Decision ID: 768c1ab9-8cb4-5f0c-ac5b-824fa5f10585
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
B.
Der Katholische Konfessionsteil des Kantons St. Gallen ist Eigentümer des
Grundstücks Nr. 0000_, Grundbuchkreis St. Gallen-Centrum, welches gemäss
Zonenplan der Politischen Gemeinde St. Gallen vom 1. November 1980 in der Zone für
öffentliche Bauten und Anlagen und im Ortsbildschutzgebiet OS A liegt. Die meisten
Gebäude auf dem Grundstück sind nach Art. 8 der Bauordnung der Politischen
Gemeinde St. Gallen vom 9. August 2002/23. Februar 2006 (SRS 731.1, BO) und
gemäss Art. 115 des Planungs- und Baugesetzes (sGS 731.1, PBG) geschützt. Die
gesamte Anlage ist sodann im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der
Schweiz (ISOS) mit dem Erhaltungsziel A vermerkt Sie ist Teil des Stiftsbezirks, welcher
1982 in die UNESCO Weltkulturerbe-Liste aufgenommen wurde.
A.a.
A._ erhob am 30. März 2020 Einsprache gegen ein Baugesuch des Katholischen
Konfessionsteils betreffend Innenumbauten und Dachaufbauten beim Pfarr- und
Verwaltungsflügel der Klosteranlage auf dem Grundstück Nr. 0000_ (act. G 16/8
Beilage 25), welches vom 17. März bis 1. April 2020 sowie - mit Korrekturplänen (vgl.
act. G 16/8 Beilage 16) - vom 7. bis 20. Mai 2020 öffentlich auflag. Die
Baubewilligungskommission der Stadt St. Gallen hiess die Einsprache, soweit sie
darauf eintrat, am 11. September 2020 teilweise gut und erteilte die Bewilligung nach
den Plänen vom 17. März 2020 und den Korrekturplänen vom 5. Mai 2020 ohne die
beidseitigen Dachgauben auf dem Verwaltungsflügel (act. G 8/1 Beilage). Den von A._
gegen den Entscheid der städtischen Baubewilligungskommission erhobenen Rekurs
wies das Baudepartement des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 21. Januar 2021
(act. G 2) ab, soweit es darauf eintrat (Ziffer 1); die Baubewilligung vom 11. September
2020 wurde mit Ausnahme des Teilprojekts J (Dachgeschoss Professenhaus) für
rechtskräftig erklärt (Ziffer 2) und A._ amtliche Kosten von CHF 3'000 auferlegt (Ziffer
3).
A.b.
Gegen diesen Entscheid erhob A._ mit Eingabe vom 8. Februar 2021 (act. G 1)
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den Rechtsbegehren, es seien die Ziffern 1
und 3 des Entscheids aufzuheben und es sei in Reformation des
B.a.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 4/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Baubewilligungsentscheids via Nebenbestimmungen anzuordnen, dass der
Innenausbau der Professur nur realisiert werden dürfe, wenn der Beschwerdegegner
gleichzeitig die Dachflächenfenster und Dunstrohre südseitig über der Professur
entferne, den unversehrten Zustand des Dachs wiederherstelle und den neuen Zustand
ins Prioritätenschutzinventar aufnehme bzw. das Schutzinstrument für dieses Bauteil
nachführe (Ziffer 1). Eventualiter seien die Ziffern 1 und 3 des angefochtenen
Entscheids aufzuheben und es sei die Vorinstanz anzuweisen, die Baubewilligung
aufzuheben und die Sache an die Beschwerdebeteiligte zurückzuweisen, dass diese im
Sinn von Ziffer 1 des Rechtsbegehrens verfahre (Ziffer 2). Unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten des Beschwerdegegners (Ziffer 3).
Auf Aufforderung des verfahrensleitenden Abteilungspräsidenten hin (act. G 5) äusserte
sich der Beschwerdeführer in einer Eingabe vom 19. Februar 2021 zur Frage der
Einhaltung der Beschwerdefrist (act. G 6). Hierauf bat der verfahrensleitende
Abteilungspräsident die Post CH AG, zum Zeitpunkt der Zustellung der
Einschreibesendung (angefochtener Entscheid) Stellung zu nehmen (act. G 8). Die Post
CH AG äusserte sich in der Folge im Schreiben vom 11. März 2021 (act. G 9 f). Von der
ihm am 15. März 2021 eingeräumten Gelegenheit, hierzu Stellung zu nehmen (act. G
11), machte der Beschwerdeführer am 23. März 2021 Gebrauch (act. G 12).
In der Vernehmlassung vom 26. April 2021 beantragte die Vorinstanz Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf den angefochtenen Entscheid (act. G
15). Im Schreiben vom 5. Mai 2021 teilte die Beschwerdebeteiligte den Verzicht auf
eine Vernehmlassung mit (act. G 18). Der Beschwerdegegner beantragte in der
Vernehmlassung vom 17. Mai 2021 Abweisung der Beschwerde, soweit darauf
eingetreten werden könne. Eventualiter sei das Beschwerdeverfahren pragmatisch zu
erledigen und nach Festhalten einer einvernehmlichen Lösung und Unterzeichnung
einer entsprechenden Vereinbarung als erledigt abzuschreiben; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten des Beschwerdeführers (act. G 19). Hierzu äusserte sich
der Beschwerdeführer in der Eingabe vom 8. Juni 2021 mit den Anträgen, die
Eintretensfrage (Wahrung der Beschwerdefrist) sei vom Kollegialgericht vorweg zu
entscheiden. Danach sei unter dem Beisitz von Stadtrat Y._ eine
Einigungsverhandlung durchzuführen (act. G 22).
B.b.
Mit Schreiben vom 13. Juli 2021 wies der verfahrensleitende Abteilungspräsident
darauf hin, dass die Themen, bezüglich derer die Parteien zu einer einvernehmlichen
B.c.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 5/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Lösung bereit seien, sich im Wesentlichen ausserhalb des Verfahrensgegenstandes
des vorinstanzlichen Rekursverfahrens und des Beschwerdeverfahrens befinden
würden. Das Verwaltungsgericht könne nicht ausserhalb eines formellen
Rechtsmittelverfahrens im umfassenden Sinn zum Rechten sehen und sich in diesem
Rahmen an einer Einigungsverhandlung beteiligen. Es erachte die Angelegenheit für
spruchreif (act. G 24). Hierauf stellte der Beschwerdeführer dem Verwaltungsgericht
eine Rechtsverweigerungsbeschwerde in Aussicht, weil seine Anträge (gemäss
Schreiben vom 8. Juni 2021; act. G 22) bislang nicht behandelt worden seien (act. G
25). Im Nachgang zu einem Schreiben des verfahrensleitenden Abteilungspräsidenten
vom 29. Juli 2021 (act. G 26) beantragte der Beschwerdeführer in einer weiteren
Eingabe am 2. August 2021 unter anderem, dass der verfahrensleitende
Abteilungspräsident in den Ausstand zu treten habe und stellte verschiedene
verfahrensrechtliche Anträge sowie einen Antrag auf Kostenersatz im Zusammenhang
mit der Frage der Rechtzeitigkeit der Beschwerdeerhebung (act. G 27). Der
Beschwerdegegner teilte am 16. August den Verzicht auf eine weitere Stellungnahme
mit (act. G 30). Vorinstanz und Beschwerdebeteiligte verzichteten stillschweigend auf
eine weitere Äusserung (vgl. act. G 28). Auf ein erneutes Schreiben des
Beschwerdeführers vom 20. August 2021 (act. G 31) gab das Verwaltungsgericht den
Verfahrensbeteiligten am 24. August 2021 bekannt, dass der bisher verfahrensleitende
Abteilungspräsident antragsgemäss in den Ausstand trete und die Verfahrensleitung
vertretungsweise vom Präsidenten des Verwaltungsgerichts wahrgenommen werde.
Über die Angelegenheit werde voraussichtlich in den nächsten Wochen entschieden
(act. G 32).
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten in den Eingaben des vorliegenden
Verfahrens wird, soweit für den Entscheid erforderlich, in den nachstehenden
Erwägungen eingegangen.
B.d.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (vgl. Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Der
Beschwerdeführer ist als Empfänger des angefochtenen Entscheids zur
Beschwerdeerhebung legitimiert (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP) und die
1.1. bis
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 6/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerde (act. G 1) erfüllt formal und inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 64 in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
Fraglich war, ob die Eingabe des Beschwerdeführers innerhalb der Beschwerdefrist
erfolgte. Die Zustellmitarbeiterin der Schweizer Post bestätigte mit dem Vermerk
"Corona" am 22. Januar 2021 um 09:26:29 den Empfang des eingeschriebenen Briefs,
mit welchem der Rekursentscheid versandt worden war, durch den Beschwerdeführer.
Zur Frage der Rechtzeitigkeit der Beschwerdeerhebung brachte der Beschwerdeführer
am 19. Februar 2021 im Wesentlichen vor, tatsächlich sei der Rekursentscheid am
23. Januar 2021 zugestellt worden. Die Kameras, welche den Vorplatz der Liegenschaft
X._-strasse 001_ überwachten, hätten als letzte Aufnahme vor der behaupteten
Zustellung am 22. Januar 2021 ein oranges Lieferauto aufgezeichnet. In der ersten
Aufnahme nach dem angeblichen Zustellzeitpunkt sei keine zusätzliche Spur im
Schnee sichtbar. Bei beiden Aufnahmen liege die Werkstatt im Dunkeln. Es sei keine
empfangsberechtigte Person anwesend gewesen, was aber auch nach den Corona-
Regeln für eine gültige Zustellung der Fall sein müsste. Am 23. Januar 2021 brenne
Licht in der Werkstatt, der Zustellbeamte werfe den Brief ein, ohne ein Erfassungsgerät
zu bedienen oder sich zu versichern, wer anwesend sei. Auch weitere
Kameraaufzeichnungen zeigten, dass eingeschriebene Briefe in den Briefkasten
geworfen würden, ohne dass die Zustellbeamtin sich vergewissere, dass eine
empfangsberechtigte Person anwesend sei und ohne das Erfassungsgerät zu
benutzen, so dass Zeitstempel und Zeitpunkt der Aushändigung auseinanderfielen.
Zum Beweis beantragt er den partiellen Export der Datenbank des betreffenden
Erfassungsgerätes, in welcher Sendungsnummern, angeblich angetroffene Person,
Adresse und Koordinaten gespeichert sind. Die Zustellung sei nicht nachgewiesen,
wenn eine eingeschriebene Sendung in Verletzung der Corona-Regeln eingeworfen
werde, obwohl keine empfangsberechtigte Person anwesend sei (act. G 6). Die
Schweizer Post hielt zu den Ausführungen des Beschwerdeführers am 1./11. März
2021 fest, im Zustellzeitpunkt habe kein persönlicher Kontakt mit dem Adressaten
stattgefunden. Das Zustellpersonal dürfe in der aktuellen Corona-Situation bei der
Aushändigung eines eingeschriebenen Briefes den Empfang nur bei persönlichem
Kontakt mit dem Empfänger selbst bestätigen. Mit dem Beschwerdeführer bestehe
indessen eine mündliche Abmachung, dass eingeschriebene Briefe auch in seiner
Abwesenheit "unterschrieben und eingeworfen werden dürfen". Es sei zumindest von
einer stillschweigenden Genehmigung der praktizierten Vorgehensweise der Post und
damit von einer Anscheinsvollmacht auszugehen. An eine Rücknahme und
Bereitstellung für den Folgetag könne sich die Zustellbeamtin nicht erinnern. Da das
1.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 7/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.
praktisch nie vorkomme, wäre ihr diese Ausnahme sicher aufgefallen. Der
Zustellbeamte, der am 23. Januar 2021 am fraglichen Zustellpunkt gewesen sei, könne
sich nicht an eine eingeschriebene Sendung erinnern. Das wäre ihm aber aufgefallen,
da an Samstagen im Normalfall keine eingeschriebenen Sendungen zugestellt würden
(act. G 9 f.). Der Beschwerdeführer führt dazu am 23. März 2021 aus, es treffe zu, dass
die Postbotin die Erlaubnis habe, auch eingeschriebene Sendungen einzuwerfen, wenn
sie durch die Glasscheibe in der Werkstatt ihn oder eine andere erwachsene Person
erkenne. Andernfalls habe sie eine Abholeinladung einzuwerfen. Er habe mit der Post
nie eine Vereinbarung getroffen, die auch nur ansatzweise mit einem
Rückbehalteauftrag zu vergleichen wäre. Die Zustellbeamtin habe ihm am 11. Februar
2021 gesagt, sie scanne bei kaltem Wetter die Briefe zentral in der warmen Poststube.
Die Aussage, sie scanne eingeschriebene Sendungen grundsätzlich erst in
unmittelbarer Nähe des Zustellpunktes, werde deshalb bestritten, und er halte am
Antrag fest, es seien die Daten des Empfangsgeräts, insbesondere Ort und Zeit der
Bestätigungen, zu edieren. Die Aussagen der Post - laut Aussage der Botin sei der
Brief am 22. Januar 2021 korrekt zugestellt worden, die Botin könne sich nicht mehr an
die erwähnte eingeschriebene Sendung erinnern - seien widersprüchlich. Wenn der
Bote am 23. Januar 2021 nicht mehr habe scannen müssen, erscheine das schlüssig,
weil die Zustellbeamtin am 22. Januar 2021 den Scan gemacht habe, ohne den Brief
einzuwerfen (act. G 12).
Wie es sich letztlich bezüglich Fristwahrung verhält, kann offengelassen werden, weil
es bereits angesichts der geschilderten Gegebenheiten als sachgerecht erscheint, von
der Einhaltung der Beschwerdefrist (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 VRP)
auszugehen und die Beschwerde materiell zu prüfen. Dies erscheint umso mehr
gerechtfertigt, als Vorinstanz, Beschwerdegegner und Beschwerdebeteiligte
hinsichtlich Fristwahrung keine Einwände erheben (vgl. auch Art. 30 Abs. 1 VRP für
den Fall der Fristwiederherstellung). Auf die Beschwerde ist mithin einzutreten. Über
die vom Beschwerdeführer in act. G 27 als "Anträge im juristischen Sinn" zu
verstehenden Ziffern 7-10 des Schreibens vom 2. August 2021 ist bei dieser
Rechtslage - die Beschwerde wird als rechtzeitig erhoben betrachtet – nicht zu
entscheiden.
ter
Die Vorinstanz hielt im angefochtenen Entscheid fest, der Beschwerdegegner habe um
Bewilligung der Umbauarbeiten im Innern des Türmlihauses, des Dekanats- und
2.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 8/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verwaltungsflügels sowie des Bankgebäudes Klosterhof 8a nachgesucht. Der Rückbau
der bestehenden Dachflächenfenster und Dunstabzugsrohre sei dabei kein Thema
gewesen. Die Beschwerdebeteiligte habe die Einsprache des Beschwerdeführers
gegen die von aussen sichtbaren Dachgauben geschützt und deren Bewilligung
verweigert sowie die Bauarbeiten im Innern bewilligt. Damit sei der einzig umstrittene
Punkt des Baugesuchs weggefallen, weshalb der Beschwerdeführer kein
schutzwürdiges Interesse mehr habe, sich weiter gegen das Baugesuch bzw. die
teilweise erteilte Baubewilligung zu wehren. Insofern sei mangels Beschwer des
Beschwerdeführers auf seinen Rekurs nicht einzutreten. Auf den Rekurs sei lediglich
insofern einzutreten, als zu prüfen sei, ob seine Anträge auf zusätzliche
Unterschutzstellung (Aufnahme des Dachs des Pfarr- und Verwaltungsflügels ins
"Prioritätenschutzinventar") und Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes
(Entfernung Dachflächenfenster und Dunstrohre auf dem südseitigen Dach) mit seiner
Einsprache hätten verknüpft (koordiniert) werden müssen. Ein Antrag auf
Unterschutzstellung eines potentiellen Schutzobjekts nach Art. 116 PBG sei dem
betroffenen Grundeigentümer vorbehalten, weshalb sich der Beschwerdeführer nicht
auf diese Bestimmung berufen könne. Er verlange die Unterschutzstellung im Rahmen
eines Baugesuchs. Eine Unterschutzstellung durch Baubeschränkungen und Auflagen
setze aber voraus, dass ein Schutzgegenstand tatsächlich beeinträchtigt werde. Eine
entsprechende Schädigung stehe aber nicht zur Diskussion, weil das (bereits unter
Schutz stehende) Professenhaus mit der Nichtbewilligung der nachgesuchten
Dachgauben weder nach den Fachmeinungen der kantonalen und städtischen
Denkmalpflege noch nach Ansicht des Beschwerdeführers selbst beeinträchtigt werde.
Dementsprechend gebe es keinen Grund, die nachgesuchten Bauarbeiten im Innern im
Sinn von Art. 121 Abs. 1 lit. b PBG bloss mit Baubeschränkungen und Auflagen (das
Dach betreffend) zu bewilligen. Aus dem gleichen Grund sei das
Baubewilligungsverfahren auch nicht mit einem weitergehenden Unterschutzstellungs-
oder Inventarisierungsverfahren zu koordinieren (act. G 2 S. 8 f. E. 3.3 bis 4.2).
Hinsichtlich des vom Beschwerdeführer im Rekursverfahren verlangten Rückbaus der
(vor Jahrzehnten eingebauten) Dachflächenfenster und Dunstrohre (Wiederherstellung
des rechtmässigen Zustands im Sinn von Art. 159 PBG) führte die Vorinstanz aus,
gemäss Bestätigung der Baubehörde (Beschwerdebeteiligte) sei der Antrag auf
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands pendent; er müsse noch behandelt
werden. Zwar habe die Baubewilligung auch den im Zusammenhang mit den geplanten
Dachgauben nachgesuchten Rückbau der bestehenden Dachflächenfenster beinhaltet.
Nachdem die Dachgauben nicht bewilligt worden seien, bestehe jedoch keine
Verpflichtung, von der Bewilligung für den Rückbau der Dachflächenfenster Gebrauch
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 9/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zu machen. Da die bestehenden Dachflächenfenster und Dunstrohre darüber hinaus
nicht Gegenstand des Baugesuchs gewesen seien, habe sich die Baubehörde
(Beschwerdebeteiligte) auch nicht zu deren Rechtmässigkeit äussern müssen. Die
bestehenden Dachflächenfenster und Dunstrohre seien zudem für den bewilligten
Ausbau des Dachstocks nicht zwingend notwendig, nachdem die Dachgauben nicht
gebaut werden dürften. Für die Belichtung sei zum einen bereits heute in der
Nordostfassade des Dachgeschosses ein Fenster vorhanden. Zum anderen kenne die
Bauordnung (BO) auch keine Vorschriften zur minimalen Belichtung eines Raumes.
Art. 55 BO für die Wohnungen sei auf die Umnutzung des Dachstuhls als
Versammlungsraum nicht anwendbar. Die bewilligten und nicht angefochtenen
Bauarbeiten im Innern würden zudem keinen Bestandesschutz für die
Dachflächenfenster und Dunstrohre begründen, wie der Beschwerdeführer befürchte.
Der Bauherrschaft (Beschwerdegegner) müsse vielmehr klar sein, dass sie den
Dachstock des Verwaltungsgebäudes im Wissen um das bei der
Beschwerdebeteiligten noch hängige Rückbauverfahren auf eigenes Risiko ausbaue
und dass sie die bestehenden Dachflächenfenster und Dunstrohre gegebenenfalls
entfernen müsse, wenn dem Rückbauantrag (im separaten, bei der
Beschwerdebeteiligten noch hängigen Verfahren) stattgegeben werde (act. G 2 S. 9 f.
E. 4.3. bis 5).
Der Beschwerdeführer führt unter anderem aus, im Zusammenhang mit der Bewilligung
des Innenum- bzw. -ausbaus sei via Nebenbestimmungen ein Zustand zu schaffen, der
im Einklang mit den Bestimmungen des öffentlichen Rechts (vorliegend: den
Erhaltungs- und Wiederherstellungszielen des Heimatsschutzrechts, des PBG und des
Kulturerbegesetzes [sGS 277.1, KEG]) stehe. Dazu gehöre die Wiederherstellung einer
unversehrten Dachhaut, wie sie die Professur südseitig als Bestandteil des Kulturerbes
vor Einbau der Dachflächenfenster aufgewiesen habe. Im Weiteren rechtfertige es sich,
dass der Beschwerdegegner verpflichtet werde, zusätzliche Gauben nordseitig
anzubringen, was auch dem Rhythmus und der Epoche der nordseitigen Befensterung
entspräche. Dann würden die Dachflächenfenster südseitig entbehrlich. Dies gäbe den
Weg frei für eine Wiederherstellung einer unversehrten, nicht von Fenstern
durchbrochenen Dachhaut südseitig über der Professur. Im Weiteren werde die
Behauptung des Beschwerdegegners bestritten, wonach die Dachflächenfenster für
den Unterhalt des Daches wichtig seien. Bestritten werde auch, dass ein Verfahren auf
Wiederherstellung pendent sei. Mit Art. 10 BO habe man wenigstens für die Altstadt
erreichen wollen, dass störende bauliche Elemente, die bei früheren Umbauten
entstanden seien, bei baulichen Änderungen in diesem Bereich entfernt werden
2.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 10/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
müssten. Sodann sei die beantragte Unterschutzstellung auch für eine
(wiederhergestellte) unversehrte Dachhaut oder einen Dachstuhl möglich, handle es
sich doch um Bauteile von besonderem kulturellem Zeugniswert. Der unrichtige Schnitt
durch das Gebäude mit dem unrichtig aufgenommenen Dachstuhl (fehlende Abbildung
der stützenfreien Dachkonstruktion im Plan Dachstuhl) könnte von einem neuen HRS-
Gebäude stammen. Der historische Wert dieses wichtigen Bauzeugen - Teil des
Welterbes - sei vorliegend von Beginn weg unterschlagen worden (act. G 1 und 6). Der
Beschwerdeführer beantragt, es sei eine Einigungsverhandlung unter Beisitz von
Stadtrat Y._ durchzuführen (act. G 22 S. 2).
Mit seinem Antrag auf Durchführung einer Einigungsverhandlung bezieht er sich im
Wesentlichen auf die Entfernung der Dachflächenfenster und Dunstrohre südhalb (act.
G 22 S. 2). Letzteres stellte indes gar nicht Bestandteil des Bauprojekts sowie der
Baubewilligung des Beschwerdegegners vom 11. September 2020 (act. G 16/1
Beilage: Bewilligung des Baugesuchs nach den Plänen vom 17. März 2020 bzw. den
Korrekturplänen vom 5. Mai 2020, mit Ausnahme der beidseitigen Dachgauben auf
dem Verwaltungsflügel) dar, welche der vorliegenden Streitigkeit zugrunde liegen. Sie
bildete auch nicht Thema des vorinstanzlichen Entscheids, weshalb die Vorinstanz wie
dargelegt auf die diesbezüglichen Anträge des Beschwerdeführers (vgl. act. G 8/1
Beilage) nicht eintrat und zudem einen entsprechenden Koordinationsbedarf mit dem
Streitgegenstand des Rekursverfahrens verneinte (vorstehende E. 2). Somit können
Dachflächenfenster und Dunstrohre südseits bzw. die vom Beschwerdeführer verlangte
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands bzw. die zusätzliche
Unterschutzstellung auch nicht Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens
bzw. einer diesbezüglichen materiellen gerichtlichen Prüfung sein, wie der
Beschwerdegegner zu Recht anmerkt (act. G 19). Nachdem hierauf somit im
vorliegenden Verfahren nicht eingetreten werden kann, liesse sich die Durchführung
einer Einigungsverhandlung durch das Verwaltungsgericht schon aus diesem Grund
nicht rechtfertigen.
3.1.
Die im vorinstanzlichen Entscheid bestätigte Rechtskraft für die Teilprojekte D, F, G
und I (act. G 2 E. 6 S. 10 f. und Dispositivziffer 2) blieb im vorliegenden Verfahren
unangefochten. Im Rahmen der materiellen Prüfung, ob die Vorinstanz die
Baubewilligung des Beschwerdegegners vom 11. September 2020 zu Recht bestätigte,
ist ein Eintreten auf die Beschwerde somit lediglich insofern noch möglich, als zu klären
3.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 11/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.
ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf die Anträge des Beschwerdeführers betreffend
Dachflächenfenster und Dunstrohre südseits sowie zusätzliche Unterschutzstellung des
Dachs (vgl. act. G 8/1 Beilage) nicht eintrat und ob sie zu Recht einen entsprechenden
Koordinationsbedarf mit dem Streitgegenstand des Rekursverfahrens verneinte. Die
Vorinstanz begründete indes ihren Standpunkt ausführlich und überzeugend (act. G 2
E. 3 und 4 und vorstehende E. 2). Anhaltspunkte für unzutreffende Annahmen und
Würdigungen sind nicht ersichtlich. Das Rückbauanliegen des Beschwerdeführers
bildet sodann Gegenstand eines separaten, bei der Beschwerdebeteiligten anhängigen
Verfahrens (Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands), weshalb er insofern im
vorliegenden Verfahren nicht (mehr) beschwert ist. Die Bestreitung der Hängigkeit eines
Wiederherstellungsverfahrens bei der Beschwerdebeteiligten mit dem Hinweis, dass
der Beschwerdeführer bis heute noch keine Verfahrensnummer dieses Verfahrens
erhalten habe (act. G 1 S. 4), vermag die Einleitung des von der Beschwerdebeteiligten
bestätigten Verfahrens (vgl. G 8/8 S. 2; act. G 2 S. 9 E. 4.3.2) nicht in Frage zu stellen.
Mit seinem Antrag, es sei via Nebenstimmung anzuordnen, dass der Innenausbau der
Professur nur realisiert werden dürfe, wenn gleichzeitig die Dachflächenfenster und
Dunstrohre südseitig über der Professur entfernt würden sowie der neue Zustand ins
Prioritätenschutzinventar aufgenommen werde (act. G 1), vermischt der
Beschwerdeführer die Realisierung der Baubewilligung mit dem (pendenten)
Wiederherstellungsverfahren: Die Erledigung des Wiederherstellungsverfahrens tangiert
als solche die von der Vorinstanz bestätigte Baubewilligung insofern nicht, als letztere
grundsätzlich unabhängig vom Wiederherstellungsverfahren realisiert werden kann.
Indes wird der Beschwerdegegner im eigenen Interesse die Realisierung der
Baubewilligung auf eine allfällige künftige Anordnung einer Wiederherstellung
(Entfernung Dachflächenfenster und Dunstrohre) abstimmen. Das von ihm in der
Eingabe vom 17. Mai 2021 in Aussicht genommene Änderungsgesuch für die
Dachgestaltung (Korrektureingabe für drei zusätzliche Dachgauben auf der Nordseite),
welches auch eine Änderung (Schliessung) der Dachflächenfenster gegen Süden
umfassen würde (vgl. act. G 19 Ziffer 2), wäre daher zweckmässigerweise wohl mit
dem Wiederherstellungsverfahren zu koordinieren.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
angefochtenen Rekursentscheids abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Dem
Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zulasten des Beschwerdeführers (Art. 95 Abs. 1 VRP).
4.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 12/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte