Decision ID: 8d98d294-4260-4bde-a6a2-51ba86db0364
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
Z._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch die Sozialberatung der Stadt A._,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Ergänzungsleistung zur IV
Sachverhalt:
A.
A.a Z._, geb. 1948, meldete sich infolge Zuzugs aus dem Kanton B._ am 17.
August 2009 bei der AHV-Zweigstelle A._ zum Bezug von EL zur IV-Rente an (EL-act.
13). Der Anmeldung legte er zwei Mietverträge für je eine 1-Zimmer-Wohnung an der
C._strasse in A._, beide lautend auf den Beschwerdeführer sowie seine Ehefrau,
bei. Für die Wohnung 1. Türe links, Haus X._, wurde der 1. September 2009 als
Mietbeginn vereinbart, während dem das Mietverhältnis für die Wohnung 4. Türe links,
Haus Y._, erst am 1. Oktober 2009 begann (EL-act. 14-2/17 f., EL-act 4/17 f.). Mit
Verfügung vom 10. September 2009 berechnete die EL-Durchführungsstelle der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA) den EL-Anspruch mit Wirkung
ab 1. September 2009 auf Fr. 1'644.- monatlich. Die Position Wohnkosten
berücksichtigte die EL-Durchführungsstelle mit der Miete der Wohnung 1. Türe links,
Haus X._, in der Höhe von monatlich Fr. 560.- bzw. jährlich Fr. 6'720.- (EL-act. 10).
Am 15. September 2009 stellte der Beschwerdeführer zusammen mit D._,
Sozialarbeiterin Stadt A._, ein Wiedererwägungsgesuch; eventualiter erhob er
Einsprache gegen die Verfügung vom 10. September 2009 und beantragte sinngemäss
die Aufhebung der Verfügung. Der EL-Anspruch sei unter Berücksichtigung der Kosten
beider Wohnungen zu berechnen. Der Beschwerdeführer und seine Ehefrau hätten
längere Zeit vergeblich nach einer passenden Wohnung gesucht. Ihre ehemalige
Vermieterin habe ihnen dann angeboten, zwei benachbarte 1-Zimmer-Wohnungen zu
mieten. Diese Lösung der Wohnsituation habe den Vorteil, dass der Beschwerdeführer
und seine Ehefrau in einem Zimmer kochen, essen und Gäste empfangen könnten.
Sodann könnten sie sich zur Erholung bei unverbrauchter Luft in die zweite 1-Zimmer-
Wohnung zurück ziehen. Dass diese pragmatische und relativ preisgünstige Lösung
des Wohnungsproblems im Zusammenhang mit den EL Probleme verursachen könnte,
sei weder dem Beschwerdeführer noch ihr bewusst gewesen. Andernfalls hätte man
die Vermieterin gebeten, nur einen Mietvertrag zu erstellen. Dies wäre bestimmt
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möglich gewesen und sollte auch jetzt noch möglich sein. Es könne doch nicht im
Sinne des Gesetzes sein, dass der Beschwerdeführer Schulden machen müsse, bis er
eine Wohnung gefunden habe. Dies würde eine unzumutbare Härte bedeuten. Wenn
die beiden Mietverträge für die EL-Berechnung ein Problem darstellen würden, so
müsste die Variante einer getrennten EL-Berechnung in Betracht gezogen werden (EL-
act. 6).
A.b Mit Verfügung vom 17. September 2009 setzte die EL-Durchführungsstelle den EL-
Anspruch des Beschwerdeführers mit Wirkung ab 1. Oktober 2009 auf Fr. 1'674.- fest.
Die Wohnkosten berechnete sie nun mit der höheren Miete der beiden 1-Zimmer-
Wohnungen (Wohnung 4. Türe links, Haus Y._) und dementsprechend Fr. 590.-
monatlich bzw. Fr. 7'080.- jährlich. Die EL-Berechnung erfolgte somit nach wie vor nur
mit einer der beiden 1-Zimmer-Wohnungen. Die restlichen Positionen der EL-
Berechnung blieben unverändert (EL-act. 9).
A.c Mit Einspracheentscheid vom 18. Dezember 2009 wies der Rechtsdienst der SVA
in Vertretung der EL-Durchführungsstelle die Einsprache vom 15. September 2009 ab.
Zur Begründung machte die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen geltend, dass die
angefochtene Verfügung den Zeitraum ab 1. September 2009 betreffe.
Dementsprechend sei der EL-Anspruch in der angefochtenen Verfügung auch mit der
Miete der ab 1. September 2009 gemieteten 1-Zimmer-Wohnung in der Höhe von Fr.
560.- berechnet worden. Der Mietvertrag für die zweite Wohnung sei erst per 1.
Oktober 2009 geschlossen worden und könne daher in der Berechnung ab 1.
September 2009 nicht berücksichtigt werden. Die EL-Durchführungsstelle habe über
die EL-Berechnung mit Wirkung ab 1. Oktober 2009 am 17. September 2009 eine
separate Verfügung erlassen. Diese sei unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Die
angefochtene Verfügung vom 10. September 2009 sei korrekt und somit nicht zu
beanstanden (G act. 1.1).
A.d Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die Beschwerde vom 25. Januar
2010. Der Beschwerdeführer beantragt die Aufhebung des Einspracheentscheids. Die
EL-Berechnung habe ab 1. Oktober 2009 unter Berücksichtigung der Mieten beider 1-
Zimmer-Wohnungen in der Höhe von Fr. 1'150.00 monatlich bzw. Fr. 13'450.- jährlich
zu erfolgen. Eventualiter sei die Beschwerdefrist für die Verfügung vom 17. September
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2009 wieder herzustellen. Diese sei der Vertreterin des Beschwerdeführers nicht direkt
zugestellt worden. Zur Begründung des Hauptantrags führt der Beschwerdeführer im
Wesentlichen aus, dass die Beschwerdegegnerin im Einspracheentscheid vom 18.
Dezember 2009 auf ihr Hauptanliegen – die Übernahme beider Mieten in die EL-
Berechnung – nicht eingetreten sei. Die telefonische Rücksprache mit dem
Rechtsdienst der SVA habe ergeben, dass die Beschwerdegegnerin aufgrund eines
Formfehlers des Beschwerdeführers nicht verpflichtet sei, auf die Frage der
Anrechnung der beiden Mieten einzutreten. Von der Vertreterin des Beschwerdeführers
hätte man erwarten können, dass die formellen Voraussetzungen eingehalten würden.
Dies halte der Beschwerdeführer allerdings für überspitzt formalistisch, denn der Inhalt
der Verfügung vom 17. September 2009 sei mit dem Hinweis in der Verfügung vom 10.
September 2009, dass nur der höhere der beiden Mietzinse übernommen werde,
bereits vorweggenommen gewesen (G act. 1).
A.e Die Beschwerdegegnerin beantragt am 18. März 2010 die Abweisung der
Beschwerde und verweist im Wesentlichen auf den Einspracheentscheid vom 18.
Dezember 2009. Die vom Beschwerdeführer verlangte Wiederherstellung der Frist
könne nicht gewährt werden. Die Vertreterin des Beschwerdeführers behaupte, dass
ihr die Verfügung nicht direkt zugestellt worden sei. Aus den Akten sei allerdings nicht
ersichtlich, dass sie in allen EL-Belangen als Vertreterin des Beschwerdeführers
auftrete. Selbst die Einsprache habe der Beschwerdeführer selber unterschrieben. Die
EL-Durchführungsstelle habe somit nicht davon ausgehen müssen, dass ein
Vertretungsverhältnis bestehe und die Verfügung habe demnach auch nicht der
Vertreterin direkt zugestellt werden müssen (G act. 3).

Erwägungen:
1.
1.1 Streitig ist, ob bei der Berechnung des EL-Anspruchs die Kosten beider vom
Beschwerdeführer und seiner Ehefrau bewohnten 1-Zimmer-Wohnungen abgezogen
werden können. Zunächst wird jedoch zu prüfen sein, ob diese Frage überhaupt
Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens sein kann.
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1.2 Das Mietverhältnis für die zweite 1-Zimmer-Wohnung begann am 1. Oktober 2009
zu laufen (EL-act. 14-4/17). Dementsprechend berücksichtigte die
Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 10. September 2009 zu Recht lediglich die
Mietkosten für eine
1-Zimmer Wohnung. Gleichwohl stellte der Beschwerdeführer ein
Wiedererwägungsgesuch bzw. erhob er eventualiter bereits gegen die Verfügung vom
10. September 2009 Einsprache und verlangte die Anrechnung beider 1-Zimmer-
Wohnungen. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer bereits gegen die an sich
korrekte Verfügung vom 10. September 2009 vorging, begründet er im
Beschwerdeverfahren sinngemäss damit, dass die Beschwerdegegnerin bereits in der
Verfügung vom 10. September 2009 vorweg genommen habe, dass nur der höhere der
beiden Mietzinse – und somit nur einer – in der EL-Berechnung Berücksichtigung
finden könne (EL-act. 10). Gegen die Verfügung vom 17. September 2009, welche den
Zeitraum ab 1. Oktober 2009 und somit seit Beginn des zweiten Mietverhältnisses
regelt, erhob der Beschwerdeführer hingegen keine Einsprache. Die
Beschwerdegegnerin macht im Einspracheentscheid sinngemäss geltend, dass der
Zeitraum ab 1. Oktober 2009 und somit die Frage betreffend die Anrechnung beider 1-
Zimmer-Wohnungen mangels Einsprache gegen die Verfügung vom 17. September
2009 nicht Gegenstand des Einspracheverfahrens sei. Zu prüfen ist, ob die
Beschwerdegegnerin sich im Rahmen des Einspracheentscheids vom 18. Dezember
2009 zu der Streitfrage der Anrechenbarkeit der beiden Mietwohnungen ab Oktober
2009 hätte äussern müssen. Dies müsste dann bejaht werden, wenn die
Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer berechtigten Anlass zu Annahme
gegeben hat, dass die Streitfrage bereits Gegenstand der Verfügung vom 10.
September 2009 sei. Die EL-Durchführungsstelle hatte offensichtlich bereits bei Erlass
der ersten Verfügung vom 10. September 2009 Kenntnis davon, dass gestaffelt zwei 1-
Zimmer-Wohnungen angemietet wurden. Aufgrund dessen führte sie bereits in der
Begründung zur Verfügung vom 10. September 2009 aus, dass nur der höhere der
beiden Mietzinse in der EL-Berechnung berücksichtigt werden könne (EL-act. 7). Damit
hat sie beim Beschwerdeführer und seiner Vertreterin den Eindruck erweckt, dass die
Streitfrage bereits Gegenstand der ersten Verfügung vom 10. September 2009 sei. Aus
dem Wiedererwägungsgesuch bzw. der Einsprache vom 15. September 2009 geht
denn auch klar hervor, dass der Beschwerdeführer und seine Vertreterin das so
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verstanden haben (EL-act. 6). Das durften sie auch, denn nach der Rechtsprechung
des Bundesgerichts verleiht der aus Art. 9 BV abgeleitete Grundsatz von Treu und
Glauben einer Person Anspruch auf Schutz des berechtigten Vertrauens in behördliche
Zusicherungen oder sonstiges, bestimmte Erwartungen begründendes Verhalten der
Behörden (BGE 126 II 377 Erw. 3a; 122 II 113 Erw. 3b/cc, je mit Hinweisen). Unter
Würdigung der gesamten Umstände ergibt sich, dass der Beschwerdeführer aufgrund
der Begründung der ersten Verfügung vom 10. September 2009 davon ausgehen
durfte, dass die Streitfrage betreffend Berücksichtigung beider 1-Zimmer-Wohnungen
ab 1. Oktober 2009 bereits Streitgegenstand der ersten Verfügung bildete.
Dementsprechend hätte die Beschwerdegegnerin auch ohne Einsprache gegen die
zweite Verfügung vom 17. September 2009 im Einspracheentscheid vom 18. Dezember
2009 materiell über die Streitfrage der Anrechenbarkeit der beiden Mietwohnungen ab
Oktober 2009 zu befinden gehabt.
1.3 Die Frage einer allfälligen fehlerhaften Eröffnung der Verfügung vom 17. September
2009 braucht vorliegend nicht weiter verfolgt zu werden. Nach konstanter
Rechtsprechung führt eine fehlerhafte Eröffnung nicht zur Nichtigkeit der Verfügung,
sondern verlangt wird nur, dass der Verfügungsadressat dadurch keinen Nachteil
erleidet (Art. 38 VwVG). Selbst wenn die Verfügung vom 17. September 2009 fehlerhaft
eröffnet worden wäre, hätte der Beschwerdeführer, wie sich im Ergebnis aus Erw. 1.2
ergibt, dadurch keinen Nachteil erlitten.
2.
2.1 Im Sinne vorstehender Ausführungen ist die Beschwerde gutzuheissen, der
angefochtene Einspracheentscheid ist aufzuheben und die Sache zur materiellen
Beurteilung der Streitfrage, ob ab Oktober 2009 die Mietkosten für beide 1-Zimmer-
Wohnungen in der EL-Berechnung zu berücksichtigen sind, an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
2.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53