Decision ID: 139fe5a0-fdbf-5269-86ca-0bdc3df7fdaa
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin suchte am 24. August 2021 in der Schweiz um
Asyl nach. Anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 2. September 2021 gab
sie an, sie sei im Jahr 2017/2018 zur ihrer Familie nach Slowenien gegan-
gen. Dort sei sie von einem Familienangehörigen sexuell belästigt und ver-
gewaltigt worden. Sie könne den Namen des Täters nicht sagen, da sie
Angst habe, ihr Vater würde diese Person töten. Am 7. oder 8. Juli 2020
sei sie legal in die Schweiz weitergereist. Während ihres Aufenthalts hier
sie zwei Mal notfallmässig in ein Spital eingeliefert worden. Sie leide an
einer Nierenkrankheit; eine Niere sei beschädigt. Ansonsten sei sie gesund
und habe keine Schmerzen. Anfangs habe sie Schlafstörungen gehabt. Sie
sei immer in weiblicher Begleitung unterwegs, da sie Angst vor Männern
habe. Sie habe das Bedürfnis, über ihre Probleme zu reden. Die Vorinstanz
gewährte ihr das rechtliche Gehör zur möglichen Zuständigkeit Sloweniens
und zur Wegweisung dorthin.
B.
Gestützt auf den slowenischen Aufenthaltstitel, der vom 20. November
2019 datiert und bis zum 31. August 2020 gültig war, und auf die Angaben
der Beschwerdeführerin ersuchte die Vorinstanz am 2. September 2021
die slowenischen Behörden um ihre Übernahme gemäss Art. 12 Abs. 4 der
Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra-
tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-
stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-
staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-
trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO).
Am 3. November 2021 hiessen die slowenischen Behörden das Übernah-
meersuchen gut.
C.
Mit Verfügung vom 23. November 2021 (eröffnet am 26. November 2021)
trat die Vorinstanz auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht ein,
ordnete deren Wegweisung nach Slowenien an und beauftragte den zu-
ständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. Zudem stellte sie fest,
einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschie-
bende Wirkung zu.
D.
Vom 21. November 2021 bis 26. November 2021 war der Aufenthaltsort
der Beschwerdeführerin unbekannt.
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Seite 3
E.
Mit Eingabe vom 2. Dezember 2021 und Ergänzung vom 3. Dezember
2021 erhob der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin beim Bundesver-
waltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, es sei die Verfügung vom
23. November 2021 vollständig aufzuheben und die Vorinstanz anzuwei-
sen, auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin einzutreten und in der
Schweiz ein materielles Asylverfahren durchzuführen. Eventualiter sei die
Verfügung vom 23. November 2021 aufzuheben und die Sache zur Neu-
beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter sei die Ver-
fügung vom 23. November 2021 aufzuheben und die Sache sei zur Einho-
lung individueller Zusicherungen der slowenischen Behörden bezüglich
des Zugangs zu medizinischer Grundversorgung an die Vorinstanz zurück-
zuweisen. Es sei der vorliegenden Beschwerde die aufschiebende Wir-
kung zu erteilen. Im Sinne einer superprovisorischen vorsorglichen Mass-
nahme seien die Vollzugsbehörden unverzüglich anzuweisen, von einer
Überstellung nach Slowenien abzusehen, bis das Bundesverwaltungsge-
richt über die Erteilung der aufschiebenden Wirkung entschieden habe. Es
sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung zu gewäh-
ren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sei zu verzichten.
F.
Am 2. Dezember 2021 (Poststempel) reichte die Beschwerdeführerin eine
Formularbeschwerde betreffend Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft,
Asylgewährung und Anordnung der vorläufigen Aufnahme ein.
G.
Mit superprovisorischer Massnahme vom 3. Dezember 2021 setzte die In-
struktionsrichterin den Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin
einstweilen aus.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungs-
gericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet des Asyls zu-
ständig und entscheidet über diese in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Die Beschwerdeführerin ist als
Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1
VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu-
treten (Art. 108 Abs. 3 AsylG [SR 142.31] und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
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1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2).
2.3 Die vorliegende Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegrün-
det, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustim-
mung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin
(Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit
summarischer Begründung zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2
AsylG).
3.
3.1 Der Rechtsvertreter erhob am 2. Dezember 2021 Beschwerde gegen
die Verfügung der Vorinstanz vom 23. November 2021. Gemäss der bei-
gelegten Vollmacht besteht ein gültiges Vertretungsverhältnis zwischen
ihm und der Beschwerdeführerin. Gleichentags reichte Letztere eine For-
mularbeschwerde ein. Diese bezieht sich allerdings auf ein materielles
Asylverfahren und nicht auf ein Dublin-Zuständigkeitsverfahren, in wel-
chem sich die Beschwerdeführerin befindet und welches Gegenstand des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist. Ihre Ausführungen werden – so-
weit möglich (vgl. E. 3.2) – in den nachfolgenden Erwägungen dennoch
berücksichtigt.
3.2 Die Beschwerdeführerin reichte mit der Formularbeschwerde eine
handgeschriebene Notiz in Albanisch ein. Das Beschwerdeverfahren wird
in Deutsch geführt (Art. 11 Abs. 1 und 2 VwVG). Die Behörde ordnet eine
Übersetzung von Eingaben an, soweit dies nötig ist (Art. 11 Abs. 4 VwVG).
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Seite 5
Die Begründung der Beschwerde ergibt sich rechtsgenüglich aus den Ein-
gaben des Rechtsvertreters und der Beschwerdeführerin. Auf eine Über-
setzung der handgeschriebenen Notiz ist daher zu verzichten.
4.
4.1 Die Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz habe ihren psychischen
Gesundheitszustand ungenügend abgeklärt. Gemäss Arztbericht vom
24. September 2021 leide sie an Insomnie (Schlaflosigkeit) und an einer
depressiven Episode. Im Rahmen einer fachärztlichen Untersuchung hätte
die Art und der Grund der Depression festgestellt werden müssen. Zudem
habe die Vorinstanz nicht abgeklärt, ob Slowenien in der Lage sei, die psy-
chische Störung zu behandeln.
4.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts kann nach Art. 49 Bst. b VwVG gerügt werden. Unrichtig ist
die Sachverhaltsfeststellung beispielsweise dann, wenn einer Verfügung
ein aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt
wird. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Behörde trotz
der geltenden Untersuchungsmaxime (Art. 12 ff. VwVG i.V.m. Art. 37 VGG)
den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abklärt, oder nicht alle für den
Entscheid wesentlichen Sachumstände berücksichtigt (vgl. BENJAMIN
SCHINDLER, in: Kommentar zum VwVG, 2. Aufl. 2019, Art. 49 N. 29).
4.3 Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin ist durch mehrere
Arztberichte dokumentiert. Weitere medizinische Abklärungen waren nicht
angezeigt. Angesichts der Rechtsprechung zur medizinischen Versorgung
in Slowenien (vgl. E. 7.2) war die Vorinstanz auch nicht gehalten, diesbe-
züglich weitere Abklärungen zu tätigen. Die Vorinstanz hat den rechtser-
heblichen Sachverhalt somit richtig und vollständig festgestellt. Es besteht
keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sa-
che an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das entsprechende Rechtsbegeh-
ren ist abzuweisen.
5.
5.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie sei legal in Slowenien ein-
gereist und habe dort ein Aufenthaltstitel erhalten; sie habe dort kein Asyl-
gesuch gestellt. Es komme somit nicht die Dublin-III-VO, sondern das
Rückübernahmeübereinkommen zur Anwendung.
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5.2 Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin ist ein eingereichtes
Asylgesuch in einem anderen Mitgliedstaat nicht Voraussetzung für die An-
wendung der Dublin-III-VO. Diese kommt auch zur Anwendung, wenn die
betroffene Person erstmals in der Schweiz ein Asylgesuch stellt, aber über
einen gültigen oder abgelaufenen Aufenthaltstitel eines anderen Mitglied-
staates verfügt (vgl. Art. 12 Dublin-III-VO).
6.
6.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG).
6.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung dieses Staates
wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag ge-
stellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des Wiederaufnahme-
verfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich keine (neue) Zu-
ständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO mehr statt (vgl. zum Gan-
zen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1).
6.3 Besitzt ein Antragsteller einen gültigen Aufenthaltstitel, so ist derjenige
Mitgliedstaat für die Prüfung des Antrags auf internationalen Schutz zu-
ständig, der den Aufenthaltstitel ausgestellt hat (Art. 12 Abs. 1 Dublin-III-
VO). Dasselbe gilt, wenn der Aufenthaltstitel seit weniger als zwei Jahren
abgelaufen ist, sofern der Antragsteller das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaa-
ten nicht verlassen hat (Art. 12 Abs. 4 Dublin-III-VO).
Die Beschwerdeführerin hat vor ihrer Einreise in die Schweiz in keinem
Drittstaat ein Asylgesuch gestellt. Indessen verfügte sie über einen Aufent-
haltstitel in Slowenien, der am 31. August 2020 abgelaufen ist. Die slowe-
nischen Behörden stimmten dem Übernahmeersuchen der Vorinstanz ge-
stützt auf Art. 12 Abs. 4 Dublin-III-VO fristgerecht zu. Die Zuständigkeit Slo-
weniens ist somit grundsätzlich gegeben.
6.4 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller an den zunächst als
zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche
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Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme-
bedingungen für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU–Grundrechte-
charta mit sich bringen, so setzt der die Zuständigkeit prüfende Mitglied-
staat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien fort, um festzu-
stellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden kann.
Kann keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen aufgrund der
Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an den ersten Mit-
gliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde, vorgenommen werden, so wird
der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat der zuständige Mitgliedstaat
(Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
6.5 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte Selbst-
eintrittsrecht wird durch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. Au-
gust 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert. Gemäss dieser Bestimmung
kann das SEM das Asylgesuch aus humanitären Gründen auch dann be-
handeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig
wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche Überstellungshindernisse vor, ist
der Selbsteintritt zwingend (BVGE 2015/9 E. 8.2.1).
7.
7.1 Slowenien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der FK
sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301)
und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflichtungen
nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat anerkenne und
schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des
Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013
zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in-
ternationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie, ABl. L 180/96 vom
29. Juni 2013) sowie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von
Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz bean-
tragen (sog. Aufnahmerichtlinie, ABl. L 180/96 vom 29. Juni 2013) ergeben.
Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts liegen keine
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Gründe für die Annahme vor, das Asylverfahren und die Aufnahmebedin-
gungen für Antragstellende in Slowenien würden systemische Schwach-
stellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO aufweisen (vgl. Urteile des
BVGer D-5159/2021 vom 3. Dezember 2021 E. 7.3; F-3236/2021 vom
27. Oktober 2021 E. 5.2).
7.2 Gemäss Arztbericht vom 24. September 2021 leidet die Beschwerde-
führerin an Insomnie und Juckreiz. Zudem besteht ein Verdacht auf eine
depressive Episode. Eine antidepressive Medikation lehnte sie ab. Ihre
psychischen Probleme sowie ein Behandlungsbedarf sind demnach nicht
ausgewiesen. Anlässlich des Dublin-Gesprächs gab die Beschwerdeführe-
rin zudem an, sie leide unter einer Nierenkrankheit und sei zwei Mal not-
fallmässig in ein Spital eingeliefert worden. Aus den Arztberichten vom
24. September 2021 und 27. Oktober 2021 ergeben sich keine Hinweise
auf eine Nierenkrankheit. Es ist davon auszugehen, dass die Beschwerde-
führerin momentan keine akuten Nierenprobleme mehr hat und deswegen
keiner Behandlung bedarf. Sollte sie dennoch nach der Rückkehr nach Slo-
wenien eine medizinische Behandlung benötigen, so ist darauf hinzuwei-
sen, dass Slowenien über eine ausreichende medizinische Infrastruktur
verfügt (vgl. Urteil des BVGer F-4845/2021 vom 10. November 2021
E. 6.4.3). Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, den Antragstellenden die er-
forderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung
und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schwe-
ren psychischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1
Aufnahmerichtlinie). Antragstellenden mit besonderen Bedürfnissen ist die
erforderliche medizinische oder sonstige Hilfe, einschliesslich psychologi-
scher Betreuung, zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Es lie-
gen keine Hinweise vor, wonach Slowenien der Beschwerdeführerin eine
adäquate medizinische Behandlung verweigern würde. Es droht keine Ver-
letzung von Art. 3 EMRK, weshalb die Schweiz nicht zum Selbsteintritt
nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO verpflichtet ist. Auch humanitäre Gründe
i.S.v. Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 liegen nicht vor. Aus denselben Gründen ist
auch das Eventualbegehren, die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen
und diese anzuweisen, von den slowenischen Behörden individuelle Zusi-
cherungen bezüglich des Zugangs zur medizinischen Grundversorgung
einzuholen, abzuweisen.
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8.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Mit dem vorliegen-
den Urteil fällt der am 3. Dezember 2021 angeordnete Vollzugsstopp da-
hin. Das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ist gegen-
standslos geworden.
9.
9.1 Die Begehren erweisen sich als aussichtslos, weshalb das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ungeachtet einer allfälli-
gen prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG).
9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerde-
führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
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