Decision ID: e3276a85-ecde-40c4-87c5-b3f56bfa5e0b
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend Versicherte) meldete sich am 4. Mai 2016 wegen psychischer
Belastung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von Leistungen an (IV-
act. 1). Bereits zuvor, am 17. März 2016, hatte sie (auf Selbstzuweisung hin) eine zweite
stationäre Behandlung in der Psychiatrischen Klinik B._ begonnen, die bis 30. Juni
2016 dauerte (eine erste Hospitalisation war vom 17. Oktober bis 7. Dezember 2015
aufgrund einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwere Episode
ohne psychotische Symptome [ICD-10: F33.2] erfolgt, IV-act. 13-1; zur damals
durchgeführten testpsychologischen Untersuchung siehe den Bericht vom
1. Dezember 2015, IV-act. 27-12 ff.). Die dort behandelnden medizinischen
Fachpersonen diagnostizierten: eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
narzisstischer, emotional instabiler und histrioner Akzentuierung (ICD-10: F61.0), eine
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11), einen
Verdacht auf Probleme bei sexuellem Missbrauch in der Kindheit durch eine Person
innerhalb der engeren Familie (ICD-10: Z61.4) und einen Verdacht auf eine akute
Belastungsreaktion, aufgrund einer Gruppenvergewaltigung (ICD-10: F43.0). Sie fügten
an, dass die Versicherte zur Pseudologia phantastica als Coping-Strategie tendiere.
Zum Entlassungsgrund gaben sie an, bei Absprachen habe die Versicherte immer
wieder die Unwahrheit gesagt, weshalb ein Vertrauensverhältnis für die
Zusammenarbeit nicht mehr gegeben gewesen sei (Austrittsbericht vom 11. Juli 2016,
IV-act. 13). Die seit 7. Juli 2016 behandelnde Dr. med. C._, Fachärztin für Psychiatrie
und Psychotherapie, berichtete am 14. September 2016, aktuell sei die Prognose
bezüglich des psychischen Leidens noch etwas unsicher. Bei weiterhin motivierter
A.a.
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Teilnahme an der Psychotherapie sei die Prognose durchaus günstig. Die Versicherte
habe viele Ressourcen. Für die Zeit ab 17. März 2016 schrieb Dr. C._ die Versicherte
zu 100 % arbeitsunfähig. Sie empfahl, nach erfolgter Stabilisierung der Versicherten
eine Wiedereingliederung ins Berufsleben zu versuchen (IV-act. 27).
Auf der Grundlage eines am 7. Februar 2017 vereinbarten Eingliederungsplans (IV-
act. 31) erteilte die IV-Stelle am 13. Februar 2017 eine Kostengutsprache für ein
Aufbautraining in der Stiftung D._ vom 13. Februar bis 14. Mai 2017 (IV-act. 33),
welche am 19. Juni 2017 bis zum 19. November 2017 verlängert wurde (IV-act. 60;
siehe zum zuvor vereinbarten Eingliederungsplan vom 10. Mai 2017 IV-act. 56).
Dr. C._ berichtete am 9. November 2017, das psychische Leiden der Versicherten sei
bis auf weiteres nicht mit einer Arbeitstätigkeit im freien Arbeitsmarkt zu vereinbaren
(IV-act. 92). Im Zwischen-/Schlussbericht über die Integrationsmassnahme vom
17. November 2017 führte die Abklärungsperson der Stiftung D._ aus, die
Versicherte habe während der Massnahme eine enorme Entwicklung vollzogen. Nach
anfänglichen Schwierigkeiten habe sie sich erfreulich positiv entwickelt. Seien
Umweltfaktoren jedoch in Frage gestellt, sei im Krisenfall keine Option vorhanden. Die
Versicherte drifte dann in das biografisch hinterlegte regressive Verhalten ab und stelle
sich existenziell in Frage. In solchen Situationen sei sie enorm auf Hilfeangebote von
professioneller Begleitung angewiesen, um ihre Handlungsfähigkeit wiederherzustellen
(IV-act. 95).
A.b.
Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte während knapp eineinhalb Stunden
von Dr. med. E._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, begutachtet. Diese
diagnostizierte als Leiden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F61) mit emotional-instabilen, histrionischen,
narzisstischen und zwanghaften Persönlichkeitsanteilen. Keine Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit hätten die ebenfalls diagnostizierte rezidivierende depressive
Erkrankung, gegenwärtig leicht (ICD-10: F33.0), und posttraumatische
Belastungsstörung (ICD-10: F43.1). Eine Pseudologia phantastica habe nicht
festgestellt werden können. Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Servicekraft
bescheinigte Dr. E._ eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Bezogen auf eine
leidensangepasste Tätigkeit gab sie an, dass es sich hierbei um einen geschützten
Arbeitsplatz handeln müsse und dass die Versicherte diesbezüglich über eine 70%ige
A.c.
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Arbeitsfähigkeit verfüge. Die Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt liege seit
Antragstellung bei 0 % (Gutachten vom 27. Februar 2018, IV-act. 101). Der RAD-Arzt
Dr. med. F._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, bemängelte an der
gutachterlichen Beurteilung, dass Dr. E._ zu wenig auf die Diagnose einer
Pseudologie phantastica eingegangen und die Angaben der Versicherten weder durch
vertieftes Nachfragen noch durch Drittauskünfte verifiziert habe. Sofern die
anamnestischen Angaben der Versicherten bezüglich sexueller Missbräuche durch die
Behörden nicht bestätigt werden könnten und die von den medizinischen
Fachpersonen der Psychiatrischen Klinik B._ als Verdachtsdiagnose geäusserte
Pseudologia phantastica bestätigt werde, müsse festgestellt werden, dass Dr. E._
ihren Auftrag grob nachlässig erledigt habe und das Gutachten unbrauchbar sei
(Stellungnahme vom 9. März 2018, IV-act. 102). In der Folge nahm die IV-Stelle bei den
Strafverfolgungsbehörden Abklärungen vor. Die von der Versicherten geäusserten
Angaben (Anzeigen wegen Vergewaltigung und Gruppenvergewaltigung) liessen sich
nicht bestätigen (IV-act. 103 ff.; siehe insbesondere auch die Gesprächsnotizen vom
22. März 2018, IV-act. 107 f.). Auf Rückfrage der IV-Stelle vom 23. März 2018 (IV-
act. 109) hin gab Dr. E._ an, dass sie am 8. Februar 2018 mit dem RAD-Arzt Dr. F._
telefoniert habe und er ihr mitgeteilt habe, aus seiner Sicht müsse sie keine Auskünfte
bei den Strafverfolgungsbehörden einholen. Es sei ihm klar, dass daher keine
belastbare gutachterliche Stellung zu dieser Frage erfolgen könne. Dr. F._ habe sie
gebeten, auf der Grundlage der vorliegenden Informationen die Versicherte mit der
Fragestellung zu konfrontieren. Sie führte u.a. aus, ihre diagnostische Einschätzung sei
durch die Information, dass die von der Versicherten angegebenen Straftaten nie
stattgefunden hätten, vor allen Dingen in Bezug auf die histrionische und narzisstische
Persönlichkeitsstörung zu revidieren. Durch die Kenntnis der Tatsache, dass die von
der Versicherten angegebenen Straftaten nicht stattgefunden hätten, würde sie
(Dr. E._) davon ausgehen, dass die Persönlichkeitsstörung wesentlich schwerer
ausgeprägt sei, als sie dies im Gutachten ausgeführt habe. Wenn die Versicherte
aufgrund der narzisstischen und histrionischen Persönlichkeitsstörungen derart
ausgestaltete traumatische Erlebnisse erfinde und auch vertraute Menschen, wie z.B.
die behandelnde Psychiaterin, mit diesen Geschichten konfrontiere, zeige dies, wie
sehr der Wunsch der Versicherten nach Aufmerksamkeit und einer Sonderstellung
ausgeprägt sei. Hierbei zeige sich in besonderem Mass, dass die dysfunktionellen
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Coping- und Bewältigungsstrategien besonders chronifiziert und maladaptiv seien,
wenn sie noch nicht einmal im geschützten Rahmen einer psychotherapeutischen
Behandlung Zugang zu ihren erfundenen traumatischen Erlebnissen habe. Die
Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung wäre unter Berücksichtigung der
neuen Information nicht zu stellen. An ihrer bisherigen Arbeitsfähigkeitsbeurteilung hielt
Dr. E._ unverändert fest (Antwort vom 23. April 2018, IV-act. 114). Der RAD-Arzt
Dr. F._ bezeichnete am 4. Mai 2018 die Stellungnahme von Dr. E._ aus
medizinischer Sicht als einwandfrei nachvollziehbar. Anhand der nun vollständigen
Aktenlage, erweitert durch die sauber dargestellten Untersuchungsbefunde, werde eine
schwere Störung dargestellt, die ohne Zweifel auch die biografischen und
arbeitsbiografischen Auffälligkeiten im pathologischen Bild der Persönlichkeitsstörung
integriere. Daraus folge, dass die Versicherte auf dem freien Arbeitsmarkt nicht
arbeitsfähig sei. Aus medizinischer Sicht würden die anfänglich als Inkonsistenzen
festgehaltenen Sachverhalte im klinischen Bild einer schwerwiegenden Diagnose
aufgehen, die – gestützt auf die umfangreichen Akten – Auswirkungen auf die
Lebensgestaltung und die meisten Lebensbereiche habe (IV-act. 115).
Am 8. Mai 2018 wies die IV-Stelle das Gesuch der Versicherten um berufliche
Massnahmen ab (IV-act. 118).
A.d.
Die IV-Stelle führte mit der Versicherten am 8. August 2018 ein Standortgespräch
durch. Im Rahmen dessen räumte sie ein, dass sich die von ihr geschilderten
Vorkommnisse (sexueller Missbrauch und Gruppenvergewaltigung) so nie ereignet
hätten. Sie wisse nicht, weshalb sie solche Vorkommnisse erfinde. Die behandelnde
Psychiaterin wisse nicht, dass diese Vorkommnisse erfunden seien (IV-act. 122; siehe
auch die Aktennotiz vom 9. August 2018 über die Aussagen und das Verhalten
anlässlich des protokollierten Standortgesprächs vom 8. August 2018, IV-act. 124).
A.e.
Dr. C._ berichtete der IV-Stelle am 24. August 2018, eine Arbeitsfähigkeit im
ersten Arbeitsmarkt sei bei der Versicherten nicht vorhanden. Diese sei mehrfach
traumatisiert worden, sei sehr instabil und deutlich reduziert belastbar. Aufgrund der
traumatischen Vorerfahrung gerate sie in massive zwischenmenschliche Konflikte,
welche die Stimmung belasten und sie weiter destabilisieren würden. Ziel der Therapie
sei weiterhin das Aufarbeiten ihrer traumatischen Vergangenheit. Die letzte
A.f.
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Konsultation habe im Juli 2018 stattgefunden (IV-act. 127). Nach einer weiteren
Würdigung der ergänzten Aktenlage gelangte der RAD-Arzt Dr. F._ am 26. Oktober
2018 zur Auffassung, aus versicherungspsychiatrischer Sicht stelle sich der Fall der
Versicherten inzwischen anders dar, als er von Dr. E._ beurteilt werde. Weder sei die
Versicherte am Standortgespräch «von dem Stattfinden der an ihr begangenen
Verbrechen» überzeugt gewesen, noch bestehe ein diesbezüglicher Leidensdruck.
Vielmehr sei von ihr zu Protokoll gegeben worden, dass sie über den Umstand
erleichtert sei, «dass nun alles am Tisch» sei. Aufgrund dieser Tatsache könne die von
Dr. E._ unterstellte enge Verwebung mit der Persönlichkeitsstruktur nicht anerkannt
werden, sondern es müsse davon ausgegangen werden, dass die Versicherte ein
Lügengebäude entwickelt habe, das ihr Vorteile verschaffe. Eine eigenständige
Persönlichkeitsstörung könne auch die langjährige Therapeutin nicht zu Protokoll
geben. Zusammenfassend müsse in Abwesenheit eines nachvollziehbaren
Gesundheitsschadens und angesichts der deutlichen Ressourcen davon ausgegangen
werden, dass die Versicherte sicherlich in der Lage sei, ein existenzsicherndes
Einkommen zu generieren. Dabei sei zu beachten, dass selbst der Aufenthalt in der
Klinik B._ nicht als krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit anerkannt werden könne,
weil weder das als Eintrittsgrund geltend gemachte Ereignis stattgefunden habe noch
während des Aufenthalts von den Behandlern eine schwere Psychopathologie oder
Auffälligkeit habe festgestellt werden können – mit Ausnahme des damals
aufgetretenen Verdachts der Unwahrheit (IV-act. 135).
Gestützt auf die Einschätzung des RAD-Arztes vom 26. Oktober 2018 zeigte die
IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom 14. Dezember 2018 an, das
Rentengesuch abzuweisen (IV-act. 136). Nachdem die Frist für einen Einwand
unbenutzt abgelaufen war, wies die IV-Stelle das Rentengesuch mit Verfügung vom
14. Februar 2019 ab (IV-act. 138). Dr. C._ schrieb am 12. März 2019 dem RAD-Arzt
Dr. F._, dass er sie missverstanden oder falsch zitiert habe. Die neuen Tatsachen
würden für sie keine grundlegende Änderung darstellen. Es habe auch kein enger
Zusammenhang mit der Behandlung bestanden. Sie sei auch nach wie vor der
Meinung, dass wohl tiefgreifende pathologische Strukturprobleme bestehen würden
(IV-act. 144). Am 15. März 2019 erhob die Versicherte durch ihren Rechtsvertreter
Beschwerde gegen die Verfügung vom 14. Februar 2019 (IV-act. 147-2 ff.; zur
A.g.
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B.
ergänzenden Begründung vom 3. Juni 2019 samt u.a. Stellungnahme von Dr. C._
vom 29. Mai 2019 siehe IV-act. 147-9 ff. und IV-act. 149-2). Dadurch sah sich die IV-
Stelle veranlasst, weitere Abklärungen vorzunehmen und die angefochtene Verfügung
zu widerrufen (Widerrufsverfügung vom 16. August 2019, IV-act. 153; siehe auch den
Abschreibungsbeschluss des Versicherungsgerichts vom 10. September 2019,
IV 2019/64, IV-act. 160).
Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte am Vor- und Nachmittag des
26. Februar 2020 während siebeneinhalb Stunden (IV-act. 173-2 und -44) von Dr. med.
G._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, begutachtet. Dieser
diagnostizierte: eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit dissozialen und unreifen
Zügen (ICD-10: F61.0); ein pathologisches Lügen (ICD-10: F68.1); eine Dermatillomanie
(ICD-10: F63.8), daneben eine Onychophagie, eine undifferenzierte
Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.1) und einen Status nach Anpassungsstörung mit
längerer depressiver Reaktion (ICD-10: F43.21). Sowohl bezogen auf
leidensangepasste Tätigkeiten als auch bezogen auf die seit Februar 2019 im
Teilzeitpensum ausgeübte Verkaufstätigkeit (25%iger Beschäftigungsgrad; siehe die
von Dr. G._ eingeholten Auskünfte des Vorgesetzten der Versicherten in IV-
act. 173-31) bescheinigte Dr. G._ der Versicherten eine 80%ige Arbeitsfähigkeit
(Gutachten vom 11. Mai 2020, IV-act. 173). Dr. H._ hielt in der Stellungnahme vom
3. Juni 2020 dafür, dass aus versicherungsmedizinischer Sicht auf die Beurteilung von
Dr. G._ vollumfänglich abgestellt werden könne (IV-act. 175).
A.h.
Die IV-Stelle ermittelte auf der Grundlage der Arbeitsfähigkeitsschätzung von
Dr. G._ einen 20%igen Invaliditätsgrad und beschied der Versicherten am 3. Juli
2020 die Abweisung des Rentengesuchs (IV-act. 177). Diese erhob am 1. September
2020 durch ihren Rechtsvertreter Einwand und beantragte weitere medizinische
Abklärungen (IV-act. 180; zur miteingereichten Stellungnahme von Dr. C._ vom
7. August 2020 siehe IV-act. 180-6 ff.). Am 16. September 2020 verfügte die IV-Stelle
wie angekündigt die Abweisung des Rentengesuchs (IV-act. 181).
A.i.
Gegen die Verfügung vom 16. September 2020 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 5. Oktober 2020. Die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
B.a.
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Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die
Akten wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
beantragt darin durch ihren Rechtsvertreter deren Aufhebung und die Rückweisung der
Sache an die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zwecks weiterer
Abklärungen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zudem ersucht sie um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. Zur Begründung bringt sie im
Wesentlichen vor, die Beurteilung von Dr. G._ leide an verschiedenen Mängeln,
weshalb sie nicht beweiskräftig sei (act. G 1; zur ergänzenden Eingabe zum Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege vom 16. November 2020 siehe act. G 4).
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 25. November
2020 die Abweisung der Beschwerde. Sie stellt sich auf den Standpunkt, dass die
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung von Dr. G._ beweiskräftig und gestützt darauf das
Rentengesuch zu Recht abgewiesen worden sei (act. G 5).
B.b.
Am 30. November 2020 wird dem Gesuch der Beschwerdeführerin um Bewilligung
der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung
der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das Verfahren vor Versicherungsgericht
entsprochen (act. G 6).
B.c.
In der Replik vom 29. Dezember 2020 hält die Beschwerdeführerin unverändert an
ihren Beschwerdeanträgen fest (act. G 8) und sie reicht eine weitere Stellungnahme
von Dr. C._ vom 23. Dezember 2020 ein (act. G 8.1).
B.d.
Die Beschwerdegegnerin hält ihrerseits an der beantragten Beschwerdeabweisung
in der Duplik vom 5. Februar 2021 fest (act. G 10).
B.e.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin.
Am 1. Januar 2022 sind mit der Revision zur Weiterentwicklung der
Invalidenversicherung verschiedene Änderungen des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) und der dazugehörigen Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in Kraft getreten. In zeitlicher Hinsicht sind
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu
Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben. Da vorliegend ein vor dem 1.
Januar 2022 beginnender Rentenanspruch im Streit liegt, finden die neuen
Bestimmungen auf das hier zu beurteilende Rentengesuch keine Anwendung (siehe
auch Kreisschreiben des Bundesamts für Sozialversicherungen über Invalidität und
Rente in der Invalidenversicherung, gültig ab 1. Januar 2022, Rz 9100 f.). Nachfolgend
werden sie daher in der alten Fassung zitiert.
1.1.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
können (lit. a); während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % im Sinn von Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) invalid sind (lit. c).
1.2.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor,
wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3.
Nach aArt. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente,
wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente,
1.4.
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2.
Zunächst ist die zwischen den Parteien umstrittene Frage zu prüfen, ob der
Sachverhalt in medizinischer Hinsicht spruchreif abgeklärt worden ist. Die
Beschwerdegegnerin stützt ihre Verfügung auf das Gutachten von Dr. G._ vom
11. Mai 2020, das die Beschwerdeführerin aus verschiedenen Gründen für mangelhaft
hält.
wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
50 % besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der
medizinischen Fachpersonen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des
Beweiswerts eines medizinischen Berichts ist entscheidend, ob er für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a).
1.5.
Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16
ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Dieser legt fest, dass für die Bestimmung des
Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der
Invalidität durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage
erzielen könnte (Invalideneinkommen) in Beziehung gesetzt wird zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
1.6.
Von allgemeiner Bedeutung ist bei der Würdigung der vorliegenden medizinischen
Akten, dass bei psychischen oder psychosomatischen Krankheitsbildern das
Beweisproblem im Vordergrund steht, da sich die Beurteilung dieser
Gesundheitsschäden und der dadurch bedingten Arbeitsunfähigkeiten – mangels
zuverlässiger bzw. bewährter Messmethodik – zwangsläufig zunächst auf die Angaben
der versicherten Person und deren Leidenspräsentation stützen und es an einer
2.1.
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eigentlichen davon unabhängigen, direkten Objektivierbarkeit fehlt. Deshalb ist die
umfassende Prüfung der Konsistenz und der Plausibilität der Leidensschilderung sowie
-präsentation für die möglichst objektive bzw. medizinisch-wirklichkeitsgetreue
Beurteilung der gesundheitlichen Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit von zentraler
Bedeutung (siehe etwa BGE 141 V 281). Um eine möglichst objektive, von der
Selbsteinschätzung der versicherten Person unabhängige, der tatsächlichen
Funktionsfähigkeit entsprechende Arbeitsfähigkeitsbeurteilung im Sinn von Art. 7
Abs. 1 und 2 ATSG zu gewährleisten (vgl. hierzu bzw. zur Massgeblichkeit des
tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens etwa das Urteil des Bundesgerichts vom
11. Mai 2020, 9C_765/2019, E. 4.2), haben die medizinischen Fachpersonen nebst den
Erkenntnissen der eigenen Untersuchung deshalb nach Möglichkeit bei ihrer Expertise
sämtliche Lebensaspekte zu würdigen, bei denen Beeinträchtigungen und Ressourcen
einer versicherten Person in Erscheinung treten. Dabei sich zeigende Umstände wie
etwa Inkonsistenzen, die auf krankheitsfremde Faktoren deuten oder ernsthafte Zweifel
am objektiven Umfang der geklagten gesundheitlichen Beeinträchtigung begründen,
sind zu benennen. Geltend gemachte Beeinträchtigungen, die auf solchen
krankheitsfremden bzw. nicht krankheitswertigen Faktoren beruhen oder zweifelhaft
erscheinen, sind bei der Beurteilung des Gesundheitsschadens sowie der
Arbeitsfähigkeit auszuklammern. Denn massgebend für die Ermittlung der
Erwerbsunfähigkeit bzw. Invalidität sind nur gesundheitliche Beeinträchtigungen, deren
Vorhandensein aus objektiver Sicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit bejaht werden kann. Aus diesen Gründen sehen die
Qualitätsleitlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten der Schweizerischen
Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP, 3. vollständig überarbeitete
und ergänzte Auflage, 16. Juni 2016) denn auch vor, dass eine Stellungnahme zur
Authentizität von Beschwerden, von präsentierten Symptomen und von
Leistungseinschränkungen obligatorischer Bestandteil eines
versicherungspsychiatrischen Gutachtens zu sein hat. Das beinhaltet eine
Stellungnahme zur Frage, ob die berichteten Beschwerden und präsentierten
Symptome in sich konsistent sind oder ob Diskrepanzen, allenfalls sogar Widersprüche
bestehen. Dies gelingt am ehesten durch eine Gegenüberstellung der erhobenen
Informationen mit Hilfe der verschiedensten methodischen Zugänge. Diesbezüglich
sind Hinweise aus der Verhaltensbeobachtung und dem Anamneseverlauf relevant
(Qualitätsleitlinien, S. 29). Eine besondere Bedeutung bei der Exploration kommt der
detaillierten Beschreibung eines üblichen Tagesablaufs durch die versicherte Person
zu, da sich hieraus häufig Hinweise auf Interessen, Aktivitäten, Alltagsgewohnheiten
und damit Potential und Ressourcen, jedoch auch Diskrepanzen zu anderen Angaben
oder zum Verhalten in der Untersuchung ergeben (Qualitätsleitlinien, S. 16; siehe zum
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Ganzen den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 5. Juni 2020, IV 2018/124,
E. 3.1).
Bei ihrem unter Verweis auf BGE 135 V 467 ff. E. 4 erfolgten Vorbringen (act. G 8,
Rz 3), es genügten bereits geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
ärztlichen Feststellungen, um im vorliegenden Fall weitere medizinische Abklärungen
(in Form einer versicherungsexternen bzw. einer vom Gericht anzuordnenden
Begutachtung) für notwendig erscheinen zu lassen, übersieht die Beschwerdeführerin,
dass es sich beim Gutachten von Dr. G._ um ein versicherungsexternes
Administrativgutachten handelt. Damit findet die von ihr zitierte Rechtsprechung und
die darin ausschliesslich hinsichtlich versicherungsinterner medizinischer Beurteilungen
formulierten strengeren Anforderungen an die Beweiswürdigung (BGE 135 V 470 E. 4.4
am Schluss) keine Anwendung auf das Gutachten von Dr. G._ (zu den für die
Beweiswürdigung massgebenden Gesichtspunkten siehe vorstehende E. 1.5).
2.2.
Gegen die Beweiskraft der Einschätzung von Dr. G._ bringt die Beschwerde
führerin die davon abweichende Beurteilung der Behandlerin Dr. C._ vor (act. G 1,
III. Rz 4 und Rz 11 ff., sowie act. G 8, Rz 2).
2.3.
Vorweg ist zu bemerken, dass sich die Aussage von Dr. C._, Dr. G._ habe
die tatsächlich ausgeübte Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin «als Beweis für die
weitgehend volle Arbeitsfähigkeit» angesehen (IV-act. 180-7), insoweit als aktenwidrig
und tendenziös erweist, als der Gutachter ihr immerhin eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit
bescheinigte und diese Einschätzung auf einer umfassenden, multiperspektivischen
Würdigung beruht (siehe hierzu nachstehende E. 2.7).
2.3.1.
Was die von Dr. C._ in den Stellungnahmen vom 7. August 2020 (IV-
act. 180-6 ff.) und vom 23. Dezember 2020 (act. G 8.1) enthaltenen Äusserungen
anbelangt, so gehen diese im Wesentlichen in einer anderen Würdigung einzelner
Aspekte (Lügenverhalten und affektive Authentizität und Traumata) auf. Ein den
Beweisanforderungen grundsätzlich genügendes medizinisches Gutachten (BGE 125 V
351 f. E. 3a und b) – wie das vorliegende Gutachten von Dr. G._ (siehe hierzu
nachstehende E. 2.7) – kann jedoch nicht in Frage gestellt werden und es besteht kein
Anlass zu weiteren Abklärungen, wenn und sobald die behandelnden medizinischen
Fachpersonen nachher zu einer unterschiedlichen Beurteilung gelangen oder an
vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten. Anders verhält es sich
nur, wenn objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorgebracht werden, welche im
Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben waren und die geeignet sind, zu einer
anderen Beurteilung zu führen (Urteil des Bundesgerichts vom 17. Februar 2021,
2.3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 13/19
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8C_783/2020, E. 5.2). Zudem kann eine psychiatrische Exploration von der Natur der
Sache her auch nicht ermessensfrei erfolgen. Sie eröffnet einer psychiatrischen
Fachperson – sei sie nun in therapeutischer oder in begutachtender Funktion tätig –
daher praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene
medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind,
sofern die Beurteilung des Experten oder der Expertin die Beweisanforderungen erfüllt
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 30. November 2021, 9C_288/2021, E. 4.2.3.3).
Objektiv relevante Gesichtspunkte, welche Dr. G._ zu Unrecht ausser Acht gelassen
hätte, gehen aus den Stellungnahmen von Dr. C._ jedenfalls nicht hervor.
Die Beurteilung von Dr. C._, welche die Beschwerdeführerin bezogen auf eine
Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt für vollständig arbeitsunfähig erachtet (IV-act. 127-2
und IV-act. 149-2), enthält keine erkennbare objektive Konsistenz- und
Ressourcenprüfung. Insbesondere steht ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung in klarem
Widerspruch zur tatsächlich von der Beschwerdeführerin seit Februar 2019 (IV-
act. 173-31) ausgeübten Teilzeittätigkeit und den Angaben des dortigen Vorgesetzten.
Anzufügen bleibt, dass die Beschwerdeführerin offenbar erheblich mehr als ein
25%igen Teilzeitpensum zu erbringen vermag, wie sich aus den mit dem Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege eingereichten Lohnabrechnungen ergibt (siehe etwa die
Lohnabrechnungen von Juli und September 2020, worin 85.15 und 75.77 Stunden
ausgewiesen sind, act. G 4). Ferner wurde der Beschwerdeführerin durch einen
ehemaligen Arbeitgeber bescheinigt, sehr intelligent zu sein sowie sehr gut, freundlich
und speditiv arbeiten zu können (IV-act. 9), was von Dr. C._ ebenfalls
unberücksichtigt blieb. Deren abweichende Beurteilung bzw. Kritik am Gutachten von
Dr. G._ lässt sich denn auch auf eine unkritische Übernahme der Leidensdarstellung
und -präsentation der Beschwerdeführerin zurückführen, wie etwa aus der von ihr allein
aus den Angaben der Beschwerdeführerin gewonnenen und ansonsten durch nichts
belegten Behauptung einer erlittenen «massiven emotionalen Verwahrlosung» (IV-
act. 180-7) hervorgeht. Zudem ist unter diesen Umständen mit der
Beschwerdegegnerin (siehe act. G 5, III. Rz 4 f.) der vom Bundesgericht erkannten
«Erfahrungstatsache» Rechnung zu tragen, dass behandelnde medizinische
Fachpersonen im Zweifelsfall eher zugunsten ihrer Patientinnen und Patienten
aussagen (siehe etwa das Urteil vom 21. April 2020, 8C_23/2020, E. 5.1 mit Hinweis
auf BGE 135 V 470 E. 4.5).
2.3.3.
Mit den Akten nicht vereinbaren lässt sich die erstmals von Dr. C._ in der
Stellungnahme vom 23. Dezember 2020 geäusserte Ansicht, dass sich die
Beschwerdeführerin generell gegenüber männlichen Gesprächspartnern anders
2.3.4.
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verhalte und bedroht fühle, weshalb sie in diesem Zusammenhang zum Selbstschutz
Unwahrheiten äussere (Gefühle von Ohnmacht und Hilflosigkeit; act. G 8.1). So verfügt
die Beschwerdeführerin in ihrem Umfeld denn auch einerseits zumindest über zwei
männliche Vertrauenspersonen (siehe etwa IV-act. 122-3 unten und IV-act. 173-13 f.)
und auch gegenüber ihrem männlichen Vorgesetzten scheint sie kein erhöhtes, zu
Ohnmachtsgefühlen führendes Bedürfnis nach Selbstschutz zu haben. Andererseits
weist die Beschwerdegegnerin zutreffend darauf hin, dass sie gerade auch weibliche
Personen – wie die Dres. C._ und E._ – anlog (act. G 10, Rz 2), womit ein
geschlechtsabhängiger Kontext zu verneinen ist. Ohnehin bleibt unklar, was Dr. C._
von einem geschlechtsbedingten Zusammenhang auf ein Krankheitsbild bzw. auf eine
Arbeitsfähigkeit ableiten möchte, bescheinigte sie der Beschwerdeführerin doch
generell eine vollständige Arbeitsunfähigkeit und nicht bloss in Bezug auf Arbeitsplätze,
mit denen die Beschwerdeführerin regelmässigen Kontakt mit Männern hätte.
Die von der Beschwerdeführerin gegenüber Dr. G._ gemachte Falschaussage
bezüglich der von ihr bei Dr. C._ in Anspruch genommenen Therapie (act. G 1,
III. Rz 7) ist nicht geeignet, den Beweiswert des Gutachtens von Dr. G._ zu
erschüttern. Gegenüber dem Gutachter äusserte die Beschwerdeführerin, sie würde
grundsätzlich gerne wieder zu Dr. C._ gehen, doch würde die Krankenkasse die
Rechnungen nicht mehr übernehmen. Ausserdem müsse sie sich vorgängig wieder bei
ihrem Hausarzt melden, damit dieser die entsprechende Konsultation vermitteln würde,
zumal man sie ohne ihr Wissen im Rahmen eines HMO-Modells versichert habe, was
sie eine «ziemliche Frechheit» finde (IV-act. 173-26). Vielmehr passt diese Aussage ins
von Dr. G._ gezeichnete Bild, scheint es doch die Beschwerdeführerin damit
anzulegen, sich erneut als Opfer – dieses Mal gegenüber der Krankenkasse – zu
inszenieren (siehe hierzu nachstehende E. 2.5.2 am Schluss und IV-act. 173-42). Von
Bedeutung für die Beweiswürdigung ist aber ohnehin, dass diese Ausführung der
Beschwerdeführerin zur aktuellen Psychotherapie keine wesentliche Grundlage der
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung von Dr. G._ darstellt. Im Rahmen der eingehenden
Konsistenz- und Ressourcenprüfung (IV-act. 173-43 f.) fand denn auch die unwahre
Aussage zur aktuellen Therapie keine erkennbare Beachtung. Lediglich bei der
Beurteilung von medizinischen Massnahmen fand sie einen Niederschlag (IV-
act. 173-47).
2.4.
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An der Beurteilung von Dr. G._ rügt die Beschwerdeführerin ausserdem, dass er
in den notorischen Lügen ein Gewinnstreben erblicke (act. G 1, III. Rz 8, und act. G 8,
Rz 1).
2.5.
Dr. G._ vertrat die Ansicht, das eigentlich manipulative Element habe bei der
Beschwerdeführerin zweifellos in ihren pathologischen Lügengeschichten bestanden,
die einerseits Züge der Pseudologia phantastica tragen würden, die andererseits aber
doch auch handfeste Ziele wie materielle Unterstützung verfolgt haben und nicht nur
darauf angelegt gewesen seien, als interessante Person Aufmerksamkeit auf sich zu
ziehen (IV-act. 173-49). Das pathologische Lügen der Beschwerdeführerin habe
einerseits eine Funktionalität, indem sie Helfer und Hilfsmittel mobilisiere (indem zum
Beispiel Therapeut und Gutachter manipuliert würden); andererseits berge diese Art der
Überlebensstrategie auch immer wieder die Gefahr, dass bestehende
Vertrauensbeziehungen zerstört und Arbeitsverhältnisse unmöglich gemacht würden.
Im Fall der Beschwerdeführerin könne diese Lügentendenz als stark bezeichnet
werden, doch habe die Erfahrung gezeigt, dass sich dieses Fehlverhalten nicht in allen
Kontexten gleichermassen störend manifestiere. Gerade die aktuelle Arbeitssituation
habe offenbar während eines Jahres nicht darunter gelitten (IV-act. 173-51; siehe auch
die Überlegungen von Dr. G._ in IV-act. 173-32 und -36 f.).
2.5.1.
Die von Dr. G._ mit plausibler Begründung gezogenen Schlüsse lassen sich mit
den Akten vereinbaren. So geht bereits aus einer unbestritten gebliebenen
Stellungnahme eines ehemaligen Arbeitgebers hervor, dass die Beschwerdeführerin
allein um sozioökonomische Vorteile zu gewinnen, eine Opferrolle erdichtet hatte
(Vergewaltigung durch den Stiefvater, weswegen ihr vom Arbeitgeber Zeit gegeben
worden sei, um jeweils in Therapie zu gehen. Diese Termine habe die
Beschwerdeführerin aber nie wahrgenommen.). Zudem warf ihr der ehemalige
Arbeitgeber vor, Stundenrapporte gefälscht zu haben (IV-act. 7 und IV-act. 9). Insoweit
erweist sich die Aussage der Beschwerdeführerin, nie zum Erreichen finanzieller
Vorteile gelogen zu haben (IV-act. 173-25), als aktenwidrige Schutzbehauptung. Auch
die in der Psychiatrischen Klinik B._ stationär behandelnden medizinischen
Fachpersonen erkannten in den Lügen der Beschwerdeführerin eine Coping-Strategie
und damit ein zielgerichtetes Vorgehen (IV-act. 13-3 Mitte). Die dort von der
Beschwerdeführerin gesuchte Unterstützung und Aufmerksamkeit begründete sie im
Rahmen einer wahrheitswidrigen Darstellung als Opfer sexueller Gewalt (IV-
act. 13-1 f.). Ausserdem räumte die Beschwerdeführerin selbst ein, dass sie sich früher
oft mit «Pseudokrankheiten» (Magen- und Kopfbeschwerden, Schwindel etc.) habe
krankschreiben lassen (IV-act. 173-11 unten) und mit dem Lügen doch nur Hilfe habe
2.5.2.
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erlangen wollen; Hilfe, die sie sonst nicht bekommen hätte (IV-act. 173-25 Mitte).
Dr. E._ vermutete ebenfalls ein zielgerichtetes Lügen, um Aufmerksamkeit zu erhalten
(IV-act. 114-3), was die Beschwerdeführerin im Rahmen des Standortgesprächs denn
auch bestätigte («[...] ich möchte auch jemand sein»; IV-act. 122-13). Insgesamt
leuchtet daher die Sichtweise von Dr. G._ ein, dass das Lügen bei der
Beschwerdeführerin auch auf «materiellen Gewinn» (IV-act. 173-36) bzw. auf
sozioökonomische Vorteile abzielte und dass sie sich hierzu u.a. als tragisches Opfer
dargestellt habe, um Hilfe materieller und immaterieller Art mobilisieren zu können (IV-
act. 173-42; siehe auch IV-act. 173-51).
Des Weiteren macht die Beschwerdeführerin geltend, Dr. G._ sei sich seiner
Sache eindeutig alles andere als sicher gewesen. Die von ihm gewählten
Formulierungen würden unmissverständlich aufzeigen, dass er ganz offensichtlich
unschlüssig ist, wie er das Verhalten mit regelmässigen Lügen zu beurteilen habe (act.
G 1, III. Rz 9; vgl. auch act. G 8, Rz 3). Diesem Vorbringen ist nicht zu folgen. Dass der
Gerichtsgutachter seine Einschätzung nicht in einer vorbehaltlosen Ausdrucksweise
vornahm, sondern sorgfältig dafür- und dagegensprechende Argumente abwog,
vermag daran keine Zweifel zu begründen. Vielmehr ist es die Aufgabe der
Sachverständigen aufzuzeigen, mit welcher Bestimmtheit eine Aussage gemacht
werden kann, wo Unsicherheiten bestehen und an welchen Stellen allenfalls mit
Hypothesen und Bandbreiten gearbeitet werden muss. Daher ist es gerade ein
Qualitätsmerkmal, wenn eine psychiatrische Fachperson im Bereich diagnostisch nicht
eindeutiger und demzufolge einen Interpretationsspielraum eröffnender
Beschwerdebilder darauf verzichtet, eine Sicherheit vorzutäuschen, die es in solchen
Belangen von der Natur der Sache her nicht geben kann (Urteil des Bundesgerichts
vom 19. November 2007, I 961/06, E. 3.1 mit Hinweisen). Der Vollständigkeit halber ist
darauf hinzuweisen, dass in der sozialversicherungsrechtlichen Leistungsprüfung der
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 138 V 221 E. 6) und gerade
nicht derjenige der an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit massgebend ist.
2.5.3.
Soweit die Beschwerdeführerin auf die gutachterliche Beurteilung von Dr. E._
verweist (act. G 1, III. Rz 3 und Rz 10), vermag sie daraus nichts zu ihren Gunsten
abzuleiten. Zwar handelt es sich bei der Expertise von Dr. E._ wie bei derjenigen von
Dr. G._ ebenfalls um ein versicherungsexternes psychiatrisches
Administrativgutachten, womit sich zwei formal gleichwertige Beweismittel
gegenüberstehen. Bei der Würdigung der beiden Gutachten fällt zugunsten der
Einschätzung von Dr. G._ ins Gewicht, dass sie eine umfassende Konsistenz- und
Ressourcenprüfung enthält und sie die sich aus der von der Beschwerdeführerin – im
2.6.
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Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr. E._ noch gar nicht ausgeübten –
Erwerbstätigkeit als Verkäuferin ergebenden Erkenntnisse berücksichtigt. Jedenfalls
wurde mit der späteren erfolgreich ausgeübten Teilzeittätigkeit die Einschätzung von
Dr. E._ widerlegt, dass die Beschwerdeführerin «vor allem auch einen geschützten
Arbeitsplatz benötige» (IV-act. 114-4). Zudem beschränkt sich die Konsistenzprüfung
von Dr. E._ im Wesentlichen auf die als authentisch wahrgenommenen
Leidensangaben und -darstellung der Beschwerdeführerin (IV-act. 101-25). Im Übrigen
leuchtet es aus der Sicht eines medizinischen Laien nicht ein, weshalb die von ihr mit
knapper Begründung dargestellten Ressourcen («zahlreiche Ressourcen», «viel
Fachkompetenz und Wissen im Bereich der Textilverarbeitung», «gewissenhaft und
zuverlässig»; IV-act. 101-26) nicht wenigstens teilweise auf dem ersten Arbeitsmarkt
verwertbar sein sollen, zumal die Arbeitsleistung der Beschwerdeführerin von einem
früheren Arbeitgeber an sich als «sehr gut» bezeichnet worden war (IV-act. 9).
Zugunsten der Beurteilung von Dr. G._ spricht des Weiteren, dass er auch
Fremdauskünfte, u.a. vom aktuellen Vorgesetzten einholte und berücksichtigte (IV-
act. 173-31 f). Schliesslich darf auch nicht ausser Acht gelassen werden, dass
Dr. E._ nicht über die vollständigen relevanten Akten, insbesondere die Auskünfte der
Strafverfolgungsbehörden, verfügte und ihre Einschätzung damit zwangsläufig
zunächst unvollständig blieb. Dies zeigt sich anschaulich etwa an ihrer Aussage, «in der
Begutachtung konnte aber keine Tendenz zu Unwahrheiten oder Halbwahrheiten oder
das Ausschmücken der Realität festgestellt werden» (IV-act. 101-23). Erst in der
ergänzenden Stellungnahme nahm Dr. E._ vom Fehlen der geklagten schweren
Traumatisierungen Kenntnis. Dabei ist ihre nachträgliche Deutung auf eine noch
«wesentlich schwerer» ausgeprägte Persönlichkeitsstörung (IV-act. 114-3) nicht
überzeugend, zumal sie sich nicht mit motivationalen bzw. zweckgerichteten Absichten
auseinandersetzt. Ergänzend ist auf die schlüssige Kritik von Dr. F._ hinzuweisen (IV-
act. 135). Demgegenüber beschrieb Dr. G._ plausibel eine intrinsische Motivation des
Lügens bzw. dessen zielgerichteten Charakter (siehe vorstehende E. 2.5.1 f.). Lediglich
der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass selbst die rechtskundig
vertretene Beschwerdeführerin den medizinischen Sachverhalt mit der Beurteilung von
Dr. E._ für noch nicht spruchreif abgeklärt hielt (Beschwerde vom 15. März 2019, IV-
act. 147, Rechtsbegehren Ziff. 1).
Bei der Würdigung der Einschätzung von Dr. G._ ist ausserdem von Bedeutung,
dass sie auf einer eingehenden siebeneinhalb Stunden dauernden persönlichen Unter
suchung beruht, eine umfassende Konsistenz- und Ressourcenprüfung enthält, Fremd
auskünfte eingeholt wurden und die Charakterisierung des Lügenverhaltens der
Beschwerdeführerin und die Beurteilung von dessen Auswirkungen sorgfältig
2.7.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 18/19
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3.
Auf der Grundlage einer 80%igen Restarbeitsfähigkeit verbleibt die Ermittlung des
Invaliditätsgrads. Weder aus den Akten (siehe etwa die Angaben zur Ausbildung in IV-
act. 1-5, den IK-Auszug in IV-act. 8 und das Assessment- und Verlaufsprotokoll in IV-
act. 94) noch den Ausführungen der Beschwerdeführerin ergeben sich Hinweise, dass
sie im Gesundheitsfall über eine Erwerbsfähigkeit verfügen würde, die ein über dem
Medianlohn für Hilfsarbeiterinnen gemäss der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung
liegendes Einkommen ermöglicht hätte (siehe hierzu Anhang 2: Lohnentwicklung, IVG-
Gesetzesausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2022). Da sowohl für die
Bestimmung des Validen- als auch des Invalideneinkommens auf den LSE-
Hilfsarbeiterinnenlohn abzustellen ist, kann auf eine konkrete Ermittlung der
Vergleichseinkommen nach Art. 16 ATSG verzichtet und ein Prozentvergleich
vorgenommen werden (siehe zum Prozentvergleich etwa das Urteil des Bundesgerichts
vom 6. April 2016, 8C_628/2015, E. 5.3.1 mit Hinweisen). Die leidensbedingten
Einschränkungen der Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin wurden bereits im
Rahmen der Arbeitsfähigkeitsschätzung umfassend berücksichtigt. Diese steht auch
nicht im fortgeschrittenen Alter. Andere Aspekte, die einen Tabellenlohnabzug
rechtfertigen würden, liegen jedenfalls nicht in ausgeprägter Weise vor. Selbst wenn
zugunsten der Beschwerdeführerin – wenn überhaupt – ein höchstens 10%iger
Tabellenlohnabzug gewährt werden würde, resultierte ein nicht rentenbegründender
Invaliditätsgrad von 28 % (20 % + [80 % x 10 %]).
4.
abwägend vorgenommen wurde. Ergänzend kann auf die überzeugende Würdigung
von Dr. H._ vom 3. Juni 2020 verwiesen werden (IV-act. 175). Gestützt auf das
beweiskräftige Gutachten von Dr. G._ ist deshalb mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin sowohl für eine
Verkaufstätigkeit sowie für andere leidensangepasste Tätigkeiten über eine 80%ige
Arbeitsfähigkeit verfügt. Ein Anlass für weitere medizinische Abklärungen besteht
demnach entgegen dem Antrag der Beschwerdeführerin nicht.
Gemäss vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.4.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der
4.2.
bis
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