Decision ID: e75ff4f0-d39d-4721-8f98-a78fc0e257f8
Year: 2020
Language: de
Court: BE_SRK
Chamber: BE_SRK_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

den Akten entnommen:
A. Mit Eingabe vom 24. März 2020 (Akten Vorinstanz, pag. 50-47) ersuchte A._ (Rekurrent) bei der Steuerverwaltung des Kantons Bern, Region _, Inkassostelle
(Erlassbehörde), um Erlass der Quellensteuern, die ihm während des Jahres 2019 vom Lohn
abgezogen worden waren. Insgesamt belief sich die Quellensteuer auf CHF 2'774.54
(Vernehmlassung der Steuerverwaltung vom 16.7.2020 mit Verweis auf pag. 1). Der Rekurrent
begründete sein Erlassgesuch damit, dass er infolge der Quellensteuerabzüge Sozialhilfe habe
beziehen müssen, was gemäss Auskunft des zuständigen Sozialdienstes nicht zulässig sei.
B. Mit Entscheid vom 16. April 2020 (pag. 52) wies die Erlassbehörde das Gesuch  ab. Zur Begründung führte sie an, dass die Quellensteuerabzüge 2019 zumutbar
gewesen seien. Das verfügbare Einkommen des Rekurrenten sei auch nach Abzug der
Quellensteuer über dem betreibungsrechtlichen Existenzminimum gelegen.
C. Dagegen hat der Rekurrent mit Eingabe vom 1. Mai 2020 (Postaufgabe: 12.5.2020) Rekurs betreffend die kantonalen Steuern und sinngemäss Beschwerde betreffend die direkte
Bundessteuer an die Steuerrekurskommission des Kantons Bern (Steuerrekurskommission)
erhoben und den Erlass der Quellensteuern 2019 beantragt. Er begründet seinen Antrag damit,
dass die Erlassbehörde bei der Berechnung seines Existenzminimums zu geringe Auslagen für
die Krankenpflegeversicherung berücksichtigt habe. Mit den korrekten Prämien ergebe sich ein
Fehlbetrag, womit sich die Quellensteuerabzüge als unzumutbar erwiesen. Zugleich hat der
Rekurrent ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gestellt und das entsprechende Formular
eingereicht.
D. Mit Erklärung vom 31. März 2020 (pag. 47) hat die Gemeinde C._ die Kompetenz zur Wahrnehmung ihrer Interessen im vorliegenden Verfahren an die Steuerverwaltung des
Kantons Bern abgetreten.
E. Am 16. Juli 2020 hat sich die Steuerverwaltung des Kantons Bern, Region _ (Steuerverwaltung), vernehmen lassen und die teilweise Gutheissung von Rekurs und
Beschwerde beantragt. Sie führt aus, dass der Rekurrent die Berechnung der Krankenkassen-
prämien zu Recht beanstande. Mit den korrekten Zahlen ergebe sich für das Jahr 2019 ein
durchschnittlicher monatlicher Fehlbetrag von CHF 110.--. Somit sei ein Teilerlass der
Quellensteuer im Umfang von CHF 1'320.-- gerechtfertigt.
F. Der Rekurrent hat Gelegenheit erhalten, bis am 24. August 2020 zur Vernehmlassung der Steuerverwaltung Stellung zu nehmen, wovon er jedoch keinen Gebrauch gemacht hat.
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G. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat sich nicht vernehmen lassen.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien wird, soweit für den Entscheid von Bedeutung, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Die Steuerrekurskommission zieht in Erwägung:
1. Entscheide des Regierungsrats, der Steuerverwaltung und der Gemeinden betreffend den Erlass von Kantons-, Gemeinde- und Kirchensteuern sowie der direkten Bundessteuer können
bei der Steuerrekurskommission durch Rekurs bzw. Beschwerde angefochten werden (Art. 240
Abs. 1 und 7 des Steuergesetzes vom 21. Mai 2000 [StG; BSG 661.11] sowie Art. 167g Abs. 1
des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer [DBG; SR 642.11]
i.V.m. Art. 9 der Verordnung vom 18. Oktober 2000 über den Vollzug der direkten Bundessteuer
[BStV; BSG 668.11]). Dies gilt auch für Erlassgesuche, welche die (naturgemäss bereits
entrichtete) Quellensteuer betreffen (vgl. Art. 34 Abs. 3 der Verordnung vom 18. Oktober 2000
über den Bezug und die Verzinsung von Abgaben und anderen zum Inkasso übertragenen
Forderungen, über Zahlungserleichterungen, Erlass sowie Abschreibungen infolge
Uneinbringlichkeit [Bezugsverordnung, BEZV; BSG 661.733]). Die Steuerrekurskommission ist
deshalb sachlich und örtlich zuständig. Der Rekurrent ist im vorinstanzlichen Verfahren mit
seinen Anträgen nicht durchgedrungen. Er ist daher beschwert und zur Anfechtung befugt (Art.
195 Abs. 2 StG und Art. 167g Abs. 1, 2 und 4 DBG sowie Art. 140 ff. DBG i.V.m. Art. 3 BStV
i.V.m. Art. 86 und 65 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG;
BSG 155.21]). Auf die form- und fristgerecht eingereichte Eingabe ist deshalb einzutreten.
Da der Streitwert unter CHF 10'000.-- liegt, fällt der vorliegende Entscheid in die
einzelrichterliche Zuständigkeit (Art. 70 Abs. 4 Bst. c des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die
Organisation der Gerichtsbehörden der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).
2. In formeller Hinsicht ist vorab zu klären, ob der Rekurrent im Verfahren vor der  vertraglich vertreten ist. Der Rekurseingabe vom 1. Mai 2020 legte der
Rekurrent eine Vollmacht für einen Mitarbeiter des Sozialdiensts Heimberg bei, die indes nicht
die Befugnis umfasste, das Verfahren im Namen des Rekurrenten zu führen. Mit der Eingangs-
bestätigung vom 13. Mai 2020 informierte die Steuerrekurskommission den Rekurrenten über
diesen Umstand. Am 28. Mai 2020 wurde eine zweite Vollmacht eingereicht, dieses Mal auf
eine Mitarbeiterin des Sozialdiensts lautend, die inhaltlich jedoch mit der ersten übereinstimmte.
Mit Schreiben vom 2. Juni 2020 wurde der Rekurrent aufgefordert, bis am 24. Juni 2020 eine
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rechtsgenügliche Vertretungsvollmacht einzureichen, falls er sich vertreten lassen wolle. Weil
der Rekurrent darauf nicht reagiert hat, gilt er im vorliegenden Verfahren nicht als vertreten.
3. Strittig ist, ob der Rekurrent Anspruch auf Erlass der Quellensteuern für das Jahr 2019 hat.
4. Die (ordentliche) Steuerveranlagung entspricht in der Regel der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit (Art. 127 Abs. 2 der Bundesverfassung [BV; SR 101];
Art. 104 Abs. 1 der Verfassung des Kantons Bern [KV; BSG 101.1]), beruhen doch die
Steuerbeträge auf in der Vergangenheit erzieltem Einkommen und vorhandenem Vermögen. Ist
die Zahlung von rechtskräftig festgesetzten Kantons-, Gemeinde- und Kirchensteuern, der
direkten Bundessteuer sowie von Zinsen, Gebühren oder Bussen infolge einer Notlage mit einer
erheblichen Härte verbunden, so können diese gestützt auf Art. 240 StG und Art. 167 DBG
ganz oder teilweise erlassen werden. Das Erlassverfahren gehört nicht zum
Veranlagungsverfahren, sondern setzt eine rechtskräftige Veranlagung voraus und ist damit Teil
des Steuerbezugsverfahrens. Eine Überprüfung der Steuerforderung selbst ist im
Erlassverfahren ausgeschlossen (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum
DBG, 3. Aufl., 2016, N. 3 zu Art. 167 DBG). Mit Blick auf die rechtsgleiche Behandlung aller
Steuerpflichtigen muss der Erlass die seltene Ausnahme bleiben. Da das Gemeinwesen mit
dem Erlass endgültig auf die Steuerforderung verzichtet, soll er der steuerpflichtigen Person
selbst und nicht ihren weiteren Gläubigern zugutekommen (zum Ganzen: Beusch/Raas in:
Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer
[DBG], 3. Aufl., 2017, N. 8 vor Art. 167-167g DBG sowie N. 6 ff. und N. 20 f. zu Art. 167 DBG,
mit weiteren Hinweisen; Blumenstein/Locher, System des schweizerischen Steuerrechts, 7.
Aufl., 2016, S. 421 ff.; Bruno Knüsel, Rechtsgrundlagen des Erlassverfahrens in ASA 52 S. 93
ff. insb. S. 97 Ziff. 4.c).
4.1 Der wichtigste Grund für einen Erlass von im ordentlichen Verfahren veranlagten Steuern ist das Vorliegen einer aktuellen finanziellen Notlage. Diese wird bejaht, wenn der geschuldete
Steuerbetrag trotz Beschränkung der Lebenshaltungskosten auf das betreibungsrechtliche
Existenzminimum in absehbarer Zeit nicht vollständig beglichen werden kann (Art. 240b Abs. 1
Bst. b StG). Die Einzelheiten der Berechnung sind dem Kreisschreiben Nr. B1 der
Aufsichtsbehörde in Betreibungs- und Konkurssachen für den Kanton Bern in der Fassung vom
1. Januar 2011 zu entnehmen (einsehbar unter: <https://www.justice.be.ch>, Rubriken
"Zivilverfahren > Kreisschreiben > SchKG > KS B1 aB3" [abgerufen am 17.9.2020];
nachfolgend: Kreisschreiben B1). Dessen Beilage 1 enthält die einzelnen Ansätze gemäss den
Richtlinien für die Berechnung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums (Notbedarf) nach
https://www.justice.be.ch
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Art. 93 SchKG vom 1. Juli 2009 der Konferenz der Betreibungs- und Konkursbeamten der
Schweiz.
4.2 Bereits bezahlte Steuerbeträge werden nur erlassen, sofern die Zahlungen unter Vorbehalt geleistet worden sind oder wenn – wie im hier zu beurteilenden Fall – eine
Quellensteuerforderung vorliegt (Art. 40 Abs. 2 BEZV). Bei quellensteuerpflichtigen Personen
(namentlich Arbeitnehmern ohne Niederlassungsbewilligung) zieht der Schuldner der
steuerbaren Leistung (Arbeitgeber) die nach Pauschaltarifen festgesetzten Steuerbeträge vom
Bruttolohn ab und überweist sie der Steuerverwaltung (vgl. Art. 112 ff. und 185 f. des
Steuergesetzes in der bis 31.12.2019 geltenden Fassung [aStG]; Art. 83 ff. und 136 ff. DBG).
Sofern es nicht zu einer nachträglichen ordentlichen Veranlagung (Art. 115 aStG; Art. 90 Abs. 2
DBG) oder einer Korrektur nach Art. 188 aStG bzw. Art. 138 DBG kommt, sind die für ein
Steuerjahr geschuldeten Steuern mit den während dieses Jahres erhobenen Quellensteuern
rechtskräftig festgesetzt und zugleich bezahlt worden. Im Rahmen eines Erlassverfahrens
betreffend Quellensteuer ist folglich nicht zu überprüfen, ob es dem Gesuchsteller zuzumuten
ist, noch ausstehende Steuerbeträge zu begleichen, sondern ob die mittels Lohnabzügen
bereits erfolgten Steuerzahlungen zumutbar gewesen sind. Massstab hierfür ist, wie bei
Erlassgesuchen für ordentlich veranlagte Steuern, das betreibungsrechtliche Existenzminimum
(siehe auch Ausführungen der Steuerverwaltung in der Vernehmlassung vom 16.7.2020,
S. 2 f.).
5. Aufgrund des hiervor Ausgeführten sind die finanziellen Verhältnisse des Rekurrenten im Jahr 2019 zu beurteilen. Dabei werden sämtliche Einkünfte (auch steuerfreie) dem
betreibungsrechtlichen Existenzminimum (dem sogenannten "Zwangsbedarf")
gegenübergestellt (vgl. E. 5.4 hiernach).
5.1 Im Jahr 2019 erzielte der Rekurrent gemäss Lohnausweis (pag. 43) ein Nettoeinkommen aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit von CHF 59'374.--, zuzüglich pauschale
Verpflegungsspesen von CHF 4'320.--. Davon abzuziehen ist die Quellensteuer, die von der
Steuerverwaltung auf CHF 2'775.-- beziffert wird (abweichend von den CHF 2'437.-- gemäss
Lohnausweis, siehe Vernehmlassung vom 16.7.2020, S. 3). Daraus resultiert ein monatliches
Durchschnittseinkommen von CHF 5'076.--. Dazu kommen die nicht steuerbaren Beiträge aus
der wirtschaftlichen Sozialhilfe. Übereinstimmend mit der Steuerverwaltung werden diese auf
CHF 185.-- festgesetzt, entsprechend dem kumulierten Fehlbetrag der Sozialhilfebudgets
September bis Dezember 2019 von CHF 2'220.--, geteilt durch zwölf Monate (Budgets Oktober-
Dezember 2019: pag. 42-37; Budget September 2019: Eingabe vom 2.6.2020). Insgesamt
belaufen sich die Einnahmen somit auf CHF 5'261.--
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5.2 Diesem Einkommen ist das betreibungsrechtliche Existenzminimum gegenüberzustellen. Dieses setzt sich aus einem Grundbetrag und Zuschlägen zusammen.
5.2.1 Der Rekurrent lebt in einem gemeinsamen Haushalt mit seiner Ehefrau und zwei Kindern (geb. 29.5.2003 und 16.4.2004). Der Grundbetrag für ein Ehepaar beträgt CHF 1'700.--,
derjenige für Kinder über zehn Jahren je CHF 600.--. Insgesamt beläuft sich der Grundbetrag
somit auf CHF 2'900.--. Daraus sind Auslagen für Nahrung, Kleidung, Körper- und
Gesundheitspflege, Energie, Telekommunikation, Privatversicherungen, Kultur und Freizeit zu
finanzieren (Beilage 1 zum Kreisschreiben B1, Ziff. I).
5.2.2 Als Zuschlag sind zunächst die Wohnkosten (Mietzins und Nebenkosten) zu berücksichtigen (Beilage 1 zum Kreisschreiben B1, Ziff. II/1 und 2). Gemäss Mietvertrag vom
19. Juli 2018 (pag. 16) betragen der Nettomietzins CHF 1'107.-- und der Akontobetrag für die
Nebenkosten CHF 250.--, ausmachend insgesamt CHF 1'357.--.
5.2.3 Zum Zwangsbedarf gehören zudem die Prämien für die obligatorische Krankenpflegeversicherung. Für das Jahr 2019 belaufen sich diese für die ganze Familie auf
CHF 985.20 pro Monat (pag. 14-3). Davon abzuziehen sind die individuellen
Prämienverbilligungen, die insgesamt CHF 498.20 ausmachen (vgl. Auskunft des Amts für
Sozialversicherungen, pag. 45 sowie Sozialhilfebudget, pag. 42). Die Differenz von CHF 487.--
ist im Budget zu berücksichtigen, übereinstimmend mit dem in der Vernehmlassung der
Steuerverwaltung genannten Betrag. Die Erlassbehörde berücksichtigte für die
Krankenkassenprämien irrtümlich nur CHF 283.-- (pag. 52).
5.2.4 Weiter sind die unumgänglichen Berufsauslagen des Rekurrenten anzurechnen ( 1 zum Kreisschreiben B1, Ziff. II/4). Die Fahrkosten für die Strecke von C._ an
seinen Arbeitsort in E._ betrugen im Jahr 2019 CHF 173.--. Für Mehrkosten bei
auswärtiger Verpflegung berücksichtigt die Steuerrekurskommission praxisgemäss CHF 10.--
pro Tag, was bei einem Vollzeitpensum CHF 183.-- ausmacht (CHF 10.-- * 220 Arbeitstage im
Jahr / 12 Monate).
5.2.5 Dem Sozialhilfebudget für Oktober 2019 (pag. 42) kann entnommen werden, dass die beiden Kinder am Berufsbildungszentrum für B._ in D._ eine Ausbildung
absolvieren. Dafür sind Fahrkosten von CHF 76.-- pro Monat sowie einmalige Kosten für
Schulmaterial von je CHF 410.-- angefallen. Diese Auslagen, pro Monat ausmachend
CHF 220.-- sind zu berücksichtigen (Beilage 1 zum Kreisschreiben B1, Ziff. II/6). Weiter besucht
die Ehefrau des Rekurrenten einen Deutschkurs und weitere Integrationsangebote in
D._, wofür gemäss Sozialhilfebudgets Fahrkosten von CHF 28.80 sowie einmalige
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Kosten von CHF 60.-- angefallen sind (pag. 40). Diese Kosten (pro Monat CHF 33.80) können
ebenfalls angerechnet werden (vgl. Georges Vonder Mühll in: Basler Kommentar zum
Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs I, 2. Aufl., 2010, N. 32 zu Art. 93 SchKG;
RKE 100 2014 53 vom 27.10.2015, E. 4.5.6, nicht publiziert).
5.3 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich folgendes Budget (in ganzen CHF):
Einnahmen
Nettoeinkommen 4'947
Verpflegungspauschale 360
Quellensteuern -231
Sozialhilfe 185
Total Einnahmen 5'261
Ausgaben
Grundbetrag Ehepaar 1'700
Grundbetrag Kinder 1'200
Wohnkosten 1'357
Krankenkasse 487
Fahrkosten Rekurrent 173
Auswärtige Verpflegung 183
Ausbildungskosten Kinder 220
Deutsch- und Integrationskurs Ehefrau 34
Total Auslagen 5'354
Fehlbetrag -93
Der ermittelte monatliche Fehlbetrag fällt mit CHF 93.-- etwas geringer aus als das von der
Steuerverwaltung in der Vernehmlassung genannte Manko von CHF 110.-- (aufgrund des um
CHF 17.-- geringeren Zuschlags für auswärtige Verpflegung). Dennoch sind die
Voraussetzungen für einen Teilerlass (bzw. eine Teilrückerstattung) der vom Rekurrenten
bezahlten Quellensteuer erfüllt, dies im Umfang von CHF 1'116.-- (monatlicher Fehlbetrag
CHF 93.-- * 12).
5.4 Im Erlassgesuch erklärte der Rekurrent, offenbar gestützt auf eine entsprechende Auskunft des Sozialdienstes, dass "es nicht sein könne", dass er aufgrund der Quellensteuer-
abzüge auf Sozialhilfe angewiesen sei. Sinngemäss beantragt der Rekurrent damit, dass die
ihm gewährte Sozialhilfe nicht als Einkommen angerechnet werde. Damit würde der Fehlbetrag
im Jahr 2019 CHF 3'336.-- betragen, was die Rückerstattung der gesamten Quellensteuer zur
Folge hätte. Wie in E. 4.2 hiervor ausgeführt, wird die Quellensteuer mit den vom Arbeitgeber
vorgenommenen Lohnabzügen definitiv beglichen. Den persönlichen und wirtschaftlichen
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Verhältnissen der an der Quelle besteuerten Personen wird dabei durch differenzierte Tarif-
codes Rechnung getragen (Details dazu unter: <https://www.sv.fin.be.ch> Menü: "Steuern
berechnen > Quellensteuer"). Bei der Überprüfung der finanziellen Situation im Rahmen eines
Erlassverfahrens werden generell sämtliche Einnahmen (inkl. steuerfreie Sozialhilfeleistungen)
miteinbezogen, dies gilt auch bei Erlassgesuchen für ordentlich veranlagte Steuern (Markus
Langenegger in: Praxiskommentar zum Berner Steuergesetz, Band 2, Artikel 126 bis 293, 2011,
N. 6 zu Art. 240b StG). Das für einen Steuerlass massgebende betreibungsrechtliche Existenz-
minimum und das für die Gewährung von Sozialhilfe relevante Budget nach SKOS-Richtlinien
werden zudem nach unterschiedlichen Grundsätzen berechnet. Dass ein Teil der gewährten
Sozialhilfe indirekt zur Finanzierung der Quellensteuer beiträgt, ist somit nicht ungewöhnlich
(siehe dazu auch: Handbuch Sozialhilfe, veröffentlicht von der Berner Konferenz für
Sozialhilfe, Kindes- und Erwachsenenschutz [BKSE]:
<http://www.handbuch.bernerkonferenz.ch> Menü "Stichwörter / Steuern und
Quellensteuern" [besucht am 20.10.2020]). Dementsprechend sind im vorliegenden Fall die Sozialhilfebeträge ans Einkommen des Rekurrenten anzurechnen. Rekurs und Beschwerde
sind damit nur teilweise gutzuheissen.
5.5 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Rekurrent grundsätzlich einen Anteil der gesamten Verfahrenskosten zu tragen (Art. 200 Abs. 1 StG; Art. 144 Abs. 1 DBG). Wenn
besondere Verhältnisse es rechtfertigen, kann jedoch von einer Kostenauflage abgesehen
werden (Art. 200 Abs. 3 StG; Art. 144 Abs. 3 DBG). Vorliegend ist der Rekurrent an die
Steuerrekurskommission gelangt, weil die Erlassbehörde bei ihrer Berechnung des
Existenzminimums unbestrittenermassen einen falschen Betrag für die Prämien der
obligatorischen Krankenpflegeversicherung eingesetzt hat. Dementsprechend rechtfertigt es
sich vorliegend, dem Rekurrenten keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. Das Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege ist folglich als gegenstandslos abzuschreiben.
Weil der Rekurrent im vorliegenden Verfahren nicht vertreten ist und weil keine notwendigen
und verhältnismässig hohen Kosten entstanden sind, werden keine Parteikosten gesprochen
(Art. 200 Abs. 4 StG sowie Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren [Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG;
SR 172.021]).
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