Decision ID: 741d7ce4-f2e2-4399-adf6-cd919712d3bc
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1971, meldete sich am 20. Dezember 2000 unter Hinweis auf „Depressionen mit starkem Ausmass“ bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/1). Am 13. Mai 2002 zog sie die Anmeldung zurück (Urk. 7/17).
1.2
Die Versicherte ist seit 2002 bei der Y._ als Ver
kaufs
koordinatorin angestellt (Urk. 7/27, Urk. 7/52, vgl. auch Urk. 3/4). Am 10. Mai 2013 meldete sie sich unter Hinweis auf eine rezidivierende depressive Störung mit abhängigen und ängstlichen Anteilen erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 7/19). Mit Mitteilung vom 24. Februar 2015 (Urk. 7/49) schloss die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, den Arbeitsplatzerhalt erfolgreich ab.
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 7/70-78) verneinte die IV
Stelle mit Verfügung vom 8. November 2016 (Urk. 7/79 = Urk. 2) einen Rentenanspruch.
2.
Die Versicherte erhob am 9. Dezember 2016 Beschwerde gegen die Verfü
gung vom 8. November 2016 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei die IV-Stelle zu verpflichten, ihr die gesetzlichen Leistungen, ins
besondere eine Invalidenrente, auszurichten. Eventuell sei die IV-Stelle zu verpflichten, weitere medizinische Abklärungen zu tätigen und gestützt darauf den Invaliditätsgrad zu bestimmen (Urk. 1 S. 2). Die IV-Stelle bean
tragte mit Beschwerdeantwort vom 31. Januar 2017 (Urk. 6) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 8. Februar 2017 zur Kennt
nis gebracht wurde (Urk. 8).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksich
tigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreivier
telsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsge
mäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. No
vember 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeits
fähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl.
Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf
gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medi
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) aus, dass berufliche Eingliederungsmassnahmen mit Job Coaching durchgeführt worden seien. Per 24. Februar 2015 hätten diese Massnahmen abgeschlossen werden können, da die Versicherte ihrer angestammten Tätigkeit als Ver
kaufskoordinatorin bei der Y._ wieder zu
90
% habe nachgehen können. D
er
behandelnde Arzt Dr. med. Z._ könne die Verminde
rung der Leistungsfähigkeit nicht medizinisch beurteilen. Die Medikation sei weiterhin gut eingestellt. Die jetzige Arbeitsunfähigkeit werde medizinisch subjektiv attestiert. Rein aus versicherungsmedizinischer Sicht sei sie in einem anderen Umfeld voll arbeitsfähig. Dabei könnte sie ein rentenaus
schliessendes Erwerbseinkommen erzielen (S. 1 unten). Die psychischen Beschwerden seien ganz überwiegend mit psychosozialen Faktoren erklärbar, welche nicht berücksichtigt werden könnten (familiäre Probleme im jugendli
chen Erwachsenenalter, eheliche Probleme in erster Ehe etc.; S. 2 unten).
2.2
Die Beschwerdeführerin vertrat die Ansicht, aufgrund der vorliegenden spezial
ärztlichen Berichte betrage ihre Leistungsfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit nicht mehr als 40 %, was einer Arbeitsunfähigkeit von 60 % entspreche (S. 10 f. Ziff. 20). Was die Beschwerdegegnerin demgegen
über vorbringe, vermöge an dieser Beurteilung nichts zu ändern. Sie stütze sich durchgehend auf Behauptungen, welche sich anhand der Akten klarer
weise widerlegen liessen (S. 11 Ziff. 21). Bei der Bemessung des Invaliditäts
grades sei von einer 100 %-Anstellung auszugehen, da sie ihren Arbeitgeber im Jahr 2012 um eine Erhöhung ihres Pensums von 90 % auf 100 % gebeten habe, womit dieser einverstanden gewesen sei. Es dränge sich auf, als Invali
deneinkommen das Valideneinkommen gekürzt um die tatsächliche Leistungs
einbusse (60 %) zu betrachten. Daraus folge selbstredend ein Invali
ditätsgrad von 60 % (S. 15 Ziff. 26).
3.
3.1
Dr. med. A._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psycho
therapie
, attestierte vom 26. Oktober bis 18. November 2012 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 7/18/3-5), vom 19. November bis 2. Dezember 2012 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 7/18/6) und vom 25. Januar bis 14. Februar 2013 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 7/18/7).
3.2
Dr. med. B._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
, attestierte am 11. April 2013 vom 14. Februar bis 14. April 2013 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 7/18/8).
3.3
Dr. med. C._, Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin
, attestierte
vom 22. April bis 21. Mai 2013 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
(Urk. 7/18/9).
3.4
Med. pract. D._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
,
E._
, führte mit Bericht vom 27. September 2013
(Urk. 7/32) aus, die Beschwerdeführerin sei am 30. Juli 2013 in die Klinik eingetreten, und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1 Ziff. 1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode
-
Zwangsstörung, vorwiegend Zwangsgedanken und Grübelzwang,
ICD-10
F42.0, b
estehend seit zirka Anfang 2013
Zum Zeitpunkt des Diktats hätten sie unter anderem unter einer medika
mentö
sen Behandlung mit Anafranil eine Teilremission der Zwangs
störung und eine gute Remission der depressiven Störung gesehen. Lang
fristig gingen sie von einer günstigen Prognose aus (S. 2 Ziff. 1.4). Seit 30. Juli 2013 und bis auf weiteres bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Verkaufskoordinatorin (S. 2 Ziff. 1.6). Perspektivisch gingen sie davon aus, dass die Beschwerdeführerin nach Re
mission ihrer depressiven Störung und der Zwangsstörung wieder vollständig arbeitsfähig sein werde (S. 3 Ziff. 1.7).
3.5
Med. pract. Z._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie praktischer Arzt, und lic. phil. F._, G._, führten mit Bericht vom 30. April 2015 (Urk. 7/56) aus, sie behandelten die Beschwerdeführerin seit Mai 2013 (Ziff. 1.2), und nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittie
rt (ICD-10 F33.4)
-
gener
alisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
Zwangsstörung, vorw
iegend
Zwangsgedanken (
ICD-10 F42.1)
-
Status nach Benzodiazepinabhängigkeit (ICD-10 F10.24)
Es fände zirka alle drei Wochen eine psychotherapeutische Sitzung à 60 Minu
ten statt (Ziff. 1.5). Vom 14. Februar bis 18. April 2013 sei die Beschwer
deführerin stationär im H._ behandelt worden (Ziff. 1.2) und vom 30. Juli bis 30. Oktober 2013 stationär in der E._ (Ziff. 1.3).
Gemäss ihrer aktuellen Beurteilung sowie nach Angaben des Arbeitgebers betrage die Leistungsfähigkeit auch bei einem Pensum von 80 % lediglich zirka 50 %. Aktuell gingen sie davon aus, dass sich die Leistungsfähigkeit nicht mehr steigern liesse. Sie bestätigten eine vorläufige Arbeitsunfähigkeit von 50 % ab dem 1. Mai 2015 (Ziff. 1.4). Auf Wunsch der Versicherten hätten sie verschiedene Medikations-Abbau-Versuche gemacht. Leider seien nach Dosisreduktion erneut starke Angstgefühle und Gedankenkreisen im Sinne der bekannten Zwangsgedanken aufgetreten, so dass sie die Dosis wieder erhöht hätten. Eine Veränderung der Therapie erscheine bis auf wei
teres nicht sinnvoll, die Versicherte sei damit einverstanden (Ziff. 1.5). Sie fühle sich schon bei geringem Druck überfordert und sei in ihrer Belastbar
keit und Aktivität stark vermindert. Dies wirke sich auf die Genauigkeit ihrer Arbeit aus und die Fehlerquote steige. Zusätzlich aufgrund der Medikation seien Konzentrations- und Merkfähigkeit leichtgradig vermindert bei längerer Tätigkeit, ebenso sei die Auffassungsfähigkeit beim Erlernen von Neuem leichtgradig verlangsamt. Die bisherige Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin eventuell in einem Pensum von 80 %, bei einer Leistungsfähigkeit von 50 %, zumutbar (Ziff. 1.7). Die Versicherte sei hochgradig motiviert und kooperativ. Eine 80%ige Tätigkeit in voller Belastung sei schlichtweg nicht möglich. Es bestehe eine klar eingeschränkte Leistungsfähigkeit und eine deutlich ver
minderte Belastbarkeit. Die optimale Unterstützung der Versicherten durch ihren Arbeitgeber habe zu ihrer Genesung und ihrer heutigen gesundheitli
chen Verfassung viel beigetragen. Ohne diese Unterstützung erscheine es ihnen fraglich, ob die Versicherte auf dem ersten Arbeitsmarkt überhaupt hätte wieder integriert werden können (Ziff. 1.11).
3.6
Die Fachpersonen des G._ nannten mit Verlaufsbericht vom 29. März 2016 (Urk. 7/65/4-6) dieselben Diagnosen wie mit Bericht vom
3
0.
April 2015
(vorstehend E. 3.5) und führten aus, die Befunde seien leicht verschlechtert, aber stabil. Die Ver
sicherte sei medikamentös gut eingestellt und so psychisch stabil. Bei Versu
chen, die Medikation zu reduzieren, würden Ängste und Zwangsgedanken erneut verstärkt auftreten, die Versicherte destabilisieren, sie bei der Alltags
bewältigung stören und ihre berufliche Leistungsfähigkeit mindern. Mit Medikation sei sie jedoch deutlich sedierter, was sich wahrscheinlich eben
falls auswirke. Seit 1. April 2015 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %. Die Versicherte nehme das angepasste Pensum von 80 % wahr, bei einer Leistung von 40 % (Ziff. 1.3). Die Versicherte nehme ihre bisherige Tätigkeit als Sachbearbeiterin bei einer Krankenkasse mit dem üblichen Tagespensum (Arbeitszeit 8.00 bis 17.00 Uhr, inklusive 30 Minuten Mittag und Pausen) an vier Tagen wahr. Sie erbringe gemäss Angaben des Arbeitgebers 40 % der Leistung vor Erkrankung (Ziff. 2.1). Aktuell finde eine Sitzung à 60 Minuten Psychotherapie pro Monat statt (Ziff. 3.1). Sie gingen von einem langfristi
gen stationären Befinden der Versicherten aus. Mit einer Verbesserung des Zustandsbildes sei in naher Zukunft nicht zu rechnen (Ziff. 3.3). Aktuell sei unklar, ob der Arbeitgeber die Versicherte weiterhin beschäftigen könne. Sollte sie ihre Anstellung verlieren, werde es schwierig bis unmöglich, auf dem ersten Arbeitsmarkt eine neue Stelle mit auch nur ähnlichen Anforde
rungen zu finden. Die Versicherte sei aktuell nicht in der Lage, ein Pensum von 50 % mit voller Leistung zu bewältigen (Ziff. 4.4).
3.7
Med. pract. I._, Facharzt für Neurologie, Regionaler Ärztlicher Dienst der Beschwerdegegnerin (RAD), führte am 11. Mai 2016 aus, die Arbeitsunfähigkeit sei plausibel. Für eine angepasste Tätigkeit hätten sich keine Abweichungen ergeben. Weitere medizinische Massnahmen seien nicht erforderlich. Eine medizinische Überprüfung werde in 12 Monaten empfohlen (Urk. 6/68/8).
3.8
Der Rechtsdienst der Beschwerdegegnerin führte am 23. Juni 2016 aus, unter Berücksichtigung des Arztberichts von med. pract. Z._ vom 29. März 2016 könne davon ausgegangen werden, dass die Versicherte gut eingestellt sei. Von den Diagnosen her könne gesagt werden, dass die rezidivierende depressive Störung aktuell remittiert sei. Die generalisierte Angststörung und Zwangsstörung seien medikamentös kompensiert. Aus diesem Grund sei es nicht nachvollziehbar, dass eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in angestammter Tätigkeit attestiert werde. Aus Rechtsanwendersicht sei auch zu sagen, dass psychosoziale Belastungsfaktoren genannt worden seien (Urk. 7/68/9-10).
3.9
Ein Kundenberater der Beschwerdegegnerin hielt am 12. Juli 2016 fest, dass die Medikation gut eingestellt sei. Es sei lediglich aus subjektiver Sicht eine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. Ihres Erachtens würden psychosoziale Belastungsstörungen (richtig wohl: Belastungsfaktoren) im Vordergrund stehen (Arbeit; Urk. 7/68/10).
3.10
Die Fachpersonen des G._ führten mit Bericht vom 5. Dezember 2016 (Urk. 3/5) aus, die Arbeitsfähigkeit der Versicherten lasse sich trotz medikamentöser Kompen
sierung nicht steigern. Die Versicherte arbeite langsamer, schon unter leich
tem Druck fehlerhaft und sei in der Auffassung eingeschränkt. Diese Leistungsminderungen seien einerseits darauf zurückzuführen, dass sie sich trotz Medikation regelmässig in Gedanken verliere und sich auf die in der Psychotherapie erlernten Techniken konzentrieren müsse, die negativen Gedankenschlaufen wieder zu verlassen. Andererseits trage auch gerade die Medikation mit Sicherheit das ihre zur Verlangsamung, der raschen Ermüd
barkeit, Vergesslichkeit und den Konzentrationsstörungen bei (S. 1 Mitte).
Weder die Angststörung noch die Depression hätten behandelt werden können, sondern sie seien lediglich unter der gegebenen Medikation für die Versicherte nicht mehr andauernd manifest und emotional weniger stark belastend. Es sei verschiedentlich versucht worden, die Medikation abzu
bauen, und jedes Mal sei eine erneute Zunahme der Symptome festgestellt worden (S. 1 unten). Sie könnten nicht verstehen, wie die Beschwerdegegne
rin behaupten könne, die aktuellen psychischen Beschwerden seien ganz überwiegend mit psychosozialen Faktoren erklärbar, und erst noch gestützt auf ihren Bericht vom 30. Mai 2015 (S. 2 Mitte).
4.
4.1
Den vorliegenden Arztberichten ist in diagnostischer Hinsicht zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin unter einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig remittiert, einer generalisierten Angststörung, einer Zwangs
störung mit vorwiegend Zwangsgedanken und einem Status nach Benzo
diazepin
abhängigkeit leidet (vorstehend E. 3.4 ff.).
Zur Frage der Arbeitsfähigkeit liegen lediglich Berichte von behandelnden Fachpersonen vor. So ging med. pract. D._ im Jahr 2013 von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin in ihrer bisherigen Tätigkeit und einer guten Prognose aus (vorstehend E. 3.4). Med. pract. Z._ und lic. phil. F._ attestierten im Jahr 2015 ab 1. Mai 2015 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bei einem Pensum von 80 % in der bisherigen Tätigkeit (vorstehend E. 3.5). Im Jahr 2016 gingen sie weiterhin davon aus, dass die Beschwerdeführerin bei einem Pensum von 80 % nur eine Leistung von 40 % erbringe, mithin eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in ihrer bisherigen Tätigkeit bestehe (vorstehend E. 3.6). Der RAD erachtete die Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit durch med. pract. Z._ und lic. phil. F._ als plausi
bel (vorstehend E. 3.7). Erst der Rechtsdienst und dann auch ein Kundenbe
rater
der Beschwerdegegnerin verneinte
n
gestützt auf die Diagnose
n
und das
angebliche
Vorliegen von psychosozialen Faktoren eine
n relevanten Gesund
heitsschaden (vorstehend E. 3.8 f.). In der Folge wies die Beschwerdegegnerin das Leistungsgesuch ab. Sie ging davon aus, dass die Beschwerdeführerin in einem anderen Umfeld voll arbeitsfähig sei und die psychischen Beschwerden ganz überwiegend mit psychosozialen Faktoren erklärbar seien, welche nicht berücksichtigt werden könnten (vorstehend E. 2.1).
4.2
Obwohl die Beurteilung, ob ein invalidisierender Gesundheitsschaden vor
liegt, eine Rechtsfrage ist und damit nicht den Ärztinnen und Ärzten, son
dern den rechtsanwendenden Behörden obliegt (BGE 140 V 193 E. 3.1 f., Urteil des Bundesgerichts 9C_636/2007 vom 2
8.
Juli 2008 E. 3.3.1), kann der Argumentation der Beschwerdegegnerin nicht ohne weiteres gefolgt werden.
Die Ansicht, dass die psychischen Beschwerden ganz überwiegend mit psychosozialen Faktoren erklärbar seien, überzeugt nicht.
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Bei
spiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit ver
gleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähig
keit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann.
Die Beschwerdegegnerin erwähnte als psychosozialen Faktor zunächst die Arbeit (vgl. vorstehend E. 3.9). Im Vorbescheidverfahren führte sie am 24. Oktober 2016 aus, die Eltern seien selbständige Gastronomen gewesen und hätten kaum Zeit für ihre Kinder gehabt. Der Vater sei Alkoholiker und gewalttätig gegenüber ihrem Bruder und der Mutter gewesen. Die Beschwer
deführerin habe als Kind in ständiger Angst gelebt. Sie habe den Kindergar
ten und die Primarschule besucht, danach eine KV-Lehre absolviert. Der Bruder habe Drogen konsumiert. Die Aufmerksamkeit der ganzen Familie habe dem Bruder gegolten. Daraufhin habe sie sich in eine Ehe geflüchtet. Ihr Ehemann sei gewalttätig gewesen. Seit 2001 lebe sie mit ihrem neuen Partner zusammen. Sie habe sich stabilisieren können. Der Sohn lebe in der gemein
samen Wohnung des Paares und sei auf Stellensuche (Urk. 7/78/3). In der Verfügung vom 8. November 2016 führte die Beschwerdegegnerin als psychosoziale Faktoren schliesslich familiäre Probleme im jugendlichen Erwachsenenalter und eheliche Probleme in erster Ehe auf (vorstehend E. 2.1).
Wie erwähnt, kommen als
psychosoziale und soziokulturelle Faktoren
bei
spielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste
in Betracht.
Eine sol
che psychosoziale Belastungssituation kann jedoch hier gestützt auf die vor
handenen Akten nicht angenommen werden, liegen die erwähnten Umstände doch allesamt sehr lange zurück. So trennte sich die Beschwerdeführerin bereits im Jahr 2000 von ihrem Ehemann (Urk. 7/7/3). Die Scheidung erfolgte 2001 (Urk. 7/6). Seither lebt sie in einer langjährigen Partnerschaft (Urk. 7/39/5). Weiter geht aus den Akten hervor, dass der Sohn (Jahrgang 1996) wohl im Jahr 2013 das zehnte Schuljahr abgebrochen hat (Urk. 7/39/5), indes aber in der Folge eine Lehrstelle als Logistiker für das Jahr 2014 erhalten hat (Urk. 7/48/7).
4.
3
Was die diagnostizierten psychischen Störungen betrifft, ist
auf die Rechtspre
chung des Bundesgerichts hinzuweisen, wonach stets eine objektive Betrachtung des Forderbaren
vorzunehmen ist (vorstehend E. 1.1, E.
1.3), leichte bis höchstens mittelschwere psychische Störungen aus dem depressi
ven Formenkreis als therapeutisch angehbar gelten und die Annahme einer ausnahmsweisen invalidisierenden Wirkung einer mittelschweren depressiven Störung bedingt, dass es sich nicht bloss um eine Begleiterscheinung einer Schmerzkrankheit, sondern um ein selbständiges, vom psychogenen Schmerzsyndrom losgelöstes depressives Leiden handelt und im Weiteren, dass eine konsequente Depressionstherapie befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist (Urteil des Bundesgerichts 8C_774/2013 vom
3.
April 2014 E. 4.2 und 8C_759/2013 vom
4.
März 2014 E. 3.6.1). Bei einer rezidivierenden depressiven Störung ist im Gegensatz zu einer depressiven Episode allerdings eher von einer ungünstigen Prognose in Bezug auf die Beurteilung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit auszugehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_484/2012 vom 2
6.
April 2013 E. 4.3.2.2).
Die behandelnden Fachpersonen führten zwar aus, dass w
eder die Angststö
rung noch die Depression
hätte behandelt werden können und sich die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin trotz medikamentöser Kompen
sierung nicht steigern liesse (vorstehend E. 3.10), was für einen invalidi
sierenden Gesundheitsschaden spricht
.
Dennoch kann vorliegend nicht einzig gestützt auf ihre Angaben eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit angenommen werden. Es gilt
darauf hinzuweisen, dass die behandelnden Ärztinnen und Ärzte in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zur versicherten Person stehen und sich in erster Linie auf die Behandlung zu konzentrieren haben. Ihre Berichte verfolgen daher nicht den Zweck einer den abschliessenden Ent
scheid über die Versicherungsansprüche erlaubenden objektiven Beurteilung des Gesundheitszustandes und erfüllen deshalb kaum je die materiellen Anforderungen an ein Gutachten gemäss BGE 125 V 351 E.
3a. Aus diesen Gründen und aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte – bezie
hungsweise regelmässig behandelnde Spezialärzte (vgl. Urteil des Bundesge
richts I 551/06 vom
2.
April 2007 E. 4.2) – mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, kommt im Streitfall ein direktes Abstellen einzig gestützt auf die Angaben der behandelnden Ärztinnen und Ärzte nur selten in Frage (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_1055/2010 vom 1
7.
Februar 2011 E. 4.1).
Hinzu kommt, dass keine Angaben zur Arbeitsfähigkeit in einer behinderungs
angepassten Tätigkeit vorliegen, mithin unklar ist, ob es sich bei der derzeit von der Beschwerdeführerin ausgeübten Tätigkeit als Ver
kaufskoordinatorin um eine optimal angepasste Tätigkeit handelt.
4.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rück
weisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensent
scheide zu treffen sind, oder wenn der ent
scheidrelevante Sachverhalt unge
nügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. Sep
tember 2003 E. 5.2).
Einzig gestützt auf die Berichte der behandelnden Fachpersonen kann vor
liegend eine
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit andauernde Erwerbsunfähigkeit (vgl.
Art.
8
Abs.
1
ATSG
) nicht bejaht werden. Allerdings kann ein invalidisierender Gesundheitsschaden ohne weitere Abklärungen auch nicht ausgeschlossen werden, weshalb sich eine Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zur ergänzenden medizinischen Abklärung als notwen
dig erweist.
4
.
5
Zusammenfassend erweist sich die vorliegen
de Aktenlage für eine abschlies
sende Beurteilung des Leistungsanspruchs in Bezug auf den Gesundheitszu
st
and und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
als unvollständig, weshalb die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese nach
psychiatrischer
Begutachtung über den Leistungsanspruch de
r
Beschwerdeführer
in
neu ver
füge. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr. 7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Die Prozessentschädigung ist gemäss
Art.
61 lit. g ATSG in Verbindung mit
§
34
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer)
– ohne Rücksicht auf den Streitwert – nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierig
keit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen.
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Bemessungskriterien und beim ab
Januar 2015 für
Juristen
praxisgemässen
Stundenansatz von
Fr. 185
.-
- (zu
züglich MWSt) ist die Prozessentschädigung vorliegend auf
Fr. 2‘000
.-- (inkl.
Barauslagen und MWSt) festzusetzen
.