Decision ID: fe8987b8-441f-4fd6-891b-ea37c12e322b
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 03.12.2012 Art. 25 Abs. 1 ATSG; Art. 49 Abs. 3 ATSG. Voraussetzung des guten Glaubens im Zusammenhang mit einem Gesuch um Erlass der Rückforderung von zu Unrecht ausgerichteten Versicherungsleistungen verneint. Verletzung der Begründungspflicht verneint (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 3. Dezember 2012, AVI 2012/6).Präsidentin Lisbeth Mattle Frei, Versicherungsrichterin Marie-Theres Rüegg Haltinner,a.o. Versicherungsrichter Christian Zingg; Gerichtsschreiber Marc GigerEntscheid vom 3. Dezember 2012in SachenA._,Beschwerdeführer,vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Vedat Erduran, advokatur collegius, Zürcherstrasse 1, Postfach 54, 7320 Sargans,gegenAmt für Wirtschaft und Arbeit, Rechtsdienst, Davidstrasse 35, 9001 St. Gallen,Beschwerdegegner,betreffendErlass (Rückerstattung von Ausbildungszulagen)Sachverhalt:
A.
A.a A._ war vom 1. Februar 1991 bis 31. Oktober 2009 bei der B._. AG angestellt
(act. G 3.1 / A5). Der Versicherte meldete sich per 1. November 2009 zur
Arbeitsvermittlung und zum Bezug von Leistungen der Arbeitslosenversicherung an
(act. G 3.1 / A16 und A21). Die Kantonale Arbeitslosenkasse teilte dem Versicherten mit
der Taggeldabrechnung vom 14. Dezember 2009 betreffend den Monat November
2009 mit, dass ihm per 2. November 2009 eine zweijährige Rahmenfrist für den Bezug
von Arbeitslosenentschädigung eröffnet werde. Er habe grundsätzlich Anspruch auf
520 Taggelder bei einem versicherten Verdienst von Fr. 4'289.-- (act. G 3.2 / B36).
Gestützt auf Interventionen der ehemaligen Arbeitgeberin wurde der versicherte
Verdienst auf Fr. 5'524.-- festgesetzt (act. G 3.2 / B52, B59).
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A.b Vor seiner Arbeitslosigkeit hatte der Versicherte über seine Arbeitgeberin zwei
Ausbildungszulagen für seine beiden Söhne (Jg. 1988 und 1990) bezogen. Gemäss An
gaben des Versicherten habe der Sohn C._ im August 2010 seine Lehre
abgeschlossen. Sohn D._ werde seine Lehre voraussichtlich im Juli 2012 beenden.
Nachdem der Versicherte nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses bei der B._. AG
keine Ausbildungszulagen mehr für seine Kinder erhielt, meldete sich seine Ehefrau
über ihre Arbeitgeberin, die E._ GmbH zum Bezug von Zulagen an. Die Ehefrau
erhielt in der Folge ab November 2009 Familienzulagen ausbezahlt (vgl. act. G 1.1 / 7
und act. G 3.2 / B132).
A.c Der Arbeitslosenkasse war nicht bekannt, dass die Ehefrau des Versicherten
Familienzulagen über ihre Arbeitgeberin bezog. Nach einer internen Prüfung vom 24.
August 2010 beschloss jene die rückwirkende Zusprechung von Ausbildungszulagen
zugunsten des Versicherten ab November 2009 (act. G 3.1 / B84). Bis zum Antritt
seiner neuen Arbeitsstelle bei der F._ AG per 17. März 2011 erhielt der Versicherte
von der Arbeitslosenkasse für die Monate November 2009 bis März 2011
Familienzulagen in der Höhe von total Fr. 5'956.20 ausbezahlt (vgl. die korrigierten
Taggeldabrechnungen gemäss act. G 3.2 / B86 – B95 sowie B100/B102/106; B105;
B108; B114; B117; B119; B123).
A.d Nachdem die Arbeitslosenkasse aufgrund einer Meldung der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen vom 30. Mai 2011 von der
Doppelzahlung erfahren hatte, verfügte sie am 13. Juli 2011 die Rückerstattung der Fr.
5'956.20 (act. G 3.2 / 132 f.). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
A.e Am 15. August 2011 reichte der Versicherte bei der Arbeitslosenkasse ein
Erlassgesuch ein. Er begründete dieses damit, er sei beim Empfang der Leistungen
gutgläubig gewesen und die Rückerstattung würde für ihn eine grosse Härte darstellen
(act. G 3.2 / B 153).
A.f Am 7. Oktober 2011 verfügte das Amt für Arbeit (nunmehr: Amt für Wirtschaft und
Arbeit), der Betrag von Fr. 5'956.20 werde nicht erlassen. Es führte aus, bei
aufmerksamer Kontrolle der Taggeldabrechnungen betreffend die Monate November
2009 bis März 2011 hätte der Versicherte merken müssen, dass ihm
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Ausbildungszulagen ausgerichtet worden seien, obwohl bereits dessen Ehefrau diese
von deren Arbeitgeberin bezog. Der Versicherte wäre gehalten gewesen, der
Arbeitslosenkasse umgehend Meldung zu erstatten. Da er sich nicht in diesem Sinn
verhalten habe, sei ihm eine grobe Nachlässigkeit vorzuwerfen. Infolge Fehlens des
guten Glaubens sei der Erlass des Rückerstattungsbetrages nicht möglich (act. G 3.2 /
B155).
A.g Gegen diesen Entscheid erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt
Vedat Erduran, am 7. November 2011 Einsprache. Er beantragte die Aufhebung der
Verfügung vom 7. Oktober 2011 bzw. den Erlass der Rückforderung, unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zulasten des Staates (act. G 3.2 / B158). In der Einsprache
begründung vom 13. Dezember 2011 legte der Rechtsvertreter dar, beim Versicherten
handle es sich um einen ausländischen Staatsangehörigen, dessen Deutschkenntnisse
schlecht seien. Er habe den Sachverhalt hinsichtlich der von der Kantonalen Arbeits
losenkasse von sich aus gemachten Korrekturbuchung im August 2010 gar nicht
verstanden. Er habe die Korrektur-Taggeldabrechnungen angeschaut und kontrolliert.
Er habe dabei auf den Abrechnungen lediglich gesehen, dass Ausbildungszulagen
nachträglich ausbezahlt worden seien. Er habe die Abrechnungen auch mit den
Lohnabrechnungen der Ehefrau verglichen und dabei sei ihm nicht aufgefallen, dass es
sich bei Ausbildungs- und Kinderzulagen um die gleichen Leistungen einer
Sozialversicherung handle. Er habe gedacht, dass die Arbeitslosenkasse seinen
Entschädigungsanspruch zunächst falsch berechnet und deshalb Nachzahlungen
getätigt habe. Hinzu komme, dass die Doppelzahlung durch die Arbeitslosenkasse
verschuldet worden sei, da sie ohne entsprechenden Antrag Ausbildungszulagen
ausgerichtet habe. Die Kasse hätte zumindest beim Versicherten nachfragen können,
ob dessen Ehefrau die Zulagen über ihren Arbeitgeber beziehe. Eine grobe
Nachlässigkeit bzw. Verletzung der Meldepflicht könne dem Versicherten nicht
vorgeworfen werden. Er sei sich seiner Meldepflicht gar nicht bewusst gewesen, da er
nicht um das Vorliegen eines unzulässigen Doppelbezugs gewusst habe. Von einem
ausländischen Staatsangehörigen mit schlechten Deutschkenntnissen könne nicht
verlangt werden, dass er auf Anhieb den Unterschied zwischen Kinder- und
Ausbildungszulagen kenne. Des Weiteren sei auch die Erlassvoraussetzung der
grossen Härte gegeben. Die Kosten für die Bestreitung des monatlichen Lebensbedarfs
des Versicherten und seiner Ehefrau würden die monatlichen Einnahmen übersteigen.
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Der Versicherte habe kein steuerpflichtiges Vermögen. Er verfüge auch nicht über
Bankguthaben. Zusammenfassend seien somit beide Erlassvoraussetzungen gegeben
(act. G 1.1 / 6).
A.h Am 22. Dezember 2011 wies das Amt für Arbeit die Einsprache ab. Es führte aus,
die vom Versicherten angeführten Gründe würden dessen Verhalten nicht rechtfertigen.
Der Versicherte hätte auch ohne besondere Deutschkenntnisse feststellen müssen,
dass er aufgrund der an ihn ausbezahlten Ausbildungszulagen zu viel
Arbeitslosenentschädigung erhalten habe. Er wäre deshalb gehalten gewesen, der
Kasse Meldung zu erstatten. Da er dies nicht gemacht habe, sei das Vorliegen des
guten Glaubens zu verneinen und das Erlassgesuch somit abzulehnen (act. G 3.2 /
B159).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die vom Versicherten - wiederum vertreten
durch Rechtsanwalt Vedat Erduran - eingereichte Beschwerde vom 23. Januar 2012.
Die Begründung entspricht weitgehend jener in der Einsprache. Zusätzlich macht der
Rechtsvertreter eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend, da die Begründung im
Einspracheentscheid äusserst knapp ausgefallen sei. Sodann sei zu beachten, dass
der Beschwerdeführer sich beim für ihn verantwortlichen RAV-Mitarbeiter, G._,
informiert habe, ob und wie die Auszahlung der Kinderzulagen vorgenommen werde.
Dieser habe den Versicherten darauf hingewiesen, dass die Ausbildungszulagen über
den Arbeitgeber der Ehefrau geltend zu machen seien. Herr G._ müsse gewusst
haben, dass der Beschwerdeführer seiner Aufforderung folgen würde. Demzufolge
habe der Beschwerdeführer auch davon ausgehen dürfen, dass die Kantonale
Arbeitslosenkasse keine Auszahlung von Ausbildungszulagen vornehmen werde. Von
einer Verletzung der Meldepflicht durch den Versicherten könne unter diesen
Umständen nicht gesprochen werden. Es sei daher auch nicht zulässig, den guten
Glauben zu verneinen. Schliesslich sei zu berücksichtigen, dass die Rechtsprechung
nur von einer groben Pflichtwidrigkeit ausgehe, wenn eine augenscheinliche Differenz
zwischen der zu erwartenden Entschädigung und der ausbezahlten Leistung bestehe.
Vorliegend seien die Auszahlungsdifferenzen der Arbeitslosentaggelder mit und ohne
die Ausbildungszulagen als gering zu bezeichnen. Der in der Zeit von November 2009
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bis März 2011 aufgelaufene Gesamtbetrag von Fr. 5'956.20 könne ebenfalls als relativ
gering angesehen werden. Dem Beschwerdeführer sei deshalb schlicht nicht
aufgefallen, dass er eigentlich zu viel Arbeitslosenentschädigung erhalten habe. Auch
aus diesem Grund könne dessen Gutgläubigkeit nicht verneint werden (act. G 1).
B.b Am 2. März 2012 reichte der Beschwerdegegner seine Beschwerdeantwort ein,
mit dem Antrag, die Beschwerde sei abzuweisen. Zur Begründung verwies er auf die
Verfügung vom 7. Oktober 2011 und den Einspracheentscheid vom 22. Dezember
2011 (act. G 3).
B.c Der Beschwerdeführer verzichtete auf eine weitere Stellungnahme (vgl. act. G 5).

Erwägungen:
1.
1.1 Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist einzig die Frage, ob dem
Beschwerdeführer die von der kantonalen Arbeitslosenkasse verfügte Rückforderung
erlassen werden kann oder nicht. Die Frage der Rechtmässigkeit der verfügten
Rückforderung kann demgegenüber nicht überprüft werden, hat der Beschwerdeführer
die betreffende Verfügung doch unangefochten in Rechtskraft erwachsen lassen.
1.2 In formeller Hinsicht ist die Rüge des Beschwerdeführers zu prüfen, die
Beschwerdegegnerin habe sich nicht hinreichend mit den erhobenen Einwänden
auseinandergesetzt und somit die ihr obliegende Begründungspflicht bzw. den
Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt.
1.2.1 Verfügungen sind zu begründen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll
entsprechen (Art. 49 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Der Anspruch auf rechtliches Gehör
gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
(BV; SR 101) verlangt, dass die Behörde die Vorbringen des vom Entscheid in seiner
Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und in der Entscheidfindung
berücksichtigt. Daraus folgt die Verpflichtung der Behörde, ihren Entscheid zu
begründen. Dabei ist es nicht erforderlich, dass sie sich mit allen Parteistandpunkten
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einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt.
Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Die
Begründung muss so abgefasst sein, dass sich der Betroffene über die Tragweite des
Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere
Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinn müssen wenigstens kurz die Überlegungen
genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr
Entscheid stützt (BGE 136 I 229 E. 5.2 S. 236 mit Hinweisen).
1.2.2 Der angefochtene Einspracheentscheid mag diesen Anforderungen zu genügen.
Es trifft wohl zu, dass die Begründung sehr knapp ausgefallen ist. Dies ist jedoch nicht
entscheidend, massgebend erscheint vielmehr, ob die Behörde sich mit den für den
Entscheid relevanten Kernpunkten auseinandergesetzt hat. Dem vorliegenden Fall liegt
im Prinzip eine eingeschränkte Fragestellung zugrunde. Es geht im Wesentlichen nur
darum, ob der Beschwerdeführer - insbesondere mit Blick auf dessen offenbar ein
geschränkten Kenntnisse der deutschen Sprache - auf die Richtigkeit der
Abrechnungen der Arbeitslosenkasse vertrauen durfte. Dazu hat sich die
Beschwerdegegnerin klar geäussert. Sie hat dargelegt, dass es dem Beschwerdeführer
bei einer aufmerksamen Kontrolle der Taggeldabrechnungen auch ohne besondere
Deutschkenntnisse jedenfalls möglich gewesen wäre, den Doppelbezug zu erkennen.
Mit dieser Argumentation ist die Beschwerdegegnerin ihrer Begründungspflicht
nachgekommen. Entscheidend ist dabei insbesondere, dass mit der betreffenden
Begründung eine sachgerechte Anfechtung des Einspracheentscheids durchaus
möglich erscheint. Gesamthaft ist eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör
nach Art. 29 Abs. 2 BV zu verneinen. Die Streitsache ist damit materiell zu prüfen.
2.
2.1 Nach Art. 25 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) sind unrechtmässig bezogene Leistungen
zurückzuerstatten. Wer jedoch Leistungen im guten Glauben empfangen hat, muss sie
nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt. Der Rückforderungsanspruch
erlischt nach Art. 25 Abs. 2 ATSG mit dem Ablauf eines Jahres, nachdem die
Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf
von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen Leistung. Voraussetzungen für den
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Erlass einer Rückforderung sind somit das Vorhandensein des guten Glaubens beim
Empfang der Leistungen und die grosse Härte. Der gute Glaube wird vermutet (vgl.
Art. 3 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs [ZGB; SR 210] analog). Ein
gutgläubiger Bezug einer Sozialversicherungsleistung liegt vor, wenn das Bewusstsein
über den unrechtmässigen Leistungsbezug fehlt, sofern dieses Fehlen in einer
objektiven Betrachtungsweise unter den konkret gegebenen Umständen entschuldbar
ist. Er besteht insbesondere dann, wenn sich die empfangende Person keiner groben
Nachlässigkeit schuldig gemacht hat (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Auflage, 2009,
Art. 25 Rz 33). Nach der Rechtsprechung ist bezüglich der Erlassvoraussetzungen
zwischen dem guten Glauben als fehlendem Unrechtsbewusstsein und der Frage zu
unterscheiden, ob sich jemand unter den gegebenen Umständen auf den guten
Glauben berufen kann bzw. ob er bei zumutbarer Aufmerksamkeit den bestehenden
Rechtsmangel hätte erkennen sollen (BGE 122 V 221 E. 3; AHI-Praxis 2/1994 S. 123 E.
2c). Wer einen Rechtsmangel kennt, gilt diesbezüglich nicht als gutgläubig. Sodann
darf sich derjenige nicht auf den guten Glauben berufen, dem der Mangel bei
Anwendung zumutbarer Aufmerksamkeit erkennbar gewesen wäre (Art. 3 Abs. 2 ZGB
analog). Dabei ist diejenige Aufmerksamkeit geboten, die nach den Umständen
verlangt werden kann. Dies lässt sich nur im Einzelfall in Würdigung aller
Gegebenheiten beurteilen, wobei von objektiven Kriterien auszugehen ist (BGE 120 V
319 E. 10a).
2.2 Der Beschwerdeführer macht zunächst geltend, dass der Doppelbezug durch die
Arbeitslosenkasse verschuldet worden sei, da diese die Ausbildungszulagen
ausbezahlt habe, ohne dass ein entsprechender Antrag des Versicherten vorgelegen
hätte. Der Beschwerdeführer hatte bereits in seinem Antrag auf
Arbeitslosenentschädigung angegeben, er beanspruche auch Kinder- und/oder
Ausbildungszulagen (act. G 3.2 / B12). Zwar erfolgte zunächst keine Auszahlung von
Kinder- bzw. Ausbildungszulagen; hingegen belief sich der Taggeldanspruch auf 80 %
des versicherten Verdienstes, da gleichzeitig ein Rentenbegehren des
Beschwerdeführers bei der Invalidenversicherung pendent war. Nachdem der
Rentenanspruch abgewiesen worden war (vgl. act. G 3.2 / B73), wurde der
Taggeldanspruch ab Mai 2010 auf 70 % des versicherten Verdienstes herabgesetzt
(act. G 3.2 / B75). Wie aus einer Aktennotiz der Arbeitslosenkasse vom 24. August
2010 hervorgeht, hatte sich der Beschwerdeführer alsdann nach dem Grund für die
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Herabsetzung erkundigt. Er wurde darauf aufmerksam gemacht, dass die
Arbeitslosenkasse über keine Ausbildungsbestätigung seiner Kinder verfüge. Der Ver
sicherte reichte folglich die Ausbildungsbestätigungen ein (act. G 3.2 / B83 und B76),
woraufhin der Taggeldanspruch wieder auf 80 % erhöht wurde (act. G 3.2 / B77). In der
besagten Aktennotiz ist sodann vermerkt, im Zusammenhang mit der neuerlichen
Zustellung einer Ausbildungsbestätigung für D._ am 23. August 2010 sei festgestellt
worden, dass auch ein "Antrag" auf Ausbildungszulagen bestehen würde, dieser aber
bislang nicht berücksichtigt worden sei. Der Beschwerdeführer habe die Zulagen an
sich von Beginn weg beantragt. Die Arbeitslosenkasse verfügte in der Folge die
rückwirkende Zusprechung von Ausbildungszulagen ab November 2009.
2.3 Die Zulagen wurden durch die Arbeitslosenkasse somit nachträglich
zugesprochen im Irrtum darüber, dass der Beschwerdeführer (immer noch) Antrag auf
Ausbildungszulagen stellte bzw. im Irrtum darüber, dass für die Kinder des
Beschwerdeführers in der fraglichen Zeitspanne bereits Zulagen ausgerichtet wurden.
Dieser Irrtum hätte sich leicht vermeiden lassen, wenn die Arbeitslosenkasse den
Beschwerdeführer auf ihre Überlegungen aufmerksam gemacht hätte. Ein grober
Fehler der Arbeitslosenkasse lässt allerdings ein allfälliges Verschulden des
Beschwerdeführers nicht geringer werden. Fraglich bleibt also, welche bzw. ob der
Irrtum der Arbeitslosenkasse Folgen auf die Rückerstattungspflicht des
Beschwerdeführers hat. Im Zentrum steht die Frage nach dem Vorliegen des guten
Glaubens beim Versicherten. Es ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer beim Empfang
der Leistungen den Rechtsmangel gekannt hat, sich mit anderen Worten des Bezugs
derselben Leistung durch seine Ehefrau über deren Arbeitgeberin einerseits und durch
ihn selber über die Arbeitslosenversicherung andererseits bewusst war, oder ob er den
Rechtsmangel bei der gebotenen Aufmerksamkeit zumindest hätte erkennen können
und müssen.
2.4 Der Beschwerdeführer weist darauf hin, den Sachverhalt hinsichtlich der von der
Kantonalen Arbeitslosenkasse von sich aus gemachten Korrekturbuchung im August
2010 gar nicht verstanden zu haben. Er habe gedacht, dass die Arbeitslosenkasse
seinen Entschädigungsanspruch zunächst falsch berechnet und deshalb
Nachzahlungen getätigt habe. Diese Argumentation erweist sich nicht als stichhaltig.
Insbesondere erscheint die Berufung darauf, den Unterschied zwischen Kinderzulagen
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und Ausbildungszulagen nicht gekannt zu haben, nicht statthaft. Dem
Beschwerdeführer hätte auffallen müssen, dass es sich bei den am 25. August 2010
erfolgten Nachzahlungen nicht um einen Bestandteil der Grundentschädigung
handelte, wurden die Zahlungen doch jeweils separat unter dem Titel
"Ausbildungszulage" deklariert (act. G 3.1 / B86 – B95). Wäre dem Beschwerdeführer
das Verhältnis der Ausbildungszulage zur Kinderzulage der Ehefrau unklar gewesen, so
wäre er gehalten gewesen, sich von der Arbeitslosenkasse die Bedeutung der Zulagen
erklären zu lassen; jedenfalls ginge es nicht an, sich darauf zu berufen, er habe
gedacht, es handle sich bei den Ausbildungszulagen der Arbeitslosenkasse im
Vergleich zu den Kinderzulagen bei der Ehefrau um eine zusätzliche Leistung.
Schliesslich hat sich der Beschwerdeführer mit dem Thema der Zulagen offenkundig
befasst. Es war ihm aufgefallen, dass er diese nicht mehr erhalten hat, worauf er sich
bei seinem RAV-Berater erkundigte. Auf dessen Empfehlung hin hat dann die Ehefrau
die Zulagen beantragt und bezogen. Dies konnte dem Beschwerdeführer nicht
entgangen sein. Von besonderer Relevanz sind sodann die Formulare betreffend die
"Angaben der versicherten Person für den Monat...". Bei Frage "7b" eines solchen
Formulars wird die versicherte Person danach gefragt, ob eine andere Person (z.B. der
andere Elternteil) Anspruch auf Kinder- und/oder Ausbildungszulagen habe. Der
Beschwerdeführer hatte bei dieser Frage stets ein "Nein" angekreuzt - und zwar auch
noch dann, als bereits seine Ehefrau die Zulagen über ihre Arbeitgeberin bezog (vgl.
act. G 3.2 / B122, B118, B116). Es handelt sich hierbei somit offenkundig um
Falschangaben. Diese sind, wenn nicht vorsätzlich, so doch jedenfalls aus grober
Nachlässigkeit erfolgt. Die Beschwerdegegnerin dürfte dadurch in ihrem Irrtum, der
Beschwerdeführer habe einen Antrag auf Ausbildungszulagen gestellt, bestärkt worden
sein; sie hatte sich im Rahmen ihrer Beurteilung offenbar nämlich insbesondere auch
auf die bisherigen Akten gestützt (vgl. wiederum die Aktennotiz vom 24. August 2010;
act. G 3.2 / B 84).
2.5 Nach dem bisher Gesagten spricht nichts für das Vorliegen des guten Glaubens
auf Seiten des Beschwerdeführers. Weiteren Argumenten des Versicherten kann
ebenfalls nicht gefolgt werden, so etwa, dass die Arbeitslosenkasse über die
Anmeldung der Ehefrau des Beschwerdeführers zum Bezug von Kinderzulagen
informiert gewesen sein soll, weil der RAV-Mitarbeiter ihm diesen Schritt empfohlen
habe. Sodann kann der Beschwerdeführer sich auch nicht auf eine angeblich geringe
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Differenz zwischen der zu erwartenden Entschädigung und der ausbezahlten Leistung
berufen; dies wiederum mit Blick darauf, dass die Nachzahlungen separat als
Ausbildungszulagen ausgewiesen wurden und nicht als Bestandteil der
Grundentschädigung.
2.6 Zusammenfassend kann der Beschwerdeführer in Bezug auf die empfangenen
Ausbildungszulagen der Arbeitslosenversicherung nicht als gutgläubig betrachtet
werden. Unter diesen Umständen erübrigt sich die Prüfung der grossen Härte, denn die
Voraussetzungen des gutgläubigen Leistungsbezugs und der grossen Härte müssen
kumulativ erfüllt sein (Ueli Kieser, a.a.O., Rz 19 zu Art. 25 ATSG). Dem Versicherten
bleibt der Erlass der Rückforderung im Ergebnis verwehrt.
3.
3.1 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
3.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP
entschieden
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
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