Decision ID: b71c6ad2-b4e8-4bc0-bf7e-05110ef435f8
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, III. Abteilung, vom 17. August 2020 (DG200012)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich – Limmat vom 27. April 2020
(Urk. 25) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 60 S. 71 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der mehrfachen qualifizierten Widerhandlung gegen das  im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und d BetmG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG
− der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art.27 Abs. 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 und 5 VRV so-
wie Art. 22 Abs. 1 SSV.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 7 Jahren Freiheitsstrafe, wovon 459 Tage durch Haft erstanden sind.
3. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. o StGB für 9 Jahre des Landes verwiesen (obligatorische Landesverweisung).
4. Die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem wird
angeordnet.
5. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 16. April 2020 be-
schlagnahmte und bei der Gerichtskasse deponierte Barschaft von Fr. 6'800.– und
EUR 340.– wird zugunsten der Staatskasse eingezogen.
6. Die gemäss Sicherstellungsliste vom 17. Mai 2019 von der Kantonspolizei Zürich
sichergestellten und bei der Kantonspolizei Zürich, TEU AssTri, BM-Lagernummer
B01543-2019 aufbewahrten Betäubungsmittel werden eingezogen und vernichtet.
7. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom
16. April 2020 beschlagnahmten Gegenstände, lagernd bei der Kantonspolizei
Zürich, Asservatetriage, werden eingezogen und vernichtet:
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− Mobiltelefon der Marke BQ (A012'637'411)
− iPhone 7+ (A012'637'397)
− Magazin SIG Pro (A012'638'890)
− "Bürogümmeli" (A012'637'535)
8. Die amtliche Verteidigung, Rechtsanwalt lic. iur. X._, wird für ihre Be-
mühungen und Auslagen unter Berücksichtigung der mit Verfügung vom 16. Januar
2020 durch die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat ausgerichteten Akontozahlung
von Fr. 10'219.65 mit weiteren Fr. 12'398.05 (inkl. Mehrwertsteuer) aus der Ge-
richtskasse entschädigt.
9. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 5'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 3'100.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 1'100.00 Auslagen (Gutachten)
Fr. 4'100.00 Telefonkontrolle
Fr. 10'219.65 Akontoentschädigung amtliche Verteidigung
Fr. 12'398.05 amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausser diejenigen
der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der
amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten
bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
11. (Mitteilung)
12. (Rechtsmittel)."
Berufungsanträge: (Prot. II S. 8 f.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 99 S. 1 f.)
1. Dispositiv-Ziff. 1, 2, 3, 4, 5, 7 und 10 des Urteils des Bezirksgerichts
Horgen vom 17.8.2020 seien aufzuheben.
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2. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der mehrfachen qualifizierten Wi-
derhandlung gegen das BetmG (D1) und der groben Verletzung der
Verkehrsregeln (D2) freizusprechen.
3. Die am 16.4.2020 von der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat be-
schlagnahmten Fr. 6'800.-- und EUR 340.– sowie das mit gleicher Ver-
fügung beschlagnahmte Mobiltelefon der Marke iPhone 7+ seien dem
Beschuldigten zurückzugeben.
4. Für die seit dem 16.5.2019 in Haft verbrachte Zeit sei dem Beschuldig-
ten eine angemessene Genugtuung zuzusprechen.
5. Die Kosten der Untersuchung und des vorinstanzlichen gerichtlichen
Verfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen. Die Kosten des Be-
rufungsverfahrens seien ebenfalls auf die Staatskasse zu nehmen.
6. Die Kosten der amtlichen Verteidigung für das vorinstanzliche Verfah-
ren und für das Berufungsverfahren seien auf die Staatskasse zu neh-
men.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 101 S. 2)
1. Bestrafung des Beschuldigten mit 7 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe
2. Anordnung einer Landesverweisung von mindestens 10 Jahren.
Im Übrigen Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils vom 17. August
2020
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Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Für den Verfahrensgang bis zum erstinstanzlichen Urteil kann auf die darin
enthaltenen Erwägungen verwiesen werden, um Wiederholungen zu vermeiden
(Urk. 60 S. 3 f.).
1.2. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil der Vorinstanz
vom 17. August 2020 wurde der Beschuldigte anklagegemäss der mehrfachen
qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und der groben
Verletzung der Verkehrsregeln schuldig gesprochen und mit einer Freiheitsstrafe
von 7 Jahren bestraft. Die Vorinstanz sprach gegen den Beschuldigten weiter ei-
ne Landesverweisung von 9 Jahren aus und ordnete die Ausschreibung der Lan-
desverweisung im Schengener Informationssystem SIS an (Urk. 60 S. 71 f.). Ge-
gen diesen Entscheid liess der Beschuldigte mit Eingabe vom 18. August 2020
innert Frist Berufung anmelden (Art. 399 Abs. 1 StPO; Urk. 45). Die Berufungser-
klärung der Verteidigung ging innert gesetzlicher Frist beim Berufungsgericht ein
(Art. 399 Abs. 3 StPO; Urk. 62). Nach entsprechender Fristansetzung erhob die
Anklagebehörde mit Eingabe vom 28. Dezember 2020 innert Frist Anschlussberu-
fung (Art. 400 Abs. 2 f. StPO; Urk. 67). Es waren keine Vorfragen zu beurteilen
und Beweisergänzungsanträge wurden keine gestellt (Art. 389 Abs. 3 StPO;
Urk. 62; Urk. 67; Prot. II S. 9 f.).
2. Umfang der Berufung
2.1. Die amtliche Verteidigung ficht mit ihrer Berufung (Urk. 62 S. 2) primär die
vorinstanzlichen Schuldsprüche sowie die damit einhergehende Sanktion und
Landesverweisung an (Dispositiv-Ziffern 1 bis 4). Weiter angefochten werden so-
dann die Einziehung und teilweise die Vernichtung von beim Beschuldigten be-
schlagnahmten Barschaften und Gegenständen (Dispositiv-Ziffern 5 und 7) und
die vorinstanzliche Kostenauflage (Dispositiv-Ziffer 10).
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2.2. Die anschlussappellierende Anklagebehörde ihrerseits richtet sich lediglich
gegen das vorinstanzliche Strafmass (Dispositiv-Ziffer 2) sowie gegen die von der
Vorinstanz ausgesprochene Dauer der Landesverweisung (Dispositiv-Ziffer 3;
Urk. 67 S. 2).
2.3. Entsprechend nicht angefochten und somit in Rechtskraft erwachsen sind
die vorinstanzlichen Anordnungen betreffend Einziehung und Vernichtung von
sichergestellten Betäubungsmitteln (Dispositiv-Ziffer 6), die Festsetzung der Ent-
schädigung der amtlichen Verteidigung (Dispositiv-Ziffer 8) und die vorinstanzli-
che Kostenfestsetzung (Dispositiv-Ziffer 9). Der Eintritt der Rechtskraft dieser An-
ordnungen ist vorab mittels Beschluss festzustellen (Art. 404 StPO).
3. Verletzung des Anklageprinzips
3.1. Wie bereits vor Vorinstanz (Urk. 38 S. 14 ff.), macht die amtliche Verteidi-
gung auch im Berufungsverfahren eine Verletzung des Anklageprinzips betreffend
drei Anklagevorwürfe geltend (Urk. 99 S. 15 ff.):
3.1.1. Betreffend die angebliche Drogenübergabe vom 19. April 2019 (Anklagezif-
fer 1.1.2. "B._") umfasse der Tatvorwurf ("...eine nicht näher bekannte Men-
ge Heroin- oder Kokaingemisch an einer nicht näher bekannten Örtlichkeit, nicht
näher bekannte Drittpersonen, unter anderem genannt "B._", wobei er min-
destens Fr. 3'000.-- entgegennahm"; Urk. 25 S. 4) zu viele Unbekannte und ge-
nüge den Anforderungen an das Anklageprinzip nicht (Urk. 38 S. 14 f.; Urk. 99
S. 15 f.).
3.1.2. Betreffend die angebliche Drogenübergabe vom 24. April 2019 (Anklagezif-
fer 1.1.2. "C._") würden im Anklagevorwurf ("...mindestens 150 Gramm
Kokaingemisch an nicht näher bekannten Örtlichkeit, nicht näher bekannte Dritt-
personen, unter anderem genannt "C._", wobei er mindestens Fr. 6'900.--
entgegennahm"; Urk. 25 S. 5) jegliche Angaben dazu fehlen, wo und wem etwas
übergeben worden sein solle (Urk. 38 S. 15 f.; Urk. 99 S. 17).
3.1.3. Betreffend die angebliche Drogenübergabe vom 28. April 2019
(Anklageziffer 1.1.2. "D._") umfasse der Anklagevorwurf ("...mindestens
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200 Gramm Kokaingemisch im Raum E._, nicht näher bekannte Drittperso-
nen, unter anderem genannt "D._", wobei er einen nicht näher bekannten
Geldbetrag entgegennahm"; Urk. 25 S. 5) ebenfalls zahlreiche Unbekannte. Da
nicht konkret ausgeführt werde, wo genau, wann genau was stattgefunden habe,
erfülle auch dieser Anklagevorwurf die Anforderungen an das Anklageprinzip nicht
(Urk. 38 S. 16; Urk. 99 S. 18 f.).
3.2. Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand
des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2
BV; Art. 9 und Art. 325 StPO; Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a und b EMRK). Das Ge-
richt ist an den in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt gebunden (Immuta-
bilitätsprinzip), nicht aber an dessen rechtliche Würdigung durch die Anklagebe-
hörde (vgl. Art. 350 StPO). Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last
gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die
Vorwürfe im objektiven und subjektiven Bereich genügend konkretisiert sind. Das
Anklageprinzip bezweckt zugleich den Schutz der Verteidigungsrechte der be-
schuldigten Person und dient dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Informations-
funktion; BGE 143 IV 63 E. 2.2 mit Hinweisen). Die beschuldigte Person muss un-
ter dem Gesichtspunkt der Informationsfunktion aus der Anklage ersehen können,
wessen sie angeklagt ist. Das bedingt eine zureichende Umschreibung der Tat.
Entscheidend ist, dass der Betroffene genau weiss, welcher konkreter Handlun-
gen er beschuldigt und wie sein Verhalten rechtlich qualifiziert wird, damit er sich
in seiner Verteidigung richtig vorbereiten kann. Er darf nicht Gefahr laufen, erst an
der Gerichtsverhandlung mit neuen Anschuldigungen konfrontiert zu werden
(BGE 143 IV 63 E. 2.2 mit Hinweisen).
3.3. Alle drei bemängelten Vorwürfe der Anklageschrift halten ein exaktes Da-
tum für die angeblichen Drogenübergaben fest und gehen damit sogar über die in
der Rechtsprechung geforderte Angabe mindestens eines bestimmten Zeitraumes
hinaus (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_720/2018 vom 3. Oktober 2018
E. 1.3.). Zudem umschreibt die Anklageschrift auch klar, welchen Personen – je-
weils angegeben mit den Bezeichnungen, unter welchen diese auf dem beim Be-
schuldigten beschlagnahmten Mobiltelefon abgespeicherten Foto genannt waren
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– die Betäubungsmittel angeblich übergeben worden sein sollen. Eine exakte
Identifikation ist sodann weder betreffend Informationsfunktion des Beschuldigten
noch für einen allfälligen Schuldspruch erforderlich (Urteil des Bundesgerichts
6B_518/2014 vom 4. Dezember 2014 E. 6.3.). Dem Beschuldigten wird zudem für
die besagten Daten jeweils nur eine ("C._" und "D._") bzw. zwei
("B._") Drogenübergabe(n) vorgeworfen, dabei in einem der Vorwürfe zu-
sätzlich noch die ungefähre Örtlichkeit ("D._"), in zwei der Vorwürfe die un-
gefähre Menge an übergebenen Betäubungsmitteln ("C._" und "D._")
und erneut in zwei der Vorwürfe der ungefähr vom Beschuldigten angeblich
entgegengenommene Geldbetrag aufgeführt ("B._" und "C._").
3.4. Aufgrund all dieser Elemente sind bei den besagten Vorwürfen die Um-
grenzungsfunktion und das Immutabilitätsprinzip ohne weiteres gewahrt. Mit Blick
auf die Informationsfunktion bestehen keine Zweifel, dass es für den
Beschuldigten klar ersichtlich war, was ihm bei den einzelnen Teilen der Anklage-
schrift vorgeworfen wird. Dass und inwiefern ihm eine wirksame Verteidigung
nicht möglich gewesen sein sollte, ist weder aufgezeigt noch erkennbar.
II. Schuldpunkt
A. Einleitende Bemerkungen
Es kann vorab auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz betreffend die
Grundsätze der Sachverhaltserstellung und der Beweiswürdigung sowie auch auf
die zutreffenden Ausführungen zur Glaubwürdigkeit der beteiligten Personen ver-
wiesen werden, um Wiederholungen zu vermeiden (Urk. 60 S. 7-11). Diese wer-
den im Berufungsverfahren durch die Verteidigung auch nicht kritisiert (Urk. 99).
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B. Mehrfache qualifizierte Widerhandlung gegen das  (Dossier 1)
1. Heroinübergabe an F._ (Anklageziffer 1.1.1)
1.1. Die Vorinstanz hat den Anklagevorwurf, die relevanten Aussagen der
angeblich beteiligten Personen (Beschuldigter, F._, G._ und H._)
sowie die weiteren vorhandenen Beweismittel korrekt aufgelistet und wiedergege-
ben, weshalb an dieser Stelle vorab darauf verwiesen wird (Urk. 60 S. 11-17).
1.2. Die vorgebrachte Variante des Beschuldigten, er habe als Gefallen für ei-
nen Freund in Albanien für diesen Geld vom Mitbeschuldigten F._ erhalten,
ohne dafür eine Gegenleistung erbracht zu haben, erscheint – mit der Vorinstanz
und deren Begründung hierzu (Urk. 60 S. 11 f.) – im Lichte seiner widersprüchli-
chen Aussagen als äusserst unglaubhaft. Der Beschuldigte widerspricht sich
mehrfach betreffend den angeblichen Auftraggeber der Geldübergabe, seinen
Bekannten "I._": Zuerst sagte er aus, dass ihn dieser "Kollege" telefonisch
kontaktiert, er dessen Telefonnummer jedoch nicht gespeichert habe
(Urk. D1/7/1/1 F/A 29 ff.; Urk. D1/7/1/2 F/A 9). Dann änderte er die Aussage in-
soweit ab, als dass er mit dem Kollegen lediglich über Instagram Kontakt gehabt
haben soll (Urk. D1/7/1/3 F/A 55), um schliesslich in einer weiteren Aussage doch
auszusagen, dass die Telefonnummer des Kollegen in seinem Handy gespeichert
sei (Urk. D1/7/1/8 F/A 7). An der Berufungsverhandlung konnte der Beschuldigte
dann zwar dessen Namen und die Adresse benennen (Urk. 98 S. 8 f.); es er-
scheint jedoch äussert unglaubhaft, dass sich dieser in der Folge nicht beim Be-
schuldigten oder dessen Familie über den Verbleib seines Geldes erkundigt ha-
ben soll.
Aber auch die Aussagen des Beschuldigten zu dem bei ihm aufgefundenen Bar-
geld sind in sich nicht stimmig: In der ersten polizeilichen Einvernahme gab er an,
mit ca. EUR 3'600.– in die Schweiz eingereist zu sein und, trotz eines
zwischenzeitlichen Autokaufs in der Schweiz für einen Betrag von Fr. 8'500.–, vor
der Übergabe über etwa Fr. 4'000.– verfügt zu haben (Urk. D1/7/1/1 S. 2-4). Die-
se Aussage zum Quantitativ des Bargelds bestätigte er in der darauffolgenden
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Hafteinvernahme zwar in etwa. Dort führte er aus, dass er von den gesamthaft
Fr. 6'800.– (Fr. 5'600.– aus der Mittelkonsole des Fahrzeugs und Fr. 1'200.– aus
seinem Portemonnaie), welche bei seiner Verhaftung bei ihm sichergestellt wur-
den, Fr. 2'600.– vom Mitbeschuldigten F._ erhalten habe, der Restbetrag,
somit rund Fr. 4'200.–, aber sein Geld gewesen sei (Urk. D1/7/1/2 S. 4). In der
dritten Einvernahme fügte er auf Vorhalt eines entsprechenden Belegs sodann
weiter an, dass er am 29. April 2019 von einer Internetseite Kleider im Wert von
EUR 360.– gekauft und hierzu einen Betrag von Fr. 440.55 via Geldtransfer an
einen J._ in K._ [Ort] überwiesen hätte (Urk. D1/7/1/3 F/A 36). Wenn
der Beschuldigte bei der Einreise in die Schweiz EUR 3'600.– und somit rund
Fr. 4'000.– bei sich gehabt hätte, in der Zwischenzeit jedoch ein Fahrzeug für
Fr. 8'500.– und Kleider für Fr. 440.55 gekauft haben will und dann dennoch vor
der eingestandenen Geldübergabe über Fr. 4'200.– verfügt haben soll, dann hätte
er während seines Aufenthalts in der Schweiz mindestens weitere rund
Fr. 9'140.55 erhältlich machen müssen. Hierzu fügte er dann an der Berufungs-
verhandlung neu an, er habe während seiner Anwesenheit in der Schweiz zudem
auch noch zwei Audi Q5 an Käufer in Albanien vermittelt, wobei er jeweils einen
Betrag von rund Fr. 500.– in bar als Anzahlung habe leisten müssen, der Restbe-
trag jedoch via Banktransfer direkt von den Interessenten an die Verkäufer über-
wiesen worden sei. Er habe jeweils eine Provision für die Vermittlung erhalten,
von welchen er unter anderem seinen Lebensunterhalt in der Schweiz bestritten
habe (Urk. 98 S. 6 f.). Wenn dem tatsächlich so gewesen wäre, dann wäre es
dem Beschuldigten ohne weiteres möglich gewesen, dies mittels entsprechenden
Überweisungen oder auch Angaben zu den Käufern oder insbesondere zu den in
der Schweiz wohnenden Verkäufern nachzuweisen. Entsprechende Beweise bzw.
zumindest Beweisanträge wurden jedoch vom Beschuldigten bis zuletzt nicht ein-
gereicht oder gestellt. Unter Berücksichtigung der weiteren Umstände und Be-
weismittel lässt dies einzig den Schluss zu, dass er diese weiteren Mittel durch
seine Betätigung im Betäubungsmittel erhältlich gemacht haben muss. Aber auch
wenn davon ausgegangen würde, dass er die weiteren Geldmittel durch seinen
Autohandel in seinem Heimatland erwirtschaftet hätte, dann hätte er gemäss den
Aussagen vor Vorinstanz (Prot. I S. 8) in den Monaten März bis und mit Mai 2019
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zwischen 8 und 16 Fahrzeuge verkaufen und sich das Geld in die Schweiz schi-
cken lassen müssen. Wäre dies der Fall, so wäre es für ihn ein Einfaches gewe-
sen, die entsprechenden Überweisungen nachzuweisen. Auch wenn auf dem
Mobiltelefon des Beschuldigten Fotos von ein paar wenigen Fahrzeugen auffind-
bar sind, welche teilweise mit dem Mobiltelefon des Beschuldigten erstellt und
teilweise von Autoinserateseiten heruntergeladen wurden (vgl. Datenträger
Urk. D1/17/5), lässt sich die Geschichte des Beschuldigten, er sei lediglich als un-
bescholtener Autohändler in die Schweiz eingereist, aufgrund des Gesagten nicht
mit dem Untersuchungsergebnis in Einklang bringen. Diese Bilder lassen einzig
den von der Verteidigung gezogenen Schluss zu, dass der Beschuldigte (auch)
an Fahrzeugen interessiert war (Urk. 38 S. 19 f.; Urk. 99 S. 21 f.). Da die über-
wiegende Mehrheit der auf dem Mobiltelefon gefundenen Bilder Kleidungsstücke
und Uhren zeigen, wäre eher zu vermuten gewesen, der Beschuldigte sei als Uh-
ren- bzw. Kleiderhändler in die Schweiz eingereist (vgl. Datenträger Urk. D1/7/5).
Dies behauptet jedoch selbst der Beschuldigte nicht. Insgesamt enthalten die
Aussagen des Beschuldigten keine innere Logik und Konsistenz, sind darüber
hinaus in weiten Teilen ausweichend und von Widersprüchen gekennzeichnet und
daher gesamthaft nicht glaubhaft.
1.3. Betreffend die Aussagen des Mitbeschuldigten F._ ist der Verteidi-
gung insoweit zuzustimmen, dass dieser seine Aussagen im Verlaufe seiner Ein-
vernahmen teilweise erheblich änderte (Urk. 38 S. 3 ff.; Urk. 99 S. 3 ff.): Noch in
der ersten Einvernahme und in der anschliessenden Hafteinvernahme stritt er ab,
in das Fahrzeug des Beschuldigten eingestiegen zu sein bzw. diesem Geld über-
reicht zu haben (Urk. D1/7/3/1 und Urk. D1/7/3/2). In der Einvernahme vom
6. Juni 2019 legte er sodann ein vollständiges Geständnis ab und erklärte, dass
er dem Beschuldigten auf Geheiss des Mitbeschuldigten G._ einen Betrag
von Fr. 2'600.– übergeben und im Gegenzug von diesem ein Päckchen in zwei
Plastiktüten erhalten habe. Der Beschuldigte habe ihm dabei gesagt "Da hast Du
die Bestellung für G._. Nicht aufmachen" (Urk. D1/7/3/3 S. 2-12).
Es ist ebenfalls hervorzuheben, dass einige der Aussagen des Mitbeschuldigten
F._ im Laufe der Ermittlung widerlegt werden konnten: Er gab an, dass der
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Mitbeschuldigte G._ angeblich im Zimmer an der L._-strasse ... hätte
logieren sollen und er – F._ – diesen – G._ – dort besucht hätte
(Urk. D1/7/3/2 FA 19 ff.). Die Ermittlungen der Kantonspolizei Zürich ergaben je-
doch, dass der Mitbeschuldigte F._ in dem Zimmer habe logieren wollen
(Urk. D1/2 S. 6 f.). Auch gab er an, dass er mit dem Zweck in die Schweiz ge-
kommen sei, seine hier in M._ wohnende Freundin N._ – deren Identität
er jedoch nicht weiter bekannt geben wollte – zu besuchen. Daher habe sie ihn
auch vom Flughafen abholen wollen (Urk. D1/7/3/3 S. 2 ff.). Gemäss einer zufällig
bei seiner Ankunft am Flughafen Zürich am 24. April 2019 durchgeführten und
protokollierten Personenkontrolle wurde der Mitbeschuldigte aber nicht von seiner
Freundin N._ sondern von zwei Männern empfangen, wovon einer der bei-
den gemäss eigener Aussage die Anweisung erhalten haben soll, den Mitbe-
schuldigten F._ nach M._ zu fahren (Urk. D1/2 Anhang).
Den Vorbringen der Verteidigung ist zu entgegnen, dass es ist nicht unüblich ist,
dass (mit-)beschuldigte Personen in den ersten Einvernahmen die Teilnahme an
einer Straftat verneinen, um in späteren Einvernahmen ein Geständnis abzule-
gen. Dies, da sie meist erst in späteren Einvernahmen mit Ermittlungs- bzw.
Untersuchungsergebnissen konfrontiert werden können, was wiederrum zu einer
angepassten Verteidigungsstrategie führen kann. Dies allein spricht vorliegend
nicht gegen die Glaubhaftigkeit der späteren, den Beschuldigten betreffenden und
belastenden Aussagen des Mitbeschuldigten F._. Vielmehr bestätigte er sei-
ne Version des Geschehens auch, als er mit dem Mitbeschuldigten G._ und
dem Beschuldigten konfrontiert wurde (Urk. D1/7/1/4). Auch entgegen der Vertei-
digung spricht die Möglichkeit, trotz einer Selbstbelastung von einer schnellen
Haftentlassung bzw. einer Bestrafung im abgekürzten Verfahren zu profitieren,
ebenfalls nicht per se gegen die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Mitbeschuldig-
ten F._. Dass er – besonders aufgrund seines fehlenden Wohnsitzes in der
Schweiz – aus der Haft entlassen bzw. im abgekürzten Verfahren milder bestraft
werden würde, konnte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit Sicherheit abschät-
zen. Die widerlegbaren Falschaussagen von F._ betreffen sodann lediglich
seinen Einreisegrund bzw. seinen weitergehenden Tatbeitrag zu einem allfälligen
weitergehenden Betäubungsmittelhandel, welche vorliegend jedoch nicht Thema
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des Verfahrens gegen den Beschuldigten sind. Insbesondere aufgrund der doch
erheblichen Selbstbelastung und da sich seine Aussagen betreffend das Kernge-
schehen des Anklagevorwurfs 1.1.1. auch mit den weiteren Ermittlungsergebnis-
sen und Beweismitteln in Einklang bringen lassen, sind die Belastungen F._s
– mit der Vorinstanz (Urk. 60 S. 13) – als glaubhaft zu werten.
1.4. Die Aussagen des Mitbeschuldigten G._, der mit seiner Schilderung
des Tatablaufs – wie der Beschuldigte – eine Drogenübergabe verneinte, sind so-
dann vollends unglaubhaft: Gemäss seiner Aussage habe er vom Mitbeschuldig-
ten F._ keine Betäubungsmittel übergeben erhalten, sondern habe die bei
der Verhaftung sichergestellten Betäubungsmittel eigenhändig und ohne Hilfsmit-
tel in einem Waldstück aus 3 Metern Tiefe ausgegraben, wo er diese fünf Jahre
zuvor versteckt haben will (Urk. D1/7/2/1 S. 5 f.; Urk. D1/7/2/2 S. 3 f.;
Urk. D1/7/2/3 S. 7 ff.). Erstens erscheint es praktisch unmöglich, ein frisch vergra-
benes Heroinpaket mit blossen Händen aus einer Tiefe von drei Metern auszu-
graben. Dasselbe würde im Übrigen auch gelten, wenn zugunsten des Mitbe-
schuldigten G._ lediglich von einer Tiefe von zwei Metern ausgegangen wür-
de, zumal er die Tiefe des Fundorts in den weiteren Aussagen ein wenig relati-
vierte – wohl weil ihm die Unmöglichkeit seiner Aussage bewusst wurde. Zweitens
und erschwerend kommt jedoch hinzu, dass sich die über dem Heroinpaket be-
findliche Erdschicht – entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 99 S. 5) –
aufgrund der verstrichenen Zeit zusätzlich verdichtet hätte und sich auch mit
Hilfsmitteln nur mit grosser Mühe hätte abtragen lassen. Drittens erscheint es als
äussert unrealistisch, dass der Mitbeschuldigte G._ das besagte Versteck,
welches bei einer Menge von rund 175g Heroingemisch eher klein ausgefallen
wäre, nach fünf Jahren auf Anhieb gefunden haben soll. Zuletzt spricht auch der
zeitliche Ablauf der Geschehnisse des 16. Mai 2019 klar gegen die Aussage des
Mitbeschuldigten G._: So hätte die Geldübergabe vom Mitbeschuldigten
F._ an den Beschuldigten zufällig innert weniger Stunden vor der Sicherstel-
lung der entsprechenden Betäubungsmittel erfolgen müssen, ohne dass zwischen
der Geldübergabe und dem Besitz der Betäubungsmittel ein Zusammenhang be-
standen haben soll. Aufgrund des Gesagten ist bei den Aussagen des Mitbe-
schuldigten G._ daher davon auszugehen, dass er mit diesen schlicht den
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Beschuldigten schützen wollte. Dieser Versuch einer Entlastung des Beschuldig-
ten durch G._ erweist sich insgesamt als äusserst unglaubhaft.
1.5. Dass an besagtem Tag eine Betäubungsmittelübergabe stattgefunden hat,
wird weiter auch durch die Nachrichtenverläufe zwischen der im Mobiltelefon des
Beschuldigten aufgefundenen Telefonnummer und einer auf H._ registrierten
Telefonnummer sowie der Nachrichtenverläufe des H._ mit einer Drittperson
bestätigt. Obschon beide abstritten, sich zu kennen (Urk. D1/7/1/6 S. 3 ff.), erhielt
der Beschuldigte von einer auf H._ registrierten Telefonnummer am Tag sei-
ner Festnahme eine Nachricht mit einer Adresse in O._ zugeschickt, worauf
er antwortete "in 10 min bin da" (Urk. D1/6/10 Rz. 9 f.). H._ wiederum erhielt
von einer Drittperson (gespeichert unter "Onkel P._") am Abend desselben
Tages sodann die WhatsApp-Nachricht "Q._ fragt packet ist gekommen"
(Urk. D1/6/4 Rz. 538) zugeschickt. Die Vorinstanz zog daraus zu Recht den
Schluss, dass der Beschuldigte die später an den Mitbeschuldigten F._
übergebenen Betäubungsmittel von H._ erhalten haben muss, zumal auch
aus den weiteren Nachrichtenverläufen der auf H._ registrierten Telefon-
nummer klar ersichtlich wird, dass er sich im Betäubungsmittelhandel betätigt hat-
te (vgl. Urk. 60 S. 15 f.). Zu Recht verwirft die Vorinstanz letztlich auch die dies-
bezüglichen Schutzbehauptungen von H._, er habe sein Mobiltelefon leicht-
sinnig einer Drittperson namens "R._" übergeben, welche sodann die aufge-
fundenen Nachrichten versandt haben müsse (Urk. D1/7/1/6 S. 4). Dass er die
besagte Prepaid-Nr. für den Bekannten "R._" gekauft habe, wie er in seiner
letzten Einvernahme anfänglich vorbringt, wird bereits durch die Nachrichten-
verläufe von dieser Telefonnummer mit einer gewissen "S._" widerlegt, wel-
che in ihren Nachrichten zwischen dem 18. und dem 24 April 2019 ihr Gegenüber
jeweils mit "H'._" ansprach (Urk. D1/6/5 Rz. 8, 63 und 75). Es liegt nahe,
dass es sich hierbei um eine Kurzform von H._s Vornamen handelt.
1.6. Aber auch die vorliegenden Sachbeweismittel zeichnen ein klares Bild:
1.6.1. Beim Beschuldigten wurde eine grosse Menge Bargeld (Fr. 1'200.– sowie
EUR 340.– aus dem Portemonnaie und Fr. 5'600.– aus der Mittelkonsole des
Fahrzeugs) in drogenhandelsüblicher Stückelung sichergestellt (Urk. D/1/9/2
- 15 -
S. 2 f.). Wie bereits erwogen, bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass der Be-
schuldigte diese Barschaften mit dem angeblichen Autohandel, für welchen er in
die Schweiz gekommen sein will, erwirtschaftet hätte, zumal er einerseits lediglich
von Autokäufen spricht und auch keine Belege zu den von ihm behauptetermas-
sen erhaltenen Provisionen beizubringen vermag. Weiter wurden im Fahrzeug
des Beschuldigten bei einer späteren Durchsuchung ebenfalls Heroin sowie ein
leeres Handschusswaffenmagazin sichergestellt (Urk. D1/9/2 S. 6). Die im Fahr-
zeug des Beschuldigten sichergestellten Betäubungsmittel waren sodann im
Dachhimmel des Fahrzeugs versteckt und am Fahrzeug wurden zudem Manipula-
tionen festgestellt, welche ein schnelles Verstecken von Gegenständen ermögli-
chen (Urk. D1/1 S. 4 f.).
1.6.2. Zudem fanden sich auf dem Mobiltelefon Apple iPhone 7+ (A012'637'397),
von welchem der Beschuldigte eingangs selber aussagte, dass es seit seiner
Einreise in die Schweiz lediglich durch ihn verwendet wurde (Urk. D1/7/1/3 S. 2 f.;
Urk. D1/7/1/5 S. 2), Bilder von grossen Mengen Bargeld in drogenhandelsüblicher
Stückelung, von mutmasslichen Betäubungsmitteln sowie von mutmasslichen Be-
täubungsmittelabnehmerlisten (Urk. D1/1/16/7). Nach Vorhalt der sichergestellten
Bilder verstrickte sich der Beschuldigte erneut in Widersprüche: Zuerst gab er an,
einige der Bilder aus dem Internet heruntergeladen bzw. per WhatsApp zuge-
sandt erhalten zu haben, um seine Aussage wenige Minuten später dahingehend
abzuändern, dass er die Bilder durch Abfotografieren von anderen Mobiltelefon-
bildschirmen erstellt habe bzw. um Aussagen zu den Bildern schliesslich gänzlich
zu verweigern (Urk. D1/7/1/3 S. 12 ff.). Dies, da ihm klargemacht wurde, dass
aufgrund der Metadaten der Bilder nachgewiesen werden könne, dass sämtliche
Bilder mit dem Mobiltelefon des Beschuldigten aufgenommen worden waren
(vgl. Urk. D1/6/15). Während es zutrifft, dass die Bilder Nr. 4 bis 12 jeweils einen
abfotografierten Bildschirm eines Mobiltelefons zeigen, kann dies bei den Bildern
Nr. 1 bis 3 ausgeschlossen werden (Urk. D1/16/7). So bedürfte ein handelsübli-
ches Mobiltelefon wie das Apple iPhone 7+ des Beschuldigten eine regelrechte
Makrolinse, um von einem anderen Mobiltelefonbildschirm eine so scharfe Nah-
aufnahme machen zu können, ohne dass darauf auch zwingend der Rahmen ei-
nes Bildschirms sichtbar wäre, was bei besagtem Modell nicht der Fall ist. Dass
- 16 -
der Beschuldigte die Bilder nachträglich zugeschnitten hat bzw. sein Einwand, die
Bilder seien vermutlich bereits vor seinem Besitz mit dem Mobiltelefon erstellt
worden, verneint die Vorinstanz mit überzeugender Begründung unter Bezug-
nahme auf die Metadaten zu Recht (Prot. I S. 19; Urk. 60 S. 19). Zuletzt schob
der Beschuldigte nach, dass ihm das Mobiltelefon Apple iPhone 7+ – entgegen
seiner eindeutigen früheren Aussagen – erst nach seiner Einreise in die Schweiz
von einem Bekannten mit dem Namen "T._", den er in Bern kennengelernt
habe, verkauft worden sei. Dieser "T._" sei jeweils mit ihm durch die Schweiz
gefahren und er – der Beschuldigte – vermute, dass dieser T._ etwas mit
Drogen zu tun gehabt habe, wobei er lediglich andeutete, dass dieser T._
jeweils die Fotos mit seinem Mobiltelefon gemacht haben könnte (Urk. D1/7/1/8
S. 15 f. und S. 18; Prot. I S. 17 ff. und S. 32 f.). Zuletzt schob die Verteidigung an
der Berufungsverhandlung dann auch explizit nach, T._ habe das Mobiltele-
fon des Beschuldigten nicht nur zur Navigation zu den angeblichen Fahrtzielen
benutzt, sondern er habe dieses auch weiter verwenden dürfen, weshalb davon
auszugehen sei, dass die Bilder von diesem erstellt worden sein müssen (Urk. 99
S. 20). Hätte der Beschuldigte das Mobiltelefon tatsächlich erst in der Schweiz
erworben, wäre zu erwarten gewesen, dass der Beschuldigte dies bereits zu Be-
ginn der Untersuchung angegeben hätte. Seine Erklärung, er habe diesen Um-
stand aus Angst, dass es sich um ein gestohlenes Mobiltelefon handeln könnte
nicht früher erwähnt (Urk. D1/7/1/8 S. 17), erscheint im Lichte der Schwere der
gegen den Beschuldigten erhobenen Anklagevorwürfe geradezu unsinnig. Auch
dass ihm erst in der letzten staatsanwaltschaftlichen Einvernahme eingefallen
sein soll, dass besagter T._, mit welchem er nebenbei gut befreundet sei und
fast täglich Zeit verbracht habe, sein Mobiltelefon doch ab und zu gebraucht habe
(Prot. I S. 32), ist vollends unglaubhaft. So ist lediglich von weiteren Schutzbe-
hauptungen auszugehen, welche er sich wohl ausdachte, nachdem ihm klarge-
macht wurde, dass die Erstellung der Bilder mit seinem Mobiltelefon nachgewie-
sen werden kann. Nicht anders kann sodann auch seine Aussage vor Vorinstanz
"Nach langem Überlegen ist mir in den Sinn gekommen, dass es in diese Rich-
tung gehen könnte" (Prot. I S. 31) verstanden werden. Da zweifellos keine andere
Person als der Beschuldigte das Mobiltelefon Apple iPhone 7+ während seinem
- 17 -
Aufenthalt in der Schweiz verwendet hat, kann auch ohne Zweifel geschlossen
werden, dass sämtliche sichergestellten Bilder vom Beschuldigten selber aufge-
nommen wurden und er somit zwei Fotos von erheblichen Bargeldsummen in sei-
nen Händen (Urk. D1/16/7 S. 1-2) bzw. von mutmasslichen Betäubungsmitteln in
einer schwarzen Tasche, vermutlich auf einem schwarzen Ledersitz eines Fahr-
zeugs (Urk. D1/16/7 S. 3), erstellt hat.
1.7. Zusammenfassend bestehen aufgrund der vorliegenden Personen- und
Sachbeweismittel mit der Vorinstanz keinerlei Zweifel daran, dass sich der Sach-
verhalt wie vom Mitbeschuldigten F._ glaubhaft geschildert und sodann in
der Anklageziffer 1.1.1. umschrieben zugetragen hat und daher vollumfänglich er-
stellt werden kann. Daran ändert weder der Umstand, dass die Polizisten beim
aus dem Fahrzeug des Beschuldigten aussteigenden F._ kein Paket gese-
hen haben, noch der Umstand, dass keine – eindeutigen – DNA- oder Fingerab-
druck-Spuren des Beschuldigten am sichergestellten Verpackungsmaterial fest-
gestellt werden konnten, etwas (Urk. 38 S. 5 f.; Urk. 99 S. 5). Dieser Umstand
stellt weder einen Beweis noch ein Indiz dafür dar, dass eine entsprechende
Übergabe nicht stattgefunden haben kann, zumal das übergebene Paket unge-
fähr die Grösse einer Schokoladentafel gehabt haben wird und somit ohne weite-
res unter der Kleidung getragen werden konnte, ohne dass es für observierende
Beamte eindeutig ersichtlich gewesen sein müsste. Es kann hierzu ebenfalls auch
auf die überzeugenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 60
S. 16).
2. Übergabe von 4'900 Gramm Heroingemisch und 2'620 Gramm  (Anklageziffer 1.1.2)
2.1. Betreffend den zusammengefassten Anklagevorwurf gemäss Anklagezif-
fer 1.1.2. und die allgemeine Bestreitung des Beschuldigten, keine entsprechen-
den Betäubungsmittelübergaben vorgenommen zu haben, kann vorab auf die vor-
instanzlichen Erwägungen und die Anklageschrift verwiesen werden (Urk. 60
S. 17; Urk. 25 S. 3 ff.).
- 18 -
2.2. Wie bereits erwogen, wurden auf dem Mobiltelefon Apple iPhone 7+ des
Beschuldigten Bilder wiederher- und sichergestellt, welche Listen mit Buchstaben
und Zahlen auf einem Bildschirm eines weiteren Mobiltelefons zeigen
(Urk. D1/1/16/7 S. 4-9 und S. 11-12). Es konnte anhand der Metadaten ermittelt
werden, dass diese Bilder jeweils mit dem besagten Mobiltelefon Apple iPhone 7+
des Beschuldigten erstellt und im Anschluss wieder gelöscht wurden
(Urk. D1/4/5). Dass die sichergestellten Bilder vom Beschuldigten erstellt wurden,
wurde bereits erwogen (vgl. E. II.1.6.2.). Mit überzeugender Begründung gelangte
die Vorinstanz zudem zum Schluss, dass es sich um Bilder des zweiten, im vom
Beschuldigten verwendeten Fahrzeug sichergestellten Mobiltelefons BQ Aquaris
X handelt und dass die darauf ersichtlichen Listen teilweise Betäubungsmittel-
mengen, Geldbeträge sowie Namen und Orte darstellen (Urk. 60 S. 18). Dies wird
neben dem Rahmen insbesondere auch durch die ringförmige Konstellation der 7
grauen Punkte am unteren Rand des Telefons, welche sowohl auf dem Bild des
sichergestellten Mobiltelefons BQ Aquaris X als auch insbesondere auf dem auf
dem Mobiltelefon des Beschuldigten sichergestellten Bild Nr. 11 zu sehen sind,
klar ersichtlich (Urk. D1/16/6 und Urk. D1/16/7 S. 11). Weiter ging die Vorinstanz
zurecht davon aus, dass das auf den Listen mehrheitlich erscheinende Wort
"kuqe", welches auf Albanisch "rot" bedeutet, für Heroin bzw. das ebenfalls auf
den Listen mehrheitlich erscheinende Wort "bardh", welches auf Albanisch
"weiss" bedeutet, für Kokain steht (Urk. 60 S. 18). Diesen Schluss durfte sie ei-
nerseits ziehen, da auch die weiteren auf dem Mobiltelefon des Beschuldigten si-
chergestellten Bilder – wie bereits erwogen (vgl. E. II.1.6.2.) – einen klaren Hin-
weis dafür geben, dass sich der Beschuldigte im Vorfeld seiner Verhaftung am
16. Mai 2019 im Betäubungsmittelhandel beteiligt hat und da es zudem gerichts-
notorisch ist, dass im Betäubungsmittelhandel Codewörter verwendet werden.
Auch dass die abfotografierten Listen Ortsnamen enthalten, hielt die Vorinstanz
zu Recht fest (Urk. 60 S. 18). Auch wenn die festgehaltenen Ortsnahmen teilwei-
se nicht ganz korrekt genannt werden ("luzer", "genev", "gjenev", etc.), ergab ins-
besondere die rückwirkende Teilnehmeridentifikation, dass das Mobiltelefon des
Beschuldigten (Apple iPhone 7+) oft an den notierten Daten in oder um die be-
sagten Orte mit sich dort befindlichen Mobilfunkantennen verbunden war:
- 19 -
− So enthält die Liste mit dem Titel "luzer" die Daten 25. April 2019 und
5. Mai 2019 (Urk. D1/16/7 S. 4), an welchen das Mobiltelefon des Beschul-
digten im Kanton Luzern mit Mobilfunkantennen verbunden war
(Urk. D1/6/20 S. 36; D1/6/21 S. 8).
− Weiter enthält die Liste mit dem Titel "genev nipi" das Datum 27. April 2019
(Urk. D1/16/7 S. 7), an welchem das Mobiltelefon des Beschuldigten im
Kanton Genf mit einer Mobilfunkantenne verbunden war (Urk. D1/6/20
S. 38).
− Weiter enthält die Liste mit dem Titel "lixern zug" das Datum 20. April 2019
(Urk. D1/16/7 S. 8), an welchem das Mobiltelefon des Beschuldigten im
Kanton Zug mit einer Mobilfunkantenne verbunden war (Urk. D1/6/20
S. 33).
− Weiter enthält die Liste mit dem Titel "gjenev fjeraku" die Daten 17. April
2019 und 27. April 2019 (Urk. D1/16/7 S. 12), an welchen das Mobiltelefon
des Beschuldigten im Kanton Genf je mit einer Mobilfunkantenne verbun-
den war (Urk. D1/6/20 S. 31 und 38).
2.3. Neben diesen Übereinstimmungen zwischen dem Mobiltelefon des Be-
schuldigten (Apple iPhone 7+) und den Ortsnamen auf den mit diesem fotografier-
ten Listen wurde jedoch auch das im vom Beschuldigten gefahrenen Fahrzeug
aufgefundene Mobiltelefon BQ Aquaris X mehrfach an den Daten und Orten ge-
mäss den abfotografierten Listen mit entsprechenden Mobilfunkantennen verbun-
den. Den Einwand des Beschuldigten, es handle sich dabei nicht um sein Mobilte-
lefon sondern um ein Mobiltelefon, welches sich lediglich im von ihm benutzten
Fahrzeug befunden habe, verwirft die Vorinstanz zu Recht (Urk. 60 S. 20 f.): So-
wohl der Umstand, dass beide Mobiltelefone zwischen dem 12. März 2019 und
dem 16. Mai 2019 mindestens 14 Mal mit derselben oder einer sich unmittelbar in
der Nähe befindlichen Mobilfunkantenne verbunden waren (vgl. Urk. 1/4/6), als
auch dass das Mobiltelefon BQ Aquaris X hierzu jeweils über genügend Batte-
rieladung verfügt haben muss, was nahelegt, dass der Beschuldigte dieses je-
weils aufgeladen hat, und dass zudem mit besagtem Mobiltelefon zu diesen Zeit-
- 20 -
punkten auch aktiv eine Datenverbindung hergestellt worden sein muss, andern-
falls überhaupt keine Verbindung zu einer Antenne nachgewiesen werden könnte,
lassen keine auch nur einigermassen begründeten Zweifel offen, dass auch das
Mobiltelefon BQ Aquaris X vom Beschuldigten verwendet wurde. Daran ändert
auch seine nachgeschobene Schutzbehauptung vor Vorinstanz, er könne sich –
plötzlich – genau an das Detail erinnern, dass ein Bekannter namens T._
dieses bei den gemeinsamen Fahrten verwendet habe (Prot. I S. 21), sowie die
diesbezüglichen Vorbringen der Verteidigung vor Vorinstanz und auch im Beru-
fungsverfahren (Urk. 38 S. 7 ff.; Urk. 99 S. 7 ff.) nichts: Einerseits erscheint es
äusserst unwahrscheinlich, dass sich der Beschuldigte an dieses Detail erst in der
vorinstanzlichen Hauptverhandlung erinnert hätte, wenn ihm über mehrere Mona-
te zuvor zu Unrecht Betäubungsmittelübergaben vorgehalten worden wären. An-
dererseits konnte der Beschuldigte über diesen T._ auch nur wenig Angaben
machen, obschon beide sich angeblich fast täglich getroffen hätten und mehrmals
durch die Schweiz gefahren seien (Prot. I S. 32). Dass es sich zudem noch um
ein Mobiltelefon mit einer speziellen Encrochat-Funktion handelt, welche eine be-
sondere Verschlüsselung von Daten vornimmt, weshalb diese nicht ausgelesen
werden können, und welches zudem ein einfaches Löschen sämtlicher Daten er-
möglicht, stellt lediglich ein weiteres gewichtiges Indiz dafür dar, dass der Be-
schuldigte hiermit seine Beteiligung am Betäubungsmittelhandel verschleiern woll-
te (vgl. Urk. 60 S. 20 f.).
2.4. Dass die Ausführungen des Beschuldigten zu seinem Einreisegrund und
das bei ihm sichergestellte Bargeld sowie seine Erklärungen hierzu absolut wider-
sprüchlich sind, ist – mit der Vorinstanz (Urk. 60 S. 22 ff.) – zutreffend und wurde
bereits unter Anklageziffer 1.1.1. erwogen (vgl. E. II.1.6.1.). Auch dass er den ge-
samten April und Mai 2019 über – und teilweise auch innerhalb eines Tages –
kreuz und quer durch die Schweiz gefahren ist und drei Fahrzeuge gekauft haben
will, aber hierfür jedoch trotz behaupteten Banküberweisungen von Endkunden
nicht den geringsten Nachweis erbringen konnte, ist aufgrund der rückwirkenden
Teilnehmeridentifikation beider Mobiltelefone und seiner diesbezüglichen Aussa-
gen erstellt und spricht mit der Vorinstanz klar dafür, dass seine Fahrten einen
anderen Zweck gehabt haben müssen (Urk. 60 S. 23 f.).
- 21 -
2.5. Zusammenfassend kann vorab festgehalten werden, dass aufgrund sämt-
licher Indizien zweifelsfrei festgestellt werden kann, dass der Beschuldigte in der
Schweiz auch bereits vor dem 16. Mai 2019 in Betäubungsmittelübergaben invol-
viert gewesen ist. Dies belegen die vorgefundenen Sachbeweismittel (Bilder auf
seinem Mobiltelefon) im Zusammenhang mit den weiteren angestellten Ermittlun-
gen. Ob die Vorinstanz – entgegen auch der aktuellen Bestreitung des Beschul-
digten respektive seiner Verteidigung – zurecht davon ausging, dass sich die ge-
mäss Anklageschrift aufgelisteten Übergaben im Einzelnen erstellen lassen, ist
nachfolgend zu prüfen.
2.6. Die Verteidigung bringt hierbei bei mehreren Übergaben vor, die Preise für
die angeblichen Betäubungsmittelmengen korrelierten nicht miteinander, weshalb
aus den sichergestellten Listen nicht geschlossen werden könne, dass es sich bei
den darin aufgeführten Inhalten um dokumentierte Drogenübergaben handle
(Urk. 38 S. 10 ff.; Urk. 99 S. 9 ff.). Die Staatsanwaltschaft entgegnete dem zu-
recht, dass die genauen Zahlungsmodalitäten der Übergaben nicht bekannt seien,
weshalb lediglich die Übergabe der Betäubungsmittelmengen und nicht der damit
erwirtschaftete Gewinn eingeklagt worden sei (Prot. I S. 36). So sei durchaus
auch die Anwendung eines Kommissionsgeschäftsmodells vorstellbar, wobei
hierbei das erhaltene Entgelt unter anderem auch von anderen Kriterien abhän-
gen kann. Insbesondere bei Betäubungsmitteln ist es aber ohnehin üblich, dass
die Preise für gleiche Mengen Betäubungsmittelgemische abweichen können,
wenn beispielsweise deren Reinheitsgrad, die Dringlichkeit des Verkaufs oder die
Verhandlungsmacht der Abnehmer variieren. Dass vorliegend die Preise pro Ein-
heit "rot" bzw. "weiss" auf den sichergestellten Listen teilweise voneinander ab-
weichen, bedeutet für sich alleine daher nicht, dass es sich hierbei nicht um
Betäubungsmittelmengenangaben handeln kann. Im Gegenteil wäre eher ein
stets gleichbleibender Übergabepreis ungewöhnlich.
2.7. Weiter kritisiert die Verteidigung bei mehreren Übergaben, dass die Fotos
der Listen, welche auf dem Mobiltelefon des Beschuldigten sichergestellt wurden,
jeweils erst am 12. Mai 2019 – und damit teilweise mehr als zwei Wochen nach
der letzten angeblichen Drogenübergabe pro Liste erstellt und sogleich wieder ge-
- 22 -
löscht worden seien. Diese Zeiträume zwischen Erstellung der Bilder und der je-
weils letzten Drogenübergabe sei nicht nachvollziehbar und mache keinen Sinn,
weshalb man bei den Listen nicht von Drogenübergaben ausgehen könne
(Urk. 38 S. 10 ff.; Urk. 99 S. 9 ff.; Urk. D1/4/5). Beachtet man, dass die letzte an-
gebliche Übergabe auf der Liste "luzer" erst am 5. Mai 2019 erfolgt sein soll, so
ergibt sich lediglich ein Zeitraum von einer Woche zwischen der letzten angebli-
chen Übergabe und dem Erstellen des Fotos (Urk. D1/4/1 S. 4 und Urk. D1/4/5
S. 4). Die letzte Übergabe der Liste "gjenev nipi" fand sodann am 27. April 2019
und damit lediglich rund zwei Wochen vor Erstellung des Bildes der entsprechen-
den Liste statt (Urk. D/1/4/5 S. 7). Insgesamt erscheint ein Zeitraum von rund zwei
Wochen nicht als so übermässig lange, dass daraus geschlossen werden könnte,
der Beschuldigte habe sich nicht in einer Organisation als Drogenläufer beteiligt
und sei hierbei nicht einer gewissen Kontrolle unterlegen. Vielmehr deutet dieser
Umstand darauf hin, dass dem Beschuldigten bei den jeweiligen Übergaben wäh-
rend seinem Aufenthalt in der Schweiz ein grosses Vertrauen entgegengebracht
wurde, was grundsätzlich für eine bedeutendere Rolle als je eines reinen Drogen-
läufers sprechen würde.
2.8. Auslieferungen "luzer" vom 25. und 27. April 2019
2.8.1. Für den genauen Anklagevorwurf betreffend die Übergaben vom 25. und
27. April 2019 im Zusammenhang mit der Liste "luzer" wird auf die Erwägungen
der Vorinstanz und die Anklageschrift verwiesen (Urk. 60 S. 24; Urk. 25 S. 3 ff.).
2.8.2. Die Vorinstanz geht aufgrund der beim Beschuldigten sichergestellten Liste
(Urk. D1/4/1 S. 4), dem Umstand, dass sich sein Mobiltelefon – und somit
mutmasslich auch er – gemäss rückwirkender Teilnehmeridentifikation am
25. April 2019 von ca. 12:54 Uhr bis 13:30 Uhr in Luzern an mehreren Strassen
im Umkreis von ca. 2 km aufgehalten hat (Urk. D1/4/17), und da er selber zugab,
sich an besagtem Datum in Luzern aufgehalten zu haben, hierfür jedoch keine
glaubhafte Begründung liefern konnte (Urk. D1/7/1/5 F/A 143 ff.), davon aus, dass
er an besagtem Datum in der Region Luzern mindestens 220 Gramm Kokainge-
misch und 200 Gramm Heroingemisch an eine unbekannte Person übergeben
und dafür mindestens Fr. 10'000.– entgegengenommen hat (Urk. 60 S. 24 ff.).
- 23 -
Diese Erwägungen sind überzeugend und es kann ohne Weiteres darauf verwie-
sen werden.
2.8.3. Die Vorinstanz geht weiter aufgrund der beim Beschuldigten sichergestell-
ten Liste (Urk. D1/4/1 S. 4), dem Umstand, dass sich sein Mobiltelefon – und so-
mit mutmasslich auch er – gemäss rückwirkender Teilnehmeridentifikation am
27. April 2019 um ca. 11:30 Uhr zwischen U._ und V._ aufgehalten und
sich danach naheliegenderweise via Luzern nach W._ begeben hat, auch
wenn sein Mobiltelefon sich nicht direkt in einer Antenne in Luzern eingeloggt hat
(Urk. D1/4/18), und da er selber zugab, sich an besagtem Datum in Luzern auf-
gehalten zu haben, hierfür jedoch keine glaubhafte Erklärung liefern konnte
(Urk. D1/7/1/5 F/A 143 ff.), davon aus, dass er an besagtem Datum in der Region
Luzern mindestens 200 Gramm Heroingemisch an eine unbekannte Person
übergeben und dafür mindestens Fr. 14'400.– entgegengenommen hat (Urk. 60
S. 24 ff.). Auch diese Erwägungen sind mit der Präzisierung, dass der Aufenthalt
des Mobiltelefons BQ Aquaris X im Raum Luzern nachgewiesen werden kann
(Urk. D1/4/18), zutreffend und es kann grundsätzlich darauf verwiesen werden.
Dem Einwand der Verteidigung, das Mobiltelefon des Beschuldigten sei an be-
sagtem Datum nicht in Luzern geortet worden (Urk. 38 S. 11; Urk. 99 S. 11), ist zu
entgegnen, dass der einzige einigermassen nachvollziehbare Fahrtweg zwischen
U._ und W._, an welchen das Mobiltelefon BQ Aquaris X jeweils mit ei-
ner Mobilfunkantenne verbunden wurde (Urk. D1/6/20 S. 9 f.), über die A2 und die
A8 und somit durch Luzern führt. Aufgrund der zeitlichen Umstände war es dem
Beschuldigten zudem ohne weiteres möglich, in Luzern oder Umgebung einen
kurzen Zwischenstopp einzulegen.
2.8.4. Dass sich diese beiden Übergaben so zugetragen haben, wird – mit der
Vorinstanz (Urk. 60 S. 25) – auch durch einen Chatverlauf mit einem AA._
vom 27. April 2019 bestätigt, in welchem der Beschuldigte AA._ mitteilte,
dass er "[...] beim Golf [...] 24400" habe (Urk. D1/6/14 N 54 ff. und N 101 ff.), wo-
bei es sich bei der Zahl "24400" genau um die vom Beschuldigten entgegenge-
nommene Summe für die Betäubungsmittelübergaben handelt. Dass es sich hier-
bei, wie vom Beschuldigten vorgebracht, um Gespräche betreffend Autohandel
- 24 -
gehandelt habe, kann aufgrund des Inhalts der Nachrichten ausgeschlossen wer-
den. Viel zutreffender ist der Schluss der Vorinstanz, dass der Beschuldigte die
entgegengenommene Summe an Bargeld für Betäubungsmittelübergaben in
AB._, wo AA._ gemäss Aussagen des Beschuldigten wohne
(Urk. D1/7/1/2 F/A 40), auf seinem Weg von W._ nach Bern bei diesem
(vgl. Urk. D1/4/18) deponiert hat.
2.9. Weitere Auslieferungen "luzer" vom 14., 18. und 20. April 2019 sowie
1. und 5. Mai 2019
2.9.1. Für den genauen Anklagevorwurf betreffend die Übergaben vom 14., 18.
und 20. April 2019 sowie vom 1. und 5. Mai 2019 im Zusammenhang mit der Liste
"luzer" wird auf die Erwägungen der Vorinstanz und die Anklageschrift verwiesen
(Urk. 60 S. 27 f.; Urk. 25 S. 3 ff.).
2.9.2. Die Vorinstanz geht unter anderem aufgrund der beim Beschuldigten si-
chergestellten Liste (Urk. D1/4/1 S. 4) und dem Umstand, dass sich sein Mobilte-
lefon
– und somit mutmasslich auch er – gemäss rückwirkender Teilnehmeridentifikati-
on am 14. April 2019 gegen Mittag in Luzern aufgehalten hat (Urk. D1/4/9), davon
aus, dass er an besagtem Datum in der Region Luzern mindestens 200 Gramm
Heroingemisch und 200 Gramm Kokaingemisch übergeben und dafür mindestens
Fr. 5'500.– entgegengenommen hat. Zudem habe er zu diesem Zeitpunkt an eine
Telefonnummer, welche auf AC._ eingelöst war, eine Nachricht geschrieben
hat, dass er in 5 min da sei (Urk. D/1/7/1/5 F/A 128 f.) und habe sich nur sehr kurz
in Luzern aufgehalten, wobei er für seinen kurzen Aufenthalt keine glaubhafte Er-
klärung vorbringen konnte (Urk. D1/7/1/5 F/A 128 f.; Urk. 60 S. 28 f.). Diese Er-
wägungen sind wiederum überzeugend und es kann darauf verwiesen werden.
2.9.3. Die Vorinstanz geht ferner aufgrund der beim Beschuldigten sichergestell-
ten Liste (Urk. D1/4/1 S. 4), dem Umstand, dass sich sein Mobiltelefon – und so-
mit mutmasslich auch er – gemäss rückwirkender Teilnehmeridentifikation am
18. April 2019 gegen 12:37 Uhr in Luzern aufgehalten hat (Urk. D1/4/11), da er zu
diesem Zeitpunkt erneut die Telefonnummer, welche auf AC._ eingelöst war,
- 25 -
anrief (Urk. D/1/7/1/5 F/A 141), da er sich sodann erneut nur sehr kurz in Luzern
aufgehalten hat und da er für seinen kurzen Aufenthalt keine glaubhafte Begrün-
dung vorbringen konnte, davon aus, dass er an besagtem Datum in der Region
Luzern mindestens 100 Gramm Kokaingemisch übergeben und dafür mindestens
Fr. 4'500.– entgegengenommen hat (Urk. 60 S. 29). Diese Erwägungen sind ein-
mal mehr überzeugend und es kann ohne Weiteres darauf verwiesen werden.
2.9.4. Die Vorinstanz geht aufgrund der beim Beschuldigten sichergestellten Liste
(Urk. D1/4/1 S. 4), dem Umstand, dass er am 20. April 2019 auf dem Weg von
Zug nach Bern Luzern durchqueren musste (Urk. D1/4/14 und Urk. D1/4/15), da
er an besagtem Tag erneut mit AA._ telefonierte und diesem eine
WhatsApp-Nachricht mit dem Inhalt "11.5" sandte (Urk. D1/6/14 N 37), wobei die
Vorinstanz davon ausgeht, dass es sich hierbei um die entgegengenommene
Geldsumme gemäss der Liste (Fr. 11'250.–; Urk. D1/4/1 S. 4) handelt, und da der
Beschuldigte seinen Aufenthalt in Luzern insbesondere auch nicht abstritt
(Urk. 1/7/1/5 F/A 148 ff.), davon aus, dass er an besagtem Datum in der Region
Luzern mindestens 200 Gramm Kokaingemisch an eine unbekannte Person
übergeben und dafür Fr. 11'250.– entgegengenommen hat (Urk. 60 S. 29 f.). Die
Verteidigung bringt dagegen vor, dass das Mobiltelefon des Beschuldigten am
besagten Tag nicht in Luzern geortet worden sei, weshalb keine rechtsgenügli-
chen Beweise für diesen Anklagesachverhalt vorhanden seien (Urk. 38 S. 11;
Urk. 99 S. 10). Das Mobiltelefon des Beschuldigten verband sich am
20. April 2019 um 11:29:59 Uhr mit einer Mobilfunkantenne beim Autobahnrestau-
rant AD._, um 13:34:45 Uhr mit einer Mobilfunkantenne an der AE._-
strasse ... in AF._ und um 15:07:08 Uhr mit einer Mobilfunkantenne auf dem
AG._-berg in AH._ bei AB._ (Urk. 1/6/20 S. 7). Es ist gerichtsnoto-
risch, dass sowohl bei einer Fahrt von AD._ nach AF._ als auch bei ei-
ner Fahrt von AF._ nach AH._ die schnellste Route jeweils durch Lu-
zern führt; ersteres über die A2 und die A14, letzteres erneut über die A14, A2, A1
und schliesslich über die A6. Der Beschuldigte hatte somit nicht nur eine, sondern
gleich zwei Möglichkeiten, in Luzern einen Zwischenhalt zu machen, wobei auf-
grund der zeitlichen Abstände eher davon auszugehen ist, dass eine Betäu-
bungsmittelübergabe auf der ersten Fahrt von AD'._ nach AF._ erfolgt
- 26 -
sein wird. Es besteht jedoch aufgrund der akribischen Buchhaltung des Beschul-
digten, mit welcher er über seinen Betäubungsmittelübergaben Buch führte, kein
rechtsrelevanter Zweifel daran, dass er auch am 20. April 2019 in Luzern eine
Übergabe vornahm. Die vorinstanzlichen Erwägungen sind insgesamt überzeu-
gend und es kann mit den getätigten Präzisierungen darauf verwiesen werden.
2.9.5. Die Vorinstanz geht aufgrund der beim Beschuldigten sichergestellten Liste
(Urk. D1/4/1 S. 4), dem Umstand, dass sich das Mobiltelefon BQ Aquaris X – und
somit mutmasslich auch er – am 1. Mai 2019 in AI._ LU aufgehalten hat
(Urk. D1/4/22), da mit dem Mobiltelefon des Beschuldigten an besagtem Tag
zwischen 11:28 Uhr und 11:45 Uhr Bilder in Luzern aufgenommen wurden
(Urk. D1/4/4), und da er an besagtem Tag von H._ eine SMS-Nachricht mit
einer Adresse in Luzern zugeschickt erhielt, woraufhin die beiden rund
30 Minuten miteinander telefonierten (Urk. D1/6/10 S. 2 und Urk. D1/4/28), davon
aus, dass er an besagtem Datum in der Region Luzern mindestens 200 Gramm
Kokaingemisch an eine unbekannte Person übergeben und dafür mindestens
Fr. 12'000.– entgegengenommen hat (Urk. 60 S. 31 f.). Auch diese Erwägungen
sind überzeugend und es kann ohne Weiteres darauf verwiesen werden.
2.9.6. Die Vorinstanz geht aufgrund der beim Beschuldigten sichergestellten Liste
(Urk. D1/4/1 S. 4), dem Umstand, dass sich sein Mobiltelefon – und somit mut-
masslich auch er – am 5. Mai 2019 um 23:03 Uhr in AI._ LU aufgehalten hat
(Urk. D1/4/23), aufgrund der bereits vorangehenden Übergaben und der Tatsa-
che, dass sich das Mobiltelefon wiederum an einem in der Liste "luzer" genannten
Datum in der Region Luzern eingeloggt hat, davon aus, dass er an besagtem Da-
tum in der Region Luzern mindestens 100 Gramm Kokaingemisch an eine unbe-
kannte Person übergeben und dafür mindestens Fr. 8'000.– entgegengenommen
hat (Urk. 60 S. 32). Auch betreffend diesen Anklagevorwurf sind die vorinstanz-
lichen Erwägungen überzeugend und es kann mit den nachfolgenden Ergänzun-
gen darauf verwiesen werden. Der Einwand der Verteidigung, das Mobiltelefon
des Beschuldigten sei am 5. Mai 2019 nicht in Luzern geortet worden, (Urk. 38
S. 12; Urk. 99 S. 12) wird durch die rückwirkende Teilnehmeridentifikation wider-
legt: Dieses wurde am 5. Mai 2019 um 23:03:11 Uhr mit einer Mobilfunkantenne
- 27 -
an der AJ._-strasse in AI._ LU verbunden, wobei es sich bei AI._
um einen Vorort von Luzern handelt (Urk. D1/4/23 S. 2).
2.10. Auslieferungen "gjenev fjeraku" vom 17. und 27. April 2019
2.10.1. Für den genauen Anklagevorwurf betreffend die Übergaben vom 17. und
27. April 2019 im Zusammenhang mit der Liste "gjenev fjeraku" wird auf die Er-
wägungen der Vorinstanz und die Anklageschrift verwiesen (Urk. 60 S. 32;
Urk. 25 S. 3 ff.).
2.10.2. Die Vorinstanz geht aufgrund der beim Beschuldigten sichergestellten Lis-
te (Urk. D1/4/1 S. 12), dem Umstand, dass sich sein Mobiltelefon – und somit
mutmasslich auch er – am Mittag des 17. April 2019 in AK._ bei Genf aufge-
halten hat (Urk. D1/4/10), und da die Aussage des Beschuldigten, er habe seinen
Freund, der ihm das Fahrzeug jeweils ausgeliehen habe, wegen einer Verabre-
dung oder betreffend das Fahrzeug von dort aus angerufen (Urk. D1/7/1/5
F/A 109 ff.), was gemäss Vorinstanz im Widerspruch zu seiner früheren Aussage
stehe, dass er das Fahrzeug jeweils abgeholt und eigenständig wieder zurückge-
bracht habe (Urk. D1/7/1/3 F. 26; Urk. D1/7/1/8 F. 9 ff.), davon aus, dass er an
besagtem Datum in der Region Genf mindestens 1'000 Gramm Heroingemisch an
eine unbekannte Person übergeben und dafür mindestens Fr. 10'310.– und
EUR 2'810.– entgegengenommen hat (Urk. 60 S. 32 f.). Auch diese Erwägungen
sind überzeugend und es kann ohne Weiteres darauf verwiesen werden.
2.10.3. Die Vorinstanz geht aufgrund der beim Beschuldigten sichergestellten Lis-
te (Urk. D1/4/1 S. 12), dem Umstand, dass sich sein Mobiltelefon – und somit
mutmasslich auch er – am 27. April 2019 um 18:14 Uhr in Genf aufgehalten hat
(Urk. D1/4/19), da er an diesem Tag innert zehn Stunden eine Strecke zurückge-
legt hat, für welche er eine Fahrzeit von mindestens 7 Stunden gebraucht hätte,
ohne hierfür eine glaubhafte Erklärung zu haben (Urk. D1/4/19), da der Beschul-
digte erneut einen Umweg über AB._ fuhr und erneut mit AA._ Kontakt
hatte und diesem schrieb "Freud, ich bin hier. Werde sie kurz zählen und lasse sie
dort", und da der Beschuldigte an diesem Abend nach AL._ zurückkehrte
und um 00:45 Uhr des 28. April 2019 das Foto der Übersichtsliste "gjenev fjeraku"
- 28 -
machte (Urk. D1/4/5 S. 12), davon aus, dass er an besagtem Datum in der Regi-
on Genf mindestens 1'000 Gramm Heroingemisch an eine unbekannte Person
übergeben und dafür mindestens Fr. 10'000.– und EUR 2'700.– entgegenge-
nommen hat (Urk. 60 S. 32 f. und S. 34 f.). Diese Erwägungen sind wiederrum
überzeugend und es kann darauf verwiesen werden.
2.10.4. Die Verteidigung macht betreffend beide Übergaben geltend, dass auf die
interpretierenden Mutmassungen der Untersuchungsbehörde nicht abgestellt
werden könne. So sei dem Beschuldigten in der polizeilichen Einvernahme vom
3. Oktober 2019 noch vorgehalten worden, dass er jeweils zwei mal 500 Gramm
Kokaingemisch und einmal 1'000 Gramm Heroingemisch übergeben haben solle,
während im weiteren Verlauf der Einvernahme dann je von 1'000 Gramm Heroin-
gemisch die Rede gewesen sei (Urk. 38 S. 13; Urk. 99 S. 13; Urk. D1/7/1/5
F/A 101). Zur Anklage gebracht wurden von der Staatsanwaltschaft für beide
Übergaben je 1'000 Gramm Heroingemisch (Urk. 25 S. 4 f.). Die abfotografiere
Liste spricht sodann für die Übergabe vom 17. April 2019 von "500 tkuqec" und
"500 tkuqe" und für die Übergabe vom 27. April 2019 von "1000 kuqe"
(Urk. D1/4/1 S. 12). Wie bereits erwogen, bedeutet das albanische Wort "kuqe"
auf Deutsch "rot" und ist als Codewort für Heroin zu verstehen. Der Anklagesach-
verhalt lässt sich daher mühelos mit dem Untersuchungsergebnis in Einklang
bringen. Dass eine einvernehmende Person in Anbetracht der grossen Anzahl
Übergaben kurzzeitig die Betäubungsmittelmengen verwechselt hat, ändert daran
nichts.
2.11. Auslieferungen "genev nipi" vom 18. und 27. April 2019
2.11.1. Für den genauen Anklagevorwurf betreffend die Übergaben vom 18. und
27. April 2019 im Zusammenhang mit der Liste "genev nipi" wird auf die Er-
wägungen der Vorinstanz und die Anklageschrift verwiesen (Urk. 60 S. 35;
Urk. 25 S. 3 ff.).
2.11.2. Die Vorinstanz geht aufgrund der beim Beschuldigten sichergestellten Lis-
te (Urk. D1/4/1 S. 7) davon aus, dass er am 18. April 2019 in der Region Genf ei-
ner unbekannten Person eine unbekannte Menge Heroingemisch ("2shufra kuqe")
- 29 -
übergeben und dafür mindestens Fr. 10'700.– entgegengenommen hat. Man kön-
ne für dieses Datum den Aufenthalt seines Mobiltelefons – und somit mutmasslich
auch von ihm – um 15:29 Uhr in AM._/VD und um 19:07 Uhr im nahegelege-
nen AN._/FR nachweisen (Urk. D1/4/12). Ob der Beschuldigte an diesem
Tag am AO._-see geblieben oder die Strecke bis nach Genf gefahren und
wieder zurückgekehrt sei, sei jedoch unklar. Aufgrund des dargelegten Gesamt-
bildes und der diversen Indizien, welche für die Tätigkeit des Beschuldigten im
Betäubungsmittelhandel sprechen, sah die Vorinstanz den Anklagesachverhalt in
diesem Punkt ebenfalls als erstellt an (Urk. 60 S. 32 f. und S. 35 f.). Dem ist mit
den folgenden Ergänzungen beizupflichten: Der Beschuldigte führte über seine
Betäubungsmittelgeschäfte genau Buch. So decken sich insbesondere auch von
ihm notierte Beträge mit den Beträgen, welche er teilweise AA._ via
WhatsApp-Nachrichten mitgeteilt hat (vgl. E. II.2.8.4.). Dass er in diesem Fall die
genaue Menge der übergebenen Betäubungsmittel nicht auflistete, sondern eine
nicht genauer bekannte Mengenangabe ("Shufra") anfügte, tut dem – entgegen
der Verteidigung (Urk. 38 S. 13; Urk. 99 S. 14) – keinen Abbruch, zumal es für ihn
und seine Auftraggeber grossmehrheitlich um das erlangte Entgelt gegangen sein
wird. Dieses ist jedoch auch für diese Übergabe detailliert festgehalten. Es be-
steht nicht der geringste Anlass dazu, an der sonst zutreffenden Aufstellung des
Beschuldigten vorliegend zu zweifeln.
2.11.3. Die Vorinstanz geht aufgrund der beim Beschuldigten sichergestellten Lis-
te (Urk. D1/4/1 S. 7) dem Umstand, dass sich sein Mobiltelefon – und somit mut-
masslich auch er – am 27. April 2019 um 18:14 Uhr in Genf aufgehalten hat
(Urk. D1/4/19), und aufgrund seiner Konversation mit AA._ vom selben Tag
und vom 1. Mai 2019 (Urk. D1/6/14 N 71 ff.), davon aus, dass er 27. April 2019 in
der Region Genf eine unbekannte Menge Betäubungsmittel an eine unbekannte
Person übergeben und dafür mindestens Fr. 25'000.– entgegengenommen hat.
So ergäben sich insbesondere aus der Konversation mit AA._ derart
schwerwiegende Hinweise, zumal der Beschuldigte diesem auf dessen Frage
"Wieviel hast du gestern Abend gebracht" mit: "35 Franken und 2700 Euro" ge-
antwortet und ihm sodann am 1. Mai 2019 erneut eine Nachricht mit dem Inhalt
"24400 der Golf und 35000 (2700 Euro) das Haus" geschrieben habe (Urk.
- 30 -
D1/6/14 N 71 ff.). Setze man diese Mitteilungen den Übersichtsnotizen und den
Standorten des Beschuldigten gegenüber, sei klarerweise davon auszugehen,
dass der Beschuldigte am 27. April 2019 nebst den Fr. 10'000.– und EUR 2'700.–
von "gjenev fjeraku" (vgl. E. II.2.10.), zusätzlich Fr. 25'000.– von "genev nipi" er-
halten und dieses Geld bei seinem Bekannten AA._ in AB._ deponiert
habe (Urk. 60 S. 36 f.). Diese ausführlichen Erwägungen sind auch betreffend
diesen Anklagevorwurf überzeugend und es kann darauf verwiesen werden.
2.12. Auslieferung "lugano ambri" vom 19. April 2019
2.12.1. Für den genauen Anklagevorwurf betreffend die Übergabe vom 19. April
2019 im Zusammenhang mit der Liste "lugano ambri" wird auf die Erwägungen
der Vorinstanz und die Anklageschrift verwiesen (Urk. 60 S. 37; Urk. 25 S. 3 ff.).
2.12.2. Die Vorinstanz geht aufgrund der beim Beschuldigten sichergestellten Lis-
te (Urk. D1/4/1 S. 9), und dem Umstand, dass sich sein Mobiltelefon – und somit
mutmasslich auch er – am 19. April 2019 in der Gotthard-Region aufgehalten hat
(Urk. D1/4/13), davon aus, dass er an besagtem Datum in der Region Tessin
mindestens 200 Gramm Kokaingemisch an eine unbekannte Person übergeben
und dafür mindestens Fr. 6'750.– entgegengenommen hat (Urk. 60 S. 37 f.).
Obschon dem Beschuldigten – mit der Verteidigung (Urk. 38 S. 14; Urk. 99 S. 15)
– der exakte Aufenthalt im Kanton Tessin nicht nachgewiesen werden kann, be-
steht auch bei dieser Übergabe kein Grund an der von ihm detailliert vorgenom-
menen Aufstellung zu zweifeln. Die vorinstanzlichen Erwägungen sind somit wie-
derrum überzeugend und es kann darauf verwiesen werden.
2.13. Auslieferung "B._" vom 19. April 2019
2.13.1. Für den genauen Anklagevorwurf betreffend die Übergabe vom 19. April
2019 im Zusammenhang mit der Liste "B._" wird auf die Erwägungen der
Vorinstanz und die Anklageschrift verwiesen (Urk. 60 S. 38 f.; Urk. 25 S. 3 ff.).
2.13.2. Die Vorinstanz geht aufgrund der beim Beschuldigten sichergestellten Lis-
tenübersicht (Urk. D1/4/1 S. 11), dem Umstand, dass sich sein Mobiltelefon – und
somit mutmasslich auch er – am 19. April 2019 in der Gotthard-Region aufgehal-
- 31 -
ten hat (Urk. D1/4/13), und aufgrund sämtlicher weiterer Indizien davon aus, dass
er an besagtem Datum in der Region Tessin eine unbekannte Menge
Betäubungsmittel an eine unbekannte Person übergeben und dafür mindestens
Fr. 3'000.– entgegengenommen hat (Urk. 60 S. 38 f.). Obschon dem Beschuldig-
ten der exakte Aufenthalt im Kanton Tessin nicht nachgewiesen werden kann, be-
steht auch bei dieser Übergabe kein Grund an der von ihm detailliert vorgenom-
menen Aufstellung zu zweifeln. Die vorinstanzlichen Erwägungen sind ein weite-
res Mal überzeugend und es kann darauf verwiesen werden.
2.14. Auslieferung "lixern zug" vom 20. April 2019
2.14.1. Für den genauen Anklagevorwurf betreffend die Übergabe vom 20. April
2019 im Zusammenhang mit der Liste "lixern zug" wird auf die Erwägungen der
Vorinstanz und die Anklageschrift verwiesen (Urk. 60 S. 39; Urk. 25 S. 3 ff.).
2.14.2. Die Vorinstanz geht aufgrund der beim Beschuldigten sichergestellten Lis-
te (Urk. D1/4/1 S. 8), dem Umstand, dass sich sein Mobiltelefon – und somit
mutmasslich auch er – am 20. April 2019 um 13:34 Uhr in AF._/ZG aufgehal-
ten hat (Urk. D1/4/14), da der Beschuldigte überdies erneut mit AA._, der be-
reits bei zahlreichen weiteren Übergaben involviert war, Kontakt aufnahm
(Urk. D1/6/14 N 37 f.), und da der Beschuldigte anschliessend erneut von
AF._/ZG nach AB._ fuhr, gemäss Vermutung der Vorinstanz erneut, um
das erhaltene Entgelt bei AA._ in AB._ zu deponieren, davon aus, dass
er an besagtem Datum in der Region Zug mindestens 50 Gramm Kokaingemisch
an eine unbekannte Person übergeben und dafür mindestens Fr. 2'400.– entge-
gengenommen hat (Urk. 60 S. 39 f.). Die Verteidigung moniert bei diesem Ankla-
gevorwurf, dass sich der Aufenthalt des Mobiltelefons des Beschuldigten lediglich
in AF._ und nicht in Zug nachweisen lasse (Urk. 38 S. 15; Urk. 99 S. 16 f.).
Es ist nicht ersichtlich, was die Verteidigung hieraus zugunsten des Beschuldigten
ableiten möchte, zumal eine Drogenübergabe im "Raum Zug", zu welchem die
Gemeinde AF._ zweifelsohne zählt, zur Anklage gebracht wurde. Der Ankla-
gesachverhalt lässt sich auch betreffend diesen Vorwurf gemäss den überzeu-
genden vorinstanzlichen Erwägungen erstellen, weshalb mit den gemachten Prä-
zisierungen darauf verwiesen werden kann.
- 32 -
2.15. Auslieferung "lek te vjetra" vom 24. April 2019
2.15.1. Für den genauen Anklagevorwurf betreffend die Übergabe vom 24. April
2019 im Zusammenhang mit der Liste "lek te vjetra" wird auf die Erwägungen der
Vorinstanz und die Anklageschrift verwiesen (Urk. 60 S. 40 f.; Urk. 25 S. 3 ff.).
2.15.2. Die Vorinstanz geht aufgrund der beim Beschuldigten sichergestellten
Listenübersicht (Urk. D1/4/1 S. 11) davon aus, dass er am 24. April 2019 an einer
nicht näher bekannten Örtlichkeit mindestens 150 Gramm Kokaingemisch an eine
unbekannte Person übergeben und dafür mindestens Fr. 6'900.– entgegenge-
nommen hat (Urk. 60 S. 40 f.). Unter Verweis auf das Gesagte besteht auch bei
dieser notierten Betäubungsmittelübergabe kein Grund an der detaillierten Auf-
stellung des Beschuldigten zu zweifeln, zumal diese sich anderweitig auch mit
gemäss Mitteilungen an Drittpersonen überbrachten Geldmengen exakt decken.
Mit der Vorinstanz ist daher davon auszugehen, dass sich der Anklagesachverhalt
betreffend "lek te vjetra" wie in der Anklage umschrieben zugetragen hat.
2.16. Auslieferung "zurich/AP._" vom 25. April 2019
2.16.1. Für den genauen Anklagevorwurf betreffend die Übergabe vom 25. April
2019 im Zusammenhang mit der Liste "zurich/AP._" wird auf die Erwägun-
gen der Vorinstanz und die Anklageschrift verwiesen (Urk. 60 S. 41; Urk. 25 S. 3
ff.).
2.16.2. Die Vorinstanz geht aufgrund der beim Beschuldigten sichergestellten
Listenübersicht (Urk. D1/4/1 S. 11), dem Umstand, dass das sich sein Mobiltele-
fon – und somit mutmasslich auch er – am 25. April 2019 um 17:34 Uhr in Zürich
aufgehalten hat (Urk. D1/4/17), und da das Foto der Listenübersicht am
25. April 2019 um 18:34 Uhr in AP._/SG gemacht wurde (Urk. D1/4/5 S. 11,
Koordinaten "1, 2"), davon aus, dass er am 25. April 2019 vermutlich im Raum
Zürich 500 Gramm Heroingemisch an eine unbekannte Person übergeben und
dafür einen unbekannten Geldbetrag entgegengenommen hat (Urk. 60 S. 41 ff.).
Diese Erwägungen sind mit der Präzisierung, dass der Aufenthalt des Mobiltele-
- 33 -
fons BQ Aquaris X in Zürich nachgewiesen werden kann (Urk. D1/4/17), überzeu-
gend und es kann ohne Weiteres darauf verwiesen werden.
2.17. Auslieferung "D._" vom 28. April 2019
2.17.1. Für den genauen Anklagevorwurf betreffend die Übergabe vom 28. April
2019 im Zusammenhang mit der Liste "D._" wird auf die Erwägungen der
Vorinstanz und die Anklageschrift verwiesen (Urk. 60 S. 43; Urk. 25 S. 3 ff.).
2.17.2. Die Vorinstanz geht aufgrund der beim Beschuldigten sichergestellten Lis-
tenübersicht (Urk. D1/4/1 S. 6) davon aus, dass er am 28. April 2019 in der Regi-
on E._ mindestens 200 Gramm Kokaingemisch an eine unbekannte Person
übergeben und dafür einen unbekannten Geldbetrag entgegengenommen hat
(Urk. 60 S. 43 f.). Zwar sind auch für diese Übergabe keine weiteren Ermittlungs-
hinweise vorhanden. Unter Verweis auf das Gesagte und auf den Umstand, dass
der Beschuldigte während seiner Zeit in der Schweiz gemäss eigener Aussagen
und den Daten der rückwirkenden Teilnehmeridentifikation grossmehrheitlich in
AL._/SO nächtigte, besteht auch bei dieser notierten Betäubungsmittelüber-
gabe kein Grund an der detaillierten Aufstellung des Beschuldigten zu zweifeln,
zumal diese sich anderweitig auch mit gemäss Mitteilungen an Drittpersonen
überbrachten Geldmengen exakt decken. Mit der Vorinstanz ist daher davon
auszugehen, dass sich der Anklagesachverhalt betreffend "D._" wie in der
Anklage umschrieben zugetragen hat.
2.18. Auslieferung "AQ._" vom 30. April 2019
2.18.1. Für den genauen Anklagevorwurf betreffend die Übergabe vom 30. April
2019 im Zusammenhang mit der Liste "AQ._" wird auf die Erwägungen der
Vorinstanz und die Anklageschrift verwiesen (Urk. 60 S. 44; Urk. 25 S. 3 ff.).
2.18.2. Die Vorinstanz geht aufgrund der beim Beschuldigten sichergestellten Lis-
tenübersicht (Urk. D1/4/1 S. 5) davon aus, dass er am 30. April 2019 in der Regi-
on Genf bzw. AR._ mindestens 800 Gramm Kokaingemisch an eine unbe-
kannte Person übergeben und dafür einen grösseren Geldbetrag in Euro entge-
gengenommen hat (Urk. 60 S. 44 f.). Bei dieser Übergabe lassen sich – mit der
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Verteidigung (Urk. 38 S. 17; Urk. 99 S. 19) – der genaue Übergabeort nicht fest-
halten, zumal der Titel der Liste keinen entsprechenden wiedererkennbaren Na-
men trägt. Es ist jedoch aufgrund der rückwirkenden Teilnehmeridentifikation er-
wiesen, dass sich die beiden Mobiltelefone des Beschuldigten – und somit mut-
masslich auch er – am 30. April 2019 um 16:09 Uhr in AS._ bei Bern, danach
in Genf und später im Ausland aufhielten. Erst um 21:29 Uhr bzw. 21:36 Uhr
wählte sich das Mobiltelefon Apple iPhone 7+ bzw. das Mobiltelefon BQ Aquaris
X wieder in das Schweizer Netz ein (Urk. D1/4/21). Aufgrund der weiteren Bewe-
gungen der Mobiltelefone des Beschuldigten ist erkennbar, dass er sich nicht län-
ger an einem Ort aufhielt, sondern nach dem Aufenthalt im Ausland nach
AR._ fuhr und von dort aus in die Region Bern und später nach AL._ zu-
rückkehrte (Urk. D1/4/21). Auch wenn der genaue Übergabeort nicht genau fest-
gehalten werden kann, so besteht auch bei dieser notierten Betäubungsmittel-
übergabe aufgrund sämtlicher gewonnener Indizien kein Grund an der detaillier-
ten Aufstellung des Beschuldigten zu zweifeln, zumal diese sich anderweitig auch
mit gemäss Mitteilungen an Drittpersonen überbrachten Geldmengen exakt de-
cken. Mit der Vorinstanz ist daher davon auszugehen, dass sich der Anklagesa-
chverhalt betreffend "AQ._" wie in der Anklage umschrieben zugetragen hat.
2.19. Fazit
Aufgrund der enormen Fülle an Indizien, welche ein überaus klares Bild der Tätig-
keit des Beschuldigten als geschäftigen – und detailorientierten – Betäubungs-
mittelhändler zeichnen (Sicherstellung von Drogen und Bargeld in drogenhan-
delsüblicher Stückelung, Unstimmigkeiten betreffend sichergestelltes Bargeld oh-
ne Nachweis einer Einkommensquelle in der Schweiz, Sicherstellung von Bildern
mit eindeutig betäubungsmittelbezogenen Inhalten, eindeutige Konversationen mit
H._ und AA._, Übereinstimmung von Listen mit Geldbeträgen und Orts-
namen gemäss Teilnehmeridentifikation, Frequenz an Reisen versus Dauer des
Verbleibs, etc.) verbleibt kein rechtsrelevanter Zweifel daran, dass der Beschul-
digte die ihm vorgeworfenen Betäubungsmittelübergaben getätigt und sich in der
Schweiz im grossen Stil am Betäubungsmittelhandel betätigt hat. Es ist der Vor-
instanz daher zuzustimmen, wenn sie erwägt, dass bei dieser Fülle an Indizien
- 35 -
ein – unglaubhaftes – Abstreiten seitens des Beschuldigten für die Abwendung
einer Verurteilung nicht ausreichen kann. Mit der Vorinstanz ist daher davon aus-
zugehen, dass sich der Anklagesachverhalt gemäss Anklageziffer 1.1.2. vollum-
fänglich erstellen lässt.
3. Rechtliche Würdigung
Betreffend die Qualifikation der vom Beschuldigten getätigten Drogenübergaben
als mehrfache qualifizierte Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz
im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und lit. d in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a
BetmG kann vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz ver-
wiesen werden (Urk. 60 S. 46 ff.). Die Verteidigung hat die rechtliche Würdigung
der Anklagebehörde im Hauptverfahren ebenso wenig kritisiert (Urk. 38), wie
diejenige der Vorinstanz im Berufungsverfahren (Urk. 99). Der Beschuldigte ist
entsprechend schuldig zu sprechen.
C. Grobe Verletzung der Verkehrsregeln (Dossier 2)
1. Sachverhaltserstellung
1.1. Die Vorinstanz hat den Anklagevorwurf, die relevanten Aussagen des
Beschuldigten sowie die vorhandenen Beweismittel korrekt aufgelistet und wie-
dergegeben, weshalb an dieser Stelle darauf und die Anklageschrift verwiesen
werden kann (Urk. 60 S. 50 f.; Urk. 25 S. 6).
1.2. Auch auf die weiteren zutreffenden und sorgfältigen Erwägungen der
Vorinstanz kann ohne Weiteres verwiesen werden (Urk. 60 S. 51 ff.). Zusammen-
fassend lediglich Folgendes: Auch wenn der Beschuldigte stets gleichbleibende
Aussagen hierzu machte, so steht aufgrund des auf seinem Mobiltelefon gefun-
denen Videos und den weiteren Ermittlungen hierzu ausser Frage, dass der
Beschuldigte die auf dem Video mit dem Dateinamen "IMG_0198.MOV" filmisch
dokumentierte Fahrt am 7. April 2019 gegen Mitternacht auf der Autobahn A5 bei
AT._ / SO unternommen und dabei das Fahrzeug gelenkt hat. Bereits die
Position und der Winkel des aufnehmenden Geräts indiziert gravierend, dass der
Fahrer selbst die Aufnahme gemacht hat. Dass jemand anderes das Fahrzeug
- 36 -
gelenkt haben soll, kann sodann aufgrund des Umstands, dass auf keiner der sich
in den Akten auffindbaren Videos und insbesondere auch nicht auf dem Video mit
dem Dateinamen "IMG_0198.MOV" auch nur ein einziges Wort gesprochen wird
(Urk. D2/11), eigentlich ausgeschlossen werden, zumal insbesondere bei einer
derart heftigen Beschleunigung zumindest die geringste Reaktion von Beifahrern
zu erwarten wäre. Auch sonst enthalten die Videodateien keinen Hinweis darauf,
dass weitere Personen sich im Fahrzeug aufgehalten haben sollen. Aufgrund der
Metadaten der Datei lässt sich sodann auch ohne Weiteres erstellen, dass das
Video an besagtem Zeitpunkt an besagtem Ort (47°11'30.1'' N 7°29'28.3'' O;
Urk. D2/9) aufgenommen wurde. Der Anklagesachverhalt gemäss Dossier 2 kann
mithin vollumfänglich erstellt werden. Es verbleiben keine relevanten Zweifel da-
ran, dass der Beschuldigte nicht nur das Aufnahmegerät bedient, sondern – und
entscheidender – auch den Wagen gelenkt hat.
2. Rechtliche Würdigung
2.1. Auch betreffend die zutreffende rechtliche Würdigung in Bezug auf den
Anklagesachverhalt gemäss Dossier 2 kann vollumfänglich auf die vorinstanzli-
chen Erwägungen verwiesen werden (Urk. 60 S. 53 ff.). Diese wird durch die Ver-
teidigung im Berufungsverfahren auch nicht kritisiert (Urk. 99). Der Beschuldigte
ist diesbezüglich der vorsätzlichen groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sin-
ne von Art. 90 Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 und Art. 5
VRV sowie Art. 22 Abs. 1 SSV schuldig zu sprechen.
III. Sanktion
1. Die Vorinstanz hat in ihrem Urteil einleitend zutreffende theoretische Aus-
führungen zum Strafrahmen, zur Bildung einer Gesamtstrafe, zur Wahl der Straf-
art sowie zu den Strafzumessungsregeln gemacht (Urk. 60 S. 55 ff.). Darauf kann
zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen werden.
2. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten für die mehrfachen qualifizierten
Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz und für die grobe Verlet-
zung der Verkehrsregeln mit einer Freiheitsstrafe von gesamthaft 7 Jahren be-
- 37 -
straft (Urk. 60 S. 63). Während die Verteidigung aufgrund der beantragten Frei-
sprüche keine Ausführungen zum Strafmass macht (Urk. 99), beantragt die
Staatsanwaltschaft im Berufungsverfahren die Bestrafung des Beschuldigten mit
einer Strafe von 7 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe (Urk. 101).
3. Mehrfache qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz
3.1. Bei der objektiven Tatschwere hielt die Vorinstanz fest, dass der  insgesamt sehr grosse Mengen an Heroingemisch und Kokaingemisch in-
nert einem Zeitraum von lediglich einem Monat übergeben habe. Aufgrund des
durchschnittlichen Reinheitsgrades des sichergestellten Heroins (63%, Urk. 37
S. 16) bzw. aufgrund des durchschnittlichen Reinheitsgrades für Kokain gemäss
Statistik der Schweizerischen Rechtsmedizin (70%; Urk. 37 S. 16) ging sie bei
4'900 Gramm Heroingemisch bzw. bei 2'620 Gramm Kokaingemisch gesamthaft
von drei Kilogramm reinem Heroin bzw. 1.8 Kilogramm reinem Kokain aus. Hier-
bei handle es sich um harte Drogen und er Beschuldigte habe mit deren Ver-
äusserung einen Gewinn von Fr. 143'310.– und EUR 5'704.– realisiert. Er sei klar
Teil einer grösseren Betäubungsmittel-Handel-Organisation gewesen, habe je-
doch lediglich die Stellung eines Läufers und damit eher eine Funktion unterer
Stufe eingenommen, was aus dem Umstand ersichtlich wird, dass er die erlang-
ten Gewinne jeweils an weitere Personen habe abliefern müssen. Trotz seiner tie-
fen Hierarchiestufe habe der Beschuldigte jedoch einen wichtigen Beitrag zum
Funktionieren der Organisation geleistet und habe aufgrund der hohen Frequenz
der Betäubungsmittelübergaben eine hohe kriminelle Energie an den Tag gelegt.
Sie qualifizierte das objektive Tatverschulden des Beschuldigten insgesamt als
erheblich (Urk. 60 S. 59 f.).
3.2. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere hielt die Vorinstanz fest, dass der
Beschuldigte betreffend Drogenhandel allgemein vorsätzlich, betreffend die Men-
ge der Betäubungsmittel immerhin eventualvorsätzlich gehandelt habe. Seine
Entscheidungsfreiheit sei nicht eingeschränkt gewesen und er habe lediglich mit
dem Motiv der schnellen und grossen finanziellen Bereicherung gehandelt. Zuletzt
sei er lediglich in die Schweiz gereist, um sich hier am Betäubungsmittelhandel zu
- 38 -
beteiligen. Insgesamt stufte sie das subjektive Tatverschulden ebenfalls als er-
heblich ein (Urk. 60 S. 60 f.).
3.3. Diese Erwägungen der Vorinstanz sind zutreffend und können übernom-
men werden. Der Beschuldigte stellte zweifellos ein wichtiges Mitglied in einer ar-
beitsteilig organisierten, schwunghaft tätigen Drogenhändlerbande dar. Bei einem
erheblichen Verschulden kann die Einsatzstrafe unter Berücksichtigung des
Strafrahmens von einem bis 20 Jahren Freiheitsstrafe (Art. 19 Abs. 2 BetmG
i.V.m. Art. 40 Abs. 2) jedoch nicht mehr – wie von der Vorinstanz so bemessen –
mit 6 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe im untersten Drittel des Strafrahmens zu liegen
kommen. Vielmehr ist aufgrund des erheblichen Verschuldens, jedoch unter
Berücksichtigung des Umstandes, dass der Beschuldigte meist nur als Kurier tätig
war, eine Einsatzstrafe von 7 Jahren Freiheitsstrafe angemessen. Zu ähnlichen
Ergebnissen führt sodann auch eine Vergleichsrechnung mit den Straf-
zumessungsmodellen nach FINGERHUTH/SCHLEGEL/JUCKER und HANSJAKOB
(THOMAS HANSJAKOB, Strafzumessung in Betäubungsmittelfällen - eine Umfrage
der KSBS, in: ZStrR 1997 S. 233 ff.; FINGERHUTH/SCHLEGEL/JUCKER, Kommentar
BetmG, 3. Aufl. 2016, N 38 zu Art. 47 StGB; vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts
6B_1366/2016 vom 6. Juni 2017, E.4.7.2.).
4. Grobe Verletzung der Verkehrsregeln
4.1. Bezüglich die objektive Tatschwere hielt die Vorinstanz fest, dass der Be-
schuldigte die zugelassene Höchstgeschwindigkeit um 72 km/h überschritten ha-
be und damit knapp unter einer Überschreitung von 80 km/h geblieben sei, für
welche eine Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr vorgesehen sei (Art. 90 Abs. 3
SVG). Er habe gleichzeitig auch noch an seinem Mobiltelefon hantiert, was die
Gefahr für weitere Verkehrsteilnehmer noch gesteigert habe. Zwar habe er die
besagte Fahrt um Mitternacht unternommen, wann erfahrungsgemäss mit einem
geringeren Verkehrsaufkommen gerechnet werden könne, es sei jedoch stock-
dunkel gewesen, weshalb die beschränkten Sichtverhältnisse eine entsprechende
Gefährdung anderer erhöht habe. In objektiver Hinsicht beurteilte sie das Ver-
schulden des Beschuldigten als nicht mehr leicht (Urk. 60 S. 61 f.).
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4.2. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere hielt die Vorinstanz fest, dass der
Beschuldigte vorsätzlich und rücksichtslos gehandelt habe und sich bewusst ge-
wesen sei, dass er mit seiner Fahrt andere Verkehrsteilnehmer gefährde. Er habe
die Fahrt gefilmt, was nicht nur eine weitere Erhöhung der Gefahr für andere Ver-
kehrsteilnehmer mit sich gebracht habe, sondern auch aufzeige, dass er mit der
Tat vor anderen Person habe angeben wollen. Auch bei der subjektiven Tat-
schwere beurteilt die Vorinstanz das Verschulden des Beschuldigten als nicht
mehr leicht (Urk. 60 S. 62).
4.3. Unter Berücksichtigung des nicht mehr leichten objektiven und subjektiven
Verschuldens setzte sie die Einzelstrafe für die grobe Verletzung der Verkehrs-
regeln mit 9 Monaten Freiheitsstrafe fest (Urk. 60 S. 62). In Anwendung des
Asperationsprinzips erhöhte sie die Einsatzstrafe gesamthaft um 6 Monate Frei-
heitsstrafe (Urk. 60 S. 63). Wenn die Vorinstanz das Verschulden des Beschuldig-
ten angesichts der horrenden Überschreitung der geltenden Höchstgeschwindig-
keit, dies bei Nacht und aus nichtigem Anlass, noch als "nicht mehr leicht" taxiert,
ist dies äusserst wohlwollend. Im Quantitativ ist die bemessene Sanktion jedoch
angemessen und daher zu übernehmen.
5. Täterkomponente
5.1. Die Vorinstanz hat die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten darge-
legt, auf welche verwiesen werden kann (Urk. 60 S. 62). Anlässlich der Beru-
fungsverhandlung aktualisierte der Beschuldigte, dass er in einer normalen Fami-
lie aufgewachsen sei und seine Eltern und seine jüngere Schwester jeweils immer
gearbeitet hätten. Er sei weiterhin kinderlos und ledig, er sei jedoch mit einer in
AU._, Italien, lebenden AV._ verlobt, obschon er seit seiner Verhaftung
keinen Kontakt mehr zu ihr gehabt habe. Zu seinem beruflichen Werdegang führ-
te er aus, dass er nach Besuchen in der Grund- und Mittelschule einen Universi-
tätsabschluss als Lebensmittelinspektor gemacht, auf diesem Beruf jedoch nie
wirklich gearbeitet habe. Zudem habe er während drei Jahren Jura studiert und
hierbei die zwei Jahre dauernde Grundausbildung mit Ausnahme gewisser Kurse
abgelegt. Sofern sich die Möglichkeit ergeben sollte, würde er diese Ausbildung
gerne abschliessen (Urk. 98 S. 2 ff.). Mit der Vorinstanz wirken sich sowohl die
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persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten, als auch seine Vorstrafenlosigkeit
und sein Nachtatverhalten strafzumessungsneutral aus (Urk. 60 S. 62 f.).
Insbesondere ein positiv zu wertendes Nachtatverhalten in Form eines Geständ-
nisses, von Einsicht oder gar Reue legt der hartnäckig bestreitende Beschuldigte
nicht an den Tag. Eine besondere Strafempfindlichkeit weist er im Übrigen nicht
auf.
6. Unter Berücksichtigung sämtlicher massgebender Strafzumessungsgründe
erscheint es angesichts des Verschuldens und den persönlichen Verhältnissen
des Beschuldigten angemessen, ihn in Anwendung des Asperationsprinzips nach
Art. 49 Abs. 1 StGB mit einer Freiheitsstrafe von 7 1⁄2 Jahren zu bestrafen.
7. Der Anrechnung der bisher erstandenen 824 Tage Untersuchungs- bzw.
Sicherheitshaft steht nichts entgegen (Art. 51 StGB).
IV. Landesverweisung und Ausschreibung im Schengener Informationssystem SIS
1. Grundlagen und konkrete Prüfung
1.1. Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen für die Anordnung einer
Landesverweisung zutreffend wiedergegeben und richtig festgehalten, dass sich
der Beschuldigte als Ausländer mit der qualifizierten Widerhandlung gegen das
Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b BetmG in Verbindung
mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG einer Katalogtat im Sinne von Art. 66a StGB
(Art. 66a Abs. 1 lit. o StGB) schuldig gemacht hat, weshalb grundsätzlich obligato-
risch eine Landesverweisung im Sinne von Art. 66a StGB anzuordnen ist und da-
von lediglich abgesehen werden kann, wenn die Landesverweisung für den Be-
schuldigten einen persönlichen Härtefall darstellen würde und die öffentlichen In-
teressen an der Landesverweisung gegenüber den privaten Interessen des Be-
schuldigten am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen (Urk. 60 S. 64 f.). Auf
die entsprechenden Ausführungen kann verwiesen werden.
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1.2. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass der Beschuldigte keinen nen-
nenswerten Bezug zur Schweiz hat. Vor Vorinstanz und auch anlässlich der Beru-
fungsverhandlung gab er an, zuvor noch nie in der Schweiz gewesen zu sein und
weder über Familienangehörige noch über enge Freunde in der Schweiz zu ver-
fügen (Prot. I. S. 10; Urk. 98 S. 4). Damit stellt die Landesverweisung für den Be-
schuldigten offensichtlich keine besondere persönliche Härte dar, womit sich eine
Interessenabwägung erübrigt – welche jedoch angesichts des vorliegend über-
wiegenden Sicherheitsbedürfnisses ohnehin zuungunsten des Beschuldigten aus-
fiele – und die Landesverweisung anzuordnen ist.
2. Dauer der Landesverweisung
2.1. Die Staatsanwaltschaft beantragt im Berufungsverfahren eine Dauer der
Landesverweisung von mindestens 10 Jahren (Urk. 101), während die Verteidi-
gung aufgrund des beantragten Freispruchs keine Ausführungen zur Dauer der
Landesverweisung machte (Urk. 99). Der Beschuldigte brachte eine erhebliche
Menge sowohl Heroins wie Kokains in Verkehr und ist aufgrund seines vorste-
hend als erheblich taxierten Tatverschuldens dafür mit einer zwar langjährigen,
jedoch noch in der unteren Hälfte des Strafrahmens liegenden Freiheitsstrafe zu
bestrafen. Daher erscheint auch die von der Vorinstanz vorgesehene Dauer der
Landesverweisung für 9 Jahre angemessen (Urk. 60 S. 66). Diese Anordnung ist
entsprechend zu bestätigen.
2. Ausschreibung im Schengener Informationssystem (SIS)
Die Vorinstanz hat die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener In-
formationssystem (SIS) angeordnet (Urk. 60 S. 66 f.). Auch auf diese zutreffenden
Ausführungen kann verwiesen werden. Ergänzend dazu ist festzuhalten, dass die
Ausschreibung im SIS im Übrigen auch einer Verhältnismässigkeitsprüfung
standhält. Es besteht vorliegend kein Anlass, die Ausschreibung im SIS nicht an-
zuordnen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1178/2019 vom 10. März 2021
E. 4.6. ff.). Der Beschuldigte gab zwar an, sich um eine Aufenthaltsbewilligung in
Italien beworben zu haben, da seine Verlobte dort leben würde (Urk. D1/7/1/8 F/A
138; Prot. I S. 10 und S. 30); dass er in der Zwischenzeit eine Aufenthaltsbewilli-
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gung für Italien erhalten habe, weist er jedoch bis zuletzt nicht nach und ist auf-
grund seiner Aussage, dass er seit der Inhaftierung keinen Kontakt mehr zur Ver-
lobten habe, auch eher unwahrscheinlich (Urk. 98 S. 4). Auch dass er im Schen-
gen-Raum über eine Verlobte und Familienangehörige verfügen soll, ändert dies
nicht: Mit der Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informations-
system wird dem Beschuldigten insbesondere nicht verboten, nach Italien einzu-
reisen. Ob ihm dies sodann möglich sein wird, werden die zuständigen italieni-
schen Behörden zu beurteilen haben. Zudem kann aufgrund der Aussagen des
Beschuldigten auch nicht (mehr) von einer gefestigten Beziehung zu besagter
Person ausgegangen werden, zumal sie sich seit seiner Verhaftung in keiner
Weise darum bemüht hat, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Dies wäre bei einer in-
nig gelebten Liebesbeziehung jedoch zu erwarten gewesen. Doch auch wenn
dem so wäre, hat der Beschuldigte erhebliche Mengen Kokain und Heroin, welche
deutlich über der Grenze zu einem schweren Fall liegen, übergeben. Er stellt da-
mit nicht nur für die Schweiz, sondern für den gesamten Schengen-Raum eine
erhebliche Gefahr für die öffentliche Ordnung und Sicherheit dar. Nach dem Ge-
sagten ist in Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils eine Ausschreibung der
Landesverweisung im Schengener Informationssystem (SIS) anzuordnen.
V. Verwendung von beschlagnahmten Barschaften und Gegenständen
Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Anordnung, wonach die beim Beschul-
digten beschlagnahmten Barschaften von Fr. 6'800.– und EUR 340.– zur De-
ckung der Verfahrenskosten heranzuziehen sind (Urk. 60 S. 69; Art. 267 Abs. 3
StPO), zu bestätigen. Des Weiteren ist ausgangsgemäss auch die Einziehung
und Vernichtung der beiden tatrelevanten Mobiltelefone, des Schusswaffenmaga-
zins und der "Bürogümmeli" gemäss vorinstanzlicher Dispositiv-Ziffer 7 zu bestä-
tigen.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss ist die erstinstanzliche Kostenauflage (Dispositiv-Ziffer 10)
zu bestätigen.
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2. Die Entscheidgebühr für das zweitinstanzliche Verfahren ist auf Fr. 3'000.–
festzusetzen.
3. Im Berufungsverfahren werden die Kosten nach Obsiegen und Unterliegen
auferlegt (Art. 428 Abs. 1 Satz 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt mit seiner
Berufung vollumfänglich. Die Staatsanwaltschaft obsiegt mit ihren Anträgen auf
Bestätigung der Schuldsprüche und betreffend Strafmass, unterliegt jedoch mit ih-
rem Antrag betreffend Dauer der Landesverweisung. Dieses marginale Unterlie-
gen der Staatsanwaltschaft zeitigt jedoch keine Auswirkungen auf die Kostenauf-
lage. Entsprechend sind dem Beschuldigten die Kosten des Berufungsverfahrens,
mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung, aufzuerlegen. Die Kosten
der amtlichen Verteidigung sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen,
wobei die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO
für die Kosten seiner amtlichen Verteidigung vorzubehalten ist.
4. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt lic. iur. X._,
macht für seine Aufwendungen und Barauslagen im Berufungsverfahren ein
Honorar von Fr. 6'398.65 (inkl. MwSt.) geltend (Urk. 100). Darin enthalten sind
Aufwendungen von 9 Stunden für die Ausarbeitung des Plädoyers, welches sich
jedoch zu grossen Teilen mit dem Plädoyer vor Vorinstanz deckt. Ebenfalls darin
enthalten sind 5 Stunden für die Teilnahme an der Berufungsverhandlung, welche
schliesslich jedoch nur 4.5 Stunden dauerte (Prot. II S. 8 und S. 16). Obschon
diese Aufwendungen grosszügig bemessen wurden, sind in der Honorarnote ins-
besondere der Weg von und zur Berufungsverhandlung sowie eine angemessene
Zeitdauer für die Nachbesprechung mit dem Klienten nicht enthalten, weshalb es
sich dennoch rechtfertigt, den amtlichen Verteidiger für das Berufungsverfahren
mit insgesamt pauschal Fr. 6'400.– (inkl. MwSt. und Auslagen) zu entschädigen.
5. Bei diesem Verfahrensausgang besteht für die beantragte Zusprechung ei-
ner Genugtuung an den Beschuldigten kein Raum.
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