Decision ID: 2c959e4d-c8ca-4cfb-b2e6-7b3f779969dd
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im November 2006 unter Hinweis auf einen Arbeitsunfall, bei
dem er sich am Mittel- und Ringfinger der rechten Hand verletzt hatte, zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Er gab an, er habe in seinem
Herkunftsland eine gymnasiale Ausbildung absolviert. In den ersten Jahren nach seiner
Einreise in die Schweiz habe er als Rouladier gearbeitet. In den letzten Jahren sei er als
Hilfsmetzger tätig gewesen. Am 19. Dezember 2006 berichtete die letzte Arbeitgeberin
des Versicherten (IV-act. 14), sie habe diesen als Betriebsmitarbeiter beschäftigt. Er sei
in der Schinken- und Brühwurstfüllerei tätig gewesen. Der Jahreslohn habe sich ab
dem 1. Januar 2006 auf 58’695 Franken belaufen. Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die
Ärztliches Begutachtungsinstitut (ABI) GmbH am 29. April 2008 ein polydisziplinäres
Gutachten (IV-act. 33). Die Sachverständigen führten aus, der Versicherte leide an
einem Status nach einer Quetschverletzung der rechten Hand mit einer offenen
Endgliedfraktur des Mittel- und Ringfingers, an einem chronischen Schmerzsyndrom an
der rechten Hand sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an einer
funktionellen sensiblen Störung am linken Bein, an einer Adipositas, an einer arteriellen
Hypertonie, an einem Status nach einer extracorporalen Stosswellenlithotripsie bei
einem Nierenkelchkonkrement rechts, an einem Status nach einer Beckenkontusion
und einer Distorsion des oberen Sprunggelenks links und an einem Status nach einer
Fraktur des Os metacarpale IV-Köpfchens links. Tätigkeiten mit schweren Belastungen
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der rechten Hand oder hohen Anforderungen an die Feinmotorik der rechten Hand
seien dem Versicherten nicht mehr, leichte bis intermittierend mittelschwer belastende,
adaptierte Tätigkeiten dagegen uneingeschränkt zumutbar. Am 16. September 2008
nahm die behandelnde Psychiaterin Dr. med. B._ Stellung zum Gutachten der ABI
GmbH (IV-act. 45–9 f.). Sie machte geltend, der Versicherte leide an einer
posttraumatischen Belastungsstörung nach einem Arbeitsunfall und an einer
andauernden Persönlichkeitsänderung nach einem chronischen Schmerzsyndrom.
Leidensadaptierte Tätigkeiten seien ihm nur noch zu 50 Prozent zumutbar. Mit einer
Verfügung vom 10. Januar 2009 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des
Versicherten bei einem ausgehend von der im Gutachten der ABI GmbH enthaltenen
Arbeitsfähigkeitsschätzung berechneten Invaliditätsgrad von null Prozent ab (IV-act.
54). Eine dagegen erhobene Beschwerde wurde vom Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen mit einem Entscheid vom 3. Februar 2011 (IV 2009/59; IV-act. 76)
abgewiesen.
A.b Am 4. Juni 2012 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (IV-
act. 77). Gemäss einem Arbeitgeberbericht vom Juli 2012 hatte er ab April 2011 in
einem Pensum von etwas mehr als 50 Prozent für eine Reinigungsunternehmung
gearbeitet; die Arbeitgeberin hatte das Arbeitsverhältnis aber per 31. Dezember 2011
gekündigt (IV-act. 88). Am 26. November 2012 berichtete Dr. B._ (IV-act. 98), der
Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig
mittelgradigen Episode, an einer posttraumatischen Belastungsstörung nach einem
Arbeitsunfall und an einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach einem
chronischen Schmerzsyndrom. Seit dem 1. Dezember 2011 sei er vollständig
arbeitsunfähig. Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die Zentrum für interdisziplinäre
medizinische Begutachtungen (ZIMB) AG am 30. Oktober 2013 ein polydisziplinäres
Verlaufsgutachten (IV-act. 124). Die Sachverständigen hielten fest, der Versicherte leide
an einer mittelgradigen depressiven Episode ohne somatisches Syndrom sowie – ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an einem chronischen Schmerzsyndrom der
rechten oberen Extremität, an einer funktionellen sensiblen Störung am linken Bein, an
einer Reizdarmsymptomatik mit einem imperativen Stuhldrang, an einer
Nephrolithiasis, an einer chronisch-venösen Insuffizienz Stadium I, an einer Adipositas
und an einer essentiellen arteriellen Hypertonie. Aus internistischer Sicht sei der
Versicherte uneingeschränkt arbeitsfähig. Auch aus neurologischer Sicht ergebe sich
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keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht stehe die Diagnose
einer mittelgradigen depressiven Episode im Vordergrund. Diese mindere die
Belastbarkeit des Versicherten, führe zu einer rascheren Erschöpfung und bewirke
subjektiv Störungen des Gedächtnisses und der Konzentration. Daraus resultiere eine
Arbeitsunfähigkeit von 40 Prozent. Die von Dr. B._ gestellten Diagnosen einer
posttraumatischen Belastungsstörung und einer Persönlichkeitsänderung nach einem
chronischen Schmerzsyndrom seien „in keinster Weise“ nachvollziehbar. Auch die von
Dr. B._ attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit lasse sich
versicherungsmedizinisch nicht begründen. Retrospektiv sei davon auszugehen, dass
sich die mittelgradige depressive Episode seit Ende des Jahres 2012 auf die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auswirke. Die bisherige Therapie sollte
fortgeführt werden, doch empfehle sich eine regelmässige Kontrolle des
Medikamentenspiegels, denn bei der im Rahmen der Begutachtung durchgeführten
Untersuchung hätten die vom Versicherten angeblich eingenommenen Medikamente
nicht nachgewiesen werden können. Innerhalb der nächsten zwölf Monate könne bei
einer konsequent durchgeführten Therapie mit einer Stabilisierung des
Gesundheitszustandes und mit dem Erreichen einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit
gerechnet werden. Am 18. November 2013 notierte Dr. med. C._ vom IV-internen
regionalen ärztlichen Dienst (RAD; IV-act. 125), das Gutachten der ZIMB AG sei
überzeugend. Seit Ende November 2012 sei deshalb von einer Arbeitsunfähigkeit von
40 Prozent in der angestammten und in einer adaptierten Tätigkeit auszugehen. Der
Gesundheitszustand sei besserungsfähig.
A.c Mit einem Vorbescheid vom 27. November 2013 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit, dass sie die Abweisung seines Rentenbegehrens vorsehe (IV-act.
128). Zur Begründung führte sie aus, „in Berücksichtigung der gängigen
Rechtsprechung“ handle es sich bei der von den Sachverständigen der ZIMB AG
diagnostizierten mittelgradigen depressiven Episode „definitionsgemäss um ein
vorübergehendes Leiden, indem solche Episoden im Mittel etwa sechs Monate, selten
länger als ein Jahr“ dauerten. Folglich sei bei der Bemessung der Invalidität von einer
uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen. Bei einem Invaliditätsgrad von null
Prozent bestehe kein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung. Dagegen
liess der Versicherte am 20. Januar 2014 einwenden (IV-act. 132), er befinde sich
zurzeit in einer teilstationären tagesklinischen Behandlung. Die Sachverständigen der
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ZIMB AG hätten zwar die Diagnose einer Persönlichkeitsänderung als unbegründet
bezeichnet, die RAD-Ärztin Dr. C._ habe diese Diagnose aber als durchaus
nachvollziehbar erachtet. Folglich könne nicht angenommen werden, der Versicherte
könne mit einer zumutbaren Willensanstrengung eine vollständige Arbeits¬fähigkeit
erlangen. Bereits am 13. Januar 2014 hatte der Psychiater Dr. med. D._ von der
Tagesklinik der psychiatrischen Klinik E._ ausgeführt (IV-act. 133–3 ff.), der
Versicherte leide an einer Anpassungsstörung mit Angst und einer depressiven
Reaktion gemischt sowie an einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung. Der
Arbeitsfähigkeitsgrad liege gesamthaft gesehen bei etwa 50 Prozent. Der Versicherte
könne bei einer maximalen Willensanstrengung seine vollständige Arbeitsunfähigkeit
überwinden, werde mittel- bis langfristig aber wohl nie mehr vollständig arbeitsfähig
werden. Am 13. März 2014 notierte der RAD-Arzt Dr. med. F._ (IV-act. 134), die von
Dr. D._ gestellten Diagnosen seien nicht nachvollziehbar. Allerdings entsprächen die
Befunde jenen, die von den Sachverständigen der ZIMB AG erwähnt worden seien. Da
der Bericht von Dr. D._ keine Hinweise auf eine zwischenzeitliche Verschlechterung
des Gesundheitszustandes des Versicherten enthalte, sei weiterhin von einer
Arbeitsunfähigkeit von 40 Prozent seit Ende November 2012 auszugehen. Mit einer
Verfügung vom 26. März 2014 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab (IV-act. 135).
B.
B.a Dagegen liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) am 1. Mai
2014 eine Beschwerde erheben (act. G 1). Sein Rechtsvertreter beantragte die
Aufhebung der Verfügung vom 26. März 2014 und die Zusprache einer Invalidenrente
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent. Zur Begründung führte er aus,
die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) habe sich gar nicht mit den
medizinischen Berichten auseinandergesetzt. Sie habe die von den RAD-Ärzten als
nachvollziehbar bezeichnete Diagnose einer Persönlichkeitsänderung ignoriert,
verkannt, dass der Beschwerdeführer an einer länger dauernden, nicht bloss
vorübergehenden depressiven Störung leide, und übersehen, dass Dr. D._ nur eine
Teilarbeitsfähigkeit bei einer maximalen Willensanstrengung als zumutbar erachtet
habe.
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B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 14. Juli 2014 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie aus, eine mittelschwere depressive
Störung habe nur dann eine „invalidisierende Wirkung“, wenn eine konsequente
Depressionstherapie verfolgt werde, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweise.
Vorliegend müsse davon ausgegangen werden, dass sich die depressive Symptomatik
aus der Schmerzproblematik hinaus entwickelt habe. Es handle sich dabei also nicht
um ein selbständiges Leiden, weshalb es „invaliditätsrechtlich“ keine „weitergehende
Bedeutung“ habe. Zudem könne die Störung medikamentös behandelt werden. Die
depressive Störung bewirke also keine längerdauernde Arbeitsunfähigkeit.
B.c Der Beschwerdeführer liess am 30. September 2014 an seinen Anträgen festhalten
(act. G 8). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 10).

Erwägungen
1.
Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, die
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat einen Anspruch auf eine Rente der
Invalidenversicherung (Art. 28 Abs. 1 IVG). Für die Bemessung der Invalidität wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu
dem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG). Nur eine voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit gilt aber
als eine Invalidität (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Unter dem Begriff der Erwerbsunfähigkeit wird
der durch eine Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes verursachte und trotz einer
zumutbaren Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
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Arbeitsmarkt verstanden (Art. 7 Abs. 1 ATSG), wobei für die Beurteilung des Vorliegens
einer Erwerbsunfähigkeit ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen sind und eine Erwerbsunfähigkeit nur vorliegen
kann, wenn sie aus objektiver Sicht unüberwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.
2.1 Angesichts der beiden – diesbezüglich übereinstimmenden – Gutachten der ZIMB
AG und der ABI GmbH steht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer aus somatischer Sicht in einer
leidensadaptierten Tätigkeit uneingeschränkt arbeitsfähig ist. In psychiatrischer
Hinsicht ist die medizinische Aktenlage dagegen teilweise widersprüchlich. Die
Sachverständigen der ZIMB AG haben mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
mittelgradige depressive Episode diagnostiziert, während die behandelnde Psychiaterin
Dr. B._ eine mittelgradige depressive Störung, eine posttraumatische
Belastungsstörung und eine anhaltende Persönlichkeitsänderung nach einem
chronischen Schmerzsyndrom diagnostiziert hatte und sich der nun behandelnde
Psychiater Dr. D._ auf den Standpunkt gestellt hat, der Beschwerdeführer leide an
einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung. Auch die
Arbeitsfähigkeitsschätzungen divergieren: Laut Dr. B._ soll der Beschwerdeführer
vollständig arbeitsunfähig sein, Dr. D._ hat den Arbeitsunfähigkeitsgrad auf 50
Prozent geschätzt und der psychiatrische Sachverständige der ZIMB AG hat geltend
gemacht, der Beschwerdeführer sei nur zu 40 Prozent arbeitsunfähig. Hinsichtlich der
posttraumatischen Belastungsstörung und der anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung hat der psychiatrische Sachverständige der ZIMB AG ausführlich und
überzeugend begründet dargelegt, dass die entsprechenden Diagnosekriterien nicht
erfüllt seien. Weder Dr. B._ noch Dr. D._ haben überzeugende Gründe dafür
anführen können, weshalb diese Sichtweise unzutreffend sein könnte. Die RAD-Ärzte
Dres. C._ und F._ haben die entsprechenden Ausführungen des psychiatrischen
Sachverständigen der ZIMB AG ebenfalls als überzeugend qualifiziert, weshalb kein
Grund ersichtlich ist, nicht darauf abzustellen. Auf die von Dr. B._ gestellte Diagnose
einer Persönlichkeitsänderung, die von einem RAD-Arzt bei einer ersten Prüfung der
Akten im Rahmen der Eintretensfrage noch als plausibel bezeichnet worden war, ist der
psychiatrische Sachverständige der ZIMB AG zwar nur knapp eingegangen. Er hat aber
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überzeugend dargelegt, weshalb auch die Kriterien für diese Diagnose nicht erfüllt
gewesen sind. Tatsächlich lässt sich den Berichten von Dr. B._ keine überzeugende
Begründung für die Diagnose einer Persönlichkeitsänderung entnehmen. Die vom
psychiatrischen Sachverständigen der ZIMB AG angeführten objektiven Befunde
vermögen ebenfalls keine Persönlichkeitsänderung zu begründen. Auch die RAD-Ärzte
Dres. C._ und F._ haben nach dem Eingang des Gutachtens der ZIMB AG den
Standpunkt vertreten, dass die Diagnosestellung korrekt sei, das heisst dass keine
Persönlichkeitsänderung vorliege. Aus dem Umstand, dass vor der eingehenden
Begutachtung eine Persönlichkeitsänderung vom RAD noch als plausibel qualifiziert
worden war, kann der Beschwerdeführer also nichts zu seinen Gunsten ableiten. Somit
steht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest,
dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in psychiatrischer Hinsicht
ausschliesslich durch eine depressive Episode beeinträchtigt gewesen ist. Angesichts
der vom psychiatrischen Sachverständigen der ZIMB AG angeführten
Einschränkungen, die daraus resultieren, erscheint das Attest einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit als nicht überzeugend. Die Berichte von Dr. B._ enthalten keine
Hinweise auf objektive Befunde, die die von ihr vertretene Ansicht, der
Beschwerdeführer sei vollständig arbeitsunfähig, begründen könnten. Auch der
behandelnde Psychiater Dr. D._ hat nur eine teilweise Arbeitsunfähigkeit attestiert,
weshalb die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. B._ bei einer gesamthaften
Aktenwürdigung nicht zutreffend sein kann. Der Bericht von Dr. D._ weist insgesamt
aber auch nicht dieselbe Überzeugungskraft wie das Gutachten der ZIMB AG auf. Zwar
sind die objektiven Befunde anschaulich dargestellt worden. Sie entsprechen zudem
jenen, die der psychiatrische Sachverständige erwähnt hatte. Daraus hat Dr. D._ aber
eine nicht überzeugende Diagnose und eine nur mangelhaft begründete
Arbeitsfähigkeitsschätzung abgeleitet. Seinem Bericht lässt sich nichts entnehmen,
was die Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen Sachverständigen der ZIMB
AG als unzutreffend erscheinen lassen und dazu zwingen würde, von einer
Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent auszugehen. Gesamthaft ist deshalb auch
hinsichtlich des Arbeitsfähigkeitsgrades auf das von den RAD-Ärzten Dres. C._ und
F._ als überzeugend qualifizierte Gutachten der ZIMB AG abzustellen. Folglich steht
mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass
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der Beschwerdeführer seit Ende November 2012 in ideal leidensadaptierten Tätigkeiten
nur noch zu 60 Prozent arbeitsfähig gewesen ist.
2.2 Nun hat die Beschwerdegegnerin das Gutachten der ZIMB AG zwar ebenfalls als
überzeugend qualifiziert, bei der Bemessung der Invalidität aber nicht auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Sachverständigen abgestellt, obwohl diese von zwei
ihrer eigenen RAD-Ärzte bestätigt worden war. Dies hat sie mit einem Hinweis auf die
bundesgerichtliche Rechtsprechung begründet, wonach depressive Episoden
erfahrungsgemäss nur vorübergehender Natur seien und folglich keine länger dauernde
oder voraussichtlich bleibende Arbeitsunfähigkeit bewirken könnten. Nach Ansicht der
Beschwerdegegnerin sei angesichts des Umstandes, dass die Sachverständigen der
ZIMB AG eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustandes und damit der
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers innerhalb eines Jahres prognostiziert haben,
ausgewiesen, dass die depressive Störung nicht therapieresistent sei und folglich keine
Invalidität begründen könne. Zudem sei die depressive Störung ohnehin nur eine Folge
des nicht objektivierbaren Schmerzsyndroms, weshalb ihr gar keine Bedeutung
zukommen könne. Dabei hat die Beschwerdegegnerin verkannt, dass der
Beschwerdeführer gemäss den überzeugenden Ausführungen des psychiatrischen
Sachverständigen der ZIMB AG nicht nur depressive Symptome gezeigt hat, die ihre
Ursache in der Schmerzstörung haben könnten, sondern dass er vielmehr das volle
Bild einer eigenständigen depressiven Erkrankung gezeigt und damit die
Diagnosekriterien des ICD-10 für eine depressive Episode erfüllt hat. Diese Diagnose
ist von zwei RAD-Ärzten als überzeugend qualifiziert worden. Sie kann also nicht von
einem medizinischen Laien wieder aus der Welt geschafft werden. Zudem hat das
Bundesgericht seine Rechtsprechung zu den anhaltenden somatoformen
Schmerzstörungen mittlerweile korrigiert (BGE 141 V 281). Sodann hat Dr. med.
ULRIKE HOFFMANN-RICHTER in ihrem Referat an der
Sozialversicherungsrechtstagung 2015 überzeugend aufgezeigt, dass aus der
Verwendung des Begriffs „Episode“ bei der Diagnosestellung keine Aussage zur Dauer
der depressiven Störung enthalten sei (vgl. Tagungsband, S. 78). Der angeblichen
medizinischen Erfahrungstatsache, dass Episoden nur vorübergehende
Verstimmungszustände seien, ist aus medizinischer Sicht also deutlich widersprochen
worden. Das Bundesgericht hat bis heute keine einzige medizinische Quelle genannt,
mit der sich die angebliche medizinische Erfahrung belegen liesse. Weiter hat Dr.
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HOFFMANN darauf hingewiesen, dass sich depressive Störungen zwar medikamentös
behandeln liessen, dass die Erfolgsrate aber nur bei etwa 33 Prozent liege, also
ausgesprochen bescheiden sei und damit gegen eine allgemeine Vermutung,
depressive Störungen liessen sich in aller Regel problemlos erfolgreich behandeln,
spreche (a.a.O.). Völlig zu Recht hat Dr. HOFFMANN auch festgehalten, dass
Studienergebnisse für den konkreten Einzelfall nicht massgebend sein können (a.a.O.).
Selbst wenn sich die Mehrheit der depressiven Störungen erfolgreich behandeln liesse,
was nicht der Fall ist, bedeutete dies also nicht, dass sich auch die depressive Störung
des Beschwerdeführers erfolgreich behandeln lasse. Schliesslich hat das
Bundesgericht seine eigene Rechtsprechung in einem neueren Entscheid vom 4.
November 2016 (Urteil 9C_391/2016, E. 3.4) relativiert. Es hat ausgeführt, dass bei
einer medizinisch bescheinigten Arbeitsunfähigkeit ohne eine vorgängige
medikamentöse Behandlung nicht einfach ohne weiteres von einer
rentenausschliessenden Erwerbsfähigkeit ausgegangen werden könne. Wenn die IV-
Stelle darauf verzichte, die versicherte Person gestützt auf den Art. 21 Abs. 4 ATSG zu
einer medikamentösen Therapie zu verpflichten, könne dieser nicht entgegengehalten
werden, sie habe keine konsequente Depressionstherapie befolgt, deren Scheitern das
Leiden als resistent ausweisen würde. Der Beschwerdeführer hat sich zwar bereits
psychotherapeutisch und medikamentös behandeln lassen, aber die Sachverständigen
der ZIMB AG haben Zweifel daran geäussert, dass er die Medikamente zuverlässig
einnehme. In dieser Situation hat die Beschwerdegegnerin – auch nicht nach der
neusten bundesgerichtlichen Rechtsprechung – nicht einfach davon ausgehen dürfen,
die Therapieresistenz der depressiven Störung sei nicht ausgewiesen, zumal fraglich
ist, wo die gesetzliche Grundlage dieser angeblich zum relevanten Tatbestand
gehörenden Therapieresistenz zu verorten wäre. Die angefochtene Verfügung beruht
diesbezüglich also auf einer fehlerhaften Interpretation der massgebenden
Gesetzesbestimmungen.
2.3 Mit dem Gutachten der ZIMB AG ist zwar belegt, dass der Beschwerdeführer
damals an einer mittelgradigen depressiven Episode gelitten hat und deswegen zu 40
Prozent arbeitsunfähig gewesen ist. Angesichts der Tatsache, dass die angeblich vom
Beschwerdeführer regelmässig eingenommenen Antidepressiva in den
Laboruntersuchungen der ZIMB AG nicht haben nachgewiesen werden können,
bestehen aber Zweifel an der Compliance des Beschwerdeführers bezüglich der
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Depressionstherapie, die aus einer Kombination von Psycho- und
Psychopharmakotherapie besteht. Mit anderen Worten stellt sich die Frage, ob der
Beschwerdeführer tatsächlich alles ihm Zumutbare zur Bekämpfung seiner Krankheit
und damit zur Wiedererlangung einer möglichst uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit
unternommen hat, ob er also seiner Schadenminderungspflicht nachgekommen ist. Die
Schadenminderungspflicht wird zwar weder im ATSG noch im IVG definiert. Im
Versicherungs- und damit auch im Sozialversicherungsrecht ist eine allgemeine
Schadenminderungspflicht aber unverzichtbar (vgl. UELI KIESER, ATSG-Kommentar,
3. Aufl. 2015, Vorbemerkungen N 85, mit Hinweisen; UELI MEYER/MARCO
REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichtes zum IVG, 3. Aufl. 2014, Art. 4 N
57, mit Hinweisen). Das ATSG erweist sich folglich in diesem Punkt als lückenhaft,
weshalb es lückenfüllend – modo legislatoris – um eine Norm zu ergänzen ist, die die
allgemeine Schadenminderungspflicht regelt. Diese Norm muss den Grundsatz
enthalten, dass jede versicherte Person gehalten ist, alles ihr zumutbare zu
unternehmen, um den Schaden möglichst tief zu halten. In Bezug auf den
Beschwerdeführer muss also danach gefragt werden, ob eine
Schadenminderungspflichtverletzung vorliege und ob er gegebenenfalls zur Erfüllung
dieser Pflicht hätte angehalten werden müssen (im Sinne des im Art. 21 Abs. 4 ATSG
geregelten sog. Mahn- und Bedenkzeitverfahrens). Leidet eine Person an einer
Gesundheitsbeeinträchtigung, versteht sich von selbst, dass sie medizinische Hilfe
aufsucht und an den ärztlich verordneten Massnahmen mitwirkt. Das gilt namentlich
auch für die Einnahme der vom behandelnden Arzt verordneten Medikamente. Die
medizinische Behandlung eines körperlichen, geistigen oder seelischen Leidens ist also
eine Selbstverständlichkeit. Entzieht sich nun eine versicherte Person einer solchen
medizinischen Behandlung, verletzt sie augenscheinlich eine
Schadenminderungspflicht. Weil es sich bei dieser Schadenminderungspflicht um eine
Selbstverständlichkeit handelt, ist sie nicht „abmahnungsbedürftig“, denn es ist kein
Grund ersichtlich, weshalb eine versicherte Person erst noch zu einer
selbstverständlichen Massnahme sollte angehalten werden müssen. Sollte der
Beschwerdeführer die ihm von seinen behandelnden Psychiatern verordneten
Psychopharmaka also tatsächlich nicht eingenommen haben, hätte er eine
selbstverständliche Schadenminderungspflicht verletzt. Weil die Sachverständigen der
ZIMB AG ausgeführt haben, dass von der damals bereits laufenden Therapie die
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Wiedererlangung einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte
Tätigkeiten zu erwarten sei, sofern der Beschwerdeführer compliant mitwirke, besteht
die Möglichkeit, dass das Weiterbestehen der Arbeitsunfähigkeit vollständig auf eine
Schadenminderungspflichtverletzung zurückzuführen ist. Gestützt auf das Gutachten
der ZIMB AG steht also zwar mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer damals objektiv zu 40 Prozent
arbeitsunfähig gewesen ist. Das Gutachten beweist aber nicht auch mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit, dass es sich dabei
um eine unabwendbare Arbeitsunfähigkeit gehandelt hat. Mit anderen Worten lässt
sich dem Gutachten nicht entnehmen, ob der Beschwerdeführer die therapeutischen
Anweisungen der behandelnden Psychiater zuverlässig befolgt hat und ob er auch zu
40 Prozent arbeitsunfähig gewesen wäre, wenn dies der Fall gewesen wäre. Da es
objektiv unmöglich ist, jene Arbeitsfähigkeit zu ermitteln, über die der
Beschwerdeführer verfügt hätte, wenn er die therapeutischen Anweisungen befolgt
hätte, liegt bezüglich des Arbeitsfähigkeitsgrades ohne eine
Schadenminderungspflichtverletzung eine objektive Beweislosigkeit vor.
2.4 Die Folgen der objektiven Beweislosigkeit bestimmen sich nach der Regel des Art.
8 ZGB, da diesbezüglich keine spezifischere gesetzliche Grundlage existiert. Diese
Regel besagt, dass jene Partei die Folgen einer Beweislosigkeit zu tragen hat, die aus
der objektiv nicht beweisbaren Tatsache einen Vorteil für sich ableiten will. Vorliegend
kann objektiv nicht bewiesen werden, ob und allenfalls in welchem Ausmass der
Beschwerdeführer arbeitsunfähig gewesen wäre, wenn er die verordneten
Medikamente eingenommen hätte. Die objektive Beweislosigkeit beschlägt also die
Frage nach der Arbeitsunfähigkeit und damit auch nach der Invalidität. Aus dem
Nachweis einer Arbeitsunfähigkeit beziehungsweise Invalidität könnte der
Beschwerdeführer einen Vorteil für sich, nämlich einen allfälligen Leistungsanspruch
ableiten. Deshalb muss er die Folgen der objektiven Beweislosigkeit tragen. Das
bedeutet, dass das Rentenbegehren zufolge der objektiven Beweislosigkeit bezüglich
der Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers im massgebenden Zeitraum abzuweisen
ist. Die angefochtene Verfügung erweist sich folglich im Ergebnis als rechtmässig.
3.
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Die gemäss dem Art. 69 Abs. 1bis IVG zu erhebenden und angesichts des
durchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf 600 Franken festzusetzenden
Gerichtskosten sind dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen. Sie sind
durch den von diesem geleisteten Kostenvorschuss von 600 Franken gedeckt. Der
unterliegende Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.