Decision ID: 1a6930fa-26fd-538e-aab7-b21c5c117541
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die 1975 geborene A._ (im Folgenden: Versicherte oder Beschwer-
deführerin) ist Schweizerin und wohnt in Deutschland. Sie ist ausgebildete
medizinische Praxisassistentin. Bevor sie sich am 12. August 1999 zufolge
einer seit 1997 bestehenden Depression bei der Sozialversicherungsan-
stalt des Kantons C._ (im Folgenden: SVA C._) zum Bezug
von Leistungen der schweizerischen Invalidenversicherung (IV) in Form
von Berufsberatung und Umschulung auf eine neue Tätigkeit angemeldet
hatte, war sie vom 1. November 1996 bis 31. August 1997 in der
D._ in (...) teilzeitlich erwerbstätig (Akten [im Folgenden: act.] der
Invalidenversicherungs-Stelle für Versicherte im Ausland [im Folgenden:
IVSTA oder Vorinstanz] 1 und 2). Nach Durchführung der für die Beurtei-
lung des Leistungsanspruchs massgeblichen Abklärungen in medizini-
scher (act. 4 und 7) und beruflich-erwerblicher (act. 5 und 6) Hinsicht er-
liess die SVA C._ am 31. Oktober 2000 eine Verfügung, mit welcher
sie der Versicherten bei einem Invaliditätsgrad (im Folgenden auch: IV-
Grad) von 52 % mit Wirkung ab 1. Juni 2000 eine halbe IV-Rente zusprach
(act. 9). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B.
Nach Vorliegen der Berichte der Berufsberatung vom 14. Februar und
2./10. Mai 2001 (act. 10 und 13 S. 2 und S. 4) und weiterer medizinischer
Dokumente (act. 11) fand vom 9. bis 27. Juli 2001 eine Vorabklärung der
Eingliederungs- und Arbeitsfähigkeit statt (act. 14). Nach Abschluss dieser
Massnahme leitete die SVA C._ mit dem vom 16. August 2001 da-
tierenden Fragebogen eine Rentenrevision von Amtes wegen ein (act. 15).
In Kenntnis unter anderem des Abschlussberichts über die berufliche Vor-
abklärung vom 20. September 2001 (act. 19) und des Fragebogens für den
Arbeitgeber vom 21. September 2001 (act. 17) sowie des Schlussberichts
der Berufsberatung vom 31. Oktober 2001 (act. 19; vgl. auch act. 21 S. 3)
erliess die SVA C._ am 4. Dezember 2001 einen Vorbescheid, mit
welchem sie der Versicherten bei einem IV-Grad von 89 % mit Wirkung ab
1. Juli 2001 eine ganze IV-Rente in Aussicht stellte (act. 23); die entspre-
chende Verfügung vom 31. Januar 2002 (act. 24) wurde ebenfalls unange-
fochten rechtskräftig.
C.
Nachdem die Versicherte in den Kanton E._ umgezogen war, stellte
sie am 31. Oktober 2002 beim Sozialversicherungszentrum des Kantons
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E._ (im Folgenden: SVZ E._) ein Gesuch um finanzielle Un-
terstützung für Wiedereingliederungsmassnahmen (act. 27). Nach Durch-
führung der entsprechenden Abklärungen (act. 28 bis 30, 32 bis 34) und
nachdem die Versicherte die Ausbildung zur Spielgruppenleiterin absolviert
hatte (act. 35 S. 1 bis 3), erstellte die Berufsberatung am 6. Februar und
25. April 2004 zwei weitere Berichte (act. 35 S. 4 und 38). Daraufhin wurde
das Kostengutsprachegesuch mit Verfügung vom 13. Juli 2004 abgewie-
sen (act. 40).
D.
Mit Datum vom 10. Juni 2005 leitete das SVZ E._ von Amtes wegen
eine Rentenrevision ein (act. 45 S. 1 bis 3). In Kenntnis eines Arztberichts
von Dr. med. F._ vom 22. bzw. 24. November 2005 (act. 45 S. 4 bis
11) und Durchführung eines Einkommensvergleichs (act. 45 S. 12 und 13)
teilte das SVZ E._ der Versicherten am 3. Januar 2006 mit, dass
sie bei einem IV-Grad von 89 % weiterhin Anspruch auf die bisherige ganze
IV-Rente habe (act. 44 S. 1 und 2). Gleichentags wurden zufolge Wohn-
sitznahme der Versicherten in Deutschland die Akten zuständigkeitshalber
an die IVSTA überwiesen (act. 46).
E.
Mit Datum vom 17. Mai 2010 leitete erstmals die IVSTA von Amtes wegen
eine Rentenrevision ein (act. 51). In Würdigung des Arztberichts von
Dr. med. G._ vom 20. Juli 2010 (act. 56 und 57) war Dr. med.
H._ vom IV-internen medizinischen Dienst am 18. November 2010
der Auffassung, dass ein stationärer Zustand akzeptiert werden müsse
(act. 64). Daraufhin bestätigte die IVSTA mit Mitteilung vom 2. Dezember
2010 den Anspruch auf die bisherige IV-Rente (act. 65).
F.
F.a Eine weitere Rentenrevision seitens der IVSTA erfolgte ab dem 20. Ok-
tober 2014 (act. 68). In Kenntnis der entsprechenden Fragebögen vom
6. und 7. Januar 2015 (act. 72) sowie weiterer medizinischer Dokumente
(act. 73 bis 75) empfahl Dr. med. I._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, in seiner Stellungnahme vom 29. Mai 2015 die Einholung
eines psychiatrischen Gutachtens (act. 81). Daraufhin beauftragte die IV-
STA mit Schreiben vom 7. Juli 2015 den Psychiater und Psychotherapeu-
ten Dr. med. J._ mit einer medizinischen Abklärung (act. 89). Nach
Vorliegen der entsprechenden Expertise vom 11. Januar 2016 (act. 99)
nahm Dr. med. I._ am 12. Februar 2016 erneut Stellung (act. 101).
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Nach am 10. März 2016 erfolgter Invaliditätsbemessung (act. 102) erliess
die IVSTA am 21. März 2016 einen Vorbescheid, mit welchem sie der Ver-
sicherten die Herabsetzung der ganzen IV-Rente auf eine Viertelsrente in
Aussicht stellte (act. 103).
F.b Hiergegen brachte die Versicherte am 13. April 2016 unter Beilage
zahlreicher Schriftstücke ihre Einwendungen vor (act. 104 bis 111). Nach
weiterer Berichterstattung durch Dr. med. I._ am 7. Oktober 2016
(act. 114) und von der Versicherten im Zusammenhang mit dem psychiat-
rischen Gutachten von Dr. med. J._ am 10. Dezember 2016 ge-
machten Ergänzungen (act. 118) schlug Dr. med. I._ am 2. März
2017 vor, hierzu dem Experten Gelegenheit zur Stellungnahme einzuräu-
men (act. 120). Nachdem Dr. med. I._ am 5. April 2017 unter ande-
rem gefragt worden war, ob das Gutachten von Dr. med. J._ nach
den neuen Standardindikatoren ausgewertet werden könne (act. 123; vgl.
auch act. 122), empfahl Dr. med. I._ am 1. Juni 2017 die Einholung
einer weiteren IV-internen Stellungnahme beim RAD (act. 124 S. 5 und 6).
Nach Vorliegen des entsprechenden Berichts von Dr. med. K._,
Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation, vom 12. Juni 2017
(act. 124 S. 3 und 4) schlug Dr. med. I._ am 22. Juni 2017 vor, von
der Versicherten – bevor Dr. med. J._ zu ihren am 10. Dezember
2016 vorgebrachten Einwendungen Gelegenheit zur Stellungnahme gege-
ben werde – einen ausführlichen orthopädischen Untersuchungsbericht mit
Beschreibung der Funktionsdefizite und Angaben zur Arbeits(un)fähigkeit
in angestammter und angepasster Tätigkeit beibringen zu lassen (act. 124
S. 1 und 2). Nachdem sich die Versicherte im Schreiben vom 17. Oktober
2017 erneut geäussert (act. 130) und Dr. med. L._, Facharzt für
Orthopädie, am 23. Oktober 2017 ein fachorthopädisches Gutachten er-
stellt hatte (act. 134), hielt der RAD-Arzt Dr. med. K._ am 27. No-
vember 2017 fest, dem Vorschlag von Dr. med. I._, dem Gutachter
Dr. med. J._ Gelegenheit zu den Einwendungen der Versicherten
zu geben, könne nun gefolgt werden (act. 143). In der Folge verfasste der
Experte Dr. med. J._ am 14. Januar 2018 einen ergänzenden Be-
richt (act. 147). In Würdigung dieses Berichts hielt Dr. med. I._ am
4. Juni 2018 fest, es bleibe bezüglich der Arbeits(un)fähigkeit bei den be-
reits getroffenen Feststellungen (act. 149). Gestützt darauf erliess die IV-
STA am 13. Juni 2018 eine Verfügung, mit welcher sie – entsprechend dem
Vorbescheid vom 21. März 2016 (act. 103) – die bisherige ganze IV-Rente
durch eine Viertelsrente ersetzte; die Herabsetzung erfolgte vom ersten
Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung folgenden Monats an (act.
151 f.).
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G.
G.a Gegen die Verfügung vom 13. Juni 2018 erhob die Versicherte beim
Bundesverwaltungsgericht mit Eingabe vom 11. Juli 2018 Beschwerde und
beantragte (sinngemäss) die Aufhebung dieses Entscheids (act. im Be-
schwerdeverfahren [im Folgenden: B-act.] 1).
Zur Begründung führte sie zusammengefasst aus, bei keiner der vorheri-
gen Revisionen sei eine Verbesserung ihres gesundheitlichen Zustands
festgestellt worden. Stattdessen habe sich die IVSTA immer der Ansicht
ihrer behandelnden Ärzte angeschlossen. Mit der aktuellen Revision soll
sich nun eine Verbesserung des IV-Grades ergeben haben, und das in
nicht einmal fünf Jahren. Dem widerspreche sie. Sie habe im Alltag und im
Arbeitsleben eigentlich immer noch die gleichen erheblichen Probleme wie
zuvor mit ihrer stark eingeschränkten Belastungs- und Konzentrationsfä-
higkeit, mit der zwischenmenschlichen Interaktion und ihrer ausgeprägten
emotionalen Instabilität. Hier habe es leider trotz diverser Therapien nur
geringfügige Verbesserungen gegeben. Dies habe sich auch bei den Ar-
beitsversuchen immer wieder gezeigt. Auch ihr langjähriger Hausarzt
Dr. M._ und ihr behandelnder Psychiater Dr. G._ hätten sich
dieser Einschätzung wiederholt angeschlossen und dies mit ihren letzten
Attesten bzw. Berichten bestätigt. Auf ihre Argumentation sei die IVSTA mit
keinem Wort eingegangen. Deren Begründung beziehe sich im Wesentli-
chen auf das Gutachten von Dr. J._ sowie ihre Arbeitsversuche in
den letzten Jahren. Sie lehne Dr. med. J._ als Gutachter nachträg-
lich und begründet ab. Aufgrund ihrer Konzentrations- und Gedächtnis-
probleme, Affektivität, Nervosität, Anspannung, Ängstlichkeit, Unsicherheit,
emotionalen Instabilität und Niedergeschlagenheit habe sie sich vor dem
Gespräch bei Dr. med. J._ Notizen gemacht. Dieser habe dann da-
rauf bestanden, dass sie diese weglege, worauf sie gesagt habe, diese zu
benötigen, was er jedoch verneint habe. In der Folge sei es ihr schwerge-
fallen, Angaben, Berichte und Beispiele vollständig und korrekt darzulegen.
Sie sei zum Zeitpunkt der Begutachtung in einem gefühlt depressiven Zu-
stand gewesen und habe öfters geweint. Durch diesen Zustand sei sie eher
passiv gewesen und habe oft nicht mehr die Kraft gehabt, sich zu einer
Aussage oder Annahme von Dr. med. J._ zu äussern, besonders
weil dieser oft sehr dominant, bestimmend und steuernd auf sie gewirkt
habe. Ausserdem habe sie Dr. med. J._ immer wieder als gereizt
und unberechenbar erlebt. Sie habe auch den Eindruck gehabt, dass er
wütend auf ihren christlichen Glauben gewesen sei und diesen zum Bei-
spiel durch eine massiv grenzüberschreitende Frage nach vorehelichem
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Sex angegriffen habe; dies habe definitiv nichts mit ihrer Arbeitsfähigkeit
zu tun. Dr. med. J._ habe ihr im Gespräch gesagt, dass es möglich
sei, trotz Depressionen zu arbeiten. Dabei habe er ihres Erachtens die
Kausalität nicht erkannt, denn die Depressionen seien nie der Grund für
ihre Arbeits-/Berufsunfähigkeit, sondern eine Folge ihrer psychischen
Symptomatik/Verhaltensauffälligkeit gewesen wie die Arbeits-/Berufsunfä-
higkeit. Sie habe sich von Dr. med. J._ auch nicht ernstgenommen
gefühlt. Dem Gutachten nach solle sie gesagt haben, dass sie sich zu 50 %
arbeitsfähig erachte, was nicht der Wahrheit entspreche. Sie habe anläss-
lich der Begutachtung gesagt, dass sie sich für maximal zwei Tage pro Wo-
che arbeitsfähig sehe. Allerdings entspreche dies nicht der Realität. Sie
habe diese Aussage aus einem Zustand der ängstlichen Passivität heraus
getätigt und habe ihre Angabe dann auch nicht näher erläutern können.
Daher widerrufe sie diese Aussage. Ihre zuvor getätigten Aussagen zur Be-
gutachtung könne sie nicht weiter belegen, da bei der Begutachtung keine
Zeugen anwesend gewesen seien. Weitere Einwände gegen das Gutach-
ten und die Begutachtung durch Dr. med. J._ habe sie in der Anlage
G zusammengetragen. Ihre Schwierigkeiten bei der Arbeit beschränkten
sich nicht nur auf Planungs- und Teamprobleme, sondern sie habe auch
erhebliche Probleme mit der Konzentration bei einfachen Aufgaben und
geringer Belastung. Ein schon sehr geringer Leistungsdruck oder eine all-
tägliche Interaktion mit anderen Menschen könne sie emotional stark und
anhaltend destabilisieren. Dies alles habe sie auch gegenüber Dr. med.
J._ ausführlich und anhand aktueller Beispiele dargelegt. Sie habe
versucht, bei ihrem Mann als Bürohilfe zu arbeiten, jedoch rasch gemerkt,
dass sie das nicht schaffe. Die (einfachen) Tätigkeiten hätten sie oft belas-
tet, und sie habe vieles aufgrund ihrer Konzentrationsprobleme nicht zu
Ende bringen können. Auch habe ihre emotionale Instabilität sie häufig da-
ran gehindert, die ihr gestellten Aufgaben sachlich zu erledigen. Auch im
Rahmen ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit hätten ihr immer wieder soziale und
emotionale Konflikte mit den festangestellten Mitarbeitern zu schaffen ge-
macht. Wegen den genannten Konflikten habe sie dann im Sommer 2016
die ehrenamtliche Tätigkeit komplett aufgegeben. Auch die Arbeit im Haus-
halt habe sie immer wieder überlastet. Selbst ab Sommer 2016 sei die
Haushaltsarbeit eine Herausforderung gewesen, welcher sie oft nicht ge-
wachsen gewesen sei. Sie habe versucht, fernab von realen Arbeitsbedin-
gungen zu arbeiten, wobei ihr dies dauerhaft nicht gelungen sei. Sie finde
es sehr traurig, dass die IVSTA ihre Versuche nun gegen sie auslege und
sogar behaupte, dass sie "zu 53 % arbeitsfähig" wäre, obwohl sie in den
letzten 17 Jahren nachgewiesenermassen nicht einmal 20 % geschafft
habe. Interessanterweise habe die IVSTA in den Jahren 2000 bis 2001 ihre
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Arbeitsversuche während des Bezugs der Teilrente realistisch bewertet, so
dass sie dann durch die gescheiterten Arbeitsversuche eine ganze Rente
bekommen habe.
G.b Mit Zwischenverfügung vom 18. Juli 2018 wurde die Beschwerdefüh-
rerin unter Hinweis auf die Säumnisfolgen (Nichteintreten auf die Be-
schwerde) aufgefordert, einen Kostenvorschuss von Fr. 800.- in der Höhe
der mutmasslichen Verfahrenskosten zu leisten (B-act. 2 und 3); dieser
Aufforderung kam die Beschwerdeführerin nach (B-act. 4).
G.c In ihrer Vernehmlassung vom 7. August 2018 beantragte die
Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde (B-act. 6).
Zur Begründung führte sie zusammengefasst aus, das psychiatrische Gut-
achten von Dr. med. J._ vom 11. Januar 2016 entspreche – wie
vom ärztlichen Dienst bestätigt – den Kriterien der Rechtsprechung an eine
beweiskräftige Expertise. Zu den von der Beschwerdeführerin dagegen er-
hobenen Einwänden habe der Gutachter am 14. Januar 2018 einlässlich
Stellung genommen und deren Unbegründetheit dargelegt. Es fänden sich
keine sachlichen Anhaltspunkte, welche Anlass dazu geben würden, die
Objektivität des Gutachters in Zweifel zu ziehen. Dieser habe die Leiden
der Beschwerdeführerin ernst genommen und im Gutachten objektiv und
vorurteilslos dazu Stellung genommen. Es sei somit kein Grund ersichtlich,
weshalb dem Eventualantrag auf Einholung eines weiteren psychiatrischen
Gutachtens Folge geleistet werden sollte. Was die von der Beschwerde-
führerin beschwerdeweise aufgrund ihrer Erfahrungen in den letzten Jah-
ren geltend gemachte Arbeitsfähigkeit von höchstens 20 % betreffe, sei
festzuhalten, dass es sich bei den ausgeübten Tätigkeiten gemäss der Be-
urteilung des Gutachters um Tätigkeiten gehandelt habe, welche ange-
sichts der psychischen Problematik der Beschwerdeführerin für diese äus-
serst ungeeignet gewesen seien. Dieser Sachverhalt werde auch durch die
mit der Beschwerde vorgelegten Aussagen des Ehemannes und der
Schwester bestätigt. Dementsprechend sei die in solchen Tätigkeiten er-
reichte Arbeitsfähigkeit nicht aussagekräftig in Bezug auf die Arbeitsfähig-
keit in Verweisungstätigkeiten (dem Leiden angepasste, einfache und
keine Ansprüche an die Sozialkompetenz stellendenden Arbeiten). Die gut-
achterliche Einschätzung einer Arbeitsfähigkeit von 60 % in wirklich ange-
passten Tätigkeiten werde durch die von der Beschwerdeführerin geschil-
derten Erfahrungen folglich nicht widerlegt.
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G.d Nachdem der Ehemann das Bundesverwaltungsgericht mit Eingabe
vom 30. August 2018 über die stationäre Hospitalisierung der Beschwer-
deführerin orientiert und um eine Fristerstreckung zur Einreichung der Rep-
lik ersucht hatte (B-act. 11), hiess die Instruktionsrichterin das Fristerstre-
ckungsgesuch insofern teilweise gut, als sie die Frist bis zum 19. Oktober
2018 erstreckte. Weiter wies sie die Beschwerdeführerin an, innert gleicher
Frist eine Vollmacht nachzureichen, mit welcher ihr Ehemann bevollmäch-
tigt werde, sie im vorliegenden Verfahren zu vertreten (B-act. 12); die ent-
sprechende Vollmacht vom 17. September 2018 ging am 25. September
2018 beim Bundesverwaltungsgericht ein (B-act. 13)
G.e Nachdem die Instruktionsrichterin mit prozessleitender Verfügung vom
17. Oktober 2018 (B-act. 15) die Frist zur Einreichung einer Replik antrags-
gemäss (B-act. 14) bis zum 10. Dezember 2018 erstreckt hatte, ging am
21. November 2018 die Replik der Beschwerdeführerin vom 17. November
2018 beim Bundesverwaltungsgericht ein (B-act. 16).
Darin führte sie zusammengefasst aus, die psychische Symptomatik habe
sich gegenüber den Jahren 2000/2001 weder qualitativ noch quantitativ
signifikant geändert. Ebendiese Symptomatik und nicht die "(Nummer ei-
ner)" Diagnose verhindere eine normale Teilnahme am Arbeitsleben. Die
Ärzte und Therapeuten hätten ihr immer wieder gesagt, dass eine Diag-
nostik in ihrem Fall sehr schwierig sei, da viele unterschiedliche Problema-
tiken zusammenkämen und somit eine differentialdiagnostische Abgren-
zung schwierig bis unmöglich sei. Sie stimme mit der IVSTA nicht überein,
dass ein derartiges Gutachten wie von Dr. med. J._, primär resul-
tierend aus einer viertelstündigen interviewartigen Befragung bei dominan-
ter Gesprächsführung des Befragers, hunderte Kilometer von ihrem Woh-
nort entfernt, in einer für sie extrem belastenden und angespannten Situa-
tion, eine signifikant höhere Aussagekraft haben müsse als die Aussagen
von Personen, die sie regelmässig, teilweise täglich über Jahre in Alltags-
und Arbeitssituationen erlebten bzw. erlebt hätten. Zum orthopädischen
Gutachten von Dr. med. L._ könne sie leider keine Stellung neh-
men, da ihr dieses nicht vorliege. Sie vertrete jedoch den Standpunkt, dass
eine Invalidität allein aus ihrer psychischen Symptomatik heraus schon hin-
reichend und ausreichend für eine ganze Rente sei. Während ihres statio-
nären Aufenthalts habe auch das von diversen Ärzten bisher oft schon ver-
mutete ADHS definitiv bestätigt werden können. Die Diagnose ADHS zu-
sammen mit der gegebenen Komorbidität erklärten ihrer persönlichen An-
sicht nach ihre psychische Problematik und deren massive Auswirkungen
im Alltag und im Arbeitsleben besser als die zuvor gestellten Diagnosen,
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Seite 9
auch wenn die Diagnostik sicher weiterhin kompliziert oder gar komplex
sei. Sie habe genauso eine Tätigkeit, wie von der Vorinstanz vorgeschla-
gen, als ungelernte Bürohilfe bei ihrem Ehemann ausgeübt. Aufgrund der
psychischen Problematik sei sie jedoch regelmässig gescheitert und habe
sich schnell damit überfordert gefühlt, obwohl diese Aufgabe keine Ansprü-
che an Planung oder Teamfähigkeit an sie gestellt habe und auch unmittel-
bar aus sich wiederholenden Arbeitsabläufen bestanden habe. Eine er-
höhte Arbeitsfähigkeit wäre im Rahmen ihrer Belastbarkeit wohl bestenfalls
nur durch Vermeidung sämtlicher Kontakte mit Menschen möglich. Doch
sogar Dr. med. J._ habe festgestellt, dass für sie bei der Arbeit der
verbale Austausch nicht zu kurz kommen dürfe. Dazu komme dann noch,
dass ihre Ablenkbarkeit bei einfachen Tätigkeiten sehr hoch sei. Ihr Di-
lemma bestehe darin, dass sie einerseits die soziale Interaktion mit Men-
schen benötige, und andererseits, dass sie diese oft überhaupt und gar
nicht (richtig) kognitiv verarbeiten könne. Und genau deswegen sei eine
Arbeitsfähigkeit von mehr als 20 % für sie aktuell einfach nicht realistisch.
G.f In ihrer Duplik vom 28. Dezember 2018 beantragte die Vorinstanz wei-
terhin die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf den
Bericht des RAD-Arztes Dr. med. I._ vom 18. Dezember 2018 (B-
act. 18).
G.g Mit prozessleitender Verfügung vom 17. Januar 2019 schloss die In-
struktionsrichterin unter dem Vorbehalt weiterer Instruktionsmassnahmen
den Schriftenwechsel (B-act. 19 und 20).
G.h Im Rahmen der prozessleitenden Verfügung vom 5. März 2020 wurde
der Beschwerdeführerin die Möglichkeit eingeräumt, bis zum 20. April 2020
zur beabsichtigten Rückweisung an die Vorinstanz zur Durchführung er-
gänzender medizinischer Abklärungen Stellung zu nehmen oder die Be-
schwerde allenfalls zurückzuziehen (B-act. 22). Innert Frist liess sich die
Beschwerdeführerin nicht vernehmen.
G.i Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften und Be-
weismittel der Parteien ist – soweit erforderlich – in den nachfolgenden Er-
wägungen einzugehen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht prüft von Amtes wegen und mit freier Kog-
nition, ob die Prozessvoraussetzungen erfüllt sind und ob auf eine Be-
schwerde einzutreten ist (Art. 7 Abs. 1 VwVG; BVGE 2016/15 E. 1; 2014/4
E. 1.2).
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG; SR 173.32) in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 69 Abs. 1
Bst. b des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversiche-
rung (IVG; SR 831.20) ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
der vorliegenden Beschwerde zuständig.
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem Bundesgesetz vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfah-
ren (VwVG; SR 172.021), soweit das VGG nichts anderes bestimmt
(vgl. Art. 37 VGG). Gemäss Art. 3 Bst. dbis VwVG bleiben in sozialversiche-
rungsrechtlichen Verfahren die besonderen Bestimmungen des Bundesge-
setzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche-
rungsrechts (ATSG; SR 830.1) vorbehalten. Gemäss Art. 2 ATSG sind die
Bestimmungen dieses Gesetzes auf die bundesgesetzlich geregelten So-
zialversicherungen anwendbar, wenn und soweit die einzelnen Sozialver-
sicherungsgesetze es vorsehen. Nach Art. 1 IVG sind die Bestimmungen
des ATSG auf die IV anwendbar (Art. 1a - 26bis und 28 - 70 IVG), soweit
das IVG nicht ausdrücklich eine Abweichung vom ATSG vorsieht. Nach den
allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln finden diejenigen Verfah-
rensregeln Anwendung, welche im Zeitpunkt der Beschwerdebeurteilung
in Kraft stehen (BGE 130 V 1 E. 3.2).
1.3 Als direkte Adressatin ist die Beschwerdeführerin von der angefochte-
nen Verfügung vom 13. Juni 2018 (B-act. 152) berührt und kann sich auf
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung berufen
(Art. 59 ATSG; Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde (Art. 60 ATSG; Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 in Ver-
bindung mit Art. 63 Abs. 4 VwVG) ist, nachdem auch der Kostenvorschuss
rechtzeitig geleistet wurde (B-act. 4), einzutreten.
1.4 Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstandes des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1) bildet die
Verfügung vom 13. Juni 2018, mit welcher die Vorinstanz in Anwendung
von Art. 88bis Abs. 2 Bst. a der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die
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Seite 11
Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201) die ganze IV-Rente der Be-
schwerdeführerin auf eine Viertelsrente herabgesetzt hat. Strittig und zu
prüfen ist die Rechtmässigkeit dieser Verfügung und in diesem Zusammen-
hang insbesondere, ob die Vorinstanz den Sachverhalt in medizinischer
Hinsicht rechtsgenüglich abgeklärt und gewürdigt hat.
1.5 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG).
1.6 Das sozialversicherungsrechtliche Verfahren ist vom Untersuchungs-
grundsatz beherrscht (Art. 43 ATSG). Danach hat die Verwaltung und im
Beschwerdeverfahren das Gericht von Amtes wegen für die richtige und
vollständige Abklärung des erheblichen Sachverhalts zu sorgen. Dieser
Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet zum einen sein
Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (Art. 28 ff. ATSG; BGE
125 V 195 E. 2, BGE 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen). Im Sozialversi-
cherungsprozess hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwie-
genden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines be-
stimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Ge-
richt hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen
möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE
126 V 360 E. 5b, 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
2.
Im Folgenden sind die weiteren, im vorliegenden Verfahren im Wesentli-
chen anwendbaren Normen und Rechtsgrundsätze darzustellen.
2.1 Die Beschwerdeführerin ist schweizerische Staatsbürgerin. Aufgrund
ihres Wohnsitzes in Deutschland besteht in räumlicher Hinsicht ein inter-
nationaler Sachverhalt mit Bezug zur EU, weshalb das am 1. Juni 2002 in
Kraft getretene Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizeri-
schen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft
und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (FZA; SR
0.142.112.681) und die Regelwerke der Gemeinschaft zur Koordinierung
der Systeme der sozialen Sicherheit gemäss Anhang II des FZA, insbeson-
dere die für die Schweiz am 1. April 2012 in Kraft getretenen Verordnungen
(EG) Nr. 883/2004 (SR 0.831.109.268.1) und Nr. 987/2009 (SR
0.831.109.268.11), zu beachten sind. Seit dem 1. Januar 2015 sind auch
http://links.weblaw.ch/BGE-126-V-353 http://links.weblaw.ch/BGE-125-V-193
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die durch die Verordnungen (EU) Nr. 1244/2010, Nr. 465/2012 und Nr.
1224/2012 erfolgten Änderungen in den Beziehungen zwischen der
Schweiz und den EU-Mitgliedstaaten anwendbar. Das Vorliegen einer an-
spruchserheblichen Invalidität beurteilt sich indes auch im Anwendungsbe-
reich des FZA und der Koordinierungsvorschriften nach schweizerischem
Recht (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4; Urteil des BGer 9C_573/2012 vom
16. Januar 2013 E. 4).
2.2 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
geblich, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechts-
folgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 132 V 215 E. 3.1.1).
Im vorliegenden Verfahren finden demnach jene Vorschriften Anwendung,
die spätestens beim Erlass der Verfügung vom 13. Juni 2018 (act. 152) in
Kraft standen (so auch die Normen der am 1. Januar 2012 in Kraft getre-
tenen Fassung des IVG vom 18. März 2011 [6. IV-Revision]); weiter aber
auch solche, die zu jenem Zeitpunkt bereits ausser Kraft getreten waren,
die aber für die Beurteilung allenfalls früher entstandener Leistungsansprü-
che von Belang sind.
2.3 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchti-
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte,
volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich
zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tä-
tigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6
ATSG).
2.4 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7
ATSG). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG so-
C-4103/2018
Seite 13
wie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Be-
fundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann
anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchti-
gung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 141 V
281 E. 2.1). Mit der Diagnose eines Gesundheitsschadens ist noch nicht
gesagt, dass dieser Schaden auch invalidisierenden Charakter hat. Ob
dies zutrifft, beurteilt sich gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut nach dem
Einfluss, den der Gesundheitsschaden auf die Arbeits- und Erwerbsfähig-
keit hat. Entscheidend ist, ob der versicherten Person wegen des geklag-
ten Leidens nicht mehr zumutbar ist, ganz oder teilweise zu arbeiten. Des-
halb gilt eine objektivierte Zumutbarkeitsprüfung unter ausschliesslicher
Berücksichtigung von Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung (BGE
142 V 106 E. 4.4). Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsscha-
dens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten
Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei
Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu ver-
werten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitge-
hend objektiv bestimmt (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 352 E. 2.2.1; SVR
2014 IV Nr. 2 S. 5 E. 3.1). Entscheidend ist, ob und inwiefern es der versi-
cherten Person trotz ihres Leidens sozialpraktisch zumutbar ist, die Rest-
arbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offenstehenden ausge-
glichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, und ob dies für die Gesellschaft trag-
bar ist. Dies ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu prüfen
(BGE 136 V 279 E. 3.2.1; SVR 2016 IV Nr. 2 S. 5 E. 4.2).
2.5 Es ist dem klaren Willen des Gesetzgebers gemäss Art. 7 Abs. 2 ATSG
Rechnung zu tragen, wonach im Zuge einer objektivierten Betrachtungs-
weise von der grundsätzlichen „Validität“ der versicherten Person auszu-
gehen ist (BGE 141 V 281 E. 3.7.2). Die Sachverständigen sollen die
Diagnose so begründen, dass die Rechtsanwender nachvollziehen kön-
nen, ob die klassifikatorischen Vorgaben tatsächlich eingehalten sind (BGE
143 V 124 E. 2.2.2, 141 V 281 E. 2.1.1). Gemäss höchstrichterlicher Recht-
sprechung erfolgt die Prüfung, ob ein psychischer Gesundheitsschaden
eine rentenbegründende Invalidität zu bewirken vermag, schliesslich an-
hand eines strukturierten normativen Prüfungsrasters (BGE 143 V 418
E. 7, 141 V 281 E. 4.1). Dies gilt für sämtliche psychischen Störungen
(BGE 143 V 418 E. 7.2). Eine invalidenversicherungsrechtlich erhebliche
Gesundheitsbeeinträchtigung liegt nur vor, wenn die Diagnose im Rahmen
einer Prüfung auf der ersten Ebene auch unter dem Gesichtspunkt der Aus-
schlussgründe nach BGE 131 V 49 standhält. Danach liegt regelmässig
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C-4103/2018
Seite 14
keine versicherte Gesundheitsschädigung vor, soweit die Leistungsein-
schränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht. Hin-
weise auf solche und andere Äusserungen eines sekundären Krankheits-
gewinns ergeben sich namentlich, wenn eine erhebliche Diskrepanz zwi-
schen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder
der Anamnese besteht, intensive Schmerzen angegeben werden, deren
Charakterisierung jedoch vage bleibt, keine medizinische Behandlung und
Therapie in Anspruch genommen wird, demonstrativ vorgetragene Klagen
auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken oder schwere Einschrän-
kungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch
weitgehend intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutli-
chendes Verhalten hin. Besteht im Einzelfall Klarheit darüber, dass nach
plausibler ärztlicher Beurteilung die Anhaltspunkte auf eine Aggravation
eindeutig überwiegen und die Grenzen eines bloss verdeutlichenden Ver-
haltens klar überschritten sind, ohne dass das aggravatorische Verhalten
auf eine verselbständigte, krankheitswertige psychische Störung (vgl. BGE
127 V 294 E. 5a) zurückzuführen wäre, fällt eine versicherte Gesundheits-
schädigung ausser Betracht und ein Rentenanspruch ist ausgeschlossen,
selbst wenn die klassifikatorischen Merkmale einer psychischen Störung
gegeben sein sollten (vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG erster Satz). Soweit die be-
treffenden Anzeichen neben einer ausgewiesenen verselbständigten Ge-
sundheitsschädigung (BGE 127 V 294 E. 5a) auftreten, sind deren Auswir-
kungen derweil im Umfang der Aggravation zu bereinigen (BGE 141 V 281
E. 2.1.1 und E. 2.2). Liegt auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschluss-
gründe eine versicherte Gesundheitsschädigung vor, erfolgt schliesslich
auf der zweiten Ebene anhand eines normativen Prüfungsrasters mit ei-
nem Katalog von Indikatoren eine ergebnisoffene symmetrische Beurtei-
lung des – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belas-
tungsfaktoren einerseits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) an-
derseits – tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens (BGE 141 V 281
E. 3.6). Es gilt im Regelfall nach gemeinsamen Eigenschaften systemati-
sierte Standardindikatoren zu beachten (E. 4.1.3), welche sich in die Kate-
gorien „funktioneller Schweregrad“ (E. 4.3) und „Konsistenz“ einteilen las-
sen (E. 4.4). Der Prüfungsraster ist rechtlicher Natur (E. 5). Die Anerken-
nung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn
die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit-
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren
schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahr-
scheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Be-
weislosigkeit die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen
(E. 6).
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C-4103/2018
Seite 15
2.6 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliede-
rungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können
(Bst. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durch-
schnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind
(Bst. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8
ATSG) sind (Bst. c). Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % be-
steht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei mindestens 50 % auf eine halbe
Rente, bei mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei mindestens
70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Beträgt der Invaliditätsgrad
weniger als 50 %, so werden die entsprechenden Renten nur an Versi-
cherte ausbezahlt, die ihren Wohnsitz und ihren gewöhnlichen Aufenthalt
(Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben (Art. 29 Abs. 4 IVG). Diese Einschrän-
kung gilt jedoch nicht für die Staatsangehörigen eines Mitgliedstaates der
EU und der Schweiz, sofern sie in einem Mitgliedstaat der EU Wohnsitz
haben (Art. 7 VO [EG] 883/2004; vgl. BGE 130 V 253 E. 2.3 und E. 3.1).
Dies trifft vorliegend auf die Beschwerdeführerin zu.
2.7 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Ren-
tenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Ge-
such hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgeho-
ben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Das Institut der Revision von Invalidenrenten
gilt für alle Sozialversicherungen, welche Invalidenrenten ausrichten, und
wurde vom Gesetzgeber in Weiterführung der entsprechenden bisherigen
Regelungen übernommen. Da somit keine davon abweichende Ordnung
beabsichtigt war, ist auch die dazu entwickelte Rechtsprechung grundsätz-
lich anwendbar (BGE 130 V 343 E. 3.5.2 und E. 3.5.4). Anlass zur Renten-
revision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnis-
sen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch
zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist deshalb nicht nur bei einer wesent-
lichen Veränderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revi-
dierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen (oder die Auswirkungen
auf die Betätigung im üblichen Aufgabenbereich) des an sich gleich geblie-
benen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben. Dazu gehört die
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer Angewöhnung oder An-
passung an die Behinderung. Ein Revisionsgrund ist ferner unter Umstän-
den auch dann gegeben, wenn eine andere Art der Bemessung der Invali-
dität zur Anwendung gelangt oder eine Wandlung des Aufgabenbereichs
eingetreten ist (BGE 141 V 9 E. 2.3, 130 V 343 E. 3.5). Eine weitere Diag-
nosestellung bedeutet nur dann eine revisionsrechtlich relevante Gesund-
heitsverschlechterung oder eine weggefallene Diagnose eine verbesserte
C-4103/2018
Seite 16
gesundheitliche Situation, wenn diese veränderten Umstände den Renten-
anspruch berühren (BGE 141 V 9 E. 5.2). Liegt eine erhebliche Änderung
des Sachverhalts vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächli-
cher Hinsicht allseitig, d.h. unter Berücksichtigung des gesamten für die
Leistungsberechtigung ausschlaggebenden Tatsachenspektrums neu und
ohne Bindung an frühere Invaliditätsschätzungen zu prüfen (BGE 141 V 9
E. 2.3, 117 V 198 E. 4b).
2.8 Bei der Beurteilung der Arbeits(un)fähigkeit stützen sich die Verwaltung
und – im Beschwerdefall – das Gericht auf Unterlagen, die von ärztlichen
und gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen
sind. Ärztliche Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und
dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tä-
tigkeiten die versicherte Person arbeitsfähig ist. Hinsichtlich des Beweis-
wertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Be-
lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die ge-
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammen-
hänge sowie der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss-
folgerungen der Expertinnen und Experten begründet sind (BGE 134 V 231
E. 5.1; 125 V 351 E. 3a). Eine begutachtende medizinische Fachperson
muss über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen (Urteil des
BGer 9C_555/2017 vom 22. November 2017 E. 3.1 mit Hinweisen). Den
von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten
Gutachten von medizinischen Sachverständigen, die den Anforderungen
der Rechtsprechung entsprechen, darf das Gericht vollen Beweiswert zu-
erkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der
Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 2.2.2; 135 V 465 E. 4.4).
Die Stellungnahmen des RAD oder des medizinischen Dienstes der IVSTA,
welche nicht auf eigenen Untersuchungen beruhen, können wie Aktengut-
achten beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im
Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich festste-
henden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Be-
fassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (vgl. Urteile
des BGer 9C_524/2017 vom 21. März 2018 E. 5.1; 9C_28/2015 vom
8. Juni 2015 E. 3.2; 9C_196/2014 vom 18. Juni 2014 E. 5.1.1, je mit Hin-
weisen). Die Aufgabe der versicherungsinternen Fachpersonen besteht
insbesondere darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfe-
stellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche
C-4103/2018
Seite 17
in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den me-
dizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und versicherungsmedizi-
nisch zu würdigen (vgl. SVR 2009 IV Nr. 50 [Urteil 8C_756/2008] E. 4.4 mit
Hinweis; Urteil des BGer 9C_692/2014 vom 22. Januar 2015 E. 3.3). Sie
haben die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht zu würdigen,
wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten
eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die an-
dere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu-
nehmen ist (BGE 142 V 58 E. 5.1). Enthalten die Akten für die streitigen
Belange keine beweistauglichen Unterlagen, kann die Stellungnahme ei-
ner versicherungsinternen Fachperson in der Regel keine abschliessende
Beurteilungsgrundlage bilden, sondern nur zu weitergehenden Abklärun-
gen Anlass geben (vgl. Urteil des BGer 9C_58/2011 vom 25. März 2011
E. 3.3).
Sofern RAD-Untersuchungsberichte den Anforderungen an ein ärztliches
Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352) genügen, auch hinsichtlich der
erforderlichen ärztlichen Qualifikationen, haben sie einen vergleichbaren
Beweiswert wie ein anderes Gutachten (SVR 2009 IV Nr. 53 S. 165
E. 3.3.2). Eine von anderen mit der versicherten Person befassten Ärzten
abweichende Beurteilung vermag die Objektivität des Experten nicht in
Frage zu stellen. Es gehört vielmehr zu den Pflichten eines Gutachters,
sich kritisch mit dem Aktenmaterial auseinanderzusetzen und eine eigen-
ständige Beurteilung abzugeben. Auf welche Einschätzung letztlich abge-
stellt werden kann, ist eine im Verwaltungs- und allenfalls Gerichtsverfah-
ren zu klärende Frage der Beweiswürdigung (BGE 132 V 93 E. 7.2.2).
2.9 Die Feststellung einer revisionsbegründenden Veränderung erfolgt
durch eine Gegenüberstellung eines vergangenen und des aktuellen Zu-
standes. Gegenstand des Beweises ist somit das Vorhandensein einer ent-
scheidungserheblichen Differenz in den – den medizinischen Unterlagen
zu entnehmenden – Tatsachen. Der Beweiswert eines zwecks Rentenrevi-
sion erstellten Gutachtens hängt folglich wesentlich davon ab, ob es sich
ausreichend auf das Beweisthema – erhebliche Änderung(en) des Sach-
verhalts – bezieht. Einer für sich allein betrachtet vollständigen, nachvoll-
ziehbaren und schlüssigen medizinischen Beurteilung, die im Hinblick auf
eine erstmalige Beurteilung der Rentenberechtigung beweisend wäre,
mangelt es daher in der Regel am rechtlich erforderlichen Beweiswert,
wenn sich die (von einer früheren abweichende) ärztliche Einschätzung
nicht hinreichend darüber ausspricht, inwiefern eine effektive Veränderung
C-4103/2018
Seite 18
des Gesundheitszustandes stattgefunden hat. Vorbehalten bleiben Sach-
lagen, in denen es evident ist, dass die gesundheitlichen Verhältnisse sich
verändert haben (SVR 2013 IV Nr. 44 S. 135 E. 6.1.2). Wegen des verglei-
chenden Charakters des revisionsrechtlichen Beweisthemas und des Er-
fordernisses, erhebliche faktische Veränderungen von bloss abweichen-
den Bewertungen abzugrenzen, muss deutlich werden, dass die Fakten,
mit denen die Veränderung begründet wird, neu sind oder dass sich vorbe-
standene Tatsachen in ihrer Beschaffenheit oder ihrem Ausmass substan-
tiell verändert haben. Eine verlässliche Abgrenzung der tatsächlich einge-
tretenen von der nur angenommenen Veränderung ist als erforderliche Be-
weisgrundlage nicht erreicht, wenn bloss nominelle Differenzen diagnosti-
scher Art bestehen. Die Feststellung über eine seit der früheren Beurtei-
lung eingetretene tatsächliche Änderung ist hingegen genügend untermau-
ert, wenn die ärztlichen Sachverständigen aufzeigen, welche konkreten
Gesichtspunkte in der Krankheitsentwicklung und im Verlauf der Arbeitsun-
fähigkeit zu ihrer neuen diagnostischen Beurteilung und Einschätzung des
Schweregrades der Störungen geführt haben (SVR 2013 IV Nr. 44 S. 136
E. 6.1.3).
3.
Vorab sind in einem ersten Schritt die beiden massgeblichen Vergleichs-
zeitpunkte zu bestimmen:
3.1 Als zeitliche Vergleichsbasis ist einerseits der Sachverhalt im Zeitpunkt
der ursprünglichen Rentenverfügung und anderseits derjenige zur Zeit der
streitigen Revisionsverfügung zu berücksichtigen (BGE 130 V 343 E. 3.5.2,
125 V 368 E. 2; SVR 2010 IV Nr. 53 S. 166 E. 3.1). Wurde die Rente zuvor
bereits revidiert oder bestätigt, so ist als zeitliche Vergleichsbasis die letzte
rechtskräftige Verfügung heranzuziehen, sofern eine materielle Überprü-
fung des Leistungsanspruches tatsächlich stattgefunden hat, d.h. eine
rechtskonforme (medizinische) Sachverhaltsabklärung, eine Beweiswürdi-
gung und gegebenenfalls – sofern Hinweise für eine Änderung in den er-
werblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands bestanden – ein Ein-
kommensvergleich durchgeführt worden sind (BGE 133 V 108 E. 5.4). Die
weitere Ausrichtung einer Invalidenrente nach einer von Amtes wegen
durchgeführten Revision, sofern dabei keine leistungsbeeinflussende Än-
derung der Verhältnisse festgestellt wurde, bedarf gemäss Art. 74ter Bst. f
IVV keiner Verfügung. Die blosse Mitteilung eines solchen Revisionsergeb-
nisses ist, wenn keine Verfügung verlangt wurde (Art. 74quater Abs. 1 IVV;
C-4103/2018
Seite 19
bis 31. Dezember 2011 Art. 74quater IVV), in Bezug auf den Vergleichszeit-
punkt einer rechtskräftigen Verfügung gleichzustellen (SVR 2013 IV Nr. 44
S. 135 E. 3.1.2).
3.2 Im Rahmen der unangefochten in Rechtskraft erwachsenen Verfügung
vom 31. Januar 2002 (act. 24) erhöhte die SVA C._ die mit ur-
sprünglicher Verfügung vom 31. Oktober 2000 mit Wirkung ab 1. Juni 2000
zugesprochene halbe IV-Rente (act. 9) ab 1. Juli 2001 auf eine ganze
Rente. Diese Rente wurde – nach der am 3. Januar 2006 durch das SVZ
E._ erfolgten Bestätigung (act. 44 S. 1 und 2) – letztmals von der
IVSTA mit Mitteilung vom 2. Dezember 2010 bestätigt (act. 65). Die Vo-
rinstanz stützte sich dabei insbesondere auf die Stellungnahme von Dr.
med. H._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vom 18. Novem-
ber 2010 (act. 64). Obwohl Dr. med. H._ nicht über einen Facharzt-
titel in den Disziplinen Psychiatrie und Psychotherapie verfügt, ist zum da-
maligen Zeitpunkt von einer gerade noch rechtskonformen medizinischen
Sachverhaltsabklärung auszugehen. Der Grund liegt insbesondere im Um-
stand, dass Dr. med. H._ zum damaligen Zeitpunkt aktuelle Be-
richte des Psychiaters und Psychotherapeuten Dr. med. G._ vom
20. Juli 2010 (act. 56 und 57) würdigte und es sich somit um eine ärztliche
Beurteilung eines damals an sich feststehenden medizinischen Sachver-
halts, welcher zuvor von einem Facharzt mit den erforderlichen ärztlichen
Qualifikationen festgestellt worden war, gehandelt hatte (vgl. E. 2.8 hier-
vor).
3.3 Nach dem vorstehend Dargelegten ist zusammenfassend festzuhalten,
dass im vorliegenden Fall die massgeblichen zeitlichen Vergleichszeit-
punkte die Mitteilung vom 2. Dezember 2010 (act. 65) sowie die vorliegend
angefochtene Revisionsverfügung vom 13. Juni 2018 (act. 152) bilden.
Nachfolgend ist somit zu prüfen, ob sich der Gesundheitszustand der Be-
schwerdeführerin in der Zeit vom 2. Dezember 2010 bis zum 13. Juni 2018
in rentenrelevanter Weise verändert resp. verbessert hat.
4.
Im Rahmen des Erlasses der Mitteilung vom 2. Dezember 2010 (act. 65)
dienten der Vorinstanz – wie bereits vorstehend erwähnt (vgl. E. 3.2 hier-
vor) – als Entscheidbasis in medizinischer Hinsicht die Stellungnahme von
Dr. med. H._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vom 18. No-
vember 2010 (act. 64) sowie die Berichte des Psychiaters und Psychothe-
rapeuten Dr. med. G._ vom 20. Juli 2010 (act. 56 und 57).
C-4103/2018
Seite 20
4.1 Dr. med. G._ diagnostizierte in seinen Berichten vom 20. Juli
2010 eine rezidivierende depressive Störung sowie einen Verdacht auf
eine bipolare Störung II. Weiter führte er zusammengefasst aus, "aktuell"
bestehe ein leichtes Stimmungshoch bei über lange Zeiträume bestehen-
den depressiven Phasen. Daraus ergebe sich eine verminderte Belastbar-
keit. Die Versicherte gerate in Überforderungssituationen. Es bestehe eine
verminderte berufliche und soziale Anpassungsfähigkeit. Der psychiatri-
sche Befund präsentierte sich dabei am 24. Juni 2010 wie folgt: "Wach, voll
orientiert, Stimmung leicht gehoben, formal geordnet, keine inhaltlichen
Denkstörungen, Antrieb indifferent. Im Verhalten kooperativ, keine Störung
der Auffassung und Konzentration, verminderte Belastbarkeit. Stimmungs-
schwankungen. Keine Ich-Störung, keine Trugwahrnehmung, kein parano-
ides Erleben, nicht suizidal".
4.2 In seiner Stellungnahme vom 18. November 2010 gab Dr. med.
H._ einzelne Passagen der Berichte von Dr. med. G._ wie-
der und hielt dafür, dass der Untersuchungsbefund vom 24. Juni 2010 weit-
gehend normal sei; trotzdem müsse aufgrund der lang dauernden depres-
siven Phasen und unveränderten Diagnosen ein stationärer Zustand ak-
zeptiert werden.
5.
Anlässlich der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 13. Juni 2018
(act. 152) dienten der Vorinstanz in medizinischer Hinsicht als Entscheid-
basis insbesondere zahlreiche Stellungnahmen der Dres. med. I._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und K._, Facharzt für
Physikalische Medizin und Rehabilitation, das psychiatrische Gutachten
von Dr. med. J._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
11. Januar 2016 bzw. der ergänzende Bericht vom 14. Januar 2018 sowie
die fachorthopädische Expertise von Dr. med. L._, Facharzt für Or-
thopädie, vom 23. Oktober 2017. Die relevantesten dieser ärztlichen Do-
kumente sind nachfolgend zusammengefasst wiederzugeben und einer
Würdigung zu unterziehen.
5.1
5.1.1 In seinem Gutachten vom 11. Januar 2016 (act. 99) diagnostizierte
der Psychiater und Psychotherapeut Dr. med. J._ rezidivierende
depressive Episoden unterschiedlichen Ausmasses, zum Zeitpunkt der Un-
tersuchung remittiert (ICD-10: F33.4), und eine kombinierte Persönlich-
keitsstörung mit emotional instabilen und unreifen Zügen (ICD-10: F61).
C-4103/2018
Seite 21
Weiter berichtete Dr. med. J._, für eine bipolare Störung seien die
vorhandenen Berichte wenig überzeugend. Es würden keine klar abgrenz-
baren Phasen erhöhten Antriebs, gesteigerter Aktivität, gehobener Stim-
mung, überdrehten Denkens, vermehrter Gleichgültigkeit beschrieben.
Auch im Gespräch mit der Versicherten liessen sich weder manische resp.
submanische Phasen herausschälen. Die ADHS-Abklärung in mehreren
Sitzungen im Frühjahr 2015 hätten zwar gewisse geringfügige kognitive
Einschränkungen ergäben, die für ein ADHS sprächen. Da dieses auch be-
dingt sein könnte durch die gleichzeitig vorliegende leichte depressive
Symptomatik, sei die Diagnose eines ADHS nicht vergeben und dement-
sprechend auch keine Behandlung initiiert worden. Der einzige Hinweis auf
eine psychotische Symptomatik sei ein nicht näher beschriebener "fast ka-
tatoner" Zustand in der Adoleszenz. Möglicherweise habe es sich dabei um
eine psychotiforme Adoleszentenkrise gehandelt. Die Hinweise genügten
weder für die Diagnose einer bipolaren noch einer schizoaffektiven Stö-
rung. Wahrscheinlicher sei, dass die diagnostizierten submanischen Symp-
tome Ausdruck der ausgeprägten emotionalen Labilität bei einer Persön-
lichkeit mit emotional instabilen und unreifen Zügen seien. Gar keine Hin-
weise finde er für die vom Universitätsklinikum in Münster festgehaltenen
"schizotypen Merkmale". Im aktuellen psychiatrischen Befund sei keine
Depression auszumachen. Im Vordergrund stünden Merkmale seitens der
Persönlichkeit aus der Domäne negativer Affektivität, die zusammen mit
dem eingeschränkten Funktionsniveau im praktischen Leben, dem vul-
nerablen Selbstwert, den hohen persönlichen Ansprüchen und Erwartun-
gen, der hohen Selbstbezogenheit und der impulsiven, oft konflikthaften
zwischenmenschlichen Beziehungen das Vorliegen einer Persönlichkeits-
störung mit emotional instabilen und unreifen Zügen wahrscheinlich mach-
ten. Deren Ausprägung wäre als mittelgradig einzustufen. ADHS und emo-
tional instabile Persönlichkeit würden als Störung oft gemeinsam auftreten.
Eine turbulente, dramatische Adoleszenz mit dem Aspekt einer Affektpsy-
chose habe bei der Versicherten im Jahr 2000 aufgrund einer psychischen
Krankheit zur Berentung geführt. Noch 2001 sei sie anlässlich einer Abklä-
rung im beruflichen Trainingszentrum als zu schwer gestört erachtet wor-
den, als dass eine berufliche Massnahme möglich gewesen wäre. Aus der
Rückschau mache es den Anschein, als ob in den Jahren danach die
Symptomatik abgeflaut wäre. Es sei nebst häufigen – wahrscheinlich per-
sönlichkeitsbedingten – Stimmungsschwankungen vereinzelt zu depressi-
ven Episoden gekommen. Die zu Beginn bestehende Dramatik sei nicht
mehr aufgetreten. Wenn man die Intensität der Beanspruchung psychiat-
risch/psychotherapeutischer Behandlungen als Richtschnur nehmen dürfe,
scheine der Leidensdruck abgenommen zu haben. Trotzdem sei weiterhin
C-4103/2018
Seite 22
eine verminderte Belastbarkeit und konsekutive Invalidität angenommen
worden. Bezüglich ihrer mentalen Funktionen sei die Versicherte einge-
schränkt. Im Vordergrund der funktionellen Einschränkungen stünden die
Funktionen von Temperament und Persönlichkeit. Weiter sei die Funktion
der Aufmerksamkeit "grenzwertig". In Aktivität und Partizipation seien
ebenfalls diverse Funktionsbereiche eingeschränkt. Die erwähnten menta-
len Defizite und Einschränkungen in Aktivität und Partizipation genügten
aber nicht, um eine Invalidität zu postulieren. Grundsätzlich sei eine theo-
retische Restarbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit vorhanden. Die
Frage sei nur, für welche Tätigkeit. Eine angepasste Tätigkeit wäre auf-
grund geringer beruflicher Ressourcen notwendigerweise eine Hilfsarbeit,
welche die aufgelisteten Kriterien erfüllen müsste. Im angestammten Be-
reich als medizinische Praxisassistentin sei eine Arbeitstätigkeit nicht denk-
bar. In den jeweils nur sporadisch und stundenweise ausgeübten Hilfstä-
tigkeiten in Kinder- und Altenbetreuung sowie im Bürobereich habe sich
gezeigt, dass die Versicherte eine berufliche Kontinuität nicht habe errei-
chen können. Diese beruflichen Bereiche seien inkompatibel mit ihrer Per-
sönlichkeit. Es bestehe aktuell eine theoretische Restarbeitsfähigkeit. Er
sehe keine Gründe für eine zeitliche Einschränkung einer allfälligen beruf-
lichen Tätigkeit. Diese könnte in Vollzeit bei vermindertem Leistungsan-
spruch ausgeübt werden. Die funktionelle Leistungsfähigkeit sei durch die
Probleme mentaler Art und die Einschränkungen in Partizipation und Akti-
vität bedingt. Es bestehe mithin eine theoretische Arbeitsfähigkeit in einer
Verweistätigkeit von 60 bis 70 %. Eine solche wäre aufgrund geringer be-
ruflicher Ressourcen notwendigerweise eine Hilfsarbeit. Sie müsste Krite-
rien erfüllen, damit die Versicherte die vorhandene Leistungsfähigkeit auch
nutzen könnte (Tätigkeit, in der Teamfähigkeit nicht gefordert sei; sich wie-
derholende Arbeitsabläufe; Arbeiten, die keine grossen Ansprüche an pla-
nendes Denken verlangten; der mögliche Arbeitsplatz müsste die motori-
schen Unruhe, die Unfähigkeit, während längerer Zeit stillzuhalten, berück-
sichtigen; Aufnahme einer Psychotherapie, wo die notwendigerweise auf-
tretenden zwischenmenschlichen und inneren Konflikte bearbeitet werden
könnten). Es seien Berufsfachpersonen gefordert, eine entsprechende Auf-
gabe, einen möglichen Arbeitsplatz zu finden. Im Haushalt sei die Arbeits-
fähigkeit nicht eingeschränkt. Die attestierte Arbeitsfähigkeit bestehe seit
dem Zeitpunkt der Begutachtung. Die Zeit davor sei retrospektiv schwer
einzuschätzen. Es scheine sich in den letzten zehn Jahren wenig am
Krankheitsverlauf geändert zu haben (übliche Stimmungsschwankungen,
die gewohnten zwischenmenschlichen Konflikte und Aufregungen). Geän-
dert habe er, Dr. med. J._, lediglich die diagnostische Sichtweise
der psychopathologischen Manifestationen, deren Auswirkungen auf die
C-4103/2018
Seite 23
funktionelle Leistungsfähigkeit und den therapeutischen Fokus. Die thera-
peutischen Optionen seien in den letzten zehn Jahren auch keineswegs
ausgeschöpft worden. Eine kontinuierliche Psychotherapie habe nicht
stattgefunden. Stattgefunden hätten lediglich halbherzige, symptomorien-
tierte psychopharmakologische Behandlungen. Von einer Psychotherapie
könnte die Versicherte bezüglich Lebensqualität und beruflicher Leistungs-
fähigkeit profitieren und mithin die Prognose verbessern. Eine Psychothe-
rapie sei deshalb eine zumutbare Auflage.
5.1.2 In seiner Stellungnahme vom 12. Februar 2016 attestierte Dr. med.
I._ der Versicherten in der Tätigkeit als medizinische Praxisassis-
tentin ab dem 1. Juli 2001 keine Arbeitsfähigkeit mehr und in einer leidens-
adaptierten Verweisungstätigkeit ab dem 27. Oktober 2015 (Untersuchung
beim Gutachter Dr. med. J._ eine 40%ige Leistungsunfähigkeit.
Weiter berichtete er zusammengefasst, Dr. med. J._ sei zum Er-
gebnis gelangt, dass bei der Versicherten in diagnostischer Hinsicht eine
Persönlichkeitsstörung vorliege mit in der Vergangenheit häufiger aufge-
tretenen depressiven Episoden unterschiedlicher Schweregrade, aktuell
aber ein remittierter Zustand vorliege. Insgesamt könne der Gutachter
keine derart gravierenden Einschränkungen des Gesundheitszustandes
feststellen, sodass eine Restarbeitsfähigkeit in einer Verweisungstätigkeit
vorhanden sei, die er im Ausmass von 60 % für zumutbar halte. Ausserdem
habe die Versicherte eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung
aufzunehmen (act. 101).
5.1.3 Nach Vorlage von Arztberichten seitens der Beschwerdeführerin war
Dr. med. I._ am 7. Oktober 2016 der Auffassung, dass diese Doku-
mente die von Dr. med. J._ vorgenommene Beurteilung nicht in
Frage zu stellen vermöchten, da sie keine neuen Gesichtspunkte enthiel-
ten. Diese seien zum Teil schon berücksichtigt worden und nach Umfang
und inhaltlicher Qualität nicht geeignet, eine andere als die im Schlussbe-
richt vom 12. Februar 2016 getroffene Einschätzung zu ermöglichen
(act. 114).
5.1.4 Nachdem gemäss vorinstanzlicher interner Notiz vom 4. April 2017
unter anderem darauf hingewiesen worden war, Dr. med. I._ anzu-
fragen, ob das Gutachten von Dr. med. J._ vom 11. Januar 2016
nach den neuen Standardindikatoren ausgewertet werden könne
(act. 122), empfahl Dr. med. I._ am 1. Juni 2017 die Einholung einer
weiteren IV-internen RAD-Stellungnahme (act. 124 S. 5 und 6). Im entspre-
chenden, von Dr. med. K._ am 12. Juni 2017 verfassten Bericht
C-4103/2018
Seite 24
führte dieser zusammengefasst aus, eine somatoforme Schmerzstörung
oder ähnliche Beeinträchtigungen, die anhand der Standardindikatoren
evaluiert werden müssten, seien von Dr. med. J._ in seinem Gut-
achten ausgeschlossen worden. Aus der vorliegenden Dokumentation
könne aus somatischer, physikalisch-rehabilitativer und orthopädischer
Sicht nicht auf eine andauernde Arbeitsunfähigkeit geschlossen werden.
Insbesondere die zuletzt ausgeführte leichte Bürotätigkeit scheine zumut-
bar. Zur Untermauerung der These wäre ein ausführlicher orthopädischer
Arztbericht mit Beschreibung der Funktionsdefizite und mit Aussagen zur
Arbeits(un)fähigkeit in angestammter/angepasster Tätigkeit hilfreich (act.
124 S. 3 und 4). Dieser Auffassung schloss sich auch Dr. med. I._
am 22. Juni 2017 an (act. 124 S. 1 und 2).
5.1.5 Dr. med. L._, Facharzt für Orthopädie, diagnostizierte in sei-
nem Gutachten vom 23. Oktober 2017 ein chronisch rezidivierendes LWS-
Syndrom (ohne Nervenwurzelreizsymptomatik bei leichter Fehlstatik der
Wirbelsäule ohne wesentliche Bewegungseinschränkungen und röntgeno-
logisch nachweisbaren geringen degenerativen Veränderungen), ein chro-
nisch rezidivierendes HWS-Syndrom (ohne Nervenwurzelreizsymptoma-
tik, ohne wesentliche Bewegungseinschränkungen der HWS bei kernspin-
tomographisch nachgewiesenen flachen Protrusionen HWK 3 und HWK
5/6 sowie relativer spinaler Enge bei HWK 5/6) sowie eine Chondropathia
patellae am linken Knie (ohne intraarticuläre Reizsymptomatik und ohne
Bewegungseinschränkung). Aufgrund der vorliegenden Befunde sei die
Versicherte aus orthopädischer Sicht noch in der Lage, leichte bis mittel-
schwere körperliche Tätigkeiten zu verrichten (Wechsel zwischen Gehen,
Stehen und Sitzen, keine Arbeiten mit Zwangshaltungen, keine Überkopf-
arbeiten, ohne häufiges Bücken, keine mit häufigem Knien oder in die Ho-
cke gehenden verbundenen Arbeiten, Tragen und Bewegen von Lasten bis
10 kg, gelegentlich bis 15 kg möglich, keine Arbeit bei Nässe, Zugluft oder
extrem schwankenden Temperaturen). Weiter führte er zusammengefasst
aus, die Versicherte könne ihre zuletzt ausgeübte Tätigkeit in der Altenbe-
treuung oder auch in ihrem Ausbildungsberuf als Arzthelferin in einem Zeit-
rahmen von 6 und mehr Stunden verrichten. Auch Tätigkeiten auf dem all-
gemeinen Arbeitsmarkt könnten unter Berücksichtigung des positiven und
negativen Leistungsbildes in einem Zeitrahmen von 6 und mehr Stunden
ausgeführt werden. Leistungen zur medizinischen Rehabilitation sowie zur
Teilhabe am Arbeitsleben würden im orthopädischen Fachgebiet keine we-
sentliche Verbesserung des Leistungsvermögens ergeben (act. 134).
C-4103/2018
Seite 25
5.1.6 Mit Datum vom 27. November 2017 hielt Dr. med. K._ dafür,
aus dem Gutachten von Dr. med. L._ gehe klar hervor, dass aus
somatischer/orthopädischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähig-
keit vorliege. Somit bleibe es bei der Beurteilung durch Dr. med. I._
vom 12. Februar 2016. Dem Vorschlag von diesem, Dr. med. J._
Gelegenheit zur Stellungnahme zu den Einwendungen der Versicherten zu
geben, könne nun gefolgt werden (act. 143).
5.1.7 Im Rahmen seiner Gutachtensergänzung vom 14. Januar 2018 be-
merkte Dr. med. J._ zusammenfassend, er sehe keine Aspekte,
seine Einschätzung der funktionellen Leistungsfähigkeit und die Angaben
zu einer möglichen Tätigkeit zu revidieren. Naturgemäss habe die Versi-
cherte Angst, ihre gewohnte Lebenssituation zu verändern, und Angst, zu
versagen. Aus diesem Grund wäre es eben wichtig, dass sie in einer kon-
tinuierlichen psychiatrischen Betreuung stünde. Die medizinischen Akten
gäben auch keine weiteren konkreten Einsichten. Insgesamt sehe er auch
aufgrund der neueren medizinischen Akten keinen Anlass, seine Beurtei-
lung von Januar 2016 zu überarbeiten. Die von der Versicherten selbst at-
testierte Besserung des Zustands sehe er auch so, allerdings in einem hö-
heren Ausmass (act. 147).
5.1.8 In seinem Schlussbericht vom 4. Juni 2018 führte Dr. med. I._
im Wesentlichen aus, Dr. med. J._ habe sich in der Stellungnahme
vom 14. Januar 2018 ausführlich mit den von der Versicherten vorgebrach-
ten Einwänden auseinandergesetzt. Dieser könne keine Gesichtspunkte
und Hinweise erkennen, die eine andere als die von ihm im Gutachten vom
11. Januar 2016 getroffene Feststellung zuliessen. Die somatisch-orthopä-
dische Untersuchung habe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit erge-
ben. Es bleibe daher bezüglich Arbeitsfähigkeit/Arbeitsunfähigkeit bei der
in den Berichten vom 12. Februar und 7. Oktober 2016 getroffenen Fest-
stellung (act. 149).
5.2 Zwar ist das psychiatrische Gutachten von Dr. med. J._ vom
11. Januar 2016 umfassend. Es beruht weiter auf allseitigen Untersuchun-
gen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden und wurde in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben. Dennoch bildet es für den vorliegenden
Fall aufgrund der nachfolgenden Erwägungen (vgl. E. 5.2.1 ff.) keine voll-
ständige, rechtsgenügliche Entscheidgrundlage. Dies gilt mangels Erfül-
lens der allgemeinen beweisrechtlichen Anforderungen an einen ärztlichen
Bericht auch für die im Sinne von Art. 59 Abs. 2bis IVG verfassten Stellung-
nahmen der RAD-Ärzte Dr. med. I._ und K._.
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Seite 26
5.2.1 Zwar kommt es für den Aussagegehalt eines medizinischen Gutach-
tens grundsätzlich nicht auf die – von der Beschwerdeführerin monierte –
Dauer der Untersuchung an; massgebend ist in erster Linie, ob die Exper-
tise inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (SVR 2017 IV Nr. 75
S. 232 E. 4.3, 2016 IV Nr. 35 S. 110 E. 3.2.2). Auch steht der Umstand,
dass die Beschwerdeführerin weder von Dr. med. I._ noch von Dr.
med. K._ selber untersucht worden war, der Beweiskraft der Stel-
lungnahmen dieser Ärzte grundsätzlich nicht entgegen. In Ermangelung ei-
ner fachärztlichen Beurteilung eines – aufgrund eines beweiskräftigen me-
dizinischen Dokuments – an sich feststehenden medizinischen Sachver-
halts kann darauf jedoch nicht abgestellt werden (vgl. E. 2.8 hiervor und E.
5.2.2 hiernach).
5.2.2 Die Expertise von Dr. med. J._ wurde am 11. Januar 2016 und
mithin zwei Jahre und etwas mehr als fünf Monate vor dem massgebenden
Zeitpunkt der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 13. Juni 2018
(BGE 129 V 169 E. 1 mit Hinweisen) erstellt. Mit Blick auf die vom 14. Ja-
nuar 2018 datierende Gutachtensergänzung vermöchte die Expertise in
zeitlicher Hinsicht zwar eine rechtsgenügliche Beurteilungsgrundlage zu
bilden. Da sie jedoch gewisse Unklarheiten aufweist, kann darauf in An-
wendung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. E. 2.8 hiervor)
nicht abgestellt werden. Der Hauptgrund dafür ist folgender: Einerseits be-
richtete Dr. med. J._, die von der Versicherten selbst attestierte
Besserung des Zustands sehe er auch so, und es mache den Anschein,
dass in den Jahren nach 2001 die Symptomatik abgeflaut wäre und die zu
Beginn bestehende Dramatik nicht mehr aufgetreten sei resp. der Leidens-
druck abgenommen zu haben scheine. Andererseits führte Dr. med.
J._ explizit aus, es scheine sich in den letzten zehn Jahren wenig
am Krankheitsverlauf geändert zu haben; aus seiner Sicht habe lediglich
die diagnostische Sichtweise der psychopathologischen Manifestationen
und deren Auswirkungen auf die funktionelle Leistungsfähigkeit eine Ände-
rung erfahren. Da aus diesen teilweise hypothetischen Ausführungen nicht
klar hervorgeht, ob bei der Beschwerdeführerin tatsächlich eine effektive
Veränderung des Gesundheitszustandes stattgefunden hatte (vgl. E. 2.9
hiervor), oder ob es sich bei der Beurteilung von Dr. med. J._ ledig-
lich um eine unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich ge-
bliebenen Sachverhalts handelt, was im revisionsrechtlichen Kontext un-
beachtlich zu bleiben hat (SVR 2011 IV Nr. 1 S. 1, 8C_972/2009 E. 3.2;
Urteil 8C_133/2013 vom 29. Mai 2013 E. 4.1), vermag die Expertise von
Dr. med. J._ in medizinischer Hinsicht keine rechtsgenügliche Ent-
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F129-V-167%3Ade&number_of_ranks=0#page169
C-4103/2018
Seite 27
scheidbasis zu bilden. Ergänzend ist in diesem Zusammenhang darauf hin-
zuweisen, dass eine weggefallene Diagnose – gemäss Dr. med. J._
den von Dr. G._ am 20. Juli 2010 geäusserten Verdacht auf eine
bipolare Störung II – nicht per se einen Revisionsgrund darstellt, da damit
das quantitative Element der (erheblichen) Gesundheitsverbesserung nicht
zwingend ausgewiesen ist. Eine weggefallene Diagnose bedeutet nur dann
eine verbesserte gesundheitliche Situation, wenn diese veränderten Um-
stände den Rentenanspruch berühren (vgl. BGE 141 V 9 E. 5.2 mit Hin-
weisen). Diese Frage lässt sich jedoch – wie bereits oben erläutert – noch
nicht rechtsgenüglich beantworten.
5.2.3 Weiter war Dr. med. J._ der Ansicht, dass ein ADHS und eine
emotional instabile Persönlichkeit als Störung oft gemeinsam auftreten
würden, die Diagnose eines ADHS nicht vergeben und entsprechend keine
Behandlung initiiert worden seien. Diesbezüglich ist mit Blick auf den Ent-
lassungsbericht der Klinik N._ vom 26. September 2018 (B-act. 16
Anlage A) – welcher im vorliegenden Beschwerdeverfahren ebenfalls zu
berücksichtigen ist (zu den Voraussetzungen der Ausdehnung des Anfech-
tungs- resp. Streitgegenstands vgl. BGE 130 V 501 E. 1.2, 122 V 3 E. 2a;
BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweisen) – festzuhalten, dass sich die Be-
schwerdeführerin im Verlauf der vom 15. August bis 25. September 2018
durchgeführten stationären Behandlung mit einer erheblich ausgeprägten
Depressionssymptomatik mit rezidivierendem Störungsverlauf präsentiert
hat, wobei ein hierfür relevanter Vulnerabilitätsfaktor im sehr ausgeprägten
ADHS mit nunmehr Persistenz ins Erwachsenenalter, welches nie stö-
rungsspezifisch psychotherapeutisch und medikamentös behandelt wor-
den sei, liege. Zwar sind ausländische Ärzte und Arztinnen sowie Kliniken
mit den Grundsätzen der schweizerischen Versicherungsmedizin nicht ver-
traut (vgl. dazu Urteil des BGer 9C_235/2013 vom 10. September 2013
E. 3.2; Urteil des BVGer C-3826/2014 vom 19. November 2015 E. 5.3), und
lassen eine oder mehrere Diagnosen für sich alleine genommen keinen
Schluss auf eine gesundheitlich bedingte Einschränkung in der Arbeitsfä-
higkeit zu (vgl. BGE 132 V 65 E. 3.4 mit Hinweisen). Dem Umstand, dass
die Klinik N._ nun – nach blossem vorangehendem Verdacht – die
Diagnose eines ADHS gestellt hat, ist im Rahmen weiterer medizinischer
Abklärungen auch unter dem Aspekt, dass gemäss Dr. med. J._
das ADHS und eine instabile Persönlichkeit als Störung oft gemeinsam auf-
treten würden, Rechnung zu tragen.
C-4103/2018
Seite 28
5.2.4 Hinzu kommt weiter, dass mit Blick auf die psychisch-psychiatrische
Seite auch auf die aktuelle bundesgerichtliche Rechtsprechung zu verwei-
sen ist. Gemäss dieser erfolgt die Prüfung, ob ein psychischer Gesund-
heitsschaden eine rentenbegründende Invalidität zu bewirken vermag, an-
hand eines strukturierten normativen Prüfungsrasters (BGE 143 V 418 E. 7
und BGE 141 V 281 E. 4.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden
Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen
der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im
Einzelfall anhand von Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei
mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind
(BGE 141 V 281 E. 6), wobei dies – wie von Dr. med. K._ in seiner
Stellungnahme vom 12. Juni 2017 erwähnt – nicht nur für eine somato-
forme Schmerzstörung oder ähnliche Beeinträchtigungen, sondern ge-
mäss der am 30. November 2017 erfolgten, präzisierenden Rechtspre-
chung von BGE 141 V 281 für sämtliche psychische Störungen gilt (BGE
143 V 418 und BGE 143 V 409). Da im vorliegenden Fall bisher keine sol-
che Prüfung stattgefunden hatte und Dr. med. K._ nicht über einen
Facharzttitel in der medizinischen Disziplin Psychiatrie und Psychotherapie
verfügt, kann auch nicht per se im Sinne einer antizipierten Beweiswürdi-
gung (vgl. hierzu BGE 136 I 229 E. 5 und 131 I 153 E. 3; SVR 2007 IV
Nr. 45 S. 149 E. 4; Urteil des BGer I 9/07 vom 9. Februar 2007 E. 4) davon
ausgegangen werden, dass betreffend die bei der Beschwerdeführerin vor-
liegenden psychischen Beschwerden von einer zusätzlichen, medizinisch
nachvollziehbar und schlüssig begründeten Expertise keine verwertbaren
entscheidrelevanten Erkenntnisse zum Grad der Arbeitsunfähigkeit und
dessen Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit zu erwarten
sind (vgl. zum Ganzen Urteil des BGer 8C_189/2008 vom 4. Juli 2008 E. 5
mit Hinweisen). Zwar würde die nach altem Verfahrensstandard eingeholte
psychiatrische Expertise von Dr. med. K._ vom 11. Januar 2016
rechtsprechungsgemäss nicht per se ihren Beweiswert verlieren (vgl.
hierzu BGE 141 V 281 E. 8). Da diese jedoch – wie vorstehend dargelegt
– hinsichtlich der Verbesserung des Gesundheitszustands Unklarheiten
aufweist und sie überdies auch nicht rechtsgenüglich Aufschluss gibt über
das Ausmass und die Dauer der während den vergangenen Jahren vorlie-
genden Arbeits- und Leistungsunfähigkeiten, reicht eine bloss punktuelle
Ergänzung dieser Expertise nicht aus. Vielmehr ist – obwohl retrospektive
Beurteilungen der Arbeitsunfähigkeit schwierig sind und deshalb entspre-
chende Begutachtungen erhöhten Ansprüchen genügen müssen (vgl.
hierzu Urteil des BVGer C-1421/2013 vom 29. September 2014 E. 3.4.2
mit Hinweis) – eine neue umfassende medizinische Begutachtung in die
Wege zu leiten. In diesem Zusammenhang ist mit Blick auf die persönliche
C-4103/2018
Seite 29
Kritik der Beschwerdeführerin an Dr. med. J._ (gereiztes, unbere-
chenbares und dominantes Verhalten, grenzüberschreitende Fragen etc.)
zu erwähnen, dass sich die entsprechenden Ausführungen zwar nicht ve-
rifizieren lassen. Jedoch ist im vorliegenden Entscheid darauf hinzuweisen,
dass die Anforderungen an die medizinische Begutachtung, wie sie in BGE
137 V 210 für polydisziplinäre MEDAS-Begutachtungen umschrieben wor-
den sind, grundsätzlich auch auf mono- und bidisziplinäre Expertisen sinn-
gemäss anwendbar sind. Das gilt sowohl für die justiziablen Garantien
(Partizipationsrechte, Verfügungspflichten und Rechtsschutz) als auch für
die appellativen Teilgehalte von BGE 137 V 210 (BGE 139 V 349 E. 5.4).
5.2.5 Die gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin sind nicht
nur auf psychische, sondern auch auf somatisch-orthopädische Beein-
trächtigungen zurückzuführen. Zwar berichtete der Orthopäde Dr. med.
L._ in seinem Gutachten vom 23. Oktober 2017 trotz der gestellten
Diagnosen, dass die Versicherte sowohl ihre angestammte und zuletzt aus-
geübte Tätigkeit als auch eine Verweisungstätigkeit auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt unter Berücksichtigung des positiven und negativen Leis-
tungsbildes in einem Zeitrahmen von sechs und mehr Stunden ausüben
könnte. Jedoch ist fraglich und nicht rechtsgenüglich erstellt, ob die Be-
schwerdeführerin trotz den von Dr. med. L._ hinsichtlich der noch
möglichen und zumutbaren Arbeiten erwähnten zahlreichen gewichtigen
Einschränkungen (vgl. E. 5.1.5 hiervor) auch ein vollzeitliches Pensum von
täglich über acht Arbeitsstunden bewältigen könnte.
5.3 Zufolge des unter den gegebenen Umständen durchaus möglichen Zu-
sammenwirkens von physischen und psychischen Beeinträchtigungen war
es grundsätzlich nicht gerechtfertigt, die somatischen und psychischen Be-
funde und deren Auswirkungen auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit iso-
liert abzuklären (vgl. hierzu Urteil des BGer 8C_189/2008 vom 4. Juli 2008
E. 5 mit Hinweis auf 8C_321/2007 vom 6. Mai 2008, E. 6.3). Da die medi-
zinische Situation offenkundig ausschliesslich die Fachgebiete Orthopädie
sowie Psychiatrie beschlägt, hat die Vorinstanz deshalb eine bidisziplinäre
Begutachtung in die Wege zu leiten (BGE 139 V 349 E. 3.2). Sollte sich
anlässlich dieser Expertise zeigen, dass der Beizug weiterer Expertinnen
oder Experten notwendig wäre, läge die entsprechende Entscheidung im
Ermessen der die bidisziplinäre Exploration durchführenden Fachpersonen
(vgl. hierzu Entscheid des BGer 8C_277/2014 vom 30. Januar 2015 E. 5.2;
zum Zweck eines interdisziplinären Gutachtens vgl. BGE 137 V 210
E. 1.2.4; SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43, I 514/06 E. 2.1).
C-4103/2018
Seite 30
6.
Nach dem vorstehend Dargelegten ergibt sich zusammenfassend, dass
sich der gesundheitliche Zustand der Beschwerdeführerin und dessen Aus-
wirkungen auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit mit Blick auf die aktuelle
bundesgerichtliche Rechtsprechung (BGE 143 V 418, 143 V 409 und 141
V 281) und aufgrund der vorliegenden Aktenlage nicht schlüssig und zu-
verlässig beurteilen lässt (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/bb; vgl. zum Ganzen
auch E. 2.8 und 2.9 hiervor). Das Gutachten von Dr. med. J._ sowie
weitere aktenkundige medizinische Berichte und Stellungnahmen vermö-
gen keine abschliessenden Beurteilungsgrundlagen zu bilden, sondern ge-
ben betreffend den aktuellen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
sowie allfällige medizinische Veränderungen gegenüber dem Zeitpunkt der
letztmaligen Bestätigung der Rente vom 2. Dezember 2010 (vgl. E. 3.3
hiervor) Anlass zu weitergehenden Abklärungen. Somit wurde im vorlie-
gend zu beurteilenden Beschwerdeverfahren der rechtserhebliche Sach-
verhalt nicht rechtsgenüglich abgeklärt und gewürdigt (Art. 43 ff. ATSG so-
wie Art. 12 VwVG). Eine Rückweisung der Sache in Nachachtung des Un-
tersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) an die Vorinstanz zur wei-
teren Abklärung der Auswirkungen sämtlicher Leiden auf die Arbeits- resp.
Leistungsfähigkeit anlässlich einer umfassenden medizinischen bidiszipli-
nären Begutachtung durch entsprechend ausgebildete Fachärztinnen oder
Fachärzte in den Fachdisziplinen Psychiatrie und Psychotherapie sowie
Orthopädie (oder in weiteren, durch die Experten oder Expertinnen zu be-
stimmenden Disziplinen [vgl. hierzu E. 5.3 hiervor]) in der Schweiz ist unter
den gegebenen Umständen notwendig und aufgrund der aktuellen Bun-
desgerichtsrechtsprechung auch möglich. Der Grund für die Rückweisung
an die Vorinstanz liegt insbesondere auch im Umstand, dass mit Blick auf
Praxisänderungen des Bundesgerichts eine Verlagerung der Expertentä-
tigkeit von der administrativen auf die gerichtliche Ebene sachlich nicht
wünschbar ist (vgl. BGE 137 V 210 E. 4.2). Im Rahmen der notwendigen
medizinischen Begutachtung sind sämtliche bisher verfassten ärztlichen
Berichte zu würdigen. Da Diagnosen unerlässliche Voraussetzung für eine
abschliessende Beurteilung bilden, haben sich die Gutachterinnen und
Gutachter auch mit den aktenkundigen, abweichenden Diagnosestellun-
gen auseinanderzusetzen und sich – nach feststehenden Diagnosen – zur
Arbeits- resp. Leistungsfähigkeit resp. zu den vorhandenen Einschränkun-
gen der Beschwerdeführerin in der angestammten und in einer leidens-
adaptierten Erwerbstätigkeit mit Hilfe der heranzuziehenden, im Fokus ste-
henden Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281 zu äussern.
C-4103/2018
Seite 31
7.
Nach neuer Ermittlung des vollständigen und richtigen medizinischen
Sachverhalts hat die Vorinstanz die Beschwerdeführerin bei andauerndem
Vorhandensein von psychotherapeutischen und/oder psychopharmakolo-
gischen Behandlungsoptionen – wie bereits von Dr. med. J._ pos-
tuliert – an ihre Schadenminderungspflicht (vgl. Art. 21 Abs. 4 ATSG) zu
erinnern, denn eine fortgesetzte Krankheitsbehandlung, die insbesondere
auch die dauernde Einnahme ärztlich verschriebener Medikamente um-
fasst, ist in aller Regel eine jederzeit zumutbare Form allgemeiner Scha-
denminderung (vgl. Urteile des BGer 8C_625/2016 vom 24. Januar 2017
E. 3.4.1, U 510/05 vom 20. März 2007 E. 3.3 und I 824/06 vom 13. März
2007 E. 3.1 mit Hinweisen, in: SVR 2008 IV Nr. 7 S. 19).
8.
Weiter hat die Vorinstanz auch in beruflicher Hinsicht zusätzliche Abklärun-
gen in die Wege zu leiten. Die Gründe hierfür ergeben sich aus der nach-
vollziehbaren Schilderung von Dr. med. J._, wonach die grosse
Frage sei, ob es auf dem freien Arbeitsmarkt eine Verweistätigkeit für die
Versicherte gebe, die kompatibel sei mit ihrer Persönlichkeit. Hier seien
Berufsberaterinnen und -berater sowie Integrationsfachleute gefordert. Zur
Realisierung der Restarbeitsfähigkeit empfehle er deshalb, eine berufliche
Massnahme im Sinne eines Arbeitstrainings einzuleiten. Mit Blick auf diese
Äusserungen kann angenommen werden, dass die Einschätzung der Ar-
beits- und Leistungsfähigkeit von Dr. med. J._ letztlich auch unter
dem Vorbehalt praktischer Erprobung stand. Unter den gegebenen Aspek-
ten ist im jetzigen Zeitpunkt nicht auszuschliessen, dass aus einer zusätz-
lichen Abklärung bei einer Beruflichen Abklärungsstelle (BEFAS) zusätzli-
che Ergebnisse resultieren werden, weshalb die Vorinstanz nach Vorliegen
der neuen medizinischen Abklärungsergebnisse zu prüfen haben wird, ob
eine solche Abklärung in die Wege zu leiten ist. Im Rahmen dieser Abklä-
rungsmassnahme wird zu erläutern sein, welche Aufgaben und Arbeiten (in
welchem Umfang und mit welchem Resultat) der Beschwerdeführerin auf-
getragen wurden und in welchem Verhältnis diese zu der neuen fachärztli-
chen Expertise stehen werden. Ohne eine entsprechende Abklärung und
Berichterstattung aus der Praxis kann der Gesundheitszustand der Versi-
cherten und insbesondere dessen Auswirkungen auf die Arbeits- und Leis-
tungsfähigkeit nicht abschliessend beurteilt werden (vgl. hierzu Urteil des
BGer 9C_662/2016 vom 15. März 2017 E. 6 ff). Nach Vorliegen der ent-
sprechenden Abklärungsergebnisse hat die Vorinstanz auch einen neuen
Einkommensvergleich durchzuführen und zu prüfen, ob und in welchem
Ausmass die Beschwerdeführerin zufolge ihres Gesundheitszustandes auf
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dem ihr nach ihren Fähigkeiten noch offenstehenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt zumutbarerweise noch erwerbstätig sein könnte (vgl. hierzu
etwa Urteil des BGer 9C_921/2009 vom 22. Juni 2010, E. 5.3). Dabei ist
zu berücksichtigen, dass an die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten
und Verdienstaussichten praxisgemäss nicht übermässige Anforderungen
zu stellen sind (vgl. hierzu Urteile des BGer 9C_744/2008 vom 19. Novem-
ber 2008 E. 3.2 und 9C_236/2008 vom 4. August 2008 E. 4.2; Urteil des
EVG I 349/01 vom 3. Dezember 2003 E. 6.1) und die Arbeitsfähigkeit einer
versicherten Person nach der Tätigkeit zu beurteilen ist, die sie – im Rah-
men der Schadenminderungspflicht (vgl. Art. 21 Abs. 4 ATSG) – nach ihren
persönlichen Verhältnissen und gegebenenfalls nach einer gewissen An-
passungszeit bei gutem Willen ausüben könnte (vgl. Urteil des BVGer C-
4315/2009 vom 22. August 2011 E. 5.2 mit Hinweisen).
9.
Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist zusammenfassend festzuhal-
ten, dass die Beschwerde vom 11. Juli 2018 insoweit gutzuheissen ist, als
die angefochtene Verfügung vom 13. Juni 2018 aufzuheben ist und die Ak-
ten im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zur Durchführung von wei-
teren umfassenden medizinischen und beruflichen Abklärungen und an-
schliessendem Erlass einer neuen Verfügung zurückzuweisen sind. Ergän-
zend bleibt darauf hinzuweisen, dass die Rückweisung die Gefahr einer
reformatio in peius beinhaltet, da die von der Vorinstanz mit vorliegend an-
gefochtener Verfügung vom 13. Juni 2018 zugesprochene Viertelsrente al-
lenfalls in Frage gestellt wird (vgl. BGE 137 V 314 E. 3.2.4). Der Beschwer-
deführerin wurde daher vorgängig mit prozessleitender Verfügung vom
5. März 2020 das rechtliche Gehör gewährt (B-act. 22). Die Beschwerde-
führerin liess sich zur beabsichtigten Rückweisung an die Vorinstanz zur
Durchführung ergänzender medizinischer Abklärungen innert gesetzter
Frist nicht vernehmen.
10.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-
schädigung.
10.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis und 2
IVG), wobei die Verfahrenskosten gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG in der Re-
gel der unterliegenden Partei auferlegt werden. Da eine Rückweisung pra-
xisgemäss als Obsiegen der Beschwerde führenden Partei gilt (BGE 132
V 215 E. 6), sind im vorliegenden Fall der Beschwerdeführerin keine Kos-
ten aufzuerlegen. Dieser ist der geleistete Verfahrenskostenvorschuss in
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der Höhe von Fr. 800.- nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Ur-
teils zurückzuerstatten. Der Vorinstanz werden ebenfalls keine Verfahrens-
kosten auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
10.2 Der obsiegenden Partei kann von Amtes wegen oder auf Begehren
eine Entschädigung für die ihr erwachsenen, notwendigen und verhältnis-
mässig hohen Kosten zugesprochen werden. Der nicht anwaltlich vertrete-
nen, obsiegenden Beschwerdeführerin sind keine unverhältnismässig ho-
hen Kosten entstanden, weshalb ihr keine Parteientschädigung zuzuspre-
chen ist (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die unterliegende
Vorinstanz hat ebenfalls keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung
(Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario).