Decision ID: 76686366-c0c1-5690-a703-06900cef8763
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1995,
meldete sich am
2.
März 2020
beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV)
Z._
zur Arbeits
vermittlung an (
Urk.
11/1
).
Mit Schreiben vom 1
6.
Oktober 2020 (Ur
k.
11/5) informierte sein Beistand,
Y._
, die
Unia
Arbeitslosenkasse
über die
im
Februar 2014 errichtete Beistandschaft im Sinne von
Art.
394
Abs. 1
in Verbindung mit
Art.
395
Abs.
1 und 2 des
Schweizerische
n
Zivilgesetzbuch
es
(ZGB
) ohne Einschränkung der Handlungsfähigkeit des Versicherten (
Urk.
11/4
;
Urk.
5
). Des Weiteren reichte
der Beistand
der
Unia
Arbeitslosenkasse
mit
Be
gleit
schreiben
vom 27.
Oktober 2020
(
Urk.
11/7)
ein
vom V
ersicherten am 22.
Okto
ber 2020 unterzeichnete
s
Formular
ein,
womit
die Ausrichtung von Arbeitslosenent
schädigung ab
1.
M
ärz 2020 beantragt wurde
(U
rk.
11/6).
Mit Verfügung vom
1
0.
November
2020 verneinte die
Unia
Arbeitslosenkasse einen entsprechenden Anspruch des Versicherten
mangels Erfüllung der
Mindest
beitragszeit
(
Urk.
11/11
)
. Die Verfügung stellte sie dem Beistand mit Begleit
schreiben vom 2
3.
März 2021 zu (
Urk.
11/13). Dessen E
insprache vom 13.
April 2021 (
Urk.
11/14)
wies sie am
2
1.
April 2021
ab
.
Sie erwog,
der Versicherte erfülle zwar die Mindestbeitragszeit, habe jedoch seine Mitwirkungspflicht
(Einreichung von Unterlagen)
verletzt
und
erst am 27.
Oktober 2020 seinen Willen zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung bekundet. Ein Anspruch ab jenem Datum werde nochmals geprüft (
Urk.
2)
. Inzwischen hatte der Versicherte per
1.
März 2021 eine neue
Vollzeitstelle
angetreten und sich per
jenem
Datum
von der Arbeits
vermitt
lung abgemeldet (
Urk.
11/12
;
Urk.
18/2
).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
2
1.
April 2021
erhob der Versicherte
mit Ein
gabe vom
2
1.
Mai 2021
Beschwerde
(
Urk.
1). Darin beantragte er eine Neube
rechnung seines Anspruchs auf Arbeitslosentaggelder ab dem
3.
September 2020
(
Urk.
1 S.
1
). Im Juni 2021 legitimierte sich
Y._
als Vertreter des Ver
sicherten im vorliegenden Prozess (
Urk.
8 und 9). Die
Unia
Arbeitslosenkasse
schloss
mit Beschwerdeantwort vom
3
0.
Juni
2021 auf Abweisung der Beschwer
de (
Urk.
10
). Die Beschwerdeantwort wurde dem
Vertreter des Versicherten
mit Verfügung vom
2.
Juli 2021
zur Kenntnis gebracht (Urk.
13)
.
In der Folge
wies das Gericht die Parteien mit Beschluss vom 1
6.
September 2021 darauf hin, dass
es
eine erneute Prüfung des Anspruchs auf Arbeitslosentaggelder bereits
ab dem
1.
März 2020 in Betracht ziehe
,
und gab den Parteien Gelegenheit, sich hierzu zu
äussern
(Urk.
14
).
Die
Unia
Arbeitslosenkasse nahm mit Eingabe
vom
1.
Oktober 2021 (
Urk.
16), der Vertreter des Versicherten mit Eingabe vom
4.
Oktober 2021 (
Urk.
17; Beilagen
Urk.
18/1
-
6) dazu Stellung.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenver
sicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) hat eine versicherte Person Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung, wenn sie ganz oder teilweise arbeitslos ist (
lit
. a), einen anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten hat (
lit
. b), in der Schweiz wohnt (
lit
. c), die obligatorische Schulzeit zurückgelegt und weder das Rentenalter der AHV erreicht hat noch eine Altersrente der AHV bezieht (
lit
. d), die Bei
tragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist (
lit
. e), vermittlungsfähig ist (
lit
. f) und die Kontrollvorschriften erfüllt (
lit
. g).
1.2
Ihren Entschädigungsanspruch macht die
arbeitslose Person bei einer Kasse geltend, die sie frei wählen kann (
Art.
20
Abs.
1 Satz 1 AVIG). Der Anspruch erlischt, wenn er nicht innert dreier Monate nach dem Ende der Kontrollperiode, auf die er sich bezieht, geltend gemacht wird (
Art.
20
Abs.
3 Satz 1 AVIG).
Als Kontrollperiode gilt jeder K
alendermonat
(vgl.
Art.
27a der
Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung
und die Insolvenzentschädigung,
AVIV)
.
Die in
Art.
20 Abs.
3 Satz 1 AVIG gesetzte Frist ist
eine Verwirkungsfrist
,
di
e weder einer Erstreckung noch einer Unterbrechung zugänglich ist (
Art.
40
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
, ATSG
), aber unter gewissen Voraussetzungen wiederhergestellt werden kann (
Art.
41 ATSG; BGE 117 V 244 E. 3a; 114 V 123). Nach der Rechtsprechung tritt die Verwirkungsfolge auch dann ein, wenn der Anspruch zwar innert der An
meldefrist geltend gemacht wird, die versicherte Person aber innerhalb dieses Zeitraums oder einer ihr allenfalls
—
gestützt auf
Art.
29
Abs.
3
AVIV
—
gesetzten Nachfrist, nicht alle für die Anspruchsbeurteilung erforderlichen Unterlagen bei
bringt. Dies gilt jedoch nur, wenn die Arbeitslosenkasse
die Antrag
stellende Per
son ausdrücklich und unmissverständlich auf die Verwirkungsfolge bei verspäte
ter Einreichung der für die Beurteilung des Leistungsanspruchs wesentlichen Unterlagen hingewiesen hat (
Urteil des Bundesgerichts 8C_85/2011 vom 1
0.
Mai 2011 E. 3 mit Hinweisen
).
1.3
A
rbeits
losen
versicherungsrechtlich
ist somit
zwischen Entstehung und Geltend
ma
chung des Entschädigungsanspruchs zu unterscheiden. Der Entschädigungs
an
spruch entsteht, wenn die versicherte Person die Anspruchsvoraussetzungen nach Art. 8
Abs.
1 AVIG erfüllt. Der Anspruch erlischt, wenn er nicht
– im Sinne einer formellen Anspruchsvoraussetzung, die von Kontrollperiode zu Kontroll
periode erfüllt sein muss –
innert dreier Monate nach dem Ende der Kon
troll
periode, auf die er sich bezieht, durch Einreichung der in
Art.
29 AVIV genannten Unterlagen geltend gemacht wird (
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_919/2014 vom 1
7.
Juli 2015 E. 4.4).
Hinsichtlich
der
Modalitäten für die
Wahrung des An
spruchs für die erste (
Art.
29
Abs.
1 AVIV) wie auch
für
die weiteren Kontroll
per
ioden (
Art.
29
Abs.
2 AVIV)
gilt es zu beachten, dass die arbeitslose Person
der Kasse jeweils das Formular «Angaben der versicherten Person» vorzulegen h
at.
1.4
Nach Art. 43 Abs. 1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Aus
künfte ein. Kommen die versicherte Person oder andere Personen, die Leistungen beanspruchen, den Auskunfts- oder Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach, so kann der Versicherungsträger auf Grund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und Nichteintreten
beschliessen
. Er muss diese Personen vorher schriftlich mahnen und auf die Rechtsfolgen hinweisen; ihnen ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen (Art. 43 Abs. 3 ATSG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog
im angefochtenen Entscheid
,
m
it Willkommens
schreiben vom 4. März 2020 sei
der Beschwerdeführer informiert worden, dass der Anspruch
auf Arbeitslosenentschädigung
nach drei Monaten verfalle.
Gleich
zeitig sei er
aufgefordert worden, diverse U
nterla
gen einzureichen unter
der Androhung,
dass bei Säumnis angenommen werde, er wolle keine Ansprüche gegenüber der A
rbeitslosenversicherung stellen.
Auf
jenes
Schreiben habe der Beschwerdeführer nicht reagiert und damit
Art.
43
Abs.
3 ATSG verletzt. Ins
besondere habe
er für keinen Monat das Formular «Angaben der versicherten Person» eingereicht
. Erst mit Schreiben
vom 2
7.
Oktober 2020
habe er
Arbeits
lo
senentschädigung b
eansprucht. Per
jenem Datum
würden die Anspruchsvoraus
setzungen
nochmals
n
eu
geprüft
(
Urk.
2
Ziff.
10).
Dem fügte
sie
in der Be
schwer
deantwort nichts
hinzu
(
Urk.
10).
In der Stellungnahme vom
1.
Oktober 2021 ergänzte sie, dass eine Anspruchsberechtigung ab 2
8.
Oktober 2020 bereits man
gels Erfüllung der Beitragszeit ausser Betracht falle (
Urk.
16).
2.2
Der Beschwerdeführer
hielt indessen dafür, sein Beistand habe
am 2
7.
August 2020
in einer Aktennotiz
(gemeint wohl
Urk.
3/12)
festgehalten,
dass er mit A._
vom RAV telefoniert habe
. Aufgrund jenes Telefongesprächs vom
2
6.
August 2020 sei die erneute Anmeldung bei der Arbeitslosenversicherung un
d die Anspruchsprüfung ab dem
3.
September 2020 gegeben. Die Einstellungsver
fügung
en
des AWA vom 1
2.
März und 2
5.
August
2020
hätten sich auf die An
meldung per
2.
März 2020 bezogen. Nach einem halben Jahr könne er für diese Verfehlungen nicht mehr bestraft werden
(
Urk.
1)
.
In der Eingabe vom
4.
Oktober 2021 führte sein Vertreter aus, der Beschwerde
führer frage ihn meist in Dingen rund um die Arbeitswelt, wie er sich verhalten solle. Der Beschwerdeführer habe sich damals nach seinen Möglichkeiten bemüht
. Dieser habe ihm gesagt
, welche Unterlagen er bringen müsse.
Vieles sei d
urch die Covid-19-Pand
emie erschwert gewesen
(
Urk.
17).
3.
3.1
Im Wesentlichen verneinte die Beschwerdegegnerin
somit
einen Anspruch des
Beschwerdeführers
auf Arbeitslosenentschädigung
bis 2
7.
Oktober 2020 mit der Begründung, dass er
das Formular «Antrag auf Arbeitslosenentschädigung»
erst zu jenem Zeitpunkt eingereicht
und bis dahin auch nie ein Formular «Angaben der versicherten Person»
vorgelegt
habe
.
Das Fehlen dieser Unterlagen wird vom Beschwe
rdeführer auch nicht bestritten.
Zumindest aber wählte der Beschwerde
führer eine Arbeitslosenkasse aus und
brachte Belege zum gekündigten Arbeits
verhältnis bzw.
zu
seinem Einkommensverlust bei
(vgl.
Urk.
2
Ziff.
10).
3.2
Entgegen
ihrer Auffassung war die Beschwerdegegnerin nicht berechtigt, einen Aktenentscheid gestützt auf
Art.
43
Abs.
3 ATSG zu fällen,
zumal
sie
vorgängig
kein Mah
n
- und
Beden
k
zeitverfahren
durchgeführt
hat
te
. Die Mitteilung vom
4.
März 2020
(
Urk.
11/2)
bezeichnete sie selbst
entsprechend ihrem Titel
als «Will
kommensschreiben»
.
Diese ist
also
weder als Mahnung noch als Nachfristan
set
zung betitelt
.
Sie
diente offensichtlich der allgemeinen Information des Be
schwer
d
eführers und dürfte jeder versicherten
Person nach der Anmeldung zu
gestellt werden. Eine
konkrete
Verletzung der Mitwirkungspflicht
wurde darin
nicht ge
rügt. Ebenso wenig wurde dem Beschwerdeführer eine
Frist
zur Einrei
chung der Unterlagen
angesetzt. Vielmehr wurde
er
unter Beilage einer
(nicht akten
kun
dige
n
) Broschüre und
unter
Anfügung einiger
Gesetzesbestimmung
en
in allge
meiner Form
gebeten, Unterlagen
beizubringen
.
Daran
vermag der Hin
weis
,
es werde
angenommen,
er
wolle keine Ansprüche gegenüber der Arbeitslosenver
sicherung stellen, falls
er
«keinerlei
»
Unterlagen/Angaben
einreiche, nichts zu
ändern
(dazu auch E. 3.4)
.
Im Übrigen
lagen der Beschwerdegegnerin beim Ver
fassen dieses
Schreibens
nach eigenen Angaben bereits
erste Unterlagen bezüg
lich
d
es Arbeitsverhäl
tnisses mit der B._
GmbH
vor (
Urk.
2
Ziff.
10).
3.3
Des Weiteren hat
die
Beschwerdegegnerin
den B
eschwerdeführer
mit ihrem Schreiben vom
4.
März 2020
zwar
ausdr
ücklich dahingehend informiert, dass der Anspruch nach drei Monaten verfalle.
Es wurde ihm jedoch nicht erläutert, dass ein Zusammenhang zwischen der Einreichung sämtlicher Unterlagen für jede Kon
trollperiode und der Einhaltung der Frist
besteht
. Ebenso wenig
wurde in der Mitteilung
selbst
Bezug zu den
angefügten Gesetzesbestimmungen
genommen.
Darüber hinaus sieht der
am Ende des Schreibens
zitierte
Art.
29
Abs.
3
AVIV
vor, dass die Kasse den Versicherten nicht nur auf die Folgen der Unterlassung aufmerksam macht, sondern i
h
m nötigenfalls eine angemessene Frist für die Vervollständigung der Unterlagen ansetzt.
A
llein gestützt auf die Mitteilung
vom
4.
März 2020
(und Anhaltspunkte für weitere Inf
ormationen ergeben sich auch nicht aus
Urk.
16)
konnte vom Beschwerdeführer somit nicht erwartet werden, dass er sich nun bewusst war, welche Unterlagen er bis wann einreichen musste und dass er – sollte eine davon fehlen – s
einen Anspruch verlieren würde.
In der Praxis ist es denn auch üblich, dass die versicherten Personen von der Kasse (meist sogar mehrmals) rechtzeitig zur Einreichung konk
reter Unterlagen aufgefordert we
rd
en
.
Die Beschwerdegegnerin sah hierzu indessen
über mehrere Monate hinweg und
selbst nach Mitteilung der Vertretungsbeistandschaft (und damit Bekanntwerden
der Schwierigkeiten des Beschwerdeführers, seine rechtlichen Angelegenheiten
tr
otz Handlungsfähigkeit
selbst zu regeln)
und Bemühung
en
des Beistandes zur Beibringung der nötigen Unterlagen nie
Anlass
und
sie
versäumte es auch,
diesem
die umgehend beantr
agte Akteneinsicht zu gewähren.
Die Beschwerdegegnerin is
t ihrer Auskunftspflicht nach
Art.
27 ATSG daher nicht
rechtsgenüglich
nach
ge
kommen.
So gehört es auf jeden Fall zum Kern der Beratungspflicht, die versi
cher
te
Person
unmissverständlich
darauf aufmerksam zu machen, dass ihr gezeig
tes Ver
halten ihren Leistungsanspruch gefährden kann
(vgl. Urteil des Bundes
ge
richts
8C_383/2010 vom 28. September 2010 E. 5.1 insbesondere mit Hinweis auf BGE 131 V 472 E. 4.1, 4.3 und 5)
. Dies
ist vorliege
nd umso mehr zu betonen
, als die Beschwerdegeg
n
erin mit ihrem Entscheid nach Ablauf der Dreimonatsfrist für die erste Kontrollperiode weitere fünf Monate zuwartete
und diesen allein mit der Nichterfüllung der Beitragszeit begründete
.
Die Nichteinhaltung der
dreimonati
gen
Frist
zur Geltendmachung
führ
t
im vorliegenden Fall
somit nicht zur Ver
wirkung des Anspruchs
auf Arbeitslosenentschädigung.
3.4
Der Vollständigkeit halber sei angefügt, dass die Rechtsprechung, wonach die Arbeitslosenkasse bei Fehlen jeglicher Unterla
gen keine Handlungspflicht im
Sinne von Art. 29 Abs. 3 AVIV trifft und die Verwirkungsfolge ohne Weiteres ein
tritt, vorliegend nicht zur Anwendung
gelangt
. Die erwähnte Rechtsprechung soll einer rechtsmissbräuchlichen Berufung auf die Schutznorm des Art. 29 Abs. 3 AVIV in jenen Fällen Einhalt gebieten, in welchen sich die leistungsansprechende
Person gegenüber den ihr obliegen
den Handlungspflichten völlig gleichgültig zeigt
und entsprechend untätig bleibt. Tritt keinerlei Absicht zum (weiteren) Leis
tungs
bezug und keinerlei Mitwirkungsbereitschaft zutage, wäre es stossend, dem An
spruchsuntergang allein unter Hinweis auf die Nichterfüllung der Infor
ma
tions
pflichten der Kasse gemäss Art. 29 Abs. 3 AVIV
—
ohne sonstige entschuldbaren
Gründe
—
entgehen zu können (vgl. Urteil des
Bundesgerichts
C 7/03 vom 31. August
2004 E. 5.3.3). Eine derartige Situation wurde seitens de
r
Beschwer
degegner
in
indessen nicht dargetan und ist auch aus den Akten
—
bei lediglich zwei Meldungen des RAV (vgl.
Urk.
11/3) und
seit mehreren Jahren notwendiger
Vertretungsbeistandschaft
—
nicht ersichtlich.
Nach Angaben seines Beistandes bemühte sich der Beschwerdeführer nach seinen Möglichkeiten. Er (nicht die Be
schwerdegegnerin
oder
das RAV, vgl.
auch
Urk.
3/12) war
es
auch, der den Bei
stand
bezüglich der
Unterlagen informierte
(
Urk.
17)
.
4.
4.1
Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin weder ein
rechtsgenügliches
Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
durchgeführt, noch den Beschwerdeführer hin
reichend über seine Pflichten
informiert. Sie hat einen Anspruch desselben auf Arbeitslosenentschädigung ab
2
.
März 2020
(Anmeldung beim RAV; Urk. 11
/
1)
daher zu Unrecht mit der Begründung verneint, er habe diesen nicht rechtzeitig geltend gemacht und sei seiner Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen.
4.2
Gemäss
Art. 61
lit
. d des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) respektive § 25 des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht (
GSVGer
) ist das Gericht an die Begehren der Parteien nicht gebun
den; es kann eine Verfügung zu Ungunsten der Beschwerde
führenden Person ändern (
reformatio
in
peius
) oder dieser mehr zusprechen (
reformatio
in
melius
),
als sie verlangt hat
.
Der angefochtene Entscheid ist folglich aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese die übrigen An
spruchsvoraussetzungen
ab
2
.
März 2020 prüfe.