Decision ID: cb173570-faf6-46f1-8505-5f4476b0b795
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X ist im Besitz des Führerausweises der Kategorien B (seit 9. November 2007), A
(seit 28. Mai 2010), C und BE (jeweils seit 20. Oktober 2010), D1 und D1E (jeweils seit
3. November 2010) sowie CE (seit 29. Januar 2013). Als er am 16. September 2016 mit
einem Lastwagen auf der Autobahn A3 fuhr, beobachtete eine zivile Verkehrspatrouille
der Kantonspolizei Aargau bei Möhlin, wie er seinen Blick mehrmals von der Strasse
weg auf Papiere richtete, mit denen er beidhändig auf dem Steuerrad hantierte. Dabei
kam er bei einer Geschwindigkeit von ungefähr 80 km/h wiederholt von der Ideallinie
ab, indem er innerhalb der Normalspur mehrfach gegen die Leit- und die Randlinie fuhr
und dabei einmal mit den rechten Rädern den Pannenstreifen befuhr.
B.- Infolge des Vorfalls vom 16. September 2016 wurde X von der Staatsanwaltschaft
Rheinfelden-Laufenburg mit Strafbefehl vom 2. November 2016 wegen einfacher
Verletzung der Verkehrsregeln durch Vornahme einer Verrichtung, welche die
Bedienung des Fahrzeugs erschwert, zu einer Busse von Fr. 200.– verurteilt. Der
Strafbefehl erwuchs mangels Einsprache in Rechtskraft.
Zusätzlich wurde X mit Verfügung des Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamts des
Kantons St. Gallen vom 7. Februar 2017 der Führerausweis wegen einer
mittelschweren Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer
eines Monats entzogen.
C.- Dagegen erhob der Rechtsvertreter von X am 24. Februar 2017 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (eingegangen am 27. Februar
2017) und beantragte, die Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 7. Februar 2017
sei aufzuheben und es sei eine Verwarnung nach einer leichten Widerhandlung gegen
die Strassenverkehrsvorschriften auszusprechen, unter Kosten- und
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Entschädigungsfolge. Mit Eingabe vom 22. März 2017 liess sich das
Strassenverkehrsamt vernehmen und beantragte die Abweisung des Rekurses.
Auf die Ausführungen im Rekurs zur Begründung der Anträge wird, soweit erforderlich,

in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 24. Februar 2017 ist rechtzeitig
eingereicht worden und erfüllt in formeller und materieller Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen von Art. 41 lit. g , Art. 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1; abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Streitig ist, ob die Vorinstanz das Verhalten des Rekurrenten zu Recht als
mittelschwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften im Sinne von
Art. 16b Abs. 1 lit. a des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01; abgekürzt: SVG)
einstufte.
a) Die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg stellte im Strafbefehl vom
2. November 2016 in tatsächlicher Hinsicht fest, der Rekurrent habe am 16. September
2016 während der Fahrt mit einem Lastwagen auf der Autobahn A3 mehrmals den
Blick von der Strasse abgewandt und nach unten auf Papiere geschaut, mit denen er
manipuliert und die er beidhändig in der Mitte des Lenkrads gehalten habe. Dabei sei
er bei einer Geschwindigkeit von etwa 80 km/h mehrfach von der Ideallinie
abgekommen, indem er innerhalb des Normalstreifens wiederholt gegen die Leit- und
die Randlinie gefahren sei und in einem Fall mit den rechten Reifen den Pannenstreifen
befahren habe. Somit habe er vorsätzlich während der Fahrt eine Verrichtung
vorgenommen, durch welche die Bedienung des Fahrzeugs beeinträchtigt worden sei.
Dies stelle eine einfache Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG und Art. 3 Abs. 1 der Verkehrsregelnverordnung
(SR 741.11; abgekürzt: VRV) dar.
bis
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b) Die Vorinstanz gelangt gestützt auf den Verzeigungsrapport der Kantonspolizei
Aargau weitestgehend zur selben Sachverhaltsfeststellung wie die Staatsanwaltschaft
Rheinfelden-Laufenburg, ergänzt aber, dass sich das wiederholte Abkommen von der
Ideallinie über eine Distanz von rund 500 Metern zugetragen habe (act. 7). Sie wirft dem
Rekurrenten ungenügende Aufmerksamkeit und die Vornahme einer die Bedienung des
Fahrzeugs erschwerenden Verrichtung während der Fahrt vor (in Verletzung von Art. 31
Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1 VRV). Durch die unkontrollierte und
schlangenlinienförmige Fahrweise und das Befahren des Pannenstreifens mit einem
schweren Motorfahrzeug habe er eine erhebliche abstrakte Gefahr für andere
Verkehrsteilnehmer geschaffen. Sowohl sein Verschulden als auch die Gefährdung
könnten mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung nicht mehr als leicht
bezeichnet werden, weshalb sein Verhalten als mittelschwere Widerhandlung gegen
die Strassenverkehrsvorschriften im Sinne von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG zu beurteilen
sei.
c) Der Rekurrent hält dem in tatsächlicher Hinsicht entgegen, dass zum Zeitpunkt des
Vorfalles vom 16. September 2016 auf dem besagten Autobahnabschnitt praktisch kein
Verkehr geherrscht habe; die Fahrbahn sei vor und hinter ihm über mehrere hundert
Meter frei gewesen und verlaufe an der fraglichen Stelle vollkommen gerade. Er sei
langsam gefahren und habe lediglich einige wenige Male kurz den Kopf gesenkt, um
Papierblätter auf dem Lenkrad anzusehen. Dies habe die Bedienung des Lastwagens
erschwert und er sei einmal mit dem rechten Reifen über den Pannenstreifen
hinausgeschwenkt, wobei der Lastwagen nur auf einer Strecke von wenigen Metern
knapp über den Fahrbahnrand geragt habe. Diesbezüglich sei zu bedenken, dass bei
einer Breite des Lastwagens von 2.5 Metern bereits ein leichter Schwenker genüge, um
über den Fahrbahnrand hinaus zu gelangen. Aufgrund der tiefen Geschwindigkeit, des
sehr geringen Verkehrsaufkommens und der gerade verlaufenden Fahrbahn ohne
Fussgänger und Veloverkehr habe bloss eine leichte abstrakte Gefährdung bestanden,
was im Verzeigungsrapport der Kantonspolizei Aargau explizit festgehalten werde. Sein
Verschulden wiege ebenfalls sehr leicht, weil er immer wieder von den Papieren auf
dem Lenkrad aufgeschaut und die Fahrbahn nur während Hundertstelsekunden ausser
Acht gelassen habe. Er sei nur während sehr kurzer Zeit unaufmerksam gewesen und
habe insbesondere keine Körperbewegungen durchgeführt, welche die Beherrschung
des Fahrzeugs erschwert hätten. Durch die erhöhte Sitzposition im Führerstand habe
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er zudem einen guten Überblick über das Verkehrsgeschehen gehabt. Die
strafrechtliche Verurteilung zu einer Busse von lediglich Fr. 200.– zeige, dass die
Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg ebenfalls von einem sehr leichten
Verschulden ausgehe. Angesichts der geringen Gefährdung und des leichten
Verschuldens stelle das zu beurteilende Verhalten eine leichte Widerhandlung gegen
die Strassenverkehrsvorschriften im Sinne von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG dar.
Unter Verweis auf mehrere Urteile des Bundesgerichts führt der Rekurrent aus, dass
eine Verletzung von Art. 31 Abs. 1 SVG und Art. 3 Abs. 1 VRV praxisgemäss nur dann
eine mittelschwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften im Sinne
von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG darstelle, wenn die ungenügende Beherrschung des
Fahrzeugs oder die mangelnde Aufmerksamkeit einen Verkehrsunfall zur Folge hätten.
Selbst Verletzungen von Art. 31 Abs. 1 SVG mit Unfallfolgen würden vom
Bundesgericht unter Umständen als leichte Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften im Sinne von Art. 16a Abs. 1 SVG beurteilt. Das
Bundesgericht habe stets auf eine solche erkannt, wenn es nicht zu einer Kollision
gekommen sei. Auch die Behörden und Gerichte des Kantons St. Gallen und anderer
Kantone hätten kurze Unaufmerksamkeiten als leichte Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften im Sinne von Art. 16a Abs. 1 SVG eingestuft. Zwecks
Aufrechterhaltung der gesetzlichen Unterteilung in leichte, mittelschwere und schwere
Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften müssten Fälle wie der
vorliegende zwingend von Auffahrunfällen mit Sach- und Personenschäden
unterschieden werden. Indem die Vorinstanz sein Verhalten als mittelschwere
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften im Sinne von Art. 16b Abs. 1
lit. a qualifiziere, verletze sie Bundesrecht. Daher sei die vorinstanzliche Verfügung vom
7. Februar 2017 aufzuheben.
Schliesslich müsse berücksichtigt werden, dass er aufgrund seines Berufs als
Lastwagenchauffeur dringend auf den Führerausweis angewiesen sei; seine
Arbeitgeberin habe in den letzten vier Jahren drei Lastwagenchauffeure wegen
Führerausweisentzugs entlassen. Auch unter den Gesichtspunkten der
Verhältnismässigkeit und der Gleichbehandlung sei vorliegend angezeigt, es bei einer
Verwarnung zu belassen. Ein Führerausweisentzug sei sowohl unnötig als auch
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unangemessen und würde – angesichts der anderweitigen Rechtsprechung der
Verwaltungsrekurskommission – zu einer Ungleichbehandlung führen.
3.- Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren
(Art. 16b SVG) und schweren Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften
(Art. 16c SVG) mit je unterschiedlichen Rechtsfolgen. Eine leichte Widerhandlung
begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit
anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a
SVG). Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die
Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung
liegt vor, wenn durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit
anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen wird (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Sie
liegt immer dann vor, wenn nicht alle privilegierenden Elemente einer leichten und nicht
alle qualifizierenden einer schweren Widerhandlung erfüllt sind (Botschaft zur Änderung
des Strassenverkehrsgesetzes vom 31. März 1999, BBl 1999, S. 4487).
Der Rekurrent bestreitet soweit ersichtlich nicht, dass er durch das mehrmalige
Absenken des Kopfes und Betrachten von auf dem Lenkrad gehaltenen Papieren die in
Art. 31 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1 Satz 1 und 2 VRV festgehaltene
Verkehrsregel verletzte, wonach ein Fahrzeugführer seine Aufmerksamkeit der Strasse
und dem Verkehr zuwenden muss und keine die Bedienung des Fahrzeugs
erschwerende Verrichtung vornehmen darf (act. 1, Rz. 9 und 16). Er macht jedoch
geltend, dass dadurch bloss eine leichte abstrakte Gefährdung entstanden sei und
auch sein Verschulden nur gering sei. Deshalb handle es sich tatbestandsmässig um
eine leichte Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften im Sinne von
Art. 16a Abs. lit. a SVG.
a) Eine Gefahr für die Sicherheit anderer im Sinne von Art. 16a bis c SVG ist bei einer
konkreten oder auch bei einer erhöhten abstrakten Gefährdung zu bejahen.
Wesentliches Kriterium für die Annahme einer erhöhten abstrakten Gefahr ist die Nähe
der Verwirklichung; in Anbetracht der jeweiligen Verhältnisse des Einzelfalls muss
mithin der Eintritt einer konkreten Gefährdung oder gar einer Verletzung naheliegen
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(Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_422/2016 vom 9. Januar 2017, E. 3.1; vgl.
BGE 142 IV 93, E. 3.1).
Das Bundesgericht erkannte trotz guter nächtlicher Sicht und wenig befahrener Strasse
eine erhöhte abstrakte Gefährdung und damit eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit
anderer, als ein Lenker eines Personenwagens während der Fahrt eine Nachricht auf
seinem Mobiltelefon schrieb und in der Folge von der Strasse abkam und mit einem
Zaun am Strassenrand kollidierte. Es begründete dies damit, dass der Fahrzeuglenker
nicht in der Lage gewesen wäre, einen Zusammenstoss zu verhindern, wenn sich an
der betreffenden Stelle ein Fahrradfahrer oder andere Verkehrsteilnehmer befunden
hätten (BGer 6B_666/2009 vom 24. September 2009, E. 1.4). Eine leichte abstrakte
Gefährdung im Sinne von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG schuf nach Ansicht des
Bundesgerichts ein Personenwagenlenker, der – ohne zusätzliche fahrerische
Auffälligkeiten oder Zwischenfälle – während der Fahrt innerorts über mehrere
Sekunden hinweg Informationen von einem in der Hand auf Höhe des Lenkrads
gehaltenen Mobilgerät ablas. Ähnlich wie beim Schreiben einer Nachricht müssen beim
blossen Ablesen von Informationen das Mobilgerät nämlich in eine geeignete Position
und Neigung gebracht und die gelesene Information geistig verarbeitet werden, wobei
gleichzeitig die visuelle, geistige und motorische Aufmerksamkeit des Fahrzeuglenkers
beansprucht wird (BGer 1C_183/2016 vom 22. September 2016, E. 3.4; siehe auch
VRKE IV-2015/37 vom 28. Mai 2015, E. 5b, im Internet abrufbar unter
www.gerichte.sg.ch). Dasselbe gilt auch für ein auf Papier gedrucktes Dokument.
Deshalb erachtete es das Bundesgericht als bundesrechtskonform, dass ein Lenker
eines Personenwagens mit angekoppeltem Transportanhänger eine leicht erhöhte
abstrakte Gefährdung im Sinne von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG schuf, indem er bei der
Fahrt auf der Autobahn mit einer Geschwindigkeit von etwa 77 km/h seinen Blick
während rund sieben Sekunden auf ein bei der Mittelkonsole gehaltenes A4-Blatt
richtete und dadurch über 200 Meter hinweg mehrmals von der Ideallinie abkam und
dreimal gegen die Leit- und Randlinie fuhr. Das Bundesgericht hielt dazu aber
ausdrücklich fest, dass die vom Fahrzeuglenker geschaffene Gefährdungslage
durchaus Anlass für eine über eine leichte Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsregeln im Sinne von Art. 16a SVG hinausgehende Beurteilung hätte
geben können. Angesichts des regen Verkehrsaufkommens, der eingesetzten
Dämmerung und der auf der Autobahn gefahrenen hohen Geschwindigkeit habe
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nämlich die Möglichkeit eines schweren Unfalls mit Personen- und Sachschaden
nahegelegen. Auch von der unkontrollierten, schlangenlinienförmigen Fahrweise sei
eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer ausgegangen (BGer 1C_422/2016 vom
9. Januar 2017, E. 3.3 f.). So stellte das Bundesgericht in einer früheren Angelegenheit
denn auch fest, dass klarerweise eine als mindestens mittelschwere Widerhandlung
gegen die Strassenverkehrsvorschriften im Sinne von Art. 16b SVG zu qualifizierende
Gefahrenlage geschaffen wird, wenn ein Fahrzeuglenker auf der Autobahn bei einer
Geschwindigkeit von mehr als 100 km/h plötzlich in Schlangenlinien fährt, weil er seine
Aufmerksamkeit der Bedienung des Autoradios anstatt der Strasse widmet. Dadurch
könnten sich andere Verkehrsteilnehmer zum Beispiel beim Überholen zu gefährlichen
Bremsmanövern veranlasst sehen (BGer 1C_294/2011 vom 25. Oktober 2011, E. 3.5).
Die Fahrt auf der Autobahn mit einer Geschwindigkeit von 100 km/h verlangt selbst bei
geringem Verkehr die volle Aufmerksamkeit des Fahrzeuglenkers – insbesondere eines
Berufschauffeurs –, weshalb ablenkende Verrichtungen zu unterbleiben haben (vgl.
BGer 6B_894/2016 vom 14. März 2017, E. 3.3.1, und 1C_478/2014 vom 14. Juli 2015,
E. 2.3).
b) Bei der Beurteilung des Verschuldens sind das Ausmass der Unaufmerksamkeit des
Fahrzeuglenkers und allfällige Begleitumstände, die zur Verkehrsregelverletzung
beitrugen, zu berücksichtigen (BSK SVG-Rütsche/Weber, Art. 16a N 8 und Art. 16b
N 12 mit weiteren Hinweisen). War die Gefährlichkeit des verkehrsregelwidrigen
Verhaltens für einen durchschnittlich verständigen Fahrzeuglenker erkennbar, liegt ein
mittelschweres Verschulden vor (vgl. BGer 1C_813/2013 vom 9. Januar 2014, E. 3.3;
BSK SVG-Rütsche/Weber, Art. 16b N 12). Ein schweres Verschulden ist gegeben,
wenn dem fehlbaren Fahrzeuglenker aufgrund eines rücksichtslosen oder sonst wie
schwerwiegend regelwidrigen Verhaltens zumindest eine grobe Fahrlässigkeit
vorgeworfen werden kann (BGer 1C_144/2011 vom 26. Oktober 2011, E. 3.3).
Die Verwaltungsbehörde ist in der rechtlichen Würdigung des Sachverhalts –
namentlich des Verschuldens – frei, ausser die rechtliche Qualifikation hängt stark von
der Würdigung der Tatsachen ab, die das Strafgericht besser kennt, etwa weil es den
Beschuldigten persönlich einvernommen hat (statt vieler BGer 1C_282/2011 vom
27. September 2011, E. 2.4).
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c) Aus dem Verzeigungsrapport der Kantonspolizei Aargau vom 20. September 2016
geht hervor, dass der Rekurrent an einem Freitagmorgen um etwa 9.20 Uhr bei der
Fahrt mit einem Lastwagen auf der Autobahn A3 bei Möhlin seinen Blick wiederholt auf
Papiere senkte, mit denen er beidhändig auf dem Lenkrad hantierte. Dadurch kam er
bei einer Geschwindigkeit von ungefähr 80 km/h und über eine Distanz von rund 1'500
Metern ("Km 24.200 – 25.700") mehrmals von der Ideallinie ab, indem er innerhalb der
Normalspur wiederholt gegen die Leit- und die Randlinie fuhr ("Schwenker"), ohne
diese dabei zu überfahren. Einmal befuhr er dagegen mit der rechten Fahrzeugseite
den Pannenstreifen, ehe er die Fahrtrichtung wieder korrigieren konnte und die Papiere
beiseitelegte (act. 9/3 ff.). Angaben zur Dauer, während welcher der Rekurrent seinen
Blick jeweils von der Strasse ab- und den auf dem Lenkrad gehaltenen Papieren
zuwandte, sind dem Verzeigungsrapport nicht zu entnehmen. Hinweise auf die
Häufung und das Ausmass der dabei vorgenommenen Richtungsänderungen innerhalb
der Normalspur fehlen ebenfalls, sodass angesichts der zurückgelegten Distanz nicht
ohne weiteres eine "schlangenlinienförmige Fahrweise" angenommen werden kann.
Immerhin hält der Verzeigungsrapport aber fest, dass der Rekurrent mehrere
"Schwenker" vollzogen und einmal den Pannenstreifen "mit den rechten Reifen"
befahren habe. Demnach ist davon auszugehen, dass es zu mehreren deutlich
wahrnehmbaren Richtungsänderungen innerhalb der Normalspur kam und die
Randlinie beim Befahren des Pannenstreifens um mindestens eine Reifenbreite
überfahren wurde. Auskünfte zum Zustand und der Beschaffenheit der Fahrbahn sowie
zum Verkehrsaufkommen im Zeitpunkt des Vorfalls fehlen hingegen. Alleine aufgrund
der Tages- und Wochenzeit ist jedenfalls entgegen den Ausführungen des Rekurrenten
nicht erwiesen, dass wenig bzw. praktisch kein Verkehr herrschte und sich sowohl vor
als auch hinter ihm über mehrere hundert Meter hinweg keine weiteren
Verkehrsteilnehmer auf der Fahrbahn befanden. Letzteres kann schon deshalb nicht
zutreffen, weil das Fahrzeug der zivilen Verkehrspatrouille in unmittelbarer Nähe des
Rekurrenten gefahren sein muss. Ausgehend von der für den Rekurrenten
vorteilhaftesten Variante – wie bei unklaren Sachverhaltselementen in Straf- und
strafähnlichen Verfahren üblich – ist aber auf ein eher geringes Verkehrsaufkommen
und verhältnismässig gute Strassen- und Umweltbedingungen abzustellen. Ferner trifft
zu, dass die Fahrbahn an besagter Stelle weitestgehend gerade verläuft. Insgesamt
wandte der Rekurrent seinen Blick durch das mehrmalige kurzzeitige Anschauen der
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Papiere über eine Strecke von rund 1'500 Metern hinweg wiederholt vom
Verkehrsgeschehen ab und konzentrierte sich stattdessen auf den Inhalt der auf dem
Lenkrad gehaltenen Papiere, wodurch der vom ihm gefahrene Lastwagen innerhalb der
Normalspur mehrfach von der Ideallinie abkam. Entsprechend der höchstrichterlichen
Rechtsprechung ist die dadurch geschaffene und über eine grössere Distanz aufrecht
erhaltene Gefahrensituation für sich selber und insbesondere für andere
Verkehrsteilnehmer angesichts der erhöhten Geschwindigkeit sowie der Grösse und
des Gewichts des Fahrzeugs selbst bei übersichtlichen Verhältnissen und einem
geübten Fahrer zumindest als leicht erhöhte abstrakte Verkehrsgefährdung zu
qualifizieren. Erschwerende Umstände wie ein reges Verkehrsaufkommen oder eine
beeinträchtigte Sicht lagen aber nicht vor, weshalb von einer darüber hinausgehenden
Beurteilung der Gefährdungslage abzusehen ist.
In subjektiver Hinsicht ist dem Rekurrenten vorzuhalten, dass er – wie im Strafbefehl
der Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg vom 2. November 2016 festgehalten –
mit Wissen und Willen bei erhöhter Geschwindigkeit mehrmals seinen Blick weg von
der Fahrbahn auf Papiere richtete, mit denen er beidhändig auf dem Lenkrad hantierte.
Mangels anderweitiger Anhaltspunkte ist aber zu seinen Gunsten davon auszugehen,
dass er seine Aufmerksamkeit jeweils nur für einzelne Augenblicke von der Strasse
abwandte und das Verkehrsgeschehen auf diese Weise vollständig im Blick behielt.
Darüber hinaus kannte er aufgrund seiner mehrjährigen Berufserfahrung als
Lastwagenchauffeur den gerade verlaufenden Autobahnabschnitt an besagter Stelle
wohl und war sich des geringen Verkehrsaufkommens sowie der guten Strassen- und
Sichtverhältnisse bewusst. Zudem wurde er sich der Gefährlichkeit seiner Verrichtung
inne und stellte diese unverzüglich ein, als er die Randlinie kurzzeitig um eine
Reifenbreite überfahren hatte. Insgesamt erscheint somit die Annahme eines leichten
Verschuldens gerade noch als möglich, was sich im Übrigen mit der im Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg implizit zum Ausdruck gebrachten
Bewertung des Verschuldens deckt.
d) Zusammenfassend ist das Verhalten des Rekurrenten entgegen der Einschätzung
der Vorinstanz als leichte Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften im
Sinne von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG zu beurteilen, die angesichts seines ungetrübten
automobilistischen Leumunds mit einer Verwarnung gemäss Art. 16a Abs. 3 SVG zu
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ahnden ist. Dementsprechend sind die Dispositivziffern 1 bis 4 der angefochtenen
Verfügung aufzuheben, wobei die dadurch hinfällig werdende vollstreckungsrechtliche
Anordnung von Dispositivziffer 2 von der Vorinstanz ohnehin separat zu verfügen
gewesen wäre.
4.- Gemäss Ziff. 206.02.1 des Verkehrsgebührentarifs (sGS 718.1) ist für den Fall eines
Ausweisentzugs ein Gebührenrahmen von Fr. 100.– bis Fr. 800.– vorgesehen. Für eine
Verwarnung liegt dieser nach Ziff. 206.01 des Verkehrsgebührentarifs bei Fr. 70.– bis
Fr. 250.–.
Die Vorinstanz bezifferte die Verfahrenskosten auf Fr. 350.– und bewegte sich damit in
der für den Entzug von Führerausweisen vorgesehenen Bandbreite. Nachdem das
Verhalten des Rekurrenten nun aber als leichte Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften im Sinne von Art. 16a Abs. 1 lit. a zu beurteilen und
lediglich eine Verwarnung auszusprechen ist, müssen auch die Verfahrenskosten
entsprechend reduziert werden. Besteht für eine Gebühr ein Mindest- und ein
Höchstansatz, so ist sie innerhalb dieses Rahmens nach dem Wert und der Bedeutung
der Amtshandlung, dem Zeit- und Arbeitsaufwand und der erforderlichen Sachkenntnis
zu bemessen (Art. 11 der Verordnung über Kosten und Entschädigungen im
Verwaltungsverfahren [sGS 821.1]). Die Verkehrsregelverletzung des Rekurrenten lässt
sich anhand der bundesgerichtlichen Rechtsprechung schematisch behandeln, ohne
dass weitere Gefährdungs- oder Verschuldenselemente zu berücksichtigen wären.
Insofern stellen sich keine erhöhten Anforderungen an den Zeit- und Arbeitsaufwand
oder die Sachkenntnis. Es ist deshalb angebracht, die vom Rekurrenten zu
bezahlenden Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens in Aufhebung von
Dispositivziffer 5 der angefochtenen Verfügung auf Fr. 150.– zu reduzieren.
5.- a) Bei diesem Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten dem Staat
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung [sGS 941.12]). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist dem Rekurrenten zurückzuerstatten.
b) Der vollständig obsiegende Rekurrent liess sich anwaltlich vertreten. Er hat gemäss
Art. 98 Abs. 2 und Art. 98 VRP Anspruch auf eine vollständige Entschädigung der bis
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ausseramtlichen Kosten, soweit diese als notwendig und angemessen erscheinen. Der
Beizug eines Rechtsvertreters war im Rekursverfahren geboten. Der Vertreter reichte
eine Kostennote in der Höhe von Fr. 1'263.60 (Honorar Fr. 1'125.–, Barauslagen
Fr. 45.– und Mehrwertsteuer Fr. 93.60) ein.
Im Verfahren vor der Verwaltungsrekurskommission wird das Honorar als Pauschale
ausgerichtet. Es beträgt zwischen Fr. 1'000.– und Fr. 12'000.– (Art. 22 Abs. 1 lit. b der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten [sGS 963.75; abgekürzt
HonO]). Innerhalb dieses Rahmens wird das Grundhonorar nach den besonderen
Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der Schwierigkeiten
des Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten bemessen (Art. 19
HonO). Der Aufwand des Rechtsvertreters erscheint angesichts des Aktenumfangs, der
sich stellenden Fragen in tatsächlicher und insbesondere rechtlicher Hinsicht sowie des
eingereichten Rekurses als tarifkonform (Art. 28 Abs. 1 und Art. 29 HonO); er ist
demnach vom Staat (Strassenverkehrsamt) mit Fr. 1'263.60 (Barauslagen und
Mehrwertsteuer inbegriffen) zu entschädigen.