Decision ID: 4d8d21e6-5e7d-54c7-b4be-692b08ef51b7
Year: 2018
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Sachverhalt
A. A.1
Bei dem am XX.XX.2000 geborenen A_ wurde das Geburtsgebrechen 404 (ADHS) diag-
nostiziert. Deswegen gewährte ihm die Invalidenversicherung bereits im Januar 2005 Ergo-
therapie (IV-act. 165, 1/6).
A.2
Mit Aktennotiz vom 8. Juli 2015 (IV-act. 60) bezeichnete Psychiaterin FMH Dr. D_ vom
regionalärztlichen Dienst der Invalidenversicherung Ostschweiz (RADO) die medizinischen
Anspruchsvoraussetzungen für die Kostenübernahme einer stationären Psychotherapie im
Sinne einer medizinischen Massnahme als erfüllt. In der Folge erteilte die IV-Stelle am
8. Juli 2015 (IV-act. 59), 13. August 2015 (IV-act. 66) und am 2. September 2015 (IV-
act. 69) Kostengutsprache für eine stationäre Psychotherapie vom 20. Mai bis 25. Au-
gust 2015 im Kinder- und Jugendpsychiatrischen Zentrum Sonnenhof in Ganterschwil (vgl.
dessen Austrittsbericht vom 8. September 2015 [IV-act. 73]). Nach einem psychiatrischen
Bericht vom 20. August 2015 (IV-act. 75), wonach der Versicherte eine Platzierung aus-
serhalb der Familie in einer für ihn passenden Institution benötige, erfolgte am 25. Au-
gust 2015 der Übertritt in die psychiatrische Klinik Clienia in Littenheid (Bf. act. 15.12).
A.3
Mit Aktennotiz vom 17. September 2015 (IV-act. 79) meinte Dr. D_, der stationäre Auf-
enthalt in der Clienia sei anstelle einer Fremdplatzierung überwiegend sozialpädagogisch
indiziert, weshalb die Anspruchsvoraussetzungen für eine medizinische Massnahme nicht
erfüllt seien. Am 21. September 2015 (IV-act. 81) erging seitens der IV-Stelle ein entspre-
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chender Vorbescheid, wonach keine Kostengutsprache für die stationäre Psychotherapie
erteilt werden könne. Nach einem Einwand der Mutter des Versicherten vom 29. Septem-
ber 2015 (IV-act. 84) und einer Stellungnahme von Dr. D_ vom 22. Oktober 2015 (IV-
act. 88), wonach in Littenheid auch therapeutische Optimierungsschritte unternommen
würden, die Verlängerung der Kostengutsprache aber jeweils begründet werden müsse, er-
teilte die IV-Stelle der Clienia am 22. Oktober 2015 (IV-act. 89) und am 11. Dezember 2015
(IV-act. 97) eine solche für die Zeit vom 25. August bis 14. November 2015.
A.4
Im Anschluss daran befand sich der Versicherte gemäss Austrittsbericht vom 31. Janu-
ar 2017 (IV-act. 150, 2/11) vom 16. November 2015 bis 19. Dezember 2016 in der Instituti-
on Hölzli in Hundwil, einem begleiteten Wohn- und Arbeitsraum für Jugendliche, mit einem
zwischenzeitlichen Aufenthalt in der Clienia im Rahmen einer fürsorgerischen Unterbrin-
gung vom 16. Dezember 2015 bis zum 8. Februar 2016 (Bf. act. 15.13, S. 2 oben). Nach
einer Stellungnahme des RADO vom 27. Januar 2016 (IV-act. 102) hatte die IV-Stelle glei-
chentags Kostengutsprache für die stationäre Behandlung in der Clienia vom 16. Dezem-
ber 2015 bis Ende Januar 2016 geleistet (IV-act. 103).
A.5
Mit Verlaufsbericht vom 8. Februar 2016 (IV-act. 104) ersuchte die Clienia um Verlänge-
rung der Kostengutsprache, da eine stationäre Behandlung zur Deeskalation und Vorberei-
tung auf die Fremdunterbringung weiterhin notwendig sei, voraussichtlich während einem
Monat. Daraufhin meinte Dr. D_ mit Aktennotiz vom 16. Februar 2016 (IV-act. 105), der
Versicherte sei nun seit Mai 2015 ununterbrochen stationär. Nach mehr als fünfmonatiger
Hospitalisation allein in der Clienia sei deren Begründung der angeblichen Notwendigkeit
einer weiteren stationären Behandlung nicht mehr überzeugend. Vielmehr handle es sich
um eine Ersatzunterbringung anstelle einer Platzierung, weshalb keine Kostengutsprache
mehr zu erteilen sei. Am 17. Februar 2016 (IV-act. 106) erging ein entsprechender Vor-
bescheid seitens der IV-Stelle, nachdem gemäss Telefonnotiz der IV-Stelle vom 17. Febru-
ar 2016 (IV-act. 107) eine Mitarbeiterin der Clienia eingeräumt habe, dass ein weiterer Auf-
enthalt nicht mehr einer eigentlichen Behandlung, sondern einer Zwischenlösung für eine
Platzierung diene, weshalb man betreffend Kostenübernahme die Krankenkasse anfragen
werde.
A.6
Gemäss Austrittsbericht der Clienia vom 22. Februar 2016 über den Aufenthalt vom
16. Dezember 2015 bis 8. Februar 2016 (IV-act. 164, 48/61) stehe aufgrund der aktuell feh-
lenden Therapiemotivation des Versicherten vorerst die regelmässige Evaluation und Adap-
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tation der medikamentösen Therapie im Vordergrund. Er benötige weiterhin Unterstützung
bei der Bewältigung des Alltags sowie bei der Planung bzw. Umsetzung konkreter berufli-
cher Perspektiven. Diesbezüglich sei mit der Institution Hölzli ein passender Ort gefunden
worden.
A.7
Gegen den Vorbescheid erhoben u.a. die Sozialen Dienste Appenzeller Mittelland mit
Schreiben vom 24. Februar 2016 (IV-act. 108) Einwand, da der Versicherte wegen seinem
Geburtsgebrechen, also aus medizinischen Gründen, in die Clienia überwiesen worden sei.
Mit Schreiben vom 25. Februar 2016 (IV-act. 109) beantragten sie ferner (rückwirkende)
Kostengutsprache für die erstmalige berufliche Ausbildung des Versicherten im Hölzli.
Ebenfalls am 25. Februar 2016 (Bf. act. 15.13) erteilten sie dem Hölzli Kostengutsprache
für die Zeit vom 8. Februar bis 31. Dezember 2016.
B. B.1
Nach einer Stellungnahme des RADO vom 30. März 2016 (IV-act. 119), wonach die medi-
zinischen Anspruchsvoraussetzungen für berufliche Massnahmen erfüllt seien, derzeit aber
stabilisierende sozialtherapeutische Massnahmen Vorrang hätten, wies die IV-Stelle das
Leistungsbegehren betreffend weitere Kostenübernahme in der Clienia ab Anfang Febru-
ar 2016 mit Verfügung vom 12. April 2016 (IV-act. 122) ab.
B.2
Dagegen liess der Versicherte mit Schreiben vom 17. Mai 2016 (act. 1) Beschwerde mit
den eingangs wiedergegebenen Anträgen erheben. Auf deren Begründung wird, wie auch
beim weiteren Schriftenwechsel, soweit erforderlich in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
B.3
Nach einer zwischenzeitlichen Sistierung des Verfahrens beantragte die IV-Stelle mit Ver-
nehmlassung vom 6. Juli 2017 (act. 18) die Abweisung der Beschwerde, und mit Replik
vom 7. Dezember 2017 (act. 24) und Duplik vom 12. Dezember 2012 (act. 27) beharrten
die Parteien auf ihrem jeweiligen Standpunkt.
B.4
Nach Ergehen des Urteildispositivs am 20. März 2018 (act. 28) beantragte der Beschwer-
deführer mit Schreiben vom 3. April 2018 (act. 29) dessen Begründung.
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Erwägungen
1. Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs-
rechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justiz-
gesetzes vom 13. September 2010 (JuG; bGS 145.31) beurteilt das Obergericht Be-
schwerden gegen Entscheide, die in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen
sind. Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 58 Abs. 1 ATSG).
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der
Form- und Fristerfordernisse - die angefochtene Verfügung wurde mittels A-Post verschickt
- erfüllt sind. Auf die Beschwerde ist deshalb einzutreten.
2. 2.1
In der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 12. April 2016 meinte die IV-Stelle, nach
mehr als fünfmonatiger stationärer Behandlung sei deren Fortsetzung therapeutisch nicht
mehr begründbar. Andernfalls würde es sich nicht mehr um eine Behandlung, sondern um
eine Ersatzunterbringung anstelle einer Platzierung mangels Anschlusslösung handeln, für
die die Invalidenversicherung ab Anfang Februar 2016 nicht mehr leistungspflichtig sei.
2.2
Dem hielt der Versicherte in der Beschwerde vom 17. Mai 2016, im Schreiben vom
6. Juni 2017 und in der Replik vom 7. Dezember 2017 entgegen, der Aufenthalt in der Clie-
nia sei medizinisch sehr wohl indiziert, da er klare Tagesstrukturen und Unterstützung bei
der Suche nach einer Lehrstelle benötige. Offen sei die Übernahme der Kosten des Auf-
enthalts in der Institution Hölzli vom 16. November bis 18. Dezember 2015 und ab
8. Februar bis November 2016. Die Verweigerung einer Kostenübernahme, auch für Zwi-
schenlösungen, komme nur in Ausnahmefällen in Frage und sei durch die Invalidenversi-
cherung zu begründen.
2.3
In der Beschwerdeantwort vom 6. Juli 2017 und in der Duplik vom 12. Dezember 2017 er-
widerte die IV-Stelle, am 26. November 2015 und am 25. Februar 2016 hätten die Sozialen
Dienste Appenzeller Mittelland Kostengutsprache erteilt. Da es sich dabei nicht um eine
Therapie, sondern um eine sozialpädagogische Massnahme im Sinne einer Fremdplatzie-
rung nach Streitigkeiten mit der Mutter gehandelt habe, komme eine Kostenübernahme
nicht in Frage. Demgegenüber habe man für die Ausbildung des Beschwerdeführers ab
August 2017 Kostengutsprache erteilt.
Seite 6
3. 3.1
Nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom 19. Juni 1959
(IVG; SR 831.20) haben Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte Anspruch
auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbs-
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu
erhalten oder zu verbessern (lit. a) und die Voraussetzungen für den Anspruch auf die ein-
zelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b). Bei Geburtsgebrechen - als solches gilt gemäss der
in Ausführung von Art. 13 Abs. 2 IVG und von Art. 3 der Verordnung über die Invaliden-
versicherung vom 17. Januar 1961 (IVV; SR 831.201) ergangenen Verordnung über Ge-
burtsgebrechen vom 9. Dezember 1985 (GgV; SR 831.232.21) das beim Beschwerdeführer
festgestellte Leiden mit der Ziffer 404 - besteht der Anspruch auf Leistungen bis zum voll-
endeten 20. Altersjahr, und dies unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins
Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Art. 8 Abs. 2 i.V.m. Art. 13 IVG).
3.2
Ferner haben Versicherte nach Art. 12 Abs. 1 IVG ebenfalls bis zum vollendeten 20. Alters-
jahr Anspruch auf medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an
sich, sondern unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbe-
reich gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufga-
benbereich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor wesentlicher Be-
einträchtigung zu bewahren.
3.3
Versicherte mit einem Geburtsgebrechen haben überdies bis zum vollendeten 20. Alters-
jahr Anspruch auf die zu dessen Behandlung notwendigen medizinischen Massnahmen.
Diese umfassen nach Art. 14 Abs. 1 IVG die Behandlung, die vom Arzt selbst oder auf
seine Anordnung durch medizinische Hilfspersonen in Anstalts- oder Hauspflege vorge-
nommen wird, mit Ausnahme von logopädischen und psychomotorischen Therapien (lit. a)
und die Abgabe der vom Arzt verordneten Arzneien (lit. b). Erfolgt die ärztliche Behandlung
in einer Kranken- oder Kuranstalt, so hat der Versicherte überdies Anspruch auf Unterkunft
und Verpflegung in der allgemeinen Abteilung (Art. 14 Abs. 2 IVG). Als medizinische Mass-
nahmen gelten nach Art. 2 Abs. 1 IVV namentlich chirurgische, physiotherapeutische und
psychotherapeutische Vorkehren, die eine als Folgezustand eines Geburtsgebrechens, ei-
ner Krankheit oder eines Unfalls eingetretene Beeinträchtigung der Körperbewegung, der
Sinneswahrnehmung oder der Kontaktfähigkeit zu beheben oder zu mildern trachten, um
die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd
und wesentlich zu verbessern oder vor wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren. Die
Massnahmen müssen nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft ange-
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zeigt sein und den Eingliederungserfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben.
Nach Art. 2 Abs. 5 IVV übernimmt die Invalidenversicherung bei Anstaltspflege für die Zeit,
während welcher der Aufenthalt vorwiegend der Durchführung von Eingliederungsmass-
nahmen dient, auch Vorkehren, die zur Behandlung des Leidens an sich gehören. Dient der
Aufenthalt in einer Kranken- oder Kuranstalt gleichzeitig der Durchführung medizinischer
und anderer Massnahmen der Invalidenversicherung, so übernimmt diese die Kosten für
Unterkunft und Verpflegung, wenn die medizinische Massnahme in einer Heilanstalt durch-
geführt werden muss (Art. 3bis IVV).
3.4
Nach Art. 4quater Abs. 1 IVV haben Versicherte, die fähig sind, mindestens zwei Stunden
täglich während mindestens vier Tagen pro Woche an Integrationsmassnahmen teilzuneh-
men, Anspruch auf Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliede-
rung. Anspruch auf Massnahmen zur sozialberuflichen Rehabilitation haben Versicherte,
die in Bezug auf Massnahmen beruflicher Art noch nicht eingliederungsfähig sind
(Art. 4quater Abs. 2 IVV), und Versicherte, deren Eingliederungsfähigkeit in Bezug auf Mass-
nahmen beruflicher Art verloren zu gehen droht, haben Anspruch auf Beschäftigungsmass-
nahmen (Art. 4quater Abs. 3 IVV).
4. 4.1
Beim Beschwerdeführer wurde wie bereits erwähnt das Geburtsgebrechen 404 anerkannt.
Er hat somit Anspruch auf Behandlung des Leidens an sich nach Art. 13 IVG. Indem Art. 8
Abs. 2 IVG im Rahmen der 1. IV-Revision von 1968 den Anspruch auf medizinische Mass-
nahmen bei Geburtsgebrechen von der späteren Möglichkeit einer Eingliederung in das
Erwerbsleben gelöst hat, bezieht sich die Zielrichtung von Vorkehren nach Art. 13 IVG auf
die Behandlung zwecks Behebung oder Milderung der als Folge eines Geburtsgebrechens
eingetretenen Beeinträchtigung als solche (BGE 115 V 202 E. 4e.cc; MEYER/REICHMUTH,
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Aufl. 2014, Art. 13 N. 10). Behandlung ei-
nes Geburtsgebrechens ist jede ärztliche oder ärztlich verantwortete medizinisch-
therapeutische Vorkehr zur Besserung oder Erhaltung des Gesundheitszustandes
(MEYER/REICHMUTH, a.a.O., Art. 13 N. 11). Ausgeschlossen sind stationäre Pflegemass-
nahmen, die zudem pädagogische Ziele verfolgen, und tägliche Krankenpflege ohne thera-
peutischen Charakter im eigentlichen Sinne (ZAK 1975 203), beispielsweise zur psychi-
schen Entspannung ohne eigentliche medizinische Behandlung und ohne intellektuelle
Förderung (ZAK 1970 280; MEYER/REICHMUTH, a.a.O., Art. 14 N. 10), wobei die Invaliden-
versicherung für Pflege unter dem Titel von Art. 13 IVG grundsätzlich nicht leistungspflichtig
ist (MEYER/REICHMUTH, a.a.O., Art. 13 N. 24). Hingegen kann Psychotherapie auch unter
Art. 13 IVG fallen (MEYER/REICHMUTH, a.a.O., Art. 13 N. 16), ebenso ärztliche Vorkehren,
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die einen therapeutisch-prophylaktischen Behandlungskomplex darstellen, der sich im Inte-
resse der Sicherstellung des therapeutischen Erfolges nicht trennen lässt (BGE 112 V 347;
MEYER/REICHMUTH, a.a.O., Art. 13 N. 24).
Steht eine medizinische Vorkehr in enger Beziehung zu einer anderen Eingliederungs-
massnahme des Gesetzes, spricht dies für das Vorliegen einer medizinischen Massnahme,
und nicht einer blossen Heilbehandlung (Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsge-
richts 1961 308). Sind andererseits die Voraussetzungen für die Übernahme medizinischer
Vorkehren im Rahmen von Art. 12 IVG nicht gegeben, können diese auch nicht unter dem
Leistungstitel der beruflichen Massnahmen (Art. 15 ff. IVG) zulasten der Invalidensicherung
gehen, dies selbst dann nicht, wenn die medizinische Vorkehr wie z.B. eine Psychotherapie
die berufliche Massnahme ergänzt (MEYER/REICHMUTH, a.a.O., Art. 12 N 90).
4.2
Vorliegend war der RADO schon gemäss Aktennotiz vom 17. September 2015 der Mei-
nung, der stationäre Aufenthalt in der Clienia sei anstelle einer Fremdplatzierung überwie-
gend sozialpädagogisch indiziert, weshalb die Voraussetzungen für eine medizinische
Massnahme nicht erfüllt seien. Nach einem Einwand gegen den entsprechenden Vorbe-
scheid der IV-Stelle leistete diese jedoch Kostengutsprache vom 25. August bis 14. No-
vember 2015, da in der Clienia auch "therapeutische Optimierungsschritte" unternommen
würden. In Anbetracht eines weiteren dortigen Aufenthalts des Versicherten leistete die IV-
Stelle am 27. Januar 2016 Kostengutsprache ab 16. Dezember 2015, vorerst bis Ende Ja-
nuar 2016.
Auf ein erneutes Gesuch der Clienia um Kostengutsprache vom 8. Februar 2016 hin mach-
te der RADO mit Aktennotiz vom 16. Februar 2016 zu Recht geltend, dass der Versicherte
nun schon seit Mai 2015 stationär sei. Konkret befand er sich vom 20. Mai bis 25. Au-
gust 2015 zunächst im Sonnenhof in Ganterschwil, danach vom 25. August bis 14. Novem-
ber 2015 in der Clienia in Littenheid und ab 16. November 2015 im Hölzli in Hundwil, unter-
brochen durch einen weiteren Aufenthalt in der Clienia vom 16. Dezember 2015 bis 8. Feb-
ruar 2016. Auch wenn der Aufenthalt in der Clienia insgesamt rund 4.5 Monate und damit
etwas weniger lang als die vom RADO genannten mehr als 5 Monate dauerte, so ist doch
nicht zu verkennen, dass die Begründung des Gesuchs um Verlängerung der Kostengut-
sprache, der weitere Aufenthalt in der Clienia diene weiterhin der Deeskalation und Vorbe-
reitung auf die Fremdunterbringung, nach dieser Zeitspanne nicht mehr als glaubwürdig er-
scheint, zumal gemäss Telefonnotiz der IV-Stelle die Clienia selber einräumte, in Tat und
Wahrheit handle es sich um eine Zwischenlösung für eine Platzierung bzw. - gemäss zu-
treffender Meinung des RADO - um eine Ersatzunterbringung anstelle einer Platzierung.
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Diese Auffassung wurde nach Ergehen des Vorbescheids vom 17. Februar 2016 durch den
Austrittsbericht der Clienia vom 22. Februar 2016 gestützt, indem es dort hiess, der Versi-
cherte benötige weiterhin Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags sowie bei der Pla-
nung bzw. Umsetzung konkreter beruflicher Perspektiven, wobei mit der Institution Hölzli
ein passender Ort gefunden worden sei. Dass die IV-Stelle unter diesen Umständen keine
weitere Kostengutsprache mehr erteilen wollte, ist ohne weiteres nachvollziehbar. Indessen
hat sie es versäumt, zwischen dem Vorbescheid vom 17. Februar 2016 und dem Erlass der
vorliegend angefochtenen Verfügung am 12. April 2016 die Mitteilung der Clienia gemäss
Telefonnotiz vom 3. März 2016 (IV-act. 112), dass der Versicherte am 8. Februar 2016 aus
der Klinik ausgetreten sei, was auch aus dem erwähnten Austrittsbericht hervorgeht, in
pragmatischer Weise zu verwerten und die Kosten - über die am 27. Januar 2016 vorerst
bis Ende Januar 2016 erteilte Kostengutsprache hinaus - bis zum (vorzeitigen) Ende dieses
Aufenthalts am 8. Februar 2016 zu übernehmen. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde
ist die angefochtene Verfügung vom 12. April 2016 deshalb aufzuheben und die IV-Stelle
anzuweisen, die Kosten des Aufenthalts des Beschwerdeführers in der Clienia auch noch
für die Zeit vom 1. bis 8. Februar 2016 zu übernehmen.
5. 5.1
Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Dem über-
wiegend unterliegenden Beschwerdeführer ist eine Entscheidgebühr von Fr. 800.-- aufzuer-
legen. Auf deren Einforderung wird derzeit zufolge gewährter unentgeltlicher Rechtspflege
allerdings verzichtet, unter Vorbehalt der Nachforderung für den Fall günstigerer wirtschaft-
licher Verhältnisse des Beschwerdeführers (Art. 25 Abs. 3 des Gesetzes über die Verwal-
tungsrechtspflege vom 9. September 2002 [VRPG; bGS 143.1]).
5.2
Dem Verfahrensausgang entsprechend ist dem Beschwerdeführer keine Parteientschädi-
gung zuzusprechen (Art. 61 lit. g ATSG e contrario). Der als unentgeltliche Rechtsbeistän-
din bestellten RA C_ ist jedoch in Anwendung von Art. 23 Abs. 1 und 2 sowie Art. 24
Abs. 1 der Verordnung über den Anwaltstarif vom 14. März 1995 (bGS 145.53) eine Ent-
schädigung von Fr. 1'909.45 (10h à Fr. 170.--, zuzüglich 4% Barauslagen und 8% Mehr-
wertsteuer) zulasten der Staatskasse zuzusprechen, unter Vorbehalt der Rückforderung
beim Beschwerdeführer für den Fall günstigerer wirtschaftlicher Verhältnisse (Art. 25
Abs. 3 VRPG)..
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