Decision ID: b9b0ce47-36e1-4065-abc5-a0bffffb5d54
Year: 2013
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

7. Februar 2013 sich verwirklichte Sachverhalt massgebend sei. Dies
habe zur Konsequenz, dass das rheumatologisch-psychiatrische
Gutachten der Klinik N._ vom 27. Juli 1999 (aIV-Akten Nr. 10 und
11) nichts Entscheidendes zur Klärung der sich hier stellenden Fragen
der Verbesserung des Gesundheitszustandes respektive der Änderung
der wirtschaftlichen Auswirkungen der gesundheitlichen Beschwerden im
Vergleich zum 24. Januar 2000 und der Arbeitsfähigkeit seit November
2011 beitragen könne. Die Behauptung des Beschwerdeführers, dass er
von den drei Gutachtern jeweils während nur 15 Minuten untersucht
worden sei, sei aktenwidrig. So werde im orthopädischen Gutachten
festgehalten, dass der Beschwerdeführer während über einer halben
Stunde ruhig und ohne Einnahme einer Schonhaltung auf dem Stuhl
sitze. Die orthopädische Untersuchung habe also mehr als eine halbe
Stunde gedauert. Es sei zudem nicht nachvollziehbar, weshalb es dem
Beschwerdeführer, auch wenn er starke Medikamente einnehme, nicht
möglich sein soll, die von der IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung
genannten Tätigkeiten auszuüben. Habe er doch selber angegeben, dass
er sich an die Medikamente gewöhnt habe und problemlos ein Fahrzeug
lenken könne, was sich auch aus dem Observationsbericht vom
6. September 2011 sowie dem ABI-Gutachten vom 8. März 2012 (IV-act.
- 11 -
Nr. 92) ergebe. Die eingenommen Medikamente hätten somit keinen
negativen Einfluss auf seine Verkehrstauglichkeit, weshalb auch davon
auszugehen sei, dass die Medikamente respektive ihre Nebenwirkungen
auch keinen negativen Einfluss auf die Erwerbsfähigkeit des
Beschwerdeführers hätten. Überdies habe der Beschwerdeführer im
Sinne der Selbsteingliederungs- respektive Schadenminderungspflicht
aus eigenem Antrieb die verbliebene Arbeitsfähigkeit bestmöglichst
auszunützen, falls nötig auch mittels Einnahme von Medikamenten. Es
sei folglich nicht zu beanstanden, dass das ABI die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers unter Medikamenteneinfluss beurteilt habe. Im
Gegenteil, es wäre IV-rechtlich nicht korrekt gewesen, die Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers unter Ausklammerung der Medikamentenein-
nahme zu bemessen. Trotz Medikamenteneinnahme sei ihm spätestens
seit November 2011 zuzumuten, die von der IV-Stelle erwähnten
Tätigkeiten auszuüben. Er verfüge seit November 2011 in
behinderungsgeeigneten Tätigkeiten über eine 80%ige Arbeitsfähigkeit,
deren zumutbare Verwertbarkeit auf dem Arbeitsmarkt trotz der speziellen
Persönlichkeitsstruktur gegeben sei. Der Vergleich des Validenein-
kommens für das Jahr 2012 von Fr. 62‘393.89 (LSE 2010, TA1, privater
Sektor, Männer Anforderungsniveau 4) mit dem Invalideneinkommen von
Fr. 39‘932.01 (LSE 10, TA1, privater Sektor, Männer, Anforderungsniveau
4, Leidensabzug 20 %) führe zu einem nicht rentenberechtigten IV-Grad
von 36 %. Somit sei klar, dass die angefochtene Verfügung im Resultat
nicht zu beanstanden sei.
10. In der Replik vom 15. April 2013 hielt der Beschwerdeführer unverändert
an seinen Rechtsbegehren fest. Es treffe nicht zu, dass sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit 1997 gebessert habe
und seit November 2011 eine 80%ige Arbeitsfähigkeit für eine leichte und
mittelschwere Tätigkeit gegeben sei. Es sei durchaus möglich, dass die
- 12 -
orthopädische Untersuchung beim ABI mehr als 15 Minuten gedauert
habe. Allerdings sei die psychiatrische Begutachtung sehr kurz
ausgefallen, was nach wie vor nicht akzeptabel sei. Hinsichtlich des
Invalideneinkommens gehe die Vorinstanz zu Unrecht davon aus, dass
die zumutbare Verwertbarkeit auf dem Arbeitsmarkt bejaht werden dürfe.
Die IV-Stelle sei nicht darauf eingegangen, dass es dem
Beschwerdeführer aufgrund seiner gutachterlich festgestellten
Persönlichkeitsstruktur nicht möglich sei, sich einem üblichen
Angestelltenverhältnis anzupassen. Gemäss dem Gutachten komme eine
Arbeitsstelle in einem hierarchisch strukturierend engen Rahmen für den
Beschwerdeführer nicht in Frage. Deshalb erweise sich das errechnete
Invalideneinkommen als falsch und es sei nach wie vor vom bisherigen
Invaliditätsgrad auszugehen, welcher eine ganze Rente begründe.
11. In der Duplik vom 26. April 2013 wurde von der IV-Stelle in Bezug auf die
Dauer der psychiatrischen Begutachtung bemerkt, dass es für den
Aussagegehalt eines medizinischen Gutachtens grundsätzlich nicht auf
die Dauer der Untersuchung ankomme; massgebend sei in erster Linie,
ob die Expertise inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig sei. So
könne bei der Beurteilung einer psychischen Störung auch eine kurze
Untersuchung ausreichen, wenn keine konkreten Hinweise vorlägen, dass
sich die kurze psychiatrische Untersuchungsdauer negativ auf die Qualität
des Gutachtens ausgewirkt habe. Im konkreten Fall würden keine
Hinweise vorliegen, dass sich die allenfalls kurze psychiatrische
Untersuchung negativ auf die Qualität der psychiatrischen Beurteilung
respektive des Gutachtens des ABI ausgewirkt hätte, weshalb dieses
nicht zu beanstanden sei. Schliesslich wurde daran festgehalten, dass der
Beschwerdeführer in einer behinderungsgeeigneten Tätigkeit trotz seiner
gesundheitlichen Beschwerden spätestens seit November 2011 über eine
Arbeitsfähigkeit von mindestens 80 % verfüge, deren zumutbare
- 13 -
Verwertbarkeit auf dem Arbeitsmarkt trotz der speziellen
Persönlichkeitsstruktur des Beschwerdeführers bejaht werden dürfe.
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers kämen auch in den von
der IV-Stelle vorgeschlagenen Arbeitsbereichen Tätigkeiten vor, welche
vom Arbeitnehmer relativ autonom gestaltet werden könnten.
Dementsprechend gebe es auf dem nach Art. 7 ATSG massgebenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt für den Beschwerdeführer genug
behinderungsgeeignete Einsatzmöglichkeiten.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien sowie auf die angefochtene
Verfügung wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen
eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen
IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
anfechtbar. Die Verfügung der IV-Stelle des Kantons Graubünden vom
7. Februar 2013 betreffend Einstellung der IV-Rente stellt demnach ein
taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem Verwaltungs-
gericht des Kantons Graubünden dar. Die sachliche Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts ergibt sich überdies aus Art. 49 Abs. 2 lit. a des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Auf die
Beschwerde ist somit einzutreten. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-
Stelle den Anspruch auf eine (ganze) IV-Rente über den 1. März 2012
hinaus zu Recht verneint hat, respektive, ob die ab 1. Dezember 1997
ausgerichtete ganze IV-Rente zu Recht rückwirkend per 29. Februar 2012
eingestellt wurde. Im Zentrum stehen dabei die Fragen nach dem
- 14 -
Vorliegen eines Revisionsgrundes wegen der Verbesserung des
Gesundheitszustands, der Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in
adaptierter Tätigkeit seit November 2011, deren Verwertbarkeit auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt sowie die Voraussetzungen für eine
Revision ex tunc. Nicht bestritten ist das von der IV-Stelle festgelegte
Valideneinkommen von Fr. 62‘393.89, weshalb darauf nicht weiter
einzugehen ist.
2. a) Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe
Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch
auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente. Bei erwerbstätigen
Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) i.V.m. Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs
zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte
Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen
durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage
erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat
in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander
gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
IV-Grad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommens-
vergleichs; BGE 130 V 349 E.3.4.2, mit Hinweisen).
- 15 -
b) Für die Ermittlung des IV-Grades kommt es primär auf die wirtschaftliche
Erwerbsunfähigkeit und nicht auf die medizinische Arbeitsunfähigkeit an
(BGE 132 V 395 E.2.1). Ohne zuverlässige und beweistaugliche
Bestimmung der prozentualen Arbeitsfähigkeit durch die Ärzte
(Zumutbarkeitsprofil als Beurteilungsgrundlage) ist eine seriöse Ermittlung
der Erwerbsunfähigkeit (IV-Grad) indes von vorneherein gar nicht möglich
(BGE 125 V 261 E.4, 122 V 160 f. E.1c, 115 V 134 E.2). Das Bundesrecht
schreibt dabei nicht vor, wie die in den Akten liegenden Arztberichte oder
medizinischen Unterlagen als Beweismittel zu würdigen sind. Für das
gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt
daher der allgemeine Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach
haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsrichter die Beweise
frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies,
dass das Versicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von
wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob
die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen
Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe
anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische
These abstellt (vgl. BGE 125 V 352 E.3a). Für den Beweiswert von
Arztberichten ist entscheidend, ob die Berichte für die streitigen Belange
umfassend sind, auf allseitigen Untersuchungen beruhen, die geklagten
Beschwerden berücksichtigen, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden sind, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchten und ob die
Schlussfolgerungen der Experten begründet sind. Ausschlaggebend für
den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines
Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
- 16 -
gegebenen Stellungnahmen als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 134 V
231 E.5.1, 125 V 352 E.3a).
c) Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG wird eine Rente von Amtes wegen oder auf
Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder
aufgehoben, wenn sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder
eines Rentenbezügers erheblich ändert. Anlass zur Revision einer
Invalidenrente im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG gibt jede wesentliche
Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente,
die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu
beeinflussen. Dazu ist nicht nur eine wesentliche Änderung des
Gesundheitszustands mit entsprechender Beeinflussung der
Erwerbsfähigkeit, sondern auch eine Veränderung der erwerblichen
Komponente bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand zu
zählen. Ein Revisionsgrund ist ferner unter Umständen auch dann
gegeben, wenn eine andere Art der Bemessung der Invalidität zur
Anwendung gelangt oder eine Wandlung des Aufgabenbereichs
eingetreten ist (BGE 134 V 132 f. E.3, 133 V 546 E.6.1, 130 V 349 ff.
E.3.5, 117 V 199 E.3b, 109 V 116 E. 3b; Urteil des Bundesgerichts
8C_49/2011 vom 12. April 2011 E.4.1; vgl. auch MÜLLER, Die materiellen
Voraussetzungen der Rentenrevision in der Invalidenversicherung,
Dissertation 2003, S. 133 N 486). Eine Revision betrifft jedoch stets
Änderungen in den persönlichen Verhältnissen der versicherten Person.
Geringfügige Änderungen statistischer Daten führen dagegen nicht zu
einer Revision von IV-Renten, selbst wenn durch solche Veränderungen
ein Schwellenwert über- oder unterschritten wird (BGE 133 V 548 f. E.7;
MEYER, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 2. Aufl. 2010,
S. 372 zu Art. 30/31). Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer
anspruchserheblichen Änderung bildet jeweils die letzte, der versicherten
Person eröffnete, rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen
- 17 -
Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhalts-
abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens-
vergleichs – bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen
Auswirkungen des Gesundheitszustands – beruht (BGE 133 V 114 E.5.4,
134 V 132 f. E.3).
3. a) Es gilt nun zu prüfen, ob im vorliegenden Fall ein Revisionsgrund vorliegt
(vgl. Art. 17 ATSG, Art. 87 ff. der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV]; BGE 133 V 108; KIESER, ATSG-Kommentar,
2. Aufl., 2009; Art. 17; MÜLLER, Die materiellen Voraussetzungen der
Rentenrevision in der Invalidenversicherung, Dissertation 2003). Fraglich
ist, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers in der Zeit
zwischen der letzten rechtskräftigen Verfügung und der angefochtenen
Verfügung verändert hat. Im konkreten Fall datiert die letzte, dem
Beschwerdeführer eröffnete, rechtskräftige Verfügung, welche den
zeitlichen Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen
Änderung bildet, vom 14. Januar 2000 (ganze IV-Rente ab 1. Dezember
1997 bei IV-Grad 100%, gestützt auf das Gutachten der Klinik N._
[aIV-Akten Nr. 10 und 11]). Mithin ist für die Beurteilung der
anspruchserheblichen Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse der
Zeitraum zwischen dem 14. Januar 2000 und dem Zeitpunkt der
angefochtenen Verfügung vom 7. Februar 2013 (Einstellung der Rente,
gestützt auf das ABI-Gutachten vom 8. März 2012 [IV-act. Nr. 92])
massgebend. Grundsätzlich hat das Gericht für die Beurteilung eines
Falles der sich bis zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung, in casu
die Verfügung vom 7. Februar 2013, verwirklichte Sachverhalt zu
berücksichtigen (vgl. BGE 129 V 4 E.1.2 mit Hinweisen). Im speziellen
Fall einer Rentenrevision ist aber – wie soeben dargelegt – insbesondere
der Zeitraum zwischen der letzten rechtskräftigen und der angefochtenen
Verfügung massgebend. Richtig ist somit, dass das rheumatisch-
- 18 -
psychiatrische Gutachten der Klinik N._ (Dr. med. B._
beziehungsweise Dr. med. C._ [aIV-Akten Nr. 10 und 11]) vom
16. April beziehungsweise 27. Juli 1999 nichts Entscheidendes zu den
hier relevanten Fragen beitragen kann. Das Gutachten aus dem Jahr
1999 ist dennoch relevant für die Beantwortung der Frage, ob in
medizinischer Hinsicht eine Veränderung des Gesundheitszustands
festzustellen ist.
b) Weiter ist fraglich, ob die IV-Stelle für die Beurteilung der
anspruchserheblichen Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse – und
damit des Revisionsgrundes – zu Recht auf das Gutachten des ABI vom
8. März 2012 (IV-act. Nr. 92) abgestellt hat. Grundsätzlich genügt das
vorliegende Gutachten des ABI den Vorgaben der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung, es ist für die streitigen Belange umfassend, beruht auf
allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden,
ist in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden, leuchtet in
der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der
medizinischen Situation ein und die Schlussfolgerungen der Experten
sind begründet (vgl. vorstehend E.2b sowie BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V
352 E.3a). Damit kommt dem Gutachten voller Beweiswert zu. Dem
genannten ABI-Gutachten liegen zudem die Berichte und das Video der
Observation vom 6. September 2011 zugrunde, welche die IV-Stelle in
Auftrag gegeben hat. Bevor im Folgenden auf die Ausführungen des ABI,
des RAD-Arztes pract. med. D._ im Bericht vom 21. September 2011
(IV-act. Nr. 65) und die weiteren ärztlichen Stellungnahmen zum
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers näher eingegangen werden
kann, muss daher die Berücksichtigung und Verwertbarkeit fremd
erstellter Observationsberichte als Beweismittel überprüft werden.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung können die Ergebnisse
einer zulässigen Überwachung zusammen mit einer ärztlichen
- 19 -
Aktenbeurteilung grundsätzlich geeignet sein, eine genügende Basis für
Sachverhaltsdarstellungen betreffend den Gesundheitszustand und die
Arbeitsfähigkeit zu bilden (vgl. BGE 137 I 327 E.7.1 mit weiteren
Hinweisen auf SVR 10 UV Nr. 17 S. 63 [8C_239/2008 E.7; 9C_891/2010
E.5.2]). Gemäss wiederholter bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist die
Verwertung von Ergebnissen einer von einer Sozialversicherungsanstalt
veranlassten Observation als Beweismittel im Sozialversicherungsrecht
verwertbar, wenn die Überwachung rechtmässig war (Art. 28 Abs. 2 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches [ZGB; SR 210]) und die
Voraussetzungen von Art. 13 (Schutz der Privatsphäre) der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101)
und von Art. 36 BV (Einschränkung der Grundrechte nur bei Vorliegen
einer gesetzlichen Grundlage wie z.B. Art. 43 ATSG; Einschränkung der
Privatsphäre nur bei überwiegendem öffentlichen Interesse; Wahrung der
Verhältnismässigkeit bei Eingriff; keine Aushöhlung des unantastbaren
Kerngehalts der Grundrechte) erfüllt sind (BGE 137 I 327 E.5.6 mit
weiteren Hinweisen; BGE 135 I 169; BGE 129 V 323; Urteile des
Bundesgerichts 8C_807/2008 vom 15. Juni 2009 insb. E.4/5 sowie
8C_806/2007 vom 7. August 2007 E.4.2). Die vorliegenden Aufnahmen
des Beschwerdeführers (vgl. das separate Dossier in den IV-Akten) sind
nicht widerrechtlich, sondern durch ein überwiegendes privates und
öffentliches Interesse gerechtfertigt (Art. 28 Abs. 2 ZGB): Weder die
Versicherung noch die dahinter stehende Versichertengemeinschaft
sollen zu Unrecht Leistungen erbringen müssen (JdT 1998 I 763 E.2b =
SJ 1998 S. 303 f. E.2b, bestätigt durch das Urteil des Europäischen
Gerichtshofes für Menschenrechte vom 28. Juni 2001, VPB 65 [2001]
Nr. 134 S. 1381). Zudem ist bei der Interessenabwägung zu
berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer gegenüber der
Invalidenversicherung einen Anspruch erhebt, der sich auf den
Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit abstützt, so dass
- 20 -
diesbezüglich Eingriffe in die Persönlichkeit zu erdulden sind, was das
Interesse des Beschwerdeführers geringer erscheinen lässt. Damit sind
die im Verhältnis Sozialversicherungsanstalt – Beschwerdeführer
erhobenen Beweismittel rechtmässig erlangt worden (vgl. zum Ganzen:
BGE 129 V 323 E.3.3.3). Eine Einschränkung der Grundrechte des
Beschwerdeführers (hier Schutz der Privatsphäre; Art. 13 Abs. 1 BV)
bedingt, dass diese nur eingeschränkt werden können, wenn gemäss Art.
36 BV eine gesetzliche Grundlage vorliegt (Abs. 1), ein öffentliches
Interesse an der Einschränkung besteht (Abs. 2), die Einschränkung
verhältnismässig ist (Abs. 3) und der Kerngehalt der Grundrechte nicht
angegriffen wird (Abs. 4). Für die von der IV-Stelle in Auftrag gegebene
Observation begründet Art. 59 Abs. 5 IVG eine gesetzliche Grundlage
(vgl. BGE 137 I 327). Das öffentliche Interesse an der Einschränkung des
Schutzes der Privatsphäre liegt darin, keine nicht geschuldeten
Leistungen zu erbringen (vgl. JdT 1998 I 763 E. 2b = SJ 1998 S. 303 f.
E.2b, bestätigt durch Urteil des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte vom 28. Juni 2001, VPB 65 [2001] Nr. 134 S. 1381), um
die Gemeinschaft der Versicherten nicht zu schädigen. Nach der
Rechtsprechung verlangt der Grundsatz der Verhältnismässigkeit, dass
der Grundrechtseingriff zur Erreichung des angestrebten Zieles geeignet
und erforderlich ist und dass das verfolgte Ziel in einem vernünftigen
Verhältnis zu den eingesetzten Mitteln, den zu seiner Verwirklichung
notwendigen Freiheitsbeschränkungen, steht (Verhältnismässigkeit im
engeren Sinne; Urteil des Bundesgerichts 2P.52/2001 vom 24. Oktober
2001). Die Verwertung der durch die Observation erbrachten Beweise ist
vorliegend zur Erreichung des angestrebten Zieles (keine
Leistungszusprechung an Unberechtigte und entsprechender Schutz der
Versichertengemeinschaft) geeignet und auch erforderlich, da nur diese
Beweismittel – bei offensichtlich bestehenden Anhaltspunkten (vgl. den
Hinweis einer Drittperson [IV-act. Nr. 44]) einer effektiv bestehenden
- 21 -
Arbeitsfähigkeit – eine unmittelbare Wahrnehmung wiedergeben können
(vgl. JdT 1998 I 764 E. 2c = SJ 1998 S. 304.) Zudem sind die
angefertigten Videoaufnahmen auch im engeren Sinne verhältnismässig,
da nur die für die Anspruchsbeurteilung notwendigen Aspekte
berücksichtigt worden sind und die Observationen während einer kurzen,
begrenzten Zeit stattgefunden haben. Die Verwertung der aus der
beschränkten Überwachung durch einen Privatdetektiv erlangten
Beweismittel greift zudem den Kerngehalt des Schutzes auf Privatsphäre
gemäss Art. 13 Abs. 1 BV nicht an, zumal im Zuge der Konfrontation des
Beschwerdeführers mit den Erkenntnissen der Observation dessen
rechtliches Gehör gewahrt wurde. Damit ist die Verwertung der durch die
Privatdetektive erstellten Beweismittel im vorliegenden Verfahren zulässig
(vgl. zum Ganzen: BGE 129 V 323 E.3.3.3). Die Zulässigkeit der
Überwachung wird vorliegend folglich zu Recht nicht bestritten. Die IV-
Stelle hat somit zu Recht auf das Gutachten des ABI vom 8. März 2012
(IV-act. Nr. 92) und das Observationsmaterial abgestellt.
c) In Bezug auf die Frage einer wesentlichen Änderung des
Gesundheitszustands des Beschwerdeführers sind die dem Gericht
vorliegenden ärztlichen Berichte und Gutachten zu analysieren: Als
Ausgangslage dient das rheumatisch-psychiatrische Gutachten (Dr. med.
B._ beziehungsweise Dr. med. C._ [aIV-Akten Nr. 10 und 11])
vom 16. April beziehungsweise 27. Juli 1999 der Klinik N._. Danach
wurden aus rheumatischer Sicht ein chronisches Panvertebralsyndrom,
Spannungskopfschmerz, arterielle Hypertonie und Adipositas sowie aus
psychiatrischer Sicht eine Borderline Persönlichkeitsstörung mit mittlerem
Strukturniveau (ICD10 F60.30) und ein depressives Syndrom mittleren
Schweregrades mit Somatisierung (ICD10 F32.11) diagnostiziert. Aus
rheumatischer Sicht wurde dem Beschwerdeführer damals eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit in seiner bisherigen und eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
- 22 -
für körperlich leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeiten
attestiert. Allerdings würden die damals diagnostizierte Psychopathologie
und die zugrunde liegende Persönlichkeitsstörung eine berufliche
Integration im Rahmen eines Angestelltenverhältnisses unmöglich
machen. Zusammenfassend wurde dem Beschwerdeführer von den
Ärzten der Klinik N._ aus psychiatrisch-rheumatischer Sicht eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. Das ABI diagnostizierte in
seinem Gutachten vom 8. März 2012 (IV-act. Nr. 92) aufgrund der
psychiatrischen und orthopädischen Untersuchung des Beschwerde-
führers vom 1. Februar 2012 mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
Folgendes:
 Emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ (ICD10
F60.31)
 Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD 10 F33.4)
 Chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom ohne fassbare radikuläre
Symptomatik (ICD 10 M54.80)
 Chronische Beschwerde an Vorderarm und Hand der dominanten rechten
Seite (ICD 10 T92.5/Z98.8)
 Metabolisches Syndrom
 Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (ICD 10 J44.9)
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden folgende Diagnosen
erstellt:
 Somatisierungsstörung (ICD 10 F45.0)
 Störung durch Alkohol, gegenwärtig abstinent (ICD 10 F10.20)
Zusammenfassend wurde im Gutachten des ABI festgehalten, der
Beschwerdeführer sei aus polydisziplinärer Sicht 100 % arbeitsunfähig für
die angestammte, sowie für jede andere mittelschwere oder schwer
belastende Tätigkeit, für körperlich leichte, autonom zu gestaltende
Tätigkeiten sei er ab November 2011 80 % arbeits- respektive
- 23 -
leistungsfähig, voll realisierbar. Im Vergleich zur Beurteilung der Klinik
N._ aus dem Jahr 1999 (aIV-Akten Nr. 10 und 11) ergibt sich aus
dem ABI-Gutachten von 2012 (IV-act. Nr. 92) eine Verbesserung des
Gesundheitszustandes hauptsächlich aus psychiatrischer Hinsicht. So
diagnostizierte Dr. C._ am 27. Juli 1999 eine Borderline
Persönlichkeitsstörung mit mittlerem Strukturniveau (ICD10 F60.30) und
ein depressives Syndrom mittleren Schweregrades mit Somatisierung
(ICD10 F32.11). Dr. med. G._ vom ABI stellte hingegen eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert, fest. Zum
selben Schluss kam auch der RAD-Arzt pract. med. D._ in seinem
Bericht vom 30. Mai 2012, wo er festhält, dass eine bei der ehemaligen
Berentung vorliegende gravierende Depression eindeutig remittiert sei
(vgl. IV-act. Nr. 114 S. 8). In somatischer Hinsicht ist bezüglich der
Diagnosen keine Verbesserung festzustellen, so stellte Dr. med. B._
am 27. Oktober 1997 medizinisch-theoretisch noch eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit für leichte bis mittelschwere körperliche Arbeiten ohne
Heben schwerer Lasten fest (vgl. aIV-act. [unnummeriert]). Am 16. April
1999 jedoch attestierte Dr. med. B._ dem Beschwerdeführer für eine
körperlich leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeit nur noch
eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (vgl. aIV-Akten Nr. 11 S. 8). Da jedoch
zumindest in psychiatrischer Hinsicht eine Verbesserung des Gesund-
heitszustands festzustellen ist, ist ein Revisionsgrund im Sinne von
Art. 17 ATSG und Art. 87 ff. IVV gegeben. Überdies ergibt sich aus den
Observations-Unterlagen (vgl. das separate Dossier der IV-Stelle), dass
sich mit Aufnahme der Erwerbstätigkeit im April 2011 auch eine Änderung
der wirtschaftlichen Auswirkungen der gesundheitlichen Beschwerden
ergeben hat. Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass
vorliegend zu Recht von einem Revisionsgrund ausgegangen worden ist.
- 24 -
4. a) Der Beschwerdeführer ist mit der Beurteilung durch das ABI nicht
einverstanden. Er rügt insbesondere die kurze Untersuchungsdauer durch
die Gutachter des ABI; gerade hinsichtlich des psychiatrischen
Teilgutachtens sei es nicht akzeptabel, dass er nur während 15 Minuten
untersucht worden sei. Da der Beschwerdeführer bei der Begutachtung
unter erheblichem Medikamenteneinfluss stand, sei es nicht
nachvollziehbar, wie die Gutachter des ABI davon ausgehen könnten,
dass beim Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht eine
Arbeitsfähigkeit von 80 % vorliegen könne. Bei solchen hohen Dosen von
Psychopharmaka wäre der Beschwerdeführer nicht in der Lage, nur
ansatzweise einer geregelten vollzeitlichen Erwerbstätigkeit nachzugehen
und es wäre ihm insbesondere auch nicht möglich, Maschinen oder
Hubstapler zu bedienen oder etwaige Kontrollfunktionen wahrzunehmen.
Deshalb sei die Arbeitsfähigkeit-Einschätzung des ABI unrealistisch, der
Beschwerdeführer sei nach wie vor 100 % arbeitsunfähig. In Bezug auf
die Rüge des Beschwerdeführers hinsichtlich der Dauer der
psychiatrischen Begutachtung durch das ABI muss festgehalten werden,
dass es praxisgemäss für den Aussagegehalt eines medizinischen
Gutachtens grundsätzlich nicht auf die Dauer der Untersuchung
ankommt. Massgebend ist in erster Linie, ob die Expertise inhaltlich
vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (vgl. das Urteil des
Bundesgerichts 8C_639/2011 vom 5. Januar 2012 E.4.3.1 mit weiteren
Hinweisen). Vorliegend sind keine konkreten Hinweise ersichtlich, dass
sich die möglicherweise kurze Untersuchungsdauer – seitens des ABI
liegen keine Angaben über die Dauer der psychiatrischen Untersuchung
vor – negativ auf die Qualität der psychiatrischen Beurteilung
beziehungsweise auf das ABI-Gutachten ausgewirkt hätte. Was den
Einwand des Beschwerdeführers betreffend seine
Medikamenteneinnahme (vgl. den Arztbericht von Dr. med. E._ vom
20. Februar 2013 [Bf-act. Nr. 3]) betrifft, ist mit der IV-Stelle festzuhalten,
- 25 -
dass der Beschwerdeführer im Sinne der Selbsteingliederungs-
respektive Schadenminderungspflicht aus eigenem Antrieb die
verbliebene Arbeitsfähigkeit bestmöglichst auszunützen hat, falls nötig
auch mittels Medikamenteneinnahme. Die Medikamenteneinnahme
wurde im Gutachten überdies berücksichtig (vgl. IV-act. Nr. 92 S. 7) und
die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit unter Medikamenten-Einfluss ist somit
korrekt, zumal es IV-rechtlich nicht korrekt gewesen wäre, die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers unter Ausklammerung der
Medikamenteneinnahme zu bemessen. Sodann hat der
Beschwerdeführer anlässlich der Besprechung vom 20. Februar 2012
selbst angegeben, dass er sich an die Medikamenteneinnahme gewöhnt
habe (vgl. IV-act. Nr. 80 S. 2) und dass er problemlos ein Fahrzeug
lenken könne (vgl. IV-act. Nr. 80 S. 5 sowie das ABI-Gutachten, IV-act.
Nr. 92 S. 9 oben und S. 11 unten und den Observationsbericht IV-act.
Nr. 64 S. 17). Es ist somit festzuhalten, dass die Medikamenteneinnahme
die Fahr- und Verkehrstauglichkeit des Beschwerdeführers nicht
beeinflusst. Ob der Beschwerdeführer trotz der Medikamenteneinnahme
in der Lage ist, die von der IV-Stelle aufgeführten Tätigkeiten (leichte
Maschinenbedienung, Kontrollfunktionen, leichte Sortier-, Prüf- und
Verpackungsarbeiten sowie leichtere Arbeiten im Bereich der [zum Teil
maschinell, mit Hubstapler usw. unterstützten] Lager- oder
Ersatzteilbewirtschaftung) auszuführen, ist im Rahmen der Verwertbarkeit
der Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zu prüfen (siehe
nachfolgend E.5c).
b) Auch vermögen die Arztberichte der Dres. med. F._ vom 3. August
2012 (IV-act. Nr. 111 S. 4) und E._ vom 5. März 2012 (IV-act. Nr. 90)
beziehungsweise vom 6. August 2012 (IV-act. Nr. 111 S. 5) das
Gutachten des ABI nicht zu erschüttern, ergeben sich doch daraus keine
Verschlechterungen des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers.
- 26 -
Die beiden Ärzte bestätigen lediglich ihre bisherigen Beurteilungen. Laut
Dr. med. E._, dem behandelnden Psychiater seit 1998, leide der
Beschwerdeführer weiterhin an einer schweren chronischen Depression.
Er versuche sich seines Erachtens nur im Rahmen der gesetzlich
vorgesehenen 30 % als Händler in einer ihm bekannten Sparte (vgl. den
ärztlichen Bericht vom 5. März 2012 [IV-act. Nr. 90]). RAD-Arzt pract.
med. D._ schrieb am 8. März 2012 (vgl. IV-act. Nr. 92 S. 25) zum
ärztlichen Bericht von Dr. med. E._ vom 5. März 2012, dieser habe
dem Beschwerdeführer stets entweder eine chronische Depression mit
psychotischen Anteilen oder eine chronische Depression bei Borderline
Persönlichkeitsstörung bescheinigt. Es sei niemals explizit eine schwere
Depression diagnostiziert worden. Überdies werde in den
Bescheinigungen kein ICD-10 Code genannt. Es werde keine
Symptomatik und auch kein Funktionsdefizit beschrieben. Im ärztlichen
Bericht vom 6. August 2012 schrieb Dr. med. E._, dass der
Schweregrad der ererbten chronischen psychischen Erkrankung beim
Beschwerdeführer eine Dauermedikation mit hohen Dosen von
Antidepressiva, Neuroleptika und Tranquilizern verlange (vgl. IV-act.
Nr. 111 S. 4). Ungeachtet seiner chronischen Erkrankung habe der
Beschwerdeführer immer wieder versucht, seine Eigenständigkeit zu
wahren und sein Leben als Fahrender aufrechtzuhalten, weshalb er sich
als Kleinhändler für Artikel aller Art versuche. Trotz dieser Tätigkeit – und
sie sei nicht weiter zu werten als eine Beschäftigungstherapie, die dem
Lebensunterhalt substantiell nicht zu Gute komme – sei der
Beschwerdeführer weiterhin dauernd auf Medikamenteneinnahme und
ärztliche Betreuung aus diversen Fachrichtungen angewiesen. Eine
geregelte Arbeitstätigkeit sei nicht zumutbar. Die eingesetzten
Psychopharmaka würden den Beschwerdeführer schon in einer
Arbeitsleistung, die mehr als eine Stunde pro Tag erbracht werden
müsse, beeinträchtigen. Selbst Hilfsarbeiten, die vor allem körperliche
- 27 -
Kraft in Anspruch nehmen würden, könnten ihm wegen seiner
körperlichen Gebrechen nicht zugemutet werden. Dr. med. F._ hielt
nach der Durchsicht der Akten und des Gutachtens des ABI in seinem
ärztlichen Bericht vom 3. August 2012 (vgl. IV-act. Nr. 111 S. 5) fest, dass
beim Beschwerdeführer aus organischer Sicht – wie dies auch Dr. med.
B._ der Klinik N._ 1999 festgestellt habe – für eine leichte bis
mittelschwere Arbeit eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit vorliege. Aus
psychiatrischer Sicht sei von allen bis anhin behandelnden Fachärzten
eine ebenfalls mindestens 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden.
Deswegen und durch seine (die von Dr. med. F._) langjährige
Behandlung des Patienten, halte er an seiner Einschätzung einer
100%igen Arbeitsunfähigkeit fest. Den vorstehend zitierten ärztlichen
Berichten der Dres. med. E._ und F._ kann zwar entnommen
werden, dass sie den Beschwerdeführer für 100 % arbeitsunfähig
erachten, doch können den Berichten keine Begründung für diese
Einschätzungen, keine genaueren Diagnosen und keine nachvollzieh-
baren Erläuterungen entnommen werden. Die genannten ärztlichen
Beurteilungen sind wenig aussagekräftig und nehmen keinen Bezug auf
das Gutachten des ABI vom 8. März 2012 beziehungsweise wird die Kritik
daran wenig bis kaum deutlich gemacht. Damit hat die IV-Stelle zu Recht
auf das Gutachten des ABI abgestellt und ist davon ausgegangen, dass
der Beschwerdeführer somit seit November 2011 in einer körperlich
leichten bis mittelschweren wechselbelastenden, relativ autonom zu
gestaltenden Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig ist.
5. a) Schliesslich ist die Frage nach der wirtschaftlichen Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit von 80 % auf dem Arbeitsmarkt zu beurteilen.
Gemäss dem ABI-Gutachter Dr. med. G._, FMH Psychiatrie und
Psychotherapie, ist der Beschwerdeführer von seiner speziellen
Persönlichkeitsstruktur dermassen auffällig und eigen, dass er sich
- 28 -
keinem üblichen Angestelltenverhältnis anzupassen vermöge (vgl. IV-act.
Nr. 92 S. 11, 20). Der Beschwerdeführer sei nicht in der Lage, sich in ein
Team oder einen hierarchisch strukturierten Berufsrahmen einzufügen. In
einer selbständigen oder doch weitgehend autonomen Tätigkeit mit
Zielvorgaben, die dem Beschwerdeführer eine relativ freie Einteilung
erlauben würden, bestehe hingegen eine 80%ige Arbeitsfähigkeit.
Denkbar sei z.B. die Vorgabe durch ein Wochenpensum, wo der
Beschwerdeführer dann die Möglichkeit habe, die einzelnen Tage oder
Stunden selbst einzuteilen. Das ABI macht den Vorschlag einer Tätigkeit
als Abwart.
b) Für die Invaliditätsbemessung ist nicht massgeblich, ob die invalide
Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden
kann, sondern einzig darauf, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch
wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem
Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (AHI 1998 S. 287 E.3b).
Das invalidenversicherungsrechtlich festgelegte Invalideneinkommen wird
auf der Grundlage eines ausgeglichenen Arbeitsmarktes (Art. 16 ATSG)
ermittelt. Der ausgeglichene Arbeitsmarkt ist ein theoretischer und
abstrakter Begriff. Er berücksichtigt die konkrete Arbeitsmarktlage nicht,
umfasst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auch tatsächlich nicht
vorhandene Stellenangebote und sieht von den fehlenden oder
verringerten Chancen Teilinvalider, eine zumutbare und geeignete
Arbeitsstelle zu finden, ab. Der ausgeglichene Arbeitsmarkt ist
gekennzeichnet durch ein gewisses Gleichgewicht zwischen Angebot und
Nachfrage nach Arbeitskräften und weist einen Fächer von verschiedenen
Tätigkeiten auf (vgl. BGE 110 V 273 E.4b sowie 134 V 64 E.4.2.1). Dies
gilt sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen
Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Der
ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte Nischenarbeits-
- 29 -
plätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit
einem sozialen Entgegenkommen vonseiten des Arbeitgebers rechnen
können (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 9C_95/2007 vom 29. August
2007 E.4.3 mit weiteren Hinweisen). Es darf nicht von realitätsfremden
Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden. Insbesondere können nur
Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten
objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalls zumutbar sind.
An Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten
sind jedoch gemäss Rechtsprechung keine übermässigen Anforderungen
zu stellen (vgl. SVR 2008 IV Nr. 62 S. 203 sowie das Urteil des
Bundesgerichts 9C_830/2007 vom 29. Juli 2008 E.5.1 mit weiteren
Hinweisen). Von einer Arbeitsgelegenheit kann dann nicht mehr
gesprochen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nurmehr in so
eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene
Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem
Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre
und das Finden einer Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen
erscheint (vgl. u.a. die Urteile des Bundesgerichts 8C_1050/2009 vom
28. April 2010 E.3.3 mit weiteren Hinweisen, 9C_82/2009 vom 9. Oktober
2009 E.5.5 sowie I 45/06 vom 5. März 2007 E.4.2.3).
c) Im konkreten Fall schlägt die IV-Stelle folgende Einsatzmöglichkeiten für
den Beschwerdeführer vor: leichte Maschinenbedienung, Kontroll-
funktionen, leichte Sortier-, Prüf- und Verpackungsarbeiten sowie
leichtere Arbeiten im Bereich der (zum Teil maschinell, mit Hubstapler
usw. unterstützten) Lager- oder Ersatzteilbewirtschaftung (vgl. die
Ausführungen der IV-Stelle in der Verfügung vom 7. Februar 2013 S. 7
und der Vernehmlassung vom 21. März 2013 S. 4). Fraglich ist, ob es
dem Beschwerdeführer tatsächlich möglich ist, die von der IV-Stelle
vorgeschlagenen Arbeiten auszuführen, zumal selbst der ABI-Gutachter
- 30 -
Dr. med. G._ in seinem Gutachten vom 8. März 2012 (IV-act. Nr. 92
S. 11, 20, vgl. vorstehend E.5a) ausführt, dass der Beschwerdeführer aus
psychiatrischer Sicht von seiner speziellen Persönlichkeitsstruktur
dermassen auffällig und eigen sei, dass er sich keinem üblichen
Angestelltenverhältnis anzupassen vermöge und nicht in der Lage sei,
sich in ein Team oder einen hierarchisch strukturierten Berufsrahmen
einzufügen. Gemäss dem ABI-Gutachter könnte der Beschwerdeführer
mit Impulshandlungen autoaggressiver oder fremdaggressiver Art
reagieren. Voraussetzung dafür, dass der Beschwerdeführer die
gutachterlich attestierte 80%ige Restarbeitsfähigkeit ausnutzen könnte,
wäre somit – wie auch im ABI-Gutachten ausgeführt – eine selbständige
oder doch weitgehend autonome Tätigkeit mit Zielvorgaben, die dem
Beschwerdeführer eine relativ freie Einteilung der Arbeit erlauben würde.
Die von der IV-Stelle vorgeschlagenen Einsatzmöglichkeiten sind nun
allerdings alles subalterne Arbeiten beziehungsweise einfache
Hilfsarbeiten, die nur in einem hierarchisch strukturierten Arbeitsverhältnis
ausgeführt werden können und keinen Spielraum für eine autonome
Gestaltung beziehungsweise keine freie Einteilung der Arbeitszeit
erlauben. Der Beschwerdeführer würde sich – wie er selbst ausführt – in
einem Anstellungsverhältnis im engen Rahmen wiederfinden, was seiner
speziellen Persönlichkeitsstruktur widerspricht. Wenn, wie der ABI-
Gutachter ausführt, der Beschwerdeführer in einem üblichen
Anstellungsverhältnis mit Impulshandlungen autoaggressiver oder
fremdaggressiver Art reagieren könnte, ist es nicht vorstellbar, wie sich
der Beschwerdeführer in ein hierarchisch strukturiertes Arbeitsverhältnis
einfinden sollte. Schliesslich zweifelt das Gericht auch daran, dass der
unter Neuroleptika und Antidepressiva stehende Beschwerdeführer
tatsächlich in der Lage sein sollte, leichte Maschinen zu bedienen oder
bestimmte Kontrollfunktionen wahrzunehmen. Es ist somit für das Gericht
nicht erkennbar, wo der Beschwerdeführer realistischerweise einsetzbar
- 31 -
sein und in welchem Bereich er eine Arbeit finden sollte. Auch ist es für
das Gericht nicht ersichtlich, dass sich – selbst auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt – ein in höchsten Massen kulanter Arbeitgeber finden liesse,
der dem Beschwerdeführer unter den gegebenen Bedingungen
entgegenkommen und ihn einstellen würde. Schliesslich bleibt
festzuhalten, dass der Beschwerdeführer vorliegend zwar zugibt,
monatlich ca. Fr. 500.-- zu verdienen (IV-act. Nr. 79 S. 3 Frage 10), es ist
allerdings nicht erwiesen und wird vom Beschwerdeführer gar bestritten,
dass er durch seine Tätigkeit als Antiquitätenhändler ein regelmässiges
und vor allem substantielles Nebenerwerbseinkommen hat (vgl. die
Beschwerde S. 5). Aus den soeben dargelegten Gründen verneint das
Gericht im hier konkreten Fall die wirtschaftliche Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers – selbst auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Somit hat der Beschwerdeführer weiterhin,
das heisst auch nach dem 29. Februar 2012, Anspruch auf eine ganze IV-
Rente und die angefochtene Verfügung vom 7. Februar 2013 ist
aufzuheben. Die vorliegende Beschwerde ist folglich gutzuheissen. Damit
erübrigt sich die Beantwortung der Fragen nach dem Invalideneinkommen
beziehungsweise des Invaliditätsgrades wie auch nach der zeitlichen
Wirkung der Revision beziehungsweise der Verletzung der Meldepflicht.
6. Zusammenfassend bleibt somit festzuhalten, dass die Verfügung der IV-
Stelle vom 7. Februar 2013 aufgehoben wird und der Beschwerdeführer
auch nach dem 29. Februar 2012 Anspruch auf eine ganze IV-Rente hat.
Die Beschwerde ist folglich gutzuheissen.
7. Laut Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in Abweichung
von Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder
Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Diese Kosten werden je nach
- 32 -
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Umfang von Fr.
200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Angesichts des Ausgangs dieses
Verfahrens sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 700.-- der IV-
Stelle zu überbinden (Art. 73 Abs. 1 VRG). Gemäss Art. 61 lit. g ATSG
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz
der Parteikosten. Da der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers trotz
Aufforderung keine Honorarnote einreichte, wird sein Honorar
ermessensweise festgelegt (Art. 2 Abs. 1 der Honorarverordnung [HV;
BR 310.250]). Gemäss Art. 61 lit. g ATSG werden die Parteikosten ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und
nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In Anbetracht des
Aufwandes erscheint dem Gericht eine Entschädigung in der Höhe von
Fr. 2‘000.-- inkl. MWST angemessen. Folglich hat die IV-Stelle den
Beschwerdeführer mit Fr. 2‘000.-- ausseramtlich zu entschädigen. Somit
erübrigt es sich, das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege des
Beschwerdeführers zu behandeln.