Decision ID: 0c8d8009-3b4e-455a-b9d9-7a960374f200
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SRK
Chamber: ZH_SRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A. Am 20. Oktober 2011 veranlagte das kantonale Steueramt A und B (nach-
folgend die Pflichtigen) für die direkte Bundessteuer 2009 mit einem steuerbaren Ein-
kommen von Fr. 299'200.- (satzbestimmend Fr. 324'500.-) bzw. schätzte es sie für die
Staats- und Gemeindesteuern 2009 mit einem steuerbaren Einkommen von
Fr. 293'200.- (satzbestimmend Fr. 325'500.-) sowie mit einem steuerbaren Vermögen
von Fr. 2'910'000.- (satzbestimmend Fr. 3'268'000.-) ein.
Ausserdem besteuerte es bei den Pflichtigen am 20. Oktober 2011 eine Kapi-
talleistung von Fr. 1'937'600.- (Bundessteuer sowie die Staats- und Gemeindesteuern
2009).
B. Die Pflichtigen liessen am 22. November 2011 hiergegen durch einen
neu bestellten Vertreter Einsprache erheben, welche das kantonale Steueramt am
6. Mai 2013 in vier separaten Entscheiden abwies.
C. Hiergegen liessen die Pflichtigen am 7. Juni 2013 (Poststempel) durch den
Vertreter Beschwerde bzw. Rekurs erheben.
Mit Verfügung vom 19. Juni 2013 setzte ihnen das Steuerrekursgericht Frist
an, um sich zur Verspätung der Rechtsmittel zu äussern.
Am 5. Juli 2013 liessen die Pflichtigen hierzu Stellung nehmen und ein Ge-
such um Wiederherstellung der Beschwerde- bzw. Rekursfrist stellen.
Auf die Parteivorbringen wird – soweit rechtserheblich – in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
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1 DB.2013.136 1 ST.2013.144

Die Kammer zieht in Erwägung:
1. a) Gemäss Art. 140 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die direkte Bundes-
steuer vom 14. Dezember 1990 (DBG) und § 147 Abs. 1 des Steuergesetzes vom
8. Juni 1997 (StG) kann der Steuerpflichtige die Einspracheentscheide des kantonalen
Steueramts innert 30 Tagen nach Zustellung mit Beschwerde/Rekurs anfechten. Die
Beschwerde-/Rekursfrist ist eine Verwirkungsfrist; mit deren Ablauf muss feststehen,
ob der ergangene Entscheid angefochten oder anerkannt ist. Eine verspätete Be-
schwerde bzw. ein verspäteter Rekurs ist unwirksam und vermag im Interesse der
Rechtssicherheit keine materielle Prüfung des angefochtenen Einspracheentscheids
herbeizuführen (RB 1973 Nr. 34, 1981 Nr. 76), selbst wenn er formell oder materiell
fehlerhaft ist; auf einen verspäteten Rekurs darf das Steuerrekursgericht folglich
nicht eintreten (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Kommentar zum Zürcher Steuergesetz,
3. A., 2013, § 147 N 5 StG). Vorbehalten bleibt die Wiederherstellung der versäumten
Frist.
Nach § 12 der Verordnung zum Steuergesetz vom 1. April 1998 (VO StG) wird
der Tag der Zustellung eines Entscheids bei der Berechnung der Frist nicht mitgezählt
(Abs. 1). Ist der letzte Tag der Frist ein Samstag oder öffentlicher Ruhetag, so endet
sie am nächsten Werktag. Samstage und öffentliche Ruhetage im Lauf der Frist wer-
den mitgezählt (Abs. 2). Die Frist gilt als eingehalten, wenn die Eingabe spätestens am
letzten Tag der Frist an die Behörde gelangt oder der Post übergeben worden ist
(Abs. 3). Für die Beschwerde gilt eine entsprechende Regelung (Art. 140 Abs. 4 DBG
i.V.m. Art. 133).
b) Die Einspracheentscheide für die direkte Bundessteuer 2009 sowie Staats-
und Gemeindesteuern 2009 bzw. Kapitalleistung 2009 (direkte Bundessteuer sowie
Staats- und Gemeindesteuern) wurden dem Vertreter der Pflichtigen am Dienstag,
7. Mai 2013, um 08.03 Uhr via Postfach in D zugestellt. Demnach begann die Be-
schwerde-/Rekursfrist am Mittwoch, 8. Mai 2013, zu laufen und endete am Donnerstag,
6. Juni 2013. Die Beschwerde-/Rekursschrift wurde gemäss Poststempel am Freitag,
7. Juni 2013, der Post übergeben und erweist sich damit als verspätet. Das Verpassen
der Frist bestreitet der Vertreter der Pflichtigen denn auch nicht; er stellt jedoch ein
Gesuch um Wiederherstellung der Beschwerde- und Rekursfrist.
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1 DB.2013.136 1 ST.2013.144
2. a) Hat ein Steuerpflichtiger die durch Gesetz, Verordnung oder durch be-
hördliche Anordnung gesetzte Frist für die Geltendmachung eines Rechts versäumt, so
ist laut § 15 VO StG Wiederherstellung zu gewähren, wenn er nachweist, dass er oder
sein Vertreter ohne Verschulden entweder von der Fristansetzung nicht rechtzeitig
Kenntnis erhalten hat oder durch schwerwiegende Gründe an der Einhaltung der Frist
verhindert worden ist; als solche Gründe gelten z.B. Krankheit, Todesfall in der Familie,
Landesabwesenheit oder Militärdienst (Abs. 1). Allerdings darf im Interesse der
Rechtssicherheit und eines geordneten Rechtsgangs nicht leichthin ein Grund ange-
nommen werden, der ein fristgerechtes Handeln gehindert hat. Ein solcher ist nach
dem praxisgemäss strengen Massstab nur zu bejahen, wenn dem Gesuchsteller auch
bei Aufwendung der üblichen Sorgfalt die Wahrung seiner Interessen verunmöglicht
oder unzumutbar erschwert wird (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, § 129 N 32 StG;
VGr, 16. Dezember 2003, SB.2003.00049, E. 4.1, www.vgrzh.ch).
Das Wiederherstellungsgesuch ist schriftlich und spätestens innerhalb von
30 Tagen nach Kenntnisnahme der Fristansetzung oder Wegfall des Hindernisses ein-
zureichen. Innert der gleichen Frist ist die versäumte Handlung vorzunehmen (§ 15
Abs. 2 VO StG). Das Gesuch muss den Hinderungsgrund sowie den Tag des Eintritts
und des Wegfalls des Hinderungsgrunds genau bezeichnen. Die Einhaltung der (nicht
erstreckbaren) Frist ist sowohl hinsichtlich des Wiederherstellungsgesuchs als auch
bezüglich der nachzuholenden Handlung Gültigkeitsvoraussetzung (RB 1970 Nr. 37;
Reimann/Zuppinger/Schärrer, Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 3. Band, 1969,
§ 78 N 15 ff.; Zuppinger/Schärrer/Fessler/Reich, Kommentar zum Zürcher Steuerge-
setz, Ergänzungsband, 2. A., 1983, § 78 N 30). Die Wiederherstellungsgründe sind
vom Steuerpflichtigen zu substanziieren und zu beweisen; fehlt eine solch hinreichen-
de Sachdarstellung, ist weder eine amtliche Untersuchung über die massgebenden
Tatsachen zu führen, noch dem Steuerpflichtigen Frist zur Verbesserung anzusetzen
(RB 1979 Nr. 51). Über die Wiederherstellung entscheidet die Behörde, die in der Sa-
che selbst zuständig ist (§ 15 Abs. 3 VO StG).
Wenn der Steuerpflichtige einen Vertreter bestellt hat, wird eine Fristwieder-
herstellung nur gewährt, wenn weder ihm noch seinem Vertreter ein Vorwurf gemacht
werden kann, wobei es regelmässig nur auf die Gründe ankommt, die beim Vertreter
liegen. Dementsprechend wird ein Verschulden des Vertreters dem Steuerpflichtigen
zugerechnet. Dabei sind an Fristwiederherstellungsbegehren von Anwälten erhöhte
Anforderungen zu stellen (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, § 129 N 38 StG).
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Für die Beschwerde gilt eine entsprechende Regelung (Art. 140 Abs. 4 DBG
i.V.m. Art. 133 Abs. 3).
b) Der anwaltliche Vertreter der Pflichtigen führt aus, er habe die Rechtsmit-
telschrift zu spät eingereicht, weil er die Rechtsmittelfrist falsch berechnet habe, und
ersuche daher um eine Fristwiederherstellung.
Die falsche Berechnung einer Rechtsmittelfrist stellt von Vornherein keinen
Hinderungsgrund dar, der eine Fristwiederherstellung rechtfertigen würde, sodass eine
Wiederherstellung der Beschwerde- bzw. Rekursfrist allein schon aus diesem Grund
entfällt. Die Berechnung von Rechtsmittelfristen gehört zum Grundhandwerk eines
Rechtsanwalts; unterläuft ihm hierbei ein Fehler, so ist sein Handeln unsorgfältig und
er hat die Frist schuldhaft verpasst.
Zu den Einwänden des Vertreters ist festzuhalten, dass die Regeln über die
Behandlung von Rechnungs- und Kanzleifehlern rechtskräftige Entscheide von Behör-
den betreffen (vgl. Art. 150 DBG bzw. § 159 StG); eine analoge Anwendung auf Hand-
lungen von Steuerpflichtigen bei Fristversäumnissen widerspricht dem Institut der
Fristwiederherstellung und fällt daher ausser Betracht. Die vom Vertreter genannten
Regelungen aus anderen Rechtsgebieten (Art. 148 ZPO, § 12 Abs. 2 VGR) haben für
das vorliegende Verfahren keine Geltung. Abgesehen davon handelt es sich beim
Rechnungsfehler des Vertreters nicht um ein leichtes Verschulden.
c) Das Gesuch um Wiederherstellung der Beschwerde- und Rekursfrist ist
deshalb abzuweisen.
3. Auf die Beschwerde bzw. den Rekurs ist daher infolge Verspätung nicht
einzutreten. Bei diesem Ausgang des Verfahrens kann auf die Einholung der Be-
schwerde-/Rekursantwort des kantonalen Steueramts verzichtet werden (vgl. § 148
Abs. 1 StG), und sind die Kosten des Verfahrens den Pflichtigen aufzuerlegen (Art. 144
Abs. 1 DBG und § 151 Abs. 1 StG). Die Voraussetzungen für die Zusprechung einer
Parteientschädigung sind nicht erfüllt (Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 - 3 des
BG über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968; § 152 StG i.V.m. § 17
Abs. 2 VRG vom 24. Mai 1959/8. Juni 1997).
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