Decision ID: 1303260a-a343-4f92-a364-36b90c938be0
Year: 2018
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Die Beschwerdekammer hält fest, dass:
- das Bundesamt für Justiz (nachfolgend "BJ") am 26. November 2018 die
Auslieferungshaft gegen den kroatischen Staatsangehörigen A. zur Auslie-
ferung nach Ungarn verfügte; der Auslieferungshaftbefehl am 27. November
2018 eröffnet wurde (act. 1.2, 2);
- A. mit kopiertem handschriftlichem Schreiben, datiert mit 10. Dezember 2018
(Poststempel: 13. Dezember 2018) und mit Bleistift unterzeichnet, an die Be-
schwerdekammer des Bundesstrafgerichts gelangte (act. 1);
- er dem Schreiben eine Kopie eines im Internet veröffentlichen Musters für
Protokolle zur Einvernahme der verfolgten Person im Sinne von Art. 54 IRSG
(act. 1.1), eine Kopie der ersten Seite des Auslieferungshaftbefehls vom
26. November 2018 (act. 1.2), eine Kopie von zwei Seiten der Haftanordnung
des BJ vom 22. November 2018 (act. 1.3), eine Kopie einer Übersetzung des
Haftbefehls des Gerichts von Szeged vom 10. Juli 2018 wegen Menschen-
schmuggels (act. 1.4) und eine Kopie eines von einer Untersuchungsbeam-
tin verfassten Schreibens vom 10. Dezember 2018 (RQ.2018.1046) betref-
fend "Antwort auf Ihre beiden Wünsche vom 5.12.2018" (act. 1.5) beilegte;
- er im Schreiben hauptsächlich erklärt: "Hiermit wird gegen die Auslieferungs-
verfahren Aktz: B-18-4764-1 Beschwerde erhoben und die Aufschiebende
Wirkung beantragt, sowie eine Rechtsverletzung geltend gemacht"; er weiter
sinngemäss beantragt, (1) es sei ihm eine angemessene Fristerstreckung zu
gewähren, bis er einen Anwalt beiziehen könne, der ihm bisher nicht zur Ver-
fügung gestellt worden sei, (2) es sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen,
bis ihm ein Anwalt zur Verfügung gestellt werde, (3) falls sich die Be-
schwerde als verspätet erweise, sei die Frist wiederherzustellen, weil bisher
seine Rechte verweigert und verletzt worden seien und (4) es sei festzustel-
len, dass Rechtsverweigerung und Rechtsverletzungen begangen worden
seien;
- das BJ der Beschwerdekammer am 14. Dezember 2018 auf Anfrage den
vollständigen Auslieferungshaftbefehl vom 26. November 2018 mitsamt
Empfangsbescheinigung per Fax übermittelte (act. 2).
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Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:
- gegen den Auslieferungshaftbefehl des BJ der Verfolgte innert zehn Tagen
ab der schriftlichen Eröffnung Beschwerde bei der Beschwerdekammer des
Bundesstrafgerichts führen kann; für das Beschwerdeverfahren die Art. 379–
397 StPO sinngemäss gelten (Art. 48 Abs. 2 i.V.m. Art. 47 IRSG); im Übrigen
die allgemeinen Bestimmungen des IRSG und des Bundesgesetzes vom
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren gelten (Verwaltungsver-
fahrensgesetz, VwVG; SR 172.021; vgl. Art. 39 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37
Abs. 2 lit. a Ziff. 1 StBOG);
- der Auslieferungshaftbefehl dem Beschwerdeführer am 27. November 2018
schriftlich eröffnet wurde (act. 2); die Beschwerdefrist somit bis Freitag,
7. Dezember 2018 lief; die Beschwerde gemäss Datierung am Montag,
10. Dezember 2018 verfasst wurde; mithin die Ab- bzw. Übergabe der Be-
schwerde nicht vor dem 10. Dezember 2018 erfolgt ist; sie sich damit als
verspätet erweist;
- der Beschwerdeführer die Wiederherstellung der Beschwerdefrist beantragt,
sinngemäss mit der Begründung, dass er zur rechtzeitigen Beschwerdeer-
hebung mangels Deutschkenntnissen und mangels anwaltlicher Vertretung
nicht in der Lage gewesen sei;
- die Wiederherstellung in Art. 94 StPO (i.V.m. Art. 379 StPO i.V.m. Art. 48
Abs. 2 IRSG) geregelt ist; eine Partei die Wiederherstellung der Frist verlan-
gen kann, wenn sie eine Frist versäumt hat und ihr daraus ein erheblicher
und unersetzlicher Rechtsverlust erwachsen würde; sie dabei glaubhaft zu
machen hat, dass sie an der Säumnis kein Verschulden trifft (Art. 94 Abs. 1
StPO; ebenso Art. 24 Abs. 1 VwVG); es dem Betroffenen in der konkreten
Situation (objektiv oder subjektiv) unmöglich gewesen sein muss, die fragli-
che Frist zu wahren (Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2014.331 vom
8. Januar 2015 E. 1.2);
- in der Begründung darzulegen ist, dass das Verpassen der Frist mit einem
erheblichen und unersetzlichen Rechtsverlust verbunden wäre, wenn die
Wiederherstellung verweigert würde (RIEDO, Basler Kommentar, 2. Aufl.
2014, Art. 94 StPO N. 15);
- angesichts der Möglichkeit, jederzeit beim Beschwerdegegner ein Haftent-
lassungsgesuch einzureichen (vgl. Art. 50 Abs. 3 IRSG), weder vom Be-
schwerdeführer dargetan noch ersichtlich ist, dass die Verweigerung der
Fristwiederherstellung mit einem erheblichen und unersetzlichen Rechtsver-
lust verbunden wäre;
- 4 -
- deshalb auf das Gesuch um Fristwiederherstellung nicht einzutreten ist;
- selbst wenn auf das Fristwiederherstellungsgesuch einzutreten wäre, blosse
Rechtsunkenntnis (vgl. BGE 103 IV 131 E. 2) und mangelnde Sprachkennt-
nisse (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1B_250/2012 vom 31. Juli 2012 E. 2.3
mit Hinweisen) als Wiederherstellungsgrund grundsätzlich nicht ausreichen
(vgl. RIEDO, a.a.O., Art. 94 StPO N. 38);
- im Übrigen der Beschwerdeführer weder geltend macht noch ersichtlich ist,
dass ihm die Bestellung eines Rechtsbeistands verunmöglicht worden oder
er zur Bestellung eines Rechtsanwalts nicht in der Lage gewesen wäre (vgl.
Art. 21 Abs. 1 IRSG); er vielmehr erklärt, mehrfach eine Liste mit Anwälten
erhalten und 2-3 Anwälte angeschrieben zu haben;
- sich die Beschwerde nach dem Gesagten als offensichtlich verspätet er-
weist, weshalb auf sie ohne Schriftenwechsel nicht einzutreten ist (vgl.
Art. 57 Abs. 1 VwVG und Art. 390 Abs. 2 StPO e contrario i.V.m. Art. 48
Abs. 2 IRSG);
- das Gesuch des Beschwerdeführers um Erteilung der aufschiebenden Wir-
kung der Beschwerde mit dem vorliegenden Entscheid hinfällig wird und als
gegenstandslos abzuschreiben ist;
- die Beschwerdekammer eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel
verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit, sofern
ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG) und dieser
einen Anwalt bestellt, wenn dies zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist
(Art. 65 Abs. 2 VwVG);
- sich die Beschwerde anhand des oben Ausgeführten als aussichtslos im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG erwies (vgl. BGE 142 III 138 E. 5.1; 139 III
475 E. 2.2), weshalb das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche
Rechtspflege und Verbeiständung ohne Überprüfung von dessen finanzieller
Situation abzuweisen ist;
- die Gerichtskosten bei diesem Ausgang des Verfahrens dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen sind (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG), wobei die Gerichtsge-
bühr auf Fr. 500.– festzusetzen ist (Art. 65 Abs. 5 VwVG i.V.m. Art. 73 StBOG
und Art. 5 sowie Art. 8 Abs. 3 lit. a des Reglements des Bundesstrafgerichts
vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in
Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]);
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