Decision ID: d25e1313-5fd0-52ad-85bb-3fab45802d32
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ erlitt am 26. Januar 2014 auf einer Wanderung bei einem Sturz über einen
Abhang ein Polytrauma mit diversen Verletzungen (insbesondere ein Thoraxtrauma,
Wirbel- und Rippenfrakturen, Lungenverletzungen und eine Dünndarmkontusion, zu
den detaillierten Diagnosen siehe den Austrittsbericht des Kantonsspitals St. Gallen
vom 5. Februar 2014, Fremd-act. 1-103). Seine seit 1985 vollzeitlich ausgeführte
Tätigkeit als Mechaniker bei der B._ AG nahm er im Oktober 2014 mit kleinem
Anfangspensum wieder auf (Fremd-act. 4-2).
A.b Am 4. März 2015 meldete sich der Versicherte zum Leistungsbezug bei der
Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 1). Sein Arbeitspensum steigerte er kontinuierlich
und erreichte ab 1. Juli 2015 ein solches von 60% (vgl. IV-act. 32; 44-1; Fremd-
act. 6-10). Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen teilte ihm am 28. August 2015 mit, sie
gewähre ihm Beratung und Unterstützung beim Erhalt des Arbeitsplatzes (IV-act. 28).
Wegen einer Zunahme der Schmerzen reduzierte der Versicherte per Dezember 2015
das Pensum wiederum auf 50% (vgl. Fremd-act. 6-3; IV-act. 44-1). Eine
Eingliederungsberaterin der IV führte am 9. März 2016 eine Abklärung am Arbeitsplatz
durch (IV-act. 44-3 f.). Mit Mitteilung vom 18. April 2016 sprach die IV-Stelle dem
Versicherten ein Hilfsmittel zu ("Gummimatte", IV-act. 46) und verneinte einen
Anspruch auf weitere berufliche Massnahmen (IV-act. 47).
A.c Dr. med. C._, Kreisarzt der Suva als zuständiger Unfallversicherung, hatte am
20. Januar 2016 eine Abschlussuntersuchung vorgenommen und war zur Beurteilung
gelangt, dass die aktuelle Tätigkeit zu 50% weiter ausführbar und zumutbar sei. In
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einer körperlich leichteren Tätigkeit mit Wechselbelastung wäre auch eine Steigerung
auf max. 60-70% in Zukunft denkbar (IV-act. 49-10 f.). Basierend auf einem
Invaliditätsgrad von 43% sprach die Suva dem Versicherten ab 1. März 2016 eine
Rente und für eine Integritätseinbusse von 15% eine Integritätsentschädigung zu
(Fremd-act. 10-2). Da Dr. med. D._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst
(RAD) das Ausmass der gemäss Dr. C._ verbliebenen Einschränkung nicht
nachvollziehen konnte (vgl. Stellungnahme vom 24. Juni 2015, IV-act. 57-3),
veranlasste die IV-Stelle eine bidisziplinäre Begutachtung (orthopädisch und
psychiatrisch) beim Begutachtungsinstitut IME – Interdisziplinäre Medizinische
Expertisen, St. Gallen. Im Gutachten vom 26. September 2016 wird als Diagnose mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit insbesondere ein belastungsabhängig
verstärktes thoracoscapuläres Schmerzsyndrom ohne Radikulopathie genannt. Der
Gutachter Dr. med. E._, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, bezeichnete die zuletzt ausgeübte Tätigkeit
grundsätzlich als adaptiert und attestierte in dieser und anderen geeigneten Tätigkeiten
eine Arbeitsfähigkeit von 80%. Der begutachtende Psychiater Prof. Dr. med. F._
erhob in seinem Fachgebiet keine Diagnosen und Einschränkungen (IV-act. 61-3, 61-5).
A.d Abstellend auf dieses Gutachten berechnete die IV-Stelle bei einem
Valideneinkommen von 72'800.-- und einem auf der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung (LSE) beruhenden Invalideneinkommen von Fr. 53'162.-- einen
Invaliditätsgrad von 27% und kündigte dem Versicherten mit Vorbescheid vom
24. Oktober 2016 die Verneinung eines Rentenanspruchs an (IV-act. 64). Dagegen
wandten sich der Hausarzt des Versicherten, Dr. med. G._, am 15. November 2016
(IV-act. 68-3 f.) und die Procap am 22. November 2016 (IV-act. 68-1 f.). Letztere
beantragte, es sei auf die Invaliditätsbemessung der Suva abzustellen. Nach
Rücksprache mit dem RAD (vgl. IV-act. 70) unterbreitete die IV-Stelle den Gutachtern
Ergänzungsfragen zur Arbeitsfähigkeit mit und ohne eine konkrete
Medikamenteneinnahme (IV-act. 71). Diesbezüglich war im Gutachten von
Noncompliance des Versicherten ausgegangen worden. Dr. E._ antwortete am
3. Februar 2017 im Wesentlichen dahingehend, dass das Attest der Arbeitsfähigkeit
von 80% auch ohne Einnahme des diskutierten Medikaments gälte (IV-act. 72).
Nachdem der Versicherte von der Möglichkeit einer zweiten Anhörung keinen
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Gebrauch gemacht hatte (IV-act. 74), verfügte die IV-Stelle am 10. April 2017 gemäss
Ankündigung die Verneinung des Rentenanspruchs (IV-act. 76).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 10. April 2017 erhob der Versicherte, vertreten durch
die Procap, am 23. Mai 2017 Beschwerde. Beantragt wurden unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen die Aufhebung der Verfügung, die Zusprache einer IV-Rente und
eventualiter die Rückweisung der Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen. In der
Begründung wird im Wesentlichen geltend gemacht, die IV-Gutachter hätten ihre
verglichen mit der kreisärztlichen Meinung höhere Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht
begründet. Es handle sich um zwei unterschiedliche Einschätzungen des gleichen
Sachverhalts. Unter Berücksichtigung der Erhöhung des Pensums durch den
Beschwerdeführer und der Notwendigkeit der Reduktion erscheine die Einschätzung
des Kreisarztes überzeugender. Kritisiert würden auch der Einkommensvergleich bzw.
das Invalideneinkommen. Der Beschwerdeführer sei erwerbstätig und schöpfe seine
Restarbeitsfähigkeit aus, weshalb auf den effektiven Lohn abzustellen sei. Sollte von
einem hypothetisch ermittelten Einkommen ausgegangen werden, müsse von den
Durchschnittslöhnen der LSE ein Abzug von mindestens 15% vorgenommen werden
(act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 26. Juli 2017
die Abweisung der Beschwerde. Die unfallbedingten Verletzungen des
Beschwerdeführers seien unstrittig gut abgeheilt. Auch die Funktionsausfälle seien
nicht so gravierend, dass sie seine Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
quantitativ erheblich beeinträchtigten. Die im IME-Gutachten attestierte Arbeitsfähigkeit
von 80% sei daher gut nachvollziehbar. Da der Beschwerdeführer diese
Arbeitsfähigkeit nicht voll ausschöpfe, sei beim Invalideneinkommen auf die
Tabellenlöhne abzustellen. Bei einem Leidensabzug von 10% resultiere ein nicht
rentenbegründender Invaliditätsgrad von 35% (act. G 4).
B.c Der Beschwerdeführer lässt in der Replik vom 29. September 2017 an seinen
Anträgen festhalten. Selbst wenn dem Gutachten gefolgt würde, müsste der darin
genannte Verlauf berücksichtigt werden. Gemäss dem Gutachten könne frühestens ab
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der kreisärztlichen Stellungnahme vom 20. Januar 2016 von einer 80%-igen
Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden (act. G 8).
B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet.

Erwägungen
1.
1.1 Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der
Rentenanspruch des Beschwerdeführers.
1.2 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.3 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
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gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.4 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.5 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a).
2.
Bei der Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit stützte sich die Beschwerdegegnerin auf
das IME-Gutachten (80% Arbeitsfähigkeit in der angestammten und einer anderen
adaptierten Tätigkeit), während der Beschwerdeführer die kreisärztliche Beurteilung
(60-70% Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit) für plausibler hält.
2.1 Gegenüber dem Kreisarzt Dr. C._ hatte der Beschwerdeführer angegeben, dass
das Laufen kein Problem mehr sei. Sitzen könne er 10-15 Minuten, dann müsse er
aufstehen und 10-15 Schritte machen, danach seien die Beschwerden wieder
verschwunden und er könne normal weiterarbeiten. Er nehme täglich 2-3 Tabletten
Palexia. Diese hätten einen positiven Effekt auf seine Beschwerden und er könne somit
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seiner Arbeit vollumfänglich nachkommen. Der Kreisarzt hielt fest, dass keine
Bewegungseinschränkungen bestünden. Lediglich am linken Arm sei die Beweglichkeit
bei maximaler Abduktion endgradig leicht vermindert (170° links, 175° rechts). Beim
tiefen Einschnaufen könne der Beschwerdeführer einen akzeptablen Schmerz entlang
des vorderen Rippenbogens provozieren, der aber nicht ständig präsent sei. Andere
Beschwerden oder Probleme beständen laut ihm nicht. Dr. C._ erhob bei der
klinischen Untersuchung kaum auffällige Befunde (siehe detailliert im
Untersuchungsbericht S. 3 unten und 4 oben, IV-act. 49-8 f.). Die komplette Mobilität
liege im Normalbereich, sei wie vor dem Unfall und schmerzfrei ausführbar. In der
Beurteilung hielt der Kreisarzt fest, die Beschwerden beim Sitzen mit Ausstrahlung in
den Rücken bis interscapulär seien für ihn nicht ganz nachvollziehbar, da weder an der
LWS noch am Becken eine Fraktur oder Läsion sichtbar sei. Die im Bereich der
Scapula intermittär (wohl: intermediär) bestehenden Beschwerden nach längerer Arbeit
seien erklärlich, da hier im Bereich BWK 4 und 8 der Hauptbefund liege (deutliche
Winkelbildung, Höhenminderung mit Keilwirbelbildung). Die Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit von 30-40% in einer adaptierten Tätigkeit begründete der Kreisarzt
dann jedoch nicht näher. Dass der RAD das Ausmass bei dieser Sachlage mit den
organisch einzig ausgewiesen verbliebenen Schäden in der BWS nicht nachvollziehen
konnte (vgl. IV-act. 57-3), ist nicht erstaunlich, zumal bei den vom Kreisarzt
protokollierten "Angaben des Versicherten" die Schmerzen im Bereich von BWS und
linker Schulter nur im Kontext der erwähnten Sitzdauer von 10-15 Minuten und ein
Verschwinden derselben nach einigen Schritten erwähnt wurden.
2.2 Dr. E._ hielt demgegenüber in seinem Gutachten umfassendere Schmerzangaben
fest. Der Beschwerdeführer habe die meisten Schmerzen zwischen den
Schulterblättern und "im Moment" auch starke Schmerzen in der linken Schulter
angegeben. Dort verspüre er einen Schmerz, der in den linken Brustkasten übergehe
mit schmerzhaftem gesamtem linkem Rippenbogen. Auch verspüre er einen starken
Druckschmerz/Berührungsschmerz im Bereich der linksseitigen unteren Thoraxapertur.
Erwähnt wurden auch Probleme beim Sockenanziehen (IV-act. 61-63). Die geschilderte
Schmerzverstärkung brachte der Beschwerdeführer damit in Zusammenhang, dass er
im Zeitpunkt der Untersuchung am 30. August 2016 in der Urlaubssaison nur mit zwei
weiteren Kollegen im Betrieb tätig sei und er zusätzlich zu seinem üblichen montags,
mittwochs und freitags absolvierten Pensum von 50% nun auch am Dienstag- und
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Donnerstagnachmittag arbeite (IV-act. 61-64). Dr. E._ protokollierte seine
Untersuchungen und Beobachtungen ausführlich. Wie Dr. C._ erhob auch er nicht
viele Auffälligkeiten. So waren etwa das Entkleiden und das Gangbild flüssig und
unauffällig. Schulter- und Rückenmuskulatur waren symmetrisch kräftig ausgebildet
und dem Gesamthabitus entsprechend gut konditioniert und regelrecht tonisiert. Die
gesamte Wirbelsäule wurde ausführlich auf ihre Beweglichkeit untersucht und beurteilt
(zum positiven Waddell'schen Stauchungstest siehe S. 24 des Gutachtens, IV-
act. 61-76). Auch die ausführliche Untersuchung beider Schultern erbrachte
weitgehend seitengleiche unauffällige Resultate (mit Ausnahme einer Einschränkung
beim Führen des linken Ellbogengelenks in eine Horizontale mit dem Schultergelenk,
S. 28). Die detaillierten Ausführungen zu den übrigen Körperteilen (Hände, Hüfte, Knie,
Sprunggelenke, Füsse) lassen keine relevanten Auffälligkeiten erkennen. Die im
Rahmen der Untersuchung durchgeführten nativradiologischen Röntgenaufnahmen
zeigten eine knöcherne Ausheilung der Frakturen an BWS, Rippen und Scapulablatt.
Dr. E._ hielt fest, mit den Untersuchungsbefunden von Dr. C._ uneingeschränkt
einig zu gehen. Auch teilte er dessen Ansicht einer dauerhaften vollen
Arbeitsunfähigkeit in einer körperlich schweren, rückenbelastenden Tätigkeit. Wie der
Kreisarzt erkannte auch Dr. E._ eine Limitierung des Beschwerdeführers in der
biomechanischen Funktion seines linken Schulterblatts und seiner BWS. Er definierte
ausführlich zu vermeidende Tätigkeiten und gab eine Beschreibung des positiven
Leistungsbilds ab (S. 51 f., IV-act. 61-103 f.). Dass er zum Schluss einer
Arbeitsfähigkeit von 80% in dem positiven Leistungsbild entsprechenden Tätigkeiten
gelangte, ist insgesamt vor dem Hintergrund der ausführlichen Testergebnisse und in
Anbetracht des guten Trainingszustands des Beschwerdeführers plausibel.
2.3 In Bezug auf die von den Parteien kontrovers diskutierte Medikamenteneinnahme
und deren Bedeutung ist festzuhalten, dass Dr. C._ ohne
Blutserumspiegelbestimmung und damit ohne Überprüfung die Behauptung des
Beschwerdeführers festhielt, wonach dieser 2-3 Tabletten Palexia einnehme. Er wies
darauf hin, dass der Beschwerdeführer nach seinen Angaben die
Schmerzmitteleinnahme in den kommenden Monaten mindestens halbieren wolle.
Gegenüber den IME-Gutachtern gab der Beschwerdeführer an, dreimal täglich Palexia
einzunehmen und die letzte Tablette am Morgen vor der Begutachtung eingenommen
zu haben. Mit Blick auf die Ausführungen der Gutachter zur fehlenden Nachweisbarkeit
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in der Blutkontrolle (IV-act. 72-3; 61-48; 61-101) hat als erstellt zu gelten, dass diese
Angaben zur Einnahme des Medikaments nicht zutreffen. Die Behauptung in der
Beschwerdeschrift, der Beschwerdeführer habe das Medikament erst bei Ankunft am
Begutachtungsort eingenommen (S. 5), vermag den fehlenden Nachweis im Blut nicht
zu erklären. Die Begutachtung begann um 9.30 Uhr und die Blutentnahme erfolgte um
10.30 Uhr (vgl. den Scan des Dokuments des Labors auf S. 40 des psychiatrischen
Gutachtens, IV-act. 61-46). Maximale Serumkonzentrationen werden typischerweise
etwa 1.25 Stunden nach oraler Einnahme von Palexia beobachtet (vgl. die
Fachinformation zu Palexia, herausgegeben von Swissmedic, abrufbar unter
www.swissmedicinfo.ch). Folglich hätte der Wirkstoff bei der Blutuntersuchung sogar in
hohem Masse nachweisbar sein müssen, wäre die Einnahme des Medikaments
tatsächlich bei Ankunft am Begutachtungsort erfolgt. Dass der Beschwerdeführer das
zentral wirksame Analgetikum Palexia nicht über längere Zeit einnehmen wollte bzw.
bestrebt war, die Einnahme zu reduzieren, ist zwar durchaus einfühlbar. Aus
medizinischer Sicht war ihm die Einnahme von 2 bis 3 täglichen Dosen à 50mg
(immerhin die tiefste erhältliche Dosierung von Palexia, die abhängig von der
Schmerzintensität gar alle 4 bis 6 Stunden eingenommen werden darf; vgl. die
Fachinformation auf www.swissmedicinfo.ch) jedoch zumutbar. Wenn dadurch eine
Schmerzreduktion und damit eine höhere zeitliche Arbeitsleistung möglich ist – wovon
nach Lage der Akten auszugehen ist –, so ist er dazu im Rahmen der ihm obliegenden
Schadenminderungspflicht (vgl. Art. 21 Abs. 4 ATSG) gehalten. Darüber scheint er sich
im Klaren gewesen zu sein, sonst hätte er gegenüber den beiden IME-Gutachtern wohl
nicht eine unzutreffend hohe Einnahme angegeben. Hinzu kommt, dass er im Zeitpunkt
der Untersuchung durch Dr. E._ sein übliches 50%-Pensum, ausgeführt montags,
mittwochs und freitags, wegen eines betrieblichen Engpasses mit zusätzlichen
Einsätzen dienstag- und donnerstagnachmittags überschritt (S. 12, IV-act. 61-64), zwar
über mehr Schmerzen klagte, die Medikamenteneinnahme aber dennoch nicht auf die
behauptete Dosis erhöhte. Dies kann als Hinweis darauf gewertet werden, dass die um
10-20% höhere Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. E._ eher zutreffen dürfte als jene
von Dr. C._.
2.4 Dass die angestammte Tätigkeit den gesundheitlichen Einschränkungen des
Beschwerdeführers optimal Rechnung trägt, wie Dr. E._ annimmt, wird von den
Parteien nicht bestritten. Dr. C._ war nicht dieser Ansicht und attestierte in einer den
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Beschwerden besser angepassten Tätigkeit eine höhere Arbeitsfähigkeit. Vor dem
Hintergrund dessen, dass die angestammte Tätigkeit durchwegs körperlichen Einsatz
mit regelmässiger Gewichtsbelastung von 5-8 kg erfordert (IV-act. 44-3; 61-104) und
dass der Beschwerdeführer eine belastungsabhängige Schmerzzunahme beschreibt,
ist dies grundsätzlich plausibel. Wie es sich damit verhält, kann letztlich jedoch
offenbleiben. Denn bei der angelernten Mechaniker-Tätigkeit handelt es sich nicht um
eigentlich qualifizierte Arbeit, sodass dem Beschwerdeführer die Aufnahme einer
körperlich besser geeigneten anderen Hilfsarbeit zumutbar und auf dem
massgebenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt auch möglich wäre. Da er die ihm
verbleibende Arbeitsfähigkeit von 80% am aktuellen Arbeitsplatz nicht voll ausschöpft,
kann nicht auf den tatsächlich erzielten Verdienst abgestellt werden. Insgesamt ist
nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung
bei der Festsetzung des Invalideneinkommens vom statistischen Durchschnittslohn für
männliche Hilfsarbeiter und einem Arbeitspensum von 80% ausgegangen ist.
3.
Im Folgenden ist der Invaliditätsgrad zu berechnen. Dafür ist unbestrittenermassen ein
Einkommensvergleich vorzunehmen (Art. 16 ATSG). Der Beschwerdeführer hat sich im
März 2015 zum IV-Leistungsbezug angemeldet, sodass der frühestmögliche
Rentenbeginn unter Berücksichtigung von Art. 29 Abs. 1 IVG auf den 1. September
2015 fällt. Folglich ist der Einkommensvergleich per 2015 vorzunehmen.
3.1 Das Valideneinkommen von Fr. 72'800.-- ist zu Recht unbestritten geblieben und
gilt auch für das Jahr 2015 (IV-act. 9-3; Fremd-act. 9-14).
3.2 Für das Invalideneinkommen gilt Folgendes:
3.2.1 Per 1. September 2015 arbeitete der Beschwerdeführer 60% und ab 1. Dezember
2015 wiederum 50% (vgl. den Sachverhalt in lit. A.b). Dr. E._ ging plausibel davon
aus, dass spätestens ab der kreisärztlichen Untersuchung vom 20. Januar 2016 von
einer Arbeitsfähigkeit von 80% auszugehen ist (S. 53, IV-act. 61-105). Dass bereits vor
dieser Untersuchung eine Arbeitsfähigkeit von 80% vorgelegen hat, ist unbewiesen.
Andererseits ist nicht erstellt, dass die Pensumsreduktion von 60% auf 50% per 1.
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Dezember 2015 in einer den Beschwerden optimal Rechnung tragenden Tätigkeit und
bei ausreichender Medikamenten-Compliance aus medizinischer Sicht angezeigt
gewesen wäre. Eine vorübergehende gesundheitliche Verschlechterung zwischen
Dezember 2015 und der kreisärztlichen Abschlussuntersuchung vom 20. Januar 2016
wird nicht behauptet. Folglich erscheint es sachgerecht, für die Zeit vom 1. September
2015 bis zum 20. Januar 2016 von einer Arbeitsunfähigkeit von 40% und ab dann von
20% auszugehen.
3.2.2 Das sog. Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG war am 1. September 2015 bei
voller Arbeitsunfähigkeit seit dem Unfall im Januar 2014 und bis 31. August 2015
durchgehend bestehender Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40% (lit. b) offenkundig
erfüllt.
3.2.3 Im Jahr 2015 belief sich der durchschnittliche Hilfsarbeiterlohn gemäss der
Tabelle TA1 der LSE 2014 mit Nominallohnbereinigung per 2015 auf Fr. 66’633.-- (vgl.
auch Anhang 2 der von der Informationsstelle AHV/IV herausgegebenen IV-
Gesetzgebung, Ausgabe 2019). Während die Suva einen Tabellenlohnabzug von 5%
gewährte (Fremd-act. 10-3 f.), hat die Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort
einen solchen von 10% vorgenommen (act. G 4 Ziff. III/4). Ein Abzug von 10%
erscheint angemessen. Der Beschwerdeführer kann keine körperlich schweren
Arbeiten mehr verrichten und nur noch gelegentlich mittelschwere Arbeiten ausführen.
Er verfügt über ein eingeschränktes Rendement und ist offenkundig weniger flexibel
einsetzbar als ein gesunder Arbeitnehmer, er muss etwa eine lange Mittagspause und
auch sonst flexibel Pausen machen können. Weitere Gründe für einen Abzug sind
hingegen nicht ersichtlich, so insbesondere praxisgemäss auch nicht das Alter des
Beschwerdeführers von 52 Jahren (September 2015). Damit beläuft sich das
Invalideneinkommen bei einer Arbeitsfähigkeit von 60% auf Fr. 35'982.-- (Fr. 66'633.--
x 0.9 x 0.6) und bei einer Arbeitsfähigkeit von 80% auf Fr. 47'976.-- (Fr. 66'633.-- x 0.9
x 0.8).
3.2.4 Bei einem Valideneinkommen von Fr. 72'800.-- und einem Invalideneinkommen
von Fr. 35'982.-- beträgt der Invaliditätsgrad 50.6% und bei einem
Invalideneinkommen von Fr. 47'976.-- 34.1%. Folglich besteht während der Dauer der
Arbeitsfähigkeit von 60% unter Berücksichtigung der 3-monatigen Verzögerung
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gemäss Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV;
SR 831.201) vom 1. September 2015 bis 30. April 2016 Anspruch auf eine halbe
Invalidenrente. Ab 1. Mai 2016 besteht mangels Erreichens der
rentenanspruchsbegründenden Grenze von 40% kein Rentenanspruch mehr.
4.
4.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
Verfügung vom 10. April 2017 insofern gutzuheissen, als dem Beschwerdeführer vom
1. September 2015 bis 30. April 2016 eine halbe Invalidenrente zuzusprechen ist. Die
Sache ist zur Rentenberechnung und -ausrichtung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit angemessen. In Anbetracht der
Tatsache, dass dem Beschwerdeführer statt der beantragten unbefristeten Rente nur
eine befristete Rente für sieben Monate zuzusprechen ist, ist ermessensweise von
einem Obsiegen zu einem Drittel auszugehen. Entsprechend bezahlt die
Beschwerdegegnerin die Gerichtsgebühr im Umfang von Fr. 200.-- und der
Beschwerdeführer im Betrag von Fr. 400.--. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr.
600.-- ist dem Beschwerdeführer daran anzurechnen und im Umfang von Fr. 200.--
zurückzuerstatten.
4.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO; sGS
963.75; in der vorliegend anwendbaren, seit 1. Januar 2019 gültigen Fassung, siehe
Art. 30 HonO) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Im vorliegenden Fall erscheint
eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'600.-- (inkl. Barauslagen und
bis
bis
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Mehrwertsteuer) bei vollem Obsiegen angemessen. Dem Ausmass des Obsiegens
entsprechend hat die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer mit Fr. 1'200.-- (inkl.
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.