Decision ID: 2d32911e-c80e-5a66-8f1b-f9efff14db40
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X.Y. , geboren 1978, wird seit Ende Juni 2004 durch das Sozialamt der Stadt
St. Gallen finanziell unterstützt. Das Sozialamt verwarnte ihn mit Schreiben vom
20. Februar 2008, nachdem er bei der Stiftung für Arbeit zum Ausdruck gebracht hatte,
dass er nicht motiviert sei, dort eine Arbeit aufzunehmen. Mit Verfügung vom 10. Juli
2008 legte das Sozialamt der Stadt St. Gallen fest, dass die finanzielle Unterstützung
ab Juni 2008 in Form von Nothilfe ausgerichtet werde und eine Überprüfung des
Anspruchs auf Sozialhilfe für den Monat August 2008 erfolge.
B./ Mit Eingabe vom 23. Juli 2008 erhob X.Y. Rekurs. Das Departement des Innern
wies den Rekurs mit Entscheid vom 6. April 2009 im Sinn der Erwägungen ab. Es
erwog, mit seinem Verhalten habe X.Y. eine Anstellung bei der Stiftung für Arbeit auf
längere Zeit absichtlich verhindert, weshalb die Kürzung der Sozialhilfe grundsätzlich
gerechtfertigt sei. Die Kürzung sei nicht ausdrücklich befristet gewesen. Der Rekurrent
habe es jedoch in der Hand gehabt, eine weitere Kürzung zu verhindern, indem er sich
bei der künftigen Arbeitssuche kooperativ zeige. Die Höhe der Kürzung lasse sich
vorliegend nicht in Prozenten beziffern, da X.Y. nur noch die Nothilfeleistungen von Fr.
8.-- pro Tag sowie die Krankenkassenprämien und allfällige Selbstbehalte bezahlt
würden. Fest stehe indessen, dass die Kürzung weit über 15 % betrage. Allgemein
werde eine Kürzung des Grundbedarfs bis zu 15 % während höchstens zwölf Monaten
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als zulässig erachtet. Der Verfügung vom 10. Juli 2008 sei zu entnehmen, dass die
Sozialhilfeleistungen offenbar aufgrund eines Fehlverhaltens bereits zuvor um 15 %
gekürzt worden waren und zusätzlich ein hypothetisches Arbeitseinkommen von
Fr. 250.-- in Abzug gebracht worden sei. Das Verwaltungsgericht erachte grundsätzlich
sogar einen vollständigen Entzug der Leistungen als zulässig. Auch die SKOS-
Richtlinien würden in Ausnahmefällen und unter bestimmten Voraussetzungen die
vollständige Einstellung von Leistungen der Grundsicherung als zulässig erachten.
Nachdem die Leistungen vorliegend aufgrund eines Fehlverhaltens bereits gekürzt
gewesen seien, habe das Sozialamt eine weitere Kürzung der Leistungen auf Nothilfe
sowie die Bezahlung der Krankenkassenprämien und -selbstbehalte vornehmen dürfen.
Rückwirkende Kürzungen seien allerdings unzulässig. Zusammenfassend ergebe sich,
dass die Kürzung hinsichtlich der Höhe und Dauer rechtmässig bzw. verhältnismässig
sei, indessen erst ab 10. Juli 2008.
C./ Gegen den Entscheid des Departements des Innern erhob X.Y. mit Eingabe vom
19. April 2009 Beschwerde beim Verwaltungsgericht.
Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 4. Mai 2009 die Abweisung der
Beschwerde. Die Beschwerdegegnerin beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 26. Mai
2009 ebenfalls die Abweisung der Beschwerde.
Der Beschwerdeführer erhielt Gelegenheit, zu den Vernehmlassungen Stellung zu
nehmen. Er reichte aber keine Vernehmlassung ein.
Die von den Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge gemachten
Ausführungen werden, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen
dargelegt und gewürdigt.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 19. April 2009 wurde
rechtzeitig eingereicht und kann als den gesetzlichen Anforderungen genügend
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betrachtet werden (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1
VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Der Beschwerdeführer hält fest, er möchte geklärt wissen, welche der
Bestimmungen nach Art. 17 des Sozialhilfegesetzes (sGS 381.1, abgekürzt SHG) er
missachtet habe, lit. a, b, c oder d. Damit rügt der Beschwerdeführer im Grundsatz eine
ungenügende Begründung des angefochtenen Entscheids und damit eine Verletzung
des rechtlichen Gehörs.
Die Vorinstanz führte im angefochtenen Entscheid (Erw. 2.2) den Tatbestand von
Art. 17 lit. a bis d SHG im gesetzlichen Wortlaut an. In Erw. 3.3.3 hielt sie fest, der
Beschwerdeführer habe mit seinem Verhalten eine Anstellung bei der Stiftung für Arbeit
auf längere Zeit absichtlich verhindert. Die Nichtaufnahme der Arbeit sei seinem
Verhalten und somit ihm zuzuschreiben. Die Vorinstanz unterliess es aber, in jener
Erwägung ausdrücklich auf Art. 17 lit. d SHG hinzuweisen. Angesichts der vier
verschiedenartigen Tatbestände war aufgrund der Schlussfolgerungen der Vorinstanz
aber klar, dass dem Beschwerdeführer die Ablehnung einer seinen Fähigkeiten
entsprechenden Arbeit vorgeworfen wurde. Von einer ungenügenden Begründung kann
daher im vorliegenden Fall nicht gesprochen werden.
3. Nach Art. 9 SHG hat Anspruch auf finanzielle Sozialhilfe, wer für seinen
Lebensunterhalt nicht hinreichend oder nicht rechtzeitig aus eigenen Mitteln
aufkommen kann.
3.1. Im Sozialhilfegesetz sind nicht nur Ansprüche, sondern auch Pflichten verankert.
Wer um finanzielle Sozialhilfe ersucht, hat nach Art. 16 Abs. 1 SHG wahrheitsgetreu
und vollständig Auskunft zu erteilen (lit. a) sowie Amtsstellen und Dritte zu ermächtigen,
Auskünfte zu erteilen (lit. b). Wer finanzielle Sozialhilfe bezieht, ist nach Art. 16 Abs. 2
SHG verpflichtet, Tatsachen umgehend zu melden, die Anspruch oder Berechnung
verändern. Nach Art. 17 SHG wird finanzielle Sozialhilfe verweigert, gekürzt oder
eingestellt, wenn die hilfesuchende Person keine oder unrichtige Auskünfte erteilt
(lit. a), verlangte Unterlagen nicht einreicht (lit. b), Bedingungen und Auflagen
missachtet (lit. c) oder ihren Fähigkeiten entsprechende Arbeit ablehnt (lit. d). Art. 12
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SHG bestimmt weiter, dass eine arbeitsfähige Person verpflichtet ist, eine ihren
Fähigkeiten entsprechende Arbeit anzunehmen.
Bei der Kürzung von Unterstützungsleistungen ist zu berücksichtigen, dass die
Kürzungen zumutbar sein müssen, die betroffene Person informiert oder verwarnt
worden sein muss und die Kürzung in angemessenem Verhältnis zum Fehlverhalten
steht und die betroffene Person durch Änderung ihres Verhaltens dafür sorgen kann,
dass die Kürzung ab einem späteren Zeitpunkt rückgängig gemacht werden kann.
Sodann können Leistungen gekürzt oder entzogen werden, wenn sich die unterstützte
Person rechtsmissbräuchlich verhält, indem sie beispielsweise eine Erwerbstätigkeit
nur deshalb nicht aufnimmt, um in den Genuss von Sozialhilfeleistungen zu gelangen
(GVP 1998 Nr. 77 und 1996 Nr. 98). Das Bundesgericht hielt fest, dass selbst ohne
gesetzliche Grundlage ein vollständiger Leistungsentzug zulässig ist, wenn sich die
unterstützte Person rechtsmissbräuchlich verhält (BGE 122 II 198 mit Hinweisen).
3.2. Die Vorinstanz hält dem Beschwerdeführer vor, durch sein Verhalten gegenüber
dem Sozialamt und gegenüber der Stiftung für Arbeit eine Arbeitsaufnahme bei jener
Stiftung absichtlich für längere Zeit verhindert zu haben.
Aufgrund der Akten des Sozialamts fand am 11. Februar 2008 ein
Vorstellungsgespräch des Beschwerdeführers bei der Stiftung für Arbeit statt. Diese
hielt gegenüber dem Sozialamt fest, der Beschwerdeführer sei gegenüber der Stiftung
negativ eingestellt, weshalb ein Einsatz wenig Sinn mache. Es sei ihm gesagt worden,
dass er die Stiftung anrufen könne, wenn er es sich anders überlegt habe. Seitens des
Sozialamtes wurden diese Angaben nicht überprüft. Namentlich wurde nicht abgeklärt,
wie sich der Beschwerdeführer genau verhielt bzw. wie er sich gegenüber der Stiftung
äusserte. Der Beschwerdeführer erklärte jedenfalls gegenüber dem Sozialamt, das
Gespräch sei anders verlaufen, als es von der Stiftung für Arbeit geschildert worden
sei. Diese äusserte in der Folge gegenüber dem Beschwerdeführer, sie habe dem
Sozialamt nicht gemeldet, er wolle nicht bei der Stiftung arbeiten, sondern er habe eine
sehr negative Einstellung. Deshalb sei eine zukünftige Zusammenarbeit nicht möglich.
Inwiefern die innere Einstellung eines Sozialhilfebezügers gegenüber der Stiftung für
Arbeit für eine Anstellung ausschlaggebend sein darf, erscheint grundsätzlich fraglich.
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Zumindest hätte das Sozialamt aber die näheren Umstände genau abklären müssen,
bevor sie das Verhalten des Beschwerdeführers als Arbeitsverweigerung einstufte. Wie
allein die Einstellung des Beschwerdeführers einer Arbeitsverweigerung gleichkommen
könnte, ist schwer nachzuvollziehen. Zum konkreten Verhalten bzw. dazu, wie sich die
angeblich negative Einstellung äusserte, enthalten die Mitteilungen der Stiftung an das
Sozialamt keine tauglichen Angaben. Die vorliegenden Akten enthalten somit keine
hinreichende Grundlage, wonach der Beschwerdeführer den Tatbestand von Art. 17 lit.
d SHG erfüllt hat.
3.3. Aus der Verfügung vom 10. Juli 2008 geht nicht hervor, wie hoch die Leistungen
vor der Kürzung waren. Auch fehlen Angaben, wie und in welchem Umfang die ab Juni
2008 gewährte Nothilfe bemessen ist. In den SKOS-Richtlinien ist Nothilfe
ausschliesslich als knapp bemessene Leistung an illegal anwesende Ausländer
aufgeführt (Ziff. G.3-4). Die Vorinstanz hielt aufgrund der Verfügung des Sozialamtes
vom 10. Juli 2008 fest, die Sozialhilfeleistungen seien bereits zuvor um 15 % gekürzt
worden und zusätzlich sei ein hypothetisches Arbeitseinkommen von Fr. 250.-- in
Abzug gebracht worden. Welche Leistungen dem Beschwerdeführer nach der Kürzung
ausgerichtet wurden, geht aus den Akten somit nicht genau hervor. Im angefochtenen
Entscheid wird die Nothilfe mit Fr. 8.-- pro Tag beziffert. Worauf sich diese Angabe
stützt, ist aufgrund der Akten nicht nachvollziehbar. Hinzu kommt, dass die Reduktion
der Leistungen gemäss Rekursentscheid ab 10. Juli 2008 wirksam wurde. In der
Verfügung vom 10. Juli 2008 wurde festgehalten, eine erneute Überprüfung des
Anspruchs erfolge im August 2008. Ob während des Rekursverfahrens der Anspruch
überprüft wurde, geht aus den Akten allerdings nicht hervor. Auch wurde im
Rekursentscheid keine Befristung der Kürzung bzw. keine Überprüfung der Leistungen
angeordnet.
Die Vorinstanz beziffert die Nothilfeleistungen auf Fr. 8.-- pro Tag. Dies ergibt eine
monatliche Leistung von Fr. 240.-- zuzüglich Krankenkassenprämien und allfällige
Selbstbehalte. Gegenüber den Leistungen gemäss SKOS-Richt-linien für den
Grundbedarf von Fr. 960.-- für die materielle Grundsicherung (SKOS-Richtlinien B.2-4)
liegt somit eine erhebliche Reduktion vor. Eine solche ist im Sinne der
Verhältnismässigkeit zwingend zu befristen bzw. von Amtes wegen nach einer
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bestimmten Zeitdauer zu überprüfen. Eine solche Befristung wurde im angefochtenen
Entscheid nicht vorgenommen.
3.4. Zusammenfassend ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen, dass keine
hinreichenden Anhaltspunkte für eine Arbeitsverweigerung vorliegen. Der Sachverhalt
wurde unvollständig festgestellt. Der angefochtene Rekursentscheid vom 6. April 2009
ist daher in Ziff. 1 aufzuheben. Die Angelegenheit ist gestützt auf Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 56 Abs. 2 VRP zur weiteren Feststellung des Sachverhalts und zur
neuen Beurteilung und Entscheidung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Dies entspricht einer teilweisen Gutheissung der Beschwerde.
4. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens je zur Hälfte dem Beschwerdeführer und dem Staat
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist
angemessen (Art. 13, Ziff. 622 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Auf ihre Erhebung ist
zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 und Art. 97 VRP).
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht