Decision ID: 40c6eba6-716c-441e-9db5-2be529468a73
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache Urkundenfälschung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung - Einzelgericht, vom 17. Januar 2018 (GG170209)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 25. Sep-
tember 2017 (Urk. 001001 ff.) sowie die Anklageverbesserung vom 1. November
2017 (Urk. 15) sind diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− der falschen Anschuldigung im Sinne von Art. 303 Ziff. 1 StGB,
− der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB,
− der versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in Verbindung mit
Art. 22 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 270 Tagessätzen zu
CHF 70, wovon 71 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
4. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom
18. Juni 2014 beschlagnahmten Urkunden werden eingezogen und bei den
Akten belassen.
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5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
CHF 2'500.00 ; die weiteren Auslagen betragen:
CHF 5'000.00 Gebühr Anklagebehörde
CHF 21'940.00 Auslagen Untersuchung (Gutachten)
CHF 50.00 Auslagen Untersuchung
CHF 15'000.00 amtliche Verteidigung (Akontozahlung)
CHF 18'140.00 amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten
auferlegt.
7. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
8. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher
Verteidiger mit CHF 33'140 (inkl. MwSt. und der Akontozahlung von
CHF 15'000) aus der Gerichtskasse entschädigt.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 56 S. 2)
1. Es seien die Dispositivziffern 1, 2, 3, 6 und 7 des angefochtenen Urteils
des Bezirksgerichts Zürich vom 17. Januar 2018 aufzuheben.
2. Der Beschuldigte sei vollumfänglich freizusprechen.
3. Die Kosten der Untersuchung des erstinstanzlichen Verfahrens seien
auf die Staatskasse zu nehmen.
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4. Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien auf die Staatskasse zu
nehmen, ohne Vorbehalt der Nachforderung.
5. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien auf die Staatskasse zu
nehmen.
6. Herrn A._ sei eine Genugtuung für die zu Unrecht erstandene Haft
von 72 Tagen à CHF 200.00 pro Tag, mithin CHF 14'400.00, sowie für
die sehr lange Verfahrensdauer von inzwischen 4 1⁄2 Jahren in der Hö-
he von CHF 1'600.00, total also 16'000.00 zuzusprechen.
Die Dispositivziffer 8 wurde separat mit Beschwerde angefochten, diesbe-
züglich wird auf die Beschwerdeschrift vom 5. März 2018 verwiesen.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich:
Keine Anträge
c) Der Privatklägerin:
Keine Anträge
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang und Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. In Bezug auf den Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zur
Vermeidung von Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen im angefoch-
tenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 37 S. 4 ff.). Mit Urteil des Bezirksgerich-
tes Zürich, 9. Abteilung, vom 17. Januar 2018 wurde der Beschuldigte im Sinne
des eingangs wiedergegebenen Urteilsdispositivs schuldig gesprochen und be-
straft (Urk. 37 S. 53 f.). Gegen das gleichentags mündlich eröffnete Urteil meldete
die Verteidigung mit Eingabe vom 29. Januar 2018 fristgerecht Berufung an
(Art. 399 Abs. 1 StPO; Urk. 30). Das begründete Urteil wurde der Verteidigung am
22. Februar 2018 zugestellt (Urk. 36/2). Mit Eingabe vom 5. März 2018 reichte die
Verteidigung innert der zwanzigtägigen Frist von Art. 399 Abs. 3 StPO die Beru-
fungserklärung ein (Urk. 38). Mit Präsidialverfügung vom 9. März 2018 wurde die
Berufungserklärung der Privatklägerin sowie der Staatsanwaltschaft zugestellt,
um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben oder ein Nichteintreten auf die
Berufung zu beantragen (Urk. 40). Weder die Staatsanwaltschaft noch die Privat-
klägerin erhoben Anschlussberufung oder beantragten ein Nichteintreten auf die
Berufung. Mit Eingabe vom 25. März 2018 (Datum Poststempel) reichte der Be-
schuldigte eine Stellungnahme zum vorinstanzlichen Urteil ein (Urk. 43). Am
4. Mai 2018 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 3. Juli 2018 vorgeladen
(Urk. 47).
1.2. Gegen die Festsetzung der Entschädigung für die amtliche Verteidigung
erhob der Verteidiger mit Eingabe vom 5. März 2018 Beschwerde bei der
III. Strafkammer des Obergerichtes Zürich (Urk. 53/2). Da sowohl Berufung als
auch Beschwerde erhoben worden sind, sind die Einwände des amtlichen Vertei-
digers gegen die Höhe der Entschädigung mit der Berufung zu behandeln (vgl.
BGE 139 IV 199 E. 5.6). Das entsprechende Beschwerdeverfahren wurde von der
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III. Strafkammer des Obergerichtes Zürich mit Verfügung vom 28. Mai 2018 an die
hiesige Kammer überwiesen (Urk. 52).
2. Umfang der Berufung
Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen die Dispositivziffern 1 (Schuld-
sprüche), 2 und 3 (Sanktion) sowie 6 und 7 (Kostenregelung) des vorinstanzlichen
Urteils (Urk. 38 S. 2). Der amtliche Verteidiger hat die Festsetzung seiner Ent-
schädigung gemäss Dispositivziffer 8 des vorinstanzlichen Urteils zudem mit Be-
schwerde angefochten (Urk. 53/2). Das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Ab-
teilung, vom 17. Januar 2018 ist daher hinsichtlich Dispositivziffer 4 (Entscheid
über beschlagnahmte Urkunden) sowie teilweise hinsichtlich Dispositivziffer 5
(Kostenfestsetzung mit Ausnahme der Höhe der Entschädigung der amtlichen
Verteidigung) in Rechtskraft erwachsen.
3. Anklagegrundsatz
3.1. Die Verteidigung rügte sowohl vor Vorinstanz wie auch anlässlich der Beru-
fungsverhandlung bezüglich der Anklagevorwürfe der falschen Anschuldigung
und Nötigung eine Verletzung des Anklagegrundsatzes. Sie brachte vor, auch
nach mehrmaliger Lektüre der Anklageschrift werde nicht klar, wo die Tatbe-
standselemente der falschen Anschuldigung umschrieben seien. Weder sei aus
der Anklage ersichtlich, wer gegenüber der Oberstaatsanwaltschaft beschuldigt
worden sei, welche Vergehen oder Verbrechen dieser Person zur Last gelegt
worden wären und was die Absicht dahinter gewesen sei. Dasselbe gelte für den
Vorwurf der Nötigung, zumal an keiner Stelle umschrieben werde, in welchem
Tun des Beschuldigten ein nötigendes Verhalten liege. Im Dunkeln bleibe auch,
wer denn hätte genötigt werden sollen. Daran ändere auch die von der Staatsan-
waltschaft auf Hinweis des Gerichts vorgenommene Anklageverbesserung nichts.
Damit sei zwar die Bezeichnung "B._" respektive "C._" durch "Verant-
wortungsträger der B._" respektive "Verantwortungsträger der C._" er-
setzt worden. Es sei aber nie abgeklärt worden, wer diese Verantwortungsträger
gewesen seien und ob sie sich überhaupt genötigt gefühlt hätten. Der Beschuldig-
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te könne sich vor diesem Hintergrund gegen die Vorwürfe der falschen Anschul-
digung und Nötigung nicht zur Wehr setzen (Urk. 26 S. 2 ff.; Urk. 56 S. 3 ff.).
3.2. Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand
des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion). Die Anklage hat die der beschul-
digten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu um-
schreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hinsicht genügend
konkretisiert sind. Zugleich bezweckt das Anklageprinzip den Schutz der Verteidi-
gungsrechte der beschuldigten Person und dient dem Anspruch auf rechtliches
Gehör (Informationsfunktion). Die beschuldigte Person muss unter dem Gesichts-
punkt der Informationsfunktion aus der Anklage ersehen können, wessen sie an-
geklagt ist. Das bedingt eine zureichende Umschreibung der Tat. Entscheidend
ist, dass die betroffene Person genau weiss, welcher konkreten Handlung sie be-
schuldigt und wie ihr Verhalten rechtlich qualifiziert wird, damit sie sich in ihrer
Verteidigung richtig vorbereiten kann. Sie darf nicht Gefahr laufen, erst an der Ge-
richtsverhandlung mit neuen Anschuldigungen konfrontiert zu werden (BGE 143
IV 63 E. 2.2 mit Hinweisen). Vorausgesetzt ist eine zureichende Umschreibung
der Sachverhaltselemente, die für eine Subsumtion unter die anwendbaren Straf-
tatbestände erforderlich sind (Urteil des Bundesgerichts 6B_684/2017 vom
13. März 2018 E. 2.2 mit Hinweisen).
3.3. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten in der Anklageschrift vom
25. September 2017 mehrfache versuchte Nötigung, mehrfache Urkundenfäl-
schung sowie falsche Anschuldigung vor (Urk. 001014). Die nach Auffassung der
Staatsanwaltschaft erfüllten Straftatbestände werden in der Anklage nicht in ge-
sonderten Sachverhaltsabschnitten dargelegt. Die Anklageschrift enthält vielmehr
eine allgemeine Umschreibung des Sachverhalts, der die Tatbestandselemente
der einzelnen Delikte entnommen werden müssen. Dies allein widerspricht dem
Anklagegrundsatz nicht, auch wenn eine übersichtlichere Darstellung vorzuziehen
wäre. Es bestehen keine Regeln, wie eine Anklage zu gliedern ist, wenn mehrere
Anklagepunkte vorliegen (BSK StPO-HEIMGARTNER/NIGGLI, 2. Aufl. 2014, Art. 325
N 23). Vorausgesetzt ist jedenfalls, dass der Beschuldigte im Ergebnis über alle
wesentlichen, relevanten Anklagevorhalte hinreichend informiert ist.
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3.4. In Bezug auf den Anklagevorwurf der falschen Anschuldigung lässt sich
der Anklageschrift vom 25. September 2017 entnehmen, dass der Beschuldigte
bei Strafverfolgungsbehörden (Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich sowie
Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich) mehrfach Eingaben eingereicht hat,
denen er eine umfangreiche Sammlung von Schriftstücken im Zusammenhang
mit dem angeblich bei Schweizer Banken deponierten Milliardenvermögen aus
der Hinterlassenschaft des früheren ... Präsidenten D._ beigelegt hat (Ankla-
geziffer 3, 4 und 8). Durch diese Eingaben habe der Beschuldigte auf die Eröff-
nung einer Strafuntersuchung gegen Repräsentanten des B._- sowie des
C._-Konzerns hinwirken wollen (Anklageziffer 12).
Die Anklage hält nicht fest, gegen welche Personen sich die Anschuldigungen des
Beschuldigten gerichtet haben sollen. Die Umschreibung "Repräsentanten des
B._-Konzerns und des C._-Konzerns" genügt diesbezüglich nicht. Eine
Verurteilung wegen falscher Anschuldigung setzt voraus, dass die angeschuldigte
Person zumindest aus den Umständen erkennbar ist. Der Anklage lässt sich zu-
dem nicht entnehmen, welches strafbare Verhalten der Beschuldigte den Reprä-
sentanten der beiden Konzerne vorgeworfen haben soll. Die Vorinstanz hielt
diesbezüglich fest, die konkreten Anschuldigungen gegenüber der B._ AG
und der C._ AG liessen sich den jeweiligen Anzeigen des Beschuldigten ent-
nehmen (Urk. 37 S. 8). Anklagevorwürfe müssen sich jedoch aus der Anklage-
schrift selbst ergeben. Die Anklage darf sich nicht darauf beschränken, hinsicht-
lich der Sachverhaltsdarstellung auf die Akten zu verweisen (BSK StPO-
HEIMGARTNER/NIGGLI, a.a.O., Art. 325 N 23, SCHMID/JOSITSCH, Handbuch StPO, 3.
Aufl. 2017, N 1267). Abgesehen davon ist ein Verweis auf die Anzeigen des Be-
schuldigten vorliegend auch wenig hilfreich. Den Ausführungen des Beschuldigten
in den Anzeigen vom 9. Februar 2013 gegen die B._ AG bzw. die C._
AG lassen sich keine konkreten strafrechtlichen Anschuldigungen entnehmen.
Darin wird lediglich ausgeführt, den Kontoinhabern werde der Einblick in die Kon-
ten bzw. der Zugang dazu verweigert, wodurch ein erheblicher Schaden entstehe.
Es bestehe der Verdacht, dass die berechtigen Personen hingehalten würden, bis
aus formalrechtlichen Gründen kein Zugriff mehr auf die Konten bestehe
(Urk. 020001 f.). Damit enthalten die Schreiben an die Banken gerichtete Vorwür-
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fe. Es ist jedoch nicht klar, ob und inwiefern diese von strafrechtlicher Relevanz
sind. Bezeichnenderweise wies die Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich den
Beschuldigten in der Folge darauf hin, dass aus seinen Strafanzeigen nicht er-
sichtlich sei, welches strafbare Verhalten er den beiden Banken konkret vorwerfe
bzw. welche Normen des Strafgesetzbuches durch dieses Verhalten verletzt sein
sollten. Der Beschuldigte wurde aufgefordert, das potentiell strafbare Verhalten zu
substantiieren, andernfalls bleibe die Anzeige unbeachtet (Urk. 020056; vgl. auch
Urk. 200362). Die weiteren Tatbestandsmerkmale von Art. 303 StGB werden in
der Anklage ebenfalls unzureichend umschrieben. So wird etwa an keiner Stelle
ausgeführt, dass sich die Anschuldigungen des Beschuldigten gegen Nichtschul-
dige gerichtet hätten.
Die Anklageschrift vom 25. September 2017 vermag den Anforderungen des An-
klageprinzips damit nicht zu genügen. Ein Sachverhalt, der sich dem als anwend-
bar erklärten Straftatbestand nicht zuordnen lässt, kann nicht Grundlage einer
Verurteilung bilden. Auf eine Verbesserung der Anklage ist indes zu verzichten,
da vorliegend ohnehin keine Verurteilung wegen falscher Anschuldigung ergehen
kann (unten Ziff. III.3.). Das Strafverfahren ist deshalb in Bezug auf diesen Ankla-
gevorwurf einzustellen (vgl. dazu BSK StPO-HEIMGARTNER/NIGGLI, a.a.O., Art. 351
N 1 f.).
3.5. Betreffend den Anklagevorwurf der mehrfachen versuchten Nötigung hält
die Anklageschrift fest, der Beschuldigte habe durch das Einreichen gefälschter
Schriftstücke bei den Schweizer Behörden das Ziel verfolgt, die Verantwortungs-
träger des B._-Konzerns bzw. des C._-Konzerns zu veranlassen, Milli-
ardenschulden gegen E._ und F._ anzuerkennen oder wenigstens ei-
nen Vergleich in Millionenhöhe abzuschliessen, um den durch die Kampagne
drohenden Reputationsverlust abzuwenden. Zur Förderung dieses Ziels habe der
Beschuldigte auf die Eröffnung einer Strafuntersuchung gegen Repräsentanten
des B._-Konzerns und des C._-Konzerns hinwirken wollen. Mit der
Wechselbetreibung in astronomischen Summen habe er zudem die Organe der
B._ und der C._ in ihrer Handlungsfreiheit beschränken und dadurch ei-
nen solchen Druck auf die Verantwortungsträger dieser Banken ausüben wollen,
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dass sich diese zu namhaften Vergleichszahlungen genötigt gesehen hätten.
Durch die Vorlage weiterer gefälschter Schriftstücke bei der Oberstaatsanwalt-
schaft des Kantons Zürich habe der Beschuldigte schliesslich versucht, Original-
Fälschungen zurückzuerhalten, was unrechtmässig gewesen sei und dem Ziel
gedient habe, die Banken durch ungerechtfertigte Angriffe auf deren Reputation
zu Zahlungen zu nötigen (Anklageziffern 3, 12, 14, 15 und 16; Urk. 15).
Die Anklageschrift hält damit sowohl das vom Beschuldigten verwendete Nöti-
gungsmittel als auch den von ihm verfolgten Zweck fest. Dass in der Anklage
nicht aufgeführt ist, wer die Verantwortungsträger der Banken gewesen sind, stellt
entgegen der Verteidigung (Urk. 26 S. 3) keine Verletzung des Anklageprinzips
dar. Aus der Anklageschrift ergibt sich klar, dass sich das nötigende Verhalten
des Beschuldigten gegen die B._ AG und die C._ AG als juristische
Personen richtete. Dass bei den Bankkonzernen auf Hinweis der Vorinstanz der
Begriff Verantwortungsträger ergänzt wurde, hängt damit zusammen, dass eine
juristische Person lediglich durch ihre Organe einen Willen bilden und entspre-
chend handeln kann. Insofern verstösst es nicht gegen das Anklageprinzip, wenn
die Verantwortungsträger der jeweiligen Konzerne nicht namentlich genannt wer-
den. Es ist denn auch nicht ersichtlich, inwiefern der Beschuldigte dadurch in sei-
nen Verteidigungsrechten eingeschränkt gewesen sein soll. Ob die in der Ankla-
geschrift umschriebene Verhaltensweise des Beschuldigten eine Nötigung im
strafrechtlichen Sinne darstellt, wird im Rahmen der rechtlichen Würdigung zu
prüfen sein (unten Ziff. III.2.).
II. Sachverhalt
1. Anklagevorwürfe
1.1. Die Vorinstanz hat die Anklagevorwürfe korrekt zusammengefasst (Urk. 37
S. 9 f.). Darauf kann vorab zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen wer-
den.
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1.2. Gemäss Anklage ging am 19. März 2013 beim Betreibungsamt Zürich 1 ein
Betreibungsbegehren über Fr. 160'017'326'020.00 [recte: Fr. 170'017'326'020.00; vgl. Urk. 020047] gegen die B._ AG ein. Ebenfalls am 19. März 2013 habe
der Beschuldigte dem Bezirksgericht Zürich, Einzelgericht Audienz, ein Arrestbe-
gehren über Fr. 170'017'326'020.00 gegen G._, Bankdirektor der B._
AG, Zürich, überbracht (Urk. 001006). Die Verteidigung wies vor Vorinstanz zu
Recht darauf hin, dass dem Beschuldigten in der Anklage nicht – zumindest nicht
ausdrücklich – vorgeworfen wird, diesen beiden Begehren gefälschte Unterlagen
beigelegt zu haben (Urk. 26 S. 5). Dies ergibt sich denn auch nicht aus den Akten
(Urk. 020047; Urk. 020049). Insofern steht dieser Sachverhaltskomplex wohl aus-
schliesslich im Zusammenhang mit dem Anklagevorwurf der mehrfachen versuch-
ten Nötigung.
2. Äusserer Sachverhalt
2.1. Dem Beschuldigten wird in der Anklage zur Last gelegt, den Schweizer
Behörden gefälschte Schriftstücke vorgelegt zu haben. In der Anklageschrift vom
25. September 2017 wird einzeln aufgeführt, welche Schriftstücke vom Beschul-
digten eingereicht wurden und in Bezug auf welche die Staatsanwaltschaft einen
Fälschungsvorwurf erhebt (vgl. Urk. 001004 f.; Urk. 001005 f.; Urk. 001006 f.;
Urk. 001008 f.).
2.2. Vom Beschuldigten wurde nicht bestritten, den Schweizer Behörden die in
der Anklage erwähnten Schriftstücke eingereicht zu haben (Urk. 060029 ff.;
Urk. 060094; Urk. 060107 ff.; Urk. 25 S. 4 f.; vgl. auch Urk. 26 S. 5). Sein diesbe-
zügliches Geständnis stimmt mit den Akten überein. Daraus ergibt sich, dass der
Beschuldigte mit Schreiben vom 9. Februar 2013 bei der Oberstaatsanwaltschaft
des Kantons Zürich Anzeige gegen die "C._ Group" (Urk. 020001) sowie die
"B._ AG Bank" (Urk. 020002) erhoben hat. Der Anzeige gegen die B._
AG war ein Anlagenverzeichnis beigelegt, in dem die mit der Anzeige eingereich-
ten Unterlagen einzeln aufgeführt werden (Urk. 020003 ff.). Dieses Verzeichnis
stimmt mit der Auflistung in der Anklage (Urk. 001004 f.) überein. Dasselbe gilt für
die Eingabe vom 20. Februar 2013 bei der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zü-
rich (vgl. Urk. 0200021 f.; Urk. 001005 f.). Auch im Wechselbetreibungsbegehren
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des Beschuldigten vom 12. August 2013 werden die damit eingereichten Beilagen
einzeln aufgeführt (Urk. 020149 ff.; Urk. 020153). Die Aufzählung stimmt ebenfalls
mit der Auflistung in der Anklage (Urk. 001006 f.) überein. Schliesslich werden die
eingereichten Schriftstücke auch in der Eingabe des Beschuldigten vom 26. Ja-
nuar 2015 bei der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich einzeln aufgeführt
(Urk. 301002 ff.). Auch hier stimmen die in der Eingabe erwähnten Schriftstücke
mit der Aufstellung in der Anklage (Urk. 001008 f.) überein. Die vom Beschuldig-
ten eingeleiteten Betreibungs- bzw. Arrestbegehren befinden sich ebenfalls bei
den Akten (Urk. 020047; Urk. 020049).
2.3. Der Beschuldigte hat in der Schlusseinvernahme sowie vor Vorinstanz an-
erkannt, dass die von ihm eingereichten Schriftstücke teilweise gefälscht waren
(Urk. 060111; Urk. 25 S. 5). Insbesondere wurde von ihm anerkannt, dass die Un-
terschriften von D._ gefälscht waren (Urk. 25 S. 5). Auch von der Verteidi-
gung wurde zu Recht nicht in Abrede gestellt, dass der Beschuldigte teilweise ge-
fälschte Dokumente verwendet hat (Urk. 26 S. 5 f.). Geltend gemacht wurde viel-
mehr, dass der Beschuldigte davon ausgegangen sei, es mit echten Urkunden zu
tun zu haben (Urk. 26 S. 5 ff.). Dies wird im Rahmen des subjektiven Tatbestands
zu prüfen sein.
2.4. Die vom Beschuldigten mit den jeweiligen Eingaben eingereichten Schrift-
stücke, aus denen sich die Milliardenforderung aus der Hinterlassenschaft von
D._ ergeben soll, befinden sich bei den Akten (Urk. 200106 ff.; Urk. 200247
ff.; Urk. 020154 ff.; Urk. 301024 ff.). Die Staatsanwaltschaft hat einige dieser Do-
kumente vom Forensischen Institut Zürich untersuchen lassen (Urk. 098029 ff.;
Urk. 098040 ff.). Analysiert wurde zunächst ein Wechsel der "B'._", über den
Betrag von USD 179 Milliarden (Urk. 070121 f.). Gemäss Gutachten des Forensi-
schen Instituts vom 23. Juni 2014 weist das Trägermaterial keine Sicherheitsele-
mente, wie Wasserzeichen, Melierfasern etc., auf. Papier dieses Fabrikats sei im
Handel frei erhältlich. Anhand spezifischer Ablagerungsmerkmale stehe fest, dass
die Texte auf der Vorder- und Rückseite des Dokuments mittels einer Typenrad-
schreibmaschine erstellt worden seien. Die Typenradklassifizierung stehe zwei-
felsfrei in Widerspruch zur Datierung aus dem Jahr 1968. Bei mehreren Unter-
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schriften auf der Rückseite des Dokuments seien Vorzeichnungsspuren festzu-
stellen. Die Unterschriften wirkten langsam und unnatürlich erstellt und wiesen
Strichstörungen auf. Dieses Spurenbild trete fast ausschliesslich bei einer Herstel-
lung im Pausverfahren auf. Aus Sicht des unterzeichnenden Urkundenexperten
stehe fest, dass es sich beim fraglichen Wechsel um eine Totalfälschung oder ein
Fantasieprodukt handle (Urk. 098031 ff.). Zum gleichen Schluss kam das Foren-
sische Institut im Gutachten vom 25. Juli 2014. Untersucht wurden das Zertifikat
"J._ CERTIFICATE DEPOSIT" (Urk. 070133) sowie das Dokument
"STATEMENT" der "B'._" (Urk. 070134). Gemäss den Ausführungen im Gut-
achten weisen die Tätermaterialen keine Sicherheitselemente auf. Die Papiere
seien mit einer unbekannten Flüssigkeit behandelt worden, um sie älter aussehen
zu lassen. Sämtliche Unterschriften wirkten langsam und unnatürlich erstellt. Die
Texte beider Dokumente seien mit einem tonerbasierenden Ausgabegerät herge-
stellt worden, was in Widerspruch zu einer Datierung aus dem Jahr 1962 stehe. In
beiden Dokumenten seien Orthographiefehler ersichtlich. Es stehe fest, dass es
sich bei den fraglichen Dokumenten um Totalfälschungen oder Fantasieprodukte
handle (Urk. 098042 ff.). Die gutachterlichen Ausführungen sind schlüssig und
nachvollziehbar. Sie wurden denn auch von der Verteidigung nicht in Frage ge-
stellt (Urk. 26 S. 6). Es ist damit in Übereinstimmung mit den Gutachten davon
auszugehen, dass es sich bei den untersuchten Schriftstücken um Fälschungen
handelt.
2.5. Die vom Forensischen Institut Zürich untersuchten Schriftstücke waren Be-
standteil einer äusserst umfangreichen Sammlung von Dokumenten. Der Be-
schuldigte sprach von ungefähr 30'000 - 40'000 Seiten Akten (Urk. 060013;
Urk. 060086; Urk. 060105). Sämtliche Dokumente seien ihm von E._ bzw.
F._ übergeben worden. Er habe nie Dokumente von der juristischen oder na-
türlichen Person erhalten, welche sie ausgestellt habe (u.a. Urk. 060077;
Urk. 060096; Urk. 060103 ff.; vgl. auch die Aussagen von E._, Urk. 060052
ff.). Es spricht damit vieles dafür, dass die vom Beschuldigten verwendeten Do-
kumente dieselbe Herkunft haben, zumal sie ähnlich gestaltet sind. Dass neben
den untersuchten auch die weiteren Schriftstücke gefälscht sind, erscheint vor
diesem Hintergrund naheliegend. Dafür sprechen zudem zahlreiche weitere Ar-
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gumente. Zu verweisen ist zunächst auf die von den Beteiligten behauptete Her-
kunft der F._ und E._ angeblich zustehenden Milliardenforderung. Es
wurde vorgebracht, die Vermögenswerte würden aus der Hinterlassenschaft des
früheren ... Präsidenten D._ stammen. Daran berechtigt sei nun F._ als
dessen Vermögensnachfolger. Dieser habe einen Partner gesucht, der das Ver-
mögen in der Schweiz regeln könne. Dafür habe er 51% der Vermögenswerte auf
E._ übertragen (u.a. Urk. 060005; Urk. 060013 f.; Urk. 060005; Urk. 060056;
Urk. 060104 f.; Urk. 060113; Urk. 25 S. 8 f.). Wie die Vorinstanz zutreffend fest-
gehalten hat, haben weder die B._ AG noch die C._ AG Kundenbezie-
hungen mit einem Bezug zum ehemaligen ... Präsidenten D._ bzw. dessen
Vermögensnachfolgern F._ und E._ feststellen können (Urk. 37 S. 12).
Die Geschichte mutet denn auch reichlich seltsam an. Auffallend ist bereits der
absurd hohe Forderungsbetrag von Fr. 170 Milliarden. Zum Vergleich: Die derzeit
reichste Person der Welt verfügt über ein Vermögen von rund USD 140 Milliar-
den. Es ist nicht ersichtlich, wie der frühere ... Präsident zu einem derart erhebli-
chen Privatvermögen gekommen sein soll. Nicht nachvollziehbar ist weiter, dass
dieses grösste Privatvermögen der Welt bei Schweizer Grossbanken lagern soll,
wobei diese jegliche Ansprüche bestreiten. Angesichts der Höhe der in Diskussi-
on stehenden Vermögenswerte wäre im Übrigen auch zu erwarten, dass F._
ein renommiertes Unternehmen und nicht zwei Privatpersonen ohne besondere
Kenntnisse des Schweizer Rechts mit der Geltendmachung seiner Ansprüche be-
auftragt hätte. Dass er E._ für das Inkasso im erheblichen Umfang von 51%
an den Vermögenswerten hätte beteiligen sollen, erscheint ebenfalls wenig über-
zeugend. Die vom Beschuldigten neu an der Berufungsverhandlung vorgebrachte
Behauptung, es habe sich nicht um das Privatvermögen des früheren ... Präsiden-
ten gehandelt, sondern um das ... Staatsvermögen, lässt die Geschichte nicht
glaubhafter erscheinen (Prot. II. S. 14).
Aus den Akten ergibt sich zudem, dass der Beschuldigte bzw. E._ nicht die
ersten Personen waren, die mit dieser Geschichte an die Schweizer Behörden
bzw. Banken herangetreten sind. In der Strafanzeige des Eidgenössischen Fi-
nanzdepartements (EFD) vom 1. September 2011 wird ausgeführt, die gleichen
Dokumente seien bereits mehrfach von verschiedenen Personen vorgetragen
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worden, um eine angebliche Forderung zu begründen. Der Fall E._ sei kein
Einzelfall (Urk. 030002 f.). Zu verweisen ist auch auf die Strafanzeige der B._
AG vom 28. Mai 2013. Darin wird festgehalten, dass die Bank seit mehreren Jah-
ren in regelmässigen Abständen Anfragen, Forderungsschreiben und Drohungen
im Zusammenhang mit sich angeblich bei der Bank befindlichen Vermögenswer-
ten des ehemaligen ... Präsidenten D._ erhalte. Dabei würden sich die auf-
tretenden Personen, die vermeintlich bevollmächtigt seien, namens von D._-
Erben zu handeln, abwechseln (Urk. 200872).
2.6. Vorliegend sind nicht nur die Vorbringen, die mit den Schriftstücken belegt
werden sollen, äusserst unglaubhaft. Auch die Schriftstücke selbst vermögen in
keiner Weise zu überzeugen. Auffallend ist zunächst die äusserst ungewöhnliche
formelle Gestaltung. Die Bankdokumente sind laienhaft angefertigt und weisen ein
sehr unprofessionelles und unsorgfältiges Erscheinungsbild auf. Sie entsprechen
in keiner Weise der üblichen Qualität von Bankunterlagen. Zu verweisen ist dies-
bezüglich auf die teilweise dilettantischen Firmen- und Adressangaben, die Un-
gewöhnlichkeit der verwendeten Schriften sowie die hohe Anzahl an Stempeln
(vgl. u.a. Urk. 200108; Urk. 200115; Urk. 200130; Urk. 200131; Urk. 200137). Auf-
fallend ist zudem, dass Dokumente aus den Jahren 1999 und 2001 vorliegen, die
angeblich von der B'._ B._/... [Abkürzung Deutsch] ausgestellt wurden
(Urk. 200130; Urk. 200131; Urk. 200137). Zu diesem Zeitpunkt war die Fusion mit
dem H._ jedoch bereits vollzogen worden. Insgesamt hinterlassen die Do-
kumente in Bezug auf ihre Qualität einen äusserst schlechten Eindruck (vgl. dazu
auch die beschlagnahmten Schriftstücke), was durch die gutachterlichen Feststel-
lungen bestätigt wird. Demzufolge stehen die untersuchten Schrifttücke in keinem
qualitativen und sicherheitstechnischen Verhältnis zur Höhe der Forderungen. Es
sei unvorstellbar, dass eine Bank einen Wechsel in Milliardenhöhe mit einem Do-
kument bestätige, welches weder im Trägermaterial noch im Druck Sicherheit-
selemente aufweise und von jedermann erstellt werden könne. Authentische
Wertpapiere würden normalerweise aus Sicherheitspapier bestehen und in einer
Kombination von konventionellen Druckverfahren hergestellt. Zudem wiesen sol-
che Dokumente werthaltige Sicherheitselemente auf (Urk. 098033; Urk. 098043;
vgl. auch 098004).
- 16 -
Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, weisen die Schriftstücke erhebli-
che Schreibfehler auf (Urk. 37 S. 11). Dass diese absichtlich in die Dokumente
eingebaut wurden, um die Dokumente als Fälschungen darzustellen bzw. nicht
berechtigte Personen zu entlarven, wie der Beschuldigte teilweise geltend machte
(Urk. 060007; Urk. 060037), überzeugt nicht, zumal auch die Stempel Fehler auf-
weisen. Die Schriftstücke vermögen auch inhaltlich nicht zu überzeugen, zumal
die Texte teilweise völlig unverständlich sind. Schliesslich finden sich auf den Do-
kumenten verschiedentlich Hinweise auf die Mitwirkung von Schweizer Behörden
bzw. Unternehmen. Es ist jedoch nicht ersichtlich, inwiefern diese bei der Abwick-
lung der behaupteten Geschäfte hätten mitwirken sollen. Die Dokumente enthal-
ten zudem Bezeichnungen, die keiner existierenden Behörde bzw. Gesellschaft
zugeordnet werden können ("K._" [Urk. 200106]; "K'._ [Urk. 200106];
"L._" [Urk. 200107]; "M._" [Urk. 200162; Urk. 200194]; "J'._"
[Urk. 200130; Urk. 200137]; "N._" [Urk. 200107]; "O._" [Urk. 200116 ff.];
vgl. dazu auch Urk. 002023; Urk. 17).
2.7. Im Ergebnis ist der Vorinstanz (Urk. 37 S. 12) darin zu folgen, dass die den
Schweizer Behörden vorgelegten Dokumente, die angeblich von der B._ AG
bzw. C._ AG respektive deren Vorgängerbanken stammen und Ansprüche in
Milliardenhöhe gegen die Banken belegen sollen, nicht im Verantwortungsbereich
von Banken ausgestellt wurden und es sich demzufolge um Fälschungen handelt.
3. Innerer Sachverhalt
3.1. Die Verteidigung machte vor Vorinstanz sowie im Berufungsverfahren gel-
tend, der Beschuldigte sei im Zeitpunkt der fraglichen Anzeigen und Betreibungen
felsenfest davon überzeugt gewesen, echte Urkunden in den Händen zu halten
und tatsächlich mit einem Inkassomandat über Vermögen der ... Königsfamilie be-
traut gewesen zu sein. Dies habe sich im Rahmen sämtlicher Einvernahmen und
Eingaben gezeigt (Urk. 26 S. 5 ff.; vgl. auch Urk. 25 S. 5 ff. und Urk. 56 S. 9).
3.2. Was der Täter wusste und wollte bzw. in Kauf nahm, gehört zum subjekti-
ven Tatbestand. Es geht dabei um einen inneren Vorgang, auf den nur anhand
einer Würdigung des äusseren Verhaltens des Täters sowie allenfalls weiterer
- 17 -
Umstände geschlossen werden kann. Die Feststellung des subjektiven Tatbe-
stands ist damit Bestandteil der Sachverhaltsabklärung. Da in diesem Bereich
Tat- und Rechtsfragen sehr eng miteinander verbunden sind, drängt sich regel-
mässig auf, diese Fragen lediglich einmal unter dem Aspekt der rechtlichen Wür-
digung zu behandeln. Hierzu ist auf die folgenden Erwägungen zu verweisen.
III. Rechtliche Würdigung
1. Urkundenfälschung
1.1. Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen zum Tatbestand der Urkun-
denfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB zutreffend dargelegt (Urk. 37
S. 23 f.). Auf diese Erwägungen kann zwecks Vermeidung von Wiederholungen
verwiesen werden.
1.2. Wie bereits dargelegt, hat der Beschuldigte zum Nachweis der gegen die
B._ AG bzw. C._ AG geltend gemachten Forderungen gefälschte
Schriftstücke eingereicht. Der Vorinstanz ist darin zu folgen, dass es sich bei die-
sen Schriftstücken um Urkunden im strafrechtlichen Sinne handelt (vgl. Art. 110
Abs. 4 StGB). Auf ihre zutreffenden Erwägungen kann verwiesen werden (Urk. 37
S. 24 f.). Insbesondere hat die Vorinstanz richtig ausgeführt, dass bei der Beurtei-
lung der Beweiseignung eines Dokuments nicht die Beweiskraft der Erklärung im
Einzelfall, sondern ihre allgemeine Beweistauglichkeit massgebend ist (Urk. 37
S. 25). Die Argumentation der Verteidigung, den vom Beschuldigten im Januar
2015 bei der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich eingereichten Beilagen
könne keine Urkundenqualität zukommen, da diese bereits von den Gutachtern
sowie Gerichten als Totalfälschungen eingestuft worden seien (Urk. 26 S. 12 f.;
Urk. 56 S. 10), überzeugt deshalb nicht. Abgesehen davon handelt es sich dabei,
soweit ersichtlich, auch um neu eingereichte Unterlagen. Mit der Vorinstanz ist
der objektive Tatbestand von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 3 StGB erfüllt.
1.3. In subjektiver Hinsicht erfordert Art. 251 Ziff. 1 StGB Vorsatz bezüglich aller
objektiven Tatbestandsmerkmale, wobei Eventualvorsatz genügt (BGE 138 IV
- 18 -
130 E. 3.2.1). Weiter wird vorausgesetzt, dass der Täter in der Absicht handelt,
jemanden am Vermögen oder an andern Rechten zu schädigen oder sich oder
einem andern einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen. Vorsätzlich begeht
ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt. Vor-
sätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in
Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB). Ob der Täter die Tatbestandsverwirklichung im
Sinne des Eventualvorsatzes in Kauf genommen hat, muss das Gericht bei Feh-
len eines Geständnisses aufgrund der Umstände entscheiden. Dazu gehören die
Grösse des dem Täter bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung, die
Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung, die Beweggründe des Täters und die Art
der Tathandlung. Je grösser die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirkli-
chung ist und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto näher liegt
die Schlussfolgerung, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf ge-
nommen. Das Gericht darf vom Wissen des Täters auf den Willen schliessen,
wenn sich dem Täter der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufdrängte,
dass die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als In-
kaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3 mit Hin-
weis).
1.4. Vorliegend bestanden konkrete Anzeichen dafür, dass es sich bei den frag-
lichen Schriftstücken um Fälschungen handelt. Zu verweisen ist auch an dieser
Stelle zunächst auf den unglaubhaften Sachverhalt, der mit den Schriftstücken
hätte belegt werden sollen. Wie bereits dargelegt, erscheint es höchst zweifelhaft,
dass der frühere ... Präsident über Vermögenswerte im Wert von Fr. 170 Milliar-
den verfügt haben soll. Nicht ersichtlich ist des Weiteren, weshalb dessen angeb-
licher Vermögensnachfolger, F._, als Gegenleistung für das Einziehen der
Forderung 51% des Milliardenvermögens auf E._ hätte übertragen sollen.
Auffallend sind auch die ungewöhnliche formelle und inhaltliche Gestaltung der
Dokumente sowie die vorhandenen Schreibfehler. Aus den Aussagen des Be-
schuldigten ergibt sich, dass er diese Umstände ebenfalls bemerkt hat
(Urk. 060007; Urk. 060035 ff.; Urk. 060089 f.). Dass er sich dafür unterschiedli-
che, teilweise eher abenteuerliche Erklärungen zurechtlegte (vgl. dazu auch die
Vorinstanz, Urk. 37 S. 18 ff.), ändert nichts daran. Massgebend ist, dass dem Be-
- 19 -
schuldigten die Merkmale, die auf eine Fälschung der Dokumente hindeuteten,
ebenfalls aufgefallen sind.
1.5. Dem Beschuldigten war bei Aufnahme seiner Tätigkeit für F._ und
E._ bekannt, dass die Banken Ansprüche aus einem angeblichen Milliarden-
vermögen des ... Präsidenten D._ abgelehnt hatten und die Authentizität der
vorgelegten Dokumente in Frage gestellt worden war. Dies zeigen seine Aussa-
gen (Urk. 060005 ff.; Urk. 060086 f.; Urk. 060096 f.; Urk. 060105). Im Zusammen-
hang mit der Angelegenheit D._ waren sogar bereits strafrechtliche Schritte
eingeleitet worden. Am 1. September 2011 hatte das Eidgenössische Finanzde-
partement (EFD) Strafanzeige gegen E._ wegen Urkundenfälschung und
versuchten Betrugs gestellt (Urk. 030001). In der Strafanzeige wird ausgeführt,
E._ habe sich mit Schreiben vom 11. April 2011 an das EFD gewandt und
geltend gemacht, dass er gegenüber der B._ einen Anspruch auf eine Geld-
forderung in hohem Umfang habe. E._ habe angegeben, dass sich die
B._ weigere, ihm diese Geldforderung zu begleichen, weshalb die Schweize-
rische Eidgenossenschaft für die geltend gemachte Forderung aufzukommen ha-
be. Das EFD habe das Begehren mit Schreiben vom 5. Mai 2011 abgewiesen,
wobei festgehalten worden sei, dass es sich offensichtlich nicht um durch die
B._ oder ihre Vorgängerbanken erstellte Dokumente handeln könne.
E._ sei darauf hingewiesen worden, dass sein Verhalten strafrechtlich rele-
vant sein könne (Urk. 030002). In der Strafanzeige wird weiter ausgeführt, dass
die gleichen Dokumente in der Vergangenheit schon mehrmals von verschiede-
nen Personen vorgelegt worden seien, um eine angebliche Forderung zu begrün-
den (Urk. 030003). Schliesslich wird festgehalten, es bestehe der konkrete Ver-
dacht, dass es sich bei den von E._ beigelegten Dokumenten um Fälschun-
gen handle, wofür insbesondere die erheblichen Schreibfehler sprächen. Es be-
stehe daher der konkrete Verdacht, dass sich E._ mit Hilfe der vermutungs-
weise gefälschten Dokumente unrechtmässig habe bereichern wollen
(Urk. 030003).
Die Strafanzeige vom 1. September 2011 war Bestandteil der Dokumente, die der
Beschuldigte von seinen Auftraggebern erhalten hat; ebenfalls das Schreiben des
- 20 -
Eidgenössischen Finanzdepartements vom 5. Mai 2011. Der Beschuldigte hat
anerkannt, diese Dokumente vor Aufnahme seiner Tätigkeit zur Kenntnis genom-
men zu haben (Urk. 060086 f.; Urk. 060096; Urk. 060105). Weiter gab er an, ge-
wusst zu haben, dass im Zusammenhang mit dem Vermögen von D._ inter-
national gefälschte Dokumente im Umlauf sind (Urk. 060087). Sämtliche vom Be-
schuldigten bei den Schweizer Behörden eingereichten Dokumente waren ihm
von E._ bzw. dessen Vertragspartner, F._, übergeben worden
(Urk. 060077; Urk. 060096; Urk. 060103 ff.; vgl. auch die Aussagen von E._,
Urk. 060052 ff.). Der Beschuldigte hat die von ihm verwendeten Schriftstücke so-
mit von einer Person erhalten, die wegen Urkundenfälschung und Betrugs ange-
zeigt worden war, was ihm wie erwähnt von Anfang an bekannt war. Vor diesem
Hintergrund erscheint es nicht glaubhaft, wenn der Beschuldigten geltend macht,
nicht mit gefälschten Dokumenten gerechnet zu haben. Der Beschuldigte brachte
diesbezüglich vor, er habe das Antwortschreiben vom 5. Mai 2011 zusammen mit
30'000 Seiten weiteren Akten zur Kenntnis genommen. Für ihn sei die Gesamtbe-
trachtung des ganzen Aktenbergs entscheidend gewesen (Urk. 060105). Nach-
dem die Schweizer Behörden Dokumente von E._ als Fälschungen einge-
stuft haben, muss dem Beschuldigen jedoch bewusst gewesen sein, dass es sich
entgegen seiner (angeblichen) Einschätzung in Tat und Wahrheit anders verhal-
ten könnte. Dessen ungeachtet hat er vor Einreichen der Dokumente keinerlei
Bemühungen unternommen, um deren Authentizität abzuklären. Vielmehr hat der
Beschuldigte den Schweizer Behörden trotz der vorhandenen Unklarheiten zahl-
reiche Dokumente aus der ihm übergebenen Sammlung von Schriftstücken einge-
reicht.
Insgesamt war das Geschäft somit schon von Beginn an derart, dass man nicht
ernsthaft daran glauben konnte. Dass angesichts der dilettantischen und unübli-
chen Fälschungen etwas faul war, drängte sich dem Beschuldigten gebieterisch
auf.
1.6. Bezüglich der im Januar 2015 eingereichten Dokumente kommt hinzu,
dass der Beschuldigte mehrfach geltend machte, er sei infolge des Umstands,
dass E._ aus der Haft entlassen worden sei, davon ausgegangen, dass alles
- 21 -
in Ordnung sei (Urk. 060034; Urk. 060101 ff.; Urk. 060114; Urk. 25 S. 7). Dies er-
scheint jedoch nicht glaubhaft, zumal die Vorwürfe gegen E._ nicht fallen ge-
lassen wurden. Im Übrigen geht aus den Akten auch hervor, dass die Verhaftung
von E._ erst im September 2013 erfolgte (Urk. 030013). Zu diesem Zeitpunkt
war der Beschuldigte bereits von weiteren Behörden darüber informiert worden,
dass von ihm verwendete Dokumente als Fälschungen eingestuft werden. So wird
in den beiden Nichtanhandnahmeverfügungen der Staatsanwaltschaft III des Kan-
tons Zürich vom 4. Juni 2013 betreffend die vom Beschuldigten eingereichten
Strafanzeigen ausgeführt, dass die Banken die Echtheit der eingereichten Schrift-
stücke in Frage gestellt hätten. Es sei von Seiten der Banken darauf hingewiesen
worden, dass es sich dabei um Fälschungen handle bzw. dass sich der Beschul-
digte auf unzählige offenkundig gefälschte Bankdokumente berufe, die allesamt
Fantasieprodukte darstellen würden (Urk. 201023 f.; Urk. 201027). Die Staatsan-
waltschaft III des Kantons Zürich begründete die Nichtanhandnahme unter ande-
rem damit, dass es sich bei den eingereichten Dokumenten auch aus Sicht der
Staatsanwaltschaft zumindest teilweise um Fälschungen handle (Urk. 201024;
Urk. 201027). Die entsprechenden Verfügungen wurden vom Beschuldigten am
19. Juni 2013 entgegen genommen (Urk. 201035). Er hat denn auch anerkannt,
deren Inhalt, einschliesslich die Passage, wonach die Dokumente teilweise ge-
fälscht seien, zur Kenntnis genommen zu haben (Urk. 060115). Dem Beschuldig-
ten war damit bekannt, dass die Bankdokumente nicht nur von den Bankinstituten
und vom Eidgenössischen Finanzdepartement, sondern auch von den Strafver-
folgungsbehörden teilweise als gefälscht qualifiziert wurden. Auch die
III. Strafkammer des Obergerichtes Zürich wies den Beschuldigten auf diesen
Umstand hin. Im Beschluss vom 25. September 2013 betreffend Nichtanhand-
nahme wird ausgeführt, die Vorbringen des Beschuldigten würden von Vornherein
als absurd anmuten. Bei den von ihm eingereichten Unterlagen handle es sich
zumindest teilweise um offensichtliche Fälschungen (Urk. 201258).
Im Laufe der von ihm eingeleiteten Betreibungsverfahren wurde der Beschuldigte
ebenfalls mehrfach auf die Urkundenfälschungen hingewiesen. Wie erwähnt, be-
trieb der Beschuldigte die B._ AG mit Zahlungsbefehl vom 19. März 2013
über den Betrag von Fr. 170 Milliarden (Urk. 020047). Gegen den Zahlungsbefehl
- 22 -
reichte die B._ AG Beschwerde ein und beantragte, es sei der Zahlungsbe-
fehl bzw. die Betreibung als rechtsmissbräuchlich und damit als nichtig zu erklä-
ren (Urk. 020261). In Gutheissung der Beschwerde stellte das Bezirksgericht Zü-
rich die Nichtigkeit der Betreibung fest. Im Beschluss vom 24. Oktober 2013 wird
ausgeführt, es bestehe der qualifizierte Tatverdacht einer Urkundenfälschung,
weshalb von Amtes wegen Strafanzeige einzureichen sei (Urk. 020264). Das vom
Beschuldigten am 12. August 2013 gestellte Wechselbetreibungsbegehren
(Urk. 020149 ff.) wurde vom Betreibungsamt Zürich 1 mit Verfügung vom
19. August 2013 abgewiesen. Die gegen diese Verfügung eingereichte Be-
schwerde wies das Bezirksgericht Zürich am 17. Oktober 2013 ab, wobei Anzeige
wegen des Verdachts auf Urkundenfälschung erstattet wurde (Urk. 010001 ff.).
Die vom Beschuldigten gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde wurde
vom Obergericht Zürich mit Urteil vom 20. Januar 2014 abgewiesen. Das Oberge-
richt Zürich hielt in seinem Urteil fest, es bestehe ein erheblicher Verdacht auf Ur-
kundenfälschung (Urk. 010008). Dessen ungeachtet reichte der Beschuldigte am
26. Januar 2015 erneut gefälschte Schriftstücke bei der Oberstaatsanwaltschaft
des Kantons Zürich ein. Zu diesem Zeitpunkt lief gegen den Beschuldigten bereits
die vorliegende Strafuntersuchung wegen Urkundenfälschung. Das Zwangs-
massnahmengericht hatte am 25. Januar 2014 Untersuchungshaft gegen den Be-
schuldigten angeordnet, was mit dem dringenden Tatverdacht betreffend Urkun-
denfälschung begründet worden war (Urk. 152041 ff.). Im Laufe der gegen den
Beschuldigten geführten Strafuntersuchung wurden mehrere Einvernahmen mit
ihm durchgeführt. Der Beschuldigte wurde im Rahmen dieser Einvernahmen wie-
derholt auf den Verdacht der Urkundenfälschung hingewiesen sowie über die Fäl-
schungsmerkmale gemäss Kurzbericht des Forensischen Instituts informiert (vgl.
Urk. 060034 f.).
Vor dem dargelegten Hintergrund kann der Beschuldigte nicht mehr auf die Echt-
heit der von ihm verwendeten Schriftstücke vertraut haben. Die Wahrscheinlich-
keit, es mit gefälschten Dokumenten zu tun zu haben, war derart hoch, dass seine
Verhaltensweise nicht anders interpretiert werden kann, als dass er es in Kauf
genommen hat, gefälschte Urkunden zu verwenden. Es mag durchaus sein, dass
der Beschuldigte hoffte, dass die Einschätzung der Behörden nicht zutrifft. Die
- 23 -
blosse Hoffnung auf das Ausbleiben des tatbestandsmässigen Erfolgs schliesst
eine Inkaufnahme im Sinne eventualvorsätzlicher Tatbegehung jedoch nicht aus.
Es bedeutet lediglich, dass der Erfolgseintritt als solcher unerwünscht ist (BGE
130 IV 58 E. 9.1.1). Der Beschuldigte handelt demnach zumindest eventualvor-
sätzlich.
1.7. Entgegen der Verteidigung (Urk. 26 S. 8 ff.; Urk. 56 S. 7 ff.) bleibt im vor-
liegenden Fall kein Raum für einen Sachverhaltsirrtum. Wie bereits dargelegt, ha-
ben es die konkreten Umstände dem Beschuldigten nicht mehr erlaubt, darauf zu
vertrauen, über echte Dokumente zu verfügen. Dass sich der Beschuldigte mit der
Thematik Urkundenfälschung beschäftigt hat, zeigen im Übrigen auch zwei Notiz-
zettel, die im Rahmen der bei ihm am 6. März 2014 durchgeführten Hausdurchsu-
chung sichergestellt wurden. Neben dem von der Vorinstanz bereits erwähnten
Zettel mit den Anmerkungen "Kontonummern öffnen, Kontrolle; Fälschungen,
Was Unternommen (U-Schrift, Papier, Tinte - Almanach, Original Vergl.?), ...-
Fingerprints, Unterlagen, Aushändigen" (Urk. 095052), wird auf einem weiteren
Notizzettel festgehalten: "?Urkunden ok nicht ok" (Urk. 095051). Daraus geht
ebenfalls hervor, dass sich der Beschuldigte aufgrund der von Seiten der Behör-
den erfolgten Hinweise mit der Möglichkeit von gefälschten Urkunden auseinan-
dersetzte. Wer sich bewusst für Nichtwissen entscheidet, kann sich nicht darauf
berufen, dass die Tatbestandsverwirklichung nicht antizipierbar war. Wer weiss,
dass er nichts weiss, irrt nicht (BGE 135 IV 12 E. 2.3.1). Der Umstand, dass der
Beschuldigte im April 2014 einen Gutachter mit der Untersuchung der Dokumente
beauftragte, vermag entgegen der Verteidigung (Urk. 26 S. 10 f.) nichts daran zu
ändern. Vielmehr kann daraus ebenfalls abgeleitet werden, dass dem Beschuldig-
ten das Risiko von gefälschten Urkunden bewusst war. Dabei ist darauf hinzuwei-
sen, dass die Frage der verminderten Schuldfähigkeit nicht – wie von der Vertei-
digung gefordert (Urk. 56 S. 9 f.) – an dieser Stelle, beim Vorsatz, zu prüfen ist,
sondern im Rahmen der Strafzumessung zu berücksichtigen sein wird.
1.8. Die Vorinstanz lastete dem Beschuldigten direktvorsätzliches Handeln an.
Der Beschuldigte habe gewusst, dass es sich bei den Bankgarantien und den
weiteren Schriftstücken in diesem Zusammenhang um Fälschungen gehandelt
- 24 -
habe (Urk. 37 S. 21, 25 und 42). Die Anklage scheint indes von Eventualvorsatz
auszugehen. In der Anklageschrift wird ausgeführt, der Beschuldigte habe es von
Anfang an ernsthaft für möglich gehalten und in Kauf genommen, dass die fragli-
chen Schriftstücke gefälscht seien. Im Verlauf der Zeit habe sich für ihn die Dring-
lichkeit dieser Möglichkeit gesteigert (Urk. 001010; Urk. 001012). Unabhängig da-
von fehlen vorliegend auch Beweise für einen direkten Vorsatz des Beschuldig-
ten. Als innere Tatsache lässt sich dies ohnehin nur schwer nachweisen. Vorlie-
gend lassen die vorstehend aufgeführten Gründe zwar den Schluss zu, dass der
Beschuldigte mit der Möglichkeit von gefälschten Dokumenten rechnete. Es kann
dem Beschuldigten jedoch nicht mit rechtsgenügender Sicherheit nachgewiesen
werden, dass er im Sinne eines direkten Vorsatzes von gefälschten Dokumenten
ausging. Dies gilt auch für die im Januar 2015 eingereichten Dokumente. Zwar
waren zu diesem Zeitpunkt bereits Urkunden vom Forensischen Institut unter-
sucht und als Totalfälschungen eingestuft worden. Bei den eingereichten Unterla-
gen handelt es sich jedoch nicht um diejenigen Dokumente, die in den beiden
Gutachten analysiert wurden. Es trifft sodann zu, dass die Aussagen des Be-
schuldigten zur Qualität der Urkunden, insbesondere den vorliegenden Schreib-
fehlern, nicht zu überzeugen vermögen. Daraus lässt sich jedoch nicht automa-
tisch der Schluss ziehen, der Beschuldigte habe sichere Kenntnis von den Fäl-
schungen gehabt. Das Vorgehen des Beschuldigten spricht ebenfalls gegen einen
direkten Vorsatz. Hätte der Beschuldigte sicher gewusst, dass es sich um Fäl-
schungen handelt, hätte er die Schriftstücke wohl kaum den Schweizer Strafver-
folgungsbehörden eingereicht. Die Verteidigung hat diesbezüglich zu Recht da-
rauf hingewiesen, dass man in einer solchen Situation normaler- und sinnvoller-
weise nicht an die staatlichen Behörden gelangt (Urk. 26 S. 8). Der Beschuldigte
hätte in der gegen ihn wegen Urkundenfälschung geführten Untersuchung auch
wohl kaum Akten eingereicht, von denen er sicher wusste, dass es sich um Fäl-
schungen handelte.
1.9. Wie erwähnt, verlangt der subjektive Tatbestand der Urkundenfälschung
ein Handeln in der Absicht, jemanden am Vermögen oder an andern Rechten zu
schädigen oder sich oder einem andern einen unrechtmässigen Vorteil zu ver-
schaffen. Eventualabsicht genügt (DONATSCH/THOMMEN/WOHLERS, Strafrecht IV,
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5. Aufl. 2017, S. 163 mit Hinweisen). Die Vorinstanz hielt diesbezüglich zutreffend
fest, der Beschuldigte habe mit dem Einreichen der Schriftstücke bei den Behör-
den und Gerichten beabsichtigt, die Banken zu angeblich geschuldeten Zahlun-
gen zu bewegen (Urk. 37 S. 25). Zudem habe sich der Beschuldigte dadurch
auch in der Öffentlichkeit als erfolgreicher Wirtschaftsmediator präsentieren wol-
len, was ebenfalls als unrechtmässiger Vorteil zu qualifizieren sei (Urk. 37 S. 22
und 25 f.). Weiter wies die Vorinstanz zu Recht darauf hin, dass beim Beschuldig-
ten keine vollständige Aufhebung der Schuldfähigkeit vorliegt (Urk. 37 S. 26 f.).
Mit der Vorinstanz ist der Beschuldigte daher der mehrfachen Urkundenfälschung
im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 3 StGB schuldig zu sprechen.
2. Versuchte Nötigung
2.1. Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen zum Tatbestand der Nöti-
gung im Sinne von Art. 181 StGB zutreffend dargelegt (Urk. 37 S. 27 ff.). Auf die-
se Erwägungen kann zwecks Vermeidung von Wiederholungen verwiesen wer-
den.
2.2. Vorliegend ist erstellt, dass der Beschuldigte am 9. Februar 2013 gegen
die B._ AG bzw. C._ AG Strafanzeige gestellt hat. Ebenfalls erstellt ist,
dass der Beschuldigte am 19. März 2013 beim Betreibungsamt Zürich 1 ein Be-
treibungsbegehren über Fr. 170 Milliarden sowie gleichentags beim Bezirksgericht
Zürich ein Arrestbegehren in derselben Höhe gegen G._ gestellt hat. Am
12. August 2013 wurde beim Betreibungsamt Zürich 1 zudem ein Wechselbetrei-
bungsbegehren eingereicht. Dem Beschuldigten wird in der Anklage nicht vorge-
worfen, er habe den Verantwortungsträgern der B._ AG bzw. C._ AG
mit einer Strafanzeige gedroht, falls sie die geltend gemachte Milliardenforderung
nicht anerkennen bzw. keinen Vergleich abschliessen würden. Es wird ihm auch
nicht zur Last gelegt, er habe rechtliche Schritte, insbesondere Betreibungen, für
den Fall angekündigt, dass die Forderung weiterhin bestritten werde. Das Nöti-
gungsmittel der Androhung ernstlicher Nachteile fällt vorliegend daher ausser Be-
tracht.
- 26 -
2.3. Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB kann auch durch andere Beschrän-
kung der Handlungsfreiheit erfolgen. Diese Generalklausel wurde infolge der Be-
fürchtung aufgenommen, der Begriff der Gewalt könne zu eng gefasst sein, um
auch Betäubung oder Hypnose zu erfassen. Aufgrund ihrer weiten Formulierung
muss sie restriktiv ausgelegt werden. Es kommt nur ein Mittel in Betracht, welches
die Willensfreiheit in ähnlicher Weise beschränkt wie Gewalt oder Drohung. Die
nötige Intensität erkannte das Bundesgericht z.B. im organisierten und mit Mega-
fonen unterstützten Niederschreien einer Rede oder in der Blockierung von Ver-
kehrswegen (vgl. dazu STRATENWERTH/JENNY/BOMMER, Schweizerisches Straf-
recht, Besonderer Teil I: Straftaten gegen Individualinteressen, 7. Aufl. 2010,
S. 126 ff.).
2.4. Ein Strafverfahren bedeutet für die beschuldigte Person regelmässig eine
erhebliche Belastung. Die Drohung mit einer Strafanzeige erfüllt denn auch
grundsätzlich den Tatbestand der Nötigung, da damit ernstliche Nachteile in Aus-
sicht gestellt werden. Dies bedeutet jedoch nicht, dass das Einreichen einer
Strafanzeige in jedem Fall die für eine Beschränkung der Handlungsfreiheit not-
wendige Intensität erreicht. Eine Nötigungshandlung muss geeignet sein, den Wil-
len des Betroffenen zu brechen oder mindestens zu beeinflussen. Die vom Be-
schuldigten bei den Strafverfolgungsbehörden eingereichten Strafanzeigen waren
von Vornherein nicht geeignet, die Banken in ihrer Handlungsfreiheit zu be-
schränken, zumal sie wie erwähnt nicht gegen eine bestimmte bzw. bestimmbare
Person gerichtet waren und keine klaren strafrechtlichen Anschuldigungen ent-
hielten. Die Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich verfügte am 4. Juni 2013
die Nichtanhandnahme der Strafuntersuchung. Die vom Beschuldigten erhobenen
Vorwürfe würden bei Weitem keinen genügenden Anfangsverdacht für die Eröff-
nung einer Strafuntersuchung begründen (Urk. 201024; Urk. 201027). Vor diesem
Hintergrund kann in den Eingaben des Beschuldigten bei den Strafverfolgungs-
behörden kein die Willensfreiheit beschränkendes Zwangsmittel erkannt werden.
Entgegen der Staatsanwaltschaft liegt auch keine versuchte Tatbegehung vor.
Die Strafbarkeit einer Nötigung setzt in der Regel ein, wenn damit begonnen wur-
de, Druck auf eine Person auszuüben. Ein Nötigungsversuch liegt vor, wenn sich
das Opfer trotz Einsatz des Nötigungsmittels nicht so verhält, wie der Täter es
- 27 -
will. Die Willensfreiheit der Banken bzw. deren Repräsentanten wurde vorliegend
in keiner Weise tangiert. Nachdem die Generalklausel der anderen Beschränkung
der Handlungsfreiheit restriktiv anzuwenden ist, besteht auch kein Anlass, die
Eingaben des Beschuldigten bei den Strafverfolgungsbehörden bereits als Ver-
such einer Nötigung zu qualifizieren. Im Übrigen ist auch fraglich, ob der Beschul-
digte mit den Eingaben vom 9. bzw. 20. Februar 2013 tatsächlich auf die Eröff-
nung einer Strafuntersuchung hinwirken wollte. Die zeitlich ersten Schreiben sind
zwar mit "Anzeige" betitelt und der Beschuldigte spricht darin teilweise von illega-
len und unerlaubten Handlungen der Banken. Die ausdrücklich gestellten Anträge
lauten jedoch auf Einblick in die Bankkonten, sofortige Verfügbarkeit über die
Konten sowie Einblick in alle Kontobewegungen und Zinsgutschriften
(Urk. 020001 f.; Urk. 020021). Der Antrag auf Eröffnung einer Strafuntersuchung
wird an keiner Stelle gestellt.
2.5. Wie bereits dargelegt, kommt bei der Tatbestandsvariante der anderen Be-
schränkung der Handlungsfreiheit nur ein Verhalten in Betracht, dem eine der
Gewaltanwendung und der Androhung ernstlicher Nachteile vergleichbare
Zwangswirkung zukommt. Die Möglichkeit, einem angedrohten Nachteil auf dem
Rechtsweg zu begegnen, kann die Annahme eines ernstlichen Nachteils aus-
schliessen (vgl. dazu BGE 115 IV 207 E. 2a; BGE 122 IV 322 E. 1a). Die Drohung
mit einer Betreibung ist deshalb nicht in jedem Fall als Androhung ernstlicher
Nachteile zu qualifizieren. Massgebend sind vielmehr die konkreten Umstände
des Einzelfalls. Dies ist darauf zurückzuführen, dass einem Schuldner zum
Schutz vor ungerechtfertigter Vollstreckung die Möglichkeit des Rechtsvorschlags
und damit der gerichtlichen Überprüfung der geltend gemachten Ansprüche zur
Verfügung steht. Besteht ein offensichtlicher Missbrauch des Betreibungsverfah-
rens, kann eine Betreibung zudem als nichtig erklärt werden. Aufgrund der zivil-
rechtlichen Instrumente, welche es zulassen, gegen eine ungerechtfertigte Betrei-
bung vorzugehen, kann im alleinigen Umstand einer Betreibung deshalb kein die
Willensfreiheit beschränkendes Zwangsmittel erkannt werden. Anders ist zu ent-
scheiden, wenn das Opfer im Hinblick auf eine Stellen- oder Wohnungsbewer-
bung oder wegen eines dringend benötigten Kredits einen einwandfreien Betrei-
- 28 -
bungsregisterauszug benötigt (vgl. zum Ganzen JOSITSCH/CONTE, Nötigung durch
Betreibung, in BlSchK 2017, S. 63 ff.).
Die B._ AG erhob in der vom Beschuldigten eingeleiteten Betreibung
Rechtsvorschlag. Gegen den Zahlungsbefehl reichte sie Beschwerde ein, mit dem
Antrag, es sei der Zahlungsbefehl bzw. die Betreibung als rechtsmissbräuchlich
und damit als nichtig zu erklären. Mit Beschluss vom 24. Oktober 2013 stellte das
Bezirksgericht Zürich in Gutheissung der Beschwerde fest, dass die vom Be-
schuldigten angehobene Betreibung nichtig sei. Das Betreibungsamt Zürich 1
wurde angewiesen, die Betreibung im Register zu löschen (Urk. 020267). Damit
war es der B._ AG mit verhältnismässig geringem Aufwand möglich, die Be-
treibung des Beschuldigten auf dem Rechtsweg zu beseitigen. Das vom Beschul-
digten am 12. August 2013 gestellte Wechselbetreibungsbegehren wurde vom
Betreibungsamt abgewiesen. Die Ausstellung der entsprechenden Zahlungsbe-
fehle wurde verweigert. Den dagegen ergriffenen Rechtsmitteln war kein Erfolg
beschieden (vgl. dazu Urk. 01000 ff.). Die Wechselbetreibung blieb damit ohne
weiteren rechtlichen Folgen. Die vom Beschuldigten angehobenen Betreibungen
waren im konkreten Fall daher nicht geeignet, die Handlungsfreiheit der B._
AG in irgendeiner Form zu beschränken. Die B._ AG konnte sich allfälligen
Beeinflussungsversuchen ohne Weiteres entziehen. Die in Betreibung gesetzte
Forderung war zudem derart hoch, dass auch unbeteiligte Drittpersonen nicht
ernsthaft auf deren Legitimität schliessen konnten. Dass mit den Betreibungen
rufschädigende Auswirkungen oder Wettbewerbsnachteile verbunden waren, ist
daher nicht ersichtlich und wird im Übrigen auch in der Anklage nicht behauptet.
Der objektive Tatbestand von Art. 181 StGB ist daher nicht erfüllt. Wie erwähnt,
kann nicht jeder Druck auf die Entscheidungsfreiheit eines anderen zu einer Be-
strafung nach Art. 181 StGB führen. Die Generalklausel der Beschränkung der
Handlungsfreiheit ist restriktiv anzuwenden. Vor diesem Hintergrund ist der Ver-
such einer Beschränkung der Handlungsfreiheit auch nicht als versuchte Nötigung
zu qualifizieren. Anders zu entscheiden würde bedeuten, dass auch querulatori-
sche Eingaben, mit denen offensichtlich unbegründete Ansprüche geltend ge-
macht werden, als versuchte Nötigungen qualifiziert werden müssten. Im Übrigen
lässt sich vorliegend auch nicht gänzlich ausschliessen, dass der Beschuldigte die
- 29 -
Betreibungsverfahren eingeleitet hat, um die von ihm behauptete (Milliarden-)
Forderung vollstrecken zu lassen, und nicht um die B._ AG unter Druck zu
setzen. In Bezug auf das vom Beschuldigten am 19. März 2013 gestellte Arrest-
begehren ist schliesslich darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte damit nicht
die Beschlagnahme von Vermögenswerten, sondern vielmehr die Verhaftung von
G._ erwirken wollte. Der Beschuldigte führte diesbezüglich aus, er habe sich
darunter dessen Arrestierung bei Brot und Wasser vorgestellt (Urk. 060109). Da-
mit erklärt sich auch, weshalb das Begehren nicht gegen die Bank, sondern eine
natürliche Person gerichtet war.
2.6. Unklar ist, ob die Staatsanwaltschaft im Umstand, dass der Beschuldigte
am 26. Januar 2015 bei der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich weitere
gefälschte Schriftstücke eingereicht hat, ebenfalls eine Nötigungshandlung sieht.
Dafür spricht, dass sie auf Hinweis der Vorinstanz, nur die Repräsentanten einer
juristischen Person könnten Opfer einer Nötigung sein (Urk. 12), die Umschrei-
bung "Verantwortungsträger der Oberstaatsanwaltschaft" in die Anklage aufnahm
(Urk. 15). Es wird in der Anklage jedoch nicht weiter ausgeführt und ist auch nicht
ersichtlich, wie der Beschuldigte die Oberstaatsanwaltschaft bzw. deren Verant-
wortungsträger durch das Einreichen von (gefälschten) Unterlagen in ihrer Hand-
lungsfreiheit hätte beschränken können.
2.7. Im Ergebnis kann das Vorgehen des Beschuldigten nicht als mehrfache
versuchte Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22 StGB
qualifiziert werden, weshalb er von diesem Anklagevorwurf freizusprechen ist.
3. Falsche Anschuldigung
3.1. Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen zum Tatbestand der fal-
schen Anschuldigung im Sinne von Art. 303 Ziff. 1 StGB zutreffend dargelegt
(Urk. 37 S. 32 ff.). Auf diese Erwägungen kann zwecks Vermeidung von Wieder-
holungen verwiesen werden.
3.2. Dass der Beschuldigte am 9. Februar 2013 bei der Oberstaatsanwaltschaft
des Kantons Zürich Anzeige gegen die B._ AG bzw. C._ AG erhoben
- 30 -
hat, ist erstellt. Mit Schreiben vom 20. Februar 2013 gelangte der Beschuldigte
erneut an die Strafverfolgungsbehörden und reichte weitere Unterlagen in dieser
Angelegenheit ein. In seinen Eingaben kritisiert der Beschuldigte das Verhalten
der Banken scharf. Diese würden den Kontoinhabern den Einblick sowie die Ver-
fügung über die Konten verweigern. Es werde daher Antrag auf Einblick in die
Konten, inklusive Kontobewegungen und Zinsgutschriften der letzten Jahre, sowie
auf sofortige Verfügbarkeit über die Konten gestellt (Urk. 020001; Urk. 020002;
vgl. auch Urk. 020021). Die Schreiben des Beschuldigten richteten sich gegen die
Banken als juristische Personen. Er bezichtigte darin keine konkrete Person eines
strafbaren Verhaltens. Eine juristische Person kann nicht Gegenstand einer Be-
schuldigung sein, ein Delikt begangen zu haben (BSK StGB-DELNON/RÜDY,
3. Aufl. 2013, Art. 303 N 9). Die Staatsanwaltschaft behalf sich für die Anklage-
schrift deshalb mit der Formulierung, der Beschuldigte habe auf die Eröffnung ei-
ner Strafuntersuchung gegen "Repräsentanten des B._-Konzern und des
C._-Konzern" hinwirken wollen (Ziffer 12). Eine Verurteilung wegen falscher
Anschuldigung im Sinne von Art. 303 Ziff. 1 StGB setzt indes voraus, dass die
angeschuldigte Person bestimmbar ist. Es muss zumindest aus den Umständen
erkennbar sein, wer gemeint ist (BSK StGB-DELNON/RÜDY, a.a.O., Art. 303 N 9).
Dies ist vorliegend nicht der Fall. Weiter wird vorausgesetzt, dass der Täter den
Behörden tatsächliche Umstände mitteilt, die geeignet sind, einen Anfangsver-
dacht zu begründen. Die Bezichtigung muss unmissverständlich den Vorwurf ent-
halten, der Beschuldigte werde eines Delikts für schuldig erachtet (BSK StGB-
DELNON/RÜDY, a.a.O., Art. 303 N 16). Wie bereits dargelegt, war für die Strafver-
folgungsbehörden nicht klar, welches strafbare Verhalten der Beschuldigte zur
Anzeige bringen wollte (vgl. Urk. 020056; Urk. 200362), was angesichts der teil-
weise unklaren und weitschweifigen Ausführungen nicht überrascht. Eine Verur-
teilung wegen falscher Anschuldigung fällt auch aus diesem Grund ausser Be-
tracht. Nachdem in diesem Anklagepunkt keine Verurteilung erfolgen kann, ist auf
eine Verbesserung der Anklage zu verzichten (vgl. oben Ziff. I.3.4.).
- 31 -
IV. Strafzumessung
1. Übergangsrecht
Am 1. Januar 2018 sind die revidierten Bestimmungen des allgemeinen Teils des
Strafgesetzbuches, das neue Sanktionenrecht, in Kraft getreten. Gemäss Art. 2
Abs. 1 StGB wird ein Straftäter nach demjenigen Recht beurteilt, das bei Bege-
hung der Tat in Kraft war. Das neue Recht ist indes anwendbar, wenn es für den
Täter das mildere ist (Art. 2 Abs. 2 StGB). Hinsichtlich derselben Tat ist entweder
nur das alte oder das neue Recht anzuwenden, eine kombinierte Anwendung ist
ausgeschlossen (Grundsatz der Alternativität). Nachdem die mit der Revision vor-
genommenen Änderungen primär den Anwendungsbereich der Geldstrafe betref-
fen bzw. einschränken (Wegfall des teilbedingten Vollzugs, Verkürzung der ma-
ximalen Anzahl Tagessätze auf 180, Festlegung einer Tagessatzuntergrenze)
bzw. die Wiedereinführung der kurzen Freiheitsstrafen (bis sechs Monate) mit
sich bringen, was gegenüber dem bisherigen Recht kaum als milder qualifiziert
werden kann, ist im Folgenden von der weiteren Anwendbarkeit des alten Rechts
auszugehen.
2. Strafrahmen und Strafzumessungsregeln
2.1. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung wiederholt
dargelegt (BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff. mit Hinweisen). Darauf kann vorab verwiesen
werden.
2.2. Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB wird mit Freiheits-
strafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft. Die Strafe ist wegen der mehr-
fachen Tatbegehung angemessen zu erhöhen (Art. 49 Abs. 1 StGB). Ausserge-
wöhnliche Umstände, die eine Erweiterung des ordentlichen Strafrahmens recht-
fertigen würden, sind keine ersichtlich.
3. Tatkomponenten
3.1. Bei der objektiven Tatschwere der Urkundenfälschung ist zunächst auf die
grosse Anzahl an gefälschten Schriftstücken hinzuweisen. Der mit den gefälsch-
- 32 -
ten Urkunden angestrebte Vermögensvorteil war erheblich, hätte damit doch eine
Milliardenforderung gegen die B._ AG belegt werden sollen. Zu Lasten des
Beschuldigten wirkt sich zudem die mehrfache Tatbegehung sowie der sich über
mehrere Jahre erstreckende Zeitraum des deliktischen Verhaltens aus. Mit der
Vorinstanz (Urk. 37 S. 42) ist von einem systematischen, geplanten Vorgehen
auszugehen. Der Beschuldigte hat innerhalb einer Zeitspanne von zwei Jahren
immer wieder gefälschte Bankunterlagen bei den Behörden eingereicht. Sein
Verhalten zeugt von einer erheblichen Hartnäckigkeit. Deutlich gemindert wird die
Tatschwere durch den Umstand, dass die vom Beschuldigten verwendeten Do-
kumente von den Behörden als offensichtliche Fälschungen erkannt wurden. Es
bestand zu keinem Zeitpunkt die Gefahr, dass der Beschuldigte sein Ziel würde
erreichen können. Die Eingaben waren für die Behörden jedoch mit einem nicht
unerheblichen Aufwand verbunden. Dem Beschuldigten kann vorliegend nicht an-
gelastet werden, die Urkunden selbst gefälscht zu haben, was sein Verschulden
relativiert. Es ist davon auszugehen, dass ein Täter für die Verwendung einer ge-
fälschten Urkunde im Vergleich zur Herstellung dieser Urkunde weniger kriminelle
Energie aufwenden muss. Insgesamt ist das objektive Tatverschulden als noch
leicht einzustufen.
3.2. Mit der Vorinstanz (Urk. 37 S. 42) ist von einem egoistischen Motiv auszu-
gehen. Dem Beschuldigten wurde für seine Tätigkeit in dieser Angelegenheit ein
Honorar versprochen (Urk. 060007). Im Weiteren war es ihm wohl auch ein Anlie-
gen, sich in der Öffentlichkeit als erfolgreicher Wirtschaftsmediator präsentieren
zu können. Verschuldensmindernd ist zu berücksichtigen, dass dem Beschuldig-
ten – im Gegensatz zur Vorinstanz, die von direktvorsätzlichem Tun ausging – le-
diglich eventualvorsätzliches Handeln anzulasten ist.
Das Schuldprinzip verlangt, dass die Strafe für eine in verminderter Schuldfähig-
keit begangene Tat geringer ist, als wenn der Täter unter sonst gleichen Umstän-
den voll schuldfähig gewesen wäre. Die geringere Strafe ergibt sich aus dem
leichteren Verschulden (MATHYS, Leitfaden Strafzumessung, 2016, N 118). Die
Staatsanwaltschaft gab am 31. Januar 2014 eine psychiatrische Begutachtung
des Beschuldigten bei med. pract. I._ in Auftrag (Urk. 096001 ff.). Dieser kam
- 33 -
in seinem Gutachten vom 25. März 2014 zum Schluss, dass beim Beschuldigten
zu den fraglichen Tatzeiträumen von einer leicht- bis mittelgradig ausgeprägten
Beeinträchtigung der Einsichts- und Steuerungsfähigkeit auszugehen sei
(Urk. 096069 f.; Urk. 096073 f.). Die gutachterliche Einschätzung wurde weder
von der Staatsanwaltschaft noch der Verteidigung in Frage gestellt. Es bestehen
auch keine triftigen Gründe, vom nachvollziehbaren tatsächlichen Befund des
psychiatrischen Sachverständigen abzuweichen. Die leicht- bis mittelgradige Ein-
schränkung der Schuldfähigkeit wirkt sich auf den subjektiven Tatbestand eben-
falls relativierend aus. Insgesamt wird die objektive Tatschwere durch die subjek-
tiven Komponenten daher beträchtlich relativiert.
3.3. Im Ergebnis erweist sich aufgrund des Tatverschuldens eine Geldstrafe im
Bereich von 150 Tagessätzen als angemessen.
4. Täterkomponenten
4.1. Die Vorinstanz hat die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten korrekt
wiedergegeben (Urk. 37 S. 44); diese Ausführungen sind an dieser Stelle nicht zu
wiederholen.
Aus den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten lassen sich keine straf-
zumessungsrelevanten Faktoren ableiten.
4.2. Mit der Vorinstanz (Urk. 37 S. 44) ist die Vorstrafenlosigkeit des Beschul-
digten (Urk. 18/1-2; Urk. 39) strafzumessungsneutral zu behandeln. Demgegen-
über wirkt sich die Delinquenz während laufender Strafuntersuchung leicht straf-
erhöhend aus. Der Beschuldigte hat am 26. Januar 2015 erneut gefälschte Ur-
kunden verwendet, obwohl zu diesem Zeitpunkt bereits wegen dieses Delikts ge-
gen ihn ermittelt wurde. Dies zeugt von ausgeprägter Uneinsichtigkeit und Unbe-
lehrbarkeit.
4.3. Der Beschuldigte hat letztendlich anerkannt, dass die von ihm verwendeten
Schriftstücke teilweise gefälscht waren. Dieses Eingeständnis erfolgte erst gegen
Schluss der Untersuchung nach Einholen von zwei forensischen Gutachten. Von
einem sofortigen und freiwilligen Geständnis kann daher nicht gesprochen wer-
- 34 -
den. In Anbetracht der vorliegenden Beweislage kann dem Beschuldigten auch
nicht attestiert werden, er habe Straftaten von sich aus offen gelegt, die ihm nicht
hätten nachgewiesen werden können. Nachdem sich die von ihm eingereichten
Schreiben und Unterlagen bei den Akten befanden, wäre ein Bestreiten der Tat-
vorwürfe wenig aussichtsreich gewesen. Der Vorinstanz (Urk. 37 S. 44 f.) ist bei-
zupflichten, dass der Beschuldigte in der Untersuchung bereitwillig aussagte und
ausführlich zu den Tatvorwürfen Stellung nahm. Er hat denn auch Eingeständnis-
se gemacht, die das Strafverfahren insgesamt vereinfacht haben. Festzuhalten ist
indes, dass der Beschuldigte nur beschränkt Einsicht und Reue erkennen lässt.
Insgesamt ist das Nachtatverhalten lediglich leicht strafmindernd zu berücksichti-
gen.
5. Fazit
Während sich die persönlichen Verhältnisse und der Werdegang des Beschuldig-
ten strafzumessungsneutral verhalten, ist die Delinquenz während laufender Un-
tersuchung leicht straferhöhend zu berücksichtigen. Das (Teil-) Geständnis des
Beschuldigten ist leicht strafmindernd zu veranschlagen. Im Ergebnis ist der Be-
schuldigte mit einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu bestrafen. Der Anrech-
nung der durch Haft erstandenen 71 Tagen an die Strafe steht nichts entgegen
(Art. 51 StGB).
6. Tagessatzhöhe
Die Vorinstanz hat die Kriterien zur Festsetzung des Tagessatzes zutreffend wie-
dergegeben (Urk. 37 S. 46). Vor Vorinstanz gab der Beschuldigte in Bezug auf
seine finanziellen Verhältnisse an, er erhalte eine monatliche IV-Rente von
EUR 1'200.– sowie ab Frühling 2018 eine zusätzliche Rente von monatlich rund
EUR 600.–. Vermögen habe er keines (Urk. 25 S. 1 ff.). Im Berufungsverfahren
reichte der Beschuldigte einen Beleg der Pensionsversicherungsanstalt von Ja-
nuar 2018 ein, gemäss dem ihm monatlich EUR 1'102.92 ausbezahlt werden
(Urk. 46/3). Bei diesem Betrag sind die Lohnsteuer sowie ein Krankenversiche-
rungsbeitrag bereits abgezogen (vgl. dazu auch die Aussagen des Beschuldigten
vor Vorinstanz, Urk. 25 S. 3). Anlässlich der Berufungsverhandlung gab der Be-
- 35 -
schuldigte an, er werde die Rente aus Deutschland von rund EUR 600.– erst in
einigen Jahren erhalten. Der von der Vorinstanz festgesetzte Tagessatz von
Fr. 70.– ist daher zu reduzieren. Ein Tagessatz von Fr. 40.– erweist sich als an-
gemessen.
V. Strafvollzug
Angesichts des Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO) steht der be-
dingte Vollzug der Geldstrafe sowie die Dauer der Probezeit nicht zur Disposition,
weshalb die diesbezügliche vorinstanzliche Regelung zu bestätigen ist.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Entschädigung der amtlichen Verteidigung
1.1. Mit Urteil vom 17. Januar 2018 entschädigte die Vorinstanz den amtlichen
Verteidiger mit insgesamt Fr. 33'140.– (Urk. 37 S. 54). Dagegen erhob der amtli-
che Verteidiger Beschwerde (Urk. 53/2). Wie erwähnt, liegt die Zuständigkeit für
die Beurteilung der Honoraransprüche der amtlichen Verteidigung bei der Beru-
fungskammer, falls gleichzeitig zur Beschwerde Berufung erhoben und auf die
Berufung eingetreten wird. Nachstehend ist deshalb über den Honoraranspruch
des amtlichen Verteidigers zu befinden.
1.2. Der amtliche Verteidiger machte vor Vorinstanz für das gesamte Strafver-
fahren ein Honorar von Fr. 36'778.95 geltend (vgl. Urk. 23/1-3; Urk. 24). Die gel-
tend gemachte Entschädigung setzt sich zusammen aus einer ersten Tranche
von Fr. 22'387.– für den Zeitraum vom 24. Januar 2014 bis 22. Juli 2015, einer
zweiten Tranche von Fr. 10'824.95 für den Zeitraum vom 23. September 2015 bis
13. Januar 2018 sowie einer letzten Tranche von Fr. 3'567.– für den Zeitraum
vom 15. bis 16. Januar 2018.
1.3. Die Honorarkürzung wurde von der Vorinstanz zunächst damit begründet,
dass die tatsächliche Dauer der Hauptverhandlung nicht wie von der Verteidigung
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geschätzt drei, sondern zwei Stunden betragen habe. Dementsprechend wurde
vom geltend gemachten Zeitaufwand eine Stunde in Abzug gebracht (vgl. Urk. 37
S. 52). Diese Kürzung (Fr. 220.– zzgl. 7.7 % MwSt., insgesamt Fr. 236.94) wird
vom amtlichen Verteidiger akzeptiert (Urk. 53/2 S. 3).
1.4. Im Weiteren nahm die Vorinstanz für das Vorverfahren eine Kürzung im
Umfang von Fr. 3'402.– vor (Fr. 3'150.– zzgl. 8 % MwSt.). Zur Begründung führte
sie aus, der geltend gemachte Anwaltsaufwand erscheine weder angemessen
noch notwendig, um die Verteidigung des Beschuldigten im vorliegenden Einzel-
richterfall wahrzunehmen. Die sich im Verfahren stellenden Fragen seien weder in
tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht überdurchschnittlich kompliziert, zumal
sich der Beschuldigte bezüglich des äusseren Sachverhalts geständig gezeigt
habe (Urk. 37 S. 51 f.). Für das Vorverfahren werde in der Honorarnote ein Zeit-
aufwand von 132,2 Stunden geltend gemacht. Dabei fielen Kontakte mit dem Be-
schuldigten, seien sie persönlich, telefonisch oder per E-Mail, erheblich ins Ge-
wicht. Unter diesem Titel würden insgesamt rund 30 Stunden aufgeführt. Dies sei
übermässig. Angesichts der notwendigen persönlichen Gespräche im Vorfeld von
Einvernahmen und im Hinblick auf wesentliche Verfahrensschritte (wie z.B. Gut-
achten) erschienen 15 Stunden als angemessen. Der übrige für Kontakte mit dem
Beschuldigten geltend gemachte Aufwand von 15 Stunden (7,5 Stunden à
Fr. 200.– und 7,5 Stunden à Fr. 220.–) sei nicht zu entschädigen (Urk. 37 S. 52).
Die Entschädigung der amtlichen Verteidigung richtet sich nach den Grundsätzen
der Verordnung über die Anwaltsgebühren. Gemäss § 16 Abs. 1 AnwGebV be-
misst sich die Gebühr im Vorverfahren nach dem notwendigen Zeitaufwand der
Verteidigung. Entschädigungspflichtig sind all jene Aufwendungen, die in einem
kausalen Zusammenhang mit der Wahrung der Rechte im Strafverfahren stehen,
und die notwendig und verhältnismässig sind (BGE 141 IV 124 E. 3.1). Der Ver-
teidigung ist beizupflichten, dass die vorliegende Strafuntersuchung umfangreich
war und einen grösseren Zeitaufwand erforderte. Bis zur Anklageerhebung dauer-
te die Untersuchung rund 3 3⁄4 Jahre. Im Verlauf der Untersuchung wurden ver-
schiedene Zwangsmassnahmen (Untersuchungshaft, Hausdurchsuchungen) an-
geordnet, mehrere Gutachten eingeholt sowie rechtshilfeweise Beweise erhoben.
- 37 -
Der Aufwand der Strafuntersuchung kommt bereits in der Anzahl Untersuchungs-
akten zum Ausdruck. Dass das Verfahren erstinstanzlich in einzelrichterliche
Kompetenz fiel, ist Folge der beantragten Strafe. Allein daraus kann nicht abgelei-
tet werden, dass es sich um einen unkomplizierten Fall gehandelt hat. Dass der
amtliche Verteidiger innerhalb der fast vier Jahren dauernden Untersuchung ins-
gesamt rund 30 Stunden für Gespräche mit dem Beschuldigten aufwendet hat,
erscheint vor diesem Hintergrund nicht offensichtlich unangemessen. Aus den Ak-
ten geht zudem hinreichend hervor, dass es sich beim Beschuldigten um einen
anspruchsvollen Mandanten handelt. Dass die vorliegende Vertretung einen ver-
gleichsweise höheren Betreuungsaufwand erfordert hat, erscheint daher nach-
vollziehbar. Im Ergebnis erscheint der geltend gemachte Aufwand noch ange-
messen. Rechtsanwalt lic. iur. X._ ist für seine Aufwendungen als amtlicher
Verteidiger in der Untersuchung und im erstinstanzlichen Gerichtsverfahren daher
antragsgemäss mit Fr. 36'542.– zu entschädigen. Es ist davon Vormerk zu neh-
men, dass diesbezüglich bereits eine Akontozahlung von Fr. 15'000.– erfolgt ist.
2. Erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen
Im angefochtenen Urteil wurden die Kosten der Untersuchung, ausgenommen
diejenigen der amtlichen Verteidigung, vollumfänglich dem Beschuldigten aufer-
legt (Urk. 37 S. 53). Der Beschuldigte wird heute von den Anklagevorwürfen der
Nötigung und der falschen Anschuldigung freigesprochen, es erfolgt heute ledig-
lich ein Schuldspruch wegen mehrfacher Urkundenfälschung. Dabei handelt es
sich jedoch nicht um unabhängige Tatkomplexe, sie gehen vielmehr auf densel-
ben Lebenssachverhalt zurück. Vorliegend wäre die Untersuchung nicht weniger
aufwendig ausgefallen, wenn von vornherein nur das Delikt zur Anklage unter-
sucht worden wäre, für das der Beschuldigte schlussendlich auch verurteilt wird.
Demgegenüber ist davon auszugehen, dass das vorinstanzliche Verfahren insge-
samt weniger aufwendig gewesen wäre. Somit rechtfertigt es sich insgesamt, dem
Beschuldigten die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Gerichts-
verfahrens, mit Ausnahme der Verteidigungskosten, zu vier Fünfteln aufzuerlegen
und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Ver-
- 38 -
teidigung sind auf die Gerichtskasse zu nehmen. Eine Rückforderung gemäss Art.
135 Abs. 4 StPO im Umfang von vier Fünfteln ist vorzubehalten.
3. Kosten- und Entschädigungsfolgen im Berufungsverfahren
Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte beantragt
mit seiner Berufung einen vollumfänglichen Freispruch. Er erreicht eine Verfah-
renseinstellung bezüglich des Vorwurfs der falschen Anschuldigung sowie einen
Freispruch vom Vorwurf der Nötigung, und als Folge davon eine nicht unwesentli-
che Reduktion der Sanktion. Bei diesem Verfahrensausgang erscheint es ge-
rechtfertigt, die Kosten des Berufungsverfahrens zur Hälfte dem Beschuldigten
aufzuerlegen und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der
amtlichen Verteidigung im Berufungsverfahren sind im Umfang der Hälfte einst-
weilen und im Übrigen definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen. Eine Rückfor-
derung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO im Umfang der Hälfte ist vorzubehalten.