Decision ID: d18bb88d-9978-4bab-9e0d-b1c924b648ff
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_001
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. Die Gemeinde B._ lud am 14. Juli 2020 die A._ AG dazu ein, eine
Offerte für die Sanierung der Heizungsanlage (BKP 240) in der
Mehrzweckhalle C._ einzureichen. Fristgerecht reichte die
eingeladene Anbieterin ihr Angebot am 6. August 2020 ein zu einem Preis
von netto CHF 192'976.90 zzgl. MWST 7.7%, brutto CHF 207'836.10.
2. Mit Verfügung vom 25. September 2020 teilte die Gemeinde der A._
AG mit, dass sie das Vergabeverfahren abbreche und die Sanierung auf
das Frühjahr 2021 verschiebe. Das Submissionsverfahren werde
wiederholt und die Anbieterin erneut zur Offerteinreichung eingeladen.
Begründet wurde dieser Entscheid damit, dass das Angebot der A._
AG das einzige geblieben sei und zudem die Kostenschätzung der
Gemeinde massiv überschreite.
3. Gegen diese Verfügung erhob die A._ AG (nachfolgend
Beschwerdeführerin) am 9. Oktober 2020 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden und beantragte die
kostenfällige Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Erteilung
des Zuschlags an sich selber. Ihre Beschwerde begründet die
Beschwerdeführerin im Wesentlichen damit, dass keine wichtigen Gründe
vorlägen, welche einen Abbruch des Submissionsverfahrens rechtfertigten.
Zum einen habe die Gemeinde die Anzahl der Anbieterinnen von sich aus
eingeschränkt und zum anderen sei nicht ersichtlich, inwiefern eine
erhebliche Überschreitung des Kostenrahmens vorliege.
4. Die Gemeinde B._ (nachfolgend Beschwerdegegnerin) beantragt in
ihrer Vernehmlassung vom 21. Oktober 2020 sinngemäss die Abweisung
der Beschwerde. Sie führt dazu aus, dass sie insgesamt sechs Firmen der
Region zur Offertstellung eingeladen habe, wovon nur die
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Beschwerdeführerin Gebrauch gemacht habe. Weil diese einzige Offerte
die budgetierte Summe erheblich überschritten habe, habe sie sich dazu
entschlossen, die Vergabeprozedur abzubrechen. Um die Mehrzweckhalle
über den Winter beheizen zu können, sei eine Interimslösung gefunden
worden; die Heizungssanierung werde nun mit einem komplett anderen
System geplant. Die Ausführung sei frühestens im Jahr 2022 vorgesehen.
5. Nach der Aufforderung durch den Instruktionsrichter reichte die
Beschwerdegegnerin am 12. November 2020 die Kostenschätzung
betreffend die strittige Submission ein. Diese zeigt, dass für die Positionen
BKP 240 - 249 insgesamt CHF 166'000.-- +/- 15 % veranschlagt worden
waren.
6. In ihrer Stellungnahme vom 25. November 2020 weist die
Beschwerdeführerin darauf hin, dass sie mit Blick auf ihren Netto-Preis die
Kalkulation der Gemeinde lediglich um 1.1 % überschritten habe; von einer
erheblichen Überschreitung könne somit keine Rede sein. Für den Abbruch
des Verfahrens gebe es keinen sachlichen Grund. Zudem sei der
Voranschlag von CHF 166'000.-- offensichtlich zu tief angesetzt. Mit der
Stellungnahme reichte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin seine
Honorarnote ein.
7. Die Beschwerdegegnerin erklärt mit Schreiben vom 4. Dezember 2020,
dass sie beschlossen habe, die Heizungsanlage des Mehrzweckgebäudes
in C._ vorerst nicht zu ersetzen, da sie soweit funktioniere, dass sie
der aktuellen Nutzung genüge. Im Voranschlag für die Gemeinderechnung
2021 seien keine Investitionsausgaben für den Ersatz der Heizungsanlage
enthalten. Im nächsten Jahr werde ein alternatives Heizungssystem
evaluiert und frühestens 2022 ein neues Submissionsverfahren
durchgeführt.
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Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften und
auf den angefochtenen Entscheid sowie auf die im Recht liegenden
Beweismittel wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägungen
eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1 Anfechtungsobjekt ist vorliegend der Entscheid vom 25. September 2020,
worin die Beschwerdegegnerin den Abbruch des Vergabeverfahrens
betreffend Sanierung der Heizungsanlage (BKP 240) in der
Mehrzweckhalle C._ verfügte und wogegen die Beschwerdeführerin
am 9. Oktober 2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden erhob. Die Beschwerdeführerin beantragt darin die Erteilung
des Zuschlags an sich selber. Es geht somit um die Rechtmässigkeit des
angefochtenen Abbruchs des Vergabeverfahrens.
1.2 Die ausgeschriebene Sanierung der Heizungsanlage untersteht dem
öffentlichen Beschaffungsrecht; konkret kommen die Interkantonale
Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen (IVöB;
SR 172.056.5 [BR 803.510]) sowie das Submissionsgesetz für den Kanton
Graubünden (SubG; BR 803.300) inkl. zugehöriger
Submissionsverordnung (SubV; BR 803.310) zur Anwendung. Für den
Prozessverlauf und das Beschwerdeverfahren vor Verwaltungsgericht ist
sodann das Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100)
massgebend und anwendbar.
1.3 Fällt die strittige Beschaffung in den Geltungsbereich des öffentlichen
Vergaberechts kann gegen die von der Beschwerdegegnerin als öffentliche
Auftraggeberin im Rahmen dieses Verfahrens erlassenen
vergaberechtlichen Verfügungen gemäss Art. 15 Abs. 1 IVöB Beschwerde
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an eine unabhängige kantonale Instanz geführt werden. Als durch
Beschwerde selbständig anfechtbare Verfügungen gelten gemäss Art. 15
Abs. 1bis lit. e IVöB und Art. 25 Abs. 2 lit. d der Zuschlag, dessen Widerruf
oder der Abbruch des Vergabeverfahrens. Diese Regelung wird in Art. 25
Abs. 1 SubG dahingehend präzisiert, als submissionsrechtliche
Verfügungen beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
angefochten werden können. Zur Beschwerdeführung ist legitimiert, wer
am Submissionsverfahren teilgenommen hat, durch den angefochtenen
Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an dessen
Aufhebung oder Änderung hat (Art. 50 VRG). Als schutzwürdige Interessen
kommen neben rechtlichen auch faktische Interessen in Frage. Nicht
berücksichtigte Anbieter sind aufgrund dieser Voraussetzungen jedenfalls
dann zur Beschwerdeführung berechtigt, wenn sie bei Gutheissung der
Beschwerde eine realistische Chance haben, mit ihrem Angebot zum Zuge
zu kommen oder eine Wiederholung des Submissionsverfahrens zu
erreichen. Die submissionsrechtliche Beschwerde ist schriftlich und
begründet innert 10 Tagen seit der Eröffnung der angefochtenen
Verfügung einzureichen (Art. 15 Abs. 2 IVöB, Art. 26 Abs. 1 SubG).
1.4 Da es vorliegend um die Rechtmässigkeit des Abbruchentscheids vom
25. September 2020 geht, ist die örtliche und sachliche Zuständigkeit des
angefochtenen Verwaltungsgerichts gegeben. Die eingereichte
Beschwerde vom 9. Oktober 2020 entspricht dem gesetzlichen
Formerfordernis gemäss Art. 38 VRG (Rechtsbegehren; Sachverhalt;
Begründung), wahrt die 10-tägige Beschwerdefrist nach Art. 15 Abs. 2
IVöB bzw. Art. 26 Abs. 1 SubG und ist innert gesetzlicher Anfechtungsfrist
erfolgt. Die Beschwerde ist daher frist- und formgerecht eingereicht
worden. Die Beschwerdeführerin wurde durch die Beschwerdegegnerin
zum Vergabeverfahren eingeladen und hat entsprechend ein Angebot
eingereicht. Als Verfügungsadressatin ist die Beschwerdeführerin, welche
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im wiederholten Vergabeverfahren erneut zur Offerteingabe eingeladen
werden wird, zur Erhebung der Beschwerde befugt, so dass auf die
Beschwerde einzutreten ist.
2.1. Literatur und Rechtsprechung unterscheiden beim Abbruch zwischen
einem definitiven und einem provisorischen Abbruch: Definitiv ist ein
Abbruch dann, wenn auf das Beschaffungsgeschäft endgültig verzichtet
wird. Es handelt sich um Fälle, in denen der ursprüngliche
Beschaffungsbedarf komplett weggefallen ist, weil das damit verbundene
unmittelbare Ziel nicht mehr erreicht werden soll oder kann. Beim
definitiven Abbruch soll dem abgebrochenen Verfahren kein neues folgen
(vgl. STEFAN SUTER, Der Abbruch des Vergabeverfahrens, Basler Studien
zur Rechtswissenschaft, Band 80, Basel 2010, Rz. 207). Provisorisch ist
der Abbruch, wenn das Verfahren im Hinblick auf eine Wiederholung oder
Neuauflage des Beschaffungsgeschäfts abgebrochen wird (vgl. zum
Ganzen: PETER GALLI/ANDRÉ MOSER/ELISABETH LANG/MARC STEINER, Praxis
des öffentlichen Beschaffungsrechts, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2013,
Rz. 792 und 797; SUTER a.a.O., Rz. 219; Urteil des BVGer B-1284/2017
vom 6. Juni 2017 E. 2.2). Provisorische Abbrüche machen das Feld für ein
neues Verfahren frei, währenddem definitive Abbrüche ein
gegenstandsloses Verfahren beseitigen (vgl. MARTIN BEYELER,
Überlegungen zum Abbruch von Vergabeverfahren, in: AJP 2005 S. 785).
2.2. Gemäss Art. 24 Abs. 1 SubG kann der Zuschlag aus wichtigen Gründen,
insbesondere unter den Voraussetzungen von Art. 22 (Aufzählung
Ausschlussgründe lit. a-m) widerrufen werden. Der Auftraggeber kann das
Verfahren aus wichtigen Gründen abbrechen (Art. 24 Abs. 2 SubG) und
das Verfahren kann wiederholt werden, wenn namentlich u.a. eine
wesentliche Änderung der nachgefragten Leistung erforderlich wird (Art. 24
Abs. 3 lit. d). Zwar ist es möglich, anhand neuer Erkenntnisse einen
Abbruch oder Teilabbruch vorzunehmen. Die Voraussetzungen dafür sind
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jedoch, insbesondere wegen des bestehenden Missbrauchspotentials,
nicht leichthin zu bejahen. Abbruch und Wiederholung eines
Vergabeverfahrens dürfen nur aus wichtigen Gründen erfolgen (Art. 13 lit.
i IVöB; vgl. GALLI/MOSER/LANG/STEINER, a.a.O., Rz. 830). Das
Submissionsrecht vermag generell die Vergabebehörde nicht zu zwingen,
eine konkrete Beschaffung vorzunehmen, wenn diese – auch nach
erfolgter Ausschreibung des Beschaffungsgeschäfts – zum Schluss
kommt, auf die Durchführung des Geschäfts verzichten zu wollen (keine
Kontrahierungspflicht aus dem Vergaberecht). Der Verzicht auf das
Beschaffungsgeschäft muss aber im öffentlichen Interesse liegen und darf
somit nicht ohne triftigen Grund erfolgen. Aus dem Grundsatz von Treu und
Glauben ergibt sich sodann, dass die im öffentlichen Interesse liegenden
Gründe für den Abbruch des Vergabeverfahrens für die Auftragsgeberin im
Zeitpunkt der Ausschreibung des Auftrags bzw. der weiteren Forderungen
an die Submittenten nicht vorhersehbar gewesen sein durften (vgl.
GALLI/MOSER/LANG/STEINER, a.a.O., Rz. 793). Als wichtige Gründe für
einen Widerruf, Abbruch oder eine Wiederholung im Sinne von Art. 13 lit. i
IVöB i.V.m. Art. 24 SubG gelten solche, "wenn die eingereichten Angebote
keinen wirksamen Wettbewerb garantieren" (GALLI/MOSER/LANG/STEINER,
a.a.O., Rz. 815).
2.3. Demgegenüber sind MARTIN BEYELER und STEFAN SUTER der Auffassung,
beim Abbruch des Vergabeverfahrens handle es sich nicht um eine
Vertrauensschutzproblematik. Denn der öffentliche Auftraggeber
verspreche in der Ausschreibung nicht, einen Auftrag zu vergeben, würde
doch jeder vergaberechtliche Schritt den inhärenten Vorbehalt enthalten,
dass der Auftraggeber das Vergabeverfahren zumindest bei Vorliegen
bestimmter Gründe abbrechen könne (BEYELER, a.a.O., S. 787). Bei der
Beurteilung der Frage, ob ein Vergabeverfahren abgebrochen werden
dürfe, sei der Vergabebehörde ein weiter Ermessensspielraum
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einzuräumen. Dieses Ermessen kenne immerhin zwei Schranken:
Zunächst sei ein (provisorischer) Abbruch dann vergaberechtswidrig, wenn
er der gezielten Diskriminierung von Anbietern diene. Ein definitiver
Abbruch eines Vergabeverfahrens, bei welchem die Vergabebehörde
endgültig auf die ausgeschriebene Beschaffung verzichte, könne von
vornherein nicht in diese Kategorie fallen, da in diesem Fall alle Anbieter
gleich (schlecht) behandelt und damit nicht diskriminiert würden. Sodann
sei in Übereinstimmung mit den massgeblichen gesetzlichen Grundlagen
zu verlangen, dass der Abbruch nicht 'grundlos', sondern aus einem
sachlichen Grund erfolge. Die einschlägigen Regelungen sprächen zwar
bisweilen von der Abbruchsvoraussetzung des öffentlichen Interesses oder
des wichtigen Grundes. Doch dies widerspreche der These vom
'sachlichen Grund' als einziger materieller Zulässigkeitsvoraussetzung für
den Abbruch des Vergabeverfahrens nicht, liege doch ein Abbruch bei
Vorliegen eines sachlichen Grundes stets im öffentlichen Interesse und
decke sich der wichtige Grund – da nicht eng auszulegen – mit dem
sachlichen Grund vollkommen (BEYELER, a.a.O., S. 789 f.; SUTER, a.a.O.,
S. 91). Ob die den Abbruch rechtfertigenden Gründe für die
Vergabebehörde voraussehbar gewesen seien und ob diese hierfür
verantwortlich sei, könne für die Schadenersatzpflicht, nicht aber für die
Zulässigkeit des Abbruches eine Rolle spielen (BEYELER, a.a.O., S. 790 f.;
vgl. Verwaltungsgerichtsurteil [VGU] U 13 101 E.6 vom 16. Dezember
2014).
2.4. Das Bundesgericht hat sich in BGE 134 II 192 E.2.3 dieser Lehrmeinung
für das bundesrechtliche Vergabeverfahren angeschlossen. Danach kann
die Vergabestelle ein bundesrechtliches Vergabeverfahren definitiv oder
zwecks Neuauflage eines geänderten Projektes abbrechen und sogar
einen allfälligen bereits verfügten Zuschlag widerrufen, wenn sachliche
Gründe dieses Vorgehen rechtfertigen und die Vergabebehörde dadurch
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nicht beabsichtigt, Anbieter gezielt zu diskriminieren. Ob diese Grundsätze
auch für die kantonalrechtlichen Vergabeverfahren gelten, hat das
Bundesgericht in diesem Entscheid ausdrücklich offengelassen und, soweit
ersichtlich, bis anhin nicht entschieden.
Zur Zulässigkeit des Verfahrensabbruchs hat sich zudem das
Bundesverwaltungsgericht im Urteil (BVGer) B-5608/2017 vom 5. April
2018 E. 2.4 dahingehend geäussert, dass eine Vergabestelle generell ein
Vergabeverfahren abbrechen darf, wenn sachliche Gründe dieses
Vorgehen rechtfertigen und damit nicht die gezielte Diskriminierung von
Bewerbern beabsichtigt ist. Bereits im Urteil (BVGer) B-1772/2014 vom
21. Oktober 2014 E.3.1-3.5 und 3.8.6, bezog das
Bundesverwaltungsgericht zur Thematik Stellung, wonach jedes
durchgeführte Vergabeverfahren grundsätzlich unter dem Vorbehalt eines
jederzeitigen Abbruchs steht, zumal die Ausschreibung kein Versprechen
auf einen (privatrechtlichen) Vertragsabschluss beinhaltet, sondern
(immerhin) die Chance auf eine Teilnahme an einem fairen
Vergabeverfahren, in welchem der Auftraggeber einen ernsthaften,
sorgfältigen und regelkonformen Entscheid in Aussicht stellt (SUTER,
a.a.O., Rz. 112 ff., 125 und 137; MARTIN BEYELER, Der Geltungsanspruch
des Vergaberechts, Rz. 1164, 1168, 2768). Nach dem
Bundesverwaltungsgericht muss ein Abbruch aus sachlichem Grund
erfolgen, also der Sicherstellung einer bedarfsgerechten Beschaffung,
dem Schutz des Vergabewettbewerbs oder der Korrektur von Fehlern
dienen. Zudem darf er nicht diskriminierend bzw. missbräuchlich sein,
namentlich darf damit nicht die Verhinderung der Zuschlagserteilung an
eine bestimmte Unternehmung angestrebt werden. Zur
Missbrauchsprävention sind an die Substantiierung der
Abbruchbegründung erhöhte Anforderungen zu stellen. Zwingende
Gründe sind dagegen für einen Abbruch nicht vorausgesetzt; bei Vorliegen
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von sachlichen Gründen geniesst die Vergabestelle Ermessen im
Entscheid, ob sie abbrechen will. Neben den Situationen, in denen ein
Abbruch im Ermessen der Vergabestelle liegt, gibt es allerdings auch jene,
in denen ein Abbruch rechtlich unumgänglich ist. Ein sachlicher Grund
kann insbesondere in nicht untergeordneten Projektanpassungen liegen,
die aufgrund des Zeitablaufs vorgenommen werden sollen. Im Übrigen ist
es in allen Fällen eine von der Zulässigkeit des Abbruchs als solchen zu
trennende Frage, ob der Abbruch für die Auftraggeberin allenfalls
Haftungsfolgen nach sich zieht.
2.5. Im konkreten Fall brachte die Beschwerdegegnerin zur Begründung des
umstrittenen Abbruchs des Vergabeverfahrens vor, dass die
Vergabeprozedur in Anwendung von Art. 24 Abs. 3 lit. e SubG habe
abgebrochen werden müssen, da von sechs zur Offertstellung
eingeladenen Firmen der Region einzig die Beschwerdeführerin offeriert
und dabei die budgetierte Summe erheblich überschritten habe. Zudem sei
für den Winter eine Interimslösung gefunden worden, die
Heizungssanierung werde nun mit einem komplett anderen System
geplant, dessen Ausführung frühestens 2022 vorgesehen sei.
2.6. Die Beschwerdeführerin hingegen sah keinen wichtigen Grund vorliegen,
welcher die Beschwerdegegnerin zu einem Abbruch des Verfahrens
berechtigte. Durch die Wahl des Einladungsverfahrens habe sich die
Anzahl der möglichen Anbieter konsequenterweise auf die eingeladenen
Unternehmen reduziert. Die Vorinstanz habe daher damit rechnen müssen,
dass nur eine gültige Offerte eingereicht werde. Schränke die
Vergabestelle selbst den Kreis der möglichen Offerenten ein, so sei es
treuwidrig, wenn sie dann das Verfahren wegen zu wenigen Angeboten
abbreche und es nicht einmal ein Jahr später wiederholen wolle. Ebenso
wenig könne die angebliche Überschreitung der Kostenschätzung zum
Abbruch des Vergabeverfahrens führen, da Art. 24 Abs. 3 lit. e SubG dazu
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eine erhebliche Sprengung des Kostenrahmens voraussetze. Diese
Regelung greife jedoch nicht, wenn dem Vergabeverfahren eine fehlerhafte
Schätzung zu Grunde liege. Dann wäre die Überschreitung des
Kostenrahmens sehr wohl voraussehbar gewesen, so dass ein Abbruch
nicht in Frage komme. Unabhängig von der Voraussehbarkeit müssten in
jedem Fall öffentliche Interessen für den Abbruch des Vergabeverfahrens
sprechen, welche nicht vorliegen würden. Die Sanierung der
Heizungsanlage der Mehrzweckhalle C._ sei offensichtlich. Eine
solche Submissionswiederholung käme faktisch einer Preisverhandlung
gleich, welche unzulässig wäre.
2.7. Nach Auffassung des streitberufenen Verwaltungsgerichts macht die
Beschwerdegegnerin vorliegend konkrete, sachliche Gründe geltend,
welche eine Überarbeitung des Projekts und damit einen (provisorischen)
Abbruch des Vergabeverfahrens rechtfertigen. Die behördlich angeführten
Abbruchgründe, eine unbefriedigende Auswahl der Angebote (sechs
Offerten eingeholt, nur ein Angebot eingegangen), das einzige Angebot
über dem Kostenvoranschlag, eine Änderung der Planung (alternatives
Heizungssystem evaluieren und neue Ausschreibung ca. 2022) sind in
ihrer Gesamtheit offensichtlich keine Projektanpassungen von
untergeordneter Bedeutung und deshalb 'sachlich wichtige Gründe' für eine
Überarbeitung des gesamten Projekts, was den Abbruch des
Vergabeverfahrens nach sich ziehen musste. Die für den Projektabbruch
vorgebrachten Gründe lagen im Zeitpunkt, als die Vergabestelle die
Offerten einverlangte, noch nicht vor. Diese Gründe waren für die
Vergabestelle auch nicht voraussehbar, zumal sie zu einem grossen Teil
ausserhalb ihres Einflussbereiches lagen. Im Weiteren garantierte das
eingereichte Angebot auch keinen wirksamen Wettbewerb. Für das Gericht
ergibt sich daher, dass es der Beschwerdegegnerin gelungen ist, sachlich
triftige Gründe darzutun, welche den verfügten und angefochtenen
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Abbruch des Vergabeverfahrens und eine Überarbeitung des Projekts
rechtfertigen und haltbar erscheinen lassen. Zumal mit öffentlichen Mitteln
der Steuerzahlenden immer sorgfältig, zukunftsorientiert und sparsam bzw.
effizient umzugehen ist. Die Beschwerde vom 23. März 2020 ist daher
abzuweisen.
Bei diesem Verfahrensausgang sind die Beweisanträge der
Beschwerdeführerin (Einholung einer Expertise über die Angemessenheit
des Angebotes der Beschwerdeführerin bzw. über Varianten für ein
alternatives Heizungssystem), soweit sie sich als rechtserheblich erweisen,
in antizipierter Beweiswürdigung abzuweisen, da das Gericht die
beantragten Expertisen als in der Sache nicht relevant erachtet, da die
Gemeinde eine Projektänderung anstrebt.
3.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten gestützt auf
Art. 73 Abs. 1 VRG der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Inhaltlich geht
es um Arbeiten im Zusammenhang mit der Sanierung einer
Heizungsanlage in der Höhe von rund CHF 200'000.-- für welche sich die
Beschwerdeführerin den Zuschlag erstreiten möchte. Angesichts des
Auftragswerts und der eher geringen Komplexität der Streitsache erscheint
dem Gericht ermessensweise eine Staatsgebühr von CHF 2'000.-- als
angemessen, da es konkret nicht um den Erhalt des Zuschlags gegen
einen anderen Anbieter geht, sondern um die Zulässigkeit des
Verfahrensabbruchs, womit sich eine etwas tiefere Staatsgebühr als sonst
üblich (siehe VGU 16 46 [Streitwert CHF 228'000.--; Bedachung] und VGU
16 69 [CHF 200'000.--; Elektroinstallation]) betrug die Staatsgebühr jeweils
CHF 3000.-- bzw. CHF 2'500.--) rechtfertigen lässt.
3.2. Der Beschwerdegegnerin steht nach Art. 78 Abs. 2 VRG aussergerichtlich
keine (Partei-) Entschädigung zu, da sie lediglich in ihrem amtlichen
Wirkungskreis obsiegte.
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