Decision ID: a1d1e037-60b8-4b9c-bf3b-2c497ae43467
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a Die B._ AG war seit 1. Januar 2009 als beitragspflichtige Arbeitgeberin bei der
Kantonalen Ausgleichskasse St. Gallen angeschlossen. Über die AG wurde am 3. Juli
2012 der Konkurs eröffnet und am 31. August 2012 mangels Aktiven wieder eingestellt.
Am 3. Oktober 2012 wurde die Einstellung mangels Aktiven wieder aufgehoben (vgl.
Online-Handelsregisterauszug; abgerufen am 13. Mai 2016). Mit Verfügung vom 1.
September 2014 forderte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen als
kantonale Ausgleichskasse und Familienausgleichskasse vom einzigen Verwaltungsrat
A._ Schadenersatz für entgangene bundesrechtliche Beiträge in Höhe von Fr.
86‘429.95 sowie für entgangene kantonalrechtliche Beiträge in Höhe von Fr. 12‘548.90,
insgesamt somit Fr. 98‘978.85. Nach Art. 716a Abs. 1 Ziff. 5 und Art. 717 OR habe die
Verwaltung die mit der Geschäftsführung beauftragten Personen zu überwachen und
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sich regelmässig über den Geschäftsgang unterrichten zu lassen. A._ habe als
Verwaltungsrat die Pflicht gehabt, dafür zu sorgen, dass die der Gesellschaft als
Arbeitgeberin übertragenen öffentlich-rechtlichen Aufgaben korrekt erfüllt würden. Dies
habe er offensichtlich unterlassen, weshalb er für den entstandenen Schaden
aufzukommen habe (act. G 3.2/35).
A.b Mit Einsprache vom 1. Oktober 2014 berief sich A._ auf die Verjährung in Bezug
auf sämtliche Sozialversicherungsbeiträge, die den Zeitraum vor September 2009
beträfen und damit (im Verfügungszeitpunkt) älter als fünf Jahre seien. Gemäss eigenen
Angaben der Sozialversicherungsanstalt hätten sich die Sozialversicherungsbeiträge für
den Zeitraum von Januar 2009 bis August 2009 auf Fr. 29‘270.50 belaufen. Diese
Beiträge könnten, da absolut verjährt, nicht mehr vom Einsprecher gefordert werden.
Die Schadenersatzforderung sei deshalb in jedem Fall von Fr. 86‘429.95 auf maximal
Fr. 57‘159.45 zu kürzen. Weiter sei auf Grund des Umstands, dass seit Juli 2011 bis
zum Konkurs keine bzw. seit 2009 nie Sozialversicherungsbeiträge bezahlt worden
seien und die Sozialversicherungsanstalt regelmässig Betreibungen angehoben und
jedes Mal Pfändungsverlustscheine erhalten habe, erstellt, dass die
Sozialversicherungsanstalt spätestens mit der Konkurseröffnung vom 28. August 2012
(richtig: 3. Juli 2012) Kenntnis des Schadens gehabt habe. Da die Verfügung vom 1.
September 2014 nicht innerhalb der zweijährigen relativen Verjährungsfrist ergangen
sei, sei der Schadenersatzanspruch der Sozialversicherungsanstalt verjährt und
deshalb im Gesamten nicht mehr einforderbar (act. G 3.2/36).
A.c Mit Entscheid vom 19. Februar 2015 wies die Sozialversicherungsanstalt die
Einsprache ab. Die Ausgleichskasse erlange in dem Zeitpunkt Kenntnis vom Schaden,
in welchem sie unter Beachtung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit erkennen müsse,
dass die tatsächlichen Gegebenheiten es nicht mehr erlaubten, die Beiträge
einzufordern. Im Fall eines Konkurses bestehe in der Regel erst mit der Auflage von
Kollokationsplan und Inventar ausreichende Schadenskenntnis im Sinn von Art. 52
Abs. 3 AHVG. Zwar sei zutreffend, dass die Ausgleichskasse gegenüber der B._ AG
seit Juli 2009 auf Grund nicht erfüllter Zahlungspflichten regelmässig
Betreibungsverfahren habe anheben müssen. Diese hätten schliesslich am 29. März
2010 erstmals zu einem provisorischen Pfändungsverlustschein geführt. Der Einwand
des Einsprechers, die Ausgleichskasse habe bereits früher Kenntnis des Schadens
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gehabt, da sie aus den mehrfachen Betreibungen gegen die konkursite Firma bereits
Pfändungsverlustscheine erhalten habe, sei unzutreffend, da nur definitive, nicht aber
provisorische Verlustscheine kenntnisauslösend seien. Da bei Pfändungen die
Vermögenswerte, die für eine Firma zur Weiterführung ihrer Geschäftstätigkeit
notwendig seien, nicht eingefordert bzw. verwertet werden dürften, könne es durchaus
sein, dass im Konkursverfahren noch grössere Vermögenswerte zur Deckung der
Schulden beigezogen werden könnten. Die Ausgleichskasse könne daher auch bei
einem vor dem Konkurs durchgeführten Pfändungsverfahren erst mit Auflage des
Kollokationsplans konkret abschätzen, in welchem Umfang ihre Forderungen allenfalls
noch beglichen werden könnten. Ein Kollokationsplan liege zwar noch nicht vor,
gemäss Auskunft des Konkursamtes vom 17. Juli 2014 stehe indessen fest, dass keine
Dividende ausbezahlt werde. Seitens der Ausgleichskasse bestehe mithin ab diesem
Zeitpunkt ausreichende Schadenskenntnis, womit die Verjährungsfristen gemäss Art.
52 Abs. 3 AHVG mit der Schadenersatzverfügung vom 1. September 2014 ohne
weiteres gewahrt worden seien. Schliesslich würden die einzelnen Schadenspositionen
vom Einsprecher nicht bestritten. Er könne auch aus dem Umstand nichts ableiten,
dass die Arbeitgeberin ab Juli 2011 keine Arbeitnehmer mehr beschäftigt und keine
Löhne mehr ausgerichtet habe, beziehe sich die Schadenersatzverfügung doch
lediglich auf Beiträge bis Juni 2011 (act. G 3.2/42).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 23. März
2015 mit dem Antrag auf Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids. Zur
Begründung werden im Wesentlichen die Ausführungen in der Einsprache betreffend
Verjährung wiederholt. Die einzelnen Schadenspositionen werden sodann mit
Nichtwissen bestritten (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 12. Mai 2015 beantragt die Verwaltung Abweisung
der Beschwerde. Auch die Beschwerdegegnerin wiederholt zur Begründung im
Wesentlichen die Ausführungen im Einspracheentscheid. Der Beschwerdeführer habe
sodann in der Anmeldung vom 11. Mai 2009 eine Lohnsumme 2009 von Fr. 316‘000.--
deklariert. Auf dieser Basis seien die monatlichen Pauschalrechnungen ausgestellt
worden. Am 26. Januar 2010 sei die neue Jahreslohnsumme 2010 auf Fr. 450‘000.--
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erhöht worden. Ab Februar 2010 seien die Beitragsrechnungen auf dieser Basis in
Rechnung gestellt worden. Für das Jahr 2011 sei die Jahreslohnsumme auf Fr.
380‘000.-- reduziert worden. Ab Februar 2011 seien die Pauschalrechnungen dieser
Lohnsumme angepasst worden (act. G 3). Ein weiterer Schriftenwechsel fand nicht
statt.

Erwägungen
1.
Fügt ein Arbeitgeber durch absichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von
Vorschriften der Versicherung einen Schaden zu, so hat er diesen zu ersetzen (Art. 52
Abs. 1 AHVG). Nach ständiger Rechtsprechung gilt diese Haftung entgegen dem
(früheren) Wortlaut des Gesetzes nicht nur für die Arbeitgeber, sondern auch für die
Organe von Arbeitgebern (BGE 129 V 11, 126 V 237, 123 V 12 E. 5b S. 15, je mit
Hinweisen; seit 1. Januar 2012 ausdrücklich geregelt in Art. 52 Abs. 2 AHVG). Die
Arbeitgeber sind verpflichtet, von dem von ihnen ausgerichteten Einkommen aus
unselbständiger Erwerbstätigkeit die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen, mit der
Ausgleichskasse abzurechnen sowie die erforderlichen Angaben zu machen, und die
Beiträge zusammen mit dem Arbeitgeberbeitrag periodisch der Ausgleichskasse zu
entrichten (Art. 14 Abs. 1 und Art. 51 AHVG, Art. 34 und 36 AHVV). Die Missachtung
dieser Pflichten verletzt Vorschriften der Versicherung im Sinne von Art. 52 AHVG. Art.
52 Abs. 1 AHVG sieht eine Verschuldenshaftung nach öffentlichem Recht vor. Damit
eine Schadenersatzpflicht entstehen kann, müssen alle Haftungsvoraussetzungen
gegeben sein, d.h. es muss ein Schaden eingetreten sein, der auf ein widerrechtliches
und schuldhaftes Verhalten des verantwortlichen Organs zurückzuführen ist. Zudem
muss zwischen dem Verhalten der belangten Person und dem eingetretenen Schaden
ein adäquater Kausalzusammenhang gegeben sein. Diese Haftungsordnung gilt auch
für die Beitragsforderungen der Familienausgleichskasse (Art. 47 des
Kinderzulagengesetzes [KZG SG; sGS 371.1] in Verbindung mit Art. 25 lit. c des
Bundesgesetzes über die Familienzulagen [SR 836.2]). Die Schadenersatzforderung
verjährt zwei Jahre nachdem die zuständige Ausgleichskasse vom Schaden Kenntnis
erhalten hat, spätestens aber fünf Jahre nach Eintritt des Schadens (Art. 52 Abs. 3
AHVG).
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2.
2.1 Vorliegend bestreitet der Beschwerdeführer im Wesentlichen die Rechtzeitigkeit
der Schadenersatzverfügung. So seien sämtliche Sozialversicherungsbeiträge, die älter
als fünf Jahre seien und damit den Zeitraum vor September 2009 beträfen, absolut
verjährt, da diese bei Erlass der Schadenersatzverfügung (1. September 2014) mehr als
fünf Jahre zurücklägen. Entgegen dieser Ansicht gilt es die fünfjährige Verjährungsfrist,
die gemäss Art. 52 Abs. 3 AHVG an die Entstehung des Schadens anknüpft, von den
ebenfalls fünfjährigen Verjährungsfristen (bzw. Verwirkungsfristen) nach Art. 16 Abs. 1
und 2 AHVG - nach welcher Beiträge nach Ablauf der Frist nicht mehr eingefordert oder
bezahlt werden können bzw. verfügte Beitragsforderungen erlöschen - zu
unterscheiden. Vorliegend wurden die Beiträge jeweils nach erfolgloser Mahnung und
Betreibung zur Fristwahrung verfügungsweise festgesetzt (vgl. Rz 5021 der Wegleitung
über den Bezug der Beiträge in der AHV, IV und EO [WBB]). Dies geschah für die
Beiträge 2009 (Posten 2009/0001 bis 2009/0008 sowie 2010/0002 [Jahresabrechnung
2009]) im Zeitraum von 2. November 2009 bis 20. August 2010 (act. G 3.3/15, 18, 20,
27, 45, 46, 54, 74 und 114). Die unbezahlt gebliebenen Beiträge 2010 (Posten
2010/0001, 2010/0004 bis 2010/0005, 2010/0007 bis 2010/0012, 2010/0016) wurden
im Zeitraum zwischen dem 20. August 2010 und dem 30. September 2011 mit
Verfügung geltend gemacht (act. G 3.3/113, 116, 139, 157, 194, 195, 203 - 205, 241
und 276). Die unbezahlt gebliebenen und als Schaden geltend gemachten Beiträge
2011 (Posten 2011/0001, 2011/0004 bis 2011/0008) wurden im Zeitraum vom 30.
September 2011 bis zum 4. Januar 2012 mit Verfügung geltend gemacht (act. G
3.3/278, 295, 303, 307, 309 und 325). Somit sind für sämtliche Beiträge weder die
Veranlagungsverwirkung nach Art. 16 Abs. 1 AHVG noch die Vollstreckungsverwirkung
nach Abs. 2 derselben Bestimmung eingetreten. Die absolute Verjährungsfrist nach Art.
52 Abs. 3 AHVG knüpft demgegenüber an den Eintritt des Schadens an. Dieser gilt
rechtsprechungsgemäss als eingetreten, sobald anzunehmen ist, dass die
geschuldeten Beiträge aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht mehr
eingefordert werden können, sei es durch Eintritt der Beitragsverwirkung, sei es durch
Zahlungsunfähigkeit der Arbeitgeberin (Ueli Kieser, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zur AHV, 3. Aufl., Art. 52 Rz 14; BGE 126 V 443 E. 3a). Dass die
Beitragsverwirkung vorliegend nicht eingetreten ist, wurde vorstehend bereits
ausgeführt. Indessen wurde am 3. Juli 2012 der Konkurs über die B._ AG eröffnet
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und am 31. August 2012 mangels Aktiven wieder eingestellt. Die Einstellung mangels
Aktiven wurde sodann mit Verfügung des Kreisgerichts C._ vom 3. Oktober 2012
wieder aufgehoben (Online-Handelsregisterauszug, abgerufen am 13. Mai 2016).
Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung ist davon auszugehen, dass die Beiträge
ab Konkurseröffnung nicht mehr im ordentlichen Verfahren nach Art. 14 ff. AHVG
erhoben werden können und der Schaden damit eingetreten ist (BGE 141 V 487 E. 2.2
mit weiteren Hinweisen; anders allerdings etwa BGE 126 V 443 E. 3c, wonach für den
Schadenseintritt auf den Zeitpunkt der Einstellung des Konkursverfahrens mangels
Aktiven abgestellt wurde; die Überlegung, dass der Schaden erst dann als eingetreten
gelten soll, wenn sicher ist, dass die Ausgleichskasse aus dem Konkursverfahren keine
[genügende] Befriedigung erhält, ergibt sich auch aus Urteil 9C_123/2008 E. 4, wonach
eine allfällige Konkursdividende an die offenen Beiträge der Arbeitgeberin angerechnet
wird [und in diesem Umfang gar kein Schaden entstehen kann] und nicht etwa an die
Schadenersatzforderung gegenüber dem Organ). So oder anders - und selbst ohne
anschliessende Durchführung eines summarischen Konkursverfahrens - würde
vorliegend die absolute Verjährung frühestens am 3. Juli 2017 eintreten. Nachdem
selbst diese Frist bis heute nicht abgelaufen ist, kann offen bleiben, ob sie allenfalls
durch Annahme eines späteren Schadenseintritts erst zu einem späteren Zeitpunkt zu
laufen begonnen hat oder durch allfällige Unterbrechungen verlängert worden ist. Die
absolute Verjährung der Schadenersatzforderung ist jedenfalls noch nicht eingetreten.
2.2 Der Beschwerdeführer macht im Weiteren geltend, die Beschwerdegegnerin habe
bereits zu einem früheren Zeitpunkt genügende Kenntnis des Schadens gehabt,
weshalb die zweijährige relative Verjährungsfrist abgelaufen sei. Auf Grund des
Umstandes, dass die B._ AG seit Januar 2009 nie Sozialversicherungsbeiträge
bezahlt habe und die Beschwerdegegnerin regelmässig Betreibungen angehoben und
jedes Mal Pfändungsverlustscheine erhalten habe, sei erstellt, dass die
Beschwerdegegnerin spätestens mit der Konkurseröffnung am 28. August 2012
(richtig: 3. Juli 2012 [Publikation im SHAB am 10. Juli 2012]) und der Einstellung
mangels Aktiven am 31. August 2012 sicher gewesen sei, dass die ausstehenden
Sozialversicherungsbeiträge nicht gedeckt seien und der Schaden in vollem Umfang
eingetreten sei. Die Einstellung mangels Aktiven führe unweigerlich zur Erkenntnis,
dass die B._ AG über kein Vermögen verfüge und die Beschwerdegegnerin mit an
Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu Verlust kommen würde. Die
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Beschwerdegegnerin habe am 31. August 2012 sichere Kenntnis von der
Zahlungsunfähigkeit der B._ AG gehabt. Dies umso mehr, als im Rahmen der
Betreibungen jeweils überschiessende Betriebsergebnisse gepfändet worden seien
und nie auch nur ein geringer Teil der bestehenden Schulden habe abgetragen werden
können. Die zweijährige Frist sei damit bei Erlass der Schadenersatzverfügung am 1.
September 2014 bereits abgelaufen gewesen. Dem ist jedoch mit der
Beschwerdegegnerin entgegen zu halten, dass die zunächst verfügte Einstellung des
Konkurses mangels Aktiven per 31. August 2012 mit Verfügung des Kreisgerichts C._
vom 3. Oktober 2012 (Publikation im SHAB am 9. Oktober 2012) wieder aufgehoben
wurde und das Konkursamt D._ das Konkursverfahren am 10. Oktober 2012 (wieder)
eröffnet und den Gläubigern eine Frist für die Forderungseingabe bis am 16. November
2012 eingeräumt hatte (act. G 3.3/385). Bei Durchführung des Konkursverfahrens
besteht in der Regel mit der Auflage von Kollokationsplan und Inventar ausreichende
Schadenskenntnis (z.B. Urteil 9C_325/2010 des Bundesgerichts vom 10. Dezember
2010, E. 2.1.2). Dass ein solcher Kollokationsplan bis zum Erlass des
Einspracheentscheids vom 19. Februar 2015 ergangen wäre, ist aus den Akten nicht
ersichtlich (vgl. act. G 3.2/5.1). Indessen ist unbestritten, dass die Beschwerdegegnerin
am 17. Juli 2014 vom Konkursamt D._ informiert wurde, dass keine Dividende
ausbezahlt werde (Telefonnotiz selben Datums [act. G 3.2/7]). Dass die
Beschwerdegegnerin bereits zu einem (noch) früheren Zeitpunkt Kenntnis des
Schadens hatte oder hätte haben können, ist indessen nicht ersichtlich. Zwar erhielt sie
bereits in den Jahren 2010 und 2011 mehrere provisorische Pfändungsverlustscheine
(act. G 3.3/64, 118, 179 und 240). Diese haben indessen keine fristaus¬lösende
Wirkung (Urteil 9C_48/2010 E. 2.2, mit Hinweis auf ZAK 1991 S. 125, H 116/85, E. 2a).
Im Weiteren kann auch nicht aus der Tatsache, dass die B._ AG Zeit ihres Bestehens
Mühe bekundete mit der Beitragszahlungspflicht, auf eine genügende
Schadenskenntnis geschlossen werden, stellt doch eine schlechte Compliance für
Aussenstehende keinen sicheren Gradmesser für die Fähigkeit oder eben Unfähigkeit
einer Arbeitgeberin dar, ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können. Dazu
kommt, dass die B._ bis im Juni 2012 noch (Teil-)Zahlungen leistete, d.h. beinahe bis
zur Konkurseröffnung (vgl. Beitragsübersicht, act. G 3.1/4). Mithin ist festzustellen,
dass die Beschwerdegegnerin frühestens ab dem 17. Juli 2014 genügende Kenntnis
davon hatte, dass die gesamte Beitragsforderung (inkl. Nebenkosten) ungedeckt
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bleiben und damit ein entsprechender Schaden entstehen würde. Indem sie den
Schaden mit Verfügung vom 1. September 2014 beim Beschwerdeführer geltend
machte, hat sie die zweijährige relative Verjährungsfrist ohne weiteres eingehalten.
3.
3.1 Die gerichtliche Überprüfung ergibt, dass auch die weiteren Voraussetzungen für
die Geltendmachung von Schadenersatz gegenüber dem Beschwerdeführer erfüllt
sind, wenn auch die Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung vom 1. September 2014
und im angefochtenen Einspracheentscheid vom 19. Februar 2015 nur rudimentäre
Ausführungen dazu gemacht hat. So bestreitet der Beschwerdeführer zu Recht nicht,
dass er als einziger Verwaltungsrat der konkursiten B._ AG für die
Beitragsablieferungspflicht der Arbeitgeberin verantwortlich war und damit als Organ
gemäss Art. 52 Abs. 2 AHVG in Anspruch genommen werden kann (vgl. Art. 716a Abs.
1 OR).
3.2 Der Schaden wird vom Beschwerdeführer mit Nichtwissen bestritten. Indessen
ergibt sich die Schadensumme aus den eingereichten Unterlagen: Für das Jahr 2009
wurde jeweils eine monatliche Pauschale von Fr. 3‘732.75, insgesamt somit Fr.
44‘792.90 in Rechnung gestellt (Kontoauszug vom 30. April 2015, Posten 2009/0001
bis 2009/0008 [act. G 3.1/5]). Aus der Jahresabrechnung 2009 vom 4. Februar 2010
resultierten zunächst auszugleichende Beiträge in Höhe von Fr. 4‘803.70 (Posten
2010/0002), woran am 21. Oktober 2010 eine Gutschrift in Höhe von Fr. 3‘172.95
angerechnet werden konnte (Posten 2010/0013). Die Sozialversicherungsbeiträge für
2009 belaufen sich somit auf Fr. 46‘423.65 (Fr. 44‘792.90 + Fr. 4‘803.70 - Fr. 3‘172.95
[vgl. auch Beitragsübersicht vom 30. April 2015; act. G 3.1/4]). Für 2010 wurden
insgesamt Fr. 61‘903.50 pauschal in Rechnung gestellt (Januar 2010: Fr. 3‘732.75
[Posten 2010/0001]; ab Februar 2010: monatlich Fr. 5‘288.25 [Posten 2010/0001,
2010/0003 - 0012, 2010/0015 - 0016]). Aus der Jahresabrechnung 2010 resultierte
sodann eine weitere Gutschrift in Höhe von Fr. 1‘567.65 (Posten 2011/0002). Die
Sozialversicherungsbeiträge 2010 belaufen sich somit auf Fr. 60‘335.85. Für 2011
schliesslich wurde zunächst eine Monatspauschale von Fr. 5‘430.10 veranschlagt
(Januar 2011 [Posten 2011/0001]). Ab Februar 2011 wurden die Pauschalen auf Fr.
4‘585.45 reduziert (Posten 2011/0004 - 0012), sodass bis Oktober 2011 insgesamt Fr.
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46‘699.15 in Rechnung gestellt wurden. Aus der Jahresabrechnung für 2011 betreffend
ausbezahlte Löhne Januar bis Juli 2011 über Fr. 151'031.60 (act. G 3.3/280, 288)
resultierte sodann eine Gutschrift von Fr. 20‘297.40 (Posten 2011/0013), sodass sich
die geschuldeten Sozialversicherungsbeiträge 2011 auf Fr. 26‘401.75 belaufen.
Insgesamt belaufen sich die geschuldeten Sozialversicherungsbeiträge damit auf Fr.
133‘161.25 (Fr. 46‘423.65 + Fr. 60‘335.85 + Fr. 26‘401.75 [vgl. auch Beitragsübersicht
vom 30. April 2015; act. G 3.1/4]). Hinzu kommen Mahngebühren in Höhe von
insgesamt Fr. 720.--, Verzugszinsen in Höhe von insgesamt Fr. 12‘494.50, eine
Ordnungsbusse von Fr. 50.--, zusätzliche Erhebungsgebühren von Fr. 1‘400.-- sowie
Betreibungskosten von Fr. 4‘509.65, total somit Fr. 152‘335.40. Davon werden zwei
CO2-Rückvergütungen in Höhe von insgesamt Fr. 423.70 sowie die geleisteten
Zahlungen von insgesamt Fr. 52‘855.90 in Abzug gebracht. Damit bleibt ein Betrag von
Fr. 99‘055.80 ungedeckt, der den Zeitraum von Januar 2009 bis Juni 2011 (ohne
Februar und November 2010) umfasst (vgl. Beitragsübersicht, Kontoauszug vom 30.
April 2015 und Berechnungsblätter [act. G 3.1/4 und 5, 3.2/9ff.]). Die
Beschwerdegegnerin verzichtete sodann auf die Erhebung von nach dem Oktober
2011 bzw. nach der Jahresabrechnung 2011 vom 3. November 2011 entstandenen
Mahn- und Betreibungskosten sowie Verzugszinsen in Höhe von Fr. 76.95 (Posten
2011/0014), sodass die verfügte Schadensumme von Fr. 98‘978.85 resultiert. Dieser
Schaden ist aufgrund der Akten begründet; auch die Aufteilung in die bundesrechtliche
Forderung von Fr. 86'429.95 und in die kantonalrechtliche Forderung von Fr. 12'548.90
erscheint ausgewiesen (vgl. Berechnungsblätter in act. G 3.2/9ff.). Im Übrigen reichte
der Rechtsvertreter die in der Beschwerde vom 23. März 2015 angekündigte
umfassende Stellungnahme (zum Schaden) nicht ein.
3.3 Weitere Haftungsvoraussetzung für die Schadenersatzforderung ist die
Widerrechtlichkeit. Vorliegend kam die Gesellschaft der Beitragsablieferungspflicht
nach Art. 14 Abs. 1 und Art. 51 Abs. 1 AHVG in Verbindung mit Art. 34 ff. AHVV nicht
vollumfänglich nach, was zum Schaden der Beschwerdegegnerin geführt hat. Die
Gesellschaft, bzw. deren Organ, haben damit die Beitragszahlungspflicht betreffend die
von der Beschwerdegegnerin geltend gemachten Ausstände missachtet, womit die
Widerrechtlichkeit als Haftungsvoraussetzung gegeben ist. Ein Rechtfertigungsgrund
ist nicht ersichtlich und wird vom Beschwerdeführer auch nicht
vorgebracht.
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3.4 Die Haftung nach Art. 52 AHVG ist keine Kausalhaftung, sondern setzt nach dem
klaren Wortlaut und Sinn des Gesetzes ein zumindest grobfahrlässiges Verhalten
voraus (BGE 136 V 268 E. 3 S. 274). Der Begriff der Grobfahrlässigkeit im Sinne von
Art. 52 AHVG ist gleich zu verstehen wie im übrigen Haftpflicht- und
Versicherungsrecht, so dass grobfahrlässig handelt, wer eine elementare
Vorsichtsmassnahme missachtet bzw. das ausser Acht lässt, was jedem verständigen
Menschen in gleicher Lage und unter gleichen Umständen als beachtlich hätte
einleuchten müssen (Urteil 9C_330/2010 vom 18. Januar 2011 E. 3.2 mit Hinweisen).
Vorausgesetzt ist des Weiteren, dass die Möglichkeit zu einem rechtmässigen
Alternativverhalten bestand, was zutrifft, wenn ein pflichtgemäss handelndes Organ
den Schaden hätte verhindern können. Der Beschwerdeführer hat als zuständiger
Verwaltungsrat zugelassen, dass die B._ AG seit ihrem Anschluss an die
Beschwerdegegnerin per Januar 2009 bis zum Juni 2011, also während zweieinhalb
Jahren, Löhne in beträchtlicher Höhe (vgl. Jahresabrechnungen 2009 - 2011 [act. G
3.3/42, 190 und 280]) ausgerichtet hat, ohne die darauf anfallenden
Sozialversicherungsbeiträge pflichtgemäss abzuführen. Die Beschwerdegegnerin
musste von Anfang an jede Monatspauschale mahnen und betreiben. Soweit die
Gesellschaft (bzw. das Betreibungsamt) überhaupt Zahlungen geleistet hatte, geschah
dies jeweils um Monate oder gar Jahre verspätet. Der Beschwerdeführer macht nicht
geltend, und es ist aus den Akten nicht ersichtlich, dass es dafür einen
nachvollziehbaren Grund gibt. Bei einer derart lang anhaltenden Phase, während der
eine Gesellschaft ihrer Beitragsablieferungspflicht nicht ordnungsgemäss nachkommt,
kann ohnehin nicht mehr von einem entschuldbaren Grund ausgegangen werden. Die
Rechtsprechung anerkennt es als entschuldbar, wenn eine Gesellschaft während
maximal eines Jahres die Beiträge aussetzt, vorausgesetzt, die verantwortlichen
Organe konnten bei objektiver Betrachtungsweise davon ausgehen, die
vorübergehende Nichtablieferung der Beiträge führe zu einer baldigen Sanierung der
Gesellschaft und damit zur Aussicht, die Forderungen der Ausgleichskasse innert
nützlicher Frist begleichen zu können (Urteil des Bundesgerichts 9C_111/2007 vom 17.
September 2007 E. 3.1). Zudem muss ein auch in zeitlicher Hinsicht konkretes
Sanierungskonzept vorliegen (Urteil H 34/02 vom 4. März 2004 E. 5.2). Nicht
entschuldbar ist die Beitragsrückbehaltung, wenn eine Sanierung nicht ernsthaft
erwartet werden kann (Urteil 9C_117/2011 vom 29. März 2011 E. 4 mit Hinweis auf
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Urteil 9C_330/2010 vom 18. Januar 2011 E. 3.4 und Urteil H 28/84 vom 21. August
1985 E. 3). Indem der Beschwerdeführer trotz offenbar schlechter Finanzlage der
Gesellschaft während zweieinhalb Jahren Löhne auszahlte, ohne die darauf anfallenden
Sozialversicherungsbeiträge ordnungsgemäss abzuliefern und ohne erkennbares
Konzept, wie die Situation der Gesellschaft verbessert werden könnte, mithin ohne
Aussicht, die ausstehenden Beiträge innert nützlicher Frist begleichen zu können, ist
ihm zumindest ein grob fahrlässiges Verhalten vorzuwerfen.
3.5 Schliesslich muss zwischen der schuldhaften Verletzung von Vorschriften und dem
Eintritt des Schadens ein adäquater Kausalzusammenhang bestehen. Ein Ergebnis hat
dann als adäquate Ursache eines Schadens zu gelten, wenn es nach dem
gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach allgemeiner Lebenserfahrung an sich geeignet
ist, einen Erfolg in der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt des Erfolgs
durch das Ereignis also allgemein als begünstigt erscheint (AHI 1994 S. 204 mit
Hinweisen). Vorliegend ist ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen den
Unterlassungen des Beschwerdeführers und dem eingetretenen Schaden gegeben.
Hätte der Beschwerdeführer dafür gesorgt, dass die B._ AG ihrer
Beitragsablieferungspflicht nachkommt bzw. nur so viele Löhne ausbezahlt, als darauf
Beiträge entrichtet werden können, wäre kein Schaden in dieser Höhe entstanden.
4.
Zusammenfassend sind die Voraussetzungen für die Leistung von Schadenersatz
erfüllt. Exkulpations- oder Rechtfertigungsgründe liegen keine vor. Die
Beschwerdegegnerin hat demnach den Beschwerdeführer zu Recht verpflichtet,
Schadenersatz für entgangene Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von Fr. 98‘978.85
(inkl. Nebenkosten) zu bezahlen. Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).