Decision ID: a66c9f65-1713-57c8-858a-b63eac35192d
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 27. April 2012 erstmals in der
Schweiz um Asyl nach.
Dabei machte er geltend, zuletzt in B._ (Distrikt C._, Nord-
provinz) gelebt zu haben; dort sei er auch geboren und aufgewachsen. Zu
den Gründen seiner Ausreise brachte er vor, im März 2012 von unbekann-
ten, zivil gekleideten Personen auf dem Weg zur Schule angehalten und –
unter Todesdrohungen gegen seine Familie – zum Beitritt zur „Bewegung“
aufgefordert worden zu sein. Daraufhin sei er rund einen Monat lang fast
täglich von Unbekannten belästigt und teilweise geschlagen worden. Er
habe sich deswegen einmal in Spitalpflege begeben müssen. Nach Verlas-
sen des Spitals sei er nach D._ gegangen und von dort ausgereist.
A.b Mit Verfügung vom 16. September 2014 stellte das SEM fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge-
such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Voll-
zug derselben an.
Im Asylpunkt begründete das SEM seinen Entscheid im Wesentlichen mit
der Unglaubhaftigkeit der Ausreisegründe des Beschwerdeführers. Auf-
grund seines Profils bestehe auch kein Grund zur Annahme, dass er bei
einer Rückkehr asylrechtlich relevante Nachteile zu gewärtigen habe.
A.c Gegen die Verfügung vom 16. September 2014 erhob der Beschwer-
deführer Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht.
Dabei wurde im Wesentlichen der bisherige Sachverhalt wiederholt und er-
wähnt, seit der Flucht des Beschwerdeführers in die Schweiz sei er noch
mehrere Male in seinem Elternhaus gesucht worden.
A.d Mit Urteil D-6077/2014 vom 10. November 2016 wies das Bundesver-
waltungsgericht die Beschwerde vom 16. September 2014 ab.
Es bestätigte die Einschätzung des SEM, wonach die geltend gemachten
Vorfluchtgründe unglaubhaft seien, und hielt ebenfalls dafür, dass der Be-
schwerdeführer aufgrund seines Profils bei einer Rückkehr keine ernsthaf-
ten Nachteile zu erwarten habe.
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B.
B.a Am 20. Februar 2017 reichte der Beschwerdeführer handelnd durch
rubrizierten Rechtsvertreter ein zweites Asylgesuch respektive erstes
Mehrfachgesuch beim SEM ein.
Zur Begründung machte er im Wesentlichen geltend, er sei im Vergleich zu
anderen Tamilen überdurchschnittlich gross und kräftig gebaut. Dies er-
kläre, warum paramilitärische Gruppen ihn hätten rekrutieren wollen. Nach
seiner Ausreise sei seine Familie unter Druck geraten und massiv behelligt
worden, so dass seine Schwester E._ im Frühling 2015 aus Sri
Lanka habe fliehen müssen und in der Schweiz ebenfalls ein Asylgesuch
gestellt habe. Sie habe bis ins Detail die gleiche Hintergrundgeschichte mit
seiner Verfolgungssituation vorgebracht. Im Weiteren wurde vorgebracht,
im Rahmen einer Vorsprache auf dem sri-lankischen Generalkonsulat vom
26. Januar 2017 sei nach dem Namen seiner Familienangehörigen gefragt
worden. Die Konsulatsmitarbeiterin sei offenbar auch über das Asylgesuch
seiner Schwester im Bilde gewesen. Er sei bei der Vorsprache gefragt wor-
den, warum er in Sri Lanka Probleme gehabt habe. Es sei anzunehmen,
dass das SEM Informationen an das Konsulat übermittelt habe, welche
nicht vom Migrationsabkommen zwischen der Schweiz und Sri Lanka ge-
deckt seien.
B.b Mit Verfügung vom 1. März 2018 verneinte das SEM die Flüchtlingsei-
genschaft des Beschwerdeführers und lehnte sein Mehrfachgesuch ab.
Zudem ordnete es die Wegweisung aus der Schweiz an und beauftragte
den zuständigen Kanton mit dem Vollzug.
Zur Begründung führte das SEM mit Verweis auf seine Verfügung vom
16. September 2014 und den Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts
D-6077/2014 vom 10. November 2016 aus, die Vorbringen des Beschwer-
deführers würden den Anforderungen an die Glaubhaftmachung nicht ge-
nügen. Seine äussere Erscheinung würde keine Furcht vor zukünftiger Ver-
folgung zu begründen vermögen. Im Weiteren befand es, dass die dem sri-
lankischen Generalkonsulat zum Zwecke der Ersatzpapierbeschaffung
ausgehändigten Daten zu keinem Zeitpunkt die Datenschutzbestimmun-
gen gemäss dem Migrationsabkommen beziehungsweise der nationalen
Gesetzgebung verletzen würden. Daten seine Schwester betreffend oder
mündliche Informationen seien dem sri-lankischen Generalkonsulat nicht
weitergeleitet worden.
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B.c Eine gegen die Verfügung vom 1. März 2018 erhobene Beschwerde
wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-2050/2018 vom 10. Juli
2018 ab.
Es stützte den vorinstanzlichen Entscheid vollumfänglich und führte in ma-
terieller Hinsicht aus, dass nur aufgrund der Datenübermittlung der schwei-
zerischen an die sri-lankischen Behörden und der Nennung des (unglaub-
haften) Ausreisegrundes anlässlich der Vorsprache auf dem sri-lankischen
Generalkonsulat bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht mit einer asylre-
levanten Verfolgung zu rechnen sei. Ein Fluchtgrund habe auch in diesem
Verfahren nicht glaubhaft gemacht werden können. Ebenso wenig sei der
Beschwerdeführer einer der Risikogruppen gemäss dem Koordinationsur-
teil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 (publiziert als Referenzur-
teil) zuzurechnen.
C.
C.a Am 1. November 2018 reichte der Beschwerdeführer durch seinen
Rechtsvertreter bei der Vorinstanz ein drittes Asylgesuch respektive zwei-
tes Mehrfachgesuch ein und beantragte unter anderem zu den neuen Vor-
bringen angehört zu werden.
Zur Begründung wurde – unter Beilage zahlreicher Dokumente – insbeson-
dere auf eine Kopie einer Vorladung der TID (Terrorism Investigation Divi-
sion) vom 22. August 2018 hingewiesen und geltend gemacht, der Be-
schwerdeführer werde in seinem Heimatstaat weiterhin verfolgt und ge-
sucht. Auch seine Schwester habe eine solche Vorladung erhalten. Die
Vorsprache beim sri-lankischen Generalkonsulat habe zudem gezeigt,
dass die sri-lankischen Behörden über die Verfolgung informiert seien und
er bei einer Rückkehr an Leib und Leben bedroht sei. Ferner habe sich die
politische Lage in Sri Lanka in jüngster Zeit verschlechtert, was zu einer
erhöhten Verfolgungsgefahr für tamilische Rückkehrende führen würde.
C.b Mit Verfügung vom 12. November 2018 lehnte das SEM unter Vernei-
nung der Flüchtlingseigenschaft das Mehrfachgesuch des Beschwerdefüh-
rers ab, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an und beauftragte den
zuständigen Kanton mit dem Vollzug.
In Bezug auf Vorbringen, die der Beschwerdeführer bereits in den voran-
gegangen Verfahren geltend gemacht hatte, verwies das SEM auf die ent-
sprechenden Ausführungen in seiner Verfügung und die bisher erfolgten
Urteile des Bundesverwaltungsgerichts. Das SEM führte im Weiteren aus,
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es sei davon auszugehen, dass es sich bei der Vorladung der TID vom
22. August 2018 um eine Fälschung handle. Zum Beweis für eine mögliche
Verfolgung durch die TID sei das Dokument nicht geeignet, zumal sich der
Beschwerdeführer in dem in der Vorladung erwähnten Aussagezeitpunkt
bereits in der Schweiz aufgehalten habe. Zwar habe sich die politische
Lage in Sri Lanka seit dem letzten Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
vom Juli 2018 verändert. Hinweise für eine begründete Furcht vor Verfol-
gung für zurückkehrende Tamilen und Tamilinnen aus dem Ausland seien
aber zu verneinen. Eine gezielte Verfolgung des Beschwerdeführers würde
nicht vorliegen. Er würde – nach wie vor – kein Risikoprofil aufweisen.
C.c Mit Eingabe vom 17. Dezember 2018 erhob der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers in dessen Namen gegen die Verfügung des SEM vom
12. November 2018 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde.
Dabei machte er geltend, er sei aufgrund der neusten Entwicklungen in
seinem Heimatstaat und seiner Vorgeschichte asylrechtlich gefährdet. Er
stamme aus einer Heldenfamilie und weise eine direkte Verbindung zu den
LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) auf. Zudem verfüge er über keine
gültigen Einreisepapiere und befinde sich mittlerweile seit (...) Jahren in
der Schweiz, einem der wichtigsten tamilischen Diasporazentren weltweit.
Somit seien mehrere der von der Rechtsprechung des Bundesverwal-
tungsgerichts definierten Risikofaktoren erfüllt.
C.d Mit Urteil E-7139/2018 vom 1. Februar 2019 wies das Bundesverwal-
tungsgericht die Beschwerde vom 17. Dezember 2018 ab.
Zur Begründung führte das Gericht im Wesentlichen aus, die Vorladung der
TID sei nicht geeignet, die bereits in den vorangegangenen Asyl- und Be-
schwerdeverfahren getroffenen Schlussfolgerungen zu beeinflussen. Es
sei nicht annähernd wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer tatsäch-
lich im Jahr 2018 von den Behörden vorgeladen worden sei. Es bestünden
zudem keine stichhaltigen Gründe zur Annahme, dass er einer der im Ko-
ordinationsurteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 genannten Ri-
sikogruppen zuzurechnen sei. Auch die aktuelle Lage in Sri Lanka ändere
an der Einschätzung des Bundesverwaltungsgerichts betreffend die Verfol-
gungssituation von nach Sri Lanka zurückkehrenden Tamilen und Tamilin-
nen nichts.
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D.
D.a Mit Eingabe vom 21. März 2019 reichte der Rechtsvertreter namens
des Beschwerdeführers beim SEM ein viertes Asylgesuch respektive drit-
tes Mehrfachgesuch ein. Dem Mehrfachgesuch waren 88 Beilagen haupt-
sächlich in Form von verschiedenen Artikeln und Berichten zu Sri Lanka
(inklusive einer CD-ROM mit einer Zusammenstellung von Länderinforma-
tionen zu Sri Lanka, Stand 22. Oktober 2018) beigelegt.
Begründet wurde dieses hauptsächlich mit der Vorsprache der Schwester
des Beschwerdeführers auf dem Generalkonsulat von Sri Lanka in Genf
vom 27. Februar 2019. Er habe seine Schwester dabei begleitet, jedoch
draussen warten müssen. Die sri-lankischen Behörden hätten demnach
ein klares Interesse an seiner Schwester und hegten ihm gegenüber Miss-
trauen. Anlässlich der Vorsprache seiner Schwester sei ein tamilisch spre-
chender Singhalese anwesend gewesen, der ihr Fragen gestellt und ein
Protokoll erstellt habe. Es sei naheliegend, dass es sich bei ihm um einen
Sicherheitsbeamten Sri Lankas handle. Der Schwester seien Fragen zur
Person, zu den Eltern und Geschwistern, ihrem Wohnort in Sri Lanka, den
Schulen, die sie dort besucht habe, ihren ehemaligen Arbeitgebern und
zum Verbleib und zur Tätigkeit ihrer Brüder gestellt worden. Auch sei nach
dem Aufenthaltsstatus des Beschwerdeführers sowie danach gefragt wor-
den, wie respektive mit welchen Papieren die Schwester in die Schweiz
eingereist sei. Da sie angegeben habe, den Pass dem Schlepper abgege-
ben zu haben, sei naheliegend, dass der sri-lankische Vertreter dies als
Besitz illegaler Reisepapiere erachten würde. Die Meldung dieses Tatbe-
stands an die sri-lankischen Behörden würde bei einer Rückkehr für die
Schwester bedeuten, dass sie verhaftet und aufgrund ihres sonstigen Ge-
fährdungsprofil Opfer einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt würde.
Dem Gespräch habe zudem eine Schweizerin beigewohnt, welche sich
nicht vorgestellt habe, bei der es sich aber wohl um eine SEM-Mitarbeiterin
gehandelt habe. Diese habe nur zugehört und anscheinend über keine Ta-
milisch-Kenntnisse verfügt. Am Ende des Gesprächs habe der sri-lanki-
sche Vertreter die Schwester nach draussen begleitet, wo er, der Be-
schwerdeführer, auf der Strasse auf sie gewartet habe. Es sei naheliegend,
dass der Vertreter habe wissen wollen, mit wem sie angereist sei. Die
Schweizerin sei indes im Büro verblieben, was darauf hindeute, dass sie
mit dem Vertreter noch eine Nachbesprechung abgehalten habe.
Das Migrationsabkommen zwischen der Schweiz und Sri Lanka erlaube
gemäss Art. 16 Bst. c zwar die Übermittlung von Daten über besuchte
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Schulen. Dies widerspreche aber Art. 97 Abs. 3 AsylG, da diese Norm ab-
schliessend die Daten aufzähle, die bei einem Vollzug übermittelt werden
dürften. Der Besuch von Schulen sei darin nicht enthalten. Art. 16 Bst. c
des Migrationsabkommens laufe sodann internationalen Menschenrechts-
verträgen zuwider, da sich aus der Bekanntgabe von Schulbesuchen eine
Verfolgungsgefahr ergebe. Art. 16 Bst c des Migrationsabkommens sei da-
her ungültig und nicht anwendbar.
In Zusammenhang mit der erfolgten Vorsprache auf dem Generalkonsulat
respektive der Ersatzpapierbeschaffung wurden zahlreiche Anträge an das
SEM gestellt, auf welche, soweit massgeblich, in den nachstehenden Er-
wägungen eingegangen wird.
Im Weiteren wurde im Mehrfachgesuch ein neuer rechtserheblicher Sach-
verhalt infolge der veränderten politischen und menschenrechtlichen Lage
in Sri Lanka seit der vorübergehenden Ernennung von Mahinda Rajapak-
sas zum Premierminister im Oktober 2018 respektive dessen Rückkehr in
die Politik und in diesem Zusammenhang geltend gemacht, es bestehe
eine erhöhte Gefährdung für Risikogruppen. Das Risikoprofil des langjährig
landesabwesenden tamilischen Beschwerdeführers, der über keine gülti-
gen Einreisepapiere verfüge, durch die TID vorgeladen worden sowie Mit-
glied einer LTTE-Heldenfamilie sei, sei daher noch stärker zu gewichten
und ihm die Flüchtlingseigenschaft zuzusprechen. Die Flüchtlingseigen-
schaft würde ihm überdies allein schon aufgrund seiner Zugehörigkeit zur
sozialen Gruppe der abgewiesenen tamilischen Asylsuchenden erfüllen,
was mithin durch zahlreiche Fälle von zurückgeschafften tamilischen Asyl-
suchenden belegt werde.
Dem SEM wurde schliesslich beantragt, für den Fall, dass es Zweifel an
den neuen Asylgründen hege, den Beschwerdeführer anzuhören.
D.b Die Vorinstanz verfügte am 27. März 2019, dass einstweilen vom Voll-
zug der Wegweisung des Beschwerdeführers abgesehen werde und allfäl-
lige Vorbereitungshandlungen (inklusive Papierbeschaffung) zu sistieren
seien. Am 15. April 2019 gewährte das SEM zudem Einsicht in die Voll-
zugsakten. Infolge Geheimhaltungsinteressen gewährte es in gewisse Ak-
tenstücke lediglich eingeschränkte Einsicht. Ausserdem verweigerte das
SEM zufolge überwiegender privater und öffentlicher Interessen die Ein-
sicht in bestimmte Aktenstücke.
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D.c Mit Entscheid vom 20. September 2019 verfügte das SEM die Abwei-
sung des Mehrfachgesuchs, wies den Beschwerdeführer aus der Schweiz
weg und ordnete den Vollzug der Wegweisung an.
Auf die vorinstanzlichen Ausführungen wird, soweit von Relevanz, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
D.d Mit Eingabe seines Rechtsvertreters erhob der Beschwerdeführer am
28. Oktober 2019 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die
Verfügung des SEM vom 20. September 2019. Mit der Rechtsmittelein-
gabe wurden eine Kopie des Mehrfachgesuchs und eine CD-ROM mit den
Beilagen 2-116, hauptsächlich bestehend aus Berichten und Artikel die
Lage in Sri Lanka betreffend, eingereicht. Darunter befand sich auch eine
Vernehmlassung des SEM im Verfahren D-4794/2017 (Beilage 3) sowie
ein Länderbericht zu Sri Lanka vom 22. Oktober 2018 (Beilage 88) mit wei-
teren 409 (digitalisierten) Beilagen.
In der Beschwerde wurden folgende Rechtsbegehren gestellt:
Das Bundesverwaltungsgericht habe nach dem Eingang der Beschwerde
unverzüglich darzulegen, welche Gerichtspersonen mit der Behandlung
der Sache betraut würden. Gleichzeitig habe das Gericht bekannt zu ge-
ben, ob diese Gerichtspersonen zufällig ausgewählt worden seien und an-
dernfalls die im Verfahren konkreten objektiven Kriterien bekannt zu geben,
nach denen diese Gerichtspersonen ausgewählt worden seien (Ziffer 1).
Es sei die Widerrechtlichkeit der Übermittlung von Personendaten des Be-
schwerdeführers an die sri-lankischen Behörden festzustellen (Ziffer 2).
Die Verfügung sei wegen der Verletzung des Anspruches auf das rechtliche
Gehör aufzuheben und die Sache sei an die Vorinstanz zurückzuweisen
(Ziffer 3). Eventuell sei die Verfügung wegen der Verletzung der Begrün-
dungspflicht aufzuheben und die Sache sei an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen (Ziffer 4). Eventuell sei die Verfügung aufzuheben und die Sache sei
zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sach-
verhaltes und zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen (Ziffer 5).
Eventuell sei die Verfügung aufzuheben und es sei die Flüchtlingseigen-
schaft des Beschwerdeführers festzustellen und ihm sei in der Schweiz
Asyl zu gewähren (Ziffer 6). Eventuell sei die Verfügung betreffend die Dis-
positivziffern 2 und 3 aufzuheben und es sei die Unzulässigkeit oder zu-
mindest die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges festzustellen (Zif-
fer 7).
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Auf die Beschwerdebegründung sowie die darin enthaltenen zahlreichen
Beweisanträge wird in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
D.e Mit Zwischenverfügung vom 5. November 2019 wurde dem Rechtsver-
treter mitgeteilt, dass der Spruchkörper derzeit aus dem Instruktionsrichter
Lorenz Noli und der Gerichtsschreiberin Sibylle Dischler bestehe. Der Be-
schwerdeführer wurde zur Bezahlung eines Kostenvorschusses bis zum
20. November 2019 aufgefordert.
D.f Am 20. November 2019 wurde der Kostenvorschuss bezahlt. Gleichen-
tags wies der Beschwerdeführer auf eine seit den Präsidentschaftswahlen
erneute Verschärfung der Lage in Sri Lanka hin und machte auf die diplo-
matische Verstimmung angesichts der Ereignisse rund um die Festhaltung
einer Schweizer Botschaftsmitarbeiterin aufmerksam. Dem Schreiben vom
20. November 2019 wurden eine CD-ROM mit verschiedenen Berichten
zur Lage in Sri Lanka (Beilagen 117 und 119 bis 146) und ein Bericht zu
den Wahlen in Sri Lanka (Beilage 118) eingereicht.
D.g Am 8. Mai 2020 wurde das SEM zur Vernehmlassung zur Beschwerde
eingeladen, welche das SEM am 25. Mai 2020 einreichte. Es hielt darin an
seinen bisherigen Einschätzungen fest. Auf die Begründung im Einzelnen
wird – sofern massgeblich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegan-
gen
D.h Dem Beschwerdeführer wurde am 27. Mai 2020 die Gelegenheit er-
teilt, bis zum 11. Juni 2020 eine Replik einzureichen. Diese wurde durch
den Rechtsvertreter mit Schreiben vom 11. Juni 2020 zu den Akten ge-
reicht. Ihr waren eine Bestätigung der (...) Behörden betreffend ein Asyl-
gesuch des Bruders des Beschwerdeführers vom 20. Dezember 2019
(Beilage 147), eine CD-ROM mit einem Länderbericht zu Sri Lanka vom
23. Januar 2020 inklusive 50 Beilagen (Beilage 148), eine CD-ROM mit
einem Länderupdate vom 26. Februar 2020 Sri Lanka inklusive 58 Beila-
gen (Beilage 149), eine CD-ROM mit einem Zusatzbericht zur Lagesitua-
tion in Sri Lanka Stand 10. April 2020 inklusive 50 Beilagen (Beilage 150),
beigelegt.
In der Replik wurde insbesondere die unverzügliche Bekanntgabe des
neuen Spruchkörpers unter Angabe der Kriterien, nach denen dieser aus-
gewählt worden sei, gefordert. Dem Beschwerdeführer sei dazu Einsicht in
die Datei der Software des Bundesverwaltungsgerichts zu gewähren, mit
welcher diese die Auswahl nach Eingang der Beschwerde kreiert worden
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sei, und es sei offenzulegen, wer diese Auswahl getroffen habe. Auf die
weiteren Anträge und Ausführungen in der Replik wird – soweit von Rele-
vanz – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
D.i Mit Schreiben vom 16. Juni 2020 wurde als Beilage 151 die in
F._ erfolgte, schriftliche Aslygesuchsbegründung des Bruders des
Beschwerdeführers zu den Akten gereicht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für Beschwerden gegen –
wie vorliegend vom SEM getroffene – Verfügungen auf dem Gebiet des
Asyls. Es entscheidet regelmässig – so auch vorliegend – endgültig (Art. 5
VwVG, Art. 31 ff. VGG, Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1
BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
2.
2.1 Der Beschwerdeführer ist zur Einreichung der Beschwerde legitimiert
(Art. 48 Abs. 1 VwVG) und die Beschwerde erfolgte frist- und formgerecht
(Art.108 Abs. 6 AsylG, Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist – vor-
behältlich nachfolgender Erwägung– einzutreten.
2.2 Soweit in der Beschwerde – wie schon in den Beschwerdeverfahren
zuvor –zunächst die Bestätigung der Zufälligkeit der Zusammensetzung
des Spruchkörpers beantragt wurde (vgl. Beschwerde S. 2 [Ziffer 1] und
S. 5 f., ist auf diesen Antrag unter Hinweis auf das Teilurteil des Bundes-
verwaltungsgerichts D- 1549/2017 vom 2. Mai 2018 (E. 4.1-4.3) nicht ein-
zutreten. Denn es besteht – wie dem Rechtsvertreter aus zahlreichen an-
deren Verfahren bekannt ist – weder ein Anspruch auf zufällige Zusam-
mensetzung des Spruchkörpers noch ein solcher auf Bestätigung einer zu-
fälligen Zusammensetzung.
3.
Die vorliegende Beschwerde wird aufgrund des engen persönlichen Kon-
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nexes koordiniert mit dem Verfahren der Schwester des Beschwerdefüh-
rers E-5779/2019 behandelt. Das Urteil in erwähntem Verfahren wird mit
heutigem Datum ebenfalls gesprochen.
4.
Mit Erlass des vorliegenden Urteils ist dem Beschwerdeführer der Spruch-
körper vollständig bekanntgemacht. Infolge der erwähnten Koordination
wird die vorliegende Beschwerde vom selben Spruchkörper wie im Verfah-
ren E-5779/2019 beurteilt. Es erübrigt sich somit auf den in der Replik (vgl.
Replik S. 2) gestellten Antrag auf unverzügliche Bekanntgabe des neuen
Spruchkörpers und der Kriterien, nach denen dieser ausgewählt worden
sei, weiter einzugehen. Ebenso verhält es sich mit dem Antrag auf Einsicht
in die Datei der Software des Bundesverwaltungsgerichts, da – wie er-
wähnt – die Änderung des Spruchkörpers aufgrund des Konnexes der bei-
den Verfahren und damit nicht mittels Anwendung einer Software erfolgt
ist.
5.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
6.
6.1 In seiner Verfügung vom 20. September 2019 führte das SEM im We-
sentlichen aus, im Rahmen der Papierbeschaffung übermittle es dem sri-
lankischen Generalkonsulat die Personalien der betroffenen Person und
beantrage die Ausstellung eines sri-lankischen Ersatzreisepapiers. Dabei
handle es sich um ein standardisiertes und langjährig bewährtes Verfah-
ren, das seit dem 24. Dezember 2016 zusätzlich durch das Migrationsab-
kommen zwischen der Schweiz und Sri Lanka (SR 0.142.117.121; nach-
folgend: Migrationsabkommen) geregelt sei. Der Umstand, dass im Rah-
men des Verfahrens der Ersatzreisepapierbeschaffung auf dem General-
konsulat in Genf eine Vorsprache erfolgt sei, entspreche dem üblichen Vor-
gehen und werde nicht durch eine Verfolgungsabsicht der sri-lankischen
Behörden ausgelöst.
Unter Hinweis auf BVGE 2017Vl/6 erwog die Vorinstanz, dem sri-lanki-
schen Generalkonsulat würden ausschliesslich Personendaten bekannt
gegeben, die dem Zweck der Ersatzreisepapierbeschaffung dienten. Dabei
würden die Datenschutzbestimmungen nach Art. 97 AsylG und Art. 106
des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen
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und Ausländer und über die Integration (Ausländer- und Integrationsge-
setz; AIG [SR 142.20] vollumfänglich eingehalten. Weder in Art. 97 Abs. 3
AsylG noch in Art. 16 Bst. c des Migrationsabkommens handle es sich um
eine abschliessende Aufzählung der Daten, die einer ausländischen Be-
hörde für die Organisation der Ausreise der betroffenen Person übermittelt
werden dürften. Neue Gefährdungselemente würden durch die Übermitt-
lung von Daten im gesetzlich vorgesehenen Rahmen nicht geschaffen. Das
Vorliegen einer begründeten Furcht vor Verfolgungsmassnahmen wegen
der Vorsprache der Schwester auf dem Generalkonsulat sei somit zu ver-
neinen. Art. 16 Bst. g des Migrationsabkommens komme nur zwischen den
sri-lankischen und schweizerischen Behörden zur Anwendung. Eine Ein-
zelperson könne sich deshalb weder direkt darauf berufen, noch bei den
schweizerischen Behörden einen Antrag zur Stellung eines Gesuchs an die
sri-lankischen Behörden stellen. Wolle eine Einzelperson Auskunft über die
Verwendung der nach Sri Lanka übermittelten Daten und die damit erziel-
ten Ergebnisse, so habe sie gemäss Art. 16 Bst j des Migrationsabkom-
mens ihr Gesuch direkt an die sri-lankischen Behörden zu stellen. Das Mig-
rationsabkommen sei somit vorliegend nicht verletzt worden. Die diesbe-
züglichen Vorhalte würden sich als unbegründet erweisen. Die Anträge auf
Offenlegung verschiedener Angaben zu den übermittelten Daten durch die
sri-lankischen Behörden und auf Löschung von übermittelten Daten seien
abzulehnen. Ein Gesuch um Offenlegung zur Verwendung der übermittel-
ten Daten habe der Beschwerdeführer direkt an die sri-lankischen Behör-
den zu stellen.
Insofern der Beschwerdeführer ausserdem seine bereits in den früheren
Verfahren und insbesondere jene im letzten Beschwerdeverfahren darge-
legten Asylvorbringen wiederhole (Risikoprofil, politische Strukturen in Sri
Lanka, Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe), werde auf die Erwägun-
gen in den vorangegangen Verfügungen des SEM und die Urteile des Bun-
desverwaltungsgerichts verwiesen. Auch aufgrund der aktuellen Aktenlage
liege nichts vor, das zu einer anderen Einschätzung führen könne.
Hinsichtlich der im Mehrfachgesuch abgebildeten, veränderten allgemei-
nen Lage in Sri Lanka, welche sich negativ auf das Profil des Beschwerde-
führers auswirke, stellte sich die Vorinstanz auf den Standpunkt, ein Risi-
koprofil sei bislang verneint worden und nach wie vor nicht vorhanden. Die
Ausführungen zu Sri Lanka würden sich zudem mehrheitlich auf die Zeit
vor dem letzten Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-7139/2018 vom
1. Februar 2019 beziehen und seien bereits damals geltend gemacht und
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geprüft worden. Die Schilderungen zu den jüngeren Entwicklungen der all-
gemeinen und politischen Situation in Sri Lanka würden keinen konkreten,
individuellen Bezug zum Beschwerdeführer aufweisen. Dasselbe gelte für
die zusammengetragenen Berichte und Quellen, wie auch für die Beilagen
Nrn. 10, 11 sowie 13 bis 17, die nach erwähntem Urteil datierten. Auch aus
diesen könne nichts Konkretes mit Bezug auf die Person des Beschwerde-
führers abgeleitet werden, was auf eine asylrelevante Gefährdung schlies-
sen lasse.
6.2 In der Beschwerde vom 28. Oktober 2019 wurde im Wesentlichen der
bisherige Sachverhalt wiederholt und argumentiert, Art. 97 Abs. 3 AsylG
enthalte keine abschliessende Aufzählung und damit keine spezifische Re-
gelung der zu übermittelnden Personendaten. Diese Norm verdränge Art. 6
DSG nicht vollständig. Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz komme
Art. 6 DSG eine eigenständige Bedeutung zu und sei im vorliegenden Ver-
fahren zu beachten. Das in Art. 6 Abs. 1 DSG vorgegebene Schutzniveau
sei in Sri Lanka nicht gegeben, zumal kein Schutz davor bestehe, dass die
übermittelten Daten nicht zweckentfremdet würden. Dem Beschwerdefüh-
rer stehe kein Recht zu, über den Verwendungszweck der Daten bei den
sri-lankischen Behörden Einsicht zu verlangen. Die sri-lankischen Behör-
den würden die Daten auf eine andere Weise verwenden, als dies die
schweizerischen Gesetze vorsehen würden. Dadurch werde Art. 6 DSG
verletzt. Das SEM habe in der Vernehmlassung vom 8. November 2017 im
Verfahren D- 4794/2017 eingestanden, dass die Daten auch zur Überprü-
fung der Rückkehrenden verwendet würden, da diese allesamt am Flugha-
fen in D._ durch das CID und die TID überprüft würden. Ebenso sei
zugegeben worden, dass die im Rahmen der Papierbeschaffung von den
Schweizer Behörden nach Sri Lanka übermittelten Daten dazu verwendet
würden, diese politisch motivierte Verfolgung durch das CID und die TID
vorzubereiten. Das SEM habe daher die Widerrechtlichkeit der Übermitt-
lung gemäss Art. 25 Abs. 1 Bst. c DSG festzustellen.
Gerügt wurde im Weiteren eine Verletzung des rechtlichen Gehörs und der
Begründungspflicht sowie eine mangelhafte Sachverhaltserhebung. Dazu
wurde im Wesentlichen dargelegt, das SEM habe vor dem Hintergrund der
neuen Ausgangslage in Sri Lanka sowie der neu dargelegten Asylgründe
das Risikoprofil des Beschwerdeführers nicht geprüft. Im Folgegesuch sei
zudem – entgegen den Ausführungen des SEM – ein konkreter Fallbezug
vorgenommen worden. Das SEM gehe darauf sowie auch auf die Gefähr-
dungslage infolge der neuen Ländersituation nicht ein. Es beziehe sich le-
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diglich auf sein Lagebild vom 16. August 2016 oder noch ältere Länderin-
formationen, womit es nicht nur die Begründungspflicht verletzt, sondern
auch den Sachverhalt unvollständig abgeklärt habe. Die Vorinstanz zitiere
zudem in ihrem Entscheid BVGE 2010/8 E. 9.5, der sich auf Bangladesch,
hingegen nicht auf Sri Lanka beziehe. Eine Begründung dafür, wie das
SEM zur aktuellen Lageeinschätzung in Sri Lanka gelange, fehle, zumal
das SEM dazu keine einzige Quelle vorlege. Das SEM habe daher darzu-
legen, inwiefern es zu seiner Schlussfolgerung gelange, dass sich die Lage
für tamilische Asylsuchende mit klaren LTTE-Verbindungen nicht verändert
habe.
Der Beschwerdeführer sei zudem letztmals vor über fünf Jahren angehört
worden. Diese Anhörung sei mangelhaft gewesen. Er habe sich demnach
weder zu dem bei seiner Einreise vorhandenen asylrelevanten Sachverhalt
noch zu dem neu vorgebrachten Sachverhalt äussern können. Da sich die
Sicherheits- und Menschenrechtslage in Sri Lanka seit Stellung des ersten
Asylgesuchs negativer präsentiere, hätte er erneut angehört und eine Ge-
samtbeurteilung vorgenommen werden müssen. Hinzukomme, dass die
zeitliche Nähe zwischen einer Anhörung und einem Entscheid zwingend
erforderlich sei.
Moniert wurde unter der Rubrik der unvollständigen und unrichtigen Sach-
verhaltsabklärung zudem, dass das SEM weder die individuellen Asyl-
gründe des Beschwerdeführers noch den Umstand, dass er als abgewie-
sener tamilische Asylsuchender aufgrund der veränderten politischen und
menschenrechtlichen Lage in Sri Lanka einer sozialen Gruppe im flücht-
lingsrechtlichen Sinne angehöre, berücksichtigt habe. Tamilen würden
ohne konkrete Anhaltspunkte verdächtigt, ehemalige LTTE-Mitglieder zu
sein. Besonders überwacht und gefährdet seien Rückkehrende aus der ta-
milischen Diaspora und exilpolitisch aktive Personen aus der Schweiz. Es
wurde erneut betont, dass sich das SEM auf ein Lagebild vom 16. August
2016 und damit auf ein manipuliertes Bild sowie veraltete und mithin nicht
öffentlich zugängliche und nicht überzeugende Quellen stütze. Darin sei
eine mangelhafte Sachverhaltsabklärung und Beweiswürdigung zu erken-
nen. Die Beurteilung der Gefährdungslage sei unter Ausklammerung zahl-
reicher Sachverhaltselemente aus formellen Gründen erfolgt, womit keine
Gesamtwürdigung und keine korrekte Beurteilung stattgefunden habe. Im
Weiteren habe das SEM keine Glaubhaftigkeitsprüfung vorgenommen,
sondern vollumfänglich auf die vorhergehenden Verfügungen und Urteile
verwiesen.
E-5653/2019
Seite 15
Der tamilische Beschwerdeführer stamme aus einer LTTE-Heldenfamilie,
lebe schon sehr lange in der Schweiz und sei durch die TID vorgeladen
worden. Er sei daher gleich mehreren Risikogruppen zuzurechnen und bei
einer Rückkehr einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt. Hin-
zukomme erwähnte Problematik um die Ersatzreisepapierbeschaffung
durch das SEM über die sri-lankischen Behörden.
Schliesslich wurde in der Beschwerde darauf hingewiesen, dass der Be-
schwerdeführer von seiner Familie erfahren habe, dass vor einigen Mona-
ten ein Auto vor deren Haus geparkt und die Insassen des Autos das Haus
beobachtet hätten. Er werde demnach nach wie vor in Sri Lanka gesucht.
In einer weiteren Eingabe vom 20. November 2019 verwies der Rechtsan-
walt sodann auf eine zwischenzeitlich veränderte politische Lage in Sri
Lanka seit der Wahl am 16. November 2019 von Gotabaya Rajapaksa –
einem Gegner der Tamilen – zum Präsidenten. Auch wies er auf die Fest-
haltung einer Mitarbeiterin der Schweizerischen Botschaft in Sri Lanka hin.
Damit liege ein neuer rechtserheblicher Sachverhalt vor, aus dem sich eine
massive Gefährdungslage für den Beschwerdeführer ergebe.
6.3 In der Vernehmlassung vom 25. Mai 2020 stellte sich das SEM auf den
Standpunkt, dass die erfolgte Präsidentschaftswahl vom 16. November
2019 nichts an seiner Einschätzung ändere. Tatsächlich habe die Überwa-
chung der Zivilbevölkerung seit den dschihadistisch motivierten Terroran-
schlägen an Ostern 2019 und nochmals nach der Präsidentschaftswahl zu-
genommen. Dennoch gebe es zum jetzigen Zeitpunkt keinen Anlass zur
Annahme, dass ganze Volks- oder Berufsgruppen unter Präsident Gota-
baya Rajapaksa kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt seien. Das
SEM prüfe das Verfolgungsrisiko im Einzelfall. Voraussetzung für die An-
nahme einer Verfolgungsgefahr aufgrund der Präsidentschaftswahl vom
16. November 2019 sei ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Person
zu eben diesem Ereignis respektive dessen Folgen. Dafür reiche es nicht
aus, pauschal auf politische Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit o-
der mögliche Zukunftsszenarien zu verweisen. Stattdessen müsse eine
hinreichende Subsumption im Einzelfall erfolgen. Genau dies sei vorlie-
gend allerdings nicht überzeugend dargetan worden. Den Akten seien
keine hinreichenden Hinweise auf eine Verschärfung der persönlichen Si-
tuation des Beschwerdeführers aufgrund erwähnter Ereignisse zu entneh-
men. Die Anforderungen an die Annahme einer begründeten Verfolgungs-
furcht sei damit nicht gegeben.
E-5653/2019
Seite 16
Zu den auf Beschwerdeebene eingereichten Medienberichten merkte das
SEM an, dass sich diese lediglich auf die allgemeine Lage, die politischen
Entwicklungen und Ereignisse beziehen würden, die nicht direkt in Zusam-
menhang mit dem Beschwerdeführer stünden.
6.4 In der Replik vom 11. Juni 2020 monierte der Rechtsvertreter, der Be-
schwerdeführer sei erwiesenermassen vor seiner Ausreise bereits einer
Verfolgung ausgesetzt gewesen. Die durch die veränderte Situation in Sri
Lanka erhöhte Gefährdungslage des Beschwerdeführers werde durch das
SEM völlig falsch eingeschätzt und die Vorinstanz verweigere bewusst eine
korrekte Arbeitsweise. Der Sekretär des sri-lankischen Verteidigungsminis-
teriums habe verlauten lassen, dass er die angeblich gezielten Versuche
der tamilischen Diaspora, die LTTE in Sri Lanka wiederbeleben zu wollen,
als Bedrohung erachte. Da das Migrationsdepartement neu dem Verteidi-
gungsministerium unterstehe, würden bei zurückkehrenden Asylsuchen-
den Informationen direkt diesem Ministerium übermittelt, was jederzeit eine
Verfolgungsmassnahme nach sich ziehen könne. Diese Gefahr sei beim
Beschwerdeführer als Person mit familiärem LTTE-Hintergrund hoch, zu-
mal er einschlägig bei den Sicherheitskräften registriert sei.
Schliesslich wurde dargelegt, der jüngere Bruder des Beschwerdeführers
sei zwischenzeitlich aus Sri Lanka nach F._ geflüchtet. Dort habe
dieser ein Asylgesuch gestellt. Daraus ergebe sich, dass auch sein Bruder
direkt von Verfolgung betroffen sei. Die entsprechenden Aussagen des
Bruders in dessen Asylverfahren würden nachgereicht.
Mit Schreiben vom 16. Juni 2020 wurde durch den Beschwerdeführer
schliesslich argumentiert, der Bruder habe in seinem schriftlichen Asylge-
such gegenüber den (...) Behörden beschrieben, wie die in die Schweiz
geflüchtete Schwester aufgrund der auf sie verübten sexuellen Übergriffe
aus Sri Lanka habe fliehen müssen. Im Rahmen einer Hausdurchsuchung
im August 2019 habe die Armee dem Bruder vorgeworfen, Geld von seinen
Geschwistern in der Schweiz zwecks Wiederaufbaus der LTTE zu erhalten.
Der Bruder sei drei Tage inhaftiert und zu seiner Verbindung zur tamili-
schen Diaspora befragt, geschlagen und sexuell misshandelt worden. Da-
mit werde das anhaltende Verfolgungsinteresse am Beschwerdeführer be-
legt.
7.
7.1 Auf Beschwerdeebene werden – wie bereits in den vorangegangen
beiden Beschwerdeverfahren – zahlreiche formelle Rügen erhoben. Diese
E-5653/2019
Seite 17
sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet sein könnten, eine Kassa-
tion der erstinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. BVGE 2013/34
E. 4.2; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-
rechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.).
7.2 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-
grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Die unrichtige
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts in Ver-
letzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen Beschwer-
degrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfest-
stellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sach-
verhalt zugrunde gelegt wird, etwa, weil die Rechtserheblichkeit einer Tat-
sache zu Unrecht verneint wird und folglich nicht alle entscheidwesentli-
chen Gesichtspunkte des Sachverhalts geprüft werden, oder weil Beweise
falsch gewürdigt wurden. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung,
wenn nicht alle für den Entscheid rechtsrelevanten Sachumstände berück-
sichtigt wurden. Gemäss Art. 8 AsylG hat die asylsuchende Person dem-
gegenüber die Pflicht, an der Feststellung des Sachverhaltes mitzuwirken
(vgl. BVGE 2015/10 E. 3.2).
7.3 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist,
dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei-
nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl.
BGE 143 III 65 E. 5.2).
7.4 Willkür in der Rechtsanwendung liegt dann vor, wenn der angefochtene
Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in kla-
rem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechts-
grundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsge-
danken zuwiderläuft (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_283/2020 vom
17. August 2020 m.w.H.).
7.5
7.5.1 Sachverhaltselemente, welche bereits Bestandteil eines oder im
vorliegenden Fall mehrerer rechtskräftiger Urteile waren (versuchte
E-5653/2019
Seite 18
Anwerbung durch paramilitärische Truppen, familiäre Verbindungen zu den
LTTE, Vorladung durch die TID, Suche nach dem Beschwerdeführer,
bisheriges Risikoprofil) waren im vorliegenden Verfahren – wie sich auch
aus nachstehenden materiellen Erwägungen ergibt – nicht nochmals zu
beurteilen. Es liegt daher eine korrekte Rechtsanwendung durch das SEM
vor. Die Rüge, die Aufteilung des Gesamtsachverhaltes in unterschiedliche
Teilsachverhalte durch das SEM sei willkürlich und stelle zugleich eine
Verletzung der Begründungspflicht dar (vgl. Beschwerde S. 27 f.), geht
demnach fehl.
7.5.2 Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung nachvollziehbar
aufgezeigt, von welchen Überlegungen es sich hat leiten lassen. Es hat
sich mit den neuen Asylvorbringen des Beschwerdeführers
auseinandergesetzt und klar dargelegt, weshalb im Rahmen der
Ersatzpapierbeschaffung und der damit verbundenen Vorsprache (von ihm
und seiner Schwester) auf dem Generalkonsulat keine Verletzung von
Datenschutzbestimmungen zu erkennen ist, aus welchen Gründen es die
Flüchtlingseigenschaft und mithin erneut ein Risikoprofil des
Beschwerdeführers verneint hat und weshalb an diesen Feststellungen die
vom Beschwerdeführer dargelegte Lage in Sri Lanka nichts zu ändern
vermag (vgl. Verfügung S. 5 ff.). Eine Verletzung der Begründungspflicht,
wie sie in der Beschwerde gerügt wird (vgl. Beschwerde S. 15 ff.) ist zu
verneinen.
7.5.3 Das SEM hat, wie erwähnt, ein Risikoprofil des Beschwerdeführers
vor dem Hintergrund der Lage in Sri Lanka geprüft und eine daraus
folgende Gefährdung verneint (vgl. Verfügung S. 7) Von einer
unterlassenen Prüfung allfälliger Risikofaktoren und damit einer Verletzung
des rechtlichen Gehörs wie dies in der Beschwerde dargelegt wird (vgl.
Beschwerde S. 15 f.), kann nicht gesprochen werden.
7.5.4 Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung
(vgl. Beschwerde S. 16) kann in der vom SEM unterlassenen Anhörung
des Beschwerdeführers ebenfalls keine Gehörsverletzung erblickt werden:
Das Mehrfachgesuch vom 21. März 2019 wurde nach dem rechtskräftigen
Abschluss des dritten Asylverfahrens innerhalb der Fünfjahresfrist von
Art. 111c AsylG eingereicht. Bei dieser Konstellation ist eine Anhörung –
wie vom SEM zutreffend erwähnt – gemäss Art. 29 AsylG grundsätzlich
nicht vorgesehen (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.3). Der anwaltlich vertretene
Beschwerdeführer konnte seine neuen Vorbringen im schriftlichen Gesuch
E-5653/2019
Seite 19
im Sinne von Art. 111c AsylG umfassend darlegen (vgl. dazu auch: BVGE
2009/53 E. 5). Die Durchführung einer erneuten Anhörung durch das SEM
war daher nicht angezeigt.
7.5.5 Im Umstand allein, dass das SEM in seiner Beurteilung zur Lage in
Sri Lanka – nebst Entscheiden des EGMR und des Bundesverwaltungsge-
richts – in einer Klammer fälschlicherweise einen Entscheid des Bundes-
verwaltungsgerichts zu Bangladesch zitiert, kann entgegen dem Einwand
in der Beschwerde (vgl. Beschwerde S. 21) ebenfalls keine Verletzung der
Begründungspflicht erkannt werden. Aus den entsprechenden Ausführun-
gen der Vorinstanz ergibt sich, dass es sich bei dem vom SEM in der Ver-
fügung (im Vollzugspunkt) zitierten BVGE 2010/8 offensichtlich um ein Ver-
sehen handeln muss (vgl. Verfügung S. 8 f.), zumal das SEM mithin die
erfolgten Anschläge vom April 2019 auf Kirchen und Hotels in Sri Lanka
benennt und daraus schliesst, dass keine von bewaffneten Konflikten do-
minierte Lage in Sri Lanka herrsche. Eine Verletzung der Begründungs-
pflicht liegt nicht vor. Dies umso mehr, als sich das SEM in seiner Vernehm-
lassung, wenn auch nicht explizit zu erwähntem Falschzitat, so doch erneut
und zudem hinreichend zur Lage in Sri Lanka geäussert hat.
7.5.6 Eine mangelhafte Sachverhaltsfeststellung in der vom SEM
vorgenommenen Einschätzung zur menschenrechtlichen und politischen
Situation in Sri Lanka ist ebenfalls zu verneinen. Denn der blosse Umstand,
dass der Beschwerdeführer die Auffassung des SEM in diesem Punkt nicht
teilt (vgl. Beschwerde S. 27 ff.) und er entgegen der Ansicht der Vorinstanz
darin ein neues Gefährdungselement erblickt, beschlägt die Würdigung
des rechtserheblichen Sachverhalts und damit eine materielle Frage.
7.6 Die formellen Rügen erweisen sich damit als unbegründet, weshalb
keine Veranlassung besteht, die angefochtene Verfügung aufzuheben und
an das SEM zurückzuweisen. Die diesbezüglichen Rechtsbegehren (vgl.
Beschwerde S. 2 [Ziffern 3-5]) sind abzuweisen. Das Gericht hat demnach
in der Sache zu entscheiden (Art. 61 Abs. 1 VwVG).
8.
8.1 Nach einem erfolglos durchlaufenen Asylverfahren eingereichte Folge-
gesuche um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3
AsylG sind unter den Voraussetzungen des Art. 111c AsylG (sog. Mehr-
fachgesuch) zu prüfen (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.6). Neue Asylgründe im
Sinne von Art. 111c AsylG, sind dann gegeben, wenn sich diese nicht auf
E-5653/2019
Seite 20
ein vorangegangenes rechtskräftig abgeschlossenes Asylverfahren bezie-
hen (vgl. BVGE 2014/39 E.4.6).
8.2
8.2.1 Auf Beschwerdeebene werden für den Fall einer materiellen Beur-
teilung des Mehrfachgesuchs diverse Beweisanträge gestellt. Zu diesen ist
vorab Folgendes festzuhalten:
8.2.2 Aufgrund der derzeitigen Aktenlage besteht für das Gericht keine
Veranlassung, von zuvor erwähnter Regel, wonach bei Mehrfachgesuchen
keine Anhörung stattfindet, abzuweichen, zumal sich der Beschwerdefüh-
rer auf Beschwerdeebene hinreichend zu seinen neu dargelegten Grün-
den, die – wie aus nachstehenden Erwägungen folgt – hauptsächlich in der
Vorsprache seiner Schwester auf dem Generalkonsulat und der im Rah-
men der Ersatzpapierbeschaffung erfolgten Datenübermittlung sowie in ei-
ner verschärften politischen Situation in Sri Lanka gründeten, äussern
konnte. Der entsprechende Beweisantrag (vgl. Beschwerde S. 58 [Ziffer 1])
ist abzuweisen.
8.2.3 Hinsichtlich der vom SEM beurteilten Lage in Sri Lanka wird
gefordert, das SEM habe die Quellen, die es bei seinem Entscheid
einbezogen habe, offenzulegen. In dieser Hinsicht wird ausgeführt, es
müsste eigentlich davon ausgegangen werden, dass sich das SEM bei
seiner Glaubhaftigkeitsprüfung auf ein Lagebild des SEM vom 16. August
2016 stützte, was wohl nicht zutreffe, sondern eher anzunehmen sei, die
Vorinstanz habe sich auf noch ältere Quellen abgestützt (vgl. Beschwerde
S. 59 ff.)
Das Lagebild vom 16. August 2016 hat das SEM in seiner Verfügung nicht
explizit erwähnt. Wie dem Rechtsvertreter bekannt ist, ist dieses jedoch
öffentlich zugänglich. Wie bereits mit Urteil E-2050/2018 festgehalten, ist
damit dem Anspruch auf rechtliches Gehör genüge getan (vgl. a.a.O.
E.6.1.4), zumal das SEM nicht gehalten ist, darin zitierte, geheim zuhal-
tende Referenzen offenzulegen (vgl. Urteil des BVGer E-5779 vom 12. Mai
2021 E. 9.2.3 m.w.H.). Im Übrigen hat das SEM in seiner Vernehmlassung
erneut eine Beurteilung der Lage in Sri Lanka vorgenommen und dazu auf
seine Notiz zu Sri Lanka vom 7. Februar 2020 verwiesen. Dieser Bericht
der Vorinstanz ist samt den darin enthaltenen Quellenangaben öffentlich
abrufbar. Der Antrag auf Anweisung des SEM zur Offenlegung der entspre-
chenden Quellen (vgl. Beschwerde S. 59 [Ziffer 4]) ist daher abzuweisen.
E-5653/2019
Seite 21
8.2.4 Auf die weiteren ebenfalls abzuweisenden Beweisanträge in Zusam-
menhang mit der Datenübermittlung (vgl. Beschwerde S. 58 f. [Ziffern 2
und 3]) wird in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
9.
9.1 Im Mehrfachgesuch wird erneut auf die in den bisherigen Verfahren
bereits dargelegten Vorbringen (versuchte Zwangsrekrutierung, Suche
nach dem Beschwerdeführer, LTTE-Verbindungen der Familie, Erhalt einer
Vorladung durch die TID) hingewiesen. Dazu ist anzumerken, dass sich
das Bundesverwaltungsgericht bereits in den bisher ergangenen Urteilen
mit diesen Vorbringen befasst und diese für nicht glaubhaft befunden hat
(vgl. Urteile des BVGer E-6077/2014 E. 4.1 f., E-2050/2018 E. 8.1.1 f. und
E-7139/2018 E.11.1). Da es sich somit um eine bereits abgeurteilte Sache
handelt (sog. res iudicata) war eine erneute Prüfung durch das SEM nicht
angezeigt.
9.2 Im Umstand, dass – wie in der Rechtsmittelschrift geschildert wird – ein
Auto vor dem Haus der Eltern geparkt hat, in dem sich mehrere Personen
befunden und das Haus beobachtet hätten (vgl. Beschwerde S. 60), lässt
sich kein flüchtlingsrechtlich relevantes neues Ereignis erkennen. Denn im
blossen Beobachten eines Hauses lässt sich nicht bereits auf eine behörd-
liche Suche nach dem Beschwerdeführer schliessen.
9.3 Was das auf Beschwerdeebene nachgereichte Dokument betreffend
die Asylgesuchstellung des Bruders des Beschwerdeführers in F._
(vgl. Beilage 151 zur Eingabe vom 16. Juni 2020) anbelangt, ist festzuhal-
ten, dass damit keine zwischenzeitlichen Ereignisse dargelegt werden, die
im Rahmen eines Mehrfachgesuchs zu prüfen wären. Immerhin gilt es an-
zumerken, dass das bloss in Form einer Fotoaufnahme vorliegende Doku-
ment aus einem ausländischen Asylverfahren stammt, das offenbar noch
nicht abgeschlossen ist. Ausser der Bestätigung des Asylgesuches durch
die kanadischen Behörden und einer knappen ersten, schriftlichen Begrün-
dung der Asylgründe in Englisch liegt nichts weiter vor. Es ist damit nicht
davon auszugehen, dass eine abschliessende Beurteilung der kanadi-
schen Behörden hinsichtlich der vom Bruder in F._ angegebenen
Verfolgungsgründe vorgenommen wurde. Bei dieser Sachlage kann es von
vornherein nicht Aufgabe der schweizerischen Asylbehörden sein, er-
wähnte Angaben vorliegend heranzuziehen.
E-5653/2019
Seite 22
9.4 Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen sri-lankischen
Staatsangehörigen tamilischer Ethnie, der über keine gültigen Identitätspa-
piere verfügt und nunmehr seit etlichen Jahren landesabwesend ist. Ein
Risikoprofil im Sinne des Referenzurteils E- 1866/2015 des Bundesverwal-
tungsgerichts wurde aufgrund dieser Faktoren bereits in den vorangegan-
genen Beschwerdeverfahren verneint (vgl. E-2050/2018 E. 9.2 f. und
E- 7139/2018 E. 11.2). An dieser Beurteilung ist auch unter Berücksichti-
gung der auf Beschwerdeebene geltend gemachten verschärften Lage in
Sri Lanka, welche mit zahlreichen Berichten dokumentiert wird, festzuhal-
ten. Denn damit werden keine zwischenzeitlich entscheidwesentlichen Er-
eignisse dargelegt, die einen anderen Schluss zulassen würden. Die La-
geeinschätzung im Referenzurteil E-1866/2015 hat gemäss aktueller
Rechtsprechung auch im Lichte aktueller Entwicklungen in Sri Lanka wei-
terhin Bestand:
Am 16. November 2019 wurde Gotabaya Rajapaksa zum neuen
Präsidenten Sri Lankas gewählt. Kurz nach der Wahl ernannte der neue
Präsident seinen Bruder Mahinda zum Premierminister und band einen
weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein. Beobachter und
ethnische respektive religiöse Minderheiten befürchten insbesondere mehr
Repression und die vermehrte Überwachung von
Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und
Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl. statt
vieler: Urteil des BVGer D-7345/2017 E. 7.3.2). Das
Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka
bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt
diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand
durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage
auszugehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt
sind beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren. Es gibt aber zum
heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem
Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer
Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im
Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden
Personen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive
deren Folgen besteht. Mangels konkreter Anhaltspunkte ist dies vorliegend
jedoch zu verneinen. Denn nach wie vor sind keine ausreichend konkreten
Gründe für die Annahme zu bejahen, dass der Beschwerdeführer künftig
einer flüchtlingsrechtlichen Verfolgungsgefahr ausgesetzt sein könnte.
E-5653/2019
Seite 23
9.5
9.5.1 Insofern sich der Beschwerdeführer erneut auf die erfolgte
Vorsprache vom 26. Januar 2017 auf dem Generalkonsulat in Genf beruft,
ist anzumerken, dass es sich auch hierbei um einen bereits beurteilten
Sachverhalt handelt. Es sei daher auf die entsprechenden Erwägungen im
Urteil E-2050/2018 (vgl. a.a.O. E. 7) verwiesen.
9.5.2 Was die Vorsprache der Schwester des Beschwerdeführers vom
27. Februar 2019 auf dem Generalkonsulat in Genf respektive die Daten-
übermittlung im Rahmen der Beschaffung von Ersatzreisepapieren anbe-
langt, vermag dieser Umstand ebenfalls nicht ein flüchtlingsrechtlich be-
achtliches Gefährdungselement zu begründen:
So wurde im Urteil E- 5779/2019 vom 12. Mai 2021 betreffend die Schwes-
ter erkannt, dass keine Unregelmässigkeiten bei deren Vorsprache zu er-
kennen waren. Eine Verletzung von Art. 97 Abs. 3 AsylG, Art. 16 Bst. c und
g Migrationsabkommen wurde unter Hinweis auf BVGE 2017 VI/6 E. 2.5
ebenso verneint, wie eine widerrechtliche Datenbearbeitung im Sinne von
Art. 25 DSG oder eine Verletzung von Art. 8 und Art. 6 DSG (vgl. a.a.O. E.
10.3). Der Antrag auf Feststellung der Widerrechtlichkeit der Übermittlung
von Personendaten der Schwester an die sri-lankischen Behörden wurde
ebenso wie jener auf Erläuterung, wie sie vorzugehen habe, um bei den
sri-lankischen Behörden Auskunft über sie betreffende Daten zu erhalten,
abgewiesen. Abgewiesen wurde zudem das Erläuterungsbegehren, wel-
che Konsequenzen eine solche Erkundigung nach sich ziehen würde.
Festgehalten wurde auch, dass ein allfälliges Gesuch um Einsicht in die
Akten der sri-lankischen Behörden gestützt auf Art. 16 Bst. j Migrationsab-
kommen direkt an die Behörden des Heimatstaats zu richten wäre. Auch
wurde der Beweisantrag, das SEM sei anzuweisen, entsprechende Darle-
gungen zu machen und anzugeben, ob die an die sri-lankischen Behörden
überwiesenen Personendaten gemäss einem dem Schweizer Daten-
schutzrecht entsprechenden Schutzniveau behandelt würden, abgewiesen
(vgl. a.a.O. E. 10.3 ff.).
9.6 Der Beschwerdeführer vermag somit – entgegen seiner Auffassung
(vgl. Beschwerde S. 7 ff.) – weder aus seiner Vorsprache noch aus jener
seiner Schwester auf dem Generalkonsulat in G respektive aus der Über-
mittlung der Daten an die sri-lankischen Behörden im Rahmen der Be-
schaffung von Ersatzreisepapieren etwas zu seinen Gunsten abzuleiten.
E-5653/2019
Seite 24
Die von ihm gestellten Rechtsbegehren und Beweisanträge (vgl. Be-
schwerde S. 2 [Ziffer 2], S. 58 [Ziffer 2], S. 59 [Ziffer 3] sind demzufolge
allesamt abzuweisen.
10.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer die Flücht-
lingseigenschaft nach wie vor nicht erfüllt, weshalb das SEM sein viertes
Asylgesuch respektive sein drittes Mehrfachgesuch zu Recht abgelehnt
hat.
11.
11.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz. Die
Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen
(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die
Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet.
11.2
11.2.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von
Ausländerinnen und Ausländern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). Beim
Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.)
11.2.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende
Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK
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darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe
oder Behandlung unterworfen werden.
Der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung kann
mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft vorliegend keine Anwendung
finden. Anderweitige völkerrechtlichen Vollzugshindernisse sind nicht
erkennbar. Weder die Zugehörigkeit des Beschwerdeführers zur
tamilischen Ethnie noch die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri
Lanka lassen den Wegweisungsvollzug als unzulässig erscheinen
(vgl. Referenzurteil E-1866/2015 E. 12).
An dieser Einschätzung ist auch unter Berücksichtigung der aktuellen
Entwicklungen in Sri Lanka sowie der im Beschwerdeverfahren hierzu
eingereichten Berichte festzuhalten. Der EGMR hat denn auch wiederholt
festgestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, Rückkehrenden
drohe in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung, sondern dass jeweils
im Einzelfall eine Risikoeinschätzung vorzunehmen sei (vgl. Urteil des
EGMR R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, Nr. 10466/11, Ziff.
37; bestätigt in J.G. gegen Polen vom 11. Juli 2017, Nr. 44114/14, Ziff.
27 f.). Weder aus den Vorbringen des Beschwerdeführers noch in
anderweitiger Hinsicht ergeben sich konkrete und gewichtige
Anhaltspunkte für die Annahme, dass er im Falle einer Ausschaffung nach
Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer gemäss der EMRK
oder der FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Dies
gilt insbesondere auch unter Berücksichtigung der Behauptung in der
Beschwerdeschrift, es sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
– wie sämtliche nach Sri Lanka zurückgeschafften tamilischen
Asylgesuchstellenden ‒ jederzeit Opfer einer Verhaftung und von Verhören
unter Folteranwendung werden könne (vgl. Beschwerde S. 82). Für eine
derartige Befürchtung besteht vorliegend kein konkreter Anlass.
Der Vollzug der Wegweisung erscheint daher sowohl im Sinne der
asylgesetzlichen als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
11.2.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und
medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete
Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die
vorläufige Aufnahme zu gewähren.
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Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den
LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt, dies gilt auch unter
Berücksichtigung der aktuellen dortigen Ereignisse und Entwicklungen und
der vom Beschwerdeführer erwähnten Gefahr, als zurückkehrender Tamile
bei einer Rückkehr Verhören ausgesetzt zu werden (vgl. Beschwerde S.
82 ff.). Nach einer eingehenden Analyse der sicherheitspolitischen Lage in
Sri Lanka ist das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss gekommen, dass
der Wegweisungsvollzug in die Herkunftsregion des Beschwerdeführers
zumutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien
bejaht werden kann (vgl. Urteil des BVGer E- 1866/2015 vom 15. Juli 2016
E. 13.2). Die vom Beschwerdeführer neusten politischen Entwicklungen
(vgl. Replik S. 5 ff.) lassen diesbezüglich keine andere Einschätzung zu.
Den Vorbringen im Rahmen seines Mehrfachgesuchs lassen sich keine
neuen individuellen Gründe entnehmen, welche der Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs nunmehr entgegenstehen könnten. Es liegen damit
keine individuellen Gründe vor, die gegen die Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs sprechen würden, zumal der Beschwerdeführer
zusammen mit seiner Schwester in die Heimat zurückkehren kann (vgl.
Urteil des BVGer vom 12. Mai 2021 E-5779/2019 E. 12.2.3), wo sie beide
über ein tragfähiges Beziehungsnetz verfügen, welches sie bei einer
Rückkehr unterstützen kann.
Schliesslich besteht aufgrund der Erwägungen zur Flüchtlingseigenschaft
respektive der verneinten Gefährdung aufgrund von Risikofaktoren auch
kein konkreter Grund zur Annahme, der Beschwerdeführer könnte, wie in
der Beschwerdeschrift unter dem Titel der Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs geltend gemacht, bei seiner Rückkehr der Gefahr
von Behelligungen durch sri-lankische Behörden oder paramilitärische
Gruppierungen ausgesetzt werden (vgl. Beschwerde S. 83 f.). Weder der
Amtsantritt des Präsidenten Gotabaya Rajapaksa noch dessen Folgen
respektive die geltend gemachten Entwicklungen der Situation in Sri Lanka
– auch nicht die zwischenzeitlichen diplomatischen Unstimmigkeiten
zwischen Sri Lanka und der Schweiz – vermögen an dieser Einschätzung
etwas zu ändern, zumal diese Ereignisse in keinem konkreten
Zusammenhang mit dem Beschwerdeführer stehen.
11.2.4 Weiter ist festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung mangels
aktenkundiger objektiver Hindernisse nach wie vor auch als möglich im
Sinne von Art. 83 Abs. 2 AIG zu bezeichnen ist.
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11.3 Die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung und deren Vollzug
stehen somit in Übereinstimmung mit den zu beachtenden Bestimmungen
und sind zu bestätigen. Nach dem Gesagten fällt die Anordnung einer
vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
12.
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene
Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt
richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit dies-
bezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen,
soweit darauf einzutreten ist.
13.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 1500.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Für die Be-
gleichung der Verfahrenskosten wird der bereits geleistete Kostenvor-
schuss in derselben Höhe verwendet.
(Dispositiv nächste Seite)
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