Decision ID: e8a7a28a-c676-5ad0-9130-0a6597861b3f
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Marco Bivetti, Oberer Graben 42, 9000 St. Gallen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Fürsprecherin Dr. iur. Marianne Sonder, Rossimattstrasse 17,
3074 Muri b. Bern,
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betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ war als Baupolier bei der B._ AG tätig und dadurch bei der Suva
unfallversichert, als am 6. November 2008 bei Arbeiten an einem Bahnübergang die
von ihm geführte Strassenwalze von einem Zug erfasst und er von der Strassenwalze
geschleudert wurde (UV-act. 1, 14, 26, act. G1.1/3). Gemäss Austrittsbericht des
Spitals C._ vom 7. November 2008 erlitt der Versicherte dabei eine Commotio
cerebri, eine BWS-Kontusion, eine Kniekontusion beidseits sowie eine Distorsion des
Daumengrundgelenks links mit ossärem Ausriss des radialen Seitenbands und der
palmaren Platte (UV-act. 5). Daraus resultierte eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit (UV-
act. 4). Anlässlich einer Nachkontrolle im Spital C._ vom 17. Dezember 2008 zeigte
eine MRI-Abklärung der LWS ausserdem eine undislozierte stabile
Deckplattenimpressionsfraktur BWK 12 und beschrieb der Versicherte neu eine seit
dem Unfall bestehende Visusstörung sowie einen persistierenden Tinnitus (UV-act. 6,
16). Die Suva erbrachte für den Unfall vom 6. November 2008 die gesetzlichen
Leistungen (Heilkosten- und Taggeldleistungen).
A.b Am 2. Februar 2009 nahm der Versicherte die Arbeit wieder zu 50%, am 14. April
2009 zu 75% und am 24. August 2009 zu 90% auf. Die restlichen 10% dienten ihm
offenbar bis Ende November 2009 dazu, während der Arbeitszeit eine Physiotherapie
wahrzunehmen (UV-act. 17, 18, 28, 29, 39). Während die Knie- und Daumenläsion
abgeheilt waren, persistierten Rückenschmerzen im Bereich der BWS, der Tinnitus
sowie die Visusstörung. Ausserdem klagte der Versicherte über Kopfschmerzen (UV-
act. 14, 15, 28). Die Suva nahm deshalb verschiedene medizinische Abklärungen - eine
kreisärztliche Untersuchung durch Dr. med. D._, Facharzt FMH für Chirurgie (UV-act.
35, 43), MRI-Untersuchungen des Schädels, der Halswirbelsäule (HWS) und der
Brustwirbelsäule (BWS) in der Radiologie des Kantonsspitals E._ (UV-act. 41), eine
neurologische Untersuchung durch Dr. med. F._, leitender Arzt der Klinik für
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Neurologie des Spitals G._ (UV-act. 56), eine otoneurolgische Untersuchung durch
Dr. med. H._, Facharzt FMH für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten, Abteilung
Arbeitsmedizin der SUVA (UV-act. 58), sowie eine neuropsychologische Untersuchung
durch Dr. phil. I._, Fachpsychologin für Neuropsychologie und Psychotherapie FSP
(UV-act. 62) - vor und unterbreitete deren Ergebnisse nochmals Dr. D._ zur
Beantwortung der Frage, ob strukturelle Unfallfolgen nachweisbar seien (UV-act. 64).
Gestützt auf dessen Beurteilung vom 8. September 2010 (UV-act. 64) eröffnete die
Suva dem Versicherten mit Verfügung vom 25. Oktober 2010, dass die bestehenden
Beschwerden nicht mehr unfallbedingt, sondern ausschliesslich krankhafter Natur
seien. Der Zustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall vom 6. November 2008
bestanden habe (Status quo ante), sei gemäss medizinischer Beurteilung spätestens
am 31. Oktober 2010 wieder erreicht gewesen. Die Versicherungsleistungen würden
daher per diesem Datum eingestellt. Die Voraussetzungen zur Ausrichtung einer
Integritätsentschädigung seien nicht gegeben (UV-act. 66).
B.
Die gegen diese Verfügung vom Versicherten, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur.
Marco Bivetti, St. Gallen, erhobene Einsprache (UV-act. 71) wies die Suva mit
Einspracheentscheid vom 18. Januar 2011 ab (UV-act. 75). Eine vom
Krankenversicherer vorsorglich erhobene Einsprache war wieder zurückgezogen
worden (UV-act. 69, 74).
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 18. Januar 2011 richtet sich die von
Rechtsanwalt Bivetti für den Versicherten eingereichte Beschwerde vom 18. Februar
2011 mit den Anträgen, der angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben und die
Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die Versicherungsleistungen über den 31.
Oktober 2010 hinaus zu erbringen. Dabei sei die Beschwerdegegnerin insbesondere zu
verpflichten, die Ausrichtung weiterer Versicherungsleistungen (Heilbehandlung/Rente)
sowie die Ausrichtung einer Integritätsentschädigung zu prüfen. Eventuell sei die
Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen, insbesondere zur Durchführung
eines polydisziplinären Gutachtens, an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, alles
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unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G1). Zusammen mit der Beschwerde
reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers den vertraulichen
Untersuchungsbericht der Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe (UUS) der
Schweizerischen Eidgenossenschaft vom Mai 2010 über die Kollision vom
6. November 2008 ein (act. G 1.1/3).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 27. April 2011 beantragte Rechtsanwältin Dr. iur.
Marianne Sonder, Muri, für die Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde (act.
G5).
C.c Mit Replik vom 23. Mai 2011 hielt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
unverändert an seinen Anträgen fest (act. G8). Mit Schreiben vom 30. Mai 2011 teilte
die Rechtsvertreterin der Beschwerdegegnerin den Verzicht auf eine Duplik mit (act.
G10).
C.d Am 5. Juli 2011 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ein aktuelles
Arztzeugnis des Hausarztes, Dr. med. J._, vom 21. Juni 2011 ein, gemäss dem der
Beschwerdeführer nach wie vor Beschwerden im Bereich der unteren BWS habe, bei
denen es sich um Unfallfolgen handle (act. G 12).
C.e Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.
Vorliegend anerkannte die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht bezüglich des
Unfalls vom 6. November 2008 und erbrachte auch entsprechende Versicherungs
leistungen. Streitig ist, ob sie auch für die nach dem 31. Oktober 2010 (Leistungsein
stellung) geltend gemachten gesundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers
Leistungen schuldet.
2.
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2.1 Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Einspracheentscheid die
Bestimmung über die Leistungspflicht des Unfallversicherers (Art. 6 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]) bzw. die
diesbezügliche Voraussetzung des natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs
zwischen dem Unfallereignis und den in Frage stehenden Gesundheitsstörungen
zutreffend dargelegt. Gleiches gilt in Bezug auf den massgebenden Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit. Darauf ist zu verweisen. Die Beurteilung des
natürlichen Kausalzusammenhangs erfolgt aufgrund der Feststellungen bei den
medizinischen Untersuchungen und ist Aufgabe des Arztes oder der Ärztin.
Demgegenüber obliegt es dem Gericht, die Frage nach dem adäquaten
Kausalzusammenhang zu beantworten (BGE 123 III 110 und 112 V 30; PVG 1984
Nr. 82, 174).
2.2 Im Bereich klar ausgewiesener organischer Unfallfolgen im Sinn von nachweisbaren
strukturellen Veränderungen (ein organisches Substrat konnte mit Bild gebenden
Untersuchungsmethoden [Röntgen, Computertomogramm, EEG] nachgewiesen
werden) spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen
Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine
Rolle. Sie ist bei ausgewiesener natürlicher Kausalität ohne weiteres zu bejahen (BGE
127 V 103 E. 5b/bb, 123 V 102 E. 3b, 118 V 291 f. E. 3a, 117 V 365 E. 5d/bb mit
Hinweisen). Sind dagegen die Unfallfolgen organisch nicht (hinreichend) fassbar,
bewirkt die Bejahung der natürlichen Kausalität nicht automatisch auch die Bejahung
der adäquaten Kausalität. In diesen Fällen ist eine eigenständige Adäquanzbeurteilung
durchzuführen, bei welcher wie folgt zu differenzieren ist: Es ist zunächst abzuklären,
ob die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma erlitten hat. Ist dies nicht
der Fall, gelangt die Rechtsprechung gemäss BGE 115 V 140 E. 6c/aa zur Anwendung.
Ergeben die Abklärungen indessen, das eine versicherte Person eine
Schleuderverletzung erlitten hat, muss geprüft werden, ob die zum typischen
Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen zwar
teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den
Hintergrund treten. Trifft dies zu, sind für die Adäquanzbeurteilung ebenfalls die in BGE
115 V 140 E. 6c/aa für Unfälle mit psychischen Unfallfolgen aufgestellten Grundsätze
massgebend (BGE 123 V 99 E. 2a), andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz
gemäss den in BGE 117 V 359 festgelegten bzw. den mit BGE 134 V 109 modifizierten
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Kriterien. Die Anwendung der Rechtsprechung zum adäquaten Kausalzusammenhang
bei Schleudertraumen der HWS setzt voraus, dass die psychischen Beschwerden aus
dem Unfall hervorgehen und zusammen mit den organischen Beschwerden, die
ebenfalls auf das Unfallereignis zurückzuführen sind, ein komplexes Gesamtbild
ergeben (RKUV 2000 Nr. U 397 S. 327 E. 3b).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer leidet seit dem Unfall vom 6. November 2011 unter be
lastungsabhängigen Rückenschmerzen. Unbestrittenermassen erlitt er damals eine
BWS-Kontusion sowie eine undislozierte stabile Deckplattenimpressionsfraktur
BWK 12 (UV-act. 5, 6). Eine Fraktur stellt zwar eine strukturelle Läsion dar, doch ist im
Regelfall hinsichtlich beider vorgenannten Verletzungen von einer Heilung und
gänzlichen Zurückbildung der damit verbundenen Beschwerden auszugehen (vgl. dazu
Alfred M. Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl., Bern 2005,
S. 90 ff.; Erich Bär, Prellung, Verstauchung oder Zerrung der Wirbelsäule, Ein Update.
in: Medizinische Mitteilungen der Suva Nr. 79 [2008] S. 100ff. mit zahlreichen
Hinweisen auf ältere Publikationen; vgl. auch UV-act. 6). Dr. D._ erhob jedoch
anlässlich seiner klinischen Untersuchung vom 16. November 2009 eine thorakale
Schmerzhaftigkeit im Bereich der mittleren und distalen BWS vor allem betont über den
Processi spinosi BWK 7/8 und BWK 11/12, weshalb er den Beschwerdeführer für eine
MRI-Untersuchung der BWS anmeldete (UV-act. 35). In der Radiologie des
Kantonsspitals E._ vom 1. Dezember 2009 ergab diese allerdings ein normales
Gefüge der BWS ohne Signalwirkung im Bereich der Wirbelkörper als Hinweis auf einen
posttraumatischen Status. Die einzelnen Wirbelkörper wiesen eine normale Form auf
und das Myelon zeigte eine regelrechte Darstellung. Es ergaben sich mithin keine
Hinweise, dass die obgenannte Erfahrungstatsache im konkreten Fall keine Geltung
haben könnte und Dr. D._ bezeichnete dementsprechend in seiner Beurteilung vom
8. September 2010 die Veränderung im Bereich des BWK 12 als folgenlos abgeheilt
(UV-act. 64). Im Bereich der HWS ergab die MRI-Untersuchung dasselbe Ergebnis.
Hingegen wies diese im Segment C6/7 eine beginnende Osteochondrose bei flacher
mediolateraler Diskushernie rechts auf (UV-act. 41). In Bezug auf dieses zweifelsohne
klare organische Substrat wurde nach Auffassung des Rechtsvertreters des
Beschwerdeführers medizinisch bislang nicht ausgeschlossen, dass die Diskushernie
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im Zusammenhang mit dem fraglichen Unfallereignis stehe. Wie das Eidgenössische
Versicherungsgericht (EVG, seit 1. Januar 2007 sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts) in seiner Rechtsprechung festhielt, entspricht es jedoch einer
medizinischen Erfahrungstatsache im Bereich des Unfallversicherungsrechts, dass
Diskushernien in aller Regel degenerative Erkrankungen darstellen. Eine Diskushernie
kann dann als weitgehend unfallbedingt betrachtet werden, wenn das Unfallereignis
von besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädigung der Bandscheibe
herbeizuführen, und die Symptome der Diskushernie (vertebrales oder radikuläres
Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsunfähigkeit aufgetreten sind (RKUV
2000 Nr. U 379 S. 192, E. 2a mit Hinweisen; Urteile des EVG vom 3. Oktober 2005,
U 163/05, E. 3.1, zusammengefasst und kommentiert durch David Weiss in AJP 2006,
S. 877, und vom 18. Februar 2002, U 459/00, E. 3b). Die Voraussetzungen für eine
unfallbedingte Verursachung der Diskushernie sind vorliegend überwiegend
wahrscheinlich nicht erfüllt; eine ausserordentliche Krafteinwirkung auf die HWS ist in
den Akten nicht ausgewiesen. Selbst ein Symptomatisch-Werden der (wahrscheinlich
vorbestandenen) Diskushernie C6/7 beim Unfall vom 6. November 2008 ist nicht
belegt, denn die dadurch ausgelösten Beschwerden hätten innert weniger Stunden
auftreten müssen, um als natürlich kausale Folgen des fraglichen Ereignisses gelten zu
können (vgl. Urteil des EVG vom 3. März 2005, U 218/04, E. 6.1), was beim
Beschwerdeführer indessen nicht dokumentiert wurde. Die Diskushernie C6/7 war
anlässlich der von Kreisarzt Dr. D._ veranlassten radiologischen Untersuchung vom
1. Dezember 2009, also mehr als ein Jahr nach dem Unfall, (zufällig) entdeckt worden
und hatte keine Beschwerden, besonders keine Wurzelkompression, verursacht (vgl.
UV-act. 35 f., 41). Bei der zusätzlich vorhandenen Osteochondrose handelt es sich
ebenfalls um eine häufige, im Rahmen eines Degenerationsvorgangs auftretende,
mithin nicht traumatisch bedingte, Veränderung an der Wirbelsäule, die ein Vorstadium
oder eine Begleiterscheinung einer Diskushernie bilden kann (vgl. dazu Debrunner,
a.a.O., S. 852 ff.). Insofern bilden die beiden Gesundheitsschäden zusammen das Bild
einer degenerativen Problematik im Bereich der HWS, welche eine beim Unfallereignis
vom 6. November 2008 im Bereich der HWS erlittene neue, bleibende
Gesundheitsschädigung im Sinn einer strukturellen Veränderung mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausschliessen lässt. Entsprechend wurde auch
im Bericht der Radiologie des Kantonsspitals E._ von einer beginnenden
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Degeneration gesprochen und eine allfällige Unfallkausalität von Dr. D._ in keiner
Weise zum Thema erhoben (vgl. UV-act. 64). Auch die neurologische Untersuchung der
BWS und HWS im Spital G._ vom 27. April 2010 zeigte einen durchwegs normalen
Status (UV-act. 56). Zusammenfassend können damit den medizinischen Akten keine
Anhaltspunkte entnommen werden, wonach die vom Beschwerdeführer über den
Zeitpunkt der Leistungseinstellung hinaus geklagten Rückenbeschwerden mit klar
ausgewiesenen organischen Befunden im Sinn nachweisbarer unfallkausaler
struktureller Veränderungen erklärbar wären. Der Standpunkt von Hausarzt Dr. J._
(UV-act. 45, 67; vgl. auch Zeugnis vom 21. Juni 2011 [act. G 12.1]), dass er die
Schlussfolgerung, wonach der Status vor dem Unfall wieder erreicht sei, nicht teilen
könne, vermag an dieser Beurteilung nichts zu ändern. Die Tatsache, dass es für die
von ihm angeführten körperlichen Einschränkungen an einer objektiv ausgewiesenen
Unfallrestfolge mangelt, bleibt bestehen. Der verbliebene Schaden wird von ihm denn
auch nicht anhand medizinischer Befunde, sondern lediglich mit den Einschränkungen
in der Arbeit auf dem Bau und im Alltag definiert.
3.2 Eine unfallkausale Augenproblematik bzw. Visusstörung wird vom Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers angesichts der von Dr. med. K._, Augenarzt FMH, im
Februar 2009 erhobenen Befunde einer geringen Vertikalphorie sowie einer neu
beginnenden Presbyopie zu Recht nicht geltend gemacht. Es handelt sich dabei um
unfallfremde Pathologien, denen durch eine Lesebrille gut begegnet werden kann.
Hingegen weist er auf den durch Dr. H._ am 24. Juni 2010 eruierten Tinnitus und die
geringfügige Gleichgewichtsproblematik hin. Laut Dr. H._ (UV-act. 58) hat die
otoneurologische Untersuchung gut eineinhalb Jahre nach dem Arbeitsunfall
weitgehend normale Befunde ergeben. Die Hörschärfe sei an beiden Ohren normal. Der
vom Beschwerdeführer beklagte Tinnitus sei nicht erheblich. Er habe einen geringen
Stör- und Persönlichkeitswert. Die Gleichgewichtsfunktion sei insgesamt gut. Die
beiden peripheren Vestibularorgane seien normal erregbar. Der vereinzelt durch heftige
Lagerungsmanöver sehr kleinamplitudige und kurz dauernde, passagere
Rechtsnystagmus sei möglicherweise eine Folge einer MTBI (Mild Traumatic Brain
Injury = Commotio cerebri). Im Alltag komme diesem Befund keine Bedeutung zu, er
sei nicht erheblich. Insgesamt stünden hier weder eine Störung des Gehörs noch der
Gleichgewichtsfunktion im Vordergrund (UV-act. 58). Die von Dr. H._ erhobenen
Befunde stellen sich mithin im Ganzen als normal, unauffällig oder lediglich als
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unerheblich, ohne Bedeutung dar. Insofern kommt auch dem Hinweis auf eine
Unfallkausalität zwischen Rechtsnystagmus und MTBI keine Bedeutung zu, zumal eine
solche nur als möglich bezeichnet wurde und damit den im Sozialversicherungsrecht
zur Anwendung gelangenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
ohnehin nicht erfüllen würde (BGE 120 V 37 E. 3c; Thomas Locher, Grundriss des
Sozialversicherungsrecht, 3. Aufl. Bern 2003, S. 451 f.). Ergänzend ist darauf
hinzuweisen, dass beim Beschwerdeführer bereits vor dem Unfall, d.h. 1995,
Schwindelgefühle aufgetreten sind (UV-act. 13).
3.3
3.3.1 Der Beschwerdeführer leidet schliesslich unter Kopfschmerzen, Vergesslichkeit,
vermehrter Ermüdbarkeit sowie verringerter Belastbarkeit. Gemäss Austrittsbericht des
Spitals C._ erlitt er anlässlich des Unfalls vom 6. November 2008 eine
Gehirnerschütterung (Commotio cerebri, UV-act. 5) Die MRI-Untersuchung in der
Radiologie des Kantonsspitals E._ vom 1. Dezember 2009 ergab jedoch eine
unauffällige Darstellung der Grosshirnhemisphären ohne Hinweis auf strukturelle
Veränderungen. Im Bereich der miterfassten Mittelgesichtsstrukturen sowie der
Nebenhöhlen fand sich kein relevanter entzündlicher Fokus und die Innenohrstrukturen
waren normal abgrenzbar. Zusammenfassend wurde ein unauffälliger cerebraler Status
erhoben (UV-act. 41). Entsprechend äusserte Dr. D._ im Nachtrag vom 9. Dezember
2009 zur kreisärztlichen Beurteilung vom 16. November 2009, dass sich in der
durchgeführten radiologischen Abklärung des Schädels keine strukturellen Unfallfolgen
hätten nachweisen lassen (UV-act. 43).
3.3.2 Der Neurologe Dr. F._ hielt in seinem Bericht vom 4. Mai 2010 zunächst be
stätigend fest, dass es aus neurologischer Sicht zu einer MTBI im Sinn einer Commotio
cerebri gekommen sei, das im Dezember 2009 durchgeführte Schädel-MRI aber einen
unauffälligen cerebralen Befund ohne Hinweise auf allfällige residuelle strukturelle
cerebrale Pathologien gezeigt habe. Die detaillierte klinisch-neurologische
Untersuchung habe ebenfalls einen regelrechten Befund ohne Anhaltspunkte für fokale
neurologische Defizite ergeben. Die vom Beschwerdeführer berichteten
intermittierenden Kopfschmerzen, vom Nacken her gegen die Stirn ausstrahlend,
würden einem Kopfweh vom Spannungstyp entsprechen. Anamnestisch trete jeweils
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bei Ruhe eine rasche Besserung ein. Betreffend die vom Beschwerdeführer beklagten
Gedächtnisstörungen seien während der Anamneseerhebung und während der
klinischen Untersuchung keine relevanten Defizite offensichtlich gewesen (UV-act. 56).
Auch mit dem neurologischen Untersuchungsergebnis können somit die geklagten
Beschwerden, insbesondere die Kopfschmerzen, nicht als organisch begründet und
unfallkausal eingeschätzt werden. Überhaupt können Spannungskopfschmerzen
grundsätzlich mit vielfältigen unfallunabhängigen Einflüssen erklärt werden (vgl. dazu
Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 262. Aufl. Berlin 2010, S. 1938).
Dementsprechend wies auch Dr. F._ nicht konkret auf eine traumatische Ursache
hin. Schliesslich ist zu erwähnen, dass beim Beschwerdeführer bereits vor dem Unfall
Dauer-Kopfschmerzen aufgetreten sind (vgl. UV-act. 13).
3.3.3 Eine organische, traumatisch bedingte Genese lässt sich auch aufgrund der
neuropsychologischen Untersuchungsergebnisse von Dr. I._ (UV-act. 62) nicht
annehmen. Wohl gibt es Fälle, bei denen bei sonst unauffälligen
Untersuchungsbefunden neuropsychologische Abklärungen Hirnleistungsstörungen
aufzeigen können und der neuropsychologische Befund der einzig verlässliche
Parameter ist (BGE 117 V 378 E. 3d). Bei einem eindeutigen, nicht diffusen Befund
kann der neuropsychologischen Diagnostik - im Rahmen einer neurologischen
Gesamtwürdigung - nach der Rechtsprechung auch bei der Kausalitätsbeurteilung
durchaus ein Aussagewert zukommen (BGE 119 V 343 E. 3c). Hingegen vermag es die
Neuropsychologie nach derzeitigem Wissensstand nicht, selbständig die Beurteilung
der Genese abschliessend vorzunehmen (RKUV 2000 Nr. U 395 S. 316 E. 3, Urteil des
EVG vom 22. Oktober 2002, U 351/01, E. 2.3.2). Nach Radanov (Bogdan P. Radanov,
Über den Stellenwert der neuropsychologischen Diagnostik bei Patienten nach HWS-
Distorsion, SZS 1996, S. 471 ff.) sind psychologische Probleme (und die
eingenommenen Medikamente) geeignet, die kognitiven Leistungen negativ zu
beeinflussen (S. 477). Psychologische Probleme bzw. die Interrelation psychologischer
und kognitiver Funktionen könnten die reduzierte Leistungsfähigkeit mit erklären
(S. 475). Dr. I._ beurteilte in ihrem Bericht vom 6. September 2010 die von ihr
erhobene kognitive Störung mit Schwerpunkt bei den Aufmerksamkeitsfunktionen und
in diesem Zusammenhang leichten mnestischen Schwierigkeiten bei der Verarbeitung
komplexer Informationen als leicht. Aus neuropsychologischer Sicht seien die
Schwierigkeiten am wahrscheinlichsten mit der erhöhten Stressanfälligkeit, den
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Schmerzen und der erhöhten Ermüdbarkeit des Beschwerdeführers zu erklären. Ein
primär traumatisch somatisch-organischer Zusammenhang zwischen den kognitiven
Schwierigkeiten und der durchgemachten MTBI sei nicht anzunehmen (UV-act. 62).
Damit können neuropsychologische Unfallrestfolgen im Sinn eines selbständigen, klar
abgrenzbaren Befunds nicht als nachgewiesen gelten. Für die von Dr. I._ genannten
Schmerzen, die erhöhte Stressanfälligkeit und Ermüdbarkeit lässt sich den
medizinischen Akten keine organisch-strukturelle Ursache entnehmen, womit auch eine
indirekte Unfallrestfolge ausser Betracht fällt. Vom Beschwerdeführer selbst wurden die
Probleme ausserdem als Symptome einer psychischen Belastung beschrieben (vgl.
dazu E. 5).
3.3.4 Die ärztlichen Beurteilungen entsprechen letztlich auch der medizinischen
Erfahrungstatsache, dass der typische posttraumatische Verlauf nach einem leichten
Schädel-Hirntrauma einer Erholung innert sechs bis zwölf Wochen entspricht.
Ungewöhnlich lang dauernde und schwere Verläufe nach einem leichten Schädel-
Hirntrauma rufen bei Fehlen der klinischen Kriterien einer traumatischen
Hirnschädigung nach einer Interpretation ausserhalb einer hirnorganischen Schädigung
(Gerhard Jenzer, Klinische Aspekte bei HWS-Belastungen durch Kopfanprall oder
Beschleunigungsmechanismus; Grenzbereich zum leichten Schädel-Hirn-Trauma, in:
SZS 1996 S. 462 ff.; vgl. auch Radanov, a.a.O., S. 471 ff. und S. 475). Für die
Kausalitätsbeurteilung ist im Übrigen von Bedeutung, dass eine gesundheitliche
Schädigung nicht schon dann als durch den Unfall verursacht gelten kann, wenn sie
zeitlich nach diesem aufgetreten ist (BGE 119 V 341 f. E. 2b/bb).
3.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die medizinischen Abklärungen keine
durch den Unfall bedingten organisch-strukturellen Befunde ergeben haben.
4.
4.1 Nach den Ergebnissen der medizinischen Forschung ist jedoch bekannt, dass bei
Schleudertraumaverletzungen sowie äquivalenten Verletzungen wie Distorsionen der
HWS sowie Schädelhirntraumen (vgl. Urteil des EVG vom 17. August 2004, U 243/03;
RKUV 2000 Nr. U 395 S. 316 E. 3; BGE 117 V 369) auch ohne nachweisbare
pathologische Befunde noch Jahre nach dem Unfall funktionelle Ausfälle
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verschiedenster Art auftreten können. Dabei ist nicht entscheidend, ob die im
Anschluss an solche Verletzungen geklagten Beschwerden medizinisch eher als
organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden, zumal diese
Differenzierung angesichts des komplexen Beschwerdebildes gelegentlich grosse
Schwierigkeiten bereitet. Der Umstand, dass die für ein Schleudertrauma oder eine
schleudertraumaähnliche Verletzung typischen Beschwerden nicht mit entsprechenden
Untersuchungsmethoden (Röntgen, Computertomogramm, EEG) objektivierbar sind,
rechtfertigt für sich allein nicht, diesbezügliche Beschwerden in Abrede zu stellen (BGE
117 V 363 f. E. 5d/aa).
4.2 Sind die über den Zeitpunkt der Leistungseinstellung hinaus geklagten
Beschwerden nicht mit einer organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolge zu erklären,
ist wie dargelegt (vgl. E. 2.2) eine eigenständige Adäquanzprüfung - entweder nach der
bei Schleudertraumen und äquivalenten Verletzungen massgebenden
Schleudertrauma-Praxis gemäss BGE 134 V 109 oder den bei psychischen
Fehlentwicklungen nach Unfall geltenden Grundsätzen der Psycho-Praxis gemäss BGE
115 V 133 – durchzuführen.
4.3 Das Vorliegen eines Schädelhirntraumas, worunter sämtliche
Hirnfunktionsstörungen mit oder ohne morphologisch fassbare Schädigung des
Gehirns und seiner Hüllen, einschliesslich Gehirnschädel und Kopfscharte, subsumiert
werden, rechtfertigt die analoge Anwendung der Schleudertrauma-Praxis, wenn die
erlittene Hirnerschütterung mindestens im Grenzbereich zwischen einer Commotio und
einer Contusio cerebri liegt. Leichte Hirnerschütterungen hingegen reichen hierfür nicht
aus (Urteil des EVG vom 6. Mai 2003, U 6/03). Die Schwere eines Schädel-Hirntraumas
wird üblicherweise nach dem Punktwert in der Glasgow-Coma-Skala (GCS) eingeteilt.
In dieser Skala erhält der Patient für bestimmte Reaktionen (wie Augenöffnung,
Reaktion auf Schmerzreize und sprachliche Äusserungen) eine Anzahl von Punkten,
welche zum Schluss addiert werden. Der schlechteste Wert beträgt 3, der beste 15.
Von einem leichten Schädel-Hirntrauma spricht man bei einem GCS-Wert von 13 bis
15 (mittelschwer: 9 bis 13, schwer: 3 bis 8; vgl. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch,
262. Auflage Berlin 2010, S. 260 zu "Bewusstseinsstörung", S. 1839 zu
"Schädelhirntrauma"; Urteil des EVG vom 13. Juni 2005, U 276/04, E. 2.2.1 f., mit
Hinweisen auch auf einschlägige medizinische Literatur).
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4.4 Das Spital C._ stellte im Austrittsbericht vom 7. November 2008 die Diagnose
einer Commotio cerebri mit einem GCS-Wert von 15. Die Diagnose basiert auf einer
stationären neurologischen GCS-Überwachung für 24 Stunden, die stets unauffällig
war (rascher Kostaufbau, keine Kopfschmerzen, keine Übelkeit und kein Erbrechen;
UV-act. 5). Die erlittene Hirnerschütterung ist damit als leicht anzusehen. Das Vorliegen
eines Schädelhirntraumas, welches Langzeitbeschwerden zur Folge hätte und die
Anwendung der Schleudertrauma-Praxis rechtfertigte, ist auszuschliessen. Das
neurologische Untersuchungsergebnis von Dr. F._, der die für ein Schädel-
Hirntrauma an sich typischen Kopfschmerzen als Spannungskopfschmerzen taxierte,
welche im Regelfall nicht traumatisch bedingt sind, stimmt mit diesem Ergebnis überein
(vgl. E. 3.3.2).
5.
Kopf- und Rückenschmerzen, aber auch neuropsychologische Einschränkungen
können jedoch ohne Weiteres auch Teil einer psychischen Problematik sein. Dafür
enthalten die medizinischen Akten vorliegend auch entsprechende Hinweise. Im
Gespräch mit dem Beschwerdeführer kam laut Dr. I._ klar zum Ausdruck, dass dieser
immer noch stark unter dem Eindruck des Unfallgeschehens leide. Das Wissen, dass er
nur mit viel Glück dem Tod entronnen sei, habe ihn geprägt und seine Einstellung zum
Leben verändert. Er sei dünnhäutiger und ängstlicher geworden und traue sich nicht
mehr so viel zu wie vor dem Unfall. Er gerate schneller unter Anspannung und
befürchte, in den Teufelskreis des Stresses zu geraten und seine Leistungsfähigkeit
noch mehr einzuschränken, wenn er dem Anforderungsdruck gänzlich nachgebe (UV-
act. 62). Als promovierte Psychologin (Dr. phil.) sowie Fachpsychologin für
Psychotherapie und Neuropsychologie FSP kann Dr. I._ als ausgewiesen für
psychiatrische Diagnosen bezeichnet werden. Ihre Diagnose einer leichten
neuropsychologischen Störung mit Schwerpunkt bei den Aufmerksamkeitsfunktionen
und in diesem Zusammenhang leichten mnestischen Schwierigkeiten bei der
Verarbeitung komplexer Informationen, am ehesten erklärbar durch die sehr
wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Unfall stehende erhöhte Stressanfälligkeit
und Ermüdbarkeit des Beschwerdeführers, lässt nicht ausschliessen, dass das
versicherte Unfallereignis eine natürlich-kausale (Teil-)Ursache der auch nach dem
31. Oktober 2010 noch fortbestehenden Beschwerden bildet. Hingegen wäre
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angesichts dessen, dass Dr. I._ nicht von einer psychopathologischen Störung mit
Krankheitswert ausgeht, eine rechtlich bedeutsame, psychische Fehlentwicklung
grundsätzlich auszuschliessen und die Prüfung der Adäquanz würde sich erübrigen.
Letztlich können diese Fragen jedoch offen bleiben, da - wie sich aus den
nachstehenden Erwägungen ergibt - die Adäquanz des Kausalzusammenhangs
ohnehin verneint werden muss (vgl. BGE 135 V 472 E. 5.1 mit Hinweisen).
Entsprechend erübrigt sich auch eine weitere Abklärung des medizinischen
Sachverhalts (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 20. März 2008, 8C_217/2008,
E. 7.3). Insbesondere kann von einer interdisziplinären Begutachtung im Sinn einer
Gesamtschau (vgl. dazu BGE 134 V 128 E. 10.2.4) abgesehen werden. Der vorliegende
Fall war im Einstellungszeitpunkt medizinisch absolut entscheidungsreif. Der
Beschwerdeführer wurde durch Fachspezialistinnen und Fachspezialisten der
Neurologie, Neuropsychologie, Chirurgie, Radiologie, Otorhinolaryngologie und
Ophthalmologie, bei denen es sich um solche mit den vom Beschwerdeführer
erlittenen Verletzungen vertraute Ärzte bzw. Fachleute handelt, umfassend abgeklärt.
Die einzelnen medizinischen Berichte ergeben ein abgerundetes Bild und stehen nicht
in Widerspruch zueinander. Auch für die Klärung von Problemen, die bei der Prüfung
einzelner Adäquanzkriterien zuweilen auftauchen, bedarf es sodann nicht zwingend
eines poly-/interdisziplinären Gutachtens, wenn - wie hier - Berichte von Ärztinnen und
Ärzten verschiedener in Betracht fallender Fachrichtungen vorliegen, welche eine
schlüssige Gesamtbeurteilung zulassen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
27. November 2008, 8C_527/2008, E. 3.2.2). Eine psychiatrische Abklärung würde
lediglich der zusätzlichen Erhellung des natürlichen Kausalzusammenhangs oder
Ausprägung der psychischen Pathologie dienen. Da diese Fragen vorliegend aber
ausdrücklich offen gelassen werden und die Adäquanzkriterien bei psychischen
Fehlentwicklungen nach Unfall gerade unter Ausschluss der psychischen Aspekte
geprüft werden müssen (BGE 117 V 366 f. E. 6a, 115 V 140 E. 6c/aa; vgl. auch BGE
134 V 111 f. E. 2.1), kann aber auch auf eine zusätzliche psychiatrische Abklärung
verzichtet werden.
6.
6.1 Zu prüfen bleibt somit die Adäquanz der jetzt (noch) vorliegenden
Gesundheitsbeeinträchtigungen des Beschwerdeführers zum Unfallereignis vom
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6. November 2008. Wie vorstehend dargelegt (E. 4), hat diese Prüfung nach der
Psycho-Praxis gemäss BGE 115 V 133 zu erfolgen. Die Beschwerdegegnerin ist
bezüglich der dabei vorzunehmenden Katalogisierung des Unfallereignisses von einem
mittelschweren Ereignis ausgegangen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
bezweifelt diese Qualifikation und zieht einen schweren Unfall in Betracht. Die Schwere
des Unfalls bestimmt sich rechtsprechungsgemäss nach dem augenfälligen
Geschehensablauf. Zu prüfen ist im Rahmen einer objektivierten Betrachtungsweise,
ob der Unfall eher als leicht, mittelschwer oder schwer erscheint, wobei im mittleren
Bereich gegebenenfalls eine weitere Differenzierung nach der Nähe zu den leichten
oder den schweren Unfällen erfolgt. Massgebend sind der augenfällige
Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften, nicht jedoch die Folgen
des Unfalls oder Begleitumstände, die nicht direkt dem Unfallgeschehen zugeordnet
werden können. Derartigen, dem eigentlichen Unfallgeschehen nicht zuzuordnenden
Faktoren ist gegebenenfalls bei den Adäquanzkriterien Rechnung zu tragen. Dies gilt
etwa für die - ein eigenes Kriterium bildenden - Verletzungen, welche sich die
versicherte Person zuzieht, aber auch für - unter dem Gesichtspunkt der besonders
dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls zu
prüfende - äussere Umstände, wie eine allfällige Dunkelheit im Unfallzeitpunkt oder
Verletzungs- oder allenfalls gar Todesfolgen, die der Unfall für andere Personen nach
sich zieht (SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26). Immerhin können die erlittenen Verletzungen aber
Rückschlüsse auf die Kräfte gestatten, die sich beim Unfall entwickelt haben (SVR
2011 UV Nr. 10 S. 35; SVR 2009 UV Nr. 57 S. 203).
6.2 Gemäss dem vertraulichem Untersuchungsbericht der UUS vom Mai 2010 (act.
G1.1/3) führte der Beschwerdeführer am 6. November 2008 vor einem Bahnübergang
des Bahnhofs Strassenbauarbeiten aus bzw. planierte mit einer Strassenwalze den
frisch eingebrachten Schotterkies. Dazu musste er zeitweise auch auf den
Bahnübergang fahren. Ein Dienstzug ohne darin befindliche Reisende, der im Bahnhof
keinen Halt vorgesehen hatte und demnach durchfahren konnte, befuhr den Bahnhof
mit einer Geschwindigkeit von rund 60 km/h. Es herrschte dichter Nebel. Am Ende der
Perronkante erkannte der Lokomotivführer die im Lichtraumprofil stehende
Strassenwalze und löste unverzüglich eine Schnellbremsung aus. Der
Beschwerdeführer vermochte die Walze nicht rechtzeitig aus dem Gefahrenbereich zu
bringen, worauf es zur Kollision zwischen dem Zug und der Walze kam. Der
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Beschwerdeführer wurde dabei von der Walze geschleudert. Er vermochte selber
wieder vom Boden aufzustehen, wurde aber anschliessend zur Kontrolle mit der
Ambulanz ins Spital C._ überführt. - Im Lichte der Kasuistik (vgl. dazu RKUV 2005
Nr. U 555 S. 322 E. 3.4.1, 1995 Nr. U 215 S. 90; SVR 2011 UV Nr. 10 S. 35) ist der
Klassifizierung der Beschwerdegegnerin zuzustimmen und von einem mittelschweren
Unfall - und auch hier nicht von einem Grenzfall zu den schweren Unfällen -
auszugehen. Wie vorstehend erwähnt, ist für die Beurteilung des Schweregrads
insbesondere die auf den Beschwerdeführer wirkende Kraft massgebend.
Diesbezüglich ist im konkreten Fall - im Unterschied zu denjenigen vom Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers angeführten, vom EVG als schwer beurteilten Sachverhalten
(vgl. act. G8, S. 5) - zu beachten, dass nicht der Beschwerdeführer selbst, sondern die
Strassenwalze vom Zug getroffen wurde. Die Krafteinwirkung durch den Zug wirkte
damit nur indirekt auf den Beschwerdeführer, womit ein ausserordentlich schweres,
lebensbedrohliches Geschehen ausser Betracht fällt. Der Beschwerdeführer sagte zwar
gegenüber der Beschwerdegegnerin aus, er sei von der Strassenwalze "geschleudert"
worden (UV-act. 14). Doch müssen die Geschwindigkeit, mit der er von der
Strassenwalze geworfen wurde bzw. die auf ihn durch den Sturz auf den Boden direkt
einwirkenden, verletzenden Kräfte relativiert werden. Der Beschwerdeführer vermochte
denn auch nach dem Unfall selber wieder aufzustehen. Bei einer Strassenwalze handelt
es sich um ein ausserordentlich schweres Gefährt, welches massenmässig zu einem
Zug nicht derart in einem Missverhältnis steht wie beispielsweise ein Personenwagen
oder ein Fahrrad. Weder dem Bericht der Kantonspolizei noch deren
Fotodokumentation (UV-act. 26) ist zu entnehmen, dass die Strassenwalze durch die
Kollision mit dem Zug erheblich und mit grosser Geschwindigkeit von der
Kollisionsstelle verschoben worden wäre. Im Polizeibericht wurde lediglich
festgehalten, die Strassenwalze sei beiseitegeschoben und der Beschwerdeführer vom
Gerät geworfen worden.
6.3 Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs ist bei mittelschweren Unfällen zu
bejahen, wenn ein einzelnes der für die Beurteilung massgebenden Kriterien nach BGE
115 V 140 E. 6c/aa (besonders dramatische Begleitumstände oder besondere
Eindrücklichkeit des Unfalls; Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung,
insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen
auszulösen; ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; körperliche
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Dauerschmerzen; ärztliche Fehlbehandlung, welche Unfallfolgen erheblich
verschlimmert; schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; Grad und
Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit) in besonders ausgeprägter Weise
erfüllt ist oder die zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise
gegeben sind. Bei einem mittelschweren Unfall im mittleren Bereich sind dabei drei
erfüllte Kriterien notwendig (Urteile des Bundesgerichts vom 11. Juni 2010, 8C_9/2010,
E. 3.3 und 3.6, und vom 29. März 2010, 8C_935/2009, E. 4.1.3).
6.3.1 Dem Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen
Eindrücklichkeit des Unfalls liegt der Gedanke zugrunde, dass solche Umstände
geeignet sind, bei der betroffenen Person während des Unfallgeschehens oder nachher
psychische Abläufe in Bewegung zu setzen, die an den nachfolgenden psychischen
Fehlentwicklungen mitbeteiligt sein können. Dabei sind objektive Massstäbe
anzuwenden. Nicht was im einzelnen Betroffenen beim Unfall psychisch vorgeht -
sofern sich dies überhaupt zuverlässig feststellen liesse -, soll entscheidend sein,
sondern die objektive Eignung solcher Begleitumstände, bei Betroffenen psychische
Vorgänge der genannten Art auszulösen (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 207 E. 3b/cc). Zu
beachten ist zudem, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse
Eindrücklichkeit eigen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 15. November 2010,
8C_655/2010, E. 4.2.2). - Besonders dramatische Begleitumstände oder eine
besondere Eindrücklichkeit des Unfalls liegen hier entgegen der Auffassung des
Rechtsvertreters des Beschwerdeführers jedenfalls nicht in ausgeprägter Form vor.
Einzuräumen ist wohl, dass eine Kollision mit einem Zug im Regelfall für jedes
Gegenüber eindrücklich ist, doch erweist sich das vorliegend zu beurteilende
Unfallgeschehen bei objektiver Betrachtung nicht als derart gravierend, dass dieses
Einzelkriterium rechtfertigte, die aufgetretene psychogene Fehlentwicklung zu
entschädigen. Der optischen Wahrnehmung des Unfallgeschehens als besonders
dramatischem Begleitumstand (vgl. dazu RKUV 1999 Nr. U 335 S. 207 E. 3b/cc) kommt
im konkreten Fall keine massgebliche Bedeutung zu. Der Beschwerdeführer kehrte
dem herannahenden Zug den Rücken zu und sah damit die Gefahr nicht unmittelbar
auf sich zukommen. Nach dem Unfall konnte er von sich aus aufstehen und gab
gegenüber der Beschwerdegegnerin an, ab dem Zeitpunkt des Sturzes von der
Strassenwalze nichts mehr zu wissen. Hinweise auf eine subjektiv empfundene
Dramatik sind seinen Schilderungen nicht zu entnehmen. Von einem bedeutsamen
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akustisch wahrnehmbaren Geschehen als besonders dramatischem Begleitumstand
kann sodann insoweit nicht ausgegangen werden, als der Beschwerdeführer im
Zeitpunkt des Unfalls einen Gehörschutz trug (vgl. dazu RKUV 1999 Nr. U 335 S. 207
E. 3b/cc).
6.3.2 Nicht erfüllt sind auch die weiteren Adäquanzkriterien. Der Beschwerdeführer hat
beim Unfall vom 6. November 2008 unbestrittenermassen keine schweren
Verletzungen erlitten und insbesondere keine solchen, die erfahrungsgemäss geeignet
sind, psychische Fehlentwicklungen auszulösen. Er war nach dem Unfall insbesondere
zur GCS-Überwachung während zwei Tagen im Spital C._ hospitalisiert und konnte
danach - wegen der Fingerverletzung für insgesamt knapp fünf Wochen mit einem
Moritz-Gips versorgt - in gutem Allgemeinzustand nach Hause entlassen werden (UV-
act. 5 f.). In der Folge beschränkten sich die medizinischen Massnahmen
weitestgehend auf die Durchführung von ambulanter Physiotherapie (UV-act. 9) und
von Shiatsu-Sitzungen (UV-act. 9, 10), auf Abklärungsmassnahmen sowie
medizinischen Verlaufskontrollen und Medikamentenabgabe. Das Kriterium der
ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung ist unter diesen Umständen
nicht erfüllt (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2007, U 37/06, E. 7.3;
Urteile des EVG vom 21. Juni 2006, U 265/05, E. 3.2.2, und vom 11. Mai 2004,
U 101/03, E. 4.3.5). Die in den Akten liegenden Verlaufsberichte von Dr. J._ sowie der
kreisärztliche Untersuchungsbericht von Dr. D._ beschreiben sodann weder
erhebliche Komplikationen noch einen schwierigen Heilungsverlauf (UV-act. 17, 28, 35,
45). Der Beschwerdeführer klagte zwar fortdauernd über Rückenschmerzen,
Konzentrations- und allgemeine Belastungsschwierigkeiten, doch konnte für diese
nach dem Unfall kein strukturelles organisches Substrat mehr ermittelt werden (vgl.
dazu auch die medizinische Erfahrungstatsache betreffend den posttraumatischen
Heilungsverlauf nach einem leichten Schädel-Hirntrauma). Insofern gilt es auch das
Adäquanzkriterium der körperlichen Dauerschmerzen zu verneinen. Im Übrigen zeigten
sich die Beschwerden insbesondere bei beruflicher Belastung, womit ohnehin nicht von
Dauerschmerzen gesprochen werden könnte. Nachdem der Beschwerdeführer die
Arbeit am 2. Februar 2009 wieder zu 50%, am 14. April 2009 zu 75% und am
24. August 2009 zu 90% aufnahm und die 10%-ige Arbeitsunfähigkeit dazu diente,
während der Arbeitszeit eine Physiotherapie wahrzunehmen, ist auch das
Adäquanzkriterium von Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit
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nicht gegeben. Schliesslich fehlen jegliche Anhaltspunkte für eine ärztliche
Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen verschlimmert hätte.
6.4 Da somit keines der massgebenden Adäquanzkriterien als erfüllt betrachtet gelten
kann, kommt dem streitigen Unfall keine adäquanzrechtlich massgebende Bedeutung
für die über den 31. Oktober 2010 hinaus andauernden Beschwerden zu. Die
Einstellung der Leistungen auf den 31. Oktober 2010 erscheint demgemäss
ausgewiesen.
7.
Eine Prüfung der Voraussetzungen der einzelnen Versicherungsleistungen, unter
anderem auch der Integritätsentschädigung, hat nur solange und insoweit zu erfolgen,
als zwischen dem Unfall und den geklagten Beschwerden sowohl die natürliche als
auch die adäquate Kausalität zu bejahen ist. Andernfalls entfällt zum Vornherein ein
Anspruch auf Versicherungsleistungen der Unfallversicherung, konkret auf die
beantragte Integritätsentschädigung für die psychischen Folgen des streitigen Unfalls.
8.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 16.02.2012 Art. 6 UVG: Leistungseinstellung rund zwei Jahre nach einem Unfall u.a. mit der Diagnose einer Commotio cerebri. Abklärung der natürlichen und adäquaten Unfallkausalität. Verneinung der Anwendung der Schleudertraumapraxis bzw. Anwendung der sog. "Psycho-Praxis" im Rahmen der Adäquanzbeurteilung (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 16. Februar 2012, UV 2011/16).
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2021-09-19T14:53:07+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen