Decision ID: d6d08363-0ef9-5ee2-a4b2-0d8f699215a1
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die A._ Pensionskasse (nachfolgend auch: Pensionskasse) ist eine
öffentlich-rechtliche Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit und eine selb-
ständige, registrierte Vorsorgeeinrichtung im Sinn des Bundesgesetzes
vom 25. Juni 1982 über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invali-
denvorsorge (BVG, SR 831.40), die die Angestellten des Kantons und sei-
ner rechtsfähigen Anstalten und Körperschaften sowie die Lehrpersonen
und Fachpersonen der schulischen Dienste der (...) Gemeinden im Sinn
der beruflichen Vorsorge gegen die wirtschaftlichen Folgen von Alter, Inva-
lidität und Tod versichert (...). Die Pensionskasse ist im Handelsregister
des Kantons (...) eingetragen (Online-Auszug des Handelsregisteramtes
des Kantons [...], eingesehen am 13. Juni 2020) und untersteht der Zent-
ralschweizer BVG- und Stiftungsaufsicht (nachfolgend: ZBSA). Es handelt
sich um eine sog. umhüllende Vorsorgeeinrichtung.
B.
Am 2. November 2016 fällte der Vorstand der Pensionskasse unter ande-
rem einen Beschluss über die Änderung des Vorsorgereglements, welches
per 1. Januar 2017 in Kraft trat (Vorsorgereglement 2017), und reichte die-
ses der ZBSA umgehend zur Prüfung ein.
C.
Am 30. Januar 2018 fällte der Vorstand der Pensionskasse abermals einen
Beschluss über die Änderung des Vorsorgereglements, welches am 1. Ja-
nuar 2019 in Kraft treten sollte (Vorsorgereglement 2019), und reichte die-
ses der ZBSA zur Prüfung ein.
D.
Mit Schreiben vom 2. Februar 2018 teilte die ZBSA der Pensionskasse das
Ergebnis ihrer Vorprüfung des Vorsorgereglements 2017 mit, wobei sie zu
den Art. 6.3 Bst. b, 33, 43.1 Bst. b und 55.2 Bst. c Beanstandungen machte.
E.
Mit Schreiben vom 6. Februar 2018 nahm die Pensionskasse zum Prü-
fungsergebnis Stellung und führte u.a. aus, weshalb die Art. 6.3 Bst. b und
55.2 Bst. c des Vorsorgereglements 2017 rechtmässig seien.
F.
Mit Verfügung vom 12. Oktober 2018 betreffend das Vorsorgereglement
2017 hat die ZBSA vom Vorsorgereglement 2017 Vormerk genommen und
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festgehalten, dass die Mängel betreffend die Art. 33 und 43.1 Bst. b des
Vorsorgereglements 2017 hätten ausgeräumt werden können. Weiter hat
sie festgehalten, dass auf übrigen mit Schreiben vom 2. Februar 2018 be-
anstandeten Artikel des Vorsorgereglements 2017 – i.e. die Art. 6.3 Bst. b
und 55.2 Bst. c – in der Verfügung betreffend das Vorsorgereglement 2019
Stellung zu nehmen sei.
G.
Mit Verfügung vom 12. Oktober 2018 betreffend das Vorsorgereglement
2019 (fortan: Vorsorgereglement oder bloss «VR») hat die ZBSA von die-
sem im Sinne der Erwägungen Vormerk genommen und den Stiftungsrat
angewiesen, es entsprechend den Erwägungen zu ändern und die regle-
mentarischen Bestimmungen in der Zwischenzeit gesetzeskonform anzu-
wenden. Nebst blossen Hinweisen und Empfehlungen betreffend einiger
Reglementsbestimmungen brachte die ZBSA betreffend Art. 6.3 (insbeson-
dere Bst. b), Art. 32.3 Satz zwei, Art. 48.3 und Art. 55.2 Vorsorgereglement
Vorbehalte an und verpflichtete die Pensionskasse, ihr Reglement entspre-
chend anzupassen.
H.
Mit Beschwerde vom 9. November 2018 beantragt die Pensionskasse
(fortan auch: Beschwerdeführerin), die Verfügung der ZBSA vom 12. Okto-
ber 2018 (betreffend das Vorsorgereglement 2019) sei aufzuheben; even-
tualiter sei die Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs und neuerli-
chen Verfügung an die ZBSA zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht be-
antragt die Beschwerdeführerin zudem, der Beschwerde sei die aufschie-
bende Wirkung zu gewähren; eventualiter sei ein zweiter Schriftenwechsel
anzuordnen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich
Mehrwertsteuer) zu Lasten der ZBSA.
I.
Mit Schreiben vom 4. Januar 2019 nahm die ZBSA (fortan: Vorinstanz) zum
Antrag der Beschwerdeführerin, wonach der Beschwerde die aufschie-
bende Wirkung zu gewähren sei, Stellung und beantragte, dieser sei abzu-
weisen.
J.
Mit Vernehmlassung vom 11. Januar 2019 beantragt die Vorinstanz, die
Beschwerde sei abzuweisen.
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Seite 4
K.
Mit Zwischenverfügung vom 16. Januar 2019 verfügte das Bundesverwal-
tungsgericht, dass das Gesuch der Beschwerdeführerin um Erteilung der
aufschiebenden Wirkung der Beschwerde abgewiesen werde und dass
über die Kosten der Zwischenverfügung und eine allfällige Parteientschä-
digung in der Hauptsache entschieden werde.
L.
Mit Replik vom 6. Februar 2019 hält die Beschwerdeführerin an ihren An-
trägen fest.
M.
Mit Duplik vom 7. März 2019 hält die Vorinstanz an ihrem Antrag fest.
N.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten wird – soweit sie entscheid-
wesentlich sind – in den folgenden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desverwaltungsgericht (Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32) be-
urteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen
nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Ver-
waltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG, SR 172.021),
sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt.
1.2 Zu den beim Bundesverwaltungsgericht mit Beschwerde anfechtbaren
Verfügungen zählen gemäss Art. 74 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom
25. Juni 1982 über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvor-
sorge (BVG, SR 831.40) in Verbindung mit Art. 33 Bst. i VGG die Verfügun-
gen der Vorinstanz als kantonale Aufsichtsbehörde im Bereich der berufli-
chen Vorsorge. Eine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt in casu
nicht vor. Die Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts zur Beurtei-
lung der vorliegenden Beschwerde ist somit gegeben.
1.3 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, sofern das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). Auf
die mit der nötigen Beschwerdeberechtigung (Art. 48 Abs. 1 VwVG) sowie
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Seite 5
form- und fristgerecht (Art. 50 und 52 VwVG) eingereichte Beschwerde ist
einzutreten.
2.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht prüft gemäss Art. 49 VwVG die Verlet-
zung von Bundesrecht einschliesslich der Überschreitung oder des Miss-
brauchs des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung
des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit, wenn
nicht eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat. Da sich
die Kognition der oberen Instanz nur verengen, nicht aber erweitern kann,
gilt es jedoch zu beachten, dass die Aufsichtstätigkeit im Bereich der be-
ruflichen Vorsorge als Rechtskontrolle ausgestaltet ist, weshalb sich auch
das angerufene Gericht – in Abweichung von Art. 49 Bst. c VwVG – auf
eine Rechtskontrolle zu beschränken hat, soweit Entscheide des Stiftungs-
rates zu überprüfen sind (vgl. BGE 135 V 382 E. 4.2; Urteil des BGer
9C_756/2009 vom 8. Februar 2010 E. 5; Urteile des BVGer A-4092/2016
vom 17. März 2017 E. 2.1, A-3821/2016 vom 29. September 2016 E. 2.1).
Von der Vorinstanz als Aufsichtsbehörde erlassene Massnahmen sind hin-
gegen mit voller Kognition zu überprüfen. Dabei hat die Beschwer-
deinstanz aber zu berücksichtigen, dass der Aufsichtsbehörde bei der An-
ordnung von Massnahmen ein erheblicher Beurteilungs- bzw. Ermessens-
spielraum zusteht, weshalb eine gewisse Zurückhaltung bei der gerichtli-
chen Überprüfung geboten ist (vgl. Urteil des BVGer A-2046/2016 vom
14. Juli 2017 E. 2.1).
2.2 Im Beschwerdeverfahren vor Bundesverwaltungsgericht gelten die Un-
tersuchungsmaxime, wonach der Sachverhalt von Amtes wegen festzu-
stellen ist, und der Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen
(vgl. Art. 62 Abs. 4 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht ist verpflichtet,
auf den – unter Mitwirkung der Verfahrensbeteiligten – festgestellten Sach-
verhalt die richtige Rechtsnorm anzuwenden (BGE 132 II 113 E. 3.2, 131
II 200 E. 4.2). Dies bedeutet, dass es eine Beschwerde auch aus anderen
als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder den angefochtenen
Entscheid im Ergebnis mit einer Begründung bestätigen kann, die von je-
ner der Vorinstanz abweicht (sog. Motivsubstitution, vgl. statt vieler: BVGE
2007/41 E. 2 mit Hinweisen; Urteil des BVGer A-5624/2018 vom 19. Juli
2019 E. 2.1).
2.3 Die vom Kanton bezeichnete Aufsichtsbehörde wacht darüber, dass die
Vorsorgeeinrichtungen sowie die Einrichtungen, die nach ihrem Zweck der
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Seite 6
beruflichen Vorsorge dienen, die gesetzlichen Vorschriften einhalten
(Art. 62 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 61 Abs. 1 BVG); sie prüft insbeson-
dere die Übereinstimmung der reglementarischen Bestimmungen mit den
gesetzlichen Vorschriften (Art. 62 Abs. 1 Bst. a BVG). Die Aufsichtsbehörde
ist befugt, Massnahmen zur Behebung von Mängeln zu treffen (Art. 62
Abs. 1 Bst. d BVG). So kann sie gesetzwidrige Reglemente oder Teile da-
von aufheben und den betreffenden Einrichtungen verbindliche Weisungen
über die Ausgestaltung entsprechender Bestimmungen erteilen (BGE 135
V 382 E. 4.2, BGE 128 II 24 E. 1a, BGE 112 Ia 180 E. 3). Dabei handelt es
sich um eine abstrakte Normenkontrolle; die Überprüfung der Gesetzmäs-
sigkeit erfolgt losgelöst von einem konkreten Streitfall (BGE 135 V 382
E. 4.3, Urteile des BVGer A-1284/2019 vom 11. Dezember 2019 E. 2.3,
A-358/2018 vom 10. Januar 2019 E. 2.1).
Auch die öffentlich-rechtlichen Vorsorgeeinrichtungen unterstehen der Auf-
sicht (Art. 61 ff. BVG; BGE 142 II 269 E. 3.3.3.3).
2.4 Unter der Überschrift «Reglementarische Bestimmungen» sieht Art. 50
Abs. 1 BVG vor, dass die Vorsorgeeinrichtungen Bestimmungen über die
Leistungen (Bst. a), die Organisation (Bst. b), die Verwaltung und Finan-
zierung (Bst. c), die Kontrolle (Bst. d) und das Verhältnis zu den Arbeitge-
bern, den Versicherten und den Anspruchsberechtigten (Bst. e) erlassen.
Weil unter den «reglementarischen» Bestimmungen im Sinne von Art. 50
BVG nach ausdrücklicher Regelung in Art. 50 Abs. 2 BVG in der bis zum
31. Dezember 2014 gültig gewesenen Fassung insbesondere auch die Er-
lasse von Bund, Kantonen und Gemeinden über die Vorsorgeeinrichtungen
zu verstehen waren, wurde in der seinerzeitigen Rechtsprechung wieder-
holt festgehalten, dass sich die abstrakte Normenkontrolle der Aufsichts-
behörde auch auf die öffentlich-rechtlichen Bestimmungen bezieht (Urteil
des BVGer A-2343/2015 vom 15. Juli 2016 E. 2.2 mit weiteren Hinweisen).
2.5 Im Verfahren der abstrakten Normenkontrolle ist zu prüfen, ob die frag-
liche Bestimmung so, wie sie lautet und vernünftigerweise ausgelegt wer-
den kann, mit dem übergeordneten Bundesrecht vereinbar ist, wobei auch
die Wahrscheinlichkeit einer rechtmässigen Handhabung berücksichtigt
werden kann (BGE 144 V 236 E. 2.2).
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Seite 7
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin bringt unter anderem vor, die Vorinstanz habe
ihren Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. Hierauf ist vorab einzuge-
hen.
3.2 Die Beschwerdeführerin bringt hierzu im Wesentlichen vor, sie habe
vom Prüfungsergebnis bezüglich des VR erst durch den Erlass der
Verfügung vom 12. Oktober 2018 erfahren. Dementsprechend habe sie
sich zu den Vorbehalten der Vorinstanz betreffend Art. 32.3 Satz zwei und
Art. 48.3 VR vor Erlass der Verfügung gar nicht äussern können. Dadurch
habe die Vorinstanz den Anspruch auf das rechtliche Gehör der
Beschwerdeführerin verletzt. Der angefochtenen Verfügung mangle es
zudem an der erforderlichen Klarheit. Während in den Erwägungen der
Verfügung eine klare Unterscheidung gemacht worden sei zwischen
Hinweisen, die von der Beschwerdeführerin lediglich zur Kenntnis zu
nehmen sind, und Vorbehalten, die von der Beschwerdeführerin
umzusetzen sind, werde im Dispositiv diese Unterscheidung nicht mehr
gemacht. Die Vorinstanz habe die Beschwerdeführerin im Dispositiv
verpflichtet, das Reglement entsprechend den Erwägungen zu ändern,
welche auch die Hinweise mitumfassten. Die Vorinstanz habe aber nicht
das Recht, die Änderung von Bestimmungen zu verlangen, die sie selbst
nicht als rechtswidrig einstufe und mit Hinweisen bedacht habe. Auch
dadurch sei der Anspruch auf das rechtliche Gehör verletzt worden.
3.3
3.3.1 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist als selbständiges Grundrecht
in Art. 29 Abs. 2 BV verankert und wird für das Verwaltungsverfahren in den
Art. 29 ff. VwVG konkretisiert. Er umfasst im Wesentlichen das Recht einer
Partei auf Teilnahme am Verfahren und auf Einflussnahme auf den Prozess
der Entscheidfindung. In diesem Sinne dient das rechtliche Gehör einer-
seits und in Ergänzung des Untersuchungsgrundsatzes der Sachaufklä-
rung, stellt andererseits aber auch ein persönlichkeitsbezogenes Mitwir-
kungsrecht beim Erlass von Verfügungen dar, die in die Rechtstellung des
Einzelnen eingreifen. Zu den Mitwirkungsrechten gehört insbesondere das
Recht einer Partei, sich vor Erlass einer Verfügung zur Sache zu äussern,
Einsicht in die Akten zu nehmen und mit erheblichen Beweisanträgen ge-
hört zu werden. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwir-
kungsrecht mithin alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, da-
mit sie ihren Standpunkt in einem Verfahren wirksam zur Geltung bringen
kann (BGE 135 II 286 E. 5.1; Urteil des BGer 1C_77/2013 vom 19. Juli
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Seite 8
2013 E. 3.2; zum Ganzen: Urteil des BVGer A-7614/2016 vom 17. Januar
2018 E. 1.6.1).
3.3.2 Der Anspruch auf vorgängige Äusserung steht den Betroffenen pri-
mär in Bezug auf die Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und
das Beweisergebnis zu. Hingegen erwächst den Parteien nach konstanter
bundesgerichtlicher Rechtsprechung weder aus dem VwVG noch aus den
verfassungsrechtlichen Minimalgarantien ein allgemeiner Anspruch auf
vorgängige Anhörung zu Fragen der Rechtsanwendung. Damit kommt der
Unterscheidung zwischen Tat- und Rechtsfrage in Bezug auf das Anhö-
rungsrecht erhebliche Bedeutung zu. Ein Anhörungsrecht zu Rechtsfragen
besteht jedoch u.a. ausnahmsweise dann, wenn der Betroffene vor «über-
raschender Rechtsanwendung» zu schützen ist (Urteil des BGer
1A.186/2004 vom 12. Mai 2005 E. 2.1, mit Hinweisen; WALDMANN BERN-
HARD/BICKEL JÜRG, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommen-
tar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 30 Rz. 20 ff.; ANDRÉ
MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem
Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz.3.89).
3.3.3 Die Begründungspflicht ist ein Teilgehalt des verfassungsmässigen
Anspruchs auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV (vgl. BGE 142
I 135 E. 2.1; ULRICH HÄFELIN et al., Schweizerisches Bundesstaatsrecht,
9. Aufl. 2016, N. 838; GEROLD STEINMANN, in: Bernhard Ehrenzeller et al.
[Hrsg.], Die schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommentar,
3. Aufl. 2014, Art. 29 N. 49). Sie soll verhindern, dass sich die verfügende
Behörde von unsachlichen Motiven leiten lässt, und den Betroffenen er-
möglichen, eine Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anfechten zu kön-
nen. Die sachgerechte Anfechtung einer Verfügung ist nur dann möglich,
wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz ein Bild
über deren Tragweite machen können. Somit müssen in jedem Fall die
Überlegungen angeführt werden, von denen sich die zuständige Behörde
hat leiten lassen und auf die sie ihre Verfügung stützt. Dabei darf sie sich
jedoch auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken. Die Anforderun-
gen an die Begründungsdichte sind je nach Komplexität des Sachverhalts
und/oder des der Behörde eingeräumten Ermessensspielraums unter-
schiedlich (vgl. zum Ganzen BGE 136 V 351 E. 4.2; 134 I 83 E. 4.1; 124 V
180 E. 1a; BVGE 2012/23 E. 6.1.2 je m.H.; Urteil des BVGer A-4271/2016
vom 21. Juni 2018 E. 2.4.2).
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Seite 9
3.3.4 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur. Dies bedeu-
tet, dass eine Verletzung desselben grundsätzlich zur Aufhebung des Ent-
scheids führt. Eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des recht-
lichen Gehörs kann aber ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die be-
troffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Rechtsmittelinstanz
zu äussern, die sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei prüfen
kann. Unter dieser Voraussetzung ist darüber hinaus – im Sinne einer Hei-
lung des Mangels – selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des An-
spruchs auf rechtliches Gehör von einer Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem forma-
listischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde,
die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Par-
tei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wä-
ren (statt vieler: BGE 137 I 195 E. 2.3.2, 133 I 201 E. 2.2; Urteil des BVGer
A-358/2018 vom 10. Januar 2019 E. 3.4).
3.4
3.4.1 Der Beschwerdeführerin ist beizupflichten, dass – im Gegensatz zu
den Erwägungen – im Dispositiv der Verfügung vom 12. Oktober 2018 nicht
mehr zwischen Hinweisen und Vorbehalten unterschieden wird, sondern
der Stiftungsrat lediglich angewiesen wird, das Reglement entsprechend
den Erwägungen zu ändern und die reglementarischen Bestimmungen in
der Zwischenzeit gesetzeskonform anzuwenden, wobei das angepasste
Vorsorgereglement der Vorinstanz bis spätestens 29. März 2019 einzu-
reichen sei.
Aus den Erwägungen geht jedoch klar hervor, dass im Rahmen der «Hin-
weise» seitens der Vorinstanz zum einen lediglich darauf aufmerksam ge-
macht wird, dass bestimmte Bestimmungen des VR (z.B. Art. 69.2) recht-
lich nicht durchsetzbar seien, und zum anderen an die Beschwerdeführerin
gerichtete Empfehlungen geäussert werden. Dahingegen ergibt sich aus
den Vorbehalten – die Art. 6.3 (insbesondere Bst. b), Art. 32.3 Satz zwei,
Art. 48.3 und Art. 55.2 VR betreffend – unmissverständlich, dass die ge-
nannten Bestimmungen rechtswidrig und demnach – wie im Dispositiv ver-
langt – entsprechend den Erwägungen zu ändern seien. Damit erscheinen
die Verfügung vom 12. Oktober 2018 und die damit verbundenen Rechts-
folgen hinreichend klar, um von der Beschwerdeführerin sachgerecht an-
gefochten werden zu können. Dies zeigt sich nur schon daran, dass die
Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde richtigerweise nur die in der Ver-
fügung geäusserten Vorbehalte angefochten hat. Eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs ist diesbezüglich somit nicht ersichtlich.
A-6435/2018
Seite 10
3.4.2 Im Weiteren kann offenbleiben, ob der Anspruch auf vorgängige
Äusserung der Beschwerdeführerin betreffend die Vorbehalte der
Vorinstanz zu den Art. 32.3 Satz zwei und Art. 48.3 VR verletzt wurde. Denn
eine entsprechende allfällige Gehörsverletzung müsste jedenfalls durch
die vorliegende Urteilsbegründung als geheilt gelten, zumal sich die
Beschwerdeführerin dazu im vorliegenden Verfahren uneingeschränkt
äussern konnte, das Bundesverwaltungsgericht Sachverhalt und
Rechtslage frei überprüfen kann und im vorliegenden Falle keine
besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs in Frage
käme (vgl. E. 2.1 und 3.3.4).
4.
4.1 Die Vorinstanz hat erstens betreffend Art. 6.3 (insbesondere Bst. b) VR
einen Vorbehalt angebracht.
4.2 Art. 6 VR unter dem Titel «Freiwillige Risikoversicherung» lautet wie
folgt:
6.1 Versicherte können die Risikoversicherung nach der Beendigung der obliga-
torischen Versicherung durch einen Vertrag mit der (Pensionskasse) für
längstens zwei Jahre weiterführen.
6.2 Die Bestimmungen dieses Reglements finden auf die freiwillige Risikoversi-
cherung sinngemäss Anwendung. Es gelten folgende Abweichungen:
a. Das Altersguthaben bleibt bei der (Pensionskasse) und wird verzinst.
Es erfolgen keine Altersgutschriften.
b. Die versicherte Person bezahlt für die freiwillige Risikoversicherung ei-
nen Beitrag, der dem Beitrag der Arbeitgeber und der Versicherten für
Risiko und Verwaltung entspricht, erhöht um einen allfälligen Sanie-
rungsbeitrag gemäss Art. 48.4.
c. Die versicherte Besoldung vor dem Wegfall der Versicherungspflicht
wird unverändert weitergeführt.
d. Als mutmasslich entgangener Verdienst im Sinn von Art. 17.1 und 17.2
gilt der Betrag, welcher der Berechnung der versicherten Besoldung zu-
grunde liegt.
6.3 Die freiwillige Risikoversicherung endet
a. mit dem Bezug von Versicherungsleistungen,
b. mit der Vollendung des 65. Lebensjahres,
c. mit dem Ablauf der vereinbarten Vertragszeit,
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Seite 11
d. wenn die versicherte Person bei einer anderen Vorsorgeeinrichtung er-
neut der obligatorischen Versicherungspflicht untersteht oder
e. wenn die versicherte Person selbständig erwerbstätig ist.
6.4 Bei der Beendigung der freiwilligen Risikoversicherung wird die Freizügig-
keitsleistung ausgerichtet. Art. 43 findet Anwendung. Wird die versicherte
Person wieder obligatorisch bei der (Pensionskasse) versichert, wird das Al-
tersguthaben weitergeführt.
Im Rahmen der Verfügung vom 12. Oktober 2018 erklärte die Vorinstanz
Art. 6.3 (insbesondere Bst. b) VR für rechtswidrig und verpflichtete die Be-
schwerdeführerin dazu, diesen zu ändern. Zur Begründung führte sie im
Wesentlichen aus, laut Art. 6.3 Bst. b des Reglements könne die Weiter-
versicherung gemäss Art. 6.1 des Reglements bzw. Art. 47 BVG bis zum
Alter 65 vereinbart werden. Zudem dürften sich die Versicherten mit Alter
60 pensionieren lassen. Dies bedeute, dass sich auch Personen bis maxi-
mal zum Alter 65 weiterversichern könnten, die das frühest mögliche Pen-
sionierungsalter bereits erreicht hätten. Dies sei nicht zulässig, da auf die-
sen Sachverhalt ausschliesslich Art. 33a BVG Anwendung finde. In diesem
Zusammenhang sei auch Art. 2 Abs. 1bis des Bundesgesetzes vom
17. Dezember 1993 über die Freizügigkeit in der beruflichen Alters-, Hin-
terlassenen- und Invalidenvorsorge (Freizügigkeitsgesetz, FZG, SR
831.42) zu beachten, wonach eine Austrittsleistung nach Erreichen des frü-
hest möglichen Rentenalters nur im Falle der Arbeitslosigkeit oder bei Wei-
terführung der Erwerbstätigkeit ausgerichtet werde. Da die Pensionskas-
sen keine Freizügigkeitsleistungen nach Erreichen des reglementarisch
frühest möglichen Rentenalters bei sich zurückbehalten dürften, ergebe
sich daraus, dass in allen anderen Fällen der Arbeitsaufgabe (mit Aus-
nahme des Sachverhalts von Art. 33a BVG) der Vorsorgefall Alter eintrete
und die Altersleistungen fällig würden.
4.3
4.3.1 Die Berufliche Vorsorge umfasst alle Massnahmen auf kollektiver Ba-
sis, die den älteren Menschen, den Hinterbliebenen und Invaliden beim
Eintreten eines Versicherungsfalles (Alter, Tod oder Invalidität) zusammen
mit den Leistungen der eidgenössischen Alters-, Hinterlassenen- und Inva-
lidenversicherung (AHV/IV) die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung
in angemessener Weise erlauben (Art. 113 Abs. 2 Bst. a der Bundesver-
fassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV,
SR 101] und Art. 1 BVG).
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Seite 12
4.3.2 Grundsätzlich der obligatorischen Versicherung des BVG unterstellt
sind die bei der AHV versicherten Arbeitnehmenden (Art. 5 Abs. 1 BVG),
die das 17. Altersjahr überschritten haben und bei einem Arbeitgeber mehr
als den gesetzlichen Jahresmindestlohn gemäss Art. 2 Abs. 1 BVG in Ver-
bindung mit Art. 5 der Verordnung vom 18. April 1984 über die berufliche
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVV 2, SR 831.441.1) er-
zielen (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer A-7265/2016 vom 3. Mai 2017
E. 2.1.2).
4.3.3 Art. 47 Abs. 1 BVG sieht unter anderem vor, dass aus der obligatori-
schen Versicherung ausscheidende Versicherte die Vorsorge oder bloss
die Altersvorsorge im bisherigen Umfang bei derselben Vorsorgeeinrich-
tung fortführen können, wenn deren Reglement dies zulässt (sogenannte
externe Mitgliedschaft bzw. externe Versicherung).
In der beruflichen Vorsorge kann sich nur versichern, wer die Vorausset-
zungen für eine obligatorische oder freiwillige Versicherung nach BVG er-
füllt. Versichern lässt sich zudem nur ein effektiv erzieltes Erwerbseinkom-
men (vgl. Art. 7 BVG). Entsprechend haben nicht erwerbstätige Personen
im Grundsatz keinen Zugang zur Versicherung nach BVG. Art. 47 BVG
macht von dieser Regel eine Ausnahme, wonach Personen, welche bis an-
hin dem Versicherungsobligatorium unterstanden und aus diesem aus-
scheiden, die Vorsorge im bisherigen Umfang weiterführen können. Eine
Weiterführung des Vorsorgeschutzes ist jedoch nur möglich, solange noch
kein Vorsorgefall eingetreten ist, da es nicht dem Zweck der Norm ent-
spricht, die Vorsorge weiterzuführen, wenn ein Vorsorgefall eingetreten ist
(JÜRG BRECHBÜHL, Vorzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben und
Weiterführung der Vorsorge, in: Kieser/Stauffer (Hrsg.), BVG-Tagung 2019,
Aktuelle Fragen der beruflichen Vorsorge, S. 151; THOMAS GEISER/CHRIS-
TOPH SENTI, in: Schneider/Geiser/Gächter [Hrsg.], BVG und FZG, 2. Aufl.
2019 [nachfolgend: BVG und FZG], Art. 47 N. 12; Ueli Kieser, Art. 47 BVG
– oder ein vertiefter Blick auf eine praxisrelevante Regelung, in: Kahil-Wolff
Hummer/Wyler (Hrsg.), Pillier du droit social, 2019, S. 107).
4.3.4 Der Vorsorgefall «Alter» tritt erst dann ein, wenn der Versicherte, des-
sen Arbeitsverhältnis nach Erreichen der reglementarischen Altersgrenze
endet, die Erwerbstätigkeit nicht weiterführt und nicht als arbeitslos gemel-
det ist. Den Versicherten wird ein Wahlrecht eingeräumt: Entweder sie ma-
chen ihren Anspruch auf vorzeitige Altersleistungen geltend oder sie for-
dern die Übertragung der Austrittsleistung an die neue Vorsorgeeinrichtung
(vgl. dazu Art. 2 Abs. 1 und 1bis FZG; CARDINAUX BASIL, Der Eintritt des
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Vorsorgefalls in der beruflichen Vorsorge, in: Riemer-Kafka/Rumo-Jungo
[Hrsg.], Festschrift für Erwin Murer zum 65. Geburtstag, 2010, S. 144). Ein
Aufschub des Rentenbezugs bei vorzeitigem Altersrücktritt unter Weiter-
versicherung eines nicht mehr bezogenen Lohnes ist mit Blick auf Art. 33a
Abs. 1 BVG nicht möglich (vgl. Urteil des BVGer A-2046/2016 vom 14. Juli
2017 E. 5.2; GEISER/SENTI, in: BVG und FZG, Art. 13 N 30).
4.3.5 Soweit hier interessierend statuiert Art. 33a BVG, dass Versicherte,
deren Lohn sich nach dem 58. Altersjahr um höchstens die Hälfte reduziert,
auf Verlangen die Vorsorge für den bisherigen versicherten Verdienst wei-
terführen können, sofern die Vorsorgeeinrichtung diese Möglichkeit regle-
mentarisch vorsieht (Abs. 1 der Bestimmung).
4.4 Streitig und zu klären ist, ob Art. 6.3 Bst. b VR rechtens ist.
4.4.1 Mit Vollendung des 60. Lebensjahres haben Versicherte der Be-
schwerdeführerin – frühestmöglich – Anspruch auf eine ganze Altersrente,
sofern das Arbeitsverhältnis zum Arbeitgeber beendet oder die obligatori-
sche Versicherungspflicht entfallen ist (Art. 25.1 VR). Gemäss der hier strit-
tigen – auf Art. 47 Abs. 1 BVG basierenden – Reglementsbestimmung ha-
ben die Versicherten der Beschwerdeführerin ausserdem die Möglichkeit,
nach der Beendigung der obligatorischen Versicherung die Risikoversiche-
rung für längstens zwei Jahre weiterzuführen, wobei das Altersguthaben
bei der Beschwerdeführerin bleibt und verzinst wird. Die freiwillige Risiko-
versicherung endet u.a. mit der Vollendung des 65. Lebensjahres (Art. 6.3
Bst. b VR). Eine Weiterführung des Vorsorgeschutzes ist jedoch nur mög-
lich, solange noch kein Vorsorgefall eingetreten ist, i.e. solange sich das
versicherte Risiko nicht realisiert hat (E. 4.4.3). Bei Versicherten, die das
60. Lebensjahr vollendet und das Arbeitsverhältnis zum Arbeitgeber been-
det haben bzw. deren obligatorische Versicherungspflicht entfallen ist, ist
das versicherte Risiko «Alter» eingetreten, womit sie Anspruch auf eine
ganze Altersrente haben. Dies schliesst eine Weiterführung der Vorsorge
im Sinne von Art. 47 Abs. 1 BVG bzw. Art. 6 VR aus.
Wie die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung zurecht vorbringt, würde mit
der strittigen Bestimmung ein Aufschub des Rentenbezugs bei vorzeitigem
Altersrücktritt unter Weiterversicherung eines nicht mehr bezogenen Loh-
nes erlaubt, was auch mit Blick auf Art. 33a Abs. 1 BVG nicht möglich ist.
Denn ein Rentenaufschub bei einer vorzeitigen Pensionierung würde auf
eine über Art. 33a Abs. 1 BVG hinausgehende Weiterversicherung eines
(während der Aufschubsdauer) nicht bloss in reduziertem Umfang, sondern
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überhaupt nicht bezogenen Lohnes hinauslaufen. Vor diesem Hintergrund
verstösst die vorliegend in Frage stehende Regelung auch gegen Art. 33a
Abs. 1 BVG und erweist sich damit als rechtswidrig.
4.4.2 Was die Beschwerdeführerin hiergegen vorbringt, vermag nicht zu
überzeugen:
Zunächst stösst die Beschwerdeführerin mit ihrem Verweis auf die Auffas-
sungen des Bundesamts für Sozialversicherungen und der Schweizeri-
schen Steuerkonferenz, wonach eine auf Art. 47 Abs. 1 BVG basierende,
steuerlich begünstigte Weiterversicherung für Erwerbslose ohne AHV-
pflichtiges Einkommen lediglich für vorübergehende Erwerbsunterbrüche
von in der Regel nicht mehr als zwei Jahren oder bei Entlassungen kurz
vor einer möglichen (vorzeitigen) Pensionierung anzunehmen sei, ins
Leere (BSV, Mitteilungen BSV Nr. 110, Rz. 677; SSK, Anwendungsfälle zur
beruflichen Vorsorge, A.2.4.1 und A.5.4.1; vgl. auch Entscheid des Verwal-
tungsgerichts des Kantons Zürich SB.2013.00161 vom 2. April 2014
E. 5.6). Denn damit ist gerade bestätigt, dass die Möglichkeit einer Weiter-
versicherung im Sinne von Art. 47 Abs. 1 BVG auch nach Ansicht des BSV
und der SSK nur bis zum Erreichen des frühest möglichen Rentenalters
besteht.
Der Beschwerdeführerin kann auch nicht gefolgt werden, wenn sie vor-
bringt, die strittige Reglementsbestimmung sei rechtens, da Art. 47 Abs. 1
BVG und Art. 33a BVG unterschiedliche Sachverhalte regeln würden.
Denn sowohl Art. 47 Abs. 1 BVG als auch Art. 33a BVG haben die Weiter-
versicherung von nicht bezogenem Lohn zum Gegenstand. Art. 47 Abs. 1
BVG deckt den Sachverhalt bis zum Erreichen des frühest möglichen Ren-
tenalters ab, während Art. 33a BVG die Zeit danach bis zum Erreichen des
ordentlichen Rentenalters zum Gegenstand hat (E. 4.4.3 f.). Art. 33a Abs. 1
BVG sieht nach Erreichen des frühest möglichen Rentenalters vor, dass
eine Weiterversicherung des bisherigen Verdienstes nur bei einer Lohnre-
duktion von maximal 50% zulässig ist, ansonsten anteilsmässig der Vor-
sorgefall Alter eintritt. Würde die Anwendung von Art. 47 BVG über das frü-
hest mögliche Rentenalter hinaus erlaubt, hätte dies – wie die Vorinstanz
zurecht vorbringt – eine Besserstellung von Personen zur Folge, die aus
dem Obligatorium herausfallen im Vergleich zu jenen Personen, die zwar
weniger als 50% des bisherigen Lohnes verdienen, aber immer noch ge-
nug, dass sie dem Obligatorium unterstehen.
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4.4.3 Damit erweist sich die Verfügung der Vorinstanz vom 12. Oktober
2018 in diesem Punkt als rechtens.
5.
5.1 Die Vorinstanz hat überdies betreffend Art. 32.3 Satz zwei VR einen
Vorbehalt angebracht.
5.2 Die relevanten Reglementsbestimmungen lauten wie folgt:
31 Witwen-/Wittwerrente
(...)
31.3 Die Rente beträgt 70 Prozent
a. der ganzen Invalidenrente, auf welche die versicherte Person Anspruch
gehabt hätte, oder
b. der Altersrente oder Invalidenrente der versicherten Person, bei Weiter-
führung der Versicherung gemäss Art. 5a.1 der Altersrente, auf welche
die versicherte Person bei ihrem Tod Anspruch gehabt hätte.
(...)
31.5 Hat eine verwitwete Person keinen Rentenanspruch gemäss Art. 31.1 oder
31.2, wird ihr eine einmalige Abfindung in der Höhe von drei Jahresrenten
gemäss Art. 31.3 ausgerichtet. Beim Tod einer aktiv versicherten Person ent-
spricht die Abfindung mindestens dem Todesfallkapital gemäss Art. 35.
32 Partnerrente
32.1 Der überlebende Lebenspartner oder die überlebende Lebenspartnerin der
verstorbenen versicherten Person hat Anspruch auf eine Rente gemäss
Art. 31.3, wenn diese Person folgende Voraussetzungen gemeinsam erfüllt:
a. Sie hat mit der verstorbenen versicherten Person mindestens ein ge-
meinsames Kind mit Anspruch auf Waisenrente.
b. Sie und die versicherte Person waren nicht verwandt und beim Tod der
versicherten Person unverheiratet.
c. Sie hat mit der versicherten Person während der letzten fünf Jahre bis
zu ihrem Tod ununterbrochen in einer partnerschaftlichen Lebensge-
meinschaft zusammengelebt.
d. Sie hat mit der verstorbenen versicherten Person einen Partnerschafts-
vertrag mit gegenseitiger Beistandspflicht abgeschlossen.
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e. Sie hat keine anderen Ansprüche auf Witwen- oder Witwerrente aus
beruflicher Vorsorge.
f. Sie reicht der (Pensionskasse) innert dreier Monate seit dem Tod der
versicherten Person das Gesuch um die Ausrichtung der Partnerrente
ein und weist nach, dass alle Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind.
32.2 Der Anspruch erlischt mit der Verheiratung, mit dem Beginn einer neuen part-
nerschaftlichen Lebensgemeinschaft oder mit dem Tod der anspruchsbe-
rechtigten Person. Diese oder deren Hinterlassene haben der (Pensions-
kasse) das Erlöschen des Anspruchs zu melden. Die (Pensionskasse) kann
von Amtes wegen Abklärungen treffen. Unrechtmässig bezogene Leistungen
sind zurückzuerstatten.
32.3 Erfüllt der überlebende Lebenspartner oder die überlebende Lebenspartnerin
der verstorbenen versicherten Person die Voraussetzungen von Art. 32.1b–
f, nicht aber jene von Art. 32.1a, hat er oder sie Anspruch auf eine einmalige
Abfindung in der Höhe von drei Jahresrenten gemäss Art. 31.3. Beim Tod
einer aktiven versicherten Person entspricht die Abfindung mindestens dem
Todesfallkapital gemäss Art. 35.
33 Rente der geschiedenen Ehegattin / des geschiedenen Ehegatten
33.1 Nach dem Tod der versicherten Person ist die von ihr geschiedene der ver-
witweten Person gleichgestellt, (...).
34 Waisenrente
(...)
34.2 Die Waisenrente beträgt 20 Prozent
a. der ganzen Invalidenrente, auf welche die versicherte Person Anspruch
gehabt hätte, oder
b. der Altersrente oder Invalidenrente der versicherten Person, bei Weiter-
führung der Versicherung gemäss Art. 5a.1 der Altersrente, auf welche
die versicherte Person bei ihrem Tod Anspruch gehabt hätte.
(...)
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35 Todesfallkapital
35.1 Die (Pensionskasse) richtet beim Tod von aktiv versicherten Personen ein
Todesfallkapital in der Höhe von 50 Prozent ihres Altersguthabens aus, wenn
folgende Bedingungen gemeinsam erfüllt sind:
a. Beim Tod der verstorbenen versicherten Person entstehen keine An-
sprüche gemäss den Art. 31–33.
b. Die verstorbene versicherte Person hinterlässt Anspruchsberechtigte
im Sinn von Art. 35.2.
c. Die Anspruchsberechtigten gemäss Art. 35.2 b und c verlangen die Aus-
richtung des Todesfallkapitals innert sechs Monaten seit dem Tod der
versicherten Person. Waisenrentenberechtigte Kinder der verstorbenen
versicherten Person werden von Amtes wegen berücksichtigt.
35.2 Anspruchsberechtigte im Sinn von Art. 35.1b sind:
a. 1. Prioritätengruppe
– waisenrentenberechtigte Kinder der verstorbenen versicherten Per-
son,
b. 2. Prioritätengruppe
– Person, die mit der versicherten Person während mindestens der
letzten fünf Jahre bis zu ihrem Tod ununterbrochen in einer Lebens-
gemeinschaft zusammengelebt hat, oder
– Personen, die von der versicherten Person in erheblichem Mass un-
terstützt worden sind, oder
– Personen, die für den Unterhalt eines oder mehrerer gemeinsamer
Kinder aufkommen müssen,
c. 3. Prioritätengruppe
– nicht waisenrentenberechtigte Kinder, Eltern und Geschwister der
verstorbenen versicherten Person.
Personen aus einer tieferen Prioritätengruppe haben keinen Anspruch auf
das Todesfallkapital, wenn die versicherte Person Anspruchsberechtigte aus
einer höheren Prioritätengruppe hinterlässt.
(...).
Im Rahmen der Verfügung vom 12. Oktober 2018 erklärte die Vorinstanz
Art. 32.3 Satz zwei VR für nicht zulässig und verpflichtete die Beschwerde-
führerin dazu, diese Bestimmung zu ändern. Zur Begründung führte sie
aus, diese Bestimmung verspreche dem Lebenspartner im Sinne von
Art. 32.1 Bst. b – f VR das Todesfallkapital unbesehen davon, ob der ver-
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storbene aktiv Versicherte nichtgemeinsame waisenberechtigte Kinder hin-
terlasse (mit Verweis auf Art. 35.2 VR). Somit durchbreche Art. 32.3 Satz
zwei VR die Kaskadenordnung gemäss Art. 20a BVG.
5.3
5.3.1 Art. 18 ff. BVG regelt die Ausrichtung von Hinterlassenenleistungen.
Anspruchsberechtigt sind neben dem überlebenden Ehegatten und dem
überlebenden eingetragenen Partner (auch nach Scheidung oder gericht-
licher Auflösung [Art. 20 BVV 2]) die Waisen (Art. 19, 19a und 20 BVG).
Art. 20a BVG gibt der Vorsorgeeinrichtung darüber hinaus die Möglichkeit,
neben den Anspruchsberechtigten gemäss den Art. 19, 19a und 20 BVG
reglementarisch weitere Personen für die Hinterlassenenleistungen zu be-
günstigen. Dabei handelt es sich um:
a. natürliche Personen, die vom Versicherten in erheblichem Masse un-
terstützt worden sind, oder die Person, die mit diesem in den letzten
fünf Jahren bis zu seinem Tod ununterbrochen eine Lebensgemein-
schaft geführt hat oder die für den Unterhalt eines oder mehrerer ge-
meinsamer Kinder aufkommen muss;
b. beim Fehlen von begünstigten Personen nach Buchstabe a: die Kinder
des Verstorbenen, welche die Voraussetzungen nach Artikel 20 nicht
erfüllen, die Eltern oder die Geschwister;
c. beim Fehlen von begünstigten Personen nach den Buchstaben a und
b: die übrigen gesetzlichen Erben, unter Ausschluss des Gemeinwe-
sens (...).
5.3.2 Bei Art. 20a BVG handelt es sich um eine «Kann-Bestimmung», die
es dem Entscheid der einzelnen Vorsorgeeinrichtung überlässt, ob sie
derartige Leistungen erbringen will. Das Bundesgericht hat mehrfach
festgestellt, dass die Begünstigungsordnung nach Art. 20a BVG – im
Gegensatz zum Obligatoriumsbereich gemäss Art. 19, 19a und 20 BVG
und Art. 20 BVV 2 i.V.m. Art. 21 f. BVG – ausschliesslich Gegenstand der
weitergehenden beruflichen Vorsorge bildet und deshalb den
Vorsorgeeinrichtungen eine erhebliche Autonomie und Gestaltungsfreiheit
zukommt (BGE 138 V 86 E. 2.2; BGE 136 V 127 E. 4.4). Dadurch handelt
es sich bei jeder Begünstigung um eine überobligatorische Leistung. Will
eine Vorsorgeeinrichtung von der Kompetenz Gebrauch machen, muss sie
die gesetzliche Bestimmung in ihr Reglement übertragen. Ohne eine
reglementarische Grundlage besteht kein Anspruch auf
Hinterlassenenleistungen gemäss Art. 20a BVG. Bei den für eine
Begünstigung zugänglichen Leistungen kann es sich um Einmalleistungen
in der Form eines Todesfallkapitals oder um Rentenleistungen handeln,
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Seite 19
wobei Renten in der Regel als sog. Lebenspartnerrenten nur zugunsten
nichtehelicher Lebenspartner, welche die Voraussetzungen von Art. 20a
Abs. 1 Bst. a BVG erfüllen, nicht aber auch an andere Begünstigte
ausgerichtet werden (HANS-ULRICH STAUFFER, Berufliche Vorsorge, 3. Aufl.
2019, Rz. 963; MARC HÜRZELER/GUSTAVO SCARTAZZINI, in: BVG und FZG,
Art. 20a N. 5). In Art. 20a Abs. 1 BVG wird der Kreis der Personen, welche
im Rahmen der weitergehenden beruflichen Vorsorge begünstigt werden
können, abschliessend definiert. Er darf reglementarisch nicht erweitert
werden. Umgekehrt steht es den Vorsorgeeinrichtungen aber offen, den
Kreis der reglementarisch begünstigten Personen enger zu fassen als
Art. 20a Abs. 1 BVG. So ging zum Beispiel in BGE 137 V 387 E. 3.2 das
Reglement von einem restriktiveren Begriff der Lebensgemeinschaft aus,
indem es zusätzlich das Erfordernis der gemeinsamen Haushaltung
statuierte, was vom BGer als zulässig erachtet wurde. Allerdings sind sie
dabei an die Einhaltung der zwingenden Kaskadenordnung der
gesetzlichen Vorschrift gebunden, d.h., die Begünstigung in der
Kaskadenfolge nachrangiger Personen ist nur zulässig, wenn vorrangige
Kreise berücksichtigt wurden. Konkret wäre es zum Beispiel zulässig, die
Begünstigung auf Personen von Art. 20a Abs. 1 Bst. a und b BVG zu
beschränken, hingegen eine Begünstigung der übrigen gesetzlichen Erben
nach Art. 20a Abs. 1 Bst. c BVG nicht vorzusehen. Eine reglementarische
Begünstigtenordnung, welche zwar die Begünstigtenkreise nach Art. 20a
Abs. 1 Bst. b und c BVG übernimmt, ohne jedoch vorrangig die in Art. 20a
Abs. 1 Bst. a BVG genannten Personen zu berücksichtigen, ist hingegen
unzulässig. Der Gesetzeswortlaut bringt die zwingende Kaskadenordnung
damit zum Ausdruck, dass nachrangige Kreise nur beim Fehlen von
begünstigten Personen einer vorrangigen Gruppe berücksichtigt werden
(vgl. BGE 136 V 127 E. 4.4, BGE 136 V 49 E. 3.2; HÜRZELER/SCARTAZZINI,
in: BVG und FZG, Art. 20a N. 10). Innerhalb einer Kaskade kann die
versicherte Person hingegen eine einzelne Person auf
Hinterlassenenleistungen begünstigen oder die Vorsorgeeinrichtung eine
Rangfolge nach Priorität vorsehen. Im 2. Rang können somit zum Beispiel
ausschliesslich die Eltern begünstigt werden (STAUFFER, a.a.O., Rz. 967).
5.3.3 Der Wortlaut von Art. 20a Abs. 1 BVG sieht vor, dass die Vorsorge-
einrichtung in ihrem Reglement neben den Anspruchsberechtigten nach
den Art. 19, 19a und 20 BVG die in Art. 20a Abs. 1 Bst. a-c BVG aufgeführ-
ten Personen als Begünstigte für Hinterlassenenleistungen vorsehen kann.
Damit wird das Verhältnis der im Ingress bezeichneten, von Gesetzes we-
gen anspruchsberechtigten Hinterlassenen zu den weiteren Begünstigten
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Seite 20
weitgehend offengelassen. Immerhin ist aber unbestritten, dass die Aus-
richtung von Leistungen nach Art. 20a BVG zu keiner Einschränkung der
gesetzlichen Hinterlassenenleistungen führen darf. Fraglich kann daher
nur sein, ob und inwieweit die gesetzlich anspruchsberechtigten Hinterlas-
senen auch an den überobligatorischen Leistungen partizipieren sollen.
Nach VETTER-SCHREIBER muss es der Vorsorgeeinrichtung überlassen
sein, ob sie diese Hinterlassenen prioritär, das heisst vor den Begünstigten
gemäss Art. 20a Abs. 1 Bst. a BVG, behandeln will oder nicht. Auch ge-
mäss Mitteilungen des BSV über die berufliche Vorsorge Nr. 104 vom
5. März 2008, Ziff. 625 können die Vorsorgeeinrichtungen einerseits Hin-
terlassenenleistungen gemäss Art. 19 und 20 BVG für den überlebenden
Ehegatten und die Waisen und andererseits ein Todesfallkapital für die Be-
günstigten nach Art. 20a BVG vorsehen. Entscheide das Reglement, dass
auch die Hinterlassenen nach Art. 19 und 20 Anspruch auf ein Todesfallka-
pital haben, so müssten die Vorsorgeeinrichtungen das Verhältnis zwi-
schen diesen Hinterlassenen und den anderen Begünstigten regeln. Für
die überobligatorische Vorsorge sehe das Gesetz keine Priorität für die Hin-
terlassenen nach Art. 19 und 20 BVG vor, schliesse eine solche aber auch
nicht aus. Im Rahmen der überobligatorischen beruflichen Vorsorge habe
die Vorsorgeeinrichtung mithin die Möglichkeit, aber nicht die Verpflichtung,
reglementarisch eine Priorität der gesetzlich anspruchsberechtigten Hin-
terlassenen festzulegen, indem diese zuoberst in der Kaskade angesiedelt
würden (BGE 136 V 49 E. 4; vgl. zum Ganzen: HÜRZELER/SCARTAZZINI, in:
BVG und FZG, Art. 20a N. 34; ISABELLE VETTER-SCHREIBER, Kommentar
BVG FZG, 3. Aufl. 2013 [nachfolgend OF-Kommentar], Art. 20a BVG N. 7).
Zum Verhältnis zwischen einem nichtehelichen Lebenspartner und einer
gesetzlich anspruchsberechtigten Waise äusserte sich das Bundesgericht
dahingehend, dass es zulässig sei, den nichtehelichen Lebenspartner bes-
ser zu stellen als die Waisen nach Art. 20 BVG. Es erweist sich daher als
gesetzeskonform, wenn die Waisen auf die gesetzlichen Leistungen ver-
wiesen werden und ein allfälliges Todesfallkapital an den überlebenden
nichtehelichen Lebenspartner fällt. Die Begünstigung der Konkubine setzt
zudem nicht voraus, dass auch den Waisen Hinterlassenenleistungen im
gleichen Umfang zustehen (BGE 136 V 49 E. 4.7; HÜRZELER/SCARTAZZINI,
in: BVG und FZG, Art. 20a N. 35; VETTER-SCHREIBER, OF-Kommentar,
Art. 20a BVG N. 7).
5.4 Streitig und zu klären ist, ob Art. 32.3 Satz zwei VR rechtens ist.
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Seite 21
5.4.1 Mit Art. 32 VR begünstigt die Beschwerdeführerin die überlebende
Lebenspartnerin der verstorbenen versicherten Person, welche gemäss
Art. 19, 19a und 20 BVG und Art. 20 BVV 2 (e contrario) keinen gesetzli-
chen Anspruch auf Hinterlassenenleistungen hat. Art. 32 VR ist ein Anwen-
dungsfall von Art. 20a BVG. Die überlebende Lebenspartnerin ist innerhalb
der Kaskade von Art. 20a Abs. 1 BVG in Buchstabe a, i.e. im ersten Rang,
zu finden. Auch im VR ist die überlebende Lebenspartnerin im ersten Rang
der Kaskadenordnung eingereiht (nebst den Verwitweten und den geschie-
denen Ehegatten, für welche in den Art. 31 und 33 VR ebenfalls überobli-
gatorische Leistungen vorgesehen sind). Dies geht aus Art. 35.1 Ingress in
Verbindung mit Art. 35.1 Bst. a VR hervor, wonach kein Todesfallkapital
ausgerichtet wird, wenn beim Tod der verstorbenen versicherten Person
Ansprüche gemäss den Art. 31-33 VR entstehen. Mit anderen Worten kom-
men die in Art. 35.2 VR genannten, nach Prioritätengruppen geordneten
Anspruchsberechtigten erst zum Zug, soweit nicht anderweitig überobliga-
torische Leistungen – zum Beispiel an die überlebende Lebenspartnerin –
zu erbringen sind. Erst wenn keine Ansprüche gemäss Art. 31-33 VR ent-
stehen (Art. 35.1 Ingress i.V.m. Art. 35.1 Bst. a VR), sind in der «1. Priori-
tätengruppe» waisenrentenberechtigte Kinder der verstorbenen versicher-
ten Person anspruchsberechtigt (Art. 35.2 Bst. a VR). Mit Blick auf die bun-
desgerichtliche Rechtsprechung ist diese Kaskadenordnung nicht zu be-
anstanden. So ist insbesondere gesetzeskonform, die nichtehelichen Le-
benspartner im Rahmen der überobligatorischen Leistungen gegenüber
den waisenrentenberechtigten Kindern zu begünstigen (vgl. E. 5.3.3).
Art. 32.3 Satz zwei VR selbst hat gar keinen Einfluss auf die seitens der
Vorinstanz ins Feld geführte Kaskadenordnung. Damit ist weder mit Blick
auf die angefochtene Verfügung noch sonst ersichtlich, inwiefern der streit-
gegenständliche, von der Vorinstanz mit einem Vorbehalt bedachte
Art. 32.3 Satz zwei VR rechtswidrig sein soll.
5.4.2 Die Vorinstanz führt hierzu im Wesentlichen Folgendes aus:
5.4.2.1 Erstens bringt die Vorinstanz vor, das strittige Vorsorgereglement
schaffe zwei Kategorien von Lebenspartnern, nämlich solche der ersten
Kategorie nach Art. 32.3 VR und solche der zweiten Kategorie nach
Art. 35.2 Bst. b VR. Dies stelle eine Rechtsungleichheit in der Behandlung
der Lebenspartner dar.
Hierzu ist der Vorinstanz zu entgegnen, dass Art. 35.1 Ingress i.V.m.
Art. 35.1 Bst. a VR sowie Art. 35.2 die Kaskadenordnung bestimmen.
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Art. 32.3 VR selbst hat hierauf keinen Einfluss. Streitgegenstand ist aber
nur, ob Art. 32.3 Satz zwei VR rechtens ist. Damit kann offenbleiben, ob
Art. 35 VR zwei Kategorien von Lebenspartnern kreiert und ob solches
rechtens wäre.
5.4.2.2 Weiter sei es nicht zulässig, eine wie auch immer definierte Kate-
gorie Lebenspartner in der Kaskade den Personen voranzustellen, die für
den Unterhalt eines oder mehrerer gemeinsamer Kinder aufkommen
müssten (mit Bezug auf Art. 35.1 Bst. a i.V.m. Art. 32 und Art. 35.2 Bst. b
dritter Spiegelstrich).
Auch dies hat mit dem Streitgegenstand, ob Art. 32.3 Satz zwei VR rech-
tens ist, nichts zu tun. Allerdings kann die Vorsorgeeinrichtung innerhalb
einer Kaskade (hier innerhalb von Art. 20a Abs. 1 Bst. a BVG) sehr wohl
eine Rangfolge nach Priorität vorsehen (E. 5.3.2).
5.4.2.3 Die Vorinstanz bringt sodann vor, die Hinterlassenenleistungen der
Waisen seien nicht mehr gedeckt, wenn nebst dem Ehegatten gestützt auf
Art. 31.5 VR gleichzeitig auch ein Lebenspartner gestützt auf Art. 32.3 VR
ein Todesfallkapital erhalte. Denn diesfalls sei das Vorsorgekapital vollstän-
dig aufgebraucht.
Art. 32 VR bestimmt die Voraussetzungen, welche erfüllt sein müssen, da-
mit der überlebende Lebenspartner Anspruch auf eine Rente oder ein To-
desfallkapital hat. In beiden Fällen ist zwingend, dass die versicherte Per-
son im Todeszeitpunkt unverheiratet war (Art. 32.1 Bst. b VR). Es ist somit
nicht ersichtlich, in welcher Konstellation gleichzeitig Todesfallkapitalien
nach Art. 31.5 VR und nach Art. 32.3 VR ausbezahlt werden müssten, wo-
mit sich das von der Vorinstanz aufgeworfene Problem nicht stellt.
5.4.3 Damit erweist sich Art. 32.3 Satz zwei VR als rechtens, womit die
Beschwerde in diesem Punkt gutzuheissen ist.
6.
6.1 Weiter hat die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung betreffend
Art. 48.3 VR einen Vorbehalt angebracht.
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6.2 Die relevanten Reglementsbestimmungen lauten wie folgt:
48 Sanierungsmassnahmen
48.1 Liegt der Deckungsgrad der Pensionskasse am Stichtag unter 100%, trifft die
Pensionskasse in Abhängigkeit des Deckungsgrades folgende Sanierungs-
massnahmen, wobei immer der seit Beginn der Sanierung am Stichtag ermit-
telte tiefste Deckungsrad massgebend ist:
a. bei Deckungsgrad unter 100 Prozent, aber nicht tiefer als 95 Prozent
entscheidet der Vorstand über Sanierungsbeiträge. Werden Sanie-
rungsbeiträge erhoben, dürfen diese total 3 Prozent der versicherten
Besoldung nicht übersteigen.
b. bei Deckungsgrad unter 95 Prozent, aber nicht tiefer als 90 Prozent
setzt der Vorstand Sanierungsbeiträge fest, die total mindestens 3 Pro-
zent und höchstens 6 Prozent der versicherten Besoldung betragen.
c. bei Deckungsgrad unter 90 Prozent setzt der Vorstand Sanierungsbei-
träge fest, die total mindestens 6 Prozent der versicherten Besoldung
betragen und höchstens dem maximalen Sanierungsbeitrag gemäss
§ 63a Abs. 2 des Gesetzes über das öffentlich-rechtliche Arbeitsverhält-
nis (Personalgesetz) vom 26. Juni 2001 entsprechen.
48.2 Der Stichtag ist der 31. März jeden Jahres.
48.3 Die Sanierungsbeiträge werden zu gleichen Teilen von den Arbeitgebern und
den aktiven Versicherten getragen. Der Vorstand kann festlegen, dass die
aktiven Versicherten ihren Anteil ganz oder teilweise in Form einer Minder-
verzinsung der Altersguthaben gegenüber dem BVG-Mindestzinssatz leis-
ten. Ausgeschlossen ist eine Negativverzinsung.
(...).
Im Rahmen der Verfügung vom 12. Oktober 2018 führte die Vorinstanz zu
Art. 48.3 VR aus, eine Minderverzinsung gestützt auf Art. 65d Abs. 4 BVG
sei nur zulässig, wenn die Sanierungsbeiträge nach Art. 65d Abs. 3 BVG
ungenügend seien. Die gesetzliche Reihenfolge der Sanierungsmassnah-
men sei zwingendes Recht. Die Höhe des individuellen Sanierungsbeitra-
ges werde denn auch nie dieselbe sein, falls man den Sanierungsbeitrag
als Minderverzinsung des vorhandenen Altersguthabens berechne statt als
prozentualen Beitrag vom Lohn in Abzug bringe. Demzufolge falle die indi-
viduelle Belastung regelmässig anders aus, wenn statt der individuellen
Zahlung eines Lohnprozents eine individuelle Minderverzinsung des Alters-
kapitals stattfinde. Die versicherten Personen hätten einen gesetzlichen
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Anspruch darauf, dass die Sanierungsbeiträge gemäss der gesetzlichen
Ordnung von Art. 65d BVG erhoben würden. Die Bestimmung sei anzupas-
sen.
6.3
6.3.1 Die Vorsorgeeinrichtung muss die Unterdeckung selbst beheben. Der
Sicherheitsfonds tritt erst dafür ein, wenn die Vorsorgeeinrichtung zah-
lungsunfähig ist (Art. 65d Abs. 1 BVG). Die Massnahmen zur Behebung
einer Unterdeckung müssen auf einer reglementarischen Grundlage beru-
hen und der besonderen Situation der Vorsorgeeinrichtung, insbesondere
den Vermögens- und Verpflichtungsstrukturen wie den Vorsorgeplänen
und der Struktur und der zu erwartenden Entwicklung des Bestandes der
Versicherten sowie der Rentnerinnen und Rentner Rechnung tragen. Sie
müssen verhältnismässig, dem Grad der Unterdeckung angemessen und
Teil eines ausgewogenen Gesamtkonzeptes sein. Sie müssen zudem ge-
eignet sein, die Unterdeckung innerhalb einer angemessenen Frist zu be-
heben (Art. 65d Abs. 2 BVG; Urteil des BVGer A-6431/2014 vom 12. Juli
2016 E. 4.3.1.3).
Gemäss Art. 65d Abs. 3 Bst. a BVG kann die Vorsorgeeinrichtung, sofern
andere Massnahmen nicht zum Ziel führen, während der Dauer einer Un-
terdeckung u.a. von Arbeitgeber und Arbeitnehmern Beiträge zur Behe-
bung einer Unterdeckung erheben. Der Beitrag des Arbeitgebers muss
mindestens gleich hoch sein wie die Summe der Beiträge der Arbeitneh-
mer. Sofern sich die Massnahmen nach Art. 65d Abs. 3 BVG als ungenü-
gend erweisen, kann die Vorsorgeeinrichtung den Mindestzinssatz nach
Artikel 15 Absatz 2 während der Dauer der Unterdeckung, höchstens je-
doch während fünf Jahren unterschreiten. Die Unterschreitung darf höchs-
tens 0,5 Prozent betragen (Art. 65d Abs. 4 BVG). Gemäss Art. 15 Abs. 2
Satz 1 BVG legt der Bundesrat den Mindestzins (der Altersguthaben) fest.
6.3.2 Art. 49 Abs. 2 Ziff. 15 f. BVG verweist auf Art. 65d Abs. 1, 2 und 3
Bst. a zweiter Satz und b BVG und erklärt sie auch in der weitergehenden
Vorsorge für anwendbar. Grundsätzlich ergibt sich die Möglichkeit zur Er-
hebung von Sanierungsbeiträgen in der weitergehenden Vorsorge schon
aus dem Grundsatz der Autonomie der Vorsorgeeinrichtungen in Bezug auf
die Ordnung ihrer Finanzierung nach Art. 49 Abs. 1 BVG. Der Gesetzgeber
wollte aber die Erhebung von Sanierungsbeiträgen in der überobligatori-
schen Vorsorge an das Einverständnis des Arbeitgebers knüpfen, da die-
ser Bereich der beruflichen Vorsorge vertragsrechtlichen Bestimmungen
unterstehe und daher in Reglement oder Statuten bzw. Anschlussverträgen
A-6435/2018
Seite 25
zu regeln sei. Ist der Arbeitgeber aber mit der Erhebung der Sanierungs-
beiträge einverstanden, muss er mindestens die Hälfte dieser Beiträge
übernehmen (Botschaft über Massnahmen zur Behebung von Unterde-
ckungen in der beruflichen Vorsorge vom 19. September 2003, BBl 2003
6399, 6410; vgl. JÜRG BRECHBÜHL/LARA FRETZ, in: BVG und FZG, Art. 65d
N. 8 f.).
Massnahmen zur Behebung von Unterdeckungen müssen auf einer regle-
mentarischen Grundlage beruhen. Die reglementarische Grundlage darf
sich nicht in einer Generalklausel erschöpfen, sondern sie muss die vorge-
sehenen Massnahmen im Einzelnen aufführen. Seit 1. Januar 2012 finden
auf öffentlich-rechtliche Vorsorgeeinrichtungen im System der Vollkapitali-
sierung, die sich in einer Unterdeckung befinden, die Massnahmen gleich-
ermassen Anwendung wie für privatrechtliche Vorsorgeeinrichtungen (vgl.
BRECHBÜHL/FRETZ, in: BVG und FZG, Art. 65d N. 13 ff.; VETTER-SCHREI-
BER, OF-Kommentar, Vorbemerkungen zu Art. 65d BVG). Für die Mass-
nahmen zur Behebung der Unterdeckung gilt das Verhältnismässigkeits-
prinzip. Einschneidende Massnahmen müssen erst ergriffen werden, wenn
andere, weniger weitgehende Massnahmen nicht zum Ziel führen. Die in
Art. 65d Abs. 3 und 4 BVG zur Anwendung kommenden Massnahmen zur
Behebung der Unterdeckung dürfen somit nur beschlossen werden, sofern
andere Massnahmen nicht zum Ziel führen. Insoweit gilt für diese Mass-
nahmen das Subsidiaritätsprinzip. Unter diesen «anderen Massnahmen»
sind all jene Massnahmen zu verstehen, welche eine Verbesserung des
Deckungsgrades bewirken können, die aber nicht unter den Massnahmen-
katalog von Art. 65d Abs. 3 und 4 BVG fallen (vgl. BRECHBÜHL/FRETZ, in:
BVG und FZG, Art. 65d N. 31).
Als solche prioritäre Massnahme im Sinne von Art. 65d Abs. 2 BVG gilt die
reduzierte Verzinsung oder Nullverzinsung nach dem Anrechnungsprinzip,
welche bei umhüllenden Kassen im Beitragsprimat möglich ist, nicht aber
bei reinen BVG-Minimalkassen. Denn eine Minderverzinsung setzt voraus,
dass überobligatorisches Altersguthaben vorhanden ist, damit der Zins, der
alleine auf dem obligatorischen Teil gutgeschrieben werden muss, gesamt-
haft erzielt werden kann. Davon klar zu unterscheiden ist die Möglichkeit,
gemäss Art. 65d Abs. 4 BVG den BVG-Mindestzinssatz nach Art. 15 Abs. 2
BVG zu unterschreiten. Während die Unterschreitung des BVG-Mindest-
zinssatzes nur in Frage kommt, wenn sich die anderen Massnahmen –
auch solche nach Art. 65d Abs. 3 BVG – als ungenügend erweisen, ist die
Nullverzinsung nach Anrechnungsprinzip grundsätzlich auch als prioritäre
A-6435/2018
Seite 26
Sanierungsmassnahme zulässig (Botschaft über Massnahmen zur Behe-
bung von Unterdeckungen in der beruflichen Vorsorge vom 19. September
2003, BBl 2003 6399, 6409; vgl. BRECHBÜHL/FRETZ, in: BVG und FZG,
Art. 65d N. 22, 31 und 47 f.; STAUFFER, a.a.O., Rz. 2165).
Die Auslegung der reglementarischen Bestimmungen bei Vorsorgeeinrich-
tungen des öffentlichen Rechts hat nach den gewöhnlichen Regeln der Ge-
setzesauslegung zu geschehen. Denn anders als bei den privatrechtlichen
Vorsorgeträgern, wo das Rechtsverhältnis zu den Versicherten im Bereich
der freiwilligen Vorsorge auf dem so genannten Vorsorgevertrag beruht,
dessen Auslegung folgerichtig nach Vertrauensprinzip, unter Berücksichti-
gung der Unklarheits- und Ungewöhnlichkeitsregeln erfolgt, weist das dem
öffentlichen Recht unterstehende Vorsorgeverhältnis keine vertraglichen
Elemente auf (BGE 130 V 80 E. 3.2.2; STAUFFER, a.a.O., Rz. 488).
6.4 Streitig und zu klären ist, ob Art. 48.3 VR rechtens ist.
6.4.1 Die Beschwerdeführerin bringt hierzu vor, bei der gerügten Regle-
mentsbestimmung gehe es nicht darum, dass sie den Mindestzinssatz
nach Art. 15 Abs. 2 BVG senken möchte, sondern um eine Minder- oder
Nullverzinsung in der umhüllenden Vorsorge. Eine solche sei im Zustand
der Unterdeckung jederzeit zulässig, sofern in der Schattenrechnung die
obligatorischen Ansprüche nicht verletzt würden, was mit Art. 11 VR sicher-
gestellt sei, welcher das Anrechnungsprinzip verankere und festhalte, dass
die Beschwerdeführerin die BVG-Mindestleistungen in einer Schattenrech-
nung ausweise. Es sei nicht erforderlich, dass Art. 48.3 VR für seine Ver-
ständlichkeit bzw. Korrektheit das Wort «umhüllend» enthalte. Der Wortlaut
sei klar. Es gehe um eine «Minderverzinsung gegenüber dem BVG-Min-
destzinssatz» und nicht um eine «Unterschreitung des BVG-Mindestzins-
satzes» und damit um eine «BVG-Minderverzinsung».
6.4.2 Die von der Beschwerdeführerin beschriebene Minder- oder Nullver-
zinsung nach dem Anrechnungsprinzip in der umhüllenden Vorsorge gilt
als Massnahme, die prioritär zu treffen ist, i.e. bevor die in den Art. 65d
Abs. 3 und 4 BVG beschriebenen Massnahmen in Betracht gezogen wer-
den (E. 6.3.2). Allerdings spricht die hier streitige Reglementsbestimmung
von «einer Minderverzinsung der Altersguthaben gegenüber dem BVG-
Mindestzinssatz». Eine Minderverzinsung der Altersguthaben gegenüber
dem BVG-Mindestzinssatz kann nur als Unterschreiten des BVG-Mindest-
zinses im Sinne von Art. 65d Abs. 4 BVG verstanden werden, da sich der
Mindestzinssatz nach Art. 15 Abs. 2 BVG nur auf den obligatorischen Teil
A-6435/2018
Seite 27
des Altersguthabens im Sinne von Art. 15 Abs. 1 BVG bezieht. Die Verzin-
sung desjenigen Teils, welcher der weitergehenden Vorsorge zuzuordnen
ist, regelt das BVG hingegen nicht (BGE 132 V 278 E. 4.2; THOMAS FLÜ-
CKIGER, in: BVG und FZG, Art. 15 N. 12) und aus dem VR geht nicht hervor,
dass auch das überobligatorische Altersguthaben zum BVG-Mindestzins
verzinst werde. Der Wortlaut von Art. 48.3 VR erscheint insofern klar und
sieht vor, dass der Vorstand festlegen kann, dass die aktiven Versicherten
ihren Anteil (an den Sanierungsbeiträgen) ganz oder teilweise in Form ei-
ner Minderverzinsung des obligatorischen Teils der Altersguthaben leisten
(E. 6.3.2). Die streitige Reglementsbestimmung in Art. 48.3 VR verletzt so-
mit Art. 65d Abs. 4 BVG, wonach die Unterschreitung des BVG-Mindest-
zinssatzes erst in Betracht zu ziehen ist, wenn sich die Massnahmen nach
Art. 65d Abs. 3 BVG als ungenügend erweisen.
Damit kann offen bleiben, ob die reglementarische Bestimmung von
Art. 48.3 VR in der Art und Weise, wie sie die Beschwerdeführerin verstan-
den wissen will (Minder- oder Nullverzinsung nach dem Anrechnungsprin-
zip in der umhüllenden Vorsorge), gesetzeskonform wäre.
6.4.3 Die Verfügung der Vorinstanz vom 12. Oktober 2018 erweist sich
demnach in diesem Punkt als rechtens.
7.
7.1 Weiter hat die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung betreffend
Art. 55.2 VR einen Vorbehalt angebracht.
7.2 Die relevanten Reglementsbestimmungen lauten wie folgt:
55.1 Der Vorstand besteht aus zwölf Personen.
55.2 Sechs Mitglieder sowie ein erstes und zweites Ersatzmitglied werden unter
Beachtung der folgenden Vorschriften von der Versammlung der Versicher-
ten als Arbeitnehmervertretung für eine Amtsdauer von vier Jahren gewählt:
a. Die verschiedenen Berufsgruppen sollen angemessen vertreten sein.
b. Mindestens fünf Mitglieder müssen bei der Pensionskasse versichert
sein.
c. Bei der Wahl gelten folgende Altersbeschränkungen:
- Mindestens fünf Mitglieder haben das Rentenalter der Pensionskasse
noch nicht erreicht.
- Höchstens ein Mitglied hat das Rentenalter der Pensionskasse über-
schritten, aber das 70. Lebensjahr noch nicht vollendet.
A-6435/2018
Seite 28
d. Tritt ein Mitglied während der Amtsdauer zurück oder kann es sein Man-
dat nicht mehr wahrnehmen, tritt an seine Stelle für den Rest der Amts-
periode das Ersatzmitglied, entsprechend der bei der Wahl durch die
Versammlung bestimmten Reihenfolge.
Im Rahmen der Verfügung vom 12. Oktober 2018 führte die Vorinstanz zu
Art. 55.2 VR aus, die paritätische Vertretung im obersten Organ der Pensi-
onskasse sei eine tragende Säule der beruflichen Vorsorge. Es sei daher
nicht zulässig, die paritätische Vertretung der Arbeitnehmer beispielsweise
durch eine Rentnervertretung zu beeinträchtigen. Mit diesem Erfordernis
sei Art. 55.2 Bst. c VR nicht vereinbar. Diese Bestimmung lasse es zu, dass
ein Mitglied als Altersrentner im Vorstand Einsitz nehmen könne, welcher
zulasten der Arbeitnehmervertretung gehe. Diese Bestimmung verstosse
somit gegen zwingendes Recht und sei anzupassen.
7.3
7.3.1 Nach Art. 51 Abs. 1 BVG haben Arbeitnehmer und Arbeitgeber das
Recht, in das oberste Organ der Vorsorgeeinrichtung die gleiche Zahl von
Vertretern zu entsenden.
7.3.2
7.3.2.1 Paritätisch zu verwalten sind die gemäss Art. 48 BVG im Register
für die berufliche Vorsorge eingetragenen Vorsorgeeinrichtungen
unabhängig davon, ob sie nur die gesetzlichen Mindestleistungen oder
darüber hinausgehende Leistungen erbringen (Art. 49 Abs. 2 Ziff. 7 BVG).
Nicht unter Art. 51 BVG fallen die nicht registrierten
Personalvorsorgestiftungen und –genossenschaften. Auf sie finden (nach
wie vor) Art. 89a ZGB und Art. 885 OR Anwendung (THOMAS
GÄCHTER/MAYA GECKELER HUNZIKER, in: BVG und FZG, Art. 51 N. 12 f.).
Der Sinn und Zweck von Art. 51 Abs. 1 BVG liegt darin, eine effektiv gleich-
berechtigte Mitbestimmung von Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern
zu gewährleisten und die Stellung der Arbeitnehmervertreter im paritäti-
schen Organ zu stärken (Urteil des Eidg. Versicherungsgerichts
B 117/2005 vom 19. Oktober 2006 E. 3.2.1; Urteil des BVGer C-2371/2006
vom 17. August 2007 E. 2.3.3; HANS MICHAEL RIEMER/GABRIELA RIEMER-
KAFKA, Das Recht der beruflichen Vorsorge in der Schweiz, 2. Aufl. 2006,
S. 46). Dieser Zweck der Vorschrift kommt als vom Gesetzgeber ange-
strebtes Ziel auch in den Materialien zum Ausdruck (vgl. Botschaft zum
Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invaliden-
vorsorge vom 19. Dezember 1975, BBl 1976 I 149 ff., 202 ff.; Botschaft zur
A-6435/2018
Seite 29
Revision des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen-
und Invalidenvorsorge [1. BVG-Revision], BBl 2000 2637 ff., 2677; Bericht
der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit [SGK-N] über den
Vorsorgeschutz für Teilzeitbeschäftigte und Personen mit kleinen Einkom-
men, über die Anpassung des Umwandlungssatzes und über die paritäti-
sche Verwaltung der Vorsorgeeinrichtungen vom 21./22. Februar 2002 an
den Nationalrat für die Beratungen zur 1. BVG-Revision, S. 28 ff., ebenso
Bericht der Subkommission BVG zuhanden der Kommission für soziale Si-
cherheit und Gesundheit [SGK-N], S. 27 ff.; vgl. zum Ganzen Urteil des
BVGer A-358/2018 vom 10. Januar 2019 E. 12.2.2). Die volle Parität be-
zweckt somit den Schutz der Arbeitnehmenden und wird als Minimalvor-
schrift zugunsten der Arbeitnehmervertretung verstanden. Eine Abwei-
chung von der Parität zu Lasten der Arbeitnehmenden ist daher nicht zu-
lässig. Art. 51 BVG hat somit relativ zwingenden Charakter. Demgegen-
über befindet sich der Arbeitgeber im Allgemeinen gegenüber der Vorsor-
geeinrichtung in einer viel stärkeren Position und benötigt keinen speziel-
len Schutz. Es spricht deswegen nichts dagegen, wenn der Arbeitgeber auf
seine Vertretungsrechte ganz oder teilweise verzichten will. Ein solcher
Verzicht ist jedoch jederzeit widerrufbar (BSV, Mitteilungen über die beruf-
liche Vorsorge Nr. 48 vom 21. Dezember 1999, Rz. 280 Nr. 3.1; GÄCH-
TER/GECKELER HUNZIKER, in: BVG und FZG, Art. 51 N. 14 f.; VETTER-
SCHREIBER, OF-Kommentar, Art. 51 N. 1; STAUFFER, a.a.O., Rz. 1935).
Der genannte Zweck des Gesetzes und der Wille des Gesetzgebers, die
Stellung der Arbeitnehmervertretung im paritätischen Organ zu stärken, so-
wie der Umstand, dass Arbeitnehmer häufig mangelhaft für die Möglichkei-
ten der paritätischen Mitbestimmung sensibilisiert sind, sprechen dafür,
Art. 51 Abs. 1 BVG als Schutznorm zugunsten der Arbeitnehmer dahinge-
hend auszulegen, dass nicht als Arbeitnehmervertreter anerkannt werden
kann, wer beim Unternehmen an wesentlichen Entscheiden beteiligt ist
bzw. die Willensbildung des Unternehmens wesentlich zu beeinflussen ver-
mag (in diesem Sinne – auch zum Folgenden – GÄCHTER/GECKELER HUNZI-
KER, in: BVG und FZG, Art. 51 N. 16 ff.; VETTER-SCHREIBER, OF-Kommen-
tar, Art. 51 N. 2; STAUFFER, a.a.O., Rz. 1944). Es drängt sich deshalb auf,
an die im Haftpflichtrecht entwickelte Unterscheidung anzuknüpfen, wo-
nach Organ (Art. 55 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom 10. De-
zember 1907 [ZGB, SR 210]) ist, wer die Willensbildung des Unterneh-
mens massgeblich zu beeinflussen vermag, und Hilfsperson (Art. 55 OR),
wer keinen solchen Einfluss ausüben kann. Nicht allein ausschlaggebend
für die Abgrenzung zwischen Arbeitnehmervertreter und Arbeitgebervertre-
A-6435/2018
Seite 30
ter im Sinne von Art. 51 Abs. 1 BVG können demgegenüber der arbeitsver-
tragsrechtliche Arbeitnehmerbegriff (Art. 319 ff. OR), der für das Versiche-
rungsobligatorium nach Art. 2 Abs. 1 BVG massgebende Arbeitnehmerbe-
griff von Art. 10 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allge-
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) und – zur
Abgrenzung – auch der Arbeitgeberbegriff von Art. 11 ATSG sein (vgl. zum
Ganzen: Urteil des BVGer A-358/2018 vom 10. Januar 2019 E. 12.2.2).
7.3.2.2 Im Zusammenhang mit der Regelung des Wahlverfahrens der
paritätischen Verwaltung stellt sich die Frage, ob sich die Arbeitnehmenden
durch externe Personen vertreten lassen dürfen. Der bundesrätliche
Entwurf zu Art. 89bis aZGB (heute: Art. 89a ZGB) sah noch vor, dass die
Vertreter aus dem Personal zu wählen sind, das heisst, das passive
Wahlrecht war auf das Personal des betreffenden Arbeitgebers beschränkt
(vgl. Botschaft betreffend Ergänzung des Dienstvertrags- und des
Stiftungsrechts vom 10. Dezember 1956, BBl 1956 825, 844). Im Lauf des
Verfahrens in den eidgenössischen Räten wurde dieser Passus durch die
Formulierung «soweit möglich» ergänzt (Art. 89a Abs. 3 ZGB). Die
Regelung von Art. 89a ZGB hat seit Einführung des BVG jedoch nur
untergeordnete Bedeutung, da sie nur noch für die nicht registrierten
Kassen anwendbar ist. Art. 51 BVG lässt diese Frage offen. Dies geht –
unter Hinweis auf die Regelung von Art. 89a Abs. 3 ZGB – auch explizit
aus der Botschaft des Bundesrates an die Bundesversammlung zum
Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenvorsorge vom 19. Dezember 1975 hervor, wonach «der Entwurf
die Frage offen lässt, ob auch Aussenstehende, d. h. nicht der jeweiligen
Unternehmung angehörende Dritte, als Vertreter der Versicherten bzw. der
Arbeitgeber gewählt werden können» (BBl 1976 I 149, 203).
In der Literatur werden zu dieser Frage verschiedene Ansichten vertreten.
Einerseits wird aus der fehlenden gesetzlichen Regelung der Schluss ge-
zogen, der Gesetzgeber habe es den einzelnen Vorsorgeeinrichtungen
überlassen, diese Frage reglementarisch festzulegen. Es wird auf Art. 49
Abs. 1 BVG verwiesen, welcher vorsieht, dass Vorsorgeeinrichtungen im
Rahmen des Gesetzes in ihrer Organisation frei sind. Daraus ergibt sich,
dass es der Organisationsautonomie der Vorsorgeeinrichtung überlassen
wird, ob und welche Aussenstehenden sie als Vertreter der Arbeitnehmen-
den zulassen oder ausschliessen will (GÄCHTER/GECKELER HUNZIKER, in:
BVG und FZG, Art. 51 N. 26; STAUFFER, a.a.O., Rz. 1947; VETTER-SCHREI-
BER, OF-Kommentar, Art. 51 N. 4; RIEMER/RIEMER-KAFKA, a.a.O., § 2
A-6435/2018
Seite 31
N 62). Auch gemäss dem BSV können sich die Arbeitnehmer und die Ar-
beitgeber extern vertreten lassen, wenn die Urkunde oder das Reglement
dies vorsehen (BSV, Mitteilungen über die berufliche Vorsorge Nr. 48 vom
21. Dezember 1999, Rz. 280 Nr. 3.7). In diese Richtung – aber im Umkehr-
schluss – geht auch ein Urteil des Bundesgerichts, welches eine Regelung
für rechtens erklärte, wonach der Arbeitnehmervertreter nach der Kündi-
gung durch den Arbeitgeber aus dem Stiftungsrat der Vorsorgeeinrichtung
ausschied, da das Reglement dies entsprechend vorsah und Art. 51 BVG
den Stiftungsratsmitgliedern kein subjektives Recht verleiht, bis zum Ende
ihrer Mandatsdauer im Stiftungsrat zu verbleiben (Urteil des BGer
9C_401/2011 vom 27. April 2012 E. 6). Gleiches gilt für einen Entscheid
der Eidgenössischen Beschwerdekommission BVG, wonach die Wahl ex-
terner Vertreter als unzulässig beurteilt wurde, weil statutarisch die Wähl-
barkeit der Versichertenvertreter auf den Kreis derjenigen Personen be-
schränkt worden war, welche mittels Arbeitsvertrag mit der Stifterin verbun-
den sind (Urteil der Eidg. Beschwerdekommission BVG vom 6. Mai 1996,
in: SVR 11/1996 Nr. 58, 167 f.).
Dem steht die Auffassung gegenüber, dass der Gesetzgeber bewusst da-
rauf verzichtet hat, in diesem Punkt eine neue Spezialregelung aufzustel-
len, und deshalb die bisherige allgemeine Regelung von Art. 89a Abs. 3
ZGB weiterhin Geltung hat. Demnach erfordert es der Mitwirkungscharak-
ter, dass die Mitwirkung auch wirklich durch die Arbeitnehmenden selber
wahrgenommen wird und nur in Ausnahmefällen auf aussenstehende
Dritte übertragen wird (BRÜHWILER JÜRG, Die betriebliche Personalvor-
sorge in der Schweiz, 1989, S. 364). Nach einer anderen Meinung können
alle Personen, denen die Versicherten ihr Vertrauen aussprechen, Arbeit-
nehmervertreter sein, sofern sie nicht ganz klar zur Arbeitgeberseite ge-
zählt werden müssen (EGGERMANN ANTON, Die paritätische Verwaltung im
Rahmen des BVG, ABVS-Seminar 1985, Referate über die Einführung des
BVG im Kanton Bern, S. 30 ff.).
7.3.2.3 Ein gesetzlicher Anspruch auf Vertretung der Rentner im obersten
Organ besteht nicht, obwohl diese durch Beschlüsse des Letzteren berührt
werden. Die herrschende Lehre befürwortet hingegen, dass Rentner Ein-
sitz in den Stiftungsrat nehmen können, wenn dies statutarisch oder regle-
mentarisch vorgesehen ist. Zu beachten ist, dass die Interessen der Rent-
ner den Arbeitnehmerinteressen diametral entgegenstehen können. Eine
allfällige Rentnervertretung darf deshalb nicht zulasten der Arbeitnehmer
erfolgen, da dadurch die zwingend vorgeschriebene Parität als Schutzbe-
A-6435/2018
Seite 32
stimmung für die Arbeitnehmer verletzt würde (vgl. vorne E. 7.3.2.1; GÄCH-
TER/GECKELER HUNZIKER, in: BVG und FZG, Art. 51 N. 36 ff.; STAUFFER,
a.a.O., Rz. 1936; VETTER-SCHREIBER, OF-Kommentar, Art. 51 N. 5).
7.4 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung Art. 55.2 VR als
Ganzes mit einem Vorbehalt bedacht. Allerdings ist der Begründung nur zu
entnehmen, dass es nicht zulässig sei, die paritätische Vertretung der
Arbeitnehmer beispielsweise durch eine Rentnervertretung zu
beeinträchtigen. Art. 55.2 Bst. c VR sei mit diesem Erfordernis nicht
vereinbar. Streitgegenstand ist damit die Rechtmässigkeit von Art. 55.2
Bst. c VR.
7.4.1 Die Beschwerdeführerin bringt hierzu vor, bei der gerügten Bestim-
mung handle es sich nicht um die Einführung einer Rentnervertretung zu-
lasten der Arbeitnehmenden, sondern um eine im Rahmen der zugestan-
denen Eigenständigkeit der Vorsorgeeinrichtung eingeführte reglementari-
sche Altersbegrenzung (70. Altersjahr) für die Tätigkeit im Vorstand, welche
für alle Arbeitnehmervertreter gelte. Ein gewählter Arbeitnehmervertreter
werde nicht im Moment seiner Pensionierung zu einem Rentnervertreter,
sondern müsse als Arbeitnehmervertreter einzig die Interessen der Arbeit-
nehmer vertreten. Es spiele keine Rolle, ob die Arbeitnehmenden einen
Altersrentenbezüger als ihren Vertreter wählen oder einen Arbeitnehmen-
den. Im Rahmen der praxisgemässen Abgrenzung zwischen Arbeitgeber-
und Arbeitnehmervertreter seien die Arbeitnehmenden frei, ihre Vertreter
aufzustellen und zu wählen. Es sei systemimmanent, dass die Vertreter im
obersten Organ immer wieder Zielkonflikten ausgesetzt seien. So befän-
den sich zum Beispiel ganz junge Arbeitnehmervertreter in einer anderen
Interessenlage als Arbeitnehmervertreter, die kurz vor der Pensionierung
stünden. Dennoch müssten beide immer und allein im Interesse der Vor-
sorgeeinrichtung handeln.
7.4.2 Die Vorinstanz führt hierzu aus, die Interessen der Rentner seien
nicht gleich wie jene der aktiven Arbeitnehmer. Genauso wenig wäre es
zulässig, eine Person mit Arbeitgebercharakter zum Arbeitnehmervertreter
zu wählen. Bei dieser Konstellation werde ohne weiteres angenommen,
dass die Person zufolge einer unterschiedlichen Interessenlage nicht die
Arbeitnehmerinteressen zu wahren in der Lage sei. Das Gleiche müsse im
Verhältnis Arbeitnehmer/Rentner gelten. Denn der Rentner könne nicht nur
dem Anschein nach die Interessen der Arbeitnehmer nicht wahrnehmen,
sondern auch tatsächlich nicht. Bei wichtigen Entscheiden wie bspw. die
Vornahme einer Sanierung, Teuerungsanpassungen von Renten oder die
A-6435/2018
Seite 33
Anpassung von Umwandlungssätzen befänden sich Rentner als Arbeitneh-
mervertreter in einem offenkundigen Interessenskonflikt. Mit Blick auf die
Vielzahl und in der Sache bedeutsamen Interessenskonflikte sei es nicht
möglich, dass ein Rentner als Arbeitnehmervertreter fungieren könne. Die
Argumentation der Beschwerdeführerin überzeuge auch deshalb nicht, da
sie ja bloss einen Rentner im obersten Organ dulde. Für alle anderen Ar-
beitnehmervertreter bestehe somit eine Altersbeschränkung bis zum Zeit-
punkt des Erreichens des ordentlichen Rentenalters. Diese Regelung
verstosse folglich unter dem Aspekt der Altersbeschränkung gegen den
Gleichheitsgrundsatz.
7.4.3 Gemäss Art. 55.2 VR sind sechs Vorstandsmitglieder von der Ver-
sammlung der Versicherten als Arbeitnehmervertretung zu wählen. Davon
müssen mindestens fünf bei der Beschwerdeführerin versichert sein
(Art. 55.2 Bst. b VR), wobei davon auszugehen ist, dass darunter aktive
und pensionierte Versicherte zu verstehen sind (Art. 1.1 Bst. e VR). Weiter
dürfen fünf Mitglieder das Rentenalter der Beschwerdeführerin noch nicht
erreicht haben und höchstens ein Mitglied das Rentenalter der Beschwer-
deführerin überschritten, das 70. Lebensjahr aber noch nicht vollendet ha-
ben (Art. 55.2 Bst. c VR). Das reglementarische Rentenalter der Beschwer-
deführerin wird bei Vollendung des 65. Lebensjahres erreicht (Art. 1.1
Bst. m VR). Gemäss VR ist eine Pensionierung frühestens nach Vollen-
dung des 60. Lebensjahres möglich, während die Vorsorge höchstens bis
zur Vollendung des 70. Lebensjahres weitergeführt werden kann (Art. 25.1
VR).
Damit ergibt sich aus dem VR, dass theoretisch fünf frühpensionierte Ver-
sicherte und ein ordentlich pensionierter Versicherter, der das 70. Lebens-
jahr noch nicht vollendet hat, als Arbeitnehmervertretung in den Vorstand
gewählt werden können. Bei pensionierten Versicherten handelt es sich
nicht (mehr) um Arbeitnehmer im Sinne von Art. 51 Abs. 1 BVG. Als Arbeit-
nehmervertreter wählbar sind jedoch nicht nur Arbeitnehmende, sondern
nach herrschender Lehre und Rechtsprechung auch externe Personen, so-
weit das Vorsorgereglement eine entsprechende Regelung vorsieht
(E. 7.3.2.2). Die Frage ist aber, ob auch pensionierte Versicherte als ex-
terne Vertreter wählbar sein sollen. Der Beschwerdeführerin ist beizupflich-
ten, dass es ohne weiteres denkbar ist, dass ein bei ihr pensionierter Ver-
sicherter als Arbeitnehmervertreter einzig die Interessen der Arbeitnehmer
vertritt. Insofern geht die Vorinstanz zu weit, wenn sie vorbringt, der Rent-
ner könne weder dem Anschein nach noch tatsächlich die Interessen der
Arbeitnehmer wahrnehmen. Allerdings ist ein pensionierter Versicherter
A-6435/2018
Seite 34
der Beschwerdeführerin von vornherein kein «Externer», sondern eben ein
Versicherter mit eigenen Interessen, die denjenigen der Arbeitnehmer zu-
weilen zuwiderlaufen (E. 7.3.2.3). Art. 51 Abs. 1 BVG ist als Schutznorm
zugunsten der Arbeitnehmer u.a. dahingehend auszulegen, dass nicht als
Arbeitnehmervertreter anerkannt werden kann, wer beim Unternehmen an
wesentlichen Entscheiden beteiligt ist bzw. die Willensbildung des Unter-
nehmens wesentlich zu beeinflussen vermag (E. 7.3.2.1). Bei dieser Kons-
tellation wird – wie die Vorinstanz korrekt vorbringt – ohne weiteres ange-
nommen, dass die Person zufolge einer unterschiedlichen Interessenlage
nicht die Arbeitnehmerinteressen zu wahren in der Lage ist. Dies gilt, ob-
wohl es bei diesen Personen in den meisten Fällen ebenfalls um Arbeit-
nehmer handelt. Wenn Arbeitnehmer in leitender Stellung nicht als Arbeit-
nehmervertreter anerkannt werden können, muss gleiches auch für pensi-
onierte Versicherte der Beschwerdeführerin gelten. Der mit Art. 51 Abs. 1
BVG bezweckte Arbeitnehmerschutz erlaubt es nicht, dass pensionierte
Versicherte mit den Arbeitnehmerinteressen zuwiderlaufenden Eigeninte-
ressen als Arbeitnehmervertreter wählbar sind.
Der strittige Art. 55.2 Bst. c VR ist somit insofern rechtswidrig, als damit
pensionierte Versicherte der Beschwerdeführerin für wählbar erklärt wer-
den. Eine pensionierte Person, die nicht bei der Beschwerdeführerin versi-
chert ist, ist jedoch ohne weiteres wählbar, soweit die Altersbeschränkun-
gen in Art. 55.2 Bst. c VR eingehalten sind (Art. 55.2 Bst. b e contrario;
E. 7.3.2.2). Nicht ersichtlich ist, inwiefern die in Art. 55.2 Bst. c VR vorge-
sehenen Altersbeschränkungen gegen den Gleichheitsgrundsatz verstos-
sen sollten, ist doch Sinn und Zweck derselben offensichtlich, dass vorwie-
gend Arbeitnehmer, die das reglementarische Rentenalter noch nicht er-
reicht haben, die Arbeitnehmervertretung wahrnehmen, was durchaus
sachlich begründet erscheint.
7.4.4 Die Verfügung der Vorinstanz vom 12. Oktober 2018 erweist sich
demnach in diesem Punkt als rechtens.
8.
Die Beschwerde ist nach dem Gesagten teilweise, i.e. betreffend Art. 32.3
Satz zwei VR, gutzuheissen und die angefochtene Verfügung in diesem
Umfang aufzuheben (vgl. E. 5). Im Übrigen ist die Beschwerde
abzuweisen. Ferner ist die Dispositiv-Ziff. 4 des angefochtenen Entscheids
zu den Kostenfolgen des vorinstanzlichen Verfahrens aufzuheben und die
Sache zu neuem Entscheid über die vorinstanzlichen Kostenfolgen an die
Vorinstanz zurückzuweisen.
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9.
Abschliessend bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Partei-
entschädigung zu befinden.
9.1 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt die Verfahrenskosten in der
Regel der unterliegenden Partei (Art. 63 Abs. 1 VwVG), wobei sie bei nur
teilweisem Unterliegen zu ermässigen sind. Entsprechend sind einer
teilweise obsiegenden Partei Verfahrenskosten nach Massgabe ihres
Unterliegens aufzuerlegen (statt vieler: Urteil des BVGer A-6253/2018 vom
10. Dezember 2019 E. 7.1).
In der vorliegenden Sache war die Rechtmässigkeit von vier
Reglementsbestimmungen streitig, die die Vorinstanz mit einem Vorbehalt
belegt hatte. Die Beschwerdeführerin obsiegt in einem der vier
Streitpunkte. Weiter war streitig, ob der Beschwerde die aufschiebende
Wirkung zukommt, was mit Zwischenverfügung vom 16. Januar 2019
verneint wurde. Bei dieser Sachlage rechtfertigt es sich, die
Verfahrenskosten in Höhe von CHF 4'000.- im Umfang von CHF 3'000.-
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Dieser Betrag ist dem von ihr
geleisteten Kostenvorschuss von CHF 4'000.- zu entnehmen. Der
Überschuss von CHF 1'000.- ist ihr nach Eintritt der Rechtskraft dieses
Urteils zurückzuerstatten. Der unterliegenden Vorinstanz sind keine
Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
9.2 Im Rahmen ihres Obsiegens hat die anwaltlich vertretene
Beschwerdeführerin gemäss Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG in Verbindung mit
Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE; SR
173.320.2) Anspruch auf eine Parteientschädigung zulasten der
Vorinstanz. Da die Vertreterin keine Kostennote eingereicht hat, ist die
Parteientschädigung praxisgemäss auf CHF 1’500.- festzusetzen (vgl.
Art. 14 Abs. 2 VGKE). Die Vorinstanz hat keinen Anspruch auf
Parteientschädigung (Art. 7 Abs. 3 VGKE).
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