Decision ID: 1f7e2047-f161-48e7-99d3-9c80660fbc0c
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1974,
ist Mutter zweier Kinder (geboren 2000 und 2005,
Urk.
7/10
Ziff.
3.1). Die Versicherte meldete sich
am 2
8.
Oktober 2015 unter Hinweis auf eine schwere Depression bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug an (
Urk.
7/10). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche (
Urk.
7/1-2,
Urk.
7/16
,
Urk.
7/39
)
und medizinische Abklärungen (
Urk.
7/23
/3-7
,
Urk.
7/27
/3-5
,
Urk.
7/29),
zog Akten des Kranken
taggeldversicherers (
Urk.
7/1
7/2-8
,
Urk.
7/26
/2-5
) bei und holte ein psychiatri
sches Gutachten ein, das am
2.
Mai 2017 (
Urk.
7/43) erstattet wurde. Die IV
Stell
e
erliess am 1
0.
Juli 2017 (
Urk.
7/46) den Vorbescheid, wogegen die Versi
cherte Einwände (
Urk.
7/47
,
Urk.
7/50
) vorbrachte.
Mit Verfügung vom
6.
November 2017 (
Urk.
7/52 =
Urk.
2) verneinte die IV
Stelle einen Anspruch auf IV-Leistungen.
2.
Die Versicherte erhob am
1.
Dezember 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom
6.
November 2017
(
Urk.
2)
und beantragte, diese sei aufzuheben und es
sei
die IV-Stelle zu verpflichten,
ihr die gesetzlich geschuldeten Leistungen auszu
richten. Insbesondere seien Eingliederungsmassnahmen durchzuführen. Eventu
ell sei ihr eine Rente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2 oben).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
3.
Januar 2018 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin mit Verfü
gung vom
2.
Februar 2018 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8).
Mit Eingabe vom
7.
März
2018 (
Urk.
9) reichte die Beschwerdeführerin dem Gericht einen ärztlichen Bericht (
Urk.
10) ein. Sie beantragte neu, es sei ihr eine Rente zuzusprechen. Eventuell seien Eingliederungsmassnahmen durchzuführen (
Urk.
9 S. 2 oben).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalide o
der von einer Invalidität (Art.
8
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG) bedroht
e Versicherte haben gemäss Art.
8
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
An
spruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit
(Abs. 1)
:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelne
n Massnahmen erfüllt sind
.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Ausübung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbs
lebens zu berücksichtigen (Abs.
1
bis
). Nach Massgabe der Art.
13 und 21
IVG
besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliede
rung ins Erwerbsleben oder in den Aufg
abenbereich (Abs.
2). Nach Massgabe von Art
.
16 Abs
.
2
lit
.
c
IVG
besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu er
halten oder zu verbessern (Abs.
2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen
gemäss Abs. 3 in
me
dizinischen Mas
snahmen (
lit
. a),
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die
berufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
),
Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsverm
ittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
.
d).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsren
te
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krank
heitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen gu
ten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu er
zielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fach
ärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleich
bedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diag
nose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objekti
vierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl. BGE 127 V 294 E. 4c; 139 V 547 E. 5.2; zur Publikation in der amtlichen Sammlung vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts 8C_841/2016 vom 30. November 2017 E. 4.2.1).
Gemäss der für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosoma
tische Leiden entwickelten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die tatsächli
che Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person grundsätzlich in einem strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahren anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren zu ermitteln (BGE 141 V 281). Mit zur Publikation in der amtlichen Sammlung vorgesehenem Urteil 8C_130/2017 vom 30. November
2017 hat das Bundesgericht erkannt, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweis
verfah
ren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krankheitsbild allenfalls gewisser Anpassungen hinsichtlich der Wertung ein
zel
ner Indikatoren bedürfe. Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeits
unfähigkeit schliessen lassen (E. 7).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesund
heitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2).
1.4
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psycho
soziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zu
kunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausge
prägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krank
heitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden sozio
kulturellen Fak
toren her
rühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unter
scheidende
Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszu
ständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidens
zustand. Solche von der sozio
kulturellen Belastungssituation zu unter
scheidende und in diesem Sinne
ver
selbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psycho
sozialen und sozio
kulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein inva
li
disierender psychischer Gesund
heitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Ur
teil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März
2009 E. 2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
vertrat den Standpunkt
,
gemäss den medizinischen Abklärungen
bestehe eine vollständige Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
. Die vorgebrachten Beschwerden begründeten keine erhebliche und langdauern
de gesundheitliche Beeinträchtigung. Die Beschwerdeführerin sei durch die fest
gestellten Diagnosen nicht
hochgradig
und andauernd in
ihrer
Arbeitsfähigkeit eingeschränkt (
Urk.
2 S. 1). Medizinische Gutachten könnten nicht immer dann in Frage gestellt werden, wenn sie der Einschätzung der behandelnden Ärzte widersprechen würden (
Urk.
2 S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte
im Wesentlichen
vor,
das
eingeholte
psychiatri
sche Gutachten enthalte keine Ausführungen über den
gesundheitlichen
Verlauf und keine Beurteilung des Verlaufs. Demnach sei auf die Beurteilungen der be
handelnden Ärzte abzustellen (
Urk.
1 S. 3
Ziff.
2).
Nach den
2016 publizierten
Qualitätsleitlinien für psychiatrische Gutachten
brauche es eine Beurteilung des bisherigen und künftigen Verlaufs von Behandlungen, Rehabilitationen, Ein
glie
derungsmassnahmen etc. Im psychiatrischen Gutachten erfahre man dazu kaum etwas. Weder habe der Gutachter nachgefragt, noch habe er Fremdanam
nesen eingeholt. Er habe sich auch nicht mit dem konkreten Verlauf auseinan
dergesetzt (
Urk.
1 S. 5
Ziff.
4.7).
In der Eingabe vom
7.
März 2018 (
Urk.
9) verwies die Beschwerdeführerin auf ein von
Dr.
med.
Y._
, Assistenzarzt, und
Dr.
med.
Z._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Oberarzt,
A._
, erstelltes ambulantes Assessment
vom 1
3.
u
nd 2
0.
Dezember
2017, worüber am 2
8.
Dezember
2017 berichtet wurde
(
Urk.
10).
Gestützt darauf bestehe in erster Linie ein Rentenanspruch. Eine Stei
gerung der Arbeitsfähigkeit von 50
%
solle langsam und unter Fortführung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung vorgenommen werden. In zweiter Linie bestehe
daher
eventuell ein Eingliederungs
anspruch (
Urk.
9 S. 3
Ziff.
2).
2.3
Strittig ist, ob ein Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen
oder
auf eine Rente
besteht.
Zu prüfen ist insbesondere
, ob auf das von der Beschwerdegegnerin eingeholte psychiatrische Gutachten von
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
2.
Mai 2017
(
Urk.
7/43)
abgestellt werden kann.
3.
3.1
Die medizinischen Akten
präsentieren sich wie folgt
:
Die behandelnde Psychotherapeutin,
C._
,
lic
.
phil
.
I, Psychotherapeutin ASP, gab in einem Schreiben an den Taggeldversicherer vom 2
2.
Mai
2015 (
Urk.
7/17/2-3) an, die Beschwerdeführerin sei seit dem 1
0.
September
2013 bei ihr in
delegierter psychotherapeutischer
Behandlung (S. 1
Ziff.
1
).
Anamnestisch habe die
geschiedene Frau eine Krise erlitten, als sie ihre damals 13jährige Tochter in ein Erziehungsheim habe einliefern müssen. Neben ihrer Arbeit als Raumpflegerin habe sie als Alleinerziehende versucht, ihre Kinder zu erziehen und zu betreuen
. Bei der Einlieferung der Tochter habe die Beschwerdeführerin unter starken Schuldgefühlen gelitten
(S. 1
Ziff.
2).
Als Symptomatik bestünden Weinen, Gedankenkreisen, Schlafstörungen und Angst und Panik. Die Be
schwer
deführerin sehe
zudem
keinen Sinn in ihrem Leben (S. 1
Ziff.
3).
Die Psychotherapeutin
nannte als Diagnose
n eine mittelschwere Depression und
eine emotionale Erschöpfung mit starken Selbstzweifeln bei akuten Beziehungs
problemen mit ihrem Partner (S. 1
Ziff.
4).
3.2
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte
im
Bericht vom 1
2.
Dezember 2015 (
Urk.
7/23
/3-7
) als Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
rezidivierende depressive Störung (ICD-10: F33)
-
Anpassungsstörung mit Depression, Angst und Zwangssymptomatik (ICD-10: F43.22)
Dr.
D._
führte
weiter aus, die Beschwerdeführerin befinde sich seit Septem
ber 2013 bei
lic
. phil.
C._
in delegierter Psychotherapie (S. 1
Ziff.
1.2).
Anamnestisch
sei bekannt, dass
die Beschwerdeführerin im
Jahr
1995
einen Suizid
versuch
mit Tabletten
unternommen
habe
.
Im Verlauf der vergangenen 20 Jahre sei es insgesamt fünfmal zu erneuten depressiven Krisen gekommen, die jeweils ambulant durch den Hausarzt m
it Gesprächen und Antidepressiva
behandelt worden seien.
Wegen einer erneuten Verschlechterung im Septem
ber
2013 sei es zur Zuweisung in die Praxis von
Dr.
D._
gekommen.
Der
Aus
löser für die letzte und lang
e
anhaltende Krise sei die familiäre Situation der Beschwerdeführer
in
. Es hätten anhaltende Probleme mit der damals dreize
hn
jährigen Tochter bestanden
. Im Herbst dieses Jahres sei es zu einer Verschlech
terung des Zustandes der Beschwerdeführerin gekommen, als sie erfahren habe, dass die mittlerweile fünfzehnjährige Tochter schwanger sei (S. 2
Ziff.
1.4 oben). Die Beschwerdeführerin wirke ersch
öpft. Die Stimmung sei gedrückt.
Sie
habe berichtet, dass sie immer wieder unter heftigen Angstzuständen leide, bei denen sie in Atemnot gerate, Herzklopfen verspüre und manchmal Todesangst habe.
Ferner habe sie auch Kontrollzwänge.
Das Beck-Depressions-Inventar habe einen Wert von 35 Punkten ergeben, was einem schweren depressiven Zu
standsbild entspreche (S. 2
Ziff.
1.4 Mitte).
Als Reinigungshilfskraft
und Hilfskraft
im Geschäft ihres Partners habe vom
9.
März bis 3
1.
Oktober 2015
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
und vom
1.
bis 3
0.
November 2015 eine solche von 80
%
bestanden. Seit dem
1.
Dezember
2015 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 70
%
. Eine weitere Steigerung der Arbeits
fähigkeit sei offen (
S. 2 f.
Ziff.
1.6).
Aufgrund des depressiven Zustands
b
ildes, der raschen Ermüdbarkeit,
der
anhaltenden Erschöpfung der Beschwer
deführerin und
aufgrund
ihrer Ängste und Zwänge bestehe eine erhebliche psy
chische Ein
schränkung und insbesondere eine wesentliche Beeinträchtigung der Belast
bar
keit. Ob zusätzlich eine arbeitsrelevante Einschränkung im somati
schen Bereich bestehe, müsse
vom
Hausarzt beurteilt
oder somatisch abgeklärt
werden. Die Beschwerdeführerin sei durch
die
schnelle Ermüdung, eine vermin
derte Belast
barkeit und eine verminderte Ausdauer
bei der Arbeit
eingeschränkt. Aktuell bestehe eine Arbeitsfähigkeit von etwa 30
%
, was einem Pensum von andert
halb Tagen pro Woche entspreche (S. 3
Ziff.
1.7 oben). Es sei unklar, ob es in der Situation der Beschwerdeführerin eine der Behinderung angepasste Tä
tigkeit gebe (S. 3
Ziff.
1.7 Mitte).
3.3
Dr.
D._
antwortete
am
5.
Januar 2016
(
Urk.
7/26/3-4) auf Fragen des Kran
kentaggeldversicherers.
Dr.
D._
gab zur Arbeitsfähigkeit
an, die Beschwer
deführerin arbeite zurzeit als Reinigungs
hilfs
kraft und als Hilfskraft in der Zahnprothese-Werkstatt ihres Partners. Es sei unklar, ob in ihrer Situation eine
der
Behinderung angepasste Tätigkeit
bestehe
. Er könne daher nicht sagen, ob
ein
Wechsel in eine andere Tätigkeit zu einer Erhöhung der Arbeitsfähigkeit führen würde (
Ziff.
6).
Er
gehe davon aus, dass eine leichte Erhöhung der Arbeitsfähigkeit im Rahmen des Möglichen liege (
Ziff.
7).
Durch die Behandlung sei es
kontinuierlich zu einer leichten Besserung gekommen (
Ziff.
9).
3.4
Die Psychologin
lic
. phil.
E._
und
F._
, Oberarzt Psychiat
riestützpunkt, Spital
G._
,
berichteten am 1
4.
April
2016 (
Urk.
7/43/10-11) über die Behandlung der Beschwerdeführerin in der
psychiat
rischen
Tagesklinik
des Spitals
, die vom 2
3.
März 2015 bis 3
1.
März 2016 dau
erte (S. 1).
Die Therapeuten stellten im Austrittsbericht die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode (S. 1). Weiter führten sie aus,
die Beschwerdeführerin sei mit grosser Müdigkeit und innerer Unsicherheit in die Tagesklinik eingetreten. Sie
habe
diese
im ersten Halbjahr an 2.5 Tagen pro Woche besucht (S. 1 unten). Äussere Umstände wie Partnerschaftskonflikte, die psychiatrische Einweisung
ihres
Partners, das Verschwinden der Tochter, deren psychiatrische Abklärung und bald darauf deren Schwangerschaft sowie diverse Behördengänge hätten im sozialen Umfeld der Beschwerdeführerin keine Ruhe einkehren lassen. Dazu sei der Wiedereinstieg in die Arbeitswelt gekommen und der Druck auf eine rasche Erhöhung des Arbeitspensums, was ihr die noch übrige Energie geraubt habe
. Sie habe darauf mit noch stärkerer Antriebslosigkeit, Traurigkeit, Albträumen bis zu Angstzuständen und Panikattacken reagiert
(S. 2 oben).
Infolge einer Dekompensation im Januar 2016 sei die Beschwerdeführerin vorerst wieder zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen. Diesmal habe sie sich
aber
rascher erholt (S. 2 Mitte).
3.5
Dr.
D._
stellte
in einem weiteren Bericht vom 2
2.
Juli
2016 (
Urk.
7/27/3-5)
fest
, die Beschwerdeführerin habe während der Behandlungsdauer durchgehend ein sowohl von Ängsten wie auch von depressiven Verstimmungen beeinträ
ch
tigtes Zustandsb
ild gezeigt. Dieses sei
in der Ausprägung recht gros
sen Schwankungen unterworfen gewesen
(
Ziff.
1.3).
3.6
Die Beschwerdeführerin
ist seit dem
1
8.
April
2016 bei
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Psychiatrie u
nd Psychotherapie, in ambulante
r psy
chiatrischer
Behan
dlung
(
Urk.
7/29/1
Ziff.
1.2).
Dr.
H._
nannte im Bericht vom 1
6.
September
2016 (
Urk.
7/29) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, derzeit mittelgradig
(ICD-10: F33)
,
welche
mindestens seit 2008 bestehe
. Als Diagnose ohne Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
er
eine Verhaltensstörung durch Nikotin, Abhängigkeit (
Ziff.
1.1).
Er
führte aus, e
ine Bewusstseinsstörung bestehe nicht. Auffassungsstörungen oder andere Gedächtnisstörungen seien nicht festgestellt worden.
Die Beschwer
deführerin
sei
ratlos,
affektarm, deprimiert, ängstlich, gereizt, innerlich unruhig,
klagsam
und
jammerig
(S. 2
Ziff.
1.4 oben). Psychotherapeutische Sitzungen mit psychiatrischer Behandlung fänden einmal pro Woche statt (
S. 2
Ziff.
1.5).
Für die Tätigkeit als Reinigungskraft habe vom 1
8.
April bis 3
1.
Juli
2016 eine Arbeitsunfähigkeit von 90
%
bestanden. Seit dem
1.
August 2016 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 80
%
(
Ziff.
1.6).
Einschränkend wirkten sich eine schnel
le Ermüdbarkeit und psychische Einschränkungen aus,
die
in einer mangelnden Belastbarkeit und einer schlechteren Konzentrationsfähigkeit
bestünden
. Die schnelle Ermüdbarkeit körperlicher und psychischer Natur wirke sich auf die Konzentrationsfähigkeit aus.
Diese zeige sich eindeutig eingeschränkt, was zu Feh
lern bei der Arbeitsausübung führen könne. Die bisherige Tätigkeit sei seit dem
1.
August 2016 zu 20
%
zumutbar
(
S. 2 f.
Ziff.
1.7). Ab dem
1.
Septem
ber
2016 könne mit der Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit vermutlich mit einem Pensum von 10
%
gerechnet werden (S. 3
Ziff.
1.9).
3.7
3.7.1
Das psychiatrische Gutachten von
Dr.
B._
datiert
vom
2.
Mai
2017 (
Urk.
7/43). Es
beruht auf der Untersuchung der Beschwerdeführeri
n vom 1
7.
Januar
2017, den vorins
tanzlichen Akten und dem Austrittsbericht der
Therapeuten der
psychiatrischen Tagesklink
, Spital
G._
,
vom 1
4.
April 2016 (S. 1).
Dr.
B._
führte
zum beruflichen Werdegang
aus, die Beschwerdeführerin habe eine Lehre als Hotelfachassistentin absolviert.
Für das letzte halbe Jahr
der Ausbildung
habe sie das Hotel wechseln müssen
, da man mit ihrer Leistung nicht zufrieden gewesen sei
.
Zirka
bis
1998 habe sie
mit einem Pensum von 100
%
beim
I._
und
bei
der
J._
an der Kasse gearbeitet. Dies sei anstren
gend gewesen
. 1999 habe sie versucht, sich als Nagelde
signerin selbständig zu machen, was aber schwierig
gewesen
sei
(S. 5 unten). D
ie Tochter der Be
schwerdeführerin
sei im Jahr 2000
geboren, worauf sie ihre Pläne
hinsichtlich eines
Nagelstudio
s
habe begraben müssen. Nach der Geburt habe sie einige Monate weitergearbeitet.
Ab dem Jahr 2003 habe sie
temporär
wieder
gearbeitet
(S.
5 oben).
Ab 2008 habe sie für private Arbeitgeber in der Reinigung gear
beitet. Sie versuche jetzt, ihr Arbeitspensum auf 30
%
zu steigern (S. 5 f.).
Die Beschwerdeführerin habe in ihrer Ehe
Gewalt erlebt. Der Ehemann habe sie und ihre Tochter geschlagen (S. 5 oben).
Dr.
B._
führte zur Krankheitsentwicklung aus, die Beschwerdeführerin habe mit 19
Jahren einen Suizidversuch unternommen. Sie habe
sich nutz- und wert
los gefühlt
. 1997 habe sie eine Fehlgeburt gehabt, worauf sie einige Monate depressiv gewesen sei
(S. 6 oben).
Zirka 2007 sei
ihr
von i
hrem Hausarzt ein Anti
depressivum
verschrieben worden, was ihr geholfen habe.
Sie
habe immer wie
der depressive Phasen erlebt. Im Jahr
2013 sei es eskaliert, als ihre 13
jährige Tochter i
n die Psychiatrie und später in ein
Schulheim gekommen sei wegen Suizidalität. Die Tochter sei durch „falsche Kollegen” mit Drogen in Kon
takt ge
kommen. Bei der Tochter seien
Borderline
-Züge und Bindungs
störungen festge
stellt worden (S. 6
Mitte
).
Der Gutachter gab hinsichtlich der aktuellen Beschwerden an, die Beschwerde
führerin
schlafe
viel
und
sei
oft müde.
Generell schlafe sie gut,
sie
sei aber mor
gens nicht erholt. Suizidal sei sie nicht.
Es fehle ihr die Motivation. Mit der Administration sei sie überfordert und schiebe vieles hinaus. Mit St
ress könne sie schlecht umgehen.
Seit April 2016 sei sie bei
Dr.
H._
in
psychiatri
scher
Behandlung. Die Konsultat
ionen fänden wöchentlich statt (S. 7 oben).
Die B
eschwerdeführerin lebe mit ihrem
knapp 12
Jahre alten Sohn und ihrem Lebenspartner zusammen. Aktuell arbeite sie mit
einem Pensum von 20-30
%
in der Reinigung.
Zudem
beziehe sie Sozialhilfe (S. 7 unten).
Zum Psychostatus wurde ausgeführt
, die Mimik und Gestik seien verhalten.
Die Beschwerdeführerin
sei wach und allseits orientiert.
Die
Auffassung,
die
Kon
zentration und
das
Gedächtnis seien kursorisch geprüft worden und wirkten unauffällig. Im formalen Denken sei sie kohärent.
I
nhaltlich
sei sie
eingeengt auf die psychosoziale Belastungssituation (Probleme mit der Tochter). Hinweise auf Wahn, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen bestünden nicht. Inadäquate Ängste oder Zwänge seien nicht festgestellt worden. Im Affekt wirke sie etwas herabgestimmt, aber gut schwingungsfähig und spürbar. Hinweise auf Suizidali
tät bestünden nicht (S. 8
Ziff.
4).
3.7.2
Dr.
B._
stellte keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
er
eine Anpassungs
störung mit längerer depressiver Reaktion bei psychosozialer Belastungssituati
on (ICD-10: F43.21, S. 8
Ziff.
5).
Aus rein psychiatrischer Sicht habe zum Zeitpunkt der Untersuchung keine Arbeitsunfähigkeit bestanden. Die Beschwerdeführerin habe eine schwierige Lebens
geschichte beschrieben mit zahlreichen Enttäuschungen und Gewalt
erfah
rungen im zwischenmenschlichen Bereich, insbesondere in Paarbe
zie
hun
gen. Die mittlerweile erwachsene Tochter leide ebenfalls an psychischen Problemen und sei wegen einer
Borderline
-Persönlichkeitsstörung in Behand
lung. Der Sohn der Tochter müsse vermutlich in absehbarer Zeit fremdplatziert werden. Dies be
laste die Beschwerdeführerin sehr. Sie beschreibe unspezifische, nicht sehr stark ausgeprägte depressive Symptome, welche gemäss ihrer Ein
schätzung verhin
derten, dass sie ein höheres Arbeitspensum ausüben könne. Sie lebe mit ihrem Lebenspartner, welcher zu 100
%
als Zahntechniker arbeite, und ihrem heute 12-jährigen Sohn zusammen, der zeitweise ebenfalls starke Prob
leme in der Schule und im sozialen Bereich bekunde. Angesichts der schweren, multifakto
riellen, aber letztlich krankheitsfremden Belastungs
situation sei da
von auszuge
hen, dass die depressiven Beschwerden reaktiver Natur seien.
Ge
mäss den
Vorakten
sei zwar wiederholt eine Depression diag
nostiziert worden. Dabei sei aber auf die belastenden psychosozialen Bedingungen hingewiesen worden, zum Beispiel im Austrittsbericht der
psychiatrischen
Tagesklinik vom 1
4.
April 201
6.
Die Beschwerdeführerin sei aktuell immer wieder in verschiede
nen Berei
chen arbeitstätig gewesen. Aktuell wünsche sie sich primär berufliche Mass
nahmen (S. 9).
Zusammenfassend fänden sich weder in den
Vorakten
noch im Rahmen der aktuellen gutachterlichen Untersuchung klare Hinweise auf einen relevanten psych
ischen Gesundheitsschaden, der die
Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführe
rin
langfristig einschränken würde (S. 9 unten).
3.8
Dr.
med.
K._
,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Regionalärzt
licher Dienst der Beschwerdegegnerin (RAD), führte in
s
einer Stellungnahme vom 3
0.
Mai
2017 (
Urk.
7/45 S. 4 f.) aus,
gemäss
dem
Gutachten
von
Dr.
B._
seien
d
ie Mimik und Gestik
der Beschwerdeführerin
verhalten gewe
sen. Inhaltlich sei
sie
auf die psychosoziale Belastungssituation eingeengt
gewe
sen
. Im Affekt habe sie etwas herabgestimmt gewirkt bei einem ansonsten völlig normalen Psychostatus.
Dies
vermöge keine relevante Arbeitsunfähigkeit auszu
lösen. Die Beschwerdeführerin sei als voll arbeitsfähig anzusehen. Im Gutachten würden multiple psychosoziale Belastungen aufgeführt, welche aber als IV
fremd anzusehen seien.
Für die bisherige Tätigkeit als Reinigungskraft oder als Hotelfachassistentin sei
sie
IV-relevant als voll arbeitsfähig anzusehen. Auch in einer angepassten Tätigkeit sei eine volle Arbeitsfähigkeit gegeben. Medizini
sche oder berufliche Möglichkeiten zur Verbesserung des Zustandes seien nicht notwendig.
3.9
Die Beschwerdeführerin reichte
im vorliegenden Verfahren
ein Schreiben
des behandelnden Psychia
ters
vom 1
5.
August
2017 (
Urk.
3) ein.
Dr.
H._
führte
darin
zuhanden des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin
aus, der
psychiatrische
Gutachter sei davon ausgegangen, dass zum Untersuchungszeit
punkt keine Arbeitsunfähigkeit bestanden habe.
Dr.
H._
gehe jedoch
davon aus, dass zumindest eine Teilarbeitsunfähigkeit bestehe, da die Patientin sich schon längere Zeit nicht mehr in einem regulären Arbeitsprozess befinde
. Dass
in der
psychiatrischen Untersuchung
durch
Dr.
B._
unspezifische, nicht stark ausgeprägte depressive Symptome beschrieben worden seien, wider
spreche der Einschätzung, dass keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit beste
hen solle
.
Dr.
H._
stellte die
Diagnose einer rezidivierenden Depression, derzeit mittelgradig (ICD-10: F33.1).
B
ei einer Depression
müsse
zwischen drei Haupt- und sieben Zusatzsymptomen unterschieden werden.
Bei der Patientin bestün
den als Hauptsymptome eine g
edrückte depressive Stimmung sowie
ein
Interes
severlust und Freudlosigkeit (S. 1). Als Zusat
zsymptome seien eine verminderte Konzentration und
Aufmerksamkeit,
ein
vermindertes Selbstwertge
fühl/Selbstvertrauen und Schuldgefühle
festzustellen
. Weiter bestehe eine Schlafstörung (S. 2 oben).
Es bestehe auch der Verdacht, dass neben der behandelten Depression zusätzlich eine Persönlichkeitsakzentuierung bestehe, welche neben den multiplen psycho
sozialen Belastungen sehr wohl die Arbeitsfähigkeit einschränken könne. Die langjährige rezidivierende Depression werde psychotherapeutisch und mit
Me
di
ka
menten behandelt. Bei der letzten Sitzung habe
Dr.
H._
bei der Beschwerdeführerin
eine gedrückte Stimmung, Interesselosigkeit, Freudlosigkeit, vor allem eine gewisse Antriebslosigkeit und eine erhöhte Ermüdbarkeit konsta
tiert.
Es werde darauf hingewiesen, dass sich die Beschwerdeführerin seit Jahren nicht mehr in einem regelmässigen Arbeitsprozess befinde. Mit beruflichen Massnahmen der
Invalidenversicherung
solle die Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess gefördert werden (S. 2).
3.10
3.10.1
Die Beschwerdeführerin wurde am 1
3.
und am 2
0.
Dezember 2017 für ein am
bulantes psychiatrisches Assessment durch
Dr.
Y._
und
Dr.
Z._
,
A._
, untersucht (
Urk.
10 S. 1). Die Ärzte der
A._
führten im
Bericht vom 2
8.
Dezember 2017
(
Urk.
10) zu den jetzigen Leiden der Beschwerdeführerin aus,
diese
habe aktuell von einer traurigen Verstimmung, einer andauernden Müdigkeit sowie einer Reizbarkeit berichtet. Sie gehe jeglichem Rummel aus dem Weg, erlebe sich als minderwertig und habe ein tiefes Misstrauen und
Argwohn gegenüber anderen Menschen
. Sie empfinde sich als unattraktiv oder minderwertig
(S. 2 Mitte). Der Gedankengang sei im Ganzen mühsam, schlep
pend und zäh gewesen. Die Stimmung habe gedrückt und freudlos gewirkt. Die Explorandin sei von der eigenen Macht- und Hilflosigkeit überzeugt (S. 2 unten).
Zur Krankheitsentwicklung wurde ausgeführt, vor zirka zehn Jahren habe „aus heiterem Himmel” eine depressive Symptomatik begonnen. Es habe damals kei
nen Anlass dazu gegeben.
Seither sei sie regelmässig in ärztlicher Behandlung.
Im weiteren Verlauf habe sie aufgrund der Trennung von ihrem damaligen Lebenspartner und Schwierigkeiten mit ihrer älteren Tochter sowie ihrem jün
ge
ren Sohn unzählige Enttäuschungen erlebt
. Aktuell habe sie mit den Behörden der Schule ihres Sohnes, der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) sowie dem Sozialamt zu tun
(S. 3 Mitte).
Beruflich habe sie Ende der Neunzigerjahre ein paar Jahre lang beim
I._
und der
J._
mit einem Pensum von 100
%
an der Kasse gearbeitet. Nachfolgend habe sie mit einem
Arbeitsp
ensum zwischen 20 und 40
%
Gelegenheitsarbeiten verrichtet. Seit 2008 arbeite sie jeweils einen halben Tag für eine Reinigungs
firma sowie an sieben Tagen die Woche für jeweils zirka zwei Stunden
an einem
Kiosk (Arbeitspensum von 30
%
, S. 4 Mitte).
Zum Befund wurde ausgeführt,
es bestünden Konzentrations- und Merkfähig
keitsstörungen. Die Beschwerdeführerin
habe
gestellte
Fragen
vergessen
, die wiederholt werden müssten. Im formalen Denk
en sei sie deutlich verlangsamt (S. 5 oben).
D
ie Beschwerdeführerin habe sich als misstrauisch
bezeichnet
. Auch habe sie Schwierigkeiten,
Arbeiten zu Ende zu bringen, weil sie viel Zeit darauf verwende, alles genau und richtig zu machen. Inhaltliche Denkstörungen wie Wahn, Sinnestäuschungen und Ich-Störungen seien nicht feststellbar
gewesen
. Der Hauptbefund liege im affektiven Bereich. Die Beschwerdeführerin habe während des Gespräches ratlos, affektarm und deprimiert gewirkt. Zudem sei sie oft gereizt und innerlich unruhig.
Vitalgefühle wie das Gefühl der Lebendigkeit und Frische
fehlten
durchgehend (S. 5 Mitte). Bezüglich der durchgeführten psychodiagnostischen Testungen zeige die Beschwerdeführerin beim Beck-Depressions-Inventar einen Wert von 28 Punkten, was einem mittelgradigen depressiven Syndrom entspreche (S. 5 f.
Ziff.
1).
3.10.2
Die Ärzte der
A._
nannten als Diagnosen eine rezidivierende depressive Stö
rung bei gegenwärtig mittelgradiger Episode (ICD-10: F33.1) und eine kombi
nierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich vermeidenden, emotional instabilen sowie paranoiden Anteilen (
ICD-10: F61.0,
S. 8 oben).
Die Explorandin habe von wiederkehrenden depressiven Episoden berichtet, die durch die vorliegenden Arztberichte objektiviert
hätten werden könn
en. Aktuell seien aufgrund der gedrückten Stimmung und einer erhöhten Ermüdbarkeit
zwei Hauptkriterien erfüllt. Aufgrund
eines
verminderten Selbstwertgefühls, der Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit, von negativen und pessimistischen Zu
kunftsperspektiven sowie einer gestörten Konzentration und Aufmerksamkeit
seien
zudem vier Nebenkriterien einer depressiven Episode erfüllt. Der aktuelle Ausprägungsgrad sei daher als mittelgradig einzustufen. Es könne die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelg
radige Episode, gestellt werden (S. 7).
Die Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung
sei aufgrund der Eigen
anamnese, der testpsychologischen Abklärung und dem in der Exploration ge
zeigten klinischen Bild gestellt worden. Ob allenfalls die Diagnosekriterien einer spezifischen Persönlichkeitsstörung voll erfüllt seien, sei abschliessend nicht beurteilbar. Zum einen aufgrund der aktuell bestehenden depressiven Sympto
matik. Hierdurch könnten zum Beispiel ängstlich-vermeidende Anteile verstärkt werden. Zum anderen aufgrund des Explorationssettings mit zweimaligem Kon
takt zur Patientin als Gutachter (S. 7 unten).
Bei der Explorandin liege wahrscheinlich seit Kindes- und Jugendalter e
ine psy
chiatrische Erkrankung in
Form einer kombinierten Persönlichkeitsstörung vor. Diese habe die Beschwerdeführerin in Bezug auf ihre Lebensgestaltung, zum Beispiel bei der Partnerwahl, der Aufrechterhaltung von zwischenmenschlichen Beziehungen sowie in der Lebensqualität beei
nträchtigt (S. 8 oben). Eine Ein
schränkung der Erwerbsfähigkeit habe sich aufgrund der kombinierten Persön
lichkeitsstörung zunächst nicht ergeben. Zirka ab dem Jahr 2007 sei es im Zusammenhang mit der sich
später entwickelten depressiven Erkrankung zu einer starken Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit gekommen. Laut den Anga
ben der Explorandin sei die depressive Symptomatik seither nicht mehr komplett remittiert. Zum Zeitpunkt der Evaluation am 1
3.
und 2
0.
Dezember
2017 sei ob
jektiv eine mittelgradige depressive
Episode feststellbar gewesen, die die Patien
tin in ihrer Arbeitsfähigkeit einschränke. Somit sei davon auszugehen, dass die depressive Symptomatik wahrscheinlich seit Jahren nicht mehr vollständig ge
nesen sei. Ein wesentlicher Grund dafür könne am ehesten die
komorbid
vor
handene kombinierte Persönlichkeitsstörung sei
n
, die die Prognose der Patientin verschlechtere (S. 8 Mitte). Unter Einbezug des klinischen Bildes, der Anamnese und der vorliegenden Berichte werde davon ausgegangen, dass die Explorandin aktuell lediglich zu 50
%
arbeitsfähig sei. Eine langsame Steigerung der Arbeits
fähigkeit im
angestammten Beruf sei vom weiteren Krankheitsverlauf abhängig. Aufgrund der bereits seit mehreren Jahren bestehenden Funktionseinschrän
kung
und der
komorbiden
Erkrankungen der Explorandin sei die Prognose ver
halten. Eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit soll
t
e langsam und unter Fortfüh
rung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung vorgenommen wer
den (S. 8 unten).
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin
war
seit September 2013
zunächst
bei
lic
. phil.
C._
in psychotherapeutischer Behandlung.
Daneben
war sie vom
2
3.
März 2015 bis 3
1.
März 2016
in
einer Tagesklinik
in
psychiatrischer
Behandlung (E. 3.1 und 3.4 hiervor)
.
Dr.
H._
diagnostizierte eine r
ezidivierende mittelgradige depres
sive Störung
(E. 3.6).
Den
Berichten der behandelnden Ärzte
ist
weiter
zu ent
nehmen, dass die Beschwerdeführerin in der
zuletzt ausgeübte
n
Tätigkeit als
Reinigungshilfskraft
und Hilfskraft
im Betrieb ihres Partners ab dem
9.
März
2015
zu 100
%
krankgeschrieben
war
. Ab dem
1.
November
2015 b
etrug die
attestierte
Arbeitsunfähigkeit 80
% und seit dem
1.
Dezember
2015 70
%
(E.
3.2 hiervor). Gemäss
Dr.
H._
bestand ab dem
1
8.
April 2016
wieder
eine Arbeitsunfähigkeit von 90
%
und seit dem
1.
August 2016
eine solche
von 80
%
(E. 3.6).
Dr.
B._
stellte
abweichend von den behandelnden Ärzten
die
Diagnose
eine
r
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion bei psychosozialer Belas
tungssituation, wobei sich
die Störung
nicht a
uf die Arbeitsfähigkeit auswirke
. Der Gutachter verneinte
eine langdauernde Arbeitsunfähigkeit
(E. 3.7.2).
Die Ärzte der
A._
stellten im
Bericht
vom 2
8.
Dezember
2017 die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven
Störung bei gegenwärtig mittelgradiger Epi
sode und einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermei
den
den, emotional instabilen sowie paranoiden Anteilen.
Sie
attestierten der Beschwer
deführerin für die angestammte Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
(E.
3.10.2).
4.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
4.3
Das psychiatrische Gutachten von
Dr.
B._
erfüllt grundsätzlich die
Anforde
rungen der Rechtsprechung an den Beweiswert eines
medizinischen Gutachtens.
Es
beruht auf
der erforderlichen
fachärztlichen
Untersuchung und berücksich
tigt die geklagten Beschwerden in angemessener Weise. Der Kritik
der Be
schwerdeführerin
, wonach
nicht auf den Verlauf eingegangen
worden sei
(
Urk.
1 S. 3
Ziff.
3), kann nicht gefolgt werden.
So finden sich im Gutachten Angaben zur Krankengeschichte der Beschwerdeführerin
(
Urk.
7/43 S. 6)
.
Der Gutachter war sodann über die psychotherapeutische Behandlung
seit Septem
ber 2013
und die Behandlung in einer
psychiatrischen
Tagesklinik informiert. Die Auseinandersetzung
mit der Krankengeschichte
der Beschwerdeführeri
n
er
weist sich als ausreichend
.
Dass der
Gutachter
den Verlauf
nicht abgeklärt hätte, trifft daher nicht zu
.
Im Übrigen
lagen
ihm
die Berichte der behandelnden Ärzte und Therapeuten
mit weiterführenden Angaben zur Anamnese vor.
Soweit die Beschwerdeführerin
eine Begutachtung unter Berücksichtigung der
Qualitätsleitlinien forderte
(
Urk.
1 S. 4
Ziff.
4.2)
,
ist zu sagen
, dass weder Gesetz noch Rechtsprechung die Beachtung der entsprechenden
Richtlinien vorschrei
ben (
Urteile des Bundesgerichts 8C_105/2017 vom
6.
Juni
2017 E. 4.4 und 9C_715/2016 vom 2
4.
Januar
2017 E. 3.2).
Ebenso bildet die Einholung fremd
anamnestischer Angaben keine Voraussetzung für die Erstellung eines bew
eis
kräftigen Gutachtens (Urteil
des Bundesgerichts 8C_602/2013 vom
9.
April 2014 E. 3.2).
Zwar wird im Gutachten nicht
weiter
auf die
mit
BGE 141 V 281
vom Bundes
gericht eingeführten
sogenannten
Standardindikatoren eingegangen. Aus dem Gutachten ergibt sich jedoch,
dass
die geklagten
depressiven
Beschwerden
als reaktiv zu interpretieren und
diese
zur Hauptsache
auf psychosoziale Faktoren wie belastende familiäre
Verhältnisse
zurückführen sind
. Zudem
werden
im Gutachten ein weitgehend
unauffälliger Befund und Psychostatus
beschrieben
(E. 3.7.1)
. Eine eingehende Diskussion
und
die
Beantwortung
der Standardindi
katoren war
dem Gutachter
vor diesem Hintergrund kaum möglich
.
Da psycho
soziale Faktoren gleichsam im Vordergrund
der Beschwerden
stehen, fehlt es
von
vorneherein an einem psychischen Gesundh
eitsschaden mit Krankh
eitswert (vgl. E. 1.4 hiervor). Auf
eine eingehende Diskussion der Standardi
ndikatoren durfte daher verzichtet werden.
Die Beschwerdegegnerin hat sodann zu Recht darauf hingewiesen
(
Urk.
2 S. 2)
, dass eine medizinische Administrativ- oder Gerichtsexpertise nicht stets dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen ist, wenn die behandelnden Ärzte nachher zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten (Urteil des Bundesgerichts 8C_945/2009 vom 2
3.
September 2010 E. 5).
Das Gutachten vermag
sodann
auch in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion und in den Schlussfolgerungen zu überzeugen.
Es
erweist sich
daher
entge
gen
den Vorbringen
der Beschw
e
rdeführerin als beweistauglich, so dass darauf abgestellt werden kann.
4.4
Nach ständiger Rechtsprechung beurteilt das Sozialversicherungsgericht die Gesetzmässigkeit des angefochtenen Entscheids in der Regel nach dem Sachver
halt, der zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegeben war. Tat
sachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 131 V 242 E. 2.1, 121
V 362 E. 1b).
Vorliegend ist nicht auszuschliessen, dass sich der Gesundheitszustand der Be
schwerdeführerin seit der Begutachtung durch
Dr.
B._
und dem Abschluss des Verwaltungsverfahr
ens verschlechtert haben könnte, da die Ärzte der
A._
anders als
Dr.
B._
nebst der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung
eine rezidivierende depressive Störung bei mittelgradiger Episode diagnostiziert hatten (E. 3.10.2 hiervor).
Es ist
daher auf
die Verhältnisse zum Zeitpunkt der Verfü
gung der Beschwerdegegnerin vom
6.
November 2017 abzustellen.
Ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seither verschlechtert hat, wäre da
her in einem neuen Verwaltungsverfahren zu klären.
Auf die Beurteilung der Ärzte der
A._
kann daher
entgegen den Vorbringen der Beschwerdeführerin
im vorliegenden Verfahren nicht weiter eingegangen werden.
4.5
Gestützt auf das Gutachten von
Dr.
B._
ist von der Diagnose einer Anpas
sungsstörung mit längerer depressiver Reaktion bei psychosozialer Belastungssi
tuation auszugehen, wobei sich diese nicht auf die Arbeitsfähigkeit der Be
schwerdeführerin auswirkt.
Die Therapeuten der psychiatrischen
Tagesklinik
, Spital
G._
,
stellten im Austrittsbericht vom 1
4.
April 2016 die Diagnose einer
rezidivieren
den
mittelgradigen depressiven
Störung
.
Im Austrittsbericht wurde
ebenfalls die schwierige Lebenssituation der Beschwerdeführerin mit Sorgen um ihre Tochter
beschrieben
(E. 3.4)
.
Der im Austrittsbericht
dargelegte
Befund genügt jedoch nicht zum Nachweis einer depressiven Störung
.
Diese Einschätzung bestätigt sich auch mit Blick auf die Berichte der behandelnden Ärzte.
Auf die Beurtei
lung der behandelnden Ärzte kann daher nicht abgestellt werden
.
Dr.
H._
erwähnte im Schreiben vom 1
5.
August 2017 zusätzlich einen Verdacht auf akzentuierte Persönlichkeitszüge
(E. 3.9). Bei Vorliegen von akzentuierten Persönlichkeitszügen ist ein IV-relevanter Gesundheitsschaden
jedoch regelmässig zu verneinen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_558/2015 vom 2
2.
Dezember
2015 E. 4.2.4).
Die Ausführungen von
Dr.
H._
, wonach sich die
Beschwerdeführerin seit Jahren nicht mehr in einem regelmässi
gen Arbeitsprozess befinde (E. 3.9), vermögen eine
längerdauernde
Arbeitsunfä
higkeit
ebenfalls
nicht zu begründen.
In diesem Zusammenhang ist
zudem
auf den Grundsatz hinzuweisen, wonach Berichte der behandelnden Ärzte aufgrund der auftragsrechtlichen Vertrauensstellung zum Patienten mit Vorbehalt zu würdigen sind (BGE 125 V 253 E. 3b/cc). Dies gilt für einen allgemein praktizie
renden Hausarzt wie auch für einen behandelnden Spezialarzt (Urteil des Bun
desgerichts I 803/05 vom
6.
April 2006 E. 5.5).
4.6
Der medizinische Sachverhalt ist gestützt
auf das Gutachten von
Dr.
B._
vom
2.
Mai 2017
als dahingehend erstellt zu erachten, dass der Beschwerdefüh
rerin
eine Verweistätigkeit sowie
die zuletzt ausgeübte Tätigkeit uneinge
schränkt zugemutet werden
kann
. Es fehlt daher an einer Invalidität oder einer drohenden Invalidität
im Rechtssinne
.
Daraus
folgt, dass gemäss
Art.
8
Abs.
1 IVG
auch
kein Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen
besteht
. Ebenso ist ein Rentenanspruch zu verneinen.
Die angefochtene Verfügung der Beschwerdegegnerin erweist sich
somit
als rechtens.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).
Vorliegend sind die Kosten auf
Fr.
7
00.—
festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.