Decision ID: 0a7e36ad-c7d7-5ed7-9d71-c86f8819e07b
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden stellten am 27. Juli 2015 im Empfangs- und
Verfahrenszentrum D._ Asylgesuche. Am 14. August 2015 wurde
der
Beschwerdeführer im Rahmen einer sogenannten Befragung zur Person
(BzP) summarisch zu den Asylgründen befragt. Am 29. Oktober 2019 hörte
ihn das SEM einlässlich an.
A.a Der Beschwerdeführer begründete sein Gesuch im Wesentlichen
folgendermassen: Er sei als Kurde in E._ geboren und aufgewach-
sen; nach der Schule habe er als (...) und (...) gearbeitet und zwischen
(...) und (...) seinen Militärdienst absolviert. Danach sei er nach
Griechenland umgesiedelt, wo er sich mit seiner ersten Frau und den
beiden in diesem Land geborenen Kindern bis 2011 aufgehalten habe.
Nach der Trennung der (später geschiedenen) Eheleute sei er mit seinen
(...) im Sommer 2011 nach Syrien zurückgekehrt; sie hätten sich dann zu-
erst in E._ und später in F._ aufgehalten. In der Folge habe
er
erneut geheiratet, habe aber schon nach kurzer Zeit feststellen müssen,
dass seine zweite Frau seine Kinder schlecht behandle. Er habe dagegen
nichts unternehmen können, weil die Frau und ihre Angehörigen Anhänger
der Partiya Karkerên Kurdistanê (PKK) gewesen seien und sie ihm damit
gedroht habe, dieser zu verraten, dass er ein Barzani-Anhänger sei. Etwa
eineinhalb Jahre später, kurz nachdem das erste gemeinsame Kind mit
seiner zweiten Frau zu Welt gekommen sei, habe er die Situation nicht
mehr ausgehalten und ihr gesagt, dass er sich von ihr trennen wolle.
Am nächsten Tag habe ein Cousin, der für die PKK das Dorfgefängnis be-
treut habe, ihm mitgeteilt, dass seine Frau ihn bei der PKK angezeigt und
ihn beschuldigt habe, die Partei beleidigt und deren Märtyrer beschimpft
zu haben. Er (Beschwerdeführer) habe sich sofort zur Flucht mit seinen
Kindern entschieden, weil er habe davon ausgehen müssen, von der PKK
verhaftet und hingerichtet oder den syrischen Regierungstruppen ausge-
liefert zu werden. Im (...) 2013 seien sie illegal in die Türkei ausgereist und
zwei Monate später wieder nach Griechenland gegangen. Dort hätten sie
Asylgesuche gestellt und seien im September 2014 als Flüchtlinge aner-
kannt worden. Im selben Jahr habe er zum Christentum konvertiert. Im Juli
2015 hätten sie Griechenland verlassen und seien über Italien in die
Schweiz eingereist.
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A.b Der Beschwerdeführer reichte neben verschiedenen Identitätspapie-
ren unter anderem mehrere Empfehlungsschreiben (zum Teil aus kirchli-
chen Kreisen) und die Kopie eines Artikels aus dem (...) vom (...) 2016
über sein musikalisches Wirken zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 19. November 2019 (zwei Tage später eröffnet) stellte
das SEM fest, die Beschwerdeführenden würden die Flüchtlingseigen-
schaft nicht erfüllen, lehnte ihre Asylgesuche ab und ordnete die Wegwei-
sung aus der Schweiz an. Hingegen verfügte es, dass der Vollzug der Weg-
weisung wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme
aufgeschoben werde.
C.
Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters an das Bundesverwaltungsgericht vom
18. Dezember 2019 erhoben der Beschwerdeführenden Beschwerde ge-
gen die Verfügung der Vorinstanz und beantragten, der Asylentscheid sei
aufzuheben, sie seien als Flüchtlinge anzuerkennen und ihnen sei in der
Schweiz Asyl zu gewähren; eventualiter seien sie als Flüchtlinge vorläufig
aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchten sie um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung, um Beiordnung ihres Rechtsver-
treters als unentgeltlicher Rechtsbeistand sowie um Verzicht auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses.
D.
Die vormals zuständige Instruktionsrichterin hiess mit Zwischenverfügung
vom 20. Dezember 2019 die Gesuche um unentgeltliche Rechtspflege und
um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht gut und setzte Fürsprech
Walker als amtlichen Rechtsbeistand ein; gleichzeitig wurde die Vorinstanz
zur Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen.
E.
In ihrer Vernehmlassung vom 7. Januar 2020 hielt die Vorinstanz an ihrer
Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
F.
Mit Eingabe vom 26. Februar 2020 machten die Beschwerdeführenden in-
nert erstreckter Frist von ihrem Recht zur Replik Gebrauch, wobei sie voll-
umfänglich an den Ausführungen in ihrer Beschwerde festhielten. Mit der
Eingabe wurden die Kopie des Militärbüchleins des Beschwerdeführers,
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ein USB-Stick mit Videos von musikalischen Darbietungen des Beschwer-
deführers, eine Beschreibung von seinen Liedern mit politischen Inhalten
und eine Kostennote ins Recht gelegt.
G.
Anfang des Jahres 2021 wurde das vorliegende Beschwerdeverfahren von
der Leitung der Abteilung V aus organisatorischen Gründen dem im
Rubrum erwähnten vorsitzenden Richter zur weiteren Behandlung zuge-
teilt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von
Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-
ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe-
rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinn von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor,
weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.5 Auf die Beschwerde ist einzutreten.
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Seite 5
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Flüchtlingen wird kein Asyl gewährt, wenn sie erst durch ihre Ausreise aus
dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der
Ausreise Flüchtlinge im Sinn von Art. 3 wurden (Art. 54 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Das SEM führte zur Begründung seines Asylentscheids im Wesentli-
chen Folgendes aus:
4.1.1 Soweit der Beschwerdeführer geltend mache, von seiner Frau bei der
PKK verleumdet worden zu sein, gelinge es ihm nicht, eine begründete
Furcht vor asylrechtlich relevanter Verfolgung glaubhaft zu machen. Seine
diesbezüglichen Ausführungen seien schwer nachvollziehbar, pauschal
und oberflächlich ausgefallen. Es sei zwar wohl nicht grundsätzlich auszu-
schliessen, dass seine zweite Frau ihn aus persönlichen Motiven bei der
PKK angeschwärzt habe; dass ihm deswegen die Festnahme drohen
würde, sei aber ebenso abwegig wie die angeblich befürchtete Inhaftie-
rung, Ermordung oder Auslieferung an die Regierungstruppen. Für ein sol-
ches Vorgehen der PKK würden jegliche objektiven Anhaltspunkte fehlen,
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und die angeblichen – mit auffällig drastischen Formulierungen umschrie-
benen – Befürchtungen seien letztlich reine Mutmassungen. Dass die ge-
samte Familie der Frau ihn angeblich "mit aller Macht" habe zu töten ver-
sucht, erscheine als übertrieben; bezeichnenderweise habe der Beschwer-
deführer auch keine konkreten Vorkommnisse schildern können, die solche
Befürchtungen stützen könnten. Zudem seien beim Vergleich der beiden
Befragungsprotokolle diesbezüglich auch einige Aussagewidersprüche
festzustellen.
4.1.2 Die Konversion zum Christentum im September 2014 sei zwar glaub-
haft gemacht, entfalte aber keine flüchtlingsrechtliche Relevanz. Syrien sei
ein laizistischer Staat, in dem alle Religionsangehörigen – und auch die
Christen – einen festen Platz in der Gesellschaft hätten. Eine staatliche
Verfolgung von Personen christlichen Glaubens sei nicht festzustellen und
drohe auch dem Beschwerdeführer nicht. Dass ein Teil der Familienange-
hörigen seit der Konversion nicht mehr mit dem Beschwerdeführer spre-
chen würden, stelle keinen ernsthaften Nachteil im Sinn des Asylgesetzes
dar.
4.1.3 Auch den bürgerkriegsbedingten Nachteilen sei nach Lehre und
Praxis die flüchtlingsrechtliche Relevanz abzusprechen.
4.1.4 Insgesamt würden die Vorbringen des Beschwerdeführers weder den
Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG, noch denjeni-
gen an die Relevanz gemäss Art. 3 AsylG standhalten. Folglich würden er
und seine Kinder die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, weshalb das
Asylgesuch abgelehnt werden müsse.
4.2
4.2.1 Die Beschwerdeführenden stellen sich in ihrer Beschwerde auf den
Standpunkt, das SEM habe im Asylentscheid Bundesrecht verletzt und den
Sachverhalt unvollständig und teilweise unrichtig festgestellt.
4.2.2 Die Vorinstanz verkenne insbesondere offensichtlich die Folgen einer
Konversion zum Christentum in Syrien völlig. Es möge sein, dass Christen,
die in eine christliche Familie hineingeboren worden seien, in Syrien keine
grossen Probleme wegen ihres Glaubens hätten. Bei Konvertiten sei dies
aber gänzlich anders, weil das in Syrien geltende Recht eine Konversion
weg vom Islam ausschliesse. Im Prinzip sei eine solche mit der Todesstrafe
bedroht. Das islamische Recht würde es jedem gläubigen Muslim erlau-
ben, den Beschwerdeführer und seine (...) zu töten, um sie für das Abfallen
von ihrer ursprünglichen Religion zu bestrafen; dabei könne es sich bei den
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Tätern auch um Mitglieder der eigenen Familie handeln, die sich verpflich-
tet fühlen würden, die Familienehre wiederherzustellen (oder aus den Krei-
sen ihrer Moscheen unter Druck gesetzt würden, das "familieninterne Prob-
lem" selber zu lösen. Die Konversion sei im syrischen Länderkontext des-
halb flüchtlingsrechtlich relevant.
4.2.3 Das SEM übersehe zudem den Umstand, dass der Beschwerde-
führer ein bekannter (...)-Musiker und Liedermacher sei. Das Ausleben der
kurdischen Kultur sei in Syrien verboten, und solche Aktivitäten würden
verbotene Handlung darstellen. Der Beschwerdeführer schreibe seine
Liedtexte teilweise selber, und diese würden unter anderem die Lage der
Kurden in ihrer Heimat beschreiben, wodurch die Grenze zwischen reiner
Folklore und politischen Aussagen definitiv überschritten werde. Er setze
sich demnach im Exil faktisch und effektiv für die kurdische Sache ein. Das
SEM hätte hier abklären müssen, ob subjektive Nachfluchtgründe gegeben
seien; dies umso mehr, als ein Beitrag über den Musiker (mit voller
Namensnennung) in einer schweizerischen Zeitung zu den Akten gereicht
worden sei und er auch in der Bundesanhörung über seine musikalischen
Aktivitäten gesprochen habe.
4.2.4 Soweit das SEM den angefochtenen Asylentscheid damit begründe,
dass ein Teil der Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen
an die Glaubhaftigkeit nicht genügen würden, habe das SEM den Beweis-
wert der BzP überbewertet und dabei die Praxis seiner Beschwerde-
behörde nur ungenügend berücksichtigt.
4.2.5 Die Ehefrau des Beschwerdeführers wolle ihn vernichten und habe
zu diesem Zweck versucht, ihre Familie, bei der es sich um PKK-Anhänger
handeln, zu instrumentalisieren; dabei habe auch die Schwiegermutter
eine treibende Rolle ausgeübt. Der Beschwerdeführer sei rechtzeitig ge-
warnt worden und habe gerade noch fliehen können. Deshalb sei es nur
logisch, dass er keine Vorkommnisse habe schildern können, die seine Be-
fürchtungen gestützt hätten; andernfalls wäre er heute wohl nicht mehr am
Leben.
4.2.6 Zu Beginn des BzP-Protokoll sei der Hinweis aufgeführt, dass bei
dieser Befragung nur die wichtigsten Asylgründe und auch diese nur sum-
marisch behandelt und Vertiefungen in der späteren Anhörung erfolgen
würden. Der Beschwerdeführer habe sich unter diesen Umständen kurz
gehalten, was die vermeintlichen Widersprüche zwischen den beiden Pro-
tokollen erkläre.
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4.2.7 Die vom SEM vertretene Auffassung, wonach der Bürgerkrieg und
dessen Auswirkungen keinen Asylgrund darstellen würde, sei korrekt. Der
Beschwerdeführer sei aber ein Reservist der syrischen Armee. Er habe er-
fahren, dass kürzlich ein Aufgebot zum Reservedienst für ihn ergangen sei.
Die Dienstverweigerung eines syrischen Reservisten, der sich zudem poli-
tisch regimekritisch exponiere, sei asylrechtlich relevant, weil die zu erwar-
tenden Sanktionen unverhältnismässig hart wären.
4.3 In seiner Vernehmlassung vom 7. Januar 2020 beantragte das SEM
die Abweisung der Beschwerde.
4.3.1 Die Widersprüche der protokollierten Aussagen des Beschwerdefüh-
rers könnten nicht mit dem summarischen Charakter der BzP begründet
werden. Nach wie vor würden die zentralen Asylvorbringen auf persönli-
chen Mutmassungen und Annahmen und nicht auf konkreten Indizien be-
ruhen.
4.3.2 Der Beschwerdeführer habe weder ein ausgeprägtes politisches
Profil, noch sei er auffallend exilpolitisch aktiv. Dass seine angebliche
Sympathie für die Barzani-Familie ein derartiges Verfolgungsinteresse an
ihm hätte auslösen könnte, sei unwahrscheinlich.
4.3.3 Die Beschwerdevorbringen im Zusammenhang mit der Konversion
seien verallgemeinernd. Ausser, dass ein Teil der Familienangehörigen
nicht mehr mit dem Beschwerdeführer sprechen wollten, habe er in der
Anhörung keine von ihm, befürchteten Konsequenzen aus der Konversion
beschrieben.
4.3.4 Auch die angeblichen Schwierigkeiten, die dem Beschwerdeführer
wegen seiner musikalischen Aktivitäten erwachsen könnten, würden über-
trieben wirken. Das Leben der kurdischen Kultur sei in Syrien nicht per se
verboten, weshalb das Spielen eines traditionellen Instruments noch keine
verbotene Handlung darstelle. Der Beschwerdeführer habe denn auch zu
keinem Zeitpunkt geltend gemacht, in Syrien wegen seiner musikalischen
Aktivitäten Probleme gehabt zu haben. Soweit nun auf Beschwerdeebene
behauptet werde, er habe sich mit dem Musizieren und dem Vortragen sei-
ner Texte politisch exponiert, sei dies ein nachgeschobenes Vorbringen
und vermöge nicht zu überzeugen.
4.3.5 Das Gleiche gelte für das neue Vorbringen, der Beschwerdeführer
habe mittlerweile ein Aufgebot als Reservist erhalten; es wecke doch
erhebliches Erstaunen, dass der Beschwerdeführer während des bisher
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mehr als vier Jahre dauernden Asylverfahrens nichts Derartiges geltend
gemacht habe, um dann angeblich just während der laufenden Beschwer-
defrist eine Vorladung zu erhalten. Im Übrigen sei die Nichtbefolgung einer
militärischen Vorladung auch im syrischen Länderkontext asylrechtlich nur
relevant ist, wenn zusätzliche einzelfallspezifische Risikofaktoren vorliegen
würden – dies sei beim Beschwerdeführer nicht der Fall.
4.4 In der Replik vom 26. Februar 2020 liessen die Beschwerdeführenden
an ihren Rechtsbegehren festhalten.
4.4.1 Sie hielten daran fest, dass die BzP eine summarische Befragung
sei, und es unter diesen Umständen nicht angehe, von Asylsuchenden eine
vollständige Darlegung der Asylgründen in dieser Erstbefragung zu verlan-
gen.
4.4.2 Gewisse kurdische Gruppierungen würden mit dem Assad-Regime
zusammenarbeiten, wobei auch Geheimdienstinformationen ausgetauscht
und Dienstverweigerer an das syrische Regime ausgeliefert würden.
4.4.3 Inzwischen liege ein USB-Stick mit Videos vor, der zu den Akten
gereicht werden könne, auf denen der Beschwerdeführer verschiedene
Lieder spiele. Im Rahmen der politischen Lieder singe er auch über Barzani
und seine Partei. In Anbetracht dieses Engagements des Beschwerde-
führers als politischer Sänger dürfe nicht von einem fehlenden politischen
Profil gesprochen werden.
4.4.4 Was die Gefahr durch die Konversion anbelange, werde auf die Aus-
führungen in der Beschwerde verwiesen, an denen festgehalten werde.
So lange die Konversion des Beschwerdeführers nur innerhalb der Familie
bekannt gewesen sei, habe sich das Risiko in Grenzen gehalten; hingegen
wäre es für den Beschwerdeführer auf die Dauer nicht zumutbar gewesen,
auf die Ausübung seines neuen Glaubens zu verzichten. Wenn er regel-
mässig christliche Gottesdienste besucht hätte, wäre seine Konversion all-
gemein bekannt geworden.
4.4.5 Auch wenn das Ausleben der kurdischen Kultur in Syrien nicht ver-
boten sein möge, sei es immer wieder vorgekommen, dass die syrischen
Sicherheitskräfte kurdische Kulturveranstaltungen oder Feste gewaltsam
beendet hätten, weil das Ausleben der kurdischen Kultur eben immer auch
einen politischen Hintergrund habe. Auch das bei solchen Veranstaltungen
übliche Zeigen von Fahnen in den kurdischen Farben, sei eminent
politisch. Der Beschwerdeführer trete nicht nur an solchen Veranstaltungen
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auf, sondern habe im Internet seine eigenen Kanäle, unter anderem auch
auf Youtube und auf Facebook. Teilweise verwende er dabei seinen Künst-
lernamen "G._" (weil er auch Lieder über die Stadt F._
singe, dabei seine Liebe zu dieser Stadt darstelle und deren Zerstörung
beklage, wobei er die PKK hierfür verantwortlich mache). Die Lieder des
Beschwerdeführers, die er auch bei Veranstaltungen seiner Partei im Exil
gesungen habe, seien nicht nur traditionelle kurdische Folklore, sondern
sie hätten auch politische Inhalte.
4.4.6 Der Beschwerdeführer habe sich nach Erhalt des angefochtenen
Asylentscheids mit seiner Familie in Verbindung gesetzt und sich nach der
aktuellen Lage erkundigt. Dabei (und deswegen) habe er von dem Aufge-
bot erfahren. Das Aufgebot zum Reservedienst sei erst nach der Bundes-
anhörung ergangen. Er bemühe sich, das Dokument zu den Akten zu rei-
chen und könne mit der Replik bereits eine Kopie des Militärbüchleins ein-
reichen.
5.
5.1 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die
Flüchtlingseigenschaft im Sinn von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von
bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr
die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf-
gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive zugefügt zu
werden drohen, und vor denen sie keinen ausreichenden staatlichen Schutz
erwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f. und 2008/4 E. 5.2, je m.w.H.).
Eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinn dieser Bestimmung liegt
vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, Letztere hätte sich
– aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heu-
tiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft ver-
wirklichen. Es müssen demnach hinreichende Anhaltspunkte für eine kon-
krete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichba-
rer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht her-
vorrufen würden. Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen
Schutzes setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem vo-
raus, dass die betroffene Person in ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat kei-
nen ausreichenden Schutz finden kann (vgl. BVGE 2011/51 E. 6, 2008/12
E. 7.2.6.2 und 2008/4 E. 5.2). Ausgangspunkt für die Beurteilung der
Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise
vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer solchen. Die
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Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Rahmen der Prü-
fung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls wesentlich. Verän-
derungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und
Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der das Asylgesuch
stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. zum Ganzen BVGE 2011/51
E. 6, 2011/50 E. 3.1.1 f., 2010/57 E. 2, 2008/34 E. 7.1, 2008/12 E. 5.2 und
2008/4 E. 5.2, jeweils m.w.H.; WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax / Rudin /
Hugi Yar / Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., 2009, Rzn. 11.17 f.).
5.2 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie ge-
nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich
nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht
widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder den Tatsachen
oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Vorbringen sind substan-
ziiert, wenn sie sich auf detaillierte, präzise und konkrete Schilderungen
stützen. Als schlüssig gelten Vorbringen, wenn sie innerhalb einer Anhö-
rung, zwischen Anhörungen oder im Vergleich zu Aussagen Dritter keine
Widersprüche aufweisen. Kleine, marginale Widersprüche sowie solche,
die nicht die zentralen Asylvorbringen betreffen, sollen zwar in die Gesamt-
betrachtung einfliessen, jedoch nicht die alleinige Begründung für die Ver-
neinung der Glaubhaftigkeit bilden. Darüber hinaus muss die gesuchstel-
lende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann
nicht der Fall ist, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst
falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert
oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mitwirkung am Verfahren
verweigert. Glaubhaftmachen bedeutet ferner – im Gegensatz zum strikten
Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für ge-
wisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der gesuchstellenden Per-
son. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die Richtigkeit der Sach-
verhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine ob-
jektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2, 2010/57
E. 2.2 f.; Entscheidungen und Mitteilungen der vormaligen Schweizeri-
schen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1; KNEER /
SONDEREGGER, Glaubhaftigkeitsprüfung im Asylverfahren – Ein Überblick
über die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, Asyl 2015/2
S. 5 ff.).
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Seite 12
6.
Unter Berücksichtigung dieser Beurteilungskriterien hält das Bundesver-
waltungsgericht nach Durchsicht der Akten Folgendes fest:
6.1
6.1.1 Die Schilderung der Schwierigkeiten, die der Beschwerdeführen mit
seiner zweiten Frau gehabt haben soll, sind wenig substanziiert und auch
für das Bundesverwaltungsgericht teilweise kaum nachvollziehbar: Er soll
gemäss seiner Darstellung kurz nach Beginn der ehelichen Beziehung
festgestellt haben, dass diese seine beiden Töchter massiv körperlich
misshandelt habe (vgl. Protokoll Anhörung ad F16 S. 3: "[...] jedes Mal
wenn ich nach Hause kam, habe ich meine Kinder mit blauen Flecken am
Körper angetroffen. Meine neue Frau war nicht gut zu meinen Kindern ge-
wesen [...]"). Nachdem einzig die Sorge um das Wohlergehen der Kinder
den Grund für die im August 2011 – zu Beginn des Bürgerkriegs – erfolgte
Rückkehr aus Griechenland gebildet haben soll (vgl. a.a.O.), ist unver-
ständlich, wieso der Vater die angeblich andauernden Misshandlungen
seiner Töchter eineinhalb Jahre lang geduldet haben soll. Aus den
Schilderungen des Beschwerdeführers wird auch nicht nachvollziehbar,
wieso er seine Partnerin ausgerechnet kurz nach der Geburt des gemein-
samen Kinds verlassen haben will (vgl. a.a.O. ad F12 S. 4). Und schliess-
lich erscheint neben der angeblichen Warnung durch einen der PKK ange-
hörenden Cousin (vgl. a.a.O.) auch überraschend, dass dem Beschwerde-
führer dann innert kurzer Frist die erneute Ausreise aus Syrien mit den bei-
den kleinen Kindern gelungen sein soll (vgl. Protokoll BzP S. 7).
6.1.2 Im Übrigen beruht die Annahme des Beschwerdeführers, dass die
PKK ihn verfolgen würde (vgl. Protokoll Anhörung ad F16 S. 4), auf der
Annahme, dass diese den Verleumdungen seiner Ehefrau Glauben schen-
ken würde. Auch dies erscheint in keine Weise als zwingend, zumal offen-
sichtliche materielle Interessen der Frau bestanden (vgl. a.a.O. ad F28).
6.1.3 Den vom SEM in diesem Zusammenhang aufgezählten Aussagewi-
derspruch (betreffend die Kenntnis des Beschwerdeführers von der Be-
gründung der angeblichen Anzeige seiner Frau; vgl. angefochtene Verfü-
gung S. 4) wird in der Beschwerde inhaltlich nicht wirklich bestritten (vgl.
Beschwerde S. 6); er lässt sich auch nach Auffassung des Gerichts nicht
bloss mit dem summarischen Charakter der Erstbefragung erklären (vgl.
hierzu erstmals EMARK 1993 Nr. 3).
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Seite 13
6.1.4 Unter diesen Umständen geht auch das Bundesverwaltungsgericht
nicht davon aus, dass der Beschwerdeführer vor seiner definitiven Aus-
reise aus Syrien wegen des Verhaltens seiner zweiten Frau berechtigter-
weise ernsthafte Probleme (mit der PKK) befürchten musste.
6.2
6.2.1 Auf Beschwerdeebene wird der Beschwerdeführer als (durch Auftritte
und via Soziale Medien) international bekannt gewordener Musiker be-
schrieben, der bei seinen Auftritten neben kurdischer Folklore auch immer
wieder explizite politische Inhalte vertrete. In der Replikbeilage 3 werden
Teile einzelner Songtexte, die auf einem Datenträger abgespeichert sind,
nach politischen Themen aufgeschlüsselt.
6.2.2 In der Anhörung hatte der Beschwerdeführer bei der Frage nach ei-
genen politischen Aktivitäten unter anderem Folgendes zu Protokoll gege-
ben: "In dieser Hinsicht spiele ich Musik und singe Lieder über Kurdistan,
das sind meine Aktivitäten" (vgl. Protokoll ad F49). Auf die Frage nach exil-
politischen Aktivitäten antwortete er mit: "Politische Aktivitäten, d.h. bei ei-
ner Partei mitzumachen, ich mache so etwas nicht mit, ich singe nur kurdi-
sche Lieder" (vgl. a.a.O. ad F82).
6.2.3 Die (schwer lesbare) Kopie des Berichts im (...) vom (...) 2016 (vgl.
Beweismittelverzeichnis A16) gibt immerhin diese Aussage des Beschwer-
deführes zu seinen Songtexten wieder: "[...] über die Liebe [...] aber auch
über Politik und Krieg".
6.2.4 Der Beschwerdeführer hat nicht geltend gemacht, vor der definitiven
Ausreise aus Syrien Probleme wegen seiner Musik gehabt zu haben.
Im Gegensatz zur Vorinstanz gewinnt das Gericht bei Durchsicht der ge-
samten Akten jedoch den Eindruck, dass der Beschwerdeführer – jeden-
falls seit dem Verlassen seines Heimatlandes – die Grenze zwischen
traditioneller kurdischer Folklore und explizit-politischen Inhalten mitunter
klar überschreitet. Angesichts der vielen Fundstellen im Internet ist zudem
von einem gewissen Bekanntheitsgrad auszugehen. Daraus dürfte – für
den hypothetischen Fall seiner Rückkehr in das bürgerkriegszerrissene
Heimatland – heute eine abstrakte Gefährdung des Beschwerdeführers
resultieren, wobei der Grad der konkreten Gefahr sich anhand der Akten
nur schwer zuverlässig abschätzen lässt.
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Seite 14
6.3
6.3.1 Die Konversion des Beschwerdeführers zum Christentum während
seines (zweiten) Aufenthalts in Griechenland im September 2014 ist in den
Akten ausführlich dokumentiert und wird vom SEM zu Recht nicht an-
gezweifelt.
6.3.2 Die Praxis des Bundesverwaltungsgerichts zu den flüchtlingsrechtli-
chen Konsequenzen einer solchen Konversion im syrischen Länderkontext
lässt sich so zusammenfassen, dass nicht von einer Kollektivverfolgung
der Konvertiten auszugehen ist (vgl. Urteil BVGer E-3085/2018 vom
16. April 2020 E. 6.3) und die individuelle Verfolgungsgefahr unter ande-
rem davon abhängt, ob die Konversion im Heimatland allgemein bekannt
geworden ist (vgl. insbes. Urteile E-1779/2018 vom 12. August 2020 E. 7
und D-3397/2017 vom 25. Juli 2019 E. 5.5).
6.3.3 Der Beschwerdeführer hat glaubhaft dargelegt, dass sein Übertritt in
seiner Verwandtschaft bekannt geworden ist und mehrere Angehörige seit-
her den Kontakt zu ihm abgebrochen haben (vgl. Protokoll Anhörung
ad F47 f.). Hinzu kommt, dass er seinen (neuen) Glauben offensichtlich
auch musikalisch in der Öffentlichkeit ausdrückt: Auf dem mit der Replik
eingereichten Datenträger sind beispielsweise im Internet publizierte Auf-
tritte des Beschwerdeführers bei der Taufe zweier Kinder in einer Kirche,
ein vor einem geschmückten Christbaum vorgetragenes "Weihnachtlied"
oder ein Auftritt in einem "christlichen Camp" abgespeichert.
6.3.4 Unter diesen Umständen würde auch die in der Öffentlichkeit bekannt
gewordene Konversion den Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach
Syrien einer konkreten Gefahr von Behelligungen und Verfolgungsmass-
nahmen aussetzen.
6.4 Das Bundesverwaltungsgericht geht bei dieser Aktenlage davon aus,
dass der Beschwerdeführer aufgrund der Konversion und seines kulturell-
politischen Engagements nach der Ausreise bei einer Rückkehr nach Sy-
rien mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Opfer einer flüchtlingsrechtlich re-
levant begründeten Verfolgung würde. Damit ist seine originäre Flücht-
lingseigenschaft festzustellen.
6.5 Ob er zusätzlich auch durch das angebliche Aufgebot zum Reserve-
dienst in der syrischen Armee gefährdet wäre, kann ebenso offenbleiben
wie die Frage der Glaubhaftigkeit dieses Vorbringens.
E-6722/2019
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6.6 Nachdem sich die relevanten Sachverhaltselemente – die Konversion
und das exilpolitische Engagement als Sänger (wie auch die angebliche
Einberufung als Reservist) – erst nach der Ausreise aus dem Heimatland
verwirklicht haben, liegen sogenannte subjektive Nachfluchtgründe ge-
mäss Art. 54 AsylG vor. Die originäre Flüchtlingseigenschaft kann dem-
nach wegen dieses Asylausschlussgrunds nicht zu Gewährung von Asyl in
der Schweiz führen.
6.7 Für eine Anschlussverfolgung der beiden (...) des Beschwerdeführers
wegen ihres Vaters ergeben sich in den Akten keine konkreten Anhalts-
punkte. Diese beiden (...) erfüllen damit die originäre Flüchtlingseigen-
schaft nicht. Sie sind jedoch, nachdem keine
dagegen sprechenden Gründe ersichtlich sind, in Anwendung von Art. 51
Abs. 1 AsylG in die Flüchtlingseigenschaft ihres Vaters einzubeziehen (vgl.
BVGE 2019 VI/8 E. 4.1).
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Ihre Wegweisung wurde demnach zu Recht ange-
ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
Die Beschwerde ist nach den vorstehenden Erwägungen abzuweisen, so-
weit die Gewährung des Asyls in der Schweiz und der Verzicht auf die An-
ordnung der Wegweisung beantragt worden ist. Die Beschwerde ist hinge-
gen mit Bezug auf die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft gutzuheis-
sen; das SEM ist anzuweisen, die Beschwerdeführenden im Sinn der vor-
stehenden Erwägungen – originär gestützt auf Art. 3 in Verbindung mit
Art. 54 (Beschwerdeführer) respektive derivativ gestützt auf Art. 51 AsylG
([...]) – als Flüchtlinge vorläufig in der Schweiz aufzunehmen.
E-6722/2019
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9.
9.1 Bei diesem Verfahrensausgang wären die Verfahrenskosten praxis-
gemäss zur Hälfte den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1
und 5 VwVG). Da das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung mit Zwischenverfügung der Instruktionsrichterin vom 20. De-
zember 2019 gutgeheissen wurde und den Akten keine Hinweise auf eine
relevante Veränderung ihrer finanziellen Verhältnisse zu entnehmen sind,
ist jedoch von einer (teilweisen) Kostenauflage abzusehen.
9.2 Den vertretenen Beschwerdeführenden ist angesichts ihres teilweisen
Obsiegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine hälftige
Entschädigung für die ihnen notwendigerweise erwachsenen Parteikosten
zuzusprechen. Der in der Kostennote vom 26. Juni (recte 26. Februar)
2020 ausgewiesene zeitliche Vertretungsaufwand erscheint als angemes-
sen. Die reduzierte Parteientschädigung, die durch das SEM zu vergüten
ist, ist auf der Basis des in der Honorarnote ausgewiesenen Stundenan-
satzes von Fr. 230.– somit auf insgesamt Fr. 1165.– (inkl. Hälfte der Ausla-
gen und Mehrwertsteueranteil) festzulegen.
9.3 Mit der Zwischenverfügung vom 20. Dezember 2019 wurde auch das
Gesuch um amtliche Verbeiständung gutgeheissen (aArt. 110a AsylG) und
der Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden als amtlicher Rechtsbei-
stand eingesetzt. Diesem ist demnach zulasten des Gerichts ein amtliches
Honorar auszurichten. Dieses ist unter Anwendung des in der Zwischen-
verfügung angekündigten Stundenansatzes von maximal Fr. 220.– auf ins-
gesamt Fr. 1115.– (inklusive hälftige Auslagen und Mehrwertsteueranteil)
festzulegen.
(Dispositiv nächste Seite)
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