Decision ID: dd20d278-d871-5b3a-ba24-e297cf80b1c4
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Das Ehepaar X._ und Y._ wies in der Steuererklärung 2017 ein Einkommen aus
A.a.
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B.
selbständiger Erwerbstätigkeit (X._) von CHF 109'204 aus. Die Steuerbehörde
rechnete diesen Einkünften einen Privatanteil von CHF 1'800 für Fahrzeugkosten,
CHF 1'000 für Kleider und CHF 274 für den hälftigen Anteil eines Zeitungs-
Abonnements auf. Sie veranlagte das Ehepaar am 21. August 2018 mit einem
steuerbaren Einkommen von CHF 100'200 sowie einem steuerbaren Vermögen von
CHF 300'000. Die hiergegen erhobene Einsprache hiess das kantonale Steueramt mit
Entscheid vom 5. März 2019 teilweise gut, verzichtete auf die Aufrechnung der
Privatanteile Fahrzeugkosten sowie Zeitungs-Abonnement und reduzierte die
Aufrechnung des Privatanteils Kleider auf CHF 940. Die Veranlagung erfolgte auf der
Basis eines steuerbaren Einkommens von CHF 98'000 (Einkommen aus selbständiger
Erwerbstätigkeit von CHF 110'144) und eines steuerbaren Vermögens von
CHF 300'000 (act. G 10/6/13).
Den gegen diesen Entscheid erhobenen Rekurs (act. G 10/1) mit dem Antrag, die
Veranlagung mit einem steuerbaren Reingewinn aus selbständiger Erwerbstätigkeit von
CHF 105'304 (sic!) gemäss Steuerdeklaration vorzunehmen und namentlich die
Berufskleider von CHF 939.70 zum Abzug zuzulassen, wies die
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 4. Juli 2019
(act. G 2) ab.
A.b.
Mit Eingabe vom 24. Juli 2019 erhob X._ gegen den Rekursentscheid Beschwerde mit
dem Rechtsbegehren, es sei die Veranlagung mit einem steuerbaren Reingewinn aus
selbständiger Erwerbstätigkeit von CHF 109'204 gemäss Steuerdeklaration
vorzunehmen, namentlich die Repräsentationsspesen (Berufskleider) von CHF 940 zum
Abzug zuzulassen (act. G 1). Auf das Schreiben des verfahrensleitenden
Abteilungspräsidenten vom 25. Juli 2019 (act. G 5) bestätigte der Beschwerdeführer
am 29. Juli 2019, dass er an der Beschwerde festhalte (act. G 7).
B.a.
Die Vorinstanz beantragte in der Vernehmlassung vom 5. August 2019 Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf den angefochtenen Entscheid (act. G 9).
Der Beschwerdegegner beantragte in der Eingabe vom 20. August 2019 unter Verzicht
auf eine Vernehmlassung Abweisung der Beschwerde (act. G 12).
B.b.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten in den Eingaben des vorliegenden
B.c.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 196 Abs. 1 des
Steuergesetzes, sGS 811.1, StG; Art. 59 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Der Beschwerdeführer ist zur Ergreifung
des Rechtsmittels legitimiert, und die Beschwerdeeingabe vom 24. Juli 2019 erfüllt
zeitlich, formal und inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 196 Abs. 1 und Art.
161 StG in Verbindung mit Art. 64 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Verfahrens wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Bei selbständiger Erwerbstätigkeit werden die geschäfts- oder berufsmässig
begründeten Kosten abgezogen (Art. 40 Abs. 1 StG, Art. 27 Abs. 1 des Gesetzes über
die direkte Bundessteuer, SR 642.11, DBG). Voraussetzung für die Abzugsfähigkeit ist,
dass der Aufwand mit einer selbständigen Erwerbstätigkeit direkt zusammenhängt
bzw. durch die Geschäftstätigkeit begründet ist. Ob der Aufwand zweckmässig
beziehungsweise vermeidbar gewesen wäre, spielt dabei keine Rolle. Es ist nicht
Sache der Steuerbehörden, die Angemessenheit einer geschäftlichen Aufwendung zu
überprüfen. Einer Aufwendung kann die geschäftsmässige Begründetheit nicht rein
deswegen abgesprochen werden, weil diese zu keinem entsprechenden Ertrag führte.
Wesentlich ist, dass die Aufwendung notwendig war bzw. mit dem objektiven Ziel
erfolgte, Erträge aus der selbständigen Erwerbstätigkeit zu bewirken (Richner/ Frei/
Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl. 2016, Rz. 4 ff. zu Art. 27 DBG
mit Hinweisen). Abzugsfähig sind Kosten für Kleider, welche (ausschliesslich) Berufs-
und Arbeitszwecken dienen (z.B. Berufsmäntel- und schürzen, Schutzkleidung). Die
gepflegte und kostspielige Kleidung, welche die steuerpflichtige Person unter anderem
in Rücksicht auf ihre berufliche Stellung anschafft und die auch im privaten Bereich
verwendbar ist, fällt indes nicht unter den Begriff der abzugsfähigen Berufskleider
(Richner/ Frei/Kaufmann/Meuter a.a.O., Rz. 37 zu Art. 26 DBG).
Nicht zum unternehmerischen Aufwand gehören die privaten Lebenshaltungskosten.
Wird ein Aufwandkonto damit belastet, sind sie dem steuerbaren Gewinn
hinzuzurechnen (Zigerlig/Oertli/Hofmann, Das St. Gallische Steuerrecht, 7. Aufl. 2014,
2.1.
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II/Rz. 259 ff.). Nicht abziehbar sind insbesondere die Aufwendungen für den Unterhalt
des Steuerpflichtigen und seiner Familie sowie der durch die berufliche Stellung des
Steuerpflichtigen bedingte Privataufwand (Art. 47 lit. a StG, Art. 34 lit. a DBG). Was die
Beweislast betrifft, gilt der Grundsatz, dass die Steuerbehörde steuerbegründende und
-erhöhende Tatsachen und die steuerpflichtige Person steueraufhebende oder -
mindernde Tatsachen zu beweisen haben. Bei der Verbuchung eines
Geschäftsaufwandes ist es grundsätzlich am Steuerpflichtigen, den Nachweis zu
erbringen, dass diese Erfolgsminderung geschäftsmässig begründet ist (BGer
2C_273/2013 vom 16. Juli 2013 E. 3.3 mit Hinweisen).
Die Vorinstanz führte im angefochtenen Entscheid aus, als Treuhänder bedürfe der
Beschwerdeführer unbestrittenermassen eines professionellen Auftretens. Insofern
bestehe ein Zusammenhang zwischen Kleideraufwendungen und beruflicher Tätigkeit.
Eine gepflegte Garderobe sei üblich, wenn nicht sogar notwendig für gewisse
Dienstleistungsberufe. Dies begründe indes für sich allein keinen Anspruch auf
besondere Berufskleider. Die Bekleidung gehöre zwar zum standesgemässen
Auftreten, jedoch fehle - selbst wenn die Auslagen der Erwerbstätigkeit förderlich seien
- der erforderliche enge Konnex zur Geschäftstätigkeit. Vorliegend handle es sich nicht
um ausschliesslich Berufszwecken dienende Kleider, sondern um solche, die auch für
den privaten Gebrauch geeignet seien. Die Tatsache, dass in der Schweiz der
Dienstleistungssektor bei weitem überwiege, vermöge hieran nichts zu ändern. Nach
der Rechtsprechung der VRK sei auch bei Rechtsanwälten der Aufwand für
Instandhaltung und Reinigung gepflegter Kleidung nicht als geschäftsmässig
begründeter Aufwand anerkannt. Im Weiteren sei die ohne besonderen Nachweis
anerkannte Berufspauschale CHF 2'400 für die übrigen Berufskosten
(Berufswerkzeuge, Fachliteratur, privates Arbeitszimmer, Berufskleider, besonderer
Schuh- und Kleiderverschleiss) nur bei unselbständig Erwerbenden, nicht jedoch bei
selbständig Erwerbenden gesetzlich vorgesehen (Art. 39 und 40 StG; Richner/Frei/
Kaufmann/Meuter a.a.O., Rz. 30 und 37 zu Art. 26 DBG). Die Aufrechnung der
Kleiderkosten des Beschwerdeführers von CHF 940 sei zu Recht vorgenommen
worden (act. G 2).
2.2.
Der Beschwerdeführer macht geltend, dass auf die von ihm in der Rekursschrift
aufgezeigte Differenzierung zwischen Selbständigerwerbenden und
Unselbständigerwerbenden bei der Beurteilung der Gewinnungskosten im Kernpunkt
nicht eingegangen worden sei. Seiner Begründung sei kein Gehör geschenkt worden.
2.3.
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Die unterschiedliche Beurteilung von Selbständigerwerbenden und
Unselbständigerwerbenden hinsichtlich des Kleiderspesenabzugs führe zu einer
Diskriminierung. Bei den von ihm ausschliesslich zu beruflichen Zwecken
angeschafften Kleidern im Betrag von CHF 940 handle es sich um Gewinnungskosten
eines Selbständigerwerbenden, welche sich dazu noch deutlich unter der
Berufskostenpauschale von CHF 2'400 für Unselbständigerwerbende bewegen
würden. Es sei nicht Sache der Steuerbehörde, die Angemessenheit einer
geschäftlichen Aufwendung zu prüfen. Einziges entscheidendes Kriterium sei, ob die
Anschaffung für geschäftliche oder private Zwecke erfolgt sei. Dies zu beurteilen sei
allein die Angelegenheit des Unternehmers. Dass die Kleider auch für den privaten
Gebrauch geeignet seien, könne kein Kriterium sein. Im 21. Jahrhundert, in welchem
bei Unselbständigerwerbenden nebst der Berufskostenpauschale von CHF 2'400 von
der Steuerbehörde regelmässig Spesenreglemente abgenommen würden, welche
sogenannte "Kleinausgaben" vorsähen, liessen sich die Beurteilungen der Vorinstanzen
nicht rechtfertigen. Selbständigerwerbende hätten die Unkosten selbst zu tragen,
während bei Unselbständigerwerbenden der Arbeitgeber für die Unkosten
aufzukommen habe. Dem Selbständigerwerbenden bleibe der Abzug der
Berufskostenpauschale von CHF 2'400 von vornherein verwehrt, weshalb
nachgewiesene Gewinnungskosten zum Abzug zuzulassen seien (act. G 1).
2.4.
Zur Rüge, dass auf seine Rekursbegründung betreffend Diskriminierung von
Selbständigerwerbenden gegenüber unselbständig Erwerbstätigen beim
Kleiderspesenabzug im angefochtenen Entscheid nicht eingegangen worden sei, ist
festzuhalten, dass der Rekursentscheid die Pauschalabzugs-Regelung für
unselbständig Erwerbstätige darlegte und festhielt, dass für selbständig Erwerbende
keine entsprechende Regelung vorgesehen sei. Die Vorinstanz brachte somit die
differenzierte Behandlung von unselbständiger und selbständiger Erwerbstätigkeit beim
Spesenabzug - wenn auch in kurzer Form - zur Sprache und legte ihren Standpunkt
dar. Der Rekursentscheid zeigt die für die Vorinstanz wesentlichen Überlegungen in
zureichender Weise auf und setzt sich mit den wesentlichen Gesichtspunkten
auseinander (vgl. dazu statt vieler BGer 1C_138/2014 vom 3. Oktober 2014, E. 4.1 mit
Hinweisen). Der Beschwerdeführer hatte Gelegenheit, sich im Rahmen des
Beschwerdeverfahrens hierzu vernehmen zu lassen, was er in der Folge auch tat. Ein
Begründungsmangel liegt angesichts dieser Gegebenheiten nicht vor.
2.4.1.
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Der Pauschalabzug für die Berufsauslagen unselbständig Erwerbstätiger (im Sinn von
Art. 39 Abs. 1 lit. c StG) von CHF 700 zuzüglich 10 % der Nettoeinkünfte (maximal
CHF 2400; Art. 21 Abs. 1 der Steuerverordnung, StV, sGS 811.11) betrifft sämtliche
durch die Berufstätigkeit bedingten übrigen Kosten - und damit nicht lediglich allfällige
Auslagen für Berufskleider. Wenn der Beschwerdeführer darauf hinweist, dass die von
ihm als Berufskosten geltend gemachten Kleiderauslagen betraglich noch unter der
Pauschale von CHF 2'400 liegen würden (act. G 1 S. 3 Ziff. 6), lässt er ausser Acht,
dass die Pauschale eine Vielzahl möglicher (übriger) Berufskosten abdeckt. Der
erwähnte Abzug wird unselbständig Erwerbenden ohne weitere Nachweise (pauschal)
zugestanden. Dem Pflichtigen steht der Nachweis höherer (effektiver) Kosten offen (Art.
39 Abs. 2 StG, Art. 21 Abs. 2 StV). Diesfalls sind jedoch die tatsächlichen Auslagen
nach dem Kriterium der (beruflichen) Notwendigkeit (vgl. Art. 21 Abs. 1 StV) im
Einzelnen zu belegen (Zigerlig/Oertli/Hofmann a.a.O., II/Rz. 107 und 110). Nach dem
Willen des Gesetzgebers sollen Unselbständigerwerbende und Selbständigerwerbende
beim Gewinnungskostenabzug nicht unterschiedlich behandelt werden (vgl. dazu BGE
113 Ib 114 E. 1b, mit Hinweis auf die Entstehungsgeschichte bzw. die Angleichung der
Abzugsmöglichkeiten für Unselbständigerwerbende an die entgegenkommendere
Praxis für Selbständigerwerbende). Für den Nachweis der für die Berufsausübung
notwendigen (und tatsächlich angefallenen) Kleiderauslagen gelten für unselbständig
Erwerbende - und dies erscheint mit Blick auf die gerügte Diskriminierung
ausschlaggebend – grundsätzlich dieselben Anforderungen wie für
Selbständigerwerbende (vgl. dazu vorstehende E. 2.1 und St. Galler Steuerbuch 30
Nr. 1 Ziff. 3.2 vierter Abschnitt). Abzugsfähig sind beim Unselbständigerewerbenden
Kosten für Kleider, welche ausschliesslich Berufs- und Arbeitszwecken dienen, also
dafür objektiv notwendig bzw. erforderlich sind. Beim Selbständigerwerbenden wird
der Begriff der Erforderlichkeit in einem etwas weiteren Sinn ausgelegt (vgl. BGE 124 II
29 E. 3 mit Hinweisen). Allerdings fällt in beiden Fällen Kleidung, welche die
steuerpflichtige Person unter anderem aufgrund ihrer beruflichen Stellung erwirbt und
die auch im privaten Bereich verwendbar ist, nicht unter den Begriff der abzugsfähigen
Berufskleider. Dies gilt in gleicher Weise bei Vorliegen eines (genehmigten)
Spesenreglements (vgl. StB 30 Nr. 1 Anh. "Muster Spesenreglement" Ziff. 1.3).
Eine Ungleichbehandlung von Selbständigerwerbenden und unselbständig
Erwerbstätigen, wie sie vom Beschwerdeführer gerügt wird, ist bei diesen
Gegebenheiten nicht erkennbar. Der vom Beschwerdeführer angeführte weitere
Umstand, dass er die in Frage stehenden Kleider (sowie Brillen und Schuhe)
2.4.2.
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3.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Die amtlichen
Kosten des Beschwerdeverfahrens sind dem Verfahrensausgang entsprechend dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
CHF 2'000 (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12, GKV) ist
angemessen. Der vom Beschwerdeführer in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss
ist zu verrechnen. Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1
und Art. 98 VRP).