Decision ID: 9ccb449b-1ca3-46e7-9eda-fb28c3968b95
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1962, meldete sich am 5. Februar 2011 unter Hin
weis auf Beschwerden im Schulterbereich, Schmerzen in der Wirbelsäule und in den Beinen sowie Diabetes, Schilddrüsen-, Leber
-
und Dickdarmproblemen bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, zum
Leistungsbe
zug
der Eidgenössischen Invalidenversicherung an (Urk. 7/11). In der Folge bemühte sich die IV-Stelle um Reintegration des Versicherten in den Arbeits
markt.
Mit Schreiben vom 22. März 2012 (Urk. 7/32) teilte die IV-Stelle dem Versicher
ten mit, dass es trotz ihrer Bemühungen und Unterstützung nicht innert ange
messener Zeit gelungen sei, ihn in den Arbeitsmarkt zu integrieren, weshalb die Arbeitsvermittlung abgeschlossen werde. Mit Schreiben vom 29. März 2012 (Urk. 7/33) legit
i
mierte sich
Rechtsan
walt Stern, Zürich
,
als R
echtsvertreter des Versicherten
und
remonstrierte
gegen die Einstellung der Arbeitsvermittlung. Nach Erlass des Vorbescheids vom 8. Mai 2012 (Urk. 7/35) hielt die IV-Stelle mit Verfügung vom 25. Juni 2012 (Urk. 7/37) am Abschluss der Arbeitsver
mittlung fest.
1.2
Mit Vorbescheid vom 6. August 2012 (Urk. 7/42) stellte die IV-Stelle dem Versi
cherten die Ablehnung des Rentenanspruchs in Aussicht. Zur Begründung wurde ausgeführt, dass der ermittelte Invaliditätsgrad 0 % betrage. Dagegen liess der Versicherte mit Eingabe vom 6. September 2012 (Urk. 7/45) einwenden, dass ihm aus medizinischen Gründen auch eine behinderungsangepasste Tätig
keit zu 100 % nicht mehr möglich sei. Zudem liess er um Zusendung der Akten und Erstreckung der Frist zur Ergänzung des Einwands ersuchen.
Mit Schreiben vom 13. September 2012 (Urk. 7/46) sandte die IV-Stelle dem Rechtsvertreter des Versicherten die angeforderten Akten und erstreckte ihm die Frist zur Stellungnahme um 30 Tage. Bereits am 24. September 2012 erliess die IV-Stelle
jedoch
, ohne die Stellungnahme des Versicherten abzuwarten, die Verfügung, in der sie den Rentenanspruch gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 0 % verneinte (Urk. 7/47).
Mit Eingabe vom 17. Oktober 2012 (Urk.
7/48) ergänzte der Rechtsvertreter des Versicherten seinen Einwand.
1.3
Am 25. Oktober 2012 liess der Versicherte bei
m
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich Beschwerde gegen die Verfügung vom 24. September 2012 erheben (vgl. Urk. 7/52).
Mit Verfügung vom 25. Oktober 2012 (Urk. 7/50) hob die IV-Stelle die ange
foch
tene Verfügung wiedererwägungsweise auf und stellte
eine neue Ver
fügung
nach
Abschluss
ihrer Abklärungen in Aussicht.
Mit Verfügung vom 31. Oktober 2012 (Urk. 7/52
; Prozess IV.2012.01135
) schrieb das Sozialversicherungsgericht das Beschwerdeverfahren auf Antrag des Ver
sicherten als gegenstandslos geworden ab und sprach ihm eine
Prozessent
schädigung
von Fr. 1'600.-- zu.
1.4
Am 12. März 2013 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass eine psy
chiatri
sche Abklärung notwendig sei (Urk. 7/59). Mit der Untersuchung werde PD
Dr.
med.
Y._
, Facharzt FMH für
Psychiatrie
und Psychotherapie, beauftragt. Die IV-Stelle hielt mit Zwischenverfügung vom 19. April 2013 (Urk. 7/64) am gewählten Gutachter fest und fü
hrte zur Begründung
der Verfü
gung aus, dass der Versicherte mit Schreiben vom 25. März 2013 mitgeteilt habe, dass er mit der vorgeschlagenen Abklärungs
stelle nicht einverstanden sei.
Ein derartiges
Schreiben ist allerdings
in den Akten
nicht
enthalten. Mit Schrei
ben vom 25. März 2013 (Urk. 7/60) hatte der Rechtsvertreter des Beschwerde
führers lediglich um eine Fristerstreckung zur Formulierung allfälliger Einwen
dungen bis 8. April 2013 ersucht, welche ihm in der Folge auch gewährt wurde (vgl. Urk. 7/61).
Am 29. April 2013 liess der Versicherte mitteilen, dass er keine Einwendungen gegen die Person von PD
Dr.
Y._
erhebe, aber darum bitte, eine
Begutach
tungsmöglichkeit
in
Z._
vorzusehen, da er aufgrund seines Gesundheitszu
standes eine Reise nach
A._
vermeiden möchte. Mit Schreiben vom 12. Juni 2013 (Urk. 7/67) teilte die IV-Stelle dem Versicherten mi
t, dass die Untersu
chung nun
bei med.
pract
.
B._
in
C._
stattfinden werde. Der Gut
achtensauftrag an PD
Dr.
Y._
wurde am 12. Juni 2013 storniert (Urk. 7/68).
Trotzdem reichte PD
Dr.
Y._
am 23. August 2013 sein Gutachten zu den Akten (Urk. 7/69). In der Folge stornierte die IV-Stelle den Gutachtensauftrag an med.
pract
.
B._
(Urk. 7/70)
.
1.5
Mit Vorbescheid vom 4. Oktober 2013 (Urk. 7/79) stellte die IV-Stelle dem Versi
cherten eine auf einem Invaliditätsgrad von 100 % basierende ganze Rente ab 1. August 2011 in Aussicht (vgl. auch Urk. 7/94-96). Am 6. November 2013 liess der Versicherte sich hierzu vernehmen und beantragen, es sei der
Renten
beginn
auf Dezember 2009 festzulegen (Urk. 7/81). Gleichzeitig liess er sein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsvertretung erneuern. Das ursprüngliche Gesuch vom 6. November 201
2
(Datierung gemäss Angaben der Sozialversicherungsanstalt [vgl. Urk. 2]) ist in den Akten nicht enthalten.
Mit Verfügung vom 18. Februar 2014 (
Urk.
2 = Urk. 7/92) wies die
Sozialversi
cherungsanstalt
des Kantons Zürich, Rechtsdienst, das Gesuch um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters, das für den Zeitraum ab Erlass des Vor
bescheids vom 4. Oktober 2013 zu prüfen sei, infolge Aussichtslosigkeit ab.
2.
Dagegen liess der Versicherte mit Eingabe vom 24. März 2014 (Urk. 1) Beschwerde erheben mit folgenden Anträgen:
Es sei die angefochtene Verfügung (Dispositiv Ziffer 1) aufzuheben und die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
uneingeschränkt, eventualiter für den Zeitraum bis 4. Oktober 2013 zu gewähren.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der
Beschwerde
gegnerin
.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Rechtsdienst, schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 9. Mai 2014 (Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde
, wovon dem Beschwerdeführer am 1
4.
Mai 2014 Kenntnis gegeben wurde (
Urk.
8).
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erfor
der
lich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
29
Abs.
2
der Bundesverfassung
haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass des in ihre Rechtsstellung ein
greifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebli
che Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.2
Von der Rückweisung der Sache an den Versicherungsträger zur Gewährung des rechtlichen Gehörs ist nach dem Grundsatz der Verfahrensökonomie dann abzusehen, wenn dieses Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem gleichlaufenden und der Anhörung gleichgestellten Interesse der versicherten Person an einer mög
lichst
beförderlichen
Beurteilung ihres Ans
pruchs nicht zu vereinbaren wären
(
vgl. zum Ganzen: BGE 137 I 195 E. 2.3.2; BGE 136 V 117 E. 4.2.2.2; BGE 133 I 201 E. 2.2
).
2
.
Gemäss
Art.
37
Abs.
4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozial
versicherungsrechts
(ATSG) wird der gesuchstellenden Person im Sozial
versicherungsverfahren ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt, wo die Verhältnisse es erfordern. Unentgeltliche
Verbeiständung
im
Verwaltungsver
fahren
wird gewährt, wenn die Partei bedürftig ist, die Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheinen und die Vertretung im konkreten Fall sachlich geboten ist (vgl.
Art.
29
Abs.
3 BV). Eine anwaltliche Mitwirkung drängt sich nur in Ausnahmefällen auf, wenn schwierige rechtliche oder tatsächliche Fragen dies als notwendig erscheinen lassen und eine
Verbeiständung
durch
Verbandsver
treter
, Fürsorger oder andere Fach- und Vertrauensleute sozialer Institutionen nicht in Betracht fällt. Könnte der Einsprecher im Falle des Unterliegens die unentgeltliche
Verbeiständung
beanspruchen, hat er bei Obsiegen Anspruch auf
eine Parteientschädigung (BGE 132 V 200 E. 4.1 mit Hinweisen; vgl. BGE 125 V
32).
Ob
die
anwaltliche
Verbeiständung
notwendig oder doch geboten ist, beurteilt sich nach den konkreten objekti
ven und subjektiven Umständen. Praktisch ist im Ein
zelfall zu fragen, ob eine nicht bedürftige Partei unter sonst glei
chen Umständen vernünftigerweise eine Rechts
anwältin oder einen Rechtsanwalt bei
zie
hen würde, weil sie selber zu wenig rechtskun
dig ist und das Interesse am Prozessausgang den Aufwand rechtfertigt (BGE 103 V 46, 98 V 115; vgl. auch BGE 130 I 180 E. 2.2, 128 I 225 E. 2.5.2 mit Hinweisen).
3
.
3
.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Abweisung des Gesuchs um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes in der angefochtenen Verfügung vom 18. Februar 2014 (Urk. 2) im Wesentlichen damit, dass der Versicherte in seinem Einwand vom 6. November 2013 einzig einen früheren Rentenbeginn
habe beantragen lassen
. Dieses Begehren sei aussichtlos gewesen, weil der Renten
anspruch
frühestens
sechs Monate nach Geltendmachung des
Leistungsan
spruchs
entstehe. Eine Berücksichtigung der gesundheitlichen Einschränkungen ab 1. Dezember 2009 sei aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen ausge
schlossen. Demzufolge habe der Antrag auf
Zusprache
einer ganzen Invaliden
rente bereits ab Dezember 2009 von
v
ornherein keine Aussicht auf Erfolg gehabt. Einleitend hatte die Beschwerdegegnerin festgehalten, dass das Gesuch um Bestellung
eines
unentgeltlichen Rechtsbeistandes vom 6. November 2012 lediglich für den Zeitraum ab Erlass des Vorbescheids vom 4. Oktober 2013 zu prüfen sei. Für die Zeit vor Erlass des Vorbescheids bestehe nämlich ein ent
sprechender Anspruch ohnehin nur in Ausnahmefällen.
Im vorliegenden Prozess führte die Beschwerdegegnerin in
Abweichung von
den Erwägungen in der angefochtenen Verfügung aus, dass sich in ihren Akten gar kein Gesuch vom November 2012 befinde, weshalb sie auch keinen Anlass gehabt habe, darüber zu befinden. Erstmalig sei der Antrag betreffend Bewilli
gung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters am 6. November 2013 gestellt wor
den. Zudem liege auch kein komplexer Sachverhalt vor, der den
Beizug
eines Rechtsvertreters rechtfertigte (Urk. 6).
3
.2
Demgegenüber liess der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend machen, dass er im November 2012 ein Gesuch um Bestellung eines unentgeltlichen
Rechtsvertreters
gestellt habe. Es sei nicht einzusehen, weshalb der Zeitraum seit Stellung des Begehrens (November 2012) bis zum Erlass des Vorbescheids vom 4. Oktober 2013 ausser Betracht fallen soll
t
e. Die Weigerung der
Beschwerde
gegnerin
, das Gesuch für diesen Zeitraum zu behandeln, stelle eine Verletzung des Gehörsanspruchs dar. Aufgrund des komplexen Verfahrensablaufs sei die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
jedenfalls für den Zeitraum bis zum Vor
bescheid vom 4. Oktober 2013 zu gewähren. Erst danach könne sich die Frage der fehlende
n
Gewinnaussichten und mithin der Notwendigkeit einer anwaltli
chen
Verbeiständung
stellen. Für die Zeit danach gelte es zu beachten, dass der Beschwerdeführer seit dem 1.
Dezember
2008 in rentenbegründender Weise ein
geschränkt sei. Entsprechend wäre eine Berentung per Dezember 2009 zu verfü
gen gewesen. Mit Schreiben vom 6. November 2013 sei darauf hingewiesen worden, dass der Beschwerdeführer in seiner geistigen Fähigkeit, Entscheide zu treffen und umzusetzen, derart eingeschränkt gewesen sei, dass er seinen Ren
tenanspruch, zumal ihm ärztliche, juristische oder anderweitige Hilfe gefehlt habe, nicht habe einbringen können. Aus diesem Grunde sei geltend gemacht worden, dass vorliegend der Rentenanspruch ausnahmsweise nicht erst sechs Monate nach Geltendmachung entstehe. Es sei demzufolge richtig, dieses Begehren nicht als aussichtslos zu betrachten (Urk. 1).
3
.3
Strittig und zu prüfen ist zunächst, ob die Weigerung der Beschwerdegegnerin
,
das Gesuch des Beschwerdeführers um Bestellung eines un
entgeltlichen Rechts
beistandes
für die Zeit vor dem Vorbescheid vom 4. Oktober 2013 zu prüfen, rechtens war. Schliesslich ist umstritten, ob die Beschwerdegegnerin das Gesuch für den Zeitraum ab Erlass des Vorbescheids vom 4. Oktober 2013 zu Recht wegen Aussichtslosigkeit abgewiesen hat.
4
.
4
.1
Zunächst ist festzuhalten, dass den von der Beschwerdegegnerin eingereichten Akten tatsächlich kein Gesuch des Beschwerdeführers vom November 2012 zu
entnehmen ist. Die Beschwerdegegnerin weist jedoch in der angefochtenen Verfügung vom 18. Februar 2014 (Urk. 2) ausdrücklich auf ein Gesuch vom 6. November 2012 hin, das sie in der Folge (soweit sie es überhaupt behandelte) abwies. Schliesslich bekräftigte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers am
6. November 2013 das (angeblich
gestellte
)
Gesuch (Urk. 7/81). Es wäre zwar möglich, dass es sich bei der Datumsangabe in der angefochtenen Verfügung um einen blossen Verschrieb handelte; dies machte aber auch die
Beschwerde
gegnerin
nicht geltend. Mit überwiegender Wa
hrscheinlichkeit ist
davon auszu
gehen, dass der Beschwerdeführer tatsächlich im November 2012 ein entsprechendes Gesuch stellen liess, das aber - aus welchen Gründen auch immer - keinen Eingang in die
dem Gericht edierten Akten fand
; dies
w
ie im Übrigen auch das angebliche Schreiben vom 25. März 2013, mit dem er PD
Dr.
Y._
abgelehnt haben soll (vgl. dazu Sachverhalt Ziff. 1.4; Zwischenverfügung vom 19. April 2013 [Urk. 7/64]).
Letztlich kann diese Frage aber offenbleiben, da es im
sozialversicherungs
rechtli
chen
V
erwaltungsv
erfahren praxisgemäss auf den Zeitpunkt der Stellung des Gesuchs um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters nicht ankommt (vgl. dazu Urs Müller,
Das
Verwaltungsver
fahren
in der Invalidenver
sicherung
, Bern 2010, S. 400, N 2028 mit Hinweisen).
4
.2
Aus der angefochtenen Verfügung vom 18. Februar 2014 (Urk. 2) geht hervor, dass die Beschwerdegegnerin das Gesuch des Beschwerdeführers lediglich für den Zeitraum ab Erlass des Vorbescheids vom 4. Oktober 2013 prüfte. Obwohl
dispositivmässig
kein partieller
Nichteintretensentscheid
erging, sondern das Begehren (soweit überhaupt geprüft) abgewiesen wurde, lie
gt der Sache nach ein teilweises
Nichteintreten vor.
Wie die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung selbst ausführte, besteht zwar
lediglich in Ausnahmefällen
Anspruch auf unentgeltliche
Rechts
vertretung
im invalidenversicherungsrechtlichen Abklärungsverfahren
bereits vor
Erlass eines Vorbescheids. Das entbindet
indes
- entgegen
d
er offenbaren Ansicht
der Beschwerdegegnerin
- nicht von der Prüfung, ob ein solcher Aus
nahmefall vorliegt. Die angefochtene Verfügung verletzt somit insoweit den verfassungsmässig garantierten Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör.
Von einer Rückweisung ist jedoch aus
prozessökonomische
n
Gründe
n
beziehungsweise da sofort ein Entscheid in der Sache selbst möglich ist, abzu
sehen.
4
.3
4
.3.1
Im Verwaltu
ngsverfahren der Invalidenversicherung
ist
wie besagt
ein An
spruch auf unentgel
tliche
Verbeiständung
auch für
die Zeit vor Erlass des Vorbescheids
nicht ausgeschlossen. An
die Notwendigkeit der
Verbeistä
ndung
durch einen Rechtsanwalt ist jedoch ein strenger
Massstab anzulegen. Deshalb fä
llt der Anspruch auf unentgeltliche
Verbeiständung
im Abklä
rungsver
fahren nur aus
nahmswe
ise in Betracht (BGE 125 V 32 E. 4b
i.f
. mit Hinweisen; vgl. ferner SVR 2009 IV Nr. 5, 8C_48/2007 vom 10. Juli 2007 E. 1)
. Zu denken ist dabei etwa an Fälle, in denen sich das Verwaltungsverfahren an eine Rückweisung durch eine Gerichtsbehörde anschliesst, in denen im Rahmen einer Begutachtung zum Gut
achten Stellung zu nehmen ist und die Erforderlichkeit von Ergänzungsfragen zu prüfen ist oder wenn sich komplexe
sachverhaltliche
o
der rechtliche Fragen stellen (BGE 132 V 200 E. 4.1 mit Hinweisen und
Ueli
Kieser
, ATSG-Kommen
tar, 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2009, N 23 zu Art. 37
ATSG
).
4
.3.2
Aus dem Sachverhalt ist ersichtlich,
dass die Beschwerdegegnerin
bereits mit Vorbescheid vom 6. August 2012 (Urk. 7/42)
dem Beschwerdeführer
die Ablehnung des Rentenanspruchs in Aussicht
stellt
e
und in der Folge
dessen
Verfahr
ensrechte verletzte
, indem sie während einer gewährten Fristerstreckung ohne Weiteres die rentenverneinende Verfügung vom 24. September 2012 (Urk. 7/47) erliess. In der Folge kassierte die Beschwerdegegnerin
die entspre
chende
Verfügung; ein bereits eingeleitetes Gerichtsverfahren wurde daraufhin als gegenstandslos geworden abgeschrieben (vgl. dazu Sachverhalt
Ziff.
1.2 und 1.3). Erst in der Folge wurde der Beschwerdeführer psychiatrisch begutachtet. Die Bes
chwerdegegnerin erliess
am 19. April 2013 eine Zwischenverfügung (Urk. 7/64)
unter dem Hinweis
,
dass der Beschwerdeführer
den Gutachter abge
lehnt hatte, wobei ein solches Ablehnungss
chreiben den Akten nicht zu ent
nehmen ist. Schliesslich wurde dem Beschwerdeführer mit Vorbescheid vom 4. Oktober 2013 (Urk. 7/79) eine ganze Rente in Aussicht gestellt.
Aus dieser Verfahrenschronologie
und den konkreten
Verumständungen
(vgl. dazu Sachverhalt Ziff. 1.4)
ergibt sich, dass eine
anwaltliche Vertretung
geboten
beziehungsweise notwendig
war.
Namentlich für einen juristischen Laien, zumal gesundheitlich eingeschränkt, wä
re es angesichts der
Verfahrensführung der Bes
chwerdegegnerin nur schon
schwierig gewesen, den Überb
lick zu
wahren. Hinzu kommt
, dass d
ie Beschwerdegegnerin bereits am 6. August 2012 einen (für den Beschwerdeführer negativ lautenden) Vorbescheid erlassen hatte. Anschliessend
überging
sie - wie ausgeführt - die Verfahrensrechte des Beschwerde
führers in grundlegender Weise. Auch war
die Sache
bereits lange vor dem
Vorbescheid vom 4. Oktober 2013 strittig
(vgl. Sachverhalt
Ziff.
1.3)
.
4
.3.3
Soweit die Beschwerdegegnerin die Verweigerung eines unentgeltlichen Recht
s
bei
standes damit
begründete, dass der Beschwerdeführer
, indem er in sei
nem Einwand vom 6. November 2013 (Urk. 7/81) einen früheren Rentenbeginn
beantragen liess, ein aussichtsloses Begehren stellen liess, ist
einzuräumen
, dass angesichts der gesetzlichen Regelung von Art. 29 Abs. 1 IVG
bloss
von
theore
tische
n
Erfolgsaussichten (Entscheid contra legem) gesprochen werden kann.
Die
von der Beschwerdegegnerin ins Feld geführte Aussichtslosigkeit d
es
betref
fenden
Begehren
s
hat nun aber nicht zur Folge, dass auch die
anderweitigen
Bemühungen des Rechtsvertreters aussichtlos
beziehungsweise
unnötig gewesen wären.
Die dargelegten
Verumständungen
zeigen vielmehr,
dass die anwaltliche Vertretung
geboten beziehungsweise notwendig
war
. Angemerkt sei, dass dem
Beschwerdeführer
ohne Vertretung
vermutlich anstelle einer
ganzen Rente gar nichts zugesprochen worden wäre.
D
er von der Beschwerdegegnerin
beanstandete Antrag
(früherer Rentenbeginn) beziehungsweise dessen Begründung belief sich
auf
wenige
Zeilen
.
Eine Reduk
tion der anwaltlichen Honorarnote erschiene unangemessen. Im Rahmen eines Einwands durfte der Rechtsvertreter (auch angesichts seiner Berufspflichten) zu Gunsten seines Mandanten auch ein
kaum
aussichtsreiches Begehren formulie
ren, zumal
der Aufwand vergleichsweise
bescheiden
gewesen sein
dürfte.
4
.3.4
Da der Beschwerdeführer nach Lage der Akten bedürftig ist (vgl. Schreiben des Sozialdiensts des Bezirks Affoltern vom 24. September 2013 [Urk. 7/74]), sind alle Voraussetzungen zur Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes im gesamten Verwaltungsverfahren erfüllt. Demzufolge ist in Gutheissung der Beschwerde die angefochtene Verfügung vom 18. Februar 2014 (Urk. 2) aufzu
heben und die Sache zur Bemessung der Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsvertreters an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die
Beschwerde
gegnerin
w
ird
hiezu
eine Honorarnote einholen
.
5
.
5
.1
Da es sich nicht um eine Streitigkeit betreffend Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen handelt, ist das Verfahren kostenlos (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG e
contrario
).
5
.2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Demzufolge ist die Beschwerdegegnerin zu ver
pflichten, dem Beschwerdeführer eine angemessene Prozessentschädigung in der Höhe von Fr.
600.
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.