Decision ID: 4b5392ba-29d4-5617-bbab-f22f003c2188
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer reiste am 15. November 2019 in die Schweiz
ein und suchte am 16. November 2019 um Asyl nach.
A.b Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (EURO-
DAC) ergab, dass der Beschwerdeführer am 31. Mai 2017 sowie am
29. Januar 2018 in Italien um Asyl nachsuchte.
A.c Am 22. November 2019 bevollmächtigte der Beschwerdeführer die ihm
zugewiesene Rechtsvertretung.
B.
Am 12. Dezember 2019 ersuchte die Vorinstanz die italienischen Behörden
gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des
Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festle-
gung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der
für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen
in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu-
ständig ist (Neufassung) (ABl. L 180/31 vom 29.6.2013; nachfolgend: Dub-
lin-III-VO) um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers. Ferner richtete
sie an die italienischen Behörden diverse Fragen betreffend das Alter des
Beschwerdeführers.
C.
Die italienischen Behörden antworteten innert Frist (Art. 22 Abs. 1 Dublin-
III-VO) nicht auf das Wiederaufnahmegesuch.
D.
Am 7. Januar 2020 fand im Bundesasylzentrum die Erstbefragung statt.
Dabei brachte der Beschwerdeführer unter anderem vor, er habe nie die
Schule besucht und könne weder lesen noch schreiben. Bis vor kurzem
habe er auch sein Alter nicht gekannt. Während seines Aufenthaltes in Ita-
lien habe er seine Schwester telefonisch kontaktiert, welche ihm sein Alter
mitgeteilt habe. Er sei am (...) geboren beziehungsweise (...) Jahre alt. Er
verfüge über keine Identitätspapiere. Es sei möglich, sich in seinem Hei-
matland nachträglich eine Geburtsurkunde ausstellen zu lassen, dafür be-
nötige er jedoch Geld.
Bezüglich seiner Gesundheit machte der Beschwerdeführer geltend, er
leide an (...) und (...) sowie an (...).
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E.
Die Vorinstanz erteilte dem (...) am 14. Januar 2020 einen Auftrag, eine
forensische Lebensaltersschätzung durchzuführen. Das daraufhin erstellte
Altersgutachten vom 17. Januar 2020 kam zum Schluss, der Beschwerde-
führer habe mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das (...) Le-
bensjahr vollendet und die Volljährigkeit erreicht. Das von ihm angegebene
Lebensalter von (...) Jahren und (...) Monaten sei mit den erhobenen Be-
funden nicht zu vereinbaren.
F.
Mit Schreiben vom 22. Januar 2020 ersuchte der Beschwerdeführer die
Vorinstanz um eine ärztliche Untersuchung wegen seiner (...)- und (...) so-
wie seiner (...).
G.
Mit Schreiben vom 3. Februar 2020 räumte die Vorinstanz dem Beschwer-
deführer Gelegenheit ein, sich zum Altersgutachten vom 17. Januar 2020,
der beabsichtigten Anpassung des Geburtsdatums auf den (...) im Zentra-
len Migrationsinformationssystem (ZEMIS) sowie zur Absicht der Vo-
rinstanz, ihn nach Italien zu überstellen, zu äussern.
H.
In seiner Stellungnahme vom 12. Februar 2020 hielt der Beschwerdeführer
an seiner Minderjährigkeit fest. In Italien sei er als Minderjähriger registriert
worden und es seien die entsprechenden Informationen der italienischen
Behörden einzuholen. Ferner sei eine Botschaftsabklärung vorzunehmen,
da nicht auszuschliessen sei, dass ein Geburtsschein betreffend ihn in sei-
nem Heimatland ausgestellt worden sei. Zur beabsichtigten Überstellung
nach Italien brachte der Beschwerdeführer vor, er habe dort etliche trau-
matisierende Erfahrungen gemacht. Er habe zeitweise auf der Strasse ge-
lebt und sei von substanzabhängigen sowie kriminellen Erwachsenen be-
drängt und ausgenutzt worden. Auch von Seiten der Behörden habe er
Misshandlungen erdulden müssen sowie Diskriminierung und Willkür er-
fahren. Zudem sei ihm der Zugang zur erforderlichen medizinischen Unter-
stützung verweigert worden.
I.
Mit Verfügung vom 14. Februar 2020 trat die Vorinstanz auf das Asylgesuch
des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte die Wegweisung nach Italien
und beauftrage den zuständigen Kanton mit dem Wegweisungsvollzug,
händigte die editionspflichtigen Akten aus und hielt fest, einer allfälligen
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Beschwerde gegen die Nichteintretensverfügung komme keine aufschie-
bende Wirkung zu.
J.
Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 25. Februar 2020
Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragt, die Verfügung
der Vorinstanz sei aufzuheben und diese anzuweisen, auf sein Asylgesuch
einzutreten. Weiter sei das im ZEMIS geführte Geburtsdatum vom (...) zu
berichtigen und auf den (...) anzupassen. Eventualiter sei die Sache zur
rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen. Sodann sei im Sinne einer superprovisorischen Massnahme der Be-
schwerde aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbehörden
anzuweisen, von einer Überstellung nach Italien abzusehen, bis das Bun-
desverwaltungsgericht über den Suspensiveffekt der eingereichten Be-
schwerde entschieden habe. Schliesslich sei die unentgeltliche Prozess-
führung zu gewähren und insbesondere von der Erhebung eines Kosten-
vorschusses abzusehen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 105 Asylgesetz [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d
Ziff. 1 BGG). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Be-
schwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde ist – unter Vorbehalt des unter E. 1.2
nachstehend ausgeführten – einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52
Abs. 1 VwVG).
1.2 Soweit der Beschwerdeführer die Berichtigung des Eintrages seines
Geburtsdatums im ZEMIS-System beantragt, ist darauf nicht einzutreten,
da der von der Vorinstanz vorgenommene Eintrag nicht Gegenstand der
angefochtenen Verfügung bildet (vgl. Dispositiv der Verfügung vom
14. Februar 2020).
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2.
2.1 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh-
rung eines Schriftenwechsels verzichtet.
2.2 Bei Beschwerden gegen einen Nichteintretensentscheid ist die Beur-
teilungskompetenz der Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage be-
schränkt, ob die Vorinstanz bei vollständig und richtig festgestelltem Sach-
verhalt auf das Asylgesuch zu Recht oder Unrecht nicht eingetreten ist (vgl.
BVGE 2012/4 E. 2.2 m.w.H.).
3.
3.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG wird in der Regel auf Asylgesuche
nicht eingetreten, wenn Asylsuchende in einen Drittstaat ausreisen kön-
nen, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens
staatsvertraglich zuständig ist. Zur Bestimmung des staatsvertraglich zu-
ständigen Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien nach der Dub-
lin-III-VO. Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitglied-
staat für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nach-
dem der betreffende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstel-
lung zugestimmt hat – oder bei fingierter Zustimmung – auf das Asylgesuch
grundsätzlich nicht ein.
3.2 Im Falle von unbegleiteten Minderjährigen ohne familiäre Anknüp-
fungspunkte zu einem anderen Mitgliedstaat ist gemäss Art. 8 Abs. 4 Dub-
lin-III-VO der Staat zuständig, in welchem der Minderjährige seinen Antrag
gestellt hat, sofern es dem Wohl des Minderjährigen dient. Eine Anwen-
dung dieser Bestimmung würde im vorliegenden Fall gemäss gefestigter
Praxis eine vorrangige Zuständigkeit der Schweiz begründen (vgl. statt vie-
ler: Urteil des BVGer E-5167/2019 vom 14. Oktober 2019 E. 3.2).
4.
In ihrer Verfügung hält die Vorinstanz fest, gemäss dem Abgleich der Fin-
gerabdrücke mit der Eurodac-Datenbank habe der Beschwerdeführer am
29. Januar 2018 in Italien um Asyl ersucht. Die dortigen Behörden hätten
auf das Wiederaufnahmegesuch innert Frist nicht geantwortet, womit die
Zuständigkeit für die Prüfung des Asylantrages auf Italien übergegangen
sei. Sie gehe nicht davon aus, dass der Beschwerdeführer bei einer Über-
stellung nach Italien im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO und Art. 3
EMRK gravierenden Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt werde, in
eine existenzielle Notlage geraten oder ohne Prüfung seines Asylgesuchs
und unter Verletzung des Non-Refoulement-Gebots in den Heimatstaat
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überstellt werde. Das italienische Asylverfahren weise keine systemischen
Mängel auf und es bestehe weder nach den Bestimmungen über abhän-
gige Personen noch nach denjenigen der Ermessensklausel beziehungs-
weise der Souveränitätsklausel eine Verpflichtung, das Gesuch in der
Schweiz zu prüfen. Soweit die (...) die Polizei hätten kommen lassen und
er von Süchtigen oder Straffälligen ausgenutzt beziehungsweise zu Taten
gezwungen worden sei, sei darauf hinzuweisen, dass Italien ein Rechts-
staat sei, welcher über eine funktionierende Polizeibehörde verfüge, die
schutzwillig und schutzfähig sei. Sodann respektiere Italien die in der Richt-
linie des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/33/EU vom 26.
Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die
internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) enthaltenen
Vorgaben und sei in der Lage, dem Beschwerdeführer im Zusammenhang
mit seinen geltend gemachten physischen und psychischen Problemen,
die erforderliche Behandlung zukommen zu lassen. Das italienische Recht
halte zudem explizit fest, dass auch sich illegal im Land aufhaltende Per-
sonen Anspruch auf medizinische Versorgung hätten. Das Altersgutachten
halte fest, dass der Beschwerdeführer mit an Sicherheit grenzender Wahr-
scheinlichkeit das (...) Lebensjahr vollendet und damit die Volljährigkeit er-
reicht habe. In Bezug auf den Nachweis der vom Beschwerdeführer gel-
tend gemachten Minderjährigkeit obliege es ihm, rechtsgenügliche Belege
zu beschaffen. In Ermangelung solcher Unterlagen und unter Berücksich-
tigung des Ergebnisses des in Auftrag gegebenen Altersgutachtens sei von
seiner Volljährigkeit auszugehen. Infolge Zuständigkeit Italiens für die Prü-
fung seiner Flüchtlingseigenschaft sei auf das Asylgesuch nicht einzutre-
ten.
5.
Der Beschwerdeführer macht in seiner Rechtsmitteleingabe im Wesentli-
chen geltend, das Ergebnis des von der Vorinstanz in Auftrag gegebenen
Altersgutachten, welches ihm ein Alter von 19 Jahren bescheinige, sei nicht
zutreffend. Aufgrund seiner Aussagen könne nachvollzogen werden, dass
er seine Heimat im Alter von (...) Jahren verlassen habe und bei seiner
Ankunft in Italien (...) Jahre alt gewesen sei. Selbst bei einer hypotheti-
schen Volljährigkeit sei bei ihm von einer sehr jungen und traumatisierten,
mithin vulnerablen Person, auszugehen. Die Vorinstanz habe es ohne Be-
gründung unterlassen, auf seinen Antrag auf medizinische Untersuchung
einzugehen. Sodann sei sein Aufenthaltsstatus unklar und die italienischen
Behörden seien im Rahmen des Gesuches um Wiederaufnahme unzu-
reichend über seine gesundheitliche Verfassung informiert worden.
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Aufgrund seiner Minderjährigkeit sei, in Anwendung von Art. 8 Abs. 4 Dub-
lin-III-VO, auf das Asylgesuch einzutreten. Da es sich bei ihm sodann um
eine vulnerable Person handle, ergebe sich die Zuständigkeit zur Prüfung
seines Asylgesuches durch die Schweiz zudem aus Art. 17 Dublin-III-VO.
Schliesslich sei der medizinische Sachverhalt nicht genügend erfasst und
der angefochtene Entscheid demnach nicht rechtsgenüglich begründet
worden, weshalb dieser wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs und we-
gen unvollständiger sowie unrichtiger Feststellung des Sachverhaltes auf-
zuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen sei.
6.
6.1 Die Vorinstanz geht insbesondere gestützt auf das von ihr in Auftrag
gegebene Altersgutachten vom 17. Januar 2020 von der Volljährigkeit des
Beschwerdeführers aus. Der Beschwerdeführer hält in der Rechtsmittelein-
gabe dagegen weiterhin daran fest, er sei minderjährig.
6.2 Die Minderjährigkeit hat die asylsuchende Person nachzuweisen oder
zumindest glaubhaft zu machen (Art. 7 AsylG, hierzu bereits Entscheide
und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK]
2004 Nr. 30 E. 5 ff., zuletzt auch Urteil des BVGer D-887/2020 vom 24.
Februar 2020). Die Behörden können diesbezüglich ein Altersgutachten
einholen (Art. 17 Abs. 3bis AsylG).
Gemäss konstanter Rechtsprechung kann eine Abweichung zwischen dem
Knochenalter und dem tatsächlichen Alter von zweieinhalb bis drei Jahren
noch als innerhalb des Normalbereichs betrachtet werden. Liegt das be-
hauptete Alter indes ausserhalb dieser Standard-Abweichung, stellt die
Knochenaltersanalyse ein Beweismittel dar, aufgrund dessen darauf zu
schliessen ist, dass die asylsuchende Person über ihr Alter zu täuschen
versucht (vgl. EMARK 2000 Nr. 19 E. 7 und 8, 2001 Nr. 23 E. 4.b, 2004
Nr. 30 E. 6.2 und zuletzt Urteil des BVGer E-2640/2018 vom 8. Januar
2020 E. 6.1). Gemäss dem vorliegenden Altersgutachten ergab die Unter-
suchung des Handskeletts, dass dieses vollständig ausgewachsen ist und
dem radiologischen Bild eines 19-Jährigen entspricht. Die Zusammen-
schau der Befunde (unter zur Untersuchung des Handgelenks zusätzlicher
Berücksichtigung der sexuellen Reifezeichen, der zahnärztlichen Altersein-
schätzung sowie der radiologischen Alterseinschätzung der Brustbein-
Schlüsselbein-Gelenke) ergab ein Mindestalter von 19 Jahren, mithin sei
das angegebene Lebensalter von (...) Jahren und (...) Monaten mit dem
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erhobenen Befund nicht vereinbar. Die Differenz zur Altersangabe des Be-
schwerdeführers beträgt somit mehr als drei Jahre.
Aufgrund der festgestellten Abweichung vom beschriebenen Normbereich
liegt ein erhebliches Indiz dafür vor, dass die Altersangaben des Beschwer-
deführers unzutreffend sind. Ferner kann er – im Rahmen der ihm oblie-
genden Beweis(folgen)last (vgl. das bereits einleitend Ausgeführte) – seine
Minderjährigkeit auch durch keinerlei Unterlagen belegen. Die von ihm in
der Rechtsmitteleingabe erwähnte Geburtsurkunde liegt sodann der Be-
schwerdeeingabe nicht bei (weder in Form einer Fotografie, noch im Origi-
nal).
Insgesamt ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, seine Minderjäh-
rigkeit glaubhaft zu machen. Die Zuständigkeit zur Durchführung des Asyl-
verfahrens gestützt auf Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO kommt vorliegend nicht
zum Tragen.
6.3 Die Vorinstanz hat bereits ausführlich und zutreffend auf die für Italien
verbindlichen völkerrechtlichen sowie gemeinschaftsrechtlichen (insbe-
sondere EU-Richtlinien) Verpflichtungen im Zusammenhang mit Asylsu-
chenden hingewiesen und es kann, um Wiederholungen zu vermeiden,
diesbezüglich auf das in der angefochtenen Verfügung Ausgeführt verwie-
sen werden.
In seinem Referenzurteil E-962/2019 vom 17. Dezember 2019 wurde durch
das Bundesverwaltungsgericht die bis anhin geltende Annahme bestätigt,
dass der Zugang zum Asylverfahren in Italien gewährleistet sei, auch wenn
dabei Verzögerung auftreten könnten. Ferner sei die Grundversorgung
während des Asylverfahrens gesichert, selbst wenn die Bedingungen an
den einzelnen Standorten sehr unterschiedlich seien. Insgesamt weise das
italienische Asylsystem auch unter dem Regime des sogenannten "Salvini-
Dekrets" keine systemischen Schwachstellen auf, so dass die Überstellung
im Rahmen des Dublin-Verfahrens grundsätzlich zulässig sei (vgl. a.a.O.
E. 6.3). Die Überstellung von Familien und Personen mit schweren gesund-
heitlichen Problemen seien jedoch an zusätzliche Bedingungen zu knüpfen
(vgl. a.a.O. E. 7.4.3 und E. 8.3.4).
Der Beschwerdeführer ist nicht als vulnerable Person im Sinne der vorste-
hend zitierten Rechtsprechung zu qualifizieren. Die geltend gemachten
physischen und psychischen Leiden stellen keine schweren Erkrankungen
im Sinne dieser Rechtsprechung dar. Die Vorinstanz hat diesbezüglich –
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unter Verweis auf die entsprechenden rechtlichen Grundlagen – zutreffend
dargelegt, der Beschwerdeführer werde die erforderliche medizinische Be-
treuung erhalten. Bei dieser Ausgangslage erschiene es auch nicht als an-
gezeigt, von Seiten des SEM eine ärztliche Untersuchung durchführen zu
lassen. Die in diesem Zusammenhang erhobene Rüge wegen Verletzung
von Verfahrensrechten erweist sich als unbegründet. Dass die Vorinstanz
die italienischen Behörden nicht im Rahmen der Übermittlung des Wieder-
aufnahmegesuches über die geltend gemachten Leiden des Beschwerde-
führers informierte, ist übrigens nicht zu beanstanden, da eine solche Mit-
teilung lediglich vor der Überstellung zu erfolgen hat (vgl. Art. 31 Abs. 1
Dublin-III-VO). Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, er sei in Ita-
lien bedrängt und tätlich angegriffen worden, ist darauf hinzuweisen, dass
es sich bei Italien um einen funktionierenden Rechtsstaat handelt und er
sich bei Bedarf an die zuständigen Behörden und die entsprechenden
Rekursinstanzen wenden kann (vgl. zuletzt Urteil des BVGer D-939/2020
vom 24. Februar 2020 S. 10).
Aufgrund der Vorbringen des Beschwerdeführers wird die Vermutung, Ita-
lien halte seine völkerrechtlichen und gemeinschaftsrechtlichen Verpflich-
tungen ein, nicht widerlegt. Ein Eintreten auf das Asylgesuch ist in Anbe-
tracht des Ausgeführten weder aufgrund von Art. 3 Dublin-III-VO Abs. 2
Unterabsatz 2 noch aufgrund von Art. 17 Dublin-III-VO beziehungsweise
Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1,
SR 142.311) angezeigt. Gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b i.V.m. Art. 25 Abs.
2 Dublin-III-Verordnung ist Italien für die Prüfung des Asylgesuches des
Beschwerdeführers zuständig. Der Nichteintretensentscheid der Vorin-
stanz ist nicht zu beanstanden.
7.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da
der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Nie-
derlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Italien in Anwen-
dung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a
AsylV 1).
8.
Aus den Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bun-
desrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 106
AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf
eingetreten wird.
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Damit sind die Anträge betreffend Anordnung eines superprovisorischen
Vollzugsstopps sowie die Gewährung der aufschiebenden Wirkung gegen-
standslos geworden.
9.
Der Beschwerdeführer beantragt in seiner Rechtsmitteleingabe die Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung. Da seine Rechtsbegehren
nicht als von vornherein aussichtlos zu gelten haben und aufgrund der Ak-
ten seine Mittellosigkeit als erstellt zu erachten ist, ist das Gesuch gutzu-
heissen (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um Verzicht auf Erhebung
eines Kostenvorschusses ist mit vorliegendem Urteil gegenstandslos ge-
worden.
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