Decision ID: 10296e20-5f46-4a6a-adf9-a7d4f36b99a9
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 16. Dezember 2010 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, an einem zervicozephalen bis
zervicobrachialen Syndrom, einer Wirbelsäulenfehlhaltung, einer Haltungsinsuffizienz,
einem lumbospondylogenen Syndrom, einem HWS-Distorsionstrauma sowie an einer
schweren Anpassungsstörung (DD: mittelgradige depressive Episode) zu leiden. Seit
dem 23. April 2010 sei sie zu 100 % arbeitsunfähig.
A.b Wegen der Folgen eines Auffahrunfalls am 23. April 2010 (Heckaufprall) war die
Versicherte am 24. Juni 2010 in der Rehaklinik Bellikon untersucht worden (Bericht vom
23. Juli 2010, IV-act. 24). Als Diagnosen hatten die Klinikärzte ein panvertebrales
Syndrom, einen Spannungskopfschmerz und eine psychosoziale Belastungssituation
(vier Kinder, arbeitsloser Ehemann) angegeben. Die Versicherte habe über ständige
Schmerzen im Bereich der HWS, des Nackens, der BWS, der LWS und des Sakrums
geklagt. Weiter habe sie Schmerzen im Bereich beider Schultern mit Ausstrahlung in
den „rechten“ Arm (gezeigt habe sie auf den linken) bis in den Daumen, ständige
Schmerzen in beiden Handgelenken, ständige frontale Kopfschmerzen
unterschiedlicher Intensität, einen Schwankschwindel (meist nach den Therapien), eine
Störung von Konzentration und Gedächtnis, Albträume und „Flashbacks“ (Wortwahl
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der Versicherten) sowie Ein- und Durchschlafstörungen infolge Schmerzen und
Albträume angegeben. Die Ärzte hatten festgehalten, dass bei den physischen
Leistungstests eine erhebliche Symptomausweitung beobachtet worden sei. Die
Versicherte habe ihre Schmerzen und Einschränkungen undifferenziert beschrieben,
das Schmerzverhalten sei nicht adäquat und das Leistungsverhalten und die
Konsistenz seien schlecht gewesen. Aus medizinisch-diagnostischer Sicht sei bei guter
Kooperation und Leistungsbereitschaft mit einer optimalen Therapie eine erhebliche
Verbesserung der Beschwerden und der arbeitsbezogenen Belastbarkeit zu erreichen.
Vorbehalten bleibe der Einfluss der psychosozialen Belastungssituation.
A.c Am 31. August 2010 war die Versicherte von Dr. med. B._, Facharzt für
Neurologie, untersucht worden (Fremdakten). Er hatte angegeben, dass sich klinisch-
neurologisch weder Hinweise auf fokal-neurologische Defizite noch für eine periphere
Nervenschädigung gezeigt hätten. Auch bestünden keine Hinweise für eine radikuläre
oder sonstige spinale Schädigung. Aufgrund der Intensität der Schmerzen und der
Überreaktion auf nur leichten Druck in der Schulter- und Nackenregion sei von einer
somatoformen Störung mit gestörter Schmerzverarbeitung auszugehen. Die
psychosoziale Belastungssituation mit der Versorgung von vier Kindern und dem
arbeitslosen Ehemann wirke sich sicherlich ungünstig auf den weiteren Heilungsverlauf
aus.
A.d Dr. med. C._, Facharzt für Allg. Medizin, hatte am 1. Oktober 2010 berichtet
(Fremdakten), dass die Versicherte einen am 27. September 2010 unternommenen
Arbeitsversuch nach etwa 2.5 bis 3 Stunden wegen zunehmender Schulter- und
Nackenschmerzen abgebrochen habe. Sie habe darüber geklagt, dass sie am
Arbeitsplatz und zuhause gar nichts mehr machen könne und vollständig auf die Hilfe
ihres Ehemannes angewiesen sei. Wegen Kooperationsmangel habe er die HWS-
Untersuchung nicht richtig durchführen können. Er habe der Versicherten
vorgeschlagen, am 4. Oktober 2010 erneut einen Arbeitsversuch in einem Pensum von
50 % zu unternehmen.
A.e Vom 9. November bis 15. Dezember 2010 hatte die Versicherte einen
stationären Aufenthalt in der Klinik Valens absolviert (Austrittsbericht vom 31.
Dezember 2010, IV-act. 22). Die Klinikärzte hatten als Diagnosen ein
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Panvertebralsyndrom und eine schwere Anpassungsstörung (DD: Mindestens
mittelgradige depressive Episode) angegeben. Die Versicherte habe über
zervikothorakale Schmerzen nach zephal und in die oberen Extremitäten mit
linksseitiger Betonung geklagt. Sie habe sich während der ganzen Rehabilitationszeit
aufgrund der chronifizierten, schweren Schmerzsymptomatik äusserst beeinträchtigt
präsentiert. Insgesamt sei der Rehabilitationsverlauf durch die instabile psychische
Situation deutlich beeinträchtigt gewesen, so dass im Verlauf eine antidepressive
Therapie begonnen worden sei. Bezüglich der Schmerzsymptomatik sei es insgesamt
zu keiner wesentlichen Verbesserung gekommen. Aus psychiatrischer Sicht bestehe
aufgrund der ausgeprägten depressiven Affektlage auch nach dem Austritt eine
100 %ige Arbeitsunfähigkeit.
A.f Anlässlich eines telefonischen Gesprächs mit RAD-Arzt Dr. med. D._ vom
22. Dezember 2010 erklärte Dr. E._, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie
(IV-act. 14), dass die Versicherte an einem Status nach Schädel-Hirn-Trauma,
konsekutiv faktisch myalgischen Beschwerden der HWS bei Steilstellung der HWS, an
einer mittelgradigen depressiven Episode mit Angst- und Panikstörung und aktuell an
einem starken sinu-bronchialen Infekt leide. Es bestünden schmerzhafte
Bewegungseinschränkungen bei Anteflexion und Reklination und beim Drehen des
Kopfes sowie bei Bewegungen im linken Schultergelenk und im linken Oberarm. Die
F._ AG berichtete am 10. Januar 2011 (IV-act. 18), dass sie die Versicherte seit dem
2. August 2004 zu 100 % als Produktionsmitarbeiterin beschäftige. Seit dem 26. April
2010 sei sie krankgeschrieben (siehe IV-act. 18-11). Zwei Arbeitsversuche hätten
stattgefunden. Dr. E._ berichtete am 19. März 2011 (Fremdakten), dass die
Versicherte ihm gegenüber angegeben habe, dass ihr „jedes Telefonklingeln“ Angst
mache. Auch beim Besuch der Psychotherapie verspüre sie starke Ängste, weil der
Weg zur Praxis keine Fenster habe und sehr eng sei.
A.g Am 22. März 2011 wurde die Versicherte durch RAD-Arzt Dr. med. D._,
Facharzt für Herzchirurgie, untersucht (Bericht vom 22. März 2011, IV-act. 27). Als
Diagnosen gab er einen Status nach HWS-Distorsionstrauma vom 22. April 2010
(richtig: 23. April 2010), ein konsekutiv cervicocephales bis cervicobrachiales Syndrom,
ein leichtes lumbospondylogenes Syndrom, eine schwere posttraumatische
Belastungsstörung mit schwerer depressiver Episode mit Angst und Panikstörungen
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und ein chronisches Schmerzsyndrom an. Die Versicherte habe angegeben, ihre
grösste Angst bestehe darin, erneut in einen Auffahrunfall verwickelt zu werden.
Kürzere Fahrten absolviere sie − unter Schwierigkeiten − selbst. Dr. D._ erklärte, dass
als radiologisch objektivierbares Korrelat eine Diskushernie in Höhe C6/7 mit leichter
Einengung des Neuroforaminaeingangs der Wurzel C7 links vorgelegen habe. Die
Versicherte sei körperlich und seelisch schwerst beeinträchtigt und in jeglicher Tätigkeit
zu 100 % arbeitsunfähig. In der nächsten Zeit sei kein Eingliederungspotential
gegeben. Am 28. März 2011 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit (IV-act. 30), dass
aufgrund ihres Gesundheitszustandes zurzeit keine beruflichen
Eingliederungsmassnahmen möglich seien.
A.h Dr. med. G._, Chefarzt Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG),
berichtete dem Suva-Kreisarzt am 26. Mai 2011 (Fremdakten), er könne bestätigen,
dass bei der Versicherten eine Einengung des Neuroforamens auf dem Niveau HWK6/7
links bestehe. Aufgrund der Anamnese und des Bildbefundes habe er ihr zu einer
operativen Behandlung geraten. Die Versicherte habe sich jedoch noch nicht zu diesem
Eingriff entscheiden können. In der Folge überwies die Suva die Versicherte für eine
Zweitmeinung an Dr. med. H._, Neurologie FMH, der die Versicherte am 18. Juli 2011
untersuchte (Bericht vom 19. Juli 2011, Fremdakten). Er erklärte, dass die Versicherte
bei der Untersuchung die Tasche über die rechte Schulter getragen habe. Eine
Schonhaltung sei nicht beobachtbar gewesen, ausser dass die Versicherte den linken
Arm spontan praktisch nicht bewegt habe. Die Untersuchung sei wegen der
ausgeprägten Schmerzerwartung resp. Schmerzreaktion stark erschwert resp. nicht in
vollem Umfang durchführbar gewesen. Mit Sicherheit handle es sich jedoch nicht um
neurogene, geschweige denn radikuläre Schmerzen. Vielmehr handle es sich um eine
diffuse Schmerzsymptomatik im Nacken, der linken Schulter und dem linken Arm.
Diese sei nicht nur myogen, denn selbst das Abheben einer Hautfalte habe zu einer
Schmerzreaktion geführt. Hierbei handle es sich um einen Hinweis auf einen stark
überlagerten Schmerz. Die MRI-Bilder vom 28. April 2010 hätten einen normalen
Befund gezeigt. Wenn überhaupt bestünden höchstens Bandscheibenprotrusionen; in
der Mittellinie auf Höhe der Bandscheibe verliefen jedoch auch Venenkonvolute, die
eine Bandscheibenprotrusion vortäuschen könnten. Auf Höhe HWK6/7 links bestehe
der Eindruck einer foraminären Bandscheibenvorwölbung; dies sei jedoch
schnittbedingt.
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A.i Dr. E._ hielt in einem undatierten Verlaufsbericht (Eingang IV-Stelle: 20.
Oktober 2011, IV-act. 43) fest, dass die Versicherte wegen der starken Schmerzen im
Nacken- und Schulterbereich links, begleitet von psychovegetativen Beschwerden wie
Übelkeit, Erbrechen bis hin zu kollaptischen Zuständen, in jeglicher Tätigkeit zu 100 %
arbeitsunfähig sei. Bisher sei jeder Versuch, wieder zu arbeiten, gescheitert. Dr. med.
I._, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete der IV-Stelle am
25. November 2011 (IV-act. 48), dass die Versicherte seit April 2010 an einer
posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 Ziff. F43.1) und einer schweren
depressiven Episode (F32.2) leide. Die Versicherte habe berichtet, dass sie seit dem
Auffahrunfall gar nichts mehr machen könne. Ihr Ehemann habe seine Arbeitsstelle
aufgeben müssen, da sie ihre Kinder nicht mehr versorgen könne. Die Versicherte habe
über eine depressive Symptomatik, Antriebsstörungen und einen sozialen Rückzug
berichtet. Sie habe angegeben, dass sie die Zeit am liebsten alleine in ihrem Zimmer
verbringen würde. In der Nacht träume sie oft vom Unfall und höre einschiessend die
Unfallgeräusche. Dies löse Panik bei ihr aus und sie erwache dann schweissgebadet
und kriege wenig Luft. Dr. I._ erklärte, dass die Versicherte wegen der ausgeprägten
depressiven Symptomatik, der Angstsymptomatik sowie der schweren
posttraumatischen Belastungsstörung in jeglichen Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig
sei.
A.j Am 5., 19. und 25. Juni 2012 sowie am 4. Juli 2012 wurde die Versicherte
polydisziplinär (internistisch, neurologisch, rheumatologisch und psychiatrisch) im
Begutachtungszentrum BL (BEGAZ) untersucht (Gutachten vom 24. August 2012, IV-
act. 63). Als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit wurden angegeben:
1. Akzentuierte narzisstische Persönlichkeitszüge (Z73.1);
2. Panikstörung (F41.01) ohne Agoraphobie;
3. mittelgradige depressive Episode (F32.1) mit Regressionstendenz, Selbstlimitierung
und neurotischer Behindertenüberzeugung;
4. anhaltende somatoforme Schmerzstörung sehr wahrscheinlich (F45.4);
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5. cervicogenes Schmerzsyndrom mit Generalisierungstendenz (cervicocephal, links
cervicobrachial, panvertebral und lumboischialgiform):
- MRT HWS mit Discopathie C6/7 links, anamnestisch und klinisch ohne Nachweis
eines radikulären Syndroms;
- Status nach Verkehrsunfall (PKW-Heckkollision) vom 23. April 2010 mit HWS-
Distorsion;
- im Vordergrund stehende funktionelle Überlagerung bei somatoformer Störung.
Keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten u.a. die folgenden Diagnosen:
6. Muskuläre Dysbalance am Schultergürtel bds.;
7. ansatztendinotische Beschwerden am medialen Beckenkamm bds.;
8. periarthropathische Schulterbeschwerden links mehr als rechts mit ausgeprägter
Funktionseinbusse und Bewegungseinschränkung der linken Schulter und des linken
Armes ohne Muskelatrophie bei atypischer Schmerzlokalisation (am ehesten im
Rahmen der Schmerzfehlverarbeitung);
9. Chrondrose BWK7 bis BWK9, Diskusprotrusion BWK6/7 und Chondrose
BWK11/12 und diskrete Keilform der Wirbelkörper BWK7 und BWK8 (gemäss MRT der
BWS vom 11. August 2010).
Dr. med. J._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt fest, die Versicherte
habe geschildert, dass sie nach dem Unfall die ganze Zeit Ängste verspürt habe. Sie
habe Angst vor allem, dass jemand da stehe, oder dass sie denke, jemand sei hinter
ihr. Wenn sie an einer Kasse anstehe, müsse sie sich umdrehen können, da sie Angst
habe, jemand könnte „zupacken“. Auch zuhause habe sie Ängste, z.B. Angst vor dem
Einschlafen. Sie sei extrem schreckhaft, weswegen sie die Türen offen lassen müsse.
Sie müsse die Türen der Kinder offen lassen, weil sie Angst habe, dass sie etwas nicht
mitbekomme. Auch in der Nacht werde sie von Ängsten heimgesucht, beispielsweise
dass sie in einem Zimmer sei und nicht mehr rauskomme. Nachts seien die Ängste
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extrem. Sie habe Angst, die Kontrolle zu verlieren, sie müsse immer den Überblick
behalten. Die Versicherte habe weiter berichtet, dass sie die Kinder, den Lärm und die
Turbulenzen nicht mehr ertrage. Sie mache nichts mehr mit ihren Kindern. Mit der
Familie habe sie keine Freude und Lust mehr. Alles habe an Wert verloren. Sie fahre
noch Auto, aber nur im Dorf und wenn es ihr gut gehe, d.h. nur wenn sie keinen
Schwindel und ein bisschen Antrieb habe. Sie habe keine Lust und keinen Antrieb
mehr, alles mache sie müde. Die Schmerzen würden eher zunehmen als abnehmen,
nichts helfe. Sie könne nicht mehr arbeiten. Es gelinge ihr nicht einmal mehr, sich fertig
zu machen, zuhause alles bereitzustellen, das Mittagessen vorzubereiten und ins Auto
zu steigen. Dr. J._ erklärte u.a., dass die Versicherte − obwohl sie über multiple
Ängste berichtet habe − klinisch überhaupt nicht einen ängstlichen, sondern eher einen
etwas fordernden Eindruck gemacht habe. Auch habe sie die nächtlichen
Angstzustände ihm gegenüber völlig anders beschrieben als gegenüber Dr. I._. Die
Versicherte habe eine leichte bis mittelgradige Depressivität gezeigt, wobei diese nicht
schwerst ausgeprägt gewesen sei. Eine schwerwiegende Depressivität könne aufgrund
ihres Antriebsverhaltens, ihrer Art und Weise der Kommunikation und ihrer Tendenz,
Rückfragen zu stellen und etwas zu hinterfragen, nicht diagnostiziert werden. Die
Versicherte sei durchwegs dysphorisch und ernst gewesen und habe keine
wesentlichen Störungen der Vitalgefühle gezeigt. Ausserdem hätten Hinweise auf eine
neurotische Persönlichkeitsakzentuierung mit Konflikten auf der Ebene Abhängigkeit
und Autonomie bestanden. Die mnestischen Funktionen seien soweit intakt gewesen.
Die Aufmerksamkeits- und Merkfähigkeit seien, was die Kommunikationsfähigkeit
anbelange, sehr gut gewesen. Die Depressivität stehe seines Erachtens eher im
Hintergrund. Im Vordergrund stehe eine schwere unbewusste Angstentwicklung, deren
Ursache und Hintergründe der Versicherten aktuell noch verborgen seien. Die
Versicherte habe anlässlich des Gesprächs von einer Kindsrolle gesprochen, in die sie
manchmal gerate. Diese habe sie in der Untersuchung jedoch nie gezeigt. Zeitweilig
habe eine histrionische Inszenierung ihrer appellativen Hilflosigkeit ausgemacht werden
können. Eine gewisse Diskrepanz sei dabei offensichtlich gewesen. Während die
Versicherte hilflos und sich aufgebend imponiert habe, seien auf der
Kommunikationsebene auch deutlich aufmüpfig-trotzige Äusserungen wie „lasst mich
doch in Ruhe, ich will nicht mehr“, „was wollt ihr eigentlich?“ etc. gefallen. Allerdings
würde er diese psychogene Reaktion in diesem Ausmass nicht nur einem
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Rentenbegehren zuordnen; dies wäre zu einfach und dazu sei diese Reaktion viel zu
regressiv, zu maligne und psychiatrisch auch etwas bizarr auffällig gewesen. Dr. J._
hielt sodann fest, dass der Auffahrunfall sicher kein Ereignis von aussergewöhnlicher
Bedrohung und auch kein emotionales Ereignis von katastrophalem Ausmass gewesen
sei. Eine posttraumatische Belastungsstörung könne deshalb nicht diagnostiziert
werden. Dr. J._ kam zum Schluss, dass es der Versicherten aufgrund der
Psychopathologie und der Klinik medizinisch-theoretisch zumutbar wäre, mehr
Anstrengungen aufzubringen, um wieder ihre Sozialkompetenz anzugehen und wieder
mehr Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen. Vor diesem
Hintergrund wäre der Versicherten auch eine berufliche Rehabilitation zumutbar.
Allerdings sei das Ausmass der Angstreaktion und der depressiven Fehlentwicklung
aktuell dermassen ausgeprägt, dass sie in ihrem Zustand nur erschwert einem
Arbeitgeber zumutbar wäre, weil sie sich auch an einem Arbeitsplatz gehen lassen
würde. Deshalb müsse eine Teilarbeitsunfähigkeit angenommen werden. Die
Versicherte sei vermindert belastbar und wegen ihren Ängsten vermindert
stressbelastungsfähig. Sie sei nicht in jedem Team und an jedem Arbeitsplatz
einsetzbar. Am besten sollte sie im rückwärtigen Raum für sich selbst arbeiten können,
ohne zu viele interpersonelle Kontakte. Sie sei auch deutlich verlangsamt und
umständlich und kaum mehr genug flexibel, um auf die heutigen wechselhaften und
stresshaften Arbeitsumstände adäquat reagieren zu können. Aus psychiatrischer Sicht
könne medizinisch-theoretisch maximal eine Teilarbeitsunfähigkeit von 50 %
angenommen und begründet werden. Dr. med. K._, Facharzt FMH für Neurologie,
hielt in seinem Teilgutachten fest, dass die Versicherte über Schmerzen im Nacken, in
den Schultern, im Hinterkopf und in der Wirbelsäule geklagt habe. Die Schmerzen
seien permanent vorhanden, die Intensität jedoch unterschiedlich. Auf der VAS habe
die Versicherte eine durchschnittliche Schmerzintensität von 6 angegeben, ca. drei- bis
viermal pro Woche komme es zu Schmerzspitzen bis 10 („und darüber hinaus“). Dr.
K._ erklärte, dass sich klinisch-neurologisch kein radikuläres Reiz- und
Ausfallsyndrom habe feststellen lassen. Auch eine sonstige spezifische neurologische
Funktionsstörung habe nicht objektiviert werden können. Die Untersuchung der
Wirbelsäule, insbesondere der HWS, habe sich schwierig gestaltet. Ebenso habe sich
bei der Kraftprüfung eine deutliche Wechselinnervation mit schmerzbedingtem Giving-
Way gezeigt. Die Beschwerdeschilderung sei weitgehend unspezifisch und
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undifferenziert gewesen. Abgesehen von einer generell belastungsabhängigen
Schmerzakzentuierung hätten sich keine schmerzmodifizierenden Faktoren eruieren
lassen. Es sei davon auszugehen, dass der Auffahrunfall geeignet gewesen sei, ein
craniocervicales Beschleunigungstrauma mit resultierendem cervicogenem
Schmerzsyndrom auszulösen. Für die von Anfang an eingetretene
Schmerzchronifizierung seien jedoch in erster Linie die negative Erwartungshaltung und
die Schmerzfehlverarbeitung verantwortlich. Aus neurologischer Sicht fänden sich
keine Faktoren und Befunde, die den protrahierten Beschwerdeverlauf mit
unvermindert anhaltendem und invalidisierendem Schmerzsyndrom auf einer
somatischen Grundlage erklären liessen. In keinem aktenkundigen Bericht seien
neurologische Ausfälle dokumentiert worden. Eine namhafte Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Mitarbeiterin in der F._ AG lasse
sich daher nicht begründen. Da davon auszugehen sei, dass das auslösende
Unfallereignis vom Mechanismus her durchaus geeignet gewesen sei, ein cervicogenes
Schmerzsyndrom auszulösen, könne vom Unfallzeitpunkt, d.h. vom 23. April 2010, bis
zum Zeitpunkt des Austritts aus der Rehaklinik Valens am 15. Dezember 2010 eine 100
%ige Arbeitsunfähigkeit bestätigt werden. Im Anschluss an den Klinikaustritt sei
retrospektiv im Sinne einer arbiträren Einschätzung für ca. vier Wochen noch von einer
50 %igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Danach habe wieder eine volle
Arbeitsfähigkeit bestanden. Im Zweifelsfalle könne eine residuelle schmerzbedingte
Leistungseinschränkung von maximal 20 % attestiert werden. Dr. med. L._, Facharzt
FMH für Rheumatologie, führte in seinem Teilgutachten aus, die Versicherte habe
angegeben, dass ihre Schmerzintensität auf einer Skala von 0 bis 10 an beiden Armen
oft über 10 betrage. Sport betreibe sie nicht. Sie liege viel herum, um ihre Schultern
und die Wirbelsäule zu entlasten. Dr. L._ hielt weiter fest, dass bei der klinischen
Untersuchung die Zeichen einer Schmerzfehlverarbeitung resp. einer
Symptomausweitung deutlich im Vordergrund gestanden seien. Es habe sich eine
nahezu ubiquitäre Druckdolenz gefunden, wobei speziell im Bereich der Hals- und
Brustwirbelsäule sogar Berührungsschmerzen der Haut vorhanden gewesen seien. Die
Versicherte habe auch über erhebliche funktionelle Einbussen bezüglich Beweglichkeit
und Belastbarkeit geklagt, was sich auch in der klinischen Untersuchung mit der
verminderten Beweglichkeit der Wirbelsäule gezeigt habe. Demgegenüber müsse aber
auch festgehalten werden, dass die Versicherte ein gepflegtes Erscheinungsbild
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aufgewiesen habe, dass insbesondere z.B. die Zehennägel geschnitten und auch die
Haare an den Unterschenkeln entfernt gewesen seien. Auf Nachfrage habe sie
angegeben, dass sie diese Arbeiten selber ausführen könne. Die eigentlichen, den
rheumatologischen Fachbereich betreffenden objektiven Befunde seien klinisch nicht
relevant ausgeprägt gewesen. Allerdings habe der Tonus der Muskulatur stellenweise
gar nicht exakt beurteilt werden können, da bereits ein Berührungsschmerz der Haut im
Sinne einer Schmerzfehlverarbeitung vorhanden gewesen sei. Zusammenfassend
bestünden bei geringgradigen bildgebenden Veränderungen ohne entsprechende Klinik
überwiegend klinische Befunde, die im Sinne einer Schmerzfehlverarbeitung resp.
Symptomausweitung zu interpretieren seien. Diese Befunde entsprächen nicht einem
rheumatologischen Krankheitsbild und würden in der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
entsprechend nicht berücksichtigt. Aufgrund der aus den Akten ersichtlichen klinischen
Befunde müsse bereits zwei Monate nach dem Unfallgeschehen von einem
überwiegend nicht-somatischen Schmerzerleben ausgegangen werden. Ab diesem
Zeitpunkt seien der Versicherten aus rheumatologischer Sicht sämtliche Tätigkeiten
wieder zumutbar gewesen. In polydisziplinärer Hinsicht schätzten die Gutachter die
Arbeitsunfähigkeit in der angestammten wie auch in einer adaptierten Tätigkeit ab dem
Unfallzeitpunkt (23. April 2010) bis zum Zeitpunkt des Austritts aus der Rehaklinik
Valens am 15. Dezember 2010 auf 100 %. Ab dem 16. Dezember müsse aus
psychiatrischer Sicht eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit attestiert werden.
A.k Dr. med. M._, Leiterin der Tagesklinik des Psychiatrischen Zentrums N._,
gab im Austrittsbericht vom 30. Juli 2012 an (IV-act. 65), dass die Versicherte an einer
schweren depressiven Episode (F32.2), einer posttraumatischen Belastungsstörung
(F43.1) und einem Verdacht auf eine akzentuierte Persönlichkeit mit narzisstischen
Zügen leide. Die Versicherte sei vom 26. März bis 12. Juli 2012 an drei Tagen pro
Woche in der Tagesklinik behandelt worden. Sie leide an einer komplexen,
chronifizierten Symptomatik, bestehend hauptsächlich aus depressiven Symptomen
sowie Angstsymptomen, vor allem im Rahmen bzw. als Folge der posttraumatischen
Belastungsstörung, die die Versicherte im Rahmen des Unfalls erlitten habe. Es habe
sich auch gezeigt, dass die Versicherte mit ihrer Lebenssituation unzufrieden sei und
oft, v.a. in ihrer Mutterrolle, überfordert sei. Die Versicherte sei in einem stabilen
Gesamtbild mit einer leicht verbesserten Selbstwahrnehmung entlassen worden. Der
Austritt sei auf Wunsch der Versicherten erfolgt.
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A.l RAD-Arzt Dr. med. O._ notierte am 20. November 2012 (IV-act. 74), dass das
Gutachten umfassend und die Untersuchungsergebnisse und Schlussfolgerungen aus
medizinischer Sicht grundsätzlich nachvollziehbar seien.
A.m Mit Vorbescheid vom 9. Januar 2013 (IV-act. 85) kündigte die IV-Stelle der
Versicherten bei einem IV-Grad von 16 % die Abweisung des Rentengesuchs an. Zur
Begründung führte sie an, bei der Versicherten liege eine Überforderungssituation vor
(Doppelrolle Mutter/Hausfrau und Arbeitnehmerin). Durch diese Überforderung sei sie
„ausgebrannt“. Hierbei handle es sich jedoch um psychosoziale Belastungsfaktoren,
die für sich allein nicht invalidisierend seien. Es ergäben sich keine Hinweise, dass sich
die diagnostizierten psychischen Leiden nicht im Wesentlichen aus der nicht
objektivierbaren Schmerzproblematik und der belastenden psychosozialen Situation
ableiteten. Daher sei aus psychiatrischer Sicht von einer vollen Arbeitsfähigkeit
auszugehen. Dagegen liess die Versicherte am 13. Februar 2013 einwenden (IV-act.
88), dass der Auffahrunfall Auslöser der gesundheitlichen Probleme gewesen sei; die
psychosozialen Belastungsfaktoren stünden im Hintergrund. Die depressive Störung
sei als ein von der psychosomatischen Problematik getrenntes Geschehen zu
betrachten. Insgesamt sei die Teilarbeitsunfähigkeit von 50 % nachvollziehbar
begründet worden, weshalb auf sie abzustellen sei.
A.n Mit Verfügung vom 21. März 2013 (IV-act. 95) wies die IV-Stelle das
Rentengesuch aus dem im Vorbescheid angegebenen Gründen ab. Zum Einwand hielt
sie ergänzend fest, dass die mittelgradige Depression auch nicht invalidisierend wäre,
wenn sie in keinem Zusammenhang mit einem syndromalen Leiden stünde. Aufgrund
des relativ harmlosen psychiatrischen Befundes sei eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit
nicht einleuchtend. Hinzu kämen die psychosozialen Belastungsfaktoren, die einen
erheblichen Einfluss auf das präsentierte Beschwerdebild hätten. Da sich die
psychischen Leiden im Wesentlichen aus der nicht objektivierbaren
Schmerzproblematik und der belastenden psychosozialen Situation ableiteten, bestehe
aus psychiatrischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit.
B.
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B.a Gegen diese Verfügung liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
am 19. April 2013 Beschwerde erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die
Aufhebung der Verfügung und die Zusprache einer halben Rente. Zur Begründung
machte er zusammengefasst geltend, dass die Einschätzung der IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) vor dem Hintergrund des BEGAZ-Gutachten
schlicht unhaltbar und auf das Gutachten abzustellen sei.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 3. Juni 2013 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4).
B.c Die Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Replik (act. G 6).
B.d Am 25. März 2015 reichte die Beschwerdegegnerin diverse Unterlagen der
Generali Allgemeine Versicherungen AG ein (act. G 8). Es handelte sich dabei um eine
medizinische Aktenbeurteilung vom 30. Dezember 2011 durch Dr. med. P._, Facharzt
Innere Medizin (act. G 8.1.3), um einen Observationsbericht (act. G 8.1.1) und um eine
versicherungsmedizinische Stellungnahme zum Observationsbericht (act. g 8.1.2).
Dr. P._ hatte in seiner Aktenbeurteilung (act. G 8.1.3) festgehalten, dass es infolge
des Unfallereignisses nicht zu einer strukturell-organischen Läsion gekommen sei, die
radiologisch hätte objektiviert werden können. Eine vorübergehende Verschlimmerung
bei vorbestehender Degeneration der HWS sei hingegen überwiegend wahrscheinlich.
Aus somatischer Sicht sei der Status quo sine bei der Untersuchung an der Rehaklinik
Bellikon (24. Juni 2010) eingetreten gewesen. In psychiatrischer Hinsicht seien
verschiedene Diagnosen gestellt worden, die eigentliche Diagnose sei letztlich unklar
geblieben. Die Therapie-Compliance hinsichtlich der psychopharmakologischen
Therapie sei überaus fraglich. Zu keinem Zeitpunkt seien unangekündigte
Serumspiegelkontrollen durchgeführt worden. Bei der wie auch immer gearteten
psychischen Störung handle es sich seines Erachtens um einen Auswuchs einer
erheblichen psychosozialen Belastung. Die Beschwerdeführerin sei die Versorgerin
ihrer sechsköpfigen Familie gewesen. Der arbeitslose Ehemann sei mit der Betreuung
von vier Kindern überfordert. Die während einiger Wochen nach dem Unfallereignis
glaubhaft bestehenden körperlichen Beschwerden hätten die Beschwerdeführerin
augenscheinlich stark verunsichert und die ökonomische Situation und finanzielle
Zukunft prekär erscheinen lassen. Eine Begehrenshaltung gegenüber den
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Versicherungen sei sicher in diesem Zeitraum entstanden. Die wiederholt aktenkundig
erwähnte unauflösbare Verknüpfung der psychischen Situation mit dieser prekären
sozialen Situation weise auf eine andere Genese als eine allfällige psychische
Fehlverarbeitung von Schmerzen infolge des Unfallgeschehens hin. Seines Erachtens
hänge die psychische Störung nicht mit dem Unfallgeschehen zusammen, zumal auch
das Beschwerdebild von der Beschwerdeführerin bereits relativ früh im Verlauf
mehrfach in theatralischer Weise aggraviert und teilweise sogar unglaubhaft
vorgetragen worden sei. Hier stünden also überwiegend wahrscheinlich andere
Ursachen, namentlich eine schwere Überforderung durch eine unbefriedigende
häusliche Situation, die mangelnde Anpassungsfähigkeit infolge fehlender sozialer
Ressourcen und möglicherweise auch akzentuierte Persönlichkeitszüge, im
Vordergrund. Eine unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit sei bis und mit
Untersuchungstermin in Bellikon (24. Juni 2010) nachvollziehbar. Im
Observationsbericht (act. G 8.1.1) wurde ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin im
Zeitraum 29. April bis 15. Juni 2013 während insgesamt fünf Tagen überwacht worden
sei. Bei der Beschwerdeführerin sei zu keiner Zeit eine körperliche Beeinträchtigung
oder die Einnahme einer Schonhaltung beobachtet worden. Insbesondere im Bereich
des Nackens, des Kopfes und der linken Schulter hätten keine Einschränkungen
festgestellt werden können. Im Weiteren seien keine Anzeichen von Depressionen,
Angst oder Panikstörungen zu beobachten gewesen. Die Beschwerdeführerin habe
sich mit verschiedenen Personen unauffällig bzw. normal unterhalten und an den
Unterhaltungen aktiv teilgenommen. Sie habe sich u.a. mit Eltern, die ihre Kinder
ebenfalls zum Schulbus begleitet hätten, unterhalten. Die Beschwerdeführerin habe
sich an vier Tagen am Vormittag und Nachmittag ausserhalb ihres Wohnortes
aufgehalten. Dabei habe sie an drei Tagen ein Fitnessstudio aufgesucht. Dort habe sie
verschiedene Geräte für Konditions- und Kraftübungen benutzt. Weiter habe sie, alleine
und in Begleitung eines Kindes und zweier Frauen, Einkäufe getätigt. Die
Beschwerdeführerin sei immer wieder dabei gesehen worden, wie sie ihre Tochter zu
Fuss zum Sammelplatz des Schulbusses gebracht habe und sie dort teilweise wieder
abgeholt habe. Die Beschwerdeführerin habe den Personenwagen sicher und ohne
Auffälligkeiten gelenkt. Wende- und Parkmanöver habe sie präzise und zügig
ausgeführt. Das Ein- und Aussteigen aus dem Fahrzeug sei fliessend und normal
erfolgt. Drehbewegungen mit dem Kopf nach links und rechts habe die
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Beschwerdeführerin, soweit sichtbar, ohne erkennbare Schwierigkeiten ausgeführt. Die
Observationsergebnisse wurden Dr. med. Q._, Fachärztin für Physikalische Medizin
und Rehabilitation FMH, und Dr. med. R._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, zur
versicherungsmedizinischen Stellungnahme vorgelegt (act. g 8.1.2). Dr. Q._ hielt fest,
dass im Rahmen der Videoüberwachung keinerlei Funktionseinschränkungen des
Haltungs- und Bewegungsapparates, insbesondere auch der HWS und beider
Schultergelenke, nachvollzogen werden könnten. Es bestehe somit eine eklatante
Diskrepanz zwischen den objektivierbaren Befunden und den von der
Beschwerdeführerin angegebenen Beschwerden. Dr. R._ erklärte, dass sich die
Beschwerdeführerin auf den Überwachungsvideos angemessen präsentiert und
„unauffällig“ gewirkt habe. Konzentrationsstörungen seien wenig wahrscheinlich, zumal
die Beschwerdeführerin mehrfach mit dem Auto gefahren sei, mit anderen Personen
interagiert und eingekauft habe. Diese Aktivitäten setzten eine angemessene
Konzentration voraus; insbesondere das Autofahren mit mehreren Fahrgästen weise
darauf hin, dass die Beschwerdeführerin durchaus in der Lage sei, Verantwortung zu
übernehmen. Zudem sei es ihr offenbar möglich, soziale Kontakte zu pflegen, sich um
ihr Kind zu kümmern resp. dieses zu begleiten, in verschiedenen Märkten einzukaufen
sowie Sport in einem Fitness-Zentrum zu treiben, in dem sich mehrere weitere
Personen aufhielten. Eine erheblich ausgeprägte Depressivität oder eine Ängstlichkeit
sei nicht sichtbar gewesen. Auch eine Antriebsstörung resp. Minderung der Aktivitäten
sei nicht feststellbar gewesen. Die Überlegungen von Dr. P._ seien daher
nachvollziehbar. Insbesondere sei das Vorliegen einer erheblichen psychosozialen
Belastung, wie sie u.a. im BEGAZ-Gutachten geschildert worden sei, denkbar. Es sei
daher von einer erheblichen psychopathologischen Stabilisierung auszugehen.
B.e Am 18. Mai 2015 nahm der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin Stellung zu
den neu eingereichten Unterlagen (act. G 12). Er machte geltend, dass die
Überwachung erst nach Verfügungserlass erfolgt sei und die Observationsergebnisse
deshalb nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bilden könnten. Zudem sei
nicht belegt, dass ein hinreichend begründeter Anfangsverdacht für die Observation
bestanden habe und ob die Observation verhältnismässig gewesen sei. Weiter lasse
sich anhand der Videoaufnahmen sicherlich nicht feststellen, dass die
Beschwerdeführerin nicht an einer psychiatrischen Gesundheitsbeeinträchtigung mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit leide. Die versicherungspsychiatrische Auswertung
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von Dr. R._ sei unbrauchbar, da er die Beschwerdeführerin selber nicht klinisch
untersucht habe. Auffallend sei im Übrigen der durchwegs verschlossene
Gesichtsausdruck der Beschwerdeführerin auf den Videoaufnahmen. Des Weiteren
führe Dr. Q._ weder in Basel noch in Zürich eine Praxis, weshalb ihre klinische
Erfahrung auf dem von ihr beurteilten Fachgebiet unklar sei. Und schliesslich habe sich
Dr. P._ auch zum psychischen Gesundheitszustand geäussert, obwohl es sich bei
der Psychiatrie nicht um sein Fachgebiet handle. Einem beigelegten Bericht der Klinik
S._ vom 2. Juli 2014 (act. G 12.1) war zu entnehmen, dass sich die
Beschwerdeführerin vom 21. April bis 17. Mai 2014 in stationärer Behandlung befunden
hatte. Als Diagnosen waren eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode (F33.1) und eine posttraumatische Belastungsstörung (F43.1)
angegeben worden. Das Ziel des Klinikaufenthaltes sei eine medikamentöse
Neueinstellung bei bekanntem Panvertebralsyndrom und Zunahme der depressiven
Symptomatik gewesen. Die zuletzt eingenommene Medikation habe die
Beschwerdeführerin wegen unangenehmer Nebenwirkungen im September
vergangenen Jahres selbständig abgesetzt. Die Beschwerdeführerin sei bezüglich des
stationären Aufenthaltes hochambivalent gewesen, da sie der Ansicht gewesen sei,
dadurch ihre Pflichten als Mutter und Ehefrau zu vernachlässigen. Die jahrelang
bestehende Einschränkung sowie die Arbeitslosigkeit des Ehemannes hätten zu
Beziehungskonflikten und zu wenig Bereitschaft zu einer weiteren Behandlung geführt.
Im Konflikt mit ihrer Mutterrolle habe sich die Beschwerdeführerin am 17. Mai 2014 für
einen Klinikaustritt entschieden.
B.f Die Beschwerdegegnerin liess sich nicht mehr vernehmen (vgl. act. G 13)
B.g Am 21. Juli 2015 räumte das Gericht den Parteien die Gelegenheit ein, im
Hinblick auf die Rechtsprechungsänderung des Bundesgerichts zu den somatoformen
Schmerzstörungen und vergleichbaren Leiden Stellung zu nehmen (act. 14 f.).
B.h Die Beschwerdegegnerin erklärte am 24. Juli 2015 (act. G 16), dass die
Praxisänderung keinen Anlass biete, die Beurteilung in der Beschwerdeantwort zu
revidieren. Da die Beschwerdeführerin eine erhebliche Aggravation gezeigt habe,
müsse von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Hinzu komme, dass die
psychosozialen Belastungsfaktoren einen erheblichen Einfluss auf das präsentierte
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Beschwerdebild hätten. Diese müssten auch nach der neuen Rechtsprechung bei der
Bemessung der Invalidität ausgeklammert bleiben.
B.i Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin liess sich nicht vernehmen.

Erwägungen
1.
1.1 Mit der angefochtenen Verfügung vom 21. März 2013 hat die
Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin bei einem
Invaliditätsgrad von 16 % abgelehnt. Strittig ist demnach, ob die Beschwerdeführerin
einen Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
1.2 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist gemäss
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere
Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der
durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.3 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist der Invaliditätsgrad
grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
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gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
2.
2.1 Das ausschlaggebende Element des Einkommensvergleichs ist in aller Regel die
Arbeitsfähigkeit bzw. die Arbeitsunfähigkeit einer versicherten Person. Deshalb ist als
Erstes zu prüfen, ob die Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht: In
somatischer Hinsicht hat die Beschwerdeführerin insbesondere starke Schmerzen im
Nacken, in den Schultern, in den Armen und in der Wirbelsäule sowie starke
Kopfschmerzen geltend gemacht. Der neurologische Gutachter der BEGAZ hat
anlässlich der Untersuchung am 19. Juni 2012 weder ein radikuläres Reiz- oder
Ausfallsyndrom noch eine sonstige spezifische neurologische Funktionsstörung
feststellen können. Zum selben Ergebnis sind die Neurologen Dr. B._ (Untersuch vom
31. August 2010) und Dr. H._ (Untersuch 18. Juli 2011) gekommen. Der BEGAZ-
Gutachter hat der Beschwerdeführerin aus neurologischer Sicht deshalb ab Mitte
Januar 2011 eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit attestiert. Darauf ist abzustellen. Der
rheumatologische BEGAZ-Gutachter hat erklärt, dass die den rheumatologischen
Fachbereich betreffenden objektiven Befunde klinisch nicht relevant und die
bildgebenden Veränderungen geringgradig ausgeprägt gewesen seien. Aus
rheumatologischer Sicht müsse daher bereits zwei Monate nach dem Unfallgeschehen
von einer 100 %igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Demgegenüber hat RAD-
Arzt Dr. D._ der Beschwerdeführerin am 22. März 2011 weiterhin eine 100 %ige
Arbeitunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit attestiert und erklärt, dass mit der Diskushernie
in der Höhe C6/7 mit leichter Einengung des Neuroforaminaeingangs der Wurzel C7
links ein radiologisch objektivierbares Korrelat vorhanden sei. Der rheumatologische
Gutachter hatte die Diskushernie C6/7 in seiner Arbeitsfähigkeitsschätzung
berücksichtigt (siehe IV-act. 63-77). Somit handelt es sich bei der Einschätzung des
rheumatologischen Gutachters einerseits und derjenigen von Dr. D._ andererseits um
unterschiedliche Beurteilungen desselben medizinischen Sachverhalts. Dr. D._ ist
kein Facharzt für Rheumatologie (oder Neurologie), sondern ein Herzchirurg. Da davon
auszugehen ist, dass ein Rheumatologe die Auswirkungen einer Diskushernie auf die
Arbeitsfähigkeit besser einschätzen kann als ein Herzchirurg, ist auf die
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Arbeitsfähigkeitsschätzung des rheumatologischen BEGAZ-Gutachters abzustellen. Die
Beschwerdeführerin ist somit aus somatischer Sicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit ab Mitte Januar 2011 wieder zu 100 % arbeitsfähig gewesen.
2.2 Der psychiatrische BEGAZ-Gutachter hat als Diagnosen mit Auswirkungen auf
die Arbeitsfähigkeit akzentuierte narzisstische Persönlichkeitszüge, eine Panikstörung
ohne Agoraphobie und eine mittelgradige depressive Episode mit Regressionstendenz,
Selbstlimitierung und neurotischer Behindertenüberzeugung angegeben. Zudem leide
die Beschwerdeführerin sehr wahrscheinlich an einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung. Die schwere, unbewusste Angstentwicklung stehe dabei im
Vordergrund. Die Arbeitsunfähigkeit hat er auf maximal 50 % festgelegt. Als Gründe hat
er eine verminderte Belastbarkeit, eine verminderte Stressbelastungsfähigkeit wegen
der Ängste, eine deutliche Verlangsamung und Umständlichkeit sowie eine
ungenügende Flexibilität angegeben. Die Einschätzung des BEGAZ-Gutachters
überzeugt aus den folgenden Gründen nicht:
2.2.1 Erstens hat BEGAZ-Gutachter Dr. J._ die Diagnose einer Panikstörung
nicht schlüssig begründet. Die Beschwerdeführerin hatte ihm gegenüber sehr
unspezifische Ängste geltend gemacht (Angst vor allem, Angst davor, dass jemand
hinter ihr stehe und „zupacken“ könnte, Angst, dass sie nicht mehr aus dem Zimmer
hinauskomme etc.). Zudem besteht eine Diskrepanz zwischen ihren Angaben
gegenüber Dr. J._ und denjenigen gegenüber den anderen Ärzten. So hat Dr. J._
selbst festgestellt, dass die Beschwerdeführerin ihm gegenüber die nächtlichen
Angstzustände völlig anders beschrieben hatte als gegenüber Dr. I._. Gegenüber
letzterer hatte die Beschwerdeführerin nämlich angegeben, vom Auffahrunfall zu
träumen und dadurch in Panik zu geraten. Auch sog. Flashbacks, die sie gegenüber
der Rehaklinik Bellikon angegeben hatte, hat sie bei der BEGAZ-Untersuchung nicht
erwähnt. Ebenso hat sie gegenüber Dr. J._ nicht geäussert, Angst vor einem
erneuten Auffahrunfall zu haben. Diese Angst hat sie gegenüber Dr. D._ noch als ihre
grösste Angst bezeichnet. Gegenüber Dr. E._ hat die Beschwerdeführerin wiederum
andere Ängste geltend gemacht. Sie verspüre jedes Mal, wenn sie zur Psychotherapie
bei Dr. I._ gehe, starke Ängste, weil der Weg zur Praxis keine Fenster habe und sehr
eng sei; zudem mache ihr jedes Klingeln des Telefons Angst. Weiter ist es für einen
medizinischen Laien nicht nachvollziehbar, weshalb die Beschwerdeführerin durch den
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Auffahrunfall diverse, unspezifische Ängste entwickelt haben soll, jedoch die
eigentliche Verrichtung, die Auslöser dieser Ängste gewesen ist und die nach wie vor
eine reale Gefahr darstellt, nämlich das Autofahren, bereits weniger als einen Monat
nach dem Unfall wieder selbständig ausgeübt hat (siehe Erhebungsblatt für die
Abklärung von HWS-Fällen vom 19. Mai 2010, Fremdakten). Die Angst, erneut in einen
Unfall verwickelt zu werden, hat sie also offenbar überwinden können oder bestand
damals (noch) nicht. Zwar ist es möglich, dass eine derartige Entwicklung medizinisch
erklärbar ist, aber dieser Aspekt hätte im psychiatrischen Teil des Gutachtens diskutiert
werden müssen. Die Beschwerdeführerin hat auf Dr. J._ klinisch überhaupt keinen
ängstlichen, sondern einen eher etwas fordernden Eindruck gemacht. Seine Diagnose
beruht somit einzig auf den unspezifischen und teilweise inkonsistenten Angaben der
Beschwerdeführerin. Hinzu kommt, dass weder die behandelnde Psychiaterin Dr. I._
noch Dr. M._ vom Psychiatrischen Zentrum N._ eine Panikstörung diagnostiziert
haben. Unter Berücksichtigung aller Aspekte ist nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Beschwerdeführerin an einer
Panikstörung leidet oder gelitten hat.
2.2.2 Zweitens hat BEGAZ-Gutachter Dr. J._ eine mittelgradige depressive
Episode diagnostiziert. Hier fällt auf, dass er bei der klinischen Untersuchung eine
leichte bis mittelgradige Depressivität festgestellt hat. Bei den Diagnosen hat er dann
nur noch von einer mittelgradigen Depressivität gesprochen. Für einen medizinischen
Laien macht es zudem den Anschein, als seien die depressionsspezifischen klinischen
Befunde bei der Untersuchung nicht erheblich ausgeprägt gewesen (siehe IV-act.
63-31 f.; der Gutachter hat nämlich keine Antriebslosigkeit, keine wesentlichen
Störungen der Vitalgefühle und intakte mnestische Funktionen festgestellt). Dr. J._
hat denn auch erklärt, dass die depressive Symptomatik „im Hintergrund“ stehe. In den
Akten wird immer wieder darauf hingewiesen, dass eine erhebliche psychosoziale
Belastungssituation vorliege (siehe Berichte der Rehaklinik Bellikon, von Dr. B._, Dr.
P._ und Dr. R._). Dr. J._ hat es jedoch unterlassen, sich in seiner Beurteilung mit
diesen psychosozialen Belastungsfaktoren und ihrer Auswirkung auf die Schwere und
den Fortbestand der Depression auseinanderzusetzen.
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2.2.3 Drittens hat der BEGAZ-Gutachter Dr. J._ den Verdacht auf eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung angegeben. Er hat diese Diagnose unter den
Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit aufgelistet (IV-act. 63-94).
Allerdings ist unklar, inwieweit er ihr einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
beigemessen hat. Das Bundesgericht hat in BGE 141 V 281, mit welchem es seine
Praxis zu den somatoformen Schmerzstörungen und vergleichbaren
psychosomatischen Leiden geändert hat, darauf hingewiesen, dass die schweizerische
Versicherungspraxis die grundlegenden Merkmale nach ICD-10 Ziff. 45.40 über weite
Strecken nicht beachte; die Diagnose einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung finde meistens ohne ausreichenden Bezug auf die funktionserhebliche
Befundlage Eingang in ärztliche Berichte und Gutachten. Vermutlich werde deutlich zu
häufig eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert (Erw. 2.1.1).
Soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung
beruhe, liege regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor. Hinweise auf
solche und andere Äusserungen eines sekundären Krankheitsgewinns ergäben sich
namentlich, wenn eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen
und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese bestehe, wenn intensive Schmerzen
angegeben würden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibe, wenn keine
medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen werde, wenn
demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirkten
und wenn schwere Einschränkungen im Alltag behauptet würden, das psychosoziale
Umfeld jedoch weitgehend intakt sei (Erw. 2.2.1). Vor dem Hintergrund der von den
behandelnden und untersuchenden Ärzten umschriebenen diffusen Schmerzangaben,
dem nicht adäquaten Schmerzverhalten und dem inkonsistenten Leistungsverhalten
erscheint fraglich, ob vorliegend tatsächlich eine somatoforme Schmerzstörung mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit diagnostiziert werden kann. Somit überzeugt das
psychiatrische Gutachten auch bezüglich der Diagnose des Verdachts auf eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung nicht.
2.2.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die psychiatrische Einschätzung
von Dr. J._ aus verschiedenen Gründen nicht überzeugt. Aber auch die Einschätzung
der behandelnden Psychiaterin Dr. I._ leuchtet nicht ein. Sie hat eine
posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert, obwohl diese ein Ereignis mit
aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmass vorausgesetzt
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hätte (siehe ICD-10 Ziff. F43.1). Um ein solches hat es sich beim Auffahrunfall vom 23.
April 2010 ganz offensichtlich nicht gehandelt, was im Übrigen auch Dr. J._ und
RAD-Arzt Dr. O._ (Stellungnahme vom 20. November 2012, IV-act. 74) bestätigt
haben. Der Observationsbericht und die medizinischen Stellungnahmen zu den
Observationsergebnissen vermögen für sich allein ebenfalls nicht mit dem notwendigen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen, dass die
Beschwerdeführerin nicht an einer psychiatrischen Störung mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit leidet. So kann aufgrund von Videoaufnahmen beispielsweise nicht
festgestellt werden, ob eine versicherte Person unter einer gedrückten Stimmung, an
einer inneren Unruhe, an Schlafstörungen oder unter nächtlichen Panikattacken leidet
oder nicht. Die Observationsergebnisse sind daher nicht geeignet, eine überzeugende
Arbeitsfähigkeits- bzw. Arbeitsunfähigkeitsschätzung durch einen psychiatrischen
Sachverständigen zu ersetzen. Hinzu kommt, dass die rechtliche Verwertbarkeit der
Observationsergebnisse durch das Gericht nicht beurteilt werden kann. In den dem
Gericht vorgelegten Beweismitteln fehlen nämlich insbesondere Unterlagen zum
Umstand, der die Haftpflichtversicherung veranlasst hat, eine Observation in Auftrag zu
geben. Grundsätzlich könnten die Observationsergebnisse allerdings − entgegen der
Behauptung des Rechtsvertreters − trotz der Tatsache, dass die entsprechende
Abklärung kurz nach dem Erlass der angefochtenen Verfügung vorgenommen worden
ist, für das vorliegende Verfahren relevant sein: Die Beschwerdeführerin hat nämlich
nicht geltend gemacht, dass sich ihr Gesundheitszustand zwischenzeitlich wesentlich
verändert, insbesondere verbessert hätte. Da die Sache − wie nachfolgend aufzuzeigen
sein wird − ohnehin an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, wird diese die
notwendigen Unterlagen von der Haftpflichtversicherung noch einfordern und gestützt
auf diese entscheiden müssen, ob die Observationsergebnisse im IV-Verfahren
verwertbar sind. Dabei wird sie sich mit den Einwänden des Rechtsvertreters (act. G
12) auseinandersetzen müssen. Kommt die Beschwerdegegnerin zum Schluss, dass
die Observationsergebnisse im IV-Verfahren verwertbar sind, müssen diese dem neuen
psychiatrischen Gutachter zur Stellungnahme vorgelegt werden. Zusammenfassend ist
festzuhalten, dass die Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht, weil die objektiven
Auswirkungen einer allfälligen Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit nicht
ausreichend geklärt sind. Damit erweist sich eine erneute psychiatrische Begutachtung
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als unumgänglich, bei der allenfalls auch die Observationsergebnisse in die Beurteilung
und damit auch in die Arbeitsfähigkeitsschätzung einbezogen werden.
3.
Es bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin oder das Gericht die psychiatrische
Neubegutachtung in Auftrag gegeben muss, d.h. ob die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen oder ein Gerichtsgutachten zu veranlassen ist.
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung holt ein kantonales
Versicherungsgericht in der Regel dann ein Gerichtsgutachten ein, wenn es im Rahmen
der Beweiswürdigung zum Schluss kommt, ein bereits erhobener medizinischer
Sachverhalt müsse (insgesamt oder in wesentlichen Teilen) noch gutachtlich geklärt
werden oder eine Administrativexpertise sei in einem rechtserheblichen Punkt nicht
beweiskräftig. Eine Rückweisung an die IV-Stelle bleibt hingegen möglich, wenn es
darum geht, zu einer bisher vollständig ungeklärten Frage ein Gutachten einzuholen.
Ebenso steht es dem Versicherungsgericht frei, eine Sache zurückzuweisen, wenn
allein eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Ausführungen
erforderlich ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 11. Dezember 2014, 8C_633/2014
E. 3.2; BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4). Im vorliegenden Fall liegt ein Administrativgutachten
im Recht, wobei das psychiatrische Teilgutachten nicht überzeugt und somit nicht
beweiskräftig ist. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung müsste in diesem
Fall ein Gerichtsgutachten eingeholt werden. Die bundesgerichtliche Praxis leuchtet
jedoch nicht ein: Die Beschwerdegegnerin ist gestützt auf Art. 43 Abs. 1 ATSG
verpflichtet, die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen. Die
Beschwerdegegnerin hat somit u.a. den medizinischen Sachverhalt soweit abzuklären,
dass die Arbeitsunfähigkeit der versicherten Person mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht. Die Beschwerdegegnerin hat die
Arbeitsunfähigkeit in psychiatrischer Hinsicht nur ungenügend abgeklärt. Würde das
Versicherungsgericht nun ein Gerichtsgutachten in Auftrag geben, würde es eine der
Beschwerdegegnerin obliegende Aufgabe sozusagen „übernehmen“. Dies wäre jedoch
rechtswidrig, da der Gesetzgeber diese Aufgabe, d.h. die rechtsgenügliche Ermittlung
des Sachverhalts, der Beschwerdegegnerin zugewiesen hat. Eine solche
Rechtsverletzung kann durch die vom Bundesgericht angeführten Vorteile von
Gerichtsgutachten, namentlich der Straffung des Gesamtverfahrens und der
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beschleunigten Rechtsgewährung (siehe (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.2), nicht „geheilt“
werden. Zu beachten ist auch, dass einer versicherten Person durch die Einholung
eines Gerichtsgutachtens die Möglichkeit genommen wird, den Rentenentscheid von
zwei Instanzen überprüfen zu lassen. Dies ist insbesondere auch deshalb
problematisch, weil das Bundesgericht nur über eine eingeschränkte Kognition verfügt,
d.h. es kann den vom kantonalen Versicherungsgericht festgestellten Sachverhalt nur
eingeschränkt überprüfen (siehe Art. 97 des Bundesgerichtsgesetzes, SR 173.110). Die
Einholung eines Gerichtsgutachtens ist deshalb nur in jenen Fällen angezeigt, in denen
die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt zwar rechtsgenüglich abgeklärt hat, für die
rechtliche Würdigung aber trotzdem die Einholung eines weiteren Gutachtens
notwendig ist, namentlich weil zwei (oder mehr) überzeugende, sich jedoch
widersprechende Arbeitsfähigkeitsschätzungen im Recht liegen. Demnach ist die
angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.
4.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Praxisgemäss ist die
Rückweisung der Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung an die
Verwaltung als volles Obsiegen der Beschwerdeführerin zu werten (BGE 132 V 215
E. 6.2). Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe
wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet.
4.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Auch hier gilt, dass eine Rückweisung zur
weiteren Abklärung als volles Obsiegen der beschwerdeführenden Partei zu betrachten
ist. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75)
bis
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pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter hat keine Honorarnote
eingereicht. Im hier zu beurteilenden Fall erscheint eine pauschale Parteientschädigung
von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.