Decision ID: 2c0d91f4-50c0-589c-8540-10f423027325
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein somalischer Staatsangehöriger aus Moga-
dischu, verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 24. No-
vember 2019 und gelangte auf dem Luftweg in die Türkei. Von dort aus
reiste er über Griechenland und Italien in die Schweiz und suchte am 6. Juli
2021 im Bundesasylzentrum Region Bern um Asyl nach.
Am 8. Juli 2021 fand die Personalienaufnahme statt (Protokoll in den SEM-
Akten; 1101493-10/9 [nachfolgend: A10/9]). Am 11. August 2021 wurde der
Beschwerdeführer in Anwesenheit der ihm zugewiesenen Rechtsvertre-
tung zu den Asylgründen angehört (Protokoll in den SEM-Akten: 1101493-
22/20 [nachfolgend: A22/20]). Dabei machte er im Wesentlichen geltend,
nach dem Abschluss des Gymnasiums und dem Abbruch seines (...)studi-
ums zufolge Geldmangels habe er ab Januar 2019 als Chauffeur von
B._, eines Mitglieds des «Parliament of Africa» (recte: Parlament
von Somalia) gearbeitet. Ab Oktober 2019 sei er via Textnachrichten auf-
gefordert worden, der Miliz al-Shabaab Informationen über den Parlamen-
tarier zu liefern. Zudem habe er Anrufe mit unterdrückter Rufnummer er-
halten, die er nicht entgegengenommen habe. Er habe seinen Arbeitgeber
darüber informiert und diesen sicherheitshalber fortan weniger oft chauf-
fiert. Am 18. November 2019 habe ein Bewohner seines Quartiers, von
dem er seit längerem vermutet habe, dass er der al-Shabaab angehöre, an
seine Haustüre geklopft. Als er nicht geöffnet habe, habe diese Person eine
Bombe in das Haus geworfen. Aufgrund der Explosion habe ihn ein Splitter
am linken Arm getroffen. Sein Schwager und ein Polizist hätten ihn darauf-
hin in ein Hotel in der Nähe eines Polizeipostens gebracht. Wenige Tage
später habe er Somalia verlassen.
Zum Beweis seiner Identität und seiner Vorbringen reichte der Beschwer-
deführer seinen Reisepass im Original (mit einigen fehlenden Seiten) so-
wie Kopien eines Strafregisterauszugs, einer Bestätigung seiner Schule,
seines Zeugnisses des Schuljahres 2012/2013 und seines Arbeitsvertrags
vom 6. Januar 2019 zu den Akten.
B.
Am 17. August 2021 gab die Vorinstanz der zugewiesenen Rechtsvertre-
terin Gelegenheit zur Stellungnahme zum Verfügungsentwurf, der die Ab-
lehnung des Asylgesuchs zufolge nicht glaubhaft gemachter Asylgründe
vorsah. In ihrer Eingabe vom darauffolgenden Tag brachte die Rechtsver-
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treterin insbesondere vor, der Beschwerdeführers habe während der gan-
zen Anhörung einen wortkargen Erzählstil gepflegt und nicht nur – wie für
konstruierte Sachverhalte typisch – spezifisch betreffend das für die Flucht
ausschlaggebende Ereignis. Die pauschale Herabwürdigung des Beweis-
werts der eingereichten Beweismittel sei sodann nicht mit dem Untersu-
chungsgrundsatz der Behörde zu vereinbaren. Schliesslich sei der Be-
schwerdeführer bemüht, zusätzliche Beweismittel betreffend seine Tätig-
keit als Chauffeur, insbesondere ein Bestätigungsschreiben seines ehema-
ligen Arbeitgebers, zu beschaffen.
C.
Mit Verfügung vom 19. August 2021 – gleichentags eröffnet – stellte die
Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz an (Dispositivziffern 1–3). Den Vollzug der Wegeweisung stufte
sie als unzumutbar ein und nahm den Beschwerdeführer vorläufig in der
Schweiz auf (Dispositivziffern 4–5). Ausserdem teilte sie den Beschwerde-
führer dem Kanton C._ zu (Dispositivziffern 6–7).
D.
Am 20. August 2021 legte die zugewiesene Rechtsvertretung das Mandat
nieder.
E.
Mit Eingabe vom 20. September 2021 erhob der Beschwerdeführer, han-
delnd durch den rubrizierten Rechtsvertreter, Beschwerde beim Bundes-
verwaltungsgericht. Er beantragt, die vorinstanzliche Verfügung sei betref-
fend die Dispositivziffern 1–3 aufzuheben und die Sache zur rechtsgenüg-
lichen Sachverhaltsabklärung und neuer Entscheidung an das SEM zu-
rückzuweisen, eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und
die Vorinstanz anzuweisen, ihm Asyl zu gewähren. In verfahrensrechtlicher
Hinsicht ersucht er um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses, Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Bestellung eines
unentgeltlichen Rechtsbeistands in der Person seines Rechtsvertreters.
Als weiteres Beweismittel reichte er einen Ausdruck von Informationen zu
seinem ehemaligen Arbeitgeber ein und verwies auf dessen Facebook-
Profil (<https://www.facebook.com/B._/>, abgerufen am 4.10.2021).
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F.
Am 23. September 2021 bestätigte die Instruktionsrichterin den Eingang
der Beschwerde.
G.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
21. September 2021 in elektronischer Form vor.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG
i.V.m. Art. 10 Covid-19-Verordnung Asyl vom 1. April 2020 [SR 142-813];
Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf diese ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich vorliegend nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. Entsprechend kann mit
Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch
und Überschreitung des Ermessens, sowie die unrichtige und unvollstän-
dige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden.
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3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Letzteres ist erfüllt, wenn die Behörde
die Flüchtlingseigenschaft mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-
ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Behörde ist im Asylverfahren – wie auch im übrigen Verwaltungs-
verfahren – aufgrund der geltenden Untersuchungsmaxime verpflichtet,
den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen richtig und vollstän-
dig abzuklären (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG). Es obliegt ihr im Rahmen
des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 und 32 Abs. 1 VwVG),
die Vorbringen der asylsuchenden Person entgegenzunehmen, diese auch
wirklich zu hören, sorgfältig zu prüfen und sich damit in der Entscheidfin-
dung sachgerecht auseinanderzusetzen. Sodann ist sie gehalten, unter
Mitwirkung der Partei die für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsun-
terlagen zu beschaffen, die relevanten Umstände abzuklären und darüber
ordnungsgemäss Beweis zu führen.
5.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet
einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
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ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-
sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes;
3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
5.3 Die Vorinstanz hält im angefochtenen Entscheid fest, es sei mit über-
wiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sich die durch den
Beschwerdeführer geltend gemachten Geschehnisse nicht auf die geschil-
derte Art und Weise zugetragen hätten. Der Darlegung der Arbeit als
Chauffeur mangle es an Substanz und Erlebnisbezug; sie sei vage und
allgemein ausgefallen. So habe er etwa keinerlei Auskünfte über die Tätig-
keit seines Arbeitgebers als Parlamentarier geben können und sei auch
nicht in der Lage gewesen, seine eigene Arbeit zu beschreiben. Auf Nach-
frage, welche seine bevorzugte Fahrstrecke gewesen sei oder wo er das
Auto jeweils getankt habe, habe er ausweichend und allgemein geantwor-
tet. Dem eingereichten Arbeitsvertrag komme sodann lediglich ein geringer
respektive kein Beweiswert zu, da das Dokument keinerlei fälschungssi-
chere Merkmale aufweise und allgemein bekannt sei, dass in Somalia
praktisch jegliche Art von Dokumenten käuflich erworben werden könne.
Überdies sei der Vertrag als Gefälligkeitsschreiben zu qualifizieren. Über
die Drohnachrichten der al-Shabaab habe der Beschwerdeführer ebenfalls
vage und allgemein berichtet. Den Schilderungen des Schocks nach der
Bombenexplosion seien zwar gewisse Realkennzeichen zu entnehmen. In-
dessen habe der Beschwerdeführer die Umstände der Explosion nicht
plausibel und mit Detailreichtum dargelegt. Zusammenfassend sei nicht
auszuschliessen, dass er eine Bombenexplosion in Mogadischu miterlebt
habe respektive spreche die Schilderung der Bombenexplosion für die
Glaubhaftigkeit seiner Herkunftsangaben. Aufgrund mangelnden Erlebnis-
bezugs sowie Konkretisierungsgrades und teils mangelnder Substanz
könne ihm jedoch nicht geglaubt werden, dass er unter den geltend ge-
machten Umständen aus Somalia ausgereist sei. Insgesamt hielten die
Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Glaubhaf-
tigkeit gemäss Art. 7 AsyIG nicht stand, so dass deren Asylrelevanz nicht
geprüft werden müsse. Demzufolge erfülle er die Flüchtlingseigenschaft
nicht, weshalb das Asylgesuch abzulehnen sei.
5.4 Der Beschwerdeführer wendet ein, sein knapper, karger Erzählstil
ziehe sich durch das gesamte Interview, was die Vorinstanz bei ihrer Ein-
schätzung der Glaubhaftigkeit vollkommen unbeachtet lasse. Ihm sei nicht
klar gewesen, wieso respektive dass er gewisse Fragen detailliert hätte
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beantworten müssen und er habe den Sinn wiederholter Fragen nicht er-
kannt (vgl. etwa A22/20 F72 f., F115, F134 ff.). Bei den ihm gestellten offe-
nen Fragen habe er den Grund für seine Gefährdung im Heimatland, ins-
besondere den Anschlag mit der Bombe, aber um einiges detaillierter aus-
geführt (vgl. A22/20 F80 ff.). So habe auch die Vorinstanz erkannt, dass die
Aussagen diverse Realkennzeichen enthielten. Nur aufgrund seines Er-
zählstils und trotz Vorliegens von Realkennzeichen auf einen konstruierten
Sachverhalt zu schliessen, überzeuge nicht, zumal auch der pauschale
Hinweis, er hätte irgendeine andere Explosion miterleben können, in recht-
licher Sicht keiner genügenden Beweiswürdigung und Sachverhaltsabklä-
rung entspreche. Die Vorinstanz habe für diese Mutmassung keinerlei In-
dizien geltend gemacht. Hinsichtlich der Bedrohung durch die al-Shabaab
habe er seine Gedankengänge und Handlungen nachvollziehbar darlegen
und auch den Inhalt einiger Nachrichten wiedergeben können. Ferner habe
er den Besuch durch ein Mitglied der al-Shabaab zeitlich eingeordnet und
in direkter Rede beschrieben, was er dieses gefragt habe.
Das SEM erläutere auch nicht, inwiefern die Angaben über seine Arbeit
konstruiert sein sollten. So sei ohne weiteres verständlich, dass nicht jede
Person eine Lieblingsstrecke haben müsse und es sei nachvollziehbar,
dass er bei einem leeren Tank zur nächsten Tankstelle – und nicht etwa
immer zur gleichen – gefahren sei. Zwar vermöge sich die Vorinstanz ge-
nauere Ausführungen zur Umgebung oder dergleichen erhofft haben. Die
gestellten Fragen seien dazu jedoch klar ungeeignet gewesen und es wäre
an der Vorinstanz gelegen, durch Nachfragen oder zielführendere Fragen
mehr über seine Arbeit zu erfahren. Dass dies unterlassen worden sei, sei
nicht ihm zuzuschreiben. Im Übrigen habe er nachvollziehbar darlegen
können, wie er zu seiner Anstellung gekommen sei; B._ (vgl. Be-
schwerdebeilage) sei ein früherer Nachbar gewesen, der ihn seit dem Kin-
desalter gekannt habe (vgl. A22/20 F86). Ausserdem habe er seinen Ar-
beitsbeginn zeitlich einordnen und angeben können, wie oft er seinen Chef
gefahren habe. Zur Tätigkeit des Parlamentariers habe er zwar tatsächlich
keine Angaben machen können. Dies liege aber daran, dass dieser wenig
von seiner Arbeit preisgegeben habe (vgl. A22/20 F133 ff.). Aus den ver-
fügbaren Country of Origin (COI)-Informationen ergebe sich, dass die al-
Shabaab stets darum bemüht sei, über Spitzel Informationen von hohen
Regierungs- und Parlamentsmitarbeitern zu erhalten (vgl. EASO, Country
of Origin Information Report, Somalia Actors. July 2021, Ziff. 4.1 ff.,
<https://coi.easo.europa.eu/administration/easo/PLib/2021_
07_EASO_COI_Report_Somalia_Actors.pdf>, abgerufen am 4.10.2021).
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Unter Berücksichtigung der Lage in Somalia wäre es für den Parlamenta-
rier fahrlässig gewesen, seine Arbeit im Auto zu diskutieren und ihn in seine
Arbeit miteinzubeziehen, zumal es sich bei ihm nur um den Chauffeur ge-
handelt habe. Durch den eingereichten Arbeitsvertrag lasse sich das An-
stellungsverhältnis nachweisen. Die Einschätzung der Vorinstanz, es
handle sich um ein Gefälligkeitsschreiben, greife unter Berücksichtigung
der Rechtsprechung zu kurz (vgl. dazu die Urteile des BVGer D-6060/2019
vom 6. Februar 2020 E. 3.3.5, E-7306/2013 vom 12. Januar 2016,
E. 6.2 f.). Die alleinige Tatsache, dass Dokumente in Somalia käuflich er-
hältlich seien, entbinde die Vorinstanz sodann nicht von einer eingehenden
Beweiswürdigung und der gründlichen Abklärung des Sachverhalts. Zu-
dem habe er die Einreichung eines weiteren Beweismittels (Schreiben sei-
nes Arbeitgebers) angeboten. Wäre der Sachverhalt konstruiert, so wäre
er dazu kaum von sich aus bereit gewesen. Die Vorinstanz habe es trotz
der eingereichten und anerbotenen Beweismittel gänzlich unterlassen, mit-
tels Country of Origin-Informationen und Botschaftsabklärungen den Sach-
verhalt weiter zu ermitteln (z.B. Befragung des Parlamentariers oder Ein-
holung einer Bestätigung) und so seine Aussagen zu stützen beziehungs-
weise zu widerlegen.
5.5 Anlässlich der Anhörung gab der Beschwerdeführer – was er selbst an-
erkennt – weitgehend kurze und knappe Antworten und zwar sowohl zu
den einleitenden Fragen, als auch zu den Beweismitteln und den Gesuchs-
gründen und damit auch betreffend Angaben, deren Glaubhaftigkeit die
Vorinstanz nicht in Frage stellt, wie seine Herkunft, sein Wohnquartier,
seine Familie, seine Ausbildung und die Reise in die Schweiz (vgl. etwa Vi-
act. A22/20 F41, F45, F48). Eine gewisse Knappheit scheint insgesamt in
seiner natürlichen Erzählweise zu liegen, sei es aufgrund seiner Persön-
lichkeit und/oder wegen kulturell bedingter Angewohnheiten. Diese Um-
stände sind in die Gesamtbeurteilung der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen
miteinzubeziehen.
Zu den Asylgründen wurden dem Beschwerdeführer bei der Anhörung
zahlreiche geschlossene und einige offene Fragen gestellt. Erstere beant-
wortete er erwartungsgemäss kurz, seine diesbezüglichen Aussagen sind
weder unlogisch noch widersprüchlich oder unplausibel. Die vielen ge-
schlossenen Fragen hätte aber auch jemand, der das Vorgebrachte nicht
erlebt hat, beantworten können. Sie eignen sich deshalb nur sehr be-
schränkt zur Ermittlung des Sachverhalts. Der Beschwerdeführer wendet
daher zu Recht ein, dass andere respektive klarere Fragen hätten gestellt
werden müssen, um den Sachverhalt vollständig zu ermitteln. Die wenigen
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offenen Fragen vermögen diesen Mangel nicht aufzuwiegen. In diesem Zu-
sammenhang machte der Beschwerdeführer – insbesondere betreffend
die angeblichen Drohungen durch die al-Shabaab und die Bombenexplo-
sion – ausführlichere und in sich schlüssige Aussagen, die insgesamt aber
immer noch recht knapp ausfielen und daher nur beschränkt auf ihre
Glaubhaftigkeit geprüft werden können. In den Schilderungen der – nach
Angaben des Beschwerdeführers für die Ausreise verantwortlichen und so-
mit zentralen – Bombenexplosion erkennt die Vorinstanz gewisse Real-
kennzeichen, führt diese aber auf eine nicht weiter spezifizierte, in anderem
Kontext erlebte Explosion zurück. Dieser Schluss erweist sich vor dem Hin-
tergrund der unzureichenden Befragung als nicht zulässig. Insgesamt las-
sen die gestellten Fragen in Kombination mit der knappen Erzählweise des
Beschwerdeführers im vorliegenden Fall keine zuverlässige Einschätzung
der Glaubhaftigkeit der gemachten Aussagen zu. Gestützt auf das vorlie-
gende Anhörungsprotokoll kann das Asylgesuch des Beschwerdeführers
somit nicht mit hinreichender Zuverlässigkeit beurteilt werden. Demgegen-
über reichen auch die eingereichten Beweismittel für sich alleine selbst bei
Annahme vollen Beweiswerts – der vorliegend nicht beurteilt werden muss
– nicht aus, um die Asylgründe glaubhaft zu machen. Der Sachverhalt er-
weist sich mithin als unvollständig erstellt.
Der angefochtene Entscheid ist daher aufzuheben. Die Vorinstanz wird un-
ter Vornahme weiterer Abklärungen abermals über das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers zu entscheiden haben. In einer erneuten Anhörung wer-
den mehr offene Fragen zu stellen und bei Unklarheiten wird genauer
nachzufragen sein. Zudem wird die Vorinstanz den eingereichten Arbeits-
vertrag und allfällige weitere durch den Beschwerdeführer beigebrachten
Beweismittel unter Berücksichtigung der zusätzlichen Anhörung erneut zu
beurteilen und sich nachvollziehbar zum Beweiswert zu äussern haben. Im
angefochtenen Entscheid bleibt nämlich unklar, ob der Arbeitsvertrag als
Fälschung oder Gefälligkeitsschreiben eingestuft wird, und ob ihm nach
Ansicht des SEM ein geringer oder kein Beweiswert zukommt.
6.
Der Beschwerdeführer macht ferner mehrere Verletzungen des rechtlichen
Gehörs geltend. Er rügt die Nichtabnahme eines offerierten Schreibens sei-
nes ehemaligen Arbeitgebers als Beweismittel, eine unzureichende Würdi-
gung des eingereichten Arbeitsvertrags vom 6. Januar 2019 (unvollstän-
dige Übersetzung; fehlende Auseinandersetzung mit dem Inhalt) sowie
eine Verletzung der Begründungspflicht. Eine Beurteilung dieser Rügen
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kann aufgrund der unvollständigen Sachverhaltserhebung und der damit
verbundenen Rückweisung der Sache jedoch unterbleiben.
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die vorinstanzliche Verfügung
den rechtserheblichen Sachverhalt unvollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1
AsylG). Die Beschwerde ist daher gutzuheissen. Die angefochtene Verfü-
gung ist aufzuheben und das Verfahren zur Vornahme weiterer Sachver-
haltsabklärungen (vgl. E. 5.5) und neuem Entscheid an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen.
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG; BGE 46 V 28 E. 7).
8.2 Der juristisch vertretene Beschwerdeführer hat Anspruch auf eine Par-
teientschädigung zu Lasten der Vorinstanz (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-
gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Seitens
der Rechtsvertretung wurde keine Kostennote eingereicht, weshalb die
notwendigen Parteikosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14
Abs. 2 in fine VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemes-
sungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist dem Beschwerdeführer für das Verfah-
ren vor dem Bundesverwaltungsgericht zu Lasten der Vorinstanz eine Par-
teientschädigung von pauschal Fr. 1’500.– auszurichten.
8.3 Mit vorliegendem Ausgang des Verfahrens werden die Gesuche um
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung gegenstandslos.
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