Decision ID: 3b853b52-b6e9-4cc3-94e9-645b4880e5f7
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1972
(Urk. 11/273/1-2), absolvierte in Kenia die Primar- und Sekundarschule und reiste im April 1993 in die Schweiz ein (Urk. 11/7). Am 6. August 1993 heiratete sie in
Y._
. Am 24.
Mai 1995 wurden die Kinder
Z._
und
A._
, welche laut den von der Ver
sicherten vorgelegten kenianischen Geburtsscheinen beide am 19. September 1994
in Kenia geboren worden waren, im Kanton
B._
als Nachkommen des Ehe
paars
C._
ins Familienregister eingetragen. Da
Y._
eine Inva
lidenrente bezog, führte dies zu einem Anspruch auf eine Kinderrente für die beiden Kinder (vgl. Urk. 11/177/5-6, Urk. 11/185 und Urk. 11/296/3-4). Am
25.
Januar 2000 gebar die Versicherte die Tochter
D._
(Urk. 11/163; der Name
des Vaters von
D._
ist nicht aktenkundig). Am 7. April 2006 heiratete die Versicherte
Y._
(Urk. 11/179). Im gleichen Jahr kam offenbar die gemeinsame Tochter
E._
zur Welt (vgl. Urk. 11/303/13).
1.2
Vom 23. Mai bis 31. August 1994 war die Versicherte als Zimmermädchen in einem Hotel angestellt (Urk. 11/20). Am 22. Februar 1995 wurde sie als Fuss
gängerin von einem Auto angefahren, wobei sie sich eine
Contusio
cerebri pari
e
tal rechts, eine Commotio
labyrinthis
, eine
Schädelkalottenfraktur
temporal rechts sowie multiple Kontusionen zuzog (Bericht des Kantonsspitals
F._
vom 10. März 1995 (Urk. 11/25/55-56). Vom 6. März bis 6. Mai 1995 war die Ver
sicherte in einer Bäckerei und Konditorei als Hilfsarbeiterin tätig (Urk. 11/22). Von Juli bis Dezember 1995 bezog sie Arbeitslosenentschädigung (Urk. 11/30; vgl. Urk. 11/50). Am 4. April 1996 (Eingangsdatum) meldete sie sich unter Hinweis
auf einen Bericht von Dr. med.
G._
, FMH Neurologie, vom 3.
Januar 1996 (Urk. 11/6/42-43) bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 11/7). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons
Zürich, IV-Stelle, nahm medizinische und erwerbliche Abklärungen vor und sprach
der Versicherten
mit Verfügung vom 1
9.
August 1997
ausgehend von einem
Invaliditätsgrad von 84 %,
mit Wirkung ab dem
1.
Februar 1996 eine ganze Rente
der
Eidg
. In
validenversicherung zu
(vgl. Urk. 11/50/1, Urk. 11/57
und Urk. 11/273
/1-2
).
Mit Mitteilungen vom 20. August 2001 und 26. Februar 2007 wurde der Anspruch auf eine ganze Rente jeweils bestätigt (Urk. 11/112 und Urk. 11/158).
1.3
Mit Beschluss des Bezirksrates
H._
vom 19. Februar 2008 wurde der Ver
sicherten die elterliche Sorge über die Kinder
Z._
,
A._
und
D._
entzogen. Die eingesetzte
Vormundin
liess wegen des deutlich älter erscheinen
den Aussehens von
Z._
und
A._
ein Altersgutachten für diese beiden Kinder erstellen, was zur Korrektur der Geburtsjahre auf 1989 für
Z._
und 1990 für
A._
und zum Stopp der auf der Invalidenrente von
C._
beruhenden Kinderrente führte (vgl. Urk. 11/185 und Urk. 11/296/4). In der Folge verliess die Versicherte zusammen mit ihrer Tochter
E._
die Schweiz (Abmel
dung in
H._
per 31. März 2008 nach unbekannt ins Ausland, Urk. 11/167).
In der Zeit vom 1. April 2008 bis 31. März 2009 sowie vom 1. Juni 2009 bis 31.
Januar 2011 hielt sich die Versicherte in Kenia auf, weshalb ihr
für diese Zeiten
keine Rente ausbezahlt wurde (Urk. 11/231/2
und Urk. 11/296/5
).
Im Februar 2011 kehrte sie in die Schweiz zurück (vgl. Urk. 11/179, Mitteilung vom 15. Februar 2011 betreffend Zuzug in die Gemeinde
I._
am 11. Februar 2011), woraufhin die IV-Stelle (ohne vorgängige medizinische Abklärungen) am 28. März 2011 die Wiederausrichtung der ganzen Rente ab dem 1. Februar 2011 verfügte (vgl. Urk. 11/187 und Urk. 11/197). Zuvor hatte die IV-Stelle am 1. März 2011 mit Zustellung des Fragebogens für die Revision von Invalidenrenten ein
Revisionsverfahren eingeleitet (Urk.
11/180; vgl. Urk. 11/182-184 und Urk. 11/195
). Nach weiteren Abklärungen bestätigte die IV-Stelle mit Mitteilung vom 26. Oktober 2011
den Anspruch der Versicherten auf die bisherige ganze Invalidenrente (Urk. 11/224).
1.4
Am 2
8.
November 2011 reichte die Sozialabteilung der Gemeinde
I._
der IV-Stelle eine Kopie des Reisepasses der Versicherten ein (Urk. 11/226-227).
Am 22. Mai 2012 wurde am Empfang der IV-Stelle (von einer nicht namentlich genannten Person) die Meldung gemacht, dass die Versicherte alle zwei bis drei Monate nach Kenia fliege, dort als Geschäftsfrau Geschäfte führe und ein Ein
kommen erziele (Urk. 11/248; vgl. auch Urk. 11/273).
Mit Vorbescheid vom 27. Juni 2012 stellte die IV-Stelle, unter Hinweis darauf, dass sich der Lebens
mittelpunkt der Versicherten in Kenia befinde, die rückwirkende Aufhebung der Rente per Februar 2011 in Aussicht (Urk. 11/232). Dagegen erhob die
Versicherte
am 23. Juli 2012 Einwand (Urk. 11/234), welchen sie mit Eingabe vom 7. Septem
ber 2012 e
rgänzend begründete (Urk. 11/240
). Daraufhin nahm die IV-Stelle medizinische Abklärungen vor,
namentlich
gab sie
eine
bidisziplinäre
Begutach
tung durch Dr. med.
J._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. phil.
K._
, Neuropsychologin FSP/
SVNP,
in Auftrag, welch
e
am
29. Mai 2013
erstattet wurde
(Urk. 11/303). Am 1. März 2016 zog
die IV-Stelle
eine Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) bei, wobei dieser eine psychiatrische Begutachtung bei
Dr.
med.
L._
, Fach
arzt FMH für Psychiatrie
und Psychotherapie, empfahl (Urk. 11/367/6-7
;
vgl. auch RAD-Stell
ungnahme vom 5. Juli 2013, Urk.
11/367/5-6
). In der Folge ver
anlasste die IV-Stelle im März 2016 eine psychiatrische
Begutachtung durch Dr.
L._
(Gutachten
vom 3. Oktober 2016;
Urk. 11/365). Mit Vorbescheid vom
29. Dezember 2016 wurde der Versicherten die rückwirkende Aufhebung der Rente
per Dezember 2011 in Aussicht gestellt (Urk. 11/369). Mit Verfügung vom 13. Februar 2017 wurde die Ausrichtung der Rente sodann rückwirkend per Dezem
ber 2011 aufgehoben und einer Beschwerde gegen die Verfügung die auf
schiebende Wirkung entzogen (Urk. 11/372 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 13. Februar 2017 erhob die Versicherte am 20. März 2017 Beschwerde und beantragte deren Aufhebung. Eventualiter be
antragte sie, die Sache sei in Aufhebung der Verfügung vom 13. Februar 2017 zu weiteren Abklärungen des medizinischen Sachverhaltes und zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde sowie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Bestellung eines unentgelt
lichen Rechtsvertreters in der Person von Rechtsanwalt
MLaw
Roman
Nogler
(Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 18. April 2017 schloss die Beschwer
de
gegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 10, unter Beilage ihrer Akten [Urk. 11/1-377]). Mit Zwischenentscheid vom 4. Mai 2017 wurde das Gesuch der Beschwerdeführerin um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung abge
wie
sen. Zugleich wurde der Beschwerdeführerin das Doppel der Beschwerde
ant
wort zugestellt (Urk. 12).
3.
Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG)
.
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung,
IVG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Janu
ar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.2.2
Rechtsprechungsgemäss liegt regelmässig kein versicherter Gesundheitsschaden vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation beruht. Dies trifft namentlich zu, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen oder Einschränkungen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken oder wenn schwere Einschrän
kung
en im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichendes Verhalten hin (BGE 141 V 281 E. 2.2.1, BGE 131 V 49 E. 1.2; vgl. Urteil des Bun
desgerichts 9C_899/2014 vom 29.
Juni 2015 E. 4.1 mit Hinweisen).
Eine auf Aggravation oder vergleichbaren Konstellationen beruhende Leistungs
ein
schränkung vermag einen versicherten Gesundheitsschaden nicht leichthin auszuschliessen, sondern nur, wenn im Einzelfall Klarheit darüber besteht, dass nach plausibler ärztlicher Beurteilung die Anhaltspunkte für eine klar als solche ausgewiesene Aggravation eindeutig überwiegen und die Grenzen eines bloss verdeutlichenden Verhaltens zweifellos überschritten sind, ohne dass das
aggra
va
torische
Verhalten auf eine verselbständigte, krankheitswertige psychische Störung zurückzuführen wäre (vgl. BGE 143 V 418 E. 8.2 mit Hinweis; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 6.1 und 9C_899/2014 vom 29. Juni 2015 E. 4.2).
Steht fest, dass eine anspruchsausschliessende Aggravation oder ähnliche Kon
stellation im Sinne der Rechtsprechung gegeben ist, erübrigt sich die Durch
füh
rung eines strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.2.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_899/2014 vom 29. Juni 2015 E. 4.4).
1.
3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
1.
4
.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
anspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Än
derung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs-
oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner
kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (
BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen
). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext u
nbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher Hinsicht umfassend («allseitig»)
zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3).
Dementsprechend liegt die objektive Beweislast für das Vorliegen eines Revisionsgrundes bei der IV-Stelle und für das weitere Bestehen eines invalidisierenden Gesundheitsschadens bei der versicher
ten Person (vgl. Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [ZGB]; BGE 138 V 218 E. 6; Urteil des Bundesgerichts 9C_561/2018 vom 8. Februar 2019 E. 3).
1.
4
.2
Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Abschluss des aktuellen Verwaltungsverfahrens eine anspruchserhebliche Änderung des Invali
di
täts
grades eingetreten ist, dient die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachver
haltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensver
gleichs
(bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des
Gesundheitszustands) beruht (BGE 133 V 108; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_297/2016 vom
7.
April 2017 E. 2.2, nicht publiziert in: BGE 143 V 77, aber in SVR 2017 IV Nr. 51 S. 152). Dabei braucht es sich nicht um eine formelle Ver
fügung (
Art.
49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Ren
tenrevision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
auf dem Weg der blossen Mitteilung (
Art.
51 ATSG), ist im
darauf folgenden
Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 2
9.
März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
1.
4
.3
Hinsichtlich der zeitlichen Wirkung einer Aufh
ebung bzw. Herabsetzung ist Fol
gendes zu berücksichtigen: Wenn invalidenversicherungsrechtliche Aspekte zur D
iskussion stehen, gilt es grund
sätzlich, mit Wirkung ex
nunc
et pro
futuro
einen rechts
konformen Zustand herzustellen. Die Herabsetzung oder Aufhebung einer Rente erfolgt in diesem Bereich daher in der Regel auf das En
de des der Zustellung der Verfügung fol
genden Monats. Rückwirkend wird die Rente
nur herabgesetzt oder aufge
hoben, wenn die unrichtige Ausrichtung
einer Leistung darauf zurückzu
führen ist, dass der Bezüger sie unrechtmässig erwirkt hat oder er der ihm gemäss
Art.
77
IVV
zumutbaren Meldepflicht nicht nachgekommen ist, unabhängig davon, ob die Verletzung der Meldepflicht oder die unrecht
mässige Erwirkung ein Grund für die Weiterausrichtung der Leistung war (vgl. die seit
1.
Januar 2015 geltende Fassung von
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. b IVV
; vgl. BGE 142 V 259 E. 3.2.1
). T
rifft dies zu, sind solcherart wider
rechtlich bezogene Leistungen gemäss den Vorgaben von
Art.
25 ATSG
zurück
zuerstatten (Urteile des Bundes
gerichts 9
C_491/2012 vom 22. Mai 2013, E.
2.2 und 8C_191/2013 vom 1
6.
August 2013, E. 4.3).
Gemäss
Art.
77 IVV haben die Vers
icherten jede für den Leistungsanspruch wesentliche Än
derung, unter anderem eine solche des Gesundheitszustandes, der Arbeits- oder Erwerbsfähigkeit sowie gegebenenfalls der wirtschaftlichen Ver
hält
nisse unverzüglich der IV-Stelle anzuzeigen.
Für den Tatbestand der Meldepflichtverle
tzung ist ein schuldhaftes Fehlverhal
ten erforderlich, wobei nach ständiger Rechtsprechung bereits eine leichte Fahrlässig
keit genügt (BGE 118 V 214 E. 2a; SVR 2012 IV Nr. 12 S. 61 E. 4.2.1; Urteile des
Bundesgerichts 9C_245/2012, E. 4.1 und 8C_127/2013 vom 22. April 2013, E. 4.1
).
1.
5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des
strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der ge
stellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psy
chischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind,
dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte
oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.
1
Die Beschwerdegegnerin begründete
die
rückwirkende Renteneinstellung
per Dezember 2011
im Wesentlichen
damit, dass
– gestützt auf das psychiatrische Gutachten von Dr.
L._
vom 3. Oktober 2016 –
auf eine erhebliche Verbesse
rung der gesundheitlichen Situation zu schliessen sei
.
Da es die Beschwerde
füh
rerin unterlassen habe, über die offensichtliche Verbesserung ihrer Gesundheit und ihr tatsächliches Leistungsniveau zu orientieren, habe sie ihre Meldepflicht verletzt.
Eine rückwirkende Einstellung sei maximal 5 Jahre möglich, d.h. im vorliegenden Fall per Dezember 2011
(Urk. 2)
.
2.
2
Demgegenüber
bezeichnete
die Beschwerdeführerin das
Gutachten von Dr.
L._
– aus diversen Gründen
–
als
nicht beweiskräftig und nicht nachvoll
ziehbar. Vielmehr
sei
auf das Gutachten von
Dr.
J._
und Dr.
K._
vom 29. Mai 2013 abzustellen, was
zur Bejahung des Rentenanspruch
s führe. Eine Verbesserung des Gesundheitszustandes seit dem Jahr 2013 sei sodann auch dem Gutachten von Dr.
L._
nicht zu entnehmen
.
Zusammenfassend habe sich der Gesundheitszustand nachweislich nicht verbessert, weshalb sie auch keine Verletzung ihrer Meldepflicht habe begehen können. Es liege nach wie vor ein
invalidisierender Gesundheitsschaden vor.
Gestützt auf die Resultate der Begut
achtung aus dem Jahr 2013 könne auf jeden Fall – zumindest nicht mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit – nicht von einer Verbesserung des Gesundheits
zu
standes vor diesem Zeitpunkt ausgegangen werden (Urk
.
1 S. 8-10).
3.
3.1
Ob eine revisionsrechtlich relevante Veränderung eingetreten ist, ergibt sich aus dem Vergleich des Sachverhalts, wie er zum Zeitpunkt der erstmaligen
Rentenzu
sprache
am
19. August 1997
(Urk.
11/57
) bestand – da im Rahmen der Renten
bestätigungen am
20. August 2001
(Urk.
11/112
),
26. Februar 2007
(Urk.
11/158
)
und 26. Oktober
2011 (
Urk. 11/224)
nur eine rudi
men
täre Prüfung erfolgte – mit demjenigen, welcher der hier angefochtenen Verfügung vom
13. Februar 2017
(Urk. 2) zugrunde liegt.
3.2
Die Rentenverfügung vom 19. August 1997, mit welcher die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin, ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 84 %, eine ganze Rente zugesprochen hatte (Urk. 11/57), basierte in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf dem Bericht des
M._
vom 20. Februar 1997 (Urk. 11/39; vgl. Urk. 11/50/2; zu den Vorberichten vgl. die Aktenzu
sammen
fassungen in Urk. 11/303/4-10 und Urk. 11/365/10-19). Darin
wurden folgende Diagnosen gestellt
(Urk. 11/39/4):
-
Status nach Schädel-/Hirntrauma mit
Contusio
cerebri 2
2.
Februar 1995
-
kognitive Leistungseinbussen vor allem
fronto
-temporal
-
muskuläre
Dysbalance
-
reaktive Depression
-
Status nach Spontanabort Oktober 1996
Die Versicherte leide seit dem Unfall an chronischen Kopfschmerzen, Gedächtnis
störungen und Affektlabilität. Zudem würden intermittierend Schwindelattacken auftreten.
Zweimalige neuropsychologische Beurteilungen in den Jahren 1995 und 1996 (vgl. Berichte der Neurologischen Poliklinik des
M._
vom 23. November 1995 und 2. Dezember 1996, Urk. 11/29/6 und Urk. 11/25/78-79) hätten neuro
psychologische Defizite im
fronto
-temporalen Bereich ergeben, wobei vor allem das auditiv-verbale und figürliche Lernen sowie das Erinnerungsvermögen, die spontane Ideenproduktion sowie konzeptionelle Denkfähigkeiten reduziert gewe
sen seien. Aufgrund der Affektlabilität komme es seit dem Unfallereignis im Zu
sammenleben zu Schwierigkeiten. Seit dem Unfallereignis sei es im Weiteren zu einem chronischen Schmerzsyndrom und, aufgrund der schwierigen psychoso
zialen und finanziellen Situation, zu einer depressiven Symptomatik gekommen, welche allenfalls medikamentös und
physiotherapeutisch sowie durch soziale Unterstützung beeinflusst werden könnten. Der weitere Verlauf der kognitiven Leistungseinbusse lasse sich jedoch nur schwierig voraussagen. Jedenfalls bestehe
z
u aktuellem Zeitpunkt aufgrund der erwähnten Leistungseinbussen und der Affektlabilität für eine Tätigkeit als Hilfskraft (Zimmermädchen oder Ladenhilfe), welche die Versicherte vor dem Unfallereignis ausübte, eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit. Es sei von einem
stationären Gesundheitszustand
auszugehen, eine berufliche Eingliederung wäre nur in einem geschützten Rahmen möglich
. Eine Tätigkeit in geschütztem Rahmen mit grossem Verständnis für verlangsamte Reaktion und verlangsamtes Denken bzw. Handlungsplanung wäre der Versicher
ten wahrscheinlich zu ca. 50 % zuzumuten
(Urk. 11/39/
3-4
).
3.3
3.3.1
Im Rahmen des Rentenrevisionsverfahrens holte die Beschwerdegegnerin insbe
sondere
das
bidisziplinäre
Gutachten
von Dr.
J._
und Dr.
K._
datierend
vom
29. Mai 2013 (Urk. 11/303) sowie
das psychiatrische
Gut
achten von Dr.
L._
vom 3. Oktober 2016 (Urk. 11/365) sowie Stellungnahmen des RAD (Urk. 11/367/5-7) ein.
Die
se
Gutachten
halten im Wesentlichen die nachfolgenden Punkte fest:
3.3.2
I
m
bidisziplinären
Gutachten von Dr.
J._
und Dr.
K._
vom 29. Mai 2013
stellten
die Gutachterinnen – gestützt auf die
Untersuchungen in den Fachgebieten Psychiatrie und Neuro
psychologie
–
in ihrer Gesamtbeurteilung folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 11/303/31):
-
Schwere kognitive Funktionsstörung ohne
hirnlokalisatorischen
Schwerpunkt
-
Organische wahnhafte
schizophreniforme
Störung (ICD-10 F06.2)
-
Organische Persönlichkeitsstörung (F07.0)
-
Organisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma (F07.2)
Zudem wurde folgende Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ge
stellt (Urk. 11/303/31):
-
Asthma bronchiale
Aus psychiatrischer Sicht werde, d
a die Störung im Anschluss an den Unfall aufgetreten sei, die
Diagnose einer organischen
schizophreniformen
Störung (F06.2) gestellt. Die Wesensveränderung nach dem Unfall sei als Persönlichkeits- und Verhaltensstörung aufgrund einer Schädigung des Gehirns, gemäss ICD-10 F07, zu beurteilen, wobei die Kriterien sowohl für F07.0, eine organische Persön
lichkeitsstörung, als auch F07.2
,
ein organisches Psychosyndrom nach Schädel
hirntrauma, er
füllt seien.
Die festgestellten Störungen führten in ihrer vorlie
gen
den Ausprägung zu einer wesentlichen Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit.
Auf
grund einer verminderten Stress- und Frustrationstoleranz im Rahmen der wahnhaft-paranoiden Informationsverarbeitung und der gezeigten
Aufmerksam
keits
-, Auffassungs- und Gedächtnisdefizite bestehe eine deutlich verminderte Leistungsfähigkeit. Die wahnhaften Symptome liessen die Tätigkeit an einem nicht geschützten Arbeitsplatz als für einen Arbeitgeber nicht zumutbar erschei
nen. Deshalb werde
aus psychiatrischer Sicht
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
attestiert
. Jedoch wäre eine einfache Tätigkeit ohne Leistungsdruck in einem geschützten Rahmen im Umfang von zeitlich bis etwa 50 % möglich
(Urk. 11/303/21-
22).
In der neuropsychologischen Untersuchung
hätten
sich über alle geprüften kogni
tiven Funktionsbereiche erhebliche, zum Teil massive Leistungsminderungen
mani
festiert
. Sowohl in den spezifischen Konzentrations- und Aufmerksam
keits
funktionen als auch in der Merkfähigkeit und im Lern- und Neugedächtnis
vermögen, im Bereich der exekutiven Funktionen sowie bei visuell-räumlichen und konstruktiv-praktischen Aufgaben. Die Beschwerdeführerin sei selbst über einfachste Aufgaben nicht hinausgekommen bzw. habe angegeben, mit den Auf
gaben überfordert zu sein.
Verglichen mit den Befunden der vorangegangenen neuropsychologischen Untersuch
ungen im
M._
(Bericht vom 23. November 1995 und 2. Dezember
1996) manifestierten sich auch heute auffällig verminderte Leis
tungen im Bereich des Gedächtnisses und des konzeptionellen Denkens. Die Leistungsminderungen im Lern- und Neugedächtnis stellten sich heute jedoch deutlich akzentuierter dar. Eine solche gravierende Verschlechterung der kogni
tiven Befunde sei aufgrund der Aktenlage und der anamnestischen Angaben aus rein neuropsychologischer Sicht kaum erklärbar
. Es müsste ein Verdacht auf ein demenzielles Geschehen
angenommen werden, was aufgrund des Lebensalters der Patientin jedoch eher unwahrscheinlich sei. Zudem müsste sich eine demenzielle Entwicklung organisch-hirnbildgebend manifestieren. Anlässlich einer Schädel-MRI-Untersuchung vom 1
0.
September 2012 seien die kernspintomographischen Befunde jedoch als unauffällig beurteilt worden
. Möglicherweise seien die kogni
tiven Befunde jedoch aufgrund der in der Klinik
N._
diagnostizierten wahn
haften Störung so massiv überlagert, dass eine neuropsychologische Verwertbar
keit der Befunde dadurch verunmöglicht werde. Dies müsse jedoch von psy
chia
trischer Seite beurteilt werden. Ansonsten müsste man beim Zustandekommen der heutigen Befunde von einer deutlichen Aggravationsneigung ausgehen
(Urk. 11/303/29
-30
).
Im Rahmen der zusammenfassenden Gesamtbeurteilung hielten die Gutachte
rinnen u
nter Hinweis darauf, dass es sich um eine Rentenrevision handle
fest
,
das
s
die bisherige 100%ige Arbeitsunfähigkeit weiterhin
bestehe
, wobei im Wesent
lichen die aus den Akten ersichtlichen Diagnosen bestätigt worden seien. A
uch
wenn
die gezeigten kognitiven Einschränkungen vor allem in der neuropsy
cho
logischen Untersuchung auf eine Simulation hinweisen würden,
sei
eine solche aufgrund der
fremdanamnestischen Angaben
mit einer beständig vorhandenen entsprechenden Symptomatik über Jahre wenig wahrscheinlich. Eine psychiatri
sche Behandlung, möglichst mit beschäftigender Tagesstruktur werde empfohlen. Eine auf dem Arbeitsmarkt verwertbare Arbeitsfähigkeit werde aber auch dadurch kaum erreicht werden können (Urk. 11/303/30).
3.3.3
Mit Stellungnahme vom 5. Juli 2013 äusserte s
ich RAD-Arzt Dipl. med.
O._
, Facharzt FMH für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, – im Rahmen einer Aktenbeurteilung – unter anderem zum
bidisziplinären
Gutachten vom
29. Mai
2013 (Urk. 11/367/5-6). Das Gutachten erfülle zwar die formalen Qualitätskriterien, sei jedoch in seiner Arg
umentation und Schlussfolgerung
zu wenig differenzi
ert, insbesondere auch wegen des
gegen die
Beschwerdeführerin
vorliegenden Verdachtes eines IV-Missbrauches. So würden die gravierenden neuropsychologischen Befunde kaum in Bezug zum Dossier diskutiert.
Glaube man der Neuropsychologie, so wäre eine massive Verschlechterung der Beschwer
den eingetreten, da das gezeigte Bild einer schweren Demenz oder einer unfall
bedingten St
örung entsprechen würde. Gegen l
etztere spreche, dass eine generalisierte Verschlechterung zu sehen und nicht einer Hirnregion zuzuordnen sei. Auch entspreche das Bild nicht der Beschreibung während des Klinikauf
enthaltes und es sei nicht damit vereinbar, d
ass die Versicherte alleine lebe
, Spaziergänge untern
ehme
, sich Mahlzeiten zubereite und wieder
Kontakt zu ihrer Tochter aufnehme
. Alles in allem sei doch von einer erheblichen Aggravation, wenn nicht sogar Simulation der Beschwerden auszugehen. Zusammenfassend sei das
bidisziplinäre
Gutachten aus medizinischer Sicht zu wenig plausibel, die Neuropsychologie und die Symptomvalidierung zu wenig berücksichtigt im Ge
samt
kontext. Somit könne der Missbrauchsverdacht weder bestätigt noch wider
legt werden (Urk. 11/367/5-6).
3.
3
.4
Dr.
L._
stellte
im
psychiatrischen Gutachten vom 3. Oktober 2016 keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
Er
nann
t
e
folgende
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 11/365/9):
-
Gemäss Akten Status nach Schädelhirntrauma vom 2
2.
Februar 1995:
-
m
it
Schädelkalottenfraktur
und
Contusio
cerebri rechts parietal
-
m
it posttraumatischen chronischen Kopfschmerzen
In der aktuellen Untersuchung habe die Beschwerdeführerin als Hauptbe
schwer
den Kopf- und Knieschmerzen genannt. In der systematischen Befragung habe
sie noch Vergesslichkeit, fragende akustische Halluzinationen, ein Gefühl der Gefühllosigkeit, Freudverlust, Antriebsminderung und Gleichgültigkeit angege
ben. Essen sei ihr egal. Es bestehe keine Libido. Es sei ein sozialer Rückzug vorhanden. Im direkten Kontakt gebe sie sich verlangsamt, depressiv und des
orien
tiert. Sie könne kaum zählen (bis 7), habe Mühe anzugeben, wie viele Kinder sie habe, kenne die Hauptstadt von Kenia nicht, wisse ihren Geburtsort nicht, verneine jedes Zeitgefühl. Das Aktivitätsniveau sei nicht
erfragbar
gewesen. Mimisch-gestische Hinweise auf Kopfschmerzen habe es während der fast drei
stündigen Exploration nicht gegeben. Gleiches gelte für die geltend gemachte Knieproblematik, welche beim Gehen im Gang, trotz des vorgängig langen Sitzens, nicht aufgefallen sei (Urk. 11/365/8-9; vgl. Urk. 11/365/6-7).
Im Rahmen der von ihm vorgenommenen versicherungsmedizinischen Beurtei
lung hielt Dr.
L._
unter dem Titel «Konsistenz» unter anderem fest, die
Beschwerdeführerin könne offenbar nur mit Mühe und Fingerhilfe bis Sieben zählen, gehe nicht alleine einkaufen, benötige für den Umgang mit Geld die Hilfe ihres Partners, etc. Nach der vorzeitig beendeten Exploration
habe
sie aber ohne Koordination mit ihrem Partner die Praxis verlassen und mit ihm zusammen
treffen
können
, obwohl vereinbart gewesen sei, dass der Partner sie um 12 Uhr wieder abholen würde. Das habe nicht zur in der Exploration gezeigten Hilflosig
keit gepasst.
Sie sei auch diskrepant zur Vorstellung, dass die Beschwerdeführerin Ende Juli alleine nach Kenia geflogen sei und sich vor Ort längere Zeit ohne Partner, ihre einzige Bezugsperson, habe aufhalten können. Insgesamt müsse man von mehr als 30 Reisen nach Kenia ausgehen. Eine davon sei Hals über Kopf, ohne Wissen des damaligen Ehemanns, also auch ohne dessen praktische Hilfe geschehen. Die Organisation solcher Flugreisen sei mit dem in der Exploration demonstrierten Leistungsvermögen schwerlich vereinbar. Die vielen Flugreisen
,
die einen hohen praktischen Aufwand beinhalteten (Tickets, Einchecken, Koffer packen, Fremdwährung bestellen, Impfstatus, etc.)
,
habe die Beschwerdeführerin nach ihren eigenen Angaben nur durchgeführt, um dann dort genauso inaktiv wie daheim zu leben, ohne Ziele und Interessen. Das sei nicht glaubhaft für jemanden mit einer Depression, dem alles egal sei, der an nichts mehr Freude habe, unter starken Kopfschmerzen leide und keine Energie habe.
Selbst unter der Annahme einer schweren psychiatrischen Erkrankung wären die von der
Be
schwerdeführerin
gezeigten Einschränkungen nicht nachvollziehbar.
Diese Ein
schrän
kungen wären nur mit einer schwersten Demenz vereinbar. Eine solche liege aber nicht vor. Die Beschwerdeführerin habe die Einschränkung ihres Leis
tungsvermögens in seiner Untersuchung deutlich
aggraviert
.
Die Beschwerdeführerin habe keinerlei Zeitangaben machen können. Nu
r einmal habe sie auf die Frage
, wann sie ins Bett gehe
, 22 Uhr geantwortet und auf 21
Uhr
relativiert. Dann habe sie keine Zeitangaben mehr machen können. Dass sie plötzlich spontan 22 Uhr habe sagen können, danach wieder alle Zeitangaben vermieden habe, sei
für ihn
ein
Hinweis
auf täuschendes Verhalten gewesen.
Sodann habe sie ihm auf seine ursprüngliche Einladung hin schriftlich mitgeteilt, dass sie zu den von ihm vorgeschlagenen Terminen vom 25./26. Juli 2016 «nicht in der Schweiz sein werde». In der Exploration habe sie angegeben, nie in die Ferien zu gehen. Aus ihren weiteren Angaben gehe jedoch hervor, dass sie im Juli 2016 in Kenia gewesen sei. Dass sie diesen Heimaturlaub weder konkret beschreiben noch zeitlich eingrenzen könne, sei psychiatrisch schwer nachvoll
ziehbar. Auffällig sei für ihn gewesen, dass die Beschwerdeführerin keine konkre
ten Angaben zu ihrem Alltag habe machen können, abgesehen von kochen, putzen und stricken. Sie habe angegeben, im Wald zu spazieren, um dort mit ihren fragenden Stimmen zusammen zu sein. Auch zu ihren Aktivitäten habe sie sich nicht äussern können. Da er dieses Unvermögen nicht mit einer psychia
tri
schen Störung erklären könne, sei es für ihn ein starker Hinweis auf Aggravation und Simulation. Sodann habe die
Beschwerdeführerin noch etwas si
lbrigen Glitter auf den Augenli
dern gehabt. Sie habe sich nicht für die Exploration geschminkt, sondern den Augenglitter nicht vollständig entfernt. Offenbar sei sie am Vorabend der Untersuchung geschminkt gewesen und habe die Schminke für die Untersuchung entfernen wollen. Das stehe im Widerspruch zum präsentierten depressiven Verhalten. Eine schwer depressive Person, der alles egal sei, würde sich nicht mit Glitter
schminken. Auffällig sei auch gewesen, dass die Beschwer
deführerin keine Fremdanamnese gewünscht habe.
Explorandinnen mit einem depressiv-apathischen Syndrom würden normalerweise einwilligen, dass der Part
ner befragt werde, in der Hoffnung, dieser könnte für sie eintreten.
Die Beschwerdeführerin hab das abgelehnt und habe länger überlegen müssen, warum sie das nicht möchte. Dies habe auf ihn intransparent gewirkt
(Urk. 11/365/20-22).
Nebst diesen Inkonsistenzen im Rahmen der eigenen Untersuchung seien auch
Inkonsistenzen in Bezug auf die Akten f
estzustellen
.
Das Bild, welches die mel
den
de Person (vgl. Sachverhalt Ziffer 1.3), mutmasslich der Stiefbruder der Be
schwerdeführerin, von ihr gezeichnet habe, sei zwar fraglos nicht mit den akten
kundigen Diagnosen vereinbar. Die Angaben dieser Person stellten jedoch keine sichere Quelle dar. Eine sichere Quelle scheine ihm aber das Sozialamt zu sein, welches durch ein Altersgutachten habe aufdecken können, dass die Kinder (
A._
und
Z._
) vier Jahre älter als von der Beschwerdeführerin angegeben seien (vgl. Sachverhalt Ziffern 1.1 und 1.2) und sie d
amit offensichtlich versucht hab
e, ihrem frisch geheirateten Ehemann Kinder aus anderen Beziehungen unter
zuschieben. Eine weitere sichere Quelle scheine das aktenkundige Gerichtsurteil
von Kenia vom 24. Dezember 2012 (vgl. Urk. 11/125) zu sein, da die Beschwer
deführerin dort einvernommen worden sei und ihre eigenen Angaben im Ge
richts
urteil wiedergegeben worden seien. Diese stünden im krassen Widerspruch zu dem kurz vorher gezeigten Verhalten anlässlich der
Hospitalisation
in der
P._
2012 wie auch aktuell in seiner Exploration (Urk. 11/365/22-23).
Aus seiner Sicht habe die Beschwerdeführerin
ihre Krankheitsrolle benutzt, um ihre Rentenansprüche zu erhalten. Dazu gehörten auch die dokumentierten
Hos
pitalisationen
. In keiner dieser
Hospitalisationen
sei eine ernsthafte intrinsische Therapiemotivation erkennbar gewesen. Die Angaben seien insgesamt sehr inkon
sistent gewesen.
Aus seiner Sicht lägen
Aggravatien
und Simulation vor.
Es könne keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, weder in angestammter noch in
angepasster Tätigkeit, aufgrund einer psychiatrischen Störung objektiviert werde
n
(Urk. 11/365/23; vgl. auch Urk. 11/365/7, Urk. 11/365/9 und Urk. 11/365/26).
3.3.5
Mit Stellungnahme vom 11. Oktober 2016 bezeichnete RAD-Arzt Dr. med.
Q._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, das psychiatrische Gutachten von Dr.
L._
vom 3. Oktober 2016 als insgesamt schlüssig und nach
vollziehbar sowie in seinen Feststellungen plausibel, weshalb darauf abge
stützt werden könne. Der Gutachter habe
darin
ausführlich und plausibel zu Inkonsistenzen Stellung genommen (Urk. 11/367/7).
4.
4.1
Das
psychiatrische
Gutachten
von Dr.
L._
vom 3. Oktober 2016
beruht auf einer fachärztlichen Untersuchung
(
Urk. 11/365/2-7) und wurde in Kenntnis der
und – einlässlicher – Auseinandersetzung mit den
Vo
rakten
erstattet (Urk. 11/365
/2 und
Urk. 11/365/10-19). Der Gutachter berück
sichtigte die ge
klagten Beschwerden und setzte sich mit diesen sowie dem Ver
halten der Beschwerdeführerin auseinander (Urk. 11/365/4-7). Im Weiteren legte Dr.
L._
die medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtend dar und begrün
dete seine Schlussfolgerungen
nachvollziehbar, wobei er sich an den Standard
indikatoren gemäss BGE 141 V 281 (vgl. E. 1.2.1) orientierte (Urk. 11/265/2 und 11/265/19-25). Das Gutachten von Dr.
L._
erfüllt damit grundsätzlich die recht
sprechungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräftige ärztliche Ent
schei
dungsgrundlage (vgl. E. 1.5).
Das Gutachten von Dr.
L._
beinhaltet
insbesondere
auch
eine
eingehende
Auseinandersetzung mit den bei den Akten liegenden
elementaren
Arztberichten
mitsamt psychiatrischen Symptomen und Diagnosen seit dem Jahr 1995
(vgl. Urk. 11/365/8 und Urk. 11/365/23-25).
Dr.
L._
stellte dabei fest, dass bis zum Bericht der Neurologischen Poliklinik des
M._
vom 2. Dezember 1996 (vgl. Urk. 11/365/78-79) alles nachvollziehbar sei. Erst mit dem gutachterlichen Bericht der Neurologischen Poliklinik vom 6.
September
1999 (vgl.
Urk. 11/156/2-13) gebe es klare Hinweise auf eine Aggravation und Simulation. Mit Blick darauf, dass die Beschwerdeführerin kurz nach der gutachterlichen Exploration nach Kenia geflogen sei, könne er die gutachterliche Diagnose einer progredienten posttraumatischen Psychose mit läppischem Verhalten, auditiven Halluzinationen und intermittierendem
Mutismus
(vgl. Urk. 11/156/11) nicht nachvollziehen. Gleiches gelte für die Berichte der
P._
vom 17. September 1999 betreffend den dortigen Aufenthalt der Beschwerdeführerin vom 7. bis 15. Septem
ber 1999 (vgl. Urk. 11/156/14-15) und von Dr. med.
R._
von der Suva vom 7. Februar 2000 (vgl. Urk. 11/156/16-19); aus seiner Sicht seien die darin beschriebenen psychiatrischen Störungen nicht authentisch. Im Bericht (von Dr. med.
S._
) vom 7. November 2006 (vgl. Urk. 11/155) werde behauptet, es sei kein selbständiges Leben möglich; die Beschwerdeführerin sei aber in unmittelbarer Nähe zum Bericht nach Kenia gereist. Der Bericht (vom 10.
Oktober
2012) über die
Hospitalisation
in der Klinik
N._
vom 2. September bis 8. Oktober 2012 (vgl. Urk. 11/308/2-5; vgl. Urk. 11/241) zeige ein relativ hohes Funktionsniveau bzw. die Beschwerdeführerin habe hier nicht übermässig
aggraviert
/simuliert; zumindest erwähne der Bericht keine Fehlleis
tungen wie nicht zählen können etc. Die Beschwerdeführerin sei gerade aus einem 5-wöchigen Aufenthalt aus Kenia zurückgekommen und habe erstaunlich
detaillierte Angaben zum Familienkonflikt einschliesslich der Konfliktsituation mit dem Stiefbruder machen können. Diese Konfliktsituation habe vom Behandler nicht objektiviert werden können und sei fälschlicherweise als wahnhaftes Erle
ben interpretiert und
neuroleptisch
behandelt worden. Das spätere Gerichtsurteil vom 24. Dezember 2012 (vgl. Urk. 11 /125) zeige aber, dass hier keine wahnhafte Störung vorgelegen habe. Im Bericht der Privatklinik
N._
(vom 13.
Dezember 2012) über die
Hospitalisation
vom 6. bis 30. November 2012 (vgl. Urk. 11/308/9-11) werde eine relativ glaubhafte psychotische Symptomatik beschrie
ben, die unter
Seroquel
vollständig abgeklungen sei. Ob hier allenfalls eine Psychose vorgelegen habe, sei retrospektiv schwer zu beurteilen. Falls ja, habe sie offenbar gut auf
Seroquel
angesprochen. Umgekehrt würde das bedeuten,
dass, sofern die Beschwerdeführerin neben ihrem Täuschungsverhalten auch ec
hte psychotische Symptome erlebe, diese gut behandelbar wären (Urk. 11/365/24-25). Die für ihn wichtigste Referenz sei das psychiatrische Gutachten vom 29. Mai 2013 (Urk. 11/303). Das Problem des Gutachtens sei, dass die Kollegin die Möglichkeit von Aggravation/Simulation nicht ernsthaft geprüft habe (Urk. 11/365/25-26). Damit hat Dr.
L._
durchaus nachvollziehbar dargelegt, weshalb er insbesondere auch die in den besagten Berichten der Neurologischen Poliklinik und der
P._
im Jahr 1999 und in den Berichten der Privatklinik
N._
im Jahr 2012 vorgenommenen Beurteilungen nicht bestätigen kann. Ohnehin bildet die
Auswahl der relevanten
Vorakten
Bestandteil
seines
gutach
terlichen Ermessens (Urteil des Bundesgerichts 9C_531/2007 vom 3. Juni 2008 E. 2.2.1). Der diesbezügliche Einwand der Beschwerdeführerin (vgl. Urk. 1 S. 8-9 N 19-20) erweist sich damit als
unzutreffend
.
4.2
Dahingegen erweist sich d
as Gutachten von Dr.
J._
und Dr.
K._
vom 29. Mai 2013
nicht als schlüssig. Insbesondere wurde darin
– wie Dr.
L._
zu Recht kritisierte -
die Möglichkeit von Aggravation und Simulation nicht ernsthaft geprüft.
Dies
,
obwohl die Gutachterinnen anlässlich der Explo
rationen deutliche Anzeichen
dafür
festgestellt haben
:
Im Rahmen der neuro
psychologischen Untersuchung erzielte die
Beschwerdeführerin
laut Gutachten
in der CERAD Testbatterie im Untertest Mini Mental State
Examination
einen deutlich auffallenden
Score-Wert von 9, wobei
Werte kleiner als 27 (von 30) als leichte kognitive Beeinträchtigung, Werte kleiner als 23 als demenzverdächtig und Werte kleiner/gleich 17 bereits als manifeste Demenz
gelten
.
Die
Ergebnisse in der Bremer Symptomvalidierung (BSV)
sei
en
ebenfalls höchst auffäl
lig
gewe
sen
. Die Beschwerdeführerin
habe
59 Fehlreaktionen
produziert
, wobei Werte grösser als 4 in diesem Verfahren mit 95%iger Sicherheit als Beweis eines Aggra
vationsversuchs gelten würden. Im Rey Memory Test, welcher das Reproduzieren von 1
5 verschiedenen Zeichen verlange
,
hab
e
die Beschwerdeführerin 2 Zeichen
reproduzieren
können
, wobei
w
eniger als 10 Zeichen in diesem Verfahren als auffällig g
ä
lten (Urk. 11/303/28).
Anlässlich der psychiatrischen Untersuchung stellte Dr.
J._
schlechte Erinnerungsleistungen, auch bezüglich Erinne
rungen, die üblicherweise selbst bei schwereren Beeinträchtigungen erhalten seien, wie z.B. eigenes Geburtsdatum oder Geburtsjahre der Kinder, fest.
Dies sei
auffallend, rein organisch bei dem nicht sehr schweren Schädelhirntrauma wahr
schei
nlich nicht erklärbar und würde
wie ei
n Nicht-Erinnern-Wollen anmuten (Urk. 11/303/21-22).
In der zusammenfassenden
Gesamtbeurteilung wird
dargelegt, die gezeigten kog
ni
tiven Einschränkungen würden vor allem in der neuropsychologischen Unter
suchung auf eine Simulation hinweisen.
A
ufgrund
der fremdanamnestischen
Angaben
des Sohnes der Beschwerdeführerin (vgl. Urk. 11/303/22)
mit einer beständig vorhandenen entsprechenden Symptomatik über Jahre
wurde
eine Simulation aber
als
wenig wahrscheinlich
abgetan
(Urk
.
11/303/30).
Dem ist
einerseits entgegenzuhalten, dass
Aussagen eines Familienmitglieds einer ver
sicherten Person gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht geeignet sind, etwas zum Gesundheitszustand, vor allem in Bezug a
uf die Aggravation, beizu
tragen;
dieser
ist
anhand von spezialärztlichen Einschätzungen zu ermitteln
(Urteil des Bundesgerichts 9C_659/2017 vom 20. September 2018 E. 5.3 mit Hin
weisen).
Die fremdanamnestischen Angaben des Sohnes vermögen die gezeigten erheblichen Aggravationstendenzen folglich nicht zu entkräften.
Andererseits erweist sich das Gutachten insofern als widersprüchlich, als
im Bereich der Neuropsychologie eine gravierende Verschlechterung der kognitiven Befunde fest
gehalten
(vgl.
Urk.
11/303/
29-30
)
,
in der Gesamtbeurteilung eine Simulation aber insbesondere
gestützt auf eine
beständig vorhandene Symptomatik
verneint wurde
.
Das Gutachten vermag folglich keine Erklärung dafür zu liefern, weshalb
– trotz eindeutigen Testergebnissen und keiner sonstigen medizinischen Begrün
dung – keine Aggravation bzw. Simulation
vorgelegen hat
.
A
uch RAD-Arzt
O._
gelangte
in seiner Stellungnahme vom 5. Juli 2013
zum Schluss
,
dass
im Gutachten die Neuropsychologie und Symptomvalidierung im Gesamtkontext zu wenig berücksichtigt worden seien. Das
Gutachten
sei
aus medizinischer Sicht zu wenig plausibel (vgl. Urk. 11/367/6).
Aufgrund
der aufgezeigten Mängel
ist das
b
idisziplinäre
Gutachten von Dr.
J._
und Dr.
K._
nicht geeignet, das psychiatrische Gutachten von
Dr.
L._
in Zweifel
zu
ziehen
.
Weitere medizinische Abklärungen erübri
gen sich vor diesem Hintergrund.
4.3
Wie dargelegt liegt keine versicherte Gesundheitsschädigung vor, wenn die Leis
tungseinschränkung auf Aggravation oder ähnlichen Konstellationen beruht
(vgl. E. 1.4)
. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung trifft dies namentlich bei einer erheblichen Diskrepanz zwischen den geschilderten Beschwerden und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese zu. Derartige Diskrepanzen sind vorlie
gend
in hohem Ausmass auszumachen
und wurden von Dr.
L._
in seinem Gutachten
eingehend
abgehandelt
(
vgl.
E. 3.3.4
)
.
Besonders hervorzuheben
ist
dabei
, dass sich d
ie Beschwerdeführerin
gegenüber Dr.
L._
als in grossem Masse hilflos
präsentierte. So
konnte
sie
nur mit Mühe un
d Fingerhilfe bis s
ieben zählen und gab unter anderem an
,
nicht
alleine einkaufen
zu gehen
sowie
für den Umgang mit Geld die Hilfe ihres Partners
zu benötigen. Die
se
anlässlich
der Exploration
gezeigte
Hilflosigkeit ist nicht damit zu vereinbaren, dass die
Beschwerdeführerin
n
ach der vorzeitig beendeten Explo
ration ohne Koordination mit ihrem Partner die Praxis verlassen
hat
und mit ihm zusammentreffen
konnte
, obwohl vereinbart gewesen
war
, dass der Partner sie um 12 Uhr wieder abholen würde.
Die demonstrierte Hilflosigkeit
steht auch in
klarem
Widerspruch zu den zahlreichen Reisen der
Beschwerdeführerin
nach Kenia, vor der Exploration letztmals im Juli 2016, und dem längerdauernden dortigen Aufenthalt ohne ihre
angeblich
einzige Bezugsperson.
Ebenso uner
klärlich blieb
, dass die
Beschwerdeführerin
gegenüber dem Gutachter
angab, keinerlei Zeitangaben machen zu können, auf die Frage wann sie ins Bett gehe aber mit 22 Uhr
antwortete
und auf 21 Uhr relativiert
e
um
danach wieder sämtliche Zeitangaben
zu vermeiden
. Ferner war die
Beschwerdeführerin
in der psychiatrischen Exploration bei Dr.
L._
noch vom Vorabend vor der Unter
suchung geschminkt, was im Widerspruch dazu steht, dass sie sich als depressive Person, der alles egal ist, präsentierte.
Dass Dr.
L._
aufgrund dieser erheblichen Diskrepanzen sowie der weiteren Auffälligkeiten im Verhalten der Beschwerdeführerin (vage, ausweichende resp. keine Angaben zu den Aktivitäten, fehlende Inanspruchnahme einer Psycho
the
rapie [Urk. 11/365/23]) auf eine ausgeprägte Aggravation und Simulation der in der Untersuchungssituation gezeigten Einschränkungen ihres Leistungsvermö
gens schloss und dementsprechend keine Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer psychiatrischen Störung mit Krankheitswert mehr objektivieren konnte, erscheint schlüssig und vermag zu überzeugen.
4.4
4.4.1
Damit ist – im Vergleich zum aktenkundigen medizinischen Sachverhalt im Zeit
punkt der
Rentenzusprache
am 19. August 1997 (vgl. E. 3.2) – eine revi
sions
rechtlich relevante Tatsachenänderung im Sinne einer erheblichen Verbesserung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin zumindest mit dem erforder
lichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausgewiesen (vgl. E.
1.4.1). Ausserdem ist auch im von der Beschwerdeführerin gemäss Aktenlage im Zeitpunkt der
Rentenzusprache
(noch) nicht gezeigten Verhalten im Sinne einer ausgeprägten Aggravation und Simulation eine revisionsrechtlich relevante Tatsachenänderung zu erblicken; dies wäre im Übrigen auch dann der Fall, wenn von einem nicht wesentlich verbesserten Gesundheitszustand der Beschwerde
füh
rerin seit der
Rentenzusprache
auszugehen wäre (vgl. Urteile des Bundesge
richts 8C_825/2018 vom 6. März 2019 E. 6.1 und E. 6.7 und 9C_659/2017 vom 20. September 2018 E. 3.1, je mit Hinweisen).
4.4.2
Angesichts der von Dr.
L._
schlüssig festgestellten ausgeprägten Aggravation und Simulation ist zumindest für den Zeitpunkt der von ihm durchgeführten Untersuchung (September 2016) ein invalidisierendes psychisches Leiden auszu
schliessen (vgl. E. 1.2.2). Gleiches gilt mangels Hinweisen auf eine seitherige Veränderung der gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführerin auch für den weiteren Verlauf bis zur angefochtenen Verfügung. Die Rentenaufhebung im Rahmen einer (materiellen) Revision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG ist demnach gerechtfertigt.
5.
5.1
Zu prüfen bleibt, ob
sich eine
Renteneinstellung
auch
rückwirkend
rechtfertigt
e
oder ob dieselbe lediglich mit dem auf die Verfügung folgenden Monat (ex
nunc
et pro
futuro
) Wirkung entfalten konnte
(vgl. E. 1.4.3)
.
5.2
5.2.1
Wie
darob
ausführlich abgehandelt, sind dem
bidisziplinäre
n
Gutachten von Dr.
J._
und Dr.
K._
vom 29. Mai 2013
gewichtige
Hinweise
für das Vorliegen einer Aggravation bzw. Simulation zu entnehmen
(vgl. E. 4.2).
Dass
dieses
Gutachten als nicht schlüssig zu bewerten ist, steht einer Berück
sichtigung der darin enthaltenen Hinweise auf täuschendes Verhalten seitens der
Beschwerdeführerin
nicht entgegen – zumal die Kritik am betreffenden Gutachten gerade die fehlende Berücksichtigung
und Würdigung
dieser Hinweise
im medi
zinischen Kontext
zum Inhalt hat.
Es ist an dieser Stelle insbesondere auf
die im
Bereich Neuro
psycho
logie erzielten höchst auffälligen Ergebnisse der durchge
führten Testuntersuchungen
h
inzuweisen
(vgl. E. 4.2)
. Das
bidisziplinäre
Gutach
ten bildet damit eine hinreichende Grundlage für die Annahme, dass
die
Be
schwerdeführerin
ihre Beeinträchtigungen
bereits
im Zeitpunkt der Ex
p
lorationen durch Dr.
J._
(27. Februar 2013) und Dr.
K._
(2
2.
und 27. März 2013)
erheblich
aggraviert
bzw. simuliert hatte
.
Zu diesem Schluss
ge
langte
– in Würdigung des betreffenden Gutachtens – denn
a
uch RAD-Arzt
O._
in seiner Stellungnahme vom 5. Juli 2013
(vgl. E. 3.3.3
)
.
5.2.2
Aufgrund
der bei den Akten liegenden Kopie
ihres
Reisepasses ist
sodann
erwie
sen, dass
d
ie
Beschwerdeführerin
–
zumindest
ab dem Jahr 2002 –
regelmässig Reisen nach Kenia unternommen hat (Urk. 11/227). Dies wird von
ihr
denn auch nicht in Abrede gestellt.
Wie
Dr.
L._
in seinem Gutachten nachvollziehbar dar
legt
,
erfordert
eine Reise nach Kenia
ein
grosses
Ausmass an
Ressourcen
(Urk. 11/365/20-21).
Dies hat selbst dann zu gelten, wenn die Reisen – wie von der
Beschwerdeführerin
behauptet –
jeweils
durch deren Sohn organisiert
wurden
und sie von ihrer Schwester am Flughafen in Kenia abgeholt
wurde
.
So hatte sie selbst dann
unter anderem
selbständig
die Ausweis- und Sicherheitskontrolle
zu
durchlaufen und sich rechtzeitig am korrekten Abfluggate ein
zufinden
. Darüber hinaus ist unbestritten, dass die
Beschwerdeführerin
im April 2008 in einer «Nacht und Nebel Aktion» die Schweiz mit ihrer Tochter
E._
verlassen hat (vgl. Urk. 11/234/2), was belegt, dass sie auch ohne Unterstützung durch ihre Ver
wandten
über ausreichende Ressourcen für
eine Reise
nach Kenia verfügt
e
– selbst ohne vorherige Planung
.
In ihrem Einwand
vom 23. Juli 2012 begründete
sogar
die
Beschwerdeführerin
ihre regelmässigen Aufenthalte in Kenia neben der Aufrechterhaltung des Kontaktes zu ihrer Tochter
E._
auch mit der
Ver
richtung
von damit verbundenen geschäftlichen Erledigungen (Urk. 11/234/3). Dies lässt darauf schliessen, dass
die
Beschwerdeführerin
nicht nur für ihre
Reisen nach
Kenia,
sondern auch
für den
dortige
n
Aufenthalt
erhebliche
Ressourcen
benötigte
. Im Zusammenhang mit der regen Reisetätigkeit der
Beschwerde
füh
rerin
ist auch
auf
das bei den Akten liegende kenianische
Urteil vom 24. Dezem
ber 2012
hinzuweisen
(Urk. 11/125)
.
Daraus
gehen
Schilderungen der
Beschwer
de
führerin
hinsichtlich ihrer Tätigkeiten in Kenia um den Jahreswechsel 2010 und 2011
hervor
.
Im Rahmen der Gerichtsverhandlung in Kenia war es der
Beschwerdeführerin
zudem möglich, einem Kreuzverhör durch die Verteidigung standzuhalten (vgl. Urk. 11/125/2).
Dem
nach
befand
sie sich
am 28. Dezember 2010 in einem derart guten Gesundheitszustand, dass sie einen Personenwagen durch eine Stadt lenken, dort parkieren und gezielt Baumaterialien einkaufen konnte
(vgl. Urk. 11/125/1-2)
.
Im Februar 2011 kehrte die
Beschwerdeführerin
in die Schweiz zurück und bezog ab dem 1. Februar 2011 wieder eine ganze Rente
der
Invalidenversicherung (vgl. Sachverhalt Ziffer 1.3). In der Folge weilte sie bereits am 1. April 2011 wieder in Kenia, wobei sie auf der Polizeistation in
T._
eine Anzeige erstattete (Urk. 11/125/2). Dabei war sie
anscheinend in der Lage, detailliert über mehr als drei Monate zuvor vorgefallene Geschehnisse zu berichten.
Das
Verhalten
der
Beschwerdeführerin
steht insbesondere auch im Wider
spruch zum am 21. März 2011 zuhanden der IV-Stelle ausgefüllten Frage
bogen (Revision der Invalidenrente/
Hilflosenentschädigung
), in welchem Elsbeth Reinhard, damalige Schwiegermutter der
Beschwerdeführerin
und Generalbevoll
mächtigte (vgl. Urk. 11/184)
, über eine Verschlechterung des Gesundheitszustan
des der
Beschwerdeführerin
orientierte
(Urk. 11/195/1-4).
Die dokumentierten Reise- und sonstigen ausserhäuslichen Aktivitäten der Be
schwerdeführerin, namentlich auch
diejenigen Ende
Dezember 2010 sowie an
fangs April 2011, stehen der Annahme einer erheblichen Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit klar entgegen. Zwar war die Beschwerdeführerin in der Folge vom 2. September bis 8. Oktober 2012 sowie vom 6. bis 30. November 2012 in der Privatklinik
N._
hospitalisiert (Urk. 11/308). Aufgrund der betreffenden überzeugenden Feststellungen von Dr.
L._
(vgl. E. 4.1) besteht aber kein Grund zur Annahme, dass damals sowie im weiteren Verlauf eine relevante (andauernde und erhebliche, gesundheitlich bedingte) psychische Störung bestan
den haben könnte. Dies gilt umso mehr, als sie gemäss Aktenlage die seitens der Privatklinik
N._
empfohlene sozialtherapeutische Begleitung und ambulante psychiatrische Behandlung ablehnte und sich auch im weiteren Verlauf keiner Psychotherapie in der Schweiz unterzog (vgl. Urk. 11/303/ und Urk. 11/365/19).
5.2.3
Demnach ist davon auszugehen, dass sich – im Vergleich zur gesundheitlichen Situation im Zeitpunkt der
Rentenzusprache
(vgl. E. 3.2) – der Gesundheitszu
stand der Beschwerdeführerin bereits Jahre vor der Begutachtung durch Dr.
L._
im September 2016 erheblich verbessert hatte und sie aus invaliden
versicherungsrechtlicher Sicht insbesondere auch seit ihrer Wiedereinreise in die Schweiz im Februar 2011 nicht mehr erheblich in ihrer Arbeitsfähigkeit einge
schränkt war.
5.3
5.3.1
Die Meldepflicht gemäss Art. 77 IVV betrifft explizit auch eine «wesentliche Änderung des Gesundheitszustandes». Zwar ist diese Bestimmung gemäss der Recht
sprechung des Bundesgerichts nicht so zu verstehen, dass bei unterschied
licher Auffassung über den Gesundheitszustand die versicherte Person verpflich
tet wäre, das von ihr bestrittene Ergebnis der Begutachtung im Sinne einer Mel
dung an die IV-Stelle vorwegzunehmen (Urteil des Bundesgerichts 9C_561/2018
vom 8. Februar 2019 E. E. 5.4.3 mit Hinweisen). Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Beschwerdeführerin keine Meldepflichtverletzung begangen hat:
5.3.2
Nach dem Gesagten weist insbesondere auch das Ende 2010 und im April 2011 dokumentierte Aktivitätsniveau der Beschwerdeführerin im Vergleich zur gesundheitlichen Situation im Zeitpunkt der
Rentenzusprache
(vgl. E. 3.2) eine erhebliche Verbesserung aus. Diese wurde von der Beschwerdeführerin nicht nur nicht gemeldet. Vielmehr liess sie der Beschwerdegegnerin nach ihrer Rückkehr in die Schweiz im Februar 2011 durch ihre damalige Schwiegermutter, welche gemäss Aktenlage damals noch über eine Generalvollmacht von ihr verfügte (Urk. 11/184), am 21. März 2011 wahrheitswidrig mitteilen, dass sich ihr Ge
sundheitszustand verschlechtert habe (Urk. 11/195). In der Folge hat sie gemäss der überzeugenden Beurteilung von Dr.
L._
sowohl anlässlich der Begut
ach
tung durch Dr.
J._
und Dr. phil.
K._
(Februar/März 2013) als auch anlässlich der von ihm selbst durchgeführten Untersuchung (September 2016) ein inexistentes Beschwerdebild (im Sinne einer schwersten Demenz) vor
getäuscht. Ausserdem hat sie die Fragen von Dr.
L._
zu ihren Aktivitäten ausweichend oder gar nicht beantwortet. Das Vortäuschen nicht vorhandener Einschränkungen und das Verheimlichen ihrer funktionellen tatsächlichen Mög
lich
keiten lässt einzig den Schluss zu, dass die Beschwerdeführerin um die Erheb
lichkeit der eingetretenen Verbesserung in gesundheitlicher Hinsicht wusste. Somit ist ab Februar 2011 eine schuldhafte Meldepflichtverletzung ausgewiesen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_582/2015 vom 9. März 2016 E. 3.3).
5.3.3
Anzumerken bleibt, dass die Beschwerdeführerin gemäss Aktenlage – bereits – die Kinderrenten für
Z._
und
A._
durch unwahre Angaben erwirkt hatte (vgl. Sachverhalt Ziffern 1.1 und 1.3). Daraus lassen sich zwar fraglos keine konkreten Rückschlüsse auf den vorliegend zu beurteilenden Sachverhalt ziehen. Das damalige Verhalten der Beschwerdeführerin bekräftigt jedoch den gestützt auf die gutachterlichen Feststellungen gewonnenen Eindruck, dass die Beschwer
de
führerin nicht davor
zurück
schreck
t
zur Erwirkung von Leistungen der Invalidenversicherung unwahre Angaben zu machen (resp. eine unzutreffende Symptompräsentation vorzunehmen).
5.
3.4
Seit dem 1. Januar 2015 führt eine Verletzung der Meldepflicht gemäss Art. 88
bis
Abs. 2
lit
. b IVV unabhängig davon
,
ob diese für den unrechtmässige
n Leistungs
bezug kausal war, zu
einer rückwirkenden Rentenaufhebung (vgl. E. 1.3.3). Vor diesem Hintergrund erfolgte die rückwirkende Renteneinstellung für den Zeit
punkt ab dem 1. Januar 2015 somit
jedenfalls
zu Recht. Was den Zeitraum bis zum 31. Dezember 2014 betrifft,
so war noch eine Kausalität zwischen der Melde
pflichtverletzung und der Erwirkung des unrechtmässigen Leistungsbezuges e
rfor
d
erlich (vgl. BGE 142 V 259
E. 3.2.
1). Auch wenn
der Verdacht auf Aggravation und Simulation bereits
seit Längerem
bestand
(vgl. Urk. 11/367/4),
erlangte
die Beschwerdegegnerin erst nach Erstattung des Gutachtens von
Dr.
L._
im Oktober 2016
Gewissheit darüber, dass die
Beschwerden
durch die
Beschwerde
führerin
vorgetäuscht
wurden
.
Bis zur Erstattung des betreffenden Gutachtens war demnach einzig die Meldepflichtverletzung der
Beschwerdeführerin
ursäch
lich für die weitere Rentenausrichtung. Der für den Zeitraum vom 1.
Februar
2011 bis 31. Dezember 2014 geforderte Kausalzusammenhang ist demnach gegeben
.
5
.4
Als grundsätzlich einschlägig erweist sich vorliegend die bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach eine Selbsteingliederung für Personen, welche seit min
destens 15 Jahren eine Rente beziehen
– von Ausnahmen abgesehen – aufgrund
der
langen Rentendauer nicht mehr zumutbar ist
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_39/2012 vom 24. April 2012 E. 5.1 mit Hinweisen)
. Da die
(vermeintlich)
lange Abwesenheit der
Beschwerdeführerin
vom Arbeitsmarkt vorliegend jedoch nicht einem invalidisierenden Gesundheitsschaden, sondern ausschliesslich inva
li
di
tätsfremden Faktoren zuzuschreiben ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_819/2014 vom 19. Juni 2015 E. 4), ist der
Beschwerdegegnerin
auch
insofern bei
zupflichten, als einer Selbsteingliederung der
Beschwerdeführerin
objektiv nichts entgegensteht.
6.
Nach dem Gesagten ist die Verletzung der der
Beschwerdeführerin
obliegenden Meldepflicht ab dem 1. Februar 2011 ausgewiesen.
Die von der
Beschwerde
geg
nerin
verfügte Aufhebung der Rente per Dezember 2011 ist somit nicht zu bean
standen.
Auf eine
reformatio
in
peius
kann vorliegend m
it Blick auf die Verjäh
rungs
bestimmungen ermessensweise verzichtet werden (vgl. Art. 25 Abs. 2 ATSG;
vgl. BGE 144 V 153 E. 4.2.4).
Dies führt zur vollumfänglichen Abweisung der Beschwerde.
7
.
7.1
Da nach
dem Gesagten feststeht, dass die Beschwerdeführerin bewusst unwahre Angaben machte und Krankheitssymptome vortäuschte, um die aufgrund ihrer Rückkehr in die Schweiz im Februar 2011 (ohne vorgängige medizinische Abklä
rungen) ab dem 1. Februar 2011 wieder ausgerichtete ganze Rente (vgl. Sachver
halt Ziffer 1.3) nicht zu verlieren, ist von einem rechtsmissbräuchlichen Pro
zessieren auszugehen. Das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1) ist deshalb abzuweisen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_483/2018 vom 21. November 2018 E. 7.2 mit Hinweis).
7.2
In Anwendung von Art. 69
Abs.
1
bis
IVG sin
d die Verfahrenskosten auf Fr. 8
00.–-
festzusetzen und ausgangsgemäss der
Beschwerdeführerin
aufzuerlegen.
Das Gericht beschliesst
,
Das Gesuch der Beschwerdeführerin vom 20. März 2017 um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abgewiesen.
und erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen
.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
8
00
.–
werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Roman
Nogler
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.