Decision ID: b8ec2605-c216-5145-98be-73fc859bc61c
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin, eine eritreische Staatsangehörige tigrinischer
Ethnie mit letztem Aufenthalt in B._, verliess Eritrea gemäss eige-
nen Angaben illegal im (...) 2015 und gelangte am 10. Mai 2016 in die
Schweiz. Am Tag darauf reichte sie hier ein Asylgesuch ein. Die Befragung
zur Person fand am 23. Mai 2016 statt (BzP; Protokoll in den SEM-Akten
A5/14). Am 8. August 2017 wurde die Beschwerdeführerin zu ihren Asyl-
gründen angehört (Anhörung; Protokoll in den SEM-Akten A11/18).
B.
B.a Zu ihren Asylgründen gab die Beschwerdeführerin im Wesentlichen
an, ihr Ehemann A. sei der Grund für ihre Ausreise. Er sei seit der fünften
Runde (Anmerkung Gericht: Sommer 1996) im Militärdienst und als ge-
wöhnlicher Soldat an verschiedenen Orten stationiert gewesen. Einmal pro
Jahr habe er für einen Monat Urlaub erhalten und sei dann jeweils nach
Hause gekommen. Wenn er den bewilligten Urlaub überzogen habe, sei er
von Soldaten seines Stationierungsortes zu Hause abgeholt worden. Seit
der letzten Mitnahme im Jahr 2015 habe sie nichts mehr von ihm gehört.
Sie wisse, dass er inhaftiert worden sei, möglicherweise sei er aus dem
Militärdienst desertiert.
Vier Monate nach der letzten Mitnahme von A. hätten Soldaten sie erstmals
aufgesucht, ihre Unterkunft durchsucht und sich nach dem Aufenthaltsort
von A. erkundigt. Sie habe ihnen geantwortet, sie wisse nicht mehr, als
dass A. wieder bei ihnen im Dienst sei. In der Folge seien die Soldaten
wiederholt vorbeigekommen, um nach A. zu suchen; sie sei immer wieder
aufgefordert worden, seinen Aufenthaltsort zu nennen respektive ihn zu
übergeben. Im (...) 2015 seien dann letztmals drei Soldaten der Einheit
von A. gekommen. Dieses Mal sei sie auch geschlagen worden und es
seien ihr weitere Schritte angedroht worden für den Fall, dass sie A. nicht
übergeben werde. Noch am selben Tag habe ihr eine Nachbarin, ihrerseits
eine Soldatin, angeboten, sich ihrer Ausreise aus Eritrea anzuschliessen.
In der Folge seien sie zu fünft über C._ illegal in den Sudan gereist.
Nach ihrer Ausreise hätten die Soldaten in ihrer Nachbarschaft Befra-
gungen und Hausdurchsuchungen durchgeführt.
B.b Zu ihren Lebensverhältnissen gab die Beschwerdeführerin an, als
Tochter eines Landwirtes in D._, einem kleinen Dorf, geboren und
dort aufgewachsen zu sein; sie habe drei Jahre lang die Schule besucht
und keine Ausbildung gemacht. Später habe sie in B._ gelebt und
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in diversen Haushalten gearbeitet. Im Jahr (...) habe sie A. geheiratet; sie
hätten auch Kinder gehabt, die beide gestorben seien. Bei ihr sei aber ihre
Patentochter B. (geboren [...]) aufgewachsen, die sie bei ihrer Ausreise bei
einer Nachbarin habe zurücklassen müssen. Der Sold ihres Ehemannes
habe zum Leben nicht gereicht, und sie habe deshalb am Strassenrand
Gemüse verkauft.
B.c Als Beweismittel reichte die Beschwerdeführerin eine eritreische Iden-
titätskarte im Original zu den Akten. Am 11. Februar 2019 gewährte das
SEM der Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör zum Umstand, dass ein
amtsinterner Bericht ergeben habe, dass ihre Identitätskarte verfälscht
worden sei. Mit Eingabe vom 19. Februar 2019 nahm die Beschwerdefüh-
rerin Stellung.
C.
Mit Verfügung vom 6. März 2019 – eröffnet am 8. März 2019 – verneinte
das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin und lehnte ihr
Asylgesuch vom 11. Mai 2016 ab. Gleichzeitig ordnete es ihre Wegweisung
aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an.
D.
Die Beschwerdeführerin gelangte mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom
8. April 2019 an das Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragt die Aufhe-
bung der vorinstanzlichen Verfügung und die Rückweisung der Sache an
die Vorinstanz zwecks Neubeurteilung. Eventualiter sei ihre Flüchtlingsei-
genschaft anzuerkennen und ihr Asyl zu gewähren, eventuell sei sie als
Flüchtling anzuerkennen und vorläufig aufzunehmen oder sie sei als Aus-
länderin vorläufig aufzunehmen.
In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung, inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses, und um unentgeltliche Rechtsverbeiständung in der Person ihrer
Rechtsvertreterin.
Als Beilagen liess sie unter anderem eine Vollmacht vom 10. März 2019
sowie eine Fürsorgebestätigung der E._ vom 11. März 2019 zu den
Akten reichen.
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E.
Am 10. April 2019 bestätigte die zuständige Instruktionsrichterin des Bun-
desverwaltungsgerichts den Eingang der Beschwerde und stellte das An-
wesenheitsrecht der Beschwerdeführerin in der Schweiz während des Ver-
fahrens fest.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 6. Mai 2019 hiess sie das Gesuch um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung gut (Dispositivziffer 1) und wies
das Gesuch um Einsetzung der Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbei-
ständin ab (Dispositivziffer 2). Gleichzeitig lud sie die Vorinstanz zum
Schriftenwechsel ein (Dispositivziffer 3).
G.
Mit Eingabe vom 8. Mai 2019 ersuchte die Rechtsvertreterin um wiederer-
wägungsweise Aufhebung der Dispositivziffer 2 der Zwischenverfügung
vom 6. Mai 2019 und um ihre Einsetzung als amtliche Rechtsbeiständin.
H.
In ihrer Vernehmlassung vom 10. Mai 2019 hält die Vorinstanz an ihrer Ver-
fügung fest. Die Vernehmlassung wurde der Beschwerdeführerin am
13. Mai 2019 zur Kenntnisnahme zugestellt.
I.
Am 27. Dezember 2019 reichte die Rechtsvertreterin eine Kostennote zu
den Akten.
J.
Mit Eingabe vom 4. August 2020 teilte die Rechtsvertreterin mit, sie habe
inzwischen eine selbständige Tätigkeit als Rechtsanwältin aufgenommen
und informierte über ihre Adressänderung.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
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zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das alte Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,
ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung; sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und
aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Vorab ist der Rückweisungsantrag zu behandeln, weil er, falls begrün-
det, unabhängig von der materiellen Begründetheit der Beschwerde zur
Kassation der angefochtenen Verfügung führen könnte.
3.2 Die Beschwerdeführerin hält unter dem Aspekt ihrer formellen Rügen
zunächst sinngemäss fest, zwar erhebe die Vorinstanz Zweifel an der
Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen, indem sie auf deren vermeintliche Sub-
stanzlosigkeit hinweise. Dieser pauschale Hinweis für sich alleine sei aber
weder unter dem Aspekt der Begründungspflicht noch jenem des Untersu-
chungsgrundsatzes geeignet, ihre Schilderungen als unglaubhaft im Sinne
von Art. 7 AsylG zu qualifizieren. Das SEM scheine denn auch grundsätz-
lich von der Glaubhaftigkeit ihrer Sachdarstellung auszugehen. Sie macht
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sodann mit Hinweis auf die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-
richts geltend, die Vorinstanz habe sich bei der Subsumtion ihrer Sachdar-
stellung unter Art. 3 AsylG zu Unrecht darauf beschränkt, die bereits erlit-
tenen Nachteile zu qualifizieren. Mit dem Aspekt der begründeten Furcht
vor künftiger Verfolgung, sowohl im Zeitpunkt der Ausreise als auch bei der
heutigen Rückkehr habe sie sich gar nicht auseinandergesetzt. Dies ob-
wohl sie dargelegt habe, dass die Intensität der Bedrohungen durch das
Militär bis hin zur physischen Gewalt zugenommen habe und sie ausgereist
sei, weil sie – wie angedroht – beim nächsten Vorsprechen der Soldaten
noch drastischere Massnahmen befürchtet habe.
Mangelhaft und ohne hinreichende Berücksichtigung der individuellen Um-
stände sei schliesslich auch die Begründung für die Zumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs ausgefallen.
3.3 Zwar ist die Begründung der vorinstanzlichen Verfügung hinsichtlich
der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs knapp ausgefallen. Sie dürfte
aber den formellen Anforderungen genügen, wobei eine abschliessende
Prüfung aufgrund des Verfahrensausgangs nicht erfolgen muss.
3.4 Demgegenüber sind die formellen Einwände hinsichtlich der Beurtei-
lung der Asylrelevanz berechtigt. Die Flüchtlingseigenschaft erfüllt regel-
mässig nur, wer in der Zukunft (ausgehend vom Zeitpunkt der Ausreise aus
dem Verfolgerstaat respektive von jenem des Entscheides über die Flücht-
lingseigenschaft) begründet befürchten muss, ernsthaften Nachteilen aus-
gesetzt zu werden, wobei bereits erlittene Nachteile insofern relevant sind,
als sie ein Indiz sein können, für eine auch in der Zukunft drohende Verfol-
gung. Rückwärts gerichtet ist der Blick einzig, wenn eine betroffene Person
aufgrund zwingender Gründe nach Art. 1 Ziff. C letzter Abschnitt des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) die Flüchtlingseigenschaft erfüllt, obwohl keine begründete
Furcht vor ernsthaften Nachteilen in der Zukunft (mehr) droht.
Bereits aus dem Gesagten ergibt sich, dass das SEM unter dem Aspekt
der Asylrelevanz die entscheidende Frage nach einer begründeten Furcht
vor (in Zukunft) drohenden ernsthaften Nachteilen nicht beantwortet hat.
Dies, obwohl die Beschwerdeführerin an der Anhörung auch noch auf Be-
hördenbesuche nach ihrer Ausreise aus Eritrea hingewiesen hatte (vgl. A11
F143). Zu Recht moniert die Beschwerdeführerin auch, der nur pauschale
Hinweis auf unsubstantiierte Vorbringen genüge jedenfalls nicht, um ihre
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Flüchtlingseigenschaft mangels Glaubhaftigkeit ihrer Sachvorbringen zu
verneinen.
Die zutreffenden Einwände in der Beschwerde veranlassten das SEM auch
in der Vernehmlassung nicht zu ergänzenden Erwägungen. Damit sind die
formellen Mängel einer Heilung nicht zugänglich, und es ist festzustellen,
dass das SEM das rechtliche Gehör der Beschwerdeführerin verletzt hat;
dies betrifft in erster Linie die Begründungspflicht (Art. 35 Abs. 1 VwVG).
Die Verletzung ist als schwer zu qualifizieren und würde grundsätzlich eine
Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz rechtfertigen. Der Sach-
verhalt kann aber als hinreichend erstellt gelten, respektive vermag das
Gericht die Glaubhaftigkeitsprüfung, soweit erforderlich, gestützt auf die
Akten nachzuholen (vgl. nachfolgend E. 6). Angesichts des Verfahrensaus-
gangs erwächst der Beschwerdeführerin mit einem reformatorischen Ent-
scheid kein Nachteil und nicht zuletzt rechtfertigen auch prozessökonomi-
sche Überlegungen ein solches Vorgehen. Nach dem Gesagten wird in den
folgenden Erwägungen zunächst der rechtserhebliche Sachverhalt festge-
stellt (E. 6) und dieser in der Folge auf seine Asyl- respektive flüchtlings-
rechtliche Relevanz hin geprüft (E. 7).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG und Art. 1A FK, wenn sie
mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft mit gutem
Grund Nachteile von bestimmter Intensität befürchten muss, die ihr gezielt
und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive zugefügt zu werden drohen
und vor denen sie keinen ausreichenden staatlichen Schutz erwarten kann
(vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f.; 2008/4 E. 5.2, jeweils m.w.H.). Die in Art. 3
Abs. 1 AsylG erwähnten fünf Verfolgungsmotive sind über die sprachlich
allenfalls engere Bedeutung ihrer Begrifflichkeit hinaus so zu verstehen,
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dass die Verfolgung wegen äusserer oder innerer Merkmale, die untrenn-
bar mit der Person oder Persönlichkeit des Opfers verbunden sind, erfolgt
ist beziehungsweise droht (vgl. BVGE 2014/27 E. 6.3).
Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffenen
Person auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Reflexverfol-
gung vor. Darunter sind behördliche Belästigungen oder Behelligungen von
Angehörigen aufgrund des Umstandes zu verstehen, dass die Behörden
einer gesuchten, politisch unbequemen Person nicht habhaft werden oder
schlechthin von deren politischer Exponiertheit auf eine solche auch bei
Angehörigen schliessen. Der Zweck einer solchen Reflexverfolgung kann
insbesondere darin liegen, Informationen über effektiv gesuchte Personen
zu erlangen beziehungsweise Geständnisse von Inhaftierten zu erzwingen
(vgl. etwa Urteil des BVGer D-1083/2016 vom 20. November 2019
E. 6.4.1).
Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die An-
erkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die be-
troffene Person in ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat keinen ausreichen-
den Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2; 2008/4 E. 5.2).
Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist, wie erwo-
gen, die Situation im Zeitpunkt des Entscheides, wobei früher erlittene Ver-
folgung oder im Zeitpunkt der Ausreise bestehende begründete Furcht vor
Verfolgung auf andauernde Gefährdung hinweisen kann. Veränderungen
der Situation zwischen Ausreise und Asylentscheid sind zu Gunsten und
zu Lasten der asylsuchenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE
2010/57 E. 2; 2010/9 E. 5.2; 2007/31 E. 5.3 f., jeweils m.w.H.).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-
hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-
ben hält (Art. 7 Abs. 1 und 2 AsylG). Glaubhaftmachung bedeutet im Ge-
gensatz zum strikten Beweis ein reduziertes Beweismass und lässt durch-
aus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen. Eine Be-
hauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von ihrer
Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, ob-
wohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Demgegenüber reicht es für die
Glaubhaftmachung nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich
ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwie-
gende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung spre-
chen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe,
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die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen
oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (BVGE
2015/3 E. 6.5.1). Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in we-
sentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind,
den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder
verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 Abs. 3 AsylG).
5.
5.1 Zur Begründung des negativen Asylentscheids führt die Vorinstanz
aus, im Zusammenhang mit der geltend gemachten Suche nach A. seien
keine Massnahmen im Sinne einer Verfolgung gegen die Beschwerdefüh-
rerin ergriffen worden. Zwar bringe sie vor, dass ein Soldat ihr mit seinem
Gewehr einen Stoss versetzt habe. Hierbei dürfte es sich aber um einen
einmaligen Fehltritt gehandelt haben. Dass sie in der Folge zwei Zähne
verloren habe, sei nicht dem Schlag geschuldet, sondern dem darauf un-
glücklich erfolgten Sturz. Entsprechend hielten ihre Vorbringen den Anfor-
derungen an die Intensität einer Verfolgung gemäss Art. 3 AsylG nicht
stand.
Eine Prüfung der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen erübrige sich, weil ihre
Vorbringen nicht asylrelevant seien. Es sei aber festzuhalten, dass ihre
Darstellung auch einen substanzlosen Eindruck hinterlasse. Ihre zeitlichen
Angaben seien ungenau gewesen, und sie habe im Wesentlichen bloss
wiederholt, dass sie den Soldaten die Auskunft gegeben habe, A. müsse
ihrer Auffassung nach bei ihnen im Militär sein.
Schliesslich führt das SEM aus, die illegale Ausreise sei asylrechtlich
(recte: flüchtlingsrechtlich) unbeachtlich, da keine anderen Anknüpfungs-
punkte im Sinne der bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung
(m.H.a. das Referenzurteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017) ersichtlich
seien, welche sie in den Augen des eritreischen Regimes als missliebige
Person erscheinen lassen könnten. Die Frage der Glaubhaftigkeit der gel-
tend gemachten illegalen Ausreise liess das SEM ebenfalls offen.
5.2 In der Beschwerdeschrift macht die Beschwerdeführerin in materieller
Hinsicht im Wesentlichen geltend, das SEM scheine den von ihr dargeleg-
ten Sachverhalt als glaubhaft zu qualifizieren. Soweit es auf die Substanz-
losigkeit ihrer Vorbringen hinweise, sei dem entgegenzusetzen, dass sie
ihre Angaben widerspruchsfrei, substantiiert und plausibel vorgebracht
habe, weshalb von deren Glaubhaftigkeit auszugehen sei. Ihre Schilderun-
gen enthielten Details und Realkennzeichen, und wiesen – gerade auch
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bei den Kernvorbringen – emotionale Reaktionen aus. Ferner könne auf
die Vermerke der Hilfswerksvertretung (HWV) verwiesen werden (m.H.a.
A11, Unterschriftenblatt).
Betreffend Asylrelevanz bemängelt sie die Qualifizierung des Übergriffs
des Soldaten als einmaligen Fehltritt, dies insbesondere im bekannten
Kontext Eritreas und des Umgangs der dortigen Behörden mit Verwandten
von desertierten oder vermeintlich desertierten Militärangehörigen. Des
Weiteren falle auf, dass die Besuche der Soldaten nach dem Verschwinden
von A. zunehmend häufiger und ernsthafter geworden seien, bis zum ge-
walttätigen Übergriff. Es könne der Beschwerdeführerin nicht vorgeworfen
werden, dass sie vor dem Erleiden ernsthafter Nachteile ausgereist sei,
und es sei anzunehmen, dass ihr, hätte sie sich nicht durch Flucht entzo-
gen, in naher Zukunft eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung gedroht
hätte. Offenbar sei es ihrem Ehemann gelungen, sich den Behörden zu
entziehen. Obwohl sie keine Kenntnis von seinen Plänen gehabt habe, hät-
ten die Militärbehörden vermutet, sie sei seine Komplizin, respektive wisse,
wo er sich aufhalte. Auch ihre Nachbarin habe sie nach dem letzten Über-
griff zur Ausreise gedrängt; dass sie ihr ermöglicht habe, sich unentgeltlich
der eigenen Ausreise anzuschliessen, weise ebenfalls auf die Ernsthaf-
tigkeit der damaligen Bedrohung hin. Dasselbe gelte für die anderen an der
Ausreise teilnehmenden Personen, die ihrer Mitreise trotz anfänglichem
Widerwillen zugestimmt hätten, nachdem sie von ihrer Situation erfahren
hätten. Dass sie weitere Schritte seitens der eritreischen Behörden zu be-
fürchten gehabt habe, ergebe sich schliesslich auch daraus, dass sie nach
der Ausreise bei ihren Nachbarn gesucht worden sei. Bekanntermassen
handle es sich bei Eritrea um einen Willkürstaat und Deserteure würden
als politische Gegner qualifiziert und als solche unverhältnismässig hart
bestraft. Im Sinne einer Reflexverfolgung sei auch sie in den Fokus gera-
ten.
6.
6.1 Zunächst ist der rechtserhebliche Sachverhalt festzustellen. Diesbe-
züglich kommt das Bundesverwaltungsgericht nach einer eingehenden
Prüfung der Akten zu folgenden Schlüssen:
6.1.1 Wie bereits festgehalten, genügt der pauschale Hinweis der
Vorinstanz nicht, um die Vorbringen der Beschwerdeführerin als unglaub-
haft zu qualifizieren (vgl. oben E. 3.4). Auch wenn die Erzählweise der Be-
schwerdeführerin auf den ersten Blick teilweise tatsächlich oberflächlich
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wirkt, ist sie insgesamt authentisch und gut vereinbar mit der geltend ge-
machten Herkunft aus einer ärmeren Bevölkerungsschicht (vgl. u.a. A11
F27 f., F31 und F52). Die Vorinstanz hat in ihrer pauschalen Einschätzung
der Glaubhaftigkeit insbesondere auch nicht berücksichtigt, dass die Be-
schwerdeführerin angab, sie habe die Schule nur bis zur dritten Klasse be-
sucht (vgl. A5 Ziff. 1.17.04). Zudem sind die Ausführungen der HWV auf
dem Unterschriftenblatt zu beachten. So hat diese unter anderem festge-
halten, die Beschwerdeführerin habe während der gesamten Befragung
immer wieder emotionale Ausbrüche gehabt, die mit starkem Weinen ein-
hergegangen seien. Sie habe deshalb überfordert gewirkt, und es könnte
sein, dass sie deswegen Dinge vergessen habe.
6.1.2 Auch wenn die Beschwerdeführerin sich an gewisse Dinge nicht zu
erinnern und die Ereignisse nicht exakt zeitlich einzuordnen vermag, wir-
ken ihre Erklärungen und Reaktionen authentisch und nachvollziehbar
(u.a. A11 F60, F62, F69, F141). Auch ist die zeitliche Einordnung trotzdem
stimmig ausgefallen (bereits A5 Ziff. 5.01f., 7.01 sowie A11 F63, F69f.,
F96). In Berücksichtigung des im vorigen Abschnitt Gesagten ist ihren
Schilderungen in einer Gesamtbetrachtung eine übereinstimmende und
schlüssige Sachdarstellung zu entnehmen, die sich problemlos sowohl in
die von der Beschwerdeführerin geschilderten individuellen Lebensverhält-
nisse als auch in die bekannten Gegebenheiten Eritreas einfügt. Zudem
fielen ihre Antworten auch mehrmals gerade nicht stereotyp aus, und sie
enthalten, wie in der Beschwerde zu Recht geltend gemacht, diverse Re-
alkennzeichen. Letztere ermöglichen eine Differenzierung zwischen erleb-
nisbasierten und erfundenen respektive verfälschten Aussagen (vgl. dazu
ANGELIKA BIRCK, Traumatisierte Flüchtlinge, Wie glaubhaft sind ihre Aus-
sagen?, Heidelberg 2002, S. 82 ff. und S. 139 ff.; REVITAL
LUDEWIG/DAPHNA TAVOR/SONJA BAUMER, Wie können aussagepsychologi-
sche Erkenntnisse Richtern, Staatsanwälten und Anwälten helfen?, in:
AJP 11/2011, S. 1423 ff.; vgl. auch BGE 129 I 49 E. 5 sowie BVGE 2015/3
E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1 und 2012/5 E. 2.2, jeweils m.w.H.). Bereits die
Schilderungen der Beschwerdeführerin in ihrer freien Rede wirken reali-
tätsnah (A11 F53). Dies etwa, wenn sie unaufgefordert innere Vorgänge
schildert ("Ich habe mir schon gedacht, dass er wieder überzieht", "Ich
habe das auch immer so aufgefasst, dass er sich bei ihnen aufhalten
würde") oder Aussagen präzisiert ("Einer war bewaffnet, die anderen bei-
den nicht") oder Interaktionen in direkter Rede wiedergibt. Auch sind ihren
Schilderungen der Kernvorbringen sehr wohl Einzelheiten zu entnehmen.
So etwa in der Beschreibung der Soldaten, welche sie im (...) 2015 aufge-
sucht hätten, aber auch hinsichtlich des körperlichen Übergriffs (A5 Ziff.
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7.01, A11 F53, F89-F96). Auch fällt auf, dass sie gerade bei der Schilde-
rung der Kernvorbringen emotionale Reaktionen zeigt (u.a. A5 Ziff. 7.01,
A11 F38, F53, F94, F140). Ausserdem sprechen zahlreiche spontane Er-
gänzungen, die teilweise als nebensächlich zu qualifizieren sind und teil-
weise auch die vorgebrachten Übergriffe und Bedrohungen relativieren für
die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen. So etwa, wenn sie wiedergibt, dass sie
ihrer Nachbarin gesagt hätte, sie könne sich die Ausreise nicht leisten oder
schildert, wie die Mitreisenden zunächst dagegen gewesen seien, dass sie
sich anschliesse und dann doch eingelenkt hätten oder wenn sie anfügt,
sie hätten ihr noch das Blut abgewischt (ebd. F94).
6.1.3 Es gibt schliesslich auch keinen Grund, an der illegalen Ausreise der
Beschwerdeführerin zu zweifeln. Ihre Schilderungen wirken auch diesbe-
züglich authentisch. Sie macht sodann übereinstimmende Angaben zum
Ausreisezeitpunkt gleich nach der letzten Suche mit dem körperlichen
Übergriff, aber auch zu den Ausreiseumständen. Auch sie enthalten Details
und Realkennzeichen (u.a. A5 Ziff. 5.02, Ziff. 7.01 in fine sowie A11 F53,
F96ff.).
6.1.4 Zwar hat sich herausgestellt, dass die von der Beschwerdeführerin
nachgereichte Identitätskarte verfälscht worden ist. Dies alleine reicht al-
lerdings – auch in Berücksichtigung ihrer Erklärung, die in der Offenheit
authentisch wirkt (vgl. A17/1) – nicht, um die Glaubwürdigkeit der Be-
schwerdeführerin ernsthaft in Frage zu stellen.
6.2 Zusammenfassend kommt das Bundesverwaltungsgericht nach einer
Gesamtwürdigung der für und gegen die Sachdarstellung der Beschwer-
deführerin sprechenden Elemente zum Schluss, dass die Beschwerdefüh-
rerin ihre Ausreisegründe (vgl. Sachverhalt Bst. B) glaubhaft im Sinne von
Art. 7 AsylG gemacht hat.
7.
7.1 Damit ist als nächstes zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin aufgrund
des glaubhaft gemachten Sachverhaltes die Flüchtlingseigenschaft erfüllt
und ihr gegebenenfalls Asyl zu gewähren ist.
7.1.1 Die Beschwerdeführerin hat glaubhaft dargelegt, dass sie wegen A.,
der vermutlich aus dem Militärdienst desertiert ist, wiederholt von Soldaten
seiner Einheit zu Hause aufgesucht wurde, sich diese nach seinem Aufent-
haltsort erkundigten sowie ihre Unterkunft durchsuchten. Im (...) 2015 er-
folgte im Rahmen eines solches Besuches auch ein gewaltsamer Übergriff
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auf die Beschwerdeführerin. Da ihr auch mit weiteren Massnahmen ge-
droht worden ist für den Fall, dass sie weiterhin den Aufenthaltsort ihres
Mannes nicht bekannt- oder ihn übergeben werde, hat sie sich, auch auf
Anraten ihrer Nachbarin hin, deren Ausreise angeschlossen. Nach ihrer
Ausreise kamen die Behörden wiederum und erkundigten sich bei den
Nachbarn nach der Beschwerdeführerin.
7.1.2 Mit Blick auf die nach wie vor geltende und von der vormaligen Be-
schwerdeinstanz begründete Rechtsprechung, die vom Bundesverwal-
tungsgericht fortgeführt wird (vgl. dazu beispielsweise Urteil des BVGer
D-1359/2015 vom 22. August 2017 E. 6.1), ist festzustellen, dass Dienst-
verweigerung und Desertion in Eritrea unverhältnismässig streng bestraft
werden. Es ist nach wie vor davon auszugehen, die drohende Strafe diene
nicht allein der Sicherstellung der Wehrpflicht, was praxisgemäss ‒ unter
der Voraussetzung rechtsstaatlicher und völkerrechtskonformer Rahmen-
bedingungen ‒ grundsätzlich als legitim zu erachten wäre. Sondern im erit-
reischen Kontext ist damit zu rechnen, dass Deserteure oder Refraktäre
als politische Gegner qualifiziert und als solche unverhältnismässig schwer
bestraft werden, weshalb die Strafe als flüchtlingsrechtlich relevante Ver-
folgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu qualifizieren ist. Die Furcht vor einer
Bestrafung wegen Dienstverweigerung oder Desertion ist dann begründet,
wenn die betroffene Person in einem konkreten Kontakt zu den Militärbe-
hörden stand. Ein solcher Kontakt ist regelmässig anzunehmen, wenn die
betroffene Person im aktiven Dienst stand und desertierte (vgl. dazu Ent-
scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 2006 Nr. 3). In diesen Fällen droht nicht allein eine Haftstrafe,
sondern eine Inhaftierung unter unmenschlichen Bedingungen und Folter,
wobei Deserteure regelmässig der Willkür ihrer Vorgesetzten ausgesetzt
sind. Die Desertion wird von den eritreischen Behörden als Ausdruck der
Regimefeindlichkeit aufgefasst.
Festzuhalten ist sodann, dass Reflexverfolgung von nahen Verwandten im
Zusammenhang mit Desertion und Refraktion in Eritrea regelmässig vor-
kommt. Sie ist als gezielte und politisch motivierte Verfolgung zu qualifizie-
ren (vgl. u.a. Urteil des BVGer D-4257/2018 vom 27. Dezember 2019
E. 6.3). Auch die Beschwerdeführerin gab an, in Eritrea sei es üblich, dass
die Frau für die Handlungen ihres Mannes zur Rechenschaft gezogen
werde (A11 F53).
7.1.3 Die Beschwerdeführerin wurde wegen der vermuteten Desertion ih-
res Ehemannes mehrfach von den eritreischen Behörden aufgesucht.
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Beim letzten Besuch im (...) 2015 drohten sie damit, weitere Schritte gegen
sie einzuleiten, wenn sie A. nicht übergeben werde, dabei kam es zu einem
tätlichen Angriff (A11 F139). Die Einschätzung der Vorinstanz, es habe sich
dabei um einen "Fehltritt" gehandelt, ist schwer nachvollziehbar, ebenso
die Annahme des SEM, dass der ihr von einem Soldaten versetzte Stoss
mit einem Gewehr nicht verschuldet habe, dass die Beschwerdeführerin
zwei Zähne verloren habe, sondern dies dem daraufhin erfolgten Sturz ge-
schuldet sei. Sodann erweist sich die Furcht der Beschwerdeführerin – un-
abhängig davon, ob es der mehrmaligen Suche respektive dem tätlichen
Übergriff für sich alleine an Intensität fehlt, um als ernsthafter Nachteil qua-
lifiziert zu werden – im heutigen Zeitpunkt sowohl in subjektiver als auch in
objektiver Hinsicht als begründet. Nach dem unter E. 7.1.2 Gesagten ist
die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie bei einer heutigen Rückkehr in naher
Zukunft im Sinne einer Reflexverfolgung – die in der Desertion ihres Ehe-
mannes A. gründet – ernsthafte Nachteile zu befürchten hat. Der Umstand,
dass die Nachbarn der Beschwerdeführerin nach deren Ausreise zu ihr be-
fragt worden sind, verdeutlicht das Interesse der eritreischen Behörden.
Zudem ist davon auszugehen, dass sie nach ihrer Rückkehr in ihren Hei-
matstaat vermuten könnten, sie habe Kontakt mit A. gehabt. Nicht auszu-
schliessen ist schliesslich, dass die Beschwerdeführerin bei einer heutigen
Rückkehr aus der Schweiz aufgrund der Desertion ihres Bruders ([...]) zu-
sätzlich in den Fokus der eritreischen Behörden geraten könnte. Eine in-
nerstaatliche Fluchtalternative ist nicht ersichtlich. Die Beschwerdeführerin
erfüllt somit die Flüchtlingseigenschaft. Nachdem keine Asylausschluss-
gründe im Sinne von Art. 53 AsylG ersichtlich sind, ist ihr Asyl zu gewähren.
7.2 Die angefochtene Verfügung verletzt nach dem Gesagten Bundes-
recht. Sie ist in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und das SEM ist
anzuweisen, der Beschwerdeführerin Asyl zu gewähren.
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
8.2 Mit Zwischenverfügung vom 6. Mai 2019 wurde das Gesuch um Bei-
ordnung von Rechtsanwältin Nadja Zink als amtliche Rechtsbeiständin auf-
grund der damals nicht erfüllten Voraussetzungen abgewiesen. Ihr Wieder-
erwägungsgesuch vom 8. Mai 2019 ist aufgrund der heute erfüllten Vo-
raussetzungen gutzuheissen. Aufgrund des Obsiegens ist der vertretenen
Beschwerdeführerin aber ohnehin zulasten der Vorinstanz eine Parteient-
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schädigung für die ihr erwachsenen notwendigen und verhältnismässig ho-
hen Kosten zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
8.3 In der Kostennote vom 27. Dezember 2019 werden ein zeitlicher Ge-
samtaufwand von 7.5 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 220.– so-
wie Auslagen von Fr. 15.– aufgeführt. Der veranschlagte Aufwand von
1.5 Stunden für das Verfassen des Wiedererwägungsgesuchs vom
8. Mai 2019 scheint deutlich überhöht, zumal darin für die Begründung le-
diglich auf das Verfahren D-1135/2019 verwiesen wurde. Unter Berücksich-
tigung des nach Einreichung der Kostennote entstandenen Aufwandes ist
der zeitliche Vertretungsaufwand auf insgesamt 7 Stunden festzusetzen.
Die von der Vorinstanz auszurichtende Parteientschädigung beträgt somit
total (gerundet) Fr. 1'675.– (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuerzu-
schlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE).
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