Decision ID: 8d4aeadb-ea47-4dad-8c87-ad304e064688
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich im Mai 2015 erstmals bei der IV-
Stelle des Kantons St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 8; zur im April 2015 erfolgten Früherfassung vgl.
IV-act. 1). Sie war damals über die B._ AG als Produktionsmitarbeiterin temporär in
einem Pensum von 100 % angestellt gewesen (IV-act. 1 S. 1, 3 S. 1 ff., 8 S. 4 und 13
S. 1 f.). Seit dem 19. März 2015 war sie von Dr. med. C._, Physikalische Medizin und
Rehabilitation FMH, zu 100 % krankgeschrieben worden (vgl. IV-act. 16). In einem
Schreiben vom _ 2015 informierte die B._ AG die IV-Stelle über die in
gegenseitigem Einvernehmen mit der Versicherten erfolgte Auflösung des
Arbeitsverhältnisses. Gleichzeitig empfahl sie der IV-Stelle eine gründliche
Untersuchung des Falles, da es für sie nicht nachvollziehbar sei, warum die Versicherte
ihrer Arbeit plötzlich nicht mehr nachgehen könne (IV-act. 13 S. 23). In einem bei der
IV-Stelle am 26. Mai 2015 eingegangenen Bericht nannte Dr. C._ als Diagnosen eine
Gonarthrose rechts sowie ein lumbospondylogenes Syndrom und bestätigte ein
Eingliederungspotential der Versicherten (vgl. IV-act. 16). Mit Mitteilung vom 13. Juli
2015 erteilte die IV-Stelle der Versicherten Kostengutsprache für ein vom 6. Juli bis 30.
September 2015 dauerndes Belastbarkeitstraining beim D._ (IV-act. 26). Am 14.
August 2015 gewährte die IV-Stelle der Versicherten zudem Beratung und
Unterstützung bei der Stellensuche (IV-act. 33). Das Einsatzprogramm wurde aufgrund
krankheitsbedingter Absenzen abgebrochen (vgl. IV-act. 35 S. 4, 38 S. 1 ff. und 42 S. 5
f.). Eine im August 2015 festgestellte mediale Meniskusläsion am Knie links mit
entsprechenden Schmerzen (vgl. IV-act. 43 S. 8 f.) wurde am 3. September 2015
operativ versorgt (IV-act. 43 S. 6 f.). In einem bei der IV-Stelle am 30. Oktober 2015
eingegangenen Bericht hielt Dr. med. E._, Orthopädische Chirurgie FMH, Klinik
A.a.
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F._, fest, dass hinsichtlich des linken Knies vom 3. bis 18. September 2015 eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe, aktuell diesbezüglich jedoch keine
Arbeitsunfähigkeit mehr ausgewiesen sei (IV-act. 43 S. 1 ff.). Mit Mitteilung vom 26.
November 2015 sprach die IV-Stelle der Versicherten erneut Beratung und
Unterstützung bei der Stellensuche zu (IV-act. 48). In einer MRT-Untersuchung der
Lendenwirbelsäule (LWS) vom 8. Januar 2016 zeigten sich Chondrosen und
Diskusprotrusionen der drei caudalen LWS-Etagen mit bildgebendem
Nervenwurzelkontakt L3 rechts intraforaminal, L5 links rezessal und intraforaminal (IV-
act. 51 S. 1). In einer MRT-Untersuchung des rechten Kniegelenks vom 14. Januar
2016 zeigten sich ein Einriss des Hinterhornes des Innenmeniskus bis weit in die
Intermediärzone reichend, ein Horizontalriss der Intermediärzone des Aussenmeniskus,
eine mucoide Degeneration des vorderen Kreuzbandes mit Weichteilplus und
begleitender Bursitis infrapatellaris profunda sowie eine moderate Chondropathie des
medialen Gelenkkompartiments (IV-act. 51 S. 2). Am 1. Februar 2016 nannte Dr. C._
als Diagnosen ein lumbospondylogenes Schmerzsyndrom bei degenerativen
Veränderungen L5/S1 sowie eine Gonarthrose beidseits. Sie attestierte der
Versicherten vom 9. März bis 30. September 2015 eine 100%ige und ab dem 1.
Oktober 2015 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisher ausgeübten Tätigkeit als
Produktionsmitarbeiterin (IV-act. 55). Auch Dr. med. G._, Allg. Innere Medizin FMH,
ging am 2. Februar 2016 davon aus, dass der Versicherten die bisherige Tätigkeit
aufgrund beeinträchtigter Belastbarkeit, Ermüdung und auftretender
Schmerzexazerbationen noch halbtags zumutbar sei (IV-act. 56). In einer
Stellungnahme vom 24. Februar 2016 kam der regionale ärztliche Dienst (RAD) zum
Schluss, dass einer Steigerung des Pensums auf 100 % in einer leidensadaptierten
Tätigkeit (vorwiegend sitzende körperlich leichte wechselbelastende Tätigkeit mit einer
Gewichtslimite von 5 kg) nichts im Wege stehen sollte (IV-act. 58). Im Abschlussbericht
vom 11. Mai 2016 hielt der IV-Eingliederungsverantwortliche fest, dass in
Zusammenarbeit mit der regionalen Arbeitsvermittlung (RAV) ein Einsatzprogramm im
D._ aufgegleist worden sei. Da sich innerhalb von vier Monaten keine Verbesserung
der Arbeitsfähigkeit eingestellt habe und seitens der Versicherten Steigerungsversuche
ausgeblieben seien, werde das Programm beendet. Eine 50%ige Arbeitsfähigkeit habe
die Versicherte in einer optimal adaptierten Tätigkeit im D._ umgesetzt. Für ein
höheres Pensum sehe sie sich subjektiv nicht arbeitsfähig (IV-act. 60 S. 3). Mit
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Mitteilung vom 3. Juni 2016 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf weitere
berufliche Massnahmen (IV-act. 64). Nach Erlass eines entsprechenden Vorbescheids
(vgl. IV-act. 67) verfügte die IV-Stelle am 6. September 2016 die Ablehnung des
Rentengesuchs bei einem Invaliditätsgrad von 5 % (IV-act. 72).
Nachdem die Versicherte den Höchstanspruch auf Taggelder der
Arbeitslosenversicherung im April 2017 ausgeschöpft hatte (vgl. IV.-act. 78 und 87),
meldete sie sich am 18. Juli 2017 erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (IV-
act. 74). In einem Bericht vom 3. Juli 2017 hatte Dr. C._ als Diagnosen eine
Gonarthrose rechts (MRT-Befund vom 14. Januar 2016), ein lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom bei degenerativen Veränderungen L4/5 und L5/S1 (MRT-Befund vom
8. Januar 2016), ein Cervicocranialsyndrom bei HWS-Fehlstellung und degenerativen
Veränderungen, eine MTP I Arthrose beidseits sowie eine Depression mit einer
Angstsymptomatik genannt. Seit dem 19. März 2015 bewege sich die Arbeitsfähigkeit
der Versicherten zwischen 50 und 100 %. Die Versicherte klage über Schmerzen am
ganzen Rücken (betont lumbal) mit Ausstrahlung in beide Beine. Zunehmend beklage
sie auch Kopfschmerzen, Nackenschmerzen und Schmerzen in den Füssen. Ferner
beschreibe sie eine Kraftminderung in den Beinen sowie eine Morgensteifigkeit von
fünf Minuten. Auch klage sie über Missempfindungen im Körper. Zusätzlich bestünden
eine Müdigkeit, eine Abnahme der Leistungsfähigkeit sowie ein vermehrtes Schwitzen.
Seit dem Arbeitsversuch im D._ seien noch eine Schwellung und
Bewegungseinschränkung des linken Knies hinzugekommen. Dr. C._ hatte weiter
festgehalten, dass aus ihrer Sicht eine dauerhafte und zunehmende Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit bestehe, weshalb sie einen erneuten Antrag zum Bezug von IV-
Leistungen unterstütze. Um Überbelastungen zu vermeiden und der Versicherten
ausreichend Erholung einzuräumen, sei in wechselbelastenden Tätigkeiten ohne
Tragen und Heben von Gewichten sowie ohne Zwangshaltungen maximal ein Pensum
von täglich vier Stunden mit einer 30-minütigen Pause nach zwei Stunden zumutbar.
Stark repetitive Tätigkeiten seien zu vermeiden und Knien sei nicht möglich (IV-act. 79;
vgl. ferner Arztbericht von Dr. C._ vom 16. August 2017, IV-act. 86).
A.b.
In einem Bericht vom 18. September 2017 des Psychiatrie-Zentrums H._
nannten die Behandler als Diagnose eine mittelgradige depressive Episode. Weiter
hielten sie fest, dass die Versicherte seit Juni 2016 bei ihnen in Behandlung sei.
A.c.
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Phasenweise seien auch die Kriterien für eine schwergradige depressive Symptomatik
erfüllt gewesen. Die Versicherte und deren Familie hätten berichtet, dass bereits vor
dem Behandlungsbeginn eine längere depressive Phase bestanden habe. Sodann
führten die Behandler aus, dass von ihrer Seite der Versicherten für die Zeit vom 18.
August bis 31. Oktober 2016 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt worden sei,
da sie während dieser Zeit an einem internen teilstationären Programm teilgenommen
habe. Durch die depressive Symptomatik bestehe eine rasche Erschöpfung und eine
verminderte Antriebsfähigkeit. Aufgrund der Schmerzen, deren Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit nicht beurteilt worden sei, gebe es diverse Einschränkungen bezüglich
körperlicher Arbeiten. Ausserdem führten starke Schlafschwierigkeiten mit Albträumen
zu einer starken Müdigkeit und verstärkten die Erschöpfung sowie die depressive
Symptomatik. Tätigkeiten, die körperlich nicht anstrengend seien und die keine
kontinuierliche Konzentration erforderten (z.B. eine Tätigkeit als Küchenaushilfe), könne
die Versicherte noch ausüben. Für eine zuverlässige Prognose, wie viele Stunden pro
Tag der Versicherten eine solche Tätigkeit noch möglich wäre, fehlten grundlegende
Erfahrungswerte. Der Besuch eines Deutschkurses, der jeweils am Morgen
stattgefunden habe, sei der Versicherten anfangs 2017 möglich gewesen. Deshalb
gingen sie davon aus, dass ihr eine Tätigkeit in einem Umfang von ca. vier Stunden pro
Tag möglich sei. Gründe, die gegen einen sofortigen Beginn der Wiedereingliederung
sprechen würden, lägen nicht vor (IV-act. 92). In einer Stellungnahme vom 16.
November 2017 hielt der RAD fest, dass aus psychiatrischer Sicht ab sofort ein
Eingliederungspotential mit einer Arbeitsfähigkeit von 50 %, die gesteigert werden
könne, bestehe. Aus somatischer Sicht sei seit der letzten Rentenablehnung keine
Veränderung des Gesundheitszustandes glaubhaft gemacht worden, weshalb weiterhin
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten anzunehmen sei (IV-act. 95).
Vom 8. Januar bis 9. Februar 2018 nahm die Versicherte an einer stationären
Behandlung in der Klinik I._ teil. Im Austrittsbericht nannten die behandelnden Ärzte
folgende Diagnosen: eine rezidivierende depressive Störung (gegenwärtig mittelgradige
Episode), ein lumbospondylogenes Schmerzsyndrom bei degenerativen
Veränderungen L4/5 und L5/S1, ein Cervicocranialsyndrom bei HWS-Fehlhaltung und
degenerativen Veränderungen, eine Gonarthrose rechts, eine MTP I Arthrose beidseits,
eine Varikosis, eine Adipositas sowie einen Status nach Hautstraffung an den
A.d.
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Oberarmen und am Bauch vor elf Jahren. Weiter hielten sie fest, die Versicherte habe
angegeben, schon seit Jahren depressive Episoden zu kennen. Im Rahmen von
psychischen und physischen Gewalterfahrungen habe sie ca. im Jahr 2011 erstmals
psychologische Hilfe in Anspruch genommen. Im Jahr _ habe sie sich von ihrem
Ehemann getrennt, bis heute aber unzureichend in ihr eigenes Leben gefunden. Die
behandelnden Ärzte attestierten der Versicherten für den Zeitraum der stationären
Behandlung eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Weiter hielten sie fest, dass der
deprimierte Affekt bei der Versicherten bei Austritt im Vergleich zum Eintritt verbessert
gewesen sei und auch eine Verbesserung der Vitalgefühle eingetreten sei (IV-act. 108).
In einem Bericht des Psychiatrie-Zentrums H._ vom 8. bzw. 13. Februar 2018
nannten die Behandler als Diagnosen eine rezidivierende depressive Störung
(gegenwärtig mittelgradige Episode) sowie eine anhaltende Schmerzstörung. Weiter
hielten sie fest, dass die Einschränkungen bezüglich der Arbeitsfähigkeit gemäss der
Versicherten zur Hauptsache im somatischen Bereich lägen, der nicht beurteilt werden
könne. Deshalb sei ein Rehabilitationsaufenthalt erfolgt. Durch die depressive
Symptomatik bestünden jedoch sicherlich eine Leistungsreduktion sowie ein erhöhter
Pausen- und Erholungsbedarf. Es werde aus psychiatrischer Sicht von einer
Arbeitsfähigkeit von ungefähr 50 % in leidensangepassten Tätigkeiten ausgegangen,
jedoch sei eine Einschätzung aufgrund fehlender Erfahrungswerte schwierig. Aufgrund
sprachlicher Schwierigkeiten nehme die Versicherte aktuell eine niedrig frequentierte
(ca. einmal monatlich) Einzeltherapie wahr, bei Bedarf werde die Frequenz
phasenweise erhöht. Weiter nehme sie an internen Gruppentherapien teil und sie werde
von Dr. C._ psychopharmakologisch mit Cipralex behandelt. Schon seit längerer Zeit
sei der Versicherten eine Psychotherapie in ihrer Muttersprache empfohlen worden,
was sie zunächst jedoch aufgrund negativer Erfahrungen abgelehnt habe. Nun sei
jedoch ein Ersttermin geplant (IV-act. 103). In einem Bericht des medizinischen
Zentrums J._ vom 18. Juni 2018 hielten die Behandler fest, dass die Versicherte seit
dem 13. Februar 2018 bei ihnen in ambulanter Behandlung sei. Sie habe berichtet,
dass sie sich während ihrer ganzen Ehe in einer Depression befunden habe. Der
Ehemann sei ihr und den Kindern gegenüber gewalttätig gewesen. Sie vermeide
Menschenmengen und Männer und habe sich von ihrem sozialen Umfeld
zurückgezogen. Sie sei vergesslich und habe ständige Albträume. Die Erinnerungen
A.e.
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würden sie immer wieder einholen. Sie lebe weiterhin in ständiger Angst vor ihrem
Exmann, dem sie alles zutraue. Seit der im Jahr _ erfolgten Scheidung leide sie auch
an Rücken- und Beinschmerzen sowie an Schmerzen an den Händen, die ab 2015
sukzessive zugenommen hätten. Als Diagnosen nannten die Behandler eine
posttraumatische Belastungsstörung, eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode, sowie eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung. Weiter attestierten sie der Versicherten sowohl für die angestammte
Tätigkeit als auch für leidensangepasste Tätigkeiten seit dem 1. April 2015 eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 114). Mit Schreiben vom 6. September 2018 teilte
die IV-Stelle der Versicherten mit, dass das Leistungsbegehren um berufliche
Massnahmen abgewiesen werde, da solche aufgrund des Gesundheitszustandes
zurzeit nicht angezeigt seien (IV-act. 123).
Am 11. Januar 2019 wurde die Versicherte im Auftrag der IV-Stelle von Dr. med.
M._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, und Dr. med. N._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, orthopädisch und psychiatrisch begutachtet (IV-act. 129). Zudem fand
auf Zuweisung der beiden Gutachter am 22. Januar 2019 bei dipl.-psych. O._, Fach
psychologin für Neuropsychologie FSP, eine neuropsychologische Untersuchung statt
(IV-act. 129 S. 3 ff.). In ihrer neuropsychologischen Beurteilung hielt dipl.-psych. O._
fest, dass die Ergebnisse der durchgeführten Beschwerdevalidierungsverfahren hoch
auffällig gewesen seien. Die Ergebnisse hätten in mehreren Parametern unter der
Schwelle für reines Raten gelegen. Nach mathematischer Berechnung habe die
Versicherte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gezielt falsch geraten. Aus
der Zusammenschau der Testergebnisse, der unter dem Zufallsbereich liegenden
Ergebnisse in der Beschwerdevalidierung und der Verhaltensbeobachtung sei eindeutig
auf eine mangelnde Kooperation zu schliessen. Mit den in den Akten beschriebenen
Diagnosen seien die aktuell erhobenen ausgeprägten Minderleistungen nicht zu
vereinbaren. Ebenfalls seien die schwachen Ergebnisse in der neuropsychologischen
Testung nicht durch die Fremdsprachlichkeit zu erklären, da die Versicherte auch in
sprachfreien und sehr einfachen Aufgaben inkonsistente Leistungen erbracht habe.
Zudem seien die Aufgaben in die Muttersprache übersetzt worden oder hätten in dieser
vorgelegen. Auch bestehe eine deutliche Diskrepanz zum Leistungsniveau im Alltag.
A.f.
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Würde das in der Testung gezeigte dem tatsächlichen Leistungsvermögen
entsprechen, wäre eine eigenständige Lebensführung nicht möglich, sondern eine 24-
Stunden-Betreuung notwendig. Ein derart reduziertes Alltagsfunktionsniveau liege mit
Sicherheit nicht vor. So sei die Versicherte beispielsweise in der Lage gewesen, sich
ohne Begleitung zur korrekten Uhrzeit am Untersuchungsort einzufinden. Die
Ergebnisse der Beschwerdevalidierung mit Ergebnissen unter Zufallsniveau bewiesen
eine gezielte Antwortmanipulation bei zweifelsfrei angestrebtem Krankheitsgewinn.
Somit könnten aus neuropsychologischer Sicht weder die Art und das Ausmass
kognitiver Störungen valide erhoben noch Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit
beurteilt werden. Ob authentische leichtere kognitive Störungen vorhanden seien,
entziehe sich aufgrund der eingeschränkten Mitwirkung der Versicherten den
Erkenntnismöglichkeiten der Untersuchenden (IV-act. 129 S. 7 f.). Im interdisziplinären
Konsens ihres Gutachtens vom 9. Februar 2019 (zum Datum vgl. IV-act. 129 S. 1)
nannten Dr. M._ und Dr. N._ folgende Diagnosen: ein myofasziales
Schmerzsyndrom bei muskulärer Dysbalance, ein lumbo- und cervicospondylogenes
Syndrom bei degenerativen Veränderungen ossärer und diskogener Art, eine
Gonarthrose beidseits, linksbetont, eine MTP I Arthrose beidseits, eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode, eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung, Probleme in der Beziehung zum Ehepartner sowie akzentuierte
Persönlichkeitszüge mit ängstlich-abhängigen und vermeidenden Anteilen (IV-act. 129
S. 14). Sodann kamen die Gutachter zum Schluss, dass in der zuletzt ausgeübten
Tätigkeit als Produktionsmitarbeiterin aus bidiszplinärer Sicht eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit bestehe. In einer optimal leidensangepassten Tätigkeit sei aus
orthopädischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 90 % gegeben (ganztägig mit
vermehrten, betriebsunüblichen Pausen; vgl. IV-act. 129 S. 15). Im orthopädischen
Teilgutachten wurde präzisiert, dass eine leidensangepasste Tätigkeit eine
wechselbelastende, körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit sei, die kein Heben
und Tragen von Lasten über 10 kg, keine Zwangspositionen der Wirbelsäule und keine
vermehrten In-/Reklinations- und Rotationsbewegungen, kein Absolvieren längerer
Gehstrecken und kein Überwinden von Höhendifferenzen (z.B. Besteigen von Treppen,
Leitern oder Gerüsten) erfordere (IV-act. 129 S. 28). Weiter hielten die Gutachter im
interdisziplinären Konsens fest, dass aus psychiatrischer Sicht die Arbeitsfähigkeit
infolge der leichten depressiven Störung und der Schmerzverarbeitungsstörung zu 20
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B.
% eingeschränkt sei. Die Einschränkungen aus psychiatrischer und orthopädischer
Sicht ergänzten sich und kumulierten sich nicht, da die gleichen Pausen zur seelischen
und körperlichen Erholung eingesetzt werden könnten. Aus bidisziplinärer Sicht sei für
eine dem Leiden gut angepasste Tätigkeit demnach eine Arbeitsfähigkeit von 80 %
gegeben. Retrospektiv sei anzunehmen, dass aus psychischen Gründen ab Juni 2016
eine Arbeitsfähigkeit von 50 % vorgelegen habe, spätestens ab dem Zeitpunkt der
Begutachtung sei eine Arbeitsfähigkeit von 80 % zu attestieren (IV-act. 129 S. 14 f.). In
einer Stellungnahme vom 6. März 2019 bezeichnete der RAD das bidisziplinäre
Gutachten als umfassend und sorgfältig erstellt. Es setze sich mit den vorhandenen
medizinischen Berichten und dem bisherigen Eingliederungsverlauf auseinander (IV-
act. 130).
Mit Vorbescheid vom 2. April 2019 stellte die IV-Stelle der Versicherten mit
Verweis auf die gutachterliche Beurteilung die Abweisung des Rentenbegehrens bei
einem Invaliditätsgrad von 20 % in Aussicht (IV-act. 134). Mit Verfügung vom 3. Juni
2019 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab (IV-act. 138).
A.g.
Gegen diese Verfügung liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin),
vertreten durch Rechtsanwalt MLaw P. Manhart, Jona, am 2. Juli 2019 Beschwerde
erheben (act. G 1). Sie liess beantragen, die Verfügung vom 3. Juni 2019 sei
aufzuheben und ihr sei spätestens ab dem 31. Juli 2017 eine Viertelsrente
zuzusprechen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zuzüglich
Mehrwertsteuer) zu Lasten der IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin; act. G 1
S. 2). In formeller Hinsicht liess die Beschwerdeführerin ein Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege und unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das Beschwerdeverfahren
stellen (act. G 4, 4.1 und 1 S. 2). Zusammen mit ihrer Beschwerde liess sie ein
ärztliches Attest von Dr. C._ vom 19. Juni 2019 einreichen, in welchem diese im
Wesentlichen ausgeführt hatte, dass die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen
Verfügung eine komplexe Einschränkung der Arbeitsfähigkeit angegeben und mehrere
Empfehlungen für einen zukünftigen Arbeitsplatz abgegeben habe. Ein Arbeitsplatz, der
allen diesen Anforderungen entspreche, sei für eine ungelernte Hilfsarbeiterin nicht
B.a.
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vorhanden. Auch die Haushaltstätigkeiten seien mit diesem Adaptionsprofil
eingeschränkt (act. G 1.8).
In ihrer Beschwerdeantwort vom 18. Oktober 2019 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 7).
B.b.
Am 23. Oktober 2019 entsprach das Versicherungsgericht dem Gesuch um
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das Beschwerdeverfahren
(act. G 8).
B.c.
In ihrer Replik vom 22. November 2019 liess die Beschwerdeführerin neu
beantragen, die Verfügung vom 3. Juni 2019 sei aufzuheben und ihr sei spätestens ab
dem 31. Juli 2017 eine ganze, mindestens aber eine Viertelsrente zuzusprechen.
Eventualiter sei die angefochtene Verfügung an die Beschwerdegegnerin zur erneuten
Überprüfung "respektive Wiedererwägung zurückzuweisen". Subeventualiter sei ein
polydisziplinäres Obergutachten zu ihrer Arbeitsfähigkeit einzuholen; alles unter
Kosten- und Entschädigungsfolge (zuzüglich Mehrwertsteuer) zu Lasten der
Beschwerdegegnerin (act. G 10). Mit der Replik liess die Beschwerdeführerin überdies
einen Bericht des Zentrums J._ vom 16. September 2019 einreichen, in welchem
Ärzte aus unterschiedlichen Fachdisziplinen (Orthopädie, Chirurgie, Anästhesiologie,
Neurologie und Psychiatrie) nach einer Untersuchung der Beschwerdeführerin zum
Schluss gekommen waren, dass diese aufgrund der chronischen Schmerzen sowie der
depressiven Störung und der posttraumatischen Belastungsstörung sowohl in der
angestammten als auch in angepassten Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig sei (act. G
10.1).
B.d.
In ihrer Duplik vom 12. Dezember 2019 hielt die Beschwerdegegnerin an ihren in
der Beschwerdeantwort gemachten Ausführungen und somit sinngemäss auch an dem
darin gestellten Antrag fest (act. G 12).
B.e.
Mit Schreiben vom 23. September 2020 reichte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin seine Kostennote in der Höhe von Fr. 5'958.85 (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) ein, wobei er darauf hinwies, dass er für
Kleinaufwände wie Terminabsprachen keine Kosten verrechnet habe und das Honorar
B.f.
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Erwägungen
1.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine
Invalidenrente.
2.
noch entsprechend zu kürzen wäre, falls die Entschädigung für unentgeltliche Mandate
tiefer sein sollte (act. G 14).
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit wird in Art. 7 Abs. 1 ATSG als der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen
Arbeitsmarkt definiert. Die Invalidität ist grundsätzlich durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen kann, in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Art. 16 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50 % besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.1.
Um den Arbeitsfähigkeitsgrad bestimmen zu können, ist die Verwaltung - und im
Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
2.2.
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3.
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Für das gesamte Verwaltungs-
und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art.
61 lit. c ATSG). Danach haben die urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne
Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen
und alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen
und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts
eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis). Im
Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht
etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (BGE 126 V 360 E. 5b mit Hinweisen).
Zunächst ist zu prüfen, ob die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin gestützt auf
die vorliegende medizinische Aktenlage mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
festgestellt werden kann.
3.1.
Die Beschwerdegegnerin stützt sich für die Ablehnung des Rentenanspruchs in
erster Linie auf das von ihr eingeholte orthopädisch-psychiatrische Gutachten
(vgl. act. G 7), welches der Beschwerdeführerin in adaptierten Tätigkeiten ab dem
Zeitpunkt der Begutachtung eine Arbeitsfähigkeit von 80 % attestiert (vgl. IV-act. 129).
Demgegenüber ist die Beschwerdeführerin der Ansicht, dass eine 80%ige
Arbeitsfähigkeit aufgrund der im Gutachten anerkannten psychischen Einschränkungen
und körperlichen Beeinträchtigungen nicht nachvollziehbar sei. Trotz ihrer
unermüdlichen Teilnahme an Therapien habe keine Besserung des
Gesundheitszustandes erwirkt werden können, worin sich bereits zeige, dass sie an
einer gravierenden Gesundheitsschädigung leide (vgl. act. G 1 S. 4 f.). Sodann beruft
sich die Beschwerdeführerin auf eine von ihr in Auftrag gegebene interdisziplinäre
Untersuchung im medizinischen Zentrum J._ (vgl. act. G 10 S. 3). Im entsprechenden
Untersuchungsbericht vom 16. September 2019 ist ihr sowohl in der angestammten als
3.2.
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auch in einer adaptierten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden
(vgl. act. G 10.1). Die Beschwerdeführerin macht sodann geltend, med. pract. P._,
Fachärztin für Psychotherapie und Psychiatrie, medizinisches Zentrum J._, sei im
Gegensatz zu Dr. N._ von einer posttraumatischen Belastungsstörung ausgegangen.
Folglich erweise sich die psychologische Beurteilung des von der Beschwerdegegnerin
eingeholten Gutachtens als lückenhaft, weshalb ihm kein voller Beweiswert zuerkannt
werden könne (act. G 10 S. 4).
Dr. M._ und Dr. N._ haben ihre Einschätzung unter Berücksichtigung der
Vorakten sowie der seitens der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden
abgegeben. Weiter bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv wesentliche
Tatsachen im Gutachten nicht berücksichtigt worden wären. Auch haben die Gutachter
in ihrer Beurteilung auf die von der Rechtsprechung entwickelten einschlägigen
Standardindikatoren Bezug genommen. Sodann haben die Gutachter die von ihnen
gestellten Diagnosen sowie die daraus resultierenden Einschränkungen der
Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar dargelegt, wie nachfolgend genauer aufgezeigt wird
(zum Ganzen vgl. IV-act. 129).
3.3.
Dr. M._ hat aus orthopädischer Sicht seit den RAD-Beurteilungen vom 24.
Februar bzw. 6. September 2016 (vgl. IV-act. 58 und 71), die der letzten
Rentenablehnung vorausgegangen waren (vgl. IV-act. 72), keine relevante Veränderung
des Gesundheitszustandes ausmachen können (vgl. IV-act. 129 S. 29), was aufgrund
der Aktenlage gut nachvollziehbar ist. Auf die Neuanmeldung der Beschwerdeführerin
im Juli 2017 ist vorwiegend aufgrund neu geltend gemachter psychischer
Beschwerden (vgl. IV-act. 74 i.V.m. 79) eingetreten worden (vgl. IV-act. 89 und 95). Der
RAD hat schon in seinen Stellungnahmen vom 4. September 2017 (IV-act. 89) und vom
16. November 2017 (IV-act. 95) festgehalten, dass aus somatischer Sicht keine
Änderung erkennbar sei. Auch Dr. C._ hat in dem bei der Beschwerdegegnerin kurz
vor der Neuanmeldung eingegangen Bericht vom 3. Juli 2017 keine wesentlich neuen
somatischen Befunde dargelegt, sondern zur Hauptsache auf eine subjektiv verstärkte
Schmerzempfindung der Beschwerdeführerin sowie psychische Probleme hingewiesen
(vgl. IV-act. 79). Aus einer verstärkten Schmerzwahrnehmung allein lässt sich keine
Verschlechterung des somatischen Gesundheitszustandes ableiten. Dies gilt umso
mehr, als Dr. M._ in seinem Fachgutachten festgehalten hat, dass er die geklagten
Beschwerden aus orthopädischer Sicht nur zum Teil nachvollziehen könne. Die
Beschwerdeführerin messe ihren Beschwerden einen recht hohen Stellenwert bei und
ziehe recht absolute Schlussfolgerungen bezüglich ihrer Leistungsfähigkeit. Die Art der
Beschreibung der Schmerzen, die therapeutische Unbeeinflussbarkeit, der positive
3.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/22
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Achsenstossschmerz, die Ergebnisse bei der Vigorimeter-Prüfung bei fehlender
Atrophie der Muskulatur im Bereich der oberen Extremitäten sowie die positiven
Kontrollpunkte im Rahmen der Fibromyalgieprüfung liessen darauf schliessen, dass
seitens der Beschwerdeführerin eine Verdeutlichungstendenz vorliege (vgl. IV-act. 129
S. 27). Auch aus der weiteren Aktenlage zwischen der Neuanmeldung und der
Begutachtung ergibt sich, soweit ersichtlich, keine wesentliche Verschlechterung des
somatischen Gesundheitszustandes. Aus diesem Grund und wegen der im
orthopädischen Gutachten festgehaltenen objektivierbaren Befunde unter
Berücksichtigung der festgestellten Verdeutlichungstendenz sind sowohl das
orthopädische Zumutbarkeitsprofil als auch die attestierte Arbeitsfähigkeit von 90 %
(ganztägig mit vermehrten Pausen) in leidensangepassten Tätigkeiten schlüssig.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin kann auch nicht allein aufgrund der in
Anspruch genommenen Therapien auf die Schwere der Gesundheitsschäden
geschlossen werden, zumal gerade diffuse Beschwerden, die gemäss Dr. M._ in
einer nicht nachvollziehbaren Weise eine Steigerung des Arbeitspensums während des
Einsatzprogramms bei der D._ verunmöglichten, nur schwer therapierbar sein dürften
(IV-act. 129 S. 28, oben). Dr. M._ hat infolge aus seiner Sicht fehlender relevanter
pathomorphologischer Befunde auch keine interventionellen oder gar operativen
Massnahmen vorschlagen können (IV-act. 129 S. 28).
Dr. N._ hat die von ihr gestellten Diagnosen ausführlich begründet (vgl. IV-
act. 129 S. 34 ff.) und die sich daraus ergebenden Einschränkungen eingehend
dargelegt (vgl. IV-act. 129 S. 37). In Übereinstimmung mit den vorbehandelnden Ärzten
hat sie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung sowie eine rezidivierende
depressive Störung diagnostiziert (IV-act. 129 S. 36). Ebenfalls übereinstimmend mit
den Einschätzungen der Ärzte des Psychiatriezentrums H._, die eine Arbeitsfähigkeit
von ca. 50 % für möglich gehalten haben (vgl. IV-act. 92 und 103), hat sie der
Beschwerdeführerin seit Juni 2016 aufgrund einer mittelgradigen depressiven Störung
sowie der Schmerzverarbeitungsstörung eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert.
Spätestens ab dem Begutachtungszeitpunkt ist sie jedoch von einer verbesserten
depressiven Symptomatik und nur noch von einer Arbeitsunfähigkeit von 20 %
ausgegangen (vgl. IV-act. 129 S. 38 f.). Da es sich bei der Verbesserung um einen
schleichenden Prozess gehandelt haben dürfte, mithin der Verbesserungsprozess
schon vor dem psychiatrischen Begutachtungstermin vom 11. Januar 2019 eingesetzt
haben dürfte (Dr. N._ spricht denn auch davon, dass die Arbeitsfähigkeit spätestens
seit der Begutachtung 80 % betrage; vgl. IV-act. 129 S. 39), rechtfertigt es sich, bis
Dezember 2018 von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit und ab Januar 2019 von einer
80%igen Arbeitsfähigkeit aus psychischen Gründen auszugehen. Warum Dr. N._ die
3.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/22
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seitens der Behandler des medizinischen Zentrums J._ im Bericht vom 18. Juni 2018
gestellte Diagnose einer seit 2012 bestehenden posttraumatischen Belastungsstörung
(vgl. IV-act. 116 S. 6) als nicht zutreffend erachtet, hat sie schlüssig dargelegt. Die
Beschwerdeführerin habe zwar von Traumatisierungen während der Ehe und
wiederauflebenden Erinnerungen berichtet. Sie weise jedoch die Kernsymptome einer
posttraumatischen Belastungsstörung nicht eindeutig auf. Insbesondere hätten keine
vegetativen Symptome, keine Steigerung der Erregung, keine dissoziativen Symptome
und keine schreckhaften Reaktionen beobachtet werden können, als die
Beschwerdeführerin von den traumatisierenden Ereignissen berichtet habe. Auch die
im Bericht des medizinischen Zentrums J._ vom 18. Juni 2018 erwähnte
Desorientierung habe anlässlich der gutachterlichen Untersuchung nicht festgestellt
werden können. Die Beschwerdeführerin sei zu allen Qualitäten immer vollständig
orientiert gewesen und habe auch selbständig zu den Räumlichkeiten für die
Begutachtung gefunden. Zu Recht hat Dr. N._ auch darauf hingewiesen, dass die
vorbehandelnden Fachärzte, auch diejenigen, welche die Beschwerdeführerin stationär
behandelt haben, die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht
gestellt hätten (IV-act. 129 S. 35). Folglich ist es auch verständlich, dass Dr. N._ die
seitens der Behandler des medizinischen Zentrums J._ attestierte 100%ige
Arbeitsunfähigkeit als nicht nachvollziehbar erachtet hat (vgl. act, G 129 S. 38 f.), zumal
diese Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auch diskrepant zu den Einschätzungen des
Psychiatriezentrums H._ ist (vgl. IV-act. 92 und 103). Schliesslich ist zu
berücksichtigen, dass sich in der im Rahmen der Begutachtung durchgeführten
neuropsychologischen Abklärung massive Verhaltensauffälligkeiten gezeigt haben. Die
Ergebnisse der Beschwerdevalidierung haben gemäss der neuropsychologischen
Gutachterin auf eine gezielte Antwortmanipulation bei zweifelsfrei angestrebtem
Krankheitsgewinn hingewiesen (vgl. IV-act. 129 S. 7 f.). Passend dazu ist in der im
Rahmen der Begutachtung erfolgten Laboruntersuchung ein deutlich herabgesetzter
Serumspiegel der verordneten Antidepressiva festgestellt worden (vgl. IV-act. 129
S. 38). Wie bereits erwähnt, hat auch Dr. M._ Verdeutlichungstendenzen festgestellt
(vgl. E. 3.4). Folglich lässt sich die im Vergleich zum medizinischen Zentrum J._
gutachterlich tiefer attestierte Arbeitsunfähigkeit gut nachvollziehen.
Was den seitens der Beschwerdeführerin im Beschwerdeverfahren eingereichten
Bericht des medizinischen Zentrums J._ vom 16. September 2019 betrifft (vgl. act. G
10.1), ist zunächst festzuhalten, dass dieser keine retrospektive Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit beinhaltet. Insofern ist es grundsätzlich fraglich, inwiefern die im
Bericht enthaltenen ärztlichen Feststellungen überhaupt Rückschlüsse auf den
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin, wie er vor Erlass der angefochtenen
3.6.
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Verfügung bestanden hat, erlauben. Sodann ist bei widersprechenden Berichten
behandelnder Ärzte die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der
therapeutisch tätigen Ärzte einerseits und Begutachtungsauftrag der amtlich bestellten
fachmedizinischen Experten anderseits zu beachten (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG] vom 6. April 2006, I 803/05, E. 5.5, und vom 18. April
2006, I 783/05, E. 2.2; Urteil des Bundesgerichts vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008, E.
2.3.2 mit Hinweisen). Es ist deshalb nicht zulässig, ein medizinisches Administrativ-
oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen
zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte später zu anderslautenden Einschätzungen
gelangen oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten.
Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil
die behandelnden Ärzte wichtige - und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation
entspringende - Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder
ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundegerichts vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008,
E. 2.3.2 mit weiterem Hinweis). Auch wenn die von der Beschwerdeführerin in Auftrag
gegebene Untersuchung nicht nur von Ärzten bzw. Therapeuten durchgeführt worden
ist, welche sie bisher behandelt haben, handelt es sich gleichwohl um eine
Untersuchung des medizinischen Zentrums J._, in welchem die Beschwerdeführerin
behandelt worden ist bzw. noch behandelt wird (vgl. act. G 10.1). Sodann hat Dr. phil
Q._, klinischer Psychologe, medizinisches Zentrum J._, bereits den Bericht vom
18. Juni 2018 unterzeichnet (IV-act. 116 S. 9), mithin dürfte es sich bei ihm um einen
behandelnden Psychologen handeln. Wenn bei behandelnden Ärzten gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu beachten ist, dass diese aufgrund ihres
auftragsrechtlichen Verhältnisses eher geneigt sein können, zu Gunsten ihrer Patienten
auszusagen (vgl. Urteil des Bundegerichts vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008, E. 2.3.2 mit
Hinweis auf BGE 125 V 353 E. 3b/cc), dürfte dies für die am Bericht vom 16.
September 2019 mitwirkenden Ärzte und Therapeuten umso mehr gelten, als die
Beurteilung auf Initiative der Beschwerdeführerin erstellt worden ist (vgl. act. G 10.1
S. 1). Aus der psychiatrischen Beurteilung von med. pract. P._ entsteht denn auch
der Eindruck, dass sie ihre Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im Wesentlichen auf die
subjektiven Angaben und Empfindungen der Beschwerdeführerin gestützt hat
(vgl. act. G 10.1 S. 9). Jedenfalls sind (abgesehen vom Ausfüllen eines Rasters, im
Wesentlichen beruhend auf den Eindrücken der Behandler; vgl. act. G 10.1 S. 10) im
Rahmen der Untersuchung durch das medizinische Zentrum J._ im Gegensatz zur
gutachterlichen Untersuchung auch keine gezielten Testverfahren zur objektiven
Überprüfung allfälliger Verdeutlichungstendenzen (wie namentlich die Bestimmung der
Medikamentenspiegel oder die neuropsychologischen Validierungstests) durchgeführt
worden. Wie die Beschwerdegegnerin zutreffend festgehalten hat (vgl. act. G 12), ist
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auch nicht ersichtlich, inwiefern sich aus dem im Beschwerdeverfahren eingereichten
Bericht im Rahmen der Begutachtung unerkannte oder ungewürdigte Aspekte ergeben,
zumal im Bericht keine unbekannten Diagnosen genannt werden (vgl. act. G 10.1 S. 1).
Soweit die Beschwerdeführerin neuerdings an neurologischen Problemen leiden sollte
bzw. neue, im Zeitpunkt des Verfügungserlasses der Beschwerdegegnerin nicht
bekannte objektivierbare neurologische Befunde vorliegen sollten, was dem Bericht
des medizinischen Zentrums J._ vom 16. September 2019 nicht ausreichend klar
entnommen werden kann (vgl. act. G 10.1), steht es ihr selbstverständlich offen, sich
erneut bei der Beschwerdegegnerin anzumelden. Mit der abweichenden
psychiatrischen Einschätzung des medizinischen Zentrums J._ hat sich Dr. N._ in
ihrem Gutachten überdies bereits eingehend auseinandergesetzt (vgl. E. 3.5). Der
eingereichte Bericht des medizinischen Zentrums J._ vom 16. September 2019
vermag den Beweiswert des Gutachtens von Dr. M._ und Dr. N._ somit nicht zu
entkräften.
Zusammenfassend ist gestützt auf das von der Beschwerdegegnerin eingeholte
Gutachten demnach anzunehmen, dass bei der Beschwerdeführerin zwischen Juni
2016 und Dezember 2018 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bestanden hat und ab Januar
2019 eine 80%ige Arbeitsfähigkeit besteht (vgl. IV-act. 129 S. 16).
3.7.
Soweit die Beschwerdeführerin durch den eingereichten Bericht von Dr. C._ vom
19. Juni 2019 (vgl. act. G 1.8) geltend machen will, dass die ihr verbliebene
Arbeitsfähigkeit praktisch nicht verwertbar sei, ist darauf hinzuweisen, dass es für die
Invaliditätsbemessung nicht massgeblich ist, ob eine invalide Person unter den
konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig, ob sie die
ihr verbliebene Arbeitskraft wirtschaftlich nutzen könnte, wenn ein Gleichgewicht von
Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften bestünde (ausgeglichener Arbeitsmarkt,
Art. 16 ATSG). An der Massgeblichkeit des theoretisch ausgeglichenen Arbeitsmarktes
vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass es für die versicherte Person im
Einzelfall schwierig oder gar unmöglich ist, im tatsächlichen Arbeitsmarkt eine
entsprechende Stelle zu finden. Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch
sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen mit
einem sozialen Entgegenkommen seitens des Arbeitgebers gerechnet werden kann.
Eine Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ist hingegen in denjenigen Fällen
anzunehmen, in denen die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich
ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter
nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich
wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als
3.8.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/22
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4.
ausgeschlossen erscheint (Urteil des Bundesgerichts vom 28. November 2014,
9C_485/2014, E. 2 und 3.3.1 mit Hinweisen). Unter Berücksichtigung dieser
Arbeitsmarktdefinition ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin auch mit
ihren gesundheitlichen Einschränkungen noch Betätigungsmöglichkeiten offenstehen.
Zu denken ist beispielsweise an leichte Kontroll- oder Überwachungstätigkeiten mit der
Möglichkeit zeitweise zu sitzen, zu stehen und zu gehen. Im Übrigen haben die
Behandler des Psychiatriezentrums H._ in ihrem Bericht vom 18. September 2017
eine leichte Tätigkeit als Küchenaushilfe für möglich gehalten (vgl. IV-act. 92). Sofern
eine solche wechselbelastend ausgeübt werden kann, was durchaus denkbar ist (z.B.
Rüsten oder Abwaschen im Sitzen, leichte Sachen wegräumen im Stehen und Gehen),
könnte sie dem gutachterlichen Adaptionsprofil entsprechen, zumal nicht davon
auszugehen ist, dass eine Tätigkeit in der Küche ein Besteigen von Treppen, Leitern
oder Gerüsten beinhaltet und auch Tätigkeiten in der Küche denkbar sind, die keine
stereotypen Rotations- oder Inklinationsbewegungen erfordern.
Ausgehend von der gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung bleiben die
erwerblichen Auswirkungen der Leistungsbeeinträchtigung zu prüfen. Dabei ist der
Invaliditätsgrad anhand eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (vgl. E. 2). Für den
Einkommensvergleich sind grundsätzlich die Verhältnisse im Zeitpunkt des Beginns
des Rentenanspruchs entscheidend (vgl. BGE 129 V 222). Die Neuanmeldung der
Beschwerdeführerin bei der Beschwerdegegnerin ist am 18. Juli 2017 erfolgt (IV-
act. 74). Der früheste Beginn eines allfälligen Rentenanspruchs im Sinne von Art. 29
Abs. 1 und 3 IVG wäre somit der 1. Januar 2018. Das Wartejahr nach Art. 28 Abs. 1 IVG
ist zu diesem Zeitpunkt bereits verstrichen gewesen, da die teilweise Arbeitsunfähigkeit
der Beschwerdeführerin gemäss dem bidisziplinären Gutachten bereits ab Juni 2016
ausgewiesen ist (vgl. E. 3.7). Von ihren behandelnden Ärzten ist die
Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit denn teilweise auch bereits ab
März 2015 krankgeschrieben worden (vgl. IV-act. 16). Für den Einkommensvergleich
massgebend ist somit das Jahr 2018.
4.1.
Für das Valideneinkommen ist entscheidend, was die versicherte Person aufgrund
ihrer beruflichen und persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit im massgebenden Zeitpunkt des allfälligen
Rentenbeginns verdient hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG;
BGE 135 V 59 E. 3.1 und 139 V 30 E. 3.3.2, je mit Hinweisen). Wie die
Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort selber eingeräumt hat, hat die
Beschwerdeführerin das in der angefochtenen Verfügung angeführte
4.2.
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Valideneinkommen zu Recht als zu tief bemängelt (vgl. act. G 7 S. 5). Gemäss dem
Auszug aus dem individuellen Konto der Beschwerdeführerin bei der
Sozialversicherungsanstalt (SVA) des Kantons St. Gallen hat sie im Jahr 2014, dem
Jahr, in dem sie noch voll gearbeitet hat, ein Einkommen von Fr. 60'833.-- verdient
(vgl. IV-act. 84 S. 1). Angepasst an die Nominallohnentwicklung für Frauen bis zum
Jahr 2018 ergibt sich somit ein Valideneinkommen von gerundet Fr. 62'176.--
(Fr. 60'833.-- / 2673 x 2732; vgl. Tabelle T 39, Entwicklung der Nominallöhne, der
Konsumentenpreise und der Reallöhne, 2010-2018, des Bundesamtes für Statistik).
Für das Invalideneinkommen hat die Beschwerdegegnerin zu Recht auf die Werte
der Tabelle TA 1 der schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes
für Statistik abgestellt (IV-act. 138; vgl. ferner act. G 7 S. 5). Da die Beschwerdeführerin
in der Schweiz, soweit ersichtlich, über keine abgeschlossene oder anerkannte
Ausbildung verfügt, ist auf den Zentralwert der im Kompetenzniveau 1 beschäftigten
Frauen abzustellen. Dieser beträgt für das Jahr 2017 unter Berücksichtigung einer
betriebsüblichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden Fr. 54'783.-- (vgl. Anhang 2 der
Gesetzesausgabe "Invalidenversicherung/Allgemeiner Teil des
Sozialversicherungsrechts" der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2019; vgl. ferner
act. G 7 S. 5). Angepasst an die Nominallohnentwicklung für Frauen bis in das Jahr
2018 ergibt sich somit bei einem Pensum von 100 % als Basis für das
Invalideneinkommen der Betrag von gerundet Fr. 55'045.-- (Fr. 54'783.-- / 2719 x 2732;
vgl. Tabelle T 39, Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der
Reallöhne, 2010-2018, des Bundesamtes für Statistik).
4.3.
Aufgrund der bestehenden somatischen Beeinträchtigungen, die zu qualitativen
Einschränkungen im Leistungsprofil führen, gepaart mit den psychischen Problemen
bedarf die Beschwerdeführerin einer erhöhten Rücksichtnahme in einem Betrieb. Auch
ist sie nicht gleich flexibel einsetzbar wie andere Arbeitnehmende. Beispielsweise wird
es ihr kaum möglich sein, kurzfristig Überstunden zu leisten oder an einem anderen
Arbeitsplatz eingesetzt zu werden. Folglich ist anzunehmen, dass die
Beschwerdeführerin die ihr verbliebene Restarbeitsfähigkeit nur mit
unterdurchschnittlichem Erfolg verwerten können wird. Daher ist ein Tabellenlohnabzug
von 10 % angezeigt. Ein über 10 % hinausgehender Tabellenlohnabzug, wie ihn die
Beschwerdeführerin verlangt, ist jedoch nicht angemessen. Unter Berücksichtigung
des 10%igen Tabellenlohnabzugs resultiert ein Invalideneinkommen von gerundet
Fr. 49'541.-- (Fr. 55'045.-- minus Fr. 5'504.50). Bei einer Arbeitsunfähigkeit von 50 %,
wie sie die Gutachter der Beschwerdeführerin bis Dezember 2018 attestiert haben
(vgl. E. 3.7), resultiert ein Invalideneinkommen von gerundet Fr. 24'771.--
4.4.
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5.
(Fr. 49'541.-- / 100 x 50). Bei einer Arbeitsfähigkeit von 80 %, wie sie ab Januar 2019
anzunehmen ist, ergibt sich ein Invalideneinkommen von gerundet Fr. 39'633.--
(Fr. 49'541.-- / 100 x 80).
Bei einem Valideneinkommen von Fr. 62'176.-- und einem Invalideneinkommen
von Fr. 24'771.-- entsteht eine Erwerbseinbusse von Fr. 37'405.-- (Fr. 62'176.-- minus
Fr. 24'771.--) und ein Invaliditätsgrad von gerundet 60 % (Fr. 37'405.-- x 100 /
Fr. 62'176.--). Bei einem Valideneinkommen von Fr. 62'176.-- und einem
Invalideneinkommen von Fr. 39'633.-- ergibt sich eine Erwerbseinbusse von
Fr. 22'543.-- (Fr. 62'176.-- minus Fr. 39'633.--) und ein rentenausschliessender
Invaliditätsgrad von gerundet 36 % (22'543 x 100 / 62'176). Da im vorliegenden Fall der
frühestmögliche Beginn des Rentenanspruchs auf den Januar 2018 fällt (vgl. E. 4.1)
und bis Dezember 2018 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit anzunehmen ist (vgl. E. 3.7),
ergibt sich für den Zeitraum von Januar bis Dezember 2018 ein Anspruch auf eine
Dreiviertelrente. Ab dem 1. Januar 2019 hat die Beschwerdeführerin grundsätzlich
keinen Anspruch mehr auf eine Invalidenrente, jedoch ist die Dreiviertelsrente infolge
der Übergangsfrist von Art. 88a der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV;
SR 831.201) während dreier Monate weiterhin auszurichten. Folglich hat die
Beschwerdeführerin für den Zeitraum vom 1. Januar 2018 bis 31. März 2019 Anspruch
auf eine Dreiviertelsrente. Ab dem 1. April 2019 besteht kein Anspruch mehr auf eine
Invalidenrente.
4.5.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde teilweise gutzuheissen ist
und die Beschwerdeführerin für die Dauer vom 1. Januar 2018 bis 31. März 2019 einen
Anspruch auf eine Dreiviertelsrente hat. Die Sache ist zur Festsetzung und Ausrichtung
der geschuldeten Leistungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
im vorliegenden durchschnittlich aufwändigen Fall als angemessen. Die
Beschwerdeführerin hat gemessen am Antrag um Zusprache einer unbefristeten
ganzen Rente nur in untergeordnetem Ausmass obsiegt. Ihr sind daher
ermessensweise 2/3 der Kosten, d.h. Fr. 400.-- aufzuerlegen, jedoch ist sie zufolge
unentgeltlicher Rechtspflege von der Bezahlung zu befreien. Den Restbetrag von
Fr. 200.-- hat die Beschwerdegegnerin zu bezahlen.
5.2.
bis
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6.
Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt worden ist, ist zur
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).