Decision ID: d456eb39-cd6e-5cd5-b08f-912c03102d1c
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Am [...] 2019 richtete die Steuerbehörde der Vereinigten Staaten von Ame-
rika (Internal Revenue Service [IRS]) ein Amtshilfegesuch an die Eidgenös-
sische Steuerverwaltung (ESTV). Subjekt des Ersuchens sind die US-steu-
erpflichtigen Personen, die in den Steuerperioden vom 1. Januar 2007 bis
31. Dezember 2009 eine Zeichnungsberechtigung, eine ähnliche Berech-
tigung oder wirtschaftliche Berechtigung am Konto K._ (Konto
Nummer N._) bei der Bank D._ (nachfolgend auch Bank)
hatten.
B.
Der IRS stützte sein Amtshilfeersuchen auf Art. 26 des Abkommens vom
2. Oktober 1996 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und
den Vereinigten Staaten von Amerika zur Vermeidung der Doppelbesteue-
rung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen in der bis zum 19. Sep-
tember 2019 gültig gewesenen Fassung (DBA CH-USA 96;
SR 0.672.933.61; AS 1999 1460; nachfolgend aDBA CH-US 96) und das
dazugehörige Protokoll. Er ersuchte um folgende Bankunterlagen für die
Steuerperioden vom 1. Januar 2007 bis 31. Dezember 2009:
1. Information regarding the identification and opening of the account, including
account opening documents (including IRS forms), signature cards, and en-
tity organizational documents such as articles of incorporation or other re-
cords demonstrating beneficial ownership;
2. Account statements (including asset statements) and income statements pre-
pared by the bank;
3. Information regarding transactions pertaining to the account, including bank
drafts, certified checks, cashier’s checks, money orders, deposit slips, incom-
ing and outgoing wire transfer documents to include information revealing the
source and destination of all such transfers, and all other deposit or with-
drawal documents for such transactions (if providing all such information
would be unduly burdensome to the Bank, only documents with respect to
transactions in amounts exceeding US-Dollar 1’000.– are required);
4. Correspondence and communications regarding the account;
5. Internal management information system data related to the account;
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6. Internal Bank communications and memoranda, reports and meeting minutes
regarding the account; and
7. Any REGI file (or equivalent documentation) entries associated with the ac-
count to the extent the information is not included in items 1 through 5
[recte 6] of this list.
C.
Die ESTV forderte die Bank mit Editionsverfügung vom [...] 2019 auf, ge-
stützt auf Art. 10 des Bundesgesetzes vom 28. September 2012 über die
internationale Amtshilfe in Steuersachen (StAhiG, SR 651.1), ihr die er-
suchten Informationen zuzustellen und die im Ausland ansässigen betroffe-
nen Personen über das laufende Amtshilfeverfahren zu informieren. Die
Bank kam dieser Aufforderung fristgerecht nach.
D.
Nachdem die vom Amtshilfeverfahren betroffenen Personen keine Zustim-
mung zur beabsichtigten Übermittlung der Informationen erteilt hatten und
Akteneinsicht gewährt wurde, erliess die ESTV am 31. Dezember 2019
eine Schlussverfügung. Darin verfügte sie die Leistung der Amtshilfe zu-
gunsten dem IRS betreffend A._, B._ und C._ (nach-
folgend auch betroffene Personen). Die ESTV übermittle dem IRS folgende
von der Bank edierten Informationen zur Kontobeziehung mit der Gesell-
schaft «E._»: a) Bankunterlagen zum Konto Nummer N._
für den Zeitraum vom 1. Januar 2007 bis 31. Dezember 2009, b) US-Evi-
dence und c) Certificate of Authenticity of Business Records.
Zur Begründung legte die ESTV im Wesentlichen dar, das Amtshilfeersu-
chen vom [...] 2019 erfülle sämtliche Voraussetzungen gemäss Art. 6 StA-
hiG. Es ergebe sich aus dem Ersuchen ein begründeter Verdacht auf «Be-
trugsdelikte und dergleichen». Die betroffenen Personen seien steuer-
pflichtig in den USA und hätten eine Domizilgesellschaft vorgeschoben,
welche das Bankkonto gehalten habe. Die betroffenen Personen seien die
wirtschaftlich Berechtigten am Bankkonto gewesen und hätten die selb-
ständige Existenz der Domizilgesellschaft missachtet und so «das Spiel
der Gesellschaft nicht gespielt».
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Seite 4
E.
Gegen diese Schlussverfügung der ESTV (Vorinstanz) vom 31. Dezember
2019 führen A._ (Beschwerdeführerin 1), B._ (Beschwerde-
führer 2) und C._ (Beschwerdeführerin 3) Beschwerde an das Bun-
desverwaltungsgericht mit den folgenden sinngemässen Anträgen: Dem
IRS sei betreffend den Beschwerdeführenden 1 bis 3 keine Amtshilfe zu
leisten. Die Herausgabe sämtlicher von der Bank edierten Informationen
zur Kontobeziehung mit der Gesellschaft E._ an den IRS sei zu ver-
weigern; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Zur Begründung legen die Beschwerdeführenden insbesondere dar, in der
vorliegend relevanten Zeit von 2007 bis 2009 habe die E._ (nach-
folgend: Domizilgesellschaft) die fragliche Bankbeziehung gehalten. Eigen-
tümer und somit wirtschaftlich Berechtigter an der Domizilgesellschaft sei
ein [ausländischer] Trust gewesen, der eine eigene Rechtspersönlichkeit
aufweise. Es treffe nicht zu, dass der Beschwerdeführer 2 und die Be-
schwerdeführerin 3 wirtschaftlich Berechtigte an den Unterkonti gewesen
seien. Die Beschwerdeführerin 1 habe als «Settlorin» bzw. Treugeberin ei-
gene Vermögenswerte in den [ausländischen] Trust eingebracht. Es handle
sich bei den Vermögenswerten um eine Erbschaft. Die Domizilgesellschaft
sei keineswegs zum Zweck gegründet worden, die steuerrechtlich relevan-
ten Verhältnisse zu verschleiern, sondern weil die Bank nicht bereit war, für
einen Trust eine Kontobeziehung zu eröffnen und zu führen. Die Erstellung
des [ausländischen] Trusts und der Domizilgesellschaft durch die Be-
schwerdeführerin 1 sei nicht im Hinblick auf die Einführung des QI Verfah-
rens erfolgt, sondern aus Gründen der eigenen Nachlassplanung. Die Be-
schwerdeführenden seien im Weiteren zu Unrecht auf den Bankformularen
als wirtschaftlich Berechtigte genannt worden. Dieser Fehler der Bank
könnten nicht den Beschwerdeführenden angehaftet werden.
F.
In ihrer Vernehmlassung vom 17. März 2020 schliesst die Vorinstanz auf
kostenfällige Abweisung der Beschwerde.
G.
In seiner Stellungnahme vom 2. Juni 2020 legen die Beschwerdeführenden
insbesondere dar, es müsse eine klare Unterscheidung zwischen den drei
Beschwerdeführenden gemacht werden und der ihnen tatsächlich zu-
stehenden Rechte an den Vermögenswerten auf dem fraglichen Bank-
konto. Die Beschwerdeführerin 3 habe von der Nachlassplanung [...] der
Beschwerdeführerin 1, von der Struktur mit Trust und Domizilgesellschaft
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und von den Vermögenswerten auf der Kontobeziehung nichts gewusst.
Erst im Todesfall der Beschwerdeführerin 1 wäre die Beschwerdeführerin 3
begünstigt worden. Im Weiteren habe der Beschwerdeführer 2 lediglich [...]
die Beschwerdeführerin 1 jeweils nach Zürich begleitet und die Bankbera-
ter bei dieser Gelegenheit auch getroffen. Nachvollziehbar sei, dass die
Beschwerdeführerin 1 [...] den Beschwerdeführer 2 in der Nachlasspla-
nung berücksichtigte. Hier gehe es jedoch um künftige Anwartschaften und
dadurch ändere sich nichts an der Tatsache, dass zu Lebzeiten lediglich
die Beschwerdeführerin 1 Begünstigte an den Vermögenswerten auf der
Kontobeziehung gewesen sei. Im Übrigen habe auch die Beschwerdefüh-
rerin 1 kein Recht gehabt, direkte Zahlungsaufträge bezüglich des Kontos
zu erteilen. Auch sie habe die rechtliche Selbständigkeit der Domizilgesell-
schaft keinesfalls missachtet.
H.
Die Vorinstanz hielt in ihrer Stellungnahme vom 24. Juni 2020 an ihren
Standpunkten fest.
Auf die Vorbringen der Parteien und die sich bei den Akten befindlichen
Dokumente wird – sofern entscheidrelevant – im Rahmen der nachfolgen-
den Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Dem vorliegenden Verfahren liegt ein Amtshilfeersuchen des IRS ge-
stützt auf Art. 26 Ziff. 1 aDBA CH-US 96 zugrunde. Die Durchführung der
mit diesem Abkommen vereinbarten Bestimmungen richtet sich nach dem
StAhiG (vgl. Art. 1 Abs. 1 Bst. a StAhiG und Art. 24 StAhiG e contrario).
1.2 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom
20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021). Zu den beim Bundesverwal-
tungsgericht anfechtbaren Verfügungen gehören auch die Schlussverfü-
gungen der ESTV im Bereich der internationalen Amtshilfe (Art. 32 VGG e
contrario und Art. 19 Abs. 5 StAhiG). Somit ist die Zuständigkeit des Bun-
desverwaltungsgerichts zur Beurteilung der angefochtenen Schlussverfü-
gung gegeben.
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1.3 Beschwerdeberechtigt sind gemäss Art. 19 Abs. 2 StAhiG die betroffe-
nen Personen und weitere Personen unter den Voraussetzungen von
Art. 48 VwVG. Die Beschwerdeführenden 1 bis 3 sind als Adressaten der
angefochtenen Schlussverfügung sowie mit Blick darauf, dass nach dieser
Verfügung Informationen über sie an die USA übermittelt werden sollen, im
Sinne von Art. 19 Abs. 2 StAhiG in Verbindung mit Art. 48 VwVG durch den
angefochtenen Entscheid besonders berührt und haben ein schutzwürdi-
ges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung. Folglich sind sie zur
Beschwerde berechtigt (vgl. auch BGE 143 II 506 E. 5, 139 II 404 E. 2.1;
Urteile des BVGer A-5048/2018 vom 22. Mai 2019 E. 1.3, A-5777/2016
vom 15. Dezember 2016 E. 1.3.1 f. mit weiteren Hinweisen).
1.4 Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde (vgl.
Art. 50 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 StAhiG in Verbindung
mit Art. 20 Abs. 1 und 3 VwVG sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
2.
Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in vol-
lem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführenden können neben der
Verletzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrichtigen oder
unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 49
Bst. b VwVG) auch die Unangemessenheit rügen (Art. 49 Bst. c VwVG).
3.
3.1 Staatsvertragliche Grundlage für die Leistung von Amtshilfe in Steuer-
sachen gegenüber den USA ist für Gesuche, welche vor Inkrafttreten der
mit Art. 3 des Protokolls vom 23. September 2009 zur Änderung des DBA
CH-US (AS 2019 3145) per 20. September 2019 eingeführten Neufassung
gestellt wurden, Art. 26 aDBA CH-US 96 (Art. 5 Abs. 2 Bst. b dieses Proto-
kolls; Urteil des BGer 2C_537/2019 vom 13. Juli 2020 [in BGE 147 II 13
nicht publizierte] E. 2, Urteile des BVGer A-7413/2018 vom 8. Oktober 2020
E. 3.2.1 f., A-1348/2019 vom 3. März 2020 E. 3.1).
3.2 Gemäss Art. 26 Ziff. 1 aDBA CH-US 96 tauschen die zuständigen Be-
hörden der beiden Vertragsstaaten unter sich diejenigen gemäss ihren
Steuergesetzgebungen erhältlichen Auskünfte aus, die notwendig sind zur
Durchführung der Bestimmungen des Abkommens oder zur Verhütung von
Betrugsdelikten und dergleichen, die eine unter das Abkommen fallende
Steuer zum Gegenstand haben. In Fällen von Steuerbetrug ist der Infor-
mationsaustausch nicht durch den persönlichen Geltungsbereich (Art. 1
aDBA CH-US 96) des Abkommens beschränkt (vgl. Art. 26 Ziff. 1 aDBA
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CH-US 96). Weil der Informationsaustausch nicht auf die abkommensbe-
rechtigten Personen beschränkt ist, können Auskünfte auch nicht ansäs-
sige Personen betreffen. Eine unbeschränkte Steuerpflicht der vom Amts-
hilfeersuchen betroffenen Person in den USA ist keine Voraussetzung für
die Leistung von Amtshilfe (vgl. hierzu: Urteile des BVGer A-5390/2013
vom 6. Januar 2014 E. 3.2 in fine, A-737/2012 vom 5. April 2012 E. 3.2,
A-7342/2008 und A-7426/2008 vom 5. März 2009 E. 2 mit weiteren Hin-
weisen).
3.3 Unter das Abkommen fallen Einkommenssteuern (Art. 2 Ziff. 1 aDBA
CH-US 96), wobei in den USA insbesondere die Bundeseinkommenssteu-
ern in Betracht kommen (Art. 2 Ziff. 2 aDBA CH-US 96). Ebenfalls dazu
gehört die so genannte «backup withholding tax», eine Sicherungssteuer,
die insbesondere auf Dividenden, Zinsen und Verkaufs- bzw. Rückzah-
lungserlösen erhoben wird (BGE 139 II 404 E. 9.2; Urteile des BVGer
A-7413/2018 vom 8. Oktober 2020 E. 3.2.3, A-4069/2019 vom 21. April
2020 E. 2.1, A-1348/2019 vom 3. März 2020 E. 3.1, A-5047/2018 vom
22. Mai 2019 E. 2.1).
3.4 Auch wenn die Amtshilfe nach Art. 26 Ziff. 1 aDBA CH-USA 96 gemäss
dem Wortlaut dieser Bestimmung bezweckt, Betrugsdelikte und derglei-
chen zu verhüten, heisst das nicht, dass sich die Auskunftspflicht nur auf
vorbeugende Massnahmen bezieht. Sie besteht auch, wenn bereits ein
Steuerbetrug begangen wurde. Sie dient der Verfolgung und Ahndung von
Steuerdelikten und damit letztlich dem öffentlichen Interesse, die Durchset-
zung von Steueransprüchen zu gewährleisten. Der Umstand, dass hinrei-
chende Anhaltspunkte für ein Delikt gegeben sind, stellt demnach die not-
wendige und gleichzeitig ausreichende Voraussetzung für die Gewährung
der Amtshilfe dar. Ob solche ausreichende Verdachtsmomente bestehen,
ist am Auftrag der ersuchenden Behörde zu messen (vgl. statt vieler: BGE
139 II 404 E. 7.2.2 mit Hinweisen; Urteile des BVGer A-4069/2019 vom
21. April 2020 E. 2.2, A-1348/2019 vom 3. März 2020 E. 3.2).
3.5
3.5.1 Bei der Auslegung des Begriffs der Betrugsdelikte und dergleichen
nach Art. 26 aDBA-US 96 und Ziff. 10 Protokoll 96 ist vom Begriff des Ab-
gabebetrugs nach Art. 14 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 22. März 1974
über das Verwaltungsstrafrecht (VStrR, SR 313.0) auszugehen. Dieser
geht weiter als der Steuerbetrugstatbestand gemäss Art. 186 des Bundes-
gesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer (DBG,
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Seite 8
SR 642.11; BGE 139 II 404 E. 9.4; zum Begriff «Abgabebetrug und derglei-
chen» siehe auch: Urteil des BVGer A-5390/2013 vom 6. Januar 2014
E. 6.2).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts liegt im vorliegenden Kon-
text ein Abgabebetrug vor, wenn eine ausländische Domizilgesellschaft im
Rahmen des sog. Qualified Intermediary-Systems dazu verwendet wird,
amerikanische Einkommenssteuern des wirtschaftlich an dieser Gesell-
schaft Berechtigten zu hinterziehen, wobei sie den zur Absicherung dieser
Einkommenssteuer eingerichteten Kontrollmechanismus umgeht
(BGE 139 II 404 E. 9.8; Urteil des BVGer A-7413/2018 vom 8. Oktober
2020 E. 6.1 ff.; zum sog. Qualified Intermediary-System siehe auch: Urteil
des BVGer A-7342/2008 und A-7426/2008 vom 5. März 2009 E. 5.5.2 und
5.5.2.1). Das Bundesgericht bejaht sodann einen Steuerbetrug im Sinne
von Art. 186 DBG, wenn das Formular A und das Formular W-8BEN falsche
Angaben enthalten, zumal diesen Formularen Urkundencharakter zu-
kommt (vgl. BGE 139 II 404 E. 9.9 ff.; Urteil des BVGer A-7413/2018 vom
8. Oktober 2020 E. 6.5.1).
3.5.2 Im schweizerischen Bankverkehr wird das sog. Formular A zur Fest-
stellung der an einem Konto wirtschaftlich berechtigten bzw. letztbegüns-
tigten Person verwendet. Dieses dient nicht steuerlichen, sondern anderen
Zwecken (wirtschaftliche Hintergründe, Hinweise bei Strafuntersuchungen,
Geldwäscherei etc; Urteil des BVGer A-7342/2008 und A-7426/2008 vom
15. März 2009 E. 5.5.2.4). Damit ist es möglich, dass auf dem Formular A
eine andere Person als wirtschaftlich berechtigte angegeben wird als auf
dem Formular W-8BEN und dennoch beide Formulare korrekt ausgefüllt
wurden. Allein der Umstand, dass jeweils andere Personen als wirtschaft-
lich Berechtigte auf den Formularen angegeben werden, führt noch nicht
zum begründeten Verdacht, dass falsche Angaben gemacht wurden. Je-
doch genügt die Tatsache, dass bezüglich identischer Vermögenswerte
einmal eine, ein anderes Mal eine andere Person als wirtschaftlich berech-
tigte aufgeführt wird, um weitere amtshilferelevante Abklärungen auszulö-
sen. Treten alsdann weitere einschlägige Hinweise hinzu, kann sich ein
begründeter Verdacht ergeben (Urteil des BVGer A-5506/2015 vom
31. Oktober 2016 E. 6.2.5).
3.6 Die ESTV hat kein eigentliches Beweisverfahren durchzuführen. Sie
kann (und muss) eigene Abklärungen vornehmen zur Frage, ob der Ver-
dacht auf Steuerbetrug begründet scheint, und sie hat vor Übermittlung der
Dokumente an den ersuchenden Staat zu prüfen, ob diese zum Beweis
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des im Amtshilfegesuch geäusserten Verdachts geeignet sind. Darin er-
schöpfen sich aber auch bereits die Untersuchungen (vgl. Urteil des BGer
2A.608/2005 vom 10. August 2006 E. 2). Es kann nicht Aufgabe der er-
suchten Instanz sein, bei der Prüfung ihrer Auskunftspflicht gleichsam wie
ein Strafrichter zu untersuchen, ob im konkreten Fall alle Merkmale des
Steuerbetrugs erfüllt seien. Die Auskunft soll ja im Gegenteil den Behörden
des ersuchenden Staates erst die endgültige Beurteilung ermöglichen. Die
Auskunft ist zu erteilen, wenn die im Zeitpunkt des Entscheides über das
Gesuch, also in aller Regel nach der Vornahme der eigenen Abklärungen,
feststehenden Tatsachen den Verdacht auf Steuerbetrug und dergleichen
genügend begründen (vgl. BGE 139 II 404 E. 9.5; Urteil des BGer
2A.551/2001 vom 12. April 2002 E. 4; Urteile des BVGer A-3843/2019 vom
2. Dezember 2020 E. 3.8, A-732/2019 vom 26. September 2019 E. 2.4.2,
A-4218/2017 vom 28. Mai 2018 E. 2.4.2).
3.7 Alle Informationen, die ein Vertragsstaat erhalten hat, sind ebenso ge-
heim zu halten wie die aufgrund des innerstaatlichen Rechts dieses Staa-
tes beschafften Informationen und dürfen nur Personen oder Behörden zu-
gänglich gemacht werden, die mit der Veranlagung, Erhebung oder Ver-
waltung, der Vollstreckung oder der Strafverfolgung oder mit der Entschei-
dung von Rechtmitteln hinsichtlich der unter dieses Abkommen fallenden
Steuern befasst sind. Diese Personen oder Behörden dürfen die Informa-
tionen nur für diesen Zweck verwenden (Art. 26 Ziff. 1 aDBA CH-US 96;
vgl. BGE 147 II 13 E. 3.4 ff.).
3.8 Gemäss Art. 26 Ziff. 3 aDBA CH-US 96 dürfen die Bestimmungen des
Amtshilfeartikels auf keinen Fall dahin ausgelegt werden, dass sie einem
der Vertragsstaaten die Verpflichtung auferlegen, Verwaltungsmassnah-
men durchzuführen, die von den Vorschriften oder der Verwaltungspraxis
eines der beiden Staaten abweichen, oder die seiner Souveränität, Sicher-
heit oder dem Ordre public widersprechen, oder Angaben zu vermitteln, die
weder aufgrund der eigenen noch aufgrund der Gesetzgebung des ersu-
chenden Staates beschafft werden können.
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Seite 10
3.9 Im Rahmen der internationalen Behördenzusammenarbeit besteht so-
dann grundsätzlich kein Anlass, an Sachverhaltsdarstellungen und Erklä-
rungen anderer Staaten zu zweifeln (sog. völkerrechtliches Vertrauensprin-
zip). Die Vorinstanz ist deshalb an die Darstellung des Sachverhalts im Er-
suchen insoweit gebunden, als diese nicht wegen offensichtlicher Fehler,
Lücken oder Widersprüchen sofort entkräftet werden kann. Gleiches gilt für
die vom ersuchenden Staat abgegebenen Erklärungen. Werden diese so-
fort entkräftet, kann der ersuchte Staat ihnen nicht mehr vertrauen (vgl.
statt vieler: Urteil des BVGer A-2980/2019 vom 20. Mai 2020 E. 3.5.1). Es
liegt dabei an der betroffenen Person, den Sachverhalt mittels Urkunden
klarerweise und entscheidend zu widerlegen (zum Ganzen vgl. Urteile des
BVGer A-4163/2019 vom 22. April 2020 E. 2.2, A-2725/2019 vom 25. Feb-
ruar 2020 E. 2.2 f. mit Hinweisen).
3.10 In formeller Hinsicht hat das Amtshilfeersuchen des IRS den Voraus-
setzungen gemäss Art. 6 StAhiG zu genügen, wobei gemäss Art. 1 Abs. 2
abweichende Bestimmungen des im Einzelfall anwendbaren Abkommens
vorbehalten sind. Art. 26 aDBA CH-US 96 setzt allerdings nicht voraus,
dass der Name des Betroffenen im Ersuchen angegeben wird. Nennt das
Ersuchen keine Namen, so sind jedoch die übrigen Umstände umso detail-
lierter zu beschreiben, damit die Notwendigkeit bzw. die voraussichtliche
Erheblichkeit der Informationsübermittlung vom ersuchten Staat mit zumut-
barem Aufwand beurteilt werden kann (vgl. zum Ganzen statt vieler: BGE
139 II 404 E. 7.2.3 mit Hinweisen, auf welchen auch BGE 143 II 136 E. 6.3
verweist; Urteil des BVGer A-4218/2017 vom 28. Mai 2018 E. 2.3.1).
4.
4.1 Im vorliegenden Fall nennt das Amtshilfeersuchen keinen Namen der
vom Ersuchen betroffenen Personen, sondern bezieht sich auf eine durch
die Bank im Rahmen des sog. Bankenprogramms identifizierte Kontover-
bindung. Das Amtshilfeersuchen umschreibt die betroffenen Personen als
wirtschaftlich berechtigte US-Personen einer bestimmten, vom IRS näher
umschriebenen Kontoverbindung. Das Amtshilfeersuchen bezieht sich
demnach auf einen konkreten Einzelfall.
4.2 Hinsichtlich des Tatverdachts (vgl. E. 3.5.1) führt der IRS aus, die Kon-
toverbindung sei am [...] eröffnet und am [...] geschlossen worden. Der
höchste Vermögensstand habe CHF [...] betragen. Während des massge-
blichen Zeitraums habe man über diese Kontoverbindung amerikanische
Wertschriften gehalten. Als Kontoinhaberin sei eine ausländische Domizil-
gesellschaft aufgetreten. In den Bankunterlagen werde ein Formular W-
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Seite 11
8BEN (Declaration of Non-US Status) geführt. Nach dem in den Bankun-
terlagen geführten Formular A seien jedoch US-steuerpflichtige Personen
([Person 1, Person 2 und Person 3]) wirtschaftliche Berechtigte (beneficial
owner) gewesen. Im Weiteren sei weder ein Formular W-9 noch ein For-
mular 1099 aktenkundig.
Weiter macht der IRS folgende Angaben:
 In [Datum], [Person 1] withdrew cash in the amount of CHF [...];
 Also in [Datum], and on the same day that [Person 1] had a meeting
with Bank employees, an additional CHF [...] was withdrawn;
 In [Datum], approximately CHF [...] was transferred to the personal ac-
count of [Person 1]; and
 Several additional cash withdrawals were executed for unspecified pur-
poses amounting to approximately CHF [...].
4.3 Aufgrund dieser Merkmale hegt der IRS den Verdacht, dass die am
Konto wirtschaftlich berechtigten, in den USA steuerpflichtigen Personen
unter Mithilfe der Bank auf betrügerische Weise eine Domizilgesellschaft
benutzt und Dokumente erstellt haben, welche die Kontoinhaberin arglistig
unwahr wiedergeben würden und zwar in der Absicht, US-Gesetze zu ver-
letzen. Im Sinne der vorstehenden Erwägung (E. 3.5 ff.) genügt diese Be-
schreibung den Anforderungen an den Detaillierungsgrad der Sachver-
haltsdarstellung, um nicht als unzulässige Beweisausforschung zu gelten.
Die Informationsübermittlung erscheint zur Bewertung der Verhaltenswei-
sen des Amtshilfesubjekts als «Betrugsdelikte und dergleichen» («tax fraud
or the like») im Sinne von Art. 26 Ziff. 1 aDBA-USA 96 als voraussichtlich
erheblich. Da auch die übrigen formellen Anforderungen nach Art. 6 StAhiG
und Art. 7 StAhiG e contrario erfüllt sind, ist die Vorinstanz zu Recht auf
das Amtshilfegesuch eingetreten.
5.
Damit ist in einem zweiten Schritt zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht
davon ausgegangen ist, dass sich aus dem geschilderten Sachverhalt der
begründete Verdacht ergibt, es seien amtshilfefähige Delikte begangen
worden.
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Seite 12
5.1 Nach konstanter Rechtsprechung ist zusammengefasst von einem be-
gründeten Tatverdacht bezüglich «Betrugsdelikten und dergleichen» im
Sinne von Art. 26 Ziff. 1 aDBA-USA 96 auszugehen, wenn (1) eine Gesell-
schaft über ein Konto bei einer Bank mit Sitz in der Schweiz verfügt,
(2) diese Bank über den Status eines vertragsschliessenden Finanzinsti-
tuts im Rahmen des QI-Systems verfügt, (3) die wirtschaftlich berechtigte
Person gemäss Formular A in den USA steuerpflichtig ist, (4) diese in den
USA steuerpflichtige Person die eigenständige Struktur der Gesellschaft
missachtet hat, indem sie direkt auf die auf dem Konto der Gesellschaft
gelagerten Vermögenswerte zugegriffen hat, wie wenn die Gesellschaft
nicht existieren würde, (5) das betreffende Konto US-Wertschriften enthält,
(6) die Bank – ob absichtlich oder nicht – ihren Verpflichtungen gemäss
Qualified Intermediary-Agreement (QIA) nicht nachgekommen ist, was sich
insbesondere daraus ergeben kann, dass das Formular W-8BEN auf den
Namen der Gesellschaft und nicht auf denjenigen der wirtschaftlich berech-
tigten Person ausgestellt worden ist und dass sich weder ein Formular W-
9 noch ein Formular 1099 in den Kontounterlagen befinden (Urteile des
BVGer A-4218/2017 vom 28. Mai 2018 E. 2.4.3.2, A-5295/2016 vom
30. November 2017 E. 3.2.4.1 mit Hinweisen).
5.2
5.2.1 Die Bank mit Sitz in der Schweiz verfügt über den Status eines ver-
tragsschliessenden Finanzinstituts im Rahmen des QI-Systems. Das frag-
liche Konto bzw. Depot, welches US-Wertschriften enthält, wird von der
Gesellschaft E._ mit Sitz in [...] gehalten. Das in den Bankunterla-
gen enthaltene Formular W-8BEN nennt diese Gesellschaft als an den auf
dem Konto liegenden Vermögenswerten wirtschaftlich berechtigte Person
gemäss US-amerikanischem Steuerrecht. Gemäss Formular A sind hinge-
gen die Beschwerdeführenden 1 bis 3 wirtschaftlich berechtigt an den Ver-
mögenswerten auf dem Konto. Zudem befindet sich weder ein Formular
W-9 noch ein Formular 1099 in den Kontounterlagen.
5.2.2 Umstritten ist mit Bezug auf die vorgenannten Kriterien (E. 5.1), ob
die Beschwerdeführenden 1 bis 3 als US-Steuerpflichtige am Konto der
Domizilgesellschaft wirtschaftlich berechtigt waren und ihre eigenständige
Struktur missachtet haben. Wer an einem Konto einer Gesellschaft in Be-
zug auf Amtshilfeverfahren als wirtschaftlich berechtigte Person («benefi-
cial owner») zu gelten hat, bestimmt sich nach einer «substance over
form»-Betrachtung. Entscheidend ist, inwiefern die in den USA steuer-
pflichtige Person das sich auf dem Konto der Gesellschaft befindliche Ver-
mögen und die daraus erzielten Einkünfte durch den formellen Rahmen
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der Gesellschaft hindurch wirtschaftlich kontrollieren und darüber verfügen
kann (vgl. dazu statt vieler BVGE 2011/6 E. 7.3.2). Diese Analyse hat im
Zusammenhang mit der Überprüfung der Anhaltspunkte, welche sich an-
hand des Formulars W-8BEN oder eines ähnlichen Dokuments ergeben,
zu erfolgen (Urteil des BVGer A-5295/2016 vom 30. November 2017
E. 3.2.4.2 mit Hinweisen). Dass Gesellschaften aus QI-Sicht grundsätzlich
als wirtschaftlich Berechtigte gelten und damit auch die Vermögensverwal-
tung über eine solche Gesellschaft nicht per se eine amtshilfefähige Hand-
lung darstellt, ändert nichts daran, dass Amtshilfe geleistet werden kann,
wenn die eigenständige Struktur der Gesellschaft missachtet wurde (Ur-
teile des BVGer A-4218/2017 vom 28. Mai 2018 E. 2.4.5.1, A-5390/2013
vom 6. Januar 2014 E. 6.5.6 mit Hinweis).
5.2.3 Es sind drei Formulare A aktenkundig, welche nach bundesverwal-
tungsgerichtlicher Rechtsprechung als starkes Indiz für die wirtschaftliche
Berechtigung gelten (statt vieler Urteil des BVGer A-4218/2017 vom
28. Mai 2018 E. 2.4.5.2). Nach den betreffenden Formularen sind die Be-
schwerdeführenden 1 bis 3 die wirtschaftlich Berechtigten an der fraglichen
Kontoverbindung. Zudem wurde diese Kontoverbindung betreffend die
wirtschaftliche Berechtigung in drei Unterkonti unterteilt. Gemäss einer
bankinternen Aktennotiz des zuständigen Kundenberaters bei der Filiale
[der Bank] vom 14. Mai 2007 war der Beschwerdeführer 2 der alleinige
wirtschaftlich Berechtigte auf allen Depots und Konti der Rubrik
G._, die Beschwerdeführerin 3 alleinige wirtschaftlich Berechtigte
betreffend die Depots und Konti der Rubrik H._ und die Beschwerde-
führerin 1 alleinige wirtschaftlich Berechtigte hinsichtlich der Depots und
Konti ohne Rubrik.
5.2.4 Die Beschwerdeführenden 1 und 2 haben am 9. August 2007 von der
E._ je eine beschränkte Vollmacht erhalten. Aufgrund der Vollmach-
ten hatten sie beispielsweise das Recht Wertschriften zu kaufen und zu
verkaufen. Die Beschwerdeführenden 1 und 2 unterzeichneten als Voll-
machtnehmende. Als Beziehung zur Vollmachtgeberin gaben sie jeweils
«Advisor» an. Die Beschwerdeführenden 1 und 2 sind entsprechend im
Verzeichnis der Zeichnungsberechtigungen («Signatories») der Bank als
Bevollmächtigte mit Einzelzeichnungsbefugnis aufgeführt (vgl. Vorakten
[Paginiernummer]). Im Weiteren ist aktenkundig, dass der Beschwerdefüh-
rer 2 ab September 2008 einen E-Banking Zugang, eingeschränkt auf ein
Leserecht, hatte.
A-674/2020
Seite 14
5.2.5 Gemäss Journal der Kundeberater der Bank gab es Besuche der Be-
schwerdeführerin 1. Am 30. Oktober 2007 wird ein Kurzbesuch von ihr bei
einem ihrer Kundenberater, welcher in der Filiale [der Bank] tätig ist, er-
wähnt sowie insbesondere ein Bezug von «CHF 15/-» dokumentiert (vgl.
Vorakten [Paginiernummer]). Das Gericht geht davon aus, dass es sich um
CHF 15'000.– handelt. Dieser Betrag entspricht demjenigen des im Konto-
auszugs ausgewiesenen Bargeldbezugs («cash withdrawal [Bank]») glei-
chen Datums von Fr. 15'000.– (vgl. Vorakten [Paginiernummer]).
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführenden ist zudem aufgrund des
Journals davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin 1 (vgl. Vermerk
«Kurzbesuch [Vorname und erster Buchstabe des Nachnamens]» und
«Bezug CHF 15/-») den Betrag von Fr. 15'000.– ausbezahlt erhielt und
nicht ein anderer «customer». Mit Eintrag vom 1. Oktober 2008 wurde zu-
dem vermerkt, dass die Kundin im November «Geld für X-Mas-Shopping
beziehen» werde (vgl. Vorakten [Paginiernummer]). Das Gericht geht da-
von aus, dass es sich bei der Kundin auch hier um die Beschwerdeführe-
rin 1 handelt.
In der Folge wurde gemäss Bankauszug bei der Filiale [der Bank] auch ein
weiterer Bargeldbezug am 14. November 2008 in der Höhe von
Fr. 50'000.– getätigt (vgl. Vorakten [Paginiernummer]). Gleichen Datums
ist im Journal ein Besuch («visit») bei den Kundenberatern der Filiale [der
Bank] vermerkt («Bezug CHF 50/- [...] Kdin will ca. CHF 150/- auf Kto ste-
hen lassen [...] Bei nächsten Besuch im März wird Wiederanlage bespro-
chen»; vgl. Vorakten [Paginiernummer]). Auch hier liegt der Schluss nahe,
dass die Beschwerdeführerin 1 die Kundin ist und anlässlich des Besuchs
Bargeld in der Höhe von Fr. 50'000.– bezogen hat.
Es kann folglich davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführe-
rin 1 Bargeldbezüge von ihrem Konto vorgenommen hat, obwohl sie hierzu
gemäss den bankinternen Unterlagen (vgl. oben erwähnte Zeichnungsbe-
rechtigung [«Signatures»] und beschränkte Vollmacht) nicht berechtigt ge-
wesen wäre. Aufgrund der Journaleinträge muss auch davon ausgegangen
werden, dass sie sich aus dem in der Gesellschaft gehaltenen Vermögen
Beträge für persönliche Finanzbedürfnisse («X-Mas-Shopping» bzw. Weih-
nachtseinkäufe) ausbezahlen liess. Ob die Trustees, wie die Beschwerde-
führenden geltend machen, diese Zahlungen formell genehmigen muss-
ten, ist dabei nicht relevant. Für den begründeten Verdacht, dass ein Be-
trugsdelikt vorliegt, genügt es, dass Zahlungen für die persönlichen Bedürf-
nisse von mutmasslich wirtschaftlich berechtigten Personen erfolgten.
A-674/2020
Seite 15
5.2.6 Die direkten Kontakte der Beschwerdeführerin 1 mit den Kundenbe-
ratern der Bank werden nicht bestritten. Die Beschwerdeführenden wen-
den aber ein, dass die Kontakte ausschliesslich im Rahmen der ihnen
durch die Kontoinhaberin (E._) eingeräumten beschränkten Voll-
macht erfolgt seien. Insbesondere aufgrund der oben erwähnten Journal-
einträge ist hingegen genügend dargetan, dass die Beschwerdeführerin 1
nicht ausschliesslich im Rahmen der beschränkten Vollmacht gehandelt
hat, sondern Geldbeträge für persönliche Finanzbedürfnisse (allenfalls un-
ter Mitwirkung der Trustees) auszahlen liess und damit die eigenständige
Struktur der Domizilgesellschaft missachtet hat. Mit anderen Worten hat
sie nach der Aktenlage direkt auf die auf dem Konto der Gesellschaft gela-
gerten Vermögenswerte zugegriffen, wie wenn die Gesellschaft nicht exis-
tieren würde. Sie muss folglich als wirtschaftlich Berechtigte am Konto qua-
lifiziert werden.
Betreffend den Beschwerdeführer 2 ist festzuhalten, dass aufgrund der Ak-
ten erstellt ist, dass er [die] Beschwerdeführerin 1 zumindest teilweise an
die Treffen bei der Bank begleitet hat und damit die Kundenberater eben-
falls getroffen hat (vgl. Eingabe der Beschwerdeführenden vom 2. Juni
2020, Rz. 8). Es liegt deshalb nahe, dass er bei den Handlungen [der Be-
schwerdeführerin 1] teilgenommen und durch sein Mitwirken ebenfalls die
eigenständige Struktur der Domizilgesellschaft missachtet hat. Weitere Un-
tersuchungen über die Qualität und den Umfang der Mitwirkung des Be-
schwerdeführers 2 können unterbleiben. Es ist nicht Aufgabe der ersuchten
Instanz, ein eigentliches Beweisverfahren bzw. eine Untersuchung wie ein
Strafrichter vorzunehmen (E. 3.6).
Damit kann festgehalten werden, dass sich aus den Akten weitere Hin-
weise auf das Bestehen eines «Betrugsdelikts und dergleichen» ergeben
als nur eine Diskrepanz zwischen den Formularen A und W-8BEN. Es liegt
somit der begründete Verdacht vor, dass die Beschwerdeführenden 1 und
2 «Betrugsdelikte und dergleichen» begangen haben.
5.2.7 Mit Bezug auf die Beschwerdeführerin 3 ([...]) bestehen indessen
keine Hinweise, dass sie die eigenständige Struktur der Domizilgesell-
schaft missachtet hat. Gemäss den Ausführungen der Beschwerdeführen-
den hat sie die Existenz der zwischengeschalteten Gesellschaft gar nicht
missachten können, da sie von der Struktur und der Kontobeziehung keine
Ahnung hatte. Es ist richtig, dass betreffend die Beschwerdeführerin 3
keine direkten geschäftlichen Kontakte mit den Kundenberatern aktenkun-
dig sind. Sie lebte in der fraglichen Zeit auch nicht in der Schweiz, verfügte
A-674/2020
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über keine Zeichnungsberechtigung (vgl. «Signatories» der Bank) und
keine Vollmacht von der Domizilgesellschaft. Es ist auch nirgends eine Un-
terschrift der Beschwerdeführerin 3 auf irgendwelchen Bankdokumenten
zu finden. Allein der Umstand, dass sie im Formular A als wirtschaftlich Be-
rechtigte aufgeführt ist, reicht nicht aus zur Bejahung eines begründeten
Tatverdachts bezüglich «Betrugsdelikten und dergleichen» (vgl. E. 3.5.2).
Mit Bezug auf die Beschwerdeführerin 3 ist die Amtshilfe demnach zu ver-
weigern. Insbesondere das sie betreffende Formular A (Vorakten [Pagini-
ernummer]) ist demnach aus den zu übermittelnden Akten zu entfernen, da
diese Information unter den genannten Umständen für die Beurteilung der
Steuersituation der Beschwerdeführenden 1 und 2 nicht voraussichtlich er-
heblich ist (vgl. Art. 4 Abs. 3 StAhiG).
6.
Nachfolgend ist auf die übrigen Einwendungen mit Bezug auf die Leistung
der Amtshilfe betreffend die Beschwerdeführenden 1 und 2 einzugehen
und zu prüfen, ob sie den begründeten Tatverdacht mittels Urkunden klar-
erweise und entscheidend zu entkräften vermögen.
6.1 Die Beschwerdeführenden wenden ein, der Umstand, dass das fragli-
che Konto von der Domizilgesellschaft E._ gehalten worden sei,
lasse sich aus der Familiengeschichte erklären. Der Ursprung seien zwei
Erbschaften aus den Jahren 1961 und 2001 gewesen. Die Beschwerde-
führenden legen in diesem Zusammenhang zahlreiche Urkunden mit Be-
zug auf die Errichtung der verschiedenen Trusts ins Recht. Entgegen der
Ansicht der Beschwerdeführenden ist jedoch die Entstehungsgeschichte
des Vermögensanfalls nicht entscheidend für das vorliegende Amtshilfe-
verfahren. Es kann offenbleiben, ob die Trusts zum Zwecke der Nachlass-
planung errichtet worden sind und der betreffende [ausländische] Trust
F._. formell Eigentümerin der Domizilgesellschaft E._ war.
Massgebend ist die Frage, ob die Beschwerdeführenden 1 und 2 persön-
lich die eigenständige Struktur der E._ als Halterin der Kontover-
bindung faktisch missachtet haben. Dies wurde gemäss den obigen Erwä-
gungen bejaht. Bezüglich der rechtlichen Qualifikation eines Trusts kann
im Übrigen auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts verwiesen wer-
den, wonach dies eine materielle Frage ist, welche von den Steuerbehör-
den des ersuchenden Staates zu entscheiden ist und nicht von den
Schweizer Behörden im Rahmen der Amtshilfe behandelt werden muss
(Urteil des Bundesgerichts 2C_274/2016 vom 7. April 2016 E. 4.3). Auch
aus diesem Grund muss im Amtshilfeverfahren nicht abgeklärt werden, ob
A-674/2020
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der betreffende [ausländische] Trust eine selbständige Rechtspersönlich-
keit aufwies und überhaupt formell Eigentümer der Domizilgesellschaft
sein konnte.
6.2 Die Beschwerdeführenden stellen sich auf den Standpunkt, dass die
Bankformulare von der Bank falsch ausgefüllt worden seien und deshalb
nicht den Tatsachen entsprechen würden. Es habe zu dem damaligen Zeit-
punkt gar kein passendes bankinternes Formular gegeben, welches die
korrekte Erfassung ermöglicht hätte. Entgegen der Ansicht der Beschwer-
deführenden müssen sie sich den Inhalt der Bankunterlangen zurechnen
lassen. Vorliegend ist nicht von Bedeutung, aus welchen Beweggründen
die Beschwerdeführenden von der Bank als wirtschaftlich Berechtigte am
Konto bezeichnet wurden (vgl. Urteil des BVGer A-6676/2010 vom 8. April
2011 E. 4.4.3). Vielmehr handelt es sich dabei um eine Sachverhaltsfest-
stellung der Vorinstanz, welche von den Beschwerdeführenden klarer-
weise und entscheidend zu entkräften ist. Gelingt es ihnen nicht, aufzuzei-
gen, dass die Beschwerdeführenden 1 und 2 zu Unrecht von der Bank auf
den entsprechenden Formularen als wirtschaftlich Berechtigte am Konto
aufgeführt wurden, ist an der diesbezüglichen Annahme der Vorinstanz
festzuhalten. Es wurde aufgezeigt, dass bei den Beschwerdeführenden 1
und 2 genügend Anhaltspunkte für eine wirtschaftliche Berechtigung an der
Kontoverbindung gegeben sind (E. 5.2). Sie konnten diese nicht entkräften.
6.3 Die Beschwerdeführenden legen zudem dar, die Beschwerdeführerin 1
habe das gesamte Vermögen an ihrem Wohnort in der Schweiz als eigenes
deklariert und versteuert. Im Weiteren habe die Beschwerdeführerin 1 ihr
dauerndes Niederlassungsrecht in den USA angeblich später (im Jahr
2011) aufgegeben und hätte betreffend die relevante Zeit das alleinige Be-
steuerungsrecht vom Einkommen in der Schweiz beantragen können.
Diese Einwände sind nicht stichhaltig. Es bestehen genügend Anhalts-
punkte für eine Steuerpflicht der Beschwerdeführenden 1 und 2 im ersu-
chenden Staat hinsichtlich der vorliegend relevanten Zeit (Jahre 2007 bis
2009). Die Beschwerdeführerin 1 verfügte über ein dauerndes Niederlas-
sungsrecht in den USA und der Beschwerdeführer 2 über die US-Staats-
bürgerschaft. Im Weiteren liegt es gemäss konstanter Rechtsprechung
nicht am ersuchten Staat die Ansässigkeitsfrage abschliessend zu beurtei-
len. Ein möglicher Ansässigkeitskonflikt ist nicht im Rahmen eines Amtshil-
feverfahrens, sondern eines Verständigungsverfahrens zu lösen. Ein Amts-
hilfeersuchen kann schliesslich dem ersuchenden Staat auch dazu dienen,
Argumente für die Lösung des Ansässigkeitskonflikts zu erhalten (BGE 142
II 218 E. 3.1 und E. 3.6 f., 142 II 161 E. 2.2.2 und E. 2.4).
A-674/2020
Seite 18
6.4
6.4.1 Die Beschwerdeführenden kritisieren insbesondere das Besteue-
rungssystem der USA, weil dort Steuern nur gestützt auf den Pass oder
eine Greencard und unabhängig vom Wohnsitz erhoben würden. Im Wei-
teren sei das Steuersystem der USA sehr kompliziert und der dortige
Rechtsschutz schwach. Zudem bestreiten die Beschwerdeführenden die
Rechtsmässigkeit der Informationsbeschaffung des IRS. In seinem Amts-
hilfegesuch vom [...] 2019 habe sich dieser auf unzuverlässige Quellen ge-
stützt, namentlich «Information obtained from a superseding indictment of
current and former D._ Employees» und «Information received
from statements of facts from D._’s guilty plea». Die Beschwerde-
führenden sehen darin eine Verletzung des Ordre Public.
6.4.2 Das Bundesgericht bejaht einen Verstoss gegen den Ordre public,
wenn fundamentale Rechtsgrundsätze verletzt sind bzw. der fragliche Akt
mit der schweizerischen Rechts- und Wertordnung schlechthin unverein-
bar ist (vgl. BGE 119 II 264 E 3b; ausführlich BGE 132 III 389 E. 2.2), das
Ergebnis auf stossende Weise Sinn und Geist der eigenen Rechtsordnung
widerspricht (vgl. BGE 135 III 614 E 4.2, 128 III 201 E 1b) oder das einhei-
mische Rechtsgefühl in unerträglicher Weise verletzt würde (vgl. BGE 129
III 250 E 3.4.2; vgl. auch BGE 140 V 136 E. 5.2).
6.4.3 Zunächst ist festzuhalten, dass die Vereinbarung einer Amtshilfeklau-
sel im Rahmen des DBA ein politischer Entscheid ist, den die Gerichte
grundsätzlich zu akzeptieren haben (vgl. auch Urteil des BVGer
A-7956/2016 vom 8. November 2017 E. 4.4.4). Im Weiteren stützte sich
das Amtshilfeersuchen nicht massgeblich auf die beanstandeten Quellen,
sondern insbesondere auf die Identifikation durch die Bank selber anhand
der vorgegebenen Kriterien und der in der Folge von dieser gelieferten In-
formationen über das entsprechende Konto («D._ specifically iden-
tified Account K._ as an account demonstrating conduct that satis-
fies the tax fraud or the like standard and D._ provided information
about account K._»). Die Vorwürfe der Beschwerdeführenden be-
treffend eine Verletzung des Ordre Public müssen als unbegründet zurück-
gewiesen werden. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern die vorliegende Amts-
hilfe zu einem augenfälligen Verstoss gegen die fundamentalen Grunds-
ätze der schweizerischen Rechtsordnung führen könnte (vgl. Urteil des
BGer 2C_750/2020 vom 25. März 2021 E. 6.7.1).
A-674/2020
Seite 19
6.5 Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführenden verstösst das vorlie-
gende Amtshilfegesuch auch nicht gegen das Gebot der Verhältnismässig-
keit. Daran ändern nichts, dass der IRS bereits früher ([...]) Amtshilfegesu-
che gegenüber die Beschwerdeführenden 2 und 3 gestellt hatte ([...]) und
diese damals in Bezug auf die Beschwerdeführenden 2 und 3 abgewiesen
worden sind. Massgebend ist, dass in diesem aktuellen Verfahren, welches
durch ein Einzelersuchen ausgelöst wurde, die Voraussetzung zur Leis-
tung der Amtshilfe betreffend die Beschwerdeführenden 1 und 2 erfüllt sind
und die zu übermittelnden Daten voraussichtlich erheblich sind, was der
Fall ist.
6.6 Zusammenfassend kann die ersuchte Amtshilfe mit Bezug auf die Be-
schwerdeführenden 1 und 2 hingegen nicht betreffend Beschwerdeführe-
rin 3 erfolgen. Die Beschwerde ist demnach teilweise gutzuheissen und
Dispo-Ziff. 3 der angefochtenen Verfügung aufzuheben. Die Informationen
können gemäss Dispo-Ziff. 4 der angefochtenen Verfügung übermittelt
werden, wobei insbesondere das die Beschwerdeführerin 3 betreffende
Formular A aus den zu übermittelnden Akten zu entfernen ist. Dispo-Ziff. 5
ist insoweit aufzuheben, als darin der Antrag auf Abweisung der Amtshilfe
in Bezug auf die Beschwerdeführerin 3 abgewiesen wird. Die ESTV hat
den IRS aber darauf hinzuweisen, dass die im Rahmen des vorliegenden
Amtshilfeverfahrens zu übermittelnden Informationen nur in Verfahren be-
treffend A._ und B._ verwendet werden dürfen. D.h. die zu
übermittelnden Informationen dürfen nicht in Verfahren gegen C._
verwendet werden.
7.
Die Verfahrenskosten sind auf Fr. 5'000.– festzusetzen und ausgangsge-
mäss den Beschwerdeführenden im Betrag von insgesamt Fr. 3'400.– auf-
zuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG und Art. 1, 2 und 4 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Letzterer Betrag wird dem ge-
leisteten Kostenvorschuss von Fr. 5’000.– entnommen. Der Restbetrag
von Fr. 1’600.– wird den Beschwerdeführenden nach Eintritt der Rechts-
kraft des vorliegenden Urteils zurückerstattet.
Die Vorinstanz wird verpflichtet, den Beschwerdeführenden eine reduzierte
Parteientschädigung in der Höhe von insgesamt Fr. 2'400.– zu bezahlen.
A-674/2020
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8.
Dieser Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Amtshilfe in Steuer-
sachen kann gemäss Art. 83 Bst. h des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005
über das Bundesgericht (BGG, SR 173.110) innerhalb von 10 Tagen nur
dann mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das
Bundesgericht weitergezogen werden, wenn sich eine Rechtsfrage von
grundsätzlicher Bedeutung stellt oder wenn es sich aus anderen Gründen
um einen besonders bedeutenden Fall im Sinn von Art. 84 Abs. 2 BGG
handelt (Art. 84a und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Ob dies der Fall ist,
entscheidet das Bundesgericht.