Decision ID: ee65f2f5-470f-51b9-b01c-067553abde42
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Mai 2015 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, sie habe in B._ 5 Jahre die
Grundschule besucht. Eine Berufsausbildung habe sie nicht absolviert. Sie leide an
einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne
psychotische Symptome, und an einem Verdacht auf eine posttraumatische
Belastungsstörung. Sie befinde sich seit dem 30. März 2015 in der psychiatrischen
Klinik in C._. Die Arbeitgeberin gab im Juni 2015 an (IV-act. 8), die Versicherte habe
vom 1. Oktober 2013 bis zum 31. Dezember 2014 als Mitarbeiterin Küche/Service
gearbeitet. Zuletzt sei sie in einem 30%-Pensum (bei 13.5 Stunden pro Woche) tätig
gewesen und habe dabei einen Jahreslohn von Fr. 13'185.60 erzielt.
A.a.
Am 8. Oktober 2015 berichteten die Fachärzte der Psychiatrie Klinik C._
gegenüber der Psychiatrie D._ (IV-act. 18), die Versicherte sei vom 30. März bis zum
5. August 2015 hospitalisiert gewesen. Folgende Diagnosen seien erhoben worden:
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische
Symptome, und abhängige, ängstliche Persönlichkeitsstörung. Bis zum 9. August 2015
bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit. Am 3./19. November 2015 berichteten die
Fachärzte der Psychiatrie D._ gegenüber der IV-Stelle (IV-act. 20), die Versicherte
leide an einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung, an einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung, an einer schweren depressiven Episode und an
dissoziativen Störungen. Diese Diagnosen bestünden bereits seit dem Erstgespräch
vom 12. Mai 2014. Die Versicherte sei in ihrer zuletzt ausgeübten Tätigkeit (Aushilfe in
Restaurants) vom 1. August 2014 bis. zum 15. Januar 2015 zu 70%, vom 16. Januar
bis zum 15. März 2015 zu 50% und ab dem 16. März 2015 bis dato zu 100%
A.b.
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arbeitsunfähig gewesen. Auch in einer behinderungsangepassten Tätigkeit sei die
Versicherte derzeit nicht arbeitsfähig. Am 15. Juni 2016 berichteten die Fachärzte der
Psychiatrie D._ von unveränderten Diagnosen (IV-act. 23). Seit dem stationären
Aufenthalt in der Klinik C._ im Sommer habe sich der psychiatrische Zustand nicht
verbessert, sondern chronifiziert. Die somatoforme Schmerzstörung sei stärker in den
Vordergrund getreten. Auch die schwere depressive Episode sei noch aktuell, teils
bzw. immer wieder mit intermittierenden Suizidgedanken bis hin zu Suizidplänen. Die
Versicherte sei aufgrund der sehr starken Schmerzen an verschiedenen Körperstellen,
die bis zur Unbeweglichkeit führten, der schnellen Ermüdbarkeit und der starken
Erschöpfung sowie der generellen Kraftlosigkeit und der Einschränkung der
Vitalgefühle in der Arbeitsfähigkeit massiv eingeschränkt. Sowohl bei der Präsenz als
auch bei der Leistungsfähigkeit seien schwere Einschränkungen vorhanden. Die
emotionale Labilität, die Überflutungen (Intrusionen) bis hin zu dissoziativen Reaktionen
und die starke Vergesslichkeit verunmöglichten ein zuverlässiges Arbeiten. Die
Versicherte sei sowohl in der angestammten Tätigkeit als auch in adaptierten
Tätigkeiten voll arbeitsunfähig. Eine Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit sei kurz- oder
mittelfristig nicht absehbar. Am 14. März 2017 berichteten die Fachärzte der Klinik
E._ gegenüber dem Psychiatriezentrum F._ (IV-act. 38), die Versicherte sei vom 2.
Januar bis zum 11. Februar 2017 hospitalisiert gewesen. Sie gaben an, folgende
Diagnosen erhoben zu haben: Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode, posttraumatische Belastungsstörung, chronische
Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren, Nikotinabusus,
degenerative Wirbelsäulenerkrankung im Zervikal- und Thorakalbereich, Restless-Legs-
Syndrom, arterielle Hypotonie, Hypothyreose. Vom 2. Januar bis zum 26. Februar 2017
habe eine volle Arbeitsunfähigkeit bestanden.
Am 30. März 2017 berichtete Dr. med. G._ (IV-act. 40), Facharzt für
Neurochirurgie, die Versicherte leide an einem chronifizierten Schmerzsyndrom der
HWS mit Ausstrahlung in die rechte obere Extremität, gemischt nozizeptiv
neuropathisch mit/bei einer Osteochondrose, betont HWK 4-6, und einer aktivierten
Osteochondrose HWK 5/6 und einer knapp hochgradigen osteodiskalen
Spinalkanalstenose HWK 5/6 mit einer bilateralen neuroforaminalen Enge und einer
rechtsführenden Kompression der Spinalnerven C6 beidseits. Aufgrund der
A.c.
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hochgradigen Stenose im Segment C5/C6 sei ein neurochirurgisches Vorgehen zu
diskutieren, was die Versicherte aber aufgrund der aktuell starken psychischen
Belastung nicht wünsche. Paresen oder Myelopathiezeichen lägen nicht vor. Eine
Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit bzw. eine Erhöhung der Einsatzfähigkeit sei
aufgrund der Schmerzen und der starken psychischen Belastung aktuell nicht möglich.
Am 20. August 2017 reichte der Hausarzt Dr. med. H._ (IV-act. 46), Facharzt für
Allgemeinmedizin FMH, unter anderem Berichte des Departements für Innere Medizin
des Kantonsspitals St.Gallen vom 10. September 2014 (IV-act. 46-13 ff.) und vom 11.
November 2016 ein (IV-act. 46-8 ff.) ein. Im Bericht vom 10. September 2014 hatten die
Fachärzte angegeben, die Versicherte leide an unklaren rechtsseitigen
Oberbauchschmerzen (DD: funktional) und einem Status nach near total
Thyreoidektomie 06/2006 bei Morbus Basedow. Die Laborparameter (inkl. Troponin)
seien normal gewesen, einzig im Urin habe sich eine (wahrscheinlich menstruelle)
Mikrohämaturie gezeigt. Nachdem eine sonographische perihepatische Aszites und
eine unklare DHC-Erweiterung auf max. 9mm gefunden worden seien, sei eine
computertomographische Kontrolle erfolgt, in welcher sich (physiologisch) wenig freie
Flüssigkeit im kleinen Becken, wiederum eine unklare Erweiterung der intrahepatischen
Gallenwege und ein erweiterter DHC gezeigt hätten. Hinweise auf Steine seien nicht
vorhanden gewesen. Die endosonographische Kontrolle habe unauffällige lokale
Verhältnisse (insbesondere Pankreaskopf und Papille) gezeigt. Eine vorgängige
Gastroskopie sei unauffällig gewesen. Die DHC-Erweiterung sei bei fehlender anderer
Ursache als opiatbedingt anzunehmen. Bei der Entlassung habe sich klinisch weiterhin
eine leicht regrediente Oberbauchdolenz rechts gezeigt, welche aber am ehesten
funktionell gewesen sei. Im Austrittsbericht vom 11. November 2016 hatten die
Fachärzte folgende Diagnosen erhoben: Chronisches Schmerzsyndrom, depressive
Störung und Status nach near total Thyreoidektomie 06/2006 bei Morbus Basedow.
Sie hatten ausgeführt, die Versicherte sei vom 4. bis zum 7. November 2016 voll
arbeitsunfähig gewesen und habe am 7. November 2016 in einem ordentlichen
Allgemeinzustand wieder entlassen werden können. Am 29. März 2018 berichteten die
Fachärzte der Psychiatrie D._ (IV-act. 62) von grundsätzlich unveränderten
Diagnosen. Sie führten aus, dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten seit
dem letzten Bericht vom 15. Juni 2016 weiter chronifiziert und verschlechtert habe.
Aufgrund des schweren, komplexen, chronifizierten Beschwerdebildes mit
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somatischen und psychischen, sich gegenseitig ungünstig beeinflussenden
Einschränkungen und dem ungünstigen Verlauf mit Beschwerdezunahme bzw.
Chronifizierung/Therapieresistenz sei die Prognose ungünstig. Nach wie vor bestehe
eine volle Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten. Eine Besserung sei nicht
absehbar.
Am 4. Juli 2018 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit (IV-act. 64), dass sie zur
Klärung der Leistungsansprüche eine umfassende medizinische Untersuchung (Allge
meine/Innere Medizin, Neurologie, Orthopädie und Psychiatrie) als notwendig erachte.
Am 28. Dezember 2018 erstattete die SMAB AG St.Gallen (nachfolgend: SMAB) ein
polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 72). Die Sachverständigen führten aus, mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit leide die Versicherte an einer rezidivierenden
depressiven Störung, gegenwärtig leichte Episode. Ohne Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit erhoben sie folgende Diagnosen: Posttraumatische Belastungsstörung,
psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei anderenorts klassifizierten
Krankheiten, chronische rezidivierende Cervikobrachialgie (bds., re > li), MRI-
beschriebene foraminale Stenose C5/6 (MRI der HWS vom 09.06.2016), chronisch
rezidivierende Thorakolumbalgie, Zustand nach Struma-Resektion 2006 bei Morbus
Basedow, Laktoseintoleranz, Zustand nach Helicobacter pylori-positiver Dyspepsie
ohne weiteres organische Korrelat 2013, Restless-Legs-Syndrom und Verdacht auf
beginnendes Karpaltunnelsyndrom beidseits. In der bisherigen wie auch in einer
adaptierten Tätigkeit sei die Versicherte spätestens seit der aktuellen Begutachtung zu
80% arbeitsfähig (8.5 Stunden täglich; Rendement reduziert um 20%). Der
psychiatrische Sachverständige führte aus, im Vordergrund des Beschwerdeerlebens
stünden für die Versicherte die Schmerzen. Diese hätten in ganz erheblichem Ausmass
durchaus einen organmedizinischen Hintergrund. Im aktuellen orthopädischen
Gutachten seien die Diagnosen chronische zervikobrachiale Schmerzen bei
degenerativen Veränderungen, foraminale Stenose C5/6 im MRI der HWS vom
09.06.2016, chronische Thorakolumbalgie bei Wirbelsäulenfehlstatik und muskuläre
Dysbalance angegeben worden. Darüber hinaus liege eine psychogene Überlagerung
vor dem Hintergrund deutlich erkennbarer psychosozialer Belastungsfaktoren vor. Die
Versicherte habe angegeben, dass die Schmerzen zwar bereits seit zehn Jahren
bestünden; zu einer deutlichen Ausweitung sei es aber vor vier Jahren vor dem
A.d.
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Hintergrund einer sehr erheblichen psychosozialen Belastung gekommen. Die
Versicherte sei damals im Zusammenhang mit Problemen der heranwachsenden
Tochter in eine zunehmende Krise geraten. Die Tochter habe Alkohol und Drogen
konsumiert und an ADHS gelitten. Anfang 2015 habe die Versicherte zudem ihre
Arbeitsstelle verloren, was zu finanziellen Sorgen und Belastungen geführt habe. Zu
diskutieren sei, ob gegebenenfalls eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
vorliege. Diese Diagnose setze gemäss ICD-10 unter anderem voraus, dass emotionale
Konflikte und psychosoziale Belastungen die Hauptursache seien sowohl für die
Entstehung als auch für den Verlauf des Schmerzsyndroms. Das sei bei der
Versicherten nicht der Fall. Weiter sei ein andauernder, schwerer und quälender
Schmerz vorausgesetzt. Ein Schmerz mit diesem Ausmass ergebe sich bei der
Versicherten vor dem Hintergrund der Tatsache, dass sie durchaus positiv besetzten
Aktivitäten nachgehe, regelmässig soziale Kontakte wahrnehme und ihren Haushalt
(einschliesslich schwerer Arbeiten) vollständig selbständig verrichte, nicht. Eine
psychogene Schmerzüberlagerung unterhalb des Schweregrades einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung sei in der ICD-10 schwierig abzubilden; am ehesten
ergebe sich hier folgende Diagnose: Psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren
bei andernorts klassifizierten Krankheiten. Weiter bestehe ein depressives
Zustandsbild, das aber von leichter Ausprägung sei. Der Antrieb sei leicht vermindert.
Die Versicherte gehe positiv besetzten Aktivitäten nach; ein Verlust von Interesse und
Freude sei nicht festzustellen. Daher ergebe sich allenfalls die Diagnose einer leichten
Episode bei rezidivierender depressiver Störung. Vor dem Hintergrund einer
dramatischen Flucht aus B._ nach I._ vor etwa 15 Jahren einschliesslich einer
Schiffshavarie sowie einer erlebten gewalttätigen Ehe liege bei der Versicherten eine
posttraumatische Belastungsstörung vor mit einer gering ausgeprägten Symptomatik.
Die Versicherte habe berichtet, dass immer noch Bilder von der Situation, in welcher
das Schiff verunfallt sei und stark geschwankt habe, hochkämen, insbesondere dann,
wenn sie am Meer oder an grossen Gewässern sei; sie würden dann aber nur wenige
Sekunden aufblitzen. Ganz selten kämen solche Bilder ohne den Trigger grosser
Gewässer vor. Auch sich aufdrängende Erinnerungen an die in der Ehe erlebte Gewalt
könne die Versicherte rasch beiseitelegen. Insgesamt seien die Kriterien für eine
posttraumatische Belastungsstörung zwar erfüllt, die Störung sei aber nur mässig
ausgeprägt. Gegen eine stärker ausgeprägte Symptomatik spreche auch, dass die
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Versicherte in der Untersuchungssituation ruhig, sachlich und detailliert über die
genannten traumatischen Ereignisse habe berichten können. Die Versicherte traue sich
eine berufliche Tätigkeit nicht zu, was aber diskrepant zu ihrem Aktivitätenniveau in den
Bereichen Freizeit und Haushalt sei. Die unsichere berufliche Situation bilde eine
Belastung für die Versicherte. Ressourcen bildeten die (neue) Partnerschaft und die
guten sozialen Kontakte innerhalb ihrer Familie (sie telefoniere jeden zweiten Tag mit
der Tochter, habe ferner zu ihren drei Brüdern und sieben Schwestern gute Kontakte,
wenn auch nur telefonisch und per WhatsApp). Fähigkeitsstörungen seien in den
Bereichen Durchhaltefähigkeit, Flexibilität, Umstellungs- und
Selbstbehauptungsfähigkeit vorhanden. Im Rahmen des Belastungsprofils führte der
psychiatrische Sachverständige aus, für die Versicherte seien überwiegend
sachbetonte, gleichmässige, gut strukturierte Tätigkeiten ohne besonderen Zeitdruck
und ohne erhöhte Anforderungen an die emotionale Belastbarkeit geeignet. Aufgrund
der posttraumatischen Symptomatik kämen Tätigkeiten, die einen Bezug zu Gewalt
hätten (z.B. Tätigkeiten in der Security), nicht in Frage. Zusammenfassend sei nur
aufgrund der noch vorliegenden leichten depressiven Episode eine Verminderung der
Arbeitsfähigkeit im Umfang von 20% gegeben. Die posttraumatische
Belastungsstörung sei eher mässig ausgeprägt, die Symptomatik sei geringgradig;
hieraus ergebe sich nur eine qualitative Verminderung der Arbeitsfähigkeit. Aufgrund
der Schmerzsymptomatik sei keine gravierende Beeinträchtigung hinsichtlich der
Alltagsfunktion erkennbar; die Versicherte erledige ihren Haushalt (auch schwere
Hausarbeiten) vollständig selbständig, gehe durchaus positiv besetzten Aktivitäten
nach und nehme soziale Kontakte wahr. Sehr auffällig sei auch der sehr niedrige
Duloxetin-Spiegel; vermutlich nehme die Versicherte dieses Medikament nicht
regelmässig ein, was auf einen eingeschränkten Leidensdruck hinweise. Die
Versicherte könne die zuletzt ausgeübte Tätigkeit während 8.5 Stunden täglich bei
einem um 20% reduzierten Rendement ausüben. Insgesamt belaufe sich die
Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit bezogen auf ein 100%-Pensum auf 80%.
Bezüglich des zeitlichen Verlaufs der Entwicklung der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen
Tätigkeit führte der psychiatrische Sachverständige folgendes aus: "Die Versicherte
begab sich gemäss Unterlagen am 12.05.2014 in ambulante psychiatrische
Behandlung. Spätestens ab diesem Zeitpunkt betrug die Arbeitsfähigkeit in der
bisherigen Tätigkeit bei mittelgradiger depressiver Episode nur noch 50%. Die
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Depression verschlechterte sich im Weiteren, es entwickelte sich eine schwere
depressive Episode. Spätestens ab dem Eintritt in die Klinik C._ am 30.03.2015 war
die Arbeitsfähigkeit aufgehoben, genauer nachvollziehen lässt sich der Verlauf vom
Beginn der ambulanten psychiatrischen Behandlung bis zum Eintritt in die Klinik C._
nicht mehr. Während der stationären psychiatrischen Behandlung in der Klinik C._
(vom 30.03.2015 bis zum 05.08.2015) war die Arbeitsfähigkeit natürlich aufgehoben.
Danach, ab Anfang August 2015, lag mit überwiegender Wahrscheinlichkeit wieder nur
eine mittelgradige (und nicht mehr schwere) depressive Episode vor. Dies ergibt sich
insbesondere auch aus dem Bericht der Klinik E._ vom 14.03.2017 über eine dortige
stationäre Behandlung vom 02.01.2017 bis zum 11.02.2017. Die Angaben in den
Berichten von Dr. J._ vom 03.11.2015 und 15.06.2016 mit Mitteilung einer schweren
depressiven Episode sind nicht plausibel, da dies zum einen nicht zur im Bericht der
Klinik C._ beschriebenen Besserung passt, des Weiteren auch nicht zur
Einschätzung der Psychiatrischen Klinik E._, die bei der Aufnahme Anfang Januar
2017 keine schwere, sondern nur eine mittelgradige depressive Episode sah. Es wird
eingeschätzt, dass nach Austritt aus der Klinik C._ wieder eine Arbeitsfähigkeit von
50% vorlag, bis zum Eintritt in die Klinik E._ vom 02.01.2017. Während der dortigen
stationären Behandlung (vom 02.01.2017 bis zum 11.02.2017) war die Arbeitsfähigkeit
natürlich aufgehoben. Es liegen danach nur sehr spärliche Unterlagen vor. Es ergibt
sich aber aus der Einschätzung der Klinik E._, dass die dortige Behandlung keine
wesentlichen Veränderungen erbracht hat, dass nach dem Austritt aus der Klinik E._
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit weiterhin eine mittelgradige depressive Episode
vorlag, diese Diagnose findet sich auch im Bericht von Dr. J._ vom 29.03.2018.
Aktuell liegt eine leichte depressive Episode vor. Ab wann eine Besserung der
Depression eintrat, lässt sich nicht mit ausreichender Sicherheit feststellen. Spätestens
seit der aktuellen Begutachtung [8. Oktober 2018] liegt in der bisherigen Tätigkeit eine
Arbeitsfähigkeit von 80% vor". Im Weiteren gab er an, für eine angepasste Tätigkeit
würden die gleiche Arbeitsfähigkeitsschätzung und der gleiche zeitliche Verlauf gelten.
Der orthopädische Sachverständige führte aus, bei der klinischen Untersuchung seien
die Wirbelsäulenabschnitte bis auf eine enggradige schmerzbedingte Einschränkung
der Lendenwirbelsäule in Seitenneigung und Rotation nach rechts frei beweglich
gewesen. Muskelatrophien und neurologische Zeichen, die auf eine längerdauernde
Nervenwurzelkompression im zervikalen und lumbalen Abschnitt der Wirbelsäule
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hingewiesen hätten, seien nicht vorhanden gewesen. Im Abschnitt C5/C6 seien
radiologische Zeichen einer Bandscheibendegeneration vorhanden. Die lumbale
Rotationsskoliose sei leichtgradig und vermutlich schmerzbedingt durch die
Fehlhaltung ausgelöst worden. Die leichtgradig degenerativen Veränderungen der
Facettengelenke in den Abschnitten LWK3-LWK5 könnten im aktivierten Zustand
Schmerzen verursachen. Die Beschwerdesymptomatik der Versicherten
muskuloskelettal seien teilweise nachvollziehbar. Folglich seien der Versicherten aus
orthopädischer Sicht schwere und mittelschwere Tätigkeiten nicht zumutbar. Leichte
wechselbelastende Tätigkeiten, ohne schweres Heben und Tragen bis maximal 10kg,
ohne einseitige Zwangshaltung der Wirbelsäule, ohne regelhafte Reklination und
Rotation der HWS bei gehäuften Tätigkeiten über Kopf- und Schulterhöhe seien
während 8.5 Stunden pro Tag bezogen auf ein 100%-Pensum möglich. Der
neurologische Sachverständige gab an, auf neurologischem Gebiet liege kein
Gesundheitsschaden vor, womit auch die Arbeitsfähigkeit aus neurologischer Sicht
nicht eingeschränkt sei. Der RAD-Arzt Dr. med. K._ notierte am 21. Januar 2019 (IV-
act. 73), das SMAB-Gutachten entspreche im Wesentlichen den geltenden
versicherungsmedizinischen Kriterien.
Mit einem Vorbescheid vom 2. Februar 2019 kündigte die IV-Stelle der
Versicherten aufgrund eines Invaliditätsgrades von 20% die Abweisung des
Leistungsbegehrens an (IV-act. 78). Am 8. Februar 2019/12. April 2019 liess die
Versicherte (IV-act. 79 und 83) die Aufhebung des Vorbescheids, die Zusprache der
gesetzlichen Leistungen und die Gewährung von Eingliederungsmassnahmen vor dem
Entscheid über einen Rentenanspruch beantragen. Der Begründung ist im
Wesentlichen zu entnehmen, dass aus dem Gutachten vom 12. Mai 2014 bis 29. März
2015 eine 50%ige, vom 30. März 2015 bis 5. August 2015 eine 100%ige, vom 6.
August 2015 bis 1. Januar 2017 eine 50%ige, vom 2. Januar bis 11. Februar 2017 eine
100%ige und vom 12. Februar 2017 bis 8. November 2018 eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit hervorgehe. Unter Berücksichtigung der 6-monatigen Frist nach der
Anmeldung und des Wartejahres entstehe per 1. November 2015 ein Rentenanspruch;
sie habe unter Berücksichtigung der mindestens 50% Arbeitsunfähigkeit bis
mindestens November 2018 einen befristeten Rentenanspruch. Unter Berücksichtigung
von Art. 88a Abs. 2 IVV habe sie während dreier Jahre Anspruch auf mindestens eine
A.e.
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B.
halbe Rente. Die gutachterlich abgegebene Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von 80%
ab dem November 2018 sei widersprüchlich. Die Gutachter hätten festgestellt, dass
schwere und mittelschwere Tätigkeiten nicht mehr zumutbar seien. Daher sei nicht
nachvollziehbar, wieso sowohl in der angestammten als auch in einer adaptierten
Tätigkeit von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werde. Korrekt sei eine volle
Arbeitsunfähigkeit für die angestammte Tätigkeit als Küchenhelferin, da es sich dabei
um eine mindestens mittelschwere Arbeit handle. Die depressive Störung könne sehr
schwankend sei, wie dies auch die Fachärzte der Psychiatrie D._ bestätigten. Die
Gutachter hätten sich in ihrer Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht zu möglichen
Schwankungen geäussert. Ebenfalls fehle eine Auseinandersetzung mit den
Wechselwirkungen zwischen den diagnostizierten Krankheitsbildern. Auch
rechtfertigten die Umstände einen Tabellenlohnabzug von 10%. Am 26. Juli 2019
verfügte die IV-Stelle wie angekündigt die Ablehnung des Leistungsbegehrens (IV-act.
88). Sie führte aus, ein Anspruch auf eine rückwirkende befristete Rente sei nicht
ausgewiesen, da die Therapieoptionen noch nicht ausgeschöpft gewesen seien. Auch
wenn es sich bei der Tätigkeit als Küchenhelferin um eine mittelschwere Arbeit handeln
sollte, habe dies keinen Einfluss auf den Einkommensvergleich.
Am 13. September 2019 liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
Beschwerde gegen die Verfügung der IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
vom 26. Juli 2019 erheben (act. G 1). Sie beantragte die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung, die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen und eventualiter die
Durchführung weiterer Abklärungen. In der Begründung führte sie ergänzend zu den
bisher gemachten Einwänden aus, dass ihr berufliche Massnahmen zu gewähren seien
bzw. dass weitere Abklärungen durchzuführen seien, um die Notwendigkeit von
Integrationsmassnahmen und Massnahmen beruflicher Art für den Wiedereinstig ins
Berufsleben prüfen zu können.
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte in ihrer Beschwerdeantwort vom 26.
November 2019, die Beschwerde sei dahingehend teilweise gutzuheissen, dass
festzustellen sei, dass vom 1. November 2015 bis 8. November 2018 ein Anspruch auf
eine Viertelsrente bestehe (befristete Rente). Im Übrigen sei die Beschwerde
B.b.
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abzuweisen. In der Begründung gab sie an, aus dem Gutachten gehe sowohl für die
angestammte als auch für eine adaptierte Tätigkeit eine 80% Arbeitsfähigkeit hervor.
Weiter sehe die Beschwerdeführerin sich als nicht arbeitsfähig. Daher könnten
Eingliederungsmassnahmen die Erwerbsfähigkeit nicht verbessern. Bezüglich der
befristeten Rente führte die Beschwerdegegnerin aus, dass der potentielle
Rentenbeginn der 1. November 2015 sei. Ab dem potentiellen Rentenbeginn bis 2.
Januar 2017 habe gemäss dem Gutachten eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden.
Diese 50%ige Arbeitsunfähigkeit ergebe bei einem Valideneinkommen von Fr.
53'793.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 26'896.50 eine Erwerbseinbusse von
Fr. 25'896.50 und somit einen IV-Grad von 48%. Vom 2. Januar bis 11. Februar 2017
sei es zu einer Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit gekommen. Gemäss Art. 88a IVV
werde eine solche Verschlechterung nur berücksichtigt, wenn sie drei Monate
angedauert habe (mit Verweis auf das Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit
in der Invalidenversicherung [KSHI], Rz. 4015 ff.). Dies sei vorliegend nicht der Fall; da
die Verschlechterung nur einen Monat gedauert habe, sei sie nicht zu berücksichtigen.
Anschliessend sei es zu einer Verbesserung des Gesundheitszustandes gekommen,
womit bis zum Begutachtungszeitpunkt nur noch eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit
bestanden habe. Aus dem Gutachten werde nicht ersichtlich, wann diese
Verbesserung genau eingetreten sei. Daher werde die Rente gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung auf den Zeitpunkt der Begutachtung
herabgesetzt bzw. aufgehoben. Demnach bestehe ab November 2015 bis November
2018 (Begutachtungszeitpunkt) ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
In der Replik vom 28. April 2020 liess die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
festhalten (act. G 12). Zur Begründung führte sie ergänzend aus, der
Beschwerdegegnerin sei ein Rechenfehler unterlaufen. Die Einkommenseinbusse
belaufe sich auf Fr. 26'896.50, womit sich ein IV-Grad von 50% ergebe. Daher habe die
Beschwerdeführerin vom 1. November 2015 bis 8. November 2018 Anspruch auf
mindestens eine halbe Rente. Im Gutachten fehlten Ausführungen über die
Wechselwirkungen der verschiedenen Krankheitsbilder. Entsprechend sei die 80%ige
adaptierte Arbeitsfähigkeit nicht abschliessend nachvollziehbar. Ebenfalls seien
mögliche Schwankungen im Rahmen der im Gutachten erwähnten Krankheitsbilder zu
berücksichtigen. Im Sommer und Herbst 2019 sei es zu erheblichen
B.c.
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Schmerzexazerbationen und zu einer Verschlimmerung der depressiven Störung
gekommen. Die Beschwerdeführerin sei mehrmals notfallmässig im Spital und vom 7.
bis 21. Oktober 2019 auch im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie behandelt
worden. Mittels MRI habe sich (zumindest) teilweise eine Ursache finden lassen. Die
Diskushernie in der Halswirbelsäule C5/6 habe sich verschlimmert und im Spinalkanal
sei eine Einengung festgestellt worden. Hierauf sei die Beschwerdeführerin an der
Halswirbelsäule operiert worden. Die Beschwerdeführerin legte der Replik unter
anderem Berichte der Klinik für Rheumatologie des Kantonsspitals St.Gallen vom 23.
Oktober 2019 (act. G 12.1.3), von Dr. med. L._, Facharzt für Radiologie FMH, vom
30. Dezember 2019 (act. G 12.1.4) und von Dr. med. M._, Facharzt für Neurochirurgie
FMH, vom 5. März 2020 bei. Die Fachärzte der Klinik für Rheumatologie hatten in ihrem
Bericht vom 23. Oktober 2019 angegeben, die Versicherte sei vom 7. Oktober bis 21.
Oktober 2019 bei ihnen in einer multimodalen Schmerztherapie gewesen. Sie leide an
einer Schmerzexazerbation bei einem chronischen Schmerzsyndrom mit psychischen
und somatischen Faktoren, einem zervikobrachialen Schmerzsyndrom bei
myofaszialen Befunden in der Schultergürtelmuskulatur nach Typ oberes gekreuztes
Syndrom nach Janda, einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittel-
bis schwergradige Episode, einer generalisierten Angststörung, einem Verdacht auf
eine posttraumatische Belastungsstörung und einer subtotalen Thyreoidektomie 2006
bei Morbus Basedow. Dr. L._ hatte in seinem Bericht vorgeführt, er habe anlässlich
der MRT der HWS eine progrediente Diskushernie auf Höhe C5/6 medio-rechtslateral
bevorzugt und mit Einengung des Spinalkanals auf dieser Höhe mit praktisch
fehlendem Liquorsaum um das Myelon herum auf dieser Höhe und Dorsalverlagerung
des Myelons vor allem auf der rechten Seite festgestellt. Das Myelon zeige ein
normales Signal; eine höhengeminderte Bandscheibe sei auf diesem Niveau
vorhanden. Die übrigen Bewegungssegmente der Halswirbelsäule seien
altersentsprechend normal. Dr. M._ hatte in seinem Bericht notiert, dass bei der
Versicherten am 2. Februar 2020 eine ventrale Diskektomie und Foraminotomie und
Age-Stabilisation C5/C6 durchgeführt worden sei. Beim Röntgen der HWS habe sich
eine gute Stellungskontrolle des Cage-Implantats auf Höhe C5/C6 gezeigt. Bei der
HWS bestehe eine leichte Streckfehlhaltung. Lockerungszeichen des Implantates seien
nicht vorhanden. Aus objektiver Sicht bestehe ein zufriedenstellender Verlauf mit einer
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Erwägungen
1.
Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin nicht nur einen
Anspruch auf eine Invalidenrente verneint. Im letzten Absatz der
Verfügungsbegründung hat sie nämlich ausgeführt, dass aufgrund einer 20%igen
Arbeitsunfähigkeit an sich ein Anspruch auf Arbeitsvermittlung bestehen würde, die
Beschwerdeführerin aber bei der gutachterlichen Befragung angegeben habe, sie traue
sich keine Tätigkeit zu. Somit seien berufliche Massnahmen nicht erfolgversprechend.
Damit hat die Beschwerdegegnerin klar zum Ausdruck gebracht, dass das
Leistungsbegehren, das sie gemäss dem Verfügungsdispositiv abgewiesen hat, nicht
nur eine Invalidenrente, sondern auch eine Arbeitsvermittlung (vgl. die nachfolgenden
Ausführungen in Erw. 2) beinhaltet hat. Bei genauer Betrachtung ficht die
Beschwerdegegnerin auch mit ihrer Beschwerdeschrift in einer Beschwerde zwei
Streitgegenstände (Arbeitsvermittlung und Invalidenrente) an. Die gemeinsame
Erhebung der Beschwerden, die gemeinsame Behandlung im Schriftenwechsel unter
einer Verfahrensnummer und der Umstand, dass die beiden Beschwerden mit einem
Urteil gemeinsam beurteilt werden, ändert nichts an der Unabhängigkeit der beiden
Streitgegenstände. Diese sind durch die gemeinsame Behandlung also nicht zu einem
Streitgegenstand „verschmolzen“. Der Beschwerdeführerin steht es deshalb frei, nur
korrekten Implantatslage. Die Hauptbeschwerden seien momentan mehr muskulärer
Natur. Zudem bestehe ein sensibles Ausfallsyndrom C6 rechts.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 14).B.d.
Am 18. Juni 2020 reichte die Beschwerdegegnerin eine Honorarnote über Fr.
6'222.05 ein (act. G 15).
B.e.
Am 28. Januar 2021 liess die Beschwerdeführerin einen Bericht der Psychiatrie
D._ vom 30. November 2020 einreichen (act. G 17). Darin hatten die Fachärzte
angegeben, die Versicherte sei vom 2. September bis zum 3. November 2020 in
stationärer Behandlung gewesen. Sie hätten dabei folgende Diagnosen erhoben:
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode und chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren. Vom 2. September bis 3.
November und ab dem 4. November 2020 bis auf Weiteres habe eine 100%
Arbeitsunfähigkeit bestanden.
B.f.
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bezüglich eines Streitgegenstandes (Arbeitsvermittlung oder Rente) beim
Bundesgericht eine Beschwerde gegen dieses Urteil zu erheben. Diesem Umstand wird
mit einer entsprechenden Trennung der Erwägungen und des Dispositivs Rechnung
getragen.
2.
Die Beschwerdeführerin hat in ihrer Beschwerde unter anderem die Ausrichtung
der gesetzlichen Leistungen beantragt. In ihrer Replik hat sie diese Leistungen dann
spezifiziert, indem sie die Ausrichtung einer Invalidenrente und die Durchführung
(beruflicher) Eingliederungsmassnahmen beantragt hat. Ihre Ausführungen in der Replik
zeigen, dass die Beschwerdeführerin den Begriff der beruflichen Massnahmen weit
verstanden hat, dass sie also neben der Arbeitsvermittlung auch die Durchführung
anderer beruflicher Eingliederungsmassnahmen verlangt hat. Da die
Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung aber nur über einen Anspruch
auf eine einzige Art von beruflicher Eingliederungsmassnahme, nämlich über die
Arbeitsvermittlung entschieden hat, kann das Gericht auf das Begehren um die
Zusprache anderer beruflicher Eingliederungsmassnahmen mangels einer
angefochtenen Verfügung nicht eintreten. Die Streitgegenstände des
Beschwerdeverfahrens sind also ein allfälliger Anspruch auf eine Invalidenrente und ein
allfälliger Anspruch auf Arbeitsvermittlung.
2.1.
Die Beschwerdeführerin ist in einer behinderungsadaptierten Erwerbstätigkeit nur
zu 80% arbeitsfähig (vgl. nachfolgend Erw. 4.3 mit Gutachtenswürdigung). Damit ist sie
im Sinne des Art. 18 Abs. 1 IVG leistungsspezifisch "invalid" und zudem stellenlos,
erfüllt also die objektiven Voraussetzungen für einen Anspruch auf eine
Arbeitsvermittlung. Die Beschwerdegegnerin hat die Abweisung des
Leistungsbegehrens denn auch nicht mit der fehlenden leistungsspezifischen Invalidität
begründet. Sie ist vielmehr davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin gar
keine Erwerbstätigkeit ausüben wolle, so dass die Arbeitsvermittlung zum Vornherein
zum Scheitern verurteilt wäre. Sie hat dies mit einer entsprechenden Äusserung der
Beschwerdeführerin gegenüber einem Gutachter begründet. Tatsächlich hatte die
Beschwerdeführerin im Rahmen der Begutachtung angegeben, sie würde gerne wieder
arbeiten. Gleichzeitig hatte sie aber auch ausgeführt, sie könne sich nicht vorstellen,
wieder zu arbeiten. Dabei dürfte sich die Beschwerdeführerin aber auf eine – nicht
adaptierte - Erwerbstätigkeit bezogen haben, wie sie sie früher ausgeführt hatte. Hätte
man die Beschwerdeführerin nach ihrer Bereitschaft gefragt, eine in jeder Hinsicht
behinderungsadaptierte Erwerbstätigkeit auszuüben, hätte sie sich wohl vorstellen
können, wieder zu arbeiten. Im Beschwerdeverfahren hat sie nämlich explizit eine
2.2.
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3.
Im Weiteren gilt es den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu prüfen. Einen
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG,
SR 830.1). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich durch
einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
4.
Arbeitsvermittlung beantragt, was sinnlos gewesen wäre, wenn sie nur ihren Anspruch
auf eine Invalidenrente hätte durchsetzen wollen. Unter diesen Umständen muss mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden,
dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung
bereit gewesen ist, eine adaptierte Erwerbstätigkeit auszuüben. Die
Beschwerdegegnerin hat also zu Unrecht einen Anspruch auf Arbeitsvermittlung
verneint. Die Beschwerde betreffend die Arbeitsvermittlung ist demnach gutzuheissen.
Die Beschwerdegegnerin wird eine Arbeitsvermittlung durchführen.
Die Beschwerdeführerin hat sich im Mai 2015 zum Bezug von IV-Leistungen
angemeldet. Sie ist gemäss den Angaben der behandelnden Ärzte ab Mai 2014
durchschnittlich zu mehr als 40% arbeitsunfähig gewesen. Unter der Berücksichtigung
des Wartejahrs nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG und der sechsmonatigen Frist nach Art. 29
4.1.
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Abs. 1 IVG ist der frühestmögliche potentielle Rentenbeginn somit auf den 1.
November 2015 festzusetzen. Basis für den Einkommensvergleich bilden demnach die
Verhältnisse im Jahr 2015.
Die Beschwerdeführerin hat in B._ fünf Jahre die Grundschule besucht und keine
Berufsausbildung absolviert. Zuletzt ist sie in Teilzeit in diversen Restaurants als
Mitarbeiterin Küche/Service und damit als Hilfsarbeiterin tätig gewesen. Bei der
Ausübung dieser Tätigkeiten kann sie keine qualifizierten Berufskenntnisse erworben
haben. Ihre Validenkarriere besteht also in der Verrichtung von Hilfsarbeiten. Die Akten
enthalten keine Hinweise auf eine (erheblich) über- oder unterdurchschnittliche
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung. Damit ist es überwiegend wahrscheinlich, dass die
Beschwerdeführerin ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung weiterhin als Hilfsarbeiterin
erwerbstätig gewesen wäre. Das zuletzt erzielte Einkommen liegt deutlich unter dem
durchschnittlichen Hilfsarbeiterinnenlohn. Wenn sich der Beschwerdeführerin eine
entsprechende Gelegenheit geboten hätte, hätte sie selbstverständlich diese besser
entlöhnte Arbeitsstelle angenommen und einen durchschnittlichen
Hilfsarbeiterinnenlohn erzielt. Die Validenkarriere besteht deshalb in der Ausübung
einer durchschnittlich entlöhnten Hilfsarbeit. Das Valideneinkommen entspricht somit
dem statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne im Jahr 2015, vorliegend Fr.
54'055.-- (vgl. Anhang 2 der IV-Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2019).
4.2.
Für die Ermittlung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens kommt
den Auswirkungen der Gesundheitsbeeinträchtigung auf die Arbeitsfähigkeit in der
Regel eine zentrale Rolle zu. Zur Abklärung des Gesundheitszustandes hat die
Beschwerdegegnerin durch die SMAB AG ein polydisziplinäres Gutachten erstellen
lassen. Es ist zu prüfen, ob dem Gutachten voller Beweiswert zukommt, die
angegebene Arbeitsfähigkeit also mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit erstellt ist. Ein Gutachten hat vollen Beweiswert, wenn es für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation
einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (vgl. etwa BGE
125 V 351, E. 3a). Sämtliche Akten der Beschwerdegegnerin mit den darin enthaltenen
medizinischen Berichten haben den Sachverständigen der SMAB AG zur Verfügung
gestanden. Die Sachverständigen haben diese Akten verarbeitet und in ihre
medizinische Beurteilung einbezogen. Sie haben die Beschwerdeführerin befragt und
sie persönlich untersucht. In ihren Teilgutachten haben sie die von ihnen erhobenen
4.3.
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objektiven klinischen Befunde anschaulich und vollständig dargelegt und in ihrer Art
und Schwere gewürdigt, wobei sie sich auch mit den Angaben der Beschwerdeführerin
auseinandergesetzt haben. Sie haben ihre versicherungsmedizinische Beurteilung
detailliert begründet. Sie haben die bisherigen Behandlungen diskutiert sowie die
vorhandenen Ressourcen gewürdigt. Bei Bedarf haben die Sachverständigen auch die
Behandlerberichte erörtert und diskutiert. Die jeweils erhobenen Diagnosen und die
Angaben zu den jeweiligen Arbeitsfähigkeitsschätzungen der SMAB-Sachverständigen
sind nachvollziehbar. Die abschliessend abgegebene interdisziplinäre Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit ist mit dem in den einzelnen Teilgutachten enthaltenen Würdigungen
vereinbar und mit dem depressionsbedingt reduzierten Rendement begründet. Ein
Indiz dafür, dass die Sachverständigen eine relevante Gesundheitsbeeinträchtigung
übersehen oder nicht hinreichend erfasst hätten, ist nicht ersichtlich; das Gutachten ist
im Sinne der Rechtsprechung (BGE 125 V 351) inhaltlich vollständig, umfassend und
frei von Widersprüchen. Für die Arbeitsfähigkeitsschätzungen für den Zeitraum vor der
Begutachtung hat der psychiatrische Sachverständige auf die Angaben und
insbesondere die Diagnosen in den Behandlerberichten abgestellt. Der psychiatrische
Sachverständige hat jeweils angegeben, wieso er welche Arbeitsfähigkeitsschätzung
gestützt auf welche Gegebenheiten abgegeben hat bzw. welche Angaben für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht plausibel sind (IV-act. 72-34 f.). Der Umstand, dass
der psychiatrische Sachverständige die entsprechenden Behandlerberichte als
medizinisch überzeugend erachtet hat, erlaubt es hier ausnahmsweise − entgegen den
im Normalfall bestehenden Vorbehalten gegenüber Behandlerberichten − auf diese
abzustellen. Diese Arbeitsfähigkeitsschätzungen für den Zeitraum vor der
Begutachtung sind vom psychiatrischen Sachverständigen überzeugend und
nachvollziehbar begründet worden; sie sind deshalb unter Beachtung des
erforderlichen Beweismasses der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als erwiesen zu
erachten. Nicht nachvollziehbar ist hingegen, wieso das Rendement reduziert sein soll.
Im Gutachten findet sich auch keine Erklärung für das Ausmass der Reduktion. Auf
eine Nachfrage beim psychiatrischen Gutachter kann aber im Hinblick auf die
Verfahrensökonomie verzichtet werden; ob das reduzierte Rendement nun 20% beträgt
oder doch tiefer ist, kann vorliegend nämlich offenbleiben. Denn wie sich nachfolgend
zeigt, ergäbe sich selbst bei einem um 20% reduzierten Rendement bzw. bei einer
mindestens 80%igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit kein
anspruchsbegründender Invaliditätsgrad von 40% oder mehr. Die Beschwerdeführerin
hat moniert, die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Krankheitsbildern
seien nicht diskutiert worden. Dem ist entgegenzuhalten, dass die Sachverständigen
der SMAB AG sich im Rahmen der interdisziplinären Diagnoseauflistung und der
Arbeitsfähigkeitsschätzung explizit mit den Wechselwirkungen auseinandergesetzt
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hätten, wenn solche relevant gewesen wären. Dies ist jedoch nicht der Fall gewesen.
Im Übrigen hat der zuständige RAD-Arzt Dr. K._ am 21. Januar 2019 angegeben, das
Gutachten entspreche den geltenden versicherungsmedizinischen Kriterien (IV-act. 54).
Rechtsprechungsgemäss hat das Sozialversicherungsgericht auf den Sachverhalt
bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung abzustellen (BGE 139 V 335
E. 6.2). Später eintretenden Tatsachen ist nicht im Rahmen des hängigen
Beschwerdeverfahrens, sondern im Rahmen eines allfälligen späteren
Verwaltungsverfahrens Rechnung zu tragen. Sind später eingetretene, mit dem
Streitgegenstand in einem engen Sachzusammenhang stehende Tatsachen indes
geeignet, die Beurteilung des im Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung bestehenden
Sachverhalts zu beeinflussen, so sind sie im laufenden Verfahren zu berücksichtigen
(Entscheid 8C_357/2016 des Bundesgerichts vom 7. Oktober 2016, E. 3.2 und
Entscheid 9C_67/2012 des Bundesgerichts vom 4. Juli 2012, E. 2.2). Folgendes wurde
nach dem Erlass der angefochtenen Verfügung vom 26. Juli 2019 eingereicht:
Schreiben der N._ in O._ vom 29. August 2019 (act. G 1.1.5), Bericht über die
Notfallkonsultationen in der Klinik für Neurologie vom 21. Juni 2019 (act. G 12.1.1) und
in der Klinik für Allgemeine Innere Medizin/ Hausarztmedizin vom 7. August 2019 (act.
G 12.1.2) des Kantonsspitals St.Gallens, Austrittsbericht der Klinik für Rheumatologie
vom 23. Oktober 2019, des Schmerzzentrums vom 11. Oktober 2019 und der Klinik für
Psychosomatik und Konsiliarpsychiatrie vom 23. Oktober 2019 des Kantonsspitals
St.Gallen (act. G 12.1.3), Bericht des Röntgeninstituts P._ vom 30. Dezember 2019
(act. G 12.1.4), Bericht von Dr. M._ vom 5. März 2020 (act. G 12.1.5), Bericht der
Psychiatrie D._ vom 30. November 2020 (act. G 17.1). Das Schreiben der N._
enthält keine Angaben über den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin; daraus
lässt sich nichts entnehmen, was im Beschwerdeverfahren zu berücksichtigen wäre.
Aus den neu eingereichten Arztberichten ergeben sich keine neuen Tatsachen, sondern
lediglich bereits Bekanntes. Bereits vor der Begutachtung hatten diverse Arztberichte
immer wieder eine somatoforme Schmerzstörung (oder auch ein Schmerzsyndrom) in
der Diagnoseliste aufgeführt. Im Gutachten haben die Sachverständigen dann aber klar
dargelegt, wieso eine solche nicht vorliegt. Die ventrale Diskektomie und
Foraminotomie und Cage-Stabilisation C5/C6 belegen keine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes seit der Begutachtung, zumal die behandelnden Ärzte bereits
vor der Begutachtung mehrfach über diesbezügliche Beschwerden und eine Stenose
im Segment C5/6 berichtet und die Notwendigkeit einer Operation thematisiert hatten
(vgl. bspw. vorstehend Bst. A.c). Die Gutachter haben denn auch überzeugend
dargelegt, dass die Stenose im Segment C5/C6 keine Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit in einer entsprechend adaptierten Tätigkeit habe; die Beschwerden im
4.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 19/23
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Segment C5/C6 sind den Gutachtern also bekannt gewesen und von diesen gewürdigt
worden. Auch die Depressionsproblematik war bereits vor der Begutachtung
durchwegs ein Thema; die Gutachter haben den Verlauf der Entwicklung der
depressiven Episoden klar und überzeugend dargelegt. Aus den eingereichten
Berichten ist gegenüber dem Begutachtungszeitpunkt keine Sachverhaltsänderung und
damit auch keine Verschlechterung bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung
ersichtlich. Im Übrigen ist bei der Würdigung des Beweiswerts der Berichte
behandelnder Ärzte der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde
Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweifel eher zugunsten
ihrer Patienten auszusagen pflegen und zudem dazu neigen, die pessimistischen
Beschwerdeschilderungen ihrer Patienten als objektiv ausgewiesen zu akzeptieren (vgl.
etwa BGE 125 V 353 E. 3b.cc). Keiner der eingereichten Berichte ist damit geeignet,
die Beurteilung im Verfügungszeitpunkt zu beeinflussen.
Zusammenfassend steht daher gestützt auf das SMAG-Gutachten mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die
Beschwerdeführerin vom 12. Mai 2014 bis zum 29. März 2015 zu 50%, vom 30. März
bis zum 5. August 2015 zu 100%, vom 6. August 2015 bis zum 1. Januar 2017 zu 50%
und vom 2. Januar bis zum 22. Februar 2017 zu 100% arbeitsunfähig gewesen ist.
Danach ist die Arbeitsfähigkeit stetig angestiegen; ab dem Gutachtenszeitpunkt (8.
Oktober 2018; Datum der psychiatrischen Begutachtung) hat dann noch eine
Arbeitsunfähigkeit von 20% bestanden.
4.5.
Auch nach dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung sind der
Beschwerdeführerin also Hilfsarbeiten zumutbar gewesen. Damit besteht sowohl die
Validen- als auch die Invalidenkarriere in einer Tätigkeit als Hilfsarbeiterin. Der Betrag
der Vergleichseinkommen kann deshalb bei der Berechnung des Invaliditätsgrades
mathematisch keine Rolle spielen; der Invaliditätsgrad ist anhand eines sogenannten
Prozentvergleichs zu berechnen.
4.6.
Die drei Abteilungen des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen haben im
Frühjahr 2019 in einem Verfahren nach Art. 54 des Gerichtsgesetzes (sGS 941.1)
folgende Frage mehrheitlich bejaht: "Haben Versicherte, die während eines Jahres
ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 Prozent
arbeitsunfähig gewesen sind und die nach Ablauf dieses Jahres weiterhin zu
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig sind, grundsätzlich Anspruch auf eine Rente,
obwohl zumutbare Eingliederungsmassnahmen, welche ihre Arbeitsfähigkeit oder die
Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, nicht abgeschlossen sind?" Vom 1. November 2015 (potentieller
4.7.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 20/23
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Rentenbeginn) bis zum 1. Januar 2017 hat die Arbeitsunfähigkeit 50% betragen. Ab
dem 2. Januar 2017 bis zum 11. Februar 2017 (Aufenthalt in der Klinik E._) hat eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden; danach ist die Arbeitsfähigkeit bis zum
Begutachtungszeitpunkt am 8. Oktober 2018 stetig auf zuletzt 80% angestiegen.
Aufgrund des Gutachtens ist es überwiegend wahrscheinlich, dass sich der
Gesundheitszustand verbessert hat. Es ist davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit
nach dem Austritt aus der Klinik E._, d.h. ab dem 12. Februar 2017 von 0% bis zum
8. Oktober 2018 kontinuierlich auf 80% angestiegen ist; Hinweise, die gegen eine
kontinuierliche Verbesserung sprechen würden, sind nicht vorhanden. Vom 12. Februar
2017 bis zum 8. Oktober 2018 sind es 603 Tage. Bei einer kontinuierlichen Besserung
der Arbeitsfähigkeit in dieser Zeitspanne um 80% ist die Arbeitsfähigkeit gerundet alle
7.54 Tage (603/80=7.54) um 1% angestiegen. Ab dem 226. Tag, d.h. ab dem 26.
September 2017 hat die Arbeitsunfähigkeit weniger als 70%, ab dem 301. Tag, d.h. ab
dem 10. Dezember 2017 weniger als 60%, ab dem 376. Tag, d.h. ab dem 23. Februar
2018 weniger als 50% und ab dem 452 Tag, d.h. ab dem 10. Mai 2018 weniger als
40% betragen.
Zu beantworten bleibt die Frage, ob die Beschwerdeführerin bei der notwendigen
rein ökonomisch-betriebswirtschaftlichen Betrachtungsweise bei der Ausübung einer
adaptierten Hilfsarbeit zusätzliche Lohnnachteile in Kauf zu nehmen hätte. Bei
Personen, die in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sind, können im Vergleich zu
gesunden Arbeitnehmern Lohnnachteile entstehen, da der Wert der Arbeitsleistung aus
der Sicht eines betriebswirtschaftlich-ökonomisch handelnden Arbeitgebers vermindert
ist. Eine gesundheitlich beeinträchtigte Person wäre beispielsweise unfähig, sich
vorübergehend an einem nicht adaptierten Arbeitsplatz einsetzen zu lassen; sie wäre in
der Regel auch nicht in der Lage, Überstunden zu leisten; längerfristig betrachtet
bestünde zudem das Risiko von vermehrten krankheitsbedingten Absenzen. Geht man
von einem ökonomischen Invaliditätsbegriff aus bzw. will man einen Soziallohnanteil
ausscheiden, ist wegen diesen Nachteilen, die betriebswirtschaftlich zu einem
Minderlohn zwingen würden, bei der Ermittlung des Ausgangswerts des erzielbaren
Invalideneinkommens ein zusätzlicher Abzug vorzunehmen. Gemäss der Praxis des
Versicherungsgerichtes rechtfertigen die betriebswirtschaftlichen Folgen der
spezifischen psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung für den Zeitraum ab dem
November 2015 bis im Mai 2018 einen Abzug von höchstens 15%. Vom 1. November
2015 bis 1. Januar 2017 ergibt sich damit ein Invaliditätsgrad von 57.5 %, vom 2.
Januar 2017 bis 25. September 2017 von 80.5%, vom 26. September 2017 bis 9.
Dezember 2017 von 69%, vom 10. Dezember 2017 bis 22. Februar 2018 von 57.5%
und vom 23. Februar 2018 bis 9. Mai 2018 von 46%. Die Beschwerdeführerin hat daher
4.8.
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5.
gemäss der Praxis des Versicherungsgerichts und in analoger Anwendung von Art. 17
Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 88a IVV (dreimonatige Verzögerung) vom 1. November 2015
(potentieller Rentenbeginn) bis zum 30. April 2017 Anspruch auf eine halbe, vom 1. Mai
2017 bis zum 31. Dezember 2017 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, vom 1.
Januar 2018 bis 31. März 2018 Anspruch auf eine Dreiviertelsrente, vom 1. April 2018
bis 31. Mai 2018 Anspruch auf eine halbe Rente, und vom 1. Juni 2018 bis 31. August
2018 Anspruch auf eine Viertelsrente.
Ab dem 8. Oktober 2018 (Zeitpunkt der psychiatrischen Begutachtung) ist der
Beschwerdeführer mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit 80%
arbeitsfähig gewesen. Ab diesem Zeitpunkt ist kein Hinweis vorhanden, dass sich die
Arbeitsfähigkeit verschlechtert hätte. Die Bestimmung des Invaliditätsgrades erfolgt
ebenfalls mittels eines Prozentvergleichs. Der Invaliditätsgrad entspricht somit dem
Arbeitsunfähigkeitsgrad, allenfalls (analog dem sog. Tabellenlohnabzug) korrigiert um
einen zusätzlichen Abzug. Nun stellt sich die Frage, ob die Beschwerdeführerin auch
bei einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 20% zusätzliche Lohnnachteile in Kauf zu
nehmen hätte. Da die betriebswirtschaftlichen Nachteile bei einem hohen
Arbeitsfähigkeitsgrad tendenziell eher gering ausfallen, rechtfertigt sich ein Abzug von
maximal 5%. Ab dem 8. Oktober 2018 ergibt sich damit ein IV-Grad von höchstens
24%, womit kein Anspruch auf eine Invalidenrente besteht. Die Beschwerdeführerin hat
somit zu Recht für die Zeit ab dem 1. September 2018 und auch für die Zukunft einen
Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente verneint.
4.9.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin mit Wirkung
vom 1. November 2015 bis zum 30. April 2017 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente,
vom 1. Mai 2017 bis zum 31. Dezember 2017 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente,
vom 1. Januar 2018 bis 31. März 2018 Anspruch auf eine Dreiviertelsrente, vom 1. April
2018 bis 31. Mai 2018 Anspruch auf eine halbe Rente, und vom 1. Juni 2018 bis 31.
August 2018 Anspruch auf eine Viertelsrente hat. Ab dem 1. September 2018 steht der
Beschwerdeführerin keine Invalidenrente mehr zu. Die Sache ist zur Festsetzung und
Ausrichtung des Rentenbetrags an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.10.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 700.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen, da zwei
Streitgegenstände zu prüfen waren. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie
5.1.
bis
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