Decision ID: d34f3b18-1a62-4711-a119-5d464c6a5206
Year: 2011
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
einfache Körperverletzung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Einzelrichters in Strafsachen des Bezirkes Zürich vom 11. November 2010 (GG100395)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom 9. Septemter 2010
ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 20).
Urteil der Vorinstanz:
Der Einzelrichter erkennt:
1. Der Angeklagte ist schuldig
− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB so-
wie
− der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB.
2. Der Angeklagte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu Fr. 70.–,
sowie mit einer Busse von Fr. 300.–. Bezahlt der Angeklagte die Busse schuldhaft
nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 4 Tagen.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre ange-
setzt.
4. Der Angeklagte wird dem Grundsatz nach verpflichtet dem Geschädigten B._
Schadenersatz zu bezahlen.
Hinsichtlich der Festlegung des Schadenquantitativs wird die Schadenersatzforde-
rung auf den Zivilweg verwiesen.
5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 2'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. Kosten der Kantonspolizei
Fr. Kanzleikosten Untersuchung
Fr. Auslagen Untersuchung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
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6. Die Kosten, einschliesslich derjenigen der Untersuchung, werden mit Ausnahme der
Dolmetscherkosten dem Angeklagten auferlegt. Die Dolmetscherkosten werden auf
die Gerichtskasse genommen.
7. (Mitteilung)
8. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Angeklagten:
(Urk. 50)
1. Ziff. 1-4 sowie 6 des Dispositivs des Urteils des Bezirksgerichts Zürich
vom 11. November 2010 (GG100395) seien aufzuheben.
2. Der Angeklagte sei vollumfänglich freizusprechen.
Eventuell sei er im Falle einer Verurteilung mit einer Busse von
Fr. 300.- zu bestrafen.
3. Es sei dem Beschuldigten eine Entschädigung in der Höhe von
Fr. 12'272.- zuzüglich 8% MWST zuzusprechen.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 28)
Bestätigung des vorinstanzlichen Entscheids
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Das Gericht erwägt:
I. Prozessuales
1. Anwendbares Prozessrecht
Per 1. Januar 2011 ist die Schweizerische Strafprozessordnung (StPO; SR 312.0)
in Kraft getreten. Gemäss Art. 453 Abs. 1 StPO werden Rechtsmittel gegen Ent-
scheide, die vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes gefällt worden sind, nach bis-
herigem Recht und von den bisher zuständigen Behörden beurteilt. Demnach sind
vorliegend als Prozessrecht die Zürcher Strafprozessordnung (StPO/ZH; LS 321)
sowie das Zürcher Gerichtsverfassungsgesetz (GVG/ZH; LS 211.1) anwendbar.
2. Verfahrensgang
2.1. Mit Urteil des Einzelrichters in Strafsachen des Bezirkes Zürich vom
11. November 2010 wurde der Angeklagte A1._ der einfachen Körperverlet-
zung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie der Tätlichkeiten im Sinne
von Art. 126 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen und mit einer Geldstrafe von 40
Tagessätzen zu Fr. 70.– sowie mit einer Busse von Fr. 300.– bestraft. Der Vollzug
der Geldstrafe wurde aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
Weiter wurde der Angeklagte dem Grundsatz nach verpflichtet, dem Geschädig-
ten B._ Schadenersatz zu bezahlen. Zur Festlegung des Schadenquantita-
tivs wurde der Geschädigte B._ mit seinem Schadenersatzbegehren auf den
Zivilweg verwiesen.
2.2. Mit Eingabe vom 19. Januar 2011 erhob der Angeklagte "Einsprache" gegen
das vorinstanzliche Urteil, wobei aus der Eingabe hervorgeht, dass er einen Frei-
spruch beantragt. Überdies nennt er zahlreiche Gründe, die seiner Ansicht nach
zu einem Freispruch führen müssten (Urk. 24). Zwar reichte der Angeklagte keine
separate Beanstandungsschrift mehr ein, jedoch war dies, wie in der Präsidialver-
fügung vom 13. Mai 2011 (Urk. 36) bereits festgehalten wurde, auch nicht nötig,
da die Beanstandungen schon in der Berufungsanmeldung ("Einsprache") vom
19. Januar 2011 genannt wurden und für den damals noch unvertretenen Ange-
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klagten als Laien ausreichend waren. Aus diesem Grund sind sowohl die Anmel-
dung der Berufung als auch die Beanstandungen rechtzeitig erfolgt. Der Verteidi-
ger bestätigt und präzisiert in seiner Eingabe vom 28. Februar 2011, es werde die
Beweiswürdigung, die zum Schuldspruch geführt habe, beanstandet (Urk. 32
S. 5). Daran hält er auch heute fest (Urk. 50 S. 1).
2.3. Weder die Staatsanwaltschaft noch der Geschädigte B._ erhoben Beru-
fung bzw. Anschlussberufung. Die Staatsanwaltschaft beantragt mit ihrer Eingabe
vom 14. März 2011 lediglich die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
(Urk. 28).
3. Umfang der Berufung
Nachdem der Angeklagte einen Freispruch beantragt (Urk. 24 und 36), stehen
grundsätzlich sämtliche Dispositivziffern zur Disposition, wobei die Kostenfest-
setzung der Vorinstanz (Dispositivziffer 5), welche nicht ausdrücklich bemängelt
wurde, in Rechtskraft erwachsen ist, was vorab festzustellen ist (§ 413 Abs. 3
StPO/ZH).
4. Beanstandungen
Der Angeklagte macht in seiner "Einsprache" vom 19. Januar 2011 (Urk. 24) deut-
lich, dass er einen Freispruch verlangt. Er rügt, die Aussagen des Geschädigten
B._ würden nicht mit dem Geschehen übereinstimmen, wohingegen seine
Aussagen [diejenigen des Angeklagten] glaubhaft seien. Die Verteidigung rügt
weiter, die Vorinstanz habe sich bei der Würdigung der Aussagen der Geschädig-
ten B._ und C._ nicht die Zurückhaltung auferlegt, welche sie [die Vo-
rinstanz] zuvor als angebracht bezeichnet habe. Schon die Staatsanwaltschaft
habe es unterlassen, die Untersuchungsakten kritisch zu durchleuchten und es
sei insbesondere nie von der alternativen Erklärungshypothese der Unschuld des
Angeklagten bzw. eines Komplotts gegen die Familie A._ ausgegangen wor-
den, womit sich der angeklagte Vorfall ebenso gut erklären lasse. Die Aussagen
der Geschädigten B._ und C._ seien nicht mit der gleichen Akribie
durchleuchtet worden, wie diejenigen des Angeklagten und seiner Frau. Hätte
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nämlich die Vorinstanz die Aussagen der Geschädigten an denselben Massstä-
ben gemessen, wie diejenigen des Angeklagten und seiner Ehefrau, so hätte sie
deren Aussagen nach Ansicht der Verteidigung ebenfalls als unglaubhaft taxieren
müssen (Urk. 38 S. 4 f.; Urk. 50 S. 1). Überdies hätte der Angeklagte – so die
Verteidigung weiter – bereits im Untersuchungsverfahren gestützt auf § 11 Abs. 2
Ziff. 5 StPO/ZH amtlich verteidigt werden müssen, da der Angeklagte der deut-
schen Sprache nicht ausreichend mächtig gewesen sei, um die Untersuchungsak-
ten selbst zu prüfen und seine Verteidigungsrechte ohne rechtlichen Beistand ef-
fektiv wahrzunehmen, weshalb ein Fall von notwendiger Verteidigung vorliege.
5. Beweisanträge
5.1. Mit Präsidialverfügung vom 13. Mai 2011 (Urk. 36) wurde dem Angeklagten
und dem Vertreter des Geschädigten eine 10-tägige Frist angesetzt, um Beweis-
anträge, soweit erforderlich, zu stellen und zu begründen.
5.2. Der Angeklagte liess mit Eingabe seines Verteidigers vom 3. Juni 2011
diverse Beweisanträge stellen: Es wird die Edition von Unterlagen von verschie-
denen Stellen, die Befragung diverser Zeugen, der Bezug von Akten, ein Augen-
schein sowie ein Gutachten (biomechanisch und medizinisch) beantragt (Urk. 38
S. 2 ff.).
5.3. Die Staatsanwaltschaft verzichtet auf das Stellen von Beweisanträgen
(Urk. 28), während sich der Geschädigte gar nicht vernehmen liess.
5.4. Auf die Beweisanträge des Angeklagten wird bei der Beurteilung der Ankla-
gevorwürfe einzugehen sein. Nach der Rechtsprechung kann der Richter jedoch
das Beweisverfahren schliessen, wenn die Beweisanträge eine nicht erhebliche
Tatsache betreffen oder offensichtlich untauglich sind oder wenn er aufgrund be-
reits abgenommener Beweise seine Überzeugung gebildet hat und ohne Willkür
in vorweggenommener Beweiswürdigung annehmen kann, dass seine Überzeu-
gung durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert würde (BGE 124 I 208,
E. 4 a).
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6. Notwendige Verteidigung
6.1. Die Verteidigung macht – wie bereits ausgeführt – geltend, es liege ein Fall
von notwendiger Verteidigung im Sinne von § 11 Abs. 2 Ziff. 5 StPO/ZH vor, wes-
halb dem Angeklagten schon von Beginn der Untersuchung an ein amtlicher Ver-
teidiger hätte gestellt werden müssen (Urk. 38 S. 5).
6.2. Gemäss § 11 Abs. 2 Ziff. 5 StPO/ZH muss der Angeschuldigte durch einen
Verteidiger verbeiständet werden, wenn besondere Umstände es erheischen,
namentlich wenn die Abklärung oder Beurteilung des Sachverhaltes ausserge-
wöhnliche Schwierigkeiten bereitet. Bei der Beurteilung, ob solche besonderen
Umstände vorliegen, sind namentlich die materiellrechtlichen Schwierigkeiten des
Falles (heikle Abgrenzungsfragen; neue Straftatbestände, deren Anwendungs-
bereich noch nicht geklärt ist), die Umstände des Sachverhaltes, die Schwere der
dem Angeschuldigten drohenden Sanktion, die prozessuale Konstellation (Art und
Umstände des Verfahrens oder des Rechtsmittels) sowie Umstände in der Person
des Angeschuldigten (Intelligenz, Schulbildung, Beruf, Herkunft, gesundheitliche
Verfassung usw.) zu berücksichtigen. Von Bedeutung sind insbesondere Konstel-
lationen, in welchen verschiedene Faktoren vorliegen, die zwar je für sich allein
betrachtet noch keine notwendige Verteidigung zu begründen vermögen, deren
Kombination aber dazu führt, dass letztlich die Fähigkeit des Angeschuldigten,
sich selbst zu verteidigen, als nicht hinreichend zu qualifizieren ist (Lieber/
Donatsch, in: Donatsch/Schmid, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kan-
tons Zürich, Zürich 2007, N 61 ff. zu § 11 StPO/ZH).
6.3. Der vorliegende Fall präsentiert sich hinsichtlich des Sachverhaltes als un-
kompliziert. Zwar besteht unter den Beteiligten bezüglich des genauen Gesche-
hensverlaufes im Tatzeitpunkt über weite Strecken Uneinigkeit, jedoch sind ins-
besondere die zwei Kernhandlungen, welche dem Angeklagten vorgeworfen wer-
den – der Tritt gegen den Geschädigten B._ und die Ohrfeige gegen die Ge-
schädigte C._ –, nicht kompliziert oder schwer zu verstehen. Die Schwierig-
keit des Falles besteht vielmehr im Umstand, dass die Hauptbeweismittel in den
Aussagen der Beteiligten Personen bestehen und sich die Erstellung des Sach-
verhaltes somit auf diese zu stützen hat, was für einen Laien sicherlich abstrakter
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und schwieriger nachzuvollziehen ist, als dies beispielsweise bei der Würdigung
von Foto- oder Videobeweisen der Fall wäre. Das Stellen von Beweisanträgen
während der Untersuchung wäre überdies unnötig gewesen, reichen doch – wie
noch zu zeigen sein wird – auch die ohnehin erhobenen Beweise für die Fällung
eines Urteils aus. Dem von der Verteidigung geltend gemachten angeblichen
sprachliche Unvermögen des Angeklagten wurde seitens der Untersuchungs-
behörden wie auch der Vorinstanz mit der Bestellung eines Dolmetschers für die
staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 7. September 2010 als auch für die
Hauptverhandlung Rechnung getragen (Urk. 5 und Prot. I S. 3 ff.). Dies, obwohl
der Angeklagte in der polizeilichen Einvernahme vom 23. Juni 2009, welche auf
Hochdeutsch geführt wurde, noch selbst bestätigt hatte, den einvernehmenden
Polizeibeamten zu verstehen und ihn lediglich bat, etwas langsamer zu sprechen.
Auch anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung erklärte der Angeklagte, den
Vorsitzenden zu verstehen. Er halte es jedoch wegen der Details in einer Ge-
richtsverhandlung für besser, wenn der Dolmetscher übersetzen würde (Prot. II
S. 5). Die Staatsanwaltschaft beantragte in ihrer Anklageschrift vom 9. September
2010 (Urk. 20) die Bestrafung des Angeklagten mit einer bedingten Geldstrafe
von 30 Tagessätzen à Fr. 70.- sowie einer Busse von Fr. 500.-. Von der Vor-
instanz wurde der Angeklagte schliesslich mit einer bedingten Geldstrafe von
40 Tagessätzen à Fr. 70.- und einer Busse von Fr. 300.- bestraft (Urk. 31). Dem
Angeklagten drohte somit zu keiner Zeit eine derart schwere Sanktion, welche
den Beizug eines notwendigen Verteidigers nötig gemacht hätte. Der Umstand,
dass die beiden Geschädigten B._ und C._ am 19. Juni 2009 (Urk. 17/1
und 17/2) einen Vertreter mandatierten, welcher jedoch nur an einer Einvernahme
des Geschädigten B._ sowie einer Einvernahme der Auskunftsperson
A2._ teilnahm (Urk. 7 und 12), den übrigen Einvernahmen wie auch der
Hauptverhandlung vor Vorinstanz und der heutigen Berufungsverhandlung fern-
blieb (Prot. I S. 3 ff.; Prot. II S. 3) und sich auch nicht schriftlich vernehmen liess,
vermochte bzw. vermag für sich alleine betrachtet auch keine "besonderen Um-
stände" zu begründen.
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6.4. Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass vorliegend kein
Fall von notwendiger Verteidigung gegeben ist und der Beizug eines amtlichen
Verteidigers in keinem Zeitpunkt des Verfahrens geboten war.
II. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
1.1. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, er habe in der Zeit zwischen dem
13. Juni 2009, ca. 23.00 Uhr, und dem 14. Juni 2009, ca. 00.30 Uhr, in der Lie-
genschaft Z._, mit dem Fuss gegen den Kopf des Geschädigten B._ ge-
treten, wobei dieser seinen rechten Arm zum Schutz vor seinen Kopf gehalten
habe, weshalb der Tritt des Angeklagten seinen Arm bzw. seine Hand getroffen
habe, wodurch er eine Fraktur des rechten Mittelhandknochens erlitten habe. Die-
se Verletzung habe eine dreiwöchige Ruhigstellung der Hand erfordert. Der An-
geklagte habe diese Verletzung zumindest billigend in Kauf genommen. Überdies
habe der Angeklagte im vorerwähnten Zeitraum an derselben Örtlichkeit der Ge-
schädigten C._ eine Ohrfeige versetzt, welche jedoch keine Schädigung der
Gesundheit zur Folge hatte (Urk. 20 S. 2).
1.2. Der Angeklagte bestreitet seit Beginn der Untersuchung, einen Tritt gegen
den Geschädigten B._ ausgeführt, oder die Geschädigte C._ geohrfeigt
zu haben (Urk. 4 S. 2 ff.; Urk. 5 S. 2 ff.; Prot. I S. 4 ff.; Urk. 24; Prot. II S. 8 ff.). Er
räumt zwar ein, dass im fraglichen Zeitpunkt eine verbale Auseinandersetzung
zwischen ihm und seiner Familie einerseits und den beiden Geschädigten an-
dererseits stattgefunden habe, verneint jedoch die ihm angelasteten Handlungen
(Tritt und Ohrfeige) konsequent.
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2. Aussagewürdigung
2.1. Allgemeines
2.1.1. Unter diesen Umständen ist zu prüfen, ob der bestrittene Teil des Sach-
verhalts aufgrund der Untersuchungsakten und der vor Gericht vorgebrachten
Argumente, namentlich der Darstellungen der vier unmittelbar Beteiligten
(vgl. Urk. 4; Urk. 5; Urk. 6; Urk. 7; Urk. 9; Urk. 10; Urk. 11; Urk. 12; Prot. I S. 3 ff.;
Prot. II S. 5 ff.) sowie des eingereichten Arztberichts (Urk. 15/1) rechtsgenügend
erstellt werden kann.
2.1.2. Gemäss dem in Art. 8 und 32 Abs. 1 BV sowie Art. 6 Ziff. 2 EMRK veran-
kerten Grundsatz "in dubio pro reo" (im Zweifel für den Angeklagten) ist bis zum
gesetzlichen Nachweis seiner Schuld zu vermuten, dass der wegen einer straf-
baren Handlung Angeklagte unschuldig ist (BGE 127 I 40, 120 Ia 31, E. 2b; BGE
6S.363/2006 vom 28. Dezember 2006, E. 4; Pra 2002 Nr. 2 S. 4 f. und Nr. 180
S. 957 f.). Als Beweislastregel bedeutet die Maxime, dass es Sache der Anklage-
behörde ist, die Schuld des Angeklagten zu beweisen, und nicht dieser seine Un-
schuld nachweisen muss (Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, 4. Aufl., Zürich
2004, N 599; BGE 127 I 40). Der Grundsatz "in dubio pro reo" ist verletzt, wenn
der Strafrichter einen Angeklagten (einzig) mit der Begründung verurteilt, er habe
seine Unschuld nicht nachgewiesen (BGE 127 I 38, E. 2a mit Hinweis). Als Be-
weiswürdigungsregel besagt die Maxime, dass sich der Strafrichter nicht von der
Existenz eines für den Angeklagten ungünstigen Sachverhaltes überzeugt erklä-
ren darf, wenn bei objektiver Betrachtung erhebliche und nicht zu unterdrückende
Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (BGE 6P.155/2006
und 6S.363/2006 vom 28. Dezember 2006, E. 4.1). In diesem Fall ist der Ange-
klagte freizusprechen (statt vieler: Corboz, "in dubio pro reo", in ZBJV 1993
S. 419 f.). Die Überzeugung des Richters muss auf einem verstandesgemäss ein-
leuchtenden Schluss beruhen und für den unbefangenen Beobachter nachvoll-
ziehbar sein (Hauser / Schweri / Hartmann, Schweizerisches Strafprozessrecht,
6. Aufl., Basel, 2005, Rz 11 S. 247). Soweit ein direkter Beweis nicht möglich ist,
ist der Nachweis der Tat mit Indizien zu führen, wobei die Gesamtheit der einzel-
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nen Indizien, deren "Mosaik" zu würdigen ist (Arzt, In dubio contra, in Zeitschrift
für Strafrecht 115, S. 197; Pra 2002 Nr. 180 S. 962 f., Ziff. 3.4.).
2.1.3. Ein Schuldspruch darf demnach nur dann erfolgen, wenn die Schuld des
Angeklagten mit hinreichender Sicherheit erwiesen ist, das heisst Beweise dafür
vorliegen, dass der Angeklagte mit seinem Verhalten objektiv und subjektiv den
ihm zur Last gelegten Straftatbestand verwirklicht hat. Dabei kann nicht verlangt
werden, dass die Tatschuld gleichsam mathematisch sicher und unter allen
Aspekten unwiderlegbar feststehe (Niklaus Schmid, a.a.O., N 288). Es liegt in der
Natur der Sache, dass mit menschlichen Erkenntnismitteln keine absolute Sicher-
heit in der Beweisführung erreicht werden kann; daher muss es genügen, wenn
vernünftige Zweifel an der Schuld des Angeklagten ausgeschlossen werden kön-
nen, der Richter subjektiv mit Gewissheit von der Schuld des Angeklagten über-
zeugt ist (Kassationsgerichtsentscheid vom 26. Juni 2003 Nr. 2002/387S, E. 2.2.1
samt Hinweisen). Hingegen darf ein Schuldspruch nie auf blosser Wahrschein-
lichkeit beruhen. Aufgabe des Richters ist es, seinem Gewissen verpflichtet in ob-
jektiver Würdigung des gesamten Beweisergebnisses zu prüfen, ob er von einem
bestimmten Sachverhalt überzeugt ist und an sich mögliche Zweifel an dessen
Richtigkeit zu überwinden vermag (§ 284 StPO; ZR 72 Nr. 80; Guldener, Beweis-
würdigung und Beweislast, Zürich 1955, S. 7; BGE 124 IV 88, 120 Ia 31 E. 2c).
Bloss abstrakte oder theoretische Zweifel dürfen dabei nicht massgebend sein,
weil solche immer möglich sind (Hauser / Schweri / Hartmann, a.a.O., Rz 12
S. 247).
2.1.4. Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, so sind
diese frei zu würdigen. Es ist anhand sämtlicher Umstände, die sich aus den
Akten und den Verhandlungen ergeben, zu untersuchen, welche Sachdarstellung
überzeugend ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt der Aussagen an-
kommt, verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben erfolgen. Bei der
Würdigung von Aussagen darf nicht einfach auf die Persönlichkeit oder allgemei-
ne Glaubwürdigkeit von Aussagenden abgestellt werden. Massgebend ist viel-
mehr die Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Aussagen. Diese
sind einer kritischen Würdigung zu unterziehen, wobei auf das Vorhandensein
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von so genannten Realitätskriterien grosses Gewicht zu legen ist (R. Bender, Die
häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, in SJZ 81 [1985]
S. 53 ff.; Bender / Nack / Treuer, Tatsachenfeststellungen vor Gericht, Band I,
Glaubwürdigkeits- und Beweislehre, 3. Aufl., München 2007, S. 68 ff.).
Beim Abwägen von Aussagen ist zwischen der Glaubwürdigkeit einer Person und
der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen zu unterscheiden. Die Glaubwürdigkeit liefert
die Grundlage dafür, ob einer Person getraut werden kann. Sie ergibt sich aus der
prozessualen Stellung einer Person sowie aus ihren persönlichen Beziehungen
und Bindungen zu den übrigen Prozessbeteiligten. Die in erster Linie wichtige
Glaubhaftigkeit der Aussagen ist massgebend für die Beantwortung der Frage, ob
sich der Sachverhalt im Wesentlichen so ereignet hat, wie er im Prozess einge-
klagt ist.
2.2. Aussagen des Geschädigten B._
2.2.1. Bezüglich der Glaubwürdigkeit des Geschädigten B._ kann insofern
auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden, als diese
ausführt, dessen Aussagen seien aufgrund seiner persönlichen und wirtschaftli-
chen Interessen am Verfahrensausgang mit der gebotenen Vorsicht zu würdigen
(Urk. 31 S. 6 Ziff. 5.1.4.). Hingegen kann der Vorinstanz nicht darin zugestimmt
werden, dass ein Zeuge nur schon aufgrund der Tatsache, dass er unter Hinweis
auf Art. 307 StGB ausgesagt hat, glaubwürdiger ist als beispielsweise eine Aus-
kunftsperson oder eben auch der Angeklagte, für welchen besagte Strafnorm
nicht gilt. Anders zu entscheiden hiesse, dass ein Angeschuldigter bezüglich
Glaubwürdigkeit von vorneherein schlechter gestellt würde.
2.2.2. Die beiden angeklagten Tathandlungen sollen sich während des ersten
Aufeinandertreffens der Parteien an jenem Abend abgespielt haben, weshalb sich
die folgende Aussagewürdigung auf diese Szene konzentrieren wird.
2.2.3. Die Vorinstanz hält fest, der Geschädigte B._ habe in beiden Befra-
gungen während der Untersuchung im Wesentlichen konstant ausgesagt (Urk. 31
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S. 11 Ziff. 5.2.3.). Dem kann nicht gefolgt werden. Die Aussagen des Geschädig-
ten B._ weichen in zentralen Punkten voneinander ab:
2.2.4. Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 14. Juni 2009 (Urk. 6) führte
der Geschädigte B._ aus, die Geschädigte C._ und er hätten am betref-
fenden Abend um ca. 23.00 Uhr gehört, dass jemand etwas vor die Türe gelegt
bzw. an die Türe geklebt hätte. Die Geschädigte C._ sei daraufhin nach-
schauen gegangen und habe ihn dazugerufen, da die Frau des Angeklagten,
A2._, einen zerrissenen Duden vor die Türe gelegt und den Auszug des Pri-
vatkonkurses an dieselbe geklebt habe. Er sei dann nachschauen gegangen, um
die Sauerei zu fotografieren. In diesem Moment seien der Angeklagte und dessen
Frau die Treppe hochgekommen, woraufhin die Geschädigte C._ Frau
A2._ angesprochen habe. Frau A2._ sei dann auf die Geschädigte
C._ losgegangen und der Angeklagte sei dazugekommen und habe sie [wohl
die Geschädigte C._] ebenfalls geschlagen. Er [der Geschädigte B._]
habe dann die Geschädigte C._ in die gemeinsame Wohnung gezogen. In
dieser Zeit sei der Angeklagte an den beiden Geschädigten vorbeigegangen und
sei dann ein paar Treppenstufen über ihnen gestanden. Dann habe der Angeklag-
te mit dem Bein ausgeholt und versucht, ihm [dem Geschädigten B._] einen
Fusstritt ins Gesicht zu verpassen. Er [der Geschädigte B._] habe seinen
rechten Arm gehoben, um sich zu schützen, weshalb der Angeklagte seine Hand
getroffen habe. Nach diesem Kick seien der Angeklagte und dessen Frau nach
oben in deren Wohnung verschwunden und er [der Geschädigte B._] sei
ebenfalls zur Geschädigten C._ in die gemeinsame Wohnung gegangen.
Seine Hand habe etwas geschmerzt, er habe jedoch noch bis zum nächsten Tag
warten wollen, bevor er zum Arzt ging.
In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 3. September 2010 (Urk. 7) gab
der Geschädigte B._ denselben Vorgang dann folgendermassen wieder: Die
Geschädigte C._ und er hätten an jenem Abend "Wetten, dass..." geschaut
und die Geschädigte C._ habe an der Türe nachgeschaut und wieder einen
Zettel an der Türe gefunden. Die Türe sei offen gewesen und er habe sich noch
im Wohnzimmer aufgehalten. Die Geschädigte C._ habe dann gehört, dass
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der Angeklagte und dessen Frau die Treppe hoch kamen. Sie sei dann breitbeinig
vor der Wohnung gestanden, um die beiden abzupassen und zur Rede zu stellen.
Er [der Geschädigte B._] habe gehört, wie die beiden anderen die Treppe
herauf gekommen seien. Die Geschädigte C._ habe ihm dann erzählt, dass
die Ehefrau des Angeklagten sie angespuckt und der Angeklagte sie geschlagen
habe. Die Geschädigte C._ habe daraufhin geschrien. Er selbst habe jedoch
nichts gesehen. Die ganze Auseinandersetzung habe bei offener Türe stattgefun-
den. Als er nach draussen gekommen sei, sei die Geschädigte C._ weinend
auf der Treppe gesessen. Der Angeklagte und dessen Frau seien bereits oben an
der Treppe, in der Mitte der Treppe gewesen. Er habe die Geschädigte C._,
welche stämmig gewesen sei, in die Wohnung nehmen wollen, damit es nicht
noch mehr Theater gebe. Er habe sie umarmt und ihr gesagt, dass es nichts brin-
ge, sie solle in die Wohnung kommen. Dabei werde er vermutlich zum Angeklag-
ten so etwas wie "Du Arschloch" oder "Du Scheiss ..." gesagt haben. Er habe
dann die Geschädigte C._, welche kräftig gewesen sei, gepackt. Der Ange-
klagte, welcher sich halb auf der Treppe nach oben befunden habe, habe danach
mit dem rechten Fuss eine Kickbewegung in seine Richtung gemacht. Er [der Ge-
schädigte B._] habe seinen Arm zur Abwehr gehoben, weshalb der Tritt sei-
ne Hand getroffen habe. Im ersten Moment habe er gar nichts gemerkt, da er da-
mit beschäftigt gewesen sei, die Geschädigte C._ in die Wohnung zurückzu-
bringen. In der Wohnung habe er dann gemerkt, dass er Schmerzen bekam. Die
Hand sei angeschwollen und er habe gemerkt, dass etwas gebrochen war. Er ha-
be gesagt: "Läck, mini Hand, de Arsch hät mini Hand broche".
2.2.5. Beim Vergleich der beiden Schilderungen des Geschädigten B._ die-
ser Szene ergeben sich folgende Unstimmigkeiten: Während der Geschädigte
B._ in der ersten Einvernahme noch erklärte, es sei ein zerrissener Duden
vor der Türe gelegen und ein Zettel an der Türe geklebt, erwähnte er den Duden
in der zweiten Einvernahme nicht mehr. In der ersten Einvernahme führte der Ge-
schädigte B._ aus, die Geschädigte C._ habe ihn nach dem Entdecken
des Zettels und des Dudens zu sich gerufen und er habe gesehen, wie das Ehe-
paar A._ die Treppe hochgekommen sei. In der Folge habe er weiter gese-
hen, wie A2._ auf die Geschädigte C._ losgegangen sei und der Ange-
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klagte sie [wohl die Geschädigte C._] geschlagen habe. In der zweiten Ein-
vernahme hingegen wollte er die Konfrontation zwischen der Geschädigten
C._ und dem Ehepaar A._ nicht selbst mitbekommen haben und mach-
te geltend, er sei erst dazugestossen, als die Geschädigte C._ angespuckt
und geschlagen auf der Treppe gesessen sei und der Angeklagte bereits die
Treppe ein Stück hochgegangen sei [mutmasslich also hinter der Geschädigten
C._ auf halber Höhe auf der Treppe stand]. Von der Spuckattacke und der
Ohrfeige habe ihm die Geschädigte C._ lediglich berichtet. Das weitere Ge-
schehen schilderte der Geschädigte B._ in der ersten Einvernahme derge-
stalt, dass er die Geschädigte C._, nachdem diese vom Ehepaar A._ at-
tackiert worden sei, in die Wohnung gezogen habe, während der Angeklagte die
Treppe ein Stück hochgestiegen sei. Danach sei der Tritt des Angeklagten gegen
seinen Kopf erfolgt, welchen er dann mit Verletzungsfolge für seine Hand mit sei-
nem Arm abgewehrt habe. Dagegen wollte er in der zweiten Einvernahme plötz-
lich versucht haben, die nach der Attacke auf der Treppe sitzende Geschädigte
C._, welche, wie er extra betonte, stämmig und kräftig gewesen sei, in die
Wohnung zu bewegen. Der Tritt des Angeklagten soll nach dieser Version dann in
diesem Moment gegen ihn [mutmasslich also über die auf der Treppe sitzende
Geschädigte C._ hinweg] geführt worden sein. Schliesslich beschrieb der
Geschädigte B._ in der ersten Version vom 14. Juni 2009 (Urk. 6) seine auf
den Tritt folgende Reaktion so, dass seine Hand etwas geschmerzt habe, er je-
doch bis zum nächsten Tag habe warten wollen, bis er zum Arzt gegangen sei,
wohingegen er in der zweiten Version vom 3. September 2010 (Urk. 7) in der
Wohnung dann gemerkt habe, dass er Schmerzen bekam. Die Hand sei ange-
schwollen, er habe bemerkt, dass etwas gebrochen war und gesagt: "Läck, mini
Hand, de Arsch hät mini Hand broche".
Im Gegensatz zur Ansicht der Vorinstanz kann also keineswegs davon gespro-
chen werden, dass der Geschädigte B._ in der zweiten Einvernahme durch
die Staatsanwaltschaft das Geschehen im Vergleich zur ersten Einvernahme
durch die Polizei nicht zu Lasten des Angeklagten und dessen Ehefrau dramati-
siert, sondern vielmehr abgeschwächt hat. Das Gegenteil ist der Fall: in der zwei-
ten, staatsanwaltschaftlichen Einvernahme schilderte er die Folgen des vermeint-
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lichen Kicks des Angeklagten wesentlich intensiver und farbiger und wollte auch
sofort gewusst haben, dass in seiner Hand etwas gebrochen war. Auch kann es
entgegen der Ansicht der Vorinstanz keineswegs als Realitätskriterium gewertet
werden, wenn der Geschädigte B._ in der zweiten Einvernahme seine ur-
sprünglich getätigten Aussagen, wonach er den Angriff des Ehepaares A._
auf die Geschädigte C._ gesehen habe, dahingehend abschwächte, dass er
nun behauptete, sie habe ihm dies lediglich berichtet, er sei nicht persönlich dabei
gewesen. Vielmehr reiht sich diese Abänderung der ursprünglich getroffenen
Aussage in eine Reihe von Abweichungen ein, welche das Aussageverhalten des
Geschädigten B._ eben gerade nicht glaubhaft erscheinen lassen. Die zweite
Schilderung des Geschädigten der "Kick-Szene" erscheint in räumlicher Hinsicht
ebenso schlecht nachvollziehbar wie die erste. Im ersten Fall will er die Geschä-
digte C._ in die Wohnung gezogen haben. Definitionsgemäss hätte er also
selbst in der Wohnung gestanden haben müssen, um die Geschädigte in selbige
ziehen zu können. Der Kick des Angeklagten, welcher ja nach der Schilderung
des Geschädigten B._ direkt danach erfolgt sein soll, hätte demzufolge den
Geschädigten B._, welcher sich – ausser er hätte sich äusserst schnell wie-
der vom Inneren der Wohnung ins Treppenhaus bewegt – in der Wohnung befun-
den haben müsste, von der Mitte der Treppe aus quasi um die Ecke treffen müs-
sen, was äusserst schwer vorstellbar ist. Im zweiten Fall will der Geschädigte
B._ dabei gewesen sein, die auf der Treppe sitzende Geschädigte C._
dazu zu bewegen, in die Wohnung zu kommen. Dementsprechend müsste er also
vor ihr gestanden oder eher noch gekauert sein – schliesslich führte er ja aus, er
habe sie umarmt. Wie es nun der Angeklagte von einigen Treppenstufen oberhalb
geschafft haben soll, in Richtung des Kopfes des Geschädigten B._, welcher
sich einiges unterhalb des Angeklagten und überdies noch hinter dem Kopf- und
Schulterbereich der Geschädigten C._ befunden haben müsste, zu treten, ist
nicht nachvollziehbar – ist doch der Radius für einen möglichen Tritt durch die
Beinlänge des Tretenden begrenzt, weshalb der Angeklagte ziemlich nah beim
Geschädigten B._ hätte gestanden haben müssen, um dessen Kopf bzw.
Arm mit seinem Fuss zu treffen. Schliesslich ist auch der Umstand, dass der Ge-
schädigte B._ das vermeintliche Tatgeschehen in der zweiten Einvernahme
- 17 -
detaillierter schilderte als noch in der ersten, welche kurz nach der vermeintlichen
Tat stattgefunden hatte, als zumindest untypisches Aussageverhalten zu
würdigen. In der Regel ist es eher so, dass eine Person im Laufe der Zeit einige
Details vergisst und sich mehr und mehr nur noch an die groben Züge eines
Geschehnisses erinnert.
2.2.6. Zusammengefasst erscheint das Aussageverhalten des Geschädigten
B._, wie dies auch die Verteidigung richtig ausgeführt hat (Urk. 50 S. 19 ff.),
als äusserst unkonstant und in sich nicht stimmig. Insbesondere die zwei Versio-
nen der "Schlüsselszene", als der Angeklagte ihn gegen die Hand getreten haben
soll, erscheinen realitätsfremd und stimmen – wie bereits gesagt – nicht überein,
weshalb die Aussagen des Geschädigten B._ als unglaubhaft qualifiziert
werden müssen.
2.3. Aussagen der Geschädigten C._
2.3.1. Bezüglich der Glaubwürdigkeit der Geschädigten C._ kann grundsätz-
lich ebenfalls auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden,
wonach auch ihre Aussagen aufgrund ihrer persönlichen Interessen am Verfah-
rensausgang mit der gebotenen Vorsicht zu würdigen sind (Urk. 31 S. 6
Ziff. 5.1.3.). Jedoch ist auch hier darauf hinzuweisen, dass ein Zeuge nicht nur
schon aufgrund der Tatsache, dass er unter Hinweis auf Art. 307 StGB ausgesagt
hat, glaubwürdiger ist, als beispielsweise eine Auskunftsperson oder eben auch
der Angeklagte, für welchen besagte Strafnorm nicht gilt.
2.3.2. Im vorinstanzlichen Urteil wird festgehalten, die Geschädigte C._ sage
grundsätzlich übereinstimmend und detailliert aus (Urk. 31 S. 13 Ziff. 5.2.4.). Auch
hier muss der Vorinstanz widersprochen werden, da diese Feststellung so nicht
bestätigt werden kann. Vielmehr weichen auch die Aussagen der Geschädigten
C._ wesentlich voneinander ab:
2.3.3. Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 14. Juni 2009 (Urk. 9) führte
die Geschädigte C._ aus, sie hätte an jenem Abend mit dem Geschädigten
B._ "Wetten, dass...?" geschaut. Sie habe immer wieder ihre Türe kontrollie-
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ren müssen, da die Ehefrau des Angeklagten, A2._, immer wieder Dinge an
die Türe hänge. An diesem Abend habe sie dann den Einband ihres Dudens so-
wie eine Kopie der Konkurseröffnung an der Türe klebend vorgefunden. Als sie
vor der Wohnungstüre gestanden sei, seien A2._, der Angeklagte und deren
gemeinsamer Sohn D._ nach Hause gekommen. Sie [die Geschädigte
C._] habe sie zur Rede gestellt, worauf es zum Streit gekommen und sie
"Schlampe" und "Putta" genannt worden sei. Die Geschädigte C._ erklärte
weiter, sie habe sich mit Worten gewehrt und gesagt, sie sollten es in Zukunft un-
terlassen, Dinge an die Türe zu kleben. Während des Wortwechsels sei sie auf
der Treppe gesessen. Daraufhin habe ihr der Angeklagte mit der linken Hand eine
Ohrfeige auf die rechte Wange gegeben. Der Geschädigte B._ habe sie
dann zurückgezogen und sich vor sie gestellt. Der Angeklagte sei einige Trep-
penstufen nach oben gegangen und habe versucht, den Geschädigten B._
zu treten. Der Geschädigte B._ habe den Tritt mit der rechten Hand abge-
wehrt, wobei seine Hand verletzt worden sei. Die beiden Geschädigten seien da-
raufhin zurück in ihre Wohnung gegangen und hätten sich um die Hand des Ge-
schädigten B._ gekümmert und besprochen, wie sie weitermachen sollten.
Von der Staatsanwaltschaft am 7. September 2010 als Zeugin befragt (Urk. 10),
merkte die Geschädigte C._ zu Beginn der Einvernahme an, dass der Ge-
schädigte B._ und sie sich getrennt hätten, aber noch Freunde seien. Sie
habe mit ihm vor der Einvernahme telefoniert und sie habe ihn gefragt, wie es
ausgegangen sei. Über den Fall selbst hätten sie nicht gross diskutiert, denn sie
wisse ja, was abgelaufen sei. Der Geschädigte B._ habe ihr viel Glück ge-
wünscht. Die Geschädigte C._ fügte an, dass sie nicht über den Fall disku-
tiert hätten, sie habe das auch nicht gewollt. Danach gefragt, ob sie vorab etwas
an ihren bisherigen Aussagen ändern oder etwas ergänzen wolle, antwortete die
Geschädigte, dass sie dies nicht wolle. Sie könne nicht mehr zu 100% aussagen,
was sie damals gesagt habe, aber sie wisse, was sie damals im Grossen und
Ganzen gesagt habe, was passiert sei. An jenem Abend habe sie mit dem Ge-
schädigten B._ "Wetten, dass..." geschaut. Als sie wie so oft ihre Türe kon-
trolliert habe, seien das Deckblatt des Dudens sowie eine Kopie der Anzeige ihres
Privatkonkurses an der Türe geklebt. Sie habe dann gehört, dass "sie" die Treppe
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hochgekommen seien und habe sich auf die Treppe gesetzt. Sie sei auf den An-
geklagten zugegangen und habe ihn gefragt, ob er nicht dafür sorgen könne, dass
seine Frau so etwas nicht mehr mache. Er solle schauen, dass das ganze
Theater nun endlich aufhöre, dass seine Frau endlich damit aufhöre. Es dauere
nun schon vier Jahre. Ein Wort habe das andere ergeben. Sie habe den Ange-
klagten noch nie so erlebt, aber die Familie A._ habe einen Tag zuvor die
Abmahnung der Verwaltung erhalten. Der Angeklagte habe ihr einen leichten
Schlag gegen die Wange versetzt. Sie wisse nicht mehr auf welcher Seite. Dann
sei der Geschädigte B._ aus der Wohnung gekommen und habe sie zurück-
gezogen. Wie der Schlag passiert sei, habe sie nicht gesehen, da der Geschädig-
te B._ sie in die Wohnung gebracht habe. Sie habe einfach gesehen, wie der
Geschädigte B._ in die Wohnung gekommen sei und seine Hand kaputt ge-
wesen sei. Nachdem der Geschädigte B._ mit seiner kaputten Hand in die
Wohnung gekommen sei, hätten sie sich an den Computer gesetzt und einen Zet-
tel geschrieben, wie es weiterginge. Auf Rückfrage erklärte die Geschädigte, sie
wisse nicht mehr, mit welcher Hand der Angeklagte sie geschlagen habe. Weiter
führte sie aus, sie habe nicht gesehen, wo sich der Angeklagte befunden habe,
als der Geschädigte B._ sie in die Wohnung gezogen habe. Der Geschädigte
B._ sei auch so vor ihr gestanden, dass sie keine Sicht gehabt habe. Danach
gefragt, wo Frau A2._ in diesem Moment gestanden sei, erwiderte die Ge-
schädigte C._, sie wisse es nicht. Sie könne nur sagen, dass sie in Richtung
Treppenaufgang gestanden sei, als der Geschädigte B._ sie zurückgezogen
habe. Sie sei somit vor dem Angeklagten gestanden. Sie habe nicht sehen kön-
nen, wie das mit der kaputten Hand des Geschädigten B._ geschehen sei.
Der Geschädigte B._ habe ihr hinterher geschildert, wie es passiert sei. Er
habe ihr erzählt, der Angeklagte sei oben an der Treppe gestanden und habe ge-
gen das Gesicht des Geschädigten B._ gekickt. Dieser habe die Hand geho-
ben, um sich zu schützen, und daher habe der Tritt seine Hand getroffen. Sie ha-
be aus den Augenwinkeln noch gesehen, wie der Angeklagte die Treppe hinauf-
gegangen sei. Den Kick selbst habe sie aber nicht gesehen. Als der Geschädigte
B._ nach dem Kick in die Wohnung gekommen sei, habe er ausgerufen. Er
habe Schmerzen gehabt und versucht dagegen zu drücken. Sie hätten bespro-
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chen, wie es weiter geht, Spital, Polizei, Anwalt. Auf die Frage hin, ob der Ge-
schädigte B._ gesagt habe, dass seine Hand gebrochen sei, antwortete die
Geschädigte C._, er habe einfach gesagt "Meine Hand" und sie habe es
auch gesehen, er habe "so einen Bogen" in der Hand gehabt. Wenn der Geschä-
digte B._ sage, er habe Schmerzen, dann habe er auch Schmerzen. Er habe
versucht, "das" selber zurechtzudrücken, da er am Montag diverse Aufträge ge-
habt hätte und gehofft habe, dass es nicht so schlimm sei. Sie habe ihm gesagt,
er sollte zum Arzt gehen, aber er habe nicht gewollt.
2.3.4. Auch die Aussagen der Geschädigten C._ widersprechen sich augen-
scheinlich in einigen wichtigen Punkten: Wo sie in der ersten Einvernahme noch
ausgeführt hatte, vor der Türe gestanden zu sein, als der Angeklagte und dessen
Ehefrau die Treppe hochgekommen seien, und während des Wortwechsels auf
der Treppe gesessen zu sein, merkte sie in der zweiten Einvernahme schliesslich
an, sie habe sich schon auf die Treppe gesetzt, als sie gehört habe, wie sich der
Angeklagte und dessen Familie im Treppenhaus genähert hätten. Der markantes-
te Unterschied besteht jedoch auch bei der Geschädigten C._ darin, dass sie
zunächst (in der polizeilichen Einvernahme) ausgesagt hatte, sie habe gesehen,
wie der Angeklagte den Geschädigten B._ getreten habe, während sie in der
zweiten Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft ausführte, den Tritt nicht ge-
sehen zu haben, sondern lediglich durch den Bericht des Geschädigten B._
davon erfahren zu haben. Des Weiteren hatte sie bei der Polizei nur kurz erwähnt,
sie hätten sich – wieder zurück in der Wohnung – um die Hand des Geschädigten
B._ gekümmert und das weitere Vorgehen besprochen, während sie diesen
Moment dann bei der Staatsanwaltschaft wesentlich ausführlicher schilderte und
erklärte, der Geschädigte habe ausgerufen, als er nach dem Kick in die Wohnung
gekommen sei. Er habe Schmerzen gehabt und versucht, dagegen zu drücken.
Sie habe gesehen, dass in der Hand des Geschädigten B._ ein Bogen ge-
wesen sei und habe ihm gesagt, er solle zum Arzt gehen, was dieser jedoch ab-
gelehnt habe.
2.3.5. Auch das Aussageverhalten der Geschädigten C._ erscheint – mit der
Verteidigung (Urk. 50 S. 27 ff.) – nach genauerer Betrachtung unkonstant und
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widersprüchlich, weshalb auch ihre Aussagen als unglaubhaft eingestuft werden
müssen.
2.3.6. Vergleicht man die Aussagen der beiden Geschädigten miteinander, so ist
augenfällig, dass auch hier keine einheitliche und stimmige Schilderung des Tat-
geschehens vorliegt: Der Geschädigte B._ beispielsweise führt der staats-
anwaltschaftlichen Einvernahmen aus, die Geschädigte C._ sei in der besag-
ten Szene von der Ehefrau des Angeklagten angespuckt worden. Dies erwähnt
die Geschädigte C._ wiederum überhaupt nicht. Sie will zwar schon von
A2._ angespuckt worden sein, jedoch erst während der zweiten Konfrontati-
on in jener Nacht, nachdem sie [die Geschädigte C._] den Brief an die Türe
der Familie A._ geklebt habe.
2.4. Aussagen des Angeklagten und seiner Ehefrau
Bezüglich der Aussagen des Angeklagten und seiner Ehefrau kann vorliegend
gestützt auf § 161 GVG/ZH auf die korrekte und vollständige Würdigung im vor-
instanzlichen Entscheid verwiesen werden (Urk. 31 S. 15). Entgegen der Ansicht
der Verteidigung, wonach die Schilderungen des Angeklagten und seiner Ehefrau
durchaus präzise, nachvollziehbar und einfühlbar seien und hochwertige Details
enthalten würden, diverse, von der Vorinstanz angeprangerte Widersprüche im
Aussageverhalten der beiden sich logisch erklären liessen und ihre Aussagen be-
züglich des Fusstrittes und der Ohrfeige neutral seien (Urk. 50 S. 9 ff.), sind die
Aussagen des Angeklagten und seiner Ehefrau alles andere als glaubhaft und
enthalten markante Widersprüche und Ungereimtheiten.
3. Würdigung des Arztberichtes (Urk. 15/1)
Dem "Bericht über ambulante Behandlung vom 14. Juni 2009" von Dr. med.
E._ des ...spitals F._ (Urk. 15/1) lässt sich entnehmen, dass beim Ge-
schädigten B._ eine "Subcapitale Metacarpale V Fraktur mit ventromedialer
Dislokation" diagnostiziert wurde. Über eine mögliche Ursache der diagnostizier-
ten Verletzung gibt der Bericht jedoch keinen Aufschluss. Insofern ist er weder
Beweis für noch gegen die Sachverhaltsdarstellung der Geschädigten, zumal der
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Umstand, dass die Hand des Geschädigten B._ verletzt war, an sich nicht
bestritten ist.
4. Fazit
Zweifellos bestand zwischen der Familie A._ auf der einen Seite und den
Geschädigten B._ und C._ auf der anderen Seite ein unangenehm an-
gespanntes und sicherlich auch aufreibendes nachbarschaftliches Verhältnis.
Dies wird nur schon aus den Einvernahmen der Beteiligten deutlich, wo diese
immer wieder weit ausholen und von vermeintlichen Verfehlungen der Gegenseite
berichten, welche mit der konkreten Situation in der besagten Nacht nichts zu tun
haben. Die Methoden, mit denen dieser "Nachbarschaftskampf" offensichtlich
ausgetragen wurde, wie etwa das angebliche Entwenden von Eigentum, Beschä-
digen oder Verschmutzen des Mietobjekts wie auch die Involvierung der übrigen
Mieter und der Verwaltung, sind äusserst befremdlich.
Dieser Umstand ändert jedoch nichts am Ergebnis der vorstehenden Beweiswür-
digung: Allein schon aufgrund der Würdigung der Aussagen der Geschädigten
B._ und C._ bleiben vorliegend erhebliche Zweifel daran bestehen, ob
sich der Sachverhalt so verwirklicht hat, wie er in der Anklageschrift steht. Es
handelt sich zwar um eine durchaus denkbare Variante, aber eben nur um eine
von mehreren Möglichkeiten. Die Tatsache, dass das Aussageverhalten des An-
geklagten wie auch dasjenige seiner Frau A2._ – wie die Vorinstanz richtig
feststellte (Urk. 31 S. 15) – alles andere als konstant ist und ihre Aussagen teil-
weise ebenfalls markante Widersprüche aufweisen, seine Aussagen wie auch die-
jenigen seiner Frau mithin ebenfalls als unglaubhaft eingestuft werden müssen,
vermag daran nichts zu ändern. Unzweifelhaft steht lediglich fest, dass zwischen
den Beteiligten an jenem Abend eine Auseinandersetzung stattgefunden hat.
Dass jedoch der Angeklagte den Geschädigten B._ durch einen Tritt an der
Hand verletzt oder aber die Geschädigte C._ geohrfeigt hat, ist nicht ausrei-
chend bewiesen. Der angeklagte Sachverhalt lässt sich mithin nicht mit ausrei-
chender Sicherheit erstellen.
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Da also weder die Aussagen der beiden Geschädigten B._ und C._,
noch diejenigen des Angeklagten und seiner Frau glaubhaft sind, liegt kein aus-
reichendes Beweisfundament vor, welches zu einer Verurteilung des Angeklagten
ausreichen würde. Er ist daher nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" freizuspre-
chen. Unter diesen Umständen erübrigt es sich, den Beweisanträgen der Vertei-
digung stattzugeben.
III. Zivilforderung
Ausgangsgemäss ist auf das Schadenersatzbegehren des Geschädigten B._
nicht einzutreten.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Kosten
Angesichts des Ausgangs des Prozesses besteht kein Raum für eine Kostenauf-
lage an den Angeklagten, auch hinsichtlich der Kosten der ersten Instanz, wobei
deren Kostenfestsetzung bereits in Rechtskraft erwachsen ist (Urk. 31, Dispositiv
Ziffer 5; vgl. oben). Damit sind die Kosten der Untersuchung und der gerichtlichen
Verfahren in beiden Instanzen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
2. Entschädigung
2.1. Der Angeklagte lässt vorliegend eine Entschädigung für anwaltliche Vertei-
digung in der Höhe von Fr. 12'272.- zuzüglich 8% MWSt beantragen. Der Vertei-
diger reichte anlässlich der Berufungsverhandlung die entsprechende Honorar-
note ins Recht (Urk. 51/3). Zur Begründung der Honorarforderung führt die Ver-
teidigung unter anderem an, der Fall sei in sachlicher Hinsicht keineswegs ein-
fach, da die einzigen Beweismittel Zeugenaussagen von interessierten Zeugen
seien. Der Aufwand für die Vorbereitung der Berufung sei gross gewesen. Dies
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einerseits wegen einer umfassenden Beweiseingabe mit entsprechenden Abklä-
rungen, insbesondere aber, weil nicht nur auf die Feststellungen der Vorinstanz
im Urteil einzugehen, sondern wegen den Mängeln im vorinstanzlichen Entscheid
auch eine eigene umfassende Analyse der Aussagen vorzunehmen gewesen sei
(Urk. 50 S. 37).
2.2. Gemäss den §§ 191 und 43 Abs. 2 StPO/ZH ist dem Freigesprochenen eine
Entschädigung für die aus dem Verfahren erwachsenen Kosten und Umtriebe aus
der Staatskasse zuzusprechen. Der Anspruch wird dadurch eingeschränkt, dass
gemäss § 43 Abs. 2 StPO/ZH in Verbindung mit § 191 StPO/ZH nur wesentliche
Kosten und Umtriebe zu entschädigen sind. Für den im Sinne von § 191 StPO/ZH
relevanten Schaden ist der haftpflichtrechtliche Schadensbegriff heranzuziehen.
Bei einfachen Fällen ist eine Pauschalentschädigung nach der Anwaltsgebühren-
verordnung (AnwGebV) auszurichten (ZR 105 (2006) Nr. 1).
2.3. Der vorliegende Fall präsentiert sich – entgegen der Ansicht der Verteidi-
gung – weder bezüglich des Sachverhalts (s. oben S. 7, Ziff. 6.3.), noch in rechtli-
cher Hinsicht als komplex oder umfangreich. Es handelt sich vielmehr um einen
gewöhnlichen Nachbarschaftsstreit im Treppenhaus. Angesichts dessen erscheint
der von der Verteidigung betriebene Aufwand als deutlich zu hoch. Wie der Aus-
gang des vorliegenden Berufungsverfahrens zeigt, war das Erheben weiterer Be-
weise, wie von der Verteidigung gefordert, ebenso wenig notwendig wie weitere
Abklärungen. Demzufolge ist eine Pauschalentschädigung nach AnwGebV zuzu-
sprechen. Gemäss § 25 der AnwGebV vom 8. September 2010 (in Kraft seit dem
1. Januar 2011) ist vorliegend die AnwGebV vom 21. Juni 2006 anwendbar, da
– wie bereits ausgeführt – die Bestimmungen des kantonalen Prozessrechts auf
diesen Fall anzuwenden sind. § 10 lit. a AnwGebV sieht für Einzelrichterfälle des
Bezirksgerichts eine Grundgebühr zwischen Fr. 600.- und Fr. 8'000.- vor. Da es
sich vorliegend um einen einfachen, wenn nicht gar um einen Bagatellfall handelt,
erscheint eine Grundgebühr von Fr. 3'000.- als angemessen. Laut § 12 Abs. 1
AnwGebV wird für das Berufungsverfahren ein Drittel bis ein zwei Drittel der
Grundgebühr berechnet. Der Grund für diese Reduktion der Grundgebühr im
Vergleich zur ersten Instanz liegt darin, dass der Vorbereitungsaufwand für den
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Verteidiger im Rechtsmittelverfahren in der Regel deutlich kleiner ist, da er ja
bereits mit dem Fall vertraut ist. Da der Angeklagte seinen Verteidiger jedoch vor-
liegend erst nach dem erstinstanzlichen Verfahren mandatiert hat, rechtfertigt es
sich hier, auf eine solche Reduktion zu verzichten. Für die Beweiseingabe des
Verteidigers vom 3. Juni 2011 ist im Sinne von § 10 Abs. 2 lit. a in Verbindung mit
§ 6 Abs. 1 lit. a AnwGebV ein Zuschlag von 10%, also von Fr. 300.- zu ver-
anschlagen (Urk. 38). Ausserdem sind die Barauslagen gemäss Honorarnote vom
6. Juli 2011 (Urk. 51/3) von Fr. 329.- hinzuzurechnen. Zusammen mit 8% Mehr-
wertsteuer ergibt dies aufgerundet eine Entschädigung von Fr. 4'000.-.
2.4. Weitere Gründe, die zu einer Ausrichtung einer Entschädigung an den
Angeklagten führen könnten, sind keine geltend gemacht worden und auch nicht
ersichtlich.
2.5. Somit ist dem Angeklagten eine Prozessentschädigung in der Höhe von
Fr. 4'000.- (inkl. MWSt) für anwaltliche Verteidigung aus der Gerichtskasse zuzu-
sprechen.