Decision ID: 001c82c7-6175-4968-b642-da4ff7711e04
Year: 2009
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Die I. Beschwerdekammer hält fest, dass
- die Bundesanwaltschaft gegen A. und weitere Personen seit dem 16. De-
zember 2004 ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren führte wegen des Verdachts der Förderung der Prostitution (Art. 195 StGB) und des  (Art. 182 StGB), ausgehend von einer kriminellen Organisation im Sinne von Art. 260ter StGB, wobei dieses Verfahren bezüglich A. im Laufe der Ermittlungen noch auf weitere Tatbestände ausgedehnt wurde;
- mit Verfügung vom 10. November 2008 die Voruntersuchung eröffnet wurde
und das Verfahren gleichentags dem Eidgenössischen Untersuchungsrichter B. zugeteilt wurde (Akten URA, Fasz. 1);
- A. im Schreiben an den Untersuchungsrichter B. vom 1. Dezember 2008
dessen Ausstand verlangte (act. 1, Ziff. 4);
- A. mit Schreiben vom 15. Januar 2009 an diesem Antrag festhielt (Akten URA, Fasz. 1);
- B. mit Eingabe vom 2. März 2009 das vorgenannte Ausstandsbegehren an
die I. Beschwerdekammer weiterleitete und beantragte, dieses kostenfällig abzuweisen (act. 2);
- die I. Beschwerdekammer A. mit Schreiben vom 4. März 2009 einlud, bis am
16. März 2009 den Kostenvorschuss von Fr. 1'500.-- zu leisten (act.3);
- A. mit Eingabe vom 6. März 2009 um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ersuchte (BP.2009.16, act. 1) und schliesslich am 20. März 2009 (Poststempel) das Formular betreffend unentgeltliche Rechtspflege  Beilagen einreichte (BP.2009.16, act. 3 – 3.5).

Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass
- gemäss Art. 99 Abs. 2 BStP für die Behandlung von Ausstandsbegehren  einen Eidgenössischen Untersuchungsrichter ebenfalls die  über den Ausstand von Gerichtspersonen, mithin Art. 34 ff. BGG,  finden;
- der Gesuchsteller unter Hinweis auf Art. 34 Abs. 1 lit. e BGG zur Begründung
seines Ausstandsbegehrens einerseits geltend macht, der Gesuchsgegner
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sei bereits im gerichtspolizeilichen Ermittlungsverfahren bei zwei  des Gesuchstellers der Haftrichter gewesen und habe dabei unverändert den jeweiligen Standpunkt der Bundesanwaltschaft , weshalb an der Unabhängigkeit des Gesuchsgegners in der  zu zweifeln sei (act. 1, S. 2, Ziff. 4);
- ein Eidgenössischer Untersuchungsrichter (nachfolgend „Untersuchungsrich-
ter“) gemäss einschlägiger Rechtsprechung die Voruntersuchung selbständig führt (ohne Weisungsgebundenheit, ohne Anklagefunktionen) und unter  als haftbestätigende bzw. haftanordnende richterliche Behörde , wobei er als unabhängige Justizperson gilt (BGE 131 I 66 E. 4,  E. 4.7);
- nach der Praxis kein Ausstandsgrund vorliegt, wenn der Untersuchungsrich-
ter einen für die Partei ungünstigen Entscheid erlässt, eine für die Partei in rechtlicher Hinsicht nicht angenehme Ansicht vertritt oder die Akten zum Nachteil des Beschuldigten würdigt (vgl. HAUSER/SCHWERI/HARTMANN, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl., Basel 2005, S. 112 N. 5, m.w.H.);
- die Haftentscheide des Gesuchsgegners aus den Jahren 2006 und 2007
stammen, sodass jene ohnehin nicht mehr für die Begründung des heutigen Ausstandsbegehrens herangezogen werden können (vgl. Art. 36 BGG);
- der Gesuchsteller andererseits vorbringt, dass es offensichtlich an der für die
Voruntersuchung notwendigen Unvoreingenommenheit und Unbefangenheit des Gesuchsgegners fehle, da dieser selbst keine Untersuchungshandlungen vornehme und auch keinen Schlussbericht zu verfassen gedenke, sondern den Antrag der Bundesanwaltschaft unverändert zum Schlussbericht erheben wolle und damit uneingeschränkt den Standpunkt der Bundesanwaltschaft stütze (act. 1, S. 2/3, Ziff. 4);
- der Untersuchungsrichter gemäss Art. 113 BStP den Sachverhalt soweit fest-
stellt, dass der Bundesanwalt über Anklageerhebung oder Einstellung  kann, und die Beweismittel für die Hauptverhandlung sammelt;
- der Untersuchungsrichter den Parteien eine Frist bestimmt, in der sie eine
Ergänzung der Akten beantragen können, wenn er findet, dass dieser Zweck der Voruntersuchung erreicht sei (Art. 119 Abs. 1 BStP);
- bei derart hoch instruierten Verfahren wie dem vorliegenden nicht ausge-
schlossen ist, dass es zur Erreichung des genannten Zwecks der Vorunter-
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suchung nicht zwingend noch ergänzender Untersuchungshandlungen des Untersuchungsrichters bedarf;
- insbesondere anhand des eingereichten Aktenverzeichnisses sowie des Be-
richts der Bundesanwaltschaft (Akten URA, Fasz. 1 und 2) nachvollziehbar ist, dass der Gesuchsgegner im vorliegenden Fall bereits im Zeitpunkt der Eröffnung der Voruntersuchung deren Zweck als erfüllt ansah;
- daher das Vorgehen des Gesuchsgegners, in der Verfügung vom 10. No-
vember 2008 (Akten URA, Fasz. 1) gleichzeitig mit der Eröffnung der  den Parteien die Frist im Sinne von Art. 119 Abs. 1 BStP für  betreffend die Ergänzung der Akten oder weitere Beweismassnahmen anzusetzen, im vorliegenden Fall nicht zu beanstanden ist;
- das Antragsrecht der Parteien seit Beginn der Voruntersuchung gewahrt war;
- der Gesuchsteller als Partei mit der erwähnten Verfügung vom 10. November
2008 (Fristverlängerung vom 15. Dezember 2008) vom Gesuchsgegner die Gelegenheit bekam, die Ergänzung der Akten oder weitere  zu beantragen (Akten URA, Fasz. 1);
- der Gesuchsgegner demnach bereit ist, Beweisanträge der Parteien zu prü-
fen und gegebenenfalls entsprechende Untersuchungshandlungen ;
- der Gesuchsteller trotzdem mit Eingabe vom 1. Dezember 2008 den Aus-
stand des Gesuchsgegners verlangte (act. 1) und daran mit dem weiteren Schreiben vom 15. Januar 2009 explizit festhielt (Akten URA, Fasz. 1);
- es sich in der Verfügung vom 10. November 2008 lediglich um eine Einla-
dung des Gesuchsgegners an die Parteien handelte, sich dazu zu äussern, ob auf einen weiteren Schlussbericht im Sinne von Art. 119 Abs. 3 BStP  werden könne (Akten URA, Fasz. 1);
- schon aufgrund der Formulierung diesem Vorschlag des Gesuchsgegners
keine Verbindlichkeit beizumessen ist und von vorneherein zum Ausdruck kommt, dass das diesbezügliche Vorgehen von den Stellungnahmen der  abhängt;
- der Gesuchsgegner denn auch gemäss dem Schreiben vom 2. März 2009
aufgrund des Widerstandes einiger Parteien, inklusive des Gesuchstellers, ein anderes Vorgehen als das vorgeschlagene durchführen wird, mithin er-
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gänzende Beweismassnahmen prüfen und die Voruntersuchung nach  des Gesetzes abschliessen wird (act. 2, S. 2);
- die vom Gesuchsteller vorgebrachten angeblichen Ausstandsgründe offen-
kundig nicht gegeben sind und sich das Ausstandsgesuch damit als  im Sinne von Art. 219 Abs. 1 BStP und als aussichtslos erweist;
- aufgrund der Aussichtslosigkeit des Rechtsbegehrens das Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Rechtspflege ebenfalls abzuweisen ist (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 64 Abs. 1 BGG);
- auf die Erhebung von Gerichtskosten ausnahmsweise zu verzichten ist
(Art. 245 Abs. 1 und 2 i.V.m. Art. 66 Abs. 1 BGG);
- die Entschädigung des amtlichen Verteidigers dessen Honorar, welches nach
dem notwendigen und ausgewiesenen Zeitaufwand bemessen wird, sowie den Ersatz der notwendigen Auslagen umfasst (Art. 2 und 3 des Reglements über die Entschädigungen in Verfahren vor dem Bundesstrafgericht vom 26. September 2006, SR 173.711.31);
- vorliegend aufgrund der Aussichtslosigkeit des Rechtsbegehrens die entstan-
denen Anwaltskosten nicht als notwendig anzusehen sind und daher keine Entschädigung an den amtlichen Verteidiger zu entrichten ist (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 66 Abs. 3 BGG; Art. 2 und 3 desselben Reglements e );
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