Decision ID: a5a2a21e-9d4c-5d52-91d9-89e15b2bff85
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am (...) im (...) um Asyl nach. Am 21. No-
vember 2019 fand die Personalienaufnahme (PA) statt.
B.
Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentralein-
heit Eurodac) ergab, dass der Beschwerdeführer am (...) in Griechenland
um Asyl nachgesucht hatte und ihm am (...) Schutz gewährt worden war.
C.
Am 4. Dezember 2019 fand im Beisein der damaligen Rechtsvertretung
das persönliche Gespräch gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr.
604/2013 vom 23. Mai 2019 (nachfolgend: Dublin-Gespräch) statt. In die-
sem Rahmen wurde dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zu ei-
nem allfälligen Nichteintretensentscheid und zur Möglichkeit einer Über-
stellung nach Griechenland gewährt. Er bestätigte, in Griechenland Schutz
erhalten zu haben. Indessen wolle er nicht nach Griechenland zurückkeh-
ren, da der Aufenthalt im Flüchtlingscamp Moria sehr schwierig gewesen
sei (zu grosse Anzahl Asylsuchende, ungenügende medizinische Versor-
gung, Schlägereien) und er keine Unterstützung vom griechischen Staat
erhalten habe. Schliesslich habe er in einem Park schlafen müssen.
D.
Am 9. Dezember 2019 ersuchte die Vorinstanz die griechischen Behörden
gestützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und
des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Ver-
fahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal anwesender Dritt-
staatsangehöriger (nachfolgend: Rückführungs-Richtlinie) und das Abkom-
men vom 28. August 2006 zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und
der Regierung der Hellenischen Republik über die Rückübernahme von
Personen mit irregulärem Aufenthalt (SR 0.142.113.729, nachfolgend:
Rückübernahmeabkommen) schriftlich um Rückübernahme des Be-
schwerdeführers.
E.
Am 10. Dezember 2019 stimmten die griechischen Behörden aufgrund des
am (...) gewährten subsidiären Schutzes (und der noch bis am (...) gültigen
Aufenthaltsbewilligung) dem Übernahmeersuchen zu.
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F.
Gleichentags reichte die Rechtsvertretung eine medizinische Dokumenta-
tion des (...) vom 10. Dezember mit Einträgen ein (Termin vom 29. Novem-
ber 2019 wegen Juckreiz, Zahnarzttermin am 5. Dezember 2019).
G.
Am 16. Dezember 2019 wurde von der Rechtsvertretung ein ärztlicher
Kurzbericht des (...) vom 10. Dezember 2019 eingereicht, worin dem Be-
schwerdeführer psychische Schwierigkeiten (Schlafstörungen, Albträume,
sozialer Rückzug) wegen der unsicheren Aufenthaltssituation und im Wei-
teren das Vorliegen einer Gastritis attestiert wurden. Es wurde als weitere
Abklärungsmassnahme unter anderem das Röntgen des Thorax empfoh-
len. Eine Überweisung an einen Spezialisten wurde als nicht angezeigt be-
funden.
H.
Am 19. Dezember 2019 stellte die Vorinstanz der Rechtsvertretung des
Beschwerdeführers unter Gewährung des rechtlichen Gehörs den Ent-
scheidentwurf (und die entscheidrelevanten Akten) zu. Mit Eingabe vom
20. Dezember 2019 nahm die Rechtsvertretung Stellung. Es wurde geltend
gemacht, dass der Beschwerdeführer mit suizidalen Tendenzen noch kei-
nen Termin beim Psychiater erhalten habe, weshalb der medizinische
Sachverhalt nicht als erstellt erachtet werden könne. Das SEM werde um
die Vornahme entsprechender Abklärungen ersucht.
I.
Mit Entscheid vom 20. Dezember 2019 (Eröffnung am 23. Dezember 2019)
trat die Vorinstanz auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein,
wies ihn aus der Schweiz weg und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag
nach Eintritt der Rechtskraft der Verfügung zu verlassen, ansonsten er in
Haft genommen und unter Zwang nach Griechenland zurückgeführt würde.
Gleichzeitig beauftragte die Vorinstanz den zuständigen Kanton mit dem
Vollzug der Wegweisung und händigte dem Beschwerdeführer die editi-
onspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus.
K.
Mit Eingabe vom 3. Januar 2020 erhob der Beschwerdeführer – unter Bei-
lage eines Updates von Pro Asyl vom 30. August 2018 über die Lebensbe-
dingungen international Schutzberechtigter in Griechenland – beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragte, die angefochtene Ver-
fügung sei in den Ziffern 1–4 aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen,
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auf das Asylgesuch einzutreten, eventualiter sei er wegen Unzulässigkeit
beziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der
Schweiz vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde
die unentgeltliche Prozessführung beantragt. Es sei festzustellen, dass der
vorliegenden Beschwerde die aufschiebende Wirkung zukomme.
L.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 6. Ja-
nuar 2020 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwer-
deführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.2 Da der Beschwerde von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu-
kommt (Art. 55 Abs. 1 VwVG) und die Vorinstanz diese nicht entzogen hat,
ist auf den Antrag, der Beschwerdeführer sei zu ermächtigen, den Ausgang
des Verfahrens in der Schweiz abwarten zu können, nicht einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet.
4.
Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die Vor-
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instanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG) ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2
m.w.H.). Bezüglich der Frage der Wegweisung und des Vollzugs hat das
SEM eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem Gericht diesbe-
züglich volle Kognition zukommt.
5.
5.1 Die Vorinstanz gelangte in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
auf das Asylgesuch sei gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG nicht einzutre-
ten. Der Bundesrat habe Griechenland als sicheren Drittstaat bezeichnet,
der Beschwerdeführer verfüge in Griechenland über subsidiären Schutz
und die griechischen Behörden hätten einer Rückübernahme des Be-
schwerdeführers zugestimmt.
5.2 Hinsichtlich der Stellungnahme der Rechtsvertretung vom 20. Dezem-
ber 2019, wonach laut einer Vielzahl von Länder- und Themenberichten
staatlicher und nichtstaatlicher Organisationen die Situation für Schutzbe-
rechtigte in Griechenland prekär sei (fehlender Zugang zu Arbeit oder So-
zialleistungen, drohende Obdachlosigkeit), das griechische Parlament das
Asylgesetz zuungunsten der Schutzsuchenden verschärft habe und vom
SEM bei den griechischen Behörden entsprechende Garantien einzuholen
seien, wies die Vorinstanz darauf hin, dass Griechenland die Richtlinie
2011/95/EU (sogenannte Qualifikationsrichtlinie) umgesetzt habe. Auf-
grund des gewährten subsidiären Schutzes stünden dem Beschwerdefüh-
rer alle Rechte aus der Flüchtlingskonvention zu. Es lägen keine erhärteten
Hinweise vor, wonach sich Griechenland nicht an seine völkerrechtlichen
Verpflichtungen halten würde, weshalb das SEM auch von weiteren dies-
bezüglichen Abklärungen oder der Einholung von Garantien absehe. Im
Weiteren würden die durch das griechische Parlament verabschiedeten
Veränderungen des Asylgesetzes nur Personen betreffen, deren Asylan-
trag noch nicht geprüft worden sei. Hinsichtlich des Vorbringens in der Stel-
lungnahme, wonach der Beschwerdeführer mit suizidaler Tendenz noch
keinen Termin beim Psychiater erhalten habe, weshalb der medizinische
Sachverhalt nicht als erstellt erachtet werden könne, sei festzuhalten, dass
nach dem ärztlichen Bericht des (...) vom 10. Dezember 2019 eine Über-
weisung an einen Spezialisten als nicht angezeigt erachtet worden sei. Es
sei kein akuter medizinischer Notfall während der Dauer des Aufenthaltes
im (...) aktenkundig, weshalb auch in Berücksichtigung der suizidalen Ten-
denz mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden könne, dass die
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hohe Schwelle für eine drohende Verletzung von Art. 3 EMRK überschritten
werde. Das SEM erachte den rechtserheblichen Sachverhalt als erstellt
und verzichte deshalb auf weitere medizinische Abklärungen.
5.3 In der Beschwerde wurde im Wesentlichen geltend gemacht, dass die
herrschende Rechtsprechung für Asylsuchende in Griechenland das Vor-
liegen systemischer Mängel festgestellt habe. Auch die Situation für Per-
sonen mit Schutzstatus sei prekär. So sei der Zugang zu einer Unterbrin-
gung äusserst schwierig und praktisch keine medizinische Betreuung er-
hältlich. Dies werde durch zahlreiche Berichte bestätigt. Es bestehe ein re-
elles Risiko, dass der Beschwerdeführer einer unmenschlichen Behand-
lung im Sinne von Art. 3 EMRK ausgesetzt wäre. Es obliege dem SEM,
konkret zu prüfen, ob im vorliegenden Fall ein solches Risiko bestehe.
6.
6.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch in der
Regel nicht eingetreten, wenn die asylsuchende Person in einen nach
Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG als sicher bezeichneten Drittstaat zurückkehren
kann, in welchem sie sich vorher aufgehalten hat.
6.2 Der Bundesrat bezeichnet Staaten, in denen nach seinen Feststellun-
gen effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG
besteht, als sichere Drittstaaten (Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG). Durch den
Beschluss des Bundesrates vom 14. Dezember 2007 wurden sämtliche
Länder der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Freihandels-
assoziation (EFTA) als sichere Drittstaaten bezeichnet.
6.3 Die Vorinstanz stellte in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest,
dass es sich bei Griechenland, als Mitgliedstaat der EU, um einen sicheren
Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG handelt.
Im Weiteren steht unbestritten fest, dass der Beschwerdeführer seit dem
22. Mai 2018 über einen subsidiären Schutzstatus verfügt. Am 10. Dezem-
ber 2019 stimmten die griechischen Behörden dem Übernahmeersuchen
des SEM zu.
6.4 Aufgrund der ausdrücklichen Zustimmung der griechischen Behörden
zur Rückübernahme des Beschwerdeführers sind die Voraussetzungen für
einen Nichteintretensentscheid (Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG) vorliegend
erfüllt.
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6.5 Das SEM ist somit zu Recht gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG
auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten.
7.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylgesuch ablehnt
oder darauf nicht eintritt; es berücksichtigt dabei die Einheit der Familie.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen
(BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die Wegweisung wurde
demnach zu Recht angeordnet.
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungs-
vollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts
der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigen-
schaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich
ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24
E. 10.2 m.w.H.).
8.2
8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
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8.2.2 Gemäss Art. 6a AsylG besteht zugunsten sicherer Drittstaaten – wie
Griechenland es ist – die Vermutung, dass diese ihre völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen, darunter im Wesentlichen das Refoulement-Verbot und
grundlegende menschenrechtliche Garantien, einhalten (vgl. FANNY
MATTHEY, in: Cesla Amarelle/Minh Son Nguyen, Code annoté de droit des
migrations, Bern 2015, Art. 6a AsylG N 12 S. 68). Gestützt auf Art. 83
Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass eine Wegweisung in einen
EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist. Es obliegt der betroffenen
Person, diese beiden Legalvermutungen umzustossen. Dazu hat sie ernst-
hafte Anhaltspunkte dafür vorzubringen, dass die Behörden des in Frage
stehenden Staates im konkreten Fall das Völkerrecht verletzen, ihr nicht
den notwendigen Schutz gewähren oder sie menschenunwürdigen Le-
bensumständen aussetzen würden respektive dass sie im in Frage stehen-
den Staat aufgrund von individuellen Umständen sozialer, wirtschaftlicher
oder gesundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten würde
(vgl. statt vieler das Urteil des BVGer E-2617/2016 vom 28. März 2017
E. 4).
8.2.3 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts betreffend die Zuläs-
sigkeit des Vollzugs der Wegweisung von Personen, denen, wie vorlie-
gend, von den griechischen Behörden ein Schutzstatus verliehen wurde,
wird das Vorliegen eines Vollzugshindernisses nur unter sehr strengen Vo-
raussetzungen bejaht. Grundsätzlich geht das Gericht davon aus, dass in
Griechenland Schutzberechtigte dort Schutz vor Rückschiebung im Sinne
von Art. 5 Abs. 1 AsylG finden und dass dieses Land als Signatarstaat der
EMRK, der FoK und der FK sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Ja-
nuar 1967 (SR 0.142.301) seinen entsprechenden völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen grundsätzlich nachkommt (vgl. das Urteil des BVGer D-
206/2016 vom 10. Februar 2016 sowie die neueren Urteile E-4134/2019
vom 21. August 2019 E. 8.3–8.4; E-1947/2019 vom 21. Juni 2019 E. 6.4–
6.5; D-367/2019 vom 2. Mai 2019 E. 7.7–7.9; E-5133/2018 und E-
5134/2018 vom 26. Oktober 2018 E. 9.5–9.6). Zwar anerkennt das Gericht,
dass die Lebensbedingungen in Griechenland schwierig sind, dennoch ist
aber diesbezüglich nicht von einer unmenschlichen oder entwürdigenden
Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK beziehungsweise einer existenziel-
len Notlage auszugehen. Personen mit Schutzstatus sind griechischen
Bürgern und Bürgerinnen gleichgestellt in Bezug auf Fürsorge, den Zugang
zu Gerichten und den öffentlichen Schulunterricht respektive gleichgestellt
mit anderen Ausländern und Ausländerinnen beispielsweise in Bezug auf
Erwerbstätigkeit oder Gewährung einer Unterkunft (vgl. Art. 16–24 FK). Un-
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terstützungsleistungen und weitere Rechte können direkt bei den zustän-
digen Behörden eingefordert werden, falls notwendig auf dem Rechtsweg.
Nicht zuletzt können Schutzberechtigte sich auch auf die Garantien in der
Qualifikationsrichtlinie berufen, auf die sich Griechenland als EU-Mitglied-
staat behaften lassen muss. Von Interesse dürften diesbezüglich insbeson-
dere die Regeln betreffend den Zugang von Personen mit Schutzstatus zu
Beschäftigung (Art. 26), zu Bildung (Art. 27), zu Sozialhilfeleistungen (Art.
29), zu Wohnraum (Art. 32) und zu medizinischer Versorgung (Art. 30)
sein. Im Falle einer Verletzung der Garantien der EMRK steht gestützt auf
Art. 34 EMRK auch letztinstanzlich der Rechtsweg an den Europäischen
Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) offen (vgl. statt vieler das Urteil
E-5133/2018 beziehungsweise E-5134/2018 vom 26. Oktober 2018 E.
9.5.4–E. 9.5.5).
Es liegen auch keine konkreten Hinweise vor, dass der Beschwerdeführer
im Falle seiner Rückkehr nach Griechenland aus gesundheitlichen Grün-
den einer unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung im Sinne von
Art. 3 EMRK ausgesetzt wäre. In diesem Zusammenhang kann auf die zu
bestätigenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden. Der diesbe-
zügliche Sachverhalt wurde hinreichend erstellt. Der Vollzug der Wegwei-
sung ist zulässig.
8.2.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Herkunftsstaat auf Grund von Si-
tuationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer
Notlage konkret gefährdet sind. Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht fer-
ner die Vermutung, dass eine Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Mit-
gliedstaat in der Regel zumutbar ist. Es obliegt der betroffenen Person,
diese Vermutungen umzustossen.
8.2.5 Der Beschwerdeführer bringt vor, die Lage für Flüchtlinge in Grie-
chenland sei prekär. So sei der Zugang zu einer Unterbringung äusserst
schwierig und praktisch keine medizinische Betreuung erhältlich.
Zwar trifft es zu, dass das griechische Fürsorgesystem auch für Personen
mit Schutzstatus in der Kritik steht und es Berichte gibt, wonach die Be-
troffenen nur unzulänglich unterstützt würden (vgl. Urteil des BVGer
D-4020/2018 vom 25. Juli 2018 E. 8.2 m.H.). Dies wird auch durch den in
der Beschwerdeschrift zitierten Bericht von Pro Asyl/RSA vom 30. August
2018 bestätigt, der insbesondere Missstände im Zugang zu Wohnraum und
Sozialleistungen dokumentiert. Das Vorliegen eines Vollzugshindernisses
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unter dem Aspekt der Zulässigkeit bei Personen, denen von den griechi-
schen Behörden ein Schutzstatus verliehen wurde, wird vom Bundesver-
waltungsgericht jedoch praxisgemäss nur unter sehr strengen Vorausset-
zungen bejaht. Das Gericht geht davon aus, dass Griechenland das Non-
Refoulement-Gebot gemäss Art. 33 Abs. 1 FK beachtet und als Signatar-
staat der EMRK, der FoK und der FK sowie des Zusatzprotokolls der FK
vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) seinen entsprechenden völkerrecht-
lichen Verpflichtungen grundsätzlich nachkommt. Auch wenn anzuerken-
nen ist, dass die Lebensbedingungen in Griechenland schwierig sind, kann
daraus noch nicht auf eine drohende unmenschliche oder entwürdigende
Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK respektive eine existenzielle Not-
lage geschlossen werden (vgl. statt vieler Urteil des BVGer D-6388/2019
vom 9. Dezember 2019 E. 9.1).
Trotz dieser Kritik ist somit festzuhalten, dass Griechenland an die Richtli-
nie 2011/95/EU für einen einheitlichen Status für Flüchtlinge oder für Per-
sonen mit Anrecht auf subsidiären Schutz und für den Inhalt des zu gewäh-
renden Schutzes gebunden ist. Im Kapitel VII werden die den Flüchtlingen
zu gewährenden Rechte geregelt (Art. 26 [Zugang zu Beschäftigung],
Art. 27 [Zugang zu Bildung], Art. 29 Abs. 2 [Sozial- und Nothilfe] und Art.
30 Abs. 2 [medizinische Versorgung]). Selbst wenn die Lebensbedingun-
gen in Griechenland aufgrund der herrschenden Wirtschaftslage nicht ein-
fach sind, liegen keine Hinweise für die Annahme vor, dass der Beschwer-
deführer bei einer Rückkehr nach Griechenland einer existenziellen Not-
lage ausgesetzt wäre. Es darf vom Beschwerdeführer erwartet werden,
dass er sich bei Unterstützungsbedarf an die griechischen Behörden wen-
det und die erforderliche Hilfe nötigenfalls auf dem Rechtsweg einfordert.
Bei dieser Sachlage bestand für das SEM auch kein Anlass für die Einho-
lung individueller Garantien (vgl. hierzu BVGE 2017 VI/10).
8.3 Der Vollzug der Wegweisung ist schliesslich nach Art. 83 Abs. 2 AIG
möglich, da die griechischen Behörden einer Rückübernahme des Be-
schwerdeführers ausdrücklich zugestimmt haben und dieser dort über sub-
sidiären Schutz verfügt.
9.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Wegweisungsvollzug zuläs-
sig, zumutbar und möglich ist, womit die Anordnung einer vorläufigen Auf-
nahme ausser Betracht fällt (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
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Seite 11
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Für eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz
besteht kein Anlass. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
Indessen ist die Beschwerde nicht als von vornherein aussichtslos zu be-
zeichnen, weshalb – von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers ausge-
hend – das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
gutzuheissen und auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten
ist.
(Dispositiv nächste Seite)
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