Decision ID: db211d38-13d1-5c42-a3d3-d7b0daca7da8
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Am 8. Februar 2018 nahm X einen amtlichen Termin zur periodischen Prüfung
seines Fahrzeugs bei einem Verkehrsexperten des Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamtes des Kantons St. Gallen wahr. Dabei stellte dieser diverse Mängel am
Fahrzeug fest. X akzeptierte die Beanstandungen nicht und vereinbarte einen Termin
zur Zweitbeurteilung bei einem anderen Verkehrsexperten. Anlässlich der
Zweitbeurteilung wurden weitere Fahrzeugmängel festgestellt. Ein Nachkontrolltermin
fand am 21. März 2018 statt.
B.- Am 28. Mai 2018 verfügte das Strassenverkehrsamt – da es trotz zweimaliger
Mahnung ohne Zahlung für die Rechnung vom 11. Februar 2018 in der Höhe von
Fr. 67.– geblieben sei – den Entzug des Fahrzeugausweises und der Kontrollschilder
sowie eine Gebühr von Fr. 100.–. Dagegen erhob X am 11. Juni 2018 Einsprache beim
Strassenverkehrsamt mit der sinngemässen Begründung, dass er davon ausgegangen
sei, dass die erste Rechnung hinfällig geworden sei und er lediglich die anlässlich des
dritten Termins in Rechnung gestellten Fr. 20.– zu bezahlen habe. Als er anlässlich
eines Telefonats mit dem Strassenverkehrsamt vom 28. Mai 2018 eher zufällig von der
ausstehenden Gebühr in der Höhe von Fr. 67.– erfahren habe, habe er die Zahlung
noch gleichentags getätigt und eine Kopie des Quittungsabschnitts dem
Strassenverkehrsamt per Mail zukommen lassen. Er sei dann überrascht gewesen, als
er einige Tage später die Verfügung vom 28. Mai 2018 zugestellt erhalten habe. Im
Einspracheentscheid vom 19. Juni 2018 führte das Strassenverkehrsamt
zusammengefasst aus, es habe X am 11. Februar 2018 Rechnung gestellt, am 27. März
2018 eine Zahlungserinnerung an ihn versandt und ihn am 24. April 2018 unter
Androhung einer kostenpflichtigen Entzugsverfügung gemahnt. Die Zahlung von
Fr. 67.– sei erst am 30. Mai 2018 eingegangen. Das Strassenverkehrsamt wies die
Einsprache ab und hielt an der Verfügungsgebühr von Fr. 100.– fest.
C.- Gegen den Einspracheentscheid vom 19. Juni 2018 erhob X im Namen seiner
Firma am 9. Juli 2018 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission des Kantons St.
Gallen (VRK). Er beantragte sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Einspracheentscheids, unter Kostenfolge zu Lasten des Staats. Im Wesentlichen
erklärte er, davon ausgegangen zu sein, dass die Rechnung vom 11. Februar 2018
aufgrund des weiteren Verfahrensgangs hinfällig geworden sei. Die Vorinstanz habe
den Nachweis über die Zustellung der Zahlungserinnerung und der Mahnung nicht
erbracht. Sodann sei ihm am 28. Mai 2018 (implizit) mitgeteilt worden, dass, wenn er
die Zahlung noch gleichentags tätige, alles in Ordnung sei. Die Vorinstanz liess sich mit
Eingabe vom 25. Juli 2018 vernehmen. Sie wiederholte das bereits im
Einspracheentscheid Ausgeführte und erklärte, dass der Zahlungseingang massgeblich
sei.
Auf die Vorbringen der Beteiligten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Der Rekurs richtet
sich hauptsächlich gegen eine Gebühr nach Ziffer 235.00 des Verkehrsgebührentarifs
(sGS 718.1, abgekürzt: VGT) im Zusammenhang mit einer periodischen
Fahrzeugprüfung. Möchte der Adressat eine Verfügung über
Strassenverkehrsgebühren nach VGT anfechten, hat er zunächst Einsprache beim
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt zu erheben, wenn er die Hauptsache nicht
anficht (Art. 27 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Strassenverkehrsabgaben
[sGS 711.70, abgekürzt: SVAG]). Vorliegend ist ein Einspracheverfahren vor dem
Strassenverkehrsamt durchgeführt worden. Die VRK ist zum Sachentscheid zuständig.
Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 9. Juli 2018 ist
rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Die Vorinstanz wies die Einsprache mit Entscheid vom 19. Juni 2018 ab. Zum
Entzug des Fahrzeugausweises und der Kontrollschilder machte sie jedoch keine
Ausführungen und stellte im Rechtsspruch lediglich fest, dass die Gebühr von Fr. 100.–
korrekt in Rechnung gestellt worden sei. Auch der Rekurrent stellte keinen den
Fahrzeugausweis und die Kontrollschilder betreffenden Antrag. Im Übrigen ist mit der
bis
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Zahlung der Gebühr für die Prüfung des Fahrzeugs der Entzugsgrund ohnehin
dahingefallen (vgl. Art. 106 Abs. 2 lit. c in Verbindung mit Art. 107 Abs. 2 der
Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr,
SR 741.51, abgekürzt: VZV). Folglich ist davon auszugehen, dass die Vorinstanz in
materieller Hinsicht nicht mehr an ihrer Entzugsverfügung festhält, sondern lediglich
noch auf der Bezahlung der Verfügungsgebühr von Fr. 100.– besteht. Im
Rekursverfahren ist somit nur zu prüfen, ob die Voraussetzungen für die
Entzugsverfügung vom 28. Mai 2018 bzw. den Einspracheentscheid vom 19. Juni 2018
gegeben waren und die Vorinstanz dafür zu Recht eine Gebühr von Fr. 100.– erhob.
a) Gemäss Art. 16 Abs. 4 lit. b des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt:
SVG) kann der Fahrzeugausweis auf angemessene Dauer entzogen werden, solange
die Verkehrssteuern oder -gebühren für Fahrzeuge desselben Halters nicht entrichtet
sind. Dieser fakultative Entzugsgrund dient der (indirekten) Durchsetzung der Erfüllung
von Abgabepflichten (Ph. Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl., Zürich/
St. Gallen 2015, Art. 16 N 36 ff.) und wird in Art. 106 Abs. 2 lit. c VZV wiederholt.
Gemäss Art. 106 Abs. 3 VZV sind mit dem Fahrzeugausweis immer auch die
Kontrollschilder zu entziehen. Die Entzugsbehörde hat dem Halter vor dem Entzug von
Fahrzeugausweis und Kontrollschildern Gelegenheit zu geben, sich mündlich oder
schriftlich zu äussern (Art. 108 Abs. 1 VZV).
Die Vorinstanz führte aus, dem Rekurrenten am 11. Februar 2018 Rechnung gestellt,
am 27. März 2018 eine Zahlungserinnerung versandt und ihm am 24. April 2018 unter
Androhung des Entzugs des Fahrzeugausweises sowie der Kontrollschilder mit letzter
Fristansetzung bis 8. Mai 2018 gemahnt zu haben. Gleichzeitig habe sie ihm
Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Duplikate der Dokumente liegen bei den
Akten (act. 7/1-3). Der Rekurrent hingegen erklärte, davon ausgegangen zu sein, dass
die Rechnung vom 11. Februar 2018 hinfällig geworden sei. Eine Zahlungserinnerung
oder Mahnung habe er nie erhalten.
b) Gemäss der allgemeinen, auch im Prozessrecht geltenden Beweislastregel hat, wo
das Gesetz es nicht anders bestimmt, derjenige das Vorhandensein einer behaupteten
Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet (Art. 8 ZGB). Die Beweislosigkeit
wirkt sich in der Regel zu Ungunsten derjenigen Person aus, die aus dem unbewiesen
https://www.swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/c903d5eb-4033-4861-972d-48bf2b13c0eb/dd0795f1-3793-454a-bdd8-7fcd4f15158b?source=document-link&SP=4|4jjgqb
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (Urteil des Bundesgerichts
2C_704/2014 vom 10. Februar 2015 E. 3.4). Der Beweis für den Empfang der Mahnung
vom 24. April 2018, worin dem Rekurrenten der Erlass einer kostenpflichtigen
Entzugsverfügung angedroht und die Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben worden
sein soll, obliegt dementsprechend der Vorinstanz. Dieser Nachweis kann nach der
Praxis des Bundesgerichts gestützt auf die gesamten Umstände erbracht werden. Die
Postaufgabe beweist aber nicht zwingend, dass der Betroffene den Brief auch
empfangen hat, denn ein Fehler der Postzustellung liegt nicht derart ausserhalb jeder
Wahrscheinlichkeit, dass mit dieser Möglichkeit nicht gerechnet werden müsste (vgl.
BGE 105 III 43).
Die Vorinstanz hatte weder die Zahlungserinnerung vom 27. März 2018 noch die
Mahnung vom 24. April 2018 eingeschrieben versandt. Der Rekurrent bestreitet die
Zustellung. Die Einzahlungsscheine der Rechnung vom 11. Februar 2018, der
Zahlungserinnerung vom 27. März 2018 sowie der Mahnung vom 24. April 2018 tragen
verschiedene Referenznummern. Die Kopie des Quittungsabschnitts, die der Rekurrent
dem Strassenverkehrsamt am 28. Mai 2018 über die Zahlung von Fr. 67.– per Mail
einreichte, trägt die Referenznummer des Einzahlungsscheins, der zur Mahnung vom
24. April 2018 gehörte (vgl. act. 7/3, act. 7/7/6 und act. 10). Zudem ist auf diesem
Beleg ein QR-Code abgedruckt. Auf entsprechende Nachfrage hin erklärte die
Vorinstanz, dass der QR-Code der maschinellen Verpackung der Rechnungen diene. Er
werde vom Unternehmen aufgedruckt, das von ihr mit dem Massenprint von
Rechnungen beauftragt sei. Intern gedruckte Rechnungen würden keinen QR-Code
aufweisen. Ebenso wenig finde sich dieser auf Rechnungen, die von der Vorinstanz als
pdf-Dokument verschickt würden (act. 16). Diese Ausführungen werden durch die
Rechnungs-Duplikate, die dem Gericht sowohl in Papierform als auch als pdf-
Dokument zugestellt wurden (act. 7/1-3 und act. 20), bestätigt, die allesamt keine QR-
Codes enthalten. Damit hat die Vorinstanz nachvollziehbar dargelegt, dass es sich
beim vom Rekurrenten verwendeten Einzahlungsschein um das mit der Mahnung vom
24. April 2018 versandte Original – und nicht um das mit Mail vom 28. Mai 2018 als
pdf-Dokument versandte Rechnungs-Duplikat (act. 7/7/7 und act. 20) – gehandelt
haben muss. Folglich ist erstellt, dass die Mahnung vom 24. April 2018 tatsächlich per
Post versandt und dem Rekurrenten zugestellt worden war.
https://www.swisslex.ch/Doc/ShowDocComingFromCitation/1246d25d-a267-4674-a167-e5659580c15f?citationId=1000aee8-816a-4e0c-bc05-ef9cb6801926&source=document-link&SP=4|4jjgqb
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
c) Die Vorinstanz hatte den Rekurrenten also mit der Zustellung der Mahnung vom
24. April 2018 nachweislich letztmals gemahnt, eine letzte Zahlungsfrist bis 8. Mai 2018
angesetzt, den Erlass einer Entzugsverfügung angedroht und gleichzeitig die
Gelegenheit eingeräumt, zum geplanten Vorgehen Stellung zu nehmen. Dieses
Vorgehen war korrekt. Der Rekurrent bezahlte nicht und liess sich gegenüber der
Vorinstanz auch nicht vernehmen. In der Folge erliess die Vorinstanz zu Recht eine
Entzugsverfügung gemäss Art. 16 Abs. 4 lit. b SVG und Art. 106 Abs. 2 lit. c VZV. Die
Zahlung ging erst am 30. Mai 2018, also zwei Tage nach Erlass der Entzugsverfügung,
bei der Vorinstanz ein. Die Voraussetzungen für eine Entzugsverfügung waren am
28. Mai 2018 gegeben. Eine Zusicherung der Vorinstanz, dass bei sofortiger Einzahlung
und Einreichung der Quittung keine Entzugsverfügung ergehe, geht aus den Akten
nicht hervor. Ersichtlich ist lediglich, dass die am 28. Mai 2018 vom Rekurrenten per
Mail eingereichten Quittungsbelege umgehend der internen Buchhaltungsabteilung
weitergeleitet wurden. Offensichtlich konnte das Verfahren zu jenem Zeitpunkt aber
nicht mehr aufgehalten werden, bzw. die Verfügung war zu jenem Zeitpunkt
möglicherweise bereits erlassen oder gar schon versandt, fand doch der Mailverkehr
erst am Nachmittag desselben Tages statt. Mit der Bezahlung der Prüfgebühr fiel die
Voraussetzung für den Entzug des Fahrzeugausweises und der Kontrollschilder
gemäss Art. 106 Abs. 2 lit. c VZV nachträglich dahin. Mangels anderer Anhaltspunkte
ist davon auszugehen, dass dieser Schritt denn auch gar nicht vollzogen wurde. Dies
ändert aber nichts daran, dass die gebührenpflichtige Entzugsverfügung vom 28. Mai
2018 rechtmässig und somit auch der abweisende Einspracheentscheid korrekt war.
Die Verfügungsgebühr ist durch den Rekurrenten zu bezahlen und der Rekurs
entsprechend abzuweisen.
3.- Die amtlichen Kosten werden nach Obsiegen und Unterliegen auferlegt (Art. 95
Abs. 1 VRP). Da der Rekurrent unterliegt, sind ihm die amtlichen Kosten aufzuerlegen.
Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.– erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 600.– ist damit
zu verrechnen.