Decision ID: 7f435993-48c5-58f0-bc86-078d2851815a
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 9./12. März 2004 (IV-act. 1) erstmals zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an. Er sei seit 1986 in einem Bau-Betrieb
angestellt und erziele ein Einkommen von monatlich Fr. 5'600.--. Seit dem 6. Juni 2002
leide er nach einem Unfall an Kopf-, Rücken- und Fussschmerzen. - In einer
Unfallmeldung vom 7. Juni 2002 (Fremd-act. 2-118) war angegeben worden, es habe
am Tag zuvor ein Auffahrunfall stattgefunden. Nach Angaben von Dr. med. B._,
Innere Medizin FMH, vom 13. September 2003 (Fremd-act. 2-88) hatte der Versicherte
damals trotz beträchtlicher Kopf- und Hals-/Schulterschmerzen voll gearbeitet. Auf
Mitteilung von Dr. med. C._, Allgemeine Medizin FMH, vom 23. Oktober 2003 hin,
dass der Versicherte nun zu 50 % arbeite, hatte der Suva-Kreisarzt dafürgehalten, der
Versicherte werde immer wieder mit dem offensichtlichen Begehren nach einer Rente
kommen (vgl. Fremd-act. 2-79). Am 26. November 2003 war ein Rückfall gemeldet
worden (vgl. Fremd-act. 2-64). - Dr. C._ gab im IV-Arztbericht vom 29. März 2004 (IV-
act. 13) an, es bestehe beim Versicherten ein chronisches Cervicozephales
Schmerzsyndrom beidseits (bei Autoauffahrunfall mit HWS-Distorsionstrauma
06.06.2002, Diskusprotrusion Th2/3 und Th3/4 ohne Kontakt zur Nervenwurzel [MRI
20.11.03] und Symptomausweitung). Als Bauarbeiter sei er vom 20. Oktober 2003 bis
5. November 2003 voll arbeitsunfähig gewesen; seither sei er es zu 50 %. Ein
Aufenthalt in der Klinik D._, wo auch eine gutachterliche Untersuchung hätte
stattfinden sollen, sei wegen fehlender Compliance des Versicherten vorzeitig
abgebrochen worden. Die Klinik D._ hatte in einem Austrittsbericht vom 11. März
2004 (Fremd-act. 2-15 ff.) angegeben, schon bei Eintritt habe der Versicherte einen
sehr schmerzfixierten Eindruck gemacht und ein demonstratives Schmerzverhalten
gezeigt. Wegen zu geringer Leistungsbereitschaft und Selbstlimitierung habe in den
Therapien keine Besserung erreicht werden können. Ab 1. März 2004 sei der
Versicherte zumindest für eine leichte, wechselbelastende Arbeit voll arbeitsfähig. - Die
A.a.
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Arbeitgeberin bescheinigte, der seit 1986 angestellte Versicherte verdiene seit 2004 bei
vollzeitlicher Anstellung monatlich Fr. 4'605.-- und würde das auch ohne
Gesundheitsschaden verdienen (vgl. IV-act. 20). Vor und nach Eintritt des
Gesundheitsschadens am 16. September 2003 sei er als Facharbeiter tätig gewesen.
Sie habe das Arbeitsverhältnis auf den 30. Juni 2004 (auch letzter Arbeitstag)
gekündigt. - Eine weitere Arbeitgeberin erklärte, der Versicherte sei von Juni 2000 bis
November 2003 an sechs bis zehn Stunden pro Woche (also durchschnittlich 20 %) als
Lagerangestellter tätig gewesen. Es sei ihm wegen Nichteinhaltens der Arbeitszeit
gekündigt worden (vgl. IV-act. 21). - Die Suva verfügte am 2. April 2004 (Fremd-
act. 2-13 f.), spätestens ab 1. Juli 2004 sei von einer vollen Arbeitsfähigkeit
auszugehen. Am 12. April 2005 (Fremd-act. 4-6 f.) stellte die Suva alle Leistungen auf
den 30. April 2005 ein. Der Unfall habe keine Folgen hinterlassen, die die
Erwerbsfähigkeit messbar beeinträchtigen könnten (vgl. auch Einspracheentscheid
vom 20. September 2005, Fremd-act. 5, Abweisung). - Nach einem rund
zweimonatigen RAV-Arbeitseinsatz zur beruflichen Abklärung hatte sich gemäss
Bericht vom 28. Januar 2005 (IV-act. 28) unter anderem ergeben, dass der Versicherte
in der Regel recht selbständig eine gute, sorgfältige Arbeit geleistet und eine gute
Lernfähigkeit und Kritikfähigkeit sowie Interesse für den Beruf gezeigt habe, kooperativ
und verantwortungsbewusst gewesen sei und sehr wenige Absenzen gehabt habe. Die
Depression sei erkennbar geworden. Doch der Versicherte wolle weiterhin (zu 50 %)
arbeiten; zuhause drehe sich alles um die Krankheit. - Dr. med. E._, FMH
Physikalische Medizin, hatte am 1. März 2005 (vgl. IV-act. 38-3) mitgeteilt, der
Untersuch des Versicherten sei wegen theatralisch-leidendem Verhalten, häufig mit
aktiver Gegenwehr, stark erschwert gewesen. Auffällig seien die zunehmende
Chronifizierung der Schmerzen mit zunehmender Symptomausweitung und die völlige
Therapieresistenz. Es handle sich wahrscheinlich teilweise oder vorwiegend um
somatoforme Schmerzen. - Dr. med. F._, Facharzt FMH für Rheumatologie, erklärte
am 21. November 2005 (vgl. IV-act. 46), der Versicherte sei von den Aufgaben, die er
erfüllen sollte, wahrscheinlich wirklich überfordert. Er habe nämlich früher neben seiner
Familie mit _ Kindern auch noch die erweiterte Familie mit 14 Personen im Ausland
finanziell unterhalten. Das sei wahrscheinlich auch für einen Gesunden zu viel. Das
einzig Wichtige sei es nun, den Versicherten von der Notwendigkeit zu überzeugen,
wieder zu arbeiten bzw. zu versuchen, eine geeignete Arbeit aufzunehmen. - Das ABI
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gab im Gutachten vom 31. August 2006 (IV-act. 62) an, es gebe beim Versicherten
keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Einfluss seien eine
Schmerzverarbeitungsstörung und ein chronisches cervicalbetontes panvertebrales
Schmerzsyndrom mit pseudoradikulärer Ausstrahlung in die oberen sowie unteren
Extremitäten links (verkürzt wiedergegeben). Seine Arbeitsfähigkeit sei
uneingeschränkt. Auf einen Vorbescheid vom 14. September 2006 (IV-act. 66) hin liess
der Versicherte unter anderem ein Schreiben von Dr. med. G._, Arzt für Allgemeine
Medizin FMH, vom 16. Mai 2006 (IV-act. 72-20) mit dem Attest einer Arbeitsunfähigkeit
des Versicherten von 50 % und ein Gutachten von Dr. med. H._, Facharzt FMH für
Orthopädische Chirurgie, vom 20. Januar 2006 zuhanden der Motorfahrzeug-
Haftpflichtversicherung (IV-act. 72-9 ff.) einreichen, wonach der Versicherte in keiner
Tätigkeit mehr arbeitsfähig sei. Das ABI hielt am 15. November 2006 (IV-act. 75) dafür,
auch jener Gutachter habe keine Befunde objektivieren können und keine Diagnose
von Relevanz erhoben. Mit Verfügung vom 21. November 2006 (IV-act. 77) wies die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen das Leistungsgesuch des
Versicherten ab. Eine Beschwerde hiergegen wies das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 13. Mai 2008 (IV-act. 97) ab.
Am 23./25. März 2009 (IV-act. 108) meldete sich der Versicherte erneut bei der
Invalidenversicherung an. Er sei von Mai bis Juli 2007, von August 2007 bis März 2008
und von April bis Juni 2008 je in Arbeitsverhältnissen auf dem Bau tätig gewesen. Seit
dem 28. August 2008 sei er arbeitslos. Er leide seit 2008 an einer Depression, seit 2002
an Unfallfolgen und seit September 2008 an Rückenproblemen. Dr. G._ hatte am
27. August 2008 (IV-act. 112-5) erklärt, der Versicherte sei seit Juni 2002 zu 50 %
arbeitsunfähig. Die Klinik für Neurochirurgie am Kantonsspital St. Gallen hatte in einem
vorläufigen Austrittsbericht vom 1. Dezember 2008 (IV-act. 114-6 f.) bekanntgegeben,
es liege beim Versicherten eine grosse lumbale Diskushernie L3/4 links, nach kaudal
sequestriert, vor. Ein MRI hatte unter anderem eine Diskushernie im Segment L3/4
medio-lateral mit nach caudal und recessal ausgetretenem Anteil linksseitig und
Kompression der L4-Wurzel links sowie auch Kompression der Cauda equina im
ventralen Anteil ergeben. - Das ABI gab in einem Gutachten vom 7. Dezember 2009
(IV-act. 131, zweites ABI-Gutachten) bekannt, es bestehe beim Versicherten (verkürzt
wiedergegeben) ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne akute
A.b.
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radikuläre Symptomatik. Ohne Einfluss seien eine Schmerzverarbeitungsstörung und
Symptomausweitung mit algogener Verstimmung. Für eine Arbeit im Baugewerbe
bestehe seit September 2008 keine Arbeitsfähigkeit des Versicherten mehr. Für eine
körperlich leichte bis mittelschwere angepasste Tätigkeit sei seine Arbeitsfähigkeit (seit
April 2009) zeitlich und leistungsmässig nicht eingeschränkt (IV-act. 131-26). -
Berufliche Massnahmen wurden am 20. Mai 2010 (IV-act. 146) abgelehnt, weil sich der
Versicherte subjektiv arbeitsunfähig fühle. - Nachdem auf einen ablehnenden
Rentenvorbescheid (IV-act. 149) Einwand (IV-act. 150, 152) erhoben worden war und
Arztberichte (von Dr. med. I._ und von Dr. med. J._, Facharzt für Neurochirurgie,
sowie ein Aufgebot zur Begutachtung durch K._, Facharzt für Rheumatologie und
Innere Medizin, IV-act. 153 bis 155) eingereicht worden waren, wurde eine erneute
Begutachtung veranlasst. Im Gutachten vom 7. Februar 2011 (IV-act. 171; drittes ABI-
Gutachten) hielt das ABI fest, der Versicherte leide (verkürzt wiedergegeben) an einem
chronischen lumbovertebralen Schmerzsyndrom ohne akute radikuläre Symptomatik.
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden eine leichte depressive
Episode, eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung, eine arterielle Hypertonie und
ein chronischer Nikotinabusus genannt. Für Tätigkeiten im Baugewerbe und jede
andere körperlich schwere Tätigkeit sei der Versicherte nicht mehr arbeitsfähig, für eine
leichte bis mittelschwere, adaptierte Tätigkeit hingegen voll arbeitsfähig (IV-
act. 171-30). - Dem ABI hatte unter anderem ein für die Krankenversicherung erstelltes
rheumatologisches Gutachten des Facharztes für Rheumatologie und Innere Medizin
K._ vom 7. November 2009 (IV-act. 171-33 ff.) zur Verfügung gestanden. Danach
erscheine die zuletzt ausgeübte Tätigkeit ungünstig und bestenfalls noch in einem
Pensum von 50 % zumutbar. Eine angepasste Tätigkeit mit einem
wirbelsäulenadaptierten Belastungsprofil sei aus rein rheumatologischer Sicht ohne
Einschränkungen zumutbar. - Am 16. Juni 2011 (IV-act. 182-11 ff.) nahm das ABI zu
einem Einwand (IV-act. 174 und 178, auf eine zweite Anhörung, IV-act. 173, hin) und
einem eingereichten Arztbericht von Dr. I._ vom 14. April 2011 (IV-act. 179-2 f.)
Stellung und hielt an seinem Begutachtungsergebnis fest. Nach einer dritten Anhörung
(IV-act. 184) erliess die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen am
17. August 2011 eine Verfügung (IV-act. 190), womit sie einen Rentenanspruch des
Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 13 % (Valideneinkommen Fr. 68'900.--,
Invalideneinkommen Fr. 59'979.--) abwies. In einem Beschwerdeverfahren (angehoben
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B.
am 14. September 2011, IV-act. 194) reichte das ABI dem Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen am 22. Mai 2013 eine Stellungnahme (IV-act. 225) zu zwei Berichten
des [medizinische Stelle] L._ vom 15. August 2012 (IV-act. 219-1 ff.) und vom
21. August 2012 (IV-act. 219-8 ff.; beide u.a. von Dr. med. M._, Facharzt Psychiatrie
und Psychotherapie FMH; vgl. auch schon Bericht vom 30. Januar 2012, IV-
act. 207-4 ff.) ein, in welcher es wiederum am Ergebnis des Gutachtens festhielt. Des
Weiteren holte das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen ein zuhanden der
Krankenversicherung erstelltes psychiatrisches Gutachten von Dr. med. N._,
Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 19. September 2009 (IV-
act. 231) ein. Gutachter Dr. N._ (der interdisziplinär mit Facharzt K._ begutachtet
hatte) hatte den Versicherten als psychiatrisch gesehen voll arbeitsfähig bezeichnet
(vgl. IV-act. 231-13). Mit Entscheid vom 19. November 2013 (IV-act. 235) wies das
kantonale Gericht die Beschwerde ab. Das Bundesgericht wies eine Beschwerde
dagegen mit Urteil vom 14. April 2014 (IV-act. 241) ab. Das kantonale
Versicherungsgericht habe von einer vollen Arbeitsfähigkeit des Versicherten in einer
angepassten Tätigkeit ausgehen dürfen.
Am 20. November/1. Dezember 2015 (IV-act. 253) meldete sich der Versicherte ein
drittes Mal bei der Invalidenversicherung an. Er habe Rücken- und Kopfbeschwerden,
ein psychisches Leiden usw. Die gesundheitliche Beeinträchtigung habe sich seit
Februar 2015 verschlimmert und am 3. Oktober 2012 sei ein neuer Verkehrsunfall
dazugekommen.
B.a.
Dr. med. O._, Praktische Ärztin, Fachärztin für Dermatologie und Venerologie,
erklärte in einem IV-Arztbericht vom 11. Mai 2016 (IV-act. 290-1 bis 7), der Versicherte
sei voll arbeitsunfähig. - Beigelegt waren diverse ärztliche Berichte. In einem MRT der
LWS vom 1. April 2014 (IV-act. 290-28) eines Röntgeninstituts etwa war die (im
Vergleich zur dortigen Voruntersuchung von 2000 neu aufgetretene) links paramediane
sequestrierte Diskushernie LWK 3/4 mit rezessaler Kompression der linken L4-Wurzel
beschrieben worden. - Der Leitende Arzt der Palliativ-Schmerzsprechstunde am Spital
P._ hatte in einem Bericht vom 25. Mai 2014 (IV-act. 290-29 und 31) über eine
Erstkonsultation des Versicherten angegeben, es hätten trotz mehrfacher Abklärungen
B.b.
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des chronifizierten Ganzkörperschmerzsyndroms nach Gerbershagen III an
verschiedenen Orten ausser degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule keine
erklärenden Pathologien gefunden werden können. Im Vordergrund stehe klar die
psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung. - _ Dr. med. Q._, Facharzt FMH
für Neurochirurgie, hatte am 18. August 2014 (IV-act. 290-43 f.) von massivster
somatoformer Überlagerung berichtet. Die zweifellos auch bestehende Radikulopathie
L4 links sei deswegen quasi maskiert. Eine Single-shot-Epiduralblockade habe der
Versicherte abgelehnt, weil die bisher bekommenen Spritzen allesamt nichts genützt
hätten. - In einem Bericht vom 12. Februar 2015 (IV-act. 290-20) hatte ein
Röntgeninstitut bekannt gegeben, es bestünden beim Versicherten fortgeschrittene
aktivierte Spondylarthrosen der Facettengelenke HWK 2/3 und 3/4 rechts mit
foraminalen Stenosen und Irritationen der C3 und C4-Wurzeln rechts und eine
kleinvolumige mediane Diskushernie HWK 5/6 ohne Neurokompression.
Die [Rehabilitationsklinik] R._ hatte in einem Austrittsbericht vom 7. Oktober
2015 berichtet (IV-act. 257), der Versicherte sei vom 24. August 2015 bis
21. September 2015 hospitalisiert gewesen. Er habe von einer ausgeprägten
Hilflosigkeit und Verzweiflung berichtet, sei im formalen Gedankengang eingeengt und
- undurchbrechbar - auf seine Schmerzen fixiert gewesen und habe in seiner
psychosozialen Situation resigniert gewirkt. Er sei zu den Therapien stets pünktlich
erschienen, sei zuverlässig gewesen und habe regelmässig trainiert. Gegenüber einer
Behandlung in einer Tagesklinik sei er eher abgeneigt gewesen. - Das [medizinische
Stelle] L._ (S._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH) hatte in einem
Bericht vom 15. Februar 2016 (IV-act. 273) angegeben, mit der Wiederaufnahme einer
Tätigkeit könne beim Versicherten nicht gerechnet werden. Er könne den Alltag nicht
mehr bewältigen (ausser Spazieren).
B.c.
Das Medizinische Gutachtenzentrum MGSG erklärte in einem Gutachten vom
8. August 2016 (IV-act. 294; Begutachtung vom 19. Mai bis 7. Juli 2016), als Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden beim Versicherten ein
Cervicovertebralsyndrom bei Diskusprotrusion C5/6 mit neuroforaminaler Einengung
der Nervenwurzel C6 beidseits und mässiger Spondylarthrose C2/3, eine
Pseudolumboischialgie links bei Osteochondrose und Diskushernie L4/5 mit möglicher
Kompression der Nervenwurzel L5 rezessal rechts und eine rezidivierende depressive
B.d.
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Störung mit anhaltender mittelgradiger depressiver Episode, bestehend seit
mindestens 1/2012. Eine unter anderem vorliegende anhaltende somatoforme
Schmerzstörung beeinträchtige die Arbeitsfähigkeit nicht. Als Hilfsarbeiter im
Baugewerbe sei der Versicherte seit Januar 2012 zu 50 % arbeitsunfähig. In einer
körperlich schweren Tätigkeit als Bauarbeiter sei er seit Februar 2015 zu 65 %
arbeitsunfähig. Die Arbeitsunfähigkeit im vorangehenden Zeitraum könne retrospektiv
nicht beurteilt werden, weil nicht klar sei, seit wann die 2015 festgestellten
degenerativen Veränderungen der HWS und die erneute Diskushernie L4/5 mit
eventueller Kompression der Nervenwurzel L5 rechts rezessal effektiv bestünden. In
einer leidensadaptierten Tätigkeit könne dem Versicherten seit Januar 2012 bei voller
Stundenpräsenz eine Arbeitsfähigkeit von 60 % zugemutet werden (vgl. IV-
act. 294-58 f.). Die Prognose sei bei mangelnder Motivation und Fixierung des
Versicherten auf die Beschwerden ungünstig. Medizintheoretisch sei innerhalb eines
Jahres eine Verbesserung des psychischen Zustands mit Steigerung auf etwa 70 %
Arbeitsfähigkeit zu erwarten (vgl. IV-act. 294-60). - Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD)
der Invalidenversicherung hielt am 25. November 2016 (IV-act. 299) fest, es bestehe
Eingliederungspotenzial im Umfang von etwa 60 %. Die IV-
Eingliederungsverantwortliche rief den Versicherten am 6. Januar 2017 (IV-act. 302) an,
worauf dieser mitteilte, sich einer Bandscheibenoperation unterzogen zu haben und
sich seither kaum bewegen zu können und am ganzen Körper Schmerzen zu haben.
Am 6. Januar 2017 (IV-act. 305) wurde dem Rechtsvertreter des Versicherten
mitgeteilt, berufliche Massnahmen seien für diesen nicht angezeigt, da er sich nicht in
der Lage fühle, dabei mitzuwirken.
B.e.
Dr. J._ gab in einem IV-Arztbericht vom 31. Januar 2017 (IV-act. 306) bekannt,
der Versicherte sei zurzeit für alle Tätigkeiten voll arbeitsunfähig. Er sei am
22. Dezember 2016 operiert worden. Gemäss dem beigelegten Operationsbericht (IV-
act. 306-6 f.) hatte der Arzt beim Versicherten eine mikrochirurgische Fensterung und
Sequestrektomie L4/5 rechts vorgenommen. - Die RAD-Ärztin hielt diese
Arbeitsunfähigkeitsschätzung (100 %) am 24. Februar 2017 (IV-act. 307) für nicht
nachvollziehbar, weil die Nervenwurzel operativ von der Kompression habe befreit
werden können. Auf Anfrage (vgl. IV-act. 312-2) teilte Dr. J._ am 14. Juni 2017 (IV-
act. 313) mit, ein stabiler Zustand habe beim Versicherten noch nicht erreicht werden
B.f.
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können. Er stehe wegen zusätzlicher internistischer Erkrankungen in Behandlung.
Anfänglich sei durch die Operation eine Teilbesserung eingetreten, inzwischen seien
aber Kreuzschmerzen in den Vordergrund gerückt, so dass von einer Verbesserung
nicht gesprochen werden könne.
Die RAD-Ärztin hielt am 14. Juli 2017 (IV-act. 316) dafür, es sei nicht von einem
wesentlich und anhaltend anderen Gesundheitszustand des Versicherten auszugehen
als bei der (sc. letzten) Begutachtung. - In einer rechtlichen Stellungnahme der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen vom 26. Oktober 2017 (IV-
act. 318-4 ff.) wurde dargelegt, gemäss der aktuellen Rechtsprechung liege kein
invalidisierender Gesundheitsschaden vor. Am 11. Dezember 2017 (IV-act. 320) wurde
ergänzt, seit der letzten Abweisung vom 17. August 2011, bestätigt durch Urteil des
Bundesgerichts, sei keine dauerhafte und relevante Veränderung des
Gesundheitszustands mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eingetreten. Diese liege
weiterhin bei 100 %. - Mit Vorbescheid vom 12. Dezember 2017 (IV-act. 321) wurde
eine Abweisung des Rentenanspruchs des Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von
9 % (Valideneinkommen Fr. 77'863.--, Invalideneinkommen Fr. 66'453.--) in Aussicht
gestellt. - Sein Rechtsvertreter wandte am 9. Januar 2018 (IV-act. 324) für den
Versicherten ein, selbst die Experten der Invalidenversicherung seien der Meinung,
dieser bleibe zurzeit in jeder Tätigkeit zu 40 % eingeschränkt. Es sei ihm eine halbe
Rente zu gewähren, und zwar jedenfalls so lange, bis die von den Experten ergriffenen
Massnahmen tatsächlich den entsprechenden Erfolg gezeitigt haben würden. Da aber
kein Mahn- und Bedenkzeitverfahren initialisiert worden sei, sei vorerst davon
auszugehen, dass die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle nicht von einer
Verbesserung des gesundheitlichen Zustands ausgehe und keine Verletzung der
Schadenminderungspflicht moniere. - Am 22. Januar 2018 (IV-act. 326) legte der
Rechtsvertreter einen Verlaufsbericht des [medizinische Stelle] L._ vom 5. Januar
2018 (IV-act. 326-2 ff.) ein. Darin war festgehalten worden, der Versicherte sei auch in
einer leichten angepassten Arbeit voll arbeitsunfähig (IV-act. 326-13). - Die RAD-Ärztin
wies am 28. Mai 2018 (IV-act. 333) darauf hin, dass die von der behandelnden
Psychiaterin aufgrund einer diagnostizierten mittelgradigen depressiven Episode und
von Schmerzen attestierte volle Arbeitsunfähigkeit nicht nachvollziehbar sei. Die aus
neurologischer Sicht neu angeführten Kopfschmerzen bei Übergebrauch von
B.g.
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C.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso Glavas für den
Betroffenen am 14. August 2018 erhobene Beschwerde. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und dem
Beschwerdeführer sei ab dem Zeitpunkt der Neuanmeldung vom 20. November 2015
bzw. sechs Monate danach eine halbe Invalidenrente zu gewähren; eventualiter sei ihm
die halbe Rente rückwirkend zuzusprechen und seien allenfalls medizinische
Massnahmen anzuordnen. Die Neuanmeldung vom 20. November 2015 sei infolge
einer Verschlimmerung des medizinischen Zustands des Beschwerdeführers erfolgt,
die im Gutachten des MGSG bestätigt worden sei. Der RAD habe die Schlüssigkeit und
Korrektheit dieser Beurteilung bestätigt und habe keine Ergänzungsfragen gestellt. Der
Rechtsdienst der Beschwerdegegnerin gehe davon aus, dass keine Therapieresistenz
erstellt und noch kein definitiver Zustand eingetreten sei. Zwar sei im Gutachten von
einer verbesserten Therapieoption die Rede gewesen, doch sei diese nicht klar
umschrieben worden. Solche Verbesserungsvorschläge im Vergleich zu den bisher seit
sechzehn Jahren angewandten Therapien, die offensichtlich zu keinem erheblichen
Resultat geführt hätten, sollten jedoch zuvor thematisiert werden. An einen definitiven
Zustand sei die Gewährung einer Rente der IV im Unterschied zu jener der
Unfallversicherung zudem nicht gebunden. Die diesbezügliche Position der
Beschwerdegegnerin sei nicht schlüssig. Die Gutachter der Beschwerdegegnerin
beurteilten den Beschwerdeführer zudem als seit mehr als sechseinhalb Jahren (seit
2012) zu 40 % arbeitsunfähig. Dem Gericht sei es unbenommen, Ergänzungsfragen zu
stellen, falls es solche für erforderlich halte. Die Beschwerdegegnerin werde beim
festgesetzten Valideneinkommen von Fr. 77'863.-- behaftet. Bei der Festsetzung des
Invalideneinkommens verkenne die Beschwerdegegnerin, dass der Beschwerdeführer
gesundheitlich schwer belastet sei und mit einer Verbesserung des Zustands des
Rückens mit der degenerativen fortschreitenden Wirbelsäulenproblematik nach
Angaben des Neurochirurgen vom 14. Juni 2017 nicht mehr zu rechnen sei. Die
psychische Problematik persistiere seit vielen Jahren und sei chronifiziert. Der
Schmerzmitteln könnten ebenfalls keinen anhaltenden wesentlichen
Gesundheitsschaden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit begründen. - Aus rechtlicher
Sicht wurde am 19. Juni 2018 (IV-act. 335) festgehalten, ein
invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden sei nicht ausgewiesen.
Mit Verfügung vom 19. Juni 2018 (IV-act. 336) wies die Sozialversicherungsanstalt/
IV-Stelle des Kantons St. Gallen den Rentenanspruch des Versicherten ab.
B.h.
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Beschwerdeführer habe mehrere (wohl:) Psychotherapeuten gehabt und mehrere
Medikamente ausprobiert. Deshalb sei davon auszugehen, dass diese Situation bis auf
weiteres anhalten werde. Sollte sich die Situation verbessern, könne die Rente revidiert
werden. Die Beschwerdegegnerin könne auch medizinische Massnahmen als Auflage
vorschreiben, doch habe sie dies bisher unterlassen. Der Beschwerdeführer müsse von
der schweren auf leichte Arbeit wechseln und seine Präsenzzeit sei auf 40 % (wohl:
60 %) eingeschränkt. In keinem andern Beruf werde er die Hälfte des relativ hohen
Valideneinkommens verdienen. Wenn die Beschwerdegegnerin davon ausgehe, dass
die Gutachter die Standardparameter korrekt beurteilt hätten und dennoch zu einer
Einschränkung von 40 % der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers gelangt seien, so
sei die Rente zu gewähren, da keine Überwindbarkeit vorliege und eine solche nicht
thematisiert worden sei. Sollte die Beschwerdegegnerin ernsthaft mit einer
Verbesserungsmöglichkeit der medizinischen Situation rechnen, stünden ihr die
gesetzlichen Wege zur Anordnung medizinischer Massnahmen offen. Das habe sie
jedoch nicht getan.
D.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 13. November 2018 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sowohl die begutachtenden
Ärzte wie die Organe der Rechtsanwendung prüften die Arbeitsfähigkeit beide je aus
ihrer Sicht. Notwendige Folge des rein juristischen Charakters der
sozialversicherungsrechtlichen Begriffe von Arbeitsunfähigkeit, Erwerbsunfähigkeit und
Invalidität sei es, dass aus rechtlicher Sicht von einer medizinischen Einschätzung der
Arbeitsunfähigkeit abgewichen werden könne, ohne dass diese den Beweiswert
verlöre. Die rechtsanwendende Behörde habe die Arbeitsfähigkeit aufgrund der
ärztlichen Feststellungen anhand der Standardindikatoren frei zu prüfen. Die
Beurteilung des RAD entspreche keiner definitiven Leistungszusprache. Ob aufgrund
der dritten IV-Anmeldung ein Rentenanspruch bestehe, beurteile sich in analoger
Anwendung der für die Rentenrevision geltenden Regeln. Massgebend sei also, ob eine
wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten sei, die geeignet
sei, den Invaliditätsgrad und den Rentenanspruch zu beeinflussen. Ausgangspunkt
bilde hier der Sachverhalt vom 17. August 2011. Ein Rentenanspruch sei (am 19. Juni
2018) verneint worden, weil kein invalidenversicherungsrechtlich relevanter
Gesundheitsschaden bestehe. Die im Gutachten postulierten funktionellen
Auswirkungen - namentlich des nicht adäquat behandelten depressiven Leidens - auf
die Arbeitsfähigkeit seien beweismässig nicht hinreichend erstellt. Als invalidisierende
Leiden würden (gemäss BGE 140 V 290 und 193 sowie BGE 141 V 281 E. 4.3) nur
schlüssig beweisbare schwerwiegende gesundheitliche Beeinträchtigungen in Betracht
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fallen. Der Beschwerdeführer befinde sich gemäss dem MGSG-Gutachten seit 2010
alle zwei bis drei Wochen in regelmässiger psychiatrisch-psychotherapeutischer
Behandlung bei Dr. I._. Es finde auch eine Pharmakotherapie statt, die nach Angaben
des MGSG-Gutachters intensiviert werden könnte, und es sei eine tagesklinische
Behandlung zu empfehlen, worauf innerhalb eines Jahres eine Besserung zu einer
Arbeitsfähigkeit von 70 % zu erwarten sei. Der Gutachter sei von einer ausreichenden
Kooperation und Compliance ausgegangen. Allerdings sei keine
Medikamentenspiegelmessung durchgeführt worden, obwohl die Messung bei der ABI-
Verlaufsbegutachtung ergeben habe, dass der Beschwerdeführer die damals
verordnete antidepressive Medikation nicht eingenommen gehabt habe. Die
aktenkundigen Zweifel an der Compliance blieben somit bestehen. Die niedrige
Frequenz der ambulanten Behandlung und der Umstand, dass betreffend die seit 2012
manifest gewordene mittelgradige depressive Störung (im Unterschied zu einer
einmaligen Behandlung der Schmerzstörung in der Psychiatrischen Klinik T._) nie ein
stationärer oder halbstationärer Aufenthalt in Anspruch genommen worden sei,
spreche gegen eine Behandlungsresistenz. Die therapeutischen Optionen seien
gemäss dem MGSG-Gutachten noch nicht ausgeschöpft. Das Vorliegen eines
erheblichen Leidensdrucks sei daher fraglich. Zudem falle ins Gewicht, dass eine
starke subjektive Krankheitsüberzeugung im Vordergrund gestanden habe und stehe,
und dass den psychosozialen Faktoren bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der
depressiven Störung eine wesentliche Rolle beizumessen sei. Diese Faktoren würden
sich nicht klar vom medizinischen Leiden trennen lassen, was gegen eine
invalidisierende Wirkung der depressiven Störung spreche. Aus dem psychiatrischen
MGSG-Gutachten ergäben sich keine Hinweise darauf, dass die Wirkung dieser
Störung durch das Zusammenwirken mit der anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung besonders akzentuiert würde. Die körperlichen Beeinträchtigungen
schränkten die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit nicht ein und hätten
demnach keine ressourcenmindernde Wirkung. Aus dem sozialen Kontext ergäben sich
wenig positive Auswirkungen auf das Ressourcenpotenzial. Beweisrechtlich
entscheidend sei der Gesichtspunkt der Konsistenz. Beim Beschwerdeführer seien
wenig Motivation und wenige Interessen feststellbar gewesen. Es könne trotz der
Beeinträchtigungen eine zumutbare Willensanstrengung zur Wiederaufnahme einer
beruflichen Aktivität angenommen werden. Die berichteten und beklagten
Beschwerden seien nur teilweise konsistent gewesen. Es hätten deutliche Hinweise für
Verdeutlichungstendenzen mit demonstrativen und psychogenen Verhaltensweisen
und Hinweise für eine Aggravation und einen sekundären Krankheitsgewinn bestanden.
Die fehlende Ausschöpfung der Behandlungsoptionen lasse schliesslich auf einen nicht
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allzu grossen Leidensdruck schliessen. Ein relevanter Gesundheitsschaden im Sinn von
Art. 7 Abs. 1 und 2 ATSG sei nicht ausgewiesen.
E.
Mit Replik vom 11. Februar 2019 bringt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
vor, die Position der Beschwerdegegnerin kontrastiere weitgehend zu den
Feststellungen des MGSG-Gutachtens. Bestritten werde die Betrachtungsweise, dass
der Invaliditätsbegriff einen rein juristischen Charakter habe. Wenn dem so wäre, wären
medizinische Gutachten praktisch wertlos. In der Beschwerdeantwort (S. 3, III Ziff. 2)
habe sich die Beschwerdegegnerin von diesem Standpunkt weitgehend distanziert. Sie
interpretiere die fachmedizinische Standardindikatoren-Beurteilung um und gelange zu
wesentlich divergierenden Resultaten. Entgegen ihrer Behauptung sei bei der
Begutachtung eine Laboruntersuchung der Medikamentenspiegel für Duloxetin und für
Amitryptylin vorgenommen worden. Der Gutachter habe geschrieben, das psychische
Zustandsbild habe sich offensichtlich verschlechtert und es könne seit etwa Januar
2012 eine anhaltende mittelgradige depressive Episode erhoben werden. Nach
Angaben des Gutachters könnten zwar die Schmerzen des Beschwerdeführers
organisch nicht ausreichend erklärt werden, doch habe dieser im Zusammenhang mit
der chronischen Schmerzproblematik und psychosozialen Problemen eine
zunehmende depressive Störung entwickelt, und zwar sei nach dem langjährigen
Krankheitsverlauf eine von der Schmerzsystematik unabhängige, verselbständigte
depressive Erkrankung anzunehmen. Damit bestehe eine psychische Komorbidität von
erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Die juristische Interpretation der
Beschwerdegegnerin zum Gesichtspunkt der Konsistenz weiche von den
medizinischen Erhebungen ab. Man habe sich dabei stattdessen offensichtlich eher
von der negativen Rechtsprechung leiten lassen und habe den Beschwerdeführer
selber gar nicht gesehen. Die gutachterliche Betrachtungsweise sei weniger
auftragsgeleitet als jene der Beschwerdegegnerin. Letztere verkenne, dass der
Beschwerdeführer seit Jahren bei mehreren Fachleuten in Behandlung stehe und diese
zu keiner Besserung geführt habe. Offensichtlich wirke dabei die somatische
Komorbidität mit, die es verunmögliche, dass er sich auffange und gesund werde und
sich auf dem realen Arbeitsmarkt etabliere.
F.
Die Beschwerdegegnerin hat am 21. Februar 2019 auf die Erstattung einer Duplik
verzichtet.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/29
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G.
Mit Eingabe vom 1. August 2019 reicht der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
einen Bericht des [medizinische Stelle] L._ vom 15. Juli 2019 ein. Sollte die
Beschwerdegegnerin darauf bestehen, dass der Invaliditätsbegriff einen rein
juristischen Charakter habe, so sei sie zu befragen, weshalb sie ihre Gutachter jeweils
ausdrücklich nach dem Umfang der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit frage, und weshalb
sie überhaupt Gutachten in Auftrag gebe, wenn die Diagnosen und ihre Folgen schon
zuvor bekannt seien. Die Klärung ihrer diesbezüglichen Position würde allenfalls die
Notwendigkeit des Weiterzugs der Sache im Voraus verdeutlichen. - Im Bericht hatte
das [medizinische Stelle] L._ das Ergebnis der MGSG-Begutachtung als nicht
objektiv und nicht nachvollziehbar beanstandet und dafürgehalten, es seien dort
Symptome des Beschwerdeführers nicht beachtet worden, etwa Antriebslosigkeit,
Konzentrationsstörungen oder Traurigkeit. Dass der Beschwerdeführer sich in endlosen
Klagen verliere, sei im Rahmen der Depression zu sehen. Es bestehe seit 2007 keine
Arbeitsfähigkeit mehr. - Die Beschwerdegegnerin hat sich nicht mehr vernehmen
lassen.

Erwägungen
1.
Im Streit liegt die Verfügung vom 19. Juni 2018, mit welcher die Beschwerdegegnerin
den mit einer dritten IV-Anmeldung gestellten Rentenanspruch des Beschwerdeführers
abgewiesen hat. Die früheren Gesuche waren rechtskräftig abgewiesen worden (das
letzte am Ende durch das Bundesgericht beurteilt). Die Beschwerdegegnerin ist
(namentlich angesichts des röntgenologischen Berichts vom 12. Februar 2015 zu
Recht) auf die Neuanmeldung vom 30. November/1. Dezember 2015 (vgl. dazu unten
E. 5.2 am Ende) eingetreten. Der Beschwerdeführer lässt Rentenleistungen beantragen,
eventualiter medizinische Massnahmen. Berufliche Massnahmen waren am 6. Januar
2017 (IV-act. 305) abgelehnt worden, weil sich der Beschwerdeführer nicht in der Lage
fühle, dabei mitzuwirken.
2.
Nach Art. 28 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
2.1.
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besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich
die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs. 2 ATSG, vgl. auch BGE 102 V 165). - Sämtliche psychischen Erkrankungen sind
nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1 f.)
grundsätzlich (bei Ausnahmen nach dem jeweiligen Beweisbedarf) einem strukturierten
Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen. - Eine leistungs-, insbesondere
rentenbegründende Invalidität setzt diesbezüglich zunächst jedenfalls eine
psychiatrische, lege artis gestellte Diagnose voraus. Das ist vor allem mit Blick darauf
bedeutsam, dass soziale Belastungen, die direkt negative funktionelle Folgen zeitigen,
auszuklammern sind, und dass eine Abgrenzung zu reaktivem, invaliditätsfremdem
Geschehen aufgrund von psychosozialen Belastungen hin erforderlich ist (so bezüglich
depressiver Leiden BGE 143 V 409 E. 4.5.2). - Für die Beurteilung des funktionellen
Leistungsvermögens sind gemäss BGE 141 V 281 (vom 3. Juni 2015) also in der Regel
diverse Standardindikatoren beachtlich, die in zwei Kategorien systematisiert werden,
nämlich einerseits in der Kategorie des funktionellen Schweregrads und anderseits in
jener der Konsistenz. Zum funktionellen Schweregrad sind die Komplexe
"Gesundheitsschädigung" (mit den Aspekten der Ausprägung der diagnoserelevanten
Befunde, des Behandlungs- und Eingliederungserfolgs oder der entsprechenden
Resistenz und der Komorbiditäten), "Persönlichkeit" (mit Persönlichkeitsdiagnostik und
persönlichen Ressourcen) und "Sozialer Kontext" zu berücksichtigen. In der Kategorie
der Konsistenz geht es um Gesichtspunkte des Verhaltens, namentlich um eine
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren
Lebensbereichen und um behandlungs- und eingliederungsanamnestisch
ausgewiesenen Leidensdruck (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.1.3). Soweit die festgestellte
Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht oder
unter dem Einfluss der Folgen der Erzielung eines sekundären Krankheitsgewinns steht
(der rechtlich grundsätzlich unbeachtlich zu bleiben hat, vgl. BGE 130 V 352), liegt nach
der Rechtsprechung regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor.
Hinweise darauf ergeben sich (im Zusammenhang mit einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung entwickelt) namentlich, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen
den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese
besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage
bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird;
demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken;
2.2.
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schwere Einschränkungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld
jedoch weitgehend intakt ist (BGE 141 V 281 E. 2.2).
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beschreiben
und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten
die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind im Weiteren
eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der
versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 f. E. 4, vgl. BGE
141 V 281 E. 5.2.1). Schon der Arzt oder die Ärztin bzw. die medizinisch
sachverständige Person hat bei der Einschätzung des Leistungsvermögens den in der
Judikatur umschriebenen einschlägigen Indikatoren zu folgen (vgl. BGE 141 V 281
E. 5.2.2). Ärztlicherseits ist substanziiert darzulegen, aus welchen medizinisch-
psychiatrischen Gründen die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen
und die psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hinsicht zu
schmälern vermögen (vgl. BGE 145 V 361 E. 4.3). Es genügt beispielsweise nicht, dass
der medizinisch-psychiatrische Sachverständige von einem diagnostizierten
depressiven Geschehen direkt auf eine Arbeitsunfähigkeit, welchen Grades auch
immer, schliesst; vielmehr hat er darzutun, dass, inwiefern und inwieweit wegen der
von ihm erhobenen Befunde (Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Antriebsschwäche,
Müdigkeit, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, verminderte
Anpassungsfähigkeit usw.) die beruflich-erwerbliche Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist,
und zwar - zu Vergleichs-, Plausibilisierungs- und Kontrollzwecken - unter Miteinbezug
der sonstigen persönlichen, familiären und sozialen Aktivitäten der renten
ansprechenden Person (vgl. BGE 145 V 361 E. 4.3). Es ist Aufgabe des medizinischen
Sachverständigen, gegebenenfalls (beispielsweise) nachvollziehbar aufzuzeigen,
weshalb trotz leichter bis mittelschwerer Depression und an sich guter Therapierbarkeit
der Störung im Einzelfall funktionelle Leistungseinschränkungen resultieren, die sich auf
die Arbeitsfähigkeit auswirken (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2). - Durch den
Versicherungsträger und im Beschwerdefall durch das Gericht ist zu prüfen, ob und
inwieweit die ärztlichen Experten ihre Arbeitsunfähigkeitsschätzung unter Beachtung
der massgebenden Indikatoren (Beweisthemen) hinreichend und nachvollziehbar
begründet haben (vgl. BGE 145 V 361 E. 4.3). Kommen die medizinischen Experten
dieser Aufgabe unter Berücksichtigung der durch BGE 141 V 281 normierten
Beweisthemen überzeugend nach, wird die medizinisch-psychiatrische
Folgenabschätzung auch aus der juristischen Sicht des Rechtsanwenders -
Durchführungsstelle oder Gericht - Bestand haben. Andernfalls liegt ein triftiger Grund
vor, der rechtlich ein Abweichen davon gebietet (vgl. BGE 145 V 361 E. 4.3). Dabei gilt
als Leitschnur, dass die ärztliche Beurteilung - von der Natur der Sache her
2.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/29
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3.
unausweichlich - Ermessenszüge aufweist, die auch den Rechtsanwender begrenzen
(vgl. BGE 145 V 361 E. 4.3).
Im Zusammenhang mit der dritten IV-Anmeldung des Beschwerdeführers vom
20. November/1. Dezember 2015 ist wiederum eine Vielzahl von medizinischen
Berichten aktenkundig geworden. Insbesondere liegt ein polydisziplinäres Gutachten
des MGSG vom 8. August 2016 vor.
3.1.
Anlässlich der internistischen Begutachtung (vgl. IV-act. 294-62-65) wurde keine
Diagnose gefunden, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken würde. Die
Arbeitsfähigkeit ist gemäss dem diesbezüglichen Teil des Gutachtens nicht
eingeschränkt. Bei der psychiatrischen Begutachtung hat der Beschwerdeführer zwar
erwähnt, an rezidivierenden Magenbeschwerden, thorakalem Druckgefühl,
Mundtrockenheit, Schwindelgefühlen und Hypertonie zu leiden (vgl. IV-act. 294-97).
Dem Gutachter der Inneren Medizin hat er indessen keine kreislaufrelevanten oder
respiratorischen Beschwerden angegeben und erklärt, sich internistisch betrachtet
gesund und leistungsfähig zu fühlen. Die festgestellte arterielle Hypertonie hat der
Gutachter als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beurteilt. Auf das Ergebnis der
internistischen Begutachtung kann nach der Aktenlage abgestellt werden.
3.2.
Die orthopädische Begutachtung (vgl. IV-act. 294-4 bis 24) basiert auf einer
Kenntnisnahme von den Vorakten sowie einer Erhebung der Anamnese und der
orthopädischen Untersuchungsbefunde. Es wurden ausserdem röntgenologische
Befunde (von HWS und LWS, darunter auch MRIs und Funktionsaufnahmen) erhoben
und es erfolgte eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL, im Einzelnen
vgl. IV-act. 294-66 bis 77). Der Gutachter der Orthopädie hielt fest, die EFL habe eine
erhebliche Symptomausweitung, eine schlechte Leistungsbereitschaft und mehrere
Inkonsistenzen ergeben. Die Resultate seien für die Beurteilung der zumutbaren
Belastbarkeit nicht verwertbar. Diese stütze sich daher primär auf medizinisch-
theoretische Überlegungen. Beurteilend erklärte der Gutachter der Orthopädie, die
Nackenschmerzen und abnormen Untersuchungsbefunde der HWS des
Beschwerdeführers könnten teilweise auf die im MRI sichtbare Diskusprotrusion C5/6
mit neuroforaminaler Einengung der Nervenwurzel C6 beidseits und die mässige
Spondylarthrose C2/3 zurückgeführt werden. Da die Nervenwurzel C6 aber nicht die
Finger III bis V und nicht den medialen Abschnitt des Vorderarms versorge, könnten
das Ameisenlaufen in den betreffenden Fingern und die Hyposensibilität medial am
Vorderarm nicht erklärt werden, am Vorderarm lateral könne die Hyposensibilität aber
3.3.
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objektiviert werden. Die lumbalen Schmerzen seien nur unvollständig mit der im MRI
dokumentierten Osteochondrose L4/5 mit Diskushernie und möglichen Kompression
der Nervenwurzel L5 rechts rezessal vereinbar. Die Ausstrahlung der Schmerzen in die
Zehen I und II links und die angegebene Hyposensibilität am Ober- und Unterschenkel
links bzw. am gesamten linken Bein könnten nicht nachvollzogen werden. Angesichts
seiner Angabe, er könne nicht länger als eine Stunde sitzen, sei ferner nicht
nachvollziehbar, wie dem Beschwerdeführer die lange Busreise in die Heimat vom
Dezember 2015 möglich gewesen sei, von welcher er berichtet habe. In einer
körperlich schweren Tätigkeit sei der Beschwerdeführer zu 65 % arbeitsunfähig.
Körperlich leichte Tätigkeiten in temperierten Räumen, abwechslungsweise sitzend und
stehend, ohne häufige inklinierte, reklinierte und rotierte Körperhaltungen ausgeübt,
könnten dem Beschwerdeführer seit September 2008 voll zugemutet werden (vgl. IV-
act. 294-21 ff.). - Die diesbezügliche Begutachtung kann als vollständig betrachtet
werden. Die vorgefundenen orthopädischen Beeinträchtigungen (vgl. dazu auch unten
E. 3.5) wurden in ihren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit beschrieben und
gutachterlich gewürdigt. Die Begründung erscheint nachvollziehbar. Es ist kein Grund
für einen relevanten Zweifel am diesbezüglichen Begutachtungsergebnis ersichtlich.
Bei der psychiatrischen Begutachtung (vgl. IV-act. 294-78 bis 108) wurden
ebenfalls die Vorakten zur Kenntnis genommen. Der Gutachter nahm die Anamnese auf
und befragte den Beschwerdeführer namentlich nach seinem Leiden und den
Einschränkungen.
3.4.
Diagnostisch ging der Gutachter der Psychiatrie von einer rezidivierenden
depressiven Störung mit anhaltender mittelgradiger depressiver Episode aus, welche
seit mindestens Januar 2012 bestehe und die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
beeinflusse. Daneben liege eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung vor. Für
diesbezügliche Zweifel ist kein Anlass ersichtlich. - Schon im Gutachten des ABI von
Februar 2011 waren eine solche Schmerzstörung und ein affektives Leiden, damals
allerdings noch in Form einer lediglich leichten depressiven Episode, festgestellt
worden. Beide waren nach gutachterlicher Beurteilung damals nicht von Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit gewesen (vgl. IV-act. 171-19; ABI-Gutachten vom Dezember 2009
noch: Schmerzverarbeitungsstörung und Symptomausweitung mit algogener
Verstimmung, IV-act. 131-25).
3.4.1.
Der MGSG-Gutachter hatte den psychischen Status vom 18. Mai 2016 (vgl. IV-
act. 294-95 f.) erhoben. Zum Untersuchungszeitpunkt fanden sich gemäss dem
Gutachten keine Hinweise auf vermehrte Müdigkeit oder Erschöpfung, obwohl der
3.4.2.
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Beschwerdeführer von Schlafstörungen mit vermehrter Müdigkeit tagsüber berichtet
hatte. Auffassung, Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit waren weitgehend
intakt gewesen. Der Beschwerdeführer wirkte gemäss dem Gutachten in der Stimmung
bedrückt bis niedergeschlagen, affektiv durchgehend vermindert mitschwingend, nicht
aufhellbar, psychomotorisch verlangsamt und im Antrieb vermindert. Er habe mit
monotoner Stimme gesprochen. Im Denken habe er langsam sowie negativistisch auf
seine körperlichen Beschwerden und seine soziale Situation eingeengt gewirkt. Er habe
bei mangelnden Zukunftsperspektiven Zukunftsängste und Existenzängste geäussert
und ausserdem Suizidgedanken mit mangelndem Lebenswillen angegeben, ohne dass
Hinweise auf eine akute suizidale Einengung bestanden hätten. Er habe wenig
Motivation und wenige Interessen gezeigt. - Diese gutachterliche Beschreibung
differenziert, wie es erforderlich ist, nach Angaben des Beschwerdeführers und objektiv
erhobenen Befunden. Sie macht einen (neuerdings) erheblichen Schweregrad des
psychiatrischen Befunds nachvollziehbar. Anhaltspunkte für eine allfällige
Unvollständigkeit dieser Erhebungen sind nicht ersichtlich. - Anlässlich der ABI-
Begutachtung vom Juli 2006 hatte der Beschwerdeführer im Übrigen zum Vergleich
noch mit lebhafter Stimme gesprochen und seine Stimmung war ausgeglichen
gewesen (vgl. IV-act. 62-15). Auch im Oktober 2009 war gemäss dem ABI-Gutachten
vom Dezember 2009 noch kein klar erkennbar bedrückter Affekt vorhanden, keine
Antriebsstörung evident gewesen (vgl. IV-act. 131-16). Bei der ABI-Begutachtung vom
Januar 2011 hatte der Beschwerdeführer (wie bei der jüngsten MGSG-Begutachtung)
erhöhte Ermüdbarkeit, Schlafstörungen und Ängste mit vegetativen Symptomen
angegeben. In der Beschreibung der psychopathologischen Befunde im ABI-Gutachten
vom Februar 2011 waren eine Verlangsamung des Gangs, eine depressive Stimmung
und ein herabgesetzter Antrieb genannt worden (vgl. IV-act. 171-19).
Als Komorbidität ist zur anhaltenden somatoformen Schmerzstörung inzwischen
ein beträchtliches, nach gutachterlicher Beurteilung des MGSG die Arbeitsfähigkeit
tangierendes depressives Leiden (vgl. unten E. 3.4.9) hinzugekommen. Die Gutachter
bezeichneten die psychische Komorbidität als im Schweregrad, in der Ausprägung und
in der Dauer erheblich (vgl. IV-act. 294-57). Das Zusammenfallen beider psychiatrischer
Beeinträchtigungen ist als Erschwernis zu betrachten.
3.4.3.
Die Gutachter legten - was unter dem Aspekt der Persönlichkeitsdiagnostik und
der persönlichen Ressourcen relevant ist - dar, Hinweise für eine
Persönlichkeitsstörung des Beschwerdeführers hätten sich nicht erheben lassen. Die
Persönlichkeit sei einfach strukturiert. Der Beschwerdeführer verfüge über
mobilisierbare Ressourcen (vgl. IV-act. 294-57). Selbst- und Fremdwahrnehmung,
3.4.4.
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Realitätsprüfung und Urteilsbildung, Affektsteuerung und Impulskontrolle,
Intentionalität und Antrieb seien vor allem durch die depressive Störung beeinträchtigt
(vgl. IV-act. 294-57). Der Beschwerdeführer habe bei der Untersuchung relativ gut
kommunikationsfähig, aber nur erschwert kontaktfähig - mit langsamen Antworten -
gewirkt (vgl. IV-act. 294-57). Es bestehe eine intakte Partnersituation (vgl. IV-
act. 294-57). Bei der Beurteilung des sozialen Kontexts hätten sich psychosoziale
Belastungen erheben lassen, die negative funktionelle Folgen zeitigten und sich
ungünstig auf die somatoforme Schmerzstörung des Beschwerdeführers auswirkten;
sie würden aber nicht als alleinige Ursache der depressiven Störung in Betracht fallen
(vgl. IV-act. 294-57). Die MGSG-Gutachter setzten sich demnach differenziert mit den
Beeinträchtigungen und Ressourcen des Beschwerdeführers auseinander.
Was den Gesichtspunkt einer gleichmässigen Einschränkung des
Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen betrifft, der unter der
Kategorie der Konsistenz zu beachten ist, gaben die MGSG-Gutachter an, der
Beschwerdeführer zeige gewisse Aktivitäten im Tagesablauf, denn er gehe zumindest
mehrmals täglich ausser Haus und gehe dabei während ca. einer Stunde (vgl. IV-
act. 294-57 und -58). Er habe wenig Motivation und wenige Interessen angegeben (vgl.
IV-act. 294-57). Vor Eintritt der Gesundheitsschädigung hätten mehr Aktivitäten
vorgelegen; der Beschwerdeführer sei früher einer beruflichen Tätigkeit nachgegangen
und habe sich für einen Sport interessiert (vgl. IV-act. 294-58). Es sei eine relativ
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren
Lebensbereichen anzunehmen (vgl. IV-act. 294-57 f.).
3.4.5.
Zum Gesichtspunkt des Behandlungs- und Eingliederungserfolgs oder der
entsprechenden Resistenz wurde im Gutachten dargelegt, der Beschwerdeführer
nehme seit Jahren therapeutische Angebote in Anspruch und befinde sich seit 2010 in
einer regelmässigen psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlung. Die
Gutachter hielten fest, es seien bezüglich der Behandlung eine ausreichende
Kooperation und Compliance anzunehmen (vgl. IV-act. 294-57). Aus den Akten der
langen vorliegend insgesamt aktenmässig überblickbaren Zeit wird einerseits
ersichtlich, dass der Beschwerdeführer einzelnen somatischen oder psychiatrischen
Behandlungen gegenüber eher abgeneigt war. Es gab auch Hinweise auf einen
eingeschränkten Einsatz der medikamentösen Behandlung und mangelnde Motivation.
Schon im ABI-Gutachten vom August 2006 war im Übrigen von einer ausgeprägten
subjektiven Krankheits- und Behinderungsüberzeugung des Beschwerdeführers
berichtet worden, die sich durch eine medizinische Therapie kaum werde beeinflussen
lassen (vgl. IV-act. 62-16). Anderseits ist der Beschwerdeführer aber wie erwähnt nach
3.4.6.
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Angaben der Gutachter seit vielen Jahren einer psychiatrischen Behandlung gefolgt.
Bei den Begutachtungen war er zudem stets freundlich bzw. zugewandt und
kooperativ gewesen (vgl. IV-act. 294-95, schon IV-act. 62-15, 131-16, 171-19; ebenso
in der beruflichen Abklärung). Die [Rehabilitationsklinik] R._ hatte des Weiteren am
7. Oktober 2015 nach einem stationären Aufenthalt des Beschwerdeführers mitgeteilt,
er sei zu den Therapien stets pünktlich erschienen, sei zuverlässig gewesen und habe
regelmässig trainiert. Er sei aber ausgeprägt hilflos und verzweifelt, im Gedankengang
eingeengt und unbeeinflussbar auf die Schmerzen fixiert gewesen.
Zur Frage eines eingliederungsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdrucks
wurde im MGSG-Gutachten erklärt, neben Arbeitsversuchen im Jahr 2007 würden sich
keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen erheben lassen und es habe seit Jahren
keine Selbsteingliederungsbemühungen gegeben (vgl. IV-act. 294-57). Ergänzend ist in
diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer ehemals in
einem 18 Jahre lang dauernden Arbeitsverhältnis gestanden hatte, in dem er körperlich
schwere Arbeit leistete. Neben dieser vollzeitlichen Arbeit hatte er noch eine zweite
Arbeitsstelle gehabt, hat sich also beruflich namhaft belasten lassen (vgl. die
diesbezüglichen anamnestischen Angaben, IV-act. 62-14, und die Beurteilung, IV-
act. 62-16; das ausgeübte Pensum erschien Dr. F._ im Übrigen als auch für einen
Gesunden zu gross, vgl. IV-act. 46). In den Jahren 2007 und 2008 hatte der
Beschwerdeführer nach Eintritt der gesundheitlichen Schädigung zudem noch dreimal
verschiedene Arbeitsstellen angenommen. Er hatte demnach in seinem angestammten
Tätigkeitsfeld, auf dem Bau, Arbeit gesucht und gefunden. Gemäss den medizinischen
Beurteilungen ist allerdings davon auszugehen, dass es sich dabei um Tätigkeiten
handelte, die nicht leidensadaptiert waren, weshalb nachvollziehbar erscheint, dass die
Versuche scheiterten. Bei der ABI-Begutachtung vom Januar 2011 war beim Bericht
über den Verlust seiner Leistungsfähigkeit und über seine erwerbstätigen Kollegen sein
Schmerz über diesen Verlust zum Ausdruck gelangt (vgl. IV-act. 171-19). Wie die
[Rehabilitationsklinik] R._ später - zu vorliegend relevanter Zeit am 7. Oktober 2015 -
berichtete, hatte der Beschwerdeführer damals schliesslich resigniert gewirkt.
3.4.7.
Die MGSG-Gutachter haben ihre Beurteilung in Kenntnis der zahlreichen
aktenkundigen Hinweise auf die Inkonsistenzen abgegeben. So hatte etwa schon im
Oktober 2003 der Kreisarzt der Unfallversicherung Rentenbegehrlichkeit des
Beschwerdeführers erwogen, aber auch ein MRI veranlasst (um ihm mit dieser
Annahme nicht Unrecht zu tun). Im März 2004 hatte die Klinik D._ eine zu geringe
Leistungsbereitschaft und eine Selbstlimitierung des Beschwerdeführers festgestellt.
Die MGSG-Gutachter selbst haben ebenfalls von teilweisen Inkonsistenzen, deutlichen
3.4.8.
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Verdeutlichungstendenzen (mit demonstrativen und psychogenen Verhaltensweisen,
vgl. IV-act. 294-103, IV-act. 294-95) und Selbstlimitierung des Beschwerdeführers
berichtet (vgl. IV-act. 294-58). Die beklagten Beschwerden seien in sich nur teilweise
konsistent gewesen (vgl. IV-act. 294-103). Bei der EFL waren nämlich eine erhebliche
Symptomausweitung, eine schlechte Leistungsbereitschaft und mehrere
Inkonsistenzen festgestellt worden (vgl. IV-act. 294-69 ff.). Der Gutachter der
Psychiatrie hat festgehalten, es hätten sich bei der Begutachtung Hinweise auf eine
Aggravation und einen sekundären Krankheitsgewinn des Beschwerdeführers
gefunden, mit zunehmend demonstrativ vorgetragenem Klagen im Verlauf der
Untersuchung sowie Angabe intensiver Schmerzen, deren Charakterisierung sehr vage
geblieben sei (vgl. IV-act. 294-99). - Diese Umstände wurden von den MGSG-
Gutachtern somit allesamt mitberücksichtigt. Daher ist davon auszugehen, dass ihre
Beurteilung der objektiv ausgewiesenen zumutbaren Arbeitsunfähigkeit die
entsprechenden Anteile ausgeschieden hat (vgl. zum Zusammenfallen von Leiden und
Aggravation Bundesgerichtsurteil vom 19. Mai 2020, 9C_18/2020 E. 5.2). Die Gutachter
hielten denn auch fest, gemäss dem erhobenen psychiatrischen Status wären dem
Beschwerdeführer gutachterlich gesehen mehr Aktivitäten zumutbar (vgl. IV-
act. 294-57). Die Arbeitsunfähigkeit legten sie (nicht auf 100 %, wie vom
Beschwerdeführer angenommen und von der behandelnden Ärztin im Mai 2016
attestiert, sondern) auf 40 % fest.
Das erscheint angesichts der vorgefundenen und beschriebenen
Beeinträchtigungen überzeugend begründet. Denn insgesamt wurden gemäss dem
polydisziplinären MGSG-Gutachten beim Beschwerdeführer psychiatrisch gesehen wie
erwähnt unter anderem eine bedrückte bis niedergeschlagene Stimmung mit
Affektstörungen, mit vermindertem affektivem Mitschwingen, ausserdem eine
psychomotorische Verlangsamung und Antriebsminderung, ein eingeengtes Denken
und Zukunftsängste bei mangelnden Zukunftsperspektiven objektiviert (vgl. IV-
act. 294-56, vgl. auch oben E. 3.4.2). Aufgrund der anhaltenden mittelgradigen
depressiven Episode seien unter anderem die emotionale Belastbarkeit, die geistige
Flexibilität, die Interessen, die Motivation, die Kontaktfähigkeit, die
Anpassungsfähigkeit und die Dauerbelastbarkeit deutlich beeinträchtigt (vgl. IV-
act. 294-58). Ausserdem war erwähnt worden, dass auch die Selbst- und
Fremdwahrnehmung, die Realitätsprüfung, die Urteilsbildung, die Impulskontrolle und
die Intentionalität des Beschwerdeführers durch die depressive Störung beeinträchtigt
seien (vgl. IV-act. 294-57, vgl. oben E. 3.4.4). Polydisziplinär wurde festgehalten, im
Zusammenhang mit der chronischen Schmerzsymptomatik und psychosozialen
3.4.9.
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Problemen habe der Beschwerdeführer eine zunehmende depressive Störung
entwickelt. Etwa seit Januar 2012 sei eine anhaltende mittelgradige depressive Episode
anzunehmen. Nach dem langjährigen Krankheitsverlauf sei inzwischen eine
verselbständigte, von der Schmerzsymptomatik unabhängige depressive Erkrankung
anzunehmen (vgl. IV-act. 294-57). Angesichts des erwähnten erheblichen
Schweregrads der durch das MGSG erhobenen psychiatrischen Befunde ist mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sich der diesbezügliche
Zustand ab etwa Januar 2012 relevant verschlechtert hat. Der MGSG-Gutachter der
Psychiatrie bezeichnete dies als offensichtlich (vgl. IV-act. 294-99). Sowohl Diagnose
wie Arbeitsunfähigkeitsattest der MGSG-Gutachter erscheinen als stichhaltig
begründet.
Das Ergebnis des MGSG-Gutachtens überzeugt auch deswegen, weil die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nach Angaben der Gutachter insgesamt durch
ein psychisches und durch ein somatisches Leiden mit Krankheitswert eingeschränkt
ist (vgl. IV-act. 294-60). Der orthopädische Zustand habe sich zumindest seit dem
Zeitpunkt des Gutachtens vom Februar 2011 verändert (vgl. IV-act. 294-61). In
somatischer Hinsicht ist denn auch darauf hinzuweisen, dass beim Beschwerdeführer
gemäss dem röntgenologischen Bericht vom 12. Februar 2015 neu fortgeschrittene
aktivierte Spondylarthrosen der Facettengelenke HWK 2/3 und 3/4 rechts mit
foraminalen Stenosen und Irritationen der C3 und C4-Wurzeln rechts gefunden worden
waren. Im Lauf der Zeit waren immer wieder MRI-Befunde erhoben worden, wie etwa
ehemals am 1. Dezember 2008 eine grosse lumbale Diskushernie L3/4 links, nach
kaudal sequestriert, die (umschrieben als links paramediane sequestrierte Diskushernie
LWK 3/4) auch noch am 1. April 2014 vorlag und eine rezessale Kompression der
linken L4-Wurzel bewirkte. Bei der MGSG-Begutachtung bestand eine Diskushernie
L4/5 mit möglicher Kompression der Nervenwurzel L5 rezessal rechts. Die
entsprechenden Schädigungen betreffen demnach neu zwei Etagen der Wirbelsäule
(cervical und lumbal) und sind - wie gemäss einer Einschätzung von _ Dr. Q._ vom
18. August 2014 angenommen werden kann - hinter der massivsten somatoformen
Überlagerung (bzw. dem aggravierenden Verhalten) des Beschwerdeführers sozusagen
maskiert. Die Folgen dieser somatischen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit
sind wie oben erwähnt (vgl. E. 3.3) vom MGSG gutachterlich abgeklärt und gewürdigt
worden. Sie sind insgesamt mitzuberücksichtigen, auch wenn sie in einer adaptierten
Tätigkeit keine Arbeitsunfähigkeit bewirken.
3.5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass dem MGSG-Gutachten vom 8. August
2016 die Beweiskraft der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zukommt und ihm
3.6.
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4.
angesichts seiner oben beschriebenen Abstützung auf objektivierte Grundlagen
vollumfänglich, also auch in Bezug auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung, zu folgen ist. Für
eine angepasste Tätigkeit ist der Beschwerdeführer demnach (IV-act. 294-59) ab
Januar 2012 als zu 40 % arbeitsunfähig zu betrachten. Die abweichenden ärztlichen
Beurteilungen vermögen dagegen im Beweiswert nicht anzukommen.
Das MGSG hat die - medizintheoretische - Erwartung geäussert, dass sich der
psychische Zustand des Beschwerdeführers innerhalb eines Jahres verbessern und er
eine Arbeitsfähigkeit von 70 % erreichen könnte. Somatisch gesehen hat nach der
MGSG-Begutachtung, am 22. Dezember 2016, noch eine Operation (mikrochirurgische
Fensterung und Sequestrektomie L4/5 rechts) stattgefunden. Gemäss Dr. J._ war der
Beschwerdeführer danach am 31. Januar 2017 noch voll arbeitsunfähig (vgl. IV-
act. 306-3). Die Frage, ob es durch die Operation bzw. seither zu einer Besserung des
Gesundheitszustands gekommen sei, verneinte Dr. J._ am 14. Juni 2017. Er
erwähnte aber auch keine Verschlechterung. Der RAD nahm entsprechend am 14. Juli
2017 keinen wesentlich und anhaltend anderen Gesundheitszustand an (im Übrigen am
28. Mai 2018 auch nicht aufgrund des Berichts des [medizinische Stelle] L._ vom
5. Januar 2018). Der Beschwerdeführer lässt im Beschwerdeverfahren diesbezüglich
lediglich erklären, mit einer Verbesserung des Rückenleidens sei angesichts der
fortschreitenden degenerativen Problematik nicht zu rechnen. Auch aus dem ein Jahr
nach Verfügungserlass erstellten Bericht des [medizinische Stelle] L._ vom 15. Juli
2019 ist kein Hinweis auf eine Entwicklung des vorliegend zu beurteilenden
medizinischen Sachverhalts ersichtlich. Da weder eine relevante psychiatrische
Verbesserung (wie gutachterlich allenfalls noch für möglich gehalten) noch eine
massgebliche Verschlechterung zwischen dem Zeitpunkt der MGSG-Begutachtung
und demjenigen des Erlasses der angefochtenen Verfügung vom 19. Juni 2018
erkennbar geworden sind, ist eine entsprechende Sachverhaltsentwicklung mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht anzunehmen. Sollte sich der massgebliche
Sachverhalt nach diesem Zeitpunkt wesentlich verändert haben, beträfe das nicht mehr
das vorliegende Verfahren.
3.7.
Nach Art. 16 ATSG wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrads das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
4.1.
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Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär
von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person
konkret steht. Übt sie keine Erwerbstätigkeit mehr aus, sind hierfür statistische Werte
beizuziehen (vgl. BGE 129 V 472 E. 4.2.1, vgl. etwa auch Bundesgerichtsentscheid vom
26. Januar 2016, 9C_762/2015). Dem Beschwerdeführer, der seit langem keine
Erwerbstätigkeit mehr ausübt, ist eine Verwertung seiner Arbeitsfähigkeit von (seit
Januar 2012) 60 % in einer adaptierten Tätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
zumutbar geblieben. Dieser ausgeglichene Arbeitsmarkt (vgl. BGE 134 V 64, BGE 129
V 480 E. 4.2.2) hat rein hypothetischen Charakter und dient dazu, die Risiken von
Arbeitslosigkeit und Invalidität voneinander abzugrenzen (vgl. Entscheide des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [seit 1. Januar 2007: Bundesgericht] vom
10. Juli 2006, I 186/05 E. 2.3, vom 3. Juni 2004, I 252/03 E. 2.2.3, und vom 16. Juli
2003, I 758/2002; BGE 110 V 276 E. 4b). Eine für den Beschwerdeführer adaptierte
Tätigkeit hat gemäss dem MGSG-Gutachten körperlich leicht zu sein und soll in
temperierten Räumen, abwechslungsweise sitzend und stehend, und ohne häufige
inklinierte, reklinierte und rotierte Körperhaltungen ausgeübt werden können. Auch
Arbeiten mit erhöhter emotionaler Belastung, Stressbelastung, erforderlicher geistiger
Flexibilität, vermehrtem Kundenkontakt oder überdurchschnittlicher Dauerbelastung
gehören nicht zu den zumutbaren Tätigkeiten (vgl. IV-act. 294-59). Diese Kriterien
schränken die Auswahl von Stellen auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt ein,
allerdings mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht in einem Ausmass, dass die
Verwertung der Arbeitsfähigkeit nicht mehr realistisch erschiene. Daher rechtfertigt es
sich, die Tabellenlöhne beizuziehen. Im statistischen Durchschnitt konnten Männer im
Jahr 2016 mit Tätigkeiten des tiefsten Niveaus - des Kompetenzniveaus 1 (einfache
Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art) - ein Einkommen von Fr. 66'803.--
erzielen. Bei der zumutbaren Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers von 60 % beträgt
das statistisch festgelegte Einkommen demnach Fr. 40'082.--.
4.2.
Bestehen im Einzelfall Anhaltspunkte dafür, dass die versicherte Person ihre
gesundheitlich zumutbare verbleibende (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann, ist
ein Abzug von den Tabellenlöhnen zu machen. Bei der Bestimmung der Höhe des
Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das
Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu
schätzen und insgesamt auf höchstens 25 % des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl.
4.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 26/29
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BGE 134 V 322 E. 5.2 und BGE 126 V 75). - Die Beeinträchtigungen der
Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers haben in der medizinisch begründeten
Arbeitsunfähigkeitsschätzung ihren Niederschlag gefunden. Das gilt nicht nur für die
orthopädisch, sondern namentlich auch für die psychiatrisch bedingt erforderlichen
Adaptationskriterien (wie Arbeit ohne Stress- und überdurchschnittliche
Dauerbelastung, ohne erforderliche geistige Flexibilität). Diese haben Grund für die
attestierte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gebildet. Mangelnde Flexibilität und ein
erhöhter Bedarf an Rücksichtnahme durch den Arbeitgeber rechtfertigen
rechtsprechungsgemäss zudem keinen Leidensabzug. Zusätzliche krankheitsbedingte
Absenzen vom Arbeitsplatz bei Erwerbstätigen mit aus gesundheitlichen Gründen
eingeschränkter Arbeitsfähigkeit sind statistisch nicht belegt, weshalb auch dies nach
der Rechtsprechung des Bundesgerichts keinen Grund darstellt, ohne weiteres einen
Abzug zu gewähren (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 28. November 2017, 9C_629/2017
E. 2, vom 4. August 2010, 8C_144/2010 E. 5.3, vom 19. November 2009, 9C_708/2009
E. 2.3.2, vom 3. Juli 2017, 8C_166/2017 E. 6, vom 11. September 2019, 9C_225/2019
E. 4.4.2). Dasselbe gilt (mit Blick auf die Art der zumutbaren Tätigkeiten) für eine lange
Abwesenheit vom Arbeitsmarkt (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 11. September 2019,
9C_225/2019 E. 4.4.2). Eine teilzeitliche Arbeit ist für den Beschwerdeführer gemäss
dem MGSG-Gutachten nicht erforderlich (vgl. IV-act. 294-59). Daher entfällt auch ein
Teilzeitabzug (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 12. November 2019, 9C_542/2019 E. 3.1,
vom 16. Mai 2019, 8C_705/2018 E. 4.3, vom 13. Februar 2017, 9C_762/2016 E. 5, und
vom 8. Mai 2018, 8C_211/2018 E. 4.4). Allfällige mangelhafte Sprachkenntnisse sind
bezüglich der Einsatzmöglichkeiten für einfache und repetitive Tätigkeiten
rechtsprechungsgemäss ebenfalls nicht abzugsrelevant (vgl. Bundesgerichtsurteil vom
7. Dezember 2011, 8C_328/2011 E. 10.2). Ein Abzug wegen nicht mehr zumutbarer
körperlich belastenderer Arbeit fällt schliesslich, da der genannte Tabellenlohn (des
Kompetenzniveaus 1) bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten
umfasst, auch nicht ohne weiteres in Betracht (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 20. April
2018, 9C_833/2017 E. 5.1, und vom 24. Mai 2018, 8C_884/2017 E. 4.2). - Unter diesen
Umständen erscheint es - auch bei einer gesamthaften Würdigung aller Faktoren -
nicht gerechtfertigt, einen Abzug vom oben genannten Tabellenlohn anzubringen.
Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist rechtsprechungsgemäss
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen
Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als
Gesunde tatsächlich verdienen würde (vgl. BGE 129 V 222; vgl. etwa auch
Bundesgerichtsentscheid 9C_422/2015 vom 7. Dezember 2015). Der
Beschwerdeführer hatte gemäss IK-Auszug vor dem (ersten) Unfall, 2001, zwei
4.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 27/29
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Einkommen erzielt. Es ist nicht klar, ob er die Stelle mit dem kleineren Pensum
invaliditätsbedingt verloren hat (angegebener Kündigungsgrund Nichteinhalten der
Arbeitszeit). Nach der Aktenlage erscheint aber nicht überwiegend wahrscheinlich,
dass er ohne Gesundheitsschaden über alle Jahre hinweg beide Arbeitsverhältnisse
beibehalten, also immer mehr als ein Pensum von 100 % Arbeit geleistet hätte. Wird
somit das Einkommen aus der Anstellung auf dem Bau allein von 2001 im Betrag von
Fr. 55'256.-- um die Nominallohnentwicklung bis 2016 (2239/1902) angehoben,
ergeben sich Fr. 65'046.--. Dieser Betrag ist jedoch parallelisierend auf die Höhe des
statistischen Durchschnittseinkommens zu erhöhen, das dem Beschwerdeführer als
Ausgangspunkt zur Bemessung des Invalideneinkommens vorgerechnet wird, also auf
Fr. 66'803.--. Es ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass
dies das Valideneinkommen 2016 des Beschwerdeführers darstellt. Der massgebliche
Invaliditätsgrad beträgt demnach (im Vergleich zum Invalideneinkommen von
Fr. 40'082.--, ohne Abzug vom Tabellenlohn) 40 %.
Etwas relevant Anderes ergäbe sich selbst dann nicht, wenn vom Einkommen
beider Arbeitsverhältnisse 2001 gemäss IK-Auszug von insgesamt Fr. 65'285.--
auszugehen wäre. Nach Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung (von 2001 bis
2016, bei Löhnen von Männern, von 2239/1902 gemäss Tabelle T39 des Bundesamtes
für Statistik) entspräche dieses einem Gesamteinkommen für 2016 von Fr. 76'852.--.
Die Beschwerdegegnerin erwähnte dagegen in der angefochtenen Verfügung ein
Valideneinkommen von Fr. 77'863.-- (IV-act. 336-2), während sie in ihrer
zugrundeliegenden Berechnung allerdings (selbst bei Angabe der Berücksichtigung
eines Nominallohns bis 2015) für das Jahr 2014 einen Betrag von lediglich Fr. 72'863.--
erhoben hatte (IV-act. 319), so dass es sich bei der Nennung in der Verfügung um ein
Versehen gehandelt haben dürfte. Die Beschwerdegegnerin war bei ihrer
diesbezüglichen Berechnung vom Valideneinkommen gemäss der (höchstrichterlich
beurteilten) Verfügung vom 17. August 2011 von Fr. 68'900.-- für 2008 ausgegangen.
Um die Nominallohnentwicklung von 2008 bis 2016 (2239/2092, gemäss Tabelle T39)
ergänzt, ergäbe sich daraus ein Betrag von Fr. 73'741.--. Selbst wenn angenommen
werden könnte, es dürften die Einkommen aus beiden Erwerbstätigkeiten
berücksichtigt werden, betrüge das Valideneinkommen demnach also höchstens
Fr. 76'852.-- (bei Aufwertung ab 2001, nicht ab gerichtlich beurteiltem
Valideneinkommen 2008), der Invaliditätsgrad höchstens 48 % (bei
Invalideneinkommen Fr. 40'082.--).
4.5.
Der Beschwerdeführer hat angesichts des Invaliditätsgrads von 40 % (und selbst
bei einem solchen von höchstens 48 %) Anspruch auf eine Viertelsrente.
4.6.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 28/29
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5.
Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen,
erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen
sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG)
sind (lit. c). Ein wesentlicher Unterbruch der Arbeitsfähigkeit im Sinn von Art. 28 Abs. 1
lit. b IVG liegt vor, wenn die versicherte Person an mindestens 30 aufeinanderfolgenden
Tagen voll arbeitsfähig war (Art. 29 IVV; Bundesgerichtsentscheide vom 16. Februar
2018, 8C_633/2017 E. 3.4, und vom 10. August 2016, 9C_289/2016 E. 3.2). Nach
Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs
Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG.
Die Schaffung dieser Bestimmung hat keine Veränderung des (nämlich in Art. 4 IVG
und Art. 28 IVG geregelten) Zeitpunkts des Eintritts des Versicherungsfalls mit sich
gebracht (vgl. Bundesgerichtsentscheid vom 14. Dezember 2015, 9C_655/2015 E. 4;
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 19. Oktober 2015,
IV 2013/52 E. 1.2).
5.1.
ter
Der Beschwerdeführer war gemäss der Beurteilung des MGSG in einer Tätigkeit
als Bauarbeiter seit Januar 2012 zu 50 % bzw. spätestens ab Februar 2015 zu 65 %
arbeitsunfähig (nach der ABI-Beurteilung vom 7. Dezember 2009 bereits ab September
2008, IV-act. 131-26, nach derjenigen vom 7. Februar 2011, IV-act. 171, auch damals
voll), seit Januar 2012 auch in einer adaptierten Tätigkeit zu 40 % arbeitsunfähig. Im
Januar 2013 konnte demnach ein Wartejahr ablaufen, bei welchem im Anschluss die
oben erwähnte, zu einer Viertelsrente berechtigende, anhaltende Invalidität bestand.
Von beruflichen Massnahmen konnte (angesichts der in unterschiedlichsten Tätigkeiten
wirkenden psychiatrisch bedingten Arbeitsunfähigkeit) keine Senkung des
Invaliditätsgrads erwartet werden. Der Rentenanspruch ist demnach ausgewiesen. Da
die am 20. November 2015 unterzeichnete Neuanmeldung des Beschwerdeführers am
1. Dezember 2015 bei der Beschwerdegegnerin eingegangen ist, kann davon
ausgegangen werden, dass das sie übermittelnde Schreiben vom 30. November 2015
am datierten Tag der Post übergeben worden ist (vgl. IV-act. 253 f.), weshalb die
Anmeldung am 30. November 2015 erfolgt ist (vgl. Art. 29 Abs. 3 ATSG e maiore
minus). Demnach kann eine Auszahlung der Rente gemäss Art. 29 Abs. 1 ATSG sechs
Monate später, also ab 1. Mai 2016, erfolgen.
5.2.
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6.