Decision ID: 9d7996e6-d65c-436f-8820-b8033f98131f
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ a) X.Y., geboren am 3. Juli 1972 in der Türkei, ist türkischer Staatsangehöriger. Er
wuchs in seinem Heimatland auf und machte dort eine Ausbildung als Elektriker. Am
17. September 2003 heiratete er in der Türkei, eine Schweizerin.
b) Das Generalkonsulat der Schweiz in Istanbul teilte dem Migrationsamt St. Gallen am
6. Oktober 2003 mit, vorliegend handle es sich mutmasslich um eine Scheinehe, da der
türkische Ehemann, der die Einreisebewilligung in die Schweiz beantrage, keinerlei
Angaben zu seiner Ehefrau machen könne (Vorakten Migrationsamt act. 44). Am 7.
November 2003 sicherte die Q. Fleischhandel AG, A. im Kanton Basel-Landschaft,
gegenüber dem Einwohneramt G. zu, dass sie X.Y. in ihrer Filiale in Winterthur
beschäftigen wolle, weil er als Hilfsmetzger über grosse Erfahrung verfüge und
gewohnt sei, selbstständig und pflichtbewusst zu arbeiten (Vorakten Migrationsamt
act. 23). Nach weiteren fremdenpolizeilichen Abklärungen konnte er am 21. Februar
2004 zum Verbleib bei seiner Frau in G. in die Schweiz einreisen, wozu ihm das
Migrationsamt des Kantons St. Gallen eine Jahresaufenthaltsbewilligung erteilte.
c) Statt der Stelle in Winterthur trat er in der Folge bei der gleichen Firma eine
Anstellung in A. als Speditionsmitarbeiter an. Das Amt für Migration des Kantons
Basel-Landschaft gab am 28. April 2004 dazu die entsprechende Einwilligung, gültig ab
dem 28. April 2004 (Vorakten Migrationsamt act. 47). Im Rahmen des
Verlängerungsgesuchs der Aufenthaltsbewilligung bestätigte die Q. Fleischhandel AG
am 4. Januar 2005 gegenüber dem Einwohneramt G., dass X.Y. als
Speditionsmitarbeiter in A. arbeite (Vorakten Migrationsamt act. 49). Im Oktober 2005
gingen beim Migrationsamt Basel-Landschaft Hinweise eines Landsmanns ein, dass
bei der Q. Fleischhandel AG zahlreiche Türken arbeiten würden, die eine Scheinehe
eingegangen seien, um in der Schweiz arbeiten zu können, unter anderem auch X.Y.
(Vorakten Migrationsamt act. 52).
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d) Per 1. November 2007 meldeten sich die Eheleute in G. nach S. ab. Am 28. Januar
2009 stellte der Ehemann dort das Gesuch um Erteilung der
Niederlassungsbewilligung, die ihm das Migrationsamt des Kantons St. Gallen am
20. Februar 2009 erteilte. Vier Monate später wollte er sich in A., wo er bisher als
Wochenaufenthalter angemeldet war, definitiv anmelden. Das Amt für Migration des
Kantons Basel-Landschaft vermutete eine Scheinehe bzw. Rechtsmissbrauch, weshalb
es die Anmeldung verweigerte. In der Folge meldete er sich stattdessen am 25. Mai
2010 in der Stadt St. Gallen an. Zwischenzeitlich hatten die Eheleute am 11. April 2009
beim Kreisgericht Rorschach das gemeinsame Scheidungsbegehren eingereicht,
worauf sie am 11. Februar 2010 geschieden wurden.
e) Auf Grund der Hinweise des Amts für Migration Basel-Landschaft wurde die
Kantonspolizei St. Gallen beauftragt, Umfeldabklärungen zu treffen und die
geschiedenen Eheleute getrennt zu befragen. Gestützt auf die entsprechenden
Erkenntnisse stellte das Migrationsamt X.Y. am 22. Juli 2011 in Aussicht, seine
Niederlassungsbewilligung wegen Scheinehe zu widerrufen. Dieser nahm am
23. Dezember 2011 zum vorgesehenen Widerruf Stellung und reichte zwei
Bestätigungsschreiben der Betreiber des Schnell-Imbisses in R. und des Restaurants
in G. ein, die übereinstimmend bestätigten, dass sich das Paar regelmässig in ihrem
Lokal aufgehalten und dass man sie zusammen gesehen habe (Vorakten Migrationsamt
act. 279 f.). Gleichwohl verfügte das Migrationsamt am 19. Januar 2012 den Widerruf
der Niederlassungsbewilligung und ordnete an, dass der Weggewiesene die Schweiz
bis Ende März 2012 zu verlassen habe.
B./ Gegen die Verfügung des Migrationsamtes gelangte X.Y. am 3. Februar 2012
erfolglos an das kantonale Sicherheits- und Justizdepartement. Dieses kam am
14. März 2013 ebenfalls zum Schluss, dass der Rekurrent die Ehe mit einer
Schweizerin nur zum Schein bzw. deshalb eingegangen sei, um die
ausländerrechtlichen Zulassungsvorschriften zu umgehen.
C./ Gegen diesen Entscheid erhob der Rekurrent am 29. März 2013 beim
Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen mit dem Antrag Beschwerde, der
angefochtene Entscheid sei kostenpflichtig aufzuheben und vom Widerruf seiner
Niederlassungsbewilligung sei abzusehen. Seine Beziehung mit seiner zwischenzeitlich
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geschiedenen Eheleute habe sieben Jahre gedauert bzw. die Ehe rund fünfeinhalb
Jahre, während der sie ein Paar gewesen seien. Er bestreite, dass er die Ehe bloss zum
Schein eingegangen sei, um in die Schweiz einreisen und hier einem Erwerb
nachgehen zu können. In der Nordwestschweiz habe er arbeiten müssen, weil er in der
Ostschweiz, wo seine Ex-Frau wohne, keine Anstellung gefunden habe. Gegen eine
Scheinehe spreche auch, dass er als Elektriker in der Türkei ohne weiteres eine
Arbeitsstelle gefunden hätte und somit nicht wegen der Erwerbsarbeiten in die Schweiz
hätte übersiedeln müssen. Bei der polizeilichen Befragung habe er die Aussage zu
seiner Ehe verweigert, weil er seinen Anwalt nicht dabei gehabt habe. Ohne Aussage
seinerseits könnten die Behörden seinen Fall aber nicht entscheiden. Alsdann seien die
Umstände, die angeblich auf eine Scheinehe deuten würden, bereits im Zeitpunkt
seiner Einreise bekannt gewesen, weshalb er es nicht nachvollziehen könne, dass die
gleichen Gründe heute plötzlich relevant sein sollten. Eine Täuschungsabsicht habe nie
bestanden. Schliesslich macht er geltend, die bestätigte Wegweisung sei
unverhältnismässig.
D./ Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 30. April 2013 unter Hinweis auf

die Erwägungen im angefochtenen Entscheid die Abweisung der Beschwerde.
E./ Auf die weiteren von den Verfahrensbeteiligten vorgebrachten Ausführungen wird,
soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Nach Art. 42 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer
(SR 142.20, abgekürzt AuG) haben ausländische Ehegatten von Schweizern Anspruch
auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen
zusammenwohnen. Nach einem ordnungsgemässen ununterbrochenen Aufenthalt von
fünf Jahren haben die nachgezogenen Ehegatten Anspruch auf Erteilung der
Niederlassungsbewilligung (Art. 42 Abs. 3 AuG).
2.1. Der Beschwerdeführer konnte als Türke ohne Kenntnisse einer hiesigen
Landessprache und ohne eine ausländerrechtlich relevante Ausbildung nur deshalb in
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die Schweiz einreisen, weil er eine Schweizerin geheiratet hatte und glaubhaft machen
konnte, hier mit ihr zusammen leben zu wollen. Zwar bestanden bereits im Zeitpunkt
seiner Einreise zahlreiche Hinweise darauf, dass es sich um eine Scheinehe handeln
könnte, diese genügten im damaligen Zeitpunkt aber nicht, die Einreise deshalb zu
verweigern. In solchen Fällen wird die einjährige Aufenthaltsbewilligung regelmässig
erteilt, zumal diese, sollte sich anschliessend herausstellen, dass die Eheleute die Ehe
nur zum Schein eingegangen sind oder an dieser rechtsmissbräuchlich festhalten,
nachträglich widerrufen werden kann (vgl. nachfolgend E. 3.). Auf das erforderliche
Kriterium der gemeinsamen Wohnung wird in diesem Zusammenhang deshalb
besonderer Wert gelegt, weil das Fehlen einer Hausgemeinschaft ohne sachliche
Gründe in der Regel ein gewichtiges Indiz für eine rechtsmissbräuchliche Ehe darstellt
(Spescha in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli, Migrationsrecht, 2. Auflage, Zürich 2009, Rz. 2
zu Art. 42 AuG).
2.2. Auf den Ablauf der fünfjährigen Frist hin ersuchte der Beschwerdeführer am
28. Januar 2009 um Erteilung der Niederlassungsbewilligung. Das Migrationsamt
erteilte ihm daraufhin in Anwendung von Art. 42 Abs. 3 AuG die Bewilligung auf den
frühestmöglichen Termin des 20. Februar 2009. Bereits ein halbes Jahr später
verlangte er jedoch gemeinsam mit seiner Ehefrau die Scheidung.
3. Der Anspruch auf Familiennachzug erlischt, wenn er rechtsmissbräuchlich geltend
gemacht wird, namentlich um Vorschriften dieses Gesetzes und seiner
Ausführungsbestimmungen über die Zulassung und den Aufenthalt zu umgehen (Art.
51 Abs. 1 AuG). Erfasst wird davon die sogenannte Scheinehe bzw.
Ausländerrechtsehe, bei der die Ehegatten von Vornherein keine echte eheliche
Gemeinschaft beabsichtigen. Der Anspruch entfällt darüber hinaus auch bei
rechtsmissbräuchlicher Berufung auf eine nur noch formell und ohne Aussicht auf
Aufnahme bzw. Wiederaufnahme einer ehelichen Gemeinschaft bestehende Ehe (BGE
128 II 145 E. 2.1 f. mit Hinweisen). Als eigenes und selbständiges Niederlassungsrecht
erlischt die einmal erteilte Niederlassungsbewilligung nicht mit der Auflösung der Ehe.
Sie kann aber widerrufen werden.
3.1. Die Niederlassungsbewilligung kann widerrufen werden, wenn der Ausländer im
Bewilligungsverfahren falsche Angaben gemacht oder wesentliche Tatsachen
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verschwiegen hat (Art. 63 Abs. 1 lit. a AuG in Verbindung mit Art. 62 lit. a AuG). Der
Widerruf setzt voraus, dass der Betroffene wissentlich falsch ausgesagt oder
wesentliche Tatsachen verschwiegen hat, in der Absicht, gestützt darauf den
Aufenthalt oder die Niederlassung bewilligt zu erhalten. Nach Art. 90 lit a AuG ist der
Ausländer verpflichtet, der Behörde über alles, was für den Bewilligungsentscheid
massgebend sein kann, wahrheitsgetreu Auskunft zu geben. Wesentlich sind dabei
nicht nur Umstände, nach denen die Fremdenpolizei ausdrücklich fragt, sondern auch
solche, von denen der Gesuchsteller wissen muss, dass sie für den
Bewilligungsentscheid relevant sind (vgl. BGE 135 II 1 E. 4.1). Das Erschleichen einer
Niederlassungsbewilligung durch falsche Angaben oder durch wissentliches
Verschweigen von Tatsachen kann schon darin liegen, dass die Angaben, auf welche
sich die Behörden bei der seinerzeitigen Bewilligungserteilung gestützt hatten oder die
bei späteren Verlängerungen der Aufenthaltsbewilligung oder bei der Erteilung der
Niederlassungsbewilligung mangels anderer Angaben immer noch als massgebend
betrachtet werden konnten, falsch oder unvollständig waren. Bei eigentlichen
Machenschaften wie dem Eingehen einer Scheinehe bedarf es keiner ausdrücklichen
Frage der Ausländerbehörde. Die Bewilligung gilt ohne Weiteres als erschlichen (Zünd/
Arquint Hill, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, Ausländerrecht, 2. Auflage, 2008, Rz.
8.27; BGer 2C_615/2009 vom 25. Februar 2010 E.2.2 mit Hinweisen).
3.2. Ob eine Ehe nur zum Schein geschlossen wurde, entzieht sich regelmässig dem
direkten Beweis und ist bloss durch Indizien zu erstellen. Feststellungen über das
Bestehen solcher Verdachtsgründe können äussere Gegebenheiten, aber auch innere,
psychische Vorgänge bzw. den Willen der Ehegatten betreffen ((BGer 2C_12/2013 vom
1. Februar 2013 E. 2.1, BGer 2C_820/2010 vom 5. April 2011 E. 3.1, BGE 130 II 113 E.
10.2 f. mit Hinweis). Erforderlich sind konkrete Hinweise darauf, dass die Ehegatten
nicht eine eigentliche Lebensgemeinschaft führen wollen, sondern dass die Ehe nur
aus fremdenpolizeilichen Überlegungen eingegangen wurde bzw. weitergeführt wird.
Diesbezügliche Indizien lassen sich etwa darin erblicken, dass der Ausländer keine
Einreiseerlaubnis erhalten hätte oder die Wegweisung drohte, weil er ohne Heirat keine
Aufenthaltsbewilligung erhalten hätte oder sie ihm nicht verlängert worden wäre. Als
weitere Anzeichen kommen etwa eine nur kurze Bekanntschaft vor der Heirat, ein
grosser Altersunterschied, namentlich das deutlich höhere Lebensalter der Frau, die
Zugehörigkeit des anwesenheitsberechtigten Ehegatten zu einer Randgruppe, fehlende
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Verständigungsmöglichkeiten, mangelhafte Kenntnisse über die Lebensumstände des
anderen, widersprüchliche Aussagen oder Heirat gegen Bezahlung oder für die
Beschaffung von Drogen in Frage (VerwGE B 2011/21 vom 31. Mai 2011 E. 3.2. mit
Hinweis, abrufbar unter: www.gerichte.sg.ch, bestätigt in BGer 2C_566/2011 vom
15. Oktober 2011 E. 2.4).
3.3. Dass die Begründung einer wirklichen Lebensgemeinschaft gewollt war, kann
umgekehrt nicht schon daraus abgeleitet werden, dass die Ehegatten allenfalls
während einer gewissen Zeit zusammengelebt und intime Beziehungen unterhalten
haben; je nach dem kann dies auch losgelöst von einer geplanten Partnerschaft so
gehandhabt werden oder gar nur vorgespiegelt sein, um die Behörden zu täuschen.
Eine Scheinehe liegt demgegenüber auch nicht bereits dann vor, wenn
ausländerrechtliche Motive für den Eheschluss mitentscheidend waren. Erforderlich ist
zusätzlich, dass der Wille zur Führung einer Lebensgemeinschaft - zumindest bei
einem der Ehepartner - von Anfang an nicht gegeben war (BGer 2C_615/2009 vom
25. Februar 2010 E. 2.4).
4. Der Beschwerdeführer rügt, der Sachverhalt sei nicht hinreichend abgeklärt, weil er
nicht detailliert befragt worden sei.
4.1. Das Vorliegen einer Ausländerrechtsehe darf nicht leichthin angenommen werden.
Es ist Sache der Migrationsbehörden, eine Scheinehe nachzuweisen. Dabei müssen
die Behörden den Sachverhalt grundsätzlich von Amtes wegen untersuchen. Der
Untersuchungsgrundsatz wird aber durch die Mitwirkungspflicht der Betroffenen
relativiert. Ausländer sowie an Verfahren nach dem AuG beteiligte Dritte sind
verpflichtet, an der Feststellung des für die Anwendung des Gesetzes massgebenden
Sachverhalts mitzuwirken. So müssen sie etwa zutreffende und vollständige Angaben
über die für die Regelung des Aufenthalts wesentlichen Tatsachen machen (BGer
2C_58/2012 vom 1. Oktober 2012 E. 3.2).
4.2. Die Kantonspolizei hat den Beschwerdeführer ordnungsgemäss im Beisein einer
Dolmetscherin zu seiner Ehe befragt. Die anfängliche Frage, ob er bereit sei, über seine
Ehe auszusagen, bejahte er grundsätzlich, meinte aber, im Beisein eines Anwaltes wäre
es besser. Auf die erneute Frage, weshalb er denn keinen Anwalt mitgebracht habe,
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antwortete er, man habe ihm gesagt, das wäre nicht nötig (Vorakten Migrationsamt act.
201). Gleichwohl berief er sich umgehend auf sein Aussageverweigerungsrecht, sobald
die Befragung auf seine Ehe zu sprechen kam. Seine Begründung war, dass er "einfach
keine Fehler machen" wolle (Vorakten Migrationsamt act. 200).
4.3. Aus dem Gesagten folgt, dass die Behörden im Rahmen ihres gesetzlichen
Auftrages gehandelt haben. Da es vorliegend - anders als bei der notwendigen
Verteidigung gemäss Art. 130 der Schweizerischen Strafprozessordnung (SR 312.0) -
verfahrensmässig unnötig war, dass für die Befragung ein Anwalt anwesend war, gilt
seine Befragung als rechtmässig, auch wenn der Befragte ohne anwaltliche Begleitung
zur Befragung erschienen ist und in der Folge seine Aussage komplett verweigert hat.
Da die Befragung seiner Ex-Frau bereits erfolgt war, machte es auch keinen Sinn, seine
Befragung später nachzuholen, ansonsten er sich zwischenzeitlich mit seiner Ex-Frau
hätte absprechen können. Davon abgesehen, dass es ihm durchaus frei gestanden
hätte, seinen Rechtsvertreter mitzunehmen, wenn er dies gewollt hätte, war eine
Dolmetscherin anwesend, deren Übersetzung er verstanden hat (Vorakten
Migrationsamt act. 202). Alsdann musste ihm klar sein, dass er sich zwar mit seinen
Aussagen nicht selber belasten musste, dass die komplette Verweigerung seiner
grundsätzlichen Mitwirkungspflicht aber dazu führen würde, dass die Behörden ihren
Entscheid im Rahmen ihrer Untersuchungspflicht auf die übrigen Erkenntnisse
abstellen würden und müssten und dass seine Weigerung, selber zu seiner Ehe
auszusagen, allenfalls entsprechend gewürdigt werde. Zu dem im korrekten Verfahren
erhobenen Beweisergebnis konnte der Beschwerdeführer sodann vor Erlass der
Verfügung betreffend Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung Stellung nehmen. Eine
Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes liegt somit nicht vor.
5. Die Schlussfolgerung der Vorinstanz, dass beim Beschwerdeführer eine Scheinehe
vorliege, ist schlüssig begründet und überzeugt.
5.1. Ins Auge springt zunächst, dass der Beschwerdeführer seine Exfrau geheiratet hat,
obgleich sie sich lediglich von ihren zwei Ferienaufenthalten in der Türkei her gekannt
haben und sich mangels gemeinsamer Sprachkenntnisse ohne Dolmetscher gar nicht
verständigen konnten. Die E-Mails, die sie sich zwischen den beiden Ferien
regelmässig geschrieben haben wollen, mussten jeweils von Dritten übersetzt werden.
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An ihrem grundsätzlichen sprachlichen Verständigungsproblem hat aber auch ihre
mehrjährige Ehe nichts geändert. Davon abgesehen, dass die Ex-Frau zwischenzeitlich
kein Türkisch gelernt hat, konnte der Beschwerdeführer selbst bei der polizeilichen
Befragung am 14. April 2011 noch immer nicht ohne Dolmetscher auf Deutsch
kommunizieren. Weiter haben die Eheleute bis auf seinen Vater und einen türkischen
Onkel niemanden von der Familie des anderen kennengelernt. Die Ex-Frau hat ihrer
Familie nie mitgeteilt, dass sie verheiratet sei. Ihre Schwester, die in St. Gallen wohnt,
weiss heute noch nicht, dass sie mit einem Türken verheiratet war und mit diesem in
ihrer Nähe zusammengelebt haben will.
5.2. In dieses Bild passt, dass die Trauung in der Türkei aus einem reinen
Verwaltungsakt bestanden und dass, von einem Onkel des Beschwerdeführers
abgesehen, niemand aus der Verwandtschaft daran teilgenommen hatte. Die
Trauzeugen, zwei Kollegen des Beschwerdeführers, waren der Ehefrau unbekannt. Bei
den ausgetauschten Ringen hatte es sich um billigen Schmuck vom Basar gehandelt
(Vorakten Migrationsamt act. 203 ff.)
5.3. Mangels offensichtlichen Interesses aneinander wissen die mittlerweile
geschiedenen Eheleute praktisch nichts über das Vorleben des anderen, was sich nicht
allein mit ihrer unterschiedlichen Herkunft erklären lässt. Nebst dem, dass sie ihren
Lebensunterhalt völlig getrennt finanziert und die jeweiligen Wohnungen, selbst nach
ihrem angeblichen gemeinsamen Umzug nicht gemeinsam gemietet haben, hatten sie
auch sonst keine gemeinsamen Bekannten und Freunde. Gemeinsame Ferien haben
sie keine verbracht, was sich umso mehr aufgedrängt hätte, als sie bereits den Alltag
während der Woche nicht miteinander verbracht haben. Umfeldabklärungen am
Wohnort der Ehefrau ergaben allerdings, dass sich der Beschwerdeführer auch am
Wochenende nicht in der ehelichen Wohnung aufgehalten hatte. So konnte keiner der
befragten Nachbarn den Beschwerdeführer auf Fotos erkennen und zwar auch jene
Hausbewohner nicht, die von sich behaupteten, die Mitbewohner im Haus eigentlich zu
kennen. Selbst der Vermieter, der direkt neben der Ex-Frau gewohnt hatte, wusste
weder, dass diese verheiratet sei, noch hatte er gewusst, dass es den
Beschwerdeführer überhaupt gebe (Vorakten Migrationsamt act. 115). An der
Richtigkeit der durchwegs übereinstimmenden und polizeilich aufgenommenen
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Aussagen der Nachbarn ändert sich auch nichts, dass diese bloss vom befragenden
Polizeibeamten, nicht aber auch von den Befragten selbst unterschrieben sind.
5.4. Vor diesem Hintergrund erscheinen die vorformulierten Bestätigungen der beiden
Bekannten, dass die beiden regelmässig bei ihnen gegessen hätten und dass man die
beiden auch sonst zusammen gesehen hätte, als reine Gefälligkeitsschreiben (Vorakten
Migrationsamt act. 279 f.). Aus den umfangreichen Abklärungen muss vielmehr
geschlossen werden, dass die Eheleute am Wohnort der Ex-Frau die Wochenenden
nicht wie behauptet regelmässig gemeinsam verbracht haben. Mithin ist es auch
verständlich, dass der Beschwerdeführer seine Aussagen verweigert hat, sobald die
Befragung zum gemeinsamen Eheleben kam; über ein gemeinsames Eheleben gab es
offensichtlich nichts zu erzählen (Vorakten Migrationsamt act. 218).
5.5. Bei Eheleuten, bei welchen der ausländische Ehepartner wie vorliegend einzig auf
Grund des Familiennachzugsrechts in die Schweiz einreisen durfte, wird grundsätzlich
verlangt, dass sie zusammenleben (Familiennachzug eines Schweizers: Art. 42 Abs. 1
AuG). Von diesem Erfordernis kann einzig bei Vorliegen wichtiger Gründe abgewichen
werden, bei beruflichen Verpflichtungen zum Beispiel oder bei einer vorübergehenden
Trennung wegen erheblicher familiärer Probleme (Art. 76 der Verordnung über
Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit, SR 142.201).
5.5.1. In diesem Zusammenhang macht der Beschwerdeführer geltend, er habe einzig
bei der Fleischhandelsfirma in A. eine Stelle gefunden. Sodann bestreitet er, dass er
seine Ex-Frau nur deshalb geheiratet habe, damit er habe in die Schweiz reisen und
hier arbeiten können. Als gelernter Elektriker hätte er in der Türkei ohne Weiteres eine
Stelle gefunden.
5.5.2. Tatsache ist, dass der Beschwerdeführer arbeitslos war, als er die zehn Jahre
ältere und herzkranke Schweizerin (weswegen sie eine halbe IV-Rente bezieht) an der
Bar ihres Ferienhotels in der Türkei getroffen und mit Hilfe eines Übersetzers
kennengelernt hatte (Vorakten Migrationsamt act. 210). Seine Ausbildung als Elektriker
scheint ihm also nicht ohne Weiteres eine Anstellung in der Türkei garantiert zu haben.
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5.5.3. Ferner ist es unglaubwürdig, dass der Beschwerdeführer einzig im Kanton Basel-
Landschaft eine Stelle als Hilfskraft mit einem monatlichen Lohn von lediglich
Fr. 3'220.-- bzw. später noch Fr. 2'450.-- (Vorakten Migrationsamt act. 48, 55 und 74)
finden konnte, auch wenn er kein Deutsch spricht. Das Gleiche gilt für seine Ex-Frau,
die halbtags als Arztgehilfin bzw. im Spital arbeitet. Auch sie hätte in der
Nordwestschweiz insbesondere im Gesundheitswesen eine neue Teilzeitstelle finden
können. Wenn die Eheleute also tatsächlich hätten zusammenleben wollen, wäre es
ihnen durchaus möglich gewesen, an einem gemeinsamen Ort bzw. im gleichen
Landesteil zu wohnen und zu arbeiten.
5.5.4. Die Behauptung, dass der Beschwerdeführer die Stelle bei der Q. Fleischhandel
AG erst ein Jahr nach seiner Einreise bzw. im März oder April 2005 gefunden habe, ist
aktenwidrig (Vorakten Migrationsamt act. 23, 47, 48). Allein auf die Aussage seiner Ex-
Frau, dass er im März oder April 2005 dort zu arbeiten begonnen habe, kann schon
deshalb nicht abgestützt werden, weil sie sich weder an das korrekte Geburtsdatum
ihres Ex-Mannes, noch an den Tag ihrer Trauung erinnern konnte. Sie irrte sich nicht
bloss bezüglich dieser Daten, sondern auch bezüglich des Zeitpunkts der Einreise ihres
türkischen Ex-Mannes um ein ganzes Jahr (Vorakten Migrationsamt act. 211). Weiter
kann den Akten auch nicht widerspruchsfrei entnommen werden, dass er zu Beginn
der Anstellung noch gänzlich bei seiner Ehefrau in G. gewohnt habe und dass er seine
persönlichen Effekten und seine übrigen Sachen stets in der ehelichen Wohnung
gehabt und jeweils nur das Notwendigste mit nach A. genommen habe, wie der
Beschwerdeführer nun behauptet.
5.5.5. Dass der Beschwerdeführer für einen Hilfsjob zumindest anfangs täglich bzw.
später wöchentlich zwischen G. bzw. S. und dem abgelegenen A. in der
Nordwestschweiz gependelt ist, wofür er gemäss Google-Routenplaner mit dem Auto
1:48 Std. bzw. in seinem Fall mit dem öffentlichen Verkehr rund drei Stunden
gebraucht hätte und dafür mehrheitlich dreimal hätte umsteigen müssen, ist aber auch
deshalb unglaubwürdig, weil er bei der gleichen Firma die Möglichkeit gehabt hätte, im
bloss 68 km bzw. Dreiviertelstunden entfernt liegenden - und selbst mit dem
öffentlichen Verkehr gut erreichbaren - Winterthur zu arbeiten, wo seine Arbeitgeberin
eine Filiale betreibt und wo ihm ein Job als Speditionsmitarbeiter zugesichert war.
Mithin hätte er sich nicht einmal selber um eine Stelle als ungelernte Hilfskraft in der
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Umgebung der ehelichen Wohnung bemühen müssen, was ihm aber mit Hilfe seiner
damaligen Schweizer Ehefrau oder des RAV ohne Weiteres zumutbar gewesen wäre.
5.5.6. Für einen getrennten Wohnsitz wäre zwar auch ein alternatives Lebensmodell als
wichtiger und nachvollziehbarer Grund denkbar gewesen, solange jedenfalls der
Ehewille trotzdem vorhanden gewesen wäre (Spescha, a.a.O., Rz. 2 zu Art. 49 AuG).
Ein glaubhaft begründetes "living apart together" setzt allerdings voraus, dass die
getrennt lebenden Ehepartner die wenige Zeit, die sie miteinander verbringen, bewusst
gestalten und erleben und für gemeinsame Erlebnisse sorgen. Der Beschwerdeführer
wollte - und seine Exfrau konnte - anlässlich der polizeilichen Befragung aber nichts
dergleichen berichten, ausser dass sie angeblich zusammen zu Hause gewesen und
zusammen eingekauft hätten sowie zusammen spazieren und essen gegangen seien.
Zwar haben ein Imbiss- und ein Restaurantbesitzer dies bestätigt. Dies allein würde für
die Glaubhaftmachung einer tatsächlichen Partnerschaft aber nicht ausreichen, zumal
sie keine anderen Gemeinsamkeiten oder gemeinschaftliche Aktivitäten aufzeigen
konnten. Davon abgesehen, dass es offensichtlich nichts gibt, wofür sie sich
gemeinsam interessierten oder das sie zusammen taten, pflegten sie auch keinen
gemeinsamen Freundeskreis. So reiste der Beschwerdeführer immer allein in die Türkei
bzw. verbrachte seine Ferien stets ohne seine damalige Frau. Auf Grund der Akten
muss somit davon ausgegangen werden, dass die beiden bereits während ihrer Ehe
unabhängig voneinander in der Ostschweiz bzw. im Kanton Basel-Landschaft gelebt
und sich nur so oft als nötig gesehen haben. Dies wird dadurch untermauert, dass sich
der Beschwerdeführer nach dem missglückten offiziellen Kantonswechsel nur noch pro
forma wieder im Kanton St. Gallen zurückgemeldet hat, tatsächlich aber an seiner
langjährigen Adresse in A. wohnhaft blieb und seine offizielle Adresse in St. Gallen
nicht korrekt nennen konnte (Vorakten Migrationsamt act. 195).
5.5.7. Aus dem Gesagten folgt, dass keine Ausnahme vom Erfordernis des
Zusammenwohnens gemäss Art. 49 AuG erkennbar ist.
5.6. Auch was der Beschwerdeführer weiter vorbringt, ist nicht geeignet, den Schluss
der Vorinstanz zu entkräften, dass eine Scheinehe vorgelegen habe:
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5.6.1. Nicht nachvollziehbar ist insbesondere, dass die Umstände, dass er sich erst im
Dezember 2005 in A. offiziell als Wochenaufenthalter angemeldet und die Ehe auf dem
Papier sieben Jahre gedauert hat, für eine echte Partnerschaft sprechen sollen. Das
Gleiche gilt für die Tatsache, dass ihm (sozialversicherungsrechtlich) ein Arbeitsweg
von zwei Stunden zumutbar wäre. Und selbst wenn er - entgegen der Aktenlage - nach
seiner Einreise vorderhand nur im Kanton Basel-Landschaft eine Stelle gefunden hätte,
wäre es ihm, wie bereits gesagt, ohne Weiteres möglich gewesen, während seiner
mehrjährigen Ehedauer eine andere Stelle in der Nähe zu finden.
5.6.2. In dieses Bild passt, dass er gegenüber dem Migrationsamt bis zum Zeitpunkt
der Fünfjahresfrist gemäss Art. 42 Abs. 3 AuG den Anschein einer intakten Ehe aufrecht
hielt bzw. verschwieg, dass es in seiner Ehe bereits vorher "kriselte", wie er in der
Beschwerdeschrift selber ausführt, und er tatsächlich nicht bei seiner Ehefrau in der
Ostschweiz wohnte. Der Vorteil lag insbesondere darin, dass seine
Aufenthaltsbewilligung sonst bloss noch im Rahmen von Art. 50 AuG hätte verlängert
werden können, wobei es konkret namentlich an der dafür nötigen ausgewiesenen
erfolgreichen Integration nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG gefehlt hätte (vgl. nachfolgend
E. 6.2.).
5.7. Aus dem Gesagten folgt, dass das Migrationsamt dem Beschwerdeführer seine
Aufenthaltsbewilligung nicht mehrmals verlängert und keine Niederlassungsbewilligung
erteilt hätte, wenn es seine effektiven familiären Verhältnisse und tatsächlichen
Absichten gekannt hätte.
6. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung rechtfertigt sich nur, wenn die jeweils im
Einzelfall vorzunehmende Interessenabwägung die entsprechende Massnahme als
verhältnismässig erscheinen lässt. Die zuständigen Behörden berücksichtigen bei der
Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die persönlichen Verhältnisse
sowie den Grad der Integration des Ausländers (Art. 96 Abs. 1 AuG).
6.1. Der Beschwerdeführer hat keine Schulden, ist berufstätig und kommt für seinen
Lebensunterhalt selber auf. Dies allein stellt aber noch keine besondere Leistung dar,
sondern darf von einem alleinstehenden, gesunden, gut 40-jährigen Mann mit
Berufsausbildung erwartet werden. Ausser einigen Verkehrsdelikten hat er sich auch
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strafrechtlich nichts Wesentliches zu Schulden kommen lassen, wobei das Eingehen
einer Scheinehe nicht nur einen Verstoss gegen eine zentrale ausländerrechtliche Norm
darstellt (VerwGE B 2007/127 vom 5. November E. 2.7. mit Hinweisen, in:
www.gerichte.sg.ch), sondern darüber hinaus einen Straftatbestand erfüllt, und zwar
nicht nur von seiner Exfrau, sondern auch durch den Beschwerdeführer selbst (Art. 118
AuG). Allein der Umstand, dass er dafür (noch) nicht rechtskräftig verurteilt worden ist,
fällt ausländerrechtlich nicht relevant ins Gewicht. Anders als im Strafverfahren, wo vor
einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung gilt, muss im
administrativen Verfahren mangels Verurteilung nicht davon ausgegangen werden, der
Beschwerdeführer habe sich nichts zuschulden kommen lassen (BGer 2C_318/2010
vom 16. September 2010 E. 2.1 und 3.2). Der Grund liegt darin, dass die mit dem
Widerruf der Niederlassungsbewilligung verbundene Wegweisung keine Strafe,
sondern eine ordnungsrechtliche Massnahme darstellt, die ihrerseits auf einen
polizeirechtlichen Gefahrentatbestand ausgerichtet ist (VerwGE B 2012/140 vom
8. November 2011 E. 4.2.4., abrufbar unter www.gerichte.sg.ch).
6.2. Für die Prüfung, ob die mit dem Widerruf der Niederlassungsbewilligung
zusammenhängende Wegweisung zumutbar sei, hängt sodann davon ab, ob der
Beschwerdeführer in der Schweiz verwurzelt ist. Davon kann vorliegend jedoch keine
Rede sein. Der Beschwerdeführer lebte bis zum 31. Altersjahr ununterbrochen in seiner
Heimat und hat damit die prägenden Lebensjahre in der Türkei verbracht. In der
Schweiz hält er sich erst seit dem Jahr 2004 auf, wobei sein Aufenthalt allerdings auf
der Irreführung der Ausländerbehörde beruht. In der Schweiz hat er ausschliesslich mit
Türken verkehrt, obwohl er mit einer Schweizerin verheiratet gewesen ist. So erstaunt
es nicht, dass er trotz seines zehnjährigen Aufenthalts in der Schweiz noch immer
keine Landessprache spricht und sich lediglich mit einem Dolmetscher verständigen
kann. Selbst mit seiner geschiedenen Ehefrau konnte er sich bis am Schluss kaum
verständigen, zumal er ihren Angaben zu Folge nie Deutsch gelernt hat (Vorakten
Migrationsamt act. 205). Kinder oder sonstige Verwandte hat er in der Schweiz keine,
seine verwandtschaftlichen Beziehungen pflegt er ausschliesslich in der Türkei. So
reist(e) er regelmässig in sein Heimatland, wo seine Eltern, seine Schwester und all
seine Verwandten und bisherigen Freunde leben. Es kann daher davon ausgegangen
werden, dass er mit den kulturellen und gesellschaftlichen Gepflogenheiten seines
Heimatlands nach wie vor bestens vertraut ist und dass er in seiner Heimat im
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© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/16
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angestammten Beruf - wie er selber meint - ohne Weiteres wiederum wie andere
Einheimische auch am Erwerbsleben teilhaben und dort rasch wieder einen neuen
Bekanntenkreis aufbauen können wird.
6.3. In der Schweiz übt er sodann keine besonders qualifizierte Arbeit aus, weswegen
kein öffentliches Interesse an seinem Verbleib besteht. Allein die Tatsache, dass das
Lohnniveau in der Türkei tiefer liegt als das hiesige und er dort allenfalls selbst für eine
Tätigkeit in seinem angestammten Beruf weniger verdienen wird und die
Sozialleistungen dort schlechter sind, ist im vorliegenden Zusammenhang irrelevant.
Dem Beschwerdeführer ist es somit ohne Weiteres zuzumuten, in seine Heimat
zurückzukehren.
7. Zusammengefasst ergibt sich, dass der formell-rechtlichen Ehe des
Beschwerdeführers von Anfang an kein Ehewille zugrunde gelegen ist und dass keine
tatsächlich gelebte Ehebeziehung bestanden hat. Die Vorinstanz hat die Ehe des
Beschwerdeführers somit zu Recht als Scheinehe bzw. den Familiennachzug als
rechtsmissbräuchlich beurteilt. Die Voraussetzungen für den Widerruf der
Niederlassungsbewilligung nach Art. 62 lit. a AuG sind damit erfüllt. Seine Rückkehr
liegt unter den gegebenen Umständen im öffentlichen Interesse und ist
verhältnismässig sowie zumutbar, so dass die Beschwerde abzuweisen ist. Nachdem
die angesetzte Ausreisefrist zwischenzeitlich abgelaufen ist, wird ihm das
Migrationsamt, wie von der Vorinstanz angeordnet, eine neue angemessene
Ausreisefrist ansetzen (Art. 66 Abs. 2 AuG).
8. (...).