Decision ID: 77fe87b0-1053-4a26-af57-f0c17569353a
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, Anwaltskanzlei St. Jakob,
St. Jakob Strasse 37, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente (Beginn)
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 4. Oktober 2007 erstmals zum Bezug einer Invalidenrente
an (IV-act. 8-1 ff.). Im Auftrag der IV-Stelle wurde durch die Zentrum für Arbeitsmedizin,
Ergonomie und Hygiene (AEH) AG am 28. April 2008 ein Gutachten erstellt (IV-act. 32-1
ff.). Die Gutachter nannten die Diagnosen Fibromyalgiesyndrom, Panvertebralsyndrom
(Dekonditionierung und Wirbelsäulenfehlform mit Hyperkyphose und linkskonvexer
thorakaler Skoliose) sowie einen Status nach Anpassungsstörung mit Angst und
Depression gemischt (ICD-10: F43.22) und legten die Arbeitsfähigkeit der Versicherten
sowohl in der angestammten Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiterin als auch in einer
knapp mittelschweren Arbeit auf 100 % fest (IV-act. 32-6). Im Abklärungsbericht
Haushalt vom 5. Februar 2009 wurde die Versicherte zu 30 % als Hausfrau und zu
70 % als Erwerbstätige qualifiziert (IV-act. 42-1 ff.). Mit Verfügung vom 19. Oktober
2009 wies die IV-Stelle das Rentengesuch ab (IV-act. 59-1 ff.). Dagegen erhob die
Versicherte am 16. November 2009 Beschwerde beim Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen (IV-act. 66-2 ff.). In der Folge hiess das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen die Beschwerde mit Entscheid vom 2. Dezember 2010 teilweise gut,
indem es die Verfügung vom 19. Oktober 2009 aufhob und die Sache zur weiteren
Sachverhaltsabklärung und zur anschliessenden neuen Verfügung im Sinne der

Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückwies (IV 2009/ 433). Der Entscheid
erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
A.b Im Auftrag der IV-Stelle nahm Dr. med. B._, Facharzt Psychiatrie und
Psychotherapie FHM, mit Schreiben vom 20. Januar 2011 (IV-act. 97-1 ff.) zum für die
AEH AG erstellten Gutachten ergänzend Stellung. Er führte aus, dass er keine post
traumatische Belastungsstörung anlässlich seiner Untersuchung vom 4. Januar 2008
habe diagnostizieren können. Auch eine Persönlichkeitsstörung könne von ihm nicht
bestätigt werden. Die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung gemäss der
psychiatrischen Klinik C._, in welcher die Versicherte vom 5. bis 20. August 2010
hospitalisiert gewesen sei, könne er ebenfalls nicht bestätigen (IV-act. 97-2).
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A.c Dr. med. D._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin und Tropenmedizin, erstattete
am 14. März 2011 zuhanden der IV-Stelle einen Verlaufsbericht. Er führte aus, dass ein
unbefriedigender Versuch der stationären Behandlung der Versicherten in der Klinik
C._ stattgefunden habe. Es sei zu einer allgemeinen Verschlechterung mit de
pressiven Gefühlen, chaotischem Tag-/Nacht-Rhythmus, Schmerzschüben sowie einer
zunehmenden Delegation von Aufgaben als Mutter und Hausfrau an Mann und Kinder
gekommen (IV-act. 105).
A.d Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die Ärztliche Begutachtungsinstitut (ABI) GmbH
am 10. Oktober 2011 ein polydisziplinäres Gutachten unter Einschluss eines internis
tischen/allgemeinmedizinischen, psychiatrischen und rheumatologischen
Teilgutachtens (IV-act. 125-2 ff.). Die Gutachter nannten als Diagnosen mit Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit eine emotional instabile Persönlichkeit (ICD-10 F60.3), eine
somatoforme Schmerzstörung nach multiplen Traumatisierungen (ICD-10 F45.4) sowie
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode
(ICD-10 F32.1). Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gaben sie
Probleme in der Beziehung zum Ehepartner (ICD-10 Z63.0), Probleme in der Beziehung
zu den Eltern oder zu angeheirateten Verwandten (ICD-10 Z63.1), ein chronisches
zervikospondylogenes Schmerzsyndrom (ICD-10 M53.1), ein chronisches
thorakolumbospondylogenes Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.5), ein generalisiertes
multilokuläres Schmerzsyndrom (ICD-10 R52.9) sowie einen fortgesetzten
Nikotinkonsum, schädlicher Gebrauch (ICD-10 F17.1), an (IV-act. 125-18). Die
Gutachter hielten fest, für eine körperlich leichte bis mittelschwere wechselbelastende
Tätigkeit sowie für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Reinigungsangestellte/
Mitarbeiterin Hausdienst bestehe eine 50 %ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit (IV-act.
125-20).
A.e In einer internen Stellungnahme vom 19. Oktober 2011 führte Dr. med. E._,
Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation, vom RAD aus, dass auf das
Gutachten der ABI GmbH abgestellt werden könne. Es sei ausführlich, schlüssig und
nachvollziehbar. Bis zum 4. August 2010 könne weiterhin auf eine 100 %ige
Arbeitsfähigkeit gemäss AEH-Gutachten abgestellt werden. Anschliessend an die
Begutachtung durch Dr. B._ sei aus psychiatrischer Sicht eine langsame
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schleichende Verschlechterung anzunehmen. Ab dem 5. August 2010 sei von einer
Arbeitsfähigkeit von 50 % auszugehen (IV-act. 126-1 f.).
A.f Am 21. November 2011 hielt der Rechtsdienst der IV-Stelle fest, aufgrund des psy
chopathologischen Befundes im ABI-Gutachten und der diagnostischen Einschätzung
sei die Arbeitsfähigkeitsschätzung im Gutachten nachvollziehbar. Auf die Beurteilung
des RAD vom 19. Oktober 2011 könne abgestellt werden (IV-act. 127).
A.g Mit Vorbescheid vom 5. Januar 2012 stellte die IV-Stelle bei einem Invaliditätsgrad
von 50 % einen ab 1. August 2011 bestehenden Anspruch auf eine halbe Rente in Aus
sicht (IV-act. 135-1 ff.). Am 26. März 2012 verfügte die IV-Stelle gemäss Vorbescheid
(IV-act. 140-1 f., 138-1 f.).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtete sich die am 17. April 2012 erhobene Beschwerde,
in der beantragt wurde, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und der Be
schwerdeführerin sei eine halbe Invalidenrente ab spätestens Dezember 2007 zuzu
sprechen und zu entrichten. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Vornahme weiterer
Abklärungen im Sinne der Erwägungen und anschliessender Zusprache einer halben
Invalidenrente ab spätestens Dezember 2007 an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, was den Beginn der
lang andauernden Krankheit anbelange, betrachte die ABI GmbH den Eintritt der Be
schwerdeführerin in die Klinik C._ als massgebenden Zeitpunkt. Sie begründe dies
mit dem seit der Beurteilung durch Dr. B._ verschlechterten Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin. Dabei scheine die ABI GmbH zu übersehen, dass Dr. B._ noch
fünf Monate nach dem Austritt der Beschwerdeführerin aus der Klinik, auch was den
Zeitpunkt des Aufenthalts im August 2010 angelange, an seiner Diagnose und an seiner
Arbeitsfähigkeitsschätzung festgehalten habe. Die ABI GmbH sei - wie bei einem Ver
laufsgutachten - von der Einschätzung Dr. B._s ausgegangen, habe anlässlich der
Exploration im September 2011 ihre Diagnose, welche im Wesentlichen mit derjenigen
der Klinik C._ übereinstimme und vollumfänglich von derjenigen Dr. B._s abweiche,
festgelegt und habe dann den stationären Aufenthalt als Beginn der Verschlechterung
angesetzt, ohne sich mit den bis zum Schluss anderslautenden Diagnosen von
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Dr. B._ auseinanderzusetzen. Die ABI GmbH hätte sich mit den Einschätzungen von
Dr. B._, auch was den Zeitpunkt vor August 2010 anbelange, auseinandersetzen
müssen. Dies habe die ABI GmbH nicht getan. Aus diesem Grund könne, was den
Beginn der lang andauernden Krankheit anbelange, nicht auf das ABI-Gutachten
abgestellt werden, weil dieses diesbezüglich nicht einleuchte. Dass eine Depression
erst im Zeitpunkt eingetreten sein solle, als eine versicherte Person sich in eine
stationäre Behandlung begeben habe, sei unwahrscheinlich, mit Bestimmtheit aber
nicht überwiegend wahrscheinlich. Vielmehr sei davon auszugehen, dass die
Depression (und die dadurch bedingte Arbeitsunfähigkeit) bereits viel früher vorgelegen
habe. Es sei anzunehmen, dass die Beschwerdeführerin versucht habe, ihre
Beschwerden somatisch zu erklären, weshalb sie sich immer wieder (vergeblich)
somatisch habe behandeln lassen. Diese Beschwerden seien es auch gewesen, die
dazu geführt hätten, dass sie ihre Arbeitsstelle aufgegeben und sich bei der
Beschwerdegegnerin zum Bezug von Leistungen angemeldet habe. Entgegen der
Beschwerdegegnerin sei deshalb davon auszugehen, dass die festgestellte Diagnose
respektive die festgestellte Arbeitsunfähigkeit nicht erst seit August 2010 sondern
bereits seit Dezember 2006 vorgelegen habe. Daher habe die Beschwerdeführerin
bereits seit Dezember 2007 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente. Zu allermindest
aber wären, da die angefochtene Verfügung bezüglich des Anspruchsbeginns auf einer
nicht genügenden Sachverhaltsabklärung beruhe, weitere Abklärungen, allenfalls durch
das angerufene Versicherungsgericht, zu veranlassen und anschliessend der
Beschwerdeführerin eine halbe Invalidenrente seit spätestens Dezember 2007
zuzusprechen und auszurichten (act. G 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 18. Juni 2012 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Es sei zudem festzustellen, dass die Beschwerde
führerin keinen Rentenanspruch habe. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus,
rechtsprechungsgemäss stelle die diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerz
störung keine eigenständige Komorbidität von erheblicher Schwere, Dauer und Inten
sität dar. Eine mittelschwere depressive Episode/Störung bzw. mittelschwere De
pression nach ICD-10: F32.1 gelte als Begleiterscheinung der somatoformen Schmerz
störung und nicht als selbständige, vom Schmerzsyndrom losgelöste psychische
Komorbidität, die sich aufgrund ihres Schweregrades unbestreitbar von der somato
formen Schmerzstörung unterscheiden liesse. Leichte bis höchstens mittelschwere
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psychische Störungen würden auch grundsätzlich als therapeutisch angehbar gelten.
Zwar nehme die Beschwerdeführerin eine antidepressive Medikation ein, der Medi
kamentenspiegel im ABI habe jedoch einen deutlich im nicht wirksamen Bereich liegen
den Wert ergeben, was gegen einen starken Leidensdruck der Beschwerdeführerin
spreche. Es liege demnach keine schwere psychische Störung vor. In der gutachter
lichen Beurteilung würden die für eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung
charakteristischen Merkmale überhaupt nicht oder nur stichwortartig erwähnt, was
nicht genüge, um eine solche Diagnose zu stellen, zumal in der Darlegung des
Befundes lediglich von einem Verdacht auf emotional instabile Persönlichkeitszüge die
Rede sei. Dass die psychiatrische Gutachterin der ABI GmbH an anderer Stelle
angegeben habe, Elemente einer ausgeprägten Persönlichkeitsstörung seien im
Begutachtungszeitpunkt stärker als im beschriebenen Befund von Dr. B._
hervorgetreten, liefere ebenfalls keine überzeugende Begründung für diese Diagnose,
da es auch hier an der Erwähnung der für eine emotional instabile
Persönlichkeitsstörung charakteristischen Merkmale fehle. Um einiges überzeugender
erscheine da die vom Vorgutachter Dr. B._ in seiner Stellungnahme vom 20. Januar
2011 geäusserte Meinung, wonach bei der Beschwerdeführerin eine
Persönlichkeitsstörung auszuschliessen sei, da bei ihr eine anhaltende Auffälligkeit im
sozialen Bereich, eine Störung der Impulskontrolle oder Missachtungen der
gesellschaftlichen Normen anlässlich der psychiatrischen Erstbegutachtung nicht
feststellbar gewesen seien. Unter diesen Umständen erscheine die gutachterliche
Diagnose einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung nicht verlässlich und in
rechtlicher Hinsicht sei diesbezüglich das Vorliegen einer erheblichen psychischen
Komorbidität zu verneinen. Ausserdem fehle es an Anhaltspunkten dafür, dass bei der
Beschwerdeführerin die übrigen rechtsprechungsgemäss relevanten Kriterien
hinreichend gehäuft und ausgeprägt erfüllt sein könnten, um insgesamt den rechtlichen
Schluss auf eine invalidisierende Gesundheitsschädigung zu gestatten. Nach dem
Gesagten bestehe kein Raum für die Annahme einer mit dem psychischen Leiden
begründeten (teilweisen) Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. In psychischer Hinsicht
liege bei der Beschwerdeführerin daher keine Invalidität im Rechtssinne vor. Es sei also
von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer
somatisch angepassten Tätigkeit auszugehen (act. G 5).
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B.c In der Replik vom 8. August 2012 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
und der Begründung der Beschwerde fest. Bei der ABI GmbH respektive bei den
für diese tätigen Gutachtern handle es sich um medizinischen Fachleute, welche mit
den invalidenversicherungsrechtlichen Fragestellungen sowie mit der invalidenver
sicherungsrechtlichen Rechtsprechung bestens vertraut seien. Es bestehe auch im vor
liegenden Fall nicht die geringste Veranlassung zur Annahme, dass die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit nicht unter Berücksichtigung der massgeblichen Kriterien abgegeben
worden sei. Im Übrigen sei es nicht erforderlich, dass sich eine psychiatrische
Expertise in jedem Fall über jedes einzelne der Kriterien ausspreche.
Entscheidmassgeblich sei gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung eine
Gesamtwürdigung der Situation. Wenn für die Beschwerdegegnerin die von der ABI
GmbH attestierte Arbeitsunfähigkeit nicht nachvollziehbar sein sollte, so hätte sie sich
an die Gutachter der ABI GmbH zu wenden. Dies habe sie nicht getan. Der RAD sei zur
Auffassung gelangt, dass auf das ABI-Gutachten abzustellen sei. Auch der
Rechtsdienst sei am 21. November 2011 zu dieser Schlussforderung gekommen. Es
bestehe somit kein Anlass, von der von der ABI GmbH festgestellten Höhe der
Arbeitsunfähigkeit abzuweichen. Die Ausführungen in der Beschwerdeantwort
vermöchten daran nichts zu ändern (act. G 9).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 11).
Erwägungen:
1.
1.1 Als Invalidität gilt gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder
länger dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat
die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 %,
auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn
sie mindestens zu 50 % oder auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40 %
invalid ist. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist ge
mäss Art. 28a Abs. 1 IVG Art. 16 ATSG anwendbar. Demnach wird für die Bestimmung
des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt
der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
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Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das
sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Der Einkommensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt
werden.
1.2 Grundlage der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens ist die
Arbeitsfähigkeitsschätzung. Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen zu
können, ist die Verwaltung - und im Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen
angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu
stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht
hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die
vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strittigen
Leistungsanspruchs gestatten. Die Rechtsprechung hat es mit dem Grundsatz der
freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen
medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen
(BGE 125 V 351 E. 3b). Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte
Gutachten von externen Spezialärzten, die aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, besitzt bei der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb).
2.
Zunächst ist die Frage zu beantworten, ob die medizinische Aktenlage eine
rechtsgenügliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt.
2.1 Die Beschwerdeführerin wurde am 5. und 7. September 2011 von der ABI GmbH
begutachtet. Das polydisziplinäre Gutachten vom 10. Oktober 2011 bestand aus einer
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psychiatrischen und einer rheumatologischen Untersuchung sowie aus einer allgemein
internistischen Beurteilung.
2.1.1 Im psychiatrischen Teilgutachten (IV-act. 125-9 ff.) hat Dr. med. F._, Fachärztin
für Psychiatrie und Psychotherapie, unter psychopathologischen Befunden ausgeführt,
es bestünden Hinweise auf eine Impulskontrollstörung fremd- und eigenaggressiven
Charakters. Während der gesamten Untersuchung hätten ein deutlich erhöhter
Angstaffekt, eine Agitation, eine Anspannung sowie eine emotionale partielle Blockade
bestanden. Die Gedächtnisfunktionen seien regelrecht gewesen. Die Ich-Funktion habe
deutlich beeinträchtigt gewirkt. Es habe eine massive Selbstwertinsuffizienz mit
Verzerrung der Ich-Funktion und Wahrnehmung der Umgebung vorgelegen. Es habe
ein dringender Verdacht auf emotional instabile Persönlichkeitszüge bei pathologischen
Persönlichkeitsstrukturen bestanden. Zusätzlich seien auch abhängige
Persönlichkeitszüge möglich gewesen. Psychodynamisch hätten ein erhebliches
Körper-Seele-Missempfinden, eine innere Leere sowie ein fehlender Strukturaufbau be
standen. Formalgedanklich habe die Beschwerdeführerin geordnet gewirkt. Inhaltlich
seien gewisse Denkstörungen möglich gewesen. Ein Wahnsystem sei nicht erkennbar,
jedoch seien paranoide Tendenzen zu spüren gewesen. Es habe ein erhöhtes Miss
trauen und eine erhöhte Wachsamkeit bestanden. Echte Halluzinationen seien nicht
nachweisbar gewesen. Die Willens- und Antriebsbildung sei wechselhaft, zeitweise
deutlich reduziert gewesen. Es hätten starke Erwartungsängste, ein
Katastrophisierungsdenken und phobische Tendenzen gegenüber Katzen und Hunden
bestanden. Zwänge seien nicht geschildert worden. Die Realitätsorientierung sei leicht,
die Realitätsanpassung sei deutlich eingeschränkt gewesen. Zum
Untersuchungszeitpunkt hätten Bewusstseinsklarheit sowie volle Orientierung zu
Raum, Zeit, Person und Situation bestanden (IV-act. 125-11). Die psychiatrische
Gutachterin hat im Weiteren festgehalten, es habe ein verfestigtes chronifiziertes
Zustandsbild vorgelegen. Eine stationäre psychiatrische Behandlung habe erstmalig
2010 stattgefunden, sei jedoch von der Beschwerdeführerin nicht weitergeführt
worden. Seit zwei Jahren besuche sie eine ambulante Psychotherapie bei einer
türkisch sprechenden Psychiaterin. Ein Antidepressivum werde vom Hausarzt
verordnet. Die antidepressive medikamentöse Therapie sei nicht ausgereizt und dürfte
bei konsequenter Einnahme möglicherweise noch eine Besserung der depressiven
Situation mit sich bringen. Bei der zumutbaren Arbeit sollte es sich um einfache
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Hilfstätigkeiten in wohlwollender Arbeitsatmosphäre handeln (IV-act. 125-12). Die
psychiatrische Gutachterin hat zum Beginn und zum Verlauf der Arbeitsunfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht berichtet, dass eine retrospektive Beurteilung schwierig sei.
Allerdings habe sich wohl der Zustand der Beschwerdeführerin mit deren Aufnahme in
die psychiatrische Klinik C._ am 5. August 2010 verschärft dargestellt. Eine
entscheidende Remission sei seit dieser Zeit nicht eingetreten, so dass der 5. August
2010 als massgebliches Datum benannt werde (IV-act. 125-13).
2.1.2 In rheumatologischer Sicht erfolgte die Begutachtung durch Dr. med. G._,
Fachärztin für Rheumatologie (IV-act. 125-14 ff.) Diese hat ein chronisches zervi
kospondylogenes Schmerzsyndrom (ICD-10 M53.1), ein chronisches thorakolumbo
spondylogenes Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.5) sowie ein generalisiertes multiloku
läres Schmerzsyndrom (ICD-10 R52.9) diagnostiziert. Die rheumatologische
Gutachterin hat ausgeführt, dass sich für die von der Beschwerdeführerin
angegebenen Schmerzen und Funktionseinschränkungen von Seiten des
Bewegungsapparates nur zu einem geringen Teil ein entsprechendes morphologisches
Korrelat finde. Aus rheumatologischer Sicht sei die Beschwerdeführerin zu 100 %
arbeitsfähig für mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten. Die zuletzt ausgeübte
Tätigkeit einer Reinigungsangestellten wäre der Beschwerdeführerin vollschichtig
zumutbar (IV-act. 125-17).
2.1.3 Polydisziplinär (inklusiv allgemeininternistische Begutachtung) ist im Gutachten
ausgeführt worden, die Beschwerdeführerin habe bei den Untersuchungen über
Schmerzen am ganzen Körper geklagt. An objektivierbaren schmerzauslösenden Be
funden hätten lediglich eine myostatische Insuffizienz mit den entsprechenden musku
loligamentären Überlastungsreaktionen, eine leichte Wirbelsäulenfehlstatik sowie Dys
balancen der Schultergürtelmuskulatur festgestellt werden können. Hierdurch erkläre
sich jedoch nicht das gesamte geklagte Schmerzausmass. Als Ursache für das ver
stärkte Schmerzerleben sei bei der psychiatrischen Untersuchung eine somatoforme
Schmerzstörung nach multiplen Traumatisierungen festgestellt worden. Diese werde
durch eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung sowie eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode, verstärkend
beeinflusst. Aufgrund dieser psychiatrischen Komorbidität sei die Arbeitsfähigkeit für
jegliche Tätigkeit um 50 % vermindert. Zusammengefasst sei die Beschwerdeführerin
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aus interdisziplinärer Sicht für körperlich mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten
zu 50 % arbeits- und leistungsfähig. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit einer Mitarbeiterin
im Hausdienst/Reinigungsangestellte wäre der Beschwerdeführerin im 50 %-Pensum
zumutbar (IV-act. 125-19). Das polydisziplinäre Gutachten ist aufgrund der Akten sowie
eigener Untersuchungen (unter anderem Labor, Röntgen der LWS und HWS,
neurologischer Status) erstellt worden. Es ist umfassend, berücksichtigt die geltend
gemachten Beschwerden und begründet in nachvollziehbarer Weise die
Schlussfolgerungen der Experten. Damit vermag das Gutachten den höchstrichterlich
geltenden Anforderungen an ein solches zu genügen.
2.2 Soweit in der Beschwerde geltend gemacht wird, der von den Experten im ABI-
Gutachten bescheinigte Zeitpunkt des Beginns der 50 %igen Arbeits- und Leistungs
fähigkeit (5. August 2010) lasse sich aufgrund der Nichtauseinandersetzung mit den
Diagnosen und Einschätzungen von Dr. B._ nicht halten, kann dem nicht bei
gepflichtet werden. Gemäss seinem Schreiben vom 20. Januar 2011 hat Dr. B._ die
Beschwerdeführerin seit seiner Untersuchung vom 4. Januar 2008 nicht mehr gesehen
oder gar untersucht (IV-act. 97-1 ff.). Daher hat seine Beurteilung im Januar 2011 nur
aufgrund einer Konsultation der medizinischen Akten und nicht aufgrund eigener erneut
erhobener Befunde stattgefunden, was den Beweiswert seines Schreibens vom
20. Januar 2011 schmälert. Die psychiatrische Gutachterin hat sodann ausgeführt,
dass sich das Befinden der Beschwerdeführerin aktuell als deutlich verschlechtert als
im psychiatrischen Gutachten von Dr. B._ darstelle. Eine begleitende Depression
habe sich verstärkt, so dass 2010 eine erstmalige stationäre psychiatrische
Behandlung stattgefunden habe und ein Suizidversuch manifestiert worden sei. Auch
die beschriebene somatoforme Schmerzstörung, die sich in die Vorgeschichte multipler
Traumatisierungen einfüge, trage als Co-Faktor zu dem inzwischen verschlechterten
Zustand der Beschwerdeführerin dar. Auch hier habe sich eine Progredienz der
Symptomatik ergeben. Insofern erfolge aktuell gegenüber dem Vorgutachter eine
erweiterte Diagnose und auch eine differente Beurteilung der Arbeitsfähigkeit. Der
Austrittsbericht der psychiatrischen Klinik C._ vom 26. August 2010 (IV-act. 125-33
ff.) beschreibe eine schwere depressive Episode bei rezidivierender depressiver
Störung und eine Fibromyalgie. Aus aktueller gutachterlicher Sicht werde in
Übereinstimmung mit dem Vorgutachten von Dr. B._ von einer somatoformen
Schmerzstörung ausgegangen. Dies sei auch psychodynamisch nachvollziehbar. Die
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Faktoren einer Persönlichkeitsstörung, die aktuell evident zu Tage getreten seien, seien
in dem Bericht der Klinik C._ nicht erwähnt. Insofern werde gutachterlicherseits eine
erweiterte Diagnose aufgeführt. Im Austrittsbericht des KSSG vom 4. September 2010
werde eine Tablettenintoxikation in suizidaler Absicht sowie ein Verdacht auf
posttraumatische Belastungsreaktion und einer Persönlichkeitsstörung beschrieben.
Hier werde die bestehende Persönlichkeitsstörung in die Diagnose aufgenommen, was
auch der gutachterlichen Auffassung entspreche, wobei eine typische
posttraumatische Belastungsstörung aktuell aber nicht mit Sicherheit zu
diagnostizieren sei (IV-act. 125-13). Vor diesem Hintergrund hat sich die psychiatrische
Gutachterin durchaus - auch bezogen auf den Zeitpunkt von August 2010 – sowohl mit
den Einschätzungen von Dr. B._ als auch mit denjenigen der psychiatrischen Klinik
C._ und des KSSG auseinandergesetzt und dazu Stellung genommen. Es erscheint
im Weiteren durchaus einleuchtend, dass erst ab der erstmaligen stationären psychi
atrischen Behandlung (Eintritt in eine psychiatrische Klinik) bzw. ab dem Zeitpunkt einer
Tablettenintoxikation in suizidaler Absicht die Diagnosen einer rezidivierenden depres
siven Störung, gegenwärtig schwere bzw. mittelgradige depressive Episode, sowie
einer Persönlichkeitsstörung haben gestellt werden können und der Beginn der
50 %igen Arbeitsfähigkeit mithin auf den Eintrittszeitpunkt in die psychiatrische Klinik
C._ gelegt worden ist. Für eine bereits früher eingetretene 50 %ige Arbeitsunfähigkeit
aus psychischen Gründen fehlt es im Übrigen auch am entsprechenden Beweis. Der
gutachterlich festgelegte Beginn der psychisch bedingten teilweisen Arbeitsunfähigkeit
(5. August 2010) ist somit überwiegend wahrscheinlich richtig.
2.3 Die Beschwerdegegnerin bestreitet erstmals in der Beschwerdeantwort die
Annahme einer mit dem psychischen Leiden begründeten (teilweisen) Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit. Im psychiatrischen Teilgutachten sind die Diagnosen mit Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung (ICD-10
F60.3), einer somatoformen Schmerzstörung nach multiplen Traumatisierungen
(ICD-10: F45.4) sowie einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1), genannt worden (IV-act. 125-11). Es
ist zu prüfen, ob mit der gutachterlich diagnostizierten rezidivierenden depressiven
Störung, aktuell mittelgradige depressive Episode, ein verselbständigter
Gesundheitsschaden vorliegt. Dies vermutet die psychiatrische Gutachterin, indem sie
folgendes ausgeführt hat: Ziehe man die invaliditätsfremden Faktoren einer ehelichen
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Konfliktsituation und ständigen Auseinandersetzung mit der Schwiegerfamilie von den
eigenständigen Krankheitsmerkmalen ab, bleibe doch eine Morbidität mit sich selbst
perpetuierenden pathologischen Merkmalen übrig, die auch für die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit entscheidend sei. In den letzten Jahren habe sich offenbar zusätzlich
hier eine Progression entwickelt, wofür auch der erstmalige psychiatrische
Spitalaufenthalt im Jahr 2010 und der Suizidversuch im Jahr 2010 sprechen würden.
Eine Arbeitsfähigkeit für Tätigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt sei aus
psychiatrischer Sicht aktuell nur zu 50 % vorhanden (IV-act. 125-12). Dr. D._ hat in
seinem Verlaufsbericht vom 14. März 2011 festgehalten, die Beschwerdeführerin habe
sich freiwillig in der psychiatrischen Klinik C._ in der Zeit vom 5. bis 20. August 2010
aufgehalten. Es habe ein unbefriedigender Versuch der stationären Behandlung in der
Klinik C._ stattgefunden. Die Beschwerdeführerin sei sodann im KSSG nach
Tablettenintoxikation suizidal vom 3. bis 4. September 2010 stationär behandelt
worden. Festzustellen sei eine allgemeine Verschlechterung mit depressiven Gefühlen,
chaotischem Tag-Nacht-Rhythmus, Schmerzschüben sowie die Aufgabe von immer
mehr Tätigkeiten im Haushalt sowie bei der Kindererziehung und deren Delegation an
den Ehemann und die Kinder (IV-act. 105). Im Bericht vom 16. Juni 2011 hat Dr. H._
unter anderem die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung, schwere
depressive Episode mit psychiatrischer Hospitalisierung vom 5. bis 20. August 2010
und Tabletten-Intoxikation in suizidaler Absicht am 3. September 2010 mit körperlichen
Symptomen (Müdigkeit, Bewegungsunfähigkeit, Parästhesien), genannt (IV-act.
125-41). Dr. H._ hat berichtet, dass die Beschwerdeführerin Angst vor Gewitter und
Hunden sowie vor Fallen von Gegenständen auf ihren Kopf habe und teilweise unter
Verfolgungswahn, Halluzinationen und Stimmen leide, so dass etwa Spazierengehen
kaum möglich sei (IV-act. 125-44). Vor diesem Hintergrund ist in der depressiven
Problematik ein eigenständiges Krankheitsgeschehen zu erblicken und eine
massgebende Komorbidität zu bejahen. Die erfahrene psychiatrische Gutachterin der
ABI GmbH ist sich im Jahr 2011 der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu dieser
Frage durchaus bewusst gewesen. Wenn sie trotzdem eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit angegeben hat, dann ist sie nach einer sorgfältigen Abwägung davon ausge
gangen, dass die Beschwerdeführerin auch bei Aufwendung aller zumutbaren Willens
energie nicht in der Lage wäre, zu mehr als 50 % einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.
Diese Einschätzung überzeugt, zumal sowohl der RAD als auch der Rechtsdienst
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selber (IV-act. 127) die durch die ABI GmbH vorgenommene
Arbeitsfähigkeitsschätzung von 50 % als plausibel und schlüssig betrachtet haben.
2.4 Angesichts der umfassenden medizinischen Abklärung besteht auch kein Anlass zu
weiteren ärztlichen Untersuchungen, weil davon für den massgeblichen Zeitpunkt des
Verfügungserlasses (26. März 2012) keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind. Es
steht deshalb mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass die Beschwerdeführerin
sowohl in der angestammten als auch in einer adaptierten Erwerbstätigkeit zu 50 %
arbeitsfähig und der Beginn der 50 %igen Arbeitsunfähigkeit auf den 5. August 2010
festzulegen ist. Die Beschwerdegegnerin hat damit der Bestimmung des Invaliditäts
grades und des Rentenbeginns in der angefochtenen Verfügung zu Recht die gut
achterliche Arbeitsfähigkeitsbeurteilung sowie die gutachterliche Bestimmung des Be
ginns der 50 %igen Arbeits- und Leistungsfähigkeit zugrunde gelegt.
2.5 Zu prüfen ist im Weiteren die in der angefochtenen Verfügung vorgenommene
Invaliditätsbemessung. Diese hat mittels Einkommensvergleichs zu erfolgen.
2.6 Für die Ermittlung des Einkommens, welches die Beschwerdeführerin ohne
Invalidität erzielen könnte (Valideneinkommen), ist entscheidend, was sie im Zeitpunkt
des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte (BGE 129 V 222 E. 4.3.1). Das
Wartejahr im Sinne von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG bzw. Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG (in der
bis 31. Dezember 2007 geltenden Fassung) beginnt mit dem Eintritt der - zeitlich und
masslich genügenden - Arbeitsunfähigkeit, definiert als "Einbusse an funktionellem
Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich" (BGE 130 V 99 E. 3.2
mit Hinweisen). Bezüglich Beginn der Arbeitsunfähigkeit ist in der Gesamtbeurteilung
des ABI-Gutachtens ausgeführt worden, dass aufgrund der anamnestischen Angaben,
der aktuellen Untersuchungsbefunde, der vorliegenden Dokumente sowie der früher
attestierten Arbeitsunfähigkeiten davon ausgegangen werde, dass die 50 %ige Arbeits
unfähigkeit aus psychiatrischer Sicht seit der Aufnahme in die psychiatrische Klinik
C._ am 5. August 2010 bestehe. Es gebe weder aus Sicht des Bewegungsapparates
noch aus anderweitiger somatischer Sicht Hinweise dafür, dass die Arbeitsfähigkeit für
die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Reinigungsangestellte wie auch für andere
mittelschwere wechselbelastende Tätigkeiten längerfristig relevant eingeschränkt
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gewesen sei (IV-act. 125-19). Daher ist nicht überwiegend wahrscheinlich
ausgewiesen, dass bereits vor August 2010 eine für den Beginn des Wartejahrs
genügende Arbeitsunfähigkeit vorgelegen hat. Mithin sind bei einem allfälligen
Leistungsanspruch ab August 2011 somit dem Einkommensvergleich die
Lohnverhältnisse im Jahre 2011 zu Grunde zu legen. Die Beschwerdegegnerin hat in
der angefochtenen Verfügung das Valideneinkommen anhand der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik des Jahres 2008 festgelegt
(IV-act. 139-1, 131). Sie ist damit dem Versicherungsgericht im Entscheid vom
2. Dezember 2010 (IV 2009/433) gefolgt, wo in E. 2.1 folgendes ausgeführt worden ist:
"Die Beschwerdeführerin ist mit einem Beschäftigungsgrad von 70 % angestellt
gewesen. Wenn es ihr im hypothetischen "Gesundheitsfall" nicht möglich gewesen
wäre, den Beschäftigungsgrad auf 100 % zu erhöhen, so hätte sie entweder die Stelle
wechseln oder zusätzlich eine 30 %-Stelle annehmen können. In beiden Fällen kann
die hypothetische Validenkarriere nicht allein nach der zuletzt ausgeübten Tätigkeit im
Reinigungsdienst des KSSG bestimmt werden. Zudem wäre die Beschwerdeführerin
auch nicht auf Reinigungsarbeiten beschränkt gewesen. Dies zwingt dazu, auch ihre
Validenkarriere anhand einer Standardhilfsarbeit zu definieren. Ihr Valideneinkommen
entspricht deshalb dem Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne aller Branchen." In
E. 1.3 hat das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen festgelegt, dass die aus der
Sicht der Beschwerdeführerin und der Familie sinnvollste Variante im hypothetischen
"Gesundheitsfall" eine zu 100 % ausgeübte Erwerbstätigkeit wäre; der Invaliditätsgrad
der Beschwerdeführerin sei deshalb mittels eines reinen Einkommensvergleichs zu er
mitteln. Es rechtfertigt sich daher, bei der Annahme einer 100 %igen Erwerbstätigkeit
im Gesundheitsfall von einem Valideneinkommen gemäss Tabellenlohn 2011
auszugehen. Das Durchschnittseinkommen der Hilfsarbeiterinnen gemäss Anhang 2
der Textausgabe IVG der Informationsstelle, welche auf die LSE abstellt, belief sich im
Jahr 2010 auf Fr. 52'790.--. Wird dieser Betrag auf das Jahr 2011 aufgerechnet
(Fr. 52'790.-- x 1.009), ergibt sich ein Einkommen von Fr. 53'302.--. Das
Valideneinkommen 2011 ist somit auf Fr. 53'302.-- festzusetzen.
2.7 Als Einkommen, das die versicherte Person trotz gesundheitlicher
Beeinträchtigungen zumutbarerweise noch zu realisieren vermag
(Invalideneinkommen), ist zu berücksichtigen, was durch eine zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Marktlage erzielt werden könnte (vgl. dazu BGE 130 V 348 f. Erw. 3.4
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mit Hinweisen). Gemäss dem Gutachten der ABI GmbH vom 10. Oktober 2011 ist es
der Beschwerdeführerin zumutbar, in ihrer bisherigen Tätigkeit als
Reinigungsangestellte/Mitarbeiterin Hausdienst zu 50 % tätig zu sein (IV-act. 125-20).
Somit entspricht das Invalideneinkommen dem um 50 % reduzierten
Valideneinkommen. Bei einer Arbeitsfähigkeit von 50 % ergibt sich mithin per 2011 ein
Einkommen von Fr. 26'651.-- (Fr. 53'302.-- x 50 %). Die Gesundheitsbeeinträchtigung
bewirkt - neben der Arbeitsunfähigkeit - erfahrungsgemäss eine zusätzliche
Lohneinbusse, weil direkte oder insbesondere indirekte Lohnkosten drohen, die bei
einem gesunden zu 50 % tätigen Arbeitnehmer nicht anfallen würden. Bei psychisch
kranken Arbeitnehmern besteht insbesondere ein grosses Risiko überproportionaler
Krankheitsabsenzen. Zudem muss mit kurzfristigen Leistungsschwankungen gerechnet
werden, was oft die Einsatzplanung erheblich erschwert. Weiter benötigen psychisch
kranke Personen grössere Rücksichtnahme seitens ihrer Vorgesetzten und ihrer
Arbeitskollegen. Diese beispielhaft aufgeführten Nachteile sind ökonomisch als zusätz
liche Lohnkosten zu qualifizieren, so dass ein in seiner Gesundheit beeinträchtigter
Arbeitnehmer bei identischem Lohn für einen Arbeitgeber deutlich "teurer" ist als ein
gesunder Arbeitnehmer. Dieser Wettbewerbsnachteil der Beschwerdeführerin ist durch
den Arbeitsunfähigkeitsgrad von 50 % nicht oder nur teilweise abgedeckt. Geht man
davon aus, dass die Beschwerdeführerin ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem
Arbeitsmarkt tatsächlich noch verwerten könnte, dann muss sie als Arbeitnehmerin
bedeutend "billiger" sein als ein gesunder Arbeitnehmer. Unter diesen Umständen
erscheint ein Abzug von 15 % von dem Lohn, den sie als gesunde zu 50 %
Beschäftigte erzielen könnte, als angemessen. Daher ergibt sich per 2011 ein
zumutbares Invalideneinkommen von Fr. 22'653.--.
2.8 Aus der Gegenüberstellung von Valideneinkommen von Fr. 53'302.-- und Invaliden
einkommen von Fr. 22'653.-- ergibt sich ein Invaliditätsgrad von rund 58 %.
3.
Ergibt sich, dass ein Rentenanspruch in Frage steht, so gehört zum Streitgegenstand
notwendigerweise auch die Frage, ob die Verwaltung den Grundsatz "Eingliederung vor
Rente" (vgl. UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 2. Aufl., Zürich 2009, Vorbemerkungen
N. 47) beachtet und eine allfällige Pflicht der Beschwerdeführerin zu Massnahmen
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korrekt in Anspruch genommen habe. Denn wie sich aus Art. 16 ATSG ergibt, ist der
Einkommensvergleich zur Bemessung des Invaliditätsgrades erst nach der Durch
führung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen vor
zunehmen und hat die versicherte Person, wenn ohne berufliche Massnahmen ein
Rentenanspruch droht, die Pflicht, sich geeigneten und zumutbaren Eingliederungs
massnahmen zu unterziehen. Die Verwaltung ihrerseits hat die Pflicht, vor dem Ent
scheid über die Rentenfrage von Amtes wegen alle Eingliederungsmöglichkeiten zu
prüfen und hierüber zu entscheiden. Da die Beschwerdeführerin aber im
massgebenden Zeitraum, wenn auch in einem reduziertem Ausmass, in ihrer
angestammten Tätigkeit hätte arbeiten können, erweisen sich berufliche Massnahmen -
mit Ausnahme der Arbeitsvermittlung (Art. 18 IVG) - als unnötig. Demnach ist dem
Grundsatz "Eingliederung vor Rente" Rechnung getragen. Die Arbeitsvermittlung dient
nämlich nur der Überwindung der Arbeitslosigkeit und fällt deshalb nicht unter den
Grundsatz "Eingliederung vor Rente". Somit bleibt es bei dem errechneten
Invaliditätsgrad von 58 %.
4.
Bei einem Invaliditätsgrad von 58 % besteht folglich gemäss vorstehenden E. 1.1 und
2.6 sowie mit Blick auf Art. 29 Abs. 3 IVG ab 1. August 2011 ein Anspruch auf eine
halbe Rente der Invalidenversicherung.
5.
5.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- er
scheint als angemessen. Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte
die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden. Ange
sichts des vollen Unterliegens der Beschwerdeführerin rechtfertigt es sich, ihr die Ge
richtskosten unter Anrechnung des von ihr in selbiger Höhe geleisteten Kostenvor
schuss gesamthaft aufzuerlegen.
bis
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5.3 Aufgrund des Ausgangs des Verfahrens ist der Beschwerdeführerin keine Parteient
schädigung zuzusprechen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39