Decision ID: 8b1f5145-6467-54af-858a-3f0e87af48ec
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Christine Kessi, c/o Procap Schweiz,
Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 21. April 2010 wegen einer "Blutkrankheit, nicht heilbar"
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St.
Gallen an (IV-act. 1).
A.b Der Versicherte hatte vom 1. April 2008 bis 24. Juni 2008 als Betriebsmitarbeiter
Wursterei bei der B._ AG gearbeitet. Er hatte das Arbeitsverhältnis aufgrund
gesundheitlicher Probleme gekündigt (IV-act. 24).
A.c Im Bericht der Augenklinik des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) vom 16. April
2009 wurde beim Versicherten eine rezidivierende Uveitis posterior bei HLA-B51-
negativem Morbus Behçet diagnostiziert (IV-act. 7-3). Im Bericht des Departements
Innere Medizin, Rheumatologie des KSSG vom 16. April 2010 wurde die Diagnose des
Morbus Behçet bestätigt und zudem eine Depression diagnostiziert (IV-act. 7-4). Im
Bericht der Rheumatologie des KSSG vom 15. Juni 2010 wurde zudem der Verdacht
auf eine schizotype Störung und eine somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert (IV-
act. 16). Der Hausarzt Dr. med. C._, Allgemeine Medizin / Tropenmedizin FMH,
bestätigte im Bericht vom 29. Juni 2010 die Diagnosen des KSSG. Der Versicherte
leide unter einer beidseitigen Einschränkung des Visus, unklaren Schmerzen im ganzen
Bewegungsapparat und depressiver Verstimmung. Dr. C._ attestierte dem
Versicherten eine Arbeitsunfähigkeit von 100% seit dem 15. Juli 2008 (IV-act. 17). Im
Arztbericht vom 27. Juli 2010 diagnostizierte Dr. med. D._, Psychiatrie Zentrum E._
zudem eine mittelschwere depressive Episode (ICD-10: F 32.1, IV-act. 20).
A.d Im Auftrag der IV-Stelle (IV-act. 44) wurde der Versicherte am 5. und 7. Dezember
2011 in der MEDAS Ostschweiz polydisziplinär untersucht (internistisch/psychiatrisch).
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Im Gutachten vom 14. Juni 2012 stellten die Experten folgende Diagnosen mit
Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit: mittelgradige depressive Störung mit
somatischem Syndrom (ICD-10: F 32.11); chronische Schmerzstörung mit psychischen
und körperlichen Faktoren (ICD-10: F 45.41); vordiagnostizierter Behçet ED 04/07
(ICD-10: M 35.2), HLA B51 negativ, rezidivierende retinale okklusive Vaskulitiden OS >
OD; Remicade-Pause bei stabilem Augenbefund; Visus aktuell mit Korrektur 0.6-0.7
rechts, 0.3-0.4 links, aktenanamnestisch rezidivierende Aphten genital und oral,
Therapiestand: Imurek seit 06/08, Glukokortikoide seit 06/08, Remicade 12/08 bis
11/10. Psychiatrischerseits werde von einer rund 70% eingeschränkten Arbeitsfähigkeit
sowohl in der zuletzt ausgeübten als auch in einer adaptierten Tätigkeit ausgegangen.
Somatischerseits seien infolge des ausgeprägten chronifizierten
Ganzkörperschmerzsyndroms lediglich noch leichte bis höchstens mittelschwere
Tätigkeiten zumutbar. Bei eingeschränktem Visus würden Tätigkeiten mit diesbezüglich
entsprechend hohen Anforderungen entfallen, dies aufgrund des vordiagnostizierten
Morbus Behçet. Das Ausmass dieser Arbeitsfähigkeit bestehe ab dem letzten
effektiven Arbeitstag am 24. Juni 2008 (IV-act. 46). Gemäss Stellungnahme des RAD-
Arztes Dr. med. F._, Facharzt für allgemeine Medizin FMH, könne vollumfänglich auf
das MEDAS-Gutachten abgestellt werden, es sei konsistent, nachvollziehbar und in
sich widerspruchsfrei (IV-act. 47).
A.e Mit Vorbescheid vom 9. Juli 2012 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht. Es liege weder eine psychische
Komorbidität im Sinne der Rechtsprechung vor, noch seien die Foerster-Kriterien
erfüllt. Gesamthaft werde von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen (IV-act.
51).
A.f Mit Einwand vom 7. September 2012 beantragte der Versicherte die Zusprache
einer Rente. Es sei auf das MEDAS-Gutachten abzustellen. Es bestehe eine
mehrjährige chronische körperliche Begleiterkrankung, welche eine gewisse Schwere
aufweise, und es habe ein sozialer Rückzug stattgefunden. Die Foerster-Kriterien seien
erfüllt (IV-act. 55).
A.g Mit Verfügung vom 2. Oktober 2012 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des
Versicherten ab. Zum Einwand hielt sie fest, dass ein sozialer Rückzug in allen
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Belangen des Lebens nicht gegeben sei und die mehrjährige chronische
Begleiterkrankung nicht im notwendigen Schweregrad vorliege. Der Versicherte sei nur
qualitativ und nicht quantitativ in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt, was nicht zu einer
Bejahung der Foerster-Kriterien führen könne (IV-act. 58).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegend zu beurteilende Beschwerde
vom 31. Oktober 2012. Der Beschwerdeführer beantragt unter Kosten- und
Entschädigungsfolge, die Verfügung vom 2. Oktober 2012 sei aufzuheben und ihm sei
mit Wirkung ab 1. Oktober 2010 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Er begründet
dies im Wesentlichen damit, dass gemäss MEDAS-Gutachten und RAD-Stellungnahme
eine chronische körperliche Begleiterkrankung mit mehrjährigem Krankheitsverlauf mit
unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerfristige Remission bestehe
sowie ein deutlicher sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens gegeben sei. Es sei
folglich von einer Unüberwindbarkeit der Schmerzstörung und von einer
Arbeitsunfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von 70% auszugehen (act. G1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 22. November 2012 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie begründet dies damit, dass
kein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens stattgefunden habe, da der
Beschwerdeführer nach wie vor eine Ehe führe und sich regelmässig mit Kollegen treffe
und mit diesen telefoniere. Die die Arbeitsfähigkeit einzig qualitativ einschränkende
körperliche Begleiterkrankung weise nicht ein erhebliches Ausmass auf und könne
nicht als relevantes Zusatzkriterium berücksichtigt werden (act. G 5).
B.c Am 26. November 2012 wurde dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege (Befreiung von Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) entsprochen (act. G 6).
B.d Mit Replik vom 29. Januar 2013 hält der Beschwerdeführer vollumfänglich am
Rechtsbegehren gemäss Beschwerdeschrift fest (act. G 10). Die Beschwerdegegnerin
verzichtete auf die Einreichung einer Duplik

Erwägungen:
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1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
des Beschwerdeführers.
1.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.
Der Beschwerdeführer stützt sich bei seinem Rentenbegehren auf das von der
Beschwerdegegnerin eingeholte polydisziplinäre MEDAS-Gutachten vom 14. Juni 2012
(IV-act. 46). Nach Auffassung des RAD kann auf das MEDAS-Gutachten
"vollumfänglich" abgestellt werden (Stellungnahme vom 3. Juli 2012, IV-act. 47-2).
Tatsächlich beruht es auf eigenständigen Abklärungen und ist für die streitigen Belange
umfassend. Die medizinischen Vorakten wurden verwertet und die vom
Beschwerdeführer geklagten Beschwerden berücksichtigt und gewürdigt. Es bestehen
keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht berücksichtigt
worden wären. Vor diesem Hintergrund ist ein weiterer medizinischer Abklärungsbedarf
nicht ersichtlich, zumal auch die Beschwerdegegnerin keine Mängel am Gutachten
benennt. Gestützt auf das MEDAS-Gutachten ist daher beim Beschwerdeführer
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psychiatrischerseits von einer mittelgradigen depressiven Störung mit somatischem
Syndrom (ICD-10: F 32.11) sowie einer chronischen Schmerzstörung mit psychischen
und körperlichen Faktoren (ICD-10: F 45.41) auszugehen. In somatischer Hinsicht
bestätigt das Gutachten die Diagnose eines Morbus Behçet (ICD-10: M 35.2) mit
erforderlicher Dauermedikation mit Immunsuppressiva (Imurek) sowie als
Folgeerkrankung eine erhebliche Visusminderung nach rezidivierenden retinalen
okklusiven Vaskulitiden. Gemäss Gutachten ist von einer um 70% eingeschränkten
Arbeitsfähigkeit auszugehen. Somatischerseits sind dem Beschwerdeführer infolge des
ausgeprägten chronifizierten Ganzkörperschmerzsyndroms lediglich noch leichte bis
höchstens mittelschwere Tätigkeiten zumutbar. Bei eingeschränktem Visus aufgrund
des Morbus Behçet entfallen Tätigkeiten mit diesbezüglich entsprechend hohen
Anforderungen (IV-act. 46-30).
3.
Zu beantworten ist nachfolgend die umstrittene Frage, ob der Beschwerdeführer in der
Lage ist, die Folgen der gutachterlich bescheinigten Arbeitsunfähigkeit zu überwinden.
3.1 Grundsätzlich bedarf es für die Annahme eines invalidisierenden
Gesundheitsschadens einer fachärztlichen, lege artis auf die Vorgaben eines
Klassifikationssystems abgestützten Diagnose. Im Rahmen der freien
Beweiswürdigung darf sich dabei die Verwaltung – und im Streitfall das Gericht – weder
über die den beweisrechtlichen Anforderungen genügenden medizinischen
Tatsachenfeststellungen hinwegsetzen noch sich die ärztlichen Einschätzungen und
Schlussfolgerungen zur (Rest-)Arbeitsfähigkeit unbesehen ihrer konkreten
sozialversicherungsrechtlichen Relevanz und Tragweite zu eigen machen (Urteil des
Bundesgerichts vom 30. März 2011, 9C_1041/2010, E. 5.1 mit Hinweisen).
Somatoforme Schmerzstörungen und ähnliche ätiologisch-pathogenetisch unklare
syndromale Leidenszustände vermögen rechtsprechungsgemäss in der Regel keine
lang dauernde, zu einer Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG führende
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu bewirken (BGE 136 V 281 E. 3.2). Die – nur in
Ausnahmefällen anzunehmende – Unzumutbarkeit einer willentlichen
Schmerzüberwindung und eines Wiedereinstiegs in den Arbeitsprozess setzt das
Vorliegen einer mitwirkenden, psychisch ausgewiesenen Komorbidität von erheblicher
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Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer oder aber das Vorhandensein anderer
qualifizierter, mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllter Kriterien wie chronische
körperliche Begleiterkrankungen und mehrjähriger Krankheitsverlauf bei unveränderter
oder progredienter Symptomatik ohne längerfristige Remission, ein ausgewiesener
sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens, ein verfestigter, therapeutisch nicht
mehr angehbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten psychisch aber
entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn) oder schliesslich
unbefriedigende Behandlungsergebnisse trotz konsequent durchgeführter
Behandlungsbemühungen (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und
gescheiterte Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und
Eigenanstrengung der versicherten Person voraus (BGE 130 V 354 f. E. 2.2.3). Je mehr
diese Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde
darstellen, desto eher sind die Voraussetzungen für eine zumutbare
Willensanstrengung zu verneinen (BGE 131 V 50 F. E. 1.2; vgl. zum Ganzen Urteil des
Bundesgerichts vom 14. Juli 2011, 9C_412/2011, E. 4.1).
3.2 Umstritten ist, ob eine chronische körperliche Begleiterkrankung und ein
mehrjähriger Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progredienter Symptomatik
ohne längerfristige Remission vorliegt, sowie ob ein sozialer Rückzug in allen Belangen
des Lebens ausgewiesen ist.
3.2.1 Nach der Sichtweise der Beschwerdegegnerin sind die Foerster-Kriterien
nicht erfüllt. Sie macht geltend, dass eine chronische körperliche Begleiterkrankung ein
erhebliches Ausmass aufweisen müsse, um als relevantes Zusatzkriterium
Berücksichtigung zu finden. Einzig qualitativ die Arbeitsfähigkeit einschränkende
körperliche Begleiterkrankungen vermöchten diese Kriterien nicht zu erfüllen. Solche
Einschränkungen, welche lediglich die Aufnahme bestimmter Tätigkeiten
verunmöglichten, seien nicht geeignet, eine psychische Beeinträchtigung von
erheblichem Ausmass zu begründen. Weiter hält die Beschwerdegegnerin fest, dass
ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens stattzufinden habe. Der
Beschwerdeführer führe jedoch nach wie vor eine Ehe, telefoniere und treffe sich
regelmässig mit Kollegen und scheine im Stande zu sein, Behördengänge zu verrichten
und Hilfe in finanziellen Angelegenheiten selbständig anfordern zu können. Solange
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eine Person nicht verbeiständet sei, sei das Kriterium des sozialen Rückzugs in allen
Belangen des Lebens nicht erfüllt (act. G 5, III Ziff. 4).
3.2.2 Der Beschwerdeführer stützt sich auf das MEDAS-Gutachten, welches sich
explizit mit den Foerster-Kriterien auseinandersetzt. Gemäss den Gutachtern bestehe
eine chronische körperliche Begleiterkrankung mit mehrjährigem Krankheitsverlauf mit
unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerfristige Remission. Zudem
zeige der Beschwerdeführer einen deutlichen sozialen Rückzug in allen Belangen des
Lebens, er habe sich auch schon von seiner Frau trennen wollen. Deshalb sei beim
Beschwerdeführer ausnahmsweise eine anzunehmende Unzumutbarkeit einer
willentlichen Schmerzüberwindung und eines Wiedereinstiegs in den Arbeitsprozess
vorhanden und die Diagnose somit IV-relevant (IV-act. 46-31). In der Stellungnahme
vom 3. Juli 2012 beurteilte der RAD-Arzt Dr. F._, dass vollumfänglich auf das
MEDAS-Gutachten abgestellt werden könne, es sei konsistent, nachvollziehbar und in
sich widerspruchsfrei. Die chronische körperliche Begleiterkrankung sowie die
mehrjährige Progredienz/Chronifizierung wird bejaht, wobei es sich beim Morbus
Behçet um eine arbeitsfähigkeitsrelevante schmerzbegründende Begleiterkrankung
handle. Auch der ausgeprägte soziale Rückzug wird von Dr. F._ bestätigt (IV-act.
47-2).
3.2.3 Entgegen der Ausführung der Beschwerdegegnerin, dass chronische körper
liche Begleiterkrankungen ein erhebliches Ausmass aufweisen müssten und eine einzig
qualitativ die Arbeitsfähigkeit einschränkende körperliche Begleiterkrankung dieses
Kriterium nicht zu erfüllen vermöge, heisst es in der zitierten Rechtsprechung des
Bundesgerichtes, dass chronische körperliche Begleiterkrankungen ein erhebliches
Ausmass aufweisen müssten und dass dies mit Blick auf die nur bescheidenen
organischen Befunde und den Umstand, dass körperlich leichte bis mittelschwere
Arbeiten aus somatischer Sicht vollumfänglich zumutbar seien, zumindest fraglich
erscheine (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Januar 2009, 8C_348/2008, E. 4.2). Im
Urteil des Bundesgerichts vom 25. Februar 2011 wurde eine hinreichend ausgeprägte
körperliche Begleiterkrankung verneint, da die vorliegenden Beschwerden ausdrücklich
den Nebendiagnosen "ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit" zugerechnet worden
seien (BGE 137 V 64 E. 5.2). Im Urteil des Bundesgerichts vom 27. September 2012
wurde das Vorliegen einer körperlichen Begleiterkrankung von erheblicher Schwere,
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Intensität und Ausprägung verneint, da keine Einschränkungen für angepasste
Tätigkeiten gegeben seien (9C_398/2012, E. 4.1). Im Gegensatz zu diesen
Bundesgerichtsurteilen liegt im vorliegenden Fall mit dem Morbus Behçet eine
wesentliche und chronische körperliche Begleiterkrankung vor, welche der
Hauptdiagnose mit Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit zugeordnet wird
und auch zu Einschränkungen bei angepassten Tätigkeiten führt.
3.2.4 Wie der Beschwerdeführer zu Recht vorbringt (act. G 10, S. 2), ist die
Verbeiständung kein notwendiges Kriterium für den Nachweis eines sozialen Rückzugs
in allen Belangen des Lebens. Von einer guten Beziehungssituation innerhalb der
Familie kann zudem nicht gesprochen werden, da der Beschwerdeführer angibt, seine
Ehefrau kaum mehr auszuhalten, und sich gerne von ihr trennen würde, was aber
aufgrund seiner Situation nicht in Frage komme (IV-act. 46-19). Auch dies deutet auf
einen klaren sozialen Rückzug hin. Insgesamt erscheint ein sozialer Rückzug in allen
Belangen des Lebens als ausgewiesen, denn auch die seltenen sozialen Kontakte mit
Freunden und Bekannten (sehr seltenes Telefonieren mit Kollegen sowie Besuche von
zwei befreundeten Familien alle 2-3 Wochen bzw. alle 5-6 Monate, IV-act. 46-19)
reichen nicht aus, um den sozialen Rückzug in allen Belangen des Lebens zu
verneinen.
3.2.5 Bei der Würdigung der Beurteilung der Foerster-Kriterien durch die MEDAS
Gutachter fällt zudem ins Gewicht, dass der RAD in der Stellungnahme vom 3. Juli
2012 keine Zweifel an diesem Gutachten hegte und vollumfänglich darauf abstellte (IV-
act. 47-2; vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. April 2013, 8C_651/2012, E. 5.2).
Insgesamt ist nicht nur in medizinischer, sondern auch in rechtlicher Hinsicht vom
Vorliegen einer ausnahmsweise anzunehmenden Unzumutbarkeit einer willentlichen
Schmerzüberwindung und eines Wiedereinstiegs in den Arbeitsprozess beim
Beschwerdeführer auszugehen.
4.
4.1 Die Beschwerdegegnerin macht weiter geltend, dass die psychische Problematik
sowie die chronische Schmerzstörung einzig auf psychosoziale Faktoren zurückzu
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führen seien, welche im Hinblick auf eine invalidisierende Wirkung ausgeklammert
werden müssten (act. G 5, III Ziff. 5).
4.2 Zwar sind psychosoziale Faktoren (soziokulturelle Entwurzelung, fehlende Familie,
fehlende Sprachkenntnisse und prekäre finanzielle Situation, vgl. IV-act. 46-21)
vorhanden, hingegen schliesst dies für sich allein einen invalidisierenden Befund nicht
aus. Gemäss Rechtsprechung trifft dies nur dann zu, wenn die festgestellte psychische
Krankheit ihre hinreichende Erklärung in psychosozialen und soziokulturellen
Umständen findet und gleichsam in ihnen aufgeht (Urteil des Bundesgerichts vom 30.
März 2011, 9C_1041/2010, E. 5.2 mit Hinweisen). Dies ist vorliegend indessen nicht der
Fall. Der Beschwerdeführer war Opfer von traumatischen Erlebnissen im G._ und
H._ wo er lange Zeit in einem Asylcamp lebte, unter physischer Gewalt und vor allem
unter psychischer Belastung litt (vgl. IV-act. 46-20). Diese sehr schwierige
Lebensgeschichte stellt keinen veränderbaren psychosozialen Faktor dar. Zudem wird
die psychische Störung auch durch die Folgen des Morbus Behçet erklärt (IV-act. 20-2
und 46-20). Im Zusammenhang mit dieser Erkrankung besteht insbesondere die Angst
des Beschwerdeführers vor dem Verlust des Augenlichts (vgl. IV-act. 46-21).
5.
Zusammenfassend sind vorliegend die Foerster-Kriterien der chronischen, körperlichen
Begleiterkrankung mit mehrjährigem Krankheitsverlauf bei unveränderter oder
progredienter Symptomatik ohne längerfristige Remission sowie ein ausgewiesener
sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens gegeben. Deshalb ist bei einer
Arbeitsunfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von 70% von einer ausnahmsweisen
Unzumutbarkeit einer willentlichen Schmerzüberwindung und eines Wiedereinstiegs in
den Arbeitsprozess auszugehen. Unter Berücksichtigung der sechsmonatigen Frist seit
der im April 2010 erfolgten Anmeldung gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG hat der
Beschwerdeführer ab 1. Oktober 2010 Anspruch auf eine ganze Rente. Gemäss
MEDAS-Gutachten besteht die Arbeitsunfähigkeit seit dem 24. Juni 2008 (vgl. IV-act.
46-30), womit auch die Voraussetzung des Wartejahres gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG
erfüllt ist.
6.
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6.1 Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 2. Oktober 2012
aufzuheben und dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Oktober 2010 eine ganze
Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung der Rentenhöhe ist die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend sind sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
6.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Steitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier zu
beurteilenden Fall erscheint eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Die Festlegung einer
Entschädigung aus unentgeltlicher Rechtsverbeiständung erübrigt sich bei diesem
Prozessausgang.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP