Decision ID: 4897bef8-6939-5f28-80d0-65bdc6581348
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im August 2002 zum Bezug einer Rente der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Ihr Hausarzt, med. pract. B._, berichtete im
Oktober 2002 (IV-act. 8), die Versicherte leide an einer Depression mit somatischen
Symptomen und an einer Somatisierungsstörung bei einem Verdacht auf eine
Persönlichkeitsstörung. Schon seit mehreren Jahren klage die Versicherte über diffuse
rezidivierende Beschwerden. Im Februar 2001 hätten die Beschwerden akut
zugenommen. Ein Aufenthalt in der Klinik C._ und diverse ambulante Behandlungen
hätten keinen Erfolg gezeitigt. Aktuell sei eine stationäre Behandlung in der
psychiatrischen Klinik D._ geplant. Die Versicherte sei seit dem 30. April 2001 und
bis auf weiteres „absolut arbeitsunfähig“. Im Februar 2003 berichtete die
psychiatrische Klinik D._ (IV-act. 10), die Versicherte sei vom 11. September 2002 bis
zum 17. Oktober 2002 stationär behandelt worden. Sie habe an einer mittelgradigen
depressiven Episode und an einer Somatisierungsstörung gelitten. Zudem habe der
Verdacht bestanden, sie leide an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung. Die
Symptomatik habe sich im Lauf der Behandlung verbessert, weshalb diese am 17.
Oktober 2002 abgeschlossen worden sei. Zum Austrittszeitpunkt sei die Versicherte zu
50 Prozent arbeitsfähig gewesen. Unter konsequenter Einnahme der Antidepressiva
und bei einer langsam zunehmenden Arbeitsbelastung sei eine Steigerung der
Arbeitsfähigkeit auf 100 Prozent zu erwarten. Auf eine entsprechende Rückfrage der IV-
Stelle hin (vgl. IV-act. 11) hielt der Hausarzt der Versicherten im April 2003 fest, dass
eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit „mit Sicherheit nicht zuzumuten“ sei; auch eine
Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent sei seines Erachtens „sehr optimistisch beurteilt“, denn
die Versicherte sei „absolut in einer psychisch schlechten Situation mit rezidivierenden
somatisierenden Störungen“ (IV-act. 12). Nachdem eine Eingliederungsberaterin der IV-
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Stelle der Versicherten mitgeteilt hatte, dass demnächst ein Besprechungstermin für
berufliche Massnahmen angesetzt werde (IV-act. 14), teilte der Hausarzt der IV-Stelle
im Mai 2003 mit (IV-act. 15), die Versicherte sei „aktuell sicherlich als zu 100 Prozent
arbeitsunfähig zu betrachten“, da ihr psychischer Zustand „sehr schlecht“ sei. Ein Arzt
des IV-internen regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) hielt am 30. Mai 2003 fest: „Die
Prognose der psychiatrischen Klinik D._ hat sich halt nicht bewahrheitet. Wir müssen
von den Angaben von Dr. B._ ausgehen“ (IV-act. 16). Mit einer Verfügung vom 18.
September 2003 sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Wirkung ab dem 1. April
2002 auf der Grundlage eines Invaliditätsgrades von 100 Prozent eine ganze Rente zu
(IV-act. 24).
A.b Im Juli 2007 forderte die IV-Stelle die Versicherte auf, einen Fragebogen für die
Überprüfung des Rentenanspruchs auszufüllen. Diese gab an (IV-act. 30), ihr
Gesundheitszustand habe sich seit dem Jahr 2005 verschlechtert. Seit dem Jahr 2006
leide sie auch an Hautentzündungen. Der Hausarzt berichtete im August 2007, die
Situation habe sich seit der Rentenzusprache nicht geändert; nach wie vor
verunmöglichten die „psychotischen Entgleisungen“ eine Erwerbstätigkeit (IV-act. 34).
Am 20. August 2007 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie weiterhin einen
Anspruch auf eine ganze Rente habe (IV-act. 36).
A.c Im November 2012 füllte die Versicherte einen weiteren Fragebogen aus. Sie gab
an (IV-act. 39), ihr Gesundheitszustand habe sich weiter verschlechtert. Sie leide an
Stimmungsschwankungen und an einem Ausschlag. Ein Mitarbeiter der IV-Stelle
notierte am 21. Dezember 2012 (IV-act. 42), der Hausarzt habe im ursprünglichen
Rentenverfahren nicht begründet, weshalb die Versicherte damals vollständig
arbeitsunfähig gewesen sein soll. Auch der RAD-Arzt habe sich damit nicht wirklich
auseinandergesetzt. Offenbar befinde sich die Versicherte seit Jahren nicht in
psychiatrischer Behandlung. Bei dieser Sachlage müsse eine Wiedererwägung geprüft
werden. Er empfehle eine medizinische Begutachtung. Im Auftrag der IV-Stelle
erstattete das Zentrum für medizinische Begutachtung (ZMB) am 5. November 2013
ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 56–3 ff.). Die Sachverständigen führten aus, die
Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig
mittelschweren Episode, einem somatischen Syndrom und Somatisierungstendenzen
sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an einem chronischen cervico-
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vertebralen Syndrom, an einer muskulären Dysbalance des Schultergürtels, an einer
Epicondylopathia humeri-lateralis, an einer Fingerpolyarthrose, an einem chronischen
lumbo-vertebralen Syndrom, an einer Migräne und an einer Adipositas. Aus
rheumatologischer und internistischer Sicht seien ihr sämtliche Tätigkeiten in
Wechselhaltung zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit für
sämtliche Tätigkeiten zu 60 Prozent eingeschränkt. Der Beginn dieser
Arbeitsunfähigkeit könne rückblickend kaum festgelegt werden, weshalb er auf das
Datum der Begutachtung festzusetzen sei. Die Sachverständigen hatten im Rahmen
der Begutachtung diverse medizinische Berichte eingeholt: Das Spital E._ hatte am
27. Februar 2001 über eine Hospitalisation in der Zeit vom 20. bis zum 24. Februar
2001 berichtet (IV-act. 56–53 ff.). Die Ärzte hatten ausgeführt, die Aufnahme sei wegen
diffuser, an verschiedensten Orten sich manifestierender Schmerzen erfolgt, die als
eine Erschöpfungsdepression mit einer Somatisierungstendenz interpretiert worden
seien. Aus dem Umfeld der Versicherten hätten sie Hinweise auf eine familiäre
Gewaltanwendung erhalten. Die Versicherte selbst habe diesbezüglich keine
Andeutungen gemacht und im Status auch keine Verdachtsmomente aufgewiesen. Die
Klinik für allgemeine innere Medizin des Kantonsspitals St. Gallen hatte am 8. Mai 2001
berichtet, die Versicherte sei vom 30. April 2001 bis zum 5. Mai 2001 wegen einer
ängstlich gefärbten depressiven Episode mit Somatisierungstendenzen behandelt
worden (IV-act. 56–57 ff.). Die Klinik C._ hatte am 9. August 2001 berichtet (IV-act.
56–64 ff.), die Versicherte sei vom 25. Juni 2001 bis am 14. Juli 2001 stationär
behandelt worden. Sie habe an einer mittelgradigen depressiven Episode mit
somatischen Symptomen und an einer Somatisierungsstörung bei einem Verdacht auf
eine infantile Persönlichkeitsstörung gelitten. Im Verlauf der Behandlung habe sich die
Symptomatik gebessert. Vor dem Austritt seien aber erneut anfallsweise eine innere
Unruhe, ein Zittern und Parästhesien beider Arme aufgetreten. Man habe der
Versicherten eine psychiatrische Nachbehandlung empfohlen und auch für die Zeit
nach dem Austritt aus der Klinik eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Am 17.
April 2009 hatte die Klinik F._ über eine stationäre Behandlung im Zeitraum vom 5.
März 2009 bis zum 10. April 2009 berichtet (IV-act. 56–35 ff.). Die Ärzte hatten
ausgeführt, die Versicherte habe an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer
gegenwärtig mittelgradigen Episode sowie an einer Somatisierungsstörung gelitten und
sei vollständig arbeitsunfähig gewesen.
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A.d Der RAD-Arzt Dr. med. G._ notierte am 6. Dezember 2013 (IV-act. 61), das
Gutachten des ZMB sei überzeugend. Aus medizinischer Sicht sei die Rechtmässigkeit
der ursprünglichen Rentenzusprache bei einer widersprüchlichen medizinischen
Aktenlage fraglich. Da sich die Versicherte nun aktuell in einer stationären Behandlung
in der psychiatrischen Klinik D._ befinde, könne noch nicht abschliessend zum
„laufenden Rentenrevisionsverfahren“ Stellung genommen werden. Immerhin sei
jedoch „im Gutachten – nachvollziehbar – eine anhaltende psychische Erkrankung mit
einer höhergradigen Arbeitsunfähigkeit bestätigt“ worden. Zwar habe die Versicherte
bei der Begutachtung ausgeprägte Somatisierungstendenzen gezeigt. Der
psychiatrische Sachverständige habe diese „allerdings hinreichend berücksichtigt“. Am
24. März 2014 berichtete die psychiatrische Klinik D._ (IV-act. 68), die Versicherte sei
wegen einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig mittelgradigen
Episode und mit einem somatischen Syndrom sowie wegen einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung stationär im Zeitraum vom 19. November 2013 bis zum
21. Januar 2014 behandelt worden. Beim Austritt habe eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit bestanden. Der Hausarzt der Versicherten wies die IV-Stelle am 4.
April 2014 darauf hin (IV-act. 69), dass angesichts der von den Ärzten der
psychiatrischen Klinik D._ attestierten vollständigen Arbeitsunfähigkeit die
Beurteilung des ZMB „noch einmal überdacht werden“ müsse. Mit einem Vorbescheid
vom 23. April 2014 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit (IV-act. 73), die
ursprüngliche rentenzusprechende Verfügung sei zweifellos unrichtig, weil sie auf einer
widersprüchlichen medizinischen Aktenlage beruhe und damit in Verletzung der
Untersuchungspflicht ergangen sei. Jene Verfügung müsse daher
wiedererwägungsweise aufgehoben werden. Die vom ZMB diagnostizierte
Gesundheitsbeeinträchtigung begründe aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht
keine Arbeitsunfähigkeit. Die Rente werde deshalb in Wiedererwägung der Verfügung
vom 18. September 2003 auf das Ende des der Zustellung der neuen Verfügung
folgenden Monats aufgehoben. Dagegen liess die Versicherte am 27. Mai 2014
einwenden (IV-act. 77), die Sachverständigen des ZMB hätten die zumutbare
Willensanstrengung bereits berücksichtigt. Ein Abweichen von der von den
Sachverständigen attestierten Arbeitsunfähigkeit sei nicht gerechtfertigt. Die
Versicherte habe einen Anspruch auf eine Dreiviertelsrente. Seit Februar 2014 befinde
sie sich in einer ambulanten psychiatrischen Behandlung, die bislang allerdings noch
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keinen nennenswerten Erfolg gezeitigt habe. Nach dem Abschluss der Therapie
müssten jedenfalls berufliche Eingliederungsmassnahmen durchgeführt werden. Mit
einer Verfügung vom 12. August 2014 hob die IV-Stelle die ursprüngliche
rentenzusprechende Verfügung vom 18. September 2003 wiedererwägungsweise auf
(IV-act. 78). Sie stellte die Ausrichtung der Rente auf das Ende des der Zustellung der
Verfügung folgenden Monats ein. Zur Begründung führte sie aus, die laufende
Behandlung ändere nichts an der medizinischen Beurteilung. Die Versicherte habe
offenbar während all der Jahre nie einen Leidensdruck verspürt, denn sie habe sich nie
in eine psychiatrische Behandlung begeben. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung der
Sachverständigen des ZMB sei nicht nachvollziehbar. Die depressive Erkrankung
werde durch diverse psychosoziale und soziokulturelle Faktoren bestimmt.
B.
B.a Am 15. September 2014 liess die Versicherte (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 12. August 2014
erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Weiterausrichtung der bisherigen
ganzen Rente und eventualiter die Ausrichtung einer halben Rente. Zur Begründung
führte er aus (act. G 4), die ursprüngliche Rentenzusprache könne nicht als zweifellos
unrichtig qualifiziert werden, denn die Berechnung des Invaliditätsgrades sei
nachvollziehbar. Die Sachverständigen des ZMB hätten zudem im Wesentlichen
dieselben Diagnosen gestellt, wie sie von den behandelnden Ärzten vor der
ursprünglichen Rentenzusprache angeführt worden seien. Der RAD-Arzt Dr. G._ habe
das Gutachten als überzeugend qualifiziert.
B.b Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 13. November
2014 die Abweisung der Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie an, der
Hausarzt habe im ursprünglichen Rentenverfahren „in einem Zweizeiler lapidar“
festgehalten, die Beschwerdeführerin sei vollständig arbeitsunfähig. Darauf hätte nicht
abgestellt werden dürfen, denn die psychiatrische Klinik habe davor eine
Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent attestiert. Rechtsprechungsgemäss sei die
Wiedererwägung der ursprünglichen Rentenverfügung deshalb zulässig. Es lägen keine
Hinweise dafür vor, dass die vom ZMB diagnostizierte depressive Störung eine
eigenständige depressive Erkrankung darstelle, die nicht im Zusammenhang mit den
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syndromalen Leiden und der schwierigen psychosozialen und soziokulturellen Situation
stehe.
B.c Die Beschwerdeführerin liess am 16. Dezember 2014 an ihren Anträgen festhalten
(act. G 8). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 10).
B.d Am 9. Februar 2017 forderte das Versicherungsgericht die Sachverständigen des
ZMB auf (act. G 11), gestützt auf die vorhandenen medizinischen Akten eine
Arbeitsfähigkeitsschätzung für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten im September 2003
abzugeben. Diese antworteten am 15. März 2017 (act. G 13), für den September 2003
lägen keine ärztlichen Arbeitsfähigkeitsschätzungen vor, weshalb eine retrospektive
Arbeitsfähigkeitsschätzung für jenen Zeitpunkt schwierig sei. In den Akten finde sich
allerdings ein Widerspruch zwischen der Arbeitsfähigkeitsschätzung des Hausarztes
und jener der psychiatrischen Klinik D._, die ab dem 21. Oktober 2002 eine
Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent attestiert habe. Der Hausarzt habe in seinem
Kurzbericht vom 24. April 2003 eine Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent nicht explizit als
ausgeschlossen bezeichnet, die entsprechende Schätzung aber als zu optimistisch
beurteilt. In den Akten sei nicht dokumentiert, inwiefern sich der Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin in der Zeit vom 24. April 2003 bis zum September 2003
verändert habe.
B.e Die Beschwerdeführerin liess am 5. April 2017 darauf hinweisen (act. G 15), dass
der Hausarzt ihr am 19. Mai 2003 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert habe
und dass der RAD-Arzt diese Arbeitsfähigkeitsschätzung am 30. Mai 2003 als
überzeugend qualifiziert habe. Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine
Stellungnahme.
B.f Mit einem Entscheid vom 13. Juni 2017 (IV 2014/427) hob das
Versicherungsgericht die Verfügung 12. August 2014 auf. Zur Begründung führte es im
Wesentlichen aus, retrospektiv sei zwar eine erhebliche Verletzung der
Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) im ursprünglichen Rentenverfahren zu
bejahen. Diese Rechtswidrigkeit rechtfertige für sich allein aber noch keine
wiedererwägungsweise Aufhebung der ursprünglichen rentenzusprechenden
Verfügung. Diese könnte nämlich trotz der Verletzung der Untersuchungspflicht im
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Ergebnis richtig respektive nicht zweifellos unrichtig im Sinne des Art. 53 Abs. 2 ATSG
sein. Eine Verletzung der Untersuchungspflicht stelle folglich für sich allein noch keine
zweifellose Unrichtigkeit dar. Zudem müsse eine allfällige qualifizierte Rechtswidrigkeit
der ursprünglichen rentenzusprechenden Verfügung ex tunc korrigiert werden, da die
Wiedererwägung die vollständige Behebung eines solchen qualifizierten Fehlers
bezwecke und da es sich weder mit dem Gesetz noch mit der Verfassung vereinbaren
lasse, wenn eine zweifellose Unrichtigkeit bloss teilweise, nämlich nur für die Zukunft
korrigiert werde. Da vorliegend hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache eine objektive Beweislosigkeit
vorliege, sei eine Wiedererwägung der ursprünglichen rentenzusprechenden Verfügung
rechtswidrig, weshalb die Wiedererwägungsverfügung vom 12. August 2014 ersatzlos
aufzuheben sei. Im Sinne eines obiter dictum sei darauf hinzuweisen, dass im Rahmen
einer Rentenrevision als Vergleichssachverhalt für den Zeitpunkt der ursprünglichen
Rentenzusprache jener Sachverhalt zugrunde gelegt werden könne, der der
ursprünglichen rentenzusprechenden Verfügung zugrunde gelegt worden sei. Nur so
könne nämlich eine „Revisionsresistenz“ jener ursprünglichen rentenzusprechenden
Verfügung vermieden werden.
C.
Mit einem Urteil vom 23. Februar 2018 (8C_456/2017) hob das Bundesgericht den
Entscheid des Versicherungsgerichtes auf; es wies die Sache an das
Versicherungsgericht zurück. Zur Begründung führte es aus, bei der Bejahung der
Zulässigkeit einer Wiedererwägung infolge einer Verletzung der Untersuchungspflicht
im ursprünglichen Verfahren handle es sich um eine „jahrzehntealte“ Praxis. Ein Grund
für eine Änderung jener Praxis sei nicht ersichtlich. Die Wiedererwägung ziele nur
darauf ab, ex nunc et pro futuro einen rechtskonformen Zustand herzustellen. Vor
diesem Hintergrund stelle sich vorliegend nur die Frage nach dem aktuellen
Arbeitsunfähigkeits- beziehungsweise Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin. Diese
Frage und die damit zusammenhängende Frage, ob die Rente aufzuheben oder
herabzusetzen sei, habe das Versicherungsgericht noch nicht beantwortet. Dafür sei
die Sache an das Versicherungsgericht zurückzuweisen.

Erwägungen
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1.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht wird der Gegenstand des vorliegenden Verfahrens
durch die verbindlichen Vorgaben des Bundesgerichtes beschränkt: Das
Bundesgericht hat die ursprüngliche rentenzusprechende Verfügung vom 18.
September 2003 wegen einer Verletzung der Untersuchungspflicht im ursprünglichen
Verwaltungsverfahren formell rechtskräftig wiedererwägungsweise aufgehoben und
das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen verpflichtet, den Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin ex nunc et pro futuro neu festzusetzen (vgl. das Urteil des
Bundesgerichtes 8C_456/2017 vom 23. Februar 2018, E. 3.3). Obwohl die
ursprüngliche rentenzusprechende Verfügung vom 18. September 2003 gemäss der
verbindlichen Vorgabe des Bundesgerichtes also aufgehoben ist und obwohl folglich
erneut über den Rentenanspruch ab dem 1. April 2002 (Zeitpunkt des ursprünglichen
Rentenbeginns) neu verfügt werden müsste, kann im vorliegenden
Beschwerdeverfahren gemäss der verbindlichen Vorgabe des Bundesgerichtes nur
über den Rentenanspruch für die Zeit ab dem 1. Oktober 2014 neu verfügt werden.
Bezüglich des Zeitraums vom 1. April 2002 bis zum 30. September 2014 muss es
deshalb bei einem verfügungslosen Zustand sein Bewenden haben. An sich müssten
die bereits bezogenen, sich aber nicht auf eine verbindliche Verfügung stützenden
Rentenleistungen für die Zeit vom 1. April 2002 bis zum 30. September 2014 als
unrechtmässig bezogen im Sinne des Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG qualifiziert werden,
aber angesichts der verbindlichen Vorgabe des Bundesgerichtes in Bezug auf den
Inhalt des noch zu fällenden kantonalen Entscheides kann die entsprechende
Rückforderung nicht zum Verfahrensgegenstand gehören. Den Gegenstand dieses
Beschwerdeverfahrens bildet also nur die Frage nach dem Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen Verfügung vom 12.
August 2014 beziehungsweise ab dem 1. Oktober 2014.
2.
2.1 Laut dem Art. 28 Abs. 1 IVG hat eine versicherte Person einen Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, wenn sie
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich zu
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mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und wenn sie nach dem Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist. Für die Bemessung der Invalidität
wird gemäss dem Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu
jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben
wäre.
2.2 Die Beschwerdeführerin hat keine Berufsausbildung absolviert und sie hat bis zum
Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung Hilfsarbeiten verrichtet. In den Akten finden
sich keine Hinweise auf eine deutlich über- oder unterdurchschnittliche
Leistungsfähigkeit. Folglich ist die Beschwerdeführerin in der Lage gewesen, einen
durchschnittlichen Hilfsarbeiterinnenlohn zu erzielen. Als Valideneinkommen ist deshalb
der statistische Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne in der Schweiz zu
berücksichtigen.
2.3 Gestützt auf das vom RAD-Arzt Dr. G._ als überzeugend qualifizierte Gutachten
des ZMB vom 5. November 2013 steht mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die Beschwerdeführerin damals an einer
rezidivierenden depressiven Störung mit einer mittelschweren Episode, einem
somatischen Syndrom und Somatisierungstendenzen sowie – ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit – an einem chronischen cervico-vertebralen Syndrom, an einer
muskulären Dysbalance des Schultergürtels, an einer Epicondylopathia humeri-
lateralis, an einer Fingerpolyarthrose, an einem chronischen lumbo-vertebralen
Syndrom, an einer Migräne und an einer Adipositas gelitten hat und dass ihr
wechselbelastende Tätigkeiten aus somatischer Sicht uneingeschränkt, aus
psychiatrischer Sicht allerdings nur zu 40 Prozent haben zugemutet werden können.
Die Beschwerdegegnerin hat jedoch nicht auf dieses Gutachten abgestellt, sondern die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Sachverständigen durch eine eigene „juristische“
Arbeitsfähigkeitsschätzung ersetzt, indem sie die mittelschwere depressive Störung als
nicht „von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde
Depression“ qualifiziert und dieser eine „invalidisierende Wirkung“ aberkannt hat. Das
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ist unzulässig, denn der psychiatrische Sachverständige des ZMB hat eine „echte“
depressive Störung diagnostiziert, eine Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht
attestiert und beides überzeugend begründet. Auch der RAD-Arzt Dr. G._ hat die
Auffassung vertreten, dass die Beschwerdeführerin an einer „echten“ depressiven
Störung leide und aus psychiatrischer Sicht massgebend in ihrer Arbeitsfähigkeit
eingeschränkt sei. Die Beschwerdegegnerin hat zudem aus nicht nachvollziehbaren
Gründen die vom psychiatrischen Sachverständigen des ZMB erhobenen objektiven
klinischen Befunde – verlangsamte Auffassung, deutlicher Konzentrationsverlust,
antriebsloser Eindruck trotz zappeliger Gestik, deutlich verminderte
Modulationsfähigkeit, weitschweifiger und ausufernder Ge¬dankengang – ignoriert und
unzulässigerweise ausser Acht gelassen, dass sich die Beschwerdeführerin in den
Jahren 2001–2013 immer wieder in psychiatrischer (teilweise stationärer) Behandlung
befunden hatte. Die Würdigung der Beschwerdegegnerin hat sich damit im Ergebnis
nicht genügend auf den konkreten Sachverhalt bezogen, weshalb sie sich als
rechtswidrig erweist. Zusammenfassend ist kein Grund ersichtlich, der ein Abweichen
von der Arbeitsfähigkeitsschätzung der Sachverständigen des ZMB rechtfertigen
könnte. Im Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen Verfügung vom 12. August 2014
ist die Beschwerdeführerin folglich überwiegend wahrscheinlich nur zu 40 Prozent
arbeitsfähig gewesen.
2.4 Der allgemeine und ausgeglichene Markt für Hilfsarbeiten kennt verschiedenste
wechselbelastende Tätigkeiten, weshalb der Beschwerdeführerin trotz ihrer
Gesundheitsbeeinträchtigung die Verrichtung einer Hilfsarbeit zugemutet werden kann.
Der Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens entspricht
folglich dem statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne in der Schweiz und
damit auch dem Valideneinkommen. Der Betrag kann deshalb für die Berechnung des
Invaliditätsgrades keine Rolle spielen; der Invaliditätsgrad ist entsprechend anhand
eines sogenannten Prozentvergleichs zu berechnen, das heisst er entspricht dem
Arbeitsunfähigkeitsgrad, korrigiert um einen allfälligen Tabellenlohnabzug. Da ein
potentieller, strikt betriebswirtschaftlich-ökonomisch denkender und selbst dem rauen
Wind der Marktwirtschaft ausgesetzter Arbeitgeber dem Risiko von vermehrten
krankheitsbedingten Absenzen sowie der mangelnden Flexibilität und Zuverlässigkeit
der Beschwerdeführerin Rechnung tragen müsste, ist praxisgemäss ein
Tabellenlohnabzug von 15 Prozent zu berücksichtigen. Der Invaliditätsgrad beträgt
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folglich 66 (= 100 – 40 × 0,85) Prozent. Die Beschwerdeführerin hat damit gemäss den
Vorgaben des Bundesgerichtes ab dem 1. Oktober 2014 einen Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente der Invalidenversicherung. Die Sache ist zur Festsetzung der
Rentenbeträge sowie zur Ausrichtung eines allfälligen Verzugszinses an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.
Hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen ist bei diesem Verfahrensausgang
(nach wie vor) von einem vollständigen Obsiegen der Beschwerdeführerin auszugehen.
Die Gerichtskosten sind deshalb (erneut) der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. An
sich müssten sie wegen des insgesamt überdurchschnittlich hohen
Verfahrensaufwandes, der für die Ausarbeitung von zwei Entscheiden angefallen ist,
auf mehr als den praxisgemässen Betrag von 600 Franken festgesetzt werden. Der
überdurchschnittlich hohe Verfahrensaufwand ist aber deshalb angefallen, weil das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen – im Lichte des bundesgerichtlichen
Urteils – zunächst einen falschen Entscheid gefällt hat. Es verstiesse gegen die
Kostenregelung des VRP, wenn das Gericht diesen Zusatzaufwand auf eine der beiden
Parteien überwälzen würde. Deshalb werden die Gerichtskosten (erneut) auf 600
Franken festgesetzt. Auch die Kosten für die ergänzende Stellungnahme des ZMB von
886.15 Franken sind (wiederum) der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Die
Beschwerdegegnerin ist (erneut) zu verpflichten, der Beschwerdeführerin eine
Parteientschädigung von 3'500 Franken (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) auszurichten.