bestehe darin, dass sie alle zwei Wochen bei der Psy
chiaterin vorstellig werde. Sie wolle jetzt eine Pause machen und schauen, ob es ihr mit oder ohne Psychiater besser gehe. Sie beschäftige sich sowieso schon 24 Stunden am Tag mit der Erkrankung und wolle jetzt versuchen, Abstand zu nehmen, beginnend mit autogenem Training. Zurzeit wünsche sie keine
erneute stationäre Behandlung (S. 44
Ziff.
2.1). Sie schlafe sieben bis acht Stunden.
Abends sei sie völlig erschöpft und gehe früh in
s Bett. Sie könne gut schlafen
(S. 44
Ziff.
2.3).
Die Beschwerdeführerin sei in der französisch sprechenden Region des Kantons
O._
geboren und aufgewachsen. Ihren leiblichen Vater kenne sie nicht (S. 44
Ziff.
2.4). Am Tag, als sie den Führerschein gemacht habe, sei sie nach
P._
gefahren. Warum genau
P._
wisse sie nicht mehr. Für den Anfang sei es dort super gewesen. Die Leute seien sehr nett gewesen, sie habe immer noch Freunde dort. Wenn sie an
P._
denke, gehe es ihr gleich besser. Die Mutter habe jeden Tag angerufen und sie vermisst. Deshalb sei die Beschwer
defüh
rerin nach eineinhalb Jahren wieder in die Schweiz zurückgekehrt, zwar nicht ins
O._
, aber nach
Q._
. So sei sie der Mutter näher gewesen und habe diese öfter besu
chen
können
(S. 45
Ziff.
2.4).
Sie
habe in verschiedenen Berei
ch
en
gearbeitet, vor allem habe sie Buchhaltung und Lohnbuchhaltung ge
macht. Sie habe immer gerne, viel und gut gearbeitet (S. 45
Ziff.
2.5). Sie müsse ständig an die Beschwerden denken.
Andere Gedanken hätten daneben
keinen Platz.
Sie sei wegen der Gedanken so angespannt, dass sie sich nicht konzent
rieren könne. Gleichzeitig wisse sie, dass sie wieder arbeiten müsse und unbe
dingt auch wolle (S. 45
Ziff.
2.5 unten).
Dr.
M._
stellte zum psychopathologischen Befund fest,
der
Antrieb,
die Psychomotorik und die
Gestik und Mimik seien deutlich gesteigert. Es falle der Beschwerdeführerin deutlich schwer, still auf dem Stuhl zu sitzen (S. 47 oben).
Sie
habe dem Gutachter noch mitgeteilt, dass sie seit zirka 15 Jahren von einer Frau aus der Nachbarschaft verfolgt werde. Sie habe diese Frau noch nie ge
fragt, warum diese sie verfolge
.
Die Frau
tauche im Supermarkt, vor der Schule oder auf der Strasse plötzlich auf. Die Beschwerdeführerin sei sich sicher, dass die Frau sie verfolge
(S. 47 unten).
Die Patientin
sei i
m Gedankengang deutlich beschleunigt bis getrieben. Die körperliche Anstrengung zeige s
ich auch in einem ständig vorhandenen
Kopf
tre
mor
, dem ständigen Einschiessen von Bewegungen im Gesicht, vor allem im Stirnbereich
,
und dem ständigen Mahlen der Kaumuskulatur. Die Gedanken seien völlig von den körperlichen Beschwerden besetzt. Erst gegen Ende der Unter
suchung würden, nachdem die affektive Starre langsam bröckle, hinter der rigiden Fassade Angst und Depression deutlich. Bei der Beschwerdeführerin be
stehe eine schwere Somatisierungsstörung, bei der sich der gesamte fast wahn
hafte Gedankengang nur noch um die Missempfindungen im Bereich des rech
ten Gesichts und des Halses drehe. Andere Denkinhalte seien kaum oder gar nicht mehr möglich. Das Denken, an einer schweren Erkrankung zu leiden, die
von den Ärzten aber bisher noch nicht erkannt worden sei, sei fast wahnhaft verfestigt (S. 49 Mitte).
Die
Foe
rsterkriterien
seien nur zum Teil erfüllt. Die Beschwerdeführerin leide zwar an einer mittelgradigen depressiven Verstimmung und es bestehe eine
histrionische
Persönlichkeitsstörung, so dass von einer Komorbidität von erheb
licher Schwere, Intensität und Ausprägung ausgegangen werden könne. Es liege jedoch keine schwere chronische körperliche Begleiterkrankung vor. Die Be
schwerdeführerin sei aber eben fast wahnhaft davon überzeugt, an einer solchen zu leiden. Auch der soziale Rückzug sei nicht komplett. Angesichts der fast wahnhaften Überzeugung der Beschwerdeführerin, an einer körperlichen und nicht an einer psychischen Erkrankung zu leiden, sei es fast erstaunlich, dass eine psychiatrisch/psychotherapeutische Behandlung stattgefunden habe, die allerdings keine Besserung gebracht und
welche
die Beschwerdeführerin beendet habe. Hintergrund der schweren So
matisierungsstörung sei ein zwei
jähriger „Ärztemarathon“ im Jahr 2009, der zur Entfernung der Gebärmutter geführt habe. Die Beschwerdeführerin habe angegeben, dass der Verlauf der Untersu
chungen und die Operation selbst bei ihr einen „psychischen Schock“ verursacht hätten. Bezeichnenderweise gebe die Beschwerdeführerin über ihr Leben und ihre Vorgeschichte zwar akkurat und akribisch Auskunft, solange es die reinen Daten betreffe. Angaben über ihr Privatleben, insbesonder
e die Beziehung zum Kindsvater und die
Umständen des Kennenlernens usw.
,
möchte sie unter kei
nen Umständen
machen
. So sei zu vermuten, dass hier ein grosses Konfliktfeld bestehe. Dieses sei durch die Entfernung der Gebärmutter reakti
viert worden
. Dies
habe letztendlich, weil offensichtlich andere
Verarbeitungs
mechanismen
fehlten, zur Somatisierung geführt (S. 49 f.).
Gleichzeitig bestehe eine
histrionische
Persönlichkeitsstörung, die sich im Ver
halten während der Exploration, in der Symptomverschiebung nach der Unter
leib-
Operation
und sicherlich auch in den paranoiden Gedanken bezüglich der geschilderten Verfolgung durch eine Frau in de
r Nachbarschaft manifestiere. Hierbei handle es sich vermutlich um eine unbewusste Abwehr gegen die typi
schen zentralen Themen dieser Persönlichkeitsstörung. Allerdings könne hier nicht endgültig entschieden werden, ob die angegebenen Verfolgungsideen der Wahrheit
entsprächen
oder ob sie dem
genannten
histrionischen
Verarbei
tungsmuster
der Versicherten
entspringen würden
. Gleichzeitig bestehe eine mittelgradige, massiv agitierte Depression mit multiplen Ängsten. Nicht nur we
gen der fast wahnhaft anmutenden Überzeugung bezüglich der körperlichen Symptomatik, verbunden mit fast ausschliesslich auf diese Themen fixierten Gedanken sei die Beschwerdeführerin als psychisch schwerkrank anzusehen. Folge man den Vorgaben der ICF, so sei sie derzeit nur sehr eingeschränkt in
der Lage, sich an Regeln und Routinen zu halten. Gleiches gelte für die Planung und Strukturierung von Aufgaben. Aufgrund der maximalen gedanklichen Fixierung auf die Bes
chwerden seien die Flexibilität,
die Umstellungsfähigkeit und die Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit ebenfalls stark limitiert. Aufgrund dieser Störungen seien auch die Fähigkeit zur Anwendung fachlicher Kompe
tenz und die Durchhaltefähigkeit eingeschränkt. Auch die Gruppenfähigkeit sei sicherlich zurzeit nur eingeschränkt vorhanden. Inwieweit die Beschwerdefüh
rerin Arbeitskollegen zuzumuten sei, müsse überaus angezweifelt werden (S. 50 Mitte).
Es zeige sich ein
zeitlicher
Zusammenhang mit der Zunahme psychiatrischer Symptome und dem Beginn der letzten Arbeitsstelle im Oktober 201
1.
Dies sei als deutlicher Hinweis zu werten, dass die Beschwerdeführerin an ihrer letzten Arbeitsstelle wegen der krankheitswertigen Persönlichkeitsstörung überfordert gewesen sei. Dies bestätige auch die zeitnahe aktenkundige Diagnose einer Anpassungsstörung. Auch wenn bei der Versicherten bezüglich einer psychiatri
schen Störung
kaum Krankheitseinsicht bestehe, sei
eine weniger anspruchs
volle Tätigkeit mit weniger Selbständigkeit und weniger direktem Einfluss auf die Arbeitsplanung aus psy
chiatrischer Sicht zu empfehlen
. Es sei davon auszu
gehen, dass die Beschwerdeführerin eine solche Tätigkeit derzeit zumindest mit einem eingeschränkten Zeitpensum ausüben könne (S. 50 unten). Die Beschwer
deführerin sei hochmotiviert
,
Veränderungen an ihrer Situation herbeizuführen. Gleichzeitig habe sie grosse Vorbehalte gegenüber Ärzten, was eine adäquate Versorgung erschweren werde. Trotzdem solle eine schrittweise Heranführung an einfache, klar strukturierte Tätigkeiten versucht werden, wobei derzeit sicher
lich nur eine stundenweise Belastbarkeit vorliege (S. 50 f.).
In den Akten der vorbehandelnden Ärzte würden eine mittelgradige Depression, eine
histrionische
Persönlichkeitsstörung sowie eine Somatisierungsstörung diagnostiziert. Die Diagnosen seien heute zu bestätigen. In der bisherigen Tätig
keit als Buchhalterin in leitender Stellung bestehe aus psychiatrischer Optik eine Arbeitsfähigkeit von 0
%
. Auch in einer Verweistätigkeit bestünden derzeit deutliche Einschränkungen. Aus psychiatrischer Optik könne die Beschwerde
führerin derzeit nur einfache Tätigkeiten mit klarer
,
vorgegebener Struktur und weniger direktem Einfluss auf die Arbeitsplanung mit einem Pensum von 50
%
ausüben
. Seit dem
6.
September 2012 werde fast durchgängig eine Arbeitsun
fähigkeit attestiert. Im Grunde habe sich seit September 2012 keine grosse Ände
rung ergeben, so dass davon auszugehen sei, dass seit September 2012 in ange
passter Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
und in der bisherigen Tätig
keit
eine solche
von 0
%
vorliege (S. 51).
3.
6
.3
Die Gutachter des
B._
kamen zusammenfassend zum Ergebnis
, dass aus ortho
pädischer, internistischer und neurologischer Sicht keine Einschränkun
g der
Arbeitsfähigkeit bestehe
. Hingegen bedingten die psychischen Erkrankungen eine Eins
chränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 15 oben). Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei ausschliesslich auf mehrere psychische Leiden mit
Krank
heitswert
zurückzuführen. Psychosoziale Faktoren als Ursache für die Arbeits
unfähigkeit beziehungsweise die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit seien nicht zu finden (S. 16
lit
. H.2).
3.
7
Dr.
med.
R._
, Facharzt für Neurologie und für Psychiatrie und Psy
chotherapie,
RAD
,
gab in einer Stellungnahme vom
2.
Juni 2014 (
Urk.
7/74 S. 4 unten) an, das Gutachten des
B._
vom 2
2.
Mai 2014 erfülle die formalen Qualitätskriterien eines Gutachtens. Es sei jedoch besonders im psychiatrischen Befund nicht vollständig nachvollziehbar.
Dr.
R._
empfahl eine Rückfrage beim
B._
.
3.
8
3.
8
.1
Die Beschwerdegegnerin stellte den Gutachtern des
B._
in einem Schreiben
vom
6.
Juni 2014 (
Urk.
7/60)
folgende Fragen: „Bitte begründen Sie ausführlich anhand welcher Diagnosekriterien, bei bisher unauffälligem Lebenslauf, die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung gestellt werden kann?“ (
Ziff.
1). „Bitte be
gründen Sie, ob es sich um eine Anpassungsstörung oder um eine mittelgra
dige depressive Episode handelt und warum?“ (
Ziff.
2).
3.
8
.2
Dr.
M._
,
Dr.
med.
S._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin
,
Dr.
med.
T._
und
U._
,
B._
, antworteten am 3
0.
Juni 2014 (
Urk.
7/64) auf die Fragen
der Beschwerdegegnerin
. Die Gutachter erklärten
, angesichts der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin über ihre Vorgeschichte überaus spärlich oder über wichtige Themen überhaupt nicht berichtet habe, sei es richtig, dass üb
er ihre Lebensgeschichte nicht durchgängig Auskunft gegeben werden könne. Grundsätzlich könne man eine Persönlichkeitsstörung über sechs deskriptive Punkte nach ICD-10 diagnostizieren, aber auch psychodynamisch. Auch ohne explizite Nennung
durch die
Beschwerdeführerin bestünden durchaus Hinweise
darauf
, dass in ihrer Lebensgeschichte erhebliche Inkonsistenzen bestünden. Beispielsweise sei eine unmotivierte Abreise nach
P._
zu erwähnen und, obwohl es ihr dort gut gegangen sei,
die
ebenso
nicht begründete Rückkehr in die Schweiz (S. 1).
Über die private Situation der nächsten Jahre sei ebenfalls nichts zu erfahren. Dies stehe aber sicherli
ch ebenso im Dienste der Abwehr
wie die aktenkundige Inszenierung in den letzten Jahren: Nach Abschluss einer psy
chiatrischen Behandlung im
D._
, nach welcher eine deutliche Besserung der Symptomatik beschrieben worden sei,
habe
die Beschwerdefüh
rerin
sich
wenige Tage später notfallmässig in ein Spital aufnehmen
lassen
. Die tendenziöse Inszenierung der
histrionischen
Persönlichkeitsstörung arbeite und entstehe mit Hilfe von Abwehrmechanismen wie Verdrängung, Auslastung und Ignorierung um die unlustvolle intrapsychische Spannung, die vom Gefühl der Verlassenheit, der Leere und der Sinnlosigkeit geprägt sei, ungeschehen zu ma
chen (S. 2 oben).
Die Diagnosen einer Anpassungsstörung und einer Depression würden einander nicht ausschliessen. Die Diagnose einer Depression sei bei der Beschwerde
führerin zu stellen, da
sich am Ende der Exploration
hinter der im Dienste der Ab
wehr der Depression stehenden vorhandenen Agitierthe
it Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und eine doch erhebliche Depressivität gezeigt hätten. Bei einer Anpassungsstörung handle es sich um Zustände emotionaler Beeinträch
tigung, die während eines Anpassungsprozesses nach einer entscheidenden
Lebens
ver
änderung
oder nach belastenden Lebensereignissen auftreten würden
und sozi
ale Funktionen und Leistungen behinderten. Die Ursache, die zur Akzen
tuierung der Symptomatik geführt habe, sei die Kündigung der Arbeitsstelle. Durch die damit verbundene erhebliche Kränkung sei eine weitere
Labilisierung
der so
wieso schon instabilen Persönlichkeitsstrukturen herbeigeführt worden. Somit sei das einführende Kriterium einer entscheidenden Lebensveränderung erfüllt.
Da es durchaus Menschen gebe, die nach belastenden Eigen- oder
Lebensver
änderungen
länger als sechs Monate depressiv seien, gingen Kommentatoren da
hin, das Zeitfenster so lange offen zu halten, wie die Belastung oder das auslö
sende Ereignis anhalte. Da bei der Beschwerdeführerin die Kränkung über die Kündigung das auslösende Element sei und die Kränkung weiterhin anhalte, könne eine Anpassungsstörung diagnostiziert werden, obwohl der Zeitpunkt der Kündigung mehr als sechs Monate zurückliege (S. 2 unten).
3.9
Dr.
R._
gab in einer weiteren Stellungnahme vom
4.
Juli 2014 (
Urk.
7/74 S.
5) an, auch nach Beantwortung der Zusatzfragen sei das psychiatrische
Teilgut
achten
des
B._
aus medizinischer Sicht nicht nachvollziehbar. Psychiatrisch betrachtet sei die Beschwerdeführerin sicherlich schwer erkrankt. Da es sich um einen versicherungsmedizinischen Kontext handle, seien die Schlussfolgerungen
aber
anders zu gewichten. Nachvollziehbar
seien einzig eine
Somatisierungs
- und eine Anpassungsstörung.
Auch eine Somatisierungs
stö
rung
entstehe nach psychodynamischer Theorie als Symptomverschiebung von unge
lösten
intra
psychischen
Konflikten. Somit sei nicht nachvollziehbar, warum eine
Persön
lichkeitsstörung
vorliege, bei bisher komplett unauffälliger
Lebens
anam
nese
. Dass ein junger Mensch, wenn er vom Land
in
die grosse Stadt und
auch
noch
in ein anderes Land ziehe, eine super Zeit empfunden habe, sei aus Sicht des RAD durchaus als normal anzusehen. Dies reiche nicht aus, um eine Persönlichkeitsstörung zu begründen. Ebenso wenig sei eine mittelgradige depres
sive Störung nachvollziehbar, da die Beschwerdeführerin ein sehr hohes
Akti
vitätsniveau
mit vielen Aktivitäten zeige (siehe Tagesablauf). Dass der
Job
ver
lust
für sie eine schwere Kränkung gewesen sei und dies zum Auslöser der
An
passungsstörung
und weiterer psychischer Beschwerden geführt habe, sei eben
falls nachvollziehbar.
Zusammenfassend handle es sich aus Sicht des RAD um eine Somatisie
rungs
störung und eine Anpassungsstörung. Eine schwere Komorbidität liege nicht vor
.
3.10
Am 2
0.
August 2014
fand
eine Besprechung
des
Rechtsdienstes der
Beschwerde
gegnerin
mit RAD-Arzt
Dr.
R._
statt
. Die Beschwerdegegnerin
hielt über die Besprechung fest
(
Urk.
7/74 S. 6 unten), die Diagnosen einer
Persönlichkeits
störung
und einer mittelgradigen depressiven Episode seien weder medizinisch noch juristisch nachvollziehbar. Es bestünden eine Anpassungsstörung und eine Somatisierungsstörung.
Eine psychische Komorbidität von erheblicher Ausprä
gung, Intensität, Dauer und Schwere sei nicht vorhanden. Falls eine mittelgra
dige depressive Episode vorliegen sollte, wäre diese nicht ausreichend.
Die Beschwerdeführerin habe ein sehr
hoh
es Aktivitätsniveau und einen geregel
ten Tagesablauf. Sie sei weder in ihrer Aufmerksamkeit noch in de
r
Konzen
tration eingeschränkt.
Die Anpassungsstörung sei gemäss aktueller Rech
t
spre
chung nicht genügend schwer, um als Komorbidität zu genügen. Die F
oe
rster Kriterien seien nicht erfüllt.
4.
4.1
Mit
BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursa
che und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 u
nd an
schliessende Urteile) ange
passt und festgehalten, dass die Invaliditätsbemessung stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berücksichti
gen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen niederschlagen muss. Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit bezweckte die durch BGE
130 V 352 begründete Rechtspre
chung die Sicherstellung eines gesetzmässigen
Versi
cherungsvollzuges
mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe beziehungsweise (seit E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der Überwindbarkeitsvermutung. Deren Rechtsnatur kann offen bleiben. Denn an dieser Rechtsprechung ist nicht festzuh
alten. Das bishe
rige Regel/Ausnahme-Modell wird durch ein st
rukturier
tes Beweisverfahren er
setzt. An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – ausschliessliche Berücksichtigung der Folgen der gesundheitlichen Beeinträchti
gung und objektivierte Zumutbarkeitsprüfung bei materieller Beweisl
ast der rentenansprechenden Per
son (Art. 7 Abs. 2 ATSG) – ändert sich dadurch
nichts. An die Stelle des bishe
rigen Kriterienkatalogs (bei anhaltender somatoformer Schmerzstörung und vergleichbaren psychosomatischen Leiden) trete
n im Re
gelfall beachtliche Stan
dardindikatoren. Diese lassen sich in die Ka
tegorien Schweregrad und Konsis
tenz der funktionellen Auswirkungen einteilen. Auf den Begriff des primären Krankheitsgewinnes und die
Präponderanz
der psychiatri
schen Komorbidität ist zu verzichten. Der Prüfungsraster ist rechtlich
er Natur. Recht und Medizin wir
ken sowohl bei der Formulierung der
Standardindika
toren
wie auch bei deren – rechtlich gebotener – Anwendung im Einzel
fall zu
sammen. Im Grunde konkre
tisieren die in E. 4 und 5 formulierten Beweisthemen und Vorgehensweisen für die Invaliditätsbemessung bei psychosomatischen Leiden die gesetzgeberischen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die
Aner
kennung eines rentenbegrün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, w
enn die funktionellen Auswirkun
gen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nach
gewiesen sind. Fehlt e
s da
ran, hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wi
e vor die materiell beweisbelas
tete versicherte Person zu tragen (E. 6).
4.2
Die im Regelfall be
achtlichen Standardindikatoren, welche nach gemeinsamen Eigenschaften sys
tematisiert werden können, umschreibt das Bundesgericht i
n
BGE 141 V 281
wie folgt:
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
(E. 4.3.1.2)
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen; E. 4.3.2)
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens; E. 4.4)
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Lei
dens
druck
(E. 4.4.2)
Die Antworten, welche die medizinischen Sachverständigen anhand der (im Ein
zelfall relevanten) Indikatoren geben, verschaffen den Rechtsanwendern In
dizien, wie sie erforderlich sind, um den Beweisnotstand im Zusammenhang mit
der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit bei psychosomatischen Störu
ngen zu überbrücken (E. 4.1.3).
5.
5.1
Die Gutachter des
B._
kamen zum
Ergebnis
, dass die Beschwerdeführerin
einzig
aus psychiatrischer Sicht
in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist.
Der Gutachter
Dr.
M._
stellte
(mit Relevanz für die Arbeitsfähig
keit)
die Diagnosen
einer
histrionischen
Persönlichkeitsstörung, einer schweren Somati
sie
rungsstörung (Differentialdiagnose: wahnhafte Störung), einer
Anpassungs
stö
rung
und einer mittelgradigen depressiven Episode.
Gemäss
Dr.
M._
ist die Beschwerdeführerin
aufgrund der psychiatrischen Störung
in der zuletzt ausge
übten Tätigkeit als Buchhalterin in leitender Stellung
nicht mehr arbeitsfähig.
Auch
in
einer
Verweistätigkeit
sei
sie nur
eingeschränkt
mit einem Pensum von
50
%
arbeitsfähig
(E. 3.
6
.2 und 3.
6
.3
hiervor).
5.2
RAD-Arzt Dr.
R._
(vorstehend E.
3.9) ging hingegen davon aus, die im
B._
-Gutachten gestellte Diagnose einer Persönlichkeitsstörung sei nicht nach
vollziehbar, dies angesichts der bis zum Alter von zirka 50 Jahren unauffälligen Biographie mit durchwegs erfolgreicher Bewältigung des privaten und beruf
lichen Lebens. Nicht nachvollziehbar sei auch die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Störung, dies angesichts eines im Tagesablauf dokumentierten hohen Aktivitätsniveaus.
5.3
Die
B._
-Gutachter führten auf Nachfrage der Beschwerdegegnerin unter ande
rem aus, eine Persönlichkeitsstörung lasse sich grundsätzlich über die Kriterien der ICD-10 diagnostizieren, aber auch ‚psychodynamisch‘ (vorstehend E.
3.8.2), wobei die daran anschliessenden Ausführungen offenbar die psycho
dynamische Erklärungsvariante darstellen.
In den diagnostischen Leitlinien zur Diagnosegruppe F60 (spezifische
Per
sönlichkeitsstörungen
) werden die folgenden Kriterien genannt (H.
Dilling
/ W.
Mom
bour
/ M. H. Schmidt, Hrsg.,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V, 9. Auflage, Bern 2014, S. 276 f.):
1.
Deutliche Unausgeglichenheit in den Einstellungen und im Verhalten in mehreren Funktionsbereichen wie Affektivität, Antrieb, Impulskontrolle, Wahr
nehmen und Denken sowie in den Beziehungen zu anderen.
2.
Das auffällige Verhaltensmuster ist andauernd und gleichförmig und nicht auf Episoden psychischer Krankheiten begrenzt.
3.
Das auffällige Verhaltensmuster ist tiefgreifend und in vielen persönlichen und sozialen Situationen eindeutig unpassend.
4.
Die Störungen beginnen immer in der Kindheit oder Jugend und manifestieren sich auf Dauer im Erwachsenenalter.
5.
Die Störung führt zu deutlichem subjektiven Leiden, manchmal jedoch erst im späteren Verlauf.
6.
Die Störung ist meistens, aber nicht stets, mit deutlichen Einschränkungen der beruflichen und sozialen Leistungsfähigkeit verbunden.
Vergleicht man die in den Arztberichten dokumentierten Befunde mit den Kriterien gemäss ICD-10, so ist augenfällig, dass höchstens einige der Kriterien erfüllt sind, andere - namentlich das Auftreten der Störung spätestens in der Jugend - hingegen gar nicht.
Vor diesem Hintergrund ist der Beurteilung durch Dr.
R._
zu folgen und die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung als nicht nachvollziehbar zu verwerfen.
5.4
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist einer mittelschweren depressi
ven Episode in der Regel keine invalidisierende Wirkung beizumessen (Urteil des Bundesgerichts 8C_774/2013 vom
3.
April 2014, E. 4.2).
Als Begründung der im
B._
-Gutachten attestierten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit fällt die genannte Diagnose somit ausser Betracht; insoweit ist der Beurteilung durch Dr.
R._
zu folgen.
Im Hinblick auf die diagnostizierte Somatisierungsstörung ist jedoch die
mit
BGE 141 V 281
ange
passte
Rechtspre
chung zu beachten.
So gilt
, dass
eine Depression nicht mehr allein wegen ihrer (allfälligen) medi
zi
ni
schen
Konnexität
zu einem
Schmerzlei
den
jegliche Bedeutung als potentiell ressourcenhemmender Faktor verliert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3).
Daraus folgt, dass die diagnostizierte
Depression
unter dem
Indikator
der Wechselwirkungen der Somatisierungsstörung mit begleiten
den krankheitswertigen Störungen
Rech
nung zu tragen ist
.
5.
5
Aus dem psychiatrischen Teilgutachten ergibt sich, dass
die
diagnoserelevanten Befunde und Symptome der Somatisierungsstörung
schwer ausgeprägt
sind
.
So stellte der
Gutachter
fest
, dass der
Beschwerdeführerin kaum ein anderer Ge
danken als an die beschriebene
n körperlichen Symptome
und
Missempfingun
gen
möglich
sei
.
Dabei stellte er gar die
Differentialdiagnose einer wahnhaften Störung.
Der Indikator
erweist sich daher als stark ausgeprägt.
Beim
Indikator Behandlungserfolg
/
-resistenz ergib
t
sich
ein differenziertes Bild. So ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin eine zwischenzeitliche psychotherapeutische Behandlung wieder beendet hat
. Die Behandlung erfolgte
mit einer Frequenz von vierzehn Tagen
(E. 3.
6
.2 hiervor)
.
Dies
ist
jedoch mit der Somatisierungsstörung selber
beziehungsweise damit zu erklären,
da
ss
die Be
schwerdeführerin der festen Überzeugung ist, an körperlichen Krankheiten zu leiden.
Beleg hierfür
ist, dass Abklärungen in
somatischer Hinsicht zu
r
G
enüge
stattgefunden haben
.
Die Beschwerdeführerin hat sodann den Versuch einer stationären Behandlung unternommen.
Es kann
ihr
daher
nicht
vorgewor
fen werden, dass sie die Behandlungsmöglichkeiten
nicht ausgeschöpft hätte.
Im Weiteren
ist auf
erhebliche
Wechselwirkungen der
schweren
Somatisierungs
störung
mit der
Anpassungsstörung und
der
mitt
elgradigen depressiven Episode hinzuweisen.
Der Indikator erweist sich daher als ausgeprägt.
Bei der Prüfung allfälliger Ressourcen ergeben sich
kaum Hinweise, dass die Beschwerdeführerin auf solche zurückgreifen könnte.
Zwar verfügt die Be
schwerdeführerin durchaus über soziale Kontakte, doch ist
sie es
, die einer Fra
u aus
N._
behilflich ist.
Dass sie ihrerseits Unterstützung von Freunden oder Familienmitgliedern
erhält, wird im Gutachten nicht erwähnt.
Überdies hat sie ihre minderjährige Tochter zu betreuen.
Positiv ist zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin über einen gere
gelten Tagesablauf
und über
gewisse
soziale Kontakte verfügt
.
Zudem ist
von ei
nem gewissen Aktivitätsniveau der Beschwerdeführerin auszugehen. Dass
sie
für
eine
Frau aus
N._
Schreibarbeiten erledigt, deckt sich mit
im Gut
achten
attestierten Restarbeitsfähigkeit von 50
%
in einer Verweistätigkeit.
5.6
Die Beschwerdegegnerin
stellte
in ihrer Beurteilung
auf die zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung geltende sogenannte Schmerzrechtsprechung ab.
Da
bei
wich sie
von der Einschätzung der Gutachter des
B._
ab und ging davon aus, dass die Beschwerdeführerin nicht in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist. Im Vergleich dazu
ergibt
die Prüfung der Kriterien
nach BGE 141 V 281
namentlich
, dass die Beschwerdefüh
rerin
infolge der
schweren Somatisie
rungs
störung massgeblich in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt
ist
. Nach Prüfung der Indikatoren erweist sich die von
Dr.
M._
attestierte Arbe
itsfähigkeit als
vertretbar
und es besteht
keine Veranlassung
, von seiner Beurteilung abzu
weichen.
Demzufolge ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin die angestammte Tätigkeit
seit September 2012
invalidi
tätsbedingt
nicht
mehr
möglich
war
. In einer einfachen Tätigkeit mit klarer
,
vor
gegebener Struktur und wenig
direktem Einfluss auf
die Arbeitsplanung
best
and
dagegen
ebenfalls seit September 2012
ein zumutbares Pensum von 50
%.
6.
6.1
Nach dem Gesagten erweisen sich ergänzende medizinische Abklärungen als entbehrlich.
Hingegen
ist die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie den Sach
ver
halt abkläre hinsichtlich der
Statusfrage (Teil- oder Vollerwerbstätigkeit)
,
der
für die Ermittlung des hypothetischen Umfanges der Erwerbstätigkeit massge
ben
den Umstände,
der
Frage des Bestehens eines Aufgabenbereichs im Sinne von Art. 5 Abs. 1 IVG sowie d
er
der
Beschwerdeführerin
im Rahmen des Haushaltes noch möglichen Tätigkeiten,
allenfalls unter Berücksichtigung der - soweit ersichtlich im gleichen Haushalt lebenden Tochter - möglichen Mithilfe im Haushalt
.
Nach Vornahme der
erforderlichen Abklärungen wird sie über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin neu zu befinden haben.
6.2
Es bleibt sodann dem Ermessen der Beschwerdegegnerin überlassen, die Be
schwerdeführerin allenfalls unter Hinweis auf deren Schadenminderungspflicht
zu einer adäquaten Behandlung der psychischen Beeinträchtigungen anzu
halten
.
7.
7.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf
Fr.
8
00.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin reichte am 2
6.
Februar
2016 (
Urk.
14
) die Honorarnote (
Urk.
15) ein.
Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert (
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
Der vom Rechtsvertreter geltend gemachte Aufwand von 13 Stunden und 45 Minuten zuzüglich Spesen (
Urk.
15) ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen, insbesondere aufgrund der Tat
sache, dass
er
die Beschwerdeführerin schon im
Vorbescheidverfahren
vertrat und ihm die Akten somit bekannt wa
ren. Angesichts der 83 Aktenstücke der Beschwerdegegnerin und der elfseitigen Rechtsschrift ist die Entschädigung von Rechtsanwalt Lorenz
Fivian
bei An
wendung des gerichtsüblichen
Stundenan
satzes
von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
2‘400.-- (inklusive
Bar
auslagen
und Mehrwertsteuer) festzusetzen.