Decision ID: 301f3771-2c47-5710-9717-6f9bfd292ff9
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
L._,
Beschwerdeführer,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Taggeldleistungen
Sachverhalt:
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A.
A.a Der 1963 geborene L._ war bei der A._ Zürich, als Bauarbeiter mit einem
Pensum von 100% und bei der B._ als Reiniger mit einem Teilzeitpensum von zehn
Wochenstunden angestellt und dadurch bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch gegen Unfallfolgen versichert, als er am
18. Dezember 2006 auf einer Baustelle in Wädenswil bei Ausschalungsarbeiten von
einem Dreitritt auf den Boden fiel und sich dabei am linken Fuss und am Rücken
verletzte (Suva-act 1, 2 und 22). Im Arztzeugnis UVG vom 4. März 2006 bestätigte das
Spital Zimmerberg, Horgen, eine Erstkonsultation am 8. Dezember 2006 (recte: 18.
Dezember 2006) und gab als Diagnose eine Distorsion des oberen Sprunggelenks
(OSG) links sowie eine Kontusion der Lendenwirbelsäule (LWS) bei bekanntem M.
Scheuermann mit persistierendem (.......) LWK4, Spondylarthrose L4-L5, L5-S1,
Discusprolaps L4/5 an. Die gleichentags durchgeführte röntgendiagnostische
Untersuchung ergab jedoch weder im Bereich des OSG noch der LWS ossäre
Pathologien bzw. frische Frakturen. Dem Versicherten wurde eine 100%-ige
Arbeitsunfähigkeit vom 18. bis 22. Dezember 2006 attestiert (Suva-act. 16). Die Suva
erbrachte für den Unfall vom 18. Dezember 2006 die gesetzlichen Leistungen.
A.b Wegen anhaltender lumbaler Schmerzen erfolgte am 2. April 2007 auf
Überweisung seiner Hausärztin C._, pract. Ärztin, eine Untersuchung des
Versicherten durch Dr. med. D._, Physikalische Medizin FMH, (Suva-act. 18) mit
nachfolgender Behandlung (Suva-act. 21, 23). Med. pract. C._ attestierte dem
Versicherten eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 27, 31, 42). Am 11.
September 2007 fand eine kreisärztliche Untersuchung durch Dr. med. E._, Facharzt
FMH für Orthopädische Chirurgie, statt, der den Versicherten im Untersuchungsbericht
vom 21. September 2007 im Nebenberuf als Reiniger ab 17. September 2007 zu 100%
arbeitsfähig erachtete. In Bezug auf den Hauptberuf bei der A._ hielt er eine 50%-ige
Arbeitsfähigkeit ab 17. September 2007 fest. Der Versicherte habe damit die
Gelegenheit, seine Kondition aufzubauen. Spätestens ab November 2007 könne auf
100% gesteigert werden (Suva-act. 44). Med. pract. C._ schrieb den Versicherten
weiterhin zu 100% arbeitsunfähig (Suva-act. 46, 49, 50, 53). Wegen
krankheitsbedingter Abwesenheit dieser Ärztin konsultierte der Versicherte am 16. April
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2008 Dr. med. F._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, der am 25. Mai 2008 der
Suva Bericht erstattete (Suva-act. 63).
A.c Nach einer weiteren kreisärztlichen Beurteilung durch Dr. E._ (Suva-act. 68)
eröffnete die Suva dem Versicherten mit Verfügung vom 23. Juni 2008, dass sie ihn in
der Tätigkeit als Reiniger ab dem 17. September 2007 zu 100% arbeitsfähig erachte. In
der Tätigkeit als Bauarbeiter gelte er gemäss kreisärztlicher Beurteilung ab dem 17.
September 2007 zu 50% arbeitsfähig. Ab November 2007 hätte jedoch auch hier eine
volle Arbeitsfähigkeit bestehen müssen (Suva-act. 90).
B.
Die von Rechtsanwalt lic. iur. M. Maiullari, Zürich, für den Versicherten am 4. Juli 2008
erhobene Einsprache (Suva-act. 91) wies die Suva mit Einspracheentscheid vom
14. Oktober 2008 ab (Suva-act. 94).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der Versicherte am 12. November 2008
Beschwerde mit dem Antrag, der angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben
und es seien ihm die bislang ausstehenden sowie zukünftige Taggelder auszurichten.
Zur Begründung führt er im Wesentlichen aus, er leide nunmehr seit dem in Frage
stehenden Unfall unter Kreuzschmerzen, die in den letzten Jahren an Intensität
zugenommen hätten und seine gesundheitliche Situation und Arbeitsfähigkeit nach wie
vor beeinträchtigen würden. Die Beschwerden träten vor allem nach längerem Stehen,
Gehen oder Sitzen in der gleichen Körperstellung auf. Trotz ärztlicher und
physiotherapeutischer Behandlungen habe keine wesentliche Besserung erreicht
werden können. Laut Dr. F._ sei sogar mit einem neuen degenerativen Leiden zu
rechnen. Er, der Beschwerdeführer, sei der Ansicht, dass er zumindest vorläufig nicht
einmal leichte Arbeiten ausführen könne. Es liege eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in
allen Berufen vor und die Taggeldleistungen dürften daher nicht eingestellt werden.
C.b In der Beschwerdeantwort vom 11. Dezember 2008 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde.
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C.c Mit Replik vom 19. Januar 2009 hielt der Beschwerdeführer an seinem
Rechtsbegehren fest. Er könne sich der Behauptung der Beschwerdegegnerin, wonach
die Kreuzschmerzen nichts mehr mit dem Unfall zu tun hätten, sondern auf
degenerative Ursachen und psychische bzw. psychosoziale Faktoren zurückzuführen
seien, nicht anschliessen. Er habe vor dem Unfall weder Rückenschmerzen noch
psychische Probleme gehabt. Der Kreisarzt habe nie eine gründliche Untersuchung
durchgeführt, weshalb dessen Feststellungen nicht als genügende Beweisgrundlage
dienen könnten.
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik.
C.e Auf weitere Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften wird, soweit
entscheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.
1.1 In der Verfügung vom 23. Juni 2008 (Suva-act. 90) bzw. im angefochtenen
Einspracheentscheid vom 14. Oktober 2008 (Suva-act. 94) erachtete die
Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer in der Tätigkeit als Reiniger ab dem 17.
September 2007 zu 100% und in jener als Bauarbeiter zu 50% arbeitsfähig. Ab
November 2007 geht sie auch in Bezug auf die Tätigkeit als Bauarbeiter von einer
100%-igen Arbeitsfähigkeit aus. Nach Ansicht des Beschwerdeführers besteht als
Folge des Unfalls vom 18. Dezember 2006 in beiden Tätigkeiten nach wie vor eine volle
Arbeitsunfähigkeit. Streitig und zu prüfen ist mithin der Anspruch des
Beschwerdeführers auf ein weiteres Taggeld basierend auf einer Arbeitsunfähigkeit von
100% ab dem 17. September 2007 in beiden vor dem Unfall ausgeübten Tätigkeiten.
1.2 Die Beschwerdegegnerin legte im angefochtenen Einspracheentscheid die
rechtlichen Grundlagen hinsichtlich eines Anspruchs auf Taggelder (Erwägung 1)
zutreffend dar; darauf kann verwiesen werden.
1.3 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den
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Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Danach haben die
beurteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE
125 V 352 E. 3a mit Hinweis; RKUV 2000 Nr. K 124 S. 214). Auch den Berichten
versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kann rechtsprechungsgemäss Beweiswert
beigemessen werden, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet
sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
bestehen (BGE 125 V 353 f. E. 3b/ee mit Hinweis).
2.
2.1 Beim Ereignis vom 18. Dezember 2006 erlitt der Beschwerdeführer laut
Arztzeugnis des Spitals Zimmerberg vom 4. März 2007 eine LWS-Kontusion sowie eine
OSG-Distorsion rechts (Suva-act. 16). Letztere verursacht dem Beschwerdeführer
offensichtlich keine Beschwerden mehr und kann aufgrund der Akten als geheilt
betrachtet werden. Hingegen klagt der Beschwerdeführer weiterhin über
Kreuzschmerzen, die angeblich vor allem nach längerem Stehen, Gehen oder Sitzen in
der gleichen Körperstellung auftreten. Die unmittelbar nach dem Unfall durchgeführte
röntgendiagnostische Untersuchung der LWS zeigte keine frischen ossären Frakturen.
Die erstbehandelnden Ärzte des Spitals Zimmerberg stellten lediglich Druckdolenzen
paravertebral und vertebral fest. Neurologisch zeigten sich keine Auffälligkeiten.
Allerdings waren röntgendiagnostisch im Bereich der LWS insbesondere eine
Protrusion L4/5 ohne Beengung neuraler Strukturen sowie Spondylarthrosen L4/5 und
L5/S1 erkennbar (Suva-act. 16). Anlässlich einer am 7. März 2007 durchgeführten MRI-
Untersuchung bestätigte sich der Diskusprolaps L4/5 (Suva-act. 21, 23, 18, 44). Laut
Arztzeugnis des Spitals Zimmerberg ist beim Beschwerdeführer sodann ein Morbus
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Scheuermann bekannt (Suva-act. 16). Bei den vorgenannten Gesundheitsschäden
handelt es sich zweifelsohne um klare organische Substrate, die grundsätzlich als
Ursache der geklagten Schmerzen im Bereich der LWS in Erwägung zu ziehen sind
(vgl. dazu Alfred M. Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl., Bern
2002, S. 821 ff., 848 ff., 879 ff.). Zu prüfen ist demnach im Folgenden, inwieweit sie
durch den Unfall bzw. die Kontusion vom 18. Dezember 2006 verursacht wurden oder
inwieweit der Unfall bzw. die Kontusion auf sie eingewirkt hat. In Frage kommen eine
durch den Unfall verursachte organische Gesundheitsschädigung, eine
richtunggebende Verschlimmerung eines degenerativen Vorzustands oder ein durch
den Unfall lediglich ausgelöster (nicht verursachter) oder vorübergehend
verschlimmerter degenerativer Vorzustand. Beim Unfall als Auslösefaktor interessiert im
Weiteren die Frage, ob der Beschwerdeschub noch andauert bzw. bis zu welchem
Zeitpunkt er angedauert hat (vgl. dazu RKUV 2000 Nr. U 378 S. 190 und Nr. U 379
S. 192).
2.2
2.2.1 Wie das Eidgenössische Versicherungsgericht (EVG; seit 1. Januar 2007:
Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts) in ständiger Rechtsprechung
festhält, entspricht es einer medizinischen Erfahrungstatsache im Bereich des
Unfallversicherungsrechts, dass Diskushernien in aller Regel degenerative
Erkrankungen darstellen. Ein Bandscheibenvorfall kann nur dann als weitgehend durch
eine äussere Einwirkung entstanden betrachtet werden, wenn die dabei wirkende Kraft
ausserordentlich hoch - beispielsweise als Folge der bei Verkehrsunfällen wirkenden
physikalischen Kräfte - war und der Unfall mithin geeignet war, eine prätraumatisch
vollständig unauffällige Bandscheibe zu zerreissen (Wolfgang Meier, Lumbale
Diskushernie und Unfall, in: Medizinische Mitteilungen der Suva Nr. 68 [Dezember
1995], S. 14 ff.; RKUV 2000 Nr. U 379 S. 192 f. E. 2a mit Hinweisen; Urteile des EVG
vom 3. Oktober 2005 [U 163/05] i/S R., E. 3.1, und 18. Februar 2002 [U 459/00] i/S K.,
E. 3b). Diese Voraussetzungen sind vorliegend weder hinsichtlich des Unfallereignisses
noch bezüglich des Gesundheitszustands vor dem Unfall - in den medizinischen Akten
wird übereinstimmend von einer degenerativen Veränderung gesprochen (Suva-act. 18,
21, 23, 44, 68) - erfüllt. Bei der Spondylarthrose handelt es sich sodann um eine
häufige degenerative, also nicht traumatisch bedingte, Veränderung an der
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Wirbelsäule, die Folge- oder Begleiterscheinung einer Diskushernie bilden kann (vgl.
dazu Alfred M. Debrunner, a.a.O., S. 852 ff.; Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 261.
Aufl., S. 1810). Der Morbus Scheuermann ist schliesslich eine typische
Wachstumskrankheit der Wirbelsäule (vgl. dazu Alfred Debrunner, a.a.O., S. 821 ff.).
Entsprechend wird das ausschliessliche Vorliegen von Unfallfolgen im Arztzeugnis des
Spitals Zimmerberg vom 4. März 2007 verneint und in den weiteren ärztlichen
Berichten in keiner Weise festgehalten, einer der obigen Gesundheitsschäden sei
traumatisch bedingt (Suva-act. 16, 18, 21, 23, 44, 68). Damit steht mit dem im
Sozialversicherungsrecht geforderten Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit (vgl. Th. Locher, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl.,
Bern 2003, S. 451 f.) bereits fest, dass beim Beschwerdeführer eine durch den Unfall
verursachte klar ausgewiesene neue, bleibende Gesundheitsschädigung im Sinn einer
strukturellen Veränderung ausgeschlossen werden kann.
2.2.2 Ebenfalls auszuschliessen ist eine richtunggebende, mithin dauernde,
unfallbedingte Verschlimmerung der degenerativen Gesundheitsschäden des
Beschwerdeführers im Bereich der Wirbelsäule. Es ist eine medizinische
Erfahrungstatsache, dass eine solche Verschlimmerung nur dann als erwiesen gelten
kann, wenn die Radioskopie ein plötzliches Zusammensinken der Wirbel und das
Auftreten bzw. die Vergrösserung von Randzacken nach einem Trauma aufzeigt (E.
Morscher, in Baur/Nigst [Hrsg.], Versicherungsmedizin, 2. Aufl., Bern 1985, S. 191). Die
medizinischen Akten enthalten keine Hinweise darauf, dass sich der degenerative
Zustand der LWS im Zeitpunkt des Unfalls vom 18. Dezember 2006 massiv verändert
hat. Das Vorliegen einer richtunggebenden Verschlimmerung einer degenerativen
Erkrankung wird nirgends diskutiert. Dr. D._ hält in seinen Berichten vielmehr fest,
dass er die kleinen Diskushernien foraminal L4/5 ohne radikuläre Kompression nicht
überbewerten würde. Diese schienen ihm eher Ausdruck von degenerativen
Veränderungen bzw. er halte sie für Abnützungserscheinungen (Suva-act. 18, 21, 23).
Eine Kontusion der Wirbelsäule kann zwar ohne weiteres eine bisher stumme,
vorbestehende Spondylarthrose, Diskushernie oder andere Wirbelsäulenerkrankung
symptomatisch machen, wobei es sich aber meistens nur um eine vorübergehende
Verschlimmerung handelt (Debrunner/Ramseier, Die Begutachtung von
Rückenschäden, Bern 1990, S. 5). Es ist mithin davon auszugehen, dass beim
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Beschwerdeführer nach dem Unfall einzig unveränderte degenerative Vorzustände
radiologisch ausgewiesen waren.
2.2.3 Dr. D._ stellte in seinem Bericht vom 5. April 2007 die Diagnose eines
subakuten bis chronischen lumbovertebralen und rechtsseitig lumbospondylogenen
Schmerzsyndroms bei mehrsegmentalen Funktionsstörungen der LWS und des Ilio
sacralgelenks (ISG) rechts, nach Unfall/Sturz vom 18. Dezember 2006, bei Hinweisen
auf inadäquate Schmerzverarbeitung sowie ungünstiger Rückenstatik (Suva-act. 18).
Mit dieser Diagnose sind ebenfalls keinerlei unfallspezifische, organisch begründbare
Ursachen der geklagten Kreuzschmerzen festgehalten. Das Vorliegen von
Schmerzsyndromen bedeutet keinesfalls automatisch auch das Vorliegen
unfallkausaler Restfolgen bzw. unfallkausaler organischer Gesundheitsschädigungen.
Laut Roche Lexikon Medizin (5. Aufl., S. 1791) handelt es sich bei einem Syndrom um
ein sich stets mit etwa den gleichen Krankheitszeichen, d.h. einer Symptomatik mit
weitgehend identischem "Symptommuster" manifestierendes Krankheitsbild mit
unbekannter, vieldeutiger, durch vielfältige Ursachen - eben auch degenerativer
Ursachen - bedingter oder nur teilweise bekannter Ätiogenese. Gerade ein
Lumbovertebralsyndrom ist typisch für eine im Regelfall degenerativ bedingte
Diskushernie bzw. die beim Beschwerdeführer weiteren erhobenen Degenerationen
(vgl. dazu Alfred M. Debrunner, a.a.O., S. 860 f.). Eine Chronifizierung spricht gleichfalls
nicht für ein unfallkausales organisches Substrat. Im Verlauf einer Chronifizierung wird
das ursprünglich erlittene Verletzungsmuster für das Ausmass der erlebten
Behinderung immer bedeutungsloser. Andere Faktoren, wie zum Beispiel das
Individuum selber, die Arbeitsumstände, das soziale Umfeld, das medizinische und
legale System sowie ökonomische Umstände spielen eine massgebende Rolle (vgl.
Bär/Kiener, Medizinische Mitteilungen der Suva Nr. 67 [Dezember 1994], S. 45 ff.).
Mehrsegmentale Funktionsstörungen der LWS rechts und des rechten ISG können
wiederum bei Erkrankungen der LWS auftreten (Roche, a.a.O., S. 655;
www.Wikipedia.de, Suchbegriff: Rückenschmerzen, Abfrage vom 1. September 2009)
und sind im konkreten Fall offensichtlich auch als Folge der LWS-Erkrankung zu
betrachten. Die inadäquate Schmerzverarbeitung sowie die ungünstige Rückenstatik
stellen ohnedies unfallfremde Faktoren dar. Mit dem Hinweis von Dr. D._ auf das
Unfallereignis wird sodann nicht ein kausaler, sondern bloss ein zeitlicher
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Zusammenhang bezeichnet. Im Übrigen finden sich auch im weiteren Bericht keinerlei
Aussagen, die auf unfallkausale Restfolgen schliessen lassen würden.
2.2.4 Nach dem Gesagten steht fest, dass der Beschwerdeführer mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit weder eine klar ausgewiesene
neue, bleibende Gesundheitsschädigung im Sinn einer strukturellen Veränderung noch
eine richtunggebende Verschlimmerung des degenerativen Vorzustands erlitten hat.
2.3 Wie bereits erwähnt, kann ein Vorzustand durch einen Unfall auch ausgelöst oder
vorübergehend verschlimmert werden. In diesem Fall übernimmt die Unfallversicherung
jedoch lediglich den durch das Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub (RKUV
2000 Nr. U 379 S. 193 E. 2a mit Hinweisen). - Laut Beurteilung von Dr. E._ war die
vom Beschwerdeführer am 18. Dezember 2006 erlittene Rückenkontusion spätestens
im November 2007 ausgeheilt und hatte keine Auswirkungen mehr auf seine
Arbeitsfähigkeit. Im Bericht vom 21. September 2007 hielt der Kreisarzt fest, dass sich
beim Beschwerdeführer trotz günstiger Ausgangslage ein protrahierter Verlauf gezeigt
habe. Wesentliche Befunde hätten nicht erhoben werden können, hingegen sei eine
pathologische Krankheitsverarbeitung aufgefallen. Anlässlich der Untersuchung habe
sich ein behände und harmonisch bewegender Patient gezeigt. Seine Klagen über
seine massiven Schmerzen liessen sich im Bild nicht unterbringen (Suva-act. 44). Bis
im September 2007 habe sich die Funktion der Wirbelsäule weitgehend erholt, eine
dosiert aufgebaute höhere Belastung habe dem Beschwerdeführer zugemutet werden
dürfen. Ab 1. November 2007 bestehe theoretisch eine volle Arbeitsfähigkeit. Damit
seien die Folgen der Rückenprellung vom 18. Dezember 2006 definitiv behoben. Der
Beschwerdeführer stehe in einer schwierigen Situation, sei anscheinend ohne sicheres
Obdach und ohne Einkommen, reagiere darauf mit Anfällen, in erster Linie mit Atemnot.
Die Lösung des Problems müsse auf der Ebene erfolgen, wo es liege, nämlich auf der
psychosozialen (Suva-act. 68). Der Untersuchungsbericht von Dr. E._ vom 21.
September 2007 (Suva-act. 44) erfüllt die an den Beweiswert eines Arztberichts
gestellten Voraussetzungen (vgl. dazu BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis). Beim
Kreisarzt handelt es sich um einen Facharzt der orthopädischen Chirurgie und damit
um einen Arzt mit der im konkreten Fall massgebenden Fachkompetenz. Im Bericht
sind die Anamnese und die Angaben des Beschwerdeführers ausführlich und lückenlos
festgehalten und waren damit Dr. E._ offensichtlich bekannt. Der Bericht beinhaltet
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sodann eine eigene und augenscheinlich sorgfältige Befunderhebung. Seine
Schlussfolgerungen sowie seine darin enthaltenen Arbeitsfähigkeitsschätzungen - im
Nebenberuf als Reiniger ab 17. September 2007 zu 100% und im Hauptberuf als
Bauarbeiter zu 50% und ab 1. November 2007 zu 100% arbeitsfähig - sind sodann mit
den weiteren, im Recht liegenden medizinischen Akten vereinbar. Auch Dr. D._
vermochte, wie bereits erwähnt, keine unfallspezifische organisch begründbare
Ursache in Form von effektiv somatischen Befunden für die vom Beschwerdeführer
geklagten Beschwerden zu erheben. Die ursprünglich mit der LWS-Kontusion im
Zusammenhang stehenden Beschwerden haben sich auch nach seiner Auffassung je
länger je mehr zu einer psycho-sozial begründeten Problematik entwickelt (Suva-act.
23). Entsprechendes ist auch dem Bericht von Dr. F._ vom 25. Mai 2008 zu
entnehmen, wonach der Beschwerdeführer unter enormer sozialer Belastung leidet
(unklarer Wohnsitz, schwangere Frau, keine festen Arbeitsverhältnisse) (Suva-act. 63).
Die von med. pract. C._ attestierte andauernde 100%-ige Arbeitsunfähigkeit (Suva-
act. 46) vermag die erwähnten ärztlichen Beurteilungen allein nicht in Frage zu stellen.
Mit Suva-act. 46 liegt ein reines Arbeitsunfähigkeitsattest ohne jegliche Begründung
vor, dem hinsichtlich der hier streitigen Frage keinerlei Beweiswert zukommen kann.
Auch in Fällen, wo organische Beschwerden ursprünglich vorhanden waren und später
nicht mehr nachweisbar sind, ist für die Leistungsberechtigung gegenüber dem
Unfallversicherer erforderlich, dass die geklagten Beschwerden einer medizinisch noch
fassbaren gesundheitlichen Beeinträchtigung zugeschrieben werden können und die
Gesundheitsschädigung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem ursächlichen
Zusammenhang mit dem versicherten Unfall steht. Dies muss angesichts der oben
dargelegten Aktenlage verneint werden. Der zwischen Unfall und lumbalen
Beschwerden anfänglich gegebene Zusammenhang ist als beendet bzw. weggefallen
zu betrachten. Es sind keine Gründe ersichtlich, welche die Richtigkeit der ärztlichen
Beurteilungen in Zweifel ziehen lassen, zumal es eine medizinische Erfahrungstatsache
ist, dass Prellungen, Verstauchungen oder Zerrungen der Wirbelsäule ohne strukturelle
Läsionen normalerweise innert kurzer Zeit - in der Regel innerhalb von sechs Monaten,
spätestens innerhalb eines Zeitraums von einem Jahr - folgenlos abheilen und sich die
damit verbundenen Beschwerden gänzlich zurückbilden. Insofern zeichnet sich eine
vorübergehende Verschlimmerung eines Vorzustands im Bereich der Wirbelsäule im
Regelfall durch eine stetige Besserung des unfallkausalen Beschwerdeanteils aus (vgl.
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dazu Bär/Kiener, a.a.O., S. 45). Im Rahmen der Frage nach Unfallrestfolgen ist es im
Weiteren allgemein von Bedeutung, dass eine gesundheitliche Schädigung nicht schon
dann als durch den Unfall verursacht gelten kann, wenn sie zeitlich nach diesem
aufgetreten ist (BGE 119 V 341 f.). Desgleichen vermag der Umstand, dass seit dem
Unfall anhaltende, zu Beginn als unfallbedingt taxierte Schmerzen sowie eine damit
verbundene Arbeitsunfähigkeit bestehen, nicht automatisch für das Vorliegen
anhaltender Unfallrestfolgen bzw. einer andauernden unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit
zu sprechen. Die Verneinung von Anspruchsvoraussetzungen für Leistungen des
Unfallversicherers bedingt keine Beschwerdefreiheit bzw. volle Arbeitsfähigkeit.
Entscheidend ist allein, ob der durch den Unfall ausgelöste Beschwerdeschub seine
ursächliche Bedeutung verloren hat (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 329 E. 3b).
3.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer aufgrund der
vorhandenen medizinischen Akten, die den Sachverhalt hinreichend und insgesamt
miteinander harmonierend darstellen, unfallbedingt ab 17. September 2007 im
Nebenberuf als Reiniger zu 100% und im Hauptberuf als Bauarbeiter mit der
Gelegenheit zum Konditionsaufbau zu 50% arbeitsfähig war. Ab November 2007 kann
auch im Hauptberuf von einer 100%-igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Auf
diesen Arbeitsfähigkeitsschätzungen ist für die Versicherungsleistungen an den
Beschwerdeführer abzustellen.
4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 14. Oktober 2008 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine
zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG