Decision ID: 292df96e-4e77-5dba-9417-4915ac12d32f
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X.Y. ist seit 1985 in der Schweiz aufenthaltsberechtigt. Das Migrationsamt
verweigerte am 9. Oktober 2012 eine weitere Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung.
Das Sicherheits- und Justizdepartement wies am 22. Januar 2014 den von X.Y.
dagegen erhobenen Rekurs ab. Der mit eingeschriebenem Brief versandte Entscheid
wurde X.Y. am 24. Januar 2014 ausgehändigt.
B./ Mit Eingabe vom 7. Februar 2014 (Postaufgabe 10.02.14) erhob X.Y. (nachfolgend
Beschwerdeführer) gegen den Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements
(nachfolgend Vorinstanz) Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Der Präsident des
Verwaltungsgerichts wies ihn am 12. Februar 2014 darauf hin, die Beschwerdefrist sei
am 7. Februar 2014 abgelaufen und die am 10. Februar 2014 versandte Beschwerde
verspätet erhoben worden. X.Y. erhielt – unter Androhung, dass im Säumnisfall die
Beschwerde nicht an die Hand genommen, sondern seine Eingabe an die Vorinstanz
zur Behandlung als Wiedererwägungsgesuch übermittelt werde – Gelegenheit, sich bis
5. März 2014 zur Verspätung zu äussern. Mit Schreiben vom 3. März 2014
(Postaufgabe 04.03.14) nahm er Stellung. Die Vorinstanz teilte am 10. März 2014 mit,
sie stimme einer Wiederherstellung der Frist nicht zu. Der Präsident des
Verwaltungsgerichts behandelte die Eingabe des Beschwerdeführers vom 3. März
2014 als Gesuch um Wiederherstellung der Beschwerdefrist. Er wies das Gesuch am
17. März 2014 ab und trat auf die Beschwerde nicht ein.
Am 31. März 2014 verlangte der Beschwerdeführer sinngemäss einen Entscheid des
Gerichts. Auf die Einholung von Vernehmlassungen in der Sache und der Vorakten
wurde verzichtet. Die Vorinstanz verzichtete am 3. April 2014 auf weitere
Bemerkungen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Der Präsident des Verwaltungsgerichts stellte in der Verfügung vom 17. März 2014
fest, dass die am 10. Februar 2014 der Post übergebene Beschwerde gegen den am
24. Januar 2014 dem Beschwerdeführer ausgehändigten Rekursentscheid der
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Vorinstanz nach Ablauf der 14-tägigen Rechtsmittelfrist und damit verspätet
eingereicht wurde. Er wies das mit fehlenden technischen Hilfsmitteln, unzureichenden
Sprachkenntnissen und dem sehr schlechten Zustand des Beschwerdeführers
begründete sinngemässe Gesuch um Wiederherstellung der gesetzlichen Frist ab und
trat auf die Beschwerde nicht ein. Da die Wiederherstellung der gesetzlichen
Rechtsmittelfrist umstritten ist und die Beschwerdeangelegenheit in die Zuständigkeit
des Kollegialgerichts fällt, erhielt der Beschwerdeführer entsprechend Art. 39bis Abs. 2
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1, abgekürzt VRP) die
Gelegenheit, innert 14 Tagen mit einfacher schriftlicher Erklärung einen Entscheid des
Gerichts zu verlangen. Davon machte er am 31. März 2014 fristgerecht Gebrauch. Der
präsidiale Nichteintretensentscheid fiel damit ohne Weiteres dahin (vgl. Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 1049).
2. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59bis Abs. 1
VRP). Der Beschwerdeführer ist als Adressat des angefochtenen Entscheides, mit
welchem der gegen die Nichtverlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung erhobene
Rekurs abgewiesen wurde, zur Beschwerdeerhebung befugt (Art. 64 in Verbindung mit
Art. 45 Abs. 1 VRP).
Der angefochtene Entscheid der Vorinstanz wurde dem Beschwerdeführer am 24.
Januar 2014 zugestellt (vgl. Sendungsverfolgung, act. 3). Die 14-tägige
Beschwerdefrist (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 VRP) begann am folgenden
Tag (Art. 30 Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 142 Abs. 1 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung, SR 272, abgekürzt ZPO), das heisst am 25. Januar 2014 zu laufen
und endete am 7. Februar 2014. Eingaben müssen spätestens am letzten Tag der Frist
beim Gericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post übergeben
werden (Art. 30 Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 143 Abs. 1 ZPO). Die
Beschwerdeerklärung wurde unbestrittenermassen erst am 10. Februar 2014 der
Schweizerischen Post übergeben und ist damit verspätet.
3. Gemäss Art. 30bis VRP haben gesetzliche Fristen bei Nichtbeachtung
Verwirkungsfolge. Die Wiederherstellung der Frist kann angeordnet werden, wenn die
Partei glaubhaft macht, dass sie kein oder nur ein leichtes Verschulden trifft oder wenn
der Verfahrensgegner zustimmt (Art. 30ter Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 148 Abs.
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1 ZPO). Zuständig ist das Gericht, bei dem die Frist versäumt wurde. Die Vorinstanz hat
einer Wiederherstellung der Beschwerdefrist am 10. März 2014 nicht zugestimmt (vgl.
dazu Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz.
1142).
Der Beschwerdeführer begründete in der Eingabe vom 3. März 2014 die Verspätung
damit, er besitze keinen PC und keine Schreibmaschine. Sein Deutsch reiche nicht aus,
um sich zu verständigen. Hätte er in der Muttersprache geschrieben, hätte dies
Umtriebskosten verursacht. Das habe er vermeiden wollen. Einen Rechtsanwalt könne
er sich nicht leisten. Er habe etwa 50 Leute bitten müssen, um die Beschwerde zu
schreiben. Zudem sei sein Zustand zurzeit sehr schlecht. Die Eingabe des
Beschwerdeführers vom 31. März 2014 enthält keine zusätzlichen Begründungen.
Die Beschwerdeeingabe datiert vom 7. Februar 2014 und wurde dementsprechend
innerhalb der Rechtsmittelfrist verfasst. Die technischen und sprachlichen Hindernisse
können deshalb die verspätete Aufgabe bei der Schweizerischen Post ohnehin nicht
erklären. Dazu ist im Übrigen anzumerken, dass die Beschwerde zwar schriftlich zu
erheben (Art. 64 und Art. 48 Abs. 1 VRP) ist, jedoch ein einfacher handschriftlicher Brief
genügt (vgl. A. Griffel, in: ders. [Hrsg.], Kommentar VRG, 3. Aufl. 2014, N 5 zu § 22
VRG/ZH). Der Beschwerdeführer lebt – worauf er selber hinweist – seit knapp 30
Jahren in der Schweiz und ist – was sich aus der Darstellung des Sachverhalts im
angefochtenen Entscheid ergibt – den schriftlichen Umgang mit Behörden gewohnt.
Unter diesen Umständen darf erwartet werden, dass er in der Lage ist, zumindest eine
in deutscher Sprache verfasste Beschwerdeerklärung fristgerecht abzugeben.
Abgesehen davon bilden ungenügende Sprachkenntnisse grundsätzlich keinen Grund
für eine Fristwiederherstellung (vgl. K. Plüss, in: A. Griffel [Hrsg.], Kommentar VRG, 2.
Aufl. 2014, N 75 zu § 12 VRG/ZH).
Krankheit kann ein zur Wiederherstellung einer Frist führendes unverschuldetes
beziehungsweise entschuldbares Hindernis sein, doch muss die Erkrankung derart
sein, dass die rechtsuchende Person oder ihre Vertretung durch sie davon abgehalten
wird, selber innert Frist zu handeln oder doch eine Drittperson mit der Vornahme der
Handlung zu beauftragen (vgl. BGer 9C_390/2009 vom 24. Juni 2009 E. 2, 5G_1/2013
vom 21. März 2013 E. 4.2 und 4.3). Eine Wiederherstellung der Frist wegen Krankheit
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setzt voraus, dass die körperliche, geistige oder psychische Beeinträchtigung jegliches
auf die Fristwahrung gerichtetes Handeln wie etwa den Beizug eines Ersatzvertreters
verunmöglichte (vgl. BGer 9C_154/2010 vom 24. Februar 2010). Als
krankheitsbedingter Fristwiederherstellungsgrund gilt beispielsweise eine schwere
Lungenentzündung eines hospitalisierten Verfahrensbeteiligten oder eine schwere
nachoperative Blutung, die zu massiven zerebralen Veränderungen führt und den
Säumigen intellektuell so stark beeinträchtigt, dass er während der gesamten
Rechtsmittelfrist weder fähig ist, selber Beschwerde zu erheben, noch sich bewusst
werden kann, dass er jemanden mit der Interessenwahrung hätte betrauen sollen.
Keine Wiederherstellungsgründe sind hingegen beispielsweise ein immobilisierter
rechter Arm oder eine schwere Grippe. Auch eine Depression genügt grundsätzlich
nicht als Fristwiederherstellungsgrund (vgl. K. Plüss, in: A. Griffel [Hrsg.], Kommentar
zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. Aufl. 2014, N 62 zu § 12
VRG/ZH mit Hinweisen auf die Rechtsprechung). In zeitlicher Hinsicht muss die
Erkrankung am Ende der Frist liegen beziehungsweise sich mit dem Termin
überschneiden. Erkrankt die Partei hingegen eine gewisse Zeit vor Fristablauf
beziehungsweise dem Termin, ist sie in der Regel in der Lage, selber zu handeln oder
die Dienste eines Dritten in Anspruch zu nehmen (vgl. N. Gozzi, in: Basler Kommentar
ZPO, 2. Aufl. 2013, N 20 zu Art. 148 ZPO). Inwiefern sein sehr schlechter Zustand einer
rechtzeitigen Erhebung der Beschwerde gegebenenfalls durch eine damit betraute
Drittperson entgegenstand (vgl. dazu BGer 5G_1/2013 vom 21. März 2013 E. 4.2 und
4.3, BGE 119 II 86 E. 2a), konkretisiert der Beschwerdeführer nicht. Auch den Akten
sind keine Anhaltspunkte für krankheitsbedingte Gründe zu entnehmen, die eine
Wiederherstellung der Beschwerdefrist rechtfertigen könnten.
Zusammenfassend ergibt sich, dass das Gesuch um Wiederherstellung der
Beschwerdefrist abzuweisen und auf die Beschwerde wegen Verspätung nicht
einzutreten ist.
4. Bei diesem Verfahrensausgang – das Nichteintreten auf die Beschwerde wegen
Verspätung hat der Beschwerdeführer zu vertreten – sind die amtlichen Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF
1'500 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS
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941.12). Mit Rücksicht auf die Sozialhilfebedürftigkeit des Beschwerdeführers ist auf
die Erhebung zu verzichten (Art. 97 VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht