Decision ID: f4679640-3199-5a8e-99e0-0b12ffc6ce8a
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Mit Verfügung und Teilkündigung vom 16. März 2020 reduzierte das Bun-
desamt für Zivilluftfahrt BAZL den Beschäftigungsgrad von X._ per
1. Juli 2020 um die Hälfte von 90% auf 45% und ordnete eine entspre-
chende Reduktion des Lohnes ab demselben Zeitpunkt an.
B.
Mit Urteil A-2360/2020 vom 12. Oktober 2020 hiess das Bundesverwal-
tungsgericht eine gegen diese Verfügung gerichtete Beschwerde von
X._ teilweise gut. Es ordnete unter anderem an, dass das Arbeits-
verhältnis im Umfang der verfügten Teilkündigung bis zum 28. Februar
2021 erstreckt und zudem die Vorinstanz verpflichtet werde, dem Be-
schwerdeführer eine Entschädigung von sechs Bruttomonatslöhnen ohne
Abzug der Sozialversicherungsbeiträge zu bezahlen (Ziffer 1.1 des Dispo-
sitivs).
C.
Mit Erläuterungsbegehren vom 29. Oktober 2020 gelangt das BAZL (nach-
folgend: Gesuchsteller) an das Bundesverwaltungsgericht und stellt den
Antrag, es sei zu erläutern, ob gemäss Dispositiv-Ziffer 1.1 des Urteils
A-2360/2020 vom 12. Oktober 2020 eine Entschädigung von sechs vollen
Bruttomonatslöhnen oder von sechs Bruttomonatslöhnen im Umfang des
Lohns für den gekündigten Beschäftigungsgrad (45%) auszurichten sei.
D.
Mit Stellungnahme vom 1. Dezember 2020 beantragt X._ (nachfol-
gend: Gesuchsgegner), es sei auf das Erläuterungsbegehren nicht einzu-
treten und eventualiter sei es abzuweisen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Für die Erläuterung und die Berichtigung von Entscheiden des Bundesver-
waltungsgerichts gilt Art. 129 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über
das Bundesgericht (BGG, SR 173.110) sinngemäss (Art. 48 Abs. 1 des
Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht
[VGG, SR 173.32]). Demzufolge nimmt das Bundesverwaltungsgericht auf
schriftliches Gesuch einer Partei oder von Amtes wegen die Erläuterung
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oder Berichtigung eines Urteils vor, wenn das Dispositiv seines Entscheids
unklar, unvollständig oder zweideutig ist oder wenn seine Bestimmungen
untereinander oder mit der Begründung im Widerspruch stehen oder es
Redaktions- oder Rechnungsfehler enthält (Art. 129 Abs. 1 BGG).
1.1 Zur Gesuchstellung legitimiert sind nach dem Wortlaut des Gesetzes
die Parteien des Verfahrens, das mit dem Urteil abgeschlossen worden ist
(vgl. Art. 48 VGG i.V.m. Art. 129 Abs. 1 BGG). Die Legitimation von
Vorinstanzen wird deshalb als fraglich bezeichnet (so in den Urteilen des
BGer 2G_1/2020 vom 12. Juni 2020 E. 1.3, 4G_1/2009 vom 5. Mai 2009
E. 1.1, 4C.267/2005 vom 10. Oktober 2005 E. 3.1 und im Urteil des BVGer
A-659/2010 vom 15. Februar 2010 E. 1.2). Zumindest in Fällen der Erläu-
terung von Rückweisungsentscheiden wurden Vorinstanzen mitunter als
Gesuchstellerinnen zugelassen (vgl. Urteile des BVGer B-3066/2019 vom
12. Juli 2019 E. 1.2 mit zahlreichen Hinweisen, A-1801/2012 vom 5. Juni
2012 E. 2). Das Bundesgericht hat deren Berechtigung unter anderem des-
halb offengelassen, weil die Erläuterung bzw. Berichtigung auch von Amtes
wegen erfolgen könne (Urteil des BGer 4G_1/2013 vom 17. Juli 2013 E. 1).
Mit Blick auf die bundesgerichtliche Praxis rechtfertigt es sich nicht, das
Erläuterungsbegehren des Gesuchstellers an der Legitimationsfrage
scheitern zu lassen. Sie kann vorliegend offen bleiben, da bereits aus an-
deren Gründen auf das Begehren nicht einzutreten ist (vgl. E. 3).
1.2 Die Erläuterung i.S.v. Art. 48 VGG kann nicht zu einer Änderung der
materiellen Entscheidung führen. Es ist allein Sache der entscheidenden
Instanz, Sinn und Tragweite ihres Entscheides klarzustellen. Entsprechend
wurde die Zusammensetzung des Bundesverwaltungsgerichts unverän-
dert belassen (vgl. Urteile des BVGer A-5683/2011 vom 27. Oktober 2011
E. 1.2; A-4972/2013 vom 23. September 2013 E. 1.2 mit Hinweisen).
2.
2.1 Der Gesuchsteller begründet das Erläuterungsbegehren damit, dass
das Urteilsdispositiv unklar sei. Das Verfahren A-2360/2020 habe nur die
hälftige Teilkündigung des Arbeitsvertrags bei einem Beschäftigungsgrad
des Gesuchsgegners von insgesamt 90% betroffen. Aufgrund der ange-
ordneten Erstreckung des Arbeitsverhältnisses erhalte er bis Ende Februar
2021 seinen vollen (im zweiten Jahr der Arbeitsunfähigkeit auf 90% redu-
zierten) Lohn. Werde ihm zugleich eine Entschädigung von sechs Brutto-
monatslöhnen ausgerichtet, würde er nach wörtlicher Auslegung des Ur-
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teils zusätzlich zum vollen Lohn nochmals sechs volle Monatslöhne erhal-
ten, obschon durch die Teilkündigung nur der halbe Lohn entfallen wäre.
Somit wäre ihm von September 2020 bis Februar 2021 der doppelte Mo-
natslohn auszurichten. Dieses Ergebnis könne weder das Gesetz noch das
Gericht gewollt haben.
2.2 Der Gesuchsgegner macht geltend, hinsichtlich der fraglichen Ent-
scheidformel bestehe keine Unklarheit. Der Begriff «Bruttomonatslohn» im
Urteilsdispositiv stehe unzweifelhaft für die vertraglich vereinbarte und
volle Bruttolohnsumme nach dem geltenden Arbeitsvertrag. Das Gericht
sei bei der Bemessung der Entschädigung von vollen Bruttomonatslöhnen
ausgegangen. Des Weiteren führe jede Entschädigung infolge Kündigung
ohne sachlichen Grund zu einer zusätzlichen wirtschaftlichen Besserstel-
lung gegenüber den vertraglichen Lohnansprüchen. Dies entspreche ge-
rade der Intention des Gesetzgebers, die Folgen einer nicht gerechtfertig-
ten Kündigung und des unverschuldeten Verlusts der Arbeitsstelle wirt-
schaftlich abzugelten. Massgebend für die Höhe der Entschädigung sei
nicht der infolge Kündigung ausgefallene Lohn. Vielmehr definiere Art. 34b
Abs. 2 des Bundespersonalgesetzes vom 24. März 2000 (BPG,
SR 172.220.1) mit sechs Monatslöhnen als Mindestentschädigung und ei-
nem Jahreslohn als maximalem Betrag den Rahmen, in dem die Entschä-
digung auf Basis der entsprechenden Kriterien festzulegen sei.
3.
3.1 Die Erläuterung dient nach dem klaren Wortlaut des Gesetzes dazu,
Abhilfe zu schaffen, wenn die Entscheidformel (Dispositiv) unklar, unvoll-
ständig, zweideutig oder in sich widersprüchlich ist. Sie kann sich ferner
auf Gegensätze zwischen den Entscheidungsgründen und dem Dispositiv
beziehen, nicht aber auf die Entscheidungsgründe als solche. Nach stän-
diger bundesgerichtlicher Rechtsprechung unterliegen damit die Erwägun-
gen eines Entscheids der Erläuterung nur, wenn und insoweit der Sinn des
Dispositivs erst durch Beizug der Entscheidungsgründe ermittelt werden
kann (Urteile des BGer 4G_1/2007 vom 13. September 2007 E. 2.1
2G_1/2017 vom 17. Februar 2017 E. 2.1; vgl. BGE 110 V 222 E. 1; Urteil
des BVGer A-4972/2013 vom 23. September 2013 E. 2.1 mit Hinweisen).
3.2 Unzulässig sind dagegen Erläuterungsgesuche, die auf eine inhaltliche
Abänderung der Entscheidung oder eine nachträglich neue materielle Prü-
fung der Angelegenheit abzielen. Ebenso wenig geht es an, auf dem Weg
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des Erläuterungsgesuchs über den rechtskräftigen Entscheid eine allge-
meine Diskussion (z.B. über dessen Recht- und Zweckmässigkeit) einzu-
leiten, die schlechthin jede Äusserung des Gerichts, insbesondere die ver-
wendeten Rechtsbegriffe und Wörter zum Gegenstand hat. Vom Urteilsin-
halt ist der Erläuterung nur zugänglich, was den Charakter einer Anord-
nung aufweist. Nicht dazu gehören namentlich Fragen, die vom Gericht
nicht zu prüfen waren und über die es deshalb nicht zu entscheiden hatte
(Urteil des BGer 4G_2/2009 vom 21. Oktober 2009 E. 1.1, Urteil des BVGer
A-4972/2013 vom 23. September 2013 E. 2.2). Das Erläuterungsgesuch
steht ferner nicht dafür zur Verfügung, eine (angeblich) unklare oder un-
vollständige Entscheidbegründung «nachbessern» zu lassen (vgl. Urteil
des BGer 1P.521/2002 vom 8. Januar 2003 E. 2; Urteil des BVGer
A-1755/2009 vom 15. April 2009 E. 1.2).
3.3 Entgegen der Sichtweise des Gesuchstellers ist die Dispositivziffer 1.1
des Urteils A-2360/2020 vom 12. Oktober 2020 weder nach seinem Wort-
laut noch nach seinem Sinn unklar gemäss Art. 48 Abs. 1 VGG i.V.m.
Art. 129 BGG. Ebenso wenig steht sie im Gegensatz zu den Entschei-
dungsgründen. Sowohl das Dispositiv als auch die Urteilserwägungen
(E. 7.2.8, E. 7.3 und E. 9) sehen an keiner Stelle vor, dass die gemäss
Art. 34b Abs. 1 Bst. a BPG geschuldete Entschädigung auf einer Bemes-
sungsgrundlage von 45% des Lohns festzusetzen bzw. entsprechend zu
reduzieren ist. Es ergibt sich aus dem Urteil somit klar, dass die Entschä-
digung nicht auf der Basis des (zu Unrecht) gekündigten Teils des Arbeits-
verhältnisses und des Beschäftigungsumfangs von 45% zu bemessen ist.
Dabei unterscheidet das Urteil durchgehend zwischen der Lohnfortzahlung
durch Erstreckung des Arbeitsverhältnisses im Umfang der Teilkündigung
gemäss Art. 31a Abs. 1 der Bundespersonalverordnung (BPV,
SR 172.220.111.3) einerseits (E. 5.5, E. 6) und der Entschädigung man-
gels sachlichen Kündigungsgrunds andererseits (E. 7), ohne dass diese zu
unterscheidenden Positionen in unklarer oder widersprüchlicher Weise
vermengt würden.
3.4 Demnach liegt mangels Unklarheit des Dispositivs und mangels Wider-
spruchs zwischen Dispositiv und Begründung kein Erläuterungsgrund nach
Art. 48 Abs. 1 VGG i.V.m. Art. 129 BGG vor. Die Bemessung der Entschä-
digung auf Grundlage der Hälfte des Beschäftigungsgrads würde vielmehr
eine inhaltliche Abänderung der Entscheidung darstellen. Insbesondere
müsste Ziff. 1.1 des Dispositivs entsprechend abgeändert werden. Hierzu
steht das Erläuterungsgesuch wie erwähnt nicht zur Verfügung (E. 3.2). Die
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Frage, auf welcher Bemessungsgrundlage die Entschädigungshöhe fest-
zulegen ist, kann somit nicht Gegenstand einer Erläuterung bilden, son-
dern wäre im allfälligen Rechtsmittelverfahren zu überprüfen gewesen.
Hinzuweisen bleibt im Übrigen darauf, dass die Rechtsmittelfrist nur neu
zu laufen beginnt, wenn das Bundesverwaltungsgericht seinen Entscheid
erläutert oder berichtigt (Art. 48 Abs. 2 VGG).
3.5 Demzufolge ist auf das Erläuterungsgesuch nicht einzutreten.
4.
Zu befinden bleibt über die Kosten- und Entschädigungsfolgen.
4.1 Verfahrenskosten sind vorliegend keine zu erheben (vgl. Art. 34 Abs. 2
BPG; Urteil des BVGer A-8408/2010 vom 18. Januar 2011 E. 4).
4.2 Dem Gesuchsgegner steht zu Lasten des Gesuchstellers eine Ent-
schädigung für die ihm erwachsenen notwendigen Kosten zu (vgl. Art. 64
Abs. 1 und 2 VwVG; Art. 7 ff. des Reglements über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Die eingereichte Kostennote weist ein Honorar von insgesamt Fr. 1'257.30
(inkl. Auslagen) aus. Nicht zu entschädigen ist der noch nicht effektiv an-
gefallene Aufwand für das Studium des vorliegenden Urteils (0.5 h). Im Üb-
rigen erweist sich der geltend gemachte Aufwand (4.25 h à Fr. 250.-) als
angemessen und der geltend gemachte Stundenansatz als zulässig. Die
Höhe der Entschädigung ist demnach auf Fr. 1'063.– festzusetzen. Dem
Gesuchsgegner wurde gemäss der Kostennote, die den Vermerk «nicht
MWST-pflichtig» enthält, kein Mehrwertsteuerbetrag in Rechnung gestellt,
weshalb von einem Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1
Bst. c VGKE abzusehen ist.
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