Decision ID: 1549a7cd-f9b6-498b-ae89-87069eee48d5
Year: 2011
Language: de
Court: ZH_SRK
Chamber: ZH_SRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A. Die in B domizilierte A AG (nachfolgend die Pflichtige) bezweckt die C von
sowie den Handel mit D aller Art und verwandten Produkten. Sie hat verschiedene
Tochtergesellschaften, u.a. die E AG in F, die erhebliche Verluste auswies. Per 1. Juli
2006 absorbierte sie diese Gesellschaft, nachdem sie im Jahr 2004 bei den Steueräm-
tern der Kantone Zürich und G ein diesbezügliches Ruling eingeholt hatte. Für das Ge-
schäftsjahr 2006 wies sie einen Reingewinn von Fr. 2'766'903.- aus. In der Steuerer-
klärung 2006 verrechnete sie diesen Gewinn mit Vorjahresverlusten, darunter
diejenigen der E AG, sodass sich ein steuerbarer Reingewinn von Fr. 0.- ergab.
Am 23./24. Juni 2009 wurden die Geschäftsjahre 2005 und 2006 der Pflichti-
gen einer steueramtlichen Buchprüfung unterzogen. Im Anschluss daran konnten be-
züglich des Geschäftsjahres 2005 bzw. der Steuerperiode 1.1. – 31.12.2005 überein-
stimmende Einschätzungsanträge erzielt werden, nicht jedoch hinsichtlich des
Folgejahres bzw. der Folgeperiode. Am 13. Januar 2010 schätzte der Steuerkommis-
sär die Pflichtige für diese Periode wie folgt ein:
Steuerperiode 1.1. - 31.12.2006
Staats-/Gemeindesteuern Direkte Bundessteuer
Steuerbarer Reingewinn Fr. 686'700.- Fr. 4'608'800.-
Satzbestimmender Reingewinn Fr. 709'435.-
Gewinnsteuersatz 8% 8,5%
Beteiligungsabzug 17,868% 2,750%
Steuerbares Eigenkapital Fr. 5'837'000.-
Kapitalsteuersatz 0,75%o .
Dabei liess er u.a. die Vorjahresverluste der absorbierten E AG von
Fr. 8'149'868.- nicht zum Abzug zu und rechnete die Abschreibung auf der 100%-
Beteiligung an der H AG von Fr. 1'730'000.- auf.
Die Veranlagung der direkten Bundessteuer wurde mit Steuerrechnung vom
29. Januar 2010 formell eröffnet.
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B. Hiergegen liess die Pflichtige am 12./15. Februar 2010 Einsprache erheben
mit dem Antrag, die Vorjahresverluste der E AG und die Abschreibung auf der Beteili-
gung an der H AG zum Abzug zuzulassen.
Das kantonale Steueramt hiess die Einsprachen am 10. Januar 2011 teilweise
gut, indem es die Abschreibung auf der Beteiligung anerkannte, an der Aufrechnung
der Vorjahresverluste der E AG jedoch festhielt. Dies ergab folgende Faktoren:
Steuerperiode 1.1. - 31.12.2006
Staats-/Gemeindesteuern Direkte Bundessteuer
Steuerbarer Reingewinn Fr. 0.- Fr. 2'878'000.-
Gewinnsteuersatz 8,5%
Beteiligungsabzug 4,40%
Steuerbares Eigenkapital Fr. 4'404'000.-
Steuersatz 0,75%o .
C. Gegen den Einspracheentscheid bezüglich der direkten Bundessteuer liess
die Pflichtige am 8. Februar 2011 Beschwerde erheben und Verrechnung mit den Vor-
jahresverlusten der E AG, d.h. Veranlagung mit einem steuerbaren Reingewinn von
Fr. 0.- beantragen. Zudem sei ihr eine Parteientschädigung zuzusprechen. Der Ein-
spracheentscheid hinsichtlich der Staats- und Gemeindesteuern blieb unangefochten.
Das kantonale Steueramt schloss am 10. März 2011 auf Abweisung der Be-
schwerde. Die Eidgenössische Steuerverwaltung liess sich nicht vernehmen.
Auf die Ausführungen der Parteien in diesen Rechtsschriften sowie auf die
Begründung des Einspracheentscheids ist – soweit erforderlich – in den nachfolgenden
Erwägungen einzugehen.
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Die Kammer zieht in Erwägung:
1. a) Der Reingewinn einer juristischen Person unterliegt der Gewinnsteuer
(Art. 57 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 1990,
DBG). Vom Reingewinn der Steuerperiode können Verluste aus sieben der Steuerpe-
riode vorangegangenen Geschäftsjahren abgezogen werden, soweit sie bei der Be-
rechnung des steuerbaren Reingewinnes dieser Jahre nicht berücksichtigt werden
konnten (Art. 67 Abs. 1 DBG). Obwohl dies im Wortlaut nicht zum Ausdruck kommt,
gelten diese Bestimmungen auch als gesetzliche Grundlage für die Verrechnungsmög-
lichkeit von Verlustvorträgen einer (gewinn-)steuerneutral übernommenen Gesellschaft
durch die übernehmende Gesellschaft im Rahmen von Unternehmensumstrukturierun-
gen (Höhn/Waldburger, Steuerrecht, Band II, 9. A., 2002, S. 543 ff.; Frank Lampert, Die
Verlustverrechnung von juristischen Personen im Schweizer Steuerrecht, 2000, S. 87,
93, 100 f., mit weiteren Hinweisen; Peter Locher, Kommentar zum DBG, II. Teil, 2004,
Art. 61 N 14, 40 f., rev. Art. 61 N 24; Reich/Duss, Unternehmensumstrukturierungen im
Steuerrecht, 1996, S. 271 f.; vgl. auch Botschaft vom 13. Juni 2000 zum Fusionsge-
setz, in: BBI 2000 S. 4370 sowie Kreisschreiben Nr. 5 der ESTV vom 1. Juni 2004,
Umstrukturierungen, Ziff. 4.1.2.2.4 S. 31). Grundsätzlich kann somit bei einer Fusion
zweier Kapitalgesellschaften die aufnehmende Gesellschaft die Verlustvorträge der
absorbierten Gesellschaft steuerwirksam geltend machen.
b) Die Verlustverrechnung gemäss Art. 67 DBG wird bei einer Fusion entspre-
chend dem Normsinn der angeführten Bestimmungen (vgl. zur Orientierung der Ausle-
gung am Normsinn Peter Locher, Rechtsmissbrauchsüberlegungen im Recht der direk-
ten Steuern der Schweiz, ASA 75, 682 ff.) nicht zugelassen, wenn die übernommene
Gesellschaft bereits vor der Fusion wirtschaftlich (faktisch) liquidiert oder in liquide
Form gebracht war oder wenn sie kurze Zeit nach der Übernahme wirtschaftlich liqui-
diert bzw. eingestellt wird (Höhn/Waldburger, S. 544 f.). In diesen Fällen fehlt es an der
betrieblichen beziehungsweise wirtschaftlichen Kontinuität, die nach Sinn und Zweck
der gesetzlich vorgesehenen Verlustverrechnung vorausgesetzt ist. Das Erfordernis
der Kontinuität heisst nicht, dass der übernommene Betrieb mehr oder weniger unver-
ändert fortgeführt werden muss; vielmehr wird verlangt, dass die Betriebsqualität im
Zeitpunkt der Fusion gegeben ist (VGr, 18. November 2009, SB.2008.00119,
www.vgrzh.ch). Ist die rechtliche oder wirtschaftliche Liquidation bereits vor der Über-
nahme soweit fortgeschritten, dass die Gesellschaft in liquide Form gebracht wurde, ist
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bei einer in Liquidation stehenden Gesellschaft die Verrechnung von Verlustvorträgen
ausgeschlossen (StE 2005 B 72.15.2 Nr. 7). Liegt ein solcher Fall vor, erübrigt es sich
auch, die Voraussetzungen für die Annahme einer Steuerumgehung zu prüfen. Es
ergibt sich nämlich bereits aus dem Normzweck von Art. 67 Abs. 1 DBG, dass es auch
im Fall einer Fusion nur dann zur Verlustübernahme kommen kann, wenn die über-
nommene Gesellschaft in der aufnehmenden Gesellschaft in irgendeiner Form "weiter-
lebt" (vgl. Cagianut/Höhn, Unternehmungssteuerrecht, 3. A., 1993, S. 696; Reich/Duss,
S. 272; siehe auch BStRK, 6. Januar 2003, 4 DB.2002.46 in: StE 2004 B 72.15.2 Nr. 5
mit Hinweisen sowie StRK II, 25. März 2010, 2 ST.2009.315 und 2 DB.2009.193 + 194
mit Hinweisen auf frühere Entscheide der StRK; a.M. einzig Saupper/Weidmann in:
Fusionsgesetz [Basler Kommentar], 2005, vor Art. 3 N 83). Sinngemäss gelten insofern
die Regeln des Mantelhandels (Spori/Gerber, Fusion und Quasifusion im Recht der
direkten Steuern, ASA 71, 693).
c) Wie generell jede Rechtsausübung steht die Verlustverrechnung ausser-
dem unter dem Vorbehalt des Missbrauchsverbots (werde dies nun aus Art. 2 Abs. 2
ZGB oder gemäss neuerer Lehrmeinung im öffentlichen Recht aus Art. 9 der Bundes-
verfassung vom 18. April 1999 [BV] abgeleitet [vgl. Thomas Gächter, Rechtsmiss-
brauch im öffentlichen Recht, 2005, S. 338 ff. sowie René Matteotti, Steuergerechtig-
keit und Rechtsfortbildung. Ein Rechtsvergleich zwischen der Schweiz und den
Vereinigten Staaten von Amerika unter besonderer Berücksichtigung der wirtschaftli-
chen Betrachtungsweise, 2007, S. 273]). So ist sie namentlich ausgeschlossen, wo
eine Steuerumgehung oder ein so genannter Mantelhandel vorliegt (vgl. Brülisau-
er/Helbling, in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/2a, 2. A., 2008,
N 14 f. zu Art. 67 DBG; Locher, Art. 61 N 41 und Art. 67 N 11; vgl. BGr, 29. September
2000, 2A.133/2000 E. 2; ASA 63, 225 f. E. 4).
2. a) Die Pflichtige absorbierte am 1. Dezember 2006 rückwirkend per 1. Ju-
li 2006 ihre 100%-ige Tochtergesellschaft E AG auf dem Weg einer erleichterten Fusi-
on nach Art. 23 Abs. 1 lit. a des Fusionsgesetzes vom 3. Oktober 2003. Die Verlustvor-
träge per Ende 2004 von Fr. 8'149'868.- dieser Gesellschaft will die Pflichtige mit ihrem
im Geschäftsjahr 2006 erzielten Gewinn von Fr. 2'766'903.- verrechnen. Dies setzt
nach dem Gesagten in steuerlicher Hinsicht u.a. voraus, dass der Betrieb der E AG im
Zeitpunkt der Fusion noch existierte und bei ihr, der Pflichtigen, als übernehmende
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Gesellschaft in irgendeiner Form weitergeführt wurde. Ob diese Voraussetzungen er-
füllt waren, ist zwischen den Parteien streitig und nachfolgend zu prüfen.
b) aa) Nach Sachdarstellung der Pflichtigen in der Beschwerde waren in der E
AG ursprünglich die gesamten Webereiaktivitäten der A-Gruppe zusammengefasst.
Diese Aktivitäten umfassten drei Betriebsteile: Die Schaftweberei, die Technischen
Gewebe und die so genannte Jacquardweberei. Der zweitgenannte Bereich Techni-
sche Gewebe wurde mit den entsprechenden Verlusten bereits im Jahr 2002 auf eine
neu gegründete Schwestergesellschaft (I AG) übertragen bzw. abgespalten und die
erstgenannte Schaftweberei nach einem abruptem Markteinbruch im Jahr 2003 einge-
stellt. Somit verblieb bei der E AG als einziger Betriebsteil noch derjenige der Jac-
quardweberei, auf den rund 84% des Verlustvortrags entfiel. Dieser Betriebsteil sollte
bei einer neu zu gründenden Tochtergesellschaft, der J AG, sowohl bezüglich der Pro-
duktion wie auch hinsichtlich deren Vermarktung vollständig neu aufgebaut und an-
schliessend die E AG von der Pflichtigen per 1. Januar 2005 absorbiert werden. Weiter
beabsichtigt war, das alte Jacquard-Geschäft bei der E AG zu belassen und auf die
Pflichtige zu übertragen sowie dort kontinuierlich einzustellen. Auf die Pflichtige über-
zugehen hatten sodann auch die Liegenschaften der E AG.
Die J AG wurde sodann noch im Dezember 2004 gegründet. Per 1. Janu-
ar 2005 nahm sie ihre Tätigkeit auf und schaffte im Frühling dieses Jahres neue Web-
maschinen an. Per 30. Juni 2005 übernahm sie darauf von der Pflichtigen das Waren-
lager "ex E AG". Ihre weitere Entwicklung zeigte sich als schwierig, bevor im ersten
Quartal 2007 eine wirtschaftliche Erholung mit einem eigentlichen Nachfrageboom ein-
setzte. Im Oktober 2006 hatte sich die J AG bereits Gedanken zur Übernahme des
Jacquardbetriebs eines Kundenunternehmens, der K AG, gemacht. Im Juni/August
2007 veräusserte sie indessen einen Teil ihres eigenen (neuen) Jacquardbetriebs an
dieses Unternehmen und im Oktober 2007 den andern Teil an eine weitere Gesell-
schaft, die L AG.
bb) Zur steuerlichen Absicherung der beabsichtigten Umstrukturierungen stell-
te die Pflichtige beim kantonalen Steueramt hinsichtlich der Fusion mit der E AG eine
Rulinganfrage. Sie ersuchte um Bestätigung dafür, dass sie nach der Fusion den Ver-
lustvortrag der E AG mit ihrem Gewinn verrechnen könne, da sich Letztere nicht in
einem liquidationsreifen Zustand befinde und sie deren Betrieb weiterführe. Das kanto-
nale Steueramt stimmte diesem Antrag am 20. September 2004 zu. Weil sich der Aus-
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kauf von verbliebenen Minderheitsaktionären der E AG in der Folge verzögerte und die
Fusion mit der Pflichtigen erst nach Abschluss dieses Auskaufs im Jahr 2006 vollzogen
werden sollte, ergänzte die Pflichtige die Rulinganfrage entsprechend und stimmte das
kantonale Steueramt dieser am 10. Januar 2005 erneut zu. Am 1. Dezember 2006
wurde dann die Absorption durch die Pflichtige, rückwirkend per 1. Juli 2006, vollzo-
gen.
c) Wie aus dieser Sachverhaltsschilderung der Pflichtigen hervorgeht, war bei
der E AG vor der Fusion von den drei ursprünglichen Geschäftsteilen einzig noch der-
jenige der (alten) Jacquardweberei vorhanden und wurde auch dieser Geschäftsteil in
der Folge kontinuierlich eingestellt. Der auf die Pflichtige mittels Fusionabsorption über-
tragene Betrieb soll dergestalt gemäss ihren Vorbringen lediglich noch aus Forderun-
gen aus Lieferung und Leistung sowie aus den nicht übertragenen (alten) Maschinen
der Weberei bestanden haben. Indessen existierten bei der E AG Forderungen aus
Lieferung und Leistung im Zeitpunkt der Fusion per 30. Juni 2006 lediglich noch im
Umfang von Fr. 6'509.- und enthält deren Bilanz per 30. Juni 2006 auch keinerlei Ma-
schinen mehr (Zwischenabschluss per 30. Juni 2006). Zudem weist die E AG in die-
sem Abschluss weder einen Erlös noch einen damit verbundenen Material- und Wa-
renaufwand sowie auch weder Lohn- noch Mietkosten aus. Damit lag aber im Zeitpunkt
der Fusion mit der E AG hinsichtlich der Webereiaktivitäten eine vollständig inaktive
Gesellschaft vor. Gemäss schriftlicher Bestätigung der Pflichtigen in einem Schreiben
über die Geschäftstätigkeit der A-Gruppe soll die E AG zudem schon bereits ab dem
Jahr 2005 nicht mehr operativ tätig gewesen sein (vgl. Hinweis des steueramtlichen
Revisors in seinem Bericht vom 9. Dezember 2009). Demnach war wirtschaftlich, d.h.
faktisch bei der E AG kein Webereibetrieb mehr vorhanden, der auf die Pflichtige hätte
übertragen worden können. Dementsprechend bestand das Umlaufvermögen der E
AG neben den erwähnten bescheidenen Forderungen aus Lieferung und Leistung nur
noch aus flüssigen Mitteln von Fr. 92'731.- sowie aus übrigen Forderungen von
Fr. 19'357.-, die zudem noch durch ein Delkredere von Fr. 20'000.- neutralisiert wur-
den. Der Zustand der E AG war – was den Webereibetrieb betrifft – damit ganz offen-
kundig liquidationsreif.
d) aa) Das Anlagevermögen der E AG per 30. Juni 2006 enthielt aber noch
Liegenschaften im Wert von Fr. 1'838'909.- mit einem halbjährigen Bruttoertrag aus
Wohnliegenschaften von rund Fr. 102'000.-. Fraglich ist, ob es sich bei diesen Liegen-
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schaften um einen Betrieb handelte, der beim Übergang auf die Pflichtige die Verrech-
nung der Verluste der absorbierten Gesellschaft rechtfertigt.
bb) Vorab ist fraglich, ob die Liegenschaften überhaupt vollumfänglich auf die
Pflichtige übergegangen sind, weist Letztere im Geschäftsjahr 2006 doch Zugänge bei
den Fabrikliegenschaften aus der Fusion von lediglich Fr. 1'428'909.- und bei den
Wohnliegenschaften solche von Fr. 110'000.-, total Fr. 1'538'909.-, aus . Demgegen-
über standen die Liegenschaften bei der E AG per 30. Juni 2006 noch mit
Fr. 1'838'909.- in den Büchern. Was mit der Differenz von Fr. 300'000.- geschehen ist,
ist nicht ersichtlich.
cc) Sollten alle Liegenschaften der E AG auf die Pflichtige übergegangen sein,
kann nur dann ein die streitige Verlustverrechnung rechtfertigender Betrieb angenom-
men werden, wenn folgende Voraussetzungen kumulativ erfüllt sind (Ziff. 3.2.2.3 des
Kreisschreibens Nr. 5 der ESTV vom 1. Juni 2004, Umstrukturierungen):
- es erfolgt ein Marktauftritt oder es werden Betriebsliegenschaften an Kon-
zerngesellschaften vermietet;
- die Unternehmung beschäftigt oder beauftragt mindestens eine Person für
die Verwaltung der Immobilien (eine Vollzeitstelle für rein administrative
Arbeiten);
- die Mieterträge betragen mindestens das 20-fache des marktüblichen Per-
sonalaufwandes für die Immobilienverwaltung.
Bei der E AG war im Jahr 2006 zufolge fehlenden Personalaufwands keinerlei Perso-
nal mehr beschäftigt, sodass sich seitens dieser Gesellschaft auch niemand um die
Verwaltung ihrer Liegenschaften kümmern konnte. Ob die Verwaltung bereits von der
Pflichtigen ausgeübt wurde, ist nicht ersichtlich und wurde von ihr nicht offengelegt.
Auch führt sie nicht aus, ob ein Marktauftritt erfolgte oder Betriebsliegenschaften an
Konzerngesellschaften vermietet wurden. Von Letzterem ist zudem nicht auszugehen,
da die Erfolgsrechnung der E AG im Jahr 2006 nur Ertrag aus Wohnliegenschaften,
nicht aber solchen aus Betriebsliegenschaften enthält. Ob sodann der ausgewiesene
Bruttoertrag von rund Fr. 102'000.- pro Halbjahr bzw. Fr. 204'000.- pro Jahr mindes-
tens dem 20-fachen des marktüblichen Personalaufwands für die Liegenschaften
betragen hat, ist ebenfalls unklar und im Übrigen auch gar nicht zu vermuten. Denn als
einzigen Aufwand, der als Verwaltungsaufwand für die Liegenschaften in Frage käme,
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weist die E AG im Abschluss per 30. Juni 2006 den "Aufwand aus Wohnliegenschaf-
ten" von Fr. 19'644.85 aus. Bei einem Jahresbetreffnis dieses Aufwands von
Fr. 39'289.70 müsste somit ein Mietertrag von Fr. 785'794.- (= das 20-fache) erzielt
worden sein, d.h. fast das Vierfache des tatsächlich ausgewiesenen Betrags.
Demnach sind die Voraussetzungen für die Annahme eines Betriebs bzw.
Betriebsteils nicht kumulativ erfüllt, sodass mit den Liegenschaften der E AG kein Be-
trieb auf die Pflichtige überging.
e) Insgesamt übernahm die Pflichtige damit anlässlich der Fusion mit ihrer
Tochtergesellschaft weder hinsichtlich der Webereiaktivitäten noch bezüglich der Lie-
genschaften einen (operativen) Betrieb, sodass die geltend gemachte Verrechnung mit
den Verlusten der E AG ausser Betracht fällt.
3. Der Jacquardbetrieb wurde gemäss den Vorbringen der Pflichtigen von der
neu gegründeten J AG als weiterer Tochtergesellschaft übernommen bzw. bei dieser
neu aufgebaut. Ob und inwiefern diese dabei von der E AG als Folge der Fusion mit
der Pflichtigen einen Betrieb bzw. Betriebsteile übernommen hat, spielt keine Rolle, da
nicht sie, sondern die Pflichtige die E AG absorbierte und daher nur der Pflichtigen das
Recht auf Verrechnung der Verluste der übernommenen Gesellschaft überhaupt zu-
steht. Anders zu entscheiden hiesse, eine konzernrechtliche Betrachtungsweise anzu-
stellen, indem es für die Verlustverrechnung genügt, dass der Betrieb der absorbierten
Gesellschaft auf ein anderes, mit der übernehmenden Gesellschaft nicht identisches
Unternehmen des Konzerns übertragen wird. Diese Betrachtungsweise ist dem
schweizerischen Steuerrecht fremd.
Selbst wenn jedoch ein Betrieb bzw. Betriebsteile der E AG auf die J AG
übergegangen wären – Letztere erwarb mit Vertrag vom 30. Juni 2005 immerhin das
Warenlager der E AG und daneben auch Ersatzteile sowie Betriebsmittel – und der
Pflichtigen damit grundsätzlich die Möglichkeit der Verrechnung mit Verlusten der ab-
sorbierten Gesellschaft zustünde, wäre der Pflichtigen nicht geholfen. So hat die J AG
den Jacquardbetrieb schon weniger als ein Jahr nach Unterzeichnung des Fusionsver-
trags vom 1. Dezember 2006, d.h. bereits im Juni/August und Oktober 2007 an die K
AG und die L AG weiterveräussert. Dies führte bei der J AG schon kurz nach der Fusi-
on zum Untergang bzw. wirtschaftlichen Liquidation des übernommenen Betriebs bzw.
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der übernommenen Betriebsteile, was die Verlustverrechnung bei der Pflichtigen er-
neut ausschlösse.
4. a) aa) Die Bundesverfassung statuiert den Grundsatz von Treu und Glau-
ben einerseits in Art. 5 Abs. 3 als Regel für das Verhalten von Staat und Privaten sowie
andererseits in Art. 9 als grundrechtlichen Anspruch des Privaten gegenüber dem
Staat auf Schutz des berechtigten Vertrauens in behördliche Zusicherungen oder sons-
tiges, bestimmte Erwartung begründendes Verhalten der Behörden (BGE 126 II 387
mit Hinweisen).
bb) Zwar verlangt das Gesetzmässigkeitsprinzip, dass die Verwaltungs-
behörden nach Massgabe des Gesetzes und nicht nach Massgabe der vom Gesetz
abweichenden Auskunft entscheiden. Indessen kann eine unrichtige behördliche Aus-
kunft unter gewissen Umständen eine Vertrauensgrundlage bilden. Dies gilt auch für
das Steuerrecht (BGr, 1. November 2000, 2A.46/2000). Voraussetzung dafür bildet,
dass sich die Auskunft der Behörde auf eine konkrete, den betreffenden Bürger berüh-
rende Angelegenheit bezieht, dass die Amtsstelle, welche die Auskunft gegeben hat,
hierfür zuständig war oder der Bürger sie aus zureichenden Gründen als zuständig
betrachten durfte (BGE 127 I 36 mit Hinweisen), dass der Bürger die Unrichtigkeit der
Auskunft nicht ohne weiteres hat erkennen können, dass er im Vertrauen hierauf nicht
ohne Nachteil rückgängig zu machende Dispositionen getroffen hat und dass die
Rechtslage zur Zeit der Verwirklichung des Tatbestands noch die gleiche ist wie im
Zeitpunkt der Auskunftserteilung (BGE 121 II 479 mit Hinweisen). Das kantonale Steu-
eramt hat diese Praxis in einem Merkblatt festgehalten und führt übereinstimmend da-
mit aus, wenn diese Voraussetzungen kumulativ erfüllt seien, werde die mit dem Vor-
entscheid festgelegte steuerliche Beurteilung im Einschätzungsverfahren nicht mehr in
Wiedererwägung gezogen, auch wenn sich die Auskunft im Nachhinein als unrichtig
herausstellen sollte (Ziff. III. 6. des aufgehobenen Merkblatts des kantonalen Steuer-
amts betreffend Begehren um amtliche Auskünfte und Vorentscheide vom 8. Mai 1996,
aZStB I A Nr. 25/65 sowie Ziff. C. IV. Abs. 2 des aktuellen Merkblatts vom 13. Okto-
ber 2008, nZStB I Nr. 30/500; kurz: Merkblatt). Eine Auskunft bzw. ein diesbezüglicher
Vorentscheid entfaltet seine Wirkung erst im nachfolgenden Veranlagungsverfahren. Er
erlangt Rechtswirkungen, wenn und soweit dies durch den Grundsatz von Treu und
Glauben geboten ist.
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cc) Der Sachverhalt, auf den sich die (vorbehaltslose) Auskunft der Steuerbe-
hörde – auch Steuerruling bzw. Verständigung zwischen Steuerpflichtigen und Steuer-
behörden genannt – bezieht, muss konkret, korrekt und vollständig dargelegt werden
(Behnisch/Cadosch, Die Bedeutung von vorgängigen Auskünften von Steuerbehörden
im Recht der direkten Bundessteuer, Jusletter vom 23. April 2001, Rz 1 f.; Peter Eisen-
ring, Vorgängige Auskünfte von Steuerbehörden in der Schweiz in: ASA 68, 115 f.).
Alles, was auf die Beurteilung Einfluss hat, muss offen gelegt werden, d.h. es dürfen
keine gezielten Unterlassungen erfolgen. Sachverhaltslücken, die für die Beurteilung
von Rulinganträgen nicht relevant sind, sind dagegen nicht schädlich. Bei schriftlichen
Rulinganfragen obliegt es aber auch der Steuerbehörde, zu beurteilen, ob der Sach-
verhalt ausreichend geschildert ist, um die Anträge zu behandeln. Denn mit der Unter-
zeichnung des Rulings bekräftigen die Steuerbehörden grundsätzlich nicht nur, dass
sie mit der steuerlichen Qualifikation und den Anträgen einverstanden sind, sondern
auch, dass der geschilderte Sachverhalt für die Beurteilung der Anträge ausreichend
war. Folglich können die Steuerbehörden bei ausführlichen, schriftlichen Rulinganfra-
gen in der Regel nicht im Nachhinein argumentieren, dass der Sachverhalt zu wenig
ausführlich war (Morf/Müller/Amstutz, Schweizer Steuerruling - Erfolgsmodell und
Werthaltigkeit, in: ST 2008, 813 ff.).
dd) Selbst wenn all diese Voraussetzungen einer vorgängigen Auskunftser-
teilung erfüllt sind, müssen gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung noch das
Interesse an der richtigen Durchsetzung des objektiven Rechts und dasjenige des Ver-
trauensschutzes gegeneinander abgewogen werden. Überwiegt das öffentliche Inte-
resse an der Anwendung des positiven Rechts, muss sich der Bürger diesem unterzie-
hen (vgl. zum Ganzen Häfelin/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. A., 2006,
N 696 mit Hinweisen).
b) Die Pflichtige ersuchte am 14. September 2004 beim kantonalen Steueramt
um eine Bestätigung dafür, dass die Absorption der E AG per 1. Januar 2005 steuer-
neutral abgewickelt und die Vorjahrsverluste der Letzteren von ihr in den Folgejahren
genutzt werden kann bzw. können. Zur Begründung führte sie aus, die E AG befinde
sich nicht in einem liquidationsreifen Zustand und der Betrieb werde nach der Fusion
weitergeführt. Diese Aussage erweist sich – wie sich aus E. 2. ergibt – vollumfänglich
als unzutreffend, da die E AG im Zeitpunkt der Fusion per 1. Juli 2006 operativ schon
seit einiger Zeit nicht mehr tätig gewesen war bzw. sich in einem liquidationsreifen Zu-
stand befand und die Pflichtige mit den Liegenschaften in der Folge keinen Betrieb
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übernahm. Die Aussage betrifft zudem die zentralen Voraussetzungen für die Zulas-
sung der fraglichen Verlustverrechnung. An die am 20. September 2004 erfolgte Zu-
stimmung zur Verlustverrechnung ist das kantonale Steueramt daher mangels Darle-
gung des korrekten, d.h. später tatsächlich verwirklichten Sachverhalts nicht gebunden.
Mit Eingabe vom 10. Dezember 2004 teilte die Pflichtige dem kantonalen
Steueramt mit, sie müsse die Absorption der E AG auf das Geschäftsjahr 2006 ver-
schieben, da sie vorher noch die Minderheitsaktionäre der E AG auskaufen wolle. Es
werde um Bestätigung der bereits abgegebenen Zustimmung zur steuerneutralen
Übernahme der Tochtergesellschaft und der Verrechnungsmöglichkeit mit deren Ver-
luste auf diesen späteren Zeitpunkt hin ersucht. Dem gab das kantonale Steueramt am
10. Januar 2005 wiederum statt. Da auch dieser Eingabe unverändert der schon in der
Anfrage vom 14. September 2004 geschilderte, nicht korrekte Sachverhalt hinsichtlich
des Zustands der E AG und der Weiterführung ihres Betriebs zugrunde gelegt wurde,
ist das kantonale Steueramt auch an diese Zustimmung nicht gebunden.
Damit bleibt es trotz den eingeholten Rulinganfragen dabei, dass die Pflichtige
die angestrebte Verrechnung mit den Verlusten der übernommenen E AG nicht bean-
spruchen kann.
5. Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde. Ausgangs-
gemäss sind die Kosten des Verfahrens der Pflichtigen aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1
DBG) und steht ihr keine Parteientschädigung zu (Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64
Abs. 1 - 3 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezem-
ber 1968).