Decision ID: 22afe580-db8d-4012-bbae-110fde8e2e92
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ erlitt am 9. Dezember 2002 einen Autounfall (Unfallmeldung vom
10. Dezember 2002, UV-act. 1-86). Am 10. Dezember 2003 meldete sich der
Versicherte zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 1). Im
Auftrag der IV-Stelle wurde er im Zeitraum vom 15. bis 17. August 2005 in der MEDAS
Ostschweiz polydisziplinär (neurologisch, orthopädisch und psychiatrisch) begutachtet.
Die Gutachter stellten die folgenden Diagnosen, denen sie eine Auswirkung auf die
zumutbare Arbeitsfähigkeit beimassen: einen Status nach Autounfall am 9. Dezember
2002 mit/bei traumatischer drittgradig offener Epicondylus ulnaris-Trümmerfraktur am
rechten Ellbogen mit teilweiser Gelenkdestruktion, traumatischer Läsion des N. ulnaris
rechts (ICD-10: G56.2), N. ulnaris-Neurolyse am 9. Dezember 2002, Neurolyse und
Verlagerung des N. ulnaris am 13. August 2003; eine posttraumatische
Belastungsstörung (ICD-10: F43.1); eine Anpassungsstörung mit gemischter
emotionaler Symptomatik (ICD-10: F43.23) und eine Persönlichkeit mit narzisstischen
Zügen (ICD-10: Z73.1). Für die bisherige Tätigkeit als Lagerist bescheinigten die
Gutachter dem Versicherten eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Bezogen auf eine
leidensangepasste Tätigkeit attestierten sie ihm eine 70%ige Arbeitsfähigkeit
(Gutachten vom 8. November 2005, IV-act. 81; zur ergänzenden Stellungnahme vom
25. Januar 2006 siehe IV-act. 92). Mit Verfügungen vom 9. Juni und 7. Juli 2006 sprach
die IV-Stelle dem Versicherten rückwirkend ab 1. Dezember 2003 bei einem
Invaliditätsgrad von 50 % eine halbe Rente zu (IV-act. 108 ff.). Nach einem von Amtes
wegen durchgeführten Revisionsverfahren teilte die IV-Stelle dem Versicherten am
28. Oktober 2009 mit, er habe weiterhin Anspruch auf die bisherige halbe Rente (IV-
act. 123).
A.a.
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Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 16., 20., 21. und 23. August
2013 (Ermittlungsbericht vom 8. September 2013, IV-act. 143) sowie im Zeitraum vom
13. bis 16. Dezember 2013 (Ermittlungsbericht vom 18. Dezember 2013, IV-act. 169)
observiert (siehe auch die separaten DVD, act. G 4.3 f.). Die Suva-Kreisärztin
med. pract. B._, Fachärztin für Chirurgie, untersuchte den Versicherten am 6. Mai
2014. Sie vertrat den Standpunkt, dessen Gesundheitszustand habe sich inzwischen
verbessert und ihm sei zusätzlich zum ausgeübten Arbeitspensum von 50 % eine
weitere Tätigkeit im Ausmass von 50 % zumutbar (Bericht vom 8. Mai 2014, IV-
act. 196). Am 26. Juni 2014 verfügte die IV-Stelle die Aufhebung der Rente per
1. September 2013 (IV-act. 191). Das Versicherungsgericht hiess die vom
Beschwerdeführer dagegen erhobene Beschwerde vom 26. August 2014 teilweise gut
und hob die angefochtene Verfügung auf. Es wies die Sache zur Vornahme weiterer
medizinischer Abklärungen an die IV-Stelle zurück und verpflichtete sie, das
verfassungs- und gesetzwidrig beschaffte Observationsmaterial aus den Akten zu
entfernen (Entscheid vom 4. April 2017, IV 2014/374; IV-act. 218). Die dagegen von der
IV-Stelle erhobene Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten hiess das
Bundesgericht mit Urteil vom 23. November 2017, 8C_386/2017, teilweise gut. Es hob
den angefochtenen Entscheid auf und wies die Sache an das Versicherungsgericht
zurück, damit es auf der «Basis einer unzensierten Aktenlage» über die
Rechtmässigkeit der Renteneinstellung per 1. September 2013 neu entscheide. Im
Übrigen wies es die Beschwerde ab (IV-act. 224).
A.b.
Am 5. Januar 2018 erliess die IV-Stelle eine Rückerstattungsverfügung und
forderte vom Versicherten die im Zeitraum vom 1. September 2013 bis 30. Juni 2014
ausgerichteten Rentenleistungen im Betrag von insgesamt Fr. 11‘420.-- zurück (IV-
act. 225). Dagegen erhob der Beschwerdeführer am 6. Februar 2018 Beschwerde (IV-
act. 227). Das Versicherungsgericht teilte den Parteien am 8. Februar 2018 die Absicht
mit, das neue Verfahren mit dem bereits hängigen Rentenrevisionsverfahren
IV 2017/442 (vormals IV 2014/374) zu vereinigen (IV-act. 226). Es gelangte zum
Schluss, dass die der verfügten Renteneinstellung zugrundeliegende Einschätzung der
Suva-Kreisärztin med. pract. B._ vom 8. Mai 2014 nicht beweiskräftig sei. Deshalb
hob es die angefochtenen Verfügungen vom 26. Juni 2014 (IV 2017/442 betreffend
Renteneinstellung) und vom 5. Januar 2018 (IV 2018/60 betreffend Rückforderung) auf
A.c.
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und wies die Sache an die IV-Stelle zurück, damit sie ein polydisziplinäres
(orthopädisches, neurologisches und psychiatrisches) Verlaufsgutachten einhole
(Entscheid vom 24. Juli 2018, IV 2017/442 und IV 2018/60; IV-act. 237).
Am 29. März 2019 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, um
Doppelspurigkeiten zu vermeiden, beabsichtige sie, sich dem Gutachtensauftrag der
Suva anzuschliessen (IV-act. 249). In der Folge entwickelten sich zwischen den
Parteien Differenzen bezüglich des Inhalts der Präambel und des Fragekatalogs. Mit
Zwischenverfügung vom 28. Mai 2019 ordnete die IV-Stelle an, an der von ihr
vorgesehenen Präambel werde festgehalten. Den Gutachtern werde der Fragekatalog
gemäss Beilage unterbreitet (IV-act. 257). Die dagegen vom Versicherten erhobene
Beschwerde vom 28. Juni 2019 (IV-act. 258-2 ff.) hiess das Versicherungsgericht im
Entscheid vom 14. November 2019, IV 2019/171, gut und es ordnete Änderungen an
der Präambel und am Fragekatalog an (IV-act. 266).
A.d.
Am 21. Oktober und 26. November 2019 wurde der Versicherte bidisziplinär
(orthopädisch-neurologisch) von den Sachverständigen der Schulthess Klinik (Dr. med.
C._, Facharzt für Neurologie, Dr. med. D._, Facharzt für Schulter- und
Ellenbogenchirurgie, und Dr. med. E._, Facharzt für orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates) begutachtet. Die Gutachter diagnostizierten
eine posttraumatisch aktivierte Pancubitalarthrose bei Status nach Zerstörung des
humero-ulnaren Gelenkanteils mit Defektzone im Bereich des Condylus ulnaris bei
drittgradig offener Epicondylus ulnaris-Trümmerfraktur Ellenbogen rechts am
9. Dezember 2002 mit residueller Bewegungseinschränkung (vor allem persistierendes
Streckdefizit Ellenbogen rechts); eine Epicondylitis humeri radialis rechts und eine
Impingementsymptomatik der rechten Schulter, am ehesten funktionell bedingt bei
gestörtem scapulothorakalem Rhythmus der rechten Schulter und muskulären
Beschwerden im Bereich des rechten Schultergürtels. Bezüglich der Frage nach dem
Verlauf des Gesundheitszustands seit der ursprünglichen Rentenzusprache führten sie
aus, dass deren Beantwortung schwierig sei, weil sie den Zustand, wie er damals
bestanden habe, nicht kennen würden und es Hinweise darauf gebe, dass sie den
damaligen Zustand im Hinblick auf die Arbeitsfähigkeit anders beurteilt hätten. Ihre
Einschätzung stütze sich deshalb auf einen Vergleich der klinischen und
elektrophysiologischen Befunde ab. Es sei, am ehesten im August 2006 (UV-act. 17-76
A.e.
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Mitte), zu einer Verbesserung der neurologischen Ausfallsymptomatik gekommen mit
auch positivem Impact auf die Funktionalität der rechten Hand. Warum es zusätzlich
auch zu einer Verbesserung der Supination im rechten Unterarm gekommen sei, sei
damit allerdings nicht zu erklären. Schwierig abzuschätzen sei, wie sich die aktuell
nachweisbare entzündliche Aktivierung der Arthrose seit August 2005 entwickelt habe,
da keine szintigrafische Voruntersuchung durchgeführt worden sei. Gemäss den
konventionellen Röntgenbildern sei der Zustand nicht massgebend verändert.
Insgesamt bejahten sie einen verbesserten Gesundheitszustand. Für
leidensangepasste Tätigkeiten bescheinigten sie dem Versicherten eine 80%ige
Arbeitsfähigkeit. Bezogen auf die von ihm ausgeführte «anscheinend relativ gut»
angepasste Tätigkeit als Lagerist sei eine leicht verbesserte Arbeitsfähigkeit von 60 %
zu konstatieren (UV-act. 17, insbesondere UV-act. 17-66 und -75 ff.). Dr. med. F._,
Fachärztin für Neurologie und Mitarbeiterin der IV-Stelle, gelangte in der Stellungnahme
vom 23. April 2020 zur Ansicht, das Gutachten der Schulthess Klinik erfülle die
geforderten Qualitätskriterien. Gestützt darauf sei von einer relevanten Veränderung
des Gesundheitszustands seit der Rentenzusprache im Juni 2006 auszugehen. Die
vom Versicherungsgericht zusätzlich angeordnete psychiatrische Teilbegutachtung
hielt Dr. F._ nach wie vor für indiziert (IV-act. 269).
Im Auftrag der IV-Stelle erstattete Dr. med. G._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, am 12. November 2020 ein psychiatrisches Gutachten, das sich auf
eine persönliche Untersuchung vom 8. Juli 2020 stützte (IV-act. 283). Zusätzlich fand
am 26. Oktober 2020 eine neuropsychologische Teilbegutachtung durch Dr. phil.
H._, Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP, statt (zur neuropsychologischen
Beurteilung vom 26. Oktober 2020 siehe IV-act. 284). Dr. G._ verneinte das Vorliegen
eines psychischen Gesundheitsschadens (IV-act. 283-71) und bejahte im Vergleich
zum Sachverhalt, welcher der ursprünglichen Rentenverfügung zugrunde lag, eine
Veränderung des Gesundheitszustands (IV-act. 283-79). Die von Dr. H._
beschriebene leichte bis mittelschwere neuropsychologische Funktionsstörung (siehe
insbesondere IV-act. 284-9) habe keine psychische Ursache, weil aktuell keine
psychiatrische Diagnose gestellt werden könne. Dr. H._ halte ja auch in seiner
Beurteilung fest, dass die bestehenden Defizite mit schmerzassoziierten
Einschränkungen vereinbar seien. Die Schmerzen hätten im Fall des Versicherten aber
A.f.
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B.
ganz eindeutig eine somatische Ursache und dazu sei von Seiten der somatischen
Kollegen der Schulthess Klinik bereits Stellung genommen worden (IV-act. 283-75 f.).
Dr. F._ hielt das psychiatrisch-neuropsychologische Gutachten ebenfalls für
beweiskräftig. Der genaue Zeitpunkt der Verbesserung lasse sich retrospektiv nicht
festlegen (Stellungnahme vom 30. November 2020, IV-act. 285).
Mit Vorbescheid vom 5. März 2021 zeigte die IV-Stelle dem Versicherten die
Einstellung der Rentenleistungen per 1. September 2013 an (IV-act. 287). Dagegen
erhob der Versicherte am 13. April 2021 Einwand (IV-act. 290). Am 7. Mai 2021 verfügte
die IV-Stelle die revisionsweise Einstellung der Rente per 1. September 2013 (IV-
act. 292).
A.g.
Am 7. Juni 2021 erhob der Beschwerdeführer gegen die Verfügung vom 7. Mai
2021 Beschwerde. Er beantragte deren Aufhebung und dass ihm weiterhin eine halbe
Rente zuzusprechen sei. Eventualiter sei die Streitsache zur erneuten Beurteilung an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, dass er im Juni
2013 keine Erwerbstätigkeit für das sich in seiner Liegenschaft befindliche Bistro
aufgenommen habe. Dieses sei seit der Übernahme der Liegenschaft durch ihn und
seine Ehefrau im Jahr 2003 ausschliesslich von Drittpersonen betrieben bzw. gemietet
worden. Es möge sein, dass er eingesprungen sei, um dem eher unerfahrenen Wirt mit
Rat zur Seite zu stehen und ihm z.B. zu erklären, wie ein Bierfass im Bistro anzuzapfen
sei, und dem Lieferanten gesagt habe, wo die Getränke gelagert würden, zumal die
Infrastruktur ihm gehöre. Diese Einsätze seien aber zeitlich und auch von der Anzahl
her sehr beschränkt gewesen. Die observierten Tätigkeiten seien somit ausschliesslich
als spontane Gefälligkeiten gegenüber dem Pächter des Bistros und keineswegs als
Erwerbstätigkeit zu verstehen. Sein Gesundheitszustand habe sich nicht verbessert
und eine Verbesserung könne auch dem Gutachten der Schulthess Klinik nicht
entnommen werden. Vielmehr habe sich sein Gesundheitszustand inzwischen
verschlechtert, was von den Gutachtern der Schulthess Klinik übersehen worden sei.
Das Gutachten sei somit unvollständig. Des Weiteren warf der Beschwerdeführer
Dr. G._ vor, aufgrund seiner wirtschaftlichen Abhängigkeit von der
B.a.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist die Rechtmässigkeit
Beschwerdegegnerin befangen zu sein. Es sei deshalb ein weiteres Gutachten
einzuholen. Der Beschwerdeführer bestreitet ausserdem, einer gewerbsmässigen
Liegenschaftsbewirtschaftung nachzugehen. Ohnehin sei in diesem Zusammenhang
keine Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse zu erblicken, da der
Liegenschaftserwerb bereits im Jahr 2003 und folglich vor der Rentenzusprache erfolgt
sei. Selbst wenn von einer 60%igen Restarbeitsfähigkeit ausgegangen würde,
resultierte aufgrund eines 20%igen Tabellenlohnabzugs weiterhin ein 50%iger
Invaliditätsgrad (act. G 1).
Die Beschwerdegegnerin beantragte in der Beschwerdeantwort vom 31. August
2021 die Abweisung der Beschwerde. Sie machte geltend, das Bundesgericht habe im
Urteil vom 23. November 2017, 8C_386/2017, festgestellt, dass der Beschwerdeführer
in der beobachteten Zeit 4 bis 7 Stunden im Bistro Gäste bedient, betriebsleitende
Arbeiten ausgeführt, Botengänge vorgenommen, Personal instruiert und Bierfässer
installiert habe. Diese Aktivitäten würden eine Rentenanpassung rechtfertigen. Im
Rahmen des neu vorzunehmenden Einkommensvergleichs seien die Einnahmen aus
der Liegenschaftsbewirtschaftung bei der Invaliditätsbemessung zu berücksichtigen.
Gründe, die einen Tabellenlohnabzug rechtfertigen würden, lägen nicht vor. Der
Invaliditätsgrad liege unter Berücksichtigung eines Einkommens für die Tätigkeit im
Bistro sowie aus der Liegenschaftsbewirtschaftung mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit
weit unter 40 %. Nichts anderes gelte, wenn für die Bestimmung des
Invalideneinkommens auf den massgebenden LSE-Lohn und eine 80%ige
Restarbeitsfähigkeit abgestellt würde (act. G 4).
B.b.
In der Replik vom 10. Januar 2022 hielt der Beschwerdeführer unverändert an der
Beschwerde fest (act. G 12).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin hielt in der Duplik vom 15. Februar 2022 ihrerseits
unverändert an der beantragten Beschwerdeabweisung fest (act. G 14).
B.d.
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der verfügten Renteneinstellung. Zu den massgebenden Rechtsgrundlagen wird auf
E. 1.1 ff. des Entscheids vom 4. April 2017, IV 2014/374 (IV-act. 218), verwiesen.
2.
Zunächst ist die zwischen den Parteien umstrittene Frage zu prüfen, ob sich der
Sachverhalt seit der ursprünglichen Rentenzusprache vom 9. Juni 2006 bzw. 7. Juli
2006 (IV-act. 108 ff.) in revisionsrechtlich relevanter Weise verändert hat.
In medizinischer Hinsicht stützte sich die ursprüngliche Rentenzusprache auf die
Beurteilung der Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz (Gutachten vom
8. November 2005, IV-act. 81, und Ergänzung vom 25. Januar 2006, IV-act. 92). Der
orthopädische MEDAS-Gutachter hielt u.a. fest, dass dem Beschwerdeführer das
Halten eines Werkzeuggriffs nicht möglich sei. Das bei der Arbeit geforderte
Hochheben von Bauteilen zwischen 1 und 70 kg sei nur dann möglich, wenn es
einhändig links erfolgen könne und keine Mithilfe der rechten Hand bedinge (IV-
act. 81-17; siehe auch IV-act. 92-1 unten). Zudem leide er an Durchschlafstörungen mit
Albträumen (IV-act. 81-4) und an einem phobischen Verhalten betreffend das
Exponieren des rechten Arms, was zu einer Verlangsamung und einer allgemeinen
Arbeitsunfähigkeit für alle körperlichen Tätigkeiten, auch für leichte, führe (IV-act. 81-15
unten). Die Mimik und Gestik wurden als «verarmt» beschrieben (IV-act. 81-13 oben).
2.1.
Demgegenüber ergibt sich aus dem Bewegtbildmaterial der Observation (siehe
hierzu IV-act. 143 und IV-act. 169 sowie act. G 4.3 f.), dass der Beschwerdeführer in
seiner Freizeit u.a. über 4 bis 7 Stunden im Bistro Gäste bediente, betriebsleitende
Arbeiten ausführte, Botengänge vornahm, Personal instruierte und Bierfässer
installierte (siehe Urteil des Bundesgerichts vom 23. November 2017, 8C_386/2017,
E. 5.5; IV-act. 224). Dabei vermochte er wiederholt beidhändig Tätigkeiten zu erledigen.
Die Würdigung von Dr. F._ in der Stellungnahme vom 5. Februar 2014, dass sich die
aus der Verletzung der oberen rechten Extremität noch resultierenden funktionellen
Einbussen kaum noch negativ auf die Leistungsfähigkeit («auf das Resultat») einer
leidensangepassten Tätigkeit auswirken würden, erscheint daher plausibel. Gemäss
(unbestritten gebliebenen) Angaben der Arbeitgeberin könne der Beschwerdeführer
auch bei seinem Arbeitsplatz problemlos beide Hände und Arme einsetzen, wobei er
häufig Gewichte bis 10 kg tragen müsse (IV-act. 174-4; siehe das Protokoll zum
Telefongespräch zwischen einer Mitarbeiterin der IV-Stelle und der
Personalverantwortlichen vom 14. November 2013 bzw. 9. Januar 2014, IV-act. 171).
Mit Dr. F._ (IV-act. 174-4 unten) ist allein schon aufgrund dieser deutlich erkennbaren
Verbesserung der Funktionsfähigkeit von einer verbesserten Arbeitsfähigkeit bezogen
2.2.
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auf leidensangepasste Tätigkeiten auszugehen. Dr. F._ ist auch darin zu folgen, dass
im Observationsmaterial keine Hinweise auf psychische Beeinträchtigungen oder einen
starken Dauerschmerz ersichtlich sind (IV-act. 174-4). Insbesondere geht weder aus
den Akten noch den Angaben des Beschwerdeführers hervor, dass er weiterhin an
heftigen typischen Flashback-Reaktionen leidet, wie sie vom psychiatrischen MEDAS-
Gutachter beschrieben worden waren (IV-act. 82-7 oben). Der neurologische
Schulthess-Gutachter hielt denn auch diesbezüglich fest, es hätten sich während der
gesamten Begutachtung keine vegetativen Reaktionen oder Hinweise auf eine
psychische Einschränkung bzw. eine Depression gezeigt (UV-act. 17-59). Vielmehr hat
sich die psychische Situation nach Angaben des Beschwerdeführers gut stabilisiert. Er
schäme sich nicht mehr für seinen Arm und mache das Beste daraus (IV-act. 175-6
oben). Zudem räumte er ein, dass er zusätzlich zur Erwerbstätigkeit beim Betrieb des
Café I._ in verschiedener Hinsicht (aus-)geholfen habe (IV-act. 175-16 f.), was
zusätzlich auf eine verbesserte Funktionsfähigkeit und Ressourcenlage hinweist. Diese
Sichtweise wird durch eine im Namen des Café I._ erfolgte Äusserung des
Beschwerdeführers in einer Zeitung bestätigt (IV-act. 178).
Von Bedeutung ist weiter, dass eine gesundheitliche Verbesserung im Gutachten
der Schulthess Klinik ausdrücklich bestätigt wird. So beschrieb der neurologische
Schulthess-Gutachter nach einer eingehenden Gegenüberstellung der Befunde von
früher mit denjenigen der aktuellen Begutachtung, dass sich das Funktionsdefizit der
vom Nervus ulnaris versorgten Strukturen verbessert habe mit nun geringerer Atrophie,
fehlendem Froment-Zeichen und möglichem Faustschluss (UV-act. 17-74 unten; siehe
auch UV-act. 17-76). Demgegenüber wurde im kreisärztlichen Bericht zur
Abschlussuntersuchung vom 24. Mai 2006 noch eine Sperrdistanz von 1,5 cm
beschrieben (UV-act. 8-51 unten), womit auch unter diesem Aspekt entgegen der
Ansicht des Beschwerdeführers (act. G 1, IV. Rz 23 lit. c, S. 12) eine funktionsrelevante
Verbesserung zu bejahen ist. Aus dem knapp begründeten ärztlichen Zeugnis von
Dr. med. J._ vom 25. November 2014 (act. G 1.3) ergeben sich keine objektiv
relevanten Gesichtspunkte, welche Zweifel an der Beurteilung durch die Schulthess-
Gutachter entstehen lassen. Nichts anderes gilt für die Berichte der Klinik für Hand-,
Plastische- und Wiederherstellungschirurgie am Kantonsspital St. Gallen (KSSG) vom
11. September 2014 (act. G 1.4) und des Zentrums für Ergo- und Physiotherapie am
KSSG vom 21. November 2014 (act. G 1.5). Diese Unterlagen beruhen primär auf den
Schmerzangaben des Beschwerdeführers und lassen die Erkenntnisse aus der
Observation ausser Acht. Ohnehin ermöglichen sie keine Rückschlüsse, die gegen eine
Verbesserung jedenfalls des psychischen Gesundheitszustands sprechen. Im Übrigen
verneinte der neurologische Schulthess-Gutachter Hinweise auf eine psychische
2.3.
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3.
Zu prüfen ist in einem weiteren Schritt die Höhe der Arbeitsfähigkeit.
Einschränkung bzw. auf eine Depression. Dr. G._ gelangte im psychiatrischen
Gutachten vom 12. November 2020 ebenfalls zum Schluss, dass keine Befunde (mehr)
vorlagen, die eine psychisch bedingte Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit begründen
würden (siehe zum ausführlich erhobenen, im Wesentlichen unauffälligen Psychostatus
IV-act. 283-66 ff.). Der Beschwerdeführer berichtete denn auch selbst, dass er sich
inzwischen nicht mehr depressiv fühle und seit Jahren keiner psychiatrischen
Behandlung mehr bedürfe (IV-act. 283-74 unten).
Im Licht der vorgenannten Ausführungen ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
davon auszugehen, dass sich der Sachverhalt, wie er der ursprünglichen
Rentenzusprache zugrunde gelegt worden war, sowohl in somatischer als auch
psychischer Hinsicht in einer für die Arbeitsfähigkeit relevanten Weise verbessert hat.
2.4.
Die vom Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren eingereichten Berichte (siehe
hierzu vorstehende E. 2.3) enthalten weder objektive Gesichtspunkte noch eine
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung, welche die gutachterlichen Einschätzungen in Frage zu
stellen vermögen. Es kann offenbleiben, ob – wie der Beschwerdeführer geltend macht
(act. G 1, IV. Rz 24) – Dr. G._ in einer Art von der Beschwerdegegnerin wirtschaftlich
abhängig ist, wie es versicherungsinterne medizinische Fachpersonen sind. Denn
selbst wenn dieser Sichtweise bei der Beweiswürdigung gefolgt und das Gutachten
von Dr. G._ versicherungsinternen Expertisen gleichgestellt würde (vgl. hierzu Urteil
des Bundesgerichts vom 25. Oktober 2016, 8C_354/2016, E. 5.3; anders wiederum das
Urteil des Bundesgerichts vom 14. Januar 2020, 9C_824/2019, E. 3.2), sind vorliegend
keine Umstände dargetan, die auch nur geringe Zweifel an seinem Gutachten
begründen. Inhaltliche Mängel am Gutachten bringt der Beschwerdeführer auch gar
nicht (substantiiert) vor (act. G 1, IV. Rz 24 ff., und act. G 12, IV. Rz 9).
3.1.
Sowohl das bidisziplinäre Gutachten der Schulthess Klinik vom 4. März 2020 (UV-
act. 17) als auch die psychiatrisch-neuropsychologischen Beurteilungen vom
12. November 2020 (IV-act. 283) bzw. vom 26. Oktober 2020 (IV-act. 284) beruhen auf
umfassenden persönlichen Untersuchungen sowie einer eingehenden Konsistenz- und
Ressourcenprüfung und enthalten eine Auseinandersetzung mit den relevanten
Vorakten. Die Einschätzungen sowohl des Gesundheitsverlaufs als auch des
Arbeitsfähigkeitsverlaufs sind plausibel begründet worden und leuchten ein. Zwar fand
keine eigentliche polydisziplinäre Konsensbeurteilung statt. Eine solche war vorliegend
3.2.
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4.
Ausgehend von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit ist im Rahmen eines
Einkommensvergleichs die Höhe der Erwerbsunfähigkeit bzw. des Invaliditätsgrads zu
ermitteln. In zeitlicher Hinsicht erscheint ein Abstellen auf das Jahr 2013 sachgerecht,
da (spätestens) in diesem Jahr der Eintritt der gesundheitlichen Verbesserung
anzunehmen ist (siehe vorstehende E. 3.2 am Schluss).
allerdings ausnahmsweise nicht erforderlich, da einerseits keine psychisch bedingten
Einschränkungen mehr bestehen. Andererseits können die vom neuropsychologischen
Gutachter beschriebenen rein schmerzbedingten Einschränkungen, die zu einer
verminderten Belastbarkeit und einem erhöhten Pausenbedarf führen (IV-act. 284-9 f.),
im Rahmen der somatischen Begutachtung («Einschränkungen im Rendement», UV-
act. 17-76 f.) bereits als abgegolten betrachtet werden. Es ist weder ersichtlich noch
vom Beschwerdeführer geltend gemacht worden, dass in diesem Zusammenhang
(teil-)additive Beeinträchtigungen resultieren würden. Gestützt auf die gutachterlichen
Einschätzungen ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer wieder über eine
80%ige Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten verfügt. Mit Blick auf das bei
der Observierung gezeigte hohe Funktions- und Ressourcenniveau des
Beschwerdeführers (siehe hierzu vorstehende E. 2.2 und das Urteil des Bundesgerichts
vom 23. November 2017, 8C_386/2017, E. 5.5; IV-act. 224) ist mit der
Beschwerdegegnerin davon auszugehen, dass die verbesserte Arbeitsfähigkeit von
80 % für leidensangepasste Tätigkeiten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
spätestens seit September 2013 erstellt ist.
Allein schon mit Blick auf die tatsächlich teilzeitlich ausgeübte Erwerbstätigkeit des
Beschwerdeführers bestehen trotz des langjährigen Rentenbezugs und des
fortgeschrittenen Alters keine Zweifel an der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
und der Zumutbarkeit der Selbsteingliederung.
4.1.
Bezüglich der Bestimmung des Valideneinkommens kann auf den im Jahr 2002
erzielten Verdienst von Fr. 64'868.-- (IV-act. 8-2) abgestellt werden, da keine Hinweise
erkennbar sind, dass dieser nicht der unbeeinträchtigten Erwerbsfähigkeit des
Beschwerdeführers entsprochen hätte. Angepasst an die bis zum Jahr 2013
eingetretene Nominallohnentwicklung (Index Männer 2002: 1933; Index Männer 2013:
2204; siehe Bundesamt für Statistik, T39, Entwicklung Nominallöhne, der
Konsumentenpreise und Reallöhne) resultiert ein Valideneinkommen von Fr. 73'962.--
([Fr. 64'868.-- / 1933] x 2204).
4.2.
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5.
Zu beurteilen bleibt die Rechtmässigkeit der rückwirkenden Renteneinstellung zum
Der Beschwerdeführer übt eine Erwerbstätigkeit mit einem Pensum von lediglich
50 % aus (siehe etwa IV-act. 283-59 oben), womit er die verbliebene 80%ige
Restarbeitsfähigkeit nicht in zumutbarer Weise ausnützt und der tatsächliche Verdienst
nicht als Invalideneinkommen berücksichtigt werden kann. Stattdessen ist auf den
Medianlohn für Hilfsarbeiter gemäss der Lohnstrukturerhebung abzustellen (siehe etwa
Urteil des Bundesgerichts vom 3. November 2021, 9C_354/2021, E. 4.3 mit Hinweis
u.a. auf BGE 143 V 295). Im Jahr 2013 betrug der LSE-Medianlohn für Hilfsarbeiter
Fr. 65'654.-- (Anhang 2: Lohnentwicklung, IVG-Gesetzesausgabe der Informationsstelle
AHV/IV, Ausgabe 2019). Angepasst an eine 80%ige Arbeitsfähigkeit resultiert ein
Einkommen von Fr. 52'523.-- (Fr. 65'654.-- x 0.8). Aufgrund der zusätzlich zur
Teilzeiterwerbstätigkeit bestehenden hohen Funktionsfähigkeit des Beschwerdeführers
(siehe hierzu vorstehende E. 2.2 und das Urteil des Bundesgerichts vom 23. November
2017, 8C_386/2017, E. 5.5; IV-act. 224) ist davon auszugehen, dass die qualitativen
Anforderungen an eine leidensangepasste Tätigkeit, die unter anderem einen
(beschränkten) Einsatz auch der rechten Hand (UV-act. 17-86) oder ein Bedienen von
Maschinen beinhalten kann (sofern keine schnellen Reaktionen erforderlich sind, IV-
act. 284-10), keine lohnwirksamen Nachteile zeitigen. Aus den Akten geht auch nicht
hervor, dass der Beschwerdeführer in der Anpassungs- oder Umstellungsfähigkeit
relevant beeinträchtigt wäre, womit ihm auch bei fortgeschrittenem Erwerbsalter kein
lohnwirksamer Nachteil im Hilfsarbeiterbereich drohen dürfte, zumal er aufgrund seiner
Erwerbstätigkeit und der dort erworbenen Erfahrung wohl auch Vorteile für eine
leidensangepasste Tätigkeit mitbringt.
4.3.
Bei einem Valideneinkommen von Fr. 73'962.-- und einem Invalideneinkommen
von Fr. 52'523.-- resultieren eine Erwerbsunfähigkeit von Fr. 21'439.-- (Fr. 73'962.-- -
Fr. 52'523.--) und ein nicht mehr rentenbegründender Invaliditätsgrad von aufgerundet
29 % (Fr. 21'439.-- / Fr. 73'962.--). Lediglich der Vollständigkeit halber ist zu ergänzen,
dass selbst die Gewährung eines Tabellenlohnabzugs von 10 % zu keinem renten-
begründenden Invaliditätsgrad führen würde. Diesfalls würden das
Invalideneinkommen Fr. 47'271.-- (Fr. 52'523.-- x 0.9), die Erwerbseinbusse
Fr. 26'691.-- (Fr. 73'962.-- - Fr. 47'271.--) und der Invaliditätsgrad 36 %
(Fr. 26'691.-- / Fr. 73'962.--) betragen. Bei diesem Ergebnis erübrigen sich
Weiterungen zur von der Beschwerdegegnerin geltend gemachten Qualifikation des
Beschwerdeführers als selbstständig erwerbstätiger Liegenschaftsverwalter (siehe etwa
IV-act. 292-4 f.), die von ihm bestritten wird (etwa act. G 1, IV. Rz 27).
4.4.
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Zeitpunkt des (spätestens) anzunehmenden Beginns der gesundheitlichen
Verbesserung (September 2013; siehe vorstehende E. 3.2 am Schluss).
Die Herabsetzung oder Aufhebung der Renten, der Hilflosenentschädigungen und
der Assistenzbeiträge erfolgt frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustellung der
Verfügung folgenden Monats an (Art. 88 Abs. 2 lit. a der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]); oder rückwirkend ab Eintritt der für den
Anspruch erheblichen Änderung, wenn der Bezüger die Leistung zu Unrecht erwirkt hat
oder der ihm nach Art. 77 IVV zumutbaren Meldepflicht nicht nachgekommen ist
(Art. 88 Abs. 2 lit. b IVV). Gemäss Art. 77 IVV haben die Berechtigten oder ihre
gesetzlichen Vertreter sowie Behörden oder Dritte, denen die Leistung zukommt, jede
für den Leistungsanspruch wesentliche Änderung, insbesondere eine solche des
Gesundheitszustandes, der Arbeits- oder Erwerbsfähigkeit sowie der persönlichen und
gegebenenfalls der wirtschaftlichen Verhältnisse der versicherten Person unverzüglich
der IV-Stelle anzuzeigen. Die Meldepflicht stellt eine Konkretisierung des Grundsatzes
von Treu und Glauben dar. Die versicherte Person, die Leistungen beziehen will oder
solche bezieht, hat zur Ermittlung des anspruchsrelevanten Sachverhalts beizutragen.
Sie weiss über ihre persönlichen Verhältnisse am besten Bescheid. Durch die Erfüllung
der Meldepflicht wird dem Versicherungsträger die Abklärung des massgeblichen
Sachverhalts erleichtert (Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]; Urteil des Bundesgerichts vom
27. September 2018, 8C_26/2018, E. 4.3.2 mit Hinweis). Nach der Rechtsprechung
setzt eine Meldepflichtverletzung ein schuldhaftes Fehlverhalten voraus, wobei bereits
eine leichte Fahrlässigkeit genügt (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Oktober 2018,
9C_221/2018, E. 6.1 mit Hinweisen).
5.1.
bis
bis
Art. 88 Abs. 2 lit. b IVV wurde auf den 1. Januar 2015 hin revidiert. Seit dieser
Revision und der damit eingefügten Ergänzung um den zweiten Satzteil kann bei einer
Meldepflichtverletzung oder einer unrechtmässigen Erwirkung der Rente die Leistung
rückwirkend auf den Zeitpunkt der erheblichen Änderung angepasst werden, ohne
dass die Meldepflichtverletzung (oder die unrechtmässige Erwirkung) kausal für die
Weiterausrichtung der Rente gewesen sein muss. Aus dieser Verordnungsänderung
ergibt sich, dass der Zeitpunkt der Kenntnis der IV-Stelle über die Verbesserung des
Gesundheitszustandes der Versicherten im Falle einer Meldepflichtverletzung nicht
länger die Grenze der Rückforderbarkeit bildet (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Mai
2018, 8C_859/2017, E. 4.3). Vorliegend kann in intertemporalrechtlicher Hinsicht
offenbleiben, welche Fassung von Art. 88 Abs. 2 lit. b IVV Anwendung findet, da die
5.2. bis
bis
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6.
dem Beschwerdeführer vorgeworfene Meldepflichtverletzung kausal für die weiteren
bis zur Einstellung ausgerichteten Rentenleistungen gewesen war.
Der Beschwerdeführer wurde bereits bei der Rentenzusprache im Verfügungsteil 2
(IV-act. 106-2) ausdrücklich unter der Überschrift «Meldepflicht» darauf hingewiesen,
dass er «jede Änderung der Verhältnisse, welche den Wegfall, die Herabsetzung oder
Erhöhung zugesprochener Leistungen zur Folge haben kann», der
Beschwerdegegnerin unverzüglich zu melden hat. In der beispielhaften Aufzählung
wurde u.a. ein veränderter Gesundheitszustand genannt. In der Mitteilung vom
28. Oktober 2009 wurde er daran erneut erinnert (IV-act. 123). Spätestens ab
September 2013 entsprachen die Befunde und das Funktionsniveau des
Beschwerdeführers nicht mehr dem gravierenden Zustand, wie er der ursprünglichen
Rentenzusprache zugrunde gelegt worden war (siehe vorstehende E. 2.1 ff.). Diese
objektiv wahrnehmbare erhebliche positive Entwicklung des Gesundheitszustands und
dessen Bedeutung für die Arbeitsfähigkeit konnte dem Beschwerdeführer nicht
verborgen geblieben sein. Er unterliess jedoch eine entsprechende Meldung bzw.
Mitteilung des veränderten Funktionsniveaus. Stattdessen sollten seine im
sozialversicherungsrechtlichen Kontext getätigten Aussagen den Eindruck eines
dauerhaft verschlechterten Schmerzzustands erwecken (IV-act. 175-6 Mitte; «Es wird
immer schlimmer mit den Schmerzen.», IV-act. 146-8 unten; «[...] Situation seit ca.
2010 verschlechtert, insbesondere die Schmerzsymptomatik [...]», UV-act. 17-68;). Vor
diesem Hintergrund kann ihm der Vorwurf nicht erspart bleiben, zumindest in
fahrlässiger Weise die Meldepflicht verletzt zu haben. Mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit kann angenommen werden, dass die Beschwerdegegnerin in
Kenntnis des tatsächlichen Funktionsniveaus umgehend umfassende Abklärungen
betreffend den gesundheitlichen Verlauf und die effektiv vorhandene Arbeitsfähigkeit in
die Wege geleitet und bei korrekter Mitwirkung des Beschwerdeführers den
Leistungsanspruch zeitnah angepasst und die Rente jedenfalls nicht über den
1. September 2013 hinaus ausgerichtet hätte. Somit hatte die Beschwerdegegnerin die
Rentenaufhebung in Nachachtung von Art. 88 Abs. 2 lit. b IVV rückwirkend
anzuordnen.
5.3.
bis
Gemäss vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.6.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
6.2.
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