Decision ID: 1f2628bd-69ee-4b1e-b7cc-c742cdc2ecec
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1986,
war seit
1.
Januar 2014 bei der
Y._
als Consultant angestellt. Das Arbeitsverhältnis wurde am
9.
Juli 2014 in gegenseitigem Einvernehmen per 3
1.
August 2014 aufgelöst (
Urk.
9/21).
A
m 3
0.
September 2014
meldete sich
d
er Versicherte
beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV)
Z._
zum Leistungsbezug ab
dem
selben Datum an und stellte sich der Arbeits
vermittlung für eine Vollzeittätigkeit zur Verfügung (Urk. 9/19 Ziff. 2-3, Urk. 9/20).
Gestützt auf die Meldungen des RAV vom
4.
Dezember 2014 (
Urk.
9/8-9) stellte das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) den Versicherten mit Verfügungen vom
9.
Dezember 2014
ab
1.
Oktober 2014
für die Dauer von 8 Tagen (
Urk.
9/10) und ab
1.
November 2014 für die Dauer von 4 Tagen (
Urk.
9/11) in der Anspruchsberechtigung ein. Die dagegen am
2.
Januar 2015 erhobene Ein
sprache (
Urk.
9/12) wies das AWA mit Entscheiden vom 2
3.
Januar 2015 ab (
Urk.
9/13-14 =
Urk.
2/1-2).
2
.
Am 1
0.
Februar 2015 (
Urk.
1) erhob der Versicherte Beschwerde gegen die
Ein
spracheentscheide
vom 2
3.
Januar 2015 (
Urk.
2/1-2) und beantragte die Aus
zahlung von mindestens 12 der 14 (richtig: 12)
Einstelltage (vgl. auch
Urk.
5). Mit Beschwerdeantwort vom
1
2.
März 2015 beantragte der Beschwerdegegner die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 1
8.
März 2015 mitgeteilt wurde (
Urk.
10).
Unter der Prozess-Nummer AL.2015.00097 ist ein weiteres Verfahren in Sachen der Parteien
hängig
, welches ebenfalls mit heutigem Datum entschieden wird.
Der Einzelrichter

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in
die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Nach
Art.
17
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die obligatorische Arbeitslosen
-
versi
cherung
und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
muss die versicherte Person, die Versicherungsleistungen beanspruchen will, mit Unter
stützung des zuständigen Arbeitsamtes alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu
vermeiden oder zu verkürzen. Insbesondere ist sie verpflich
tet, Arbeit zu suchen, nötigenfalls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufes. Sie muss ihre Bemühungen nachweisen können. Gemäss
Art.
30
Abs.
1
lit
.
c AVIG ist die versicherte Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie sich persönlich nicht genügend um zumutbare Arbeit bemüht. Dieser
Einstel
lungsgrund
ist schon dann gegeben, wenn die versicherte Person vor Eintritt der Arbeitslosig
keit ihren Obliegenheiten nicht nachgekommen ist. Sie hat sich daher bereits während der Kündigungsfrist oder bei einem im vornherein befristeten Arbeitsverhältnis vor dessen Beendigung von sich aus, das heisst ohne besondere Aufforderung durch eine Amtsstelle oder Abgabe eines Merk
blattes um einen neuen Arbeitsplatz zu bewerben (BGE 139 V 524 E. 4.2; Urteile des Bundesgerichts 8C_21/2015 vom
3.
März 2015, E. 3.5, und 8C_917/2013 vom
4.
März 2014, E. 2.1, je mit Hinweisen, sowie Urteil des Bundesgerichts 8C_271/2011 vom 1
4.
Juni 2011 E. 2.2).
1.3
Grundsätzlich sanktioniert Art. 30 Abs. 1
lit
. c AVIG eine Verletzung der in Art. 17 Abs. 1 AVIG statuierten Schadenminderungspflicht, insbesondere der Pflicht, sich genügend um Arbeit zu bemühen. Diese Verknüpfung soll Arbeits
lose zur Stellensuche anspornen und eine missbräuchliche Beanspruchung der Arbeitslosenversicherung verhindern. Die
Einstellung
in der
Anspruchsberechti
gung
bezweckt eine angemessene Mitbeteiligung der versicherten Person an jenem Schaden, den sie durch ihr pflichtwidriges Verhalten der Arbeitslosen
versicherung natürlich und adäquat kausal verursacht hat (BGE 124 V 225 E. 2b mit weiteren Hinweisen). Kern der Pflicht, alles Zumutbare zu unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen, sind die persönlichen
Arbeits
bemühungen
der versicherten Person selbst, die in der Regel streng beurteilt werden (vgl. BGE 133 V 89 E. 6.1.1).
1.4
Bei der Beurteilung der Frage, ob sich eine versicherte Person genügend um zumutbare Arbeit bemüht hat, ist nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität ihrer Bewerbungen von Bedeutung (BGE 139 V 524 E. 2.1.4, und 124
V
225 E. 4a je mit Hinweisen).
Dabei kommt es nicht auf den Erfolg der Arbeitsbemühungen an, sondern viel
mehr auf die Tatsache und Intensität derselben (BGE 124 V 225 E. 6; Urteil des Bundesgerichts C 16/07 vom 22. Februar 2007 E. 3.1). Die Arbeitsbemühungen müssen zudem umso intensiver sein, je weniger Aussicht eine versicherte Per
son hat, eine Stelle zu finden (vgl. Barbara Kupfer Bucher, Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung, 4. Auflage, Zürich 2013, S. 104).
Betreffend Quantität der persönlichen Arbeitsbemühungen können zwar keine eindeutigen Zahlenwerte angegeben werden, in der Regel müssen aber mindes
tens zehn bis zwölf geeignete Arbeitsbemühungen je Kontrollperiode nachge
wiesen werden (BGE 139 V 524 E. 2.1.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_917/2013 vom 4. März 2014 E. 2.2).
Eine in qualitativer Hinsicht genügende Suchbemühung setzt voraus, dass mit dem möglichen Arbeitgeber tatsächlich ein Kontakt zustande kommt. Ist eine telefonische Kontaktnahme nicht möglich, hat zwingend eine schriftliche Bewerbung zu erfolgen oder die versicherte Person hat selber im Betrieb vor
zusprechen (Urteil des Bundesgerichts C 275/05 vom 6. November 2006 E. 3.2). Qualitativ nicht genügend ist die
blosse
Anmeldung bei einem
Stellenvermitt
lungsbüro
(vgl. Barbara Kupfer Bucher, a.a.O., S. 174 mit Hinweis). Qualifizierte Berufsleuten dürfen zudem ihre Suchbemühungen nur zu Beginn der Arbeitslo
sigkeit auf den bisherigen Berufszweig beschränken (BGE 139 V 524 E. 2.1.3).
1.5
Nach konstanter Praxis des Bundesgerichts muss sich die versicherte Person
gemäss
ihrer Schadenminderungspflicht auch die vor der Meldung auf dem Arbeitsamt unterlassenen Stellenbewerbungen entgegenhalten lassen (ARV 2005 S. 58, C 208/03, E. 3.1 mit Hinweisen). Die Pflicht der Versicherungsleis
tungen beanspruchenden Person zur Arbeitssuche - als Teil der
Schadenmin
derungspflicht
- ergibt sich direkt aus dem Gesetz (Art. 17 Abs. 1 AVIG). Die versicherte Person kann sich daher insbesondere nicht damit exkulpieren, nicht gewusst zu haben, dass sie schon vor Aufnahme der Stempelkontrolle zur ernsthaften Arbeitssuche verpflichtet war und nicht darauf aufmerksam gemacht worden sei (Urteile C 236/04 vom 28. Dezember 2004 sowie C 200/03 vom 15. Dezember 2003 je mit Hinweis; vgl. auch ARV 1980 Nr. 44 S. 109). Der Versicherte hat sich dementsprechend während einer allfälligen Kündigungs
frist, aber auch generell während der Zeit vor der Anmeldung (ARV 1982 Nr. 4 S. 40), unaufgefordert um Stellen zu bemühen (vgl. Urteil des Bundesgerichtes
C
138/05 vom 3. Juli 2006 E. 2.1).
1.6
Die Dauer der
Einstellung
bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30 Abs. 3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30 Tage bei mittelschwerem und 31 bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 3 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insol
venzentschädigung; AVIV).
2.
2.1
Der Beschwerdegegner begründete die angefochtenen Entscheide wie folgt: Es seien
die Bemühungen des Beschwerdeführers im Zeitraum ab der Kündigung vom
9.
Juli 2014 bis zum Eintritt der kontrollierten Arbeitslosigkeit ab 3
0.
September 2014 massgeblich. Während dieser Zeit habe er insgesamt 12 persönliche Arbeitsbemühungen nachgewiesen, was zahlenmässig bei weitem nicht genüge. Er habe
nicht alles Z
umutbare unternommen, um die Arbeitslo
sigkeit zu verhindern oder zu verkürzen.
Sich bei der Stellensuche vorwiegend auf die Kontaktaufnahme mit einer begrenzten Anzahl Stellenvermitt
lungsbüros zu beschränken genüge
der gesetzlichen Pflicht, sich um Arbeit zu bemühen, nicht (
Urk.
2/1 S. 2 f.). Weiter sei dem Beschwerdeführer anlässlich des
Erstge
sprächs
vom 1
7.
Oktober 2014 mitgeteilt worden, dass er regelmässig mindes
tens 12 persönliche Arbeitsbemühungen, wovon mindestens die Hälfte schrift
lich zu erfolgen habe, nachweisen müsse. Er habe dennoch für die Kontrollperiode Oktober 2014 lediglich 5 persönliche Arbeitsbemühungen nachgewiesen (
Urk.
2/2 S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer machte
im Wesentlichen
geltend,
dass er im Anschluss an die Kündigung geschockt gewesen sei und eine Selbstfindungsphase begonnen habe. Er habe bei seiner Zusammenarbeit mit Kontakten und
Personalvermitt
lern
weitaus höhere Arbeitsbemühungen getätigt. Er schreibe nicht einfach so zehn bis zwölf Bewerbungen für Stellen, deren Anforderungen er nicht erfülle. Er sei nun
ein
mal sehr speziell im Logistik und IT Automotive Qualitätsumfeld gebildet und leider offeriere die Schweiz hier sehr wenig Positionen (
Urk.
1). Er habe Bewerbungen über persönliche Kontakte und Personalberater getätigt, wobei die Personalberater ihm nicht immer geeignete Stellen angeboten hätten - er habe nicht auf Quantität gesetzt
,
sondern auf geeignete Stellen mit guten Chancen. Weiter habe die Erstellung der Bewerbungsunterlagen Zeit in Anspruch genommen (
Urk.
5).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer zu Recht für die Dauer von insgesamt zwölf Tagen in der Anspruchsberechtigung eingestellt wurde.
3.
3.1
Wie dargelegt (vorstehend E. 1.3 f.
) muss sich die versicherte Person schon wäh
rend der Zeit vor der Anmeldung bei der Arbeitslosenversicherung um Arbeit bemühen. Diese Pflicht ist unter anderem insbesondere
auch
während der Kündigungsfrist zu erfüllen (vgl. Kreisschreiben des Staatssekretariats für Wirt
schaft über die Arbeitslosenentschädigung, AVIG-Praxis ALE, gültig ab 1. Januar 2015, Randziffer B314).
3.2
Das Arbeitsverhältnis wurde in gegenseitigem Einvernehmen am
9.
Juli 2014 per 3
1.
August 2014 aufgelöst; d
er letzte geleistete Arbeitstag war am
9.
Juli 2014 (Urk. 9/21
Ziff.
10, Ziff. 14
).
Der Beschwerdeführer bestreitet die vom Beschwerdegegner festgestellte Anzahl von insgesamt zwölf persönlichen Arbeitsbemühungen im Zeitraum vor Eintritt der kontrollierten Arbeitslosigkeit und fünf im Monat Oktober 2014 (vgl.
Urk.
9/7) nicht.
In
Anbetracht der
gemäss
der konstanten Rechtsprechung des Bundesgerichts durchschnittlich geforderten 10 bis 12 Arbeitsbemühungen pro Monat (vgl. vorstehend E. 1.4)
hat er somit
in quantitativer Hinsicht
eindeutig
ungenügende
Arbeitsbemühun
gen
nachgewiesen.
3.3
Die
diesbezüglichen
Vorbringen des Beschwerdeführers vermögen ihn nicht zu entlasten. Insbesondere hat die Arbeitslosenversicherung weder für
s
eine Phase der Selbstfindung
nach der Kündigung
noch für den
behaupteten
Umstand ein
zustehen, dass die fachlichen Fähigkeiten des Beschwerdeführers auf dem hiesi
gen Arbeitsmarkt wenig gesucht sind. Letzteres hätte den Beschwerdeführer aus Sicht der Arbeitslosenversicherung
vielmehr
dazu bringen müssen,
seine Bemü
hungen zu verstärken, denn d
ie Arbeitsbemühungen müssen umso intensiver sein, je weniger Aussicht eine versicherte Person hat, eine Stelle zu finden
(vgl. vorstehend E. 1.4).
Da er demnach in der Zeit vor Anmeldung beim RAV
und auch in der Folge
seinen Obliegenheiten
ungenügend
nachgekommen ist, ist der
Einstellung
s
grund
der ungenügenden persönlichen
Arbeitsbemühungen im Sinne von Art. 30 Abs. 1
lit
. c AVIG gegeben.
D
er Beschwerdegegner hat zu Recht eine
Einstellung
in der Anspruchsberechtigung verfügt
. Die
Dauer von
acht und vier
Tagen liegt im mittleren
und unteren
Bereich des leichten Verschuldens, was den objektiven und subjektiven Umständen des Falles angemessen Rechnung trägt
und nicht zu beanstanden ist.
3.4
Der angefochtene Entscheid erweist sich
somit
als rechtens. Dies führt zur Abwei
sung der Beschwerde.