Decision ID: 1b9afb41-53bb-4c23-93a2-16be638f725b
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._,
Beschwerdeführerin,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rentenrevision (Herabsetzung)
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Sachverhalt:
A.
A.a B._ bezieht seit 1. August 2005 eine halbe, ab 1. August 2006 eine ganze Rente
der Invalidenversicherung (Verfügungen vom 19. März 2008, act. G 8.1/63 und 64).
Diese wurde ihr gestützt auf ein Gutachten von Dr. med. A._, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie FMH, vom 20. Februar 2006 sowie ein Zusatzgutachten vom 14.
Juni 2007 ausgerichtet. Dr. A._ diagnostizierte zunächst eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung (F45.4), eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (F61.0)
mit ängstlich-abhängigen, narzisstischen und impulsiven Merkmalen bei einem Status
nach frühkindlichem POS. Ab April 2006 sei eine (bis) mittelgradige depressive Episode
sowie eine sekundäre Alkoholabhängigkeit hinzugekommen. Zudem diagnostizierte er
neu seit Kindheit bestehende organisch bedingte kognitive Funktionsstörungen. Seit
ca. August 2004 sei die Leistungsfähigkeit um 50% und seit April 2006 um 70%
vermindert (act. G 8.1/31 und 52).
A.b Am 5. Mai 2008 und 19. Juni 2008 meldete die Versicherte, dass sie eine 50 %-
Stelle als Küchenhilfe im Restaurant C._ habe (act. G 8.1/65 und 67). Mit
Verlaufsbericht vom 13. Juli 2008 diagnostizierte der Hausarzt Dr. med. D._,
Allgemeine Medizin, eine emotional instabile Persönlichkeit vom Borderline Typ sowie
einen Verdacht auf eine frühkindliche zerebrale Funktionsstörung, bei stationärem
Gesundheitszustand (act. G 8.1/70). Am 16. Oktober 2008 teilte der Arbeitgeber mit,
die Versicherte sei seit 1. März 2008 angestellt und verdiene Fr. 1'600.-- (brutto) pro
Monat (act. G 8.1/72).
A.c Die IV-Stelle St. Gallen stellte fest, dass nur noch ein Invaliditätsgrad von 65% und
damit ab 1. Mai 2009 nur noch Anspruch auf eine Dreiviertelsrente bestehe (Verfügung
vom 4. März 2009; act. G 8.1/81).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 11. März
2009 mit dem sinngemässen Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Die
Beschwerdeführerin macht geltend, sie versuche mit ganzer Kraft, ihrer Arbeit zu 50%
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nachzugehen. Sie werde jetzt dafür bestraft, dass sie versuche durchzuhalten (act. G
1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 16. Juni 2009 beantragt die Verwaltung Abweisung
der Beschwerde. Mangels repräsentativer Vergleichsbasis sei bei der Bemessung des
Valideneinkommens auf die Tabellenlöhne abzustellen (LSE 2006, TA1, Frauen, Niveau
4). Das massgebende Valideneinkommen betrage danach, hochgerechnet auf 2008,
Fr. 52'594.--. Die Beschwerdeführerin habe 2008 ein monatliches Einkommen von
Fr. 1'600.--, mithin von Fr. 19'200.-- pro Jahr erzielt. Unter Berücksichtigung des
ursprünglich angenommenen Invalideneinkommens von Fr. 14'410.-- und von Art. 31
IVG ergebe sich ein Invalideneinkommen von Fr. 16'603.--. Daraus resultiere ein
Invaliditätsgrad von 68% und damit ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente (act. G 8).
B.c Mit Präsidialverfügung vom 15. Juli 2009 wurde der Beschwerdeführerin die
unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten) gewährt (act. G 11).

Erwägungen:
1.
1.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG [SR 830.1]).
Anlass zur Rentenrevision gibt nach der auch unter dem ATSG massgeblichen
(altrechtlichen) Rechtsprechung jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen
Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu
beeinflussen. Die Invalidenrente ist nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des
Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen
Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich
verändert haben (BGE 130 V 349 f. E. 3.5). Für die Herabsetzung oder Aufhebung einer
Rente wird ein neu erzieltes oder erhöhtes Erwerbseinkommen nur soweit
berücksichtigt, als die Einkommensverbesserung jährlich mehr als 1'500 Franken
beträgt. Vom Restbetrag werden nur zwei Drittel berücksichtigt (Art. 31 Abs. 1 und 2
IVG in der ab 1. Januar 2008 geltenden Fassung gemäss 5. IV-Revision). Dabei sind nur
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Einkommensverbesserungen zu berücksichtigen, die nicht teuerungsbedingt sind (Art.
86 IVV). Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen
Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung,
die auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur
Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4).
1.2 Gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV ist bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder
der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, die anspruchsbeeinflussende
Änderung für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu
berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere
Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne
wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat und voraussichtlich weiterhin
andauern wird. Die hiezu notwendige Prognose unterliegt dabei dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
(BGE 119 V 9 E. 3c/aa mit Hinweisen).
1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.
2.1 Vorliegend nahm die Beschwerdeführerin nach der Rentenerhöhung per 1. August
2006 am 1. März 2008 eine 50 %-Tätigkeit als Küchenangestellte im Restaurant C._
auf (act. G 8.1/72). Mit der Beschwerdegegnerin ist festzustellen, dass damit
grundsätzlich eine erhebliche Veränderung des erwerblichen Sachverhalts vorliegt.
Nach den - noch zu überprüfenden - Annahmen der Beschwerdegegnerin ändert sich
dadurch der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin zwar lediglich um 2% (von 70%
auf 68%; vgl. Beschwerdeantwort, S. 4). Nachdem bei einem Invaliditätsgrad von
ursprünglich 70% jedes neu hinzukommende Erwerbseinkommen, das die Freigrenze
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von Fr. 1'500.-- (Art. 31 Abs. 1 IVG) übersteigt, zu einem Invaliditätsgrad unter 70%
und damit zu einer kleineren Rente führt, ist nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung auch diesbezüglich von der Erheblichkeit der Veränderung
auszugehen (BGE 133 V 545, E. 6.2, 6.3 und insbesondere 7).
2.2 Zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses am 4. März 2009 war das fragliche
Arbeitsverhältnis bereits seit einem Jahr in Ausübung (Beginn am 1. März 2008). Die
Beschwerdegegnerin durfte deshalb davon ausgehen, dass es voraussichtlich längere
Zeit im Sinn von Art. 88a Abs. 1 IVV dauern würde bzw. gedauert hat, so dass die
Änderung des Anspruchs ausgewiesen war. Die Beschwerdegegnerin kürzte sodann
die Rente gestützt auf Art. 88 Abs. 2 lit. a IVV auf den 1. Mai 2009, was im Hinblick
auf den Zeitpunkt des Verfügungserlasses (4. März 2009) ebenfalls nicht zu
beanstanden ist.
2.3 Bei der Rentenzusprache ging die Beschwerdegegnerin von einem
Invalideneinkommen von Fr. 14'410.-- aus. Dabei berücksichtigte sie (für das
Valideneinkommen) nach eigenen Angaben die LSE 2007 und einen Betrag von Fr.
48'036.--. Das Invalideneinkommen leitete sie daraus ab, indem sie vom
Arbeitsfähigkeitsgrad von 30% in einer adaptierten Tätigkeit ausging (= Fr. 14'410.--;
act. G 8.1/56.3). In der vorliegenden Beschwerdeantwort geht sie nunmehr von einem
Invalideneinkommen von Fr. 16'603.-- aus. Dabei berücksichtigte sie den beim
Restaurant C._ erzielten Jahreslohn von Fr. 19'200.-- (12 X Fr. 1'600.-- [inkl. 13.
Monatslohn]), wovon gemäss Art. 31 IVG Fr. 2'193.-- (= Einkommensverbesserung von
Fr. 4'790.-- abzüglich Fr. 1'500.--; davon zwei Drittel) zum ursprünglichen
Invalideneinkommen aufgerechnet wurden (Fr. 14'410.-- + Fr. 2'193.-- = Fr. 16'603.--).
Verglichen mit dem - nunmehr auf 2008 hochgerechneten und - auf Fr. 52'594.--
festgesetzten (korrigierten) Valideneinkommen ergab sich somit neu ein Invaliditätsgrad
von 68% (act. G 8 S. 4). Zwar müsste korrekterweise auch für die Berechnung des
Invalideneinkommens von diesem neuen Valideneinkommen, also von einem Betrag
von Fr. 15'778.-- (30% von 52'594.--) ausgegangen und für die Differenzberechnung
darauf abgestellt werden. Bei einem Freibetrag von Fr. 1'500.-- (Art. 31 Abs. 1 IVG) und
der Zweidrittelsanrechnung der restlichen Einkommensverbesserung (Art. 31 Abs. 2
IVG) ergäbe sich somit ein massgebendes Invalideneinkommen von Fr. 17'059.-- ([Fr.
19'200.-- - Fr. 15'778.--] - Fr. 1'500.--, davon zwei Drittel = Fr. 1'281.--; Fr. 15'778.-- +
bis
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Fr. 1'281.-- = Fr. 17'059.--). Indessen bleibt es auch bei dieser Berechnung bei einem
gerundeten Invaliditätsgrad von 68 % ([Fr. 52'594.-- - Fr. 17'059.--] : Fr. 52'594.-- X
100). Mit der Beschwerdegegnerin ist festzustellen, dass bei diesem Invaliditätsgrad
ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente besteht.
Nachdem die Beschwerdeführerin ihre Stelle offenbar zwischen 14. Mai 2009 und
13. Juli 2009 wieder verloren hat (vgl. ihre Eingaben betreffend unentgeltliche
Rechtspflege; act. G 6 und G 10), steht es ihr frei, eine erneute Revision (ganze Rente)
zu beantragen.
3.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Der unterliegenden
Beschwerdeführerin sind die Gerichtskosten von Fr. 600.-- aufzuerlegen (vgl. Art. 69
Abs. 1 IVG). Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu
befreien.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG