Decision ID: 2cc6be77-76f7-494c-8fe1-4a6d7badd92b
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1955 geborene
X._
, seit
1989
teilzeitlich
respektive seit 2007 vollzeitlich
als selbständige
Coiffeuse
und
Nailistin
tätig
(Urk. 7/
78/50
)
, mel
dete sich am
21
. Mai 2012 unter Hinweis auf
eine
rheumatoide Arthritis
res
pektive Polyarthritis
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/
8
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog unter anderem die Akten des Krankentaggeldversicherers (Urk. 7/29) bei und klärte die erwerblichen und medizinischen Verhältnisse ab. Mit Verfügungen vom 1
6
.
August,
24. August
und
11.
Oktober
2012 (Urk. 7/17-18
und Urk. 7/23
) erteilte die IV-Stelle im Rahmen von
Frühinterventions
massnah
men
Kostengutsprache für
zwei
ergonomische Schere
n
,
eine
Fönbürste sowi
e
für eine Arbeitsplatzabklärung
durch die Physiotherapeutin
Y._
.
Die Arbeits
platzbegleitung
fand
am 26. September 2012
statt
(Urk. 7/20)
und
wurde
mit Mitteilung vom 11. Oktober 2012
(Urk. 7/22) abgeschlossen
.
Am
1. Oktober 2013 führte
die
IV-Stelle
eine Abklärung für
Selbständigerwer
bende
in der Wohnung der
Versicherten
, in welcher sich auch deren
Coif
feurgeschäft
bef
and
, durch (Urk. 7/47).
Mit Vorbescheid vom 22. November 2013 (Urk. 7/50) stellte die IV-Stelle der
Versicherten
unter Hinweis auf einen Invaliditätsgrad von 54 %
die Aus
richtung einer halb
en Rente in Aussicht
, wogegen die
Versicherte
am 26. November 2013 Einwand
(Urk. 7/5
5
und Urk. 7/63 S. 1)
erhob
. Nach Ein
gang des Berichts
von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Rheumatolo
gie, Innere Medizin, Physikalische Medizin und Rehabilitation und Chefarzt an der
RehaClini
c
A._
,
vom 17. Dezember 2013 (Urk. 7/54)
sowie
der Jahresrechnung
für das
Coiffeur- und
Nailstudio
der
Versicherten
f
ür das
Geschäftsjahr
2013 (Urk. 7/61)
erliess die IV-
Stelle am 2. Juli 2014 einen neuen Vorbescheid (Urk. 7/65), in welchem sie bei einem Invaliditätsgrad von
48
% eine
Viertelsrente
in Aussicht stellte.
Dagegen erhob die
Versi
cherte am 6. Juli 2014 Einwand (Urk. 7/66)
, worauf
die Berichte
von Dr.
Z._
vom 21. Juli und 12. August 2014 (Urk. 7/68-69)
bei der IV-Stelle eingingen
.
Am 23. Oktober 2014
informierte die IV-Stelle die Versicherte darüber, dass zur Kläru
ng der Leistungsansprüche eine
medizi
nische Untersuchung (Rheumatologie) notwendig sei und schlug als Gutach
terin
Dr.
med. und
Dr.
sc. nat. ETH
B._
, Innere Medizin FMH spez. Rheumaerkrankungen, vor (Urk. 7/73). Nachdem die Versich
erte die Begut
achtung durch Dr.
B._
ab
ge
lehnt
und Dr.
med.
C._
,
FMH Rheumatologie
und Innere Medizin sowie FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation
von der
D._
Klinik
,
als Expertin
vor
ge
schl
agen hatte
(Urk. 7/74)
, hielt die IV-Stelle mit Zwischenverfügung vom 31. Oktober 2014 (Urk. 7/75) an der
medizinischen Abklärung
durch
Dr.
B._
fest,
welche
am 8. Dezember 2014
stattfand
(Expertise vom 23. Dezember 2014, Urk. 7/
78/2
-47).
Mit Vorbescheid vom 23. Januar 2015 (Urk. 7/81) stellte die IV-Stelle bei einem Invaliditätsgrad
von 11 % die Abweisung des
Leistungs
anspruchs
in Aussicht, wogegen die Versicherte am 25. Februar 2015 Ein
wand (Urk. 7/85
und
Urk. 7/88) erhob und die
Beurteilung
der im Gutachten
von
Dr.
B._
attestierten
Arbeitsfähigkeit
vom 20. Februar 2015 (Urk. 7/84)
durch
Dr. med.
E._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medi
zin und Arbeitsmedizin a
m
Institut für Arbeitsmedizin
F._
,
sowie
den Bericht
von
Dr.
med.
G._
,
Allgemeine Innere Medizin
, vom 30. März 2015 (Urk. 7/87) einreichte. Mit Verfügung vom 14. Juli 2015 (Urk. 2) wies die IV-Stelle das
Rentenbegehren
ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 8. September 2015 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die Verfügung vom
14. Juli 2015 sei aufzuheben und
die
Sa
che zur Gewährung des rechtlichen Gehörs (Begründungspflicht) und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Eventuell sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die
Beschwerde
gegnerin
zu verpflichten, der Beschwerdeführerin mindestens eine halbe
IV-
Rente zuzusprechen. Subeventuell sei die Verfügung aufzuheben und die Sa
che zu weiteren Abklärungen und zum Erlass einer neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 15. Oktober 2015 (Urk. 6) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 16. Oktober 2015 mitgeteilt wurde (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgeset
zes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Be
tracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
telsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.3
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medi
zinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des
Beweiswer
tes
eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den er
forderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizini
schen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die
rechts
anwendende
Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenen
falls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
1.
4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vo
r
-
instanz
zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der
Rück
weisung
– da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen er
ledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige
Ermessensent
scheide
zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt unge
nügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre leistungsabweisende Verfügung (Urk. 2) damit, dass die Beschwerdeführerin in
d
er angestammten Tätigkeit als selbständige
Coiffeuse
seit 1. März 2012 zu 50 % eingeschränkt sei. Eine der Behinderung angepasste Arbeit mit leichten, überwiegend sitzenden Tä
tigkeiten mit Wechselbelastung ohne grobmotorische Beanspruchung der Hände (wie zum Beispiel Qualitätskontrolle, Call Center oder
Überwachungs
arbeiten
) könne in
dessen zu 100 % ausgeübt werden. Aus der Gegenüber
stellung des Validen- und Invalideneinkommens sowie unter Berücksichti
gung eines Tabellenlohnabzugs von 10 % aufgrund des Alters der Beschwer
deführerin resultiere ein
rentenausschliessender
Invaliditätsgrad von 11 %.
Des Weiteren
beantworte das Gutachten von Dr.
B._
die gestellten Fra
gen umfassend, berücksichtige die beklagten Beschwerden, sei in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstellt worden
und
in den me
dizinischen Zusammenhängen einleuchtend
und es seien die gezogenen Schlussfolgerungen in nachvollziehbarer Weise hergeleitet worden (S.
2
). Im Übrigen
sei eine Verschlechterung des Gesundheit
szustands nicht ausgewie
sen (S.
3
).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber
in ihrer Beschwerde
(Urk. 1)
auf den Standpunkt
,
die Beschwerdegegnerin habe ihre
Begrün
dungspflicht
verletzt, indem sie auf die Einwände im
Vorbescheidverfahren
nicht
rechtsgenüglich
eingegangen sei und diese auch nicht
in
rechtsgenü
gender
Weise
geprüft und begründet habe. Diese V
erletzung könne im vor
liegenden
Verfahren
vor dem Sozialversicherungsgericht
nicht
geheilt wer
den. Im Weite
ren weise das Gutachten von Dr.
B._
derartige Mängel auf, dass diesem jeglicher Beweiswert fehle.
Entsprechend beruhe d
ie ange
fochtene Verfügung auf medizinischen Grundlagen, welche nicht
rechts
genüglich
abgeklärt worden seien. Es sei eindeutig, dass die
attestierte
Ar
beits
- respektive Erwe
rbsfähigkeit nicht korrekt sei
(S. 12).
3.
3.1
Im Abklärungsbericht für
Selbständig
er
werbende
vom 11.
Oktober 2013 (Urk. 7/47) hielt die Abklärungsperson fest,
dass
gemäss
den
Angaben der Beschwerdeführerin eine Erwerbstätigkeit nur noch möglich sei, wenn
ihr
je
den Monat eine Spritze
injiziert werde
(S. 1). Seit März 2012 betrage ihre Ar
beitsfähigkeit nur noch 50 %, wobei die Schmerzen schon vorher bestanden und ihre Arbeitsfähigkeit teilweise beeinträchtigt hätten. Auch
im
reduzierten Pensum von 50 % könne sie nicht mehr länger als 2 bis 3 Stunden stehen und die Finger könne s
i
e
zum Teil nicht mehr bewegen. Am Morgen benötige
sie
1⁄2 bis 1 Stunde bis sie endlich „angelaufen“ sei. Nach der Knieoperation habe für 1 bis 2 Wochen eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bestand
en, seit
her bestehe wieder
eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
. Sie spür
e aber immer mehr, dass
sie
einfach nicht mehr
könne
(S. 3). Trotz Verschlechterung des Gesundheitszustands werde sie versuchen, das Arbeitspensum von 50 % aufrechtzuerhalten.
Haare färben sei rentabel,
aber
auch aufwändig, weshalb sie dafür jeweils nur noch ein
en
Kunde
n
pro Tag eintrage
n
würde. Sei nur Haare
schneiden bei Männern geplant, so könne sie rund
vier
Kunden pro Tag eintragen. Nach einer Arbeitszeit von 4
Stunden sei sie indessen
„völlig fer
tig“ (S. 4).
Die Abklärungspe
rson führte weiter aus, dass sich die
Beschwerdeführerin
n
un entschieden habe, ihre Wohnung zu verkaufen und damit auch ihr Ge
schäft aufzugeben
,
und
in
die Nähe ihrer Tochter
zu
ziehen. Wenn sie einen Schub habe, könne sie auch Haushaltsarbeiten kaum noch bewältigen. In sol
chen Phasen könne sie dann auf ihre Tochter zurückgreifen. Ein weiterer Grund
für den Umzug
sei
, dass sie
die
Kinder
der Tochter
beaufsichtigen könne und dabei eine
n Lohn von Fr. 1‘000.-- erhalte
. Daneben plane sie, dass sie noch etwas als
Coiffeuse
arbeiten
werde
, wobei sie mit einem Ver
dienst von Fr. 500.
--
rechne
. Seit rund drei Monaten sei ihr Gesundheitszu
stand schlechter geworden, wodurch auch ihre noch möglich
e
Arbeitsleistung weniger geworden sei. Dies sei allenfalls auch darauf zurückzuführen, dass
nun plötzlich alles miteinander (Verkauf der Wohnung, Knieoperation, Weg
zug
an einen neuen Ort)
gekommen
und deshalb etwas viel
für sie
sei (S. 5).
3.2
In seinem Bericht vom 12. August 2014 zuhanden des Rechtsvertrete
r
s der Beschwerdef
ührerin (Urk. 7/69) stellte Dr.
Z._
folgende Diag
nose (S. 1):
-
r
heumatoide Arthritis, Rheumafaktor positiv, Anti-CCP-Antikörper positiv
-
Basistherapie mit
Methotrexat
;
ungenügendes Ansprechen und Erhö
hung der Leberparameter, weshalb Wechsel auf die
Basistherapie mit dem TNF-Alpha-
Blocker
Simponi
-
z
unehmende Knieschmerzen beidseits, links aktuell mehr wie rechts bei Status nach Arthroskopie rechts am
30.8.13 bei
Chondropathie
Grad
III-IV sowie Ruptur des
Hinterhorns
medial Knie rechts
-
z
unehmendes Extensionsdefizit im linken Knie mit leichter Ergussbil
dung trotz Gabe von TNF-Alpha-Blockern
Dr.
Z._
hielt fest, die Beschwerdeführerin sei aufgrund der rheu
matoiden Arthritis zu 50 % krankgeschrieben gewesen. Im Laufe des Jahres 2013 habe sich eine zunehmende Einschränkung des rechten Kniege
lenks mit Ergussbildung gezeigt, wobei Punktionen und Infiltrationen mit Steroiden zu keiner wesentlichen Besserung geführt hätten. Am 30. August 2013 sei durch
Dr.
med.
H._
, leitender Arzt der Chirurgie am Spital
A._
, eine Kniearthroskopie und eine
Teilmeniskektomie
des medialen
Hinterhorns
rechts mit gleichzeitiger Abtragung von
Osteophyten
durchge
führt worden
(vgl.
auch
Urk. 7/78/70-74)
, wobei Dr.
H._
eine 100
%ige Arbeitsunfähigkeit vom 30.
August bis 3. September 2013 respektive eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit ab 4. September 2013
attestiert habe
(S. 1).
In der ersten Kontrolluntersuchung nach dem Knieeingriff am 4. November 2013 habe sich gezeigt, dass die Beschwerdeführerin nicht zu 50 %, sondern zu maximal 25 % in ihrer Tätigkeit als
Coiffeuse
arbeitsfähig sei.
Sie
habe insbesondere über Schmerzen im rechten Knie, im Bereich der Füsse mit Steif
igkeit
sowie
im Bereich der Hände berichtet
. Im rechten Knie habe zu
dem ein anhaltendes Extension
s
defizit von 10
° bei guter Flexion bis 130
°
bestanden. Aufgrund dieser anhaltenden Beschwerden und Einschränkungen sei die Arbeits
un
fähigkeit bei 75 % belassen worden (S. 1 f.).
Im Weiteren wies
Dr.
Z._
darauf hin, dass sich in den letzten Wochen eine Verschlechterung im Bereich des linken Knies eingestellt habe mit leichter Ergussbildung und insbesondere einem zunehmende
n
Extensi
onsdefizit
, welches in der Untersuchung vom 8. April 2014 noch nicht vor
handen gewesen sei. Damals sei die Knie-Flexion/
-
Extension links uneinge
schränkt gewesen,
aktuell
besteh
e eine maximale Flexion von 120
°
u
nd ein Extensionsdefizit von 20
°. Eine Tätigkeit als
Coiffeuse
(stehender Beruf) sei
mit dieser Zunahme der Beschwerde
n
, insbesondere unter Berücksichtigung der verstärkten Kniebeschwerden, kaum mehr möglich und rechtfertige die Erhöhung der Arbeitsunfähigkeit von 50 % auf 75 % im Herbst 2013 zusätz
lich. Die neu aufgetretenen Beschwerden im linken Knie seien nicht degene
rativer Natur, sondern auf die rheumatoide Arthritis zurückzuführen. So müssten im Nachhinein die Beschwerden im rechten Knie, welche vorgängig vor allem auf die Meniskusveränderung und den Knorpelschaden zurückge
führt worden seien, nun eher im Sinne einer Auswei
t
ung der rheumatoiden Arthritis betrachtet werden (S. 2).
3.
3
Dr.
B._
nannte in ihrem von der Beschwerdegegnerin veranlassten Gut
achten vom 23. Dezember 2014 (Urk. 7/
78/
2
-47) folgende Diagnosen (S. 39):
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
rheumatoide Arthritis (Erstsymptome Sommer 2010, Erstdiagnose 2011) mit
-
leicht erhöhtem Rheumafaktor und
Anticitrullin
-Antikörper mit
-
Behandlung mit
Methotrexat
ab etwa 01/2012 bis anfangs 2013 und dem TNF-alpha-Blocker
Simponi
seit 01/2013 mit guter Wirkung
-
in der rechten Hand geringe
r
unspezif
ische
r
radiale
r
Synovitis
der MCP
II- und MCP-III-Gelenke (MRI 12/2014) und
-
an den Vorfüssen fragli
ch
geringgradig
entzündete
m
MTP I-Gelenk rechts und MTP
II-Gelenk links (Szintigraphie 12/2014)
-
ohne bildgebenden Nachweis destruktiv-
erosiver
Veränderung im Be
reich beider Hände, beider Ellbogen, beider Schultern und beider
Vorfüsse
(Röntgen und Szintigraphie 12/2014)
-
Gonarthrosen
beidseits, medial betont mit deutlicher Aktivierung beid
seits (Szintigraphie und Röntgen 12/2014)
-
jedoch intakten Bändern (MRI 7/2013) bei
-
Status nach Arthroskopie am 30.8.2013 des rechten Knies mit medi
aler
Teilmenis
k
ektomie
-
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Status nach Vorderarm-Fraktur links im mittleren Dritte
l
des Radius und der
Ulna
etwa 1966 im Kindesalter mit
-
konservativer Therapie und Heilung in Fehlstellung, insbesondere Achsen-Versatz des Radius (Röntgen 12/2014) und
-
leicht eingeschränkter
Supination
-
Status nach
Nephrektomie
links 08/2004 wegen multizystischer
Nierende
gen
e
ration
links
Die Gutachterin Dr.
B._
hielt fest, dass aktuell wenige Finger- und
Zehen
gelenke
fraglich gering entzündet seien. Die ausgedehnten
bildgeben
den
Abklärungen hätten bisher keine
ossären
destruktiv-
erosiven
Verände
rungen dokumentiert. Die rheumatoide Arthritis sei daher adäquat behandelt worden und habe sich gegenüber der Anfangsphase klinisch deutlich geb
es
sert.
Ausserdem bestünden
beidseitige medial betonte und beidseits aktivierte
Gonarthrosen
(S. 41).
Im Weiteren wies die Gutachterin darauf hin, dass der Handeinsatz der Be
schwerdeführerin anlässlich der Untersuchung normal gewesen sei. Die Be
schwerdeführerin fahre regelmässig mit ihrem E-Bike und Auto mit Gang
schaltung, wofür eine zuverlässige Funktion beider Hände notwendig sei. Diskrepant dazu sei die gezeigte maximale Handkraft von rechts 39 % der Norm respektive links 33 % der Norm. Hier habe wohl eine Selbstlimitierung bei der Messung der maximalen Handkraft bestanden. Mit der gezeigten ma
ximalen Handkraft wären das Lenken eines Autos mit Gangschaltung sowie häufige Fahrten mit einem E-Bike in dem von der Beschwerdeführerin ange
gebenen Umfang von 10 bis 30 km nicht möglich (S. 41).
Unter dem Titel Arbeitsfähigkeit hielt die Gutachterin fest, dass die Beschwer
deführerin durch die rheumatoide Arthritis und die
Gonarthrosen
limitiert sei. Sie könne Lasten bis zu 7,5 kg hantieren, was einem sehr leich
ten bis leichten Belastungsniveau entspreche. Tätigkeiten, vorwiegend sit
zend, die diesem Profil entsprächen, könne sie zu 100 % ausüben, bezogen auf ein Pensum von 100 %. Sie könne Kinder hüten. Die angestammte Tätig
keit in ihrem Coiffeur- und
Nailstudio
(abwechselnd als
Coiffeuse
und
Nailstylistin
) könne sie
seit
1. März 2012 noch zu 50 % ausüben, bezogen auf ein Pensum von 100 %. In einer angepassten Tätigkeit gemäss dem Profil habe nie eine lang andauernde Arbeitsunfähigkeit bestanden (S. 43 f. und S. 46).
Die
Gutachterin
wies
ferner
darauf hin, dass das angegebene Schmerzmittel
Ecofenac
CR bei der Untersuchung im Blut nicht
habe
nachgewiesen
werden können
.
Falls die Beschwerdeführerin Beschwerden verspüre, sollte sie re
gelmässig Schmerzmittel verwenden.
D
ie Beschwerdeführerin
habe sodann eine gute Prognose
.
B
isher seien keine entzündlich-
erosiven
Veränderungen aufgetreten, was darauf schliessen lasse, dass die medikamentöse
Basisthera
pie
mit
Simponi
gut wirksam sei (S. 45).
Im Weiteren führte d
ie Gutachterin
aus
, es sei unklar, weshalb Dr.
Z._
in seinem Bericht vom 21. Juli 2014 (vgl. Urk. 7/68) die Arbeitsunfä
higkeit als
Coiffeuse
auf 75 % erhöht habe. Die Beschwerdeführerin habe ja bis 31. Dezember 2013 in ihrem Studio
zu 50 % gearbeitet. Seither sei
keine wesentliche Änderung des Gesundheitszustands dokumentiert worden. Die Beschwerdeführerin habe sogar berichtet, dass die Behandlung mit
Simponi
ihre Beschwerden deutlich
ver
bessert habe. Dr.
Z._
habe zudem
keine
Angaben zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit gemacht.
Er
habe
ferner
in seinem Bericht vom 21. Juli 2014 im Bereich der
Vorder
arme
die Seiten verwechselt.
Es sei sodann
unklar, was
er
mit
dem
Hinweis
gemeint habe, dass die
Supination
rechts aufgehoben sei. Bei einem wie von
ihm
erwähnten vollständigen Ausfall der
Supination
der rechten dominanten Hand wäre eine Tätigkeit als
Coiffeuse
nie möglich gewesen (S. 4
5
).
Dr.
B._
hielt schliesslich fest, dass das Aktivitätsniveau der Beschwerde
führerin hoch sei, da sie mit ihrem E-Bike häufig 10 bis 30 km fahre, regelmässig ihr Auto mit Gangschaltung
benutze
und oft im Thermal
bad in
J._
bade. Die Gutachterin führte weiter aus, dass die rheumatoide Arthritis im Sommer 2010 begonnen habe, im
Jahre
2011 diagnostiziert und
die
Basisbehandlung im Januar 2012 aufgenommen worden sei. Es überra
sche daher, dass die Beschwerdeführerin d
ie höchsten Einkommen seit 2003
in den Jahren 2010 und 2011 erzielt habe, als die rheumatoide Arthritis schon aufgetreten, aber noch nicht adäquat behandelt worden sei. Die Be
schwerden sei
en
im
2010 und 2011 mangels adäquater Therapie maximal gewesen, zumal die Beschwerdeführerin ja berichtet habe, dass die
Basisthe
rapie
, insbesondere die Behandlung mit
Simponi
, ihre Beschwerden deutlich
ver
bessert habe. Die unbehandelte rheumatoide Arthritis in den Jahren 2010 und 2011 habe offensichtlich ihr Einkommen gegenüber den vorangehenden Jahren sogar gesteigert, weshalb der Gutachterin nicht klar sei, ob die ge
sundheitliche Einschränkung zur Berufsaufgabe geführt habe (S. 46).
3.
4
In seiner zuhanden des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin verfassten Aktenbeurteilung vom 20. Feb
ruar 2015 (Urk. 7/84) hielt Dr.
E._
fest, dass im Gutachten
von Dr.
B._
eine ausführliche Auseinandersetzung mit den Beschwerden der Beschwerdeführerin fehle. Es sei unklar, was die Schmerzen auslöse oder verbessere, welche Tätigkeiten besonders belastend seien und weshalb die angestammte Tätigkeit nicht mehr
zu 100 % möglich sei. Es fehle
eine Diskussion über die medizinische Zumutbarkeit, und es sei nicht nachvollziehbar, weshalb
der
Beschwerdeführerin trotz diverser chro
nisch schmerzhafter und funktionell eingeschränkter Gelenke keine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert werde.
Ferner
könne auch kein Bild darüber gemacht werden, ob relevante Faktoren vorläg
en, welche die Arbeitsfähigkeit
aufgrund reduzierter Leistungsfähigkeit
beeinflussten
. Dr.
E._
wies darauf hin, dass er bezüglich Diagnose und Befunde mit Dr.
B._
einverstanden sei, nicht hingegen mit de
r
Ausleg
ung
und
Be
gründung
der funktionellen Auswirkungen der rheumatoiden Arthritis auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Bei einer 100%igen zeitlichen Arbeitsfä
higkeit kö
nne
nicht einfach von einer 100
%igen Leistungsfähigkeit ausge
gangen werden, vielmehr müsse die Arbeitsfähigkeit in eine Zeit- und eine Leistungskomponente aufgeteilt werden (S. 1 f.).
D
ie Schlussfolgerung von Dr.
B._
,
wonach
die Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit
zu
100 % arbeitsfähig
sei
,
sei
nicht begründet und nicht nachvollziehbar, weil die aktuellen Beschwerden
im Gutachten
sehr kurz gehalten seien
. Es
könne
deshalb nicht
im Detail nachvollzogen werden
, ob eine 100%ige Arbeitsfähigkeit ohne jegliche Einschränkungen an Zeit und Leistung gerechtfertigt sei (S. 2). Es fehle im Gutachten insbeson
dere eine Diskussion betreffend den Umstand, dass die Beschwerdeführerin Mühe habe, lange zu stehen und lange zu sitzen respektive
bezüglich der
Folgen dieser Beschwerden auf die Arbeitsfähigkeit. Ferner würden die An
sprüche des primären Arbeitsmarktes gegen eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit sprechen. Der Beschwerdeführerin würde trotz ihrer Schwierigkeiten mit l
angem Sitzen oder Stehen,
der
Morgensteifigkeit,
der
chronischen Schmerzen sowie der Notwendigkeit, ständig die Arbeitsposition zu wechseln, keine zusätzlichen Pausen respektive
keine
Verminderung ihrer Ar
beitsleistung zugestanden (S. 3
f.).
Dr.
E._
hielt weiter fest, dass es fraglich sei, ob der Beschwe
rdeführerin
unter den Bedingungen des primären Arbeitsmarktes
ein 8-Stunden-Pensum
zugemutet werden könne oder ob sie aufgrund der Schmerzen und
Funkti
onseinschränkungen
mehr Pausen, verkürzte Arbeitszeiten oder beides benö
tige. Eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit sehe er nur im sekundären Ar
beitsmarkt oder auch
für Tätigkeiten wie Kinderhüten.
Hilfstätigkeiten im primären Arbeitsmarkt mit einem
der Beschwerdeführerin zugestandenen
Jahresverdienst von Fr. 51‘000.-- würden indessen ausser Betracht fallen (S. 4).
Schliesslich
wies
Dr.
E._
darauf hin
, dass er
nicht davon aus
gehe
, dass die Arbeitsfähigkeit in einer Verweisungstätigkeit wesentlich höher sei als dieje
nige in der angestammten Tätigkeit. Anders als die Gutachterin gehe er we
der von einer
zumutbaren 8-stündigen Präsenz
noch von einer 100%igen Leistungsfähigkeit
aus
, da er die Anforderungen an eine Hilfsarbeit im pri
mären Arbeitsmarkt nur
geringgradig
tiefer sehe als in der angestammten Tätigkeit (S. 5).
3.
5
Dr.
G._
, welcher die Beschwerdeführerin von 1984 bis Januar 2014 als Haus
arzt betreute, hielt in seinem Bericht vom 30. März 2015 (Urk. 7/87)
fest, dass
d
ie
se
im Juni 2010 Schmerzen im rechten Oberarm verspürt habe. Die Ab
klärungen hätten zu einer
subac
romialen
Bursitis der rechten Schulter geführt, welche nach Kortison-Infiltration verschwunden sei
.
Die Laborwerte hätten damals ein erhöhtes Anti-CCP gezeigt
. Im Dezember 2010 seien ein
Carpeltunnelsyndrom
und im Juni 2011 eine Knieschwellung
rechts
aufge
treten. Während des Jahres 2010
sei
wegen der Schmerzen
die Einnahme
nichtsteroidale
r
Antirheumatika (
NSAR
)
sowie
dann
auch
stündlich von Tra
mal-Tropfen erforderlich gewesen. Wegen der heftigen Schmerzen seien überdies auch MST-Tropfen eingesetzt worden. Im Weiteren sei auch die Einnahme von
Ponstan
notwendig gewesen. Nachdem im März 2011 die Kortison-Einnahme gestoppt worden sei,
habe
das Kortison ab Mitte 2011
wegen
der Gelenkschmerzen und –
schwellungen
erhöht w
e
rden
müssen
. Ab November 2011 sei die Beschwerdeführerin mit
Methotrexat
,
Ecofenac
und
Dafalgan
behandelt worden. Des Weiteren
sei
einmal pro Monat
Simponi
in
jiziert
worden
.
4.
4.1
4.1.1
Das Gutachten von Dr.
B._
(Urk. 7/
78/
2-47) umfasst 46 Seiten
, wobei
2
Seiten (S. 2-3) die Sozial-, Familien-, Ausbildungs-
,
Berufs- und
Tätig
keitsanamnese
inklusive Auflistung der
bisher
attestierten Arbeitsunfähig
keiten
beschlagen
und
2
7
Seiten (S. 4-
30)
eine Zusammenfassung der bishe
rigen fremdanamnestischen Angaben enthalten.
Im Weiteren betreffen 6
Seiten (S. 33-38)
Auflistungen von allgemein/internistischen, rheumatolo
gischen und neurologische
n Befunden sowie
die Ergebnisse einer
Bioimpe
danz-Analyse
und
diverser
Lab
oruntersuchungen
. Demgegenüber umfassen die medizinische Anamnese (S. 31-32), die Diagnosestellung (S. 39), die „rheumatologische Beurteilung und Prozedere“ (S. 40-41), die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit (S. 42-4
4
) und die „therapeutischen Vorschläge und be
rufliche Eingliederung“ (S. 44-45)
lediglich
9
Seiten.
4.1.2
Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit beschränkte sich Dr.
B._
auf die
Wiedergabe
der in den Empfehlungen der
K._
genannten Auswirkungen
von
Funktionseinschränkungen bei rheumatoider Arthritis und
bei
Kniegelenken
.
Das
von Dr.
B._
gestützt
auf diese abs
trakten Ausführungen ermittelte Belastungsprofil (Hantieren von Lasten bis 7,5 kg, sehr leichtes bis leich
t
es Belastungsniveau;
Urk. 7/78/2-47
S. 43) ist
nicht nachvollziehbar,
da
jegliche Begründung
für das postulierte Profil
fehlt. Gleiches gilt für die
Feststellung
der Gutachterin
, wonach die Beschwerde
führerin Tätigkeiten mit entsprechendem
Belastungsp
rofil zu 100 %
ausüben könne
.
Dr.
B._
setzte sich
mit den von der Beschwerdeführerin
geklag
ten Beschwerden (Schmerzen in den Händen, Knien und
in
der linken Schulter, Fussbeschwerden, geschwollene Finger, Müdigkeit und Mühe
, lange zu stehen und zu sitzen;
vgl. S. 31)
nicht auseinander und
machte insbeson
dere keine Angaben darüber
, weshalb die Beschwerdeführerin trotz der er
wähnten Beschwerden
in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sein soll
.
Die Beurteilung von Dr.
B._
steht sodann i
m
Widerspruch
zu den Einschätzungen
der RAD-Ärzte
Dres
.
L._
und
M._
vom 14. März 2013 respektive vom 7. Februar 2014
sowie der Abklärungsperson
vom 11. Oktober 2013
, welche je
von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ausgingen (Urk. 7/48 S. 4, Urk. 7/63 S. 2 und Urk. 7/47 S. 6).
Betreffend
die Feststellung
von Dr.
B._
, wonach die Be
schwerdeführe
rin Kinder zu 100 % hüten könne (
Urk. 7/78/2-47
S. 43), ist zu berücksi
chtigen, dass
die Beschwerdeführerin
aufgrund des genannten
Be
lastungsprofils
(Hantieren von Lasten bis 7,5 kg)
lediglich Kinder
bestimmte
r
Alters- respektive Gew
ichtskategorien betreuen könnte.
4.1.3
Was den Hinweis
von Dr.
B._
über
das von der Beschwerdeführerin in den Jahren 2003 bis 2011 erzielte Einkommen betrifft (Urk. 7/78/2-47 S. 46), ist darauf hinzuweisen, dass die Interpretation der Einkommensverhältnisse nicht
Hauptaufgabe einer medizinischen
Gutachterin ist
.
Im Weiteren
kann der Schlussfolgerung von Dr.
B._
, wonach die unbehandelte rheu
matoide Arthritis in den Jahren 2010 und 2011 das Einkommen der Be
schwerdeführerin gesteigert habe,
auch
nicht gefolgt werden,
weil
die Gründe für
die Höhe der Verdienste unklar sind. Die Beschwerdeführerin hat
zudem
insbesondere in den Jahren 2010 und 2011 teilweise starke Schmerzmittel zu sich genommen (Urk. 7/87)
, was nahelegt, dass ihr die Ausübung ihrer beruf
lichen Tätigkeit
in den genannten Jahren
nur unter
deren
Einnahme
über
haupt
möglich war
.
4.1.4
Überdies ist dazu sowie bezüg
lich des Hinweises von Dr.
B._
betreffend die regelmässige
Verwendung von Schmerzmittel
n
durch die Beschwerde
führerin (Urk. 7/78/2-47 S. 44) Folgendes zu bemerken:
Die Tatsache
, dass die Beschwerdeführerin lediglich noch über eine Niere verfügt
(vgl. Urk. 7/78/63
-66
)
, wird im Gutachten
zwar erwähnt (
Urk. 7/78/2-47
S. 10
und S. 41
)
, Dr.
B._
äusserte sich jedoch nicht zu
allfälligen
Wechselwirkun
gen zwischen dem Nierenleiden
und der
Medikamenteneinnahme
respektive
nicht dazu,
in welchem Umfang die Einnahme von Schmerzmitteln im Hin
blick auf
mögliche
negative Auswirkungen auf die noch
vorhandene
Niere
überhaupt
angezeigt
beziehungsweise
der Beschwerdeführerin
zumutbar
ist
.
4.1.5
Die
Beschwerdegegnerin
beschränkte sich darauf
, die
von der Beschwerde
-
füh
rerin
eingereichte Beurteilung von Dr.
E._
v
om 20. Februar 2015 (Urk. 7/84
)
dem im Fachbereich Chirurgie spezialisierten RAD-Arzt Dr. med.
N._
vorzulegen und
verzichtet
e
auf die Einholung einer
entsprechende
n
Stellungnahme von Dr.
B._
(Urk. 7/90 S. 2). Eine sol
che wäre vorliegend indessen angezeigt gewesen, zumal Dr.
E._
den von Dr.
B._
ermittelten Umfang der Arbeitsfähigkeit
mit nicht einfach von der Hand zu weisender Begründung
in Frage stellte und auf
Unschlüssigkei
ten
im Gutachten hinwies. Gleiches gilt mit Bezug auf den Bericht von Dr.
G._
vom 30. März 2
015 (Urk. 7/87
), in welchem
dieser
über
die
Schmerzmedikation seit 2010 berichtet
e (siehe oben E. 4.1.4)
.
4.1.
6
Zusammenfassend
erweist sich das Gutachten von Dr.
B._
als nicht schlüssig und unvollständig, weshalb
mangels Beweiswert (E. 1.3
hievor
)
nicht darauf abgestellt werden kann
.
4.2
Gestützt auf die Berichte der behandelnden Ärzte
alleine
kann
ebenfalls
nicht in rechtsgenügender Weise auf die Arbeits
- und Leistungs
fähigkeit der Be
schwerdeführerin geschlossen werden,
da
sich
erstere
insbesondere nicht zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit äusserten (Urk. 7/28 Ziff. 1.7, Urk. 7/69 S.
2
und Urk. 7/87
).
Im Übrigen ist
auch
die Erfahrungstatsache zu berücksichtigen, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre
auf
tragsrechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (B
GE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351
E. 3b/cc).
Im Weiteren
machte
auch
Dr.
E._
keine Angaben betreffend den
konkreten
Umfang der Arbeitsfähigkeit, sondern stellte lediglich die von Dr.
B._
postulierte 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tä
tigkeit in Frage (Urk. 7/84 S. 4 f.).
4.3
Nach dem Gesagten ist der medizinische Sachverhalt in wesentlichen Teilen ungeklärt,
weshalb es weiterer Abklärungen bedarf. Entsprechend ist die Verfügung vom 14. Juli 2015 (Urk. 2) aufzuheben und die Sache an die
Be
schwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit
diese ergänzende medizinische Ab
klärungen veranlasse und
über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin
neu verfüge. Dabei
ist
insbesondere
auch den
Veränderungen des Gesund
heitszustands, welche seit der IV-Anmeldung im Mai 2012
bis im Juli 2015
eingetreten sind (vgl.
insbesondere
Urk. 7/69), Rechnung zu tragen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
Bei diesem Verfahrensausgang
kann die von der Beschwerdeführerin aufge
worfene Frage betreffend Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör
bzw. der Begründungspflicht
(vgl. Urk. 1 S. 5-7
)
offen gelassen werden
.
5.
Im Zusammenhang mit der erwerblichen Sachlage ist
weiter
Folgendes zu bemerken:
5.1
Die Beschwerdeführerin hat
gemäss eigenen Angaben
ihr Coiffeur- und
Nail
studio
an ihrem bisherigen Wohnort
O._
per Ende Dezember 2013
aufge
geben (Urk. 7/60)
und ist im Januar 2014 nach
P._
gezogen (Urk. 7/53), wo sie
gegen ein Entgelt von Fr. 1‘000.-- pro Monat
an zwei Ta
gen pro Woche die Kinder ihrer Tochter betreute (Urk. 7/78/50). Gegenüber der Abklärungsperson
gab sie am 1. Oktober 2013
weiter
an, sie plane, ne
benbei noch als
Coiffeuse
zu arbeiten und mit einem monatlichen Verdienst von Fr. 500.-- rechne
(Urk. 7/47 S. 4)
. Ob die Beschwerdeführerin diesen Plan bis im Juli 2015 umsetzte respektive ob sie nach wie v
or ihre Enkel betreut
,
kann
aufgrund der vorhandenen Aktenlage
nicht abschliessend
beurteilt
werden.
5.2
Gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin betrug ihr Arbeitspensum als
Coiffeuse
/
Nailistin
ab März 2012 50 % (Urk. 7/47 S. 3) respektive ab 4. Oktober 2013 20
–
30
% (Urk. 7/53
; vgl. auch Urk. 7/69
).
Wie erwähnt (vgl. E. 5.1 hiervor), hat die Beschwerdeführerin ihre selbständige Tätigkeit per
Ende Dezember
2013 eingestellt
. Insofern
die
r
eduzier
ten
A
rbeitspens
en
respektive die Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit
gesundheitsbe
dingt
waren, sind sie im Rahmen der neuen
Invaliditätsbemessung
zu be
rücksichtigen.
5.3
Im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung
(Urk. 2
)
war die Be
schwerdeführerin
(geboren 2
3.
Januar 1955)
bereits über 60 Jahre alt und stand knapp vier Jahre vor Erreiche
n des ordentlichen Rentenalters
. Entspre
chend
stellt
sich die Frage nach der Verwertbarkeit
ihrer
Restarbeitsfä
higkeit
(vgl.
dazu
etwa
Urteile des Bundesgerichts 9C_272/2014 vom 30. Juli 2014 E.
2.
sowie
9C_
650/2015 vom 11. August 2016 E.
5.3
je mit Hinweisen
).
5.4
Die Beschwerdegegnerin stellte bei der Ermittlung des Invalideneinkommens auf die Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen
(LSE)
des
Jahres 2012
ab (Urk. 2 S. 2).
Damit wird impliziert
, dass
der Beschwerdeführerin der
Berufswechsel
in eine unselbstständige Erwerbstätigkeit
zumutbar ist,
da
bei der Ermittlung des Invalideneinkommens von
Selbständigerwerbenden
– anders als bei
Un
selbständigerwerbenden
-
nicht auf die LSE abgestellt
wird
, sondern
dessen Festsetzung
unter Berücksichtigung
der einzelfallbezogenen Kriterien (
ins
besondere
Betriebsgrösse, Branche, Erf
ahrung des Betriebsinhabers
) zu erfol
gen hat (
vgl.
Urteil des Bundesgerichts I 707/06 vom 9. Juli 2007 E. 3.3.1 mit Hinweis).
Angesichts der Dauer der Selbständigkeit der Beschwerdeführerin (seit 1989 z
umindest teilweise selbständig
),
ihres
Alters, der ausschliesslichen beruflichen Tätigkeit
im angestammten Beruf als
Coiffeuse
(seit 197
5
mi
t ei
nem zehnjährigen Unterbruch als Hausfrau und Mutter
; Urk. 7/78/50) ist
die Zumutbarkeit eines
Berufswechsel
s
in eine unselbst
ändige Erwerbstätigkeit
zu prüfen
(zur Zumutbarkeit der Aufnahme einer unselbständigen Erwerbs
tätigkeit vgl. etwa
Urteil des Bundesgerichts 9C_356/2014 vom 14. November 2014 E. 3.1 mit Hinweisen auf Urteile I 116/03 vom 10. November 2003 E. 3.1 und I 145/01 vom 12. September 2001 E. 2b).
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerde
gegnerin
aufzuerlegen.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Letztere
ist
nach Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34
GSVGer
ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozess, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festzusetzen. Unter Berücksichtigung die
ser Grundsätze ist der Beschwerdeführerin eine Prozessentschädigung von Fr.
2
‘
7
00
.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) zuzusprechen.