Decision ID: bb4f3af5-ef27-46da-9b8c-b8e62d3e0d0c
Year: 2015
Language: de
Court: BL_KG
Chamber: BL_KG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Landschaft Ost aufzuheben und das Verfahren zur Ergänzung des Sachverhalts und zur
neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
3. Es seien die Verfahren mit den Verfahrensnummern 160 15 1123 II, 160 15 1125 II, 160 15
1226 II sowie 160 15 1127 II zu vereinigen.
4. Es seien die Kosten des vorliegenden Verfahrens dem Beschwerdegegner aufzuerlegen.“
Zur Begründung der Beschwerde wurde im Wesentlichen ausgeführt, die Vorinstanz verkenne,
dass die Zustellung eines eingeschriebenen Briefes durch eine Postaufgabebestätigung oder
einen Rückschein bewiesen werde. Dies heisse in casu, dass die Zustellung des eingeschrie-
benen dritten Mahnschreibens vom 9. Januar 2014 durch die Postaufgabebestätigung bewie-
sen sei. Zudem werde im Urteil vom 21. September 2015 verkannt, dass der Beschwerdegeg-
ner sehr wohl mit der Zustellung einer behördlichen Verfügung resp. Mahnung habe rechnen
müssen, da der Beschwerdegegner gewusst habe, dass in seinem Betrieb mehrmals Lebens-
mittelkontrollen sowie Nachkontrollen durchgeführt worden seien und diverse Beanstandungen
vorgelegen hätten. Zudem schreibe das Lebensmittelgesetz ausdrücklich eine schriftliche Mit-
teilung der Beanstandungen an die Betroffenen vor. Infolgedessen habe er am Verhalten des
Gesundheitsdepartementes Basel-Stadt zweifelsfrei erkennen können, dass aufgrund der Be-
anstandungen eine ihn belastende Verfügung erlassen werde. Weiter weise die Betreibungsan-
kündigung vom 8. Januar 2015 sehr wohl einen erkennbaren Bezug zur Verfügung vom
9. September 2013 auf. Einerseits sei die Rechnungsnummer 11-3351 der Rechnung vom
11. September 2013 zur Verfügung vom 9. September 2013 unter Referenz Auftraggeber auf-
geführt. Diese Rechnungsnummer befinde sich auch auf allen drei Mahnschreiben. Anderer-
seits sei der Betreffzeile der Betreibungsankündigung das Departement (Gesundheitsdeparte-
ment), die Abteilung (Gesundheitsschutz) und das Jahr der Verfügung (2013) zu entnehmen.
Das Argument, der Zusammenhang zwischen der Verfügung vom 9. September 2013 und der
Betreibungsankündigung vom 8. Januar 2015 sei nicht erkennbar, weil mehr als ein Jahr dazwi-
schen liege, könne daher nicht nachvollzogen werden. Ferner habe der Beschwerdeführer be-
reits in seiner Stellungnahme vom 13. August 2015 festgehalten, dass der Beschwerdegegner
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in einem anderen Verfahren eine Rechnung (Nr. 11/443) nach Erhalt der dritten und letzten
Mahnung vom 10. Juni 2013 bezahlt habe. Zudem sei dem Beschwerdegegner am 14. Oktober
2013 eine Ermahnung betreffend Betriebshygienekontrolle Nr. 21216 vom 9. September 2013
per Einschreiben zugestellt worden, woraufhin der Beschwerdegegner am 17. Oktober 2013
beim Gesundheitsdepartement Basel-Stadt telefonisch angefragt habe, wie er die Verfügung
umsetzen müsse, was aus dem beigelegten Auszug des Gesundheitsdepartementes Basel-
Stadt vom 24. Juli 2014 hervorgehe. Dies zeige einerseits, dass der Beschwerdegegner sehr
wohl gewusst habe, dass er im Kontakt mit dem Gesundheitsdepartement stehe, und anderer-
seits mache es den Einwand des Beschwerdegegners, alle Verfügungen sowie alle dazugehö-
rigen Mahnschreiben nicht erhalten zu haben, wenig glaubhaft.
D. Mit Stellungnahme vom 20. Oktober 2015 beantragte der Zivilkreisgerichtspräsident Ba-
sel-Landschaft Ost die Abweisung der Beschwerde unter o/e Kostenfolge, wobei er zur Begrün-
dung dieses Antrages vollumfänglich auf das schriftlich begründete Urteil vom 21. September
2015 verwies.
E. Der Beschwerdegegner beantragte mit Stellungnahme vom 30. Oktober 2015 ebenfalls,
dass die Beschwerde abzuweisen sei. Er verwies zur Begründung auf seine bisherige Rechts-
schrift und auf das Urteil des Zivilkreisgerichtspräsidenten Basel-Landschaft Ost vom
21. September 2015.

Erwägungen
1. Rechtsöffnungsentscheide sind mit Beschwerde anfechtbar (Art. 319 lit. a ZPO i.V.m.
Art. 309 lit. b Ziff. 3 ZPO). Gemäss Art. 321 ZPO i.V.m. Art. 251 lit. a ZPO ist die Beschwerde
gegen Rechtsöffnungsentscheide innert 10 Tagen seit Zustellung schriftlich und begründet bei
der zuständigen Rechtsmittelinstanz einzureichen. Das angefochtene Urteil des Zivilkreisge-
richtspräsidenten Basel-Landschaft Ost vom 21. September 2015 wurde dem Beschwerdefüh-
rer am 25. September 2015 zugestellt, weshalb sich die Beschwerdeeingabe vom 5. Oktober
2015 als rechtzeitig erweist. Der Beschwerdeführer beruft sich auf zulässige Beschwerdegrün-
de gemäss Art. 320 ZPO. Folglich ist auf die Beschwerde einzutreten. Die sachliche Zuständig-
keit des Präsidiums der zivilrechtlichen Abteilung des Kantonsgerichts Basel-Landschaft ergibt
sich aus § 5 Abs. 1 lit. b EG ZPO (SGS 221).
2. Hat im Rahmen eines Zwangsvollstreckungsverfahrens die betriebene Person gegen den
Zahlungsbefehl Rechtsvorschlag erhoben, so kann der Gläubiger beim Richter die Aufhebung
des Rechtsvorschlags durch definitive Rechtsöffnung verlangen, wenn die Forderung auf einer
vollstreckbaren Verfügung einer schweizerischen Verwaltungsbehörde beruht (Art. 80 Abs. 1
und 2 SchKG). Bei der im vorliegenden Fall ins Recht gelegten Verfügung des Gesundheitsde-
partementes des Kantons Basel-Stadt vom 9. September 2013 handelt es sich zweifelsfrei um
eine Verfügung einer schweizerischen Verwaltungsbehörde. Diese richtet sich explizit gegen
den Beschwerdegegner persönlich bzw. gegen die von ihm damals offenbar noch geführte und
keine eigene Rechtspersönlichkeit aufweisende Einzelfirma B._. Die Vorinstanz hat daher
zu Recht den vom Beschwerdegegner im erstinstanzlichen Verfahren noch vorgebrachten Ein-
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wand, wonach nicht er, sondern ausschliesslich die C._ GmbH die verfügte Gebühr schulde,
von vornherein nicht gehört. Im vorliegenden Beschwerdeverfahren strittig und zu prüfen ist
einzig die Vollstreckbarkeit der genannten Verfügung.
3.1 Nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung entfalten Entscheide bzw. Verfü-
gungen, die der betroffenen Person nicht eröffnet worden sind, grundsätzlich keine Rechtswir-
kungen bzw. erwachsen sie jedenfalls nicht in Rechtskraft und können somit nicht vollstreckt
werden. Geht es um eine auf Geld lautende Verfügung, hat grundsätzlich der Gläubiger, der
einen Rechtsöffnungstitel vorlegt und gestützt hierauf die Erteilung der definitiven Rechtsöff-
nung verlangt, den – die korrekte Eröffnung voraussetzenden – Nachweis der Vollstreckbarkeit
im Sinne von Art. 80 Abs. 1 SchKG zu erbringen (BGer 5A_359/2013 E. 4.1). Ist die Verfügung
uneingeschrieben versendet worden, beweist die Postaufgabe nicht zwingend, dass der Adres-
sat die Verfügung auch tatsächlich erhalten hat. Ein Fehler bei der Postzustellung liegt nicht
derart ausserhalb jeder Wahrscheinlichkeit, dass mit dieser Möglichkeit nicht gerechnet werden
müsste (BGE 105 III 43 E. 2a). Der Nachweis der Zustellung kann jedoch aufgrund von weite-
ren Indizien oder gestützt auf die Umstände erbracht werden. Ein derartiges Indiz ist die bewie-
sene Zustellung einer Mahnung, gegen die sich der Schuldner nicht zur Wehr gesetzt hat (BGE
105 III 43 E. 3; DANIEL STAEHELIN, Basler Kommentar SchKG, 2. Aufl. 2010, Art. 80 N 124).
Muss der von einer Verfügung betroffene Adressat angesichts des Verhaltens der Verwaltung
zweifelsfrei erkennen, dass sie eine ihn belastende Verfügung erlassen hat, die er nicht erhal-
ten hat oder erhalten haben will, ist er nach Treu und Glauben verpflichtet, sich gegen eine
Mahnung zur Wehr zu setzen und nicht zuzuwarten, bis er betrieben wird. Unterlässt er dies,
wird die verfügende Behörde vom strengen Nachweis der Eröffnung entbunden und darf das
Gericht in Würdigung des Verhaltens des Verfügungsadressaten von der rechtsgültigen Eröff-
nung der Verfügung ausgehen, wenn genügend starke Indizien auf eine Zustellung hindeuten
(BGer 5A_359/2013 E. 4.1).
3.2 Im vorliegenden Fall ergeht aus den Akten, dass am 3. September 2013 im Gastrobetrieb
des Beschwerdegegners eine Betriebshygienekontrolle stattgefunden hat. Aufgrund verschie-
dener Beanstandungen erliess das Gesundheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt in der
Folge am 9. September 2013 eine Verfügung gegen den Beschwerdegegner, wobei dieser un-
ter anderem verpflichtet wurde, den Lieferanten der Döner-Abschnitte bis zum 20. September
2013 bekannt zu geben und die Gebühren der Kontrolle in der Höhe von CHF 2‘393.00 zu be-
zahlen. Die Gebühren wurden mit separatem Schreiben vom 11. September 2013 in Rechnung
gestellt. Sowohl die Verfügung als auch die Rechnung wurden mittels A-Post versendet. Da der
Beschwerdegegner der Verfügung scheinbar nicht nachging, wurde am 14. Oktober 2013 eine
Ermahnung per Einschreiben verschickt, in welcher dem Beschwerdegegner eine Nachfrist zur
Nennung des Lieferanten der Döner-Abschnitte gesetzt wurde. Gemäss den Angaben des Be-
schwerdeführers und eines Journaleintrages des Gesundheitsdepartementes (Beschwerdebei-
lage 14) erkundigte sich der Beschwerdegegner daraufhin am 17. Oktober 2013 telefonisch
beim Gesundheitsdepartement, wie er die Verfügung umsetzen müsse. Der Beschwerdegegner
bestreitet nicht, dieses Telefongespräch geführt zu haben. Weiter wurden dem Beschwerde-
gegner bezüglich der offenen Gebührenrechnung am 5. November 2013 und am 6. Dezember
2013 zwei Mahnschreiben per A-Post sowie am 9. Januar 2014 eine Mahnung per Einschreiben
verschickt. Gemäss der unbestrittenen Ausführung des Beschwerdeführers hat der Beschwer-
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degegner die eingeschriebene Mahnung vom 9. Januar 2014 bei der Post nicht abgeholt. Mit
Schreiben vom 8. Januar 2015 kündigte der Beschwerdeführer schliesslich die Betreibung an.
Das Gleiche tat der Beschwerdeführer auch in drei weiteren Verfahren, welche mittlerweile
ebenfalls vor Gericht hängig sind. Dabei geht es ebenso um vom Gesundheitsdepartement des
Kantons Basel-Stadt erhobene Gebühren, welche der Beschwerdegegner nicht bezahlt hat. So
wurden mit Verfügung vom 7. Mai 2013 im Zusammenhang mit einem Untersuchungsbericht
über am 2. Mai 2013 entnommene Lebensmittelproben eine Gebühr von CHF 1‘143.00, mit
Verfügung vom 28. Januar 2014 im Zusammenhang mit einer Betriebshygienekontrolle vom
22. Januar 2014 eine Gebühr von CHF 2‘624.00 und mit Verfügung vom 19. Februar 2014 im
Zusammenhang mit einer Inspektion vom 13. Februar 2014 eine Gebühr von CHF 212.00 dem
Beschwerdegegner aufgetragen. Bezüglich all dieser Gebühren wurden separate Rechnungen
ausgestellt und jeweils drei Mahnschreiben versendet.
3.3 Insgesamt waren somit die Lebensmittelkontrolleure in der Zeit vom 2. Mai 2013 bis zum
13. Februar 2014 mehrfach im Betrieb des Beschwerdegegners. Weiter wurden mehrere Verfü-
gungen erlassen und es erging eine Fülle von Schreiben an den Beschwerdegegner. Es liegt
ausserhalb jeder Wahrscheinlichkeit, dass bei sämtlichen dieser Verfügungen, Rechnungen
und Mahnschreiben ein Fehler bei der Postzustellung erfolgt sein sollte. Der Beschwerdegegner
musste aufgrund der diversen Kontrollen, welche in seinem Betrieb durchgeführt worden sind,
damit rechnen, dass vom Gesundheitsdepartement Verfügungen erlassen werden würden. Aus
seinem Verhalten, namentlich dem Telefonanruf vom 17. Oktober 2013, ergeht denn auch, dass
der Beschwerdegegner über die Beanstandungen des Gesundheitsdepartementes Bescheid
wusste. Als Verantwortlicher eines Gastrobetriebes hatte ihm auch bewusst zu sein, dass er bei
gefundenen Mängeln in seinem Betrieb entsprechend für die Gebühren der Untersuchungen
aufzukommen hat. Er durfte folglich Rechnungen und Mahnungen seitens des Gesundheitsde-
partementes erwarten. Wie der Beschwerdeführer zu Recht ausführt, erscheint es wenig glaub-
haft, wenn der Beschwerdegegner behauptet, alle Verfügungen sowie alle dazugehörigen
Mahnschreiben nicht erhalten zu haben. Der Beschwerdegegner scheint vielmehr systematisch
jegliche Verfügungen, Rechnungen und Mahnungen, die ihm nicht passten, bewusst zu ignorie-
ren. Aufgrund dieses wider Treu und Glauben sprechenden Verhaltens und der gesamten Um-
stände erscheint es richtig, den Beschwerdeführer vorliegend vom strengen Nachweis der Er-
öffnung der einzelnen Verfügung zu entbinden. Es liegen im konkreten Fall genügend starke
Indizien vor, die auf eine Zustellung der Verfügung vom 9. September 2013 hindeuten.
3.4 Im Übrigen kann daher offengelassen werden, ob die Betreibungsankündigung vom
8. Januar 2015 einen genügend erkennbaren Bezug zur Verfügung vom 9. September 2013
nimmt. Immerhin musste dem Beschwerdegegner trotz der Zeitspanne von über einem Jahr
aufgrund der Nennung des Gesundheitsdepartementes klar gewesen sein, dass der eingefor-
derte Geldbetrag mit grosser Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit einer der durchgeführ-
ten Kontrollen bzw. Inspektionen in seinem Betrieb steht. Dass er sich in der Folge auch nicht
gegen die Betreibungsankündigung zur Wehr setzte, sondern zuwartete, bis er betrieben wird,
ist bloss ein weiteres Indiz dafür, dass der Beschwerdegegner die jeweiligen Verfügungen er-
halten hat, aber seiner Zahlungspflicht bewusst nicht nachgekommen ist.
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4. Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist die Verfügung des Gesundheitsdepartemen-
tes Basel-Stadt vom 9. September 2013 als dem Beschwerdegegner zugestellt und ordentlich
eröffnet zu betrachten. In Gutheissung der Beschwerde ist daher das angefochtene Urteil des
Zivilkreisgerichtspräsidenten Basel-Landschaft Ost vom 21. September 2015 aufzuheben und
dem Beschwerdeführer in der Betreibung Nr. 000 des Betreibungsamtes Basel-Landschaft die
definitive Rechtsöffnung für die Forderung von CHF 2‘393.00 nebst Zins zu 5% seit dem
6. Februar 2015 sowie für den bis zum 6. Februar 2015 aufgelaufenen Zins von nunmehr
CHF 154.85 und für die bisher entstandenen Kosten von CHF 80.00 zuzüglich der Kosten für
den Zahlungsbefehl von CHF 73.30 zu bewilligen.
Gleichzeitig ist der erstinstanzliche Entscheid über die Tragung der Prozesskosten dem geän-
derten Ausgang des Rechtsöffnungsverfahrens (vgl. Art. 106 Abs. 1 ZPO) anzupassen. Zufolge
Unterliegens hat der Gesuchsbeklagte die erstinstanzlichen Gerichtskosten von CHF 150.00 zu
tragen und dem Gesuchskläger für das erstinstanzliche Verfahren eine Umtriebsentschädigung
von CHF 50.00 zu bezahlen.
5. Abschliessend ist noch über die Verteilung der Prozesskosten für das Rechtsmittelverfah-
ren zu befinden. Der Beschwerdegegner hat ausgangsgemäss die Gerichtskosten des zweitin-
stanzlichen Verfahrens zu tragen. Die Entscheidgebühr für das Beschwerdeverfahren wird da-
bei in Anwendung von Art. 61 i.V.m. Art. 48 GebV SchKG auf pauschal CHF 225.00 festgelegt.
Schliesslich hat der Beschwerdegegner dem Beschwerdeführer auch für das Rechtsmittelver-
fahren eine Umtriebsentschädigung von CHF 50.00 zu bezahlen.