Decision ID: ced9db63-dc05-402e-ba9e-f93a2c2fc6ed
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1992
,
Staatsangehöriger der
Demokratische
n
Volks
republik
Algerien
(
Urk
32/2),
stellte
am
1
9.
August 2012 ein Gesuch um Asyl
in der Schweiz (
Urk.
13/1
-7
).
Mit Entscheid vom 1
4.
Januar
2013 (
Urk.
13/158-
162) hat das Bundesamt für Migration (BFM) festgestellt, dass
der Geschädigte
zu spät zu einer Anhörung in den Räumlichkeiten des BFM erschienen sei (
Urk.
13/159), und
trat deshalb auf
sein Asylgesuch nicht ein
, verfügte seine
Wegweisung aus der Schweiz
und forderte den Geschädigte
n
auf
, die Schweiz am Tag nach Eintritt der Rechtskraft des Entscheids
vom 1
4.
Januar 2013
zu verlassen (
Urk.
13/161).
In der Folge war der Geschädigte vom
8.
Dezember 2012 bis 1
1.
Februar 2013 in Haft (
Urk.
13/185), worauf das Migrationsamt des Kantons Zürich den Geschädigten mit Verfügung vom 1
1.
Februar
2013 (
Urk.
13/184) aufforderte, die Schweiz nach der Haftent
lassung in Nachachtung des Entscheids des BFM vom 1
4.
Januar 2013 un
ver
züglich selbstständig zu verlassen.
Nachdem der Geschädigte erneut in Haft
gewesen
war, forderte das Migrationsamt des Kantons Zürich
den Ge
schädigten am
2
3.
April 2013 (Urk. 13/229) erneut dazu auf, die Schweiz nach der Haftentlassung unverzüglich selbstständig zu verlassen. Nachdem sich der Versicherte vom
7.
Juni bis 1
5.
September 2013
zum Vollzug
einer Freiheitsstrafe im Gefängnis aufgehalten hatte (
Urk.
13/
339-340), forderte des Migrationsamt des Kantons Zürich den Geschädigten
am
2
9.
August 2013 (
Urk.
13/356) erneut auf,
die
Schweiz nach
der
am 1
5.
September 2013
vorgesehenen Entlassung aus dem Strafvollzug
zu verlassen.
1.2
Am
1
9.
September
2013 wurde der Geschädigte im Rahmen
einer
zunächst nur verbalen
Auseinandersetzung Opfer eines Angriffs mit einem
Taschen
messer
(Urk.
36 S. 2
). Dabei zog er sich unter anderem eine
tiefreichende Schnittverletzung am distalen linken Unterarm mit vollständiger Durch
trenn
ung der langen und kurzen
Handwurzelstrecksehnen
und mit vollständiger Durchtrennung der Daumen-
Abspreizsehne
und der kurzen
Daumenstreck
sehne
zu
(
Urk.
8/5/14-15)
. Diese Verletzungen wurden
mittels Strecksehnen
naht in den Bereichen der
Extensor
en
carpi
radialis
l
ongus
(ECRL) und
brevis
(ECRB),
mittels
Naht
im Bereich des
Extensor
pollicis
longus
(EPL)
sowie
mittels Inzision und Rekonstruktion des
Retinaculum
Extensorum
(Urk. 8/5
/9)
behandelt.
Am 2
7.
September 2016 erhob die Staatsanwaltschaft
Z
ürich-Sihl
Anklage gegen den Täter und beschuldigte diesen, zum Nachteil des Geschädigten eine einfache Körperverletzung begangen zu haben (
Urk.
36).
1.3
Der
Geschädigte
war
seit
1
.
November 2013
erneut
in Haft (Urk. 13/409),
als
ihn das Migrationsamt des Kantons Zürich mit Verfügung vom
3.
November 2013 (Urk. 13/414) auf
forderte
, die Schweiz nach der Haftentlassung unver
züg
lich selbstständig zu verlassen. Der Geschädigte hielt sich seit
6.
Dezem
ber 2013
zum Vollzug einer Freiheitsstrafe
im Gefängnis auf (Urk.
13/450,
vgl.
Urk.
13/478-479)
,
als ihn das Migrationsamt des Kantons Zürich mit Ver
fügung vom 1
1.
Mai 2015 (Urk. 13/493) aufforderte, die Schweiz nach der Entlassung aus dem Strafvollzug am 2
8.
Mai 2015 unverzüglich selbstständig zu verlassen.
1.
4
Am 9.
April 2015
stellte der Geschädigte bei der Direk
tion der Justiz und des
Innern des Kan
tons Zürich ein Gesuch um Zusprechung
einer Genugtuung im Betrag von
Fr.
50‘000.--, zuzüglich Zins zu 5
%
seit 1
9.
September 2013, und
einer Entschädigung
im Betrag von
Fr.
500‘000.--
für die Folgen der Straftat
vom
1
9.
September 2013
(Urk.
8/1
). Mit
(unbegründeter)
Verfügung vom
1
1.
M
ai
2015
(Urk.
8/9
) sprach die Kantonale Opferhilfestelle dem Geschädig
ten
eine Genugtuung im Betrag von
3
‘000.-- zu und ordnete an, dass über das Gesuch um Entschädigung für Schade
n
aus Erwerbsausfall in einer separaten Verfügung entschieden werde. Diese Verfügung ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen.
Mit
(begründeter)
Verfügung vom
1
3.
Juli 2015
(Urk.
8/14 =
Urk.
2
)
ver
neinte
die Kan
to
nale Opferhilfestelle
Ansprüche
des
Geschädigten
auf
eine Entschädigung
sowie auf
Übernahme von ungedeckten Heilungskosten
für
die Folgen der Straftat vom 1
9.
September 201
3.
2.
2.1
Gegen die Verfügung vom
1
3.
Juli 2015
(Urk. 2) erhob
der
Geschä
digte am
1
2.
August 2015
Beschwerde (Urk. 1) und beantragte,
diese sei
aufzuheben und es sei ihm eine Entschädigung für
Lohnausfall
im Betrag von Fr.
120‘000.--, zuzüglich Zins zu 5
%
seit 1
9.
September 2013,
zuzu
sprechen
. Gleichzeitig stellte der Geschädigte ein Gesuch um unentgeltliche
Rechts
ver
tretung
(S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 27. August 2015 (Urk. 7) beantragte die Kanto
nale Opferhilfestelle die Abweisung der Be
schwerde.
2.2
Mit Verfügung vom 2
5.
September 2015 (
Urk.
12) wurden bei der Staats
an
waltschaft
Zürich-Sihl
die Akten betreffend das
Strafverfahren
gegen den Täter der Straftat vom 1
9.
September 2013 (
Urk.
16/4) sowie
Akten
betref
fend Strafverfahren
, welche gegen den Beschwerdeführer geführt wurden
(
Urk.
16/1-3 und
Urk.
16/5-16)
,
beigezogen.
Beim Migrationsamt
des
Kan
tons
Zürich
wurden sodann
die den Beschwerdeführer betreffenden Akten (
Urk.
13/1-170) beigezogen.
Dazu nahm der Beschwerdeführer am 1
6.
Okto
ber (
Urk.
18) und
am
2.
November 2015 (Poststempel;
Urk.
27) Stellung.
Mit Eingabe vom 2
7.
September 2016 (
Urk.
31) machte der Beschwerdeführer geltend, dass er am 2
5.
August 2016 eine schweizerische Staatsangehörige geheiratet
habe,
und
dass er
seit dem
6.
September 2016 über eine schwei
zerische Aufenthaltsbewilligung B
verfüge
, und reichte unter
a
nderem einen Auszug aus dem Eheregister (
Urk.
32/1-4) sowie eine Kopie der Aufent
halts
bewilligung B (
Urk.
32/5) ein.
Mit Verfügung vom 2
8.
Oktober 2016 (
Urk.
34) wurde bei
der
Staatsanwaltschaft
Z
ürich-Sihl
die Anklageschrift betreffend die gegen
den Täter
erhobene Anklage
vom 2
7.
September 2016 (
Urk.
36)
beigezogen
und es wurde der Beschwerdeführer aufgefordert, seine finan
zielle Situation seit der Eheschliessung zu substantiieren und entsprechend zu belegen
. Dazu nahm
der Beschwerdegegner
am
1
7.
November 2016 (
Urk.
37)
Stellung, worauf der
Beschwerdeführer
am
2
4.
April 2017
zur Ein
gabe des Beschwerdegegners vom 1
7.
November
2016
Stellung
nahm
(
Urk.
45)
.
Je eine Kopie dieser Eingabe und
der Beilagen
(
Urk.
46/6-10)
wurden
am 2
6.
April 2017
dem Beschwerdegegner zugestellt
(
Urk.
47).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da sich das streitige Ereignis am 1
9.
September 2013 ereig
ne
te, gelangen vor
liegend die mate
riellen Vorschriften des am 1. Januar 2009 in Kraft getrete
nen,
totalre
vi
dierten
Bundesgesetzes über die Hilfe an Opfer von Straftaten (OHG)
zur Anwendung (
vgl.
Art. 48 OHG).
1.2
Hilfe nach dem OHG er
hält jede Person, die durch eine Straftat in ihrer körperli
chen, sexuellen oder psychischen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden ist
(Opfer), und zwar unabhängig davon, ob die Täterschaft ermittelt worden ist, ob sie vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt oder ob sie sich schuld
haft verhal
ten
hat
(Art. 1 Abs. 1 und 3 OHG).
Im revidierten
Opferhil
fegesetz
wurde der bis
he
rige
gesetzliche Begriff des Opfers unverändert über
nommen (BGE 134 II 33 E. 5.5 mit
Hinweisen).
Der Gesetzgeber hat darauf verzichtet, einzelne Straftatbe
stände zu bezeichnen, die eine Opferstellung bewirken.
1.3
Die Beeinträchtigung muss im Sinne eines natürlichen und adäquaten Kau
sal
zusammenhangs durch die Straftat verursacht worden sein, wobei die im Be
reich des
Haftpflichtrechts ergangene Rechtsprechung zum Beweismass beim natürlichen Kausalzusammenhang auch im Opferhilferecht gilt. Dem
nach gilt diesbezüglich das Beweismass der überwiegenden Wahrschein
lic
h
keit (BGE 128 III 271 E. 2b).
1.4
Gemäss
Art.
19
Abs.
1
OHG haben das Opfer und seine Angehörigen An
spruch auf eine Entschädigung für den erlittenen Schaden infolge Beein
trächtigung oder Tod des Opfers
, wobei der
Schaden
laut
Abs.
2 dieser Bestimmung,
vorbehältlich
von
Art.
19
Abs.
3 und 4
OHG,
nach
Art.
45 (Schadenersatz bei Tötung) und
Art.
46 (Schadenersatz bei Körperverl
etzung) des Obligationenrechts (OR) festgelegt wird
.
In
Abs.
3 dieser Bestimmung ist geregelt, dass
Sachschaden sowie Schaden, welcher Leistungen der Sofort
hilfe oder der längerfristigen Hilfe nach
Art.
13
OHG auslösen kann, nicht
zu berücksichtigen ist
. Gemäss
Abs.
4 dieser Bestimmung werden ein
Haushalt
schaden und
ein
Betreuungsschaden nur berücksichtigt, wenn sie zu zusätz
lichen Kosten oder zur Reduktion der Erwerbstätigkeit führen.
1.5
Leistungen, welche das Opfer von Dritten als Schadenersatz erhalten hat, werden für die Berechnung der Entschädigung auf den Schaden angerechnet (
Art.
20
Abs.
1
OHG). Die Entschädigung
beträgt höchstens
Fr.
120‘
000
.--
; keine Entschädigung wird ausgerichtet, wenn sie weniger als
Fr.
500.
—
be
tragen würde
(
Art.
20
Abs.
3 OHG)
.
Laut
Art.
20
Abs.
2
lit
. a OHG deckt die Entschädigung den Schaden ganz, wenn im Sinne von
Art.
6
Abs.
1 und 2 OHG die anrechenbaren Einnahmen der anspruchsberechtigten Person den massgebenden Betrag für den allge
meinen Lebensbedarf nicht übersteigen. Laut
lit
. b dieser Bestimmung deckt die Entschädigung den Schaden lediglich anteilsmässig, wenn im Sinne von
Art.
6
Abs.
1 und 2 OHG die anrechenbaren Einnahmen der anspruchs
be
rechtigten Person zwischen dem einfachen und dem vierfachen massgeben
den Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf liegen.
Liegen die anrechenbaren Einnahmen der anspruchsberechtigten Person zwischen
dem massgebenden Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf (Be
trag ELG) und dem Vierfachen dieses Betrags, so wird die Entschädigung wie folgt berechnet
(
Art.
3 der Verordnung über die Hilfe an Opfer von Straf
ta
ten, OHV)
:
Kostenbeitrag
=
Kosten
-
(anrechenbare Einnahmen -
2 x
Betrag
ELG) x
Kosten
2 x Betrag
ELG
1.6
Nach der Rechtsprechung ist der Begriff des Schadens im Opferhilferecht im Prinzip der gleiche wie im Privatrecht (BGE 131 II 217 E. 4.2). Er entspricht der Differenz zwischen dem gegenwärtigen Vermögensstand und dem Stand, den das Vermögen ohne das schädigende Ereignis hätte (BGE 139 V 176 E.
8.1.1; 132 III 186 E. 8.1
) bezie
hungsweise den Einkünften, die nach dem schädigenden Ereignis tatsächlich er
zielt worden
sind und denjenigen, die ohne dieses Ereignis zugeflossen wären (BGE 132 III 324
E. 2.2.1, BGE 131 III 360 E. 5.1 und 6.1; BGE 129 III 18 E. 2.4, BGE 129 III 331 E. 2.1; BGE 127 III 403 E.
4a).
In Bezug auf die Arbeitsunfähigkeit besteht er somit in der Differenz zwischen dem infolge des schädigenden Ereignisses reduzierten Ein
kommen des Geschädigten und dem (hypothetischen) Einkommen, das der Geschädigte ohne das schädigende
Ereignis hätte erzielen können
.
Bei dieser Schadensberechnung ist
ausschliesslich
auf eine erlaubte Tätigkeit abzustellen, die der Geschädigte hätte ausüben können
. Verdienste aus delik
ti
schen
oder
aus
illegalen Tätigkeiten
beziehungsweise
aus Tätigkeiten, welch
e ohne eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis in der Schweiz ausgeübt wur
den, sind nicht zu berücksichtigen
(Urteil des Bundesgerichts 1C_165/2014 vom 1
0.
Dezember 2014 E. 4.3)
.
1.7
Im Opferhilfeverfahren stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen fest (
Art.
29
Abs.
2 OHG). An die
Substanziierung
eines Gesuchs um Entschä
di
gung
und Genugtuung können daher keine allzu strengen Anforderungen gestellt werden (BGE 129 II 49 E.
4.1 S.
52; Urteil des Bundesgerichts 1C_32/2010 vom 1
0.
September 2010 E.
3.4 und 3.6.2). Bestehen Hinweise
auf Schadenspositionen, die im Gesuch nicht hinreichend
substanziiert
worden
sind, ist dem Opfer Gelegenheit zu geben, sein Gesuch zu vervollständigten (Urteile des Bundesgerichts 1C_32/2010 vom 1
0.
September 2010 E.
3.4 und 1A.93/2004 vom
2.
September 2004 E.
5.4.3). Auf der anderen Seite kann und muss vom Gesuchsteller verlangt werden, dass er, soweit zumutbar, diejenigen Angaben macht, die der Behörde erlauben, den Sachverhalt und die Anspruchsberechtigung näher abzuklären. Die Pflicht der Behörde, den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen, schliesst eine Mitwirkungspflicht des Gesuchstellers nicht aus. Wer ein Gesuch stellt, muss diejenigen Tat
sachen darlegen, die nur ihm bekannt sind oder von ihm mit wesentlich weniger Aufwand erhoben werden können als von der Behörde. Insbesondere muss das Opfer den anspruchsbegründenden Sachverhalt mit hinreichender Bestimmtheit darlegen und der Behörde diejenigen Angaben liefern, die ihr erlauben, weitere Erkundigungen einzuholen (Urteil des Bundesgerichts 1C_165/2014 vom 1
0.
Dezember 2014 E. 4.4 mit Hinweisen)
.
2.
2.1
Der Beschwerdegegner ging in der angefochtenen Verfügung vom 1
3.
Juli 2015 (
Urk.
2) davon aus,
aus dem tatsächlichen Verhalten des Beschwer
de
führers
, welcher sich
nach Abweisung seines Asylgesuchs
in der Schweiz aufgehalten habe, obwohl er
die
Schweiz hätte verlassen müssen,
sei zu schliessen, dass der Beschwerdeführer sich ohne die Straftat weiterhin in der Schweiz aufgehalten hätte, und dass er nicht in sein
Heimatland
Algerien
zurückgekehrt wäre
.
Sodann sei davon auszugehen, dass die
zuständigen
Zivilstands
behörden
eine Eheschliessung des Beschwerdeführer
s
mit einer schweizerischen Staatsangehörigen oder mit einer
ausländischen, über eine Niederlassungsbewilligung verfügenden Staatsangehörigen
,
wegen des Ver
dachts auf eine rechtsmissbräuchliche Eheschliessung beziehungswei
se auf eine Scheinehe verweigert hätten
.
Da dem Beschwerdeführer mangels einer Arbeitsbewilligung
die Erzielung eines Verdienstes aus einer erlaubten Tätig
keit verwehrt gewesen
sei
,
hätte dieser auch keinen zu entschädigenden
Erwerbs
ausfall
erleiden können
(
Urk.
2
S.
4).
Ein Anspruch auf eine Ent
schädigung wäre jedoch selbst dann, wenn anzunehmen wäre, dass der Beschwerdeführer ohne die Straftat nach
Algerien
zurückgekehrt w
äre, zu
verneinen, da
ein Erwerbsausfall in
Algerien
weder genügend substantiiert noch
belegt sei (
Urk.
2
S.
5). In Anbetracht der langjährige
n
Abstinenz des
Be
schwerdeführes
vom Arbeitsmarkt,
seines
aktenkundigen deliktischen Ver
hal
tens und
seines aktenkundigen
Suchmittelmissbrauchs erscheine die Aus
übung einer erlaubten Tätigkeit durch den Beschwerdeführer ohne die Straf
tat sodann selbst nach einer Eheschliessung mit einer schweizerischen Staats
angehörigen nicht als überwiegend wahrscheinlich (
Urk.
37 S. 5).
2.2
Der Beschwerdeführer bringt
hiegegen
vor, dass
auch
ein
Verdienstausfall aus einer ohne Arbeitsbewilligung ausgeübte
n
Erwerbstätigkeit zu entschä
di
gen sei. Sodann werde sein Status als abgewiesener Asylbewerber mit der Eheschliessung ausländerrechtlich überholt
, weshalb jedenfalls ein
Anspruch auf eine Entschädigung für einen Erwerbsausfall für die Zeit nach der Ehe
schliessung bis zum ordentlichen Pensionsalter ausgewiesen sei (Urk. 1 S. 4
f.).
3.
3.1
Den Akten ist zu entnehmen, dass
der Beschwerdeführer am 1
9.
August 2012 in die Schweiz
einreiste
und ein Gesuch um Asyl stellte (Urk.
13/1-7)
, worauf das
BFM mit Ents
cheid vom 1
4.
Januar 2013 (Urk.
13/158-162) auf
sein
Asylgesuch nicht eintrat und dessen Wegweisung aus der Schweiz anordnete. In der Folge
forderte
das
Migrationsamt des Kantons Zürich den Geschädig
ten
wiederholt, nämlich am
1
1.
Februar 2013 (Urk.
13/184), am 2
3.
April 2013
(Urk. 13/229), am
2
9.
August
2013 (Urk.
13/356)
,
am
3.
November
2013 (Urk. 13/
414)
und am
1
1.
Mai 2015 (Urk. 13/493) auf, die Schweiz zu ver
lassen.
3.2
Den Akten ist sodann zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer am 2
5.
August 2016 eine schweizerische Staatsangehörige heiratete (
Urk.
32/1-4) und infolgedessen seit dem
6.
September 2016 über eine schweizerische Aufenthaltsbewilligung B (
Urk.
32/5) verfügte.
3.3
Sodann befindet sich ein Schreiben einer
algerischen
Bauunternehmung, wonach der Beschwerdeführer bei dieser vom 1
2.
Februar bis 2
1.
November 2011 als Spengler beziehungsweise Klempner gearbeitet habe, sowie Lohnabrechnungen für die Monate Oktober und November 2011 bei den Akten
(Urk. 8/13/1)
. Gemäss den Angaben des Be
schwerdeführers gegenüber dem BFM vom
2
2.
August 2012 (
Urk.
13/3) habe er
sodann
bis Ende des Jahres 2008 in
Algerien
als Schweisser gearbeitet.
3.4
3.4.1
Des Weiteren befinden
sich verschiedene medizinische Bericht bei den Akten:
Die Ärzte des
A._
, Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie
(
A._
)
, erwähnten in ihrem Bericht vom 1
9.
September 2013 (Urk. 8/5/9), dass gleichentags eine Notfallkonsultation stattgefunden habe und diagnostizierten eine Schnittverletzung am distalen linken Unterarm mit vollständiger Durchtrennung der Daumen-
Abspreizsehne
und der kurzen Daumenstrecksehne infolge einer Messerstecherei
. Sie
erwähnten, dass der
Beschwerdeführer Rechtshänder sei, und dass die Verletzungen mittels
Streck
sehnen
naht
in den Bereichen der
Extensor
en
carpi
radialis
l
ongus
(ECRL) und
brevis
(ECRB),
mittels
Naht im Bereich des
Extensor
pollicis
longus
(EPL)
sowie mittels Inzision und Rekonstruktion
des
Retinaculum
Extensorum
be
handelt worden seien (S. 1).
3.4.2
Mit Bericht vom 1
7.
Juli 2014
(
Urk.
8/5/14)
führten die Ärzte des
A._
aus, dass die Verletzungen, welche sich der Beschwerdeführer anlässlich des Ereig
nisses vom 1
9.
September 2013 zugezogen habe, zu einem Verlust der Fähigkeit, das linke Handgelenk zu heben
,
sowie zu
Bewegungs
einschrän
kungen
des linken Daumens geführt habe (S. 1) und stellten eine Arbeits
un
fähigkeit im Umfang von 100
%
für die Zeit vom 1
9.
September bis 1
7.
Okto
ber 2013 fest (S. 2).
3.4.3
Am 2
4.
Juli 2014 stellten die
Ärzte des
A._
fest, dass
die abgeschwächte Handgelenksex
tension, unter welcher der Beschwerdeführer leide
,
durch Adhäsionen im Narbenbereich oder durch persistierende Beschwerden nach der Operation infolge einer fehlenden postoperativen Rehabilitation
zu erklären seien
. Die neuropathischen Beschwerden im Bereich der linken Hand seien im Rahmen eines
Scar-Tethering
des superfiziellen
Radialisastes
zu erklären. Sodann sei es im Bereich des linken Zeigefingers zu einer
Nerven
verletzung
der radio-
palmaren
Digitalnerven mit persistierender Anästhesie gekommen (
Urk.
8/5/15 S. 2).
3.4.4
Mit Bericht vom 2
9.
Juli 2014 (
Urk.
8/5/16) führten die Ärzte des
A._
aus, dass der Beschwerdeführer gemäss seinen Angaben nicht in der Lage sei
,
körperlich zu arbeiten, und dass er nicht einmal für kurze Zeit e
ine schwere Kiste tragen könne (S.
1). Der Beschwerdeführer leide unter einer
Irritations
neuralgie
des
Ramus
superficialis
der
Nervi
radialis
sowie unter einer schweren Hypästhesie der
radiopalmaren
Fingernerven Digitalis II links auf Höhe des PIP-Gelenks. Hinweise für eine proximale Schädigung des
Nervus
medianus
am Handgelenk seien indes nicht zu objektivieren (S. 2).
3.4.5
In einem weiteren Bericht vom 2
9.
Juli 2014 (
Urk.
8/5/18) erwähnt
en
die
Ärzte des
A._
, dass beim Beschwerdeführer ein operativer Eingriff im Sinne einer
Narbenadhäsiolyse
und
Neuro
lyse
des
Ramus
superficialis
der
Nervi
Radialis
, einer lokalen
adipofasziale
n
Lappenplastik zur guten Einbet
tung des
Ramus
superficialis
der
Nervi
radialis
und einer Exploration des
radialsei
tigen
Digitalnervs am linken Zeigefinger sowie eine Narbenkorrektur im Bereich des distalen Vorderarmes geplant sei
en
(S. 1).
4.
4.1
N
ach Gesagtem steht fest, dass der Beschwerdeführer in der Zeit nach Eintritt der Rechtskraft des Entscheids des BFM vom 1
4.
Januar 2013 bis zum Erhalt der Aufenthaltsbewilligung B am
6.
September 2016 (vorstehend E.
3.2
) weder über eine Aufenthaltsbewilligung noch über ein
e
Bewilligung zur Aus
übung einer Erwerbstätigkeit in der Schweiz verfügte.
Der Beschwerdeführer war denn auch seit seiner Einreise in die Schweiz nie arbeitstätig.
Während dieses Zeitraums fällt eine erlaubte Tätigkeit innerhalb der Schweiz daher ausser Betracht.
Zudem gibt es keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass d
er Beschwerdeführer
, wäre
er
nicht Opfer eine
r Straftat geworden, im Aus
land,
beispielsweise
in
Algerien
,
eine Erw
erbstätigkeit aufgenommen hätte. Dies
macht der Beschwerdeführe
r
denn auch
nicht geltend (
Urk.
1)
.
4.2
Demgegenüber verfügte der Beschwerdeführer ab dem
6.
September 2016 über eine Aufenthaltsbewilligung B und damit über eine Erlaubnis, in der Schweiz eine Erwerbstätigkeit auszuüben.
5.
5.1
In zeitlicher Hinsicht beurteilt das hiesige Gericht die Gesetzmässigkeit der Verwaltungsverfügungen in der Regel
nach dem Sachverhalt, der zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsv
erfügung sein (BGE 121 V 362
E.
1b). Ausnahmsweise kann das Gericht aus prozessökonomischen Gründen auch die Verhältnisse nach Erlass der Verfügung in die Beurteilung miteinbeziehen und zu deren Rechtswirkungen über den Verfügungszeitpunkt hinaus verbindlich Stellung
nehmen, mithin den das Prozessthema bildenden Streitgegenstand in zeitli
cher
Hinsicht ausdehnen. Eine solche Ausdehnung des richterlichen
Beurteilungs
zeit
raums
ist indessen nur zulässig, wenn der nach Erlass der Verfügung eingetretene, zu einer neuen rechtlichen Beurteilung der Streitsache ab jenem Zeitpunkt führende Sachverhalt hinreichend genau abgeklärt ist und die Verfahrensrechte der Parteien, insbesondere deren Anspruch auf rechtliches Gehör, respek
tiert worden sind (BGE 130 V 138 E
.
2.1).
5.2
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens stellt die angefochtene Verfügung vom
1
3.
Juli 2015
(
Urk.
2) dar. In zeitlicher Hinsicht sind daher grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse
bis zum 1
3.
Juli 2015
massge
bend.
Zur Frage der Ausdehnung des das Prozessthema bildenden Streitge
gen
standes in zeitlicher Hinsicht liegen vorliegend zwar Prozesserklärungen der Parteien vor (
Urk.
31,
Urk.
37). Indes ist die für eine Ausdehnung des Streitgegenstandes in zeitlicher Hinsicht
gemäss der Rechtsprechung (BGE 130 V 138 E. 2.1)
vorausgesetzte hinreichend genaue Sachverhaltsabk
lärung vorliegend nicht
gegeben.
Denn dem Bericht der Ärzte des
A._
vom 2
9.
Juli 2014 (vorstehend E.
3.4.5
) ist zu entnehmen, dass ein operativer Eingriff
mit
einer
Narbenadhäsiolyse
und
Neurolyse
des
Ramus
superficialis
des Nervi
Radialis
, einer lokalen
adipofasziale
n
Lappenplastik und einer Exploration des radialseitigen Digitalnervs am linken Zeigefinger
angezeigt und geplant war. Den Akten ist jedoch nicht zu entnehmen, ob dieser
operative Eingriff durchgeführt wurde, und, falls
er
wie geplant durchgeführt worden sein sollte,
ob er die Funktionsfähigkeit der linken oberen Extremität des Be
schwerdeführers massgeblich veränderte beziehungsweise, ob er die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit massgeblich beeinflusste.
Ohne aktuelle medizinische Angaben
zum Gesundheitszustand und insbesondere
zur Funktionsfähigkeit der linken Hand und des linken Armes des Beschwerdeführers lässt sich indes die Frage, ob der Beschwerdeführer im Vergleich zur hypothetischen Situa
tion ohne die Straftat
in der Zeit nach Erlass der angefochtenen Verfügung beziehungsweise nach Erhalt einer Aufenthaltsbewilligung B am
6.
Septem
ber
2016
eine entschädigungsberechtige
n
de
Erwerbseinbusse erlitt
,
nicht plau
sibel beantworten.
Diesbezüglich
erscheint der Sachverhalt daher nicht als rechtsgenügend abgeklärt.
5.3
Des Weiteren erscheint der Sachverhalt vorliegend auch in erwerblicher Hinsicht als
nicht
hinreichend
abgeklärt. Denn obwohl sich
zwei monatliche
Lohnabrech
nungen und eine Arbeitsbestätigung für eine
vom Beschwerde
führer in der Zeit
vom 1
2.
Februar bis 2
1.
November 2011
in
Algerien
als Spengler
ausgeübte Erwerbstätigkeit
bei den Akten befinden, sind in den Akten keine Unterlagen und Belege zu weiteren
,
vom Beschwerdeführer in
Algerien
ausgeübten Tätigkeiten
vorhanden. Sodann fehlen in den Akten Be
lege zu vom Beschwerdeführer in
Algerien
absolvierten beruflichen Aus
bil
dungen.
Den Akten ist jedoch immerhin zu entnehmen, dass der Beschwer
deführer
einerseits am 2
2.
August 2012 (Urk.
13/3)
gegenüber dem BFM
angegeben hat
, dass er im Jahre
2008 in
Algerien
als Schweisser gearbeitet
habe
. Sodan
n
befindet sich ein vom Beschwerdeführer erstellter
Lebenslauf (
Urk.
46/8)
bei den Akten
,
wonach er
in der Zeit von 2008 bis 2011 in
Algerien
eine Berufslehre als Sanitär absolviert
habe
.
5.4
Insgesamt
erscheint der Sachverhalt für eine Ausdehnung des Streitgegen
standes in zeitlicher Hinsicht
vorliegend
nicht als rechtsgenügend abgeklärt. Demnach hat es dabei
zu bleiben, dass
in zeitlicher Hinsicht die tatsächlichen
Verhältnisse bei Erlass der
angefochtenen
Verfügung vom 1
3.
Juli 2015 (
Urk.
2)
massgebend sind, und
dass die
nach diesem Zeitpunkt eingetretene
n
Veränderungen des Sachverhalts nicht Gegenstand des vorliegenden Verfah
rens darstellen.
6.
6.1
In Würdigung der erwähnten Akten
ist mit
dem massgebenden Beweisgrad der
überwiegend
en
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sich der Be
schwerdeführer, wenn
sich
die Straftat vom 1
9.
September 2013 nicht
ereig
net
hätte, im vorliegend massgebenden Zeitraum vom 1
9.
September 2013 bis 1
3.
Juli 2015 in der Schweiz aufgehalten hätte,
und
dass er wäh
rend dieses Zeitraums in der Schweiz jedoch über keine Arbeitserlaubnis verfügt
e
, weshalb eine erlaubte Tätigkeit in der Schweiz während dieses Zeitraums ausser Betracht fällt.
Ein Erwerbsschaden des Beschwerdeführers
ist im mass
gebenden Zeitraum vom 1
9.
September 2013 bis 1
3.
Juli 2015
daher nicht erstellt
.
6.2
Es
ist
demnach
nicht zu beanstanden, dass der Beschwerdegegner mit der angefochtenen Verfügung vom 1
3.
Juli 2015 (
Urk.
2) ein
en
Anspruch des Beschwerdeführers auf Entschädigung für
einen
Schaden aus Erwerbsausfall verneinte, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
Die Sache ist
indes
nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids an den Beschwerdegegner
zu
überweisen, damit er den Anspruch des Beschwerde
führers auf
eine
Entschädigung für einen Schaden aus Erwerbsausfall für die Zeit nach Erhalt der Aufenthaltsbewilligung B durch den Beschwerdeführer am
6.
September 2016
ergänzend
prüfe und
anschliessend
darüber verfüge.
7.
7.1
Zu prüfen bleiben die Gesuche des Beschwerdeführers vom 1
2.
August 2015 (
Urk.
1 S.
2) um
Gewährung der
unentgeltliche
n
Prozessführung und
Rechts
vertretung
.
7.2
Nach seiner Eheschliessung wurde dem Beschwerdeführer m
it
Verfügung vom
2
8.
Oktober 2016 (Urk. 34
) das Formular zur Abklärung der prozessua
len Bedürftigkeit
erneut
zugestellt
,
und es wurde
ihm
Frist angesetzt, um dieses auszufüllen
und
seine finanzielle Situation
seit der Eheschliessung
vom
2
5.
August 2016
zu substanti
ieren und entsprechend zu belegen, mit der An
drohung, dass bei
ungenügen
der Substantiierung oder fehlenden oder unge
nügenden Belegen zur finanzi
ellen Situation
von einer fehlenden
p
rozes
sualen Bedürftigkeit
ausgegangen
und das Gesuch abgewiesen werde. In der Folge unterliess es der Beschwer
deführer, seine finanziellen Verhältnisse
seit der Eheschliessung
vo
m 2
5.
August 2016
zu substantiieren und zu belegen sowie insbesondere, dem Gericht das ausgefüllte Formular zur Abklärung der prozessu
alen Bedürftigkeit einzureichen
, weshalb das Ge
such des Beschwer
de
führers vom 12.
August 2015
um unentgeltliche
Rechtsver
tretung
(Urk. 1
S.
2) androhungsgemäss mangels genügender Substantiierung abzuweisen ist.
7.3
Das Gesuch des Beschwerdeführers vom 12.
August 2015
um unentgeltliche
Pro
zessführung
(
Urk.
1 S. 2)
erweist sich in Anbetracht der Kostenlosigkeit des vorliegen
den Verfahrens (Art. 30 Abs. 1 OHG) als gegenstandslos.
Das Gericht
beschliesst:
Das Gesuch um unentgeltliche R
echtsvertretung wird abgewiesen,
und
erkennt
sodann
:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
Die Akten werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids an die
Kantonale Opferhilfestelle
zur
Prüfung
eines
Anspruchs
des
Beschwerdeführers
auf eine Entschädigung für
die
Zeit ab
6.
September 2016 im Sinne der Erwägungen überwiesen
.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Christian
Geosits
-
Direktion der Justiz und des Innern des Kantons Zürich
-
Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement, Bundesamt für Justiz
4.