Decision ID: ead43eb8-eec4-415a-b805-efb129b8fb92
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1960, war
seit dem
1.
Februar
2011
bei der
Y._
in
Z._
als Service Techniker
angestellt (
Urk.
2/4
) und über diese im Rahmen einer kollekt
iven Krankentaggeldversicherung nach dem
Bundes
gesetz über den Versicherungsvertrag
(VVG)
für die Folgen von
krankheitsbe
dingtem
Erwerbsausfall
bei der Basler V
ersicherung
AG (nachfol
gend: Basler)
tag
geldversichert
(vgl.
Urk.
2/2
/1
).
Die Kollektiv
-Kranken
taggeldversicherung sah die Gewährung von Krankentaggeldern in der Höhe von 90
%
des Lohnes unter Berücksichtigung einer Wartefrist von 90 Tagen vor (vgl.
Urk.
11).
Am 2
1.
März 2011 löste die
Y._
das Arbeitsverhältnis
unter Einhaltung der vertraglich vereinbarten Kündigungsfrist
von einer Woche
per
1.
April 2011 auf. Der Versicherte wurde per sofort freigestellt (
Urk.
2/7).
Am 1
4.
November 2012 meldete die Arbeitgeberin der Basler eine
krankheitsbe
dingte
Arbeitsunfähigkeit
von
X._
(
Urk.
2/2
/2
).
2.
Am
2
2.
Dezember 2013
erhob
X._
am hiesigen Gericht Klage (
Urk.
1)
gegen die Basler
und beantragte,
die
se
sei als kollektive
Krankentag
geldversicherung
zu verpflichten, ihm Taggeldleistungen auf der Grundlage einer ab dem 2
1.
Februar 2011 beziehungsweise 2
2.
März 2011 beginnenden 100%igen Arbeitsunfähigkeit für eine Periode von drei Monaten (= 90 Tagen), unter Berücksichtigung der von Amtes wegen festzustellenden Wartefrist, im Betrag von
Fr.
16‘155.60 (Bruttolohn
Fr.
81‘900.-- / 365 =
Fr.
224.40 x 80
%
=
Fr.
179.50 Taggeld x 90 Tage) nebst Verzugszins von 5
%
ab dem 2
3.
Dezember 2013 auszurichten, unter ausdrücklichem Nachklagevorbehalt, insbesondere betreffend die
nachfolgende Periode (S. 2
Ziff.
1).
Eventuell sei die Beklagte als Einzeltaggeldversicherung zu verpflichten, ihm
Tag
geldleistungen
auf der Grundlage einer ab dem 2
1.
Februar 2011 bezie
hungsweise 2
2.
März 2011 beginnenden 100%igen Arbeitsunfähigkeit für eine Periode von drei Monaten (= 90 Tagen), unter Berücksichtigung der von Amtes wegen festzustellenden Wartefrist, im Betrag von
Fr.
16‘155.60 (Bruttolohn
Fr.
81‘900.-- / 365 =
Fr.
224.40 x 80
%
=
Fr.
179.50 Taggeld x 90 Tage) nebst Verzugszins von 5
%
ab dem 2
3.
Dezember 2013 auszurichten, unter ausdrück
lichem Nachklagevorbehalt, insbesondere betreffend die nachfolgende Periode (S. 2
Ziff.
2).
Anlässlich der Instruktionsverhandlung vom 1
8.
Februar 2014 beantragte die Basler die Abweisung der Klage (vgl.
Urk.
14)
.
Der Einzelrichter

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung nach dem Bundesge
setz über die Krankenversicherung (KVG) unterstehen
gemäss
Art.
12
Abs.
3 KVG dem Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG).
Die daraus her
rühren
de
n
Streitigkeit
en sind
daher zivil- und vermögensrechtlich (BGE 124 III 46 E. 1 und 232 E. 2b).
Die Kantone können ein Gericht bezeichnen, welches als einzige kantonale Instanz für solche Streitigkeiten zuständig ist (
Art.
7 der Schweizerischen Zivil
pro
zessordnung
,
ZPO). Im Kanton Zürich liegt die Zuständigkeit beim
Sozial
ver
sicherungsgericht
(
§
2
Abs.
2
lit
. b des Gesetzes über das
Sozialversiche
rungs
ge
richt
,
GSVGer
). Das Verfahren richtet sich nach
Art.
244 bis 247 ZPO (einfaches Verfahren;
Art.
243
Abs.
2
lit
. f ZPO). Die Klage wird direkt beim Gericht an
hängig gemacht (BGE 138 III 558 E. 3.2 und 4.6).
Das
Gericht stellt den Sach
verhalt
von Amtes wegen
fest (Art. 247 Abs. 2
lit
. a in Verbindung mit Art. 243 Abs. 1
lit
. f ZPO).
Die sachliche und örtliche Zuständigkeit des hiesigen Gerichts zur Beurteilung der eingereichten Klage ist unst
reiti
g gegeben
.
1.2
Im Rahmen des Versicherungsvertrages hat die anspruchsbere
chtigte Person - in der Regel der Versicherungsnehmer
- die Tatsachen zur Begründung des Versi
cherungsanspruchs (
Art.
39 VV
G) zu behaupten und zu beweisen
. Da der Nach
weis rechtsbegründender Tatsachen im Bereich des Versicherungsvertrages regel
mässig mit Schwierigk
eiten verbunden ist, geniesst der Versicherungs
neh
mer
insofern eine Beweiserleichterung, als
er
nur eine überwiegende Wahr
scheinlichkeit für das Bestehen des geltend gemachten Versicherungsanspruchs darzutun hat. Beim Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ist ver
langt, dass die Möglichkeit, dass es sich auch anders verhalten könnte, zwar nicht ausgeschlossen ist, sie darf aber für die betreffende Tatsache weder eine massgebende Rolle spielen noch vernünftigerweise in Betracht fallen (vgl. BGE 1
30 III 321 E. 3.3).
1.3
Die Klage zielt auf Taggelder im Gesamtbetrag von
Fr. 16
‘
155
.
60
(zuzüglich Zins)
ausgehend von einer Arbeitsunfähigkeit ab dem 2
1.
Februar beziehungs
weise 2
2.
März 2011
(
Urk. 1).
Der Streit
wert liegt damit unter
der für die
einzel
richterliche
Zuständigkeit relevanten Grenze von
Fr.
20‘000.-- (vgl.
§
11
Abs.
1
GSV
Ger
).
2.
2.1
Der Kläger machte in seiner Klage (
Urk.
1) Taggeldansprüche in der Höhe von insgesamt
Fr.
16‘
155.60, zuzüglich Zins zu 5
%
seit dem 2
3.
Dezember 2013
und unter ausdrücklichem Nachklagevorbehalt betr
effend die nachfolgende Periode
geltend
, welche sich ausgehend von einer Arbeitsunfähigkeit von 100
%
ab dem 2
1.
Februar beziehungsweise 2
2.
März 2011 für eine Periode von drei Monaten gestützt auf 80
%
des Bruttolohnes von
Fr.
81‘900.
-- zusammensetz
en (S. 2).
Zur Substantiierung führte der Kläger anlässlich der Instruktionsverhandlung vom 1
8.
Februar 2014
aus
(vgl.
Urk.
14)
, er sei seit dem 2
1.
beziehungsweise 2
2.
März 2011 arbeitsunfähig und beziehe seit dem
1.
März 2012 eine ganze Rente der Invalidenversicherung.
Weiter verw
i
es er auf die eingereichten medi
zinischen Akten.
2.2
Die Beklagte
führte anlässlich der Instruktionsverhandlung vom 1
8.
Februar 2014 aus
(vgl.
Urk.
14),
dass der Taggeldanspruch des Klägers nach einer War
tefrist von 90 Tagen beginnen
und
die Leistungspflicht
somit
am 1
9.
Juni 2011 einsetzen
würde
, wenn der Kläger ab dem 2
2.
März 2011 krank und arbeitsun
fähig gewesen wäre
. Dies werde jedoch bestritten
. So fänden
si
ch in den Akten keine Hinweise dafür
, dass der Kläger am 1
9.
Juni 2011 noch krank bezie
hungsweise arbeitsunfähig und bei der
Y._
angestellt gewesen sei. Dies seien jedoch die kumulativen Voraussetzungen für den Beginn der
Leistungs
pflicht
. Da der Kläger nach Ablauf der Wartefrist offensichtlich nicht mehr zum versicherten Personenkreis gehört habe, nachdem er die
Auflösungsvereinba
rung
am 3
0.
März 2011 unterschrieben habe, habe die Leistungspflicht
nicht beginnen können.
D
en medizinischen Akten
sei ausserdem
zu entnehmen, dass der Kläger lediglich vom 2
2.
März bis
5.
April 2011
und dann erst wieder ab dem 2
5.
Juli 2011 krank und arbeitsunfähig gewesen sei.
Am 1
9.
Juni 2011 sei der Kläger demnach nicht krank und arbeitsunfähig gewesen
(Prot. S. 3)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit, ob de
r
Kläger
für die Zeit ab 1
9.
Juni 2011
An
spruch auf
Krankentaggelder der Beklagten hat.
3.
3.1
Das grundsätzlich anwendbare VVG enthält ausser in Art. 87 keine spezifischen Bestimmungen zum Krankentaggeld. Es sind deshalb vorab die vertraglichen Vereinbarungen der Parteien massgebend.
Der Taggeldanspruch des Klägers ist gemäss den unstreitig anwendbaren Ver
trags
bedingungen für die kollektive Taggeldversicherung nach VVG, Ausgabe 200
7
(nachfolgend
VB;
Urk.
2/2
/1
) zu beurteilen.
3.2
Nach
lit
.
G19 VB (S. 19) liegt eine Erwerbsunfähigkeit vor, wenn die versicherte Person ganz oder teilweise ausserstande ist, infolge Krankheit ihren Beruf oder eine andere zumutbare Tätigkeit auszuüben, und dadurch der Versicherte oder sein Arbeitgeber durch seine Lohnfortzahlungspflicht eine finanzielle Einbusse erleidet.
Vorausgesetzt für die Leistungspflicht des Versicherers ist laut
lit
.
D2 VB (S. 14) eine krankheitsbedingte Erwerbsunfähigkeit von mindestens 50
%
, wobei das versicherte Krankentaggeld proportional zum Grad der Erwerbsunfähigkeit aus
gerichtet wird.
Gemäss
lit
.
G6 VB (S. 16) beginnt die Leistungspflicht des Versicherers nach Ablauf der Wartefrist unter der Bedingung, dass die versicherte Person bei Ab
lauf der Wartefrist noch zum versicherten Personenkreis gehört. Gemäss Satz 2 derselben Bestimmung beginnt die Wartefrist pro Krankheit am Tag, an dem die krankheitsbedingte Erwerbsunfähigkeit erstmals einsetzt, frühestens jedoch drei Tage vor der ersten ärztlichen Behandlung.
3.3
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachver
halts genügt den Beweisanforderungen nicht. Der Richter und die Richterin haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie von allen mög
lichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen (BGE 126 V 353 E. 5b, 125 V 193 E. 2, je mit Hinweisen). Dieser im Sozialversicherungsprozess allgemein gültige Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit gelangt auch im Klageverfahren betreffend Leistungen aus der Zusatzversicherung zur Anwendung (Christine
Grünig
, Verfahrensfragen in der Krankenversicherung, in: Aktuelles im Sozialversicherungsrecht, Hrsg. Hans-Jakob
Mosimann
, Zürich 2001, S. 193 mit Hinweisen).
3.4
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beur
teilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zu
ge
mutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
4.
4.
1
Die Ärzte des
A._
, Privatklinik für Psychiatrie und Psycho
therapie, berichteten am 1
8.
November 2011 (
Urk.
2/9) und nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
Störung durch multiplen Konsum psychotroper Substanzen
psychotische Störung, vorwiegend polymorph (ICD-10 F19.53)
Störung durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom, episodischer
Substanz
gebrauch
(ICD-10 F10.26)
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie einen Sta
tus nach leichter depressiver Episode (ICD-10 F32.0). Sie führten aus, der Kläger sei bei ihnen
vom 2
2.
März bis
5.
April 2011 sowie
vom 2
1.
August bis 1
6.
September 2011 hospitalisiert gewesen (S. 1
Ziff.
1.3
, S. 2
Ziff.
1.4
).
Der Kläger sei
demnach
vom
2
2.
März bis
5.
April 2011 sowie vom
2
1.
August
bis 1
6.
September 2011
zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen (S. 5
Ziff.
1.6).
Die
erste
Aufnahme des Klägers
im März 2011
sei auf eine geschlossene
Akut
station
erfolgt, wo ein
distraneuringestützter
Alkoholentzug durchgeführt wor
den sei
. Dieser habe sich im Verlauf komplikationslos gestaltet.
Während des Aufenthaltes habe der Kläger regelmässig und motiviert an den
paramedizini
schen
Therapien wie auch an den verschiedenen Stationsaktivitäten
teilgenom
men. Alkoholrückfälle seien keine verzeichnet worden. Unter der regelmässigen Therapieteilnahme und der Abstinenz von Alkohol sei es zu einer deutlichen
Besserung der depressiven Symptomatik gekommen. So habe sich der Kläger im Kontakt emotional schwingungsfähiger und bezüglich einer positiven
Zukunfts
entwicklung
zuversichtlich gezeigt.
Der Austritt in die alten Verhältnisse sei in Übereinstimmung mit den Wünschen des Klägers und bei fehlenden Gefährdun
gen in gegenseitigem Einverständnis erfolgt
(S. 2
Ziff.
1.4).
Die zweite Aufnahme des Klägers zur Krisenintervention und diagnostischen Abklärung sei ebenfalls auf die geschlossene Akutstation erfolgt.
Der Kläger habe sich anfangs nicht an die Ausgangsregelungen halten können, sei zweimal entwichen und habe per Polizei in
intoxikiertem
Zustand zurück auf die Station gebracht werden müssen. Er habe ein fluktuierendes Zustandsbild von
Vigilanzminderung
entwickelt, sei nur auf Schmerzreize erweckbar gewesen, habe eingenässt und bilateral, irreguläre Myoklonien gezeigt
. Die psychotische
Symptomatik habe sich zunehmend gebessert, so dass der Kläger schliesslich zuverlässig habe Tagesbeurlaubungen in Anspruch nehmen können
(S. 4 Mitte).
4.2
Dr.
med.
B._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie
, berichtete am 2
2.
November 2011 (
Urk.
2/10) und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1):
polymorph psychotische Störung (ICD-10 F19.53), Differentialdiagnose: substanzinduziert, im Rahmen einer Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis
Alkoholabhängigkeitssyndrom vom Intoxikationstyp (ICD-10 F10.21), seit jungem Erwachsenenalter
r
ezidivieren
d
depressive Episoden verschiedenen Grades (ICD-10 F33), oft verschleiert durch Betäubungsmittel
intermittierend
Politoxikomanie
(Alkohol, Cannabis, Benzodiazepine,
Baclofen
, Melatonin)
soziale Phobie (ICD-10 F40.1)
Er führte aus,
der Kläger habe in der Probezeit seiner letzten Anstellung bei der Firma
Y._
am 2
1.
Februar (richtig: März
)
2011 eine Kündigung erhalten
. Danach sei ab dem 2
2.
März 2011 bei gleichzeitig depressiver Symptomatik ein stationärer Alkoholentzug erfolgt (S. 2 unten).
R
etrospektiv halte er den Kläger seit 2
1.
Februar 2011 zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 1 oben
, S. 3
Ziff.
1.6
).
Über die letzten Monate habe eine sehr wechselhaft ausgeprägte psychopathologische Symptomatik bestanden.
Die Verschlechterung der Symptomatik in den letzten Monaten bei langjähriger psychiatrischer Vorgeschichte lasse vermuten, dass es einer längeren Stabilisierungsphase und Rehabilitationszeit bedürfe. Wenn sich der psychische Zustand des Klägers stabilisiert habe, sei er aufgrund der vielen verfügbaren Ressourcen des Klägers zu gegebener Zeit optimistisch für berufli
che Eingliederungsmassnahmen (S. 3 Mitte).
4.3
Dr.
med.
C._
, Oberarzt, Leiter Tagesklinik,
D._
, berichtete am
8.
Februar 2012 (
Urk.
2/11) und
nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 3
Ziff.
1.1):
Alkoholabhängigkeitssyndrom, gegenwärtig episodischer
Substange
brauch
(ICD-10 F10.21)
Verdacht auf rezidivierende psychotische Störungen, vorwiegend poly
morph (ICD-10 F23.0); Differentialdiagnose: akute Intoxikationen mit Wahrnehmungsstörungen ausgelöst durch Konsum von psychotropen Substanzen
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1); Differentialdiagnose: bipolare affektive Störung, ge
mischte Episode
Er führte aus,
der Kläger sei vom 2
5.
Juli 2011 bis zum
3.
Februar 2012 in der Tagesklinik der
D._
in teilstationärer Behandlung gewesen.
Für die Zeit während dieser Behandlung sei der Kläger aufgrund von Krankheit und deren Behandlung zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen. Für die Zeit vor dem 2
5.
Juli 2011 könnten keine Angaben zum Kläger gemacht werden.
Aufgrund der Be
obachtung und Befunde während der Behandlung in der Tagesklinik sei davon auszugehen, dass der Kläger seit dem
3.
Februar 2012 weiterhin nicht bezie
hungsweise nur eingeschränkt arbeitsfähig sei.
Aufgrund des Verlaufs, der Beobachtungen und Befunde sei davon auszugehen, dass der Kläger voraus
sichtlich auch auf längere Sicht aufgrund von Krankheit arbeitsunfähig sein werde (S. 3 oben).
4.4
Dr.
C._
,
D._
, berichtete am
8.
März 2012 (
Urk.
13/5), nannte die bekannten Diagnosen und führte aus, der Kläger sei bei ihnen vom 2
5.
Juli 2011 bis
3.
Februar 2012 in teilstationärer Behandlung und vorgängig vom 2
2.
März bis
5.
April 2011 in der Psychiatrischen Klinik
A._
zum Alkoholentzug gewesen
(S. 1)
.
Am
3.
Februar 2012 sei die Behandlung beim Kläger - nach einem nur teilweise erfolgreichen Verlauf und nicht voll
ends befriedigend - regulär abgeschlossen worden (S. 3 unten).
Von einer Ar
beits
fähigkeit in seiner alten beruflichen Tätigkeit könne nicht ausgegangen werden. Es sei von einer komplexen psychiatrischen Störung und einer einge
schränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen. Eine berufliche Integration über den geschützten Arbeitsmarkt sollte abgeklärt werden (S. 4 unten).
4.5
Dr.
B._
berichtete am 1
8.
September 2013 (
Urk.
2/8) und führte aus,
der Kläger sei am 2
1.
März 2011 bei ihm alkoholisiert zu einer ambulanten psychi
atrischen Konsultation erschienen. Aufgrund suizidaler Äusserungen bei auch depressiver Symptomatik sei eine
Hospitalisation
unumgänglich gewesen.
So habe am 2
2.
März 2011 ein freiwilliger notfallmässiger Klinikeintritt in die psy
chiatrische Klinik
A._
veranlasst werden können.
Am 2
1.
und 2
2.
März 2011 sei der Kläger nicht in der Lage gewesen, die Tragweite und den Umfang einer Aust
rittsvereinbarung zu verstehen.
Der Kläger sei vom 2
2.
März bis
5.
April 2011 in stationärer Behandlung im
A._
gewesen, weshalb für Auskünfte zu dieser Zeit die behandelnden Ärzte kontaktiert wer
den müssten.
Ab dem
7.
April 2011 habe sich der Kläger erneut in seine ambu
lante psychiatrische Behandlung begeben. Eine
r
an sich indizierten, längerdau
ernden stationären Entwöhnungsbehandlung oder auch einem Eintritt in eine Tagesklinik sei der Kläger aufgrund finanzieller Probleme abweisend gegenüber gestanden.
Zu Hause sei er jedoch mit dem Errichten einer Tagesstruktur über
fordert gewesen. Schliesslich sei er dann am 2
5.
Juli 2011 dennoch in die Tagesklinik der
D._
eingetreten, weshalb er den Kläger nur noch am
3.
August 2011 zu einer Konsultation gesehen habe (S. 1).
In der Zeit von April bis Anfang August 2011 habe sich beim Kläger ein sehr wechselhaftes psychisches Zustandsbild gezeigt, das sich innerhalb von Minuten oder Stunden stark habe ändern können. Der Kläger habe versucht, den
Alko
holkonsum
in dieser Zeit immer wieder unter Kontrolle zu halten, was ihm jedoch nicht gelungen sei.
Er gehe davon aus, dass der Kläger in jener Zeit zu stark mit seinen psychischen Symptomen und der schwierigen sozialen und auch finanziellen Situation belastet gewesen sei, als dass er sich um die
Aus
trittsvereinbarung
kümmern und deren Tragweite hätte verstehen können.
Der Kläger sei sicher immer wieder nicht in der Lage gewesen, vernunftgemäss han
deln zu können.
Es dürfte sich
hierbei
nicht um eine generelle
Urteilsunfähig
keit
handeln, sondern um eine Unfähigkeit, sich den Tag zu strukturieren und sich um seine alltäglichen Angelegenheiten und Pflichten zu kümmern (S. 2).
5.
5.1
In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob sich der Kläger darauf berufen kann, im massgebenden Zeitpunkt nach dem
Kollektiv-Krankentaggeld
versicherungsver
trag
versichert gewesen zu sein.
Die Würdigung sämtlicher medizinischer Akten ergibt, dass g
estützt auf die Angaben des behandelnden Psychiaters
Dr.
B._
(vgl. vorstehend E.
4.2 und E.
4.5)
davon auszugehen
ist
, dass
der Kläger
seit dem 2
1.
März 2011 infolge Krankheit zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen ist.
Bei der Angabe
von
Dr.
B._
im Bericht vom
2
2.
November 2011 (
Urk.
2/10)
, wonach der Kläger die Kündi
gung seiner Arbeitsstelle am 2
1.
Februar 2011 erhalten habe und demnach ret
ro
spektiv gesehen seit dem 2
1.
Februar 2011 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen sei, handelt es sich offensichtlich um einen
Datums-
Verschr
i
e
b.
So datiert die Austrittsvereinbarung vom 2
1.
März 2011, wurde von den Parteien am 2
1.
beziehungsweise 3
0.
März 2011 unterzeichnet (
Urk.
2/7) und hält fest, dass das Arbeitsverhältnis am
1.
April 201 endet, wobei der Kläger per 2
1.
März 2011 von seinen Aufgaben freigestellt ist.
Weiter
geht
auch
aus dem Bericht
von
Dr.
B._
vom 2
2.
November 2011 (
Urk.
2/10)
klar hervor, dass sich der Kläger nach der Kündigung ab dem 2
2.
März 2011 in einer stationären Be
handlung befand. Auch aus dem
Bericht vom 1
8.
September 2013 (
Urk.
2/8) von
Dr.
B._
ergibt sich
ebenfalls
, dass der Kläger am 2
1.
März 2011 bei
Dr.
B._
zu einer ambulanten Konsultation erschienen ist und danach
am 2
2.
März 2011
der Klinikeintritt
erfolgt ist.
Bei einer Arbeitsunfähigkeit ab dem 2
1.
März 2011 ist die Wartefrist von 90 Tagen gemäss Kollektiv-Krankentaggeldversicherungsvertrag (
Urk.
11) an die
sem Tag ausgelöst worden
und
am 1
9.
Juni 2011 abgelaufen.
Somit würde die Lei
s
tungspflicht der Beklagten
am 1
9.
Juni 2011 einsetzen.
5.2
Gemäss
lit
.
G6 VB (S. 16) beginnt die Leistungspflicht der Beklagten nach Ablauf der Wartefrist unter der Bedingung, dass die versicherte Person bei Ablauf der Wartefrist noch zum versicherten Personenkreis gehört.
Nachdem aus der Austrittsvereinbarung vom 2
1.
März 2011 klar hervorgeht, dass das Arbeitsverhältnis zwischen dem Kläger und der
Y._
am
1.
April 2011 geendet hatte, war d
er Kläger
im
Zeitpunkt
des Beginns der
Leistungs
pflicht
der Beklagten am 1
9.
Juni 2011
nicht mehr bei der
Y._
angestellt.
Der Kläger gehörte demnach bei Ablauf der Wartefrist nicht mehr zum versi
cherten Personenkreis. Ausserdem liegt für diese
n
Zeitpunkt auch keine attes
tierte Arbeitsunfähigkeit
des Klägers
vor.
So
wurden dem Kläger lediglich für die Zeit während seinen Aufenthalten im
A._
vom 2
2.
März bis
5.
April 2011 sowie vom 2
1.
August bis 1
6.
September 2011 (vgl. vorste
hend E. 4.1) sowie während seines Aufenthaltes in der
D._
vom 2
5.
Juli 2011 bis
3.
Februar 2012 (vgl. vorstehend E. 4.3
, E. 4.4
) eine Arbeitsunfähigkeit attestiert.
Die in
lit
.
G6 der VB angeführten Voraussetzungen für eine
Leistungsverpflich
tung
der Beklagten gemäss Kollektiv-Krankentaggeldversicherungsvertrag (
Urk.
11) waren demnach im massgebenden Zeitpunkt
nicht erfüllt.
Eine
Leis
tungspflicht
der Beklagte aus dem
Kollektiv-Krankentaggeldversicherungsver
trag
ist deshalb zu verneinen.
5.3
Aus
de
n
Akten
geht hervor
, dass der Kläger nicht in die Einzelversicherung
ge
mäss G14 der VB (S. 18)
übergetreten ist.
Dies wird von den Parteien auch nicht bestritten.
Der Kläger macht
e anlässlich der Instruktionsverhandlung vom 1
8.
Februar 2014 geltend (
Prot. S. 2
)
, er habe den Übertritt unterlassen, weil er
durch die
Y._
nicht entsprechend informiert
w
orden sei beziehungsweise das entsprechende Merkblatt nicht erhalten habe.
In Ziffer 11 der Austrittsvereinbarung vom 2
1.
März 2011 (
Urk.
2/7) wird auf die Merkblätter Sozialversicherungen, Organisation des Austritts und
Referenz
auskünfte
verwiesen und gebeten, diese zur Kenntnis zu nehmen.
Diese Verein
barung hat der Kläger am 3
0.
März 2011 unterzeichnet.
Gemäss den Ausfüh
rungen seines behandelnden Psychiaters
Dr.
B._
(vgl. vorstehend E. 4.5) sei der Kläger am 2
1.
und 2
2.
März 2011 nicht in der Lage gewesen, die Tragweite und den Umfang einer Austrittsvereinbarung zu verstehen. Gestützt auf die medizinischen Akten erscheint diese
Beurteilung nachvollziehbar.
Für die Zeit des anschliessenden stationären Aufenthaltes im
A._
gibt es jedoch in den
Akten keine derartigen Hinweise. Vielmehr ist dem Bericht der Ärzte des
A._
(vgl. vorstehend E. 4.1) zu entnehmen, dass
sich der Alkoholentzug komplikationslos gestaltet habe und der Kläger während des Aufenthaltes regelmässig und motiviert an den paramedizinischen Thera
pien wie auch an den verschiedenen Stationsaktivitäten teilgenommen habe.
F
ür die fragliche Zeit
wurde somit
über eine Stabilisierung der Situation sowie eine Verbesserung des Gesundheitszustandes berichtet.
Ausserdem ist zu bemer
ken
, dass
im entsprechenden Kontext
erfahrungsgemäss
auch Beratungen und eine Betreuung in sozialpraktischen Belangen angeboten werden. Unter
diesen Umständen muss sich
der Kläger durch
die vorbehaltlose Unterzeichnung der genannten Austrittsvereinbar
ung
rund zehn Tage nachdem die Situation eska
liert war
und nur knapp eine Woche vor Austritt aus der Klinik die Kenntnis des genannten Merkblattes anrechnen lassen.
Somit kann er auch aus dem
unter
lassenen Übertritt in die Einzeltaggeldversicherung nichts zu seinen Gunsten ableiten
und die Leistungspflicht der Beklagten ist zu verneinen.
5.4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der
Versicherungsschutz des
Kläger
s
mit seinem Austritt aus der
Y._
per
1.
April 2011 erloschen ist und
der Kläger
gegenüber der Beklagten
auch kein
en
Anspruch auf Ausrichtung von Krankentaggeldern
aus einer Einzeltaggeldversicherung
hat.
Die Klage ist damit abzuweisen.
6
.
6
.1
Gemäss
Art.
114
lit
. e ZPO ist das Verfahren kostenlos. Zu den Prozesskosten gehören die Gerichtskosten und die Parteientschädigung (
Art.
95
Abs.
1 ZPO). Aus der Formulierung von
Art.
114 ZPO ergibt sich, dass dessen
lit
. e nur die Gerichtskosten betrifft, nicht aber die Prozessentschädigung an die Gegenpartei (Urteil des Bundesgerichtes 4A_194/2010 vom 1
7.
November 2010, E. 2.1 nicht publiziert in: BGE 137 III 47). Diese umfasst den Ersatz der notwendigen Aus
lagen, die Kosten einer
berufsmässigen
Vertretung sowie in begründeten Fällen eine angemessene
Umtriebsentschädigung
, wenn eine Partei nicht
berufsmässig
vertreten ist (
Art.
95
Abs.
3 ZPO).
6
.2
Die Kantone sind zuständig, die Tarife für die Prozesskosten festzusetzen (
Art.
96 ZPO). Das zürcherische Ausführungsgesetz zur ZPO, das GOG, enthält keine für das Sozialversicherungsgericht anwendbare Tarifbestimmung (vgl.
7.
Teil des GOG). Dasselbe gilt für die Verordnung über die Anwaltsgebühren (LS 215.3). Diese regelt ausdrücklich nur die Parteientschädigungen vor den Schlichtungsbehörden, den Zivilgerichten und den Strafbehörden. Die Bemes
sung der Parteientschädigung richtet sich somit nach
§
34
GSVGer
sowie den §
§
1, 5 und 7 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
).
Gemäss
§
34
Abs.
1
GSVGer
ist die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass
des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert festzusetzen.
6
.3
Die Beklagte hat den Antrag auf Zusprechung einer Pa
rteientschädigung zu Lasten des
Klägers
gestellt und ist anwaltlich vertreten. Aufgrund der genann
ten Kriterien erscheint eine ermessensweise auf
Fr.
1'
4
00.--
festzusetzende Ent
schädigung
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als gerechtfertigt.