Decision ID: e8231c6c-beaa-5765-b233-42e728061d0f
Year: 2004
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Mit Schreiben vom 28. Juni 2002 ersuchte X.Y., vertreten durch seinen
Rechtsanwalt, um Akteneinsicht in das abgeschlossene Namensänderungsverfahren
von A.B. (vormals A.Y.). Zur Begründung des Gesuchs führte er an, dass er annehmen
müsse, dass A.B. im Namensänderungsverfahren Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs
gegen ihn erhoben habe. Für den Fall, dass dies zutreffen sollte, wolle er von seinem
Recht Gebrauch machen, die Akten des Namensänderungsverfahrens mit einer kurzen
Gegendarstellung zu berichtigen bzw. zu ergänzen.
Das Departement für Inneres und Militär wies das Gesuch mit Verfügung vom 14.
Februar 2003 ab.
B./ Mit Eingabe vom 3. März 2003 erhob X.Y. gegen die Verfügung des Departementes
für Inneres und Militär vom 14. Februar 2003 Rekurs bei der Regierung des Kantons St.
Gallen. Er beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die
Gutheissung des Gesuchs um Akteneinsicht, unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
(...)
Am 4. April 2003 fragte die Regierung A.B. bzw. deren Rechtsvertreterin an, ob die
Zustimmung zur Auskunftsgabe erteilt werde und ob sich die Geheimnisträgerin im
Falle der Verweigerung am Rekursverfahren beteiligen wolle. Mit Schreiben vom 5. Mai
2003 teilte A.B. durch ihre Anwältin mit, sie sei mit der Akteneinsicht nicht
einverstanden und nehme am Rekursverfahren teil.
Die Regierung entschied in der Angelegenheit am 9. Dezember 2003, indem der Rekurs
von X.Y. insofern gutgeheissen wurde, als die Vorinstanz eingeladen wurde, der
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Prozedur des Verfahrens auf Namensänderung von A.B. folgende Aktennotiz
beizufügen: "Soweit die Gesuchstellerin in diesem Verfahren Vorwürfe gegen X.Y.
erhoben hat, werden diese von ihm als unwahr und falsch bestritten". Im übrigen wurde
der Rekurs abgewiesen. Die Regierung erwog im wesentlichen, es fehlten
Anhaltspunkte, welche die Annahme rechtfertigen würden, allfällige Vorwürfe gegen
X.Y. seien allgemein zugänglich. Die Rekursgegnerin verfüge folglich über ein intaktes
Geheimhaltungsinteresse und es müsse eine Interessenabwägung zwischen dem
Akteneinsichtsinteresse des Rekurrenten und dem Geheimhaltungsinteresse der
Rekursgegnerin vorgenommen werden. Diese Interessenabwägung gestehe X.Y.
angesichts der Schwere der vermuteten Vorwürfe durchaus ein schutzwürdiges
Interesse an der Akteneinsicht zu. Indes würde die Akteneinsicht bei A.B. eine
erhebliche psychische Belastung auslösen und sogar eine gesundheitliche Gefährdung
bedeuten. Das Interesse von X.Y. an der Klärung allfälliger gegen ihn erhobener
Vorwürfe im Namensänderungsverfahren sei daher als schwächer zu gewichten. Das
Departement habe die Akteneinsicht folglich zu Recht verweigert. Hingegen könne
aufgrund der Schwere der vermuteten Vorwürfe der Prozedur eine Aktennotiz beigefügt
werden, wonach X.Y. den Wahrheitsgehalt allfälliger Vorwürfe bestreite, die seine
Person betreffen würden.
C./ Gegen den Entscheid der Regierung vom 9. Dezember 2003 erhob X.Y. durch
seinen Rechtsvertreter am 14. Januar 2004 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. In
der Beschwerdeergänzung vom 23. Januar 2004 stellt er folgende Anträge:
"1. Der angefochtene Entscheid der Regierung vom 9. Dezember 2003 (Nr. 744) sei
vollumfänglich aufzuheben.
2. In Gutheissung des Gesuchs des Beschwerdeführers vom 28. Juli 2002 sei
festzustellen, dass dem Beschwerdeführer das Einsichtsrecht in die Akten des
seinerzeitigen Namensänderungsverfahrens von A.B. und gegebenenfalls ein
Gegendarstellungsanspruch insoweit zusteht, als diese Akten seine Person betreffende
Daten enthalten.
3. Eventualiter: Es sei die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz 1
oder 2 zurückzuweisen.
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4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge".
Zur Begründung wird im wesentlichen geltend gemacht, die Vorinstanz habe den
Sachverhalt teilweise unvollständig bzw. unrichtig festgestellt und nicht zuletzt deshalb
die vorgeschriebene Interessenabwägung nicht sachgerecht, sondern einseitig
zulasten von X.Y. vorgenommen. (...)
Die Regierung beantragt mit Eingabe vom 13. Februar 2004 die Abweisung der
Beschwerde. Ebenso trägt A.B. in der Vernehmlassung vom 29. März 2004 auf
Abweisung der Beschwerde an, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des
Beschwerdeführers. Der Stellungnahme von A.B. liegt ein Schreiben der Klinik L. vom
29. März 2004 bei, in dem der Chef- und der Oberarzt die Auffassung vertreten, die
Akteneinsicht durch X.Y. würde bei A.B. zu einer schweren Retraumatisierung führen
und damit ihre psychosoziale Gesundheit in erheblichem Ausmass gefährden.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 14. Januar 2004
sowie deren Ergänzung vom 23. Januar 2004 erfüllen zeitlich, formal und inhaltlich die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2./ a) Zu prüfen ist vorab die formelle Rüge des Beschwerdeführers, die Anordnung der
Vorinstanz auf Beifügung einer Aktennotiz, wonach er im Namensänderungsverfahren
gegen ihn erhobene Vorwürfe als unwahr und falsch bestreite, verstosse gegen seinen
Anspruch auf rechtliches Gehör.
b) Der Beschwerdeführer hat im Rekursverfahren die Aufhebung der Verfügung des
Departements für Inneres und Militär vom 14. Februar 2003 sowie die Gutheissung des
Gesuchs um Akteneinsichtnahme beantragt. Die Beifügung einer Aktennotiz wurde
hingegen nicht verlangt.
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c) Die Regierung war bei ihrem Entscheid nicht an die Begehren der Parteien gebunden
(Art. 56 Abs. 1 VRP). Gleichwohl wäre sie – wie bei der reformatio in peius vel melius -
gehalten gewesen, dem Beschwerdeführer vorgängig das rechtliche Gehör zu
gewähren, da sie mit ihrem Entscheid wesentlich von den gestellten Anträgen
abgewichen ist (vgl. in bezug auf die reformatio: Häfelin/Müller, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 4. Aufl., Zürich 2002, Rz. 1813). Dies gilt um so mehr, als vom
Beschwerdeführer tatsächlich nicht erwartet werden kann, dass er etwas bestreitet,
von dem er keine Kenntnis hat.
d) Entgegen der von der Vorinstanz in der Vernehmlassung vom 13. Februar 2004
geäusserten Auffassung ist der Beschwerdeführer durch die Beifügung der Aktennotiz
auch beschwert. Zum einen kann von ihm nicht erwartet werden, dass er eine
schriftliche Verzichtserklärung abgibt für etwas, das er gar nicht beantragt hat. Zum
anderen ist mehr als fraglich, ob eine schriftliche Verzichtserklärung des
Beschwerdeführers genügt hätte, nachdem die Vorinstanz das Departement für Inneres
und Militär "eingeladen" hat, die fragliche Aktennotiz dem Verfahren beizulegen.
e) Aus dem Gesagten folgt, dass die Vorinstanz den Anspruch auf rechtliches Gehör
des Beschwerdeführers verletzt hat, indem sie das Departement für Inneres und Militär
"eingeladen" hat, dem Namensänderungsverfahren eine nicht anbegehrte Aktennotiz
beizufügen. Die Beschwerde erweist sich in dieser Hinsicht als begründet, und die
"Einladung" ist aufzuheben. Ob auch eine Persönlichkeitsverletzung vorliegt, kann
unter diesen Umständen offenbleiben.
3./ a) In materieller Hinsicht ist wie bereits im Rekursverfahren strittig, ob das Gesuch
des Beschwerdeführers auf Akteneinsicht in das bereits abgeschlossene
Namensänderungsverfahren der Beschwerdegegnerin zu Recht abgewiesen wurde.
b) Das Bundesgericht hat aus Art. 4 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft vom 29. Mai 1874 (AS1 1, abgekürzt aBV) einen Anspruch auf
Akteneinsicht als Teilaspekt des rechtlichen Gehörs abgeleitet. Dieser nunmehr in Art.
29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101,
abgekürzt BV) festgeschriebene Anspruch gilt insbesondere in hängigen Verfahren im
Hinblick auf den Erlass einer Verfügung. Darüber hinaus hat die Rechtsprechung zu Art.
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4 aBV anerkannt, dass der Anspruch auf Akteneinsicht auch ausserhalb eines hängigen
Verfahrens geltend gemacht werden kann. Eine umfassende Wahrung der Rechte kann
es gebieten, dass der Betroffene oder ein Dritter auch Akten eines abgeschlossenen
Verfahrens einsehe. Allerdings ist dieser Anspruch davon abhängig, dass der
Rechtsuchende ein besonders schutzwürdiges Interesse glaubhaft machen kann. Das
Akteneinsichtsrecht findet zudem seine Grenzen an überwiegenden öffentlichen
Interessen des Staates oder an berechtigten Interessen Dritter. Diesfalls sind die
einander entgegenstehenden Interessen an der Akteneinsicht einerseits und an deren
Verweigerung anderseits sorgfältig gegeneinander abzuwägen (ZBl 2003 305 f. mit
zahlreichen weiteren Hinweisen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung). An dieser
Rechtsprechung zum Anspruch auf Akteneinsicht ausserhalb eines förmlichen
Verfahrens ist auch unter der Herrschaft der neuen Bundesverfassung festgehalten
worden, teils ohne ausdrückliche Anknüpfung an eine spezifische Verfassungsnorm
(BGE 128 I 68, 126 I 11), teils unter Hinweis auf Art. 29 Abs. 2 BV (BGE 127 I 151). Das
besondere schutzwürdige Interesse der um Akteneinsicht ersuchenden Person ergibt
sich gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung aus der Betroffenheit in einem
speziellen Freiheitsrecht wie etwa der persönlichen Freiheit (BGE 112 Ia 100, 113 Ia 5,
122 I 162); bisweilen wird der Anspruch auf Akteneinsicht auch direkt auf das
betroffene Freiheitsrecht (bspw. Art. 10 Abs. 2 und Art. 13 Abs. 2 BV) gestützt (BGE
128 I 63, 126 I 10, 125 I 260). Sodann reicht nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts die Berufung auf Art. 16 Abs. 3 BV nicht aus, sondern es bedarf der
Geltendmachung eines spezifischen schützenswerten Interesses im dargelegten Sinn,
soweit die Verwaltung nicht dem sogenannten Öffentlichkeitsprinzip unterstellt ist (ZBl
2003 306; BGE 129 I 253 f. mit weiteren Hinweisen; vgl. ferner BGE 130 III 44).
c) Die Verfahrensbeteiligten sind sich über die im konkreten Fall anwendbaren
Gesetzesvorschriften einig. Insbesondere ist unbestritten, dass vorliegend nicht das
Bundesgesetz über den Datenschutz (SR 235, abgekürzt DSG), sondern kantonales
Recht massgeblich ist. Gemäss Art. 10 Abs. 1 des Staatsverwaltungsgesetzes (sGS
140.1, abgekürzt StVG) gewährt das Organ, das die Datensammlung führt, der
betroffenen Person auf Gesuch Einsicht in die Personendaten. Die Einsicht wird
eingeschränkt oder verweigert, soweit öffentliche oder schutzwürdige private
Interessen überwiegen (Art. 10 Abs. 2 StVG). Die betroffene Person kann verlangen,
dass unrichtige Daten berichtigt oder durch eine kurze Gegendarstellung ergänzt
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werden (Art. 10 Abs. 3 StVG). In Konkretisierung dazu bestimmt Art. 17 der
Datenschutzverordnung (sGS 142.11, abgekürzt DSV), dass Personendaten unter
anderem auf Gesuch bekanntgegeben werden, wenn die betroffene Person
zugestimmt hat (lit. c), die betroffene Person diese allgemein zugänglich gemacht hat
(lit. e) oder der Empfänger schutzwürdige Interessen glaubhaft macht, welche die
Interessen an der Geheimhaltung überwiegen (lit. f).
aa) Vorliegend steht fest, dass die Beschwerdegegnerin der Akteneinsicht durch den
Beschwerdeführer und damit der Bekanntgabe von Personendaten nicht zugestimmt
hat (Art. 17 lit. c DSV). Sodann ist unbestritten, dass die Angaben der
Beschwerdegegnerin im Namensänderungsverfahren nicht allgemein zugänglich
gemacht worden sind (Art. 17 lit. e DSV). Dementsprechend ist vorliegend zu prüfen, ob
der Beschwerdeführer über schutzwürdige Interessen an der Akteneinsicht verfügt,
welche die Interessen der Beschwerdegegnerin an der Geheimhaltung überwiegen (Art.
10 Abs. 2 StVG und Art. 17 lit. f DSV).
bb) Hinsichtlich der Interessen der Beschwerdegegnerin an der Verweigerung des
Akteneinsichtsrechts fällt in Betracht, dass im Namensänderungsverfahren allfällig
erhobene Vorwürfe im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch ihre Intimsphäre
beschlagen. Die Intimsphäre ist sowohl nach Art. 6 Abs. 1 lit. b DSV als auch nach Art.
28 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210, abgekürzt ZGB) besonders
geschützt (vgl. in bezug auf Art. 28 ZGB: A. Meili, Kommentar zum Schweizerischen
Privatrecht, Basel 1996, N 23 ff. zu Art. 28). Grundsätzlich verfügt die
Beschwerdegegnerin somit über ein hohes Interesse an der Geheimhaltung. Indes ist
zu berücksichtigen, dass die Beschwerdegegnerin entsprechend den Angaben in den
Akten die Anschuldigung des sexuellen Missbrauchs durch den Beschwerdeführer
bereits seit ... erhebt und die Vorwürfe nicht nur diesem, sondern auch Dritten
gegenüber zur Kenntnis gebracht hat. Dadurch hat sie die an sich der Intimsphäre
zuzurechnenden Lebensvorgänge in einem gewissen Umfang der Öffentlichkeit
preisgegeben. Ausserdem ist zu berücksichtigen, dass bei einer allfälligen
Akteneinsicht durch den Beschwerdeführer keine weiteren Personen von den geltend
gemachten Vorwürfen erfahren. Insofern würde der Wille der Beschwerdegegnerin zur
Geheimhaltung durch die Akteneinsicht des Beschwerdeführers nicht berührt. Diese
Umstände schmälern, wie der Beschwerdeführer zutreffend ausführt, im Rahmen der
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Interessenabwägung das Geheimhaltungsinteresse der Beschwerdegegnerin (vgl. Meili,
a.a.O., N 24 zu Art. 28, wonach es für die Abgrenzung der verschiedenen Sphären und
damit für den Rechtsschutz wesentlich auf den ausdrücklich manifestierten oder
konkludent erklärten Geheimhaltungswillen ankommt). Dies gilt allerdings nur für den
Vorwurf des sexuellen Missbrauchs. Im übrigen ist das Geheimhaltungsinteresse am
Inhalt des Namensänderungsverfahrens, welches der Beseitigung
persönlichkeitsverletzender Nachteile dient (R. Bühler, Kommentar zum
Schweizerischen Privatrecht, Basel 1996, N 3 zu Art. 30), intakt. Dies gilt insbesondere
in bezug auf allfällige andere, nicht den sexuellen Missbrauch durch den
Beschwerdeführer betreffende Gründe, die von der Beschwerdegegnerin geltend
gemacht wurden (vgl. zu den möglichen wichtigen Gründen, die eine Namensänderung
rechtfertigen: Bühler, a.a.O., N 7 zu Art. 30).
In bezug auf die von der Vorinstanz angeführten Bedenken in gesundheitlicher Hinsicht
und das von der Beschwerdegegnerin im Beschwerdeverfahren ins Recht gelegte
Arztzeugnis, welches bei der Einsichtnahme durch den Beschwerdeführer von einer
Retraumatisierung und Gefährdung der psychosozialen Gesundheit der
Beschwerdegegnerin ausgeht, fällt in Betracht, dass die Beschwerdegegnerin, wie
vorstehend erwähnt, den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs schon vor dem
Namensänderungsverfahren gegenüber X.Y. direkt erhoben hat und nach wie vor
aufrecht erhält. Es würde sich somit nichts Grundlegendes im Verhältnis zwischen X.Y.
und A.B. ändern, wenn der Beschwerdeführer (zusätzlich) vom allenfalls auch im
Namensänderungsverfahren vorgebrachten Vorwurf des sexuellen Missbrauchs
erfahren würde. Hinzu kommt, dass die Akteneinsichtnahme durch den
Beschwerdeführer für die Beschwerdegegnerin nicht mit Aufwendungen ihrerseits oder
gar einer erzwungenen Kontaktaufnahme mit X.Y. verbunden wäre. Ausserdem bringt
die Beschwerdegegnerin selbst den Einwand der gesundheitlichen Beeinträchtigung
erstmals im Beschwerdeverfahren vor. Vor diesem Hintergrund ist für das
Verwaltungsgericht nicht nachvollziehbar, inwiefern die blosse Einsichtnahme für die
Beschwerdegegnerin eine gesundheitliche Gefährdung darstellen soll, zumal auch im
Schreiben der Klinik L. eine Begründung für diese Annahme fehlt.
cc) In bezug auf die Interessen des Beschwerdeführers an der Akteneinsicht fällt in
Betracht, dass der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs schwer wiegt und geeignet ist,
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die Persönlichkeitsrechte des Beschwerdeführers zu verletzen. Art. 28 ZGB bezweckt
namentlich auch den Schutz der Ehre, d.h. des Rufs, ein ehrbarer Mensch zu sein, der
sich so verhält, wie sich nach allgemeiner Anschauung ein charakterlich anständiger
Mensch zu verhalten pflegt (Meili, a.a.O., N 28 zu Art. 28). Sodann schützt auch Art.
173 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (SR 311.0) vor unbewiesenen
Behauptungen ehrenrühriger Tatsachen. Der Beschwerdeführer muss sich somit
allfällige rechtlich nicht abgeklärte Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs durch die
Beschwerdegegnerin nicht gefallen lassen. Insofern ist deshalb ein schutzwürdiges
Interesse des Beschwerdeführers an der Akteneinsicht ausgewiesen. Dabei besteht
dieses Interesse grundsätzlich unabhängig vom Umstand, dass allfällige Vorwürfe im
Namensänderungsverfahren keine Überprüfung erfahren haben, da namentlich auch
ein Interesse an der Richtigkeit der Datenbearbeitung besteht (Art. 10 Abs. 3 StVG; vgl.
ferner Art. 5 DSG). Aus diesem Grund ist dem Beschwerdeführer auch zuzustimmen,
wenn er geltend macht, die Gewährung der Akteneinsicht hange nicht davon ab,
welche Zwecke er damit verfolge. Es genügt das Interesse des Beschwerdeführers,
dass in behördlichen Akten nicht der unbewiesene Vorwurf des sexuellen Missbrauchs
festgehalten ist. Es spielt deshalb entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin
auch keine entscheidende Rolle, dass der Beschwerdeführer für die Erwirkung eines
allfälligen Verbots der Verbreitung der Vorwürfe durch die Beschwerdegegnerin nicht
auf die Akten des Namensänderungsverfahrens angewiesen ist. Schliesslich hat die
Vorinstanz im angefochtenen Entscheid zutreffend auf die Problematik von
Vorverurteilungen im Zusammenhang mit den von der Beschwerdegegnerin erhobenen
Vorwürfen hingewiesen. Es ist ohne weiteres klar, dass dem Beschwerdeführer auch
der unbewiesene Vorwurf des sexuellen Missbrauchs von A.B. in gesellschaftlicher und
wirtschaftlicher Hinsicht erheblich schaden kann, weshalb sein Interesse an der
Akteneinsicht auch unter diesem Gesichtspunkt ausgewiesen ist. Wie schnell es zu
ungerechtfertigten Vorverurteilungen kommen kann, zeigt im übrigen die
Vernehmlassung der Vorinstanz vom 13. Februar 2004, wo auf die "Traumatisierung"
bzw. "Sekundärviktimisierung" von Opfern sexueller Handlungen hingewiesen wird
bzw. darauf dass die Beschwerdegegnerin "das Geschehene verarbeiten und nicht
wieder daran erinnert werden" wolle. Eine gleiche Vorverurteilung ergibt sich auch aus
der Aussage, dass in einem abgeschlossenen Verfahren das Interesse des "Opfers"
dasjenige des "Täters" überwiege. Der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs der
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Beschwerdegegnerin durch den Beschwerdeführer ist rechtlich nicht abgeklärt und
damit unbewiesen. Es ist daher völlig verfehlt, wenn die Vernehmlassung durch die
gewählten Formulierungen etwas anderes anklingen lässt.
dd) Vor diesem Hintergrund kommt das Verwaltungsgericht entgegen der Vorinstanz
zum Schluss, dass die Interessen des Beschwerdeführers an der Akteneinsicht die
Interessen der Beschwerdegegnerin an der Geheimhaltung überwiegen, soweit im
Namensänderungsverfahren der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs erhoben worden
ist. Im übrigen aber verfügt der Beschwerdeführer nicht über ein hinreichendes
schutzwürdiges Interesse an der Akteneinsicht. Dies gilt insbesondere für allfällige
andere im Zusammenhang mit dem Gesuch um Namensänderung geltend gemachte
wichtige Gründe im Sinne von Art. 30 Abs. 1 ZGB. Dementsprechend ist dem
Beschwerdeführer die Akteneinsicht in die Akten des Namensänderungsverfahrens nur
insofern zu gewähren, als darin von der Beschwerdegegnerin allenfalls der Vorwurf des
sexuellen Missbrauchs gegen ihn erhoben worden ist. Im übrigen ist dem
Beschwerdeführer die Akteneinsicht zu verweigern. Dies entspricht einer teilweisen
Gutheissung der Beschwerde.
d) Zusammenfassend steht somit fest, dass die Beschwerde teilweise gutzuheissen
und der angefochtene Entscheid sowie die Verfügung des Departements für Inneres
und Militär vom 14. Februar 2003 aufzuheben sind. Dem Beschwerdeführer ist insofern
Akteneinsicht in das Namensänderungsverfahren der Beschwerdegegnerin zu
gewähren, als diese darin allenfalls Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegenüber
ihm erhoben hat. Im übrigen ist die Akteneinsicht zu verweigern und die Beschwerde
abzuweisen.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Verwaltungsgericht, 18.05.2004 Verfahrensrecht, Art. 29 Abs. 2 BV (SR 101). Akteneinsicht in ein abgeschlossenes Namensänderungsverfahren eines Dritten (Verwaltungsgericht, B 2004/9).
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