Decision ID: 6a3c1b0d-a5d4-41b2-bc54-9f0af57a50c7
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im April 2014 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 2). Er gab an, er habe eine Anlehre zum B._
absolviert. Zuletzt habe er als C._ gearbeitet. Das Ambulatorium der Psychiatrischen
Klinik D._ berichtete am 16. April 2014 (IV-act. 13), der Versicherte leide an einer
einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung im Erwachsenenalter sowie an einer
mittelgradigen depressiven Episode. Von Mitte März 2013 bis Anfang April 2013 sei er
stationär behandelt worden. Im Anschluss daran habe er sich bis Ende Mai 2013 in
einer tagesklinischen Behandlung befunden. Danach sei er ambulant behandelt
worden. Ende Juni 2013 habe er eine erneute, fünf Tage dauernde stationäre
Krisenintervention benötigt. Aktuell sei ihm eine Tätigkeit in einem geschützten Rahmen
während vier Stunden pro Tag zumutbar. Die Prognose sei gut. Die Neuropsychologin
lic. phil. E._ hatte nach einer dreistündigen Testung am 26. August 2013 festgehalten
(IV-act. 20), aufgrund der Ergebnisse sei das Vorliegen einer klinisch relevanten
depressiven Episode mit insbesondere Bestrafungsgefühlen und Selbstvorwürfen
wahrscheinlich. Das kognitive Leistungsprofil erweise sich als leicht heterogen mit
leichtgradigen Einbussen bei sprachlichen, attentionalen und exekutiven
Unterfunktionen. Die Hinweise im Selbstbeurteilungsfragebogen und die
Schulanamnese sprächen für das Vorliegen einer Aufmerksamkeitsdefizit- und
Hyperaktivitätsstörung. Dies müsste allerdings durch fremdanamnestische Angaben
abgesichert werden. Hinweise auf eine allfällige Persönlichkeitsstörung hätten sich
nicht ergeben. Am 2. Oktober 2014 erteilte die IV-Stelle dem Versicherten eine
Kostengutsprache für eine dreimonatige berufliche Abklärung in der Werkstätte F._
(IV-act. 29). Der Einsatzbetrieb berichtete im Februar 2015 (IV-act. 44), der Versicherte
habe in der geschützten Werkstätte und auch bei einem Schnuppereinsatz in einem
anderen Betrieb eine hohe und qualitativ gute Leistung erbracht. Er sei sehr motiviert
gewesen und habe teilweise etwas in seinem Enthusiasmus gebremst werden müssen.
Ihm sei es schwer gefallen, längere Zeit am gleichen Arbeitsplatz zu bleiben. Die
Arbeitsleistung habe bei 80 Prozent gelegen. Im Anschluss an die berufliche Abklärung
A.a.
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konnte der Versicherte einen dreimonatigen Arbeitsversuch durchführen (vgl. IV-act.
49). Die IV-Stelle leistete im Sinne einer Frühinterventionsmassnahme eine
Kostengutsprache für ein „job coaching“ (IV-act. 46 und 59). Kurz vor Ende des
Arbeitsversuchs wurde dem Versicherten von der Psychiatrischen Klinik D._ wieder
eine Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent attestiert (vgl. IV-act. 49 und 51). Im Mai 2015
notierte Dr. med. G._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD; IV-act. 54),
die behandelnden Ärzte hätten überzeugend dargelegt, dass der Versicherte sich
schlecht habe abgrenzen können, dass er dadurch in einen Anspannungszustand
geraten sei und dass er im Sinne eines maladaptiven Bewältigungsverhaltens in einen
Cannabismissbrauch zurückgefallen sei. Die teilweise Entlastung durch die
Krankschreibung habe eine Stabilisierung des Gesundheitszustandes zur Folge gehabt,
was als ein weiterer Hinweis für die Richtigkeit der Ausführungen der behandelnden
Ärzte zu qualifizieren sei. Allerdings müsse mit einer raschen Besserung und
Steigerung der Leistungsfähigkeit gerechnet werden. Ende Mai 2015 wurde der
Arbeitsversuch bis Ende Juni 2015 verlängert (IV-act. 56 und 58). Im Januar 2016 teilte
der Versicherte der Eingliederungsverantwortlichen der IV-Stelle mit, er „fühle sich in
keiner Weise arbeitsfähig“ (IV-act. 60). Diese hielt im März 2016 fest (IV-act. 64), die an
sich geplante Anstellung des Versicherten bei der Arbeitgeberin, die den
Arbeitsversuch angeboten habe, sei letztlich aufgrund der gesundheitlichen
Verschlechterung nicht zustande gekommen. Aktuell sei der Versicherte nicht in der
Lage, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Der längst angeforderte Verlaufsbericht der
behandelnden Ärzte sei noch immer nicht eingetroffen. Die berufliche Eingliederung
müsse vor diesem Hintergrund abgebrochen werden.
Das Ambulatorium der Psychiatrischen Klinik D._ berichtete im Juni 2016 (IV-
act. 70), der Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer
gegenwärtig mittelgradigen Episode, an einer einfachen Aktivitäts- und
Aufmerksamkeitsstörung sowie an einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach
einer Extrembelastung respektive an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit
schwer abhängigen, narzisstischen und emotional instabilen Anteilen vom impulsiven
Typ auf dem Boden einer posttraumatischen Belastungsstörung bei Gewalterfahrung in
der Kindheit. Er sei aktuell vollständig arbeitsunfähig. Man plane eine Einweisung zur
stationären Behandlung in der Klinik H._. Diese stationäre Behandlung fand
A.b.
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schliesslich in der Zeit vom 10. Oktober 2017 bis zum 15. Dezember 2017 statt. Die
Psychiatrische Klinik H._ berichtete am 21. Dezember 2017 (IV-act. 89), der
Versicherte leide an einer Anpassungsstörung sowie an einer Persönlichkeitsstörung
mit zwanghaften, selbstunsicheren, emotional-instabilen und abhängigen Anteilen. Im
Verlauf der stationären Behandlung sei es zu einer deutlichen Reduktion der initial
bestehenden Symptomatik gekommen. Der Psychiater med. pract. Schmitz berichtete
am 4. Juni 2018 (IV-act. 99), es sei unwahrscheinlich, dass der Versicherte im aktuellen
Zustand von täglich wechselnden Stimmungs- und Anspannungslagen,
ausgesprochener Konzentrationsschwäche und Entscheidungsunfähigkeit einer
Tätigkeit „in irgendeinem Rahmen“ nachgehen könne. Für eine
Arbeitsintegrationsmassnahme könne versuchsweise eine Arbeitsfähigkeit für maximal
1,5–2 Stunden attestiert werden. Mit einer Mitteilung vom 11. Juni 2018 wies die IV-
Stelle das Begehren um berufliche Eingliederungsmassnahmen ab (IV-act. 102).
Bereits am 28. Februar 2018 war der Versicherte neuropsychologisch getestet
worden. Die Neuropsychologin hatte festgehalten (IV-act. 103), im Rahmen der
insgesamt drei Stunden und 15 Minuten dauernden Testung habe sich wie bereits bei
der ersten Testung im Jahr 2013 ein sehr heterogenes Bild gezeigt. Im exekutiven
Bereich, in der Planungsfähigkeit und dem Arbeitsgedächtnis sowie im mnestischen
Bereich seien die Resultate leicht schlechter ausgefallen; die übrigen Resultate seien
mit den damaligen Ergebnissen vergleichbar. Die Defizite könnten ätio-pathogenetisch
nicht eindeutig zugeordnet werden. Möglicherweise habe eine Zwangsproblematik eine
wesentliche Rolle gespielt. Die Arbeitsweise sei pedantisch gewesen. Auch die
Handlungskontrolle sei eingeschränkt gewesen. Es habe sich eine reduzierte
motorische Impulskontrolle gezeigt. Insgesamt hätten die Ergebnisse auf eine leichte
bis mittelschwere kognitive Funktionsstörung hingewiesen. Der IQ liege grob geschätzt
im unterdurchschnittlichen bis durchschnittlichen Bereich; in der früheren
Untersuchung sei er mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent auf im Bereich von
84–95 liegend geschätzt worden. Eine Intelligenzminderung im Sinne des ICD-10 liege
damit nicht vor. Eine Laboranalyse im Auftrag des RAD ergab, dass der Versicherte
Cannabis konsumiert hatte; Methylphenidat hatte nicht nachgewiesen werden können
(IV-act. 107). Am 27. Dezember 2018 hielt die IV-Stellte den Versicherten an, bis Ende
April 2019 kein Cannabis mehr zu konsumieren und dies mittels Laboranalysen
A.c.
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nachzuweisen (IV-act. 110). Die Untersuchungen am 31. Januar 2019, am 7. Februar
2019, am 14. Februar 2019 und am 19. Februar 2019 zeigten, dass der Versicherte kein
Cannabis mehr konsumiert hatte (IV-act. 116, 118, 120 und 122). Am 22. Februar 2019
beauftragte die IV-Stelle den Psychiater Dr. med. I._ mit einer psychiatrischen
Begutachtung des Versicherten einschliesslich einer neuropsychologischen Testung
(IV-act. 124). Am 26. Februar 2019 forderte sie den Versicherten auf, bis zum
Begutachtungstermin weiterhin abstinent zu bleiben (IV-act. 129). Die entsprechenden
Laboranalysen bestätigten die fortdauernde Abstinenz (IV-act. 131, 134, 137, 139, 143,
148, 150, 152 und 154).
Am 2. September 2019 erstattete Dr. I._ das von der IV-Stelle in Auftrag
gegebene Gutachten (IV-act. 159). Er hielt fest, der Versicherte habe die
Aufmerksamkeit und die Konzentration über die ganze Untersuchungsdauer
aufrechterhalten können. Die Auffassung sei ungestört gewesen. Das
Langzeitgedächtnis sei teilweise auffällig gewesen und es hätten sich
Merkfähigkeitsstörungen gezeigt. Der formale Gedankengang sei teilweise etwas
weitschweifig und teilweise auch sprunghaft gewesen. Die Grundstimmung sei euthym
und nur einmal kurzzeitig zum depressiven Pol hin ausgelenkt gewesen. Die affektive
Modulationsfähigkeit sei aber eingeschränkt gewesen. Der Versicherte habe eine
ausgeprägte Ambivalenz, Schuldgefühle gegenüber allen Leuten um ihn herum,
Insuffizienzgefühle, eine innere Unruhe und Gereiztheit sowie eine Angst vor sich selbst
und starke Stimmungsschwankungen geschildert. Im Übrigen sei der objektive
klinische Befund unauffällig gewesen. Die diagnostische Einschätzung sei sehr
schwierig. Bei der Erhebung des Psychostatus habe sich kaum eine eindeutige
Psychopathologie gezeigt. Die neuropsychologische Abklärung habe zwar diskrete
Auffälligkeiten gezeigt, die im Sinne eines noch leichten ADHS interpretiert werden
könnten. Aber die Auffälligkeiten seien nicht so ausgeprägt gewesen, dass sie die
Schwierigkeiten des Versicherten erklären könnten. Zudem seien die Angaben des
Versicherten häufig sehr weitschweifig, insgesamt aber doch vage und unklar sowie
teilweise auch widersprüchlich gewesen. Auch in den Berichten der behandelnden
Ärzte sei immer wieder darauf hingewiesen worden, wie schwierig das ständig
schwankende Zustandsbild diagnostisch einzuordnen sei. Überdies lägen gravierende
psychosoziale Belastungsfaktoren vor: Der Versicherte habe seit Jahren nicht mehr
A.d.
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gearbeitet, er lebe von seiner Familie getrennt, wohne bei seinen Eltern, zu denen er ein
ausgesprochen schwieriges Verhältnis habe, und er habe Schulden. Aufgrund des
Verlaufs und der zahlreichen Hinweise auf einen episodischen Missbrauch von Drogen
und Medikamenten sei sicherlich die Diagnose von psychischen und
Verhaltensstörungen durch einen multiplen Substanzgebrauch und den Konsum
anderer psychotroper Substanzen bei einer gegenwärtigen Abstinenz gerechtfertigt.
Die Symptome einer depressiven Episode hätten in der aktuellen Untersuchung nicht
objektiviert werden können. In der Vergangenheit seien zwar immer wieder depressive
Episoden diagnostiziert worden, aber diese Diagnosen seien nicht überzeugend
begründet worden. Das Vorliegen einer affektiven Störung sei deshalb gesamthaft
auszuschliessen. Eine Zwangsstörung liege nicht vor. Der behandelnde Psychiater
Z._ habe eine solche zwar in seinem Bericht vom 4. Juni 2018 diagnostiziert, aber er
habe diese Diagnose nicht begründet, er habe sich nicht mit den Kriterien des ICD-10
befasst und er habe im selben Bericht festgehalten, dass die Symptomatik zwischen
einem ADHS und einer Zwangsstörung schwanke, ohne jedoch zu beschreiben, worin
genau die Zwangshandlungen oder Zwangsgedanken bestünden. Auch die Diagnose
einer posttraumatischen Belastungsstörung, die wohl mit Blick auf die belastete
Kindheit des Versicherten gestellt worden sei, überzeuge nicht. Der Versicherte habe
nie entsprechende Symptome gezeigt. Die Diagnosekriterien für eine
Persönlichkeitsstörung und für eine Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung würden
sich teilweise überschneiden, weshalb die Differentialdiagnose diesbezüglich etwas
schwierig sei. Da eine Persönlichkeitsstörung nur diagnostiziert werden dürfe, wenn
das auffällige Verhalten nicht durch eine andere psychische Störung erklärt werden
könne, sei zunächst vertieft zu prüfen, ob der Versicherte an einer Aktivitäts- und
Aufmerksamkeitsstörung leide. Der consiliarisch beigezogene neuropsychologische
Sachverständige lic. phil. Y._, der den Versicherten am 13. August 2019 untersucht
habe, habe test- und fragebogenbasiert Hinweise auf eine einfache Aktivitäts- und
Aufmerksamkeitsstörung festgestellt, was sich mit der psychiatrischen Einschätzung
nach der psychiatrischen Exploration des Versicherten sowie mit der Aktenlage decke.
Der Gesamt-IQ liege nach der Einschätzung des Sachverständigen Y._ bei 85.
Zudem leide der Versicherte aus neuropsychologischer Sicht an einer leichten
neuropsychologischen Hirnfunktionsschwäche mit Beeinträchtigungen von
Teilbereichen der attentionalen, mnestischen und exekutiven Funktionen. Die
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B.
Testresultate seien weitgehend durchschnittlich ausgefallen. Weit unterdurchschnittlich
sei nur das Ergebnis betreffend das verbale Langzeitgedächtnis gewesen. Insgesamt
habe das Vorliegen einer Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung also bestätigt
werden können. Die zusätzliche Diagnose einer Persönlichkeitsstörung lasse sich nicht
rechtfertigen. Weder die psychischen Verhaltensstörungen durch den multiplen
Substanzgebrauch noch die einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung
schränke die Arbeitsfähigkeit des Versicherten für leidensadaptierte Tätigkeiten ein. Als
ideal leidensadaptiert sei eine einfache handwerkliche Tätigkeit mit konkreten
Arbeitsmaterialien zu qualifizieren, die der Versicherte nach klaren Vorgaben ausüben
könne. Nicht ideal seien Tätigkeiten, bei denen länger dauernde und stabile
Aufmerksamkeitsleistungen gefordert seien, also beispielsweise Kontroll- und Über
wachungstätigkeiten, oder Tätigkeiten mit hohen Anforderungen an die mnestischen
Fähigkeiten, wie zum Beispiel die häufige Konfrontation mit neuen Produkten, Kunden
beratung etc. Im erlernten Beruf sei der Versicherte uneingeschränkt arbeitsfähig.
Mit einem Vorbescheid vom 29. April 2020 teilte die IV-Stelle dem Versicherten
mit, dass sie die Abweisung seines Rentenbegehrens mangels eines
rentenbegründenden Invaliditätsgrades vorsehe (IV-act. 166). Dagegen liess der
Versicherte am 27. Mai 2020 einwenden (IV-act. 172), der Einschätzung von Dr. I._
könne nicht gefolgt werden. Er sei nicht arbeitsfähig und er habe deshalb einen
Anspruch auf eine ganze Rente. Mit einer Verfügung vom 20. April 2021 wies die IV-
Stelle das Rentenbegehren des Versicherten ab (IV-act. 185).
A.e.
Am 18. Mai 2021 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 20. April 2021 erheben (act. G 1). Sein Rechts
vertreter beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Zusprache einer
ganzen Invalidenrente „ab wann rechtens“, spätestens ab Oktober 2014, und
eventualiter die Rückweisung der Sache zur Fortsetzung der Sachverhaltsabklärung an
die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin). Zur Begründung führte er aus,
der Beschwerdeführer habe keine gewöhnliche Berufslehre abschliessen und nie auch
nur annähernd das von der Beschwerdegegnerin berücksichtigte Valideneinkommen
erzielen können. Das zeige, dass er schon immer an einer relevanten
B.a.
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Erwägungen
1.
Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung der angefochtenen Verfügung
auf deren Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand jenem des vorangegangenen
Verwaltungsverfahrens entsprechen muss. Dieses hat nach dem Abschluss der
beruflichen Eingliederungsmassnahmen am 11. Juni 2018 die Prüfung des im April
2014 gestellten Rentenbegehrens respektive die Frage zum Gegenstand gehabt, ob
der Beschwerdeführer in der Zeit ab dem 1. Oktober 2014 (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG)
einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat.
2.
Gesundheitsbeeinträchtigung gelitten habe. Die Einschätzung von Dr. I._
widerspreche den zahlreichen Berichten der behandelnden Ärzte.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 20. August 2021 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 9). Zur Begründung führte sie an, das Gutachten von Dr. I._ sei
in jeder Hinsicht überzeugend, weshalb feststehe, dass der Beschwerdeführer nicht
invalid sei.
B.b.
Am 26. August 2021 wurde dem nun nicht mehr anwaltlich vertretenen
Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt (act. G 10).
B.c.
Am 15. Oktober 2021 hielt der Beschwerdeführer sinngemäss an seinen Anträgen
fest (act. G 13). Er machte geltend, er verstehe nicht, weshalb Dr. I._ die ganzen
Probleme, mit denen der Beschwerdeführer schon sein Leben lang kämpfe, auf eine
Suchtmittelproblematik reduziert habe. Ihm leuchte auch nicht ein, dass die
Beschwerdegegnerin sich ausschliesslich auf das Gutachten von Dr. I._ konzentriere
und die Berichte der behandelnden Ärzte ignoriere.
B.d.
Die Beschwerdegegnerin nahm keine Stellung.B.e.
Gemäss dem Art. 28 Abs. 1 IVG hat eine versicherte Person, deren
Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder
hergestellt, erhalten oder verbessert werden kann, die während eines Jahres ohne
einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig
2.1.
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gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid
ist, einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der
Invalidität wird nach Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu
jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben
wäre.
Der Beschwerdeführer hat zwar eine Anlehre zum B._ absolviert, aber diese
berufliche Ausbildung hat es ihm nicht ermöglicht, einen über dem statistischen
Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne liegenden Lohn zu erzielen. Zudem hat der
Beschwerdeführer nie als B._ gearbeitet. Vielmehr hat er typische Hilfsarbeiten
verrichtet. Zwar hat er geltend gemacht, dass er sich wegen damals schon
bestehenden gesundheitlichen Problemen mit einer niederschwelligen Ausbildung habe
begnügen müssen, aber diese Angabe lässt sich anhand der Akten nicht mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegen. Von
weiteren Abklärungen ist nach so langer Zeit (über 20 Jahre) kein wesentlicher
Erkenntnisgewinn zu erwarten, weshalb diesbezüglich eine objektive Beweislosigkeit
vorliegt, deren Folgen in einer lückenfüllenden analogen Anwendung des Art. 8 ZGB
der Beschwerdeführer zu tragen hat. Als Valideneinkommen ist deshalb der statistische
Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne heranzuziehen.
2.2.
Die Höhe des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens hängt mass
gebend davon ab, welche Tätigkeiten dem Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht
in welchem Umfang zumutbar sind. Somatische Beschwerden, die die Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigen würden, stehen nicht zur Diskussion. Bezüglich der relevanten
psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung liegen verschiedene Berichte von
Fachärzten, die den Beschwerdeführer ambulant oder stationär behandelt haben,
sowie das von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebene psychiatrische Gutachten
von Dr. I._ (einschliesslich der consiliarischen Beurteilung des Neuropsychologen
Y._) vor. Nach der bundesgerichtlichen Auffassung kommt dem Gutachten von Dr.
I._ schon deshalb ein (weit) höherer Beweiswert als den Berichten der behandelnden
Ärzte zu, weil es im Auftrag der Beschwerdegegnerin erstattet worden ist, denn nach
der vom Bundesgericht eingeführten Beweiskaskade handelt es sich bei einem
Administrativgutachten um ein Beweismittel „zweiter Klasse“, während es sich bei den
Berichten von behandelnden Ärzte nur um Beweismittel „vierter Klasse“ handelt, weil in
2.3.
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Bezug auf behandelnde Ärzte bereits aufgrund des Behandlungsauftrages der
objektive Anschein der Befangenheit besteht (vgl. zum Ganzen etwa die Hinweise im
Entscheid IV 2019/277 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 24. August 2021, E.
4.1). Das Gutachten von Dr. I._ weist allerdings auch eine deutlich höhere
Überzeugungskraft als die Berichte der behandelnden Ärzte auf, weil Dr. I._ den für
seine Beurteilung massgebenden medizinischen Sachverhalt umfassend erhoben und
ausführlich wiedergegeben hat. Er hat den Beschwerdeführer ausführlich befragt und
untersucht und er hat sämtliche Vorakten eingehend gewürdigt. In seinem Gutachten
hat er sowohl die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers als auch die von ihm
erhobenen objektiven klinischen Befunde umfassend wiedergegeben, wobei er –
anders als die behandelnden Ärzte – klar zwischen den subjektiven Angaben und den
für die Beurteilung massgebenden objektiven klinischen Befunde unterschieden hat. Er
hat sich auch eingehend mit der Beurteilung des Neuropsychologen Y._
auseinandergesetzt und den in der neuropsychologischen Testung erhobenen
Befunden Rechnung getragen. Seine Schlussfolgerungen bezüglich der
Diagnosestellung und der Arbeitsfähigkeitsschätzung hat er überzeugend anhand der
objektiven Befunde hergeleitet und begründet. Da der Beschwerdeführer in der
neuropsychologischen Testung (wie bereits bei früheren neuropsychologischen
Testungen) weitgehend durchschnittliche respektive nur geringfügig defizitäre
Leistungen gezeigt hat und weil auch der in der psychiatrischen Exploration erhobene
objektive klinische Befund weitestgehend unauffällig gewesen ist, überzeugt das Attest
einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit für den leichten neuropsychologischen
Defiziten angepasste Tätigkeiten. Widersprüche sind nicht auszumachen. Soweit Dr.
I._ bezüglich der Diagnosestellung oder der Arbeitsfähigkeitsschätzung zu von jenen
der behandelnden Ärzte abweichenden Schlussfolgerungen gelangt ist, hat er
überzeugend aufgezeigt, weshalb nicht auf die Schlussfolgerungen der behandelnden
Ärzte abgestellt werden kann. Auch die Begründung dafür, dass Dr. I._ die erlernte
Tätigkeit als angelernter B._ als ideal leidensadaptiert qualifiziert hat, überzeugt. In
den Akten finden sich keine Hinweise, die Zweifel an der Überzeugungskraft des
Gutachtens von Dr. I._ wecken würden. Folglich steht gestützt auf das Gutachten
von Dr. I._ mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
fest, dass der Beschwerdeführer im hier massgebenden Zeitraum ab dem 1. Oktober
2014 (abgesehen von irrelevanten kurzen Unterbrüchen während der stationären
Behandlungen) sowohl als angelernter B._ als auch als Hilfsarbeiter durchgehend
uneingeschränkt arbeitsfähig und damit in der Lage gewesen ist, ein dem
Valideneinkommen entsprechendes Invalideneinkommen zu erzielen. Das bedeutet,
dass der Beschwerdeführer nicht rentenbegründend invalid gewesen ist, weshalb sich
die angefochtene Verfügung als rechtmässig erweist.
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3.
Die Beschwerde ist abzuweisen. Der Beschwerdeführer ist zufolge der Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege von der Pflicht, die angesichts des durchschnittlichen
Verfahrensaufwandes auf 600 Franken festzusetzenden Gerichtskosten zu bezahlen,
befreit. Sollten es seine wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten, wird er zur
Nachzahlung der Gerichtskosten verpflichtet werden können (Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m.
Art. 123 ZPO).