Decision ID: 472283e7-341b-5a27-82cc-f032cd2cb4e2
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Fäh, Oberer Graben 26, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a Am 2. Dezember 2009 meldete sich A._ erneut zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (berufliche Massnahmen und Rente [act. G 6.1/25]). Am
9. Januar 2010 reichte sein Hausarzt, Dr. med. B._, Allgemeine Medizin FMH, diverse
Berichte des Kantonsspitals St. Gallen ein. Daraus geht im Wesentlichen hervor, dass
sich der Versicherte vom 24. - 28. September 2009 einer erneuten Leistenoperation
unterziehen musste (Revision rechte Leiste, Netzexplantation, Nervenresektion) und
auch nach der Operation chronische rechtsseitige Leistenschmerzen bestanden.
Ausserdem bestanden Schultergürtelschmerzen rechts (act. G 6.1/28 und 30). Bei
weiterhin instabilem Gesundheitszustand und weiteren geplanten Operationen ergab
das Ergebnisprotokoll nach dem Assessmentgespräch vom 2. Juni 2010, dass
Eingliederungsmassnahmen zur Zeit nicht möglich seien (act. G 6.1/43 und 45.3). Dies
wurde dem Versicherten am 7. Juni 2010 mitgeteilt. Gleichzeitig wurden weitere
medizinische Abklärungen angekündigt (act. G 6.1/47).
A.b Auf Grund des weiterhin persistierenden inguinalen Schmerzsyndroms bei Status
nach Leistenhernienoperation und mehrfachen inguinalen Revisionseingriffen wurde im
Januar 2010 der Versuch einer Nervenstimulation (SCS-System) unternommen, der
allerdings keine Besserung der Schmerzproblematik brachte (act. G 6.1/48.10). Am
7. Juni 2010 erfolgte eine laparoskopische Neurektomie des Nervus ilioinguinalis und
des Nervus genitofemoralis auf Psoasebene rechts (act. G 6.1/48.3, 52.5 - 9). Die Klinik
für Chirurgie am Kantonsspital St. Gallen führte in ihrem Verlaufsbericht vom 5. August
2010 aus, der Versicherte sei in seinem angestammten Beruf als Maurer bis auf
Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig (act. G 6.1/50.3). In ihrem Bericht vom 25. August
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2010 an den Hausarzt diagnostizierte die Klinik für Orthopädische Chirurgie am
Kantonsspital St. Gallen zudem eine SLAP-Läsion sowie ein moderates subacromiales
Impingement jeweils an der rechten Schulter (act. G 6.1/65.4). Auf Grund der nach wie
vor persistierenden starken rechtsseitigen Inguinal- und Hodenschmerzen erfolgte am
7. Oktober 2010 eine weitere Leistenrevision rechts mit Explantation der
Restnetzanteile und Neurektomie des Nervus cutaneus femoris lateralis rechts sowie
eine Orchiektomie rechts (act. G 6.1/67). Der behandelnde Psychiater, Dr. med. C._,
diagnostizierte in seinem Bericht vom 4. Januar 2011 eine depressive Reaktion auf die
missglückten chirurgischen Eingriffe und die anhaltenden starken Schmerzen (act.
G 6.1/59.1).
A.c Auf Veranlassung des RAD Ostschweiz erfolgte im April und Mai 2011 bei der
MEDAS Ostschweiz eine polydisziplinäre (internistisch/neurologisch/orthopädisch/
psychiatrisch) Abklärung. Im entsprechenden Gutachten vom 21. Juli 2011
diagnostizierten die Experten (mit Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit)
chronische Leistenschmerzen neuropathischen Charakters rechts nach mehreren
inguinalen Operationen bei zweimaliger Leistenhernien-Repair 1991 und 2007 und
anschliessend multiplen Revisionsoperationen, Neurektomie des Nervus ilioinguinalis,
des Nervus genito-femoralis und des Nervus cutaneus femoris lateralis rechts,
Orchiektomie rechts, Hypästhesie im Bereich des medialen und ventralen
Oberschenkels rechts mit Allodynie, Läsion der Rotatorenmanschette und Labrum
Schulter rechts, chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Faktoren sowie eine undifferenzierte Somatisierungsstörung. Als Nebendiagnosen ohne
wesentlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hielten die Gutachter ein leichtes
sensomotorisches Carpaltunnel-Syndrom rechts sowie einen Status nach
Radikulopathie C6 rechts fest. In der angestammten Tätigkeit im Tiefbau bestehe seit
September 2008 keine Arbeitsfähigkeit mehr. In einer adaptierten Tätigkeit bestehe
eine Leistungseinschränkung von 30 %. Dabei seien auf Grund der Schulter
beschwerden keine Überkopfarbeiten möglich. Aus neurologisch-orthopädischer Sicht
seien Tätigkeiten im Tiefbau sowie Verharren in gebückter Haltung und Lastenheben
über 5 kg nicht zumutbar. Die somatoforme Schmerzstörung stelle jedoch ohne
zusätzlich vorliegende psychische Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung
und Dauer keine (zusätzliche) Einschränkung der Arbeitsfähigkeit dar (act.
G 6.1/74.14 ff.). Der RAD empfahl in der Folge eine leichte Wechselbelastung bis 5 kg.
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Zu vermeiden seien Zwangspositionen mit gebeugter Hüfte, Überkopfarbeiten sowie
Kälte- und Nässeexpositionen. Die attestierte Arbeitsfähigkeit könne ganztags mit
reduzierter Leistung erbracht werden (act. G 6.1/77.2). Mit Feststellung vom 23. August
2011 errechnete die IV-Stelle St. Gallen einen Invaliditätsgrad von 26,5 %, wobei sie
von einem Valideneinkommen von Fr. 46'643.-- im Jahr 2009 und einem
Invalideneinkommen für das gleiche Jahr von Fr. 34'282.-- ausging (act. G 6.1/78). Mit
Verfügung vom 9. November 2011 wies sie das Rentengesuch ab (act. G 6.1/90).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 12.
Dezember 2011 mit dem Antrag auf Aufhebung der Verfügung. Dem Beschwerdeführer
sei eine halbe Invalidenrente zuzusprechen. Der Beschwerdeführer habe während
Jahren im Tiefbau im Akkord gearbeitet und ein entsprechend gutes Einkommen
erzielt. Gemäss MEDAS-Gutachten sei eine Arbeitsunfähigkeit von 30 % ausgewiesen,
woraus von vornherein kein Invaliditätsgrad von 27 % resultieren könne, sei doch der
Verdienst in einer adaptierten Tätigkeit, bezogen auf ein 100 %-Pensum, tiefer als beim
Valideneinkommen. Berücksichtige man noch einen Teilzeit- und Leidensabzug,
resultiere ein Invaliditätsgrad von mindestens 40 %, wenn nicht sogar 50 % (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 15. Mai 2012 beantragt die Verwaltung Abweisung
der Beschwerde. Ein Teilzeitabzug sei gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung nicht vorzunehmen, könne doch der Beschwerdeführer seine
Restarbeitsfähigkeit in einem Vollzeitpensum mit vermindertem Rendement verwerten
(act. G 6).
B.c Mit Replik vom 22. Oktober 2012 macht der Rechtsvertreter geltend, der
Beschwerdeführer könne nur noch 70 % arbeiten. Entsprechend könne er keine
Vollzeitstelle antreten, womit ein Teilzeitabzug von 10 % vorzunehmen sei. Die
diesbezüglichen Ausführungen der Beschwerdegegnerin seien falsch. Sie äussere sich
auch nicht dazu, dass das Invalideneinkommen, jeweils bezogen auf eine 100 %-
Anstellung, tiefer sei als das Valideneinkommen. Bei einem Invaliditätsgrad von 27 %
und einer Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit von 30 % müsste der
Beschwerdeführer heute bei einer Vollzeitbeschäftigung mehr verdienen als in seinen
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gesunden Tagen. Dies sei wenig realistisch (act. G 14). Die Beschwerdegegnerin
verzichtet auf eine Duplik (act. G 16).

Erwägungen:
1.
1.1 Versicherte haben einen Rentenanspruch, falls sie ihre Erwerbsfähigkeit oder die
Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können,
während mindestens eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig im Sinn von Art. 6 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) gewesen sind und
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid im Sinn von Art. 8 ATSG sind
(Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]).
1.2 Ob ein Anspruch besteht und - bejahendenfalls - in welcher Höhe eine Invaliden
rente ausgerichtet wird, bestimmt sich nach dem Invaliditätsgrad (Art. 28 Abs. 2 IVG).
Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 40% vor, besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente. Aus einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% resultiert ein Anspruch
auf eine halbe Rente. Eine Dreiviertelsrente steht denjenigen Versicherten zu, die einen
Invaliditätsgrad von mindestens 60% aufweisen und eine ganze Rente denjenigen,
deren Invaliditätsgrad mindestens 70% beträgt (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls
auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der
Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in
welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine
wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der
versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit
Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
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Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen).
2.
Obwohl nicht bestritten, ist zunächst von Amtes wegen kurz auf die medizinischen
Grundlagen einzugehen. Die Verwaltung stützt ihren ablehnenden Rentenentscheid auf
das Gutachten der MEDAS Ostschweiz vom 21. Juli 2011. Darin gelangen die Experten
zum Schluss, der Beschwerdeführer leide im Wesentlichen an chronischen
Leistenschmerzen neuropathischen Charakters sowie an einer Läsion von
Rotatorenmanschette und Labrum an der rechten Schulter. Ausserdem liege eine
chronische Schmerzstörung sowie eine undifferenzierte Somatisierungsstörung vor. In
der angestammten Tätigkeit im Tiefbau sei der Beschwerdeführer nicht mehr
arbeitsfähig, in einer adaptierten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 70 % (vgl.
zum genauen Sachverhalt vorstehende Erw. A.c). Die von den Gutachtern genannten
Einschränkungen in körperlicher Hinsicht (keine Überkopfarbeiten, keine Gewichte über
5 kg, kein Verharren in gebückter Haltung) sowie die vom RAD ergänzten
Anforderungen (keine Kälte- und Nässeexposition) leuchten ohne Weiteres ein. Darauf
ist abzustellen. In psychiatrischer Hinsicht ist festzustellen, dass der Gutachter
entgegen der Ansicht des behandelnden Arztes nicht von einem (schwer) depressiven
Geschehen und damit nicht von einer schweren psychischen Komorbidität ausgeht.
Während Dr. C._ von einer "depressiven Reaktion auf missglückte chirurgische
Eingriffe" bzw. von einer "schweren depressiv-aggressiven Stimmungslage" ausgeht
(act. G 6.1/59.1 f.), geht der psychiatrische Gutachter davon aus, dass nebst
aggressiver Stimmungslage, Verbitterung und Groll die weiteren Kriterien zur
Diagnosestellung einer depressiven Störung bei dem vital wirkenden Beschwerdeführer
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nicht erfüllt seien (act. G 6.1/74.29). Der Gutachter setzt sich damit - wenn auch relativ
kurz - mit der Ansicht des behandelnden Psychiaters auseinander. Letztlich liegen die
Umschreibungen des psychischen Beschwerdebildes ohnehin nicht sehr weit
auseinander, wenn sie auch der Behandler eher in einen depressiven, damit
krankheitsbedingten Kontext rückt (ohne allerdings die gängige ICD-Kodifikation zu
verwenden), während der Gutachter eher von einem emotionalen Geschehen (Wut,
Verbitterung, Groll) ausgeht. Bei dieser Sachlage drängt es sich jedenfalls nicht auf,
weitere Abklärungen über den psychischen Zustand des Beschwerdeführers zu
veranlassen, zumal auch das psychiatrische Konsilium vom Rechtsvertreter nicht
beanstandet wird. Vielmehr ist darauf abzustellen, so dass die diagnostizierte
Schmerzstörung und die Somatisierungsstörung rechtsprechungsgemäss nicht
geeignet sind, eine über das somatisch begründete Ausmass hinausgehende
Arbeitsunfähigkeit zu rechtfertigen. Der psychiatrische Gutachter geht denn auch
explizit davon aus, dass in einer adaptierten Tätigkeit aus psychiatrischer Sicht keine
Einschränkungen bestehen (act. G 6.1/74.30). Zusammenfassend ist somit - wie auch
unter den Parteien nicht umstritten ist - von einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 70 % in
einer adaptierten Tätigkeit auszugehen (Umschreibung vgl. E. A.c.).
3.
3.1 Umstritten ist der Einkommensvergleich. Die Beschwerdegegnerin geht dabei von
einem Valideneinkommen im Jahr 2009 von Fr. 46'643.-- (Fr. 46'480.-- im Jahr 2007,
zuzüglich Teuerung) und einem Invalideneinkommen von Fr. 34'282.-- aus (act.
G 6.1/80). Demgegenüber macht der Beschwerdeführer geltend, er habe als Akkord
arbeiter gut verdient. Bei einer Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit könne
damit von vornherein kein Invaliditätsgrad von 27 % entstehen. Zudem sei ein
Leidensabzug von mindestens 10 % zu berücksichtigen.
3.2 Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin ist damit nicht nur das
Invalideneinkommen (Leidensabzug) umstritten, sondern auch das Valideneinkommen.
Die Beschwerdegegnerin stellte beim Valideneinkommen (teilweise) auf die Angaben
der Arbeitgeberin ab. Diese gab im Fragebogen für Arbeitgebende vom 3. März 2010
an, der Beschwerdeführer habe im Jahr 2006 Fr. 56'517.95, im Jahr 2007 Fr. 46'480.--
und im Jahr 2008 Fr. 44'033.40 verdient. Heute würde er ohne Gesundheitsschaden
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Fr. 72'000.-- verdienen (act. G 6.1/35.3). Daraus erhellt, dass nicht ohne Weiteres auf
das Einkommen im Jahr 2007 abgestellt werden kann. Vielmehr ist dieses Einkommen
bereits durch die in diesem Jahr erneut aufgeflammten Leistenbeschwerden (sowie
einen Unfall im Frühjahr 2007) reduziert (Spalte AHV-Lohn in act. G 6.1/35.3 und 35.9).
Die Beschwerdegegnerin geht denn etwa im Triage-Protokoll vom 29. März 2010
selber von einem wesentlich höheren letztmals erzielten Bruttoverdienst von
Fr. 62'287.-- (gemäss IK 2005) aus (act. G 6.1/38.2). Ein ähnliches Einkommen ergibt
sich gemäss "Lohnstatistik" der Arbeitgeberin für die Jahre 2006 bis August 2008
(Eintritt Arbeitsunfähigkeit angestammt gemäss Gutachten im September 2008).
Demgemäss erzielte der Beschwerdeführer im Jahr 2006 einen Bruttolohn von
Fr. 62'183.75, wobei zu berücksichtigen ist, dass er gemäss Angaben der
Arbeitgeberin vom 7. März 2006 bis zum 23. April 2006 wegen Unfalls zu 100 %
arbeitsunfähig war. Es ist deshalb auf die Spalte "Brutto" abzustellen. Im Jahr 2007
erzielte er einen Bruttolohn von Fr. 66'016.25, wobei der Beschwerdeführer hier -
wiederum nach Angaben der Arbeitgeberin im Fragebogen - vom 19. Februar 2007 bis
zum 1. April 2007 wegen Unfalls und vom 25. September 2007 bis 31. Dezember 2007
krankheitsbedingt zu 100 % arbeitsunfähig war. Von Januar bis August 2008 erzielte er
sodann ein Bruttoeinkommen von Fr. 43'706.35, wobei der Beschwerdeführer im
Januar 2008 wegen Krankheit zu 100 % arbeitsunfähig war (act. G 6.1/35.3 und
35.8 ff.). Damit beträgt der Jahresdurchschnitt für die knapp drei Jahre vor Eintritt der
definitiven Arbeitsunfähigkeit (2006 bis August 2008) Fr. 64'465.-- ([Fr. 62'183.75 +
Fr. 66'016.25 + Fr. 43'706.35] : 32 x 12). Gemäss dem allgemeinverbindlich erklärten
Landesmantelvertrag für das Schweizerische Bauhauptgewerbe 2008 - 2010 (LMV
2008) beträgt der Mindestlohn für einen Bau-Facharbeiter - als solcher wurde der
Beschwerdeführer im Bericht der Arbeitgeberin bezeichnet (act. G 1/35.2) - im Jahr
2008 Fr. 66'560.-- (13 x Fr. 5'120.--). Mindestens dieser Lohn, der im Übrigen nahe
beim genannten Durchschnittswert für die Jahre 2006 bis 2008 liegt, ist als
Valideneinkommen einzusetzen. Dieser Wert war nicht unterdurchschnittlich (vgl.
Anhang 2 der IVG-Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV; 2006: Fr. 59'197.--; 2007:
Fr. 60'167.--; 2008: Fr. 59'979.--), weshalb eine Parallelisierung entfällt.
3.3 Für das Invalideneinkommen stellte die Beschwerdegegnerin auf die
Tabellenlöhne des Jahres 2008 ab (LSE, privater Sektor, Niveau 4, Fr. 59'979.--
[irrtümlich als 2009 bezeichnet; vgl. IVG-Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV,
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Anhang 2]). Dies ist grundsätzlich nicht zu beanstanden. Bei einem
Arbeitsfähigkeitsgrad von 70 % ergibt sich ein Einkommen von Fr. 41'985.--. Weiter ist
streitig, ob dem Beschwerdeführer die Anrechnung eines Leidensabzugs zu gewähren
ist. Die Leistungseinschränkung um 30 % ist im entsprechenden Arbeitsfähigkeitsgrad
bereits berücksichtigt, sodass diesbezüglich kein weiterer Abzug gerechtfertigt ist. Auf
Grund der Formulierung im Gutachten ("Leistungseinschränkung" [act. G 6.1/74.17]) ist
sodann davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer seine Resterwerbsfähigkeit in
einem 100 %-Pensum bei besagter Einschränkung verwerten kann.
Rechtsprechungsgemäss kann damit kein Teilzeitabzug gewährt werden (auf die
entsprechenden Ausführungen der Beschwerdegegnerin kann verwiesen werden
[Beschwerdeantwort, Ziff. III.2]). Indessen ist zu berücksichtigen, dass der
Beschwerdeführer nur noch körperlich sehr leichte Tätigkeiten ausüben kann und
weiteren Einschränkungen unterworfen ist (keine Überkopfarbeit, kein Verharren in
gebückter Haltung, keine Kälte- oder Nässeexposition), während die zuvor ausgeübte
schwere Akkordarbeit auf dem Bau (bis 25 kg [vgl. act. G 6.1/35.6 und 43.1]) nicht
mehr möglich ist. Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf
dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich
leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V
75 E. 5a/bb S. 78; Entscheid vom 21. Dezember 2009 [9C_722/2009] E. 3.3). Dies trifft
auf den Beschwerdeführer zu, so dass ein Leidensabzug von 10 % als gerechtfertigt
erscheint. Das Invalideneinkommen beträgt damit Fr. 37'787.-- (90 % von
Fr. 41'985.--). Dementsprechend beträgt der Invaliditätsgrad 43,2 % ([Fr. 66'560.-- -
Fr. 37'787.--] : Fr. 66'560.-- x 100). Der Beschwerdeführer hat damit Anspruch auf eine
Viertelsrente. Würde der Einkommensvergleich auf der Basis eines Valideneinkommens
von Fr. 72'000.--, welches die Arbeitgeberin als aktuellen Jahreslohn im
Gesundheitsfall angibt (Bericht vom 3. März 2010), und eines Invalideneinkommens von
Fr. 38'691.-- (Fr. 61'414.-- [LSE 2010 Hilfsarbeiter], davon 70 %, abzüglich 10%
Leidensabzug) vorgenommen, so würde wiederum ein zu einer Viertelsrente
berechtigender Invaliditätsgrad (46,3 %) resultieren. Der letzte Arbeitstag des
Beschwerdeführers war gemäss Angaben der Arbeitgeberin der 8. Juli 2009. Danach
war er bis auf weiteres zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben. Zuvor war er gemäss
diesen Angaben nie während mindestens 12 Monaten ohne längeren Unterbruch zu
durchschnittlich 40 % arbeitsunfähig (act. G 6.1/35.4, vgl. auch act. G 6.1/28.1 und
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38.2). Das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG war demnach am 8. Juli 2010
beendet, sodass der Rentenanspruch ab 1. Juli 2010 besteht.
4.
4.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung aufzu
heben und dem Beschwerdeführer eine Viertelsrente, beginnend am 1. Juli 2010,
zuzusprechen. Die Beschwerdegegnerin wird die Rentenhöhe noch zu berechnen
haben.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Die Beschwerdegegnerin hat deshalb die
gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Dem Beschwerdeführer ist der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zurückzuerstatten.
4.3 Beim vorliegenden Verfahrensausgang ist eine volle Parteientschädigung
zuzusprechen (keine Reduktion wegen betragsmässigen "Überklagens" [vgl.
8C_568/2010 E. 4.1]). Diese ist vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach
der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu
bemessen (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Angesichts des
deutlich unterdurchschnittlichen Aufwands - indem namentlich keine medizinische
Würdigung des Sachverhalts erfolgen musste und nur knapp begründete
Rechtsschriften eingereicht wurden - erscheint eine Parteientschädigung von
Fr. 2'500.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP