Decision ID: 8a34f66d-9ca4-5c71-8b37-d865cc40c475
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Das Amt für Arbeit schrieb im Amtsblatt des Kantons St. Gallen vom 9. November
2009 den Auftrag zur Durchführung der OKP-Kurse (Orientierung-Kommunikation-
Praktikum) als arbeitsmarktliche Massnahmen im offenen Verfahren aus. Die Aufträge
betrafen die Zeit vom 1. August 2010 bis 31. Dezember 2011 mit Option auf eine
Vertragsverlängerung bis 31. Dezember 2013. Es waren verschiedene Aufträge in den
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einzelnen RAV-Regionen und für spezifische Zielgruppen vorgesehen. Die Regierung
beschloss am 16. März 2010 über die Auftragsvergebungen. Sie vergab u.a. 15 OKP-
Kurse für Kader in der RAV-Region St. Gallen für die Zeit vom 1. August 2010 bis
31. Dezember 2011 mit Option auf 20 weitere Kurse zum Preis von Fr. 1'207'500.-- der
Z. - GmbH, St. Gallen. Die Zuschlagsverfügung wurde vom Amt für Arbeit am
17./18. März 2010 eröffnet.
B./ Mit Eingabe vom 29. März 2010 erhob die S.Kommunikation + Training AG
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, die Zuschlagsverfügung mit
Zuschlag an das Z.- GmbH sei aufzuheben, der Zuschlag sei der Beschwerdeführerin
zu vergeben oder die Sache sei zur Neubeurteilung zurückzuweisen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Zur Begründung macht die Beschwerdeführerin im wesentlichen
geltend, die Bewertung ihres Konzepts sei fehlerhaft. Die Angebotsunterlagen seien
vollständig und differenziert und entsprächen den Ausschreibungsunterlagen, weshalb
die Abzüge zu Unrecht erfolgt seien. Ein Begehren um aufschiebende Wirkung stellte
die Beschwerdeführerin nicht.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 29. April 2010 die kostenfällige
Abweisung der Beschwerde.
Die Beschwerdeführerin erhielt Gelegenheit, zur Vernehmlassung der Vorinstanz
Stellung zu nehmen. Dies tat sie mit Eingabe vom 10. Juni 2010.
Die Beschwerdegegnerin beteiligte sich am Verfahren nicht.
Die weiteren von den Verfahrensbeteiligten vorgebrachten Ausführungen werden,
soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen dargelegt und gewürdigt.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 2 Abs. 1 lit. a
und Art. 5 Abs. 2 des Einführungsgesetzes zur Gesetzgebung über das öffentliche
Beschaffungswesen, sGS 841.1, abgekürzt EGöB). Die Beschwerdeführerin ist als
unterlegene Anbieterin beschwerdeberechtigt (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP).
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Die Zuschlagsverfügung vom 16. März 2010 stellt einen zulässigen
Beschwerdegegenstand dar (Art. 5 Abs. 1 EGöB in Verbindung mit Art. 15 Abs. 2 lit. e
der
Interkantonalen Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen, sGS 841.32,
abgekürzt IVöB). Die Beschwerde wurde fristgerecht eingereicht und erfüllt auch die
übrigen formalen Voraussetzungen (Art. 15 Abs. 3 IVöB). Auf die Beschwerde ist daher
einzutreten.
2. Nach Art. 16 Abs. 1 IVöB können mit der Beschwerde Rechtsverletzungen,
einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, sowie die unrichtige
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden.
Dagegen kann Unangemessenheit nicht geltend gemacht werden (Art. 16 Abs. 2 IVöB).
Diese Vorschriften entsprechen den allgemeinen Grundsätzen des st. gallischen
Verfahrensrechts (Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP). Im Beschwerdeverfahren gegen
Verfügungen im Bereich des öffentlichen Beschaffungswesens kann somit nur geprüft
werden, ob die Vorinstanz ihr Ermessen überschritten oder missbraucht hat und damit
rechtswidrig handelte. Solange die Behörde ihren Entscheid innerhalb des ihr
zustehenden Ermessensspielraums getroffen hat, ist dem Verwaltungsgericht eine
Korrektur hingegen verwehrt, selbst wenn es einen anderen Entscheid ebenfalls als
zweckmässig oder sogar als angemessener erachtet. Die Behörde darf aber nicht
willkürlich entscheiden, sondern ist an die in Verfassung und Gesetz enthaltenen
Rechtsgrundsätze gebunden. Im Streitfall bedeutet dies, dass das Verwaltungsgericht
den Entscheidungsspielraum der Vorinstanz zu respektieren hat, wenn diese beim
Erlass der Zuschlagsverfügung von sachlichen und vernünftigen Überlegungen
ausging, die im Einklang mit Sinn und Zweck des Gesetzes stehen (vgl. statt vieler GVP
1999 Nr. 37 mit Hinweisen; VerwGE B 2008/161 vom 19. Februar 2009, in:
www.gerichte.sg.ch).
2.1. Aus Art. 16 IVöB leitet das Verwaltungsgericht des weiteren in ständiger
Rechtsprechung ab, dass die Beschwerdeinstanz nicht von Amtes wegen eine
angefochtene Verfügung auf allfällige Sachverhaltsmängel oder Rechtswidrigkeiten
überprüfen muss, sondern vom Beschwerdeführer im einzelnen darzulegen ist,
inwiefern die Verfügung mangelhaft sein soll. Ein Beschwerdeführer muss in seiner
Eingabe dartun, in welchen Punkten der angefochtene Entscheid auf einem unrichtigen
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oder unvollständig festgestellten Sachverhalt beruht oder Rechtsnormen unrichtig oder
in Überschreitung bzw. Missbrauch des Ermessens angewendet wurden (vgl. GVP
1999 Nr. 37 mit Hinweisen).
2.2. Art. 34 Abs. 1 VöB bestimmt, dass das wirtschaftlich günstigste Angebot den
Zuschlag erhält. Das wirtschaftlich günstigste Angebot ist nicht identisch mit dem
preisgünstigsten bzw. preislich tiefsten Angebot. Bei der Wirtschaftlichkeit können
neben dem Preis weitere Kriterien berücksichtigt werden (GVP 1999 Nr. 37 mit
Hinweis). Art. 34 Abs. 2 VöB beinhaltet eine (unvollständige) Aufzählung von Kriterien,
darunter Preis, Qualität, Erfahrung sowie Sicherung des Ausbildungsstandes einer
Berufsgattung. Gemäss Art. 34 Abs. 3 VöB sind die Kriterien und allfällige Unterkriterien
im Rahmen der Ausschreibung in der Reihenfolge ihrer Bedeutung oder mit ihrer
Gewichtung bekannt zu geben.
Dem Auftraggeber wird mit Art. 34 Abs. 2 VöB ein weiter Ermessensspielraum
eingeräumt. Die Gewichtung der einzelnen Zuschlagskriterien ist einer Rechtskontrolle
nur beschränkt zugänglich. Wie beispielsweise die Erfahrung einer Unternehmung
gewichtet und in Relation zu einer bestimmten Preisdifferenz gesetzt wird, ist
weitgehend eine Ermessensfrage, in die das Verwaltungsgericht nicht eingreift (vgl.
statt vieler GVP 2006 Nr. 58).
2.3. In der Ausschreibung wurden insgesamt vier Zuschlagskriterien festgelegt, nämlich
"Kursanbieter und
Infrastruktur" mit einer Maximalpunktzahl von 27, "Konzept" mit einer
Maximalpunktzahl von 27, "Kursleitung und Co-Leitung" mit einer Maximalpunktzahl
von 36 und "Preis" mit einer Maximalpunktzahl von 30. Dies ergibt eine maximal
erreichbare Punktzahl von 120. Das Angebot der Beschwerdegegnerin erzielte
97 Punkte, während jenes der Beschwerdeführerin 95 Punkte erreichte. Beim Kriterium
"Konzept" wurde das Angebot der Beschwerdeführerin mit lediglich 12 Punkten
bewertet, während die Beschwerdegegnerin bei diesem Kriterium 24 Punkte erzielte.
Bei den Kriterien "Kursanbieter und Infrastruktur" sowie "Kursleitung und Co-Leitung"
erreichten beide Anbieterinnen die Maximalpunktzahl.
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2.4. Bei den einzelnen Unterkriterien des Kriteriums "Konzept" hat die Vorinstanz ihre
Bewertung begründet. Beim Unterkriterium "Methodik/Didaktik" vergab die Vorinstanz
2 von 3 möglichen Punkten und hielt fest, die Aussagen zur Zielgruppe seien sehr
allgemein, und kaderspezifische Aussagen würden fehlen. Beim Unterkriterium
"Lehrpläne, Bildungsteil, Workshop und Schlusstag, Coaching" vergab die Vorinstanz
einen von 3 möglichen Punkten und hielt zur Begründung fest: "Wenig
zielgruppenspezifische Themen/Methoden; mehrheitlich mit OKP Standard und Quali
(inkl. Workshop und Schlusstag)." Beim Unterkriterium "Probelektion zum Thema
Entwicklung von neuen Perspektiven (Neuorientierung) und klaren Zielsetzungen"
vergab die Vorinstanz ebenfalls einen von 3 möglichen Punkten und vermerkte, dass
die Einbettung in die Kursplanung nicht ersichtlich sei, der Einsatz Kursleiter/Co-Leiter
nicht definiert und die Probelektion identisch mit OKP Standard/Quali sei; ausserdem
seien Methoden und Ziele nicht an die Zielgruppe angepasst.
2.4.1. Die Beschwerdeführerin bringt vor, unter Berücksichtigung der andragogischen
Prinzipien hätten sämtliche Zielgruppen die gleichen Rechte auf einen qualitativ
hochwertigen und bildenden Unterricht. Demzufolge entsprächen die Grundlagen von
Methodik/Didaktik allen Zielgruppen. Differenziert werde über eingesetzte Modelle, z.B.
beim Kader Visual Questionnaire oder Themen wie Laufbahnplanung und Führung.
Einzelheiten seien im Lehrplan ersichtlich.
Dagegen wendet die Vorinstanz ein, dass die Kurskonzepte "Methodik/Didaktik" für
höher qualifizierte Personen und Kader und jene für gut qualifizierte Personen praktisch
identisch seien. Dies erweist sich als zutreffend. Zwar wird das Modul "Visual
Questionnaire" als Hilfsmittel nur beim Kaderkurs aufgelistet. Auf Seite 4 wird aber in
beiden Konzepten angeführt, es werde ein individuelles Analyseverfahren mittels Visual
Questionnaire durchgeführt.
Weiter wendet die Vorinstanz ein, auch auf Seite 3 des Kurskonzepts sei keine klare
Fokussierung für Kader auf Fragen der Laufbahnplanung und Führung zu erkennen. Die
Ziele entsprächen wörtlich der Auflistung in den Konzepten des Standardkurses. Diese
Einwendungen sind zutreffend und lassen jedenfalls eine Gewichtung von zwei mit drei
möglichen Punkten nicht als sachwidrig bzw. ermessensmissbräuchlich erscheinen.
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2.4.2. Sodann rügt die Beschwerdeführerin, im Lehrplan sei ersichtlich, dass
zielgruppenspezifische Themen und Methoden ausgewiesen seien. Wissenschaftlich
fundierte Modelle, die sich in der Praxis als effizient und praxisbezogen erwiesen
hätten, würden sich im Einsatz für sämtliche Zielgruppen eignen. Die didaktische
Individualisierung des Unterrichts werde durch die anwesenden Teilnehmenden
bestimmt. Auch differenzierten sich die Lehrpläne bei begleiteten oder bei
selbständigen Arbeiten. Die Bewertung einer mehrheitlichen Identität von OKP
Standard und - Quali sei kein Messwert im Vergleich mit anderen Anbietern, da diese
möglicherweise nicht an Ausschreibungen von entsprechenden Zielgruppen
teilgenommen hätten.
Dagegen wendet die Vorinstanz ein, dass grundsätzlich die einzelnen Offerten zu
beurteilen waren und ein Punkteabzug für wenig zielgruppenspezifische Themen und
Methoden grundsätzlich gerechtfertigt sei. Dies ist zutreffend; die Beurteilung einzelner
Angebote ist unabhängig vom Vorliegen einer Vergleichsofferte zulässig. Die
Beschwerdeführerin hat neben der vorliegend streitigen Ausschreibung auch Offerten
für Kurse für andere Zielgruppen eingereicht, weshalb Vergleiche von Offerten
derselben Anbieterin möglich waren. Neben dem Vergleich mit Offerten für dieselbe
Zielgruppe anderer Anbieterinnen ist auch ein Vergleich der Offerten derselben
Anbieterin für verschiedene Zielgruppen zulässig. Eine sachwidrige und
ermessensmissbräuchliche Bewertung ist auch bei diesem Unterkriterium nicht
dargetan.
2.4.3. Weiter rügt die Beschwerdeführerin, die Einbettung in die Kursplanung sei im
Lehrplan am Tag 6 ersichtlich. Auf die Differenzierung werde in der Probelektion in
einer Beschreibung unter "Lehrmittel" sowie "Ablauf der Lektion" Bezug genommen.
Gemäss Ausschreibungsunterlagen sei bei Punkt 1.5.5 der Einsatz resp. die Tätigkeit
der Kursleitung und Co-Leitung nicht verlangt und habe daher nicht konkretisiert
werden müssen. Demzufolge dürfe kein Abzug wegen fehlender Definition des
Einsatzes von Leitung und Co-Leitung vorgenommen werden.
Dagegen wendet die Vorinstanz ein, im Bewertungsraster, welches als Anhang 9 Teil
der Ausschreibungsunterlagen gewesen sei, werde beim Unterkriterium "Probelektion"
ausdrücklich der Einsatz der Kursleitung und der Co-Leitung als Beurteilungskriterium
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aufgeführt. Auch werde der Vorwurf der mangelnden Anpassung der Probelektion an
die Zielgruppe Kader nicht widerlegt. Die Probelektion für den OKP- Kurs Kader
unterscheide sich nicht bzw. nur marginal von der Probelektion für die übrigen OKP-
Kurse der Beschwerdeführerin (standard und für qualifizierte Personen). Auch diese
Beurteilung der Vorinstanz ist schlüssig und vermag eine fehlerhafte Bewertung nicht
darzutun.
2.5. Zusammenfassend ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen, dass sich die
streitige Bewertung im Rahmen des Ermessensspielraums der Vorinstanz bewegt,
weshalb die Beschwerde als unbegründet abzuweisen ist.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind der Beschwerdeführerin die amtlichen
Kosten des Beschwerdeverfahrens aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 4'000.-- ist angemessen (Art. 13 Ziff. 622 Gerichtskostentarif,
sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist zu verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen. Die Beschwerdeführerin ist
unterlegen (Art. 98bis VRP), und die Beschwerdegegnerin hat sich am Verfahren nicht
beteiligt.
Demnach hat das Verwaltungsgericht