Decision ID: 40915f4b-4948-5e57-8eb4-c3b188f479e3
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 14. Oktober 2021 zusammen mit sei-
nem Bruder (F-5306/2021) in der Schweiz um Asyl. Ein Abgleich mit der
europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) ergab,
dass er am 26. August 2021 in Italien um Asyl ersucht hatte.
B.
Die Vorinstanz gewährte dem Beschwerdeführer am 4. November 2021
das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und der
Möglichkeit einer Überstellung nach Italien. Er erklärte, er sei mit einem der
ersten Flüge von Kabul abgereist, nachdem die Taliban an die Macht ge-
kommen seien. Man habe ihm nicht mitgeteilt, wohin er fliegen werde. Zu-
vor sei er in ein italienisches Camp in Kabul gebracht worden. Danach hät-
ten die Amerikaner ihn nach B._ geflogen, von wo aus er nach Ita-
lien gelangt sei. Er habe nicht vorgehabt, nach Italien zu reisen, und habe
dort weder ein Asylgesuch gestellt noch ein Visum erhalten. Er wisse nicht
genau, wo er sich in Italien aufgehalten habe, zumal er die Namen der
Städte nicht kenne; aber er sei fünf Mal transferiert worden. Es gebe viele
Gründe, weshalb er nicht nach Italien zurückkehren möchte. Als er dort
angekommen sei, habe er nach warmen Kleidern gefragt, weil die Nächte
kalt gewesen seien. Er sei krank geworden, aber während zwei Wochen
habe niemand einen Arzt für ihn besorgt. Er habe einen Knoten im Hals
gehabt und der Arzt habe ihm ein Medikament verschrieben. Die Medika-
mente seien jedoch sehr teuer gewesen, weshalb ihm jemand andere Me-
dikamente besorgt habe. Als er aus dem italienischen Camp gebracht wor-
den sei, habe er 50 Euro für zwei Wochen erhalten, wobei er eigentlich 50
Euro pro Woche hätte bekommen sollen. Er habe zwei Tage und zwei
Nächte nichts zum Essen gehabt und in der Kälte schlafen müssen. In Ita-
lien sei er in Bezug auf warme Kleidung, ärztliche Behandlung und Nah-
rungsmittel vernachlässigt worden. Deshalb sei er schliesslich gezwungen
gewesen, in die Schweiz zu reisen. Zudem habe ihm seine Rechtsvertre-
tung in Italien gesagt, dass keine Fingerabdrücke genommen worden seien
und er frei reisen könne.
In Bezug auf seinen Gesundheitszustand gab der Beschwerdeführer an,
es gehe ihm physisch gut, aber psychisch sehr schlecht. Er könne nicht
schlafen und denke über viele Sachen nach. Der Hauptgrund hierfür sei,
dass er aus einer Provinz stamme, in der es viele Raketen und Bomben
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gebe. Er habe einen Arzttermin gehabt, aber dieser sei aufgrund des Dub-
lin-Gesprächs verschoben worden. Aktuell nehme er deshalb noch keine
Medikamente ein.
C.
Das SEM ersuchte die italienischen Behörden am 4. November 2021 um
Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b
der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des
Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur
Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-
staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-
trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO).
Die italienischen Behörden gaben innerhalb der festgelegten Frist keine
Antwort auf das Wiederaufnahmegesuch.
D.
Mit Verfügung vom 26. November 2021 (eröffnet am 29. November 2021)
trat die Vorinstanz auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein,
ordnete dessen Wegweisung nach Italien an und forderte ihn auf, die
Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzei-
tig verfügte sie die Aushändigung der editionspflichtigen Akten und stellte
fest, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine auf-
schiebende Wirkung zu.
E.
Am 6. Dezember 2021 (Poststempel) gelangte der Beschwerdeführer an
das Bundesverwaltungsgericht mit den Anträgen, die angefochtene Verfü-
gung sei aufzuheben und die Vorinstanz sei anzuweisen, ihre Pflicht zum
Selbsteintritt auszuüben und sich für das vorliegende Asylverfahren für zu-
ständig zu erklären. Eventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, sich ge-
stützt auf Art. 29a Abs. 3 AsylV1 für das vorliegende Asylverfahren für zu-
ständig zu erklären. Subeventualiter sei die Sache wegen Verletzung des
rechtlichen Gehörs an die Vorinstanz zurückzuweisen. Ferner ersuchte er
um Erteilung der aufschiebenden Wirkung, Anweisung der Vollzugsbehör-
den, von einer Überstellung abzusehen, bis über die vorliegende Be-
schwerde entschieden worden sei, sowie um Verzicht auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses, Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung und Entrichtung einer Parteientschädigung.
F.
Am 7. Dezember 2021 ordnete die Instruktionsrichterin einen superprovi-
sorischen Vollzugsstopp an.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.2. Gemäss Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungs-
gericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet des Asyls zu-
ständig und entscheidet über diese in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Der Beschwerdeführer ist zur Be-
schwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG
und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2. Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb
sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines
zweiten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e
AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-
scher Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
Der Beschwerdeführer beantragt, die Sache sei wegen Verletzung des
rechtlichen Gehörs an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das Begehren wird
nicht weiter begründet, weshalb nicht darauf einzutreten ist.
4.
4.1. Auf Asylgesuche wird nicht eingetreten, wenn Asylsuchende in einen
Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Weg-
weisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG).
4.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch
Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung dieses Staates
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wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag ge-
stellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des Wiederaufnahme-
verfahrens (Art. 23–25 Dublin-III-VO) findet grundsätzlich keine (neue) Zu-
ständigkeitsprüfung nach Kapitel III Dublin-III-VO mehr statt (vgl. zum Gan-
zen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1).
Aus den Akten ist ersichtlich, dass der Beschwerdeführer bei seiner An-
kunft in Italien ein Asylgesuch gestellt hat. Seine Behauptung, wonach er
weder ein Asylgesuch gestellt noch ein italienisches Visum erhalten habe,
bringt er denn im Beschwerdeverfahren auch nicht mehr vor. Der Vollstän-
digkeit halber ist dennoch darauf hinzuweisen, dass die Dublin-III-VO den
Schutzsuchenden generell kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfen-
den Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3). Nachdem die
italienischen Behörden das Wiederaufnahmegesuch der Vorinstanz innert
der in Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO festgelegten Frist nicht beantworten ha-
ben, haben sie die Zuständigkeit Italiens implizit anerkannt (Art. 25 Abs. 2
Dublin-III-VO).
4.3. Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller an den zunächst als
zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, da es wesentliche
Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahme-
bedingungen für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU–Grundrechte-
charta mit sich bringen, so setzt der die Zuständigkeit prüfende Mitglied-
staat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien fort, um festzu-
stellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden kann.
Kann keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen aufgrund der
Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an den ersten Mit-
gliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde, vorgenommen werden, so wird
der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat der zuständige Mitgliedstaat
(Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
4.4. Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-
nannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der
Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkreti-
siert. Gemäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch «aus hu-
manitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-
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VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche
Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE
2015/9 E. 8.2.1).
5.
5.1. Der Beschwerdeführer führt aus, entgegen den Ausführungen der Vor-
instanz sei der medizinische Sachverhalt nicht ausreichend erstellt. Im
Arztbericht vom 22. November 2021 sei festgehalten worden, dass er zur
weiteren Abklärung an eine psychiatrische Fachperson in der Schweiz
überwiesen werden sollte. Obwohl er mehrmals auf seinen labilen gesund-
heitlichen Zustand hingewiesen habe, habe er bisher noch keinen Termin
erhalten. Es sei für seine Gesundheit wichtig, dass er diesen Termin und
eine Behandlung in der Schweiz erhalten könne. Er sei psychisch sehr an-
geschlagen und leide weiterhin unter Albträumen, Herzrasen und Kopf-
schmerzen. Er sei in die Schweiz gekommen, um hier Ruhe und Frieden
zu finden. In Italien habe er nicht die Behandlung und Unterstützung erhal-
ten, die er benötige. Die Vorstellung, zurück nach Italien gehen zu müssen,
bereite ihm grosse Sorgen und verschlechtere seinen Gesundheitszu-
stand. Zudem möchte er mit seinem Bruder zusammenbleiben und unter
keinen Umständen von diesem getrennt werden. Wie in dessen Be-
schwerde vorgebracht werde, sei sein Bruder minderjährig. Er möchte
während dieser Zeit bei ihm bleiben und ihn beschützen.
5.2. Zunächst ist festzuhalten, dass es keine Anhaltspunkte dafür gibt,
dass der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers nicht genügend ab-
geklärt worden wäre. Vielmehr hat sich die Vorinstanz in der angefochte-
nen Verfügung eingehend mit dem ärztlichen Konsultationsbericht vom
22. November 2021 sowie den Ausführungen des Beschwerdeführers im
Dublin-Gespräch auseinandergesetzt. Auch die Tatsache, dass im erwähn-
ten Arztbericht eine Überweisung an eine psychologische Fachperson
empfohlen wird, ändert nichts daran, dass der medizinische Sachverhalt
aus Sicht des Gerichts genügend erstellt ist. Eine Rückweisung der Sache
an die Vorinstanz ist folglich nicht angezeigt und wird vom Beschwerdefüh-
rer im Übrigen auch nicht beantragt.
5.3. Es gibt keine hinreichenden Gründe für die Annahme, das Asylverfah-
ren und die Aufnahmebedingungen für asylsuchende Personen in Italien
hätten Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter Satz
Dublin-III-VO, die eine Gefahr einer unmenschlichen Behandlung im Sinne
des Artikels 4 der EU-Grundrechtecharta und Art. 3 EMRK mit sich bringen
würden. Italien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
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oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) und kommt seinen entsprechenden völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nach. Es darf somit davon ausgegangen werden, dass dieser
Staat die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des Eu-
ropäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu
gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des inter-
nationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU vom
26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen,
die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben,
anerkennt und schützt. Weder das Bundesverwaltungsgericht noch der Eu-
ropäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) oder der Europäische
Gerichtshof (EuGH) haben bislang systemische Schwachstellen im italie-
nischen Asylsystem erkannt. Zwar steht das italienische Fürsorgesystem
für Asylsuchende und Personen mit Schutzstatus in der Kritik; gemäss den
bisherigen Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts ist indes davon
auszugehen, dass Italien die Verfahrens- und Aufnahmerichtlinien einhält
(siehe etwa Referenzurteil des BVGer E-962/2019 vom 17. Dezember
2019 E. 6.3; Urteil des BVGer E-685/2021 vom 23. Februar 2021 E. 6). Am
20. Dezember 2020 ist das Umwandlungsgesetz Nr. 173/2020 zum Geset-
zesdekret Nr. 130/2020 vom 21. Oktober 2020 in Kraft getreten. Das Ge-
setzesdekret Nr. 130/2020 sieht eine umfassende Reform des Aufnahme-
systems für Asylsuchende in Italien vor, indem zentrale Bestimmungen des
sog. Salvini-Dekrets geändert wurden und ein engverflochtenes Auf-
nahme- und Integrationssystem implementiert wurde. Das neue Aufnah-
mesystem ist vergleichbar mit jenem, das vor Erlass des Salvini-Dekrets
bestanden hat. Nach dem Anmeldeverfahren werden die Asylsuchenden in
das Aufnahme- und Integrationssystem SAI (Sistema di accoglienza e in-
tegrazione) überführt, welches nunmehr wieder allen Asylsuchenden, also
auch den im Rahmen des Dublin-Verfahrens nach Italien überstellten Per-
sonen, offensteht. Schutzbedürftige Personen, die einer besonderen Form
der Unterstützung bedürfen, geniessen bei der Überstellung von einem
Erstaufnahmezentrum in das SAI Priorität (zum Ganzen vgl. Referenzurteil
des BVGer F-6330/2020 vom 18. Oktober 2021 E. 10.5).
Der Beschwerdeführer vermag mit dem Vorbringen der angeblich unzu-
reichenden Versorgung in Italien, die er anlässlich des Dublin-Gesprächs
moniert hat, nicht darzutun, dass die ihn bei einer Rückführung zu erwar-
tenden Bedingungen in Italien derart schlecht seien, dass sie zu einer Ver-
letzung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta bzw. Art. 3 EMRK führen
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könnten. Vielmehr ist seinen Schilderungen zu entnehmen, dass er in Ita-
lien Medikamente, finanzielle Unterstützung sowie rechtliche Beratung er-
halten hat.
5.4. Die Vorinstanz hat sodann das Selbsteintrittsrecht im Sinne von Art. 17
Abs. 1 Dublin-III-VO sowie Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 zu Recht nicht ausgeübt:
Der Beschwerdeführer hat kein konkretes und ernsthaftes Risiko dargetan,
dass die italienischen Behörden in seinem Fall den erwähnten völkerrecht-
lichen Verpflichtungen nicht nachkommen würden. Auch die von ihm gel-
tend gemachten psychischen Probleme, die mit Schlaflosigkeit, Herzrasen
und Kopfschmerzen einhergehen, stellen kein Hindernis für eine Überstel-
lung nach Italien dar. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass ihm dort die
notwendige medizinische Behandlung verweigert würde. Wie die Vorin-
stanz zudem bereits festgehalten hat, werden die schweizerischen Behör-
den, die mit dem Vollzug der angefochtenen Verfügungen beauftragt sind,
den medizinischen Umständen bei der Bestimmung der konkreten Modali-
täten der Überstellung Rechnung tragen und die italienischen Behörden
vorgängig über die spezifischen Gegebenheiten informieren (vgl. Art.
31 f. Dublin-III-VO). Bezüglich des Vorbringens des Beschwerdeführers,
wonach sein Bruder minderjährig sei, ist auf die Ausführungen im separat
geführten Verfahren F-5306-2021 zu verweisen.
Zusammenfassend ist die Schweiz weder völkerrechtlich verpflichtet, auf
das Asylgesuch einzutreten, noch liegen humanitäre Gründe vor, welche
einen Selbsteintritt nahelegen würden.
5.5. Die Vorinstanz ist demnach zu Recht gestützt auf Art. 31a Abs. 1
Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten
und hat seine Wegweisung nach Italien angeordnet.
6.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Mit dem vorliegen-
den Urteil fällt der am 7. Dezember 2021 angeordnete Vollzugsstopp dahin.
Das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ist gegenstandslos
geworden.
7.
7.1. Die gestellten Begehren erweisen sich als aussichtslos, weshalb das
Gesuch um unentgeltliche Prozessführung ungeachtet einer allfälligen pro-
zessualen Bedürftigkeit abzuweisen ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG).
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7.2. Der Antrag auf Parteientschädigung ist abzuweisen, zumal der Be-
schwerdeführer ohnehin nicht anwaltlich vertreten ist.
7.3. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.-
festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-
ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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