Decision ID: 429c3301-2eaf-55dc-b1e3-8d46159ea5a8
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im März 2013 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu ihrer
Altersrente der AHV an (act. G 3.1.67). Mit einer Verfügung vom 3. Mai 2013 sprach ihr
die EL-Durchführungsstelle mit Wirkung ab dem 1. März 2013 eine – dem Betrag der
kantonalen Durchschnittsprämie für die obligatorische Krankenpflegeversicherung als
sogenannter Minimalgarantie entsprechende – bundesrechtliche, ordentliche
Ergänzungsleistung von 344 Franken pro Monat und eine kantonalrechtliche,
ausserordentliche Ergänzungsleistung von 320 Franken pro Monat zu (act. G 3.1.60).
Bei der Anspruchsberechnung hatte sie die kantonale Durchschnittsprämie für die
obligatorische Krankenpflegeversicherung, den Wohnungsmietzins sowie die
Pauschale für den allgemeinen Lebensbedarf als Ausgaben (Total: 40’378 Franken) und
die Renten der AHV und der beruflichen Vorsorge sowie einen Vermögensertrag als
Einnahmen (Total: 34’171 Franken) berücksichtigt; das massgebende Vermögen hatte
die Freibetragsgrenze nicht überschritten, weshalb kein Vermögensverzehr
angerechnet worden war (vgl. act. G 3.1.61). Mit einer Verfügung vom 27. Dezember
2013 erhöhte die EL-Durchführungsstelle die ordentliche Ergänzungsleistung per 1.
Januar 2014 zufolge einer Erhöhung der kantonalen Durchschnittsprämie für die
obligatorische Krankenpflegeversicherung auf 356 Franken pro Monat (act. G 3.1.58 f.).
Die ausserordentliche Ergänzungsleistung blieb unverändert bei 320 Franken pro
Monat. Per 1. Januar 2015 erhöhten sich die kantonale Durchschnittsprämie für die
obligatorische Krankenpflegeversicherung, die Pauschale für den allgemeinen
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Lebensbedarf und die AHV-Rente (act. G 3.1.51), weshalb die EL-Durchführungsstelle
die laufende ordentliche Ergänzungsleistung mit einer Verfügung vom 22. Dezember
2014 per 1. Januar 2015 auf 374 Franken pro Monat erhöhte, was weiterhin der
Minimalgarantie entsprach (act. G 3.1.53). Mit einer Verfügung vom 21. Dezember 2015
erhöhte die EL-Durchführungsstelle die ordentliche Ergänzungsleistung zufolge einer
Erhöhung der kantonalen Durchschnittsprämie für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung per 1. Januar 2016 auf 389 Franken pro Monat (act. G
3.1.48 und 3.1.50). Die ausserordentliche Ergänzungsleistung änderte sich nicht.
A.b Am 21. März 2016 forderte die EL-Durchführungsstelle die EL-Bezügerin auf, einen
Fragebogen zur periodischen Überprüfung der Ergänzungsleistung auszufüllen (act. G
3.1.47). Die EL-Bezügerin kam dieser Aufforderung nach, indem sie im April 2016 das
ausgefüllte Formular sowie diverse Belege einreichte (act. G 3.1.42 ff.). Bei diesen
befand sich eine Steuerveranlagungsverfügung für das Jahr 2014, laut der die EL-
Bezügerin in jenem Jahr Unterhaltsbeiträge von 3’360 Franken erhalten hatte (act. G
3.1.44–1). Ein Mitarbeiter der AHV-Zweigstelle notierte (act. G 3.1.42–8), laut der
Aussage der EL-Bezügerin erhalte diese keine Unterhaltsleistungen mehr von ihrem
geschiedenen Ehemann; beim für das Steuerjahr 2014 versteuerten Betrag handle es
sich um den „Rest“ einer Nachzahlung. Im Oktober 2016 forderte die EL-
Durchführungsstelle die EL-Bezügerin zur Einreichung der
Steuerveranlagungsverfügungen für die Jahre 2012, 2013 und 2015 sowie einer Kopie
des Scheidungsurteils auf (act. G 3.1.41). Im November 2016 reichte die EL-Bezügerin
die verlangten Steuerveranlagungsverfügungen ein, denen sich entnehmen liess, dass
die Steuerbehörde in den Jahren 2013 und 2015, nicht aber im Jahr 2012,
Unterhaltsbeiträge von je 3’360 Franken berücksichtigt hatte, die von der EL-Bezügerin
nicht deklariert worden waren (act. G 3.1.39–12 ff.). Die EL-Bezügerin gab an, sie
erhalte weiterhin Unterhaltsbeiträge von 3’360 Franken (act. G 3.1.39–2). Der Eingabe
lagen weder das Scheidungsurteil noch andere Akten betreffend die Unterhaltspflicht
des geschiedenen Ehemannes bei. Trotzdem erliess die EL-Durchführungsstelle am 28.
Dezember 2016 eine Verfügung, mit der sie die Ergänzungsleistung rückwirkend ab
dem 1. März 2013 neu festsetzte, wobei sich erst für die Zeit ab dem 1. Januar 2017
ein Anspruch auf eine Ergänzungsleistung ergab; entsprechend forderte sie von der
EL-Bezügerin die in der Zeit vom 1. März 2013 bis zum 31. Dezember 2016
ausbezahlte ausserordentliche Ergänzungsleistung (46 × 320 = 14’720 Franken) sowie
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die in den Monaten März bis Dezember 2013 ausbezahlte ordentliche
Ergänzungsleistung (10 × 344 = 3’440 Franken) zurück; da sie die der Minimalgarantie
respektive der kantonalen Durchschnittsprämie für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung entsprechende ordentliche Ergänzungsleistung ab Januar
2014 direkt der Krankenpflegeversicherung ausbezahlt hatte, forderte sie diese nicht
von der EL-Bezügerin zurück (act. G 3.1.33). Bei der Anspruchsberechnung hatte die
EL-Durchführungsstelle für die Zeit vom 1. März 2013 bis zum 31. Dezember 2013 neu
einen Unterhaltsbeitrag von 3’360 Franken als Einnahme sowie einen leicht höheren
fiktiven Vermögensertrag (23 statt 14 Franken) berücksichtigt (vgl. act. G 3.1.29 mit G
3.1.61); für das Jahr 2014 hatte sie neu den Unterhaltsbeitrag von 3’360 Franken als
Einnahme, dafür aber einen tieferen (tatsächlichen) Vermögensertrag von 143 statt 347
Franken berücksichtigt (vgl. act. G 3.1.31 mit G 3.1.58); für das Jahr 2015 hatte sie neu
den Unterhaltsbeitrag von 3’360 Franken als Einnahme und wiederum einen tieferen
Vermögensertrag von nun bloss noch 38 statt 347 Franken berücksichtigt (vgl. act. G
3.1.32 mit G 3.1.51); für das Jahr 2016 hatte sie neu den Unterhaltsbeitrag von 3’360
Franken als Einnahme und einen nochmals reduzierten Vermögensertrag von lediglich
noch vier statt 347 Franken berücksichtigt (vgl. act. G 3.1.34 mit G 3.1.48). Die
Anspruchsberechnung für die Zeit ab dem 1. Januar 2017 (act. G 3.1.30) entsprach
abgesehen vom Unterhaltsbeitrag und dem Vermögensertrag jener zur Verfügung vom
19. Dezember 2016 (act. G 3.1.37 f.), mit der die EL-Durchführungsstelle die
ordentliche Ergänzungsleistung per 1. Januar 2017 leicht erhöht hatte.
A.c Im Januar 2017 reichte die EL-Bezügerin weitere Unterlagen ein (act. G 3.1.19): Mit
einem Urteil aus dem Jahr 19_ war ihre Ehe geschieden und ihr geschiedener
Ehemann war verpflichtet worden, einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von 800
Franken während den ersten vier Jahren nach der Scheidung, von 500 Franken
während den folgenden vier Jahren und von 200 Franken bis zum Erreichen des
ordentlichen Rentenalters der EL-Bezügerin zu bezahlen; der Betrag der
Unterhaltsleistungen war indexiert worden. Der geschiedene Ehemann hatte seine
Zahlungen im März 2004 eingestellt, weshalb die EL-Bezügerin ihn im Februar 2007
aufgefordert hatte, den Restbetrag von total 11’020 Franken zu bezahlen, und zwar in
der Form von monatlichen Zahlungen à 280 Franken und mittels einer Ratenzahlung
betreffend die verbleibenden 1’020 Franken. Nachdem der geschiedene Ehemann
offenbar mitgeteilt hatte, dass er finanziell nicht in der Lage sei, dieser Aufforderung
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nachzukommen, hatte sich die EL-Bezügerin bereit erklärt, die noch offene Forderung
von total 11’580 Franken bis Ende 2011 zu stunden. Im Gegenzug hatte der
geschiedene Ehemann eine Schuldanerkennung unterzeichnet. Offenbar hatte der
geschiedene Ehemann die offene Forderung in der Zeit zwischen September 2011 und
Dezember 2014 vollständig beglichen. Mit einer Verfügung vom 27. Januar 2017
„ersetzte“ die EL-Durchführungsstelle ihre Verfügung vom 28. Dezember 2016 (act. G
3.1.13). Sie sprach der EL-Bezügerin nun für die Jahre 2015 und 2016 wieder eine
Ergänzungsleistung im früheren Umfang, das heisst eine ordentliche
Ergänzungsleistung in der Höhe der Minimalgarantie und eine ausserordentliche
Ergänzungsleistung von 320 Franken pro Monat, zu, was zu einer (rein
buchhalterischen) „Nachzahlung“ der ausserordentlichen Ergänzungsleistung
(eigentlich: Reduktion der am 28. Dezember 2016 verfügten Rückforderung) im Betrag
von 7’680 Franken führte; der EL-Anspruch für die Zeit ab dem 1. Januar 2017 blieb
unverändert.
A.d Am 22. Februar 2017 liess die nun anwaltlich vertretene EL-Bezügerin eine
Einsprache gegen die Verfügung vom 27. Januar 2017 erheben (act. G 3.1.3). Ihr
Rechtsvertreter beantragte die Neuberechnung der Ergänzungsleistung ohne die
Anrechnung von Unterhaltsbeiträgen auch für die Jahre 2013 und 2014. Zur
Begründung führte er aus, die in jenen beiden Jahren geleisteten Unterhaltsbeiträge
seien für die Jahre 2003–2007 geschuldet gewesen. Sie gehörten folglich nicht zu den
anrechenbaren Einnahmen für die Jahre 2013 und 2014. Mit einem Entscheid vom 6.
Juli 2017 wies die EL-Durchführungsstelle die Einsprache ab (act. G 3.2.3). Zur
Begründung führte sie an, familienrechtliche Unterhaltsbeiträge gingen der
Ergänzungsleistung auch dann vor, wenn sie erst später ausbezahlt würden. Wenn die
vorliegend erst in den Jahren 2013 und 2014 verspätet geleisteten Unterhaltsbeiträge
nicht als Einnahme, sondern als Vermögenszuwachs qualifiziert würden, würde der Art.
11 Abs. 1 lit. h ELG unterlaufen, denn damit würden diese Unterhaltsbeiträge in einer
unzulässigen Weise privilegiert. Auch die Steuerbehörde habe die Unterhaltsbeiträge
für die Jahre 2013 und 2014 als Einnahmen berücksichtigt, obwohl diese an sich für
frühere Jahre geschuldet gewesen wären.
B.
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B.a Am 4. September 2017 liess die EL-Bezügerin (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 6. Juli
2017 erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheides und die Neuberechnung der
Ergänzungsleistungen für die Jahre 2013 und 2014 ohne die Berücksichtigung von
familienrechtlichen Unterhaltsbeiträgen. Zur Begründung führte er an, für die
Berechnung der Ergänzungsleistung dürften nur die laufenden wiederkehrenden
Leistungen angerechnet werden. Die Ratenzahlungen des geschiedenen Ehemannes
der Beschwerdeführerin in den Jahren 2012–2014 seien keine solchen Leistungen.
Allenfalls müsse davon ausgegangen werden, dass der Unterhaltsanspruch
nachträglich in Kapitalform ausgerichtet worden sei. Ergänzungsleistungsrechtlich
könne es sich dabei nur um einen Vermögenszufluss handeln. Auch der Art. 11 Abs. 1
lit. g ELG verlange, dass rechtskräftig festgesetzte Unterhaltsforderungen gemäss dem
Gerichts-urteil und nicht entsprechend ihrer tatsächlichen Begleichung anzurechnen
seien, wenn deren objektive Uneinbringlichkeit nicht erstellt sei.
B.b Die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte
am 2. Oktober 2017 unter Hinweis auf die Erwägungen im angefochtenen
Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
B.c Die Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Replik (act. G 5).

Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin hat die Ergänzungsleistung mit ihrer Verfügung vom 28.
Dezember 2016 rückwirkend ab dem Anspruchsbeginn am 1. März 2013 komplett neu
festgesetzt. Bei dieser Verfügung muss es sich folglich um eine (sogenannt
prozessuale) Revisionsverfügung im Sinne des Art. 53 Abs. 1 ATSG oder um eine
Wiedererwägungsverfügung im Sinne des Art. 53 Abs. 2 ATSG gehandelt haben, denn
weder das ELG noch das ATSG sehen ein anderes Korrekturinstrument vor, mit dem
eine formell rechtskräftige Verfügung integral durch eine neue Verfügung ersetzt
werden kann. Da die Voraussetzungen des Art. 53 Abs. 1 ATSG augenscheinlich nicht
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erfüllt gewesen sind, kann es sich bei der Verfügung vom 28. Dezember 2016 nur um
eine Wiedererwägungsverfügung gehandelt haben. Bevor diese Verfügung allerdings
formell rechtskräftig geworden ist, hat die Beschwerdegegnerin sie am 22. Januar 2017
durch eine neue Verfügung „ersetzt“. Die Verfügung vom 22. Januar 2017 muss folglich
eine Widerrufsverfügung im Sinne des Art. 53 Abs. 3 ATSG gewesen sein. Auf den
ersten Blick scheint sie zwar die Verfügung vom 28. Dezember 2016 nur teilweise
„ersetzt“ zu haben, da sie keine (neue) Regelung bezüglich des
Ergänzungsleistungsanspruchs für die Zeit zwischen dem 1. März 2013 und dem 31.
Dezember 2014 enthält. Eine solche teilweise „Ersetzung“ einer Verfügung mittels einer
Widerrufsverfügung ist aber nicht zulässig, denn das hätte zur Folge, dass ein einzelner
rechtsgestaltender Akt künstlich auf zwei Verfügungen aufgeteilt würde, was
rechtsprechungsgemäss verpönt ist (vgl. BGE 131 V 164). Die Beschwerdegegnerin hat
denn auch ihre Verfügung vom 28. Dezember 2016 nicht nur teilweise, sondern
vollständig „ersetzen“ wollen. Offenbar haben es technische Einschränkungen aber
verhindert, die „alte“ Verfügung vom 28. Dezember 2016 respektive die Rückforderung
über 18’160 Franken komplett zu „löschen“ und eine komplette „neue“ Verfügung zu
erlassen respektive eine komplett „neue“ Rückforderung zu stellen. Das letztlich von
der Beschwerdegegnerin gewählte Vorgehen ist zwar verfahrensrechtlich verworren,
aber entscheidend ist letztlich, dass sie ihre Verfügung vom 28. Dezember 2016
jedenfalls am 22. Januar 2017 (vollständig) widerrufen und ersetzt hat. Da die
Beschwerdeführerin dann diese neue Verfügung mit einer Einsprache angefochten hat,
hat der Widerruf der Wiedererwägung der ursprünglichen Leistungszusprache den
Gegenstand des entsprechenden Einspracheverfahrens gebildet. Das bedeutet, dass
das Einspracheverfahren eine umfassende Prüfung sämtlicher
Anspruchsvoraussetzungen und Berechnungspositionen für die Zeit ab dem 1. März
2013 beinhaltet hat. Da das vorliegende Beschwerdeverfahren die Überprüfung des
angefochtenen Einspracheentscheides auf dessen Rechtmässigkeit bezweckt, muss
sein Gegenstand jenem des mit dem angefochtenen Einspracheentscheid
abgeschlossenen Einspracheverfahrens entsprechen. Das bedeutet, dass zu prüfen ist,
ob die Beschwerdegegnerin ihre ursprüngliche leistungszusprechende Verfügung vom
3. Mai 2013 zu Recht in Wiedererwägung gezogen, ob sie ihre
Wiedererwägungsverfügung zu Recht widerrufen und ob sie die Ergänzungsleistung für
die Zeit ab dem 1. März 2013 richtig neu festgesetzt hat.
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2.
2.1 In materieller Hinsicht steht die Frage im Vordergrund, ob jene Leistungen, die die
Beschwerdeführerin in den Jahren 2013 und 2014 von ihrem geschiedenen Ehemann
erhalten hat, als familienrechtliche Unterhaltsbeiträge im Sinne des Art. 11 Abs. 1 lit. h
ELG anzurechnen sind. Grundsätzlich ist bei der EL-Anspruchsberechnung der reale
Sachverhalt massgebend, da die Ergänzungsleistung ja einen realen Bedarf decken
soll. Folglich könnten die an sich für die Jahre 2004–2007 geschuldeten, aber erst in
den Jahren 2013 und 2014 effektiv ausbezahlten Unterhaltsbeiträge des geschiedenen
Ehemannes der Beschwerdeführerin bei der EL-Anspruchsberechnung für die Jahre
2013 und 2014 eigentlich ohne Weiteres als Einnahmen angerechnet werden. Dies
hätte aber möglicherweise eine rechtswidrige Ungleichbehandlung zur Folge: Bei einer
EL-Bezügerin, die sich in derselben Situation wie die Beschwerdeführerin befunden,
aber bereits in den Jahren 2004–2007 eine Ergänzungsleistung bezogen hätte, hätte
die Beschwerdegegnerin nämlich die Anrechnung von fiktiven respektive
hypothetischen Unterhaltsbeiträgen für die Jahre 2004–2007 geprüft, weil ja gemäss
dem rechtskräftigen Scheidungsurteil ein Anspruch auf solche bestanden hätte. Wenn
die Unterhaltsbeiträge tatsächlich für die Jahre 2004–2007 fiktiv beziehungsweise als
hypothetische Einnahmen angerechnet worden wären, hätte die EL-Bezügerin damit –
fiktiv – bis Ende 2007 alle Unterhaltsleistungen erhalten, die ihr zugestanden hätten.
Fiktiv hätte der geschiedene Ehemann also seine Unterhaltspflicht Ende 2007
vollständig erfüllt gehabt. Wenn er dann später – real – doch noch die (real
ausstehenden) Unterhaltszahlungen geleistet hätte, hätten diese bei der
Anspruchsberechnung nicht berücksichtigt werden dürfen, denn sonst wären ja ein und
dieselben Unterhaltszahlungen doppelt – einmal fiktiv und einmal real – als Einnahmen
angerechnet worden, was augenscheinlich unzulässig wäre. Vor diesem Hintergrund
stellt sich die Frage, ob der Beschwerdeführerin in den Jahren 2004–2007 fiktive
Unterhaltszahlungen als Einnahmen angerechnet worden wären, wenn sie damals
bereits eine Ergänzungsleistung bezogen hätte. Falls diese Frage zu bejahen wäre,
müsste geprüft werden, ob es der Umstand, dass die Beschwerdeführerin in den
Jahren 2004–2007 effektiv keine Ergänzungsleistungen bezogen hat, rechtfertigt, sie
anders als eine EL-Bezügerin in derselben Situation zu behandeln, die in den Jahren
2004–2007 bereits eine Ergänzungsleistung bezogen hat.
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2.2 Hypothetische Unterhaltsbeiträge wären vorliegend nur angerechnet worden, wenn
davon hätte ausgegangen werden können, dass die Beschwerdeführerin auf die
Auszahlung der restlichen Unterhaltsbeiträge verzichtet habe, oder wenn hätte
angenommen werden können, dass die Beschwerdeführerin die ausstehenden
Unterhaltszahlungen betreibungsrechtlich erfolgreich hätte vollstrecken lassen können.
Ein Verzicht auf die Begleichung der Restschuld steht ausser Frage, denn die
Beschwerdeführerin hat ihren geschiedenen Ehemann explizit mithilfe eines
Rechtsanwaltes – erfolgreich – zur Begleichung der Restschuld aufgefordert und damit
bewiesen, dass sie keinesfalls gewillt gewesen ist, auf die Begleichung der Restschuld
zu verzichten. Mangels Angaben zur finanziellen Situation des geschiedenen
Ehemannes in den Jahren 2004–2007 lässt sich die Frage nach den Erfolgschancen
einer Betreibung der ausstehenden Unterhaltszahlungen nicht mit der nötigen
Sicherheit beantworten. Das schadet allerdings nicht, denn aus den nachfolgenden
Erwägungen wird sich ergeben, dass diese Frage vorliegend gar nicht beantwortet
werden muss. Der geschiedene Ehemann der Beschwerdeführer war seiner
Unterhaltspflicht bis zum Jahr 2004 offenbar tadellos nachgekommen, was vermuten
lässt, dass der Zahlungsstop massgebend durch finanzielle Probleme (mit-) verursacht
gewesen sein dürfte. Die Reaktion der Beschwerdeführerin ist vernünftig gewesen,
denn statt ihre Forderungen zwangsweise durchzusetzen, was im damaligen Zeitpunkt
allenfalls zu einem Teil- oder sogar zu einem Totalausfall hätte führen können, hat sie
ihrem geschiedenen Ehemann eine Stundung angeboten. Der Erfolg gibt ihr Recht,
denn letzten Endes hat der geschiedene Ehemann seine Unterhaltspflicht offenbar
vollständig erfüllt. Der vernachlässigbare Zinsnachteil, den die Beschwerdeführerin als
einzigen „Teilverlust“ hat hinnehmen müssen, fällt in diesem Zusammenhang nicht ins
Gewicht. Zwar hätte die Beschwerdeführerin, wenn sie bereits in den Jahren 2004–
2007 Ergänzungsleistungen bezogen hätte (oder hätte beziehen wollen), wohl dazu
verpflichtet werden müssen, ihre Unterhaltsforderungen unverzüglich auf dem
Betreibungswege durchzusetzen, denn ergänzungsleistungsrechtlich sind
grundsätzlich stets die jeweils aktuellen Verhältnisse – und nicht allfällige spätere
Einsparungsmöglichkeiten – massgebend, da die Ergänzungsleistung ja stets einen
aktuellen Bedarf decken soll, der aktuell nicht aus anderen Mitteln gedeckt werden
kann. Aber die Beschwerdeführerin hat in den Jahren 2004–2007 keine
Ergänzungsleistungen bezogen. Folglich ist sie in jener Zeit nicht bereits verpflichtet
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gewesen, zur Deckung ihres damals aktuellen finanziellen Bedarfs alle Möglichkeiten
auszuschöpfen, um den Ausgabenüberschuss und damit die Höhe der
Ergänzungsleistung möglichst tief zu halten. Sie hat es sich mit anderen Worten damals
leisten können, mittelfristig vernünftig zu operieren, das heisst einen kurzfristigen
finanziellen Engpass hinzunehmen, um dafür über mehrere Jahre hinweg gesehen eine
optimale Lösung herbeizuführen. Als Ergänzungsleistungsbezügerin hätte sie nicht
über diese Freiheit verfügt. Die Situation der Beschwerdeführerin stellt sich also völlig
anders dar als jene bei einem bereits in den Jahren 2004–2007 laufenden
Ergänzungsleistungsbezug. Zudem würde die (hypothetische bzw. fiktive) Anrechnung
von hypothetischen Unterhaltsbeiträgen für einen Zeitraum, in dem noch gar keine
Ergänzungsleistung geschuldet gewesen ist, einen unerträglichen Eingriff in die
Lebensführung der Beschwerdeführerin darstellen, der sich nicht rechtfertigen liesse.
Zusammenfassend kommt eine Berücksichtigung von hypothetischen
Unterhaltsbeiträgen bei einer (fiktiven) Ergänzungsleistungsberechnung für die Jahre
2004–2007 nicht in Frage.
2.3 Da eine Anrechnung von fiktiven respektive hypothetischen Unterhaltsbeiträgen als
Einnahme bei der EL-Anspruchsberechnung nicht in Betracht fällt, führt die
Berücksichtigung der in der Zeit von März 2013 (Anspruchsbeginn) bis Dezember 2014
(letzte Unterhaltszahlung) real erhaltenen Unterhaltszahlungen bei der EL-
Anspruchsberechnung nicht zu einer mehrfachen Anrechnung ein und derselben
Leistung als Einnahme. Folglich spricht nichts gegen das Vorgehen der
Beschwerdegegnerin, die diese Unterhaltszahlungen für die Zeit von März 2013 bis
Dezember 2014 als familienrechtliche Unterhaltsbeiträge im Sinne des Art. 11 Abs. 1 lit.
h ELG angerechnet hat. Der angefochtene Einspracheentscheid erweist sich in dieser
Hinsicht als rechtmässig.
3.
Bei der ursprünglichen leistungszusprechenden Verfügung vom 3. Mai 2013 und bei
den folgenden Revisionsverfügungen hat die Beschwerdegegnerin die in der Zeit von
März 2013 bis Dezember 2014 geleisteten Unterhaltsbeiträge nicht berücksichtigt. Das
ist zweifellos unrichtig gewesen. Weil sich der Ausgabenüberschuss infolge der
Anrechnung der Unterhaltsbeiträge als Einnahme für die Zeit von März 2013 bis
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Dezember 2014 in einen Einnahmenüberschuss verwandelt und weil deshalb bei der
Berücksichtigung der Unterhaltsbeiträge für jenen Zeitraum statt eines Anspruchs auf
eine Minimalgarantie kein EL-Anspruch resultiert, ist die Berichtigung des Fehlers von
erheblicher Bedeutung. Folglich sind die Voraussetzungen für eine
wiedererwägungsweise Korrektur der ursprünglichen leistungszusprechenden
Verfügung vom 3. Mai 2013 erfüllt, weshalb die Beschwerdegegnerin jene Verfügung
völlig zu Recht mit ihrer Wiedererwägungsverfügung vom 28. Dezember 2016 korrigiert
hat. Auch der Widerruf dieser Wiedererwägungsverfügung ist zulässig gewesen, denn
während der laufenden Rechtsmittelfrist darf ein Sozialversicherungsträger eine eigene
Verfügung rechtsprechungsgemäss voraussetzungslos widerrufen (und ersetzen). Das
gilt nicht nur in Bezug auf die ordentlichen, bundesrechtlichen Ergänzungsleistungen,
sondern auch für die ausserordentlichen, kantonalrechtlichen Ergänzungsleistungen,
denn gemäss dem Art. 13 Abs. 1 des St. Galler ELG (sGS 351.5) gilt im Bereich der
ausserordentlichen, kantonalrechtlichen Ergänzungsleistungen nicht das kantonale
Verfahrensrecht (VRP); vielmehr wird das Verfahrensrecht des Bundes-ELG und des
ATSG sachgemäss (d.h. als „kantonales Ersatzrecht“) angewendet. Zusammenfassend
erweist sich der angefochtene Einspracheentscheid, mit dem die Beschwerdegegnerin
die Einsprache gegen ihre Widerrufsverfügung vom 22. Januar 2017 abgewiesen hat,
also auch in verfahrensrechtlicher Hinsicht als rechtmässig.
4.
Da für die Zeit vom 1. März 2013 bis zum 31. Dezember 2014 anstatt eines
Ausgabenüberschusses ein Einnahmenüberschuss resultiert, hat die
Beschwerdeführerin für diesen Zeitraum keinen Anspruch auf eine Ergänzungsleistung.
Laut dem Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG muss sie die für diese Zeit bezogenen
Ergänzungsleistungen zurückerstatten. Diese Rückerstattungspflicht betrifft allerdings
nur jene Ergänzungsleistungen, die die Beschwerdeführerin selbst bezogen hat. Die ab
dem 1. Januar 2014 direkt an die obligatorische Krankenpflegeversicherung
ausbezahlte ordentliche Ergänzungsleistung ist davon also nicht betroffen. Mit anderen
Worten setzt sich die Rückforderung aus der in den Monaten März bis und mit
Dezember 2013 bezogenen ordentlichen Ergänzungsleistung von 10 × 344 = 3’440
Franken und aus der in der Zeit vom 1. März 2013 bis zum 31. Dezember 2014
bezogenen ausserordentlichen Ergänzungsleistung von 22 × 320 = 7’040 Franken
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zusammen. Der Gesamtbetrag der Rückforderung beläuft sich somit auf 10’480
Franken. Dieser Betrag entspricht jenem der am 22. Januar 2017 korrigierten
Rückforderung (18’160 Franken – 7’680 Franken). Auch diesbezüglich erweist sich der
angefochtene Einspracheentscheid als rechtmässig.
5.
5.1 Die Beschwerde ist folglich abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben. Die
unterliegende Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.
5.2 Die Beschwerdeführerin hat die unentgeltliche Rechtsverbeiständung beantragt.
Deren Bewilligung setzt eine finanzielle Bedürftigkeit, gewisse Erfolgschancen der
Beschwerde (keine Aussichtslosigkeit) und die Erforderlichkeit einer anwaltlichen
Vertretung voraus („wo die Verhältnisse es rechtfertigen“; Art. 61 lit. f Satz 2 ATSG). Die
finanzielle Bedürftigkeit ist durch die eingereichten Unterlagen und durch den
laufenden Anspruch auf eine Ergänzungsleistung belegt. Die Beschwerde kann nicht
als aussichtslos bezeichnet werden. Die Erforderlichkeit einer anwaltlichen Vertretung
wird im Beschwerdeverfahren in aller Regel ohne Weiteres bejaht, wobei vorliegend
zusätzlich ins Gewicht fällt, dass die erforderliche Auseinandersetzung mit mehreren
Fiktionen als komplex und damit einen juristischen Laien überfordernd bezeichnet
werden muss. Die Voraussetzungen für eine Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung sind folglich erfüllt. Der erforderliche Vertretungsaufwand ist
unter Berücksichtigung des geringen Aktenumfangs und des damit verbundenen
verhältnismässig geringen Aufwandes für das Aktenstudium insgesamt als leicht
unterdurchschnittlich zu qualifizieren. Die Entschädigung des Rechtsvertreters ist
folglich praxisgemäss auf 80 Prozent (vgl. Art. 31 Abs. 3 AnwG) von 2’500 Franken, das
heisst auf 2’000 Franken festzusetzen. Sollten es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse
dereinst gestatten, wird die Beschwerdeführerin zur Rückerstattung dieser
Entschädigung verpflichtet werden können (Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123 ZPO).
5.3 Da die wiedererwägungsweise Korrektur der Ergänzungsleistung und die
Rückforderung der unrechtmässig bezogenen Ergänzungsleistung je teilweise die
ordentliche, bundesrechtliche und die ausserordentliche, kantonalrechtliche
Ergänzungsleistung betreffen, gilt der geteilte Rechtsmittelweg.
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