Decision ID: 4c868470-d796-4d42-8a6b-3820726cbbb3
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1978 geborene
X._
(verheiratet und Vater von v
i
er Kindern, geboren 2010, 2012 und
2015
[Zwillinge]
) absolvierte von 1996 bis 2000 eine Lehre als Elektroinstallateur und war zuletzt - nach einer beruflichen Neuorien
tierung
im Hinblick auf die Gründung einer Firma, welche Jugendlichen und Arbeitslosen eine Integration auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ermöglichen sollte
- in seinem eigenen Baugeschäft selbständig erwerbstätig und arbeitete auf dem familieneigenen Hof mit.
Der Versicherte zog sich a
m 7. April 2017
bei einem Arbeitsunfall auf der Kuhweide eine Knieverletzung zu (vgl. Unfall
meldung vom 16. Juli 2017, Urk. 7/9), welche am 27. Juni 2017 operiert wurde. Die Schweizerische Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG
(nachfolgend: Mobiliar)
trat
als Unfallversicherung
auf den Schaden ein und
gewährte bis am
26. Juni 2019
Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen
(Urk. 7/33).
Am 22. Dezember 2017
meldete
sich
X._
bei der Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 7/3).
Darauf
hin traf die IV-Stelle medizini
sc
he und erwerbliche Abklärungen und teilte dem Versicherten am 11. Juni 2018 mit, dass
aufgrund
seines
Gesundheitszustandes
(noch
eine
weitere Knie-Operation notwendig)
keine beruflichen
Eingliederungs
massnahmen
angezeigt seien
(Urk. 7/18). Am Eingliederungsgespräch vom 11. September 2019 ersuchte der Versicherte um Umschulung
und begründete dies mit Schreiben vom 18. September 2019
(Urk. 7/39 und Verlaufsprotokoll der Eingliederungsberatung, Urk. 7/63)
. Am
2. Oktober 2019
erliess
die IV-Stelle
einen
Vorbescheid
, womit ein Anspruch auf
Umschulung
verneint wurde
(Urk. 7/44), wogegen der Versicherte am 1. November 2019 Einwand erhob (Urk. 7/45).
Daraufhin
liess
die IV-Stelle eine Abklärung der Qualifikation sowie der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit im Beruf und Haushalt durchführen (vgl. Ab
klä
rungsbericht vom 14. Februar 2020, Urk. 7/50).
Mit Mitteilung vom 19. Februar 2020 wurde
X._
Arbeitsvermittlung in Form von Bera
tung und Unterstützung bei der Stellensuche durch
die
Y._
zuge
sprochen (Urk. 7/51). Der Versicherte nahm mit Eingabe vom 15. April 2020 Stel
lung zum Abklärungsbericht betreffend Qualifikation (Urk. 7/55). Mit Verfügung vom 22. Juli 2020 (
Urk. 2) lehnte die IV-Stelle eine Kostengutsprache für eine
Umschulung
ab.
2.
Hiergegen erhob
X._
am 11. September 2020 Beschwerde und bean
tragte, es seien ihm unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 22. Juli 2020 die gesetzlichen Leistungen, insbesondere Umschulungsmassnahmen, zu gewähren (Urk. 1).
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom
27. Oktober 2020 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6, unter Beilage ihrer Akten, Urk. 7/1-64), was dem Beschwerdeführer am 4. November 2020 mitgeteilt wurde (Urk. 8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird - soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8
Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
). Nach Massgabe der Art. 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2
lit
. c IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon,
ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbs
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.3
Gemäss
Art.
17 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (
Abs.
1). Der Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit ist die Wiedereinschulung in den bisherigen Beruf gleichgestellt (
Abs.
2). Als Umschu
lung gelten gemäss
Art.
6
Abs.
1
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
Ausbildungsmassnahmen, die Versicherte nach Abschluss einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vor
gängige berufliche Ausbildung wegen ihrer Invalidität zur Erhaltung oder Ver
besserung der Erwerbsfähigkeit benötigen.
1.4
Nach der Rechtsprechung ist unter Umschulung grundsätzlich die Summe der Eingliederungsmassnahmen berufsbildender Art zu verstehen, die notwendig und geeignet sind, der vor Eintritt der Invalidität bereits erwerbstätig gewesenen ver
sicherten Person eine
ihrer früheren annähernd gleichwertige Erwerbsmöglichkeit
zu vermitteln. Dabei bezieht sich der Begriff der «annähernden Gleichwertigkeit» nicht in erster Linie auf das Ausbildungsniveau als solches, sondern auf die nach erfolgter Eingliederung zu erwartende Verdienstmöglichkeit. In der Regel besteht nur ein Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren. Denn das Gesetz will die Eingliederung lediglich so weit sicherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist (BGE 130 V 488 E. 4.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_163/2008 vom 8. August 2008 E. 2.2). Schliesslich setzt der Anspruch auf Umschulung voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20
%
erleidet, wobei es sich um einen blossen Richtwert handelt (BGE 130 V 488 E. 4.2, 124 V 108 E. 2a und b mit Hinweisen auf u.a. AHI 1997 S. 80 E. 1b; ZAK 1984 S. 91 oben, 1966 S. 439 E.
3).
Hievon
kann namentlich bei jungen Versicherten mit entsprechend langer ver
bleibender Aktivitätsdauer abgewichen werden, wenn es sich bei den ohne
Umschulung
zumutbaren angepassten Tätigkeiten um unqualifizierte Hilfsar
beiten handelt, die im Vergleich zur erlernten Tätigkeit qualitativ nicht als annä
hernd gleichwertig bezeichnet werden können (BGE 124 V 108 E. 3c; Urteile des Bundesgerichts 9C_320/2020 vom
6.
August 2020 E. 2.2, 9C_393/2020 vom 1
4.
Juli 2020 E. 2.2, 8C_808/2017 vom 11. Januar 2018 E. 3, 8C_559/2014 vom 2
9.
Oktobe
r 2014 E. 3, je mit Hinweisen).
Für die Beurteilung der Gleichwertigkeit im Sinne der erwähnten Rechtsprechung ist in erster Linie auf die miteinander zu vergleichenden Erwerbsmöglichkeiten im ursprünglichen und im neuen Beruf oder in einer der versicherten Person zumutbaren Tätigkeit abzustellen. Zwar geht es nicht an, den Anspruch auf Umschulungsmassnahmen – gleichsam im Sinne einer Momentaufnahme – aus
schliesslich vom Ergebnis eines auf den aktuellen Zeitpunkt begrenzten Einkom
mensvergleichs, ohne Rücksicht auf den qualitativen Ausbildungsstand einerseits und die damit zusammenhängende künftige Entwicklung der erwerblichen Mög
lichkeiten anderseits, abhängen zu lassen. Vielmehr ist im Rahmen der vorzu
nehmenden Prognose (BGE 110 V 99 E. 2) unter Berücksichtigung der gesam
ten Umstände nicht nur der Gesichtspunkt der Verdienstmöglichkeit, sondern der für die künftige Einkommensentwicklung ebenfalls bedeutsame qualitative Stellen
wert der beiden zu vergleichenden Berufe mit zu berücksichtigen. Die annä
hernde Gleichwertigkeit der Erwerbsmöglichkeit in der alten und neuen Tätigkeit dürfte auf weite Sicht nur dann zu verwirklichen sein, wenn auch die beiden Ausbil
dungen einen einigermassen vergleichbaren Wert aufweisen (BGE 124 V 108 E.
3b; AHI 1997 S. 86 E. 2b; Urteile des Bundesgerichts I 826/05 vom 28. Februar 2006 E. 4.1 in
fine
und I 783/03 vom 18. August 2004 E. 5.2 mit Hinweisen; Meyer-Blaser, Zum Verhältnismässigkeitsgrundsatz im staatlichen Leistungs
recht,
Diss
. Bern 1985, S. 186).
Massnahmen im Sinne von
Art.
17 IVG setzen subjektive und objektive Einglie
derungsfähigkeit voraus (AHI 1997 S. 82 E. 2b/
aa
; ZAK 1991 S. 179 unten f. E.
3). Nicht unter Umschulung fallen Massnahmen der sozialberuflichen Rehabili
tation (wie Gewöhnung an den Arbeitsprozess, Aufbau der Arbeitsmotivation, Stabi
lisierung der Persönlichkeit, Einüben der sozialen Grundelemente) mit dem primären Ziel, die Eingliederungsfähigkeit der versicherten Person zu erreichen oder
wieder herzustellen
(ZAK 1992 S. 367 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts I 527/00 vom 30. April 2001).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung vom
22. Juli 2020
(Urk. 2) damit, dass dem
zu 80 % als Selbständig-Erwerbstätiger und zu 20 % als Mitarbeiter Hof qualifizierten
Beschwerdeführer
aus medizinischer Sicht eine behinderungsangepasste Tätigkeit zu 100 % zumutbar sei.
In allen seinen angestammten Tätigkeitsbereichen sei er dagegen vollumfänglich eingeschränkt. Unter Verwendung der gemischten Methode resultiere ein
umschulungsaus
schliessender
Invaliditätsgrad von 15 %. Die invaliditätsbedingte Einschrän
kung für die Mitarbeit auf dem familieneigenen Hof anhand de
s
ausseror
dentlichen
Bemessungsverfahren mit vorangehendem Betätigungsvergleich ergebe einen Teil-Invaliditätsgrad von 15 %. Das
Valideneinkommen
für die selb
ständige Erwerbs
tätigkeit
errechne
sich aus den durchschnittlichen Einkünften
gemäss
IK-Auszug der Jahre 2012-2
014 und ergebe bei einem 80%-Pen
sum Fr. 39‘564.--
(
unter Verzicht auf eine
Umrechnung der Nominallohnentwicklung)
.
Dem Tabellenl
ohn
gemäss
Lohnstrukturerhebung 2016 (LSE
2016) für Hilfsar
beiten (Zentralwert) von Fr. 59‘194.40 gegenübergestellt, resultiere - ohne Berücksich
tigung eines leidensbedingten Abzuges - ein Teil-Invaliditätsgrad von 0 %. Da der dauernde, invaliditätsbedingte Minderverdienst bei zumutbarer Tätigkeit nicht mindestens 20 % betrage, bestehe kein Anspruch auf Umschulung.
Aufgrund der bisherigen Einkommen als selbständig Erwerbstätiger könne der Beschwerdeführer eine Tätigkeit im ähnlichen Lohnumfang finden
,
ohne dass deswegen weitere berufliche
Massnahmen
benötigt seien. Die angestrebte höhere Ausbildung sei im Vergleich zu den zuletzt au
sgeführten Tätigkeiten nicht gle
ich
wertig.
2.2
Der Beschwerdeführer macht demgegenüber geltend, dass
vom
Erfordernis der Erwerbseinbusse von mindestens 20 % als Richtwert
abzuweichen sei, wenn es
es sich um einen Ausnahmefall eines jungen Versicherten mit langer verbleibender Aktivitätsdauer handle
. Er habe mit seiner Firma, in welcher er Renovations
arbeiten ausgeübt habe, sehr gute berufliche Aussichten mit entsprechenden Ver
dienstmöglichkeiten gehabt.
Zu berücksichtigen sei auch, dass er es als Hilfsar
beiter, welcher den erlernten Beruf nicht mehr ausüben könne, bei schwieriger Arbeitsmarktlage schwer habe, überhaupt eine, geschweige denn eine adäquat bezahlte, Stelle zu finden.
Zudem sei
das
Valideneinkommen
ni
cht korrekt berechnet worden, da nicht
auschliesslich
auf die im IK-Auszug enthaltenen Einkommen abgestellt werden könne. Vielmehr seien auch weitere Umstände und Tätigkeiten in diesen Jahren zu berücksichtigen; so habe er eigene Liegenschaften oder solche im Eigentum
von Familienmitgliedern
- fachlich qualifiziert - renoviert. Neben der Tätigkeit von 20 % auf dem Hof seien auch die
se
diversen vorgenommenen Arbeiten
anzurechnen, woraus ein hypothetisches Einkommen von durchschnittlich jähr
lich rund Fr. 90'000.-- resultiere, womit die geforderte Einkommenseinbusse von mindestens 20 % gegeben sei. Da sich die Vergleichseinkommen nicht ermitteln lassen, seien allenfalls die Tabellenlöhne gemäss LSE 2016 beizuziehen. Die
Führung eines Ein-Mann-Betriebes sowie die Durchführung von Renovationen von ganzen Hausteilungen und Wohnungen sowie Photovoltaikanlagen stelle eine komplexe praktische Tätigkeit dar, welche ein grosses Wissen in Spezial
gebieten voraussetze. Gemäss LSE 2016 würde im Baugewerbe bei Kompetenz
niveau 3 ein
Valideneinkommen
von rund Fr. 90'000.-- resultieren.
Es
sei jeden
falls nicht davon auszugehen, dass er trotz 100%iger Erwerbstätigkeit (80 %
selbständig und 20 % auf dem Ho
f mitarbeitend) lediglich ein Einkommen von nicht einmal Fr. 50'000.-- erzielt hätte, was nicht einmal den tiefsten Hilfsar
beiten-Werten der LSE entsprechen würde (Urk. 1).
2.3
Streitig ist, ob ein Anspruch auf
Umschulung
smassnahmen
besteht.
Zu prüfen ist insbesondere, ob die Voraussetzung einer
Erwerbseinbusse
von 20 % erfüllt ist.
3.
3.1
Der behandelnde Hausarzt
Dr.
med.
Z._
, FMH für Allgemeine Innere Medizin,
stellte
in seinem Bericht vom 10. August 2017 (Urk. 7/9 S. 6-7) zuhan
den
der Mobiliar
folgende Diagnose:
-
Korbhenkelriss des
medialen Meniskus Knie rechts
-
Meniskusnaht Knie
rechts
am 27. Juni 2017 mit akzidentieller Haut
durchstechung
mit einem Meniskusanker im Spital
A._
, Orthopädie.
Entfernung des perforierten Meniskusankers Knie rechts am
29. Juni
2017 in Lokalanästhesie
Mit persistierenden Schmerzen postoperativ habe sich der Beschwerdeführer ans Universitätsspital
B._
gewandt, wo ihm eine Revisionsarthroskopie vor
geschlagen worden sei, da die Funktion des Kniegelenks nicht mehr gegeben sei. Es beständen erhebliche Beschwerden und er könne das Knie nicht mehr strecken. Der Beschwerdeführer sei seit dem 27. Juni 2017 zu 100 % arbeitsunfähig.
3.2
Im Bericht der Klinik für Traumatologie des
B._
vom
20. November 2017 (Urk. 7/9 S. 3-5) zuhanden
der Mobiliar
wurden folgenden Diagnosen aufgeführt:
-
Persistierende Knieschmerzen rechts bei Extensionsdefizit 15°
-
Nahtinsuffizienz mediale Meniskusnaht mit Ausriss Meniskusanker
bei komplexer medialer Meniskusläsion rechts
-
Oberflächliche Knorpelschäden medialer
Femurkondylus
Chondromalacie
Grad 1-2, mediales
Tibiaplateau
Grad 1
-
Status nach Kniearthroskopie rechts, all-inside Meniskusnaht medialer
Meniskus und Resektion
Plica
mediopatellaris
am 27. Juni 2017 (Spital
A._
) bei dislozierter medialer Korbhenkelläsion am 7. April 2017
Seit der Operation vom 18. Juli 2017 zeige sich insgesamt eine deutliche Beschwer
deverbesserung, weshalb von einer guten Prognose auszugehen sei. Der Beschwerdeführer sei aktuell bis zum 24. November 2017 zu 100 % arbeitsun
fähig.
3.3
Im Bericht von
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH,
vom 5. Juni 2018 über die tags zuvor stattgefundene Sprechstunde (Urk. 7/24 S. 11-12) zuhanden der Uni
versitätsklinik
D._
zur Einholung einer Zweitmeinung wurden folgenden Diagnosen genannt:
-
Persistierende Knieschmerzen rechts unter Belastung
-
Status nach Kniearthroskopie rechts, all-inside Meniskusnaht
medialer Meniskus und Resektion
Plica
mediapatellaris
am 27. Juni
2017 (Spital
A._
) bei dislozierter medialer Korbhenkelläsion vom
7. April 2017
-
Status nach Kniearthroskopie rechts,
Débridement
postoperative
Vernarbungen im media
len
Recessus
und
suprapatellär
;
Teil
-
resektion
medialer Menis
kus
Hinterhorn
bis vordere pars
inter
-
media
, Bergung intra-
artik
uläre
Meniskusanker am 18. Juli
2017
(
B._
) bei persistierende
m Extensionsdefizit rechtes
Kniegelenk bei
Nahtinsuffizienz mediale Meni
skusnaht mit Ausriss
Meniskusanker
bei komplexer media
ler Meniskusläsion rechts und
oberflächliche
Knorpelsch
äden medialer
Femurkondylus
Chondromalacie
Grad 1-
2, mediales
Tibiaplateau
Grad 1
-
Status nach Infiltration des rechten Kniegelenks am 27. Februar
2018 mit sehr gutem Ansprechen für 3 Wochen
-
Knick-/Senkfuss bei Insuffizienz des
Musculus
tibialis
posterior
beidseits,
rechts mehr als links
-
differentialdiagnostisch: posttraumatisch im Rahmen der
muskulären Dekompensation an der rechten unteren Extremität
nach oben genannter Verletzung/Behandlung
Der Beschwerdeführer sei hinsichtlich weiterer Therapiemassnahmen am rechten Kniegelenk weiter sehr unsicher. Auch sei er beruflich sehr eingespannt im Rahmen seiner Tätigkeit auf dem eigenen Bauernhof, wobei derzeit weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit zu 75 % in seiner angestammten Tätigkeit als Landwirt und
Bauarbeiter attestiert werde. Es sei bei der Universitätsklinik
D._
eine Zweit
meinung einzuholen. Der Beschwerdeführer sei
seit dem
27. Juni 2017 zu 100 %, seit dem 1. Februar 2018 zu 75 %, am 12. Februar 2018 zu 50 % und seit dem 13. Februar 2018 wiederum zu 75 % arbeitsunfähig.
3.4
Im Bericht der Kniechirurgie der Universitätsklinik
D._
vom 15. Januar 2019 (Urk. 7/29 S. 5-6) zuhanden
von
Dr.
C._
wurde über die Verlaufskontrolle drei Monate postoperativ zur am 22. Oktober 2018 durchgeführten Kniearth
roskopie rechts mit medialer
Teilmeniskektomie
Hinterhorn
,
Knorpel-Débride
ment
bei bekannten persistierenden, belastungsabhängigen rechtsseitigen Knie
schmerzen berichtet. Der Verlauf sei drei Monate postoperativ regelrecht mit
subjektiv
deutlicher
Schmerzverbesserung bei jedoch
residuellen
belastungsab
hängigen Knieschmerzen. Dem Beschwerdeführer seien die intraoperativen Befunde und der doch schon deutliche Knorpelschaden im medialen Kompar
timent erklärt worden. Es wäre sinnvoll, wenn er die körperliche Belastung in seinem Beruf soweit wie möglich in Zukunft reduzieren würde, da auch mittel
fristig mit belastungsabhängigen persistierenden Knieschmerzen zu rechnen sei. Eine Umstellungsosteotomie komme bei bereits
valgischer
Beinachse nicht in Frage.
3.5
Dr.
Z._
verwies
in seinem Bericht vom 28. Januar 2019 (Urk. 7/29 S. 2-3) zuhanden
der Mobiliar
auf die Empfehlung der Kniechirurgie der Universitäts
klinik
D._
, wonach die körperliche Belastung soweit wie möglich zu redu
zieren sei. Seit dem 7. April 2017 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Die Prognose sei hier schwierig.
3.6
Im
Abklärungsbericht
vom 14. Februar 2020 (
Urk. 7/50
)
hielt
die Abklärungs
person zur Qualifikation
fest
, dass der Beschwerdeführer von 1996 bis 2000 eine Lehre als Elektroinstallateur
und später eine 4-monatige Intensiv-Ausbildung als Hufschmied in Kanada absolviert habe. Nach der Lehre habe er weiter im Lehr
betrieb gearbeitet, jedoch die Anstellung immer wieder zugunsten von längeren Auslandsaufenthalten unterbrochen. In der Zeit in der Schweiz habe er vollzeit
lich gearbeitet und sei ergänzend auch ehrenamtlich tätig gewesen, er habe Pferde ausgebildet und Jugendarbeit geleistet.
Schliesslich
habe er sich entschieden, sich beruflich neu zu orientieren
,
und habe sich selbständig gemacht (
Renova
-Bau) und gleichzeitig auf dem familieneigenen Bauernhof, welcher durch seine Ehefrau geführt werde, mitgearbeitet und weiterhin ehrenamtliche Tätigkeiten ausgeübt wie beispielsweise
J
&S-Lager-Leitung, Unihockeytrainer etc. In den Jahren 2006/2007 habe er ein Praktikum als Sozialpädagoge bei der Stiftung
E._
absolviert. Sein Ziel wäre es gewesen,
eine Firma zu gründen, welche Jugendlichen und Arbeitslosen eine Integration auf dem primären Arbeitsmarkt ermöglichen würde.
Er habe angefangen, eine selbständige Erwerbstätigkeit in
der Baubranche aufzubauen und habe in der Anfangszeit ergänzend als Ange
stellter bei der
F._
GmbH gearbeitet. Die Auftragslage sei ab dem Jahr 2012 kontinuierlich angestiegen. Parallel zu seiner Berufstätigkeit habe er in den Jahren 2012/2013 einen privaten Umbau eines ihm gehörenden uralten Hausteils vorgenommen, welcher nun vermietet sei. In
d
er Folge der Geburt der Zwillinge im Jahr 2015 sei eine berufliche Veränderung erfolgt und er habe während den 14 Wochen Mutterschaftsurlaub seiner Ehefrau vollzeitlich auf dem familien
eigenen Hof gearbeitet.
Nachdem seine Ehefrau die Hofarbeit wieder übernom
men habe, habe er von Mai bis circa November 2015 die Kinderbetreuungs
aufgabe vollzeitlich übernommen. Im November/Dezember 2015 habe er dann wieder Aufträge als selbständig Erwerbstätiger angenommen. Im Jahr 2016 hätten seine Aufgabenbereiche schätzungsweise folgende prozentuale Anteile gehabt: 50 % Landwirtschaft, 40 % Kinderbetreuung und 10 % selbständige Erwerbstätigkeit Bau.
Im J
ahr 2016
habe er dann mit der Auftragsakquisition und der Planung diverser Projekte angefangen mit dem Ziel
, diese (Liegenschaften) zu vermieten und
sukzessive
seine selbständige Erwerbstätigkeit
auszubauen
. Gleichzeitig habe er eine separate Wohnung ihres Wohnhauses renoviert. Im Unfallzeitpunkt (April 2017) habe er diverse Aufträge in Aussicht gehabt, wodurch sukzessive eine Verlagerung der landwirtschaftlichen zur selbständigen Erwerbstätigkeit erfolgt wäre. Er habe sich vor allem auf komplette Badsanie
rungen spezialisiert. Beschwerdebedingt könne er die selbständige Erwerbstätig
keit nicht mehr ausüben und die Arbeit auf dem Hof nur noch sehr bedingt, weshalb er sich ber
uflich neu orientieren wolle. Er
habe im Herbst 2019 die 3
jährige Weiterbildung zum Techniker HF Energie und Umwelt begonnen
und gleichzeitig
seien die
IV-Wiedereingliederungsmassnahmen (Arbeitsvermittlung plus)
erfolgt
.
Zur Frage, wie die berufliche Situation o
hne Gesundheitsschaden
wäre, gab der Beschwerdeführer an, dass er im Jahre 2016 eine sukzessive Steigerung der selb
ständigen Erwerbstätigkeit angestrebt habe. In diesem Jahr habe er jedoch auch noch auf privater Basis - also ohne Einfluss auf die Buchhaltungszahlen - ein
Magazin auf dem hofeigenen G
elände aufgebaut. Spätestens ab dem
Jahr
2017 sei die selbständige Erwerbstätigkeit wieder zur Hauptbeschäftigung geworden
, ergänzend habe er vor allem in den Frühlingsmonaten auf dem Hof mitgearbeitet; bis zum Zeitpunkt der Operation am 27. Juni 201
7.
Danach habe er seine selb
ständige Erwerbstätigkeit beschwerdebedingt nicht mehr aufnehmen können. Bei guter Gesundheit wäre jedoch weiter eine sukzessive Steigerung der selbständigen Erwerbstätigkeit erfolgt und spätestens ab Kindergarteneintritt der Zwillinge im August 2019 sei von Vollerwerbstätigkeit auszugehen. Die Abklärungsperson
qualifizierte den Beschwerdeführer ab August 2019 (Kindergarteneintritt der zwei jüngsten Kinder) als zu 80 % selbständig Erwerbstätig und zu 20 % auf dem Hof mitarbeitend.
Bei Wartezeit-Beginn im Juni 2017 habe die prozentuale Aufteilung etwa folgendermassen ausgesehen: zu 60 % selbständig Erwerbstätig, zu 20 % auf dem Hof mitarbeitend und zu 20 % Kinderbetreuung.
Bei der selbständigen Erwerbstätigkeit des Beschwerdeführers handle es sich um eine Einzelfirma und e
r führe diese als Einmann-Betrie
b in der Baubranche, wobei er anfänglich vorwiegend elektrische Arbeiten, Bauleiter-Tätigkeiten und Haus
umbauten vorgenommen habe und sich später auf komplette Bäderumbauten spezialisiert habe. Es handle sich dabei um körperliche Tätigkeiten auf dem Bau. Wegen seiner Invalidität habe er den Betrieb eingestellt, weshalb auch kein Betriebseinkommen mehr resultiere.
Der
landwirtschaftliche Familienbetrieb
umfasse Tierhaltung, Ackerbau, Wiesen etc. Die Ehefrau sei ausgebild
ete Meister-Landwirtin und führ
e den Betrieb. Sie hätten keine dauerhaften Angestellten, sondern vorübergehend jeweils Praktikanten; aktuell würden der Vater und der Schwiegervater zur Entlastung helfen.
Der Betrieb auf dem Hof sei wegen der Invalidität des Beschwerdeführers verändert respektive angepasst worden. Auch das Betriebseinkommen habe sich deswegen reduziert, wobei die genauen finan
ziellen Auswirkungen nicht eruiert werden könnten, da zu viele invaliditäts
fremde Faktoren in den vergangenen Jahren die Buchhaltungszahlen beeinflusst hätten.
Aufgrund der Schilderungen des Beschwerdeführers legte die Abklärungsperson für den landwirtschaftlichen Familienbetrieb die Einteilung der Aufgabenbereiche und Ausfalls-Gewichtung fest: Die Wartung/Reparatur/Instandhaltung des Fahr
zeug- und Maschinenparks umfasse 30 %, weshalb bei einem 100%igen Ausfall eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit resultiere. Das Holzen und Fräsen stelle 20 % der Aufgaben dar und falle ebenfalls zu 100 % aus, was zu einer 20%igen Arbeits
unfähigkeit führe. Das Arbeiten mit Maschinen: sähen, mähen,
mulchen
, Ballen beigen etc. umfasse 50 % der Aufgaben dar und sei zu 50 % eingeschränkt, woraus eine Arbeitsunfähigkeit von 25 % resultiere. Das Total der Einschrän
kungen ergebe somit 75 %. Dieser Betätigungsvergleich wurde
abgestützt
auf einen branchenüblichen Lohnansatz gemäss LSE 2016 für Fachkräfte in der Land
wirtschaft (Tabelle T17, Ziff. 61, Total Männer)
erwerblich gewichtet, woraus sich bei einem 20%-Pensum und bei einer 75%igen invaliditätsbedingten Erwerbs
einbusse ein
Valideneinkommen
von Fr. 13'297.40 (Fr. 5'241.
-- :
40 x 41.7 x 12, indexiert per 2019, gerechnet auf 20%-Pensum) und ein Invalideneinkommen von Fr. 3'324.35 (0.25 x 13'297.40) ergeben. Der Teilinvaliditätsgrad für die Mit
arbeit auf dem Hof zu 20 % betrage bei einer 75%igen Einschränkung 15 %.
Für die selbständige Erwerbstätigkeit, welche der Beschwerdeführer beschwerde
be
dingt nicht mehr aufnehmen könne, sei gemäss Abklärungsperson ein Ein
kommens
vergleich zu erstellen; das
Valideneinkommen
ergebe sich aus dem Durchschnitt der Einkünfte gemäss IK der Jahre 2012-2014
(Fr. 45'900.--, Fr. 58'200.
und Fr. 44'200.--)
, wobei keine Nominallohnentwicklung anzu
rechnen sei, da auch vor Beschwerdebeginn keine entsprechende Lohnent
wicklung feststellbar gewesen sei.
Bei einer vollzeitlichen selbständigen Erwerbstätigkeit resultiere ein
Valideneinkommen
von Fr. 49'433.--. Die Auf
nahme einer unselbständigen Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer zumutbar, weshalb das Invalideneinkommen anhand des zumutbaren Belastungsprofils abgestützt auf di
e Tabellenlöhne zu erheben sei. Schliesslich sei die gemischte Methode anzuwenden.
3.7
Im Abschlussbericht der
Y._
vom 9. Juli 2020 (Urk. 7/58) zuhanden der Beschwerdegegnerin wurde über das vom 16. Januar bis 15. Juli 2020 dauernde Coaching berichtet.
Die Ziele (Unterstützung/Optimierung Bewerbungs
unterlagen, Profilerarbeitung und Suchen geeigneter Firmen) seien teilweise erreicht worden. Tätigkeiten im Bereich Wasserschutz wären eine gute Möglich
keit; diese entsprächen auch den Fähigkeiten und Interessen des Beschwerde
führers. Jedoch werde auch dort oftmals körperliche Robustheit für Umgebungs
arbeiten verlangt. Eine Stelle habe nicht gefunden werden können. Folgende Bereiche hätten eingegrenzt
und Stellen gesucht
werden
können: Energie und Umwelt, Abfall/öffentliche bestehende Anlagen, Umweltmanagement sowie Nutzung neuer Energie (Wasser, Wärme). Eine grosse Schwierigkeit für die Umsetzung respektive das Angehen von Stellen sei dabei jedoch sein körperlicher Zustand gewesen. Langes Sitzen gehe nicht, in die Hocke gehen oder langes Gehen lasse sein Bein nicht zu. Die Ratlosigkeit des Beschwerdeführers sei in den Gesprächen immer wieder gross und spürbar gewesen. Das grosse Thema im Ver
lauf seien zudem verständlicherweise die Finanzen gewesen. Seit einiger Zeit erhalte er von keiner Seite mehr Geld. Die notwendige Physiotherapie könne er sich infolge der hohen Krankenkassen-Franchise nicht leisten. Sein Anwalt sei bei der Haftpflichtversicherung noch dran.
F
ür das weitere Vorgehen werde empfohlen, dass der Umschulungsanspruch nochmals zu prüfen sei. Die begon
nene Ausbildung an der Fachhochschule für Energie und Umwelt habe er infolge fehlender Finanzen wieder abgebrochen. E
r
habe sich damit eine berufliche Perspektive schaffen wollen. Nach der 3-jährigen Ausbildung wäre er Techniker Energie und Umwelt.
4.
4.1
Unstreitig und gestützt auf die Akten ausgewiesen ist, dass der Beschwerdeführer in
de
n
zuletzt ausgeübten Tätigkeiten
als
selbständig Erwerbstätiger auf dem Bau
sowie als Mitarbeitender auf dem
landwirtschaftlichen Familienbetrieb
zu 100 % arbeitsunfähig
ist (vgl. vorstehend E. 3
). Die gelernte Tätigkeit als
Elektroinstal
lateur
ist dem Beschwerdeführer
ebenfalls nicht mehr
zumutbar
(vgl. hierzu auch Urk. 2 S. 3)
.
Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) attestierte
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für angepasste Tätigkeiten, was vom Beschwerdeführer n
icht beanstandet wurde. Das
genannte Belastungsprofil beinhaltet körperlich leichte
wechselbelastende Tätigkeiten mit
regelmässiger
Sitzgelegenheit, ohne langes Stehen und Gehen, keine unebene
n
abschüssige
n
Laufwege, ohne Knien/Kauern/Hocken
, ohne Leiter-/
Gerüst- und Treppensteigen, ohne schlagend-vibrierende Krafteinwir
kungen auf das rechte Bein
(
Urk.
7/61)
.
Der medizinische Sachverhalt ist zusammenfassend dahingehend erstellt, dass
ab circa Februar 2019 (3 Monate nach Knie-Operation vom 22. Oktober 2018)
für angepasste Tätigkeiten unter Berücksichtigung des aufgeführten Belastungs
profils eine 100%ige Arbeitsfähigkeit ausgewiesen ist.
4.2
Ein Anspruch auf
Umschulung
setzt voraus, dass diese infolge Invalidität not
wendig ist und eine
Erwerbseinbusse
von e
twa 20 % besteht (vorstehend E.
1.4).
Ob beim Beschwerdeführer die Voraussetzungen einer gesundheitlich bedingten
Umschulung
sbedürftigkeit gegeben sind und damit eine Invalidität im Sinne des Art. 17 IVG vorliegt, bestimmt sich nach den tatsächlichen und rechtlichen Ver
hältnissen zur Zeit des Erlasses der angefochtenen Verfügung vom
22. Juli 2020
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_163/2008 vom 8. August 2008 E. 2.2 mit Hin
weisen).
4.3
Die Beschwerdegegnerin errechnete unter Anwendung der gemischten Methode einen Gesamt-Invaliditätsgrad von 15 % (Urk. 1 S. 2 f.).
Sie hat dabei die Mitarbeit auf dem Hof bei einem 20%-Pensum nach dem
aus
serordentlichen
Bemessungsverfahren mit vorangehendem Betätigungsvergleich ermittelt und aufgrund der festgestellten 75%igen Einschränkung einen Teil-Invaliditätsgrad von 15 % errechnet, was auch der Beschwerdeführer anerkennt.
4.4
4.4.1
Der Beschwerdeführer rügt dagegen das von der Beschwerdegegnerin bei
m Einkommensvergleich für die
selbständige Erwerbstätigkeit
zugrunde gelegte
Vali
deneinkommen
gestützt auf den Durchschnitt der im IK-Auszug der Jahre 2012-2014 enthaltenen Einkommen (durchschnittlich Fr. 49‘433.-- bei einem 100%-Pensum, vgl. Abklärungsbericht vom 14. Februar 2020, Urk. 7/50 S. 7).
4.4.2
Für die Ermittlung des
Valideneinkommens
von selbständig erwerbstätig gewe
senen Personen, das der Bestimmung des Invaliditätsgrades nach Art. 16 ATSG zugrunde zu legen ist, sollten in erster Linie die aus dem Auszug aus dem Indivi
duellen Konto (IK) ersichtlichen Löhne herangezogen werden. Weist das bis
Ein
-
tritt
der Invalidität erzielte Einkommen starke und verhältnismässig kurzfristig in
Erscheinung getretene Schwankungen auf, ist dabei auf den während einer längeren Zeitspanne erzielten Durchschnittsverdienst abzustellen (Urteil des Bun
desgerichts 8C_626/2011 vom 29. März 2012 E. 3, E. 4.1 f.).
Bei selbständig Erwerbenden wird namentlich dann nicht auf das zuletzt erzielte Einkommen abgestellt, wenn aufgrund der Umstände mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit anzunehmen ist, dass der Versicherte im Gesundheitsfall seine nicht einträgliche selbständige Tätigkeit aufgegeben und eine besser
entlöhnte
andere Tätigkeit angenommen hätte, oder dann, wenn die vor der Gesundheits
beeinträchtigung ausgeübte selbständige Tätigkeit wegen ihrer kurzen Dauer keine genügende Grundlage für die Bestimmung des
Valideneinkommens
dar
stellt, zumal in den ersten Jahren nach Aufnahme der selbständigen Erwerbs
tätigkeit üblicherweise aus verschiedenen Gründen (hohe Abschreibungsquote auf Neuinvestitionen usw.) die Betriebsgewinne gering sind. Wenn sich hingegen der Versicherte, auch als seine Arbeitsfähigkeit noch nicht beeinträchtigt war, über mehrere Jahre hinweg mit einem bescheidenen Einkommen aus selbstän
diger Erwerbstätigkeit begnügt hat, ist dieses für die Festlegung des
Validen
einkommens
massgebend, selbst wenn besser
entlöhnte
Erwerbsmöglichkeiten bestanden hätten. Das Bundesgericht hat denn auch eine Parallelisierung der Einkommen bei selbständig Erwerbenden in der Regel abgelehnt (Urteil des Bun
desgerichts 8C_626/2011 vom 2
9.
März 2012 E. 4.4 mit Hinweisen auf
BGE 135 V 58
E. 3.4.6-7).
4.4.3
Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin können im vorliegenden Fall
f
ür die Ermittlung des
Valideneinkommens
des
selbständig erwerbstätig gewe
senen
Beschwerdeführers
nicht die
Erwerbseinkommen
gemäss IK-Auszug her
angezogen werden. Denn der Betrieb des Beschwerdeführers befand sich ab 2010 erst im schrittweisen Aufbau und bedurfte hoher Investitionen zur Beschaffung
von für Bauzwecke erforderliche Maschinen und Fahrzeugen
(vgl. dazu Abklä
rungsbericht, Urk. 7/50 S. 2)
.
Daher ist davon auszugehen, dass die Betriebs
gewinne in den ersten Jahren
von 2010 bis 2014
gering waren
, weshalb diese Zahlen nicht hinreichend aussagekräftig sind
(vgl. E. 4.3.2)
.
Es können stattdessen aber auch nicht die vom Beschwerdeführer in den Jahren 2012 bis 2014 vorgenommenen (Renovations-)Arbeiten an
eigene
n
Liegen
schaften oder solche
n
im Eigentum von Familienmitgliedern
dazugerechnet werden, wie er dies beschwerdeweise fordert (vgl. Urk. 1 S. 5 ff.). Auch mittels den eingereichten Unterlagen (Urk. 3/1-11) lässt
sich
das
geltend gemachte zusätzlich zu berücksichtigende Arbeitsvolumen von
jährlich
rund Fr. 40'000.-- nicht nachvollziehen.
Aufgrund dieser besondere
n Umstände rechtfertigt es sich,
hinsichtlich des
Vali
deneinkommens
auf
die Tabellenlöhne
gemäss
LSE abzustellen.
Aus der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bun
desamtes für Statistik (LSE 2016
) ergibt sich
als Total für Arbeitnehmer
(Männer) im Baugewerbe
ein Brutto
monatslohn von Fr.
6‘1
17
.-- (Tabelle
TA1
,
Monatlicher Bruttolohn (Zentralwert) nach Wirtschaftszweigen, Kompetenzn
iveau und Geschlecht, Privater Sektor,
Ziffern 41-43
).
Daraus
resultiert
für das Jahr 2
019
ein Einkommen von Fr.
77‘891
.-- (Fr.
6‘1
17
.-- x
12 :
40 x 41.7 : 2
239
x 2279
[vgl. Bundesamt für Statistik, Entwicklung der Nominallöhne, Tabelle T 39
]
). Bei einem 8
0%-Pensum ergibt dies Fr.
62‘
313
.--.
4.5
Die Beschwerdegegnerin ermittelte das Invalideneinkommen zu Recht ebenfalls unter
Beizug
der Tabellenlöhne gemäss LSE 201
6.
Der Lohn für Hilfsarbe
iten (Zentralwert) beträgt Fr. 67’997.--
(Fr. 5'
340.--
x
12 :
40 x 41.7 : 2239 x 2279 [vgl. Bundesamt für Statistik, Entwicklung der Nominallöhne, Tabelle T 39]
,
so
LSE 2016, TA 1, Ziffern 1-93). Bei einem 80%-Pensum ergibt dies Fr. 54’398.
.
4.6
Die Gegenüberstellung von Validen- und Invalideneinkommen ergibt eine
Erwerbseinbusse
von Fr.
7‘915
.-- (Fr. 62‘
313
.--
-
Fr. 54’398.
--
) und führt somit zu einem Invaliditätsgrad von gerundet
13
%.
Der unter Anwendung der gemischten Methode resultierende Gesamtinvaliditätsgrad beträgt demnach 2
5
%
(15 % +
0,8 x
13 %)
. Demzufolge besteht
damit
grundsätzlich ein
Anspruch des Beschwerdeführers auf
Umschulung
smassnahmen
,
sofern auch die weiteren gesetz
lichen Voraussetzungen (vgl. E. 1.2 und 1.4) erfüllt sind.
Die Sache ist daher zur Prüfung der weiteren Voraussetzungen an die Beschwer
degegnerin zurückzuweisen. In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
5
.
5
.1
Da es um Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs.1
bis
IVG). Vor
liegend sind die Kosten auf Fr. 700.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Der vertretene Beschwerdeführer ist vorliegend mit Fr. 1'9
00.-- (inklusive Bar
auslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.