Decision ID: cbe03d1a-6dad-5f85-bcd9-08d692a23d61
Year: 2018
Language: de
Court: BE_VG
Chamber: BE_VG_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
C._ erhob am 28. Juli 2017 im Namen von A._, geb. ... 1924, Beschwerde beim Regierungsstatthalteramt (RSA)  gegen die Verfügung der Einwohnergemeinde (EG) B._ vom 12. Juli 2017 «zur Bestimmung der bezogenen Sozialhilfeleistungen und zur Festsetzung des Rückforderungsbetrages». Das RSA  trat mit Entscheid vom 21. September 2017 auf die Beschwerde nicht ein. C._ habe mit der Generalvollmacht vom 22. Oktober 2012 keine gültige Vertretungsbefugnis vorgelegt und innert Nachfrist keine neue Vollmacht eingereicht. Am 7. Oktober 2017 verstarb A._.
B.
C._ hat am 16. Oktober 2017 gegen den Entscheid des RSA  vom 21. September 2017 Verwaltungsgerichtsbeschwerde . Er beantragt sinngemäss, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Verfügung der EG B._ auf ihre Rechtmässigkeit hin zu überprüfen. Mit prozessleitender Verfügung vom 20. Oktober 2017 wurde das Verfahren vorerst sistiert bis zur definitiven Klärung der Erbenstellung. Am 21. Dezember 2017 ist den Erben des A._ sel. dessen Testament vom 6. Oktober 2011 eröffnet worden. C._ wird darin als Willensvollstrecker bestimmt.
Per 1. Januar 2018 sind die Akten des Rechtsmittelverfahrens infolge eines Zuständigkeitswechsels von der sozialversicherungsrechtlichen Abteilung des Verwaltungsgerichts an die verwaltungsrechtliche Abteilung  worden; das Beschwerdeverfahren blieb weiterhin sistiert. Mit  vom 26. März 2018 hat das RSA Bern-Mittelland dem  mitgeteilt, die eingesetzte Alleinerbin mit Wohnsitz in Deutschland habe die Ausschlagung der Erbschaft erklärt und zwei testamentarisch  Ersatzerbinnen hätten ebenfalls ausgeschlagen. Da die Erbschaft
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 06.11.2018, Nr. 100.2018.4U, Seite 3
als offensichtlich überschuldet erachtet werde, seien die amtlichen Akten zum Erbfall dem zuständigen Konkursgericht überstellt worden.
C.
Mit prozessleitender Verfügung vom 12. April 2018 hat der  das Konkursamt Bern-Mittelland aufgefordert, dem  mitzuteilen, ob das hängige Beschwerdeverfahren fortgesetzt werden soll. Am 18. April 2018 hat das Konkursamt wie folgt Stellung genommen: Es seien «Abklärungen über den Bestand der Aktiven in dieser » im Gang, welche «etliche Zeit» in Anspruch nehmen würden. Daher könne noch nicht abschliessend beurteilt werden, «wann über die  dieses Konkursverfahrens entschieden [werde]». Ausserdem sei die Frage der rechtsgültigen Vertretung von A._ sel. mit dessen Tod womöglich gegenstandslos geworden. Am 14. Mai 2018 hat der  die Wiederaufnahme des Verfahrens verfügt und das Konkursamt nochmals aufgefordert, ausdrücklich zu erklären, ob es an einer Fortsetzung des Verfahrens interessiert ist oder ob es die  zurückziehen will. Mit Schreiben vom 6. Juni 2018 hat sich das Konkursamt im Sinn seiner vorangehenden Eingabe geäussert und sich für eine Sistierung des Verfahrens ausgesprochen. Der Abteilungspräsident hat diese Eingabe mangels eines expliziten Beschwerderückzugs als  am Verfahren gedeutet, den Antrag auf eine erneute Sistierung des Verfahrens abgewiesen und den Schriftenwechsel angeordnet. Das RSA Bern-Mittelland beantragt mit Vernehmlassung vom 13. August 2018 die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei.
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 06.11.2018, Nr. 100.2018.4U, Seite 4

Erwägungen:
1.
1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) zuständig (vgl. auch Art. 52 Abs. 3 des Gesetzes vom 11. Juni 2001 über die öffentliche Sozialhilfe [Sozialhilfegesetz, SHG; BSG 860.1]). Im Streit liegt die Frage, ob C._ im vorinstanzlichen Verfahren formgültig im Namen von A._ Beschwerde gegen die Verfügung der EG B._ vom 12. Juli 2017 betreffend Bestimmung der bezogenen Sozialhilfeleistungen und Festsetzung des  erheben konnte. Diese Frage ist entgegen der Auffassung des Konkursamts mit dem Ableben von A._ nicht gegenstandslos geworden. Da die Erben die Erbschaft ausgeschlagen haben, ist nunmehr die durch die Konkursverwaltung vertretene Konkursmasse der ausgeschlagenen Erbschaft des A._ sel. in die Rechtsstellung des Verstorbenen bzw. der Erben und damit auch in das Verfahren eingetreten (Art. 13 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 83 der Schweizerischen  vom 19. Dezember 2008 [ZPO; SR 272]; Art. 573 Abs. 1, Art. 595 und Art. 597 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [ZGB; SR 210] i.V.m. Art. 193 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes vom 11. April 1889 über Schuldbetreibung und Konkurs [SchKG; SR 281.1]; BGE 131 III 49 E. 2.3; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 13 N. 14). Sie ist durch den angefochtenen Entscheid besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG). Die Beschwerde wurde fristgerecht durch C._ erhoben. Dessen Vertretungsbefugnis liegt im Streit, weshalb sie hier im Rahmen der Sachurteilsvoraussetzungen zu unterstellen bzw. nicht als Eintretensfrage, sondern in der Sache zu beurteilen ist (vgl. z.B. BGer 4A_150/2013 vom 11.2.2014 E. 1.1). Ausserdem wurde C._ durch den Verstorbenen als Willensvollstrecker eingesetzt (Testament vom 6.10.2011 [act. 7A]), weshalb er jedenfalls im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung auch unter diesem Titel befugt war, zur Abwehr von Ansprüchen gegen die Hinterlassenschaft zu handeln (Art. 518 ZGB). Auf
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 06.11.2018, Nr. 100.2018.4U, Seite 5
die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist demzufolge grundsätzlich einzutreten.
1.2 Das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht ist auf den  beschränkt. Der angefochtene Entscheid gibt dessen Rahmen vor, d.h. der Streitgegenstand kann nicht über das hinausgehen, was die  geregelt hat (zum Begriff des Streitgegenstands vgl. BVR 2011 S. 391 E. 2.1), hier die Frage der Vertretungsbefugnis von C._. Soweit sich die in der Beschwerde gestellten Anträge auf die materielle Überprüfung der Verfügung der EG B._ vom 12. Juli 2017 beziehen, liegen sie ausserhalb des Streitgegenstands und ist darauf nicht einzutreten.
1.3 Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf Rechtsverletzungen hin (Art. 80 Bst. a und b VRPG).
2.
Streitig ist, ob die von A._ am 22. Oktober 2012 erteilte «» an C._ (Vorakten pag. 13) diesen rechtsgültig , gegen die Verfügung der EG B._ vom 12. Juli 2017  Bestimmung der bezogenen Sozialhilfeleistungen und Festsetzung des Rückforderungsbetrags Beschwerde zu erheben.
2.1 Im Bereich der Sozialhilfe gilt das Anwaltsmonopol nicht und es sind nach der spezialgesetzlichen Regelung zur Prozessvertretung vor den  Personen und Organisationen nach freier Wahl der  Person zugelassen (Art. 52 Abs. 4 SHG i.V.m. Art. 15 Abs. 4 VRPG). Die Prozessvertreterin oder der Prozessvertreter muss sich mittels rechtsgültiger Vollmacht ausweisen können. – Das RSA Bern- liess die «Generalvollmacht» vom 22. Oktober 2012 für eine  von C._ zur Beschwerdeführung gegen die  der EG B._ vom 12. Juli 2017 nicht genügen. Es begründete dies damit, dass es sich seiner Kenntnis entziehe, «in welcher  Verfassung sich der Beschwerdeführer aktuell befindet –  mit Blick auf den Geisteszustand und damit verbunden die Fähigkeit,
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 06.11.2018, Nr. 100.2018.4U, Seite 6
die Handlungen von C._ zu überwachen» (E. 4 des angefochtenen Entscheids). Das RSA Bern-Mittelland ging demnach davon aus, die  «Generalvollmacht» würde bei einem allfälligen Verlust der  des Vollmachtgebers hinfällig.
2.2 Nach Art. 35 Abs. 1 des Schweizerischen Obligationenrechts (OR; SR 220) erlischt eine durch Rechtsgeschäft erteilte Ermächtigung mit dem Tod, der Verschollenerklärung, dem Verlust der Handlungsfähigkeit oder dem Konkurs der Vollmachtgeberin oder des Vollmachtgebers, sofern nicht das Gegenteil vereinbart ist oder aus der Natur des Geschäfts hervorgeht. Die gesetzlichen Beendigungsgründe sind demnach dispositiver Natur (vgl. für das Auftragsverhältnis auch Art. 405 Abs. 1 und 2 OR; ferner BGE 132 III 222 E. 2; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 15 N. 2). Die Vollmachtgeberin oder der Vollmachtgeber soll namentlich die Möglichkeit haben, eine Vertretung auch für den Fall des Verlusts der  oder den Tod zu bestellen, um die Fortführung des «courant normal» sicherzustellen (Annina Vögeli, Transmortale und postmortale  als Instrumente der Nachlassplanung?, in: sucessio 2018 S. 31 ff., S. 33). Dies war klar erkennbar auch die Absicht von A._, als er C._ am 22. Oktober 2012 «Generalvollmacht» in dem Sinne erteilt hat, «...dass der Bevollmächtigte für den Vollmachtgeber und in seinem Namen alle Angelegenheiten, welcher Natur sie auch sein mögen,  soll besorgen können, welche nicht wegen ihrer höchstpersönlichen Natur die persönliche Mitwirkung des Vollmachtgebers verlangen», insbesondere auch zur Anhebung von Prozessen «aller Art». Diese Vollmacht solle «auch nach dem Tode des Vollmachtgebers» bestehen bleiben und sie erlösche nur «bei schriftlich erklärtem Widerruf gegenüber dem Bevollmächtigten, nicht aber bei Verlust der Handlungsfähigkeit oder den übrigen gesetzlich vorgesehenen Fällen» (Vorakten pag. 13).
2.3 Die Zweifel an der Handlungsfähigkeit von A._ konnten demnach kein Grund sein, die Gültigkeit der Vollmacht vom 22. Oktober 2012 in Frage zu stellen. Vielmehr wurde diese gerade auch für den Fall , dass der Vollmachtgeber selbst nicht mehr in der Lage sein sollte zu handeln, ja sogar für den Fall seines Versterbens. Dies ist wie dargelegt grundsätzlich zulässig (E. 2.2 hiervor). Daran vermag auch die am 2. März
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 06.11.2018, Nr. 100.2018.4U, Seite 7
2017 verfügte Anordnung eines Instruktionsrichters der  Abteilung des Verwaltungsgerichts im Verfahren 200.2017.225 nichts zu ändern, auch wenn die Vorinstanz  darauf Bezug nimmt.
2.4 Weiter ist zu berücksichtigen, dass C._ vorliegend nicht aus eigener Initiative ein neues Verfahren im Namen von A._  hat, sondern es in der Sache ausschliesslich um die Abwehr von Ansprüchen gegen denselben (bzw. nunmehr gegen dessen ) in einem grundsätzlich kostenlosen Rechtsmittelverfahren geht (Art. 102 VRPG i.V.m. Art. 53 SHG). Das von C._ ergriffene Rechtsmittel ist demnach weder mit Kostenrisiken noch neuen  verbunden und «lediglich» die Reaktion auf die Anordnungen der EG B._ in der Verfügung vom 12. Juli 2017, welche bei  erhebliche finanzielle Konsequenzen für A._ bzw. seine Hinterlassenschaft hätten (namentlich die Festsetzung eines «vorläufigen Rückforderungsbetrags» in der Höhe von Fr. 230'862.25). Auch vor diesem Hintergrund hätte die Vorinstanz die Vollmacht vom 22. Oktober 2012 als rechtsgenügliche Grundlage für die Vertretungsbefugnis von C._ im fraglichen Rechtsstreit genügen lassen müssen, kann doch bei dieser Ausgangslage ohne weiteres unterstellt werden, dass die Prozessführung im Sinn und Interesse des Vertretenen liegt und von der erteilten Vollmacht gedeckt ist.
2.5 Die Vorinstanz hat die Vertretungsbefugnis von C._ im  der Beschwerdeerhebung gegen die Verfügung der EG B._ demnach zu Unrecht verneint. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist  gutzuheissen, soweit darauf einzutreten ist, und der angefochtene  ist aufzuheben. Die Sache ist an das RSA Bern-Mittelland  zur Fortsetzung des Verfahrens. Dem RSA Bern-Mittelland bleibt es unbenommen, das Verfahren wieder zu sistieren (vgl. Art. 207 Abs. 1 und 2 SchKG; BGer 2C_650/2011 vom 16.2.2012 E. 1.2.3). Aufgrund des  Ablebens von A._, der damit verbundenen  und der konkursamtlichen Liquidation der ausgeschlagenen Erbschaft amtet nunmehr von Gesetzes wegen das Konkursamt  als Vertreterin der Beschwerdeführerin (vgl. vorne Bst. C). Das
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 06.11.2018, Nr. 100.2018.4U, Seite 8
Vertretungsmandat von C._ ist beendet; das vorliegende Urteil ist ihm gleichwohl mitzuteilen.
3.
Im Verfahren vor den Sozialdiensten und den Beschwerdeinstanzen  keine Verfahrenskosten erhoben (vgl. Art. 102 VRPG i.V.m. Art. 53 SHG). Ersatzfähige Parteikosten sind im verwaltungsgerichtlichen  keine angefallen (Art. 104 Abs. 1 und 2 VRPG).
4.
Rückweisungsentscheide gelten nach der Regelung des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) als Zwischenentscheide, die nur unter den (zusätzlichen)  von Art. 93 Abs. 1 BGG mit dem in der Hauptsache  Rechtsmittel selbständig angefochten werden können (statt vieler BGE 140 V 282 E. 2 mit Hinweisen).