Decision ID: 3e0a44a0-ecbc-4860-9b5d-fed41b02dcbe
Year: 2011
Language: de
Court: ZH_SRK
Chamber: ZH_SRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A. A (nachfolgend die Rekurrentin) ist seit dem 1. September 1999 in C (ZH)
als Wochenaufenthalterin gemeldet, während sich ihr Wohnsitz nach eigenen Angaben
in D befindet.
Auf Ersuchen des Steueramts C füllte die Rekurrentin am 25. Februar 2009
den "Fragebogen zur Feststellung des steuerrechtlichen Wohnsitzes" aus. Am 17. Juni
2009 führte das Steueramt C sodann im selben Zusammenhang eine persönliche Be-
fragung der Rekurrentin durch.
Nachdem das Steueramt C einen entsprechenden Antrag beim kantonalen
Steueramt gestellt hatte, erliess dieses am 23. Februar 2010 einen Vorentscheid über
die Beanspruchung der Steuerhoheit ab 1.1.2009.
B. Hiergegen erhob die Rekurrentin am 20/22. März 2010 Einsprache und
beantragte sinngemäss, es sei auf die Beanspruchung der Steuerhoheit zu verzichten.
Der Einsprache beigelegt waren insbesondere mehrere Bestätigungen bezüglich der
Tätigkeiten der Rekurrentin in D. Am 10. November 2010 erliess das kantonale Steu-
eramt eine Beweisauflage, welche die Rekurrentin am 30. November 2010 beantworte-
te. Dabei reichte sie die folgenden Unterlagen ein:
 Kontoauszug PostFinance
 Kreditkartenabrechnung MasterCard Gold per 24.11.2010
 Kopie der Quittungen für SBB Generalabonnement und Park+Rail in E vom
24.10.2010
 Eine Akontorechnung für Elektrizität in C (4. Aktontorechnung 2010)
Das kantonale Steueramt wies die Einsprache am 18. März 2011 ab.
C. Mit Rekurs vom 20. April 2011 liess die Rekurrentin beantragen, den Ein-
spracheentscheid vom 18. März 2011 aufzuheben und festzustellen, dass sich ihr
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steuerrechtlicher Wohnsitz per 1. Januar 2009 in D und nicht in C befinde. Ausserdem
beantragte sie die einer Zusprechung angemessenen Parteientschädigung.
Das kantonale Steueramt schloss am 17. Mai 2011 auf kostenfällige Abwei-
sung des Rekurses.
Auf die Vorbringen der Parteien wird – soweit rechtserheblich – in den nach-
folgenden Erwägungen eingegangen.

Die Kammer zieht in Erwägung:
1. a) Gemäss Art. 3 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der
direkten Steuern der Kantone und Gemeinden vom 14. Dezember 1990 (StHG) sowie
§ 3 Abs. 1 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) sind natürliche Personen im
Kanton Zürich aufgrund persönlicher Zugehörigkeit steuerpflichtig, wenn sie ihren
steuerrechtlichen Wohnsitz oder Aufenthalt im Kanton haben. Der steuerrechtliche
Wohnsitz befindet sich laut Art. 3 Abs. 2 StHG und § 3 Abs. 2 StG dort, wo die Person
sich mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält. In diesem Fall ist die Steuerpflicht
kraft § 5 Abs. 1 StG unbeschränkt, d.h. sie erstreckt sich grundsätzlich auf das gesam-
te Einkommen und Vermögen der Rekurrentin.
b) Aufgabe des interkantonalen Steuerrechts ist es, die Kollision von konkur-
rierenden Besteuerungsansprüchen zweier oder mehrerer Kantone zu vermeiden. Eine
solche Kollision besteht namentlich dann, wenn zwei Kantone die unbeschränkte Steu-
erhoheit über dieselbe Person während der nämlichen Steuerperiode beanspruchen.
Dies kommt häufig dann vor, wenn sowohl der Arbeitsortkanton, in welchem eine na-
türliche Person während der Woche übernachtet, als auch der Kanton des zivilrechtli-
chen Wohnorts, in welchen sie am Wochenende zurückkehrt, zur unbeschränkten Be-
steuerung schreiten. Art. 3 StHG enthält eine Regel zur Schlichtung eines solchen
Streits. Diese bestimmt, dass sich das Hauptsteuerdomizil an jenem Ort befindet, in
welchem sich die Person mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält, wobei der
steuerrechtliche Wohnsitz dem qualifizierten Aufenthalt (im Sinn von Art. 3 Abs. 1
Halbsatz 2 StHG) vorgeht (Bauer-Balmelli/Nyffenegger, in: Kommentar zum Schweize-
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rischen Steuerrecht, Band I/1, 2. A., 2002, Art. 3 N 11 StHG). Dergestalt liegt eine bun-
desrechtliche Kollisionsnorm zum interkantonalen Steuerrecht vor (Höhn/Mäusli, Inter-
kantonales Steuerrecht, 4. A., 2000, S. 16 f.; a.M.: Bauer-Balmelli/Nyffenegger, Art. 3 N
15 StHG). Somit bildet Art. 3 Abs. 1 und 2 StHG die Grundlage für die Abgrenzung der
unbeschränkten Steuerhoheit. Die langjährige bundesgerichtliche Rechtsprechung,
welche sich gestützt auf Art. 46 Abs. 2 der Bundesverfassung vom 29. Mai 1874 (aBV)
sowie später Art. 127 Abs. 3 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV) entwickelt
hat, dient weiterhin als Auslegungshilfe. Jedoch vermag sie nur insoweit zu greifen, als
sie nicht der erwähnten StHG-Norm widerspricht (so auch Höhn/Mäusli, S. 17).
c) Nach Art. 68 Abs. 1 StHG (in der ab 1. Januar 2001 gültigen Fassung) be-
steht die Steuerpflicht aufgrund persönlicher Zugehörigkeit bei Wechsel des steuer-
rechtlichen Wohnsitzes innerhalb der Schweiz für die laufende Steuerperiode im Kan-
ton, in welchem der Steuerpflichtige am Ende dieser Periode wohnt. Mithin kommt es
für die Bestimmung des steuerrechtlichen Wohnsitzes im interkantonalen Verhältnis
auf die tatsächlichen Umstände am Ende der jeweiligen Steuerperiode an.
d) Nach der massgeblichen Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Dop-
pelbesteuerungsverbot gemäss Art. 127 Abs. 3 BV bzw. Art. 46 Abs. 2 aBV steht die
Besteuerung des Einkommens und beweglichen Vermögens unselbstständig erwer-
bender Personen dem Kanton zu, in welchem sie ihren Wohnsitz haben. Unter Wohn-
sitz ist dabei in der Regel der zivilrechtliche Wohnsitz zu verstehen, d.h. der Ort, an
welchem sich die Person in der Absicht dauernden Verbleibens aufhält (Art. 23 Abs. 1
ZGB; so auch Art. 3 Abs. 2 StHG und § 3 Abs. 2 StG), wo sich der Mittelpunkt der Le-
bensinteressen befindet (BGr, 25. Januar 2006, 2P.171/2005, E. 2.2; 17. Juni 2004,
2P.180/2003, E. 2.1; 7. Januar 2004, 2P.2/2003, E. 2.2; BGE 123 I 289, E. 2a, 293;
StR 1994, 580 ff.; ASA 63, 836). Dem polizeilichen Domizil, wo die Schriften hinterlegt
sind und die politischen Rechte ausgeübt werden, kommt dagegen keine entscheiden-
de Bedeutung zu. Beides sind bloss äussere Merkmale, die ein Indiz für den steuer-
rechtlichen Wohnsitz bilden können, wenn auch das übrige Verhalten der Person dafür
spricht (BGE 125 I 54 E. 2; StE 1998 A 24.21 Nr. 11 E. 2a, mit Hinweisen).
e) Hält sich eine Person abwechslungsweise an zwei oder mehreren Orten
auf, namentlich wenn Arbeits- und sonstiger Aufenthaltsort auseinander fallen, ist für
die Bestimmung des Steuerwohnsitzes darauf abzustellen, zu welchem Ort die Person
die stärkeren Beziehungen unterhält (BGE 125 I 54, E. 2). Der Lebensmittelpunkt
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bestimmt sich dabei nach der Gesamtheit der äusseren Umstände, aus denen sich die
Lebensinteressen erkennen lassen, und nicht bloss nach den erklärten Wünschen der
steuerpflichtigen Person (BGE 125 I 54, E. 2; 123 I 289, E. 2b). Auf die gefühlsmässige
Bevorzugung eines Ortes kommt es nicht an; der steuerliche Wohnsitz ist nicht unge-
achtet der tatsächlichen Verhältnisse frei wählbar (BGE 123 I 289, E. 2b; 113 Ia 465,
E. 3). Die Frage, zu welchem Aufenthaltsort der Steuerpflichtige die stärkeren Bezie-
hungen unterhält, ist jeweils aufgrund der Gesamtheit der Umstände des Einzelfalls zu
beurteilen (BGr, 7. Januar 2004, 2P.2/2003, E. 2.2; StE 1998 A 24.21 Nr. 11 E. 2b, mit
Hinweisen). Bei der Bestimmung des Steuerdomizils kann neben den Verhältnissen in
der Bemessungsperiode auf die weiteren, bis zum letztinstanzlichen Entscheid einge-
tretenen Entwicklungen abgestellt werden (BGr, 1. Oktober 1996, 2P.242/1994, E. 1b).
f) Bei unverheirateten Steuerpflichtigen, die unselbstständig erwerbstätig sind,
liegt das Steuerdomizil gewöhnlich am Arbeitsort, genauer am Ort, von wo aus sie für
längere oder unbestimmte Zeit der täglichen Erwerbstätigkeit nachgehen (BGr,
20. Januar 1994 = StE 1994 A 24.21 Nr. 7 = ASA 63, 836; BGE 125 I 54, E. 2b, auch
zum Folgenden). Denn der Zweck des Erwerbs für den Lebensunterhalt ist dauernder
Natur. Eine Ausnahme besteht dann, wenn sie regelmässig an den Familienort zurück-
kehren und ihre persönlichen und gesellschaftlichen Beziehungen zum Familienort
diejenigen zum Arbeitsort klar überwiegen. Das Bundesgericht nimmt dabei an, dass
die beruflichen Interessen nicht über die affektiven Beziehungen gestellt werden dür-
fen. Daran vermöge, so das Gericht, der Umstand, dass eine Person ledig sei, nichts
zu ändern. Als Familienort gilt auch der Wohnort der elterlichen Familie und der Ge-
schwister (BGr, 28. April 2005, 2P.260/2004). Die Kontakte müssen sich aber auf einen
bestimmten Ort beziehen; es genügt nicht, dass die Beziehungen zu einer ganzen Re-
gion bestehen, mit der sich der Steuerpflichtige verbunden fühlt (StRK II, 8. September
2004, 2 ST.2004.381). Werden am Wochenende und in der Freizeit Beziehungen zu
mehreren Orten gepflegt, ist eher anzunehmen, dass der Wochenaufenthaltsort der
Lebensmittelpunkt und damit der steuerrechtliche Wohnsitz ist.
g) Generell ist gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nur mit Zu-
rückhaltung anzunehmen, die Beziehungen zum Familien- bzw. Wochenendaufent-
haltsort seien stärker als diejenigen zum Arbeitsort. Sinn und Zweck der direkten Steu-
ern ist es, die allgemeinen Leistungen abzugelten, die das Gemeinwesen für seine
Mitglieder erbringt. Der ledige Steuerpflichtige ohne Familie beansprucht die öffentliche
Infrastruktur und die Leistungen des Gemeinwesens stärker am Ort, an dem er seiner
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Erwerbstätigkeit nachgeht und sich demzufolge mehrheitlich aufhält, als am Ort, wo er
seine Freizeit verbringt.
Dementsprechend sind bei ledigen Steuerpflichtigen auch die weiteren Erfor-
dernisse für einen Wohnsitz am Ort, wo sie die Wochenenden verbringen, namentlich
hinsichtlich der regelmässigen Rückkehr, besonders streng zu handhaben (BGr,
25. Januar 2006, 2P.171/2005, E. 2.2, auch zum Folgenden). Von ganz besonderem
Gewicht sind die Dauer der Anstellung am Arbeitsort und das Alter des Steuerpflichti-
gen. Mit Berücksichtigung der Dauer des Aufenthalts am Arbeitsort trägt das Bundes-
gericht dem Umstand Rechnung, dass sich mit dessen zunehmender Dauer die Bin-
dungen zur Familie erfahrungsgemäss lockern, während sich diejenigen zum Arbeitsort
verdichten (BGr, 26. Januar 1994 = StE 1994 A 24.21 Nr. 7 = ASA 63, 836, auch zum
Folgenden). Die ständige regelmässige Rückkehr an den elterlichen Wohnort vermag
deshalb nach einer gewissen Dauer des Aufenthalts am Arbeitsort das Steuerdomizil
am Ort der Familie nicht mehr ohne weiteres zu begründen, wenn nicht weitere Um-
stände schlüssig darauf hinweisen, dass die Beziehungen zum Familienort diejenigen
zum Arbeitsort überwiegen.
2. a) Die Rekurrentin bewohnt in C seit dem 1. Januar 2000 eine
3-Zimmerwohnung, von der sie ein Zimmer an F untervermietet. Sie arbeitet seit dem
Jahr 1999 als Lehrerin in C mit einem schwankenden Beschäftigungsgrad, im Jahr
2009 von knapp 86%.
b) In früheren schriftlichen Befragungen vom 28. November 2005 sowie vom
25. Juni 2006 erklärte die Rekurrentin, sie verbringe jedes Wochenende, jeweils von
Freitagabend bis Dienstagmorgen, in D und halte sich lediglich von Dienstag- bis Frei-
tagmittag in C auf um zu arbeiten. In D arbeite sie mit auf einem Landwirtschaftsbe-
trieb, in dessen Wohngebäude ihr ein Zimmer zur Verfügung stehe. In D habe sie
Freunde und Kollegen und sei Mitglied des Gemeinderats, während sie in C nur wenig
Kontakt zu Bekannten, Arbeitskollegen und Freunden pflege und ihre Freizeit zu Hause
oder mit Vorbereiten für die Schule verbringe. Zweck ihres Aufenthalts in C sei einer-
seits die Lebensunterhaltssicherung, da der Landwirtschaftsbetrieb in D zu wenig ab-
werfe und andrerseits wolle sie den "Faden zum 1. Beruf nicht verlieren".
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c) In einer weiteren schriftlichen Befragung vom 25. Februar 2009 erklärte die
Rekurrentin sodann, sie wolle den Wochenaufenthaltsstatus beibehalten, da sie im
Gemeinderat von D sei und ihr soziales Leben dort stattfinde. Als persönliche Bezie-
hung zum Wohnort gab sie ihre Arbeit auf dem dortigen Bauernhof an. Hinsichtlich der
Wohnverhältnisse am Wohnort kreuzte sie die Felder "mit anderen Personen" und
"möbliertes Zimmer" an, wobei sie unter letzterem den Vermerk "Wohnwagen" an-
brachte.
d) Anlässlich einer mündlichen Befragung vom 17. Juni 2009 gab die Rekur-
rentin zu Protokoll, dass sie in D in einem Wohnwagen vor einem Bauernhof wohne
und dafür keine Miete bezahle. Stattdessen arbeite sie an den Wochenenden und in
den Ferien auf dem Bauernhof mit. Einen Telefonanschluss habe sie dort nicht. In C
wohne sie in einer 3-Zimmerwohnung, seit dem 1. Juli 2001 zusammen mit F. Der
Mietvertrag laute auf sie, die Wohnung sei mit eigenen Möbeln eingerichtet und sie
habe dort einen Telefonanschluss. Sie arbeite in C seit dem Jahr 2000 als Lehrerin,
davor habe sie in D gearbeitet. In C unterhalte sie keinen Kontakt mit Bekannten und
Freunden und besuche keine gesellschaftlichen Anlässe. Ihre Freizeit verbringe sie in
der Schule und zu Hause. In D verbringe sie im Durchschnitt 4 Wochenenden pro Mo-
nat, was zwei bis zweieinhalb Tage die Woche ausmache. Die übrigen vier bis vierein-
halb Tage verbringe sie in C. Für die Rückkehr benütze sie jeweils bis E die öffentli-
chen Verkehrsmittel und ab dort ihr Auto. In D verbringe sie die Zeit mit Arbeiten in der
Landwirtschaft, sei Mitglied in der G (Genossenschaft mit dem Ziel, kulturelle und tou-
ristische Aktivitäten im Tal auszubauen) und organisiere Frauenabende etc. Ausser-
dem sei sie Ersatzmitglied des Gemeinderats. Sie sei in H aufgewachsen, wo ihre El-
tern nach wie vor wohnten, und habe eine Schwester in I. Sie habe keine feste
Partnerbeziehung und sei nicht in Vereinen tätig.
e) In der Einsprache machte die Rekurrentin geltend, sie wohne in C in einer
Wohngemeinschaft und sei Hauptmieterin, weil sich das so ergeben habe. Aus diesem
Grund laufe auch der Telefonanschluss über sie. Eigentlich bewohne sie in der Woh-
nung aber nur ein Zimmer, das sie vor allem als Schlafgelegenheit nütze. Die Möbel in
der Wohnung stammten hauptsächlich vom Vormieter und von F, sie selber besitze ein
Bett, einen Tisch einen Schrank und ein Regal. In C arbeite sie nur, weil J (Besitzerin
des Bauernhofs in D) sie nicht weiterhin als Angestellte habe bezahlen können. Sie
verbringe aber jede freie Minute in D (Donnerstagabend bis Sonntagabend), wo sie mit
der Familie von J lebe. In C bleibe ihr gar keine Zeit für ein kulturelles und soziales
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Leben, da sie sehr intensiv für die Schule arbeite. Ihr Leben finde in D statt, wo sie
nicht nur auf dem Hof arbeite, sondern auch sonst viel ehrenamtlich tätig sei (Organi-
sieren von Frauenabenden, Unterstützung von Kindern bei Hausaufgaben, Mithilfe in
Ferienwochen für Kinder, Gründungsmitglied der Genossenschaft G). Sie habe sich
auch von Anfang an bemüht, die dortige Sprache zu sprechen und habe den Dialekt
der Region gelernt, weshalb sie sich mit allen Leuten ohne Schwierigkeiten unterhalten
könne. Bei den Bewohnern von D sei sie als "eine von ihnen" anerkannt, weshalb sie
auch als Ersatzmitglied in den Gemeinderat gewählt worden sei. Sie habe zwei Esel
auf dem Hof, welche im Sommer als Transporttiere auf einer Alp genutzt würden und
sie helfe auf dem Hof nicht nur mit ihrer Arbeitskraft sondern beteilige sich auch immer
wieder finanziell. Sie habe sich ausserdem an der landwirtschaftlichen Schule in K wei-
tergebildet und sei nun gut verankert in der Landwirtschaft. Schliesslich nannte die
Rekurrentin auch ihren Hausarzt, ihren Automechaniker und ihre Coiffeuse, die sich
allesamt in der Region von D befinden.
f) Das kantonale Steueramt stellte sich im Einspracheentscheid auf den
Standpunkt, das Alter der Rekurrentin (im streitbetroffenen Jahr 42) und die Dauer des
Aufenthalts in Zürich (seit 1999), wo sie in einer eigenen Wohnung lebe und während
der Woche ihrem Broterwerb nachgehe, würden nach der Rechtsprechung schon aus-
reichen, um im Sinn einer natürlichen Vermutung in C eine unbeschränkte Steuerpflicht
zu begründen. Der Rekurrentin sei es nicht gelungen nachzuweisen, dass sich ihr Le-
bensmittelpunkt tatsächlich nicht in C, sondern in D befinde.
g) Mit Rekurs lässt die Rekurrentin im Wesentlichen vorbringen, das kantonale
Steueramt habe den Sachverhalt nicht korrekt festgestellt und wesentliche Beweisele-
mente ausser Acht gelassen. Die Annahme, ihr Lebensmittelpunkt befinde sich in C,
sei willkürlich.
3. a) Die Umstände, welche die unbeschränkte Steuerhoheit über eine Person
begründen, stellen eine steuerbegründende Tatsache dar und müssen daher vom ent-
sprechenden Gemeinwesen bzw. von der zuständigen Steuerbehörde bewiesen wer-
den (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Kommentar zum harmonisierten Zürcher Steuer-
gesetz, 2. A., 2006, § 3 N 83). Bei unverheirateten, unselbstständig Erwerbstätigen gilt
in diesem Zusammenhang laut Rechtsprechung die natürliche Vermutung, dass sich
ihr Steuerdomizil an dem Ort befindet, an dem sie sich während der Woche aufhalten
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um von dort aus zur Arbeit zu gehen (BGr, 28. April 2005, 2P.260/2004; BGE 125 I 54,
E. 3a; Peter Locher, Die Praxis der Bundessteuern, III. Teil: Das interkantonale Dop-
pelbesteuerungsrechts, § 3, I B, 2b Nrn. 32 und 27; Martin Arnold, Der steuerrechtliche
Wohnsitz natürlicher Personen im interkantonalen Verhältnis nach der neueren bun-
desgerichtlichen Rechtsprechung, ASA 68, 462 ff.). In einem Entscheid vom
6. Dezember 2010 hielt das Bundesgericht ausdrücklich fest, dass diese natürliche
Vermutung nicht eine Beweislastregel, sondern lediglich ein Element der Beweiswürdi-
gung darstelle und bereits als entkräftet gelten müsse, wenn aufgrund beweismässiger
Anhaltspunkte begründete Zweifel an der Richtigkeit der Vermutung bestehen (BGr,
6. Dezember 2010, 2C_397/2010, E. 2.4.2, auch zum Folgenden). Mit Bezug auf die
natürliche Vermutung des Hauptsteuerdomizils einer ledigen Person an dem Ort, an
dem sie sich während der Woche aufhält um von dort aus zur Arbeit zu gehen (Wo-
chenaufenthaltsort), bedeutet dies, dass deren Zerstörung nicht den lückenlosen
Nachweis klar definierter abweichender Indizien voraussetzt, sondern es genügen
muss, wenn Anhaltspunkte für den Wochenendwohnort in einer Weise nachgewiesen
werden, die so gewichtig und überzeugend sind, dass sie geeignet sind, die Domizil-
vermutung zu entkräften. Dies gilt auch für ledige Steuerpflichtige, die keine nahen
Familienangehörigen mehr haben: Sie begründen zwar nur ausnahmsweise dort ein
Steuerdomizil, wo sie sich in ihrer Freizeit aufhalten und müssen den Nachweis eines
vom Arbeitsort abweichenden Lebensmittelpunktes erbringen, indes muss es auch in
diesem Fall möglich sein, mittels gewichtiger Indizien die Vermutung des Wohnsitzes
am Wochenaufenthaltsort zu entkräften und Indizien für den Wochenendaufenthaltsort
in ausreichender Qualität nachzuweisen, sodass in der Folge die Steuerbehörde ihrer-
seits Umstände, welche für die Annahme des Lebensmittelpunkts am Wochenaufent-
haltsort sprechen, aufzuzeigen hat.
b) Die heute 44-jährige Rekurrentin ist ledig und wohnt seit dem Jahr 1999 als
Wochenaufenthalterin in C, wo sie als Lehrerin mit Teilzeitpensum arbeitet. Gemäss
der zitierten Rechtsprechung unterliegt sie somit der natürlichen Vermutung, dass sich
ihr Steuerdomizil in C befindet. Diese Vermutung kann sie jedoch durch den Nachweis
gewichtiger und überzeugender Anhaltspunkte für den Wohnsitz am Wochenendwohn-
ort D entkräften mit der Folge, dass das kantonale Steueramt seinerseits aufzuzeigen
hat, inwiefern die konkreten Umstände dennoch die Annahme des Lebensmittelpunkts
am Wochenaufenthaltsort Zürich rechtfertigen.
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aa) Vorliegend hat die Rekurrentin mehrfach erklärt, dass sie die Tätigkeit als
Lehrerin in C nur aufgenommen habe, weil eine Anstellung auf dem Bauernhof von J in
D aus finanziellen Gründen nicht mehr möglich gewesen sei, dass sie aber weiterhin
so viel Zeit wie möglich in D – unter anderem mit Arbeiten auf besagtem Bauernhof –
verbringe. Diese Aussage wird bestätigt in einem Schreiben von J, das die Rekurrentin
mit der Einsprache einreichte. Die Besitzerin des Bauernhofs erklärt darin auch, dass
die Rekurrentin mit ihr und ihren drei Töchtern lebe, diese habe aufwachsen sehen und
somit zur Familie gehöre. Die Rekurrentin engagiere sich auch sonst aktiv in D und der
Region, spreche die Sprache der Einheimischen und pflege zu diesen gute Kontakte.
Ähnliches lässt sich auch den ebenfalls der Einsprache beigelegten Schreiben der
Bürgermeister von D und von L entnehmen. Letzterer gibt insbesondere an, die Rekur-
rentin sei in D in kultureller, sozialer und politischer Hinsicht integriert und akzeptiert
und er habe sie immer als primär diesem Ort verbundene Person erlebt, die unzweifel-
haft ihren wichtigsten Lebensmittelpunkt dort habe. Dass die Rekurrentin in D sowohl
sozial, als auch politisch und kulturell stark verankert ist, ergibt sich im Weiteren auch
aus der Tatsache, dass sie Ersatz-Mitglied des Gemeinderats von D sowie Grün-
dungsmitglied der Genossenschaft G ist und zudem nachweislich verschiedene land-
wirtschaftliche Weiterbildungen absolviert hat, um auf dem Bauernhof und in der Ge-
meinde entsprechende Arbeit leisten zu können.
bb) Mit dem Rekurs reichte die Rekurrentin zwei weitere Schreiben von Be-
wohnern von D ein, die bestätigen, dass sie jeweils von Freitag bis Sonntag und in den
Schulferien in D weile, dass sie dort auf dem Betrieb von J mitarbeite und sich ander-
weitig freiwillig engagiere sowie dass sie in D gut integriert sei. Schliesslich bestätigt
auch die Untermieterin F in einem Begleitschreiben zum Rekurs, dass die Rekurrentin
jeweils von Sonntagabend spät bis Donnerstagmorgen sowie höchstens ein bis zwei
Wochenenden im Jahr in C weile und den Rest der Zeit sowie 13 Wochen Schulferien
in D verbringe. Die Wohnung in C sei vor allem von ihr (F) eingerichtet, der Rekurrentin
stehe ein Zimmer zur Verfügung.
cc) Unter diesen Umständen lässt sich die Vermutung des Steuerdomizils in C
vorliegend nicht aufrechterhalten, da die Rekurrentin gewichtige Anhaltspunkte für den
Wohnsitz in D nachgewiesen hat: Sie verbringt ihre Freizeit, inklusive Ferien, fast aus-
schliesslich in D, wo sie eine sehr enge, ja familiäre Beziehung zu J und ihrer Familie
unterhält; sie leistet bedeutende Mithilfe auf dem Betrieb von J, wobei sie sich zu die-
sem Zweck sogar verschiedentlich weitergebildet hat, und unterstützt den Betrieb auch
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finanziell; sie bekleidet in der Gemeinde D ein politisches Amt und engagiert sich in
verschiedenen gemeinnützigen Projekten der Region (u.a. Pfadfinderinnen-Stiftung)
und sie ist als Bewohnerin von D akzeptiert, geschätzt und integriert. Mithin liegen ein-
deutig gewichtige Indizien dafür vor, dass die Rekurrentin ihren Lebensmittelpunkt in D
und nicht in C hat und ist die natürliche Vermutung des Steuerdomizils am Arbeitsort
entkräftet. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Eltern und die Schwester
der Rekurrentin im Kanton Zürich leben. Wie die Rekurrentin in ihrer Eingabe vom
30. November 2011 erklärte, sieht sie ihre Eltern und ihre Schwester nur anlässlich von
Familientreffen zu Geburtstagen und zu Weihnachten, was darauf schliessen lässt,
dass die familiären Bande nicht besonders eng sind. Dagegen unterhält die Rekurren-
tin offensichtlich zur Familie von J in D ein sehr enges, quasi-familiäres Verhältnis. Un-
ter diesen besonderen Umständen vermag die Tatsache, dass die Rekurrentin an ih-
rem Wochenaufenthaltsort nahe Familienangehörige hat, die erwähnten gewichtigen
Anhaltspunkte für den Wohnsitz in D nicht zu entkräften.
c) Nach dem Gesagten wäre es vorliegend am kantonalen Steueramt, konkre-
te Umstände aufzuzeigen, welche trotz der engen Beziehung der Rekurrentin zu D die
Annahme des Lebensmittelpunkts an ihrem Wochenaufenthaltsort C rechtfertigen. Sol-
che Umstände sind jedoch nicht auszumachen:
aa) Die vom kantonalen Steueramt angeführte Tatsache, dass die Rekurrentin
den grössten Teil ihrer Einkäufe in C tätigt, ist für die Bestimmung ihres Lebensmittel-
punkts nicht aussagekräftig. Da die Rekurrentin den überwiegenden Teil der Woche in
C verbringt, ist nicht weiter erstaunlich, dass sie hier auch die meisten Einkäufe tätigt,
zumal sie oft in einer bei der Schule gelegenen Coop-Filiale einkaufte. Zu berücksichti-
gen sind zudem die begrenzten Einkaufsmöglichkeiten in D sowie der Umstand, dass
sich die Rekurrentin auf dem Landwirtschaftsbetrieb mit Lebensmitteln eindecken
kann. Aus dem Einkaufsverhalten lässt sich somit nichts zu Gunsten des Lebensmittel-
punkts in C ableiten.
bb) Ebenso unzutreffend ist der Hinweis des kantonalen Steueramts, die Re-
kurrentin müsse aufgrund des verhältnismässig hohen Stromverbrauchs in ihrer Woh-
nung in C öfters in C geweilt haben. Denn ein Stromverbrauch von 3'858 kWh in einem
Jahr in einem Zweipersonenhaushalt erweist sich nicht als so aussergewöhnlich hoch,
dass er zwingend eine Anwesenheit der Rekurrentin von mehr als vier bis viereinhalb
Tagen die Woche voraussetzt. In diesem Zusammenhang sei auch angemerkt, dass
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die Untermieterin F gemäss Kontoauszug der Rekurrentin entgegen der Behauptung
des kantonalen Steueramts pro 2009 nicht neun, sondern elf Mal Miete bezahlt hat,
wobei daraus so oder anders weder mit Bezug auf die Anwesenheit der Untermieterin
noch auf den Lebensmittelpunkt der Rekurrentin irgendwelche Schlüsse gezogen wer-
den können.
cc) Auch aus dem Vergleich der Wohnverhältnisse der Rekurrentin in C und in
D kann vorliegend nichts zugunsten des Lebensmittelpunkts in C abgeleitet werden.
Zwar lebt die Rekurrentin in D lediglich in einem Wohnwagen und somit sicher in einfa-
cheren Verhältnissen als in der 3-Zimmerwohnung, indes teilt sie die Wohnung in C mit
einer Untermieterin, sodass ihr auch hier letztlich nur ein Zimmer zur freien Verfügung
steht. Zudem ist zu berücksichtigen, dass die Rekurrentin in D nicht irgendwo in einem
Wohnwagen lebt, sondern auf dem Grundstück von J, an deren Familienleben sie
schon seit Jahren aktiv teilnimmt. Unter diesen Umständen stellt die Tatsache, dass
die Rekurrentin in D in einem Wohnwagen wohnt, kein geeignetes Kriterium für die
Annahme des Lebensmittelpunkts in C dar.
dd) Ebenso verhält es sich mit der Tatsache, dass die Rekurrentin in früheren
Jahren offenbar mehr Zeit in D verbrachte als im Jahr 2009, da die Rekurrentin die
Dauer ihrer Aufenthalte in D offensichtlich ihrem Stundenplan als Lehrerin anpassen
muss, was jedoch die dargelegten gewichtigen Indizien für die Annahme des Lebens-
mittelpunkts in D nicht zu entkräften vermag. Was die Behauptung des kantonalen
Steueramts angeht, die Rekurrentin habe nicht mitgeteilt, wo sie sich an den Sonnta-
gen aufhalte, sei angemerkt, dass der Rekurrentin in der Auflageantwort vom 30. No-
vember 2010 offensichtlich ein Flüchtigkeitsfehler unterlaufen ist, indem sie auf dem
Beiblatt "Aufenthalt 2009 von A" angab, sie halte sich von Freitag bis Samstag in D auf.
Bei allen anderen Gelegenheiten erklärte die Rekurrentin stets, sie sei von Freitag bis
Sonntag in D, was auch von mehreren Personen so bestätigt wurde und den Angaben
über die Örtlichkeiten der Bargeldbezüge und Wareneinkäufe der Postfinance ent-
spricht.
ee) Schliesslich ist nicht nachvollziehbar, inwiefern die Tatsache, dass die
Rekurrentin von Januar bis Mitte Februar 2009 einen Sprachaufenthalt in Guadeloupe
absolvierte für die Annahme des Lebensmittelpunkts in C sprechen soll. Die Argumen-
tation des kantonalen Steueramts, die Rekurrentin hätte auch in der Schweiz Franzö-
sisch lernen und somit auch während dieser Zeit an den Wochenenden nach D zu-
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rückkehren können, ist nicht zielführend, da die Rekurrentin während ihres Ausland-
aufenthalts ebenso wenig in C wie in D weilte und folglich nach Ansicht des kantonalen
Steueramts an keinem der beiden Orte ihren Lebensmittelpunkt haben könnte. Die
Tatsache, dass die Rekurrentin einige Wochen im Jahr weder in C noch in D verbrach-
te, kann somit für die Bestimmung des Lebensmittelpunkts nicht ins Gewicht fallen.
ee) Aufgrund des Gesagten ist es dem kantonalen Steueramt nicht gelungen
darzutun, inwiefern die konkreten Umstände für die Annahme des Lebensmittelpunkts
der Rekurrentin in C sprechen. Folglich hatte die Rekurrentin ihren Lebensmittelpunkt
und damit ihr Steuerdomizil in der Steuerperiode 2009 in D und bleibt dem Kanton Zü-
rich die Beanspruchung der Steuerhoheit versagt.
5. Diese Erwägungen führen zur Gutheissung des Rekurses. Die Kosten des
Rekursverfahrens sind ausgangsgemäss dem Rekursgegner aufzuerlegen (§ 151
Abs. 1 StG). Der anwaltlich vertretenen Rekurrentin ist eine angemessene Parteient-
schädigung zuzusprechen (§ 152 StG i.V.m. § 17 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflege-
gesetzes von 24. Mai 1959/8. Juni 1997).