Decision ID: 0fd6df3b-7d2d-4901-b976-816983bbfbad
Year: 2017
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. A., B. und C. wurden am 11. November 2016 in Schaan, Fürstentum Liech-
tenstein, nach einem versuchten Einbruchdiebstahl festgenommen, erken-
nungsdienstlich behandelt und in Untersuchungshaft gesetzt. Gemäss De-
likteverzeichnis vom 18. November 2016 folgten DNA-Hits von C. und/oder
B. für insgesamt 28 Einbruchdiebstähle in den Kantonen Zürich, Freiburg,
St. Gallen, Thurgau, Graubünden, Waadt und Schwyz (act. 1.2.1). A. sagte
anlässlich der Einvernahme vom 18. November 2016 durch die Landespoli-
zei Fürstentum Liechtenstein u.a. aus, dass er auch in der Schweiz immer
zusammen mit C. und B. Einbruchdiebstähle begangen habe, wobei er nicht
in der Lage sei genau zu sagen, wo und in welchen Kantonen sie diese Ein-
bruchdiebstähle begangen hätten, und auch zur Anzahl keine Angaben ma-
chen könne (act. 1.2.4 S. 27). Gemäss Delikteverzeichnis vom 13. Februar
2017 und Zwischenbericht vom 14. Februar 2017 der Kantonspolizei St. Gal-
len (Akten SG, ST.2015.43313, Dossier A) bzw. Bericht vom 22. Dezember
2016 der Kriminalpolizei Freiburg (act. 1.2.3; in: act. 1.5.3) werden A., B.
und/oder C. derzeit mit insgesamt mindestens 37 Einbruchdiebstählen in
Verbindung gebracht. Die zur Diskussion stehenden Einbruchdiebstähle ver-
teilen sich wie folgt auf die betreffenden Kantone:
Zürich: 8
Freiburg: 4
St. Gallen: 14
Thurgau: 2
Graubünden: 3
Waadt: 2
Schwyz: 4
B. Mit Schreiben vom 20. April 2017 ersuchte die Staatsanwaltschaft Win-
terthur/Unterland alle sechs involvierten Staatsanwaltschaften formell um
Verfahrensübernahme (act. 1.4.1), was von allen abgelehnt wurde
(act. 1.4.2–1.4.7). Der zwischen dem 30. Mai 2017 und 27. Juni 2017 er-
folgte abschliessende Meinungsaustausch zur Frage der örtlichen Zustän-
digkeit für die Verfolgung und Beurteilung der A., B. und C. zur Last gelegten
Straftaten führte zu keiner Einigung (act. 1.3.1–1.3.9).
C. Mit Gesuch vom 6. Juli 2017 beantragt die Oberstaatsanwaltschaft des Kan-
tons Zürich, vertreten durch einen Oberstaatsanwalt, es seien die Strafbe-
hörden des Kantons Freiburg für berechtigt und verpflichtet zu erklären, die
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den drei beschuldigten Personen zur Last gelegten Straftaten zu verfolgen
und zu beurteilen (act. 1).
D. Mit Gesuchsantwort vom 11. August 2017 beantragt die Staatsanwaltschaft
Freiburg, vertreten durch die Stellvertretende Generalstaatsanwältin, der An-
trag des Kantons Zürich vom 6. Juli 2017 sei abzuweisen und es seien die
Strafbehörden des Kantons St. Gallen für berechtigt und verpflichtet zu er-
klären, die den drei Beschuldigten zur Last gelegten Straftaten zu verfolgen
und zu beurteilen (act. 11). Das Untersuchungsamt Gossau der Staatsan-
waltschaft des Kantons St. Gallen, vertreten durch den Leitenden Staatsan-
walt, die Staatsanwaltschaft Bischofszell, vertreten durch den Oberstaatsan-
walt, die Staatsanwaltschaft des Kantons Graubünden, vertreten durch den
Ersten Staatsanwalt, das Ministère public central des Kantons Waadt, ver-
treten durch einen Staatsanwalt und die Oberstaatsanwaltschaft des Kan-
tons Schwyz, vertreten durch die Oberstaatsanwältin, beantragen (sinnge-
mäss) Gutheissung des Antrags des Kantons Zürich (act. 3–6; act. 8). Mit
Schreiben vom 14. August 2017 wurden die Gesuchsantworten den beteilig-
ten Parteien zur Kenntnis gebracht (act. 12).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Die Strafbehörden prüfen ihre Zuständigkeit von Amtes wegen und leiten ei-
nen Fall wenn nötig der zuständigen Stelle weiter (Art. 39 Abs. 1 StPO). Er-
scheinen mehrere Strafbehörden als örtlich zuständig, so informieren sich
die beteiligten Staatsanwaltschaften unverzüglich über die wesentlichen Ele-
mente des Falles und bemühen sich um eine möglichst rasche Einigung
(Art. 39 Abs. 2 StPO). Können sich die Strafverfolgungsbehörden verschie-
dener Kantone über den Gerichtsstand nicht einigen, so unterbreitet die
Staatsanwaltschaft des Kantons, der zuerst mit der Sache befasst war, die
Frage unverzüglich, d.h. im Normalfall innert zehn Tagen (Art. 396 Abs. 1
StPO analog; vgl. hierzu TPF 2011 94 E. 2.2), in jedem Fall vor der Ankla-
geerhebung, dem Bundesstrafgericht zum Entscheid (Art. 40 Abs. 2 StPO
i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG). Die Behörden, welche berechtigt sind, ihren
Kanton im Verfahren vor der Beschwerdekammer zu vertreten, bestimmen
sich nach dem jeweiligen kantonalen Recht (Art. 14 Abs. 4 StPO).
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1.2 Vorab ist festzustellen, ob die beteiligten Behörden und deren Vertreter be-
rechtigt sind, ihren Kanton im Verfahren vor der Beschwerdekammer zu ver-
treten.
1.2.1 In Gerichtsstandskonflikten vor dem Bundesstrafgericht vertritt den Kanton
Zürich die Oberstaatsanwaltschaft (§ 107 Abs. 1 lit. b des Gesetzes des Kan-
tons Zürich vom 10. Mai 2010 über die Gerichts- und Behördenorganisation
im Zivil- und Strafprozess [GOG/ZH; LS 211.1]). Sie besteht aus Oberstaats-
anwältinnen und -anwälten (§ 104 GOG/ZH).
Das vorliegende Gesuch des Kantons Zürich wurde von der Oberstaatsan-
waltschaft des Kantons Zürich, vertreten durch einen Oberstaatsanwalt, ein-
gereicht. Der Oberstaatsanwalt ist zur Vertretung des Kantons Zürich be-
rechtigt.
1.2.2 Die Staatsanwaltschaft des Kantons Freiburg ist für den ganzen Kanton zu-
ständig (Art. 66 Abs. 1 Satz 2 des Justizgesetzes des Kantons Freiburg vom
31. Mai 2010 [JG/FR; SGF 130.1]). Der Staatsanwaltschaft steht eine Gene-
ralstaatsanwältin oder ein Generalstaatsanwalt vor (Art. 67 Abs. 1 JG/FR).
Sie oder er ist insbesondere dafür zuständig, die Staatsanwaltschaft nach
aussen zu vertreten (Art. 67 Abs. 2 lit. e JG/FR). Die Stellvertretende Gene-
ralstaatsanwältin oder der Stellvertretende Generalstaatsanwalt vertritt die
Generalstaatsanwältin oder den Generalstaatsanwalt in ihren Aufgaben
(Art. 68 JG/FR).
Die vorliegende Gesuchsantwort des Kantons Freiburg wurde von der
Staatsanwaltschaft des Kantons Freiburg, vertreten durch die Stellvertre-
tende Generalstaatsanwältin, eingereicht. Die Stellvertretende General-
staatsanwältin ist zur Vertretung des Kantons Freiburg berechtigt.
1.2.3 Die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen besteht aus regionalen Un-
tersuchungsämtern, einem für das gesamte Kantonsgebiet zuständigen Un-
tersuchungsamt mit besonderen Aufgaben und der Jugendanwaltschaft
(Art. 6 Abs. 1 des Einführungsgesetzes des Kantons St. Gallen vom 3. Au-
gust 2010 zur Schweizerischen Straf- und Jugendstrafprozessordnung [EG-
StPO/SG; sGS 962.1]). Die Leitende Staatsanwältin oder der Leitende
Staatsanwalt leitet ein Untersuchungsamt in personeller, organisatorischer
und fachlicher Hinsicht (Art. 11 Abs. 1 lit. a EG-StPO/SG). Die örtlich zustän-
dige Leitende Staatsanwältin oder der Leitende Staatsanwalt vertritt den
Kanton St. Gallen bei der Festlegung der sachlichen Zuständigkeit gegen-
über den Bundesbehörden und regelt den interkantonalen Gerichtsstand
(Art. 24 Abs. 1 EG-StPO/SG).
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Die vorliegende Gesuchsantwort des Kantons St. Gallen wurde vom Unter-
suchungsamt Gossau, vertreten durch den Leitenden Staatsanwalt, einge-
reicht. Der Leitende Staatsanwalt ist zur Vertretung des Kantons St. Gallen
berechtigt.
1.2.4 Im Kanton Thurgau behandelt die Generalstaatsanwaltschaft interkantonale
sowie internationale Gerichtsstandskonflikte (§ 31 Abs. 1 Satz 1 des Geset-
zes des Kantons Thurgau vom 17. Juni 2009 über die Zivil- und Strafrechts-
pflege [ZSRG/TG; RB 271.1]). Sie wird durch eine Generalstaatsanwältin
oder einen Generalstaatsanwalt geführt (§ 30 Abs. 1 Satz 1 ZSRG/TG).
Angesichts dieser Zuständigkeitsordnung wurde mit Schreiben vom 10. Juli
2017 die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Thurgau zur Gesuchsant-
wort eingeladen (act. 2). Die vorliegende Gesuchsantwort des Kantons Thur-
gau wurde von der Staatsanwaltschaft Bischofszell, vertreten durch den
Oberstaatsanwalt, eingereicht. Aus dem Thurgauer Staatskalender
2017/2018 (abgeschlossen per 1. Juni 2017; https://www.tg.ch/publikatio-
nen/staatskalender.html/536) geht zwar hervor, dass der betreffende Ober-
staatsanwalt auch stellvertretender Generalstaatsanwalt ist (a.a.O., S. 82),
indes wurde die Gesuchsantwort weder im Namen der Generalstaatsanwalt-
schaft noch vom Unterzeichnenden als stellvertretender Generalstaatsan-
walt eingereicht. Als Behörde ist der Staatsanwaltschaft Bischofszell die Le-
gitimation abzusprechen. Im vorliegenden Fall ist – angesichts des Aus-
gangs des Verfahrens – ausnahmsweise davon abzusehen, dass der betref-
fende Oberstaatsanwalt seine Stellungnahme im Namen der Generalstaats-
anwaltschaft und als stellvertretender Generalstaatsanwalt abgibt.
1.2.5 Im Kanton Graubünden ist die Erste Staatsanwältin oder der Erste Staatsan-
walt für Gerichtsstandsfragen vor eidgenössischen Gerichten zuständig
(Art. 12 Abs. 1 lit. f des Einführungsgesetzes des Kantons Graubünden vom
16. Juni 2010 zur Schweizerischen Strafprozessordnung (EGzStPO/GR;
BR 350.100).
Die vorliegende Gesuchsantwort des Kantons Graubünden wurde von der
Staatsanwaltschaft Graubünden, vertreten durch den Ersten Staatsanwalt,
eingereicht. Der Erste Staatsanwalt ist zur Vertretung des Kantons Graubün-
den berechtigt.
1.2.6 Im Kanton Waadt ist das Ministère public central zuständige Behörde bei
Gerichtsstandskonflikten; insbesondere vertritt es in Gerichtsstandskonflik-
ten vor dem Bundesstrafgericht die kantonalen Behörden (Art. 25 Abs. 2 Loi
vaudoise du 19 mai 2009 sur le Ministère public [LMPu/VD; RSV 173.21]).
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Das Ministère public central wird vom Generalstaatsanwalt geleitet und be-
steht ausserdem aus einem oder mehreren stellvertretenden Generalstaats-
anwälten und Staatsanwälten des Ministère public central (Art. 24 Abs. 1
LMPu/VD).
Die vorliegende Gesuchsantwort des Kantons Waadt wurde vom Ministère
public central des Kantons Waadt, vertreten durch einen Staatsanwalt des
Ministère public central, eingereicht. Der Staatsanwalt ist zur Vertretung des
Kantons Waadt berechtigt.
1.2.7 Im Kanton Schwyz regelt die Oberstaatsanwaltschaft den interkantonalen
Gerichtsstand und vertritt die kantonale Staatsanwaltschaft, die Jugendan-
waltschaft und die Staatsanwaltschaften der Bezirke in eidgenössischen
Verfahren (§ 48 lit. e und lit. f des Justizgesetzes des Kantons Schwyz vom
18. November 2009 [JG/SZ; 231.110]). Die Oberstaatsanwaltschaft setzt
sich zusammen aus dem Oberstaatsanwalt und der Stellvertretung sowie
dem weiteren Personal (§ 47 Abs. 1 JG/SZ).
Die vorliegende Gesuchsantwort des Kantons Schwyz wurde von der Ober-
staatsanwaltschaft des Kantons Schwyz, vertreten durch die Oberstaatsan-
wältin, eingereicht. Die Oberstaatsanwältin ist zur Vertretung des Kantons
Schwyz berechtigt.
1.2.8 Nach dem Gesagten sind die beteiligten Behörden und deren Vertreter be-
rechtigt, ihren Kanton im Verfahren vor der Beschwerdekammer zu vertre-
ten.
1.3 Sodann ist festzustellen, ob sämtliche ernstlich in Frage kommenden Kan-
tone unter sich einen Meinungsaustausch durchführten. Erst wenn dieser
gescheitert ist, liegt ein streitiger Gerichtsstand vor, der zur Anrufung der
Beschwerdekammer berechtigt. Solange jene Behörde, die vom kantonalen
Recht für die Behandlung der interkantonalen Gerichtsstandskonflikte als zu-
ständig bezeichnet wird, nicht angegangen wurde und sich nicht aussprach,
liegt noch kein endgültiger Gerichtsstandskonflikt vor und die Beschwerde-
kammer kann nicht angerufen werden (vgl. hierzu zuletzt u.a. Beschluss des
Bundesstrafgerichts BG.2016.18 vom 28. Oktober 2016, E. 1.2 m.w.H.).
Gemäss Sacherhalt (vgl. vorn lit. A) kommen ernstlich in Frage die Kantone
Zürich, Freiburg, St. Gallen, Thurgau, Graubünden, Waadt und Schwyz.
1.3.1 Der Kanton Zürich, vertreten durch den Oberstaatsanwalt, lehnte seine Zu-
ständigkeit mit Schreiben vom 30. Mai 2017 an den Generalstaatsanwalt des
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Kantons Freiburg (act. 1.3.1), mit Schreiben vom 13. Juni 2017 an den Ers-
ten Staatsanwalt des Kantons St. Gallen (act. 1.3.3) und mit Schreiben vom
21. Juni 2017 an die vier weiteren Kantone (act. 1.3.5) ab.
1.3.2 Der Kanton Freiburg, vertreten durch die Stellvertretende Generalstaatsan-
wältin, lehnte seine Zuständigkeit mit Schreiben vom 6. Juni 2017 ab
(act. 1.3.2).
1.3.3 Der Kanton St. Gallen, vertreten durch den Leitenden Staatsanwalt, lehnte
seine Zuständigkeit mit Schreiben vom 15. Juni 2017 ab (act. 1.3.4).
1.3.4 Der Kanton Thurgau, vertreten durch die Stellvertretende Oberstaatsanwäl-
tin der Staatsanwaltschaft Bischofszell, lehnte seine Zuständigkeit mit
Schreiben vom 26. Juni 2017 ab (act. 1.3.8). Die Zuständigkeit der Stellver-
tretenden Oberstaatsanwältin ergibt sich weder aus dem Gesetz (vgl. hierzu
vorn E. 1.2.4) noch aus den Akten. Der Kanton Thurgau ist allerdings auf
dem Handeln seiner Behörden im Meinungsaustausch zu behaften (vgl. Ent-
scheide des Bundesstrafgerichts BG.2006.22 vom 30. Juni 2006, E. 1.2;
BG.2006.20 vom 28. Juni 2006, E. 1.2; GUIDON/BÄNZIGER, Die aktuelle
Rechtsprechung des Bundesstrafgerichts zum interkantonalen Gerichts-
stand in Strafsachen, Jusletter 21. Mai 2007, Rz 4; KUHN, Basler Kommentar,
2. Aufl., Art. 40 StPO N. 11 m.w.H.). Es wäre vorliegend ausserdem stos-
send, liesse man das Verfahren an diesem Umstand scheitern, zumal zahl-
reiche Kantone involviert und Gerichtsstandskonflikte rasch beizulegen sind.
1.3.5 Der Kanton Graubünden, vertreten durch den Ersten Staatsanwalt, lehnte
seine Zuständigkeit mit Schreiben vom 27. Juni 2017 ab (act. 1.3.9).
1.3.6 Der Kanton Waadt, vertreten durch einen Staatsanwalt des Ministrère public
central, lehnte seine Zuständigkeit mit Schreiben vom 27. Juni 2017 ab
(act. 1.3.6).
1.3.7 Der Kanton Schwyz, vertreten durch die Oberstaatsanwältin, lehnte seine
Zuständigkeit mit Schreiben vom 27. Juni 2017 ab (act. 1.3.7).
1.3.8 Der durchgeführte Meinungsaustausch ist im Sinne der vorstehenden Erwä-
gungen nicht zu beanstanden.
1.4 Auf das im Übrigen frist- und formgerechte Gesuch ist einzutreten.
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2.
2.1 Ist eine Straftat von mehreren Mittäterinnen oder Mittätern verübt worden, so
sind die Behörden des Ortes zuständig, an dem zuerst Verfolgungshandlun-
gen vorgenommen worden sind (Art. 33 Abs. 2 StPO). Hat eine beschuldigte
Person mehrere Straftaten an verschiedenen Orten verübt, so sind für die
Verfolgung und Beurteilung sämtlicher Taten die Behörden des Ortes zu-
ständig, an dem die mit der schwersten Strafe bedrohte Tat begangen wor-
den ist. Bei gleicher Strafdrohung sind die Behörden des Ortes zuständig, an
dem zuerst Verfolgungshandlungen vorgenommen worden sind (Art. 34
Abs. 1 StPO). Begehen mehrere Beschuldigte zusammen in verschiedenen
Kantonen mehrere Delikte, so sind Art. 33 Abs. 2 und Art. 34 Abs. 1 StPO
so miteinander zu kombinieren, dass in der Regel alle Mitwirkenden an dem
Orte verfolgt werden, wo von einem Mittäter die mit der schwersten Strafe
bedrohte Tat verübt worden ist. Bei gleich schweren Strafdrohungen be-
stimmt sich der Gerichtsstand für alle Beteiligten nach dem Ort, wo zuerst
Verfolgungshandlungen vorgenommen worden sind (vgl. hierzu zuletzt u.a.
Beschlüsse des Bundesstrafgerichts BG.2016.35 vom 2. Mai 2017, E. 3.1;
BG.2016.38 vom 3. Januar 2017, E. 2.1; BG.2016.29 vom 5. Dezember
2016, E. 2.1; BG.2016.28 vom 25. Oktober 2016, E. 2.1; BG.2016.19 vom
20. Juli 2016, E. 2.2; BG.2016.13 vom 20. Juli 2016, E. 2.1).
2.2 Bei der Beurteilung der Gerichtsstandsfrage muss von der aktuellen Ver-
dachtslage ausgegangen werden. Massgeblich ist nicht, was dem Beschul-
digten schlussendlich nachgewiesen werden kann, sondern der Tatbestand,
der Gegenstand der Untersuchung bildet, es sei denn, dieser erweise sich
von vornherein als haltlos oder sei sicher ausgeschlossen. Der Gerichts-
stand bestimmt sich also nicht nach dem, was der Täter begangen hat, son-
dern nach dem, was ihm vorgeworfen wird, das heisst, was aufgrund der
Aktenlage überhaupt in Frage kommt (Beschlüsse des Bundesstrafgerichts
BG.2016.28 vom 25. Oktober 2016, E. 2.2; BG.2016.6 vom 17. Mai 2016,
E. 2.2). Dabei stützt sich die Beschwerdekammer auf Fakten, nicht auf Hy-
pothesen (Beschlüsse des Bundesstrafgerichts BG.2015.47 vom 1. März
2016, E. 2.3; BG.2015.38 vom 22. Oktober 2015, E. 2). Es gilt der Grundsatz
"in dubio pro duriore", wonach im Zweifelsfall auf den für den Beschuldigten
ungünstigeren Sachverhalt abzustellen bzw. das schwerere Delikt anzuneh-
men ist (Beschlüsse des Bundesstrafgerichts BG.2016.28 vom 25. Okto-
ber 2016, E. 2.2; BG.2016.6 vom 17. Mai 2016, E. 2.2; BG.2016.10 vom
10. Mai 2016, E. 2.3).
3. Vorliegend bildet der A., B. und C. – aufgrund der Aktenlage berechtigt –
vorgeworfene bandenmässige Diebstahl i.S.v. Art. 139 Ziff. 3 StGB die mit
der schwersten Strafe bedrohte und damit die für den Gerichtsstand
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relevante Tat. Nicht zu folgen ist den Parteien indes, wenn sie alle anneh-
men, die erste bandenmässige Tat sei im Kanton Freiburg begangen und
angezeigt worden und entsprechend liege der gesetzliche Gerichtsstand im
Kanton Freiburg (act. 1 S. 5 und S. 8; act. 3 S. 2; act. 4; act. 5 S. 2; act. 6
S. 2 sowie act. 1.3.8 S. 1 f.; act. 8 S. 1; act. 11 S. 2 f.). Bandenmässigkeit
setzt den Zusammenschluss mindestens zweier Personen voraus (BGE 135
IV 158 E. 2 und E. 3). Gemäss den eingangs angeführten Aktenstücken (vgl.
vorn lit. A) liegen zu den zur Diskussion stehenden Einbruchdiebstählen bis
zum 13. November 2015 keine gemeinsamen DNA-Hits der Beschuldigten
vor. Aus den vorliegenden Aussagen der Beschuldigten ergibt sich nicht
schlüssig, dass sie sich bereits davor zusammengefunden hätten, inskünftig
zusammenzuwirken. Anzunehmen, die erste bandenmässige Begehung
liege am 9. oder 12. September 2015 im Kanton Freiburg vor, weil sich B.
und C. mutmasslich spätestens ab September 2015 gemeinsam in der
Schweiz aufgehalten hätten, ist vorderhand eine Hypothese, auf welche sich
die Beschwerdekammer bei der Bestimmung des Gerichtsstands nicht
stützt. Ein bandenmässiges Vorgehen ist nach dem Gesagten vielmehr erst
ab dem Einbruchdiebstahl in Thal SG vom 13. November 2015 anzunehmen,
bei dem DNA-Hits für B. und C. vorliegen und für welchen der Strafantrag
von der Kantonspolizei St. Gallen gleichentags entgegengenommen wurde
(Akten SG, ST.2015.42489, Dossier S3). Mithin liegt der gesetzliche Ge-
richtsstand im Kanton St. Gallen.
4. Triftige Gründe für das Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand liegen
nicht vor (vgl. dazu TPF 2012 66 E. 3.1; TPF 2011 178 E. 3.1; je m.w.H.).
5. Demnach sind die Strafbehörden des Kantons St. Gallen für berechtigt und
verpflichtet zu erklären, die A., B. und C. zur Last gelegten Straftaten zu ver-
folgen und zu beurteilen.
6. Es ist keine Gerichtsgebühr zu erheben (Art. 423 Abs. 1 StPO).
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