Decision ID: 35a7d0f9-9179-4b5e-85c3-fe94a408a5a9
Year: 2017
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

berücksichtigt werden, da praxisgemäss jener Sachverhalt massgebend
sei, der sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen
Verfügung verwirklicht habe.
7. In der Replik vom 26. September 2016 hielt die Beschwerdeführerin an
ihren Anträgen fest und nahm zu den Ausführungen der IV-Stelle
Stellung. Am 4. Oktober 2016 verzichtete die IV-Stelle auf eine
Stellungnahme.
8. Mit prozessleitender Verfügung vom 9. Mai 2017 forderte die
Instruktionsrichterin die Beschwerdeführerin auf, betreffend das Gesuch
um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege die letzte amtliche
Verkehrswertschätzung betreffend die Liegenschaft der
Beschwerdeführerin in X._ einzureichen sowie eine Bestätigung der
Graubündner Kantonalbank (Hypothekargläubigerin) beizubringen, ob die
Hypothek von derzeit Fr. 219'000.-- erhöht werden könne und wenn ja, in
welchem Umfang. Mit Schreiben vom 24. Mai 2017 reichte die
Beschwerdeführerin die gewünschten Unterlagen ein.
Auf die weiteren Ausführungen der Beschwerdeführerin und die
eingereichten Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. a) Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Rentenverfügung der
IV-Stelle des Kantons Graubünden vom 12. Juni 2015. Solche
Anordnungen können beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
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als zuständigem Versicherungsgericht angefochten werden (Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] und Art. 69 Abs. 1 lit. a des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20] i.V.m.
Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG;
BR 370.100]). Die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde fällt folglich
in die Zuständigkeit des angerufenen Gerichts. Als formelle und materielle
Verfügungsadressatin ist die Beschwerdeführerin vom angefochtenen
abschlägigen Rentenentscheid überdies unmittelbar betroffen und hat ein
schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Abänderung.
Demnach ist sie zur Beschwerdeführung berechtigt (Art. 1 Abs. 1 IVG
i.V.m. Art. 59 ATSG). Ausserdem hat die Beschwerdeführerin in ihrer
Beschwerdeschrift den massgeblichen Sachverhalt dargelegt,
Rechtsbegehren formuliert und begründet, weshalb sie die angefochtene
Rentenverfügung für unrichtig erachtet (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61
lit. b ATSG). Damit liegen die für ein Eintreten zu erfüllenden
Prozessvoraussetzungen vor, wenn die Beschwerdeführerin mit der
Beschwerdeschrift vom 7. Juli 2016 fristgerecht beim Verwaltungsgericht
Beschwerde erhoben hat.
b) Gemäss Art. 60 Abs. 1 ATSG ist die Beschwerde innerhalb von 30 Tagen
nach der Eröffnung des Einspracheentscheides oder der Verfügung,
gegen welche eine Einsprache – wie vorliegend (Art. 57a IVG i.V.m.
Art. 73 ff. der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV;
SR 831.201) – ausgeschlossen ist, einzureichen. Diese gesetzliche
Beschwerdefrist kann nicht erstreckt werden (Art. 40 Abs. 1 ATSG). Sie
beginnt am Tag nach der Eröffnung des angefochtenen Entscheids zu
laufen (Art. 38 Abs. 1 ATSG). Dabei bezeichnet die Eröffnung die
gehörige Bekanntgabe des Entscheides an die Parteien. Sie erfolgt in der
Regel schriftlich auf dem C._weg an die Parteien. Hat eine Partei
einen Vertreter mandatiert und die zuständige Behörde über dieses
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Vertretungsverhältnis in Kenntnis gesetzt, so hat der Versicherungsträger
seine Mitteilungen an den Vertreter der Partei zu richten, solange die
Vollmacht nicht widerrufen wurde (Art. 37 Abs. 3 ATSG). Dies schliesst es
freilich nicht aus, dass der Versicherungsträger eine Anordnung nicht nur
dem Vertreter, sondern zusätzlich auch der Partei eröffnet. In diesem Fall
stellt jedoch die an den Vertreter ergangene Mitteilung das
fristauslösende Ereignis dar (Urteil des Bundesgerichts 9C_781/2010 vom
10. November 2010 E.2.2). Nach Art. 39 Abs. 1 i.V.m. Art. 60 Abs. 2
ATSG ist die 30-tägige Frist gewahrt, wenn die Beschwerde spätestens
am letzten Tag der Frist beim erstinstanzlichen Versicherungsgericht
eingereicht oder zuhanden desselben insbesondere der Schweizerischen
Post zur Zustellung übergeben wird. Läuft die Frist ungenutzt ab, so
erwächst der Verwaltungsentscheid in (formelle) Rechtskraft mit der
Wirkung, dass das erstinstanzliche Gericht auf eine verspätet
eingereichte Beschwerde nicht eintreten darf (BGE 134 V 49 E.2; Urteil
des Bundesgerichts 9C_781/2010 vom 10. November 2010 E.2.1).
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung trägt die Behörde die
Beweislast für die ordnungsgemässe Eröffnung und den Zeitpunktes der
Zustellung. Wird die Tatsache oder das Datum der Zustellung nicht
eingeschriebener Sendungen bestritten, muss daher im Zweifel auf die
Darstellung des Empfängers abgestellt werden (BGE 129 I 8 E.2.2, 124 V
400 E.2a; EGLI, in: WALDMANN/WEISSENBERGER [Hrsg.], Praxiskommentar
Verwaltungsverfahrensgesetz [nachfolgend als Praxiskommentar
bezeichnet], 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2016, Art. 20 N. 17).
Demgegenüber hat die Beschwerdeführerin die Rechtzeitigkeit der
Beschwerdeführung nachzuweisen. Für die Beweisführung gilt im einen
wie im anderen Fall der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (KIESER, ATSG-Kommentar,
3. Aufl., Bern/St. Gallen/Zürich 2015, Art. 49 N. 51).
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c) Im vorliegenden Fall steht fest und ist unbestritten geblieben, dass der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin der IV-Stelle mit Schreiben vom
4. Juni 2015 unter Hinweis auf die beigelegte Anwaltsvollmacht mitteilte,
fortan die Interessen der Beschwerdeführerin zu wahren (IV-act. 77).
Dennoch stellte die IV-Stelle die angefochtene Rentenverfügung einzig
der Beschwerdeführerin mit nicht eingeschriebener C._ zu. Dadurch
hat sie Art. 37 Abs. 3 ATSG verletzt, womit die fragliche Eröffnung
mangelhaft ist. Dies bedeutet allerdings nicht, dass die fragliche
Eröffnung schlechthin nichtig wäre und deshalb keine Rechtswirkung
entfalten würde. Aus dem in Art. 49 Abs. 3 letzter Satz ATSG verankerten
Grundsatz, dass den Parteien aus einer mangelhaften Eröffnung keine
Nachteile erwachsen dürfen, folgt vielmehr, dass dem beabsichtigten
Rechtsschutz schon dann Genüge getan wird, wenn eine objektiv
mangelhafte Eröffnung trotz ihres Mangels ihren Zweck erreicht hat.
Folglich ist jeweils aufgrund der konkreten Umstände des Einzelfalls zu
prüfen, ob die betroffene Versicherte durch den gerügten
Eröffnungsmangel tatsächlich irregeführt und benachteiligt worden ist.
Davon ist auszugehen, wenn die Eröffnung als solche beispielsweise so
mangelhaft ist, dass die Verfügungsadressatin nicht in den Besitz aller
Element gelangt, die zur Wahrung ihrer Interessen erforderlich sind. In
diesem Fall wird der Fristlauf nicht ausgelöst. Hat die
Verfügungsadressatin jedoch Kenntnis von der mangelhaft eröffneten
Verfügung erhalten, so erscheint es zumutbar, dass sie sich innert
nützlicher Frist darum bemüht, den Inhalt und die Begründung der
Verfügung in Erfahrung zu bringen, um über die Ergreifung eines
Rechtsmittels zu entscheiden. Welche Bemühungen von ihr verlangt
werden können, ist unter Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalls
aufgrund des verfassungsmässigen Grundsatzes von Treu und Glauben
(Art. 5 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft [BV]) zu entscheiden, an welchem die Berufung auf
Formmängel ihre Grenze findet. Die Rechtsmittelfrist beginnt spätestens
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mit der ordnungsgemässen Zustellung an den Vertreter zu laufen (vgl.
zum Ganzen: BGE 132 I 249 E.6, Urteil des Bundesgerichts 9C_781/2010
vom 10. November 2010 E.2.2; UHLMANN/SCHILLING-SCHWANK,
Praxiskommentar, Art. 38 N. 12; KÖLZ/ HÄNER/BERTSCHI,
Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl.,
Zürich/Basel/Genf 2013, Rz. 643).
d) Im vorliegenden Fall behauptet die Beschwerdeführerin, die
Rentenverfügung vom 12. Juni 2015 nicht erhalten zu haben. Dass diese
Parteibehauptung unzutreffend und die interessierende Verfügung der
Beschwerdeführerin zugegangen ist, vermag die IV-Stelle nicht zu
beweisen, da sie über keine entsprechenden Zustellungsbelege verfügt
(IV-act. 78). Folglich ist nicht erstellt, dass die interessierende Verfügung
der Beschwerdeführerin ordnungsgemäss zugestellt wurde. Fest steht
dagegen, dass die der Beschwerdeführerin in der angefochtenen
Verfügung zugesprochenen Rentenzahlungen direkt an die F._ als
verrechnungsberechtigte Krankentaggeldversicherung überwiesen
wurden (IV-act. 75). Demnach erfuhr die Beschwerdeführerin auch auf
diesem Wege nichts von der angefochtenen Rentenverfügung (vgl. dazu
im Übrigen: Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden
S 10 138 vom 25. November 2010 E.3). Damit erhielt die
Beschwerdeführerin erstmals Kenntnis von der angefochtenen Verfügung,
als ihr Rechtsvertreter sich am 6. Juni 2016 über den Stand des
Rentenverfahrens erkundigte, worauf ihm die IV-Stelle die interessierende
Rentenverfügung am 7. Juni 2016 per E-Mail zustellte (Beilage der
Beschwerdeführerin [Bf-act.] 1). Wenngleich nicht von der Hand zu
weisen ist, dass sich der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin bereits
früher bei der IV-Stelle über den Stand des Rentenverfahrens hätte
erkundigen können, erscheint sein Zuwarten angesichts der bekannten
Überlastung der IV-Stelle durchaus verständlich und kann nicht als
sorgfaltswidrig eingestuft werden. Im vorliegenden Fall begann daher die
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30-tägige Beschwerdefrist erst am Tag nach der nachträglichen Mitteilung
der angefochtenen Verfügung mit E-Mail vom 7. Juni 2016, d.h. am
8. Juni 2016, zu laufen und endete folglich am 7. Juli 2016. Die
Beschwerdeführerin hat demnach mit der gleichentags der Post zur
Zustellung übergebenen Beschwerdeschrift vom 7. Juli 2016 fristgerecht
beim Verwaltungsgericht Beschwerde erhoben. Somit ist auf die
vorliegende Beschwerde einzutreten.
2. a) Diese Beschwerde richtet sich gegen die Rentenverfügung der IV-Stelle
vom 12. Juni 2015. Darin sprach die IV-Stelle der Beschwerdeführerin für
die Zeit ab 1. Oktober 2013 eine Viertelsrente und ab 1. Oktober 2014 bis
zum 28. Februar 2015 eine halbe Invalidenrente zu (IV-act. 74 S. 10). Die
Beschwerdeführerin beantragt in ihrem Hauptantrag, die fragliche
Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr bei einem Invaliditätsgrad von
100 % ab dem 1. März 2015 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen.
Eventuell ersucht sie das Gericht, ein polydisziplinäres Gutachten
einzuholen; subeventuell die Angelegenheit zu ergänzender Abklärung
und neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen (vgl. Sachverhalt
Ziff. 3).
b) Nach dem Wortlaut dieser Rechtsbegehren würde die
Beschwerdeführerin beantragen, die befristete Rentenzusprache
aufzuheben. Aus der Begründung in der Beschwerdeschrift vom 7. Juli
2016 sowie der Replik vom 26. September 2016 geht jedoch hervor, dass
die Beschwerdeführerin die entsprechende Anordnung nur insofern
beanstandet, als die IV-Stelle annimmt, die gesundheitliche Verfassung
der Beschwerdeführerin habe sich per 1. Dezember 2014 derart
verbessert, dass kein rentenbegründender Invaliditätsgrad mehr vorliege
und mit dieser Begründung die mit Wirkung ab dem 1. Oktober 2014
zugesprochene halbe Rente per 1. März 2015 aufhebt. Diese Beurteilung
erachtet die Beschwerdeführerin als unzutreffend und verlangt anstatt der
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verfügten Rentenaufhebung auf diesen Zeitpunkt hin eine Erhöhung der
zugesprochenen Rente. Entgegen dem insofern irreführenden Wortlaut
ihrer Rechtsbegehren ersucht die Beschwerdeführerin das Gericht
folglich, die angefochtene Verfügung dahingehend abzuändern, als ihr mit
Wirkung ab dem 1. März 2015 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen
sei. Die Beschwerdeführerin hat die Verfügung vom 12. Juni 2015
demzufolge insoweit nicht angefochten, als ihr die IV-Stelle darin für die
Zeit ab 1. Oktober 2013 eine Viertelsrente und ab 1. Oktober 2014 bis
zum 28. Februar 2015 eine halbe Invalidenrente zuerkannt hat.
c) Wenn die Verwaltung einer Versicherten eine befristete Rente zuspricht
und beschwerdeweise einzig die Befristung der Leistungen angefochten
wird, hat dies rechtsprechungsgemäss indessen nicht eine Einschränkung
des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge,
dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung
ausgeklammert bleiben (BGE 125 V 413 E. 2d). Die gerichtliche Prüfung
hat vielmehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise
geregelten Zeitraum und damit sowohl die Zusprechung als auch die
Aufhebung der Rente zu erfassen (Urteil des Bundesgerichts I 526/06
vom 31. Oktober 2006 E.2.3). Nachfolgend ist deshalb der
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab dem 1. Oktober
2013 zu überprüfen.
3. a) Die Beschwerdeführerin hat mit Schreiben vom 11. sowie 22. August
2016 insgesamt drei Arztzeugnisse eingereicht, mit denen sie eine
während des Beschwerdeverfahrens eingetretene Verschlechterung ihrer
gesundheitlichen Verfassung beweisen möchte. Diese Arztzeugnisse sind
nach der Auffassung der IV-Stelle im vorliegenden Beschwerdeverfahren
nicht zu beachten, da sie sich auf den nach Abschluss des
vorinstanzlichen Verfahrens bestehenden Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin beziehen.
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b) Wird das Gericht im Rahmen der nachträglichen Rechtspflege als
Beschwerdeinstanz angerufen, so hat es seiner Entscheidung den
Sachverhalt zugrunde zu legen, wie er sich bis zum Abschluss des
vorinstanzlichen Verfahrens verwirklicht hat. Von diesem Grundsatz kann
es in Ausnahmefällen aus prozessökonomischen Gründen abweichen
und den Streitgegenstand insbesondere in zeitlicher Hinsicht ausdehnen,
wenn sich der rechtserhebliche Sachverhalt nach dem Erlass der
angefochtenen Verfügung verändert hat und diese Veränderung mit
hinreichender Sicherheit erstellt ist (BGE 130 V 138 E.2.1, Urteile des
Bundesgerichtes 9C_549/2015 vom 29. Januar 2016 E.2, 9C_540/2015
vom 15. Oktober 2015 E.3.1, 9C_599/2009 vom 14. September 2009
E.2.2.1). Diese für die Ausdehnung des Streitgegenstands zu erfüllenden
tatsächlichen Voraussetzungen sind vorliegend nicht gegeben. Die
Beschwerdeführerin hat zum Beweis der geltend gemachten
Verschlechterung ihres Gesundheitszustands lediglich drei Arztzeugnisse
eingereicht (Bf-act. 5-7). In diesen wird ihr von ihren behandelnden
Ärzten, Dr. med. D._ und Dr. med. E._, eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit für die Zeit vom 8. August bis zum 31. Oktober 2016
attestiert, ohne dass die ausstellenden Ärzte angeben, an welcher
Krankheit die Beschwerdeführerin leidet und inwiefern ihr funktionelles
Leistungsvermögen dadurch beeinträchtigt wird. Das Gericht hat somit
keine Möglichkeit, die Validität der bescheinigten Arbeitsunfähigkeit zu
überprüfen. Die eingereichten Arztzeugnisse sind daher von vornherein
nicht geeignet, die behauptete Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin mit hinreichender Sicherheit zu beweisen. Dies gilt
umso mehr, als nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung im
Streitfall selbst Arztberichte von behandelnden Ärzten kaum je genügen,
um die Arbeitsfähigkeit einer Versicherten mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nachzuweisen (vgl. 140 V 193 E.3.1, BGE 135 V 465
E.4.4, 124 I 170 E.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_391/2016 vom
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4. November 2016 E.3.4; FLÜCKIGER, in: STEIGER-SACKMANN/MOSIMANN
[Hrsg.], Recht der Sozialen Sicherheit [nachfolgend: Soziale Sicherheit],
Basel 2014, Rz. 4.145). Folglich können das Arztzeugnis von Dr. med.
D._ vom 8. August 2016 (Bf-act. 5) sowie die Arztzeugnisse von Dr.
med. E._ vom 22. August 2016 (Bf-act. 6) und 19. Oktober 2016 (Bf-
act. 7) im vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht berücksichtigt werden.
4. a) Es bleibt der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin ab dem 1. Oktober
2013 zu prüfen. Bei erwerbstätigen Versicherten ist der
rentenbegründende Invaliditätsgrad aufgrund eines
Einkommensvergleichs zu bestimmen (Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung
mit Art. 16 ATSG). Dazu wird das Erwerbseinkommen, welches die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung sowie allfälliger Eingliederungsmassnahmen
durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage
erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zu dem
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Diese allgemeine Methode des
Einkommensvergleichs wird ergänzt durch die Untervarianten des
Schätzungs- und Prozentvergleichs (BGE 141 V 15 E.3.2). Abweichend
von diesen Methoden der Invaliditätsbemessung wird der
rentenbegründende Invaliditätsgrad bei nicht erwerbstätigen Versicherten
bestimmt, die im Aufgabenbereich tätig sind und denen die Aufnahme
einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann. In diesen Fällen ist
für die Bemessung des rentenbegründenden Invaliditätsgrads
entscheidend, in welchem Masse Versicherte unfähig sind, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen (sog. Betätigungsvergleich; Art. 28a Abs. 2
IVG i.V.m. Art. 8 Abs. 3 ATSG). Bei Versicherten, die nur zum Teil
erwerbstätig oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der
Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16
ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so
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ist die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG zu
bestimmen. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der
unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und
der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der
Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu
bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG). Hierbei handelt es sich um die
gemischte Methode der Invaliditätsbemessung (vgl. BGE 141 V 15 E.3.2,
BGE 134 V 9, 130 V 393 E.3.3; Urteile des Bundesgerichts 9C_497/2015
vom 22. Dezember 2015 E.4, 8C_685/2014 vom 22. Mai 2015 E.5.3).
b) Die IV-Stelle hat die Beschwerdeführerin in der angefochtenen Verfügung
als Teilerwerbstätige eingestuft und den streitigen Invaliditätsgrad anhand
der gemischten Methode bestimmt. Dabei ist sie bei der Festlegung der
Anteile der Erwerbs- und Haushaltstätigkeit davon ausgegangen, dass die
Beschwerdeführerin als Gesunde ihre Tätigkeit bei der C._ AG mit
einem 60 % Pensum fortgeführt hätte und ordnete die restlichen 40 % der
Gesamttätigkeit der Haushaltsführung zu. Diese Beurteilung stützt sich
einerseits auf die Aussagen der Beschwerdeführerin anlässlich der
Haushaltsabklärung (Abklärungsbericht Haushalt vom 12. Februar 2015
[IV-act. 63] S. 3 und S. 11), andererseits auf die Angaben der
Beschwerdeführerin in der gleichentags ausgefüllten sowie
unterzeichneten Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei Gesundheit (IV-
act. 62). In beiden Fällen gab die Beschwerdeführerin an, sie hätte als
Gesunde weiterhin mit einem Pensum von 60 % für die C._ AG
gearbeitet, da dieses Einkommen für die Deckung ihrer
Lebenshaltungskosten ausgereicht hätte. Es besteht kein Anlass, an der
Richtigkeit dieser mit der allgemeinen Lebenserfahrung
übereinstimmenden Aussagen der Beschwerdeführerin zu zweifeln, die
im vorliegenden Verfahren im Übrigen nicht infrage gestellt werden. Die
von der IV-Stelle vorgenommene Aufteilung zwischen Erwerbs- und
Haushaltstätigkeit ist folglich nicht zu beanstanden (vgl. dazu
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insbesondere BGE 141 V 15). Der streitige Invaliditätsgrad ist demnach
nach der gemischten Methode mit einer Gewichtung des erwerblichen
Bereichs mit 60 % und des Haushalts mit 40 % zu bestimmen. Davon
geht denn auch die Beschwerdeführerin aus. Sie ist jedoch der Meinung,
die IV-Stelle habe den (ungewichteten) Invaliditätsgrad im erwerblichen
Bereich wie auch im Haushalt falsch berechnet. Anschliessend ist
zunächst zu untersuchen, ob die IV-Stelle den (ungewichteten)
Invaliditätsgrad im erwerblichen Bereich korrekt ermittelt hat. In einem
weiteren Schritt wird derselben Frage in Bezug auf die Haushaltstätigkeit
nachzugehen sein.
5. a) Was den erwerblichen Bereich betrifft, bringt die Beschwerdeführerin im
Wesentlichen vor, unter erheblichen Darmproblemen zu leiden. Ständige
Bauchschmerzen begleitet von Rückenbeschwerden sowie zahlreichen
Toilettengänge prägten ihren Alltag. Während der Nacht fände sie bei
anhaltenden Schmerzen keinen Schlaf. Diese Beschwerden erlaubten es
ihr nicht, einer Erwerbstätigkeit mit einem Pensum von 30 %
nachzugehen. Ein solches Arbeitspensum würde einer Präsenzzeit von
anderthalb Arbeitstagen pro Woche entsprechen. Der
Beschwerdeführerin sei es aber nicht möglich, an einem Tag ungefähr 8.5
Stunden durchgehend zu arbeiten. Folglich müsste das 30%ige
Stellenpensum auf fünf Arbeitstage aufgeteilt werden. Daraus würde sich
eine Arbeitszeit von rund 2.5 Stunden pro Tag ergeben. In dieser Form
habe die Beschwerdeführerin ihre Arbeit bei der C._ AG im Juni
2013 aufgenommen, wobei ihr ermöglicht worden sei, sitzend und bei der
Toilette zu arbeiten. Der C._ AG habe jedoch eine solchermassen
beschränkte Arbeitsfähigkeit nicht genügt, weshalb sie das
Arbeitsverhältnis mit ihrer langjährigen Mitarbeiterin per 30. September
2014 aufgelöst habe. Es sei nicht erkennbar, welche leidensadaptierten
Arbeitstätigkeiten die Beschwerdeführerin derzeit überhaupt noch
ausführen könne. Die von der IV-Stelle genannten Verweisungstätigkeiten
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kämen nicht infrage, könnte die Beschwerdeführerin diese doch weder
sitzend noch in der Nähe der Toilette ausführen. Eine allfällige
Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erwiese sich folglich nicht als
verwertbar, weshalb der Beschwerdeführerin kein Invalideneinkommen
anzurechnen und von einem (ungewichteten) Invaliditätsgrad von 100 %
auszugehen sei.
b) Dieser Argumentation hält die IV-Stelle entgegen, die behandelnden Ärzte
hätten der Beschwerdeführerin durchgehend eine Restarbeitsfähigkeit
von 30 % attestiert. Es sei nicht ersichtlich, inwiefern diese Beurteilung
falsch sein sollte, zumal keine abweichenden ärztlichen Stellungnahmen
existieren würden. Aus ärztlicher Sicht sei es der Beschwerdeführerin im
interessierenden Zeitraum möglich gewesen, ihre bisherige Tätigkeit im
Ausmass von 50 % auszuüben. Per 30. September 2014 sei ihr die
bisherige Anstellung aus gesundheitlichen Gründen gekündigt worden.
Danach wäre sie in der Lage gewesen, in Verwertung ihrer
Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit einer
körperlich leichten Tätigkeit im Ausmass von 30 % ein
Invalideneinkommen von Fr. 15'589.05 zu erzielen. Werde dieses
Invalideneinkommen dem Valideneinkommen von Fr. 37'194.90
gegenübergestellt, resultiere eine Erwerbseinbusse von Fr. 21'335.85,
was einem Invaliditätsgrad von 57.36 % entspreche. Bis zum
30. September 2014 betrage der Invaliditätsgrad im erwerblichen Bereich
demgegenüber 50 %, da sie bis dahin ihre angestammte Tätigkeit in
diesem Umfang ausgeübt habe.
6. a) Um den (ungewichteten) Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin im
erwerblichen Bereich für die Zeit ab dem 1. Oktober 2013 festlegen zu
können, ist zunächst zu klären, in welchem Ausmass die
Beschwerdeführerin aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen
arbeitsunfähig ist (Art. 6 ATSG). Um diese Frage aus medizinischer Sicht
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beantworten zu können, sind die Verwaltung und das im Beschwerdefall
angerufene Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ihnen von (Fach-
)Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 140 V 193 E.3.2). Es ist
Aufgabe der (Fach-)
Ärzte, den Gesundheitszustand der Versicherten zu beurteilen und wenn
nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben, d.h. mit den
Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung unter Berücksichtigung der
subjektiven Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf die
Diagnose zu stellen, wobei sie sich primär zu jenen Funktionen zu
äussern haben, welche für die der Versicherten mutmasslich
offenstehenden Arbeitsmöglichkeiten entscheidend sind (BGE 140 V 193
E.3.2). Welcher Beweiswert ärztlichen Stellungnahmen beizumessen ist,
hängt nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung davon ab, ob sie auf
allseitigen Untersuchungen beruhen, die geklagten Beschwerden
berücksichtigen, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben
wurden, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der
medizinischen Situation einleuchten und in den daraus gezogenen
Schlussfolgerungen begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351
E.3a mit Hinweis). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich
somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch dessen Bezeichnung
als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 125 V 351 E.3a, 122 V 157 E.1c mit
Hinweisen). Dennoch hat es das Bundesgericht mit dem Grundsatz der
freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte
Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die
Beweiswürdigung aufzustellen. Danach haben Berichte und Gutachten
versicherungsinterner Ärzte – wie dem Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD) – vollen Beweiswert, wenn sie die vorgenannten Anforderungen
erfüllen und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen. Die
Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis
zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde
Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr
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besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der
Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die
erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im
Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des
Sachverständigen allerdings ein strenger Massstab anzulegen (vgl. zum
Ganzen BGE 125 V 351 E.3b; 122 V 157 E.1c). Stützt sich eine
angefochtene Verfügung im Wesentlichen oder ausschliesslich auf solche
Beweisgrundlagen, sind an die Beweiswürdigung deshalb höhere
Anforderungen zu stellen. Bestehen in einem solchen Fall auch nur
geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen
Feststellungen, erweist sich das fragliche Gutachten nicht als voll
beweiskräftig und es sind weitere Beweiserhebungen zu veranlassen (vgl.
BGE 135 V 465 E.4.4; FLÜCKIGER, Soziale Sicherheit, Rz. 4.146).
b) Im vorliegenden Fall beurteilte die IV-Stelle die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin aufgrund der Arztberichte der behandelnden Ärzte
sowie deren Würdigung durch den fallführenden RAD-Arzt, Dr. med.
G._, Facharzt für Innere Medizin, zertifizierter Gutachter SIM.
aa) Dr. med. D._, Oberarzt des Kantonsspitals Graubünden,
diagnostizierte bei der Beschwerdeführerin als deren behandelnder
Chirurg im Arztbericht vom 17. April 2013 als Krankheiten mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 23) ein Tumorstadium nach UlCC, einen
Status nach low anterior resection mit Deszendo-Rektostomie,
Gelegenheitsappendektomie und Anlage einer doppelläufigen Ileostomie
am 23. Oktober 2013, einen Status nach Anastomosen-Insuffizienz,
aktuell Anastomosenstenose mit residueller, prästenotischer
Abszesshöhle und Status nach fünfmaliger endoskopischer
Anastomosen-Dilatation und einen Status nach Ileostomie-Rückverlegung
mit End-zu-End Enteroenterostomie am 28. März 2013. Als Diagnose
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellte Dr. med. D._ einen
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Nikotinabusus fest. Die Prognose sei hinsichtlich der Tumorerkrankung
bei mässigem Differenzierungsgrad des Adenokarzinoms günstig;
hinsichtlich der Stuhlfunktion offen bei dokumentierter
Anastomosenstenose und residuell, prästenotischer Abszesshöhle. Aus
aktueller Sicht sei der Patientin nur ein Teilzeitpensum zumutbar;
mutmasslich im Umfang von 50 % mit wahrscheinlich zu Beginn
eingeschränkter Leistungsfähigkeit (IV-act. 23 S. 2). Mit einer
Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit könne grundsätzlich gerechnet
werden. Der Zeitpunkt sei noch offen. An dieser Beurteilung hielt Dr. med.
D._ im Verlaufsbericht vom 9. Dezember 2013 (IV-act. 31)
grundsätzlich fest. Die Befunde seien in etwa unverändert geblieben mit
sporadischen, transanalen Eiterabsonderungen und endoanalen
Schmerzepisoden. Dokumentiert sei eine Stuhlfrequenz von 7-15
Toilettengängen pro Tag, die unter der retrograden Spültherapie im
Verlauf tendenziell rückläufig sei. Geplant sei eine Restaging-
Computertomographie. Bezüglich der Low anterior resection-Symptomatik
sei die Prognose offen, bei therapierefraktärem Verlauf sei eine operative
Sanierung mit Neo-Anastomose und temporärer doppelläufiger Ileostomie
denkbar. Das ausgeprägte Low anterior resection-Syndrom ermögliche
momentan eine 50%ige Arbeitstätigkeit des vormals geleisteten 60 %
Pensums, aktuell also eine effektive 30%ige Arbeitstätigkeit (IV-act. 31
S. 1).
bb) Im Grundsatz gleich beurteilte der Hausarzt der Beschwerdeführerin,
Dr. med. E._, die gesundheitliche Verfassung der
Beschwerdeführerin und deren Arbeitsfähigkeit im hier interessierenden
Zeitraum. So hielt er im Arztbericht vom 15. April 2013 (Eingang IV-Stelle;
IV-act. 14) fest, derzeit sei die Patientin noch zu 100 % arbeitsunfähig. Ab
Mai oder Juni 2013 könne mit einer 50%igen Arbeitsfähigkeit gerechnet
werden. Im IV-Verlaufsbericht vom 26. August 2013 führte er alsdann
aus, der Gesundheitszustand der Patientin habe sich zwischenzeitlich
- 19 -
verbessert (IV-act. 30). Die Patientin leide nach wie vor unter sehr
häufiger Stuhlfrequenz mit Prädefäkationsschmerzen. Ungefähr einmal in
der Woche komme es zu einer schmerzhaften Eiterabsonderung
transanal. Die Arbeitsfähigkeit könne indessen bei Behebung der
Stuhlstörung wieder auf das vor der Operation bestehende Niveau
gesteigert werden. Zurzeit betrage die Arbeitsfähigkeit aber weiterhin nur
50 %, d.h. 2.5 Stunden pro Tag (IV-act. 30 S. 3). Diese Angaben
bestätigte Dr. med. E._ im IV-Verlaufsbericht vom 3. Oktober 2014,
indem er den Gesundheitszustand der Patientin als stationär bezeichnete
und ihr weiterhin, bezogen auf ihr ursprüngliches Pensum, eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit bescheinigte (IV-act. 47 S. 1). Erläuternd hielt er fest,
die Patientin müsse täglich Spülungen machen. Bis jetzt könne sie sich
nicht für eine erneute Operation entscheiden, da mutmasslich ein Anus
praeter angelegt werden müsste. Die Prognose sei weiterhin an sich gut.
Zurzeit bestünde aber immer noch nur eine Arbeitsfähigkeit von 50 %,
d.h. von 2.5 Stunden pro Tag ohne Leistungsminderung.
cc) Am 5. Februar 2014 untersuchte Dr. med. D._ die
Beschwerdeführerin gemeinsam mit Dr. med. H._, Chefarzt
Viszeralchirurigie. Im Arztbericht vom 13. Februar 2014 (IV-act. 47) hielt
er fest, die Patientin über die bestehenden chirurgischen
Therapiemöglichkeiten informiert zu haben. Empfohlen sei ein
Stufenvorgehen in Form einer medianen Längslaparotomie, allenfalls
einer Resektion des abszess- und fisteltragenden kolorektalen
Segmentes mit kolorektaler Neuanastomisierung und wahrscheinlich
erneuter doppelläufiger Schutzileostomie. Bei extremen intrapelvinen
Adhäsionen und fortbestehender Entzündungssitation müsse intraoperativ
ein Belsassen der Situation erwogen werden. Bei bereits durchgeführter
Resektion und erst dann festgestellter Umöglicheit der
Reanastomisierugn käme eine definitive endständige Kolostomie infrage.
Die zwecks Einholung einer Zweitmeinung konsultierten Ärzte der
- 20 -
Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin des Inselspitals Bern
erachteten dieses Vorgehen als zutreffend, wobei sie eine primäre
definitive endständige Kolostomie präferierten (IV-act. 40). Auf
entsprechende Nachfrage der IV-Stelle hin führte Dr. med. H._ mit
Schreiben vom 21. November 2014 (IV-act. 55) sodann aus, eine
Stomaanlage sei eine relativ komplikationslose Operation. Bei der
voroperierten Patientin müsse allerdings mit gewissen Verwachsungen
gerechnet werden. Eine Verletzung von umliegenden Strukturen trete bei
nicht voroperierten Patienten im Vergleich zu anderen Patienten mit
einem etwas erhöhten Risiko auf. Ansonsten gebe es das normale
Infektionsrisiko und das Einsinken des Stomas unter Hautniveau. Die
letztgenannte Komplikation sei bei elektiver Stomaanlage aber ebenfalls
sehr selten.Postoperativ sei mit einer kurzen Passagebehinderung zu
rechnen aufgrund einer gewissen Darmparalyse. Mit einem Stoma, das
einer gewissen Schwachstelle in der Bauchdecke entspreche, sei ein
Beruf mit schwerer körperlicher Arbeit sicherlich nicht zu empfehlen.
Ansonsten seien Patienten mit elektiver Stomaanlage bis auf die hiermit
verbundene psychologische Belastung im Alltag kaum bis gar nicht
eingeschränkt.
dd) Der fallführende RAD-Arzt fasste diese Beurteilungen am 6. Januar 2015
dahingehend zusammen, als bei der Patientin am 23. Oktober 2012 eine
low anterior resection mit Deszendo-Rektostomie und Anlage einer
doppelläufigen Ileostomie wegen eines Rektumkarzinoms durchgeführt
worden sei. Am 28. März 2013 sei eine Ileostomarückverlegung mit End-
zu-End Anastomose erfolgt (IV-act. 68 S. 12). Die Versicherte klage über
verbliebene starke Schmerzepisoden abdominal, konstante
Stuhlsymptomatik und häufige Stuhlentleerung, die sie in ihrer
Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen würden. Zur Behebung dieses Problems
schlügen die behandelnden Ärzte die Anlage eines definitiven Stomas
vor, wofür sich die Versicherte aber bis anhin nicht habe entscheiden
- 21 -
können. Aufgrund des Schreibens von Dr. med. H._ vom
21. November 2014 sei davon auszugehen, dass nach Anlage eines
Stomas für leichte körperliche Tätigkeiten eine volle Arbeitsfähigkeit
gegeben wäre (IV-act. 68 S. 12).
ee) Die Beschwerdeführerin hat sich in der Folge kein Stoma anlegen lassen
und die IV-Stelle hat darauf verzichtet, sie gestützt auf Art. 21 Abs. 4
ATSG und Art. 7 IVG anzuhalten, sich dieser Operation zu unterziehen
(vgl. dazu statt vieler: FÄSSLER, Schadenminderungsauflagen und
Leistungsverweigerung im Abklärungsverfahren?, in: SZS 2017, S. 137
ff., 142 ff.). Bei der Beurteilung der streitigen Arbeitsfähigkeit kann
deshalb nicht auf den Gesundheitszustand abgestellt werden, der nach
der Durchführung dieses operativen Eingriffes mutmasslich bestehen
würde. Die diesbezügliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch Dr.
med. H._, die der fallführende RAD-Arzt übernommen hat, ist im
vorliegenden Verfahren daher nicht massgebend. Entscheidend ist
vielmehr die effektive gesundheitliche Verfassung der
Beschwerdeführerin seit Oktober 2012. Diesbezüglich sind sich Dr. med.
D._ und Dr. med. E._, welche die Beschwerdeführerin
hauptsächlich behandelt und sich mehrfach zu deren Arbeitsfähigkeit
geäussert haben, darin einig, dass die Beschwerdeführerin seit Mai bzw.
Juni 2013, bezogen auf ihre vormalige Tätigkeit im Sammelzentrum der
C._ AG, zu 50 % arbeitsfähig ist. Dieses Erwerbspotential schöpfte
die Beschwerdeführerin laut ihren Angaben anlässlich der
Haushaltsabklärung vom 12. Februar 2015 von Juni 2013 bis September
2014 bei der C._ AG aus, indem sie an fünf Wochentagen von 8.00
bis 10.30 Uhr arbeitete (IV-act. 63 S. 3). Dass sich die gesundheitliche
Verfassung der Beschwerdeführerin seither verschlechtert hat, wird in
keinem der zu berücksichtigenden Arztberichten geltend gemacht (vgl. IV-
act. 14, 23, 30, 31, 47 und 55) und von der Beschwerdeführerin nur für
die Zeit nach der Beschwerdeeinreichung behauptet (vgl. vorstehende
- 22 -
Erwägung 3). Eine solche Entwicklung kann daher ohne weiteres
ausgeschlossen werden. Bei dieser Aktenlage ist mit der IV-Stelle davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin seit dem 1. Juni 2013 in ihrer
angestammten Tätigkeit zu 30 % arbeitsfähig ist. Diese Tätigkeit hat die
IV-Stelle als körperlich leichte Arbeit eingestuft, was von der
Beschwerdeführerin nicht beanstandet wurde. Damit gilt als erstellt, dass
die Beschwerdeführerin seit dem 1. Juni 2013 in einer körperlich leichten
Tätigkeit zu 30 % arbeitsfähig ist. Dass ein medizinischer Gutachter die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin anders beurteilen würde, ist
durchaus denkbar. Es deutet jedoch nichts darauf hin, dass er diese in
höherem Grad als die behandelnden Ärzte für arbeitsunfähig erachten
würde, zumal die Beschwerdeführerin in der Zeit von Juni 2013 bis
September 2014 ihre angestammte Tätigkeit tatsächlich im attestierten
Umfang ausübte. Die Anträge der Beschwerdeführerin, ein
polydisziplinäre Gutachtens einzuholen bzw. die Angelegenheit zu diesem
Zweck an die Vorinstanz zurückzuweisen, sind demzufolge in antizipierter
Beweiswürdigung abzuweisen (vgl. BGE 134 I 140 E.5.3, 131 I 153 E.3,
124 I 208 E.4a).
7. a) Die Beschwerdeführerin nahm nach eigenen Angaben im Juni 2013 ihre
angestammte Tätigkeit bei der C._ AG mit einem Pensum von 30 %
wieder auf (IV-act. 63 S. 3). Mit dieser Tätigkeit verdiente sie halb so viel
wie als Gesunde mit dem von ihr in diesem Fall ausgeübten 60%igen
Pensum. Nach Ablauf der einjährigen Wartefrist war die
Beschwerdeführerin demnach im erwerblichen Bereich zu 50 % invalid,
was einem gewichteten Invaliditätsgrad von 30 % (0.6 x 50 %) entspricht.
b) Diese Situation erfuhr am 30. September 2014 insofern eine
Veränderung, als die C._ AG das Arbeitsverhältnis mit der
Beschwerdeführerin auf diesen Zeitpunkt hin auflöste. In der Folge gelang
es der Beschwerdeführerin nicht, eine neue Arbeitsstelle zu finden. Für
- 23 -
die Invaliditätsbemessung ist indessen nicht massgebend, ob eine
Versicherte unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt
werden kann, sondern ob die ihr verbliebene Arbeitskraft auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt im Sinne von Art. 16 ATSG noch
wirtschaftlich nutzbar ist. Beim ausgeglichenen Arbeitsmarkt handelt es
sich um einen theoretischen und abstrakten Begriff, der die konkrete
Arbeitsmarktlage nicht berücksichtigt. Er umschliesst einerseits ein
bestimmtes Gleichgewicht zwischen dem Angebot von Stellen und der
Nachfragen nach Stellen. Andererseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt,
der von seiner Struktur her einen breiten Fächer verschiedenartiger
Arbeitsstellen umfasst (BGE 134 V 64 E.4.2.1; Urteile des Bundesgerichts
9C_192/2014 vom 23. September 2014 E.3.1, 8C_806/2012 vom
12. Februar 2013 E.5.2.1). Praxisgemäss sind an die Konkretisierung von
auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt existierenden Arbeitsgelegenheiten
(und Verdienstaussichten) keine übermässigen Anforderungen zu stellen.
Das Bundesgericht hat wiederholt darauf hingewiesen, dass körperlich
leichte, wechselbelastende und vorwiegend sitzend auszuführende
Tätigkeiten auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt durchaus vorhanden
sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_806/2012 vom 12. Februar 2013
E.5.2.1). Im Übrigen ist zu berücksichtigen, dass der ausgeglichene
Arbeitsmarkt auch Nischenarbeitsplätze umfasst, also Stellen- und
Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen
Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können. Erst
wenn ein entsprechender Arbeitsplatz selbst auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt als absoluter Glücksfall gilt, ist bei der Invaliditätsbemessung
von der wirtschaftlichen Unverwertbarkeit einer attestierten
Arbeitsfähigkeit auszugehen und der Versicherten bei der
Invaliditätsbemessung kein Erwerbseinkommen anzurechnen (vgl. Urteile
des Bundesgerichts 8C_906/2015 vom 12. Mai 2016 E.4.3, 8C_673/2012
vom 16. Mai 2013 E.4.3, 9C_365/2009 vom 6. März 2010 E.3.1,
- 24 -
9C_854/2008 vom 17. Dezember 2008 E.3.2, 8C_489/2007 vom
28. Dezember 2007 E.4.1).
c) Werden diese Überlegungen auf den vorliegenden Fall übertragen, so
besteht kein Anlass, an der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin zu zweifeln. Diesbezüglich gilt es zunächst zu
beachten, dass die Beschwerdeführerin nach der Geburt ihrer Kinder
bereits im Jahr 1994 wieder eine Erwerbstätigkeit aufnahm und bis
September 2012 stets teilzeitlich erwerbstätig war. Nach ihrer
Krebserkrankung kehrte sie alsdann im Juni 2013 wieder an ihren
vormaligen Arbeitsplatz zurück und übte ihre angestammte Tätigkeit bis
September 2014 mit einem Pensum von 30 % aus (IV-act. 63 S. 3). Eine
derartige Tätigkeit, die nur mit einer geringen körperlichen Belastung
verbunden ist, kann die Beschwerdeführerin weiterhin ausüben. Da eine
solche Tätigkeit kaum zu finden sein dürfte, muss sich die
Beschwerdeführerin mutmasslich umorientieren. Dabei hilft ihr die
berufliche Erfahrung, die sie seit 2001 bei der C._ AG sammeln
konnte, als sie in verschiedenen Funktionen bei der C._ AG tätig war
(IV-act. 63 S. 3). Dieses Wissen wird den Umstellungs- und
Einarbeitungsaufwand bei der Aufnahme einer neuen Erwerbstätigkeit mit
Blick auf die der Beschwerdeführerin bis zur Pensionierung verbleibende
Aktivitätsdauer auf ein vertretbares Ausmass reduzieren. Im Übrigen trifft
es nicht zu, dass auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt keine
Arbeitsstellen existieren, die während fünf Wochentagen im Umfang von
zweieinhalb Stunden ausgeübt werden können. Solche Tätigkeiten finden
sich insbesondere im Verkauf, bei der Überwachung von Maschinen oder
Telefondiensten aller Art, wo Aushilfen das übrige Personal für wenige
Stunden vertreten oder während Spitzenzeiten unterstützen. Sollte die
Leistung der Beschwerdeführerin unter den häufigen Toilettengängen
leiden, was von den Ärzten allerdings nicht angenommen wird, so kann
dies durch eine entsprechende Verlängerung der Arbeitszeit ausgeglichen
- 25 -
werden. Unter den gegebenen Umständen besteht folglich kein Anlass,
an der Verwertbarkeit der Restarbeitskraft der Beschwerdeführerin zu
zweifeln.
d) Das hierdurch erzielbare Invalideneinkommen hat die IV-Stelle auf der
Grundlage der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen LSE 2012,
weiblich, Kompetenzniveau 1, einfache Tätigkeit körperlicher und
handwerklicher Art, ermittelt und, umgerechnet auf eine durchschnittliche
Wochenarbeitszeit, bei einem Pensum von 30 % unter Berücksichtigung
der Teuerung mit Fr. 15'589.05 beziffert (IV-act. 67). Einen
leidensbedingten Abzug hat die IV-Stelle der Beschwerdeführerin nicht
zuerkannt, da keine Gründe erkennbar sind, weshalb die
Beschwerdeführerin im Vergleich zu gesunden Arbeitnehmern
lohnmässig benachteiligt werden sollte (vgl. BGE 134 V 322 E.5 und 6,
126 V 75 E.5/aa). Die Beschwerdeführerin rügt diese Berechnung des
Invalideneinkommens zu Recht nicht, weshalb sich weitere Ausführungen
dazu erübrigen.
e) Wird das Invalideneinkommen von Fr. 15'589.05 dem Valideneinkommen
von Fr. 37'194.90 gegenübergestellt, so resultiert eine Erwerbseinbusse
von Fr. 21'335.85. Ab dem 1. Oktober 2014 beträgt der ungewichtete
Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin im erwerblichen Bereich folglich
57.36 % (Fr. 21'335.85 : Fr. 37'194.90 x 100). Die invaliditätsbedingte
Einschränkung im erwerblichen Bereich beläuft sich demzufolge seit dem
1. Oktober 2014 auf 34.41 % (0.6 x 57.36 %).
f) Nach dem vorangehend Ausgeführten betrug der gewichtete
Invaliditätsgrad im erwerblichen Bereich nach Ablauf der einjährigen
Wartefrist zunächst 30%, alsdann 34.41 %. Die IV-Stelle hat den
Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin im erwerblichen Bereich folglich
korrekt berechnet.
- 26 -
8. a) Zu prüfen bleibt der (ungewichtete) Invaliditätsgrad im Haushalt, der nach
der IV-Stelle bis zum 30. September 2014 44.80 % bzw. 17.90 %
(gewichtet), ab dem 1. Dezember 2014 8.90 % bzw. 3.6 % beträgt.
Diesbezüglich bringt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, es sei
nicht nachvollziehbar, weshalb sich die Beeinträchtigung im Haushalt im
Dezember 2014 bei gleichbleibendem Gesundheitszustand halbiere.
Wegen ihrer gesundheitlichen Beschwerden sei sie auch heute noch auf
die Mithilfe ihrer Töchter und ihres Sohnes angewiesen. Der Sohn
bewirtschafte die äusseren Flächen des Hauses, während sich die beiden
Töchter um den Einkauf kümmern und die Beschwerdeführerin bei der
Haushaltsführung unterstützen würden. Die Beschwerdeführerin habe am
Tag der Haushaltsabklärung einen guten Eindruck machen wollen. So
hätten ihre Töchter vorgängig den unteren Stock des Hauses gereinigt.
Auch bezüglich ihrer Darmaktivitäten sei sie vorbereitet gewesen, indem
sie einen Tag vor dem angekündigten Besuch das Mittel Colopost
eingenommen habe, damit der Besuch der IV-Mitarbeiterin nicht von
ständigen Toilettengängen unterbrochen werde. Alle diese Bemühungen
würden nun zum Nachteil der Beschwerdeführerin ausgelegt. Die
Haushaltsabklärung erweise sich nicht als beweiskräftig, weshalb darauf
nicht abgestellt werden könne.
b) Dieser Argumentation hält die IV-Stelle entgegen, die Haushaltsexpertin
des IV-Abklärungsdienstes habe die verschiedenen Aufgabenbereiche
der Beschwerdeführerin am 12. Februar 2015 vor Ort nach den
vorgegebenen Standards abgeklärt. Betreffend der Mithilfe der Kinder sei
vorweg darauf hinzuweisen, dass auch im Haushalt tätige Versicherte der
Schadensminderungspflicht unterliegen würden und die Auswirkungen
des Gesundheitsschadens auf die Arbeitsfähigkeit durch geeignete
organisatorische Massnahmen sowie die zumutbare Mithilfe der
Familienmitglieder möglichst zu mildern hätten, wobei diese Mithilfe
- 27 -
weitergehe als die ohne Gesundheitsschaden üblicherweise zu
erwartende Unterstützung. Es sei nicht ersichtlich und werde von der
Beschwerdeführerin nicht geltend gemacht, inwiefern im
Abklärungsbericht diese Mithilfe zu stark beachtet worden wäre. Sodann
sei nicht erkennbar, inwiefern die IV-Stelle die Bemühungen der
Beschwerdeführerin, ein gutes Bild von sich abzugeben, zu ihrem
Nachteil berücksichtigt habe. Schliesslich zeige die Beschwerdeführerin
nicht konkret auf, in welchem Bereich eine grössere Einschränkung als
von der Abklärungsexpertin festgestellt, vorliegen würde. Soweit sie in
Bezug auf den Bereich der Ernährung geltend mache, meist im Sitzen zu
kochen und die Geschirrspülmaschine sitzend einräumen zu müssen, sei
nicht ersichtlich, inwiefern die Beurteilung der Abklärungsperson dadurch
infrage gestellt werde, sei es doch der Beschwerdeführerin ohne weiteres
zumutbar, diese Tätigkeiten im Sitzen auszuüben. Die von der
Abklärungsperson in diesem Bereich festgestellte Einschränkung von
10 % sei demnach rechtens. Hinsichtlich des Einkaufs stünden die
Angaben in der Beschwerdeschrift im Widerspruch zu den Aussagen der
Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung. Selbst wenn
diese jedoch als beweiskräftig angesehen würden, ändere dies nichts an
der festgestellten Einschränkung, da es der Beschwerdeführerin auch
unter Berücksichtigung der geltend gemachten Beschwerden zumutbar
wäre, die Einkäufe selber zu erledigen. Die Haushaltsabklärung sei somit
korrekt und es könne darauf bei der Bemessung des streitigen
Invaliditätsgrads abgestellt werden.
9. a) Zur Ermittlung der Einschränkung im Haushaltsbereich bedarf es im
Regelfall einer Abklärung vor Ort, deren Ergebnis in einem
Abklärungsbericht festzuhalten ist (vgl. Art. 69 Abs. 2 IVV). Hinsichtlich
des Beweiswertes des Haushaltsabklärungsberichts sind nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung verschiedene Faktoren zu
berücksichtigen. Danach erweist sich ein solcher Abklärungsbericht ist
- 28 -
beweiskräftig, wenn er von einer qualifizierten Person verfasst wird,
welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der
Beeinträchtigungen und Behinderungen hat, die sich aus den
medizinischen Diagnosen ergeben. Weiter sind die Angaben der
versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen
der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich
muss plausibel, begründet und angemessen detailliert bezüglich der
einzelnen Einschränkungen sein sowie in Übereinstimmung mit den an
Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen (Urteil des Bundesgerichts
9C_90/2010 vom 22. April 2010 E. 4.1.1.1). Das Gericht greift, sofern der
Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben
umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der Abklärungsperson
nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen oder Anhaltspunkte
für die Unrichtigkeit der Abklärungsresultate (z.B. infolge von
Widersprüchlichkeiten) vorliegen. Das gebietet insbesondere der
Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am
konkreten Sachverhalt steht als das im Beschwerdefall zuständige
Gericht (Urteil des Bundesgerichts 8C_107/2008 vom 18. August 2008
E.3.2.1).
b) Weiter gilt es zu berücksichtigen, dass im Zusammenhang mit den
Einschränkungen im Haushalt nicht die medizinisch-theoretische
Arbeitsunfähigkeit ausschlaggebend ist, sondern wie sich der
Gesundheitsschaden in der nichterwerblichen Betätigung konkret auswirkt
(Urteil des Bundesgerichts 9C_121/2011 vom 31. März 2011 E.3.1.1).
Deshalb bedarf es rechtsprechungsgemäss des Beizugs einer ärztlichen
Fachperson, die sich zu den einzelnen Positionen der Haushaltsführung
unter dem Gesichtswinkel der Zumutbarkeit zu äussern hat, nur in
Ausnahmefällen, namentlich bei unglaubwürdigen Angaben der
versicherten Person, die im Widerspruch zu den ärztlichen Befunden
stehen (Urteil des Bundesgerichts 9C_49/2008 vom 28. Juli 2008 E.5.1)
- 29 -
und bei psychischen Leiden (Urteil des Bundesgerichts 8C_671/2007 vom
13. Juni 2008 E.3.2.1). Im Übrigen ist die der Versicherten obliegenden
Schadenminderungspflicht auch bei der Bemessung der Invalidität im
Haushalt zu beachten. Kann die Versicherte wegen ihrer Behinderung
gewisse Haushaltsarbeiten nur noch mühsam und mit viel höherem
Zeitaufwand erledigen, so muss sie in erster Linie ihre Arbeit einteilen und
in üblichem Umfang die Mithilfe von Familienangehörigen in Anspruch
nehmen. Ein invaliditätsbedingter Ausfall darf bei im Haushalt tätigen
Personen nur insoweit angenommen werden, als die Aufgaben, welche
nicht mehr erfüllt werden können, durch Drittpersonen gegen Entlöhnung
oder durch Angehörige verrichtet werden, denen dadurch
nachgewiesenermassen eine Erwerbseinbusse oder doch eine
unverhältnismässige Belastung entsteht. Die im Rahmen der
Invaliditätsbemessung bei einer Hausfrau oder einem Hausmann zu
berücksichtigende Mithilfe von Familienangehörigen geht daher weiter als
die ohne Gesundheitsschädigung üblicherweise zu erwartende
Unterstützung. Geht es um die Mitarbeit von Familienangehörigen, ist
danach zu fragen, wie sich eine vernünftige Familiengemeinschaft
einrichten würde, wenn keine Versicherungsleistungen zu erwarten wären
(BGE 133 V 504 E.4.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_39/2010 vom 25.
März 2010 E.4.3.2).
c) Die IV-Stelle hat für die Durchführung der Haushaltsabklärung mit I._
eine besonders qualifizierte Fachperson beigezogen, welche die
Haushaltsabklärung am 12. Februar 2015 an Ort und Stelle im Beisein
der Beschwerdeführerin durchführte (IV-act. 63) und unter
Berücksichtigung der von der Beschwerdeführerin beklagten Leiden, der
ärztlichen Diagnosen, der Familienverhältnisse, der Wohnsituation, der
technischen Einrichtungen und der örtlichen Lage im
Haushaltsabklärungsbericht vom 17. Februar 2015 (IV-act. 63) eine
ungewichtete Einschränkung im Haushalt von zunächst 44.8 % und ab
- 30 -
Dezember 2014 von 8.90 % ermittelte. Dabei hat sich die beauftragte
Fachperson mit den einzelnen Haushaltsbereichen sowie deren
prozentualer Gewichtung befasst und die zu verrichtenden Tätigkeiten
sowie die an Ort und Stelle festgestellten Einschränkungen in diesen
Bereichen umschrieben. Der Haushaltsabklärungsbericht ist hinsichtlich
des festgestellten Sachverhalts sowie den erhobenen Einschränkungen
hinreichend detailliert, schlüssig und nachvollziehbar begründet. Er
berücksichtigt zudem auch die Angaben der Beschwerdeführerin
anlässlich der Abklärungen. Es sind daher keine besonderen Umstände
gegeben, welche den Abklärungsbericht als mangelhaft oder ungeeignet
erscheinen lassen würden. Vielmehr entspricht dieser den an ihn
gestellten Anforderungen, so dass für die Entscheidfindung darauf
abgestellt werden kann.
aa) Soweit die Beschwerdeführerin dieser Beurteilung entgegenhält, es sei
nicht nachvollziehbar, weshalb sie ab Dezember 2014 in der
Haushaltsführung nur mehr im Umfang von 8.90 % beeinträchtigt sei, ist
festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der
Haushaltsabklärung angab, seit ungefähr zwei Monaten sei es nicht mehr
zu Eiterbildungen gekommen. Sie könne sich wieder normal bücken und
nach oben strecken. Nur schwere Sachen dürfe sie nicht heben, dann
erhalte sie gleich wieder einen Druck auf den Bauch (IV-act. 63 S. 1).
Diese positive Entwicklung des Gesundheitszustands schlägt sich in den
von der Beschwerdeführerin bei der Haushaltsführung beschriebenen
Beeinträchtigungen nieder, wo die Beschwerdeführerin ab Dezember
2014 in Bezug auf die Tätigkeitsbereiche "Ernährung", "Wohnungspflege",
"Einkauf und weitere Besorgungen" und "Wäsche" ein im Vergleich zum
vormaligen Zustand deutlich höheres Leistungsvermögen beschreibt (IV-
act. 63 S. 7-9). In den Erläuterungen wies die beauftragte Fachperson
ausdrücklich auf diesen Umstand hin und führte diesbezüglich ergänzend
aus, die Einschränkungen im Haushalt seien ab März 2013 bis Ende 2014
- 31 -
aufgrund der Komplikationen nach der Rückverlegung der Stoma
erheblich gewesen. Ungefähr seit Ende 2014 habe sich der
Gesundheitszustand der Versicherten in dem Sinne verbessert, dass es
nicht mehr zur Eiterbildung gekommen sei und sich die Versicherte
deshalb wieder besser bewegen könne. Deshalb seien die
Einschränkungen in der Haushaltsführung deutlich zurückgegangen (IV-
act. 63 S. 10). Diese Ausführungen sind in sich schlüssig und
nachvollziehbar. In der Tat machte die Beschwerdeführerin anlässlich der
Haushaltsabklärung für den Zeitraum von März 2013 bis November 2014
deutlich mehr und weitergehende Beeinträchtigungen bei der
Haushaltsführung geltend als ab Dezember 2014, was zu einer
erheblichen Verminderung des ermittelten Invaliditätsgrads führt. Diese
von der Abklärungsperson festgestellte Verbesserung beruht folglich auf
den Angaben der Beschwerdeführerin zu ihren gesundheitsbedingten
Beeinträchtigungen in der Haushaltsführung. Obgleich diese Entwicklung
in den aktenkundigen Arztberichten keinen Niederschlag gefunden hat,
sieht sich das Gericht unter diesen Umständen nicht veranlasst, an der
Richtigkeit der fraglichen Angaben der Beschwerdeführerin und der
gestützt darauf vorgenommenen Festlegung des Invaliditätsgrads zu
zweifeln.
bb) Zwar mag es zutreffen, dass die Beschwerdeführerin bemüht war, bei der
Haushaltsabklärungen einen guten Eindruck zu hinterlassen, den unteren
Stock des Hauses vor der Haushaltsabklärung durch ihre Töchter reinigen
liess und durch die Einnahme eines Medikamentes dafür sorgte, dass der
Besuch der IV-Mitarbeiterin nicht von ständigen Toilettengängen
unterbrochen wurde. Diese Aspekte hat die beauftragte Fachperson im
Haushaltsabklärungsbericht vom 17. Februar 2015 indessen nicht
erwähnt (vgl. IV-act. 63 S. 7-9). Darin hat sie ausschliesslich beurteilt, ob
und inwiefern die Beschwerdeführerin in den Bereichen
"Haushaltsführung", "Ernährung", "Wohnpflege", "Einkauf und weitere
- 32 -
Besorgungen", "Wäsche" und "Kleiderpflege" sowie "Verschiedenes"
wegen ihrer gesundheitlichen Beschwerden beeinträchtigt ist. Zu diesem
Zweck gab die beauftragte Fachperson zunächst die entsprechenden
Angaben der Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung
wieder, prüfte anschliessend deren Plausibilität ohne auf den Zustand der
Wohnung oder die Anzahl der Toilettengänge zu referenzieren und
übernahm die Angaben der Beschwerdeführerin zu den
gesundheitsbedingten Einschränkungen in der Haushaltsführung
schliesslich als Grundlage für die von ihr anerkannten
Beeinträchtigungen. Inwiefern sich die Bemühungen der
Beschwerdeführerin, einen guten Eindruck zu hinterlassen, dabei zu
ihrem Nachteil ausgewirkt haben, ist nicht erkennbar. Die anderslautende
Behauptung der Beschwerdeführerin erweist sich somit als unbegründet.
cc) Was die Mithilfe der Kinder der Beschwerdeführerin anbelangt, weist die
IV-Stelle im Weiteren zutreffend darauf hin, dass die Beschwerdeführerin
anlässlich der Haushaltsabklärung in Bezug auf den Zeitraum ab
Dezember 2014 angab, den Haushalt selber organisieren zu können,
selber für sich kochen zu können, Reinigungsarbeiten wieder selber
ausführen, die Einkäufe selber tätigen und ihre Wäsche selber erledigen
zu können. Lediglich bei der Grundreinigung, dem Tragen von schweren
Sachen sowie dem Rasenmähen sei sie auf die Hilfe ihrer Kinder
angewiesen (IV-act. 63 S. 7-9). Diese sogenannten "Aussagen der ersten
Stunde" sind unbefangener und zuverlässiger als die Darstellung der
Beschwerdeführerin im vorliegenden Beschwerdeverfahren, die bewusst
oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen
versicherungsrechtlicher oder anderer Natur beeinflusst sein kann. Den
Angaben der Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung ist
daher grösseres Gewicht beizumessen als ihren späteren Ausführungen,
zumal sie nicht erläutert, weshalb ihre ursprünglichen Angaben
unzutreffend sein sollten (vgl. dazu BGE 121 V 47 E.2a, 115 V 143 E.8c).
- 33 -
Unter diesen Umständen zweifelt das Gericht nicht an der Richtigkeit der
Angaben der Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung,
zumal diese im Einklang mit den von der Beschwerdeführerin beklagten
Beschwerden stehen.
dd) Soweit die Beschwerdeführerin danach beim Mähen des Rasens, bei
grösseren Reinigungsarbeiten sowie beim Tragen schwerer Lasten auf
die Mithilfe ihrer Kinder angewiesen ist, macht die Beschwerdeführerin
nicht geltend, ihre Kinder würden aufgrund dieser Unterstützung eine
Erwerbseinbusse erleiden. Ausserdem ist nicht ersichtlich, dass die
hiermit verbundene Belastung für die Kinder der Beschwerdeführerin ein
unverhältnismässiges Ausmass annehmen würde. Damit kann
angenommen werden, dass sich eine vernünftige Familiengemeinschaft
in dieser Weise organisieren würde, wenn keine Versicherungsleistungen
zu erwarten wären (BGE 133 V 504 E.4.2; Urteil des Bundesgerichts
9C_39/2010 vom 25. März 2010 E.4.3.2). Die infrage stehende Mithilfe
erscheint folglich zumutbar und ist von der Beschwerdeführerin in
Anspruch zu nehmen. Die von der Beschwerdeführerin gegen den
Haushaltsabklärungsbericht erhobenen Einwände erweisen sich folglich
allesamt als unbegründet.
d) Zudem erkennt das Gericht keine anderweitigen Anhaltspunkte für die
Unrichtigkeit der Abklärungsresultate. Für ein Eingreifen des Gerichts in
den vorinstanzlichen Ermessensentscheid besteht demnach kein Anlass.
Auf weitere Abklärungen zur Einschränkung im Haushalt kann verzichtet
werden. Damit gilt als erstellt, dass die Beschwerdeführerin in der
Haushaltsführung zunächst zu 44.80 % und ab Dezember 2014 zu
8.90 % eingeschränkt war. Dies entspricht gewichteten Invaliditätsgraden
von 17.92 % (0.4 x 44.80 %) bzw. 3.56 % (0.4 x 8.90 %).
- 34 -
10. a) Aus dem vorangehend Ausgeführten folgt, dass der rentenbegründende
Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin seit Juni 2013 zunächst 47.92 %
(30 % [erwerblicher Bereich] + 17.92 % [Haushalt]), von Oktober bis
November 2014 52.33 % (34.41 % [erwerblicher Bereich] + 17.92 %
[Haushalt]) und seither 37.97 % (34.41 % [erwerblicher Bereich] + 3.56 %
[Haushalt]) betrug. Folglich steht der Beschwerdeführerin nach Ablauf der
einjährigen Wartefrist mit Wirkung ab dem 1. Oktober 2013 bei einem
Invaliditätsgrad von 48 % eine Viertelsrente (vgl. zum Runden: BGE 130
V 121 E.3) zu (Art. 28 und Art. 29 IVG).
b) Gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG sind laufende Renten für die Zukunft zu
erhöhen, herabzusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad
in einer für den Anspruch erheblichen Weise ändert. Anlass zur
Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen
Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den
Rentenanspruch zu beeinflussen. Wird der versicherten Person
rückwirkend eine abgestufte und/oder befristete Rente zugesprochen, d.h.
wird ihr gleichzeitig eine Rente zugesprochen und diese revisionsweise
herauf- oder herabgesetzt und/oder aufgehoben, so sind die für die
Rentenrevision geltenden Bestimmungen (Art. 17 ATSG) analog
anzuwenden (BGE 131 V 164, 125 V 413 E. 2d). Die rückwirkend
ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion
abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der
Leistung, andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung. Letztere
setzt voraus, dass Revisionsgründe (BGE 133 V 263 E. 6.1) vorliegen,
wobei der Zeitpunkt der Aufhebung oder Herabsetzung nach Massgabe
des analog anwendbaren Art. 88a IVV festzusetzen ist (vgl. BGE 121 V
264 E. 6b/dd mit Hinweis).
c) Für den vorliegenden Fall bedeutet dies, dass die mit Wirkung ab dem
1. Oktober 2013 zugesprochene Viertelsrente per 1. Oktober 2014
- 35 -
dahingehend abzuändern ist, als der Beschwerdeführerin bei einem
Invaliditätsgrad von 52 % eine halbe Invalidenrente zusteht (Art. 28 Abs. 2
IVG). Der diesem Rentenanspruch zugrunde liegende Sachverhalt hat
sich alsdann per 1. Dezember 2014 insofern verändert, als die
Beschwerdeführerin seither bei einem Invaliditätsgrad von 38 % nicht
mehr in rentenbegründendem Umfang invalid ist (Art. 28 Abs. 2 IVG).
Dieser Wegfall des rentenbegründenden Invaliditätsgrads ist drei Monate
später zu berücksichtigen, womit der Beschwerdeführerin ab dem 1. März
2015 keine Invalidenrente mehr zusteht. Die angefochtene Verfügung
erweist sich demnach als rechtens, was zu deren Bestätigung und zur
Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
11. Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung
von Leistungen der Invalidenversicherung geht, ist das Verfahren
kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG nach
dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert zu bemessen.
Diese werden für den vorliegenden Fall, der mit einem durchschnittlichen
Aufwand verbunden war, ermessensweise auf Fr. 700.-- festgelegt. Dem
Prozessausgang entsprechend gehen sie zulasten der
Beschwerdeführerin als unterliegender Partei (Art. 73 Abs. 1 VRG). Der
obsiegenden IV-Stelle steht keine Parteientschädigung zu (Art. 61 lit. g
ATSG e contrario).
12. a) Bei diesem Prozessausgang bleibt das Gesuch der Beschwerdeführerin
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung zu prüfen. Gemäss
Art. 29 Abs. 3 BV hat jede Person, die nicht über die erforderlichen Mittel
verfügt, Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn ihr
Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint. Soweit es zur Wahrung
ihrer Rechte notwendig ist, hat sie ausserdem Anspruch auf einen
unentgeltlichen Rechtsbeistand. Diese Regelung wird für das
sozialversicherungsrechtliche Beschwerdeverfahren betreffend die
- 36 -
Bewilligung und Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung
in Art. 76 VRG (Verfahrenskosten) und Art. 61 lit. f ATSG (unentgeltliche
Rechtsverbeiständung) konkretisiert. Danach gilt eine Gesuchstellerin als
bedürftig, welche die Kosten eines Prozesses nicht aufzubringen vermag,
ohne jene Mittel anzugreifen, die sie zur Deckung des notwendigen
Lebensunterhalts für sich und ihrer Familie bedarf (BGE 135 I 221 E.5.1,
128 I 225 E.2.5, 127 I 202 E.3b, KIESER, a.a.O., Art. 61 N. 179). Die
prozessuale Bedürftigkeit beurteilt sich grundsätzlich nach der gesamten
wirtschaftlichen Situation der Rechtssuchenden im Zeitpunkt der
Einreichung des Gesuchs. Dazu gehören einerseits sämtliche finanziellen
Verpflichtungen, anderseits die Einkommens- und Vermögensverhältnisse
(BGE 135 I 221 E.5.1, Urteile des Bundesgericht 5A_726/2014 vom
2. Februar 2015 E.4.2, 4A_661/2010 vom 16. Februar 2011 E.3.2). In
diesem Fall hat sie Anspruch auf unentgeltliche Rechtsverbeiständung,
wenn sie zur Wahrung ihrer Recht auf anwaltliche Hilfe angewiesen ist
und die von ihr gestellten Begehren nicht aussichtslos erscheinen.
Letzteres trifft auf Begehren zu, bei denen die Gewinnaussichten
beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahr und die deshalb kaum als
ernsthaft bezeichnet werden können (BGE 140 V 521 E.9.1, 138 III 217
E.2.2.4, 134 I 92 E.3.2.1, 133 III 614 E.5, 130 I 350 E.3.1 und 4). Sind
diese beiden
b) Mit der rückwirkenden Zusprechung zweier befristeten Invalidenrenten bot
die vorliegende Streitigkeit einige rechtliche Schwierigkeiten. Für die
Wahrung ihrer Interessen war die Beschwerdeführerin, die über keine
besonderen Rechtskenntnisse verfügt, daher auf eine anwaltliche
Vertretung angewiesen. Ausserdem erschien die Möglichkeit, dass die
Beschwerdeführerin mit ihrem Begehren auf Zusprache einer ganzen
Invalidenrente ab dem 1. Mai 2015 durchdringen würde, nicht von
vornherein derart gering, um eine Person, die über ausreichend Geld für
die Finanzierung des Beschwerdeverfahrens verfügt, von einer
- 37 -
Beschwerdeerhebung abzuhalten, da sie die Gewinnchance als nicht
ernsthaft in Betracht zu ziehen eingestuft hätte. Nach dem vorangehend
Ausgeführten ist dem Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung
der unentgeltlichen Rechtspflege stattzugeben, wenn die
Beschwerdeführerin bedürftig ist.
aa) Für die Ermittlung der prozessualen Bedürftigkeit ist vom
betreibungsrechtlichen Existenzminimum auszugehen. Das
Bundesgericht hat aber immer wieder betont, dass nicht schematisch auf
das betreibungsrechtliche Existenzminimum abgestellt werden darf,
sondern die individuellen Umständen zu berücksichtigen sind (BGE 124 I
2 E.2a, 108 Ia 108 E.5b). Die Grenze für die Annahme der Bedürftigkeit
liegt dabei höher als diejenige des betreibungsrechtlichen
Existenzminimums, das im Kanton Graubünden auf der Grundlage des
Beschlusses des Kantonsgerichts Graubünden vom 18. August 2008
betreffend die Richtlinien zur Berechnung des betreibungsrechtlichen
Existenzminimums festzulegen ist. Danach ist einer Person für die
Deckung der allgemeinen Lebensunterhaltskosten ein nach den
Verhältnissen abgestufter Grundbedarf zuzugestehen, der um exhaustiv
aufgezählte Zuschläge zu erhöhen ist. Laufende Schulden zählen nach
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht dazu (BGE 126 III 89 E.3b;
BÜHLER, a.a.O., S. 180). Nach der Praxis des Verwaltungsgerichts ist
ihnen bei der Bemessung des prozessualen Notbedarfs hingegen
Rechnung zu tragen, sofern sie von der Gesuchstellerin regelmässig
bezahlt werden (Urteil des Verwaltungsgerichts U 15 43 vom 8. Oktober
2015 E.5c). Im Weiteren ist der Grundbedarf der Gesuchstellerin
angemessen zu erhöhen. Der auf diese Weise berechnete prozessuale
Notbedarf ist alsdann von den Einkünften der Gesuchstellerin
abzuziehen. Ein sich daraus ergebender Überschuss ist mit den für den
konkreten Fall zu erwartenden Gerichts- und Anwaltskosten in Beziehung
zu setzen. Dabei sollte es der monatliche Überschuss ermöglichen, die
- 38 -
Prozesskosten bei weniger aufwendigen Prozessen innert eines Jahres,
bei komplexeren innert zweier Jahre zu tilgen (BGE 120 Ia 179 E.3a; 124
I 1 E.2a; Urteil des Bundesgerichts 9C_234/2008 vom 4. August 2008
E.4; BÜHLER, Die Prozessarmut, in: SCHÖBI [Hrsg.], Gerichtskosten,
Parteikosten, Prozesskaution, unentgeltliche Prozessführung, Bern 2001,
S. 131 ff., S. 182). Ansonsten müsste die Gesuchstellerin zur Deckung
der Verfahrens- und ihrer Parteikosten auf die von ihr zur Deckung des
Lebensunterhalts benötigten Finanzmittel zurückgreifen.
bb) In diesem Fall ist ihre prozessuale Bedürftigkeit freilich nur ausgewiesen,
wenn sie nicht über Vermögenswerte verfügt, die ihr zur Finanzierung des
Prozesses zur Verfügung stehen. Davon ist auszugehen, wenn die
Vermögenswerte einen angemessenen "Notgroschen" übersteigen (vgl.
Urteile des Bundesgerichts 5A_726/2014 vom 2. Februar 2015 E.4.2,
4A_294/2010 vom 2. Juli 2010 E. 1.3; 4P.313/2006 vom 14. Februar 2007
E. 3.3). Um unentgeltliche Rechtspflege ersuchende Grundeigentümer
haben sich die für den Prozess benötigten Mittel allenfalls durch
Belehnung der Liegenschaft bzw. Aufnahme eines zusätzlichen
Hypothekarkredits, und, wenn zumutbar, nötigenfalls durch Veräusserung
der Liegenschaft zu beschaffen (BGE 119 Ia 11 E.5). An den Nachweis
des Verkehrswertes und der fehlenden Möglichkeit zusätzlicher
hypothekarischer Belastung dürfen keine allzu hohen Anforderungen
gestellt werden (Urteile des Bundesgerichts 5A_726/2014 vom 2. Februar
2015 E.4.2, 4P.313/2006 vom 14. Februar 2007 E.3.3, 5P.458/2006 vom
6. Dezember 2006 E. 2.2).
cc) Hinsichtlich der Einkünfte der Beschwerdeführerin geht der
Bescheinigung der Arbeitslosenkasse Graubünden vom 4. Januar 2016
hervor, dass die Beschwerdeführerin im Juli 2016 Arbeitslosentaggelder
von Fr. 1'089.45 netto erhielt. Ausserdem richtete ihr die Pensionskasse
der C._ AG eine berufsvorsorgerechtliche Invalidenrente aus, die
- 39 -
laut dem Lohnausweis vom 21. Dezember 2015 der Pensionskasse
C._ im 2015 Fr. 15'115.--, mithin Fr. 1'259.60, betrug. Weitere
Einkünfte standen der Beschwerdeführerin im Juli 2016 nicht zur
Verfügung. Damit betrugen die Gesamteinkünfte der Beschwerdeführerin
im hier massgeblichen Zeitpunkt Fr. 2'349.05 (Fr. 1'089.45 +
Fr. 1'259.60).
Von diesen Einkünften ist der prozessuale Grundbedarf der
Beschwerdeführerin in Abzug zu bringen. Dabei kann die
Beschwerdeführerin als alleinstehender Person für die Deckung der
allgemeinen Lebenskosten vorderhand einen Grundbetrag von Fr. 1'200.-
- beanspruchen. Ausserdem sind ihr die effektiven Wohnkosten
anzurechnen. Diese bestehen bei der Beschwerdeführerin, die eine
eigene Liegenschaft bewohnt, aus dem Hypothekarzins (ohne
Amortisation), den öffentlich-rechtlichen Abgaben, den
(durchschnittlichen) Unterhaltskosten sowie den durchschnittlichen Heiz-
und Nebenkosten. Die Beschwerdeführerin beziffert die entsprechenden
Aufwendungen mit Fr. 556.75, bestehend aus dem Hypothekarzins von
Fr. 346.75 und geschätzten monatlichen Unterhaltskosten von Fr. 210.--.
Diese Kosten sind insofern belegt, als die Kantonalbank Graubünden
(GKB) als Hypothekargläubigerin der Beschwerdeführerin im
Zinsausweis/ Kapitalausweis für das Jahr 2015 einen Hypothekarzins von
Fr. 4'161.-- ausweist, was der behaupteten monatlichen Belastung von
Fr. 346.75 (Fr. 4'161: 12) entspricht. Die darüber hinausgehend geltend
gemachten durchschnittlichen Unterhaltskosten von Fr. 210.-- hat die
Beschwerdeführerin zwar nicht belegt. Es erscheint dem Gericht jedoch
plausibel, dass für den notwendigen laufenden Unterhalt des der
Beschwerdeführerin gehörenden Einfamilienhauses durchschnittlich
Kosten in dieser Grössenordnung anfallen. Die fraglichen Kosten sind
daher im Rahmen des prozessualen Grundbedarfs der
Beschwerdeführerin zu berücksichtigen. Dasselbe gilt für die geltend
- 40 -
gemachten Prämien für die obligatorische Krankenversicherung, die nach
Abzug der der Beschwerdeführerin ausgerichteten
Krankenkassenprämienverbilligung Fr. 530.40 pro Jahr, mithin Fr. 44.20
(Fr. 530.40 : 12), betragen. Was die vorgebrachte Steuerschuld
anbelangt, so steht aufgrund der eingereichten definitiven
Veranlagungsverfügungen für das Jahr 2015 fest, dass die
Beschwerdeführerin im Jahr 2015 Kantonssteuern von Fr. 1'582.--,
Gemeindestauern von Fr. 2'222.-- und Bundessteuern von Fr. 191.50
auszurichten hatte. Hinzu kam eine Sondersteuer auf Kapitalleistungen
aus der beruflichen Vorsorge von Fr. 1'727.-- (Gemeinde) sowie
Fr. 191.50 (Bund). Da diese Sondersteuern auf eine Kapitalleistungen aus
der beruflichen Vorsorge zurückzuführen sind und damit auf einem
einmaligen Ereignis fussen, ist dieser Steuerschuld bei der Bestimmung
des prozessualen Bedarfs für den hier massgeblichen Zeitpunkt nicht
Rechnung zu tragen. Auszugehen ist demnach von einer monatlichen
Steuerbelastung im Betrag von Fr. 333.-- (Fr. 3'995.50 [Fr. 1'582.-- +
Fr. 2'222.-- + Fr. 191.50] : 3). Weitere Kosten, denen im prozessualen
Grundbedarf Rechnung zu trägen wären, macht die Beschwerdeführerin
nicht geltend und sind nicht ersichtlich. Damit ergibt die
Gegenüberstellung der monatlichen Einkünfte und Ausgaben der
Beschwerdeführerin für den Zeitpunkt der Gesuchseinreichung folgendes
Bild:
Monatliche Einkünfte: Arbeitslosentaggelder Fr. 1'089.45
IV-Rente der beruflichen Vorsorge Fr. 1'259.60
Gesamteinkünfte Fr. 2'349.05
Prozessualer Grundbedarf: Monatlicher Grundbedarf für Alleinstehende Fr. 1'200.00
Zuschlag von 20 % zum Grundbedarf Fr. 240.00
- 41 -
Wohnungskosten Fr. 556.40
Krankenkassenprämien Fr. 44.00
Steuern Fr. 333.00
Prozessualer Grundbedarf Fr. 2'373.40
- 42 -
Gegenüberstellung Einkünfte Fr. 2'349.05
./. Prozessualer Notbedarf Fr. 2'373.40
Unterdeckung Fr. 24.35
Die Beschwerdeführerin verfügt folglich über keinen Überschuss, der
herangezogen werden könnte, um die im vorliegenden
Beschwerdeverfahren entstandenen Gerichts- und Anwaltskosten zu
decken.
dd) Es bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin über Vermögen verfügt,
welches zu diesem Zweck herangezogen werden könnte. Gemäss der
definitiven Veranlagungsverfügungen der Kantons-, Gemeinde- und
Bundessteuer 2015 wurde der Beschwerdeführerin am 27. Juli 2015 eine
Kapitalleistung aus der beruflichen Vorsorge (2. Säule) im Betrag von
Fr. 69'976.-- ausbezahlt. Dieses Geld taucht in der Steuererklärung der
Beschwerdeführerin für das Jahr 2015 nur mehr insofern auf, als die
Beschwerdeführerin darin per 31. Dezember 2015 Guthaben bei der
PostFinance sowie der GKB von total Fr. 7'644.-- ausweist. Dass diese
Angaben in der von einer Treuhandgesellschaft im Auftrag der
Beschwerdeführerin ausgefüllten Steuererklärung korrekt sind, hat die
Beschwerdeführerin am 31. März 2016 unterschriftlich bestätigt. Von den
zuständigen Steuerbehörden wurde die Richtigkeit dieser
Selbstdeklaration nicht infrage gestellt und die Beschwerdeführerin wurde
ohne weitere Abklärungen auf der Grundlage des von ihr deklarierten
Vermögens veranschlagt. Unter diesen Umständen ist mit den
zuständigen Steuerbehörden davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin die Kapitalleistung aus der beruflichen Vorsorge bis
am 31. Dezember 2015 bis auf den Restbetrag von Fr. 7'644.--
aufgebraucht hat. In der Lehre ist ohnehin streitig, ob und gegebenenfalls
welche Leistungen der beruflichen Vorsorge bei der Beurteilung der
- 43 -
Prozessarmut zu berücksichtigen sind (BÜHLER, a.a.O., S. 150 mit
Hinweisen). Diese Frage kann im vorliegenden Fall dahingestellt bleiben,
da die höchstens noch vorhandenen Mittel aus der beruflichen Vorsorge
den einer älteren und gesundheitlich angeschlagenen Person
zuzugestehenden "Notgroschen" nicht übersteigen (BÜHLER, a.a.O.,
S. 154). Die Beschwerdeführerin ist folglich nicht verpflichtet, auf dieses
Vermögen zurückzugreifen, um die durch das vorliegende Verfahren
entstandenen Gerichts- und Parteikosten zu decken.
ee) Es stellt sich jedoch die Frage, ob sie den vorliegenden Prozess unter
Inanspruchnahme des ihr gehörenden Einfamilienhauses finanzieren
kann. Dieses weist laut den definitiven Steuerveranlagungen für die
Gemeinde-, Kantons- und Gemeindesteuer 2015 einen Steuerwert von
Fr. 269'000.-- auf. Deren Verkehrswert beträgt laut der letzten amtlichen
Schätzung vom 30. September 1999 Fr. 317'000.--. Wird davon die auf
dem fraglichen Grundstück lastende Hypothekarschuld von Fr. 219'000.--
(Schuldenverzeichnis 2015, Formular 4 mit zugehörigem Kontoauszug)
subtrahiert, resultiert ein Nettovermögen von Fr. 98'000.--. Auf
entsprechende Nachfrage hin teilte die GKB der Beschwerdeführerin mit
Schreiben vom 12. Mai 2017 mit, einem Antrag auf Erhöhung der
Hypothek nicht zustimmen zu können. Die Beschwerdeführerin kann das
im Einfamilienhaus gebundene Vermögen von Fr. 98'000.-- folglich nur
durch die Veräusserung erhältlich machen. Dies kann ihr unter den
gegebenen Umständen nicht zugemutet werden. Damit kann auch dieses
Vermögen nicht herangezogen werden, um die im vorliegenden
Beschwerdeverfahren entstandenen Gerichts- und Anwaltskosten zu
decken.
ff) Daraus folgt, dass die Beschwerdeführerin nicht in der Lage ist, für die
Gerichtskosten von Fr. 700.-- sowie die durch das vorliegende
Beschwerdeverfahren verursachten Anwaltskosten aufzukommen. Dem
- 44 -
Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege ist demnach stattzugeben und Rechtsanwalt lic. iur. Peter
Portmann als unentgeltlicher Rechtsbeistand der Beschwerdeführerin
einzusetzen. Demzufolge gehen die Gerichtskosten von Fr. 700.--
zulasten der Gerichtskasse. Dasselbe gilt für die Anwaltskosten, insoweit
sich diese als notwendig und angemessen erweisen.
c) Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin macht in der Honorarnote
vom 10. Oktober 2016 Aufwendungen im Betrag von Fr. 6'726.15,
bestehend aus einem Honorar von Fr. 5'964.-- (24.85 x Fr. 240.--),
Barauslagen von Fr. 263.90 und MWST von Fr. 498.25, geltend. Der
unentgeltliche Rechtsvertreter kann für den berechtigten Aufwand ein
Honorar von Fr. 200.-- pro Stunde zuzüglich notwendiger Barauslagen
und Mehrwertsteuer beanspruchen (Art. 76 Abs. 3 VRG i.V.m. Art. 16 des
kantonalen Anwaltsgesetzes [BR 310.100] und Art. 5 der Verordnung
über die Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen und
Rechtsanwälte [BR 310.250]). Das geforderte Anwaltshonorar ist folglich
insofern zu reduzieren, als von einem Honoraransatz von Fr. 200.-- pro
Stunde auszugehen ist. Ausserdem hat der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin in seiner Honorarnote vom 10. Oktober 2016
Aufwendungen für die Zeit vom 2. Juni 2015 bis zum 1. September 2015
aufgeführt. Diese Aufwendungen (2.2 Stunden) sind im vorinstanzlichen
Verfahren angefallen, erfolgte doch die fristauslösende Zustellung der
angefochtenen Verfügung erst mit E-Mail vom 7. Juli 2016 (vgl.
vorstehende Erwägung 1d). Sie sind daher im Rahmen der für das
Beschwerdeverfahren gewährten unentgeltlichen Rechtspflege nicht zu
entschädigen. Werden diese Arbeiten unberücksichtigt gelassen, so
macht der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin für das vorliegende
Verfahren einen Zeitaufwand von 22.65 Stunden geltend. Dies erscheint
dem Gericht unangemessen hoch. Zwar ist der vorliegende Fall mit
rechtlichen Schwierigkeiten verbunden. Die medizinische Ausgangslage
- 45 -
ist jedoch klar, was sich bereits darin zeigt, dass die IV-Stelle die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin allein aufgrund der Beurteilung
der behandelnden Ärzte festgelegt hat. Davon ausgehend erscheint dem
Gericht ein Zeitaufwand von 15 Stunden angemessen. Die geltend
gemachten Barauslagen von Fr. 263.30 sind sodann nicht ausgewiesen,
weshalb diese mit dem üblichen Ansatz von 3 % vergütet werden.
Insgesamt resultiert somit ein Aufwand von total Fr. 3'337.20 (Honorar
Fr. 3'000.-- [15 x Fr. 200.--], zuzüglich 3 % Barauslagen Fr. 90.-- und 8 %
MWST Fr. 247.20). Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ist
demnach aus der Gerichtskasse mit Fr. 3'337.20, inkl. Barauslagen und
MWST, zu entschädigen.
d) Wenn sich die Einkommens- oder Vermögensverhältnisse der
Beschwerdeführerin gebessert haben und sie hierzu in der Lage ist, hat
sie das Erlassene und die Kosten der Rechtsvertretung zu erstatten
(Art. 77 VRG).