Decision ID: cb2fd08e-c52e-4398-b8c0-00fda93f2013
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend arbeitsrechtliche Forderung
Berufung gegen ein Urteil des Arbeitsgerichts Bülach im ordentlichen Verfahren vom 12. Februar 2020 (AN170008-C)
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Rechtsbegehren: (Urk. 2 S. 2)
"1. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger den Betrag von Fr. 171'383.25 (netto), zuzüglich Zins von 5% seit 29. August 2016 zu bezahlen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich  zu Lasten der Beklagten."
Urteil des Arbeitsgerichts Bülach vom 12. Februar 2020: (Urk. 55 S. 27 f. = Urk. 58 S. 27 f.)
1. Die Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger Fr. 68'063.25 (netto) zu bezahlen.
Im Mehrbetrag wird die Klage abgewiesen.
2. Die Entscheidgebühr wird auf Fr. 11'500.– festgesetzt.
3. Die Gerichtskosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt und aus dem
vom Kläger geleisteten Kostenvorschuss bezogen. Die Beklagte wird ver-
pflichtet, dem Kläger dessen Kostenvorschuss im Umfang von Fr. 5'750.– zu
ersetzen.
4. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.
5. [Mitteilung]
6. [Rechtsmittel]
Berufungsanträge:
des Klägers und Berufungsklägers (Urk. 57 S. 2):
"1. Ziffer 1 des Urteils des Bezirksgerichts Bülach, Arbeitsgericht, vom 12. Feb-
ruar 2020 (AN170008) sei aufzuheben und es sei die Berufungsbeklagte zu verpflichten, dem Berufungskläger CHF 68'063.25 (netto) nebst Zins von 5% seit dem 29. August 2016 zu bezahlen.
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2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich Mehrwertsteuer zu  der Berufungsbeklagten."
der Beklagten und Berufungsbeklagten (Urk. 65 S. 2):
"1. Die Berufung (Ziff. 1 des Rechtsbegehrens des Klägers) sei gutzuheissen. 2. Die Prozesskosten des Berufungsverfahrens seien auf die Staatskasse zu
nehmen. 3. Eventualiter (zu Ziff. 2) seien die Gerichtskosten des Berufungsverfahrens
auf die Staatskasse zu nehmen und es seien keine Parteientschädigungen zuzusprechen."

Erwägungen:
1. Streitgegenstand
Das Arbeitsgericht Bülach verpflichtete die B._ AG in Liquidation (fortan Be-
klagte), ihrem ehemaligen Arbeitnehmer A._ (fortan Kläger) Fr. 68'063.25
netto als Lohn für die ordentliche Kündigungsfrist zu bezahlen; im Mehrbetrag
wies es die Klage ab. Der Kläger stellt sich mit der Berufung auf den Standpunkt,
die Vorinstanz habe es versäumt, im Umfang der Klagegutheissung den bean-
tragten, unbestrittenen Verzugszins zuzusprechen; die Beklagte schliesst sich
diesem Antrag an.
2. Prozessgeschichte
2.1. Mit Klage vom 20. März 2017 (Postaufgabe) machte der Kläger das Ver-
fahren unter Beilage der Klagebewilligung des Friedensrichteramtes C._ bei
der Vorinstanz anhängig (Urk. 1 f.). Nach Durchführung eines doppelten Schrif-
tenwechsels, einer Instruktions- und der Hauptverhandlung mit Beweisabnahme
erliess die Vorinstanz am 12. Februar 2020 das angefochtene Urteil (Urk. 55 =
Urk. 58). Zur Vermeidung von Wiederholungen sei auf die vorinstanzliche Darstel-
lung des Prozessverlaufs verwiesen (vgl. Urk. 58 S. 4).
2.2. Mit Eingabe vom 18. März 2020 erhob der Kläger Berufung mit den ein-
gangs angeführten Berufungsanträgen (Urk. 57 S. 2). Die vorinstanzlichen Akten
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wurden beigezogen (Urk. 1-56). Mit Präsidialverfügung vom 3. April 2020 wurde
der Kläger aufgefordert, einen Gerichtskostenvorschuss in Höhe von Fr. 2'030.–
zu leisten (Urk. 62). Der Vorschuss ist fristgerecht eingegangen (Urk. 63). Am
22. April 2020 wurde die Beklagte zur Berufungsantwort aufgefordert und die Pro-
zessleitung delegiert (Urk. 64). Die Berufungsantwort datiert vom 26. Mai 2020
(Urk. 65). Sie wurde dem Kläger zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 66). Das Ver-
fahren erweist sich als spruchreif.
3. Berufungsvoraussetzungen und Prozessuales
3.1. Nach Eingang der Berufung prüft die Rechtsmittelinstanz von Amtes we-
gen das Vorliegen der Rechtsmittelvoraussetzungen. Diese sind vorliegend gege-
ben. Die Berufung ging rechtzeitig, zureichend schriftlich begründet und mit kon-
kreten Anträgen versehen bei der Rechtsmittelinstanz ein (Urk. 56 und 57). Der
Kläger ist durch das vorinstanzliche Urteil beschwert und zur Rechtsmittelerhe-
bung legitimiert; die Streitwertgrenze ist erreicht und für das Rechtsmittel gegen
den vorinstanzlichen Entscheid ist das angerufene Obergericht zuständig. Auf die
Berufung ist einzutreten.
3.2. Das Berufungsverfahren stellt keine Fortsetzung des erstinstanzlichen Ver-
fahrens dar, sondern ist nach der gesetzlichen Konzeption als eigenständiges
Verfahren ausgestaltet (BGE 142 III 413 E. 2.2.1 m.w.Hinw. auf die Botschaft zur
Schweizerischen ZPO, BBl 2006, S. 7374). Mit der Berufung kann eine unrichtige
Rechtsanwendung und eine unrichtige Feststellung des Sachverhalts geltend
gemacht werden (Art. 310 ZPO). Die Berufungsinstanz verfügt über unbeschränk-
te Kognition bezüglich Tat- und Rechtsfragen, einschliesslich der Frage richtiger
Ermessensausübung (Angemessenheitsprüfung; BGer 5A_184/2013 vom 26. Ap-
ril 2013, E. 3.1).
3.3. Angefochten wurde einzig die Klageabweisung in Dispositiv Ziffer 1 Satz 2,
insofern auf dem zugesprochenen Betrag kein Zins zu 5 % seit 29. August 2016
gewährt wurde. Im Übrigen ist das angefochtene Urteil am 28. Mai 2020 mit Ab-
lauf der Frist zur Berufungsantwort und Anschlussberufung in Rechtskraft er-
wachsen, wovon Vormerk zu nehmen ist.
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4. Zinsforderung
Die Vorinstanz befasste sich – abgesehen von der Erwähnung im klägerischen
Rechtsbegehren (Urk. 58 S. 2) – nicht mit dem Zinsbegehren. Mit der Berufung
hält der Kläger unter Hinweis auf seine erstinstanzlichen Rechtsschriften dafür,
dass er vor Vorinstanz ein Zinsbegehren von 5 % seit 29. August 2016 auf der
Klagesumme gestellt und begründet habe, welches von der Beklagten nicht be-
stritten worden sei, mithin als anerkannt gelte. Die Nichtbeurteilung dieses An-
trags sei eine unrichtige Rechtsanwendung (Urk. 57 S. 4). Die Beklagte schliesst
sich diesem Antrag an (Urk. 65 S. 2). Die Rüge des Klägers erweist sich als be-
rechtigt (vgl. Urk. 2 Rz 38; Urk. 13 Rz 160); entsprechend ist die Beklagte im Üb-
rigen zu verpflichten, dem Kläger 5 % Zins auf dem Betrag von Fr. 68'063.25 seit
29. August 2016 zu bezahlen.
5. Kosten- und Entschädigungsfolge
Da ein rechtsfehlerhafter Entscheid ergänzt wird, mit dem sich die Beklagte im
Rechtsmittelverfahren nicht identifiziert hat, rechtfertigt es sich, von der Erhebung
von Gerichtskosten abzusehen (Art. 107 Abs. 2 ZPO). Die Beklagte ist daher
auch nicht als unterliegend zu betrachten, so dass sie nicht zur Zahlung einer
Parteientschädigung verpflichtet werden kann. Art. 107 Abs. 2 ZPO bietet über-
dies in solchen Fällen keine Grundlage, zulasten des Kantons Parteientschädi-
gungen (Art. 95 Abs. 3 ZPO) zuzusprechen.