Decision ID: 673d461b-9d1d-46df-8428-55e7a42f44a5
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
C._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Adrian Fiechter, Poststrasse 6, Postfach 239,
9443 Widnau,
gegen
SWICA Versicherungen, Römerstrasse 37, Postfach, 8401 Winterthur,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a Die 1951 geborene C._ war als Betriebsangestellte Lingerie im Spital A._ tätig
und bei der SWICA Gesundheitsorganisation (nachfolgend: Swica) gegen die Folgen
von Unfällen versichert. Am 31. Januar 2003 meldete das Spital A._ der Swica, dass
die Versicherte am 23. Januar 2003 beim Verlassen des Restaurants B._ die
Treppenstufe nicht beachtet habe, deshalb gestürzt sei und sich verletzt habe (UV-act.
1).
A.b Mit Arztzeugnis UVG vom 17. Februar 2003 gab der Hausarzt Dr. med. D._,
Allgemeine Medizin FMH, an, die Versicherte sei am 23. Januar 2003 auf Glatteis
gestürzt und mit dem Becken, der linken Schulter und dem linken Knie aufgeschlagen.
Als Diagnose hielt er eine Kontusion des Beckens und des linken Knies sowie eine
Schulterkontusion mit schwerer Abduktionshemmung und ebenfalls schmerzbedingter
Ante- und Retroversion fest. Dabei sei eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab dem 24.
Januar 2003 eingetreten (UV-act. 2). Zuvor hatte die Radiologie-Abteilung des Spitals
A._ am 11. Februar 2003 dem Hausarzt der Versicherten Bericht erstattet:
Zusammenfassend zeige sich im Bereich des Tuberculum majus eine intraossäre,
wahrscheinlich degenerative zystoide Formation. Unmittelbar davorliegend befinde
sich, wahrscheinlich extraossär, eine weitere kleinere zystische Formation. Ansonsten
bestehe der Verdacht auf deutlichere tendinopathische Veränderungen,
möglicherweise auch ältere narbige Residuen. Eine frische, insbesondere komplette
Rissbildung mit Muskelretraktion stelle sich nicht dar (UV-act. 89).
A.c Mit Verfügung vom 25. Februar 2003 anerkannte die Swica einen
Leistungsanspruch der Versicherten für die Folgen des Sturzes vom 23. Januar 2003
und sprach ihr ein Taggeld von Fr. 49.20 zu (UV-act. 5).
A.d Im ärztlichen Zwischenbericht vom 29. März 2003 hielt Dr. D._ als Diagnose
eine traumatische Rotatorenmanschettenläsion an der linken Schulter fest. Der
Heilungsverlauf sei unter intensiver Physiotherapie und Diprophosinfiltration an der
Schulter sehr schleppend. Die Versicherte werde im Ärztehaus K._ betreut. Die Arbeit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
könne von ihr nicht wieder aufgenommen werden (UV-act. 13). Am 25. April 2003 gab
Dr. med. E._, Physikalische Medizin und Rehabilitation FMH, vom Ärztehaus K._ im
ärztlichen Zwischenbericht an die Swica die Diagnose einer Periarthropathia
humeroscapularis links, posttraumatisch an. Eine Wiederaufnahme der Arbeit sei noch
nicht absehbar (UV-act. 14).
A.e In der Stellungnahme vom 11. Juli 2003 vermerkte Dr. E._ eine protrahierte
postkontusionelle Periarthropathia humeroscapularis links. Der Zustand habe sich nur
leicht verbessert. Die Versicherte solle demnächst wieder zwei Stunden pro Tag in ihrer
angestammten Tätigkeit zu arbeiten versuchen. Zur Beurteilung der allgemeinen
Belastbarkeit in Tätigkeiten, unabhängig von der beruflichen Tätigkeit vor dem Unfall,
empfahl Dr. E._ eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (UV-act. 20).
A.f Im Arztbericht vom 22. Dezember 2003 gab Dr. med. F._, Chirurgie FMH, Spital
A._ als Diagnose einen Schulterschmerz links und den Verdacht auf ein outlet-
Impingement mit/bei Acromionsporn und subacromialer Bursitis an. Da die
Beschwerden persistierten, müsste eine Acromioplastik durchgeführt werden, wobei er
aufgrund der Persönlichkeit der Versicherten noch davor zurückschrecke. Der
subacromiale Sporn könnte die verzögerte Rehabilitation erklären. Er sei sicherlich
vorbestehend gewesen, aber bis zum Sturz asymptomatisch. Es sei jedoch nicht
gesichert, dass dieser Sporn das Beschwerdebild unterhalte. Seiner Meinung nach
könne die Versicherte ab Januar 2004 aber ihr Teilpensum wieder zu 100% leisten.
Dabei sollten Arbeiten über Kopf und das Tragen schwerer Lasten vermieden werden.
Arbeiten unterhalb der Schulterhöhe seien zumutbar, insbesondere wenn grössere
Bewegungen im Schultergelenk vermieden werden könnten (UV-act. 26).
A.g Am 2. Juni 2004 bestätigte Dr. F._ die Diagnose des Impingement-Syndroms
der Schulter links nach arthroskopischer subacromialer Dekompression am 13. Februar
2004. Vier Monate nach der Operation müsse festgestellt werden, dass diese nicht viel
gebracht habe. Das linke Schultergelenk bleibe vermindert belastbar. Auch rechts
komme es nun zu ähnlichen Beschwerden, da die Versicherte vermehrt Arbeiten mit
rechts ausüben müsse. Trotzdem habe er sie ab dem 7. Juni 2004 wieder zu 100%
arbeitsfähig geschrieben. Die Vorgesetzte der Versicherten werde versuchen, eine
Arbeit zu finden, bei welcher sie die Schulter wenig belasten müsse. Ansonsten müsste
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ihr wohl eine Kündigung ausgesprochen werden (UV-act. 30). Dem Operationsbericht
vom 13. Februar 2004 kann entnommen werden, dass die Rotatorenmanschette bei
der Arthroskopie keine Läsion aufwies. Die glenohumeralen Bänder und Sehnen seien
intakt. Das posteriosuperiore Labrum sei diskret ausgefranst (UV-act. 88).
A.h Mit Arztbericht vom 13. Dezember 2004 gab Dr. E._ als Diagnose einen Status
nach Rotatorenmanschettenläsion der linken Schulter (traumatisch) am 23. Januar
[2003] mit Status nach Schulteroperation am 13. Februar [2004] sowie eine
Kettentendinose am rechten Arm mit möglicher rheumatisch-entzündlicher
Komponente (positive ANA) an. Obwohl die Problematik initial klar mechanisch
gewesen sei, scheine wegen der hartnäckigen Therapieresistenz und positiven ANA
doch eine entzündliche rheumatische Komponente präsent zu sein (UV-act. 35). Am 2.
Mai 2005 führte Dr. E._ mit Arztbericht an, beide Schultern der Versicherten zeigten
schmerzlos symmetrische Kraft und gute passive Beweglichkeit. Die aktive
Beweglichkeit beidseits sei aber schmerzhaft, vor allem bei der Abduktion links (UV-
act. 40).
A.i In der Folge veranlasste der zuständige Unfallversicherer eine neurologische,
psychologische und rheumatologische Begutachtung der Versicherten, die am 8.
August 2005 durchgeführt wurde. Im Gutachten vom 10. August 2005 hielt Dr. med.
G._, Rheumatologie und Rehabilitation FMH, als Diagnosen eine chronische
Periarthropathia humeroscapularis links bei Status nach Operation am 13. Februar
2004 wegen einer Rotatorenmanschettenruptur am 23. Januar 2003, eine chronische
Epikondylopathia humeri radialis rechts sowie ein Lumbovertebralsyndrom fest.
Anhaltspunkte für ein entzündlich-rheumatisches Geschehen fehlten (UV-act. 52-2). Im
Gutachten vom 3. September 2005 führte Dr. med. H._, Neurologie FMH, als
Diagnosen einen Status nach Sturz vom 23. Januar 2003 mit Kontusion der Schulter
links, des Beckens und des Knies sowie einen Status nach
Rotatorenmanschettenruptur mit operativer Sanierung am 13. Februar 2004 an.
Neurologisch sei die Versicherte unauffällig. Die Ursache der festgestellten Störung
bilde einzig der Unfall. Insgesamt ergebe sich ein Integritätsschaden von 15% (UV-act.
53-8ff.).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.j Mit Verfügung vom 7. März 2007 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch der
Versicherten auf eine Invalidenrente (UV-act. 60). Im darauffolgenden
Beschwerdeverfahren kam das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen am 3.
Dezember 2008 zum Schluss, dass auf die beiden Gutachten von Dr. G._ und Dr.
H._ zur Beurteilung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit der Versicherten nicht
abgestellt werden könne, da nicht alle erforderlichen Akten beigezogen worden und
keine aktuellen bildgebenden Untersuchungen erfolgt seien. Deshalb habe sich ein
Obergutachten mit der Frage der Arbeitsfähigkeit zu beschäftigen (act. G1.1.10-12).
A.k Am 19. September 2008 ordnete der Unfallversicherer eine weitere medizinische
Begutachtung bei Dr. med. I._, Allgemein- und Unfallchirurgie FMH, Spital J._, an
(UV-act. 75). Im Gutachten vom 1. Oktober 2008 hielt Dr. I._ als Diagnosen eine
diffuse Schmerzsymptomatik im Bereich des Bewegungsapparats mit fehlender
klinischer Objektivierbarkeit und Verdacht auf eine somatoforme Schmerzstörung,
einen Status nach Schulterkontusion links und einen Status nach arthroskopischer
subacromialer Dekompression am 13. Februar 2004 bei Verdacht auf subacromiales
Impingement sowie Verdacht auf eine entzündlich-rheumatologische Erkrankung fest.
Zu den vom Gutachten zu beantwortenden Fragen gab er an, der Unfall vom 23.
Januar 2003 stehe seines Erachtens nicht mehr ursächlich im Zusammenhang mit der
jetzigen Symptomatik. Bei diesem Unfall sei es lediglich zu einer Kontusion der linken
Schulter gekommen, im Anschluss daran möglicherweise zu einer Bursitis
subacromialis, unterhalten auch durch einen vorbestehenden Acromionsporn. Da die
adäquate Therapie aber keinen wesentlichen Erfolg gebracht habe, müsse man davon
ausgehen, dass die Symptomatik nicht auf dieses Problem zurückgehe. Morphologisch
lägen auch keine Veränderungen an dieser linken Schulter vor, insbesondere keine
Rotatorenmanschettenruptur, wie dies fälschlicherweise von vorangehenden Ärzten
festgehalten worden sei. Es sei überwiegend wahrscheinlich, dass die
Gesundheitsstörungen früher oder später auch ohne den Unfall im heutigen Ausmass
aufgetreten wären. Deshalb sei spätestens vier Monate nach dem operativen Eingriff,
d.h. spätestens Ende Juni 2004, der Status quo sine erreicht gewesen. Rein
unfallbedingt liege keine Arbeitsunfähigkeit mehr vor. Zur genauen Evaluation der
allgemeinen Arbeitsfähigkeit müsste eine funktionelle Leistungsfähigkeitsprüfung
durchgeführt werden (UV-act. 78).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.l Mit Verfügung vom 11. Dezember 2008 schloss der Unfallversicherer den
Leistungsfall der Versicherten per 30. Juni 2004 mit der Begründung ab, die
Unfallfolgen seien gemäss Gutachten von Dr. I._ spätestens Ende Juni 2004 als
abgeheilt zu betrachten (UV-act. 93).
B.
B.a Mit Einsprache vom 27. Januar 2009 beantragte der Rechtsvertreter der
Versicherten, RA lic.iur. Adrian Fiechter, Widnau, die Verfügung vom 11. Dezember
2008 sei aufzuheben, der Versicherten seien ab dem 1. Juli 2004 weiterhin die
gesetzlichen Leistungen, insbesondere Taggeldleistungen in der Höhe von Fr. 49.20,
auszurichten und es seien die entsprechenden Heilungskosten zu übernehmen. Zudem
beantragte er die Ausrichtung einer angemessenen Rente ab dem 3. September 2005
sowie einer Integritätsentschädigung von mindestens 15%. Die rechtserhebliche
Kausalität zwischen dem Unfallereignis und den bestehenden Gesundheitsschäden der
Versicherten sei gegeben. Die Versicherte sei vor dem Unfall vom 23. Januar 2003
gesund bzw. beschwerdefrei und zu 100% arbeitsfähig gewesen. Es könne nicht einzig
auf das Gutachten von Dr. I._ abgestellt werden (UV-act. 99).
B.b Der Unfallversicherer wies die Einsprache mit Entscheid vom 9. Februar 2009 ab.
Dabei hielt er fest, das Gutachten von Dr. I._ erfülle die Voraussetzungen der
Rechtsprechung an ein schlüssiges Gutachten vollumfänglich. Deshalb seien die
Leistungseinstellung per 30. Juni 2004 aufgrund des Erreichens des Status quo sine
und somit die Verfügung vom 11. Dezember 2008 korrekt (UV-act. 102).
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid richtet sich die am 16. März 2009 eingereichte
Beschwerde (act. G1). Darin beantragt die Beschwerdeführerin die Verfügung vom
11. Dezember 2008 sowie der Einspracheentscheid vom 9. Februar 2009 seien
aufzuheben. Ferner seien auch für die Zeit ab dem 1. Juli 2004 die gemäss UVG
vorgesehenen Leistungen zu erbringen. Insbesondere sei die Beschwerdegegnerin zu
verpflichten, weiterhin Taggeldleistungen für eine Arbeitsunfähigkeit von 100%
auszurichten und die entsprechenden Heilungskosten zu übernehmen. Im Weiteren
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
beantragt die Beschwerdeführerin eine ganze Rente ab dem 3. September 2005 sowie
eine Integritätsentschädigung von mindestens 15%. Die Beschwerdegegnerin sei zu
verpflichten, auch für die nach Eintritt der Invalidität anfallenden Kosten für die
Heilbehandlung aufzukommen, soweit diese zum Erhalt des Gesundheitszustandes
erforderlich seien. Eventualiter sei ein Obergutachten zur Bestimmung des
Invaliditätsgrads sowie der Höhe des Anspruchs auf Integritätsentschädigung
einzuholen. Zudem sei ihr für das Einspracheverfahren eine Parteientschädigung von
Fr. 2'000.-- auszurichten. Zur Begründung führt die Beschwerdeführerin an, sie sei vor
dem Unfall am 23. Januar 2003 gesund bzw. beschwerdefrei und zu 100% arbeitsfähig
gewesen. Im Weiteren sei erstellt, dass alle behandelnden Ärzte und auch die
Gutachter Dr. G._ und Dr. H._ zumindest von teilweise unfallkausalen
Beschwerden ausgingen. Das Gutachten von Dr. I._, welches die Unfallkausalität
verneine, stehe dazu diametral im Widerspruch. Deshalb seien die Gutachten von Dr.
G._ und Dr. H._ demjenigen von Dr. I._ vorzuziehen. Gemäss Entscheid des
angerufenen Gerichts vom 3. Dezember 2008, wonach den Gutachten G._ und H._
keine genügende Beweiskraft zukomme, fehle es auch dem Gutachten I._ an der
erforderlichen Grundlage zur Ermittlung der Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin.
Aus diesem Grund sei das vom Gericht im IV-Verfahren angeordnete Obergutachten
um die Frage nach der Unfallkausalität der verbliebenen gesundheitlichen
Beschwerden und nach dem Zeitpunkt der Stabilisierung des Gesundheitszustandes
zu ergänzen.
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 27. April 2009 (act. G3) beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdeführerin
verkenne, dass die Frage der aktuellen Arbeitsfähigkeit für das vorliegende Verfahren
nicht relevant sei. Darüberhinaus erläutere Dr. I._ eingehend, weshalb er in Bezug auf
die Diagnosestellung und Unfallkausalität eine abweichende Meinung vertrete. Da die
Gesundheitsstörungen der Beschwerdeführerin früher oder später auch ohne das
Unfallereignis vom 23. Januar 2003 im heutigen Masse aufgetreten wären, seien die
anhaltende Behandlungsbedürftigkeit und die Arbeitsunfähigkeit nicht mehr
unfallbedingt. Der Status quo sine sei Ende Juni 2004 erreicht gewesen.
C.c Mit Replik am 10. Juni 2009 hält der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin an
den gestellten Rechtsbegehren fest (act. G7). Ergänzend begründet er, dass für die bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
heute persistierenden Gesundheitsprobleme gemäss Stellungnahme von Dr. E._ vom
22. Mai 2009 eine Krankheits- sowie Unfallsymptomatik bestehe. Dr. E._ habe
ausserdem festgehalten, dass auch ohne Rotatorenmanschettenruptur unfallkausale
Beschwerden bestehen könnten. Im Gutachten von Dr. I._ fehlten überdies jegliche

Erwägungen, weshalb die Unfallkausalität per Ende Juni 2004 zu verneinen sei, wo sie
doch bis zu jenem Zeitpunkt offensichtlich zu bejahen sei. Die Festlegung dieses
Zeitpunkts erscheine willkürlich. Angesichts des beschwerdefreien Zustands der
Beschwerdeführerin vor dem Unfall erscheine ferner dringend klärungsbedürftig, ob
nicht als Folge des Unfalls rheumatische Beschwerden aufgetreten seien. Deshalb
werde das Gericht ersucht, ein ärztliches Gutachten einzuholen, mit welchem geklärt
werden soll, ob ohne den Unfall ebenfalls Beschwerden im vorliegenden Ausmass
bestehen würden.
C.d Mit Duplik vom 29. Juni 2009 beantragt die Beschwerdegegnerin die Abweisung
der Beschwerde und macht geltend, das Gutachten von Dr. I._ gehe dem Bericht von
Dr. E._ vom 22. Mai 2009 ohne weiteres vor (act. G9).
Erwägungen:
1.
Streitig ist vorliegend, ob die bei der Beschwerdeführerin über den 30. Juni 2004
(Datum der Leistungseinstellung) bestehenden Beschwerden noch natürliche und
adäquate Folge des Unfalls vom 23. Januar 2003 darstellen.
2.
2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) werden Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt. Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers setzt zunächst voraus, dass
zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität,
Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinn des natürlichen
Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der
eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Für die Bejahung des natürlichen
Kausalzusammenhangs ist nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder
unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende
Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität
der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht
weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung
entfiele. Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen
Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die
Verwaltung oder im Beschwerdefall das Gericht nach dem im Sozialversicherungsrecht
üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die
blosse Möglichkeit eines Kausalzusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1; BGE 119 V 337 f. E. 1). Die
Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem
Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang
besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines
Erfolgs zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der
allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des
eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolgs also durch das Ereignis
allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 E. 3.2). Aufgabe des Arztes ist es
dabei, den natürlichen Kausalzusammenhang zu beurteilen, während es dem Gericht
obliegt, die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang zu beantworten (PVG
1984 Nr. 82, 174).
2.2 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers bei einem durch den Unfall
verschlimmerten oder überhaupt manifest gewordenen krankhaften Vorzustand entfällt
erst, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache des
Gesundheitsschadens darstellt, wenn also letzterer nur noch und ausschliesslich auf
unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte)
Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo
ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf
eines krankhaften Vorzustands auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte
(Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b mit Hinweisen).
Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das
Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Da es sich um
eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der
Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist -
nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U
363 S. 46 E. 2 mit Hinweisen). Dabei muss nicht etwa der Beweis für unfallfremde
Ursachen erbracht werden. Welche Ursachen ein nach wie vor geklagtes Leiden hat,
beispielsweise Krankheit oder degenerative Veränderungen, ist unerheblich. Denn es
ist nicht so, dass der Unfallversicherer bei einmal bejahter Unfallkausalität so lange
haftet, als er unfallfremde Ursachen nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
nachzuweisen vermag. Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den
negativen Beweis zu verlangen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliege oder die
versicherte Person nun bei voller Gesundheit sei. Entscheidend ist allein, ob
unfallbedingte Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren
haben, also dahin gefallen sind (Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
[EVG; seit 1. Januar 2007 Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 3.
Januar 2006, i/S. C., E. 2 mit Hinweisen [U 320/05]).
2.3 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das
Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle
Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und
danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts
eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten
begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder
die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a
mit Hinweisen).
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie sei vor dem Unfallereignis am 23.
Januar 2003 gesund bzw. beschwerdefrei und zu 100% arbeitsfähig gewesen. Auch
die behandelnden Ärzte gingen alle zumindest von teilweise unfallkausalen
Beschwerden aus. Dem Gutachten von Dr. I._ vom 1. Oktober 2008, welches den
Status quo sine Ende Juni 2004 festlege, könne keine volle Beweiskraft zukommen. Die
Beschwerdegegnerin hält dagegen das Gutachten von Dr. I._ für verwertbar. Es
erläutere eingehend, weshalb der Arzt in Bezug auf die Diagnosestellung und
Unfallkausalität eine von den vorhergehenden Gutachten abweichende Meinung
vertrete.
3.2
3.2.1 Im Gutachten vom 1. Oktober 2008 führt Dr. I._ aus, die
Beschwerdeführerin leide an einer diffusen Schmerzsymptomatik im Bereich des
Bewegungsapparats mit fehlender klinischer Objektivierbarkeit. Zudem bestehe der
Verdacht auf eine somatoforme Schmerzstörung. Als Diagnosen gibt er einen Status
nach Schulterkontusion links und einen Status nach arthroskopischer subacromialer
Dekompression am 13. Februar 2004 bei Verdacht auf subacromiales Impingement
sowie Verdacht auf eine entzündlich-rheumatische Erkrankung an. In der Anamnese
führt er darüberhinaus aus, die Diagnose einer Rotatorenmanschettenruptur, welche
von Dr. D._, Dr. E._ und Dr. G._ angegeben worden sei, sei falsch. Woher diese
Diagnose komme, sei unklar. Die Beschwerdeführerin weise keine
Rotatorenmanschettenruptur auf und sei dafür auch nicht an der Schulter operiert
worden. Es sei lediglich eine subacromiale Dekompression durchgeführt worden.
Insgesamt sei die Prognose ungünstig, da sich die Symptomatik chronifiziert habe.
Seines Erachtens sei die jetzige Symptomatik auch nicht mehr unfallkausal. Beim Unfall
sei es nämlich lediglich zu einer Kontusion der linken Schulter gekommen, im
Anschluss daran möglicherweise zu einer Bursitis subacromialis, unterhalten auch
durch einen vorbestehenden Acromionsporn. Da die adäquate Therapie mit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
arthroskopischer Dekompression keinen wesentlichen Erfolg gebracht habe, könne
man davon ausgehen, dass die Symptomatik der Beschwerdeführerin nicht auf dieses
Problem zurückzuführen gewesen sei. Deshalb sei spätestens vier Monate nach dem
operativen Eingriff an der linken Schulter, d.h. spätestens Ende Juni 2004, der Status
quo sine erreicht gewesen. Im Weiteren sei allenfalls nochmals eine rheumatologische
Beurteilung vorzunehmen, da in den vorangehenden Arztberichten widersprüchliche
Beurteilungen vorliegen würden. Wenn ein Leiden des rheumatologischen
Formenkreises ausgeschlossen werden könne, spreche dies für die Verdachtsdiagnose
einer somatoformen Störung.
3.2.2 In den UV-Akten finden sich drei Berichte, welche anhand bildgebender
Untersuchungen erstellt und deren Befunde dokumentiert wurden. Der
Radiologiebericht des Spitals A._ vom 11. Februar 2003 an den Hausarzt Dr. D._
hält 19 Tage nach dem Unfall vom 23. Januar 2003 fest, eine frische, insbesondere
komplette Rissbildung mit Muskelretraktion stelle sich nicht dar. Im Weiteren zeige sich
im Bereich des Tuberculum majus eine intraossäre, wahrscheinlich degenerative
zystoide Formation sowie, wahrscheinlich extraossär, eine weitere kleinere zystische
Formation. Ansonsten bestehe der Verdacht auf deutlichere tendinopathische
Veränderungen, möglicherweise auch ältere narbige Residuen (UV-act. 89). Dr. F._
gibt mit Arztbericht vom 22. Dezember 2003 an, radiologisch zeige sich eine diskrete
Spornbildung an der Acromionunterkante. Zudem habe das MRI vom 11. Februar 2003
eine Bursitis subacromialis dargestellt. Die Supraspinatussehne sei etwas aufgetrieben,
aber ohne Rupturzeichen (UV-act. 26). Auch im Operationsbericht des Spitals A._
vom 13. Februar 2004 wird aufgeführt, dass die Rotatorenmanschette keine Läsion
aufweise. Die glenohumeralen Bänder und Sehnen seien intakt. Das posteriosuperiore
Labrum sei diskret ausgefranst (UV-act. 88). Diese drei Arztberichte sind umfassend
und schlüssig formuliert. Sie wurden zeitlich nahe am Unfall erstellt und haben eine
mögliche Rotatorenmanschettenläsion genügend abgeklärt bzw. verneint. Ferner
finden sich in den UV-Akten aber auch Arztberichte, welche die Diagnose einer
Rotatorenmanschettenläsion festhalten. Am 29. April 2003 gab Dr. D._ als Diagnose
der Beschwerdeführerin eine traumatische Rotatorenmanschettenläsion an der linken
Schulter an (UV-act. 13). Im weiteren Verlauf hielt er diese Diagnose wiederholt fest.
Auch Dr. E._ führte im Arztbericht vom 13. Dezember 2004 den Status nach
Rotatorenmanschettenläsion der linken Schulter an (UV-act. 35). In den Gutachten von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Dr. G._ und Dr. H._ wurde sodann die Diagnose einer Rotatorenmanschettenruptur
unbesehen übernommen. Weshalb diese Diagnosen aufgeführt wurden, bleibt unklar.
Es finden sich nämlich keine Hinweise, welche das Vorliegen einer Läsion bzw. Ruptur
der Rotatorenmanschette belegen würden. Die Berichte über eine
Rotatorenmanschettenläsion stützen sich ausserdem jeweils lediglich auf äussere
physiologische Untersuchungen. Es muss daher aufgrund der aussagekräftigen
bildgebenden Erhebungen und insbesondere auch aufgrund des Operationsberichts
des Spitals A._ vom 13. Februar 2004 (UV-act. 88), worin Dr. F._ eine
Rotatorenmanschettenläsion ausdrücklich verneint, als erstellt erachtet werden, dass
bei der Beschwerdeführerin keine Rotatorenmanschettenruptur vorgelegen hat.
3.2.3 Bei der Beschwerdeführerin wurden durch die vorhergehenden Ärzte auch
weitere Diagnosen gestellt. Mit Arztzeugnis UVG vom 17. Februar 2003 gab Dr. D._
an, die Beschwerdeführerin habe eine Kontusion des Beckens und des linken Knies
sowie eine Schulterkontusion mit schwerer Abduktionshemmung und ebenfalls
schmerzbedingter Ante- und Retroversion erlitten (UV-act. 2). Im weiteren Verlauf hielt
Dr. E._ als Diagnose eine Periarthropathia humeroscapularis links, posttraumatisch
fest (UV-act. 14 und 20). Am 22. Dezember 2003 gab Dr. F._ mit Arztbericht den
Verdacht auf ein Impingement-Syndrom mit Acromionsporn und subacromialer Bursitis
an, welcher sich mit Arztbericht vom 2. Juni 2004 bestätigte. Zur Behandlung des
Impingement war am 13. Februar 2004 eine arthroskopische subacromiale
Dekompression durchgeführt worden (UV-act. 26 und 30). Dr. E._ führte mit Bericht
vom 13. Dezember 2004 als weitere Diagnose eine Kettentendinose rechts mit einer
möglichen rheumatisch-entzündlichen Komponente (positive ANA) an (UV-act. 35). Am
4. April 2005 hielt Dr. D._ bei der Beschwerdeführerin ein deutlich ausgeprägtes
Schulter-/Armsyndrom rechts mit einer Supraspinatusentzündung und Kettentendinose
aufgrund der vermehrten Belastung der rechten Schulter fest (UV-act. 39).
3.2.4 Das Gutachten von Dr. I._ vom 1. Oktober 2008 setzt sich mit sämtlichen
Vorakten auseinander. Dabei legt dieser Arzt nachvollziehbar dar, auf welche
Erhebungen er die gezogenen Schlussfolgerungen stützt. Die von ihm gestellten
Diagnosen weichen sodann auch nicht wesentlich von den begründeten Befunden der
vorangehenden Arztberichte ab. Vor dem operativen Eingriff an der linken Schulter
führten Dr. D._, Dr. E._ und Dr. F._ als Diagnosen der Beschwerdeführerin
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
allgemeine Funktionseinschränkungen der linken Schulter an. Die genannte
Periarthropathia humeroscapularis gilt als Sammelbezeichnung für verschiedene
degenerative Prozesse im Bereich des Schultergelenks, die zu einer schmerzhaften
Bewegungseinschränkung führen (Pschyrembel, Medizinisches Wörterhbuch, Berlin
2004, S. 1389). Als subacromiale Bursitis wird eine Schleimbeutelentzündung im
Gelenkbereich unterhalb des Schulterdachs bezeichnet (vgl. Pschyrembel, a.a.O., S.
275). Dr. F._ bestätigte im weiteren Verlauf, dass bei der Beschwerdeführerin ein
Impingement-Syndrom in der linken Schulter vorliege. Darunter ist eine
Funktionsbeeinträchtigung des Schultergelenks durch chronische Überlastung zu
verstehen (vgl. Pschyrembel, a.a.O., S. 855), wobei sich das Impingement-Syndrom,
die Periarthropathia humeroscapularis sowie eine subacromiale Bursitis gegenseitig
bedingen können (vgl. Pschyrembel, a.a.O., S. 1389f.). Dr. I._ führte in seinem
Gutachten u.a. die Diagnosen einer diffusen Schmerzsymptomatik im Bereich des
Bewegungsapparats mit fehlender klinischer Objektivierbarkeit und den Verdacht auf
eine somatoforme Schmerzstörung auf. Diese werden wiederum durch die erhobenen
Befunde umfassend und schlüssig begründet. Da die zuvor angeführten
Veränderungen im linken Schultergelenk vor dem operativen Eingriff diagnostiziert
worden sind, kann in der genannten Diagnose von Dr. I._ kein Widerspruch erkannt
werden. Nach dem operativen Eingriff am 13. Februar 2004 wurden im Weiteren von
den behandelnden Ärzten eine Kettentendinose rechts mit einer möglichen
rheumatisch-entzündlichen Komponente sowie eine Supraspinatusentzündung als
Diagnosen festgehalten. Die von Dr. I._ im Gutachten angegebenen Diagnosen des
Verdachts auf eine entzündlich rheumatologische Erkrankung sowie des Status nach
arthroskopischer subacromialer Dekompression bei Verdacht auf Impingement
stimmen somit mit den vorangehenden Erhebungen überein.
3.2.5 Als wesentliche Neuerung wird im Gutachten von Dr. I._ das Erreichen
des Status quo sine postuliert. Dabei wird festgehalten, dass der Unfall vom 23. Januar
2003 nicht mehr ursächlich mit der jetzigen Symptomatik im Zusammenhang stehe. Da
die adäquate Therapie mit arthroskopischer subacromialer Dekompression keinen
wesentlichen Erfolg gebracht habe, müsse man davon ausgehen, dass die
Gesundheitsstörung nicht auf die gedachte Problematik zurückzuführen gewesen sei.
Nach dem Unfall am 23. Januar 2003 wurden von den behandelnden Ärzten
Funktionseinschränkungen der linken Schulter diagnostiziert. Im weiteren Verlauf
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bestätigte sich ein Impingement-Syndrom im linken Schultergelenk mit Acromionsporn.
Aufgrund dieser Diagnose führte Dr. F._ am 13. Februar 2004 eine arthroskopische
subacromiale Dekompression durch. Im Arztbericht vom 2. Juni 2004 hielt er daraufhin
fest, vier Monate nach dem operativen Eingriff habe sich keine wesentliche
Verbesserung eingestellt. Normalerweise kann bei einem Impingement-Syndrom
infolge Kontusion einer gesunden Schulter, bei adäquater Behandlung mit einer
wesentlichen Besserung oder Heilung gerechnet werden. Dabei sollte nach vier
Monaten eine wesentliche Besserung eingetreten sein (vgl. Dr. med. Walter Selig,
Schulterimpingement-Syndrom, http://www.hirslanden.com/images/
Publ_Impingement.pdf; Daniel Rikli, Impingement ohne Riss der Rotatorenmanschette,
http://www.danielrikli.ch/praxis/patienteninformation/behandlungsspektrum/
obereextremitaet/schulter/rotatorenmanschette/impingement-ohne-riss.html). Da der
operative Eingriff vorliegend nicht viel gebracht hat, kann der Einschätzung von Dr.
I._ gefolgt werden, wonach die eigentliche Ursache der gesundheitlichen Störung der
Beschwerdeführerin nicht (nur) im nach dem Unfall diagnostizierten Befund gelegen
hat. Am 27. November 2003 wurde darüberhinaus bei den radiologischen
Untersuchungen der Beschwerdeführerin eine diskrete Spornbildung an der
Acromionunterkante festgestellt (UV-act. 26). Es kann deshalb nicht ausgeschlossen
werden, dass die funktionelle Beeinträchtigung des linken Schultergelenks durch den
vorbestehenden Acromionsporn unterhalten wurde. Auch die im weiteren Verlauf
erfolgte Ausweitung der Symptome auf die rechte Schulter sowie das Vorfinden
entzündlich-rheumatischer Komponenten deuten eher auf eine degenerative oder
autoimmune Erkrankung, denn auf unfallbedingte Beschwerden hin. Es kann daher
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die
heute bestehenden Gesundheitsstörungen der Beschwerdeführerin ursächlich auf den
Unfall am 23. Januar 2003 zurückzuführen sind.
3.3 Insgesamt erfüllt das Gutachten von Dr. I._ die Voraussetzungen der
Rechtsprechung hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts (vgl. BGE 125 V 352
E. 3a). Das allgemeinmedizinische Gutachten vom 1. Oktober 2008 ist umfassend,
medizinisch fundiert und schlüssig begründet. Es wurde in Kenntnis der Vorakten
sowie unter Beachtung der geklagten Beschwerden vorgenommen. Aufgrund der
bereits umfangreich erhobenen Aktenlage und eigener Untersuchungen war es Dr. I._
möglich, objektiv nachvollziehbare Diagnosen zu stellen. In der Anamnese sowie in der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Stellungnahme zu den von der Beschwerdegegnerin gestellten Fragen, begründet er
zudem hinreichend, weshalb und inwiefern sein Gutachten von den vorhergehenden
Arztberichten abweicht. Dementsprechend kann das Gutachten als beweiskräftig
gelten. Es stellt denn auch eine aktuelle Erhebung des Zustands der
Beschwerdeführerin sowie ihrer Arbeitsfähigkeit für das UV-Verfahren dar. Zur
Berechnung des Invaliditätsgrads im UV-Verfahren kann dagegen nicht direkt auf die
Gutachten im IV-Verfahren abgestellt werden. Denn die Ermittlung des jeweiligen
Invaliditätsgrads stützt sich auf unterschiedliche Faktoren. Die Gutachten von Dr. G._
und Dr. H._ aus dem IV-Verfahren können vorliegend zudem nicht als Grundlage
herangezogen werden, da sie mit Entscheid des hiesigen Gerichts vom 3. Dezember
2008 (IV 2007/171) als mangelhaft und damit als nicht genügend beweiskräftig
qualifiziert wurden.
3.4 Im Sinn des Gutachtens von Dr. I._ gilt damit mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit als erstellt, dass die jetzige Symptomatik der Beschwerdeführerin
früher oder später auch ohne den Unfall am 23. Januar 2003 aufgetreten wäre. Die
unfallbedingten Ursachen des Gesundheitsschadens haben somit ihre kausale
Bedeutung verloren. Deshalb ist spätestens vier Monate nach dem operativen Eingriff
am 13. Februar 2004 das Erreichen des Status quo sine anzunehmen. Somit hat die
Beschwerdegegnerin zu Recht ihre Leistungen per 30. Juni 2004 eingestellt.
4. Gemäss Art. 52 Abs. 3 Satz 2 ATSG wird im Einspracheverfahren in der Regel
keine Parteientschädigung zugesprochen. Die Formulierung wurde so gewählt, um die
Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung zu ermöglichen (vgl. Ueli Kieser,
ATSG-Kommentar, Art. 52 ATSG N. 28). Die Beschwerdeführerin hat im
Einspracheverfahren kein Begehren um eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung
gestellt. Im Beschwerdeverfahren kann also nur ein möglicher Anspruch auf eine
reguläre Parteientschädigung für das Einspracheverfahren zur Diskussion stehen.
Selbst wenn es zulässig wäre, unter besonderen Umständen ausserhalb der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung eine Parteientschädigung zuzusprechen (vgl.
Ueli Kieser, a.a.O., Art. 52 ATSG N. 28), was angesichts der höchstrichterlichen
Rechtsprechung kaum zutreffen dürfte, bestehen doch vorliegend keine derartigen
Umstände. Denn der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hatte im
Einspracheverfahren keine übermässigen Aufwendungen zu tätigen. Der Fall bot weder
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht besondere Schwierigkeiten (vgl. BGE 130 V
570 E. 2.2ff.). Dementsprechend konnte auch die Einspracheschrift des
Rechtsvertreters mit vier übersichtlichen Seiten knapp und verständlich gehalten
werden. Die Zahl der involvierten Parteien entspricht vorliegend einem
durchschnittlichen UV-Verfahren mit Beschwerdeführerin, Beschwerdegegnerin sowie
behandelnden und begutachtenden Ärzten. Weder darin noch in der teilweisen
Parallelität des IV- und UV-Verfahrens kann eine ungewöhnliche Komplexität erkannt
werden. Das entsprechende Beschwerdebegehren ist deshalb abzuweisen.
5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
angefochtenen Einspracheentscheids vom 9. Februar 2009 abzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG