Decision ID: 4f3d93aa-012e-4744-a0ba-a0a4e5a3f8ae
Year: 2017
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Mazedonien schrieb A. mit Interpol-Ausschreibung vom 7. Dezember 2016
zur Festnahme zwecks Auslieferung aus.
A. befand sich im Kanton Zürich in Ausschaffungshaft. Das Bundesamt für
Justiz (nachfolgend "BJ") erliess am 14. Dezember 2016 die Haftanordnung
und liess A. am 16. Dezember 2016 durch die Kantonspolizei Zürich einver-
nehmen. A. war mit einer vereinfachten Auslieferung nach Mazedonien nicht
einverstanden (act. 5.1–5.3).
Das BJ erliess am 20. Dezember 2016 den Auslieferungshaftbefehl
(act. 5.4).
B. Das mazedonische Justizministerium ersuchte die Schweiz am 17. Ja-
nuar 2017 formell um Auslieferung von A. zur Vollstreckung einer Restfrei-
heitsstrafe von 2 Jahren, 8 Monaten und elf Tagen wegen Drogenhandels
(Import von 9'500 Gramm Heroin aus der Türkei über Mazedonien nach Ko-
sovo) aus einem Urteil des Bezirksgerichtes Veles vom 9. Oktober 2014 und
dem Urteil des Berufungsgerichts Skopje vom 11. März 2015 (act. 5.5 mit
Beilagen).
Mazedonien liess am 2. und 22. Februar 2017 Ergänzungen zum Ausliefe-
rungsersuchen nachreichen (act. 5.9, 5.11).
A. wurde am 7. Februar 2017 zum formellen Auslieferungsersuchen einver-
nommen (act. 5.8).
C. Am 26. Januar 2017 ernannte das BJ Rechtsanwältin Angelika Häusermann
zur amtlichen Rechtsbeiständin von A. (act. 5.6). Sie nahm zum Ausliefe-
rungsverfahren schriftlich am 3. sowie 21. März 2017 Stellung (act. 5.10,
5.12).
D. Das BJ genehmigte mit Entscheid vom 31. März 2017 die Auslieferung von
A. an Mazedonien (act. 5.13).
E. Dagegen führte A. persönlich am 25. April 2017 Beschwerde (act. 1). Er be-
antragt, es sei die Auslieferung nicht zu bewilligen und ihm zu erlauben, die
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Strafe in der Schweiz zu verbüssen. Er beantragt sodann eine unentgeltliche
Rechtsbeiständin für das Beschwerdeverfahren.
Das BJ wurde vom Gericht am 19. April 2017 aufgefordert, die Verfahrens-
akten einzureichen (act. 3). Diese gingen am 28. April 2017 beim Gericht ein
(act. 5).
A. stellte dem Gericht eine Kopie einer handschriftlichen Eingabe ans Ver-
waltungsgericht des Kantons Zürich zu (act. 4, Eingang am 27. April 2017).
F. Es wurde kein Schriftenwechsel durchgeführt (vgl. Art. 57 Abs. 1 VwVG im
Umkehrschluss).
Auf die Ausführungen der Partei und die eingereichten Akten wird, soweit
erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-
men.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Für den Auslieferungsverkehr zwischen der Schweiz und Mazedonien sind
primär das Europäische Auslieferungsübereinkommen vom 13. Dezem-
ber 1957 (EAUe; SR 0.353.1), dem beide Staaten beigetreten sind, sowie
das zu diesem Übereinkommen am 15. Oktober 1975 ergangene erste Zu-
satzprotokoll (1. ZP; SR 0.353.11), das am 17. März 1978 ergangene zweite
Zusatzprotokoll (2. ZP; SR 0.353.12) und das am 10. November 2010 ergan-
gene dritte Zusatzprotokoll (3. ZP; SR 0.353.13) massgebend.
1.2 Soweit diese Staatsverträge bestimmte Fragen nicht abschliessend regeln,
findet auf das Verfahren der Auslieferung ausschliesslich das Recht des er-
suchten Staates Anwendung (Art. 22 EAUe), vorliegend also das Bundesge-
setz vom 20. März 1981 über die internationale Rechtshilfe in Strafsachen
(Rechtshilfegesetz, IRSG; SR 351.1) und die dazugehörige Verordnung vom
24. Februar 1982 (Rechtshilfeverordnung, IRSV; SR 351.11; Art. 1 Abs. 1
lit. a IRSG; BGE 136 IV 82 E. 3.1; 130 II 337 E. 1). Das innerstaatliche Recht
gelangt nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann zur Anwendung, wenn die-
ses geringere Anforderungen an die Auslieferung stellt (BGE 142 IV 250
E. 3; 140 IV 123 E. 2; 137 IV 33 E. 2.2.2; 136 IV 82 E. 3.1; 135 IV 212 E. 2.3;
122 II 140 E. 2; ZIMMERMANN, La coopération judiciaire internationale en ma-
tière pénale, 4. Aufl., Brüssel/Bern 2014, N. 229). Vorbehalten bleibt die
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Wahrung der Menschenrechte (BGE 139 II 65 E. 5.4 letzter Absatz; 135 IV
212 E. 2.3; 123 II 595 E. 7c).
Auf das vorliegende Beschwerdeverfahren sind zudem anwendbar die Be-
stimmungen des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Ver-
waltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG; SR 172.021;
Art. 39 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37 Abs. 2 lit. a des Bundesgesetzes vom
19. März 2010 über die Organisation der Strafbehörden des Bundes [Straf-
behördenorganisationsgesetz, StBOG; SR 173.71]; BGE 139 II 404
E. 6/8.2).
2.
2.1 Gegen Auslieferungsentscheide des BJ kann innerhalb von 30 Tagen nach
Eröffnung des Entscheids bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafge-
richts Beschwerde geführt werden (Art. 25 Abs. 1 IRSG i.V.m. Art. 50
Abs. 1 VwVG und Art. 12 Abs. 1 IRSG). Die Frist beginnt an dem auf ihre
Mitteilung folgenden Tage zu laufen (Art. 20 Abs. 1 VwVG).
2.2 Als Verfolgter (vgl. Art. 11 Abs. 1 IRSG) ist der Beschwerdeführer zur Einrei-
chung des innert Frist eingegangenen Rechtsmittels legitimiert. Auf die Be-
schwerde ist damit einzutreten.
3.
3.1 Der Beschwerdeführer bringt im Wesentlichen vor, in Mazedonien durch die
Mafia bedroht zu sein (act. 1 S. 2). Die amtliche Rechtsbeiständin führte
dazu vor der Vorinstanz aus (act. 5.10 S. 3), dass der heutige Beschwerde-
führer Todesangst habe und um sein Leben fürchte. Er sei auf die Mafia he-
reingefallen, die ihn genötigt habe, einen Kurierdienst zu übernehmen. Die
Mafia (der heutige Beschwerdeführer könne aus Sicherheitsgründen keine
konkreten Namen nennen) mache ihm nun in Mazedonien die Hölle heiss.
Sie wollten ihr Geld zurück, welches sie mit seiner Verhaftung und der Be-
schlagnahmung der Drogen verloren hätten und sich rächen, dass die Dro-
gen weg seien. Er sei aus dem Hafturlaub geflohen, da er im dortigen Ge-
fängnis mit dem Leben bedroht worden sei. Es sei keine Seltenheit, dass in
Mazedonien ein Messer oder andere Waffen ins Gefängnis geschleust und
Insassen auch im Gefängnis umgebracht würden.
3.2
3.2.1 Bei Ländern mit bewährter Rechtsstaatskultur – insbesondere jenen West-
europas – bestehen regelmässig keine ernsthaften Gründe für die Annahme,
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dass der Verfolgte bei einer Auslieferung dem Risiko einer Art. 3 EMRK ver-
letzenden Behandlung ausgesetzt sein könnte. Deshalb wird hier die Auslie-
ferung ohne Auflagen gewährt. Dann gibt es Staaten, in denen zwar ernst-
hafte Gründe für die Annahme bestehen, dass der Verfolgte im ersuchenden
Staat einer menschenrechtswidrigen Behandlung ausgesetzt sein könnte,
dieses Risiko aber mittels diplomatischer Garantien behoben oder jedenfalls
auf ein so geringes Mass herabgesetzt werden kann, dass es als nur noch
theoretisch erscheint. Ein solches theoretisches Risiko einer menschen-
rechtswidrigen Behandlung kann, da es praktisch immer besteht, für die Ab-
lehnung der Auslieferung nicht genügen. Sonst wären Auslieferungen über-
haupt nicht mehr möglich und könnten sich Straftäter durch Grenzübertritt
vor der Verfolgung schützen. Schliesslich gibt es Staaten, in denen das Ri-
siko einer menschenrechtswidrigen Behandlung auch mit diplomatischen
Zusicherungen nicht auf ein Mass herabgesetzt werden kann, dass es als
nur noch theoretisch erscheint. Als Beispiel kann auf das Urteil des Europä-
ischen Gerichtshofes in Sachen Chahal gegen Vereinigtes Königreich vom
15. November 1996 (Recueil CourEDH 1996-V S. 183) verwiesen werden
(vgl. BGE 134 IV 156 E. 6.7).
3.2.2 Für die Beantwortung der Frage, in welche Kategorie der Einzelfall gehört,
ist eine Risikobeurteilung vorzunehmen. Dabei ist zunächst die allgemeine
menschenrechtliche Situation im ersuchenden Staat zu würdigen. Sodann –
und vor allem – ist zu prüfen, ob der Verfolgte selber aufgrund der konkreten
Umstände seines Falles der Gefahr einer menschenrechtswidrigen Behand-
lung ausgesetzt wäre (BGE 117 Ib 64 E. 5 f.; BGE 115 Ib 68 E. 6). Dabei
spielt insbesondere eine Rolle, ob er gegebenenfalls zu einer Personen-
gruppe gehört, die im ersuchenden Staat in besonderem Masse gefährdet
ist (BGE 135 I 191 E. 2.3; 134 IV 156 E. 6.8; TPF 2010 56 E. 6.3.2 [Iran];
TPF 2008 24 E. 4 [Moldawien]). Der im ausländischen Strafverfahren Be-
schuldigte muss glaubhaft machen, dass objektiv und ernsthaft eine schwer-
wiegende Verletzung der Menschenrechte im ersuchenden Staat zu befürch-
ten ist (BGE 130 II 217 E. 8.1; 129 II 268 E. 6.1; 126 II 324, 328 E. 4e; 125
II 356, 364 E. 8a; 123 II 161, 167 E. 6b; 123 II 511, 517 E. 5b). Abstrakte
Behauptungen genügen nicht. Im Rahmen eines Beschwerdeverfahrens
muss der Beschwerdeführer seine Vorbringen im Einzelnen präzisieren (Ur-
teil des Bundesgerichts 1A.210/1999 vom 12. Dezember 1999, E. 8b). Dies
gilt auch für allfällige Drohungen und Gefährdungen durch Drittpersonen (Ur-
teil des Bundesgerichts 1C_317/2014 vom 27. Juni 2014, E. 1.5; Entscheid
des Bundesstrafgerichts RR.2014.148 vom 5. Juni 2014, E. 6.2; GARRÉ,
Basler Kommentar, Basel, 2015, N. 10 zu Art. 37 IRSG).
3.3 Der Beschwerdeführer erklärt im ganzen Verfahren nie konkret, dass er in
Mazedonien einer besonderen Gefährdung ausgesetzt ist. Das gilt auch für
https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2017&sort=date_desc&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+117+Ib+64+&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F117-IB-64%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page64 https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2017&sort=date_desc&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+117+Ib+64+&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F115-IB-68%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page68
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die allgemein gehaltenen Ausführungen zur Mafia, deren Interessensgebiete
sich zumeist ohnehin über Landesgrenzen hinaus bewegen. Die Vorinstanz
durfte vielmehr davon ausgehen, dass Mazedonien u.a. als Vertragspartei
der EMRK und des EAUe die menschenrechtlichen Verpflichtungen auch im
Strafvollzug wahrt. Auch bezüglich dem beantragten Strafvollzug in der
Schweiz ist auf die zutreffenden Erwägungen im angefochtenen Entscheid
zu verweisen (act. 5.13 S. 4 f. E. 6.2/6.3). Der Auslieferungsentscheid er-
weist sich als bundesrechtskonform und die erhobene Rüge als offensicht-
lich unbegründet.
4. Es sind keine weiteren Auslieferungshindernisse ersichtlich. Die Be-
schwerde ist abzuweisen.
5.
5.1 Beantragt ist die Beiordnung einer unentgeltlichen Rechtsbeiständin (act. 1
S. 1; RP.2017.28).
5.2 Die Beschwerdekammer befreit eine Partei, die nicht über die erforderlichen
Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten, sofern
ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 39
Abs. 2 lit. b StBOG) und bestellt dieser einen Anwalt, wenn dies zur Wahrung
ihrer Rechte notwendig ist (Art. 65 Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 39 Abs. 2
lit. b StBOG). Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind Pro-
zessbegehren als aussichtslos anzusehen, wenn die Gewinnaussichten be-
trächtlich geringer erscheinen als die Verlustgefahren. Dagegen gilt ein Be-
gehren nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustge-
fahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als
diese (BGE 138 III 217 E. 2.2.4; 134 I 92 E. 3.2.1; 129 I 129 E. 2.3.1).
5.3 Anhand des oben Ausgeführten erweist sich die Beschwerde offensichtlich
als aussichtslos im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG. Demzufolge ist das Ge-
such des Beschwerdeführers um unentgeltliche Verbeiständung abzuwei-
sen.
6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Gerichtsgebühr ist
auf Fr. 1'000.-- festzusetzen (Art. 63 Abs. 5 VwVG i.V.m. Art. 73 StBOG so-
wie Art. 5 und 8 Abs. 3 lit. a des Reglements des Bundesstrafgerichts vom
31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bun-
desstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]).
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