Decision ID: 946ddbd3-b5eb-539d-aad9-a2ffd5fef948
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
a. X.Y., Jg. 1991, mazedonische Staatsangehörige, und A.Y., Jg. 1980, türkischer
Staatsangehöriger, heirateten am 11. Oktober 2013 in St. Gallen. Am 25. November
2013 stellte der in der Schweiz aufenthaltsberechtigte Ehemann ein Gesuch um
Familiennachzug für seine Ehefrau. Das Gesuch wurde am 28. Februar 2014 unter der
Bedingung gutgeheissen, dass die Ehegatten sämtlichen finanziellen Verpflichtungen
nachkommen, keine Leistungen des Sozialamtes beziehen, der angegebenen
Erwerbstätigkeit nachgehen, sich allgemein wohlverhalten und die Ehefrau eine
Integrationsvereinbarung unterzeichnet. In der Folge wurde X.Y. eine
Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib beim Ehemann mit Gültigkeit bis 26. März 2015
ausgestellt und als Einreisedatum der 27. März 2014 vermerkt (act. G 11/8 I/5 und 12).
Auf dem in der Folge von der Ehefrau am 29. Januar 2015 eingereichten Gesuch um
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung war vermerkt, dass sie seit 20. November
2014 von ihrem Ehemann getrennt lebe (act. G 11/8 I/21). Auf Anfrage des
Migrationsamtes erklärte X.Y. mit Schreiben vom 25. Februar 2015, sie habe sich vom
Ehemann getrennt, weil er sie ständig kontrolliert und ihr verboten habe, soziale
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Kontakte zu pflegen. Er habe ihr kaum Geld gegeben, sie regelmässig beschimpft und
gedroht, ihr etwas anzutun. Im Verlauf des Novembers 2014 habe sie sich gezwungen
gesehen, zuerst bei einer Verwandten Zuflucht zu nehmen und dann ins Frauenhaus
einzutreten. Sie habe ihren Ehemann nicht freiwillig, sondern aufgrund der schwierigen
Situation verlassen. Nachdem es auch bei der gemeinsamen Arbeit bei der Q. AG, zu
Streitereien gekommen sei, sei schliesslich beiden gekündigt worden (act. G 11/8 I/25
f.).
b. Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs verfügte das Migrationsamt am 17. Juni
2015 die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung von X.Y. mit der Begründung,
dass die Ehe nur zehn Monate gedauert habe und damit die dreijährige gesetzliche
Frist nicht eingehalten sei. Ein wichtiger persönlicher Grund für eine
Bewilligungsverlängerung liege nicht vor, da keine häusliche Gewalt in der Intensität
vorliege, welche die Annahme eines Härtefalls rechtfertigen würde. Auch sei ihr eine
Rückkehr ins Heimatland nach nur einjährigem Aufenthalt in der Schweiz ohne weiteres
zumutbar (act. G 11/1.1). Den gegen diesen Entscheid von Rechtsanwältin lic. iur.
Bettina Surber, St. Gallen, für die Betroffene erhobenen Rekurs (act. G 11/1) wies das
Sicherheits- und Justizdepartement (SJD) mit Entscheid vom 30. Oktober 2015 ab (act.
G 2).
B.
a. Gegen diesen Entscheid erhob Rechtsanwältin Surber für die Betroffene mit Eingabe
vom 17. November 2015 Beschwerde mit den Rechtsbegehren, der Entscheid sei
aufzuheben und es sei die Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin zu
verlängern, unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G 1). In der
Beschwerdeergänzung vom 15. Januar 2016 bestätigte und begründete die
Rechtsvertreterin die gestellten Rechtsbegehren und beantragte zusätzlich die
Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung (act. G 7).
b. Die Vorinstanz beantragte in der Vernehmlassung vom 22. Januar 2016 Abweisung
der Beschwerde und verwies zur Begründung auf die Erwägungen des angefochtenen
Entscheids (act. G 10).
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c. Am 25. Januar 2016 gewährte der Präsident des Verwaltungsgerichts die
unentgeltliche Rechtspflege und -verbeiständung für das vorliegende Verfahren (act. G
12).
d. Mit Schreiben vom 19. April 2016 teilte die Beschwerdeführerin mit, dass sie zwei
Arbeitsstellen gefunden habe. Sie reichte die entsprechenden Arbeitsverträge ein (act.
G 13 f.). Mit Schreiben vom 23. Juni 2016 gab sie bekannt, dass sie nun eine
Festanstellung gefunden habe (act. G 16 f.).
e. Auf die Vorbringen in den Eingaben dieses Verfahrens wird, soweit für den Entscheid
relevant, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...).
2.
2.1. Ausländischen Ehegatten von Personen mit Aufenthaltsbewilligung kann eine
Aufenthaltsbewilligung erteilt werden, wenn sie mit diesen zusammenwohnen (Art. 44
lit. a AuG). Nach Auflösung der Ehe oder der Familiengemeinschaft kann die im
Rahmen des Familiennachzugs gemäss Art. 44 AuG erteilte Aufenthaltsbewiligung des
Ehegatten verlängert werden, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre
bestanden hat und eine erfolgreiche Integration besteht oder wichtige persönliche
Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (Art. 77 der
Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit
[VZAE; SR 142.201]). Der Begriff der "Ehegemeinschaft" setzt voraus, dass die eheliche
Beziehung tatsächlich gelebt wird und ein gegenseitiger Ehewille besteht. Dabei ist im
Wesentlichen auf die Dauer der nach aussen wahrnehmbaren ehelichen
Wohngemeinschaft abzustellen (vgl. BGer 2C_544/2010 vom 23. Dezember 2010 E.
2.2). Aufgrund sämtlicher Umstände im Einzelfall ist zu bestimmen, ab welchem
Zeitpunkt die eheliche Gemeinschaft als definitiv aufgelöst zu gelten hat (zum Ganzen
BGer 2C_17/2012 vom 24. Januar 2012 E. 2.2.1). Bei der Berechnung der absolut
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geltenden Dreijahresfrist kommt es gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung auf
die in der Schweiz gemeinsam verbrachte Zeit an (BGer 2C_366/2012 vom 1. Mai 2012
E. 2.1; 2C_430/2011 vom 11. Oktober 2011 E. 4.1 und 4.1.1; BGE 136 II 113 E. 3.3).
Massgeblicher Zeitpunkt für die retrospektive Berechnung der Dauer der ehelichen
Gemeinschaft ist in der Regel die Aufgabe der Hausgemeinschaft (BGE 136 II 113
E. 3.2).
2.2. Aufgrund der Akten hat vorliegend als dargetan zu gelten, dass die eheliche
Gemeinschaft der Beschwerdeführerin mit A.Y. in der Zeit vom 27. März 2014 (Einreise
in die Schweiz) und 20. November 2014 (Trennung; act. G 11/8 I/25) bestand. In der
Folgezeit wurde die Gemeinschaft nicht mehr gelebt. Damit fehlt es an der
Voraussetzung der Dreijahresfrist gemäss Art. 77 Abs. 1 lit. a VZAE, und eine Prüfung
der Integration - die Beschwerdeführerin absolvierte einen Deutschkurs Level A2 mit
Erfolg, bezog nach Aufgabe einer Arbeitsstelle zeitweise Sozialhilfe und arbeitet aktuell
im Rahmen einer Festanstellung (vgl. act. G 16 f.) - erübrigt sich von daher. Zu klären
bleibt jedoch, ob die Aufenthaltsbewilligung aufgrund von Art. 77 Abs. 1 lit. b VZAE
verlängert werden kann. Nach dieser Norm besteht der Anspruch des Ehegatten auf
Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach Auflösung der Ehe oder
der Familiengemeinschaft weiter, wenn wichtige persönliche Gründe einen weiteren
Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen. Wichtige persönliche Gründe können
namentlich vorliegen, wenn die Ehegattin oder der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt
wurde und die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint
(Art. 77 Abs. 2 VZAE).
2.3. Die Vorinstanz kam im angefochtenen Entscheid zum Schluss, auch wenn
Streitereien zwischen dem Ehepaar stattgefunden hätten, so habe beim Vorfall vom 1.
November 2014 keine häusliche Gewalt in einer Intensität vorgelegen, welche für sich
allein die Annahme eines Härtefalls rechtfertigen würde. Die Behauptung des
Vorliegens von häuslicher Gewalt sei auch aufgrund der von der Beschwerdeführerin
eingereichten weiteren Berichte (act. G 11/6.1 f.) beweislos geblieben. Hinzu komme,
dass die Beschwerdeführerin teilweise widersprüchliche Angaben gemacht habe, was
zusätzlich zu Zweifeln über das geltend gemachte Geschehen betreffend häusliche
Gewalt führe. Es erscheine wahrscheinlicher, dass die chronische Depression durch die
schwierige Kindheit und Jugend der Beschwerdeführerin ausgelöst worden sei. Es
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bestehe ein öffentliches Interesse, dass Ausländer, bei denen nach kurzem Aufenthalt
in der Schweiz die familiären Voraussetzungen für die Erteilung der
Aufenthaltsbewilligung wegfallen, die Schweiz wieder verlassen. Dies gelte auch im
vorliegenden Fall. Die Wiedereingliederung im Herkunftsland erscheine nicht als stark
gefährdet und sei ohne weiteres zumutbar (act. G 2).
3.
3.1. Die beiden Elemente der ehelichen bzw. häuslichen Gewalt und der sozialen
Wiedereingliederung (Art. 77 Abs. 2 VZAE) sind nicht kumulativ zu verstehen (vgl. BGE
138 II 229 E. 3.2.2). Bei der Aufzählung in Art. 77 Abs. 2 VZAE handelt es sich nicht um
eine abschliessende Liste (vgl. M. Caroni, in: Caroni/Gächter/Thurnherr Hrsg.,
Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Kommentar, Bern 2010 Rz. 23
zu Art. 50 AuG). Eheliche Gewalt liegt insbesondere dann vor, wenn Personen
innerhalb einer bestehenden oder aufgelösten ehelichen Beziehung psychische,
physische oder sexuelle Gewalt ausüben oder androhen (vgl. Caroni, a.a.O., Rz. 32 zu
Art. 50 AuG). Das Bundesgericht hat hierzu ausgeführt, dass häusliche Gewalt eine
systematische Misshandlung mit dem Ziel, Macht und Kontrolle auszuüben, bedeute.
Eine einmalige Ohrfeige oder eine verbale Beschimpfung im Verlauf eines
eskalierenden Streits reiche dagegen nicht aus. Vielmehr müsse die physische oder
psychische Zwangsausübung und deren Auswirkungen von einer gewissen Konstanz
bzw. Intensität geprägt sein (BGE 138 II 229, E. 3.2.1 f.; vgl. auch BGE 136 II 1, E. 5.3;
Caroni, a.a.O., Rz. 34 zu Art. 50 AuG).
3.2.
3.2.1. Die Beschwerdeführerin hält vorliegend daran fest, Opfer ehelicher Gewalt
geworden zu sein. Die Polizei habe intervenieren müssen. Verbale Drohungen und
psychischer Druck seien naturgemäss nicht zu beweisen, da sie keine Spuren
hinterlassen würden. Dies dürfe nicht dazu führen, dass die Drohungen und die
ständige Kontrolle nicht in Würdigung der Gesamtumstände als glaubhaft erscheinen
könnten. Die Glaubwürdigkeit ihrer Angaben ergebe sich sowohl aus dem Bericht des
Frauenhauses als auch aus dem ärztlichen Bericht der behandelnden Psychologin.
Aufgrund des ärztlichen Berichts sei davon auszugehen, dass die psychische Gewalt
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derart war, dass die psychische Integrität der Beschwerdeführerin im Fall der
Aufrechterhaltung der Ehe schwer beeinträchtigt worden wäre. Die Aussagen der
Beschwerdeführerin würden mit den erhobenen Befunden übereinstimmen (act. G 7 S.
6 f.).
3.2.2. Den Akten ist zu entnehmen, dass am 1. November 2014 bei den Ehepartnern
eine polizeiliche Intervention wegen gegenseitiger Tätlichkeiten und Beschimpfungen
erfolgt war. Offenbar hatte der Ehemann (was von ihm bestritten wird) der
Beschwerdeführerin zweimal mit der Hand an das Schienbein geschlagen, worauf
diese eine gefüllte Kaffeetasse gegen ihn warf. Die Beschwerdeführerin stellte
Strafantrag gegen den Ehemann wegen Tätlichkeiten und Beschimpfung. Der Ehemann
verzichtete auf einen Strafantrag gegen die Beschwerdeführerin (act. G 11/8 II/123).
Das Strafverfahren endete mit einer Nichtanhandnahmeverfügung (act. G 11/8 I/9, II/
124). Infolge der Auseinandersetzung vom 1. November 2014 flüchtete die
Beschwerdeführerin zunächst zu ihrer Stiefschwester und danach ins Frauenhaus St.
Gallen, wo sie sich vom 22. November bis 31. Dezember 2014 aufhielt (Bericht
Frauenhaus vom 10. April 2014, act. G 11/6.2). Im Weiteren suchte sie die
Beratungsstelle Opferhilfe SG-AR-AI auf, wo sie offenbar mehrmals Beratungen in
Anspruch nahm. S.W., Psychotherapeutin FSP, und T.K., FA Psychiatrie,
Psychotherapie und Neurologie, St. Gallen, diagnostizierten bei der
Beschwerdeführerin am 20. August 2015 eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode, sowie als Differentialdiagnose eine andauernde
Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung. Sie sei im Ursprungsland als Kind mit
täglichen Gewalterfahrungen, Vernachlässigung und Nichterfüllung der
Grundbedürfnisse konfrontiert gewesen. Für ihre Versorgung mit dem Nötigsten sei sie
alleine zuständig gewesen. Eine Rückkehr zur Familie im Ursprungsland sei unmöglich.
Weitere Kontakte im Heimatland beständen nicht. Gründe für die Trennung von ihrem
jetzigen Ehemann seien gewesen: Angst vor psychischer und physischer Verletzung,
Drohungen, Tätlichkeiten, Beschimpfungen, ständige Kontrolle, Erschwerung der
sozialen Integration, kein Geld zur Verfügung. Das Anstellungsverhältnis in einem
Restaurant bestehe nicht mehr. Sie sei jedoch sicher, rasch wieder eine Anstellung
finden zu können. Es gehe ihr sehr schlecht. Sie leide an Reizbarkeit, Schlafstörungen,
innerer Leere und deutlichem Gewichtsverlust. Gefühle der Ausweg- und
Hoffnungslosigkeit zögen zunehmend Suizidgedanken nach sich. Es werde eine
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langfristige regelmässige psychiatrisch-psychologische Behandlung empfohlen. Weder
das Zusammenleben in der ehelichen Gemeinschaft noch die Rückkehr ins Heimatland
würden als zumutbar erachtet. Bei einer Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung
bestehe Gefahr für Leib und Leben der Beschwerdeführerin (act. G 11/6.1).
3.2.3. Das Ereignis vom 1. November 2014 genügt angesichts der geschilderten
Umstände offensichtlich nicht, um einen Härtefall durch eheliche Gewalt bejahen zu
können. Weitere Gegebenheiten, welche geeignet wären, eheliche Gewalt in der von
der Rechtsprechung verlangten Intensität und Konstanz (BGE 138 II 229 E. 3.2.1 f.) zu
belegen, sind nicht nachgewiesen. Die im medizinischen Bericht vom 20. August 2015
(act. G 11/6.1) festgehaltenen anamnestischen Angaben der Beschwerdeführerin
betreffend das Verhalten ihres Ehemannes blieben ohne nähere Dokumentation und
Beleg. Diesem Bericht ist das Bestehen von psychischen Problemen der
Beschwerdeführerin zu entnehmen, welche ursächlich vor allem auch auf die
Verhältnisse in ihrer Kindheit und Jugend zurückgeführt werden. Auch diese
Feststellungen im Bericht und die Diagnosestellung basieren jedoch im Wesentlichen
auf Eigenangaben der Beschwerdeführerin bzw. wurden differentialdiagnostisch als
Erklärung für die von der Beschwerdeführerin angegebenen Symptome in Betracht
gezogen. Das Bestehen einer Depression stellt im Weiteren noch keinen Beleg dafür
dar, dass bzw. inwiefern häusliche Gewalt von Seiten des Ehemannes ausgeübt
worden war. Im psychiatrischen Bericht wird sodann zwar behauptet, aber nicht
begründet, warum für die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Mazedonien
eine Gefahr für Leib und Leben resultieren sollte. Letzteres erscheint umso weniger
plausibel, als die Beschwerdeführerin bis 2014 dort gelebt hatte. Der Hinweis auf
schwierige Umstände in der Kindheit sowie die aktuellen wirtschaftlichen und
gesundheitlichen Verhältnisse allein reichen hierfür nicht aus. Auch der Bericht des
Frauenhauses (act. G 11/6.1) gibt im Wesentlichen die Angaben der
Beschwerdeführerin betreffend das Verhalten des Ehemannes (Drohungen, ständige
Kontrolle, Schlechtmachen der Beschwerdeführerin in ihrem Bekanntenkreis) wieder,
ohne diese durch geeignete Belege zu untermauern. Der Bericht erscheint somit
ebenfalls für sich allein nicht geeignet, massive häusliche Gewalt zu beweisen. Im
Weiteren lässt sich die Feststellung im Therapiebericht vom 20. August 2015, wonach
ein Zusammenleben in der ehelichen Gemeinschaft als nicht zumutbar zu erachten sei
(act. G 11/6.1) nicht ohne weiteres mit dem Vorbringen der Beschwerdeführerin im
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Schreiben vom 25. Februar 2015 in Einklang bringen, wonach sie sich vorstellen könne,
wieder mit ihrem Ehemann zusammenzuleben (act. G 11/8 I/25 f.). In diesem
Zusammenhang wies die Vorinstanz sodann zu Recht darauf hin, dass die
Beschwerdeführerin bereits kurz nach ihrer Einreise eine Erwerbstätigkeit bei der Q. AG
aufgenommen hatte (act. G 2 S. 10) und ihr von daher auch eigene Geldmittel für den
Lebensunterhalt zur Verfügung gestanden haben dürften. Hieran vermag das
Vorbringen der Beschwerdeführerin, dass ihr Ehemann auch am Arbeitsort die
Kontrolle über sie gehabt habe (act. G 7 S. 7), nichts zu ändern, zumal sich daraus eine
erhebliche (psychische) Gewaltausübung noch nicht ableiten lässt. Im Rahmen des
Besuchs des Deutschkurses dürften ebenfalls Sozialkontakte möglich gewesen sein.
Unter diesen Umständen hat eine Ausübung von ehelicher Gewalt im erwähnten Sinn
als nicht bewiesen zu gelten.
3.3.
3.3.1. Da die starke Gefährdung der sozialen Wiedereingliederung im Herkunftsland für
sich allein (d.h. auch ohne Gefahr für Leib und Leben) einen wichtigen persönlichen
Grund im Sinne von Art. 77 Abs. 2 VZAE darstellt, ist zu prüfen, ob aufgrund dessen die
Aufenthaltsbewilligung zu erteilen bzw. zu verlängern ist. Die Beschwerdeführerin
macht geltend, ihre soziale Wiedereingliederung sei stark gefährdet. Sie sei unter sehr
schwierigen familiären Verhältnissen aufgewachsen. Die Mutter habe die Familie
verlassen. Der Vater habe sie geschlagen und sich nicht um sie gekümmert. Sie habe
Geld für das Nötigste selbst verdient. Im Alter von ca. 15 Jahren sei sie dann von einer
Familie aufgenommen worden, welche in bescheidenen Verhältnissen gelebt habe. Für
sie wäre es unmöglich, zu dieser Familie zurückzukehren. Über weitere Kontakte
verfüge sie nicht. Sie wäre bei einer Rückkehr in die Heimat völlig auf sich gestellt; dies
bei einer ärztlich bestätigten behandlungsbedürftigen psychischen Beeinträchtigung.
Sie wäre aufgrund der erheblichen psychischen Beeinträchtigung darauf angewiesen,
dass sie bei einer Rückkehr unterstützt würde, was aber nicht zu erwarten sei. Den
grossen Schwierigkeiten bei einer Rückkehr nach Mazedonien stehe ihre grosse
Integrationsleistung gegenüber. Sie könne sich problemlos in deutscher Sprache
unterhalten und auch komplexe Sachverhalte schildern (act. G 7 S. 8 f.). Sie sei sodann
in einer Festanstellung tätig (act. G 16 f.).
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3.3.2. Bei der sozialen Wiedereingliederung ist entscheidend, ob die persönliche,
berufliche und familiäre Wiedereingliederung der betroffenen ausländischen Person bei
einer Rückkehr in ihre Heimat als stark gefährdet zu gelten hätte und nicht, ob ein
Leben in der Schweiz einfacher wäre und vorgezogen würde (BGer 2C_17/2012 vom
24. Januar 2012, E. 2.3.1; BGE 137 II 345, E. 3.2.3). Ein persönlicher nachehelicher
Härtefall setzt aufgrund der gesamten Umstände eine erhebliche Intensität der
Konsequenzen für das Privat- und Familienleben voraus, die mit der Lebenssituation
nach dem Dahinfallen der gestützt auf Art. 44 AuG abgeleiteten
Anwesenheitsberechtigung verbunden sein muss (vgl. BGer 2C_17/2012 vom
24. Januar 2012, E. 2.3.1).
Die Feststellung im vorinstanzlichen Entscheid, dass nach wie vor familiäre
Beziehungen der Beschwerdeführerin zu ihrer Heimat bestehen (act. G 2 S. 12), wo sie
die ersten 22 Jahre ihres Lebens verbrachte, blieb vorliegend unbestritten. Aus dem
Umstand, dass sie dort keine berufliche Ausbildung absolviert hatte und ihre Familie
oder weitere nahestehende Personen in Mazedonien ihr keine wirtschaftliche Hilfe
leisten können, lässt sich keine starke Gefährdung ableiten, die gegen eine
Wiedereingliederung der Beschwerdeführerin in ihrer Heimat sprechen würde. Der
Umstand, dass sich der Aufbau einer wirtschaftlichen Existenz für die
Beschwerdeführerin in Mazedonien schwieriger gestaltet als in der Schweiz, hat keine
Unzumutbarkeit der Rückkehr zur Folge. Wurden keine engen Beziehungen zur
Schweiz geknüpft und war der Aufenthalt im Land nur von kurzer Dauer, besteht
praxisgemäss kein Anspruch auf einen weiteren Verbleib, auch wenn die betroffene
ausländische Person hier nicht straffällig geworden ist, gearbeitet hat und inzwischen
auch Deutsch spricht (BGer 2C_17/2012 vom 24. Januar 2012, E. 2.3.1; VerwGE B
2013/234 vom 11. November 2014, E. 2.6). Aus dem Umstand, dass die
Beschwerdeführerin, welche zwischenzeitlich Sozialhilfe bezogen hatte (act. G 8), in der
Schweiz beruflich integriert ist und eine Erwerbstätigkeit ausübt (act. G 16 f.), lässt sich
entsprechend der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kein Anspruch auf einen
weiteren Verbleib in der Schweiz ableiten. Es sind auch keine anderen wichtigen
persönlichen Gründe ersichtlich, welche einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz
erfordern würden. Die im medizinischen Bericht vom 20. August 2015 empfohlene
langfristige regelmässige Therapie (act. G 11/6.1) ist unbestritten auch in Mazedonien
durchführbar. Der Beschwerdeführerin war die Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des
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Familiennachzugs ihres Ehemannes erteilt worden. Nachdem die Ehegemeinschaft
nicht mehr besteht, bestätigte die Vorinstanz zu Recht die Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung.
4. (...).