Decision ID: 61881251-80bd-4c3e-8f18-57d1ad846ba0
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ wurde am 18./20. Juli 2001 bei der Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des
Kantons St. Gallen zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung für
Versicherte vor dem 20. Altersjahr angemeldet (IV-act. 2). Die Invalidenversicherung
sprach ihr im September 2001 erstmals medizinische Massnahmen (IV-act. 5; zur
Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff. 404 GgV Anhang; Auffälligkeiten in den
Bereichen Aufmerksamkeit und Wahrnehmung sowie des Antriebs und der Impulsivität
bei im Normbereich liegendem kognitivem Entwicklungsstand, vgl. IV-act. 3-5) und im
Februar 2012 (IV-act. 41) aufgrund einer Anmeldung vom 18. Januar/1. Februar 2012
(IV-act. 37) Berufsberatung und Abklärung der beruflichen Eingliederungsmöglichkeiten
zu. Gemäss einem Verlaufsprotokoll (IV-act. 82) hatte ein Erstgespräch im November
2011 stattgefunden. Im Protokoll wurde weiter festgehalten, im Sommer 2013 sei die
Versicherte aus der Kleinklasse an der öffentlichen Schule aus- und in ein Praktikum
und eine Vorlehre eingetreten. Nach einem Praktikumsabbruch (in der E. _ [Branche])
stehe sie im November 2013 in einem weiteren Praktikum (_). Im Sommer 2014
beginne eine EBA-Ausbildung (Eidgenössisches Berufsattest) in einem _. Gemäss
einem späteren Eintrag wurde diese im November 2014 wieder abgebrochen. Die
Versicherte wolle nun eine Ausbildung zur FaBe (Fachfrau Betreuung) machen. Sie
habe [...] die Möglichkeit zum diesbezüglichen Schnuppern bekommen. Im Februar
2015 wurde angegeben, die Versicherte arbeite motiviert und mit Anleitung sehr gut mit
und versuche sofort umzusetzen, was ihr aufgetragen werde, sie fehle aber oft - auch
durch die familiäre Situation bedingt. Die IV-Berufsberatung berichtete entsprechend
am 18. März 2015 (IV-act. 45), die Versicherte habe nach der Beendigung der
A.a.
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obligatorischen Schulzeit im [...] (Sonderschule, besucht seit _ 20_, IV-act. 37) im
Sommer 2013 ein kantonales Brückenangebot wahrgenommen, dann ein Praktikum in
der E. _ [Branche] begonnen (beendet aufgrund von zwischenmenschlichen
Schwierigkeiten) und hernach eines im F. _ [Branche] gemacht. Es sei ihr gelungen, ab
Sommer 2014 eine Lehrstelle als _ [Branche F.] assistentin zu bekommen, der sie
aber ab November 2014 ferngeblieben sei. Inzwischen habe sie einen
niederschwelligen Einstieg in eine Ausbildung im Bereich Betreuung [...] machen
können.
Am 20. März 2015 (IV-act. 48) sprach ihr die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle
die Mehrkosten für die Vorbereitung einer erstmaligen beruflichen Ausbildung zur
Assistentin Bildung und Soziales EBA (ab April 2015, vgl. auch IV-act. 45-1 unten und
IV-act. 47; bzw. Gesundheit und Soziales, vgl. IV-act. 45-2 und IV-act. 51) zu. Ein
Klinischer Psychologe/Psychotherapeut ersuchte am 16. Juni 2015 (IV-act. 50) um
Kostengutsprache für eine störungsspezifische ADHS- [Aufmerksamkeitsdefizit-
Hyperaktivitätsstörungs-] Therapie mit dem Ziel, weitere Fortschritte der Versicherten
im Bereich der Motivation, der Ausdauer und der Verlässlichkeit erzielen zu können. [...]
Der IV-Eingliederungsverantwortliche berichtete am 22. Juni 2015 (IV-act. 51), der
Verlauf der Vorbereitung sei zweckmässig gewesen. Es habe Tage gegeben, an
welchen eine engmaschige Begleitung erforderlich gewesen sei, damit die Versicherte
eine entsprechende Arbeitsleistung habe erzielen können, und solche, an welchen sie
krankheitsbedingt abwesend gewesen sei, wobei die gesundheitliche Problematik für
die Ausbildnerin nicht immer nachvollziehbar gewesen sei. Daraufhin sprach die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der Versicherten am 22. Juli 2015 (IV-act. 53) die
Mehrkosten der Ausbildung zur Assistentin Gesundheit und Soziales (AGS) EBA [...] (ab
August 2015) zu. Der IV-Eingliederungsverantwortliche hielt am 1. Juli 2016 (IV-act. 60)
fest, der fachliche Ausbildungsstand der Versicherten sei gut. Es seien aber Absenzen
vorgekommen und der psychische Zustand der Versicherten sei schwankend, was sich
auf die Arbeitsleistung auswirke. Sie nehme regelmässig an therapeutischen Sitzungen
teil und sei gewillt, die Ausbildung abzuschliessen. Es gelinge ihr, die Anforderungen
teilweise zu erfüllen. Der Arbeitgeber bringe ihr viel Geduld und Verständnis entgegen,
halte aber auch fest, dass der Aufwand beträchtlich sei. - Im September 2016 (IV-
act. 82-5) wurde berichtet, der Wechsel der Versicherten in den Arbeitsbereich _
A.b.
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habe eine gewisse Entspannung der Situation ergeben. Beim eingerichteten
therapeutischen Setting habe sich ein übermässiger _konsum bei ihr gezeigt. -
Dr. med. C._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und Kinder- und
Jugendpsychiatrie FMH, gab in einem Bericht vom 26. Oktober 2016 (IV-act. 65) an,
die Versicherte sei angemeldet worden, weil sie immer wieder in ein tiefes Loch falle
und die Arbeit darunter aufgrund von häufigen Fehlzeiten stark leide. Aufgrund des
POS und der damit einhergehenden Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen und
emotionaler Störung in Kombination mit den Folgen des _konsums habe die
Versicherte ihre Arbeit vernachlässigt. Es seien auch eine Affektvermeidung und
mitunter auch Stimmungsschwankungen deutlich geworden, die den Umgang mit ihr
erschwert hätten, ausserdem auch eine starke Selbstwertproblematik und ein starkes
Misstrauen gegenüber anderen Personen. - Der IV-Eingliederungsverantwortliche hielt
am 3. Mai 2017 (IV-act. 67) fest, im Sommer 2017 werde die Versicherte die Ausbildung
beenden. Der Arbeitgeber halte dafür, die Arbeitsfähigkeit sei aus gesundheitlichen
Gründen eingeschränkt und es zeichne sich möglicherweise ein Teilberentungsbedarf
ab. - In einem Verlaufsprotokoll (IV-act. 82) wurde auch festgehalten, die Versicherte
habe damals (am 3. Mai 2017) erklärt, am liebsten würde sie an einem geschützten
Arbeitsplatz arbeiten. [...] habe einen Einstieg in einen geschützten Arbeitsplatz für
sicherlich sehr sinnvoll gehalten (vgl. IV-act. 82-6).
Dr. C._ gab in ihrem IV-Arztbericht vom 22. Mai 2017 (IV-act. 68) an, die
Versicherte befinde sich zurzeit in Ausbildung; eine (sc. wohl: diesbezügliche)
Arbeitsunfähigkeit bestehe nicht. Anamnestisch liege ein POS vor, ausserdem
bestünden ein _missbrauch mit amotivationalem Syndrom (Diagnose gestellt 2016)
und eine Persönlichkeitsakzentuierung. Letztere sei in den letzten Monaten zunehmend
deutlich geworden und habe Einfluss auf alle Lebensbereiche. Es seien verstärkt
Autoritätskonflikte in den Vordergrund getreten. Die Versicherte habe massive
Schwierigkeiten, sich an Vorgaben von Vorgesetzten zu halten, wenn das von ihrer
eigenen Vorstellung abweiche. Dann sei sie starr und unflexibel; eine
Perspektivenübernahme scheine nicht möglich. Zudem seien genaue Vorgaben und
Anleitungen zur Aufgabenerfüllung erforderlich gewesen. Schwierigkeiten gemacht
habe auch das geringe Durchhaltevermögen der Versicherten. Die Leistungsfähigkeit
sei vermindert. Eine weitere engmaschige Unterstützung und Betreuung scheine auch
A.c.
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nach der LAP (Lehrabschlussprüfung) äusserst sinnvoll. Eine Anstellung auf dem
zweiten Arbeitsmarkt scheine realistisch.
Im _ 201_ erwarb die Versicherte das Eidgenössische Berufsattest als
Assistentin Gesundheit und Soziales (IV-act. 77).
A.d.
Am 4. September 2017 (IV-act. 79) hielt die IV-Sachbearbeiterin fest, für den
Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der Invalidenversicherung würden die
gesundheitsbedingten Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar
erscheinen. Unter einer Abstinenz von _ sei eine wesentliche Verbesserung der
Arbeitsleistung beobachtet worden. Es sei für drei Monate eine Abstinenz zu verlangen
und danach sei die Versicherte durch einen IV-Eingliederungsberater bei der
beruflichen Eingliederung zu unterstützen, um die Arbeitsfähigkeit im ersten
Arbeitsmarkt zu überprüfen. Es seien die IV-rechtlichen Voraussetzungen für
Integrationsmassnahmen erfüllt (kleines Taggeld mit Höchstansatz ab Beginn der
Massnahme) und unter der Voraussetzung der Eingliederungsfähigkeit bestehe
grundsätzlich ein Anspruch auf Arbeitsvermittlung.
A.e.
Im "Schlussbericht berufliche Massnahmen" (IV-act. 80) teilte das [...] am
8. September 2017 (Eingang SVA) mit, die Versicherte habe, bezogen auf den ersten
Arbeitsmarkt, eine Leistungsfähigkeit von 50 % - innerhalb eines Pensums von 60 % -
erreicht. Eine Eingliederung in die freie Wirtschaft sei nicht möglich. Für die
Absolvierung der Ausbildung habe es sehr viel Struktur und Halt von aussen für die
Versicherte bedurft. Ihre labile psychische Verfassung habe ihr immer wieder einen
Strich durch die Rechnung gemacht. Sie sei auf eine "hartnäckige" Unterstützung
angewiesen. Als nicht erfüllt wurden die Anforderungen im Bereich Zuverlässigkeit/
Belastbarkeit (Pünktlichkeit, Termineinhaltung/Durchhaltewillen) bezeichnet. - Am
18. September 2017 (IV-act. 81) berichtete der IV-Eingliederungsverantwortliche, von
einer rentenausschliessenden Eingliederung der Versicherten in den ersten
Arbeitsmarkt könne nicht ausgegangen werden. Die Arbeitsleistung sei derzeit im
geschützten Arbeitsbereich verwertbar. - Der RAD erachtete am 12. Oktober 2017 (vgl.
IV-act. 84) eine _-Abstinenz für zumutbar. - In einem Strategie-Protokoll vom
22. November 2017 (IV-act. 86) wurde festgehalten, die Auflagen seien in dieser Form
nicht umsetzbar. Nach Angaben des Lehrbetriebs im Schlussbericht sei eine Eins-zu-
A.f.
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eins-Betreuung nötig, deshalb sei auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Eingliederung nicht
bzw. nur an einem Nischenarbeitsplatz möglich. Mit einer höheren Leistungsfähigkeit
sei auch bei Abstinenz von _ nicht zu rechnen, denn die Versicherte konsumiere es,
um sich zu beruhigen, wie es andere Personen mit Ritalin täten. Es sei eine gute und
engmaschige Begleitung erforderlich. Eine rentenausschliessende Eingliederung sei
kritisch zu beurteilen. Derzeit werde von einer Verwertbarkeit im geschützten
Arbeitsbereich ausgegangen. Weitere berufliche Massnahmen seien zurzeit nicht
möglich. Es sei der Rentenanspruch zu prüfen.
Am 23. November 2017 (IV-act. 88) teilte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle
des Kantons St. Gallen der Versicherten mit, sie habe die erstmalige berufliche
Ausbildung erfolgreich absolviert; weitere berufliche Massnahmen seien nicht
angezeigt. Sie werde später eine separate Verfügung zur Rente erhalten.
A.g.
Mit Schreiben vom 29. November 2017 (IV-act. 92) stellte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der Versicherten die Auflage, sich während
mindestens zwölf Monaten Drogenurinuntersuchungen zu unterziehen, da andernfalls
die erforderliche medizinische Abklärung nicht durchgeführt werden könne. Daraufhin
erklärte die Versicherte gemäss Telefonnotiz vom 10. Januar 2018 (IV-act. 93), die erste
abgegebene Probe sei negativ gewesen. Sie sei ausserdem seit November 2017 (und
bis Sommer 2018) vollzeitlich an einer Praktikumsstelle in einer G._ tätig. - Am
22. Februar 2018 (IV-act. 104) berichtete die Versicherte, das Arbeitsverhältnis sei
wegen Problemen im Team in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst worden.
Daraufhin sei es ihr nicht so gut gegangen und sie habe wieder [...]. Sie schreibe wieder
Bewerbungen. Seit 1. Februar 2018 und noch bis 30. Juni 2018 könne sie wieder im [...]
arbeiten, und zwar als _angestellte. Es handle sich um ein halbes Pensum zu einem
Lohn von etwa Fr. _.--- pro Monat.
A.h.
Am 14./20. März 2018 (IV-act. 107) reichte die Versicherte - wie am 29. November
2017 (IV-act. 90) von der Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle gefordert - eine IV-
Anmeldung für eine berufliche Integration/Rente ein. - Am 16./19. März 2018 (IV-
act. 109 f.) beantragte sie eine Unterstützung bei einer Zweitausbildung als Fachfrau
Betreuung. Nach langer Suche nach einer Lehrstelle habe sie zwar wie berichtet eine
Praktikumsstelle gefunden, doch habe sie dort nach der Probezeit nicht weiterarbeiten
A.i.
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können. Sie habe unter dem vorhandenen vielen Konfliktpotential zwischen den
Mitarbeitenden gelitten und auch keine Geduld und Unterstützung für ihre Lehre
erfahren. Dieser hätte sie aber mehr als andere Lernende bedurft. Sie wolle noch
dazulernen und sich auf dem Arbeitsmarkt gut bewegen können. Mit der AGS-Lehre
und ihrer Schulkarriere klappe das aber nicht; kaum eine Institution habe Interesse. Das
[...], wo sie sich akzeptiert und gut beraten fühle, habe zwar bis anhin keine FaBe
ausgebildet, wolle sie aber in ihrem Prozess unterstützen. - Urinproben vom
27. Dezember 2017 (IV-act. 97), vom 13. und 29. Januar und vom 23. Februar 2018 (IV-
act. 105) sowie vom 16. und 29. März 2018 (IV-act. 114) waren im Übrigen auf _
negativ gewesen.
Am 16. März 2019 (IV-act. 128) erstattete Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie und für Neurologie FMH, das in Auftrag gegebene psychiatrische
Gutachten (Untersuchungen am 14. November 2018 und 13. Dezember 2018). Es
umfasste unter anderem die Ergebnisse einer neuropsychologischen Untersuchung
(vgl. IV-act. 128-37 ff. und 128-60 ff.). Von Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien
(erstens) eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung mit/bei leichten bis
mittelgradigen Einbussen der Aufmerksamkeitsfunktionen und der Impulskontrolle und
(zweitens) Probleme verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung im Sinn
von emotional instabil, selbstunsicher, zwanghaft und schizoid akzentuierten
Persönlichkeitszügen (DD leicht ausgeprägte kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
oben genannten Persönlichkeitsanteilen). Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
seien psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen im Sinn von
psychischen und Verhaltensstörungen durch _, schädlicher Gebrauch, gegenwärtig
abstinent, und ebensolche Störungen durch Tabak, Abhängigkeitssyndrom,
gegenwärtiger Substanzgebrauch. - Die Versicherte habe berichtet, im August 2018 ein
Praktikum als Fachperson Betreuung/Erwachsene Menschen mit Behinderungen
begonnen und am Tag vor der Begutachtung gekündigt zu haben. Sie habe viele
verschiedene Schichten gehabt; es sei einfach zu viel gewesen. Ab und zu habe sie
auch Probleme im Team gehabt. Nun habe sie ein Angebot für eine Festanstellung in
einem H._heim als Assistentin Gesundheit und Soziales mit einem Pensum von 80 %
im Schichtdienst bekommen (vgl. IV-act. 128-23 f. und -31). - Der Gutachter schloss, in
der bisherigen Tätigkeit des Praktikums als Fachperson Betreuung/Erwachsene
A.j.
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Menschen mit Behinderungen könne die Versicherte an fünf Tagen pro Woche acht
Stunden anwesend sein und sei dabei um 50 % in ihrer Leistungsfähigkeit
eingeschränkt. In einer optimal angepassten Tätigkeit - d.h. einer solchen mit klar
strukturierten Aufgaben und reduziertem Zeitdruck sowie ohne Tätigkeiten mit
vorausgesetztem hohem Mass an Dauerkonzentration und Daueraufmerksamkeit - sei
die Versicherte bis zur Anpassung der empfohlenen therapeutischen Massnahmen in
ihrer Leistungsfähigkeit um 30 % eingeschränkt. Durch eine psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung könne diese Arbeitsunfähigkeit überwiegend
wahrscheinlich verbessert werden. Zu einer solchen Behandlung werde dringend
geraten. Aufgrund der mittelgradigen ADHS/ADS [Aufmerksamkeitsdefizitstörung]
werde entweder eine intensivierte psychosoziale Intervention oder eine
Pharmakotherapie nach Psychoedukation empfohlen. Aufgrund der akzentuierten
kombinierten Persönlichkeitszüge bzw. der kombinierten Persönlichkeitsstörung
leichter Ausprägung werde eine ressourcenorientierte psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung empfohlen. - Bei der neuropsychologischen
Abklärung vom 21. Januar 2019 hatte die Versicherte erklärt, zurzeit (seit 1. August
2018) in drei verschiedenen Schichten in einem I._heim zu arbeiten (Pflege,
Betreuung, Waschen), oft an neun Stunden ununterbrochen, in vollem Pensum (vgl. IV-
act. 128-37).
Der RAD hielt am 19. März 2019 (IV-act. 129) dafür, ein psychischer
Gesundheitsschaden sei ausgewiesen. Die Kriterien für eine optimal angepasste
Tätigkeit seien mit den Anforderungen im geschützten Rahmen vergleichbar bzw. mit
einem Nischenarbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt. - In einem Feststellungsblatt
vom 1. Mai 2019 (IV-act. 132) hielt die IV-Sachbearbeiterin fest, der Rechtsdienst
erachte die Voraussetzungen für die Anwendung der Tabellenlöhne bei den
Voraussetzungen eines Nischenarbeitsplatzes als gegeben. Eine Rückfrage im BM-
Bereich habe zudem ergeben, dass die Versicherte mit der Erstausbildung ausreichend
ausgebildet sei und es sich bei einer Ausbildung im Bereich FaBe um eine
Weiterbildung handle. Die Versicherte könnte höchstens noch mit Arbeitsvermittlung
unterstützt werden. - Am 8. April 2019 (IV-act. 130) hatte der IV-
Eingliederungsverantwortliche bekannt gegeben, die Lohnbandbreite für eine Arbeit als
A.k.
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B.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwältin Dr. iur. Monika Brenner für
die Betroffene am 7. November 2019 erhobene Beschwerde. Die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und der
Beschwerdeführerin sei eine Invalidenrente zuzusprechen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Obwohl die Beschwerdegegnerin in einem Feststellungsblatt
(vom 1. Mai 2019) fast vollständig die Ausführungen des Schlussberichts der
Berufsberatung übernommen habe, gehe sie nun davon aus, dass eine Eingliederung
der Beschwerdeführerin in den ersten Arbeitsmarkt möglich sei. Dann aber halte sie
auch wieder fest, dass vorerst auf einen geschützten Rahmen auszuweichen sei, damit
sich die psychische Situation stabilisieren könne. Eine Eingliederung in den ersten
Arbeitsmarkt widerspreche sämtlichen Arztberichten und Untersuchungsergebnissen,
auch denen des RAD. Eine optimal angepasste Tätigkeit, wie sie das Gutachten
umschreibe, sei in der Branche der medizinischen Berufe nicht zu finden. Die meisten
Tätigkeiten erforderten Schichtdienst. Auch die um 50 % eingeschränkte Leistung
vermöge die Beschwerdeführerin, wie die bisherigen Arbeitserfahrungen gezeigt
AGS liege zwischen Fr. 3'600.-- und Fr. 4'100.--- pro Monat (vgl. aber IV-act. 81-1:
Fr. 3'600.-- für FaBe).
Mit Vorbescheid vom 1. Mai 2019 (IV-act. 133) stellte die Sozialversicherungs
anstalt/IV-Stelle der Versicherten eine Abweisung ihres Rentengesuchs vom 1. Februar
2012 in Aussicht. Mit vollem Pensum als Assistentin Gesundheit und Soziales könnte
sie ein Jahreseinkommen von Fr. 50'050.-- verdienen, mit einer optimal angepassten
Tätigkeit im Pensum von 70 % gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes
für Statistik noch Fr. 38'248.--. Der Invaliditätsgrad liege deshalb bei 23 %.
A.l.
Für die Versicherte wandte die bestellte Rechtsvertreterin am 5. Juli 2019 (IV-
act. 142) ein, es sei dieser die ihr zustehende Invalidenrente zuzusprechen.
A.m.
Mit Verfügung vom 4. Oktober 2019 (IV-act. 145) lehnte die Sozialversicherungs
anstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen den Rentenanspruch ab. Das
Invalideneinkommen sei auf Fr. 36'787.-- zu korrigieren, da ein Minderverdienst zu
berücksichtigen sei. Der Invaliditätsgrad betrage daher 27 %. Weitere berufliche
Massnahmen wie die beantragte Weiterbildung im Bereich FaBe würden nicht
übernommen, weil die Versicherte mit der Erstausbildung ausreichend ausgebildet sei.
A.n.
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hätten, nur zu erbringen, wenn sie eine Eins-zu-eins-Betreuung erfahre. Auf den LSE-
Lohn abzustellen, sei vorliegend unzulässig. Für die Berechnung des
Invalideneinkommens von einem Jahreseinkommen von Fr. 54'783.-- auszugehen, sei
absurd, weltfremd und stossend, liege es doch noch deutlich über dem Einkommen in
der angestammten Tätigkeit. Sollte es eine optimal angepasste Tätigkeit überhaupt
geben, so liege das damit erreichbare Einkommen mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit deutlich unter dem möglichen Einkommen in der angestammten
Tätigkeit, nämlich nicht über Fr. 44'600.-- gemäss einer kantonalen Lohntabelle. Der
Lohn sei aber noch tiefer, weil es sich bei der Umschreibung der angepassten Tätigkeit
um eine solche im zweiten Arbeitsmarkt handle. Wegen der (sc. eingeschränkten)
Leistungsfähigkeit und dem Erfordernis der Betreuung seien weitere Abzüge
anzubringen. Die von der RAD-Beurteilung abweichende juristische Einschätzung
(Genügen eines Nischenarbeitsplatzes) sei nicht fundiert. - In ihrer
Beschwerdeergänzung vom 20. April 2020 legt die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin dar, das Einkommen in einem 100 %-Pensum, das die
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin als Invalideneinkommen anrechne
(Fr. 52'552.80), liege um Fr. 2'502.-- höher als das Einkommen, das sie in ihrem
angestammten Beruf erzielen könnte. Seit dem Abschluss ihrer Ausbildung im Juni
2017 habe die Beschwerdeführerin bei sechs Arbeitgebern gearbeitet. Zusätzlich
hätten zwei Arbeitgeber eine Stellenzusage äusserst kurzfristig wieder zurückgezogen
(zuletzt sei ein am 11. März 2020 unterzeichneter Arbeitsvertrag am gleichen Tag
coronabedingt annulliert worden). Daraus werde ersichtlich, dass die
Beschwerdeführerin einen grossen Arbeitswillen habe und immer wieder versuche, auf
dem Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. Den Anforderungen der Arbeitgeber habe sie jedoch
nie gerecht werden können, so dass die Arbeitsverhältnisse jeweils nach kurzer Zeit
wieder hätten aufgelöst werden müssen. Im Feststellungsblatt vom 1. Mai 2019 sei
beschrieben worden, dass die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin sehr
fragil gewesen sei und immer wieder körperliche Beschwerden mit der Folge häufiger
Absenzen ausgelöst habe. Dass die Zuverlässigkeit nicht immer gegeben gewesen sei,
sei für den Arbeitgeber oft schwierig gewesen. Beim Schlussgespräch sei deutlich
geworden, dass eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt gut begleitet werden
müsse. Je restriktiver ein medizinisches Anforderungsprofil umschrieben sei, desto
eingehender sei in der Regel die Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt abzuklären und nachzuweisen. Mit dem blossen Hinweis auf
das Vorhandensein eines Nischenarbeitsplatzes habe die Beschwerdegegnerin dies
nicht getan. Ein durchschnittlicher Arbeitgeber werde niemals eine Eins-zu-eins-
Betreuung bieten können. Die umschriebenen Einschränkungen einer für die
Beschwerdeführerin optimal angepassten Tätigkeit würden ein unrealistisches
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Entgegenkommen eines Arbeitgebers verlangen. Sie vermöge eine angepasste
Tätigkeit nur auf dem zweiten Arbeitsmarkt auszuüben. Sollte das Versicherungsgericht
wider Erwarten von einer Zumutbarkeit einer Tätigkeit an einem Nischenarbeitsplatz auf
dem ersten Arbeitsmarkt ausgehen, sei der Beschwerdeführerin ein Leidensabzug von
25 % zu gewähren. Denn sie habe noch nie in einem anderen Berufsfeld als in sozialen
Tätigkeiten Arbeitserfahrung sammeln können und sei nie längere Zeit für denselben
Arbeitgeber tätig gewesen und mangels Erfüllung der Anforderungen des Öfteren
entlassen worden. Ausserdem seien die Voraussetzungen einer angepassten Tätigkeit
sehr eingrenzend und die Beschwerdeführerin bedürfe der Betreuung. Das
Invalideneinkommen sei auf Fr. 27'590.-- festzulegen, womit sich ein Rentenanspruch
ergebe.
C.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 18. Mai 2020 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdeführerin habe sich im März 2018 zum
Bezug von beruflichen Massnahmen bzw. einer Rente angemeldet. Es könne auf das
Gutachten abgestellt werden. Der RAD habe die rechtliche Frage nach der
Verwertbarkeit der Resterwerbsfähigkeit zu Recht den hierfür zuständigen
Fachpersonen überlassen. Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasse auch sogenannte
Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen Menschen mit
Behinderungen mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers
rechnen könnten. Der massgebliche Arbeitsmarkt biete ein vielfältiges Stellen- und
Arbeitsangebot. Da die Beschwerdeführerin körperlich keine Einschränkungen
aufweise, würden sich durchaus Stellen finden lassen, die ihrem Anforderungsprofil -
klar strukturierte Aufgaben, reduzierter Zeitdruck, keine hohen Anforderungen an
Dauerkonzentration und Daueraufmerksamkeit, keine Leitungsfunktionen, kein
Schichtdienst - entsprechen würden. Bei der Festlegung des Invalideneinkommens
seien nicht nur Tätigkeiten in der Gesundheitsbranche, sondern sämtliche zumutbaren
Tätigkeiten zu berücksichtigen. Zwar sei nachvollziehbar, dass eine optimal angepasste
Tätigkeit nicht einfach zu finden sei, doch habe die Beschwerdeführerin auch schon
mehrere Tätigkeiten gefunden. Dass diese nicht hätten weitergeführt bzw. zuletzt gar
nicht erst hätten angetreten werden können, habe jeweils nicht an den
gesundheitlichen Einschränkungen, sondern an wirtschaftlichen Gegebenheiten
gelegen. Die zuvor ausgeübten Stellen hätten wegen des Schichtbetriebs dem
Anforderungsprofil widersprochen und seien deshalb ausser Acht zu lassen. Ein Abzug
vom zu verwendenden Tabellenlohn rechtfertige sich nicht. Das Invalideneinkommen
entspreche 70 % des Tabellenlohns, somit Fr. 36'787.--.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/30
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D.
Mit Replik vom 17. August 2020 bringt die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin
vor, diese sei seit eineinhalb Jahren von _ abstinent, was jedoch nicht zu einer
Besserung der Situation geführt habe. Personen mit einer ADHS würden zudem, wie
zahlreiche Untersuchungen (vgl. Internetseite Universitäre Psychiatrische Dienste Bern)
zeigten, häufiger an Störungen durch Substanzkonsum leiden. Mittlerweile könne
gegen ADHS sogar medizinisches _ rezeptiert werden. Die Beschwerdeführerin habe
den Anforderungen in der Attest-Ausbildung nur beschränkt nachkommen können. Sie
habe im zweiten Lehrjahr in [...] gewechselt, weil dort der Alltagsablauf übersichtlicher
und die Arbeit emotional weniger belastend gewesen sei als in der Tätigkeit als [...] wie
im ersten Lehrjahr. Nach Auskunft des [...] habe die Beschwerdeführerin später gut zu
50 % als _gehilfin arbeiten können; bei einem höheren Pensum wäre sie jedoch
überfordert gewesen. Sobald sie das sei, gebe sie nach deren Beurteilung auf und
reagiere mit Depressionen. [...] habe als bisher einzige Person vertieft in die
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin Einblick nehmen können. In dem zum
Zeitpunkt der Begutachtung ausgeübten Praktikum als Fachperson Betreuung/
Erwachsene Menschen mit Behinderung habe die Beschwerdeführerin aufgrund der
Schichtarbeit und der emotionalen Überforderungen an grossen
Stimmungsschwankungen gelitten. Obwohl Anforderungen an eine Praktikantin tiefer
seien als solche an eine andere Arbeitnehmerin und obwohl das Erfordernis von
Begleitung und Beaufsichtigung klar sei, habe der Vertrag der Beschwerdeführerin
nach sechs Monaten, Ende Januar 2019, aufgehoben werden müssen, da sehr viele
Krankheitstage verzeichnet worden seien und die Beschwerdeführerin in mehrfacher
Hinsicht (Team, emotional, Schichtarbeit) überfordert gewesen sei. Eine Anstellung von
März bis Juni 2019 in einem H._heim sei ihr während der Probezeit gekündigt
worden, weil angenommen worden sei, die Beschwerdeführerin komme mit der
mentalen Belastung in der Langzeitpflege nicht zurecht. Im Juni 2019 habe die
Beschwerdeführerin in einer Unternehmung der Produktion noch drei Tage Probearbeit
leisten und einen Kurs besuchen können und später habe sie noch kurze Anstellungen
in zwei E. _ [Branche]-Betrieben gehabt (im ersten keine Festanstellung, dann auch
noch Betriebsschliessung; im zweiten nach zwei Wochen ersetzt durch ausgebildete
Service-Mitarbeiterin, vgl. Beschwerdeschrift). Am Engagement der
Beschwerdeführerin und am Arbeitswillen habe es somit sicherlich nicht gemangelt. Sie
habe sich - erfolglos - um diverse Stellen beworben, u.a. als Produktionsmitarbeiterin,
Verkäuferin, Kassierin, Kantinenmitarbeiterin, Pflegehelferin, Reinigungsmitarbeiterin,
Gästebetreuerin, Servicemitarbeiterin und Seniorenbetreuerin. Die Stellen habe sie
hauptsächlich aufgrund der gesundheitlichen Problematik und nicht etwa aus
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wirtschaftlichen Gründen verloren. Die Beschwerdegegnerin lasse ausser Acht, dass
selbst bei Tätigkeiten des Kompetenzniveaus 1 oft Dauerkonzentration gefordert sei, so
etwa bei Tätigkeiten als Fabrikationsmitarbeiterin. In der heutigen Wirtschaft gebe es
auch immer weniger Stellen, die dem Anforderungsprofil der Beschwerdeführerin
entsprächen. Denn diese seien infolge der fortlaufenden Digitalisierung weggefallen.
Arbeitsstellen, die praktisch keine Anforderungen stellten, seien weitestgehend
verschwunden. Im ersten Arbeitsmarkt würden Arbeitnehmer für die Generierung eines
Werts, für ihre Dienstleistungen, Qualifikationen und Kompetenzen bezahlt und sie
würden nicht bei jedem Handgriff angeleitet und überwacht. Letzteres aber benötige
die Beschwerdeführerin, um eine Mindestleistung zu erfüllen. Obwohl sie gearbeitet
habe, habe die Beschwerdeführerin zudem nicht annähernd das ihr angerechnete
Invalideneinkommen erzielen können. Es werde nicht bestritten, dass die
Beschwerdeführerin einer Arbeitstätigkeit nachgehen könne, doch sei das nicht auf
dem ersten Arbeitsmarkt der Fall. Aufgrund von Überforderung am Arbeitsplatz habe
die Beschwerdeführerin jeweils körperliche Symptome entwickelt und bereits in der
Ausbildung krankheitshalber oft gefehlt, weshalb der geltend gemachte Leidensabzug
gerechtfertigt sei. Die Beschwerdeführerin habe im Übrigen seit ihrem dritten
Lebensjahr diverse Psychotherapien besucht. Dann sei gemeinsam mit der
behandelnden Psychologin entschieden worden, die Therapien bis auf weiteres
auszusetzen. Diese hätten auch nicht zu einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit
verholfen.
E.
Die Beschwerdegegnerin hat am 27. August 2020 an ihrem Antrag festgehalten.

Erwägungen
1.
Im Streit liegt die Verfügung vom 4. Oktober 2019, mit welcher die
Beschwerdegegnerin das Leistungsgesuch der Beschwerdeführerin vom 1. Februar
2012 (gemäss IV-act. 145-1) beurteilt und einen Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin bei einem Invaliditätsgrad von 27 % abgewiesen hat (daneben hat
sie ein Gesuch um berufliche Massnahmen abgewiesen, vgl. nachfolgend). Für den
allfälligen Rentenanspruch ist denn auch nicht die Anmeldung vom 14./20. März 2018
massgeblich, hatte die Beschwerdegegnerin das entsprechende Abklärungsverfahren
doch (insofern zu Recht) von Amtes wegen unmittelbar an ihre Mitteilung vom
23. November 2017 angeschlossen. - Mit dieser Mitteilung hatte die
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Beschwerdegegnerin damals angeordnet, dass keine weiteren beruflichen
Massnahmen mehr angezeigt seien, weil die Beschwerdeführerin die erstmalige
berufliche Ausbildung erfolgreich absolviert habe. Das spätere Gesuch der
Beschwerdeführerin vom 16./19. März 2018 um eine Unterstützung bei einer
Zweitausbildung als Fachfrau Betreuung hat die Beschwerdegegnerin mit der
angefochtenen Verfügung abgelehnt. Sie hat den Anspruch als nicht gegeben
bezeichnet, weil die Beschwerdeführerin bereits ausreichend ausgebildet sei und es
sich um eine Weiterbildung handeln würde (vgl. auch IV-act. 132). Die
Beschwerdeführerin hat diesen Anfechtungsgegenstand der beruflichen Massnahmen
mit der Beschwerde allerdings nicht zum Streitgegenstand gemacht. -
Streitgegenstand bildet demnach zunächst der von der Beschwerdegegnerin
abgelehnte Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. - Ergäbe sich allerdings, dass
ohne Eingliederungsmassnahmen ein Rentenanspruch in Frage stünde, so gehörte zum
Streitgegenstand notwendigerweise auch die Frage, ob die Beschwerdegegnerin den
Grundsatz "Eingliederung vor Rente" beachtet und eine allfällige Pflicht der
Beschwerdeführerin zu Massnahmen korrekt in Anspruch genommen habe (vgl. auch
Entscheide des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 30. September
2019, IV 2018/147 E. 1.3, vom 3. Juli 2020, IV 2018/143 E. 2.1, vom 17. März 2014, IV
2012/71 E. 1, und vom 21. September 2004, IV 2003/100 E. 2). Dass in der
Beschwerde ein Anspruch auf berufliche Massnahmen nicht gestellt wurde, vermag an
Letzterem nichts zu ändern.
2.
Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG versicherte Personen, die
ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder
herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne
wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6
ATSG) gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid
(Art. 8 ATSG) sind (lit. c).
2.1.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG,
vgl. schon BGE 102 V 165). - Nach der jüngeren bundesgerichtlichen Rechtsprechung
(BGE 143 V 418 E. 7.1 f.; vom 30. November 2017) sind grundsätzlich (bei Ausnahmen
2.1.1.
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nach dem jeweiligen Beweisbedarf) sämtliche psychischen Erkrankungen einem
strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 (vom 3. Juni 2015) zu unterziehen.
Die funktionellen Folgen der Gesundheitsschädigung sind danach qualitativ zu erfassen
und quantitativ einzuschätzen. Für die Beurteilung des funktionellen
Leistungsvermögens sind in der Regel diverse Standardindikatoren beachtlich, die in
zwei Kategorien systematisiert werden, nämlich einerseits in der Kategorie des
funktionellen Schweregrads und anderseits in jener der Konsistenz.
Nach Art. 28 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.1.2.
Nach Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf
von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29
Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres
folgt. - Der Anspruch entsteht nicht, solange die versicherte Person ein Taggeld nach
Art. 22 beanspruchen kann (Art. 29 Abs. 2 IVG).
2.1.3.
Nach Art. 8 Abs. 1 IVG haben Invalide oder von einer Invalidität bedrohte
versicherte Personen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese
notwendig und geeignet sind, (u.a.) die Erwerbsfähigkeit wieder herzustellen, zu
erhalten oder zu verbessern (lit. a), und soweit die Voraussetzungen für den Anspruch
auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b). Die Eingliederungsmassnahmen
bestehen unter anderem in Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die
berufliche Eingliederung (Art. 8 Abs. 3 lit. a IVG) und in Massnahmen beruflicher Art
(Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung,
Kapitalhilfe; Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG).
2.2.
bis
Versicherte Personen, die seit mindestens sechs Monaten zu mindestens 50 %
arbeitsunfähig sind, haben Anspruch auf Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf
die berufliche Eingliederung, sofern dadurch die Voraussetzungen für die
Durchführungen von Massnahmen beruflicher Art geschaffen werden können (vgl. Art.
14a Abs. 1 IVG).
2.2.1.
Versicherte, die infolge Invalidität in der Berufswahl oder in der Ausübung ihrer
bisherigen Tätigkeit behindert sind, haben Anspruch auf Berufsberatung (Art. 15 IVG). -
Versicherte Personen, die noch nicht erwerbstätig waren und denen infolge Invalidität
2.2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 16/30
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3.
bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung in wesentlichem Umfang zusätzliche Kosten
entstehen, haben Anspruch auf Ersatz dieser Kosten, sofern die Ausbildung den
Fähigkeiten der versicherten Personen entspricht (Art. 16 Abs. 1 IVG). Der erstmaligen
beruflichen Ausbildung gleichgestellt ist laut Art. 16 Abs. 2 IVG unter anderem die
berufliche Neuausbildung invalider Versicherter, die nach dem Eintritt der Invalidität
eine ungeeignete und auf die Dauer unzumutbare Erwerbstätigkeit aufgenommen
haben (lit. b). Unter diesen Tatbestand der beruflichen Neuausbildung fallen -
vorbehältlich der Regelung gemäss Art. 6 Abs. 2 IVV und Art. 17 IVG - auch
Sachverhalte, wo eine erstmalige berufliche Ausbildung nach Eintritt des
Versicherungsfalles zwar noch abgeschlossen wird, eine Betätigung auf diesem Beruf
jedoch invaliditätsbedingt als ungeeignet und auf die Dauer nicht zumutbar erscheint
(vgl. Entscheide des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 1. Februar 2000,
I 618/99, und vom 18. April 2000, I 556/98). Der erstmaligen beruflichen Ausbildung
gleichgestellt ist ausserdem nach Art. 16 Abs. 2 lit. c IVG die berufliche
Weiterausbildung im bisherigen oder in einem anderen Berufsfeld, sofern sie geeignet
und angemessen ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder
verbessert werden kann. - Arbeitsunfähige versicherte Personen, welche
eingliederungsfähig sind, haben nach Art. 18 Abs. 1 IVG Anspruch auf aktive
Unterstützung bei der Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes (lit. a) und begleitende
Beratung im Hinblick auf die Aufrechterhaltung ihres Arbeitsplatzes (lit. b). - Gemäss
Art. 18a Abs. 1 IVG kann die IV einer versicherten Person versuchsweise einen
Arbeitsplatz für längstens 180 Tage zuweisen (Arbeitsversuch), um die tatsächliche
Leistungsfähigkeit der versicherten Person im Arbeitsmarkt abzuklären.
Was die gesundheitliche Sachlage betrifft, liegt ein psychiatrisches Gutachten vom
16. März 2019 vor.
3.1.
Beim psychopathologischen Befund (in Anlehnung an die AMDP-Richtlinien)
wurde darin festgehalten, die Beschwerdeführerin sei bei der Begutachtung kooperativ
gewesen und habe sich offen auf die Exploration eingelassen. Die Kontaktaufnahme sei
insgesamt unkompliziert gewesen; es sei problemlos ein guter affektiver Rapport
zustande gekommen (vgl. IV-act. 128-33 f.). Die Konzentrationsspanne und die
Aufmerksamkeit seien während der ganzen Untersuchungszeit aufrechterhalten
worden und Hinweise auf relevante kognitive Schwierigkeiten hätten sich nicht ergeben
(vgl. IV-act. 128-33 f.). Bei den einzelnen Aspekten wurde festgehalten, es bestünden
Platzangst (insbesondere in kleinen Räumen) und Höhenangst, ohne
3.1.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 17/30
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Vermeidungsverhalten, ausserdem generalisierte Ängste, betreffend vorwiegend
Krankheiten, ausserdem Zukunftsängste (vgl. IV-act. 128-35). Aufgefallen sei
phasenweise eine emotionale Labilität (vgl. IV-act. 128-33); klinisch hätten sich
Hinweise auf eine emotional instabile Persönlichkeitsakzentuierung mit
selbstunsicheren, zwanghaften und schizoiden Anteilen ergeben (vgl. IV-act. 128-35).
Der Gutachter erklärte weiter, es habe ausserdem eine Zusatzuntersuchung anhand
der Parameter der funktionellen Leistungsfähigkeit in Anlehnung an das Mini-ICF-APP
stattgefunden. Dabei habe er bei der Beschwerdeführerin leicht- bis mittelgradige
Störungen der Aktivität und Partizipation erhoben, insbesondere im Bereich der Items
Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen, Flexibilität und Umstellungsfähigkeit,
Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben, Fähigkeit zur Anwendung
fachlicher Kompetenzen, Durchhaltefähigkeit, Selbstbehauptungsfähigkeit und
Gruppenfähigkeit (vgl. IV-act. 128-37).
Zum Aspekt der Objektivierung wurde im Gutachten festgehalten, im Rahmen
der Exploration und Untersuchung hätten die bei der Anamnese angegebenen
Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen analog dem semiobjektiven Befund
nach AMDP nicht objektiviert werden können. Da das Ausmass der allfälligen
kognitiven Funktionsstörungen für die Begutachtung hinreichend reliabel und valid
quantifiziert sein müsse, sei zur Beurteilung des Defizitprofils und der Quantifizierung
der Defizite ein neuropsychologisches Zusatzgutachten veranlasst worden. Dabei seien
leichte bis mittelgradige Einbussen der Aufmerksamkeitsfunktionen und der
Impulskontrolle gefunden worden. Ausserdem sei der Verdacht auf eine ADHS und auf
eine emotional instabile Persönlichkeitsakzentuierung geäussert worden (vgl. IV-
act. 128-45 f.). - Aus dem betreffenden Bericht über die neuropsychologische
Untersuchung gab der Gutachter wieder, es hätten sich leichte bis mittelgradige
kognitive Einschränkungen bezüglich der Aufmerksamkeit und der Impulskontrolle
gezeigt, das verbale Gedächtnis sei unterdurchschnittlich gewesen, hauptsächlich
wegen unkonzentrierten Zuhörens. Die Aufmerksamkeitsfunktionen seien
unterschiedlich gut gewesen. Bei der direkten Reaktionszeit auf Reize seien die
Ergebnisse leicht unter und im Durchschnitt gewesen. Ein langer Aufmerksamkeitstest
(T.O.V.A., Test of Variables of Attention, vgl. IV-act. 67) habe aber auf eine eklatante
(massive, vgl. IV-act. 128-72) Störung der Aufmerksamkeit und der Impulskontrolle
hingewiesen. Der Fragebogen ADHS-E (Pearson, vgl. IV-act. 67) habe in der aktuellen
Untersuchung ebenfalls deutliche Hinweise auf eine ADHS ergeben. Die kognitive
Flexibilität und Umstellfähigkeit seien unauffällig gewesen; lediglich die Wortflüssigkeit
habe unter dem Durchschnitt gelegen. Der Persönlichkeitstest (SKID II, Strukturiertes
3.1.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 18/30
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Klinisches Interview für DMS IV, Hogrefe, vgl. IV-act. 128-67) habe Hinweise auf eine
emotional instabile Persönlichkeitsakzentuierung ergeben (vgl. IV-act. 128-38 f.). - Bei
der neuropsychologischen Untersuchung selbst war u.a. festgehalten worden, während
der sehr strukturierten Testsituation sei die Handlungs- und Impulskontrolle der
Beschwerdeführerin unauffällig gewesen (vgl. IV-act. 128-70). Sie sei insgesamt
motorisch unruhig gewesen (vgl. IV-act. 128-66). Sie habe motiviert mitgearbeitet (vgl.
IV-act. 128-66) und den Symptomvalidierungstest mit unauffälligen Werten absolviert.
Ein aggravierendes Verhalten habe nicht beobachtet werden können (vgl. IV-
act. 128-68). Die gutachterliche (neuropsychologische) Konsistenzprüfung habe keine
Hinweise für eine Symptomverdeutlichung oder Aggravation ergeben (vgl. IV-
act. 128-73).
Der Gutachter begründete die Diagnosen und hielt dabei u.a. fest, überwiegend
wahrscheinlich träfen die diagnostischen Kriterien für die Aktivitäts- und
Aufmerksamkeitsstörung auf die Beschwerdeführerin zu (IV-act. 128-47). Es lägen auch
die akzentuierten Persönlichkeitszüge vor, und zwar vor allem angesichts der
bisherigen Probleme bei der beruflichen Integration (IV-act. 128-49). Die Übergänge
zwischen Akzentuierung (ohne Einschränkung der Arbeitsfähigkeit) und Störung (je
nach Symptomatik Arbeitsunfähigkeit möglich) seien fliessend. Bei der
Beschwerdeführerin lägen keine pathologischen Reaktions- und Verhaltensmuster vor,
die sozial unverträglich wären (vgl. IV-act. 128-49). Der Konsum psychotroper
Substanzen sei vor allem Ausdruck der emotional instabilen Anteile der
Persönlichkeitsakzentuierung bzw. der kombinierten Persönlichkeitsstörung, also
sekundär. Ihre Fähigkeit zur kontrollierten Modifikation weise auf angemessene
innerseelische Ressourcen hin (IV-act. 128-49). - Bei der Beurteilung eines unter den
Aspekten der Standardindikatoren massgeblichen Vergleichs der Einschränkungen in
den Alltagsaktivitäten hielt der Gutachter fest, es liege weder eine affektive noch
andere psychiatrische Störung vor, die sich etwa aufgrund eines verminderten Antriebs
in einem reduzierten Alltagsniveau widerspiegeln würde (vgl. IV-act. 128-52; das
Tagesprofil weise nicht auf ein reduziertes Alltagsaktivitätsniveau hin, vgl. IV-
act. 128-45). Im Weiteren stellte er aber fest, bei kritischer Würdigung von Aktenlage,
Eigenanamnese, Beobachtung, Untersuchungsbefunden,
Beschwerdevalidierungstests, Selbsteinschätzungsskalen und Drogen-Screening habe
sich ein in sich schlüssiges, konsistentes Bild ergeben. Die gutachterliche
Konsistenzprüfung habe keine Hinweise auf nicht im geklagten Umfang vorhandene
Funktionsbeeinträchtigungen ergeben, ebenso wenig Diskrepanzen und
Inkonsistenzen. Ein Leidensdruck liege aus fachärztlicher Sicht vor (vgl. IV-act. 128-52).
3.1.3.
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4.
Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen versicherten Personen ist
gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG Art. 16 ATSG anwendbar. Danach wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
Die Arbeitsunfähigkeitsbeurteilung wurde mit den - gemäss den Parametern der
funktionellen Leistungsfähigkeit vorgefundenen - leicht- bis mittelgradigen Störungen
der Aktivität und Partizipation, insbesondere bei den Fähigkeiten zur Anpassung an
Regeln und Routinen, der Fähigkeit der Flexibilität und der Umstellungsfähigkeit, der
Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben, der Fähigkeit zur Anwendung
fachlicher Kompetenzen, der Durchhaltefähigkeit, der Selbstbehauptungsfähigkeit und
der Gruppenfähigkeit (vgl. IV-act. 128-49 f.) begründet.
3.1.4.
Was den medizinischen Sachverhalt angeht, kann angesichts der Basis in
umfassenden Abklärungen und ausreichend (trotz gutachterlichen Hinweises auf ein
kaum explorierbares reduziertes Alltagsaktivitätsniveau, vgl. IV-act. 128-45)
nachvollziehbarer Begründung auf das Gutachten abgestellt werden (was im Übrigen
unbestritten ist). Es fallen demnach die einfache Aktivitäts- und
Aufmerksamkeitsstörung (bei früher diesbezüglich anerkanntem Geburtsgebrechen
Ziff. 404 GgV Anhang) und die akzentuierten Persönlichkeitszüge der
Beschwerdeführerin - beide von Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit - zusammen (vgl. IV-
act. 128-40). Eine fachärztlich-psychiatrische Diagnose und eine bedeutende
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit sind (zumindest bis zur künftigen Anpassung der
empfohlenen therapeutischen Massnahmen, IV-act. 128-54; bzw. zutreffender Weise
bis zur durch solche Massnahmen erreichten Erhöhung der Arbeitsfähigkeit; vgl. hierzu
auch Bundesgerichtsurteil vom 2. September 2014, 9C_395/2014 E. 4.5) demnach
ausgewiesen. Im Gutachten kann auch die Bestätigung gefunden werden, dass bei der
Beschwerdeführerin (mit der diagnostizierten einfachen Aktivitäts- und
Aufmerksamkeitsstörung) eine chronische Erkrankung über das Adoleszentenalter
hinaus fortbesteht, die schon im Kindesalter erkennbar geworden ist (vgl. IV-
act. 128-46 f.). Die Arbeitsunfähigkeitsschätzungen lassen sich zumindest auf die Zeit
seit Abschluss der erstmaligen Ausbildung zurückbeziehen, da keine Veränderung
beschrieben wurde.
3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 20/30
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5.
Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist rechtsprechungsgemäss
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen
Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als
Gesunde tatsächlich verdienen würde (vgl. BGE 129 V 222; vgl. etwa auch
Bundesgerichtsentscheid 9C_422/2015 vom 7. Dezember 2015).
5.1.
Für versicherte Personen, die wegen der Invalidität keine zureichenden
beruflichen Kenntnisse erwerben können, sieht Art. 26 Abs. 1 IVV vor, dass das
Erwerbseinkommen, das sie als Nichtinvalide erzielen könnten, den nach Alter
abgestuften Prozentsätzen des jährlich aktualisierten Medianwertes gemäss der
Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik gemäss einer Tabelle (vgl. Art. 26
Abs. 1 IVV) entspricht. - In den Anwendungsbereich von Art. 26 Abs. 1 IVV fallen
rechtsprechungsgemäss all jene Personen, die wegen ihrer Invalidität überhaupt keine
Berufsausbildung absolvieren können, und jene, die zwar eine Berufsausbildung
abschliessen konnten, zu deren Beginn jedoch bereits invalid waren und die absolvierte
Ausbildung wegen ihrer Invalidität auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht in
gleicher Weise einsetzen können wie nichtbehinderte Personen. Steht dagegen fest,
dass nicht invaliditätsbedingte Gründe, sondern z.B. solche familiärer oder
wirtschaftlicher Art den Erwerb genügender beruflicher Kenntnisse verunmöglichten,
liegt keine Geburts- oder Frühinvalidität vor (vgl. Bundesgerichtsentscheid vom
11. April 2019, 9C_233/2018 E. 1.2).
5.1.1.
Die Anwendung von Art. 26 IVV setzt zunächst voraus, dass nicht ausreichende
Anhaltspunkte für die Annahme vorliegen, eine versicherte Person hätte ohne
gesundheitliche Beeinträchtigung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit einen ganz
bestimmten Beruf erlernt, so dass als Valideneinkommen gemäss Art. 16 ATSG das
betreffende Einkommen zu betrachten wäre, das dort erzielt wird (vgl. Meyer/
Reichmuth, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. A. 2014, Art. 28a N 153,
vgl. Bundesgerichtsurteil vom 9. August 2012, 9C_555/2011 E. 3.1.2).
5.1.2.
Selbst wenn eine bestimmte berufliche Laufbahn - beispielsweise in Form einer
Anlehre oder etwa einer zweijährigen Ausbildung mit Berufsattest (vgl. Bundesgerichts
urteile vom 19. Februar 2015, 9C_611/2014 E. 3.2 und E. 4.3, und vom 3. März 2020,
8C_725/2019 E. 7, Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [nunmehr
des Bundesgerichts] vom 16. August 2006, I 717/05 E. 3.2.3, vgl. ZAK 1974 S. 548) -
als im Gesundheitsfall überwiegend wahrscheinlich ausgewiesen anzunehmen ist, so
ist das entsprechende Einkommen dann nicht als Valideneinkommen einzusetzen
5.1.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 21/30
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(sondern das Einkommen nach Art. 26 IVV), wenn die betreffende (etwa auf einem
besonderen, der Invalidität angepassten Bildungsweg erreichte) Ausbildung der
versicherten Person nicht ungefähr die gleichen Kenntnisse vermittelt wie eine
eigentliche Lehre oder ordentliche Ausbildung und wenn sie der versicherten Person -
vor allem - in Bezug auf den späteren Verdienst nicht praktisch die gleichen
Möglichkeiten eröffnet (vgl. dazu Bundesgerichtsurteil vom 19. Februar 2015,
9C_611/2014 E. 4.3; vgl. Entscheide des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 31. März 2014, IV 2012/327, und vom 10. Mai 2012, IV 2010/174; vgl. Rz 3037 des
vom Bundesamt für Sozialversicherungen erlassenen Kreisschreibens über Invalidität
und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung, KSIH, vgl. auch Rz 3035 KSIH). Für die
Frage, ob eine versicherte Person über zureichende berufliche Kenntnisse verfügt,
kommt es nicht auf den Berufsabschluss als solchen, sondern auf die damit erzielbaren
Erwerbseinkünfte an (vgl. ZAK 1974 S. 548).
Vorliegend ist diesbezüglich darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin
nach der Aktenlage die obligatorische Schulzeit in einer Kleinklasse abschloss und
danach ein kantonales Brückenangebot wahrnahm. Sie absolvierte Praktika in
verschiedenen Bereichen. Schliesslich (nach einem Lehrabbruch) gelang ihr (immerhin,
aber lediglich) ein niederschwelliger Einstieg in eine Ausbildung im (_-) Heim.
Aufgrund des entsprechenden Berichts kann angenommen werden, dass sie motiviert
und mit Anleitung sehr gut mitarbeitete. Am (bisher aktenkundigen) Ende der
beruflichen Massnahmen hat sie mit Hilfe der Invalidenversicherung (bei
entsprechenden invaliditätsbedingten Voraussetzungen) eine erstmalige berufliche
Ausbildung (vor Eintritt des Versicherungsfalls für die beruflichen Massnahmen hat sie
kein ökonomisch relevantes Einkommen im Sinn der oben erwähnten Rechtsprechung
erzielt) als Assistentin Gesundheit und Soziales (AGS) absolvieren können. Diese
Ausbildung hat sie im Juni 2017 auch mit dem Berufsattest (EBA) erfolgreich
abgeschlossen (vgl. IV-act. 77). Die Beschwerdegegnerin hat ihr als Valideneinkommen
ein mit dieser Ausbildung übliches durchschnittliches Einkommen von Fr. 50'050.--
angerechnet. Dieses liegt unter dem Durchschnitt des Einkommens für Tätigkeiten des
Kompetenzniveaus 1, also für Hilfstätigkeiten (vgl. E. 6.6).
5.2.
Angesichts des erwähnten Auftretens der gesundheitlichen Beeinträchtigung
bereits im Kindesalter lässt sich jedoch eine überwiegend wahrscheinliche bestimmte
Validenkarriere der Beschwerdeführerin nicht festlegen. Die Auswahl der Ausbildung
als AGS ist als Ausdruck bereits einer Invaliden-, nicht der Validenlaufbahn der
Beschwerdeführerin zu betrachten. Schon bei der Erreichung des entsprechenden
Ausbildungsziels hat sie im Übrigen nach der Aktenlage stark unterstützt werden
5.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 22/30
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6.
müssen. Dass sie auch ohne Invalidität diese Ausbildung gewählt hätte, dafür liegen
keine genügenden konkreten Anhaltspunkte vor. Das lässt sich nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit annehmen. Daher taugt das dort erzielbare
Einkommen von Fr. 50'050.-- nicht als Valideneinkommen der Beschwerdeführerin. Ihr
Valideneinkommen ist vielmehr abstrakt - gemäss Art. 26 IVV für Frühinvalide - zu
bestimmen.
Im Übrigen könnte nicht angenommen werden, das erworbene eidgenössische
Berufsattest hätte der Beschwerdeführerin praktisch die gleichen
Verdienstmöglichkeiten wie Nichtbehinderten eröffnet. Der IV-
Eingliederungsverantwortliche hat am 18. September 2017 (IV-act. 81) dafürgehalten,
eine (rentenausschliessende) Eingliederung der Beschwerdeführerin in den ersten
Arbeitsmarkt könne nicht angenommen werden. Es besteht zudem eine eingeschränkte
Arbeitsfähigkeit (vgl. auch die Anwendung von Art. 26 IVV bei reduzierter
Restarbeitsfähigkeit im Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 10. Mai 2012, IV 2010/174 E. 3.1.2).
5.4.
Das Valideneinkommen der Beschwerdeführerin ist demnach auf der Grundlage
von Art. 26 Abs. 1 IVV zu ermitteln. Für das Jahr 2018 beträgt das betreffende
Einkommen bei 100 % Fr. 82'000.--; anzurechnen sind für dieses Jahr, als die
Beschwerdeführerin noch nicht 21 Jahre alt war (wie auch für alle früheren Jahre vor
der Vollendung von 21 Altersjahren) 70 % (vgl. Textausgabe Invalidenversicherung,
Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, Gesetze und Verordnungen, 2019,
herausgegeben von der Informationsstelle AHV/IV, S. 139), somit Fr. 57'400.-- (2018).
Für das Jahr 2019 beträgt das Einkommen bei 100 % Fr. 83'000.--. Ab Januar 2019,
nachdem die Beschwerdeführerin im Dezember 2018 21 Altersjahre vollendet hatte,
und als sie noch vor der Vollendung von 25 Altersjahren stand, beträgt das für sie
zutreffende Jahreseinkommen nicht mehr 70 %, sondern 80 % vom betreffenden
Meridianwert, somit Fr. 66'400.--.
5.5.
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung primär
von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person
konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der -
kumulativ - besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist,
dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und
erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als
Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein
6.1.
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solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, können die Tabellenlöhne
herangezogen werden (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 22. November 2019,
8C_590/2019 E. 5.1, und vom 22. Februar 2019, 9C_479/2018 E. 2.2, BGE 143 V 295
E. 2.2).
Bei der Begutachtung wurde für eine (damals ausgeübte) Tätigkeit der
Beschwerdeführerin in einem Praktikum als Fachperson Betreuung/Erwachsene
Menschen mit Behinderungen bei einer Präsenzzeit von 40 Stunden pro Woche eine
Leistung von 50 % als der Beschwerdeführerin medizinisch zumutbar bezeichnet. Jene
tatsächliche Beschäftigung war nach der Aktenlage lediglich vorübergehend und führte
nicht zu einer dauerhaften Anstellung. Für die betreffende Berufstätigkeit selbst (FaBe)
verfügt die Beschwerdeführerin auch nicht über eine entsprechende Ausbildung. Ihr
kommt vorliegend für die Bemessung eines zumutbaren Invalideneinkommens keine
Relevanz zu.
6.2.
Die Beschwerdegegnerin stützt die angefochtene Verfügung aber darauf ab, dass
die Beschwerdeführerin gemäss dem Gutachten in einer angepassten Tätigkeit auf
dem ersten Arbeitsmarkt zu 70 % arbeitsfähig sei und rechnet ihr im
Einkommensvergleich ein Invalideneinkommen für eine (Hilfs-) Tätigkeit irgendwelcher
Art (ohne Einsatz einer Ausbildung) auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nach den
Tabellenlöhnen der Lohnstrukturerhebung zu.
6.3.
Letzteres setzt indessen voraus, dass die (eingeschränkte) Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin invalidenversicherungsrechtlich betrachtet verwertbar ist. Bei der
Invaliditätsbemessung wird wie in Art. 16 ATSG angeordnet eine ausgeglichene
Arbeitsmarktlage angenommen. Es kommt demnach nicht darauf an, ob eine invalide
Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen tatsächlich an eine Stelle
vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob und in welchem Rahmen sie die ihr
verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren
Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprächen (vgl. Bundesgerichtsurteil
vom 4. Mai 2018, 9C_294/2017 E. 5.4.2., AHI 1998 S. 287 E. 3b). Der massgebliche
theoretische und abstrakte ausgeglichene Markt (vgl. BGE 134 V 64, BGE 129 V 480 E.
4.2.2) hat nämlich rein hypothetischen Charakter und dient ausserdem dazu, die
Risiken von Arbeitslosigkeit und Invalidität voneinander abzugrenzen (vgl. Entscheid
des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [seit 1. Januar 2007: Schweizerisches
Bundesgericht] vom 10. Juli 2006, I 186/05 E. 2.3, Bundesgerichtsurteil vom
23. September 2014, 9C_192/2014 E. 3.1; BGE 110 V 276 E. 4b, vgl. auch BGE 134 V
64, BGE 129 V 480 E. 4.2.2). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts umfasst er
selbst sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei
6.4.
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welchen gesundheitlich Beeinträchtigte mit einem sozialen Entgegenkommen von
Seiten des Arbeitgebers rechnen können (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 18. Dezember
2019, 9C_693/2019 E. 5.1.3, und vom 28. November 2014, 9C_485/2014).
Realitätsfremde Einsatzmöglichkeiten dürfen bei der Invaliditätsbemessung aber nicht
berücksichtigt werden. Von einer zumutbaren Tätigkeit im Sinn von Art. 16 ATSG kann
insbesondere dort nicht gesprochen werden, wo sie nur in so eingeschränkter Form
möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt, oder dass sie
nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers
möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle deshalb von vornherein als
ausgeschlossen erscheint (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 8. Oktober 2015,
8C_582/2015, und vom 25. September 2018, 8C_290/2018 E. 5.4, ZAK 1991 S. 318
E. 3b).
Nach Erlangen des Berufsattests durch die Beschwerdeführerin im Juni 2017 hielt
der IV-Eingliederungsverantwortliche im September 2017 (vgl. IV-act. 81) dafür, eine
rentenausschliessende Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt könne nicht
angenommen werden; derzeit werde von einer verwertbaren Arbeitsleistung im
geschützten Arbeitsbereich ausgegangen. Das wurde am 22. November 2017 in einem
Strategie-Protokoll bestätigt (vgl. IV-act. 86), worauf im November 2017 die Einstellung
der beruflichen Massnahmen erfolgte. Aufgrund der Begutachtung vom November/
Dezember 2018 wurde der Beschwerdeführerin hernach für eine optimal angepasste
Tätigkeit im Gutachten (wie erwähnt bis zu einem allfälligen künftig erwarteten
Therapieerfolg) eine medizinische Arbeitsfähigkeit von 70 % attestiert. Eine solche
optimal angepasste Arbeit hat der Beschwerdeführerin nach gutachterlicher
Beurteilung klar strukturierte Aufgaben zu bieten und soll ihr nur einen reduzierten
Zeitdruck auferlegen. Tätigkeiten mit vorausgesetztem hohem Mass an Dauer
konzentration und Daueraufmerksamkeit sollten nicht enthalten sein. Den Akten ist zu
entnehmen, dass die Beschwerdeführerin nach der Einstellung der beruflichen
Massnahmen wiederholt Anstellungen - darunter auch Stellen des ersten
Arbeitsmarktes - gesucht und gefunden hat. Eine längerdauernde Beschäftigung auf
dem ersten Arbeitsmarkt war nicht erfolgt. Die tatsächlichen Fehlschläge in
ungeeigneten Tätigkeiten mit überhöhtem Pensum vermögen eine Unverwertbarkeit
der Arbeitsfähigkeit im oben erwähnten Sinn nicht zu belegen. Dass nach der
Begutachtung (Fest-) Anstellungen in der Produktion (mit einem über das Zumutbare
hinausreichenden vollen Pensum) und in der E. _ [Branche] nicht zustande kamen
oder nicht beibehalten werden konnten, bildet nach der Aktenlage ebenfalls keinen
ausreichenden Hinweis auf eine mangelnde Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit. Die
Frage der Verwertbarkeit dient wie erwähnt auch der Abgrenzung der Invalidität zur
6.5.
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Arbeitslosigkeit. Mit der Beschwerdegegnerin ist angesichts der oben dargelegten
restriktiven Praxis im vorliegend massgeblichen Zeitraum keine grundsätzliche
Unverwertbarkeit der reduzierten Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin für eine
optimal angepasste Tätigkeit auf dem gesamten massgeblichen ausgeglichenen ersten
Arbeitsmarkt - noch ohne weitere berufliche Massnahmen, für Hilfsarbeiterinnen -
anzunehmen. Was die verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie
auch den körperlichen Einsatz angeht, weist dieser Arbeitsmarkt nämlich einen Fächer
verschiedenster Tätigkeiten auf (vgl. Bundesgerichtsentscheide vom 5. November
2018, 9C_304/2018 E. 5.1.1, und vom 10. April 2019, 8C_811/2018 E. 4.4.1). Es kann
daher auf die Tabellenlöhne abgestellt werden.
Für die Beschwerdeführerin kamen in der relevanten Zeit auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt verschiedenste Hilfstätigkeiten in Frage. Entsprechend ist für die
Bemessung der Invalidität auf das statistische Durchschnittseinkommen für einfache
Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art (Kompetenzniveau 1) zu greifen. Für
Frauen beträgt dieses im Jahr 2018 Fr. 54'681.-- (12x Fr. 4'371.-- x 41.7/40, gemäss
der Tabelle TA1_tirage_skill_level der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung 2018 des
Bundesamtes für Statistik). Im Jahr 2019 beträgt es Fr. 55'148.-- (Fr. 54'681.--
aufgewertet um 106.3/105.4, gemäss der Tabelle T1.10 der Lohnentwicklung 2019). -
Bei der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin für solche Tätigkeiten von 70 % ergibt
sich - ohne Abzug vom Tabellenlohn, da die gesundheitlich bedingen Einschränkungen
bereits in der medizinischen Arbeitsunfähigkeitsschätzung enthalten sind - für 2018 ein
jährlicher Betrag von rund Fr. 38'277.--, für 2019 ein solcher von Fr. 38'604.-- (0.7x
Fr. 55'148.--).
6.6.
Der invaliditätsbedingte Ausfall beläuft sich im Vergleich zu einem
Valideneinkommen nach Art. 26 Abs. 1 IVV von Fr. 57'400.-- bei einem
Invalideneinkommen von Fr. 38'277.-- für das Jahr 2018 auf rund 33 %, im Vergleich
zum Valideneinkommen von Fr. 66'400.-- für das Jahr 2019 bei einem
Invalideneinkommen von 38'604.-- auf ein rentenbegründendes Ausmass von rund
42 %.
6.7.
Was den Eintritt des Versicherungsfalls Rente betrifft, kann wiederholt werden,
dass sich die Arbeitsfähigkeitsschätzung des Gutachtens auch auf die Zeit vor der
Begutachtung beziehen lässt. Die gesundheitliche Beeinträchtigung lag schon lange
vor. Der Einkommensvergleich ergibt ab Januar 2019 (vgl. oben E. 6.7) einen
rentenbegründenden Invaliditätsgrad. - In Anbetracht der zeitlich auch
zurückzubeziehenden gutachterlich attestierten Arbeitsunfähigkeit von 50 % für die
bisherige Tätigkeit des Praktikums als Fachperson Betreuung/Erwachsene Menschen
6.8.
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7.
mit Behinderungen (bzw. für die bisherigen weiteren Tätigkeiten dieses Bereichs; für
die Wartezeit bzw. für den Rentenbeginn ist einzig die bisherige Tätigkeit relevant, vgl.
Bundesgerichtsurteil vom 23. Oktober 2009, 8C_376/09 E. 4.1, vgl. auch Urteil vom 24.
Februar 2014, 9C_818/2013 E. 1) ist ausserdem auch schon vor Januar 2019 von
einem Ablauf einer erforderlichen einjährigen Wartezeit mit genügender
durchschnittlicher Arbeitsunfähigkeit auszugehen. - Damit sind die diesbezüglichen
Voraussetzungen eines Rentenanspruchs ab Januar 2019 grundsätzlich erfüllt. -
Damals befand sich die Beschwerdeführerin nach der Aktenlage auch nicht in einer
Eingliederungsmassnahme mit Taggeld, so dass Art. 29 Abs. 2 IVG dem Entstehen
eines Rentenanspruchs nicht entgegensteht. Vielmehr war sie nach der Aktenlage in
dem Praktikum angestellt, das sie am Tag vor der Begutachtung - somit entweder im
November oder im Dezember 2018 - gekündigt hat. Die Beschwerdegegnerin war
davon ausgegangen, auch ohne (weitere) Eingliederung bestehe kein Rentenanspruch,
und sie sah sich zu einer Eingliederung daher nicht verpflichtet (vgl. hierzu auch Art. 18
Abs. 2 IVV). - Die bis Juni 2017 erfolgten, nach dem Abschluss des Berufsattests mit
Mitteilung vom November 2017 eingestellten Eingliederungsversuche können wie
dargelegt aber nicht als rentenverhindernd erfolgreich betrachtet werden. Nach Ablauf
der Wartezeit und Erreichen einer Erwerbsunfähigkeit rentenbegründenden Ausmasses
ab Januar 2019 ist daher der Rentenanspruch entstanden (vgl. auch BGE 122 V 77
E. 2b). Rückwirkend können Eingliederungsmassnahmen nicht mehr rentensenkend
eingesetzt werden. - Laufen keine beruflichen Massnahmen und sind solche auch nicht
konkret angeordnet, so kann nach der Rechtsprechung auch dann ein (allenfalls
befristeter) Rentenanspruch entstehen, wenn die Möglichkeiten der beruflichen
Eingliederung noch nicht ausgeschöpft sind (vgl. Bundesgerichtsurteil vom
21. September 2012, 9C_892/2011 E. 3.3.1).
Der ab Januar 2019 errechnete Invaliditätsgrad von rund 42 % begründet damit
Anspruch auf eine Viertelsrente ab 1. Januar 2019. Art. 29 Abs. 1 ATSG verhindert eine
Auszahlung ab diesem Zeitpunkt (bei Anmeldung von 2012) nicht.
6.9.
Angesichts dieser - erstmals gerichtlich festgestellten - Invalidität
rentenbegründenden Ausmasses (bei bis anhin erfolgtem Eingliederungsstand) stellt
sich für den vorliegend zu beurteilenden Sachverhalt bis zum 4. Oktober 2019
angesichts des Zeitablaufs seit Juni bzw. November 2017 und der Begutachtung vom
November/Dezember 2018 allerdings nochmals die Eingliederungsfrage. Die
Durchführung allenfalls möglicher weiterer zumutbarer, geeigneter und
verhältnismässiger beruflicher Eingliederungsmassnahmen stellt unter diesen
7.1.
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Umständen (Rentenanspruch) nicht lediglich einen Anspruch der Beschwerdeführerin
dar, sondern auch eine Pflicht der Beschwerdegegnerin zu deren Veranlassung sowie
ausserdem eine Pflicht der Beschwerdeführerin, dabei mitzuwirken. Die versicherte
Person muss gemäss Art. 7 Abs. 2 IVG an allen zumutbaren Massnahmen, die zur
Erhaltung des bestehenden Arbeitsplatzes oder zu ihrer Eingliederung ins
Erwerbsleben oder in einen dem Erwerbsleben gleichgestellten Aufgabenbereich
dienen, aktiv teilnehmen, gemäss der seit 2012 im Gesetz festgeschriebenen lit. e
insbesondere an Massnahmen zur Wiedereingliederung von Rentenbezügerinnen und
Rentenbezügern nach Art. 8a Abs. 2 (vgl. BGE 145 V 2 E. 4.3.1, "Eingliederung aus
Rente"). Die zumutbaren Massnahmen sollen zu einer Rentenrevisionsmöglichkeit
führen (vgl. BGE 145 V 2 E. 4.2.4).
Auch wenn die Invalidenversicherung eine Eingliederung nicht ohne Weiteres bis
zum Erreichen einer tatsächlichen dauerhaften Anstellung schuldet (vgl. unten E. 7.5),
kann die Eingliederung der Beschwerdeführerin nach dem oben Dargelegten mit dem
Erreichen des Berufsattests in der erstmaligen beruflichen Ausbildung als AGS doch
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit noch nicht als abgeschlossen betrachtet
werden. Vielmehr erscheint möglich, dass noch verhältnismässige
Integrationsmassnahmen und/oder berufliche Massnahmen eruiert werden könnten,
welche ihre Erwerbsfähigkeit steigern (d.h. ihr ein höheres Invalideneinkommen
erreichbar machen; und ihr ausserdem zu einer allenfalls besseren Verwertbarkeit der
Arbeitsfähigkeit verhelfen, vgl. unten E. 7.5) könnten und welche daher das bisherige
Eingliederungsverfahren nun ergänzen müssten.
7.2.
Die Beschwerdeführerin ist nach der Aktenlage zu schliessen zur Eingliederung gut
motiviert. Hierfür spricht, dass sie nach der EBA wie erwähnt wiederholt Anstellungen
gesucht und gefunden hat (auch im Gutachten wurde im Übrigen festgehalten, sie habe
sich - zu beruflichen Massnahmen - motiviert gezeigt, vgl. IV-act. 128-36). Sie ist
ausserdem noch sehr jung und sie verfügt gemäss den neuropsychologischen
Erkenntnissen des Gutachtens über eine durchschnittliche Intelligenz und viele gute
kognitive Funktionen. Ihr Gedächtnis, ihre Fähigkeit zur Unterscheidung von Wichtigem
und Unwichtigem (verbal Fähigkeit, Wesentliches zu erfassen, allerdings
unterdurchschnittlich, vgl. IV-act. 128-69), ihre Planungs- und Problemlösungsfähigkeit,
ihre kognitive Flexibilität, ihre Fähigkeit zum logischen Denken und Schlussfolgern
seien durchschnittlich gewesen. Sie seien als gute Ressourcen zu werten (vgl. IV-
act. 128-73). Ausserdem seien ihre Handlungstendenzen im beruflichen Kontext
erkennbar und verfüge sie über soziale Kompetenz (vgl. IV-act. 128-53).
7.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 28/30
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Die Beschwerdegegnerin wird die Möglichkeiten, welche das IVG für eine
berufliche Eingliederung (darunter allenfalls Neu- oder Weiterausbildung) bietet, und die
entsprechenden Voraussetzungen nochmals ergänzend abzuklären haben. Bei ihren
Abklärungen wird sie im Hinblick auf eine erfolgreiche Eingliederung weiterhin nebst
den genannten Fähigkeiten und Ressourcen ihre Beeinträchtigungen zu
berücksichtigen haben, wie das reduzierte Stresserleben und u.a. die leicht- bis
mittelgradigen Störungen der Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, der Durchhalte- und
der Gruppenfähigkeit (vgl. IV-act. 128-53). Auch wenn im neuropsychologischen (Teil-)
Gutachten festgehalten wurde, dass die Einbussen der Aufmerksamkeitsfunktionen
jeden Bereich des beruflichen und häuslichen Alltags der Beschwerdeführerin betreffen
und einschränken (vgl. IV-act. 128-73), so sind doch graduelle Unterschiede zwischen
den unterschiedlichen in Betracht fallenden erwerblichen Bereichen denkbar. Es ist
abzuklären, ob ein für die Beschwerdeführerin zugänglicher Erwerbsbereich besteht, in
dem die Einbussen vergleichsweise weniger (als im Bereich der bisher gewählten
erstmaligen beruflichen Ausbildung) zum Tragen kommen. In den Akten wurde
mehrfach erwähnt, dass die Beschwerdeführerin gern bzw. besser allein arbeite als im
Team (vgl. IV-act. 82-2 3. Abs., IV-act. 82-4 4. Abs., IV-act. 128-25). Kinder möchten
die Beschwerdeführerin, mit Jugendlichen sei es schwierig (IV-act. 82-3 zweitunterster
Abs.; IV-act. 82-4 3. Abs.). Problematisch seien die Absenzen von der Arbeit (vgl. IV-
act. 82-4 4. Abs.; wenn man die Beschwerdeführerin wirklich brauche, sei sie jedoch
da). Was die Impulskontrolle betrifft, kann zuhanden der Beschwerdeführerin
angemerkt werden, dass sie ihrerseits weiterhin motiviert das ihr Zumutbare zur
Überwindung der diesbezüglichen - wenn auch anerkanntermassen
neuropsychologisch nachgewiesenen - Schwierigkeiten (ebenso wie zu denjenigen mit
der Zuverlässigkeit bzw. den Absenzen) beizutragen haben wird. Es werden
Massnahmen der beruflichen Eingliederung in eine für sie geeignete Erwerbstätigkeit zu
prüfen sein.
7.4.
Ist die Invalidenversicherung mit der beruflichen Eingliederung befasst, so gehört
dazu schliesslich als letzter Teil (auch wenn sie ohne Einfluss auf den Rentenanspruch
bzw. ausserhalb des Grundsatzes Eingliederung vor Rente ist, da sie keine
Verbesserung der Erwerbsfähigkeit bringt, sondern lediglich eine Ermöglichung der
realen Verwertung der Arbeitsfähigkeit schafft, vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 27. September 2001, IV 1999/156
E. 1b) ausserdem auch die Unterstützung bei der Stellensuche (so der Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 12. Mai 2015, IV 2013/619). Solche
Leistungen sind angezeigt, wenn eine versicherte Person die aus einer beruflichen
Eingliederungsmassnahme gewonnenen Kenntnisse und Fähigkeiten von sich aus nicht
7.5.
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8.