Decision ID: 09e64ca7-fcc7-4b1d-9e89-fead530e471b
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1962,
war ab dem Jahr 1997
als Mitarbeiterin im Verkaufssupport
bei der
Z._
tätig
(
Urk.
8/12)
.
Mit Datum vom
1
4.
Dezember 2005 meldete
sie sich
unter H
inweis auf eine Fibromyalgie sowie
Arth
r
ose bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen (Wiedereinschulung, Arbeitsvermittlung, Rente) an (Urk.
8/3). Mit Verfügungen vom
3.
Dezember 2008 (
Urk.
8/73) und 2
6.
Februar 2009 (
Urk.
8/88
-89
) sprach die IV-Stelle der Versicherten
vom
1.
Januar 2006 bis zum 31.
März 2008 eine halbe Rente
und
ab
1.
April 2008
eine
Dreiviertels
rente
zu. Die hiergegen erhobenen Beschwerde
n (
Urk.
8/85/3-11 und 8/90/7-10
) hiess das hiesige Gericht mit Urteil IV.2009.00052 vom 2
2.
Juni 2010 (
Urk.
8/93) in dem Sinne gut, als es die angefochtenen Verfügungen aufhob und die Sache zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle zurückwies. Auf die gegen dieses Urteil erhobene Beschwerde trat das Bundesgericht nicht ein (Urteil vom 3
0.
September 2010,
Urk.
8/94).
1.2
In Umsetzung des gerichtlichen Urteils vo
m 2
2.
Juni 2010 gab die IV-Stelle beim
A._
ein
polydisziplinäre
s Gut
achten
in Auftrag, welches am 1
4.
April 2011 erstattet wurde
(
Urk.
8/107
/1
66
). Nach Stellungna
hme durch den Regionalen Ärztli
chen
Dienst, RAD, (
Urk.
8/109/3) sowie nach
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Vorbescheid vom 2
1.
April 2011,
Urk.
8/110
; Einwand vom
3
0.
Mai 2011
,
Urk.
8/
123
) sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügungen vom
4.
Juli 2011 (
Urk.
8/129
130) vom
1.
Januar 2006 bis zum 3
1.
März 2008 eine halbe Invaliden
rente und vom
1.
April 2008 bis zum 3
1.
März 2010 eine
Drei
viertelsrente
zu. Ab dem
1.
April 2010 verneinte sie einen Rentenanspruch. Die
dagegen
erhobene Beschwerde
(
Urk.
8/131)
hiess da
s hiesige Gericht mit Urteil IV.
2011.00914 vom 3
0.
Januar 2012 insoweit gut, als es der Versicherten a
b
dem
1.
April 2008 bis zum 3
1.
Mai 2011 eine
Dreiviertelsrente
zusprach (
Urk.
8/144).
1.3
Mit
Schreiben
vom
2
5.
Februar 2012
wandte sich der
behandelnde
Dr.
med.
B._
, Facharzt
FMH
für Psychiatrie und Psychotherapie
,
an die IV
Stelle
, worin
er sich
im Wesentlichen
zur aktuellen Gesundheitssituation und Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin äusserte und sich betreffend das weitere Vorgehen erkundigte
(
Urk.
8/145)
. Am
1
5.
Mai 2012
stellte
Dr.
B._
einen Antrag auf Neubeurteilung (
Urk.
8/162),
unter Beilage der
Austrittsbe
richte
der Psychiatrischen Privatklinik
C._
vom 2
6.
J
uli 2011 und
1
2.
Oktober 2011
sowie
der
D._
vom 12.
Oktober 2011 (
Urk.
8/162/1-10). Auf entsprechendes Ersuchen der IV-Stelle ergänzte
die Versicherte
das Revisionsbegehren von
Dr.
B._
nachträglich mit der eigenen
Unterschrift (
Urk.
8/165-166)
. Nach
Beizug
einer Stellungnahme durch den
RAD
(
Urk.
8/176/2) gab die IV-Stelle bei
Dr.
med.
E._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag, wel
ches am 1
7.
Oktober 2012 erstattet wurde (
Urk.
8/173/1-56
).
Mit Vorbescheid vom
7.
Mai 2013
stellte die IV-Ste
lle der Versicherten eine halbe
Invalidenrente
ab
1.
Mai 2012 in Aussicht
(
Urk.
8/178)
. Nach Einwand vom 6.
Juni 2013 (
Urk.
8/184, mit ergänzender Be
gründung vom
8.
Juli 2013, Urk.
8/189)
sowie
Beizug
einer inte
rnen Stellungnahme (
Urk.
8/192)
stellte die IV
-Stelle mit Vor
bescheid vom 23.
August 2013, welcher den Vorbescheid vom 7. Mai 2013 ersetzte, der Versicherten die Abweisung ih
res Rentenbegehrens in Aussicht,
und begründete dies damit, die diagnostizierte mittelgradig depressive Störung vor dem Hintergrund einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung sei mangels Unüberwindbarkeit aus versicherungsrechtlicher Sicht unbeachtlich
(
Urk.
8/194)
. Dagegen erhob die Versicherte am 1
7.
September 2013 Einwand (
Urk.
8/197). Mit Verfügung vom 2
8.
November 2013 hielt die IV-Stelle an ihrem Standpunkt fest und wies das Rentenbegehren im angekündigten Sinne
ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
, vertreten
durch
Rechtsanwältin Susanne
Friedauer
, diese substituiert durch
lic
.
iur
.
Y._
, am 14.
Januar 2014 Beschwerde und beantragte, es seien ihr
(der Beschwerdeführe
rin)
die gesetzlichen Leistungen in Form einer ganzen Rente rückwirkend ab 1
1.
Juni
2011
, event
ualiter
ab Februar 2012, zuzusprechen. Eventualiter, falls
l
ediglich eine Te
ilrente zugesprochen werde
, sei bei der Berücksichtigung des Invaliditätsgrades ein Abzug von 25
%
zu berücksichtigen (
Urk.
1 S. 2).
Zudem wies die Beschwerdeführerin
auf ihren Einwand vom 17.
September 2013
(
Urk.
3/4-5)
hin.
Am 13.
Februar 2014 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was der Beschwerdeführerin am 1
7.
Februar 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9). Mit Nachtrag vom 2
7.
Februar 2015
wies
die Beschwerdeführerin ein
Schreiben
vom
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, vom 2
3.
Februar 2015
ins Recht
(
Urk.
10,
Urk.
11),
was
der Beschwerdegegnerin am 1
1.
März 2015 zur Kenntnis gebracht
wurde
(
Urk.
12)
.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Unterlagen ist, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägung
en
, einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Allgemeinen Teils des Sozialversicherungsgesetzes [
ATSG
]
).
Die Invalidität kann Folge von
Geburtsge
brechen
, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
[
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchti
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden aus
geglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vor
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerz
störung
begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die
somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im
Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprä
gung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllte Faktoren, so: chronische körperliche
Begleiterkrankun
gen
; ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung; ein ausgewiese
ner sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeu
tisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer
Krank
heits
gewinn
; „Flucht in die Krankheit"); ein unbefriedigendes
Behandlungs
er
gebnis
trotz konsequent durchgeführter ambulanter und/oder stationärer Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und gescheiterte Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung (kooperative Haltung) der versicherten Person. Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde dar
stellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Voraussetzungen für eine zumut
bare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352, 131 V 49 E. 1.2, BGE
139 V 547 E. 3).
1.4
Gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 Prozent, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn sie min
destens zu 60 Prozent, auf eine halbe Rente
, wenn sie mindestens zu 50
Pro
z
ent, oder auf eine
Viertelsrente
, wenn sie mindestens zu 40 Prozent invalid sind.
1.5
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung über die Invalidenversicherung
[
IVV
]
), so ist im
Beschwerdever
fahren
zu prüfen, ob im Sinne von
Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE
117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung, aus medizini
scher Sicht sei eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen. Diese beruhe im Wesentlichen auf einer mittelschweren depressiven Störung vor dem Hinter
grund einer
somatoformen
Schmerzstörung. Aus versicherungsmedizinischer Sicht begründe eine
somatoforme
Schmerzstörung als solche noch keine Invali
dität. Die Voraussetzungen zur Annahme eines Ausnahmefalls seien vorliegend nicht erfüllt. Insbesondere gelte eine mittelschwere Depression als Begleiter
scheinung der
somatoformen
Schmerzstörung nicht als selbständige, vom Schmerzsyndrom losgelöste psychische Komorbidität. Sodann würden vor
liegend psychosoziale Belastungsfaktoren im Vordergrund stehen. Die vor
liegend aus medizinischer Sicht ausgewiesene 50%ige Arbeitsunfähigkeit sei daher unter invalidenversicherungsrechtlichen Gesichtspunkten unbeachtlich, womit kein Rentenanspruch bestehe (
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin wandte demgegenüber ein, es sei seit der letzten rechts
kräftigen Entscheidung eine relevante Verschlechterung ihres Gesundheitszu
standes eingetreten, was denn auch durch das Gutachten von Dr.
E._
ausgewiesen sei (
Urk.
1 S. 12). Insbesondere qualifiziere die depressive Symptoma
tik gemäss Gutachten von
Dr.
E._
nicht bloss als „Begleit
erscheinung“ einer sogenannt primären Schmerzproblematik (
Urk.
1 S.
7). Sodann sei der soziale Rückzug zu bejahen. Indem sie (die Beschwerdeführerin) versuche, den Kontakt zur Aussenwelt zu behalten, komme sie ihrer
Schaden
minderungs
pflicht
nach. Dasselbe gelte für den Umstand, dass sie einen Hund halte. Der Hund zwinge sie, aus dem Haus zu gehen, und sei für sie manchmal der einzige Grund weiterzuleben. Auch die Tatsache, dass sie eine freie pro
testantische Kirchengemeinde besuche und gelegentlich das Gespräch mit dem Pastor suche, beweise nicht, dass kein sozialer Rückzug bestehe. Die Beschwerdegegnerin hätte sich diesbezüglich weiter erkundigen und auch den Seelsorge
r befragen können (
Urk.
1 S. 8f.
).
Seit
der Begutachtung durch
das
A._
sei
eine massive Verschlechterung ihrer psychischen Gesundheit
eingetreten (
Urk.
1 S. 11). Das Gutachten habe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit aus rein psychiatrischer Sicht attestiert. Auch der RAD-Arzt sei von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit
ausge
gangen, allerdings insgesamt
. Die Beschwerdegegnerin sei indes zum Schluss gekommen, es liege keine Arbeitsunfähigkeit vor. Eine solche Diskrepanz sei nicht nachvollziehbar (
Urk.
1 S. 12). Die
Beschwerde
gegnerin
habe nicht darge
legt
, weshalb das Gutachten von Dr.
E._
als unzureichend erachtet werde. Insbesondere sei es unzulässig, nach eigenem Gutdünken medizinische Gutach
ten umzuinterpretieren (
Urk.
1 S.
14). Die Verselb
ständigung der
Foersterkrite
rien
durch das Bundesgericht und die kürzlich erfolgte Präzisierung würden nicht bedeuten, dass die Verwaltung willkürlich darüber urteilen dürfe, ob ein medi
zinisches Gutachten Anwendung f
i
nde oder nicht. Sie sei kein Freipass für
eine
diskriminierende und willkürliche Beurteilung medizinischer Erkenntnisse. Die apodiktische Erklärung, wonach „aus medizinischer Sicht eine 50%ige A
rbeitsfähigkeit ausgewiesen“
, aus „IV
rechtlicher Sicht jedoch kein
Gesund
heitsschaden
ausgewiesen“ sei, sei weder für den Laien noch für den
Rechtsan
wender
nachvollziehbar (
Urk.
1 S.
14). Auch gemäss Bundesgericht sei von einer unreflektierten Übernahme der Rechtsprechung zu den
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grund
lage abzusehen. Insbesondere habe das Bundesgericht festgehalten, dass es sich bei der Adipositas per magna, wie vorliegend, um einen objektivierbaren soma
tischen Befund handle, mithin um ein Krankheitsbild mit klar fassbarer organi
scher Grundlage, welche bei der Bestimmung der Leistungsberechtigung zu berücksichtigen sei (
Urk.
1 S. 15f.). Nach neuesten wissenschaftlichen Erkennt
nissen weise die Fibromyalgie auch organische Ursachen auf. So hätten Pro
fessoren der Universitätsklinik Würzburg nachgewiesen, dass bei Fibromyalgie-Patienten eine Schädigung der kleinen Nervenfasern vorliege (
Urk.
1 S. 16). Damit se
i weder die sogenannte „PÄUSBONO
G“-Rechtsprechung anwendbar noch erheblich, dass die
Beschwerde
gegnerin
meine, die „Zustandsbilder“ seien „überwindbar“. Der ursprünglich leistungszusprechende Vorbescheid vom
7.
Mai 2013 sei von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen. Dieser Ent
scheid trage jedoch dem Umstand nicht Rechnung, dass aufgrund der Wechsel
wirkungen der ver
schiedenen Krankheiten eine weitaus höhere Arbeitsunfähig
keit als 50
%
vorliege (
Urk.
1 S. 18). Sodann sei der in der Verfügung vom Mai 2013 vorgesehenen Leistungspflicht ab dem
1.
Mai 2012 nicht zuzustimmen. Vielmehr bestehe seit Juni 2011, spätestens jedoch seit Februar 2012 eine
Ren
tenberechtigung
(
Urk.
1 S. 19f.). Für den Fall, dass nicht von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werde, sei ihr ein Tabellenlohnabzug von 25
%
zufolge der krankheitsbedingten Benachteiligung zu gewähren (
Urk.
1 S. 20ff.).
3.
Die Parteien gingen übereinstimmend von einer Verschlechterung des Gesund
heitszustandes
seit der gerichtlich ang
epassten Rentenverfügung vom 4.
Juli 2014, womit der Beschwerdeführerin vom
1.
April 2008 bis 3
1.
Mai 2011 eine
Dreiviertelsrente
zugesprochen worden war,
aus.
Strittig und zu prüfen sind die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit.
4.
Im Rahmen der Neuanmeldung liegt im Wesentlichen das psychiatrische Gutach
ten von
Dr.
E._
vom 1
7.
Oktober 2012 bei den Akten (
Urk.
8/173/1-56). Hinsichtlich de
r psychiatrischen Aktenlage
bis zum Zeitpunkt der Begutachtung durch
Dr.
E._
, inklusive der im Rahmen der Neuanmel
dung zu den Akten gegeben
en
Austrittsberichte der Psychiatrischen Privatklinik
C._
vom 2
6.
Juli 2011 und 1
2.
Oktober 2011 sowie der
D._
vom 1
2.
Oktober 2011,
wird auf die umfassende, chronolo
gische Wiedergabe im Gutachten selbst verwiesen
(
Urk.
8/173/26ff.)
.
Dr.
E._
stellte
in ihrem Gutachten
folgende Diagnosen (
Urk.
8/173/50):
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
(
seit Ende April 2011 anhaltende
)
mittelschwere Episode (ICD-10: F33.11)
Anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F 45.4)
Anamnestisch
somatoforme
autonome Funktionsstörung des
Gastro
intesti
naltraktes
und des Herzkreislaufs (ICD-10: F45.31/2; F45.30)
Akzentuierte (narzisstische) Persönlichkeitszüge (ICD-10: Z73.1)
In der ersten Hälfte der 90er Jahre sei die Beschwerdeführerin in einer sehr schwierigen Kollusionsbeziehung mit einem dominanten Partner liiert gewesen, der ihre symbiotischen Verschmelzungswünsche abgewertet und abgewehrt habe, und sie in ihrem Selbstwert zutiefst verunsichert und gekränkt habe.
Die Beschwerdeführerin sei zu ihm gezogen und habe auch jahrelang in seiner Firma gearbeitet.
Ende 1996 sei sie „über Nacht“ gegen eine um viele Jahre jüngere Frau ausgetauscht worden
. Diese Kränkung habe eine mehrjährige, aber arbeitsmedizini
sch nicht relevante klinische Dep
ression mit hausärztlicher gesprächstherapeutischer Behandlung sowie Einsatz von Antide
pressiva/
Phyto
therapeutika
ausgelöst. Im gleichen Zeitraum habe auch ein Schmerzleiden eingesetzt, welches sich in den folgenden
knapp
zwanzig Jahren ausgebreitet habe. Im Verlauf sei es vor allem zu einer massiven Verschlechte
rung der Befindlichkeit mit zusätzlicher
weichteilrheumati
scher
/
tendomyopathi
scher
/
fibromyalgischer
Komponente ab 2004-2005 gekommen. Es sei in diesem Zeitraum auch auf die
koindizierende
Belastung durch die
Brustkrebs
erkrankung
der Mutter und weiteren Enttäuschungen bei der Suche nach ein
em zuverlässigen, versorgenden
Partner hinzuweisen. Als finaler „Coup“ habe ihr der E
x
-Partner erneut eine 50%ige Stelle in seiner Firma angeboten, die sie wegen der flexiblen und gestaltbaren Tätigkeiten angenom
men und von Februar 2007 bis Januar 2008 ausgeübt habe, bis sie abermals kurzfristig entlassen und massiv gekränkt worden sei. Die Beschwerdeführerin habe mit vorübergehender 100%iger psychiatrischer Krankschreibung im Januar 2008
dekompensiert
(
Urk.
8/173/45f.
).
Im Februar 2011 sei die Beschwerde
führerin vom
A._
psychiatrisch diagnostiziert worden, zu einem Zeitpunkt, in dem die mittelgradige Depression tatsächlich remittiert gewesen sei, eine Tatsa
che, die auch vom behandelnden Psychiater
Dr.
B._
nicht widerlegt worden sei. Der Psychiater des
A._
habe folgerichtig eine damals remittierte depressive Episode einer
rezividierenden
depressiven Störung
diagnositziert
, die tatsächlich zu diesem Zeitpunkt keine Arbeitsunfähigkeit mehr habe begründen können (
Urk.
8/173/53).
Gegenwärtig erlebe die Beschwerdeführerin durch die Aufhe
bung der IV-Rente und die Notwendigkeit, ihr mit jahrelang fleissiger Arbeit und bescheidenem Lebensstil Erspartes aufzubrauchen, nun auch das materielle Ergebnis ihrer Arbeit als entwertet, und ihren Einsatz und ihr Engagement dieser Arbeitsjahre als sinnlos
(
Urk.
8/173/49)
.
Durch die
se
subjektiv empfun
dene „Beraubung“ ihres letzten verbliebenen Traums einer Eigentumswohnung durch den Entzug ihrer Existenzsicherung mit der Aufhebung ihrer IV-Rente mit Vorbescheid vom April 2011 sei das sich zwischenzeitlich vorübergehend in Remission befindende depressive Leiden nicht mehr remittiert (
Urk.
8/173/47).
Im Rahmen der Befunderhebung hielt
Dr.
E._
fest, die
adipöse
Beschwer
d
e
f
ührerin sei bewusstseinsklar und
allseits orientiert. Die
Gedäch
t
n
is
leistungen
seien unauffällig. Demgegenüber hätten Aufmerksamkeit und Kon
zentration während der Exploration streckenweise nachgelassen. Die Beschwer
deführerin habe von den Schmerzen abgelenkt gewirkt. Anamnestisch lägen
schmerz
bedingte
Sch
wankungen der Konzentrationsfäh
igkeit vo
r. Das formale Denken sei geord
n
e
t, aber vermindert beweglich und mittelgradig auf die redu
zierte Lebens- und Gesundheitssituation eingeschränkt.
Die Beschwerdeführerin habe ein
grosses Mitteilungsbedürfnis und
gebe
auch Intimes von sich preis. Inhaltlich zentral seien eine Selbstwertthematik, Probleme mit der
Selbstwertre
gulierung
, Insuffizienzgefühle, Scham, Gefühle, wertlos zu sein, aber auch Kränkung, ungenügend wahrgenommen zu werden, ungenügend Zuwendung und Anerkennung von
w
ichtigen Bezugspersonen bekommen zu haben/zu bekommen.
Weiter leide die Beschwerdeführerin an mittelgradigem Grübeln und Gedankenkreisen, an einem Autonomie- und Versorgungskonflikt, an Existenz
ängsten sowie an der Angst vor weiteren schmerzbedingten
Funktionsein
schränkungen
und Pflegebedürftigkeit beziehungsweise Abhängigkeit.
Zwangs
gedanken
, Ich-Störungen sowie Hinweise für Wahn oder Sinnestäuschungen würden keine vorliegen. Es bestehe eine
leichtgradige
Affektstarre, der affektive Rapport sei indes gut herstellbar. Die Vitalgefühle seien mittelschwer gestört, welcher Umstand explizit mit dem Schmerzerleben sowie mit der sehr schlech
ten Schlafqualität verbunden werde. In Antrieb und Psychomotorik sei die Beschwerdeführerin
leichtgradig
gehemmt. Sie habe in sechs Jahre 30 kg zuge
nommen. Circadian werde sie morgens vom immobilisierenden Schmerzerleben zurückgeworfen und habe gelegentlich Angst, den Tag nicht bewältigen zu können. Die früher sozial interaktionsfreudige Beschwerdeführerin habe sich sozial leicht- bis mittelgradig zurückgezogen. Die habituell zentrale Rolle der Mutter und Schwester bestehe weiterhin (
Urk.
8/173/43f.).
Aus psychiatrischer Sicht liege heute nach ICD-Kriterien (F33.1) sowie psycho
metrisch ein mittelschweres
depressives Zustandsbild vor. Zudem würden für die im Selbsterleben zentral stehenden Schmerzen genügende Hinweise für eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (F45.4) vorliegen. So seien die Schmer
zen aus somatischer Sicht nicht abschliessend ätiologisch einzuordnen, und sei die Beschwerdeführerin in ihrem Präsentationsbild auf diese
Schmerz
problematik
fixiert, wodurch auch ihr Tagesablauf hochgradig eingeschränkt und limitiert sei
(
Urk.
8/173/48
).
Dr.
E._
kam zum Schluss, die Beschwerdeführerin sei in ihrer letzten Tätig
keit als Mitarbeiterin im Verkaufssupport sowie in ihrer gelernten Tätigkeit als Konfektionsverkäuferin aufgrund der Kombination der
somatoformen
Schmerzstörung mit der (rezidivierenden) anhaltenden mittelgradigen depressi
ven Episode seit Ende April 2011 (Postdatum Eintreffen de
s
IV
Vorbescheids) zu 50
%
arbeitsunfähig. Eine Überwindung der Beschwerden sei nicht zumutbar. Eine angepasste Tätigkeit, in der eine höhere als
die
50%ige Arbeitsfähigkeit erzielt werden könnte, könne durch die Betroffenheit der zentralen Funktionen der Kognition, Konzentrationsfähigkeit, Flexibilität, Durchhaltevermögen und Anpassungsfähigkeit nicht benannt werden (
Urk.
8/173/51). Die Beschwerde
führerin sei jedenfalls zeitlich limitiert in der Lage, sich auf soziale Begegnun
gen einzulassen.
S
ie sei fähig, sich gut zu
fassadieren
und sich empathisch auf das Anliegen des Gegenübers einzulassen. Damit würden ihre Ressourcen nach wie vor im sozialen Bereich liegen.
Administrative Tätigkeiten seien durch die verminderte Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit zeitlich und qualitativ limi
tiert, könnten der Beschwerdeführerin aber aus rein psychiatrischer Sicht in einem Pensum von 50
%
zugemutet werden (
Urk.
8/173/55).
5.
5.1
Dr.
E._
tätigte eigene Untersuchungen, berücksichtigte die geklagten Beschwerden und lieferte in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
einleuch
tende und nachvollziehbare Schlussfolgerungen. Damit genügt ihre Expertise den an eine beweiskräftige Entscheidungsgrundlage gestellten Anforderungen (E. 1.6), weshalb zur
Entscheidfindung
unbestrittenermassen auf die darin gestellten Diagnosen abgestellt werden kann.
5.2
Strittig und
zu
prüfen bleibt der invalidisierende Charakter der von
Dr.
E._
gestellten Diagnosen:
5.2.1
Nach der Rechtsprechung stellt e
ine diagnostizierte rezidivierende depressive Störung als solche keinen psychischen Gesundheitszustand dar, der eine Arbeitsunfähigkeit dauerhaft zu begründen vermag (vgl. Urteil des Bundesge
richts 9C_506/2014 vom 1
0.
November 2014 E. 4.2). Bei mittelschweren depressiven Episoden (ICD-10 F32.1) verneint das Bundesgericht regelmässig deren invalidisierende Wirkung (Urteil des Bundesgerichts 8C_774/2013 vom
3.
April 2014 E. 4.2 mit Hinweisen).
Zudem g
elten mittelschwere psychische Störungen aus dem depressiven Formenkreis grundsätzlich als therapeutisch
angehbar
(Urteil des Bundesgerichts 8C_759/2013 vom
4.
März 2014 E. 3.6.1 mit Hinweisen).
Im Einklang damit wies
denn auch
der beurteilende psychiatri
sche Facharzt des
A._
im polydisziplinären Gutachten vom 1
4.
April 2011 in Übereinstimmung mit
dem behandelnden Psychiater Dr.
B._
sowie
der beur
teilenden Fachärztin des
C._
eine Remission der depressiven Symptomatik aus (
Urk.
8/107/13,
Urk.
8/107/27,
Urk.
8/107/35,
Urk.
8/107/37). Der Einschätzung, wonach zumindest im Zeitraum 2/2010 bis 4/2011 eine Remission der depressiven Sympt
omatik eingetreten
war
, schloss
sich
auch
Dr.
E._
an
(
Urk.
8/173/46,
Urk.
8/7
3
/53). V
on einer invalidi
sier
enden Leidensresistenz
kann
folglich
nicht die Rede sein.
5.2.2
Akzentuierte Persönlichkeitsanteile mit Selbstwertproblematik stellen keine psy
chische Erkrankung nach den diagnostischen Kriterien dar, etwa im Sinne einer Persönlichkeitsstörung. Diese Belastungen sind vielmehr den akzentuierten Persönlichkeitszügen zuzuordnen und fallen als solche nicht unter den Begriff des rechtserheblichen Gesundheitsschadens (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_506/2014 vom 1
0.
November 2014 E. 4.2 mit Hinweis auf SVR 2008 IV Nr.
15 S. 43, I 514/06 E. 2.2.2.2).
5.2.3
Mit Verweis auf das in E. 1.3 Gesagte begründet auch eine diagnostizierte
Somati
sierungsstörung
als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass sie oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind.
Vorliegend sind indes keine Umstände ersichtlich, welche eine Ausnahme von der vermuteten Überwindbarkeit zu begründen vermöchten: Nach der Recht
sprechung werden mittelgradige depressive Episoden - selbst wenn sie vor dem Hintergrund einer rezidivierenden depressiven Störung diagnostiziert worden sind - regelmässig nicht als von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im Sinne eines verselbständigten Gesundheitsschadens betrachtet, die es der betroffenen Person verunmöglicht, die Folgen der bestehenden Schmerzproblematik zu überwinden (Urteil des Bundesgerichts 8C_104/2014 vom 2
6.
Juni 2014 E. 3.3.4 mit Hinweisen; vgl. auch Urteil 9C_856/2013 vom
8.
Oktober 2014 E. 5.1.2).
Im vorliegenden Fall stellte sich das
Schmerzlei
den z
eitgleich mit der klinischen Depression
im Rahmen einer belastenden Partnerschaft ein
(
Urk.
8/173/13,
Urk.
8/173/45)
, w
omit nicht von einem
eigenständige
n
depre
ssiven
Leiden
ausgegangen werden kann
.
In somatischer Hinsicht
wiesen die beurteilenden Fachärzte
des
A._
eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit aus, womit
auch
eine chronische körperliche Begleiterkrankung von erheblicher Schwere, Ausprägung, Dauer und Intensität
zu verneinen ist
(
Urk.
8/107/23f.).
E
in ausgewiesener sozialer Rückzug aus allen Belangen des Lebens
liegt
wie von der Beschwerdegegnerin zutreffend begründet und worauf vollumfänglich verwiesen werden kann (
Urk.
2 S. 2)
nicht vor
, wovon im Übrige
n auch
Dr.
E._
nicht ausgega
ng
en ist
.
Stellte sie vielmehr
lediglich
einen
leicht- bis mittelgradig
en
sozial
en Rückzug
fest
(
Urk.
8/173/44)
und
führte gleichzeitig aus
, die Beschwerdeführerin sei
wenn auch zeitlich limitiert
durchaus in der Lage, sich auf soziale Beziehungen ein
zulassen
,
womit
deren
Re
ssourcen
nach wie vor eindeutig im sozialen Bereich liegen würden (
Urk.
8/173/55).
Im Übrigen
brachte
die
Beschwerdeführerin
in ihrer Beschwerde
selbst vor, sie bemühe sich darum
, den Kontakt zur Aussen
wel
t zu halten (
Urk.
1 S. 9).
Demgegenüber
legen
ihre
Einwände, wonach
sie
ihre Schwester seit der psychiatrischen Begutachtung
durch
Dr.
E._
nicht mehr wöc
hentlich sehe und sie
ihre Mutter lediglic
h ab und an unterstütze und
zu den anderen „
Hündelern
“ keinen sozialen Kon
takt pflege (
Urk.
1 S 9f.),
nichts Gegenteiliges dar.
Ein
mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter S
chmerzs
ymptomatik
dürfte
zwar
zu bejahen sein
.
Allerdings wiesen d
ie
A._
-Gutachter
in schlüssiger Weise
darauf hin
,
dass
das Scheitern sämtlicher
bisheriger
therapeutischen Bemühungen
auf die ausge
prägte subjektive Krankheitsüberzeugung der Beschwerdeführerin sowie deren mangelnde
Motivation, sich trotz allfälliger Restbeschwerden um ihre Genesung zu bemühen und sich den Belastungen der Arbeitswelt wieder auszusetzten (
Urk.
8/107/1
3f.
)
, zurückzuführen ist
.
Der
Eindruck
eingeschränkter
Compliance
und
Kooperationsbereitschaft
wird
auch
im
Austrittsbericht der Privatklinik für Psychiatrie,
C._
, vom 2
6.
Juli 2011
deutlich
(
Urk.
8/131/23). Von gescheiterten Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung kann
folglich
nicht die Rede sein.
Im Übrigen
hielt
Dr.
E._
fest,
namentlich
die tiefgreifende Frustration des eigenen
Lebens
entwurfs
mit ungenügender Befr
iedigung der Beziehungswünsche,
der
zwi
sch
enzeitlich drohende
Verlust der Mutter als sehr wichtige Bezugsperson zufolge deren Krebsleiden 2004, die erneute schwere Kränkung beziehungsweise Wiederholung der Beziehungsfrustration durch den ehemaligen Partner beim letzten Arbeitsversuch
und schliesslich die subjektiv empfundene „Beraubung“ ihres Wunsches nach einer Eigentumswohnung durch die Aufhebung der IV
Rente,
seien hinreich
end
bedeutende psychosoziale u
nd emotionale
Kompo
nenten
, die das Schmerzerleben begründen dürfte
n.
Soweit Befunde in
psycho
sozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist indes kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben.
Ob ein primärer
Krankheitsgewinn
vorliegt
,
kann schliesslich offen gelassen werden.
5.3
Dass die Beschwerdegegnerin den Untersuchungsgrundsatz
respektive das rechtli
che Gehör der Beschwerdeführerin
verletzt haben soll, indem sie den Seel
sorger der von
ihr
frequentierten
freie
n
protestantische
n
Kirchengemeinde
be
züglich
ihres
s
ozialen Rückzug
s
nicht befragt habe, ist
nicht stichhaltig. Zwar ist der Sozialversicherungsprozess vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (
Art.
43
Abs.
1 und
Art.
61
lit
. c ATSG). Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt.
Die behördliche und richterliche Abklärungspflicht umfasst nicht unbesehen alles, was von einer Partei behauptet wird. Vielmehr bezieht sie sich auf den im Rahmen des streitigen Rechtsverhältnisses (Streitgegenstand) rechtserheblichen Sachverhalt. Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder anders zu
ent
scheiden
ist. Dass
letzteres auf eine Stellungnahme des Seelsorgers nicht zutrifft,
ist nach dem Gesagten offensichtlich
.
5.
4
In BGE 139 V 547 hat das Bundesgericht an der Vermutung, dass
Somati
sierungs
störungen
oder ihre Folgen mit einer zumutbaren
Willensan
strengung
überwindbar sind, unter Auseinandersetzung mit der daran geübten Kritik festgehalten und auf die besondere Bedeutung einer fachgerechten Abklärung hingewiesen (E. 9.1.3, E. 9.2.1). Insbesondere erkannte das Bundes
gericht, dass sich die unklaren Beschwerden hinsichtlich ihrer invalidisierenden Folgen von anderen (psychischen) Leiden durch die mangelnde Objektivierbar
keit unter
scheiden. Dabei handelt es sich um ein sachliches Kriterium, das über
prüft werden kann. Die hinreichende Objektivierbarkeit der gesundheitlichen Beein
trächtigung wird für Ansprüche auf Sozialversicherungsleistungen seit jeher vorausgesetzt und hat im Rahmen der
5.
IV-Revision auch Eingang in die Gesetzgebung gefunden (
Art.
7
Abs.
2 ATSG). Von einer willkürlichen, unbe
gründeten Schlechterstellung beziehungsweise einer Diskriminierung der betroffenen Versicherten in verfassungsmässigem Sinne beziehungsweise nach Massgabe der
Europäischen Menschenrechts Konvention (
EMRK
)
kann
ent
gegen dem Einwand der Beschwerdeführerin - daher nicht gesprochen werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_142/2013 vom 2
0.
November 2013 E. 4.2 mit Hinweis auf BGE 139 V 547 E.
5.6 in
fine
und E. 5.7).
Daran vermag selbstredend auch die unaufgefordert abgegebene Stellungnahme
von
Dr.
B._
, worin
er sich
vornehmlich polemisch über die einschlägige Verwaltungs- und Gerichtspraxis auslässt (
Urk.
3/5), nichts zu ändern.
5.
5
Schliesslich ist die Beschwerdeführerin m
it ihren erst beschwerdeweise vorge
brachten Einwänden,
wonach sie
an einer schweren organischen Erkrankung, die degenerativer Natur sei und die sich seit dem Urteil vom 2011
(Januar 2012)
verschlechtert habe
, leide (
Urk.
1 S. 18,
Urk.
10),
nicht zu hören.
Legen doch die Gerichte ihrer beschwerdeweisen Überprüfung den Sachverhalt zugrunde, wie er sich der Verwaltung darbot.
Zwar hat die Beschwerdeführerin im Rahmen ihrer Neuanmeldung vom 1
5.
Mai 2012 bei der IV-Stelle in pauschaler Weise geltend
gemacht
,
neben der erheblichen Verschlechterung vor allem des psychischen Zustandes habe sich auch der somatische
verschlechtert (
Urk.
8/162). D
ie
genannte
somatische Verschlechterung
hat sie im
Einwandverfahren
demge
genüber
weder
erwähnt,
noch
ärztlich ausgewiesen
(
Urk.
8/197)
.
Dass
sie damals
an
relevante
n
Knie- und Knorpelschäden
litt, erscheint auch mit Blick darauf, dass
die Be
schwerdeführerin
nach eigenen Angaben
täglich mehrere und davon bis zu einstündige Spazi
ergänge mit ihrer Hündin unternahm
(
Urk.
8/173/25),
wenig wahrscheinlich.
Daran vermag auch der am 27.
Februar 2015 eingereichte Bericht von
Dr.
F._
vom 23.
Februar 2015 (
Urk.
11), wonach im Zeitpunkt vom 2
0.
November 2013 sicher relevante Knieschmerzen vorhanden gewesen seien und es sich dabei nicht um eine
somatoforme
Schmerzstörung gehandelt habe,
nachträglich
nichts zu ändern.
Die
von
Dr.
F._
weiter
erwähnte Arthroskopie links und einen Monat später rechts im Oktober 2014 sowie die auf Ende März 2015 vorgesehene
Knietotalprothe
senversorgung
beziehen sich
sodann
auf einen Sachverhalt, der sich nach Erlass der angefochtenen Verfügung verwirklicht hat. Nach ständiger Rechtsprechung beurteilt das Sozialversicherungsgericht die Gesetzmässigkeit des angefochtenen Entscheids in der Regel nach dem Sachverhalt, der zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen
Verwaltungs
verfügung
sein (BGE 131 V 242 E. 2.1, 121 V 362 E. 1b). Soweit die Beschwer
deführerin neue Tatsachen oder eine Verschlechterung ihres somatischen Gesundheitszustandes nach Erlass der angefochtenen Verfügung geltend macht, ist sie damit auf eine Neuanmeldung zu verweisen.
Die weiteren Vorbringen sind mangels Relevanz nicht zu hören.
5.
6
Zusammenfassend ist mit dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass es der Beschwer
deführerin bei Aufbietung allen guten Willens (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen) und in Nachachtung des im Sozialversicherungsrecht allgemein geltenden Grundsatzes der Schadenminderungspflicht zuzumuten ist, ihre psy
chischen Leiden zu überwinden und einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.
Im Übrigen
ist
fraglich, ob seit der Begutachtung durch das
A._
im April 2011 überhaupt eine im Sinne von
Art.
17 ATSG für den Rentenanspruch relevante Änderung des Gesundheitszustandes eingetreten ist. Diagnostizierte doch
Dr.
B._
im Schreiben an
die Beschwerdegegnerin vom 25.
Februar 2012 eine
bereits
seit April 2011 bestehende rezidivierende mittelgradige depressive Stö
rung (
Urk.
8/145/1).
Bei diesem Ergebnis erübrigt sich ein
Einkommensver
gleich
.
Der
angefochtene
Entscheid
erweist sich
als rechtens,
was zur Abweisung der Beschwerde führt
.
6.
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversiche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von
Art.
61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig v
om Streitwert im Rahmen von Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.-- festge
legt.
Vorliegend erweist sich eine Kostenpauschale von
Fr.
600.-- als angemessen. Ausgangsgemäss ist diese der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.