Decision ID: 746e0eb7-cb16-443b-9ead-2a219bf1376e
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1992 geborene X._ brach ihre Lehre als Kauffrau in ei
nem Hotel im ersten Lehrjahr ab (Urk. 6/5/1). Im August 2009 be
gann sie bei der Y._ AG erneut eine Lehre als Kauffrau. Das Lehrver
hältnis wurde per 31. Dezember 2011 im dritten Lehrjahr vorzeitig
aufgelöst (
Urk.
6/5/7). Nach einer Lehrvertragsübernahme durch die
Z._
führte die Versicherte die Lehre zunächst ab dem 4. Januar 2012 weiter, bis das Lehrver
hältnis per 2
9.
Februar 2012 erneut aufgelöst wurde (
Urk.
6/2). Am
29. Dezember 2012 meldete sie sich unter Hinweis auf psychische Beschwerden bei der Invali
denversicherung zum Leistungsbezug
an (
Urk.
6/6). Die Sozial
versicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihr mit Mitteilung vom 2
4.
September 2013 (
Urk.
6/26) berufliche Massnahmen zu, welche aus gesundheitlichen Gründen im Dezember 2013 wieder abgebrochen wurden (Urk. 6/31 und
Urk.
6/32). Die IV-Stelle tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und wies
das Rentenbe
gehren
mit Verfügung vom
31. Juli
2015 (Urk.
6/63
) ab. Die von der Versicherten dagegen erhobene Beschwerde vom
9. September 2015 (
Urk.
6/67/3-6) hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 15. März 2017 in dem Sinne gut, als dass es die Sache an die IV-Stelle zurückwies, damit diese weitere Abklärungen tätige und über den Rentenanspruch der Versicherten erneut verfüge (
Urk.
6
/73, Prozess-Nr.
IV.2015.00916).
Die IV-Stelle tätigte daraufhin weitere medizinische und erwerbliche Abklärun
gen,
liess die Versicherte insbesondere durch
Dr. med. A._, Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. phil. B._, Neuropsychologin,
bidiszipli
när
begutachten (Expertise vom
10. April 2018; Urk.
6/98) und veranlasste eine Abklärung im Haushalt (
Bericht vom 14.
Juni 2018; Urk. 6/108). Nach durchge
führtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 6/113 und
Urk.
6/122) wies sie das Leis
tungsbegehren mit Verfügung vom
2
7.
September 2018 (Urk. 2)
gestützt auf eine 60%ige Einschränkung im Erwerbsbereich (hypothetische Erwerbstätigkeit 60 %) und eine Einschränkung von 0 % im Haushalt (Anteil 40 %) bei einem Gesamtin
validitätsgrad von 36 %
(Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 25. Oktober 2018 Beschwerde (Urk. 1) und be
antragte, die Verfügung vom 27. September 2018 sei aufzuheben und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen gemäss IVG, namentlich mindestens eine
Viertels
rente
ab wann rechtens, zu gewähren. Am 3. Dezember 2018 (Urk. 5) beantragte die IV-
Stelle, die Beschwerde sei abzuweisen, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 5. Dezember 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit
dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Gemäss dem in Art. 27
bis
Abs. 2–4 der Verordnung über die Invalidenversiche
rung (IVV) per 1. Januar 2018 eingeführten neuen Berechnungsmodell für die Festlegung des Invaliditätsgrads von teilerwerbstätigen Versicherten nach der ge
mischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) werden der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Auf
gabenbereich – weiterhin – summiert (Art. 27
bis
Abs. 2 IVV). Die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbstätigkeit richtet sich nach Art. 16 ATSG, wobei das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch die Teiler
werbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. a IVV) und die pro
zentuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäftigungsgrads, den die versicherte Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. b IVV). Für die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Be
tätigung im Aufgabenbereich wird der prozentuale Anteil der Einschränkungen bei der Betätigung im Aufgabenbereich im Vergleich zur Situation, wenn die ver
sicherte Person nicht invalid geworden wäre, ermittelt. Der Anteil wird anhand der Differenz zwischen dem Beschäftigungsgrad nach Absatz 3
lit
. b und einer Vollerwerbstätigkeit gewichtet (Art. 27
bis
Abs. 4 IVV).
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die galten, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 130 V 445 E. 1.2.1, 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen).
Die angefochtene Verfügung ist am
2
7.
September 2018
und somit nach Inkraft
treten der Verordnungsänderung ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Verordnungsbestimmungen am 1. Januar 2018 begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über welche noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2017 auf die damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeit
punkt auf die revidierten Verordnungsbestimmungen abzustellen (vgl. BGE 130 V 445 E. 1.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts I 428/04 vom 7. Juni 2006 E. 1)
.
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fügung vom 27. September 2018 (Urk. 2) damit, dass die Beschwerdeführerin zu 40 % arbeitsfähig sei. Eine Tätigkeit im Büro würde einer angepassten Arbeit ent
sprechen, sofern diese in einer wohlwollenden, unterstützenden, reizarmen Um
gebung stattfinde. Bei guter Gesundheit würde sie zu 60 % arbeiten und zu 40 % im Haushalt tätig sein. Eine 90%ige Erwerbstätigkeit mit Betreuung der drei we
nige Wochen, zwei und sechs Jahre alten Töchter durch eine Nanny sei nicht nachvollziehbar, nachdem eine solche sehr kostspielig sei. Dasselbe gelte für eine Au-Pair-Anstellung oder für Krippenplätze. Zudem habe sie 2013 bei der Berufs
beratung angegeben, dass sie zu 50 % erwerbstätig sein und sich die restliche Zeit der Kinderbetreuung widmen möchte. Finanzielle Existenzängste bei einer 60%igen Tätigkeit seien nicht nachvollziehbar (S. 1 f.). Im Haushalt sei sie - aus näher dargelegten Gründen - nicht eingeschränkt. Es bestehe ein rentenaus
schliessender Gesamtinvaliditätsgrad von 36 % (S. 2 f.).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
sie sei seit ihrer Kindheit psychisch beeinträchtigt. Es beständen also seit Jahr
zehnten starke Einschränkungen in der Erwerbstätigkeit, im Haushalt und im Pri
vatleben. Es sei deshalb überwiegend wahrscheinlich, dass sie sich anlässlich der Haushaltabklärung einen hypothetischen Sachverhalt im Gesundheitsfalle nicht habe vorstellen können und von der Statusfrage überfordert gewesen sei. Auf die Aussage der ersten Stunde könne deshalb nicht abgestellt werden. Vielmehr wäre sie - aus näher dargelegten Gründen - im Gesundheitsfall zu 90 % erwerbstätig und würde ihre Kinder fremdbetreuen lassen. Bei einer Arbeitstätigkeit in diesem Umfang wäre es auch kein Problem, für die Betreuungskosten aufzukommen. Mit einer lediglich 60%igen Erwerbstätigkeit könnten die Kosten der fünfköpfigen Familie trotz des 100 %-Pensums des Ehemannes höchstens knapp gedeckt wer
den. Sie habe überdies trotz ihrer drei Kinder nach Eintritt des Gesundheitsscha
dens während einer gewissen Zeit ein 90%-Pensum ausgeübt. Eine nur 60%ige
Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall sei damit nicht überwiegend wahrscheinlich. Ein Anspruch auf mindestens eine halbe Rente der Invalidenversicherung sei aus
gewiesen (S. 5-11). Selbst wenn von einer lediglich 60%igen Erwerbstätigkeit ausgegangen würde, sei zu berücksichtigen, dass sie aufgrund ihrer gesundheit
lichen Beschwerden ihre kaufmännische Ausbildung nicht abgeschlossen habe. Es gehe deshalb nicht an, bei der Berechnung des Invalideneinkommens auf den
selben Tabellenlohn abzustellen wie bei der Berechnung des
Valideneinkommens
. Werde vom selben Tabellenlohn ausgegangen, sei zu berücksichtigen, dass sie in der angestammten Tätigkeit lediglich zu 30 % arbeitsfähig sei. Werde hingegen das Invalideneinkommen gestützt auf die gemäss Gutachter 40%ige Arbeitsfähig
keit in einer angepassten Tätigkeit berechnet, sei der Tabellenlohn für Hilfsarbei
terinnen heranzuziehen. In beiden Fällen resultiere (bei einer Gewichtung zu 60 %) ein Gesamtinvaliditätsgrad von mindestens 42 % und damit Anspruch auf Ausrichtung einer
Viertelsrente
(S. 11-13).
3.
3.1
Dr. med. C._ führte in ihrem Bericht vom 28. November 2017 (Urk. 6/80) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (S. 1):
-
emotional instabile Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.3)
-
Anorexia
nervosa
(ICD-10 F50.0), aktuell im Hintergrund
Zudem hielt sie folgende Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert unter laufender Be
handlung (ICD-10 F33.4)
Dazu führte sie aus, die Beschwerdeführerin habe ab Juli 2016 im Verlag ihres Bruders (Inhaber) eine Büro-Tätigkeit in Form von Homeoffice mit einem Pensum von ungefähr 20 Stunden pro Monat aufnehmen können. Seit Februar 2017 ar
beite sie dort in einem 40 %-Pensum (Buchhaltung, Unterhaltung des Internet-Portals). Diese Tätigkeit in familiärem Umfeld müsse als Tätigkeit in geschütztem Rahmen betrachtet werden. Regelmässig vorkommende Arbeitsausfälle (ungefähr 1 Mal pro Monat) sowie über das übliche hinausgehende Pausen zur Skills-An
wendung würden toleriert. In einer kaufmännischen Bürotätigkeit sei sie seit min
destens Februar 2014 und bis auf weiteres zu 70 - 100 % arbeitsunfähig. Die Arbeitsfähigkeit schwanke entsprechend dem Krankheitsbild einer emotional in
stabilen Persönlichkeitsstörung. Es sei anhaltend von einer konstanten erhebli
chen Einschränkung insbesondere der Belastbarkeit und Stresstoleranz auszuge
hen (S. 2-3).
3.2
Dr. A._ und Dr. phil. B._ stellten in ihrem
psychiatrisch
-
neuropsychologisch
en Gutachten vom
10. April 2018
(Urk.
6/98)
folgende Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk.
6/98
/3):
-
leichte bis mittelschwere neuropsychologische Funktionsstörung
-
emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
Typ (ICD-10 F60.31)
Zudem führten sie folgende Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (
Urk.
6/98/3):
-
rezidivierende depressive Störung, aktuell remittiert (ICD-10 F33.4)
Dazu hielten sie fest,
s
eit der Kinderzeit und anhaltend
beständen
eine emotio
nale Instabilität, Impulsivität
und psychosomatische Symptome. In der Pubertät
seien
Selbstver
l
etzungen
sowie
Alkohol- und
Cannabisabusus
dazugekommen. Mit Lehrbeginn sei es zu einer
Akzentuierung
gekommen mit
Auftreten von Kon
zentrationsstörungen
und einem
Suizidversuch
,
im Verlauf zusätzlich
zu
einem zwanghaften
Perfektionismus,
einem
gestörte
n
Essverhalten, depressive
n Episo
den und
überflutende
n
Ängste
n
. Die ICD-10 Kriterien für die Diagnose einer emo
tional instabilen Persönlichkeit vom
Borderline
-Typ
seien
erfüllt. Neuropsycho
logisch
fänden
sich insbesondere spezifische Defizite in Konzentration und Auf
merksamkeit mit Hinweisen auf erhöhte Ablenkbarkeit und Störbarkeit. Die Diagnose eine
s
ADHS
sei
diskutiert
worden. D
agegen
spreche
, dass keine eindeu
tigen Hinweise auf motorische Unruhe
beständen und dass die Beschwerdeführe
rin
die Sekundarschule A ohne schulische Probleme
habe
abschliessen
können.
Dennoch
lasse
sich wegen der Möglichkeit untypischer Verläufe ein ADHS nicht sicher ausschliessen
(Urk.
6/98/3
)
.
Es
beständen eine
Konzentrationsminderung, erhöhte Ablenk
-
und Störbarkeit, verminderte Belastbarkeit und Stressintoleranz, erhebliche Störung der Emo
tionsregulation, Dissoziationen und
impulsive Hand
lungen.
Als Ressourcen
seien eine gute Kooperation, Motivation und
Anstren
gungsbereitschaft,
ein gutes Auffassungsvermögen und
ein
angenehmes Auftre
ten zu nennen. Der zwanghafte Perfektionismus ermöglich
e
qualitativ gute Ar
beit,
sei
gleichzeitig aber auch problematisch, da Belastungsgrenzen
übergangen würden (Urk.
6/98/
4).
In der angestammten Tätigkeit als kaufmännische A
ngestellte -
wobei die
Aus
bildung
allerdings nicht abgeschlossen worden sei - bestehe
eine Arbeitsfähigkeit von maximal 30
%
. Die aktuelle Tätigkeit im Betrieb eines Familienangehörigen
entspreche
einer geschützten Tätigkeit, auch hier
sei
die Arbeitsfähigkeit um
un
gefähr
60
%
eingeschränkt.
Auch
bei einer angepassten Tätigkeit
werde
die Ar
beitsfähigkeit mit nicht höher als 40
%
beurteilt.
Bei der psychiatrischen Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit
sei
eine Konzentrationsminderung durch die Störung der
Impuls- und Emotionssteuerung bereits mitberücksichtigt
worden
, eine Addi
tion mit der Einschränkung aus neuropsychologischer Sicht
werde daher nicht beurteilt
(Urk.
6/98/
4).
4.
Das
bidisziplinäre
psychiatrisch
-
neuropsychologisch
e
Gutachten
von Dr. A._ und Dr. phil. B._ vom 10. April 2018
beruht auf den erfor
derli
chen Untersuchungen, ist für die streitigen Belange umfassend und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten
Vorakten
erstellt.
Die
Gutachte
r legten
die medizinischen Zusammenhänge einleuchtend dar, beur
teilte
n
die medizinische S
ituation überzeugend und setzten
sich mit den geklag
ten Beschwerden und dem Verhalten der Beschwerdeführerin auseinander.
Sie gelangten
sodann zum begründeten Schluss, dass
die Beschwerdeführerin in einer Tätigkeit
als kaufmännische A
ngestellte
maximal
zu
30
% und in
einer angepass
ten Tätigkeit
zu
40
%
arbeitsfähig sei
.
Das Gutachten entspricht damit de
n recht
sprechungsgemässen Anfor
derungen an eine beweis
kräftige medizinische Ent
scheidungsgrundlage (vgl. E. 1.
5
hievor
).
Dies ist auch zwischen den Parteien unbestritten.
5.
5.1
Weiter ist erstellt und aufgrund der Akten ausgewiesen, dass bei der Beschwer
deführerin keine Einschränkung im Haushalt besteht (vgl. dazu Bericht über die
Abklärung im Haushalt
vom 14.
Juni 2018; Urk. 6/108).
Dies wird auch von den Parteien nicht bestritten. Umstritten ist hingegen die Qualifikation der Beschwer
deführerin.
5.2
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invaliditätsbe
messung (Art. 28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hy
pothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonde
ren sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso
wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhält
nisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Be
urteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4).
5.3
5.3.1
Die Beschwerdeführerin leidet seit ihrer Jugend an psychischen Beschwerden und hat gesundheitsbedingt ihre kaufmännische Ausbildung nicht abgeschlossen. Sie arbeitet in einer Büro-Tätigkeit in der Unternehmung ihres Bruders, doch muss dies gemäss Gutachter als Arbeit in einem geschützten Rahmen betrachtet wer
den. Aus ihrer Erwerbsbiographie können somit keine verlässlichen Schlüsse auf ein mutmassliches Arbeitspensum
im Gesundheitsfall
gezogen werden. Daran än
dert nichts, dass sie von Dezember 2016 bis Februar 2017 zusätzlich während dreier Monate zu 40 % als Promoterin für die D._ tätig war (Urk. 1 S. 10 und Urk. 6/117 S. 2), hat es sich bei der Anstellung bei ihrem Bruder doch auch in diesem Zeitraum um eine geschützte Tätigkeit und damit nicht um ein Gesamt
arbeitspensum von 90 % im ersten Arbeitsmarkt gehandelt.
5.3.2
Im Jahre 2013 konnte sich die Beschwerdeführerin im Gespräch mit der Berufs
beratung ein halbes Jahr nach der Geburt ihrer ersten Tochter anfänglich nicht vorstellen, diese fremdbetreuen zu lassen. Anschliessend versuchte sie, in einem 50 %-Pensum ihre Lehre abzuschliessen, was jedoch gesundheitsbedingt nicht gelang (Urk. 6/29). Anlässlich der Haushaltabklärung vom 14. Juni 2018 erklärte sie, im Gesundheitsfall wäre sie zu 90 % erwerbstätig und würde ihre Kinder fremdbetreuen lassen (Urk. 6/108 S. 4). Im Laufe des Verfahrens wies sie aber zu Recht darauf hin (vgl. Urk. 1 S. 6), dass sie schon vor Ausübung ihrer ersten Erwerbstätigkeit erkrankt war; die Überlegung, welches Arbeitspensum sie im Ge
sundheitsfall ausgeübt hätte, dürfte sie deshalb überfordert haben. Ihre diesbe
züglichen Aussagen sind folglich mit Zurückhaltung zu würdigen.
5.3.3
Die Beschwerdeführerin ist Mutter dreier im Zeitpunkt des Erlasses der angefoch
tenen Verfügung 6-, 2.5- und 0.5-jähriger Töchter (vgl. etwa Urk. 6/108 S. 3).
Ihr Mann arbeitet in einem 100 %-Pensum als Kundenberater im Aussendienst und erzielt dabei ein Nettoeinkommen von Fr. 5'200.-- (Urk. 6/108 S. 3). In einem 60 %-Pensum würde die Beschwerdeführerin bei guter Gesundheit ein Nettoein
kommen von ungefähr Fr. 3'250.-- erzielen (vgl. dazu Berechnung
Validenein
kommen
E. 6.1.1 hernach). Hinzu kommen Kinderzulagen von Fr. 600.-- sowie Unterhaltsbeiträge für die älteste Tochter von Fr. 530.-- (vgl. Urk. 6/108 S. 3). Dass die Beschwerdeführerin mit drei Kindern im Vorschulalter (hypothetisch) gezwungen würde, in einem 90 %-Pensum zu arbeiten, damit der Vater ihrer ers
ten Tochter keine Unterhaltsbeiträge mehr bezahlen muss, wie sie geltend machte (Urk. 1 S. 9), ist nicht plausibel. Es ist demnach bei einem 60 %-Pensum von monatlichen Nettoeinnahmen von Fr. 9'580.-- auszugehen, welchen Krankenkas
senprämien und Miete von Fr. 2'720.-- gegenüberstehen, womit für die weiteren Auslagen der fünfköpfigen Familie sowie das Ansparen eines Notgroschens (vgl. dazu Urk. 1 S. 9-10) Fr. 6'860.-- pro Monat zur Verfügung stehen. Bei dieser fi
nanziellen Situa
tion ist nicht davon auszugehen, dass die Familie zwingend auf einen höheren Verdienst der Beschwerdeführerin angewiesen wäre. Eine mehr als 60%ige Erwerbstätigkeit bei guter Gesundheit lässt sich
jedenfalls daraus nicht ableiten.
Die Beschwerdeführerin machte geltend,
ohne ein gewisses Einkommen ihrerseits Existenzängste
zu haben, ebenso, dass es
für sie wichtig sei, finanziell unabhängig zu sein
(Urk.
6/108 S. 4)
. Dies
ist
grundsätzlich
nachvollziehbar, macht aber eine 90%ige Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall nicht wahrscheinli
cher als ein Arbeitspensum von 60
%
.
5.3.4
Dass die Beschwerdeführerin sich bei guter Gesundheit während einer gewissen Zeit für eine Fremdbetreuung ihrer Kinder entschliessen würde, ist plausibel. Die von der Beschwerdegegnerin angenommene hypothetische Erwerbstätigkeit im Umfang von 60 % ist damit nachvollziehbar. Ungeachtet ihres Alters und ihrer Freude an der Arbeit (vgl. Urk. 1 S. 8) ist demgegenüber nicht nachvollziehbar, dass sie es ohne finanzielle Notwendigkeit vorziehen würde, statt 60 % 90 % zu arbeiten und ihre drei noch sehr kleinen Töchter während fünf Tagen pro Woche fremdbetreuen zu lassen. Dass sie als kaufmännische Angestellte ihre Arbeitstage auf Samstag und Sonntag legen könnte und eine Fremdbetreuung deshalb nur noch an drei Tagen erforderlich wäre (vgl. Urk. 1 S. 7), oder während eines Teils der Arbeit im Homeoffice gar gleichzeitig ihre drei Töchter betreuen und dem Arbeitgeber voll zur Verfügung stehen könnte (vgl. Urk. 1 S. 8), ist nicht glaub
haft. Auch ist nicht davon auszugehen, dass sie es vorziehen würde, ihren Kindern
teurere Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke machen zu können, statt sie an 1.5 Tagen pro Woche mehr zu sehen (vgl. dazu Urk. 1 S. 10).
5.3.5
Die Summe der einzelnen Aspekte der erwerblichen Umstände der Beschwerde
führerin
und insbesondere die Betreuungsbedürftigkeit ihrer drei sich noch im Vorschulalter befindenden Töchter legen
nahe, dass sie bei intakter Gesund
heit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit einer ausserhäuslichen Erwerbstätig
keit im Umfang von
60
% nachgegangen wäre.
Von
weiteren diesbezüglichen
Abklä
rung
sind
keine zusätzlichen Erkennt
nisse zu erwarten, weshalb darauf in antizi
pierter Beweiswürdigung (
vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen)
zu
verzichte
n ist
.
Die Beschwer
deführerin ist damit als zu
60
% erwerbs- und zu
40
% im Haus
halt
tätig zu qualifizieren.
6.
6.1
6.1.1
Zu prüfen bleibt, wie sich das Leistungsvermögen de
r
Beschwerdeführer
in
in wirt
schaftlicher Hinsicht auswirkt.
Sie konnte wegen ihrer Invalidität die begonnene berufliche Ausbildung
als Kauffrau
nicht
abschliessen
. Das
Valideneinkommen
entspricht deshalb gestützt auf Art. 26 Abs. 2 IVV dem durchschnittlichen Ein
kommen eines Erwerbstätigen mit Abschluss einer kaufmännischen Lehre. Für dessen Berechnung hat sich die Beschwerdegegnerin deshalb zu Recht auf
die Tabellenlöhne des Bundesamtes für Statistik (LSE)
2012 T17 Ziffer 4 gestützt und ein solches von Fr. 72‘057.60 in einem 100 %-Pensum per 2012 ermittelt (mo
natlich Fr. 5‘760.--
aufgerechnet auf die betriebsübliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden [T 03.02.03.01.04.01, Total]). In dem von der Beschwerdeführerin im Ge
sundheitsfall ausgeübten 60 %-Pensum entspräche dies einem
Valideneinkom
men
von Fr. 43'234.55. Dies ist auch zwischen den Parteien unbestritten.
6.1.2
Die Beschwerdeführerin hat gesundheitsbedingt ihre berufliche Ausbildung nicht abgeschlossen. Sie übt in der Unternehmung ihres Bruders eine Bürotätigkeit aus, doch handelt es sich dabei gemäss Gutachter um einen geschützten Arbeitsplatz. Es ist nicht davon auszugehen, dass sie mit ihren gesundheitlichen Einschrän
kungen und ohne Berufsabschluss auf dem freien Arbeitsmarkt als kaufmänni
sche Angestellte eingestellt würde. Dass die Beschwerdegegnerin zur Berechnung des Invalideneinkommens dennoch auf den Lohn von ausgebildeten Bürokräften abgestellt hat, überzeugt nicht. Vielmehr ist dafür die LSE 2012 Zentralwert der Löhne (TA1) von Frauen
mit einfachen Tätigkeiten körperlicher oder handwerk
licher Art (Kom
petenzniveau 1) über alle Wirtschaftssektoren heranzuziehen, ver
fügt die Beschwerdeführerin doch in anderen Berufszweigen über keine Fach
kenntnisse. Der entsprechende Lohn beträgt Fr. 4’112.--, was aufgerechnet auf die betriebsübliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden (T 03.02.03.01.04.01, Total) bei dem der Beschwerdeführerin zumutbaren Pensum von 40 % einen Jahreslohn von Fr. 20'576.45 ergibt. Die gesundheitlichen Einschränkungen wurden bei der Re
duktion des Arbeitspensums auf ein solches von 40 % sowie beim Abstützen auf den Tabellenlohn für Hilfsarbeiterinnen bereits ausreichend berücksichtigt. Gründe, welche einen leidensbedingten Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigen würden, sind weder ersichtlich noch wurden sie von der Beschwerdeführerin sub
stantiiert vorgebracht.
6.1.3
Die Aufrechnung der (In)
Validene
inkommen
per 201
3 (frühestmöglicher Renten
beginn)
kann - da proportional
- unterbleiben.
6.1.4
Im Erwerbsbereich ergibt sich daraus bis 31. Dezember 2017 ein Teilinvaliditäts
grad von 52.4 % (
Valideneinkommen
in einem 60 %-Pensum Fr. 43'234.55, In
valideneinkommen in einem 40 %-Pensum Fr. 20'576.45) und ab 1. Januar 2018 ein solcher von 71.4 % (
Valideneinkommen
hochgerechnet auf ein 100 %-Pen
sum
Fr. 72‘057.60
, Invalideneinkommen in einem 40 %-Pensum Fr. 20'576.45, zur Berechnungsmethode beziehungsweise den übergangsrechtlichen Bestim
mungen vgl. E. 1.4
hievor
).
6.2
Die Beschwerdeführerin ist in ihrem zu 40 % zu gewichtenden Aufgabenbereich nicht eingeschränkt, was einen Teilinvaliditätsgrad von 0 % ergibt. In ihrer zu 60 % zu gewichtenden Erwerbstätigkeit besteht ein Teilinvaliditätsgrad von 31.4 % bis 31. Dezember 2017 beziehungsweise von 42.9 % ab 1. Januar 2018. Daraus ergibt sich bis 31. Dezember 2017 ein rentenausschliessender Ge
samtinvaliditätsgrad von 31 %. Ab 1. Januar 2018 besteht ein Invaliditätsgrad von insgesamt 43 %, weshalb die Beschwerdeführerin ab diesem Zeitpunkt An
spruch auf eine
Viertelsrente
der Invalidenversicherung hat.
Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
7.
7.1
Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 800.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der un
terliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Der Beschwerdeführerin steht eine Prozessentschädigung zu, welche vom Ge
richt ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festge
setzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungs
gericht,
GSVGer
). Entsprechend ist ihr eine Prozessentschädigung von Fr. 2‘200.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) auszurichten.