Decision ID: cb284504-9689-5c04-b7e8-f014ba5b7d22
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1955 geborene
X._
arbeitete seit dem 1. Dezember 1980 als Elektro-Hilfsmonteur bei der Firma
Z._
(
Urk.
7/9)
, als er
am 5. August 1999 in einen Autounfall verwickelt wurde, bei dem er einen Kopfanprall
,
eine Schlüsselbeinluxation links
sowie eine Rippenkontusion rechts
erlitt und bei
welchem auch
Familienmitglied
er
ums Leben kam
en
(
Urk.
7/9
S. 6,
Urk.
7/12 S. 2 f.
,
Urk.
7/14 S. 4 und 13 ff.
,
Urk.
7/54 S. 10
).
In der Folge war er 100%ig arbeitsunfähig.
Unter Hinweis auf Rückenschmerzen, Gefühllosigkeit im linken Bein, Kopf-, Nacken- und Schulterschmerzen, Schlaflosigkeit, Gleichgewichtsstörungen, Depression sowie Vergesslichkeit meldete sich
der Versicherte
am 11. Dezember 2000 bei der Invalidenversicherung zum Rentenbezug an (
Urk.
7/4).
Die IV-Stelle ging aufgrund der getroffenen medizinischen Abklärun
gen davon aus, dass
er aus somatischer und psychiatrischer Sicht
zu mehr als 67
%
erwerbsun
fähig sei (
Urk.
7/16),
und sprach ihm mit Verfügung vom
8. Oktober 2001
eine ganze Rente
bei einem
Invaliditätsgrad von 100
%
mit Wirkung ab 1. August 2000
zu (
Urk.
7/19
), welche sie mit Mitteilung vom 15. November 2004 bestä
tigte (
Urk.
7/31; vgl. auch
Urk.
7/28-30
).
1.2
Im März 2009
leitete die IV-Stelle ein Rentenrevisionsverfahren ein
(
Urk.
7/35-36), holte zunächst bei den behandelnden Ärzten Berichte ein (
Urk.
7/40,
Urk.
7/42
,
Urk.
7/50-51
)
und liess den Versicherten
anschliessend
im
A._
begutachten
(
Urk.
7/47
,
Urk.
7/52)
.
Gestützt auf das interdisziplinäre (internistische, rheumatologische und psychiatrische)
A._
-Gutachten vom 3.
Oktober 2010 (
Urk.
7/54) stellte sie dem Versicherten mit Vorbescheid vom 14. April 2011 die Aufhebung der laufenden ganzen Rente zufolge Verbesserung des Gesundheitszustandes in Aussicht (
Urk.
7/58). Nach
dem der Versicherte dagegen Einwand erhoben hatte (
Urk.
7/61,
Urk.
7/68), prüfte die IV-Stelle die Notwendigkeit beruflicher Eingliederungsmassnahmen und hob – da sich der Versicherte nicht in der Lage sah, an niederschwelligen Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen (
Urk.
7/77) -
die laufende
ganze Rente
androhungsgemäss mit Verfügung vom 13. April 2012
auf (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte, vertreten durch die DAS Rechtsschutz
-
Versiche
rungs
-AG,
MLaw
Y._
,
mit Eingabe vom 15. Mai 2012 Beschwerde mit dem Antrag, es sei ihm bis auf Weiteres eine ganze Invalidenrente auszu
richten (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 25. Juni 2012 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6).
Mit Eingabe vom 23. Juli 2013 stellte der Beschwerdeführer ergänzend den An
trag, er sei erneut unter
Beizug
eines Übersetzers psychiatrisch zu begutachten, begründete seinen Ergänzungsantrag und reichte einen Bericht
des behandeln
den
Dr.
med.
B._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 20. Juli 2013 zu den Akten (
Urk.
9
,
Urk.
10
).
Die IV-Stelle äusserte sich hierzu mit Stel
lungnahme vom 6. August 2013 (
Urk.
12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs.
1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Die massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem
Invaliditäts
grad
von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von Art. 17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71
E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine Verfügung ver
zichtbar, wenn bei einer von Amtes wegen durchgeführten Revision keine
leis
tungsbeeinflussende
Änderung der Verhältnisse festgestellt wurde (Art. 74
ter
lit
. f IVV) und die bisherige Invalidenrente daher weiter ausgerichtet wird. Wird auf entsprechende Mitteilung hin keine Verfügung verlangt (Art. 74
quater
IVV), ist jene in Bezug auf den Vergleichszeitpunkt einer (ordentlichen) rechtskräfti
gen Verfügung gleichzustellen (Urteile des Bundesgerichts 9C_771/2009 vom 10. September 2010 und 9C_586/2010 vom 15. Oktober 2010, je E. 2.2, mit Hinweisen).
2.
2.1
Die IV-Stelle beg
ründet
die Aufhebung der laufenden ganzen Rente damit, laut dem
A._
-
Gutachten vom 3. Oktober 2010 und der RAD-Stellungnahme vom 11. November 2010 habe sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführer
s verbessert. Aktuell seien ihm behinderungsangepasste, wechselbelastende, leichte bis selten mittelschwere Verweistätigkeiten im Vollzeitpensum zumutbar.
Es bestehe kein Grund, auf diese Beurteilung nicht abzustellen, zumal der Be
schwerdeführer offensichtlich über ausreichende Deutschkenntnisse verfügt habe, um die gutachterlichen Fragen zu Anamnese, Befindlichkeit, Tagesablauf etc. zu beantworten. Die der Einschätzung
im Gutachten
widersprechenden subjektiven Wertungen des Beschwerdeführers seien nicht massgebend.
Der Vergleich des hypothetischen
Valideneinkommens
von Fr. 83‘271.50 mit dem
zumutbarerweise
erzielbaren Invalideneinkommen
von Fr. 53‘145.75 ergebe bei einer Erwerbseinbusse von Fr. 30‘125.75 einen Invaliditätsgrad von 36
%
, wel
cher die für den Anspruch auf eine Rente vorausgesetzte Schwelle von 40
%
nicht erreiche.
Da der Beschwerdeführer das 55. Altersjahr
zurückgelegt habe, hätten na
ch der höchstrichterlichen Rechtsprechung zunächst die Notwendigkeit von Eingliederungsmassnahmen geprüft und die Massnahmen gegebenenfalls auch durchgeführt werden müsse
n
, bevor die Rente habe aufgehoben werden können. Diesem Erfordernis sei die IV-Stelle nachgekommen. Da sich der Be
schwerdeführer subjektiv nicht in der Lage gefühlt habe, ein
Integrationspro
gramm
oder berufliche Massnahmen zu absolvieren, seien die
Eingliederungs
bemühungen
abgebrochen worden, und die Rente
sei
aufgehoben
worden (
Urk.
2,
Urk.
6,
Urk.
12)
.
2.2
Der Beschwerdeführer stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, es könne nicht auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im
A._
-
Gutachten abgestellt werden. Eine Verbesserung des Gesundheitszustandes sei im Gutachten nicht nachvollziehbar begründet worden, womit kein Revisionsgrund vorhanden sei und der Anspruch auf die laufende Rente unverändert bestehe.
Das
Gutachten
erfülle
nicht die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an die Qualität eines Fachberichtes. Zum einen sei nämlich die attestierte uneingeschränkte Arbeits
fähigkeit aus somatischer Sicht angesichts der von den Gutachtern erhobenen Befunde nicht nachvollziehbar. Zum anderen lasse das psychiatrische
Teilgut
achten
eine Auseinandersetzung mit der divergierenden Beurteilung von
Dr.
B._
missen.
Dr.
B._
behandle ihn seit über zehn Jahren, weshalb er den
chronifizierten
Krankheitsverlauf mit einer Wesensänderung besser habe be
obachten können als die Gutachter, welche
für
ihre Beurteilung
bloss
auf eine Momentaufnahme
hätten abstellen können
.
Die von den Gutachtern
erwähnte fehlende Medikamenteneinnahme sei zudem für psychisch Erkrankte
geradezu
typisch
und
nicht geeignet,
das Nichtbestehen einer psychischen Erkrankung
zu
begründen
(
Urk.
1 S. 9 ff.)
.
Von Bedeutung sei ferner, dass kein Dolmetscher während der Begutachtung anwesend gewesen sei. Deshalb sei es ihm, der nur gebrochen Deutsch spreche, nicht möglich gewesen, dem psychiatrischen Gut
achter zu folgen. Allenfalls sei er deshalb erneut – unter
Beizug
eines Überset
zers – psychiatrisch zu begutachten (
Urk.
9).
3.
3.1
Strittig und zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdefüh
rer
s
wesentlich verbessert hat.
Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung ist die
ursprüngliche
Rentenv
erfü
gung der IV-Stelle vom 8
.
Oktober 2001
(
Urk.
7/19
).
Die anlässlich der erstmaligen Revision der Rente ergangene Mitteilung der IV-Stelle vom 15. November 2004 (
Urk.
7/31) basierte nämlich nicht auf
eine
r
materielle
n
Prüfung des Rentenan
spruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
In
validitätsbemessung
(vgl. E. 1.4).
N
ebst dem vom
Beschwerdeführer
ausgefüllten Frage
bogen für Rentenrevisionen
und dem Verlaufsbericht des Hausarztes
Dr.
med.
C._
,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, wurde nämlich trotz Anhaltspunkten auf eine die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende psychische Problematik kein
psychiatrischer
Bericht
eingeholt (
Urk.
7/28-30).
3.2
Der Verfügung vom 8. Oktober 2001, mit welcher dem
Beschwerdeführer
die ganze Rente zugesprochen worden war, lagen in medizinischer Hinsicht die Be
richte
von
Dr.
med.
D._
,
Facharzt für Neurologie, vom 10. Januar 2001, wonach
die Arbeitsfähigkeit als Elektr
omonteur wegen einem
r
adikulären
Syn
drom L5/S1 links, einer erheblichen Narbenbildung links
epidural
nach Dekom
pression L4/5 und L5/S1
sowie einer chronischen Schmerzsymptomatik erheb
lich reduziert
war
(
Urk.
7/12 S. 17 ff.),
und
der Bericht des
Hausarztes
Dr.
C._
vom 4. Mai 2001
(
Urk.
7/12 S. 5 ff.) zugrunde
(
Urk.
7/15 f.)
.
Dr.
C._
diag
nostiziert
e ein LWS-Syndrom L5, S1 bei
Fehlform
der Wirbelsäule, eine
Dis
kushern
i
e
L5/S1 mit Nervenwurzelkompression bei Status nach Dekompression L5 am 14. Juni 2000, chronische Schulterschmerzen bei Status nach AC-Luxa
tion
Tossy
links sowie Status nach Stabilisation AC Schulter links
, eine ent
gleiste Hypertonie mit vasomotorischen Kopfschmerzen, eine Adipositas
(99 kg/184 cm), einen Status nach Hepatitis B sowie ein schweres depressives
Zu
standsbild
, welches von
Dr.
B._
behandelt werde. Aufgrund dieser Beein
trächtigungen
erachtete
Dr.
C._
den
Beschwerdeführer
als
100%ig arbeits
unfähig im angestammten Beruf als Elektromonteur und generell keinen physi
schen und psychischen Arbeitsanforderungen gewachsen (
Urk.
7/12 S. 5 ff.).
Dr.
med.
E._
vom Regionalen Ärztlichen Dienst
RAD
gelangte in Würdigung
dieser Berichte am 24. Juli 2001 zur Beurteilung,
Dr.
C._
habe
in seinem Be
richt sowohl die rheumatologische als auch die psychiatrische Problematik be
rücksichtigt, so dass seine Einschätzung, der
Beschwerdeführer
s
e
i
mehr als 67
%
erwerbsunfähig, nachvollziehbar sei;
auf eine weitere psychiatrische Ab
klärung
könne
verzichtet werden (
Urk.
7/15; vgl. auch
Urk.
7/16 S. 1).
Bei Erlass der Rentenverfügung vom 8. Oktober 2001 lag zudem der
Austritts
-
be
richt
der orthopädischen
Klinik F._
vom 30. April 2001 über die
Hospitalisation
des
Beschwerdeführer
s vom 28. März bis 20. April 2001 zur intensiven physikalischen Therapie vor (
Urk.
7/12 S. 13 ff.). Im Bericht diagnostizierten die Ärzte ein
lumboradikuläres
Syndrom L5 und S1 links mit
Fehlform
und Fehlhaltung der Wirbelsäule (linkskonvexe, thorakale Skoliose, Haltungsinsuffizienz),
mediolateraler
bis knapp
foraminaler
Diskushernie L5/S1 links mit Beeinträchtigung der Nervenwurzeln L5 links und S1 links
bei Status nach Dekompression der Wurzel L5 am 14. Juni 2000. Weiter erwähnten sie bei den Diagnosen chronische Schulterschmerzen bei Status nach AC-Luxation
Tossy
III links nach Autounfall am 5. August 1999 sowie nach Stabilisation AC nach
Waever
-Dunn der Schulter links am 10. November 2000 und ein depressi
ves Zustandsbild. Abschliessend attestierten die Ärzte dem
Beschwerdeführer
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 28. März bis 1. Mai 2001 und hielten fest, aus rheumatologischer Sicht sei angesichts des
chronifizierten
Verlaufs mit ei
ner dauernden 100%igen Arbeitsunfähigkeit zu rechnen (
Urk.
7/12 S. 13 ff
.).
Ebenfalls vor Erlass der Verfügung vom 8. Oktober 2001 wurde
der
ausführliche
Bericht vom
14. August 2001
des behandelnden Psychiaters
Dr.
B._
erstellt
.
Dr.
B._
führte darin die Diagnose
n
einer posttraumatischen Belastungsstörung nach
d
em schweren Autounfall
vom 5. August 1999
mit tödlichen Folgen
, eines
chronifizierten
lumbosakralen
Schmerzsyndroms bei bekannter Diskushernie L5/S1 und Status nach Dekompression der Wurzel L5 am 14. Juni 2000 sowie von chronischen Schulterschmerzen nach einer Schlüsselbeinluxation links
in
folge des
Autounfall
s
am 5. August 1999
auf
.
Der Beschwerdeführer
habe wäh
rend den Therapiesitzungen traurig, innerlich verspannt, psychomotorisch un
ruhig und gleichzeitig gereizt gewirkt
.
Er habe über Schuldgefühle und Alp
träume wegen des Unfalls vom 5. August 1999 berichtet. Er müsse ständig an die Kinder der beim Unfall verstorbenen Schwester denken, habe sich zuneh
mend von der Umgebung zurückgezogen, wage nicht mehr, mit dem Auto zu fahren, und sei nicht imstande, seine Arbeit zu ve
r
richten
, was ihn stark de
pressiv mache
.
Laut
Dr.
B._
ging es b
ei
den psychotherapeutischen Gesprä
chen
zuerst um den Aufbau von Vertrauen und danach um die Ve
rarbeitung des erlebten Unfalls
.
Zudem seien ihm Antidepressiva und
Anxiolytika
verordnet worden.
Wegen der Unfähigkeit zur tieferen Einsicht in seine Situation
habe
sich
der Zustand
aber
chronifiziert
und einen invalidisierenden Verlauf genom
men. Da es sich um ein Zusammenspiel körperlicher und seelischer Faktoren
nach einer extremen Belastung (Unfall mit tödlichem Ausgang)
handle, seien die Beschwerden bis jetzt therapieresistent, und es zeigten sich zunehmend Symptome einer andauernden Persönlichkeitsänderung, welche allmählich das klinische Bild dominierten.
Wegen der intensiven Schmerzen und
Bewegungs
einschränkungen
, der schwer depressiven und ängstlichen Symptome, der in
nerlichen Gehemmtheit, der starken Konzentrationsschwierigkeiten und der fehlenden Ausdauer sei
d
er
Beschwerdeführer
aus psychiatrischer Sicht
in der bisherigen und in sämtlichen anderen denkbaren Tätigkeiten 100%ig
arbeits
unfähig (
Urk.
7/12 S. 1 ff.).
3.3
In den im Rahmen des
letzten
Revisionsverfahren
s
eingeholten Berichten
vom
29. Mai 2009
sowie 23. Februar 2010 attestierte der Hausarzt
Dr.
C._
dem
Beschwerdeführer
weiterhin eine vollständige Erwerbsunfähigkeit
bei weitge
hend stabilem Gesundheitszustand und schlechter Prognose
(
Urk.
7/40 S. 6,
Urk.
7/50
; vgl. auch den im ersten Revisionsverfahren eingeholten Bericht vom 26. Oktober 2004 [
Urk.
7/29 S. 2]
)
.
Auch d
er behandelnde Psychiater
Dr.
B._
bescheinigte
dem
Beschwerdeführer
in seinen Verlaufsberichten
vom 24. August 2009 sowie vom 10. Mai 2010 un
verändert eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
in der bisherigen Tätigkeit sowie in jeder anderen Erwerbstätigkeit
.
Er
hielt fest, der Zustand habe sich
trotz
Ein
nahme der verschriebenen
Medikation (
Deanxit
,
Saroten
retard
,
Truxaletten
) und psychotherapeutischer Behandlung
in sechswöchigen Abständen
chronifi
ziert
und einen invalidisierenden Verlauf genommen
.
Der Beschwerdeführer sei die ganze Zeit depressiv, innerlich
angespannt, lust- und interesselos gewesen, habe Konzentrationsschwierigkeiten gehabt, immer müde gewirkt und lebe seit Jahren ganz isoliert.
Gleichzeitig sei er von andauernden Schmerzen geplagt gewesen.
Schon längst sei es zu einer andauernden Persönlichkeitsänderung ge
kommen, bei der keine Hoffnung auf Besserung bestehe (
Urk.
7/42,
Urk.
7/51).
Eine Kontrolle der Krankenkassenbelege durch die Invalidenversicherung ergab,
dass der
Beschwerdeführer
die von
Dr.
B._
verschriebenen Psychopharmaka während eines Jahres zwischen Mai 2006 und Mai 2007 sowie ab
Oktober 2007
nicht
mehr
über die
Krankenkasse
ab
ge
rechnet
hatt
e
(
Urk.
7/54 S. 13,
Urk.
7/56 S. 2)
.
Dr.
med.
G._
,
Facharzt für Orthopädische Chiru
r
gie
, erachtete dies als nicht kongruent mit der von
Dr.
B._
attestierten 100%igen Arbeitsunfä
higkeit für sämtliche Tätigkeiten und dem
von diesem Arzt
angegebenen
Medi
kamentenkonsum
, und empfahl deshalb eine polydisziplinäre Abklärung (
Urk.
7/56 S. 3).
3.4
Am 19. und 21. Juli 2010 wurde der Beschwerdeführer im
A._
interdisziplinär internistisch, rheumatologisch und psychiatrisch begutachtet
(
Urk.
7/54 S. 1 ff.)
.
Zusätzlich fertigten die Gutachter am 19. Juli 2010 Röntgenbilder der Wirbel
säule, des rechten Kniegelenks sowie des linken Schultergelenks an (
Urk.
7/54
S. 28 f.) und führten eine Laboruntersuchung, ein Ruhe-EKG und eine kleine
Lun
genfunktionsprüfung
durch (
Urk.
7/54 S. 21).
Das Gutachten wurde am
3. Okto
ber 2010 erstattet.
Der
Beschwerdeführer
gab
den Gutachtern
an, im Vordergrund stünden seine Schmerzen im Bereich der linken Schulter, welche Tag und Nacht bestünden. Beim Hochheben des Armes habe er zudem stärkste Schmerzen im Hinterkopf
links. Weiter leide
er unter Rückenschmerzen etwas links im Bereich der ehe
maligen Operationsstelle, welche über die Hüfte entlang des lateralen Ober
schenkels zur Kniekehle
und
von dort an der Innenseite des Unterschenkels über die Ferse zu den Zehen I und II ziehen würden.
Die Schmerzen in den Zehen träten zwei- bis dreimal pro Woche auf. Ferner bestünden Gefühlsstörungen im Bereich des medialen Unterschenkels und Fusses.
In psychischer Hinsicht werde er dadurch beeinträchtigt, dass er immer wieder über den Unfall
und die drei Kinder, welche deswegen jetzt ohne Eltern seien, nachdenken müsse
.
Zudem mache er sich Gedanken über die Arbeit, da er seine ehemaligen Kollegen zur Arbeit gehen sehe
(
Urk.
7/54 S. 17 f.,
24 f., 38 f., 45).
Die internistische Untersuchung ergab das Bild eines 55-jährigen, übergewichti
gen Mannes in unauffälligem Allgemeinzustand bei altersentsprec
hend norma
lem klinischem Status (
Urk.
7/54 S. 16, 18 ff, 45).
Anlässlich der rheumatologischen Untersuchung waren die
Impingement
-,
Rota
torenmanschetten
- und ACG-Tests beidseits nicht spezifisch positiv.
Der Gutachterin fiel eine gesamthaft kräftig ausgebildete Muskulatur de
s gesamten Bewegungs- und Halte
apparates auf, welchen sie als Ausdruck dafür wertete, dass die Muskulatur kontinuierlich beansprucht werde. Dennoch bestand i
m Bereich des Schultergürtels eine deutliche muskuläre
Dysbalance
mit
Hyperto
nus
insbesondere der
Scaleni
links mehr als rechts und multiplen
Triggerpunk
ten
.
D
ie Insuffizienz der wirbelsäulenstabilisierenden Muskulatur
führe
zusam
men mit einer Fehlhaltung sowie den degenerativen Veränderungen
(Status nach Dekompression des
Rezessus
LWK5 über das
interlaminäre
Fe
n
ster LWK4/5 und LWK5/SWK1 links mit Beeinträchtigung der Nervenwurzel L5 und S1 links am 14. Juni 2000
, multisegmentale
Ost
e
ochondrosen
mit ventralen Spondylosen u
nd
Spondylarthrosen
betont LWK5/
SWK1 beidseits sowie eine ausgeprägte Narbenbildung linksseitig entlang des Zugangswegs und
epidural
bei Status nach der Operation vom 14. Juni 2000) zu einer ständigen Fehl- und
Überbelastung insbesondere des Achsenorgans und aktuell einer konsekutiven Funktionsstörung des rechten ISG.
Eine
Du
puytren’sche
Kontraktur insbeson
dere im Bereich des Ringfingers links, welche operationsbedürftig sei, führe auch
aktuell zu einer gewissen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit insbesondere für feinmotorische Tätigkeiten.
Hinweise auf eine
floride
neuroradikuläre
Symptomatik hätten nicht bestanden.
Die subjektiv angegebene Hypästhesie des medialen und lateral
en Unterschenkels sowie sockenfö
rmig des gesamten linken Fusses entspreche keinem
Dermatom
respektive Innervationsgebiet eines Nervs.
Das Fehlen des linksseitigen Achillessehnenreflexes sei als Residuum bei Status nach S1-Wurzelkompression zu werten und ohne eigentlichen Krankheitswert.
Es
bestehe
eine auffallende Diskrepanz zwischen den objektivierbaren klini
schen und radiologischen Befunden und den vom
Beschwerdeführer
demons
tri
erten Beschwerden und Schmerzen
.
Unter Berücksichtigung aller Befunde und Gegebenheiten limitiere das chronische
lumbospondylogene
Schmerzsyndrom links durch die Einschränkung der Belastbarkeit des linken Schultergelenks, der Lendenwirbelsäule und beider Hände die Arbeitsfähigkeit
. Für die zuletzt ausge
übte Tätigkeit als Elektromonteur bestehe keine Arbeitsfähigkeit, in einer opti
mal dem Leiden angepassten Tätigkeit könne dem
Beschwerdeführer
hingegen eine unlimitierte Arbeitsfähigkeit von 100
%
attestiert werden. Aufgrund feh
lender fachärztlicher Berichte und des Fehlens objektiv erhobener,
versiche
rungsmedizinisch
nachvollziehbarer Befunde und Funktionsdefizite ab 2002 könne der Verlauf im retrospektiven Längsschnitt nicht beurteilt werden, so dass die Beurteilung ab sofort gelte
(
Urk.
7/54 S. 22 ff.,
32 ff.
S.
45 f.
).
Im Rahmen der
eineinhalb-stündigen
psychiatrischen Exploration wurde ein weitgehender psychischer Normalbefund erhoben. Laut dem psychiatrischen Gutachter war der vom
Beschwerdeführer
angegebene Tages
ablauf mit Hobbys und Interessen weitgehend unauffällig. Ein klinisch relevanter Rückzug lasse sich aufgrund dessen nicht vermuten. Nach eigenen Angaben sei das
Vermei
dungsverhalten
des
Beschwerdeführer
s darauf begrenzt, dass er nicht mehr selbst Auto fahre (als Beifahrer aber schon
mitfahre
). Albträume
würden im Durchschnitt nur noch zweimal wöchentlich auftreten, über
Nachhallerinnerun
gen
und vegetative Reaktionen bei Hinweisreizen habe er erst auf Nachfrage hin berichtet. Er vermeide auch keine Reisen in den Bereich des Unfallortes. Mit den ihn plagenden Schuldgefühlen gehe er konstruktiv um, indem er die Kinder der bei dem Verkehrsunfall umgekommenen Person finanziell unterstütze. Die auf
grund von
Schlafstörungen verordnete Medikation mit
Trittico
100 mg nehme er nicht regelmässig ein. Die Behandlungsfrequenz von vier-
bis
sechswöchigen rund fünfzehnminütigen Psychotherapiegesprächen weise nicht auf einen er
heblichen Leidensdruck hin.
Die angegebenen Beschwerden liessen sich diag
nostisch am ehesten
als
Dysthimia
(ICD-10; F34.1) verschlüsseln. Aus psychiat
rischer Sicht sei der Beschwerdeführer für sämtliche Tätigkeiten zu 100
%
ar
beitsfähig, wobei aufgrund der fehlenden Medikamenteneinnahme
davon aus
gegangen werden müsse, dass schon seit 2007 keine relevanten Beschwerden mehr bestanden hätten und der
Beschwerdeführer
uneingeschränkt arbeitsfähig gewesen sei (
Urk.
7/54 S. 34 ff, 39, 54 ff.).
In der abschliessenden interdisziplinären versicherungsmedizinischen Beurtei
lung hielten die Gutachter fest, aus rheumatologischer
Sicht sei der
Beschwer
deführer
für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Elektromonteur zu 100
%
ar
beitsunfähig.
In einer optimal dem Leiden angepassten, wechselbelastenden, leichten bis selten mittelschweren
Tätigkeit
ohne mehr als gelegentliche Arbei
te
n
über die Armhorizontale hinaus, ohne repetitive, stereotypische Bewegungs
abläufe, ohne das Arbeiten in Zwangshaltungen, ohne das Tragen und Heben von Lasten körperfern und ohne besondere Anforderungen an die
feinmotori
schen
sowie
die
kraftfordernden Fähigkeiten im Bereich der linken mehr als rechten Hand sei aus interdisziplinärer Sicht eine unlimitierte Arbeitsfähigkeit von 100
%
zu attestieren (
Urk.
7/54 S. 47 ff.).
4.
4.1
Der Beschwerdeführer bestreitet den Beweiswert des
A._
-
Gutachtens
vom
3. Oktober 2010.
In der Expertise wurden die vom
Beschwerdeführer
geklagten Beschwerden, seine anamnestischen Angaben und die
Vorakten
berücksichtigt.
Der
Beschwer
deführer
wurde fachärztlich-internistisch, rheumatologisch und psychiatrisch und damit hinsichtlich der relevanten Beschwerden allseitig und umfassend untersucht. Die medizinischen Zusammenhänge wurden im Gutachten ebenso wie die Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtend dargelegt und die Schlussfolgerungen begründet. Damit sind die höchstrichterlichen Anforderun
gen an beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlagen grundsätzlich erfüllt
(BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Der
Beschwerdeführer
kritisierte
erstmals mit der Eingabe vom 23. Juli 2013
,
dass er den Fragen und Anweisungen der Gutachter wegen ungenügender Deutschkenntnisse nicht habe folgen können
(
Urk.
9 S. 2)
, und legte seiner Ein
gabe
ein Schreiben des behandelnden Psychiater
s
Dr.
B._
vom 20. Juli 2013 bei. Darin brachte
Dr
.
B._
zum Ausdruck, er finde, es dürfe auf das psychiat
rische Teilgutachten nicht abgestellt werden, weil sein Patient nur gebrochen Deutsch spreche (
Urk.
10).
Grundsätzlich hat der Gutachter
im Rahmen sorgfäl
tiger Auftragserfüllung zu entscheiden
, ob ein Dolmetscher beizuziehen sei.
Beim
A._
handelt es sich um eine mit der Beurteilung
versicherungsmedizini
scher
Fragestellungen erfahrene Begutachtungsstelle, welche auch regelmässig Übersetzer beizieht.
Die Gutachter vermerkten
im vorliegenden Fall aber
aus
drücklich, der
Beschwerdeführer
spreche ausreichend Deutsch, um problemlos eine Anamnese zu erheben (
Urk.
7/54 S. 18). D
ie detaillierte und differenzierte Anamnese und die wörtlichen Zitate im psychiatrischen Gutachten
sprechen für
diese Schlussfolgerung
(
Urk.
7/54 S. 36 ff.)
.
Es kann
zudem
ohne W
eiteres da
von ausgegangen werden, d
ass
der
Beschwerdeführer
beziehungsweise die ihn bereits im
Einwandverfahren
vertretende Rechtsvertreterin
(vgl.
Urk.
7/68)
be
reits früher
gehörig
auf Verständigungsprobleme anlässlich der Begutachtung
aufmerksam
gemacht hätten
,
wären diese wirklich derart schwerwiegend gewe
sen
(vgl. das Urteil des Bundesgerichts
I 743/05
vom 16. Januar 2006, E. 2.3.1)
.
Dass es bis anhin nicht möglich gewesen ist, entsprechende Einwände zu erhe
ben, ist durch nichts dargetan.
Der Einwand, es hätte ein Übersetzer zur Begut
achtung beigezogen werden müssen, erweist sich mithin als unbegründet.
Die Kritik,
die attestierte uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht sei angesichts der von den Gutachtern erhobenen Befunde nicht nachvoll
ziehbar,
ist
ebenfalls
nicht stichhaltig. Im rheumatologischen Teilgutachten wurden die erhobenen Befunde und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen äusse
rst eingehend
und aus versicherungsmedizinischer
Perspektive überzeu
gend
dargelegt, insbesondere auch durch das Aufzeigen von verbliebenen Res
sourcen und Inkonsistenzen anlässlich der klinischen Untersuchung (
Urk.
7/54 S. 22 ff.)
.
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers setzte
sich die
psy
chiatrische
Teilgut
achterin
sehr wohl
mit der divergierenden Beurteilung von
Dr.
B._
auseinander
.
Dies ergibt sich bereits daraus, dass die von
Dr.
B._
in den Be
richten vom 15. April und 24. August 2009 aufgeführten Befunde zu Beginn
ihres
Teilgutachtens detailliert wiedergegeben
werden
(
Urk.
7/54 S. 34 f.).
Die gutachterliche Beurteilung, dass seit 2007 keine relevanten psychischen Be
schwerden mehr bestanden (
Urk.
7/54 S. 47), lässt – auch wenn dies im Gut
achten nicht ausdrücklich vermerkt wurde - keinen anderen Schluss zu, als dass die
A._
-
Teilgutachterin aufgrund der erhobenen Befunde zu einer anderen Be
urteilung der psychischen Belastbarkeit gelangte als
Dr.
B._
in seinen Berich
ten vom
24. August 2009 sowie vom 10. Mai 2010.
Da
Dr.
B._
in seinen Be
richten relevante Fakten wie den
weitgehend unauffälligen
Tagesablauf, die un
bestrittenermassen nicht mehr regelmässige beziehungsweise fehlende
Medika
menteneinnahme
sowie
die gegenüber der internistischen Gutachterin einge
räumte Besserung der psychischen Symptomatik (
Urk.
7/54 S.
18)
nicht berück
sichtigte
, ist seine abweichende Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit nicht überzeu
gend. Zudem dürfte die Behandlungsfrequenz von vier- bis sechswöchentlichen fünfzehnminütigen Psychotherapiesitzungen bei
Dr.
B._
eine mit der einein
halbstündigen psychiatrischen Exploration im
A._
vergleichbar
sorgfältige
Befundaufnahme
kaum erlauben
.
Deshalb kann der Beschwerdeführer aus dem
Argument
, dass ein langjährig behandelnder Arzt die Entwicklung einer
Ge
sundheitsstörung
in gewissen Fällen
besonders gut beurteilen
könne
,
vorliegend
nichts zu
seinen
Gunsten ableiten. Sein Einwand, die Beurteilung der psychiat
rischen Teilgutachterin habe bloss auf einer Momentaufnahme beruht, geht des
halb fehl, weil sich die Gutachterin anhand der medizinischen
Vorakten
, der Krankenkassenakten zu den abgerechneten Medikamenten, der ausführlichen Anamnese und der detaillierten subjektiven Angaben zum Tagesablauf und zur Entwicklung der Symptome ein realistisches Bild über
die Entwicklung des
Ge
sundheitszustand
s
machen konnte.
Die abweichende Beurteilung des behan
delnden Psychiaters
Dr.
B._
vermag die Beweiskraft des
A._
-
Gutachtens mithin ebenfalls nicht zu erschüttern.
Schliesslich ist die fehlende Medikamenteneinnahme in Verbindung mit den übrigen, weitgehend unauffälligen Befunden entgegen der Ansicht des Be
schwerdeführers durchaus geeignet, Rückschlüsse auf die psychische Befind
lichkeit zuzulassen.
Es ergibt sich, dass das
A._
-
Gutachten vom
3. Oktober 2010
grundsätzlich geeig
net ist, den Beweis über die dem Beschwerdeführer medizinisch-theoretisch zumutbaren Tätigkeiten zu erbringen.
4.2
4.2.1
Der Revisionsordnung im Sinne von Art. 17 ATSG (vorstehend E. 1.4) geht der Grundsatz vor, dass die Verwaltung befugt ist, jederzeit von Amtes wegen auf formell rechtskräftige Verfügungen oder
Einspracheentscheide
, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet haben, zurückzukom
men, wenn sie zweifellos unrichtig sind und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53
Abs.
2 ATSG). Unter diesen Voraussetzungen kann die Verwaltung eine Rentenverfügung auch dann abändern, wenn die Revisions
voraussetzungen des Art. 17 ATSG nicht erfüllt sind. Wird die zweifellose Un
richtigkeit der ursprünglichen Rentenverfügung erst vom Gericht festgestellt, so kann es die auf Art. 17 ATSG gestützte Revisionsverfügung mit dieser substitu
ierten Begründung schützen (BGE 125 V 368 E. 2 S. 369).
4.2.2
Die laufende ganze Rente wurde dem
Beschwerdeführer
soweit ersichtlich im Wesentlichen gestützt auf den Bericht
des Hausarztes
Dr.
C._
vom 4. Mai 2001 (
Urk.
7/12 S. 5 ff.)
zugesprochen
. Die darin enthaltene Begründung
für die
attestierte Arbeitsunfähigkeit
in
sämtliche
n
Tätigkeiten erscheint aus heutiger Sicht
wenig überzeugend
.
Im Lichte der
ebenfalls vor Erlass der Verfügung vom 8. Oktober 2001 erstellten
spezialärztlichen Berichte
von
Dr.
D._
vom
10. Januar 2001
(
Urk.
7/12 S. 17 f.)
,
der
orthopädischen
Klinik F._
vom 30. April 2001
(7/12 S. 13 f.)
sowie von
Dr.
B._
vom 14. August 2001
(
Urk.
7/12 S. 1 ff.)
erscheint die Zusprechung einer ganzen Rente ab
1. August 2000
aber
nic
ht als zweifellos unrichtig im w
iedererwägungs
-
rechtlichen Sinn. In somatischer Hinsicht ist
nämlich erstellt, dass der
Beschwerdeführer
anläss
lich des Unfalls vom
5. August 1999
unter anderem an der
Schulter
verletzt wurde
und deswegen am 10. November 2000 operiert werden musste.
Ferner erfolgte
wegen einer Beeinträchtigung der Nervenwurzeln L5 links und S1 links am 14. Juni 2000 eine operative Dekompression der Wu
rz
el L5
und vom 28. März bis 20. April 2001 eine intensive stationäre Rehabilitation.
Die
Ärzte
der
Klinik F._
gingen
im Bericht vom 30. April 2001 denn auch
von einer
anhaltenden
100%igen Arbeitsunfähigkeit
aus rheumatologi
scher Sicht aus
–
wobei Anhaltspunkte fehlen, dass sich die attestierte
vollstän
dige
Arbeits
unfähigkeit auch auf leichte, leidensangepasste Tätigkeiten bezog
.
Nichtsdes
t
otrotz kann aufgrund dieser Berichte davon ausgegangen werden, dass
der
Beschwerde
-
führer
nach dem Unfall 100%ig arbeitsunfähig und
der Zustand in der Schulter und in der Wirbelsäule bei Erlass der ursprünglichen
Rentenverfü
gung
vom
8. Oktober 2001
trotz intensiver Behandlung
noch nicht vollständig stabilisiert war
,
weshalb aus somatischer Sicht
eine wesentliche Arbeitsunfähig
keit bestand
en haben dürfte
.
A
ufgrund
der im Bericht
von
Dr.
B._
vom
14. August 2001
dargelegten
posttraumatischen Stresssymptome und
der
depressi
ven Symptome nach dem Unfall mit tödlichem Ausgang
ist es
auch ohne wei
teres glaubhaft und nachvollziehbar, dass
der
Beschwerdeführer
zumindest in einer ersten Phase
wegen
des
Zusammenspiel
s
psychischer
und
körperlich
er
Beschwerden
in sämtlichen Tätigkeiten zu mindestens
67
%
arbeitsunfähig war
, was auch der damaligen Sachverhaltswürdigung des RAD entspricht (
Urk.
7/15)
.
4.3
Zu prüfen bleibt
, ob sich der Gesundheitszustand seit
Erlass der
Rentenverfü
gung
vom 8. Oktober 2001 wesentlich v
erbessert hat und da
her
ein
Revisions
grund
im Sinne von Art. 17 ATSG vorliegt.
Im
Bericht des Hausarztes
Dr.
C._
vom 4. Mai 2001 (
Urk.
7/12 S. 5 ff.), auf welchen sich die IV-Stelle bei der erstmaligen Zusprechung der ganzen Rente stützte,
wurden praktisch keine objektiven
Befunde
und Funktionsdefizite fest
gehalten
.
Gleiches gilt für seine Verlaufsberichte vom 29. Mai 2009 (
Urk.
7/40 S. 2 f.) und vom 23. Februar 2010 (
Urk.
7/50).
A
uf
diesen Umstand
wiesen auch die
A._
-
Gutachter
hin (
Urk.
7/54 S. 31
).
Die Beurteilungen
des Hausarztes
sind aus diesem Grund nicht nachvollziehbar
.
Zur Beurteilung der Entwicklung des körperlichen Gesundheitszustandes kann
folglich
nicht auf
dessen
Berichte ab
ge
stellt werden
.
D
er
Beschwerdeführer
räumte
gegenüber
den
A._
-
Gutachtern
ein,
es bestünden im Rücken auch schmerzfreie
Momente (
Urk.
7/54 S. 24).
Die
rheumatologische
Gutachterin
stellte
eine gesamthaft kräftig ausgebildete Muskulatur des gesam
ten Bewegungs- und Halte
apparates
fest
, welche
sie als Ausdruck dafür wertete, dass die Muskulatur kontinuierlich beansprucht w
e
rde.
Weiter fiel den Gutach
tern eine Diskrepanz zwischen den objektivierbaren Befunden und den vom
Beschwerdeführer
demonstrierten Beschwerden und Schmerzen auf.
Deshalb
kann
davon ausgegangen werden, dass sich der körperliche Gesundheitszust
a
nd
nach dem
Erlass der ursprünglichen Rentenverfügung
,
als sich der Beschwer
deführer noch von zwei Operationen erholte,
in den folgenden rund neun Jah
ren bis zur Begutachtung im
A._
stabilisiert hat
.
Die in den hausärztlichen Be
richten erwähnte Beschwerdepersistenz dürfte auf
die
invalidenversicherungs
rechtlich
nicht zu berücksichtigenden,
da
mit den objektivierbaren Befunden nicht korrelierenden subjektiven
Angaben
des Beschwerdeführers
zurückzufüh
ren sein (vgl. E. 1.1).
E
ine wesentliche V
erbesserung des körperlichen Gesund
heitszustandes
ist demnach
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen.
Auch der behandelnde Psychiater
Dr.
B._
ging in seinen Berichten vom
24. August 2009 und 10. Mai 2010 von einem unveränderten Gesundheits
-
zustand aus.
Da
Dr.
B._
in seinen Berichten von den
A._
-
Gutachtern rele
vante Fak
ten wie den weitgehend unauffälligen Tagesablauf, die unbestritte
nermassen nicht mehr regelmässige beziehungsweise fehlende Medikamenten
einnahme sowie die gegenüber der internistischen Gutachterin eingeräumte Besserung der psychischen Symptomatik (
Urk.
7/54 S. 18) nicht berücksichtigte, ist seine Be
urteilung der
Entwicklung der psychischen Gesundheit
nicht über
zeugend.
Die von
Dr.
B._
attestierten schweren psychischen Probleme lassen sich zudem nur schwerlich mit der
Behandlungsfrequenz von vier- bis sechswö
chentlichen fünfzehnminütigen Psychotherapiesitzungen
vereinbaren.
Weiter fällt auf, dass
Dr.
B._
in seinem Bericht vom
14. August 2001 noch festhielt, der Beschwer
deführer könne gar nicht mehr Auto fahren (
Urk.
7/12 S. 1 f.). Der psychiatri
schen Gutachterin gab er hingegen an, dass er heute als Beifahrer Auto fahren könne. Auch aus seinen übrigen Angaben anlässlich der Begut
achtung und an
gesichts der von der psychiatrischen Gutachterin erhobenen
leichtgradigen
Be
funde
ist zu schliessen, dass
die anfänglich bestehenden post
traumatischen Symptome zwischenzeitlich zurückgingen und sich d
er
Beschwerdeführer
mit den Unfallfolgen weitgehend arrangiert hat
beziehungs
weise d
ie (psychothera
peutische) Verarbeitung des Unfalls grösstenteils erfolg
reich abgeschlossen ist
. Damit ist eine wesentliche Verbesserung des
psychi
sche
n
Gesundheitszustand
es
ausgewiesen
.
Die wesentliche Änderung des Gesundheitszustandes bildet einen
Revisions
grund
im Sinne von Art. 17 ATSG (vorstehend E. 1.4).
4.4
Aufgrund des überzeugenden und voll beweiskräftigen
A._
-
Gutachtens steht fest, dass der Beschwerdeführer
in einer optimal dem Leiden angepassten, wechselbelastenden, leichten bis selten mittelschweren Tätigkeit ohne das mehr als gelegentliche Arbeiten über die Armhorizontale
hinaus, ohne repetitive, ste
reotyp
e Bewegungsabläufe, ohne das Arbeiten in Zwangshaltungen, ohne das Tragen und Heben von Lasten körperfern und ohne besondere Anforderungen an die feinmotorischen sowie kraftfordernden Fähigkeiten im Bereich der linken mehr als rechten Hand zu 100
%
arbeitsfähig ist (
Urk.
7/54 S. 47 ff.)
.
5.
5.1
Zu prüfen bleibt, wie sich die medizinisch-theoretische
Einschränkung der Ar
beitsfähigkeit
erwerblich auswirkt.
D
ie IV-Stelle
hat den Invaliditätsgrad mit
tels
eine
s
Einkommensvergleich
s
ermit
telt und ist dabei von einem
Valideneinkommen
von
Fr.
83‘271.50 und ei
nem Invalideneinkommen von
Fr.
53‘145.75 ausgegangen
(
Urk.
2; vgl. auch
Urk.
7/55,
Urk.
7/56 S. 6)
. Diese Vergleichseinkommen sind
zu Recht unbestrit
ten. Insbesondere
der beim Invalideneinkommen berücksichtigte leidensbedingte
Abzug
von
15
%
(
vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75
) trägt dem fortgeschrittenen Alter des
Beschwerdeführer
s
und seinen gesundheitlichen Einschränkungen ge
nügend Rechnung.
D
ie Arbeitsbiographie des Beschwerdeführers zeigt, dass er trotz fehlender schweizerisch anerkannter Ausbildung in der Lage war, in lohnmässiger Hinsicht eine Position zu erreichen, welche derjenigen eines Ar
beiters mit beruflicher Fachausbildung entspr
icht
(vgl.
Urk.
17
/8-9,
Urk.
1
7
/54 S. 14
). Dies spricht für eine
entsprechende
intellektuelle Flexibilität, welche sich auf dem (ausgeglichenen) Arbeitsmarkt für ungebildete Arbeiter mit
lohnstei
gernder
Wirkung verwerten lassen dürfte und deshalb einen höheren
behinde
rungsbedingten
Abzug nicht als
angemessen
erscheinen lässt.
Bei einer
invali
ditätsbedingten
Erwerbseinbusse von
Fr.
30‘125.75 resultiert so ein
Invaliditäts
grad
von 36
%
, welcher keinen Rentenanspruch (mehr) begründet.
5.2
Da der Beschwerdeführer das 55. Altersjahr
zurückgelegt
hat
,
ist
nach der höchst
richterlichen Rechtsprechung
(Urteil des Bundesgerichts 9C_228/2010 vom 26. April 2011, E.3.3-3.5)
vor einer revisionsweisen Aufhebung der Rente
zunächst die Notwendigkeit
von Eingliederungsmassnahmen zu prüfen.
D
er Beschwerdeführer
gab der IV-Stelle zu erkennen, dass er sich
zur Absolvierung solcher Massnahmen nicht in der Lage
sehe
(
Urk.
7/77
)
. Deshalb durfte
s
ie die Eingliederungsbemühungen mangels subjektiver Eingliederungsfähigkeit
des Beschwerdeführers
abbrechen und
der Beschwerdeführer hat sich
die ihm bei objektiver Betrachtung zumutbare Erwerbsfähigkeit anrechnen zu lassen.
Die
Aufhebung der laufenden Rente durch die
IV-Stelle
mit der angefochtenen Verfügung
ist demnach rechtens
.
6.
Ausgangsgemäss gehen die Verfahrenskosten von
Fr.
900.-- zulasten des unterlie
genden Beschwerdeführers (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).