Decision ID: 47192460-4e17-47dc-a099-b4fc958c7f59
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend versuchte schwere Körperverletzung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon vom 6. Mai 2013 (DG120014)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 26. März
2012 (Urk. 25) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der versuchten schweren Körperverletzung im
Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten, wo-
von insgesamt 5 Tage durch Haft erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf
2 Jahre festgesetzt.
4. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
27. Januar 2012 beschlagnahmten Gegenstände,
nämlich
− 1 Herrenhose (Asservate Nr. ...), − 1 Herrenjacke (Asservate Nr. ...),
werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils dem Beschuldigten auf
erstes Verlangen innerhalb von drei Monaten herausgegeben und ansons-
ten durch die Lagerbehörde (Lagerort: Forensisches Institut Zürich, Ge-
schäfts-Nr. 43061978) vernichtet.
5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ Schadenersatz
von Fr. 342.20 zu bezahlen.
6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ Fr. 3'000.– als
Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren
abgewiesen.
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7. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 5'000.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten
Fr. 1'002.– Auslagen Untersuchung
Fr. amtliche Verteidigung
Fr. Kosten des unentgeltlichen Vertreters des Privatklägers.
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
8. Die Verfahrenskosten (bestehend aus der Entscheidgebühr, den Untersu-
chungskosten, den Kosten der amtlichen Verteidigung sowie den Kosten für
den unentgeltlichen Rechtsbeistand des Privatklägers) werden dem Be-
schuldigten auferlegt, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung
und des unentgeltlichen Rechtsbeistands des Privatklägers, welche einst-
weilen auf die Staatskasse genommen werden. Eine Rückforderung gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO bzw. Art. 426 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.
Über die Höhe der Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltli-
chen Rechtsverbeiständung der Privatklägerschaft wird je mit separatem
Beschluss entschieden.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 54 S. 2 und Urk. 73 S. 2)
1. Es sei der Beschuldigte vom Vorwurf der versuchten schweren Körper-
verletzung vollumfänglich freizusprechen;
2. Dem Beschuldigten sei für die erlittene Untersuchungshaft von 5 Tagen
eine angemessene Genugtuung zuzusprechen;
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3. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
27. Januar 2012 beschlagnahmten persönlichen Gegenstände seien
dem Beschuldigten auszuhändigen;
4. Die Verpflichtung des Beschuldigten zur Bezahlung eines Schadener-
satzes von CHF 342.20 und einer Genugtuung von CHF 3'000.00 an
den Privatkläger B._ sei aufzuheben;
5. Die Gerichtsgebühren seien abzuweisen und die Kosten des Verfah-
rens wie auch der amtlichen Verteidigung seien vollumfänglich auf die
Staatskasse zu nehmen.
6. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich Mehrwert-
steuer).
Ergänzende Rechtsbegehren:
7. Es seien die Abänderungsanträge gemäss Anschlussberufung des Pri-
vatklägers vom 20. Dezember 2013 vollumfänglich abzuweisen;
8. Dies unter Kosten -und Entschädigungsfolgen (zuzüglich Mehrwert-
steuer) des Privatklägers.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 58, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
c) Des Vertreters der Privatklägerschaft:
(Urk. 74 S. 2)
1. Dem Geschädigten sei in Abänderung von Ziff. 6 des vorinstanzlichen
Urteils eine Genugtuung von CHF 5'000.00 zuzusprechen.
2. Im Übrigen sei das erstinstanzliche Urteil zu bestätigen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Beschuldigten.
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Prozessuales
1. Der Beschuldigte A._ wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Diet-
ikon vom 6. Mai 2013 der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von
Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen. Er
wurde mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten, abzüglich 5 Tage er-
standener Haft, bestraft. Die Probezeit wurde auf 2 Jahre festgesetzt. Ausserdem
wurde die Herausgabe der beschlagnahmten Gegenstände (Herrenhose und Her-
renjacke) an den Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils angeord-
net. Der Beschuldigte wurde sodann verpflichtet, dem Privatkläger B._ Fr.
342.20 Schadenersatz und Fr. 3'000.– Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag
wurde das Genugtuungsbegehren abgewiesen (Urk. 53).
Das vorinstanzliche Urteil wurde dem Beschuldigten, der Staatsanwaltschaft
und dem Privatkläger am 7. Mai 2013 mündlich eröffnet und im Dispositiv überge-
ben (Prot. I S. 16 f., Urk. 45). Mit Eingabe vom 8. Mai 2013 meldete der Beschul-
digte fristgerecht die Berufung an (Urk. 46). Die Vorinstanz fällte am 15. Oktober
2013 ein Nachtragsurteil zum Urteil vom 6. Mai 2013, mit welchem die Entschädi-
gung des amtlichen Verteidigers festgesetzt wurde (Urk. 50). Das begründete Ur-
teil und das Nachtragsurteil wurden der Staatsanwaltschaft, dem Beschuldigten
und dem Privatkläger am 18. Oktober 2013 zugestellt (Urk. 52/1-3).
Mit Eingabe vom 28. Oktober 2013 reichte die Verteidigung des Beschuldig-
ten fristgerecht die Berufungserklärung ein (Urk. 54). Die Staatsanwaltschaft ver-
zichtete auf Anschlussberufung und beantragte die Bestätigung des vorinstanzli-
chen Urteils (Urk. 58). Der Privatkläger erhob mit Eingabe vom 20. Dezember
2013 Anschlussberufung (Urk. 59). Beweisergänzungen wurden keine beantragt.
Der Verteidiger erhob ausserdem mit Eingabe vom 21. Oktober 2013 bei der
III. Strafkammer des Obergerichts Zürich Beschwerde gegen das Nachtragsurteil
vom 15. Oktober 2013 (Urk. 59B/2). Mit Beschluss der III. Strafkammer vom
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23. Dezember 2013 wurde diese Beschwerde zur weiteren Behandlung an die
II. Strafkammer des Obergerichts Zürich überwiesen (Urk. 59A), weshalb diese
Gegenstand des vorliegenden Berufungsverfahrens ist.
Mit Eingabe vom 13. Januar 2014 liess der Beschuldigte beantragen, es sei
der Privatkläger zu verpflichten, zur Deckung der Gerichtskosten und der Partei-
entschädigung eine angemessene Sicherheit, mindestens aber Fr. 15'000.–, zu
leisten (Urk. 64). Dieser Antrag wurde mit Präsidialverfügung vom 31. Januar
2014 abgelehnt (Urk. 69).
2. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung
(Art. 402 StPO). Die nicht von der Berufung erfassten Punkte erwachsen in
Rechtskraft (Schmid, StPO Praxiskommentar, Art. 402 N 1; Art. 437 StPO).
Der Beschuldigte beantragte in seiner Berufungserklärung einen vollumfäng-
lichen Freispruch (Dispositivziffer 1). Auch die Dispositivziffern 2 (Strafe) und 3
(Vollzug) haben als mitangefochten zu gelten, hängen sie doch mit dem ange-
fochtenen Schuldspruch zusammen. Weiter beantragte der Beschuldigte, Disposi-
tivziffern 5 und 6 seien aufzuheben (Zivilansprüche des Privatklägers) und die Ge-
richtsgebühren abzuweisen sowie die Kosten des Verfahrens und der amtlichen
Verteidigung vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen (Dispositivziffer 7 und
8) (Urk. 54). Hinsichtlich der Entschädigung der amtlichen Verteidigung beantrag-
te er eine Aufhebung der Dispositivziffer 1 des Nachtragsurteils (Urk. 59B/2). Wei-
ter beantragte der Beschuldigte die Herausgabe seiner beschlagnahmten persön-
lichen Gegenstände (Urk. 54). Da die von ihm beantragte Herausgabe bereits mit
dem vorinstanzlichen Urteil angeordnet wurde, kann die entsprechende Disposi-
tivziffer 4 als rechtskräftig erachtet werden. Der Privatkläger beschränkte seine
Anschlussberufung auf die Strafzumessung und den Vollzug (Dispositivziffern 2
und 3) sowie die Genugtuung (Dispositivziffer 6) (Urk. 59). Anlässlich der Beru-
fungsverhandlung schränkte er sie weiter ein und beantragte nur noch eine Abän-
derung von Dispositivziffer 6 und im Übrigen eine Bestätigung des vorinstanzli-
chen Urteils (Urk. 74 S. 2). Die Privatklägerschaft kann einen Entscheid hinsicht-
lich der ausgesprochenen Sanktion ohnehin nicht anfechten (Art. 382 Abs. 2
StPO). Damit ist festzustellen, dass das Urteil des Bezirksgerichts Dietikon vom
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6. Mai 2013 bezüglich der Dispositivziffer 4 (Herausgabe beschlagnahmter Ge-
genstände) in Rechtskraft erwachsen ist.
3. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung liessen die Parteien die
eingangs erwähnten Anträge stellen.
II. Sachverhalt
1. Dem Beschuldigten wird zusammengefasst vorgeworfen, sich am
Sonntag, 27. Februar 2011, zu einem nicht mehr genau bestimmbaren Zeitpunkt
vor 19.43 Uhr, zusammen mit seiner Ehefrau C._ zur Wohnung seiner Toch-
ter D._ an der ...strasse ... in ... begeben zu haben, um nachzusehen, ob
sich der Privatkläger B._ noch in der Wohnung aufhalte, nachdem D._
und der Privatkläger zuvor einen Streit hatten. C._ habe die Wohnung als
Erste betreten, während ihr der Beschuldigte mit einem Holzknüppel in der Hand
gefolgt sei. Sogleich sei C._ vom Privatkläger im Korridor angegriffen wor-
den, wobei der Privatkläger ihr mit einem Küchenmesser am rechten Unterarm
eine Schnittverletzung zugefügt habe. Der Beschuldigte habe daraufhin mit dem
von ihm mitgebrachten Holzknüppel mehrmals auf den Privatkläger eingeschla-
gen, wobei dieser das Küchenmesser zu Boden fallen lassen habe und zum
Wohnzimmer gerannt sei. Der Beschuldigte habe das Küchenmesser aufgehoben
und sei dem Privatkläger zum Wohnzimmer gefolgt. Im Wissen um die möglich-
erweise Herbeiführung einer schweren oder lebensgefährlichen Verletzung sowie
unter Inkaufnahme einer solchen Verletzung habe der Beschuldigte mit dem Kü-
chenmesser den Privatkläger in die linke Flanke bis in den Retroperitonealraum
(Stichtiefe ca. 8-10 cm, Strichbreite ca. 2,5 cm) gestochen, welche Verletzung
nicht lebensgefährlich gewesen sei und zu keinem bleibenden Nachteil geführt
habe. Zudem habe der Privatkläger aufgrund der Schläge Kontusionen am linken,
distalen Unterarm und am linken Oberschenkel sowie eine Prellmarke und
Schwellungen im Gesicht links am Haaransatz erlitten (Urk. 25 S. 2).
2. Der Beschuldigte gestand in der Untersuchung, vor Vorinstanz und
auch anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung ein, dem Privatkläger mehr-
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fach Schläge mit dem von ihm mitgebrachten Holzknüppel verabreicht sowie die-
sem mit dem Messer eine Stichverletzung zugefügt zu haben (Urk. 5/1 S. 4 f.,
Urk. 5/2 S. 3 und S. 5 f., Urk. 5/5 S. 5 und S. 7 f., Urk. 5/6 S. 3 ff., Urk. 37 S. 2 f.
und S. 6, Prot. II S. 15 f.). Die ärztlichen Befunde bestätigen eine Messerstichver-
letzung in der linken Flanke, Kontusionen am linken Unterarm und linken Ober-
schenkel sowie eine Prellmarke und Schwellungen im Gesicht links am Haaran-
satz (Urk. 10/2-8), was vom Beschuldigten anerkannt wurde (Urk. 5/6 S. 2). Der
äussere Sachverhalt ist in diesem Umfang unbestritten und deckt sich mit dem
Untersuchungsergebnis, weshalb er insoweit erstellt ist.
Hingegen bestritt der Beschuldigte in der Untersuchung, vor Vorinstanz und
anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung, dass er nach den Schlägen mit
dem Holzknüppel das Küchenmesser vom Boden aufgehoben und damit dem Pri-
vatkläger zum Wohn-/Schlafzimmer gefolgt sei. Er machte geltend, nicht mehr zu
wissen, wie er dem Privatkläger die Stichverletzung zugefügt habe bzw. dass das
ihm Rahmen des Gerangels geschehen sei (Urk. 5/2 S. 3 und S. 5 f., Urk. 5/5
S. 7, Urk. 5/6 S. 4, Urk. 37 S. 3 und S. 6, Prot. II S. 15 ff.).
Insoweit der Beschuldigte nicht geständig ist, ist nachfolgend zu prüfen, ob
die vorliegenden Beweismittel genügen, um den Sachverhalt rechtsgenügend zu
erstellen.
Der Privatkläger liess anlässlich der Berufungsverhandlung erneut seine
Tatversion, wonach er selbst während des ganzen Vorfalls nie ein Messer in der
Hand gehabt habe, darlegen (Urk. 74 S. 4 ff.). Da er abgesehen von der Erhö-
hung der Genugtuung beantragte, das vorinstanzliche Urteil zu bestätigen (Urk.
74 S. 2), ist nicht erneut auf seine Tatversion zurückzukommen. Vielmehr bleiben
die Erwägungen der Vorinstanz, mit welchen sie die Darstellung des Privatklägers
verwarf, unangefochten. Ausserdem ist das Gericht an den in der Anklage um-
schriebenen Sachverhalt gebunden bzw. kann nicht zuungunsten des Beschuldig-
ten davon abweichen (Art. 350 Abs. 1 StPO). Hinweise, die eine Rückweisung der
Anklage an die Staatsanwaltschaft zur Änderung oder Erweiterung der Anklage
rechtfertigen würden, liegen keine vor.
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3. Die Vorinstanz gelangte zum Schluss, dass der eingeklagte Sachver-
halt erstellt sei. Zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen kann vorab auf diese
zutreffenden Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Art. 82
Abs. 4 StPO; Urk. 53 S. 11 ff.).
4. Der eingeklagte Sachverhalt bzw. die Erkenntnisse der Vorinstanz be-
ruhen insbesondere auf den Aussagen des Beschuldigten, des Privatklägers und
von C._, der Ehefrau des Beschuldigten, welche im vorinstanzlichen Urteil
wiedergegeben wurden (vgl. Urk. 53 S. 15 ff.). Als weitere Beweismittel liegen Fo-
tos der Kantonspolizei Zürich vom Tatort (Urk. 8), ein Gutachten des Instituts für
Rechtsmedizin der Universität Zürich vom 24. November 2011 betreffend die
Auswertung und Beweiswertberechnung von DNA-Spuren (Urk. 9/6) sowie ärztli-
che Befunde über den Beschuldigten (Urk. 12/2 und Urk. 12/4), den Privatkläger
(Urk. 10/2) und C._ (Urk. 11/3) vor. Zusammenfassend und teilweise ergän-
zend kann Folgendes festgehalten werden:
4.1. Betreffend die Verwertbarkeit der Aussagen und die Glaubwürdigkeit
der einvernommenen Personen kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vor-
instanz verwiesen werden (Urk. 53 S. 11 f. und S. 14 f.).
4.2. Durch die Verteidigung unbestritten ist der von der Vorinstanz erstellte
Sachverhalt, soweit sie zum Schluss kam, dass der Privatkläger den Beschuldig-
ten und dessen Ehegattin sogleich nach deren Eintritt in die Wohnung der Tochter
mit dem Küchenmesser angegriffen und der Ehegattin eine tiefe Schnittwunde am
Unterarm zugefügt habe. Ebenso ist die Verteidigung mit der von der Vorinstanz
erfolgten Qualifizierung der Schläge des Beschuldigten mit dem Holzstock gegen
den Kopf und den Körper des Privatklägers als Notwehr resp. Notwehrhilfe ein-
verstanden (Urk. 54 S. 3 f.). Die Verteidigung rügt jedoch hinsichtlich des weiteren
Tatgeschehens, dass die Vorinstanz die vom Beschuldigten nach seiner polizeili-
chen Erstaussage vom 27. Februar 2011 gemachten Schilderungen für lebens-
fremd und nachgeschoben und damit unglaubhaft halte. Der Beschuldigte habe
bereits in der ersten polizeilichen Einvernahme vom 27. Februar 2011 ausgeführt,
dass er nicht mehr genau wisse, wie er genau zugestochen habe. Der Privatklä-
ger habe versucht, ihm das Messer aus der Hand zu nehmen und es sei zu einem
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Gerangel gekommen. In diesem Gerangel habe er den Privatkläger am Rücken
erwischt, worauf dieser ins Badezimmer geflüchtet sei. Der Beschuldigte habe die
Tatversion des Gerangels und Kampfes um das Messer also nicht erst im Laufe
der weiteren Untersuchung vorgebracht, sondern bereits unmittelbar nach der Tat
anlässlich der ersten Einvernahme so geschildert. In den nachfolgenden Befra-
gungen habe der Beschuldigte ausgeführt, dass man sich im Laufe des Geran-
gels im Korridor gegen das Wohn-/Schlafzimmer bewegt und er dem Privatkläger
den Messerstich bei der Türschwelle zum Wohn-/Schlafzimmer zugefügt habe.
Dies sei völlig kongruent mit den von der Kantonspolizei festgehaltenen Blutspu-
ren im Korridor unmittelbar vor dem Wohn-/Schlafzimmer und Badezimmer. Die
Tatsache, dass sich im Korridor vor dem Wohn-/Schlafzimmer und Badezimmer
am Boden eine grössere Ansammlung von Blut befunden habe, welches zudem
noch verschmiert gewesen sei, spreche eindeutig für die Tatversion des Beschul-
digten, nämlich dass im Korridor gerangelt und gekämpft und der Privatkläger dort
vom Beschuldigten verletzt worden sei. Ausserdem habe auch die Ehegattin des
Beschuldigten an ihrer Erstbefragung vom 28. Februar 2011 ausgeführt, dass sie
gesehen habe, wie die beiden miteinander gekämpft hätten. Sodann gebe der
Privatkläger nicht an, wo genau er attackiert und verletzt worden sei. Aus dessen
Aussagen, wonach der Beschuldigte nach Betreten der Wohnung sofort auf ihn
losgegangen sei, lasse sich ableiten, dass die Verletzung auch nach Ansicht des
Privatklägers im Korridor stattgefunden haben muss und nicht im Wohn-
/Schlafzimmer, war der im Bett "am Chillen" liegende Privatkläger gemäss seinen
Aussagen doch aufgestanden und hatte sich in den Korridor begeben. Unklar sei
sodann, wo der Privatkläger sein Mobiltelefon deponiert hatte, das er sich nach
dem erfolgten Messerstich geschnappt habe. Es sei davon auszugehen, dass
sich dieses im Wohn-/Schlafzimmer neben oder auf dem Bett befunden habe und
der verletzte Privatkläger nach der Stichverletzung kurzzeitig das Wohn-
/Schlafzimmer betreten, dabei die von der Kantonspolizei fotografisch festgehal-
tenen Tropfspuren auf dem Parkett hinterlassen, sein Handy geschnappt und da-
bei das Bettduvet mit Blut verschmiert habe, anschliessend aus dem Zimmer und
an der Ehegattin und dem Beschuldigten vorbeigegangen sei und sich dann in
das WC eingesperrt habe. Die Schilderungen des Beschuldigten seien alles ande-
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re als "lebensfremd" und nachgeschoben. Vielmehr würden auch diese weiteren,
von der Vorinstanz unberücksichtigt gelassenen Blutspuren und Aussagen der
Beteiligten darauf hinweisen, dass sich der Tatablauf so abgespielt habe, wie er
vom Beschuldigten anlässlich der Hauptverhandlung dargelegt worden sei. Es sei
von dem für den Beschuldigten günstigeren Sachverhalt auszugehen (Urk. 54
S. 4 ff., Urk. 73 S. 3 f.).
4.3. Der Beschuldigte führte am 27. Februar 2011, wenige Stunden nach
dem eingeklagten Vorfall, anlässlich der polizeilichen Einvernahme aus, nachdem
er den Privatkläger mit dem Holzstock geschlagen habe und das Messer im Gang
zu Boden gefallen sei, sei der Privatkläger ins Schlafzimmer geflüchtet, wo er ihn
erwischt habe (Urk. 5/1 S. 4). Weiter führte der Beschuldigte aus, zwischenzeitlich
habe er das Messer vom Boden aufgehoben. Der Privatkläger sei ins Schlafzim-
mer geflüchtet und er habe ihn verfolgt. Zu diesem Zeitpunkt habe er die Kontrolle
über sich verloren. Im Schlafzimmer habe er mit dem Messer in den Rücken des
Privatklägers gestochen. Dieser habe ihm das Messer wegnehmen wollen, sei
aber ins Badezimmer geflüchtet. Seine Frau sei hinter ihm gewesen und habe ihn
von seinem Tun abhalten wollen. Sie habe nicht gewollt, dass er den Privatkläger
verletze. Er habe nur einmal auf den Privatkläger eingestochen. Auf die Frage,
"Wie genau?" antwortete er, das wisse er nicht mehr genau. Der Privatkläger ha-
be versucht, ihm das Messer aus der Hand zu nehmen und es sei zu einem Ge-
rangel gekommen. In diesem Gerangel habe er ihn am Rücken erwischt, worauf
der Privatkläger ins Badezimmer geflüchtet sei (Urk. 5/1 S. 5). Er bestätigte den
Vorhalt, wonach er das Messer aufgehoben und den Privatkläger in den Rücken
gestochen habe, welcher anschliessend ins Bad geflohen sei (Urk. 5/1 S. 7).
In der Hafteinvernahme vom 28. Februar 2011 führte der Beschuldigte aus,
nachdem dem Privatkläger das Messer aus der Hand gefallen sei, habe er es
aufgenommen und im Gerangel habe er den Privatkläger verletzt, wie sich später
herausgestellt habe. Dann sei der Privatkläger ins WC geflohen, habe die Tür zu-
gemacht und die Polizei gerufen (Urk. 5/2 S. 3). Auf die Frage, wie es zur Stich-
verletzung gekommen sei, führte er aus, es sei alles sehr schnell gegangen und
er habe keine Zeit gehabt, um nachzudenken. Der Privatkläger habe seine Frau
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verletzt und habe auch ihn mit dem Messer attackiert. Mit der wenigen Kraft, die
er habe, habe er sich verteidigen müssen. Er habe die Orientierung verloren. Ihm
sei nichts mehr durch den Kopf gegangen. In diesem Moment habe er nichts ge-
dacht. Er habe nur ihn vor den Augen gehabt (Urk. 5/2 S. 5). Auf die Frage, ob er
dem Privatkläger mit dem Messer in der Hand ins Schlafzimmer gefolgt sei, ant-
wortete er, das stimme, aber der Korridor sei ein oder zwei Meter lang. Im Geran-
gel hätten sie sich einander bis ins Schlafzimmer gestossen. Der Korridor sei sehr
eng, ein oder zwei Meter (Urk. 5/2 S. 6).
Anlässlich der Konfrontationseinvernahme mit dem Privatkläger vom 7. De-
zember 2011 führte der Beschuldigte aus, er habe den Privatkläger mit dem Holz-
stock an der Hand getroffen, so dass diesem das Messer aus der Hand gefallen
sei. Anschliessend habe er das Messer in die Hand genommen. Er habe den Pri-
vatkläger auch mit dem Messer verletzt und habe gesehen, wie er am Rücken
blute. Das WC habe sich ca. 1 Meter von ihnen entfernt befunden. Es sei dem
Privatkläger gelungen, ins WC zu flüchten (Urk. 5/5 S. 5). Weiter bestätigte der
Beschuldigte, bei der Polizei die Wahrheit gesagt zu haben. Auf die Frage, was er
mit dem Messer getan habe, antwortete er, er wisse es nicht mehr. Er denke seit
8 Monaten darüber nach und er wisse nicht, wie es weitergegangen sei. Mit dem
Messer habe er ihn nicht verletzen wollen, sondern nur mit dem Holzstock
(Urk. 5/5 S. 7). Die Frage, ob es richtig sei, dass er dem Privatkläger gefolgt sei
und ihm im Schlafzimmer das Messer in den Rücken gestochen habe, bejahte er.
Er habe bei der Polizei die Wahrheit gesagt. Es sei so gewesen. Der Privatkläger
habe ihm gesagt, er habe seine Niere getroffen und sei auf die Toilette geflüchtet.
Auf die Frage, ob es richtig sei, dass der Privatkläger versucht habe, ihm das
Messer wegzunehmen, dann aber ins Badezimmer geflüchtet sei, antwortete der
Beschuldigte, er könne sich nicht mehr erinnern. Was er bei der Polizei gesagt
habe, sei lange her und er sei auch vergesslich (Urk. 5/5 S. 8).
In der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft vom 23. Februar 2012 führte
der Beschuldigte aus, er sei dem Privatkläger nicht ins Wohnzimmer gefolgt. Sei-
ne Tochter habe eine kleine Wohnung. Ein Raum diene als Wohn- und Schlaf-
zimmer. Er habe das Schlafzimmer gar nicht betreten. Er sei im Korridor geblie-
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ben. Den Privatkläger habe er bei der Türe zum Schlaf-/Wohnzimmer verletzt. Er
könne nicht erklären, wie es dazu gekommen sei. Es könne sein, dass der Privat-
kläger sich die Verletzung selbst zugefügt habe oder vielleicht stammten sie von
ihm (Urk. 5/6 S. 4 f.).
Vor Vorinstanz führte der Beschuldigte am 16. April 2013 schliesslich aus, er
wisse nicht mehr, was geschehen sei, nachdem er das Messer vom Boden auf-
gehoben habe. Er wisse nur noch, dass er das Messer aufgehoben habe. Wie es
dazu gekommen sei, dass er zugestochen habe, wisse er nicht mehr. Es sei eng
und dunkel und schlimm gewesen. Es sei zwei Jahre her, er wisse es nicht mehr
(Urk. 37 S. 3). Er habe das Messer aufgehoben. Wie es passiert sei, dass er den
Privatkläger dann gestochen habe, wisse er nicht (Urk. 37 S. 6).
Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte aus,
nachdem dem Privatkläger das Messer aus der Hand gefallen sei, hätten sie um
das Messer gekämpft. Auf die Frage, wie es zur Stichverletzung gekommen sei,
antwortete er, er könne sich höchstens vorstellen, dass das passiert sei, als er
das Messer aufgenommen habe und wieder aufgestanden sei. Er sei nicht ins
Schlafzimmer gegangen. Das Ganze habe sich im Korridor abgespielt. Mehr als
einen Schritt sei er nicht im Schlafzimmer gewesen. Er sei dem Privatkläger nicht
gefolgt (Prot. II S. 16 ff.).
4.4. Der Privatkläger führte in der polizeilichen Einvernahme vom 2. März
2011 aus, die Schläge mit dem Holzstock habe er im Korridor erhalten. Der Be-
schuldigte sei dann bis in die Stube gekommen. Er sei mit dem Messer in seine
Richtung gekommen und er habe versucht, den Beschuldigten mit beiden Händen
von sich weg zu halten. Und dann sei der Beschuldigte mit dem Messer gegen
seinen linken Rücken gekommen. Er könne nicht sagen, dass es geschmerzt ha-
be, aber es sei Wärme und etwas Flüssiges herausgekommen. Dann sei die Frau
zwischen sie gekommen und habe etwas zu ihm geschrien. Er habe sein Handy
schnappen und auf die Toilette verschwinden können (Urk. 6/1 S. 5 und S. 7).
In der Hafteinvernahme vom 3. März 2011 führte der Privatkläger aus, der
Beschuldigte sei mit dem Messer auf ihn zugekommen und er habe ihn abwehren
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wollen. Dabei habe ihm der Beschuldigte das Messer in den Rücken gestossen.
Es habe kein Gerangel gegeben, sondern sei direkt zum Stich gekommen. Nach
dem Messerstich sei C._ dazwischen gekommen und habe geschrien. Er
habe diesen Moment genutzt und habe sich in die Toilette in Sicherheit begeben
(Urk. 6/2 S. 3 f.).
Der Privatkläger führte anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom
7. Dezember 2011 aus, er sei im Wohnzimmer gestanden, als der Beschuldigte
zurück ins Wohnzimmer gekommen sei. In der rechten Hand habe er das Messer
gehabt und sei auf ihn zugekommen. Er habe den Beschuldigten an den Oberar-
men festgehalten, da habe dieser zugestochen. Die Frau des Beschuldigten habe
dies gesehen und sei sofort zu ihnen gekommen und habe sich zwischen sie ge-
stellt. Sie habe geschrien. Er habe das Handy geschnappt und sei in die Toilette
geflüchtet (Urk. 5/5 S. 11).
4.5. C._, die Ehefrau des Beschuldigten, führte anlässlich der polizeili-
chen Einvernahme vom 28. Februar 2011 aus, der Beschuldigte habe dem Pri-
vatkläger gesagt, dass er das Messer loslassen solle. Der Privatkläger habe ge-
sagt, nein, nein. Dann wisse sie nicht mehr, was passiert sei. Die Männer hätten
gekämpft. Dann habe sie ihren Schal genommen und damit ihre Hand verbunden.
Der Beschuldigte habe ihr auch geholfen. In diesem Moment sei der Privatkläger
ins Badezimmer geflüchtet. Was der Beschuldigte mit dem Messer gemacht habe,
wisse sie nicht. Sie habe nur gesehen, dass beide miteinander gekämpft hätten
(Urk. 7/1 S. 5 und S. 7).
4.6. Auf den Fotos des Tatorts ist ersichtlich, dass sich vor dem Badezim-
mer und im Wohn-/Schlafzimmer sowie auf dem Bett im Wohn-/Schlafzimmer
Blutspuren befanden (Urk. 8). Aus der Auswertung und Beweiswertberechnung
von DNA-Spuren des Instituts für Rechtsmedizin vom 24. November 2011 ergibt
sich, dass das Blut, welches auf dem Parkettboden im Schlafzimmer gefunden
wurde, vom Privatkläger stammt (Urk. 9/6 S. 4).
4.7. Es trifft zwar zu, dass der Beschuldigte in der ersten Einvernahme aus-
führte, nicht mehr genau zu wissen, wie genau er auf den Privatkläger eingesto-
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chen hatte. Sodann sprach der Beschuldigte zwar schon von der ersten Einver-
nahme an von einem Gerangel zwischen ihm und dem Privatkläger. Als ein Ge-
rangel empfand er es aber allenfalls auch deswegen, weil der Privatkläger ge-
mäss dessen Angaben versucht hatte, den Beschuldigten abzuwehren. Der Pri-
vatkläger verneinte aber ein Gerangel. C._ sprach zwar auch davon, dass
die beiden miteinander gekämpft hätten, ihre Aussagen können sich aber durch-
aus auch auf den Zeitpunkt beziehen, als der Kampf mit dem Holzstock stattfand,
war sie danach doch einerseits damit beschäftigt, ihre Wunde mit dem Schal zu
verbinden und führte sie aus, nicht zu wissen, was der Beschuldigte mit dem
Messer gemacht habe. Ausserdem sprach auch der Privatkläger davon, dass die
Ehegattin des Beschuldigten erst nach dem Messerstich dazwischen gekommen
sei.
Davon, dass der Messerstich nicht im Gerangel erfolgte, ist vor allem des-
halb auszugehen, weil der Beschuldigte von sich aus in der ersten Einvernahme
ausführte, dass er das Messer aufgehoben, dem Privatkläger ins Wohn-/Schlaf-
zimmer gefolgt sei und diesem das Messer im Wohn-/Schlafzimmer in den Rü-
cken gestochen habe. Von diesen Aussagen wich er sodann auch lange nicht ab,
sondern bestätigte sie, als sie ihm vorgehalten wurden, sowohl in der Hafteinver-
nahme als auch anlässlich der Konfrontationseinvernahme. Erst in der Schluss-
einvernahme bestritt er, dem Privatkläger ins Wohn-/Schlafzimmer gefolgt zu sein
oder dieses betreten zu haben. Neu führte er in der Schlusseinvernahme auch
plötzlich aus, dass es sein könne, dass sich der Privatkläger die Verletzung selber
zugefügt habe. Nachdem er in den vorherigen Einvernahmen nicht davon abge-
wichen war, dem Privatkläger in das Wohn-/Schlafzimmer gefolgt zu sein und ihm
dort die Stichverletzungen zugefügt zu haben, sind diese neuen Ausführungen
anlässlich der Schlusseinvernahme als Schutzbehauptungen zu qualifizieren. Es
fällt ohnehin auf, dass sich der Beschuldigte von Einvernahme zu Einvernahme
immer weniger zu erinnern vermochte und immer mehr betonte, dass er nichts
gedacht und die Orientierung verloren habe sowie nicht erklären könne, wie es
passiert sei. Selbstverständlich ist es normal, dass die Erinnerungen mit der Zeit
verblassen, aber gerade deshalb ist umso mehr auf die erste Einvernahme abzu-
stellen, welche am gleichen Abend stattfand, als der Vorfall passierte und die Er-
- 16 -
innerungen noch frisch waren. Ausserdem gab der Privatkläger - entgegen der
Auffassung der Verteidigung - durchaus an, wo ihm die Verletzung zugefügt wur-
de. So führte er sowohl in der polizeilichen Einvernahme als auch anlässlich der
Konfrontationseinvernahme aus, dass ihm der Beschuldigte ins Wohnzimmer ge-
folgt sei und ihn dort verletzt habe.
Entgegen der Auffassung der Verteidigung sprechen die Blutspuren nicht
zwingend dafür, dass der Privatkläger im Korridor verletzt wurde. Einerseits floh
der Privatkläger, nachdem er die Verletzung erlitten hatte, ins Badezimmer, wes-
halb er das Blut vor dem Badezimmer auch dort verloren haben kann, nachdem
er die Blutspuren im Wohn-/Schlafzimmer hinterlassen hatte, und nicht in umge-
kehrter Reihenfolge, wie die Verteidigung geltend macht. Andererseits ist es auch
nicht auszuschliessen, dass die Blutspuren oder ein Teil davon von der Ehefrau
des Beschuldigten stammte, wurde sie doch im Korridor mit dem Messer verletzt
und blutete ebenfalls.
Es ist sodann in Übereinstimmung mit der Verteidigung anzunehmen, dass
sich das Handy des Privatklägers im Wohn-/Schlafzimmer befand und nicht etwa
im Korridor, hatte er sich doch dort aufgehalten, als der Beschuldigte und dessen
Ehefrau eintrafen. Da der Privatkläger aber ausführte, er habe sich, nachdem er
gestochen worden sei, das Handy geschnappt und sei ins Badezimmer geflüchtet,
kann der Darstellung der Verteidigung, wonach der Privatkläger zuerst vom Korri-
dor ins Wohn-/Schlafzimmer gerannt, dort das Handy geholt und dann erst ins
Badezimmer gegangen sei, nicht gefolgt werden. Denn einerseits erwähnte der
Privatkläger nicht, dass er das Handy zuerst in einem anderen Raum habe holen
müssen, und andererseits deutet "Schnappen" darauf hin, dass das Handy gleich
in Reichweite lag, was es eben war, wenn er sich bereits im Wohn-/Schlafzimmer
aufgehalten hatte.
Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte das Mes-
ser vom Boden aufnahm, dem Privatkläger ins Wohn-/Schlafzimmer folgte und ihn
dort in die linke Flanke stach. Demnach ist der Sachverhalt gemäss Anklage-
schrift erstellt.
- 17 -
III. Rechtliche Würdigung
1. Die Vorinstanz würdigte das Verhalten des Beschuldigten was das
Schlagen mit dem Holzknüppel und die daraus resultierenden Verletzungen be-
trifft als (qualifizierte) einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 2
Abs. 2 StGB, kam aber zum Schluss, dass aufgrund des Rechtfertigungsgrundes
der Notwehr diesbezüglich keine Strafbarkeit vorliege. Ein formeller Freispruch er-
folgte nicht, da die einfache Körperverletzung auch nie Gegenstand der Anklage
war (Urk. 53 S. 25 ff.). Auch eine versuchte schwerer Körperverletzung bezüglich
der Stockschläge - wie sie der Privatkläger in seinen Ausführungen als erfüllt er-
achtet sieht (Urk. 74 S. 9) - war nie Gegenstand der Anklage. Mangels Anfech-
tung - der Privatkläger beantragte abgesehen von der Höhe der Genugtuung eine
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils - ist darauf nicht weiter einzugehen.
Den Stich des Beschuldigten mit dem Messer und die daraus resultierende
Verletzung würdigte die Vorinstanz sodann als versuchte schwere Körperverlet-
zung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und ver-
neinte sowohl eine Notwehrsituation, einen Notwehrexzesses als auch Putativ-
notwehr. Die rechtliche Würdigung durch die Vorinstanz erweist sich als zutref-
fend. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann vorab auf die vorinstanzlichen Er-
wägungen verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StGB; Urk. 53 S. 23 ff.).
2. Die Verteidigung machte geltend, es sei nicht nur bezüglich der Schlä-
ge mit dem Holzstock, sondern auch bezüglich des Stiches mit dem Messer von
einem Notwehrrecht des Beschuldigten auszugehen. Es sei von einem Weiterbe-
stehen der Angriffssituation auszugehen. Auch die vorinstanzliche Auffassung
zum geltend gemachten Eventualstandpunkt, wonach der Beschuldigte eventuali-
ter in einem entschuldbaren Notwehrexzess gemäss Art. 16 Abs. 2 StGB gehan-
delt habe, sei willkürlich. Der Beschuldigte habe sich in einer asthenischen Affekt-
situation befunden (Urk. 54 S. 8 f., Urk. 73 S. 5 f.).
3. Der Beschuldigte fügte dem Privatkläger mit dem Küchenmesser eine
ca. 8-10 cm tiefe und ca. 2,5 cm breite Stichverletzung an der linken Flanke mit
Eröffnung des Retroperitonealraums zu. Lebenswichtige Strukturen befanden sich
- 18 -
unmittelbar in der Nähe der Verletzung. Es bestand aber keine unmittelbare Le-
bensgefahr und es gab keine bleibende Schäden (vgl. Urk. 10/2). Deshalb wurde
Art. 122 StGB nicht als vollendetes Delikt erfüllt.
Durch den Stich mit dem Messer nahm der Beschuldigte jedoch in Kauf,
dem Privatkläger eine lebensgefährliche Verletzung beizubringen. Denn auch
wenn durch die zugefügte Verletzung keine unmittelbare Lebensgefahr entstand,
hätte durch eine nur wenig abweichende Einstichstelle oder einen anderen Stich-
kanal aufgrund der in unmittelbarer Nähe der Stichverletzung liegenden lebens-
wichtigen Strukturen eine Verletzung dieser Strukturen erfolgen und Lebensge-
fahr oder eine bleibende Schädigung resultieren können. Es ist naheliegend, dass
durch einen tiefen Einstich in den Rumpf das Opfer lebensgefährlich verletzt wer-
den kann. Das musste auch dem Beschuldigten bewusst sein, weshalb er es mit
seinem Handeln in Kauf nahm. Der Beschuldigte tat alles, was für die Erfüllung
des Tatbestandes von Art. 122 StGB nötig war, und es war nur dem Zufall zu ver-
danken, dass der Erfolg, d.h. die Lebensgefahr, nicht eintrat.
Zusammenfassend ist der Beschuldigte der versuchten schweren Körperver-
letzung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schul-
dig zu sprechen.
4. Wie bereits unter Ziff. II erstellt, befand sich der Beschuldigte nicht in
einer Notwehrsituation. Der Privatkläger hatte das Messer fallen gelassen und
war ins Wohn-/Schlafzimmer geflüchtet. Der Angriff des Privatklägers gegen den
Beschuldigten und dessen Ehefrau war zum Zeitpunkt, als der Beschuldigte auf
den Privatkläger einstach, bereits beendet. Da der Beschuldigte weder angegrif-
fen noch unmittelbar mit einem Angriff bedroht wurde, sind seine Handlungen
nicht als rechtfertigende Notwehr im Sinne von Art. 15 StGB zu qualifizieren.
Da keine Notwehrlage vorlag, konnte der Beschuldigte auch nicht die Gren-
zen der Notwehr überschreiten, weshalb auch keine entschuldbare Notwehr
(Notwehrexzess) im Sinne von Art. 16 StGB vorlag. Selbst wenn man mit einem
Teil der Lehre davon ausgehen würde, die Anwendung von Art. 16 Abs. 2 StGB
sei trotz fehlender Notlage zu bejahen, insbesondere wenn eine solche kurz davor
- 19 -
bestanden habe, ist das Vorliegen einer entschuldbaren Aufregung oder Bestür-
zung des Beschuldigten zu verneinen. Der Beschuldigte spricht zwar davon, dass
er Todesangst verspürt habe, als der Privatkläger im Korridor auf ihn und seine
Frau zugekommen sei (Urk. 37 S. 7). Beim tatsächlichen Vorliegen einer solchen
Angst, wäre es aber naheliegend, zu fliehen und nicht, ein Messer zu packen, je-
manden zu verfolgen und auf diesen einzustechen. Es kann nicht davon ausge-
gangen werden, dass das Handeln des Beschuldigten in einem asthenischen Af-
fekt erfolgt ist. Seine Vorgehensweise vermittelt eher den Eindruck einer Vergel-
tungsaktion.
In Übereinstimmung mit der Vorinstanz kann auch eine Putativnotwehr im
Sinne von Art. 13 Abs. 1 StGB ausgeschlossen werden, bestand für den Beschul-
digten doch kein Anlass, von einem Angriff seitens des Privatklägers auszugehen.
Der Privatkläger war nicht mehr bewaffnet und in einen anderen Raum geflohen.
Es lagen keine Umstände vor, aus welchen der Beschuldigte nachvollziehbar hät-
te schliessen können, dass er erneut angegriffen wird. Selbst der Beschuldigte
führte anlässlich der Berufungsverhandlung aus, er habe gewusst, dass vom Pri-
vatkläger keine Gefahr mehr ausgehe, als er das Messer an sich genommen ha-
be. Er habe keine Angst gehabt, da er ja den Holzknüppel in der Hand gehabt ha-
be und der Privatkläger ihn nicht habe angreifen können (Prot. I S. 18).
Damit liegen keine Rechtfertigungs- und Schuldausschlussgründe vor.
IV. Strafzumessung
1. Die Vorinstanz hat den Strafrahmen korrekt abgesteckt und die gesetz-
lichen Zumessungsregeln wie auch die hier massgeblichen belastenden und ent-
lastenden Faktoren zutreffend dargelegt. Um unnötige Wiederholungen zu ver-
meiden, kann vorab auf diese Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwie-
sen werden (Urk. 53 S. 32 ff.).
2. Für die schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB sieht
das Gesetz eine abstrakte Strafdrohung einer Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren
oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen vor.
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3. Innerhalb des festgelegten Strafrahmens misst das Gericht die Strafe
nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die
persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf dessen Leben (Art. 47
Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung oder Ge-
fährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den
Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter
nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder
Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB). Ausgangspunkt bei der Strafzu-
messung ist die objektive Tatschwere, d.h. die Schwere der Verletzung oder Ge-
fährdung des betroffenen Rechtsguts bzw. der schuldhaft verursachte Erfolg.
Ebenso massgeblich ist die subjektive Tatschwere, die sich aus der Intensität des
deliktischen Willens sowie den Beweggründen für die Tat ergibt. Mit zu berück-
sichtigen sind schliesslich das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des
Täters.
3.1. Betreffend die objektive Tatschwere ist hervorzuheben, dass aufgrund
der vom Beschuldigten dem Privatkläger zugefügten Verletzung eine Operation
und ein Spitalaufenthalt von vier Tagen notwendig waren und der Privatkläger
während acht Tagen arbeitsunfähig war (Urk. 10/5). Die Verletzung führte zu star-
ken Schmerzen. Sie war zwar nicht lebensgefährlich, durch eine nur wenig ab-
weichende Einstichstelle oder einen etwas anderen Stichverlauf hätten aber Le-
bensgefahr oder eine bleibende Schädigung eintreten können. Das Vorgehen des
Beschuldigten zeugt angesichts der Tiefe des Stichs, welcher auf eine hohe
Kraftanwendung hinweist, von einer erheblichen kriminellen Energie. Nach dem
Messerstich liess der Beschuldigte aber sofort vom Privatkläger ab. Sein Ver-
schulden wiegt in objektiver Hinsicht nicht mehr leicht.
Was die subjektive Tatschwere betrifft, so handelte der Beschuldigte even-
tualvorsätzlich. Der Beschuldigte ging davon aus, dass der Privatkläger seine
Tochter mehrmals körperlich verletzt hatte und sie auch materiell und psychisch
ausnutzte. Ausserdem hatte er unmittelbar vorher mitangesehen, wie seine Frau
vom Privatkläger verletzt wurde. Deshalb handelte er nicht etwa aus egoistischen
Motiven, sondern aus Wut oder Verzweiflung aufgrund der vom Privatkläger sei-
- 21 -
ner Familie gegenüber zugefügten Verletzungen. Der Beschuldigte hätte jedoch
die Wohnung verlassen können, nachdem der Angriff des Privatklägers vorüber
war, entschied sich aber dagegen und griff seinerseits den Privatkläger an. In
subjektiver Hinsicht wiegt das Verschulden noch leicht.
Insgesamt erweist sich eine hypothetische Einsatzstrafe von 2 3⁄4 Jahren
Freiheitsstrafe als dem Verschulden angemessen.
Beim Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB in der Ausformung des
vormals als vollendeter Versuch bezeichneten Tathandlung, bei welcher der zur
Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eintritt, handelt es sich um eine Tat-
komponente, die verschuldensunabhängig ist. Deshalb ist sie bei der Gesamtein-
schätzung des Verschuldens nicht einzubeziehen. Sie hat sich indessen im Sinne
einer Reduzierung der (hypothetischen) verschuldensangemessenen Strafe aus-
zuwirken. Das Mass dieser Minderung hängt u.a. von der Nähe des tatbestand-
mässigen Erfolges und von den tatsächlichen Folgen der Tat ab. Die Reduktion
der Strafe wird umso geringer sein, je näher der tatbestandsmässige Erfolg und je
schwerwiegender die tatsächlichen Folgen der Tat waren (BGE 127 IV 92 und
BGE 136 IV 55; BSK StGB I-Wiprächtiger/Keller, 3. Auflage 2013, Art. 48a N 24;
Mathys, SJZ 2004, 173 f.).
Die hypothetische Einsatzstrafe ist wegen der versuchten Tatbegehung zu
mindern. Vorliegend ist bezüglich der schweren Körperverletzung von einem voll-
endeten Versuch auszugehen. Wie bereits ausgeführt, bestand für den Privatklä-
ger zu keinem Zeitpunkt eine unmittelbare Lebensgefahr. Wäre die Einstichstelle
oder der Stichverlauf aber nur wenig abgewichen, wäre aufgrund der in unmittel-
barer Nähe der Stichverletzung liegenden lebenswichtigen Strukturen mit lebens-
gefährlichen Verletzungen zu rechnen gewesen. Dass es nicht dazu kam, ist aber
nicht dem Zutun des Beschuldigten, sondern allein dem Zufall zu verdanken. An-
gesichts des als recht hoch einzustufenden Risikos der Tatbestandsverwirkli-
chung ist die Einsatzstrafe aufgrund der versuchten Tatbegehung lediglich um 1⁄2
Jahr zu reduzieren.
Es resultiert damit eine Einsatzstrafe von 2 1⁄4 Jahren Freiheitsstrafe.
- 22 -
3.2. Zum Vorleben und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten
kann auf die Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 53
S. 35 f.). Anlässlich der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte ergänzend
aus, er sei im Kosovo aufgewachsen, habe dort die Mittelschule nach zwei Jahren
abbrechen müssen, weil sie zu teuer und zu weit weg gewesen sei und verfüge
über keine Berufsausbildung. Er sei 1972 ein erstes Mal in die Schweiz gekom-
men, um auf dem Bau zu arbeiten. Seit 2004 sei er Schweizer Bürger. Im Jahr
1999 habe er sich am Rücken schwer verletzt und erhalte seit 2003 eine IV-
Rente. Er erhalte eine Rente der IV und des BVG von Fr. 3'500.– pro Monat und
seine Frau verdiene als Reinigungsmitarbeiterin ca. Fr. 1'500.– monatlich. Mit sei-
ner Frau und zwei Söhnen lebe er in einer Eigentumswohnung (Prot. II S. 9 ff.).
Aus der Biographie und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten
ergeben sich keine Anhaltspunkte, die für die Strafzumessung von wesentlicher
Bedeutung wären.
Der Beschuldigte ist zwar nicht vorbestraft (Urk. 89), was aber ebenfalls kei-
ne Strafminderung rechtfertigt (BGE 136 IV 1).
Strafmindernd ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte die von ihm
verursachten Körperverletzungen von Anfang an eingestand. Dies fällt aber nur
leicht strafmindernd ins Gewicht, blieb ihm aufgrund der erdrückenden Beweisla-
ge doch kaum eine andere Wahl. Zudem machte er geltend, in Notwehr gehandelt
zu haben und lässt keine Reue oder Einsicht erkennen.
Sonstige Straferhöhungs- oder -minderungsgründe sind nicht ersichtlich.
3.3. In Würdigung aller massgeblichen Strafzumessungsgründe erweist
sich eine Freiheitsstrafe von 2 Jahren bzw. 24 Monaten als angemessen. Anzu-
rechnen sind 5 Tage erstandene Untersuchungshaft (Art. 51 StGB).
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V. Vollzug
Die Vorinstanz hat den Vollzug der Freiheitsstrafe aufgeschoben. Dieser
Entscheid ist schon aufgrund des Verschlechterungsverbotes ohne Weiteres zu
bestätigen und die Probezeit auf zwei Jahre festzusetzen. Zur Begründung kann
auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 53
S. 37).
VI. Zivilansprüche
1. Die Vorinstanz verpflichtete den Beschuldigten, dem Privatkläger
B._ Schadenersatz von Fr. 342.20 zu bezahlen. Weiter verpflichtete sie ihn,
dem Privatkläger Fr. 3'000.– als Genugtuung zu bezahlen und wies das Genugtu-
ungsbegehren im Mehrbetrag ab (Urk. 53 S. 38 ff.). Der Beschuldigte liess mit
seiner Berufungserklärung eine Aufhebung dieser Verpflichtungen beantragen
(Urk. 54 S. 2).
2. Die geschädigte Person kann zivilrechtliche Ansprüche aus der Straftat
als Privatklägerschaft adhäsionsweise im Strafverfahren geltend machen (Art. 122
Abs. 1 StPO). Das Gericht entscheidet über die anhängige Zivilklage, wenn es die
beschuldigte Person schuldig spricht (Art. 126 Abs. 1 lit. a StPO). Die Zivilklage
wird auf den Zivilweg verwiesen, wenn die Privatklägerschaft ihre Klage nicht hin-
reichend begründet oder beziffert hat (Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO). Wäre die voll-
ständige Beurteilung des Zivilanspruchs unverhältnismässig aufwendig, so kann
das Gericht die Zivilklage nur dem Grundsatz nach entscheiden und sie im Übri-
gen auf den Zivilweg verweisen (Art. 126 Abs. 3 StPO).
Der Privatkläger machte einen Schadenersatzanspruch von Fr. 342.20 gel-
tend. Dabei handelt es sich um den Selbstbehalt, welchen der Privatkläger auf-
grund seines Spitalaufenthalts bezahlen musste (Urk. 39 S. 8). Die dem Privat-
kläger für den Selbstbehalt entstanden Kosten sind ausgewiesen (Urk. 40). Da
der Beschuldigte schuldig gesprochen wird und die Voraussetzungen von Art. 41
Abs. 1 OR (Schaden, Widerrechtlichkeit, Kausalzusammenhang und Verschul-
- 24 -
den) erfüllt sind (vgl. Urk. 53 S. 39), ist er gegenüber dem Privatkläger schaden-
ersatzpflichtig. Der Beschuldigte ist deshalb zu verpflichten, dem Privatkläger
B._ Schadenersatz in der Höhe von Fr. 342.20 zu bezahlen.
3. Bei Tötung eines Menschen oder Körperverletzung kann das Gericht
unter Würdigung der besonderen Umstände dem Verletzten oder den Angehöri-
gen des Getöteten eine angemessene Geldsumme als Genugtuung zusprechen
(Art. 47 OR). Die Körperverletzung muss beim Verletzten zu einer immateriellen
Unbill (zu einem Schmerz) geführt haben. Darüber hinaus muss der erlittene kör-
perliche bzw. seelische Schmerz von einer gewissen Schwere sein (BGE 110 II
166 = Pra 1984, 486). Zu den besonderen Umständen eines Falles kann sodann
das Verschulden des Haftpflichtigen eine bedeutende Rolle spielen (BGE 104 II
264 = Pra 1979, 192). Zu den Umständen, die das Gericht zu berücksichtigen hat,
gehört auch ein Mitverschulden des Verletzten. Ausgeschlossen wird ein Genug-
tuungsanspruch aber höchstens bei Vorliegen eines überwiegenden, groben
Selbstverschuldens. In seiner neueren Rechtsprechung hat das Bundesgericht
generell Zurückhaltung signalisiert, was die Mitberücksichtigung des Selbstver-
schuldens betrifft (BGE 117 II 50 ff., 60 ff.). Auch das konkrete Verhältnis zwi-
schen Verletztem und Schädiger ist zu berücksichtigen. Bei der Bezifferung der
Genugtuung kommt dem Gericht erheblicher Ermessensspielraum zu. Es kommt
vor allem auf die Art und Schwere der Verletzung, die Intensität und die Dauer der
Auswirkungen auf die Persönlichkeit des Betroffenen sowie auf den Grad des
Verschuldens an (vgl. BSK OR I-Heierli/Schnyder, 5. Auflage 2011, Art. 47 N 20
f.).
Der Privatkläger beantragte vor Vorinstanz und mit seiner Anschlussberu-
fung, dass der Beschuldigte zu verpflichten sei, ihm eine Genugtuung von
Fr. 5'000.– zu bezahlen (Urk. 39 S. 8, Urk. 59 S. 2 f., Urk. 74 S. 2). Er führte aus,
dass die Stockschläge und die Messerstichwunde noch während langer Zeit gros-
se Schmerzen verursacht hätten. Er habe vier Tage hospitalisiert werden müssen
und auch seine Psyche sei enorm stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Er
habe Todesangst gehabt (Urk. 74 S. 10).
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Der Messerstich des Beschuldigten führte zu einer nicht unerheblichen Ver-
letzung des Privatklägers. Es entspricht der Lebenserfahrung, dass eine solche
Verletzung mit Schmerzen verbunden ist. Allerdings liegen keine Hinweise vor,
dass es sich dabei um länger andauernde Schmerzen handelte. Bleibende Schä-
den sind nicht zu erwarten. Der stationäre Spitalaufenthalt dauerte vier Tage und
die Arbeitsunfähigkeit acht Tage. Es ist auch einfühlbar, dass der Privatkläger un-
ter psychischen Nachwirkungen leidet. Das Verschulden des Beschuldigten, der
eventualvorsätzlich gehandelt hat, wiegt strafrechtlich nicht mehr leicht.
Die vom Privatkläger beantragte Genugtuung erscheint verglichen mit ande-
ren ähnlich gelagerten Fällen aus der Praxis als übersetzt. Vorliegend ist eine
Genugtuung von Fr. 3'000.– angemessen. Der Beschuldigte ist daher zu ver-
pflichten, dem Privatkläger B._ Fr. 3'000.– als Genugtuung zu bezahlen. Im
Mehrbetrag ist das Genugtuungsbegehren abzuweisen.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss ist das erstinstanzliche Kostendispositiv (Ziff. 7 und
8) zu bestätigen.
Die mit Nachtragsurteil vom 15. Oktober 2013 festgesetzte Entschädigung
des amtlichen Verteidigers wurde von diesem - wie bereits erwähnt - angefochten.
Er machte für die Untersuchung und das erstinstanzliche Gerichtsverfahren eine
Entschädigung von Fr. 28'152.60, bestehend aus Fr. 24'825 Honorar, Fr. 993.–
"Spesen prozentual (4 %)", Fr. 249.20 "Spesen" und Fr. 2'085.40 Mehrwertsteuer,
geltend (Urk. 42). Von der Vorinstanz wurde ihm hingegen für seine Aufwendun-
gen eine Entschädigung von Fr. 17'279.15, bestehend aus Fr. 15'750.– Honorar,
Fr. 249.20 Barauslagen und Fr. 1'279.95 Mehrwertsteuer, zugesprochen
(Urk. 50).
In seiner Beschwerdeschrift vom 21. Oktober 2013 beantragte der Verteidi-
ger eine Entschädigung von Fr. 23'874.20 (inkl. Barauslagen von Fr. 249.20) zu-
züglich 8 % Mehrwertsteuer im Betrag von Fr. 1'910.–. In seiner Begründung führ-
te er aus, er akzeptiere die von der Vorinstanz vorgenommene Kürzung der Ho-
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norarnote um 4 Stunden sowie die Reduktion der 4 %-igen Spesenpauschale auf
die effektiven Auslagen. Er machte aber geltend, dass im Falles eines vollständi-
gen Freispruchs des Beschuldigten die Zusprechung der Entschädigung auf hö-
herer Stundenansatzbasis als dem amtlichen Tarif von Fr. 200.– pro Stunde ge-
rechtfertigt sei und rechnete deshalb mit einem Stundenansatz von Fr. 300.–
(Urk. 59B/2). Da der Beschuldigte vorliegend schuldig zu sprechen ist, erübrigen
sich weitere Ausführungen zum geltend gemachten Stundenansatz von Fr. 300.–,
machte der Verteidiger diesen doch nur für den Fall eines Freispruchs geltend.
Damit ist das Urteil vom 15. Oktober 2013 (Nachtragsurteil zum Urteil vom 6. Mai
2013) zu bestätigen und der amtliche Verteidiger für seine Aufwendungen in der
Untersuchung und im erstinstanzlichen Gerichtsverfahren mit Fr. 17'279.15 (inkl.
Barauslagen von Fr. 249.20 und Mehrwertsteuer von Fr. 1'279.95) zu entschädi-
gen.
2. In Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Sowohl der Beschul-
digte als auch der Privatkläger unterliegen mit ihrer Berufung bzw. Anschlussbe-
rufung vollständig. Der Verteidiger unterliegt mit seiner Beschwerde ebenfalls,
was aber mangels relevantem Aufwand nicht kostenrelevant ist. Die Kosten des
Berufungsverfahrens sind zu fünf Sechsteln dem Beschuldigten aufzuerlegen. Zu
einem Sechstel sind sie auf die Gerichtskasse zu nehmen, da dem Privatkläger
die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde (Urk. 18/20 = Urk. 68), weshalb er
von Verfahrenskosten befreit ist (Art. 136 Abs. 2 lit. b StPO).
Die Kosten der amtlichen Verteidigung, welche auf Fr. 8'195.75 (inkl. 8 %
MWST) festzusetzen sind, sind - unter Vorbehalt der Rückzahlungspflicht gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO im Umfang von fünf Sechsteln - auf die Gerichtskasse zu
nehmen. Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung des Privatklägers, welche auf
Fr. 4'800.00 (inkl. 8 % MWST) festzusetzen sind, sind auf die Gerichtskasse zu
nehmen.
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