Decision ID: f66992d7-0108-5676-a18e-c0da126fee80
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1965, arbeitete seit dem 1. Februar 1998 als Chorsän
ger für
die
Y._
und war in dieser Eigenschaft bei der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG (folgend: Zürich) gegen Berufs
- und Nichtberufsunfälle versich
ert. Mit Schadenmeldung vom 28. November 2011 (Urk. 9/Z1) wurde der Zürich angezeigt, dass bei der Hauptprobe von
Z._
am 16. November 2011 drei zu laut verstärkte Gongschläge über den Lautsprecher gekommen seien, wobei der Versicherte sofort einen star
ken Schmerz in beiden Ohren (vor allem aber im rechten Ohr) verspürt habe. Der Versicherte habe die Probe fertig gesungen und sei am Abend auch bei der Vorstellung dabei gewesen. Am nächsten Tag habe er nach dem Aufwa
chen starke Pfeifgeräusche im Ohr gehabt und sei in die Notfallklinik des
B._
gegangen.
Der erstbehandelnde Arzt Dr.
med.
C._
, Facharzt für
Oto
-
Rhino
-Laryngo
logie und Allgemeine Innere Medizin, hielt anlässlich der
Konsulta
tio
n
vom 17. November 2011 fest, dass bereits seit 5 Jahren ein
Pfeiftinnitus
beidseits bekannt sei (nach Lärmtrauma auf der Bühne, Kanonenschuss) und der Versicherte allgemein ein sehr „hypersensitives“ Gehör habe, so dass selbst das Knistern eines Plastiksackes als unglaublich unangenehm empfun
den werde. Dr.
C._
diagnostizierte einen Tinnitus Grad II und stellte eine Arbeitsunfähigkeit bis zum 20. November 2011 aus (Bericht vom 13. Dezember 2011, Urk. 10/ZM2).
Die Zürich
erbrachte Taggeld- und Heil
behandlungsleistungen (vgl. Urk. 9/Z74; Urk. 9/Z100).
Nach weiteren Abklärungen stellte die Zürich mit Verfügung vom 30. März 2015 (Urk. 9/Z180) die Leistungen für Heilbehandlung und Taggelder per 11. November 2013 ein und verzichtete auf die Rückforderung der bis 31. März 2015 entrichteten Taggelder. Sie hielt fest, dass aufgrund der man
gelnden Adäquanz keine weiteren Leistungen geschuldet seien und entzog einer Einsprache die aufschiebende Wirkung. Der Versicherte erhob hierge
gen am 30. April 2015 Einsprache und beantragte in prozessualer Hinsicht, dass der Entzug der aufschiebenden Wirkung nichtig zu erklären oder even
tualiter aufzuheben sei. Eventualiter sei der Einsprache die aufschiebende Wirkung zu erteilen (Urk. 9/Z188/1).
Die Zürich
wies die Anträge zur auf
schiebenden Wirkung mit in Rechtskraft erwachsener Zwischenverfügung vom 8. Juni 2015 ab, soweit sie darauf eintrat (Urk. 9/Z190). Mit Einsprache
entscheid vom 5. April 2016 hielt die Zürich an ihrer Verfügung vom 30. März 2015 fest (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 4. Mai 2016 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, der Einspracheentscheid vom 5. April 2016 sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihm rückwirkend ab dem 1. April 2015 Taggelder nach Art. 16 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) zu bezahlen sowie die Kosten für die Heilbehandlung zu übernehmen. Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerde
führer rückwirkend ab dem 1. April 2015 eine Übergangsrente nach Art. 19 Abs. 3 UVG und Art. 30 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) auszurichten sowie die Kosten für die Heilbehandlung zu übernehmen. Des Weiteren sei die Beschwerdegegnerin im Sinne einer vorsorglichen Mass
nahme zu verpflichten, dem Beschwerdeführer für die Dauer des Beschwer
deverfahrens Taggeldleistungen nach Art. 16 UVG zu erbringen und die in dieser Zeit anfallenden Kosten für die Heilbehandlungen zu übernehmen.
Mit Beschwerdeantwort vom 10. Juni 2016 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde und des Antrages auf vorsorgliche Massnah
men (Urk. 7 unter Beilage ihrer Akten, Urk. 8/1-2, Urk. 9/Z1-Z229 und Urk. 10/ZM1-ZM29).
Mit Verfügung vom 1
7.
Juni 2016 wies das hiesige Gericht den Antrag auf vorsorgliche Massnahmen im Sinne
ein
er Zahlung von Taggeldleistungen und Übernahme der Kosten der Heilbehandlung
für die Dauer des Beschwerdeverfahrens ab (
Urk.
11). Am
5.
Juli 2016 reichte der Beschwerdeführer den Beschluss des Obergerichts des Kantons Zürich vom 2
1.
Juni 2016 (Geschäfts-Nr. UE150004/O/U/
bru
) ein, was der Beschwerde
gegnerin am
7.
Juli 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
15). Mit Schrei
ben vom
5.
August 2016 gab die Beschwerdegegnerin die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 1
9.
Juli 2016 ein (
Urk.
16 und
Urk.
17), worüber der Beschwerdeführer am 1
1.
August 2016 orientiert wurde (
Urk.
18).
Mit Eingabe vom 1
8.
September 2017 reichte die Beschwerdegegnerin das Gutachten der Eidg. Materialprüfungs- und Forschungsanstalt
Empa
vom
3.
Februar 2017 ein (
Urk.
19 und
Urk.
20), woraufhin der Beschwerdeführer am
3.
Oktober 2017 Stellung nahm (
Urk.
23 und
Urk.
24). Die Beschwerdegegnerin wurde am
5.
Oktober 2017 darüber in Kenntnis gesetzt (
Urk.
25).
3.
Der Beschwerdeführer
hätte
sich aufgrund der gesundheitlichen Probleme am
2
6.
März 2012 (Eingangsdatum)
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an
gemeldet
. Diese
wies das Leis
tungsbegehren mit Verfügung vom 1
9.
Juli
2016 ab
(
Urk.
17
), wogegen
der
Beschwerdeführer am 1
3.
September 2016 am hiesigen Gericht
Beschwerde erhob, welc
he mit Urteil heutigen Datums vollumfänglich abgewiesen wurde
(Verfahrens-Nr. IV.2016.00987).
4.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegan
gen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Im angefochtenen Einspracheentscheid
(
Urk.
2)
führte die Beschwerdegegne
rin im Wesentlichen aus, dass
gemäss der technischen Beurteilung der beruf
lichen Lärmbelastung die Grenzwerte für eine wahrscheinliche Gehörschädi
gung nicht erreicht gewesen se
ien. Auch hätten in dieser Zeit
Lä
rmmessun
gen stattgefunden, eine davon
an der besagten Hauptprobe. Im Vergleich zu den drei anderen Echtzeitmessungen
hätten sich
aber keine charakteristi
schen Unterschiede gezeigt, womit sich nichts Ungewöhnliches ereignet habe.
Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung
seien
Schallexpositionen nur dann als ungewöhnliche Ursache einer Gehörsschädigung anzusehen, wenn aus fachmedizinischer Sicht die Knalltraumata Spitzenwerte zwischen 160 und 190 dB erreichten, was allerdings ausser Betracht falle, da keine Trom
melfellverletzung vorliege. Ein akutes Lärmtrauma, welches die Einwirkung von exzessiv hohen Schallstärken (130 bis 160 dB) über die Dauer von meh
reren Minuten voraussetze, liege in
casu
aufgrund der Messungen nicht vor. Ein akustischer Unfall sei vorliegend mangels Zwangshaltung des Kopfes und zufolge beidseitig angegebener Gehörsschädig
ung auszuschliessen. Damit sei weder
das Merkmal der Plötzlichkeit noch jenes der Ungewöhnlichkeit erfüllt.
Selbst bei Bejahung eines Berufsunfalles sei die Leistungsterminierung auf
grund des fehlenden adäquaten Kausalzusammenhanges aber nicht zu bean
standen.
In Bezug auf eine Berufskrankheit sei festzuhalten, dass eine Listenverletzung nach
Art.
9
Abs.
1 UVG i.V.m. Anhang 1 zur UVV im Sinne einer Schädi
gung des Gehörs fehle. Die vorausgesetzte stark überwiegende Wahrschein
lichkeit der Verursachung durch die berufliche Tätigkeit (mindestens 75
%
Verursachungsanteil) für eine Berufskrankheit nach
Art.
9
Abs.
2 UVG sei nicht erstellt, da die Wahrscheinlichkeit von Berufsmusikern und Chorsän
gern lediglich 57
%
höher
sei
als in der Allgemeinbevölkerung, von einem Tinnitus
oder einer
Hyperakusis
betroffen zu sein.
Auch die psychische Erkrankung sei nicht mit stark überwiegender Wahrscheinlichkeit auf die berufliche Tätigkeit des Beschwerdeführers als Chorsänger/Sänger zurückzu
führen. Ohnehin wäre der adäquate Kausalzusammenhang zwischen berufli
cher Tätigkeit und den psychischen Beschwerden abzusprechen.
1.2
Der Beschwerdeführer brachte demgegenüber im Wesentlichen vor, dass die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt nicht hinreichend abgeklärt habe
.
Z
um Einen
sei eine gründliche Abklärung innert vernünftiger Frist nach dem Unfall nicht erfolgt und zum Anderen würden sämtliche Rückschlüsse der Mediziner auf das Ereignis ignoriert. Des Weiteren sei sein Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt worden, da er
weder die
Möglichkeit gehabt habe, bei der Rekonstruktion des Ereignisses dabei zu sein, noch
habe
er je zu dem Bericht der S
uva
vom 1
6.
Juni 2012 und dem darin verarbeiteten Messproto
koll vom 1
6.
April 2012 Stellung nehmen
können
(
Urk.
1).
Bereits am
9.
Januar 2008 sei es zu einem extremen Schallereignis durch die Einspielung eines Donners während der Bühnenorchesterprobe für
D._
gekommen, wobei mehrere Chorsänger und darunter auch der Beschwerde
führer geschädigt worden seien.
Des Weiteren habe - unter Berücksichtigung aller Indizien insbesondere aus den medizinischen Beurteilungen -
am 1
6.
November 2011
ein Unfallereignis im Sinne d
es UVG
stattgefunden (
Urk.
1 S.14 f.)
. D
ie Adäquanz
sei für beide Vorfälle
zu bejahen (
Urk.
1 S. 21 ff.).
Vielleicht liege keine objektiv-strukturelle Läsion des Innenohrs vor, jedoch eine massive, komplexe Beeinträchtigung der akustischen Wahrnehmung, welche nach der Rechtsprechung einer erheblichen Gehörsschädigung ent
spreche. Damit erfülle das Leiden des Beschwerdeführers die Voraussetzun
gen einer Berufskrankheit nach
Art.
9
Abs.
1 UVG. Selbst bei Verneinen ein
e
s Unfalles und einer Berufskrankheit im Sinne von
Art.
9
Abs.
1 UVG sei eine Berufskrankheit nach
Art.
9
Abs.
2 UVG erstellt: So
habe
Prof.
Dr.
med.
E._
, leitender Arzt der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie des
B._
,
fest
gehalten
, dass das Risiko betreffend lärmbedingter Hörschäden, wozu auch Tinnitus und
Hyper
akusis
gehörten, bei Berufsmusikern viermal höher sei als in der Gesamtbe
völkerung.
In analoger Anwendung der
Art.
99 und 100 UVV sei die Beschwerdegegne
rin als Unfallversicherung des zweiten von zwei teilkausalen Unfällen vor
leistungspflichtig
.
Demnach habe der Beschwerdeführer Anspruch auf Tag
geld,
da der Endzustand noch nicht erreicht sei - eventualiter auf eine Über
gangsrente, da der Entscheid der Invalidenversicherung über die berufliche Eingliederung noch nicht vorliege
(
Urk.
1 S. 24 f.).
2.
2.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundes
gesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sach
verhalt verwirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistun
gen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bishe
rigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmun
gen).
Das hier zu beurteilende Ereignis hat sich am 1
6.
November 2011
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vor
liegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
2.2
Gemäss
Art.
6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (
Abs.
1). Der Bundesrat kann Körperschädigun
gen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbe
ziehen (
Abs.
2). Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Verunfallten bei der Heilbehandlung zugefügt werden (
Abs.
3).
2.3
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorüberge
henden Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invali
denrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abge
schl
ossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2
UVG; Urteil des Bundesge
richts
8C_888/2013 vom 2.
Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3).
In diesem Zeitpunkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2.
Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
454/2014 vom 2. September 2014 E. 6.3).
Für die Einstellung der vorübergehenden Leistungen braucht der Entscheid der Invalidenversicherung über Eingliederungsmassnahmen nicht abgewartet zu werden, wenn von weiterer ärztlicher Behandlung keine namhafte gesundheitliche Besserung mehr erwartet werden kann (vgl. Urteil des Bun
desgerichts 8C_588/2013 Urteil vom 16.
Januar 2014 E. 3.3) und keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass durch allfällige Eingliederungsmass
nahmen das de
r Invaliditätsbemessung der Suva
gestützt auf die medizini
schen Abklärungen zugrunde gelegte Invalideneinkommen verbessert und so der die Invalidenrente der Unfallversicherung bestimmende Invaliditätsgrad beeinflusst werden kann (vgl. Urteil des Bundesgericht 8C_588/2013 vom 16.
Januar 2014 E. 3.5).
2.4
2.4.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Beja
hung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedin
gungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Stö
rung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungs
recht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befin
den hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung
eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1,
119
V
335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
2.4.2
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
2.4.3
Für die Beurteilung der Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychische Gesundheitsschädigung herbeizuführen, ist nach der in BGE 115 V 133 ergangenen Rechtsprechung auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Dazu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Veran
lagung für psychische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut verkraften als Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismäs
sige Verarbeitung des Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus versicherungsmässiger Sicht auf einen Unfall nicht optimal rea
gieren (BGE 115 V 133 E. 4b).
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlan
gen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinweisen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei – ausgehend vom augenfälligen Gesche
hensablauf – folgende Einteilung vorgenommen wurde: banale beziehungs
weise leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle anderseits und schliesslich der
dazwischen liegende
mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E. 5b/aa; SVR 1999 UV Nr. 10
E.
2).
2.4.4
Bei der Einteilung der Unfälle mit psychischen Folgeschäden in leichte, mittel
schwere und schwere Unfälle ist nicht das Unfallerlebnis des Betroffe
nen massgebend, sondern das objektiv erfassbare Unfallereignis (vgl. BGE 120 V 352 E. 5b/aa, 115 V 133 E. 6; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2; RKUV 2005 Nr. U 549 S. 237, 1995 Nr. U 215 S. 91).
2.4.5
Bei banalen Unfällen wie zum Beispiel bei geringfügigem Anschlagen des Kopfes oder Übertreten des Fusses und bei leichten Unfällen wie zum Beispiel einem gewöhnlichen Sturz oder Ausrutschen kann der adäquate Kausalzu
sammenhang zwischen Unfall und psychischen Gesundheitsstörungen in der Regel ohne weiteres verneint werden, weil aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung aber auch unter Einbezug unfallmedizinischer Erkenntnisse davon ausgegangen werden darf, dass ein solcher Unfall nicht geeignet ist, einen erheblichen Gesundheitsschaden zu verursachen (BGE 120 V 352
E.
5b/aa, 115 V 133 E. 6a).
2.4.6
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht auf
grund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulö
sen;
-
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
-
körperliche Dauerschmerzen;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlim
mert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE
134
V
109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/aa).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall han
delt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S. 428, 1999 Nr. U 335 S. 207 ff.; 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.; SVR 1996 UV Nr. 58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie zum Beispiel eine auffallend lange Dauer der physisch bedingten
Arbeitsunfähigkeit infolge schwierigen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungsweise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Kriterien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berücksichtigenden Krite
rien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen, die möglicherweise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit mitbegünstigt haben könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/bb, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/aa; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
2.4.7
Bei schweren Unfällen ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychisch bedingter Erwerbsunfähigkeit in der Regel zu bejahen. Denn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung sind solche Unfälle geeignet, invalidisierende psychische Gesundheitsschäden zu bewirken (BGE 120 V 352 E. 5b/aa, 115 V 133 E. 6b; RKUV 1995 Nr. U 215 S. 90 E. 3b).
2.4.8
Die Prüfung der Adäquanz ist bei Anwendung der Psycho-Praxis in jenem Zeitpunkt vorzunehmen, in dem von der Fortsetzung der auf die somatischen Leiden gerichteten ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann (BGE 134 V 106 E. 6.1). Psychische Gesundheitsschäden stellen kein Hindernis für den Fallabschluss dar (
Rumo-Jungo
/Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozial
versicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung [UVG],
4.
Aufl., S. 144).
3.
Vorab ist zu prüfen, ob die Rüge der Verletzung des Anspruchs auf rechtli
ches Gehör durchdringt, da diesfalls die angefochtene Verfügung ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde aufzuheben wäre.
3.1
Der Beschwerdeführer brachte im Wesentlichen vor, dass er zum Fachbericht der S
uva
vom
1
6.
Juni 2012 sowie dem darin enthaltenen Messprotokoll vom 1
6.
April 2012 nicht hab
e Stellung nehmen können und auch bei der Rekon
struktion des Ereignisses nicht habe mitwirken können. Der Bericht sei ent
sprechend aus dem Recht zu weisen und der darauf aufbauende Einsprache
entscheid sei
aufzuheben (
Urk.
1).
3.2
Gemäss
Art.
29
Abs.
2 BV haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass des in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizu
bringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mit
zuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1 mit Hin
weisen).
Nach der Rechtsprechung kann eine nicht besonders schwerwiegende Verlet
zung des rechtlichen Gehörs als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei überprüfen kann (BGE 133 I 201 E.2.2 mit weiteren Hinweisen).
3.3
Der Beschwerdeführer teilte der Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 1
5.
April 2013 mit, dass im Bericht von
Dr.
C._
Bezug genommen worden sei auf die obgenannte technische Abklärung, welche ihm nicht zur Kenntnis gebracht worden sei (
Urk.
10/Z98). Am 2
0.
Juni 2013 liess die Beschwerde
gegnerin den Bericht über die technische Beurteilung der Lärmbelastung an den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers zugehen (
Urk.
10/Z106).
Damit hatte der Beschwerdeführer - wenn auch verspätet - die Möglichkeit, zum Bericht Stellung zu nehmen bzw. sich dazu vernehme
n zu lassen, was er allerdings - soweit aus den Akten ersichtlich - nicht zeitnah tat.
Auch im Beschwerdeverfahren brachte er lediglich pauschal und ohne weitere Begründung vor, dass die während der Messung anwesenden Verantwortli
chen des ehemaligen Arbeitgebers fast unbegrenzte Möglichkeiten gehabt hätten, die Messungen zu beeinflussen.
Zusammenfassend liegt eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs vor, welche durch die volle Kognition des hiesigen Gerichts im vorliegenden Falle als geheilt gilt.
Hinzu kommt, dass dieser Bericht - wie folgend gezeigt wird (vgl. E. 5) - für die Beurteilung des vorlie
genden Sachverhaltes nicht
entscheidrelevant
ist.
4
.
Die medizinische Aktenla
ge präsentiert sich im Wesentlichen folgendermas
sen
:
4
.1
Der erstbehandelnde
Arzt
Dr.
C._
hielt nach der ambulanten Konsultation vom 17. November 2011 fest, dass bereits seit 5 Jahren ein
Pfeiftinnitus
beidseits bekannt sei (nach Lärmtrauma auf der Bühne, Kanonenschuss) und der Versicherte allgemein ein sehr „hypersensitives“ Gehör habe, so dass selbst das Knistern eines Plastiksackes als unglaublich unangenehm empfun
den werde.
Dr.
C._
diagnostizierte einen Tinnitus Grad II und
attestierte
eine Arbeitsunfähigkeit bis zum 20.
November 2011
(Urk. 10/ZM2).
4
.2
Der Beschwerdeführer stellte sich am 2
0.
Dezember 2011 in der Sprechstunde bei
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Hals-, Nasen- und Ohren
krankheiten, vor. In ihrem Bericht diagnostizierte sie ein akustisches Trauma von 1
6.
November
2011 mit erheblicher Verstärkung eines traumatischen Tinnitus und
Hyperakusis
beidseits Grad 4 bei Status nach Lärmtrauma vom Januar 2008 mit beginnender Phonophobie und reaktiver De
pression durch Zukunftsangst (
Urk.
10/ZM9).
Der Beschwerdeführer habe im
Januar 2008 bei einer Ensembleprobe ein Lärmtrauma
erlitten. Seit
dem bemerke
er auf beiden Seiten einen Tinnitus und eine
Hyperakusis
. Er
sei
trotzdem in der Lage
gewesen
, seinen Beruf als Opernsänger
zu 100
%
auszu
üben. Während der Proben benutz
e er regelmäs
sig einen Gehörschutz. Am 1
6.
November 2011 sei
es erneut zu einem akustischen Trauma während der Generalprobe vom Stück
Z._
gekommen
. Ein Gong
sei
erheblich verstärkt dreimal
wieder gegeben
worden
.
Der Beschwerdeführer sei
in der Nähe eines Laut
sprechers
gestanden
und
habe
keinen Gehörschutz in den Ohren
getragen (den Gehörschutz kö
nn
e
er nur w
ä
hrend Re
gieproben tragen). Daraufhin sei
es zu einer erheblichen Verstärkung von Tinnitus und
Hyperakusis
gekom
men, was bis heute anhalte
.
Mittlerweile sei
es so, dass
er
k
aum noch Umweltgeräusche ertrage
und sich in der Öffentlichkeit
nur noch mit Gehör
schutz bewege
. Selbst die eigen
e Stimme beim Einsingen bereite
ihm Kopf
schmerzen und ein körperliches Unwohlsein, so dass er seit d
em Trauma nicht arbeitsfähig sei
. Durc
h
den sehr lauten Tinnitus komme es zusätzlich zu erheblichen Schlafstörungen, die er nur zeitweise unter Einnahme von
Lexotanil
kupieren könne. Die beklagten Beschwerden spiegelten sich auch im Tonaudiogramm wieder. Es finde sich eigentlich eine
Normakusis
mit einer
geringgradigen
Schallleitung ab 3 kHz von 25 bis 30 dB. Die Ohrge
räusche lägen rechts bei 8 und 4 kHz und links bei 1 und 8 kHz. Der Tinnitus sei mit 55 dB rechts und 30 dB links mittelgradig laut. Erheblich patholo
gisch sei aber die Unbehaglichkeitsschwelle, die von 75 dB bei 250
Hz auf
40
dB bei 8 kHz ansteige
. Durch die zunehmende
Hyperakusis
und den Tinnitus und
der damit verbunden Arbeitsunfähigkeit
leide er auch zunehmend an Zukunftsangst, was seine berufliche Karriere
angehe. Hinzu käm
en durch den Tinnitus und die Müdigkeit Konzentrationsstörungen, so dass sich insgesamt ei
ne reaktive Depression entwickle. Das zeige
auch der
Tinnitusfragebogen
mit 64 von 84 Punkten, was dem höchsten Grad d
er psychischen Belastung entspreche. Insofern habe sie den Beschwerdeführer
versucht zu beruhigen und ihn zunächst ausführlich über sein Krankheitsbild aufgeklärt. Ansonsten würde man folgendes thera
peutisches Vorgehen vorschlagen:
Auf Grund der
Hyperakusis
sollten zunächst bilateral
Noiser
angepasst werden.
Ausserdem möchte sie
den Psychiater
des Beschwerdeführers
bitten, wieder mit einer psychotherapeutischen Behandlung zu beginnen, um der depressiven Ten
denz zu
entgegnen. Zusätzlich würde sie
vorschlagen, dass
ihm
aufg
rund der Schlafstörungen ein schlaffördern
des Antidepressivum verordnet we
rd
e
.
Häufig wü
rden Tinnitus und
Hyperakusis
durch eine Akupun
kturbehandlung gut beeinflusst, so dass sie Herrn Professor
F._
von de
r
E._
bitte
, ihn zu einer entsprechenden
Behandlung aufzubieten. Reiche
die ambulante Behandlung nicht, müsste die Akupunkturbehandlung stationär erfolgen.
Weiterhin bestehe natürlich eine 100
%ige Arbeitsunfähigkeit. Sollte sich die
Hyperakusis
auf Umweltgeräusche bis Mitte nä
chsten Jahres zurück
bilden, sei
eventuell zu einem späteren Zeitpunkt auch der berufliche
Einstieg wieder möglich. Bleibe
die Pho
nophobie bestehen, we
rd
e
der Beschwerde
führer
nicht mehr in seinem Beruf als Opernsänger arbeiten können, so dass eine Umschulung erfolgen m
ü
ss
e. Er sei
sich dessen bewusst und w
e
rd
e
sich auch mit diesem Gedanken schon befassen. Insgesamt m
ü
ss
e
man zunächst davon ausgehen, dass die Therapie das ganze
Jahr 2012 in Anspruch nehmen we
rd
e
. Die nächste Kontrolle
werde am
2
9.
Februar 2012 erfolgen (
Urk.
10/ZM9).
4
.3
Dr.
D._
notierte in ihrem
Verlaufsbericht vom
2.
März 2012, dass sich die Tonaudiometrie im Vergleich zum Vorbefund verbessert habe. Seit der letzten Konsultation habe
d
er
Beschwerdeführer
die
Noiser
täglich getragen, darunter sei zumindest die
Tinnituslautstärke
etwas geringer. Es finde sich aber nach
wie vor noch eine erhebliche
Hyperakusis
, was sich an der Unbe
haglichkeitsschwelle von 30 bis 40 dB zeige. Hinzu komme, dass er derzeit kaum über persönliche Kontakte verfüge, was den Leidensdruck noch ver
stärke. In der Stadt sei er auch immer mit seinem Trauma konfrontiert, so dass sie empfehlen würde, dass in den nächsten drei Monaten ein Ortswech
sel stattfinde
und er zu seiner Familie nach Frankreich fahre, um sowohl akustisch als auch örtlich Abstand zum Lärmtrauma nehmen zu können. Bezüglich der
Umschulung müsse solange gewartet werden, bis die
Hyperak
usis
sich soweit zurückgebildet habe, dass er am normalen Leben teilnehmen könne. Dann sollte es auf jeden Fall ein Beruf sein, der ohne Lärm und psy
chischen Druck auskomme (
Urk.
10/ZM11).
4
.4
Anlässlich der Verlaufskontrolle vom 2
8.
Juni 2012 hielt
Dr.
D._
fest, dass sich die
Tinnituslautstärke
weiterhin
vermindert habe,
so
dass das Ohr
geräusch den Beschwerdeführer weniger störe. Das Hauptproblem liege in der nach wie vor erheblichen
Hyperakusis
, die sich mit einer Unbehaglichkeits
schwelle von 30 bis 45 dB überhaupt nicht
verändere. Insofern sei er nicht in der Lage, an einem normalen täglichen Leben teilzunehmen, da normale Umweltgeräusche schon bei 60 bis 65 dB lägen. Die Psychotherapie sollte beibehalten werden, die
Noiser
-Therapie werde verändert, da er sie aufgrund der erhöhten Lautstärke nicht ertragen und darum nur sehr wenig getragen habe. Da noch keine Akupunktur-Therapie erfolgt sei, möchte sie die
G._
bitten, ihn für eine umfassende Diagnostik und Therapie aufzubieten. Sie empfehle
,
dass er bis zur nächsten Konsultation Anfang Dezember 2012 wieder in das Elternh
aus nach Südspa
nien zurückkehre (
Urk.
10/ZM13).
4
.5
Dr.
D._
hielt in ihrem Bericht vom 1
0.
Januar 2013 fest, dass sich im Vergleich
zum Juni 2012 das Hörvermögen wieder gut normalisiert
habe, das O
h
r
geräusch liege weiter bei 2 und 4 Kilohertz auf beiden Seiten. Die Inten
sität sei wechselnd, bei der heutigen Untersuchung sei der Tinnitus relativ leise, so dass sie nur etwas höhere Lautstärken oberhalb der Hörschwelle benötigten, um das Ohrgeräusch zu verdecken. Die Unbehaglichkeitsschwelle habe sich aber weiter verschlechtert und liege jetz
t bei
Werte
n
um 35 bis
40 Dezibel in allen Frequenzen. Im Vergleich dazu sei die Unbehaglichkeits
schwelle im ersten Tonaudiogramm vom Dezember 2011 noch bei 75 dB
bei 250 Hertz gelegen und sei dann bis auf 40 dB bei 8 Kilohertz angestiegen. Insofern sei von einer eher negativen Prognose auszugehen. Durch diese erhebliche
Hyperakusis
komme es beim Beschwerdeführer nach Einwirkun
gen von normalen Umweltgeräuschen über einen relativ kurzen Zeitraum - ca. nach einer Stunde - zur Mitreaktion des vegetativen
Nerven
-
systems
(
Urk.
10/ZM17).
4
.6
Am 1
3.
Februar 2013 untersuchte
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten, Hals- und Gesichtschirurgie und Arbeitsmedizin FMH, der
Suva
den Beschwerdeführer nach Rücksprache mit der Beschwerdegegnerin (
Urk.
10/ZM19).
Der Beschwerdeführer habe
vor rund 5 Jahren ein erstes Mal ein akustisches Trauma erlitten, welches keine messbare Hörschädigung b
ewirkt hab
e, jedoch eine gewisse Geräuschüberempfindlichkeit und einen g
ut kompensierten Tin
nitus zurückgelassen habe
.
Er sei
also anschliessend akustisch vermehrt vul
nerabel
gewesen
, so dass es dann bei dem aktuellen Ereign
is vor rund
15
Monaten bei einem
erneuten potenziell das Gehör gefährdenden akustischen Ereignis zu der heute bestehenden massiven, vegetativ stigmatisierten Symptomatologie
gekommen sei
. W
ie bereits eingangs erwähnt, sei
beim aktuellen Ereignis, welches technisch ausführlich und minutiös abgeklärt
worden sei, die potentiell ge
hörschädigende
Limite
wohl knapp erreicht
gewesen, was jedoch
nicht heisse, dass unbedingt eine organisch-strukturelle Läsion bewirkt werden müsse. In der Tat sei es dann auch so, dass eine eigentliche Läsion
der Innenohren
als Zielorgan einer solchen akustischen Überlastung im Rahmen der heutigen, ausführlichen audiologischen Abklä
rung habe ausgeschlossen werden können. Damit
sei festzuhalten
, dass eine organisch-strukturelle Läsion bezüglich des Gehöres nicht vorliege. Hingegen sei es auch so, dass offensichtlich im Rahmen der persönlichen Veranlagung des Beschwerdeführers dieses
zweite Ereignis doch zu einer derartigen Trau
matisierung
geführt habe
, da
ss
bis heute noch die nur subjektiv erfassbare massive Symptomatologie besteh
e
,
unter welcher der Patient zweifelsohne sehr leide
. Die
Hyperakusis
in Vergesell
schaftung mit einem Tinnitus sei
eine nicht selten zu beobachtende Symptomatologie und in einer ers
ten Phase nach dem Auftreten sei
eine Lärmkarenz sicher die einzig richtige un
d wirk
same Methode. Hingegen sei
aber auch bekannt, dass danach möglichst rasch eine erneute "Desensibilisierung" stattfinden sollte, damit es nicht zu der eigentlichen Phonophobie komm
e, wie sie jetzt beim Beschwerdeführer zweifelsohne bestehe
. Hie
rbei handle
es sich dann
um eine vor allem psycho
ge
ne massive Reaktion. Typisch sei
, dass
er
den Aufenthalt in der abgelege
nen Natur in Spanien während 3 Mon
aten zwar äusserst geschätzt
, aber gleichzeitig eigentlich bezüglich der Erholung keine
Fortschritte mehr erlebt habe. Nach wie vor führe
er
ein stark zurückg
ezogenes Alltagsleben und leide dabei auch psychisch. Er
we
rd
e
zwar
psychiatrisch betreut, jedoch we
rd
e
dabei offensichtlich nicht allzu gross Wert
darauf gelegt
, dass eine aktive von ihm auch gesuchte allmähliche "Desensibilisierung"
gegenüber
lauteren Geräuschen stattfinde
.
Ziel müss
e es sein, dass
er jetzt
ganz bewusst und unter Aufbietung viel eigener innerer Energie sich zune
hmend lauten Einflüssen aussetze
und das Ziel vor Auge
n habe
, die eigentliche "Desensibi
lisi
erung" voranzutreiben. Hierzu we
rd
e
es auch notwendig sein, dass er zunehmend häufiger auf die Verwendu
ng von Gehörschützern verzichte. Dabei we
rd
e
es wichtig sein, dass die aktuelle Versorgung mit den
Elacinge
hörschutzp
fropfen
verbessert we
rd
e, so dass es für den Beschwerdeführer
je nach Situation
möglich sei,
vorerst einmal ein weniger stark dämmendes Gehörschutzmittel zu verwenden um dann allmählich vollständig auf diese verzichten zu können. Der von
ihm
geäusserte Wunsch nach einer nochmali
gen "Retraite" in eine s
ehr ruhige, ihn abschirmende Umgebung, kö
nn
e
aus fachär
ztlicher Sicht nicht befürwortet werden
. Viel
mehr sollte
er
sich zuneh
mend häufiger auch lauteren Geräuschen - selbstverständlich immer mit der Möglichkeit sich dagegen ausreichend zu schützen, falls es unertr
äglich werde
- aussetzen.
Erfahrungsgemäss brauche
ein Patient nach einem sol
chen akustischen Trauma etwa 2 -
2 1/2 Jahre Erholungszeit. Aktuell seien
seit dem Ereignis rund 15 Monate v
erstrichen, so dass noch ein gutes Jahr sicher Zeit bleibe
für ei
ne weitere Erholung. Trotzdem mü
ss
e
an dieser Stelle festgehalten werden, dass jetzt ein forcierteres weiteres Vorgehen erstre
benswert wäre. Insbesondere sollten sicher keine Expos
itionskarenzen geför
dert werden.
Zur Frage der Eignung für eine Fortsetzung der bisherigen beruflichen Tätig
keit kö
nn
e
zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht Stellung bezogen werden. Eine allfällige Nichteignungsverfügung
wäre nicht vor Ablauf von 2 1/2 Jahren zu erlassen (
Urk.
10/ZM19).
4
.7
Am 1
3.
Juni 2013 wurde der Beschwerdeführer erneut von
Dr.
D._
untersucht, welche festhielt, dass
sich im Vergleich zum Januar anhand der Angaben des Beschwerdeführers als auch anhand der Messung
nicht
s
geän
dert habe - er sei nach wie vor erheblich
hyperakus
.
Auch der Tinnitus werde bei verstärkten Geräuschen deutlich stärker.
Psychisch sei er ihrer Meinung nach doch deutlich depressiver als noch vor einem halben Jahr
, da er trotz seiner Anstrengungen keine Fortschritte bemerke
(
Urk.
10/ZM23).
4
.8
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Kinder-Jugen
d
psychiat
rie und -psychotherapie, hielt in seinem von der Beschwerdegegnerin einge
holten Arztbericht vom 2
6.
Juni 2013 1) eine mittelgradige depressive Epi
sode (ICD-10 F32) und 2) eine Panikstörung als psychiatrische Diagnosen fest.
Er habe zur Arbeitsunfähigkeit keine Stellung genommen bei vollum
fänglicher Arbeitsunfähigkeit aufgrund der
oto-rhino-laryngologischen
Beschwerden. Die Prognose bezüglich Depression und Angststörung sei noch länger offen.
Aus psychiatrischer Sicht sollte der Beschwerdeführer weniger lärmig wohnen. Sinnvoll und realisierbar sei das zumindest vorübergehende (Monate) Leben in reizarmer Umgebung, so z.B. im Haus im ländlichen Spa
nien, wo es schon, wie erwähnt, zu Verbesserungen gekommen sei (
Urk.
10/ZM24).
4
.9
Im von der Beschwerdegegnerin eingeholten Bericht von
Dr.
D._
vom 1
4.
November 2013 hielt sie fest, dass der Zustand des Beschwerdeführers unverändert sei. Die letzte Behandlung sei am 1
1.
November 2013 erfolgt. Eine nächste Kontrolle sei im Moment nicht mehr geplant. Von einem Hei
lungsverlauf könne keine Rede sein. Es sei ein konstanter Zustand, so dass ihres Erachtens nach
der Endzustand
erreicht sei. Er sei aufgrund seiner erheblichen
Hyperakusis
nicht einmal in der Lage, sich im normalen Tages
ablauf in der Gesellschaft zu bewegen. Insofern sei es ihm auf keinen Fall möglich, weiterhin als Sänger oder in einer anderen Tätigkeit mit Musik zu arbeiten. Durch die erhebliche
Hyperakusis
, die sich bis heute nicht geändert habe, sei auch jede Art von Umschulung nicht möglich. Insofern bestehe heute und auch sicher in den nächsten Jahren kein Anhalt dafür, dass sich die Arbeitsfähigkeit erhöhen werde (
Urk.
10/ZM25).
4
.10
Die Beschwerdegegnerin holte das interdisziplinäre psychiatrische und
otologi
sche
Gutachten vom 1
7.
Dezember 2014 ein.
Dr.
med. I._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und Prof.
Dr.
med. J._
, Fach
arzt für HNO-Heilkunde und Phoniatrie-
Pädaudiologie
, notierten interdiszip
linär folgende Diagnosen (
Urk.
10/ZM26/22):
-
Tinnitus
aurium
(ICD-10 H93.1),
Hyperakusis
(ICD-10 H93.2)
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0), Phonophobie (ICD-10 F40.2), Agorapho
bie (ICD-10 F40.0) und Soziophobie (ICD-10 F40.1)
-
Leichtgradige depressive Episode (ICD-10 F32.0)
-
Akzentuierte Persönlichkeit mit
histrionischen
und phobischen Tenden
zen (ICD-10 Z73.1)
Die Gutachter schlussfolgerten, dass n
eue oder zusätzliche therapeutische Versuche nicht indiziert
seien
. Eine willentliche Überwindung der
aktuellen Symptomatik erscheine nicht zumutbar. Das liege
nicht nur an der Schwere der Symptomatik mit ihrer Kombination aus organischen und psychischen Störungen, sondern auch an der spezifischen Ang
stsymptomatik, die zur Folge habe
, dass er auf Herausforderungen nicht mehr kämpferisch wie frü
her, sondern
mit einem Fluchtreflex reagiere. So habe
der Arbeitgeber ver
geblich
versucht
, die Symptomatik mit der Forderung nach e
ngerer medizi
nischer Kontrolle und
der
Androhung des Lohnstopps
positiv zu beeinflussen. Auch
die Kündigung
habe
er zwar als das traurige Ende seines geliebten Berufs
gesehen
und der Umstand selber sei
kränkend für ihn
gewesen, den
noch habe
er sie mit Erleichterung aufgenommen und konstatiert, dann müsse er seine Wohnung in Zürich nicht mehr beibehalten. Auch das abweisende Verhalten der Eh
efrau wegen seiner Symptomatik habe
nicht zu einer Veränderung
beigetragen
, sondern letztl
ich zur Trennung der Partner
. Die Versuche
,
Grenzen zu setzen
,
hätten
also jeweils zu einer Verstärkung seiner Regression
geführt
, ohne dass man Anhaltspunkte für Simulation oder Aggravation der Beschwerden h
abe. Diese seien
auch in der Vergangenheit nicht gefunden
worden
. Die Voraussetzun
gen für einen Fallabschluss seien demnach erfüllt. Es habe
eine intensive, sowohl
otologische
wie psychiatri
sche Behandlung unter der engagierten Mitarbeit des
Beschwerdeführers
stattgefunden, ohne dass im letzten Jahr noch wesentliche Veränderungen zu verzeichnen
gewesen seien
. Für den psychiatrischen Fallabschluss des Unfalls von 2011 wäre zwar mit drei Jahren die Zeitspanne zu kurz, nicht aber unter Einbezug des Unfalls von 2008 und insbesondere der hier angenommenen langjährigen Entwicklung seiner Ängste. Die Versuche der Rehabilitation in seinem bisherigen Beruf
seien gescheitert. Der Unfall erfülle
zwar objektiv aufgrund der technischen Abklärung durch die Suva nicht ausreichend die Kriterien eines klassischen Lärmtraumas (Knall- oder Explosionstrauma),
jedoch
würden
die oben dargelegten Begleitumstände dennoch die Annahme eines Berufsunfalls im Sinne eines „akustischen Unfalls" nahe
legen
. In Hin
sicht auf seine langjährige berufliche akustische Belastung, die wiederholten
Lärmtraumata von 2008 und 201
1 in Verbindung mit seiner angespannten
emotionalen Situation erscheine
es ihnen
darüber hinaus überwiegend wahrscheinlich, dass
- wie bereits von
Dr.
C._
begründet - auch ein
e Berufskrankheit anzunehmen sei
. Angesichts seiner vollständigen Berufsun
fähigkeit und der ausgedehnten somatischen und psychischen Symptomatik befürworte
te
n
sie
derzeit eine vorläufige Berentung. Wegen der skizzierten positiven Aspekte der Entwicklung sollte diese allerdings im Abstand von spätestens zwei Jahren nochmals überprüft werden.
Zusammenfassend bestehe beim Beschwerdeführer i
n Zusammenhang mit einem Lärmtrauma im November 2011 auf Grund von Tinnitus mit
Hyperak
usis
, Phonophobie, agrophobischen und soziophobischen Symptomen und einer depressiven Störung bis heute eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in seinem Beruf als Sänger.
Sie hätten
versucht darzustellen, wie die spezifische akustische Vulnerabilität als Sänger mit den geklagten Lärmtraumata, aber auch psychogene Begleitumstände anlässlich einer objektiv nicht zwingend
krankheitsauslösenden Belastung zu einer schweren, chronischen Erkrankung des
Beschwerdeführers
geführt h
ätten
. Aus den Forschungse
rgebnissen der Psychoakustik sei
bekannt, dass die objektive Lärmbelastung, messbar in dB
,
nur zu einem kleineren Teil (20-30
%
) zu der subjektiv als
angenehm oder störend
/quälend empfund
enen Geräuschempfindung beitrage
.
Beim Beschwerdeführer
sei
die auch aus psychischen Gründen erklärbare Schreck
haftigkeit gegenüber unkontrollierten Geräuschen besonders ausgeprägt. Sie ha
be
nicht nur die Aufgabe seines Berufs, den weitgehenden Verlust seiner sozialen Kontakte, sondern auch das Scheitern seiner Ehe verursacht.
Trotz
dem sei
die jetzige Entwicklung ohne das Lärmereignis von November 20
11 nicht vorstellbar. Hier sei
eine Entwicklung eingeleitet
worden
, die jetzt vollständige Berufsunfähigkeit
bedinge
und auch die Chancen einer alterna
tiven berufli
chen Wiedereingliederung mindere
. Die Angaben des
Beschwer
deführers
seien glaubhaft. Es gebe
keine Hinweise für
Aggravation oder Simulation der Beschwerden.
Sie würden
vor
schlagen
, dass
der Beschwerde
führer
nach den jetzt eingetretenen Veränderungen in seinem Leben einen Z
eitraum von ca. zwei Jahren erha
lt
e
, um sich dem anzupassen und für sich neue Möglichkeiten der selbständigen Lebensbewährung zu finden. Spätes
tens dann sollte, fal
ls die Arbeitsunfähigkeit anhalte
, sein Zustand erneut fachärztlich evaluiert werden
(
Urk.
10/ZM26/29 f.).
4
.11
Prof.
E._
erstellte im Auftrag der Beschwerdegegnerin das Aktengutach
ten vom 2
4.
Februar 2016 (
Urk.
10/ZM29).
Darin führte er ins
besondere aus, dass aus s
einer Sicht auch für die Berufsgruppe der Chorsän
ger die Annahme
gelte
, dass
das Tinnitus- und
Hyperakusis
-
Risiko in deutli
chem Masse gegenüber der Allgemeinbevölkerung e
rhöht sei. Für die Annahme einer viermal
häufigeren Betroffenheit als der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung
habe
er
in der Literatursuche für Tinnitus und
Hyperak
usis
keine Zahlen finden
können
. Die 4-fach höhere Betroffenheit g
e
lt
e
ins
besondere für das Vorliegen einer Lärmschwerhörigkeit. Das Risikomass an einem Tinnitus oder einer
Hyperakusis
zu erkranken
sei in einer Studie aus dem Jahr 2014
als 57
%
höher als in der Allgemeinbevölkerung angegeben (
Schink
et al.
Incidence
and
relative
risk
of
hearing
disorders
in professional
musicians
.
Occup
Environ
Med.
2014;71:472
-476). Somit erscheine
es
ihm
im überwiegenden Masse wahrscheinlich, dass die Tinnitus- und
Hyperak
usisbeschwerden
im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit des
Beschwerdeführers
als
Chorsänger an der Zürcher Oper
st
ünden
.
5
.
Ob ein Berufsunfall vorliegt
,
ist in
casu
strittig. Dies kann allerdi
ngs -
wie folgend gezeigt wird -
offen bleiben
.
5.1
Aufgrund der medizinischen Aktenlage ist erstellt, dass weder der Tinnitus noch die
Hyperakusis
auf eine organisch-strukturelle Läsion des Gehörs zurückzuführen sind (vgl. E. 4.2-4.6 und E. 4.10), was auch seitens des Beschwerdeführers nicht in Abrede gestellt wurde (vgl.
Urk.
1 S. 16 f.). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist
damit der adäquate Kausal
zusammenhang nach den zu den psychischen Fehlentwicklungen nach einem Unfall entwickelten Grundsätzen (sogenannte Psycho-Praxis) zu beurteilen (
BGE 138 V 248
E. 6.2).
Nebst dem Tinnitus und der
Hyperakusis
liegen gestützt auf das
Gutachten von
Dr.
I._
und Prof.
J._
des Weiteren nur noch psychiatrisch bedingte Gesundheitsstörungen vor (vgl. E. 4.10), womit der adäquate Kausalzusam
menhang diesbezüglich ebenfalls nach der sogenannten Psycho-Praxis zu prüfen ist.
5.
2
Vorab ist zu prüfen,
ob die Beschwerdegegnerin zu Recht den Fallabschluss auf den 1
1.
November 2013 festsetzte und die Leistungen für Heilbehandlun
gen und Taggeld entsprechend einstellte.
Dr.
D._
notierte in ihrem Bericht vom 1
3.
Juni 2013, dass die Befunde der Tonaudiometrie im Vergleich zum Vorbefund unverändert seien, es bestehe ein normales Hörvermögen beidseits mit geringem Hochtonverlust von 30 dB ab 4 kHz, ein Tinnitus beidseit
s
2 und 4 kHz, eine
Verdeckungs
kurve
um 25 dB und eine Unbehaglichkeitsschwelle von 35-40 dB (
Urk.
10/ZM23, E. 4.7). Diese Befunde entsprechen im Wesentlichen auch denjenigen, welche
Dr.
D._
in ihrem Bericht vom 1
4.
November 2013 festhielt. So konstatierte sie, dass sich im Vergleich zum 1
3.
Juni 2013 keine Veränderungen ergeben hätten
, der Endzustand erreicht sei
und sie entspre
chend die Behandlung am 1
1.
November 2013 abgeschlossen hätten (
Urk.
10/ZM29, vgl. E. 4.9). Damit ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass aus somatischer Sicht
nach dem 1
1.
November 2013
keine Ver
besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden konnte und der Fallabschluss zu Recht erfolgte
(vgl. E. 2.3
)
.
Der Beschwerdeführer brachte dagegen vor, dass die Gutachter
Dr.
I._
und Prof.
J._
eine erneute Beurteilung des Zustandes des Beschwerdeführers in zwei Jahren befürworteten und damit erstellt sei, dass der medizinische Endzustand noch nicht erreicht sei (
Urk.
1 S. 21 N 63 und S. 10 N 22). Aller
dings notierten die Gutachter auf die Frage, ab welchem Zeitpunkt von einer weiteren Behandlung der Beschwerden keine namhafte Verbesserung mehr erwartet werden könne, dass
Dr.
D._
ihre Behandlung im November 2013
abgeschlossen habe, da der Endzustand erreicht gewesen sei (
Urk.
10/ZM26/33) und schlu
gen als weitere Behandlung
lediglich psychiat
risch-psychotherapeutische Massnahmen vor (
Urk.
10/ZM26/32 f.) - welche allerdings den Fallabschluss bei der Beurteilung nach der Psycho-Praxis nicht hindern
(vgl. E. 2.4.8
)
.
Zusammenfassend
ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin
das Erreichen des Endzustandes per 1
1.
November 2013 annahm
und die Taggeldleistungen sowie
die
Leistungen für Heilbehandlungen
entsprechend gleichentags
einstellte
(vgl.
Urk.
10/Z180)
.
5.3
Zu prüfen bleibt
nach der Psycho-Praxis (vgl. E. 2.4)
, ob die
psychischen
Gesundheitsschäden in adäquatem Kausalzusammenhang zum Ereignis vom
1
6.
November
2011
stehen.
5.3
.1
Ausgangspunkt der Adäquanzbeurteilung bildet das (objektiv erfassbare) Unfallereignis. Massgebend für die Beurteilung der Unfallschwere ist der augenfällige Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften (Urteil des Bundesgerichts 8C_498/2011 vom
3.
Mai 2012, E. 6.2.1).
Den Ausführungen des Beschwerdeführers folgend wurden beim Ereignis vom 1
6.
November 2011 bei der Hauptprobe zu
Z._
drei Gongschläge durch den Lautsprecher unerwartet extrem laut verstärkt, nachdem die Mit
wirkenden bereits vorher einem sehr hohen Dauerschallpegel ausgesetzt gewesen seien. Die Sänger der Gruppe Tenor scheine
n
beim Vorfall dem grössten Schalldruck ausgesetzt gewesen und niemand der im Einsatz ste
henden Chormitglieder habe zum Zeitpunkt der Gongschläge einen Gehör
schutz getragen. Der Beschwerdeführer habe durch den Vorfall ein Gehör
strauma erlitten und sei seither arbeitsunfähig, eine Geigerin habe trotz Gehörschutz ein Trauma erlitten und die Probe verlassen (
Urk.
1 S. 5 f.).
D
as Bundesgericht
liess
im Entscheid vom 8C_1040/2012 vom 1
5.
März 2013 offen, ob ein anlässlich eines Nachschiesskurses nachweislich erlittenes akustisches Trauma als banales bzw. leichtes oder als mittelschweres Ereignis im Grenzbereich zu den leichten Unfällen einzustufen ist.
Dies ist vergleich
bar mit den vorliegenden Ereignissen, wobei bezüglich des Vorfalls vom 1
6.
November 2011 strittig ist, ob die verstärkten
Gongschläge die Grenz
werte für eine wahrscheinliche Gehörschädlichkeit
überhaupt
erreichten oder nicht (
Urk.
2 S. 7;
Urk.
1 S. 5 ff.).
Der Vorfall vom
1
6.
November 2011
ist
damit als
banal
oder
maximal
mittel
schwere
s
Ereignis im Grenzbereich zu den leichten Unfällen
zu qualifizieren.
5.
3
.2
Bei mittelschweren Ereignissen im Grenzbereich zu den leichten muss entwe
der ein Kriterium in besonders ausgeprägter Weise oder aber vier der mass
geblichen Kriterien erfüllt sein (vgl. E. 2.4.6;
Rumo-Jungo
/Holzer,
a.a.O
, S. 64).
Dabei ist zu beachten, dass
bei
der Prüfung der Adäquanzkriterien
nach Psycho-Praxis
die Folgen der organisch nicht ausgewiesenen Beschwerden nicht in die Beurteilung miteinzubeziehen
sind (vgl.
Urteil des Bundesge
richts
8C_903/2009 vom 2
8.
April 2010 E. 4.6).
Das Kriterium
der b
esonders dramatische
n
Begleitumstände oder
besonde
re
n
Eindrücklichkeit
des Unfalls
ist objektiv und nicht auf Grund des subjektiven Empfindens bzw. des Angstgefühls der ver
sicherten Person zu beurteilen (
Rumo-Jungo
/Holzer, a.a.O., S. 69).
Das Ereignis vom 1
6.
November 2011
erfüll
t
dieses Kriterium klarerweise
nicht. Dass die Verstärkung der Gong
schläge
auf der Bühne in einem Moment höchster Konzentration und bereits hoher Belastung des Gehörs der anwesenden Künstler passiert sei, ändert daran entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers nichts.
Eine schwere Verletzung oder eine Verletzung, welche erfahrungsgemäss geeignet ist, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, liegt nicht vor.
Da die organisch nicht ausgewiesenen Beschwerden nicht in die Beurteilung, ob eine ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung vorliegt, mit
einzubeziehen sind, ist auch
dieses Kriterium zu verneinen. Auch ist d
ie vom Beschwerdeführer geltend gemachte an
dauernde Arbeitsunfähigkeit
nicht auf
einen
physischen Grund zurückzuführen.
Des Weiteren liegen auch keine körperlichen Dauerschmerzen, eine
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfal
lfolgen erheblich verschlimmert oder ein schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen vor.
Damit stehen die
psychischen Gesundheitsschäden
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
in adäquatem Kausalzusammenhang zum Ereignis vom 1
6.
November 201
1.
5.
4
Der Vollständigkeit halber festzuhalten ist,
dass die Adäquanz auch bezüg
lich des Ereignisses vom
9.
Januar 2008 zu verneinen ist: Dabei
wurde - den Ausführungen des Beschwerdeführers folgend - anlässlich der Bühnenor
chesterprobe ein Donner mittels Lautsprecheranlage eingespielt, wodurch gemäss den Angaben des Beschwerdeführers mindestens zwölf Chorsänger gesundheitli
ch beeinträchtigt worden seien. M
indestens vier Sänger
seien
schwerer, einer davon
anhaltend geschädigt worden
, so dass er den Beruf habe aufgeben müssen (
Urk.
1 S.
8 f.
; vgl. auch
Urk.
10/ZM26/13;
Urk.
10/ZM26/16
;
vgl. auch
Urk.
10/Z150
). Auch dieser Vorfall ist unter Hinweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung als maximal mittel
schweres Ereignis im Grenzbereich zu den leichten Unfällen zu qualifizieren.
D
er Beschwerdeführer
führte
nach diesem Ereignis seine Arbeit weiter in vol
lem Pensum aus
und
eine somatische Behandlung
erfolgte nur während kur
zer Zeit
(
Urk.
10/Z27/2;
Urk.
10/Z150)
.
Bezüglich der übrigen Kriterien kann auf die entsprechenden
Ausführungen zum Ereignis vom
1
6.
November 20
11 verwiesen werden (vgl. E. 5.3
.2). Damit stehen die noch vorhandenen psy
chischen Gesundheitsschäden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in adäquatem Kausalzusammenhang zum Ereignis vom
9.
Januar 200
8.
5.
5
Zusammengefasst ist vorliegend festzuhalten, dass
offen gelassen
werden kann, ob das Ereignis vom 1
6.
November 2011 als Unfall zu qualifizieren ist, da die über den 1
1.
November 2013
hinaus
weiter bestehenden Beschwerden keine organische Ursache besitzen und unter Berücksichtigung der Psycho-Praxis nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit adäquat kausal zum Ereignis vom 1
6.
November 2011 oder zum Vorfall vom
9.
Januar 2008 sind.
6.
Zu prüfen bleibt, ob eine Berufskrankheit im Sinne des UVG vorliegt.
6.1
Nach
Art.
9
Abs.
1 UVG gelten als Berufskrankheiten Krankheiten (
Art.
3 ATSG), die bei der beruflichen Tätigkeit ausschliesslich oder vorwiegend durch schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten verursacht worden sind. Der Bundesrat erstellt die Liste dieser Stoffe und Arbeiten sowie der arbeits
bedingten Erkrankungen. Gestützt auf diese Delegationsnorm und Art. 14 UVV hat er in Anhang I zur UVV eine Liste der schädigenden Stoffe und der arbeitsbedingten Erkrankungen erstellt. Nach der Rechtsprechung ist eine „vorwiegende" Ver
ursachung von Krankheiten durch schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten nur dann gegeben, wenn diese mehr wiegen als alle andern mitbeteiligten Ursachen, mithin im gesamten Ursachenspektrum mehr als 50 % ausmachen. „Ausschliessliche" Verursachung hingegen meint prak
tisch 100 % des ursächlichen Anteils der schädigenden Stoffe oder bestimm
ten Arbeiten an der Berufskrankheit (BGE 119 V 200 E. 2a mit Hinweis).
Als Berufskrankheiten gelten nach
Art.
9
Abs.
2 UVG auch andere Krankhei
ten, von denen nachgewiesen wird, dass sie ausschliesslich oder stark über
wiegend durch berufliche Tätigkeit verursacht worden sind. Diese General
klausel bezweckt, allfällige Lücken zu schliessen, die dadurch ent
stehen könnten, dass die
bundesrätliche
Liste gemäss An
hang I zur UVV entweder
einen schädigenden Stoff, der eine Krankheit verursachte, oder eine Krank
heit nicht aufführt, die durch die Arbeit verursacht wurde (BGE 119 V 200 E. 2b mit Hinweis). Nach der Rechtsprechung ist die Voraussetzung des „ausschliesslichen oder stark überwiegenden" Zusammenhangs gemäss Art. 9 Abs. 2 UVG erfüllt, wenn die Berufskrankheit mindestens zu 75 % durch die berufliche Tätigkeit verur
sacht worden ist (BGE 126 V 183 E. 2b, 119 V 200 E. 2b mit Hinweis; RKUV 2000 Nr. U 408 S. 407).
Soweit nichts
anderes
bestimmt ist, sind gemäss
Art.
9
Abs.
3 UVG Berufs
krankheiten von ihrem Ausbruch an einem Berufsunfall gleichgestellt. Sie gelten als ausgebrochen, sobald die betroffene Person erstmals ärztlicher Behandlung bedarf oder arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) ist.
Im Rahmen von
Art.
9
Abs.
2 UVG ist grundsätzlich in jedem Einzelfall dar
über Beweis zu führen, ob die geforderte stark überwiegende (mehr als 75%ige) bis ausschliessliche berufliche Verursachung vorliegt (BGE
126
V
183 E. 4b am Ende). Angesichts des empirischen Charakters der medizini
schen Wissenschaft (BGE 126 V 183 E. 4c am Anfang) spielt es für den Beweis im Einzelfall eine entscheidende Rolle, ob und inwieweit die Medizin, je nach ihrem Wissensstand in der fraglichen Disziplin, über die Genese einer Krankheit im Allgemeinen Auskunft zu geben oder (noch) nicht zu geben vermag. Wenn aufgrund medizinischer Forschungsergebnisse ein Erfah
rungswert dafür besteht, dass eine berufsbedingte Entstehung eines bestimmten Leidens von seiner Natur her nicht nachgewiesen werden kann, dann schliesst dies den (positiven) Beweis auf qualifizierte Ursächlichkeit im Einzelfall aus (Urteil des Bundesgerichts U 71/05 vom
9.
August 2006
E.
4.3.1).
6.2
Der Beschwerdeführer brachte insbesondere vor, dass eine Berufskrankheit nach
Art.
9
Abs.
1 UVG vorliege, da gemäss
Ziff.
2
lit
. a des Anhangs 1 zur UVV eine erhebliche Schädigung des Gehörs durch Arbeiten unter Lärm als arbeitsbedingte Krankheit gelte. In
casu
liege zwar keine objektiv-strukturelle Läsion
des Innenohr
vor, aber eine massive, komplexe Beeinträchtigung der akustischen Wahrnehmung, welche einer erheblichen Gehörsschädigung entspreche (
Urk.
1 S. 18 f.).
Erhebliche Schädigungen des Gehörs durch physikalische Einwirkungen bei Arbeiten im Lärm gelten nach
Ziff.
2 des Anhangs 1 zur UVV als arbeitsbe
dingte Erkrankung.
Dr.
I._
und Prof.
J._
hielten fest, dass kein wesentlicher Gehörschaden sicher nachweisbar sei (
Urk.
10/ZM26/35), was auch mit den Ausführungen von
Dr.
C._
korreliert (
Urk.
10/ZM19/1 f.), welcher konstatierte, dass die ihm
zur Verfügung stehenden Reintonaudiogramme ein altersentsprechend normales Gehör ze
igten. Dass ein wesentlicher Gehörsschaden vorliegt, wel
cher vom Anhang 1 zur UVV erfasst würde, ist damit nicht erstellt.
Der Tinnitus und die
Hyperakusis
sind - wie gezeigt (vgl. E. 5.2) - nicht auf eine
organisch-strukturelle Läsion de
s Gehörs zurückzuführen, womit sie nicht im Anhang 1 zur UVV geführt werden.
Damit ist eine Berufskrankheit im Sinne von
Art.
9
Abs.
1 UVG zu verneinen.
6.3
Des Weiteren machte der Beschwerdeführer geltend, dass eine Berufskrank
heit nach
Art.
9
Abs.
2 UVG vorliege.
Prof.
E._
lege dar, dass das Risiko für lärmbedingte Hörschäden bei Berufsmusikern viermal höher sei als in der Gesamtbevölkerung, beim isoliert betrachteten Tinnitus sei es um 57
%
höher. Angaben zu
Hyperakusis
und Tinnitus seien selten. Aufgrund des viermal grösseren Risikos für Störungen des Hörsystems, wozu auch
Hypera
kusis
und Tinnitus gehören würden, sei die Generalklausel nach
Art.
9
Abs.
2 UVG zu bejahen und entsprechend auch gestützt darauf Leistungen zu erbringen (
Urk.
1 S. 19 ff.).
Entgegen den Behauptungen des Beschwerdeführers geht aus den
Ausführun
gen von Prof.
E._
nicht hervor, dass
das Risiko von Berufs
musikern, an
Hyperakusis
oder einem Tinnitus zu erkranken, um das vierfa
che höher
liegt
als in der Normalbevölkerung: Prof.
E._
konstatierte, dass seines Erachte
ns für die Berufsgruppe der Chor
sänger die Annahme gelte, dass das Tinnitus- und
Hyperakusis
-Risiko in deutlichem Masse gegen
über der Allgemeinbevölkerung erhöht sei. Für die Annahme einer viermal häufigeren Betroffenheit als im Durchschnitt habe er in der Literatursuche für Tinnitus und
Hyperakusis
keine Zahlen finden können. Die vierfach höhere Betroffenheit gelte insbesondere für das Vorliegen einer Lärmschwerhörig
keit. Das Risikomass an einem Tinnitus oder einer
Hyperakusis
zu erkranken sei gestützt auf die Studie von
Schink
et al., (
Incidence
and
relative
risk
of
hearing
disorders
in professional
musicians
.
Occup
Environ
Med. 2014; 71:472-476) als 57
%
höher als in der Allgemeinbevölkerung anzugeben. Somit erscheine es ihm
im überwiegenden Masse wahrscheinlich, dass die Tinnitus- und
Hyperakusisbeschwerden
im Zusammenhang mit der berufli
chen Tätigkeit des Versicherten als Chorsänger stünden (
Urk.
10/ZM29/4 f.).
Wie von Prof.
E._
plausibel dargestellt, ist es zwar überwiegend wahr
scheinlich, dass die Tinnitus- und
Hyperakusisbeschwerden
im Zusammen
hang mit der beruflichen Tätigkeit des Beschwerdeführers stehen - dies reicht allerdings nicht zur Annahme einer Berufskrankheit nach
Art.
9
Abs.
2 UVG,
da dabei eine ausschliessliche oder stark überwiegende Wahrscheinlichkeit verlangt wird, was gestützt auf die Ausführungen von Prof.
E._
zu verneinen ist.
6.4
Zusammengefasst ist festzuhalten, dass entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers keine Berufskrankheit im Sinne von
Art.
9 UVG anzu
nehmen ist.
7.
D
a die über den 1
1.
November 2013
hinaus
weiter bestehenden
Beschwerden keine organische Ursache besitzen und unter Berücksichtigung der Psycho-Praxis nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit adäquat kausal zum Ereignis vom 1
6.
November 2011 oder zum V
orfall vom
9.
Januar 2008 sind sowie keine Berufskrankheit vorliegt
,
erweist sich der angefochtene Ein
spracheentscheid als rechtens und die Beschwerde ist vollumfänglich abzu
weisen.
8.
Das Verfahren ist kostenlos.