Decision ID: b1663964-709d-467a-9bb4-837aa73285fc
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_006
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Verwaltungsgericht entnimmt den Akten:
A.
1.
Der b.sche Staatsangehörige A. (geb. tt.mm. 1974) reiste am 2. August
2000 im Alter von 26 Jahren mit einem Visum in die Schweiz ein, um zwei
seiner hier ansässigen Schwestern zu besuchen. Das für einen Monat
erteilte Visum wurde in der Folge um weitere zwei Monate, bis zum
2. November 2000, verlängert.
2.
Mit Urteil vom 17. Dezember 2003 sprach das Bezirksgericht C. A. des
mehrfachen Mordes, der mehrfachen unrechtmässigen Aneignung sowie
der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über Aufenthalt und
Niederlassung der Ausländer vom 26. März 1931 (ANAG) schuldig,
verurteilte ihn zu einer lebenslänglichen Zuchthausstrafe (abzüglich 1'109
Tagen Untersuchungshaft) und verwies ihn für die Dauer von 15 Jahren
des Landes.
A. hatte am 16. Oktober 2000 in den frühen Morgenstunden drei
Landsfrauen aus dem Nachtclub-Milieu vor einer Bar bzw. in einer Disco in
Zürich kennengelernt. Gegen 6.00 Uhr verliessen alle gemeinsam die
Disco und fuhren an den Wohnort des ersten Opfers in Q. Dort ange-
kommen konsumierten sie während einer längeren Zeitspanne Alkohol und
Kokain. Gegen 11.00 Uhr legten sich die drei Opfer auf das Doppelbett und
A. auf ein Liegesofa hin. Gemäss Polizeibericht stand A. in der Folge auf,
schlug rund um sich und tötete alle drei Opfer auf äusserst grausame Art
mit übermässiger Gewaltanwendung im Sinne eines sog. "Overkills". Allen
drei Opfern seien Verletzungen durch stumpfe Gewalt sowie Stich- und
Schnittverletzungen zugefügt worden. Dem dritten Opfer wurde etwa eine
17 cm lange, bis auf die Wirbelsäule reichende Schnittwunde am Hals
zugefügt (Durchtrennung der Halsschlagader und der Halsvene). Bei allen
drei Opfern sei der Tod innerhalb weniger Minuten nach Beibringung der
Halsverletzungen eingetreten. Den Verwüstungen der Räumlichkeiten
nach seien alle drei Opfer vor ihrem Tod über eine längere Zeitspanne mit
Gewalttätigkeiten konfrontiert gewesen. Nach der Tötung nahm A. den
Opfern verschiedene Gegenstände ab, verwischte Beweismaterial und
beseitigte einige Spuren am Tatort. Alsdann entfernte er sich aus der
Wohnung, bestellte sich ein Taxi und liess sich nach Zürich chauffieren.
Nach seiner Verhaftung am 4. Dezember 2000 machte er geltend, sich
aufgrund der kombinierten Einnahme von Alkohol und Kokain nicht mehr
an die Tat und vor allem auch an das Motiv erinnern zu können. Einen Streit
mit den Opfern bzw. eine sexuelle Tatkomponente stellte er stets in Abrede.
Das Gericht ging davon aus, dass ein schwerer Rauschzustand nicht belegt
- 3 -
werden könne und weder eine toxisch bedingte noch eine affektbedingte
Amnesie gegeben seien.
3.
A. befand sich vom 4. Dezember 2000 bis zum 22. Januar 2002 in
Untersuchungshaft, anschliessend im vorzeitigen Strafvollzug in der Jus-
tizvollzugsanstalt (JVA) Lenzburg. Seit dem 17. Dezember 2003 verbüsst
er die ihm mit Urteil des Bezirksgerichts C. von diesem Datum auferlegte
lebenslängliche Zuchthausstrafe, bis 20. Dezember 2004 in der JVA
Lenzburg, danach in den Etablissements de la Plaine de l'Orbe und seit
dem 28. März 2007 in der Interkantonalen Strafanstalt (IKS) Bostadel. Am
19. April 2018 wurde er wieder in die JVA Lenzburg versetzt.
4.
Das Departement für Volkswirtschaft und Inneres (DVI), Amt für Justizvoll-
zug (AJV), prüfte bei Ablauf der Mindestdauer für eine bedingte Entlassung
aus dem Strafvollzug bei einer lebenslangen Freiheitsstrafe am 2. Dezem-
ber 2015 ein erstes Mal eine bedingte Entlassung von A. und sah von einer
solchen ab. Die begründete Verfügung datiert vom 15. Januar 2016. Die
dagegen erhobene Beschwerde von A. wies das Verwaltungsgericht mit
Urteil WBE.2016.89 vom 13. Juni 2016 ab. Die strafrechtliche Abteilung
des Bundesgerichts bestätigte diesen Entscheid mit Urteil 6B_809/2016
vom 31. Oktober 2016.
Mit Verfügungen vom 22. Dezember 2016, 19. Dezember 2017, 30. No-
vember 2018 (begründete Fassung vom 11. Januar 2019), 18. Dezember
2019 und 8. Dezember 2020 (begründete Fassung vom 11. Januar 2021)
verweigerte das AJV A. weiterhin die bedingte Entlassung aus dem
Strafvollzug. Die Verfügung vom 8. Dezember 2020 bzw. 11. Januar 2021
wurde vom Verwaltungsgericht mit Urteil WBE.2021.34 vom 29. März 2021
und vom Bundesgericht mit Urteil 6B_557/2021 vom 18. August 2021
bestätigt.
B.
Am 27. Oktober 2021 stellte A. beim AJV sein bislang jüngstes Gesuch um
bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug. Am 2. Dezember 2021 verfügte
das AJV:
1. Das Gesuch von A. um bedingte Entlassung wird abgewiesen.
2. Die bedingte Entlassung wird spätestens nach Ablauf eines Jahres erneut geprüft.
3. [Zustellung]
- 4 -
Auf Gesuch von A. vom 7. Dezember 2021 erliess das AJV am 20. Januar
2022 eine begründete Verfügung mit gleichem Dispositiv.
C.
1.
Dagegen reichte A. am 15. Februar 2022 (Datum Postaufgabe)
Beschwerde beim Verwaltungsgericht ein, mit den Anträgen:
Das Verwaltungsgericht des Kantons Aargau:
1. möge der Beschwerde stattgeben, die Verfügung kostenpflichtig ersatzlos auflösen und dem Antrag auf bedingte Entlassung und Ausschaffung in die b.sche Republik stattgeben.
In eventue
2. möge der Beschwerde stattgeben, die Verfügung kostenpflichtig ersatzlos auflösen und die Rechtssache unter Ansicht der Erstinstanz  zur neuerlichen Entscheidung und dem Antrag der bedingten  und Ausschaffung in die b.sche Republik stattgeben.
2.
Mit Beschwerdeantwort vom 2. März 2022 übermittelte das AJV dem Ver-
waltungsgericht die Vollzugsakten und beantragte die kostenfällige Abwei-
sung der Beschwerde.
3.
Diesem Antrag und der dazu gegebenen Begründung schloss sich die mit
Verfügung des instruierenden Verwaltungsrichters vom 3. März 2022 zum
Verfahren beigeladene Oberstaatsanwaltschaft mit Eingabe vom 8. März
2022 an, ohne eigene Ausführungen in der Sache zu machen.
D.
Das Verwaltungsgericht hat den Fall auf dem Zirkularweg entschieden (§ 7
des Gerichtsorganisationsgesetzes vom 6. Dezember 2011 [GOG;
SAR 155.200]).

Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung:
I.
1.
Das Beschwerdeverfahren gegen Entscheide der Vollzugsbehörden betref-
fend den Straf- und Massnahmenvollzug richtet sich nach dem Gesetz über
die Verwaltungsrechtspflege (Verwaltungsrechtspflegegesetz, VRPG;
- 5 -
SAR 271.200) vom 4. Dezember 2007 (§ 55a Abs. 1 des Einführungsge-
setzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung vom 16. März 2010 [EG
StPO; SAR 251.200]). Gemäss § 54 Abs. 1 VRPG ist gegen letztinstanzli-
che Entscheide der Verwaltungsbehörden die Verwaltungsgerichtsbe-
schwerde zulässig. Vorbehalten bleiben Sonderbestimmungen in anderen
Gesetzen (§ 54 Abs. 3 VRPG). Erstinstanzliche Entscheide des Departe-
ments Volkswirtschaft und Inneres, welche die Entlassung aus dem Straf-
und Massnahmenvollzug oder die Aufhebung einer Massnahme betreffen,
sind direkt beim Verwaltungsgericht anfechtbar (§ 55a Abs. 2 EG StPO).
Das Verwaltungsgericht ist somit für die Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig.
2.
Die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen
Anlass. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu-
treten.
3.
Mit der Beschwerde ans Verwaltungsgericht können die unrichtige oder un-
vollständige Feststellung des Sachverhalts sowie Rechtsverletzungen, ein-
schliesslich Ermessensüber- und -unterschreitung oder Ermessensmiss-
brauch, gerügt werden (§ 55 Abs. 1 VRPG). Obwohl § 55 Abs. 3 VRPG in
Fällen der vorliegenden Art keine Angemessenheitskontrolle vorsieht, ist
eine solche gestützt auf Art. 6 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Men-
schenrechte und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 (EMRK; SFR
0.101) und die dazu ergangene Praxis geboten (vgl. BGE 147 I 259,
Erw. 1.3.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_983/2020 vom 3. Novem-
ber 2020, Erw. 1.3).
II.
1.
1.1.
Das AJV geht mit Verweis auf die Akten, namentlich das psychiatrische
Gutachten von Dr. med. D. vom 23. Juni 2014, die Beurteilung der
Konkordatlichen Fachkommission zur Beurteilung der Gemeingefähr-
lichkeit von Straftätern (KoFako) vom 4. Februar 2015, die Entscheide des
Verwaltungsgerichts WBE.2016.89 vom 13. Juni 2016 und WBE.2021.34
vom 29. März 2021, die Urteile des Bundesgerichts 6B_809/2016 vom
31. Oktober 2016 und 6B_557/2021 vom 18. August 2021 und den Voll-
zugsbericht der JVA Lenzburg vom 2. Dezember 2021, von einer weiterhin
ungünstigen Legalprognose für den Beschwerdeführer aus. Seit den Urtei-
len des Verwaltungsgerichts vom 29. März 2021 und des Bundesgerichts
vom 18. August 2021 seien hinsichtlich der prognoserelevanten Umstände
keine wesentlichen Veränderungen eingetreten, welche die Legalprognose
massgeblich und nachhaltig positiv beeinflussen würden. Zwischenzeitlich
habe der Beschwerdeführer zwar eine freiwillige Therapie aufgenommen
- 6 -
und der Therapeut befürworte in seinem Bericht (vom 12. November 2021;
Vorakten, act. 06 014 ff.) eine bedingte Entlassung. Angesichts der erst
kurzen Therapiedauer bestünden jedoch weiterhin Fragezeichen und den
Einschätzungen des Therapeuten könne sich die Vollzugsbehörde nicht
vorbehaltlos anschliessen.
Beispielhaft sei erwähnt, dass der Beschwerdeführer gemäss Therapiebe-
richt samt Ergänzungen vom 29. November 2021 (Vorakten, act. 06 027 f.)
nach wie vor "alle anderen Problembereiche und Risikofaktoren" ausser die
deliktrelevanten Risikofaktoren Alkohol- und Kokainkonsum (diesbezüglich
scheine eine gewisse Einsicht zu bestehen, deren Qualität aber ebenfalls
einer gutachterlichen Beurteilung unterzogen werden müsse) bestreite.
Deshalb sei deren Behandlung und Bearbeitung bislang nicht möglich ge-
wesen. Inwiefern die somatischen Beschwerden des Beschwerdeführers
und sein Glaube als praktizierender Katholik Schutzfaktoren für die Verhin-
derung weiterer Straftaten darstellten, werde vom Therapeuten nicht weiter
begründet. Aus Sicht der Vollzugsbehörde seien diese Umstände jedenfalls
nicht selbsterklärend und deren Relevanz sollte gutachterlich beurteilt wer-
den. Auch erscheine der Vollzugsbehörde das therapeutisch attestierte ge-
ringe Rückfallrisiko nicht als schlüssig und vermöge die bisherige Risikoein-
schätzung gemäss forensisch-psychiatrischem Gutachten von Dr. med. D.
vom 23. Juni 2014 (Vorakten, act. 07 72–157) nicht zu entkräften.
Aufgrund von erst sieben Therapiestunden im Berichtszeitraum könne oh-
nehin nicht erwartet werden, dass nachhaltige Veränderungen/Verbes-
serungen in wesentlichen Punkten erfolgt seien. Eine hinreichend fundierte
deliktpräventive Auseinandersetzung mit dem begangenen Delikt habe
noch nicht stattgefunden und in der Therapie sei weiter intensiv an den in
der Behandlungsvereinbarung festgehaltenen Themen zu arbeiten. Es sei
unverändert unklar, weshalb der Beschwerdeführer die drei Morde began-
gen habe und welche Rolle der Konsum (von Alkohol und Kokain) dabei
gespielt habe. Gemäss dem Urteil des Bezirksgerichts C. vom
17. Dezember 2003 (Vorakten, act. 02 006–026) und dem diesem zugrun-
deliegenden forensisch-psychiatrischen Gutachten von Dr. med. E. vom
3. April 2003 (Vorakten, act. 07 023–065) sei höchstens von einer
mittelgradigen Alkohol- und Kokainintoxikation auszugehen. Vor diesem
Hintergrund seien das Verständnis der Zusammenhänge und Klarheit
darüber, welcher Faktor letztlich für die erbarmungslose Gewaltanwendung
überhandgenommen habe, wichtig. Sachlogisch und erfahrungsgemäss
habe die Entwicklung von Strategien zur Verhinderung von Rückfallen auf
einer Deliktanalyse zu beruhen. Weiter fehle es der Vollzugsbehörde an
therapeutisch erarbeiteten wirksamen suchtpräventiven Strategien, die
nicht nur intramural, sondern auch extramural im Falle einer bedingten Ent-
lassung greifen würden.
- 7 -
Aufgrund der vom Beschwerdeführer aktuell aufgenommenen Therapie sei
vorgesehen, ihn neu begutachten zu lassen, wobei sich das Gutachten zum
Vollzugsverlauf, zum Therapieverlauf, zur Rückfallgefahr sowie zur Frage
der bedingten Entlassung äussern solle. Damit werde auch der Forderung
des Bundesgerichts im Urteil 6B_557/2021 vom 18. August 2021 nach ei-
ner Aktualisierung des Gutachtens entsprochen. Gemäss Vereinbarung mit
der Gutachterin (F.) sollte das Gutachten bis Mitte Juli 2022 vorliegen.
Danach werde auch über eine neue Vorlage an die KoFako zu entscheiden
und die Problematik neu zu evaluieren sein.
1.2.
Der Beschwerdeführer rügt einmal mehr (wie schon in seiner Beschwerde
gegen die Verfügung des AJV vom 11. Januar 2021), dass die Verweige-
rung seiner bedingten Entlassung den Empfehlungen im Gutachten von
Dr. med. D., in der Beurteilung der KoFako (Vorakten, act. 08 012–020)
und im Vollzugsbericht der JVA Lenzburg vom 6. November 2020 (Vorak-
ten, act. 05 119–123) widerspreche. Auch die Empfehlungen des behan-
delnden Gutachters (richtig: Therapeuten) Dr. G. seien klar. Er empfehle
aufgrund der Nachreifung der Persönlichkeit, der weiteren intensiven
Auseinandersetzung mit der Tat, des gesundheitlichen Zustands, des Al-
ters und des positiven Verlaufs eine bedingte Entlassung mit kontrollierter
Wegweisung aus der Schweiz, auch unter Berücksichtigung der möglich-
erweise weiterhin bestehenden Risikofaktoren.
Dabei sei darauf hinzuweisen, dass das Gutachten von Dr. med. D. in-
zwischen schon über sieben Jahre alt sei. Das neue Gutachten sei bei einer
Gutachterin ohne Spanischkenntnisse in Auftrag gegeben worden, obwohl
Dr. G. klar ausgeführt habe, nur ein spanischsprechender Psychologe habe
den erforderlichen sprachlichen Zugang zum Beschwerdeführer. Ab-
gesehen davon sei die Notwendigkeit eines neuen Gutachtens nicht er-
sichtlich. Die neue Gutachterin werde kaum zu einem anderen Schluss
kommen als Dr. med. D. und Dr. G. und seine bedingte Entlassung daher
ebenfalls befürworten. Seit dem Gutachten von Dr. med. D. habe sich
einiges zum Positiven verändert. Namentlich habe sich seine Absti-
nenzmotivation bezüglich eines Substanzkonsums massiv erhöht, was
auch den Vollzugsberichten der JVA zu entnehmen sei. Aufgrund von drei
erlittenen Herzinfarkten und seiner Diabetes-Erkrankung würde ihm bei ei-
nem Substanzmissbrauch ein unmittelbarer Exitus drohen. Dass das AJV
überhaupt noch von einer Neigung zum Suchtmittelmissbrauch spreche,
gehe an der Akten- und Faktenlage vorbei.
Auch sei seine Persönlichkeit in den letzten sechs Jahren weiter nachge-
reift. Dr. G. bescheinige ihm, dass er sich intensiv mit den Konsequenzen
seines Handelns im Jahr 2000 auseinandergesetzt habe und dass seine
körperlichen Erkrankungen ihn in seiner Persönlichkeit hätten reifen lassen.
Die tägliche Ungewissheit eines weiteren und zugleich finalen Herzinfarkts
- 8 -
präge jemanden und halte einem von Gewalttaten ab. Im Bericht der JVA
werde er als zurückhaltend, freundlich, korrekt, kooperativ und auch in
schwierigen Situationen ruhig beschrieben. Eine Aggressions- und
Gewaltbereitschaft gebe es sogar in der schwierigen Gefängnisatmosphä-
re nicht mehr und er sei sehr bestrebt, sich aus jeglichen Konflikten im Ge-
fängnisalltag herauszuhalten, was die 21 Jahre gewaltfreien Gefängnisauf-
enthalts dokumentierten. Diese Ausführungen widerlegten die Gründe für
die negative Legalprognose und auch die Scheinbegründung einer weite-
ren, längeren Therapie. Die über 21 Jahre dauernde Haft habe das spe-
zialpräventive Ziel erreicht und eine Läuterung bei ihm bewirkt. Ein weiterer
Schutzfaktor sei sein Glaube; er sei praktizierender Katholik.
Trotzdem bestehe bei ihm Bereitschaft zur Therapie und Mitarbeit bei Dr.
G. und er habe auch Einsicht in die Schwere der Tat. Mit der Annahme, er
habe sich nicht mit der Tat auseinandergesetzt, liege das AJV völlig da-
neben. Vielmehr gehe Dr. G. von einer dissozialen (richtig: dissoziativen)
Amnesie aus, die als Folge eines inneren Konflikts (wie Schuldgefühle über
bestimmte Impulse oder Handlungen, anscheinend unlösbare zwi-
schenmenschliche Schwierigkeiten oder begangene Verbrechen) auftreten
könne. Aus heutiger Sicht dürfe nicht mehr darauf abgestellt werden, dass
er die noch bestehenden Erinnerungslücken in Bezug auf seine Tat aus
strategischen Gründen geltend mache, zumal seine Minderintelligenz dem
entgegenstehe. Sein ganzes Verhalten nach der Tat spreche dafür, dass
die Tat selbst ein solch tiefes Trauma bei ihm hinterlassen habe, dass er
sich nicht mehr daran erinnern könne. Gemäss den Ausführungen von
Dr. G. sei nach so langer Zeit seit der Tat auch nicht anzunehmen, dass
die Erinnerung irgendwann zurückkehren werde. Entsprechend sei es nicht
mehr möglich, das Delikt aufzuarbeiten und vertiefte Erkenntnisse über die
Tatmotivation zu erlangen, was ihm entgegen der Auffassung der Vorin-
stanz nicht als Abwehrhaltung ausgelegt werden dürfe.
Dr. G. habe sodann die Einschätzung von Dr. med. D. bestätigt, wonach
der soziale Empfangsraum in seinem Heimatstaat das Rückfallrisiko eher
senken würde als eine längerfristig angelegte deliktprotektive Therapie,
deren Sinn und Erfolg zweifelhaft bleibe. In seinem Heimatland seien ihm
ein grosser familiärer Rückhalt sicher und seine Arbeitsaussichten seien
gut. Seine Mutter habe ihm in ihrem Haus eine eigene Wohnung ein-
gerichtet und er könnte bei einem Verwandten arbeiten. Mit dem Drogen-
milieu habe seine Familie nichts zu tun.
2.
Hat der Gefangene zwei Drittel seiner Strafe, mindestens aber drei Monate
verbüsst, so ist er durch die zuständige Behörde bedingt zu entlassen,
wenn es sein Verhalten im Strafvollzug rechtfertigt und nicht anzunehmen
ist, er werde weitere Verbrechen oder Vergehen begehen (Art. 86 Abs. 1
des Schweizerischen Strafgesetzbuchs vom 21. Dezember 1937 [StGB;
- 9 -
SR 311.0]). Bei einer lebenslangen Freiheitsstrafe ist die bedingte Entlas-
sung nach Abs. 1 frühestens nach 15 Jahren möglich (Art. 86 Abs. 5 StGB).
Anders als unter früherem Recht (aArt. 38 Ziff. 1 StGB) ist gemäss Art. 86
Abs. 1 StGB nicht positiv verlangt, es müsse erwartet werden können, der
Täter werde sich in Freiheit bewähren, sondern negativ, dass zu erwarten
ist, er werde in Freiheit keine Verbrechen oder Vergehen mehr begehen.
Damit wurden die Anforderungen an die Legalprognose tendenziell ge-
senkt. Stärker als nach früherem Recht ist davon auszugehen, dass die
bedingte Entlassung die Regel und deren Verweigerung die Ausnahme
darstellt (BGE 133 IV 201, Erw. 2.2). In dieser letzten Stufe des Strafvoll-
zugs soll der Entlassene den Umgang mit der Freiheit erlernen. Diesem
spezialpräventiven Zweck stehen die Schutzbedürfnisse der Allgemeinheit
gegenüber, welchen umso höheres Gewicht beizumessen ist, je hochwer-
tiger die gefährdeten Rechtsgüter sind. Die Prognose über das zukünftige
Verhalten ist in einer Gesamtwürdigung zu erstellen, welche nebst dem
Vorleben, der Persönlichkeit und dem Verhalten des Täters während des
Strafvollzugs vor allem dessen neuere Einstellung zu seinen Taten, seine
allfällige Besserung und die nach der Entlassung zu erwartenden Lebens-
verhältnisse berücksichtigt (BGE 133 IV 201, Erw. 2.3; Urteile des Bundes-
gerichts vom 28. Februar 2019 [6B_32/2019], Erw. 2.2, und vom 19. Sep-
tember 2018 [6B_382/2018], Erw. 1.1).
Im Sinne einer Differenzialprognose sind zudem die Vorzüge und Nachteile
der Verbüssung der gesamten Strafe denjenigen der Aussetzung des letz-
ten Teils der Strafe gegenüberzustellen (BGE 124 IV 193, Erw. 4a und
5b/bb; Urteile des Bundesgerichts vom 28. Februar 2019 [6B_32/2019],
Erw. 2.2, und vom 6. April 2018 [6B_208/2018], Erw. 1.2). Dabei gilt es zu
beurteilen, ob die vom Insassen ausgehende Gefährlichkeit bei einer allfäl-
ligen Vollverbüssung der Strafe abnehmen, gleichbleiben oder zunehmen
wird. Anschliessend ist zu prüfen, ob es zweckmässig ist, eine allfällige be-
dingte Entlassung mit Weisungen oder Schutzaufsicht zu verbinden und
eine bedingte Entlassung im Vergleich zur Vollverbüssung der Strafe spe-
zialpräventiv vorzugswürdiger ist oder nicht (BGE 124 IV 193 E. 5b/bb; vgl.
CORNELIA KOLLER, in: MARCEL ALEXANDER NIGGLI/HANS WIPRÄCHTIGER
[Hrsg.], Basler Kommentar, Strafrecht I, Art. 1–136 StGB, 4. Aufl., Basel
2019 [nachfolgend: BSK Strafrecht I], Art. 86 N 16; ANDREA BAECHTOLD/
JONAS WEBER/UELI HOSTETTLER, Strafvollzug, Straf- und Massnahmenvoll-
zug an Erwachsenen in der Schweiz, 3. Aufl., Bern 2016, S. 272, N 10).
Die differenzialprognostische Abwägung kann allerdings dann belanglos
sein, wenn dem Verurteilten grundsätzlich eine schlechte Prognose gestellt
werden muss und es daher im Interesse der öffentlichen Sicherheit unab-
dingbar erscheint, ihn die gesamte Strafe verbüssen zu lassen (Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich vom 23. Februar 2007
- 10 -
[VB.2006.00388], Erw. 4.5; Urteil des Bundesgerichts vom 19. Januar 2010
[6B_961/2009], Erw. 2.3; KOLLER, BSK Strafrecht I, Art. 86 N 16).
Beim Entscheid über die bedingte Entlassung steht der zuständigen Behör-
de ein Ermessensspielraum zu (BGE 133 IV 201, Erw. 2.3; Urteile des
Bundesgerichts vom 28. Februar 2019 [6B_32/2019], Erw. 2.2, und vom
22. August 2018 [6B_623/2018], Erw. 4.2).
3.
3.1.
Der Beschwerdeführer hat am 2. Dezember 2015 15 Jahre seiner lebens-
langen Freiheitsstrafe verbüsst, womit die zeitliche Voraussetzung für eine
bedingte Entlassung nach Art. 86 Abs. 4 StGB (gesetzliche Minimaldauer)
erfüllt ist.
3.2.
Im aktuellsten Vollzugsbericht der JVA Lenzburg vom 2. November 2021
(Vorakten, act. 05 131–135) wird dem Beschwerdeführer gesamthaft wie-
derum ein gutes Vollzugsverhalten bescheinigt. Seine Arbeiten in der Indu-
striemontage erledige er zuverlässig und selbständig. Er habe keine Mühe,
sich im Grosskollektiv der JVA Lenzburg zurecht zu finden und halte sich
ganz allgemein an die Hausordnung. Gegenüber seinen Miteingewiesenen
und dem Vollzugspersonal falle er durch ein anständiges, korrektes und
zurückhaltendes Verhalten auf. Im Umgang mit dem Vollzugspersonal zei-
ge er sich zudem kooperationsbereit. Es sei in der Berichtsperiode zu kei-
nen Disziplinarmassnahmen gekommen. Die einzige angeordnete Urinpro-
be habe auf alle getesteten Substanzen (Cannabis, Opiate und Kokain) ein
negatives Resultat ergeben. Er pflege aktive soziale Kontakte mit unter-
schiedlichen Miteingewiesenen. Mit der Aufnahme der freiwilligen Therapie
arbeite der Beschwerdeführer nun an der Erreichung all seiner Vollzugs-
ziele mit.
Demnach erfüllt der Beschwerdeführer auch die zweite Voraussetzung für
eine bedingte Entlassung nach Art. 86 Abs. 1 StGB, das Wohlverhalten im
Vollzug. Allerdings trifft seine Darstellung, die JVA Lenzburg empfehle sei-
ne bedingte Entlassung, nicht uneingeschränkt zu. In der Empfehlung der
JVA heisst es, seine gesundheitliche Verfassung, die Bereitschaft zur kon-
trollierten Ausreise aus der Schweiz und das in der Berichtsperiode positive
Verhalten im geschlossenen Strafvollzug sprächen für eine bedingte Ent-
lassung. Hingegen bestehe eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich der
Empfehlung der bedingten Entlassung, weil die vom Beschwerdeführer be-
gonnene Therapie erst kurz andauere und nicht beurteilt werden könne, ob
die dort erarbeiteten Ziele dafür genügten.
- 11 -
3.3.
3.3.1.
Einzig umstritten bleibt weiterhin, ob auch die dritte Voraussetzung für eine
bedingte Entlassung, das Fehlen einer ungünstigen Legalprognose, erfüllt
ist.
3.3.2.
Was das Vorleben des Beschwerdeführers als ersten Teilaspekt für die Be-
urteilung der Legalprognose betrifft, ist vorab auf die Ausführungen im Ent-
scheid des Verwaltungsgerichts WBE.2021.34 vom 29. März 2021 (Vorak-
ten, act. 15 054–066), Erw. II/3.3.2.2, zu verweisen. Die seitherigen Ent-
wicklungen, namentlich die vom Beschwerdeführer am 10. August 2021
begonnene Therapie beim forensischen Psychotherapeuten G. hat
diesbezüglich keine neuen Erkenntnisse geliefert, was auch nicht ihre
(primäre) Aufgabe ist. Es gilt daher weiterhin, dass das Vorleben des Be-
schwerdeführers, auch wenn es vollständig deliktfrei gewesen sein sollte,
was angesichts der Brutalität der Anlasstat mit Zweifeln behaftet und nicht
objektivierbar ist, nicht positiv in die Legalprognose einfliessen kann, son-
dern bestenfalls neutral zu werten ist. Die Schilderungen des Beschwerde-
führers gegenüber der Gutachterin Dr. med. D. weisen auf eine proble-
matische Persönlichkeitsentwicklung schon im Kindheits- und Jugendalter
hin, vor allem was das Verhältnis zum emotional distanzierten und teilweise
gewalttätigen Vater, aber auch die schulische Förderung sowie die man-
gelhaften sozialen Kontakte mit Gleichaltrigen betrifft. In der Folge mani-
festierten sich beim Beschwerdeführer im Erwachsenenalter eine unreife
Persönlichkeit, ein tiefes Selbstwertgefühl, ein parasitärer Lebensstil mit
wenig Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung für sich und andere
und eine Affinität für Waffen als Mittel zur Machtdemonstration. Für eine
gelungene gesellschaftliche und berufliche Integration spricht kaum etwas,
auch wenn der Beschwerdeführer vor seinem Aufenthalt in der Schweiz
keine harten Drogen, sondern nur, aber immerhin Marihuana, und auch Al-
kohol nicht im Übermass konsumiert haben sollte. Generell machte der Be-
schwerdeführer auf die Gutachterin den Eindruck, gewisse Themen zu mei-
den und seine Kindheit und Jugend zu harmonisch darzustellen.
3.3.3.
3.3.3.1.
Bei den prognostisch zu berücksichtigenden, strafrechtlich relevanten Per-
sönlichkeitsmerkmalen des Beschwerdeführers stehen nach wie vor eine
erhöhte Kränkbarkeit, eine ungenügende Fähigkeit zur Selbstreflexion und
Auseinandersetzung mit für ihn unangenehmen Tatsachen mit Tendenz zur
Bagatellisierung, Verdrängung oder gar Leugnung, eine affektive Proble-
matik mit fehlender Reue und Empathiemangel sowie eine ausgesprochen
hohe und tief in der Persönlichkeit des Beschwerdeführers verankerte Ag-
gressions- und Gewaltbereitschaft im Raum.
- 12 -
Für die Gutachterin Dr. med. D. kamen bei der Anlasstat ausgeprägte
gewaltfördernde Persönlichkeitsmerkmale und psychopathische Merkmale
wie Kaltblütigkeit, fehlende Empathie und Reue, oberflächliche Affekte,
eine fehlende Verhaltenskontrolle und sadistische Züge zum Vorschein,
welche auch in Zukunft ein deutlich erhöhtes Risiko für Gewaltdelikte dar-
stellten. Daneben sei die fehlende Auseinandersetzung mit der Anlasstat
als prognostisch äusserst ungünstig zu würdigen. Aufgrund seiner fehlen-
den Auseinandersetzungsbereitschaft und seines falschen Selbstbilds (hin-
sichtlich seiner Gewaltbereitschaft) habe der Beschwerdeführer keine De-
liktarbeit aufgenommen. Insofern seien ihm die die Deliktdynamik auslö-
senden Kränkungen nicht bewusst. Das Verständnis für die Zusammen-
hänge wäre nicht nur für die Rückfallprävention und die Erarbeitung delikt-
präventiver Strategien wichtig, sondern auch für die Beurteilung der Rück-
fallgefahr, die bei einer bewusstseinsnahen oder -klaren Tötung deutlich
höher ausfiele. Bei fehlendem Gewaltkonzept und fehlender Einsicht in
seine deliktfördernden Persönlichkeitsmerkmale besitze der Beschwerde-
führer kein inneres deliktpräventives Management zur Verhinderung erneu-
ter Gewalthandlungen. Innerseelische Vorgänge, auslösende Belastungs-
situationen, Frühwarnsymptome oder Vorboten eines aggressiven, gewalt-
fördernden Verhaltens seien ihm nicht bewusst. Emotional kritischen Situa-
tionen stehe er weiterhin schutzlos gegenüber und laufe Gefahr, seine ne-
gativen Gefühlszustände mit gewalttätigen Handlungen auszuagieren.
Insgesamt nahm die Gutachterin ein moderates Rückfallrisiko für zukünfti-
ge Aggressionshandlungen mit mittelschweren Opferschäden und ein ge-
ringes bis moderates Rückfallrisiko für Gewalttaten mit schweren Opfer-
schäden an, je nach (nicht vollständig geklärtem) Bewusstseinszustand bei
der Anlasstat. Zwar habe der Beschwerdeführer seine deliktfördernden
Persönlichkeitsmerkmale deutlich senken können. Nach wie vor sei jedoch
kein deliktpräventives inneres Management festzustellen, das ihm helfen
könnte, aufkommende negative Emotionen und Suchtmittelkonsumauffor-
derungen abzuwenden. Über deliktprotektive Ressourcen verfüge er mit
Ausnahme der Bindung zu seinen Familienmitgliedern nicht. Ohne langfris-
tig angelegte und konsequent durchgeführte therapeutische und kontrollie-
rende Massnahmen sei daher gegenwärtig von einer ungünstigen Kriminal-
prognose auszugehen (vgl. zum Ganzen ausführlicher den Entscheid des
Verwaltungsgerichts WBE.2021.34 vom 29. März 2021, Erw. II/3.3.3.2 f.).
3.3.3.2.
Zwecks Verifizierung dessen, ob diese gutachterlichen Einschätzungen zu
den deliktfördernden Persönlichkeitsmerkmalen des Beschwerdeführers
und den fehlenden Strategien zur Gewaltvermeidung nach wie vor aktuell
sind, muss der Beschwerdeführer neu forensisch-psychiatrisch begutach-
tet werden. Das Gutachten wurde von der Vorinstanz offenbar bereits (bei
Dr. med. F.) in Auftrag gegeben, wird für Mitte Juli 2022 erwartet und ist
entgegen der Sichtweise des Beschwerdeführers keinesfalls entbehrlich.
- 13 -
Weil die Gutachterin zum Beschwerdeführer kein spezielles
Vertrauensverhältnis aufbauen muss (ein solches wäre für eine neutrale
Begutachtung sogar kontrainduziert), sind ihre fehlenden Spanisch-
kenntnisse zweitrangig. Im Vordergrund steht der wissenschaftliche Leis-
tungsausweis. Die Ausführungen des Therapeuten des Beschwerdeführers
vermögen eine forensisch-psychiatrische Begutachtung schon deshalb
nicht zu ersetzen, weil eine behandelnde Person rein aufgrund ihrer Funk-
tion nicht die erforderliche neutrale Stellung eines Gutachters einnehmen
kann. Doch auch inhaltlich erscheinen dem Verwaltungsgericht die Vorbe-
halte des AJV gegenüber einem Teil der Ausführungen des Therapeuten
nicht von vornherein gänzlich unberechtigt zu sein. Klar ist zudem, dass mit
einer Therapie im Umfang von sieben Konsultationen à 50 Minuten (im Be-
richtszeitraum) das vorgegebene Therapieziel noch nicht erreicht werden
konnte, zumal die Gutachterin zu bedenken gab, es brauche eine langfris-
tige (Verhaltens-)Therapie, um im Hinblick auf ein deliktpräventives inneres
Management tragfähige Lösungen erarbeiten zu können.
3.3.3.3.
Bei den Diagnosen schloss sich der Psychotherapeut G. in seinem
Therapiebericht vom 12. November 2021 (Vorakten, act. 06 014–018) den
aufgeführten Diagnosen der Gutachter Dres. E. und D. an. Als
Risikofaktoren nannte er eine Aggressions- und Gewaltbereitschaft im Zu-
sammenhang mit einer Impulskontrollstörung, unreife Persönlichkeitsmerk-
male im Tatzeitpunkt, Alkohol und Konsum psychotroper Substanzen. Zu
den Schutzfaktoren zählt er die Strafsensibilität des Beschwerdeführers,
der einen langen Vollzug (21 Jahre) hinter sich habe, die Nachreifung sei-
ner Persönlichkeit, seine somatischen Beschwerden (nach zwei Herzin-
farkten sowie aufgrund einer Diabetes-Erkrankung) und seinen Glauben als
praktizierender Katholik. Problematische Aspekte seien die festgestellte
Minderintelligenz, welche die Entwicklung kognitiver Fähigkeiten, aber
auch das Reflexions- und Introspektionsvermögen einschränke. Nach der
Einschätzung des Therapeuten ist der Beschwerdeführer therapiewillig, je-
doch aufgrund seiner Minderintelligenz nur beschränkt therapiefähig. Auf
die Deliktrekonstruktion, aus der Rückschlüsse zur Deliktdynamik (Delikt-
motivation) und dem Deliktmechanismus gezogen werden könnten, habe
sich der Beschwerdeführer gut eingelassen und die Vor- und Nachdelikt-
phase detailliert geschildert. Die Grausamkeit seiner Tat könne er sich nicht
erklären, weil er vorher nie negativ in Erscheinung getreten sei und es
nichts gegeben habe, was ihn derart aus der Bahn hätte werfen können. In
den Gesprächen habe er immer wieder glaubhaft beteuert, wie leid ihm die
Opfer und die hinterlassenen Familienmitglieder täten. Zum Thema Sucht-
problematik bzw. Konsum psychotroper Substanzen gebe er an, kein Ver-
langen mehr danach zu spüren.
Hinsichtlich des Behandlungserfolgs führte der Therapeut aus, der Be-
schwerdeführer habe sich ihm gegenüber geöffnet und sei gewillt, sich mit
- 14 -
deliktorientierten Themen auseinanderzusetzen. Ausser dem Bekenntnis
seiner Schuld (die er nie abgestritten habe) hätten aber in dieser Therapie-
phase keine weiteren Erkenntnisse über die Deliktdynamik gewonnen wer-
den können. Der Beschwerdeführer mache zum Tathergang immer noch
Erinnerungslücken geltend. Wie bereits in den beiden Gutachten festgehal-
ten worden sei, sei es schwierig abzuschätzen, inwieweit über den gesam-
ten Tatablauf keine Erinnerung mehr bestehe. Er (der Therapeut) gehe von
einer dissoziativen Amnesie aus. Die Art der Amnesie könne als Folge ei-
nes grossen inneren Konflikts (wie Schuldgefühle über bestimmte Impulse
oder Handlungen, anscheinend unlösbare zwischenmenschliche Schwie-
rigkeiten oder begangene Verbrechen) auftreten. Aus heutiger Sicht sei
nicht mehr davon auszugehen, dass die Geltendmachung der Erinnerungs-
lücken taktisch motiviert sei. Eventuell liessen sich im weiteren Therapie-
verlauf noch mehr Informationen zum Tathergang und daraus mehr Rück-
schlüsse zur Deliktmotivation erarbeiten. Da der Beschwerdeführer bereits
viele Jahre in Haft sei, werde dies aber als eher unwahrscheinlich erachtet.
3.3.3.4.
Die Überlegungen des Therapeuten zu dissoziativen Amnesie erscheinen
dem Verwaltungsgericht nicht ohne weiteres schlüssig und stringent.
Die Ausführungen von Dr. med. E. im Gutachten vom 3. April 2003 lassen
eher darauf schliessen, dass er der Annahme einer dissoziativen Amnesie
mit Bezug auf das Tatgeschehen skeptisch gegenüberstand. Randscharf
ausgestanzte Erinnerungslücken, wie sie der Beschwerdeführer dem
Gutachter gegenüber geschildert habe, so Dr. E., kämen am ehesten bei
sogenannten "affektbedingten" Amnesien vor, wie sie am eindrücklichsten
bei "Amokläufern" beschrieben würden. In einem solchen Fall wäre aber
eine längere Vorgeschichte von Konflikten und vor allem von Kränkungen
zu erwarten. Im Vorfeld der Tat seien die Betreffenden in der Regel
angespannt, erregt, wirkten hilf- und ratlos, manchmal auch ängstlich und
getrieben. Die auslösende Situation, meistens ein Konflikt, eine Kränkung
oder eine Provokation, werde in der Regel erinnert, häufig sogar überklar.
Es folge meistens eine Amnesie für das Tatgeschehen selber, sodass der
Täter erst nach der Tat realisiere, was er angerichtet habe. Dabei werde er
häufig von panikartigem Entsetzen ergriffen und erinnere sich auch
nachher sehr klar an die Nachtatphase. Die vom Beschwerdeführer geltend
gemachte Amnesie wäre auch für einen solchen Fall atypisch. Insbeson-
dere wäre nicht erklärbar, warum sich der Beschwerdeführer in keiner
Weise an die auslösenden Momente erinnere. Ausserdem fehlten Hinweise
auf eine längere "Anlaufzeit", welche den psychogenen Amnesien voraus-
zugehen pflegten. Eine Mischung aus einer substanz- und affektbedingten
Amnesie konnte sich Dr. E. zwar theoretisch vorstellen. Dieses Konstrukt
lasse sich jedoch mit den ihm bekannten Fakten nicht belegen und würde
die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Gedächtnislücke auch nur
teilweise erklären (Vorakten, act. 07 054 f.).
- 15 -
Dr. med. D. liess die Frage nach dem Bewusstseinszustand des
Beschwerdeführers bei der Tatausführung im Gutachten vom 23. Juni 2014
offen, weil es nicht zu ihrem Auftrag gehörte, die Zurechnungsfähigkeit zu
beurteilen. Indessen erhellt aus ihren Ausführungen, dass sie die fehlende
Auseinandersetzung des Beschwerdeführers mit seiner Tat vor allem sei-
ner mangelnden Therapiebereitschaft sowie der mangelnden Bereitschaft
oder Fähigkeit zuschrieb, seine Handlungsmotive zu hinterfragen, deliktför-
dernde Faktoren zu identifizieren und ein Erklärungskonzept für seine hem-
mungslose Gewaltausübung zu finden. Zu möglichen tatauslösenden Fak-
toren mache der Beschwerdeführer, so Dr. D., Gedächtnislücken geltend.
Welche Kränkung bzw. Frustration(en) den drastischen Stimmungs-
wechsel von dem von ihm beschriebenen fröhlich unbeschwertem Zusam-
mensein zu hoher Gewaltbereitschaft bewirkt haben könnte, sei nicht be-
kannt. Der Beschwerdeführer habe dafür kein Konzept und keine Hypothe-
sen erarbeitet. Die Bildung von Hypothesen werde von ihm mit der "ratio-
nalisierenden" Begründung abgelehnt, nicht lügen zu wollen. Damit habe
er auch bei der (ersten) in Haft durchgeführten Psychotherapie die Bear-
beitung der Deliktdynamik verhindert. Den deliktfördernden Aspekten sei-
ner Persönlichkeit begegne er mit starken Leugnungs- und Bagatellisie-
rungstendenzen und er besitze keinerlei Einsicht in sein Aggressionspoten-
zial, sondern sehe sich als ausgeglichenen, toleranten, kompromissberei-
ten, gewaltablehnenden und ausgesprochen friedlichen Menschen (Vorak-
ten, act. 07 136 ff.).
Man muss sich zudem vor Augen halten, dass von Tätern geltend gemach-
te Dissoziationen während einer Straftat aus verschiedenen Gründen mit
Vorsicht zu würdigen sind. Dazu kann auf den Beitrag von P. Giger/T.
Merten/H. Merckelbach, Tatbezogene Amnesien – authentisch oder vorge-
täuscht?, in: Fortschritte der Neurologie · Psychiatrie, 2012, S. 368 ff. ver-
wiesen werden. Danach vermochte die Forschung bislang keine Verbin-
dung zwischen der erlebten emotionalen Intensität bei der Tatbegehung
und der Geltendmachung von Amnesien nachzuweisen. Basierend auf
dem Verdrängungs- oder Dissoziationsansatz müssten diejenigen Täter,
die ihre Delikte in einem extremen emotionalen Erregungszustand bege-
hen, auch diejenigen sein, die am wahrscheinlichsten eine Amnesie entwi-
ckeln. Zahlreiche Studien zeigten jedoch, dass dies nicht der Fall sei und
vielmehr vom exakten Gegenteil ausgegangen werden müsse. Eine Mehr-
heit der in Studien befragten jungen Gewalttäter verfügten auch noch zwei
Jahre nach der Tatbegehung über sehr klare, täglich sich wiederholende
und intrusive Erinnerungen an die Tat. Ferner würden Dissoziationen bzw.
dissoziative Symptome im forensischen Kontext gehäuft geschildert und
müssten zwingend auf ihre Plausibilität, sachliche und logische Kohärenz
und Glaubhaftigkeit überprüft werden. Die Angaben von Betroffenen dürf-
ten in keinem Fall unhinterfragt als Symptom- oder Störungsnachweis ge-
- 16 -
wertet werden. Die Theorie, dass emotionaler Stress die Erinnerungsleis-
tung bis zu einem bestimmten Grad verbessert, bei einem extremen Stress-
niveau aber verschlechtert, sei antiquiert. Fasse man die aktuelle For-
schungslage zum Einfluss von negativen Emotionen auf die Gedächtnis-
leistung zusammen, müsse gesagt werden, dass alle Indizien gegen die
Möglichkeit sprächen, dass ein Täter aufgrund eines hohen Stressniveaus
während der Tat eine Amnesie entwickeln könne. Im Gegenteil habe sich
in den vergangenen Jahren insbesondere bei Opfern (KZ-Überlebende)
wiederholt gezeigt, dass sich die Erinnerung an emotional stressreiche Er-
eignisse nicht, wie vielfach postuliert, verschlechtere, sondern solche Er-
fahrungen unbeeinträchtigt lebhaft, kohärent und besonders dauerhaft er-
innert werden könnten. In Begutachtungssituationen müsse daher zwin-
gend die Möglichkeit einer intendierten Täuschung, also einer Simulation,
in Betracht gezogen werden. Dafür gebe es im Wesentlichen drei Gründe.
Erstens müssten Täter weniger mit dem Unverständnis einer breiten Öf-
fentlichkeit rechnen, wenn sie Erinnerungslücken geltend machten, anstatt
die Aussage offen zu verweigern. Zweitens könnte die Absicht des Täters
dahinterstecken, eine schuldmildernde Beurteilung zu erreichen. Drittens
liefere eine tatbezogene Amnesie dem Täter einen legitimen Grund, nicht
über seine Tat sprechen zu müssen und somit, selbst wenn er bereits ver-
urteilt worden sei, unangenehmen Erinnerungen auszuweichen. In diesem
Zusammenhang würden vorgetäuschte tatbezogene Amnesien inzwischen
auch als Risikofaktor für Rückfalldelinquenz diskutiert. Darüber hinaus sei
bekannt, dass Täter insbesondere bei schwerer Delinquenz in der Regel
hoch motiviert seien, die von ihnen begangene Tat zu vergessen. Die Si-
mulation von Amnesien scheine im forensischen Kontext alles andere als
ein seltenes Phänomen darzustellen, vor allem bei Tätern, denen ein
schweres Delikt (praktisch) zweifelsfrei nachgewiesen werden könne. In
Fachkreisen werde das Konzept der dissoziativen Amnesie zunehmend kri-
tisch hinterfragt.
Demnach gibt es letztlich Stand heute zu wenig Anhaltspunkte, welche die
These des Therapeuten einer dissoziativen Amnesie stützen. Die bislang
nicht gelungene Erarbeitung der Deliktdynamik könnte anstatt am mangel-
haften Erinnerungsvermögen des Beschwerdeführers vielmehr schlicht an
seiner mangelnden Bereitschaft scheitern, sich mit den Motiven für seine
Tat auseinanderzusetzen, indem er seine problematischen Persönlich-
keitsanteile, insbesondere die tief in seiner Persönlichkeit verwurzelte Ge-
waltbereitschaft, weiterhin nicht anerkennt, verdrängt und verleugnet. Für
eine solche Haltung können – wie oben dargelegt – durchaus auch andere
als prozesstaktische Gründe bestehen. Es wird im neuen forensisch-psy-
chiatrischen Gutachten zu klären sein, wie es sich damit verhält und ob sich
die Legalprognose mit der begonnenen Therapie trotz des eingeschränkten
Therapiewillens oder der eingeschränkten Therapiefähigkeit (aus Gründen
der Minderintelligenz) verbessern lässt oder im Vergleich zum letzten Be-
- 17 -
gutachtungszeitpunkt im Jahr 2014 schon durch andere Faktoren (Reife-
prozess, Erfahrungen während der Haft, körperliche Leiden, praktizierter
Glaube etc.) verbessert werden konnte. Bis zu diesbezüglichen neuen Er-
kenntnissen ist weiterhin von problematischen Persönlichkeitsmerkmalen
des Beschwerdeführers auszugehen, welche seine Legalprognose negativ
beeinflussen.
Insbesondere ist das Verwaltungsgericht nach wie vor der Überzeugung,
dass sich dem Beschwerdeführer zugeschriebene Eigenschaften wie Kalt-
blütigkeit, fehlende Reue, Skrupellosigkeit, manipulatives Verhalten oder
oberflächliche Affekte auch im Vollzugsalltag bzw. durch eine Strafsensibi-
lisierung infolge langandauernder Haft nicht so ohne weiteres verändern.
Auch scheint der Beschwerdeführer seine Fähigkeit, emotional belastende
Situationen ausserhalb des eng strukturierten Vollzugsalltags ohne unter-
stützende Massnahmen/Therapien gewaltfrei bewältigen zu können, wei-
terhin grundlegend zu überschätzen. Der Alterungs- und Reifeprozess sind
sodann für sich genommen keine Garanten für eine signifikante Senkung
des Rückfallrisikos, jedenfalls nicht bei einer Person von noch nicht einmal
50 Jahren. Dasselbe gilt für körperliche Beschwerden, welche die Bewe-
gungsfreiheit und Agilität des Betroffenen nicht in unmittelbarer Weise phy-
sisch (erheblich) einschränken. Religiosität und der Glaube an Gott oder
eine höhere Macht sind nicht per se ein Gegenkonzept zur Anwendung von
Gewalt, vor allem dann nicht, wenn diese spontan und aufgrund einer hef-
tigen Gefühlsregung ausgeübt wird. Die Rolle des Substanzkonsums bei
der Verübung des Delikts ist ebenfalls weiterhin unklar, weshalb aus einer
mittlerweile gefestigteren Abstinenz auch nicht unbedingt der Schluss ge-
zogen werden kann, das Rückfallrisiko habe dadurch bedeutend verringert
werden können.
3.3.4.
Das als gesamthaft gut beurteilte Vollzugsverhalten des Beschwerdefüh-
rers ist zwar – wie schon im Entscheid des Verwaltungsgerichts
WBE.2021.34 vom 29. März 2021, Erw. 3.3.4 – positiv zu vermerken. Al-
lerdings gilt weiterhin, dass das blosse Wohlverhalten im Strafvollzug nicht
ohne Weiteres als prognostisch positiv gewertet werden darf. Einerseits
kann es sich um reines Anpassungsverhalten handeln. Andererseits be-
gegnet der Beschwerdeführer im Vollzugsalltag vorwiegend Männern und
trifft sich gemäss Vollzugsbericht der JVA Lenzburg vom 2. November
2021 (Vorakten, act. 05 131–135) vor allem mit Miteingewiesenen, die der
spanischen Sprache mächtig sind und insofern wohl auch dem gleichen
Kulturkreis entstammen. Wie tragbar sein intramural erarbeitetes und er-
probtes Konzept in der Aussenwelt ist, sich von (gewalttätigen) Auseinan-
dersetzungen und Konflikten fernzuhalten, namentlich im Kontakt mit
Frauen ausserhalb seiner Verwandtschaft, ist daher schwierig einzuschät-
zen.
- 18 -
3.3.5.
Bei den nach der Entlassung zu erwartenden Lebensverhältnissen (sozia-
ler Empfangsraum, Arbeits- und Wohnsituation) haben sich seit dem Ent-
scheid des Verwaltungsgerichts WBE.2021.34 vom 29. März 2021 eben-
falls keine aktenkundigen Veränderungen ergeben. Es kann deshalb vorab
auf die Ausführungen in Erw. 3.3.5 jenes Entscheids verwiesen werden.
Der Beschwerdeführer wird die Schweiz nach seiner bedingten Entlassung
aus dem Strafvollzug wegen des Landesverweises des Bezirksgerichts C.
verlassen müssen und will nach eigenem Bekunden auch in sein
Heimatland zurückkehren. Nach wie vor ortet das Verwaltungsgericht beim
Beschwerdeführer jedoch eine Tendenz seine Lebensumstände und
Zukunftsperspektiven im Heimatland schönzureden. Es fehlen denn auch
konkrete Angaben dazu, bei wem (welchem Verwandten) und vor allem als
was er arbeiten könnte. Nicht verifizieren lässt sich, ob die Gefahr für Kon-
takte des Beschwerdeführers zum Drogenmilieu als weiterer destabilisie-
render Faktor in seinem Heimatland – im Gegensatz zur Schweiz – entfällt.
Sein Therapeut scheint die Möglichkeit, dass er wieder mit dem Drogenmi-
lieu in Kontakt kommen könnte, sei es auch nur aus finanziellen Gründen,
weil sein angeschlagener gesundheitlicher Zustand seine Aussichten auf
eine Arbeitsstelle zusätzlich einschränkt, jedenfalls nicht für abwegig zu
halten (vgl. Vorakten, act. 06 017).
Und weiterhin fällt ungünstig ins Gewicht, dass eine forensisch-psychiatri-
sche Nachsorge in seinem Heimatland nicht gewährleistet ist und seine be-
scheidenen wirtschaftlichen Verhältnisse den sozialen Empfangsraum
ebenfalls nicht begünstigen. Als weiteren Stressor sprach Gutachterin D.
die Gefahr von Racheangriffen seitens der Hinterbliebenen seiner Opfer
an, die der Beschwerdeführer selber für wahrscheinlich halte, was ihn
beunruhige und aufwühle. Ferner gilt es noch einmal zu betonen, dass die
Toleranz gegenüber den problematischen Persönlichkeitsmerkmalen des
Beschwerdeführers in seinem Heimatland eher grösser sein dürfte, oder
dass er sie dort zumindest unbemerkter ausleben könnte. Vor diesem
Hintergrund vermögen auch die Nähe des Beschwerdeführers zu seiner
Mutter und seinen Töchtern sowie sein nicht näher definiertes übriges so-
ziales Netz in seinem Heimatland die Legalprognose nicht positiv zu beein-
flussen.
3.4.
Nach dem Gesagten sprechen primär die Persönlichkeit des Beschwerde-
führers, in etwas geringerem Ausmass aber auch die zu erwartenden Le-
bensverhältnisse nach einer bedingten Entlassung weiterhin gegen eine
positive Legalprognose, während das Vorleben des Beschwerdeführers im
für ihn günstigsten Fall legalprognostisch neutral zu bewerten ist. Einzig
das bisherige Vollzugsverhalten des Beschwerdeführers ist legalprognos-
tisch eher positiv zu beurteilen, vermag jedoch am Gesamtergebnis nichts
- 19 -
zu ändern. Somit ist die dritte Voraussetzung für eine bedingte Entlassung
nach Art. 86 Abs. 1 StGB, das Fehlen einer ungünstigen Legalprognose,
nicht erfüllt. Vorbehalten bleiben neue, abweichende Erkenntnisse aus
dem vom AJV in Auftrag gegebenen und in wenigen Monaten bevorstehen-
den neuen forensisch-psychiatrischen Gutachten (von Dr. med. F.).
3.5.
In einem letzten Schritt ist gemäss der Rechtsprechung des Bundesge-
richts die Gesamtwürdigung als Differenzialprognose zu erstellen (vgl. dazu
Erw. 2 vorne). Danach ist zu prüfen, ob die Gefahr der Begehung weiterer
Straftaten bei einer bedingten Entlassung des Beschwerdeführers oder bei
Vollverbüssung der Freiheitsstrafe höher einzuschätzen ist.
Naturgemäss ist die Gefahr der Begehung weiterer Straftaten im Falle von
lebenslangen Freiheitsstrafen bei einer Vollverbüssung der Strafe schon
deshalb geringer als bei einer bedingten Entlassung, weil die Möglichkeit
zur Verübung von Gewaltstraftaten im Vollzugsregime eingeschränkter ist.
Hier kommt aber hinzu, dass sich die Rückfallgefahr durch eine weitere
Belassung im Strafvollzug allenfalls verringern lässt, wenn der Beschwer-
deführer die von ihm begonnene Therapie konsequent weiterverfolgt und
sich dabei vor allem auch auf die Erarbeitung der Deliktdynamik zwecks
Entwicklung von Strategien für ein inneres Management zur Gewaltvermei-
dung bedingungslos einlässt.
Weil ein solches Szenario weiterhin nicht ausgeschlossen erscheint und
die betroffenen Rechtsgüter, die bei einem Rückfall allenfalls bedroht wä-
ren, besonders hochwertig sind, egal ob in der Schweiz oder im Heimatland
des Beschwerdeführers, rechtfertigt es sich nach wie vor, zwecks Verrin-
gerung des Rückfallrisikos nichts unversucht zu lassen. Insofern ist eine
vorläufige Beibehaltung des Freiheitsentzugs einer bedingten Entlassung
auch aus spezialpräventiven Gründen vorzuziehen.
3.6.
Zusammenfassend erfüllt zwar der Beschwerdeführer die Voraussetzun-
gen der Verbüssung der gesetzlichen Minimaldauer seiner lebenslangen
Freiheitsstrafe und des Wohlverhaltens im Strafvollzug, was für eine be-
dingte Entlassung spricht. Aufgrund der Akten und bis zum Vorliegen allfäl-
liger abweichender Erkenntnisse aus dem sich in Bearbeitung befindlichen
neuen forensisch-psychiatrischen Gutachten muss ihm jedoch eine ungün-
stige Legalprognose gestellt werden. Im Falle einer ungünstigen Legalprog-
nose fällt eine bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug ausser Betracht,
es sei denn, die Differenzialprognose komme zu einem anderen Ergebnis.
Wie vorstehend ausgeführt, ist dies vorliegend jedoch nicht der Fall.
- 20 -
Damit ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz die bedingte Entlas-
sung des Beschwerdeführers verweigert hat. Der Vorinstanz kann mit Be-
zug auf ihre Einschätzungen zur ungünstigen Legalprognose namentlich
kein Ermessensfehler zur Last gelegt werden. Das führt zur Abweisung der
vorliegenden Beschwerde.
III.
Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer die verwaltungsgerichtlichen
Verfahrenskosten zu tragen (§ 31 Abs. 2 VRPG). Parteikosten sind ihm
aufgrund seines Unterliegens keine zu ersetzen (§ 32 Abs. 2 VRPG).