Decision ID: 37fdbb1b-8d32-4f0e-b82f-fbd627c72beb
Year: 2019
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_003
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt und Prozessgeschichte
1. Am 6. November 2018 hat das Sozialamt des Kantons Bern (fortan: Vorinstanz oder
SOA) die Ausschreibung «Regionale Partner im Asyl- und Flüchtlingsbereich» auf der Internet-
plattform www.simap.ch publiziert (Simap Projekt Nr. ......). Der ausgeschriebene Auftrag war
in fünf Lose aufgeteilt, darunter das Los F (Region F). Die Ausschreibung erfolgte im offenen
Verfahren. Gegen die Ausschreibung und die Ausschreibungsunterlagen wurde kein Rechts-
mittel ergriffen.
2. Innert Frist haben fünf Anbieter, darunter der X._ (nachfolgend: Beschwerdeführer)
sowie das Y._ (nachfolgend auch: Zuschlagsempfänger oder Beschwerdegegner) ein Ange-
bot eingereicht.
3. Am 24. April 2019 verfügte die Vorinstanz die Zuschlagserteilung «Regionale Partner im
Asyl- und Flüchtlingsbereich» für das Los F (Region F) an das Y._ mit eingeschriebener Post
an alle Anbieter. Begründet wurde die Zuschlagserteilung damit, dass der Zuschlagsempfänger
das wirtschaftlich günstigste Angebot nach Art. 30 Abs. 1 ÖBV1 eingereicht habe. Die Zu-
schlagsverfügung enthält für jeden der unterlegenen Anbieter eine Auflistung der bei den ein-
zelnen Zuschlagskriterien von ihm erreichten Punkte und die Punktevergabe an den Zuschlags-
empfänger (Vergleichstabelle).
4. Gegen die Zuschlagsverfügung vom 24. April 2019 für das Los F (Region F ) der Aus-
schreibung «Regionale Partner im Asyl- und Flüchtlingsbereich» reichte der X._ am 6. Mai
2019 Beschwerde bei der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern (GEF) ein;
dies mit den folgenden Anträgen:
Materielles
1. Die Zuschlagsverfügung vom 24. April 2019 im Vergabeverfahren «Regionale Partner im Asyl-
und Flüchtlingsbereich, Los F – Region F » sei aufzuheben und der Zuschlag des Los F sei dem
Beschwerdeführer zu erteilen.
2. Eventualiter sei die Zuschlagsverfügung vom 24. April 2019 im Vergabeverfahren «Regionale
Partner im Asyl- und Flüchtlingsbereich, Los F – Region F » vollumfänglich aufzuheben und die

Sache sei zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vergabebehörde zurückzuweisen.
3. Es seien keine Verfahrenskosten zu erheben und dem Beschwerdeführer sei eine angemessene
Parteientschädigung zuzusprechen.
1 Verordnung vom 16. Oktober 2002 über das öffentliche Beschaffungswesen (ÖBV; BSG 731.21)
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Prozessual
4. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
5. Dem Beschwerdeführer sei im vorliegend anhängig gemachten Beschwerdeverfahren umfas-
sende Akteneinsicht zu gewähren und es sei ihm im Anschluss daran Gelegenheit zu geben, sich
ergänzend in der Sache zu äussern.
- unter Kosten- und Entschädigungsfolge -
5. Mit Verfügung vom 9. Mai 2019 hat das Rechtsamt der GEF, welches die Beschwerde-
verfahren für die GEF leitet,2 die Vorinstanz u.a. darauf hingewiesen, dass bis zum definitiven
Entscheid über die aufschiebende Wirkung der Vertrag mit dem Zuschlagsempfänger von Ge-
setzes wegen nicht abgeschlossen werden darf.
6. Am 20. Mai 2019 reichte der anwaltlich vertretene Beschwerdegegner eine Beschwer-
devernehmlassung ein, in der er die Abweisung der Beschwerde beantragt. Die Vorinstanz
schliesst in ihrer Beschwerdevernehmlassung vom 23. März (recte: Mai) 20193 ebenfalls auf
Abweisung der Beschwerde, soweit auf diese überhaupt eingetreten werden könne.
7. Mit Verfügung vom 18. Juni 2019 hiess das Rechtsamt der GEF das Gesuch des Be-
schwerdeführers um Akteneinsicht dahingehend teilweise gut, dass ihm in die Vorakten zum
Los F (Region F), Register 1-7, ohne Abdeckungen im Evaluationsbericht (Register 5), Einsicht
gewährt wurde. Im Übrigen wurde das Gesuch abgewiesen. Namentlich erhielt der Beschwer-
deführer keine Einsicht in die Angebote der anderen Anbieter. Die Zwischenverfügung zur Ak-
teneinsicht vom 18. Juni 2019 wurde nicht angefochten und ist damit in Rechtskraft erwachsen.
8. Ebenfalls mit Verfügung vom 18. Juni 2019 ordnete das Rechtsamt der GEF einen zwei-
ten Schriftenwechsel an.
9. Der Beschwerdeführer, nunmehr anwaltlich vertreten, reichte am 28. Juni 2019 eine
kurze Stellungnahme und am 5. Juli 2019 eine ausführliche Replik beim Rechtsamt der GEF zu
den Akten. In der Replik vom 5. Juli 2019 hält der Beschwerdeführer an dem mit Beschwerde
vom 6. Mai 2019 gestellten Hauptbegehren fest. Das Eventualbegehren wurde dahingehend
ergänzt, dass bei einer Rückweisung des Vergabeverfahrens an die Vorinstanz die Vorsteherin
des SOA bei der Beurteilung der Angebote in den Ausstand zu treten habe. Im Weiteren er-
suchte der Beschwerdeführer nochmals um Akteneinsicht in die Angebote der anderen Anbie-
ter, konkret in die Nachweise zu den strittigen Zuschlagskriterien.
2 Art. 10 der Verordnung vom 29. November 2000 über die Organisation und die Aufgaben der Gesundheits- und
Fürsorgedirektion (Organisationsverordnung GEF, OrV GEF; BSG 152.221.121) 3 Im Folgenden wird die Beschwerdevernehmlassung jeweils mit dem korrigierten Datum zitiert.
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10. Mit Duplik vom 25. Juli 2019 hält der Beschwerdegegner an seinem Antrag auf Be-
schwerdeabweisung fest. Die Vorinstanz bestätigt mit Duplik vom 26. Juli 2019 die in der Be-
schwerdevernehmlassung vom 23. Mai 2019 gestellten Anträge. Im Weiteren beantragt sie die
Abweisung der in der Replik vom 5. Juli 2019 neu gestellten Anträge, soweit auf diese einge-
treten werden könne.
11. In seinen Schlussbemerkungen vom 13. August 2019 hält der Beschwerdeführer voll-
umfänglich an seinen formellen und materiellen Anträgen fest. Die Vorinstanz und der Be-
schwerdegegner verzichteten auf das Einreichen von Schlussbemerkungen.
Auf die Rechtsschriften und Akten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfol-
genden Erwägungen eingegangen.
II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
1.1. Angefochten ist vorliegend die Zuschlagsverfügung der Vorinstanz vom 24. April 2019.
Verfügungen betreffend den Zuschlag sind bei Erreichung der Schwellenwerte des Einladungs-
verfahrens oder der tieferen kommunalen Schwellenwerte bei der in der Sache zuständigen
Direktion des Regierungsrates mit Beschwerde anfechtbar (Art. 11 Abs. 2 Bst. b i.V.m. Art. 12
Abs. 1 ÖBG4). Die GEF als in der Sache zuständige Direktion ist damit zur Beurteilung der
Beschwerde zuständig.
1.2. Das Beschaffungsrecht sieht betreffend die Befugnis zur Beschwerdeführung keine
Spezialbestimmungen vor. Die Beschwerdelegitimation richtet sich demnach nach Art. 65
VRPG5.6 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz als Anbieter teilgenom-
men und ist durch die angefochtene Verfügung, mit welcher der Zuschlag an einen anderen
Anbieter vergeben wurde, formell beschwert. Damit auf die Beschwerde vom 6. Mai 2019 ein-
getreten werden kann, muss der Beschwerdeführer von der angefochtenen Verfügung aber
auch besonders berührt, d.h. materiell beschwert sein (Art. 65 Abs. 1 Bst. b VRPG). Eine solche
materielle Beschwer ist in Vergaberechtsangelegenheiten nur zu bejahen, wenn der Beschwer-
4 Gesetz vom 11. Juni 2002 über das öffentliche Beschaffungswesen (ÖBG; BSG 731.2) 5 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 6 BVR 2000, S. 115 E. 1c.dd mit Geltung auch für das ÖBG; Jäger Christoph, Öffentliches Beschaffungsrecht, in
Müller/Feller (Hrsg.), Bernisches Verwaltungsrecht, 2. Aufl. 2013, S. 863
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deführer «bei Gutheissung der Beschwerde eine realistische Chance hat, mit dem eigenen An-
gebot zum Zuge zu kommen»7. Gefordert ist mit anderen Worten eine «reelle Chance auf den
Zuschlag» im strittigen Beschaffungsverfahren.
Der Beschwerdeführer hat im strittigen Vergabeverfahren mit 654 von 1’000 möglichen Punkten
den vierten – und zweitletzten – Platz erreicht. Der Beschwerdegegner erhielt als Erstplatzierter
781 Punkte. Der Beschwerdeführer weist demnach einen vergleichsweise grossen Abstand
zum Beschwerdegegner auf. Zur Beurteilung der Beschwerdebefugnis ist aber entscheidend,
dass der Beschwerdeführer geltend macht, bei einer korrekten Bewertung seines Angebots
hätte dieses mit 957 Punkten, mindestens jedoch 855 Punkten, bewertet werden müssen. Mit
einer Punktzahl von 855 würde das Angebot des Beschwerdeführers auf dem ersten Platz ran-
gieren und wäre ihm demnach der Zuschlag für das vorliegend strittige Los F «Region F » zu
erteilen. Ob die Rügen des Beschwerdeführers inhaltlich zutreffen, sein Angebot mit anderen
Worten tatsächlich mit mindestens 855 Punkten hätte bewertet werden müssen, ist keine Frage
des Eintretens auf die Beschwerde, sondern eine Frage der materiellen Begründetheit der Be-
schwerde.
Zur Begründung der Beschwerdelegitimation reicht es aus, wenn der Beschwerdeführer sub-
stantiiert darlegt, dass er bei einer Gutheissung der Beschwerde eine reelle Chance auf den
Zuschlag hätte. Diesen Anforderungen genügt die Beschwerde vom 6. Mai 2019. Demzufolge
ist der Beschwerdeführer gemäss Art. 65 Abs. 1 VRPG zur Beschwerdeführung gegen die Zu-
schlagsverfügung vom 24. April 2019 legitimiert.
1.3. Die Beschwerdefrist beträgt zehn Tage (Art. 14 Abs. 1 ÖBG und Art. 15 Abs. 2 IVöB8).
Die angefochtene Verfügung datiert vom 24. April 2019 und ist beim Beschwerdeführer am
26. April 2019 eingegangen.9 Die Beschwerdefrist hat somit am Montag, 6. Mai 2019 geendet
(Art. 41 Abs. 1 VRPG). Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde vom 6. Mai 2019
ist nach dem Geschriebenen einzutreten.
1.4. Die unterzeichnenden Anwälte sind gehörig bevollmächtigt.
1.5. Die Beschwerdeinstanz überprüft die angefochtene Verfügung auf Rechtsverletzungen,
einschliesslich Rechtsfehler bei der Ausübung des Ermessens, und unrichtige oder unvollstän-
dige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes hin; Unangemessenheit kann nicht gel-
tend gemacht werden (Art. 14 Abs. 2 ÖBG und Art. 16 Abs. 1 und 2 IVöB).
7 Peter Galli/André Moser/Elisabeth Lang/Marc Steiner, Praxis des öffentlichen Beschaffungsrechts, 3. Auflage,
Zürich/Basel/Genf 2013, S. 646 8 Interkantonale Vereinbarung vom 25. November 1994 über das öffentliche Beschaffungswesen (IVöB;
BSG 731.2) 9 Vorakten, Register 7
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2. Akteneinsicht
2.1. Der Beschwerdeführer beantragt in der Replik vom 5. Juli 2019 Einsicht in die Nach-
weise zu den Zuschlagskriterien ZK02 – ZK04 im Angebot des Beschwerdegegners sowie in
die Nachweise zum Zuschlagskriterium ZK03 in den Angeboten der D._ und der E._.10
2.2. Das Rechtsamt GEF hat als zuständige Instruktionsbehörde mit Zwischenverfügung
vom 18. Juni 2019 das in der Beschwerde vom 6. Mai 2019 gestellte Gesuch um «umfassende
Akteneinsicht» hinsichtlich der Einsicht in die Offerten der anderen Anbieter abgewiesen. Diese
Zwischenverfügung ist nicht angefochten worden und damit in Rechtskraft erwachsen. Mit dem
Akteneinsichtsbegehren in der Replik vom 5. Juli 2019 hat der Beschwerdeführer zwar nicht
mehr «umfassende» Einsicht in die Akten des Vergabeverfahrens verlangt, sondern in konkret
bezeichnete Dokumente. Dies ändert aber nichts daran, dass es sich dabei um Teile der Offer-
ten der anderen Anbieter handelt. Über die Einsichtnahme in die Offerten der anderen Anbieter
wurde mit Verfügung vom 18. Juni 2019 bereits entschieden. Das Akteneinsichtsbegehren
wurde anschliessend, in der Replik vom 5. Juli 2019, zwar konkretisiert und im Vergleich zur
Beschwerde vom 6. Mai 2019 eingehender begründet, es handelt sich aber nicht um ein Ein-
sichtsbegehren in neue bzw. andere Dokumente. War der Beschwerdeführer mit dem Umfang
der gewährten Akteneinsicht nicht einverstanden, hätte er die Zwischenverfügung vom 18. Juni
2019 anfechten müssen. Ein Grund, die Zwischenverfügung zur Akteneinsicht vom 18. Juni
2019 durch die GEF in Wiedererwägung zu ziehen, besteht nicht und wird vom Beschwerde-
führer auch nicht geltend gemacht.
2.3. Demnach ist auf den in der Replik des Beschwerdeführers vom 5. Juli 2019 gestellten
Antrag auf Einsicht in die Nachweise zu den Zuschlagskriterien ZK02 – ZK04 im Angebot des
Beschwerdegegners sowie in die Nachweise zum Zuschlagskriterium ZK03 in den Angeboten
der D._ und der E._ nicht weiter einzugehen.
2.4. Im Übrigen zeigen gerade die in der Replik vom 5. Juli 2019 angestellten Mutmassungen
des Beschwerdeführers zum Wirkungsmodell des Beschwerdegegners beim Zuschlagskrite-
rium ZK02 «Arbeitsintegration» und der Umstand, dass dieses Modell von der Vorinstanz bes-
ser bewertet wurde als die Dokumentation des Beschwerdeführers, dass es sich beim Inhalt
der Offerte des Beschwerdegegners um unternehmerisches Know-how handelt. Dieses ver-
dient den Schutz als Geschäftsgeheimnis.
10 Replik vom 5. Juli 2019, S. 3
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3. Verletzung von Ausstandspflichten
3.1. Der Beschwerdeführer rügt in der Stellungnahme vom 28. Juni 2019 eine Verletzung
von Ausstandspflichten bei der Evaluation der Angebote durch die Vorinstanz. Bei Frau Inge
Hubacher, Vorsteherin des SOA, habe ein Ausstandsgrund nach Art. 9 Abs. 1 VRPG bestan-
den.
3.2. Die eingegangenen Angebote wurden durch ein Evaluationsteam bewertet, dem insge-
samt sieben Personen angehört haben. Das Evaluationsteam wurde zudem von zwei weiteren
Personen unterstützt. Die Vorsteherin des SOA war unstrittig Teil des Evaluationsteams und
dürfte aufgrund ihrer hierarchischen Stellung und ihres Fachwissens auch massgebenden Ein-
fluss auf die Bewertung der Angebote gehabt haben.
3.3. Wie in allen Verwaltungs- und Verwaltungsjustizverfahren sind auch bei der Vergabe
öffentlicher Aufträge die Ausstandsregeln zu beachten, die in Art. 9 VRPG konkretisiert wer-
den.11 Davon erfasst werden auch die von der Vergabebehörde eingesetzten, oftmals mit Drit-
ten als Sachverständigen besetzten, Evaluationsgremien.12
3.4. Der Beschwerdeführer begründet die Ausstandspflicht der Vorsteherin des SOA im We-
sentlichen damit, dass diese im Vorfeld der Ausschreibung «Regionale Partner im Asyl- und
Flüchtlingsbereich» vom späteren Zuschlagsempfänger zu einem Besuch eingeladen worden
und dieser Einladung auch gefolgt sei.13 Die Vorsteherin des SOA habe sich bei diesem Besuch
«begeistert über das (Integrations-)Angebot des Y._ [Beschwerdegegner] geäussert».14 Es
dränge sich der Verdacht auf, dass Sinn und Zweck der Einladung des Beschwerdegegners
einzig darin bestand, bei der Vorsteherin des SOA mit Blick auf die bekanntermassen in unmit-
telbarer Zukunft anstehende Ausschreibung durch eine gezielte und vorbereitete Präsentation
des Y._ einen möglichst positiven Eindruck zu hinterlassen.15 Indem die Vorsteherin des SOA
nur einen einzigen potentiellen Anbieter besucht habe und sich von diesem seinen Betrieb ein-
lässlich habe zeigen und «anpreisen» lassen, sei gegen die vergaberechtlichen Grundsätze der
Gleichbehandlung und der Transparenz verstossen worden.16 Es bestehe demnach zumindest
der Anschein der Befangenheit im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. f VRPG.
11 Vgl. Art. 11 Bst. d IVöB; BVR 2001 S. 284 E. 3a; Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern Nr.
100.2016.142 vom 20. September 2016, E. 2 12 Vgl. Christoph Jäger, Die Vorbefassung des Anbieters im öffentlichen Beschaffungsrecht, Diss. Bern 2009,
S. 64 f. 13 Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 28. Juni 2019, Rz. 8 14 Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 28. Juni 2019, Rz. 8 15 Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 28. Juni 2019, Rz. 9 16 Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 28. Juni 2019, Rz. 11
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3.5. Die Vorinstanz entgegnet dazu in der Duplik vom 26. Juli 2019, es hätten in Zusammen-
hang mit der Ausschreibung «Regionale Partner im Asyl- und Flüchtlingsbereich» keine Besu-
che der Amtsvorsteherin bei Anbietern stattgefunden.17 Anlässlich des Stellenantritts per 1. Mai
2018 habe die Vorsteherin des SOA einige Leistungspartner – darunter auch den heutigen Be-
schwerdegegner – besucht. Die Behauptung, dass sich die Vorinstanz das fragliche (Integrati-
ons-)Angebot des Beschwerdegegners durch eine gezielte und vorbereitete Präsentation habe
vorstellen lassen, sei aber falsch.18
3.6. Der Beschwerdegegner hält in seiner Duplik vom 25. Juli 2019 fest, die Vorsteherin des
SOA habe dem Y._, Kanton Bern, am 16. August 2018 einen Antrittsbesuch in Zollikofen
abgestattet. Dieser Besuch sei auf Anfrage des SOA zustande gekommen.19 Thema des Besu-
ches seien insbesondere ein Austausch in Bezug auf den laufenden Leistungsvertrag «Flücht-
lingssozialdienst» und «Resettlement» gewesen. Eine bewusste Einflussnahme durch den Be-
schwerdegegner hinsichtlich der anstehenden Ausschreibung «Regionale Partner im Asyl- und
Flüchtlingsbereich», wie dies der Beschwerdeführer suggeriere, sei nicht erfolgt. Vielmehr habe
die Vorsteherin des SOA bei ihrem Besuch am 16. August 2018 von Anfang an klargestellt,
dass die Ausschreibung «Regionale Partner im Asyl- und Flüchtlingsbereich» kein Thema sei.20
3.7. In seinen Schlussbemerkungen vom 13. August 2019 hält der Beschwerdeführer an sei-
nem Vorbringen, mit der Vorsteherin des SOA habe eine ausstandspflichtige Person am Eva-
luationsprozess mitgewirkt, fest. Indem der Beschwerdegegner einräume, dass am 16. August
2018 ein Besuch der Vorsteherin des SOA stattgefunden habe, sei es nunmehr erwiesen, dass
nur vereinzelt potentielle Anbieter der sich damals in Vorbereitung befindenden Ausschreibung
die Gelegenheit erhielten, sich anlässlich eines vorangekündeten und folglich bereits vorberei-
teten Besuchs optimal zu präsentieren. Dies stelle eine Ungleichbehandlung dar und begründe
mindestens den Anschein der Befangenheit.21
Der Beschwerdeführer äussert in seinen Schlussbemerkungen zudem gewisse Zweifel an der
«Objektivität der Beschwerdeinstanz» und der «Effektivität des Rechtsschutzes» ohne aber
diesbezüglich konkrete Anträge zu stellen.22
3.8. Der Beschwerdeführer begründet die Ausstandspflicht der Vorsteherin des SOA mit de-
ren Voreingenommenheit hinsichtlich ihres Besuches beim Beschwerdegegner vom 16. August
2018. Er beruft sich damit auf die weiteren Ausstandsgründe nach Art. 9 Abs. 1 Bst. f VRPG.
Danach tritt eine Person, die eine Verfügung oder einen Entscheid zu treffen oder vorzubereiten
17 Duplik der Vorinstanz vom 26. Juli 2019, S. 2 18 Duplik der Vorinstanz vom 26. Juli 2019, S. 2 19 Duplik des Beschwerdegegners vom 25. Juli 2019, S. 3 20 Duplik des Beschwerdegegners vom 25. Juli 2019, S. 3 21 Schlussbemerkungen des Beschwerdeführers vom 13. Juli 2019, Rz. 6 22 Schlussbemerkungen des Beschwerdeführers vom 13. Juli 2019, Rz. 5
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hat, in den Ausstand, wenn sie aus anderen als den in Art. 9 Abs. 1 Bst. a-e VRPG aufgeführten
Gründen in der Sache befangen sein könnte. Erfasst werden damit alle übrigen Arten von Be-
fangenheit, namentlich Eigeninteressen, Vorbefassungen, enge Beziehungen und Interessen-
bindungen, die keinen Ausstand nach den Bst. a-e begründen, aufgrund der konkreten Um-
stände aber doch auf mangelnde Unparteilichkeit schliessen lassen. Solche Umstände können
entweder in einem bestimmten persönlichen Verhalten oder in gewissen funktionellen und or-
ganisatorischen Gegebenheiten begründet sein.
Bei der Beurteilung, ob ein Ausstandsgrund nach Art. 9 Abs. 1 Bst. f VRPG vorliegt, ist nicht auf
das subjektive Empfinden einer Partei abzustellen; das Misstrauen in die Unvoreingenommen-
heit muss vielmehr in objektiver Weise begründet erscheinen. Ein Ausstandsgrund liegt aber
nicht erst dann vor, wenn ein Behördenmitglied nachweislich befangen ist. Es genügt, wenn
Umstände vorliegen, die objektiv den Anschein der Befangenheit zu begründen vermögen.
Nach der Praxis des Berner Verwaltungsgerichts ist bei der Auslegung von Art. 9 Abs. 1 Bst. f
VRPG auch die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu Art. 29 und 30 BV23 zu berücksichti-
gen.24 Die gemäss Art. 30 BV für unabhängige gerichtliche Behörden geltenden Anforderungen
an die Unabhängigkeit und Unparteilichkeit können indes nicht unbesehen auf nichtrichterliche
Behörden übertragen werden. Den funktionellen und verfahrensrechtlichen Besonderheiten des
konkreten Verwaltungsverfahrens ist stets gebührend Rechnung zu tragen. Gleichwohl vermag
die Rechtsprechung zu Art. 30 BV insofern Orientierungshilfe zu leisten, als sie sich allgemein
auf den Anschein der Voreingenommenheit bezieht.25
3.9. Der Beschwerdeführer sieht einen Ausstandsgrund darin, dass die Vorsteherin des SOA
bei ihrem Besuch des Beschwerdegegners vom 16. August 2018 habe beeinflusst werden kön-
nen bzw. aufgrund dieses Besuches zumindest der Anschein einer Befangenheit entstanden
sei. Der Beschwerdeführer macht jedoch weder geltend, aufgrund der (behaupteten) Präsenta-
tion des (Integrations-)Angebots des Beschwerdegegners habe sich eine engere persönliche
Beziehung ergeben26, noch wird vom Beschwerdeführer behauptet, dass der Besuch vom 16.
August 2018 Einfluss auf die Erarbeitung der Ausschreibungsunterlagen hatte. Im zweiten Fall
würde notabene weniger ein Ausstandsgrund der Vorsteherin des SOA vorliegen, denn viel-
mehr eine Vorbefassung des Beschwerdegegners nach Art. 24 Abs. 1 Bst. a ÖBV, die zu des-
sen Ausschluss führen müsste.
23 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101). 24 Vgl. statt vieler BVR 2015 S. 213 E. 3.1 25 Vgl. etwa BVR 2015 S. 213 E. 3.2, 2011 S. 128 E. 2.2, je mit Hinweisen 26 Zur (fehlenden) Befangenheit aufgrund beruflicher Beziehungen vgl. etwa die Urteile des Bundesgerichts
4D_8/2011 vom 27. April 2011, E. 5.5, 4A_305/2009 vom 5. Oktober 2009, E. 4.3; Alfred Bühler, Die Stellung von
Experten in der Gerichtsverfassung, in SJZ 105/2009 S. 329, 331 f.; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum
bernischen VRPG, 1997, Art. 9 N. 17
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3.10. Der Beschwerdeführer verkennt bei seinen Ausführungen zur angeblichen Ausstands-
pflicht der Vorsteherin des SOA, dass Kontakte zwischen einer Vergabestelle und potentiellen
Anbietern im Vorfeld eines Vergabeverfahrens nicht per se unzulässig sind. So bestehen bei-
spielsweise bei jedem öffentlichen Auftrag, der turnusgemäss ausgeschrieben wird, zwangs-
läufig Kontakte zwischen der Vergabestelle und dem bisherigen Leistungserbringer. Solche
Kontakte vermögen für sich alleine genommen noch keine Ausstandspflicht zu begründen. Ein
Ausstandsgrund würde in diesen Situationen nur vorliegen, wenn konkrete Äusserungen oder
das Verhalten einer am Vergabeverfahren auf Auftraggeberseite beteiligten Person den Ein-
druck erwecken würden, dass diese Person nicht mehr in der Lage ist, die Angebote unabhän-
gig zu bewerten.
3.11. Zwischen der Vorinstanz und dem Beschwerdegegner bestehen seit längerer Zeit in
unterschiedlichen Bereichen Kooperationen. Dass die Vorsteherin des SOA nach ihrem Amts-
antritt im Jahr 2018 den Beschwerdegegner besucht hat, vermag vor diesem Hintergrund noch
keine Ausstandspflicht aufgrund des Anscheins der Befangenheit zu begründen. Selbst dann,
wenn beim Besuch vom 16. August 2018 – was nicht erstellt ist – auch die Ausschreibung
«Regionale Partner im Asyl- und Flüchtlingsbereich» ein Thema gewesen sein sollte, wäre die-
ser Umstand für sich alleine noch nicht geeignet, den Anschein einer Befangenheit im Sinne
von Art. 9 Abs. 1 Bst. f VRPG zu begründen. Dafür, dass der Beschwerdegegner die Vorsteherin
des SOA beim Besuch vom 16. August 2018 durch eine vorbereitete Präsentation seines (In-
tegrations-) Angebots gezielt hinsichtlich der anstehenden Ausschreibung «Regionale Partner
im Asyl- und Flüchtlingsbereich» hat beeinflussen wollen, bestehen im Übrigen keine Belege.
3.12. Per se keinen Einfluss auf die streitgegenständliche Verfügung können die Kontakte der
Vorinstanz mit einzelnen Anbietern nach der Eröffnung des Zuschlags vom 24. April 2019 ge-
habt haben. Es ist – entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers27 – auch nicht ersicht-
lich, inwiefern der Zeitpunkt der Kontaktaufnahme mit dem Beschwerdegegner nach der Zu-
schlagserteilung geeignet sein soll, zusätzliche Zweifel an der Objektivität und Unabhängigkeit
der Vorinstanz aufkommen zu lassen. Nicht zu folgen ist dem Beschwerdeführer schliesslich,
soweit er geltend macht, erst mit der Einsichtnahme in den Evaluationsbericht habe er Kenntnis
davon erhalten, dass die Vorsteherin des SOA am Vergabeverfahren «Regionale Partner im
Asyl- und Flüchtlingsbereich» in wesentlicher Funktion beteiligt war. Indem die angefochtene
Verfügung vom 24. April 2019 von der Vorsteherin des SOA unterzeichnet wurde, war es viel-
mehr offensichtlich, dass diese am Vergabeverfahren beteiligt war.
3.13. Eine mögliche Befangenheit bzw. eine Verletzung der Ausstandspflicht ist bei diesen
Gegebenheiten nicht zu erkennen. Ausstandsgründe im Sinn von Art. 9 Abs. 1 VRPG lagen bei
27 Replik vom 5. Juli 2019, Rz. 19
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der Vorsteherin des SOA nicht vor. Die angefochtene Verfügung erweist sich insoweit als recht-
mässig.
4. Begründung der Zuschlagsverfügung
4.1. Der Beschwerdeführer macht in der Beschwerde vom 6. Mai 201928 geltend, die «nur
summarische Begründung» der Vergabeverfügung sei «unzureichend» und stelle «eine Verlet-
zung der behördlichen Begründungspflicht» dar. Der Beschwerdeführer rügt damit eine Verlet-
zung des Anspruchs auf rechtliches Gehör.
4.2. Der Anspruch auf eine rechtsgenügende Begründung ist als Teilgehalt des rechtlichen
Gehörs formeller Natur. Die Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör führt grundsätz-
lich, ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst, zur Aufhebung des
angefochtenen Entscheids. Nach der Rechtsprechung kann eine nicht besonders schwerwie-
gende Verletzung des rechtlichen Gehörs als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die
Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt
wie die Rechtslage frei überprüfen kann. Die Heilung eines allfälligen Mangels soll aber die
Ausnahme bleiben.29
4.3. Nach Art. 13 Bst. h IVöB besteht in Vergabeverfahren (lediglich) ein Anspruch auf eine
kurze Begründung des Zuschlagsentscheids. Die Begründung muss so ausgestaltet sein, dass
sich unterlegene Anbieter ein Bild über die Tragweite des Entscheides machen können. Das
Verwaltungsgericht Zürich hat im Urteil VB.2003.00268, E. 3, festgehalten, die Vergabestelle
sei bei der Eröffnung des Zuschlages «lediglich zu einer summarischen Begründung» verpflich-
tet. Nicht erforderlich ist namentlich, dass die Vergabestelle in allen Einzelheiten darlegt, wes-
halb die Bewertung eines Kriteriums genau so und nicht einen Punkt besser oder einen Punkt
schlechter erfolgt ist.30
4.4. Die angefochtene Verfügung vom 24. April 2019 enthält unter Ziff. 5 eine Auflistung der
eingereichten Preisangebote, wobei neben dem Beschwerdeführer auch der Zuschlagsemp-
fänger namentlich genannt wird. Unter Ziff. 10 der Zuschlagsverfügung ist die Bewertungsta-
belle abgedruckt, wobei auch hier der Beschwerdeführer und der Zuschlagsempfänger nament-
lich genannt sind. Aus der Bewertungstabelle ist für jedes Zuschlagskriterium ersichtlich, wie
viele Punkte der Beschwerdeführer und der Zuschlagsempfänger erreicht haben. Im Anhang 1
28 Beschwerde vom 6. Mai 2019, S. 4 29 BGE 137 I 195 E. 2.3.2 S. 197, 126 V 130 E. 2b S. 132 30 Vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern Nr. 20316 vom 22. Juni 1998, E. 2c, sowie Adrian Mauer-
hofer, Die Bedeutung des Transparenzgrundsatzes im heutigen Beschaffungsrecht, in: KPG-Bulletin 2002,
S. 57 ff., S. 62
Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern 2019.GEF.746
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zur Zuschlagsverfügung, der für jeden Anbieter individualisiert erstellt wurde, ist die spezifische
Begründung der Bewertung des Angebots des Beschwerdeführers enthalten. Diese Begrün-
dung gilt gemäss Ziff. 11 als Bestandteil der Verfügung. Aus dem Anhang 1 der Zuschlagsver-
fügung sind die wesentlichen Überlegungen der Vergabestelle zur Bewertung des Angebots
des Beschwerdeführers ersichtlich. Der Beschwerdeführer konnte damit ohne weiteres nach-
vollziehen, in welchen Punkten bzw. bei welchen Kriterien sein Angebot weniger gut bewertet
wurde als das Angebot des Beschwerdegegners. Er war damit auch in der Lage, die Verfügung
sachgerecht anzufechten. Dass der Beschwerdeführer die Bewertung seines Angebots durch
die Vorinstanz inhaltlich nicht nachvollziehen kann und der Ansicht ist, dieses sei zu schlecht
bewertet worden, betrifft nicht die Frage nach der hinreichenden Begründungsdichte der ange-
fochtenen Verfügung, sondern die materielle Rechtmässigkeit der angefochtenen Verfügung.
4.5. Die angefochtene Verfügung vom 24. April 2019 genügt nach dem Geschriebenen den
Anforderungen an die Begründung gemäss Art. 13 Bst. h IVöB. Es liegt somit weder eine Ver-
letzung des rechtlichen Gehörs noch der Begründungspflicht vor.
5. Bewertung der Angebote
5.1. Einleitung
5.1.1 Der Beschwerdeführer erachtet die Bewertung seines Angebots in mehrfacher Hinsicht
als rechtsfehlerhaft zu tief. Gerügt werden in diesem Zusammenhang namentlich eine Verlet-
zung des Gleichbehandlungsgebots und des Transparenzgebots sowie eine rechtsfehlerhafte
Ermessensausübung im Sinne von Art. 14 Abs. 2 Bst. a ÖBG.
5.1.2 Vom Beschwerdeführer nicht gerügt werden die Einhaltung der Eignungskriterien und
der Submissionsbedingungen bei den übrigen Angeboten bzw. Anbietern, namentlich beim An-
gebot des Beschwerdegegners. Die Einhaltung der Eignungskriterien und der Submissionsbe-
dingungen beim Angebot des Beschwerdegegners sind somit ausser Streit gestellt.
5.1.3 Strittig ist in materieller Hinsicht die Evaluation des wirtschaftlich günstigsten Angebots
durch die Vorinstanz aufgrund der bekanntgegebenen Zuschlagskriterien. Der Zuschlag ist dem
wirtschaftlich günstigsten Angebot zu erteilen, wobei als solches dasjenige gilt, das die Zu-
schlagskriterien am besten erfüllt (Art. 30 Abs. 1 ÖBV; vgl. auch Art. 13 Abs. 1 Bst. f IVöB). Als
Kriterien zur Ermittlung des wirtschaftlich günstigsten Angebots können neben dem Preis ins-
besondere Qualität, Termine, Ökologie, Wirtschaftlichkeit, Betriebskosten, Kundendienst,
Zweckmässigkeit, technischer Wert, Ästhetik, Kreativität und Infrastruktur berücksichtigt werden
(vgl. Art. 30 Abs. 3 Satz 1 ÖBV). Anhand der auftragsspezifisch ausgewählten und in der Aus-
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schreibung bekannt gegebenen Zuschlagskriterien ermittelt die Vergabebehörde, welches An-
gebot im Vergleich zu den anderen inhaltlich den Anforderungen der Ausschreibung am besten
entspricht. Sie erstellt dazu eine Vergleichstabelle (Art. 25 Abs. 3 ÖBV, sog. Bewertungs- oder
Beurteilungsmatrix)31. Die Angebotsbewertung muss in sachlich haltbarer und nachvollziehba-
rer Weise erfolgen. Die Bewertungsmethode darf nicht zu Ergebnissen führen, welche die in
der Ausschreibung bekannt gegebene Gewichtung der Zuschlagskriterien verwischt oder gar
umkehrt.32 Die Vergabebehörde verfügt bei der Bewertung der Angebote anhand der Zu-
schlagskriterien über einen Beurteilungsspielraum, dessen Handhabung der Rechtskontrolle
durch die Rechtsmittelinstanzen unterliegt, auch wenn diese regelmässig eine gewisse Zurück-
haltung üben.33 Die Verwaltungsjustiz hat bei der Rechtskontrolle des Vergabeentscheides dem
Umstand Rechnung zu tragen, dass die Vergabebehörde – und nicht die Rechtsmittelinstanz –
über das erforderliche Fachwissen verfügt, um die Angebote in qualitativer Hinsicht bewerten
zu können. Das Verwaltungsgericht des Kantons Bern hat denn auch jüngst festgehalten, dass
die Vergabebehörde «aufgrund ihres Fachwissens und ihrer Sachnähe bei der Evaluation der
Angebote über grosse Spielräume verfügt».34 Der Vergabeentscheid muss aber für die Rechts-
mittelbehörde anhand der eingereichten Angebote, der in der Ausschreibung und den Aus-
schreibungsunterlagen vorgegebenen Zuschlagskriterien (inkl. deren Gewichtung und Taxono-
mie) und den Überlegungen der Vorinstanz bei der Evaluation nachvollziehbar sein.
5.1.4 Der Beschwerdeführer macht geltend, sein Angebot sei bei den Zuschlagskriterien ZK02
«Arbeitsintegration», ZK03 «Regionale Vernetzung» und ZK04 «Sprachförderung» rechtsfeh-
lerhaft bewertet worden. Nicht gerügt werden vom Beschwerdeführer die Bewertung des Zu-
schlagskriteriums ZK01 «Preis» und die Bewertung des Zuschlagskriteriums ZK05 «Erfah-
rung». Da deren Bewertung nicht gerügt wird, muss auf die Evaluation der Angebote bei den
Zuschlagskriterien ZK01 und ZK05 nicht weiter eingegangen werden.
Der Beschwerdeführer sieht sein Angebot nicht nur im Vergleich zum Angebot des Beschwer-
degegners, sondern auch im Vergleich zu den Angeboten weiterer Anbieter als rechtsungleich
bewertet.35 Soweit sich die Bewertungen der Angebote des Beschwerdeführers und des Be-
schwerdegegners durch die Vorinstanz als rechtsfehlerfrei erweisen – und namentlich auch im
direkten Vergleich der Gleichbehandlungsgrundsatz eingehalten wurde – kann der Beschwer-
deführer nichts zu seinen Gunsten ableiten, wenn die Angebote der zweit- und der drittrangier-
ten Anbieter rechtsfehlerhaft zu gut bewertet worden wären. Dies könnte zwar allenfalls dazu
31 Galli/Moser/Lang/Steiner, a.a.O., Rz. 878; Christoph Jäger, a.a.O., N. 130 32 Vgl. BVR 2006 S. 327 E. 4e; Christoph Jäger, a.a.O., N. 141; Galli/Moser/Lang/Steiner, a.a.O., Rz. 914 33 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern Nr. 100.2016.142 vom 20. September 2016, E. 6.1.; Urteile
des Bundesgerichts 2C_346/2013 vom 20. Januar 2014, E. 1.3.4, 2D_49/2011 vom 25. September 2012 E. 4.2; je
mit Hinweisen 34 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern Nr. 100.2018.255 vom 20. März 2019, E. 3.1. 35 Replik vom 5. Juli 2019, Rz. 66 ff.
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führen, dass der Beschwerdeführer anstelle von Rang 4 an zweiter oder dritter Stelle rangiert
würde. Nicht überholen könnte der Beschwerdeführer in der Bewertungstabelle diesfalls aber
den erstrangierten Beschwerdegegner. Auf die Angebote der zweit- und drittrangierten Anbieter
bzw. deren Bewertung ist demnach nicht weiter einzugehen. Diese Anbieter sind notabene auch
nicht am vorliegenden Beschwerdeverfahren beteiligt.
5.1.5 Im Folgenden wird somit zu prüfen sein, ob die Bewertung des Angebots des Beschwer-
deführers bzw. konkret der Zuschlagskriterien ZK02 «Arbeitsintegration», ZK03 «Regionale
Vernetzung» und ZK04 «Sprachförderung» durch die Vorinstanz rechtmässig, unter Beachtung
der in der Ausschreibung und den Ausschreibungsunterlagen vorgegebenen Gewichtung der
Kriterien und des vorgegebenen Bewertungsmassstabs, erfolgt ist. Dabei wird insbesondere zu
prüfen sein, ob der Vergabeentscheid anhand des Evaluationsberichts nachvollzogen werden
kann und die Bewertung der einzelnen Kriterien im Vergleich zum Angebot des Beschwerde-
gegners rechtsgleich erfolgt ist.
Vor diesem Hintergrund kommt den vom Beschwerdeführer vorgebrachten Rügen der Verlet-
zung des Gleichbehandlungsgebots und des Transparenzgebots keine selbständige Bedeu-
tung zu. Diese (elementaren) Grundsätze des Vergaberechts sind vielmehr im Rahmen der
Bewertung der Angebote des Beschwerdeführers und des Beschwerdegegners bei den Zu-
schlagskriterien zu beachten.
5.2. Zuschlagskriterien und Taxonomie
5.2.1 In der Ausschreibung und den Ausschreibungsunterlagen wurden insgesamt fünf Zu-
schlagskriterien und deren prozentuale Gewichtung vorgegeben (ZK01 «Preis»: 35%, ZK02
«Arbeitsintegration»: 30%, ZK03 «Regionale Vernetzung»: 15%, ZK04 «Sprachförderung»:
15%, ZK05 «Erfahrung»: 5%). Für die Bewertung der qualitativen Zuschlagskriterien ZK02 bis
ZK05 wurden drei unterschiedliche «Bewertungstypen» festgelegt, wobei der Bewertungstyp 3
einzig für das vorliegend nicht strittige Zuschlagskriterium ZK05 «Erfahrung» zu Anwendung
gelangt ist.
5.2.2 Das Zuschlagskriterium ZK02 «Arbeitsintegration» wird in den Ausschreibungsunterla-
gen (Anhang 3: Formular Zuschlagskriterien) wie folgt näher umschrieben: «Der Anbieter wird
Aktivitäten durchführen, mit denen Ziele der Berufsbildung und der Erwerbstätigkeit sowie der
finanziellen Selbständigkeit gemäss den Ausschreibungsunterlagen und der IAS erreicht wer-
den.» An die Form des Nachweises werden in den Ausschreibungsunterlagen die folgenden
Anforderungen gestellt:
«Der Nachweis des Anbieters soll es der ausschreibenden Stelle ermöglichen, zu bewerten, ob
mit den vorgesehenen Aktivitäten die gesetzten Ziele erreicht werden. Dazu ist eine schriftliche
Dokumentation mit maximal 10 A4-Seiten im Sinne eines Wirkungsmodells einzureichen. Aus
Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern 2019.GEF.746
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diesem Wirkungsmodell sind die geplanten Aktivitäten von der Situationsanalyse (inkl. Ressour-
cenabschätzung) über den Integrationsplan bis zu den Massnahmen und ihr erwarteter Beitrag
zur Zielerreichung ersichtlich.
In der Bewertung werden insbesondere die folgenden Punkte positiv bewertet:
- Dem Wirkungsmodell zugrundeliegende Annahmen und Schlussfolgerungen sind klar und
nachvollziehbar dargelegt.
- Innovative Ideen und Ansätze: Da die gesetzten Ziele über die aktuell im Kanton Bern er-
reichten Werte hinausgehen, soll bewusst auch neuartigen Ansätzen eine Chance gegeben
werden. Dabei sind die erwarteten kausalen Zusammenhänge zu beschreiben und allenfalls
auch die Änderungen gegenüber aktuell im Kanton Bern oder andernorts bestehenden Aktivi-
täten explizit aufzuzeigen.
- Die Kosten und Finanzierung der Aktivitäten sind nachvollziehbar und konsistent mit den An-
gaben im Preisblatt sowie im Finanzierungskonzept gemäss Eignungskriterium EK04.
- Ansätze, die zu Empowerment der VA und FL führen und deren Eigenverantwortlichkeit för-
dern.
- Die Vorgaben respektive Stossrichtungen der Integrationsagenda Schweiz und der Detail-
konzeption Neustrukturierung Asyl- und Flüchtlingsbereich im Kanton Bern werden klar umge-
setzt.
- Es wird aufgezeigt, dass die Wirksamkeit der Aktivitäten und die Zielerreichung durch den
regionalen Partner regelmässig überprüft und bei Bedarf entsprechende Massnahmen umge-
setzt werden.»
5.2.3 In den Ausschreibungsunterlagen (Anhang 3: Formular Zuschlagskriterien) wird zur Be-
wertung des Zuschlagskriteriums ZK03 «Regionale Vernetzung» ausgeführt: «Der regionale
Partner stellt eine gute Vernetzung in der Region sicher und erreicht dadurch die folgenden drei
Ziele: [1.] Akquirierung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen in Unternehmen, [2.] Freiwilligen-
arbeit, [3.] Gutes Einvernehmen mit Behörden insbesondere in Bezug auf Unterbringung.» Der
Nachweis, dass bzw. wie diese drei Ziele erreicht werden, ist gemäss den Ausschreibungsun-
terlagen wie folgt zu erbringen: «Schriftliche Dokumentation auf maximal 5 A4-Seiten, wie der
regionale Partner die regionale Vernetzung sicherstellen und die drei Ziele erreichen wird. Die
Dokumentation soll insbesondere die folgenden Inhalte aufzeigen: [1.] Geplante Massnahmen
zur regionalen Vernetzung mit den verschiedenen Partnern, insbesondere mit den Unterneh-
men des ersten Arbeitsmarkts und den Gemeinden, [2.] Nachweise, dass bereits eine Vernet-
zung in der Region besteht».
5.2.4 Das Zuschlagskriterium ZK04 «Sprachförderung» wird in den Ausschreibungsunterla-
gen (Anhang 3: Formular Zuschlagskriterien) wie folgt näher umschrieben: «Der Anbieter wird
Aktivitäten durchführen, mit denen Ziele der Sprachförderung gemäss den Ausschreibungsun-
terlagen und der Integrationsagenda erreicht werden.» An die Form des Nachweises werden in
den Ausschreibungsunterlagen die folgenden Anforderungen gestellt:
Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern 2019.GEF.746
Seite 16 von 43
«Der Nachweis des Anbieters soll es der ausschreibenden Stelle ermöglichen, zu bewerten, ob
mit den vorgesehenen Aktivitäten die gesetzten Ziele erreicht werden. Dazu ist eine schriftliche
Dokumentation mit maximal 5 A4-Seiten im Sinne eines Wirkungsmodells einzureichen, in dem
die geplanten Aktivitäten und ihr erwarteter Beitrag zur Zielerreichung ersichtlich sind. In der
Bewertung werden insbesondere die folgenden Punkte positiv gewichtet:
- Dem Wirkungsmodell zugrundeliegende Annahmen und Schlussfolgerungen sind klar und
nachvollziehbar dargelegt.
- Die Kosten und Finanzierung der Aktivitäten sind nachvollziehbar und konsistent mit den An-
gaben im Preisblatt sowie im Finanzierungskonzept gemäss Eignungskriterium EK04.
- Die vorgesehenen Aktivitäten sollen die individuellen Lernvoraussetzungen berücksichtigen.
- Die vorgesehenen Aktivitäten stellen ein variationsreiches didaktisches Setting sicher.
- Die Massnahmen differenzieren bedürfnisorientiert nach den Zielgruppen (Asylsuchende,
VA, FL, und Kinder im Vorschulalter).»
5.2.5 Für die Bewertung der Zuschlagskriterien ZK02 «Arbeitsintegration» und ZK04 «Sprach-
förderung» wurde der folgende Bewertungstypus vorgegeben:
Bewertungstyp B1
Bewertung Beschreibung Anteil von max. Punktzahl
0 Aufgrund der Dokumentation des Anbieters ist nicht plausibel und nachvollziehbar, wie die
Ziele des Kriteriums erreicht werden sollen und es bestehen erhebliche Zweifel, dass die Ziele
erreicht werden können / Es fehlen substantielle Angaben.
Hinweis: Wenn ein Kriterium mit «0» bewertet wird, so kann das Angebot den minimalen An-
sprüchen an die offerierten Leistungen nicht genügen und keinen Zuschlag erhalten.
0 %
1 Aufgrund der Dokumentation des Anbieters ist nur knapp plausibel und nachvollziehbar, wie
die Ziele des Kriteriums erreicht werden sollen und es bestehen Zweifel, ob die Ziele erreicht
werden können / Es fehlen Angaben, sie sind rudimentär, widersprüchlich oder unverständlich
/ Mehrere Annahmen sind nicht oder nur teilweise nachvollziehbar.
33 %
2 Aufgrund der Dokumentation des Anbieters ist es plausibel und nachvollziehbar, dass die Ziele
des Kriteriums erreicht werden können / Getroffene Annahmen sind mehrheitlich plausibel und
nachvollziehbar.
66 %
3 Aufgrund der Dokumentation des Anbieters ist es äusserst plausibel und nachvollziehbar, dass
die Ziele des Kriteriums erreicht werden / Getroffene Annahmen sind durchwegs plausibel und
nachvollziehbar.
100%
Für die Bewertung des Zuschlagskriteriums ZK03 «Regionale Vernetzung» wurde der folgende
Bewertungstypus vorgegeben:
Bewertungstyp B2
Bewertung Beschreibung Anteil von max. Punktzahl
0 Aufgrund der dokumentierten Massnahmen und Nachweise ist es nicht plausibel und nach-
vollziehbar, dass eines der drei Ziele zu einem hohen Grad erreicht wird.
0 %
1 Aufgrund der dokumentierten Massnahmen und Nachweise ist es plausibel und nachvollzieh-
bar, dass eines der drei Ziele zu einem hohen Grad erreicht wird.
33 %
Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern 2019.GEF.746
Seite 17 von 43
2 Aufgrund der dokumentierten Massnahmen und Nachweise ist es plausibel und nachvollzieh-
bar, dass zwei der drei Ziele zu einem hohen Grad erreicht werden.
66 %
3 Aufgrund der dokumentierten Massnahmen und Nachweise ist es plausibel und nachvollzieh-
bar, dass alle drei Ziele zu einem hohen Grad erreicht werden.
100%
5.2.6 Der Beschwerdeführer rügt in seiner Replik vom 5. Juli 2019 die «sehr rudimentäre Be-
wertungsskala»36. Eine «derart grobe Skala» gewährleiste im Vergleich zu einer linearen oder
zumindest feiner abgestuften Skala im konkreten Fall nicht, dass die Benotung die «tatsächli-
chen Wertunterschiede» genau wiederspiegelt. Im Gegenteil könnten geringfügige Unter-
schiede in der Bewertung gleich zu einem Verlust von einem Drittel der möglichen Punkte füh-
ren, was eine stark disproportionale Benotung bewirke.
5.2.7 Dem Beschwerdeführer ist beizupflichten, dass die im vorliegend strittigen Vergabever-
fahren für die qualitativen Zuschlagskriterien ZK02 bis ZK04 vorgegebene Taxonomie mit ledig-
lich vier Bewertungsstufen – wobei die Bewertung mit 0 bei den Zuschlagskriterien ZK02 und
ZK04 zum Ausschluss aus dem Vergabeverfahren geführt hätte, womit de facto nur drei Be-
wertungsstufen für die zur Evaluation zugelassenen Angebote verbleiben – vergleichsweise
«grob» erscheint und tatsächlich dazu führen kann, dass bei nuanciert unterschiedlichen Be-
wertungen im Grenzbereich der Bewertungsstufen erhebliche Unterschiede bei der Punkte-
vergabe resultieren. Namentlich beim mit 30% gewichteten Zuschlagskriterium ZK02 «Arbeits-
integration» führt die Zuweisung zur Bewertungsstufe 1 oder 2 (die Bewertungsstufe 3 wurde
von keinem Anbieter erreicht) zu einem Unterschied von 99 Punkten, was 10% der insgesamt
zu erreichenden Punkte entspricht. Bei diesem Bewertungssystem besteht, wie der Beschwer-
deführer ausführt, tatsächlich das Risiko einer disproportionalen Bewertung bei geringen Un-
terschieden an der Grenze der Bewertungsstufen.
5.2.8 Das Bewertungssystem – die Taxonomie – wurde aber in den Ausschreibungsunterla-
gen, zusammen mit den Zuschlagskriterien, deren Gewichtung und der Umschreibung der An-
forderungen, bekanntgegeben. Es musste demnach allen Anbietern bewusst sein, dass eine
«grobe» Skala mit nur vier Bewertungsstufen zur Anwendung gelangt. Wäre der Beschwerde-
führer der Auffassung gewesen, das Bewertungssystem sei für sich genommen widerrechtlich
– weil es zu disproportionalen Ergebnissen führen kann – hätte er dies im Rahmen der Anfech-
tung der Ausschreibungsunterlagen vorbringen müssen.37 Im vorliegenden Verfahren, da der
Zuschlag angefochten wird, ist diese Rüge verwirkt.
Ob ein Bewertungssystem mit lediglich vier Bewertungsstufen (wobei eine Stufe zum Aus-
schluss aus dem Vergabeverfahren führt) noch rechtmässig erscheint oder aufgrund der Gefahr
36 Replik vom 5. Juli 2019, Rz. 43. 37 Urteil des Bundesgerichts 2P.222/1999 vom 2. März 2000, E. 3a; BVR 2006 S. 504 E. 4.3; Robert Wolf, Die Be-
schwerde gegen Vergabeentscheide – Eine Übersicht über die Rechtsprechung zu den neuen Rechtsmitteln, in
ZBl 2003 S. 1 ff., 5 f.
Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern 2019.GEF.746
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disproportionaler Ergebnisse zu als wenig differenziert bezeichnet werden muss, kann vor die-
sem Hintergrund vorliegend offenbleiben. Es sei aber festgehalten, dass bei qualitativen Zu-
schlagskriterien, die anhand einer mit Worten umschriebenen Skala bewertet werden, zwangs-
läufig Abstufungen erfolgen müssen. Anders als beim Zuschlagskriterium Preis ist eine durch-
wegs lineare (stufenlose) Bewertung bei diesen Kriterien ausgeschlossen bzw. würde eine sol-
che Bewertung eine Exaktheit vortäuschen, die bei einer mit Worten umschriebenen Skala gar
nicht bestehen kann.
5.3. Bewertung im Überblick
Die Vorinstanz bewertete die Angebote des Beschwerdeführers und des Beschwerdegegners
wie folgt:38
Anbieter Beschwerdeführer Beschwerdegegner
Zuschlagskriterien Bewertungs-
stufe Punkte
Bewertungs-
stufe Punkte
ZK01 Preis 307 233
ZK02 Arbeitsintegration 1 99 2 198
ZK03 Regionale Vernetzung 2 99 3 150
ZK04 Sprachförderung 2 99 3 150
ZK05 Erfahrung 3 50 3 50
Total max. 1000 Punkte 654 781
Das Angebot des Beschwerdeführers wurde damit bei allen gerügten Zuschlagskriterien um
eine Stufe tiefer bewertet als das Angebot des Beschwerdegegners.
5.4. Bewertung des Zuschlagskriteriums ZK02 «Arbeitsintegration»
5.4.1 Bewertung und Begründung durch die Vorinstanz
Zur Bewertung des Angebots des Beschwerdeführers beim Zuschlagskriterium ZK02 «Arbeits-
integration» mit der Bewertungsstufe 1 (33% der möglichen Punkte) ist dem Anhang 1 zur an-
gefochtenen Verfügung vom 24. April 2019, der wörtlich den Ausführungen im Evaluationsbe-
richt vom 3. April 2019 entspricht, das Folgende zu entnehmen:
«Basierend auf der Dokumentation bestehen Zweifel, ob die Ziele gemäss den Ausschreibungs-
unterlagen (ASU) und der Integrationsagenda Schweiz (IAS) erreicht werden können.
Insbesondere liegt der Fokus der dokumentierten Tätigkeiten wenig auf der effektiven Integra-
tion in den ersten Arbeitsmarkt, sondern vor allem auf diversen vorgelagerten Unterstützungs-
bzw. Beschäftigungsmassnahmen. Zudem wird kaum aufgezeigt, wie die Eigenverantwortung
38 Evaluationsbericht vom 3. April 2019, S. 22.
Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern 2019.GEF.746
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der vorläufig Aufgenommenen und Flüchtlinge gefördert wird und wie dadurch ein Empower-
ment dieser Personen erreicht wird. Damit ist die Dokumentation nur zum Teil zur Detailkon-
zeption NA-BE kohärent. Es wird ausserdem wenig konkret und wenig detailliert dokumentiert,
wie die erfolgreiche Vermittlung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen erreicht werden soll.»
5.4.2 Vorbringen der Parteien
5.4.2.1 Der Beschwerdeführer bringt in seiner Beschwerde vom 6. Mai 2019 vor, es müsse
davon ausgegangen werden, dass Referenzierungen in seinem Angebot auf andere Textpas-
sagen und Dokumente bei der Bewertung des Angebots nicht berücksichtigt wurden. Dies wi-
derspreche den Bestimmungen der Ausschreibung. Eine solche Vorgehensweise sei nicht zu
erwarten gewesen und verunmögliche eine umfassende und korrekte Beurteilung der Doku-
mentation zum ZK02. Zudem widerspreche dieses Vorgehen dem ganzheitlichen Charakter
seines Modells.
Die Schlussfolgerung der Vorinstanz, wonach aufgrund der Dokumentation des Beschwerde-
führers zum Zuschlagskriterium ZK02 Zweifel bestünden, ob die Ziele betreffend Arbeitsintegra-
tion gemäss den Ausschreibungsunterlagen und der Integrationsagenda Schweiz erreicht wer-
den können, sei nicht nachvollziehbar und unbegründet. Die Dokumentation des Beschwerde-
führers zum ZK02 zeige klar auf, wie die Ausbildungs- und die Arbeitsmarktfähigkeit individuell
gefördert werden sollen und damit die Wahrscheinlichkeit einer Eingliederung in den ersten
Arbeitsmarkt erhöht wird. Im Weiteren zeige die Dokumentation des Beschwerdeführers klar
auf, dass sofort ab Eintritt in die Strukturen des Beschwerdeführers sowohl vielfältige Integrati-
onsmassnahmen umgesetzt würden als auch eine durchgehende Fallführung bestehe. Unter
Ziff. 1 ABR-Integrationsprozess der Dokumentation zum ZK02 werde in Abb. 1 der geplante
Integrationsprozess differenziert und klar nachvollziehbar graphisch dargestellt. Unter Ziff. 3
Aufbau Wirkungsmodell werde in Abb. 2 das Wirkungsmodell differenziert, klar und nachvoll-
ziehbar graphisch dargestellt. Es handle sich um ein ganzheitliches Modell, in welchem das
Zusammenwirken der einzelnen Teile massgebend sei für die erfolgreiche Integration in den
ersten Arbeitsmarkt. In der Dokumentation sei wegen dieser Ganzheitlichkeit immer wieder mit-
tels Fussnoten und Querverweisen im Text auf ausführlichere Beschreibungen von Massnah-
men in weiteren eingereichten Dokumentationen zu den Zuschlagskriterien und den Techni-
schen Spezifikationen verwiesen. Es sei davon auszugehen, dass diese Querverweise bei der
Bewertung nicht oder nicht hinreichend berücksichtigt wurden.
Auch die Erwägung der Vorinstanz im Anhang 1 der angefochtenen Verfügung, wonach der
Fokus der dokumentierten Tätigkeiten weniger auf der effektiven Integration in den ersten Ar-
beitsmarkt, sondern vor allem auf diversen vorgelagerten Unterstützungs- bzw. Beschäftigungs-
Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern 2019.GEF.746
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massnahmen liege, sei, so der Beschwerdeführer weiter, nicht nachvollziehbar. Im Gesamtkon-
zept des Beschwerdeführers werde detailliert beschrieben, wie die Ausbildungs- und Arbeits-
marktfähigkeit der vorläufig Aufgenommenen und der Flüchtlinge gefördert werde. Dies sei ein
zentrales Konzept der Integrationsagenda Schweiz. Entsprechend beinhalte das Konzept des
Beschwerdeführers diverse vorgelagerte Unterstützungs- und Beschäftigungsmassnahmen,
deren Zweck es gerade sei, die Arbeitsmarktfähigkeit und Ausbildungsfähigkeit zu fördern. Die
Aussage, dass der Fokus der dokumentierten Tätigkeiten wenig auf der effektiven Integration
in den ersten Arbeitsmarkt liege, komme einer rechtsfehlerhaften Sachverhaltswürdigung
gleich. Aus den Abbildungen und dem Fliesstext des Angebots würden ebenso klar die auf die
effektive Integration in den ersten Arbeitsmarkt gerichteten Tätigkeiten und die diesen zuge-
messene grosse Bedeutung ersichtlich. Das Konzept des Beschwerdeführers sei mit dem ak-
tuell in der Schweiz geltenden Integrationsverständnis und insbesondere mit der Integrationsa-
genda Schweiz IAS kongruent.
Im Weiteren erachtet der Beschwerdeführer die Aussage im Anhang 1 zur angefochtenen Ver-
fügung, es werde kaum aufgezeigt, wie die Eigenverantwortung der vorläufig Aufgenommenen
und Flüchtlinge gefördert wird und dadurch ein Empowerment dieser Personen erreicht wird,
als unbegründet. In der Dokumentation zum Zuschlagskriterium ZK02 werde klar aufgezeigt,
wie Motivation, Eigenverantwortung etc. im Rahmen der Fallführung durch Gespräche, Verein-
barungen etc. gefördert werden. Es werde auch auf die Verknüpfung von aktiver Grundhaltung
und Sozialhilfe verwiesen. Im ganzheitlichen Konzept des Beschwerdeführers beginne «die Ei-
genverantwortung der KlientInnen sofort ab Eintritt in die Strukturen von ABR und zieht sich als
roter Faden durch».
Vor diesem Hintergrund sei, so der Beschwerdeführer weiter, sein Gesamtkonzept «absolut
kohärent [...] zur Detailkonzeption NA-BE».
Schliesslich bringt der Beschwerdeführer in der Beschwerde vom 6. Mai 2019 vor, auch die
Erwägung der Vorinstanz, wonach nur wenig konkret und detailliert dokumentiert werde, wie
die erfolgreiche Vermittlung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen erreicht werden solle, sei nicht
nachvollziehbar. Zum einen sei dieser Aspekt im Formular 3 Zuschlagskriterien unter Form des
Nachweises nicht als «positiv gewichteter Punkt» aufgeführt, weshalb nicht nachvollziehbar sei,
warum er sodann trotzdem als wesentlicher Grund für einen Punkteabzug berücksichtigt wurde.
Zum andern seien die in der Dokumentation gemachten Erläuterungen bei pflichtgemässem
Ermessen als ausreichend konkret und detailliert zu bezeichnen.
Der Beschwerdeführer schliesst aus diesen Überlegungen, dass sein Angebot beim Zuschlags-
kriterium ZK02 mit 300 Punkten, mindestens aber mit 198 Punkten hätte bewertet werden müs-
sen.
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5.4.2.2 Die Vorinstanz hält in ihrer Beschwerdevernehmlassung vom 23. Mai 2019 an ihrer
Bewertung des Zuschlagskriteriums ZK02 fest. Die Rügen des Beschwerdeführers erachtet die
Vorinstanz als unbegründet. Soweit der Beschwerdeführer in seinem Angebot exakt auf rele-
vante Textabschnitte in den eingereichten Unterlagen verwiesen habe, seien diese Referenzie-
rungen bzw. die entsprechenden Textabschnitte, auf welche verwiesen wurde, bei der Ange-
botsbewertung berücksichtigt worden. Allgemeine Referenzierungen auf ganze Kapitel, Tech-
nische Spezifikationen oder Zuschlagskriterien seien hingegen nicht berücksichtigt worden. Zu-
dem hätten alle Mitglieder des Evaluationsteams sämtliche Angebote und nicht nur einzelne
Zuschlagskriterien bewertet. Dieses Vorgehen habe es den Mitgliedern des Evaluationsteams
erlaubt, jedes Angebot in seiner Gesamtheit zu erfassen und eine fundierte Bewertung der ein-
zelnen Zuschlagskriterien vorzunehmen. Demgemäss habe jedes Mitglied des Evaluations-
teams das Modell des Beschwerdeführers im Gesamten erfassen, verstehen und entsprechend
bewerten können.
Konkret zu den Rügen des Beschwerdeführers hinsichtlich der angeblich fehlerhaften Bewer-
tung seines Angebots beim Zuschlagskriterium ZK02 führt die Vorinstanz aus, der Beschwer-
deführer beschreibe in seinem Angebot zwar Massnahmen, die er für die Asylsuchenden, vor-
läufig Aufgenommenen und Flüchtlinge vorsieht. Der erwartete Beitrag zur Zielerreichung, der
im ZK02 explizit verlangt werde, sei aber nicht beschrieben. Den Ausführungen des Beschwer-
deführers sei nicht zu entnehmen, wie eine effektive Integration in den ersten Arbeitsmarkt er-
folgen soll und es werde wenig konkret aufgezeigt, welche Nachfolgeaktivitäten zur Vermittlung
in den ersten Arbeitsmarkt aus den einzelnen Massnahmen erfolgen sollen. Der Beschwerde-
führer wiederhole in seiner Offerte zuweilen schlicht das von der Vergabestelle Geforderte,
ohne darzulegen, wie die Ziele erreicht werden sollen. Wenn der Beschwerdeführer in seinem
Angebot bloss Leistungen nenne, die ohnehin verpflichtend zu tun sind, habe die Vorinstanz
dafür keine Punkte vergeben können. Die Vorinstanz setzt sich im Weiteren mit einzelnen Ka-
piteln des Angebots des Beschwerdeführers auseinander und legt dar, weshalb die dokumen-
tierten Tätigkeiten ihres Erachtens weniger auf der effektiven Integration in den ersten Arbeits-
markt, sondern vor allem auf diversen vorgelagerten Unterstützungs- bzw. Beschäftigungs-
massnahmen fokussieren.
Hinsichtlich der gerügten Bewertung des Angebots des Beschwerdeführers betreffend die As-
pekte «Eigenverantwortung» und «Empowerment» hält die Vorinstanz u.a. fest, dass die vom
Beschwerdeführer in seinem Angebot beschriebene Integrationsplanung eine verpflichtende
Vorgabe und eine verpflichtende Zielsetzung gemäss den Ausschreibungsunterlagen und der
Integrationsagenda Schweiz sei, für deren Einhaltung keine zusätzlichen Punkte vergeben wer-
den konnten. Die einzelnen Massnahmen und deren Beitrag zur Zielerreichung würden zudem
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nicht zielgruppenspezifisch erläutert. Der Beschwerdeführer nehme keine Binnendifferenzie-
rung vor, d.h. er beschreibe keine didaktischen, methodischen und organisatorischen Mass-
nahmen, um innerhalb einer Zielgruppe unterschiedliche Lernende individuell zu fördern.
Schliesslich bringt die Vorinstanz in ihrer Beschwerdevernehmlassung zur Bewertung des Zu-
schlagskriteriums ZK02 vor, die Auflistung der Bewertungsaspekte in den Ausschreibungsun-
terlagen sei nicht abschliessend gewesen. Die Vorinstanz habe deshalb berücksichtigen dürfen,
dass im Angebot des Beschwerdeführers nur wenig konkret und wenig detailliert dokumentiert
werde, wie die erfolgreiche Vermittlung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen erreicht werden
soll.
5.4.2.3 In der Replik vom 5. Juli 2019 hält der Beschwerdeführer an seinen Rügen zur Bewer-
tung des Zuschlagskriteriums ZK02 «Arbeitsintegration», namentlich auch an der Rüge, Refe-
renzierungen im Angebot auf andere Dokumente seien rechtsfehlerhaft nicht berücksichtigt
worden, fest.
Bezogen auf den fehlenden Fokus auf die Integration in den ersten Arbeitsmarkt führt er aus,
die Vorinstanz lasse «offensichtlich unberücksichtigt», dass eine Integration in den ersten Ar-
beitsmarkt ohne vorgelagerte Unterstützungs- und Beschäftigungsmassnahmen nicht möglich
sei. Auch ein noch so ausgeklügeltes Konzept zur Vermittlung von Ausbildungs- und Arbeits-
plätzen sei wirkungslos, wenn bei den zu vermittelnden Personen nicht vorgängig die notwen-
digen Schlüsselkompetenzen mittels vorgelagerten Massnahmen geschaffen werden. Der Be-
schwerdeführer zeige in seinem Angebot eingehend auf, dass der «ABR-Integrationsprozess»
vom ersten Moment an die rasche Förderung der zur Ausbildungs- oder Arbeitsvermittlung not-
wendigen Kompetenzen gewährleiste.
Weiter bringt der Beschwerdeführer vor, im Angebot sei eingehend dargelegt, wie durch eine
individuelle Situationsanalyse und Ressourcenabschätzung, eine Potenzialabklärung, einem
Kurzassessment und einer Kompetenzerfassung sowie einem Praxisassessment ein individu-
alisiertes Integrationsprogramm festgelegt werde. Diese konkreten Massnahmen würden alle
individuell angepasst auf die einzelnen vorläufig Aufgenommenen und Flüchtlinge erfolgen und
weiter gehen als eine blosse Binnendifferenzierung innerhalb einer Zielgruppe. Auf diese Weise
würden unterschiedliche Lernende individuell gefördert, was zu einer Steigerung der Eigenver-
antwortung und des Empowerments führe.
Neu macht der Beschwerdeführer in der Replik vom 5. Juli 2019 geltend, da sein Angebot beim
ZK02 aus einer Liste mit sechs positiv gewichteten Punkten nur bei zwei Punkten kritisiert wor-
den sei, sei es nicht nachvollziehbar, weshalb sein Angebot nur mit 33% der möglichen Punkte
Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern 2019.GEF.746
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bewertet wurde.39 Der Beschwerdeführer sieht darin eine rechtsungleiche Behandlung zum Be-
schwerdegegner, der bei ebenfalls zwei im Evaluationsbericht bemängelten Punkten beim
ZK02 im Ergebnis doppelt so gut bewertet worden sei wie er.
Der Beschwerdeführer ist zudem der Ansicht, beim Konzept des Beschwerdegegners zur Ar-
beitsintegration bestünden «mehr als nur Zweifel, ob das Konzept [...] die vorgegebenen Ziele
erreichen kann»40. Gestützt auf die aktuell geltende und damit massgebliche Rechtslage könne
nicht davon ausgegangen werden, dass ein Teillohnmodell umgesetzt werden kann. Bei einer
rechtsgleichen Bewertung der beiden Angebote hätte deshalb – nach Ansicht des Beschwer-
deführers – sein Angebot selbst bei Vorliegen von (bestrittenen) Zweifeln an der Zielerreichung
mindestens gleich gut wie das Angebot des Beschwerdegegners bewertet werden müssen.
Schliesslich rügt der Beschwerdeführer, indem bei der Bewertung des ZK02 berücksichtigt wor-
den sei, dass in seinem Angebot wenig konkret und wenig detailliert dokumentiert ist, wie die
erfolgreiche Vermittlung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen erreicht werden soll, sei eine un-
zulässige Doppelgewichtung dieser Anforderung erfolgt. Die konkrete Vermittlung von Ausbil-
dungs- und Arbeitsplätzen werde nämlich als Anforderung ausdrücklich beim Zuschlagskrite-
rium ZK03 «Regionale Vernetzung» erwähnt, womit dieser Aspekt beim ZK02 nicht auch habe
Berücksichtigung finden dürfen.
5.4.2.4 Der Beschwerdegegner führt in seiner Duplik vom 25. Juli 2019 u.a. aus, das Teillohn-
modell stelle zwar ein wichtiges Element in seinem Wirkungsmodell dar. Es handle sich jedoch
um eine Massnahme unter weiteren mit einer genau spezifizierten Zielgruppe. Im Wirkungsmo-
dell seien unterschiedliche Massnahmen verankert und in den Ausführungen dazu bezüglich
Annahmen und Wirkungen dargestellt. Da der Beschwerdegegner ein umfassendes Wirkungs-
modell mit unterschiedlichen Massnahmen vorgestellt habe, bleibe die Behauptung des Be-
schwerdeführers, der Beschwerdegegner habe keinen Plan B, als leere Unterstellung im Raum.
Ausserdem habe der Beschwerdegegner bezüglich des Elements «Teillohnmodell» klar aufge-
zeigt, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen hierfür im Kanton Bern erst noch zu schaffen
seien. Damit sei das Teillohnmodell in einem realistischen Umfeld dargestellt worden.
5.4.2.5 Die Vorinstanz hält in ihrer Duplik vom 26. Juli 2019 an der Bewertung des Zuschlags-
kriteriums ZK02 «Arbeitsintegration» und den in der Beschwerdevernehmlassung gemachten
Ausführungen fest. Es genüge nicht, Massnahmen-Inhalte aneinander zu reihen. In den Aus-
schreibungsunterlagen sei ausdrücklich verlangt worden, dass der von den Massnahmen zu
erwartende Beitrag zur Zielerreichung ersichtlich wird. Die verlangte klare Ausrichtung auf die
39 Replik vom 5. Juli 2019, Rz. 47 40 Replik vom 5. Juli 2019, Rz. 54
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Integration in den ersten Arbeitsmarkt fehle im Angebot des Beschwerdeführers. Auch die Ver-
weise des Beschwerdeführers auf das Leistungsprofil seines Subunternehmers ändere nichts
an der vorinstanzlichen Bewertung, dass der Fokus des Beschwerdeführers zu stark auf vorge-
lagerten Massnahmen liege und zu wenig auf der (diesen nachgelagerten) effektiven Vermitt-
lung in den ersten Arbeitsmarkt.
Zum Vorbringen der unzulässigen Doppelgewichtung führt die Vorinstanz aus, im fraglichen
ZK02 gehe es darum, eine erfolgreiche und auf die «Ziele gemäss Detailkonzeption NA-BE,
IAS und ASU» ausgerichtete Arbeitsintegration zu gestalten und aufzuzeigen, wie die notwen-
digen Schlüsselkompetenzen rasch erreicht werden und eine effektive Vermittlung zu den ak-
quirierten Ausbildungs- und Arbeitsplätzen im ersten Arbeitsmarkt erfolgt. Demgegenüber sei
es im ZK03 darum gegangen, durch eine gute regionale Vernetzung dafür zu sorgen, dass
überhaupt Ausbildungs- und Arbeitsplätze für vorläufig Aufgenommene und Flüchtlinge ange-
boten werden.
Schliesslich widerspricht die Vorinstanz der vom Beschwerdeführer geäusserten Kritik am An-
gebot des Beschwerdegegners. Der Beschwerdegegner lege in seiner Offerte einen klaren
Schwerpunkt auf Vermittlungstätigkeiten in den ersten Arbeitsmarkt. Er zeige konkrete Mass-
nahmen der Direktvermittlung auf. Für einen Teil der zu vermittelnden vorläufig Aufgenomme-
nen und Flüchtlinge sehe er den Einsatz des sogenannten Teillohnmodells vor. Die Vor-instanz
halte das Gesamtpaket dieser Ansätze zur Stellenvermittlung für sehr erfolgversprechend, not-
falls auch ohne Einsatz des Elements mit Teillohnmodell.
5.4.2.6 In seinen Schlussbemerkungen vom 13. August 2019 bekräftigt der Beschwerdeführer
seine vorgebrachten Rügen. Die Vorinstanz verkenne, dass der «erwartete Beitrag der Mass-
nahmen zur Zielerreichung» nur eines von vielen Bewertungskriterien gewesen sei. Zudem sei
in der Ausschreibung beim ZK02 nicht erwähnt worden, dass das Aufzeigen der effektiven Ver-
mittlung besonders positiv gewichtet werde. Im Weiteren wiederholt der Beschwerdeführer
seine Kritik an der Doppelgewichtung und der Bewertung des Angebots des Beschwerdegeg-
ners.
5.4.3 Überprüfung der Bewertung durch die Rechtsmittelinstanz
5.4.3.1 Zur Bewertung des Angebots des Beschwerdeführers beim Zuschlagskriterium ZK02
«Arbeitsintegration» ist zunächst festzustellen, dass sich die Vorinstanz an die in den Aus-
schreibungsunterlagen vorgegebene Taxonomie gehalten hat. Dem vorgegebenen Bewer-
tungssystem wurde bei der Evaluation der Angebote auch insofern entsprochen, als im Evalu-
ationsbericht und im Anhang 1 zur angefochtenen Verfügung die Terminologie des Bewertungs-
typ 1 verwendet wird. Es liegt demnach keine Ermessensüberschreitung durch die Vor-instanz
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vor. Zu prüfen bleibt, ob das der Vergabestelle zustehende Ermessen pflichtgemäss und rechts-
gleich ausgeübt wurde.
5.4.3.2 Nicht durchzudringen vermag der Beschwerdeführer mit der Rüge, die Vorinstanz
habe in rechtsfehlerhafter Weise Referenzierungen in seinem Angebot auf andere, für die Be-
wertung des Angebots beim ZK02 einschlägige Textpassagen und Dokumente unberücksichtigt
gelassen. Weder aus der Beschwerde vom 6. Mai 2019, noch aus den späteren Eingaben des
Beschwerdeführers (Stellungahme vom 28. Juni 2019, Replik vom 5. Juli 2019, Schlussbemer-
kungen vom 13. August 2019) geht konkret hervor, welche Passagen aus anderen Dokumenten
bei der Bewertung des Angebots des Beschwerdeführers beim Zuschlagskriterium ZK02 zu-
sätzlich hätten berücksichtigt werden müssen. Die Ausführungen der Vor-instanz im Evaluati-
onsbericht vom 3. April 2019 und in der Beschwerdevernehmlassung vom 23. Mai 2019 lassen
zudem erkennen, dass bei der Evaluation des Angebots beim ZK02 das Konzept bzw. das Wir-
kungsmodell des Beschwerdeführers zur Arbeitsintegration «in seiner Gesamtheit» berücksich-
tigt worden ist. Die Bewertung des von Beschwerdeführer dargelegten Modells mit lediglich der
Bewertungsstufe 1 (33% der möglichen Punkte) ist denn auch nicht die Folge davon, dass die
Vorinstanz wesentliche Teile des Angebots bei der Bewertung unberücksichtigt gelassen hätte.
Die Bewertung basiert vielmehr auf der Einschätzung der Vor-instanz, dass es aufgrund der
Dokumentation des Beschwerdeführers zum ZK02 eben nicht plausibel und nachvollziehbar ist,
wie die Ziele des Kriteriums erreicht werden sollen. Es bestanden auf Seiten der Vorinstanz
erhebliche Zweifel, dass die Ziele erreicht werden können.
5.4.3.3 Nicht massgebend für die Bewertung der Angebote beim Zuschlagskriterium ZK02 ist
im Weiteren der Umstand, wie viele der im Anhang 3 zur Ausschreibung «Formular Zuschlags-
kriterien» unter «Form der Nachweise» aufgeführten, positiv bewerteten Punkte quantitativ er-
füllt werden. Aus der Taxonomie zum Zuschlagskriterium ZK02 geht vielmehr hervor, dass für
die Bewertung des Kriteriums nicht isoliert einzelne Aspekte massgebend sind (es hätte sich
diesfalls rechtlich gesehen um Unterkriterien gehandelt). Vielmehr hatte die Vor-instanz gemäss
dem vorgegebenen Bewertungssystem im Sinne einer ganzheitlichen Würdigung der Doku-
mentation zum ZK02 die Nachvollziehbarkeit und die Plausibilität der Zielerreichung beim Zu-
schlagskriterium «Arbeitsintegration» zu bewerten.
5.4.3.4 Unzutreffend ist auch das Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach nur die im An-
hang 3 «Formular Zuschlagskriterien» der Ausschreibungsunterlagen bei der Form der Nach-
weise explizit aufgeführten Punkte bei der Bewertung des Zuschlagskriteriums ZK02 berück-
sichtigt werden durften. Mit dem Einleitungssatz zur dortigen Aufzählung bzw. konkret dem ein-
leitenden Begriff «insbesondere» hat die Vorinstanz klargestellt, dass auch andere Gesichts-
punkte als die aufgeführten bei der Bewertung berücksichtigt werden können. Entscheidend für
die Bewertung ist gemäss der in den Ausschreibungsunterlagen vorgegebenen Taxonomie, in
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welchem Grad es aufgrund der Dokumentation des Anbieters «plausibel und nachvollziehbar»
ist, dass die Ziele des Kriteriums erreicht werden.
5.4.3.5 Die Hauptkritik der Vorinstanz an dem in der Offerte des Beschwerdeführers dargeleg-
ten Arbeitsintegrationsmodell besteht darin, dass die dokumentierten Tätigkeiten den Fokus
weniger auf der effektiven Integration in den ersten Arbeitsmarkt, denn vielmehr auf diversen
vorgelagerten Unterstützungs- bzw. Beschäftigungsmassnahmen legen. Der konkrete Beitrag
zur Zielerreichung der vom Beschwerdeführer beschriebenen Massnahmen, die er für die Asyl-
suchenden, vorläufig Aufgenommenen und Flüchtlinge vorsieht, wird nicht aufgezeigt. Diese
Kritik lässt sich durch die Rechtsmittelinstanz anhand des Angebots nachvollziehen. Der Be-
schwerdeführer streitet den in seinem Modell gelegten Fokus auf die vorgelagerten Unterstüt-
zungs- und Beschäftigungsmassnahmen im Übrigen auch nicht ab, sondern ist vielmehr der
Ansicht, dass eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt ohne solche vorgelagerten Massnah-
men nicht möglich sei.
Indem der Beschwerdeführer den «X._-Integrationsprozess» auf die rasche Förderung der
zur Ausbildungs- oder Arbeitsvermittlung notwendigen Kompetenzen auslegt und nicht auf die
effektive Integration in den ersten Arbeitsmarkt, geht er hinsichtlich des beim ZK02 geforderten
Wirkungsmodells von einer anderen Prämisse aus als die Vorinstanz. Die vom Detailkonzept
und der Integrationsagenda Schweiz verlangte Ausrichtung auf die Integration in den ersten
Arbeitsmarkt fehlt im Angebot des Beschwerdeführers tatsächlich weitgehend.
5.4.3.6 Die Kritik der Vorinstanz, im Angebot des Beschwerdeführers werde kaum aufgezeigt,
wie die Eigenverantwortung der vorläufig Aufgenommenen und der Flüchtlinge gefördert wird
und wie dadurch ein Empowerment dieser Personen erreicht wird, lässt sich durch die Rechts-
mittelinstanz anhand des Angebots des Beschwerdeführers ebenfalls nachvollziehen. Es ist
diesbezüglich im Übrigen nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz keine Punkte für im An-
gebot des Beschwerdeführers dargestellte Leistungen gab, die in den Ausschreibungsunterla-
gen verpflichtend vorgegeben wurden.
5.4.3.7 Unbegründet ist auch die in der Replik vom 5. Juli 2019 neu vorgebachte Rüge, die
konkrete Vermittlung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen dürfe nur beim Zuschlagskriterium
ZK03 – und nicht auch beim Zuschlagskriterium ZK02 – berücksichtigt werden. Davon abgese-
hen, dass es rechtlich nicht per se ausgeschlossen ist, einen bestimmten qualitativen Aspekt
bei unterschiedlichen Kriterien – und damit mehrfach – zu berücksichtigten, nehmen die beiden
Kriterien unterschiedliche Dinge in den Blick: Wie die Vorinstanz nachvollziehbar festhält, geht
es beim ZK02 darum, eine erfolgreiche und auf die Ziele gemäss Detailkonzeption NA-BE, IAS
und ASU ausgerichtete Arbeitsintegration zu gestalten und aufzuzeigen, wie die notwendigen
Schlüsselkompetenzen rasch erreicht werden und eine effektive Vermittlung zu den akquirierten
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Ausbildungs- und Arbeitsplätzen im ersten Arbeitsmarkt erfolgt. Demgegenüber geht es beim
ZK03 darum, durch eine gute regionale Vernetzung dafür zu sorgen, dass überhaupt Ausbil-
dungs- und Arbeitsplätze für vorläufig Aufgenommene und Flüchtlinge angeboten werden.
5.4.3.8 Es ist demnach nicht zu sehen, dass die Vorinstanz den ihr zukommenden, erhebli-
chen Ermessensspielraum bei der Bewertung des Zuschlagskriteriums ZK02 gestützt auf un-
sachliche und damit missbräuchliche Überlegungen ausgeübt hätte. Die Bewertung lässt sich
anhand des Angebots des Beschwerdeführers und der im Evaluationsbericht festgehaltenen
Überlegungen nachvollziehen. Soweit der Beschwerdeführer eine Verletzung des Transparenz-
gebots bei der Bewertung des Zuschlagskriteriums ZK02 rügt, geht diese Rüge ins Leere.
5.4.3.9 Auch eine Verletzung des Gleichbehandlungsgebots bei der Bewertung des Zu-
schlagskriteriums ZK02 ist nicht zu sehen. Die Dokumentation des Beschwerdegegners zum
Zuschlagskriterium ZK02 wurde den gestellten Anforderungen an ein Wirkungsmodell, das die
effektive Integration der vorläufig Aufgenommenen und der Flüchtlinge in den ersten Arbeits-
markt darlegt, besser gerecht als die entsprechende Dokumentation des Beschwerdeführers.
Es ist – auch im Vergleich zur Bewertung des Angebots des Beschwerdeführers – nicht zu
beanstanden, wenn die Vorinstanz zum Ergebnis gelangt ist, aufgrund der Dokumentation des
Beschwerdegegners zum Zuschlagskriterium ZK02 sei es plausibel und nachvollziehbar, dass
die Ziele des Kriteriums erreicht werden können. Der Beschwerdeführer hat keinen Anspruch,
bei diesem Kriterium gleich bewertet zu werden wie der Beschwerdegegner.
5.4.4 Die Bewertung des Zuschlagskriteriums ZK02 «Arbeitsintegration» durch die Vor-in-
stanz hält der Rechtskontrolle stand. Die diesbezüglichen Rügen des Beschwerdeführers sind
nicht begründet.
5.5. Bewertung des Zuschlagskriteriums ZK03 «Regionale Vernetzung»
5.5.1 Bewertung und Begründung durch die Vorinstanz
Beim Zuschlagskriterium ZK03 «Regionale Vernetzung» wurde das Angebot des Beschwerde-
führers mit der Bewertungsstufe 2 (66% der möglichen Punkte) bewertet. Im Anhang 1 zur an-
gefochtenen Verfügung vom 24. April 2019, der wörtlich den Ausführungen im Evaluationsbe-
richt vom 3. April 2019 entspricht, wird diese Bewertung wie folgt begründet:
«Aufgrund der dokumentierten Massnahmen ist es nur bedingt nachvollziehbar, dass eine gute
und insbesondere auch mengenmässig ausreichende Vernetzung mit Unternehmen des ersten
Arbeitsmarkts erreicht wird und dadurch Ausbildungs- und Arbeitsplätze akquiriert werden kön-
nen. Insbesondere werden die durch den Subunternehmer CSP durchgeführten Tätigkeiten
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kaum erläutert und sind dadurch nicht fassbar. Die Dokumentation beschränkt sich hauptsäch-
lich auf die Aufgaben der geplanten Anlaufstelle.»
5.5.2 Vorbringen der Parteien
5.5.2.1 Der Beschwerdeführer sieht in der Bewertung seines Angebots mit der Bewertungs-
stufe 2 eine rechtsfehlerhafte Ermessensausübung.41 Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb
seine Dokumentation gleich viele Punkte erhalten habe wie die Dokumentation von Unterneh-
men, die nachweislich über keine Vernetzung in der Region verfügen können. Ebenso wenig
sei es nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer zusammen mit dem Subunternehmen CSP
Regenove, die beide seit nunmehr bald 30 Jahren in der Region F verankert und vernetzt seien,
nicht die volle Punktzahl erhalten haben.
Der im Evaluationsbericht vom 3. April 2019 festgehaltenen Kritik, aufgrund der im Angebot des
Beschwerdeführers dokumentierten Massnahmen sei es nur bedingt nachvollziehbar, dass eine
gut und insbesondere auch mengenmässig ausreichende Vernetzung mit Unternehmen des
ersten Arbeitsmarkts erreicht wird und dadurch Ausbildungs- und Arbeitsplätze akquiriert wer-
den können, widerspricht der Beschwerdeführer. Einerseits werde in der Dokumentation zum
ZK03 im Angebot des Beschwerdeführers einlässlich aufgezeigt, dass bereits eine intensive
regionale Vernetzung des Beschwerdeführers mit Arbeitgebern und Bildungspartnern bestehe.
Andererseits werde detailliert dargelegt, wie die bereits bestehende Vernetzung durch die Zu-
sammenarbeit mit dem Subunternehmen CSP Regenove verstärkt und vervollständigt werden
solle. Der Subunternehmer CSP betreibe Standorte in Moutier, Tramelan und Biel und biete im
Tätigkeitsbereich «Regenove» (berufliche und soziale Integration) seit 25 Jahren Arbeitsmarkt-
liche Massnahmen (AMM) im Auftrag der Arbeitsvermittlung «beco Berner Wirtschaft» an. Nicht
nachvollziehbar sei in diesem Zusammenhang die Aussage im Evaluationsbericht, die durch
den Subunternehmer CSP durchgeführten Tätigkeiten seien kaum erläutert und dadurch nicht
fassbar. Die Tätigkeiten, die der weiteren Verbesserung und dem Ausbau der Vernetzung mit
den Unternehmen des ersten Arbeitsmarkts dienen sollen, seien in der Dokumentation insbe-
sondere bei der Beschreibung der Aufgaben der Anlaufstelle detailliert erläutert worden.
Auch der Kritikpunkt im Evaluationsbericht vom 3. April 2019, die Dokumentation beschränke
sich hauptsächlich auf die Aufgaben der geplanten Anlaufstelle, erachtet der Beschwerdeführer
als nicht nachvollziehbar. Die Vernetzung laufe insbesondere über die vorgesehene Anlauf-
stelle. Deren Tätigkeiten und die geplanten Massnahmen würden in der Dokumentation detail-
liert erläutert.
41 Beschwerde vom 6. Mai 2019, S. 8.
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Der Beschwerdeführer schliesst daraus, dass aufgrund der in der Dokumentation gemachten
Ausführungen aufgezeigt werden konnte, dass eine mengenmässig ausreichende Vernetzung
mit Unternehmen des ersten Arbeitsmarkts bestehe sowie, dass mengenmässig ausreichende
Arbeitsplätze akquiriert werden könnten. Es sei deshalb aufgrund der dokumentierten Mass-
nahmen und Nachweise plausibel und nachvollziehbar, dass alle drei Ziele des Kriteriums zu
einem hohen Grad erreicht würden. Bei Ausübung pflichtgemässen Ermessens hätte die Verga-
bestelle, so der Beschwerdeführer weiter, die Dokumentation zum ZK03 mit 150 Punkten be-
werten müssen.
5.5.2.2 Die Vorinstanz erachtet die gegen die Bewertung des Zuschlagskriteriums ZK03 vor-
gebrachten Rügen in ihrer Beschwerdevernehmlassung vom 23. Mai 2019 als unbegründet.
Sie weist darauf hin, dass die ausgeschriebenen Leistungen ab dem 1. Juli 2020 umgesetzt
werden müssen und im Zuschlagskriterium ZK03 klar beschrieben sei, dass in der einzureichen-
den Dokumentation die geplanten Massnahmen zur regionalen Vernetzung sowie die Nach-
weise über die aktuelle Vernetzung in der Region dargelegt werden müssten. Von den Unter-
nehmen, die der Beschwerdeführer in seinem Angebot nenne, gehörten mehrere gar nicht zur
Region, für welche der Beschwerdeführer ein Angebot eingereicht hat. Der Beschwerdeführer
quantifiziere nicht, mit wie vielen Unternehmen in «seiner Region» er zusammenarbeite. Folg-
lich könne die Vorinstanz nicht nachvollziehen, ob eine gute und ausreichende Vernetzung in
der Region bestehe – es fehle die Quantifizierung der bestehenden Vernetzung. Angesichts
des Umstandes, dass der Beschwerdeführer in seinem Angebot bloss Einzelfälle der Vermitt-
lung in den ersten Arbeitsmarkt darlege, erscheine es nur bedingt nachvollziehbar, dass der
Beschwerdeführer eine gute und mengenmässige ausreichende regionale Vernetzung errei-
che.
Hinsichtlich der persönlichen Kontakte von Mitarbeitenden des Beschwerdeführers mit Unter-
nehmen in der Region lasse die Offerte offen, wie diese Kontakte gepflegt oder systematisch
bewirtschaftet werden. Es handle sich zudem bloss um eine Aussage des Beschwerdeführers.
Im Weiteren bestehe beim Weggang solcher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Gefahr, dass
ein bestehendes Netzwerk nicht mehr weitergeführt werden kann.
Weiter hält die Vorinstanz fest, bei der vom Beschwerdeführer aufgezeigten Zusammenarbeit
mit Bildungsanbietern und anderen Partnern bleibe offen, wie diese mit der bestehenden regi-
onalen Vernetzung und der Akquirierung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen in Unternehmen
zusammenhänge.
Betreffend die Anlaufstelle für Unternehmen, die im Angebot des Beschwerdeführers eine zent-
rale Rolle beim ZK03 einnimmt, macht die Vorinstanz geltend, der Beschwerdeführer zähle in
seinem Angebot sehr viele Leistungen der Anlaufstelle auf. Es sei fraglich und nicht nachvoll-
ziehbar, wie diese Anlaufstelle all diese Leistungen und Massnahmen zur Vernetzung mit den
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Unternehmen des ersten Arbeitsmarktes mit lediglich 115 Stellenprozenten umsetzen und be-
wältigen solle.
5.5.2.3 Der Beschwerdeführer bringt in der Replik vom 5. Juli 2019 zunächst vor, die von der
Vorinstanz angewendete Bewertungspraxis finde keine Stütze in den Ausschreibungsunterla-
gen und insbesondere nicht im Anhang 3 «Formular Zuschlagskriterien». Auch habe die Vor-
instanz weder in den Ausschreibungsunterlagen noch in ihrer Stellungnahme ausgeführt, wel-
che Punkte sie als wichtig erachte.
An den in der Beschwerdeschrift vorgebrachten Rügen zur Bewertung des Zuschlagskriteriums
ZK03 hält der Beschwerdeführer in der Replik vom 5. Juli 2019 fest. Er zeige sich erstaunt, dass
er mit der gleichen Punktzahl bewertet wurde wie Anbieter, welche bekanntlich nicht in der Re-
gion F tätig seien. Der Beschwerdeführer habe in seinem Angebot ausführlich und nachvoll-
ziehbar seine bereits bestehende, sehr gut Vernetzung und deren weiteren Ausbau dargelegt.
Zur von der Vorinstanz bemängelten, fehlenden Quantifizierung, mit wie vielen Unternehmen in
der Region der Beschwerdeführer zusammenarbeitet, äussert der Beschwerdeführer seine
Zweifel, dass die übrigen Anbieter eine solche Quantifizierung vorgenommen hätten.
Der Beschwerdeführer weist in der Replik vom 5. Juli 2019 erneut auf die zentrale Bedeutung
der Anlaufstelle für Unternehmen der Region F hin. Die Vorinstanz habe in der Beschwerdever-
nehmlassung selbst die zahlreichen Aktivitäten aufgeführt, welche durch die Anlaufstelle an die
Hand genommen würden. Es sei nicht ersichtlich, was für zusätzliche Massnahmen zur Ver-
besserung der Vernetzung und Vermittlung ergriffen werden könnten. Die Kritik der Vorinstanz
erschöpfe sich denn auch im Umfang der vorgesehenen 115 Stellenprozente für die Anlauf-
stelle. Dabei handle es sich um einen vorläufigen Richtwert. Sollten die vorgesehenen Mass-
nahmen mit diesen Stellenprozenten nicht im erforderlichen Umfang durchgeführt werden kön-
nen, würden die Stellenprozente erhöht. Im Übrigen sei in den Ausschreibungsunterlagen nicht
gefordert gewesen, dass konkrete Stellenprozente angegeben werden und es sei davon aus-
zugehen, dass die übrigen Anbieter in ihren Offerten bei den dargelegten Massnahmen keine
zugrunde gelegten Stellenprozente angegeben hätten.
5.5.2.4 Die Vorinstanz weist den in der Replik geäusserten Vorwurf des Beschwerdeführers,
die Bewertungspraxis für das Zuschlagskriterium ZK03 finde keine Stütze in den Ausschrei-
bungsunterlagen, zurück.42 Es sei die bekanntgegebene Taxonomie verwendet worden.
Da die ausgeschriebenen Leistungen ab dem 1. Juli 2020 umgesetzt werden müssen und im
Sinne der zu gewährleistenden Gleichbehandlung aller Anbieter sei eine bestehende Vernet-
zung höchstens so weit verlangt worden, dass mit den geplanten Massnahmen die notwendige
42 Duplik der Vorinstanz vom 26. Juli 2019, S. 5.
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Vernetzung ab dem 1. Juli 2020 erreicht werden kann. Der Beschwerdeführer habe in seinem
Angebot unter dem Zuschlagskriterium ZK03 weder die mengenmässig angestrebte Vernet-
zung ab 1. Juli 2020 genügend darzulegen vermocht, noch die angeblich «fruchtbare Zusam-
menarbeit» mit Bildungspartnern in den geforderten, hinreichenden Zusammenhang mit der
Erreichung aller drei Ziele gestellt.
Hinsichtlich der Anlaufstelle – konkret bezogen auf die dazu im Angebot angegebenen Stellen-
prozente – sei der Beschwerdeführer an sein einmal wirksam erklärtes Angebot gebunden. Eine
inhaltliche Nachbesserung des Angebots sei vergaberechtlich unzulässig.
5.5.2.5 In den Schlussbemerkungen vom 13. August 2019 äussert sich der Beschwerdeführer
unter dem Titel «ZK03 Regionale Vernetzung» im Wesentlichen zur Bewertung der Angebote
der zweit- und drittplatzierten Anbieter beim Zuschlagskriterium ZK03. Soweit rechtserheblich,
verweist er auf die in der Beschwerde und in der Replik gemachten Ausführungen.
5.5.3 Überprüfung der Bewertung durch die Rechtsmittelinstanz
5.5.3.1 Zur Bewertung des Angebots des Beschwerdeführers beim Zuschlagskriterium ZK03
«Regionale Vernetzung» ist zunächst festzustellen, dass die Vorinstanz die in den Ausschrei-
bungsunterlagen vorgegebene Taxonomie angewendet hat. Soweit der Beschwerdeführer vor-
bringt, die «Bewertungspraxis» finde keine Stütze in den Ausschreibungsunterlagen, trifft dies
nicht zu. Dem vorgegebenen Bewertungssystem wurde bei der Evaluation der Angebote auch
insofern entsprochen, als dass im Evaluationsbericht und im Anhang 1 zur angefochtenen Ver-
fügung die Terminologie zum Bewertungstyp 2 verwendet wird. Es liegt demnach keine Ermes-
sensüberschreitung durch die Vorinstanz vor. Zu prüfen bleibt, ob das der Vergabestelle zu-
stehende Ermessen pflichtgemäss und rechtsgleich ausgeübt wurde.
5.5.3.2 Anders als bei den Zuschlagskriterien ZK02 und ZK04 nimmt der Bewertungstyp 2, der
beim Zuschlagskriterium ZK03 zur Anwendung gelangt, nicht die Zielerreichung beim betroffe-
nen Kriterium insgesamt in den Blick. Vielmehr wurden in den Ausschreibungsunterlagen drei
Ziele (1. Akquirierung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen in Unternehmen, 2. Freiwilligenar-
beit und 3. Gutes Einvernehmen mit Behörden insbesondere in Bezug auf Unterbringung) defi-
niert. Gemäss der vorgegebenen Taxonomie musste durch die Vorinstanz für jedes dieser drei
Ziel einzeln geprüft werden, ob es «aufgrund der dokumentierten Massnahmen und Nachweise
[...] plausibel und nachvollziehbar» erscheint, ob dieses Ziel «zu einem hohen Grad erreicht
werden» kann.
Die Vorinstanz kam bei der Bewertung des Angebots des Beschwerdeführers zum Ergebnis,
dass es aufgrund der dokumentierten Massnahmen und Nachweise plausibel und nachvollzieh-
bar sei, dass zwei der drei Ziele zu einem hohen Grad erreicht werden. Als nicht plausibel und
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nachvollziehbar sah es die Vorinstanz aufgrund der dokumentierten Massnahmen und Nach-
weise an, dass das Ziel «Akquirierung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen in Unternehmen»
durch den Beschwerdeführer zu einem hohen Grad erreicht wird. Einzig dieser Punkt ist im
vorliegenden Beschwerdeverfahren zum Zuschlagskriterium ZK03 «Regionale Vernetzung»
strittig und durch die Rechtsmittelinstanz zu prüfen.
5.5.3.3 Gemäss den Vorgaben in den Ausschreibungsunterlagen konnten die Punkte für das
Erreichen der einzelnen der drei definierten Ziele nur ganz oder gar nicht vergeben werden.
Bezogen auf die einzelnen der drei definierten Ziele handelt es sich demnach um ein binäres
Bewertungssystem. Dadurch unterscheidet sich der Bewertungstyp 2 wesentlich vom Bewer-
tungstyp 1.
5.5.3.4 Dass die Vorinstanz nicht nur die bestehende Vernetzung der Anbieter berücksichtigt
hat, sondern auch die geplanten Massnahmen bewertete, mit denen die Anbieter eine regionale
Vernetzung mit den verschiedenen Partnern erreichen wollen, ist nicht zu beanstanden und
entspricht den Vorgaben an den Nachweis zum ZK03 in den Ausschreibungsunterlagen. Auf
der anderen Seite ist in den Ausschreibungsunterlagen aber explizit festgehalten, dass als
Nachweis der geforderten regionalen Vernetzung die bestehende Vernetzung der Anbieter in
der Region Berücksichtigung findet.
5.5.3.5 Der Beschwerdeführer hat in seiner Dokumentation zum Zuschlagskriterium ZK03 we-
sentlich auf sein bereits bestehendes Netzwerk Bezug genommen und Einzelfälle aufgezeigt,
in denen die Akquirierung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen gelungen ist. Die Fokussierung
auf die bestehende Vernetzung liegt nahe, ist der Beschwerdeführer doch bereits heute in der
Region F tätig. Zwar ist der Vorinstanz beizupflichten, dass die Ausführungen des Beschwer-
deführers zur bestehenden Vernetzung keine konkreten, quantitativen Aussagen enthalten. Da
die Zielerreichung – gemäss den Angaben der Vorinstanz – auch ohne den Nachweis einer
bestehenden Vernetzung hätte dargelegt werden können, darf es sich aber nicht nachteilig für
den Beschwerdeführer auswirken, wenn er in der Offerte Ausführungen zu seiner bestehenden
Vernetzung macht, ohne diese konkret zu quantifizieren. Ebenso wenig kann es sich nachteilig
für den Beschwerdeführer auswirken, wenn er im Angebot auch Unternehmungen ausserhalb
der Region erwähnt hat, zu denen ein guter Kontakt besteht.
Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer geplanten Anlaufstelle für Unternehmen und der dieser
Anlaufstelle zugedachten Aufgabenbereiche bzw. Leistungen ist es grundsätzlich an der (mit
dem für die Bewertung erforderlichen Fachwissen ausgestatteten) Vorinstanz, deren Zweck-
mässigkeit zu beurteilen. In diesem Punkt fällt aber auf, dass die Vorinstanz die geplanten Mas-
snahmen im Zuständigkeitsbereich der vom Beschwerdeführer vorgesehenen Anlaufstelle nicht
inhaltlich kritisiert, sondern es als nicht nachvollziehbar erachtet, wie diese Anlaufstelle diese
Leistungen und Massnahmen zur Vernetzung mit lediglich 115 Stellenprozenten umsetzen und
Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern 2019.GEF.746
Seite 33 von 43
bewältigen soll. Nicht zuzustimmen ist der Vorinstanz diesbezüglich, wenn sie ausführt, der
Beschwerdeführer müsse sich auf die im Angebot angegebenen 115 Stellenprozente für die
Anlaufstelle behaften lassen. Wie der Beschwerdeführer zutreffend ausführt, hätte in der Doku-
mentation zum ZK03 auf eine Angabe des Stellenumfangs auch verzichtet werden können. Bei
dieser Ausgangslage erscheint es problematisch, aufgrund des höheren Konkretisierungsgra-
des in der Dokumentation des Beschwerdeführers zum Ergebnis zu gelangen, es sei nicht plau-
sibel und nachvollziehbar, dass das Ziel der Akquirierung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen
zu einem hohen Grad erreicht werden kann.
5.5.3.6 Auffallend bei der Bewertung der Angebote beim Zuschlagskriterium ZK03 (nicht nur
zum Los F) der Ausschreibung «Regionale Partner im Asyl- und Flüchtlingsbereich» ist, dass
bei allen Angeboten das ZK03 mit mindestens 99 Punkten bewertet wurde. Bei sämtlichen An-
geboten ist das Evaluationsteam demnach zumindest bei zwei der drei vorgegebenen Ziele
zum Ergebnis gelangt, dass es aufgrund der dokumentierten Massnahmen und Nachweise
plausibel und nachvollziehbar ist, dass diese zu einem hohen Grad erreicht werden. Dieser
Umstand lässt darauf schliessen, dass bei den einzelnen Zielen nicht allzu hohe Anforderungen
an die Plausibilisierung und die Nachvollziehbarkeit der Zielerreichung gestellt wurden. Der Ver-
gleich mit dem Angebot des Beschwerdegegners zeigt, dass in diesem der Fokus deutlich mehr
auf die künftigen Massnahmen für die Vernetzung, denn auf das bestehende Netzwerk in der
Region gelegt wird.
5.5.3.7 Demnach lässt sich die Bewertung des Angebots des Beschwerdeführers beim Zu-
schlagskriterium ZK03 «Regionale Vernetzung» durch die Vorinstanz – auch unter Beachtung
des dieser zukommenden Beurteilungsspielraums, in den die Rechtsmittelbehörde nach Art. 14
Abs. 2 ÖBG nicht eingreifen darf – nicht hinreichend nachvollziehen. Wohl mag es zutreffen,
dass die Dokumentation keine quantitativen Aussagen zur Vernetzung mit Unternehmen des
ersten Arbeitsmarkts enthält. Darin unterscheidet sich das Angebot des Beschwerdeführers
aber nicht von anderen Angeboten, bei denen die Erreichung des Ziels „Akquirierung von Aus-
bildungs- und Arbeitsplätzen in Unternehmen» aufgrund der Dokumentation als plausibel und
nachvollziehbar bewertet wurde.
5.5.3.8 Zu prüfen bleibt, ob die Bewertung des Zuschlagskriteriums ZK03 Einfluss auf die Ran-
gierung des Beschwerdeführers und damit auf die Evaluation des wirtschaftlich günstigsten An-
gebots hatte (siehe dazu E. 5.7 hiernach).
5.6. Bewertung des Zuschlagskriteriums ZK04 «Sprachförderung»
5.6.1 Bewertung und Begründung durch die Vorinstanz
Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern 2019.GEF.746
Seite 34 von 43
Zur Bewertung des Angebots des Beschwerdeführers beim Zuschlagskriterium ZK04 «Sprach-
förderung» mit der Bewertungsstufe 2 (66% der möglichen Punkte) ist dem Anhang 1 zur an-
gefochtenen Verfügung vom 24. April 2019, der wörtlich den Ausführungen im Evaluationsbe-
richt vom 3. April 2019 entspricht, das Folgende zu entnehmen:
«Die Zielerreichung scheint grundsätzlich plausibel und nachvollziehbar, ist aber mit gewissen Fragezeichen be-
haftet.
Insbesondere wird nur bedingt ein variationsreiches didaktisches Setting dargestellt und die geplanten Massnah-
men fokussieren sehr stark auf klassische Kurse. Auf individuelle Lernvoraussetzungen wird nur wenig eingegan-
gen.»
5.6.2 Vorbringen der Parteien
5.6.2.1 Der Beschwerdeführer zeigt sich in der Beschwerde vom 6. Mai 2019 mit der Beurtei-
lung seines Angebots beim ZK04 «nicht einverstanden»43. Entgegen der Aussage im Evaluati-
onsbericht werde in der Dokumentation durchgehend ein variationsreiches didaktisches Setting
dargestellt. Der Beschwerdeführer arbeite mit verschiedenen Kooperationspartnern zusam-
men, die allesamt diverse Methoden einsetzen und didaktisch vielfältige Ansätze umsetzen
würden. Durch eine spezifisch handlungs- und arbeitsmarktorientierte Sprachförderung zeichne
sich insbesondere CSP Regenove aus. Zudem würden Freiwillige in den Kollektivunterkünften
niederschwelligen Sprachunterricht ab Eintritt in die Strukturen des Beschwerdeführers und die
Vertiefung der erworbenen Sprachkenntnisse gewährleisten. Als Beleg für diese Ausführungen
werden in der Beschwerde vom 6. Mai 2019 Passagen aus dem Angebot des Beschwerdefüh-
rers zum ZK04 «Sprachförderung» zitiert.
Im Weiteren bringt der Beschwerdeführer vor, es sei nicht nachvollziehbar, worauf die Aussage
im Evaluationsbericht basiere, die geplanten Massnahmen würden sehr stark auf klassische
Kurse fokussieren.
Auch der Kritik im Evaluationsbericht, auf individuelle Lernziele würde nur wenig eingegangen,
widerspricht der Beschwerdeführer. Diese Aussage entspreche nicht der Darstellung in der Do-
kumentation. Entgegen dieser Aussage werde in der Dokumentation explizit aufgezeigt, dass
und wie insbesondere die individuellen Lernvoraussetzungen berücksichtigt werden. Die Be-
rücksichtigung der individuellen Voraussetzungen und Ressourcen sei geradezu Grundbedin-
gung der Sprachförderung beim Beschwerdeführer. Als Beleg für diese Ausführungen werden
in der Beschwerde vom 6. Mai 2019 Passagen aus dem Angebot des Beschwerdeführers zum
ZK04 «Sprachförderung» zitiert.
43 Beschwerde vom 6. Mai 2019, S. 8
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Seite 35 von 43
Der Beschwerdeführer ist der Ansicht, aufgrund der eingereichten Dokumentation sei es äus-
serst plausibel und nachvollziehbar, dass die Ziele des Kriteriums erreicht werden. Bei Aus-
übung pflichtgemässen Ermessens hätte die Vergabestelle, so der Beschwerdeführer weiter,
die Dokumentation zum ZK04 mit 150 Punkten bewerten müssen.
5.6.2.2 Die Vorinstanz hält in ihrer Beschwerdevernehmlassung vom 23. Mai 2019 dagegen,
der Beschwerdeführer beschreibe in seinem Sprachförderungskonzept wohl, dass er mit ver-
schiedenen Kooperationspartnern zusammenarbeite, die eine didaktisch variationsreiche
Sprachförderung gewährleisten würden. Wie die didaktisch variationsreichen Settings ausse-
hen sollen, sei aber nicht beschrieben. Es sei lediglich beschrieben, welche Lernform (Grup-
penarbeit, Einzelarbeit und Plenum) sowie Lernansätze angewendet werden sollen. Eine Be-
schreibung, wie diese konkret in Settings münden, fehle.
Weiter würden vom Beschwerdeführer Sprachkurse durch Freiwillige als Beleg für ein didak-
tisch variationsreiches Setting angeführt. Alleine der Umstand, dass Freiwillige Sprachkurse
durchführen, sei aber nicht mit einem variationsreichen Setting gleichzusetzen. Vielmehr hätte
der Beschwerdeführer, so die Vorinstanz weiter, konkret darauf eingehen müssen, was diese
Sprachkurse genau beinhalten und inwiefern sie ein solches Setting gewährleisten.
Auch an der im Evaluationsbericht festgehaltenen Kritik, der Beschwerdeführer fokussiere stark
auf die klassischen Sprachförderkurse, hält die Vorinstanz in der Beschwerdevernehmlassung
fest.44 Neue Sprachförderansätze oder E-Learning würden nicht erwähnt, obwohl der Alltag der
Zielgruppe stark durch Technologien bestimmt sei.
Ferner seien die Mehrheit der vom Beschwerdeführer aufgeführten Kooperationspartner zu den
klassischen Sprachkursanbietern zu zählen. Damit werde zum einen der Kritikpunkt des Evalu-
ationsberichts bestätigt, wonach zu stark auf klassische Kurse fokussiert werde. Zudem werde
nicht erläutert, inwiefern diese Anbieter konkret ein variationsreiches Setting garantieren und
wie die individuellen Voraussetzungen sowie die Bedürfnisse konkret in die Zuweisung zu ei-
nem Sprachkurs einfliessen.
Zur Berücksichtigung individueller Lernvoraussetzungen führt die Vorinstanz aus, der Be-
schwerdeführer beschreibe in seinem Angebot an mehreren Stellen, dass bei der Sprachförde-
rung auf die individuellen Voraussetzungen der Teilnehmenden eingegangen wird und welche
Klientensegmentierung er bei der Sprachförderung vornimmt (Alphabetisierte, Zweitschriftler-
nende, Funktionale Analphabeten und Primäre Analphabeten). Das Eruieren der individuellen
Voraussetzungen gehe aber sehr weit über eine Grobeinteilung in diese vier Gruppen hinaus.
44 Beschwerdevernehmlassung der Vorinstanz vom 23. Mai 2019, Ziff. 4.3
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Es beinhalte die sprachlichen Voraussetzungen insgesamt, dann aber auch die soziale Lebens-
lage, die kognitive Entwicklung, familiäre, soziale und soziokulturelle Voraussetzungen usw. 45
Bei der Klientensegmentierung werde zwar auf gewisse individuelle Voraussetzungen bezüg-
lich Spracherwerb eingegangen. Die Verknüpfung mit der Bedürfnisorientierung sei allerdings
nur oberflächlich dargestellt.
Schliesslich führt die Vorinstanz zur Bewertung des Angebots des Beschwerdeführers beim
Zuschlagskriterium ZK04 «Sprachförderung» aus, die Sprachförderung werde vom Beschwer-
deführer nahezu vollständig den Kooperationspartnern oder Freiwilligen übertragen und es
werde nur knapp beschrieben, in welcher Form der Beschwerdeführer steuernd in die Zielerrei-
chung dieser Partner eingreifen könne. Die möglichen Innovationen würden damit stark von den
gewählten Partnern abhängen. Zudem werde vom Beschwerdeführer nicht beschrieben, wie
die mittels durchgehender Fallführung erhobenen individuellen Voraussetzungen in ein indivi-
duelles Sprachförderungskonzept einfliessen. Der Beschwerdeführer könne sich, so die Vo-
rinstanz, nicht damit begnügen zu sagen, dass er etwas machen wird. Vielmehr hätte er konkret
und nachvollziehbar aufzeigen müssen, wie er dieses «etwas» machen wird. Diese Kritik lasse
sich auf das gesamte Konzept des Beschwerdeführers ausweiten. Die Ausführungen seien im
Allgemeinen zu oberflächlich und unsubstantiiert.
5.6.2.3 In der Replik vom 5. Juli 2019 rügt der Beschwerdeführer zum Zuschlagskriterium
ZK04 «Sprachförderung» zunächst die angewendete «Bewertungspraxis». Diese finde keine
Stütze in den Ausschreibungsunterlagen und insbesondere nicht im Anhang 3 «Formular Zu-
schlagskriterien».46 An seiner Rüge, die Bewertung des Zuschlagskriteriums ZK04 sei unhaltbar
und rechtsfehlerhaft erfolgt, hält der Beschwerdeführer fest. In der Beschwerde sei aufgezeigt
worden, dass sehr stark auf die individuellen Lernvoraussetzungen eingegangen wurde und ein
äusserst variationsreiches didaktisches Setting angeboten wird.
Weiter sei nicht klar, was die Vorinstanz mit dem Kritikpunkt meine, es handle sich bei den
Kooperationspartnern mehrheitlich um «klassische Sprachkursanbieter». Die Vorinstanz
scheine die Bezeichnung «Sprachkursanbieter» mit monotonem Frontalunterricht und veralte-
ten Unterrichtskonzepten gleichzusetzen, was nicht zutreffe. Es verstehe sich von selbst, dass
die etablierten und fachlich ausgewiesenen Kooperationspartner ihren Unterricht an den aner-
kannten pädagogischen und didaktischen Massstäben ausrichten und ein individuelles, variati-
onsreiches didaktisches Setting gewährleistet sei. Dabei würden diese Institutionen «natürlich»
auch neuere Sprachförderansätze oder E-Learning nutzen, sofern sich diese sinnvoll integrie-
ren liessen. Es sei weder zielführend noch erforderlich – und aufgrund der begrenzten Seiten-
zahlen nicht möglich – gewesen, im Angebot die konkrete Ausgestaltung aller Kurse durch die
45 Beschwerdevernehmlassung der Vorinstanz vom 23. Mai 2019, Ziff. 4.5 46 Replik vom 5. Juli 2019, Rz. 82
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Seite 37 von 43
Kooperationspartner im Einzelnen darzulegen. Ebenso nichtssagend wäre, nach Ansicht des
Beschwerdeführers, die blosse Aufzählung der einzelnen zahlreichen Lernmethoden, welche
im Rahmen des Sprachunterrichts angewendet werden. Entscheidend sei vielmehr, dass im
Angebot ein variationsreiches Setting und eine periodisch fortlaufende Evaluation und Anpas-
sung der Massnahmen und Methoden dargelegt wurde. Es sei nicht ersichtlich, was für zusätz-
liche Nachweise für ein variationsreiches didaktisches Setting und die Berücksichtigung indivi-
dueller Lernvoraussetzungen hätten erbracht werden sollen und können. Gemäss den Aus-
schreibungsunterlagen sei zudem ein «variationsreiches didaktisches Setting» verlangt wor-
den, nicht mehr und nicht weniger. Weitergehende Anforderungen wie z.B. die Nutzung inno-
vativer (und allenfalls didaktisch noch nicht anerkannter) Formen der Sprachförderung seien
nicht gestellt worden.
5.6.2.4 In der Duplik vom 26. Juli 2019 weist die Vorinstanz den Vorwurf an der Bewertungs-
praxis zurück.
Bezugnehmend auf die Ausführungen des Beschwerdeführers in seiner Replik vom 5. Juli 2019
hält die Vorinstanz fest, der massgebende Zeitpunkt für die Bewertung sei die Angebotseinrei-
chung. Was der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde und in seiner Replik an seiner Offerte
inhaltlich ergänzt und nachbessert, sei irrelevant. Die Argumentation des Beschwerdeführers
drehe sich in Bezug auf die in seinem Angebot fehlende bzw. nicht hinreichend erläuterte Aus-
gestaltung der vorgesehenen Kurse und Lernmethoden («variationsreiches didaktisches Set-
ting») im Kreis. Es sei nicht Aufgabe des Evaluationsteams gewesen, Vermutungen darüber
anzustellen, was der Beschwerdeführer mutmasslich «von selbst versteht» und insbesondere
welche Sprachförderungsansätze er beim Verfassen seines Angebots im Hinterkopf hatte. Ver-
langt worden sei, dass die von den Anbietern darzulegenden geplanten Massnahmen die indi-
viduellen Voraussetzungen berücksichtigen und dass die Anbieter in der dafür vorgesehenen
schriftlichen Dokumentation beschreiben, ob bzw. wie eine variationsreiche Sprachförderung
erfolgen soll. Dies sei dem Beschwerdeführer nicht vollständig gelungen.
5.6.2.5 In seinen Schlussbemerkungen vom 13. August 2019 verweist der Beschwerdeführer
zum Zuschlagskriterium ZK04 «Sprachförderung» auf seine Ausführungen in der Beschwerde-
schrift und in der Replik. Zudem weist er darauf hin, dass er sein Angebot in der Beschwerde
und in der Replik nicht inhaltlich ergänzt oder nachgebessert habe. Es sei lediglich aufgezeigt
worden, was im Angebot des Beschwerdeführers und insbesondere in den dazugehörigen
Nachweisen bereits enthalten war, aber durch die Vorinstanz nicht berücksichtigt worden sei.
Die Ausführungen der Vorinstanz würden wiederum bestätigen, dass sie offensichtlich nicht alle
bereits in der Offerte enthaltenen Angaben berücksichtigt habe. Dies zeige die rechtsfehlerhafte
Bewertung durch die Vorinstanz erneut anschaulich auf.
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Seite 38 von 43
5.6.3 Überprüfung der Bewertung durch die Rechtsmittelinstanz
5.6.3.1 Zur Bewertung des Angebots des Beschwerdeführers beim Zuschlagskriterium ZK04
«Sprachförderung» ist wiederum festzustellen, dass sich die Vorinstanz an die in den Aus-
schreibungsunterlagen vorgegebene Taxonomie gehalten hat. Dem vorgegebenen Bewer-
tungssystem wurde bei der Evaluation der Angebote auch insofern entsprochen, als im Evalu-
ationsbericht und im Anhang 1 zur angefochtenen Verfügung auf die Terminologie zum Bewer-
tungstyp 1 abgestellt wird. Es liegt demnach keine Ermessensüberschreitung durch die Vo-
rinstanz vor. Zu prüfen bleibt, ob das der Vergabestelle zustehende Ermessen pflichtgemäss
und rechtsgleich ausgeübt wurde.
5.6.3.2 Unbegründet ist die in den Schlussbemerkungen vom 13. August 2019 vorgebrachte
Rüge, die Vorinstanz habe nicht alle in der Offerte enthaltenen Angaben zum Zuschlagskrite-
rium ZK04 bei der Evaluation berücksichtigt.47 Aus den Ausführungen des Beschwerdeführers
geht nicht hervor, welche konkreten Angaben, die für die Bewertung des Zuschlagskriteriums
ZK04 relevant gewesen sein sollen, von der Vorinstanz nicht berücksichtigt wurden. Indem der
Beschwerdeführer ohne weitere Konkretisierung behauptet, gewisse Angaben seien von der
Vorinstanz bei der Evaluation nicht berücksichtigt worden, wird die Rüge auch nicht hinreichend
substantiiert.
5.6.3.3 Anders als beim Zuschlagskriterium ZK03, bei dem bezogen auf die einzelnen der drei
vorgegebenen Ziele ein binäres Bewertungssystem besteht, sieht der Bewertungstyp 1 für die
Beurteilung der Zielerreichung bei der Sprachförderung Abstufungen vor. Die Bewertung mit 99
Punkten bedeutet, dass es die Vorinstanz aufgrund der Dokumentation des Beschwerdeführers
als plausibel und nachvollziehbar erachtet hat, dass die Ziele des Kriteriums erreicht werden
können. Die vom Beschwerdeführer getroffenen Annahmen erachtet die Vor-instanz als «mehr-
heitlich plausibel und nachvollziehbar».
Die im Evaluationsbericht festgehaltenen Kritikpunkte an seinem Modell zur Sprachförderung
konnte der Beschwerdeführer in seinen Eingaben48 nicht widerlegen. Tatsächlich wird in der
Dokumentation des Beschwerdeführers zum ZK04 nicht weiter beschrieben, wie die didaktisch
variationsreichen Settings bei der Sprachförderung aussehen sollen. Es mag sein, dass es der
Beschwerdeführer als selbstverständlich angesehen hat, dass die von ihm genannten Koope-
rationspartner ihren Unterricht an den anerkannten pädagogischen und didaktischen Massstä-
ben ausrichten und ein individuelles, variationsreiches didaktisches Setting gewährleisten. Dies
ändert aber nichts daran, dass die Vorinstanz nur bewerten konnte, was im Angebot des Be-
schwerdeführers auch dargestellt war. Gleiches gilt für die Fokussierung der Sprachförderung
47 Schlussbemerkungen des Beschwerdeführers vom 13. August 2019, Rz. 29 48 Beschwerde vom 6. Mai 2019, Stellungnahme vom 28. Juni 2019, Replik vom 5. Juli 2019, Schlussbemerkungen
vom 13. August 2019
Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern 2019.GEF.746
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im Angebot des Beschwerdeführers auf klassische Kurse. Dass es der Beschwerdeführer als
«natürlich» erachtet, dass die in seiner Dokumentation zum ZK04 aufgeführten Institutionen
auch neuere Sprachförderansätze oder E-Learning nutzen, sofern sich diese sinnvoll integrie-
ren lassen, hat ihn nicht davon befreit, im Angebot konkrete Angaben dazu zu machen. Entge-
gen dem Vorbringen des Beschwerdeführers in der Replik vom 5. Juli 2019 wäre es durchaus
zielführend und auch erforderlich gewesen, im Angebot konkrete Aussagen zur Ausgestaltung
der Kurse durch die Kooperationspartner zu machen und sich mit den Lernmethoden, die im
Rahmen des Sprachunterrichts angewendet werden, auseinanderzusetzen.
Eher streng erscheint die Kritik der Vorinstanz im Evaluationsbericht, auf die individuellen Lern-
voraussetzungen sei im Angebot des Beschwerdeführers nur wenig eingegangen worden. Auch
zu diesem Punkt konnte die Vorinstanz im Schriftenwechsel aber nachvollziehbar darlegen,
dass das Eruieren der individuellen Voraussetzungen über die vom Beschwerdeführer darge-
stellte Grobeinteilung in die vier Gruppen «Alphabetisierte», «Zweitschriftlernende», «Funktio-
nale Analphabeten» und «Primäre Analphabeten» hinausgehen müsse.
5.6.3.4 Die Bewertung des Angebots des Beschwerdeführers beim Zuschlagskriteriums ZK04
«Sprachförderung» lässt sich nach dem Geschriebenen anhand des Angebots und des Evalu-
ationsberichts nachvollziehen. Es ist nicht zu sehen, dass die Vorinstanz den ihr zukommenden,
erheblichen Ermessensspielraum bei der Bewertung des Zuschlagskriteriums ZK04 gestützt
auf unsachliche und damit missbräuchliche Überlegungen ausgeübt hätte. Es liegt demnach
auch keine Verletzung des Transparenzgebots bei der Bewertung des Zuschlagskriteriums
ZK04 «Sprachförderung» vor.
5.6.3.5 Schliesslich liegt auch keine Verletzung des Gleichbehandlungsgebots bei der Bewer-
tung des Zuschlagskriteriums ZK04 vor. Gerade bei den Punkten, in denen das Sprachförde-
rungsmodell des Beschwerdeführers im Evaluationsbericht der Vorinstanz kritisiert wird, erweist
sich das Angebot des Beschwerdegegners als erheblich konkreter und detaillierter. Der Be-
schwerdeführer hat vor diesem Hintergrund keinen Anspruch, beim Zuschlagskriterium ZK04
gleich bewertet zu werden wie der Beschwerdegegner.
5.6.3.6 Die Bewertung des Zuschlagskriteriums ZK04 «Sprachförderung» durch die Vor-in-
stanz hält der Rechtskontrolle stand. Die diesbezüglichen Rügen des Beschwerdeführers sind
nicht begründet.
Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern 2019.GEF.746
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5.7. Ergebnis
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Bewertungen des Angebots des Beschwerdefüh-
rers bei den Zuschlagskriterien ZK02 «Arbeitsintegration» und ZK04 «Sprachförderung» der
Rechtskontrolle standhalten.
Beim Zuschlagskriterium ZK03 «Regionale Vernetzung» kann die Bewertung durch die Vor-
instanz demgegenüber – auch unter Beachtung des dieser zustehenden Ermessensspielraums,
in den die Rechtsmittelinstanz nicht eingreifen darf – anhand des Angebots, der vorgegebenen
Taxonomie und des Evaluationsberichts nicht nachvollzogen werden.
Auch dann, wenn der Beschwerdeführer beim Zuschlagskriterium ZK03 die volle Punktzahl er-
halten würde, hätte dies aber keinen Einfluss auf die Evaluation des wirtschaftlich günstigsten
Angebots, wie die nachfolgende Tabelle zeigt:
Anbieter Beschwerdeführer Beschwerdegegner
Zuschlagskriterien Bewertungs-
stufe Punkte
Bewertungs-
stufe Punkte
ZK01 Preis 307 233
ZK02 Arbeitsintegration 1 99 2 198
ZK03 Regionale Vernetzung 3 150 3 150
ZK04 Sprachförderung 2 99 3 150
ZK05 Erfahrung 3 50 3 50
Total max. 1000 Punkte 705 781
Eine Korrektur der Punktzahl des Beschwerdeführers beim Zuschlagskriterium ZK03 hat dem-
nach keinen Einfluss auf das Ergebnis. Das Angebot des Beschwerdegegners bleibt das wirt-
schaftlich günstigste gemäss Art. 30 Abs. 1 ÖBV. Demnach erweist sich die Beschwerde als
unbegründet und ist abzuweisen.
6. Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung
Mit dem Entscheid in der Hauptsache erübrigt es sich, das Gesuch um Erteilung der aufschie-
benden Wirkung zu beurteilen.49
49 Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern Nr. 100.2016.142 vom 20. September 2016, E. 7, vgl. zudem
BVR 2012 S. 314 E. 5.4.
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7. Kosten
7.1. Verfahrenskosten
Die Verfahrenskosten bestehen aus einer Pauschalgebühr. Diese beträgt für Entscheide in Ver-
waltungsjustizsachen CHF 200.00 bis 4’000.00 (Art. 103 Abs. 1 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 und
Art. 4 Abs. 2 GebV50). Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei
denn, das prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die beson-
deren Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG).
Behörden im Sinne von Art. 2 Abs. 1 Bst. a VRPG werden keine Verfahrenskosten auferlegt.
Vorliegend unterliegt der Beschwerdeführer mit seinen Anträgen vollumfänglich. Somit wird er
kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten sind pauschal festzulegen auf CHF 1'200.00.
7.2. Parteikosten
Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern nicht deren
prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Tilgung oder die Wett-
schlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als gerechtfertigt
erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige
Parteivertretung anfallenden Aufwand. Die Bemessung des Parteikostenersatzes richtet sich
nach den Vorschriften der Anwaltsgesetzgebung (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Im Beschwerdever-
fahren beträgt das Honorar 400 bis 11‘800 Franken pro Instanz (Art. 11 Abs. 1 PKV51). Inner-
halb des Rahmentarifs bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sache gebotenen
Aufwand, der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 41 Abs. 3
KAG52).
Die Kostennote des Vertreters des Beschwerdegegners vom 6. August 2019 beläuft sich auf
CHF 5’732.85 (Honorar: CHF 5’600.00, Auslagen: CHF 132.85), zuzüglich Mehrwertsteuer von
CHF 441.45.
Die Beschwerdegegnerin ist mehrwertsteuerpflichtig53 und kann deshalb die von ihren Rechts-
vertretern auf sie überwälzte Mehrwertsteuer in ihrer eigenen Mehrwertsteuerabrechnung als
Vorsteuer abziehen. In solchen Fällen ist der Partei kein Aufwand für Mehrwertsteuer angefallen
und deren Abgeltung käme einer Überentschädigung gleich. Deshalb ist nach der Praxis des
50 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV;
SR 154.21) 51 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung, PKV;
BSG 168.811) 52 Kantonales Anwaltsgesetz vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11) 53 Vgl. Unternehmens-Identifikationsnummer-Register (einsehbar unter: https://www.uid.admin.ch): UID-Nummer:
CHE-106.146.192
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Verwaltungsgerichts bei der Bestimmung des Parteikostenersatzes die Mehrwertsteuer nicht
zu berücksichtigen.54
Ansonsten hält sich die Kostennote an den dargelegten Rahmen und gibt angesichts der Be-
deutung der Streitsache und dem in der Sache gebotenen Aufwand zu keinen Bemerkungen
Anlass. Gestützt auf Art. 104 Abs. 1 VRPG i.V.m. Art. 11 Abs. 1 PKV und Art. 41 Abs. 3 KAG
sind die Parteikosten des Beschwerdegegners daher auf CHF 5’732.85 festzulegen.
Die Vorinstanz hat keinen Anspruch auf Parteikostenersatz (Art. 104 Abs. 3 i.V.m Art. 2 Abs. 1
Bst. a VRPG).
54 Vgl. BVR 2015 S. 541 E. 8.2, 2014 S. 484 E. 6
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