Decision ID: d47fef75-76ec-5038-a8b2-d06f381e0803
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1982, Mutt
er zweier Töchter
(geboren
2005 und 2006
), arbeitete
zuletzt
vom 1
5.
November 2007 bis zum
8.
November 2008 als Verkäuferin für die
Y._
AG
in einer Tankstelle
in
Z._
(vgl.
Urk.
9/15
). Am 2
5.
Mai 2009 (Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte
unter Hinweis auf eine
infolge
eines
Raubüberfalls
am Arbeitsplatz
erlittene posttraumatische Belastungsstörung
bei der Sozialversicherungsanstal
t des Kantons Zürich, IV
Stelle, zum Leistungsbezug
(
Massnahmen für die berufliche Eingliederung) an (
Urk.
9/1)
.
Die IV-Stelle holte
die
A
kten de
r Schweizerischen
Unfallversiche
rungsanstalt
(SUVA,
Urk.
9/7), einen Auszug aus dem individuellen Konto (
IK
Auszug
vom
2.
Juni 2009,
Urk.
9/8) und d
ie Akten der Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich (
Urk.
9/10)
ein. Weiter nahm sie
den Bericht von
med.
pract
.
A._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
8.
Juni 2009 (
Urk.
9/14) und den Arbeitgeberbericht der
Y._
AG v
om 1
8.
Juni 2009 (
Urk.
9/15) zu den Akten
.
Am 2
1.
September 2009 teilte
die IV-Stelle
der Versi
cherten mit, dass berufliche Eingliederungsmassnahmen
(
derzeit
)
nicht möglich seien
(
Urk.
9/17).
Da
raufhin
holte
die IV-Stelle
die
Verlaufsbe
richt
e
von
med.
pract
.
A._
vom 13.
November 2009 (
Urk.
9/19)
und vom 3
0.
Juni 2010 (
Urk.
9/23)
ein
.
Nachdem am 2
1.
Oktober 2010 zunächst eine Untersu
chung im Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD)
geplant war
, zu der
die Versi
cherte nicht erschien
en war
(
Urk.
9/26 und
Urk.
9/48/6
), gab
die IV-Stelle bei der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des
B._
ein Gutachten in Auft
rag, das am 2
0.
April 2011 erstattet wurde (
Urk.
9/34
; nachfolgend: Gutachten des
B._
)
.
In der Folge zog die IV-Stelle
w
eitere Akten der SUVA bei (Urk.
9/36).
Nach entsprechendem Vorbescheid vom 2
4.
April 2012 (
Urk.
9/41) wies
sie
das Begehren der Versicherten um berufliche Massnahmen mit Verfügung vom
6.
Juni 2012
ab
(
Urk.
9/44)
.
Mit Vorbescheid vom 22.
August 2012 stellte
die IV-Stelle
der Versicherten
sodann
die
Zusprache
einer
Viertelsrente
mit Wirkung ab dem
1.
November 2009 in Aussicht (
Urk.
9/50). Gleichzeitig
hielt
sie
die Versicherte
mit Schreiben
vom 2
2.
August 2012
dazu an
,
im Rahmen der ihr obliegenden
Schadenminderungs
pflicht
die fachärztlich-psychiatrische Behandlung fortzusetzen (
Urk.
9/49).
Wie angekündigt,
sprach die
IV-Stelle der Vers
icherten mit Verfügungen vom 1.
Februar 2013 mit Wirkung ab dem
1.
November 2009 – gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 44
%
- eine
Viertelsrente
zu (
Urk.
9/59 und
Urk.
9/60).
1.2
Im September 2013 leitete die IV-Stelle von Amtes wegen ein
Revisions
verfah
ren
ein und holte
einen aktuellen
IK
-Auszug (
IK-Auszug vom 1
8.
September
2013,
Urk.
9/63) und
den Bericht von
med.
pract
.
A._
vom 16.
Oktober 2013 (
Urk.
9/65) ein. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbe
scheid vom 1
2.
März 2014,
Urk.
9
/67, und Einwand vom
2
4.
März 2014
,
Urk.
9/71, bzw.
2
1.
Mai 2014,
Urk.
9/75) hob die IV-Stelle die
Rentenverfügun
g
en
vom
1.
Februar 2013
mit Verfügung vom 18.
August 2014
wiedererwä
gungsweise
auf und stellte
die Rente der
Versicherten
mit Wirkung auf Ende des der Zustellung de
r Verfügung folgenden Monats ein
(
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 1
5.
September 2014 Beschwerde und bean
tragte, die angefochtene Verfügung sei ersatzlos aufzuheben und es sei festzu
stellen, dass sie rückwirkend und weiterhin Anspruch auf eine
Viertelsrente
habe. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsvertretung (
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 2
0.
Oktober 2014 auf
Abweisung der Beschwerde (Urk.
8), was der Beschwerdeführer
in
am 2
2.
Oktober 2014 angezeigt wurde (
Urk.
10).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad
gemäss
Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen
durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
Die seit dem 1. Januar 2004
massgeblichen
Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
Gemäss
Art.
53
Abs.
2
ATSG
kann der Versicherungsträger auf formell rechts
krä
f
tige Verfügungen oder
Einspracheentscheide
zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeu
tung ist. Die Wiedererwägung dient der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung
einschliesslich
unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdi
gung des Sachverhalts
(Urteile
des Bundesgerichts 9C_215/2015 vom 1
0.
Juni 2015 E. 2 und 9C_135/2014 vom 1
4.
Mai 2014 E. 3, je mit Hinweisen).
Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel erfüllt, wenn eine
Leistungszusprache
aufgrund falsch oder unzutreffend verstandener
Rechtsre
geln
erfolgt ist oder wenn
massgebliche
Bestimmungen nicht oder unrichtig
angewandt wurden. Anders verhält es sich, wenn der Wiedererwägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen liegt, deren Beurteilung not
wendigerweise Ermessenszüge aufweist. Erscheint die Beurteilung einzelner Schritte bei der Feststellung s
olcher Anspruchsvoraussetzungen (
Invaliditäts
bemessung
, Arbeitsunfähigkeitss
chätzung, Beweiswürdigung, Zumutbarkeitsfra
gen) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung darbot, als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus. Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss - derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung - denkbar (Urteile
des Bundesgerichts 9C_2
15/2015 vom 1
0.
Juni 2015 E. 2 und
9C
_135/2014 vom 1
4.
Mai 2014 E. 3, je
mit Hinweisen
).
Um wiedererwägungsweise auf eine verfügte Leistung zurückkommen zu kön
nen, genügt es nicht, wenn ein einzelnes Anspruchselement rechtswidrig fest
gelegt wurde. Vielmehr hat sich die
Leistungszusprache
auch im Ergebnis als offensichtlich unrichtig zu erweisen. So muss etwa, damit eine zugesprochene Rente wegen einer unkorrekten Invaliditätsbemessung wiedererwägungsweise aufgehoben werden kann - nach damaliger Sach- und Rechtslage - erstellt sein, dass eine korrekte Invaliditätsbemessung hinsichtlich des Leistungsanspruchs zu einem andern Ergebnis geführt hätte
(BGE 140 V 79
f.
E. 3.1).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 12
5 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
begründete den angefochtenen Entscheid
im Wesentli
chen
damit,
dass
die mit Verfügung
en
vom
1.
Februar 2013 erfolgte
Zusprache
einer
Viertelsrente
aufgrund einer
leichtgradi
gen
posttraumatischen
Belas
tungsstörung
(PTBS)
und einer mittelgradigen depressi
ven Episode in partieller Remissi
on erfolgt sei
,
ohne dass
die
PTBS auf ihre Überwindbarkeit hin geprüft worden sei.
Im R
ahmen
der unterlassenen Überwindbarkeitsprüfung
, für welche
bei einer PTBS
gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung die gleichen Krite
rien wie bei einer
somatoformen
Schmerzstörung gelten würden
,
wäre
als psy
chische Komorbidität
nur
die depressive
Symptomatik in Frage gekommen.
Bei
d
er
depressive
n Symptomatik, die
vorliegend
von einer
erhebliche
n
,
grundsätz
lich IV-fremden
psychosoziale
n
Belastungssituation
unterhalten worden sei,
habe
es
sich
dabei
aber
nicht um eine
von der PTBS
losgelöste psychische Komorbidität
gehandelt
, die sich aufgrund ihres Schwereg
rades unbestreitbar von der PTBS
hätte
unterscheiden
lassen.
Die sogenannten Foerster-Kriterien seien ebenfalls nicht erfüllt gewesen. Somit seien die gesundheitlichen Beschwerden im Zeitpunkt
des Erlasses
der Verfügung
en
vom
1.
Februar 2013 mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar gewe
sen,
und es habe
kein IV-relevanter Gesundheitsschaden
vorgelegen
.
Es
seien
demnach
eine unrichtige
Feststellung im Sinne
der Würdigung des Sachverhalts und damit ein
Wiedererwägungsgrund gegeben
.
Im Weiteren sei seit
Erlass
der Verfügun
g
en
vom
1.
Februar 2013 ein Jahr vergangen. An den Diagnosen und an der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit habe sich
seither
nichts geändert. Es könne von einem unveränderten Gesundh
eitszustand ausgegangen werden
,
und die gesundheitlichen Beschwerden seien auch heute mit einer zumutbaren
Willens
anstrengung
überwindbar. Es bestehe daher weiterhin kein IV-relevanter Gesundheitsschaden und die Beschwerdeführerin habe auch künftig keinen Rentenanspruch (
Urk.
2
S. 2
).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber geltend, dass die
Rentenzuspra
che
vom
1.
Februar 2013 auf dem ausführlich begründeten
psychiatrischen
Gutac
hten des
B._
vom 2
0.
April 2011 beruht habe. Die Gutachterinnen hätten erklärt, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin durch die seit Novem
ber 2008 bestehende Depression beeinträchtigt sei.
Gemäss der
bundesgerichtli
chen
Rechtsprechung stelle eine depressive Störung
für sich keinen
patho
genetisch
(
ätiologisch
)
unklaren
syndromalen
Zustand dar, bei welchem die Rechtsprechung zu den
somatoformen
Schmerzstörungen zur Anwendung gelan
gen würde. Weiter hätten die Gutachterinnen des
B._
angegeben, dass es sich bei
den beiden diagnostizierten
Gesundheitsleiden
depr
essive
Störung und
PTBS um ei
genständige Krankheiten handle,
die sich gegenseitig verstärken und
beeinflussen könnten.
Ferner seien
die Gutachterinnen des
B._
auch auf den Einfluss psychosozialer Faktoren eingegangen.
Die Voraussetzungen für
eine Wiedererwägung
seien vorliegend
somit
klarerweise nicht erfüllt
(
Urk.
1 S.
7-9).
3.
3.1
Im Rahmen der
Rentenzusprache
vom
1.
Februar 2013 (
Urk.
9/59 und
Urk.
9/60
, vgl. auch
Urk.
9/57)
stützte sich die Beschwerdegegnerin in medizi
nischer Hinsicht im Wesentlichen auf das
von ihr in Auftrag gegebene
psychi
atrische
Gutachten
des
B._
vom 2
0.
April 2011 (
Urk.
9/34
).
3.2
Die
Beschwerdegegnerin
sieht den Wiedererwägungsgrund für die Aufhebung der angefochtenen Verfügungen vom
1.
Februar 2013
in erster Linie
darin
, dass sie seinerzeit die von
den Ärztinnen des
B._
diagnostizierte
PTBS
nicht
auf ihre Überwindbarkeit im Sinne von BGE 130 V 352 hin
geprüft habe
.
Eine sol
che Überprüfung erfolgte tatsächlich nicht (vgl.
Urk.
9/43/1-2
).
Die mit BGE 130 V 352 begründete Überwindbarkeitspraxis
bei
somatoformen
Schmerz
störungen, die unter anderem auch
bei
PTBS
Anwendung fand (
Urteil des Bundesgerichts 8C_483/2012 vom
4.
Dezember 2012 E. 4.2 mit Hi
n
weisen),
hat das Bundesgericht mit BGE 141 V 281
und somit
im verga
ngenen Jahr
auf
gegeben. Da die Frage der Wiedererwägung
jedoch
nicht aufgrund der aktuel
len, sondern nach
Massgabe
der im Zeitpunkt der Rentenzusprechung
geltenden
Rechtslage
z
u überprüfen ist (
vgl. E. 1.4
), ist
die
Überwindbarkeitspraxis
vorlie
gend
noch beachtlich und das Argument der Beschwerdegegnerin zu prüfen.
3.3
Die Ärztinnen des
B._
stellten i
n ihrem
Gutachten
vom 2
0.
April 2011
als psy
chiatrische Diagnosen mit Auswirkung
en
auf die Arbeitsfähigkeit
(1) eine
leicht
gradige
PTBS (
ICD-10 F43.1
),
bestehend seit November 2008
, und (2)
eine mittelgradige depressive Episode mit somat
ischem Syndrom (ICD-10 F32.11),
aktuell in partieller Remissi
on, bestehend seit November 200
8.
Psychiatrische Diagnosen ohne Auswirkung
en
auf die A
r
beitsfähigkeit nannten sie nicht
(Urk.
9/34/23)
.
Die
Ärztinnen des
B._
kamen zum Schluss,
dass
die Beschwer
deführerin aus psychiatrischer Sicht für angestamm
te und angepasste
Tätigkei
ten
zu
50
%
arbeitsunfähig sei. Die Ursache dafür sei in den vorliegenden
komorbiden
psychiatrischen Störungen, die sich gegenseit
ig beeinflussen wür
den, zu suchen. Aktuell würden sich beide
Störungen zwar in zunehmender Remission zeigen, allerdings bestehe
dennoch
eine Verminderung der Belast
barkeit und Leistungsfähigkeit, bei erhöhtem Rückfallrisiko. Der Grad der Arbeitsfähigkeit sei bei gutem Verlauf der Behandlung aus ihrer Sicht innerhalb eines Jahres deutlich
steigerbar
. In welchem Umfang könne aktuell aber nicht genau angegeben werden
(
Urk.
9/34/28
).
3.4
Die Ärztinnen des
B._
hielten
in ihrem Gutachten
somit zwei eigenständige Diagnose
n
fest
, die sie
anhand der Diagnosekriterien ge
mäss ICD-10, dem
Diag
nostikmanua
l
der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
,
auch eingehend
und
in Auseinandersetzung mit den ärztlichen
Vorakten
erläuterten
(
vgl. Urk.
9/34/24-28
).
Dabei wiesen sie im Übrigen insbesondere auch auf die
bestehenden
psychosozialen Belastungsfaktoren (kulturell bedingt
e
familiäre Konfliktsitua
tion, fehlender Schulabschluss, Ehekrise und
S
cheidung) hin, wobei sie fest
stellten, dass diese Faktoren sicherlich dazu geeignet seien, die Vulnerabilität in Bezug auf psychiatrische Störungen zu erhöhen. Sie hätten aber in der Zeit vor dem zweiten Unfall (Überfall vom
8.
November 2008) nie zu einer zu attestie
renden psychischen Störung geführt (
Urk.
9/34/24-25). Im Weiteren bemerkten sie, dass es mit der Besserung der psychosozialen Situation, namentlich nach der Scheidung (im Juli 2010 [
Urk.
9/34/15]), zu einer Besserung der depressiven Symptomatik gekommen sei. Sie sähen aber bis heute depressive Symptome, welche Auswirkungen hätten auf die Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit und ein erhöhtes
Rückfallsrisiko
darstellten (
Urk.
9/34/25). Demnach haben psy
chosoziale Faktoren das psychische Beschwerdebild zwar mitbestimmt, jedoch schliesst dies für sich allein einen invalidisierenden Befund nicht aus. Gemäss Rechtsprechung ist dies nur der Fall, wenn die festgestellte psychische Krank
heit ihre hinreichende Erklärung in psychosozialen und soziokulturellen Umstän
den findet und gleichsam in ihnen aufgeht (vgl. Urteil des Bundesge
richtes 9C_1041/2010 vom 3
0.
März 2011 E. 5.2 unter Hinweis auf BGE 127 V 294 E. 5.a). So verhielt es sich laut Gutachten im Falle der Beschwerdeführerin nicht.
Im Weiteren kann nach der Rechtsprechung von einem
pathogenetisch
-ätiolo
gisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebild nicht ausgegangen werden, wenn eine depressive Erkrankung nicht bloss als Begleiterscheinung eines psychoge
nen Schmerzgeschehens – resp. eines vergleichbaren
Leidenszustan
des
–, son
dern als ein selbständiges, davon losgelöstes Leiden anzusehen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 8C_484/2012 vom 2
6.
April 2013 E. 4.3.1 mit Hinweisen), wie dies im vorliegenden Fall laut den Erörterungen im Gutachten des
B._
zutrifft. Da sich gemäss Aktenlage die depressive Symptomatik nicht erst als Folge der PTBS entwickelte und diese gegenüber jener nicht eindeutig im Vor
dergrund stand, kann der depressiven Symptomatik vorliegend eine selbstän
dige Bedeutung jedenfalls nicht ohne Weiteres abgesprochen werden.
Im
Urteil
8C_251/2013 vom 1
4.
Februar 2014 E. 4.2.2
führte
das Bundesgericht
aus
, es habe
in
ständiger Rechtsprechung
daran festgehalten
,
dass b
eim Zusammentreffen einer zuverlässig diagnostizierten depressiven Episode und einer
somatoformen
Schmerzst
örung in erster Linie die (fach-
)ärztlichen Fest
stellungen zur Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbe
itsunfähigkeit massgeblich seien.
Ausserdem hat das Bundesgericht in E. 5.2 des Urteils 9C_1041/2011 vom 30. März 2011 die Annahme, dass eine leichte bis mittel
gradige depressive Episode eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit bewirke, als nicht offensichtlich unrichtig qualifiziert (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 9C_980/2010 vom 2
0.
Juni 2011 E. 5.3). Die Ärztinnen des
B._
haben
vorliegend
– insbesondere
unter Hinweis auf die sich gegenseitig
beeinflussenden
komorbiden
psychiatri
schen
Störungen – begründet dargetan, weshalb sie
noch
von einer Arbeitsun
fähigkeit der Beschwerdefü
hrerin von 50 % in angestammten und angepassten Tätigkeiten
ausgingen
(vgl. Urk.
9/
34/24-28)
. Ob es vor diesem Hintergrund
überhaupt
sachgerecht
gewesen wäre, die festgestellte PTBS noch isoliert auf die Frage
der Überwindbarkeit gemäss BGE
130 V 352
hin
zu prüfen,
ist
frag
lic
h
, kann aber letztlich offen bleiben. Denn unter
den
gegebenen
Umständen erscheint es zumindest vertretbar,
dass
RAD-Arzt
Dr.
med.
C._
,
FMH
Psychiatrie und Psychotherapie,
die
– notwendigerweise Ermessenszüge aufweisende -
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
im
fachärztlich-psychiatri
sche
n
Gutachten des
B._
vom 20.
April 2011
, das grundsätzlich alle Anforde
rungen an
die Beweiskraft eines ärztl
ic
hen Gutachtens erfüllt (vgl. E.
1.5
)
,
als nachvollziehbar erachtete
(
vgl.
Stellungnahme vom 1
0.
Mai 2011,
Urk.
9/48/6)
und die Beschwerdegegnerin dieses Gutachten auch aus rechtlicher Sicht nicht in Frage stellte und dementsprechend ohne Weiteres darauf abstellte.
3.5
Die gestützt auf das psychiatrische Gutachten des
B._
vom 2
0.
April 2011 erfolgte
Rentenzusprache
erweist sich damit nicht als zweifellos unrichtig im wiedererwägungsrechtlichen Sinne.
3.6
Ob seit der Begutachtung im
B._
eine relevante Veränderung des Gesundheits
zustands
der Beschwerdeführerin
und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfä
higkeit eingetreten ist
, welche eine rev
isionsweise Aufhebung der Rente im Sinne von
Art.
17
Abs.
1
ATSG
rechtfertigen würde
, wurde von der
Beschwer
degegnerin
im Übrigen bislang noch nicht
rechtsgenüglich
abgeklärt.
Der von der Beschwerdegegnerin im Revisionsverfahren eingeholte Bericht von
Dr.
A._
vom 1
6.
Oktober 2013 (
Urk.
9/65/5-6) lässt – entgegen der vom RAD offenbar vertretenen Auffassung (
Urk.
9/66/3)
–
nämlich keine zuverlässige Verlaufsbeurteilung zu. Insbesondere geht daraus nicht schlüssig hervor, weshalb – entgegen der gutachterlichen Prognose (vgl. E. 3.3)
–
nach wie vor eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten bestehen soll.
3.7
Es ergibt sich somit, dass eine Aufhebung der ursprünglichen Rentenverfügung vom
1.
Februar 2013 unter dem Titel der Wiedererwägung ausser Betracht fällt und aufgrund der vorliegenden Akten nicht abschliessend beurteilt werden kann, ob die
Viertelsrente
allenfalls gestützt auf
Art.
17
Abs.
1 ATSG aufzuhe
ben ist. Die angefochtene Verfügung ist deshalb aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie – in Aktualisierung und Ergän
zung der medizinischen Akten – die Voraussetzungen für die Aufhebung der Invalidenrente gestützt auf Art. 17 Abs. 1 ASTG prüfe und hernach über den
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin neu verfüge (vgl. Urteil des Bundesge
richtes 9C_86/2013 vom 30. April 2013 E. 3).
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
4
.
4.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwer
t festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Kosten
a
usgangsgemäss
der
Beschwerdegeg
nerin
aufzuerlegen
sind
.
Das Gesuch der Beschwerdeführerin um Bewilligung der unentgeltlichen
Prozess
führung
erweist sich
deshalb
als gegenstandslos.
4.2
Die anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin hat gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das
Sozialversi
cherungsgericht
Anspruch auf eine Prozessentschädigung, die unter Berück
sichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf Fr. 1‘
600
.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen ist.
Das Gesuch der Beschw
erdeführerin um Bestellung einer
unentgeltlichen
R
echts
vertretung
ist deshalb
ebenfalls
gegenstandslos.