Decision ID: 14dbc89b-ff0a-55ef-81f3-0b9cf4425eb2
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X.Y. besitzt den Führerausweis seit 1968. Am 26. Juli 2013 wurde er wegen einer
Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn von 80 km/h
um 22 km/h verwarnt.
B. Am Sonntag, 15. Juni 2014, lenkte X.Y. um 19.45 Uhr einen Personenwagen auf der
Rosengartenstrasse in Arbon in Richtung Bahnhof. Bei der Einfahrt in den
Webschiffkreisel bog er nach links ab und befuhr den Kreisverkehrsplatz im
Uhrzeigersinn entgegen der gebotenen Fahrtrichtung. Er bog danach vom Kreisel nach
links in die St. Gallerstrasse ein, passierte den Bahnübergang und setzte die Fahrt auf
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der Bahnhofstrasse in Richtung Horn fort. Die Staatsanwaltschaft Bischofszell büsste
ihn deswegen am 13. April 2015 wegen einfacher Verkehrsregelverletzung mit
CHF 900. Nach Rückzug der dagegen erhobenen Einsprache wurde der Strafbefehl am
15. Mai 2015 rechtskräftig.
C. Wegen des Vorfalls vom 15. Juni 2014 eröffnete das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen am 15. Oktober 2015 gegen X.Y. ein
Administrativmassnahmeverfahren und entzog ihm am 5. November 2015 den
Führerausweis wegen einer mittelschweren Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer eines Monats. Die
Verwaltungsrekurskommission hiess den dagegen erhobenen Rekurs am 28. April 2016
teilweise gut. Sie beurteilte die – unbestrittene – Verkehrsregelverletzung als leichte
Widerhandlung. Die mangelnde Aufmerksamkeit und das Fehlverhalten des –
ortsunkundigen – Lenkers stufte sie noch als leichtes Verschulden und die verursachte
Gefährdung – mangels anderer Angaben ging sie davon aus, im Zeitpunkt der
Verkehrsregelverletzung habe kein Verkehrsaufkommen geherrscht und sei kein
Fussgänger zugegen gewesen, und X.Y. sei langsam und nur einen kurzen
Streckenabschnitt in die falsche Richtung gefahren – als gering ein. Da X.Y. am 26. Juli
2013 verwarnt worden sei und er die neuerliche Widerhandlung vor Ablauf von zwei
Jahren begangen habe, sei der Führerausweis für die Dauer von einem Monat zu
entziehen. Dies entspreche der Mindestentzugsdauer, welche nicht unterschritten
werden dürfe.
D. X.Y. (Beschwerdeführer) erhob gegen den Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) vom 28. April 2016 mit Eingabe seines
Rechtsvertreters vom 13. Mai 2016 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den
Rechtsbegehren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei der angefochtene
Entscheid, soweit ihm damit der Führerausweis wegen leichter Widerhandlung für
einen Monat entzogen wird, aufzuheben. Der Entzug des Führerausweises sei
aufzuheben, eventualiter die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz
zurückzuweisen.
Die Vorinstanz verwies mit Vernehmlassung vom 30. Mai 2016 auf die Erwägungen im
angefochtenen Entscheid und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Das
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Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt (Beschwerdegegner) verzichtete am 13. Juni
2016 auf eine Vernehmlassung.
Auf die Begründung des angefochtenen Entscheides und die Ausführungen des
Beschwerdeführers zur Begründung seiner Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 941.1, VRP). Der Beschwerdeführer,
dessen Rekurs gegen den vom Beschwerdegegner verfügten Führerausweisentzug die
Vorinstanz mit dem angefochtenen Entscheid lediglich teilweise gutgeheissen hat, ist
zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP).
Die Beschwerde gegen den Rekursentscheid vom 28. April 2016 wurde mit Eingabe
vom 13. Mai 2016 rechtzeitig erhoben und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht
die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist deshalb einzutreten.
2. Bei Verkehrsregelverletzungen, die nach dem Ordnungsbussengesetz (SR 741.03) zu
beurteilen sind, werden keine Administrativmassnahmen angeordnet (Art. 16 Abs. 2
des Strassenverkehrsgesetzes; SR 741.01, SVG). Alle anderen Widerhandlungen gegen
das Strassenverkehrsgesetz können dagegen Administrativmassnahmen nach sich
ziehen (BGer 1C_406/2010 vom 29. November 2010 E. 2.1). Gemäss Art. 16a SVG
begeht eine leichte Widerhandlung, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine
geringe Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes
Verschulden trifft (Abs. 1 lit. a). Nach einer leichten Widerhandlung wird die fehlbare
Person verwarnt, wenn in den vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis nicht
entzogen war und keine andere Administrativmassnahme verfügt wurde (Abs. 3). In
besonders leichten Fällen wird auf jegliche Massnahme verzichtet (Abs. 4). Ein
besonders leichter Fall im Sinn von Art. 16a Abs. 4 SVG liegt nach der Rechtsprechung
vor, wenn die Verletzung von Verkehrsregeln eine besonders geringe Gefahr für die
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Sicherheit anderer geschaffen hat und den fehlbaren Fahrzeuglenker dafür nur ein
besonders leichtes Verschulden trifft (BGer 6A.52/2005 vom 2. Dezember 2005 E.
2.2.3). Die Auslegung des „besonders leichten Falles“ im Sinn von Art. 16a Abs. 4 SVG
kann sich an den Verkehrsregelverletzungen orientieren, die nach dem
Ordnungsbussengesetz erledigt werden und keine Administrativmassnahmen nach
sich ziehen (BGer 1C_406/2010 vom 29. November 2010 E. 4.2). Mit einer
Ordnungsbusse von CHF 100 können Motorfahrzeugführer wegen Nichtbeachtens des
Vorschriftssignals „Kreisverkehrsplatz“ bestraft werden (Art. 1 Abs. 1 des
Ordnungsbussengesetzes, SR 741.03, OBG, in Verbindung mit Ziff. 304.15 des
Anhangs 1 zu Art. 1 der Ordnungsbussenverordnung, SR 741.031, OBV). Zu prüfen ist,
ob der Beschwerdeführer eine Verkehrsregel verletzt (dazu nachfolgend Erwägung 3)
und dadurch zumindest eine leichte Widerhandlung begangen hat (dazu nachfolgend
Erwägung 4) und welche Administrativmassnahme gegebenenfalls gerechtfertigt ist
(dazu nachfolgend Erwägung 5).
3. Gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG sind Signale zu befolgen. Das Signal
„Kreisverkehrsplatz“ (2.41.1) zeigt bei kreisförmigen Plätzen die Richtung –
Gegenuhrzeigersinn – an, die der Verkehr im Kreis einzuhalten hat; es steht vor der
Einfahrt unter dem Signal „Kein Vortritt (3.02) und kann auf der Mittelinsel wiederholt
werden. In Verbindung mit dem Signal „Kreisverkehrsplatz“ zeigt das Signal „Kein
Vortritt“ dem Führer an, dass er den im Kreis von links herannahenden Fahrzeugen den
Vortritt lassen muss (Art. 24 Abs. 4 der Signalisationsverordnung; SR 741.21, SSV). In
tatsächlicher Hinsicht ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer am Sonntagabend,
15. Juni 2014, in Arbon den Personenwagen mit dem amtlichen Kennzeichen
SG 00000 von der Rosengartenstrasse her kommend auf dem Webschiffkreisel im
Uhrzeigersinn, also entgegen der gebotenen Fahrtrichtung lenkte. Damit hat er Art. 27
Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 24 Abs. 4 SSV verletzt.
4. Auf eine Administrativmassnahme ist zu verzichten, wenn den Lenker ein besonders
leichtes Verschulden trifft (dazu nachfolgend Erwägung 4.1) und er durch die
Verletzung der Verkehrsregel nur eine besonders geringe Gefahr für die Sicherheit
anderer geschaffen hat (dazu nachfolgend Erwägung 4.2).
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4.1. Der Beschwerdeführer erachtet sein Verschulden als besonders leicht. Der
„Kreisel“ sei insbesondere für einen erstmaligen Passanten optisch nicht als Kreis
wahrnehmbar, weil er aus zwei mit 120 Meter langen Geraden verbundenen
Halbkreisen bestehe. Die Verkehrsführung sei für die Erfassung der Gesamtsituation
sehr unglücklich. Bei der Anfahrt südwärts mache die Strasse erst am Ende eines
langen Gebäudes einen „Knick“ nach rechts hin zum „Kreisverkehr“. Das
entsprechende Signal am rechten Strassenrand sei deshalb lange überhaupt nicht
sichtbar und stehe vor einem Fussgängerstreifen. Auf der linken Seite befänden sich
sechs, für den südwärts anfahrenden Lenker „blinde“ Wegweiser. Es entstehe der
Eindruck, der Lenker solle nicht in Richtung halbrechts, also südwärts korrekt in den
„Kreisverkehr“ einfahren. Insbesondere der ortsunkundige Lenker könne sich auch
nicht an einem auf der „Insel“ stehenden Kreisverkehrssignal neu orientieren, wenn er
die „Haifischzähne“ an der Einfahrt erreicht habe, zumal es vorschriftswidrig dort kein
solches Signal gebe. Die Signalisation dieser ungewöhnlichen Verkehrssituation sein
ungenügend.
Die Verkehrssituation mag dem ortsunkundigen Beschwerdeführer als nicht
standardmässig erschienen sein. Dieser Umstand hätte ihn aber zu erhöhter
Aufmerksamkeit führen müssen. Dass der Lenker in einen – wenn auch gestreckten –
Kreis einfährt, ist mit der Tafel 2.41.1 „Kreisverkehrsplatz“ unterhalb der Tafel 3.02
„Kein Vortritt“ klar signalisiert (vgl. www.streetview.ch). Die Strasse, in welche der
südwärts fahrende Lenker einbiegt, verläuft in einem Halbkreis, wie er sich bei jeder
Einfahrt in einen Kreisverkehrsplatz zeigt. Die Strassenfläche, auf welche der Lenker
einbiegt, ist nicht – wie dies bei verschiedenen Fahrtrichtungen auf derselben Fahrbahn
der Fall ist – mittels Leit- und Sicherheitslinien in entsprechende Fahrstreifen unterteilt
(vgl. Art. 74 Abs. 1 SSV). Dass sämtliche links der Zufahrt stehenden sechs Wegweiser
für den südwärts anfahrenden Lenker „blind“ sind, zeigt ihm offenkundig an, dass er
unabhängig von seinem Fahrziel hinsichtlich der einzuschlagenden Richtung keine
Wahl hat. Der Strassenverlauf mit dem „Knick“ nach rechts vor der Einfahrt weist
darauf hin, dass die einzuschlagende Richtung nach rechts – und nicht nach links, was
in der Tat eine „Spitzkehre“ voraussetzen würde – verläuft. Bei der gebotenen
Aufmerksamkeit wird auch dem ortsunkundigen Lenker klar, welche Richtung er bei
der Einfahrt in die vortrittsberechtigte Strasse einzuschlagen hat. Anweisungen des
Navigationsgeräts entbinden ihn nicht davon, sich selbst ein eigenes Bild der Regelung
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des Verkehrs zu machen. Sie dürfen nicht dazu führen, dass – wie der
Beschwerdeführer schildert (vgl. act. 9/9 Seite 20) – der Lenker, der „an eine solche
Situation komme“ „unbewusst“ den Anweisungen des Navigationsgerätes folgt. Solche
Anweisungen können Art. 27 Abs. 1 SVG selbstredend nicht ausser Kraft zu setzen.
Unter den dargelegten Umständen erscheint das Verschulden des Beschwerdeführers
bei der Missachtung der Signale 2.41.1 und 3.02 nicht mehr als besonders leicht. Dass
die Verkehrsregelung mit der Wiederholung des Signals 2.41.1 „Kreisverkehrsplatz“
oder mit einem zusätzlichen Signal – beispielsweise im Kreisel mit dem Signal
„Fahrtrichtung rechts“ (2.32, Art. 24 Abs. 1 Ingress und lit. a der
Signalisationsverordnung, SR 741.21) – trotz der rechtmässigen und ausreichenden
bestehenden Signalisation zufolge ungenügender Aufmerksamkeit aufkommenden
Zweifeln begegnen könnte, ändert nichts daran.
4.2. Der Beschwerdeführer macht geltend, sein Verhalten habe mangels anderer
Verkehrsteilnehmer zu keinerlei Gefährdung geführt. Die Vorinstanz hat zugunsten des
Beschwerdeführers auf seine Aussagen abgestellt, wonach zum Zeitpunkt seines
Fehlverhaltens kein Verkehrsaufkommen herrschte und kein Fussgänger zugegen war.
Die Abwesenheit von anderen Verkehrsteilnehmern vermöge indessen nicht
auszuschliessen, dass sein Verhalten für diese eine erhöhte – diesfalls abstrakte –
Gefahr darstelle (mit Hinweis auf BGer 1C_656/2015 vom 8. April 2016 E. 2.6). Es treffe
nicht zu, dass niemand von seinem Fehlverhalten hätte betroffen werden können. Wer
einen Verkehrskreisel in die entgegen gesetzte Fahrtrichtung befahre, schaffe jedenfalls
eine abstrakte Gefahr. Die Konkretisierung und Verwirklichung dieser Gefahr sei
vorliegend möglich gewesen, habe doch nicht ausgeschlossen werden können, dass
von der Bahnhofstrasse her ein anderer Verkehrsteilnehmer in den Webschiffkreisel
einfahren werde, welcher nicht mit dem in verbotener Richtung fahrenden
Beschwerdeführer habe rechnen müssen. In diesem Fall wäre eine Kollision nicht
unwahrscheinlich gewesen. Mangels anderer Angaben müsse zugunsten des
Beschwerdeführers aber auch angenommen werden, dass er langsam und nur einen
kurzen Streckenabschnitt in die falsche Fahrtrichtung des Webschiffkreisel gefahren
sei. Jedoch sei ihm die Verursachung einer geringen Gefährdung im Sinn von Art. 16a
Abs. 1 lit. a SVG vorzuhalten.
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Verstösse gegen Verkehrsregeln stellen abstrakte Gefährdungsdelikte dar. Im
Unterschied zu den konkreten Gefährdungsdelikten enthalten sie die Gefahr nicht als
Deliktsmerkmal, sondern bedrohen ein Verhalten vielmehr wegen seiner typischen
Gefährlichkeit mit einer Sanktion. Es ist damit grundsätzlich unmassgeblich, ob im
Einzelfall tatsächlich ein Rechtsgut gefährdet wurde. Aus der dogmatischen
Einordnung der Gefährdungsdelikte wird in Bezug auf die Geschädigtenstellung
gefolgert, dass es bei bloss abstrakten Gefährdungsdelikten keine Geschädigten im
Sinn von Art. 115 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung (SR 312.0, StPO)
gibt, es sei denn jemand werde als Folge der Begehung eines solchen Deliktes,
vorliegend einer Verkehrsregelverletzung doch konkret gefährdet (vgl. BGE 138 IV 258
E. 3.1.2; R. Schaffhauser, Die neuen Administrativmassnahmen des
Strassenverkehrsgesetzes, in: R. Schaffhauser [Hrsg.], Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrechts 2003, St. Gallen 2003, S. 161 ff., Rz. 44).
Entsprechend Art. 16 Abs. 2 SVG ziehen Verkehrsregelverletzungen, welche im
Ordnungsbussenverfahren behandelt werden können, unabhängig vom Ausmass des
Verschuldens keine Administrativmassnahme nach sich. Verkehrsregelverletzungen im
Geltungsbereich des Ordnungsbussengesetzes können strafrechtlich gemäss Art. 2
Ingress und lit. a OBG nur dann im Ordnungsbussenverfahren erledigt werden, wenn
der Täter dadurch keine Personen gefährdet oder verletzt hat. Nach der
Rechtsprechung zu dieser Bestimmung ist das Ordnungsbussenverfahren nicht nur bei
einer konkreten, sondern bereits bei einer erhöhten abstrakten Gefährdung von
Personen ausgeschlossen (BGer 6B_520/2015 vom 24. November 2015 E. 1.3 mit
Hinweis auf BGE 114 IV 63 E. 3). Ordnungsbussenverfahren finden nur auf
Widerhandlungen Anwendung, die objektiv höchstens eine abstrakte Gefährdung
anderer Verkehrsteilnehmer geschaffen haben. Für die Anordnung einer
Administrativmassnahme genügt die schuldhafte Verkehrsregelverletzung für sich allein
nicht. Vielmehr setzt insbesondere die Anordnung eines Warnungsentzugs eine vom
Lenker verschuldete, konkrete oder jedenfalls zumindest leicht erhöhte abstrakte
Gefährdung anderer Personen voraus. Die abstrakte Gefährdung als solche reicht nicht
aus. Eine erhöhte abstrakte Gefahr besteht, wenn die Möglichkeit einer konkreten
Gefährdung oder Verletzung naheliegt (vgl. beispielsweise BGer 6A.19/2006 vom 16.
Mai 2006 E. 2, 1C_3/2008 vom 18. Juli 2008 E. 5.2; vgl. Ph. Weissenberger,
Kommentar Strassenverkehrsgesetz und Ordnungsbussengesetz, 2. Aufl. 2015, N 3 zu
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Art. 2 OBG, N 6 der Vorbemerkungen zu Art. 16a-c SVG). Ob eine solche Gefährdung
vorliegt, hängt von den jeweiligen Verhältnissen des Einzelfalls ab (BGer 1C_184/2011
vom 31. Oktober 2011 E. 2.4.2, 1C_156/2010 vom 26. Juni 2010 E. 4 mit Hinweisen).
Das Befahren eines Kreisels entgegen der gebotenen Fahrtrichtung ist grundsätzlich
geeignet, eine erhebliche Gefahr für entgegen kommende Verkehrsteilnehmer zu
schaffen. Das Verhalten des Beschwerdeführers zwang ihn zudem, beim Einbiegen
nach links in die St. Galler-Strasse, eine Sperrfläche zu überfahren (vgl.
www.geo.tg.ch). An einem Sonntagabend muss im Zentrum von Arbon mit Verkehr,
insbesondere auch mit Rad-, Motorfahrrad- und Motorradfahrern und Fussgängern
gerechnet werden. Wenn im konkreten Fall davon auszugehen ist, dass sich keine
anderen Verkehrsteilnehmer im Gefahrenbereich befanden, schliesst dies deshalb die
Anordnung einer Administrativmassnahme nicht aus. So ist auch bei der
Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit innerorts von 50 km/h um 16 km/h eine
besonders leichte Widerhandlung im Sinn von Art. 16a Abs. 4 SVG ungeachtet der
konkreten Umstände zu verneinen und ein zwingender Verwarnungstatbestand zu
bejahen (BGer 1C_22/2009 vom 17. September 2009 E. 2.2, 1C_438/2012 vom 17.
Juni 2013 E. 2.2.1 mit Hinweisen). Der Beschwerdeführer hat zumindest eine leicht
erhöhte abstrakte Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer geschaffen. Im Übrigen hat der
Beschwerdeführer den Strafbefehl vom 13. April 2015, mit welchem er im ordentlichen
Verfahren mit CHF 900 gebüsst worden war, unangefochten rechtskräftig werden
lassen. Insbesondere hat er nicht geltend gemacht, die Widerhandlung hätte im
Ordnungsbussenverfahren abgewickelt werden müssen, weil die Voraussetzungen für
dessen Ausschluss gemäss Art. 2 Ingress und lit. a OBG nicht erfüllt gewesen seien.
Dementsprechend ist die Vorinstanz zu Recht davon ausgegangen, dass der
Beschwerdeführer mit seinem Verhalten nicht lediglich eine bloss abstrakte Gefahr,
welche die Anordnung einer Administrativmassnahme ausschliessen würde, verursacht
hat. Ob sie noch als besonders gering im Sinn von Art. 16a Abs. 4 SVG erscheint, kann
angesichts des nicht mehr besonders leichten Verschuldens des Beschwerdeführers
offen bleiben.
5. Nach einer leichten Widerhandlung wird der Lernfahr- oder Führerausweis gemäss
Art. 16a Abs. 2 SVG für mindestens einen Monat entzogen, wenn in den
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vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis entzogen war oder eine andere
Administrativmassnahme verfügt wurde. Am 26. Juli 2013 wurde der Beschwerdeführer
wegen einer Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn
von 80 km/h um 22 km/h verwarnt. Die neuerliche Widerhandlung beging er am
15. Juni 2014, mithin vor Ablauf zweier Jahre nach dieser Verwarnung. Die Vorinstanz
hat ihm deshalb den Führerausweis zu Recht gestützt auf Art. 16a Abs. 2 SVG für die
Dauer eines Monats entzogen. Dabei handelt es sich um eine Mindestentzugsdauer,
die gemäss Art. 16 Abs. 3 Satz 2 SVG nicht unterschritten werden darf. Die Hinweise
des Beschwerdeführers auf seine sehr hohe berufliche Fahrleistung, seine besondere
Sanktionsempfindlichkeit und seinen abgesehen von der Verwarnung seit mehr als 40
Jahren einwandfreien automobilistischen Leumund sind deshalb unbehelflich (vgl. BGE
141 II 220 E. 3.3.3, 135 II 334 E. 2.2, 138 E. 2.4, 132 II 234 E. 2).
6. (...).