Decision ID: b52fea54-523e-4a01-ab19-b2cccc0e3ab1
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
sprach X._, geboren
1960, mit Verfügung vom 12. März 2008 eine Vier
telsrente ab Mai 2007 zu (Urk.
15/51
). Eine dagegen er
hobene Beschwerde wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 2
7.
Oktober 2009 im Verfahren Nr. IV.2008.00382 (Urk.
15/71
) und vom Bundesgericht mit Urteil vom 1
5.
Februar 2010 (Urk.
15/82
) abgewiesen.
Mit Verfügung vom 2
3.
März 2010 wies die IV-Stelle ein Rentenerhöhungs
ge
such der Versicherten ab (Urk.
15/84
). Die dagegen erhobene Beschwerde wies das hiesige Gericht mit Urteil vom 1
1.
August 2011 im Verfahren Nr.
IV.2010.00339 (Urk.
15/94
) ab. Auf eine dagegen erhobene Beschwerde trat das Bundesgericht mit Urteil vom 2
1.
Oktober 2011 nicht ein (Urk.
15/96
).
Nach Eingang eines am
3.
November 2011 ausgefüllten Revisionsfragebogens (Urk.
15/97
) holte die IV-Stelle unter anderem ein bidisziplinäres Gutachten ein, das am 2
5.
und 2
7.
September 2012 erstattet wurde (Urk.
15/112
-113).
M
it Verfügung vom 1
9.
Dezember 2012 sprach
die
IV-Stelle der Versicherten eine halbe Rente ab Januar 2012 zu (Urk.
15/127). Die dagegen am 23. Januar 2013 erhobene Beschwerde (Urk. 15/130/3-6) wies das hiesige Gericht nach Andro
hung einer reformatio in peius (Urk. 15/134) mit Urteil vom 8. April 2014 ab und setzte die zugesprochene halbe Rente auf eine Viertelsrente herab (Prozess Nr. IV.2013.00078; Urk. 15/137). Auf die dagegen erhobene Beschwerde trat das Bundesgericht mit Urteil vom 1. Dezember 2014 nicht ein (Urk. 15/145).
1.2
Mit Schreiben vom 12. Mai 2016 (Urk. 15/159) machte die Versicherte eine Ver
schlechterung geltend und ersuchte um Rentenerhöhung. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 15/162-165) trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 5. Juli 2016 auf das Leistungsgesuch nicht ein (Urk. 15/169 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 5. Juli 2016 (Urk. 2) erhob die Versicherte am 11. September 2016 Beschwerde mit dem Antrag auf Aufhebung des angefoch
tenen Entscheides und Verpflichtung der IV-Stelle, auf das neue Leistungsge
such einzutreten (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 1. November 2016 (Urk. 14) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 22. November 2016 mitgeteilt wurde (Urk. 16). Am 13. Juli 2017 (Urk. 18) reichte die Beschwerdeführerin weitere Arztberichte (Urk. 19/1-3) ein.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analo
ger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzuge
hen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2).
Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.2
Nach Eingang einer Neuanmeldung ist die Verwaltung zunächst zur Prüfung verpflichtet, ob die Vorbringen der versicherten Person überhaupt glaubhaft sind; verneint sie dies, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Dabei wird sie unter anderem zu berücksichtigen haben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und dementsprechend an die Glaubhaftmachung höhere oder weniger hohe Anfor
derungen stellen (ZAK 1966 S. 279, vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 72 E.
2.2 mit Hinweisen). Insofern steht ihr ein gewisser Beurteilungsspielraum zu, den das Gericht grundsätzlich zu respektieren hat. Daher hat das Gericht die Behandlung der Eintretensfrage durch die Verwaltung nur zu überprüfen, wenn das Eintreten streitig ist, das heisst wenn die Verwaltung gestützt auf
Art.
87
Abs.
3 IVV Nichteintreten beschlossen hat und die versicherte Person deswegen Beschwerde führt; hingegen unterbleibt eine richterliche Beurteilung der Ein
tretens
frage, wenn die Verwaltung auf die Neuanmeldung eingetreten ist (BGE
109 V 108 E. 2b).
1.3
Zur Frage des Bedeutungsgehalts des
Art.
87
Abs.
2 und 3 IVV hat das Bundes
ge
richt in BGE 130 V 64 E. 5.2.5 festgehalten, dass die versicherte Per
son mit dem Revisionsgesuch oder der Neuanmeldung die massgebliche Tatsa
chen
änderung glaubhaft machen muss, ihr mithin ausnahmsweise eine Beweis
führungslast zukommt. Tritt die Verwaltung auf das erneute Leistungsbe
gehren ein, hat sie demgegenüber gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (Art. 43 ATSG, Art. 57 IVG in Verbindung mit Art. 69 ff. IVV; SVR 2006 IV Nr. 10 S. 39 E. 4.1 [I 457/04]; vgl. auch BGE 117 V 198 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Nichteintretens
ent
scheid (Urk. 2) wie folgt: Die Beschwerdeführerin habe nicht glaubhaft gemacht, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit Dezember 2012 anspruchs
relevant verändert hätten. Es liege lediglich eine andere Beurteilung desselben Sachver
halts vor. Es seien keine neuen Befunde genannt worden (S. 1 f.)
2.2
Die Beschwerdeführerin machte geltend (Urk. 1), sie sei in stationärer psychia
tri
scher Behandlung und ihr Zustand habe sich verschlechtert, was ärztlich bestätigt werde. Auch bei gleichbleibender Diagnose sei eine Veränderung zu berücksichtigen, wenn sich das Leiden in seiner Intensität und in seinen Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert habe (S. 2 ff.).
2.3
Streitig und zu prüfen ist die Frage, ob die Beschwerdegegnerin auf die Neuanmel
dung zu Recht nicht eingetreten ist. Prozessthema ist, ob die Beschwerdeführerin im Sinne von Art. 87 Abs. 2 IVV glaubhaft gemacht hat, dass sich ihr gesundheitlicher Zustand erheblich verschlechtert hat, dies vergli
chen mit dem Zeitpunkt, in welchem der Rentenanspruch letztmals materiell geprüft wurde (BGE 133 V 108), mithin
Dezember 2012 beziehungsweise
April 2014
.
3.
3.1
Im Urteil des hiesigen Gerichts vom 8.
April 2014
wurde die medizinische Sach
lage, wie sie vor Erlass der Verfügung vom 19. Dezember 2012 bestand, wie folgt wiedergegeben (E. 3):
Vom
9.
April bis 1
5.
Juni 2010 weilte die Beschwerdeführerin stationär in der
Y._
, worüber am 1. Juli 2010 berichtet wurde (Urk. 15/113/116-
118). Dabei wurden folgende Diagnosen genannt (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psy
chotische Symptome (F33.2)
-
Panikattacken (F41.0)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41).
Am 3
0.
Juni 2010 konsultierte die Beschwerdeführerin nach Fussdistorsion links
die Klinik für Unfallchirurgie des
Z._
(Urk. 15/113/137
138).
3.2
Dr. med.
A._
- der die Beschwerdeführerin se
it 2006 behandelte (vgl. Urk. 15
/106/1-4 Ziff. 1.2) - führte in einem Zeugnis vom 2
7.
April 2011 aus, die Patientin sei bis auf weiteres für jegliche Arbeiten zu
100 % arbeitsun
fähig (Urk. 15/113/162
), wie er dies schon im Juli 2009
attestierte hatte (vgl. Urk. 15/66
/1-4 Ziff. 1.11).
3.3
Vom 22. Dezember 2011 bis
8.
Februar 2012 weilte die Beschwerdeführerin wie
derum stationär in der
Y._
, worüber am 2
9.
Februa
r 2012 berichtet wurde (Urk. 15
/113/119-122). Dabei wurde nebst den im Jahr 2010 ge
nannten Diagnosen (vorstehend E. 3.1) zusätzlich eine Schlafapnoe genannt (S. 1 Ziff. 1), während im vorläufigen Austrittsbericht vom
8.
Februar 2012 eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F4
5.4) genannt worden war (Urk. 15
/113/147).
3.4
Dr. med.
B._
,
Fachärztin für
Physikalische Medizin, führte in ihrem Ber
icht vom 17. April 2012 (Urk. 15/101
) unter anderem aus, sie behandle die Be
schwerdeführerin seit 2006 (Ziff. 1.2). Diese könne sowohl wegen Rücken
schmerzen als auch wegen Fussbeschwerden nicht mehr im Service arbeiten (Ziff. 1.7).
3.5
Der Oberarzt der
Y._
nahm am 2
5.
April 2012 zu Fragen der Beschwerdegegnerin St
ellung (Urk. 15/103
) und führte unter anderem aus, die psychischen Krankheiten stünden in Wechselwirkung mit den körperlichen Beschwerden. Die gute Besserungstendenz der psychischen Beschwerden während der Hospitalisation lasse zumindest eine Teilarbeitsfähigkeit in 2
4
Monaten er
warten (Ziff. 1). Die langfristige Prognose betreffend Arbeitsun
fähigkeit aus psychiatrischer Sicht sei relativ günstig; die Depression beziehungs
weise Panik
störung und das neu diagnostizierte Schlafapnoesyndrom seien prinzipiell be
handelbar (Ziff. 2).
3.6
Dr. med.
C._
,
Fachärztin für
Kinder- und Jugendpsychiatrie, führte mit Sch
rei
ben vom 1. Mai 2012 (Urk. 15/102
/5-7 = Urk. 11/2) unter anderem aus, sie habe die Beschwerdeführerin zirka fünf Jahre auf ihrem Leidensweg beglei
tet (S. 1 Mitte). Aus psychiatrischer Sicht bestehe eindeutig eine Arbeitsunfähig
keit von 100 % für jegliche berufliche Tätigkeit (S. 3 oben). Die gleiche Ein
schätzung hatte sie bereits in ihrem Bericht vom
11. Mai 2009 abgegeben (Urk. 15/64
/6-8 S. 3 oben).
3.7
Laut Bericht der Ärzte der
D._
vom
1.
Juni 2012 war die Beschwer
deführerin nach entsprechender Therapie bezüglich Schlafapnoesyn
drom beschwerdefrei (Urk. 15/106
/9-10 S. 1 unten).
3.8
Dr.
A._
(vorstehend E. 3.2) führte in seinem Ber
icht vom 7. Juni 2012 (Urk. 15
/105/1-4) unter anderem aus, die Patientin befinde sich in einem desaströ
sen somatisch-psychischen Zustand, so dass er nur eine Berentung als Aus
weg sehe; die Prognose punkto Arbeitsfähigkeit sei aus seiner Sicht schlecht (Ziff. 1.4). Die körperliche Arbeit der Patientin im Service sei sicherlich zu 100 % unmöglich, und zwar auf lange Sicht (Ziff. 1.7).
3.9
Am 2
5.
September 2012 erstattete PD Dr. med.
E._
,
Facharzt für
Psychi
atrie und Psychotherapie, ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegeg
nerin (Urk. 15
/112). Darin nannte er folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 10 Ziff. 4.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Agoraphobie (ICD-10 F40.0)
Die Arbeitsfähigkeit in der angestammten wie in einer Verweistätigkeit bezif
ferte er aus psychiatrischer Sicht mit 50 % (S. 16 Ziff. 6 und 7).
Er führte unter anderem aus, das früher als massgebend erachtete Gutachten von Dr.
F._
- zu dem er zahlreiche kritische Kommentare anbrachte (S. 21 f.) - greife zu kurz (S. 12). In den letzten 5 Jahren sei es nie zu einer Remission der Symptome gekommen, sondern zu Schwankungen und unterschiedlichen Schweregraden der depressiven Störung (S. 13). Diese sei Teil einer seit mehre
ren Jahren vorliegenden rezidivierenden depressiven Stö
rung (S. 14 oben). Aus
zugehen sei von einer Depression mittlerer Schwere seit August 2008 (S. 17 Mitte). Es handle sich um einen psychischen Zustand, der in seiner Entwicklung seit August 2008 unter Berücksichtigung der Schwankungen im Schweregrad betreffend depressive Symptomatik weitgehend stabil geblieben sei (S. 26 lit. E Ziff. 1).
3.10
Am 2
7.
September 2012 erstattete Dr. med.
G._
,
Fachärztin für Allgemeine
Innere Medizin
sowie für
Rheuma
tologie
, ein Gutachten im Auftrag
der Beschwerdegegnerin (Urk. 15
/113/1-108). Darin nannte sie als rheumatolo
gische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein lumbovertebrales bis lumbospon
dylogenes Syndrom links bei mediolateraler Diskushernie L4/5 mit Kompression der Nervenwurzel L5 links (S. 102 Ziff. 7.1).
Zur Arbeitsfähigkeit führte sie aus, die Beschwerdeführerin sei durch die einge
schränkte Funktion der Lendenwirbelsäule (LWS) limitiert; sie könne Lasten bis 15 kg heben oder tragen, was ein leichtes bis mittleres Belastungsniveau dar
stelle. Diesem Profil entsprechende Tätigkeiten könne sie zu 100 % ausüben. Die angestammte Tätigkeit im Service sei adaptiert; es handle sich um eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit. Die Beschwerdeführerin könne diese zu 100 % aus
üben (S. 105 Ziff. 9.1).
In der angestammten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin nie langfristig einge
schränkt gewesen; nicht-adaptierte Tätigkeiten habe sie ab Mai 2006 nicht mehr ausüben können (S. 106 Ziff. 9.2).
Aus rheumatologischer Sicht sei seit der letzten Revision keine wesentliche Verän
derung eingetreten (S. 108 Ziff. 11).
3.11
Dr.
G._
und PD Dr.
E._
nannten in der bidisziplinären Zusammenfas
sung vom 27. September 2012 (Urk.
15/114
) die bereits erwähnten Diagnosen (S. 1).
Sodann führten sie aus, quantitativ werde die Arbeitsfähigkeit durch die psychiat
rische Diagnose bestimmt; die Explorandin sei aus psychiatrischer Sicht in jeglicher Tätigkeit zu 50 % arbeitsunfähig. Qualitativ werde die Arbeitsfähig
keit durch die rheumatologische Diagnose bestimmt; in einer adaptierten rückenschonenden Tätigkeit mit Hantieren von Lasten bis 15 kg könne die Ex
plorandin aus rheumatologischer Sicht zu 100 % arbeiten. Aus bidisziplinärer Sicht könne sie gegenwärtig in einer adaptierten Tätigkeit zu 50 % arbeiten (S.
2 oben).
In zeitlicher Hinsicht wurde ausgeführt, die Beschwerdeführerin sei aus bidiszi
pli
närer Sicht ab August 2008 im beschriebenen Ausmass arbeitsunfähig gewesen (S. 2 Mitte).
3.12
Dr.
C._
(vorstehend E. 3.6) führte am 27. Januar 2013 aus, seit ihrem letzten Bericht vom Mai 2012 habe sich das klinische Bild nur insofern verändert, als die Chronifizierung der psychischen und physischen Erkrankungen weiter fort
geschritten sei; zusammengefasst halte sie die Beschwerdeführerin aus psychi
atrischer Sicht für
100 % arbeitsunfähig
.
Dr.
A._
(vorstehend E. 3.2) bestätigte am 4. Februar 2013, aus seiner Sicht sei die Patientin aufgrund ihrer körperlichen und psychischen Beeinträchtigun
gen zu
100 % arbeitsunfähig
.
3.13
Sodann erwog das Gericht (E. 4):
4.1
Die Beschwerdegegnerin erachtete gemäss Feststellungsblatt vom 10. Oktober 2012 das eingeholte bidisziplinäre Gutachten als schlüssig und nachvollziehbar und in seinen Feststellungen bezüglich Arbeitsfähigkeit plausi
bel (
...
); gestützt darauf ging sie von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % auch in adaptierter Tätigkeit aus und ermittelte - faktisch mittels Prozentvergleichs - einen In
vali
di
tätsgrad von 50 % (...
).
4.2
In der bidisziplinären Zusammenfassung wurde ausdrücklich festgehalten, die attestierte Arbeitsfähigkeit bestehe seit August 2008 (
...
); die rheumatologische Gutachterin führte aus, es sei seit der letzten Revision keine Änderung einge
treten (
...
), und der psychiatrische Gutachter führte aus, es handle sich um einen
abgesehen von Schwankungen - seit Au
gust 2008 stabilen Zustand (
...
).
Angesichts dieser unzweideutigen Angaben kann keine Rede davon sein, dass
gemäss gutachterlicher Beurteilung - seit der letzten Anspruchsprüfung (März 2010) eine revisionsrelevante Veränderung eingetreten sei. Vielmehr han
delt es sich bei den Ausführungen der Gutachterin und des Gutachters eindeutig um eine andere Würdigung des ihres Erachtens gleich gebliebenen Sachverhalts.
4.3
Aus den Berichten von beha
ndelnder Seite
ergibt sich, wenn auch mit im Ver
gleich zu den Gutachten anderslautenden Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit, ebenfalls kein Hinweis auf eine seit März 2010 eingetretene Veränderung der Verhältnisse: Dr.
A._
attestierte seit Juli 2009 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (
...
), ebenso Dr.
C._
seit Mai 2009 (
...
).
Die beiden Klinikaufenthalte von 2010 und 2011/2012 (
...
) lassen allenfalls eine vorübergehende Verschlechterung erkennen, lassen aber nicht auf eine im Zeit
punkt der angefochtenen Verfügung (Dezember 2012) anhaltende Veränderung im Vergleich zu März 2010 schliessen, dies insbeson
dere ange
sichts der im April 2012 grundsätzlich als gut bezeichneten Prognose (
...
).
4.4
Somit ist keine revisionsrelevante Veränderung des Sachverhalts ausgewiesen. Damit erweist sich die Anpassung des Anspruchs von einer Viertelsrente auf eine halbe Rente als unzulässig.
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin reichte zur Glaubhaftmachung einer Verschlechterung folgende Arztberichte ein:
4.2
Dr. B._ stellte mit Bericht vom 15. April 2016 (Urk. 15/158 = Urk. 3/1) fol
gende Diagnosen (S. 1):
-
chronisches lumbospondylogenes und rezidivierendes lumboradikuläres Reizsyndrom S1 links bei Diskushernie L5/S1 links
-
Diskusprotrusion L3/4, Diskushernie L4/5 mit Einengung des Rezessus L5
-
chronisches Zervikovertebralsyndrom bei degenerativen Veränderungen der Halswirbelsäule (HWS) C5/C7, Fazettenarthrose C6/7 links
-
chronische Bronchitis COPD
-
Coronarsklerose ohne signifikante Stenosen
-
Schlafapnoesyndrom
-
schwere depressive Entwicklung
-
statische Fussbeschwerden bei Status nach dislozierter Basisfraktur des Os metatarsale II und Status nach Calcaneusfraktur 2008
Die Beschwerdeführerin leide an chronifizierten Rückenschmerzen mit lumbaler Betonung und zum Teil spondylogenen, zum Teil radikulären Ausstrahlungen ins linke Bein, verbunden mit Dysästhesien und Parästhesien. Nebenbei bestün
den Schmerzen im Nacken-Schultergürtelbereich bei stark eingeschränkter Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule (LWS), weniger auch der HWS. In der letzten Zeit sei es zu wiederholten Exazerbationen der Lumboischialgien mit Blockierung der LWS sowie Zunahme der Dysästhesien und Parästhesien im linken Bein gekommen, ausgelöst durch minimale Steigerung der alltäglichen Belastung. Wegen schwerer depressiver Entwicklung stehe die Beschwerde
führerin weiterhin unter psychiatrischer Behandlung und nehme regelmässig Antidepressiva (S. 1). In Anbetracht der Gesamtsituation sei sie weiterhin nicht in der Lage, ihre ursprüngliche Tätigkeit auszuüben. Aufgrund der stark limi
tierten Belastbarkeit des Rückens und der eingeschränkten Mobilität, insbeson
dere aber der schweren depressiven Entwicklung, bleibe ihre Arbeitsfähigkeit rein theoretisch bei 50 % für adaptierte Tätigkeiten, was aber in der Praxis kaum umgesetzt werden könne. Eine Erhöhung des Invaliditätsgrades sei sicherlich angebracht (S. 2).
4.3
Dr. C._ zitierte in ihrem am 11. Juni 2016 (Urk. 15/164 = Urk. 3/2) zuhanden des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin verfassten Bericht denjenigen vom 12. Mai 2012 (vorstehend E. 3.6) und hielt fest, dass das damals genannte kli
nische Bild bis heute unverändert geblieben sei. Die damals gestellte Diagnose sei mit derjenigen einer andauernden Persönlichkeitsänderung in Folge von psychischer Krankheit und chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10 F62.1, F62.80) zu ergänzen. Sie habe die Beschwerdeführerin Ende Mai 2016 wegen einer dramatischen Verschlechterung der Depressivität in die Psychiatrische Y._ eingewiesen (S. 1). Es sei nach wie vor offensichtlich, dass die Beschwerdeführerin für jegliche berufliche Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig sei; sie sei dauerhaft invalid (S. 2).
4.4
Die Fachpersonen der Y._ stellten mit Austrittsbericht vom 20. Juli 2016 (Urk. 15/171/16-19 = Urk. 3/3) folgende Diagnosen (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psy
chotische Symptome (ICD-10 F33.2)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
Kontaktanlässe mit Bezug auf die soziale Umgebung (ICD-10 Z60)
-
Kontaktanlässe mit Bezug auf das Berufsleben (ICD-10 Z56)
-
Kontaktanlässe mit Bezug auf das Wohnumfeld oder die wirtschaftliche Lage (ICD-10 Z59)
-
benigne essentielle Hypertonie
-
obstruktives Schlafapnoe-Syndrom
Nach dem Eintritt habe sich die Patientin entlastet gezeigt. Sie leide seit acht Jahren an einer schweren chronifizierten Depression. Auslöser für die seit zwei Wochen dauernde Zuspitzung der Symptomatik seien eine Häufung an behörd
lichen Briefen, wahrscheinlich im Rahmen einer Rentenprüfung, die zu Überfor
derungsgefühlen geführt hätten. Weiterer Belastungsfaktor sei der Auszug und die Heirat des Sohnes vor etwa einem Jahr bei zuvor sehr enger Beziehung zum erwachsenen Sohn (S. 1). Die Patientin sei bezüglich der depressiven Sympto
matik in gebessertem Zustand entlassen worden. Die Schmerzsymptomatik sei ebenfalls leicht gebessert gewesen, habe aber weiterhin stark fluktuiert. Man empfehle die unveränderte Einnahme der antidepressiven Medikation bis auf weiteres (S. 3 f.).
4.5
Eine bildgebende Untersuchung des Thorax vom 9. Mai 2017 (Urk. 19/3) ergab ein flaues ground glass Infiltrat im posterioren Oberlappen rechts, differential
diagnostisch ein pneumonisches Infiltrat, differentialdiagnostisch eine lepidisch wachsende Neoplasie. Es werde eine Verlaufskontrolle nach sechs bis zwölf Monaten empfohlen zur Bestätigung der Persistenz, danach alle zwei bis fünf Jahre (S. 1). Es sei eine Abklärung in der Schilddrüsensprechstunde empfohlen (S. 2).
4.6
Die Ärzte der Klinik für Nuklearmedizin, Schilddrüsensprechstunde, Z._, stellten mit Bericht vom 14. Juni 2017 (Urk. 19/2) fol
gende Diagnosen (S. 1):
-
euthyreote Struma diffusa et multinodosa
-
rezidivierende depressive Störung
-
chronische Schmerzstörung
In der heutigen Verlaufskontrolle habe sich kein signifikantes Grössenwachstum der bekannten Schilddrüsenknoten gezeigt. Laborchemisch bestehe eine Euthyreose, allerdings sei das TSH im Vergleich zu den Voruntersuchungen tiefer. Es sei möglich, dass sich eine Autonomie der Schilddrüse entwickeln könne. Es sei in vier bis fünf Monaten eine Schilddrüsenszintigraphie durchzu
führen (S. 2).
4.7
Eine bildgebende Untersuchung der LWS vom 4. Juli 2017 ergab rechts eine mediolaterale fokale Diskushernie im Segment L5/S1 mit Verlagerung der Wurzel S1. Eine typische, korrelierende Schmerzausstrahlung werde aktuell nicht angegeben; die Beschwerdeführerin berichte über linksbetonte Schmerzen. Weiter bestehe eine Diskusprotrusion im Segment 4/5 mit leichter Einengung der Recessus L5 beidseits, allenfalls wäre hierüber eine linksseitige L5
Symptomatik zu erklären. Im Vergleich zur letzten Voruntersuchung vom 24. April 2014 sei die rechts mediolaterale Diskushernie im Segment L5/S1 neu aufgetreten. Die übrigen Veränderungen stellten sich unverändert dar, die vor
beschriebene Diskushernie im Segment L4/5 sei im Verlauf regredient (Urk. 19/1 S. 2).
5.
5.1
Im Vergleich zu der anlässlich der letzten Überprüfung vorliegenden medizini
schen Sachlage ist in somatischer Hinsicht keine anspruchsrelevante Verände
rung eingetreten: Dr. B._ (vorstehend E. 5.2) nannte hinsichtlich der Rücken
beschwerden im Wesentlichen dieselben Diagnosen wie Dr. G._ (vorstehend E. 3.10), erachtete jedoch deren Auswirkungen als zunehmend. Dies findet in der aktuellen bildgebenden Untersuchung der Lendenwirbelsäule der Beschwerdeführerin jedoch keine Stütze, ergab diese im Vergleich zur Untersu
chung vom April 2014 doch lediglich eine neu aufgetretene rechts mediolaterale Diskushernie; die übrigen Befunde waren unverändert, wobei die vorbe
schriebene Diskushernie im Segment 4/5 sogar im Verlauf regredient war. Eine zur Diskushernie im Segment 5/1 typische korrelierende Schmerzausstrahlung bestand nicht (vorstehend E. 5.7). Dr. B._ stützte ihre Einschätzung, wonach die Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig sei, denn auch insbesondere auf die psychische Situation der Beschwerdeführerin, was jedoch nicht in ihr Fachgebiet fällt. Weshalb die übrigen von Dr. B._ genannten Diagnosen (vgl. vorstehend E. 5.2) im Gegensatz zur Beurteilung durch Dr. G._ Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführe
rin haben sollen, erklärte Dr. B._ nicht. Somit handelt es sich bei der Beur
teilung durch Dr. B._ um eine abweichende Beurteilung des im Wesentli
chen unveränderten Sachverhalts.
In pneumologischer Hinsicht wurde im Mai 2017 eine Veränderung in der Lunge festgestellt (vorstehend E. 5.5); eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähig
keit der Beschwerdeführerin wurde nicht genannt. Die nuklearmedizinische Kontrolle zeigte weiter kein signifikantes Grössenwachstum der bekannten (vgl. (Urk. 15/113/170) Schilddrüsenknoten. Wie hinsichtlich der Lunge wurden ein
zig Kontrollen empfohlen; eine Arbeitsunfähigkeit wurde auch diesbezüglich nicht attestiert (vgl. vorstehend E. 5.6).
5.2
Dr. C._ ging in psychiatrischer Hinsicht von einem unveränderten klinischen Bild aus und erachtete die Beschwerdeführerin weiterhin als zu 100 % arbeits
unfähig (vgl. vorstehend E. 5.3), was sie bereits 2009, 2012 (vgl. vorstehend E. 3.6) und 2013 (vgl. vorstehend E. 3.12) vertrat, ohne ihre Beurteilung zu begründen.
Die Fachpersonen der Y._ (vgl. vorstehend E. 5.4) stellten wiederum die Diagnose einer schweren depressiven Episode, wie sie dies bereits 2010 und 2012 taten (vgl. vorstehend E. 3.1 und 3.3). Bereits im Jahr 2012 wurde darauf hingewiesen, dass die psychischen Beschwerden während der stationären Behandlung gebessert hätten (vgl. vorstehend E. 3.5). Dies war auch aktuell der Fall, wurde die Beschwerdeführerin doch in gebessertem Zustand entlassen (vgl. vorstehend E 5.4). Somit bestand eine vorübergehende Veränderung des psychischen Zustandsbildes. Zusammen mit dem Umstand, dass auch psychoso
ziale und somit invalidenversicherungsrechtlich unbeachtliche Faktoren (Über
forderung durch behördliche Briefe, Auszug und Heirat des Sohnes) einen Ein
fluss auf die psychische Gesundheit der Beschwerdeführerin haben, ist somit nicht von einer nachhaltigen Verschlechterung auszugehen.
5.3
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass im Vergleich zur Situation, wie sie im
Dezember 2012
bestand, keine Verschlechterung glaubhaft gemacht wurde.
Der angefochtene Nichteintretensentscheid ist rechtens. Dies führt zur Abwei
sung der Beschwerde.
6.
6.1
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche Verbeistän
dung notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
6.2
Diese Voraussetzungen sind vorliegend erfüllt, weshalb der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung gewährt wird.
6.3
Die Gerichtskosten nach Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr.
6
00.-- anzusetzen und ausgangsgemäss der unterliegenden
Beschwerdeführerin aufzuerlegen, jedoch zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Die Beschwerdeführerin ist auf § 16 Abs. 4 GSVGer hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung der Auslagen für die Vertretung verpflichtet werden kann, sofern sie dazu in der Lage ist.