Decision ID: 59c9d011-8401-4f14-bd72-10f17f381962
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Ehescheidung (vorsorgliche Massnahmen)
Berufungen gegen eine Verfügung des Einzelgerichts im ordentlichen Verfahren am Bezirksgericht Zürich, 3. Abteilung, vom 7. August 2018 (FE180108-L)
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Rechtsbegehren:
der Gesuchstellerin, Erstberufungsklägerin und Zweitberufungsbeklagten
(Urk. 6/22 S. 2 f.):
"1. [...]
2. Die Familien-Wohnung an der C._-strasse ... in Zürich ... sowie das sich darin befindliche Mobiliar und Inventar sei der Klägerin und D._ zur Benutzung zuzuweisen. [...]
3.a. Die Obhut betreffend den gemeinsamen Sohn D._ sei der Klägerin zuzuweisen.
b. Dem Beklagten sei betreffend D._ das Recht zur Betreuung jeweils Sonntagnachmittags von 13.30 Uhr bis 17 Uhr einzuräumen. [...] Von einem Ferienbetreuungsrecht sei bis zum Abschluss des 2.  von D._ abzusehen. Ab der 3. Primarklasse sei der Vater  zu erklären, D._ während zwei Wochen jährlich mit sich in die die Ferien zu nehmen. Die Parteien sprechen sich bis Ende Januar des in Frage stehenden Jahres über die Festlegung der beiden  ab. Ein Feiertagsbesuchsrecht sei nicht vorzusehen.
4.a. Der Beklagte sei, solange er bei seinem Sohn in dessen 2.5-, 1. Stock, C._-strasse ... in ... Zürich wohnt, und  seit 1. Dezember 2017 zu monatlichen, zum Voraus zu  und indexierten Unterhaltsbeiträgen an die Klägerin zu Handen von D._ in der Höhe von Fr. 2'500.– zuzüglich Kinderzulagen zu . Nach Umzug in eine eigene Wohnung sei der Beklagte zu monatlichen, zum Voraus zu bezahlenden und indexierte  von Fr. 2'000.– zuzüglich Kinderzulagen an die Klägerin zu Handen von D._ zu verpflichten.
b. Lebt der Beklagte in einer eigenen Wohnung mit einer oder mehreren Personen zusammen, so ist sein Bedarf ab dem Zeitpunkt der  des gemeinsamen Haushalts um Fr. 700.– zzgl. hälftige weitere Infrastrukturkosten zu reduzieren, und die Unterhaltsbeiträge betreffend D._ erhöhen sich bis zur Deckung von dessen Bedarf zuzüglich Kinderzulagen. Sollte der Beklagte alleine in einer Wohnung leben,  sich sein Bedarf um Fr. 100.– zzgl. Fr. 650.– Miete.
c. Erhöht sich das Einkommen des Beklagten, so seien die  an D._ im Verhältnis dieses Überschusses bis zur Deckung von dessen Bedarf zuzüglich Kinderzulagen zu erhöhen.
d. Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin alljährlich Ende Juni bzw. nach Erstellung der Steuererklärung bzw. des Geschäftsabschlusses diese Belege (Steuererklärung sowie Geschäftsabschluss) des  Jahres unaufgefordert zuzustellen. Ausstehende  seien gemäss vorstehender Regelung innert zwei Monaten seit Erstellung des Geschäftsabschlusses an die Klägerin nachzuzahlen.
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5. Die seit der Trennung per Dezember 2017 (01.12.2017) an den  geflossenen Kinderzulagen seien an die Klägerin zu erstatten.
6. Der Beklagte sei zu verpflichten, in Bezug auf das/die Kont/-o/-i von D._ bzw. das dort befindliche Guthaben Auskunft zu erteilen und die entsprechenden Kontoauszüge seit Kontoeröffnung bis heute zu edieren. Es sei anzuordnen, das Guthaben auf ein auf den Namen von D._ lautendes Sperrkonto (Zugang mit 18 Jahren) bei der E._ zu übertragen. Sollte kein solches Konto mehr existieren bzw. ist dieses saldiert worden, so hat der Beklagte die entsprechenden Belege zu edieren. Sollte es sich hierbei um die von Mai bis Juni 2017  Vergütungen durch die F._ handeln, so sei der Beklagte zu verpflichten, Fr. 9'551.20 zu Handen von D._ einzuzahlen (4.5.2017: Fr. 3'698.55, 9.6.17 und 13.6.17: je Fr. 1'315.20 und Fr. 3'222.25).
7. Kosten und Entschädigung zu Lasten des Beklagten."
Verfügung des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am  Zürich, 3. Abteilung, vom 7. August 2018:
(Urk. 2)
1. Die eheliche Wohnung im 5. Stock an der C._-strasse ..., ... Zürich,
wird, inkl. Hausrat und Mobiliar, bis auf Weiteres der Gesuchstellerin und
dem Sohn D._ zur alleinigen Benützung zugewiesen.
2. Die Obhut über den Sohn der Parteien, D._, geboren am tt.mm.2010,
wird bis auf Weiteres der Gesuchstellerin zugeteilt.
3. Der Gesuchsteller ist bis auf Weiteres berechtigt und verpflichtet, den Sohn
D._, geboren am tt.mm.2010, wie folgt auf eigene Kosten zu betreuen:
− jeden Sonntag von 13 bis 17 Uhr, − ab dem Eintritt von D._ in die 3. Primarklasse, während drei Wochen
(maximal zwei am Stück) Ferien pro Kalenderjahr.
Die Parteien haben die Aufteilung der Ferien jeweils mindestens drei Monate
im Voraus abzusprechen. Können sie sich nicht einigen, so kommt dem Va-
ter in Jahren mit gerader Jahreszahl das Entscheidungsrecht bezüglich der
Aufteilung der Ferien zu; in Jahren mit ungerader Jahreszahl der Mutter.
Weitergehende oder abweichende Betreuungsregelungen nach gegenseiti-
ger Absprache bleiben vorbehalten.
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4. a) Der Gesuchsteller wird verpflichtet, der Gesuchstellerin an den Unterhalt
und die Erziehung des Sohnes D._ folgende monatlich im Voraus
auf den Ersten eines jeden Monats zahlbare Unterhaltsbeiträge, jeweils
zuzüglich gesetzlicher/vertraglicher Kinderzulagen, zu bezahlen:
Fr. 1'614.– rückwirkend ab dem 15. Februar 2018 bis zum 30. September 2018 (davon Fr. 789.– als Betreuungsunterhalt)
resp.
Fr. 864.– ab dem 1. Oktober 2018 bis auf Weiteres (davon Fr. 39.– als Betreuungsunterhalt).
b) Der Antrag der Gesuchstellerin auf Verpflichtung des Gesuchstellers zur
Bezahlung von Ehegattenunterhaltsbeiträgen wird abgewiesen.
c) Die vorstehende Unterhaltsregelung basiert auf den nachstehenden
Bemessungsfaktoren:
− Einkommen (netto, inkl. 13. Monatslohn):
Gesuchstellerin: Fr. 0.– bzw.
Fr. 1'600.– ab dem 1. Oktober 2018 (hyp.)
Gesuchsteller: Fr. 3'800.–
Sohn D._: Fr. 200.– (Kinderzulage)
− Vermögen: je (<) Fr. 0.–
d) Es wird festgestellt, dass mit den vorstehenden Unterhaltsbeiträgen
zwar der gebührende Barunterhalt des Sohnes D._ gedeckt ist,
nicht aber der Betreuungsunterhalt. Hierfür fehlen bis zum 31. Septem-
ber 2018 Fr. 2'294.– jeden Monat resp. ab dann Fr. 1'528.– jeden Monat.
5. Von einer weitergehenden vorsorglichen Regelung in dem Sinne, dass sich
der Unterhaltsbeitrag bei bestimmten Veränderungen der Bedürfnisse oder
der Leistungsfähigkeit oder von Lebenskosten der Beteiligten ohne Weiteres
erhöhen oder vermindern würde, wird abgesehen.
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6. Das Rechtsbegehren Ziff. 6 (betreffend Auskunftserteilung und Übertragung
eines allfälligen Kontosaldos auf ein Sperrkonto) wird abgewiesen.
7. Der Antrag der Gesuchstellerin auf Zusprechung eines Prozesskostenvor-
schusses wird abgewiesen.
8. Der Antrag des Gesuchstellers auf Zusprechung eines Prozesskostenvor-
schusses wird abgewiesen.
9. Über die Kosten- und Entschädigungsfolgen der vorsorglichen Massnahmen
wird mit dem Endentscheid befunden.
10. (Mitteilungssatz.)
11. (Rechtsmittelbelehrung.)
Berufungsanträge der Erstberufung:
der Gesuchstellerin, Erstberufungsklägerin und Zweitberufungsbeklagten (Urk. 1 S. 2):
"1. Dispositivziffer 4 lit. a) der Verfügung des Bezirksgerichts Zürich vom 7. August 2018 sei aufzuheben und es seien (unter Vorbehalt der  eines durch den Beklagten allein unterzeichneten Mietvertrag  eine durch ihn allein bewohnte Wohnung) unbefristete,  und indexierte Unterhaltsbeiträge an die Berufungsklägerin  von D._ von Fr. 1'829.– indexiert zuzüglich Kinderzulagen . Hiervon seien Fr. 804.– als Betreuungsunterhalt vorzumerken. Wird der vorbeschriebene Mietvertrag vorgelegt, sei der  zu verpflichten an die Berufungsbeklagte [recte: ] zugunsten von D._ monatlich Fr. 1'179.– indexiert zuzüglich Kinderzulagen zu bezahlen. Hierbei sei ein Betreuungsunterhalt von Fr. 154.– vorzumerken.
2. Dispositivziffer 4 lit. c der Verfügung des Bezirksgerichts Zürich vom 7. August 2018 sei aufzuheben und es sei – statt des Vermerks « je > Fr. 0.–» eine Leerstelle oder der Vermerk «in Abklärung» vorzumerken. Ferner sei betreffend die Berufungsklägerin frühestens ab Oktober 2019 ein monatliches Netto-Einkommen von Fr. 1'500.– .
3. Dispositivziffer 4 lit. d. der Verfügung des Bezirksgerichtes Zürich vom 7. August 2018 sei aufzuheben und das Manko betreffend  gemäss vorstehenden Ziffern 1. und 2. anzupassen.
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4. Kosten und Entschädigung zu Lasten der Gegenpartei."
Prozessualer Antrag:
"Es sei die Gegenpartei zur Leistung von Kostenvorschüssen betreffend Prozesskosten und Parteientschädigung zu verpflichten.
Eventualiter seien der Berufungsklägerin allfällige Kostenvorschüsse zu erlassen und die unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche  in der Person der Unterzeichneten zu gewähren."
des Gesuchstellers, Erstberufungsbeklagten und Zweitberufungsklägers (Urk. 18 S. 2):
"1. Es sei die Berufung der Berufungsklägerin betreffend vorsorgliche Massnahmen während des Scheidungsverfahrens umfassend .
2. Es sei in Aufhebung von Ziff. 4 a) der Verfügung der Vorinstanz vom 7. August 2018 der Berufungsbeklagte zu verpflichten, rückwirkend ab dem 15. Februar 2018 bis zum 30. September 2018 an den Unterhalt und die Erziehung des Sohne D._ einen monatlichen  von CHF 463.– zu bezahlen und es sei festzustellen, dass ab dem 1. Oktober 2018 mangels wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit kein Unterhalt geschuldet ist.
3. Es sei Ziff. 4 d) dahingehend abzuändern, dass der Berufungsbeklagte ein Nettoeinkommen von CHF 2'649.– erzielt.
4. Es sei dem Beklagten die unentgeltliche Prozessführung für das  Verfahren zu gewähren sowie in der Person der  eine unentgeltliche Rechtsvertreterin zu bestellen;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der ."
Berufungsanträge der Zweitberufung:
des Gesuchstellers, Erstberufungsbeklagten und Zweitberufungsklägers (Urk. 14/1 S. 2):
"1. Es sei in Aufhebung von Ziff. 4 a) der Verfügung der Vorinstanz vom 7. August 2018 der Berufungskläger zu verpflichten, rückwirkend ab dem 15. Februar 2018 bis zum 30. September 2018 an den Unterhalt und die Erziehung des Sohnes D._ einen monatlichen  von CHF 463.– zu bezahlen und es sei festzustellen, dass ab dem 1. Oktober 2018 mangels wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit kein Unterhalt geschuldet ist.
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2. Es sei Ziff. 4 c) dahingehend abzuändern, dass der Berufungskläger ein Nettoeinkommen von CHF 2'649.– erzielt.
3. Es sei dem Berufungskläger die unentgeltliche Prozessführung für das zweitinstanzliche Verfahren zu gewähren sowie in der Person der  eine unentgeltliche Rechtsvertreterin zu bestellen;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der ."
der Gesuchstellerin, Erstberufungsklägerin und Zweiberufungsbeklagten (Urk. 17 S. 2)
"1. Die Anträge obbezeichneter Berufung gemäss Ziffer 1 und Ziffer 2 seien abzuweisen.
Der Berufungskläger sei zu verpflichten, seit Einreichung des  unbefristete, monatliche und indexierte  an die Berufungsbeklagte zu Handen von D._, dem  Sohn der Parteien, von Fr. 1'829.– zuzüglich Kinderzulagen zu bezahlen. Hiervon seien Fr. 804.– als Betreuungsunterhalt vorzumerken
Legt der Berufungskläger einen Mietvertrag betreffend eine  durch ihn zu finanzierende und zu bewohnende Wohnung vor, so sei er zu verpflichten, an die Berufungsbeklagte zu Handen von D._ seit Einreichung des Scheidungsbegehrens unbefristete,  Unterhaltsbeiträge von Fr. 1'179.– indexiert zuzüglich  zu bezahlen. Hiervon sei ein Betreuungsunterhalt von Fr. 154.– vorzumerken.
Eventualiter sei er aufzufordern, die umfassenden betrieblichen , Erfolgsrechnungen und Bilanzen seit 5 Jahren seines  zu edieren.
2. Kosten und Entschädigung zu Lasten der Gegenpartei."
Prozessualer Antrag: "Es sei der Berufungskläger zur Leistung von Kostenvorschüssen  Prozesskosten und Parteientschädigung zu verpflichten. Eventualiter seien der Berufungsbeklagten allfällige Kostenvorschüsse zu erlassen und die unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche Verbeiständung in der Person der Unterzeichneten zu gewähren."

Erwägungen:
1. Sachverhalt und Prozessgeschichte
1.1. Die Parteien sind seit dem tt. Oktober 2008 verheiratet und haben einen
gemeinsamen Sohn, D._, geboren am tt.mm.2010. Mit Eingabe vom
12. Dezember 2017 machte die Gesuchstellerin, Erstberufungsklägerin und
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Zweitberufungsbeklagte (fortan Gesuchstellerin) ein Eheschutzverfahren bei der
Vorinstanz anhängig (Geschäfts-Nr.: EE170411-L). Noch bevor die Eheschutz-
verhandlung stattfinden konnte, reichten die Parteien am 15. Februar 2018 ein
gemeinsames Scheidungsbegehren ein (vgl. Urk. 6/2). Die ursprünglich im Rah-
men des Eheschutzverfahrens angesetzte Verhandlung vom 21. Februar 2018
wurde dazu genutzt, die Scheidungsfolgen zu verhandeln. Es konnte keine Eini-
gung erzielt werden (Prot. S. 3 ff.). Am 28. März 2018 fand eine zweite Verhand-
lung statt, anlässlich welcher sowohl über die beantragten vorsorglichen Mass-
nahmen als auch über das Eheschutzgesuch verhandelt wurde (Prot. I S. 12;
Urk. 6/13/1-5). Die Parteien einigten sich anlässlich der erwähnten Verhandlung
bezüglich Obhut, Besuchsrecht und Familienwohnung und schlossen unter Mit-
wirkung des Gerichts eine entsprechende Teilvereinbarung (vgl. Urk. 6/25). Strittig
blieben somit die Kinderunterhaltsbeiträge und die Anträge betreffend Aus-
kunftserteilung bzw. Sicherstellung im Zusammenhang mit dem Kindesvermögen.
Am 7. August 2018 erliess die Vorinstanz die eingangs wiedergegebene Verfü-
gung. Der Entscheid erging zunächst in unbegründeter (Urk. 6/32), hernach auf
Begehren der Parteien (Urk. 6/37 und 6/38) in begründeter Form (Urk. 2 =
Urk. 6/38) und wurde am 27. März 2019 versandt (Urk. 6/51 und 6/52).
1.2. Gegen den vorinstanzlichen Massnahmeentscheid erhoben beide Parteien
fristgerecht Berufung und stellten die eingangs wiedergegebenen Anträge (Urk. 1
und 14/1). Mit Eingaben vom 23. April und 5. Mai 2019 reichte die Gesuchstellerin
als Ergänzung zu ihrer Berufungsschrift neue Beilagen ins Recht (Urk. 7-10). Mit
Beschluss vom 28. Juni 2019 wurde die Zweitberufung (LY190020-O) des Ge-
suchstellers, Erstberufungsbeklagten und Zweitberufungsklägers (fortan Gesuch-
steller) mit dem vorliegenden Berufungsverfahren vereinigt und als dadurch erle-
digt abgeschrieben. Gleichzeitig wurde den Parteien Frist angesetzt, um jeweils
die Berufung der Gegenpartei schriftlich zu beantworten (Urk. 16). Unterm 15. Juli
2019 erstattete die Gesuchstellerin ihre Berufungsantwort (Urk. 17). Diejenige des
Gesuchstellers ging am 19. Juli 2019 hierorts ein (Urk. 18). Mit Verfügung vom
30. Juli 2019 wurden die Berufungsantwortschriften jeweils der Gegenpartei zur
Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 23). Mit Eingabe vom 16. August 2019 nahm die
Gesuchstellerin zur Berufungsantwort des Gesuchstellers Stellung (Urk. 24). Am
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26. August 2019 ging eine entsprechende Stellungnahme des Gesuchstellers ein
(Urk. 27). Gleichentags wurden die beiden letzten Stellungnahmen der jeweiligen
Gegenpartei wiederum zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 28/1-2). Weitere Ein-
gaben erfolgten nicht.
1.3. Das Verfahren erweist sich als spruchreif. Die vorinstanzlichen Akten wur-
den beigezogen (Urk. 6/1-52).
2. Prozessuales
2.1. Die Einlegung der Berufung hemmt den Eintritt der Rechtskraft nur im Um-
fang der Anträge (Art. 315 Abs. 1 ZPO). Von den Parteien nicht angefochten wur-
den die Dispositivziffern 1-3, 4b und 5-8. In diesem Umfang ist der vorinstanzliche
Entscheid in Rechtskraft erwachsen, was vorzumerken ist. Gegenstand des vor-
liegenden Berufungsverfahrens sind somit einzig die Unterhaltsbeiträge für den
Sohn D._.
2.2. Mit der Berufung können unrichtige Rechtsanwendung und unrichtige Fest-
stellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO). Die Beru-
fungsinstanz verfügt über eine umfassende Überprüfungsbefugnis der Streitsa-
che, d.h. über unbeschränkte Kognition bezüglich Tat- und Rechtsfragen, ein-
schliesslich der Frage richtiger Ermessensausübung (BGer 5A_184/2013 vom
26. April 2013, E. 3.1). In der schriftlichen Berufungsbegründung (Art. 311 ZPO)
ist hinreichend genau aufzuzeigen, inwiefern der erstinstanzliche Entscheid in den
angefochtenen Punkten als fehlerhaft zu betrachten ist bzw. an einem der ge-
nannten Mängel leidet (BGE 142 I 93 E. 8.2; BGE 138 III 374 E. 4.3.1). Was nicht
oder nicht in einer den gesetzlichen Begründungsanforderungen genügenden
Weise beanstandet wird, ist – abgesehen von offensichtlichen Mängeln – von der
Rechtsmittelinstanz grundsätzlich nicht zu überprüfen (BGE 142 III 413 E. 2.2.4).
2.3. Art. 296 ZPO statuiert für Kinderbelange in familienrechtlichen Angelegen-
heiten – wie sie vorliegend zu beurteilen sind – den Untersuchungs- und Offizial-
grundsatz, weshalb das Gericht in diesem Bereich den Sachverhalt von Amtes
wegen erforscht und ohne Bindung an die Parteianträge entscheidet. In Verfah-
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ren, welche der umfassenden Untersuchungsmaxime unterstehen, können die
Parteien auch im Berufungsverfahren neue Tatsachen und Beweismittel unbe-
schränkt vorbringen. Die Bestimmung von Art. 317 Abs. 1 ZPO, wonach im Beru-
fungsverfahren Noven nur dann zulässig sind, wenn sie trotz zumutbarer Sorgfalt
nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten, gilt somit nicht für
Verfahren, in welchen Kinderbelange zu beurteilen sind (BGE 144 III 349
E. 4.2.1).
3. Materielle Beurteilung
3.1. Die Vorinstanz legte die Unterhaltsbeiträge für den Sohn D._ im vorlie-
genden Verfahren ab dem 15. Februar 2018 fest (Dispositivziffer 4a). Für die Zeit
davor sei der Eheschutzrichter zuständig (Urk. 2 S. 4). Entsprechend erliess die
Vorinstanz zeitgleich das Eheschutzurteil, mit welchem sie die Unterhaltsbeiträge
für den Zeitraum vom 1. Dezember 2017 (Datum der Anhängigmachung des Ehe-
schutzverfahrens) bis zum 14. Februar 2018 (Datum der Anhängigmachung der
Scheidung) regelte. Auch diesen Entscheid haben beide Parteien angefochten,
und es wurde diesbezüglich ein separates Berufungsverfahren unter der Ge-
schäfts-Nr. LE190021-O angelegt. Die vorerwähnte (intertemporale) Abgrenzung
der Zuständigkeit zwischen dem Eheschutz- und dem Scheidungsgericht wurde
von den Parteien zu Recht nicht beanstandet. Die Parteien rügen allerdings die
von der Vorinstanz vorgenommene Einkommens- und Bedarfsberechnung und
damit den festgesetzten Unterhaltsbeitrag für den Sohn D._ in der Höhe von
Fr. 1'614.– bzw. Fr. 864.– (ab 1. Oktober 2018) pro Monat.
3.2. Einkommen der Gesuchstellerin
3.2.1. Die Vorinstanz rechnete der Gesuchstellerin ab 1. Oktober 2018 ein hy-
pothetisches Einkommen von Fr. 1'600.– bei einem 50%-Pensum an, wobei von
einem Stundenlohn von Fr. 18.– und etwas mehr als 88 Arbeitsstunden pro Monat
ausgegangen wurde. Die Vorinstanz räumte der Gesuchstellerin für die Aufnahme
einer Erwerbstätigkeit eine Übergangsfrist bis Ende September 2018 ein (Urk. 2
S. 11 f.).
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3.2.2. Die Gesuchstellerin kritisiert die Höhe des von der Vorinstanz angerech-
neten hypothetischen Einkommens sowie die ihr gewährte Übergangsfrist (Urk. 1
S. 5). Die Vorinstanz gewährte der Gesuchstellerin für den beruflichen Wiederein-
stieg ab Entscheiddatum eine Übergangsfrist von knapp zwei Monaten bis Ende
September 2018 – einen Monat mehr als von der Gesuchstellerin beantragt wur-
de (Urk. 6/22 S. 6). Die Gesuchstellerin macht berufungsweise geltend, dass ihr
erst ab September bzw. Oktober 2019 ein hypothetisches Einkommen anzurech-
nen sei, da sie unvorhergesehen nach wie vor keine Arbeitsstelle habe finden
können, obwohl sie bis heute diverse Bewerbungen geschrieben habe, was das
Sozialamt konstant kontrolliert habe. Zwecks Integration in den ersten Arbeits-
markt sei ihr durch das Sozialamt im Rahmen der sozialen Arbeitsintegration eine
befristete 50%-Stelle als Reinigungskraft vermittelt worden, für welche ihr kein
Lohn ausbezahlt werde, sondern eine kleine finanzielle Anerkennung direkt an
das Sozialamt in Anrechnung an die Sozialhilfeleistungen bezahlt werde (Urk. 1
S. 5 und Urk. 24 S. 5). Der Gesuchsteller stellt sich auf den Standpunkt, dass der
Gesuchstellerin die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ab Schuleintritt von D._
zumutbar gewesen wäre, weshalb die von der Vorinstanz gewährte Übergangs-
frist bis Ende September 2018 sehr grosszügig bemessen und deshalb zu bestä-
tigen sei (Urk. 18 S. 4).
Wird einer Partei ein hypothetisches Einkommen angerechnet, ist dies
grundsätzlich nur für die Zukunft und nicht rückwirkend möglich (vgl. statt vieler
OGer ZH LY170039 vom 16.05.2018, E. III.B.3.1.7). Darüber hinaus ist dem Be-
treffenden hinreichend Zeit zu lassen, die rechtlichen Vorgaben in die Tat umzu-
setzen. Somit ist bis zur Anrechnung eines hypothetischen Einkommens eine dem
Zweck und den Umständen angemessene Übergangsfrist einzuräumen (BGE 129
III 417 E. 2.2; BGE 114 II 13 E. 5). Ein von dem erwähnten Grundsatz abweichen-
der Entscheid, mit dem ein hypothetisches Einkommen ohne Umstellungsfrist
oder gar rückwirkend angerechnet wird, rechtfertigt sich bloss bei Vorliegen von
besonderen Umständen, so wenn der betroffenen Partei ein unredliches Verhal-
ten vorgeworfen werden muss oder wenn die geforderte Umstellung und das Er-
fordernis eines vermehrten beruflichen Einsatzes für sie klar vorhersehbar gewe-
sen sind (BGer 5A_549/2017 vom 11. September 2017, E. 4; BGer 5A_184/2015
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vom 22. Januar 2016, E. 3.2; BGer 5P.388/2003 vom 7. Januar 2004, E. 1.2;
BGer 5P.79/2004 vom 10. Juni 2004, E. 4.3; OGer ZH LE180016 vom
11.09.2018, E. 2.4b). Diese Voraussehbarkeit kann grundsätzlich frühestens mit
der Zustellung des erstinstanzlichen Urteils bejaht werden (OGer ZH LY170039
vom 16.05.2018, E. III.B.3.1.7; OGer ZH LE170065 vom 16.04.2018,
E. IV.B.4.2.4; OGer ZH LE150010 vom 09.07.2015, E. III.C.3.3). Die Gesuchstel-
lerin anerkannte bereits vor Vorinstanz die Anrechnung eines hypothetischen Ein-
kommens (vgl. Urk. 6/22 S. 6). Damit ist das Kriterium der Voraussehbarkeit zwar
zu bejahen. Gegen die Bestätigung der vorinstanzlichen Übergangsfrist und damit
die nunmehr rückwirkende Anrechnung eines hypothetischen Einkommens spricht
jedoch der Umstand, dass die Gesuchstellerin zurzeit im Rahmen eines von den
Sozialen Diensten vermittelten Arbeitsintegrationsprogramms als Reinigungskraft
tätig ist, mit dem Ziel, ihr Zugang zum ersten Arbeitsmarkt zu verschaffen. Aus
diesem Umstand ist zu schliessen, dass es der Gesuchstellerin aus eigenem An-
trieb innert angemessener Frist nicht möglich war, eine Teilzeitstelle auf dem ers-
ten Arbeitsmarkt zu finden, sondern sie vielmehr auf unterstützende Massnahmen
durch das Sozialamt angewiesen war. Die der Gesuchstellerin von der Vorinstanz
gewährte Übergangsfrist erweist sich damit rückblickend als zu kurz bemessen.
Die Gesuchstellerin beantragt – wie erwähnt – die Anrechnung eines regulären
Einkommens ab September bzw. Oktober 2019 (Urk. 1 S. 5 und Urk. 24 S. 5).
Das Arbeitsintegrationsprogramm dauert vom 18. August 2019 bis längstens
17. August 2020 (vgl. Urk. 26/9). Weil keine Prognose darüber gemacht werden
kann, wie lange das Arbeitsintegrationsprogramm tatsächlich dauern wird, ist der
Gesuchstellerin erst ab September 2020 ein reguläres Einkommen anzurechnen,
was aber nicht daran ändert, dass ihr ein Manko verbleibt. Dass die Gesuchstelle-
rin bis dahin eine Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt gefunden haben wird, erscheint
vor dem Hintergrund, dass sie durch das Sozialamt bei der Stellensuche unter-
stützt wird, realistisch. Die Gesuchstellerin erhält für ihre Tätigkeit im Rahmen des
Arbeitsintegrationsprogramms vom Sozialamt eine Integrationszulage (vgl. Urk.
26/9). Diese darf ihr jedoch nicht als Einkommen angerechnet werden, weil sich
Sozialhilfeleistungen aufgrund der Rückerstattungspflicht gemäss § 27 des Sozi-
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alhilfegesetzes (SHG; LS 851.1) infolge günstiger finanzieller Verhältnisse allen-
falls nur vorübergehend kostenneutral auswirken.
3.2.3. Betreffend die Höhe des anrechenbaren Einkommens macht die Gesuch-
stellerin geltend, dass ihr lediglich ein Einkommen von Fr. 1'500.– anzurechnen
sei (Urk. 1 S. 5 und Urk. 24 S. 5). Das von ihr in diesem Zusammenhang gemach-
te Vorbringen, wonach die Maximalarbeitszeit für Reinigungspersonal gemäss
Gesamtarbeitsvertrag 42 Stunden pro Woche betrage, weshalb bei einem 50%-
Pensum lediglich von 84 Arbeitsstunden pro Monat auszugehen sei (Urk. 1 S. 5),
ist nicht stichhaltig. Ein Monat besteht aus durchschnittlich 21.66 Arbeitstagen,
was bei einer 21-Stundenwoche durchschnittlich 90.9 Arbeitsstunden pro Monat
(4.2 [Stunden pro Tag] x 21.66) ergibt. Entsprechend ist die Erwägung der Vo-
rinstanz, wonach pro Monat etwas über 88 Arbeitsstunden anfallen würden (Urk.
2 S. 12), nicht zu beanstanden. Ebenso wenig zu beanstanden ist, dass die Vo-
rinstanz mit einem Stundenlohn von Fr. 18.– gerechnet hat. Zwar ist der Einwand
der Gesuchstellerin zutreffend, dass der Mindeststundenlohn für Reinigungsper-
sonal Fr. 18.80 brutto beträgt (vgl. Urk. 4/6 S. 10). Entsprechend beläuft sich der
Nettostundenlohn beim vorgenannten Minimallohn auf etwas weniger als Fr. 18.–.
Allerdings lässt sich gestützt darauf nichts zu Gunsten der Gesuchstellerin ablei-
ten, da nicht fest steht, dass die Gesuchstellerin auch tatsächlich im Reinigungs-
sektor tätig sein und lediglich den Minimallohn verdienen wird. Die Vorinstanz hat
den Reinigungssektor denn auch bloss als mögliches Tätigkeitsgebiet angeführt
(vgl. Urk. 2 S. 11). Fest steht einzig, dass die Gesuchstellerin angesichts der ge-
ringen Arbeitserfahrung in der Schweiz lediglich eine Arbeitsstelle im Niedriglohn-
bereich finden kann. Dass bei einer Arbeit im Tieflohnsektor von einem Netto-
stundenlohn von Fr. 18.– ausgegangen wird, erscheint angemessen, zumal die
Gesuchstellerin ausführte, sie beabsichtige, rund acht Stunden pro Monat sonn-
tags, während der Betreuungszeit von D._ durch den Gesuchsteller, zu ar-
beiten und so einen Zuschlag von 25%–50% zu erzielen (Urk. 1 S. 5). Hingegen
rechtfertigt es sich – entgegen dem Gesuchsteller (vgl. Urk. 18 S. 5) – vorliegend
nicht, für die Festsetzung des hypothetischen Einkommens auf die Löhne im De-
tailhandel abzustellen. Die Gesuchstellerin war zwar zuletzt im Verkauf tätig, doch
dauerte diese Anstellung lediglich vier Monate (vgl. Urk. 20/1). Darüber hinaus
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verfügt die Gesuchstellerin in der Schweiz über keine Berufserfahrung im Detail-
handel. Den vorinstanzlichen Akten ist sodann zu entnehmen, dass sich die Ge-
suchstellerin vergangenen Dezember 2018 vergeblich auf diverse Stellen im De-
tailhandel beworben hat (Urk. 6/48/4), weshalb es nicht realistisch scheint, dass
die Gesuchstellerin in absehbarer Frist eine Teilzeitstelle im Detailhandel finden
kann, zumal sie aktuell im Rahmen der Arbeitsintegration als Reinigungskraft tätig
ist.
3.2.4. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das der Gesuchstellerin von der
Vorinstanz angerechnete hypothetische Einkommen von Fr. 1'600.– nach Ab-
schluss des Arbeitsintegrationsprogramms angemessen erscheint und nicht zu
beanstanden ist.
3.3. Einkommen des Gesuchstellers
3.3.1. Die Vorinstanz erwog im Zusammenhang mit dem Einkommen des Ge-
suchstellers im Wesentlichen was folgt: Der Gesuchsteller sei selbstständiger Ta-
xifahrer und gelegentlich im Auftrag von G._ tätig. Gemäss Steuererklärun-
gen habe er in den Jahren 2015 bis 2017 im Durchschnitt ein Nettoeinkommen
von rund Fr. 2'860.– pro Monat erwirtschaftet. Allerdings könne hinsichtlich des
Einkommens des Gesuchstellers nicht allein auf die Steuererklärungen abgestellt
werden. Im Rahmen der Steuererklärung dürfe ein Selbständigerwerbender sei-
nen Geschäftsertrag (legitimerweise) konservativ ausweisen. Bei der Berechnung
des Kinderunterhalts sei jedoch ein strengerer Massstab anzulegen. Wenn wie
hier gewichtige Anhaltspunkte dafür vorhanden seien, dass die Zahlen der Steu-
ererklärung nicht der Realität entsprächen oder nicht schlüssig seien, so dürfe
davon abgewichen werden. Dass der Gesuchsteller tatsächlich nur gerade
Fr. 2'883.– monatlich verdiene, wie er ausführen lasse, sei nicht glaubhaft vor
dem Hintergrund, dass er selber angebe, er arbeite ausserordentlich viel, an
sechs Tagen pro Woche und oft auch nachts. Gemäss aktuellen Erhebungen des
Lohnbuches Schweiz 2018 verdiene ein Taxifahrer ab dem 5. Anstellungsjahr
Fr. 3'400.– pro Monat. Dieses Einkommen entspreche dem GAV-Lohn (Kanton
Basel-Stadt) bzw. der Lohnempfehlung aus der Grossregion Nordwestschweiz.
Wie bereits erwogen, sei bei der Schätzung des (tatsächlichen) Einkommens zu
- 15 -
berücksichtigen, dass der Gesuchsteller – wie er selbst ausgeführt habe – aus-
serordentlich viel und vor allem oft nachts arbeite und dass er zusätzlich für
G._ tätig sei. Letzteres bringe ihm eine weitere Quelle an Kunden und Fahr-
ten. Es rechtfertige sich daher, dem Gesuchsteller ein geschätztes Einkommen
von insgesamt Fr. 3'800.– anzurechnen (Urk. 2 E. III.2.3.1).
3.3.2. Der Gesuchsteller kritisiert vor Obergericht die vorstehende Einkom-
mensberechnung. Die Vorinstanz sei von einem hypothetischen Einkommen in
der Höhe von Fr. 3'800.– ausgegangen, was nicht nur aktenwidrig, sondern auch
unangemessen und willkürlich sei. Die angebliche Aussage des Gesuchstellers,
dass er viel arbeite, könne nicht dazu führen, dass ihm ein übermässig hoher
Lohn angerechnet werde. Er arbeite ausschliesslich nachts von 19:30 Uhr bis
05:00 Uhr in einem Vollzeitpensum und habe dadurch seine Arbeitskapazität voll
ausgeschöpft. Die Tatsache, dass er während fünf bis sechs Abenden in der Wo-
che einsatzbereit sei, heisse noch nicht, dass er während dieser Zeit durchge-
hend ein Einkommen erziele. Wie allgemein bekannt sei, müssten Taxifahrer lan-
ge auf ihre Kundschaft warten und könnten während dieser Präsenzzeit keinen
Verdienst erzielen. Die Konkurrenz in dieser Branche sei ausserordentlich gross
und es komme oft vor, dass der Gesuchsteller trotz Fahrbereitschaft kaum Kund-
schaft bekomme. Für G._ arbeite er, entgegen den Ausführungen der Vor-
instanz, seit einem Jahr nicht mehr. Das lasse sich mit dem beigelegten Konto-
auszug nachweisen. Der Gesuchsteller erziele gemäss den eingereichten Steuer-
erklärungen aus den Jahren 2015 bis 2018 ein durchschnittliches Nettoeinkom-
men von monatlich Fr. 2'649.–. Es sei überdies dem Lohnbuch 2018 des Zürcher
Amtes für Wirtschaft zu entnehmen, dass Taxifahrer im Vergleich zu anderen
Branchen ganz unten stünden. Demnach verdiene ein Taxifahrer ab dem 5. An-
stellungsjahr durchschnittlich Fr. 3'400.– pro Monat. Es sei aber gerade wegen
des starken Wettbewerbsdrucks und einer fortgesetzten Verschlechterung der Ar-
beitsbedingungen in der Taxibranche bei der Berücksichtigung des Einkommens
in casu auf jeden Fall der effektive Verdienst des Gesuchstellers zu berücksichti-
gen. Es solle ausserdem der Tatsache Rechnung getragen werden, dass der Ge-
suchseller 50 Jahre alt sei. Er arbeite seit 15 Jahren ausschliesslich als Taxifah-
rer, weshalb von ihm nicht erwartet werden könne, einen anderen bzw. einen
- 16 -
besser bezahlten Job zu finden. Ein hypothetisches Einkommen in der Höhe von
Fr. 3'800.– könne dem Gesuchsteller unter diesen Umständen auf keinen Fall an-
gerechnet werden (Urk. 14/1 S. 4 ff.).
3.3.3. Die Gesuchstellerin bringt im Zusammenhang mit dem Einkommen des
Gesuchstellers vor Obergericht zusammengefasst Folgendes vor: Der Gesuch-
steller versäume es nach wie vor, die erforderlichen Kassabücher, Bilanzen und
Erfolgsrechnungen vorzulegen. Diese seien bei einem Selbstständigerwerbenden
allerdings von Nöten, wolle er ein konkretes Einkommen geltend machen. Dies-
bezüglich habe die Gesuchstellerin schon vorinstanzlich verschiedene Editions-
begehren gestellt, welchen der Gesuchsteller aber ungenügend nachgekommen
sei. Da der Gesuchsteller die entsprechenden Buchhaltungsunterlagen der letzten
Jahre bisher nicht beigebracht habe, obwohl sich diese Urkunden bei seinem
Treuhänder befänden, welcher alljährlich seine Steuern erledige, vermöge er sei-
ne Behauptung, er verdiene kaum etwas, nicht rechtsgenügend zu substantiieren
bzw. zu belegen. In einem solchen Fall sei gemäss Gerichtspraxis auf die Lohn-
strukturtabellen des Bundesamtes für Statistik zurückzugreifen bzw. seien hypo-
thetische Einkünfte festzulegen. Dies habe die Gesuchstellerin im vorin-
stanzlichen Verfahren getan, indem sie dem Gesuchsteller gemäss Lohnstruktur-
tabellen 2015 ein Nettoeinkommen von rund Fr. 4'500.– angerechnet habe. Vor
Obergericht verzichte die Gesuchstellerin nun aber wegen der aktuell zugegebe-
nermassen schwierigen Wirtschaftslage im Taxigewerbe darauf, auf diesem Be-
trag zu beharren, bzw. akzeptiere sie das durch die Vorinstanz festgelegte hypo-
thetische Monatssalär von Fr. 3'800.– netto (Urk. 17 S. 6 ff.).
3.3.4. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung berechnet sich das Einkom-
men bei selbstständiger Erwerbstätigkeit aus dem Reingewinn, der entweder als
Vermögensstandsgewinn (Differenz zwischen dem Eigenkapital am Ende des lau-
fenden und am Ende des vorangegangenen Geschäftsjahres) oder als Gewinn in
einer ordnungsgemässen Erfolgsrechnung ausgewiesen wird. Um ein einigermas-
sen zuverlässiges Resultat zu erreichen und namentlich um Einkommensschwan-
kungen Rechnung zu tragen, sollte auf das Durchschnittsnettoeinkommen mehre-
rer – in der Regel der letzten drei – Jahre abgestellt werden. Auffällige, d.h. be-
- 17 -
sonders gute oder besonders schlechte Abschlüsse können unter Umständen
ausser Betracht bleiben (BGE 143 III 617 E. 5.1, m.w.H.; BGer 5A_127/2016 vom
18. Mai 2016, E. 5.2; BGer 5A_937/2016 vom 5. Oktober 2017, E. 3.2.2; BGer
5A_834/2016 vom 13. Juni 2018, E. 5.1.5). Insbesondere im summarischen Ver-
fahren ist zur Ermittlung des Einkommens grundsätzlich auf die Bilanz bzw. die
Erfolgsrechnung abzustellen (OGer ZH LE180029 vom 06.09.2018, E. III.3, mit
Verweis auf ZK-Bräm/Hasenböhler, Art. 163 ZGB N 76).
3.3.5. In casu liegen keine verwertbaren bzw. ordnungsgemässen Buchhal-
tungsunterlagen des Gesuchstellers vor. Sowohl in der Vorladung vom
22. Dezember 2017 als auch in derjenigen vom 7. März 2018 wurde der Gesuch-
steller im erstinstanzlichen Eheschutzverfahren aufgefordert, Lohnabrechnungen
bzw. bei selbständiger Erwerbstätigkeit "die beiden letzten Geschäftsabschlüsse,
Bilanz und Erfolgsrechnung, sowie eine lückenlose Aufstellung über Privatbezü-
ge" einzureichen (Urk. 8/1 und Urk. 24/1 des Parallelverfahrens LE190021-O).
Dieser Aufforderung ist der Gesuchsteller (bis heute) nicht nachgekommen. In
den Akten liegen einzig die Steuererklärungen der Jahre 2015 bis 2018
(Urk. 6/47/1 sowie Urk. 15/1+2 und Urk. 56/47/3 des Parallelverfahrens
LE190021-O). Wie die Vorinstanz allerdings bereits zu Recht ausgeführt hat, kann
bei Selbständigerwerbenden nicht alleine auf die Steuererklärungen abgestellt
werden, da ein Unternehmer steuerrechtlich seinen Geschäftsertrag (legitimer-
weise) konservativ ausweisen darf. Bei der Berechnung von familienrechtlichen
Unterhaltsbeiträgen sei jedoch ein strengerer Massstab anzulegen, so die Vor-
instanz weiter (Urk. 2 S. 15). Mit diesen nachvollziehbaren vorinstanzlichen Erwä-
gungen setzt sich der Gesuchsteller in seiner Berufungsschrift nicht auseinander.
Die in den Steuererklärungen ausgewiesenen "Einkünfte aus selbständiger Er-
werbstätigkeit" beruhen allesamt lediglich auf Angaben des Gesuchstellers, die
weder belegt noch überprüfbar sind. Zudem nimmt der Gesuchsteller in seinen
Steuererklärungen regelmässig Abzüge vor, die steuerrechtlich durchaus zulässig
sein mögen, im Rahmen von familienrechtlichen Unterhaltsberechnungen aller-
dings nicht zu berücksichtigen sind. So machte der Gesuchsteller beispielsweise
in den letzten drei Jahren jeweils einen Mietanteil in der Höhe von Fr. 2'400.– für
die "geschäftliche Nutzung eigener privater oder privat gemieteter Liegenschaf-
- 18 -
ten" geltend (Urk. 6/47/1 sowie Urk. 15/1 und Urk. 56/47/3 des Parallelverfahrens
LE190021-O, jeweils Seite 3 des Hilfsblatts A). Diese (angeblichen) Aufwände
sind nicht belegt und stellen auch keine tatsächlich gewinnschmälernden Ausla-
gen dar. Dasselbe gilt für den vom Gesuchsteller in der Steuererklärung 2018
aufgeführten "Personalaufwand ohne persönliche AHV- und BVG-Beiträge sowie
ohne Eigensalär" in der Höhe von ebenfalls Fr. 2'400.– (Urk. 56/47/3 im Parallel-
verfahren LE190021-O, Seite 3 des Hilfsblatts A). Auch diese Aufwandposition ist
nicht belegt, zumal der Gesuchsteller nie behauptet hat, dass er zusätzliches Per-
sonal beschäftige. Es bestehen folglich Hinweise, dass das steuerrechtlich aus-
gewiesene nicht mit dem tatsächlichen Einkommen des Gesuchstellers überein-
stimmt.
Auch die Aufstellungen über Umsätze und Aufwände, welche den Steuerer-
klärungen jeweils beiliegen, sind teilweise unvollständig bzw. nicht nachvollzieh-
bar. Insbesondere geht aus der Aufstellung, welche der Steuererklärung 2017 bei-
liegt, kein Jahresgewinn hervor (Urk. 6/47/1). Weiter ist der in der Steuererklärung
angegebene Aufwand für "Übrige Geschäftsunkosten gemäss separater Aufstel-
lung" von Fr. 15'574.– (Seite 3 des Hilfsblattes A) auf ebendieser "separaten Auf-
stellung" nicht ersichtlich. Dasselbe gilt für das Jahr 2018. In der entsprechenden
Steuererklärung macht der Gesuchsteller einen Abzug für Geschäftsunkosten im
Gesamtbetrag von Fr. 17'800.– geltend (Urk. 56/47/3, Seite 3 des Hilfsblattes A,
im Parallelverfahren LE190021-O). In der beigelegten Aufstellung mit der Über-
schrift "TAXI B'._ Abschluss 2018" ist ein solcher Betrag allerdings nicht auf-
geführt und ergibt sich auch nicht aus der Addition sämtlicher Aufwände. Überdies
beinhaltet die Aufstellung offensichtlich Rechenfehler. Beispielsweise betrug der
Bruttoumsatz im Februar 2018 gemäss Aufstellung Fr. 3'760.–. Nach Abzug der
geltend gemachten Aufwände im Gesamtbetrag von Fr. 1'269.35 (Fr. 220.– [Ben-
zinkosten] + Fr. 103.60 [Auto-Repp.] + Fr. 945.75 [Div. Kosten]) ergäbe dies einen
Nettoumsatz von Fr. 2'490.65. In der vom Gesuchsteller beigelegten Aufstellung
ist allerdings für den Monat Februar 2018 ein Netto-Betrag von Fr. 3'699.15 an-
gegeben. Schliesslich kann den Aufstellungen des Gesuchstellers auch nicht ent-
nommen werden, ob bei den angegebenen Bruttoumsätzen die Einkünfte aus der
- 19 -
Tätigkeit als G._-Fahrer (vgl. nachfolgend E. 3.2.6) bereits miteingerechnet
wurden oder nicht.
Nach dem Gesagten lassen sich weder aus den Steuererklärungen noch
aus den diesen beiliegenden Aufstellungen aussagekräftige und verlässliche Ein-
kommenszahlen eruieren. Aus diesem Grund hat die Vorinstanz das Einkommen
des Gesuchstellers gestützt auf statistische Werte und Gesamtarbeitsverträge
bzw. Lohnempfehlungen auf Fr. 3'400.– festgelegt (Urk. 2 S. 15). Dieses Vorge-
hen ist aufgrund der fehlenden Buchhaltungsunterlagen nicht zu beanstanden.
Der Gesuchsteller macht denn auch keine Verletzung der Untersuchungsmaxime
durch die Vorinstanz geltend. Entgegen dem Verständnis der Parteien stellt das
von der Vorinstanz festgesetzte Einkommen allerdings kein hypothetisches (fikti-
ves) Einkommen dar. Die Vorinstanz hat explizit festgehalten, dass es sich bei
diesen Einkünften um eine "Schätzung des (tatsächlichen) Einkommens" handelt
(Urk. 2 S. 16). Die Vorinstanz ging somit im Rahmen der Sachverhaltserstellung
davon aus, dass der Gesuchsteller ein (tatsächliches) Erwerbseinkommen von
Fr. 3'400.– erwirtschaftet (hat). Dass es sich dabei um ein angemessenes und re-
alistisches Einkommen für einen Taxichauffeur handelt, hat selbst der Gesuch-
steller anlässlich der vorinstanzlichen Verhandlung vom 28. März 2018 bestätigt.
Damals liess er ausführen, der Durchschnittslohn gemäss "verschiedenen Lohn-
analysen" betrage im fünften Anstellungsjahr Fr. 3'400.– pro Monat. Aus diesem
Grund könne auch dem Gesuchsteller nicht mehr als ein durchschnittlicher Lohn
von Fr. 3'400.– als hypothetisches Einkommen angerechnet werden (Urk. 26
S. 19 im Parallelverfahren LE190021-O; vgl. auch Urk. 6/47/2). In seiner Beru-
fungsschrift führt der Gesuchsteller abermals aus, dass dem Lohnbuch 2018 des
Zürcher Amtes für Wirtschaft zu entnehmen sei, dass ein Taxifahrer ab dem fünf-
ten Anstellungsjahr durchschnittlich Fr. 3'400.– im Monat verdiene. Es sei aber
wegen des starken Wettbewerbsdrucks und der fortgesetzten Verschlechterung
der Arbeitsbedingungen in der Taxibranche bei der Berücksichtigung des Ein-
kommens auf jeden Fall der "effektive Verdienst" des Gesuchstellers zu berück-
sichtigen (Urk. 14/1 S. 5). Wie soeben ausgeführt, lässt sich dieser aus den ein-
gereichten Steuererklärungen bzw. den beigelegten Umsatzaufstellungen nicht
eruieren.
- 20 -
3.3.6. Die Vorinstanz hat dem Gesuchsteller ein zusätzliches Einkommen aus
der Tätigkeit für G._ in der Höhe von Fr. 400.– pro Monat angerechnet (vgl.
Urk. 2 S. 16). Der Gesuchsteller bringt berufungsweise vor, dass er "seit einem
Jahr" (d.h. seit ca. April 2018) nicht mehr für G._ arbeite. Dies lasse sich mit
dem beigelegten Kontoauszug nachweisen, woraus in den letzten vier Monaten
keine Überweisungen mehr ersichtlich seien (Urk. 14/1 S. 5). Aus den vom Ge-
suchsteller im Berufungsverfahren eingereichten Kontoauszüge betreffend die
Zeitspanne vom 13. November 2018 bis 12. März 2019 geht in der vorgenannten
Zeitspanne in der Tat keine Gutschriften von "G._" hervor (vgl. Urk. 14/4/5).
Grundsätzlich ist für die Berechnung der Unterhaltsbeiträge vom tatsächlich er-
zielten Einkommen auszugehen. Geht die Einkommensverminderung aber auf ei-
ne freiwillige und einseitige Entscheidung des Unterhaltspflichtigen zurück, ist ei-
ne solche Verschlechterung in der Regel unbeachtlich. Der Unterhaltsschuldner
soll die Folgen seines einseitig getroffenen Entscheides selber tragen und nicht
auf den Unterhaltsgläubiger abwälzen können. Folglich ist von der bisherigen hö-
heren Leistungsfähigkeit des Unterhaltsverpflichteten auszugehen und ihm dem-
entsprechend ein hypothetisches Einkommen anzurechnen, sofern dieses zu er-
reichen zumutbar und möglich ist (BGE 128 III 4 E. 4a; BGer 5C.163/2001 E. 2.c
vom 18. Oktober 2001). Der Gesuchsteller begründet die Aufgabe seines Zusatz-
verdienstes bei G._ damit, dass die Entschädigungstarife unverhältnismässig
tief seien (Urk. 14/1 S. 5). Der Gesuchsteller wusste seit dem vorinstanzlichen
Entscheid um die Verpflichtung der vollen Ausschöpfung seiner Leistungsfähig-
keit. Bei der Einkommensreduktion des Gesuchstellers handelt es sich nicht um
einen notwendigen Schritt, sondern vielmehr um einen freiwilligen und einseitigen
Einkommensverzicht. Der Gesuchsteller ist weder aus gesundheitlichen Gründen
noch aufgrund von Betreuungsaufgaben in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt.
Er hat nicht dargelegt, dass die Einkommensreduktion unfreiwillig und von Dauer
ist und dass alles in der Macht stehende unternommen wurde, um ihr entgegen-
zuwirken. Unter diesen Umständen kann vorliegend die aktuell tiefere Leistungs-
fähigkeit nicht berücksichtigt werden. Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzu-
weisen, dass, selbst wenn die Einkommensreduktion zu berücksichtigen wäre, ei-
ne solche erst ab November 2018 glaubhaft gemacht wurde, da für die Periode
- 21 -
von April 2018 bis 12. November 2018 keine Kontoauszüge eingereicht wurden.
Dem Gesuchsteller ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz ein Zusatzeinkom-
men von monatlich Fr. 400.– als G._-Fahrer anzurechnen.
3.3.7. Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen hat der Gesuchsteller mit sei-
ner Berufung weder eine falsche Rechtsanwendung noch eine unrichtige Sach-
verhaltsfeststellung durch die Vorinstanz im Sinne von Art. 310 ZPO dargetan.
Das dem Gesuchsteller von der Vorinstanz angerechnete Gesamteinkommen von
Fr. 3'800.– erscheint nach dem Gesagten angemessen und ist nicht zu beanstan-
den.
3.4. Bedarfsberechnung
3.4.1. Die Vorinstanz ging bei der Gesuchstellerin von einem Bedarf von
Fr. 3'083.– (Phase I: 15. Februar 2018 bis 30. September 2018) bzw. von
Fr. 3'167.– (Phase II: ab 1. Oktober 2018) und beim Gesuchsteller von einem sol-
chen von Fr. 2'186.– (Phase I: 15. Februar 2018 bis 30. September 2018) bzw.
von Fr. 2'986.– aus (Phase II: ab 1. Oktober 2018) aus (Urk. 2 S. 13 und S. 17 f.).
3.4.2. Die Gesuchstellerin beanstandet mit ihrer Berufung, dass in ihrem Bedarf
in der Phase I kein Betrag für den öffentlichen Verkehr eingerechnet worden sei.
Sie sei seit dem Auszug des Gesuchstellers im November 2017 alleinerziehende
Mutter und auf Stellensuche, welche bis heute andauere. Ferner müsse sie für
sich und D._ Wocheneinkäufe tätigen, mit dem Sohn zu Ärzten fahren und
ihn zur Schule begleiten. Diese Mobilitätskosten seien auch betreffend die Zeit
von Februar 2018 bis September 2018 in der Höhe von Fr. 84.– monatlich aus-
gewiesen und in den Bedarf der Gesuchstellerin aufzunehmen (Urk. 1 S. 4).
Als Zuschlag zum monatlichen Grundbetrag sind im familienrechtlichen Exis-
tenzminimum lediglich die Kosten der Fahrt zum Arbeitsplatz als Teil der unum-
gänglichen Berufskosten zu berücksichtigen (vgl. Kreisschreiben der Verwal-
tungskommission des Obergerichts des Kantons Zürich "Richtlinien für die Be-
rechnung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums" vom 16. September
2009, Ziff. III.3.4; fortan "Kreisschreiben"). Darüber hinausgehende Verkehrskos-
- 22 -
ten sind im familienrechtlichen Existenzminimum nicht zu berücksichtigen. Die
Kosten für weitere Fahrten (z.B. an Sportanlässe und kulturelle Veranstaltungen
oder für Besuche bei Freunden und Verwandten, Behördengänge, Arztbesuche,
etc.) sind aus dem Grundbetrag oder einem allfälligen Überschussanteil zu finan-
zieren (OGer ZH LE160027 vom 09.11.2016, E. C.5; Six, Eheschutz, 2. Aufl.,
Bern 2014, Rz 2.114). Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass die
Vorinstanz der im fraglichen Zeitraum nicht erwerbstätigen Gesuchstellerin im vor-
liegenden (Manko-) Fall keine Kosten für den öffentlichen Verkehr angerechnet
hat. Seit 18. August 2019 ist die Gesuchstellerin als Reinigungskraft im Rahmen
des Arbeitsintegrationsprogramms tätig, weshalb ihr die Kosten für ein ÖV-
Abonnement von Fr. 84.– pro Monat anzurechnen sind (vgl. Urk. 2 S. 13), wobei
es sich der Einfachheit halber rechtfertigt, die Kosten ab September 2019 im Be-
darf zu berücksichtigten. Die Kosten für ein ÖV-Abonnement werden aktuell zwar
durch das Sozialamt übernommen (vgl. vgl. www.sozialhilfe.zh.ch -> Situations-
bedingte Leistungen -> 8. Situationsbedingte Leistungen (WSH) -> 8.1.07. Ausla-
gen für den öffentlichen Verkehr; besucht am 18. Oktober 2019). Da sich Sozial-
hilfeleistungen aufgrund der Rückerstattungspflicht gemäss § 27 des Sozialhilfe-
gesetzes (SHG; LS 851.1) infolge günstiger finanzieller Verhältnisse jedoch allen-
falls nur vorübergehend kostenneutral auswirken, müssen die Kosten für den öf-
fentlichen Verkehr bedarfsseitig berücksichtigt werden.
3.4.3. Weiter sind der Gesuchstellerin seit September 2019 Mehrkosten für
auswärtige Verpflegung anzurechnen. Der geltend gemachte Betrag von monat-
lich Fr. 96.– für zwölf auswärtige Mahlzeiten pro Monat (Urk 24 S. 4) erscheint
angemessen und wurde vom Gesuchsteller nicht bestritten, weshalb dieser Be-
trag im Bedarf der Gesuchstellerin ab September 2019 zu berücksichtigen ist.
3.4.4. Die Gesuchstellerin beanstandet im Zusammenhang mit ihrem Bedarf
weiter, dass die Vorinstanz die ausgewiesenen Ratenzahlungen aus Kreditkar-
tenschulden betreffend Einkäufe bei I._ von Fr. 25.– pro Monat nicht ange-
rechnet habe, obwohl diese Schulden familiärer Natur und durch die Parteien
während des Zusammenlebens gemeinsam verursacht worden seien. Seit der
Trennung im November 2017 bezahle die Gesuchstellerin diese Schulden mit
- 23 -
monatlich Fr. 59.– bzw. Fr. 60.– alleine ab, weshalb diese in der Höhe von
Fr. 25.– in ihrem Bedarf zu berücksichtigen seien (Urk. 1 S. 4). Gemäss Recht-
sprechung werden Schulden, welche die Ehegatten für den gemeinsamen Le-
bensunterhalt aufgenommen haben oder für welche sie solidarisch haften, nur
dann im Bedarf berücksichtigt, wenn sie regelmässig abbezahlt werden resp. be-
reits vor der Aufhebung des gemeinsamen Haushalts regelmässig abbezahlt wur-
den (OGer ZH LE180050 vom 08.02.2019 E. III.4.6.4, mit Hinweisen auf die ent-
sprechende bundesgerichtliche Rechtsprechung). Berücksichtigt werden somit
nur regelmässig abbezahlte Schulden, weil sie den Bedarf des Zahlenden erhö-
hen (BGer 5A_816/2014 vom 3. März 2015, E. 4.3). Mit den von der Gesuchstel-
lerin eingereichten Kopien des "Quittungsbüchleins" (Urk. 4/4 S. 2-6) lässt sich ei-
ne regelmässige Schuldentilgung nicht belegen. Aus der fraglichen Beilage gehen
nämlich lediglich fünf Zahlungen an die H._ AG hervor, wobei nur bei drei
Zahlungen die Zahlungsdaten (25. Juni 2018, 24. September 2018 und 25. März
2019) aufgeführt sind. Die Gesuchstellerin verweist in ihrer Berufungsschrift wei-
ter auf die Akten der Vorinstanz, ohne indes die entsprechenden Aktoren bzw. Ak-
tenstellen zu bezeichnen, woraus sich die angebliche Schuldentilgung ergibt. Es
ist nicht Sache der Rechtsmittelinstanz, die Akten und die Rechtsschriften der Vo-
rinstanz zu durchforsten, um festzustellen, was welche Partei wo ausgeführt hat.
Soweit ersichtlich hat die Gesuchstellerin vor Vorinstanz lediglich einen Einzah-
lungsschein der "H._ AG" sowie eine Kopie ihrer I._ "Shopping Card"
eingereicht (Urk. 21/8 im Parallelverfahren LE190021-O). Mit diesen Urkunden
lassen sich keine regelmässigen Abzahlungen nachweisen. Unter diesen Um-
ständen kommt eine Berücksichtigung von Abzahlungsraten im Existenzminimum
der Gesuchstellerin im vorliegenden Eheschutzverfahren nicht in Frage.
3.4.5. Schliesslich bringt die Gesuchstellerin vor, es seien zu ihren Gunsten
ausgewiesene EWZ-Kosten in der Höhe von monatlich Fr. 10.– anzurechnen, da
diese schon immer nebst den Brutto-Mietzinsen angefallen seien und durch die
Gesuchstellerin gedeckt werden müssten (Urk. 1 S. 4). Sämtliche Energiekosten
(ohne Heizung) sind gemäss Ziff. II des Kreisschreibens bereits im Grundbetrag
enthalten und daher nicht separat im Bedarf zu berücksichtigen (vgl. auch OGer
ZH LE170070 vom 12.07.2018, E. III.C.5.3). Demnach ist der Gesuchstellerin für
- 24 -
die von ihr geltend gemachten Stromkosten – in Übereinstimmung mit der Vorin-
stanz – kein zusätzlicher Betrag im Grundbedarf einzurechnen.
3.4.5. Was den Bedarf des Gesuchstellers anbelangt, beanstandet die Gesuch-
stellerin den von der Vorinstanz eingesetzten Betrag für Wohnkosten von
Fr. 765.– (inkl. Parkplatz für Fr. 65.–). Der Gesuchsteller habe bezüglich Mietkos-
ten einen Untermietvertrag vom 15. November 2017 betreffend die 3.5-Zimmer-
Wohnung im ersten Stock der C._-strasse ... in Zürich eingereicht, wonach
er monatlich Fr. 550.– Untermiete bezahle. Der Gesuchsteller wohne noch immer
bei seinem Sohn J._ an vorgenannter Adresse. Bereits im Zeitpunkt des vor-
instanzlichen Entscheids habe es keine Anzeichen dafür gegeben, dass sich der
Gesuchsteller um eine eigene Wohnung bemühen werde. Auch seither habe der
Gesuchsteller keine Suchbemühungen unternommen. Es sei deshalb auf die tat-
sächlichen Verhältnisse abzustellen. Dementsprechend seien ihm – entgegen der
vorinstanzlichen Annahme – die durch den Untermietvertrag ausgewiesenen
Wohnkosten von Fr. 550.– anzurechnen (Urk. 1 S. 5 f.). Der Gesuchsteller bringt
in diesem Zusammenhang vor, es seien ihm angemessene Wohnkosten von min-
destens Fr. 1'200.– anzurechnen. Die Tatsache, dass er vorübergehend bei sei-
nem Sohn lebe und dadurch seinen Wohnkomfort und die Wohnkosten freiwillig
senke, solle den anderen Ehegatten nicht begünstigen. Er bemühe sich um eine
eigene Wohnung und hoffe, trotz Wohnungsknappheit im Raum Zürich bald eine
eigene Wohnung zu finden (Urk. 18 S. 5 f.).
Grundsätzlich sind im familienrechtlichen Bedarf die effektiven Wohnkosten
zu berücksichtigten. Es ist jedoch zulässig, einer Partei bei der Berechnung ihres
Notbedarfs nicht die tatsächlichen, freiwillig zu tief gehaltenen Wohnkosten, son-
dern denjenigen Betrag anzurechnen, den sie an sich verbrauchen dürfte. Dabei
kommt es darauf an, ob davon auszugehen ist, dass es sich um eine vor-
übergehende Wohnsituation handelt, welche als unangemessen erachtet wird und
demnächst geändert werden soll (vgl. ZR 87/1988 Nr. 114; ZR 104/2005 Nr. 54 S.
207 E. 2.c.; Hausheer/Spycher, Handbuch des Unterhaltsrechts, 2010, Rz. 02.34;
LE150021 vom 21.09.2015, E. 2.1. S. 6). Gemäss Untermietvertrag war der Miet-
beginn bereits am 15. November 2017. Somit lebt der Gesuchsteller seit fast zwei
- 25 -
Jahren als Untermieter bei seinem Sohn, weshalb nicht davon auszugehen ist,
dass die Wohnsituation des Gesuchstellers nur "vorübergehender" Natur ist. Zwar
behauptete der Gesuchsteller bereits im vorinstanzlichen Verfahren, dass er eine
eigene Wohnung suche (vgl. Prot. I S. 18). Die behaupteten Suchbemühungen
untermauert der Gesuchsteller aber mit keinem einzigen Beleg (Bewerbun-
gen/Absagen), weshalb sie nicht glaubhaft erscheinen. Auch tut der Gesuchsteller
nicht dar, weshalb seine konkrete Wohnsituation eine übermässige Wohnkom-
forteinschränkung für ihn darstelle. Damit ist von den tatsächlichen Gegebenhei-
ten auszugehen und es sind dem Gesuchsteller – im Unterschied zum vorinstanz-
lichen Entscheid (Urk. 2 S. 17) – keine höheren hypothetischen Mietkosten anzu-
rechnen. Sollte der Gesuchsteller aus der Wohnung seines Sohnes ausziehen, so
könnte dies eine erhebliche und dauerhafte Veränderung der Verhältnisse und
damit allenfalls einen Abänderungsgrund für die getroffenen vorsorglichen Mass-
nahmen darstellen. Gemäss dem in den Akten liegenden Untermietvertrag vom
15. November 2017 beträgt der monatliche Mietzins Fr. 550.– (Urk. 6/5/5). Weiter
sind die Parkplatzkosten von Fr. 65.– pro Monat zu berücksichtigen (Urk. 2 S. 17;
Urk. 6/6/1 im Parallelverfahren LE190021-O). Der Gesuchsteller ist von Beruf Ta-
xifahrer und entsprechend auf ein Fahrzeug und somit auch auf einen Parkplatz
angewiesen. Da es sich beim festgesetzten Einkommen des Gesuchstellers, wie
vorstehend erwogen, um eine Schätzung handelt, spielt es auch keine Rolle, ob
er die Kosten für den Abstellplatz in seiner "Buchhaltung" als Geschäftsauslagen
abzieht, wie von der Gesuchstellerin behauptet (vgl. Urk. 1 S. 6). Zusammenfas-
send ist beim Gesuchsteller von Mietkosten von insgesamt Fr. 615.– (inkl. Park-
platz) auszugehen.
3.4.6. Weil dem Gesuchsteller keine Mietkosten für eine eigene Wohnung ange-
rechnet werden, ist ihm auch in der vorinstanzlichen Phase II (ab Oktober 2018) –
gleich wie in der Phase I – lediglich der Grundbetrag für einen alleinstehenden
Schuldner in Haushaltgemeinschaft von Fr. 1'100.– und der hälftige Anteil der
Versicherungsprämien sowie der Radio- und Fernsehgebühren anzurechnen.
Weiter ist mit Bezug auf den Anspruch auf Prämienverbilligung davon auszuge-
hen, dass das steuerbare Einkommen des Gesuchstellers aufgrund dessen Un-
terhaltsverpflichtung nach wie vor unter dem anspruchsbegründenden Grenzwert
- 26 -
liegt, weshalb dem Gesuchsteller – im Unterschied zum vorinstanzlichen Ent-
scheid (Urk. 2 S. 18) – in der Phase II die gleich hohe Krankenkassenprämie wie
in der Phase I anzurechnen ist. Folglich gibt es bei der Bedarfsberechnung des
Gesuchstellers nur noch eine einzige Phase.
3.4.7. Betreffend Steuern bringt der Gesuchsteller vor Obergericht schliesslich
vor, die Vorinstanz habe bei der erwerbslosen Gesuchstellerin die Steuern mit ei-
nem Betrag von Fr. 100.– berücksichtigt. Dagegen würden beim erwerbstätigen
Gesuchsteller keine Steuern anerkannt, was eine Ungleichbehandlung der Partei-
en bedeute. Im Sinne der Gleichbehandlung seien auch dem Gesuchsteller min-
destens Fr. 250.– an Steuerauslagen anzurechnen (Urk. 18 S. 6). Die Gesuch-
stellerin bestreitet diese Ausführungen und beantragt, dass die Steuern entweder
bei beiden oder bei keinem Ehegatten berücksichtigt würden (Urk. 18 S. 4). Bei
knappen finanziellen Verhältnissen – wie sie in casu eindeutig vorliegen – sind die
laufenden und verfallenen Steuern nicht als Zuschlag zum Grundbetrag in das
familienrechtliche Existenzminimum aufzunehmen (BGE 140 III 337 E. 4.4; BGE
126 III 353 E. 1a/aa). Im Sinne des Gleichbehandlungsgrundsatzes rechtfertigt es
sich somit, dass in Mankofällen die Steuern bei beiden Ehegatten unberücksich-
tigt bleiben.
3.4.8. Der Bedarf des Gesuchstellers beläuft sich somit insgesamt auf monatlich
Fr. 2'036.– (Grundbetrag: Fr. 1'100.–, Mietkosten [inkl. Parkplatz]: Fr. 615.–,
Krankenkassenprämie: Fr. 67.–, Versicherungen [1/2 Anteil]: Fr. 15.–, Billag bzw.
Serafe [1/2 Anteil]: Fr. 19.–, Verpflegung: Fr. 220.–; vgl. Urk. 2 S. 16 f.).
3.4.9. Zusammenfassend reduzieren sich die Lebenshaltungskosten der Ge-
suchstellerin im Vergleich zum vorinstanzlichen Entscheid (vgl. Urk. 2 S. 13) in
der Phase I (15. Februar 2018 bis 31. August 2019) um Fr. 100.– (Steuern) auf
monatlich insgesamt Fr. 2'983.–. Ab der Phase II (1. September 2019 bis
31. August 2019) erhöht sich der Bedarf aufgrund der Kosten für ein ÖV-
Abonnement sowie der Mehrkosten für auswärtige Verpflegung auf Fr. 3'163.–.
Da die Gesuchstellerin während den Phasen I und II kein eigenes Einkommen
erwirtschaftet, handelt es sich beim Betrag von Fr. 2'983.– bzw. Fr. 3'163.–
gleichzeitig um den Anspruch des Sohnes auf Betreuungsunterhalt (vgl. Urk. 2 S.
- 27 -
12). In der Phase III (ab 1. September 2020) resultieren nach Abzug des der Ge-
suchstellerin angerechneten hypothetischen Einkommens von Fr. 1'600.– Le-
benshaltungskosten von Fr. 1'563.–, für welche die Gesuchstellerin betreuungs-
bedingt nicht aufkommen kann. Diese stellen den Anspruch von D._ auf Be-
treuungsunterhalt dar. Zusammen mit dem Barbedarf des Sohnes von Fr. 1'025.–
(Urk. 2 S. 10) hat D._ in der Periode I einen Unterhaltsanspruch von insge-
samt Fr. 3'808.– (Fr. 2'983.– + Fr. 1'025.– ./. Fr. 200.– [Familienzulagen]) und in
der Periode II einen solchen von Fr. 3'988.– (Fr. 3'163.– + Fr. 1'025.– ./. Fr. 200.–
[Familienzulagen). In der Periode III beläuft sich der Unterhaltsanspruch auf mo-
natlich Fr. 2'388.– (Fr. 1'563.– + Fr. 1'025.– ./. Fr. 200.– [Familienzulagen]). Das
Existenzminimum des Gesuchstellers beträgt Fr. 2'036.–. Dessen Einkommen be-
läuft sich auf Fr. 3'800.–, weshalb der Gesuchsteller zu Kinderunterhaltsbeiträgen
in der Höhe von Fr. 1'764.–, zuzüglich allfälliger von ihm bezogenen Kinderzula-
gen, zu verpflichten ist.
3.4.10. Mit dem festgesetzten Unterhaltsbeitrag von monatlich Fr. 1'764.– kann
der Barbedarf des Sohnes vollständig gedeckt werden. Beim Betreuungsunterhalt
besteht hingegen ein Fehlbetrag bzw. ein Manko von Fr. 2'044.– pro Monat (Pha-
se I: 15. Februar 2018 bis 31. August 2019), von Fr. 2'224.– (Phase II: 1. Sep-
tember 2019 bis 31. August 2020) und von Fr. 624.– (Phase III: ab 1. September
2020), was im Entscheiddispositiv entsprechend festzuhalten ist (vgl. Art. 301a lit.
c ZPO).
3.5 Bemessungsfaktoren
3.5.1 Die Vorinstanz hielt im Zusammenhang mit den finanziellen Verhältnissen
im Dispositiv fest, dass bei beiden Parteien kein Vermögen vorhanden sei (Urk. 2
Dispositivziffer 4 lit. c der Verfügung). Nach Ansicht der Gesuchstellerin sei diese
Feststellung nicht korrekt, weshalb der entsprechende Vermerk zu entfernen bzw.
eine Leerstelle oder der Vermerk «in Abklärung» einzufügen sei. Der Gesuchstel-
ler finanziere mittels eines (zu) teuren Leasings, welches u.a. auch die Amortisa-
tion einschliesse, sein (luxuriöses) Geschäftsfahrzeug der Marke Mercedes-Benz
aus Errungenschaft, woraus eine güterrechtliche Forderung der Ehefrau resultie-
re. Ferner gebe es eine Lebensversicherungspolice bei der K._, ein Mietkau-
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tionsdepot sowie Bankguthaben etc., welche zu klären und zu teilen seien (Urk. 1
S. 3.).
3.5.2. Nach Art. 59 ZPO tritt das Gericht auf eine Klage oder ein Gesuch ein,
wenn die Prozessvoraussetzungen erfüllt sind. Grundlegende Prozessvorausset-
zung ist das schutzwürdige Interesse der klagenden Partei (Art. 59 Abs. 2 lit. a
ZPO). Im Rahmen des Rechtsmittelverfahrens entspricht das Rechtsschutzinte-
resse der Beschwer. Vorausgesetzt ist entweder eine formelle oder eine materiel-
le Beschwer. Während die formelle Beschwer darin gründet, dass das Dispositiv
des erstinstanzlichen Entscheids von den Rechtsbegehren der rechtsmittelwilligen
Partei abweicht, bedeutet materielle Beschwer, dass sich der erstinstanzliche
Entscheid in seinen rechtlichen Wirkungen nachteilig auswirkt und daher ein Inte-
resse an seiner Abänderung verschafft. Vorliegend ist nicht ersichtlich, inwiefern
die vorinstanzliche Feststellung zum Vermögen der Parteien nachteilige Auswir-
kungen auf die Rechtsstellung der Gesuchstellerin haben sollte. Diesbezüglich
führt die Gesuchstellerin lediglich aus, sie habe den erwähnten Antrag gestellt,
weil sie eine präjudizierende Wirkung aufgrund des Vermerks "Vermögen je (<)
Fr. 0.–" nicht riskieren möchte (Urk. 24 S. 3). Eine solche präjudizierende Wirkung
besteht nicht. Im Hauptsachenverfahren ist das Gericht nicht an die Feststellun-
gen im Massnahmeentscheid betreffend das Vermögen der Parteien gebunden.
Für die güterrechtliche Auseinandersetzung gilt der Verhandlungs- und Dispositi-
onsgrundsatz (Art. 277 Abs. 1 sowie Art. 55 und 58 ZPO). Damit ist es im Rah-
men des Hauptsachenverfahrens Sache der antragstellenden Partei, ihre güter-
rechtlichen Ansprüche rechtsgenügend zu beziffern, zu substantiieren und zu be-
legen. Die Feststellungen im vorliegenden Massnahmeentscheid im Zusammen-
hang mit dem Vermögen der Ehegatten haben diesbezüglich keinen Einfluss. Das
Gericht hat im Hauptsachenverfahren unabhängig davon zu beurteilen, ob die gel-
tend gemachten güterrechtlichen Ansprüche Bestand haben oder nicht. Nach
dem Gesagten ist die Gesuchstellerin in Bezug auf ihren Berufungsantrag Ziff. 2
(Urk. 1 S. 2) nicht beschwert, weshalb darauf nicht einzutreten ist.
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4. Zweitinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen
4.1 Die Höhe der Gerichtsgebühr richtet sich für das Berufungsverfahren nach
§ 12 Abs. 1 und 2 in Verbindung mit § 2, § 5 Abs. 1 und § 6 Abs. 1 und § 8 Abs. 1
der Gebührenverordnung des Obergerichts vom 8. September 2010 (GebV OG).
Unter Berücksichtigung des tatsächlichen Streitinteresses, des Zeitaufwands des
Gerichts, der Schwierigkeit des Falles sowie mit Blick auf den Umstand, dass das
vorliegende Massnahmeverfahren und das Parallelverfahren LE190021-O zwar
unterschiedliche Zeitperioden betreffen, die umstrittenen Punkte jedoch bis auf
das Einkommen der Gesuchstellerin dieselben waren, erscheint eine Gerichtsge-
bühr von Fr. 3'000.– angemessen.
4.2 Die Prozesskosten werden den Parteien nach Massgabe ihres Unterliegens
und Obsiegens auferlegt (Art. 106 ZPO). Umstritten waren im vorliegenden Beru-
fungsverfahren im Wesentlichen die Kinderunterhaltsbeiträge. Die Gesuchstellerin
beantragt mit ihrer Berufung die Zusprechung eines Unterhaltsbeitrags von mo-
natlich Fr. 1'829.– bzw. Fr. 1'179.– im Falle eines Bezugs einer eigenen Wohnung
(Urk. 1 S. 2). Der Gesuchsteller seinerseits verlangt vor Obergericht eine Reduk-
tion der Unterhaltsbeiträge auf Fr. 463.– monatlich (Urk. 1/14 S. 2). Gemäss vor-
stehenden Erwägungen wird der Gesuchsteller verpflichtet, Kinderunterhaltsbei-
träge von monatlich Fr. 1'764.– zu leisten. Damit entspricht der vorliegend festge-
setzte Unterhaltsbeitrag bis auf monatlich Fr. 65.– dem Antrag der Gesuchstelle-
rin. Aufgrund dieser vernachlässigbaren Differenz rechtfertigt es sich, die Ge-
richtskosten vollumfänglich dem unterliegenden Gesuchsteller aufzuerlegen.
4.3. Ausgangsgemäss ist der Gesuchsteller sodann zu verpflichten, der Ge-
suchstellerin für das Berufungsverfahren eine volle Parteientschädigung zu be-
zahlen. Die Parteientschädigung für anwaltlich vertretene Parteien (Art. 95 Abs. 3
lit. a und b ZPO) spricht das Gericht nach den Tarifen (Art. 96 ZPO) bzw. der An-
waltsgebührenverordnung vom 8. September 2010 (AnwGebV) zu. Die Parteient-
schädigung ist in Anwendung von § 13 Abs. 1 i.V.m. § 5 Abs. 1, § 6 Abs. 1, § 9
und § 11 AnwGebV sowie unter Berücksichtigung des Umstandes, dass der
Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens mit demjenigen des Verfahrens
LE190021-O – bis auf die unterschiedlichen Zeitperioden und das Einkommen der
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Gesuchstellerin – identisch war, auf Fr. 3'000.– festzusetzen, mangels eines ent-
sprechenden Antrages ohne Mehrwertsteuerzuschlag (vgl. Urk. 1 und 17, je S. 2).
4.4. Beide Parteien ersuchen um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
und Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands für das Berufungsverfahren
(Urk. 1 S. 2; Urk. 14/1 S. 2). Die Gesuchstellerin stellt überdies sinngemäss einen
Antrag auf Zusprechung eines Prozesskostenbeitrags (Urk. 1 S. 2). Wie sich
nachfolgend zeigen wird, verfügt der Gesuchsteller nicht über genügend finanziel-
le Mittel, um einen solchen Prozesskostenbeitrag zu leisten, weshalb der entspre-
chende Antrag der Gesuchstellerin abzuweisen ist.
4.4.1. Nach Art. 117 ZPO hat eine Person Anspruch auf unentgeltliche Rechts-
pflege, wenn sie nicht über die erforderlichen Mittel verfügt (lit. a) und ihr Rechts-
begehren nicht aussichtslos erscheint (lit. b). Wer diese Bedingungen erfüllt, hat
ausserdem Anspruch auf einen unentgeltlichen Rechtsbeistand, soweit dies zur
Wahrung seiner Rechte notwendig ist (Art. 118 Abs. 1 lit. c ZPO).
4.4.2. Nachdem der Gesuchstellerin für das Berufungsverfahren keine Gerichts-
kosten auferlegt werden, ist ihr Gesuch gegenstandslos und entsprechend abzu-
schreiben, soweit es sich auf die Befreiung von den Gerichtskosten (Art. 118
Abs. 1 lit. b ZPO) bezieht.
Das Gesuch um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes darf
gemäss Bundesgericht hingegen nicht schon deshalb als gegenstandslos gewor-
den abgeschrieben werden, weil der bedürftigen Partei eine Parteientschädigung
zugesprochen wurde. Ein solches Vorgehen ist lediglich dann zulässig, wenn die
Solvenz der Gegenpartei ausser Zweifel steht und damit eine Parteientschädi-
gung ohne weiteres als einbringlich gelten kann. Erweist sich die Zahlungsfähig-
keit demgegenüber als unsicher, muss gewährleistet bleiben, dass der Anwalt der
bedürftigen Partei nötigenfalls durch den Staat gemäss Art. 122 Abs. 2 ZPO ent-
schädigt wird (BGer 5A_407/2014 vom 7. Juli 2014 E. 2.2. m.w.H.). Angesichts
des Umstandes, dass auch dem Gesuchsteller die unentgeltliche Rechtspflege zu
gewähren ist (vgl. dazu nachstehende E. 4.4.3) und sich dessen Zahlungsfähig-
keit entsprechend als unsicher erweist, ist über das Gesuch um Bestellung eines
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unentgeltlichen Rechtsbeistands (Art. 118 Abs. 1 lit. c ZPO) zu entscheiden (vgl.
BGer 5A_407/2014 vom 7. Juli 2014, E. 2.2; OGer ZH RT150116 vom
11.11.2015, E. II/C/2). Die Gesuchstellerin wird nach wie vor vom Sozialamt un-
terstütz (Urk. 1 S. 5; Urk. 8). Überdies besteht im Zusammenhang mit dem Be-
treuungsunterhalt weiterhin ein Manko, was bedeutet, dass die Gesuchstellerin
auch mit den vom Gesuchsteller zu leistenden Unterhaltsbeiträgen ihren Bedarf
und denjenigen von D._ nicht vollumfänglich decken kann. Insgesamt ist die
Mittellosigkeit der Gesuchstellerin damit zu bejahen. Ihr im Berufungsverfahren
gestelltes Rechtsbegehren war sodann nicht aussichtslos, und die rechtsunkundi-
ge Gesuchstellerin war für die sachgerechte Wahrung ihrer Rechte (auch) vor Be-
rufungsinstanz auf anwaltlichen Beistand angewiesen. Damit sind die Vorausset-
zungen für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung erfüllt und der Gesuchstelle-
rin ist für das Berufungsverfahren die von ihr beantragte Rechtsvertretung beizu-
geben.
4.4.3. Im vorliegenden Mankofall verbleibt dem Gesuchsteller nach Deckung
seines Bedarfs sowie nach Abzug der zu leistenden Unterhaltsbeiträge kein
Überschuss, mit welchem er die Prozesskosten des Berufungsverfahrens beglei-
chen könnte. Dass der Gesuchsteller über keine nennenswerten liquiden Mittel
verfügt, geht zudem aus dem eingereichten Kontoauszug (Urk. 14/4/5) sowie aus
den im Recht liegenden Steuererklärungen der beiden letzten Jahre (Urk. 6/47/1
und Urk. 14/4/3) hervor. Demnach ist auch der Gesuchsteller mittellos im Sinne
von Art. 117 lit. a ZPO. Seine Rechtsmittelanträge sind nicht als aussichtslos im
Sinne von Art. 117 lit. b ZPO zu betrachten, und eine anwaltliche Verbeiständung
des rechtsunkundigen Gesuchstellers erscheint zur Wahrung seiner Rechte not-
wendig, zumal auch die Gesuchstellerin anwaltlich vertreten ist (Art. 118 Abs. 1 lit.
c ZPO). Dem Gesuchsteller ist deshalb für das Berufungsverfahren die unentgelt-
liche Rechtspflege zu bewilligen und in der Person von Rechtsanwältin lic. iur.
Y._ eine unentgeltliche Rechtsbeiständin zu bestellen.
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