Decision ID: a2f602e8-84e4-4453-9e46-1cbe9f85136b
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 7. August 2013 bei der Invalidenversicherung (IV) zum
Leistungsbezug an (IV-act. 6).
A.a.
Der Versicherte hatte am 22. Februar 2013 einen akuten Vorderwandinfarkt bei
koronarer Herzkrankheit mit Hauptstammbeteiligung erlitten, der eine dreifache
aortokoronare Bypass Operation notwendig gemacht hatte (Austrittsbericht
Universitätsspital Zürich, Medizinbereich Herz-Gefäss-Thorax, vom 28. Februar 2013,
IV-act. 9-12 ff.). Vom 28. Februar bis 27. März 2013 erfolgte eine kardiologische
Rehabilitation in der Klinik Gais (Austrittsbericht vom 11. April 2013, IV-act. 9-4 ff.).
Weiter war im Spital Altstätten, Departement Chirurgie und Orthopädie, ein
Impingement beider Schultern, links bei Bursitis subacromialis, Tendinopathie der
Supraspinatussehne und AC-Gelenksarthrose klinisch und bildgebend (Arthro-MRI
vom 10. Mai 2013) diagnostiziert worden (Bericht vom 17. Mai 2013, IV-act. 60-90 f.).
Dr. med. B._, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, Psychiatrie-Zentrum Z._,
hatte aufgrund der Erstkonsultation vom 6. Juni 2013 eine Anpassungsstörung mit
vorwiegender Beeinträchtigung von anderen Gefühlen (ICD-10: F43.23) diagnostiziert
und ausgeführt, nach einem Myocardinfarkt beschreibe der Versicherte eine
Verstärkung von innerer Unruhe, rascher Erregbarkeit mit aufbrausendem Verhalten in-
und ausserhalb der Familie sowie Ein- und Durchschlafstörungen (Bericht Psychiatrie-
Zentrum Z._ vom 19. Juni 2013, IV-act. 32-39 f.).
A.b.
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Dr. med. C._, Facharzt FMH für Innere Medizin, berichtete am 16. August 2013,
der Versicherte absolviere ein Cardiofit-Programm im Spital Y._. Einschränkend seien
Thoraxbeschwerden, Dyspnoe, Müdigkeit der Beine und eine depressive Symptomatik.
Er gehe davon aus, dass über die nächsten Monate eine Erhöhung der Arbeitsfähigkeit
und in Zukunft eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit ganztags möglich sein werde
(IV-act. 16). Gemäss Bericht des Departements Innere Medizin, Pneumologie des
Kantonsspitals St. Gallen (KSSG), vom 31. Oktober 2013 wurde ein leichtgradiges
gemischtes Schlafapnoe-Syndrom diagnostiziert und eine später wegen
Wirkungslosigkeit und Brechreiz sistierte CPAP-Therapie eingeleitet (IV-act. 32-26 f.;
Bericht Pneumologie KSSG vom 18. Februar 2014, IV-act. 32-17 f.).
A.c.
Mit Mitteilung vom 28. November 2013 wies die IV-Stelle das Gesuch um
berufliche Eingliederungsmassnahmen ab, da diese aufgrund des
Gesundheitszustandes zurzeit nicht möglich seien (IV-act. 26).
A.d.
Der Versicherte klagte über bewegungsabhängige Schmerzen in der Brust und
Atemnot. Abklärungen am Universitären Herzzentrum Zürich ergaben, dass eine
kardiale oder ossäre Genese der Beschwerden höchst unwahrscheinlich und eine
weiterführende kardiale Diagnostik derzeit nicht indiziert scheine (Berichte vom 7. und
30. Januar 2014, IV-act. 32-22 ff. und IV-act. 32-19 ff.).
A.e.
Anlässlich einer stationären Therapie in der Psychiatrischen Klinik X._ vom
19. März bis 24. April 2014 wurde eine schwere depressive Episode, ohne
psychotische Symptomatik (ICD-10: F32.2), diagnostiziert. Der Versicherte beschreibe
Angst vor jedem neuen Tag, fühle sich krank und als Belastung für die Familie, sehe in
wachem Zustand häufig Schlangen oder Verwandte als Tote und sei ungeduldig und
gereizt. Er versuche, diese Gefühle zu unterdrücken, bis er "explodiere", und habe
auch schon seine Kinder geschlagen. Er könne nicht durchschlafen, sei traurig und
verzweifelt. Der Versicherte sei auch auf Station dysphor und gereizt gewesen mit
Wutausbrüchen und abwertendem Verhalten. Die angebotenen Antidepressiva habe er
nahezu alle abgelehnt, da er schon viele Antidepressiva ohne Erfolg ausprobiert habe.
Er habe seine Probleme auf körperliche Defizite zurückgeführt und ein Gespräch unter
Beisein seiner Ehefrau abgelehnt. Der Austritt sei vorzeitig erfolgt. Bei Austritt sei er zu
100 % arbeitsunfähig gewesen (Austrittsbericht vom 6. Mai 2014, IV-act. 32-7 ff.).
A.f.
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Gemäss Arztbericht vom 15. September 2014 diagnostizierten die den Versicherten
ambulant weiter behandelnden Ärzte des Psychiatrie-Zentrums Z._ eine
generalisierte Angst und depressive Störung gemischt (ICD-10: F41.2). Aufgrund der
geringen Stresstoleranz sei es zu körperlicher und psychischer Gewalt gegenüber
seiner Familie gekommen, es bestehe Fremdgefährdung. Die Prognose sei schlecht.
Aufgrund des bisherigen Verlaufs sei nicht von einer Besserung der Symptomatik
auszugehen. Aus psychiatrischer Sicht sei der Versicherte aufgrund der schweren
ängstlichen depressiven Symptomatik mit verminderter Belastbarkeit seit
Behandlungsbeginn zu 100 % arbeitsunfähig (IV-act. 35). Daraufhin erliess die IV-Stelle
am 7. November 2014 wiederum eine Mitteilung, aufgrund des Gesundheitszustandes
seien zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich (IV-act. 42).
RAD-Arzt Dr. med. D._, Facharzt für Innere Medizin, nahm am 31. Dezember
2014 nach Rücksprache mit RAD-Ärztin Dr. med. E._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, Stellung: Der Gesundheitszustand habe sich chronifiziert und
könne somit als stabilisiert betrachtet werden. Es bestehe auch in adaptierter Tätigkeit
keine Arbeitsfähigkeit mehr. Zwar sei zu vermuten, dass der Versicherte als Gefangener
seiner eigenen Logik die bisher verschriebenen etlichen Psychopharmaka stets nach
eigenem Gutdünken einnehme bzw. eingenommen habe. Im Rahmen der
Mitwirkungspflicht könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine Veränderung des
Gesundheitszustandes erzielt werden. Die behandelnden Psychiater hätten die zur
Verfügung stehenden Therapiemassnahmen ausgeschöpft bzw. würden diese
ausschöpfen. Das Leistungsverhalten des Versicherten erscheine zwar suboptimal,
müsse aber dem psychiatrischen Gesundheitsschaden zugeordnet werden (IV-act. 43).
A.g.
Im Bericht des Psychiatrie-Zentrums Z._ vom 3. Februar 2015 wurde ausgeführt,
inzwischen hätten Familiengespräche und Abklärungen mit dem ehemaligen
Arbeitgeber den Verdacht einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach
Extrembelastung (ICD-10: F62.0) bestätigt (IV-act. 44). RAD-Ärztin Dr. E._ äusserte
am 10. März 2015 im Wesentlichen, diese Diagnose sei anhand der beschriebenen
Symptomatik und des zeitlichen Verlaufs plausibel. Sie sei nachvollziehbar und
fremdanamnestisch gestützt. Eine Arbeitsfähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt sei nicht
ausgewiesen. Durch weitere medizinische Abklärungen lasse sich derzeit mit
A.h.
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überwiegender Wahrscheinlichkeit keine wesentlich andere Erkenntnis gewinnen (IV-
act. 46).
Die IV-Stelle gab - nach Rücksprache mit dem Rechtsdienst - ein polydisziplinäres
Gutachten aus dem Rentenprozess in Auftrag (Strategieprotokoll vom 20. März 2015,
IV-act. 47; interne Genehmigung vom 23. März 2015, IV-act. 51; Auftrag vom 21. April
2015, IV-act. 52). Dieses wurde der medexperts AG zugeteilt. Im Gutachten vom
16. Juni 2015 (Dr. med. F._, Allgemeine Innere Medizin; med. prakt. G._,
Psychiatrie; Dr. med. H._, Kardiologie; Dr. med. I._, Orthopädie; Untersuchungen
6., 8. und 12. Mai 2015; IV-act. 60) kamen die Experten zum Schluss, aus
psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit des Versicherten wegen einer erneuten
schwergradigen depressiven Episode zumindest seit der gutachterlichen Untersuchung
vom 6. Mai 2015 zu 100 % eingeschränkt. Es sei möglich, dass die depressive
Symptomatik durch Fortführung der Behandlung abnehme oder ganz verschwinde.
Dann könne auch beurteilt werden, ob der Versicherte noch aggressiv und impulsiv sei
und ob er an einer Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung leide und ob bzw. in
welchem Ausmass diese die Arbeitsfähigkeit einschränke (IV-act. 60-43 f.). Aus
kardiologischer Sicht wurde dem Versicherten für Tätigkeiten ohne schwere körperliche
Leistungen (Lasten über 20 kg) eine Arbeitsfähigkeit von 75 % attestiert (IV-act. IV-
act. 60-60). Die orthopädische Gutachterin befand, der Versicherte sei in seiner
bisherigen Tätigkeit als Schweisser nicht mehr arbeitsfähig. In einer leichten bis
mittelschweren körperlichen Tätigkeit ohne Überkopfarbeiten und ohne repetitiven
Einsatz der Arme über Schulter- bzw. Tischhöhe und ohne regelhaft geforderte
Wirbelsäulenzwangshaltungen bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit (IV-act. 60-51).
Interdisziplinär hielten die Gutachter fest, führend sei die psychiatrisch attestierte
Arbeitsunfähigkeit von 100 % erneut seit 6. Mai 2015. Orthopädisch und kardiologisch
bestünden qualitative Einschränkungen (vgl. IV-act. 60-55 f.). Der Rechtsdienst erklärte
am 12. August 2015, auf das Gutachten könne abgestellt werden (IV-act. 61).
A.i.
Aufgrund des als auffällig befundenen Krankheitsverlaufs und inkonsistenten
Verhaltens des Versicherten, die durch das psychiatrische Teilgutachten nicht
überzeugend geklärt worden seien, erteilte die IV-Stelle am 7. Dezember 2015 den
Auftrag, den Versicherten zu observieren (Meldeblatt Hinweis BVM vom 27. August
A.j.
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2015, IV-act. 63; Stellungnahme IV-Ärztin Dr. med. J._, Fachärztin für Neurologie,
vom 3. Dezember 2015, IV-act. 64; Genehmigung und Auftrag, IV-act. 65 f.).
Der behandelnde Kardiologe Dr. K._ bezeichnete im Bericht vom 22. Dezember
2015 die kardialen Befunde als unverändert (IV-act. 73-6 f.).
A.k.
Der Versicherte wurde am 4. Januar 2016 beobachtet, wie er von seinem Wohnort
nach W._ fuhr, dort zwei Stunden in einem Firmengebäude verblieb und
anschliessend Einkäufe erledigte. Am 6. Januar 2016 konnte er nicht angetroffen
werden (Überwachungs- und Observationsbericht vom 20. Februar 2016, IV-act. 77).
Am 19. Januar 2016 war er zu einem Standortgespräch bei der IV-Stelle eingeladen.
Dabei zeigte er sich mit schleppendem Gang, leicht vornübergebeugtem Kopf und
vermittelte einen sehr leidenden Eindruck. Er sprach langsam, gähnte ständig und
berichtete, es gehe ihm seit der Anmeldung unverändert schlecht. Etwa einmal
wöchentlich gebe es Tage, an denen es ihm etwas besser gehe. Er erledige kleine
Einkäufe auch mal alleine und gehe täglich Auto fahren, um die Zeit zu verbringen. Die
Präsenz im Einsatzprogramm von zwei Stunden täglich sei für ihn das Maximum
(Gesprächsprotokoll IV-act. 71-1 ff.; Aktennotiz vom 26. Januar 2016, IV-act. 72). Die
an diesem Tag durchgeführte Observation ergab, dass sich der Versicherte von seiner
Ehefrau zum Termin bei der SVA hatte fahren lassen, später während einer Stunde
jemanden besuchte, sich danach selbst ans Steuer setzte und auf dem Rückweg
Einkäufe tätigte. Am 5. Februar 2016 fuhr er wiederum mit zu Einkäufen und am
15. Februar 2016 fuhr er unter anderem selbst ins grenznahe Ausland (Überwachungs-
und Observationsbericht vom 20. Februar 2016, IV-act. 77-3 ff.). IV-Ärztin Dr. J._
nahm am 10. März 2016 Stellung, während der Beobachtungszeiten hätten keine
physischen oder psychischen Auffälligkeiten festgestellt werden können. Aufgrund der
Erkenntnisse der Observation könne eine Verbesserung der im Juni 2015 gutachterlich
attestierten schweren depressiven Symptomatik postuliert werden. Inwieweit auch
andere Faktoren wie bewusste Aggravation eine Rolle spielten, müsse durch eine
psychiatrische Begutachtung geklärt werden (IV-act. 80).
A.l.
Vom Psychiatrie-Zentrum Z._ wurden gemäss Bericht vom 22. März 2016 die
Diagnosen einer Angst und depressiven Störung gemischt (ICD-10: F41.2), einer
andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10: F62.0) und einer
A.m.
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Zwangsstörung (Zwangsgedanken; ICD-10: F42.2) festgehalten bzw. bestätigt. Der
Gesundheitszustand habe sich seit Februar 2015 deutlich verschlechtert. Die
Fremdgefährdung durch häusliche Gewalt sei nach wie vor vorhanden. Der Versicherte
habe kaum Reflexions- und Introspektionsfähigkeit, was den Zugang zu Ressourcen
verhindere. Deshalb sei auch von einer stationären Behandlung keine Verbesserung der
Symptomatik mehr zu erwarten. In einer leidensadaptierten Tätigkeit sei eine
Arbeitsfähigkeit von maximal 20 % vorhanden. Im ersten Arbeitsmarkt bestehe keine
verwertbare Arbeitsfähigkeit (IV-act. 84).
Anlässlich eines weiteren Gesprächs in der SVA vom 30. März 2016 schilderte der
Beschwerdeführer zunächst, seit dem Gespräch im Januar gehe es ihm nicht besser.
Schon bei alltäglichen Verrichtungen sei er eingeschränkt (IV-act. 85-4). Er lenke das
Auto lediglich in der Umgebung seines Wohnortes selbst, ansonsten fahre seine
Ehefrau (IV-act. 85-7). Nachdem ihm die Observation eröffnet worden war, nahm er im
Wesentlichen Stellung, wenn es ihm besser gehe, seien die Einschränkungen von
aussen nicht sichtbar. Der optische Eindruck sei nicht massgebend. Wenn er vergesse,
die Medikamente einzunehmen, gebe es zu Hause Probleme. Sein behandelnder
Kardiologe bestätige eine tiefe Leistungsfähigkeit (IV-act. 85-17 f.).
A.n.
In seinem von der IV-Stelle in Auftrag gegebenen Gutachten vom 12. September
2016 (Untersuch 2. Juni 2016, IV-act. 104) legte Dr. med. L._, Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, dar, das psychiatrische Teilgutachten von med. prakt. G._ sei
fehlerhaft (IV-act. 104-67 f.). Die Angaben des Versicherten bezüglich der
Halluzinationen und die Ergebnisse der neuropsychologischen Abklärung vom
25. August 2016 durch Dr. phil. M._ (Bericht vom 27. August 2016, IV-act. 105) seien
sehr auffällig. Anhand der Observation lasse sich nachweisen, dass die vom
Versicherten beschriebenen und geltend gemachten Einschränkungen nicht
durchgehend vorhanden seien, was er dann ja anlässlich des Gesprächs auf der IV-
Stelle nachträglich auch eingeräumt habe. Es falle auf, dass diese vor allem bei den
psychiatrischen Untersuchungen und Gesprächen vorhanden seien (IV-act. 104-74).
Aufgrund der vielen Hinweise auf Diskrepanzen und Widersprüche sowie einer
eingeschränkten Mitwirkung des Versicherten bei der Abklärung könne keine
psychiatrische Diagnose gestellt werden. Aus psychiatrischer Sicht könne keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründet werden (IV-act. 104-69). Insgesamt gehe
A.o.
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er davon aus, dass der Versicherte bei der psychiatrischen Untersuchung ein Verhalten
demonstriere und Symptome beschreibe, die seiner Vorstellung eines psychischen
Leidens entsprächen, nicht jedoch dem Konzept einer psychiatrischen Störung von
Krankheitswert, und dass dieses Verhalten mit einer Rentenbegehrlichkeit erklärt
werden müsse (IV-act. 104-79). Dr. J._ liess sich am 21. September 2016
vernehmen, das Gutachten sei umfassend und weise keine formellen Mängel auf. Es
könne vollumfänglich darauf abgestellt werden (IV-act. 107).
Mit Vorbescheid vom 22. Februar 2017 gewährte die IV-Stelle dem Versicherten
das rechtliche Gehör zur vorgesehenen Abweisung des Gesuchs (IV-act. 109). Am
29. März 2017 erliess sie eine abweisende Verfügung (IV-act. 112), welche sie am
5. April 2017 widerrief (IV-act. 117), nachdem ihr ein Einwand des Versicherten vom
24. März 2017 zugegangen war (IV-act. 113). Mit Einwandergänzung vom 15. Mai 2017
(IV-act. 120) und unter Berufung auf eine Stellungnahme des Psychiatrie-Zentrums
Z._ vom 9. Mai 2017 (IV-act. 121) machte der Versicherte im Wesentlichen inhaltliche
Mängel des Gutachtens von Dr. L._ geltend sowie dass dieses nicht unter Einbezug
des Observationsmaterials hätte erstellt werden dürfen.
A.p.
Am 25. August 2017 reichte der Versicherte einen Bericht des Psychiatrie-
Zentrums Z._ vom 24. August 2017 ein, wonach Diagnosen und Arbeitsunfähigkeit
trotz regelmässiger ambulanter Therapie seit dem Bericht vom 9. Mai 2017 unverändert
seien (IV-act. 127).
A.q.
Die IV-Stelle unterbreitete Dr. L._ am 8. Dezember 2017 Ergänzungsfragen (IV-
act. 133), welche der Gutachter am 9. Januar 2018 beantwortete (IV-act. 138). Er führte
im Wesentlichen aus, die Diagnostik der behandelnden Ärzte gründe auf
unzuverlässigen Aussagen des Versicherten und sei widersprüchlich. Das
Observationsmaterial habe im Gesamtzusammenhang keine sehr wesentliche Rolle
gespielt. Man müsse davon ausgehen, dass der Versicherte nicht nur in der
psychiatrischen Untersuchung aggraviere, sondern auch bei verschiedenen anderen
Gelegenheiten. Die in seinem Gutachten bemängelten Ungereimtheiten beruhten
darauf, dass der Versicherte bei der Abklärung bei ihm, aber auch bei Dr. M._, nicht
mitgewirkt habe (IV-act. 138).
A.r.
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B.
Mit Verfügung vom 26. Januar 2018 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren des
Versicherten ab. Die in der Observation erhobenen Beweise seien ohne Weiteres
verwertbar. Dr. L._ habe die medizinisch begründeten Einwendungen am 9. Januar
2018 überzeugend entkräftet. Es sei demnach kein Gesundheitsschaden
nachgewiesen, der die Arbeitsfähigkeit in einer geeigneten Tätigkeit beeinträchtigen
könnte (IV-act. 139).
A.s.
Gegen die Verfügung vom 26. Januar 2018 lässt der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer), vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. L. Häusermann, am 26.
Februar 2018 Beschwerde erheben. Er beantragt, die angefochtene Verfügung sei
unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben und die Angelegenheit sei für
weitere Abklärungen, insbesondere zur Einholung eines psychiatrischen
Verlaufsgutachtens bei med. prakt. G._, an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Das Gutachten von Dr. L._ sei nicht vollständig, da objektiv
feststellbare Symptome wie Hypomimie, Müdigkeit, Gedächtnisstörungen und andere
mehr ignoriert würden. Seit seinem Herzinfarkt im Februar 2013 habe sich sein
Gemütszustand zunehmend und schwerwiegend verschlechtert. Es hätten keine
genügenden Inkonsistenzen vorgelegen, weshalb die Anordnung einer Observation
nicht nachvollziehbar und der erforderliche Anfangsverdacht nicht gegeben gewesen
seien. Das Gutachten inklusive die Stellungnahme von Dr. L._ kläre wesentliche
Aspekte nicht, sei in wesentlichen Punkten nicht nachvollziehbar und leuchte nicht ein.
Med. prakt. G._ habe gemäss Gutachten vom Juni 2015 eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig schwergradige depressive Episode (ICD-10: F33.2),
diagnostiziert. Die gesundheitliche Situation habe sich gemäss den behandelnden
Fachärzten zwischenzeitlich verschlechtert. Med. prakt. G._ sei davon ausgegangen,
dass nach einem Jahr eine Verlaufsbegutachtung durchgeführt werden sollte. Da
gemäss den behandelnden Fachärzten weiterhin keine Arbeitsfähigkeit auf dem ersten
und eine eingeschränkte auf dem zweiten Arbeitsmarkt vorliege, sei ein
Verlaufsgutachten bei med. prakt. G._ einzuholen. Sofern das Gericht gestützt auf
die Berichte der behandelnden Psychiater von einer 100 %igen Arbeitsunfähigkeit
ausgehe, habe er ab 1. Februar 2014 Anspruch auf eine ganze Rente. Abschliessend
sei festzuhalten, dass vermutlich vor Erlass der Verfügung somatische Beschwerden im
B.a.
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Rücken vorgelegen hätten, welche einen Spitalaufenthalt erforderten, und je nach
Ergebnis die Arbeitsfähigkeit in orthopädischer und kardiologischer Hinsicht nochmals
geklärt werden müsse (act. G 1). Mit der Beschwerde reicht der Beschwerdeführer
einen Bericht des Schmerzzentrums des KSSG vom 1. Februar 2018 ein, wonach er an
einem chronischen Lumbovertebralsyndrom bei symptomatischer Spondylarthropathie
L4/5 und L5/S1, symptomatischer ISG-Arthropathie bds., rechtsbetont,
paravertebralem Muskelhartspann LWS/BWS sowie Myelogelosen im Bereich der LWS
und strahlender Schmerzsymptomatik gluteal bzw. einem chronischen
lumbovertebralen Schmerzsyndrom mit deutlicher muskulärer Komponente und
ausgeprägten degenerativen Veränderungen leide (act. G 1.6). Weiter reicht er einen
Bericht des Psychiatrie-Zentrums Z._ vom 22. Februar 2018 ein, in dem unter
anderem ausgeführt wird, die angeblich mangelhafte Mitwirkung sei nicht eine
bewusste Handlung des Beschwerdeführers, sondern widerspiegle eine
krankheitsbedingt eingeschränkte emotionale Ausdrucksfähigkeit. Eine medizinische
Einschätzung zu psychiatrischen Einschränkungen aufgrund des Videomaterials sei
nicht möglich (act. G 1.5).
Mit Beschwerdeantwort vom 23. Mai 2018 beantragt die IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin), die Beschwerde sei abzuweisen. Dr. J._ habe auf Schwächen
und Ungereimtheiten im MEDAS-Gutachten vom 26. Juni 2015 hingewiesen. Insgesamt
habe ein hinreichender Abklärungsbedarf vorgelegen, der eine Observation
gerechtfertigt habe. Med. prakt. G._ müsste sich in einem Verlaufsgutachten mit der
Kritik an seinem Gutachten auseinandersetzen und gälte daher bei einer
Verlaufsbegutachtung als befangen. Ohnehin seien keine weiteren Abklärungen
angezeigt. Unter anderem sei durch die Observation belegt, dass der
Beschwerdeführer über seine gesundheitliche Situation keine verlässlichen Angaben
mache, was med. prakt. G._ nicht erkannt habe. Dr. L._ habe in seinem Gutachten
vom 12. September 2016 sehr deutlich aufgezeigt, wie sehr die
Beschwerdepräsentation des Beschwerdeführers geprägt sei von Diskrepanzen,
Widersprüchen, Aggravation und eingeschränkter Kooperation bei der Abklärung.
Neben diesen Verfälschungsfaktoren hätten keine eindeutigen Hinweise auf ein
krankhaftes Geschehen erhoben werden können. Damit falle eine versicherte
Gesundheitsschädigung ausser Betracht, und ein Rentenanspruch sei ausgeschlossen.
B.b.
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Mittels neuropsychologischer Zusatzabklärung sei eine negative Antwortverzerrung im
Sinne einer Aggravation bzw. Simulation nachgewiesen worden. Aufgrund dessen
hätten die Berichte der behandelnden Ärzte keinen Beweiswert. Somit habe es sein
Bewenden damit, dass keine psychische Beeinträchtigung nachgewiesen sei (act. G 4).
Mit Replik vom 3. September 2018 beantragt der Beschwerdeführer, die
angefochtene Verfügung sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen aufzuheben und
es seien ihm die gesetzlichen Leistungen auszurichten. Es sei bei med. prakt. G._ ein
Verlaufsgutachten einzuholen. Eventualiter sei bei einem zertifizierten SIM-Gutachter
mit Zusatzqualifikation betreffend Persönlichkeitsstörung ein psychiatrisches
Gutachten einzuholen. Eventualiter sei die Angelegenheit zu diesem Zweck sowie zur
Neuentscheidung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die
Observationsaufzeichnungen und -berichte seien aus dem Recht zu weisen. Er bringt
vor, es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Beschwerdegegnerin eine Observation
und nicht ein Ergänzungsgutachten bei med. prakt. G._ angeordnet habe. Ein
Anfangsverdacht und auch die übrigen Voraussetzungen für die Verwertung der
Observationsergebnisse seien nicht gegeben. Letztere seien somit aus dem Recht zu
weisen. Ein Befangenheitsgrund bei med. prakt. G._ sei nicht glaubhaft dargelegt. Er
(der Beschwerdeführer) habe authentische Angaben gemacht, dass er ruhiger, aber
auch müder, erschöpfter, ausgelaugter und blockierter sei, seitdem er zur Behandlung
der aggressiven und impulsiven Symptome das Medikament Seroquel einnehme. Die
Ausführungen von med. prakt. G._ seien plausibel und nachvollziehbar. Das
Auftreten eines nicht zu erwartenden Medikamentenspiegels wäre nicht durch
Observation, sondern medizinisch zu klären gewesen. Auch die Frage nach einem
sekundären Krankheitsgewinn sei fachärztlich zu klären. Ansonsten könnte bei jedem
abnormalen Medikamentenspiegel und/oder behaupteten sekundären
Krankheitsgewinn eine Überwachung der versicherten Person gerechtfertigt werden,
was zu willkürlichen und ungerechtfertigten Eingriffen in die Persönlichkeitsrechte und
zu qualitativ schlechten und letztlich unvollständigen medizinischen Abklärungen
führen würde. In Bezug auf die Medikamentenwirkung sei zu berücksichtigen, dass
genetisch unterschiedliche Entgiftungstypen existierten, die sich auf die Wirkung von
Psychopharmaka unterschiedlich auswirkten, was Dr. L._ nicht beachtet habe.
Gemäss den behandelnden Ärzten existierten viele Studien, wonach ein Herzinfarkt
B.c.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/26
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Erwägungen
1.
geeignet sei, eine posttraumatische Belastungsstörung auszulösen. Der Gutachter
hätte eingehend prüfen müssen, ob eine Persönlichkeitsstörung vorliege und die
situativen Umstände während der neuropsychologischen Testung sowie anlässlich der
Begutachtung schildern und in Bezug zum Ergebnis der neuropsychologischen
Testung setzen müssen. Der Beschwerdeführer legt weiter dar, der
neuropsychologische Bericht sei nicht beweistauglich. Gegenüber der diagnostischen
Zuverlässigkeit von Beschwerdevalidierungstests bestünden umfassende Vorbehalte.
Es werde nicht dargelegt, weshalb der Einfluss der Medikamente auf die
neuropsychologische Abklärung nur gering sei. Schliesslich sei eine Aggravation durch
Dr. L._ und Dr. M._ lediglich als wahrscheinlich, nicht aber als überwiegend
wahrscheinlich qualifiziert worden (act. G 9).
Am 5. Oktober 2018 verzichtet die Beschwerdegegnerin auf eine Duplik
(act. G 11).
B.d.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt eine auf
objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich gestellte Diagnose nach einem
wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6, BGE 141 V 289 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2016,
8C_1/2016, E. 4.3). Erforderlich ist zudem, dass die geltend gemachten Beschwerden
objektiviert werden können und sich auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auswirken
(vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 30. November 2017, 8C_350/2017, E. 5.4, und
1.2.
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vom 27. März 2015, 8C_673/2014, E. 5.1.1; BGE 143 V 427 E. 6). Für somatisch
unklare Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und gleichgestellte
Diagnosen) sowie psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen ist der
Beweis nach dem strukturierten Verfahren mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE
141 V 281 und BGE 143 V 428 E. 7.1). Der Beweis für eine lang andauernde und
erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als geleistet
betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen
einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen
Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143
V 427, E. 6 a. E.).
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
1.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne einer Richtlinie
ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
1.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/26
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2.
Nachdem im psychiatrischen Teilgutachten der medexperts AG vom 16. Juni 2015
befunden worden war, aus psychiatrischer Sicht sei der Beschwerdeführer zu 100 %
arbeitsunfähig (IV-act. 60-43), stellten die Sachbearbeitung und die IV-Ärztin Dr. J._
Inkonsistenzen fest und veranlassten eine Observation. Der Beschwerdeführer bringt
vor, bezüglich deren Verwertbarkeit fehle es an den notwendigen Voraussetzungen,
namentlich an der objektiven Gebotenheit. Das Observationsergebnis führte zur
weiteren psychiatrischen Begutachtung und neuropsychologischen Untersuchung,
welche ergaben, dass aus psychiatrischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit vorliege.
Insofern ist die Verwertbarkeit der Observationsergebnisse vorliegend relevant und
vorab zu prüfen.
3.
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat
das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V
360 E. 5b; BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
1.5.
Zur Verwertbarkeit von ohne genügend bestimmte gesetzliche Grundlage
erhobenem Observationsmaterial hielt das Bundesgericht in einem Leitentscheid vom
14. Juli 2017 mit Blick auf das Urteil 61838/10 des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) vom 18. Oktober 2016 (endgültig am 18. Januar 2017) fest,
diese sei in sozialversicherungsrechtlichen Verfahren grundsätzlich zulässig, es sei
denn, bei einer Abwägung der tangierten öffentlichen und privaten Interessen
überwögen letztere. Videoaufnahmen, die im Rahmen einer unrechtmässigen
3.1.
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Observation erhoben worden seien, seien verwertbar, solange Handlungen der
versicherten Person aufgezeichnet würden, die sie aus eigenem Antrieb und ohne
äussere Beeinflussung gemacht habe, und ihr keine Falle gestellt worden sei. Ein
Verwertungsverbot gelte betreffend Handlungen im nicht öffentlich frei einsehbaren
Raum (BGE 143 I 385 ff. E. 5; Urteile des Bundesgerichts vom 15. Mai 2019,
8C_837/2018, E. 5.1, vom 22. Oktober 2018, 9C_908/2017/ 9C_3/2018, E. 5.2, und
vom 20. Oktober 2017, 8C_305/2017, E. 4.2).
Das hiesige Versicherungsgericht hat mit Entscheid vom 17. Februar 2020, IV
2017/312, E. 2.3, festgehalten, dass das Bundesgericht im Urteil vom 16. Dezember
2019, 9C_308/2019, E. 2.2, zwar unabhängig von der objektiven Gebotenheit der
Observation von einer Verwertbarkeit von deren Ergebnissen ausgegangen sei. Das
Bundesgericht beziehe sich auf das Urteil 8C_244/2019 vom 4. Juli 2019, E. 4, welches
wiederum auf das Urteil vom 8. Februar 2019, vereinigte Verfahren 9C_561/2018 und
9C_631/2018, verweise. In letzterem sei jedoch die Frage des Anfangsverdachts nicht
entscheidend gewesen, da die IV-Stelle dort Unterlagen der Vorsorgeeinrichtung
beigezogen hätte, welche die Überwachung ihrerseits mit der "unklaren medizinischen
und sozialen Situation" begründet hätte. Sei ein genügender Anfangsverdacht nicht im
Verfahren eines anderen Versicherungszweigs ausgewiesen, sei das Vorliegen eines
Anfangsverdachts bei der Frage der Verwertbarkeit der unbestritten rechtswidrig
erlangten Observationsergebnisse zu prüfen.
3.2.
3.3.
Eine Observation ist objektiv geboten, wenn konkrete Anhaltspunkte vorliegen,
die Zweifel an den geäusserten gesundheitlichen Beschwerden oder der geltend
gemachten Arbeitsunfähigkeit aufkommen lassen. Solche Anhaltspunkte können
beispielsweise gegeben sein bei widersprüchlichem Verhalten der versicherten Person
oder wenn Zweifel an der Redlichkeit derselben bestehen (eventuell durch Angaben
und Beobachtungen Dritter), bei Inkonsistenzen anlässlich der medizinischen
Untersuchung, Aggravation, Simulation oder Selbstschädigung und Ähnlichem (Urteil
des Bundesgerichts vom 30. November 2018, 8C_634/2018, E. 5.2, mit weiteren
Verweisen).
3.3.1.
Im Befund der Psychiatrischen Klinik X._ vom 6. Mai 2014 wurde unter
anderem festgehalten, es bestünden keine Hinweise auf Befürchtungen, Zwänge,
Wahn- oder Ich-Störungen. Die behandelnden Fachärzte diagnostizierten eine schwere
depressive Episode ohne psychotische Symptomatik (IV-act. 32-7 f.). Das vom
Beschwerdeführer beschriebene Sehen von Schlangen oder Verwandten als Tote
3.3.2.
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wurde somit nicht einer Psychose zugeschrieben. Auch im weiter behandelnden
Psychiatrie-Zentrum Z._ wurden psychotische Ichstörungen oder
Wahrnehmungsstörungen zunächst für fraglich gehalten und eine generalisierte Angst
und depressive Störung gemischt diagnostiziert (Arztbericht vom 6. Juni 2015, IV-
act. 35). Später, nach inzwischen erfolgten Familiengesprächen und Abklärungen beim
ehemaligen Arbeitgeber, wurde zusätzlich die Diagnose einer andauernden
Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10: F62.0) gestellt (Bericht vom
3. Februar 2015, IV-act. 44), was RAD-Ärztin Dr. E._ als plausibel erachtete (IV-
act. 46). Med. prakt. G._ hielt im Gutachten vom 16. Juni 2016 fest, trotz
entsprechender Angaben seien keine Hinweise für Halluzinationen oder
Wahnvorstellungen vorhanden. Der Beschwerdeführer wirke "verladen", was als
Nebenwirkung von Seroquel typisch wäre bei erst kurzzeitiger Einnahme und rascher
Steigerung der Dosis, wovon aufgrund der Ergebnisse der Blut- und Haaranalyse nicht
ausgegangen werden könne (IV-act. 60-41).
Dr. J._ begründete die objektive Gebotenheit mit dem auffälligen
Krankheitsverlauf, indem für die Thoraxschmerzen und die Belastungsdyspnoe trotz
ausgedehnten Abklärungen kein organisches Korrelat habe gefunden werden können
und die psychische Symptomatik trotz Therapie immer mehr zugenommen habe. Das
Gutachten von med. prakt. G._ habe sich nicht damit auseinandergesetzt, dass der
Beschwerdeführer in Anbetracht seines "Verladen-Wirkens" möglicherweise vor der
psychiatrischen Begutachtung eine höhere Dosis Quetiapin eingenommen habe als
sonst. Es fehle eine Auseinandersetzung mit den Inkonsistenzen, der Therapieresistenz
und einem möglichen sekundären Krankheitsgewinn (IV-act. 64-2 f.).
3.3.3.
In Anbetracht der eher im unteren therapeutischen Bereich liegenden Spiegel
von Quetiapin und Norquetiapin (vgl. IV-act. 60-38) erscheint das von med. prakt.
G._ beschriebene "verladen" Wirken des Beschwerdeführers nicht befriedigend
erklärt. Die vom Beschwerdeführer geschilderten Tagträume bzw. Wahnvorstellungen
konnten weder in der Psychiatrischen Klinik X._ noch durch das Psychiatrie-Zentrum
Z._ und med. prakt. G._ objektiviert bzw. psychiatrisch eingeordnet werden
(vgl. IV-act. 32-7 f.; IV-act. 35; IV-act. 60-42). Auch die vom Beschwerdeführer
beklagten Thoraxschmerzen und Dyspnoe konnten nicht organisch erklärt werden (vgl.
Bericht Dr. K._ vom 22. Dezember 2015, IV-act. 73-6). Ein gereiztes, aggressives
Verhalten, welches offenbar nach Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin bis zum
Herzinfarkt so nicht vorhanden gewesen sei (Bericht Psychiatrie-Zentrum Z._ vom
3. Februar 2015, IV-act. 44), zeigte der Beschwerdeführer während der stationären
Behandlung in der Psychiatrischen Klinik X._. Dieses konnte jedoch namentlich in
3.3.4.
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Bezug auf die vom Beschwerdeführer berichteten Übergriffe auf Familienmitglieder
nicht objektiviert werden, nachdem der Beschwerdeführer den Einbezug seiner Ehefrau
in die Behandlung abgelehnt hatte (Bericht vom 6. Mai 2014, IV-act. 32-7 ff.).
Gesamtbetrachtet erschien auch nach Einholung des polydisziplinären Gutachtens
nicht plausibel, dass dem Beschwerdeführer aufgrund der erhobenen Befunde und
Diagnosen aus psychiatrischer Sicht eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde.
Widersprüchlich erscheint sodann, dass der Beschwerdeführer einerseits angab, unter
pathologischen Tagträumen zu leiden und gegenüber seiner Familie bisweilen
aggressiv bzw. gewalttätig zu werden, andererseits aber die Auffassung äusserte, nicht
psychisch krank zu sein, eine adäquate Medikation ablehnte und die Klinik vorzeitig
verliess (vgl. Austrittsbericht Psychiatrische Klinik X._ vom 6. Mai 2014, IV-
act. 32-7 f.). Auch nach der Begutachtung durch die medexperts AG lagen
verschiedene Inkonsistenzen und unterschiedliche Befunde und Diagnosen vor, die
sich hauptsächlich auf die Angaben des Beschwerdeführers stützten. Auch wenn der
Umstand, dass ein Gutachten nicht zu überzeugen vermag, für sich alleine die
Anordnung einer Observation nicht zu rechtfertigen vermag, erscheint vorliegend
nachvollziehbar, dass weitere medizinische Abklärungen ohne Observation nicht
zielführend gewesen wären, da der Beschwerdeführer mit grosser Wahrscheinlichkeit
dieselben Angaben gemacht hätte wie bisher (vgl. Überwachungsauftrag vom
7. Dezember 2015, IV-act. 65). Die Observation erfolgte ausschliesslich im öffentlich
einsehbaren Raum (auf der Strasse) und stellte auch aufgrund ihrer Dauer von fünf
Tagen (Überwachungs- und Observationsbericht vom 20. Februar 2016, IV-act. 77)
innerhalb von einem Monat und zehn Tagen keinen übermässigen Eingriff in die
Grundrechte des Beschwerdeführers dar. Die Ergebnisse der Observation sind somit
verwertbar.
Was im Übrigen die Befangenheit von med. prakt. G._ im Falle einer
"Verlaufs"-Begutachtung anbelangt, ist der Argumentation der Beschwerdegegnerin zu
folgen: Befangenheit ist unter anderem anzunehmen, wenn der Sachverständige die
Schlüssigkeit seiner früheren Expertise zu überprüfen oder deren Objektivität zu
kontrollieren hat (Urteil des Bundesgerichts vom 14. September 2009, 9C_273/2009,
E. 3.4). Med. prakt. G._ hätte, unter Einbezug der Observationsakten und der seit der
Erstbegutachtung aufgelaufenen medizinischen Akten, in zeitlicher Hinsicht den ganzen
anspruchsrelevanten Sachverhalt seit dem 22. Februar 2013 zu prüfen (womit es sich
in diesem Sinne nicht um ein reines Verlaufsgutachten handeln würde). Zudem
vermochten die von ihm gestellte Diagnose einer erneuten schwergradigen depressiven
3.3.5.
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4.
Episode und die attestierte 100 %ige Arbeitsunfähigkeit bereits vor der Überwachung
nicht zu überzeugen (vgl. dazu auch nachfolgende E. 4.6).
Gegenüber Dr. L._ beschrieb der Beschwerdeführer im Wesentlichen erneut
aufkommende Nervosität, Spannung und Aggressivität, die in der Familie eskalierten.
Er "sehe" abwesende, auch verstorbene Personen, habe unerwünschte sexuelle
Gedanken und träume stets schlecht. Er werde schnell müde, bekomme Atemnot. Er
habe Probleme mit den Schultern und dem Brustkorb, regelmässig Kopfschmerzen
und die Beine schmerzten respektive "blockierten". Seine Konzentration sei vermindert
und er sei vergesslich, weil "der Kopf vorne schwer" sei. Er stehe frühestens um 11.00
Uhr, manchmal erst um 13.00 Uhr oder 14.00 Uhr auf, gehe etwas spazieren und
einkaufen. Wenn er müde sei, mache er eine Pause und sei zwei bis drei Stunden
unterwegs. Abends surfe er im Internet und gehe um ca. 24.00 Uhr zu Bett. In letzter
Zeit mache er auch einen Mittagsschlaf (zum Ganzen: IV-act. 104-52 ff., 59 f.).
4.1.
Die neuropsychologische Testung ergab hoch auffällig tiefe und uneinheitliche
Ergebnisse sowie erheblich unterdurchschnittliche, massiv gestreute Reaktionszeiten.
Die Resultate mehrerer Beschwerdevalidierungstests mit verdeckter Leichtigkeit waren
auffällig. Die Leistung nahm bei Wiederholung von Testaufgaben ab und war bei einer
einfachen Reaktionszeitaufgabe schlechter als bei einer komplexeren (IV-act. 105-4 ff.,
7). Der neuropsychologische Gutachter befand, es ergäben sich zahlreiche
Auffälligkeiten, die auf ein suboptimales Leistungsverhalten hinweisen würden. Es sei
mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die erbrachten Leistungen
nicht mit dem eigentlichen Leistungspotential übereinstimmen würden (IV-act. 105-6).
Des Weiteren erscheine diskrepant zu den Testbefunden, dass sich der
Beschwerdeführer Aufgabeninstruktionen unmittelbar merken und sich erinnern könne,
die betreffende Aufgabe bereits durchgeführt zu haben (IV-act. 105-7). Ungewöhnlich
seien auch die bei den vorgebrachten Beschwerden nicht zu erwartenden massiven
Defizite im räumlich perzeptiven Bereich. Schwere Beeinträchtigungen und
Auffälligkeiten, wie sie beim Beschwerdeführer gemessen worden seien, wären auch
mit dem aktuellen Vorhandensein von Halluzinationen nicht zu erwarten. Die
Medikation könne die Testergebnisse beeinflusst haben, jedoch den Testergebnissen
entsprechende ausgeprägte Aufmerksamkeitsstörungen nicht erklären. Er erachte die
Kriterien für eine negative Antwortverzerrung bzw. Aggravation/Simulation als erfüllt.
Aufgrund der Konfundierung von Begabung und Anstrengung bei Leistungstests und
des möglicherweise suboptimalen Leistungsverhaltens sei eine zuverlässige
Interpretation der erbrachten Resultate nicht möglich (IV-act. 105-8 f.).
4.2.
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Der psychiatrische Gutachter führte aus, Aufmerksamkeit, Konzentration und
Auffassung seien unauffällig gewesen. Es hätten sich Merkfähigkeitsstörungen gezeigt;
der Beschwerdeführer habe erklärt, sich nicht an das Hochzeitsdatum und den
Geburtstag seiner Kinder zu erinnern oder keine genauen Angaben zu seinen
Einkommensverhältnissen machen zu können (IV-act. 104-62, 57). Die
Beschwerdeschilderung sei überhaupt nicht ausführlich erfolgt, wobei das
Ausdrucksverhalten während der Beschwerdeschilderung etwas betont gewesen sei.
Der Versicherte beschreibe ein tägliches und nächtliches Gedankenkreisen und
Grübeln, wobei es zu fast 90 % um den Tod gehe. Es hätten sich keine Hinweise auf
Zwangsgedanken, zwanghafte Handlungen und hypochondrische Erlebnisverarbeitung
gefunden. Der Versicherte habe Sinnestäuschungen in Form von Halluzinationen
beschrieben, wobei die diesbezüglichen Angaben widersprüchlich gewesen seien. So
habe er auf Nachfrage zunächst präzisiert, es handle sich nur um Gedanken, dann aber
korrigiert, er sehe die (abwesende) Ehefrau "mit den Augen" und später auf die Frage,
wo sich seine Ehefrau befinde, konsterniert reagiert. Darauf angesprochen habe er
berichtet, er sehe sie nicht mehr, weil er nun "konzentrierter sprechen" würde (IV-
act. 104-63, 68). Im Befund führte der Gutachter aus, Ich-Störungen in Form eines
Fremdbeeinflussungserlebens, von Derealisations- oder
Depersonalisationsphänomenen seien nicht vorhanden gewesen. Die Grundstimmung
sei höchstens leicht zum depressiven Pol hin verschoben gewesen, die affektive
Modulationsfähigkeit sei eingeschränkt gewesen (IV-act. 104-63 f.). Beurteilend hielt er
fest, insgesamt gehe er, wie med. prakt. G._, nicht davon aus, dass der
Beschwerdeführer tatsächlich unter Halluzinationen oder Wahnvorstellungen leide.
Dieser präsentiere eine Symptomatik, die wohl eher seiner subjektiven Vorstellung
eines psychischen Leidens entspreche als tatsächlich irgendwelchen diagnostischen
Kriterien des ICD-10 (IV-act. 104-68 f.). Anhand der Observation lasse sich
nachweisen, dass die vom Versicherten beschriebenen und geltend gemachten
Einschränkungen nicht durchgehend vorhanden seien (IV-act. 104-74). Es bestünden
erhebliche Diskrepanzen zwischen der Beschwerdeschilderung des Beschwerdeführers
und seinem gezeigten Verhalten während der verschiedenen Untersuchungen
einerseits und dem Verhalten, wie es mit dem Observationsmaterial dokumentiert sei,
andererseits. Es gebe aber auch erhebliche Diskrepanzen respektive Unklarheiten bei
der Beschwerdeschilderung selber. Diese bleibe insgesamt vage und unklar und lasse
sich nicht wirklich mit einem psychischen Leiden mit Krankheitswert in Einklang
bringen, weshalb in der Vergangenheit sehr unterschiedliche Diagnosen gestellt
worden seien (IV-act. 104-79). Sehr auffällig sei auch das Verhalten während der
neuropsychologischen Abklärung durch Dr. M._ gewesen, der seine Beurteilung
ausführlich begründet habe (IV-act. 104-69). Angesichts der vielen Hinweise auf
4.3.
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Diskrepanzen und Widersprüche und der eingeschränkten Mitwirkung bei der
Abklärung seien der Psychostatus und der Hamiltontest nicht aussagekräftig. Es könne
keine psychiatrische Diagnose gestellt werden und aus psychiatrischer Sicht auch
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründet werden (IV-act. 104-69).
Zusammenfassend lassen sich folgende Diskrepanzen beziehungsweise
Ungereimtheiten feststellen: Der Beschwerdeführer machte nicht konsistente Angaben
betreffend die Wahrnehmung abwesender bzw. verstorbener Personen. Es besteht
eine deutliche Widersprüchlichkeit zwischen der geltend gemachten und anlässlich der
Arbeitseinsätze präsentierten Leistungsfähigkeit einerseits und dem observierten
Verhalten andererseits. Diese vermochte er nicht zu klären. So antwortete er in der
Befragung vom 19. Januar 2016, er gehe manchmal zum Zeitvertreib Auto fahren (IV-
act. 71-4), und erklärte am 30. März 2016 zunächst, er fahre nicht oft und lediglich in
der näheren Umgebung (IV-act. 85-7). Auch verneinte er vor der Eröffnung der
Observation, einen Pack 1,5 l PET-Flaschen aus einem Regal nehmen zu können (IV-
act. 85-9), während auf dem Videomaterial zu sehen ist, wie er mit der linken Hand den
Einkaufswagen festhält und mit der rechten zügig nacheinander vier Getränkepakete in
den Kofferraum lädt (DVD 1, 03:56 bis 04:12). Die Beschwerdeschilderungen anlässlich
der Begutachtung durch Dr. L._ waren vage und teilweise in sich widersprüchlich, die
Mitwirkung wurde seitens des Gutachters als mangelhaft bezeichnet. Dabei ist
einzuräumen, dass der psychiatrische Gutachter offenbar keinen positiven Zugang zum
Beschwerdeführer finden konnte, denn während er ausführte, der Beschwerdeführer
sei nicht wirklich freundlich und kooperativ, sondern gereizt gewesen, habe fast
andauernd gegähnt und geäussert, er nerve ihn (IV-act. 104-62, 52), bemerkte der
neuropsychologische Gutachter, der Beschwerdeführer habe bereitwillig Auskunft
gegeben (IV-act. 105-3).
4.4.
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Der Beschwerdeführer bringt im Wesentlichen vor, im Psychiatrie-Zentrum Z._
seien ihm aufgrund objektiver Befunde die Diagnosen einer Angst und depressiven
Störung gemischt (ICD-10: F41.2), einer andauernden Persönlichkeitsveränderung nach
Extrembelastung (ICD-10: F62.0) und einer Zwangsstörung (Zwangsgedanken, ICD-10:
F42.2) gestellt worden (Stellungnahmen vom 9. Mai 2017, IV-act. 121, und vom
22. Februar 2018, act. G 1.5). Sein unkooperatives, diskrepantes Verhalten sei
krankheitsbedingt. Dr. L._ seinerseits stellte die genannten Diagnosen vor allem in
Frage, weil sie sich auf subjektive Aussagen des Beschwerdeführers abstützten, die mit
Blick auf die vorhandenen Inkonsistenzen, die mangelhafte Mitwirkung und die
neuropsychologische Beurteilung nicht zuverlässig seien (IV-act. 138).
4.5.
Hinsichtlich der depressiven Symptomatik wurde in der Psychiatrischen Klinik
X._ eine schwere depressive Episode diagnostiziert (ICD-10: F32.2; Bericht vom
6. Mai 2014, IV-act. 32-7 f.). Im Psychiatrie-Zentrum Z._ wurde ab Arztbericht vom
15. September 2014 die Diagnose einer generalisierten Angst und Depression gemischt
(ICD-10: F42.1) gestellt (IV-act. 35; vgl. auch Arztberichte bzw. Stellungnahmen vom
22. März 2016, IV-act. 84, vom 9. Mai 2017, IV-act. 121, und vom 22. Februar 2018,
act. G 1.5). Diese Diagnose sagt aus, dass weder Angst noch Depression vorherrschen
und eine eigenständige Diagnose rechtfertigen. Treten ängstliche und depressive
Symptome in so starker Ausprägung auf, dass sie einzelne Diagnosen rechtfertigen,
sollen ausschliesslich diese Diagnosen gestellt werden (vgl. H. Dilling/w. Mombour/
M. H. Schmidt, Internationale Klassifikation psychischer Störungen, 10. Aufl., Bern
2015, S. 199; vgl. auch Gutachten Dr. L._, IV-act. 104-75). Med. prakt. G._ hielt
fest, die Grundstimmung des Beschwerdeführers sei betrübt, aber auch durch die
Müdigkeit beeinflusst. Der affektive Rapport sei kaum herstellbar gewesen, der Antrieb
eingeschränkt und die Psychomotorik kaum vorhanden (IV-act. 60-38). Der
Beschwerdeführer habe vor allem "verladen" gewirkt. Aufgrund des
psychopathologischen Befundes unter der Einnahme von Quetiapin könne er die
bereits in der Psychiatrischen Klinik X._ gestellte Diagnose einer schwergradigen
depressiven Episode bestätigen. Da die Episode gemäss Bericht des ambulanten
psychiatrischen Dienstes V._ abgeklungen sei und jetzt wieder bestehe, könne er
auch die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung stellen (IV-act. 60-41 f.).
Die Diagnostik von med. prakt. G._ erscheint angesichts der beschriebenen
"Verladenheit" des Beschwerdeführers nicht ohne Weiteres nachvollziehbar. Vielmehr
lässt sich darauf schliessen, dass sich die Symptomatik des Beschwerdeführers,
soweit sie auf einer Depression beruht, seit der Behandlung in der Psychiatrischen
4.5.1.
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Klinik X._ besserte. Es erscheint somit nachvollziehbar, dass sich das Verhalten des
Beschwerdeführers nicht mit einer depressiven Episode begründen lässt.
Die weiter diagnostizierte Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung
(ICD-10: F62.0) wurde im Psychiatrie-Zentrum Z._ aufgrund von Berichten der
ehemaligen Arbeitgeberin (Bericht vom 3. Februar 2015, IV-act. 44) und der in einigen
Sitzungen anwesenden Ehefrau und Kinder (Bericht vom 9. Mai 2017, IV-act. 121)
gestellt (vgl. auch Berichte bzw. Stellungnahmen Psychiatrie-Zentrum Z._ vom
22. März 2016, IV-act. 84, und vom 22. Februar 2018, act. G 1.5). Dr. L._ verneinte
sie, da das Traumakriterium nicht erfüllt sei (IV-act. 104-75). Die Belastung müsste so
extrem sein, dass die Vulnerabilität der betreffenden Person als Erklärung für die
tiefgreifende Auswirkung auf die Persönlichkeit nicht ausreiche. Eine solche habe der
Versicherte nicht erlebt (IV-act. 138). Diese Ausführungen erscheinen nachvollziehbar,
kann doch ein Herzinfarkt nicht als "Belastung katastrophalen Ausmasses" bezeichnet
werden. Zudem sind lang anhaltende Änderungen der Persönlichkeit nach kurzzeitigen
Lebensbedrohungen wie beispielsweise bei einem Autounfall nicht einer andauernden
Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung zuzuordnen, sondern weisen auf eine
vorbestehende psychische Vulnerabilität hin (vgl. Dilling/Mombour/Schmidt, a.a.O.,
S. 286). Die behandelnde Psychiaterin hält entgegen, dass der als lebensbedrohlich
erlebte Herzinfarkt das Diagnosekriterium erfülle (Stellungnahme vom 22. Februar
2018, act. G 1.5). Der Beschwerdeführer wurde zwar nicht nur in der Psychiatrischen
Klinik X._ (Austrittsbericht vom 6. Mai 2014, IV-act. 32-7 f.), sondern auch im
Einsatzprogram im Sohomet (Bericht vom 5. Februar 2015, IV-act. 115-5) und von
seiner Familie (Stellungnahme Psychiatrie-Zentrum Z._ vom 9. Mai 2017, IV-act. 121)
als dysphorisch, gereizt und aggressiv beschrieben. Aus den Angaben der einstigen
Arbeitgeberin (vgl. Bericht Psychiatrie-Zentrum Z._ vom 3. Februar 2015, IV-act. 44)
kann lediglich geschlossen werden, dass er sich vor dem Herzinfarkt ihr gegenüber
offenbar nicht so verhielt, nicht aber, dass er sich seither anders verhält. Die
Schilderungen und Beobachtungen eines gereizten, aggressiven Verhaltens erfolgten
allesamt in einem Umfeld, wo der Beschwerdeführer um die Bedeutung für die
Beurteilung seines Gesundheitszustandes wusste. Sie sind insoweit nicht objektiv. Dies
spricht neben der erheblichen Fraglichkeit des Herzinfarktes als auslösendes Trauma
im Sinne einer "Extrembelastung" gegen eine massgebliche Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit aufgrund einer Persönlichkeitsveränderung.
4.5.2.
Zusammenfassend waren eine das inkonsistente Verhalten des
Beschwerdeführers erklärende Depression, eine Persönlichkeitsänderung oder
Zwangsgedanken nicht durch objektivierte Befunde erhebbar. Weder in den beiden
4.5.3.
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psychiatrischen Begutachtungen noch in der neuropsychologischen Abklärung konnten
Anhaltspunkte für eine krankheitsbedingte Ursache des inkonsistenten Verhaltens
gefunden werden. Im Befund der behandelnden Ärztin vom 9. Mai 2017 werden unter
anderem eine formale Denkstörung bzw. mittelausgeprägte Grübelneigung, ein
fraglicher hypochondrischer Wahn, ein mittel bis schwer ratloser, mittelgradig
verarmter Affekt, ein schweres Gefühl der Gefühlslosigkeit sowie ein deprimiertes,
schwer hoffnungsloses, ängstliches, dysphorisches und gereiztes Wirken des
Beschwerdeführers beschrieben. Die Arbeitsunfähigkeit wird mit einem insgesamt
fixierten Denkmuster, fehlender Flexibilität, Reflexions- sowie Introspektionsfähigkeit
sowie mit der während des Einsatzprogramms berichteten praktisch nicht gegebenen
Teamfähigkeit und Sozialkompetenz begründet (IV-act. 121). Konkrete Vorfälle oder
Testbefunde werden nicht angeführt. Die Aussage, dass die eingeschränkte Mitwirkung
des Beschwerdeführers und die Ablehnung des Einbezugs seiner Familie in der Klinik
X._ krankheitsbedingt sei (Stellungnahme vom 22. Februar 2018, act. G 1.5), ist mit
den genannten Befunden und Diagnosen nicht nachvollziehbar begründet. Es wurde
nicht dargelegt, inwiefern das aufgezeigte inkonsistente Verhalten als Folge einer der
diagnostizierten Krankheiten, insbesondere einer andauernden
Persönlichkeitsveränderung, objektiv zugeordnet werden kann. Damit vermögen ihre
Ausführungen das Gutachten von Dr. L._ nicht massgeblich in Frage zu stellen. Aus
psychiatrischer Sicht ist somit auf das Gutachten von Dr. L._ abzustellen und von
einer vollen Arbeitsfähigkeit bzw. von einer Beweislosigkeit einer psychiatrisch
bedingten Arbeitsunfähigkeit auszugehen.
Aus somatischer Sicht hielt die orthopädische Gutachterin im Gutachten vom
16. Juni 2015 fest, beim Beschwerdeführer sei die linke Schulter in Abduktion und
Aussenrotation aktiv mittelgradig, passiv eher leichtgradig eingeschränkt. Die gleno-
humerale Beweglichkeit der rechten Schulter sei frei, die Impingementsymptomatik sei
nur geringgradig ausgeprägt. Hinweise für entzündliche Veränderungen hätten sich
nicht gefunden. Muskulär sei der Versicherte durch die Narbenbeschwerden nach
Thorakotomie im Bereich des oberen Pectoralismuskel-Abschnittes erheblich
eingeschränkt. Die Hyposensibilitätsstörung der Finger D2 bis D4 könne auf eine
Medianusirritation hindeuten und müsste gegebenenfalls neurologisch abgeklärt
werden. Es sollte eine MRI-Untersuchung der HWS und LWS erfolgen. Zum
Untersuchungszeitpunkt bestünden überwiegend myofasziale Beschwerden lumbal.
Die HWS sei uneingeschränkt frei beweglich. Hinweise auf eine akute Radikulopathie
hätten sich nicht finden lassen. Im Bereich der unteren Extremitäten bestehe eine
Ansatztendopathie der Patella über beiden Kniegelenken sowie über dem Trochanter
rechts bei deutlicher Muskelverkürzung der ischiocruralen und Wadenmuskulatur (IV-
4.6.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 24/26
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St.Galler Gerichte
5.
act. 60-49). Der Beschwerdeführer sei vor allem durch schmerzhafte
Bewegungseinschränkungen der linken, gering auch der rechten Schulter bei allen
Tätigkeiten über Kopf-/Schulterhöhe mit ständigem Armeinsatz handicapiert. Im
Rücken bestünden myostatische Beschwerden, die einer Trainingstherapie zugänglich
seien (IV-act. 60-50). Im Bericht des Schmerzzentrums des KSSG vom 1. Februar 2018
wurde festgehalten, es liege ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom vor
mit einer deutlichen muskulären Komponente. Die degenerativen Veränderungen seien
sicher ausgeprägt. Ein konkreter Handlungsbedarf ergebe sich aber nicht, zumal die
vom Versicherten geschilderte Klinik - Schmerzen vom Schultergürtel über die ganze
Wirbelsäule bis hin zum Beckengürtel - eher unspezifisch sei (act. G 1.5). Auf das
orthopädische Teilgutachten der medexperts, welches den Ansatztendopathien am
Trochanter major, der Quadrizepssehne und der Patella beidseits sowie den
myofaszialen Beschwerden im Hals- und Lendenwirbelabschnitt ohne Hinweise auf
eine Radikulopathie sowie der Tendomyopathie am M. pectoralis maior links keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zumass (IV-act. 60-50), ist damit abzustellen.
Der kardiologische Gutachter kam im Teilgutachten zum Schluss, der
Beschwerdeführer sei unabhängig von der Tätigkeit zu 75 % arbeitsfähig, sofern sehr
schwere körperliche Leistungen (Tragen von Lasten >20 kg) nicht vorkämen (IV-
act. 60-60). Hingegen wurde im polydisziplinären Konsens nur vermerkt, aus
kardiologischer Sicht bestehe eine Einschränkung für schwere körperliche Tätigkeit (IV-
act. 60-56). Dass der kardiologische Gutachter anlässlich der Konsensfindung von
seiner Einschätzung abgewichen wäre, ist nicht ersichtlich. Somit ist aus
kardiologischer Sicht von einer Arbeitsfähigkeit von 75 % auszugehen, ohne schwere
körperliche Tätigkeit (Tragen von Lasten >20 kg).
4.7.
Der Beschwerdeführer war ab dem Herzinfarkt vom 22. Februar 2013 zu 100 %
arbeitsunfähig geschrieben. Das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG endete
somit am 22. Februar 2014. Die Anmeldung erfolgte am 7. August 2013 (IV-act. 6), so
dass ein allfälliger Rentenanspruch ab 1. Februar 2014 besteht (Art. 29 Abs. 1 und 3
IVG).
5.1.
Massgebend für den Einkommensvergleich ist das Jahr des frühestmöglichen
Rentenbeginns, vorliegend das Jahr 2014 (BGE 129 V 222). Der Beschwerdeführer
erzielte zuletzt bei der T._ AG einen Grundlohn von 12 x Fr. 5'850.-- = Fr. 70'200.--
(Angaben Arbeitgeberin vom 20. August 2013, IV-act. 15-2), wobei gegenüber der AHV
ein Einkommen von Fr. 75'663.-- abgerechnet wurde (Auszug aus dem individuellen
5.2.
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6.