Decision ID: c8d08795-1b82-573c-a60d-689782557ccc
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Juni 2010 wegen psychischen und somatischen
Beeinträchtigungen bei der IV-Stelle des Kantons Thurgau zum Bezug von beruflichen
Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 1). Sie gab an,
bei der C._ eine Anlehre als Verkäuferin absolviert zu haben. Von August 2006 bis
März 2008 habe sie in einem 50%-Pensum als Lagermitarbeiterin bei der D._ AG
gearbeitet. Von April 2008 bis April 2010 habe sie Arbeitslosengelder bezogen.
A.a.
Nach dem Einholen von medizinischen Berichten wurde die Versicherte am
16./17. Juni 2011 und am 14./28. Juli 2011 durch das Z._ bidisziplinär
(rheumatologisch und psychiatrisch) untersucht und es wurde eine Evaluation der
funktionellen Leistungsfähigkeit durchgeführt. Nachdem der Regionale Ärztliche Dienst
(RAD) die Einschätzung im Gutachten vom 22. September 2011 (IV-act. 86) als nicht
nachvollziehbar beurteilt hatte (vgl. die Einträge im Case Report der IV-Stelle vom
10./11. Oktober 2011, IV-act. 103), teilte die IV-Stelle des Kantons Thurgau der
Versicherten am 19. Oktober 2011 mit, dass eine erneute medizinische Abklärung
notwendig sei (IV-act. 88). Am 20./23. Februar 2012 wurde die Versicherte durch die
Medas Ostschweiz bidisziplinär (rheumatologisch und psychiatrisch) untersucht. Im
Gutachten vom 14. Juni 2012 gaben die Sachverständigen folgende Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an (IV-act. 96-17 f.): Chronifiziertes panvertebrales
Schmerzsyndrom mit Schmerzausweitungstendenz im Sinne eines generalisierten,
diffusen Schmerzsyndroms, lumbale Hyperlordose, akzentuierte BWS-Kyphose, 18/18
druckdolente fibromyalgiespezifische Tender points, muskuläre Dekonditionierung,
initiale Spondylose L4 und L5 sowie Th1/2, patellofemorales Schmerzsyndrom Knie
A.b.
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links nach anamnestisch Kniekontusion links 1998 und 07/2011. Als Diagnosen ohne
wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nannten sie: Somatisierungsstörung,
St. n. rezidivierender depressiver Störung, leichte Episode, aktenkundig 22. September
2011 (ICD-10 F33.01), DD Dysthymia (ICD-10 F34.1), St. n. Tod des Ehemannes durch
Suizid 2007 (ICD-10 Z63.4), längere Arbeitslosigkeit (ICD-10 Z73.3), Adipositas Grad II,
normozytäre, hypochrome Anämie, DD Eisenmangel, Vitamin D-Insuffizienz, Lipödeme
beidseits, funktionelle Magen-/Darmbeschwerden. Der rheumatologische
Sachverständige führte aus (IV-act. 96-20 ff.), bei einer global uneingeschränkten,
harmonischen und schmerzfreien Beweglichkeit aller Wirbelsäulenabschnitte seien von
der Versicherten diffuse, lumbal betonte panvertebrale Druckdolenzen, Druckdolenzen
an sämtlichen 18/18 fibromyalgiespezifischen Tender points sowie darüber hinaus an
multiplen Lokalisationen am ganzen Körper geäussert worden, vereinbar mit einem
chronifizierenden, lumbal betonten, panvertebralen Schmerzsyndrom mit einer
Schmerzausweitungstendenz im Sinne eines generalisierten, diffusen
Schmerzsyndroms. Radikuläre Reiz- oder sensomotorische Ausfallsymptome seien
nicht fassbar gewesen. Auch für die anamnestisch geschilderten Sensibilitätsstörungen
in den Händen und Fingern beidseits habe sich kein adäquates klinisches Korrelat
gefunden. Im peripheren Gelenkstatus seien von der Versicherten vor allem diffuse
Druckdolenzen im gesamten Kniebereich links geschildert worden. Es hätten sich
weder Hinweise für entzündliche Veränderungen der peripheren Gelenke noch des
Achsenskeletts ergeben. Die von der Versicherten geschilderten polytopen
muskuloskelettalen Beschwerden unter Betonung der Lumbalregion und des linken
Kniegelenks stimmten zwar mit den klinisch festgestellten Schmerzlokalisationen
überein; das subjektiv invalidisierende Schmerzausmass korreliere jedoch nicht mit den
objektivierbaren pathologischen klinischen oder radiologischen Befunden. Es hätten
sich auch Hinweise für eine nichtorganische Krankheitskomponente bei einer sehr
tiefen Selbsteinschätzung der körperlichen Leistungsfähigkeit ergeben. Eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit könne lediglich für ausschliesslich mittelschwere
und schwere Tätigkeiten, für das Heben und Tragen von Lasten über zehn Kilogramm
(repetitiv) bzw. über 15 Kilogramm (vereinzelt), für längere Arbeiten in ausgesprochenen
Wirbelsäulenzwangshaltungen sowie für kniend oder in der Hocke auszuführende
Arbeiten bestätigt werden. In körperlich adaptierten Tätigkeiten könne keine
quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründet werden. Der psychiatrische
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Sachverständige hielt fest (IV-act. 96-14 ff.), die Versicherte sei in ungünstigen
soziofamiliären Verhältnissen aufgewachsen. Der Vater habe die Familie verlassen und
die Mutter habe arbeiten müssen, weshalb die Versicherte bei Pflegeeltern
aufgewachsen sei. Mit dem Erreichen der Volljährigkeit habe sie zur Mutter
zurückgehen können und habe eine zweijährige Anlehre als Verkäuferin absolviert.
Begleitend zu somatischen Beschwerden seien rezidivierende depressive Episoden
aufgetreten, weswegen sie sich seit 1999, mit Unterbrechungen, in psychiatrischer-
psychotherapeutischer Behandlung befinde. Ihr Ehemann habe sich im Jahr 2007
suizidiert. Danach hätten Gefühle der Überforderung und der Leistungsinsuffizienz
zugenommen, ebenso seien Momente der Traurigkeit mit plötzlichem Weinen sowie
eine Verschlimmerung der Schmerzempfindung aufgetreten. Durch eine geeignete
psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung und nach einem Klinikaufenthalt in
E._ (laut Akten vom 20. Mai 2010 bis 13. Juli 2010) hätten sich die depressiven
Symptome gebessert, nicht jedoch die Schmerzen und die weiteren somatischen
Beschwerden. Nach dem Tod ihres Ehemannes sei die Versicherte eine neue
Partnerschaft eingegangen. Dass die Versicherte an schwankenden Verstimmungen bis
hin zu depressiven Episoden gelitten habe, sei nachvollziehbar. Nach dem tragischen
Tod ihres Ehemannes habe sie eine Trauerphase durchlitten, die jedoch kein
psychopathologisches Ausmass erreicht habe. Bei den Beschwerden der Versicherten
handle es sich um seit Jahren bestehende, multiple, wiederholt auftretende und häufig
wechselnde körperliche Symptome. Die Versicherte befinde sich nicht zuletzt
deswegen in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung. Trotz der Versicherung
mehrerer Ärzte, dass für viele ihrer Symptome keine körperlichen Erklärungen zu finden
seien, zeige die Versicherte Mühe, dies anzunehmen. Die Versicherte leide an einer
Somatisierungsstörung. Depressive Symptome begleiteten eine chronifizierte
Schmerzstörung sehr häufig, seien vorliegend aber nicht als eigenständiges
Krankheitsbild im Sinne einer Komorbidität zu werten. Die Willensanstrengung zur
adäquaten Überwindung des syndromalen Zustands sei der Versicherten zumutbar.
Aus psychiatrischer Sicht bestehe weder für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als
Lagermitarbeiterin noch für körperlich adaptierte Tätigkeiten eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit. In der bidisziplinären Beurteilung gaben die Sachverständigen an, in
körperlich leichten bis gelegentlich mittelschweren, wechselbelastenden Tätigkeiten
ohne das Heben und Tragen von Lasten über zehn Kilogramm (repetitiv) bzw. über 15
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B.
Am 26. Februar 2014 meldete sich die Versicherte wegen psychischen und
somatischen Problemen erneut bei der IV-Stelle des Kantons Thurgau zum
Leistungsbezug an (IV-act. 108). Am 9. April 2014 ging ein Austrittsbericht der E._
vom 1. April 2014 betreffend einen stationären Aufenthalt der Versicherten vom
28. Januar 2014 bis 20. März 2014 ein (5. Hospitalisation, IV-act. 117). Darin waren
folgende Diagnosen aufgeführt: Komplexe posttraumatische Belastungsstörung
(ICD-10 F43.1), kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden,
dependenten und histrionischen Zügen (ICD-10 F61.0), rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.01). Fachpersonen hielten fest, die
Versicherte sei für ein Intervall einer störungsspezifischen Traumatherapie auf die
Traumastation gekommen. Ein weiteres Intervall sei ab Anfang 2015 geplant. Sie
attestierten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bei Austritt. Mit einer Verfügung vom
10. Dezember 2014 trat die IV-Stelle des Kantons Thurgau auf das Leistungsbegehren
nicht ein (IV-act. 121). Das Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau wies eine
dagegen erhobene Beschwerde am 24. Juni 2015 ab (VV.2015.20/E, IV-act. 127).
Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
C.
Kilogramm (vereinzelt), ohne längere Arbeiten in ausgesprochenen
Wirbelsäulenzwangshaltungen, ohne kniend oder in der Hocke auszuführende Arbeiten
könne keine Arbeitsunfähigkeit begründet werden.
Mit einer Verfügung vom 3. September 2012 wies die IV-Stelle des Kantons
Thurgau das Leistungsbegehren ab (IV-act. 101). Das Verwaltungsgerichts des Kantons
Thurgau trat am 30. Januar 2013 auf eine dagegen erhobene Beschwerde nicht ein (VV.
2012.325/E, IV-act. 105). Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
A.c.
Am 31. Oktober 2016/2. November 2016 meldete sich die Versicherte bei der IV-
Stelle des Kantons St. Gallen zum Leistungsbezug an (IV-act. 132). Sie reichte einen
Austrittsbericht der E._ vom 14. Juli 2016 betreffend einen stationären Aufenthalt
vom 30. Mai 2016 bis 11. Juli 2017 ein (10. Hospitalisation, IV-act. 131). Fachärzte
hatten die Diagnosen einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10
F43.1), einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden,
dependenten und histrionischen Zügen (ICD-10 F61.0) und einer rezidivierenden
C.a.
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depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), genannt. Sie
hatten berichtet, zu Beginn der Behandlung sei ein zum depressiven Pol ausgelenktes
Stimmungsbild mit einem verminderten Antrieb und mit Stimmungsschwankungen im
Vordergrund gestanden. Die Versicherte habe vom Aufenthalt sehr profitieren können,
der Antrieb und die Stimmung hätten sich verbessert und stabilisiert. Beim Austritt
hätten noch ein leicht zum depressiven Pol ausgelenkter Affekt sowie leichte
Rückzugstendenzen bestanden. Der Hausarzt Dr. med. F._, Facharzt für Allgemeine
Medizin FMH, berichtete am 24. November 2016 (IV-act. 146), seit dem Jahr 2012 sei
eine deutliche Verschlechterung des Gesundheitszustands der Versicherten
festzustellen. Allein die Tatsache, dass die Versicherte ab März 2013 während mehrerer
Hospitalisationen rund 21 Wochen in der Klinik E._ verbracht habe, seien Indiz
genug, wie schlecht es ihr von psychischer Seite her ergangen sei. In der genannten
Zeit und bis auf weiteres könne der Versicherten keine verwertbare Arbeitstätigkeit
zugemutet werden. Er legte mehrere Berichte der E._ bei: Am 15. November 2016
hatten Fachärzte der E._ mitgeteilt, die Versicherte sei vom 5. Oktober 2016 bis
1. November 2016 hospitalisiert gewesen (11. Hospitalisation, IV-act. 147). Zu Beginn
der Behandlung hätten psychopathologisch eine zum depressiven Pol ausgelenkte
Stimmung sowie formalgedanklich eine monothematische Einengung im Vordergrund
gestanden. Intendierte Gedanken hätten nur mit Mühe zu Ende geführt werden können.
Diagnostisch seien die vordiagnostizierte komplexe posttraumatische
Belastungsstörung, die rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige
Episode, und die kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden,
dependenten und histrionischen Zügen verifiziert worden. In einer
neuropsychologischen Testung sei eine insgesamt leichte bis mittelschwere
Beeinträchtigung in den Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleistungen sowie in den
Exekutivfunktionen festgestellt worden. Beim Austritt habe noch ein leicht depressiver
Affekt mit formalen Denkstörungen und mit einer Grübelneigung bestanden. Am
8. August 2013 hatten Fachpersonen der E._ über einen stationären Aufenthalt der
Versicherten vom 25. Juli 2013 bis 6. August 2013 berichtet (4. Hospitalisation, IV-
act. 152). Sie hatten folgende Diagnosen genannt: Komplexe posttraumatische
Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), vordiagnostizierte kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden, dependenten und histrionischen
Zügen (ICD-10 F61.0), rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode
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(ICD-10 F33.01). Sie führten aus, die Versicherte sei auf die Traumastation für ein
erstes Intervall einer störungsspezifischen, ätiologieorientierten Traumatherapie
eingetreten. Sie habe bald beschlossen, wieder auszutreten, da es nicht der richtige
Zeitpunkt dafür gewesen sei. Am 10. Juni 2013 hatten Fachärzte der E._ über einen
stationären Aufenthalt der Versicherten vom 18. März 2013 bis 29. April 2013 berichtet
(3. Hospitalisation, IV-act. 153). Sie hatten eine vordiagnostizierte kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden, dependenten und histrionischen
Zügen (ICD-10 F61.0) bei/mit einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtige
Episode leicht- bis mittelgradig (ICD-10 F33.1), und einer komplexen
posttraumatischen Belastungsstörung, Diagnosestellung im Februar 2013 in domo
(ICD-10 F43.1), angegeben. Sie hatten ausgeführt, am 27. Februar 2013 sei ein
psychotraumatologisches Konsilium durchgeführt worden. Zur Traumaanamnese
hatten sie festgehalten, die Versicherte habe sich in ihrer Kindheit sehr unsicher
gefühlt. Die Mutter habe gearbeitet und sich wenig um sie gekümmert. Sie sei deshalb
bei der Grossmutter untergebracht gewesen. Im Kindergarten habe sie nicht geredet.
Nach einem Jahr in einem Heim sei sie zu Pflegeeltern gekommen. Sie habe sich dort
wohlgefühlt, aber sie habe nicht verstanden, weshalb sie weggegeben worden sei. Ihre
Schwester habe zuhause bleiben dürfen. In der Schule habe sie sich als Aussenseiterin
gefühlt und sie sei gehänselt worden. In der Ehe habe sie sich auch einsam gefühlt.
Durch den Suizid ihres Ehemannes – sie habe ihn erschossen aufgefunden – sei sie in
eine Krise geraten. In einer späteren Beziehung habe sie kein Verständnis gefunden,
der Mann habe sie abgewertet und aggressiv behandelt. Zum Hospitalisationsverlauf
hatten die Fachärzte angegeben, beim Eintritt habe ein mittelgradiges depressives
Störungsbild im Vordergrund gestanden. Im Zuge der Behandlung habe die Versicherte
mehr psychische Stabilität und Euthymie entwickelt.
Dr. med. G._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, teilte am 5. Januar 2017 mit
(IV-act. 156), die Versicherte sei bereits elfmal in der Klink E._ hospitalisiert gewesen,
zuletzt im Oktober/November 2016. Der Zuweisungsgrund sei (wie auch in den Jahren
zuvor) die Exazerbation der depressiven Störung gewesen. Die stationären Aufenthalte
seien jeweils zur Stabilisierung des Zustandsbilds erfolgt. Der Beginn der Problematik
sei in die Kindheit der Versicherten zurückzudatieren. Die Diagnostik bezüglich ihrer
Traumatisierung habe erst Anfang des Jahres 2013 in der Klink E._ stattgefunden.
C.b.
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Eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit für den allgemeinen Arbeitsmarkt sei momentan
und bis auf weiteres nicht gegeben.
Der RAD-Arzt Dr. med. H._ notierte am 16. Januar 2017 nach einer Durchsicht
der medizinischen Akten (IV-act. 159), das in den Gutachten festgehaltene
diagnostische Muster habe sich aus der Sicht der behandelnden Ärzte im Längsschnitt
quantitativ hinsichtlich eines ausgeprägteren Schweregrades insbesondere der
depressiven Störung verstärkt. Qualitativ stehe eine posttraumatische Problematik im
Vordergrund. Eine Verschlechterung sei vorderhand glaubhaft gemacht.
C.c.
Mit einer Mitteilung vom 17. Januar 2017 wies die IV-Stelle das Begehren um
berufliche Massnahmen ab (IV-act. 163).
C.d.
Die IV-Stelle holte bei der E._ weitere Austrittsberichte ein: Vom 23. Oktober
2012 betreffend einen stationären Aufenthalt der Versicherten vom 18. September 2012
bis 9. Oktober 2012 (2. Hospitalisation, IV-act. 170), vom 12. Januar 2015 betreffend
einen stationären Aufenthalt vom 30. Dezember 2014 bis 12. Januar 2015
(6. Hospitalisation, IV-act. 171), vom 18. Februar 2015 betreffend einen stationären
Aufenthalt vom 15. Januar 2015 bis 18. Februar 2015 (7. Hospitalisation, IV-act. 172),
vom 20. März 2015 betreffend einen stationären Aufenthalt vom 4. März 2015 bis
20. März 2015 (8. Hospitalisation, IV-act. 173) und vom 10. November 2015 betreffend
einen stationären Aufenthalt vom 6. Oktober 2015 bis 29. Oktober 2015
(9. Hospitalisation, IV-act. 174).
C.e.
Die Versicherte gab am 10. Mai 2017 im Fragebogen zur Rentenabklärung
betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt an (IV-act. 180), dass sie ohne eine
gesundheitliche Beeinträchtigung zu 100% als Lagermitarbeiterin arbeiten würde.
C.f.
Dr. G._ teilte am 6. Juni 2017 mit (IV-act. 186), sie behandle die Versicherte seit
dem Jahr 2010. Sie nannte die folgenden Diagnosen: Komplexe posttraumatische
Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), rezidivierende depressive Störung mit zumeist
mittelgradigen, teilweise auch schweren Episoden (ICD-10 F33.1), kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit ängstlich vermeidenden, dependenten und histrionischen
Zügen (ICD-10 F61.0), leichte bis mittelschwere neuropsychologische
Funktionsstörung, Fibromyalgie-Syndrom und schmerzhafte Ansatztendinopathia
C.g.
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patellae. Dr. G._ attestierte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für Tätigkeiten auf
dem allgemeinen Arbeitsmarkt seit dem Jahr 2010. Am 7. Juni 2017 berichteten
Fachpersonen der E._ über einen stationären Aufenthalt der Versicherten vom
13. April 2017 bis 23. Mai 2017 (12. Hospitalisation, IV-act. 185). Sie gaben dieselben
Diagnosen wie im Bericht vom 15. November 2016 an. Sie führten aus, die Versicherte
sei zum dritten Intervall der störungsspezifischen und ätiologieorientierten
Traumatherapie eingetreten. Es bestehe eine komplexe posttraumatische
Belastungsstörung im Sinne einer posttraumatischen Entwicklungsstörung mit einer
emotionalen Vernachlässigung und einem unsicher ambivalenten Bindungsmuster. Der
Hausarzt Dr. F._ gab am 29. Juni 2017 an (IV-act. 188), die Versicherte sei durch
Jugenderlebnisse und durch den Suizid ihres Ehemannes seelisch schwer
traumatisiert. Diese Belastung habe auch körperliche Symptome im Sinne einer
somatoformen Schmerzkomponente zur Folge, nämlich ein chronisches
Panvertebralsyndrom, muskuläre Dysbalancen, eine leichte Fehlform, eine
mässiggradige Osteochondrose L5/S1, Spondylarthrosen L4/5 und L5/S1 sowie
praktisch chronische Knieschmerzen links bei St. n. Arthroskospie 1998. Er attestierte
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und in adaptierten
Tätigkeiten.
Die IV-Stelle bat die Versicherte um eine detaillierte Beschreibung, weshalb sie
heute bei einer vollen Gesundheit einer 100%igen Erwerbstätigkeit nachgehen würde.
Die Versicherte gab am 11. Oktober 2017 an (IV-act. 194), dass sie dann genug
belastbar wäre, um einer vollen Erwerbstätigkeit nachzugehen, und dass sie
alleinstehend sei und bei einem vollen Lohn gut leben könnte. Sie habe zuletzt nur
noch in Teilzeit gearbeitet, weil sich ihr Gesundheitszustand immer mehr verschlechtert
habe und sie nicht mehr zu 100% habe arbeiten können.
C.h.
Fachärzte der E._ berichteten am 3. November 2017 über einen stationären
Aufenthalt der Versicherten vom 11. September 2017 bis 29. September 2017
(13. Hospitalisation, IV-act. 197). Sie gaben die folgenden Diagnosen an: Komplexe
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig leichtgradige Episode (ICD-10 F33.0), vordiagnostiziert:
Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden, dependenten und
histrionischen Zügen (ICD-10 F61), leichte bis mittelschwere neuropsychologische
C.i.
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Funktionsstörungen, Fibromyalgie-Syndrom und schmerzhafte Ansatztendinopathie
patellae. Sie hielten fest, beim Austritt habe noch eine leicht depressive Verstimmung
bestanden. Dr. G._ teilte am 18. Dezember 2017 mit (IV-act. 200), der
psychopathologische Befund sei im Vergleich zum Juni 2017 praktisch gleich. Die
Auffassung sei unauffällig, der formale Gedankengang geordnet. Die Versicherte gebe
ausgeprägte diffuse Angstzustände und konkrete zukunftsbezogene Ängste an. Die
Stimmung sei deutlich gedrückt, ängstlich, teilweise hoffnungslos bei ausgeprägten
Schuld- und Insuffizienzgefühlen. Die affektive Schwingungsfähigkeit sei deutlich
reduziert. Der Antrieb sei mittelgradig gehemmt und es bestehe nach wie vor ein
sozialer Rückzug. Eine Ressource stelle die Kreativität der Versicherten dar. Dr. G._
attestierte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für Tätigkeiten auf dem freien
Arbeitsmarkt.
Die IV-Stelle teilte der Versicherten am 4. April 2018 mit (IV-act. 208), dass eine
bidisziplinäre Begutachtung notwendig sei. Am 8./20. Juni 2018 wurde die Versicherte
bidisziplinär (orthopädisch und psychiatrisch) durch Dr. med. I._ und Dr. med. J._
untersucht und es wurde eine testdiagnostische Untersuchung durchgeführt. Im
Gutachten vom 6. Juli 2018 nannten die Sachverständigen die folgenden "relevanten"
Diagnosen (IV-act. 213-8): Chronisches Panvertebralsyndrom bei degenerativen
Veränderungen ossärer und diskogener Art und einer leichten Fehlform im Sinne einer
Skoliose und einer Hyperkyphose, femoropatelläres Schmerzsyndrom mit einer
Ansatztendinopathie des Ligamentum patellae, diffuses muskulo-skelettales
Schmerzsyndrom, DD: Fibromyalgie, Spannungskopfschmerzen, kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden, abhängigen und histrionischen
Anteilen (ICD-10 F61.0), chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Faktoren (ICD-10 F45.41), rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert
(ICD-10 F33.4). Der orthopädische Sachverständige Dr. I._ führte aus (IV-
act. 213-21 f.), bei der Versicherten sei es im Jahr 1998 nach einem Sturz auf das linke
Kniegelenk zu linksseitigen Knieschmerzen gekommen. Eine Arthroskopie habe keinen
pathologischen Befund ergeben. In der Folge hätten die Schmerzen persistiert. Nach
einem weiteren Sturz im Juli 2011 sei es zu einer Schmerzexazerbation gekommen.
Anfang des Jahres 2018 habe die Versicherte wiederum fachärztliche Hilfe in Anspruch
genommen. Die Beschwerden seien im Sinne eines femoropatellären
C.j.
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Schmerzsyndroms und einer Ansatztendinopathie des Ligamentum patellae
interpretiert worden. Zwei intraartikuläre Infiltrationen hätten keine Besserung gebracht.
Bereits seit der Lehrzeit weise die Versicherte Rückenschmerzen auf, welche auf eine
"verkrümmte Wirbelsäule" zurückgeführt und konservativ behandelt worden seien. Die
Schmerzen seien vor allem lumbal, aber auch cervical lokalisiert und strahlten zeitweise
in die Extremitäten aus. Klinisch könnten keine neurologischen Reiz- oder gar
Ausfallsymptome festgestellt werden. Die Beschwerden bedingten gewisse
Einschränkungen seitens des Achsenskeletts, seien jedoch nicht so schwerwiegend,
dass keine Arbeitsfähigkeit gegeben wäre. Die Versicherte sei gemäss ihren Angaben
in allen Aktivitäten eingeschränkt. Unter Berücksichtigung der klinischen Befunde sei
festzuhalten, dass die geklagten Beschwerden nur teilweise durch die objektivierbaren
Feststellungen erklärt werden könnten. Es sei davon auszugehen, dass die Versicherte
ihren Beschwerden einen hohen Stellenwert beimesse und daraus recht absolute
Schlussfolgerungen in Bezug auf ihre Leistungsfähigkeit ziehe. Wie dies die
Vorgutachter ebenfalls dargelegt hätten, liege eine verminderte Belastbarkeit des
Achsenskeletts und der linken unteren Extremität vor. Die Beweglichkeit sei allerdings
nicht relevant eingeschränkt. Instabilitäten oder neurologische Reiz- oder
Ausfallsymptome lägen nicht vor. An den oberen Extremitäten sowie der rechten
unteren Extremität seien keine Einschränkungen festzustellen. Der Vergleich der
aktuellen Untersuchungsbefunde mit jenen der Vorgutachter zeige, dass keine
relevanten Veränderungen eingetreten seien. Unter diesen Umständen sei es
angezeigt, die frühere Einschätzung der Arbeitsfähigkeit zu übernehmen. In einer
adaptierten Tätigkeit sei weiterhin und ununterbrochen von einer vollständigen Arbeits
fähigkeit auszugehen. Eine leidensangepasste Tätigkeit müsste folgende Kriterien
erfüllen: Wechselbelastend, körperlich leicht, mit der Möglichkeit des Wechselns
zwischen Sitzen, Gehen und Stehen, ohne Heben und Tragen von Lasten über zehn
Kilogramm, ohne Zwangspositionen der Wirbelsäule (kein Bücken, keine
Rotationsbewegungen) und der Kniegelenke (kein Abknien, Hocken oder Kauern), kein
Absolvieren längerer Gehstrecken, kein Überwinden von Höhendifferenzen. Die
psychiatrische Gutachterin Dr. J._ hielt fest (IV-act. 213-30 ff.), im Vordergrund der
Untersuchung stehe eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-
vermeidenden, abhängigen und histrionischen Anteilen. Dieser Persönlichkeitsstörung
sei eine Persönlichkeitsentwicklungsstörung vorausgegangen. Die Versicherte habe
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eine sehr schwierige und teilweise traumatisch erlebte Kindheit verbracht. Die
Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung werde auch von den
behandelnden Fachärzten und Fachkliniken seit 2010 unverändert angegeben. Im
Rahmen der aktuellen Untersuchung seien insbesondere histrionische Anteile mit
einem blumigen und wenig detaillierten Sprachstil, einer Neigung zu einem
übertriebenen Gefühlsausdruck und eine Aufmerksamkeitszentrierung auf die eigene
Person spürbar gewesen. Im Weiteren hätten abhängige Anteile mit dem Gefühl der
Unfähigkeit, das eigene Leben selbstständig zu führen, vorgelegen. Die Versicherte
sehe sich als schwach und hilflos an, weshalb sie in praktisch allen Lebenssituationen
auf die Unterstützung durch andere angewiesen sei. Dies erkläre auch teilweise die
mehrfachen und langfristigen stationären Aufenthalte in der Klinik E._. Die ängstlich-
vermeidenden Anteile äusserten sich durch den Wunsch von "mehr Zuwendung durch
andere" bei der gleichzeitigen Angst vor Zurückweisung oder Kritik. Im Hinblick auf die
zumutbare Arbeitsfähigkeit sei die kombinierte Persönlichkeitsstörung jedoch als
Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu werten, da eine Krankschreibung
rein aus diesem Grund nie vorgelegen habe, es nie zu einer Entlassung aus
Persönlichkeitsgründen gekommen sei und die Störung bereits seit der Jugend
vorliege. Im Verlauf seit 2010 sei von den behandelnden Ärzten die Diagnose einer
rezidivierenden depressiven Störung angegeben worden. Im Untersuchungszeitpunkt
liege keine relevante depressive Symptomatik vor, sodass diagnostisch ein remittiertes
Zustandsbild bei einer rezidivierenden depressiven Störung vorliege. Subjektiv
beschreibe die Versicherte, sich aktuell mittelgradig depressiv zu fühlen –
entsprechende klinische Befunde könnten jedoch nicht festgestellt werden. Die im
Rahmen der Begutachtung durch die Medas Ostschweiz festgestellte somatoforme
Störung könne bestätigt werden. Die diagnostischen Kriterien für eine chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren seien erfüllt. Das
Vorliegen einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung könne verneint
werden, zumal weder die diagnostischen Kriterien noch der geforderte Schweregrad
der Traumatisierungen erfüllt seien. Die Symptome und auch die Art der
Traumatisierungen einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung seien weder
in den Berichten der Klinik E._ noch von Dr. G._ beschrieben worden und hätten
auch in der aktuellen Untersuchung nicht festgestellt werden können. Das Auffinden
des Ehemannes, welcher sich suizidiert habe, stelle jedoch ein schweres psychisches
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Trauma dar. Erstmalige posttraumatische Symptome wie eine Affektstörung und
diffuse Angstzustände habe die Versicherte jedoch erst zwei Jahre nach dem Ereignis
entwickelt. Diese Symptome seien im Rahmen eines stationären Aufenthalts im Jahr
2010 in der Klinik E._ behandelt worden. Diagnostisch seien eine rezidivierende
depressive Störung und eine Persönlichkeitsstörung festgehalten worden, jedoch keine
posttraumatische Belastungsstörung. Insgesamt habe sich das Zustandsbild im
Vergleich zur Referenzsachlage im Jahr 2012 nicht relevant verändert. Gegenwärtig
liege keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vor. In Bezug auf die
Konsistenz hielt Dr. J._ fest, im Rahmen der neuropsychologischen Testung habe
sich ein gutes Arbeitsgedächtnis mit Angaben von vielen Interessen gezeigt. Hinweise
auf kognitive Einschränkungen hätten sich nicht ergeben. Anspruchsvollere Tests habe
die Versicherte gut gemeistert. Bei leichteren und monotonen Tests habe sie hingegen
Schwierigkeiten gezeigt. Auch die Symptomvalidierungstests seien auffällig gewesen.
Insgesamt sei der Eindruck einer sehr geringen Anstrengungsbereitschaft entstanden.
Im Rahmen der klinischen Untersuchung sei aufgefallen, dass es gerade bei der
Schilderung traumatischer Erlebnisse zu keinerlei Gefühlsregungen gekommen sei. Im
Abschnitt zu den Fähigkeiten und Ressourcen äusserte sich Dr. J._ zum Bestehen
bzw. Nichtbestehen von Einschränkungen der Versicherten gemäss dem Mini-ICF-
APP. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit gab Dr. J._ an, unverändert zur Begutachtung
im Jahr 2012 liege keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vor. In
adaptierten Tätigkeiten bestehe somit eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Im Verlauf seit
dem Jahr 2012 sei es zu insgesamt zwölf stationären Aufenthalten in der Klinik E._
gekommen. Die Diagnose einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung
könne weder aktuell festgestellt noch anhand der Diagnosekriterien nachvollzogen
werden. Depressive Episoden seien ebenfalls beschrieben worden; sie seien bei der
langjährigen Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung nachvollziehbar.
Während der stationären Aufenthalte habe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
vorgelegen. Bidisziplinär attestierten die Gutachter in einer adaptierten Tätigkeit
(wechselbelastend, körperlich leicht, mit der Möglichkeit des Wechselns zwischen
Sitzen, Gehen und Stehen, ohne Heben und Tragen von Lasten über zehn Kilogramm
und ohne Zwangspositionen der Wirbelsäule [kein Bücken, keine
Rotationsbewegungen] und der Kniegelenke [kein Abknien, Hocken oder Kauern], kein
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Absolvieren längerer Gehstrecken, kein Überwinden von Höhendifferenzen) eine
vollständige Arbeitsfähigkeit.
Der RAD-Arzt Dr. H._ notierte am 15. August 2018 (IV-act. 215), das Gutachten
entspreche im Wesentlichen den geltenden versicherungsmedizinischen Kriterien. Eine
relevante und anhaltende Veränderung des Gesundheitszustands seit September 2011
(medizinischer Referenzzeitpunkt) werde gutachterlich verneint.
C.k.
Am 17. Oktober 2018 berichteten Fachpersonen der E._, die Versicherte sei vom
10. August 2018 bis 21. September 2018 stationär behandelt worden
(14. Hospitalisation, IV-act. 218). Sie gaben folgende Diagnosen an: Rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), komplexe
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden, dependenten und histrionischen
Zügen (ICD-10 F61), vorbekannte leichte bis mittelschwere neuropsychologische
Funktionsstörung, vorbekanntes Fibromyalgie-Syndrom und schmerzhafte
Ansatztendinopathie patellae, vorbeschriebene Vitamin-D-Insuffizienz. Sie hielten fest,
bei Eintritt habe sich das Stimmungsbild depressiv ausgelenkt präsentiert. Die affektive
Resonanz sei verzögert und der Antrieb sei verlangsamt gewesen. Mimik und Gestik
seien monoton gewesen. Es habe ein sozialer Rückzug bestanden. Bei Austritt habe
psychopathologisch noch ein haftendes Kontaktverhalten sowie eine Grübelneigung
bei einer deutlich gebesserten Stimmung bestanden. Diagnostisch sei von einer
rezidivierenden depressiven Störung mit gegenwärtig mittelgradiger Episode
auszugehen. Aus den Voraufenthalten sei das Vorliegen einer komplexen
posttraumatischen Belastungsstörung sowie einer kombinierten Persönlichkeitsstörung
zu bestätigen.
C.l.
Mit einem Vorbescheid vom 19. Oktober 2018 kündigte die IV-Stelle der
Versicherten die Abweisung des Begehrens um eine Invalidenrente an (IV-act. 221). Zur
Begründung gab sie an, die Versicherte sei als Vollerwerbstätige einzustufen. Aus ver
sicherungsmedizinischer Sicht bestehe für alle wechselbelastenden, körperlich leichten
Tätigkeiten (Gewichtsbelastung <10kg) ohne Zwangspositionen der Wirbelsäule und
der Kniegelenke eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Beim Validen- und beim
Invalideneinkommen sei auf den durchschnittlichen Lohn einer Hilfsarbeiterin gemäss
C.m.
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der Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik abzustellen. Der
Invaliditätsgrad betrage damit 0%. Die Versicherte erhob am 22. November 2018 einen
Einwand (IV-act. 224). Sie machte im Wesentlichen geltend, die psychiatrische
Gutachterin habe bescheinigt, dass die kombinierte Persönlichkeitsstörung isoliert
keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe. Diese Diagnose sei in Summe mit den
weiteren Einschränkungen zu betrachten und habe somit klar Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit. Die rezidivierende depressive Störung sei als remittiert eingeschätzt
worden. Diese Einschätzung widerspreche sämtlichen fachärztlichen Einschätzungen.
Diese Diagnose habe im Verlauf des Jahres immer von leicht über mittelgradig bis
teilweise schwer geschwankt. Auch im Bericht der Klinik E._ vom 17. Oktober 2018
sei eine mittelgradige Depression attestiert worden. Nicht nachvollziehbar sei die
Verneinung der posttraumatischen Belastungsstörung. Dr. G._ werde dazu noch
Stellung nehmen. Dr. G._ berichtete am 17. Dezember 2018 (IV-act. 226), sie stimme
mit der psychiatrischen Gutachterin nicht überein, dass keine Diagnose mit Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit bestehe. Sie halte an der Diagnose einer posttraumatischen
Belastungsstörung fest. Sowohl diese als auch die kombinierte Persönlichkeitsstörung
seien relevant für die verminderte Arbeitsfähigkeit der Versicherten. Die Summe der
psychiatrischen Diagnosen sowie das Fibromyalgie-Syndrom wirkten sich dergestalt
aus, dass die Versicherte gezwungen sei, auf sich und ihre Befindlichkeit zu achten,
d.h. bei Bedarf Pausen einzulegen, und dass sie eine längere Regenerationszeit
benötige. Aufgrund der Persönlichkeitsstörung benötige die Versicherte einen
verständnisvollen Ansprechpartner; ihre Teamfähigkeit sei deutlich herabgesetzt.
Aktuell sei eine ca. halbschichtige Wiedereingliederung über den geschützten
Arbeitsmarkt vorstellbar. Die Versicherte interpretiere Situationen teilweise falsch und
gerate leicht in Konflikt mit anderen Mitarbeitenden. Sie leide intermittierend unter
schweren Symptomen wie Hyperarousal (starke innere Anspannung, innere Unruhe
und Ängstlichkeit), Intrusionen, Nachhallungen und Wiedererlebenssymptomen. Im
Weiteren leide sie unter Selbstunsicherheit, intermittierend kämen auch Schuld- und
Schamgefühle hinzu. In Phasen von grossen sozialen Ängsten sei die Versicherte nicht
mehr in der Lage, sich für ihre Rechte und Bedürfnisse einzusetzen oder sich vor
unangemessenem Verhalten ausreichend zu schützen. Sie gerate in subjektive Stress-
und Überforderungssituationen. Anforderungen und Leistungserwartungen lösten einen
Druck aus, der sie teilweise handlungsunfähig mache. Ihr sei bekannt, dass die
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D.
Versicherte bei Schilderungen der traumatischen Erlebnisse erst einmal teilnahmslos
wirke. Sie (die Versicherte) sei bemüht, sehr angepasst zu sein.
Der RAD-Arzt Dr. H._ notierte am 11. Februar 2019 (IV-act. 227), Dr. G._
wiederhole im Bericht vom 17. Dezember 2018 im Wesentlichen ihre bereits vor der
Begutachtung festgehaltene Beurteilung (vgl. den Verlaufsbericht vom 18. Dezember
2017). Nach der neuerlichen Hospitalisation in der Klinik E._ (Bericht vom
17. Oktober 2018) stelle sich die Situation der Versicherten ebenfalls nicht
grundsätzlich anders dar als vor der Begutachtung. Eine grundlegende Änderung des
medizinischen Sachverhalts im Vergleich zur Zeit vor der Begutachtung und im
Vergleich zum Gutachtenszeitpunkt werde mit den neu eingereichten medizinischen
Berichten nicht belegt.
C.n.
Mit einer Verfügung vom 13. Februar 2019 wies die IV-Stelle das Begehren um
eine Invalidenrente ab (IV-act. 228). Zum Einwand hielt sie fest, an der bisherigen
Einschätzung einer vollständigen Arbeitsfähigkeit sei festzuhalten. Sie verwies auf die
RAD-Stellungnahme vom 11. Februar 2019.
C.o.
Die Versicherte ersuchte die IV-Stelle am 11. März 2019 um eine Fristerstreckung
von einem Monat, "um die Beschwerde beim Versicherungsgericht ein zu reichen.
Gegen die Verfügung vom 13. Februar 2019" (IV-act. 229).
C.p.
Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) überwies am 18. März 2019 die
"Beschwerde" der Versicherten (nachfolgend: Beschwerdeführerin) vom 11. März 2019
dem Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen (act. G 1) und setzte die
Beschwerdeführerin gleichentags darüber in Kenntnis (IV-act. 231). Das
Versicherungsgericht gewährte am 19. März 2019 eine Nachfrist zur Verbesserung der
Beschwerde und drohte an, bei unbenutztem Fristablauf auf die Beschwerde nicht
einzutreten (act. G 2). Am 29. März 2019 reichte die Beschwerdeführerin eine
verbesserte Beschwerde ein (act. G 3). Sie hielt fest, dass sie eine Beschwerde gegen
die Verfügung vom 13. Februar 2019 einreiche. Das Leistungsbegehren sei abgewiesen
worden. Die Beschwerdegegnerin habe das generalisierte Schmerzsyndrom in den
Vordergrund gestellt, sei jedoch in keiner Weise auf die Diagnosen einer komplexen
D.a.
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posttraumatischen Belastungsstörung und einer kombinierten Persönlichkeitsstörung
eingegangen. Ihr Gesundheitszustand habe sich aufgrund dieser Diagnosen seit
September 2012 massiv verschlechtert; sie sei seit diesem Zeitpunkt durchgehend
vollständig arbeitsunfähig. Am 1. April 2019 werde sie erneut in die E._ eintreten.
Entsprechende Berichte würden nachgereicht. Es seien auch weitere stationäre
Traumatherapien geplant. Dr. G._, bei der sie seit Oktober 2010 in regelmässiger
Behandlung sei, könne die Entwicklung bestätigen. Aufgrund dieser Tatsachen
beantrage sie eine erneute umfassende Prüfung und Beurteilung. Am 12. April 2019
ersuchte die Beschwerdeführerin um den Erlass des Kostenvorschusses (act. G 5). Am
8. Mai 2019 reichte sie das Formular "Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege" ein (act.
G 7). Im August 2019 (Posteingang: 5. August 2019) reichte sie einen Austrittsbericht
der E._ vom 10. Mai 2019 betreffend einen stationären Aufenthalt vom 1. April 2019
bis 26. April 2019 ein (15. Hospitalisation, act. G 12.1). Fachpersonen hatten dieselben
Diagnosen wie im Bericht vom 17. Oktober 2018 angegeben. Sie hatten festgehalten,
diagnostisch hätten sie eine mittelgradige depressive Episode bei einer rezidivierenden
depressiven Störung gesehen. Die Beschwerdeführerin sei in einem deutlich
gebesserten Zustand entlassen worden.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 20. August 2019 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 14). Zur Begründung führte sie an, ob aufgrund der Neuanmeldung
vom November 2016 ein Rentenanspruch bestehe, beurteile sich praxisgemäss in
analoger Anwendung der für die Rentenrevision geltenden Regeln. Massgeblich sei
demnach, ob eine wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten
sei, die geeignet sei, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu
beeinflussen. Dabei bilde in zeitlicher Hinsicht die letzte, auf einer materiellen Prüfung
des Rentenanspruchs beruhende, rechtskräftige Verfügung den Ausgangspunkt – hier
der 3. September 2012 – und die streitige Verfügung den Endpunkt – hier der
13. Februar 2019 – für die Beurteilung, ob eine solche Änderung eingetreten sei. Die
Tatsache allein, dass ein Administrativgutachten und die Berichte der behandelnden
Ärzte diametral voneinander abwichen, verbiete nicht, auf die Expertise abzustellen.
Anders verhalte es sich, wenn konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit des
Gutachtens sprächen. Soweit Dr. G._ postuliere, dass bei der Beschwerdeführerin
die Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung erfüllt seien, sei darauf
D.b.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/31
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hinzuweisen, dass die psychiatrische Gutachterin Dr. J._ mit einer ausführlichen und
nachvollziehbaren Begründung dargelegt habe, dass bei der klinischen Untersuchung
die hierfür geforderten diagnostischen Kriterien und Merkmale nicht hätten festgestellt
werden können. Anhaltspunkte dafür, dass die psychiatrische Begutachtung nicht lege
artis durchgeführt worden wäre, bestünden nicht. Ein Grund für die Divergenz zwischen
der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin durch Dr. G._ und
Dr. J._ sei darin zu sehen, dass Dr. J._ dieser Beurteilung eine objektivierte
Zumutbarkeitsprüfung zugrunde gelegt und hinreichend auf die Standardindikatoren
Bezug genommen habe. Das Schreiben von Dr. G._ vom 17. Dezember 2018
vermöge das psychiatrische Teilgutachten nicht in Zweifel zu ziehen. Aus dem Bericht
der E._ vom 17. Oktober 2018 ergäben sich keine objektivierbaren Hinweise darauf,
dass sich der psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit dem
bidisziplinären Gutachten vom 6. Juli 2018 relevant und anhaltend verschlechtert
haben könnte. Dasselbe gelte in Bezug auf den jüngsten Bericht der E._ vom 10. Mai
2019. Die Vorbringen in der Beschwerde vermöchten die Beweistauglichkeit des
bidisziplinären Gutachtens vom 6. Juli 2018 nicht in Frage zu stellen. Gestützt auf das
Gutachten sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in einer adaptierten
Verweistätigkeit vollständig arbeitsfähig sei.
Im August 2019 reichte die Beschwerdeführerin ein Schreiben der E._ vom
14. August 2019 betreffend ein Indikationsgespräch am 18. September 2019 für eine
Anmeldung/Information auf der Traumastation ein (act. G 15).
D.c.
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen bewilligte am 27. August 2019
das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten) für
das Beschwerdeverfahren (act. G 16).
D.d.
Die Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Replik (vgl. act. G 18).D.e.
Am 2. November 2020 teilte Rechtsanwalt lic. iur. R. Nussmüller dem
Versicherungsgericht mit, dass die Beschwerdeführerin ihn mit der Vertretung
beauftragt habe (act. G 19). Er ersuchte um Akteneinsicht, um der Versicherten den
weiteren Verfahrensablauf erläutern und eine Einschätzung abgeben zu können. Am
20. November 2020 verdankte er die Zustellung der Akten und gab an, dass er sich
D.f.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/31
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Erwägungen
1.
davon Kopien erstellt habe (act. G 21). Er hielt fest, er habe den Akten entnommen,
dass die Streitsache spruchreif sei. Er bat um eine direkt eröffnende Zustellung des
Entscheids an ihn.
Die Beschwerdeführerin hat mit einem Schreiben vom 11. März 2019 die
Beschwerdegegnerin um eine Fristerstreckung von einem Monat ersucht, "um die
Beschwerde beim Versicherungsgericht ein zu reichen. Gegen die Verfügung vom
13. Februar 2019". Die Beschwerdegegnerin hat die "Beschwerde" am 18. März 2019
dem Versicherungsgericht überwiesen. Nachdem das Versicherungsgericht der
Beschwerdeführerin am 19. März 2019 eine Nachfrist zur Verbesserung der
Beschwerde eingeräumt und angedroht hatte, bei unbenütztem Fristablauf nicht auf die
Beschwerde einzutreten, hat die Beschwerdeführerin am 29. März 2019 eine
verbesserte Beschwerde eingereicht. Im Folgenden ist zu prüfen, ob die
Beschwerdeführerin mit dem Schreiben vom 11. März 2019 ein Beschwerdeverfahren
anhängig gemacht hat und ob das Schreiben vom 29. März 2019 den Anforderungen
an eine Beschwerde gemäss Art. 61 lit. b des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) respektive Art. 48 in Verbindung
mit Art. 42 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRP, sGS 951.1)
genügt.
1.1.
Gemäss Art. 48 VRP ist ein Rekurs bei der Rekursinstanz schriftlich einzureichen.
Er muss einen Antrag sowie eine Darstellung des Sachverhalts und eine Begründung
enthalten. Er ist zu unterzeichnen. Fehlen Antrag, Darstellung des Sachverhalts,
Begründung oder Unterschrift, so fordert die Rekursinstanz den Rekurrenten unter
Ansetzung einer Frist auf, den Rekurs zu ergänzen. Die Ergänzung kann zu Protokoll
gegeben werden. Mit der Aufforderung zur Ergänzung ist anzudrohen, dass nach
unbenützter Frist auf den Rekurs nicht eingetreten werde. Gemäss Art. 42 lit. a VRP
können beim Versicherungsgericht mit Rekurs angefochten werden: Verfügungen und
Einspracheentscheide, gegen die nach dem Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts Beschwerde erhoben werden kann. Diese kantonalen
Verfahrensbestimmungen genügen den Anforderungen von Art. 61 lit. b ATSG. Dieser
sieht nämlich vor, dass eine Beschwerde eine gedrängte Darstellung des Sachverhalts,
ein Rechtsbegehren und eine kurze Begründung enthalten muss. Genügt sie diesen
Anforderungen nicht, so setzt das Versicherungsgericht der Beschwerde führenden
1.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/31
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Person eine angemessene Frist zur Verbesserung und verbindet damit die Androhung,
dass sonst auf die Beschwerde nicht eingetreten werde. Das Ansetzen einer Frist zur
Verbesserung einer Beschwerde durch das Versicherungsgericht setzt allerdings
voraus, dass ein Beschwerdeverfahren überhaupt anhängig gemacht worden ist. Nach
der Auffassung des Bundesgerichts ist es dafür ausreichend, wenn die betreffende
Person klar einen Anfechtungswillen bekundet hat, wenn sie also erkennbar zum
Ausdruck gebracht hat, dass sie mit der erlassenen Verfügung nicht einverstanden ist
und diese durch die Rechtsmittelinstanz überprüft haben will; dies gilt auch dann, wenn
diese Willenserklärung gegenüber einer unzuständigen Behörde erfolgt ist. Ist eine
solche Willenserklärung innerhalb der laufenden Rechtsmittelfrist erfolgt, gilt die
Beschwerdefrist als gewahrt (Art. 60 Abs. 2 i.V.m. Art. 39 Abs. 2 ATSG). Eine
unzuständige Behörde hat eine rechtzeitig erhobene Beschwerde ohne Verzug dem
zuständigen Versicherungsgericht zu überweisen (Art. 58 Abs. 3 ATSG; zum Ganzen
Urteile des Bundesgerichts vom 24. Januar 2020, 8C_757/2019, E. 4, und vom
21. September 2015, 9C_211/2015, E. 2, m.w.N.).
Die Beschwerdeführerin ist im Zeitpunkt, als sie das Schreiben vom 11. März 2019
verfasst hat, nicht anwaltlich vertreten gewesen. Aus der Formulierung, "um die
Beschwerde beim Versicherungsgericht ein zu reichen. Gegen die Verfügung vom
13. Februar 2019", kommt der Wille der Beschwerdeführerin zum Ausdruck, gegen die
Verfügung vom 13. Februar 2019 eine Beschwerde beim Versicherungsgericht zu
erheben. Sie hat damit erkennbar kundgetan, dass sie mit der erlassenen Verfügung
nicht einverstanden ist und dass sie diese durch das Versicherungsgericht überprüft
haben möchte. Diese Willenserklärung ist innerhalb der laufenden Rechtsmittelfrist und
damit rechtzeitig erfolgt. Der Umstand, dass sie gegenüber der Beschwerdegegnerin
und damit einer unzuständigen Behörde erfolgt ist, ist nicht massgebend. Die
Beschwerdegegnerin hat denn auch zu Recht das Schreiben vom 11. März 2019 dem
Versicherungsgericht überwiesen. Mit der Eingabe vom 11. März 2019 an die
Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin also ein Beschwerdeverfahren
anhängig gemacht. Das Versicherungsgericht hat der Beschwerdeführerin am 19. März
2019 eine Nachfrist zur Verbesserung der Beschwerde gewährt. Am 29. März 2019 hat
die Beschwerdeführerin eine verbesserte Beschwerde eingereicht. Sie hat eine
"erneute umfassende Prüfung und Beurteilung" beantragt; damit kann sie nur den
Anspruch auf eine Invalidenrente gemeint haben. Sie hat geltend gemacht, dass sich
ihr Gesundheitszustand aufgrund der ärztlich gestellten Diagnosen einer komplexen
posttraumatischen Belastungsstörung und einer kombinierten Persönlichkeitsstörung
seit September 2012 massiv verschlechtert habe und dass sie seit diesem Zeitpunkt
durchgehend vollständig arbeitsunfähig sei. Die Beschwerdegegnerin sei in keiner
1.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/31
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2.
Weise auf diese Diagnosen eingegangen, sondern habe das generalisierte
Schmerzsyndrom in den Vordergrund gestellt. Die Beschwerdeführerin hat damit einen
Antrag mit einer kurzen Begründung gestellt. Ihre Ausführungen enthalten zudem (in
medizinischer Hinsicht) einige Anhaltspunkte zum Sachverhalt. Da das Gericht von
Amtes wegen die Akten der Beschwerdegegnerin beizuziehen und den für den
Streitgegenstand massgeblichen Sachverhalt festzustellen hat, sind die Anforderungen
an die Sachverhaltsdarstellung in der Beschwerde tief anzusetzen. Die
Sachverhaltsangaben im Schreiben vom 29. März 2019 sind daher ausreichend. Die
Beschwerdeführerin hat das Schreiben vom 29. März 2019 unterzeichnet. Dieses
genügt damit den Anforderungen an eine Beschwerde gemäss Art. 61 lit. b ATSG
respektive Art. 48 in Verbindung mit Art. 42 lit. a VRP. Auf die am 11. März 2019
rechtzeitig erhobene und am 29. März 2019 verbesserte Beschwerde ist damit
einzutreten.
Die Beschwerdeführerin hat sich am 31. Oktober 2016/2. November 2016 zum
dritten Mal zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung angemeldet,
nachdem die IV-Stelle des Kantons Thurgau das erste Leistungsbegehren mit einer
Verfügung vom 3. September 2012 abgewiesen hatte und auf das zweite
Leistungsbegehren mit einer Verfügung vom 10. Dezember 2014 nicht eingetreten war.
Bei der Anmeldung vom 31. Oktober 2016/2. November 2016 kann es sich also nur um
eine sogenannte Neuanmeldung gehandelt haben.
2.1.
Gemäss Art. 87 Abs. 2 und 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV,
SR 831.201) wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn darin glaubhaft gemacht
wird, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise
geändert hat. Da der Rentenanspruch mit der das Verfahren abschliessenden
Verfügung vom 3. September 2012 zuletzt materiell geprüft worden ist, ist
massgebend, ob die Beschwerdeführerin glaubhaft gemacht hat, dass sich ihr
Gesundheitszustand seit diesem Zeitpunkt verschlechtert und dass damit ihr
Arbeitsunfähigkeitsgrad in einem erheblichen Ausmass angestiegen ist. Die
Beschwerdeführerin hat hierfür mehrere Berichte der E._ (IV-act. 131, 147, 152, 153),
einen Bericht des Hausarztes Dr. F._ vom 24. November 2016 (IV-act. 146) sowie
einen Bericht der behandelnden Psychiaterin Dr. G._ vom 5. Januar 2017 (IV-
act. 156) eingereicht. Aus diesen Berichten ergibt sich, dass im Februar 2013 von
Fachärzten der E._ eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung
diagnostiziert worden war. Diese Diagnose war im Verlauf der mehreren
darauffolgenden stationären Aufenthalte in der E._ jeweils bestätigt worden. Im
2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/31
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3.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 13. Februar 2019
einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin bei einem Invaliditätsgrad von 0%
verneint. Strittig ist somit, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine
Invalidenrente hat.
Weiteren ist ersichtlich, dass sich die Beschwerdeführerin seit der rentenabweisenden
Verfügung vom 3. September 2012 nicht nur traumatherapeutisch, sondern auch zur
Behandlung von leichten respektive mittelgradigen depressiven Episoden mehrfach
stationär in der E._ aufgehalten hatte. Im Gutachten der Medas Ostschweiz vom
14. Juni 2012, welches der rentenabweisenden Verfügung vom 3. September 2012
zugrunde gelegen hatte, war die Diagnose einer komplexen posttraumatischen
Belastungsstörung nicht genannt worden. Es war lediglich ein St. n. einer
rezidivierenden depressiven Störung, leichte Episode, aktenkundig 22. September
2011 (ICD-10 F33.01), DD Dysthymia (ICD-10 F34.1), diagnostiziert worden.
Möglicherweise hat sich die depressive Symptomatik seit dem 3. September 2012 also
verstärkt. Mit der im Vergleich zur Situation am 3. September 2012 neu diagnostizierten
komplexen posttraumatischen Belastungsstörung und der seit diesem Zeitpunkt
möglichen Verstärkung der depressiven Symptomatik hat die Beschwerdeführerin eine
wesentliche Verschlechterung ihres Gesundheitszustands glaubhaft gemacht. Die
Beschwerdegegnerin ist damit zu Recht auf die Neuanmeldung vom 31. Oktober
2016/2. November 2016 eingetreten.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG,
SR 830.1). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
3.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/31
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4.
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
3.2.
Um das zumutbare Invalideneinkommen ermitteln zu können, muss der
verbliebene Arbeitsfähigkeitsgrad der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen. Die Beschwerdegegnerin hat dazu Dres.
I._ und J._ mit der Erstellung eines bidisziplinären Gutachtens (orthopädisch und
psychiatrisch) beauftragt. Im Gutachten vom 6. Juli 2018 haben Dres. I._ und J._ in
adaptierten Tätigkeiten eine vollständige Arbeitsfähigkeit attestiert. Strittig und im
Folgenden zu prüfen ist, ob dem Gutachten voller Beweiswert zukommt, das heisst, ob
es die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegt.
4.1.
Ein Gutachten hat vollen Beweiswert, wenn es für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen
Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE
125 V 352 E. 3a). Notwendig ist zudem, dass die psychiatrische Gutachterin die vom
Bundesgericht in Bezug auf anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und
vergleichbare psychosomatische Leiden aufgestellten und später auf alle psychischen
Erkrankungen, insbesondere auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen,
anwendbar erklärten Standardindikatoren berücksichtigt hat (vgl. BGE 141 V 281; 143
V 409 und 143 V 418).
4.2.
Der orthopädische Sachverständige Dr. I._ und die psychiatrische Gutachterin
Dr. J._ haben umfassende Kenntnis von den Vorakten gehabt und diese gewürdigt.
Sie haben die Beschwerdeführerin persönlich untersucht, die subjektiven Klagen
aufgenommen und die erhobenen objektiven Befunde im Gutachten wiedergegeben.
Dr. I._ hat nachvollziehbar dargelegt, dass bei der Beschwerdeführerin eine
verminderte Belastbarkeit des Achsenskeletts und der linken unteren Extremität
vorgelegen hat. Die Beweglichkeit ist jedoch nicht relevant eingeschränkt gewesen.
4.3.
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Instabilitäten oder neurologische Reiz- oder Ausfallsymptome haben nicht vorgelegen.
Dr. I._ hat die geklagten Beschwerden nur teilweise durch die objektivierbaren
Befunde erklären können. Er hat für adaptierte Tätigkeiten eine vollständige
Arbeitsfähigkeit attestiert. In diesem Zusammenhang hat er zwar festgehalten, dass die
frühere Einschätzung der Arbeitsfähigkeit zu übernehmen sei (gemeint: die
Arbeitsfähigkeitsschätzung des rheumatologischen Gutachters der Medas Ostschweiz
im Gutachten vom 14. Juni 2012), da der Vergleich der aktuellen
Untersuchungsbefunde mit jenen der Vorgutachter zeige, dass keine relevanten
Veränderungen eingetreten seien. Daraus könnte der Eindruck entstehen, dass Dr. I._
die Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht unabhängig vorgenommen habe. Da er die
Beschwerdeführerin aber umfassend und nicht bloss hinsichtlich möglicher Ver
änderungen des Gesundheitszustands untersucht hat, ist eindeutig von einer
eigenständigen Arbeitsfähigkeitsschätzung auszugehen. Dies zeigt sich auch daran,
dass er im Vergleich zum rheumatologischen Gutachter der Medas Ostschweiz ein
leicht konservativeres Belastungsprofil für adaptierte Tätigkeiten angegeben hat. Als
Adaptionskriterien hat Dr. I._ genannt: Wechselbelastend, körperlich leicht, mit der
Möglichkeit des Wechselns zwischen Sitzen, Gehen und Stehen, ohne Heben und
Tragen von Lasten über zehn Kilogramm, ohne Zwangspositionen der Wirbelsäule (kein
Bücken, keine Rotationsbewegungen) und der Kniegelenke (kein Abknien, Hocken oder
Kauern), kein Absolvieren längerer Gehstrecken, kein Überwinden von
Höhendifferenzen. Angesichts der Natur der erhobenen Befunde sind sowohl die
Arbeitsfähigkeitsschätzung als auch das Belastungsprofil von Dr. I._ schlüssig.
Medizinische Berichte oder Einwände der Beschwerdeführerin, die Zweifel an der
Einschätzung von Dr. I._ wecken könnten, liegen nicht vor. Dr. J._ hat
nachvollziehbar erklärt, dass eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-
vermeidenden, abhängigen und histrionischen Anteilen (ICD-10 F61.0) im Vordergrund
der Untersuchung gestanden sei. Sie hat diese Diagnose aufgrund der von ihr
erhobenen objektiven Befunde überzeugend hergeleitet. Sie hat zudem darauf
hingewiesen, dass diese Diagnose auch von den behandelnden Fachärzten und
Fachkliniken seit dem Jahr 2010 unverändert angegebenen worden sei. Sie hat
ausgeführt, die kombinierte Persönlichkeitsstörung erkläre auch teilweise die
mehrfachen und langfristigen stationären Aufenthalte in der E._. Sie hat dieser
Diagnose keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zugemessen, da die Störung
bereits seit der Jugend der Beschwerdeführerin vorliege, es nie zu einer Entlassung aus
Persönlichkeitsgründen gekommen sei und eine Krankschreibung rein aus diesem
Grund nie erfolgt sei. Diese Einschätzung überzeugt, zumal sich aus den Akten und
den Angaben der Beschwerdeführerin hinsichtlich der Auswirkung der
Persönlichkeitsstörung auf die frühere Erwerbstätigkeit keine gegenteiligen
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Anhaltspunkte ergeben. Im Weiteren hat Dr. J._ aufgezeigt, dass sie anlässlich der
Untersuchung keine relevante depressive Symptomatik hat feststellen können, obwohl
die Beschwerdeführerin angegeben hat, sich mittelgradig depressiv zu fühlen. Dr. J._
hat festgehalten, die behandelnden Ärzte hätten im Verlauf seit dem Jahr 2010 die
Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung angegeben. Sie hat deshalb die
Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10
F33.4), gestellt. Die im Gutachten der Medas Ostschweiz angegebene Diagnose einer
chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10
F45.41) hat Dr. J._ bestätigt und entsprechend erklärt. Im Weiteren hat sie
ausführlich begründet, weshalb die Diagnose einer komplexen posttraumatischen
Belastungsstörung weder im Untersuchungszeitpunkt hat gestellt noch aufgrund der
Berichte der E._ und von Dr. G._ hat nachvollzogen werden können. Die Erhebung
der Befunde und die gestützt darauf gestellten Diagnosen sind schlüssig und
nachvollziehbar; die von derjenigen der behandelnden Ärzten abweichende
Einschätzung hat Dr. J._ plausibel begründet. Im Weiteren hat sich Dr. J._ zu den
Standardindikatoren geäussert, insbesondere zur Konsistenz und zu den Ressourcen.
Die Ausführungen zu den Ressourcen sind zwar eher knapp ausgefallen; zusammen
mit den Schilderungen der Alltagsaktivitäten, die ein beträchtliches Aktivitätsniveau der
Beschwerdeführerin aufzeigen (etappenweise Erledigung des Haushalts, Einkaufen,
Kochen, Basteln, Umsorgen der Katzen, Kontakte mit Bekannten, IV-act. 213-28), sind
diese aber ausreichend und zeigen das Bestehen von erheblichen Ressourcen auf. In
Bezug auf die Konsistenz ist festzuhalten, dass Dr. J._ als Resultat der neuro
psychologischen Testung den Eindruck einer sehr geringen Anstrengungsbereitschaft
angegeben hat. Dies stimmt mit der Angabe von Dr. I._ überein, wonach die
Beschwerdeführerin ihren Beschwerden einen hohen Stellenwert beimesse und daraus
recht absolute Schlussfolgerungen in Bezug auf ihre Leistungsfähigkeit ziehe. Dies
weist auf eine Selbstlimitierung der Beschwerdeführerin hin. Dr. J._ ist zum Schluss
gelangt, dass keine Diagnose mit einer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliege.
Demzufolge hat sie eine vollständige Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten
attestiert. Retrospektiv hat sie einzig für die Zeit der stationären Aufenthalte eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung ist in
Anbetracht dessen, dass keine Diagnose mit einer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
vorliegt und dass die Beschwerdeführerin über beträchtliche Ressourcen verfügt,
überzeugend. In Bezug auf die retrospektive Arbeitsfähigkeitsschätzung ist ausserdem
zu berücksichtigen, dass die Fachärzte der E._ in dem für einen potentiellen
Rentenanspruch relevanten Zeitraum (also ab dem 1. April 2017 oder dem 1. Mai 2017,
vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG) bis zum Zeitpunkt der Begutachtung keine beim Austritt
bestehende Arbeitsunfähigkeit attestiert und jeweils über einen gebesserten
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Gesundheitszustand berichtet haben (Austrittsberichte vom 7. Juni 2017 und vom
3. November 2017, IV-act. 185, 197; im Bericht vom 3. November 2017 ist nur noch
eine beim Austritt bestehende leichte depressive Verstimmung angegeben worden). Im
Weiteren ist in Bezug auf diese Berichte sowie die Berichte von Dr. G._ vom 6. Juni
2017 und vom 18. Dezember 2017 (IV-act. 186, 200) der Erfahrungstatsache Rechnung
zu tragen, dass die behandelnden Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen
Vertrauensstellung im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten auszusagen pflegen und
dazu neigen, die pessimistischen Beschwerdeschilderungen ihrer Patienten als objektiv
ausgewiesen zu qualifizieren (vgl. BGE 125 V 353, E. 3b.cc; Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts vom 5. April 2004, I 814/03, E. 2.4.2). Der Umstand, dass
Dr. G._ in diesen Berichten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für Tätigkeiten auf
dem freien Arbeitsmarkt attestiert hat, vermag deshalb keine Zweifel an der
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. J._ zu wecken.
Im Folgenden ist zu prüfen, ob die nach der Erstattung des Gutachtens erstellten
Berichte der E._ vom 17. Oktober 2018 (IV-act. 218) und 10. Mai 2019 (act. G 12.1)
sowie der Bericht von Dr. G._ vom 17. Dezember 2018 (IV-act. 226) Zweifel am
Gutachten zu wecken vermögen. Im Bericht der E._ vom 17. Oktober 2018 haben die
Fachärzte keine neuen Diagnosen angegeben. Der stationäre Aufenthalt vom
10. August 2018 bis 21. September 2018 ist wegen einer mittelgradigen depressiven
Episode erfolgt. Beim Austritt haben noch ein haftendes Kontaktverhalten und eine
Grübelneigung bei einer deutlich gebesserten Stimmung bestanden. Eine beim Austritt
bestehende Arbeitsunfähigkeit ist nicht attestiert worden. Selbst wenn sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin aufgrund einer Depression verschlechtert
und die Depression eine Arbeitsunfähigkeit ausgelöst haben sollte, liegt aufgrund der
relativ kurzen Dauer des stationären Aufenthalts mit einer beim Austritt deutlich
gebesserten Stimmung keine längerdauernde Erwerbsunfähigkeit im Sinne von Art. 8
Abs. 1 ATSG vor, die eine Invalidität hätte bewirken können. Der Bericht vom 10. Mai
2019 betrifft einen stationären Aufenthalt vom 1. bis 26. April 2019, also einen Zeitraum
nach dem Verfügungserlass. Die Behandlung ist wiederum wegen einer mittelgradigen
depressiven Episode erfolgt. Da zur Beurteilung der Rechtmässigkeit der Abweisung
des Rentenbegehrens der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin bis zum
Zeitpunkt des Verfügungserlasses massgebend ist, sich der Bericht vom 10. Mai 2019
aber auf einen späteren Zeitraum bezieht und keine objektiven Hinweise auf eine
Verschlechterung des Gesundheitszustands vor dem 13. Februar 2019 enthält, ist
dieser Bericht nicht zu berücksichtigen. Dasselbe gilt in Bezug auf das Schreiben der
E._ vom 14. August 2019 betreffend ein Indikationsgespräch für eine Anmeldung/
Information auf der Traumastation (act. G 15). Diese Berichte wecken somit keine
4.4.
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Zweifel am Gutachten. Dr. G._ hat am 17. Dezember 2018 angegeben, sie halte an
der Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung fest. Aus ihren Ausführungen
ergibt sich aber nicht, wie die angegebenen Symptome einer posttraumatischen
Belastungsstörung (Hyperaraousal, Intrusionen, Nachhallungen und
Wiedererlebenssymptome) auftreten und wie sich diese konkret äussern. Dr. G._ hat
die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung also nach wie vor nicht
begründet. Im Weiteren hat Dr. G._ angeführt, die Summe der psychiatrischen
Diagnosen sowie das Fibromyalgie-Syndrom wirkten sich dergestalt aus, dass die
Beschwerdeführerin gezwungen sei, auf sich und ihre Befindlichkeit zu achten, d.h. bei
Bedarf Pausen einzulegen, und dass sie eine längere Regenerationszeit benötige. Die
Beschwerdeführerin benötige einen verständnisvollen Ansprechpartner; ihre
Teamfähigkeit sei deutlich herabgesetzt. Aktuell sei eine ca. halbschichtige
Wiedereingliederung über den geschützten Arbeitsmarkt vorstellbar. Der Bericht vom
17. Dezember 2018 enthält keine neuen medizinischen Aspekte. Bei der von Dr. G._
angegebenen Arbeitsfähigkeitsschätzung handelt es sich lediglich um eine andere
Beurteilung desselben Sachverhalts. Dieser Bericht ist somit nicht geeignet, Zweifel am
Gutachten zu wecken, zumal auch hier der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen ist,
dass die behandelnden Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im
Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten auszusagen pflegen und dazu neigen, die
pessimistischen Beschwerdeschilderungen ihrer Patienten als objektiv ausgewiesen zu
qualifizieren (vgl. BGE 125 V 353, E. 3b.cc; Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts vom 5. April 2004, I 814/03, E. 2.4.2).
Zu prüfen bleibt, ob die Einwände der Beschwerdeführerin Zweifel am Gutachten
zu wecken vermögen. Die Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, Dr. J._ habe
bescheinigt, dass die kombinierte Persönlichkeitsstörung isoliert keinen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit habe. Diese Diagnose sei in Summe mit den weiteren Einschränkungen
zu betrachten und habe somit klar Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Im Weiteren
hat sie vorgebracht, die rezidivierende depressive Störung sei als remittiert
eingeschätzt worden. Diese Einschätzung widerspreche sämtlichen fachärztlichen
Einschätzungen. Diese Diagnose habe im Verlauf des Jahres immer von leicht über
mittelgradig bis teilweise schwer geschwankt. Dazu ist festzuhalten, dass Dr. J._
anlässlich der Begutachtung keine depressiven Symptome hat feststellen können. Die
Diagnose eines im Untersuchungszeitpunkt remittierten depressiven Zustandbilds ist
daher überzeugend. In Bezug auf die Berichte der behandelnden Fachärzte ist auf die
Ausführungen in der Erwägung 4.4 zu verweisen. Hinsichtlich der Diagnose der
kombinierten Persönlichkeitsstörung ist darauf hinzuweisen, dass Dr. J._
überzeugend begründet hat, weshalb diese Diagnose keinen Einfluss auf die
4.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 28/31
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5.
Bleibt der von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Einkommensvergleich zu
überprüfen.
Arbeitsfähigkeit hat. Nicht ersichtlich ist, inwiefern sich an der
Arbeitsfähigkeitsschätzung etwas ändern sollte, wenn man diese Diagnose in
Kombination mit den Diagnosen einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen
und psychischen Anteilen und einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
remittiert, betrachtet, da gemäss der überzeugenden Einschätzung von Dr. J._ keine
der genannten Diagnosen eine Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit zur
Folge hat. Die Beschwerdeführerin hat schliesslich angeführt, die Beschwerdegegnerin
habe das generalisierte Schmerzsyndrom in den Vordergrund gestellt, gehe jedoch in
keiner Weise auf die Diagnosen einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung
und einer kombinierten Persönlichkeitsstörung ein. Die Beschwerdeführerin übersieht
dabei, dass der angefochtenen Verfügung vom 13. Februar 2019 das bidisziplinäre
Gutachten von Dres. I._ und J._ zugrunde liegt, worin die Diagnosen ausführlich
diskutiert worden sind. Der Einwand der Beschwerdeführerin ist damit nicht stichhaltig.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass weder die Einwände der Beschwerde
führerin noch die Berichte der E._ und von Dr. G._ Zweifel an der gutachterlichen
Einschätzung zu wecken vermögen. Damit steht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die Beschwerdeführerin in adaptierten
Tätigkeiten vollständig arbeitsfähig ist. Retrospektiv hat lediglich während der
stationären Aufenthalte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Da diese
Aufenthalte jeweils nur von relativ kurzer Dauer gewesen sind, haben diese keine
invalidenversicherungsrechtlich relevante, anhaltende Arbeitsunfähigkeit zur Folge
gehabt.
4.6.
Zunächst ist massgebend, auf welcher Basis der Einkommensvergleich durchzu
führen ist. Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten
nach der Geltendmachung des Leistungsanspruchs (Art. 29 Abs. 1 IVG). Die
Beschwerdeführerin hat sich am 31. Oktober 2016/2. November 2016 zum
Leistungsbezug angemeldet. Der frühest mögliche Rentenbeginn ist also der 1. April
2017 oder der 1. Mai 2017 gewesen (welches Datum massgebend ist, kann
offengelassen werden). Basis für den Einkommensvergleich bilden damit die
Verhältnisse im Jahr 2017.
5.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 29/31
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Die Beschwerdeführerin hat eine zweijährige Anlehre als Verkäuferin absolviert und
anschliessend während einigen Jahren in diesem Beruf gearbeitet. Obwohl sie später
auch als Restaurantmitarbeiterin und als Lagermitarbeiterin gearbeitet hat (vgl. die
Arbeitszeugnisse, IV-act. 134), also eine Hilfsarbeiterinnentätigkeit ausgeübt hat,
könnte sie im fiktiven "Gesundheitsfall" wieder als Verkäuferin arbeiten. Das vor rund
30 Jahren erlernte Wissen und die damals erlernten Fähigkeiten könnte sie nämlich,
allenfalls nach einer kurzen Einarbeitung, auch heute noch einsetzen, da sich die
beruflichen Anforderungen einer Verkäuferin nicht in einem Ausmass geändert haben,
dass die damals erworbenen Berufskenntnisse aus heutiger Sicht nutzlos wären. Die
Validenkarriere besteht damit in einer Tätigkeit als Verkäuferin. Das durchschnittliche
Einkommen einer Verkäuferin in der Altersgruppe 30-49 Jahre hat im Jahr 2016
Fr. 4'550.-- monatlich betragen (Schweizerische Lohnstrukturerhebung des
Bundesamts für Statistik, T17, Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach
Berufsgruppen, Lebensalter und Geschlecht, privater und öffentlicher Sektor [Bund,
Kantone, Bezirke, Gemeinden, Körperschaften] zusammen). Aufgerechnet auf das Jahr
2017 (Schweizerischer Lohnindex: Index und Veränderungen auf der Basis 2015 = 100
[NOGA08], Nominallohnindex 2016-2019, T1.15, Detailhandel) hat es Fr. 4'559.--
betragen (Fr. 4'550.-- ÷ 100.5 × 100.7).
5.2.
In Bezug auf die Bemessung des Invalideneinkommens ist massgebend, dass der
Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit als Hilfsarbeiterin eine
Vollerwerbstätigkeit zumutbar ist, während aufgrund des im Gutachten von Dr. I._
formulierten Belastungsprofils in der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin keine
vollständige Arbeitsfähigkeit mehr gegeben sein dürfte. Die Beschwerdeführerin
vermag deshalb mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit in einer
Hilfsarbeiterinnentätigkeit ein höheres Einkommen zu erzielen als in einer (in der
Arbeitsfähigkeit eingeschränkten) Tätigkeit als Verkäuferin, zumal der Zentralwert des
Einkommens einer Verkäuferin nicht wesentlich höher liegt als der Zentralwert des
Einkommens einer Hilfsarbeiterin. Das durchschnittliche monatliche Einkommen einer
Hilfsarbeiterin hat im Jahr 2017 nämlich Fr. 4'379.-- brutto betragen (vgl. Anhang 2 der
IV-Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2019). Die Invalidenkarriere
besteht also in einer Tätigkeit als Hilfsarbeiterin. Nun stellt sich die Frage, ob die
Beschwerdeführerin zusätzliche Lohnnachteile in Kauf zu nehmen hat. Bei Personen,
die in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sind, können im Vergleich zu gesunden
Arbeitnehmern nämlich Lohnnachteile entstehen, da der Wert der Arbeitsleistung aus
der Sicht eines betriebswirtschaftlich-ökonomisch handelnden Arbeitgebers vermindert
ist. Eine gesundheitlich beeinträchtigte Person wäre nämlich unfähig, sich
vorübergehend an einem nicht adaptierten Arbeitsplatz einsetzen zu lassen. Sie wäre in
5.3.
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6.
der Regel auch nicht in der Lage, Überstunden zu leisten. Längerfristig betrachtet
bestünde zudem das Risiko von vermehrten krankheitsbedingten Absenzen. Geht man
von einem ökonomischen Invaliditätsbegriff aus bzw. will man einen Soziallohnanteil
ausscheiden, ist wegen diesen Nachteilen, die betriebswirtschaftlich zu einem
Minderlohn zwingen würden, bei der Ermittlung des Ausgangswerts des
zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens ein zusätzlicher Abzug
vorzunehmen. Ob die Beschwerdeführerin mit zusätzlichen Lohnnachteilen zu rechnen
hat, welche einen zusätzlichen Abzug vom zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommen rechtfertigen würde, kann vorliegend aber offenbleiben. Denn
selbst bei einer grosszügigen Betrachtungsweise würde dieser Abzug sicher nicht mehr
als 15% betragen; das Invalideneinkommen läge damit bei Fr. 3'722.--. Bei einem
Valideneinkommen von Fr. 4'559.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 3'722.--
würde der Invaliditätsgrad 18% betragen. Ein Rentenanspruch resultiert damit nicht.
Aus dem Einkommensvergleich resultiert somit ein Invaliditätsgrad von maximal
18%. Die Beschwerdegegnerin hat einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine
Invalidenrente im Ergebnis also zu Recht verneint. Die Beschwerde ist demnach
abzuweisen.
5.4.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erweist
sich in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang
des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdeführerin
aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten)
ist sie von der Bezahlung zu befreien.
6.1.
bis
Die Beschwerdeführerin hat ihren Rechtsvertreter erst nach dem Abschluss des
Schriftenwechsels mandatiert. Der Rechtsvertreter hat das Versicherungsgericht am
2. November 2020 um Akteneinsicht ersucht, um der Beschwerdeführerin den weiteren
Verfahrensablauf erläutern und eine Einschätzung abgeben zu können. Am
20. November 2020 hat er die Zustellung der Akten verdankt und angegeben, dass er
sich davon Kopien erstellt habe. Dem Ausgang des Beschwerdeverfahrens gemäss hat
die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (vgl. Art. 61
lit. g ATSG). Ihr Rechtsvertreter hat kein Gesuch um die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung gestellt. Damit besteht weder ein Anspruch auf eine
Parteientschädigung noch ein Anspruch auf eine Entschädigung durch den Staat.
6.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 31/31
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