Decision ID: 1f62719a-4470-4d04-b001-104b6ba8f374
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1975, war von August 2009 bis Dezember 2011 bei Y._ als Betriebsmitarbeiterin tätig (Urk. 7/27/3)
.
Am 6. Februar 2012 meldete sich die Versicherte bei der Invalidenver
siche
rung zum Bezug von Hilfsmitteln an (Urk. 7/2).
Unter Hinweis auf
psychische
Beschwerden (Persönlichkeitsstörung, Alkoholabhängigkeitssyndrom) meldete sich
die Versicherte
sodann am 1. November 2012 bei der Invaliden
ver
siche
rung zum Leistungsbezug (Integration/Rente) an (Urk. 7/7). Die Sozialver
siche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und holte bei Dr. med. Z._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. A._, Facharzt für Allge
meine Innere Medizin und Facharzt für Rheumatologie, ein bidisziplinäres Gutachten ein, das am 11. Juni 2014 erstattet wurde (Urk. 7/65).
Mit Mitteilung vom 5. Dezember 2012 erfolgte eine Gutsprache für eine Hör
gerätepauschale (Urk. 7/20), und mit Mitteilung vom 5. August 2013 eine Kosten
gutsprache für ein Belastbarkeitstraining vom 17. Juni bis 16. Septem
ber 2013 (Urk. 7/39). Mit Mitteilung vom 16. Oktober 2013 wurde die Arbeits
vermittlung abgeschlossen (Urk. 7/52).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 7/70-85) sprach die IV-Stelle
der Versicherten mit Verfügung vom 15. Juni 2016 bei einem Invalidi
tätsgrad von 40 % eine Viertelsrente ab 1. Dezember 2013 und bei einem Invaliditätsgrad von 100 % eine befristete ganze Rente vom 1. März bis 30. September 2014 zu (Urk. 7/90-91 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
17. August 2016
Beschwerde (
Urk.
1)
gegen die Ver
fügung vom 15. Juni 2016 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben (S. 2 Ziff. 1) und es seien ihr ab dem frühest möglichen Zeitpunkt Renten
leis
tungen auf der Basis eines Invaliditätsgrades von mindestens 50 % auszu
rich
ten. Spätestens mit Wirkung ab März 2014 sei ihr eine ganze Rente zuzu
spre
chen und es seien ihr mit Wirkung über September 2014 hinaus weiter
hin Rentenleistungen auszurichten (S. 2 Ziff. 2). Eventuell sei die Angele
gen
heit zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (S. 2 Ziff. 3).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 23. September 2016 (Urk. 6) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 18. Oktober 2016 zur Kenntnis gebracht (Urk. 8).
Mit Gerichtsverfügung vom 10. März 2017 wurden antragsgemäss (vgl. Urk. 1
S. 2 Ziff. 4) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt (Urk. 9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliess
lich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorin
stanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht
auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde
(§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss ständiger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Verfahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechts
mittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der entscheidrelevante Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Be
i
ungenügenden Abklärungen
durch den Versicherungsträger holt
die Be
schwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein
, wenn sie einen (im
Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Admini
stra
tiv
expertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der
–
anschliessend
refor
ma
torisch entscheidenden
–
Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückwei
sung an die Verwaltung. Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt
hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten
Frage begründet
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kanto
nalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE
137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung gestützt auf die Abklärungen davon aus, die Beschwerdeführerin sei seit Oktober 2012
in ihrer Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt. Die erforderliche durchschnit
t
liche Arbeitsunfähigkeit v
on 40 % werde erstmals per 11. Dezember
2013 erreicht. Aufgrund der ausgewiesenen geregelten Tagesstruktur, der Freizeit
gestaltung und der sozialen Kontakte seien erhebliche Ressourcen ausge
wiesen. Die Abklärungen hätten ergeben, dass die psychi
atri
schen Diagnosen als überwindbar gälten. Dies bedeute, dass mit zumutbarer Willensan
streng
ung die bisherige Tätigkeit zu 100
%
zumutbar sei. Eine Besserung der psy
chi
schen Situation sei unter dauerhafter Alkoholabstinenz möglich
.
Aus rein somatisch-rheumatologischer
Sicht sei gemäss Gutachten vom Juni
2014 nach Ablauf des Wartejahres keine Arbeitsfähigkeit gegeben. Ab Begut
achtungszeitpunkt seien angepasste Tätigkeiten zu 70
%
zumutbar
(Verfü
gungs
teil 2 S. 2 oben)
.
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend (Urk. 1), d
er Beginn der Wartefrist sei auf den
7. August
2012 festzulegen, zumal die Gutachter von einer an diesen Klinikaufenthalt folgenden dauernden Arbeitsunfähigkeit ausgegangen seien. Ein Rentenanspruch best
ehe somit ab August 2013 (
S. 6). Weiter gehe die IV
-Stelle
entgegen der klaren interdisziplinären Gesamt
be
ur
teilung der Arbeitsfähigkeit ab Juni 2014 nicht von einer 50%igen Arbeits
unfähigkeit aus
,
sondern bloss noch von einer 30%igen Einschrän
kung der Leistungsfähigkeit, da das psychische Leiden überwindbar sei. Dies werde be
stritten (S. 7). Sollte der IV-Stelle wider Erwarten gefolgt werden, seien weitere
Abklärungen angezeigt, da keine rechtsgenügende Auseinan
der
setzung mit den nach der neuen Rechtsprechung massgebenden Faktoren und Indikatoren stattgefunden habe
(S. 8)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist der
Umfang und
die
zeitliche Dauer des Renten
anspruchs, wobei insbesondere das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit aus psy
chia
trischer Sicht
um
stritt
en
ist
.
3.
3.1
Dr. med. B._
,
Facharzt für
Orthopädische Chirurgie,
berichtete am 7. Oktober
2003 (
Urk.
7/21/4-5)
und nannte folgende Diagnosen
:
-
massives lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom bei grosser Disk
us
hernie L5/S1 links
Er führte aus, dass bei Dekompensation in den letzten zwei Tagen eine notfallmässige Aufnahme vor dem geplanten Eingriff von nächster Woche stattgefunden habe. Bei Kompressionssyndrom S1 links sei die Indikation zur baldmöglichsten operativen Dekompression L5/S1 links gegeben. Es habe ein unkomplizierter operativer Eingriff am 2. Oktober stattgefunden (S. 1).
3.2
Die Ärzte des C._ berichteten am
2
8. Juli
2008 (
Urk.
7/21/29-31)
über den Aufenthalt der Beschwerdeführerin vom 18. Juni bis 14. Juli 2008 und nannten folgende Diagnosen:
-
Alkoholabhängigkeitssyndrom (
ICD-10
F10.21)
-
Nikotinabhängigkeit (
ICD-10
F17.24)
Sie führten aus, dass die Beschwerdeführerin zum zweiten Mal zum Alko
hol
entzug in die Klinik komme. Nach dem Entzug möchte die Beschwerde
führerin in die D._ wechseln. Nach dem letzten Aufenthalt sei die Beschwerdeführerin einen Monat trocken gewesen, dann habe sie wieder schleichend begonnen Alkohol zu trinken. Als Grund für den Alkoholabusus habe sie grundlose Unzufriedenheit angegeben (S. 1 f.). Die Beschwerde
füh
rerin sei zurzeit eher auf der depressiven Seite, seit der Krankschreibung durch das Nichtstun eigentlich noch mehr. Sie fühle sich leer und habe in letzter Zeit Suizidgedanken (S. 2). Der somatische Alkoholentzug sei unter Valium-Gabe komplikationslos verlaufen. Das Valium sei komplikationslos innerhalb von sechs Tagen abgebaut worden. Die Beschwerdeführerin habe sich durchgehend am dreiwöchigen stationären Informations- und Motiva
tionsprogramm beteiligt. Die Beschwerdeführerin werde in die D._ zur Weiterbehandlung entlassen (S. 3).
3.3
Die Ärzte der D._ berichteten am 29. Juli 2008
(
Urk.
7/21/25-28)
über die Hospitalisation der Beschwerdeführerin vom 14. Juli bis 29. Juli 2008
und nannten folgende Diagnosen
:
-
Alkoholabhängigkeit vom Typ des Intoxikationstrinkens
, einmaliges Intoxikationsereignis in beschützender Umgebung in der D._ (ICD-10 F10.24)
-
anamnestisch Hinweise auf alkoholinduzierte depressive Entwick
lung (ICD-10 F10.54), Differentialdiagnose (DD) bipolare affektive Störung, DD im Rahmen einer Persönlichkeitsstörung
-
Nikotinabhängigkeit (ICD-10 F17.24)
-
Status nach zweimaliger Panikattacke
Sie führten aus, dass sich die Beschwerdeführerin schon am zweiten Wochen
ende nach Eintritt ohne Rücksprache vom Areal entfernt habe und es zu
sammen mit einem Patienten einer anderen Abteilung zu einem Intoxika
tions
ereignis mit Alkohol und Kontrollverlust über die Konsummenge ge
kommen sei. In der Folge habe sich die Beschwerdeführerin entschlossen, die Klinik zu verlassen (S. 1). Bei Verdacht auf eine strukturelle Störung seien sicher weitere, vertiefte diagnostische Abklärungen bei einer Fachperson zu erwägen (S. 2).
3.4
Die Ärzte der E._ berichteten am 3. Februar 2009 über die am Vortag durchgeführte
Revisionsfensterung L5/
S1 links mit Entfernung der Disk
ushernie
(Urk. 7/21/22-23). Die Beschwerdeführerin könne am Folgetag mobilisiert werden.
3.5
Dr. med. F._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie des Bewegungsapparates, G._, berichtete am
27. Januar 2011 (Urk. 7/21/70-71) und nannte als Diagnose einen Status n
ach Distorsion
des oberen Sprunggelenks (OSG)
mit Verdacht auf ossären Ausriss am Ligamentum deltoideum rechts am 2
4. Dezember
201
0. Er führte aus, dass primär ein Ausbau der konservativen Massnahmen mit Ruhig
stellung im OSG-Bereich für vier Wochen sowie Physiotherapie zur Propriozeption erfolgen sollte. Die Arbeitsunfähigkeit sei für eine Woche weiter verlängert
worden, anschliessend bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit eine weitere Woche
.
3.6
Die Ärzte der H._ berichteten am 15. Februar 2012
(
Urk.
7/23/13-16)
über den Aufenthalt der Beschwerde
führerin vom 6. bis 28. Januar 2012 und nannten folgende Diagnosen:
-
Störungen durch Alkohol/Abhängigkeitssyndrom/gegenwärtig absti
ne
nt, aber in beschützender Umgebung (
ICD-10
F10.21)
-
Störungen durch Tabak/Abhängigkeitssyndrom/ständiger Substanzge
brauch (
ICD-10
F17.25)
Sie führten aus, dass die Beschwerdeführerin zum dritten Mal zum Alkohol
ent
zug komme. Sie möchte ihr Alkoholproblem wieder in den Griff be
kommen und strebe die vollständige Abstinenz an (S. 1). Die Beschwerde
führerin gebe an, depressiv verstimmt zu sein, vor allem seit sie Ende 2011 ihre Arbeit verloren habe. Sie habe Ein- und Durchschlafstörungen und versuche mit dem Alkoholkonsum diesen entgegen zu wirken (S. 2). Die Alko
holentzugstherapie sei zu Beginn komplikationslos verlaufen, wobei zur Dämmung der Entzugssymptomatik Valium gegeben worden sei. Am 12. Janu
ar 2012 habe die Beschwerdeführerin jedoch einen Rückfall erlitten, als sie im bewilligten Urlaub zuerst Cannabis und danach Alkohol kon
su
miert habe. Es habe im Verlauf keine weiteren Rückfälle gegeben. Die Be
schwerdeführerin sei am 28. Januar 2012 in einem psychopathologischen und somatisch stabilen Zustand nach Hause ausgetreten. Aufgrund des Rück
falls sei das Risiko hoch, dass die Beschwerdeführerin ausserhalb der protek
tiven Umgebung erneut rückfällig werde und in die alten Verhaltensmuster zurückfalle. Deswegen sei der Beschwerdeführerin im Austrittsgespräch emp
fohlen worden, zusätzlich zur Nachbetreuung durch ihre Psychologin eine Suchtberatungsstelle aufzusuchen (S. 3).
3.7
Die Ärzte der H._ berichteten am
2
2. Oktober
2012 (
Urk.
7/23/22-25)
über den Aufenthalt der Beschwerdeführerin vom 7. August bis 15. Oktober 2012 und nannten folgende Diagnosen:
-
emotional instabile Persönlichkeitsstörung, impulsiver Typ (ICD-10 F60.30)
-
Alkoholabhängigkeitssyndrom, gegenwärtig
abstinent
in beschütz
en
der Umgebung (
ICD-10
F10.21)
Sie führten aus, dass die Beschwerdeführerin zur Stabilisierung und zur Be
hand
lung ihrer starken Ängste sowie ihrer depressiven Stimmung komme.
Die Beschwerdeführerin gebe an, dass sie aufgrund ihrer starken Ängste, ihrer
depressiven Stimmung sowie aufgrund des ständigen Überfordertseins zu viel Alkohol trinke. Sie sei ständig nervös, beginne mehrere Dinge gleichzeitig, würde jedoch keines dieser Dinge zu Ende bringen. Selbst einfache Dinge könne sie nicht erledigen. Sie habe schon mehrere Therapien gemacht, habe jedoch noch nie eine verhaltenstherapeutische Behandlung gehabt (S. 1
)
. Die
in den Therapien erlernten Fertigkeiten habe die Beschwerdeführerin ver
sucht
, so gut wie möglich im Alltag umzusetzen. Dies sei ihr jedoch nur teilweise gelungen, so dass es zu mehreren alkoholbedingten Rückfällen gekommen sei. Die Beschwerdeführerin sei jedoch diesbezüglich stets einsichtig gewesen und habe sich bemüht, ihr Problemverhalten zu verändern (S. 3).
3.8
Die Ärzte der
H._
berichteten am 22. November 2013 (Urk. 7/58/1-5
)
und nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1 Ziff. 1.1)
:
-
St
atus
nach Diskushernienoperation L5/S1
-
e
motional instabile Persönlichkeitsstörung, impulsiver Typ (
ICD-10
F60.30)
-
Alkoholabhängigkeitssyndrom, gegenwärtig
abstinent, aber in Behan
dlung mit aversiven oder hemmenden Medikamenten (
ICD-10 F10.23) bestehend seit mindestens
2007
Sie führten aus, dass bei Weiterführung der Psychotherapie sowie der Phar
ma
kotherapie von einem positiven Verlauf ausgegangen werden könne (S. 2 Ziff. 1.4). B
ei Tätigkeit in einer Reparaturwerkstatt
bestehe eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit
seit dem
1
8. Oktober
2012 bis auf
w
eiteres
. Es bestünden vor allem
körperliche Einschränkungen aufgrund eines Bandscheibenvorfalls
sowie m
oderate psychische Einschränkungen in Form von Konzentrations
störungen
(S. 3 Ziff. 1.6 und Ziff. 1.7).
3.9
Dr. med. Z._
,
Facharzt für
Psychiatrie
und Psychotherapie
, und
Dr. med. A._
,
Facharzt für Allgemeine
Innere Medizin und
Facharzt für
Rheuma
tologie, erstatteten ihr bidisziplinäres Gutachten am
1
1. Juni
2014 (
Urk.
7/65
/16-33
)
und nannten folgende
Diagnosen mit langdauernder Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 9):
-
chronisches lumbospondylogenes Syndrom, radikuläres Reiz- und Aus
fallsyndrom L3, L4 und S1 links
-
Alkoholabhängigkeitssyndrom, Behandlung mit aversiven Medika
menten, trotzdem episodischer Substanzgebrauch
(ICD-10 F10.26)
-
psychische Verhaltensstörungen
(ICD-10 F10.8)
-
Differentialdiagnose: emotional instabile Persönlichkeitsstörung
(ICD-10 F60.30)
Als
Diagnosen ohne langdauernde Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannten sie die Folgenden (S. 9):
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung
(ICD-10 F45.4)
-
chronisches Schmerzsyndrom des Rückens, nicht ausreichend
soma
tisch
abstützbar, nicht dermatombezogene Hyposensibilität der linken Körperhälfte, inklusive der Stirnregion, für ausschliesslich taktile Reize bei allseits normalem Lage- und Vibrationssinn
-
Nikotinkonsum
-
anamnestisch Reizmagen-Syndrom
Sie führten aus, dass d
er Alkohol, der
gemäss der
Beschwerdeführerin
seit vielen Jahren te
ilweise exzessiv getrunken werde
, sich ungünstig auf die „psychische Verfassung" und auf die Rückenschmerzen auswirken
würde
. Die
Beschwerdeführerin schildere
, auch nach wiederholtem Nachfragen, dass sie vor
zirk
a
drei
Wochen letztmals Alkohol, damals exzessiv, getrunken habe. In
der klinischen Untersuchung könne
kein Stigma objektiviert werden
, das unter anderem an e
inen Alkoholkonsum denken lasse
. Daraufhin
sei
der CDT-Wert im Serum bestimmt
worden
, der entsprechend negativ ausfallen respektive unterhalb der sogenannten „Grauzone" des CDT-Wertes liegen sollte. Der CDT-Wert
habe
einen negativen Wert
ergeben
. Somit
seien
die Angaben der
Beschwerdeführerin
bezüglich ihres Alkoholkonsums möglich und ein
jeweils kurzdau
ernd erhöhter Alkoholkonsum könne
derzeit nicht aus
geschlossen werden
. Mit diesem Alkoholkonsum k
önne
, aus rein soma
tisch-rheumatologischer Sicht beurteilt, keine anhaltende Einschränkun
g der Arbeitsfähigkeit begründet werden
, zumal keine Hinweise auf somatisch abstützbare Komplikationen objektivierbar s
eien (S. 10 f.)
.
Die Arbeitsfähig
keit
sei,
aus rein somatisch-rheumatologischer Sicht beur
teilt, seit Jahren, möglicherweise bereits seit 2003, für körperlich mittel- und schwergradig belastende Arbeiten nicht
mehr gegeben. Entsprechend seien seither ausschliessli
ch leichtgradig körperlich belastende Arbeiten mit der Möglichkeit zur Wechselbelastung, entsprechend einer angepassten Verweis
tätigkeit, zumutbar. Für eine angepass
te Verweistätigkeit könne
seit Mitte 2013 eine durchschnittliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20
%, seit
Dezember 2013
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit und seit dem Ende der postoperativen Rehabilitationsphase und damit seit spätestens dem Zeit
punkt dieser aktuellen Begutachtung eine Einschränkung der Arbeitsfähi
gkeit
von maximal 30 % begründet werden. Dieses zumutbare Arbeitspensum könne
sowohl am Stück als auch mit vermindertem Tempo über den Tag verteilt abgeleistet werden. Für die erlernte berufliche Tätigkeit im kaufmännischen Bereich und für die von
August 2009
bis Ende
Dezember 2011
ausgeübte beruf
liche Tätigkeit resultier
t
en die gleichen Einschränkungen der Arbeits
fähig
keiten wie die oben erwähnten Einschränkungen für e
ine angepasste Ver
weistätigkeit (S. 16).
In der interdiszi
p
linären Einschätzung der Arbeitsfähig
keit
,
die sowohl die somatisch-rheumatologische Komponente als auch die psychosomatisch-psychiatris
che Komponente mitberücksichtige
, k
önne
seit 2003 für körperlich mittel- bis schwergradige berufliche Tätigkeiten eine vollständige Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit formuliert werden. Für eine
angepasste Verweis
tätigkeit könne
seit
Oktober 2012
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30
%
, seit Mitte 2013 eine
solche
von 50
%
, seit
Dezember 20
13 eine
solche von 100 % und seit Juni 2014 eine solche von 50 % formuliert werden
.
Es we
rd
e
dabei berücksichtigt, dass sich die somatischen und die psycho
so
matisch-psychiatrischen Anteile an der Arbeitsunfähigkeit überdecken w
ürden (S. 16)
.
Aus psychiatrischer Sicht wurde ausgeführt, dass bei der Beschwerdeführerin die Alkoholabhängigkeit das Hauptproblem sei. So betreibe sie seit 2005 einen phasenweise massiven Alkoholabusus, welcher durch Hospitalisationen habe unterbrochen werden können. Seit 2013 habe die Beschwerdeführerin eine Antabus-Therapie, trotzdem komme es mindestens einmal im Monat zu einem Alkoholabsturz. Das Antabus habe zu einer gewissen Verbesserung geführt. Diverse Verhaltensauffälligkeiten der Beschwerdeführerin liessen an alkoholverursachte Störungen denken. So sei sie reduziert belastbar, neige zu Gefühlsinkontinenz und Gefühlsinstabilität und sei impulsiv (Urk.
7/65
/1-15 S. 8). Eine psychische Komorbidität sei vorhanden, da der Alkoholabusus zu negativen Folgeschäden geführt habe. Trotz der Verhaltensstörungen könne die Beschwerdeführerin einen regelmässigen Tagesablauf führen. So schaue sie zu ihrem Hund, könne den Haushalt selbständig führen, koche für die Schwester, pflege soziale Kontakte mit Kollegen und Kolleginnen, spiele Gitarre und Schlagzeug. Die öffentlichen Verkehrsmittel könne sie ohne Prob
leme benutzen. Diese privaten Lebensaktivitäten sprächen dafür, dass die Beschwerdeführerin einigermassen funktioniere, wenn sie nicht unter Druck stehe. Es könne aus psychiatrischer Sicht von einer zirka 30%igen Ein
schrän
kung der Arbeitsfähigkeit seit Mitte Oktober 2012 ausgegangen werden (S. 9).
Dass die Beschwerdeführerin die ambulante Psychotherapie im November 2013 aufgegeben habe, sei ungünstig. Es lägen psychische Störungen vor, welche therapeutisch angehbar seien. Die Abgabe von Psychopharmaka sei
indiziert. Es gebe ungünstige krankheitsfremde Faktoren wie die längere Phase
von Arbeitsuntätigkeit, eine schwierige familiäre Situation, die mässige Moti
vation zur Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit. Die Prognose sei aus psychiatrischer Sicht unklar (S. 10).
3.10
Dr. med.
I._
, Facharzt für Anästhesiologie, Regionaler Ärztlicher Dienst
(
RAD
)
,
nahm am 7. Juli
2014
Stellung
(
Urk.
7/68/4, betreffend Datum vgl.
Urk.
7/85/3)
und führte aus, das
Gutachten
sei umfassend und die medi
zini
schen
Schlussfolgerungen
seien
begründet
.
3.11
Dr.
med.
J._
,
Facharzt für
Neurochirurgie,
berichtete am
10. August 2015 (Urk. 7/76) und nannte folgende (vorliegend gekürzt wiede
r
gegebene
n
) Diagnosen
(S. 1 Ziff. 1.1):
-
chronische Lumbago bei Status nach Spondylodese L4-S1 sowie mikro
chirurgischer Dekompression am 31. Januar 2014 wegen Seg
ment
degeneration
-
psychische Verhaltensstörung
Er führte aus, dass
bei diesem Verlauf bezüglich des Wirbelsäulenleidens von einer mindestens 50%igen Arbeitsunfähigkeit für leichte bis mittelschwere Tätigkeiten auszugehen
sei (S. 2 Ziff. 1.6).
3.12
Die Ärzte des K._ berichteten am
1
9. Januar
2016 (
Urk.
7/81)
und nannten folgende
Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit
(S. 2 Ziff. 1.1):
-
emotional instabile Persönlichkeitsstörung: impulsiver Typ
(ICD-10 F60.30)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode
(ICD-10
F33.0
)
-
Alkoholabhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent (Stand August 2015
; ICD-10 F10.2
)
Sie führten aus, dass
aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
auf dem ersten Arbeitsmarkt
und eine
50%
ige
Arbeitsunfähigkeit im geschützten Bereich
bestehe
(S. 4
Ziff.
1.6)
. A
ufgrund der Grunderkrankung
der emotionalen instabilen Persönlichkeitsstörung mit impulsiven Zügen müsse von einer reduzierten Stresstoleranzgrenze ausgegangen werden. Es be
stehe dabei ein vermindertes Leistungsniveau (S.
4
Ziff.
1.7)
. I
n einer behin
derungsanpassten Tätigkeit bestehe ab August 2015 eine 50%ige Arbeits
fähigkeit (S. 5
Ziff.
1.9)
.
3.13
Dr. I._
, RAD,
nahm am
3. März
2016
Stellung
(
Urk.
7/85/3)
und führte aus, dass
keine neuen medizinischen Fakten gegenüber dem Zeitpunkt der Begut
achtung
vorgebracht worden seien.
4.
4.1
Aus den aufliegenden Akten erhellt, dass sich der aktuelle Gesund
heits
zustand der Beschwerdeführerin sowie die verbliebene Arbeitsfähigkeit nur ungenügend feststellen lassen und eine abschliessende Beurteilung der stritti
gen Rentenfrage mithin nicht möglich ist.
So wird psychiatrischerseits von den Gutachtern
die Alkoholabhängigkeit
der
Beschwerdeführerin als Hauptproblem betrachtet (vgl. Urk. 7/65/8). Eine solche
begründet jedoch rechtsprechungsgemäss - wie auch ein Medikamenten
miss
brauch oder eine Drogensucht -
per se keine Invalidität im Sinne des Ge
setzes.
Vielmehr wird eine solche Sucht invalidenversicherungsrechtlich erst bedeutsam, wenn sie ihrerseits eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger die Erwerbsfähigkeit beein
träch
tigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder aber wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist, welchem
Krankheitswert zukommt (vgl.
BGE 124 V 265
E. 3c; AHI 2002 S. 30, I 454/99
E. 2a).
4.2
Dabei ist das ganze für die Alkoholsucht massgebende Ursachen- und Folge
spektrum in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen, was impliziert, dass einer allfälligen Wechselwirkung zwischen Suchtmittelabhängigkeit und psychi
scher Begleiterkrankung Rechnung zu tragen ist.
Was die krankheitsbedingten Ursachen der Alkoholsucht betrifft, ist für die
invalidenversicherungsrechtliche Relevanz der Abhängigkeit erforderlich, das
s dem Alkoholismus eine ausreichend schwere und ihrer Natur nach für die
Entwicklung einer Suchtkrankheit geeignete Gesundheitsstörung zugrunde liegt, welche zumindest eine erhebliche Teilursache der Alkoholsucht dar
stellt
. Mit dem Erfordernis des Krankheitswerts einer allfälligen verursachenden psychischen Krankheit wird verlangt, dass diese die Arbeits- und Erwerbs
f
ähigkeit einschränkt. Wenn der erforderliche Kausalzusammenhang zwischen
Alkoholsucht und krankheitswertigem psychischem Gesundheitsschaden be
steht, sind für die Frage der noch zumutbaren Erwerbstätigkeit die psychi
schen und die suchtbedingten Beeinträchtigungen gesamthaft zu berück
sich
tigen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_906/2013 vom 23. Mai 2014 E. 2.2
und 9C_701/2012 vom 10. April 2013 E. 2 mit Hinweisen sowie 9C_706/2012
vom 1. Juli 2013 E. 3.2
mit Hinweis auf I
169/06 vom 8. August 2006 E. 2.2).
4.3
Die zitierte Praxis setzt den Grundsatz um, dass funktionelle Einschrän
kungen nur anspruchsbegründend sein können, wenn sie sich als Folgen selb
ständiger Gesundheitsschädigungen darstellen (Art. 6 ff. ATSG und Art. 4 Abs. 1 IVG). Insofern verhält es sich ähnlich wie im Verhältnis zwischen psy
chosozialen oder soziokulturellen Umständen und fachärztlich festgestellten psychischen Störungen von Krankheitswert (BGE 127 V 294 E. 5a): Wo die Gutachter im Wesentlichen nur Befunde erheben, welche in der Sucht ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in dieser aufgehen, ist kein inva
lidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben. Dies trifft zu, wenn davon auszugehen ist, dass sich beispielsweise ein depressives Zustandsbild
bei einer (angenommenen) positiven Veränderung der suchtbedingten psy
cho
sozialen Problematik wesentlich bessern (und die damit verbundene Beein
trächtigung des Leistungsvermögens sich entsprechend verringern) würde (Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 2.2.1 unter
Hinweis auf 8C_580/2014 vom 11. März 2015 E. 2.2.1 und 9C_856/2012 vom
19. August 2013 E. 2.2.1).
Angesichts der insoweit finalen Natur der Invalidenversicherung (BGE 120 V 95 E. 4c; Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Aufl. 2014, Rz 51 zu Art. 4 IVG) ist nicht entscheidend, ob die Alkohol
sucht Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist oder ob die Sucht ausserhalb eines Kausalzusammenhangs mit dem versicherten Gesundheitsschaden steht. In beiden Konstellationen sind reine Suchtfolgen IV-rechtlich irrelevant, soweit sie als solche allein leistungsmindernd wirken. Hingegen sind sie gleichermassen IV-rechtlich relevant, soweit sie in einem engen Zusammenhang mit einem eigenständigen Gesundheitsschaden stehen. Dies kann der Fall sein, wenn die Alkoholsucht – einem Symptom gleich – Teil eines Gesundheitsschadens bildet (BGE 99 V 28 E. 3b); dies unter der Voraussetzung, dass nicht allein die unmittelbaren Folgen des Rauschmittel
konsums, sondern wesentlich auch der psychiatrische Befund selber zu Arbeits
unfähigkeit führt. Sodann können selbst reine Suchtfolgen invalidi
sierend sein, wenn daneben ein psychischer Gesundheitsschaden besteht, welcher die Betäubungsmittelabhängigkeit aufrecht erhält oder deren Folgen
massgeblich verstärkt. Umgekehrt können die Auswirkungen der Sucht (una
b
hängig von ihrer Genese) wie andere psychosoziale Faktoren auch mittelbar zur Invalidität beitragen, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der Folgen
eines Gesundheitsschadens beeinflussen (Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2015
vom 8. Oktober 2015 E. 2.2.2 unter Hinweis auf 8C_580/2014
vom 11. März 2015 E. 2.2.2 und 9C_856/2012 vom 19. August 2013 E. 2.2.2).
4.4
Vorliegend bleibt gestützt auf das Gutachten sowie die übrigen medizini
schen Akten unbeantwortet beziehungsweise ungenügend begründet, w
elcher Art der Zusammenhang zwischen der Alkoholsucht
der Beschwerdeführerin
und den
im Gutachten
ebenfalls diagnostizierten psychischen Verhaltens
störungen ist, ob diesen Krankheitswert zukommt und sie
somit
selber zu
einer
Arbeitsunfähigkeit führen, ob sie die
Akohol
abhängigkeit aufrecht erhalten oder deren Folge
n massgeblich verstärken.
So führten die Gutachter lediglich aus, dass die Therapie mit Antabus zu einer gewissen Verbesserung geführt habe, ohne diese Verbesserung jedoch näher zu begründen beziehungsweise in Bezug auf funktionelle Einschrän
kungen zu erläutern. Sie führten sodann aus, dass diverse Verhaltensauf
fälligkeiten der Beschwerdeführerin an alkoholverursachte Störungen denken liessen und erst eine längere Abstinenz darüber Aufschluss geben würde, ob die Verhaltensstörungen reversibel seien. Schliesslich wird ohne jede weitere Begründung ausgeführt, dass eine psychische Komorbidität vorhanden sei, da der Alkoholabusus zu negativen Folgeschäden geführt habe (Urk. 7/65/8-9).
4.5
Eine konsistente versicherungsmedizinische Wür
digung liegt nach dem Ge
sag
ten nicht vor. Es bleibt unklar, ob und in wel
chem Ausmass der Substanz
abusus durch krankheits
be
dingte Faktoren ausgelöst worden ist und gege
benen
falls welchen Anteil daran die schwierige psychosoziale Situa
tion gehabt hatte. Sodann bleibt offen, ob aktuell noch eine Suchtproblematik besteht, zumal das Gutachten im Verfügungszeitpunkt immerhin zwei Jahre alt war. Sofern nach wie vor eine Suchtproblematik vorliegt, stellt sich weiter die Frage, ob von einer primären oder sekundären Sucht auszugehen ist.
Unklar bleibt zudem auch, weshalb eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit
aus psychiatrischer Sicht (auch in der bisherigen Tätigkeit; vgl. 7/65/11) und eine maximal 30%ige Arbeitsunfähigkeit aus somatisch-rheumatologischer Sicht (in leidensangepassten Tätigkeiten; vgl. 7/65/31 oben)
interdisziplinär be
trachtet
zu einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit in angepasster Tätigkeit führen sollen (vgl. 7/65/31 unten). E
ine nachvollziehbare Begründung hierfür wurde von den Gutachtern nicht abgegeben. Hierzu bleibt anzumerken, dass eine
Kumulation der einzelnen
attestierten Arbeitsunfähigkeiten bei Berücksich
tigung der jeweiligen Belastungsprofile und der Tatsache, dass die
psychi
schen Beschwerden im Vordergrund stehen,
nicht ohne weiteres als nachvoll
ziehbar erscheint. Es bleibt daher abzuklären, ob
die
in den somatischen Beschwerden begründete
Arbeitsunfähigkeit in der A
rbeitsunfähigkeit auf
grund der psychischen Beschwerden aufgeht.
Da das Gutachten
im Verfügungszeitpunkt bereits
zwei
Jahre alt war, seither weitere
,
dem Gutachten zu einem
nicht unwesentlichen
Teil widersprechende
,
A
rztberichte eingereicht worden sind (
vgl. vorstehend E. 3.11 und E. 3.12
), sich die Gutachter
zudem
kaum mit
früheren
ärztlichen Stellungnahmen aus
einander
gesetzt haben und das Gutachten, in welchem unter anderem
eine somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert wurde
,
auch den Anforderungen der neuen Schmerzrechtsprechung (
vgl.
BGE 141 V 281) nicht genügt
, lassen sich den angeführten Akten
nicht genügend Angaben entnehmen, um die Zuverlässigkeit der von ärztlicher Seite attestierten
Arbeitsunfähigkeit, insbe
sondere auch
den Schwere
grad und die Konsistenz der funktionellen Auswir
kun
gen der psychischen Problematik aus rechtlicher Sicht sowie die „Wechsel
wirkungen“ des Suchtgeschehens (vgl. vorstehend E. 4.2-4.3)
beurteilen zu können.
4.6
Die genannte, nicht schlüssige medizinische Aktenlage erlaubt nach dem Gesag
ten keine verlässliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
führerin sowohl in einer leidensangepassten Tätigkeit als auch in der ange
stammten Tätigkeit.
Erforderlich ist somit eine medizi
nische Gesamtbetrach
tung unter Beachtung der Standardindikatoren, welche die aktuellen Ein
schränkungen der Beschwerdeführerin gesamtheitlich berücksichtigt. Erst wenn
diese Einschätzung vorliegt, kann beurteilt werden, ob eine renten
relevante Gesundheitsschädigung vorliegt.
4.7
Zusammenfassend erweist sich die vorliegende Aktenlage für eine abschlies
sende Beurteilung des Leistungsanspruchs in Bezug auf den medizinischen Sachverhalt als unvollständig, weshalb die angefochtene Verfügung aufzu
heben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese ent
sprechende medizinische Abklärungen zum Gesundheitszustand und zur Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin vornehme. Nach der Durch
füh
rung eines neuen Einkommensvergleichs wird die IV-Stelle über den Renten
anspruch der Beschwerdeführerin neu zu verfügen haben.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzu
legen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem
Aus
gang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin auf
zuerle
gen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Ver
wal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsie
gen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat. Die
Prozessentschädigung
ist
gemäss
Art.
61 lit.
g ATSG in Verbindung mit
§
34
des Gesetzes über das Sozialversiche
rungs
ge
richt (
GSVGer
)
-
ohne Rücksicht auf den Streitwert
-
nac
h der Bedeutung der Streitsache,
nach d
er Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens
zu bemessen.
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Bemessungskriterien ist die Prozess
ent
schädigung vorliegend auf Fr. 2‘285.05 (inkl. Barauslagen und MWSt) fest
zusetzen.