Decision ID: faaeb126-e5e1-5376-a78a-5986502b6eb7
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Eliano Mussato, Bellevuestrasse 1b, Postfach,
9401 Rorschach,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 4. Juni 2003 zum Bezug von IV-Leistungen an (act.
G 13.1). Der damals behandelnde Dr. med. B._, Facharzt für Allgemeine Innere
Medizin FMH, diagnostizierte im Bericht vom 16. Juni 2003 ein persistierendes
lumboradikuläres Syndrom links bei fortgeschrittenem Bandscheibenleiden im
gesamten LWS-Bereich und einem Zustand nach Dekompression L2/3 beidseits, L3/4
beidseits sowie L5/S1 links mit Diskektomie vom 11. Dezember 2002. Für die
angestammte Tätigkeit als angelernter Maurer bescheinigte er dem Versicherten seit
27. August 2002 bis auf weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Leidensangepasste
Tätigkeiten seien dem Versicherten ganztags zumutbar (act. G 13.7). Ausgehend von
einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten und einem
10%igen Tabellenlohnabzug (act. G 13.13-2) berechnete die IV-Stelle einen 21%igen
Invaliditätsgrad und wies einen Anspruch auf eine Rente sowie berufliche Massnahmen
in der Verfügung vom 15. August 2003 ab (act. G 13.15). Diese Verfügung erwuchs in
Rechtskraft (zum Rückzug der dagegen vorsorglich erhobenen Einsprache vom
12. September 2003 vgl. act. G 13.26).
A.b Am 28. August 2007 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von
Rentenleistungen der Invalidenversicherung an (act. G 13.36). Der
allgemeinmedizinisch behandelnde Dr. med. C._, Facharzt für Chirurgie, berichtete
am 9. Oktober 2007, die Beschwerden des Versicherten hätten in den letzten 2 Jahren
an Intensität zugenommen. Eine lumbale-vertebrospinale Kernspintomographie vom
13. September 2007 (vgl. hierzu act. G 13.46-2 ff.) habe eine schwere Erkrankung der
Lendenwirbelsäule ergeben. Der Versicherte sei daher nicht arbeitsfähig. Dr. C._
empfahl eine erneute medizinische Abklärung des Versicherten durch die IV-Stelle (act.
G 13.46). Der seit 4. Oktober 2004 behandelnde Psychiater Dr. med. D._, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie, führte im Bericht vom 18. Januar 2008 aus, der
Versicherte sei vom 15. Januar bis 9. Februar 2007 in der Rehaklinik Gais hospitalisiert
gewesen. Er diagnostizierte eine mittel- bis schwergradige depressive Störung mit
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somatischen Symptomen (ICD-10: F32.11, F32.2), eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) sowie ein chronifiziertes Schmerzsyndrom bei
bekannten Wirbelsäulenänderungen. Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine
Arbeitsunfähigkeit von 70%. Zur Intensivierung der psychiatrischen Behandlung werde
der Versicherte demnächst in die Rehaklinik E._ überwiesen (act. G 13.49).
A.c Am 22. Mai 2008 wurde der Versicherte neurologisch von Dr. med. F._,
Facharzt für Neurologie FMH, untersucht. In der Beurteilung vom 23. Mai 2008
diagnostizierte dieser ein lumboradikuläres Reizsyndrom links, eine depressive Störung
mit somatischem Syndrom sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung.
Klinisch seien zur Zeit keine relevanten Paresen und/oder Sensibilitätsstörungen
nachweisbar (act. G 13.53). Der Versicherte nahm am 18. November 2008 an einer
interdisziplinären Beurteilung durch die RAD-Ärzte Dr. med. G._, Facharzt für
orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, und Dr. med.
H._, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, teil. Im
interdisziplinären Untersuchungsbericht vom 30. Juni 2009 diagnostizierten die RAD-
Experten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein lumbo-radikuläres Reizsyndrom
links mit im MRI nachgewiesenen Recessus-Stenosen L2/L3 bis L5/S1 zwischen 40
und 60% (ICD-10: M54.4) und eine leichte bis mittelgradige depressive Episode
(ICD-10: F32.1). Leidensangepasste Tätigkeiten könne der Versicherte ganztags mit
30% verminderter Leistungsfähigkeit ausüben. Diese Einschätzung gelte ab Januar
2007 (act. G 13.61).
A.d Mit Schreiben vom 23. November 2009 (act. G 13.66) reichte der Versicherte
einen Untersuchungsbericht von Dr. med. I._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, vom 15. November 2009 ein. Darin diagnostizierte dieser eine
andauernde Persönlichkeitsänderung nach chronischen Schmerzen (ICD-10: F62.8),
ein chronisches mittelgradig depressives Zustandsbild (ICD-10: F33.11) sowie ein
chronisches Schmerzsyndrom (ICD-10: F45.4). Dr. I._ hielt den Versicherten für
sämtliche Tätigkeiten für 100% arbeitsunfähig (act. G 13.67). Der RAD-Arzt Dr. med.
J._, u.a. Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, kam nach der Würdigung des
Berichts von Dr. I._ zum Schluss, dass weiterhin von einer 70%igen
Restarbeitsfähigkeit ausgegangen werden könne und keine weiteren Abklärungen
angezeigt seien (Stellungnahme vom 21. April 2010, act. G 13.70). Mit dieser RAD-
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Stellungnahme zeigte sich der Versicherte im Schreiben vom 17. Juni 2010 nicht
einverstanden (act. G 13.73) und reichte einen weiteren Bericht von Dr. I._ vom
15. Juni 2010 ein, worin dieser in Auseinandersetzung mit der RAD-Stellungnahme vom
21. April 2010 an seinem Standpunkt festhielt (act. G 13.74). Der RAD-Arzt Dr. J._
sprach sich am 9. August 2010 nach einer Auseinandersetzung mit dem Bericht vom
15. Juni 2010 weiterhin dafür aus, am interdisziplinären RAD-Bericht vom 30. Juni 2009
festzuhalten (act. G 13.78).
A.e Mit Vorbescheid vom 9. September 2010 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, das Rentengesuch abzuweisen. Sie ermittelte ausgehend von einer 70%igen
Restarbeitsfähigkeit einen 39%igen Invaliditätsgrad (act. G 13.86). Da sich der Ver
sicherte subjektiv nicht arbeitsfähig fühle, stellte sie des Weiteren in Aussicht, die
Arbeitsvermittlung abzuschliessen (Vorbescheid vom 10. September 2010, act.
G 13.84). Gegen den Vorbescheid betreffend Rente erhob der Versicherte am
17. Oktober 2010 Einwand und beantragte darin die Zusprache einer "Vollrente". Im
Wesentlichen brachte er vor, gestützt auf die Einschätzung von Dr. I._ müsse davon
ausgegangen werden, dass er über keine Restarbeitsfähigkeit mehr verfüge (act.
G 13.87).
A.f Am 26. Oktober 2010 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des Rentengesuchs
(act. G 13.90) und den Abschluss der Arbeitsvermittlung (act. G 13.89).
B.
B.a Gegen die Rentenverfügung vom 26. Oktober 2010 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 29. November 2010. Der Beschwerdeführer beantragt darin unter
Kosten- und Entschädigungsfolge deren Aufhebung sowie die Zusprache einer "vollen"
Invalidenrente. Eventuell sei die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Subeventuell sei ein ergänzendes Gutachten
anzuordnen. Im Rahmen einer summarischen Kurzbegründung führt der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers aus, dieser leide an verschiedenen
psychischen Krankheiten, die gemäss Bericht eines Spezialarztes eine
Arbeitsunfähigkeit von 70% nach sich ziehe. Die Beschwerdegegnerin setze sich
darüber hinweg und gehe von einer Arbeitsunfähigkeit von unter 40% aus. Eine
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Auseinandersetzung mit den Argumenten des psychiatrischen Spezialarztes habe nicht
stattgefunden. Der Rechtsvertreter ersucht um Gewährung einer Nachfrist zur
Einreichung einer detaillierten Beschwerdebegründung (act. G 1). Nach mehrmals
erstreckter Frist für die Beschwerdeergänzung teilt der Rechtsvertreter mit, dass er
noch nicht im Besitz sämtlicher Vorakten sei. Namentlich habe er keine Kenntnis von
einem RAD-Bericht, der sich mit dem Bericht des "behandelnden Psychiaters Dr. I._"
auseinandersetze. Die fehlenden Akten würden ihm noch zugestellt. Anschliessend
werde er den RAD-Bericht Dr. I._ unterbreiten. Er ersucht erneut um eine nochmalige
Fristerstreckung oder um eine Sistierung des Verfahrens (act. G 8). Mit Schreiben vom
9. März 2011 teilt die Präsidentin dem Rechtsvertreter mit, dass die Frist zur
Einreichung einer Beschwerdeergänzung letztmals bis 31. März 2011 erstreckt werde.
Bei unbenütztem Fristablauf werde die Beschwerdegegnerin ohne weiteres zur
Beschwerdeantwort aufgefordert (act. G 9). Der Rechtsvertreter teilte am 30. März
2011 (Datum Postaufgabe) mit, dass er die gesetzte Frist nicht einhalten könne, da er
die fehlenden Vorakten erst am 14. März 2011 erhalten habe und Dr. I._ nicht
fristgerecht hierzu habe Stellung nehmen können. Er beantragt eine formlose Sistierung
des Verfahrens bis Ende April 2011 (act. G 10). Die Gerichtskanzlei fordert den
Rechtsvertreter am 31. März 2011 auf, bis 29. April 2011 einen Kostenvorschuss zu
leisten. Gleichzeitig macht sie ihn darauf aufmerksam, dass nach Eingang des
Kostenvorschusses das Verfahren fortgesetzt und die Beschwerdegegnerin zur
Beschwerdeantwort aufgefordert werde (act. G 11).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 24. Mai 2011,
auf die Beschwerde sei nicht einzutreten. Eventualiter sei sie abzuweisen. Sie rügt in
formeller Hinsicht, dass die Beschwerde vom 29. November 2010 keine
Sachverhaltsdarstellung enthalte und die Begründung sehr kurz sei, weshalb sie die
minimalen Anforderungen an eine Beschwerde nicht erfülle. Materiell bringt sie vor,
dass der interdisziplinäre RAD-Untersuchungsbericht vom 30. Juni 2009 beweiskräftig,
gestützt darauf von einer Restarbeitsfähigkeit von 70% auszugehen und die
angefochtene Rentenverfügung rechtens sei (act. G 13).
B.c Die mehrmals erstreckte Frist für eine Replik (letztmals bis 26. August 2011, act.
G 20) lässt der Rechtsvertreter unbenützt ablaufen (act. G 21).

Erwägungen:
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1.
In formeller Hinsicht ist die von der Beschwerdegegnerin aufgeworfene Frage (act.
G 13) zu beantworten, ob auf die Beschwerde eingetreten werden kann.
1.1 Nach Art. 61 lit. b des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) muss die Beschwerde eine gedrängte
Darstellung des Sachverhalts, ein Rechtsbegehren und eine kurze Begründung
enthalten. Genügt sie diesen Anforderungen nicht, so setzt das Versicherungsgericht
der Beschwerde führenden Person eine angemessene Frist zur Verbesserung und
verbindet damit die Androhung, dass sonst auf die Beschwerde nicht eingetreten wird.
1.2 Der Rechtsvertreter hat in der Eingabe vom 29. November 2010 klargestellt, dass
er die Verfügung vom 26. Oktober 2010 als falsch und deshalb als rechtswidrig
betrachte und dass er eine gerichtliche Beurteilung verlange. Aus den Anträgen ergibt
sich klar der Beschwerdewille. Der Rechtsvertreter hat eine Begründung für seine
Begehren geliefert, indem er auf die aus seiner Sicht zutreffende
Arbeitsunfähigkeitsschätzung des psychiatrischen Spezialarztes "von 70%" verwiesen
hat und die von der Beschwerdegegnerin angenommene Einschätzung für unzutreffend
hielt, zumal sie sich über dessen Einschätzung hinweggesetzt habe (act. G 1). Aus den
weiteren Eingaben vom 17. Februar (act. G 8) und 30. März 2011 (act. G 10) ergibt sich,
dass es sich beim genannten Spezialarzt um Dr. I._ gehandelt hat. Zwar erweist sich
die vom rechtskundigen Vertreter verfasste Beschwerdebegründung in der Tat als
äusserst knapp. Sie entspricht indessen der materiellen Begründungsdichte der
angefochtenen Verfügung (vgl. hierzu act. G 13.90) und den bescheidenen
Minimalanforderungen an eine Beschwerde. Eine ausführliche Sachverhaltsdarstellung
ist nicht nötig gewesen, weil die angefochtene Verfügung die entsprechenden
Informationen enthalten hat. Im Übrigen wies der Rechtsvertreter in der Beschwerde
vom 29. November 2010 auf die - wenn auch nicht näher bezeichneten -
verschiedenen psychischen Krankheiten und die wesentlichen in den Akten liegenden
Arbeitsfähigkeitsschätzungen hin (act. G 1). Auf die Beschwerde ist deshalb
einzutreten, zumal keine Hinweise für ein rechtsmissbräuchliches Vorgehen ersichtlich
sind.
2.
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In materieller Hinsicht ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers strittig. Dabei ist
unbestritten und ausgewiesen (act. G 13.61), dass sich der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers seit der rentenabweisenden Verfügung vom 15. August 2003
verschlechtert hat.
2.1 Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) sowie des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass
der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die im Zeitpunkt gegolten
haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht
hat (vgl. BGE 130 V 445; BGE 127 V 466 E. 1; BGE 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen).
Daher ist der vorliegend zu beurteilende Rentenanspruch für die Zeit bis zum
31. Dezember 2007 auf Grund der bisherigen und ab diesem Zeitpunkt nach den neuen
Normen zu prüfen. Sofern nicht ausdrücklich anders erwähnt, werden nachfolgend die
seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben.
2.2 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 ATSG). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG (in der seit
1. Januar 2008 gültigen Fassung) bzw. aArt. 28 Abs. 1 IVG (in der bis 31. Dezember
2007 gültigen Fassung) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens
zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht
Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad von mindestens 40% auf eine
Viertelsrente.
2.3 Im Sozialversicherungsprozess gelten die Grundsätze der Untersuchungspflicht
und der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Demgemäss hat der
Versicherungsträger bzw. im Beschwerdefall das Gericht den rechtserheblichen
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Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien
gebunden zu sein. Verwaltungsbehörden und Sozialversicherungsgerichte haben
zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 110 V 53 E. 4a in fine).
2.4 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Fachperson begründet
sind (BGE 125 V 352 E. 3a). Nach der Rechtsprechung ist es dem
Sozialversicherungsgericht nicht verwehrt, einzig oder im Wesentlichen gestützt auf die
(versicherungsinterne) Beurteilung des RAD zu entscheiden. In solchen Fällen sind an
die Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen in dem Sinn zu stellen, dass bei
auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen
Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind. Ein Anspruch auf eine
versicherungsexterne Begutachtung besteht gemäss Rechtsprechung nicht (BGE 135
V 465).
3.
Vorab ist die Frage zu beantworten, ob die medizinische Situation rechtsgenüglich
abgeklärt wurde.
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3.1 Die Beschwerdegegnerin stützte die angefochtene Verfügung in medizinischer
Hinsicht auf den interdisziplinären RAD-Untersuchungsbericht vom 30. Juni 2009 (act.
G 13.61). Der Beschwerdeführer spricht diesem die Beweiskraft ab (vgl. act. G 13.87
und G 1).
3.2 Der Beschwerdeführer hält der RAD-Beurteilung die davon abweichenden
Einschätzungen von Dr. I._ entgegen (act. G 1).
3.2.1 Dr. I._ nahm am 13. November 2009 im Auftrag des Beschwerdeführers
eine eigene Untersuchung vor, deren Ergebnisse er im Bericht vom 15. November 2009
festhielt und würdigte (act. G 13.67). Er diagnostizierte eine andauernde
Persönlichkeitsänderung nach chronischen Schmerzen (ICD-10: F62.8), ein
chronisches mittelgradig depressives Zustandsbild (ICD-10: F33.11) sowie ein
chronisches Schmerzsyndrom (ICD-10: F45.4) und hielt den Beschwerdeführer für
sämtliche Tätigkeiten zu 100% arbeitsunfähig (act. G 13.67). Diese Einschätzung
überzeugt indessen nicht. Denn die Beurteilung von Dr. I._ vom 15. November 2009
erfolgte ohne Kenntnis der Vorakten sowie in Unkenntnis des genauen somatischen
Krankheitsbilds und im Wesentlichen einzig aufgrund der Angaben des
Beschwerdeführers bzw. von dessen Sohn. Insbesondere erscheint die Bescheinigung
einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeit angesichts des erhobenen
Befundes - der sich weitgehend mit demjenigen des psychiatrischen RAD-Experten
deckt (vgl. hierzu act. G 13.61-7) - und dem Umstand, dass selbst der behandelnde
Dr. D._ von einer immerhin noch 30%igen Restarbeitsfähigkeit ausging (act.
G 13.49-3), nicht nachvollziehbar und deshalb auch nicht geeignet, den
interdisziplinären RAD-Untersuchungsbericht vom 30. Juni 2009 in Frage zu stellen.
Dies umso weniger, als Dr. I._ keine seitherige Verschlechterung benennt, mithin
lediglich den gleichen Sachverhalt anders beurteilt hat. Schliesslich benennt er auch
keine objektiven Gesichtspunkte, die im RAD-Untersuchungsbericht nicht
berücksichtigt worden wären.
3.2.2 Auch aufgrund der im Vergleich zum RAD-Untersuchungsbericht
anderslautenden Diagnosen von Dr. I._ bestehen keine Zweifel an der
Arbeitsfähigkeitsschätzung des RAD. Was die Diagnose der andauernden
Persönlichkeitsänderung nach chronischen Schmerzen (ICD-10: F62.8) betrifft (act.
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G 13.67-2), so hat der psychiatrische RAD-Experte ausgeführt, dass keine
hinreichenden Hinweise für eine Persönlichkeitsstörung (worunter auch die
Persönlichkeitsänderung subsumiert wird, vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 17. März
2008, 9C_456/2007, E. 4.1) hätten gewonnen werden können (act. G 13.61-8).
Ergänzend ist zu bemerken, dass zwischen einer Persönlichkeitsänderung und der
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit nicht zwingend eine Korrelation besteht (Urteil
des Bundesgerichts vom 17. März 2008, 9C_456/2007, E. 4.1, mit Hinweis auf die
medizinische Literatur). Dass der psychiatrische RAD-Experte kein chronisches
Schmerzsyndrom (ICD-10: F45.4) diagnostizierte, lässt sich damit erklären, dass er bei
seiner Beurteilung als "Kernkorrelat" (act. G 13.61-8) das somatisch ausgewiesene und
im Rahmen der interdisziplinären Arbeitsfähigkeitsschätzung einbezogene lumbo-
radikuläre Reizsyndrom links mit im MRI nachgewiesenen Recessus-Stenosen L2/L3
bis L5/S1 zwischen 40 und 60% (ICD-10: M54.4; act. G 13.61-4) berücksichtigte und
die Schmerzproblematik auf ein objektivierbares Substrat zurückführte, von dem
Dr. I._ offenbar keine Kenntnis hatte. Zwar wirft die Bezeichnung der depressiven
Erkrankung mit dem Begriff der "Episode" im RAD-Untersuchungsbericht in der Tat
Fragen auf, worauf Dr. I._ zu Recht hinweist (act. G 13.74-1). Entscheidend ist
jedoch, dass der psychiatrische RAD-Experte bei der Beurteilung der Rest
arbeitsfähigkeit von einer depressiven Störung sprach, die seit Januar 2007 bestehe
(act. G 13.61-8 f.), und letztlich nicht bloss eine vorübergehende Erkrankung
berücksichtigte.
3.2.3 Auch die weitere Stellungnahme von Dr. I._ vom 15. Juni 2010 (act.
G 13.74) vermag die Beweiskraft des RAD-Untersuchungsberichts vom 30. Juni 2009
nicht zu schmälern. Denn diese Stellungnahme bezieht sich im Wesentlichen auf die
Frage des Vorliegens einer allfälligen Persönlichkeitsänderung (vgl. hierzu bereits die
vorstehenden Bemerkungen in E. 3.2.2). Selbst wenn der von Dr. I._ vertretenen
Auffassung gefolgt würde, so legt er nicht plausibel dar, inwiefern diese von ihm
gestellte Diagnose die bereits aus der depressiven Erkrankung resultierenden
Einschränkungen zusätzlich vergrössert. Des Weiteren führte er aus, dass er einzig
aufgrund von erfolglosen Arbeitsbemühungen des Beschwerdeführers eine zumutbare
Willensanstrengung verneint (act. G 13.74-2). Schliesslich übersieht Dr. I._ bei seiner
Kritik teilweise, dass im RAD-Untersuchungsbericht nicht bloss von einer leichten
depressiven Erkrankung (act. G 13.74-2), sondern von einem leichten bis
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mittelgradigen depressiven Leiden die Rede war und der RAD-Experte von einer
"stärkeren Ausprägung" sprach (act. G 13.61-8).
3.3 Einen Mangel am RAD-Untersuchungsbericht erblickt der Beschwerdeführer auch
darin, als die darin vorgenommene Arbeitsfähigkeitsbeurteilung mit derjenigen des
behandelnden Dr. D._ nicht zu vereinbaren sei (act. G 13.87-3).
3.3.1 Dr. D._ diagnostizierte im Bericht vom 18. Januar 2008 eine mittel- bis
schwergradige depressive Störung mit somatischen Symptomen (ICD-10: F32.11,
F32.2), eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) sowie ein
chronifiziertes Schmerzsyndrom bei bekannten Wirbelsäulenänderungen. Er hielt den
Beschwerdeführer für 30% arbeitsfähig (act. G 13.49).
3.3.2 Die Einschätzung von Dr. D._ wurde vom psychiatrischen RAD-Experten
anlässlich der Untersuchung vom 18. November 2008 berücksichtigt (act. G 13.61-6)
und plausibel diskutiert (act. G 13.61-8), weshalb die abweichende
Arbeitsfähigkeitsschätzung des behandelnden Psychiaters keine Zweifel am RAD-
Untersuchungsbericht vom 30. Juni 2009 hervorruft.
3.4 Bei der Würdigung der medizinischen Situation fällt ferner ins Gewicht, dass der
RAD-Untersuchungsbericht vom 30. Juni 2009 auf umfassender Aktenkenntnis sowie
interdisziplinären eigenen Untersuchungen (einschliesslich des neurologischen
Konsiliarberichts vom 23. Mai 2008, act. G 13.53) beruht, das gesamte Leidensbild des
Beschwerdeführers berücksichtigt und die auf dieser Grundlage gezogenen Schlüsse
nachvollziehbar sind. Aus den vom Beschwerdeführer ins Feld geführten medizinischen
Einschätzungen der Dres. D._ und I._ ergeben sich darüber hinaus keine objektiven
Gesichtspunkte, die im RAD-Untersuchungsbericht vom 30. Juni 2009 ausser Acht
gelassen worden wären.
4.
Obschon vom Beschwerdeführer nicht ausdrücklich bestritten, sind in Nachachtung
des Untersuchungsgrundsatzes (vgl. vorstehende E. 2.3) die erwerblichen
Auswirkungen der medizinisch ausgewiesenen 30%igen Arbeitsunfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten zu prüfen.
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4.1 Die von der Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung auf der Grund
lage des Jahres 2009 berücksichtigten Vergleichseinkommen (act. G 13.90) wurden
vom Beschwerdeführer zwar nicht gerügt. Bei näherer Betrachtung im Rahmen der
Untersuchungsmaxime ergibt sich indessen, dass das Valideneinkommen ausgehend
vom Lohn von 2001 (Fr. 63'636.--; act. G 13.4-2 und G 13.86-2) im Jahr des
Rentenbeginns (2007) Fr. 68'487.-- ([Fr. 63'636.-- / 1902] x 2047) und der tabellarische
Hilfsarbeiterlohn, angepasst an die betriebsübliche Arbeitszeit im massgebenden Jahr
2007 Fr. 60'167.-- beträgt. Des Weiteren ist zu beanstanden, dass die
Beschwerdegegnerin keinen Tabellenlohnabzug mehr berücksichtigte. Bei der
rentenablehnenden Verfügung vom 15. August 2003 hielt sie noch einen 10%igen
Abzug für gerechtfertigt (act. G 13.15 bzw. 13.13-2). Allein mit Blick auf das
verbleibende enge Spektrum an Verweistätigkeiten (Tätigkeiten mit vorwiegend
Publikumsverkehr, häufiger Reisetätigkeit und Aussendienstarbeit, besonderem
Zeitdruck, Nacht- und Wechselschicht, besonderer Anforderungen an die Feinmotorik
sowie häufiges Arbeiten auf Leitern und Gerüsten sollten vermieden werden. Aus rein
psychiatrischer Sicht sollten strukturierte und eher praktische Tätigkeiten ohne
komplexe geistige Anforderungen und ohne Zeit- und Termindruck möglich sein, act.
G 13.61-9) rechtfertigt sich nach wie vor ein 10%iger Abzug. Hinzu kommt, dass der
Beschwerdeführer nur noch über eine Teilleistungsfähigkeit verfügt und im Zeitpunkt
der angefochtenen Verfügung vom 26. Oktober 2010 bereits knapp 60 Jahre alt war,
mithin nur noch eine gut 5-jährige Aktivzeit vor sich hatte. Insgesamt erscheint daher
ein Tabellenlohnabzug von 15% den gesamten Umständen als angemessen.
Angepasst an die Restarbeitsfähigkeit von 70% und unter Berücksichtigung eines
15%igen Tabellenlohnabzugs ergibt sich somit ein Invalideneinkommen von
Fr. 35'799.-- (Fr. 60'167.-- x 0.7 x 0.85).
4.2 Bei einem Valideneinkommen von Fr. 68'487.-- und einem Invalideneinkommen
von Fr. 35'799.-- resultieren eine Erwerbseinbusse von Fr. 32'688.-- (Fr. 68'487.-- -
Fr. 35'799.--) und ein rentenbegründender Invaliditätsgrad von aufgerundet 48%
([Fr. 32'688.-- / Fr. 68'487.--] x 100). Der Beschwerdeführer hat damit Anspruch auf
eine Viertelsrente. Da der Beschwerdeführer bereits seit Jahren über keine
Arbeitsfähigkeit bezogen auf die angestammte Tätigkeit verfügt (vgl. bereits die
Verfügung vom 15. August 2003, act. G 13.15, sowie die somatische Beurteilung im
RAD-Untersuchungsbericht vom 30. Juni 2009, act. G 13.61-5) und die gesundheitliche
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Verschlechterung mit zusätzlicher Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten ab Januar 2007 (Klinikeintritt Gais vom 15. Januar 2007,
act. G 13.49-2) besteht (act. G 13.61-9), ist der Rentenbeginn gemäss des vorliegend
anwendbaren aArt. 29 Abs. 1 IVG (in der bis 31. Dezember 2007 gültigen Fassung) und
Art. 88a Abs. 2 IVV auf den 1. April 2007 festzusetzen.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist in teilweiser Gutheissung der Beschwerde die Verfügung
vom 26. Oktober 2010 aufzuheben und dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. April
2007 eine Viertelsrente zuzusprechen. Zur Festsetzung der Rentenhöhe ist die Sache
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
Ausgang des Verfahrens entsprechend sind sie vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (vgl. betreffend Überklagung Urteil des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 19. Dezember 2011, IV 2009/459,
E. 5.2 f.). Der vom Beschwerdeführer geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihm
zurückzuerstatten.
5.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.--
bis Fr. 12'000.--. Mit Blick auf die knapp begründete Beschwerde sowie den Verzicht
auf eine Replik erscheint vorliegend eine Entschädigung von Fr. 1'500.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) den Umständen angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
bis
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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP