Decision ID: 478c0f7b-0432-4599-a093-04a0180b5b08
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Stefan Gerschwiler, Schwager Mätzler Schneider,
Poststrasse 23, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 22. März 2005 wegen beidseitiger Schwerhörigkeit und
Rückenproblemen zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung bei der IV-
Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 19).
A.b Der Hausarzt des Versicherten, Dr. med. B._, Facharzt FMH für Allgemeine
Innere Medizin, erstattete am 15. April 2006 einen Arztbericht zuhanden der IV-Stelle.
Darin diagnostizierte er im Wesentlichen einen Hörsturz rechts bei bekannter
Ertaubung links, Discushernien C3/4 und C4/5 sowie eine arterielle Hypertonie bei
Dyslipidämie und familiärer Belastung. Bezüglich Arbeitsfähigkeit hielt er fest, der
Versicherte sei seit dem 23. September 2002 zu 100 % arbeitsunfähig; aufgrund seiner
Gehörbeeinträchtigung sei er stark isoliert, was zu erheblichen Schwierigkeiten am
Arbeitsplatz geführt habe, hinzu seien Nackenbeschwerden und eine Depression
gekommen, was eine weitere Arbeitstätigkeit verunmögliche (IV-act. 45).
A.c Wie sich dem Arbeitgeberbericht vom 3. Mai 2006 entnehmen lässt, war dem
Versicherten mit Schreiben vom 20. August 2002 per 31. Dezember 2001 (gemeint
wohl: 2002) gekündigt worden, woraufhin er von der Möglichkeit, sich per 31. März
2003 vorzeitig pensionieren zu lassen, Gebrauch gemacht hatte (IV-act. 48).
A.d Am 23. Juni 2006 fand eine Abklärung an Ort und Stelle statt. Im entsprechenden
Bericht vom 27. Juli 2006 wurde unter anderem festgehalten, der Versicherte sei nach
der Frühpensionierung nicht mehr erwerbstätig gewesen, könnte ohne Kündigung
weiterhin eine vollwertige Leistung in der angestammten Tätigkeit erbringen, sei in
„seinem Aufgabenbereich als Pensionär“ in der Kommunikation eingeschränkt,
weshalb die Lebensqualität stark vermindert sei, erfülle gemäss Einschätzung des
Abklärungsbeauftragten aber nicht die Voraussetzungen für einen Rentenbezug (IV-
act. 52).
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A.e In einer Stellungnahme vom 6. Oktober 2006 hielt der zuständige Arzt des IV-
internen regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) fest, gemäss Akten sei der Versicherte in
leichten (angepassten) Tätigkeiten in Wechselbelastung ohne Heben, Tragen und
Transportieren von Lasten, ohne Verharren in Zwangshaltungen, ohne Armvorhalte und
Überkopfarbeiten und ohne Anforderung an erfolgsorientierte Tätigkeiten mit hohem
Kommunikationsbedarf medizinisch-theoretisch voll leistungsfähig (IV-act. 58).
A.f Mit Vorbescheid vom 25. Oktober 2006 teilte die IV-Stelle mit, dass die
Abweisung des Rentengesuchs vorgesehen sei, nachdem die angestammte Tätigkeit
als Betriebssanitäter weiterhin vollumfänglich zumutbar sei (IV-act. 61). Am
1. Dezember 2006 verfügte die IV-Stelle gemäss Vorbescheid vom 25. Oktober 2006
(IV-act. 63).
A.g Dagegen erhob der Versicherte am 13. Januar 2007 Beschwerde ans
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen. Er beantragte die Zusprache einer
Invalidenrente und führte zur Begründung im Wesentlichen an, er könne aufgrund
seiner Behinderungen die angestammte Tätigkeit nicht mehr ausüben (IV-act. 64). Mit
Eingabe vom 15. Februar 2007 liess er ergänzend ausführen, die IV-Stelle sei von
einem falschen Valideneinkommen ausgegangen – ab Mai 2002 sei ihm der Lohn aus
gesundheitlichen Gründen gekürzt worden –, und ohnehin bestehe keine verwertbare
Erwerbsfähigkeit mehr (IV-act. 73).
A.h Mit Entscheid IV 2007/31 vom 28. Mai 2008 hiess das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen die Beschwerde teilweise gut, indem es die Angelegenheit
namentlich zur Einholung eines polydisziplinären Gutachtens an die IV-Stelle
zurückwies (IV-act. 91).
B.
B.a Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die Academy of Swiss Insurance Medicine
(asim) am 4. Juni 2009 ein polydisziplinäres Gutachten. Die begutachtenden Fachärzte
diagnostizierten im Wesentlichen eine hochgradige, an Ertaubung grenzende
Schwerhörigkeit links, eine hochgradige, pancochleäre Schwerhörigkeit rechts, einen
sehr schweren, dekompensierten Tinnitus beidseits, ein chronisches cervicovertebrales
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Schmerzsyndrom leichtgradiger Ausprägung, eine koronare Herzerkrankung sowie eine
chronische obstruktive Lungenerkrankung. Tätigkeiten in akustisch konstanten, nicht
lauten Umgebungen, ohne Lärm, ohne vermehrte Hintergrundgeräusche, möglichst in
einem Einzelbüro, ohne körperlich schwere und anhaltend mittelschwere Arbeiten,
ohne repetitives Bücken oder repetitive Überkopfarbeiten, nicht häufig kniend oder
Treppen benutzend, ohne repetitives Heben, Stossen oder Ziehen von Lasten von
mehr als 7–10 Kilogramm, ohne sturzgefährdete Tätigkeitsanteile auf Leitern oder
Gerüsten und ohne kommunikativ anspruchsvolle Arbeiten seien dem Versicherten
vollumfänglich zumutbar (IV-act. 103).
B.b Mit Vorbescheid vom 11. August 2009 teilte die IV-Stelle mit, dass die Abweisung
des Rentengesuchs vorgesehen sei, da in einer leidensadaptierten Tätigkeit volle
Arbeitsfähigkeit bestehe (IV-act. 110). Dagegen liess der Versicherte am 14. September
2009 Einwand erheben und insbesondere ausführen, das Gutachten der asim bilde
keine genügende Grundlage für die Bemessung des Invaliditätsgrades, eine allfällige
Arbeitsfähigkeit sei nicht verwertbar und das Valideneinkommen sei (nach wie vor)
falsch festgelegt worden (IV-act. 113). Dem Einwand lag eine Stellungnahme von
Dr. B._ vom 24. August 2009 zum Gutachten der asim bei. Dieser hatte unter
anderem ausgeführt, die psychiatrische Beurteilung sei nicht nachvollziehbar, der
Versicherte sei sicherlich in den Jahren 2002 und 2003 massiv depressiv gewesen und
hätte deshalb keinen vollen Einsatz mehr leisten können; zudem sei das
cervicovertebrale Syndrom nicht nur leichtgradig ausgeprägt (IV-act. 114).
B.c Nachdem der RAD-Arzt Dr. med. C._, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie, in einer internen Stellungnahme vom 22. September 2009 angemerkt
hatte, die Ausführungen von Dr. B._ liessen keine begründeten Zweifel am Gutachten
der asim aufkommen (IV-act. 115), verfügte die IV-Stelle am 22. September 2009
gemäss Vorbescheid vom 11. August 2009; nach nochmaliger Durchsicht der Akten
von Seiten des RAD könne weiterhin an der bestätigten Arbeitsfähigkeit von 100 % in
leidensadaptierten Tätigkeiten festgehalten werden; auch der Einkommensvergleich sei
korrekt erfolgt (IV-act. 116).
C.
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C.a Dagegen richtet sich die am 23. Oktober 2009 erhobene Beschwerde, mit der die
Zusprache einer vollen (gemeint wohl: ganzen) Invalidenrente spätestens ab 23.
September 2003 beantragt und zur Begründung im Wesentlichen ausgeführt wird, das
Gutachten der asim bilde keine genügende Grundlage für die Bemessung des
Invaliditätsgrades, eine allfällige Arbeitsfähigkeit sei nicht verwertbar und das
Valideneinkommen sei falsch festgelegt worden; überdies habe die
Beschwerdegegnerin den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, indem sie sich mit
den Vorbringen im Einwand vom 14. September 2009 grösstenteils nicht
auseinandergesetzt habe (act. G 1).
C.b Die Beschwerdegegnerin schliesst auf Abweisung der Beschwerde. In ihrer
Beschwerdeantwort vom 1. März 2010 führte sie zur Begründung im Wesentlichen aus,
der Anspruch auf rechtliches Gehör sei nicht verletzt worden, da aus der
angefochtenen Verfügung klar hervorgehe, weshalb das Rentengesuch abgewiesen
wurde, dass das Gutachten der asim genügende Grundlage für die Bemessung des
Invaliditätsgrades bilde, dass die attestierte Arbeitsfähigkeit durchaus verwertbar sei
und dass betreffend Valideneinkommen auf die im Rahmen des Beschwerdeverfahrens
eingeholte Angabe der ehemaligen Arbeitgeberin, der Beschwerdeführer hätte ohne
Gesundheitsschaden Fr. 88’905.-- verdient (IV-act. 128), abzustellen sei (act. G 6).
C.c Mit Replik vom 12. April 2010 liess der Beschwerdeführer an seinen Anträgen
festhalten und zur Begründung ergänzend ausführen, die Beschwerdegegnerin habe es
unterlassen, die Akten hinsichtlich der Festlegung des Valideneinkommens zu
würdigen, stelle sich vorliegend doch die Frage, ob die im Mai 2002 erfolgte Kürzung
des Lohnes gesundheitsbedingt oder aus anderen Gründen erfolgt sei (act. G 12).
C.d In ihrer Duplik vom 20. April 2010 nahm die Beschwerdegegnerin Stellung zum in
der Replik erwähnten Rechtsgutachten zur Vereinbarkeit der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung zur medizinischen Begutachtung durch Medizinische
Abklärungsstellen betreffend Leistungen der Invalidenversicherung mit Art. 6 der
Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten von Jörg Paul Müller und Johannes Reich vom 11. Februar 2010
(act. G 14).

Erwägungen:
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1.
In den Akten klar ausgewiesen und überdies unbestritten ist, dass der
Beschwerdeführer aufgrund seiner gesundheitlichen Beeinträchtigungen die
angestammte, über Jahre hinweg – bei der letzten Arbeitgeberin während gut 15
Jahren – ausgeübte Tätigkeit (vgl. IV-act. 103–12 f.) nicht mehr ausüben kann (vgl. insb.
IV-act. 103–27 und 104). Damit hat der Beschwerdeführer aus gesundheitlichen
Gründen einen Teil seiner erwerblichen Leistungsfähigkeit eingebüsst, wobei indessen
zwischen den Parteien streitig ist, anhand welchen Valideneinkommens diese
Leistungsfähigkeit zu bemessen ist, nachdem dem Beschwerdeführer wenige Monate
vor Kündigung des Arbeitsverhältnisses der Lohn gekürzt wurde. Während sich nämlich
der Beschwerdeführer auf den Standpunkt stellt, die Kürzung sei infolge seiner
gesundheitlichen Beeinträchtigung erfolgt, vertritt die Beschwerdegegnerin die Ansicht,
die Kürzung sei aus rein disziplinarischen Gründen erfolgt, sei mithin nicht Ausdruck
einer gesundheitlich bedingten Minderung der Erwerbsfähigkeit des
Beschwerdeführers. Den Akten lässt sich zu dieser Frage folgendes entnehmen:
Gemäss Schreiben der ehemaligen Arbeitgeberin vom 21. September 2000 wurde der
Beschwerdeführer am 7. März 2000 ermahnt, sich besser ins Team einzufügen, seinen
Umgangston zu verbessern und weniger Rauch- und Schwatzpausen einzulegen, was
auch anlässlich eines weiteren Gesprächs vom 18. September 2000 noch zu
beanstanden gewesen sei; zudem hätten Unordnung im Sanitätsraum, nicht
termingerechte Erledigung zugewiesener Arbeiten und nicht gewährleistete
Stellvertretung („weil Sie sich abgrenzen bzw. andere leerlaufen lassen“) neu ebenfalls
zu Beanstandungen Anlass gegeben (IV-act. 77–5). Mit Schreiben vom 12. November
2001 teilte die ehemalige Arbeitgeberin dem Beschwerdeführer sodann mit, er leite
Informationen weiterhin nur spärlich weiter, sein Umgangston sei nach wie vor
schlecht, er habe eine negative Einstellung zu Veränderungen und habe sich während
eines Gruppengesprächs negativ betreffend Arbeitszeitkompensation geäussert,
weshalb sein Lohn per 1. März 2002 auf Fr. 78’500.-- gekürzt werde (IV-act. 77–4). Mit
Schreiben vom 20. August 2002 wurde das Arbeitsverhältnis schliesslich gekündigt,
nachdem sich bezüglich der beanstandeten Punkte keine langanhaltende
Verbesserung gezeigt habe (IV-act. 77–2 f.). Die Gutachter der asim gingen davon aus,
dass die gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers Anteil an den
Differenzen zwischen ihm und seinen Vorgesetzten gehabt hätten (vgl. IV-act. 103–26),
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ebenso wie Dr. B._ in seinem Bericht vom 15. April 2006 (IV-act. 45–2). Es ist
naheliegend, dass einige in den Schreiben der ehemaligen Arbeitgeberin
beanstandeten Punkte – namentlich Teamfähigkeit, Umgangston, nicht termingerechte
Erledigung zugewiesener Arbeiten, nicht gewährleistete Stellvertretungen, negative
Einstellung zu Veränderungen – durch die erhebliche Hörbeeinträchtigung und die
damit verbundenen Verständigungsprobleme bedingt waren, was zu zunehmender
Isolation und zu Abgrenzungsbedarf geführt hat. Es ist daher mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die gesundheitlichen Beeinträchtigungen
des Beschwerdeführers zumindest teilweise die Lohnkürzung per 1. März 2002 mit
verursacht haben. Daran ändert nichts, dass die ehemalige Arbeitgeberin in ihrer
Bestätigung vom 24. Dezember 2009 (IV-act. 128) ausgeführt hat, die Kürzung sei auf
disziplinarische Gründe zurückzuführen, ist doch davon auszugehen, dass ihr bzw. den
involvierten Vorgesetzten die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers und
deren Auswirkungen auf dessen Verhalten am Arbeitsplatz nicht bewusst waren. Da
der Beschwerdeführer in den Jahren zuvor ein Erwerbseinkommen in der Höhe des
ungekürzten Lohnes erzielt hatte (vgl. IV-act. 41–1), seine (hier massgebende)
erwerbliche Leistungsfähigkeit mithin die Erzielung eines solchen Erwerbseinkommens
erlaubte, und da die Kürzung des Lohnes zumindest teilweise auf gesundheitliche
Gründe zurückzuführen ist, rechtfertigt es sich, in Bezug auf das Valideneinkommen –
mit dem die erwerbliche Leistungsfähigkeit gemessen werden soll und wofür der zuletzt
erzielte Lohn lediglich als Indiz heranzuziehen ist – auf den ungekürzten Lohn
abzustellen. Dieser hätte für das Jahr 2002 Fr. 84’499.80 betragen (IV-act. 48–9).
2.
Gemäss Gutachten der asim ist der Beschwerdeführer als in leidensadaptierten
Tätigkeiten vollumfänglich arbeitsfähig zu qualifizieren, und zwar bereits ab Eintritt der
relevanten Arbeitsunfähigkeit (vgl. insb. IV-act. 103–27). Der Beschwerdeführer
beanstandet, insbesondere mit Verweis auf die Ausführungen von Dr. B._ vom
24. August 2009 (IV-act. 114), dass die Gutachter zu Unrecht davon ausgegangen
seien, dass er im fraglichen Zeitpunkt aus psychiatrischer Sicht voll arbeitsfähig
gewesen sei. Nachdem auch der psychiatrische Consiliargutachter der asim ausgeführt
hat, anamnestisch sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in der
Vergangenheit an einer depressiven Episode gelitten habe (IV-act. 103–44 f.), ist zwar
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fraglich, ob der Beschwerdeführer im massgebenden Zeitraum tatsächlich aus
psychiatrischer Sicht ununterbrochen zu 100 % arbeitsfähig gewesen ist. Allerdings
sind die Hinweise von Dr. B._ in dessen Bericht vom 15. April 2006 und dessen
Stellungnahme vom 24. August 2009 zu unspezifisch, um die Annahme einer
erheblichen Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht zu
begründen, namentlich auch unter Berücksichtigung der Tatsachen, dass keine
psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung erfolgte und der
Beschwerdeführer sich zwar nach Einschätzung seiner Vorgesetzten am Arbeitsplatz
auffällig verhielt (was teilweise auch auf die Schwerhörigkeit zurückzuführen war),
ansonsten aber offensichtlich vollumfänglich arbeitsfähig war. Zumindest finden sich in
den Schreiben der ehemaligen Arbeitgeberin nebst den erwähnten Vorwürfen keine
Hinweise darauf, der Beschwerdeführer habe mangelhafte Leistungen erbracht,
abgesehen von der nicht durchwegs termingerechten Erledigung der ihm übertragenen
Aufgaben. Selbst unter Berücksichtigung des Berichts des Spitals Flawil vom
18. Januar 1994 (IV-act. 45–7 ff.), in welchem ein Verdacht auf eine larvierte Depression
diagnostiziert worden war, rechtfertigt sich die Annahme, der Beschwerdeführer sei im
massgeblichen Zeitraum aus psychischen Gründen in seiner Arbeitsfähigkeit in
relevanter Weise beeinträchtigt gewesen, nicht. Im Nachhinein lässt sich der Beweis
auch nicht mehr erbringen. Im Übrigen besteht kein Anlass, nicht auf das umfassende,
nachvollziehbare Gutachten der asim abzustellen, namentlich auch nicht unter
Berücksichtigung des vom Beschwerdeführer erwähnten Rechtsgutachtens von Jörg
Paul Müller und Johannes Reich (vgl. hierzu einlässlich: BGE 137 V 210). Es ist mithin
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im fraglichen Zeitraum in einer
leidensadaptierten Tätigkeit vollumfänglich arbeitsfähig war.
3.
Als leidensadaptierte Tätigkeiten sind gemäss Gutachten der asim Tätigkeiten in
akustisch konstanten, nicht lauten Umgebungen, ohne Lärm, ohne vermehrte
Hintergrundgeräusche, möglichst in einem Einzelbüro, ohne körperlich schwere und
anhaltend mittelschwere Arbeiten, ohne repetitives Bücken oder repetitive
Überkopfarbeiten, nicht häufig kniend oder Treppen benutzend, ohne repetitives
Heben, Stossen oder Ziehen von Lasten von mehr als 7–10 Kilogramm, ohne
sturzgefährdete Tätigkeitsanteile auf Leitern oder Gerüsten und ohne kommunikativ
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anspruchsvolle Arbeiten, zu qualifizieren. Da die angestammte Tätigkeit diesen
Voraussetzungen nicht genügt, wäre der Beschwerdeführer, wie erwähnt, gezwungen
gewesen, sich nach Auflösung des Arbeitsverhältnisses eine andere Tätigkeit, die
diesen Ansprüchen genügt, zu suchen. Da er in diesem Zeitpunkt 58 Jahre alt war,
kann nicht davon ausgegangen werden, dass er einen anderen Beruf erlernt hätte und
anschliessend in diesem tätig gewesen wäre. Wie er zudem selbst zu Recht ausführte,
wäre ihm auch der Wiedereinstieg in den erlernten Beruf im Verkaufsbereich nicht ohne
eigentliche Ausbildung möglich gewesen. In Frage wären mithin vor allem
Hilfsarbeitertätigkeiten gekommen. Der Beschwerdeführer hat zwar zuvor stets als
Berufsmann gearbeitet, mehrheitlich gar als weitgehend autonom handelnde Fachkraft.
Die Aufnahme einer Hilfsarbeitertätigkeit wäre mithin mit einem gewissen beruflichen
Abstieg verbunden gewesen. Dennoch wäre ihm im Rahmen seiner
Schadenminderungspflicht die Aufnahme einer Hilfsarbeitertätigkeit zumutbar
gewesen, wäre der damit verbundene – hier nicht als übermässig ausgeprägt zu
qualifizierende – Abstieg doch wegen der Notwendigkeit, den Lebensbedarf zu
bestreiten, in Kauf zu nehmen gewesen. Bereits in der älteren Praxis wurde die
Zumutbarkeit nur dann verneint, wenn der Wechsel in eine deutlich untergeordnete
Position zur Diskussion stand (illustrativ: ZAK 1982, S. 495). Die von den Gutachtern
der asim statuierten Anforderungen an die körperliche Schwere einer
leidensadaptierten Tätigkeit fallen sodann vorliegend kaum ins Gewicht, verrichtete der
Beschwerdeführer doch bereits vor Auflösung des letzten Arbeitsverhältnisses
mehrheitlich leichtere Tätigkeiten und bietet der relevante ausgeglichene Arbeitsmarkt
durchaus körperlich leichte, wechselbelastende Stellen an. Ebenso existieren
Tätigkeiten, die weitgehend oder vollständig „isoliert“ (ohne hohe kommunikative
Anforderungen, in ruhiger Umgebung) verrichtet werden können. Entgegen der Ansicht
des Beschwerdeführers ist deshalb nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, die verbliebene Arbeitsfähigkeit sei erwerblich nicht mehr verwertbar
gewesen, zumal nicht der reale, sondern der hypothetische ausgeglichene
Arbeitsmarkt massgebend ist.
4.
Mangels konkreter Einkommenswerte ist für die Ermittlung des zumutbarerweise
erzielbaren Einkommens auf die Ergebnisse der Schweizerischen
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Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik (BFS) abzustellen. Gemäss
Tabelle TA1 der LSE 2002 verdienten männliche Hilfsarbeiter im Jahr 2002
durchschnittlich Fr. 4’557.-- pro Monat. Unter Berücksichtigung der statistischen
durchschnittlichen Arbeitszeit von 41,8 Stunden pro Woche entspricht dies einem
Jahreslohn von Fr. 57’144.80 (= Fr. 4’557.-- ÷ 40 × 41.8 × 12). Da dieser Wert auf den
Daten gesunder Arbeitnehmer beruht und da vorliegend insbesondere aufgrund des
fortgeschrittenen Alters des Beschwerdeführers sowie seiner vielfältigen
Beeinträchtigungen davon auszugehen ist, er könne die ihm verbliebene
Arbeitsfähigkeit nur mit unterdurchschnittlichem Erfolg verwerten, ist praxisgemäss ein
Abzug vorzunehmen (vgl. BGE 126 V 75). Zu berücksichtigen ist insbesondere, dass
die Anstellung des Beschwerdeführers einerseits aufgrund seines fortgeschrittenen
Alters für einen potentiellen Arbeitgeber mit entsprechend hohen Lohnkosten,
insbesondere Lohnnebenkosten (namentlich Beiträge an die berufliche Vorsorge),
verbunden gewesen wäre, ohne dass der potentielle Arbeitgeber andererseits von
langjähriger Erfahrung des Beschwerdeführers hätte profitieren können, hätte dieser
doch die zuvor gesammelte Berufserfahrung, wenn überhaupt, nur vereinzelt
einbringen können. Ebenso ins Gewicht fällt, dass die Beeinträchtigungen des Gehörs
des Beschwerdeführers, verbunden mit den damit einhergehenden psychischen
Auffälligkeiten, wie sie im Gutachten der asim beschrieben wurden, besondere
Nachsicht seitens eines potentiellen Arbeitgebers erfordert hätten, gerade mit Blick auf
eine allfällig notwendige Eingliederung in ein Team. Unter Umständen hätte ein
potentieller Arbeitgeber schliesslich diverse Vorkehren treffen müssen, um den
Arbeitsplatz des Beschwerdeführers den Anforderungen gemäss Gutachten der asim
anzupassen. Erschwerend hätte sich zu all dem ausgewirkt, dass der
Beschwerdeführer nurmehr relativ kurz hätte eingesetzt werden können. Gesamthaft
rechtfertigt sich vor diesem Hintergrund der Maximalabzug von 25 %. Damit ist das
Invalideneinkommen auf Fr. 42’858.60 (= 75 % × Fr. 57’144.80) zu beziffern.
5.
Angesichts des Valideneinkommens von Fr. 84’499.80 und des Invalideneinkommens
von Fr. 42’858.60 ergibt sich ein Invaliditätsgrad von 49,28 %. Da der Invaliditätsgrad
strikt mathematisch zu runden ist, ist dem Beschwerdeführer bei einem massgebenden
Invaliditätsgrad von 49 % eine Viertelsrente zuzusprechen. Nachdem Dr. B._ in
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seinem Bericht vom 15. April 2006 eine erhebliche Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit ab 23. September 2002 attestiert hat, was der Einschätzung der
Gutachter der asim nicht widerspricht, wäre der Rentenbeginn grundsätzlich auf den
1. September 2003 festzulegen. Die Anmeldung erfolgte indessen erst im März 2005,
also mehr als zwölf Monate nach Entstehen des Anspruchs. Gemäss Art. 48 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), in der Fassung vor
Inkrafttreten der 5. IV-Revision, ist daher die Rente erst ab dem 1. März 2004
auszurichten. Der Beschwerdeführer hat mithin für den Zeitraum vom 1. März 2004 bis
31. August 2009 – seit 1. September 2009 hat er gemäss Art. 21 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10)
Anspruch auf eine Altersrente, was gemäss Art. 30 IVG zum Erlöschen eines
Rentenanspruchs gegenüber der Invalidenversicherung führt – Anspruch auf eine
Viertelsrente.
6.
Demnach wird die angefochtene Verfügung vom 22. September 2009 in teilweiser
Gutheissung der Beschwerde aufgehoben und die Sache an die Beschwerdegegnerin
zur Berechnung der Rentenhöhe zurückgewiesen. Da dem „Überklagen“ bei der
Verlegung der Gerichtskosten und der Parteientschädigung nicht (wie etwa in einem
zivilprozessualen Verfahren) Rechnung zu tragen bzw. nicht auf das Ausmass des
Obsiegens abzustellen ist (vgl. den Entscheid IV 2007/359 des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen vom 6. Januar 2009, E. 5, mit Hinweisen), ist der
Beschwerdeführer diesbezüglich so zu stellen, als hätte er vollständig obsiegt. Bei
diesem Verfahrensausgang ist die Rüge, der Anspruch auf rechtliches Gehör sei
verletzt worden, nicht weiter zu prüfen. Die Beschwerdegegnerin hat sodann die
Gerichtskosten gemäss Art. 69 Abs. 1 IVG, die angesichts des durchschnittlichen
Aufwandes praxisgemäss auf Fr. 600.-- festgelegt werden, zu bezahlen. Dem
Beschwerdeführer wird der von ihm in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss
zurückerstattet. Schliesslich hat die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer
gemäss Art. 61 lit. g des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) mit einer Parteientschädigung, die
praxisgemäss auf Fr. 3’500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer)
festgelegt wird, zu entschädigen.
bis
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Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP