Decision ID: b341200d-322f-483f-8280-9182108f9539
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass die Beschwerdeführerin eigenen Angaben zufolge Kolumbien am
4. Mai 2022 verliess und am 5. Mai 2022 in die Schweiz einreiste, wo sie
am 11. Mai 2022 gemeinsam mit dem volljährigen Sohn (D-4941/2022) um
Asyl nachsuchte,
dass sie anlässlich der Anhörungen zu den Asylgründen vom 9. August
2022 und 19. September 2022 im Wesentlichen geltend machte, sie habe
im Jahr 2007 zusammen mit ihrer Schwester eine Stiftung für benachtei-
ligte Kinder gegründet, die aufgrund von Gewalt vertrieben, drogensüchtig
oder zum Drogenverkauf gezwungen seien,
dass sie zusammen mit anderen «Lideres Sociales» im Jahr 2015 die Par-
tei Movimento Politico Cristiano (MPC) gegründet und sie persönlich im
Jahr 2019 für das Regionalparlament kandidiert habe, um staatliche Hilfe
für ihre Projekte zu erlangen,
dass sie eine Woche vor den Wahlen 2019 von bewaffneten Personen in
ihrem Auto bedroht worden sei, ihre Kampagne zu beenden, woraufhin sie
ihre Kandidatur aus Angst vor den Wahlen zurückgezogen habe und fortan
zu ihrer eigenen Sicherheit und wegen der Covidpandemie zu Hause ge-
blieben sei, da ihre telefonische Anfrage um polizeilichen Schutz im Jahr
2020 nicht beantwortet worden sei,
dass sie im Januar 2021 auf dem Weg zu einem Kind erneut von bewaff-
neten Personen bedroht worden sei, die sie am Armband als Mitglieder der
AGC (Autodefensas Gaitanistas de Colombia; Clan del Golfo) erkannt
habe, sie seither unter Nervenzusammenbrüchen und Depressionen leide
und alle ihre Aktivitäten aufgegeben habe,
dass sie ab Juni 2021 und nur für drei Monate polizeilichen Schutz durch
die UNP (Unidad Nacional de Proteccion) erhalten habe, der aber zeitlich
zu verzögert und nicht ausreichend gewesen sei, zumal lediglich einmal
pro Tag ein Beamter vorbeigekommen sei,
dass ihr jüngerer Sohn Ende September 2021 entführt und nach einem
Aufruf in den sozialen Medien und, nachdem die Behörden praktisch alle
Zugänge zur Stadt abgesperrt hätten, Stunden später von der Polizei auf-
gefunden worden sei, wobei sie davon ausgehe, dass die Entführung vom
besagten Clan durchgeführt worden sei,
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dass sie danach entschieden hätten, in einer anderen Stadt zu wohnen und
sie sich im März 2022 mit ihrem älteren Sohn, der sich im Februar dort an
der Universität eingeschrieben habe, nach Bogotá zu einer Wohnungsbe-
sichtigung begeben habe, als auf der Strasse ein Kleinbus angehalten
habe, aus dem bewaffnete Männer ausgestiegen seien, die sie wiederum
am Armband als Mitglieder des besagten Clans erkannt habe, woraufhin
sie und ihr Sohn davongerannt seien, wobei sie im Wegrennen Schüsse
gehört hätten,
dass sie sich danach mehrere Stunden in einem Supermarkt versteckt hät-
ten und zwei Tage später auf dem Luftweg aus Kolumbien in die Schweiz
ausgereist seien,
dass ihre Schwester nach ihrer Ausreise Anzeige erstattet und um Schutz
für die ganze Familie ersucht habe, weil sie das Gefühl gehabt habe, ihr
Haus werde beobachtet,
dass die Beschwerdeführerin zur Stützung ihrer Vorbringen unter anderem
diverse Beweismittel bezüglich ihrer Kandidatur, der Stiftungsgründung,
der beantragten Schutzgewährung durch die UNP, der Entführung ihres
jüngeren Sohnes und der Anzeigeerstattung durch ihre Schwester zu den
Akten reichte,
dass das SEM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
26. September 2022 – gleichentags eröffnet – im Rahmen des beschleu-
nigten Verfahrens ablehnte sowie die Wegweisung aus der Schweiz und
den Vollzug anordnete,
dass das SEM zur Begründung im Wesentlichen anführte, die Beschwer-
deführerin mache eine Verfolgung durch Dritte geltend, gegen die der ko-
lumbianische Staat grundsätzlich schutzfähig und schutzwillig sei (vgl. E-
3889/2019 vom 5. Juli 2021 E. 4.3),
dass die Beschwerdeführerin denn vorliegend nach dem zweiten Ereignis
im Jahr 2021 auch polizeilichen Schutz erhalten habe und es keine ernst-
haften Indizien gebe, dieser sei, wie von ihr behauptet, ungenügend gewe-
sen, zumal ihr während der Dauer der Massnahmen nichts zugestossen
sei und ihre diesbezüglich geäusserten Zweifel allgemein und vage ausge-
fallen seien,
dass es die Beschwerdeführerin schliesslich sowohl nach der Entführung
ihres Sohnes als auch nach dem letzten Ereignis kurz vor der Ausreise im
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März 2022 versäumt habe, von den staatlichen Behörden eine Neuein-
schätzung der Risiken und den Erlass neuer Schutzmassnahmen zu ver-
langen,
dass die geltend gemachte Verfolgung zudem lokal begrenzt und es ihr
möglich sei, in einem anderen Landesteil Schutz zu suchen, wo der Clan
del Golfo nicht aktiv sei,
dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin nach dem Gesagten nicht
asylrelevant und deren Gesuch abzuweisen sei,
dass der Stellungnahme zum Verfügungsentwurf entgegenzuhalten sei,
dass die im Entscheid zitierte Rechtsprechung aktuell und der in der Be-
schwerde zitierte Entscheid D-475/2020 vom 12. Februar 2020 nicht an-
wendbar sei, da im vorliegenden Fall wirksam Schutz gewährt worden sei,
dass dem weiteren Argument in der Stellungnahme, wonach die Aktivität
des Clan del Golfo nicht lokal beschränkt sei, die mehr als erklärende, im
Entscheid zitierte Karte widerspreche,
dass der Vollzug der Wegweisung zudem zulässig, zumutbar und möglich
sei, zumal die Beschwerdeführerin jung und gesund sei und über diversifi-
zierte Berufserfahrung sowie ein Beziehungsnetz in Kolumbien verfüge,
dass die zugewiesene Rechtsvertretung mit Schreiben vom 27. September
2022 mitteilte, die Beschwerdeführerin habe auf eine weitere Vertretung
verzichtet, weil sie einen anderen Rechtsvertreter beauftragen wolle,
dass die Beschwerdeführerin – handelnd durch ihren neu mandatierten
Rechtsvertreter – mit Eingabe vom 26. Oktober 2022 gegen diesen Ent-
scheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und dabei die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Feststellung der Flüchtlings-
eigenschaft und die Asylgewährung, eventualiter die Feststellung der Un-
zulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
und die Erteilung einer vorläufigen Aufnahme sowie subeventualiter die
Rückweisung der Sache an die Vorinstanz beantragte,
dass sie in formeller Hinsicht um Vereinigung ihres Verfahrens mit demje-
nigen ihres Sohnes (D-4941/2022), um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
ersuchte,
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dass sie zur Begründung ihrer Beschwerde zunächst geltend machte, das
SEM habe den Sachverhalt nicht richtig festgestellt beziehungsweise den
Untersuchungsgrundsatz verletzt, indem es willkürlich behaupte, die poli-
zeiliche Schutzmassnahme sei zum Zeitpunkt der Entführung ihres jüngs-
ten Sohnes und beim erlittenen bewaffneten Angriff erloschen, weshalb sie
eine Neugewährung hätte beantragen müssen, indem es die Schutzfähig-
keit und –willigkeit des kolumbianischen Staates nicht ausreichend geprüft
habe, indem es ihren psychischen Gesundheitszustand, der auf eine post-
traumatische Belastungsstörung hindeute, nicht ausreichend gewürdigt
habe und indem es ein von ihr angebotenes Beweismittel nicht zu den Ak-
ten genommen habe,
dass sie der Verfügung inhaltlich entgegenhielt, die Schutzgewährung sei
zu spät und nicht ausreichend erfolgt, zumal lediglich einmal pro Tag ein
Polizist vorbeigekommen sei, ihr nur nichts passiert sei, weil sie das Haus
nicht verlassen habe, und ihr Sohn trotz der Schutzmassnahmen entführt
worden sei,
dass sie sich nicht erneut an die Behörden gewandt habe, weil sie ver-
ständlicherweise das Vertrauen in den Staat verloren habe, und ihr das
spätestens nach dem Anschlag in Bogotá auch nicht mehr zuzumuten ge-
wesen sei,
dass sie somit die Schutzunfähigkeit persönlich miterlebt habe und die
Schutzfähigkeit des kolumbianischen Staates nicht einfach angenommen
werden könne, nur weil die Möglichkeit bestehe, per Formular Schutz der
UNP zu beantragen,
dass das von der Vorinstanz verwendete Dokument zur Aufzeigung der lo-
kalen Begrenztheit der Verfolgung nicht zeige, in welchen Staatsgebieten
der Clan del Golfo Einfluss habe, sondern lediglich welche Gemeinden im
Zusammenhang mit den Wahlen im Jahr 2022 einem Risiko ausgesetzt
seien, dass der Wahlprozess von bewaffneten Gruppierungen gestört
werde,
dass der Clan del Golfo aktuell die mächtigste und einflussreichste para-
militärisch-kriminelle Organisation in Kolumbien und faktisch in jeder Mak-
roregion anwesend sei und versuche, seine Macht durch die Einschüchte-
rung von «lideres y lideresas sociales» sowie von politischen Opponenten
durchzusetzen,
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dass gemäss Berichten von Menschenrechtsorganisationen die Ermordun-
gen von sozialen Führerinnen und Führern schockierende Zahlen ange-
nommen hätten und der Schutz durch die UNP ungenügend sei,
dass sie unbestritten eine «lideresa social» sei und sich ihr Profil mit der
Kandidatur für die Wahlen verschärft habe, weshalb sie bedroht worden
sei,
dass der Versuch der Schutzsuche in einem anderen Landesteil mit dem
Attentat in Bogotá gescheitert sei,
dass ihr bei einer Rückkehr ein menschwürdiges Leben verwehrt würde,
da sie sich ständig verstecken müsste,
dass sie seit den Ereignissen psychisch angeschlagen sei, Symptome ei-
ner posttraumatischen Belastungsstörung zeige und zurzeit Antidepressiva
nehme, sodass eine Rückkehr in die Heimat eine Retraumatisierung zur
Folge hätte und ihr eine Dekompensation drohe, weshalb eine vorläufige
Aufnahme beantragt werde,
dass sie zur Stützung ihrer Vorbringen neu unter anderem eine fotografi-
sche Dokumentation der Aktivitäten der Stiftung und betreffend den Wahl-
kampf, eine Dokumentation aus den sozialen Medien zum Verschwinden
des jüngsten Sohnes, eine Chronologie der Ereignisse, ein Schreiben der
«Veeduria Nacional» vom 21. Oktober 2021, wonach sie als «lideresa
social» gefährdet sei, und einen kolumbianischen Arztbericht vom 11. April
2022 zu den Akten reichte,
dass die vorinstanzlichen Akten dem Bundesverwaltungsgericht am 1. No-
vember 2022 in elektronischer Form vorlagen (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG),
dass die Beschwerdeführerin am 23. November 2022 weitere Beweismit-
tel, wonach ihre Schwester diese und letzte Woche Morddrohungen erhal-
ten habe, und einen Zeitungsbericht zur Schutzunfähigkeit der UNP zu den
Akten reichte,

und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel
– so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen
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(Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG [SR 142.31] i.V.m.
Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG),
dass die Beschwerdeführerin am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 Covid-19-Verordnung Asyl
[SR 142.318] und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen
Rügen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5),
dass das vorliegende Verfahren mit demjenigen des Sohnes der Be-
schwerdeführerin (D-4941/2022) koordiniert behandelt wird,
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich,
wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb das Urteil
nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
dass das SEM den Sachverhalt richtig festgestellt hat, indem es die von
der Beschwerdeführerin geltend gemachte Bedrohung seitens dritter Per-
sonen zur Kenntnis genommen und sich in der angefochtenen Verfügung
mit der Schutzfähig- und Schutzwilligkeit Kolumbiens sowie innerstaatli-
chen Fluchtmöglichkeiten unter Würdigung der aktuellen Rechtsprechung
und der eingereichten Beweismittel auseinandergesetzt hat,
dass es der Beschwerdeführerin zu keinem Nachteil zu gereichen vermag,
dass dabei ein von ihr angebotenes weiteres Beweismittel in Form eines
USB-Sticks mit Videos zu ihren vorliegend nicht bezweifelten sozialen und
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politischen Aktivitäten mit ihrem Einverständnis aus prozessökonomischen
Gründen nicht zu den Akten genommen wurde,
dass sich allein aus der von der Beschwerdeführerin abweichenden Ein-
schätzung der Gefahrenlage durch das SEM weder auf eine unvollständige
oder unrichtige Sachverhaltsfeststellung noch auf eine Verletzung des Un-
tersuchungsgrundsatzes schliessen lässt und sich die Kritik im Kern viel-
mehr gegen die rechtliche Würdigung der Vorbringen richtet,
dass die Beschwerdeführerin an der Anhörung im Übrigen angab, die
Schutzgewährung habe drei Monate gedauert und im September 2021 ge-
endet und erst im Anschluss die Entführung ihres Sohnes Ende September
2021 erwähnte, was für die Argumentation des SEM spricht (vgl. A19 D5),
und dieses ungeachtet dessen ohnehin zu Recht annahm, sie hätten sich
erneut an die Behörden wenden müssen,
dass die Beschwerdeführerin zwar angab, sie habe in Kolumbien aufgrund
der Ereignisse unter Nervenzusammenbrüchen und Depressionen gelitten,
und einen entsprechenden Arztbericht einreichte, bezüglich ihrem aktuel-
len gesundheitlichen Befinden aber angab, sie sei gesund (vgl. A19 D4),
und auch keine anderslautenden Arztberichte eingab, sodass das SEM
keine weiteren Abklärungen machen musste,
dass der Sachverhalt insgesamt als genügend erstellt zu qualifizieren ist,
eine Rückweisung damit ausser Betracht fällt und das Gericht in der Sache
entscheidet,
dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl gewährt (Art. 2 Abs. 1
AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG),
dass das Gericht die Einschätzung der Vorinstanz teilt, die Beschwerde-
führerin könne in ihrem Heimatstaat hinreichenden Schutz durch heimatli-
che Sicherheitskräfte gegen die geltend gemachte Verfolgung im Sinne der
Schutztheorie (vgl. BVGE 2011/51 E. 7 m.w.H.) erhalten,
dass im Wesentlichen auf die überzeugenden Erwägungen in der ange-
fochtenen Verfügung zu verweisen ist,
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dass das Bundesverwaltungsgericht in ständiger Praxis, ohne die in der
Rechtsmittelschrift dargelegte schwierige Sicherheitslage Kolumbiens in
Abrede stellen zu wollen, von der grundsätzlichen Schutzfähigkeit und
-willigkeit der kolumbianischen Strafverfolgungs- und Justizbehörden aus-
geht (vgl. hierzu Urteil des BVGer D-1633/2021 vom 25. Mai 2021 E. 7.1.3
m.w.H. sowie jüngst D-3900/2022 vom 29. September 2022 E. 7.1),
dass aus den vorliegenden Akten sodann hervorgeht, dass sich die kolum-
bianischen Behörden gegenüber der Beschwerdeführerin bereits in der
Vergangenheit als schutzfähig und -willig zeigten, sodass nicht auf eine
generelle Schutzverweigerung geschlossen werden kann, woran auch der
Umstand nichts zu ändern vermag, dass sich die Beschwerdeführerin um-
fassendere Schutzmassnahmen gewünscht hätte,
dass es diesbezüglich der Vollständigkeit halber zu erwähnen gilt, dass die
Beschwerdeführerin angab, anlässlich der Entführung ihres jüngeren Soh-
nes hätten die Behörden praktisch alle Zugänge zur Stadt abgesperrt, so-
dass er bereits nach Stunden von der Polizei wieder habe aufgegriffen wer-
den können (vgl. A19 D5), was einer ungenügenden Schutzgewährung wi-
derspricht,
dass sie im Weiteren auf die Möglichkeit hinzuweisen ist, sich – nötigenfalls
mit Hilfe einer Anwältin oder eines Anwalts – an eine andere oder überge-
ordnete Stelle zu wenden, um sich mit ihrem Anliegen Gehör zu verschaf-
fen,
dass die in der Beschwerde mit Hinweis auf entsprechende Literatur vor-
getragenen Zweifel an der Effizienz der kolumbianischen Schutzstrukturen
ebenfalls zu keinem anderen Ergebnis führen und darüber hinaus darauf
hinzuweisen ist, dass es keinem Staat gelingt, seinen Bürgerinnen und
Bürgern immer und überall vollumfänglichen Schutz zu gewährleisten,
dass aus den vorliegenden Akten überdies kein klarer Zusammenhang zwi-
schen den politischen Aktivitäten der Beschwerdeführerin und der Entfüh-
rung des jüngsten Sohnes sowie den Ereignissen im März 2022 ergibt, zu-
mal die Beschwerdeführerin in Bezug auf die Täterschaft bloss Mutmas-
sungen anstellt beziehungsweise sie im März 2022 gar nicht persönlich
angegriffen wurden, und der Sachverhalt in der Beschwerde stark übertrie-
ben dargestellt wird, wenn ausgeführt wird, sie sei angeschossen worden,
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dass die Beschwerdeführerin, nachdem sie sich von den Wahlen zurück-
gezogen und schliesslich auch ihr Engagement in der Organisation aufge-
geben habe, wohl nicht mehr im Visier des AGC stand,
dass das SEM im Übrigen zu Recht ergänzend darauf hinwies, dass die
Beschwerdeführerin über innerstaatliche Aufenthaltsmöglichkeiten verfügt
und sich alternativ auch in einer anderen Region Kolumbiens aufhalten
kann, wobei es die zitierte Karte über Risiken bei den Wahlen als Indiz auf
eine lokale Begrenztheit der Aktivitäten des Clan del Golfo interpretieren
durfte, und das SEM dieses Argument ohnehin nur als Zusatz anbrachte,
dass das angebliche Attentat in Bogotá am Gesagten aufgrund der oben
erwähnten, unklaren Zusammenhänge nichts zu ändern vermag,
dass vor diesem Hintergrund nicht davon auszugehen ist, die Beschwer-
deführerin müsste sich bei einer Rückkehr ständig verstecken und könnte
so kein menschenwürdiges Leben führen,
dass weder die bei der Vorinstanz noch die auf Beschwerdeebene neu ein-
gereichten Beweismittel an dieser Einschätzung etwas zu ändern vermö-
gen, da sie Sachverhalte betreffen, die vorliegend unbestritten blieben, be-
ziehungsweise das Schreiben der «Veeduria Nacional» als Gefälligkeits-
schreiben die mangelnde staatliche Schutzwilligkeit oder -fähigkeit nicht zu
belegen vermag,
dass dies schliesslich auch für die angebliche gegen die Schwester der
Beschwerdeführerin gerichteten Morddrohung gilt,
dass es der Beschwerdeführerin somit nicht gelingt, die Flüchtlingseigen-
schaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen, weshalb das
Staatssekretariat das Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat,
dass die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein
Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat
(Art. 44 AsylG), vorliegend insbesondere der Kanton keine Aufenthaltsbe-
willigung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung einer solchen
besteht (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.), weshalb die
verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen
steht und demnach vom Staatssekretariat ebenfalls zu Recht angeordnet
wurde,
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dass das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestim-
mungen über die vorläufige Aufnahme regelt, wenn der Vollzug der Weg-
weisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]),
dass beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft gilt, das heisst, sie sind zu
beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.),
dass der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig ist, wenn völkerrechtliche
Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des
Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AIG),
dass keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]),
dass der Vollzug der Wegweisung vorliegend in Beachtung dieser mass-
geblichen völker- und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist, da es
der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, weshalb das in
Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoule-
ment im vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet,
dass sodann keine Anhaltspunkte für eine im Heimat- oder Herkunftsstaat
drohende menschenrechtswidrige Behandlung im Sinne von Art. 25 Abs. 3
BV, von Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter
und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung
oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK ersichtlich sind,
dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar
erweist, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen
wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage kon-
kret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AIG),
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dass weder die allgemeine Lage im Heimat- beziehungsweise Herkunfts-
staat der Beschwerdeführerin noch individuelle Gründe auf eine konkrete
Gefährdung im Falle einer Rückkehr schliessen lassen, weshalb der Voll-
zug der Wegweisung vorliegend zumutbar ist,
dass das SEM zu Recht feststellte, die Beschwerdeführerin sei jung und
verfüge über diversifizierte Berufserfahrung sowie ein Beziehungsnetz in
Kolumbien,
dass dem in der Beschwerde entgegengehalten wird, die Beschwerdefüh-
rerin leide an Depressionen und einer posttraumatischen Belastungsstö-
rung, sodass bei einer Rückkehr mit einer Retraumatisierung und einer De-
kompensation zu rechnen sei, weshalb eine vorläufige Aufnahme anzuord-
nen sei,
dass diesbezüglich aber keine aktuellen Arztberichte eingereicht wurden
und die Beschwerdeführerin ohnehin auf die grundsätzlich vorhandene Be-
handlungsmöglichkeit in Kolumbien zu verweisen ist, welche sie gemäss
dem kolumbianischen Arztbericht vom 11. April 2022 offenbar bereits vor
ihrer Ausreise in Anspruch nahm,
dass ihrem psychischen Zustand schliesslich bei der Organisation der
Rückreise Rechnung getragen werden kann,
dass der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin in den Heimat-
staat schliesslich möglich ist, da keine Vollzugshindernisse bestehen
(Art. 83 Abs. 2 AIG), und es der Beschwerdeführerin, die über einen gülti-
gen Reisepass verfügt, obliegt, bei der Beschaffung gültiger Reisepapiere
mitzuwirken (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12),
dass nach dem Gesagten der vom Staatssekretariat verfügte Vollzug der
Wegweisung zu bestätigen ist,
dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechts-
erheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1
AsylG) und – soweit überprüfbar – angemessen ist, weshalb die Be-
schwerde abzuweisen ist,
dass das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Rechtspflege abzuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus
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den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen wa-
ren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt
sind,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2])
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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