Decision ID: 50c72f1f-2066-446e-be0a-a9b4de4793ac
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
D
e
r 1962 geborene
X._
, ohne Ausbildung
und
zulet
zt als Chauf
feur bei der
Y._
AG tätig
, meldete sich am 2
7
. September
2018 (Eingangsdatum)
respektive 31. Oktober 2018 unter Hinweis auf eine koronare Herzkrankheit bei der Invalidenversicherung
zwecks
Früherfassung und b
eruf
liche Integration/Rente an (Urk. 5/5, Urk. 5/10).
In der Folge nahm die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, erwerbliche und medizinische Abklärungen vor und
zog unter anderem die Akten des Krankentaggeld
ver
siche
rers bei. Am 5. Dezember 2018
teilte
sie
dem Versicherten mit, dass
die Arbeits
platzerhaltung abgeschlossen werde, da
eine
entsprechende
Unterstützung
ge
stützt auf seine Angaben
nicht
möglich sei (Urk. 5/20).
Mit Vorbescheid vom 29. Mai 2019 (Urk. 5/42) stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht, wogegen
dieser
am 7. Juni 2019 Einwand (Urk. 5/44) erhob. Am 30. Oktober 2019 verneinte die IV-Stelle verfügungsweise einen Leistungsanspruch des Versicherten (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 28. November 2019 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, dass die Verfügung vom 30. Oktober 2019 aufzuheben und festzu
stellen sei, dass ihm die Beschwerdegegnerin eine Rente auszahlen müsse (S. 2).
Mit Besc
hwerdeantwort vom 15. Januar 202
0 (Urk. 4) schloss die Beschwerde
geg
nerin auf Abweisung der Beschwerde. Am 28. Mai 2020 erstattete der Be
schwerdeführer Replik (Urk. 13)
und reichte ein ärztliches Zeugnis des Univer
sitären Herzzentrums
Z._
vom 25. März 2020 (Urk. 14) ein
. Die Beschwer
degegnerin verzichtete am 3. Juli 2020 auf das Einreichen einer Duplik (Urk.
15
und
16), was dem Beschwerdeführer am 7. Juli 2020 zur Kenntnis gebracht wurd
e (Urk. 17).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG)
. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung
des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfe
n sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese abstellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die leistungsabweisende Verfügung damit, dass dem Beschwerdeführer die Ausübung der bisherigen Tätigkeit als Chauffeur nicht mehr möglich sei. In einer angepassten Tätigkeit – überwiegend sitzend mit leichter Wechselbelastung – sei er hinge
gen zu 100 % arbeitsfähig
.
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk.
13), die von der Beschwerdegegnerin behauptete
uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit lasse sich weder auf Untersuchungen n
och irgend
welche Berichte stütz
en, sondern beruhe lediglich auf der Einschätzung eines fachfremden Arztes
des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) der Beschwerde
gegnerin
. Entsprechend liege eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes vor und es sei auf den Bericht des Herzzentrums des
Universitätsspitals
Z._
vom 25. März 2020
abzustellen und ihm
eine ganze Rente zuzuspr
echen. Für den Fall, dass an der
von den Fachärzten attestierten Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit gezweifelt werde, wäre der Sachverhalt weiter abzuklären und die Angelegenheit zwecks Vornahme
zusätzlicher
Abklärungen an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen (S. 8).
3.
3.1
Der Hausarzt des Beschwerdeführers,
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Allge
meine Innere Medizin, nannte am 22. März 2019 folgende Diagnosen (Urk. 5/38/8):
-
koronare 2-Gefässerkrankung
-
Status nach Herzinfarkt am 25. Februar 2018
-
2 DES
-
Status nach DES am 19. Oktober 2018
-
aktuell verminderte Leistungsfähigkeit
Dr.
A._
führte aus, dass nach einem Herzinfarkt im Februar 2018 am 25. Februar und 19. Oktober 2018 ein Stent angelegt worden sei. Das Schlag
volumen des Herzens habe sich jedo
ch zunehmend verschlechtert, so
dass der Beschwerdeführer zu 100 % arbeitsunfähig sei.
Im Weiteren wies er darauf hin, dass das
Z._
-Herzzentrum den Beschwerdeführer bezüglich Arbeitsfähigkeit ab
klären werde.
3.2
Dr.
med.
B._
, Fachärztin FMH für Rheumatologie und Innere Medizin, führte i
n ihrem Bericht vom 9
. April 2019 (Urk. 5/38/1-6) folgende Diagnosen auf (S.
4 Ziff. 2.7):
-
chronisches intermittierendes
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom
-
Iliosakralgelenk
(
ISG
)
-Dysfunktion rechts
-
Insertionstendinosen
Beckenkamm rechts
-
Fehlhaltung und Haltungsinsuffizienz
-
Röntgen
Lendenwirbelsäule (
LWS
)
a.p.
/lateral vom 25. Januar 2019
-
chronische Schulterschmerzen beidseits
-
Differenzialdiagnose
:
Tendiniti
s
Musculus
supraspinatus
-
chronische
intermittierende Knieschmerzen beidseits, linksbetont
-
anamnestisch Status nach Meniskusläsion Knie rechts
-
Differenzialdiagnose
:
Gonarthrose
-
k
oronare Herzkrankheit
Die Ärztin
empfahl
aufgrund der ISG-Dysfunktion
eine
chiropraktische
Behand
lung. Bei persistierender Symptomatik könne eine MRI-Untersuchung der LWS und ISG veranlasst werden
. I
m Anschluss an die genannte Behandlung sei
sodann
eine medizinische Trainingstherapie geplant (S. 4 Ziff. 2.8).
Im Weiteren
wies
Dr.
B._
darauf hin
, dass
der Beschwerdeführer aus rheum
atologischer Sicht bei Arbeiten
über
der
Schulterebene eingeschränkt (S. 5 Ziff. 3.4)
und für eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit arbeitsfähig sei (S. 6 Ziff. 4.1)
.
3.3
In seiner Stellungnahme vom 22. Mai 2019 (Urk. 5/40 S. 4-5)
nannte der
RAD-Arzt
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Chirurgie –
zusätzlich zu
den
von
Dr.
B._
ge
stellten
Diagnosen
(vgl. E. 3.2
hievor
) -
folgende
Befunde:
-
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
koronare 1-Gefässerkrankung (ED 25. Februar 2018) mit
-
Zustand nach Herzinfarkt (
anteriorer
STEMI, 25 Februar 2018)
-
PTCA
Stenting
der 100%
stenosierten
RIVA
-
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Adipositas (BMI 31.5 kg/
m
2)
Der RAD-Arzt attestierte in
der bisherigen
Tätigkeit als Chauffeur eine 100%ige Arbeits
un
fähigkeit seit 25. Februar 201
8.
In einer angepassten Verrichtung
ging
er
von
eine
r
100%ige
n Arbeitsunfähigkeit von
25. Februar bis 11. Juni 2018 sowie eine
r
100%ige
n
Arbeitsfähigkeit seit 12. Juni 2018
aus
. In diesem Zusam
menhang nannte er als Belastungsprofil leichte überwiegend sitzend ausgeübte Tätigkeiten mit leichter Wechselbelastung ohne Heben/Tragen/Transportieren von Lasten
über
5 kg, ohne (beidseiti
ges) Arbeiten in Armvorhalte, ohne
Über
kopfarbeiten
und
ohne Verharren in Zwangshaltungen
.
3.4
Dr.
med.
D._
, Oberarzt, und
Dr.
med.
E._
, Assistenzarzt, Klinik für Kardiologie
Z._
, stellten in ihrem Berich
t vom 3. Oktober 2019 (Urk. 5/51
/4-8) folgende Diagnosen (S. 1):
-
koronare 2-Gefässerkrankung mit leicht eingeschränkter LVEF (45%,
Stand 10/2019), ED 25. Februar 2018
-
03.10.2019
Spiroergometrie: aussagekräftige Untersuchung
(RER 1.
25, DP-Faktor 2.0).
C
hronotrope
Inkompetenz, adäquates Blutdruc
kverhalten.
K
ardial bedingt schwer eingeschränkte körperl
iche Leistungsfähigkeit,
aggraviert
durch
Dekonditionierung
.
-
03.10.2019
Echokardiographie: normal grosser linker Ventrikel mit leicht e
ingeschränkter Auswurffrakt
ion (EF
biplan
= 45 %) bei Akinesie
anterior
apikal bis knapp
midventrikulär
,
Hypokinesie
der übrigen Segmente (apikale Segmente und
anteroseptal
betont)
,
beste Kontraktion lateral basal
;
diastolische Dysfunktion Grad I (Relaxationsstörung)
-
26. April 2019 Links-/Rechtsherzkatheter:
•
RIVA/DA1: g
utes Resultat nach PCI/
Stenting
•
RIM:
p
rox
. 50%ige Stenose unverändert
•
LVEF 30-35 %
•
normale pulmonale Druckverhältnisse
•
normale ventrikuläre Füllungsdrücke
-
7. März 2019 Herz-SPECT: Ischämie
anteroseptal
basal (zirka 5 % des LV-Myokards umfassend), Myokardnarbe apikal/
anteroapikal
mit geringer Randischämie (insgesamt zirka 10 % des LV-Myokards
)
-
1. März 2019 Echokardiographie:
normal
grosser linker Ventrikel mit mittelschwer eingeschränkter Auswurffraktion (EF
biplan
= 40 %) bei Akinesie
anterior
apikal bis knapp
midventrikulär
,
Hypokinesie
der übrigen Segmente (apikale Segmente und
anteroseptal
betont
)
, beste Kon
traktion lateral basal; d
iastolische Dysfunktion Grad I (
Relaxations
störung)
-
19. O
ktober 2018 Koronarangiograph
ie:
•
RIVA: gutes Resultat nach PCI/
Stenting
.
•
DA1:
ostiale
70%ige S
tenose -> PCI
/1x DES in TAP-Technik
•
RIM:
prox
. 50%ige Stenose
•
RCX
stenosefrei
.
RCA mit Wandunregelmässigkeiten
-
25. Februar
2018
Koronarangiographie
bei
anteriorem
STEMI:
•
RIVA: 100 %
prox
. Stenose -> PTCA/
Stenting
(
2x DES
)
•
RCA (Rechtsdominanz)
stenosefrei
. 50%ige Stenose im 2. PLA
•
LVEF: 38 %, LVEDP: 20
mmHG
•
kvRF
: positive F
A,
sistierter Nikotinabusus (
kum
. z
irka 30
py
, Adipo
sitas
,
Prädiabetes
-
Prädiabetes ED 02/2018
-
Adipositas, BMI 31.5 kg/
m
2
Die Ärzte führten aus, dass sich in der aussagekräftigen Spiroergometrie mit guter Ausbelastung gegenüber der Voruntersuchung vom März 2019 eine unverändert kardial bedingte, schwer eingeschränkte Leistungsfähigkeit zeige. Klinisch
be
stehe
ein stabiler Verlauf. Die eingeschränkte Leistungsfähigkeit sei
dyspro
por
tional
zu den strukturellen Befunden mit nur leicht eingeschränkter LV-Aus
wurffraktion, wobei die kardial bedingte Einschränkung am ehesten durch
eine
Dekonditionierung
aggraviert
sei
(mit raschem Erreichen der anaeroben Schwelle
)
.
Im Weiteren wirke sich auch d
ie durch die Betablockade verursachte
chronotrope
Inkompetenz ungünstig auf die Symptomatik aus. Die Ärzte empfahlen unter
anderem eine
Rekonditionierung
durch
eine
ambulante kardiale Rehabilitation (S. 3 f.).
Der Beschwerdeführer habe angegeben, dass
ihm
ein Anknüpfen
an die frühere Arbeitsstelle nicht möglich sei, da er keine Lasten von
über
10 kg ei
ne Treppe hochtragen könne. Diese Angaben seien aufgrund
der
Basis der aktuellen Befunde aus der Spiroergometrie nachvollziehbar, weshalb der Beschwerdeführer aus kardiologischer Sicht für seine bisherige körperliche Tätigkeit bis auf weiteres zu 100 % arbeitsunfähig sei. Durch eine erneu
t
e kardiale Rehabilitation sei zu hoffen, dass die Leistungsfähigkeit
des Beschwerdeführers
insofern gesteigert
werden könne, um
seine
Lebensqualität
zu verbessern
und damit er leichte körper
liche Aufgaben ausführen könne. Eine
Ein
schätzung, ob er nach Rehabilitations
abschluss seine Tätigkeit wieder ausführen könne, se
i schwierig
, da
er
auf einem sehr tiefen Niveau beginne. In Anbetracht seines Alters, der
Fremdsprachigkeit
und der körperlich schwer eingeschränkten Leistungsfähigkeit sei
auch
eine Um
schulung nicht realistisch und es sei bei der aktuellen
V
O2ma
x
/kg von 11.7 eine IV-Rente ernsthaft zu
reevaluieren
(S. 4).
3.
5
Am
15. Oktober 2019 (Urk. 5/53 S. 3-4)
äusserte sich
RAD-Arzt Dr.
C._
erneut zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers und hielt fest
, dass
es
b
ei L
etzterem
trotz de
r von ihm behaupteten täglichen und
mindestens ein
e Stunde dauernden Spaziergänge zu
einem Anstieg des BMI auf 31,5
kg/m2 gekommen sei. Aus versicherungsmedizinisch-theoretischer Sicht sei davon auszugehen, dass die verminderte Belastbarkeit
eher der Gewichtszunahme und
Dekonditionierung
als der kardialen Problematik zuzuordnen sei (S. 4).
Unter
Hinweis auf den
Z._
-Bericht vom 3. Oktober 2019
hielt der RAD-Arzt
sodann
fest, dass aus versi
che
rungsmedizinisch-theoretischer Sicht keine Zweifel daran bestünden, dass die bisherige Tätigkeit aktuell nicht mehr zumutbar sei. Eine dem Belastungsprofil der RAD-Stellungnahme vom 22. Mai 2019 (
vgl. E. 3.3
hievor
)
entsprechende Tätigkeit
sei jedoch
auch
gemäss den
im
Z._
-Bericht erwähnten Einschrän
kungen
(Urk. 5/51/4-8 S. 7)
wieder und weiterhin zumutbar
.
Eine konsequente Gewichtsreduktion werde empfohlen.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei ihrer leistungsabweisenden Verfü
gung vom 30. Oktober 2019 (Urk.
2) auf die Stellungnahme
n
ihres RAD-Arztes, welcher keine eigene Untersuchung durchführte.
4,2
Die
RAD
stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraus
set
zung
e
n des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversi
che
rung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versi
cher
ten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unab
hängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der
Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV)
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
gerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG betreffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Ver
fahrensregeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Berichten keine Wir
kung (Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.4).
Der Beweiswert von RA
D-Berichten nach Art. 49 Abs. 2
IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxis
gemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungs
interner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Okto
ber 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
4.3
4.3.1
RAD-Arzt Dr.
C._
stellte im Wesentlichen die gleichen Diagnosen wie die behandelnden
Fachä
rzte
für
Kardiologie
und
ging in
übereinstimmender Weise von
eine
r
100%ige
n
Arbeitsfähigkeit in der bisherigen T
ätigkeit als Chauffeur aus
.
In einer angepassten Tätigkeit postulierte er eine 100%ige Arbeitsfähigkeit seit 12. Juni 2018
(vgl. E.
3.3 und
3.5
hievor
)
.
4.3.2
Gemäss den
vorliegenden
Arztberichten
standen
beim Beschwerdeführer kardio
logische Beschwerden im Vordergrund
. RAD-Arzt Dr.
C._
verfügt über einen Facharzttitel in Chirurgie (Urk. 5/53 S. 5), weshalb er nicht über die zur Beur
teilung der in Frage stehenden Beschwerden und deren Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit erforderlichen fachärztlichen Qualifikationen verfügt.
Abgesehen davon ist die vom
RAD-Arzt
am
15. Oktober
2019 postulierte 100%ige
Arbeitsfähigkeit in
angepasster
Tätigkeit nicht
vollends
nachvollziehbar.
Dr.
C._
nahm
zwar
Bezug auf
den Bericht
de
r
Z._
-Kardiologen vom 3. Okto
ber 2019 (vgl. E.
3.
5
hievor
),
setzte sich jedoch nicht mit der
darin
erwähnten kardial bedingten
,
schwer eingeschränkten Leistungsfähigkeit auseinander
. Der RAD-Arzt
wies lediglich
auf
eine
Gewichtszunahme
(vgl. Urk. 5/15/18-19 S. 1: BMI 30 kg/m2; Urk. 5/51/4-8 S. 1: BMI 31.5 kg/m2)
und
Dekonditionierung
des Beschwerdeführers hin
und
schloss
mit
Verweis
auf
die von den
Kardiologen erhoffte Steigerung der Lei
stungsfähigkeit
nach erfolgter Rehabilitation
– insbe
sondere auch mit Bezug auf leichte körperliche Aufgaben –
in pauschaler Weise und ohne nähere Begründung
auf eine 100%ige
Arbeitsfähigk
eit in angepasster Tätigkeit
.
Der Umstand, dass die eingeschränkte Leistungsfähigkeit
gemäss den
Z._
-Ärzten durch eine
Dekonditionierung
negativ beeinflusst werde, ändert nichts
an dieser Beurteilung
, da
deswegen allein
nicht ohne Weiteres auf eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit geschlossen werden kann.
Gleiches gilt mit Bezug auf die
RAD-
Stellungnahme
vom 22. Mai 20
1
9
(
vgl. E. 3.3
hievor
)
. Auch hier fehlt es
an einer Auseinandersetzung
von Dr.
C._
mit den Berichten der
Kardiologen
(vgl. Urk. 5/15/18-19)
sowie einer (
nachvollziehbare
n
) Begründung für die von
ihm
postulierte uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit in behinderungsangepasster Verrichtung.
4.3.3
Nach dem Gesagten durfte die Beschwerdegegnerin ihre Leistungsablehnung nicht auf die Einschätzung ihres RAD-Arztes Dr.
C._
abstützen. In den Akten finden sich sodann keine fachärztlichen Stellung
nahmen, welche
ein abschlies
sendes Bild betreffend Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
in angepasster Tätigkeit
in kardiologischer Hinsicht
ergeben würden.
Die
Z._
-Kardiologen
machten keine Angaben zum konkreten Umfang der Arbeitsfähigkeit in ent
sprechender Tätigkeit, sondern äusserten lediglich die Hoffnung, dass
der
Beschwerdeführer
nach erfolgter kardialer Rehabilitation
leichte körperliche
Aufgaben wieder
werde
ausführen könne
n
(Urk. 5/51/4-8 S. 4, Urk. 5/43/6-7, Urk. 5/24, Urk. 5/16/1-2
, Urk. 5/15/18-19
).
Nichts
a
nderes
ergibt sich aus dem ä
rztlichen Zeugnis des
Z._
-Kardiologen vom 25. März 2020 (Urk. 14), wonach der Beschwerdeführer in einem Beruf ohne körperliche Belastung nicht voll ein
setzbar sei und sich die Aufnahme einer teilzeitlichen Beschäftigung ohne körperliche Anstrengung vorsichtig zu gestalten hätte und mit einem tiefen Pen
sum von 20 % zu beginnen wäre.
Der Hausarzt
ging
am 22.
März 2019 (vgl. E. 3.1
hievor
)
ohne nähere Begründung
von e
ine
r
Arbeits
un
fähigkeit von 100
%
aus
, wobei unklar ist, ob sich diese auf jegliche Tätigkeit bezie
ht.
In seinem
früheren
Bericht vom 18. Dezember 2018 (Urk. 5/33/
1-5) hielt
er
fest, dass er für die Tätigkeit als Chauffeur eine 100%
ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt
habe (S. 2 Ziff. 1.3
),
und liess im Übrigen die Frage nach dem Umfang der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit offen
bzw. gab er an
,
er könne sie nicht beantworten (Ziff. 3.3 ff.,
S. 5 Ziff. 4.2).
Der koronaren Herzkrankheit mass er sodann keine Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit
zu
(S. 3 Ziff. 2.6)
, aber dem
lumboradikulären
Schmerzsyndrom (Ziff.
2.5)
.
Am 14. September 2018
hat
te er die Prognose für eine Arbeitsfähigkeit in
angepasster
Verrichtung
wegen der koronaren 1
-
Gefässerkrankung
zu Händen der Krankentaggeldversicherung noch
als schlecht ein
gestuft
(Urk. 5/15/20).
Seine Berichte vermögen folglich nicht zu überzeugen, weshalb auf sie nicht abgestellt werden kann.
Im Übrigen
ist
der
Erfahrungs
tatsache Rechnung zu tragen, dass Hausärztinnen und Hausärzte
mitunter im Hin
blick auf ihre auf
tragsrechtliche Vertrauensstellung in Zwei
felsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (B
GE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351
E. 3b/cc).
4.4
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 30. Oktober 2019 (Urk
. 2) aufzuheben und die Sache zwecks umfassender fachmedizinischer
kardiolo
gi
scher
Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Hernach wird sie über die Rentenfrage neu
zu
entscheiden
haben
.
In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
5.
5.1
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 800.-- festzulegen und, da die Rück
wei
sung an die Verwaltung nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsie
gen gilt (vgl. etwa Urteil des damaligen Eidgenössischen Versiche
rungsgerichts U 199/02 vom 10. Februar 2004 E. 6 mit Hinweis auf BGE 110 V 57 E. 3a; SVR
1999 IV Nr. 10 S. 28 E. 3), ausgangsgemäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen (
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
)
.
5.2
Dem Verfahrensausgang entsprechend
ist
die Beschwerdegegnerin
zu ver
pflich
ten
, eine Prozessentschädigung zu bezahlen.
Die Höhe der gerichtlich festzuset
zenden Entschädigung bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert (§ 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
, in Verbindung mit Art. 61
lit
. g ATSG). Es ist dem Beschwerdeführer unter Berücksichtigung dieser Grundsätze eine Pro
zess
ent
schädigung von Fr.
2’0
00
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.