Decision ID: be4252c9-dc39-5e42-98d5-06dad909fe59
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführe ersuchte am 21. September 2020 in der Schweiz um
Asyl nach und wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region
B._ zugewiesen. Am 24. September 2020 wurde die unentgeltliche
Rechtsvertretung vom Beschwerdeführer zur Vertretung im Asylverfahren
bevollmächtigt. Das SEM hörte ihn am 12. Oktober 2020 vertieft zu den
Asylgründen an.
Zur Begründung des Asylgesuchs machte er im Wesentlichen geltend, er
sei tunesischer Staatsangehöriger arabischer Ethnie und muslimischen
Glaubens. Nach dem Abschluss der (...) habe er während der letzten drei-
zehneinhalb Jahre als (...) gearbeitet. Seine Mutter sei Schweizer Staats-
bürgerin gewesen und habe bis zu ihrem Tod am 16. Juni 2020 in
C._ gelebt. Sein Halbbruder lebe nach wie vor in der Schweiz. Zu
den Gründen seiner Ausreise aus dem Heimatstaat machte er geltend, er
habe etwa eineinhalb bis zwei Jahre eine Beziehung mit einer reichen Tu-
nesierin gehabt, welche in den Arabischen Emiraten wohnhaft sei. Auf-
grund von Beziehungsproblemen habe diese Frau ihm Probleme am Ar-
beitsplatz bereitet. Sie habe seinem Chef Geld gezahlt, um ihm zu scha-
den. Der Chef und ein Richter eines Gerichts, der ebenfalls involviert wor-
den sei, hätten sich das Geld geteilt und hätten ihm gedroht, seine Karriere
zu zerstören. Er habe daraufhin ein Video auf Facebook gepostet, in wel-
chem er dem Richter vorgeworfen habe, Schmiergeld angenommen zu ha-
ben. Dieses Video sei bekannt geworden. Zwei Beamte hätten ihn darauf-
hin im Auftrag des Richters aufgefordert, er solle ein zweites Video erstel-
len, in welchem er sich von seinen Aussagen im ersten Video distanziere
und könne danach zur Arbeit zurückkehren. Er habe das zweite Video nicht
erstellt und deshalb befürchtet, entlassen zu werden. Am 19. September
2020 sei er mit einem durch die Schweizer Behörden ausgestellten Touris-
tenvisum legal von Tunesien nach Genf geflogen.
Der Beschwerdeführer reichte verschiedene Beweismittel ein, unter ande-
rem seinen Reisepass, die Identitätskarte und den Führerausweis im Ori-
ginal.
B.
Am 14. Oktober 2020 wurde der Entscheidentwurf vom SEM der Rechts-
vertretung zur Stellungnahme ausgehändigt. Mit Schreiben vom gleichen
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Tag wurde mitgeteilt, dass der Beschwerdeführer zwar nicht mit dem Ent-
scheid einverstanden sei, hingegen auf eine Stellungnahme verzichtet
werde.
C.
Mit Verfügung vom 16. Oktober 2020 lehnte das SEM das Asylgesuch des
Beschwerdeführers ab. Gleichzeitig verfügte es seine Wegweisung aus der
Schweiz und ordnete deren Vollzug an.
D.
Gleichentags legte die Rechtsvertretung das Vertretungsmandat nieder.
E.
Gegen die Verfügung vom 16. Oktober 2020 erhob der Beschwerdeführer
mit Eingabe vom 16. November 2020 – handelnd durch die rubrizierte
Rechtsvertreterin – beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. In dieser
wurde beantragt, der Entscheid des SEM sei aufzuheben, und die Sache
zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, eventualiter sei der
Beschwerdeführer als Flüchtling anzuerkennen und es sei ihm in der
Schweiz Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung
der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und
Art. 102m AsylG sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses ersucht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Über Beschwerden ge-
gen Verfügungen, die gestützt auf das AsylG (SR 142.31) durch das SEM
erlassen worden sind, entscheidet das Bundesverwaltungsgericht grund-
sätzlich (mit Ausnahme von Verfahren betreffend Personen, gegen die ein
Auslieferungsersuchen des Staates vorliegt, vor welchem sie Schutz su-
chen) endgültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1
BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
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1.3 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können im Anwen-
dungsbereich des AsylG die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich
Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Bereich des Ausländerrechts richtet
sich die Kognition des Gerichts nach Art. 49 VwVG (BVGE 2014/26 E. 5).
2.
Der Beschwerdeführer ist legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und
Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und
Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten
Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Vorliegend handelt es sich,
wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche, weshalb der Beschwer-
deentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine Person anerkannt, wenn sie in ihrem
Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Re-
ligion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe
oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen aus-
gesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu
werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von
Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen
psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlings-
eigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor-
bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi-
dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf
gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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4.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Ent-
scheiden dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
5.
5.1 Zur Begründung des ablehnenden Entscheids führte das SEM im We-
sentlichen aus, dass den geltend gemachten Problemen ein Beziehungs-
streit zugrunde liege und keine Verfolgung, welche auf einem flüchtlings-
rechtlich relevanten Motiv (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu
einer bestimmten sozialen Gruppe oder politische Anschauungen) gründe.
Die Vorbringen seien somit flüchtlingsrechtlich nicht beachtlich. Was die
Furcht vor einer unrechtmässigen Entlassung betreffe, sei zudem festzu-
halten, dass es sich dabei um Amtsmissbrauch durch einzelne Beamte
handle, sollte es tatsächlich dazu kommen. Derartige Verfehlungen von
Behördenvertretern würden vom tunesischen Staat jedoch weder unter-
stützt noch gebilligt. Es gebe keine Hinweise auf eine staatliche Verfolgung.
Es sei dem Beschwerdeführer somit möglich und zumutbar, mit rechtlichen
Mitteln und gegebenenfalls mit Hilfe eines Anwaltes dagegen vorzugehen.
Bei offensichtlich fehlender flüchtlingsrechtlicher Relevanz könne darauf
verzichtet werden, abschliessend auf allfällige Unglaubhaftigkeitselemente
in den Vorbringen einzugehen. Die vom Beschwerdeführer geltend ge-
machten Probleme in Tunesien seien aber auch auf Nachfrage nicht konk-
ret und nachvollziehbar geschildert worden. Die Aussagen sowohl zu sei-
nen Beziehungsproblemen als auch zu den Problemen mit dem Vorgesetz-
ten und einem Richter seien vage und unsubstantiiert. Der Beschwerde-
führer habe weder konkret angeben können, wie es zu den Beziehungs-
problemen gekommen sei, noch weshalb sich seine Partnerin über den
Vorgesetzten an ihm rächen wolle. Auch sei seinen Schilderungen nicht zu
entnehmen, was genau der Vorgesetzte und der Richter unternommen hät-
ten, um ihm zu schaden.
Die Vorbringen würden somit den Anforderungen an die Flüchtlingseigen-
schaft gemäss Art. 3 AsyIG nicht standhalten. Demzufolge erfülle er die
Flüchtlingseigenschaft nicht, so dass das Asylgesuch abzulehnen sei.
5.2 In der Beschwerde wird der vom Beschwerdeführer bereits geltend ge-
machte Sachverhalt wiederholt. Ergänzend wird erstmals vorgebracht,
dass der Beschwerdeführer Kritiker der Ennada-Partei sei. Er habe am
20. September und 21. September 2020 Videos auf seinen Account hoch-
geladen, in welchen er die Ennada-Partei, ihre politische Führung und
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ranghohe Beamte als korrupt bezeichne. Er nenne bestimmte Personen,
welche Verfehlungen begangen hätten, namentlich. Auch nenne er den Na-
men des Richters, welcher für seine «Verurteilung» verantwortlich sei. Das
andere Video zeige einen Polizisten, welcher einer anderen Person eine
Ohrfeige verpasse. Dieser Polizist sei ebenfalls Ennada-Anhänger. Diese
Videos seien von diversen Personen kommentiert worden. Er habe belei-
digende Kommentare und sogar direkte Drohungen empfangen. Eine Dro-
hung sei vom Bruder des im Video gezeigten Polizisten ausgesprochen
worden.
6.
6.1 Eine Prüfung der Akten ergibt, dass die vorinstanzliche Verfügung zu
bestätigen ist.
6.2 Zunächst ist festzuhalten, dass die vom Beschwerdeführer geltend ge-
machten Vorfluchtgründe nicht glaubhaft sind. Diesbezüglich ist auf die Er-
wägungen der Vorinstanz zu verweisen. Auch das Gericht erachtet das
Vorbringen, wonach er Probleme mit einem Polizeibeamten und einem
Richter gehabt habe, weil seine wohlhabende Freundin ihm habe schaden
wollen und beide bestochen habe, als vage und konstruiert. Der Beschwer-
deführer konnte weder konkrete Ausführungen zum Konflikt mit seiner
Freundin machen, noch zu einem solchen mit beiden genannten Amtsträ-
gern. Es blieb auch auf mehrfache Nachfrage hin unklar, inwiefern der Be-
schwerdeführer bedroht worden sein soll und vor allem was ihm angedroht
worden sein soll (act. [...]-15/16 F48f., F51, F53f., F78 f.). Auch aus dem
von ihm stammenden in der Anhörung konsultierten Video ergeben sich
keinerlei Anhaltspunkt auf eine Bedrohungslage (act. [...]-15/16 F86). Der
Beschwerdeführer machte überdies geltend, dass man ihm signalisiert
habe, wenn er das von ihm erstellte Video, in welchem er den Polizeibe-
amten und Richter angegangen habe, zurücknehme, könne er seinen
Dienst fortsetzen. Die Einreichung dieses Videos, welches massgeblich mit
seinen Problemen im Zusammenhang stehen soll, blieb der Beschwerde-
führer im Übrigen bis heute schuldig. Sofern in der Beschwerde ohne wei-
tere Präzisierung ausgeführt wird, der Beschwerdeführer nenne in einem
am 20. September 2020 veröffentlichten Video auch den Namen des Rich-
ters, welcher für seine «Verurteilung» verantwortlich sei (Beschwerde
S. 6), ist darauf nicht weiter einzugehen, zumal der Beschwerdeführer bis-
her keine Verurteilung oder ein hängiges Verfahren vorgebracht hat. Der
Beschwerdeführer machte sodann in der Anhörung am 12. Oktober 2020
geltend, nicht politisch tätig zu sein (act. [...]-15/16 F92). Vor diesem Hin-
tergrund ist die erstmals vorgebrachte und nicht genügend konkretisierte
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oppositionelle Haltung des Beschwerdeführers gegenüber der Ennada-
Partei als nachgeschoben zu qualifizieren, zumal in der Beschwerde nicht
ausgeführt wird, warum es ihm nicht hätte möglich sein sollen, diese im
vorinstanzlichen Verfahren geltend zu machen. Die in diesem Zusammen-
hang eingereichten Ausdrucke in Kopie, die aus einem Chatkanal stammen
sollen, sind aufgrund der sehr einfachen Manipulierbarkeit solcher Ausdru-
cke kaum beweistauglich. Auf die angegebene Facebook Seite kann nicht
öffentlich zugegriffen werden. Die erwähnten Videos wurden ebenso wie
das bereits im vorinstanzlichen Verfahren erwähnte nicht eingereicht. Un-
geachtet dessen ergibt sich im Übrigen aus den in der Beilage 14 einge-
reichten Übersetzungen von Auszügen dieser Chats, welche als Reaktio-
nen auf diese vom Beschwerdeführer angeblich erstellten Videos zu ver-
stehen sein sollen auch nichts, was auf staatliche Verfolgungshandlungen
oder allenfalls drohende schliessen lassen könnte. Soweit private Drohun-
gen überhaupt anzunehmen wären, ist in diesem Zusammenhang auf die
Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen. Auch das Gericht teilt die Ein-
schätzung, dass sich der Beschwerdeführer im Falle von Bedrohungen
durch private Dritte an die staatlichen Behörden wenden kann.
6.3 Der Antrag auf Rückweisung des Verfahrens an die Vorinstanz ist vor
dem Hintergrund der vorangegangenen Erwägungen abzuweisen.
6.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer die
Flüchtlingseigenschaft nicht glaubhaft machen kann und seine Vorbringen
auch keine Asylrelevanz entfalten. Das Asylgesuch ist daher zutreffend von
der Vorinstanz abgelehnt worden.
7.
Die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein Asylge-
such hat in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die verfügte
Wegweisung steht daher im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen
und wurde von der Vorinstanz zu Recht angeordnet.
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8.
8.1 Das SEM erachtete einen Vollzug der Wegweisung des Beschwerde-
führers nach Tunesien als zulässig, zumutbar und möglich. In diesem Zu-
sammenhang führte es aus, weder die im Heimatstaat herrschende politi-
sche Situation noch andere Gründe würden gegen die Zumutbarkeit der
Rückführung in den Heimatstaat sprechen. Seit der Revolution 2011 habe
sich die Lage in Tunesien stabilisiert. Im Oktober 2011 sei in einer demo-
kratischen Wahl die verfassungsgebende Versammlung gewählt worden
und seit Dezember 2011 verfüge Tunesien über eine demokratische Re-
gierung. In Tunesien herrsche weder ein Bürgerkrieg noch eine Situation
allgemeiner Gewalt. Auch aus persönlicher Sicht spreche nichts gegen die
Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Der Beschwerdeführer sei ge-
sund, verfüge über eine gute Ausbildung und habe in den letzten 13 Jahren
in Tunesien als (...) gearbeitet und für seinen Lebensunterhalt selbst sor-
gen können. Es sei deshalb nicht davon auszugehen, dass er bei einer
Rückkehr nach Tunesien in eine existentielle Notlage geraten könne. Die
blosse Möglichkeit einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 vermöge für sich al-
leine der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nicht entgegenzustehen.
Vielmehr müssten im Einzelfall konkrete Hinweise bestehen, dass der Be-
schwerdeführer im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat in eine medi-
zinische Notlage oder in eine existenzbedrohende Situation gerate. Solche
konkreten Hinweise würden sich indessen vorliegend weder aus den Aus-
führungen noch aus den Akten ergeben.
8.2 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus-
länderinnen und Ausländern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesge-
setzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration
(AIG, SR 142.20]).
8.3
8.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
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Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
8.3.2 Der Vollzug der Wegweisung durch Rückschaffung nach Tunesien ist
unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig, weil der Beschwerdefüh-
rer – wie zuvor dargelegt – dort keinen Nachteilen im Sinne von Art. 3
AsylG ausgesetzt wäre. Aus den Vorbringen des Beschwerdeführers erge-
ben sich ausserdem auch keine konkreten und gewichtigen Anhaltspunkte
für die Annahme, dass er im Falle einer Ausschaffung nach Tunesien mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK verbotenen Strafe
oder Behandlung ausgesetzt wäre (vgl. aus der Praxis des Europäischen
Gerichtshofs für Menschenrechte etwa die Urteile i.S. Bensaid, Rep. 2001-
I, S. 303, sowie i.S. Saadi vom 28. Februar 2008 [Grosse Kammer], Be-
schwerde Nr. 37201/06, Ziff. 124 ff., jeweils m.w.N.). Auch die allgemeine
Menschenrechtssituation in Tunesien bietet zum heutigen Zeitpunkt keinen
konkreten Anlass zur Annahme, dem Beschwerdeführer drohe eine ent-
sprechende Gefährdung. Der Vollzug der Wegweisung ist somit sowohl im
Sinne der asylgesetzlichen als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen
zulässig.
8.4
8.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.4.2 Die allgemeine Lage in Tunesien ist weder von Bürgerkrieg noch von
allgemeiner Gewalt gekennzeichnet, so dass der Vollzug der Wegweisung
dorthin grundsätzlich zumutbar erscheint. Es bestehen auch sonst keine
Anhaltspunkte, die darauf schliessen liessen, der Beschwerdeführer sei bei
einer Rückkehr nach Tunesien einer konkreten Gefährdung im Sinne von
Art. 83 Abs. 4 AIG ausgesetzt. Insbesondere ist nicht davon auszugehen,
dass er in Tunesien in wirtschaftlicher Hinsicht in eine existenzbedrohende
Situation gelangen wird. Der Beschwerdeführer ist gut gebildet, gesund
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und war bis zur Ausreise immer berufstätig. Die von ihm geltend gemach-
ten Probleme im (...) sind nicht glaubhaft. Es ist davon auszugehen, dass
er wieder als (...) oder im Sicherheitsbereich tätig sein kann.
8.5 Schliesslich ist festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung
mangels aktenkundiger objektiver Hindernisse auch möglich im Sinne von
Art. 83 Abs. 2 AIG ist. Hinsichtlich der aktuell herrschenden Covid-19-
Pandemie wird auf die zutreffenden Erwägungen in der vorinstanzlichen
Verfügung verwiesen.
8.6 Die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung und deren Vollzug ste-
hen somit in Übereinstimmung mit den zu beachtenden Bestimmungen und
sind zu bestätigen. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufi-
gen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus den Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bun-
desrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und voll-
ständig feststellt und – soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist
(Art. 106 AsylG; Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dessen Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen und auf Fr. 750.- festzusetzen (Art. 63 Abs. 1 und
4bis Bst. a VwVG). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und Art. 102m AsylG ist abzuwei-
sen, da sich die Rechtsbegehren als zum vornherein aussichtslos erwiesen
haben. Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses wird mit dem vorliegenden Entscheid in der Hauptsache gegenstands-
los.
(Dispositiv nächste Seite)
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