Decision ID: 019d1357-4251-46d4-a3ac-f4c65f6fb71d
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1959 geborene
X._
, welche als Köchin im Familien
be
trieb tätig war,
meldete sich am 2. November 2006 (Eingangsdatum) bei der Eid
genössischen Invalidenvers
icherung unter der Angabe,
sie
leide
an grauem Star und
benötige
eine Operation, zum Leistungsbezug an (Urk. 8/1 und Urk. 8/3
/3
). Am 1. Februar 2007 (Eingangsdatum) reichte sie eine weitere Anmel
dung zum Leistungsbezug
ohne Angabe von Gründen
ein (Urk. 8/7). Die IV-Stelle tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und verneinte nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 23. Februar 2007, Urk. 8/13)
mit Verfügung vom 16. April 2007 einen Anspruch der Versicherten auf medizini
sche Massnahmen (Urk. 8/14). Diese Verfügung blieb unangefoch
ten.
1.2
Am 17. September 2007 (Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf eine Multiple Sklerose (MS), bestehend seit circa März 2006, wiederum bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Rentenbezug an (Urk. 8/16). Die IV-Stelle tätigte erneut erwerbliche und medizinische Abklä
rungen. Mit Vorbescheid vom 7. Mai 2008 stellte sie der Versicherten die Zusprechung einer halben Rente ab 1. April 2007 in Aussicht (Urk. 8/30 f.). Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 26. Mai 2008 Einwand (Urk. 8/33), woraufhin die IV-Stelle weitere medizinische Abklärungen tätigte und am 7. Juli 2009 eine medizinische Begut
achtung bei der
Abklärungsstelle
Y._
in
Z._
anord
nete (Urk. 8/53). Das Gutachten wurde am 11. Februar 2010 erstattet (Urk. 8/60). Mit Eingabe vom 10. Mai 2010 reichte die Versicherte, nunmehr vertreten durch Rechtsan
wältin
lic
.
iur
.
Evalotta
Samuelsson, ihre Stellungnahme
dazu
ein (Urk. 8/74).
Mit Vorbescheid vom 22. Februar 2011 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung des Rentenbege
hrens in Aussicht (Urk. 10/92
). Dagegen erhob die Versicherte
wiederum
Einwand (
Eingab
e vom 16. Mai 2011 [
Urk. 8/97
]
)
und wies darauf hin
,
ihr
Gesundheitszustand
habe sich erheblich
verschlechtert, woraufhin die IV-Stelle
zusätzliche
medizinische Abklärungen tätigte. Am 11. April 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass eine
weitere
polydis
ziplinäre
medizinische Beg
utachtung notwendig sei (Urk. 8
/116).
Darauf folgte ein Schriftenwechsel zwischen den Parteien über die Notwendigkeit einer
solchen
Begutachtung (
Urk. 8
/119
;
Urk. 8
/133
; Urk. 8
/138).
Mit Eingabe vom 11. Juni 2013 (Urk. 8/141) erhob die Versicherte beim hiesigen Gericht
Rechts
verzögerungsbeschwerde
und beantragte, die IV-Stelle sei anzuweisen, unver
züglich eine Verfügung über
ihren Rentenanspruch
zu erlassen; even
tuell sei die IV-Stelle anzuweisen, unverzüglich eine Verfügung über die
Gutachtens
anordnung
zu erlassen
(
Prozess
-Nummer IV.2013.00556)
. Am 3. Juli 2013 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, es werde an der Notwendigkeit eines Gut
achtens festgehalten und der Gutachtensauftrag sei der MEDAS
A._
zugeteilt worden (Urk. 8/144).
Schliesslich erklärte sich die Versicherte
mit der Begutachtung einverstanden
(Schreiben vom 12. Juli 2013; Urk. 8/146). Die MEDAS
A._
erstattete das polydisziplinäre Gutachten am 20. Januar 2014 (Urk. 8/152)
. Mit Beschluss vom 5. März 2014 schrieb das hiesig
e Gericht das
hängige
Verfahren
als gegenstandslos
geworden
ab
(Urk. 8/154).
Mit Verfü
gung vom 24. Juni 2014 verneinte die IV-Stelle einen Leistungsanspruch der Versicherten (Urk. 2 [= Urk. 8/161]).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 26. August 2014 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr eine ganze Invalidenrente
ab dem 1. April 2007
zuzusprechen (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 30. September 2014 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7), was der Beschwerdeführerin am 1. Oktober 2014 angezeigt wurde (Urk. 9). Diese
beantragte
am 3. November 2014
die Anordnung
eines zweiten Schriftenwechsels (Urk. 10), woraufhin ihr am 4. November 2014 mitgeteilt wurde, ein solcher werde mangels Notwendig
keit nicht angeordnet (Urk. 11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversiche
rungs
rechts
[
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung
[
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
tels
rente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
liegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen
kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid vom 24. Juni 2014 hielt die Beschwerdegegnerin fest, gemäss dem
Y._
-Gutachten vom 11. Februar 2010 sei die Beschwerde
führerin in ihrer angestammten Tätigkeit als Köchin seit Mai 2007 zu 100 % arbeitsunfähig. In körperlich leichten bis mittelschweren, vorwiegend sitzenden Tätigkeiten könne ihr im gleichen Zeitraum eine 100%ige Arbeitstätigkeit mit einer 20%igen Leistungseinbusse zugemutet werden. Aufgrund des
Einkom
mensvergleichs
resultiere für diese Zeit ein Invaliditätsgrad von 25 %, weshalb kein Rentenanspruch bestehe. Im MEDAS-Gutachten vom 20. Januar 2014 sei festgehalten worden, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin für alle Tätigkeitsbereiche zu 100 % eingeschränkt sei. Die komplette Einschränkung auch in angepassten Tätigkeiten begründe der psychiatrische Gutachter mit der Diagnose einer gemischten dissoziativen Störung (ICD-10 F44.7). Praxisgemäss seien diese den anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörungen rechtlich gleich
zustellen, weshalb die Prüfung der Überwindbarkeit angezeigt sei.
Da die
Förster-Kriterien
nicht erfüllt seien,
sei von der Überwindbarkeit auszugehen. Der Invaliditätsgrad betrage daher 17 %. Damit
sei
das Leistungsbegehren
abzu
weisen
(Urk. 2).
2.2
Demgegenüber machte
die
Beschwerdeführer
in
zusammengefasst
geltend,
eine Arbeitstätigkeit
sei ihr
nach
der
Beurteilung der Gutachter nicht mehr zumutbar, weshalb sie ab dem 1. April 2007 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe
(Urk. 1).
3.
Das polydisziplinäre Gutachten der MEDAS
A._
vom 20. Januar 2014 beruht auf internistischen, rheumatologischen, neurologischen, neuropsy
chologischen und psychiatrischen Untersuchungen (Urk. 8/152).
In der interdisziplinären Zusammenfassung wurden die folgenden Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt (Urk. 8/152/38):
Schubförmige
Multiple Sklerose, Erstmanifestation 2006, Erstdiagnose 2007
MRI zerebral und spinal mit multiplen
Demyelinisierungsherden
, im Liquor Nachweis einer
intrathekalen
IgG
-Produktion und
oligoklona
len
Banden
Rebif
-Therapie von Juni bis September 2007, sistiert wegen Hepatopa
thie;
Copaxone
-Therapie von August 2008 bis April 2009, abgesetzt wegen Unverträglichkeit;
Avonex
-Therapie wegen erneutem Transaminasenanstieg sistiert; 04/2011 bis 11/2012
Gilenya
-Behand
lung, abgesetzt wegen Unverträglichkeit (
Makulaödem
?) und
Krank
heitsprogredienz
;
Tysabri
-Behandlung seit 03/2013
letzte schubförmige Störung April 2013 mit Dysästhesie des Gesichts links und Verschlechterung des Schwindels und des
Allgemeinzustan
des
Klassifizierung EDSS 5.0
Rezidivierende Stürze unklarer Ätiologie und generalisiertes
Schmerz
syn
drom
gemäss Unterlagen
myofasziales
Schmerzsyndrom
gemäss Unterlagen rezidivierendes
Zervikalsyndrom
bei degenerati
ven HWS-Veränderungen mit
Oste
ochondrosen
,
Diskusprotrusion
C4
/C5 und C5/C6 und mit Einengung des rechtsseitigen
Neurofora
mens
bei chronischer Opiateinnahme
DD: zusätzliche neuropathische Schmerzen im Rahmen der MS
a
usgeprägte funktionelle Überlagerung
Gemischte
dissozivative
Störung (ICD-10 F44.7) mit dissoziativer Bewe
gungsstörung (ICD-10 F44.4) in Form einer ausgesprochenen Gangataxie
Dissoziative Sensibilitäts-Empfindungsstörungen (ICD-10 F44.6) mit gestörter Körperwahrnehmung
,
unter anderem mit einem Ganzkörper-Schmerzsyndrom
Iatrogen induzierte Opiatabhängigkeit
(
ICD-10 F11.25
)
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden im Gutachten die folgenden genannt (Urk. 8/152/39):
Chronische Kopfschmerzen vom Spannungstyp mit Übergang in Migräne
Arterielle Hypertonie
Morbide Adipositas (
158 cm/111 kg/BMI 45)
Lebersteatose (DD: nicht-
äthylische
Steato
-Hepatitis)
mit
Lip
-Lymphödem der Beine
Ausgeprägte Genua
valga
, Knick-Senkfüsse
Hypothyreose seit einigen Jahren, substituiert
Unklare, fluktuierende
Visuseinschränkung
und fragliche Einschränkung des lateralen Gesichtsfeldes beidseits
Nikotinkonsum (anamnestisch gering)
Refluxbeschwerden
Zum Zustand der Beschwerdeführerin hielt der internistische Gutachter unter anderem fest, er habe sie am Mittag und am Abend ins benachbarte Hotel begleitet un
d sie dort auch wieder abgeholt
, um ihre Mobilität zu überprüfen. Die Beschwerdeführerin sei sehr verlangsamt, und die Stufe vom Gehsteig auf die Strasse sei für sie nur sehr schwer überwindbar. Sie müsse dazu zuerst den Rollator hinunterstellen und dann den Gehstock ergreifen. Sie setze dann einen Fuss äusserst vorsichtig auf die Strasse, komme ins Zittern und setze den ande
ren Fuss auf. Auf der anderen Strassenseite müsse sie den Rollator dann zuerst auf das Trottoir schieben, sich irgendwie festhalten und mittels Gehstocks wieder die Füsse hochsetzen. Zwischendurch habe sie Zitteranfälle. Bei der Untersuchung sei freies Stehen kaum möglich gewesen. Die Beschwerdeführerin sei immer wieder unvermittelt etwas zur Seite gekippt oder habe blitzartig ein
schiessende Schlotteranfälle bekommen, sodass man immer wieder erschrocken sei und befürchtet h
abe, sie würde zu Boden fallen (Urk. 8/152/29).
In der Gesamtzusammenfassung wurde festgehalten, das Krankheitsbild der Beschwerdeführerin sei äussert komplex. Einerseits
liege eine schubförmige
MS
vor, und Schübe trät
en auch unter adäquater Behandlu
ng immer wieder auf. Eine derartige
MS könne sowohl zu Körperschmerzen, beispielsweise Kopf
schmerzen
, als auch zu
Sensibilitätsstörungen führen. Parallel zur MS habe sich eine dissoziative Störung etabliert. Als weitere Komplikation müsse festgehalten werden, dass die Beschwerdeführerin seit sechs Jahren unter einer Opiattherapie stehe. Sie sei als iatrogen Opiatabhängige zu bezeichnen. Die Situation sei ver
zwickt und unübersichtlich, denn die Beschwerdeführerin nehme selber in der Nacht noch eine hohe Dosis eines Opiates zusätzlich zum verordneten
Targin
ein; sie stehe also unter der Wirkung von zwei Opiaten. Dies sei an sich eine fragwürdige Therapie. Es komme erschwerend hinzu, dass die Beschwerde
führerin auch das Antidepressivum
Efexor
einnehme, welches zusätzlich zu den Opiaten zu unübersichtlichen Wirkungen/Nebenwirkungen führen
könne. Die Beschwerdeführerin nehme auch noch parallel zwei verschiedene Antirheuma
tika ein, ebenfalls eine ungünstige und kontraindizierte Gegebenheit. Vor allem bezüglich der Opiatbehandlung seien den Gutachtern die Hände gebunden. Die Beschwerdeführerin verspüre durch die Einnahme dieser Medikamente eine Lin
derung ihrer Schmerzen. Deswegen werde weder eine Reduktion noch ein Ent
zug empfohlen, obwohl die Opiate durchaus auch für einen grossen Teil des Erscheinungsbildes verantwortlich sein könnten. Trotzdem sei die Beschwerde
führerin nicht mehr entzugsfähig. Auch der psychiatrische Gutachter halte daran fest, dass ein Entzug bei der Beschwerdeführerin zu massiven
Schmer
zausbrüchen
führen würde
, was nicht zumutbar sei (Urk. 8/152/37 f.). Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit könne davon ausgegangen werden, dass
sich
die psychische Überlagerung der somatischen Beschwerden im Sinne eines
kon
versionsneurotischen
Krankheitsbildes mit sensorischen und motorischen Anteilen in den letzten drei Jahren irreversibel
chronifiziert
habe (Urk. 8/152/37). Die Beschwerdeführerin sei weder in der bisherigen Tätigkeit als Köchin noch in einer angepassten Tätigkeit arbeitsfähig. Auch medizinische Massnahmen könnten die Arbeitsfähigkeit nicht verbessern. Die Beschwerde
führerin bedürfe weiterhin der engmaschigen Kontrolle und Therapie ihrer Mul
tiplen Sklerose. Wegen ihrer ausgeprägten Schwerfälligkeit sei aber eine drasti
sche Gewichtsreduktion anzustreben (Urk. 8/152/39).
4.
4.1
Das MEDAS-Gutachten vom 20. Januar 2014 vermag die an eine beweiskräftige ärztli
che Expertise gestellten Anforderungen vollumfänglich zu erfüllen (E. 1.4).
So tätigten die Gutachter
sorgfäl
tige, umfassende Abklärungen, berücksich
tig
ten
die ge
klagten Beschwerden und begründeten ihre Einschätzung in nachvoll
zieh
ba
rer Weise sowie in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
. Hinweise, welche ge
gen die Verwertbarkeit des Gutachtens sprächen, sind
n
icht ersichtlich.
4.2
Die Gutachter schilderten die Komplexität des
vorliegenden
Krankheitsbildes
eindrücklich
und wiesen auf die
bestehende
Polymorbidität hin.
D
ie MS als sol
che
konnte
als Ursache für
Körperschmerzen und
Sensibilitätsstörungen
ver
antwortlich gemacht werden
,
allerdings (zumindest im zu beurteilenden Zeit
punkt) nicht im
beklagten
Ausmass
. Parallel zur MS
entwickelte sich
sodann
eine
dissoziative Störung
, welche
zur Zunahme der subjektiv empfundenen Schmerzen führte
,
so
dass die Beschwerdeführerin
übermässig Opioide konsu
miert
e
, welche ihrerseits wiederum für einen Grossteil des Erscheinungsbildes verantwortlich sein könnten
.
Die Gutachter konnten letztlich nicht exakt fest
stellen, in welchem Ausmass die
Beschwerden
der MS, der dissoziativen Störung oder der Opiateinnahme geschuldet sind. Sie
kamen jedenfalls zum Schluss, dass der Beschwerdeführerin ein Entzug nicht mehr zumutbar sei, da dies zu massiven Schmerzausbrüchen führ
en würde
(Urk. 8/152/37 f.).
Aufgrund der beschriebenen Polymorbidität ist die Rechtsprechung zu den
somatoformen
Schmerz
störungen nicht einschlägig.
4.3
Der psychiatrische Gutachter hielt in seinem Teilgutachten vom 14. Oktober 2013 unter anderem fest, es sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sich die psychische Überlagerung im Sinne eines
konversions
neurotischen
Krankheitsbildes mit sensorischen und motorischen Anteilen in den letzten 3 Jahren irreversibel
c
hronifiziert
habe
.
Durch eine integrierte psy
chiatrisch
-
psychotherapeutische Behandlung sei das psychische Leiden der
Beschwerdeführerin nicht
mehr
beeinflussbar. Die
Opioidmedikation
verstärke neben der Sucht die kinästhetische Dissoziation. Durch einen
Opioidentzug
sei das psychische Zustandsbild der Beschwerdeführerin aber nicht verbesserbar. Grundsätzlich sei ihr aus psychiatrischer Sicht ein solcher Entzug zumutbar, aber das Risiko, dass sich dadurch die Schmerzen verstärkten, sei bei der Beschwerdeführerin hochgradig erhöht. Aus diesem Grunde werde kein Entzug empfohlen (Urk. 8/152/71 f.).
Dies
e Ausführungen erscheinen
nac
hvollziehbar; weitere therapeutische Opti
onen bestehen daher nicht mehr.
A
ufgrund
der bestehenden Polymorbidität mit einer
dissoziativen Bewegungsstörung (mit Gangataxie und anamnestisch häufigen Stürzen)
und
einem
Ganzkörper-Schmerzsyndrom
ist der Beschwerdeführerin
eine Tätigkeit nicht zumutbar
(vgl. dazu auch BGE 141 V 281 und
Urteil des Bundesgerichts 9C_818/2014 vom 10. August 2015 E. 4.2.3)
.
A
uf Grund des präsentierten Zustandsbildes
ist sie schliesslich
auch kaum einem Arbeitgeber zumutbar, wie der neurologische Gutachter in seinem Teilgutachten vom 26. September 2013
zutreffend
schreibt (Urk. 8/152/51).
4.4
4.4.1
Ab wann eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit
in angepasster Tätig
keit besteh
t
, konnten die Gutachter nicht
exakt
beantworten. Sie hielten
fest, dass eine der Hauptdiagnosen, die dissoziative Bewegungsstörung
, im
Y._
-
Gutachten
von
2010 noch
nicht diagnostiziert worden
sei
(Urk. 8/152/40).
Der psychiatrische Gutachter hielt in seinem Teilgutachten vom 14. Oktober 2013 fest, abgestützt auf die Angaben der Beschwerdeführerin habe sich das psychische Zustandsbild in den letzten 2 Jahren mit (unter anderem) Einsatz eines Rollators richtungge
bend verschlechtert. Er gehe davon aus, dass bei der Beschwer
deführerin bereits im Jahr 2010
eine psychogene Überlagerung bestanden habe. In den letzten drei Jahren sei es jedoch zu eine
r irreversiblen
Chronifizierung
der
konversionsneu
rotischen
Störung gekommen (Urk. 8/152/72).
4.4.2
Da die Gutachter den Zeitpunkt der richtunggebenden Verschlechterung nicht exakter bestimmen konnten, ist mit dem im Sozialversicherungsrecht massge
benden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten ab den gutachterlichen Untersu
chungen im September 2013 auszugehen. Für einen früheren Zeitpunkt der Verschlechterung liegt entsprechend Beweislosigkeit vor. Diesbezüglich bleibt die beweiskräftige Einschätzung der
Y.
_
-Gutachter vom 11. Februar 2010 gül
tig, wonach der Beschwerdeführerin die bisherige Tätigkeit als Köchin ab Mai 2007 nicht mehr, eine angepasste Tätigkeit indes bei einer Leistungseinbusse von 20 % vollschichtig zumutbar war (Urk. 8/60/20). Der
standardisierte monatliche Bruttolohn (Median sämtlicher Branchen; inklusive 13. Monatslohn, basierend auf einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden) für weibliche Arbeitskräfte an Arbeitsplätzen des niedrigsten Anforderungsniveaus (Katego
rie 4) betrug im Jahr 2006 Fr. 4'019.-- (Tabelle TA1 der Schweizerischen
Lohn
strukturerhebung
[LSE] 2006 S. 25). Aufgerechnet auf die durchschnittliche betriebsübliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden pro Woche im Jahr 2007 (Die Volkswirtschaft 7/8-2010 S. 90 Tabelle B9.2) und angepasst an die Entwicklung der Nominallöhne für weibliche Arbeitskräfte von 2417 Punkten im Jahr 2006 auf 2453 Punkte im Jahr 2007 (Die Volkswirtschaft 7/8-2010 S. 91 Tabelle B10.3) ergibt dies ein Bruttoeinkommen für ein Pensum von 80 % von Fr. 40'821.--. Unter Berücksichtigung eines angemessenen Leidensabzugs von 10 % betrug das Invalideneinkommen der Beschwerdeführerin im Jahr 2007 Fr. 36'739.--. Bei einem
Valideneinkommen
von Fr. 54'600.-- im Jahr 2007 (Urk. 8/26, vgl. auch die Einträge im IK-Auszug, Urk. 8/21/3) resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr. 17'861.--, was im relevanten Zeitraum einem
renten
ausschliessenden
Invaliditätsgrad von gerundet 33 % entspricht.
4.4.3
Damit der Anspruch auf die von der Beschwerdeführerin beantragte ganze Invali
denrente entsteht, ist nicht nur eine Erwerbsunfähigkeit von mindestens 70 %, sondern auch eine durchschnittlich mindestens 70%ige Arbeitsunfähig
keit im angestammten Beruf während der dem Beurteilungszeitpunkt vorange
gangenen zwölf Monaten erforderlich (vgl. oben E. 1.2). Im vorliegenden Fall entstand eine Erwerbsunfähigkeit von mindestens 70 % im September 201
3.
Da die Beschwerdeführerin in der angestammten beruflichen Tätigkeit in den vorangegangenen zwölf Monaten von September 2012 bis August 2013 zu 100 % arbeitsunfähig war, ist auch die zweite Voraussetzung für die Entstehung des Anspruchs erfüllt. Demnach hat die Beschwerdeführerin ab 1. September 2013 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung (vgl. Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 885/05 vom 21. September 2006 E. 3 - 5).
4.5
Nach dem Gesagten
ist der Beschwerdeführerin in teilweiser Gutheissung der Beschwerde
ab dem
1.
September 2013
eine
ganze Rente der Invalidenversi
cherung
zuzusprechen
. I
m Übrigen ist die Beschwerde
abzuweisen.
5.
5.1
Gestützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Verfahren für die unterliegende Partei kostenpflichtig. Die Kos
ten sind unabhängig vom Streitwert nach dem Verfah
rensaufwand festzulegen und vorliegend auf Fr. 600.-- anzusetzen. Da die Beschwerdeführerin bezüglich des Rentenanspruchs an sich obsiegt (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 9C_466/2007 vom 25. Januar 2008 E. 5), sind die Kosten voll
umfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts
hat d
i
e Beschwerdeführer
in
bei teil
weisem Obsiegen Anspruch auf eine reduzierte Parteientschädigung
. Der Umstand allein, dass eine Teilrente zu einem späteren Zeitpunkt als beantragt zugesprochen wird, rechtfertigt noch keine Reduktion der
Parteient
schädigung
, jedenfalls soweit der Aufwand nicht vom beantragten Umfang der Rente beein
flusst wird (BGE 117 V 401 E. 2c). Dementsprechend ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Be
schwerdeführerin eine volle Prozessentschädigung (§ 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
]) zu bezahlen. Diese ist auf Fr.
2‘1
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.