Decision ID: be91f239-32ab-5d25-9eb2-bf948db9806c
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden ersuchten am 23. Dezember 2015 im Emp-
fangs- und Verfahrenszentrum des SEM in E._ um Asyl in der
Schweiz nach. Am 14. Januar 2016 wurden sie zur Person summarisch
befragt (BzP) und am 30. Oktober 2017 vertieft zu ihren Asylgründen an-
gehört.
Zur Begründung ihres Asylgesuchs machten sie im Wesentlichen Folgen-
des geltend:
Sie seien afghanische Staatsangehörige tadschikischer Ethnie aus
F._ in der Provinz F._. Sie seien seit 2013 verheiratet und
hätten zwei gemeinsame Kinder, die sich mit ihnen in der Schweiz befän-
den. Der Beschwerdeführer machte geltend, er habe Afghanistan wegen
seines Vaters (N [...]) verlassen. Dieser habe aufgrund seiner Berufstätig-
keit als (...) Probleme mit der Regierung, der Mafia und mit Leuten gehabt,
die (...) illegal gehandelt hätten. Sein Vater habe auch Probleme mit den
lokalen Kommandanten und den Taliban gehabt. Deshalb sei auch er sel-
ber, als dessen Sohn, gefährdet gewesen. Als er kurz vor der Ausreise mit
dem Auto unterwegs gewesen sei, sei von hinten auf ihn geschossen wor-
den. Er habe zwar niemanden gesehen, sei sich aber sicher, dass dieser
Anschlag etwas mit den Feinden seines Vaters zu tun gehabt habe. Er
habe bei der Polizei Anzeige erstattet.
Die Beschwerdeführerin machte geltend, sie habe Afghanistan ebenfalls
wegen ihres Schwiegervaters verlassen. Dieser sei Experte (...). Er habe
diejenigen bekannt geben wollen, die (...). Aus diesem Grund habe ihr
Schwiegervater viele Feinde gehabt, namentlich Beamte aus der Regie-
rung, Abgeordnete des Parlaments und die Taliban. Vor ihrer Ausreise
habe zudem jemand einen Anschlag auf ihren Ehemann verübt. Sie wisse
nicht, wer die Täter gewesen seien oder weshalb dieser Anschlag verübt
worden sei. Sie selber habe keine eigenen Asylgründe.
Zum Nachweis ihrer Identität reichten die Beschwerdeführenden Kopien
ihrer Tazkiras ein. Darüber hinaus reichten sie keine Beweismittel ein, ver-
wiesen diesbezüglich aber auf das Asylgesuch des (Schwieger-)Vaters und
dessen Beweismittel.
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Seite 3
B.
Mit Verfügung vom 30. August 2018 verneinte das SEM die Flüchtlingsei-
genschaft der Beschwerdeführenden und lehnte ihr Asylgesuch ab. Gleich-
zeitig ordnete es ihre Wegweisung aus der Schweiz an, schob den Vollzug
jedoch infolge Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf.
C.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 1. Oktober 2018
beantragten die Beschwerdeführenden die Feststellung der Flüchtlingsei-
genschaft und die Gewährung von Asyl. In prozessualer Hinsicht ersuchten
sie um Koordination des Beschwerdeverfahrens mit dem Beschwerdever-
fahren der Eltern des Beschwerdeführers (N [...]), die Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses sowie die Beiordnung ihrer damaligen Rechtsvertreterin
als amtliche Rechtsbeiständin.
Als Beweismittel reichten sie Meldungen von ermordeten (...) in Afghanis-
tan und eine Fürsorgebestätigung vom 12. September 2018 ein.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 10. Oktober 2018 hiess die Instruktionsrichte-
rin die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gut,
setzte die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführenden als amtliche
Rechtsbeiständin ein und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz zur Vernehmlassung eingela-
den.
E.
In der Vernehmlassung vom 16. Oktober 2018 beantragte das SEM unter
vollständigem Festhalten an seinen Erwägungen die Abweisung der Be-
schwerde.
F.
Die Beschwerdeführenden erhielten die Vernehmlassung mit Schreiben
vom 17. Oktober 2018 zur Kenntnisnahme.
G.
Mit Eingabe vom 29. November 2019 ersuchte Rechtsanwältin Raffaella
Massara um Entlassung aus ihrem Amt als unentgeltliche Rechtsbeistän-
din der Beschwerdeführenden sowie darum, die ebenfalls bei der Berner
Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not tätige Ariane Burkhard als amt-
liche Rechtsbeiständin einzusetzen.
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Seite 4
H.
Mit Zwischenverfügung vom 24. Februar 2020 entliess die Instruktionsrich-
terin Rechtsanwältin Raffaella Massara antragsgemäss aus ihrem Amt als
amtliche Rechtsbeiständin und stellte ferner fest, es werde vorderhand
keine neue amtliche Rechtsbeiständin eingesetzt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist somit einzutreten.
1.5 Dem Antrag der Beschwerdeführenden auf Koordination des vorliegen-
den Verfahrens mit demjenigen der Eltern beziehungsweise Schwiegerel-
tern (N [...]) wird vorliegend durch die gleichzeitige Entscheidfindung im
gleichen Spruchgremium entsprochen (E-5629/2018).
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2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Zur Begründung der angefochtenen Verfügung führte das SEM aus, die
zentralen Vorbringen des Beschwerdeführers seien substanzlos, pauschal
und teilweise in nicht nachvollziehbarer Weise vorgetragen worden, so
dass sie nicht glaubhaft seien.
So habe der Beschwerdeführer geltend gemacht, Afghanistan wegen der
Probleme seines Vaters verlassen zu haben. Er habe befürchtet, diese
würden auch für ihn Konsequenzen haben. Indes habe er nichts Konkretes
über die Probleme seines Vaters zu berichten gewusst. Seine diesbezügli-
chen Schilderungen hätten sich bloss auf allgemeine Angaben beschränkt.
Er habe zum einen nur aufgezählt, mit wem sein Vater angeblich Probleme
gehabt habe (Regierung, Mafia, Schmuggler, Taliban), ohne aber zu präzi-
sieren, welche Art von Problemen dies gewesen seien (A27 S. 7-8, 11).
Zum anderen habe er lediglich angeführt, wenn jemand mit jemandem ver-
feindet sei, dann belästige man die ganze Familie und wenn sein Vater von
diesen Leuten getötet worden wäre, hätte er etwas dagegen gemacht, wes-
halb man auch ihn getötet hätte (A27 S.7 F43-44). Seine Schilderungen
seien demzufolge äusserst allgemein ausgefallen. Seine Ahnungslosigkeit
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habe er damit erklärt, dass ihn sein Vater erst kurz vor der Ausreise darüber
informiert habe, dass er Probleme mit einigen Leuten habe. Mehr habe sein
Vater nicht gesagt und er habe nicht gefragt (A27 S.10). Dieses fehlende
Interesse bezüglich seiner eigenen Sicherheitslage und derjenigen seiner
Familie erscheine insbesondere vor dem Hintergrund des geltend gemach-
ten Anschlags auf sein Auto nicht plausibel. Bezeichnenderweise sei es
seinem Vater auch nicht gelungen, seine persönlichen Bedrohungen glaub-
haft zu machen. In Bezug auf den geltend gemachten Anschlag auf das
Auto des Beschwerdeführers falle auf, dass weder er selbst noch die Be-
schwerdeführerin diesen Angriff anlässlich der BzP erwähnt hätten (A6 und
A7). Dies erstaune sehr, da es sich dabei um ein so einschneidendes Er-
lebnis gehandelt habe, dass es gemäss Anhörung ausschlaggebend für die
Ausreise gewesen sei (A28 S.7). Die Erklärung des Beschwerdeführers,
an der BzP nicht ausreichend Zeit gehabt zu haben, all seine Probleme zu
schildern, vermöge nicht zu überzeugen (A27 S.11). Er habe diesen Vorfall
an der Anhörung zudem weder detailreich noch erlebnisgeprägt zu schil-
dern gewusst, obwohl er wiederholt darauf aufmerksam gemacht worden
sei, konkrete und ausführliche Angaben zu machen (A27 S. 8 F52-54). Er
habe geltend gemacht, dieser Angriff auf ihn habe mit den Problemen sei-
nes Vaters zu tun gehabt, ohne dass er dazu konkrete Anhaltspunkte habe
machen können. Im Gegenteil habe er selber angegeben, er habe beim
Angriff niemanden gesehen und die Ermittlungen der Polizei hätten nichts
ergeben (A27 S. 8-9 F53-54, 59). Ebenso wenig habe ihm sein Vater etwas
Konkretes über die möglichen Angreifer sagen können (A27 S. 9 F58, 61).
Somit handle es sich bei seiner Behauptung um eine reine Hypothese. Sein
Vater, der mit ihm zusammen in die Schweiz gereist sei, um Asyl zu bean-
tragen, habe diesen Angriff in seinem Asylgesuch ebenfalls geltend ge-
macht. Allerdings sei es auch diesem nicht gelungen, diesen Angriff oder
dessen angeblichen Hintergrund glaubhaft zu machen.
Die Beschwerdeführerin habe keine eigenen Asylgründe geltend gemacht
(A28 S. 7), sondern pauschal auf die Probleme wegen ihres Schweigerva-
ters verwiesen. Auch ihre Ausführungen zum Angriff auf ihren Ehemann
seien oberflächlich und schemenhaft ausgefallen (A28 S. 7-9). Beweismit-
tel hätten die Beschwerdeführenden nicht eingereicht, sondern auf das
Asylgesuch des (Schwieger-)Vaters und die darin eingereichten Beweis-
mittel verwiesen (A27 S. 3).
Die Vorbringen würden somit den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit
nicht standhalten, so dass deren Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse.
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Demzufolge würden sie die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, so dass
das Asylgesuch abzulehnen sei.
4.2 Dem entgegneten die Beschwerdeführenden in der Beschwerdeschrift
im Wesentlichen, der Beschwerdeführer habe die geltend gemachte Ver-
folgungssituation sehr wohl glaubhaft gemacht. Da vorliegend der Sach-
verhalt zum grössten Teil unbestritten sei, würden sie diesbezüglich auf die
angefochtene Verfügung verweisen. Die Vorinstanz zweifle vorliegend
nicht daran, dass der Vater des Beschwerdeführers (...) sei. Ferner stelle
sie auch nicht in Abrede, dass ein (...), der sich wie sein Vater nachweislich
für (...) eingesetzt habe, welche (...), von Seiten der Taliban bedroht wer-
den könnte. Allerdings sei die Vorinstanz zu Unrecht der Ansicht, dass er
die geltend gemachte Verfolgungssituation nicht habe glaubhaft machen
können. Dies sei nicht nachvollziehbar. Er habe durchaus konkrete Anga-
ben zu den Problemen seines Vaters gemacht. Er habe gesagt, dass sein
Vater Probleme mit der Regierung und den Taliban habe. Er habe auch
gewusst, dass die Probleme mit der Regierung aufgrund deren (...) seien
und dass ihn die Taliban wegen der Tätigkeit des Vaters als (...) als Ungläu-
bigen qualifizieren würden. Der Vater habe dem Beschwerdeführer nichts
Genaueres über seine Probleme erzählt, um ihn zu schützen. In Bezug auf
den Vorwurf, er habe den auf ihn verübten Anschlag an der BzP nicht er-
wähnt, sei darauf hinzuweisen, dass die Befragung lediglich eine Stunde
gedauert habe und er von der Vorinstanz ausdrücklich darum gebeten wor-
den sei, nur das Wichtigste zu erzählen. Somit sei nachvollziehbar, dass er
den Anschlag damals noch nicht erwähnt habe. Wie die Vorinstanz darauf
komme, er habe nicht auf substantiierte Art und Weise vom Attentat erzählt,
sei nicht nachvollziehbar. Sowohl er als auch sein Vater hätten Angaben
zum Tatzeitpunkt, Tatort und Tatzusammenhang machen können. So habe
er ausgeführt, dass sich das Ereignis im neunten Monat ereignet habe, der
Anschlag mit seinem Vater zusammenhänge, und dass eine Kugel sein
Auto getroffen habe (A27 F45, 50-66). Wie die Vorinstanz diese Schilde-
rungen als oberflächlich und schemenhaft bezeichnen könne, sei nicht
nachvollziehbar. Ferner sei ebenfalls nicht nachvollziehbar, dass ihm vor-
geworfen werde, er und sein Vater hätten sich widersprochen. Die einzige
Ungereimtheit habe darin bestanden, dass er ausgesagt habe, der An-
schlag habe sich auf einer Hauptstrasse ereignet, während dem sein Vater
von einer Nebenstrasse gesprochen habe (N [...] A27 F60). Alleine deswe-
gen könne nicht davon ausgegangen werden, dass es ihnen nicht gelun-
gen sei, diesen Anschlag glaubhaft zu machen. Dies insbesondere vor dem
Hintergrund, dass es vorliegend offensichtlich zu Übersetzungsfehlern ge-
kommen sei (N [...] A23 Anmerkung zu F36 S. 19). Schliesslich stünden
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die Aussagen der anderen Familienmitglieder miteinander in Einklang (A28
F39, 51-61; N [...] A28 F42, A29 F33). Die Verfolgung des Vaters habe die
Verfolgung des Beschwerdeführers bewirkt. Deshalb werde in Bezug auf
die Asylrelevanz auf die Beschwerde des Vaters des Beschwerdeführers
verwiesen.
5.
5.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt vor dem Hintergrund der ge-
samten Aktenlage mit dem SEM übereinstimmend zum Schluss, dass die
Schilderungen des Beschwerdeführers zu der aus der Tätigkeit seines Va-
ters als (...) resultierenden Verfolgung nicht glaubhaft ausgefallen sind. Die
Entgegnungen auf Beschwerdeebene sind nicht geeignet, die vorinstanzli-
che Einschätzung umzustossen. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann
deshalb vorab auf die entsprechenden Erwägungen in der angefochtenen
Verfügung verwiesen werden.
5.2 Die Beschwerdeführenden argumentieren in der Beschwerde, es sei
nicht nachvollziehbar, dass die Vorinstanz die Vorbringen des Beschwer-
deführers als oberflächlich und schemenhaft bezeichne. So habe er durch-
aus konkrete Angaben zu den Problemen seines Vaters gemacht. Mit Blick
auf die Aktenlage vermag dieses Vorbringen indes nicht zu überzeugen.
Der Beschwerdeführer machte anlässlich der Anhörung lediglich geltend,
die Probleme seines Vaters mit der Regierung seien aufgrund deren (...)
mit (...) und die Probleme mit den Taliban seien wegen der Tätigkeit seines
Vaters als (...) aufgetreten. Er legte indes nicht konkret dar, unter welchen
Umständen, wann und in welchem Ausmass dieser bedroht worden sei.
Der Beschwerdeführer behauptete diesbezüglich pauschal, sein Vater
habe ihm erst kurz vor der Ausreise von seinen Problemen erzählt (A27 49
und 50), wobei ihm dieser nicht mehr Informationen mitgeteilt habe, um ihn
zu schützen und er habe auch nicht nachgefragt (A27 F49, 67-72). Es ist
jedoch weder ersichtlich, wie es dem Beschwerdeführer im Heimatstaat
hätte helfen sollen, dass er nichts über die Probleme seines Vaters weiss,
war ihm damit doch die Möglichkeit genommen, allfällige Vorsichtsmass-
nahmen für sich und seine eigene Familie zu treffen. Nicht plausibel er-
scheint auch, dass er kein grösseres Interesse an dieser Bedrohung ge-
habt und nicht nachgefragt habe. Dies scheint insbesondere deshalb nicht
nachvollziehbar, als der Beschwerdeführer gleichzeitig geltend macht,
dass in Afghanistan die gesamte Familie in die jeweiligen Probleme eines
Familienmitglieds involviert und gefährdet sei (A27 F44, 46 und 74). Soweit
geltend gemacht wird, es sei kurz vor der Ausreise aufgrund der Probleme
seines Vaters ein Anschlag auf ihn verübt worden (A27 F44f. 49-54), ist
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festzustellen, dass weder der Beschwerdeführer noch die Beschwerdefüh-
rerin diesen Anschlag dezidiert darstellen und in den Kontext zur Tätigkeit
des Vaters setzen konnten. So hat der Beschwerdeführer angegeben, er
habe niemanden gesehen, als von hinten auf sein Auto geschossen wor-
den sei (A27 F59), wobei es sich um die einzige bedrohliche Situation ge-
handelt habe, die er selber je erlebt habe (A27 F49). Der einzige Hinweis
des Beschwerdeführers dafür, dass der Schuss auf sein Auto im Zusam-
menhang mit den Problemen seines Vaters gestanden habe, sei gewesen,
dass er selber mit niemandem Probleme gehabt und ihm sein Vater gesagt
habe, er könne erahnen, wer diese Angreifer gewesen seien (A27 F58 und
62). Auf die Nachfrage, ob es konkrete Hinweise dafür gebe, dass gezielt
auf ihn geschossen worden sei, oder ob es sich dabei lediglich um Vermu-
tungen handeln würde, antwortete der Beschwerdeführer pauschal, es sei
„sehr deutlich, dass so etwas nur diese gefährlichen Leute tun könnten“
(A27 F63). Somit sind keine konkreten Hinweise dafür vorhanden, dass der
Anschlag auf den Beschwerdeführer, falls er denn stattgefunden hat, im
Zusammenhang mit den Problemen seines Vaters gestanden hätte. Das
Vorbringen wirkt konstruiert.
5.3 Relevant bei der Beurteilung des vorliegenden Verfahrens ist jedoch
auch, dass dieses Ereignis, welches zum Ausreiseentschluss der gesam-
ten Familie geführt haben soll, anlässlich der Erstbefragung weder von den
Beschwerdeführenden noch von den Eltern des Beschwerdeführers er-
wähnt wurde. Die Ausführungen der Beschwerdeführenden, sie hätten den
Anschlag auf den Beschwerdeführer an der BzP nicht erwähnt, weil diese
lediglich eine Stunde gedauert habe und sie von der Vorinstanz ausdrück-
lich darum gebeten worden seien, nur das Wichtigste zu erzählen, vermag
angesichts der Wichtigkeit dieses Ereignisses nicht zu überzeugen.
5.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden
nicht glaubhaft machen konnten, dass der Beschwerdeführer respektive
die Familie aufgrund der Tätigkeit des (Schwieger-)Vaters als (...) von re-
gierungsnahen Personen beziehungsweise den Taliban ernsthaften Nach-
teilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt gewesen wären. Aufgrund der
Aktenlage besteht auch kein Anlass zur Annahme, sie hätten solche für die
Zukunft zu befürchten.
Die Vorinstanz hat somit zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der Be-
schwerdeführenden verneint und ihr Asylgesuch abgelehnt.
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Seite 10
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
Im Sinne einer Klarstellung ist abschliessend festzuhalten, dass sich aus
den vorstehenden Erwägungen nicht der Schluss ergibt, die Beschwerde-
führenden seien zum heutigen Zeitpunkt angesichts der Entwicklung im
Heimatstaat nicht gefährdet. Indessen ist eine solche Gefährdungslage
ausschliesslich unter den Aspekt von Art. 83 Abs. 4 AIG einzuordnen, wo-
nach der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein kann,
wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie
Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret
gefährdet sind. Der generellen Gefährdung aufgrund der aktuellen Situa-
tion in Afghanistan im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG wurde durch das SEM
mit der Anordnung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs Rechnung getragen.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist so-
mit abzuweisen.
9.
9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Be-
schwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihnen jedoch
mit Zwischenverfügung vom 10. Oktober 2018 die unentgeltliche Prozess-
führung gewährt wurde – und sie aufgrund der Aktenlage nach wie vor als
prozessual bedürftig zu betrachten sind – sind im vorliegenden Verfahren
keine Kosten zu erheben.
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9.2 Mit Zwischenverfügung vom 10. Oktober 2018 wurde zudem das Ge-
such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung gutgeheis-
sen und Rechtsanwältin Raffaella Massara, Berner Rechtsberatungsstelle
in Not, wurde als amtliche Rechtsbeiständin eingesetzt. Es ist daher der
amtlich bestellten Rechtsbeiständin zulasten der Gerichtskasse ein Hono-
rar für ihre Bemühungen auszurichten. Mit Schreiben vom 29. November
2019 informierte die Rechtsvertreterin darüber, dass sie die Rechtsbera-
tungsstelle verlassen werde und ersuchte darum, Frau Ariane Burkhard als
neue amtliche Rechtsbeiständin einzusetzen. Für den Fall, dass das Ver-
fahren spruchreif sei und keine weiteren Verfahrenshandlungen als not-
wendig erachtet würden, wurde darum ersucht, das Honorar der Rechts-
beratungsstelle auszurichten. Aus der Formulierung der Eingabe vom
29. November 2019 ist zu schliessen, dass der Honoraranspruch von der
beigeordneten Rechtsbeiständin an ihre frühere Arbeitgeberin abgetreten
worden ist. Demnach ist das Honorar für die notwendigen Aufwendungen
im Rahmen dieser amtlichen Verbeiständung der Berner Rechtsberatungs-
stelle für Menschen in Not auszurichten. Es wurde – entgegen der Formu-
lierung in der Beschwerde – keine Kostennote zu den Akten gereicht, wes-
halb die notwendigen Kosten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art.
14 Abs. 2 in fine VGKE). Das amtliche Honorar wird in Anwendung der ge-
nannten Bestimmungen und unter Berücksichtigung der massgeblichen
Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]) und der Entschädigungspraxis in vergleichbaren
Fällen auf pauschal Fr. 650.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festge-
setzt.
(Dispositiv nächste Seite)
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