Decision ID: 70d6286e-47d7-5b1e-a55f-7d20b95463b6
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 2. Mai 2001 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1).
Der behandelnde Dr. med. B._, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, berichtete am
24. Juni 2001, der Versicherte leide an einem schwer kontrollierbaren Asthma
bronchiale; Allergien mit chronisch rezidivierenden Hautreaktionen (generalisierte
Ekzeme); einem Status nach Folter in C._ wahrscheinlich mit konsekutiv psychischen
Folgen und v.a. auf funktionelle Beschwerden (Cephalea etc.) sowie mit
Zehennageldeformationen mit chronisch rezidivierenden Infekten. Sodann bestehe eine
soziokulturelle Problematik (IV-act. 8). Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte
am 12. und 14. November 2001 in der damaligen MEDAS der Universitätskliniken
Basel-Stadt polydisziplinär (internistisch, pneumologisch und psychiatrisch)
begutachtet. Die Experten diagnostizierten ein Asthma bronchiale; eine depressive
Episode leichten Grades als Folge einer posttraumatischen Belastungsstörung nach
Gefängnisaufenthalt; eine geringe Enkulturation und geringe Sprachkenntnisse,
Probleme mit der primären Bezugsgruppe; eine spiroergometrisch starke,
kardiozirkulatorisch bedingte Einschränkung der Leistungsfähigkeit. Für die
angestammte Tätigkeit als Maschinenmechaniker bescheinigten sie eine 100%ige und
für eine leidensangepasste Tätigkeit eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit (Gutachten vom
23. November 2001, IV-act. 14; vgl. auch IV-act. 15). Gestützt auf diese medizinische
Beurteilung wies die IV-Stelle das Rentengesuch des Versicherten ab (Verfügung vom
24. Juni 2002, IV-act. 25).
A.b Auf die Wiederanmeldung des Versicherten vom 28. September 2005 (IV-act. 27)
trat die IV-Stelle, nachdem sie Berichte bei den behandelnden Ärzten eingeholt hatte,
nicht ein (Verfügung vom 16. Februar 2006, IV-act. 50, und Einspracheentscheid vom
25. September 2006, IV-act. 61).
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A.c Am 6. April 2010 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 64). Dr. med. D._, Facharzt FMH für Neurochirurgie, berichtete
am 29. April 2010, der Versicherte leide an einem chronischen lumbovertebrogenen
und lumboradikulären Schmerzsyndrom rechts bei Spondylarthrose L4/L5,
Spondylarthrose und Spondylolisthesis L5/S1 sowie medianer kleiner Diskushernie L5/
S1. Zudem äusserte er den Verdacht auf eine schmerzbedingte Depression (IV-act. 68).
Nachdem die IV-Stelle weitere Berichte bei Dr. E._ eingeholt hatte (Berichte vom 17.
August 2010, IV-act. 72, und vom 13./16. Mai 2011, IV-act. 83 f.), wurde der
Versicherte am 3. August 2011 von RAD-Arzt Dr. med. F._, Facharzt für Prävention
und Gesundheitswesen, untersucht. Im Bericht vom 5. August 2011 führte er aus, im
Vordergrund stünden derzeit die Behandlung einer Gonarthrose und die weitere
Abklärung der Bauchschmerzen, deren Ursache noch unklar sei. Zeichen einer
eindeutigen radikulären Symptomatik seien nicht feststellbar. Die Schmerzen und
Sensibilitätsstörungen seien im Rahmen einer Symptomausweitung zu interpretieren.
Das Asthma bronchiale sei medikamentös gut eingestellt und klinisch erscheinungsfrei.
Eine schwergradige Depression liege aufgrund des psychischen Befunds sicher nicht
vor. RAD-Arzt Dr. F._ empfahl, zunächst das Ergebnis der weiteren medizinischen
Untersuchungen und Behandlungsmassnahmen abzuwarten (IV-act. 95).
A.d Vom 23. bis 30. November 2011 befand sich der Versicherte zur stationären
Behandlung in der Klinik für Chirurgie am Kantonsspital St. Gallen (KSSG), wo am 24.
November 2011 aufgrund chronischer Narbenschmerzen bei Status nach
präperitonealer Netzeinlage bei Nabelhernie am 3. November 2010 eine Narbenrevision
mit partieller Netzexplantation durchgeführt wurde (Austrittsbericht vom 2. Dezember
2011, IV-act. 131). Dr. E._ gab im Verlaufsbericht vom 22. August 2012 an, der
Gesundheitszustand des Versicherten habe sich verschlechtert. Dieser sei zu 100%
arbeitsunfähig (IV-act. 117). Am 18. September 2012 unterzog sich der Versicherte
wegen einer dorsomedialen degenerativen Meniscusläsion am linken Kniegelenk, einer
fibrosierten Plica und einem beginnenden medialen femoralen Knorpelschaden Grad I-
II, einem von Dr. med. G._, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, durchgeführten operativen Eingriff
(arthroskopische mediale Teilmeniscectomie links, Débridement des medialen
femoralen Knorpelschadens, partielle Resektion der Plica infrapatellaris;
Operationsbericht vom 18. September 2012, IV-act. 128; vgl. auch IV-act. 125). RAD-
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Arzt Dr. F._ gelangte am 18. Dezember 2012 zur Auffassung, eine objektivierbare,
anhaltende arbeitsfähigkeitsrelevante Veränderung des Gesundheitszustands liege
nicht vor. Es bestehe wie bisher eine 70%ige Arbeitsfähigkeit bezogen auf eine
leidensangepasste Tätigkeit (IV-act. 134).
A.e Mit Mitteilung vom 4. März 2013 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren um
berufliche Massnahmen ab. Zur Begründung brachte sie vor, der Versicherte fühle sich
nicht in der Lage, an Eingliederungsmassnahmen mitzuwirken (IV-act. 143). Ausgehend
von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten stellte die IV-
Stelle dem Versicherten in Aussicht, das Rentengesuch abzuweisen (Vorbescheid vom
22. März 2013, IV-act. 147). Dagegen erhob der Versicherte am 7. Mai 2013 Einwand
(IV-act. 151; siehe auch die ergänzende Eingabe vom 7. Juni 2013 mit u.a. Berichte von
Dr. D._ vom 6. Mai 2013, worin aus neurochirurgischer Sicht eine 70%ige
Arbeitsunfähigkeit bescheinigt wurde, und von Dr. E._ vom 8. Mai 2013, die darin
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte, IV-act. 154-1 ff.).
A.f Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 21. November 2013, 16.
Dezember 2013 und 13. Januar 2014 polydisziplinär (internistisch, pneumologisch,
psychiatrisch und orthopädisch) in der Medas Interlaken Unterseen GmbH
begutachtet. Die Medas-Gutachter diagnostizierten mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit: ein chronisches lumbovertebragenes und lumboradikuläres
Schmerzsyndrom beidseits, die Wurzel L5 betreffend, bei Spondylarthrosen L3/L4, L4/
L5, L5/S1, Spondylarthrose und mediane Diskushernie L5/S1 sowie Spondylolisthesis
L5/S1 (ICD-10: M54.06); eine leichte Varusgonarthrose beidseits, linksbetont; ein
symptomatisches subacromiales Impingementsyndrom der linken Schulter; eine
andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10: F62.0),
bestehend seit mehr als 10 Jahren; eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig leichtgradige Ausprägung, ohne somatisches Syndrom (ICD-10: F33.00);
ein Asthma bronchiale und anamnestisch eine Allergie auf Hausstaub- und Mehlmilbe,
Katze, etwas weniger Hund. Die früher ausgeübte Tätigkeit als Maschinenmechaniker
sei ihm definitiv nicht mehr zumutbar. Für eine leidensangepasste (leichte,
wechselbelastende) Tätigkeit verfüge der Versicherte über eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit. Diese gelte ab 1. Januar 2010 (Gutachten vom 8. April 2014, IV-act.
165). RAD-Arzt Dr. F._ hielt diese gutachterliche Beurteilung für plausibel
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(Stellungnahme vom 28. Mai 2014, IV-act. 166; vgl. auch die Fallbesprechung vom 7.
Juli 2014, IV-act. 170-2). Der Rechtsdienst vertrat in der Stellungnahme vom 8. Juli
2014 die Ansicht, der Versicherte leide nicht an einer invalidenversicherungsrechtlich
relevanten Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 171).
A.g Mit neuerlichem Vorbescheid vom 16. Juli 2014 stellte die IV-Stelle dem
Versicherten die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 175). Dagegen
erhob der Versicherte am 12. September 2014 Einwand (IV-act. 176). Am 7. Oktober
2014 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des Rentengesuchs (IV-act. 177).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 7. Oktober 2014 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 5. November 2014. Der Beschwerdeführer beantragt darin unter
Kosten- und Entschädigungsfolge deren Aufhebung und die Zusprache einer
Invalidenrente. Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Im Wesentlichen führt der Beschwerdeführer zur
Begründung aus, es bestehe kein Anlass, von der im Medas-Gutachten vom 8. April
2014 bescheinigten Arbeitsunfähigkeit abzuweichen. Zudem rügt er bezüglich der
Frage nach einem Tabellenlohnabzug eine Verletzung des rechtlichen Gehörs (act. G
1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 5. Dezember
2014 die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verweist sie auf die
angefochtene Verfügung und ergänzt, dass ein medizinischer Revisionsgrund nicht
ausgewiesen sei. Aus diesem Grund sei auch nicht über einen Einkommensvergleich zu
diskutieren, weshalb die Gehörsrüge ungerechtfertigt sei (act. G 5).
B.c Mit Präsidialentscheid vom 16. Dezember 2014 wurde dem Gesuch um
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung entsprochen) entsprochen (act.
G 6).
B.d In der Replik vom 26. Januar 2015 hält der Beschwerdeführer unverändert an den
gestellten Anträgen fest (act. G 8).
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B.e Die Beschwerdegegnerin hat die Frist für eine Duplik unbenützt verstreichen
lassen (act. G 10).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parten umstritten und zu prüfen ist vorliegend die Frage, ob die im
Rahmen eines Wiederanmeldungsverfahrens ergangene Abweisung des
Rentengesuchs zu Recht erfolgt ist.
1.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine
Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch
massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
1.2 Die Rentenabstufungen nach Art. 28 Abs. 2 IVG geben bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 40% Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 50% Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von
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mindestens 60% Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 70% Anspruch auf eine ganze Rente.
1.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a).
2.
Zunächst ist zu beurteilen, ob der Sachverhalt in medizinischer Hinsicht spruchreif
abgeklärt worden ist.
2.1 Das im Auftrag der Beschwerdegegnerin erstattete Medas-Gutachten vom 8. April
2014 beruht auf umfassender Aktenkenntnis sowie eingehenden interdisziplinären
eigenen Untersuchungen. Das gesamte Leidensbild des Beschwerdeführers fand darin
Berücksichtigung. Die auf dieser Grundlage gezogenen Schlüsse sind nachvollziehbar
(IV-act. 165).
2.2 Die Beschwerdegegnerin hält die von den orthopädischen Medas-Gutachtern
bescheinigte 50%ige Arbeitsunfähigkeit für unzutreffend (act. G 5, II. Rz 7, und IV-act.
170).
2.2.1 Aus dem orthopädischen Teilgutachten gehen verschiedene Leiden hervor, die
erst in den letzten Jahren vor der Begutachtung aufgetreten sind (IV-act. 165-84 ff.;
zum Verlauf siehe auch IV-act. 165-43), weshalb sich das Vorbringen der
Beschwerdegegnerin, der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe sich nicht
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verschlechtert (act. G 5, III. Rz 4), als aktenwidrig erweist und sich weitere
Ausführungen hierzu erübrigen. Die orthopädischen Gutachter verwiesen bezüglich der
Schmerzverarbeitungsstörung auf das psychiatrische Teilgutachten. Aus rein
orthopädischer Sicht berücksichtigten sie vor allem die chronischen Rückenschmerzen
und die Impingement-Symptomatik. Die bildgebenden Untersuchungen ergaben
verschiedene Befunde (Spondylarthrose L3/L4, L4/L5 und L5/S1, Spondylolisthesis
und mediale Diskushernie L5/S1). Bezüglich der leichten Varusgonarthrose linksbetont
hielten die orthopädischen Gutachter fest, dass hier keine weiteren Probleme zu
erwarten seien, sofern die "Einschränkungen bezüglich der Wirbelsäulenproblematik"
eingehalten würden (IV-act. 165-87 und IV-act. 165-36 unten; vgl. auch zur aus
orthopädischer Sicht im Vordergrund stehenden Rückenbeschwerden, IV-act. 165-43).
2.2.2 Ein den Beweisanforderungen genügendes Gutachten, das im
Verwaltungsverfahren eingeholt wurde, kann nicht in Frage gestellt werden, wenn und
sobald die behandelnden Ärzte nachher zu einer unterschiedlichen Beurteilung
gelangen oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten.
Anders verhält es sich, wenn objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorgebracht
werden, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben waren und die geeignet
sind, zu einer anderen Beurteilung zu führen (Urteil des Bundesgerichtes vom 29. Juli
2008, 9C_830/2007 E. 4.3 mit Hinweisen). Nichts anderes kann für abweichende
Einschätzungen versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen gelten.
2.2.3 Die Beschwerdegegnerin benennt keine objektiv wesentlichen
Gesichtspunkte, welche die Medas-Experten ausser Acht gelassen haben und die
Zweifel am orthopädischen Teil des Medas-Gutachtens entstehen lassen. RAD-Arzt Dr.
F._ bestätigte vielmehr in seiner Würdigung des Medas-Gutachtens die darin
enthaltene Arbeitsfähigkeitsschätzung (Stellungnahme vom 28. Mai 2014, IV-act. 166).
Aus der davon ohne medizinischen Sachverstand und ohne konkrete Begründung
erfolgten abweichenden Ansicht des Rechtsdienstmitarbeiters (IV-act. 169 und IV-
171-2) lässt sich nichts zuungunsten der Beweiskraft des orthopädischen Teils des
Medas-Gutachtens ableiten. Gleiches gilt für die im Rahmen der "Fallbesprechung"
vom 7. Juli 2014 vertretene Ansicht, "rein aus orthopädischer Sicht besteht keine
50%ige AUF, rein adaptiert wäre die AF nicht eingeschränkt", fehlt hierfür doch
ebenfalls jegliche Begründung. Eine solche wäre umso erforderlicher gewesen, als sich
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der bei der Fallbesprechung anwesende RAD-Arzt damit in offenen Widerspruch zu
seiner früheren Einschätzung setzte. Hinzu kommt, dass anlässlich der
Fallbesprechung darauf hingewiesen wurde, weshalb sich die orthopädischen
Gesundheitsschäden aufgrund des gesamten Leidensbilds "zusätzlich auf die
Arbeitsfähigkeit" auswirken (IV-act. 170-2). Im Übrigen kann es nicht angehen, dass die
Beschwerdegegnerin - wie im vorliegenden Fall - von einem externen Gutachten
abweicht, ohne dass sie vorgängig vom orthopädischen Gutachter eine weitere
Stellungnahme einholt. Vorliegend wäre die Beschwerdegegnerin vielmehr verpflichtet
gewesen, den orthopädischen Medas-Gutachter spätestens nach der
"Fallbesprechung" mit der abweichenden Einschätzung zu konfrontieren und ihm
Gelegenheit zu einer Stellungnahme zu geben (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 14.
Februar 2014, 8C_874/2013, E. 3.3). Von der Rückweisung der Sache an die
Beschwerdegegnerin zu entsprechenden Abklärungen kann vorliegend allerdings
abgesehen werden, da die nicht begründete, rudimentär formulierte
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Beschwerdegegnerin gemäss "Fallbesprechung" nicht
geeignet ist, Zweifel an der Beweiskraft des orthopädischen Gutachtenteils entstehen
zu lassen.
2.3 Gegen den psychiatrischen Teil des Medas-Gutachtens bringt die
Beschwerdegegnerin verschiedene Einwände vor (IV-act. 171 und G 5 III. Rz 2).
2.3.1 Die Kritik der Beschwerdegegnerin beruht ausschliesslich auf der nicht
fachkundigen Würdigung durch deren Rechtsdienstmitarbeiter. Er setzt sich mit seiner
Betrachtungsweise nicht bloss in Widerspruch zum Medas-Gutachten, sondern auch
zu den Stellungnahmen von RAD-Arzt Dr. F._ (IV-act. 166 und 170-2). Er benennt
keine objektiv wesentlichen Gesichtspunkte, die den psychiatrischen Teil des Medas-
Gutachtens aus medizinischer Sicht als unvollständig oder unzutreffend erscheinen
lassen.
2.3.2 Das Vorbringen, der psychiatrische Gutachter erhebe im Wesentlichen nur
Befunde, die in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende
Erklärung fänden (act. G 5 III, Rz 2), erweist sich als aktenwidrig. Der psychiatrische
Gutachter setzte sich ausführlich mit der Entstehung und der Zusammensetzung des
psychischen Leidensbilds auseinander (IV-act. 165-72 ff.). Er legte dar, dass die
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psychosozialen und soziokulturellen Belastungsfaktoren bloss zum Teil ("z.T.") zur
Entwicklung einer psychiatrischen Erkrankung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
geführt haben (IV-act. 165-77). Es kann daher und aufgrund der Inhaftierung mit Folter
bzw. der damit verbundenen traumatischen Erlebnisse (IV-act. 165-75; vgl. auch IV-act.
165-33 oben) sowie des ausgeprägten polymorbiden Krankheitsbilds keine Rede
davon sein, die psychische Erkrankung ginge in psychosozialen und soziokulturellen
Umständen auf.
2.3.3 Ferner neigt die Beschwerdegegnerin der Ansicht zu, die
Leistungseinschränkung des Beschwerdeführers beruhe auf Aggravation (act. G 5 III,
Rz 2). Lediglich der fallführende internistische Gutachter gab an, es hätten sich
wiederholt Anzeichen von Verdeutlichung gezeigt, indem der Beschwerdeführer immer
wieder seinen linken Arm reibe und dazu intermittierend stöhne (IV-act. 165-28).
Zunächst ist mit dem Beschwerdeführer (vgl. act. G 8, S. 4) klarzustellen, dass darin
kein Vorwurf von Aggravation oder Simulation erblickt werden kann.
Verdeutlichungstendenzen sind der Begutachtungssituation - gerade wegen der
Sprachdefizite des Beschwerdeführers (vgl. hierzu IV-act. 165-68) - durchaus
angemessen und dürfen gerade nicht mit Simulation oder Aggravation gleichgesetzt
werden. Es handelt sich hierbei um den mehr oder weniger bewussten Versuch, den
Gutachter vom Vorhandensein der Schmerzen und damit einhergehender Funktions-
und Leistungseinschränkungen zu überzeugen (Entscheid des Versicherungsgerichts
vom 22. Mai 2013, IV 2012/36, E. 3.5.2 mit Hinweis; vgl. zur Unterscheidung blosser
Verdeutlichungstendenzen von einer Aggravation BGE 141 V 288 E. 2.2.1 mit Hinweis
auf die medizinische Literatur). Zu berücksichtigen ist sodann die Angabe des
psychiatrischen Gutachters, während der Untersuchung seien keine demonstrativen
Sitzpositionswechsel und keine Schmerzäusserungen erfolgt. Während der gesamten
Untersuchung hätten sich zu keinem Zeitpunkt konkrete Hinweise auf ein
aggravierendes Verhalten oder eine Simulation gezeigt (IV-act. 165-68). Anlässlich der
orthopädischen Begutachtung hatte der Beschwerdeführer ferner einen ehrlichen und
aufrichtigen Eindruck hinterlassen. Es scheine keine gewollte Täuschung vorzuliegen
(IV-act. 165-87). RAD-Arzt Dr. F._ gelangte in damit zu vereinbarender Weise zum
Schluss, dass aus den medizinischen Akten keine Inkonsistenzen hervorgehen (IV-act.
166-2).
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2.4 Im Licht dieser Umstände besteht kein Grund, vom beweiskräftigen Medas-
Gutachten abzuweichen. Der Vollständigkeit halber zu ergänzen bleibt, dass von
medizinischen Massnahmen keine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit erwartet werden
kann (IV-act. 166-2, IV-act. 165-44; vgl. auch IV-act. 165-81). Gestützt auf das Medas-
Gutachten ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer seit 1. Januar 2010 (IV-act. 165-43) für leidensangepasste
Tätigkeiten lediglich noch über eine 50%ige Arbeitsfähigkeit verfügt.
3.
Da keine aussagekräftige Grundlage für die Bestimmung der Vergleichseinkommen
besteht, ist zur Ermittlung des Invaliditätsgrads ein Prozentvergleich vorzunehmen.
Diesfalls entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter
Berücksichtigung des Abzuges vom Tabellenlohn. Zu klären ist damit lediglich noch die
Frage nach der Höhe des Tabellenlohnabzugs bei der Bestimmung des
Invalideneinkommens. Der Beschwerdeführer kann seine Restarbeitsfähigkeit lediglich
noch teilzeitlich verwerten (IV-act. 165-43 oben und IV-act. 165-44
["Teilzeitarbeitsfähigkeit"]). Er ist seit längerer Zeit abwesend vom Arbeitsmarkt bzw.
davon desintegriert (vgl. zum Abzugsgrund der langen Abwesenheit vom Arbeitsmarkt
etwa Urteile des Bundesgerichts vom 10. Februar 2011, 9C_617/2010, E. 4.3, vom 15.
Juli 2009, 9C_524/2008, E. 4 und 4.2, und vom 4. Mai 2012, 9C_22/2012, E. 3.2).
Insgesamt erscheint ein Abzug von 15% angemessen. Demnach resultieren ein
Invaliditätsgrad von aufgerundet 58% (50% + [50% x 15%]) und ein Anspruch auf eine
halbe Rente. In Nachachtung von Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch
aufgrund der am 6. April 2010 eingereichten Anmeldung (IV-act. 64) am 1. Oktober
2010. Bei diesem Ausgang kann offen bleiben, ob die Beschwerdegegnerin die ihr
obliegende Begründungspflicht verletzt hat (siehe zur Rüge des Beschwerdeführers
act. G 1, Rz 12).
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die Verfügung vom 7. Oktober 2014 aufzuheben und dem
Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Oktober 2010 eine halbe Rente zuzusprechen.
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Zur Festsetzung und Ausrichtung der Rentenleistung ist die Sache an die
Beschwerdegegnerin im Sinn der Erwägungen zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
4.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier zu
beurteilenden Fall erscheint eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Bei diesem Ergebnis
erübrigt sich die Festsetzung einer Entschädigung aus unentgeltlicher
Rechtsverbeiständung.