Decision ID: 2ba4f895-64db-4f31-8a97-09fa5aed096d
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
E._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. E. Ronald Pedergnana, Rorschacher Strasse 21,
9000 St. Gallen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Reto Bachmann, Schwanenplatz 4, 6004 Luzern,
betreffend
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Integritätsentschädigung
Sachverhalt:
A.
A.a E._ war als Produktionsmitarbeiter der A._ bei der Suva unfallversichert, als er
am 10. September 2001 als Lenker eines Personenwagens seitlich-frontal mit einem
anderen Fahrzeug und danach mit einem Brunnentrog kollidierte (UV-act. 1, 3, 10-12).
Der erstbehandelnde Arzt Dr. med. B._, Facharzt für Allgemeinmedizin FMH, stellte
die Diagnose einer HWS-Distorsion. Ossäre Läsionen oder sensomotorische Defizite
lagen nicht vor. Die ärztliche Behandlung wurde am 13. November 2001
abgeschlossen. Die vollständige Arbeitsaufnahme war am 17. September 2001 erfolgt
(UV-act. 2).
A.b Am 26. Februar 2003 suchte der Versicherte Dr. B._ wegen Kopfschmerzen auf,
welche seit dem Unfall von 2001 vermehrt auftreten würden. Der Arzt meldete dies der
Suva als Rückfall zum Unfall vom 10. September 2001. Eine Arbeitsunfähigkeit aus
Unfallgründen verneinte er (UV-act. 20). Die weitere Behandlung wurde im August 2003
abgeschlossen (vgl. UV-act. 47).
A.c Am 29. November 2006 liess der Versicherte der Suva erneut einen Rückfall
melden (UV-act. 41). Nach Durchführung von medizinischen Abklärungen eröffnete die
Suva dem Rechtsvertreter des Versicherten mit Verfügung vom 13. Februar 2008, es
bestehe kein Anspruch auf eine Integritätsentschädigung (UV-act. 62). Die hiergegen
erhobene Einsprache (UV-act. 65) wies die Suva, nachdem sie weitere medizinische
Abklärungen durchgeführt hatte, mit Einspracheentscheid vom 6. November 2009 ab.
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob Rechtsanwalt Dr. E. Ronald
Pedergnana, St. Gallen, für den Versicherten am 8. Dezember 2009 Beschwerde mit
den Anträgen, der Entscheid sei aufzuheben und die Angelegenheit sei zur erneuten
Prüfung einer Integritätsentschädigung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Zur Begründung legte der Rechtsvertreter unter anderem dar, der versicherungsinterne
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medizinische Bericht des Suva-Kreisarztes Dr. med. C._ widerspreche nicht nur der
Beurteilung des behandelnden Arztes Dr. med. D._, FMH Physikalische Medizin, der
die Beschwerden des Beschwerdeführers klar auf den Unfall vom 10. September 2001
zurückgeführt und diese Auffassung auch begründet habe (UV-act. 28, 43, 47), sondern
auch derjenigen der Ärzte der Klinik J._ (UV-act. 38). Es bestünden (nicht nur geringe)
Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der Feststellungen eines
versicherungsinternen Arztes. Der Kreisarzt habe den Bericht des behandelnden Arztes
nicht widerlegt. Es sei nicht nachvollziehbar, dass der Kreisarzt die im eigens
eingeholten Konsilium der Klinik J._ gezogenen Schlüsse durch eine eigene
Beurteilung ersetze. Es stelle einen Verstoss gegen die Waffengleichheit und somit eine
Verletzung der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) dar, wenn der
Beschwerdeführer seine Beschwerde nicht dem Gericht unterbreiten könnte, ohne
gegenüber der Beschwerdegegnerin klar benachteiligt zu sein. Bereits geringe Zweifel
an der Beurteilung des Kreisarztes würden genügen, um eine abschliessende
Beweiswürdigung aufgrund der hier vorliegenden Unterlagen auszuschliessen. Die
Sache sei an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie eine
Integritätsentschädigung zuspreche oder jedenfalls eine Begutachtung veranlasse.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 14. Januar 2010 beantragte Rechtsanwalt lic. iur.
Reto Bachmann, Luzern, für die Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde und
Bestätigung des angefochtenen Entscheids. Zur Begründung verwies der
Rechtsvertreter auf die Darlegungen im angefochtenen Entscheid und führte unter
anderem aus, die Meldung vom November 2006 sei als Rückfall zu qualifizieren. Der
Beschwerdeführer könne anhand der medizinischen Akten die natürliche Kausalität
zwischen den geklagten Beschwerden und dem Unfallereignis nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nachweisen. Die Untersuchungen hätten keinen Nachweis auf eine
ossäre Läsion oder eine posttraumatische Veränderung ergeben. Bloss klinisch
feststellbare Bewegungseinschränkungen seien keine objektivierbaren Befunde. Keiner
der involvierten Mediziner habe eine längerdauernde Arbeitsunfähigkeit attestiert. Ein
Widerspruch zwischen dem Konsilium und den kreisärztlichen Beurteilungen lasse sich
nicht konstruieren. Der Beschwerdeführer sei jahrelang nicht mehr in ärztlicher
Behandlung gewesen. Der Einspracheentscheid erweise sich somit als rechtens.

Erwägungen:
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1.
Streitig ist, ob der Beschwerdeführer als Folge des Unfallereignisses vom 10.
September 2001 Anspruch auf eine Integritätsentschädigung hat. Erleidet die
versicherte Person durch einen Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der
körperlichen oder geistigen Integrität, so hat sie gemäss Art. 24 Abs. 1 UVG Anspruch
auf eine angemessene Integritätsentschädigung. Deren Bemessung richtet sich laut
Art. 25 Abs. 1 UVG nach der Schwere des Integritätsschadens, welcher sich wiederum
nach dem medizinischen Befund richtet. Bei gleichem medizinischem Befund ist der
Integritätsschaden für alle Versicherten gleich; er wird abstrakt und egalitär bemessen.
Spezielle Behinderungen der betroffenen Person bleiben dabei unberücksichtigt (BGE
124 V 35f Erw. 3c; BGE 113 V 221 Erw. 4b). Die Bemessung des Integritätsschadens
hängt somit nicht von den besonderen Umständen des Einzelfalls ab; es geht vielmehr
um die medizinisch-theoretische Ermittlung der Beeinträchtigung der körperlichen und/
oder geistigen Integrität, wobei subjektive Faktoren ausser acht zu lassen sind (BGE
115 V 147 Erw. 1). Die Integritätsentschädigung setzt einen dauernden - voraussichtlich
während des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang bestehenden - Inte
gritätsschaden voraus (vgl. Art. 36 Abs. 1 UVV; BGE 124 V 36ff Erw. 4). Gemäss Art. 36
Abs. 2 UVV ist die Integritätsentschädigung anhand der Richtlinien des Anhangs 3 zur
UVV bemessen, welcher eine Grobskala der Integritätsschädigungen enthält. Die
Medizinische Abteilung der SUVA hat in Weiterentwicklung dieser Skala zusätzliche
Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (so genannte Feinraster) erarbeitet,
welche Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten
gewährleistet werden soll (BGE 124 V 32 Erw. 1c mit Hinweis).
2.
2.1 Im Bericht vom 11. April 2003 diagnostizierte Dr. D._ beim Beschwerdeführer
ein posttraumatisches Cervikovertebralsyndrom und Cervikocephalsyndrom mit
Blockierung der HWS und Dysfunktion mehrsegmental (UV-act. 4, 19). Eine
Arbeitsunfähigkeit aus Unfallgründen wurde von Dr. B._ verneint. Krankheitsbedingt
hatte der Beschwerdeführer die Arbeit bis 23. April 2003 ausgesetzt und danach wieder
voll aufgenommen (UV-act. 20-22). Im Bericht vom 26. August 2003 legte Dr. D._ bei
unveränderter Diagnosestellung dar, der Patient habe nach wie vor diese Schmerzen
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im Nacken mit cervikal bedingten Kopfschmerzen, die auf eine Blockierung der oberen
HWS zurückzuführen seien. Der Patient arbeite 100 %, sei aber mit dem Zustand nicht
zufrieden (UV-act. 28). Anlässlich einer kreisärztlichen Untersuchung vom 11.
September 2003 fand Dr. med. F._ ein Cervikalsyndrom ohne neurologische Ausfälle
bei degenerativem Vorzustand (nicht suva-versicherte Kyphosierung der mittleren HWS
C3-C6, Chondrose C4-C5 und C5-C6, beginnende Spondylarthrose und Unkarthrose).
Hinsichtlich des Vorzustands verwies der Arzt auf HWS-Aufnahmen vom 18. Februar
2000 und hielt fest, die Röntgenbilder hätten sich seit dem 18. Februar 2000 in keiner
Weise verändert oder verschlimmert. Der Kausalzusammenhang der aktuellen
cervikalen Beschwerden zum Ereignis vom 10. September 2001 sei medizinisch doch
etwas fragwürdig. Man könne dies höchstens im Sinn der Traumatisierung eines
krankhaften Vorzustands einigermassen erklären. Atypisch sei die
Beschwerdezunahme nach einer doch sehr langen beschwerdearmen Phase (UV-act.
29). Die Ärzte der Thurgauer Klinik J._ diagnostizierten im Bericht vom 13. Oktober
2003 ein chronisches cervikovertebrogenes und -cephales Schmerzsyndrom bei Status
nach HWS-Distorsionstrauma am 10. September 2001. Der Beschwerdeführer hatte
anlässlich der Untersuchung unter anderem angegeben, er treibe deutlich weniger
Sport als früher. Andere Beschwerden (Schwindel, Tinnitus, Konzentrationsstörungen,
Vergesslichkeit) wurden verneint (UV-act. 38). Am 15. Dezember 2003 gab der
Beschwerdeführer an, es bestünden zwar noch Unfallfolgen, diese seien aber
erträglich. Hierauf erfolgte der Fallabschluss (vgl. UV-act. 40).
2.2 Nach der Rückfallmeldung vom November 2006 vermerkte Dr. D._ im Bericht
zuhanden des damaligen Rechtsvertreters vom 14. November 2006 unter anderem, der
Beschwerdeführer habe sich nach seinen Angaben mit den Beschwerden arrangiert.
Die Einschränkungen seien allein auf den Unfall vom 10. September 2001
zurückzuführen; vor dem Unfall sei er völlig beschwerdefrei gewesen (UV-act. 43). Am
21. Dezember 2006 gab der Beschwerdeführer dem Suva-Aussendienstmitarbeiter
unter anderem an, dass er von 2003 bis 2006 weiterhin in Behandlung bei Dr. D._
gestanden habe. Die Schmerzen hätten sich in unterschiedlicher Intensität gezeigt,
seien aber nie ganz weg gewesen. Er habe einen schmerzhaften Alltag, spüre bereits
am Morgen Schmerzen im Nacken und im Hinterkopf. Therapien würden im Moment
keine durchgeführt. Medikamente (Aspirin, div. Schmerzmittel) habe er über die Sanität
des Betriebs erhalten. Der Beschwerdeführer wurde auf Anfrage hin über die
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Voraussetzungen für eine Integritätsentschädigung orientiert (UV-act. 48). In der
Beurteilung vom 28. September 2007 kam Kreisarzt Dr. med. C._ zum Schluss, es
lägen Röntgenbilder der HWS vom 11. Oktober 2006 vor, welche nach wie vor den S-
förmigen Verlauf der HWS ohne Veränderung der leichten degenerativen Zeichen
zeigen würden, wie sie bereits auf den Aufnahmen von 2001 vorliegen würden. Es
bestünden keine monosegmentalen Veränderungen, die auf eine ligamentäre Läsion
und/oder Instabilität hinweisen würden. Solche hätten sich auch in den früheren
Aufnahmen von 2003 nicht bestätigt. Somit seien keine strukturellen Unfallfolgen
nachweisbar. Der Patient habe auch einen Vorzustand mit dokumentierten
Röntgenbildern von 2000. Sowohl die Bilder aus dem Jahr 2000 als auch diejenigen
von 2003 lägen heute nicht vor. Dies sei aber für die aktuelle Stellungnahme auch nicht
massgebend, da die Bilder von 2006 im Vergleich zu 2001 keine Veränderung zeigen
würden. Die Bilder von 2003 seien auch bis auf die Kyphose ohne pathologischen
Befund und ohne posttraumatische Veränderungen beschrieben worden (UV-act. 4).
Nachdem bereits 2003 die Fragwürdigkeit des natürlichen Kausalzusammenhangs
medizinisch erklärt worden sei, ergebe sich auch heute keine Veränderung zu den
Feststellungen im kreisärztlichen Bericht von 2003. Die von den Kollegen (J._, Dr.
D._) gefundene mehrsegmentale Störung hochcervikal lasse sich auch nicht einer
Unfallfolge zuordnen, sondern sei unter Berücksichtigung der anatomischen Variante
der S-förmigen HWS am ehesten im Sinne eines degenerativen Leidens bzw. einer
anatomisch morphologischen Variante zu interpretieren, auch unter Berücksichtigung
des Vorzustands. Entsprechend resultiere auch kein Integritätsschaden aus
Unfallfolgen (UV-act. 61).
2.3 Dr. D._ führte im Bericht vom 22. Februar 2008 aus, die Befunde seien
gegenüber Oktober 2006 unverändert. Anlässlich des Unfalls vom 10. September 2001
sei es zu einer erheblichen Traumatisierung gekommen. Der Patient habe vorher nie
Nackenbeschwerden gehabt, weshalb die aktuell geklagten Beschwerden im
Kausalzusammenhang mit dem Unfall stehen würden. Er habe nach dem Bagatellunfall
vom Februar 2000 nie Nackenschmerzen gehabt und sei deshalb nie in ärztlicher
Behandlung gewesen. Er habe am 19. März 2003 eine HWS-Aufnahme gemacht und
eine Kyphosierung der HWS, aber keine degenerativen Veränderungen gefunden. Im
MRI-Befund vom 7. April 2003 würden ebenfalls keine degenerativen Veränderungen
erwähnt. Zum Zeitpunkt der ersten HWS-Untersuchung im Jahr 2000 sei der Patient
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19jährig gewesen; in diesem Alter gebe es praktisch nie degenerative Veränderungen
ohne eine erkennbare Ursache. Degenerative Veränderungen würden zwar auch im
Bericht von J._ erwähnt. Gegebenenfalls müssten jedoch die MRI-Aufnahmen vom 7.
April 2003 nochmals durchgesehen werden. Er (der Arzt) wisse nicht, was eine
erhebliche Schädigung sei. Klinisch finde man die Bewegungseinschränkung im
Bereich der oberen HWS. Radiologisch finde man aber keine pathologischen Befunde.
Die Schmerzangaben des Patienten seien glaubwürdig, weil sie konsistent und immer
gleich seien. Die Erheblichkeit der Beschwerden könne man mit objektiven Parametern
nicht messen. Wenn der Patient die Einschränkung erheblich finde, dann werde sie
wohl auch erheblich sein (UV-act. 63). In der Stellungnahme vom 26. März 2008
bestätigte Dr. C._ seinen Standpunkt. Das Prinzip post hoc ergo propter hoc genüge
allein nicht, um die Kausalität zu begründen. Wenn die degenerativen Veränderungen in
Zweifel gezogen würden, so gebe es noch wenige(r) Anhaltspunkte dafür, dass
strukturelle Veränderungen zugrundelägen, welche die Beschwerden zu erklären und
zu objektivieren vermöchten (UV-act. 67). Eine cervikale vertebrospinale
Kernspintomographie C0 bis Th4 vom 9. Juli 2008 ergab erneut eine leichte
kyphotische Fehlhaltung der HWS und im Übrigen altersentsprechende Befunde,
insbesondere ohne Nachweis posttraumatischer Veränderungen (UV-act. 70, 73). Ein
Upright MRI der HWS vom 11. August 2008 zeigte gemäss Bericht von Dr. med. G._
eine eingeschränkte Beweglichkeit in den beiden unteren Segmenten der HWS mit
persistierender Lordose in Flexion sowie Streckfehlhaltung der cranialen Segmente in
Extension. Im Weiteren wurde eine etwas verschmälerte Bandscheibe C5/6
beschrieben und im Übrigen ein Nachweis degenerativer Veränderungen oder einer
Neurokompression verneint (UV-act. 72). Ein weiteres Upright MRI der CCJ und HWS
vom 27. Februar 2009 ergab gemäss Bericht von Dr. med. H._ eine leicht
eingeschränkte Aussagekraft der Untersuchung aufgrund von Patientenbewegungen.
Eindeutige pathologische Veränderungen seien im Bereich der craniocervikalen
Verbindung, der HWS und der oberen BWS nicht feststellbar. Lediglich die
Kippbeweglichkeit C1/2 sei eingeschränkt (UV-act. 77).
3.
3.1 Eine manuelle ärztliche Untersuchung der versicherten Person fördert klinische,
nicht aber objektivierbare Ergebnisse zu Tage. Objektivierbar sind Ergebnisse, die
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reproduzierbar sind und von der Person des Untersuchenden und den Angaben des
Patienten unabhängig sind. Folglich kann von organisch objektiv ausgewiesenen
Unfallfolgen erst dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit
apparativen/bildgebenden Abklärungen bestätigt werden (vgl. BGE 134 V 109 Erw. 9,
117 V 359 Erw. 5d/aa; SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81 Erw. 5.4 mit Hinweisen [U 479/05]).
Diese Untersuchungsmethoden müssen zudem wissenschaftlich anerkannt sein (BGE
134 V 231 Erw. 5.1 mit Hinweisen). Beispielsweise sind ein Thoracic-outlet-Syndrom
(TOS), myofasziale und tendinotische bzw. myotendinotische Befunde für sich allein
nicht als organisch hinreichend nachweisbare Unfallfolgen zu betrachten. Auch
Verhärtungen und Verspannungen der Muskulatur, Druckdolenzen im Nacken sowie
Einschränkungen der HWS-Beweglichkeit können für sich allein nicht als klar
ausgewiesenes organisches Substrat der Beschwerden qualifiziert werden. Gleiches
gilt für Nackenverspannungen bei Streckhaltung der HWS mit Retrohaltung (Urteil des
Bundesgerichts vom 17. Oktober 2008 i/S H.B.-G. [8C_124/2008] mit vielen Hinweisen
sowie vom 7. Februar 2008 i/S D. [U13/07] Erw. 3.2 und 3.3).
3.2 Gemäss dem von Dr. B._ unmittelbar nach dem Unfall vom 10. September
2001 erhobenen Befund lagen bei frei beweglicher HWS keine sensomotorischen
Defizite, keine Schiefhaltung und keine ossären Läsionen vor (UV-act. 2). Der
Kernspintomographiebefund vom 7. April 2003 und die im Bericht von Dr. D._ vom
11. April 2003 erwähnten Befunde ergaben eine leichte kyphotische Fehlhaltung der
HWS. Halswirbelkörper und Bandscheiben waren in Ordnung. Ein eigentliches
Wirbelgleiten und posttraumatische Veränderungen lagen nicht vor (UV-act. 4, 19).
Diese Diagnosen wurden auch später bestätigt (UV-act. 73). Gemäss Suva-Tabelle 7.2
(Integritätsschaden bei Wirbelsäulenaffektionen) ist auch für Kyphosen grundsätzlich
eine Entschädigung vorgesehen, wobei diese nach Vermehrungsgrad und
Schmerzfunktionsskala abgestuft ist. Welchem Vermehrungsgrad und welcher
Schmerzfunktion die konkret in Frage stehende leichte kyphotische Fehlhaltung
zuzuordnen wäre, lässt sich den Akten nicht entnehmen. Nach Art. 36 Abs. 2 UVG
werden Integritätsentschädigungen angemessen gekürzt, wenn die
Gesundheitsschädigung nur teilweise Folge eines versicherten Unfalls ist.
Gesundheitsschädigungen vor dem Unfall, die zu keiner Verminderung der
Erwerbsfähigkeit geführt haben, werden dabei nicht berücksichtigt. Konkret bestand
beim Beschwerdeführer vor dem Unfall vom September 2001 unbestrittenermassen
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keine HWS-bedingte Erwerbsunfähigkeit. Es stellt sich demgemäss vorweg die Frage,
ob eine (teilweise) Unfallkausalität der leichten kypthotischen Fehlhaltung im HWS-
Bereich zu bejahen ist.
3.3 Während der Beschwerdeführer vorerst am 20. Mai 2003 angegeben hatte, vor
dem Ereignis vom 10. September 2001 nie Rücken- und Nackenprobleme gehabt zu
haben (UV-act. 22), erklärte er am 11. September 2003 auf den Hinweis des Suva-
Casemanagers, wonach bereits im Februar 2000 - also lange vor dem hier in Frage
stehenden Unfall - Röntgenaufnahmen der HWS erstellt worden seien, dass er im
Februar 2000 einen Auffahrunfall verursacht habe (UV-act. 30). Dr. B._ berichtete am
16. September 2003 über den (von der Genfer-Versicherung übernommenen; UV-
act. 33, 36) Unfallschaden vom 18. Februar 2000, in dessen Folge er die Diagnose
eines HWS-Distorsionstraumas stellte. Er habe damals einen Halskragen verordnet und
den Patienten für einen Tag arbeitsunfähig geschrieben. Der Arbeitgeber habe am
19. Februar 2000 mitgeteilt, dass der Beschwerdeführer Kopfweh geltend mache und
immer häufiger fehle. Am 15. März 2000 habe der Beschwerdeführer angegeben, dass
er betreffend der HWS beschwerdefrei sei und keine Kopfschmerzen bestünden.
Weitere Behandlungen hätten keine mehr stattgefunden (UV-act. 34). Den Ärzten der
Klinik J._ hatte der Beschwerdeführer sodann im Oktober 2003 erklärt, vor allem
nach dem Fussball doch etwas mehr Schmerzen zu haben (UV-act. 38).
Demgegenüber stellte Dr. D._ im November 2006 unter anderem fest, seit dem Unfall
von 2001 spiele der Beschwerdeführer nicht mehr Fussball, weil davon Kopf- und
Nackenschmerzen bekomme (UV-act. 43). Am 14. Juni 2003 hatte er sich aber beim
"Tschutten in der Badi" - diese Beschäftigung war offenbar trotz des ärztlich
bestätigten cervikalen Schmerzsyndroms möglich - die Zehe gebrochen und die Arbeit
einen Tag ausgesetzt (UV-act. 23). Im Weiteren gab der Beschwerdeführer im
Dezember 2006 an, von 2003 bis 2006 weiterhin in Behandlung bei Dr. D._
gestanden zu haben (UV-act. 48), wohingegen Dr. D._ selbst am 9. Januar 2007
berichtete, in der Zeit vom 26. August 2003 bis 14. Oktober 2006 habe er den
Beschwerdeführer nicht mehr gesehen. Seit Sommer 2003 sei (bis zum
Berichtszeitpunkt) bei ihm keine Behandlung mehr erfolgt (UV-act. 47). Am 14. August
2007 gab auch der Beschwerdeführer telefonisch bekannt, die Behandlung sei
abgeschlossen; er habe sich mit den Beschwerden arrangiert (UV-act. 54). All dies lässt
sich inhaltlich nicht ohne Weiteres miteinander in Einklang bringen und spricht
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insgesamt nicht für das Vorliegen von erheblichen Beschwerden im HWS-Bereich im
Sinn von Art. 24 Abs. 1 UVG und Art. 36 Abs. 1 UVV. Ausschlagend erscheint aber,
dass gemäss Feststellung von Kreisarzt Dr. F._ im Bericht vom 11. September 2003
bereits am 18. Februar 2000 HWS-Aufnahmen angefertigt worden waren mit dem
genau gleichen Befund wie die HWS-Aufnahmen von 2001 und 2003. Klar sei, dass es
sich bereits damals am 18. Februar 2000 nicht um etwas Frisches gehandelt habe (UV-
act. 29 S. 2). Zweifel an der Zuverlässigkeit dieser Feststellung werden weder geltend
gemacht noch sind solche aus den Akten ersichtlich. Die Feststellung wird auch von
Dr. D._ nicht in Frage gestellt, zumal diesem Arzt die Röntgenbilder von 2000 gar
nicht zur Verfügung standen (UV-act. 63). Die auch im Jahr 2008 bestätigte leichte
kyphotische Fehlhaltung (UV-act. 73) ist demgemäss als vorbestehend anzusehen. Zur
Diskussion stehen kann daher einzig, ob sich hier durch den Unfall vom September
2001 eine dauerhafte und erhebliche Verschlimmerung ergab. Ob es sich beim
Vorzustand, wie von Dr. F._ postuliert, um degenerative Veränderungen handelt, oder
nicht (Dr. D._), kann dabei offenbleiben, zumal auch ein degenerativ bedingter
Vorzustand eine Unfallverschlimmerung nicht zum vornherein auszuschliessen vermag.
3.4 Aufgrund der einschlägigen Literatur (Bär/Kiener, Prellung, Verstauchung oder
Zerrung der Wirbelsäule, Medizinische Mitteilungen Nr. 67 der Suva, S. 45ff) ist nach
einem Unfall ohne strukturelle Schädigungen der Wirbelsäule eine vorübergehende
Verschlimmerung bei degenerativen Veränderungen nach spätestens einem Jahr als
abgeschlossen zu betrachten. Konkret lagen nach der ersten Rückfallmeldung beim
Beschwerdeführer ab August 2003 weder eine unfallbedingte Behandlungsbedürftigkeit
noch eine Arbeitsfähigkeitseinschränkung vor (UV-act. 47), was klar darauf hindeutet,
dass eine allfällige, durch das Ereignis vom 10. September 2001 bedingte
Verschlimmerung spätestens in jenem Zeitpunkt abgeheilt war. Der Beschwerdeführer
hatte im Übrigen neben den Nacken- und Kopfschmerzen zu keinem Zeitpunkt über
Beschwerden geklagt, welche im Rahmen einer schleudertraumaähnlichen Verletzung
typischerweise auftreten. Solche wurden zum Teil ausdrücklich verneint (vgl. UV-act. 2,
4, 18, 20, 28 S. 2, 29, 32, 38 S. 3, 43, 48 S. 2). Auch vor diesem Hintergrund wäre eine
natürliche Unfallkausalität zu verneinen.
Am 29. November 2006 liess der Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin einen
weiteren Rückfall melden, nachdem wie erwähnt von August 2003 bis Oktober 2006
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keine Behandlungen mehr erfolgt waren und auch keine unfallbedingte
Arbeitsunfähigkeit bestanden hatte. Nach der Rechtsprechung sind die Anforderungen
an den Beweis des natürlichen Kausalzusammenhangs im Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit umso strenger, je grösser der zeitliche Abstand
zwischen dem Unfall und dem (erneuten) Eintritt der Gesundheitsschädigung ist (RKUV
1997, 188 Erw. 1c). Die Schlussfolgerung von Suva-Arzt Dr. C._, wonach die
Fragwürdigkeit des natürlichen Kausalzusammenhangs der cervikalen Beschwerden
zum Ereignis vom 10. September 2001 bereits 2003 erklärt worden sei (UV-act. 29) und
sich auch heute keine Veränderungen zu den Ausführungen im kreisärztlichen
Untersuchungsbericht von 2003 ergeben würden (UV-act. 61), erscheint insbesondere
mit Blick auf den sehr langen behandlungsfreien Zeitraum mit - nach wie vor - voller
Arbeitsfähigkeit begründet. Hieran vermag die Feststellung von Dr. D._ vom 22.
Februar 2008, wonach der Beschwerdeführer vor dem Unfall vom 10. September 2001
nie Nackenbeschwerden gehabt habe und deswegen auch nie in ärztlicher Behandlung
gewesen sei, nichts zu ändern, zumal insbesondere der letztgenannte Punkt nicht
zutrifft (UV-act. 34). Ohne jede schmerz- oder bewegungsbedingte Einschränkung wäre
nach dem (nicht Suva-versicherten) Unfall vom Februar 2000 wohl auch kein
Halskragen verordnet worden. Auch das Kopfweh wurde bereits im Rahmen der
Behandlung von Februar 2000 erwähnt (UV-act. 34).
Der Beschwerdeführer lässt einwenden, die Ärzte der Klinik J._ seien zum Schluss
gekommen, dass eine "Nozireaktion mit vermehrtem Anspannen der Muskulatur"
vorliege, also eine schädigende Reaktion des Körpers auf den Unfall (act. G 1 S. 4).
Dazu ist festzuhalten, dass sich daraus kein Unfallkausalzusammenhang ableiten lässt,
zumal die Feststellung einer Nozireaktion (UV-act. 38), d.h. einer Reaktion auf etwas
Schadenstiftendes (lat. nocere: schaden) noch nichts über Art, Auftreten und Ursache
derselben aussagt. Auf den im Klinik-Bericht angeführten "doch erheblichen
Leidensdruck" (UV-act. 38 S. 2) angesprochen, erklärte der Beschwerdeführer kurze
Zeit später lediglich, eine ärztliche Behandlung von Unfallfolgen finde nicht mehr statt;
die Beschwerden seien erträglich (UV-act. 40). Weder aus den dargelegten Berichten
noch aus der Kernspintomographie vom 9. Juli 2008 (UV-act. 70, 73) oder aus den
Upright MRI der HWS und des cranio-cervikalen Übergangs vom 11. August 2008 und
27. Februar 2009 (UV-act. 72, 77) lässt sich überwiegend wahrscheinlich auf das
Vorhandensein von unfallbedingten Strukturläsionen (im Sinn von Verschlimmerungen)
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schliessen, zumal die Aussagekraft des zweiten Upright MRI durch
Patientenbewegungen eingeschränkt war (vgl. UV-act. 77). Solche Aufnahmen können
im Übrigen zwar einen bestehenden Gesundheitsschaden als solchen durchaus
zuverlässig aufzeigen, sofern die Bildqualität stimmt. Nach der Rechtsprechung gelten
jedoch fMRT-Untersuchungen (funktionale Aufnahmen) nicht als geeignetes
Beweismittel zur Beurteilung der Unfallkausalität von Beschwerden nach HWS-
Traumen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 26. Mai 2008 i/S K. [8C_152/2007 = BGE
134 V 231] Erw. 5; vgl. auch BGE 134 V 109 Erw. 7.2 S. 119). Auch dem Bericht von Dr.
med. I._, Spezialarzt für Neurologie FMH, vom 18. September 2009 (UV-act. 74.1)
kann ein unfallbedingter objektivierbarer organischer Befund nicht entnommen werden.
Sowohl die medizinischen Angaben (vorstehende Erw. 2) als auch die Darlegungen des
Beschwerdeführers selbst (UV-act. 40, 43 S. 2 oben und 48 S. 2, UV-act. 54, 55)
machen deutlich, dass weder eine augenfällige noch eine starke Beeinträchtigung (Art.
36 Abs. 1 Satz 2 UVV) vorliegt. Klinische Befunde ohne strukturell-unfallbedingten
Hintergrund und subjektive Beschwerdeangaben (vgl. dazu UV-act. 63 S. 2) reichen für
den Nachweis einer dauernden und erheblichen Schädigung im Sinn von Art. 24 Abs. 1
UVG für sich allein nicht aus. Eine weitere medizinische Begutachtung wäre bei dieser
Aktenlage überwiegend wahrscheinlich nicht geeignet, zu neuen oder "besseren"
Erkenntnissen zu führen.
4.
Ohne Bedeutung für das vorliegende Verfahren ist der in den Akten liegende Bericht
über die röntgenologische Beurteilung eines komplexen Meniscusrisses im rechten
Knie (UV-act. 74), da eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin aus diesem
Ereignis vorliegend nicht zur Diskussion steht.
5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 6. November 2009 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine
zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
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St.Galler Gerichte
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG