Decision ID: e8d94aaa-7bed-5789-9fbc-01114ca471a7
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X ist seit dem 27. Dezember 1995 im Besitz des Führerausweises der Kategorien
A1, B, D1, BE und D1E. Am 21. November 2003 erhielt er aufgrund einer
Geschwindigkeitsüberschreitung eine Verwarnung. Am 17. August 2007 lenkte er in
Wallisellen den Personenwagen mit dem Kontrollschild SG 000‘000 in angetrunkenem
Zustand mit einer Atem-Alkoholkonzentration von mindestens 0,75 Gewichtspromille.
Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt erteilte ihm daraufhin am 30. November
2007 aufgrund einer leichten Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften
eine Verwarnung. Am 3. Oktober 2012 wurde er aufgrund einer Überschreitung der
Höchstgeschwindigkeit am 15. Juli 2012 erneut verwarnt.
B.- Am 4. April 2015, ca. 2.20 Uhr, verursachte X auf der Autobahn A1L in Zürich,
Fahrtrichtung St. Gallen, Beginn Rampe Zürich/Bern, mit einer Blutalkoholkonzentration
von 0,63 bis 0,73 Gewichtspromille (Mittelwert: 0,68 Gewichtspromille) einen
Verkehrsunfall mit Sachschaden. Am 30. Mai 2015, um 2.25 Uhr, wurde X aufgrund
eines auffälligen Fahrmanövers auf der St. Gallerstrasse in Wil durch eine Patrouille der
Kantonspolizei kontrolliert. Die anschliessend durchgeführten Atemalkoholtests
ergaben ein positives Resultat, weshalb ihm der Führerausweis aufgrund Fahrens in
fahrunfähigem Zustand auf der Stelle abgenommen wurde. Die anschliessend
durchgeführte Blutalkoholbestimmung ergab einen Wert von 1,05 bis 1,16
Gewichtspromille (Mittelwert: 1,10 Gewichtspromille).
C.- Das Strassenverkehrsamt verfügte am 2. Juli 2015 einen vorsorglichen Führeraus
weisentzug ab 30. Mai 2015 und ordnete am 7. August 2015 eine verkehrsmedizinische
und verkehrspsychologische Untersuchung an. Mit Strafbefehl des
Untersuchungsamtes Gossau vom 22. Juli 2015 wurde X für den Vorfall vom 30. Mai
2015 des Fahrens in nicht fahrfähigem Zustand schuldig gesprochen und mit einer
bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je Fr. 140.– und einer Busse von Fr. 500.–
bestraft. Mit Strafbefehl vom 21. August 2015 sprach ihn die Staatsanwaltschaft
Zürich-Limmat für den Vorfall vom 4. April 2015 der versuchten Vereitelung von
Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit, des vorsätzlichen Fahrens in
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fahrunfähigem Zustand, der fahrlässigen Verletzung der Verkehrsregeln sowie des
mehrfachen pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall schuldig und bestrafte ihn mit einer
bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 140.– sowie einer Busse von
Fr. 800.–.
D.- Am 5. November 2015 wurde die verkehrsmedizinische und die
verkehrspsychologische Untersuchung von X durchgeführt. Im Gutachten vom 9.
Dezember 2015 wurde ihm die Fahreignung aus charakterlichen Gründen im Kontext
mit einer verkehrsrelevanten Alkoholproblematik mit Trennungsunfähigkeit
abgesprochen. Das Institut für Rechtsmedizin empfahl, vor einer
verkehrsmedizinischen und verkehrspsychologischen Neubeurteilung den Nachweis
einer mindestens sechsmonatigen Alkoholabstinenz mittels Abstinenzkontrollen
(Haaranalyse) in sechs Monaten und Verkehrstherapie über mindestens 12 bis 15
Stunden einzuholen. Sodann sollen Verlaufsberichte eingereicht und die Massnahmen
bis zur Neubeurteilung respektive Wiedererteilung des Führerausweises fortgesetzt
werden.
E.- Mit Schreiben vom 15. Dezember 2015 gewährte das Strassenverkehrsamt X das
rechtliche Gehör zum vorgesehenen Führerausweisentzug auf unbestimmte Zeit. Seine
Rechtsvertreterin nahm am 14. Januar 2016 schriftlich dazu Stellung. Am 21. Januar
2016 verfügte das Strassenverkehrsamt den Entzug des Führerausweises auf
unbestimmte Zeit mit einer Sperrfrist von drei Monaten. Als Bedingungen für die
Aufhebung des Entzugs nannte es klagloses Verhalten (namentlich kein Fahren trotz
Entzugs), Absolvieren einer Verkehrstherapie von mindestens 12 bis 15 Stunden,
Alkoholabstinenz von mindestens sechs Monaten (gemäss Info-Blatt ohne
Suchtberatung), Fortführung der Abstinenz bis zur Neubeurteilung beziehungsweise
Wiedererteilung des Führerausweises und positiv lautende verkehrsmedizinische und
verkehrspsychologische Kontrolluntersuchung. Dem Rekurs wurde die aufschiebende
Wirkung entzogen.
Dagegen erhob X am 4. Februar 2016 durch seine Rechtsvertreterin Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte, die Verfügung des Rekursgegners vom
21. Januar 2016 sei aufzuheben, und dem Rekurrenten sei der Führerausweis sofort
auszuhändigen unter folgenden Auflagen: sechsmonatige Alkoholabstinenz mit
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Kontrolle mittels Haaranalyse (Brusthaar) und Verkehrstherapie über mindestens 12
Stunden mit Verlaufsberichten. Dem Rekurs sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen,
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Das Strassenverkehrsamt verzichtete auf
eine Vernehmlassung. Mit präsidialer Verfügung vom 2. März 2016 wurde das Gesuch
um Erteilung der aufschiebenden Wirkung abgewiesen.
Auf die Ausführungen des Rekurrenten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 4. Februar 2016 ist rechtzeitig
eingereicht worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekurs ist umstritten, ob die Vorinstanz gestützt auf das Gutachten vom
9. Dezember 2015 die Fahreignung zu Recht verneint und dem Rekurrenten den
Führerausweis aus charakterlichen Gründen im Zusammenhang mit einer
verkehrsrelevanten Alkoholproblematik mit Trennungsunfähigkeit auf unbestimmte Zeit
entzogen hat.
a) Ausweise und Bewilligungen sind zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die
gesetzlichen Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16
Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG). Art. 16d SVG regelt
den Führerausweisentzug wegen fehlender Fahreignung. Danach werden der Lernfahr-
oder Führerausweis einer Person unter anderem dann auf unbestimmte Zeit entzogen,
wenn sie aufgrund ihres bisherigen Verhaltens nicht Gewähr bietet, dass sie künftig
beim Führen eines Motorfahrzeuges die Vorschriften beachten und auf die
Mitmenschen Rücksicht nehmen wird (Abs. 1 lit. c). Ein solcher Sicherungsentzug
bezweckt, die zu befürchtende Gefährdung der Verkehrssicherheit durch einen
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ungeeigneten Fahrzeugführer in Zukunft zu verhindern. Es geht nicht darum, den
Betroffenen wegen einer begangenen Verkehrsregelverletzung zu bestrafen;
entsprechend setzt der Sicherungsentzug keine schuldhafte Widerhandlung im
Strassenverkehr voraus (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_74/2011 vom 17. Mai
2011 E. 2.2). Tritt der Sicherungsentzug indessen an die Stelle eines Warnungsentzugs
gemäss Art. 16a bis c SVG, wird damit eine Sperrfrist verbunden, die bis zum Ablauf
der für die begangene Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften
vorgesehenen Mindestentzugsdauer läuft (Art. 16d Abs. 2 SVG). Mit dieser Regelung
soll sichergestellt werden, dass ein Sicherungsentzug nach einer begangenen
Verkehrsregelverletzung bei fehlender Fahreignung nicht weniger lang dauert als ein
Warnungsentzug.
Der Ausweis wird auf unbestimmte Zeit entzogen, wenn eine Person aufgrund ihres
bisherigen Verhaltens nicht Gewähr bietet, dass sie künftig beim Führen eines
Motorfahrzeugs die Vorschriften beachten und auf die Mitmenschen Rücksicht nehmen
wird (vgl. Art. 16d Abs. 1 lit. c SVG; Nichteignung aus charakterlichen Gründen).
Anzeichen hierfür bestehen, wenn Charaktermerkmale des Betroffenen, die für die
Eignung im Verkehr erheblich sind, darauf hindeuten, dass er als Lenker eine Gefahr für
den Verkehr darstellt (BGE 104 Ib 95 E. 1). Für den Sicherungsentzug aus
charakterlichen Gründen ist die schlechte Prognose über das Verhalten als
Motorfahrzeugführer massgebend (Ph. Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2.
Aufl., Zürich/St. Gallen 2015, Art. 14a SVG N 23). Die Behörden müssen gestützt
hierauf den Ausweis verweigern oder entziehen, wenn hinreichend begründete
Anhaltspunkte vorliegen, dass der Führer rücksichtslos fahren wird (vgl. Botschaft vom
24. Juni 1955 zum Entwurf eines Bundesgesetzes über den Strassenverkehr, BBl 1955
II S. 21 f.). Die Frage ist anhand der Vorkommnisse (unter anderem Art und Zahl der
begangenen Verkehrsdelikte) und der persönlichen Umstände zu beurteilen (BGE 125 II
492 E. 2a).
Der Führerausweis wird einer Person ebenfalls auf unbestimmte Zeit entzogen, wenn
sie an einer Sucht leidet, welche die Fahreignung ausschliesst (Art. 16d Abs. 1 lit. b
SVG), wie beispielsweise Alkohol-, Betäubungs- und Arzneimittelabhängigkeit
(Botschaft S. 4491). Die Rechtsprechung bejaht eine Trunksucht, wenn die betroffene
Person regelmässig so viel Alkohol konsumiert, dass ihre Fahrfähigkeit vermindert wird
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und sie diese Neigung zum übermässigen Alkoholgenuss durch den eigenen Willen
nicht zu überwinden oder zu kontrollieren vermag. Auf eine fehlende Fahreignung darf
geschlossen werden, wenn die Person nicht mehr in der Lage ist, Alkoholkonsum und
Strassenverkehr ausreichend zu trennen, oder wenn die nahe liegende Gefahr besteht,
dass sie im akuten Rauschzustand am motorisierten Strassenverkehr teilnimmt. Der
Suchtbegriff des Verkehrsrechts deckt sich somit nicht mit dem medizinischen Begriff
der Alkoholabhängigkeit. Auch bloss suchtgefährdete Personen, bei denen aber
jedenfalls ein Alkoholmissbrauch vorliegt, können demnach vom Führen eines
Motorfahrzeugs ferngehalten werden (BGE 129 II 82 E. 4.1 mit Hinweis; vgl. auch Urteil
des Bundesgerichts [BGer] 6A.8/2007 E. 2.1).
Die Vorinstanz trägt die Beweislast für das Vorliegen der fehlenden Fahreignung. Da ein
Sicherungsentzug stark in den Persönlichkeitsbereich eingreift, sind die persönlichen
Verhältnisse der Betroffenen in jedem Fall und von Amtes wegen genau abzuklären.
Das Ausmass der notwendigen behördlichen Nachforschungen richtet sich nach den
Umständen des Einzelfalls und liegt im pflichtgemässen Ermessen der Entzugsbehörde
(vgl. BGE 129 II 82 E. 2.2). Die Beweismittel und damit auch das verkehrsmedizinische
Gutachten unterliegen der freien richterlichen Beweiswürdigung (Art. 21 Abs. 3 in
Verbindung mit Art. 58 Abs. 1 VRP). In Sachfragen weicht der Richter aber nur aus
triftigen Gründen von einer gerichtlichen Expertise ab. Er prüft, ob sich aufgrund der
übrigen Beweismittel und der Vorbringen der Parteien ernsthafte Einwände gegen die
Schlüssigkeit eines Gutachtens in wesentlichen Punkten aufdrängen. In diesem Fall hat
er nötigenfalls ergänzende Beweise zur Klärung der Zweifel zu erheben (BGE 133 II 384
E. 4.2.3 mit weiteren Hinweisen). Das Gutachten soll in der Gesamtbeurteilung die
erhobenen Befunde hinsichtlich der Fragestellung würdigen und so gewichten, dass
die Schlussfolgerungen und die Beantwortung der Fragestellung auch für einen
psychologischen Laien nachvollziehbar sind (vgl. J. Bächli-Biétry, Inhalt des
Gutachtens, Würdigung, Folgefragen aus verkehrspsychologischer Sicht, in: Jahrbuch
zum Strassenverkehrsrecht 2009, St. Gallen 2009, S. 58).
b) Aus dem Gutachten vom 9. Dezember 2015 (act. 9/91 ff.) geht hervor, dass die
körperliche Untersuchung keine wesentlichen, verkehrsmedizinisch relevanten
Besonderheiten ergeben habe. Es würden sich nicht genügend Anhaltspunkte für einen
verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauch oder eine Abhängigkeit gemäss ICD-10
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ergeben. Lediglich aufgrund der Vorgeschichte mit drei FiaZ-Ereignissen in relativ
kurzer Zeit sei von einer verkehrsrelevanten Alkoholproblematik in Form einer
Unfähigkeit, Konsum und Fahren strikt trennen zu können, auszugehen. Gleichzeitig
wird ausgeführt, dass sowohl die Blut- wie auch die Urinuntersuchung vereinbar mit
der Aussage des Probanden sei, dass er seit Mitte Juli 2015 alkoholabstinent lebe. Eine
Haaranalyse sei bei der Begutachtung aufgrund fehlender Kopfbehaarung nicht
möglich gewesen. Aus dem Gutachten ist kein verkehrsmedizinischer Anhaltspunkt
ersichtlich, der auf eine Alkoholproblematik hinweisen würde. Mit einer Haaranalyse
wären Rückschlüsse auf weiter zurückliegende Zeitperioden möglich, als dies bei Blut-
und Urinproben der Fall ist. Das Gutachten führt nicht näher aus, weshalb der
Rekurrent über keine Kopfbehaarung verfügte. Der Rekurrent seinerseits erklärte in
seinem Rekurs, dass dies auf eine genetische Disposition zurückzuführen sei. Er habe
sich jedoch im Hinblick auf die anstehende Untersuchung einen Bart wachsen lassen.
Offenbar sei der zuständige Oberarzt aber aufgrund der einwandfreien Resultate der
übrigen Tests der Meinung gewesen, dass eine Haaranalyse nicht nötig sei. Die
Vorinstanz nahm zu diesem Einwand keine Stellung. Sie verzichtete generell auf eine
Vernehmlassung. Die Ausführungen des Rekurrenten erscheinen zumindest als
plausibel, weshalb jedenfalls nicht als erstellt gelten kann, dass der Rekurrent die
Haarprobe willentlich vereitelte. Dementsprechend hat die Vorinstanz in
verkehrsmedizinischer Hinsicht keinen Beweis für die fehlende Fahreignung erbracht.
Liegt überdies tatsächlich eine Totalabstinenz vor, so wäre die im Gutachten erwähnte
Problematik des Trennens von Alkohol und Fahren ohnehin nicht aktuell.
In verkehrspsychologischer Hinsicht wird im Gutachten vom 9. Dezember 2015
ausgeführt, dass die durchgeführten psychologischen Tests nicht auffällig ausgefallen
seien. Der Rekurrent habe sich im Gespräch offen gezeigt und sein Verhalten nicht
bagatellisiert. Er selbst glaube von sich, dass er selbstkontrollierter und reflektierter als
die Norm sei, und denke, dass er gefahrenbewusst sei und Normen akzeptiere. Bei den
entsprechenden Ergebnissen im Untersuchungs-Fragebogen müsste grundsätzlich
davon ausgegangen werden, dass er pflichtbewusster und zuverlässiger als die Norm
sei. Das im Strassenverkehr gezeigte Verhalten weise aber genau in die Gegenrichtung.
Er habe selbst noch nicht verstanden, was die Ursachen und Hintergründe seines im
Strassenverkehr gezeigten Verhaltens seien. Auch das verkehrspsychologische
Gutachten liefert also in wissenschaftlicher Hinsicht keine Hinweise auf eine fehlende
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Fahreignung, sondern stellt lediglich auf die Vorgeschichte ab. Es werden weder der
Fahreignung abträgliche Charaktermerkmale aufgezeigt noch wird eine psychologisch
begründete Prognose zu seinem weiteren Fahrverhalten aufgestellt.
Auch wenn die Werte für Selbstkontrolle und Selbstreflexion aussergewöhnlich hoch
ausgefallen sind, so ist der daraus im Gutachten gezogene Schluss für einen Laien
nicht nachvollziehbar und nicht hinreichend begründet. Der Rekurrent seinerseits führte
bei der Befragung aus, dass er einsehe, dass er sich leichtsinnig und unüberlegt
verhalten habe. Er würde die Vorfälle gerne rückgängig machen, wenn er könnte. Für
seine Arbeit sei er auf den Führerausweis angewiesen und habe deshalb Ende
September 2015 seine Stelle verloren. Es habe so weit kommen müssen, er habe es zu
locker genommen. Zum zweiten Vorfall innert kurzer Zeit sei es gekommen, weil er sich
mit dem ersten Vorfall zu wenig auseinandergesetzt habe. Er wolle für niemanden eine
Gefahr sein und seinen Job wieder ausüben können. Seine Rechtsvertreterin führte im
Rekurs weiter aus, dass der Rekurrent bisher noch keinen Warnungsentzug gehabt
habe. Tatsächlich haben die bisherigen Widerhandlungen lediglich zu Verwarnungen
geführt. Dass diese bedeutend weniger einschneidend als ein Führerausweisentzug
sind, liegt auf der Hand. Möglicherweise rechnete der Rekurrent nach mehreren
Verwarnungen tatsächlich nicht damit, dass sein Verhalten auch zu schwereren
Massnahmen führen könnte. Er liess sich wohl erst durch die Abnahme des
Führerausweises beeindrucken. Es ist nachvollziehbar, dass er in jenem Moment – im
Zusammenhang mit der beruflichen Angewiesenheit auf den Führerausweis und dem
darauffolgenden Stellenverlust – schliesslich doch begann, sein Verhalten im
Strassenverkehr zu überdenken. Auch sein Entschluss im Juli 2015, alkoholabstinent
zu leben, weist auf eine Einsicht und ein Umdenken hin. Die behauptete
Alkoholabstinenz wurde jedenfalls von der Vorinstanz nicht widerlegt. Somit hat die
Vorinstanz den Beweis für eine fehlende Fahreignung auch in verkehrspsychologischer
Hinsicht nicht erbracht.
c) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz den Beweis für die fehlende
Fahreignung nicht erbracht hat und die Voraussetzungen für den Sicherungsentzug
somit nicht erfüllt sind. Die vorinstanzliche Verfügung ist aufzuheben und der
Fahrausweis dem Rekurrenten wieder auszuhändigen. Der Fall ist zur Verfügung eines
Warnungsentzugs an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zu berücksichtigen ist, dass die
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festzulegende Entzugsdauer aufgrund des vorsorglichen Führerausweisentzugs
vollzogen sein wird.
3.- Auch wenn der Beweis der fehlenden Fahreignung nicht erbracht ist, so bleiben
aufgrund der wiederholten Vorfälle mit Fahren unter Alkoholeinfluss gewisse Bedenken
am Fahr- und Trinkverhalten des Rekurrenten bestehen. Auflagen sind nach
verwaltungsrechtlichen Grundsätzen im Rahmen der Verhältnismässigkeit aus
besonderen Gründen auch unabhängig von der Ausweis(wieder)erteilung zulässig.
Erforderlich ist, dass sich die Fahreignung nur mit dieser Massnahme aufrechterhalten
lässt. Das Bundesgericht erwähnt als besonderen Grund unter anderem, dass ein
Fahrzeuglenker zum Alkoholmissbrauch neige (vgl. BGE 131 II 248 E. 6). Seit der
Abnahme des Führerausweises am 30. Mai 2015 erhielt der Rekurrent keine
Gelegenheit, sein Umdenken unter Beweis zu stellen und zu zeigen, dass er Fahren
und Alkoholkonsum klar voneinander trennen kann. Das Gutachten stammt vom
Dezember 2015. Es ist nicht bekannt, ob der Rekurrent weiterhin alkoholabstinent lebt.
Dass ihn erst massivere administrativrechtliche Eingriffe zum Überdenken eigener
Verhaltensweisen bewegen, ist bereits aktenkundig. Eine gewisse staatliche Kontrolle
und Überwachung und ein Zwang zur weiteren Reflexion des eigenen Verhaltens nach
längerer Zeit ohne Führerausweis erscheinen damit im Interesse der Verkehrssicherheit
als geboten. Im Übrigen beantragte der Rekurrent selbst, es seien die Auflagen einer
sechsmonatigen Alkoholabstinenz mit Kontrolle mittels Haaranalyse (Brusthaar) und
eine Verkehrstherapie über mindestens 12 Stunden mit Verlaufsberichten zu verfügen.
Dies belegt, dass ihm bewusst ist, dass tatsächlich eine gewisse Problematik besteht.
Der Erlass von Auflagen ist damit angezeigt. Bei der Dauer und Intensität der
Massnahmen ist allerdings dem Umstand, dass dem Rekurrenten keine fehlende
Fahreignung nachgewiesen werden konnte, angemessen Rechnung zu tragen. So wäre
es jedenfalls nicht verhältnismässig, vom Rekurrenten generell eine vier- bis fünfjährige
Totalabstinenz zu verlangen. Sollte er tatsächlich aus genetischer Disposition über
keine Kopfbehaarung verfügen, sind die Auflagen entsprechend anzupassen. Allenfalls
wären Haaranalysen mittels Brusthaar in Betracht zu ziehen. Entsprechende
Abklärungen sind durch die Vorinstanz vorzunehmen.
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom Staat zu
tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1‘500.– erscheint
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angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Dem
Rekurrenten ist der Kostenvorschuss von Fr. 1‘500.– zurückzuerstatten.
5.- Gemäss Art. 98 Abs. 2 VRP werden im Rekursverfahren ausseramtliche Kosten
entschädigt, soweit sie aufgrund der Rechts- und Sachlage als notwendig und
angemessen erscheinen. Im Rekursverfahren war der Beizug eines Rechtsbeistandes
geboten. Eine Kostennote ist nicht eingereicht worden, entsprechend werden die
Parteikosten nach Ermessen zugesprochen (Art. 6 HonO). Angesichts des geringen
Aktenumfangs und des auf die Thematik des Sicherungsentzugs beschränkten
Prozessthemas erscheint eine Entschädigung von Fr. 1'800.– als angemessen (Art. 19,
22 Abs. 1 lit. b HonO). Hinzuzuzählen sind die Barauslagen von Fr. 72.– (Art. 28 Abs.
1 HonO) und die Mehrwertsteuer von Fr. 149.75 (Art. 29 HonO). Entsprechend dem
Verfahrensausgang sind dem Rekurrenten die ausseramtlichen Kosten von insgesamt
Fr. 2‘021.75 vollumfänglich zu entschädigen (Art. 98 VRP); kostenpflichtig ist der
Staat (Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt).