Decision ID: 3a89e226-f03c-4e10-8e89-0081a0428afd
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1980,
war
im Rahmen verschiedener kurzfristiger Arbeits
einsätze temporär erwerbstätig und bezog dazwischen Taggelder der Arbeitslosenversicherung
(
Urk.
6/1,
Urk.
6/10
Ziff.
1.1-1.
3
,
Urk.
6/12,
Urk.
6/30
)
.
Unter Hinweis auf Rücken
beschwerden
und
eine
Depression meldete sich
der Versicherte
am 2
0.
Oktober 2010 bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an (
Urk.
6/10
Ziff.
6.
2
und
Ziff.
12). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinisch
e und erwerbliche Situation ab und holte beim
Y._
,
ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am
2.
April 2012
erstattet wurde (
Urk.
6/25/2-39
).
Mit Schreiben vom 1
1.
Dezember 2012 auferlegte die IV-Stelle dem Versicherten eine psychiatrisch-psychotherapeuti
sche Behandlung im Sinne einer Schadenminderungspflicht (
Urk.
6/32).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
6/34
;
Urk.
6/44
) sprach die IV-Stelle mit Verfügung vom
2
7.
März 2013
dem Versicherten bei einem Invali
ditätsgrad von
41
%
eine
Viertelsr
ente ab
1.
Juni 2011
zu (
Urk.
6/54
=
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am
2.
Mai 2013
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
2
7.
März 2013
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
ihm
eine ganze Rente ab
1.
Juni 2011
zuzusprechen
(
Urk.
1 S. 2
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2
9.
Mai 2013
(
Urk.
5
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
3.
Juni 2013
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
7
).
Mit Gerichtsverfügung vom
1
2.
Juli 2013
wur
den antragsgemäss (vgl.
Urk.
1
S. 2
) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt (
Urk.
12
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Voraussetzungen für die Zusprache einer Invalidenrente legte die Beschwer
de
gegnerin in der Begründung der angefochtenen Verf
ügung zutref
fend dar (
Urk.
2
Verfügungsteil 2 S. 1
). Darauf kann, mit nachfolgende
r
Ergän
zung, ver
wiesen werden.
1.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin vertrat in der angefochtenen Verfügung die Auffas
sung, dass
gemäss
Y._
-Gutachten von einer
L
eistungsfähigkeit in angepasste
r
Tätigkeit
von 50
%
auszugehen sei
, womit sich gestützt auf die Tabellenlöhne ein Invaliditätsgrad von 41
%
ergebe. Ein Leidensabzug sei - da die Leistung 50
%
bei einer zeitlichen Präsenz von 6 Stunden pro Tag zumutbar sei - nicht anzurechnen
(
Urk.
2 Verfügungsteil 2 S. 1 ff
.
)
.
2.2
Der Beschwerdeführer hielt dem entgegen,
dass er angesichts seiner psychischen Verstricktheit verbunden mit körperlichen Nachteilen und Schmerzen nicht in der Lage sei, überhaupt zu arbeiten. Dies ergebe sich aus dem Bericht von
Herrn
lic. phil.
Z._
, bestätigt von
Dr.
med.
A._
, FMH Psychi
atrie und Psychotherapie, vom 2
2.
April 2013 (
Urk.
3). Selbst wenn er sich ent
schliesse und
sich
überwinde, an eine Arbeitsaufnahme zu denken, habe er sofort wieder die Selbstzweifel, die ihm die Entschlusskraft zur Arbeit sogleich wieder nehmen würden.
Die Berechnung der Invalidität a
ufgrund
d
er
statisti
schen Durchschnittslöhne sei unter Berücksichtigung der persönlichen Verhält
nisse falsch und
werde
diesen
offensichtlich nicht gerecht (
Urk.
6/44,
Urk.
1
S. 3 ff.
).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers.
3.
3.1
Mit Bericht vom 3
1.
Januar 2011 (
Urk.
6/13/5-8)
nannte
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
O._
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
Ziff.
1.1)
:
mittelgradige depressive Episode
(ICD-10: F32.1)
anhaltende somatoforme Schmerzstörung
(ICD-10: F45.4)
radikuläres Reizsyndrom S1 links
mediolaterale Diskushernie mit Verlagerung der Nervenwurzel S1 nach dorsal und wahrscheinlich Kompression
Diskusdegeneration L5/S1 mit leichtgradiger Bandscheibenhöhenmin
derung
leichtgradige Fazettengelenksarthrose L5/S1 beidseits
Der momentane Zustand lasse eine Eingliederung nicht zu, der Beschwerde
führer habe keine Tagesstruktur und leide an einer mittelgradigen depressiven
Episode und Schmerzen wegen einer Diskushernie. Der Beschwerdeführer sei schnell überfordert, und unter Druck komme es zu Wutausbrüchen
.
Konzentra
tionsvermögen, Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit seien eingeschränkt. Er befinde sich in einem labilen Zustand und sei
auf längere Sicht
für sämtliche Tätigkeiten zu 100
%
arbeitsunfähig
(S. 1,
5
.
2 ff.
Ziff.
1.4, 1.7
und
1.11)
.
3.2
Die Ärzte der
K
linik
C._
, wo sich der Beschwerdeführer vom 1
2.
Juni bis zum
7.
Juli 2011 zur R
e
h
a
bilitation aufhielt, nannten in ihrem Bericht vom 1
6.
August 2011 (
Urk.
6/19) folgende Diagnosen (S. 1):
lumboradikuläres Schmerzsyndrom S1 links
rezidivierende Depression, aktuell mittelgradige Episode
nicht-dislozierte Os Metatarsale V-Fraktur mit ossärem Abriss der Pero
nealsehne rechts nach Distorsion des oberen Sprunggelenkes
ADHS: aktuell unter Ritalin und Focalin seit etwa zwei Wochen
Status nach Kokain-Abusus
Sphinkter-Detrusor-Dissynergie
Die Ärzte führten aus, dass sich der Beschwerdeführer insgesamt während des Rehabilitationsverlaufes leicht psychophysisch habe stabilisieren können, und empfahlen die Weiterführung einer ambulanten Psychotherapie (S. 3).
3.3
Mit Bericht vom 1
3.
Dezember 2011 (
Urk.
6/21
/5
) diagnostizierte
Dr.
med.
A._
, welcher den Beschwerdeführer seit dem 2
6.
Juli 2011 behandelte, ein posttraumatisches Belastungssyndrom nach langjähriger früher Traumatisierung im Kindes- und Jugendalter (ICD-10: F43.1), eine mittelgradige depressive Epi
sode, rezidivierend (ICD-10: F33.1)
,
und ein ADHS
.
Dr.
A._
führte aus, dass unter Weiterführung der Therapien und Eröffnung beruflicher Perspektiven mit Unterstützung durch die Invalidenversicherung die Prognose durchaus günstig sei bei eigentlich vielen Ressourcen des Beschwerdeführers. Dieser leide noch an Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten, Flashbacks und Dissoziationen, und es sei unklar, wann mit einer Wiederaufnahme der Tätigkeit gerechnet wer
den könne.
3.4
Am
2.
April 2012 erstatteten die
Ärzte des
Y._
auf der Grundlage der Akten sowie der fachärztlichen Untersuchungen des Beschwerdeführers in den Berei
chen Allgemeinmedizin, Rheumatologie, Neurologie und Psychiatrie ein
inter
disziplinäre
s
Gutachten (
Urk.
6/25/2-39)
.
Die allgemeinmedizinische Untersuchung ergab, dass die aus rein allgemein
medi
zinischer und urologischer Sicht bestätigten Leiden alle behandelt und ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien (S. 15
Ziff.
4.1.3)
.
Der rheumatologische Gutachter
diagnostizierte
ein chronisch
es
lumboradikulä
res Syndrom links, ein tendomyotisch-betontes zervikovertebrales Syndrom, eine Calcaneodynie beidseits und einen Status nach Distorsion des oberen Sprunggelenkes rechts
(S. 19
Ziff.
4.2.4)
. Er führte aus, dass man in der klini
schen Untersuchung am Achsenskelett eine verminderte Belastba
r
ke
i
t finde, wobei das lumboradikuläre Schmer
z
syndrom links im Vordergrund stehe.
Es bestehe eine relative Operationsindikation bei anhaltender Kompression der Wurzel S1, allenfalls auch der Nervenwurzel L5 links (S. 19 f.
Ziff.
4.2.5).
Für eine leichte Tätigkeit sei der Beschwerdeführer zu 50
%
arbeitsfähig
(S. 20
Ziff.
4.2.7)
.
Der neurologische Gutachter führte aus, dass ein chronisches Lumbo
ver
tebralsyn
drom bestehe. Es liege eine gemischte Symptomatik mit einem radiku
lären Reizsyndrom S1 bei entsprechender Diskushernie vor, zusätzlich eine Über
lagerung durch ein tendomyopathisches Schmerzsyndrom, wodurch die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt sei. In
einer leichten wechselbe
lastenden
Tätig
keit
, welche der Beschwerdefü
h
r
er nicht in ausschliesslich monotoner Körper
haltung ausführen müsse, bestehe aus neurologischer Sicht eine
Arbeitsfähigkeit
von
50
%
(S. 23 f.
Ziff.
4.3.5)
.
Der psychiatrische Gutachter diagnostizierte eine rezidivierende depressive Stö
rung bei gegenwärtig leichter Episode, wahrscheinlich eine kombinierte Persön
lichkeitsstörung und eine posttraumatische Belastungsstörung
(S. 28 f.
Ziff.
4.4.4)
. Psychiatrisch sei der Beschwerdeführer sehr auffällig, psycho
diagnostisch aber unklar. Aufgrund der Akten und der eigenen Befunde könne man sich nicht auf eine einzige Diagnose festlegen. Mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit liege aber eine seit Jahren andauernde psychische Störung vor, die bisher therapeutischen Bemühungen nicht zugänglich gewesen sei.
Die Durchhaltefähigkeit und die Gruppenfähigkeit seien erheblich eingeschränkt. In einer stressarmen Umgebung, die seine Unruhe und sein Bedürfnis nach psychomotorischer Aktivität berücksichtige, sei er im Umfang von 50
%
arbeitsfähig, das heisse, mehr als einen halben Tag, aber mit vermehrten Pau
sen. Er verfüge über gute intellektuelle Ressourcen und benötige eine psychi
atrisch-psychotherapeutische Behandlung
(S. 29 f.
Ziff.
4.4.5)
.
Aufgrund der Konsenskonferenz
vom
2.
Februar 2012
nannten
d
ie
Gutachter
zusammenfassend
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 32
Ziff.
7):
chronisches lumboradikuläres Syndrom links mit
S1-assoziierte
m
Reizsyndrom und sensiblem Ausfallsyndrom S1 links
im MRI der Lendenwirbelsäule nachgewiesene mediolateral links gele
gene Diskushernie L5/S1
kombinierte Persönlichkeitsstörung
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie ein tendo
myotisch-betontes, zervikovertebrales Syndrom mit muskulärer Dysbalance des Schultergürtels, eine Calcaneodynie beidseits, links-betont
,
und einen Status nach Distorsion des oberen Sprunggelenkes rechts (S. 32
Ziff.
8).
In seiner bisherigen Tätigkeit im Bürobereich sei der Beschwerdeführer aus soma
tischer Sicht im Rahmen seiner beruflichen Fähigkeiten zu 50
%
arbeitsfä
hig. Er könne etwa sechs Stunden pro Tag beschäftigt werden und müsse die Möglichkeit haben, die Körperhaltung zu wechseln und Pausen einzulegen, sodass eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
resultiere. Aus
psychiatrischer Sicht sei der B
eschwerdeführer an einem Arbeitsplatz im kaufmännischen Bereich, wo keine besondere Stressresistenz erforderlich sei, zu 50
%
arbeitsfähig
(S. 34
Ziff.
10)
.
In einer körperlich rückenadaptierten Tätigkeit in Wechselhaltung mit leichter körperlicher Belastung sei der Beschwerdeführer wie etwa im Bürobereich zu 50
%
arbeitsfähig. Aus psychiatrischer Sicht sei der
Beschwerdeführer im aktu
ellen Z
u
s
tand in einer stressarmen Umgebung, die auf seine Eigenheiten einge
hen könne, seine Unruhe, sein Bedürfnis nach psychomotorischer Aktivität berücksichtige, im Umfang von etwa 50
%
arbeitsfähig.
Die Prognose sei aus psychiatrischer Sicht unklar, und diagnostisch sei keine befriedigende Klärung möglich
(S. 34 f.
Ziff.
11
bis 13
)
.
3.5
Mit ergänzender Stellungnahme vom
3.
Juli 2012 (
Urk.
6/29) führten die Ärzte de
s
Y._
aus,
dass
beim Beschwerdeführer ein anhaltendes lumboradikuläres Syndrom links mit S1-assoziiertem Reizsyndrom und sensiblem Ausfallssyn
drom S1 links bei mediolateral links gelegener Diskushernie L5/S1 mit Neuro
kompression S1 links bestehe. Zwar fehlten Paresen an den unteren Extremitä
ten, jedoch habe sich ein positives Lasègue-Phänomen auf der linken Seite gezeigt. In den bildgebenden Untersuchungen, insbesondere im MRI der Len
denwirbelsäule
,
stelle sich ein entsprechendes pathologisches Korrelat in Form einer neurokompressiven linksbetonten Diskushernie L5/S1 dar.
In der Zusam
menschau sei
der Beschwerdeführer von Seiten des Achsenskeletts deutlich weniger belastungsfähig. In Frage kämen leichte, zeitlimitierte Tätigkeiten in Wechselhaltung, sodass hier eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
bestehe. Aktuell könne nicht von einem vollen Pensum, auch nicht in einer optimal angepassten Tätigkeit ausgegangen werden.
3.6
Mit Stellungnahmen vom 2
0.
April und vom
3.
Dezember 2012
(
Urk.
6/31 S. 4 ff.)
hielt
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Neurologie und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Regionalärztlicher Dienst (RAD),
fest,
dass
auf das
Gutachten de
s
Y._
vom
2.
April 2012
mit ergänzender Stellungnahme vom
3.
Juli 2012 abzustellen sei.
Es ergebe sich somit keine andere Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit als im Gutachten de
s
Y._
.
Er empfehle die
Auferlegung einer Schadenminderungspflicht im Sinne einer psychiatrisch-psychotherapeu
tische
n
Behandlung und eine erneute medizinische Beurteilung der Arbeitsfä
higkeit
in einem Jahr
.
3.7
Mit Schreiben vom 2
3.
Januar 2013 attestierte
n
Dr.
A._
und lic. phil.
Z._
dem Beschwerdeführer eine volle
beziehungsweise teilweise
Arbeitsun
fähigkeit für
die
letzten rund eineinhalb Jahre (
Urk.
6/47).
3.8
Mit Stellungnahme vom
1.
März 2013 führte
RAD-Arzt
Dr.
D._
aus, dass mangels objektiver Angaben dem Bericht von
Dr.
A._
nicht zu folgen und weiterhin auf das
Y._
-Gutachten abzustellen sei
(
Urk.
6/50
S. 2
)
.
3.9
Dr.
A._
und lic. phil.
Z._
führte
n
mit
B
ericht vom 2
2.
April 2013
(
Urk.
3)
aus, dass
sie
den Beschwerdeführer in regelmässigen wöchentlichen bis zweiwöchentlichen Abständen gesehen und eine Psychotherapie durchgeführt
hätten
(S. 1). Es zeige sich immer klarer, dass eine tiefgreifende seelische Stö
rung vorliege, die den Lebensvollzug des Beschwerdeführers in allen Bereichen beeinträchtige und bis in die Kindheit zurückreiche. Diagnostisch spreche dies für eine Persönlichkeitsstörung. Grundlage dieser Störung seien die in Kindheit und Jugend
offenbar fast täglich erlittenen körperlichen und seelischen
Gewalttaten durch den Vater
. Die Gewalt sei willkürlich, unkontrollierbar und durch ein hohes Mass an Brutalität gekennzeichnet gewesen. Diese Störung sei
durch tiefgreifende existenzielle Ängste sowie emotionale Instabilität und Impulsivität und schwerwiegende Probleme im sozialen Kontakt gekennzeichnet
(S. 2)
.
Der Beschwerdeführer wirke vordergründig souverän, weshalb man ihn überschätze. Enge Kontakte seien für ihn nicht möglich, und in vielen emotio
nalen und sozialen Bereichen befinde er sich nicht viel weiter als damals, als die Misshandlungen begonnen hätten. Aufgrund der erlebten Kluft zu seinen Altersgenossen habe er Schamgefühle (S.
3). Der aktuelle Zustand des Beschwerdeführers sei geprägt durch Ängste verschiedenster Art (traumatische, soziale, existenzielle), durch traumabedingte Einschränkungen, körperliche Schmerzen, emotionale Schwankungen, Schlafstörungen, soziale Isolation. Es bestehe eine sehr komplexe Problematik und Symptomatik,
die therapeutisch beeinflussbar sei, aber von allen Beteiligten viel Geduld und Zeit erfordere. Aktuell und bis auf weiteres sei der Beschwerdeführer nicht arbeitsfähig. Eine dauerhafte ganze Rente sei aber nicht das Ziel, unter günstigen Bedingungen bestehe Hoffnung auf Besserung des Gesundheitszustandes (S. 5).
3.10
Den weiteren
vom Beschwerdeführer eingereichten
Arztberichten (
Urk.
6/41-43) lassen sich keine wesentlich andere Diagnosen entnehmen, und die Arbeitsfä
higkeit wird darin nicht beurteilt.
4
.
4.1
Die Würdigung der medizinischen Akten ergibt, dass das von den Ärzten des
Y._
er
stellte Gutachten vom
2.
April 2012
(
Urk.
6/
25/2-39
) mit ergänzender Stellungnahme vom
3.
Juli 2012
(
Urk.
6/
29
) für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist. Es beruht auf den erforderlichen allseitigen Unter
suchungen
,
insbesondere wurden auch eine Elektromyographie und Röntgenbil
der als Zusatzunter
suchungen
durchgeführt
(
S. 18 f.
Ziff.
4.2.3, S. 22
Ziff.
4.3.3)
. Weiter berücksichtigt
es
die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden (
S. 12
Ziff.
3.6, S. 16
Ziff.
4.2.2, S. 20 f.
Ziff.
4.3.2, S. 26 f.
Ziff.
4.4.2
), und es ist in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den Vorakten erstattet
worden
(
S. 3 ff.
Ziff.
2
, S. 15 f.
Ziff.
4.2.1, S. 24 ff.
Ziff.
4.4.1, S. 35
Ziff.
14
).
Sodann
leuchtet es in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge ein. Die von den
Gutachtern
vorgenommenen Schlussfolgerungen sind ausführlich und nachvollziehbar begründet.
So legte der psychiatrische Gutachter überzeugend dar, dass der Beschwerdeführer psychiatrisch auf jeden Fall sehr auffällig, psychodiagnostisch aber unklar sei, und dass trotz mehrfa
cher eingehender Gespräche mit dem Beschwerdeführer an verschiedenen Tagen sich keine definitive diagnostische Klärung habe herbeiführen lassen
. Damit ist auch nachvollziehbar, weshalb er sich aufgrund der Akten und der eigenen Befunde nicht auf eine einzige psychiatrische Diagnose festlegen konnte
(S. 29
Ziff.
4.4.5
, S. 37
Ziff.
16)
.
Diese
r
im Gutachten zum Ausdruck gebrachte offene Punkt weist auf eine den Beweiswert steigernde Diskussion der zu beurteilenden Fragen hin.
Das Gutachten genügt damit den praxisgemässen Anforderungen (vgl. vorstehend E. 1.
2
) vollumfänglich, weshalb darauf abzustellen ist.
4.2
Was den Bericht von lic. phil.
Z._
und
Dr.
A._
vom 2
2.
April 2013 (
Urk.
3) betrifft, so schildert dieser zwar eindrücklich die von Gewalt geprägte Kindheit des Beschwerdeführers. Davon hatten aber auch die
Y._
Gutachter
Kenntnis, und sie liessen dies bei
ihrer Beurteilung
einfliessen und d
iagnostizierten
eine
sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkende
Persönlich
keits
störung
.
Hinzu kommt, dass
Dr.
A._
als der über längere Zeit behan
delnde
Psychiater
aufgrund der durch die Behandlungsdauer entstehenden Ver
trauens
stellung eher zu Gunsten de
s
Beschwerdeführer
s
aussagen dürfte und dessen Aussagen deshalb relativierend zu würdigen sind (vgl. BGE 125 V 353 Erw. 3b/cc).
Zusammenfassend ist auf das Gutachten abzustellen und von einer Arbeits
fähig
keit von 50
%
in der bisherigen Tätigkeit im kaufmännischen Bereich oder in einer angepassten, wechselbelastenden und stressarmen Tätig
keit gemäss dem im Gutachten
und der ergänzenden Stellungnahme
genannten Belastungs
profil (vorstehend E. 3.4
-3.5
) a
uszugehen.
5.
5.1
Der Beschwerdeführer beanstandete, dass die Durchschnittslöhne seinen per
sönli
chen Verhältnissen nicht gerecht würden (
Urk.
1 S.
5
Ziff.
5
).
5.
2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des Validen
ein
kommens entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkom
mens
entwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Er
fahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fort
gesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlich
keit erstellt sein (BGE 129 V 222 E. 4.3.1 mit Hinweisen).
5.3
Aus der Erwerbsbiographie des Beschwerdeführers ist bekannt, dass er eine zwei
jährige Bürofachlehre nach einem Jahr abbrach und über keine abge
schlossene Ausbildung verfügt. Danach tätigte
d
er
Beschwerdeführer
ver
schiedene kürzere Arbeitseinsätze, meist via Temporärfirmen,
bei welchen er
jeweils tiefe
Einkommen erzielte
, und bezog
d
azwischen
Arbeitslosenentschädi
gung
. Laut
den
unbestritten gebliebenen Feststellungen im Gutachten und im Einkommensvergleich der Beschwerdegegnerin war
d
er
Beschwerdeführer
vor
wiegend im Bürobereich tätig
(
Urk.
6/1,
Urk.
6/12,
Urk.
6/25 S. 9 und 31,
Urk.
6/30).
Bereits das Ausmass der
aus dem IK-Auszug ersichtlichen
Schwankungen
und der nur über kurze Zeitabschnitte erzielten Einkommen
(
Urk.
6/1,
Urk.
6/12)
legt nahe, nicht aus diesen effektiv erzielten Einkommen auf das Valideneinkommen zu schliessen. Dazu kommt, dass nicht zuverlässig gesagt werden kann, ob die effektiv erzielten Einkommen bereits vom Gesundheitsschaden beeinflusst gewesen sind, und allenfalls in welchem Umfang.
Vor diesem Hintergrund ist es gerechtfertigt, wie von der Beschwerdegegnerin vorgenommen, auf
die höheren
Tabellenlöhne abzustellen.
Dabei ist
das Abstellen auf
die
nach Tätigkeiten
gegliederte
Tabelle
ngruppe
TA7
,
p
rivater und öffentlicher Sektor (Bund) zusammen,
und auf den Bereich
„
a
ndere kaufmännisch-administrative Tätigkeiten“ (
Ziff.
23)
nicht zu beanstan
den
. D
enn d
ies trägt dem Umstand Rechnung, dass der Beschwerdeführer laut Gutachten im Bürobereich tätig war und in diesem Bereich auch eine Fachlehre aufnahm, die er später jedoch wieder abbrach
(
Urk.
6/25 S. 9 und 31)
.
Damit erscheint überwiegend wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer im Gesund
heitsfall seine Tätigkeit in diesem Bereich fortgesetzt hätte.
Gemäss der Lohn
strukturerhebung (LSE) betrug das mittlere von Männern mit Tätigkeiten i
n diesem
Bereich
auf der untersten Anspruchsebene erzielte Einkommen im Jahr 2010
Fr.
4‘160.-- (LSE 2010, Tab. TA7,
Ziff.
23). Umgerechnet auf ein Jahr und angepasst an die branchenübliche Arbeitszeit von 41.7 Wochenstunden und die Nominallohnentwicklung von 1.0
%
im Jahr 2011 (Die Volkswirtschaft 06
2014, S. 84 f., Tab. B 9.2
und
Tab. B 10.2
) ergibt dies im Jahr 2011 rund
Fr.
52‘562
.-- (
Fr.
4‘160.-- x 12 : 40.0 x 41.7 x 1.01). Davon ist für das Validen
einkommen auszugehen.
Anzumerken ist, dass auch die Anwendung der nach Wir
t
schaftszeigen
geglieder
ten
Tabelle
ngruppe
TA3,
p
rivater und öffentlicher Sektor
(Bund)
zusammen,
zu keinem anderen Ergebnis führen würde
. Weder
mit einem
Abstellen auf
de
n
durchschnittlichen Monatslohn von
Fr.
4‘571.--
(
gesamte
r
Sektor 3 Dienstleistungen
,
Ziff.
45-96
, Niveau 4
)
,
noch
mit einem Abstellen
auf
de
n
durchschnittlichen Monatslohn von
Fr.
4‘502.--
(
sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen
,
Ziff.
77-82, Niveau 4
;
LSE 2010 S. 29)
würde
der
renten
erhöhende Invaliditätsgrad von 50
%
erreicht
.
5.4
Für
die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-er
werblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebun
gen (LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 E. 3b/aa und bb, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E.
4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom so genannten Zentralwert (Median) aus
zugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40
Wochenstunden zugrunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende betriebsübliche Wochenarbeitszeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 E. 3b/bb, 124 V 321 E. 3b/aa; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
Zur Bestimmung des Invalideneinkommens auf der Grundlage der Schweizeri
schen Lohnstrukturerhebungen des Bundesamtes für Statistik kann - aus
nahms
weise - der Lohn eines einzelnen Sektors (
„
Produktion" oder
„
Dienst
leistungen") oder gar einer bestimmten Branche hergezogen werden, wenn es als sachgerecht erscheint, um der im Einzelfall zumutbaren erwerblichen Ver
wertung der ver
bleibenden Arbeitsfähigkeit Rechnung zu tragen,
namentlich bei Personen, die vor der Gesundheitsschädigung lange Zeit im betreffenden Bereich tätig gewesen waren und bei denen eine Arbeit in anderen Bereichen kaum in Frage kommt (SVR 2008 IV Nr. 20 S. 63, 9C_237/2007 E. 5.1; Urteil des Bundes
gerichts
9C_667/2013 vom 29. April 2014 E. 5.3
).
Es besteht kein Grundsatz, wonach stets auf die Tabelle TA1 abzustellen ist. So kann es sich nach den konkreten Umständen des Einzelfalls rechtfertigen, anstatt auf die Tabelle TA1 auf die Tabelle TA7 ("Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Tätigkeit, Anforderungsniveau des Arbeitsplatzes und Geschlecht -
P
rivater Sektor und öffentlicher Sektor [Bund] zusammen") abzu
stellen, wenn dies eine genauere Festsetzung des Invalideneinkommens erlaubt und dem Versicherten der entsprechende Sektor offen steht und zumutbar ist
(SVR 2008 IV Nr. 20 S. 63, 9C_237/2007 E. 5.1).
5.5
Laut Gutachten wäre
n
dem Beschwerdeführer sowohl die bisherige als auch
eine angepasste Tätigkeit im Umfang von sechs Stunden pro Tag zumutbar, entspre
chend einer Leistungsfähigkeit von 50
%
.
An Einschränkungen nannten die Gutachter die Notwendigkeit einer körperlich rückenadaptierten Tätigkeit in Wechselhaltung mit leichter körperlicher Belastung sowie eine stressarme Umgebung, die auf die Eigenheiten des Beschwerdeführers eingehen könne, und seine Unruhe und sein Bedürfnis nach psychomotorischer Aktivität berücksich
tige.
Angesichts d
essen
steht
dem Beschwerdeführer noch eine breite Palette von Tätigkeiten offen. Es rechtfertigt sich daher,
wie von der Beschwerdegeg
nerin vorgenommen,
zur Bemessung des Invalideneinkommens auf den stan
dardisierten Durchschnittslohn für einfache und repetitive Tätigkeiten in sämtli
chen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors abzustellen (LSE 2010, Tabellen
gruppe TA1, Rubrik „Total“, Niveau 4).
Ein Abweichen von der Tabelle TA1 erscheint vorliegend nicht als
angezeigt
, denn der Beschwerdeführer war vor der Gesundheitsschädigung nicht lange im Bürobereich tätig, und Arbeiten in einem anderen Bereich
kommen - wie sich aus dem Gutachten ergibt - durchaus
in Frage.
Das im Jahr 2010 von Männern im Durchschnitt aller einfachen und repetitiven Tätigkeiten erzielbare Einkommen betrug
Fr.
4’921.-- pro Monat. Angepasst an die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 41
.
7 Stunden und der Nomi
nallohnentwicklung von 1.0
%
im Jahr 2011 (
Die Volkswirtschaft 06-2014, S.
84 f., Tab. B 9.2 und Tab. B 10.2
) sowie dem noch zumutbaren Arbeits
pensum von 50
%
ergibt sich für das Jahr 2011 ein hypothetisches Invalideneinkommen von gerundet
Fr.
31‘089
.-- (
Fr.
4‘921
.-- x 12 : 40 x 41,7 x 1,01 x 0.5).
Für einen zusätzlichen Abzug bestehen keine Anhaltspunkte,
wurde in der Arbeitsfähig
keit doch bereits die
Leistungsfähigkeit
berücksichtigt
. Somit ist das hypotheti
sche Invalideneinkommen im Jahr 2011 mit
gerundet
Fr.
31‘089
.-- zu beziffern.
5.6
Der Vergleich des Valideneinkommens von
gerundet
Fr.
52‘562.--
mit dem Invali
den
einkommen von
gerundet
Fr.
31‘089
.-- ergibt eine Einkommensein
busse von
Fr.
21‘473
.-- und damit einen Invaliditätsgrad von rund
41
%
. Somit
besteht
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
6
.
Zusammenfassend
erweist sich die angefochtene Verfügung als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7
.
7
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
7
.2
Der unentgeltliche Rechtsvertreter de
s
Beschwerdeführer
s
machte mit Honorar
note vom
1
6.
September 2014
einen Aufwand von
7.5
Stunden und Barausla
gen von
Fr.
42.--
geltend (
Urk.
14
). Beim praxisgemässen Stundensatz von
Fr.
200.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist er somit mit
Fr.
1‘665.35
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
7.3
Soweit der Beschwerdeführer im Sinne eines Eventualantrages darum ersuchte, auch für das Verwaltungsverfahren als unentgeltliche
r
Rechtsvertreter bestellt zu werden, für den Fall, dass die Beschwerdegegnerin das dort bereits gestellte Gesuch nicht bewillige (
Urk.
1 S. 3 oben),
so wird die Beschwerdegegnerin dar
über eine selbstständig anfechtbare Verfügung erlassen. Daher ist
mangels Anfechtungsobjekt
insoweit auf die Beschwerde
nicht einzutreten.