Decision ID: 5a38b21f-3242-59ae-a0ac-4d3c73007133
Year: 2015
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.a
Am 1. September 1997 schlossen der Schweizerische Physiotherapeuten-
verband (SPV; nachfolgend: physioswiss) einerseits und das Konkordat
Schweizerischer Krankenversicherer (heute: santésuisse), die Schweizer
Krankenversicherer, die Medizinaltarif-Kommission UVG (MTK), die Invali-
denversicherung (IV), vertreten durch das Bundesamt für Sozialversiche-
rung (BSV), und das Bundesamt für Militärversicherung (BAMV) anderer-
seits einen Tarifvertrag (nachfolgend: nationaler Tarifvertrag). Darin regel-
ten sie die Abgeltung von physiotherapeutischen Leistungen an Versi-
cherte, insbesondere nach Art. 43 des Bundesgesetzes vom 18. März
1994 über die Krankenversicherung (KVG, SR 832.10). Dieser Vertrag
wurde vom Bundesrat am 1. Juli 1998 mit Wirkung ab 1. Januar 1998 ge-
nehmigt (vgl. auch RKUV 5/2001 S. 456 ff. [KV 185] und Urteil des Bun-
desgerichts 9C_413/2009 vom 27. Januar 2010, publiziert in SVR 2007 KV
Nr. 8). Für jene Physiotherapeutinnen und -therapeuten sowie jene Kran-
kenversicherer, die dem Vertrag nicht beitreten würden, setzte der Bundes-
rat den Anhang 1 des Tarifvertrages als gesamtschweizerisch einheitliche
(Einzelleistungs-)Tarifstruktur nach Art. 43 Abs. 5 des Bundesgesetzes
vom 18. März 1994 über die Krankenversicherung (KVG, SR 832.10) fest.
Mit Entscheid vom 18. Oktober 2000 setzte der Bundesrat einen Modell-
Taxpunktwert als nationale Ausgangsgrösse in der Höhe von Fr. 0.94 fest
(RKUV 5/2001 S. 456 ff. [KV 185], insbesondere E. 8.4).
A.b Gestützt auf eine Beschwerde des Kantonalverbandes Bündnerischer
Krankenversicherer setzte der Bundesrat den von der Regierung des Kan-
tons Graubünden am 9. März 1999 hoheitlich auf Fr. 1.00 festgelegten Tax-
punktwert (TPW) mit Entscheid vom 4. Dezember 2000 rückwirkend ab 1.
Januar 1998 auf Fr. 0.86 herab (Akten der Vorinstanz zum Regierungsbe-
schluss vom 5. Februar 2013, Protokoll Nr. 87 [nachfolgend: act.] I.3).
A.c Am 11. Dezember 2009 kündigte physioswiss den gesamtschweizeri-
schen Tarifvertrag per 30. Juni 2010. In der Folge kündigte physioswiss am
23. Juni 2011 auch sämtliche kantonalen Taxpunktvereinbarungen per 31.
Dezember 2011.
A.d Mit Entscheid vom 7. Juni 2013 trat der Bundesrat auf einen von phy-
sioswiss am 1. Dezember 2011 gestellten Antrag auf Festsetzung eines
(neuen) nationalen Taxpunktwertes in der Höhe von Fr. 1.10 nicht ein und
hielt fest, dass die am 1. Juli 1998 genehmigte Tarifstruktur weiterhin Gül-
tigkeit habe (nachfolgend: Nichteintretensentscheid).
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B.
Mit Beschluss vom 5. Februar 2013 (Protokoll Nr. 87) setzte die Regierung
des Kantons Graubünden (nachfolgend: Regierung oder Vorinstanz) den
Taxpunktwert für Leistungen der Physiotherapie in freier Praxis im Kanton
Graubünden rückwirkend ab dem 1. Juli 2011 auf Fr. 0.97 fest (Ziff. 2 des
Entscheiddispositivs). Gleichzeitig wies sie ein Sistierungsbegehren der ta-
rifsuisse AG (nachfolgend: tarifsuisse) ab (Ziff. 1 des Entscheiddispositivs).
Allfälligen Beschwerden gegen diesen Beschluss wurde die aufschiebende
Wirkung nicht entzogen. Zur Begründung führte die Regierung im Wesent-
lichen aus, die Voraussetzungen für eine hoheitliche Festsetzung des TPW
seien aufgrund des Scheiterns der Vertragsverhandlungen gegeben (E. 2).
Der Schweizer Physiotherapie Verband (physioswiss) und die Krankenver-
sicherer hätten sich bis zum 1. Juli 2011 nicht auf eine neue Tarifstruktur
einigen können, weshalb die Tarifstruktur vom 1. September 1997 gemäss
Entscheid des Bundesrates vom 1. Juli 1998 grundsätzlich weiterhin an-
wendbar bleibe. Gestützt auf die bundesrätliche Rechtsprechung (RKUV
2001 KV 185 456 ff.) sei der nationale TPW von Fr. 0.94 dem kantonalen
Lohn- und Mietniveau anzupassen. Die Umsetzung des nationalen Tax-
punktwertes auf den kantonalen Taxpunktwert habe dabei auf der Grund-
lage der Lohn- und Mietstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik zu
erfolgen (E. 5). Angesichts des Umstandes, dass der TPW für physiothe-
rapeutische Leistungen seit vierzehn Jahren nicht angepasst worden sei,
erachte sie eine Anpassung als angezeigt (E. 6). Das Bundesamt für Sta-
tistik habe dem Bündner Gesundheitsamt keine statistischen Unterlagen
für eine Bündner Lohnentwicklung zur Verfügung stellen können; entspre-
chend werde für die Festlegung des kantonalen TPW auf die Veränderung
des Landesindexes für Konsumentenpreise abgestellt (E. 7). Das Gebot
der Wirtschaftlichkeit sei vom Bundesrat bei der Festsetzung des TPW am
4. Dezember 2000 auf Fr. 0.86 als gegeben beurteilt worden. Damit sei
davon auszugehen, dass auch der der Teuerung angepasste TPW von
Fr. 0.97 mit dem Gebot der Wirtschaftlichkeit vereinbar sei (E. 8). Der neu
auf Fr. 0.97 festgesetzte TPW sei schliesslich mit dem Billigkeitsgebot ver-
einbar und auch wirtschaftlich tragbar (E. 9; Akten im Beschwerdeverfah-
ren [nachfolgend: BVGer act.] 1, Beilage 1).
C.
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C.a Gegen diesen Regierungsbeschluss vom 5. Februar 2013 (nachfol-
gend: Regierungsbeschluss) erhoben 44 Krankenversicherer (nachfol-
gend: Beschwerdeführerinnen 14-57 oder tarifsuisse-Gruppe) sowie die
CSS-Gruppe (bestehend aus den Krankenversicherern der CSS, Intras,
Arcosana und Sanagate), alle vertreten durch die tarifsuisse AG (nachfol-
gend: tarifsuisse), diese wiederum vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Vin-
cent Augustin, mit Eingabe vom 7. März 2013 Beschwerde beim Bundes-
verwaltungsgericht mit den Anträgen, der angefochtene Beschluss sei auf-
zuheben und die Rechtssache sei zu neuer Entscheidfindung an die Vo-
rinstanz zurückzuweisen; eventualiter sei der TPW in Gutheissung der Be-
schwerde auf höchstens Fr. 0.86 festzusetzen (Akten im Beschwerdever-
fahren C-1232/2013 [nachfolgend: BVGer act., C-1232/2013] 1).
C.b Gegen den Regierungsbeschluss erhoben auch die Helsana Versiche-
rungen AG (nachfolgend: Helsana) und 12 weitere Versicherer der Helsana
Gruppe (alle vertreten durch Helsana; nachfolgend: Beschwerdeführerin-
nen 1-13 oder HSK-Gruppe) am 11. März 2013 Beschwerde beim Bundes-
verwaltungsgericht und beantragten die Aufhebung des Beschlusses und
die Rückweisung an die Vorinstanz zur neuen Entscheidfindung (Ziff. 1);
eventualiter sei der Taxpunktwert für physiotherapeutische Leistungen in
freier Praxis im Kanton Graubünden im Sinne einer vorsorglichen Mass-
nahme (provisorisch) auf Fr. 0.86 festzusetzen (Ziff. 3). Für die Dauer der
bundesrätlichen Entscheidfindung in Sachen Modell-Institutionstaxpunkt-
wert sei der kantonale Taxpunktwert für physiotherapeutische Leistungen
in freier Praxis im Kanton Graubünden im Sinne einer vorsorglichen Mas-
snahme (provisorisch) auf Fr. 0.86 festzusetzen (Ziff. 2; Akten im Be-
schwerdeverfahren C-1310/2013 [nachfolgend: BVGer act.] 1, Beilage 3).
C.c Nach Leistung der auferlegten Kostenvorschüsse (BVGer act. 4;
BVGer act. 5, C-1232/2013) vereinigte das Bundesverwaltungsgericht mit
Zwischenverfügung vom 2. Mai 2013 die beiden Beschwerdeverfahren
(weitere Aktenführung im Verfahren C-1310/2013) und gab den Beschwer-
deführerinnen 14-57 und der CSS-Gruppe sowie den Beschwerdegegnern
Gelegenheit, zum Antrag der Beschwerdeführerinnen 1-13 auf Erlass einer
vorsorglichen Massnahme Stellung zu nehmen (BVGer act. 5).
C.d Mit Eingabe vom 3. Juni 2013 (BVGer act. 8) beantragte Rechtsanwäl-
tin Christine Boldi als Rechtsvertreterin von physio Graubünden, der phy-
sioswiss und von (weiteren Leistungsbringern) unter anderem, es sei den
Beschwerden die aufschiebende Wirkung zu entziehen (Ziff. 1).
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Seite 8
C.e Mit Zwischenverfügung vom 11. Juli 2013 wies das Bundesverwal-
tungsgericht das Gesuch der Beschwerdegegner um Entzug der aufschie-
benden Wirkung ab (Ziff. 3) und schrieb das Begehren der Beschwerde-
führerinnen 1-13 um Erlass einer vorsorglichen Massnahme für die Dauer
der bundesrätlichen Entscheidfindung in Sachen Modell-Taxpunktwert als
gegenstandslos geworden ab (Ziff. 2; BVGer act. 17).
D.
D.a Mit Vernehmlassung vom 10. September 2013 beantragte die Vor-
instanz die Abweisung der Beschwerde (BVGer act. 22).
D.b Mit Beschwerdeantwort vom 16. September 2013 (BVGer act. 23) lies-
sen die Beschwerdegegner durch ihre Rechtsvertreterin die folgenden
Rechtsbegehren stellen:
1. Es sei auf die Beschwerde mangels Legitimation der Beschwerdeführerin-
nen 1-13 nicht einzutreten.
2. Es sei die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen, soweit auf diese über-
haupt einzutreten ist.
3. Es sei der Beschluss des Regierungsrates des Kantons Graubünden vom
5. Februar 2013 aufzuheben und der kantonale Taxpunktwert für physiothe-
rapeutische Leistungen für Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten
sowie Organisationen der Physiotherapie samt Angestellten (Art. 47 und
52a KVV) im Kanton Graubünden per 1. Juli 2011 auf CHF 1.00 festzuset-
zen basierend auf der seit 1. Juli 1998 gültigen Tarifstruktur für physiothe-
rapeutische Leistungen.
4. Eventualiter sei der Beschluss des Regierungsrates des Kantons Graubün-
den vom 5. Februar 2013 aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zur
erneuten Festsetzung des Taxpunktwertes zurückzuweisen.
5. Den Beschwerdegegnern sei volle Akteneinsicht zu gewähren, soweit diese
nicht bereits gewährt wurde, und es sei ihnen anschliessend Gelegenheit
zu geben, zu den Unterlagen Stellung zu nehmen bzw. sei nach erfolgter
Akteneinsicht durch die Beschwerdegegner aufgrund der Komplexität der
Materie ein zweiter Schriftenwechsel gemäss Art. 57 Abs. 2 VwVG anzu-
ordnen.
6. Unter o-/e-Kostenfolge.
D.c Das zur Vernehmlassung aufgeforderte Bundesamt für Gesundheit be-
antragte mit Stellungnahme vom 21. Oktober 2013 die teilweise Gutheis-
sung der Beschwerde unter Aufhebung des angefochtenen Beschlusses
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und Rückweisung an die Vorinstanz zum Erlass eines neuen Entscheides
(BVGer act. 25).
D.d Mit Stellungnahme vom 28. November 2013 hielt der Preisüberwacher
an seiner Empfehlung vom 27. September 2012 fest, wonach maximal der
aus der bisherigen Berechnungsformel (Bundesratsmodell) resultierende
TPW von Fr. 0.86 (BVGer act. 3, Beilage 1, S. 3) festgelegt werden sollte
(BVGer act. 27).
E.
E.a Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 21. Januar 2014 reichten die
Beschwerdeführerinnen 14-57, zusammen mit jenen der CSS-Gruppe, ihre
Schlussbemerkungen ein (BVGer act. 30). Darin hielten sie an ihren bishe-
rigen Ausführungen und Anträgen fest und führten zur Begründung ergän-
zend aus, eine blosse Anpassung des Modell-TPW an die Entwicklung des
Landesindexes für Konsumentenpreise sei in sachlicher Hinsicht verfehlt
und widerspreche auch Art. 59c Abs. 1 der Verordnung vom 27. Juni 1995
über die Krankenversicherung (KVV, SR 832.102). Ferner sei die Be-
schwerdelegitimation der Assura/Supra gegeben, zumal diese in das vo-
rinstanzliche Verfahren miteinbezogen worden seien.
E.b Am 21. Januar 2014 reichte auch die Vorinstanz ihre Schlussbemer-
kungen ein und hielt darin an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde
fest (BVGer act. 31).
E.c Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 22. Januar 2014 modifizierten
die Beschwerdegegner Ziff. 3 des in der Beschwerdeantwort gestellten
Rechtsbegehrens dahingehend, dass sie eine Aufhebung des angefochte-
nen Beschlusses und Festsetzung des kantonalen Taxpunktwertes auf
mindestens Fr. 1.00 beantragten (BVGer act. 32).
E.d Die Beschwerdeführerinnen 1-13 verzichteten auf Schlussbemerkun-
gen.
F.
F.a Am 9. April 2014 schlossen die tarifsuisse-Gruppe (jedoch ohne CSS,
Intras, Arcosana, Sanagate) und physioswiss einen Tarifvertrag auf natio-
naler Ebene (Nationaler Rahmenvertrag Physiotherapie [Beilage 1 zu
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BVGer act. 34]; nachfolgend: Nationaler Vertrag 2014), mit Wirkung ab
1. April 2014. Am gleichen Tag schlossen der Regionalverband physio
graubünden, physioswiss, tarifsuisse und die tarifsuisse-Gruppe (ohne
CSS, Intras, Arcosana, Sanagate) einen Kantonalen Anschlussvertrag
Physiotherapie (Beilage 2 zu BVGer act. 34; nachfolgend: Kantonaler Ver-
trag 2014).
F.b Am 24. April 2014 ging beim Bundesverwaltungsgericht der nachfol-
gende, von den Beschwerdeführerinnen der tarifsuisse-Gruppe (ohne
CSS, Intras, Arcosana, Sanagate) und physioswiss am 17. beziehungs-
weise 22. April 2014 unterzeichnete Verfahrensantrag ein (BVGer act. 34):
Es sei das oben aufgeführte Beschwerdeverfahren hinsichtlich eingangs er-
wähnter Parteien (also nicht hinsichtlich CSS, Intras, Arcosana und Sanagate)
zu sistieren und die Sistierung so lange aufrecht zu erhalten, bis
 die Parteien gemeinsam die Aufhebung der Sistierung und entweder
die Fortführung des Verfahrens oder die Abschreibung des Verfahrens
beantragen,
oder
 eine Partei unter Vorlage eines rechtskräftigen letztinstanzlichen ma-
teriellen Nichtgenehmigungsentscheides (sei es hinsichtlich des natio-
nalen Rahmenvertrages vom 1. April 2014 oder des gleichentags ab-
geschlossenen kantonalen Anschlussvertrages für den Kanton Grau-
bünden) die Fortführung des Verfahrens beantragt,
oder
 eine der Parteien gestützt auf Art. 18 Abs. 3 oder 20 Abs. 6 des natio-
nalen Rahmenvertrags berechtigterweise die Fortführung des Verfah-
rens verlangt.
Hebt eine Partei die Sistierung auf, so gilt dies für sämtliche zwischen den
Parteien im jeweiligen Kanton bestehenden Verfahren.
F.c Mit Zwischenverfügung vom 12. Mai 2014 lud das Bundesverwaltungs-
gericht die Verfahrensbeteiligten ein, zum Sistierungsantrag bis zum 12.
Juni 2014 Stellung zu nehmen. Ferner wurde der Rechtsvertreter der ta-
rifsuisse aufgefordert, allfällige Differenzierungen zwischen den Anträgen
und Positionen der CSS, Intras, Arcosana und Sanagate einerseits und
den von ihm vertretenen übrigen Beschwerdeführerinnen andererseits vor-
zunehmen (BVGer act. 35).
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F.d Mit Eingabe vom 3./4. Juni 2014 beantragte die Vorinstanz die Abwei-
sung des Sistierungsantrages (BVGer act. 36).
F.e Mit Eingabe vom 12. Juni 2014 hielt der Rechtsvertreter der tarifsuisse-
Gruppe fest, dass die Krankenversicherer der CSS-Gruppe die Fortset-
zung des Verfahrens beantragen würden (BVGer act. 38).
F.f Am 12. Juni 2014 stellte die HSK-Gruppe den Antrag, der Sistierungs-
antrag der tarifsuisse und der Beschwerdegegner sei nicht auf sie auszu-
dehnen (BVGer act. 37).
F.g Am 14. Juli 2014 teilte der Rechtsvertreter der tarifsuisse-Gruppe dem
Bundesverwaltungsgericht – unter Verweis auf ein beigelegtes Schreiben
der CSS-Gruppe an die tarifsuisse – mit, dass letztere die der tarifsuisse
und ihm erteilte Vollmacht zur Vertretung für die Verfahren betreffend Tarife
Physiotherapie mit Wirkung per 11. Juli 2014 widerrufen habe, weshalb
diese die Verfahren selber weiterführen werde (BVGer act. 39 samt Bei-
lage).
F.h Mit Zwischenverfügung vom 19. August 2014 nahm und gab das Bun-
desverwaltungsgericht davon Kenntnis, dass die CSS-Gruppe nicht mehr
durch die tarifsuisse vertreten werde und das Verfahren der CSS-Gruppe
neu unter der Verfahrensnummer C-4457/2014 geführt werde (BVGer
act. 40).
G.
G.a Mit Zwischenverfügungen vom 30. September 2014 und 21. Novem-
ber 2014 setzte das Bundesverwaltungsgericht die Verfahrensbeteiligten
über das in den vereinigten Verfahren (C-2461/2013 und C-2468/2013) er-
gangene, inzwischen publizierte Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
vom 28. August 2014 (nachfolgend: Pilotentscheid; publiziert in: BVGE
2014/18) in Kenntnis und räumte ihnen Gelegenheit ein, zu diesem Ent-
scheid Stellung zu nehmen (BVGer act. 41 und 45).
G.b Mit Eingabe vom 21. Oktober 2014 nahm die Vorinstanz zum Pilotent-
scheid insofern Stellung, als sie auf die finanziellen Konsequenzen eines
gleich lautenden Urteils in den hängigen Beschwerden hinwies. Ferner
reichte sie den Nationalen und den Kantonalen Vertrag 2014 sowie den
Regierungsbeschluss Prot. Nr. 888 vom 23. September 2014 betreffend
Genehmigung des Kantonalen Anschlussvertrags (nachfolgend: Regie-
rungsbeschluss Nr. 888) ein (BVGer act. 42 samt Beilagen).
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G.c Mit Eingabe vom 27. Oktober 2014 nahmen die Beschwerdegegner,
vertreten durch Rechtsanwältin Christine Boldi und Rechtsanwalt Istvàn
Bolt, zum Pilotentscheid Stellung, indem sie namentlich vorbrachten, auch
nach Kündigung des Tarifvertrages 1998 müsse die bundesrätliche Ta-
rifstruktur mit Blick auf das Bedürfnis nach Rechtssicherheit und den Ver-
trauensgrundsatz weiterhin anwendbar bleiben. Ferner stellten sie den
(neuen) Verfahrensantrag, es sei der Bundesrat unter Fristansetzung um
Stellungnahme zu ersuchen, wann mit der Genehmigung des Rahmenver-
trages zwischen physioswiss und tarifsuisse vom 1. April 2014 samt ver-
einbarter Tarifstruktur sowie wann mit der rückwirkenden Festsetzung der
Tarifstruktur per 1. Juli 2011 für nicht dem Rahmenvertrag beigetretene
Versicherer und Leistungserbringer zu rechnen ist. Ferner seien die Be-
schwerdeverfahren C-1310/2014 und C-4457/2014 zu sistieren und die
Beschwerden anschliessend abzuweisen. Schliesslich legten sie noch den
Regierungsbeschluss Nr. 888 ins Recht (BVGer act. 43).
G.d Mit Eingabe vom 27. Oktober 2014 nahmen die Beschwerdeführerin-
nen 14-57 zum Pilotentscheid Stellung, indem sie an ihren bisherigen An-
trägen formeller und materieller Natur festhielten und ergänzend den Ver-
fahrensantrag stellten, das Bundesverwaltungsgericht wolle den Bundesrat
unter üblicher Fristansetzung ersuchen, sich dahingehend zu äussern, ob
und wann mit einem Entscheid des Bundesrates betreffend des zur Ge-
nehmigung vorgelegten Nationalen Rahmenvertrags Physiotherapie vom
1. April 2014 zu rechnen sei. Ferner reichten sie ebenfalls den Regierungs-
beschluss Nr. 888 ein (BVGer act. 44).
G.e Mit Eingabe vom 19. Dezember 2014 (BVGer act. 46) liess sich die
HSK-Gruppe vernehmen, indem sie insbesondere auf ihre Stellungnahme
an das Bundesverwaltungsgericht im Beschwerdeverfahren C-2509/2014
(betreffend den Kanton Bern) verwies (Beilage 2 zu BVGer act. 46) und
zudem die folgenden ergänzenden Verfahrensanträge stellte:
1. Das Verfahren sei zu sistieren, bis die Tarifpartner eine gesamtschweizeri-
sche Lösung zur Beseitigung der mit dem BVGE (C-2461/2013 und C-
2468/2013 vom 28. August 2014) einhergehenden Rechtsunsicherheit ver-
einbaren, oder subsidiär der Bundesrat eine Einzelleistungstarifstruktur für
physiotherapeutische Leistungen in freier Praxis nach Art. 43 KVG verord-
net.
2. Eventualiter sei das Bundesamt für Gesundheit (BAG) zur Stellungnahme
aufzufordern, so dass das Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht und das Vorgehen des Amts bzw. Bundesrats aufeinander ab-
gestimmt werden können.
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G.f Mit verfahrensleitender Verfügung vom 24. Dezember 2014 schloss
das Bundesverwaltungsgericht den Schriftenwechsel, vorbehältlich weite-
rer Instruktionsmassnahmen, ab (BVGer act.47).
G.g Mit Eingabe vom 2. Februar 2015 übermittelten die Beschwerdegeg-
ner dem Bundesverwaltungsgericht einen von ihren Rechtsvertretern und
Vertretern der tarifsuisse unterzeichneten gemeinsamen Antrag vom
30. Januar 2015 (BVGer act. 25 samt Beilage; C-1953/2014), wonach un-
ter anderem im Beschwerdeverfahren betreffend den Kanton Graubünden
ein Entscheid mit gleichlautendem Dispositiv wie im Pilotentscheid zu er-
lassen sei, d.h. die vorinstanzlichen Entscheide seien aufzuheben (Ziff. 1);
ferner sei auf eine Begründung der Urteile zu verzichten (Ziff. 2), und es
seien die Parteikosten wettzuschlagen und die Gerichtskosten nach ge-
richtlichem Ermessen zu minimieren resp. zu erlassen. Allfällige Gerichts-
kosten in den von der tarifsuisse ag erhobenen Beschwerden seien der
tarifsuisse ag aufzuerlegen, allfällige Gerichtskosten in den von physios-
wiss erhobenen Beschwerden seien der physioswiss aufzuerlegen (Ziff. 3).
H.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien und weiteren Verfahrensbetei-
ligten und die eingereichten Unterlagen wird – soweit erforderlich – in den
nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), sofern keine
Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33
VGG genannten Behörden, wobei insbesondere Instanzen des Bundes
aufgeführt werden. Verfügungen kantonaler Instanzen sind gemäss Art. 33
Bst. i VGG nur dann beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar, wenn
dies in einem Bundesgesetz vorgesehen ist.
1.2 Art. 90a Abs. 2 KVG sieht vor, dass das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Beschlüsse der Kantonsregierungen nach Art. 53 KVG
beurteilt. Zu den gemäss Art. 53 Abs. 1 KVG anfechtbaren Beschlüssen
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der Kantonsregierungen gehören namentlich Beschlüsse nach Art. 46 Abs.
4 und 47 Abs. 1 KVG. Beim angefochtenen Regierungsbeschluss vom 5.
Februar 2013 handelt es sich um einen Beschluss im Sinne von Art. 47
Abs. 1 KVG. Das Bundesverwaltungsgericht ist demnach zur Beurteilung
der Beschwerde zuständig.
1.3 Zur Beschwerde berechtigt ist nach Art. 48 Abs. 1 VwVG, wer vor der
Vorinstanz am Verfahren teilgenommen hat oder keine Möglichkeit zur Teil-
nahme erhalten hat (Bst. a); durch die angefochtene Verfügung besonders
berührt ist (Bst. b); und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung
oder Änderung hat (Bst. c).
1.4
1.4.1 Vorliegend wird die Helsana durch die Leiterin Versicherungsrecht,
Andrea Jaussi Oswald, und den Leiter Unternehmensrecht, Adrian Hedi-
ger, beide mit Kollektivunterschrift zu zweien zeichnungsberechtigt (vgl.
Auszug aus dem Handelsregister, < www.zefix.ch >, abgerufen am
16.12.2014) vertreten; ferner vertritt die Helsana auch die Beschwerdefüh-
rerinnen 2-13 (Beilagen 1 + 2 zu BVGer act. 1).
1.4.2 Die Beschwerdeführerinnen 14-57 (Verfahrensnummer C-
1232/2013) werden – ab 11. Juli 2014 mit Ausnahme der CSS-Gruppe (vgl.
Sachverhalt, Bst. F.g hiervor) – durch die tarifsuisse vertreten; tarifsuisse
wiederum hat den die Beschwerde unterzeichnenden Rechtsanwalt Dr. iur.
V. Augustin, mit der Wahrung ihrer Interessen beauftragt (Beilagen 2-4 zu
BVGer act. 1 sowie Beilagen zu BVGer act. 4, C-1232/2013).
1.4.3 Die Beschwerdeführerinnen haben am vorinstanzlichen Verfahren
teilgenommen (vgl. aber betreffend Assura und Supra nachstehende
E. 1.5), sind durch den angefochtenen Beschluss ohne Zweifel zwar be-
sonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an dessen Auf-
hebung oder Änderung. Sie sind daher zur Beschwerde legitimiert (vgl. zur
Beschwerdelegitimation der Krankenversicherer auch Urteil des Bundes-
gerichts [BGer] 2C_856/2011 vom 18. Januar 2012 E. 3; Urteil des Bun-
desverwaltungsgerichts [BVGer] C-6460/2011 vom 23. Juni 2014 E. 2.3).
1.5 Bezüglich der Beschwerdeführerinnen 56 und 57, das heisst der As-
sura und Supra, ist festzustellen, dass diese als explizite Adressaten des
angefochtenen Beschlusses zwar besonders berührt sind und ein schutz-
würdiges Interesse an der Aufhebung oder Änderung der angefochtenen
Verfügung haben. Mit Schreiben des Gesundheitsamtes Graubünden vom
http://www.zefix.ch/
C-1232/2013; C-1310/2013
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14. März 2012 wurden die Assura und die Supra explizit ersucht, bis zum
28. März 2012 mitzuteilen, ob zwischen ihnen einerseits und der Rechts-
vertreterin der Beschwerdegegner anderseits Tarifverhandlungen geführt
worden und ob diese Verhandlungen tatsächlich gescheitert seien (act.
II/38 + II/39). Die beiden Krankenkassen nahmen hierzu allerdings nicht
Stellung (vgl. Regierungsbeschluss, S. 5), sodass der Nachweis hinsicht-
lich der Durchführung und des Scheiterns ernsthafter Verhandlungen nicht
erbracht ist. Die Voraussetzungen für eine Tariffestsetzung durch die Re-
gierung (Art. 47 Abs. 1 KVG) waren somit für diese Krankenkassen nicht
gegeben, sodass auch auf ihre Beschwerde nicht eingetreten werden
kann.
1.6
1.6.1 Die Beschwerdeführerinnen 14-57 (und die CSS-Gruppe) haben ihre
Beschwerde am 7. März 2013 der Schweizerischen Post übergeben; der
angefochtene Regierungsbeschluss vom 5. Februar 2013 wurde am 6.
Februar 2013 versandt (Beilagen 1 zu BVGer act. 1; C-1232/2013). Dem-
nach ist die 30-tägige Beschwerdefrist jedenfalls gewahrt (Art. 50 Abs. 1
i.V.m. Art. 20 Abs. 1 VwVG und Art. 53 Abs. 2 Bst. b KVG). Die Beschwerde
ist somit fristgerecht erhoben worden.
1.6.2 Die Beschwerdeführerinnen 1-13 haben ihre Beschwerde am
11. März 2013 der Schweizerischen Post übergeben. Demnach ist die 30-
tägige Beschwerdefrist auch für diese gewahrt (Art. 50 Abs. 1 i.V.m. Art. 20
Abs. 1 und 3 VwVG und Art. 53 Abs. 2 Bst. b KVG).
1.7 Da die Beschwerden im Übrigen formgerecht (Art. 52 VwVG) einge-
reicht und die Kostenvorschüsse innert Frist geleistet wurden (BVGer
act. 4; BVGer act. 5, C-1232/2013), ist darauf einzutreten.
1.8 Im Verfahren des Pilotentscheides (publiziert als BVGE 2014/18)
wurde mit Teilentscheid vom 29. Januar 2014 betreffend Festsetzung des
Taxpunktwerts für physiotherapeutische Leistungen ab 2013 im Kanton
Thurgau der physioswiss die Parteistellung abgesprochen, da sie weder im
eigenen Namen legitimiert war, noch die Voraussetzungen einer egoisti-
schen Verbandsbeschwerde erfüllte (vgl. dazu näher E. 3 des genannten
Teilentscheides). Mit der im Teilentscheid vom 29. Januar 2014 enthaltenen
Begründung, auf welche vollumfänglich verwiesen wird, ist der physioswiss
auch im hier strittigen Verfahren die Parteistellung abzusprechen. Insbe-
C-1232/2013; C-1310/2013
Seite 16
sondere vermag physioswiss auch in Bezug auf das vorliegende Be-
schwerdeverfahren kein eigenes schutzwürdiges Interesse darzutun (vgl.
hierzu E. 3.4 des genannten Teilentscheides), und die Voraussetzungen für
eine egoistische Verbandsbeschwerde – namentlich das Erfordernis der
gemeinsamen Interessenlage bezüglich der Mehrheit oder eines Grossteils
seiner Mitglieder (vgl. dazu BGE 136 II 539 E. 1.1) – sind vorliegend nicht
gegeben (vgl. hierzu E. 3.5 des genannten Teilentscheides). Auf die be-
schwerdegegnerischen Anträge von physioswiss ist daher nicht einzutre-
ten. Demgegenüber kommt physio graubünden und den auf der Mitglieder-
liste bezeichneten Physiotherapeuten (Beilagen 2a, 3a + 3b zu BVGer
act. 8) Parteistellung als Beschwerdegegner zu.
1.9 In Bezug auf den von den Rechtsvertretern der Beschwerdegegner mit
Eingabe vom 2. Februar 2015 übermittelten Antrag auf Begründungsver-
zicht mit entsprechender Berücksichtigung bei den Kosten- und Entschä-
digungsfolgen (vgl. Sachverhalt, Bst. G.g hiervor) ist festzuhalten, dass der
begründete Entscheidentwurf im Zeitpunkt des Gesuchseinganges bereits
vorlag. Das Gesuch um Begründungsverzicht mit entsprechender Berück-
sichtigung bei den Kosten- und Entschädigungsfolgen ist demnach bereits
aus diesem Grund abzuweisen.
2.
2.1 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich gemäss
Art. 37 VGG und Art. 53 Abs. 2 Satz 1 KVG grundsätzlich nach dem VwVG.
Die Beschwerdeführerinnen können daher im Rahmen des Beschwerde-
verfahrens betreffend eine Tariffestsetzung nach Art. 47 Abs. 1 KVG die
Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Missbrauchs oder der
Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Fest-
stellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Unangemessenheit
des angefochtenen Entscheids rügen (Art. 49 VwVG).
2.2 Neue Tatsachen und Beweismittel dürfen nur so weit vorgebracht wer-
den, als erst der angefochtene Beschluss dazu Anlass gibt. Neue Begeh-
ren sind unzulässig (Art. 53 Abs. 2 Bst. a KVG).
2.3 Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Recht von Amtes wegen
an. Es ist folglich weder an die in der Beschwerde geltend gemachten Ar-
gumente (Art. 62 Abs. 4 VwVG) noch an die Erwägungen der Vorinstanz
gebunden; es kann eine Beschwerde aus einem anderen als dem angeru-
fenen Grund gutheissen, und es kann eine Beschwerde mit einer von der
C-1232/2013; C-1310/2013
Seite 17
Argumentation der Vorinstanz abweichenden Begründung abweisen (vgl.
BGE 133 II 249 E. 1.4; BVGE 2007/41 E. 2).
3.
Vorliegend umstritten ist die Festsetzung des Taxpunktwertes durch die
Regierung des Kantons Graubünden für physiotherapeutische Leistungen
in freier Praxis auf Fr. 0.97, geltend ab 1. Juli 2011.
3.1 Die Beschwerdegegner haben mit Beschwerdeantwort vom 16. Sep-
tember 2013 beziehungsweise mit Präzisierung vom 22. Januar 2014 die
Aufhebung des angefochtenen Beschlusses und Festsetzung des kanto-
nalen Taxpunktwertes auf mindestens Fr. 1.00, basierend auf der seit
1. Juli 1998 gültigen Tarifstruktur für physiotherapeutische Leistungen, be-
antragt (BVGer act. 23 + 32).
3.2 Die Beschwerdegegner stellen demnach einen Antrag auf Verschlech-
terung der Rechtsposition der Beschwerdeführerinnen (reformatio in
peius). Da das VwVG jedoch keine Anschlussbeschwerde vorsieht, kommt
einem solchen Antrag – insbesondere auch in Beschwerdeverfahren vor
Bundesverwaltungsgericht betreffend OKP-Tariffestsetzungen – lediglich
die Bedeutung einer prozessualen Anregung an die Beschwerdeinstanz
zu. Solche Anträge können indessen Kostenfolgen nach sich ziehen (vgl.
BVGE 2010/24 E. 3.3 m.w.H.). Das besagte Begehren der Beschwerde-
gegner ist daher lediglich als prozessuale Anregung zu behandeln.
4.
4.1 Art. 43 Abs. 1 KVG bestimmt, dass die Leistungserbringer ihre Rech-
nungen nach Tarifen oder Preisen erstellen, welche in Verträgen zwischen
Versicherern und Leistungserbringern (Tarifvertrag) vereinbart oder in den
vom Gesetz bestimmten Fällen von der zuständigen Behörde festgesetzt
werden. Einzelleistungstarife müssen auf einer gesamtschweizerisch ver-
einbarten einheitlichen Tarifstruktur beruhen. Können sich die Tarifpartner
nicht einigen, so legt der Bundesrat diese Tarifstruktur fest (Art. 43 Abs. 5
KVG). Kommt zwischen den Leistungserbringern und den Versicherern
kein Tarifvertrag zustande, so setzt die Kantonsregierung nach Anhören
der Beteiligten den Tarif fest (Art. 47 Abs. 1 KVG; BVGE 2014/18, E. 4.3
ff.).
4.2 Am 1. Juli 1998 hatte der Bundesrat mit Wirkung ab 1. Januar 1998
den nationalen Tarifvertrag für die Behandlung durch Physiotherapeuten in
C-1232/2013; C-1310/2013
Seite 18
freier Praxis (Nationaler Tarifvertrag 1998) samt Anhang 1 und 2 geneh-
migt; zugleich legte er den Tarif nach Anhang 1 dieses Vertrages als ge-
samtschweizerisch einheitliche Tarifstruktur für Einzelleistungstarife fest
(vgl. dazu BVGE 2014/18 E. 5.4 und vorne, Bst. A.a).
4.3 Mit BVGE 2014/18 kam das Bundesverwaltungsgericht nach eingehen-
der Prüfung zum Schluss, dass mit der Vertragskündigung durch physios-
wiss und dem Wegfall des Nationalen Tarifvertrags per 30. Juni 2011 (vgl.
Sachverhalt, Bst. A.c hiervor) keine nationale Tarifstruktur für in freier Pra-
xis erbrachte Physiotherapieleistungen mehr bestehe; ferner sei auch zwi-
schenzeitlich keine neue Tarifstruktur vom Bundesrat genehmigt oder fest-
gesetzt worden. Da eine Einzelleistungsstruktur gesamtschweizerisch ver-
einbart und genehmigt oder gesamtschweizerisch festgesetzt werden
müsse, und im Zeitpunkt des Erlasses des angefochtenen Beschlusses
keine nationale Einzelleistungsstruktur mehr bestanden habe, sei mit dem
angefochtenen Beschluss kein gültiger Einzelleistungstarif festgesetzt wor-
den, weshalb der Beschluss bereits aus diesem Grund aufzuheben sei (E.
5.5.3 und 5.5.4; vgl. auch Art. 43 Abs. 5 KVG). Ferner führte das Bundes-
verwaltungsgericht aus, es sei den Kantonsregierungen verwehrt, einseitig
ein (fiktives) nationales Modell zu entwickeln beziehungsweise auf einem
früheren nationalen Modell aufzubauen, und von diesem nach selbst fest-
gelegten Regeln auf den für ihren Kanton geltenden Tarif zu schliessen,
zumal hiermit Art. 46 Abs. 4 i.V.m. Art. 47 Abs. 1 KVG in doppelter Hinsicht
(fehlende Einigung der Tarifpartner über ein nationales Modell, Unzustän-
digkeit der Kantonsregierung zur [Teil-]Festlegung eines nationalen Tarif-
modells) verletzt werde. Soweit der Regierungsrat eine Hochrechnung auf
ein (fiktives) nationales Modell vorgenommen und daraus den kantonalen
Tarif hergeleitet habe, verstosse er damit gegen Bundesrecht; der ange-
fochtene Beschluss sei deshalb auch aus diesem Grund aufzuheben (E.
5.6). Schliesslich sei die Kantonsregierung im vertragslosen Zustand ver-
pflichtet, im Sinne von Art. 59c KVV eine kantonsbezogene Sachverhalts-
ermittlung zu gewährleisten und gestützt darauf eine den Grundsätzen des
KVG (insb. Wirtschaftlichkeit, betriebswirtschaftliche Bemessung, sachge-
rechte Struktur, möglichst günstige Kosten) entsprechenden kantonalen
Tarif festzusetzen (E. 5.7).
5.
Zu prüfen ist im Folgenden, ob der angefochtene Regierungsbeschluss der
Vorinstanz den vorstehenden genannten Anforderungen des KVG und der
KVV, insbesondere Art. 47 Abs. 1 KVG und Art. 59c KVV gerecht wird.
C-1232/2013; C-1310/2013
Seite 19
5.1 Vorliegend hat die Regierung im angefochtenen Beschluss (E. 7) aus-
geführt, Ausgangsbasis zur Neuberechnung des kantonalen Taxpunktwer-
tes bilde der im Entscheid des Bundesrates vom 4. Dezember 2000 rück-
wirkend auf 1. Januar 1998 festgelegte TPW von Fr. 0.86. Nachdem das
Bundesamt für Statistik über keine statistischen Unterlagen für eine Bünd-
ner beziehungsweise kantonale Lohnentwicklung verfüge, werde für die
Festlegung des kantonalen TPW mit der Veränderung des Landesindexes
für Konsumentenpreise eine auf nationaler Ebene anerkannte und nach-
vollziehbare Berechnungsmethode berücksichtigt. Dieser habe sich in der
massgebenden Zeit von Januar 1998 bis Juni 2011 um 12.4 % erhöht, wo-
mit sich ein kantonaler TPW von Fr. 0.97 ergebe (BVGer act. 1, Beilage 1)
5.2 Aus dem vorstehend Dargelegten (E. 4 hiervor) geht hervor, dass im
Zeitpunkt des angefochtenen Beschlusses keine entsprechende nationale
Einzelleistungsstruktur für physiotherapeutische Leistungen in freier Praxis
mehr bestand (BVGE 2014/18 E. 5.4 f.).
Die Regierung ging somit für die Ermittlung des festgesetzten Tarifs von
einem Taxpunktwert aus, der im Rahmen einer nationalen Tarifstruktur
1998 vereinbart und genehmigt worden war. Indem er diesen Taxpunktwert
mit Hinweis auf die aufgelaufene Teuerung erhöht hat, bezieht sich auch
der neu festgesetzte Taxpunktwert (implizit) auf die nationale Tarifstruktur
1998. Da letztere indes auf nationaler Ebene ausser Kraft getreten ist, hat
sich die Regierung bei der Tariffestsetzung auf eine nicht mehr bestehende
und damit fiktive nationale Tarifstruktur abgestützt. Ein solches Vorgehen
verstösst gegen Art. 43 Abs. 5 KVG, wonach Einzelleistungstarife auf einer
gesamtschweizerisch vereinbarten einheitlichen Tarifstruktur beruhen
müssen, und in doppelter Hinsicht gegen Art. 46 Abs. 4 i.V.m. Art. 47 Abs.
1 KVG (fehlende Einigung der Tarifpartner über ein nationales Modell, Un-
zuständigkeit der Kantonsregierung zur [Teil-] Festlegung eines nationalen
Tarifmodells), sodass der angefochtene Regierungsbeschluss auch des-
wegen als bundesrechtswidrig aufzuheben ist (vgl. dazu BVGE 2014/18
E. 5.6). Wenn die Vorinstanz vorliegend den kantonalen Tarif auf der Basis
der weggefallenen Tarifstruktur festgesetzt hat, so erweist sich dieses Vor-
gehen als bundesrechtswidrig. Dementsprechend wurde hiermit kein gülti-
ger OKP-Tarif festgesetzt. Der angefochtene Beschluss ist somit bereits
aus diesem Grund aufzuheben.
5.3 Zu prüfen ist weiter, ob die Vorinstanz gegen Art. 59c KVV verstossen
hat und welche Schlüsse daraus für das Verwaltungsverfahren zu ziehen
sind.
C-1232/2013; C-1310/2013
Seite 20
In BVGE 2014/18 hat das Bundesverwaltungsgericht die Grundsätze dar-
gelegt, die bei der Tariffestsetzung gemäss Art. 59c KVV i.V.m. Art. 43 KVG
zu berücksichtigen sind (E. 4.4 f., 5.7.1 ff.). Diese Grundsätze (namentlich
gesteigerte Überprüfungs-, Untersuchungs- und Anpassungspflichten, Ge-
bot der Wirtschaftlichkeit der betriebswirtschaftlichen Bemessung und der
sachgerechten Struktur sowie der möglichst günstigen Kosten) waren na-
mentlich in jenem, zum vorliegenden parallelen, Verfahren betreffend die
Festsetzung eines kantonalen KVG-Tarifs zu beachten. Diese Grundsätze
gelten auch für die vorliegend umstrittene Tariffestsetzung.
Da die Vorinstanz – soweit aus den Akten und den Ausführungen der Par-
teien ersichtlich – jedoch davon abgesehen hat, von den Parteien konkre-
tere Mitwirkungshandlungen zu verlangen, um den Sachverhalt im Sinne
der oben genannten Grundsätze zu ermitteln, hat sie (auch) ihre Untersu-
chungspflicht verletzt und den Sachverhalt ungenügend abgeklärt, sodass
der Regierungsratsbeschluss (auch) aus diesem Grund aufzuheben ist
(vgl. BVGE 2014/18 E. 5.7).
6.
6.1 In Bezug auf die Verfahrensanträge der tarifsuisse-Gruppe (ohne CSS,
Intras, Arcosana und Sanagate) und der Beschwerdegegner auf Sistierung
des Verfahrens bis zur Genehmigung der kantonalen Taxpunktwertverein-
barung (BVGer act. 34) sowie den Sistierungsantrag der HSK (BVGer act.
46, Ziff. I.1 des Rechtsbegehrens) ist festzuhalten, dass diese aufgrund
des vorliegenden Verfahrensausganges abzuweisen sind.
6.2 Auf den Verfahrensantrag der Beschwerdeführerinnen 14-57 (ta-
rifsuisse-Gruppe, ohne CSS, Intras, Arcosana und Sanagate) und der Be-
schwerdegegner, wonach der Bundesrat zu ersuchen sei, sich darüber zu
äussern, ob und wann mit einem Entscheid betreffend die Genehmigung
des vorgelegten Nationalen Rahmenvertrages Physiotherapie vom 1. April
2014 zu rechnen sei (vgl. dazu Sachverhalt, Bst. G.c und G.d), ist nicht
einzutreten, da diese Frage nicht zum Anfechtungsgegenstand im vorlie-
genden Verfahren gehört. Gleiches gilt auch für den von der HSK mit Ein-
gabe vom 19. Dezember 2014 (eventualiter) gestellten Verfahrensantrag
(BVGer act. 46, Ziff. 2 des Rechtsbegehrens), wonach das BAG im Hinblick
auf die Abstimmung der Verfahren zu einer Stellungnahme aufzufordern
sei.
C-1232/2013; C-1310/2013
Seite 21
7.
An der dargelegten Beurteilung vermögen auch die von den Beschwerde-
gegnern mit Eingabe ihrer Rechtsvertreter vom 27. Oktober 2014 (BVGer
act. 43) vorgebrachten Einwendungen gegen den Pilotentscheid nichts zu
ändern.
7.1 Zunächst bringen die Beschwerdegegner vor, die langjährige Anwen-
dung der vom Bundesrat 1998 festgesetzten Tarifstruktur, das Bedürfnis
nach Rechtssicherheit sowie der Vertrauensschutz müssten zur weiteren
Anwendung der bisherigen Tarifstruktur führen.
Die Beschwerdegegner beziehungsweise die physioswiss haben am
11. Dezember 2009 den Nationalen Tarifvertrag 1998 beziehungsweise am
23. Juni 2011 auch die kantonalen Tarifverträge gekündigt. Zu diesem Zeit-
punkt hatte sich aber weder das Bundesamt für Gesundheit noch der Bun-
desrat dazu geäussert, ob die 1998 festgesetzte Tarifstruktur noch gültig
sei. Die von den Beschwerdegegnern zitierten Äusserungen des BAG vom
13. Juli 2011 beziehungsweise jene von Bundesrat Berset vom 29. August
2012 datieren später, weshalb sich die Beschwerdegegner bei ihrer Kündi-
gung nicht auf eine behördliche Zusage oder sonstiges, bestimmtes Ver-
halten einer Behörde verlassen haben (vgl. hierzu auch ULRICH HÄFE-
LIN/WALTER HALLER/HELEN KELLER, Schweizerisches Bundesstaatsrecht,
8. Aufl. 2012, Rz. 823).
7.2 Bezüglich des weiteren Vorbringens einer Verletzung des Prinzips der
Verhältnismässigkeit ist festzuhalten, dass eine solche nicht ausreichend
substantiiert begründet wurde, weshalb auf die entsprechende Rüge auch
aus diesem Grund nicht näher einzugehen ist.
8.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass dem Tariffestsetzungsentscheid
der Regierung des Kantons Graubünden vom 5. Februar 2013 keine gül-
tige Tarifstruktur zugrunde liegt. Darüber hinaus hat sie auch die gebotene
kantonsbezogene Abklärung nicht vorgenommen. Der angefochtene Be-
schluss erweist sich somit als bundesrechtswidrig und ist daher vollum-
fänglich aufzuheben.
9.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und die Parteientschädigung.
C-1232/2013; C-1310/2013
Seite 22
9.1 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG
die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei, wobei unter-
liegenden Vorinstanzen keine Verfahrenskosten auferlegt werden können
(Art. 63 Abs. 2 VwVG).
Angesichts des teilweisen Obsiegens aller Parteien rechtfertigt es sich, den
Leistungserbringern (Beschwerdegegnern), den Beschwerdeführerinnen
der HSK-Gruppe (Beschwerdeführerinnen 1-13) sowie der tarifsuisse-
Gruppe (Beschwerdeführerinnen 14-57) reduzierte Verfahrenskosten von
je Fr. 2'000.- aufzuerlegen. Für die Beschwerdeführerinnen 1-13 ist dieser
vom geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 4'000.- (BVGer act. 5, C-
1232/2013) zu entnehmen; der Restbetrag von Fr. 2'000.- wird auf ein von
ihnen zu bezeichnendes Konto zurückerstattet. Die den Beschwerdeführe-
rinnen 14-57 (tarifsuisse-Gruppe) auferlegten Verfahrenskosten von Fr.
2'000.- werden vom seitens der tarifsuisse-Gruppe zusammen mit den
Krankenversicherern der CSS-Gruppe (Beschwerdeverfahren C-
4457/2014) geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 4‘000.- entnommen. Der
Restbetrag von Fr. 2'000.- wird dem Verfahren C-4457/2014 gutgeschrie-
ben.
Der Vorinstanz sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 2
erster Halbsatz VwVG).
9.2 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden
Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr er-
wachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen (Art.
64 Abs. 1 VwVG; vgl. auch Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht;
VGKE, SR 173.320.2).
Nachdem die Parteien vorliegend nur teilweise obsiegen, rechtfertigt es
sich, die Parteientschädigungen wettzuschlagen (vgl. hierzu Urteil des
BVGer C-2345/2014, C-2365/2014, C-2408/2014 vom 19. November
2014, S. 13).
10.
Die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundes-
gericht gegen Entscheide auf dem Gebiet der Krankenversicherung, die
das Bundesverwaltungsgericht gestützt auf Art. 33 Bst. i VGG in Verbin-
dung mit Art. 53 Abs. 1 KVG getroffen hat, ist gemäss Art. 83 Bst. r des
C-1232/2013; C-1310/2013
Seite 23
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110; in der be-
richtigten Fassung) unzulässig. Das vorliegende Urteil ist somit endgültig.