Decision ID: 846b94dc-34c1-50e2-9f89-ee1901f8bcf9
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin gelangte am 7. Mai 2021 mittels eines Visums in
die Schweiz und ersuchte am 8. August 2021 um Asyl. Im Bundesasylzent-
rum (BAZ) der Region B._ wurde sie am 12. August 2021 zu ihren
Personalien und am 7. September 2021 einlässlich zu ihren Asylgründen
befragt. Am 8. September 2021 wurde sie dem erweiterten Verfahren und
dem Kanton C._ zugewiesen.
Die Beschwerdeführerin brachte im Wesentlichen vor, libanesische Staats-
angehörige arabischer Ethnie zu sein, aus D._ zu stammen und seit
1997 bis zu ihrer Ausreise in Beirut gelebt zu haben. Sie habe den Libanon
verlassen, weil ihre Tochter E._, die sich zwecks Studium in der
Schweiz befinde, an Depressionen leide und auf ihre Unterstützung ange-
wiesen sei. Ausserdem habe die Tochter damit begonnen, in den sozialen
Medien Beiträge gegen die Hisbollah und den Propheten Mohammed zu
veröffentlichen, weswegen auch sie, die Beschwerdeführerin, zukünftig in
Gefahr sein könnte. Hinzu komme die katastrophale wirtschaftliche Lage
im Libanon sowie die schlechte medizinische Versorgung. So sei ihre Mut-
ter gestorben, weil sie sich nicht habe behandeln lassen können. Sie selbst
habe im April 2021 eine Augenoperation gehabt; im Libanon habe sie sich
aber nicht weiterbehandeln lassen können, weil es an Medikamenten fehle.
Zur Untermauerung ihrer Vorbringen und ihrer Nationalität reichte die Be-
schwerdeführerin ihren Reisepass, ihre Schuldiplome, sowie ein Schreiben
ihres Arztes aus dem Libanon, ihre Augenoperation betreffend, ein. Zudem
reichte sie verschiedene Dokumente die Situation und den Gesundheits-
zustand ihrer Tochter betreffend, Dokumente zur allgemeinen Lage im Li-
banon sowie Fotos von ihrem Facebook-Account und Whatsapp-Nachrich-
ten zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 27. Oktober 2021 – eröffnet am 28. Oktober 2021 –
lehnte das SEM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin unter Verneinung
der Flüchtlingseigenschaft ab und ordnete die Wegweisung und den Weg-
weisungsvollzug an.
C.
Gegen diese Verfügung erhob die Beschwerdeführerin am 29. November
2021 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte, die an-
gefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihr sei in der Schweiz Asyl zu
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gewähren. Eventualiter sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung
unzulässig und unzumutbar sei und die vorläufige Aufnahme sei anzuord-
nen.
In formeller Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses so-
wie um Beiordnung einer amtlichen Rechtsverbeiständung.
Mit der Beschwerde wurde eine Fürsorgebestätigung, eine Arbeitsbestäti-
gung des ehemaligen Arbeitgebers des Sohnes der Beschwerdeführerin,
zwei ärztliche Zeugnisse der (...) vom 25. Oktober 2021 und 23. November
2021 die Tochter betreffend, verschiedene Berichte über die allgemeine
Lage im Libanon, eine CD mit Videos sowie ein Screenshot eines Karten-
ausschnitts des (Wohn-)Orts der aufgenommenen Videos eingereicht (vgl.
Beilagenverzeichnis Beschwerde).
D.
Der Eingang der Beschwerde wurde am 1. Dezember 2021 bestätigt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,
ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
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und Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von
bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise solche mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr
die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf-
gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive zugefügt zu
werden drohen.
4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3
E. 6.5.1 m.w.H.).
5.
5.1 Zur Begründung ihres ablehnenden Entscheids führte die Vorinstanz
aus, Nachteile, welche auf die allgemeine politische, wirtschaftliche oder
soziale Situation im Heimatstaat zurückzuführen seien und nicht auf die
Verfolgung aus einem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG erwähnten Gründe abziel-
ten, würden keine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung darstellen. So-
weit die Beschwerdeführerin vorgebracht habe, die Lage im Libanon sei
katastrophal, es fehle an Medikamenten, Strom, Wasser und Arbeit, die
Wirtschaft sei zusammengebrochen und die Behörden seien korrupt, wür-
den sich diese Vorbringen allesamt auf die allgemeine Lage in ihrem Hei-
matstaat beziehen und keine flüchtlingsrechtliche Relevanz entfalten. Auch
der Tod ihrer Mutter im Zusammenhang mit der fehlenden medizinischen
Versorgung im Libanon würde sich auf die allgemeine Lage im Land bezie-
hen.
In Bezug auf das Vorbringen, ihre Tochter E._ äussere sich in den
sozialen Medien kritisch zur Hisbollah und zum Islam, wodurch sie die
ganze Familie gefährde, sei festzuhalten, dass keine Anhaltspunkte dafür
ersichtlich seien, dass die Beschwerdeführerin je konkrete Probleme des-
wegen gehabt hätte. Entsprechend könne auch nicht davon ausgegangen
werden, dass sie von der Hisbollah oder den libanesischen Behörden als
konkrete Bedrohung wahrgenommen werde. Beim Vorbringen, die Be-
schwerdeführerin könne zukünftig Probleme wegen der Aktivität ihrer Toch-
ter bekommen, handle es sich eine Mutmassung, die keine objektive Furcht
begründe.
5.2 Auf Beschwerdeebene bringt die Beschwerdeführerin vor, dass ihre
Tochter E._ zunächst in F._ gearbeitet habe, nun aber in
G._ studiere und wegen der Sprache Schwierigkeiten habe, sich zu
integrieren. Ausserdem stünden ihr nur wenige finanzielle Mittel zur Verfü-
gung. Ihr gehe es psychisch sehr schlecht und sie sei seit dem 30. Sep-
tember 2021 in den (...) hospitalisiert. Sie besuche regelmässig die Kirche
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und äussere sich in den sozialen Medien kritisch über die Hisbollah, andere
Organisationen und den Propheten Mohammed. Aufgrund der Missionie-
rung ihrer Tochter für das Christentum sei sie, die Beschwerdeführerin, von
ihrer Familie im Libanon kontaktiert worden. Ebenfalls sei die Familie im
Libanon wegen der Veröffentlichungen der Tochter von Personen kontak-
tiert worden. Aufgrund der islamkritischen Posts, die öffentlich zugänglich
seien, bestehe die Gefahr, dass auch sie, die Beschwerdeführerin, von den
Hisbollah verfolgt werden könnte. Der libanesische Staat sei nicht in der
Lage, Einzelpersonen vor der Hisbollah zu schützen. Soweit die Vorinstanz
ausführe, es seien keine Anhaltspunkte für konkrete Probleme wegen der
Aktivitäten ihrer Tochter ersichtlich, sei festzuhalten, dass ihre Tochter erst
mit diesen begonnen habe, als sie, die Beschwerdeführerin, sich in der
Schweiz befunden habe. Entsprechend habe ihr im Libanon noch gar
nichts zustossen können. Die aktuelle Situation im Libanon sei aber ange-
spannt und sie würde mit grosser Sicherheit als Gegnerin der Hisbollah
wahrgenommen und verfolgt werden.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Durchsicht der Akten zum
Schluss, dass die Erwägungen des SEM zu bestätigen sind. Zur Vermei-
dung von Wiederholungen kann vollumfänglich auf die angefochtene Ver-
fügung (S. 4 ff.) verwiesen werden.
6.2 Zunächst ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass die von der Be-
schwerdeführerin geltend gemachte desolate wirtschaftliche Lage und die
mangelhafte Grundversorgung im Libanon keine Asylrelevanz zu entfalten
vermag. Daran vermögen auch die mit der Beschwerde eingereichten Be-
richterstattungen und die Videos die allgemeine Lage im Libanon betref-
fend nichts zu ändern. Dem von der Beschwerdeführerin vorgebrachten
schlechten psychischen Gesundheitszustand ihrer Tochter kommt in Be-
zug auf die Beschwerdeführerin selbst ebenfalls keine flüchtlingsrechtliche
Relevanz zu; dieser Umstand, wie auch ihre eigene gesundheitliche Ver-
fassung, bildet Gegenstand der Prüfung des Wegweisungsvollzugs.
Soweit die Beschwerdeführerin ausführt, ihre Tochter äussere sich in den
sozialen Medien kritisch gegenüber der Hisbollah, anderen Gruppierungen
und dem Propheten Mohammed, ist der Vorinstanz dahingehend zuzustim-
men, dass unter den gegebenen Umständen nicht davon auszugehen ist,
dass sie selbst bei einer Rückkehr in ihr Heimatland von der Hisbollah oder
dem libanesischen Staat eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung zu
befürchten hat. Die von ihr geäusserten Bedenken sind rein hypothetischer
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Natur; daran ändern auch ihre Ausführungen auf Beschwerdeebene, ihre
Familie im Libanon habe sie deswegen kontaktiert, und die Familie im Li-
banon sei ebenfalls von Personen kontaktiert worden, nichts, zumal die
Beschwerdeführerin auch nicht weiter erörtert hat, welche Personen mit
der Familie in Kontakt getreten sein sollen und mit welcher Intention. Des
Weiteren sind Zweifel an den angeblichen Aktivitäten der Tochter anzubrin-
gen: Einerseits hat es die Beschwerdeführerin unterlassen, diesbezügliche
Beweise einzureichen. Andererseits ist, entgegen der Darstellung der Be-
schwerdeführerin, die Posts ihrer Tochter auf Facebook und Instagram
seien öffentlich zugänglich, festzustellen, dass die beiden Profile offen-
sichtlich privat sind, beziehungsweise das teilweise öffentlich zugängliche
Facebook-Profil soweit ersichtlich keine Veröffentlichungen kritischen In-
halts enthält; Entsprechendes wurde auch nicht eingereicht.
6.3 Angesichts dieser Sachlage ergibt sich, dass die Vorbringen der Be-
schwerdeführerin nicht asylrelevant sind. Die Vorinstanz hat die Flücht-
lingseigenschaft der Beschwerdeführerin zu Recht verneint und ihr Asylge-
such abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
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8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der
Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5
AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-
fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in
den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmäs-
sig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Li-
banon lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als un-
zulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung
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sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen
zulässig.
8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.4.1 Die allgemeine Lage im Libanon ist nicht durch Krieg, einen landes-
weiten Bürgerkrieg oder eine Situation allgemeiner Gewalt gekennzeichnet
(vgl. Urteil des BVGer E-2118/2018 vom 10. Juni 2020 E. 9.4.1).
8.4.2 Im Libanon ist zwar von einer desaströsen wirtschaftlichen und sozio-
ökonomischen Lage auszugehen, von der ein Grossteil der Bevölkerung
empfindlich betroffen ist (vgl. Urteil des BVGer E-50/2020 vom 18. Februar
2021 E. 12.3). Die Beschwerdeführerin hat aber, wie bereits vom SEM fest-
gehalten, eine langjährige Berufserfahrung nachzuweisen, hat studiert und
sich stetig weitergebildet und in den letzten 20 Jahren für die (...) gearbei-
tet. Nebst ihrer in der Schweiz niedergelassenen Tochter E._ hat
sie zwei weitere, in der H._ als Botschaftsmitarbeiterin und Infor-
matiker erwerbstätige Kinder sowie vier Geschwister, wovon zwei im Hei-
matstaat leben und erwerbstätig sind (s. SEM-Vorhaben [...]-12/7 F1.14;
SEM-Vorhaben [...]-15/16 [nachfolgend act. A15/16] F27 ff.; F46 ff.). Unter
diesen Umständen kann sowohl ihr Lebensunterhalt als auch ihre Wohnsi-
tuation im Libanon generell als gesichert erachtet werden.
Soweit die Beschwerdeführerin die gesundheitlichen Probleme ihrer Toch-
ter E._ anbringt, ist zwar nachvollziehbar, dass sie sich als Mutter
um das Wohlbefinden ihres Kindes sorgt und sie unterstützen will. Ihre (...)-
jährige Tochter E._ lebt aber seit über einem Jahr in der Schweiz,
studiert und arbeitet hier. Den Akten ist zu entnehmen, dass sie sich in der
Schweiz in ärztlicher Behandlung befindet (s. Beschwerde Beilagen 3 und
10). Entsprechend ist davon auszugehen, dass die gesundheitlichen Be-
schwerden der Tochter bestmöglich behandelt werden. Ein Abhängigkeits-
verhältnis, welches die Anwesenheit der Beschwerdeführerin dringend not-
wendig machen würde, ist von vornherein nicht zu bejahen.
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In Bezug auf den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin selbst ist
festzuhalten, dass es ihr eigenen Angaben zufolge in der Anhörung ge-
sundheitlich gut ging (act. A15/16 F6). Ihr Augenleiden wurde bereits im
Libanon operativ behandelt (act. A15/16 F18); zurzeit werden ihre Seh-
schwierigkeiten mit Vitaminpräparaten und Augentropfen behandelt
(act. A15/16 F20), wobei diesbezüglich, trotz gegenteiliger Angaben der
Beschwerdeführerin und zugegebenermassen schwieriger Versorgungs-
lage im Libanon, davon auszugehen ist, dass diese auch in ihrem Heimat-
staat verfügbar sind. Es steht ihr ausserdem frei, bei der kantonalen Rück-
kehrberatungsstelle medizinische Rückkehrhilfe zu beantragen (Art. 93
AsylG). Die mit der Beschwerde geltend gemachte ambulante psychothe-
rapeutische Behandlung vom 23. November 2021, in welcher eine Re-Eva-
luation nach 6 Wochen empfohlen ist (vgl. Beilage 10), lässt nicht auf eine
gravierende Gesundheitsbeeinträchtigung schliessen, die dem Vollzug der
Wegweisung entgegenstehen könnte.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung als zumut-
bar.
8.5 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung als möglich zu be-
zeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
Schliesslich steht auch die Corona-Pandemie dem Wegweisungsvollzug
nicht entgegen. Bei der Corona-Pandemie handelt es sich – wenn über-
haupt – um ein bloss temporäres Vollzugshindernis, welchem im Rahmen
der Vollzugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tra-
gen ist, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im Heimatland
angepasst wird.
8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
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10.
10.1 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwer-
debegehren schon bei Einreichung des Rechtsmittels als aussichtslos zu
gelten hatten. Damit ist – ungeachtet der Frage der prozessualen Bedürf-
tigkeit der Beschwerdeführerin – eine der kumulativ zu erfüllenden Voraus-
setzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege nach
Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt und das entsprechende Gesuch ist abzu-
weisen. Aus demselben Grund fällt auch die Beiordnung einer amtlichen
Rechtsverbeiständung nach Art. 102m Abs. 1 AsylG von vornherein ausser
Betracht. Das Gesuch um Verzicht auf die Kostenvorschusserhebung ist
mit dem vorliegenden Entscheid gegenstandslos geworden.
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwer-
deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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