Decision ID: d4db419f-9fd0-5688-a136-4befd7d732ee
Year: 2017
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A._ (nachfolgend Versicherter/Beschwerdeführer), geboren am (...)
1964, Staatsangehöriger der Türkei, lebte mit Unterbrüchen ab 1984 bis
Ende 2005 in der Schweiz. Zuletzt arbeitete er als Servicekraft in der Gast-
ronomie (Vorakten [im Folgenden: IV-act.] 51, 68/7).
B.
B.a Am (...) 2000 zog sich der Versicherte infolge eines Sturzes eine per-
trochantäre Femurfraktur zu, welche operativ behandelt wurde. Im Rah-
men des Prozederes kam es links zu einer Verkürzung der Beinlänge von
2 cm und einer Aussenrotationsfehlstellung von 20-30 Grad (vgl. Akten der
Suva [im Folgenden: SUVA-act.] S. 11-18, 30, 38-42, 48-61).
B.b Am 12. Februar 2004 meldete sich der Versicherte bei der IV-Stelle
B._ (nachfolgend: IV-Stelle) zur Umschulung respektive Zuspre-
chung einer Rente an.
B.c Mit Verfügungen vom 12. November 2004 und vom 7. Januar 2005
sprach die IV-Stelle ihm bei einem Invaliditätsgrad von 50% von November
2003 bis Oktober 2004 rückwirkend und ab November 2004 eine ordentli-
che halbe Invalidenrente zu. Eine amtliche Revision wurde für September
2009 vorgemerkt (vgl. Feststellungsblatt, B.-act. 31/4).
C.
C.a Nachdem der Versicherte die Schweiz per 31. Dezember 2005 verlas-
sen hatte, nahm die IVSTA am 28. Mai 2009 eine amtliche Revision in Aus-
sicht (IV-act. 24).
C.b Mit Fragebogen vom 20. April 2010 erklärte der Versicherte, seit De-
zember 2006 während 7 Stunden pro Tag als Callcenter-Agent zu arbeiten
(IV-act. 29). Der Arbeitgeber bestätigte eine Arbeitszeit von 45 Stunden pro
Woche, nach Vertrag 35 Stunden pro Woche (IV-act. 34). Zufolge Konkur-
ses des Arbeitgebers Ende 2012 wurde das Arbeitsverhältnis aufgelöst (IV-
act. 116/1-2).
C.c Am 22. Februar 2011 informierte der Versicherte die Vorinstanz telefo-
nisch über eine Operation an der Wirbelsäule (IV-act. 40). Der Operations-
bericht vom 10. Februar 2011 (IV-act. 47) führt eine zervikale anteriore
Mikrodiskektomie C5-C7 auf, nachdem am 26. Januar 2011 (IV-act. 49) auf
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diesen Höhen Diskushernien festgestellt worden waren. Der Versicherte
gab diesbezüglich an, seit Januar 2011 nicht mehr arbeitsfähig zu sein (IV-
act. 43, 45). In der Folge reichte er weitere medizinische Berichte vom
16. März 2011 (IV-act. 50), vom 22. März 2012 (IV-act. 69, 74), vom 3. Ok-
tober 2012 (IV-act. 69, 72-73) und vom 7. November 2012 (IV-act. 75) ein.
C.d Nach Stellungnahmen des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom
18. und 26. August 2011 sowie vom 21. September 2011 (alle IV-act. 52)
ordnete die Vorinstanz eine pluridisziplinäre Begutachtung (chirurgisch, or-
thopädisch und psychiatrisch) an, mit der das Ärztliche Begutachtungsinsti-
tut Basel (ABI) beauftragt wurde (IV-act. 56, 62). Das Gutachten wurde am
31. Januar 2013 erstattet (IV-act. 68). Der RAD nahm am 1. Juli 2013 dazu
Stellung (IV-act. 78).
C.e Mit Vorbescheid vom 23. Juli 2013 eröffnete die Vorinstanz dem Versi-
cherten, aus den vorhandenen Unterlagen ergebe sich eine Verbesserung
seines Gesundheitszustands seit dem 11. Dezember 2012. Es bestehe
eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte Tätigkeiten in
wechselnder Position, wobei eine Verminderung der Erwerbsfähigkeit von
13% vorliege. Daher bestehe kein Anspruch mehr auf eine Rente (IV-
act. 80).
C.f Mit Einwand vom 12. August 2013 machte der Versicherte im Wesent-
lichen geltend, sein Gesundheitszustand habe sich nicht verbessert. Aktu-
ell stünden ihm wegen einer Magenschleimhautentzündung und wegen
Krebsgefahr in der rechten Nebenschilddrüse zwei Operationen bevor. Zu-
dem sei er aufgrund seines operierten Bandscheibenvorfalls noch immer
in medizinischer Behandlung. Mit seinem Einwand und einer weiteren Ein-
gabe vom 2. Dezember 2013 reichte er eine Bestätigung vom 5. August
2013 über eine geplante Operation, eine Bestätigung vom 5. August 2013
betreffend die Beinverkürzung und damit zusammenhängende Rotations-
folgen, ein Radiologieattest vom 15. Juli 2013 und zwei Arztberichte vom
24. Oktober 2013 und vom 4. November 2013 zu den Akten (IV-act. 82-85,
92, 94). Die Vorinstanz holte dazu beim RAD weitere Stellungnahmen vom
21. November 2013, vom 16. und 17. Januar 2014 und vom 5. und
28. März 2014 ein (IV-act. 93, 97, 103).
Am 18. März 2014 informierte der Versicherte die Vorinstanz unter Beilage
eines Arztberichts vom 26. Dezember 2013 über eine vorgesehene Ma-
gen-Operation (IV-act. 101, 102, 105). Am 28. April 2014 teilte er mit, die
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Operation sei für Juni 2014 geplant. Zudem stehe eine Hämorrhoiden-Ope-
ration bevor. Ferner seien mehrere Bandscheibenvorfälle im Rücken fest-
gestellt worden (IV-act. 107). In diesem Zusammenhang reichte er eine Be-
stätigung vom 26. April 2014 betreffend die Hämorrhoiden-Operation und
drei medizinische Berichte vom 29. und 31. Juli 2013 sowie vom 21. April
2014 ein (IV-act. 109-113). Nach einer Stellungnahme des RAD vom
25. Juni 2014 (IV-act. 115) wurden weitere ausländische medizinische Be-
richte vom 29. und 31. Mai 2014 sowie vom 22. Juli 2014 zu den Akten
genommen (IV-act. 117, 118, 122, 126). Mit Stellungnahme vom 10. Okto-
ber 2014 hielt der RAD an seiner Einschätzung der Arbeitsfähigkeit fest (IV-
act. 123).
C.g Mit Verfügung vom 17. Dezember 2014 hob die Vorinstanz die Rente
des Versicherten bei einem festgestellten Invaliditätsgrad von 13% per
1. Februar 2015 auf und entzog einer allfälligen Beschwerde die aufschie-
bende Wirkung (IV-act. 136).
D.
Gegen die rentenaufhebende Verfügung erhob der Versicherte am 12. Ja-
nuar 2015 Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht (act. im Beschwer-
deverfahren [nachfolgend: act.] 1). Er beantragte sinngemäss, die vor-
instanzliche Verfügung sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass er
weiterhin Anspruch auf eine halbe Rente habe, eventualiter sei eine Unter-
suchung durch unabhängige Fachärzte vorzunehmen, und der Be-
schwerde sei aufschiebende Wirkung zu gewähren. In verfahrensrechtli-
cher Hinsicht ersuchte er sinngemäss um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung. Mit Eingabe vom 5. Februar 2015 reichte er diesbezüglich
das ausgefüllte Formular „Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege“ samt
Beilagen zu den Akten (act. 3). Am 16. Februar 2015 (act. 6) informierte er
über eine zweite rentenaufhebende Verfügung der IVSTA vom 27. Januar
2015.
E.
Mit ihrer Vernehmlassung vom 13. März 2015 beantragte die Vorinstanz
die Abweisung der Beschwerde und führte aus, die am 27. Januar 2015
ergangene zweite Verfügung sei versehentlich versandt worden und nichtig
(act. 7).
F.
Mit Replik vom 27. April 2015 (act. 9) zeigte der Rechtsvertreter des Be-
schwerdeführers sein Mandat an. An den mit der Beschwerde gestellten
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Anträgen und Ausführungen wurde unter Beantragung der Gewährung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung festgehalten.
G.
Die Vorinstanz verzichtete am 12. Mai 2015 auf eine materielle Duplik
(act. 11).
H.
Nach Einholung weiterer Unterlagen (act. 12-13) wies das Bundesverwal-
tungsgericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
mangels nachgewiesener Bedürftigkeit mit Zwischenverfügung vom
20. Juli 2015 ab und setzte dem Beschwerdeführer Frist zur Bezahlung ei-
nes Kostenvorschusses (act. 14). Gleichzeitig wurde der Schriftenwechsel
abgeschlossen. Der Kostenvorschuss wurde am 17. August 2015 fristge-
recht geleistet (act. 16).
I.
Mit Verfügung vom 9. Dezember 2016 (act. 17) teilte das Bundesverwal-
tungsgericht dem Beschwerdeführer mit, es erwäge eine Motivsubstitution
und ziehe in Betracht, die Beschwerde unter dem Aspekt der ursprüngli-
chen Fehlerhaftigkeit der rentenzusprechenden Verfügungen vom 12. No-
vember 2004 und vom 7. Januar 2005 zu würdigen. In diesem Zusammen-
hang wurde dem Beschwerdeführer Frist zur Stellungnahme angesetzt.
J.
Der Beschwerdeführer liess sich mit Eingabe vom 14. Dezember 2016
(act. 18) vernehmen.
K.
Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften der Parteien
wird – soweit erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegan-
gen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Zu den an-
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fechtbaren Verfügungen gehören jene der IVSTA, welche eine Vorinstanz
des Bundesverwaltungsgerichts darstellt (Art. 33 Bst. d VGG; vgl. auch
Art. 69 Abs. 1 Bst. b IVG).
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG).
Gestützt auf Art. 3 Bst. dbis VwVG findet dieses Gesetz in Sozialversiche-
rungssachen jedoch keine Anwendung, soweit das Bundesgesetz vom
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG, SR 830.1) anwendbar ist, was gemäss Art. 1 Abs. 1 IVG für die
Invalidenversicherung (Art. 1a–26bis und 28–70) zutrifft, soweit das IVG
nicht ausdrücklich davon abweicht.
1.3 Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht (vgl. Art. 22a
i.V.m. Art. 60 ATSG und Art. 50 Abs. 1 sowie 52 Abs. 1 VwVG). Als Adressat
der angefochtenen Verfügung vom 17. Dezember 2014 (IV-act. 136) ist der
Beschwerdeführer berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren
Aufhebung oder Änderung (vgl. Art. 59 ATSG). Nachdem auch der Kosten-
vorschuss fristgerecht geleistet wurde, ergibt sich, dass sämtliche Prozess-
voraussetzungen erfüllt sind. Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
1.4 Anfechtungsobjekt des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet die
Verfügung vom 17. Dezember 2014, mit welcher die Vorinstanz die seit
November 2003 ausgerichtete halbe Rente per 1. Februar 2015 aufhob.
Streitig und zu prüfen ist primär, ob die Voraussetzungen für eine Renten-
revision gegeben waren. In Frage steht insbesondere, ob die IVSTA auf-
grund der vorliegenden Arztberichte zu Recht davon ausgegangen ist,
dass eine massgebliche Verbesserung des Gesundheitszustands einge-
treten ist, die dem Beschwerdeführer per 11. Dezember 2012 die Auf-
nahme einer der Behinderung angepassten Tätigkeit im Umfang von 100%
zumutbar machte, wodurch gemäss Einkommensvergleich kein Anspruch
mehr auf Ausrichtung einer Invaliditätsrente besteht.
2.
Das Bundesverwaltungsgericht prüft im vorliegenden Verfahren die Verlet-
zung von Bundesrecht einschliesslich der Überschreitung oder des Miss-
brauchs des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung
des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49
VwVG).
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Der Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen verpflichtet die
Verwaltung und das Gericht, auf den festgestellten Sachverhalt jenen
Rechtssatz anzuwenden, den sie als den einschlägigen erachten, und ihm
jene Auslegung zu geben, von der sie überzeugt sind. Dieses Prinzip hat
zur Folge, dass das Bundesverwaltungsgericht als Beschwerdeinstanz den
angefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer Begründung bestätigen
kann, die von jener der Vorinstanz abweicht (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Sollte
sich der neue Entscheid auf Rechtsnormen stützen, mit deren Anwendung
die Parteien nicht rechnen mussten, ist ihnen Gelegenheit zu geben, sich
vorgängig dazu zu äussern (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessie-
ren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 1.54; BVGE
2007/41 E. 2 m.w.H.)
3.
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Renten-
bezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch
hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben
(Art. 17 Abs. 1 ATSG; Art. 86ter-88bis der Verordnung vom 17. Januar 1961
über die Invalidenversicherung [IVV, SR 831.201]).
3.1 Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat-
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit
den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Feststellung einer revisionsbe-
gründenden Veränderung erfolgt durch eine Gegenüberstellung eines ver-
gangenen und des aktuellen Zustandes. Gegenstand des Beweises ist so-
mit das Vorhandensein einer entscheidungserheblichen Differenz in den –
den medizinischen Unterlagen zu entnehmenden – Tatsachen. Eine seit
der früheren Beurteilung eingetretene tatsächliche Änderung ist genügend
untermauert, wenn die ärztlichen Sachverständigen aufzeigen, welche
konkreten Gesichtspunkte in der Krankheitsentwicklung und im Verlauf der
Arbeitsunfähigkeit zu ihrer neuen diagnostischen Beurteilung und Ein-
schätzung des Schweregrades der Störungen geführt haben (SVR 2013 IV
Nr. 44 S. 136 [Urteil 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013] E. 6.1.3 m.H.). Liegt
eine erhebliche Änderung des Sachverhalts vor, ist der Rentenanspruch in
rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig, d.h. unter Berücksichtigung
des gesamten für die Leistungsberechtigung ausschlaggebenden Tatsa-
chenspektrums neu und ohne Bindung an frühere Invaliditätsschätzungen
zu prüfen (vgl. BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 11).
Als zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserhebli-
chen Änderung des Invaliditätsgrades ist einerseits der Sachverhalt im
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Seite 8
Zeitpunkt der letzten rechtskräftigen Verfügung, welche auf einer materiel-
len Prüfung des Rentenanspruchs beruht, und anderseits derjenige zur
Zeit der streitigen Revisionsverfügung zu berücksichtigen (vgl. BGE 133 V
108 E. 5 S. 110 ff.).
3.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und
im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu be-
urteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich
welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind
ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden kön-
nen (vgl. BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195 f.).
4.
Im vorliegenden Revisionsverfahren beurteilt sich die Frage, ob eine an-
spruchsbegründende Änderung in den für den Invaliditätsgrad erheblichen
Tatsachen eingetreten ist, durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im
Zeitpunkt der letzten materiellen Beurteilung (Verfügungen vom 12. No-
vember 2004 und vom 7. Januar 2005) bestanden hat, mit demjenigen zur
Zeit der streitigen, angefochtenen Verfügung vom 17. Dezember 2014.
4.1 Die Zusprechung einer halben Rente ab November 2003 stützte die IV-
Stelle gemäss Feststellungsblatt (B.-act. 31) auf medizinische Berichte von
Dr. C._ (Facharzt FMH für Allgemeinmedizin) vom 10. April 2004,
der Psychiatrischen (...)klinik D._ vom 5. März 2004 und des Psy-
chiatrie-Zentrums E._ vom 19. Juli 2004, sowie Stellungnahmen
des RAD vom 22. Juni 2004 und vom 19. Juli 2004. In diesen Berichten
wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ge-
stellt:
- Verdacht auf partielle Desinsertion der glutealen Muskulatur im Trochanter
Major-Bereich mit Insuffizienz links
o Status nach proximaler Femurfraktur, behandelt mit PFN (proximaler
Femurnagel) 2000 und OSME (Osteosynthesematerialentfernung)
09/2002 mit Restbeschwerden
o Beinverkürzung links um ca. 2cm
- Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion (ICD-10: F43.22),
Störung durch multiplen Substanzgebrauch (Kokain, Cannabis, Alkohol) (ICD-
10: F19.20), Verdacht auf kombinierte Persönlichkeitsstörung mit instabilen
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und histrionischen Zügen (ICD-10: F60.4) bei Status nach mehrfachen Suizid-
versuchen
Gemäss dem Bericht von Dr. C._ bestand ab dem 1. November
2013 und bis auf weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 50% für die zuletzt
ausgeübte Tätigkeit. Die Psychiatrische (...)klinik D._ stellte am
5. März 2004 fest, für die angestammte Tätigkeit habe vom 6. bis 20. Feb-
ruar 2004 eine Arbeitsunfähigkeit von 100% bestanden. Der RAD schloss
am 22. Juni 2004, aus orthopädischer Sicht könne von einer Arbeitsunfä-
higkeit von 50% ausgegangen werden. Weiter abzuklären sei, ob es aus
psychiatrischer Hinsicht Gründe für eine zusätzliche Einschränkung der Ar-
beitsunfähigkeit gebe. Das Psychiatrie-Zentrum E._ hielt am
19. Juli 2004 fest, in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Kellner bestehe
seit dem 23. April 2004 und bis auf weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von
50%. Der bisherige Behandlungsverlauf deute auf einen positiven Krank-
heitsverlauf hin; es könne davon ausgegangen werden, dass der Versi-
cherte in absehbarer Zeit wieder vollumfänglich arbeitsfähig sein werde.
Aufgrund der instabilen Persönlichkeitszüge sei eine definitive Prognose
aber schwierig, zumal erneute psychosoziale Belastungsfaktoren den Be-
handlungsverlauf negativ beeinflussen könnten. Im Anschluss bejahte der
RAD eine Restarbeitsfähigkeit von 50%. In den Verfügungen vom 12. No-
vember 2004 und vom 7. Januar 2005 stellte die IV-Stelle fest, dem Be-
schwerdeführer sei eine behinderungsangepasste Tätigkeit zu 50% zumut-
bar, was einem Invaliditätsgrad von 50% entspreche.
4.2 Die vorliegend angefochtene Verfügung vom Dezember 2014 basiert
in medizinischer Hinsicht insbesondere auf dem Gutachten des ABI vom
31. Januar 2013 und die durch den Beschwerdeführer eingereichten Be-
richte des F._ Hospitals vom 26. Januar 2011 (IV-act. 49), vom 22.
März 2012 (IV-act. 74), vom 3. Oktober 2012 (IV-act. 72-73) und vom 7.
November 2012 (IV-act. 75), des G. _ Hospitals H._ vom
10. Februar 2011 (IV-act. 47), und der Universität G._ I._
vom 16. März 2011 (IV-act. 50). Im Übrigen stützt sich die IVSTA auf die
Stellungnahmen des RAD vom 21. November 2013, vom 16. und 17. Ja-
nuar 2014, vom 5. und 28. März 2014 (IV-act. 93, 97, 103), vom 25. Juni
2014 (IV-act. 115) und vom 10. Oktober 2014 (IV-act. 123), wonach die
nach Erlass des Vorbescheids eingereichten Arztberichte (vgl. den Sach-
verhalt Bst. C.f) keine Änderung der Einschätzung zu begründen vermöch-
ten.
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4.2.1 Das Gutachten des ABI vom 31. Januar 2013 (IV-act. 68) basiert auf
einer allgemeininternistischen, einer psychiatrischen und einer orthopädi-
schen Untersuchung des Beschwerdeführers vom 11. Dezember 2012 in-
klusive anamnestischer Erhebungen von dessen Beschwerden sowie der
sozialen Situation, und einer Analyse der vorhandenen Akten (vgl. IV-act.
68/3-5).
Aus allgemeininternistischer Sicht wurde unter Feststellung insbesondere
eines Struma Grad 1 des rechten Schilddrüsenlappens und pathologischer
Laborwerte (Leukozytose, Thrombozytose und erhöhter Harnwert) keine
Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (vgl. IV-act. 68/8 f.).
Im psychiatrischen Teilgutachten wurden ebenfalls keine Diagnosen mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt; jedoch bestehe eine Schmerzver-
arbeitungsstörung (ICD-10: F54) und eine Alkoholabhängigkeit (ICD-10:
F10.25). Diesbezüglich wurde insbesondere angemerkt, das Ausmass der
geklagten körperlichen Beschwerden und die subjektive Krankheitsüber-
zeugung, nicht mehr arbeiten zu können, könnten durch die somatischen
Befunde nicht hinreichend objektiviert werden, so dass eine psychische
Überlagerung angenommen werden könne. Der Explorand habe nicht un-
ter lang anhaltenden psychosozialen oder emotionalen Belastungsfaktoren
gelitten, so dass die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerz-
störung nicht gestellt werden könne. Die Alkoholabhängigkeit sei primär;
es würden sich keine Hinweise auf vorbestehende psychiatrische Störun-
gen finden, zu deren Behandlung Alkohol eingesetzt worden wäre. Bei der
Untersuchung hätten keine psychopathologischen Symptome festgestellt
werden können. Im Übrigen befinde sich der Explorand seit Jahren nicht
mehr in psychiatrischer Behandlung und er werde auch nicht mehr psycho-
pharmakologisch behandelt. Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Ein-
schränkung der Arbeitsfähigkeit. Die in den Akten erwähnte ängstlich-de-
pressive Störung und der Verdacht auf eine Persönlichkeitsstörung könn-
ten nicht bestätigt werden. Zurzeit seien keinerlei Hinweise auf ängstlich-
depressive Verstimmungen feststellbar. Das psychiatrische Zustandsbild
habe sich seit 2004 deutlich gebessert.
Dem orthopädischen Teilgutachten sind folgende Diagnosen mit Auswir-
kungen auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen:
- Chronisches, vorwiegend belastungsabhängiges zervikovertebrales Schmerz-
syndrom ohne ausstrahlende Symptomatik (ICD-10: M54.2)
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o Status nach Diskektomie und Spondylodese HWK5-7 am 9. Februar
2011 (ICD-10: Z98.1)
o Status nach symptomatischen Diskushernien HWK5/6 und HWK6/7
rechts (ICD-10: M50.1)
- Chronisch intermittierende Oberschenkel-betonte Beinschmerzen links (ICD-
10: M79.65)
o Beinverkürzung links von etwa 15mm (ICD-10: M21.75)
o Status nach PFN-Osteosynthese am (...) 2000 und OSME am 3. Sep-
tember 2002 bei pertrochanterer Femurfraktur nach Sturz (ICD-10:
Z98.8/Z47.0/T93.1)
Die orthopädische Beurteilung ergibt zusammenfassend, dass sich die
vom Exploranden angegebenen Beschwerden anlässlich der Untersu-
chung zwar grundsätzlich auf objektivierbare organische Korrelate zurück-
führen liessen. Allerdings entstehe für den orthopädischen Untersucher
nicht der Eindruck, als ob der Explorand durch die Beschwerden wesent-
lich kompromittiert würde. Während der ganzen Untersuchung seien Spon-
tanbewegungen bis auf ein leichtes Verkürzungshinken unauffällig und
auch im Alltagsleben schienen zumindest für Aktivitäten mit moderater kör-
perlicher Belastung keine wesentlichen Einschränkungen zu bestehen.
Insbesondere würden sich auch keine Hinweise dafür ergeben, dass die
Sitzdauer relevant eingeschränkt wäre, indem der Explorand die von ihm
selbst angegebene Maximaldauer von 20 Minuten um mehr als das Dop-
pelte überschreite, ohne dass er über das Auftreten von Beschwerden be-
richten würde. Das von ihm beschriebene Unsicherheitsgefühl des linken
Beines sei wahrscheinlich wesentlich durch die Beinverkürzung bedingt,
die sich jedoch ohne weiteres extern korrigieren liesse. Dabei sollte aller-
dings darauf geachtet werden, eine Überkorrektur zu vermeiden, die wohl
der Grund für die früher in diesem Zusammenhang erlebten Beschwerden
gewesen sein dürfte. Zur Arbeitsfähigkeit führt das orthopädische Teilgut-
achten aus, die durch den Exploranden vormals ausgeübte Tätigkeit im
Service scheine aufgrund der objektivierbaren strukturellen Alterationen
am linken Oberschenkel und an der Halswirbelsäule nicht mehr optimal
geeignet, so dass dafür pauschal eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert
werden könne. Für körperlich leichte Tätigkeiten in wechselnder Position,
wo eine Hebe- und Tragelimite von 10 kg nur ausnahmsweise überschrit-
ten werde und keine länger dauernden Zwangshaltungen der unteren Ext-
remitäten oder des Kopfes und keine repetitiven Überkopfbewegungen der
Arme vorkommen würden, bestehe eine zeitlich und leistungsmässig un-
eingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Eine vom Exploranden konkret angespro-
chene Tätigkeit am Computer käme unter der Voraussetzung in Frage,
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Seite 12
dass zwischenzeitliche Positionswechsel möglich seien, beispielsweise
durch eine in der Höhe verstellbare Arbeitsfläche. Im Zusammenhang mit
der zervikalen Spondylodese im Februar 2011 sei es vorübergehend zu
einer vollen Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeit gekommen, die jedoch
bei insgesamt unauffälligem Verlauf nur vier bis höchstens sechs Monate
gedauert haben dürfte. Auch von dieser Seite her habe seit August 2011
und mit Sicherheit seit dem Zeitpunkt der Untersuchung für Tätigkeiten ge-
mäss dem geschilderten Belastungsprofil wieder eine volle Arbeitsfähigkeit
vorgelegen.
4.2.2 Aus den im Gutachten nicht berücksichtigten, im Rahmen des Vorbe-
scheidverfahrens eingereichten ausländischen Arztberichten ergibt sich
insbesondere, dass beim Beschwerdeführer an der Halswirbelsäule
Schwellungen beobachtet worden und wegen multinodulärer Struma und
Hämorrhoiden vierten Grades zwei Operationen geplant seien (IV-act. 84-
85). Der RAD führte dazu mit Stellungnahme vom 16. Januar 2014 (IV-act.
93/3 f.) aus, die radiologischen Befunde seien für eine Person des Alters
des Versicherten normal und würden keinen Anlass zu einer medizinischen
Behandlung geben. Hämorrhoidalleiden seien in der Regel mit einer Ope-
ration heilbar und hätten keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit, wäh-
rend die Informationen zur Schilddrüsenoperation zu wenig detailliert
seien, um den Befund zu beurteilen (vgl. dazu auch IV-act. 93/5 f.). Ein
nachgereichter Bericht vom 4. November 2013 (IV-act. 94) diagnostizierte
einen nicht-toxischen Kropf am rechten Schilddrüsenlappen, der durch
eine Nodulektomie operativ entfernt wurde. Nach einem stationären Auf-
enthalt vom 22. bis 24. Oktober 2013 wurde der Beschwerdeführer in gu-
tem Allgemeinzustand aus dem Forschungs- und Weiterbildungsspital
J._ entlassen. Der RAD attestierte ihm mit Berichten vom 5. und
28. März 2014 eine postoperative Arbeitsunfähigkeit für maximal vier Wo-
chen bis zum 24. November 2013 (IV-act. 97, 103).
Gemäss einem Bericht des F._ Hospitals vom 26. Dezember 2013
(IV-act. 105) wurde beim Beschwerdeführer eine Oesophagitis zweiten
Grades und eine chronische atrophische Gastritis festgestellt. Diese Be-
funde wurden bereits mit dem Gutachten des ABI erhoben und als die Ar-
beitsfähigkeit nicht einschränkend eingestuft (vgl. IV-act. 68/8 f.). Berichten
der Dres. K._ und L._ vom 31. Juli 2013 (IV-act. 111) sowie
von Dr. M._ vom 29. Juli 2013 (IV-act. 112) zufolge wurde neben
inneren Hämorrhoiden ein hyperplastischer Polyp im Dickdarm ohne Ma-
lignität diagnostiziert, der koloskopisch entfernt wurde. Mit Bericht des
N._ Spitals vom 21. April 2014 (IV-act. 113) wurde festgehalten, die
C-205/2015
Seite 13
lumbale Lordose sei abgeflacht. Bei L5-S1 bestehe auf Höhe der interver-
trebralen Scheibe eine Verminderung, und auf den Endplatten-Flächen
seien in der Scheiben-Umgebung ausgeweitete ödematöse Degenerati-
onsbereiche und peridiskale osteophyte Formationen gesichtet worden. Im
sakral-spinalen Kanal bestünden mehrere einfache Tarlow-Zysten. Bei L3-
4 und L5-S1 sei in der intervertrebralen Scheibe minimales posterior Bul-
ging gesichtet worden; im bilateralen L5-S1 Neuroforamen bestehe auf
Höhe der intervertrebralen Scheibe eine Verminderung, ab dem sekundä-
rem Inferior sei diese verengt. Der RAD hielt mit Stellungnahme vom 25.
Juni 2014 (IV-act. 115) zusammenfassend fest, aus den beigebrachten Be-
richten würden sich keine medizinischen Gründe ergeben, die die Ein-
schätzung der Arbeitsfähigkeit gemäss dem Gutachten vom 21. Januar
2013 zu verändern vermöchten. Dem Bericht über die Untersuchung der
Lendenwirbelsäule lägen keine Dokumente bei, die die Gründe dieser spe-
zialärztlichen Untersuchung, insbesondere den klinischen Verlauf und die
funktionellen Auswirkungen, darlegten. Gemäss Gutachten habe der Be-
schwerdeführer bei der damaligen Untersuchung nicht über Beschwerden
der Lendenwirbelsäule geklagt und die diesbezüglichen Befunde seien
normal gewesen.
Aus einem Untersuchungsbericht der Poliklinik des F._ Hospitals
vom 29. Mai 2014 (IV-act. 117) ergeben sich Bandscheibenschäden mit
Radikulopathie (ICD-10: M51.1). Gemäss einer Messung des N._
Spitals vom 31. Mai 2014 (IV-act. 118) ist die Knochendichte des Be-
schwerdeführers etwas niedrig (Osteopenie). Mit Kurzbericht vom 22. Juli
2014 des F._ Hospitals (IV-act. 126) wurde festgehalten, am 3. Juli
2014 sei der Beschwerdeführer aufgrund seines Hämorrhoidalleidens ope-
riert worden, welcher Eingriff keine postoperativen Komplikationen gehabt
habe. Die Operation der Hiatushernie sei aufgrund der Dringlichkeit der
Hämorrhoiden-Operation verschoben worden. Der RAD stellte am 10. Ok-
tober 2014 (IV-act. 123) fest, nach der komplikationslosen Hämorrhoiden-
Operation werde üblicherweise eine volle Arbeitsunfähigkeit von einem
Monat postoperativ angenommen. Die singulären radiologischen Befunde
seien nicht geeignet, die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit un-
ter Berücksichtigung der funktionellen Einschränkungen gemäss dem Gut-
achten vom 31. Januar 2013 zu verringern. Die Hiatushernie sei in der Re-
gel kein Grund für eine Arbeitsunfähigkeit. Insgesamt würden sich aus den
eingereichten Arztberichten keine medizinischen Gründe ergeben, die die
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit gemäss dem Gutachten vom 21. Januar
2013 zu verändern vermöchten.
C-205/2015
Seite 14
4.3 Die Vorinstanz schloss in der angefochtenen Verfügung gestützt auf die
genannten Unterlagen, insbesondere das Gutachten des ABI, auf eine Ver-
besserung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers seit dem
11. Dezember 2012. Aus psychiatrischer Sicht sei trotz der geklagten Be-
schwerden eine ganztägige berufliche Tätigkeit zumutbar und bestehe
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Aus orthopädischer Sicht sei die
angestammte Tätigkeit aufgrund der objektivierbaren Alterationen am lin-
ken Oberschenkel und an der Halswirbelsäule nicht mehr optimal; diesbe-
züglich könne eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert werden. Hingegen be-
stehe eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte Tätig-
keiten in wechselnder Position mit einer Verminderung der Erwerbsfähig-
keit von 13% aufgrund von Funktionseinschränkungen (vgl. IV-act. 79).
Sämtliche medizinischen Berichte, Rapporte, RMI und CD’s mit Röntgen-
aufnahmen, die als Antwort auf den Vorbescheid eingegangen seien, seien
dem RAD unterbreitet worden. Dieser sei nach sorgfältiger Durchsicht und
Überprüfung sämtlicher Unterlagen zum Schluss gekommen, dass es
keine objektiven medizinische Gründe gebe, die Einschätzung im Rahmen
des Vorbescheids zu ändern. Die Hämorrhoiden-Operation sei eine ge-
wöhnliche und leichte Operation, die keine längerfristige Arbeitsunfähigkeit
begründe. Auch die Hiatushernie sei ohne Komplikationen operiert worden
und rechtfertige höchstens eine Arbeitsunfähigkeit von etwa zwei Monaten.
Diese chirurgische Behandlung werde ebenfalls häufig durchgeführt und
begründe nach den Kriterien der Invalidenversicherung keine dauerhafte
Arbeitsunfähigkeit in einer leichteren körperlichen Tätigkeit. Die im April
2014 festgestellten degenerativen Veränderungen der Lendenwirbelsäule
würden die Arbeitsfähigkeit in einer leichteren körperlichen Tätigkeit nicht
begrenzen.
4.4 Der Beschwerdeführer wendet auf Beschwerdeebene ein, er sei an-
lässlich der medizinischen Begutachtung im Dezember 2012 nur oberfläch-
lich von einem Orthopäden, einem Internisten und einem Psychiater unter-
sucht worden. Verzichtet worden sei hingegen auf eine Untersuchung
durch einen Neurologen. Er müsse durch unabhängige Fachärzte erneut
untersucht werden.
Des Weiteren macht er geltend, die unterschiedliche Beurteilung der Aus-
wirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheits-
zustands auf die Arbeitsfähigkeit stelle gemäss dem Urteil 9C_552/2007
des Bundesgerichts vom 17. Januar 2008 keinen Revisionsgrund im Sinne
von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar. Grundlage für die Zusprache einer halben
Invalidenrente sei aus orthopädischer Sicht der Bericht von Dr. O._
C-205/2015
Seite 15
(Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie) vom 21. Januar 2003 (Suva-
act. S. 11-18) gewesen, der zum Ergebnis gekommen sei, die Restbe-
schwerden infolge des Unfalls vom (...) 2000 hätten auch nach rund zwei-
einhalb Jahren noch eine Arbeitsunfähigkeit von 50% in der bisherigen wie
auch in einer angepassten Tätigkeit zur Folge. Neben den somatischen
Beschwerden seien psychiatrische Diagnosen gestellt worden, denen wohl
Krankheitswert zukomme, bei denen es sich rechtsprechungsgemäss aber
nur um vorübergehende und damit nicht invalidisierende psychische Lei-
den handle. Die psychiatrischen Aspekte seien für die Rentenzusprache
somit nicht von Bedeutung gewesen. Im Gutachten des ABI vom 31. Ja-
nuar 2013 sei festgehalten worden, dass die durch Dr. O._ im Jahr
2003 attestierte Arbeitsunfähigkeit von 50% „nicht so richtig nachvollzieh-
bar“ sei und die aktuelle Beurteilung der Arbeitsfähigkeit „somit schon 2003
Gültigkeit gehabt haben müsste“. Psychiatrische Diagnosen mit Auswir-
kungen auf die Arbeitsfähigkeit seien nicht festgestellt worden. Die Verbes-
serung des Gesundheitszustands aus psychiatrischer Sicht könne nach
dem Gesagten zweifellos nicht als Revisionsgrund gelten. Bei der gut-
achterlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in orthopädischer Hinsicht
handle es sich lediglich um eine im Vergleich zum Bericht von
Dr. O._ unterschiedliche Bewertung, da sich der Gesundheitszu-
stand aus Sicht des ABI seit 2003 nicht verändert habe. Folglich liege kein
Revisionsgrund vor, weshalb die Aufhebung der Rente unzulässig sei.
Überdies sei das Ergebnis der Begutachtung nicht nachvollziehbar, zumal
seine Behinderungen an der Wirbelsäule und am linken Bein dauerhaft
seien und die körperliche Behinderung weiterbestehe und nicht heilbar sei.
Zudem sei er mittlerweile am Genick operiert worden und es sei ein Band-
scheibenvorfall diagnostiziert worden, der ebenfalls operiert worden sei.
Infolgedessen sei seine Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt.
5.
Nach umfassender Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsge-
richt zu nachstehenden Schlussfolgerungen:
5.1 Der Beschwerdeführer moniert, das eingeholte Gutachten des ABI vom
31. Januar 2013 biete keine genügend Entscheidgrundlage, da die vorge-
nommenen Untersuchungen oberflächlich ausgefallen und auf eine neuro-
logische Begutachtung verzichtet worden sei. Damit macht er eine unge-
nügende Feststellung des Sachverhalts geltend.
C-205/2015
Seite 16
5.1.1 Das Gutachten des ABI erfüllt sämtliche Anforderungen, die an den
Beweiswert gestellt werden (vgl. BGE 137 V 210 E. 6.2.2, 134 V 231 E. 5.1,
125 V 351 E. 3a). Es ist aus internistischer, orthopädischer und psychiatri-
scher Sicht umfassend, beruht auf einer ausführlichen Anamnese und Un-
tersuchung des Beschwerdeführers und berücksichtigt die Vorakten. Im
Bericht vom 31. Januar 2013 werden unter Bezugnahme auf frühere Arzt-
berichte und eine teilweise kritische Würdigung derselben (vgl. insb. IV-act.
68/20 f.) nachvollziehbare Diagnosen gestellt und die Tätigkeiten beschrie-
ben, die dem Beschwerdeführer zum Untersuchungszeitpunkt möglich wa-
ren. Die Schlüssigkeit des Gutachtens wird durch die eingereichten medi-
zinischen Berichte zudem nicht in Frage gestellt.
5.1.2 Der Beschwerdeführer wurde aufgrund der vormals gestellten Diag-
nosen pluridisziplinär begutachtet. Aus den Akten ergibt sich keine Notwen-
digkeit einer zusätzlichen Untersuchung durch einen Neurologen, zumal
keine Hinweise auf massgebliche neurologische Defizite bestehen. Der am
10. April 2004 durch den Allgemeinmediziner Dr. C._ geäusserte
Verdacht auf partielle Desinsertion der glutealen Muskulatur im Trochanter
Major-Bereich mit Insuffizienz links wurde mit starken Schmerzen in die-
sem Bereich, zunehmend bei langem Stehen oder Laufen, begründet; zu-
dem seien die Aussenrotation und Flexion des linken Hüftgelenks sehr
schmerzhaft und deutlich eingeschränkt. Gleichzeitig wurde festgehalten,
neurologisch würden keine Ausfälle bestehen (vgl. dort S. 2). In den für die
Begutachtung vom 31. Januar 2013 vorgenommenen Untersuchungen war
der neurologische Status abgesehen von nicht beziehungsweise nicht ein-
deutig auslösbaren Patellar- und Achillessehnenreflexen und einer leichten
Verkürzung der ischiokruralen Muskulatur unauffällig. Eine Pathologie im
Bereich des peripheren Nervensystems, insbesondere eine akute, aber
auch eine relevante residuelle spinale Kompressionsproblematik oder eine
Läsion eines grösseren peripheren Nerves konnte klinisch weitestgehend
ausgeschlossen werden (vgl. dazu IV-act. 68/9, 17, 19 und 23). Die allge-
mein-internistische und orthopädische Begutachtung des Beschwerdefüh-
rers erscheint damit als sachgerecht und ausreichend.
5.1.3 Die Rüge erweist sich somit als unbegründet, weshalb – unter Be-
rücksichtigung der in der Folge eingereichten medizinischen Berichte –
vollumfänglich auf das Gutachten abgestellt werden kann.
5.2 Revidierbar ist eine einmal zugesprochene Rente insbesondere dann,
wenn sich der Gesundheitszustand oder die erwerblichen Auswirkungen
des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert
C-205/2015
Seite 17
haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 S. 349 mit Hinweisen). Die Zulässigkeit der
revisionsweisen Anpassung bedingt eine nachträgliche Änderung des
massgebenden Sachverhalts. Die bloss unterschiedliche Beurteilung der
Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund-
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit stellt hingegen – wie durch den Be-
schwerdeführer zutreffend angeführt – für sich allein genommen keinen
Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG und Art. 41 IVG dar (vgl.
etwa das Urteil des Bundesgerichts 9C_65/2012 vom 28. Februar 2012
E. 2).
Eine nach Art. 17 ATSG vorgenommene Leistungskorrektur kann gemäss
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung mit der substituierten Begrün-
dung geschützt werden, der frühere Entscheid sei anfänglich unrichtig ge-
wesen und im Rahmen einer Wiedererwägung zu korrigieren (vgl. UELI KIE-
SER, ATSG-Kommentar, 3. Auflage, Bern/St.Gallen/Zürich 2015, Art. 53 Rz.
44). Nach Art. 53 Abs. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 2 ATSG und Art. 1
IVG kann die IV-Stelle auf formell rechtskräftige Verfügungen zurückkom-
men, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von
erheblicher Bedeutung ist. Eine Wiedererwägung in diesem Sinne ist in den
Schranken von Art. 53 Abs. 3 ATSG jederzeit möglich, insbesondere auch
wenn die Voraussetzungen der Revision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG nicht
erfüllt sind. Wird die zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen Renten-
verfügung erst vom Gericht festgestellt, so kann es die im Revisionsverfah-
ren verfügte Aufhebung der Rente mit dieser substituierten Begründung
schützen. Für die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit bedarf es einer qua-
lifiziert rechtsfehlerhaften Ermessensbetätigung. Scheint die Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie
sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Rentenzusprechung darbot, als
vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus. Zur beab-
sichtigten Motivsubstitution muss der versicherten Person vorgängig das
rechtliche Gehör gewährt werden (Urteil 9C_562/2008 des Bundesgerichts
vom 3. November 2008, E. 2.2).
5.3 Zunächst ist zu prüfen, ob seit den rentenzusprechenden Verfügungen
vom 12. November 2004 und vom 7. Januar 2005 eine erhebliche Ände-
rung im Gesundheitszustand des Beschwerdeführers und/oder in den er-
werblichen Auswirkungen eingetreten ist.
Grundlage jener Verfügungen waren entgegen den Ausführungen des Be-
schwerdeführers nicht primär der Bericht von Dr. O._ vom 21. Ja-
nuar 2003, sondern die in E. 4.1 genannten Berichte aus dem Jahr 2004.
C-205/2015
Seite 18
Dem entsprechenden Feststellungsblatt (B.-act. 31) ist zu entnehmen,
dass nach Ermittlung einer Restarbeitsfähigkeit in einer angepassten Tä-
tigkeit von 50% aus orthopädischer Sicht auf Anraten des RAD zur Abklä-
rung der Diagnosen aus psychiatrischer Sicht ein zusätzlicher Arztbericht
eingeholt wurde. Das Psychiatriezentrum E._ stellte am 19. Juli
2004 eine Arbeitsunfähigkeit von 50% bei günstiger aber unsicherer Prog-
nose fest. Aus den vorhandenen Berichten schloss die IV-Stelle insgesamt
auf eine Arbeitsunfähigkeit in angepasster Tätigkeit von 50%. Unter dem
Punkt „Angaben für den Beschluss“ wurden jedoch auf dem Feststellungs-
blatt lediglich der Gebrechenscode 738 (Übrige Veränderungen an Kno-
chen und Bewegungsorganen [Bänder, Muskeln und Sehnen]) und der
Funktionsausfallcode 03 (Funktionsausfälle der unteren Extremitäten) ver-
merkt (B.-act. 31/4). Dies spricht tatsächlich nicht für eine Abstützung auf
die psychischen Beschwerden (vgl. dazu auch IV-act. 52/2, wonach der
RAD am 18. August 2011 ebenfalls davon ausging, dass psychiatrischer-
seits keine Invalidität vorliege), zumal die Arbeitsunfähigkeit aus orthopä-
discher Sicht für sich allein bereits mit 50% beziffert wurde. Gestützt auf
das Gutachten des ABI ist daher zwar eine deutliche Verbesserung des
psychischen Gesundheitszustands des Beschwerdeführers festzustellen;
diese ist jedoch – da die psychischen Beeinträchtigungen nicht Grundlage
des ursprünglichen Entscheids waren – von vorneherein nicht geeignet,
den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen.
In orthopädischer Hinsicht ist zu den ursprünglichen Beschwerden infolge
der PFN- und OSME-Operationen mit Beinverkürzung ein chronisches,
vorwiegend belastungsabhängiges zervikovertrebrales Schmerzsyndrom
bei Status nach symptomatischen Diskushernien HWK5/6 und HWK 6/7
rechts, Diskektomie und Spondylodese hinzugekommen. Der Gesund-
heitszustand des Beschwerdeführers hat sich insoweit zwar verändert. Auf
eine relevante Verbesserung oder Verschlechterung kann aus dem Gut-
achten indes nicht geschlossen werden. Dieses stellt fest, aus heutiger
Sicht sei nicht klar nachvollziehbar, dass die Arbeitsfähigkeit in angepass-
ter Tätigkeit nach der Entfernung des Osteosynthesematerials im Septem-
ber 2002 noch während längerer Zeit relevant eingeschränkt gewesen
wäre, wobei die Aktenlage diesbezüglich nicht sehr ausführlich und eine
entsprechende Beurteilung nicht mehr genügend zuverlässig möglich sei
(IV-act. 68/20). Zudem sei der Beschwerdeführer durch die vorhandenen
Beschwerden – auch jene im Zusammenhang mit der erfolgten zervikalen
Spondylodese – nicht wesentlich eingeschränkt; durch die Operation im
Februar 2011 sei es lediglich vorübergehend zu einer vollen Arbeitsunfä-
higkeit für jegliche Tätigkeit gekommen, die bei insgesamt unauffälligem
C-205/2015
Seite 19
Verlauf nur vier bis höchstens sechs Monate gedauert haben dürfte (IV-act.
68/19 f.). Mit diesen Ausführungen machen die Gutachter trotz einschrän-
kender Relativierung deutlich, dass ihrer Ansicht nach bereits im Zeitpunkt
der Erstverfügung keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in angepasster
Tätigkeit mehr bestanden haben dürfte. Eine tatsächliche wesentliche Ver-
änderung des Gesundheitsschadens wird hingegen nicht dargelegt. Viel-
mehr werden im Gutachten die Auswirkungen der orthopädischen Beein-
trächtigungen anders beurteilt als im Zeitpunkt der Erstverfügungen.
In Bezug auf den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers besteht da-
mit kein Revisionsgrund. Eine wesentliche Änderung in den erwerblichen
Auswirkungen im Sinne einer wesentlichen Veränderung des Validen- oder
des Invalideneinkommens ergibt sich aus den Akten ebenfalls nicht.
5.4 Aufgrund der Ausführungen im Gutachten des ABI drängt sich eine Prü-
fung der anfänglichen Unrichtigkeit der rentenzusprechenden Verfügungen
vom 12. November 2004 und vom 7. Januar 2005 auf.
5.4.1 In diesem Zusammenhang wurde dem Beschwerdeführer das recht-
liche Gehör gewährt (vgl. Sachverhalt Bst. I und J.). Mit Eingabe vom
14. Dezember 2016 äusserte er sich zusammenfassend wie folgt:
Die Rentenzusprache sei damit begründet worden, dass gemäss der me-
dizinischen Beurteilung eine behinderungsangepasste Tätigkeit zu 50%
zumutbar wäre, ohne dass genau ausgeführt worden sei, auf welchen kon-
kreten medizinischen Akten diese Beurteilung beruhe. Im Feststellungs-
blatt vom 15. September 2004 werde auf den Arztbericht von Dr.
C._ vom 10. April 2004 hingewiesen und eine Stellungnahme des
RAD vom 22. Juni 2004 wiedergegeben. Dr. C._ habe ihn gemäss
Bericht vom 13. November 2002 bis am 8. Dezember 2003 behandelt, wes-
halb die angegebene Arbeitsunfähigkeit von 50% auf echtzeitlichen Unter-
suchungen und einem zuletzt im Wesentlichen stabilen Gesundheitszu-
stand beruht habe. In einem früheren Bericht an die Unfallversicherung
vom 14. Oktober 2003 habe Dr. C._ bezüglich der Arbeitstätigkeit
ausgeführt, es seien bleibende Nachteile zu erwarten. Die Einschätzung
von Dr. C._ habe sodann nicht nur auf seiner eigenen rein haus-
ärztlichen Beurteilung beruht, sondern auch auf der fachärztlichen Konsul-
tation von Dr. P._ (Oberarzt Orthopädie, [...] Klinik D._, IV-
act. 9/4) vom 11. September 2003. Dieser habe festgestellt, es würden
chronische Beschwerden bestehen, und für eine langandauernde radikale
C-205/2015
Seite 20
Verbesserung der Schmerzen, die bisher nur um rund 50% hätten verbes-
sert werden können, könne kein chirurgischer Eingriff empfohlen werden.
Aufgrund dieser medizinischen Aktenlage dürfte aus orthopädischer Sicht
Ende 2003 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ein relativ stabiler Zu-
stand mit chronifizierten Schmerzen vorgelegen haben. Dies dürfte auch
die Unfallversicherung so gesehen haben, weshalb dort offensichtlich ein
Fallabschluss vorgenommen worden sei. Wenn der RAD nur gerade ein
halbes Jahr nach der letzten Untersuchung bei Dr. C._ festgestellt
habe, in orthopädischer Hinsicht könne auf dessen Beurteilung der Arbeits-
fähigkeit abgestellt werden, sei dies nicht nur vertretbar, sondern absolut
plausibel und klar im Rahmen des ärztlichen Ermessensspielraums. Die
IV-Stelle habe beim Erlass der Verfügungen folglich davon ausgehen dür-
fen, dass sich innert des Jahres seit der letzten Untersuchung bei Dr.
C._ keine wesentliche Veränderung der Arbeitsfähigkeit ergeben
haben dürfte, und sie sei deshalb nicht gehalten gewesen, nochmals eine
fachärztliche Untersuchung anzuordnen. Es könne jedenfalls nicht als gro-
ber Fehler bezeichnet werden, dass die IV-Stelle den medizinischen Sach-
verhalt nicht weiter habe abklären lassen. Damit liege keine zweifellose
Unrichtigkeit vor, so dass für eine wiedererwägungsweise Aufhebung der
Verfügungen vom 12. November 2004 und vom 7. Januar 2005 kein Raum
bestehe.
5.4.2 Die ursprünglichen Verfügungen stützten sich in orthopädischer Hin-
sicht gemäss Feststellungsblatt einzig auf einen Bericht des ehemaligen
Hausarztes des Beschwerdeführers, Dr. C._, der diesen im Zeit-
punkt der Berichterstattung bereits vier Monate nicht mehr gesehen hatte
und davon ausgegangen war, dass die Behandlung durch den Patienten
abgebrochen worden war. Dieser stellte ab dem 1. November 2003 und bis
auf weiteres eine medizinisch begründete Arbeitsunfähigkeit für die zuletzt
ausgeübte Tätigkeit von 50% fest, ohne Angaben zur Arbeitsfähigkeit in ei-
ner angepassten Tätigkeit zu machen. Die Prognose bezeichnete er auf-
grund des Krankheitsverlaufs mit mehrmaligen psychiatrischen Hospitali-
sationen sowie bei weiterhin bestehenden Restbeschwerden bei Status
nach PFN und OSEM (recte: OSME) des proximalen Femurs links als un-
günstig und schlug eine psychiatrische Begutachtung unter Einbezug eines
Orthopäden vor (vgl. den Bericht von Dr. C._ vom 10. April 2004).
Der RAD schloss mit Stellungnahme vom 22. Juni 2004 auf eine Arbeitsfä-
higkeit von 50% in einer angepassten Tätigkeit (B.-act. 31/2), welche Ein-
schätzung die IV-Stelle den Verfügungen zugrunde legte (vgl. insb. B.-act.
34/1). Dem Vorschlag von Dr. C._ zur Einholung eines Gutachtens
wurde seitens der IV-Stelle nicht gefolgt; es wurde lediglich noch ein auf
C-205/2015
Seite 21
den psychiatrischen Zustand beschränkter Arztbericht des Psychiatrie-
Zentrums E._ vom 19. Juli 2004 eingefordert.
5.4.3 Die erstmalige, unbefristete Rentenzusprechung ist damit nicht auf
der Basis einer umfassenden tatsächlichen Entscheidungsgrundlage er-
gangen. Insbesondere lag keine aktuelle fachärztliche Einschätzung vor,
aus der auf eine Arbeitsfähigkeit von lediglich 50% in einer angepassten
Tätigkeit hätte geschlossen werden können. Dr. C._ traf eine der-
artige Feststellung entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers
ebenfalls nicht; er äusserte sich ausschliesslich zur Arbeitsunfähigkeit in
der angestammten Tätigkeit. Die Vorinstanz leitete aus dem Kurzbericht
hingegen eine Arbeitsunfähigkeit von 50% auch in einer angepassten Tä-
tigkeit ab, ohne dass der diesbezügliche medizinische Sachverhalt erstellt
war. Der Beschwerdeführer arbeitete denn auch nach seiner Rückkehr in
die Türkei ab dem 12. September 2006 und mindestens bis zur Operation
der Halswirbelsäule im Februar 2011 während sieben Stunden pro Tag res-
pektive 35-45 Stunden pro Woche (in einer angepassten Tätigkeit) als Call-
center-Agent (IV-act. 29, 34, 68/7).
Dass im Verfügungszeitpunkt ein stabiler Zustand mit chronifizierten
Schmerzen vorlag, der eine Arbeitsfähigkeit von lediglich 50% in einer an-
gepassten Tätigkeit zu Folge gehabt hat, lässt sich auch aus den übrigen
Akten nicht ableiten. Die neben dem Bericht von Dr. C._ in den Ak-
ten der IV-Stelle liegenden medizinische Berichte (insb. von Dr. P._
vom 11. November 2003 [B.-act. 9/4 f.]; von Dr. C._ vom 18. Feb-
ruar 2003 [B.-act. 9/12], vom 14. Mai 2003 [B.-act. 9/9], vom 19. Juli 2003
[B.-act. 9/6], vom 11. und 14. Oktober 2003 [B.-act. 10 und 9/2 f.]; von Dr.
O._ vom 21. Januar 2003 [B.-act. 9/13-20) datieren allesamt vor
der Anmeldung des Beschwerdeführers zum Bezug von Leistungen der In-
validenversicherung. Es handelt sich um Kurzberichte zu Handen der Ar-
beitslosen- respektive der Unfallversicherung (Berichte von Dr.
C._), eine Einschätzung der Erfolgschancen eines chirurgischen
Eingriffs in Bezug auf die Schmerzsymptomatik, bei der zur Arbeitsfähigkeit
beziehungsweise -unfähigkeit des Beschwerdeführers keine Angaben ge-
macht werden (Bericht von Dr. P._), beziehungsweise ein zufolge
Differenzen zwischen dem Untersucher und dem Beschwerdeführer un-
vollständiges Gutachten zu Handen der Unfallversicherung (Bericht von Dr.
O._). Für eine zuverlässige und abschliessende Beurteilung der Ar-
beitsfähigkeit als Basis der unbefristeten Rentenzusprechung genügten
diese Berichte offensichtlich ebenfalls nicht.
C-205/2015
Seite 22
5.4.4 Nach dem Gesagten war der rechtserhebliche Sachverhalt im Verfü-
gungszeitpunkt unvollständig festgestellt, was dazu führt, dass sich nach
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. dazu die Urteile des Bun-
desgerichts 8C_818/2012 vom 11. März 2013 E. 5 und 9C_342/2008 E. 3
und 5 [nicht publiziert in BGE 135 I 1]) die Zusprache einer halben Rente
ab November 2003 als zweifellos unrichtig erweist. Den Einwendungen des
Beschwerdeführers kann aus den genannten Gründen nicht gefolgt wer-
den.
5.5 Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht davon ausge-
gangen ist, dass gestützt auf das Gutachten des ABI und unter Berücksich-
tigung der durch den Beschwerdeführer eingereichten Arztberichte eine
volle Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit bei einer Einschrän-
kung der Erwerbsfähigkeit von 13% besteht.
5.5.1 Im Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 40 des Bundesgesetzes vom
4. Dezember 1947 über den Bundeszivilprozess [BZP, SR 273] i.V.m. Art.
19 VwVG). Dies bedeutet, dass der Sozialversicherungsrichter alle Be-
weismittel objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die ver-
fügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechts-
anspruchs gestatten. Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt da-
von ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allsei-
tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück-
sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in
der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung
der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen be-
gründet sind (BGE 137 V 210 E. 6.2.2, 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a).
Dennoch hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweis-
würdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizi-
nischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung auf-
zustellen. So weicht der Richter bei Gutachten nach der Praxis nicht ohne
zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten ab,
dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Verwaltung und der Ge-
richtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt
medizinisch zu erfassen. Eine abweichende Beurteilung kann etwa ge-
rechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer
Fachexperten dem Richter als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit
des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass er die Überprüfung
C-205/2015
Seite 23
durch einen Oberexperten für angezeigt hält, sei es, dass er ohne Oberex-
pertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolge-
rungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b S. 352 f. m.w.H.). Auch den Berichten
und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt Beweiswert zu, sofern
sie schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet und in sich wider-
spruchsfrei sind, und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen
(BGE 125 V 351 E. 3b ee S. 353 f.).
Das Gutachten des ABI erweist sich als vollumfänglich beweistauglich (vgl.
E. 5.1).
5.5.2 Aus psychiatrischer Sicht besteht nach dem vorliegenden Gutachten
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers (vgl. E.
4.2.1 und IV-act. 68/8-15). Diese Einschätzung wird durch die durch ihn
eingereichten Berichte, die sich allesamt nicht mit dem psychischen Ge-
sundheitszustand befassen, nicht infrage gestellt.
5.5.3 In orthopädischer Hinsicht stellt das nachvollziehbar begründete Gut-
achten eine Arbeitsunfähigkeit von 100% für die angestammte Tätigkeit als
Servicekraft und eine volle Arbeitsfähigkeit für eine angepasste (körperlich
leichte) Tätigkeit fest. Die allgemeininternistischen Befunde beschränken
die Arbeitsfähigkeit ebenfalls nicht.
Bezüglich der durch den Beschwerdeführer eingereichten medizinischen
Berichte (vgl. E. 4.2.2) kann vollumfänglich auf die Berichte des RAD vom
16. und 17. Januar 2014, vom 5. und 28. März 2014, vom 25. Juni 2014
und vom 10. Oktober 2014 (IV-act. 93/3 ff., 97, 103, 115, 123) verwiesen
werden, der diese umfassend und nachvollziehbar gewürdigt hat. Der Be-
schwerdeführer macht keine konkreten, begründeten Einwendungen und
es sind keine Gründe ersichtlich, die ein Abweichen von den diesbezügli-
chen Einschätzungen rechtfertigen würden.
5.5.4 Bei einer Rentenrevision ist der Einkommensvergleich auf den Zeit-
punkt hin durchzuführen, auf den die laufende Rente frühestens verändert
werden kann (vgl. Urteil des BGer 9C_882/2010 vom 25. Januar 2011 E.
7.2.1). Hier ist der Zeitpunkt des zweiten der Zustellung der Verfügung fol-
genden Monats massgebend (Art. 88bis Abs. 2 Bst. a IVV), vorliegend der
1. Februar 2015.
Die Vorinstanz hat die Verminderung der Erwerbsfähigkeit des Beschwer-
deführers (zu dessen Gunsten) bezogen auf das Jahr 2010 berechnet (vgl.
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Seite 24
IV-act. 79). Sie ging von einem hypothetischen monatlichen Validenein-
kommen von Fr. 5‘291.99 (errechnet aus dem auf das Jahr 2010 aufge-
rechneten Jahreseinkommen von Fr. 57‘806.- gemäss Einkommensver-
gleich vom 15. September 2004 [vgl. B.-act. 31/4]) und einem monatlichen
Invalideneinkommen von Fr. 5‘097.04 aus (errechnet gemäss den vom
Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhe-
bungen [LSE], LSE 2010 TA1, Männer, Anforderungsniveau 4, Zentralwert
von Fr. 4‘901.- bei 40 Arbeitsstunden, umgerechnet auf 41.6 Stunden ge-
mäss der durchschnittlichen betriebsüblichen Arbeitszeit im Jahr 2010),
und stellte unter Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzugs von 10%
vom Invalideneinkommen eine Verminderung der Erwerbsfähigkeit von
13% ([5‘291.99-4‘587.34 x 100] : 5‘291.99) fest.
Bezogen auf das Jahr 2014 ergibt sich ausgehend von einem hypotheti-
schen monatlichen Valideneinkommen von Fr. 5‘468.79 (errechnet aus
dem auf das Jahr 2014 aufgerechneten Jahreseinkommen von Fr. 57‘806.-
gemäss Einkommensvergleich vom 15. September 2004 [vgl. B.-act. 31/4])
und einem monatlichen Invalideneinkommen von Fr. 5‘537.76 (errechnet
gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebungen [LSE], LSE 2014 TA1, Männer, Kompetenzniveau
1, Zentralwert von Fr. 5‘312.- bei 40 Arbeitsstunden, umgerechnet auf 41.7
Stunden gemäss der durchschnittlichen betriebsüblichen Arbeitszeit im
Jahr 2014) unter Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzugs von
10% vom Invalideneinkommen eine Verminderung der Erwerbsfähigkeit
von lediglich 9% ([5‘468.79-4‘983.98 x 100] : 5‘468.79).
Die Berechnungen ergeben, wie von der Vorinstanz im Ergebnis zutreffend
festgestellt, dass seit dem 1. Februar 2015 kein Anspruch auf Rente be-
steht.
5.6 Zusammenfassend ist die durch die Vorinstanz revisionsrechtlich vor-
genommene Leistungskorrektur mit der substituierten Begründung der an-
fänglichen Unrichtigkeit der rentenzusprechenden Verfügungen im Ergeb-
nis zu schützen. Die IVSTA hat insgesamt zu Recht festgehalten, dass die
Voraussetzungen zur Gewährung einer Invalidenrente derzeit nicht erfüllt
sind. Die Rügen des Beschwerdeführers dringen nach dem Gesagten nicht
durch, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
6.
Das sinngemässe Gesuch um Gewährung der aufschiebenden Wirkung
wird mit dem vorliegenden Entscheid in der Hauptsache gegenstandslos.
C-205/2015
Seite 25
7.
7.1 Der Beschwerdeführer hat als unterliegende Partei die Verfahrenskos-
ten zu tragen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG), die auf Fr. 400.– festzusetzen sind
(Art. 63 Abs. 4bis VwVG sowie Art. 1, 2 und 4 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Zur Begleichung dieses Betrags wird
der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss verwendet.
7.2 Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 64 Abs. 1 VwVG e
contrario). Der obsiegenden Vorinstanz als Bundesbehörde ist ebenfalls
keine Entschädigung auszurichten (vgl. Art. 7 Abs. 3 VGKE).