Decision ID: 2fb45b58-4403-4226-af52-e96eb06a0198
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1982,
ist Mutter zweier Kinder (geboren 2010 und 2012,
Urk.
6/11
Ziff.
3.1). V
om
1.
September 2008
bis zur Kündigung des Arbeitsverhältnisses per
3
0.
April 2013
war sie
als Schwesternhilfe Pflege im
Y._
angestellt. Der letzte Arbeitstag war am 2
0.
Januar 2012 (
Urk.
6/15/1-2
Ziff.
1, 2.1
-
2.3 und 2.7).
Die Versicherte meldete sich am 2
5.
März 2013 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/11). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog Akten des Krankentaggeldversicherers (
Urk.
6/14) bei
und holte
beim
Z._
ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am 1
0.
Juni 2014 erstattet wurde (
Urk.
6/32).
Am
1
2.
Juni 2014 stellte die IV-Stelle
den Gutachtern des
Z._
Ergänzungsfra
gen
zum Gutachten
(
Urk.
6/34). Die Gutachter nahmen dazu
am 1
2.
November 2014 Stellung (
Urk.
6/44).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/47-55) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
8.
April 2015 (
Urk.
6/56 =
Urk.
2) einen Anspruch der Versicherten auf IV-Leistungen.
2.
2.1
Die Versicherte erhob am 2
7.
Mai 2015 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
8.
April 2015 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen auszurichten (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-2 oben).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
6.
Juni 2015 (
Urk.
5) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
1.
Juli 2015 z
ur Kenntnis gebracht (
Urk.
7).
2.2
Mit Verfügung vom 1
2.
November 2015 (
Urk.
8) stellte das Gericht den Guta
ch
tern des
Z._
Ergänzungsfragen
.
Prof.
Dr.
med. A._
,
Z._
,
hielt mit
Schreiben vom
1
1.
März
2016
fest
,
die Fragen nicht
zu
beantworte
n,
da das Gut
achten als abgeschlossen zu betrachten
sei
(
Urk.
13 S. 2).
Die Beschwerdeführerin reichte dem Gericht
sodann
am 1
2.
Februar
2016 (
Urk.
11
) einen Arztbericht vom 2
9.
Januar 2016 (
Urk.
12)
ein
. Eine Kopie des Berichtes wurde
der
Beschwerdegegnerin am
8.
A
pril 2016 zur Kenntnis ge
bracht
(
Urk.
14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person
bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu ver
werten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der ver
sicherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Mit
BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ur
sache und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 u
nd an
schliessende Urteile) ange
passt und festgehalten, dass die Invaliditätsbemessung stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berücksichti
gen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen niederschlagen muss. Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit bezweckte die durch BGE
130 V 352 begründete Rechtspre
chung die Sicherstellung eines gesetzmässigen
Versi
cherungsvollzuges
mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe beziehungsweise (seit
E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der Überwindbarkeitsvermutung. Deren Rechtsnatur kann offen bleiben. Denn an dieser Rechtsprechung ist nicht festzuh
alten. Das bishe
rige Regel/Ausnahme-Modell wird durch ein st
rukturier
tes Beweisverfahren er
setzt. An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – ausschliessliche Berücksichtigung der Folgen der gesundheitlichen Beeinträchti
gung und objektivierte Zumutbarkeitsprüfung bei materieller Beweisl
ast der rentenansprechenden Per
son (Art. 7 Abs. 2 ATSG) – ändert sich dadurch
nichts. An die Stelle des bishe
rigen Kriterienkatalogs (bei anhaltender somatoformer
Schmerzstörung und vergleichbaren psychosomatischen Leiden) treten im Re
gel
fall beachtliche Stan
dardindikatoren. Diese lassen sich in die Ka
tegorien
Schwe
regrad
und Konsis
tenz der funktionellen Auswirkungen einteilen. Auf den Be
griff des primären Krankheitsgewinnes und die
Präponderanz
der psychiatri
schen
Komorbidität ist zu verzichten. Der Prüfungsraster ist rechtlich
er Natur. Recht und Medizin wir
ken sowohl bei der Formulierung der
Standardindikato
ren
wie auch bei deren – rechtlich gebotener – Anwendung im Einzel
fall zu
sammen. Im Grunde konkre
tisieren die in E. 4 und 5 formulierten Beweisthemen und Vor
gehensweisen für die Invaliditätsbemessung bei psychosomatischen Leiden die gesetzgeberischen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die
Aner
kennung eines rentenbegrün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, w
enn die funktio
nellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen
Anspruchs
g
rundlage
im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nach
gewiesen sind.
Fehlt e
s da
ran, hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wi
e vor die mate
riell beweisbelas
tete versicherte Person zu tragen (E. 6).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die
Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
relevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
prüfte
einen Leistungsanspruch der Beschwerdeführe
rin nach der
zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung geltenden
Rechtspre
chung des Bundesgerichts (BGE 130 V 352 und spätere Urteile), wonach eine diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerzstörung und ähnliche
patho
ge
netisch-ätiologisch
unklare
syndromale
Beschwerdebilder ohne nachweisbare organische Grundlage allein in der Regel keine Invalidität zu begründen ver
m
ochten
.
Die Beschwerdegegnerin kam
gestützt auf die Rechtsprechung
zum Ergeb
nis, dass d
as Leiden der Beschwerdeführer
in
aus objektiver Sicht über
wind
bar
sei
und keinen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung
be
gründe
(
Urk.
2
S. 2 oben).
2.2
Die Beschwerdeführerin
brachte
demgegenüber
in der Beschwerde
insbesondere
vor,
die diag
nostizierte affektive Störung (Depression und Angst gemischt)
ge
höre nicht zu den
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwer
debildern
und d
ie sogenannten F
oe
rster-Kriterien seien daher nicht anzu
wen
den
.
Da die von den Gutachtern attestierte
Arbeitunfähigkeit
von 50 % auf die Diagnose Angst und Depression gemischt in Verbindung mit der
histrionischen
Persönlichkeitsstörung zurückzuführen sei, gehe es nicht an, vom beweis
kräf
tigen Gutachten abzuweichen
(
Urk.
1
).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Invali
denrente hat.
3.
3.1
Der Krankentaggeldversicherer
gab
ein neurologisches Gutachten bei
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Neurologie,
C._
, in Auftrag, das
a
m
6.
März 2013 erstattet wurde (
Urk.
6/14/13-23).
Dr.
B._
nannte als Diagnosen ein
e
residuelle
sensible
radikuläre
Reizsymp
tomatik
bei L4 rechts
(
Differentialdiagnose
Saphenus
-Neuropathie
)
b
ei einem
Status nach vorübergehenden aktenanamnestisch
mul
tiradikulären
Läsionen nach
periduraler
Anästhesie am 3
0.
Juli 2012 ohne elektrodiagnostische Hinweise auf eine relevante strukturelle motorische Schä
digung der Wurzeln L3 bis S1 rechts.
Des Weiteren
diagnostizierte sie ein
chro
nifiziertes
hochlumbales funktionell und durch
Dekonditionierung
überlagertes Schmerzsyndrom (S. 9
Ziff.
4).
Die aktuellen Schmerzen seien sowohl objektiv wie auch subjektiv von
der Be
schwerdeführerin selber geäussert stark durch ihren
emotionellen Zustand
mit
bedingt
. Aus rein neurologischer Sicht könne lediglich
noch
eine leichte sen
sible
radikuläre
Residualsymptomatik der Wur
zel L4 bestätigt werden. Diese sei im
Rahmen der Arbeitsfähigkeit
jedoch
irrelevant, weil die Beschwerdefüh
rerin
, wie sie
selber angebe, mit der lei
ch
ten Sensibilitäts-Alteration problemlos umgehen könn
t
e, wenn nicht die ausserordentlich heftigen Schmerzen und der schlechte emotionale Zustand vorhanden wäre
n (S. 9 f.
Ziff.
5)
.
Dr.
B._
hielt weiter fest,
ein neuropathisches Schmerzsyndrom
könne
auf jeden Fall aus
ge
schl
o
ssen
werden
. Was die heftigen hochlumbalen Schmerzen betreffe, so
seien diese ebenfalls vorwiegend funktio
neller Natur und verstärkt durch eine aus
geprägte Schonhaltung mit einer er
heblichen
Dekonditionierung
, was zu kom
pen
satorischen Verspannungen der Muskulatur führe (S. 10
Ziff.
5 oben).
Aus rein neurologischer Sicht
sei
die Patientin grundsätzlich auch in ihrem ange
stammten Beruf als Pflegehelferin zu 100
%
arbeitsfähig. Die effektive Ar
beitsfähigkeit müsse von psychiatrischer Seite beurteilt werden (S. 10
Ziff.
6).
3.2
V
om 1
6.
Mai bis 1
2.
Juni 2013
war die Beschwerdeführerin
in der
D._
in ambulanter
psychia
tri
scher
Behandlung (
Urk.
6/19
Ziff.
1.2).
Dr.
med.
E._
, Assistenzärztin, und
Dr.
med.
F._
,
Ober
ärztin
,
nannten
im Bericht vom 1
7.
Juli 2013 (
Urk.
6/19)
als Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine mittelgradige depressive Episode, eine chronische Schmerzstörung mit somati
schen und psychischen Faktoren, ein
en dringenden
Verdacht auf eine posttrauma
tische Belastungsstörung und eine psychosoziale Belastungssituation (S. 1 f.
Ziff.
1.1).
Die Ärzte des
D._
erachteten
die bisherige Tätigkeit aus
medizinischer Sicht
als
nicht
mehr
zumutbar (S.
5
Ziff.
1.7 Mitte).
3.3
3.3.1
Die Beschwerdegegnerin holte beim
Z._
ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am 1
0.
Juni 2014 erstattet wurde (
Urk.
6/32).
Das Gutachten beruht auf den fachärztlichen Untersuchungen
der Beschwerdeführerin
i
n den Bereichen
All
gemeine Innere Medizin, Orthopädie, Neurologie und Psychiatrie
, die vom
7.
bis 1
0.
April 2014
stattfanden
(S.
1),
und
auf
den
den
Gutachtern zur Verfügung ge
stellten Akten (S. 3 oben).
Dr.
med.
G._
, Fachärztin
für
Allgemeine Innere Medizin, führte aus, die Beschwerdeführerin habe angegeben, dass sie keine Arbeit im Haushalt ver
richten könne. Um den Haushalt und die Kinder kümmerten sich die Schwäge
rin und der Ehemann (S. 8
Ziff.
3.1). Bei der am 3
0.
Juli 2012 geplanten Sectio in der Klinik
H._
sei es sehr lange nicht gelungen, die
Periduralanästhesie
zu setzen. Nach der Geburt habe
die Beschwerdeführerin
während Stunden kein Gefühl in den Beinen gehabt. Zunehmend seien brennende Schmerzen im Rücken und im rechten Bein aufgetreten (S. 9
Ziff.
3.3).
Die Gutachterin notierte, aus
internistischer Sicht liege kein invalidisierendes Leiden vor (S. 13
Ziff.
4.1.3).
3.3.2
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, führte aus, die Beschwerdeführerin habe vor der
Peri
duralanästhesie
anlässlich der Geburt des zweiten Kindes keine
Rückenbe
schwerden
gehabt. Sie habe
noch während der zweiten Schwangerschaft zu 100
%
als Pflegehelferin arbeiten können (S. 14
Ziff.
4.2.1).
Im Anschluss
an die
Periduralanästhesie
habe sie auch Rückenschmerzen bemerkt
(S.
14
Ziff.
4.2.2).
Von orthopädischer Seite finde sich klinisch eine
Druckdolenz
hochlumbal, ein leichter paravertebraler linksseitiger Hartspann lumbal und eine
mässiggradige
Bewegungseinschränkung der Wirbelsäule bei aktiver Prüfung. Das MRI vom
2
0.
September 2013 zeige absolut unauffällige Verhältnisse (S.
16
Ziff.
4.2.5 unten).
Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit lasse sich aus orthopädischer Sicht nicht begründen.
3.3.3
Gegenüber der neurologischen Gutachterin, Dr. med.
J._
, beschrieb die Beschwerdeführerin permanente Schmerzen im Bereich der unteren Brust- und Lendenwirbelsäule mit Schmerzausstrahlung ins rechte Bein. Seit der
Peridu
ralanästhesie
sei sie nie mehr schmerzfrei gewesen, wobei es bessere und schlechtere Tage gebe. Durch die permanenten Schmerzen sei ihre Lebens
qualität stark beeinträchtigt und sie habe sogar an Weihnachten 2013 versucht, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Die Therapie der Beschwerden bestehe derzeit in einer medikamentösen Behandlung, da Physiotherapie zu einer Verschlech
terung geführt habe und daher beendet worden sei (S. 31 Ziff. 4.3.2).
Dr.
J._
erklärte, zurzeit liege
residuell
noch eine Sensibilitätsstörung vor allem im
Dermatom
S1 rechts vor, während sich eine motorische Läsion nicht nachweisen lasse (S. 19 Ziff. 4.3.5). Aus rein neurologischer Sicht wäre die Ver
sicherte infolge der permanent empfundenen Schmerzen im Bereich der Wirbel
säule allenfalls mit einem verminderten Rendement von etwa 10 % einsetzbar. Die effektive Arbeitsfähigkeit sei aber zusätzlich von der Psychiaterin zu beur
teilen (S. 20 Ziff. 4.3.8).
3.3.4
Prof.
Dr.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
hielt
fest, die Beschwerdeführerin habe angegeben, dass sich ihre Stimmung erst etwa drei Monate
nach der Geburt verändert habe, letztendlich infolge der Schmer
zen. Seither gehe es ihr immer schlechter. Seit Anfang 2013 erfolge eine psychi
atrische Behandlung
(S.
22
Ziff.
4.4.2).
Unter dem Titel Befunde notierte die Gutachterin, d
ie Beschwerdeführerin sei wach und leidlich orientiert. Das Datum könne sie jedoch nur bezüglich Monat und Jahr nennen. Sie wisse, dass sie in
K._
sei,
weitere
Details könne sie nicht angeben
. Ihr Bruder habe sie
zur Untersuchung
gebracht
. Die Stimmung sei gedrückt.
Die Beschwerde
führerin
schil
dere Freudlosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Daneben bestünden Ängste und Panikattacken. Dabei komme es auch zu illusionären Verkennungen (Schatten hinter der Schulter, S.
22 f.
Ziff.
4.4.3)
und es bestehe eine latente Suizidalität
. Prof.
A._
stellte die psychi
atrischen Diagnosen Angst und De
pression gemischt
(F41.2)
, anhaltende somatoforme Schmerstörung
(F45.4
)
und
nannte
d
en
Verdacht auf
eine
histrionische
Persönlich
keitsstörung
(
F60.4,
S. 23
Ziff.
4.4.4).
D
ie Beschwerden mit gedrückter Stimmung, sozialem Rückzug, reduzierter Belast
barkeit, Störungen von Appetit und Libido und latenter Suizidalität seien mit einer anhaltenden depressiven Symptomatik vereinbar. Gleichzeitig bestün
den Ängste - zum Teil paranoid anmutend mit illusionären Verkennungen - und Panikattacken. Insgesamt seien daher die Kriterien einer gemischten Stö
rung aus Angst und Depression erfüllt. Die somatischen Beschwerden seien nicht ausreichend durch körperliche Befunde zu erklären und würden einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung entsprechen. Daneben sei der Ein
druck einer die Symptomatik stark beeinflussenden
histrionischen
Persönlich
keitsstörung
entstanden
. Dazu passe die dramatisierend-theatralische
Beschwer
deschilderung
, das selbstbezogene und kränkbare Verhalten sowie das für die Vergangenheit geschilderte Verlangen nach aufregender Spannung und nach Aktivitäten, bei denen sie im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehe
. Es seien eine
Chronifizierung
und eine gewisse Therapieresistenz zu verzeichnen
(S.
23
Ziff.
4.4.5).
Eine posttraumatische Belastungsstörung bestehe sicher nicht. Kei
nes der
erforderlichen
Kriterien sei erfüllt. Auch di
e Diagnosekriterien einer
postpa
rtalen
Depression seien nicht erfüllt (S. 24
Ziff.
4.4.6).
3.3.5
Aus interdisziplinärer Sicht hielten die Gutachter fest, von
organischer Seite könne letztlich keine wesentliche Einschränkung der Ar
beitsfähigkeit begründet werden. Aus psychiatrischer Sicht leide die Beschwer
deführerin unter einer somatoformen Schmerzstörung, vermutlich einer
Persön
lichkeitsstörung
sowie einer affektiven Störung. Bezüglich der somatoformen Schmerzstörung bestehe eine Komorbidität, wie
dies
auch in den psychiatrischen Voruntersuchungen festgestellt worden sei. In Würdigung der subjektiv emp
fundenen Schmerzen und der Sensibilitätsstörung
sei daher davon auszugehen
, dass die Beschwer
de
führerin zu 50
%
beeinträchtigt sei. Es sei
jedoch
festzuhalten, dass ein weiteres Schonverhalten der Beschwerdeführerin zu einer zunehmenden
Chro
nifi
zierung
des Leidens führen werde. Die Beschwerdeführerin müsse weiter ei
ner ange
messenen psychiatrischen Therapie zugeführt werden.
Eine solche
sei ihr zu
mutbar
(S. 27 f.).
Hinsichtlich des Verlaufs der Arbeitsfähigkeit notierten die Gutachter, die genannte Einschätzung habe ab dem Zeitpunkt der Begutachtung Geltung. Für die Zeit davor sei davon auszugehen, dass die Arbeitsunfähigkeit grösser gewe
sen sei: so hätten einerseits noch sensomotorische Ausfälle bei L4 bestanden und sei andererseits im Verlaufe des Jahres 2013 noch eine mittelgradige de
pressive Episode diagnostiziert worden (S. 28 Ziff. 8).
Die Gutachter nannten als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit Angst und Depression gemischt sowie eine anhaltende somatoforme
Schmerz
störung
(S. 28
Ziff.
7).
Daneben
stellte
sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 28
Ziff.
8):
Verdacht auf
histrionische
Persönlichkeitsstörung
hochlumbales Schmerzsyndrom mit
residueller
sensibler Reizsymptomatik S1 rechts bei Status nach vorübergehender (aktenanamnestisch)
multiradi
kulärer
Läsion nach
Periduralanästhesie
am 3
0.
Juli 2012 ohne elektrodi
agnostische Hinweise auf motorische Schädigung der Wurzeln L3-S1 rechts
Nackenschmerzen mit anamnestisch intermittierender Schmerzausstrahlung ins
Dermatom
C6 links ohne
radikuläre
Ausfälle
Nikotinabusus
Übergewicht
D
e
r
Beschwerdeführerin
sei
ab dem Zeitpunkt des Gutachtens in der ursprüng
lichen Tätigkeit als Pflegeassistentin wieder
ein
Pensum von 50
%
zumutbar
. Eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit sei grund
sätzlich denkbar
, insbesondere bei Einhaltung einer regelmässigen psych
i
atrischen Therapie
(S. 29
Ziff.
10).
3.4
Die Beschwerdegegnerin
ersuchte die Gutachter des
Z._
mit Schreiben vom 1
2.
Juni 2014 (
Urk.
6/34) um
eine
Stellungnahme zum Verlauf der Arbeitsunfä
higkeit seit Juli 201
2.
I
m Hinblick auf die Diagnose einer anhaltenden somato
formen
Schmerzstörung wurde
n
die Gutachter
zudem um eine Stellungnahme
zu den F
oe
rster-Kriterien
gebeten.
Dr.
I._
und Prof.
A._
,
Z._
,
nahmen hierzu
am 1
2.
November
2014
(
Urk.
6/44)
Stellung
. Die Gutacht
er
führten hinsichtlich der
F
oe
rster-Kriterien a
us
, die Beschwerdeführerin könne selber keinen Zusam
menhang zwischen den psychosozialen Faktoren und ihrer Befindlichkeit her
stellen. Sie sei von einer ausschliesslich somatischen Verursachung überzeugt. Die Beschwerdeführerin habe ihr Leben auf die geklagten Beschwerden und Schmerzen ausgerichtet.
Diese seien jetzt Mittelpunkt ihres Lebens. Auch das psychosoziale Umfeld scheine
sich dem inzwischen angepasst zu haben (S.
1). Zur bisherigen Be
handlung ergebe sich, dass diese wenig wirksam sei. Es fänden sich jedoch auch Hinweise auf eine erhebliche Non-Compliance, die mit der fehlenden Einsicht
in einen
Zusammenhang zur seelischen Befindlichkeit zu
sammenhängen könnte.
Insofern seien Behandlungs- und
Rehabilitationsmass
nahmen
bisher sicher nich
t ausreichend konsequent durchgeführt worden. Auch deshalb bestehe
eine ziem
liche
G
efahr der
Chronifzierung
. Eine
weitere Be
handlung solle gege
benenfalls bald erfolgen (S. 2).
Zum Verlauf der Arbeitsunfähigkeit hielten die Gutachter fest, die Arbeits
unfähigkeit habe seit Juli 2012 bestanden. Zuvor sei die Beschwerdeführerin zu 100
%
als Pflegeassistentin tätig gewesen. Aus Sicht der Gutachter könne die Be
schwerdeführerin zumindest ab dem Datum des Gutachtens in ihrer ur
sprüng
lichen Tätigkeit als Pflegeassistentin mit 50
%
zu arbeiten beginnen (S. 2).
4.
4.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
4.2
Nach wie vor kann eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit nur
anspruchser
heblich
sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchtigung ist, die fach
ärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist.
Hieran hat auch die überarbeitete
Rechtsprechung nach BGE 141 V 281 nichts geändert (vgl. dessen E.
2.1).
Die
Sachverständigen sollen die Diagnose einer anhaltenden somatoformen
Schmerz
störung
so begründen, dass die Rechtsanwender nachvollziehen können, ob die
klassifikatorischen
Vorga
ben tatsächlich eingehalten sind. Dem diagnose-in
h
ä
renten
Schweregrad
der somatofo
rmen Schmerzstörung ist vermehrt
Rechnung zu tragen
. Als „vorherr
schende Beschwerde“ verlangt wird „ein andauernder, schwerer und quälender Schmerz“
(Urteil des Bundesgerichts 8C_478/2015 vom 1
2.
Februar 2016, E. 3.3).
4.3
Die Gutachter des
Z._
kamen zum Ergebnis, dass die Beschwerdeführerin auf
grund
der diagnostizierten
Angst und Depression gemischt und einer anhalten
den somatoformen Schmerzstörung in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt
sei
.
Laut Gutachten
konnte ihr
aber
ab dem
Zeitpunkt des Gutachtens
zugemutet werden, ihre Arbeit als Pflegeassi
stentin mit einem Pensum von 50
% wieder aufzunehmen (E. 3.3.
5
hiervor).
Prof.
A._
gab
im psychiatrischen Teil des Gutachtens
zur
Diagnose einer an
haltenden somatoformen Schmerzstörung
einzig
an
,
die somatischen Beschwer
den
seien
nicht ausreichend durch körperliche Befunde zu erklären (E.
3.3.
4
).
Mit diesen Angaben
lässt sich
aber
nicht abschätzen, ob die Diagnosekriterien einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung erfüllt sind.
Insbesondere fehlen nachvollziehbare Angaben zur Ausprägung der
diagnose
relevanten
Befunde, hielten die Gutachter doch vielmehr fest, die von der Ver
sicherten beklagten Schmerzen könnten - da die Gutachter ja ganz auf die Angaben der Beschwerdeführerin angewiesen seien - vorhanden sein oder auch nicht, was ebenso auf die Sensibilitätsstörung zutreffe (Urk. 6/32/27, 29). Im Weiteren mangelt es an der Auseinandersetzung mit der Frage, ob
Aus
schluss
gründe
vorliegen (keine medizinische Behandlung; demonstrativ vorgetragene Klagen, Behauptung schwerer Einschränkungen im Alltag bei weitgehend intaktem psychosozialen Umfeld; vgl. BGE 141 V 281 E. 2.2.1) und wurde trotz entsprechender Hinweise die Compliance der medizinischen Therapie nicht überprüft (Urk. 6/32/24). Schliesslich findet sich keine ausführliche Diskussion der aktuellen Persönlichkeitsstruktur der Beschwerdeführerin und ihrer Ressour
cen und sind zum Tagesablauf der Versicherten und ihrer Familie nur knappe Angaben enthalten, welche eine kritische Würdigung der Auswirkungen der geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit in allen vergleichbaren Lebensbereichen nicht zulassen.
4.4
Wenngleich gemäss altem Verfahrensstandard eingeholte Gutachten nicht per se ihren Beweiswert verlieren (BGE 137 V 210), erlaubt die vorliegende medizi
ni
sche Aktenlage dennoch keine schlüssige Beurteilung im Lichte der Indikatoren
gemäss BGE 141 V 281. Insbesondere lassen sich gestützt auf das Gutachten des
Z._
die bei der Beschwerdeführerin relevanten Indikatoren nicht abschliessend beurteilen. Nachdem sich die Gutachter des
Z._
ausserstande sahen, die Ergän
zungsfragen des hiesigen Gerichts zu beantworten (Urk. 13) sowie in Anbetracht dessen, dass sie eine Neubeurteilung in zwei Jahren empfahlen (Urk. 6/32/29), vermögen ergänzende Abklärungen nicht zu genügen, sondern wird die
Be
schwer
de
gegnerin
eine neue Begutachtung zu veranlassen haben.
Die Beschwerde ist somit in dem Sinne gutzuheissen, dass die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist,
damit diese eine
(
polydisziplinäre
)
Begut
achtung der Beschwerdeführerin veranlasse. Dabei ist der mit BGE 141 V 281
geänderten Rechtsprechung Rechnung zu tragen. Anschliessend hat die
Be
schwer
degegnerin
über einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf IV-Leis
tungen neu zu verfügen. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG. Vorliegend sind die Kosten auf
Fr.
700.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Die Parteikosten werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht,
GSVGer
). Vorliegend ist die Beschwerdeführerin mit
Fr.
2‘0
00.-- (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer)
zu entschädigen.