Decision ID: 6ce382ce-bcdd-59e8-9489-645345498635
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
Z._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Petra Oehmke, Bahnhofplatz 9, Postfach 976,
8910 Affoltern am Albis,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a Z._, Jahrgang 1956, meldete sich im März 2004 mit dem Hinweis auf eine
Fibromyalgie zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an und
beantragte Arbeitvermittlung, besondere medizinische Eingliederungsmassnahmen und
die Ausrichtung einer Rente (IV-act. 1). Dr. med. A._, Fachärztin FMH für Innere
Medizin und Rheumatologie, diagnostizierte im Arztbericht vom 26. April 2004 ein
chronifiziertes zervikozephales Syndrom beidseits rechtsbetont bei ausgeprägten
degenerativen Veränderungen der Halswirbelsäule (HWS), ein generalisiertes
Schmerzsyndrom und eine Periarthropathie humero-scapularis calcarea rechts. Aus
rein rheumatologischer Sicht könne die Versicherte eine leichte bis mittelschwere
Arbeit ohne repetitive Überkopfarbeit und ohne häufiges Kopfdrehen mindestens zu
50% ausüben (IV-act. 10-1, 10-5). Im Arztbericht vom 3. Mai 2004 diagnostizierten
Dr. med. B._ und Dr. med. C._ von der psychiatrischen Klinik Waldhaus in Chur
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und eine Anpassungsstörung mit Angst
und depressiver Reaktion gemischt. Die Versicherte könnte versuchen, zu 50% zu
arbeiten (IV-act. 9).
A.b Die IV-Stelle gab daraufhin eine bidisziplinäre Begutachtung in Auftrag. Das
unzutreffend mit 15. Februar 2006 datierte, bei der IV-Stelle am 9. Juni 2006
eingegangene Gutachten von Dr. med. D._, Facharzt FMH für Innere Medizin sowie
Physikalische Medizin und Rehabilitation, nennt keine invalidisierenden Diagnosen aus
dem rheumatologisch-orthopädischen bzw. somatischen Formenkreis.
Neuroradiologisch bestünden lumbal bescheidene, zervikal fortgeschrittene
degenerative Segmenterkrankungen. In einer leichten bis mittelschweren (max.
gelegentliche Hebebelastung 10-15 kg), keine Zwangshaltung erforderlich machenden
Tätigkeit bestehe keine Arbeitsunfähigkeit. Der psychiatrische Teilgutachter Dr. med.
E._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte im Gutachten
vom 25. April 2006 eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung bei einfach
strukturierter Persönlichkeit. Längerfristig sei keine Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen (IV-
act. 23).
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A.c Gestützt auf die Einschätzung von Dr. D._ und Dr. E._ wies die IV-Stelle mit
Verfügung vom 20. Juni 2006 den Anspruch auf eine IV-Rente bei einem
Invaliditätsgrad von 10% ab (IV-act. 28). Gleichentags verneinte sie einen Anspruch auf
Arbeitsvermittlung (IV-act. 29). Gegen die Rentenverfügung erhob Rechtsanwalt Dr. iur.
Thomas Grieder in Vertretung der Versicherten am 11. August 2006 Einsprache. Er
beantragte die Aufhebung der Verfügung und die Ausrichtung einer dem
Gesundheitszustand der Versicherten entsprechenden IV-Rente (IV-act. 36).
A.d Dr. A._ widersprach am 8. August 2006 der Auffassung der IV-Stelle. Aufgrund
der pathologischen Befunde im Bereich des muskuloskelettären Apparates sowie der
im Vordergrund stehenden chronifizierten bewegungsabhängigen Schmerzen in der
rechten Körperhälfte, überlagert durch die depressive Entwicklung, bestehe eine
Arbeitsunfähigkeit von 50% (IV-act. 38). Dr. med. F._, Facharzt FMH für Psychiatrie
und Psychotherapie, hatte am 17. Juli 2006 neben der somatoformen Schmerzstörung
von einer schwerwiegenden Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion auf
dem Boden anhaltender psychosozialer, somatischer Belastung berichtet und eine
Arbeitsunfähigkeit von 70% attestiert (IV-act. 39). Mit diesen abweichenden Meinungen
konfrontiert, hielten Dr. E._ am 26. August 2006 und Dr. D._ am 16. Oktober 2006
an ihren Einschätzungen fest (IV-act. 45, 46).
A.e Der Rechtsdienst der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen wies die
Einsprache in Vertretung der IV-Stelle mit Entscheid vom 15. Dezember 2006 ab. Eine
somatoforme Schmerzstörung oder eine Fibromyalgie bewirke
rechtsprechungsgemäss in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invalidität führende
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Nur im Ausnahmefall sei eine Invalidität
anzunehmen. Ein solcher Ausnahmefall sei vorliegend nicht gegeben (act. G 1.1.1).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von Rechtsanwältin lic. iur.
Petra Oehmke in Vertretung der Versicherten am 29. Januar 2007 erhobene
Beschwerde. Sie beantragt die Aufhebung des Entscheids und die Zusprache eine IV-
Rente ab 1. Juni 2004. Eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Der Beschwerdeführerin sei die unentgeltliche Rechtsverbeiständung
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zu gewähren, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. In der Begründung geht
die Beschwerdeführerin auf verschiedene Arztberichte detailliert ein. Die Gutachten von
Dr. D._ und Dr. E._ würden den Anforderungen, die an ein umfassendes, objektives
Gutachten zu stellen seien, bei Weitem nicht genügen. Dr. D._ mache sich nicht die
Mühe, sämtliche aus rheumatologischer Sicht objektiven Beschwerden in der
Diagnosestellung zu erwähnen. Das Gutachten sei von Anfang an abwertend abgefasst
und konzentriere sich darauf, diejenigen Punkte verzerrend darzustellen, die nahe legen
könnten, dass die Beschwerdeführerin ein aggravierendes, unangepasstes Verhalten
bei der Untersuchung an den Tag gelegt habe. Aus dem Bericht ergebe sich kein
einziger konkreter Anhaltspunkt dafür, welche klinischen Untersuchungen
vorgenommen worden seien. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. D._ stehe im
Widerspruch zu seiner Aussage, dass die festgestellten
Halswirbelsäulenveränderungen Anlass zu chronisch wiederkehrenden Beschwerden
sein könnten. Ähnlich rudimentär und oberflächlich erscheine das psychiatrische
Gutachten von Dr. E._. Erstaunlicherweise äussere dieser sich zur Frage der
momentanen Arbeitsfähigkeit gar nicht. Er halte lediglich fest, dass längerfristig keine
Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen sei. Der Bericht sei von Anfang an wertend. Mit seinem
Hinweis, Suizidgedanken seien für die Beschwerdeführerin nie ein Thema gewesen,
manifestiere er eine unglaubliche Aktenunkenntnis. Auch aktenkundigen
Halluzinationen und Verfolgungswahnzuständen sei Dr. E._ nicht nachgegangen.
Weiter weist die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin auf Übersetzungsfehler hin.
Ihre Würdigung der Akten veranlasst sie dazu, eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens
50% als erwiesen zu betrachten. Im Übrigen sei das Valideneinkommen von der
Beschwerdegegnerin mit Fr. 52'000.- zu tief festgelegt worden. Es hätte sich im Jahr
2004 auf gut Fr. 60'000.- belaufen. Vom Invalideneinkommen sei ein Abzug von 15%
zuzuerkennen. Der Invaliditätsgrad betrage 65%. Abschliessend hält die
Rechtsvertreterin fest, die Beschwerdeführerin begründe Anspruch auf
Arbeitsvermittlung (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt am 8. Februar 2007 die Abweisung der
Beschwerde und verweist zur Begründung auf die Erwägungen im
Einspracheentscheid (act. G 4).
B.c Am 23. Februar 2007 liess die Beschwerdeführerin das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung zurückziehen (act. G 7).
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B.d Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin teilte dem Gericht am 5. März 2007
mit, ihre Klientin habe in die Psychiatrische Klinik St. Pirminsberg in Pfäfers
eingewiesen werden müssen. Ihr Gesundheitszustand habe sich seit November 2006
massiv verschlechtert (act. G 8). Mit Eingabe vom 27. April 2007 reichte die
Rechtsvertreterin verschiedene weitere Arztberichte ein. Daraus könne man gewisse
Rückschlüsse auf die Qualität des Gutachtens von Dr. E._ ziehen. Von Dr. D._
seien zudem nicht alle Beschwerden berücksichtigt worden (act. G 10). Am 4. Juli 2007
legte die Vertreterin der Beschwerdeführerin zwei weitere Arztberichte ins Recht
(act. G 12). Schliesslich teilte sie dem Gericht am 21. Januar 2008 mit, die
Beschwerdeführerin sei am 17. Januar 2008 freiwillig in die Psychiatrische Klinik St.
Pirminsberg eingetreten. Einen Tag später habe sie die Klinik wieder verlassen wollen,
was ihr die Ärzte im Sinne eines fürsorgerischen Freiheitsentzugs verweigert hätten
(act. G 14).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 Erw. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
des streitigen Einspracheentscheids vom 15. Dezember 2006 eingetretenen
Sachverhalt abzustellen ist (BGE 121 V 366 Erw. 1b), sind im vorliegenden Verfahrendie
bis zum 31. Dezember 2007 geltenden materiellen Bestimmungen anzuwenden.
2.
2.1 Unter Invalidität wird bei als Gesunde voll erwerbstätigen Personen die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
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verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen
Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach aArt. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn der Versicherte mindestens zu 70%, derjenige auf eine
Dreiviertelsrente, wenn er wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad
von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
2.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 Erw. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 Erw. 3a). Was Parteigutachten anbelangt, rechtfertigt
der Umstand allein, dass eine ärztliche Stellungnahme von einer Partei eingeholt und in
das Verfahren eingebracht wird, nicht Zweifel an ihrem Beweiswert (ZAK 1986 S. 189
Erw. 2a in fine, BGE 122 V 161 Erw. 1c).
2.3 Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin bemängelt die Gutachten von
Dr. D._ und Dr. E._.
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2.3.1 Der Rheumatologe Dr. D._ bestätigte in seinem Bericht vom 15. Februar 2006
neuroradiologisch lumbal bescheidene, zervikal fortgeschrittene degenerative Seg
menterkrankungen. Letztere würden im Ausmass deutlich über das
Altersphysiologische hinausgehen und könnten Anlass zu chronisch wiederkehrenden
Beschwerden sein. Die festgestellten degenerativen Veränderungen hätten aber keine
krankmachende Bedeutung und würden sich nicht unkontrollierbar invalidisierend
auswirken. Im Rahmen der klinischen Untersuchung stellte Dr. D._ fest, dass das
objektiv feststellbare Schmerzverhalten der Beschwerdeführerin mit dem subjektiven
(geäusserten und gezeigten) Schmerzempfinden keineswegs kompatibel sei (IV-
act. 23-7).
2.3.2 Mit seiner Einschätzung setzte sich Dr. D._ nicht in Widerspruch zur
behandelnden Rheumatologin Dr. A._, die bereits im April 2004 ein chronifziertes
zervikozephales Syndrom bei ausgeprägten HWS-Veränderungen, ein generalisiertes
Schmerzsyndrom und eine Periarthropathia calcarea der rechten Schulter
diagnostiziert hatte. Auch sie berichtete über diffuse generalisierte
Schmerzschilderungen der Beschwerdeführerin, die durch die erhobenen somatischen
Befunde für sie nicht im demonstrierten Ausmass erklärbar waren, weshalb sie
schliesslich eine psychiatrische Abklärung empfahl (IV-act. 10-3). Im Bericht vom 8.
August 2006 ergänzte Dr. A._ ihre frühere Beurteilung dahingehend, dass es
inzwischen zu einer Schmerzchronifizierung mit depressiver Überlagerung gekommen
sei (IV-act. 38). Die der Beschwerdeführerin attestierte Arbeitsunfähigkeit von 50% für
leichte bis mittelschwere Tätigkeiten vermag die Rheumatologin aus rein somatischer
Sicht allerdings nicht überzeugend zu begründen. Insgesamt wecken die Berichte von
Dr. A._ keine Zweifel an der Richtigkeit der Beurteilung von Dr. D._.
2.4
2.4.1 Der psychiatrische Gutachter Dr. E._ hielt am 25. April 2006 fest, auf Grund des
erhobenen Psychostatus' weise nichts auf ein nennenswertes, noch bestehendes
depressives Zustandsbild hin. Die Beschwerdeführerin sei bei klarem Bewusstsein und
zeitlich, örtlich, situativ und autopsychisch orientiert. Gedächtnis- und
Aufmerksamkeitsleistung unterlägen keinen Störungen; letztere sei im Lauf des
zweistündigen Gesprächs gleich geblieben. Der Denkprozess sei geordnet, einfach
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strukturiert und auf das Praktische ausgerichtet, bis auf eine beträchtliche
Fokussierung auf die eigenen Schmerzen formal und inhaltlich psychopathologisch
unauffällig; Denkblockaden oder Verlangsamung hätten nicht festgestellt werden
können. Das Intelligenzniveau beurteilte der Gutachter als durchschnittlich, eher an der
unteren Grenze. In der Grundstimmung wirke die Beschwerdeführerin ausgeglichen bis
heiter, was mit Blick auf die Stärke der angegebenen Beschwerden erstaune.
Leidensdruck sei kaum spürbar, allenfalls eine gewisse Resignation über die missliche
soziale Lage. Affektiv sei die Beschwerdeführerin gut ansprechbar. Der emotionale
Ausdruck sei situationsadäquat und meistens natürlich. Die Sitzhaltung werde als
gequält präsentiert, daneben sei die Beschwerdeführerin aber gleichwohl zum Lachen
animierbar. Auch das gelegentliche Grimmassieren bei Haltungswechseln oder die
verknittert wirkende Mimik bei der Auflistung der Beschwerden würden einen ziemlich
künstlichen Eindruck machen, die Augenpartie wirke nämlich sonst ausgesprochen
lachend. Psychomotorisch sei nichts Auffälliges zu erwähnen; eine deutliche
Antriebshemmung scheine nicht vorzuliegen. Dr. E._ führte weiter aus, Suizidalität
scheine nie ein Thema gewesen zu sein (IV-act. 23-13 f.). Im Ergebnis diagnostizierte
der Psychiater eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung bei einfach strukturierter
Persönlichkeit. Auf Grund dieser Störung, die wohl Ausdruck eines innerseelischen
Konflikts bedingt durch eine schwierige psychosoziale Situation sei, sei längerfristig
keine Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen.
2.4.2 Wenngleich das Gutachten E._ nicht durchwegs taktvoll formuliert ist, wirkt es
dennoch kompetent und in sich schlüssig. Die Suizidalität ist anamestisch zwar
nachvollziehbar, war aber selbst nach den älteren medizinischen Akten nie ein
dominantes Thema und spielte im Zeitpunkt der Beurteilung durch Dr. E._
offensichtlich keine Rolle mehr. Obschon etwas knapp ausgefallen, ist die
diesbezügliche Würdigung durch den Gutachter nach Lage der Akten nicht zu
beanstanden. Dasselbe hat für die Jahre zurückliegenden anamnestisch festgehaltenen
Wahnvorstellungen und Halluzinationen zu gelten, die von der Beschwerdeführerin
Dr. E._ gegenüber nicht einmal mehr erwähnt wurden. Die Beurteilung von Dr. E._
weicht von Befund und Einschätzung der psychiatrischen Klinik Waldhaus vom 3. Mai
2004 insofern ab, als damals noch eine Anpassungsstörung mit Angst und depressiver
Reaktion gemischt diagnostiziert worden war. Wesentliche Symptome, die damals auf
eine mittelgradige depressive Episode hindeuteten (verlangsamtes und auf ihre
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Problematik eingeengtes Denken, Unruhe und Weinerlichkeit, Aggressivität und
intermittierende Suizidgedanken), konnten im Begutachtungszeitpunkt nicht mehr (oder
jedenfalls nicht mehr massgeblich) festgestellt werden. Über eine psychiatrische
Behandlung, die bereits 1999/2000 stattgefunden haben soll, bestehen lediglich
anamnestische Angaben der Beschwerdeführerin. Es liegen keine Akten über die
damalige Diagnose und die Behandlung vor; auch den Berichten der behandelnden
Ärzte ist darüber nichts näheres zu entnehmen. Damit ist davon auszugehen, dass jene
psychische Störung vorübergehend war. Jedenfalls lassen sich daraus keine
Schlussfolgerungen auf eine mögliche psychische Erkrankung im
Begutachtungszeitpunkt ziehen.
2.4.3 Im mehrfach bestätigten Entscheid I 783/05 vom 18. April 2006 hielt das
Bundesgericht in Erw. 2.2 fest, die psychiatrische Exploration könne von der Natur der
Sache her nicht ermessensfrei erfolgen. Sie eröffne dem begutachtenden Psychiater
deshalb praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene
medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren
seien, sofern der Experte lege artis vorgegangen sei (vgl. die Leitlinien der
Schweizerischen Gesellschaft für Versicherungspsychiatrie für die Begutachtung
psychischer Störungen, in: SAeZ 2004 S. 1050 f.). Zu beachten sei auch die Divergenz
von medizinischem Behandlungs- und Abklärungsauftrag. Das Bundesgericht will u.a.
der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter wegen ihrer
auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweifel eher zu Gunsten ihrer Patienten
aussagen. Im Hinblick auf einen möglichen Ziel- und Interessenkonflikt (Behandlung
versus Begutachtung) gilt das auch für Spezialärzte. Namentlich in umstrittenen Fällen
kann nicht ohne weiteres auf die Angaben eines behandelnden Spezialarztes abgestellt
werden (EVGE I 814/03 vom 5. April 2004, Erw. 2.4.2). Aus diesen Gründen schliesst
das Bundesgericht, es könne nicht angehen, eine medizinische Administrativ- oder
Gerichtsexpertise stets dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen
zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu unterschiedlichen Einschätzungen
gelangten oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhielten.
Anders verhalte es sich hingegen, wenn die behandelnden Ärzte objektiv feststellbare
Gesichtspunkte vorbrächten, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben
seien und sich eigneten, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen (vgl. auch etwa
EVGE 663/05 vom 27. November 2006, Erw. 2.2.2; U 58/06 vom 2. August 2006,
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Erw. 2.2 in fine). – Solche Überlegungen sind bei Kontroversen zwischen Gutachter und
behandelndem Arzt oder Spezialarzt geeignet, beim richterlichen Entscheid über die
Überzeugungskraft eines Gutachtens den Ausschlag zu geben. Dass deswegen im
Sinne einer starren Beweisregel die Infragestellung einer angezweifelten Expertise
ausgeschlossen und die freie Beweiswürdigung eingeschränkt wäre, ist daraus nicht zu
schliessen (Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen IV 2006/163 vom
22. November 2007, Erw. 4b). Es ist gerichtsnotorisch, dass im heutigen
Begutachtungswesen kein generelles fachliches Kompetenzgefälle zwischen
Gutachtern und behandelnden Ärzten vorhanden ist. Daher sind Gutachten nicht per se
beweisend, gleichgültig, ob sie angefochten sind oder nicht. Selbst wenn ein
behandelnder Arzt keine neuen, objektiv feststellbaren Gesichtspunkte vorbringt, kann
seine abweichende Beurteilung beim Richter derartige Zweifel an der Schlüssigkeit
eines Gutachtens aufkommen lassen, dass er darauf nicht abstellen darf (Urteil des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen IV 2006/162 vom 11. Oktober 2007,
Erw. 3f).
Dies ist vorliegend in Bezug auf die im Bericht vom 17. Juli 2006 geäusserte
Einschätzung von Dr. F._ nicht der Fall. Dieser betreut die Beschwerdeführerin seit
Frühjahr 2006 psychiatrisch. Auch er diagnostizierte eine somatoforme
Schmerzstörung, attestierte der Beschwerdeführerin allerdings wegen einer
Anpassungsstörung mit längerer schwerwiegender depressiver Reaktion eine
Arbeitsunfähigkeit von 70% für jegliche Tätigkeit (IV-act. 39). Dr. F._ begründete die
bescheinigte Anpassungsstörung und insbesondere die behauptete schwerwiegende
depressive Reaktion nicht in nachvollziehbarer Weise. Ebenso wenig legte er dar,
inwiefern diese Diagnosen – sollten sie denn gerechtfertigt sein – invalidisierendes
Ausmass angenommen haben sollten. Als behandelnder Psychiater und
Psychotherapeut steht er in einem besonderen Vertrauensverhältnis zur
Beschwerdeführerin und vermochte daher wohl nur beschränkt objektiv deren
Einschränkung bzw. Arbeitsfähigkeit zu beurteilen. In seinem Bericht brachte er
jedenfalls nichts vor, das Zweifel an der eingehenden, schlüssigen Beurteilung E._
auslösen könnte. Er schätzte denselben (psychiatrischen) Sachverhalt lediglich anders
ein als Dr. E._ (vgl. auch IV-act. 45). Seine Einschätzung – die er im Übrigen kaum
begründete – gibt keine Veranlassung, an der Zuverlässigkeit von Dr. E._'s
Beurteilung zu zweifeln.
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3.
Grundsätzlich ist für das vorliegende Verfahren der Sachverhalt massgebend, wie er
sich bis zum Erlass des Einspracheentscheids vom 15. Dezember 2006 ereignet hat.
Nicht massgebend kann demnach sein, wie sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin nach jenem Datum entwickelt hat. Die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin behauptet jedoch, die Entwicklung zeige, dass die Einschätzungen
von Dr. E._ unzutreffend seien.
3.1 Die Beschwerdeführerin wurde zwischen dem 21. Februar und dem 4. April 2007 in
der psychiatrischen Klinik St. Pirminsberg wegen einer schwergradigen depressiven
Episode mit psychotischen Symptomen bei anhaltender somatischer Belastung
(somatoforme Schmerzstörung) stationär behandelt. Den Berichten der Klinik vom 5.
und 19. April bzw. vom 5. Juni 2007 (act. G 10.1, G 12.1, G 10.2) ist zu entnehmen,
dass es sich dabei um eine Reaktion auf den negativen Einspracheentscheid gehandelt
haben muss. Es sei (nach dem stationären Aufenthalt in der Klinik Waldhaus, Chur,
Ende 2003) erneut zu einer depressiven Dekompensation mit gedanklich wahnhaft-
übersteigerten, stark fremdaggressiv gefärbten Bewältigungsideen mit zunehmender
Gefahr von Impulskontrollverlust gekommen. Bei Austritt sei die depressive
Symptomatik deutlich verbessert gewesen und das Schmerzempfinden habe auf ein
erträgliches Niveau abgesenkt werden können. Nach wie vor fehle der
Beschwerdeführerin aber Selbstwirksamkeits- und Kontrollüberzeugung, sie sei wegen
des abschlägigen IV-Beschlusses erhöht reizbar und wütend, allerdings ohne
Anzeichen für akute Fremd- oder Selbstgefährdung. Am 17. Januar 2008 trat die
Beschwerdeführerin erneut freiwillig in die Klinik St. Pirminsberg ein, wollte diese aber
tags darauf wieder verlassen, was ihr ärztlicherseits (im Rahmen eines fürsorgerischen
Freiheitsentzugs) jedoch verweigert wurde. Sie leide an einem akuten aggressiven
Impulsdurchbruch im Rahmen einer schwergradigen Depression; es bestehe akut
eigen- und fremdgefährdendes Verhalten bei fehlender Krankheits- und
Behandlungseinsicht (act. G 14.1).
3.2 Auf Grund der Akten kann nicht beurteilt werden, ob diese depressiv-
psychotischen Dekompensationen der Beschwerdeführerin nur vorübergehender Natur
waren (im Sinn einer Reaktion auf den ablehnenden Rentenentscheid bzw. den im
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Dezember 2007 versandten ablehnenden Gerichtsentscheid betreffend die von ihrem
Ehemann beantragte Rente) oder ob sie Ausdruck einer anhaltenden gesundheitlichen
Verschlechterung sind. Im letzteren Fall wäre dies im Rahmen einer Neuanmeldung
geltend zu machen. Im vorliegenden Verfahren kann eine allfällige Verschlechterung
jedenfalls nicht Streitgegenstand sein.
4.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass bis zum (massgeblichen) Zeitpunkt des
Einspracheentscheides für die Beurteilung des Gesundheitszustandes der
Beschwerdeführerin und die Schätzung ihrer medizinisch-theoretischen
Arbeitsfähigkeit auf das bidisziplinäre Gutachten von Dr. D._ und Dr. E._ abgestellt
werden kann. Gemäss ihren schlüssigen und überzeugenden Ausführungen bedingen
die diagnostizierten somatischen und psychischen Leiden keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit. Aus dem Umstand, dass
Dr. E._ in seinem psychiatrischen Gutachten festhält, auf Grund der diagnostizierten
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung sei "längerfristig" keine Arbeitsunfähigkeit
ausgewiesen, kann nicht geschlossen werden, dass der Psychiater sich in der
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht hätte festlegen wollen, wie die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin dies behauptet. Dafür gibt es in all seinen Darlegungen keinen
Anhaltspunkt. Sofern dem Wort "längerfristig" überhaupt eine zeitlich gezielte
Bedeutung im gegebenen Zusammenhang zukommt, kann diese nur darin bestehen,
dass kurzzeitige, vorübergehende (nicht invalidisierende) Arbeitsunfähigkeiten damit
nicht ausgeschlossen werden, was letztlich selbstverständlich ist.
5.
Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin beantragt in der Beschwerde
subeventualiter Arbeitsvermittlung. Diese wurde jedoch bereits am 20. Juni 2006
abgewiesen mit der Begründung, bei der Stellensuche sei die Beschwerdeführerin
nicht gesundheitsbedingt eingeschränkt. Deshalb sei für sie das Regionale
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zuständig. In einer leichten bis mittelschweren, keine
Zwangshaltung erforderlich machenden Tätigkeit bestehe keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 29). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
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Auf den Subeventualantrag ist demzufolge nicht einzutreten. Selbst wenn man davon
ausgehen würde, dass diese Verfügung mit der Rentenverfügung verknüpft wäre und
vom Gericht gleichwohl zu überprüfen sei, wäre nicht ersichtlich, inwiefern die
Beschwerdeführerin – sollte nicht ohnehin die subjektive Behinderungsüberzeugung
der Arbeitssuche im Weg stehen – auf die IV-spezifische Arbeitsvermittlung durch die
Beschwerdegegnerin angewiesen sein sollte. Eine von der zutreffenden Einschätzung
der Beschwerdegegnerin abweichende Beurteilung wäre jedenfalls nicht gerechtfertigt.
6.
6.1 Bei voller Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit liegt der Invaliditätsgrad der
Beschwerdeführerin jedenfalls im rentenausschliessenden Bereich. Auf Ausführungen
zum Einkommensvergleich kann demnach verzichtet werden. Gemäss den
vorstehenden Erwägungen ist der angefochtene Einspracheentscheid vom
15. Dezember 2006 im Ergebnis nicht zu beanstanden und die Beschwerde
abzuweisen.
6.2 Gemäss den Schlussbestimmungen des IVG zur Änderung vom 16. Dezember
2005, in Kraft seit 1. Juli 2006, gilt für die vor dem 1. Juli 2006 von der IV-Stelle
erlassenen, zu jenem Zeitpunkt aber noch nicht rechtskräftigen Verfügungen das
bisherige Recht (lit. a und b der Schlussbestimmungen). Somit gelangt Art. 69 Abs. 1
IVG zur Kostenpflicht von Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von
IV-Leistungen im kantonalen Gerichtsverfahren nicht zur Anwendung. Gerichtskosten
sind demnach keine zu erheben.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG