Decision ID: 52d42393-6f4e-4e91-9486-9bb3dbdf97dc
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X war im Besitz eines Führerausweises auf Probe für die Kategorie B und eines
Lernfahrausweises für die Kategorie A, als er am 23. September 2011 mit seinem
Motorrad mehrere Fahrzeuge einer Kolonne mit einer Geschwindigkeit von 30 bis 40
km/h überholte, dabei eine Sicherheitslinie überfuhr und später ein linksabbiegendes
Fahrzeug seitlich streifte. Personen wurden keine verletzt, und es entstand geringer
Sachschaden. Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen
entzog X wegen dieses Vorfalls den Führerausweis auf Probe (Kat. B) und den
Lernfahrausweis (Kat. A) für einen Monat (Verfügung vom 19. Januar 2012).
B.- Am Donnerstag, 9. August 2012, 1.30 Uhr, kontrollierte die Polizei X. Er war mit
dem Motorrad unterwegs und kam von der Arbeit als Servicefachangestellter.
Gegenüber der Polizei gab er an, den Lernfahrausweis für die Kategorie A zu Hause
vergessen zu haben. Im Weiteren wurde festgestellt, dass am Motorrad kein
"L" (Lernfahrer) montiert war. Nachträglich stellte sich heraus, dass die Gültigkeit des
Lernfahrausweises am 8. August 2012 abgelaufen war. Mit Strafbefehl des zuständigen
Untersuchungsamts vom 18. Oktober 2012 wurde X deswegen des Fahrens ohne
Führerausweis und des Nichtanbringens des "L"-Schildes bei Lernfahrt schuldig
gesprochen und zu einer bedingten Geldstrafe von fünf Tagessätzen zu je Fr. 90.--
sowie zu einer Busse von Fr. 250.-- verurteilt.
C.- Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen teilte X am 22.
August 2012 mit, dass es sich beim Vorfall vom 9. August 2012 um eine mittelschwere
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften handle und deswegen eine
Annullierung des Führerausweises auf Probe vorgesehen sei. Es verbot ihm das Führen
von Motorfahrzeugen aller Kategorien vorsorglich ab sofort. Einem allfälligen Rekurs
wurde die aufschiebende Wirkung entzogen. Dagegen erhob X Rekurs. Am
30. November 2012 hiess der Abteilungspräsident der Verwaltungsrekurskommission
den Rekurs gut und hob die Verfügung vom 22. August 2012 über den vorsorglichen
Ausweisentzug auf. Die amtlichen Kosten wurden dem Staat auferlegt und dem
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Rekurrenten wurde eine Prozessentschädigung für den Beizug seiner Rechtsvertreterin
zugesprochen.
D.- Mit Datum vom 14. Januar 2013 verfügte das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt die Annullierung des Führerausweises auf Probe von X. Damit wurde
ihm ab sofort das Recht aberkannt, Motorfahrzeuge aller Kategorien sowie aller
Unterkategorien zu führen. Gemäss der Verfügung könne ein neuer Lernfahrausweis
frühestens ein Jahr nach Begehung der Widerhandlung, d.h. ab dem 9. August 2013,
und nur aufgrund eines verkehrspsychologischen Gutachtens, das die Fahreignung
bejahe und nicht älter als 3 Monate sei, erteilt werden. Einem allfälligen Rekurs wurde
die aufschiebende Wirkung entzogen.
E.- Gegen die Verfügung vom 14. Januar 2013 erhob X durch seine Rechtsvertreterin
mit Eingabe vom 28. Januar 2013 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit
den Anträgen, die Verfügung vom 14. Januar 2013 sei aufzuheben, dem Rekurrenten
sei der entzogene Führerausweis und allfällige Lernfahrausweise sofort wieder
auszuhändigen und ihm sei das Führen von Motorfahrzeugen aller Kategorien sofort
wieder zu gestatten. Eventualiter sei die aufschiebende Wirkung des Rekurses
wiederherzustellen und dem Rekurrenten der entzogene Führerausweis sowie allfällig
entzogene Lernfahrausweise bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Entscheides
wieder auszuhändigen. Subeventualiter sei die Entzugsdauer des Führerausweises
infolge leichter Verkehrsregelverletzung auf einen Monat festzusetzen, wobei die Dauer
des bereits vollzogenen Führerausweisentzuges anzurechnen sei. Dementsprechend
sei ihm das Führen von Motorfahrzeugen aller Kategorien sofort wieder zu gestatten.
Subeventualiter sei für einen über einen Monat dauernden Ausweisentzug ein
differenzierter Ausweisentzug zu verfügen, wobei die Entzugsdauer für die Kategorie B
bei nicht mehr als einem Monat festzulegen und die Dauer des bereits vollzogenen
Führerausweisentzuges anzurechnen sei. Dementsprechend sei ihm das Führen von
Motorfahrzeugen der Kategorie B sofort wieder zu gestatten; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge (zuzüglich Mehrwertsteuer) zulasten der Rekursgegnerin.
Eventualiter sei dem Rekurrenten die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und die
Unterzeichnende als seine Rechtsbeiständin zu bestellen.
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F.- Mit Verfügung vom 26. Februar 2013 erteilte der Abteilungspräsident der
Verwaltungsrekurskommission dem Rekurs gegen die Verfügung des
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamtes die aufschiebende Wirkung und wies das
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ab. Es wurde ein Kostenvorschuss in der Höhe
von Fr. 1'200.-- einverlangt. Die amtlichen Kosten für die Wiedererteilung der
aufschiebenden Wirkung wurden zur Hauptsache geschlagen und für die Verfügung
über die unentgeltliche Rechtspflege wurden keine amtlichen Kosten erhoben. Der
Kostenvorschuss ging pünktlich bei der Verwaltungsrekurskommission ein. Das
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt verzichtete mit Verweis auf die Begründung in
der angefochtenen Verfügung auf eine Stellungnahme.
G.- Auf die Ausführungen des Rekurrenten sowie die Begründung der Vorinstanz in der

angefochtenen Verfügung wird, soweit erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Die Verfügung der Vorinstanz vom 14. Januar 2013
wurde dem Rekurrenten am 16. Januar 2013 zugestellt. Dementsprechend ist der
Rekurs vom 28. Januar 2013 rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Strittig ist, ob die aktuelle Widerhandlung des Rekurrenten gegen die
Strassenverkehrsvorschriften gestützt auf Art. 15a Abs. 4 des
Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG) zum Verfall des
Führerausweises auf Probe und zum Entzug allfälliger Lernfahrausweise führt.
a) Der Rekurrent macht zur Hauptsache geltend, dass er am 9. August 2012 um 1.30
Uhr in der Nacht, 90 Minuten nach Ablauf seines Lernfahrausweises für die Kategorie A
bis
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in eine Verkehrskontrolle geraten sei. Ihm sei nicht bewusst gewesen, dass der
Lernfahrausweis zu diesem Zeitpunkt bereits abgelaufen gewesen sei. Die Annullierung
des Führerausweises sei dementsprechend unverhältnismässig. Aufgrund seiner
späten Arbeitszeiten sei er im Übrigen beruflich dringend auf den Führerausweis
angewiesen.
Die Vorinstanz hielt in der Begründung der Verfügung vom 14. Januar 2013 fest, der
Rekurrent habe am 9. August 2012 in Jona das Motorfahrzeug SG 13'323 (Motorrad)
gelenkt, obwohl er nicht im Besitze des Führerausweises der Kategorie A gewesen sei.
Dabei handle es sich um eine mittelschwere Verkehrsregelverletzung. Gemäss Art. 15a
Abs. 4 SVG verfalle der Führerausweis auf Probe mit der zweiten Widerhandlung, die
zum Entzug des Ausweises führe.
b) Der erstmals erworbene Führerausweis für Motorräder und Motorwagen wird
zunächst mit einer Probezeit von drei Jahren erteilt (vgl. Art. 15a Abs. 1 SVG). Wird
dem Inhaber der Ausweis auf Probe wegen einer Widerhandlung entzogen, so wird die
Probezeit um ein Jahr verlängert (Art. 15a Abs. 3 Satz 1 SVG). Der Führerausweis auf
Probe verfällt gemäss Art. 15a Abs. 4 SVG mit der zweiten Widerhandlung, die zum
Entzug des Ausweises führt. Die Bestimmung bezweckt, Neulenker, welche noch nicht
über die nötige Reife zum sicheren und verkehrsregelkonformen Führen eines
Personenwagens verfügen, vom Strassenverkehr einstweilen fernzuhalten. Nach dem
klaren Wortlaut der Bestimmung verfällt der Führerausweis auf Probe mit der zweiten
zu einem Entzug führenden Widerhandlung und damit unabhängig von deren Schwere.
Er verfällt deshalb – entgegen der Ansicht der Rechtsvertreterin des Rekurrenten –
auch dann, wenn es sich beim zweiten Fall um eine leichte Widerhandlung im Sinn von
Art. 16a SVG handelt, die unter Berücksichtigung der gegebenen Umstände,
insbesondere der Vorgeschichte des Lenkers, den Entzug des Führerausweises nach
sich ziehen würde (vgl. BGE 136 I 345, E. 6.1). Nur in besonders leichten Fällen ist auf
jegliche Massnahmen zu verzichten (Art. 16a Abs. 4 SVG).
c) Wer ein Motorfahrzeug führt, ohne den Führerausweis für die entsprechende
Kategorie zu besitzen, begeht gemäss Art. 16b Abs. 1 lit. c SVG eine mittelschwere
Widerhandlung. Nach einer mittelschweren Widerhandlung wird der Lernfahr- oder
Führerauweis für mindestens vier Monate entzogen, wenn in den vorangegangenen
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zwei Jahren der Ausweis einmal wegen einer schweren oder mittelschweren
Widerhandlung entzogen war (Art. 16b Abs. 2 lit. b SVG). Bei der Festsetzung der
Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzugs sind die Umstände des Einzelfalls zu
berücksichtigen, namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden,
der Leumund als Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein
Motorfahrzeug zu führen. Die Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten
werden (Art. 16 Abs. 3 SVG).
Der Gesetzeswortlaut ist klar. Der Gesetzgeber stuft einen Verstoss gegen Art. 95 Ziff.
1 SVG (Fahren ohne Führerausweis) im Administrativmassnahmenrecht schwerer ein
als eine leichte Widerhandlung gegen Verkehrsregeln (vgl. Giger Hans, Kommentar zum
Strassenverkehrsgesetz, Zürich 2008, Art. 16b N 5). Die Rechtsprechung der
Verwaltungsrekurskommission zum Ausweisentzug bei einer schweren Widerhandlung
gemäss Art. 16c Abs. 2 SVG geht jedoch davon aus, dass die Mindestentzugsdauern
bei Fahren trotz Entzugs des Führerausweises in erster Linie die Fälle des vorsätzlichen
Ungehorsams betreffen. Die Rechtsprechung zum "besonders leichten Fall", der nach
dem früheren milderen Recht bei geringem Verschulden zu einer Unterschreitung der
Mindestentzugsdauer führte, kann demnach weiterhin herangezogen werden (vgl. GVP
2007 Nr. 20; VRKE IV-2012/43 vom 30. August 2012, in: www.gerichte.sg.ch). Das
Bundesgericht hat zum neuen Recht der Administrativmassnahmen festgehalten, der
Gesetzgeber trage dem Grad der subjektiven Vorwerfbarkeit des Fahrens trotz
Ausweisentzugs bei den abgestuften gesetzlichen Mindestentzugsdauern zwar
weiterhin keine Rechnung, jedoch ziele Art. 16 Abs. 3 Satz 2 SVG darauf ab, dass die
Mindestentzugsdauern entgegen der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht mehr
unterschritten werden dürften. Angefügt wurde im konkreten Fall aber auch, dass das
zu beurteilende Fahren trotz Führerausweisentzugs auf Grobfahrlässigkeit, wenn nicht
gar auf Eventualvorsatz beruhe, so dass selbst nach der altrechtlichen Praxis die
gesetzliche Mindestentzugsdauer nicht unterschritten werden könnte (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 1C_275/2007 vom 16. Mai 2008 E. 4.5.2 mit Hinweis; vgl. auch Urteil
des Bundesgerichts 1C_471/2011 vom 9. Februar 2012 E. 3.4, wo die Frage der
Unterschreitung der Mindestentzugsdauer bei lediglich leichter Fahrlässigkeit offen
gelassen wurde; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 1C_144/2011 vom 26. Oktober
2011, E. 3.3, wo das Bundesgericht im Zusammenhang mit einer schweren
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Widerhandlung erklärt, dass die Schematisierung die Entzugsbehörde nicht davon
entbinde, den Umständen des Einzelfalles Rechnung zu tragen).
d) Der Rekurrent macht geltend, dass er bei seiner Motorradfahrt am 9. August 2012
um 1.30 Uhr nach Beendigung der Arbeit über den Führerschein auf Probe für die
Kategorie B verfügt habe. Der Lernfahrausweis für die Kategorie A sei am 8. August
2012 und damit 90 Minuten vor der Verkehrskontrolle abgelaufen. In seinem Rekurs
gegen die Verfügung des Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamts vom 22. August 2012
(vorsorglicher Führerausweisentzug) erklärte der Rekurrent, dass er vergessen habe,
dass sein Lernfahrausweis am 8. August 2012 ablaufe. Andernfalls wäre er mit dem
Auto zur Arbeit gefahren (act. 1 der beigezogenen Akten VRKE IV-2012/90 P). Seine
Rechtsvertreterin führt in der Rekursschrift aus, dass der Rekurrent fälschlicherweise
davon ausgegangen sei, dass der Lernfahrausweis ein Jahr und sechs Monate und
nicht nur ein Jahr und vier Monate ab Absolvierung der praktischen Grundschulung
gültig sei. Dementsprechend handle es sich nur um eine einfache Fahrlässigkeit und
somit weder um Vorsatz noch um Grobfahrlässigkeit. Auch der Umstand, dass im
Strafbefehl eine Geldstrafe von lediglich fünf Tagessätzen gesprochen worden sei,
lasse darauf schliessen, dass das Verschulden des Rekurrenten von der
Staatsanwaltschaft als äusserst gering eingestuft worden sei. Die Pflichtverletzung
habe keinen Einfluss auf die Gefährdung der Verkehrssicherheit gehabt. Der Rekurrent
verfüge über einen einwandfreien automobilistischen Leumund (Kategorie B). Auch in
Bezug auf das Führen eines Motorrades könne ihm seit dem letzten Vorfall
Wohlverhalten attestiert werden. Der einmonatige Ausweisentzug habe somit Wirkung
gezeitigt. Die abstrakte Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer könne als besonders
klein betrachtet werden, da der Rekurrent die Verkehrsregeln aufgrund seines
Führerausweises für die Kategorie B kenne. Ausserdem habe er die praktische
Grundschulung für das Führen von Motorfahrzeugen der Kategorie A erfolgreich
absolviert. Sodann sei das Verkehrsaufkommen in der fraglichen Nacht um 1.30 Uhr
äusserst gering gewesen, weshalb auch die konkrete Gefährdung anderer
Verkehrsteilnehmer vernichtend klein gewesen sei. Die zurückgelegte Strecke durch
meist unbesiedeltes Gebiet habe nur zwei Kilometer betragen und der Lernfahrausweis
sei bei der Kontrolle gerade seit 90 Minuten abgelaufen gewesen. Ab März 2013 werde
er eine Stelle in A antreten. Dort werde er bis mindestens 23.30 Uhr arbeiten müssen.
Der letzte Bus zu seinem Wohnort fahre jedoch um 22.23 Uhr. Er sei somit beruflich
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dringend auf den Führerausweis angewiesen. Die Rechtsvertreterin des Rekurrenten
macht geltend, dass aufgrund der Umstände Art. 16a Abs. 4 SVG Anwendung finden
müsse.
Die Vorinstanz hat ihre Verfügung vom 14. Januar 2013 damit begründet, dass, wer ein
Motorfahrzeug führe, ohne den Führerausweis für die entsprechende Kategorie zu
besitzen, eine mittelschwere Widerhandlung begehe (Art. 16b Abs. 1 lit. c SVG). Der
Führerausweis auf Probe verfalle mit der zweiten Widerhandlung, die zum Entzug des
Ausweises führe (Art. 15a Abs. 4 SVG). Der Gesetzeswortlaut sei klar und
unmissverständlich. Die vorliegende Widerhandlung führe zu einem zwingenden Entzug
des Führerausweises und damit verfalle gemäss Art. 15a Abs. 4 SVG der
Führerausweis auf Probe und müsse annulliert werden.
e) Klar ist, dass der Rekurrent den objektiven Tatbestand von Art. 16b Abs. 1 lit. c SVG
erfüllt hat. Er hat ein Motorfahrzeug gefahren, ohne den Führerausweis für die
entsprechende Kategorie zu besitzen. Da dem Rekurrenten mit Verfügung des
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamts vom 19. Januar 2012 der Führerausweis in den
letzten zwei Jahren bereits einmal aufgrund einer mittelschweren Widerhandlung für die
Dauer von einem Monat entzogen worden war, beträgt die Entzugsdauer mindestens
vier Monate (Art. 16b Abs. 2 lit. b SVG). Diese Mindestentzugsdauer darf grundsätzlich
nicht unterschritten werden (Art. 16 Abs. 3 letzter Satz SVG). Bei einer analogen
Heranziehung der voranstehend erwähnten Rechtsprechung der
Verwaltungsrekurskommission zu Art. 16c Abs. 1 lit. f SVG stellt sich nun die Frage, ob
die Mindestentzugsdauer aufgrund geringen Verschuldens herabzusetzen ist.
Analog zu Art. 16c Abs. 1 lit. f SVG ist auch Art. 16b Abs. 1 lit. c SVG auf Fälle
zugeschnitten, in denen die betroffene Person vorsätzlich handelt. Dies dürfte bei
Führen eines Motorfahrzeuges ohne Führerausweis der Regelfall sein. Vorliegend hatte
der Rekurrent den Lernfahrausweis für die entsprechende Kategorie jedoch kurz zuvor
noch besessen. Als er mit seinem Motorrad zur Arbeit gefahren war, war der
Lernfahrausweis noch gültig; bei der Rückfahrt nach Mitternacht war er dann aber
abgelaufen. Zum Zeitpunkt der Kontrolle war dieser seit 90 Minuten nicht mehr gültig.
Der Rekurrent war davon ausgegangen, dass der Lernfahrausweis erst zwei Monate
später ablaufe. Von seiner ersten polizeilichen Einvernahme bis zum Rekurs vor der
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Verwaltungsrekurskommission beteuerte er, sich nicht bewusst gewesen zu sein, dass
der Lernfahrausweis bereits abgelaufen war. Vorsatz kann ihm demnach nicht
nachgewiesen werden. Aufgrund der erwähnten Umstände ist vorliegend von einer
leichten Fahrlässigkeit auszugehen. Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise,
aufgrund derer von einem schweren Verschulden auszugehen wäre.
Der Rekurrent war nicht aufgrund einer Auffälligkeit kontrolliert worden, sondern zufällig
in eine routinemässige Kontrolle geraten. Die Strecke, die der Rekurrent mit seinem
Motorrad zurücklegte war überdies relativ kurz, führte durch kaum besiedeltes Gebiet
und hatte um 1.30 Uhr werktags ein nur sehr geringes Verkehrsaufkommen. Einen Tag
zuvor hätte er sein Motorrad noch führen dürfen, ohne gegen eine
Gesetzesbestimmung zu verstossen. Ausser einer Widerhandlung im Jahre 2011 mit
dem Motorrad hatte er sich auf der Strasse sowohl mit dem Motorrad als auch mit dem
Auto wohlverhalten. Am 9. August 2012 lag weder eine abstrakte noch eine konkrete
Gefährdung der Verkehrssicherheit vor. Sodann lässt die Geldstrafe von nur 5
Tagessätzen darauf schliessen, dass auch die Staatsanwaltschaft das Verschulden nur
als gering eingestuft hat. Das Gesuch um Verlängerung des Lernfahrausweises stellte
der Rekurrent unmittelbar nach dem Vorfall vom 9. August 2012. Unter Würdigung all
dieser Umstände erscheint ein Ausweisentzug von mindestens vier Monaten, der im
konkreten Fall gleichzeitig auch zu einer Annullierung des Führerausweises auf Probe
führen würde, nicht als verhältnismässig. Ein Führerausweisentzug könnte nicht
unmittelbar mit dem Interesse an der Verkehrssicherheit begründet werden. Auch dem
Strafcharakter kann bei einfacher Fahrlässigkeit höchstens eine untergeordnete
Bedeutung zukommen. Einziger Zweck, den die Administrativmassnahme vorliegend
tatsächlich erfüllen kann, ist, einer behördlichen Anordnung (Erteilung des
Lernfahrausweises für eine bestimmte, festgelegte Dauer) Nachachtung zu verschaffen,
indem derjenige, der sich nicht an die Anordnung hält, mit einer repressiven
Massnahme dazu angehalten wird, künftig entsprechende Anordnungen zu beachten.
Da der Rekurrent vor dem Vorfall grundsätzlich die Möglichkeit gehabt hätte, eine
Verlängerung des Lernfahrausweises zu beantragen, jedoch nicht rechtzeitig daran
gedacht hatte, ist vorliegend auch diesem Zweck nicht allzu grosse Bedeutung
beizumessen. Auch Ungehorsam gegen behördliche Anordnungen setzt im Übrigen
Vorsatz voraus. Die undifferenzierte Anwendung der Mindestentzugsdauer von vier
Monaten mit der Folge der Annullierung des Führerausweises auf Probe erschiene
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vorliegend als geradezu stossend. Es liegt demnach eine planwidrige Unvollständigkeit
des Gesetzes vor. Eine solche ist unter anderem dann gegeben, wenn dem Gesetz eine
Ausnahme fehlt, obwohl es nach seinem Zweck eine Ausnahme enthalten müsste. Da
es nicht verhältnismässig ist, bei einfacher Fahrlässigkeit die gleiche Massnahme wie
bei Vorsatz zu verfügen, müsste vorliegend eine entsprechende Ausnahme gemacht
werden. In diesem Fall steht es dem Gericht zu, die planwidrige Unvollständigkeit des
Gesetzes zu beheben (vgl. BK I-Emmenegger/ Tschentscher, Bern 2012, N 344 zu
Art. 1 ZGB).
Die Rechtsvertreterin beantragt subeventualiter einen differenzierten Ausweisentzug
gemäss Art. 34 Abs. 5 lit. a der Verkehrszulassungsverordnung (SR 741.51, abgekürzt:
VZV). Dabei verlangt sie, dass für die Kategorie B der Ausweisentzug auf einen Monat
verkürzt werde. Es ist also zu prüfen, ob über einen differenzierten Ausweisentzug eine
einzelfallgerechte Lösung gefunden werden kann. Ein solcher ist unter bestimmten
Umständen in der Tat möglich. Er ist allerdings nicht in Art. 34, sondern in Art. 33 VZV
geregelt. Demnach hat der Entzug des Lernfahr- oder des Führerausweises einer
Kategorie oder Unterkategorie grundsätzlich den Entzug des Lernfahr- und des
Führerausweises aller Kategorien, aller Unterkategorien und der Spezialkategorie F zur
Folge (Art. 33 Abs. 1 VZV). In Härtefällen kann unter Einhaltung der gesetzlichen
Mindestdauer der Ausweisentzug je Kategorie, Unterkategorie oder Spezialkategorie
für eine unterschiedliche Dauer verfügt werden. Dazu müssen namentlich folgende
Voraussetzungen gegeben sein: Der Ausweisinhaber hat die Widerhandlung, die zum
Ausweisentzug führte, mit einem Motorfahrzeug begangen, auf dessen Benutzung er
beruflich nicht angewiesen ist und gleichzeitig ist er als Führer eines Motorfahrzeuges
der Kategorie, Unterkategorie oder Spezialkategorie, für welche die Entzugsdauer
verkürzt werden soll, unbescholten (Art. 33 Abs. 5 lit. a und b VZV).
Selbst wenn man die Voraussetzungen für einen differenzierten Ausweisentzug bejahen
würde, so schreibt das Gesetz auch hier vor, dass die gesetzliche Mindestdauer
eingehalten werden müsse. Wie voranstehend ausgeführt, zieht aber vorliegend auch
ein kurzer Ausweisentzug die Annullierung des Führerausweises auf Probe nach sich.
Mit der Anwendung dieses Artikels würde sich also an der Rechtsfolge nichts ändern;
auch diesbezüglich ergibt sich keine angemessene Lösung.
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Dementsprechend muss die planwidrige Unvollständigkeit des Gesetzes in Art. 16b
SVG durch richterliche Rechtsfindung behoben werden. Die Mindestentzugsdauer ist
aufgrund der fehlenden Verhältnismässigkeit auf jeden Fall herabzusetzen. Es stellt sich
die Frage, ob ein Führerausweisentzug überhaupt gerechtfertigt werden kann, würde er
doch von Gesetzes wegen die Annullierung des Führerausweises auf Probe für die
Kategorie B nach sich ziehen und damit für den Rekurrenten eine ausserordentlich
harte Massnahme darstellen. Der Lernfahrausweis für die Kategorie A war noch gültig,
als der Rekurrent mit seinem Motorrad zur Arbeit fuhr. Er war sich nicht bewusst, dass
der Lernfahrausweis gerade zu diesem Zeitpunkt über Mitternacht ablief. Nur 90
Minuten nach Ablauf des Ausweises fuhr er mit seinem Motorrad über wenig
besiedeltes Gebiet nach Hause. Es lag keine unmittelbare Gefährdung der
Verkehrssicherheit vor. Dementsprechend muss sein Verschulden als besonders leicht
und die Gefahr für die Sicherheit anderer als besonders gering eingestuft werden. Auch
wenn der Fall rein schematisch eine mittelschwere Widerhandlung darstellt, so muss er
aufgrund der konkreten Umstände unter den besonders leichten Fall gemäss Art. 16a
Abs. 4 SVG subsumiert werden. Nur so kann eine einzelfallgerechte Lösung erzielt
werden. Im Übrigen ist zu bemerken, dass der Rekurrent bereits aufgrund des
vorsorglichen Ausweisentzugs gemäss Verfügung der Vorinstanz vom 22. August 2012
und nochmals aufgrund des sofortigen Ausweisentzugs gemäss Verfügung der
Vorinstanz vom 14. Januar 2013 gesamthaft über vier Monate ohne Führerausweis war.
Es ist davon auszugehen, dass dieser Entzug eine genügend starke spezialpräventive
Wirkung auf den Rekurrenten hatte. Jedenfalls wird er in Zukunft die Gültigkeitsdauer
eines allfälligen neuen bzw. verlängerten Lernfahrausweises mit Sicherheit genau im
Auge behalten.
3.- Zusammenfassend ergibt sich, dass ein Führerausweisentzug aufgrund des sehr
leichten Verschuldens und der fehlenden Gefährdung der Verkehrssicherheit nicht
gerechtfertigt wäre. Das Gericht muss dementsprechend seiner Aufgabe, planwidrige
Unvollständigkeiten des Gesetzes zu beheben, nachkommen und eine
einzelfallgerechte Lösung schaffen. Aufgrund des sehr leichten Verschuldens und der
fehlenden Gefährdung der Verkehrssicherheit muss der Fall als besonders leicht
gemäss Art. 16a Abs. 4 SVG eingestuft werden. Die Widerhandlung zieht
dementsprechend keine Massnahmen nach sich. Der Rekurs ist gutzuheissen und die
Verfügung der Vorinstanz aufzuheben.
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4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom Staat zu
tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- (darin
eingeschlossen die Kosten für die Verfügung über die aufschiebende Wirkung vom
26. Februar 2013) erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Dem Rekurrenten ist der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- zurückzuerstatten.
5.- Gemäss Art. 98 Abs. 2 VRP werden im Rekursverfahren ausseramtliche Kosten
entschädigt, soweit sie aufgrund der Rechts- und Sachlage als notwendig und
angemessen erscheinen. Im Rekursverfahren war der Beizug eines Rechtsbeistandes
geboten. Eine Kostennote ist nicht eingereicht worden, entsprechend werden die
Parteikosten nach Ermessen zugesprochen (Art. 6 Honorarordnung für Rechtsanwälte
und Rechtsagenten; sGS 963.75, abgekürzt: HonO). Angesichts des geringen
Aktenumfangs und des auf die Thematik der Annullierung des Führerausweises auf
Probe beschränkten Prozessthemas sowie aufgrund des Umstands, dass der
Sachverhalt der Rechtsvertreterin bereits aus dem Rekursverfahren gegen den
vorsorglichen Führerausweisentzug bekannt war, erscheint eine Entschädigung von
Fr. 1'500.-- (Barauslagen und Mehrwertsteuer inbegriffen) als angemessen (Art. 19, 22
Abs. 1 lit. b, 28 und 29 HonO). Entsprechend dem Verfahrensausgang sind dem
Rekurrenten die ausseramtlichen Kosten vollumfänglich zu entschädigen (Art.
98 VRP). Kostenpflichtig ist der Staat (Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt).