Decision ID: 69f6a0d2-5580-4e0a-a8d8-bf2de0e1d94f
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_HG
Chamber: ZH_HG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Bauhandwerkerpfandrecht
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Rechtsbegehren: (act. 1 S. 2; act. 15 S. 2)
"1. Das Grundbuchamt D._, ... [Adresse] sei superprovisorisch, eventualiter provisorisch, im Sinne von Art. 961 ZGB anzuweisen, zugunsten der Gesuchstellerin und zulasten des Grundstücks der Gesuchsgegnerin ein Pfandrecht vorläufig im Grundbuch  auf der Liegenschaft Kat. Nr. 1, GBBl. 2, E._-Strasse. ..., F._, für eine Pfandsumme von Fr. 1'197'590.40 nebst Zins zu 5 % seit dem 1. April 2020 auf Fr. 706'105.42 und zu 5 % seit dem 22. April 2020 auf Fr. 270'071.20 sowie zu 5 % seit dem 16. Juni 2020 auf Fr. 221'413.78.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. MWST zulasten der Gesuchsgegnerin."

Das Einzelgericht zieht in Erwägung:
1. Prozessverlauf
Am 4. Juni 2020 (hierorts überbracht) reichte die Gesuchstellerin das Gesuch mit
obigem Rechtsbegehren ein (act. 1; act. 3/2-57). Mit Verfügung vom 4. Juni 2020
wurde dem Gesuch einstweilen ohne Anhörung der Gegenpartei entsprochen und
das Grundbuchamt D._ wurde angewiesen, das beantragte Pfandrecht vor-
läufig im Grundbuch einzutragen (act. 4). Gleichzeitig wurde der Gesuchsgegne-
rin – unter Androhung der Säumnisfolgen – Frist angesetzt, um eine Stellung-
nahme einzureichen (act. 4). Mit Eingabe vom 12. Juni 2020 verkündete die Ge-
suchsgegnerin der C._ Limited, G._ [Ort in Irland], und der C._ AG,
H._ [Ort], im Sinne von Art. 78 ff. ZPO den Streit und beantragte, es sei ihr
die Frist zur Einreichung einer Stellungnahme zu erstrecken (act. 11). Mit Verfü-
gung vom 15. Juni 2020 wurde von der Streitverkündung Vormerk genommen
und die entsprechende Fristerstreckung gewährt (act. 13). Mit Eingabe vom
25. Juni 2020 beantragte die Gesuchstellerin – zusätzlich zu ihrem Gesuch vom
4. Juni 2020 – die Eintragung eines provisorischen Bauhandwerkerpfandrechts für
den Verzugszins zu 5 % seit dem 16. Juni 2020 auf Fr. 221'413.78 (act. 15). Mit
Verfügung vom 26. Juni 2020 wurde u.a. erwogen, dass die entsprechende Ein-
tragung des Verzugszinses nicht superprovisorisch beantragt worden sei, womit
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der Gesuchsgegnerin zunächst Frist angesetzt wurde, um dazu Stellung zu neh-
men (act. 17). Mit Eingabe vom 18. Juli 2020 beantragte die C._ Ltd. als
Streitberufene und Nebenintervenientin, es sei das Gesuch um Bestellung eines
Bauhandwerkerpfandrechts abzuweisen sowie es sei ihr 90 Tage Frist zur Einrei-
chung einer Bankgarantie anzusetzen (act. 19). Mit Verfügung vom 21. Juli 2020
wurde die C._ Ltd. als Nebenintervenientin im Rubrum aufgenommen
(act. 22). Zudem wurde der Gesuchsgegnerin die Frist zur Stellungnahme er-
streckt sowie der Gesuchstellerin Frist angesetzt, um sich zu einem Zuwarten mit
dem Endentscheid bis zur Einreichung einer Bankgarantie durch die Nebeninter-
venientin zu äussern (act. 22). Die Gesuchstellerin liess sich hierzu innert Frist
vernehmen und beantragte u.a., es sei der Antrag der Nebenintervenientin auf
Zuwarten mit dem Endentscheid bis zur Einreichung einer Bankgarantie abzuwei-
sen (act. 24). Mit Eingabe vom 30. Juli 2020 beantragte die Gesuchsgegnerin, es
sei das Begehren um provisorische Eintragung eines Bauhandwerkerpfandrechts
abzuweisen, eventualiter sei festzustellen, dass die von der Nebenintervenientin
offerierte und nachzureichende Bankgarantie eine hinreichende Sicherheit im
Sinne von Art. 839 Abs. 3 ZGB darstelle (act. 25).
2. Formelles
Angesichts dessen, dass bis dato weder eine mögliche Sicherheit (Bankgarantie)
eingereicht wurde noch nähere Informationen dazu vorliegen, inwiefern eine sol-
che zu erwarten wäre sowie geschuldet dem Umstand, dass die Gesuchstellerin
ein weiteres Zuwarten ausdrücklich ablehnt (act. 24), besteht keine Grundlage,
um mit dem Endentscheid weiter zuzuwarten (vgl. auch die Hinweise in der Ver-
fügung vom 21. Juli 2020 [act. 22]).
Der Gesuchgegnerin wurde Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt. In ihrer
Eingabe vom 30. Juli 2020 (act. 25) verzichtete die Gesuchsgegnerin – abgese-
hen vom Einwand der hinreichenden Sicherheit im Sinne von Art. 839 Abs. 3 ZGB
– auf (materielle) Einwände gegen die vorläufige Eintragung des Bauhandwerker-
pfandrechts. Nachdem im vorliegenden summarischen Verfahren nach einmaliger
Anhörung kein zweiter Schriftenwechsel oder eine mündliche Hauptverhandlung
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vorgesehen ist, hat es damit sein Bewenden; es liegt Aktenschluss vor (BGE 144
III 117 E. 2.2).
Da (i) die Gesuchsgegnerin ihren Sitz in Zürich hat, (ii) die geschäftliche Tätigkeit
mindestens der Gesuchstellerin (act. 3/5) betroffen ist, (iii) beide Parteien im
schweizerischen Handelsregister eingetragen sind (act. 3/4-5) und (iv) der Streit-
wert CHF 30'000.– übersteigt, ist das Handelsgericht des Kantons Zürich (Einzel-
gericht) gemäss Art. 6 Abs. 2 und 5 ZPO sowie Art. 13 und 31 ZPO i.V.m. § 45 lit.
b GOG örtlich und sachlich zuständig.
3. Voraussetzungen für die Eintragung eines Bauhandwerkerpfandrechts
3.1. Unbestrittener Sachverhalt
Unter Berücksichtigung der Eingaben der Parteien sowie der eingereichten Unter-
lagen (act. 1; act. 3/2-57; act. 11; act. 15; act. 16/58-59; act. 19; act. 24; act. 25)
erscheint Folgendes als glaubhaft gemacht bzw. ist unbestritten geblieben:
- Die Gesuchsgegnerin ist derzeit daran, in F._ ein Rechenzentrum zu
bauen bzw. die dort bestehenden Anlagen auszubauen. Für die Arbeiten hat
sie als Generalunternehmerin die C._ AG beauftragt, welche ihrerseits
die I._ AG, J._ [Ort], beauftragte (act. 1 Rz. 4).
- Von der I._ AG, J._, wurde die Gesuchstellerin als Subunterneh-
merin betraut mit Montagearbeiten, dem Rohrleitungsbau und Schweissar-
beiten. Ein Werkvertrag wurde am 21. August 2019 unterzeichnet (act. 1 Rz.
4; act. 3/8).
- Die Gesuchstellerin leistete 2020 im Wesentlichen in drei Bereichen Arbei-
ten: (i) Installationen von Rohr- und Pumpanlagen auf dem Dach des Be-
triebsgebäudes 5.3 und Verbindungsleitungen zum früheren Gebäude 5.2,
(ii) Arbeiten im Logistikgebäude, (iii) Metallbau-Arbeiten im Rahmen eines
Spezialauftrags im Gebäude 5.3 (act. 1 Rz. 4; act. 3/9-20).
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- Letztmals wurde die Gesuchstellerin von der I1._ Mitte Januar 2020 für
ihre Arbeiten bezahlt, obwohl die Gesuchstellerin auch in der Folge noch Ar-
beiten geleistet hat (act. 1 Rz. 5).
- Diverse Rechnungen wurden trotz Mahnung (von der I1._) nicht begli-
chen (act. 1 Rz. 5; act. 3/21-31).
- Am 27. März 2020 orientierte die I1._ die Gesuchstellerin, dass sie aus
finanziellen Gründen ihre Tätigkeiten auf der Baustelle einstellen müsse. Die
Gesuchsgegnerin und C._ wurden aufgefordert, die Subunternehmer
direkt zu bezahlen (act. 1 Rz. 6).
- Damit die Bauarbeiten fortgesetzt und zeitnah abgeschlossen werden konn-
ten, vereinbarten die Gesuchstellerin und C._, dass erstere die bisher
über I1._ getätigten Leistungen künftig direkt für C._ erbringen
würde (act. 1 Rz. 6; act. 3/32-33).
- Nachdem mit Urteil vom 21. April 2020 der Konkurs über die I._ AG er-
öffnet wurde, gelangte die Gesuchstellerin an die Gesuchsgegnerin sowie
die C._ und forderte diese auf, die Gesuchstellerin direkt zu bezahlen
(act. 1 Rz. 8; act. 3/35-36).
- Aufgrund ausstehender Guthaben hat die Gesuchstellerin schliesslich die
Arbeit niedergelegt. Der Rechnungsbetrag für die Rechnung Nr. 2020-0264
ging am 13. Mai 2020 bei der Gesuchstellerin ein (act. 1 Rz. 9).
- Nachdem der Gesuchstellerin der Zutritt zur Baustelle zur Weiterarbeit ver-
weigert wurde, war der letzte Arbeitstag der Gesuchstellerin der 12. Mai
2020, obschon sie nochmals ausdrücklich die Weiterarbeit angeboten hat
(act. 1 Rz. 9 f.; act. 3/47-50).
- Mit Schreiben vom 20. Mai 2020 gelangte die Gesuchstellerin ein weiteres
Mal an die C._ und die Gesuchsgegnerin und räumte eine letzte Frist
zur Bezahlung der offenen Rechnungen ein, mit ihrer Rechnung Nr. 2020-
0265 verrechnete die Gesuchstellerin die letzten von ihr auf der Baustelle
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getätigten Arbeiten sowie die gekauften und verbauten Materialien (act. 1
Rz. 11; act. 3/52-54).
- Zusammengefasst sind Rechnungen der Gesuchstellerin im Umfang von
CHF 1'197'590.40 offen (act. 1 Rz. 18).
- Per 1. April 2020 wurde ein Betrag von Fr. 706'105.42 (Rechnungen Nrn.
2020-0253 bis 2020-0258) gemahnt, per 22. April 2020 ein Betrag von
Fr. 270'071.20 (Rechnungen Nrn. 2020-0259 bis 2020-0262) (act. 1 Rz. 19)
und per 16. Juni 2020 ein Betrag von Fr. 221'413.78 (Rechnungen Nrn.
2020-0265) (act. 15 S. 2).
3.2. Rechtliches
Gemäss Art. 837 Abs. 1 Ziff. 3 ZGB besteht ein Anspruch auf Errichtung eines
gesetzlichen Grundpfandrechtes für die Forderungen der Handwerker oder Un-
ternehmer, die auf einem Grundstück zu Bauten oder anderen Werken, zu Ab-
brucharbeiten, zum Gerüstbau, zur Baugrubensicherung oder dergleichen Materi-
al und Arbeit oder Arbeit allein geliefert haben. Der Anspruch auf Errichtung eines
Bauhandwerkerpfandrechtes richtet sich gegen den jeweiligen Eigentümer des
Grundstückes, auch wenn die Leistungen nicht in seinem Auftrag erbracht worden
sind. Die Eintragung ins Grundbuch hat bis spätestens vier Monate nach der Voll-
endung der Arbeiten zu erfolgen und kann nicht verlangt werden, wenn der Eigen-
tümer für die angemeldete Forderung hinreichende Sicherheit leistet (Art. 839
Abs. 2 und 3 ZGB).
Geht es lediglich um die vorläufige Eintragung des Pfandrechtes, so muss die
Gesuchstellerin ihr Begehren nur glaubhaft machen. An die Glaubhaftmachung
sind nach konstanter Lehre und Praxis keine strengen Anforderungen zu stellen:
Die vorläufige Eintragung eines gesetzlichen Pfandrechtes darf nur dann verwei-
gert werden, wenn der Bestand des Pfandrechtes ausgeschlossen oder höchst
unwahrscheinlich ist. Dies gilt insbesondere bei unklarer oder unsicherer Rechts-
lage (BGE 86 I 265 E. 3; BGE 137 III 563 E. 3.3; BGE 102 Ia 86; BGE 112 Ib 484;
Urteil des Bundesgerichts 5A_613/2015 vom 22. Januar 2016 E. 4; SCHUMACHER,
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Das Bauhandwerkerpfandrecht, 3. Aufl. 2008, N. 1394 ff. bzw. SCHUMACHER, Das
Bauhandwerkerpfandrecht, Ergänzungsband zur 3. Aufl., 2011, N. 609 ff.; ZOBL,
Das Bauhandwerkerpfandrecht de lege lata und de lege ferenda, ZSR 101(1982)
II Halbband S. 158, ZR 79 [1980] Nr. 80 S. 152 E. 1).
3.3. Würdigung
Aufgrund der glaubhaft gemachten Darstellungen bzw. des unbestritten gebliebe-
nen Sachverhalts hat sich erwiesen, dass die Gesuchstellerin diverse pfandbe-
rechtigte Arbeiten (Montagearbeiten, Rohrleitungsbau, Schweissarbeiten) im Um-
fang von gesamthaft CHF 1'197'590.40 auf dem Grundstück der Gesuchsgegne-
rin geleistet hat. Mit der letzten pfandberechtigten Leistung datierend vom 12. Mai
2020 und der vorläufigen Eintragung im Grundbuch per 4. Juni 2020 (act. 4) res-
pektive der vorliegenden Bestätigung wird die Viermonatsfrist gemäss Art. 839
Abs. 2 ZGB ohne Weiteres eingehalten. Dass bislang keine Bankgarantie oder ei-
ne andere Sicherheit vorliegt, wurde bereits erwähnt. Zudem hat die Gesuchstel-
lerin weiter glaubhaft gemacht respektive ist unbestritten geblieben, dass ihre
(Teil-) Forderungen trotz Mahnungen unbezahlt geblieben sind, sodass der gefor-
derte Zins von je 5 % für die Pfandsummen von CHF 706'105.42 seit dem 1. April
2020, CHF 270'071.20 seit dem 22. April 2020 sowie CHF 221'413.78 seit dem
16. Juni 2020 ausgewiesen ist.
4. Prosequierung
Sodann ist der Gesuchstellerin Frist anzusetzen, um Klage auf definitive Eintra-
gung des Pfandrechts gegen die Gesuchsgegnerin anzuheben. Die Prosequie-
rungsfrist ist praxisgemäss auf 60 Tage festzulegen, allfällige Gerichtsferien sind
nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht zu berücksichtigen (BGE 143
III 554 E. 2.5.2). Eine Verlängerung dieser Frist ist möglich, bedarf aber eines ge-
sonderten und begründeten Gesuches (Art. 144 Abs. 2 ZPO); dieses würde in ei-
nem kostenpflichtigen Nachverfahren behandelt. Als zureichende Gründe für eine
Fristerstreckung gemäss Art. 144 Abs. 2 ZPO werden nur entweder die Zustim-
mung der Gegenpartei oder von der Partei nicht vorhersehbare oder nicht beein-
flussbare Hinderungsgründe anerkannt.
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Kosten- und Entschädigungsfolgen
Die Höhe der Gerichtsgebühr wird nach der Gebührenverordnung des Oberge-
richts bestimmt (Art. 96 ZPO i.V.m. § 199 Abs. 1 GOG) und richtet sich in erster
Linie nach dem Streitwert bzw. nach dem tatsächlichen Streitinteresse (§ 2 Abs. 1
lit. a GebV OG). Es ist von einem Streitwert von CHF 1'197'590.40 auszugehen,
wobei die Gerichtsgebühr in Anwendung von § 4 Abs. 1 und 2 sowie § 8 Abs. 1
und § 10 Abs. 1 GebV OG auf CHF 12'000.– festzusetzen ist.
Über den Pfandanspruch der Gesuchstellerin ist noch nicht definitiv entschieden.
Es wird im ordentlichen Verfahren festzustellen sein, ob die Gesuchstellerin end-
gültig obsiegt. Daher rechtfertigt es sich, im vorliegenden Verfahren lediglich eine
einstweilige Kostenregelung zu treffen. Gemäss Praxis des Einzelgerichts des
Handelsgerichts des Kantons Zürich sind die Gerichtskosten im Verfahren betref-
fend die vorläufige Eintragung des Pfandrechts von der Gesuchstellerin zu bezie-
hen, wobei der endgültige Entscheid des Gerichts im ordentlichen Verfahren vor-
behalten bleibt.
Auch der Entscheid betreffend die Entschädigungsfolgen ist dem ordentlichen
Verfahren vorbehalten. Für den Fall, dass die Gesuchstellerin ihren Anspruch je-
doch nicht prosequieren sollte, ist der Gesuchsgegnerin in Anwendung von § 4
Abs. 1 und 2 sowie § 9 AnwGebV OG eine Parteientschädigung von rund
CHF 12'000.– zuzusprechen.