Decision ID: 7b14c6f2-967b-4962-ae5a-7779d909e791
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. Nachdem A._, Jahrgang 1957, zuletzt tätig als Produk-
tionsmitarbeiter im Fleischwarenbereich, von der IV-Stelle des Kantons
Graubünden (nachfolgend: IV-Stelle) mit Hörgeräten versorgt worden war,
meldete er sich im April 2018 erneut zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (berufliche Integration/Rente). Sein Hausarzt Dr.
med. C._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Angiologie,
stellte in seinem Bericht vom 4. Mai 2018 unter anderem folgende
Diagnosen: eine COPD Gold I, ein leichtes obstruktives
Schlafapnoesyndrom sowie eine Coxarthrose mässigen Grades rechts
mehr als links. Zudem wies er daraufhin, dass er bisher keine
Arbeitsunfähigkeit attestiert habe. Nach Durchführung des
Vorbescheidverfahrens wies die IV-Stelle das Leistungsbegehen von
A._ mangels invalidisierenden Gesundheitsschadens mit Verfügung
vom 3. Oktober 2018 ab.
2. Hiergegen erhob A._ mit Datum vom 5. November 2018 Beschwerde
beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Dabei reichte er
verschiedene medizinische Stellungnahmen ein, darunter solche von Dr.
med. D._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und
Rheumatologie. Letzterer stellte namentlich folgende Diagnosen: eine
Coxarthrose beidseits rechtsbetont, ein chronisch rezidivierendes
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom rechts, ein metabolisches
Syndrom sowie rezidivierende Schwindelepisoden. Daraufhin teilte die IV-
Stelle dem Verwaltungsgericht mit Schreiben vom 6. Dezember 2018 mit,
dass sie die angefochtene Verfügung aufheben bzw. pendente lite in
Wiedererwägung ziehen werde, da sie die (Rest-)Arbeitsfähigkeit von
A._ bzw. seinen Anspruch auf eine Rente noch nicht restlos ermittelt
resp. abgeklärt habe. Mit Verfügung vom 18. Januar 2019 schrieb die
damalige Instruktionsrichterin das Beschwerdeverfahren S 18 140 infolge
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Anerkennung ab und stellte eine Verletzung der Mitwirkungspflicht seitens
des Versicherten fest.
3. In der Folge reichte Dr. med. D._ trotz wiederholten Aufforderungen
von Seiten der IV-Stelle keine neuen Berichte betreffend die in seinen
medizinischen Stellungnahmen in Aussicht gestellten ärztlichen
Abklärungen ein. Daraufhin liess die IV-Stelle A._ durch das
Medizinische Gutachtenzentrum Region St.Gallen GmbH (MGSG)
polydisziplinär begutachten (Fachdisziplinen: Allgemeine Innere Medizin,
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
sowie Psychiatrie und Psychotherapie mit Explorationen am 6. und
22. November 2019 unter Beizug einer Dolmetscherin). Im entsprechenden
Gutachten vom 12. Dezember 2019 (nachfolgend: MGSG-Gutachten)
stellten die Experten folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit:
 Pseudolumboischialgie rechts bei Hemisakralisation L5 links, Osteochondrose und spangenbildender Osteophytenbildung Th12 bis L3, Spondylarthrose L3-5 ohne neurale Kompression
 Coxarthrose rechts
 Mediale Meniskusläsion und Chondropathie Grad III der Trochlea und des medialen Femurkondylus rechts
Die MGSG-Gutachter erachteten A._ in seiner zuletzt ausgeübten
Tätigkeit als Hilfsarbeiter in der Fleischwarenproduktion zu 50 % und in
einer adaptierten Tätigkeit (d.h. körperlich leichte Tätigkeiten in
temperierten Räumen, abwechselnd sitzend und stehend, ohne häufige
inklinierte, reklinierte und rotierte Körperhaltungen, ohne häufiges Gehen,
insbesondere auf Treppen, Leitern und schrägen Ebenen, ohne häufige
kniende Positionen) seit August 2018 zu 100 % arbeitsfähig.
4. Gestützt auf die im MGSG-Gutachten ausgewiesene Arbeitsfähigkeit von
100 % in adaptierter Tätigkeit seit August 2018 stellte die IV-Stelle A._
mit Vorbescheid vom 30. Januar 2020 die Abweisung seines
Leistungsbegehrens in Aussicht. Dagegen erhob A._ mit Datum vom
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13. Februar 2020 bzw. 2. Juni 2020, unter Beilage einer Stellungnahme
von Dr. med. D._ vom 28. März 2020, einen begründeten Einwand.
Am 28. August 2020 verfügte die IV-Stelle wie vorbeschieden und sie
verneinte einen Anspruch auf eine Invalidenrente.
5. Hiergegen erhob A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 2. Oktober
2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden.
Dabei stellte er folgende Rechtsbegehren:
1. Die angefochtene Verfügung sei aufzuheben.
2. Es sei ihm eine volle [recte: ganze] Rente der Invalidenversicherung zu gewähren.
3. Eventualiter sei für ihn ein weiteres neutrales umfassendes polydisziplinäres Gutachten (Obergutachten) über die Ursachen der Beschwerden und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit einzuholen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Invalidenversicherung.
In prozessualer Hinsicht ersuchte er um unentgeltliche Rechtspflege und
anwaltliche Verbeiständung. Zur Begründung führte er im Wesentlichen
aus, dass sich die IV-Stelle mit der ausführlichen Kritik von Dr. med.
D._ am MGSG-Gutachten nicht auseinandergesetzt habe. Dieser
spreche sich insbesondere in seiner Stellungnahme vom 28. März 2020
dezidiert und begründet gegen die Tauglichkeit des Gutachtens aus.
Letzteres sei völlig unbrauchbar, skandalös, in weiten Teilen falsch und
oberflächlich, weshalb es sich verbiete, darauf abzustellen.
6. Die IV-Stelle beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 21. Oktober 2020
die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge zu Lasten des
Beschwerdeführers. Zu der am MGSG-Gutachten erhobenen Kritik verwies
sie auf die Stellungnahmen des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
Ostschweiz vom 17. August 2020 und 20. Oktober 2020.
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7. Am 16. November 2020 hielt der Beschwerdeführer replicando an seinen
bisherigen Anträgen fest und er legte eine weitere Stellungnahme von Dr.
med. D._ vom 4. November 2020 ins Recht. Die IV-Stelle verzichtete
mit Schreiben vom 26. November 2020 (Eingang) auf die Einreichung einer
Duplik.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, die angefochtene
Verfügung sowie die übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-
Stelle des Kantons Graubünden vom 28. August 2020, worin der Anspruch
des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente verneint wurde. Gemäss
Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor
dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle anfechtbar. Als kantonales
Versicherungsgericht ist das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde sowohl
örtlich als auch sachlich zuständig (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] und Art. 49 Abs. 2 lit. a des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]). Der
Beschwerdeführer ist Adressat der angefochtenen Verfügung, weshalb er
durch die angefochtene Verfügung unmittelbar betroffen ist und ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat. Er ist
demnach zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 59 ATSG). Auf die im
Übrigen frist- und formgerecht (Art. 60 und Art. 61 ATSG) eingereichte
Beschwerde ist somit einzutreten.
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2. In formeller Hinsicht gilt es vorab auf die vom Beschwerdeführer geltend
gemachte Gehörsverletzung einzugehen. Soweit er gestützt auf die
Stellungnahme von Dr. med. D._ vom 2. Oktober 2020 (vgl.
beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 3) geltend macht, die IV-Stelle sei in
der angefochtenen Verfügung nicht auf dessen ausführliche Kritik am
MGSG-Gutachten eingegangen (vgl. dazu die Stellungnahme von Dr. med.
D._ vom 28. März 2020 [IV-act. 102 S. 6 ff.]), vermag er nicht
durchzudringen. Die aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss
Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) fliessende Begründungspflicht verlangt
nicht, dass sich die entscheidende Behörde mit allen Parteistandpunkten
auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt.
Sie darf sich auf das für den Entscheid Wesentliche beschränken. Den
Betroffenen muss es aber immerhin möglich sein, sich über die Tragweite
des Entscheides Rechenschaft zu geben und ihn in voller Kenntnis der
Sache an die nächsthöhere Instanz weiterzuziehen. Der Entscheid hat
folglich zumindest kurz die Überlegungen zu nennen, von denen sich die
entscheidende Behörde leiten liess und worauf sie ihren Entscheid stützt
(vgl. BGE 143 IV 40 E.3.4.3, 142 III 433 E.4.3.2 m.w.H.). Die IV-Stelle hat
sich mit der vom Beschwerdeführer kritisierten, ihm attestierten 100%igen
Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit befasst und erläutert,
weshalb sie trotz der Einwände des Beschwerdeführers bzw. der
Beurteilung von Dr. med. D._ vom 28. März 2020 auf das
polydisziplinäre MGSG-Gutachten vom 12. Dezember 2019 abstelle. Die
Überlegungen, von denen sich die IV-Stelle leiten liess, können im Kern
nachvollzogen werden, und deren Motive gehen mit genügender Klarheit
aus der angefochtenen Verfügung hervor. Gestützt darauf war der
Beschwerdeführer denn auch in der Lage, den Entscheid vom 28. August
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2020 sachgerecht anzufechten. Die Gehörsrüge erweist sich somit als
unbegründet.
3. In materieller Hinsicht streitig und nachfolgend zu prüfen ist, ob die IV-Stelle
den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente zu Recht
verneint hat. Umstritten ist dabei die (Rest-)Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers in einer leidensadaptierten Tätigkeit. Zudem bestreitet
der Beschwerdeführer sinngemäss die Bemessung des
Invalideneinkommens und die Verwertbarkeit der (Rest-)Arbeitsfähigkeit
auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt.
4. Anspruch auf eine Invalidenrente haben Versicherte von vornherein nur
dann, wenn sie nach Ablauf des Wartejahres zu mindestens 40 % invalid
sind (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG). Vorliegend ist unbestritten, dass das
Wartejahr im April 2018 zu laufen begann.
4.1. Bei erwerbstätigen Versicherten gilt als Invalidität die durch einen
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschaden
verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG), welche Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG). Zur
Beurteilung der Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen, wobei eine
Erwerbsunfähigkeit zudem nur vorliegt, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Keine Beeinträchtigungen der
Gesundheit stellen soziokulturelle Schwierigkeiten mit Auswirkungen auf
die Arbeitsfähigkeit sowie psychosoziale Faktoren dar. Invaliditätsfremde
Faktoren sind darüber hinaus auch Aggravation und Simulation (vgl. zum
Ganzen KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2020,
Art. 7 Rz. 22 ff.; siehe bezüglich Aggravation und ähnlicher Erscheinungen
auch BGE 141 V 281 E.2.2.1 f., 140 V 193 E.3.3).
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4.2. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist
Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die
Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen
durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitslage erzielen
könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der
Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander
gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt sich der
Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des
Einkommensvergleichs; BGE 144 I 21 E.2.1, 142 V 290 E.4, 141 V 15
E.3.2, 128 V 29 E.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_225/2019 vom 11.
September 2019 E.2).
5.1. Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und der Beurteilung der
Erwerbsfähigkeit der versicherten Person sind die Verwaltung und das im
Streitfall angerufene Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls andere Fachleute zur Verfügung stellen. Die Aufgabe des
Arztes besteht darin, mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung
unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde zu
erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt der Arzt
seine originäre Aufgabe, wofür die Verwaltung und das im Streitfall
angerufene Gericht nicht kompetent sind. Bei der Folgeabschätzung der
erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit
kommt dem Arzt jedoch keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu.
Vielmehr gibt er eine Einschätzung zur Arbeitsfähigkeit ab, welche er aus
seiner Sicht so substanziell wie möglich begründet. Die ärztlichen
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Auskünfte bilden sodann eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der
Frage, welche Arbeitsleistungen dem Versicherten konkret noch zugemutet
werden können (vgl. BGE 140 V 193 E.3.2, 132 V 93 E.4, 125 V 256 E.4).
5.2.1. Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu
würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte die Beweise grundsätzlich frei, d.h. ohne
Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss
zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das
Gericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen,
objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden
medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte
Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die
eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (vgl. BGE 125 V
351 E.3a). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf
allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231
E.5.1, 125 V 351 E.3a). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist
grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die
Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme
als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 125 V 351 E.3a, 122 V 157 E.1c).
Dennoch hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen
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medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen (vgl. BGE 125 V 351 E.3b, 118 V 286 E.1b, 112 V 30 E.1a).
5.2.2. Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von
externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei
der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei
der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (vgl.
BGE 137 V 210 E.1.3.4, 125 V 351 E.3b/bb). In Bezug auf Berichte von
behandelnden Ärzten darf und soll der Richter auch der
Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass behandelnde Ärzte mitunter im
Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen
eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. BGE 135 V 465 E.4.3.2,
4.4 und 4.5, 125 V 351 E.3a und 3b). Sodann kommt auch den Berichten
und Gutachten versicherungsinterner Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als
schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich
widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
sprechen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem
Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf
mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf
vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die
Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen.
Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im
Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des
Gutachters allerdings ein strenger Massstab anzulegen (vgl. BGE 125 V
351 E.3b, 122 V 157 E.1c). Bestehen auch bloss geringe Zweifel an der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen
Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. BGE
135 V 465 E.4.3.2 und 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_245/2011 vom
25. August 2011 E.5.3).
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6. Vorliegend stellt sich die Frage, ob die IV-Stelle zu Recht auf das MGSG-
Gutachten vom 12. Dezember 2019 (Explorationen am 6. und
22. November 2019) abgestellt hat oder ob konkrete Indizien gegen dessen
Zuverlässigkeit sprechen, sodass von der Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer adaptierten Tätigkeit (d.h. körperlich
leichte Tätigkeiten in temperierten Räumen, abwechselnd sitzend und
stehend, ohne häufige inklinierte, reklinierte und rotierte Körperhaltungen,
ohne häufiges Gehen, insbesondere auf Treppen, Leitern und schrägen
Ebenen, ohne häufige kniende Positionen) für den hier massgebenden
Zeitraum ab April 2019 abzuweichen wäre.
6.1. Der Beschwerdeführer kritisiert das MGSG-Gutachten insbesondere
gestützt auf die Stellungnahme seines behandelnden Rheumatologen Dr.
med. D._ vom 28. März 2020, worin dieser das orthopädische und
internistische Teilgutachten für unsorgfältig, unvollständig und nicht
nachvollziehbar erachtet (vgl. IV-act. 102 S. 6 ff.).
6.2.1. Für den Beweiswert eines Gutachtens ist unter anderem massgeblich, dass
es in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist (Urteil des
Bundesgerichts 9C_672/2019 vom 12. August 2020 E.5.7 m.H.a. BGE 134
V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a). Zwar bemängelt der behandelnde
Rheumatologe Dr. med. D._ diesbezüglich zu Recht, dass der
Aktenauszug im MGSG-Gutachten – bis auf jenen im psychiatrischen
Teilgutachten (vgl. IV-act. 91 S. 30 ff.) – formell betrachtet sehr knapp bzw.
inexistent ist (vgl. IV-act. 91 S. 4 und S. 21). Immerhin verwiesen der
orthopädische Teilgutachter Dr. med. E._ und der internistische
Teilgutachter Dr. med. F._ aber auf die ihnen von der IV-Stelle zur
Verfügung gestellten Akten und führten die Inhaltsübersicht im Anhang
zum Gutachten auf (vgl. IV-act. 91 S. 3 und S. 21 sowie IV-act. 91 S. 56 ff.).
Bei näherer Betrachtung ergibt sich denn auch, dass die gutachterliche
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Diagnoseherleitung und -stellung auf den Vorakten beruht bzw. damit
weitgehend übereinstimmt (vgl. u.a. IV-act. 91 S. 2 und S. 20).
So wies Dr. med. E._ unter anderem eine Pseudolumboischialgie
rechts bei Hemisakralisation L5 links, eine Osteochondrose und eine
spangenbildende Osteophytenbildung Th12 bis L3, eine Spondylarthrose
L3-5 ohne neurale Kompression sowie eine Coxarthrose rechts aus (vgl.
IV-act. 91 S. 10). Damit griff er die bereits in den Berichten des
behandelnden Rheumatologen Dr. med. D._ vom 16. Oktober 2018
(vgl. IV-act. 59 S. 9 f.) und 26. Oktober 2018 (vgl. IV-act. 59 S. 7 f.), des
Spitals G._ vom 18. Oktober 2018 (vgl. IV-act. 59 S. 11 f.), von Dr.
med. C._ vom 4. Mai 2018 (vgl. IV-act. 39 S. 2) sowie im Röntgen
bzw. MRI vom 23. August 2018 (vgl. IV-act. 59 S. 13) und 30. August 2018
(vgl. IV-act. 59 S. 14) ausgewiesenen Diagnosen einer fortgeschrittenen,
symptomatischen Coxarthrose rechts bzw. einer Coxarthrose beidseits
rechtsbetont sowie das chronische lumbospondylogene Schmerzsyndrom
auf. Zusätzlich diagnostizierte Dr. med. E._ eine mediale
Meniskusläsion und Chondropathie Grad III der Trochlea und des medialen
Femurkondylus rechts (vgl. IV-act. 91 S. 10), womit auch weitgehende
Übereinstimmung mit den in der Stellungnahme des behandelnden
Rheumatologen Dr. med. D._ vom 28. März 2020 aufgeführten
Diagnosen herrscht (vgl. IV-act. 102 S. 9). Dass der festgestellte Morbus
Forestier bzw. die diffuse idiopathische Skeletthyperostose (DISH)
unerkannt geblieben sein soll, findet keine Stütze in den Akten. Vielmehr
war diese Diagnose Dr. med. E._ vorbefundlich bekannt (vgl. IV-
act. 91 S. 4) und er wies denn auch selbst gestützt auf die eigenen
bildgebenden Untersuchungen – wie bereits dargelegt – neben einer
Hemisakralisation L5 links eine Osteochondrose und eine
spangenbildende Osteophytenbildung Th12 bis L3 aus (vgl. IV-act. 91
S. 10). Dass er die Nackenbeschwerden trotz der befundlich erfassten
eingeschränkten Beweglichkeit (vgl. IV-act. 91 S. 7) letztlich im Sinne eines
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Cervicovertebralsyndroms bei Spondylarthrose C3/4 mit partieller
Blockwirbelbildung und Spondylarthrose L4/5 (recte: C4/5) links den
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zuordnete, ist nicht zu
beanstanden, gab der Beschwerdeführer anlässlich der Anamnese doch
selbst an, dass er dadurch in seiner körperlichen Leistungsfähigkeit nicht
eingeschränkt sei (vgl. IV-act. 91 S. 5, vgl. ferner IV-act. 91 S. 10 und
S. 16). Zudem befasste sich Dr. med. E._ auch mit der linken Hüfte
und stellte anlässlich der Befunderhebung eine eingeschränkte
Beweglichkeit, hingegen weder eine Druckdolenz noch ein auffälliges
Impingementzeichen fest (vgl. IV-act. 91 S. 7). Dass er daraus somit keine
verminderte Belastbarkeit ableitete, erscheint plausibel, stand doch auch
für die Vorbehandler die Coxarthrose rechts im Vordergrund (vgl. Bericht
des Spitals G._ vom 18. Oktober 2018 [IV-act. 59 S. 11 f.], Berichte
des behandelnden Rheumatologen Dr. med. D._ vom 16. Oktober
2018 [IV-act. 59 S. 9 f.] und 26. Oktober 2018 [IV-act. 59 S. 7 f.], Röntgen
des Diagnose Zentrums L._ vom 23. August 2018 [IV-act. 59 S. 13]
und Bericht von Dr. med. C._ vom 4. Mai 2018 [IV-act. 39 S. 2]).
Auch der internistische Teilgutachter Dr. med. F._ stellte in
Übereinstimmung mit den Vorakten unter anderem einen Diabetes mellitus
Typ 2, eine arterielle Hypertonie, ein obstruktives Schlafapnoesyndrom,
eine Innenohrschwerhörigkeit bei Otosklerose beidseits, eine Adipositas,
ein
Nikotinabusus sowie eine COPD Grad II fest (vgl. IV-act. 91 S. 25, vgl.
ferner Stellungnahme von Dr. med. H._ vom 9. Dezember 2003 [IV-
act. 10 S. 4], ärztliche Erstexpertise durch Dr. med. H._ vom 3. August
2016 [IV-act. 25], Bericht von Dr. med. C._ vom 4. Mai 2018 [IV-
act. 39 S. 2] sowie Berichte des behandelnden Rheumatologen Dr. med.
D._ vom 16. Oktober 2018 [IV-act. 59 S. 9 f.] und 26. Oktober 2018
[IV-act. 59 S. 7 f.]). Entgegen der beschwerdeführerischen Ansicht hat er
somit das Vorliegen einer Lungenerkrankung erfasst und darüber hinaus
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festgehalten, dass der Beschwerdeführer weder morgendlichen Husten
noch eine Anstrengungsdyspnoe trotz anhaltendem Nikotinabusus und
einer COPD Grad II angebe (vgl. IV-act. 91 S. 25). Dass Dr. med. F._
kein metabolisches Syndrom auswies, tut dem internistischen
Teilgutachten keinen Abbruch, stellte er doch in Übereinstimmung mit dem
behandelnden Rheumatologen Dr. med. D._ die diesem Syndrom
zugrundeliegenden Kriterien einer arteriellen Hypertonie, einer Adipositas
sowie eines Diabetes Mellitus Typ II fest und wurden diese somit
gutachterlicherseits mitberücksichtigt (vgl. IV-act. 91 S. 25 und Berichte
des behandelnden Rheumatologen Dr. med. D._ vom 16. Oktober
2018 [IV-act. 59 S. 9 f.] und 26. Oktober 2018 [IV-act. 59 S. 7 f.]). Auch ist
nicht zu beanstanden, wenn der internistische Teilgutachter nicht näher auf
das rezidivierende Schwindelgefühl einging, wurde ein solches doch weder
vom Beschwerdeführer angegeben (vgl. IV-act. 91 S. 21 ff., wonach keine
internistischen Beschwerden beklagt worden seien) noch stand dem
Experten der in der Stellungnahme vom 28. März 2020 aufgeführte Bericht
von Dr. med. I._ vom 18. Dezember 2018, in welchem das
rezidivierende Schwindelgefühl diskutiert worden sein soll (vgl. IV-act. 102
S. 10), zur Verfügung. Dasselbe gilt mit Blick auf die vom behandelnden
Rheumatologen Dr. med. D._ als unberücksichtigt monierten
kardialen Beschwerden (vgl. Stellungnahme vom 28. März 2020 [IV-
act. 102 S. 10]): Aufgrund des unauffälligen klinischen Herzbefundes und
insbesondere der festgestellten Herzfrequenz von 76/min (vgl. IV-act. 91
S. 24) erscheint es plausibel, wenn Dr. med. F._ Hinweise für das
Vorliegen einer hypertensiven Kardiomyopathie ausschloss (vgl. IV-act. 91
S. 25) und auch keine Angaben zu einer Tachykardie-Neigung machte (vgl.
dazu anamnestische Aussagen des Beschwerdeführers anlässlich der
psychiatrischen Exploration [vgl. IV-act. 91 S. 36]). Dass – wie in der
Stellungnahme vom 28. März 2020 (IV-act. 102 S. 10) ausgeführt – nun der
Kardiologe Dr. med. J._ angeblich bereits im November 2018 eine
hypertensive Herzkrankheit diagnostiziert haben soll, kann Dr. med.
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F._ nicht zum Vorwurf gereichen, lag ihm dieser Bericht – wie sogleich
nachfolgend noch einlässlich dargelegt wird – doch weder vor noch drängte
sich eine solche Diagnose aufgrund seiner Befunderhebung auf.
Soweit der behandelnde Rheumatologe Dr. med. D._ in seiner
Stellungnahme vom 28. März 2020 des Weiteren bemängelt, das MGSG-
Gutachten stütze sich auf unvollständige Akten, ist ihm entgegenzuhalten,
dass er die von ihm aufgeführten medizinischen und bildgebenden Berichte
(vgl. IV-act. 102 S. 7, wobei ein Teil der aufgeführten Berichte durchaus bei
den Vorakten liegt und auch von den Gutachtern berücksichtigt worden ist
[vgl. dazu Erwägung 6.2.1 vorstehend]) trotz mehrmaliger Aufforderung
von Seiten der IV-Stelle (vgl. IV-act. 72 ff.) nie eingereicht hat – auch nicht
im Einwand- oder im vorliegenden Beschwerdeverfahren. Darüber hinaus
legt er nicht substanziiert dar, inwiefern diese Berichte wesentliche, im
MGSG-Gutachten unberücksichtigt oder ungewürdigt gebliebene Aspekte
aufzeigen würden (zu den Berichten von Dr. med. I._ vom
18. Dezember 2018 und Dr. med. J._ vom 16. November 2018 bzw.
zum rezidivierenden Schwindelgefühl und zu den kardialen Beschwerden
vgl. zudem die Ausführungen im vorstehenden Absatz). Insofern mutet es
treuwidrig an, wenn er den MGSG-Gutachtern vorwirft, aufgrund
unvollständiger Akten kein adäquates Gutachten erstellt zu haben.
Rechtsprechungsgemäss genügt denn auch der Vorwurf nicht, das
orthopädische bzw. internistische MGSG-Teilgutachten sei nicht in
Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, weil zahlreiche (in der
Beschwerde ohne inhaltliche Bezugnahme lediglich pauschal mit Datum
bezeichnete) Berichte im Gutachten nicht genannt würden (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 9C_721/2019 vom 27. Mai 2020 E.6.1). Vielmehr basieren
die beiden Teilgutachten insgesamt auf eingehenden klinischen und
bildgebenden Untersuchungen bzw. Befunderhebungen, deren Ergebnisse
sich – wie bereits dargelegt – weitgehend mit den bekannten
vorbefundlichen Feststellung decken.
- 16 -
6.2.2. Darüber hinaus haben sich die Dres. med. E._ und F._ sorgfältig
mit den gesundheitlichen Einschränkungen des Beschwerdeführers
auseinandergesetzt und die von ihm geklagten Beschwerden
berücksichtigt. Entgegen der beschwerdeführerischen Ansicht bestehen
keine Anhaltspunkte dafür, dass die Anamnese aus orthopädischer oder
internistischer Sicht unsorgfältig durchgeführt worden wäre. Vielmehr
berücksichtigten die Teilgutachter das jetzige Leiden des
Beschwerdeführers, den Krankheitsverlauf sowie die somatischen,
sozialen, beruflichen und systemischen Angaben des Beschwerdeführers
(vgl. IV-act. 91 S. 4 ff. und S. 21 ff.). Zudem haben die Dres. med. E._
und F._ ihre Schlussfolgerungen gestützt auf die eigenen klinischen,
bildgebenden und laborchemischen Untersuchungen getroffen (vgl. IV-act.
91 S. 7 ff. und S. 24) und ihre Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und der medizinischen Situation leuchtet ein (vgl. IV-
act. 91 S. 10 ff. und S. 25 f.).
Abgesehen davon ist das MGSG-Gutachten für die streitigen Belange
umfassend. So wird in der Konsensbeurteilung zum Krankheitsverlauf
unter anderem Folgendes ausgeführt: Seit zehn Jahren bestünden ohne
vorgängiges Trauma zunehmende Nackenschmerzen. Allerdings seien
weder der Schlaf noch die körperliche Leistungsfähigkeit dadurch subjektiv
eingeschränkt. Seit zwanzig Jahren manifestierten sich ohne vorgängiges
Unfallereignis zunehmende lumbale Schmerzen mit Ausstrahlung in die
Fusssohle rechts, wodurch der Schlaf häufig beeinträchtigt sei. Das Sitzen
sei während eineinhalb Stunden möglich. Das Bücken, Heben und Tragen
von Lasten sei dolent. Seit drei bis vier Jahren würden zunehmende
Schmerzen in der rechten Leiste mit Fortsetzung in den Oberschenkel
beklagt. Das Laufen sei auf zehn Minuten limitiert. Hinweise für eine
Hüftdysplasiebehandlung im Kleinkindalter oder ein Trauma seien nicht
vorhanden. Der Beschwerdeführer leide seit drei Jahren an zunehmenden
- 17 -
Schmerzen ventral im rechten Kniegelenk, sodass das Knien rechts
schmerzhaft sei. Ein Trauma des rechten Kniegelenks liege nicht vor. Es
würden keine internistischen Beschwerden beklagt. Die Verschlechterung
des psychischen Zustandsbildes mit Traurigkeit und Schwermut sei nach
dem Arbeitsverlust im Februar 2016 aufgetreten. Das psychische
Zustandsbild habe sich seither nicht wesentlich verändert. Davor habe sich
der Beschwerdeführer in guter psychischer Verfassung befunden und sei
ausgeglichen gewesen (vgl. IV-act. 91 S. 16).
Schliesslich wird in der Konsensbeurteilung unter dem Titel "Relevante
Diagnosen" nachvollziehbar dargelegt, dass die Schmerzen in der HWS
und die abnormen Untersuchungsbefunde derselben durch die im MRI
sichtbare Spondylarthrose L3/4 (recte: C3/4) mit partieller
Blockwirbelbildung und die Spondylarthrose C4/5 links bedingt seien. In
Übereinstimmung mit dem Beschwerdeführer resultiere aus diesen
degenerativen Veränderungen aber keine wesentliche Einschränkung der
körperlichen Leistungsfähigkeit. Die Schmerzen in der LWS und die
pathologischen objektiven Befunde derselben seien grösstenteils mit der
im MRI dargestellten Osteochondrose Th12 bis L3 und spangenbildenden
Osteophytenbildung sowie der Spondylarthrose L3/4 vereinbar. Bei
radiologisch fehlender neuraler Kompression könne allerdings die
Ausstrahlung der Schmerzen in die Fusssohle rechts nicht nachvollzogen
werden. Die Schmerzen in der rechten Hüfte und die pathologischen
Untersuchungsbefunde derselben seien durch die radiologisch
dokumentierte Coxarthrose erklärt. Die Schmerzen im rechten Kniegelenk
und die leicht pathologischen objektiven Befunde desselben seien Folge
der im MRI festgehaltenen medialen Meniskusläsion sowie der
Chondropathie Grad III der Trochlea und des medialen Femurkondylus
(vgl. IV-act. 91 S. 16 f.).
- 18 -
Gestützt darauf erscheint es nach Auffassung des streitberufenen Gerichts
plausibel, wenn die Gutachter mit Blick auf die zuletzt ausgeübte Tätigkeit
als Hilfsarbeiter in der Fleischwarenproduktion eine Arbeitsfähigkeit von
50 % (bei voller Stundenpräsenz) bzw. in einer adaptierten Tätigkeit eine
solche von 100 % seit August 2018 auswiesen (vgl. IV-act. 91 S. 17).
6.2.3. Wenn nun der behandelnde Rheumatologe Dr. med. D._ die
gutachterliche Arbeitsfähigkeits-Einschätzung in seiner Stellungnahme
vom 28. März 2020 als völlig unplausibel bzw. als sehr fraglich erachtet
(vgl. IV-act. 102 S. 9 f.), ist dem sich darauf abstützenden
Beschwerdeführer entgegenzuhalten, dass es rechtsprechungsgemäss
nicht geboten ist, ein Administrativgutachten stets in Frage zu stellen und
zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, nur weil eine behandelnde
Arztperson zu einer anderen Einschätzung gelangt (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_783/2020 vom 17. Februar 2021 E.5.2 und
9C_672/2019 vom 12. August 2020 E.5.7). Der behandelnde
Rheumatologe Dr. med. D._ bringt denn auch – wie bereits dargelegt
und hernach noch weiter ausgeführt wird – nichts vor, was in der
polydisziplinären Begutachtung im Allgemeinen und im orthopädischen und
internistischen Teilgutachen im Speziellen unerkannt oder ungewürdigt
geblieben wäre (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_783/2020 vom
17. Februar 2021 E.5.2 m.w.H. und 9C_672/2019 vom 12. August 2020
E.5.7 m.w.H.). Insofern vermag der vom behandelnden Rheumatologen Dr.
med. D._ an verschiedenen Stellen in seiner Stellungnahme vom
28. März 2020 angebrachte und nicht weiter vertiefte Vermerk, dass sich
die verschiedenen Befunde und Beschwerden des Beschwerdeführers
gegenseitig potenzieren würden und das Gutachten diesen additiven Effekt
verkenne (vgl. IV-act. 102 S. 8 ff.), von vornherein nicht zu verfangen.
Vielmehr führte RAD-Arzt Dr. med. K._, Facharzt für Chirurgie,
diesbezüglich überzeugend aus, dass die Frage, ob (allfällige)
Belastungsverminderungen addiert würden oder sich gegenseitig
- 19 -
inkludierten, letztlich durch die Gutachter beantwortet werden müsse
(Stellungnahme vom 17. August 2020 [Case Report IV-act. 105 S. 16]).
Dasselbe gilt mit Blick auf die qualitativen Anforderungen an das zumutbare
Belastungsprofil, welches vom behandelnden Arzt Dr. med. D._ in
seiner Stellungnahme vom 28. März 2020 insbesondere mit Blick auf die
internistischen Beschwerden bemängelt wurde, sich im Ergebnis jedoch im
Grundsatz weitgehend mit dem gutachterlichen Anforderungsprofil deckt
(vgl. IV-act. 91 S. 17 und IV-act. 102 S. 10). Letzterer übersieht ferner,
dass die von ihm kritisierte, gutachterlicherseits attestierte Arbeitsfähigkeit
von 50 % in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit für die Invaliditätsbemessung
nicht primär ausschlaggebend ist. Daher kann entgegen seiner mit
Stellungnahme vom 4. November 2020 (vgl. Bf-act. 4) und der in der Replik
vertretenen Auffassung auch nichts zugunsten des Beschwerdeführers
abgeleitet werden, wenn RAD-Arzt Dr. med. K._ in seiner
Stellungnahme vom 20. Oktober 2020 ausführte, es lägen keine relevanten
Versäumnisse in der Begutachtung vor, welche zu einer Fehleinschätzung
der Arbeitsfähigkeit, zumindest für adaptierte Tätigkeiten, führen könnten
(vgl. beschwerdegegnerische Beilage). Vielmehr ist ganz im Gegenteil
darauf hinzuweisen, dass selbst der behandelnde Rheumatologe Dr. med.
D._ in seiner Stellungnahme vom 28. März 2020 die gutachterlich
ausgewiesene 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit nicht per
se in Abrede stellte, sondern diese als "sehr fraglich" und für weiter
abklärungsbedürftig bezeichnete (vgl. IV-act. 102 S. 9 f.). Immerhin ist der
Beschwerdeführer aber darauf hinzuweisen, dass ihm bei einer
Verschlechterung des Gesundheitszustands insbesondere in
kardiologischer oder pneumologischer Hinsicht eine Neuanmeldung offen
stünde.
6.2.4. Schliesslich vermag auch die weitere am orthopädischen und
internistischen MGSG-Gutachten geübte Kritik nicht zu verfangen. Soweit
- 20 -
der behandelnde Rheumatologe Dr. med. D._ bemängelt, es werde
gutachterlicherseits verkannt, dass der Beschwerdeführer wegen seiner
multilokulären Beschwerden im Bereich des Bewegungsapparats,
einschliesslich der symptomatischen Coxarthose rechts, mehrere
Physiotherapieserien wahrgenommen habe (vgl. IV-act. 102 S. 8),
übersieht er, dass die Angaben dazu in der gutachterlichen Exploration
vom Beschwerdeführer selbst stammen (vgl. IV-act. 91 S. 5 i.V.m. S. 11
und S. 16), genauso wie jene zur Analgesie (vgl. IV-act. 91 S. 5 i.V.m. S. 11
und S. 16). Zudem ist aktenkundig, dass nicht im Bereich der Hüfte,
sondern der LWS Infiltrationen vorgenommen worden sind (vgl. Bericht zur
CT-gesteuerten Facettengelenksinfiltration vom 11. September 2018 [IV-
act. 59 S. 16], Bericht des Spitals G._ vom 18. Oktober 2018 [IV-
act. 59 S. 11] sowie Berichte des behandelnden Rheumatologen Dr. med.
D._ vom 16. Oktober 2018 [IV-act. 59 S. 9] und 26. Oktober 2018 [IV-
act. 59 S. 8]), weshalb dem orthopädischen Teilgutachter diesbezüglich
keine widersprüchlichen Ausführungen vorgeworfen werden können.
Dieser nahm entgegen der beschwerdeführerischen Auffassung auch von
der Operationsindikation der rechten Hüfte Vormerk, indem er ausführte,
die Schmerzen könnten bei entsprechendem Leidensdruck mit einer
Hüfttotalprothese beseitigt werden (IV-act. 91 S. 13). Schliesslich kann
dem behandelnden Rheumatologen Dr. med. D._ nicht gefolgt
werden, wenn er sich in seiner Stellungnahme vom 28. März 2020 damit
begnügt, pauschal und ohne Bezugnahme auf die konkrete Situation des
Beschwerdeführers auszuführen, dass Schmerzausstrahlungen in den
Fuss – wie hinlänglich bekannt sei – auch durch spondylogene und
muskuläre Ursachen hervorgerufen werden könnten (vgl. IV-act. 102 S. 8).
Demgegenüber erscheint die gutachterliche Beurteilung plausibel, wonach
bei radiologisch fehlender neuraler Kompression die Ausstrahlung der
lumbalen Schmerzen in die rechte Fusssohle nicht nachvollzogen werden
könne (vgl. IV-act. 91 S. 10 und S. 16).
- 21 -
6.3. In Gesamtwürdigung der Umstände ergibt sich daher, dass die Vorbringen
des Beschwerdeführers und des behandelnden Rheumatologen Dr. med.
D._ in seiner Stellungnahme vom 28. März 2020 nicht geeignet sind,
den Beweiswert des MGSG-Gutachtens vom 12. Dezember 2019 mit
seinen Feststellungen zu dem hier massgebenden Zeitraum ab April 2019
zu schmälern. Es ist daher nicht zu beanstanden, wenn die IV-Stelle auf
die im Gutachten attestierte 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit abstellte. Vor diesem Hintergrund kann auf die beantragten
Beweisvorkehren, insbesondere die Einholung eines Obergutachtens
sowie die Partei- und Zeugenbefragungen, verzichtet werden, zumal das
streitberufene Gericht aufgrund der bereits abgenommenen Beweise seine
Überzeugung gebildet hat und annehmen kann, dass diese Überzeugung
durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert würde (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 9C_699/2018 und 9C_700/2018 vom 25. März 2019
E.4.2.2 m.H.a. BGE 136 I 229 E.5.3, 134 I 140 E.5.3).
7. Zu prüfen bleibt, ob das Invalideneinkommen korrekt bemessen wurde.
7.1. Der Beschwerdeführer macht sinngemäss geltend, dass das von der IV-
Stelle gestützt auf den Totalwert der Tabelle TA 1 der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung (LSE) 2016 für Tätigkeiten auf dem
Kompetenzniveau 1 im privaten Sektor für Männer errechnete
Invalideneinkommen von CHF 68'069.45 (= CHF 5'340.-- x 12 : 40 x 41.7 x
1.003995 x 1.004824 x 1.005 x 1.005; umgerechnet auf die
durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden und
aufindexiert auf das Jahr 2020) absolut illusorisch sei. Wie nachfolgend zu
zeigen sein wird, verfängt dieser Einwand nicht.
7.2.1. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist bei versicherten
Personen, die nach Eintritt eines Gesundheitsschadens – wie vorliegend –
lediglich noch leichte und intellektuell nicht anspruchsvolle Arbeiten
- 22 -
verrichten können, in der Regel vom Totalwert im niedrigsten (und am
schlechtesten bezahlten) Kompetenzniveau 1 auszugehen. Dass hiervon
abzuweichen wäre, wird vom Beschwerdeführer nicht substanziiert geltend
gemacht und ist auch nicht ersichtlich (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_411/2019 vom 16. Oktober 2019 E.7.2 m.H.a. Urteile des
Bundesgerichts 9C_325/2018 vom 29. Juni 2018 E.3.2.2 und 9C_633/2013
vom 23. Oktober 2013 E.4.2).
7.2.2. Zwar haben die MGSG-Gutachter hinsichtlich der verbliebenen
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ein detailliertes Anforderungsprofil
definiert, wonach sie folgende Tätigkeiten als geeignet erachten: körperlich
leichte Arbeiten in temperierten Räumen, abwechselnd sitzend und
stehend, ohne häufige inklinierte, reklinierte und rotierte Körperhaltungen,
ohne häufiges Gehen, insbesondere auf Treppen, Leitern und schrägen
Ebenen, ohne häufige kniende Positionen (vgl. IV-act. 91 S. 17). Dieses
Anforderungsprofil erscheint aber nicht derart eingeschränkt, dass der
ausgeglichene Arbeitsmarkt eine solche Stelle praktisch nicht kennt (vgl.
Urteile des Bundesgerichts 8C_143/2019 vom 21. August 2019 E.5.2
m.w.H. und 9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E.2.2.1 m.w.H.). Vielmehr
umfasst das hier anwendbare Kompetenzniveau 1 (einfache Tätigkeiten
körperlicher oder handwerklicher Art) auch dem Beschwerdeführer
zumutbare Tätigkeiten, welche insbesondere rückenschonend im
Wechselrhythmus in temperierten Räumen mit ergonomischen
Körperhaltungen ausgeführt werden können. Zudem kann auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit einem sozialen Entgegenkommen von
Seiten des Arbeitgebers (Nischenarbeitsplätze) gerechnet werden (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E.2.2.1 m.w.H.).
Dass der Betreuungsaufwand für den Arbeitgeber derart gross wäre, dass
das benötigte Entgegenkommen realistischerweise von einem
durchschnittlichen Arbeitgeber auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht erwartet
werden kann (vgl. ähnlich Urteil des Bundesgerichts 9C_321/2018 vom 16.
- 23 -
Oktober 2018 E.5 m.w.H.), ist nicht ersichtlich. Schliesslich verfügt der
Beschwerdeführer aufgrund seiner bisherigen beruflichen Laufbahn mit
Anstellungen im Gastgewerbe und im Produktionsbereich sowie
Arbeitseinsätzen in einer Schreinerei sowie als Küchenhilfe und Chauffeur
(vgl. dazu IK-Auszug [IV-act. 71] sowie MGSG-Gutachten vom
12. Dezember 2019 [IV-act. 91 S. 6, S. 22 und S. 37]) über Fertigkeiten, die
er durchaus in einer geeigneten Verweistätigkeit nutzbar machen könnte.
Insofern stehen ihm auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt genügend
Einsatzmöglichkeiten in einer leidensadaptierten Tätigkeit offen.
8. Im Ergebnis resultiert bei einem gestützt auf den Totalwert der Tabelle TA 1
der LSE 2018 (veröffentlicht am 21. April 2020 und damit vor dem
Verfügungszeitpunkt, vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_15/2018 vom
2. Juli 2018 E.4.3) für Tätigkeiten auf dem Kompetenzniveau 1 im privaten
Sektor für Männer errechneten Valideneinkommen von CHF 68'446.05
(= CHF 5'417.-- x 12 : 40 x 41.7 x 1.005 x 1.005; umgerechnet auf die
wöchentliche durchschnittliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden und
aufindexiert auf das Jahr 2020) und einem auf den gleichen Grundlagen
bemessenen und damit gleich hohen Invalideneinkommen von
CHF 68'446.05 ein Invaliditätsgrad von 0 %. Damit besteht in
Übereinstimmung mit der IV-Stelle kein Anspruch auf eine Invalidenrente.
Die Beschwerde erweist sich somit als unbegründet, weshalb sie
abzuweisen ist.
9. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei
Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen
aus der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.--
festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein durchschnittlicher
Aufwand entstanden ist, rechtfertigt es sich, die Kosten auf CHF 700.--
- 24 -
festzulegen. Diese sind vom unterliegenden Beschwerdeführer zu tragen
(vgl. Art. 73 Abs. 1 VRG). Der obsiegenden IV-Stelle steht kein Anspruch
auf eine aussergerichtliche Parteientschädigung zu (Art. 61 lit. g ATSG e
contrario).
10. Zu prüfen bleibt, ob das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche
Rechtspflege gutzuheissen ist, das heisst, ob die Kosten von CHF 700.-- in
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung von der Gerichtskasse zu
übernehmen sind und auch der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
durch die Gerichtskasse zu entschädigen ist.
10.1.1. Nach Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) hat jede Person, die nicht über die
erforderlichen Mittel verfügt, Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege,
wenn ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint. Soweit es zur
Wahrung ihrer Rechte notwendig ist, hat sie ausserdem Anspruch auf einen
unentgeltlichen Rechtsbeistand. Diese Regelung wird für das
sozialversicherungsrechtliche Beschwerdeverfahren in Art. 61 lit. f ATSG
und Art. 76 VRG konkretisiert.
10.1.2. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung gilt eine Person dann als
bedürftig, wenn sie die Kosten eines Prozesses nicht aufzubringen vermag,
ohne jene Mittel anzugreifen, die für die Deckung des eigenen notwendigen
Lebensunterhaltes und desjenigen ihrer Familie erforderlich sind. Für die
Beurteilung der prozessualen Bedürftigkeit ist die gesamte wirtschaftliche
Situation der gesuchstellenden Partei zu würdigen. Dabei ist nicht
schematisch auf das betreibungsrechtliche Existenzminimum (gemäss den
Richtlinien für die Berechnung des betreibungsrechtlichen
Existenzminimums; Beschluss der Schuldbetreibungs- und
Konkurskammer des Kantonsgerichts von Graubünden vom
18. August 2009; einsehbar auf www.justiz-gr.ch) abzustellen, sondern es
- 25 -
ist den individuellen Umständen Rechnung zu tragen. Dazu gehören
einerseits sämtliche finanziellen Verpflichtungen, andererseits die
Einkommens- und Vermögensverhältnisse. Der Teil der finanziellen Mittel,
der das zur Deckung der persönlichen Bedürfnisse Notwendige übersteigt,
muss mit den für den konkreten Fall zu erwartenden Gerichts- und
Anwaltskosten verglichen werden. Dabei sollte es der monatliche
Überschuss der gesuchstellenden Partei ermöglichen, die Prozesskosten
bei weniger aufwändigen Prozessen innert eines Jahres, bei anderen innert
zweier Jahre zu tilgen (BGE 141 III 369 E.4.1 m.w.H.).
10.2.1. Aus den vom Beschwerdeführer eingereichten Unterlagen geht hervor,
dass seine monatlichen Einnahmen die monatlichen Ausgaben um
CHF 112.90 übersteigen. Dieser geringe Überschuss reicht allerdings nicht
aus, um die Prozesskosten (Gerichtskosten von CHF 700.-- und
Anwaltskosten von pauschal CHF 2'500.-- [vgl. dazu nachstehende
Erwägung 10.2.2]) innert eines Jahres zu begleichen. Zudem liegt das
vorhandene liquide Vermögen von CHF 3'716.20 weit unter dem dem
Beschwerdeführer zu belassenden Notgroschen. Die Bedürftigkeit ist damit
ausgewiesen. Da die vorliegende Streitsache darüber hinaus nicht
aussichtslos erscheint, sind die Kosten von CHF 700.-- in Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung (vorläufig) von der Gerichtskasse zu
übernehmen.
10.2.2. Neben der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers und der fehlenden
Aussichtslosigkeit der Streitsache ist vorliegend auch die Notwendigkeit
einer fachkundigen Rechtsvertretung zu bejahen, weshalb der
Beschwerdeführer Anspruch auf einen unentgeltlichen Rechtsbeistand hat.
Der beschwerdeführerische Rechtsvertreter hat trotz entsprechender
Aufforderung von Seiten des Gerichts (vgl. das Schreiben vom 23. Oktober
2020) keine Honorarnote eingereicht bzw. eine solche erst mit Schreiben
vom 21. Januar 2021 (Poststempel) und damit nach dem Urteilszeitpunkt
- 26 -
eingereicht, weshalb sie nicht berücksichtigt werden konnte. Die
Parteientschädigung wird daher unter Berücksichtigung des reduzierten
Stundenansatzes bei bewilligter unentgeltlicher Vertretung von CHF 200.--
pro Stunde (vgl. Art. 5 Abs. 1 der Verordnung über die Bemessung des
Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte [Honorarverordnung,
HV; BR 310.250]) ermessensweise auf CHF 2'500.-- festgelegt (pauschal).
Diese Kosten sind in Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung (vorläufig) von der Gerichtskasse zu übernehmen.