Decision ID: 6006d3cf-c928-42ee-bf81-49a8157ad133
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 2014 geborene
X._
leidet
seit Geburt
an einer komplexen Hirnfehl
bildung mit Corpus
Callosum
-Agenesie
sowie
weiteren Geburtsgebrechen
(
Urk. 6/6).
Am 2
7
. März 2015 wurde
d
er
Versicherte
bei der Invalidenvers
i
che
rung angemeldet (Urk. 6/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
anerkannte den Anspruch auf medizinische Massnahmen zur Behand
lung der Geburtsgebrechen Ziffern 152, 356, 381, 386, 387, 395 und
427
gemäss Anhang zur Verordnung über Geburtsgebrechen (
GgV
; vgl. Urk. 6/21-25, 6/38
, 6/5
1
).
Zudem gewährte sie Kostengutsprache für ambul
ante Physiotherapie (Urk. 6/26), eine Sitzschale mit
Sitzschalen-Untergestell (Urk. 6
/27), eine Bade
liege (Urk.
6
/69)
,
leistete
einen Kostenbeitrag an Unterschenkel
orthesen beidseits (Urk. 6
/84) und
gewährte
Kostengutsprache für orthopädische Spezialschuhe (Urk.
6
/118). Des Weiteren wurde Kostengutsprache für die Mietkosten
der
mo
bi
le
n
Sauerstoff-Druckgasversorgung im Zusammenhang mit dem Geburtsgebre
chen Ziffer 387
geleistet
(Urk. 8/155).
1.2
A
m
7
.
April
2017
(Eingang)
erfolgte
die Anmeldung zum Bezug
einer
Hilflo
senentschädigung
für Minderjährige
(Urk. 6/72).
Nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(Urk. 6/80) sprach die IV-Stelle dem Versicherten m
it
Verfügung vom
7.
September 2017
vom 1. Januar 2017 bis 31. Dezember 2032 (vorbehalt
lich einer Revision) eine Entschäd
igung für leichte Hilflosigkeit
zu
(Urk. 6/93).
Am 5. Oktober 2017 verordnete der behandelnde Arzt Dr.
A._
, Facharzt Kinder- und Jugendmedizin und Neuropädiatrie,
Kinderspitex
für den Versicherten (Urk. 6/96), woraufhin die
Kinder
s
pitex
B._
die Kostenübernahme für Abklärung
,
Beratung
und medizinische Massnahmen
durch die IV-Stelle beantragte (Urk. 6/98). Die IV-Stelle
nahm
am 3
0.
November 2017
eine Abklärung
vor
Ort
v
or
(Abklärungsbericht für
Kinderspitex
, Urk. 6/107)
und prüfte dabei auch den Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
für Minder
jährige und Intensivpflegezuschlag
neu
(
vgl. Urk. 6/101,
6/108).
Mit Vorbescheid vom 28. Dezember 2017 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Erhöhung der
Hilflosenentschädigung
ab dem 1. Dezember 2017 bis 31. Dezember 2032 (vor
behaltlich einer Revision) wegen Hilflosigkeit
mittleren Grades in Aussicht; ein Anspruch auf Intensivpflegezuschlag bestehe hingegen nicht
(Urk. 6/109).
Sodann wurde mit separatem Vorbescheid vom 28. Dezember 2017 die Abwei
sung
des Leistungsbegehrens
für
Kinderspitexleistungen
angekündigt
(Urk. 6/110).
Nach
Einwanderhebung (
Urk.
6/120, 6/121)
wurde mit Verfügung
en
vom 27. März 2018 im Sinne de
r Vorbescheide
vom 28. Dezember 2017 das Leistungsbegehren um Kostengutsprache für
Kinderspitexleistungen
abgewiesen
(Urk. 6/149
[= Urk. 2/1]
)
und
die Erhöhung der
Hilflosenentschädigung
für Min
derjährige im Sinne des Vorbescheids gewährt;
ein Anspruch auf
Intensivpflege
zuschlag wurde
verneint
(Urk. 6/150
;
vgl.
separates Verfahren IV.2018.00462
).
2.
Der Versicherte
liess
am 8. Mai 2018 B
eschwerde (Urk. 1) gegen die Verfügung vom 27. März 2018 (Urk. 2/1) erheben und beantragen, die Verfügung sei aufzu
heben und im Rahmen der medizinischen Massnahmen nach Art. 13 IVG ab dem frühestmöglichen Zeitpunkt Kostengutsprache für Leistungen der
Kinder
spitex
zu erteilen (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 21. Juni 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde (Urk. 5). Mit Verfügung vom 3. Juli 2018 wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet und dem Beschwer
deführer Frist zur Replik angesetzt (Urk. 7). Mit Eingabe vom 10. September 2018 verzichtete der Beschwerdeführer auf eine Stellungnahme (Urk. 9), was der Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 13. September 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 10).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Versicherte haben bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen (
Art.
3
Abs.
2
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
) notwendigen medizini
schen Massnahmen (
Art.
13
Abs.
1
des Bundesgesetzes
über die Invalidenversi
cherung, IVG
). Der Bundesrat bezeichnet die Gebrechen, für welche diese Mass
nahmen gewährt werden. Er kann die Leistung ausschliessen, wenn das Gebrechen von geringfügiger Bedeutung ist (
Art.
13 Abs. 2 IVG).
Als Geburtsgebrechen gelten diejenigen Krankheiten, die bei vollendeter Geburt bestehen (
Art.
3
Abs.
2 ATSG in Verbindung mit
Art.
1
Abs.
1 Satz 1
GgV
). Die blosse Veranlagung zu einem Leiden gilt nicht als Geburtsgebrechen. Der Zeit
punkt, in dem ein Geburtsgebrechen als solches erkannt wird, ist unerheblich (
Art.
1
Abs.
1
GgV
). Die Geburtsgebrechen sind in der Liste im Anhang aufge
führt. Das Eidgenössische Departement des Innern kann die Liste jährlich
anpassen, sofern die Mehrausgaben einer solchen Anpassung für die Versiche
rung insgesamt drei Millionen Franken pro Jahr nicht übersteigen (
Art.
1
Abs.
2
GgV
).
1.2
Die medizinischen Massnahmen umfassen gemäss Art. 14 Abs. 1 IVG die Behand
lung, die vom Arzt oder von der Ärztin selbst oder auf ihre Anordnung durch medizinische Hilfspersonen in Anstalts- oder Hauspflege vorgenommen wird (
lit
. a), mit Ausnahme von logopädischen und psychomotorischen Therapien sowie die Abgabe der vom Arzt oder der Ärztin verordneten Arzneien (
lit
. b). Beim Entscheid über die Gewährung von ärztlicher Behandlung in Anstalts- oder Hauspflege ist auf den Vorschlag des behandelnden Arztes oder der behandelnden Ärztin und auf die persönlichen Verhältnisse der versicherten Person in ange
messener Weise Rücksicht zu nehmen (
Art.
14
Abs.
3 IVG).
Als medizinische Massnahmen im Sinne dieser Bestimmung gelten sämtliche Vorkehren, die nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft ange
zeigt sind und den therapeutischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (
Art.
2
Abs.
3
GgV
).
Nicht zu den medizi
nischen Massnahmen im genannten Sinn zählt eine Vorkehr – auch lebenserhaltender Art –, wenn eine medizinisch nicht geschulte Person in der Lage ist (oder dazu angeleitet werden kann), sie vorzunehmen (BGE 136 V 209 E. 7 mit Hinweisen).
2.
2.1
Der Beschwerdeführer hat unbestrittenermassen Anspruch auf medizinische Massnahmen zur Behandlung seiner Geburtsgebrechen. Strittig und zu prüfen ist jedoch vorliegend, ob ein Anspruch auf Übernahme von Kosten der
Kinderspitex
ab 19. September 2017 für Abklärung, Instruktion, Beratung und Koordination sowie Überwachung (Urk. 6/96
, 6/113
) besteht.
2.2
Die Beschwerdegegnerin verneinte den strittigen Leistungsanspruch mit der Begründung, die in Hau
spflege vorgenommenen Vorkehren,
deren Durchführ
ung nicht zwingend medizinische Berufsqualifikationen erfordern würden,
stellten
keine medizinischen Massnahmen
im S
inne von Art. 13 Abs. 1 IVG dar
(Urk. 2/1). D
ie lebenserhaltenden Massnahmen, die im Notfall vorzunehmen
seien
,
seien
nicht notwendigerweise durch einen Arzt oder – auf dessen Anordnung hin – durch medizinische Hilfspersonen
auszuführen
. Zur Verabreichung von krampf
lösenden Medikamenten, zur Beurteilung, ob das Kind atme, zur Benachrichti
gung der Ambulanz und des Notfallarztes oder zum Vorgehen bei E
rbrechen während eines Anfalles
sei eine medizinische Fachperson nicht zwingend von Nöten. Im Falle eines Anfalles bestehe auch ein Notfallschema. Durch den Einsatz
der
Kinderspitex
könne ein Anfall weder verhindert noch verkürzt werden (Urk. 5 S. 2).
2.3
In der Beschwerde wurde hingegen
vorgebracht
,
dass für einen Laien
ein Anfall
kaum erkennbar sei,
da der Beschwerdeführer atonisch krampfe.
D
ie epileptischen Anfälle
könnten
leicht oder schwer verlaufen und auch nach einer ruhigen anfallsfreien Zeit plötzlich schwer und mit Auswirkungen auf die Atmung auf
treten. Komme es zudem im Rahmen eines Anfalls zu Apnoen, müsse der Beschwerdeführer vor Ort – und vor Eintreffen der Ambulanz – beatmet und sein Herzkreislauf möglichst intakt gehalten werden. W
ü
rden die konkret erforder
lichen Notfallmassnahmen nicht sofort vorgenommen, könne es zu weiteren Schädigungen des Gehirns oder im schlimmsten Fall zum Versterben des Kindes kommen, da seine epileptischen Anfälle in einen Status
epilepticus
münden würden (
Urk.
1 S. 6).
An der medizinischen Notwendigkeit ändere sich auch nicht
s
, wenn die Eltern zeitweise faktisch anstelle der
Kinderspitex
die Überwa
chung wahrnehmen würden, obwohl diesen die nötige fachliche medizinische Qualifikation fehle, da Eltern in Bezug auf die Krankheit und Pflege ihrer Kinder anerkanntermassen als Experten und nicht als Laien
gelten
würden
(Urk. 1 S. 8).
3.
3.1
Der Beschwerdeführer leidet an einer komplexen Hirnfehlbildung
mit Hydroze
phalus
mit/bei Corpus
callosum
Agenesie, Kleinhirnhypoplasie, Status nach
Shunteinlage
(08/2015),
Kyphosierung
der mittleren Halswirbelsäule ohne Myelopathie,
Torticollis
rechts mit mildem
Plagiocephalus
rechts, globale
r
E
nt
wicklungs
störung
und
Strabismus
convergens
bei Status nach mehrmaligem Status
epilepticus
(Urk. 6/102/5). Gemäss Zeugnis von Dr.
A._
, Facharzt Kinder- und Ju
gendmedizin und Neuropädiatrie
,
benötig
t
der Beschwer
deführer eine fachgerechte medizinische Überwachung zu Hause, da es zu lebens
bedrohlichen Situationen
wie beispielsweise Apnoen
kommen könne, wobei eine 2
4-stündige
Überwachung durch die Eltern nicht zumutbar sei
(Urk. 6/119/2)
.
Aus dem Einwand der
Kinder
s
pitex
B._
vom 8. Januar 2018 geht sodann hervor, dass der Beschwerdeführer
aufgrund wiederholtem Status
epilep
ticus
notfallmässig mit der Ambulanz ins Spital gebracht werden musste. In diesem Rahmen habe er intubiert werden müssen, da er nicht mehr suffizient
geatmet habe
, weshalb eine 24 Stunden Beobachtung notwendig sei und daher Fachpersonen ihn überwachen müssten, um in Notfallsituationen angemessen reagieren zu können. Die Eltern seien in der Lage, den Beschwerdeführer zu über
wachen, da sie geschult worden seien
.
A
ndere Bezugspersonen würden sich jedoch nicht trauen, die Überwachung zu übernehmen (Urk. 6/120/2). Der
Umstand der medizinischen Überwachung sei klar gegeben, da im Rahmen der Anfälle mit Status
epilepticus
die Atmung des Beschwerdeführers diverse Male stark beeinträchtig gewesen sei und er sogar
habe
intubiert werden
müssen
.
Es sei korrekt, dass alle Betreuungspersonen das Vorgehen in Notfallsituationen kennen
würden
und in der Lage sein müss
t
en, es auszuführen. Solche Mass
nahmen könnten
jedoch
nicht einfach an weitere Laien delegiert werden, sondern nur durch die Eltern oder Fachpersonen ausgeführt werden. Zudem dürften die Massnahmen der medizinischen Überwachung im Kanton Zürich nicht an Laien delegiert werden (Urk. 6/120/3).
3.2
3.2.1
Mit Blick auf die Hauspflege hielt das Bundesgericht in BGE 136 V 209 fest, dass nur Vorkehren, welche notwendigerweise durch einen Arzt oder – auf seine Anordnung – durch medizinische Hilfspersonen im umschriebenen Sinn vorzu
nehmen sind, als medizinische Massnahmen im Sinne von Art. 13
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 14 Abs. 1
lit
. a IVG und Art. 2 Abs. 3
GgV
gelten können. Das trifft nicht zu bei Vorkehren, welche, ob nun mit oder ohne Anleitung, durch Personen ohne medizinische Spezialausbildung durchgeführt werden können (
BGE 136 V 209
E. 7
und 10
).
3.2.2
Im Nachgang zu BGE 136 V 209 erstellte das
Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV)
mit IV-Rundschreiben Nr. 297 vom 1. Februar 2011, welches anschliessend durch IV-Rundschreiben Nr. 308 vom 27. Februar 2012 und wiederum durch IV
Rundschreiben Nr. 362 vom 23. März 2017 ersetzt wurde, eine abschliessende Liste derjenigen Leistungen im
B
ereich der
Kinderspitex
, welche nach
Art.
13 und Art. 14 IVG als medizinische Massnahmen von der Invalidenversicherung über
nommen werden
,
und
listete
jeweils
die
pausch
a
l
en Höchstgrenzen auf.
3.2.3
Von den medizinischen Massnahmen zu unterscheiden sind Betreuungs
leistungen, die einen Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
entstehen lassen
(vgl.
hierzu Art. 42 ff. IVG)
. Diese soll die Dritthilfe zur Vornahme alltäglicher Vor
kehren sowie den Aufwand für lebenspraktische Begleitung (Art. 42 IVG und Art. 37 f.
der Verordnung über die Invalidenversicherung
,
IVV
) abgelten. Die
Hilf
losenentschädigung
für Minderjährige, die zusätzlich eine intensive Betreuung brauchen, wird um einen Intensivpflegezuschlag erhöht (Art. 42
ter
Abs.
3 IVG).
3.2.4
Im vorgenannte
n
Entscheid hatte das Bundesgericht zu beurteilen, ob die von der
Kinderspitex
am Bett eines an einem hirnstammnahen Tumor leidenden Klein
kindes durchgeführte Nachtwache mit Verabreichen von Tabletten und Durch
führung von
Sondenernährung
als medizinische Massnahme i
m Sinne von Art. 14 Abs. 1
lit
. a IV
G
zu gelten habe. Das Gericht kam zum Schluss, angesichts der Tatsache, dass die Eltern des Kindes alle medizinischen Massnahmen selber
durchführten, dadurch aber an ihre Grenzen gelangten und in den Akten wieder
holt auf die Notwendigkeit einer Entlastung der Eltern hing
e
wi
e
sen worden sei, sei die Feststellung der Vorinstanz nicht zu beanstanden, wonach die fraglichen Verrichtungen der Entlastung der Eltern dienten und nicht den Einsatz einer diplomierten Krankenschwester erforderten, womit es an medizinischen Mass
nahmen im Sinne von Art. 13 und
Art.
14 IVG fehle. Dem durch das Geburtsge
brechen erforderlichen pflegerischen Mehraufwand der Eltern sei im Rahmen der
Hilflosenentschädigung
und des Intensivpflegezuschlags Rechnung zu tragen (BGE 136 V 209 E. 11.1). Diese Rechtsprechung bestätigte das Bundesgericht auch in weiteren Fällen, so beispielsweise im Falle einer an verschiedenen Geburtsge
brechen leidenden Beschwerdeführerin
,
welche im Rahmen eines sogenannten Hängematten-Aufenthaltes in den Räumlichkeiten einer Stiftung
Kinderspitex
leistung
en
in Anspruch nahm. Das Bundesgericht hielt fest, dass nicht entschei
dend sei, ob eine ärztliche Verordnung für medizinische Massnahmen vorliege, sondern ob – unabhängig von der Örtlichkeit – tatsächlich Massnahmen durch
geführt werden, welche die diesbezüglichen gesetzlichen Anforderungen erfüllen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_541/2018 vom 10. April 2019 E. 4.3.1; vgl. auch
Urteil des Bundesgerichts 9C_299/2016 vom 13. Februar 2017)
.
3.3
V
orliegend wurde
dargelegt
, dass alle Massnahmen weitgehend von den Eltern durchgeführt w
ü
rden (Urk. 6/97/6).
Bei Eltern ohne genügende berufliche (medi
zinische) Fachausbildung handelt es sich nicht um eine Hilfsperson im Sinne von Art. 14 Abs. 1
lit
. a IVG. Vorkehren – auch lebenserhaltender Art –, die eine medizinisch nicht geschulte Person durchzuführen in der Lage ist (oder dazu angeleitet werden kann),
gelten
nicht als medizinische Massnahme im genannten Sinne (vgl. BGE 136 V 209 E. 7). Aufgrund des Spitex-Fragebogens vom 9. Oktober 2017 (Urk. 6/97/1-7) ist nicht ersichtlich, welche medizinischen Massnahmen effektiv durch eine geschulte Fachperson durchgeführt werden
müssten. A
uch
wenn
der behandelnde Arzt von der Notwendigkeit einer Über
wachung durch medizinisch geschultes Personal auszugehen scheint (
vgl.
E. 3.1), erscheint aufgrund der Aktenlage die Massnahme insbesondere der Entlastung der Eltern zu dienen. D
urch die
Kinderspitex
wurde auch
vorgebracht, dass die Überwachung durch Fachpersonen notwendig sei, da die Eltern diese Verantwor
tung nicht an 24 Stunden und 365 Tagen im Jahr selber übernehmen könn
t
en (Urk. 6/120/3), die weiteren Bezugspersonen würden sich zudem nicht trauen, die Überwachung des Beschwerdeführers wahrzunehmen
(Urk. 6/97/5, 6/120/2)
. Es ist daher davon auszugehen, dass grundsätzlich die notwendigen Massnahmen in einer Notfallsituation auch durch angeleitete Personen durchgeführt werden könnten.
Dass die Eltern bei der aktenkundig intensiven Überwachung des Beschwerdeführers an ihre Grenzen stossen, ist mehr als verständlich. Nach den
dargelegten Grundsätzen vermag dies aber nicht zu genügen, um die beantragten Leistungen der
Kinderspitex
als solche im Sinne von Art. 14 Abs. 1
lit
. a IVG zu qualifizieren.
Gemäss den Angaben des behandelnden Arztes Dr.
A._
im Bericht vom 17. Mai 2017
kommt es beim Beschwerdeführer neben tonisch-klonischen Anfallsereignissen
auch
zu
Tonusverlust
mit vermehrtem Schwitzen und Speichelfluss (Urk. 6/102/5
), wobei auch in der Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) festgehalten wurde, dass der Beschwerdeführer unter einer schwer einstellbaren Epilepsie leide. Da sich die
Tonusverluste
vermutlich weniger dramatisch zeigen würden als ein tonisch-klonischer Anfall, sei eine gute Überwachung sicherlich notwendig, bei fehlender Wirkung der Notfallmedikation sei jedoch ein zügiger Transport ins Spital notwendig (Urk. 6/146/2)
. Es erscheint nachvollziehbar, dass solche Verabreichungen auch von einer dazu angeleiteten Person durchgeführt werden
können
, was denn auch von den Eltern des Beschwerdeführers mit grossem Einsatz umgesetzt wird. Entgegen den Aus
führungen des Beschwerdeführers (Urk. 1 S. 6) handelt es sich nicht bei jeder Verabreichung von Medikamenten um eine medizinische Massnahme im Sinne von Art. 14 IVG. Gemäss
§
3 des Gesundheitsgesetzes des Kanton Zürich (
GesG
) benötigt zwar eine Bewilligung, wer instrumentale Eingriffe in den Körper
öffnungen oder körperverletzend unter der Haut vornimmt sowie Arzneimittel und Medizinprodukte in Verkehr bringt, deren Abgabe nach Bundesrecht bewilligungspflichtig
ist
, jedoch wird dem Beschwerdeführer die Medikation
oral verabreicht
(Urk.
6/
79/1). Demnach ist für die Medikation des Beschwerdeführers nicht zwingen
d
eine geschulte Fachperson notwendig,
weshalb davon auszuge
hen ist, dass
eine durch einen Arzt angeleitete Person die notwendigen Mass
nahmen ebenfalls durchführen
kann
.
Dass andere Interventionen, welche allfällig als medizinische Leistungen im vorgenannten Sinn zu
werten wären, in Frage stünden, wird nicht weiter geltend gemacht, zudem ergibt sich solches auch nicht anhand der Akten. Vielmehr ist, sofern eine
Anfallskupierung
nicht möglich ist, die unverzügliche Überführung des Beschwerdeführers in ärztliche Behandlung unerlässlich, woran auch die Anwesenheit einer Fachperson der
Kinder
s
pitex
nicht
s
ändern würde.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die im Streit stehenden Leistungen der
Kinderspitex
nicht als medizinische Massnahmen im Sinne von Art. 14 Abs. 1
lit
. a IVG zu qualifizieren sind, womit
die Anwendung des vom Beschwerdeführer angeführten IV-Rundschreiben
s
Nr. 362 zum Vornherein ausser Betracht fällt. Die Beschwerde ist daher abzuweisen
.
4.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 400.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerde
führer aufzuerlegen.