Decision ID: 89d7eda5-7c59-47d8-b827-163e4da474a1
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend
Berichtigung der Personalien
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichtes - Freiwillige Gerichtsbarkeit des Bezirksgerichtes Zürich vom 13. Juli 2018 (EP160029)
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Rechtsbegehren: (act. 1 S. 2)
"1. Es sei das korrekte Geburtsdatum des Klägers festzustellen und das Zivilstandsamt B._ anzuweisen, die folgenden Änderungen in der zentralen Datenbank Infostar vorzunehmen: Das Geburtsdatum des Klägers sei von tt. Juli 1974 auf den tt. August 1966 zu berichtigen.
2. Es sei dem Kläger die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und ich der Person des Unterzeichnenden ein unentgeltlicher Rechtsbeistand beizuordnen."
Urteil des Einzelgerichtes des Bezirksgerichtes Zürich vom 13. Juli 2018:
(act. 42 = act. 46 = act. 48 S. 14)
1. Das Begehren des Gesuchstellers um Feststellung der Personalien wird abgewiesen.
2. Die Kosten werden festgesetzt auf: Fr. 900.– Entscheidgebühr; Fr. 526.25 Dolmetscherkosten. 3. Die Kosten werden dem Gesuchsteller auferlegt, jedoch zufolge Bewilli-
gung der unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen auf die  genommen. Eine Nachforderung im Sinne von Art. 123 ZPO bleibt vorbehalten.
4./5. [Schriftliche Mitteilung / Rechtsmittelbelehrung: Berufung, 10 Tage, kein Fristenstillstand].
Berufungsanträge: (act. 47 S. 2)
"1. Das vorinstanzliche Urteil sei aufzuheben. 2. Es sei das korrekte Geburtsdatum des Klägers festzustellen und das
Zivilstandsamt B._ anzuweisen, die folgenden Änderungen in der zentralen Datenbank Infostar vorzunehmen: Das Geburtsdatum des Klägers sei von tt. Juli 1974 auf den tt. August 1966 zu berichtigen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Staatskasse."
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Erwägungen:
I. (Sachverhalt und Prozessgeschichte)
1.
1.1. A._ (Gesuchsteller und Berufungskläger, nachfolgend nur Berufungs-
kläger) ist in Afghanistan geboren worden und am 12. April 1999 in die Schweiz
eingereist (act. 7/4). In der Folge stellte er bei der Empfangsstelle Kreuzlingen am
14. April 1999 einen Antrag auf Gewährung von Asyl (act. 7/2 und act. 7/4). Dabei
wurde sein Geburtsdatum stets per tt. Juli 1974 (bzw. gemäss dem afghanischen
Kalender per tt. April 1353) erfasst (vgl. Akten Staatssekretariat für Migration
SEM, act. 7/1 - 11). Mit Asylentscheid vom 8. März 2000 wurde dem Berufungs-
kläger in der Schweiz Asyl gewährt (act. 7/6).
1.2 Im Zusammenhang mit der Geburt des Kindes C._ am tt.mm.2005 wur-
de das Geburtsdatum des Berufungsklägers beim vom Zivilstandsamt ebenfalls
mit dem tt. Juli 1974 erfasst. Dieses Geburtsdatum entspricht den dem Zivil-
standsbeamten damals vorgelegten Dokumenten (act. 8/6 - 9 und act. 8/11). Zu-
dem wurden die für die Registrierung erfassten Personendaten vom Berufungs-
kläger am 27. Mai 2005 ausdrücklich bestätigt (act. 8/10).
2.
2.1 Mit Eingabe vom 11. Mai 2016 stellte der Berufungskläger beim Einzelge-
richt des Bezirksgerichtes Zürich - Freiwillige Gerichtsbarkeit (nachfolgend Vor-
instanz) ein Begehren um Berichtigung des Zivilstandsregisters in Bezug auf sein
Geburtsdatum. Konkret verlangte er damit die Änderung seines per tt. Juli 1974
registrierten Geburtsdatums auf den tt. August 1966 (vgl. act. 1 S. 2, Antrag
Nr. 1). Gleichzeitig stellte er ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege (vgl. act. 1 S. 2, Antrag Nr. 2).
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2.2 Nachdem die Vorinstanz diverse Akten des Staatssekretariates für Migration
(SEM) sowie des Zivilstandsamtes B._ beigezogen (act. 7/1 - 11, act. 8/1 -
16), dem Gemeindeamt des Kantons Zürich, Abteilung Zivilstandswesen, das
rechtliche Gehör gewährt hatte und das Verfahren während der für die Beschaf-
fung weiterer Dokumente durch den Berufungskläger notwendigen Zeit für mehre-
re Monate sistiert worden war (act. 30 und act. 31), wurde das Verfahren durch
die Vorinstanz am 7. Mai 2018 wieder aufgenommen (act. 37). Die persönliche
Befragung des Berufungsklägers durch die Vorinstanz fand am 6. Juli 2018 statt
(Prot. S. 7 ff.). In der Folge entschied die Vorinstanz mit Urteil und Verfügung vom
13. Juli 2018 über die Gesuche des Berufungsklägers: Während es ihm die un-
entgeltliche Rechtspflege gewährte, wies es das Gesuch des Berufungsklägers
auf Berichtigung der Personalien vollumfänglich ab, unter Auferlegung der Kosten
zu Lasten des Berufungsklägers (act. 42 und act. 48 [begründete Fassung]). Die
begründete Fassung des Urteils und der Verfügung vom 13. Juli 2018 wurde dem
Berufungskläger gemäss dem sich in den vorinstanzlichen Akten befindlichen
Empfangsschein (vgl. act. 4) am 7. November 2018 zugestellt.
2.3 Gegen den vorinstanzlichen Entscheid hat der Berufungskläger mit Eingabe
vom 19. November 2018 (Datum Poststempel) Berufung erhoben und stellte da-
mit die folgenden Berufungsanträge (act. 47 S. 2):
"1. Das vorinstanzliche Urteil sei aufzuheben. 2. Es sei das korrekte Geburtsdatum des Klägers festzustellen und das
Zivilstandsamt B._ anzuweisen, die folgenden Änderungen in der zentralen Datenbank Infostar vorzunehmen: Das Geburtsdatum des Klägers sei von tt. Juli 1974 auf den tt. August 1966 zu berichtigen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Staatskasse."
2.4 Die vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen (act. 1 - 44). Weiterungen
des Verfahrens erübrigen sich, weil sich die Sache als sogleich spruchreif erweist.
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II. (Zur Berufung im Einzelnen)
1. Die Berufung gegen einen im summarischen Verfahren ergangenen Ent-
scheid ist innert 10-tägiger Frist (Art. 314 Abs. 1 ZPO) schriftlich und begründet
einzureichen (Art. 311 Abs. 1 ZPO). Es obliegt dem Rechtsmittelkläger, in seiner
Berufung konkrete Beanstandungen vorzubringen, sich mit dem angefochtenen
Entscheid auseinanderzusetzen und genau aufzuzeigen, welchen Teil des Ent-
scheids er für falsch hält und gegebenenfalls auf welche Dokumente er seine Ar-
gumentation stützt. Sind die minimalen Anforderungen nicht erfüllt, fehlt es an den
Voraussetzungen für das Eintreten auf die Berufung (Art. 311 Abs. 1 ZPO; vgl.
OGer ZH NQ110031 vom 9. August 2011; vgl. ferner ZK ZPO-REETZ/THEILER,
3. Aufl. 2016, Art. 311 N 12 und N 38).
2. Neue Tatsachen und Beweismittel sind im Berufungsverfahren nur noch zu-
lässig, wenn sie – kumulativ – ohne Verzug vorgebracht werden (Art. 317 Abs. 1
lit. a ZPO) und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor der ersten Instanz vorge-
bracht werden konnten (Art. 317 Abs. 1 lit. b ZPO; vgl. dazu BGE 138 III 625). In
prozessualer Hinsicht hat eine Partei, welche neue Tatsachen und/oder Beweis-
mittel im Berufungsverfahren einführen will, der Rechtsmittelinstanz darzulegen,
dass dies ohne Verzug erfolgt ist und weshalb es ihr trotz zumutbarer Sorgfalt
nicht möglich gewesen war, die Tatsache und/oder das Beweismittel bereits vor
erster Instanz vorzubringen (vgl. etwa ZK ZPO-REETZ/HILBER, 3. Aufl. 2016,
Art. 317 N 49, m.w.H.; siehe auch OGer ZH LB110049 vom 5. März 2012,
E. II./1.1 und II./1.2 und OGer ZH LF170041 vom 15. Dezember 2017, E. II./2.2).
Fehlt es an dergleichen Darlegungen, erweist sich die Berufung in Bezug auf die
darin vorgetragenen Noven als unbegründet und bleiben diese schon deshalb un-
beachtlich.
3. Die Berufungsschrift vom 19. November 2018 wurde rechtzeitig und mit An-
trägen versehen eingereicht. Daraus geht hervor, dass der Berufungskläger die
Aufhebung des vorinstanzlichen Urteils vom 13. Juli 2018 sowie die Berichtigung
seines Geburtsdatums auf den tt. August 1966 verlangt (act. 47). Nicht entnom-
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men werden kann der Berufungsschrift vom 19. November 2018 jedoch, dass und
weshalb das vorinstanzliche Urteil vom 13. Juli 2018 unrichtig sein soll:
Die Vorinstanz hat das Gesuch des Berufungsklägers auf Berichtigung von
dessen im Zivilstandsregister aufgenommenem Geburtsdatum im Wesentlichen
mit der Begründung abgewiesen, einzig aus der im Rahmen des Berichtigungs-
verfahrens eingereichten Tazkira 1975 (bzw. der gestützt darauf erstellten Tazkira
2017; Tazkira = üblicher Ausweis über die Identität in Afghanistan) sei das Jahr
1966 als Geburtsjahr des Berufungsklägers ableitbar. Demgegenüber sei allen
anderen sich in den Akten befindlichen Dokumenten als Geburtsjahr des Beru-
fungsklägers das Jahr 1974 zu entnehmen, so insbesondere seinem afghani-
schen Führerausweis, der aus dem Jahr 1990 stammenden Tazkira sowie den
Befragungsprotokollen der Empfangsstelle Kreuzlingen und der Fremdenpolizei.
Auch die Heiratsurkunde weise als Geburtsjahr des Klägers nicht das Jahr 1966,
sondern das Jahr 1973 aus. Schliesslich habe sich der Berufungskläger anläss-
lich der Parteibefragung derart in Widersprüche verstrickt, dass es ihm insgesamt
nicht gelungen sei, darzutun, dass das Datum der neu eingereichten Tazkira 1975
(bzw. der Tazkira 2017) wahr sei, während sein Geburtsdatum gemäss allen übri-
gen Akten nicht der Wahrheit entsprechen soll. Die Unrichtigkeit des im Zivil-
standsregister aufgenommenen Geburtsdatums des Berufungsklägers sei damit
nicht nachgewiesen (vgl. zum Ganzen act. 48, insbes. S. 12 E. 9).
Konkrete Beanstandungen an dieser Begründung des vorinstanzlichen Ent-
scheids können der Berufung nicht entnommen werden. Bezeichnenderweise
räumt der Berufungskläger selbst ein, den Argumenten und Schlussfolgerungen
der Vorinstanz im Urteil vom 13. Juli 2018 könne grundsätzlich gefolgt werden. Es
sei ihm tatsächlich noch nicht gelungen aufzuzeigen, wie in Afghanistan die Prü-
fung der Tazkira aus dem Jahr 1975 vonstatten gegangen sei und gestützt auf
welche Erkenntnisse diese als authentisch und korrekt eingestuft worden sei
(act. 47 S. 2). Er sei sich – so der Berufungskläger weiter – aber sicher, dass die
Tazkira 1975 im Gegensatz zur Tazkira 1990 korrekt sei und er wolle alles erfor-
derliche unternehmen, um das im schweizerischen Zivilstandsregister eingetrage-
ne Geburtsdatum korrigieren zu lassen (act. 47 S. 2). Zum Beweis der Authentizi-
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tät der Tazkira 1975 offeriert er deshalb in der Berufungsschrift erstmals das Ein-
holen eines Prüfberichtes der zuständigen Stelle in Afghanistan oder aber schlägt
vor, das Obergericht solle die Tazkira 1975 der für Afghanistan zuständigen
schweizerischen Vertretung in Islamabad/Pakistan überlassen, damit diese auf
Kosten des Berufungsklägers via Vertrauensanwalt in Afghanistan die entspre-
chende Prüfung vornehmen lassen könne (vgl. act. 47 S. 2).
Damit verkennt der Berufungskläger, dass das vorinstanzliche Verfahren vor
der Berufungsinstanz nicht einfach fortgeführt oder gar wiederholt wird. Im Beru-
fungsverfahren geht es vielmehr um die Überprüfung des vom Erstgericht ge-
troffenen Entscheids aufgrund von erhobenen Beanstandungen. Unzulässig sind
deshalb etwa blosse Verweisungen auf die erstinstanzlichen Rechtsschriften
(BGE 138 III 374 E. 4.3.1 S. 375; BGer 4A_580/2015 vom 11. April 2016, E. 2.2;
BGer 4A_263/2015 vom 29.9.2015, E. 5.2.2 mit Hinweisen und BGer
4A_382/2015 vom 4.1.2016, E. 11.3.1). Das Berufungsverfahren dient nicht der
Vervollständigung des erstinstanzlichen Verfahrens, sondern der Überprüfung
und Korrektur des erstinstanzlichen Entscheides im Lichte konkret dagegen vor-
gebrachter Beanstandungen (vgl. OGer ZH LB160009 vom 17. Juni 2016, E. 3.1).
Die Berufungsschrift enthält vorliegend aber weder konkrete Beanstandungen am
vorinstanzlichen Entscheid, noch legt der Berufungskläger darin dar, weshalb es
ihm nicht zumutbar und möglich gewesen sein soll, den Beweis über die von ihm
behauptete Authentizität der Tazkira 1975 gegenüber derjenigen aus dem Jahr
1990 anhand eines Prüfberichtes der zuständigen Stelle in Afghanistan bereits im
Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens zu erbringen bzw. dort zumindest zu
beantragen. Der erstmals im Berufungsverfahren gestellte Beweisantrag erfolgt
erstens verspätet, und zweitens liegt – abgesehen davon – mit der Eingabe vom
19. November 2018 (act. 47) keine genügend begründete Berufung im Sinne von
Art. 311 Abs. 1 ZPO vor. Auf die Berufung ist daher nicht einzutreten.
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III. (Kosten- und Entschädigungsfolgen)
1. Nach dem Gesagten unterliegt der Berufungskläger und wird demzufolge
kostenpflichtig (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Ein Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Rechtspflege, die im Rechtsmittelverfahren neu zu beantragen ist (vgl.
Art. 119 Abs. 5 ZPO), wurde im hiesigen Berufungsverfahren nicht gestellt. Ein
solches wäre aufgrund der vorstehenden Begründung von vornherein aussichts-
los und daher abzuweisen gewesen.
2. Die Entscheidgebühr ist gestützt auf § 12 Abs. 1 und 2 i.V.m. § 8 Abs. 4
GebV OG auf Fr. 500.– festzusetzen. Eine Parteientschädigung ist nicht zuzu-
sprechen.