Decision ID: 4fdccbc3-ee29-48c5-906c-76b4f6f8f35f
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1970 geborene
und als Hilfsarbeiter tätige
X._
meldete sich
im An
schluss an eine Anmeldung zur Früherfassung (
Urk.
9/3) am 1
5.
Januar 2018 (
Urk.
9/7) unter Hinweis auf
ein
Bandscheibenleiden sowie Empfindungs
stö
rungen und teilweise Schmerzen in den Extremitäten zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen
, zog die Akten des Krankentaggeldversicherers bei (
Urk.
9/31)
und schloss mit Mitteilung vom
3
1.
Oktober 2018 (
Urk.
9/23)
die Eingliederung im Sinne des Arbeitsplatzerhalts a
b.
Mit Vorbescheid vom
3.
Juli 2019 (
Urk.
9/49) stellte die IV-Stelle dem Ver
sicherten die
Zusprache
einer vom
1.
August bis 3
1.
Dezember 2018 befristeten ganzen
Rente
sowie einer vom
1.
Januar bis
2
8.
Februar
2019 befristeten
Drei
viertel
s
rente
in Aussicht.
Nach erfolgten Einwänden vom 26. August
2019 (
Urk.
9/55) und 2
5.
September 2019 (
Urk.
9/58)
verfügte
die IV-Stelle
am
2
7.
Mai 2020 (
Urk.
2)
im angekündigten Sinne
.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 2
9.
Juni 2020 Beschwerde (
Urk.
1) und be
an
tragte, die Verfügung vom 2
7.
Mai 2020 sei aufzuheben und es seien weitere Abklärungen zum Sachverhalt zu treffen, insbesondere sei ein Gutachten einzu
holen, welches sich zur Arbeitsfähigkeit in angestammter und angepasster Tätig
keit
äusse
re
. Zudem seien ihm die gesetzlich geschuldeten Leistungen auszu
richten
(S.
2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
9.
Oktober 2020 (
Urk.
8) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 13. Oktober 2020 (
Urk.
10) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invalidi
täts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Januar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
1.
5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung vom 2
7.
Mai 2020 (
Urk.
2) damit,
dass der Beschwerdeführer seit August 2017 durchgehend in seiner bisherigen Tätigkeit als Hilfsarbeiter in der Werkstatt eingeschränkt ge
wesen sei. Ein Anspruch auf Leistungen bestehe somit frühestens ab August 201
8.
In diesem Zeitpunkt sei ihm keine Tätigkeit mehr zumutbar gewesen und es bestehe somit ab August 2018 Anspruch auf eine ganze Rente mit einem Invaliditätsgrad von 100
%
.
Ab dem
8.
September 2018 habe sich eine Verbesse
rung der gesundheitlichen Situation ergeben und aufgrund der medizinischen Beurteilung liege noch eine Einschränkung von 65
%
vor
und der Beschwer
deführer habe damit ab
1.
Januar 2019 Anspruch auf eine
Dreiviertel
s
rente
. Spätestens ab dem
9.
November 2018 habe sich erneut eine Verbesserung der Situation ergeben und die bisherige Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer weiterhin zu 50
%
zumutbar. In einer Tätigkeit, in welcher der Beschwerdeführer leichte
Arbeiten ohne häufiges Treppensteigen und ohne wirbelsäulenbelastende Zwang
s
haltungen ausüben könne, sei es ihm zumutbar, eine Arbeit in einem vollen Pen
sum auszuüben
(S. 4)
.
Nach Durchführung des Einkommensvergleichs resul
tiere ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 10
%
.
Unter Einbezug des vorlie
genden Belastungsprofils werde die aktuelle Arbeit als nicht optimal ange
passt erachtet. Aufgrund des Belastungsprofils und des Alters des Beschwerde
führers sei es ihm möglich, im
freien Arbeitsmarkt eine besser
angepasste Tätig
keit zu finden und damit die vorhandene Restarbeitsfähigkeit vollständig zu ver
werten (S. 5).
Mit Beschwerdeantwort vom
9.
Oktober 2020 (
Urk.
8) führte die Beschwerde
gegnerin zudem aus,
dass gemäss dem Arbeitgeberfragebogen bei der jetzigen Tätigkeit nicht von einer für ihn optimal angepassten Tätigkeit ausgegangen werden könne.
Die meisten Arbeiten verrichte der Beschwerdeführer im Gehen oder im Stehen und selten im Sitzen, womit das Arbeitsprofil nicht dem Leis
tungsprofil entspreche (S. 1).
In einer optimal angepassten Tätigkeit sei der Be
schwerdeführer nicht rentenrelevant eingeschränkt (S. 2).
2.2
Dagegen wandte der Beschwerdeführer im Wesentlichen ein
(
Urk.
1),
die Ein
schätzung des RAD bezüglich der angepassten Tätigkeit sei falsch. Er arbeite bereits in einer angepassten Tätigkeit im Umfang von 50
%
. Eine Steigerung des Arbeitspensums sei nicht möglich.
Es sei somit klar nachgewiesen, dass er in einer angepassten Tätigkeit lediglich 50
%
arbeitsfähig sei
(S. 4). Die Beschwerdegeg
nerin
habe
ihren Entscheid lediglich auf die kurze Einschätzung des RAD
gestützt
. Diese Einschätzung befasse sich nicht ausführlich genug mit den Einschätzungen
der behandelnden Ärzte. Da der medizinische Sachverhalt abgeklärt werden mü
sse, würden sich hier zusätzliche Abklärungen im Zusammenhang mit der ange
passten Arbeitsfähigkeit aufdrängen. Indem die Beschwerdegegnerin schon ver
fügt habe, obschon der Sachverhalt noch nicht abschliessend geklärt gewesen sei, habe sie den Untersuchungsgrundsatz verletzt (S. 5).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer ab dem
1.
März 2019 An
spruch auf eine Invalidenrente hat.
Dabei ist unbestritten und mit der Aktenlage vereinbar, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner gesundheitlich einge
schrän
kten Arbeitsfähigkeit nach am
1
5.
Januar 2018 (
Urk.
9/7) erfolgter Anmel
dung ab
1.
August 2018 Anspruch auf eine ganze Rente und ab
1.
Januar bis mindestens 2
8.
Februar 2019 Anspruch auf eine Dreiviertelrente
hat.
Ebenso unbestritten und mit der Aktenlage vereinbar ist, dass der Beschwerdeführer dauerhaft in seiner
ange
stammten Tätigkeit als
Hilfsarbeiter Lagerist zu 50
% arbeitsunfähig ist (vgl. Ur
k. 1 und
Urk.
2
). Zu prüfen bleibt, wie es sich mit seinem
Anspruch auf eine Invalidenrente ab
März
2019
aufgrund allfällig gesund
heitsbedingter Einschränkungen in angepasster Tätigkeit verhält.
3.
3.1
Im Bericht
des Schmerzzentrums des Kantonsspitals
Z._
vom 2
2.
Oktober 2018 (
Urk.
9/22)
wurden
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 3 f.)
genannt
:
-
Chronisches rezidivierendes
lumbospondylogenes
und
lumboradikuläres
Schmerzsyndrom L5 beidseits linksbetont bei/mit
-
Diskushernie L4/5 mit Kompression L5 links und Kontakt L5 rechts (im Liegen)
-
Depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F32.1)
I
m Verlauf der interdisziplinären multimodalen Therapie sei es zu einer deut
lichen Schmerzlinderung und zu einer besseren Schlafqualität, zu einer Abnahme der depressiven Verstimmung und zu einer deutlichen Reduktion des Stresslevels und der
Katastrophisierung
gekommen, so dass die Arbeitsintegration im Mai 2018 bei einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit habe aufgenommen werden können (S. 2). Ende Juli/Anfang August 2018 habe es eine Zunahme der Beschwerden unter Zunahme der Belastung gegeben, ohne dass die Diskushernie sich bild
gebend verschlechtert habe. Eventuell sei die Schmerzverstärkung der
Disko
pa
thie
mit Riss im
Anulus
Fibrosus
geschuldet. In der Konsultation vom 1
8.
Oktober 2018 habe sich bei einer Arbeitsbelastung von 3.5 Stunden pro Tag bei Ein
schränkung des Hebens von Lasten auf 10 kg eine Zunahme der Schmerzen und Verstärkung der psychischen Symptomatik
,
gefördert durch die Enttäuschung über den langwierigen Verlauf trotz
motivierter Teilnahme an allen Therapien
,
gezeigt. Die Rückenschmerzen seien beidseits vorhanden und die Becken
schmer
zen seien linksbetont, wobei die Rücken- und Beckenschmerzen im Vordergrund ständen. Zusätzlich würden dauernde Missempfindungen an den Zehen beidseits mit Betonung der Grosszehe links bestehen. Je nach Belastung würden diese Missempfindungen zunehmen. Sitzen gehe bis zu
einer
Stunde. Die objektivier
baren Sensibilitätsstörungen seien zunehmend. Auch die existentiellen Ängste seien zunehmend und er setze zur Bewältigung Meditation ein
(S. 2 f.).
Zur Arbeitsfähigkeit
wurde festgehalten
, dass in einer dem Leiden angepassten Tätigkeit aktuell 3.5 Stunden möglich seien, wobei ein Ausbau auf 4-5 Stunden (50
%
) bis Ende Jahr angestrebt werde (S. 6).
3.2
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Rheumatologie FMH, hielt in seinem Bericht
vom
9. November 2018 (
Urk.
9/26/7-8) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (S. 2):
-
Chronisch rezidivierendes
lumbo-spondylogenes
Syndrom beidseits bei einem leichtgradigen sensiblen Ausfallsyndrom L5 links
-
Diskushernie L4/5
-
Unklare Einschlafparästhesien an beiden Händen (
ulnar
betont) sowie an beiden Füssen (vor allem Grosszehen)
-
Am ehesten funktionell/
myofascial
bedingt, Differentialdiagnose: im Rahmen einer beginnenden leichtgradig vorwiegend sensiblen Poly
neuropathie vom distal-symmetrischen Typ
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er aus rheu
matologischer Sicht einen anamnestisch chronischen Tinnitus links mehr als recht
s
sowie eine depressive Störung mit mittelgradiger Episode (ICD-10: F32.1).
Zudem gab er an, der Beschwerdeführer leide seit Herbst 2017
an ziehenden
Schmerzen am
lumbo
-sakralen Übergang mit Ausstrahlungen in die linke untere Extremität
lateralseits
bis zum
ventro
-lateralen
Fussrist
. Zeitweise
würden sich auch leichte Ausstrahlungen in den beiden unteren Extremitäten einstellen. Zu
dem beschreibe der Beschwerdeführer sehr häufig auftretende Einschlafpa
räs
the
sien und Kribbeln in beiden Händen (vorwiegend in den Kleinfingern) sowie in den Füssen (vorwiegend an den Grosszehen). Unter der im Herbst/Winter 2016/
2017 stattgefundenen physiotherapeutischen Behandlung sowie einer Kräfti
gungs
the
rapie in Eigenregie sei ein günstiger Verlauf zu verzeichnen gewesen. Bei einer Übung für Bauchmuskulatur habe der Beschwerdeführer im März 2017 einen «Knacks» in der Wirbelsäule verspürt. Seither seien die
Schmerzen verstärkt vor
handen (S. 1).
Im Rahmen der Untersuchung seien segmentale Funktions
stö
run
gen L4/L5, weniger L3/L4, L5/S1,
tendomyotische
Veränderungen und
Trigger
punkte
am
lumbo
-sakralen Übergang sowie
gluteal
beidseits mehr links als recht
s
festgestellt worden. Die Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule in allen Richtungen sei leicht eingeschränkt mit Endphasenschmerzen. Ausserdem bestehe eine ein
geschränkte Beweglichkeit der Hals- und Brustwirbelsäule mit Endphasen
schmer
zen in der Halswirbelsäulen-Extension und Brustwirbelsäulen-Rotation beidseits. Abgesehen von einem leichtgradigen sensiblen Ausfallsyndrom L5 links sei der periphere neurovaskuläre Status an den oberen und unteren Extremitäten unauf
fällig gewesen (S. 2).
Bezüglich der Arbeitsfähigkeit sei in der angestammten Tätigkeit ein stationärer Verlauf zu verzeichnen.
Bei seiner aktuellen Tätigkeit als Allrounder/Lagerist handle es sich um eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit mit Wechselbelastung.
Die bestehende Funktionsstörung der Lendenwirbelsäule sowie eine leichte Funk
tionsstörung der Halswirbelsäule wirke sich auf die bisherige Tätigkeit ungünstig aus. Die bisherige Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer vier Stunden und
eine an
gepasste
Tätigkeit acht
Stunden pro Tag zumutbar (S. 2).
3.3
Der behandelnde Psychiater
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie FMH, gab in seinem Bericht vom 30. April 2019 (
Urk.
9/41) an, der Beschwerdeführer
leide an einer depressiven Störung mit gegenwärtig mittel
gradiger Episode (ICD-10: F32.1) und Rückenbeschwerden (S. 3).
Im Rahmen dessen leide er unter chronischen Schmerzen, Schlafstörungen, kognitiven Ein
bussen sowie Störungen der Affektivität und des Antriebs. Die Prognose zur Arbeitsfähigkeit hänge von der Bewältigung der somatischen Beschwerden ab. Aus psychiatrischer Sicht betrage die Arbeitsunfähigkeit ca. 30 % und sei bisher stets kleiner als die somatisch attestierte Arbeitsunfähigkeit gewesen. Somatisch bedingt seien dem Beschwerdeführer nur leichte Arbeiten zumutbar. Die kogni
tiven und formal gedanklichen Einschränkungen würden eine effiziente Arbeits
weise erschweren und ihn in der Teamarbeit und im Kundenkontakt ein
schrän
ken. Durch die Schlafstörungen sei die Regenerationsfähigkeit eingeschränkt. Die Schmerzen sowie die Angst vor den Schmerzen würden zudem die Arbeitsweise beeinträchtigen
(S. 4).
3.4
RAD-Arzt,
Dr.
C._
, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie, führte in seiner Stellungnahme vom 2
9.
Mai 2019 (
Urk.
9/47/6-7) folgende
Diag
-
nosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf:
-
Chronisch rezidivierendes
lumbo-spondylogenes
Syndrom beidseits bei einem leichtgradigen sensiblen Ausfallsyndrom links L5 bei Diskushernie L4/5
-
Spondylarthrosen
C5/6
-
Depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F32.1)
Er legte zudem folgendes Belastungsprofil fest: leichte wechselbelastende Tätig
keit, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne häufiges Treppensteigen, ohne
häufige wirbelsäulenbelastende Zwangshaltungen und Tätigkeiten (Bücken, H
ocken, Kauern, Knien, Überkopfarbeiten, Arbeiten in weiter Armvorhalte), ohne häufige Rumpfrotationen, ohne häufiges Gehen auf unebenem Gelände. Ebenfalls seien andauernde Vibrationsbelastungen und Nässe-/Kälteexposition zu vermei
den.
Geeignet seien
Tätigkeiten mit wenig Umstellungs- und Anpassungsbedarf, mit geringem Termindruck und zeitlicher Flexibilität, in einem kleinen Team mit wohlwollendem Umfeld. Die Arbeitsunfähigkeit gemäss Belastungsprofil betrage
ab dem
9.
November 2019
noch
0
%
. Da die psychisch bedingte Arbeitsun
fähig
keit geringer sei als die somatisch
bedingte, betrage auch diese 0
%.
3.
5
Dr. med.
D._
, Leitende Ärztin Schmerzzentrum
Z._
, Fachärztin für Anästhesiologie und Schmerztherapie
,
nannte in ihrem Bericht vom 2
3.
Septem
ber 2019 (
Urk.
9/57) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Chronisches rezidivierendes
lumbospondylogenes
und
lumboradikuläres
Sc
hmerzsyndrom L5 beidseits links
betont bei/mit
-
Segmentdegeneration L4/5 mit
diskogenem
und
intermittiernd
radiku
lärem
Schmerzsyndrom
-
Zunehmend
em
Einschlafgefühl insbesondere der Grosszehen beidseits
-
Depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F32.1)
S
ie führte
aus,
es müsse auf die Bedeutung der fortgeschrittenen Diskus
de
gene
ration L4/5 hingewiesen werden. Sollte sich bei fortdauernden Schmerzen die Notwendigkeit einer Operation ergebe
n
, sei eine
Spondylodese
notwendig. Diese Einschätzung sei am Rückenboard des
Z._
von den anwesenden Neuro
chirurgen einhellig geteilt worden. Da aber nach langer Arbe
itsunfähigkeit
die Arbeitsstelle gefährdet gewesen sei und keine motorischen Ausfälle vorgelegen hätten, sei entschieden worden, primär die Arbeitsintegration voranzutreiben. Die physio
therapeutischen Massnahmen seien verstärkt worden, es sei an der Körper
wahr
nehmung, der massiven Schutzspannung und an der Wahrnehmung von
körper
lichen Grenzen gearbeitet worden. Der Arbeitgeber habe Verständnis gezeigt und das Arbeitsprofil laufen
d
angepasst (S. 1).
Die Belastung mit Heben von schweren Gewichten sei deutlich minimiert und wechselbelastende Tätig
kei
ten seien ge
sucht worden, sodass das Belastungsprofil optimal angepasst worden sei. Der Be
schwerdeführer sei von Arbeiten, die Positionen wie bücken oder knien bein
hal
ten, dispensiert worden. Trotz der maximal angepassten Tätigkeit beim moti
vier
ten Beschwerdeführer und Arbeitgeber sei nur eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
erreicht worden. Nach etwa drei Stunden Arbeit würden die Schmerzen deutlich
zunehmen. Aktuell sei mit einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
das Maxi
mum erreicht
.
Eine Erhöhung der Arbeitsfähigkeit durch Umschulung und ver
mehrte Büro
tätig
keit sei nicht zu erwarten, da der Versicherte keine entspre
chen
den Fähigkeiten und Grundlagen mitbringe.
In welcher Weise die Persönlichkeit des Beschwerde
führers und seine depressive Problematik die Arbeitsfähigkeit zusätz
lich beein
flussen würden, müsse der Psychiater beantworten. Belastend sei der Vorbescheid der Beschwerdegegnerin ge
wesen
, in welchem ab dem
9.
Novem
ber 2018 von einer erneuten Verbesserung der Schmerzsituation gesprochen werde. Für die behandelnden Ärzte des
Z._
sei diese Aussage nicht nachvoll
ziehbar. Sie ent
spreche nicht dem dokumentierten Verlauf, da zu dieser Zeit die Option
einer neurochirurgischen Intervention im Raum gestanden sei. Ebenso sei im Vorbe
scheid nicht berücksichtigt worden, dass die Belastung bereits an die Möglich
keiten des Beschwer
deführers adaptiert worden sei
. Es sei äusserst un
wahr
schein
lich, dass der Beschwerdeführer in der freien Wirtschaft eine seinem Leiden besser angepasste Tätigkeit finde. Aufgrund der geringen Stresstoleranz sei er auf ein wohlwollendes Umfeld angewiesen, welches er offensichtlich am
angestam
mten Arbeitsplatz habe. Eine 50%ige Arbeitsfähigkeit sei realistisch (S.
2
).
3.
6
Der Arbeit
geber des Beschwerdeführers gab in seinem Bericht hinsichtlich der Beschreibung der Tätigkeit vom 3
0.
Dezember 2019 (
Urk.
9/61) an, der Beschwer
deführer sei über viele Jahre als Hilfsarbeiter in der Werkstatt tätig gewesen.
Später sei er aus der Wagenpflege als Hilfsarbeiter in die Werkstatt genommen worden. In dieser Position sei er beim Reifenservice und für kleinere, mechanische Routinearbeiten eingesetzt worden. Für eine Entwicklung zum Monteur oder für weitere technische Schulungen würden dem Beschwerdeführer die Grundlagen und die Fähigkeiten fehlen. Unter Druck komme zusätzlich eine Blockade hinzu, teils aus selbst gesteckten hohen Anforderungen und teils aus Angst
,
etwas falsch zu machen.
Mit Beginn der körperlichen Beschwerden habe man versucht
,
den Beschwerdeführer aus der Werkstatt zu nehmen, um ihm die Belastung durch das lange Stehen, das Heben von Rädern und die Belastung bei mechanischen Arbei
ten zu nehmen. Trotz angepasster Tätigkeit habe eine wiederkehrende, vollstän
dige Arbeitsunfähigkeit nicht verhindert werden können. Bei graduell steigender Wiederaufnahme seiner Tätigkeit am adaptierten Arbeitsplatz mit Wechselbe
lastung habe eine Arbeitsfähigkeit von maximal 50
%
erreicht werden können. Im Ersatzteillager verbringe er den grössten Teil des Tages stehend und es würden leichte Hebearbeiten anfallen. Längeres Sitzen sei seiner Genesung nicht förder
lich und führe zu Schmerzen.
3.
7
Laut d
er nach Verfügungserlass am 2
1.
Juni 2020 (
Urk.
3/5) verfassten Stel
lungnahme von
Dr.
D._
vom
Z._
beruhte
die Verfügung der Be
schwerde
gegnerin auf dem Bericht von
Dr.
A._
(vgl. E.
3.2)
, welcher den Be
schwer
de
führer zu dieser Zeit jedoch gar nicht betreut habe.
Ein durch d
as
Z._
veran
lasster neurologischer Bericht von
Dr.
E._
sei nie in die ärztliche Beurtei
lung des RAD miteinbezogen worden, obwohl er die Meinung der Neu
rochirurgen am Rückenboard des
Z._
vom 2
8.
März 2019 bestätige. Die Seg
mentdegeneration beim Beschwerdeführer sei
zudem
in der Diagnoseliste des RAD unberücksichtigt geblieben (S. 1 f.).
Der Arbeitgeber habe sich sehr bemüht, den Arbeitsplatz des Beschwerdeführers zu optimieren und sei auf seine Beschwerden vorbildlich eingegangen. Die Tätig
keit des Beschwerdeführers sei leicht und wechselbelastend. Er arbeite nicht auf
Leitern oder Gerüsten und Reinigungsarbeiten würden zum B
eispiel aus dem Leeren von Kehr
ichtkübeln (Säcke wechseln usw.) bestehen. Solche leichten
Reinigungsarbeiten seien vom Betrieb für den Beschwerdeführer reserviert worden
. Er müsse auch keine häufigen wirbelsäulenbelastenden Zwangshaltungen ein
nehmen und auch nicht auf unebenem Gelände gehen. Er mache zudem keine häufigen Rumpfrotationen. Er arbeite nicht mit andauernden Vibrations
belas
tungen und sei auch nicht der Nässe ausgesetzt. Was bei der Arbeitsstelle nicht optimal angepasst sei, bleibe unklar oder bewege sich höchstens im gesuchten, sehr theoretisch anmutenden Detailbereich. Für das Heben von Gewichten grösser als 10 kg könne er Kollege
n
rufen. Die Aussage des RAD, dass diese Tätigkeiten vor allem stehend ausgeführt werden, stimme so nicht, da der Beschwerdeführer Autos am Steuer sitzend verschiebe. Zudem würden solche Tätigkeiten von vielen Patienten mit dieser Rückenproblematik als leichter als sitzende Tätigkeiten erachtet. Der Arbeitsablauf und die Belastungen seien oft selbst wählbar und da
mit dem Bedürfnis des Patienten angepasst. Trotz all dieser Massnahmen habe die Arbeitsfähigkeit nicht gesteigert werden können
(S. 2).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin ging in ihrer Verfügung vom 2
7.
Mai
2020 (Urk. 2
) gestützt auf die Beurteilung durch
den
RAD-Arzt Dr.
C._
vom 2
9.
Mai 2019 (vorstehend E. 3.4) davon aus, es bestehe gemäss den medizinischen Abklärungen eine volle Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit seit August 2017. Ab dem
9.
November 2018 habe sich sein Gesundheitszustand verbessert und es sei ihm aus versicherungsmedizin
is
cher
Sicht
in der bisherigen Tätigkeit eine 50%ige und in einer körperlich angepassten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit zu
mutbar, weshalb die IV-Rente gemäss den gesetzlichen Bestimmungen drei Mon
ate
nach der Änderung und somit per 1. März 2019 aufzuheben sei (vorstehend E. 2.1).
4.2
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tio
nelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fach
kompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei
wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich unter
suchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
ge
richts
9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG be
treffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Ver
fahrensregeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Berichten keine Wirkung (Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxis
g
emässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Okto
ber 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
4.3
RAD-Arzt
Dr.
C._
stellte im Wesentlichen auf den Arztb
ericht von
Dr.
A._
(vgl. E. 3.2
hiervor)
ab. Dieser
diagnostizierte bei
m Beschwerdeführer ein chro
nisch rezidivierendes
lumbo-spondylogenes
Syndrom beidseits bei einem leicht
gradigen sensiblen Ausfallsyndrom L5 links sowie eine Diskushernie L4/
5.
Er gab ausserdem an, der Beschwerdeführer könne in einer dem Leiden angepassten Tätigkeit acht Stunden pro Tag arbeiten. Ein Belastungsprofil hinsichtlich der angepassten Tätigkeit beschrieb
Dr.
A._
jedoch nicht.
Die behandelnden Ärzte des
Z._
gingen hingegen davon aus, dass dem Beschwerdeführer nur eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit möglich ist und gaben
zum Belastungsprofil an, der Beschwerdeführer verspüre beim Heben von Lasten über 10 kg eine Zunahme der Schmerzen und eine Verstärkung der psychischen Symptomatik. Sitzen sei bis zu 4 Stunden möglich (vgl. E. 3.1 hiervor).
In einem späteren Bericht wiesen sie ausdrücklich auf die Bedeutung der fortgeschrittenen Diskusdegeneration L4/5 hin und auf den Umstand, dass der Beschwerdeführer mittlerweile in einer maximal angepassten Tätigkeit tätig ist und die Arbeits
fähigkeit nicht auf über 50
%
g
esteigert werden konnte (E. 3.5
hiervor).
Auch
die später eingegangenen Berichte
bestätigen die zuvor geschilderte Einschätzung
(vgl. E. 3.7 hiervor).
Dr.
C._
beurteilte gestützt auf den Bericht von
Dr.
A._
, die Arbeitsun
fähigkeit des Beschwerdeführers betrage ab
9
.
November 201
8
0
%
und er könne leichte wechselbelastende Tätigkeit
en
, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne häufiges Treppensteigen, ohne häufige wirbelsäulenbelastende Zwangshal
tungen und Tätigkeiten (Bücken, Hocken, Kauern, Knien, Überkopfarbeiten, Arbeiten in weiter Armvorhalte), ohne häufige Rumpfrotationen, ohne häufiges Gehen auf unebenem Gelände ausüben. Ebenfalls seien andauernde Vibrations
belastungen und Nässe-/Kälteexposition zu vermeiden.
Geeignet seien
Tätig
kei
ten mit wenig Umstellungs- und Anpassungsbedarf, mit geringem Termindruck und zeitlicher Flexibilität, in einem kleinen Team mit wohlwollendem Umfeld.
Der Arztbericht von Dr.
A._
stellt jedoch mangels einer umfassenden Begrün
dung
und präzisen Beschreibung der Arbeitsfähigkeit respektive des Belastungs
profils grundsätzlich keine verlässliche Grundlage dar, um die
von der Beschwer
degegnerin ab 9
. November 201
8
angenommene Verbesserung des Gesundheits
zustands nachvollziehen zu können. Die Annahme der Beschwerdegegnerin, wonach gestützt auf die vage gehaltene Beurteilung durch Dr.
A._
in einer angepassten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit best
ehen soll
, findet in den medizinischen Akten somit keine genügende Stütze. Sodann lässt die Beurteilung durch
Dr.
C._
eine Begründung des erstellten Belastungsprofils gänzlich ver
missen, ebenso wie eine Auseinandersetzung mit den übrigen vorhandenen Arzt
berichten.
Anhaltspunkte für eine
mangelnde Beurteilung liefern auch die im Nachgang des RAD-Berichtes und Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereich
ten Arztberichte, welchen eine Segmentdegeneration L4/5 mit
diskogenem
und
intermittiernd
radikulärem
Schmerzsyndrom als zusätzliche Diagno
se zu entneh
men ist (vgl. E. 3.5
und E. 3.7).
Im Übrigen ist zu bemerken, dass die Beurteilung von RAD-Arzt Dr.
C._
einzig auf den Akten basierte. Er hat den Beschwerdeführer nicht selber unter
sucht. Eine Funktionsdiagnose, welcher bei somatisch begründeten Funkti
ons
ein
schränkungen zentrale Bedeutung zukommt (Urteil des Bundesgerichts
9C_335/2015
vom 1. September 2015 E.
4.2.2), wurde dementsprechend nicht vorgenommen.
4.4
In seiner Stellungnahme vom
29
.
Mai 2019 (E. 3.
4
hiervor
) verneinte der RAD-Arzt
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund
eine
r
psychische
n
Stö
rung unter Hinweis darauf, dass
die psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit gerin
ger sei als die somatische, und da die somatische 0
%
betrage, betrage auch die psychisch bedingte 0
%
.
Hinsichtlich der Beschwerden beschrieb
Dr.
B._
in seinem Bericht unter anderem eine leichte Konzentrationsstörung, eine ausge
prägte Merkfähigkeitsstörung, ein formal leicht gehemmtes und ausgeprägt grübelndes Denken. Des Weiteren gab er an, der Beschwerdeführer sei im Affekt leicht interessenlos, ausgeprägt freudlos, leicht
affekt
arm
, ausgeprägt deprimiert, leicht hoffnungslos, schwer ängstlich, leicht gereizt, ausgeprägt innerlich unruhig gewesen, habe ausgeprägte Insuffizienzgefühle und leichte Schuldgefühle gehabt. Zudem habe er Ein- und Durchschlafstörungen, eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit, einen leicht verminderten Appetit sowie
leicht verminderte
Sexualität, einen aus
geprägten sozialen Rückzug, eine leichte verbale Aggressivität und leichte Suizid
gedanken gezeigt (
Urk.
9/41/3). Der RAD-Arzt setzte sich in der in Frage ste
hen
den Stellungnahme nicht mit dem Bericht von
Dr.
B._
in rechtsgenügender Weise auseinander, wobei er sich insbesondere nicht zu der von Dr.
B._
ge
nannten Diagnose einer dep
ressiven Störung (mittelgradige
Episode) sowie den
beschriebenen Beschwerden und
Einschränkungen des Beschwerdeführers äusserte
.
Ausserdem ist darauf hinzuweisen, dass
Dr.
B._
dem Beschwerdeführer bei seiner Beurteilung eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte und lediglich darauf hinwies, dass diese aus psychiatrischer kleiner sei als
jene
aus somatischer Sicht. Daraus zu schlie
ssen, die
Arbeitsunfähigkeit betrage
somit
in psychiatrischer Hinsicht
ebenfalls
0
%
, leuchtet nicht ein.
4.5
Die
neben der Beurteilung von
Dr.
A._
(E. 3.2) und
Dr.
C._
(E. 3.4) in den Akten vorhandenen Berichte
des
Z._
(E.
3.1, E.
3.5 und
E. 3.
7
) und von
Dr.
B._
(E. 3.
3) lassen
ebenfalls keine rechtsgenügende Beurteilung der Arbeits
fähigkeit sowohl in angestammter als auch in einer angepassten Tätigkeit zu. Die Berichte des
Z._
beschreiben
kein
vollständiges Belastungsprofil (E. 3.5
, E. 3.
7
) und Dr.
B._
’s
Angaben sind dürftig, er
begründet weder eingängig die
30%ige Arbeitsunfähigkeit,
noch äussert er sich ausführlich dazu, weshalb
sowohl die bisherige als auch
eine angepasste Tätigkeit nur im Umfang von
vier
Stunden täglic
h als zumutbar erachtet wird
(E.
3.3
).
In den Akten
finden sich sodann keine
weiteren
fachärztlichen Stellungnahmen, welche in psychiatrischer Hinsicht ein abschliessendes Bild
hinsichtlich der
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ergeben würden.
4.6
Zusammenfassend bestehen erhebliche Zweifel an der Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen Tatsachenfeststellung durch
die Beschwerde
gegnerin. Eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ist aufgrund der vorliegenden medizinischen Unterlagen auch nicht mit dem Mass der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit möglich. Demzufolge ist die angefochtene Verfü
gung vom
27
. Mai
2020
aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach erfolgter notwendiger Abklärung über den Rentenanspruch des Beschwerde
führers neu verfüge (vgl. E. 1.5
).
Dabei scheint eine
rheumatologische
, neurologische
und psychiatrische Begut
achtung
angezeigt. Das Gutachten wird sich nicht nur zum aktuellen Gesund
heitszustand zu äussern haben, sondern insbesondere auch über
den Verlauf der Arbeitsfähigkeit. Im Rahmen dieser Abklärungen wird bezüglich der psychischen Erkrankung – der depressiven Störung – für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ein strukturiertes Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 durch
zuführen sein (vgl.
BGE 143 V 409 E. 4.5.1, BGE 143 V 418 E. 7.2).
Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen.
5.
5.1
Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 800.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unter
liegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Bei diesem Ausgang des Verfahrens steht dem Beschwerdeführer eine Prozes
s
entschädigung zu, welche in Anwendung von
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes
über das Sozialversicherungsgericht mit
Fr.
1’500
.-- (inkl. Barauslagen und
M
WSt
) zu bemessen und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen ist.