Decision ID: 3f8c99e6-a26e-5dd8-8024-7f1d0d4e66d8
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
T._,
Rekurrent,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Vorinstanz,
betreffend
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St.Galler Gerichte
individuelle Prämienverbilligung 2009
Sachverhalt:
A.
A.a T._ meldete sich im März 2009 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons
St. Gallen (SVA) zum Bezug von individueller Prämienverbilligung (IPV) für das Jahr
2009 an (act. G 5.1/1).
A.b Mit Verfügung vom 8. Mai 2009 wies die SVA das Gesuch mit der Begründung ab,
dass die wirtschaftlichen Verhältnisse (Reineinkommen 2007 von Fr. 26'502.--) das
massgebende Einkommen übersteigen würden (act. G 5.1/2). Daraufhin teilte der
Versicherte der SVA mit, dass er im Januar 2008 eine Weiterbildung begonnen habe
und sich deshalb seine finanziellen Verhältnisse stark verändert hätten. Sein
Bruttoeinkommen habe sich im Jahr 2008 auf ca. Fr. 21'500.-- reduziert (act. G 5.1/3).
Mit Schreiben vom 3. Juni 2009 führte die SVA aus, dass für die Ermittlung der
Prämienverbilligung für das Jahr 2009 zu Recht auf die Steuerdaten des Jahres 2007
abgestellt worden sei (act. G 5.1/4). Eine gegen die Verfügung vom 8. Mai 2009
erhobene Einsprache (act. G 5.1/5) wies die SVA mit Einspracheentscheid vom 16. Juli
2009 ab (act. G 5.1/6).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich der vom Versicherten erhobene
Rekurs vom 3. August 2009 mit den sinngemässen Anträgen, der angefochtene
Einsprachentscheid sei aufzuheben und es sei für die Berechnung der individuellen
Prämienverbilligung für das Jahr 2009 auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
abzustellen. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass sich seine
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit aufgrund der kaufmännischen Berufsmaturität seit
Januar 2008 stark reduziert habe. Die Ausbildung habe er im Sommer 2009 erfolgreich
abgeschlossen. Ab September 2009 werde er ein Vollzeitstudium an der
Fachhochschule absolvieren, wodurch sich sein Einkommen für die kommenden Jahre
(2009 bis 2012) weiter vermindern werde. Die Möglichkeit für einen Nebenverdienst
biete sich nur noch während den Semesterferien. Die Einkommenssituation habe sich
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bedeutend verändert und sei bei der Berechnung der individuellen Prämienverbilligung
für das Jahr 2009 mit zu berücksichtigen.
B.b Die Vorinstanz beantragt in der Vernehmlassung vom 31. August 2009 Abweisung
des Rekurses. Aus den eingereichten Unterlagen lasse sich schliessen, dass das
Reineinkommen des Rekurrenten im Jahr 2008 im Vergleich zum Vorjahr
zurückgegangen sei. Mangels Vorliegen der Steuerdaten für das Jahr 2008 könne die
Reduktion allerdings nicht exakt beziffert werden. Der Rückgang des Einkommens
stehe eindeutig im Zusammenhang mit der Absolvierung der Berufsmatura. Dieser
Einkommensrückgang könne deshalb nicht als Merkmal einer erheblichen, in die Augen
springenden Änderung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit qualifiziert werden. Das
im September 2009 begonnene Studium vermöge daran nichts zu ändern. Vor der
Aufnahme einer solchen Ausbildung könne kaum abgeschätzt werden, ob die
Ausbildung auch tatsächlich abgeschlossen werde, da viele Faktoren unbekannt seien.
Es könne daher nicht mit Sicherheit geschlossen werden, dass der Rekurrent die
nächsten Jahre Vollzeitstudent sein werde und sein Einkommen dementsprechend wie
im Jahr 2008 tief bleibe. Für die Anspruchsberechnung einer individuellen
Prämienverbilligung für das Jahr 2009 sei somit zu Recht gemäss dem gesetzlichen
Regelfall auf die vorletzte Steuerveranlagung des Jahres 2007 abgestellt worden.

Erwägungen:
1.
1.1 Nach Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung
(SR 832.10; KVG) haben die Kantone den Versicherten in bescheidenen
wirtschaftlichen Verhältnissen Prämienverbilligungen zu gewähren. Dazu haben sie
nach Art. 97 Abs. 1 KVG Ausführungsbestimmungen zu erlassen, bei deren
Ausgestaltung die Bedingungen von Art. 66 KVG sowie Art. 65 Abs. 3 KVG zu beachten
sind (Art. 65 Abs. 2 KVG). Der Kanton St. Gallen ist dieser Verpflichtung durch die Art.
9-16 des Einführungsgesetzes zur Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung
(sGS 331.11; EG-KVG) und die dazugehörigen Vollzugsvorschriften in Art. 9-38 der
Verordnung zum Einführungsgesetz zur Bundesgesetzgebung über die
Krankenversicherung (sGS 331.111; Vo-EG) nachgekommen, wobei er insbesondere
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die persönlichen (Art. 10 EG-KVG) und die einkommensmässigen (Art. 11 EG-KVG)
Voraussetzungen sowie die Höhe der Prämienverbilligung (Art. 12 EG-KVG) festgesetzt
hat.
1.2 Eine Prämienverbilligung wird nach Art. 10 Abs. 1 EG-KVG Personen gewährt, die
im Kanton St. Gallen steuerrechtlichen Wohnsitz haben (lit. a) und ein die
Prämienverbilligung auslösendes Einkommen erzielen (lit. b). In Bezug auf die
einkommensmässigen Voraussetzungen bestimmt Art. 11 EG-KVG, dass das die
Prämienverbilligung auslösende Einkommen unter teilweiser Berücksichtigung des
steuerbaren Vermögens von der Regierung durch Verordnung festgesetzt wird (Abs. 1).
Grundlage bildet in der Regel die letzte definitive Steuerveranlagung (Abs. 2).
Entspricht das ermittelte Einkommen offensichtlich nicht der wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit, wird auf diese abgestellt (Abs. 3).
2.
Die Vorinstanz hat bei der Anspruchsberechnung für die Prämienverbilligung für das
Jahr 2009 auf die rechtskräftig veranlagten Steuerdaten aus dem Jahr 2007 abgestellt.
Der Rekurrent macht hingegen geltend, die seither aufgrund der Ausbildung
eingetretene Reduktion seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit sei bei der
Anspruchsprüfung für eine Prämienverbilligung für das Jahr 2009 zu berücksichtigen.
Strittig ist somit, ob die Vorinstanz bei der Anspruchsberechnung für eine
Prämienverbilligung für das Jahr 2009 zu Recht auf das Reineinkommen aus dem Jahr
2007 abgestellt hat.
3.
3.1 Nach Art. 11 Abs. 3 EG-KVG wird nur dann von der letzten definitiven
Steuerveranlagung abgewichen, wenn das ermittelte Einkommen offensichtlich nicht
der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit entspricht. Dies stellt eine Abweichung von der
Gleichbehandlung dar, indem als Bemessungsgrundlage die Gegenwartswerte
herangezogen werden. Es bedarf deshalb bestimmter Voraussetzungen, bevor auf die
tatsächlichen Verhältnisse abgestellt wird. Welche Kriterien zu einer Abweichung
führen, ist der bisherigen Rechtsprechung zu Art. 11 Abs. 3 EG-KVG zu entnehmen. Mit
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der Verwendung des Begriffs "offensichtlich" in Art. 11 Abs. 3 EG-KVG wird zum
Ausdruck gebracht, dass nicht jede Veränderung der wirtschaftlichen Verhältnisse
massgebend sein darf, um von den Steuerdaten abzuweichen. Die Diskrepanz
zwischen der früheren und der neuen wirtschaftlichen Lage, welche sowohl vom
Einkommen als auch vom Vermögen beeinflusst wird, muss rechtserheblich sein.
Praxisgemäss rechtfertigen nur grundlegende und tiefgreifende Änderungen der
Verhältnisse ein Abweichen von der letzten definitiven Steuerveranlagung. Anders wäre
der Vollzug der Prämienverbilligung in einem einfachen und raschen Verfahren gar nicht
zu bewerkstelligen (Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 10. Mai
2005, B 2005/23, E. 2c). Gemäss dem seit 1. Januar 2008 geltenden Art. 12 Vo-
EG in der Fassung gemäss XV. Nachtrag zur Vo-EG vom 11. Dezember 2007(nGS
43-10) wird auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit anstelle des ermittelten
Einkommens abgestellt, wenn sich die Einkommensgrundlagen dauerhaft verändert
haben (Abs. 1) und die Abweichung im Bezugsjahr wenigstens einen Viertel des
massgebenden Einkommens des vorletzten Jahres beträgt (Abs. 2).
3.2 Der Rekurrent erzielte im Jahr 2007 ein steuerbares Reineinkommen von
Fr. 26'502.--. Die definitive Steuerveranlagung für das Jahr 2008 ist in den Unterlagen
nicht zu vorhanden. Mit dem Rekurs legte der Rekurrent jedoch Lohnausweise für das
Jahr 2008 ins Recht. Aus diesen ist ersichtlich, dass er in diesem Jahr bei der A._
einen Nettolohn von Fr. 16'197.-- und beim B._ einen Nettolohn von Fr. 4'534.--
erzielte. Im Jahr 2009 verdiente er bei der A._ bis Ende Juli 2009 Fr. 18'130.45
(netto). Aus den eingereichten Unterlagen ist somit ersichtlich, dass sich das
Einkommen des Rekurrenten gegenüber dem Jahr 2007 jeweils reduziert hat.
Entsprechend führte er denn auch aus, dass sich seine wirtschaftliche
Leistungsfähigkeit aufgrund der kaufmännischen Berufsmaturität seit Januar 2008 stark
reduziert habe. Die Ausbildung habe er im Sommer 2009 erfolgreich abgeschlossen
und er werde ab September 2009 ein Vollzeitstudium an einer Fachhochschule
absolvieren. Diese Umstände seien bei der Berechnung der individuellen
Prämienverbilligung für das Jahr 2009 zu berücksichtigen.
3.3 Falls von der ordentlichen Berechnungsgrundlage abgewichen und stattdessen
auf die tatsächliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit abgestellt werden soll, gilt es Art.
9 Abs. 1 Vo-EG zu beachten, welcher bestimmt, dass für die Anspruchsberechtigung
quater
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auf Prämienverbilligung für Personen mit zivilrechtlichem Wohnsitz oder einer
fremdenpolizeilichen Bewilligung zum Jahresaufenthalt im Kanton die persönlichen und
familiären Verhältnisse am 1. Januar des Jahres massgebend sind, für das die
Prämienverbilligung beansprucht wird. Dabei handelt es sich um die aktuellsten Daten
(vgl. dazu Art. 65 Abs. 3 KVG). Einzig bei der Geburt eines Kindes wird das
massgebende Einkommen ab dem Geburtsmonat neu festgelegt (Art. 13 Vo-EG). Das
Verwaltungsgericht hat sodann im Entscheid vom 10. Mai 2005 (B 2005/23 i.Sl. SVA
gegen J.M. festgehalten, dass grundsätzlich auch Änderungen, die zu Beginn des
Anspruchsjahres bzw. im Zeitpunkt des Gesuchs auf eine grundlegende Veränderung
der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit deuten, Berücksichtigung finden könnten.
3.4 Für die Frage der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ist somit auf die konkreten
Verhältnisse am 1. Januar 2009 abzustellen. In diesem Zeitpunkt war der Rekurrent
daran, die kaufmännische Berufsmatura nachzuholen. Das Absolvieren dieser
Ausbildung kann damit für die Berechnung der Prämienverbilligung für das Jahr 2009
grundsätzlich miteinbezogen werden. Indessen ist darin keine dauerhafte Veränderung
der Einkommensgrundlagen zu erblicken, welche bei Erfüllen des 2. Kriteriums
(Einkommensabweichung von wenigstens 25%) ein Abweichen von der ordentlichen
Berechnungsgrundlage rechtfertigen könnte. Der Beginn eines Vollzeitstudiums an der
Fachhochschule Winterthur im September 2009 (das in der Zwischenzeit gemäss
Schreiben vom 12. November 2009 aus finanziellen Gründen bereits wieder
aufgegeben wurde) ist für die Prämienverbilligung für das Jahr 2009 von vorneherein
ohne Bedeutung und könnte aufgrund der Massgeblichkeit der Verhältnisse am 1.
Januar des Anspruchsjahres frühestens ab 2010 eine Rolle spielen, da es erst im
Verlauf des Jahres 2009 aufgenommen wurde. Damit kann an dieser Stelle offen
bleiben, ob der Antritt eines auf vier Jahre angelegten Vollzeitstudiums überhaupt als
"dauerhafte" Veränderung der Einkommensgrundlage gelten kann.
3.5 Unter diesen Umständen kann auch offen bleiben, ob das Kriterium der
Einkommensabweichung um mindestens 25% für das Jahr 2009 erfüllt ist, da
jedenfalls das kumulativ erforderliche Kriterium der dauerhaften Veränderung der
Einkommensgrundlage für diese Jahr nicht gegeben ist. Entsprechen hat die Vorinstanz
bei der Berechnung der individuellen Prämienverbilligung für das Jahr 2009 zu Recht
auf das Reineinkommen aus dem Jahr 2007 abgestellt.
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4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist der Rekurs gegen den
Einspracheentscheid vom 16. Juli 2009 abzuweisen.
4.2 Gemäss Art. 95 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRP; sGS
951.1) hat in Streitigkeiten grundsätzlich jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen
Begehren ganz oder zum Teil abgewiesen werden. Der Rekurrent ist im vorliegenden
Verfahren vollständig unterlegen und hätte demnach für die Gerichtskosten
aufzukommen. In Anbetracht der Umstände (bescheidene wirtschaftliche Verhältnisse
im Sinn von Art. 9 EG-KVG) rechtfertigt es sich jedoch, in Anwendung von Art. 97 VRP
auf die Erhebung von Gerichtskosten zu verzichten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG