Decision ID: 1615ebb8-bfe6-5539-bd6b-968f6e22dcb1
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Auf dem Grundstück Bern Kreis 5 Gbbl. Nr. F._ (D._weg 20a und
20b) befinden sich zwei Gebäude, welche als Lagerhäuser genutzt werden. Das
Grundstück liegt in der Wohnzone und gehört dem Beschwerdegegner 1. Die C._
(Beschwerdegegnerin 2) nutzt die Gebäude seit 1971 als Lager für ihr Möbelgeschäft. Bis
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vor kurzem hatte sie ihr Verkaufsgeschäft am E._weg 15 gegenüber den
Gebäuden D._weg 20a und 20b. Heute befindet es sich am E._weg 1 /
G._ 38. Die Räumlichkeiten am D._weg 20a und 20b werden von der
Beschwerdegegnerin 2 auch nach dem Umzug des Verkaufsgeschäfts weiterhin als
Möbellager genutzt.
2. Der Beschwerdeführer hat am 23. Juni 2014 beim Bauinspektorat der Stadt Bern
eine baupolizeiliche Anzeige eingereicht. Er machte geltend, dass aufgrund der Verlegung
des Möbelgeschäfts an den E._weg 1 / G._ 38 und der gleichzeitigen
Beibehaltung der Nutzung der Liegenschaften D._weg 20a und 20b als
Möbellager eine baubewilligungspflichtige Zweckänderung für die weitergehende Nutzung
der beiden Liegenschaften als Möbellager vorläge. Mit Verfügung vom 27. Januar 2015 hat
die Stadt Bern der baupolizeilichen Anzeige nicht stattgegeben.
3. Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer am 5. März 2015 Beschwerde
bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE). Er beantragt die
Aufhebung der Verfügung vom 27. Januar 2015. Er macht insbesondere geltend, dass die
Nutzung der Gebäude D._weg 20a und 20b als Möbellager der
Beschwerdegegnerin 2 bewilligungspflichtig werde, wenn diese mit ihrem Geschäft vom
E._weg 15 an den vorgesehenen neuen Standort E._weg 1 / G._
38 umziehe. Der Fortbestand dieser Nutzung unter diesen veränderten Bedingungen
könne mangels Zonenkonformität nicht bewilligt werden.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte bei der Vorinstanz die Akten ein. Sowohl die Stadt Bern
als auch die Beschwerdegegner beantragen in ihren Stellungnahmen die Abweisung der
Beschwerde vom 5. März 2015. Das Rechtsamt hat bei der Stadt Bern die
Empfangsbestätigung des Beschwerdeführers für die Zustellung der angefochtenen
Verfügung eingeholt. Mit Schreiben vom 9. Juni 2015 hat der Beschwerdeführer bei der
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
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BVE eine weitere Eingabe eingereicht. Auf die Rechtsschriften und die Vorakten wird,
soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Die angefochtene Verfügung der Stadt ist eine baupolizeiliche Verfügung im Sinne
von Art. 45 BauG2. Diese kann gestützt auf Art. 49 Abs. 1 BauG innert 30 Tagen seit
Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die
Beurteilung der Beschwerde zuständig.
b) Die Stadt hat die Nutzung der Liegenschaften am D._weg 20a und 20b als
Möbellager in baupolizeilicher Hinsicht als rechtmässig beurteilt und der baupolizeilichen
Anzeige des Beschwerdeführers nicht stattgegeben. Der Beschwerdeführer ist als
Anzeiger durch die angefochtene Verfügung beschwert. Er hat ein schutzwürdiges
Interesse an deren Änderung und ist deshalb befugt, Beschwerde zu führen (Art. 65 Abs. 1
VRPG3).
c) Die Beschwerde wurde bei der BVE form- und fristgerecht eingereicht. Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2. Baubewilligungspflichtige Nutzungsänderung
a) Der Beschwerdeführer rügt, die Nutzung der Gebäude D._weg 20a und 20b
als Möbellager der Beschwerdegegnerin 2 werde bewilligungspflichtig, weil diese mit ihrem
Geschäft vom E._weg 15 an den Standort E._weg 1 / G._ 38
umgezogen sei. Der Fortbestand dieser Nutzung unter diesen veränderten Bedingungen
könne mangels Zonenkonformität nicht bewilligt werden. Die Beschwerdegegnerin 2 weist
darauf hin, dass sie die Räumlichkeiten am D._weg 20a und 20b nach dem
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721). 3 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21).
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Umzug ihres Verkaufsgeschäfts an den E._weg 1 / G._ 38 nach wie vor
als Lager nutzt.
b) Baubewilligungspflichtig sind nach Art. 1a Abs. 1 BauG alle künstlich geschaffenen
und auf Dauer angelegten Bauten, Anlagen und Einrichtungen, die in fester Beziehung
zum Erdboden stehen und geeignet sind, die Nutzungsordnung zu beeinflussen. Eine
Baubewilligung brauchen auch Zweckänderungen, wenn bau- und umweltrechtliche
Tatbestände betroffen sind (Art. 1a Abs. 2 BauG i.V.m. Art. 6 Abs. 1 Bst. c BewD4). Eine
Nutzungsänderung ist insbesondere dann bewilligungsbedürftig, wenn sie die
Zonenvorschriften oder die Umweltvorschriften berührt oder wenn sie zu einer
Mehrbelastung der Erschliessung führt.5
c) Die Beschwerdegegnerin 2 mietet die Liegenschaften am D._weg 20a und
20b seit 1971 als Möbellager. Auch nach dem Umzug ihres Verkaufsgeschäfts vom
E._weg 15 an den E._weg 1 / G._ 38 nutzt sie die beiden
Gebäude weiterhin zur Lagerung von Möbeln. Die Nutzungsart der Gebäude am
D._ weg 20a und 20b hat sich somit nach der Verlegung des Verkaufsgeschäfts
an den neuen Standort nicht verändert. Es ist zudem nicht ersichtlich, dass die Nutzung
der Liegenschaften D._weg 20a und 20b als Möbellager nach der Verlegung des
Verkaufsgeschäfts andere Auswirkungen auf Raum und Umwelt hat als vor dem Umzug
des Verkaufsgeschäfts. Gemäss der im GRUDIS6 vorgenommenen Berechnung beträgt die
Distanz zwischen dem neuen Verkaufsgeschäft und dem ursprünglichen Standort ca. 70
m. Es ist deshalb nicht zu erwarten, dass der Umzug des Verkaufslokals zu einer Zunahme
der Zu- und Wegfahrten mit Lastwagen zu den Gebäuden D._weg 20a und 20b
und damit zu einem höheren Verkehrsaufkommen im Quartier führt. Der Umzug der
Möbelhalle an einen neuen Standort führt nicht zu einer baubewilligungspflichtigen
Zweckänderung der Liegenschaften D._weg 20a und 20b. Die Beschwerde
erweist sich in diesem Punkt als unbegründet.
4 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1). 5 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 1a N. 24; vgl. auch VGE 2014/167 vom 25.03.2015, E. 3.2. 6 Grundstückdaten-Informationssystem des Kantons Bern.
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3. Zonenfremde Nutzung
a) Der Beschwerdeführer rügt, die Nutzung der Gebäude D._weg 20a und 20b
als Möbellager sei aufgrund der vielen Zu- und Wegfahrten mit Lastwagen mit Emissionen
verbunden, die nicht in ein Wohngebiet gehörten.
b) Die Gebäude D._weg 20a und 20b liegen gemäss dem Nutzungszonenplan
der Stadt Bern in der Wohnzone und sind im Bauklassenplan der Stadt der Bauklasse 3
zugewiesen. Es gilt die Empfindlichkeitsstufe II (ES II). Nach Art. 19 Abs. 1 und 2 BO7 sind
hier bis 10 Prozent der Bruttogeschossflächen an Arbeitsnutzungen gestattet. Das
Gebäude D._weg 20a wurde laut angefochtenem Entscheid 1927 als
Lagerschuppen bewilligt. Für das Gebäude D._weg 20b hat die Vorinstanz keine
Bewilligung gefunden, sie geht aber davon aus, dass das Gebäude wohl bewilligt und
zwischen 1946 und 1958 erstellt wurde. Beide Gebäude dienen zu 100 Prozent der
Arbeitsnutzung und sind heute nicht mehr zonenkonform.
c) Für das Gebäude D._weg 20a gilt die Besitzstandsgarantie nach Art. 3
BauG und Art. 4 BO. Es darf weiterhin als Lagerschuppen genutzt werden. Es kann offen
bleiben, ob das Gebäude D._weg 20b rechtmässig als Lager bewilligt wurde.
Gemäss Art. 46 Abs. 3 BauG kann nach Ablauf von fünf Jahren, seitdem die
Rechtswidrigkeit erkennbar war, die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes nur
verlangt werden, wenn zwingende öffentliche Interessen es erfordern. Das Gebäude
D._weg 20b wird seit mehr als 40 Jahren als Möbellager genutzt. Diese Nutzung
führt nicht zu mehr Verkehr, als eine zonenkonforme Nutzung verursachen würde. Es sind
keine zwingenden öffentlichen Interessen ersichtlich, die eine Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustandes rechtfertigten. Auch diese Rüge erweist sich somit als
unbegründet. Die Beschwerde ist abzuweisen.
4. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Er hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
7 Bauordnung der Stadt Bern vom 24. September 2006 (BO; SSSB 721.1).
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Pauschalgebühr von Fr. 400.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1
GebV8). Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG).