Decision ID: f112160c-645f-4bc4-9f88-62f1d6bf0fea
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1963 geborene X._, gelernter Elektromechaniker, übte zuletzt diverse Hilfsarbeiten aus und war teilweise arbeitssuchend. Am 13. Oktober 1998 (Eingangsdatum) meldete er sich ein erstes Mal bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 6/2). Mit Verfügung vom 29. August 2000 verneinte die IV-Stelle
einen Leistungsanspruch (Urk. 6/15). Am 25. November 2002 (Eingangs
da
tum
)
erfolgte eine erneute Anmeldung zum Leistungsbezug (Urk. 6/18). Nach med
i
zinischen und erwerblichen Abklärungen sprach die IV-Stelle dem Versi
cher
ten mit Verfügung vom 4. Februar 2004 mit Wirkung ab dem 1. November 2002 eine unbefristete ganze Rente der Invalidenversicherung zu (Urk. 6/38, Urk. 6/34 [Verfügungsteil 2]). Mit Mitteilung vom 9. Oktober 2008 bestätigte die IV-Stelle im Rahmen eines Revisionsverfahrens den Anspruch des Beschwerdeführers auf die bisherige Invalidenrente (Urk.
6/45).
1.
2
Im Dezember 2013 eröffnete die IV-Stelle erneut ein Rentenrevi
sionsver
fa
hren (Urk. 6/47). Zur Klärung der erwerblichen und medizinischen Verhältnisse zog die IV-Stelle einen
Auszug
aus dem individuellen Konto
(
IK-Auszug;
Urk. 6/48) bei und
holte in medizinischer Hinsicht unter anderem ein polydisziplinäres Gutachten ein. Die nach dem Zufallsprinzip ausgewählte medi
zinische Abklärungsstelle
Y._ (nachfolgend Y._)
,
erstattete ihr Gut
ach
ten (Fachrichtungen: Allgemeine Innere Medizin, Rheumatologie, Psy
ch
ia
trie)
am
24. November 2014
(
Urk. 6/61
)
.
Am 5. Mai 2015 wurden Eingliede
rungsmassnahmen in die Wege geleitet, welche am 8. Juni 2015 jedoch wieder abgeschlossen wurden, da sich der Versicherte aus subjektiven Grün
den nicht in der Lage fühlte, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen oder eine Integrationsmassnahme durchzuführen (Urk. 6/64). In der Folge hob die IV
Stelle – nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Vorbescheid vom 19. Juni
2015 [Urk. 6/68], Einwand vom 21. August 2015 [Urk. 6/72], Stel
lung
nahme vom 17. Mai 2016 [Urk. 6/81]) – mit Verfügung vom 23. Mai 2016 die bisherige ganze Rente – gestützt auf einen errechneten IV-Grad von 11 % – mit Wirkung per 31. Juni 2016 auf und entzog einer allfällig dagegen erhobenen Beschwerde die aufschiebende Wirkung (Urk. 2 [= Urk. 6/83]).
2.
Gegen diese Verfügung legte der Versicherte mit Eingabe vom 22. Juni 2016 Beschwerde (Urk. 1) ein und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 29. Juli 2016 beantragte die Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde (Urk. 5), was dem Beschwer
deführer mit Verfügung vom 4. August 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
In formeller Hinsicht machte der Beschwerdeführer geltend, das Y._-Gut
achten sei unter Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör erstellt worden. Die Fragen an die Gutachter seien den Akten nicht zu entnehmen und auf dem Mitteilungsblatt des Regionalen Ärztlichen Diensts vom
23. Juni
2014 betreffend Zusatzinformationen zur Begutachtung/er
gänzen
den
Frage
stellungen (Urk. 6/51) seien zwei Seiten (Urk. 6/51/2 und Urk. 6/51/4) blank (Urk. 1 S. 4).
1.2
Formelle Einwendungen gegen eine Begutachtung
müssen so früh wie mög
lich geltend gemacht werden. Es verstösst gegen Treu und Glauben, Ein
wen
dungen dieser Art erst im Rechtsmittelverfahren vorzubringen, wenn dies schon vorher möglich und zumutbar gewesen wäre (BGE 137 V 210 E.
6.1.1).
1.3
Fest steht, dass die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer vor der Begut
achtung mit Schreiben vom 23. Juni 2014 (Urk. 6/53) mitteilte, dass sie eine polydisziplinäre Begutachtung für notwendig erachte, und sie die Fragen an die Gutachterstelle sowie das Merkblatt „4.15 Polydisziplinäre medizinische Gutachten“ beilegte, dies unter Hinweis darauf, dass Zusatzfragen innert Frist einzureichen wären (Urk. 6/53).
Hätte der Beschwerdeführer die entsprechenden Fragen an die Gutachter nic
ht oder nicht vollständig erhalten, so hätte er dies bereits vor der Begut
achtung rügen müssen. Selbst im Vorbescheidverfahren wurde nicht auf den nun gerügten Umstand hingewiesen. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers muss bereits damals eine vertiefte Befassung mit den Akten stattgefunden haben, bringt der Beschwerdeführer beschwerdeweise doch in grossen Teilen
dasselbe vor wie bereits im Rahmen des Vorbescheidverfahrens (vgl. Urk. 6/7
2 und Urk. 6/81).
Der erst im vorliegenden Verfahren vorgebrachte Einwand erfolgte
nach dem Gesagten
verspätet und ist nicht mehr zu hören.
2.
2.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Renten
be
zügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche
rungs
rechts
[
ATSG
]
). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE
130 V 343 E.
3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesund
heitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeits
fähig
keit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeits
fähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchser
heblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Einspracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskon
former Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditäts
bemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundes
gerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
2.2
2.2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesge
set
zes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit ver
ursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Be
tracht
kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Be
ur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folge
n der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
un
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
wind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie
körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsge
mäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbsein
kommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015
vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November
2015 E.
5.
4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundes
ge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 2015 E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom
30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeits
fähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl.
Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
2.3
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen einer anhaltenden somato
formen Schmerzstörung oder eines damit vergleichbaren psychoso
ma
tischen Leidens (BGE 141 V 281 E. 4.2) sind Indikatoren beachtlich, die das Bundesgericht wie folgt systematisiert hat
(
BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad"
-
Komplex „Gesundheitsschädigung"
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Komplex „Sozialer Kontext"
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Lei
dens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungs
hi
n
dern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspoten
zia
len (Ressourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundes
ge
richts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
Beweisrechtlich entscheidend ist der Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4):
Der Indikator einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen zielt auf die Frage ab, ob die disku
tierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgabenbereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (z.B. Frei
zeitgestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist. Dabei ist das bisherige Krite
rium des sozialen Rückzugs (wiederum) so zu fassen, dass neben Hinweisen auf Einschränkungen auch Ressourcen erschlossen werden; umgekehrt kann ein krankheitsbedingter Rückzug aber auch Ressourcen zusätzlich vermin
dern. Soweit erhebbar, empfiehlt sich auch ein Vergleich mit dem Niveau sozialer Aktivität vor Eintritt der Gesundheitsschädigung. Das Aktivitätsni
veau der versicherten Person ist stets im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundes
gerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Die Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das heisst das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden, weist (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex "Gesundheitsschädigung") auf den tat
sächlichen Leidensdruck hin. Dies gilt allerdings nur, solange das betreffende Verhalten nicht durch das laufende Versicherungsverfahren beeinflusst ist.
Nicht auf fehlenden Leidensdruck zu schliessen ist, wenn die Nichtin
an
spru
ch
nahme einer empfohlenen und zugänglichen Therapie oder die schlechte Com
pliance klarerweise auf eine (unabwendbare) Unfähigkeit zur Krankheits
einsicht zurückzuführen ist. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Ver
halten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Ein
gliederung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Einschränkung sei anders begründet als durch eine versicherte Gesundheitsbeeinträchtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bun
des
gerichts 9C_296/20
16 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
2.4
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf
gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beur
teilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
2.6
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen fest
zu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim
Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess
nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe
anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person ausein
an
der setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizi
ni
schen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beant
wort
ung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; der
selbe in: Hermann Fredenhagen, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen Entscheid im Wesentli
chen
, die revisionsweise durchgeführte polydisziplinäre Begutachtung beim medizi
nischen Begutachtungsinstitut Y._ habe ergeben, dass beim Beschwerde
füh
rer eine Verbesserung des psychischen Gesundheitszustands eingetreten sei.
Aus dem Einkommensvergleich ergebe sich neu ein Invaliditätsgrad von 11 %
(Urk. 2).
3.2
D
er
Beschwerdeführer
liess in seiner
Beschwerde dagegen
im Wesent
lichen
vorbringen, die Teilbegutachtung durch den Psychiater sei zu wenig tief
grün
dig gewesen und habe lediglich eine bis zwei Stunden gedauert. Das Gut
achten sei als unvollständig zu erachten, da keine Abklärungen durch Ärzte der allgemeinen Medizin vorlägen. Zudem sei nicht klar, ob die ursprüng
li
che Diagnose als Fehldiagnose erachtet, von einer Nachreifung der Persön
lichkeit des Beschwerdeführers ausgegangen oder eine umfassende Verbesse
rung des psychischen Zustandsbilds erblickt werde. Der Gutachter scheine bei seiner Einschätzung hauptsächlich auf die Angaben des Beschwerdeführers abzustellen. Es müsse aber daran gezweifelt werden, ob der Beschwerdeführer von sich ein adäquates Bild habe oder nicht doch vielmehr an einer Persön
lichkeitsstörung leide, die ihn daran hindere, sich adäquat wahrzunehmen und sich auf Dauer in soziale Strukturen einzugliedern, was für eine Erwerbs
tätigkeit unverzichtbar sei. Ausserdem werde nicht begründet, wes
halb keine somatoforme Schmerzstörung vorliege. PD Dr. Z._ diagnos
ti
ziere nachvollziehbar weiterhin eine solche. Sodann seien die anlässlich der testpsychologischen Abklärungen festgestellten hirnorganischen Probleme bei der Rentenzusprache nicht bekannt gewesen. Letztlich sei es kaum vorstell
bar, wie sich der Beschwerdeführer nach 30 Jahren Abwesenheit vom Arbeits
markt ohne Integrationsmassnahmen in eine Arbeitsorganisation ein
gliedern könnte (Urk. 1).
4.
4.1
Die Verfügung vom 4. Februar 2004 (Urk. 6/38, Urk. 6/34 [Verfügungsteil 2]) basierte in medizinischer Hinsicht auf dem psychiatrischen Gutachten von
Dr. med.
A._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 27. Okto
ber
2003 zu Händen der Beschwerdegegnerin (Urk. 6/31). Darin wur
den folgende Diagnosen aufgeführt (Urk. 6/31/6):
-
a
nhaltende somatoforme Schmerz
s
törung (ICD-10 F45.4)
bei
-
emotional instabile Persönlichkeit (ICD-10 F60.3)
mit
-
Alkohol- und Cannabisabhäng
igkeitssyndrom (ICD-10 F10.25 und F12.25)
Dem Gutachten ist sodann zu entnehmen, der Beschwerdeführer leide laut seinen Angaben seit seinem 25. Lebensjahr an chronischen Schmerzen des Halte- und Bewegungsapparates, insbesondere habe er Schmerzen im HWS
und LWS-Bereich. Er bedauere es, dass bislang jeder eine MRI-Unter
suchung abgelehnt habe.
Mit Beginn seiner chronischen Rückenschmerzen habe er bemerkt, dass Alkohol, insbesondere Bier, aber auch Cannabis die Verspann
ungen und Schmerzen lösen könn
t
en. Ohne Alkohol könne er über
haupt nicht schlafen. Zur
z
eit
trinke
er deutlich weniger Alkohol, Medika
mente nehme er keine ein. Sein Wunsch sei es,
ein
mal
ohne Schmer
zen leben zu können und
auch eine tragf
ähige Partnerschaft zu führen. Er
fühle sich miss
verstand
en und
habe immer wieder versucht, sich trotz aller Misslich
keiten stabil zu halten
(Urk. 6/31/3)
.
Zum Psychostatus ist dem Gutachten zu entnehmen, der Beschwerdeführer sei ein
40
-
jähriger, normgewichtiger, altersentsprechender Mann mit guter äusserer Erscheinung, starke
m
Nikotinfoetor
.
Er
sei
bewusstseinsklar
und
zur Person, Zeit, Ort und Situation vollumfänglich orientiert. Die Kontaktauf
nahme
sei unproblematisch, der Beschwerdeführer
imponier
e
unmittelbar
durch einen beschleunigten Redefluss. Entsprechend der Herkunft und Bildung
bestehe
klinisch
ein
durchschnittliches Intelligenzniveau.
Die
Auffassung, Konzentration und Merkfähigkeit
sei
ungestört,
es finde sich
kein Hinweis für Ich-Störungen oder Sinnestäuschungen. Der formale Gedankengang
sei
beschleunigt, der
Beschwerdeführer
imponier
e
durch eine Logorrhoe, l
a
ss
e
sich aber strukturieren,
der inhaltliche Gedankengang sei
geordnet
und unauf
fällig. Der Beschwerdeführer
berichte, er sei von den bisherigen Hilfe
stellungen der Ärzte enttäuscht und
habe schon sehr frühzeitig Hilfe gesucht, ohne eine solche erhalten zu haben. Er fühle sich auch verletzt, wenn er weit unter seinem Niveau Tätigkeiten angeboten bekomme. Er fühle sich nicht verstanden und auch nicht akzeptiert. Sobald er
zwei bis drei
Bier habe, seien die Schmerzen deutlich weniger, nach
fünf
Bier
en
komme er so richtig in Fahrt. Im affektiven Bereich wirk
e
der
Beschwerdeführer
angespannt, zyklo
thym, hintergründig ängstlich, resignativ und verletzt
. Er fühle
sich abge
lehnt
und sei
von der Grundstimmung zum Teil
dysphorisch
gereizt
. Es bestehe ein
spürbares Aggressionspotential, in der übrigen Darstellungsweise
wirke er
angepasst, kontrollierend
und
höflich.
Es liege k
ein Hinweis für bestehende Suizidalität
vor
. Im Antrieb wirk
e
er
gesteigert, psychomotorisch unruhig
und innerlich
nervös
(Urk. 6/31/4-5).
Dr. A._
hielt des Weiteren fest, d
ie Leitsymptome der Persönlich
keits
störung des Beschwerdeführers seien, impulsiv zu handeln
ohne Berück
sich
tigung der
Konsequenzen,
eine
wechselnde instabile Stimmung,
eine
geringe Fähigkeit, vorauszuplanen, eigenbrötlerisches Verhalten, sozialer Rückzug, soziophobische Tendenzen, Ärger und Wut
, die
durch Kritik von andern sehr schnell zu gewalttätige
m
oder explosivem Verhalten führen
könne
. Alkohol und Cannabis würden zur Reduktion von Angst, Spannung und innerem Reissen sowie im vorliegenden Fall zusätzlich zur Schmerzbekämpfung
dienen
(
Urk.
6/31/6). Zur Arbeitsfähigkeit
bemerkte Dr. A._, in seinem erlernten Beruf sei der Beschwerdeführer als nicht arbeitsfähig einzustufen.
Suchtfremde, die Arbeitsfähigkeit einschränkende Störung sei beim Beschwer
de
führer die Borderline-Persönlichkeitsorganisation und seine Somatisie
rungs
störung im Sinne einer Psychalgie.
Für eine behinderungsangepasste Tätig
keit
mit wenig Publikumsverkehr und Autoritätspersonen sei die Restarbeits
fähig
keit des Beschwerdeführers seit dem Zeitpunkt seiner Fürsorgeabhängig
keit
(1995)
zu 50 % gegeben. Wichtig sei, dass bei einer allfälligen behinderungs
angepassten Tätigkeit das soziale Interaktionsmuster ihn nicht überfordere, hin
gegen sei seiner mentalen Ausrichtung Rechnung zu tragen (Urk. 6/31/6-7).
4.2
4.2.1
Im Zeitpunkt der Verfügung vom
23. Mai 2016 (Urk. 2)
präsentierte sich die medizini
sche Aktenlage wie folgt:
4.2.2
Im
polydisziplinären Y._-Gutachten vom 24. November 2014 (Urk. 6/61)
wurden die folgenden Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
auf
geführt (Urk.
6
/
61
/
16
):
1)
chronisch-rezidivierendes lumbovertebrales Schmerzsyndrom anam
nestisch
-
klinisch zur Zeit schmerzlose freie LWS-Beweglichkeit
-
radiologisch degenerative LWS-Veränderungen
,
tieflumbal mit deutli
cher Osteochondrose L5/S1, leichter Anterolisthesis von L4 zu L5, thorakolumbalen Scheuermann'schen Wirbelkörper
ver
än
-
derungen (Röntgen LWS 2
5.
Februar 2014)
2)
chronisch-rezidivierendes zervikovertebrales Schmerzsyndrom nam
nestisch
-
klinisch zur Zeit schmerzlose freie HWS-Beweglichkeit
-
radiologisch mehrsegmentale le
ichte Osteochondrosen C4 bis C6
(Rönt
gen HWS vom 1
0.
September 2014)
3)
mässige Valgusknicksenkfuss-Deformität beidseits
Sodann wurden folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähig
keit aufgeführt (
Urk.
6/61/16): (1) Persönlichkeitsakzentuierung mit narzissti
schen und dissozialen Zügen (ICD-10 Z73.1), (2) diskrete rezidivierende
Epicondylopathia humeri ulnaris links anamnestisch, (3) rezidivierende kutane
Psoriasis im Kopfhaut- und Genitalbereich anamnestisch
,
(4) Status nach Rippenfrakturen thorakal rechts nach Velosturz vor Jahren
,
(5) Status nach Knieoperation links 1984
,
gemäss Akten
,
(6) Status nach Operation am Hals
links lateral (Exzision Weichteilschwellung) mit ca. 18 Jahren, (7) Status n
ach Operation inguinal links aufgrund einer Varikozele mit ca. 18 bis 20 Jahren
,
(8)
Laktoseintoleranz
,
(9) schädlicher Alkoholkonsum
und
(10) persi
stie
render Nikotinabusus, ca. 35 pack years
Zur Veränderung der gesundheitlichen Situation seit der Rentenzusprache
resp. zur heutigen Situation kann dem Gutachten entnommen werden, gemäss
Schilderung des Beschwerdeführers habe die Rentenzusprache positive Aus
wirkungen auf seine Lebenssituation gehabt. So habe er die Obdachlosigkeit
überwinden und Stabilität in seiner Lebensführung erreichen können. Gemäss
aktueller Begutachtung habe die Rentenzusprache
zu einer Nachreifung der Persönlichkeit beigetragen, so dass in der aktuellen Begutachtung die Krite
rien für eine spezifische Persönlichkeitsstörung gemäss ICD-10 nicht mehr erfüllt seien. Es könne somit lediglich eine Persönlichkeitsakzentuierung mit narzisstischen und dissozialen Zügen diagnostiziert werden. Der anhaltende Alkohol- und Cannabiskonsum begründe keine Diagnose eines schädlichen Gebrauchs, da weder somatische noch psychische schädliche Folgen des Kon
sums im eigentlichen Sinne vorlägen. Im körperlichen Untersuch sei der inter
nistische und neurologische Status unauffällig. Das Beschwerdebild sei aus muskuloskelettärer Sicht als loco-regionäres Schmerzsyndrom im Bereich des Achsenskeletts und der Füsse einzustufen, nicht als unspezifische (oder diffuse) Schmer
zsymptomatik. Die beklagten Schmerzen hätten trotz guter Beweglichkeit durchaus einen organischen Kern und gewisse qualitative Ein
schränkungen zur Folge. Von psychiatrischer Seite habe sich der Gesund
heits
zustand seit der Rentenzusprache im 2002 verbessert. Von internis
ti
scher Seite habe damals, genau wie heute, keine relevante gesundheitliche
Beeinträchtigung vorgelegen, der Gesundheitszustand sei somit gleich ge
blieben
. Von rheumatologischer Seite habe sich der Gesundheitszustand dahi
n
gehend verändert, als dass es im Verlauf der Jahre im Rahmen des natür
lichen Alterungsprozesses zu einer Zunahme der degenerati
ven Verän
derungen gekommen sei
(
Urk.
6/61/17). Aus rein internistischer und psychia
trischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Aus rheu
matologischer Sicht müsse angenommen werden, dass eine Tätigkeit als Elektromonteur achsenskelettär belastend sei und somit für diese Tätigkeit
keine Arbeitsfähigkeit mehr bestehe. Dies aufgrund der angegebenen Beschwer
den und radiologisch gesicherten degenerativen Veränderungen am
Achsen
skelett sowie der thorakolumbalen Residuen Scheuermann'scher Wirbe
l
körperdeformitäten. Somit sei unter Berücksichtigung der rheuma
to
lo
gischen Diagnosen aus gesamtmedizinischer Sicht von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf (Elektromonteur) auszugehen. Für körperlich angepasste Tätigkeiten bestehe aus gesamtmedizinischer Sicht eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Aus rheumatologischer Sicht liessen sich lediglich qualitative Leistungslimiten wie folgt festhalten: Zumutbar seien körperlich leichte, gelegentlich mittelschwere Tätigkeiten mit Heben, Stosse
n oder Ziehen von Lasten bis 10
kg (selten bis 15 kg), ohne gehäuft
e
Ü
ber
kopf
arbeiten und ohne
kauernd oder gebückt zu verrichtende Tätigkeitsanteile. Nicht zumutbar seien Tätigkeiten auf Gerüsten und Leitern sowie aus
schliesslich stehende und gehende Tätigkeiten (erlaubt je bis zur Hälfte der Zeit). Nicht möglich seien dem Beschwerdeführer auch Tätigkeiten ohne Möglichkeit zum selbständigen Wechseln der Körperposition und Sitzen oder Stehen am Stück, länger
als ungefähr eine Stunde, genau
so wie Tätigkeiten mit ausgeprägtem Anteil an Überkopfarbeiten (
Urk.
6/61/18).
Dem Teilgutachten von Dr. med. B._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 27. September 2014 ist zu Beschwerden, von welchen der Beschwerdeführer anlässlich der psychiatrischen Begutachtung berichtet habe, zu ent
nehmen,
vor zehn Jahren habe er nach drei Versuchen eine IV
Rente erhal
ten. Deshalb
habe
er in den letzten zehn Jahren durchgehend
einen
feste
n
Wohnsitz
in derselben
Wohnung ge
habt
. Dies sei ein bedeuten
der Fortschritt, zumal er früher als Hausbesetzer aktiv gewesen sei. Er habe aus
serdem seit zehn Jahren „kein Stress mit Einkommen“. Bedingt durch diese Momente gehe es ihm seit zehn Jahren sehr viel bes
ser, auch psychisch. Dank des Bezugs der IV-Rente während zehn Jahren hätten sich seine Nerven beruhigt, auch die körperlichen Schmerzen hätten massiv nachgelassen. Dennoch habe er momentan nach langem Sitzen Nackenschmerzen.
Gestern sei er wegen Schmerzen so nervös gewesen, dass er sich erst nach einer Flasche Rotwein
habe beruhigen können. Psychische Probleme habe er momentan keine. Wenn
es ihm nicht gut gehe, könne er sich mit Tai-Chi Übungen sehr gut beruhi
gen. Das Gefühl der inneren Leere sei zwar bekannt, dieses sei jedoch nicht anhaltend. Auch was seine Ziele und Präferenzen angehe, habe er keine Unsicherheiten. Stimmungseinbrüche habe er noch nie erlebt.
Hinsichtlich der
Angaben
des Beschwerdeführers
zur Arbeitsfähigkeit
hielt der psychia
tri
sche Gutachter fest
,
dies
er fühle sich im erlernten Beruf nicht arbeitsfähig
, jedoch i
m Haushalt, aber nur, solange er Tai
-
Chi Übungen mache. Es solle einem schon bewusst sein, dass, wenn er keine Rente mehr habe, sein psychischer Gesundheitszustand sich verschlechtern und er sich in eine psychiatrische Behandlung begeben würde
(Urk. 6/61/29)
.
Zur Verhaltensbeobachtung hielt Dr. B._ fest,
im Auftreten
sei der Beschwerdeführer
ausgesprochen locker, lässig
und
die Angaben w
ü
rden sehr bereitwillig gemacht, wobei er bisweilen sogar unterwürfig auftr
e
t
e
, was nicht authentisch erscheine und am ehesten als Ausdruck sein
er Mani
pu
lativität einzuordnen sei.
Die Angaben w
ü
rden sehr fluent
und
streckenweise fast monologisch gemacht. Die Manipulativit
ät des Beschwerdeführers sei
erheblich, er
sei
bedacht, die Kontrolle über den Gesprächsverlauf zu behal
ten
.
Im Auftreten
sei
er sthenisch
und a
usdauernd
. D
ie Bandbreite von mimischen und gestischen Reaktionen
sei
gross. Im
zweistündigen Gespräch,
ohne Pause und in hohem Tempo geführt,
seien
keine Ermüdungs
er
schei
nungen
aufgetreten
. Bei Abwesenheit von psychiatrischen Beschwerden
be
stün
den
keine Anhaltspunkte für
ein
M
alingering oder eine Dissimulation (Urk. 6/61/32).
Zum psychopathologischen Befund hielt der Konsiliarius fest, der Beschwer
deführer sei
wach, zu allen Qualitäten
orientiert
, f
ormal gedanklich
geordnet, kohärent, nicht verlangsamt
und
nicht
eingeengt. Subjektiv bestünden kog
nitiv mnestisch
keine Defizite
, bei detaillierter Prüfung zeigten sich
keine Merk
fähigkeitsstörungen
oder
Konzentrationsstörungen
. Die Fähigkeit
zu abstrak
tem Denken und
die
Auffassungsgabe
würden
eingeschränkt
impo
nie
ren
, so w
ü
rden Begriffsunterschiede vordergründig elaboriert, jedoch unge
nau erklärt, das gleiche g
elte
für
die Deutung von
Sprichwörter
n
.
Die Mnestik sei intakt, es bestünden k
eine Ängste
,
Zwänge
,
Wahn
,
Sinnes
täu
schungen
oder
Ich-Störungen.
Die s
ubjektive Grundstimmung
sei
unbe
ein
trächtigt, affektiv intakt
und
gut schwingungsfähig.
Ein
sozialer Rückzug
liege nicht vor.
Der
Schlaf und
der
Appetit
seien
intakt.
Die
Frustra
tions
toleranz
sei
subjektiv wie objektiv i
n
ausreichende
m
Ausmass vorhanden.
Das
Selbstwertgefühl
sei
zumindest intakt.
Es bestünden k
eine zirkadiane Rhythmik
,
Suizidalität
oder
Fremdgefährdung
(Urk. 6/61/32)
.
4.2.3
Im vom Beschwerdeführer im Rahmen des Vorbescheidverfahrens einge
reich
ten, an seinen Rechtsvertreter gerichteten psychiatrischen Bericht von PD Dr. med. Z._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 15. Oktober 2015
(
Urk.
6/75)
bestätigte dieser die Diagnosen des Gutachtens von Dr. A._. Ferner wies er darauf hin, dass deutliche Hinweise auf eine hirn
or
ga
nische Beeinträchtigung bestünden. Sodann nannte er die Diagnose einer anhaltenden Persönlichkeitsänderung (ICD-10 F62.8).
Zum Psychostatus ist dem Bericht von PD Dr. Z._ zu entnehmen, der Beschwerdeführer sei
während den explorativen Gesprächen stets besonnen, allseits, d
as heisse,
in Bezug auf seine Person (autopsychisch)
,
örtlich und zeit
lich orientiert
gewesen
. Er
sei auch
situativ orientiert
gewesen
und
habe
keine Auffassungsstörungen
gezeigt
,
das heisse, er habe
den Zweck und die
Umstände der Gespräche mühelos erfasst. Er sei gegenüber der Abklärung auf
geschlossen
gewesen
und
habe
sich durchwegs kooperativ
gezeigt
. Es
seien
keine Symptome einer psychotischen Erkrankung, wie z.B. einer Schizo
phre
nie oder eines manisch-depressiven Krankseins (Affektpsychose) zu erkennen
gewesen
, insbesondere keine Wahnerscheinungen (Wahn
stim
mung, Wahn
ideen etc.) und keine Halluzinationen.
Die
Merkfähigkeit und
das
Frischge
dächtnis
seien
ebenso gut wie das Altgedächtnis
gewesen
. Es
habe
mehr an dem von Turbulen
z
en und Verwahrlosung gekennzeichneten Lebensstil
gele
gen
, dass er die zeitlichen Zusammenhänge nicht immer und nur ungenau und diffus präsentiert
habe
. Er
habe aber vermocht, sich
sehr detailliert
an
die Erlebnisse zu erinnern.
Die Stimmung sei
subdepressiv
gewesen
, obwohl er sich um eine optimistische Grundhaltung von Zuversicht und Lebensfreude in etwas forcierter Weise
bemüht habe
. Der Gefühlsausdruck
sei
adäquat in Über
einstimmung mit den jeweils besprochenen Inhalten und Themen
gewesen
, weder verhalten noch überschwänglich.
Die
Mimik und Gesten
seien
lebhaft, aber ohne Anzeichen von Übertreibung
gewesen
.
Beim Beschwerde
führer sei
hinter der Fassade einer etwas forcierten Munterkeit und Aufge
schlossenheit eine deutliche Prägung durch ein langjähriges Schmerz
syn
drom mit Schwäche- und Ermüdungserscheinungen und Erschöpfungs
leiden erkennbar
gewesen
. Einerseit
s sei er vo
m Willen beseelt, sich aufzurichten und gegen Versagensängste anzukämpfen, anderseits strahl
e
er eine Zermür
bung und Erschöpfung aus. Gemäss
s
einer Darstellung schein
e
es, dass er sich von Tag zu Tag, von Woche zu Woche und von Jahr zu Jahr dahin
schlepp
e
mit dem Bemühen, seine Schmerz- und Schwäche
zustände soweit zu überwinden, dass er existenziell l
eid
lich über die Runden komm
e
. Einen grossen Teil seines Antriebs und Strebens verwende er darauf, ein völliges Einknicken seiner Vitalität zu verhindern. In seinen Äusserungen
sei
eine deutliche Neigung zu Selbstentwertung, Schuldgefühlen
und
existen
zie
llen Ängsten zu erkennen. Auch sei
eine starke Neigung zu einem angst
besetzten Autoritätskonflikt mit Flucht in depressiven Rückzug und Resignation zu erkennen (
Urk.
6/
75/15-16).
PD Dr. Z._ hielt weiter fest, die psychiatrische Abklärung habe deutlich gezeigt, dass die von Dr. A._ gestellte Diag
nose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung auch für die letzten zehn Jahre und für heute noch ihre Gültigkeit habe. Der Beschwerdeführer sei dauernd, eigentlich täglich, mit seinen Beschwerden befasst. Er sei (auch während der Exploration) dauernd damit beschäftigt, seine Körperstellung im Sitzen zu ändern, um sich von den Beschwerden zu entlasten. Er sei von einem chronischen Unwohlsein erfüllt und gequält. Ausser (gemeint wohl: auch für) Beschäftigungen, die er mit einem beachtlichen Talent und mit Freude mache, wie Musizieren mit Mund
harmonika und mit der Gitarre, müsse er lange Vorbereitungen treffen zur Ent
krampfung seiner Muskulatur, damit er einigermassen akzeptable Leistungen erbringen könne, und er zeige einer grosse Erschöpfbarkeit. Diese für ihn mühselige und kraftkon
su
mie
rende Anstrengung
stehe in einem gewissen Gegensatz zu seiner durchaus munteren und aufgeschlossenen Art, das Leben zu betrachten und anzugehen und Versuche zu unternehmen, seine ihn quälenden Behinderungen zu über
winden. Doch verfalle er immer wieder in eine Resignation. Diese werde zweifellos auch durch realistisch erscheinende existenzielle Ängste noch
verstärkt. Diese psychischen, depressiv und resignativ gefärbten Zustände en
t
sprächen einer sogenannten andauernden Persönlichkeitsänderung gemäss
ICD F62.8 (Urk. 6/75/17). Die aktuelle tiefreichende testpsychologische Abklä
rung habe eine höchst auffällige defizitäre Persönlichkeitsstruktur ergeben. Dies zeige sich in einer starken ängstlichen Verunsicherung mit Affektan
fälligkeit, dysphorischer und depressiver Verstimmbarkeit, selbstdestruktiven Tendenzen einher
gehend
,
mit einem emotional kargen und unlebendigen Innen
leben, einer starken rationalen Abwehrhaltung und Hinweisen zu einer somatoformen Verarbeitung psychischer Konflikte. Dieser testpsychologische Befund führe in Übereinstimmung mit den durchwegs sozialen Versagens
er
fahrungen des Beschwerdeführers seit der Lehrzeit bis heute nach wie vor zur Diagnose einer emotional instabilen Persönlichkeit (ICD-10 F60.3), wie bereits von Dr.
A._
diagnostiziert worden sei. Von einer R
eifung, wie im
Y._
-Gutachten angenommen werde, liege ganz und gar nichts vor (
Urk.
6/75/18).
Die aktuelle testpsychologische Abklärung habe zudem deutliche Hinweise auf eine beim Beschwerdeführer bestehende hirnorganische Beeinträchtigung ergeben. Dafür sprächen insbesondere die Resultate beim Benton-Test und bei der komplexen REY-FIGUR
und auch
eine deutlich beeinträchtigte Kon
zentrations- und Leistungsfähigkeit im d 2-Test. Auch der S-Wörter-Test zeige eine mittelschwere bis schwere Beeinträchtigung. Diese hirnorganische Beeinträchtigung könnte auch auf den langjährigen Alkohol- und Cannabis
missbrauch zurückzuführen sein, der vom Beschwerdeführer gewissermassen
als Selbstheilungs- resp. als Verdrängungsversuch zur Linderung seiner Beschwerden betrieben worden sei (
Urk.
6/75/18).
Dass der Beschwerdeführer, für den nur schon das Sitzen und Beibehalten einer Körperhaltung grösste Mühe bereite und Beschwerden verursache, zu einer körperlichen Tätigkeit auch nur im Ansatz befähigt sein solle, wie das
Y._
-Gutachten annehme, sei völlig unrealistisch. Er sei zweifellos generell
zu
100
%
arbeitsunfähig. Es gebe auch keine realistischen Möglichkeiten zur Verbesserung der Arbeitsfähigkeit, die jenen Massnahmen überlegen seien, die er schon selber ergreife (
Urk.
6/75/19).
4.2.4
Dr. B._ vom Y._ führte in s
einer Stellungnahme vom 1
8.
April 2016
zum Einwand des Beschwerdeführers vom 21. August 2015 (Urk. 6/72) sowie zum psychiatrischen Bericht von PD Dr. Z._ vom 15. Oktober 2015 (Urk. 7/75)
aus,
b
ei fehlenden Grundkriterien einer Persönlichkeitsstörung gemäss ICD-10, also bei fehlendem Vorliegen einer erheblichen und intra
in
dividuell stabilen Abweichung im Denken, Handeln und Fühlen von der Mehrheit der Bevölkerung, sei das Anwenden von psychodiagnostischen Instru
menten im Sinne von Hilfsmitteln zur Diagnosestellung (z. B
.
struk
tu
riertes klinisches Interview für DSM-IV) entbehrlich gewesen
(Urk. 6/78/2)
.
Die im Bericht von PD Dr. Z._ beschriebenen Beschwerden, die Anamnese, der soziale Kontext und die Lebenssituation des Beschwerdeführers würden sich nicht wesentlich von den im Y._-Gutachten aufgeführten Informa
tio
nen unterscheiden. Bezüglich der Befundung fehle im Bericht von PD Dr. Z._ ein AMDP-konformer psychopathologischer Befund gänzlich. Es fänden sich keine Befunde, sondern wenig strukturierte Beschreibungen, ge
mischt mit Annahmen hinsichtlich Psychogenese der vom Beschwer
de
führer dargebotenen Beschwerden (Urk. 6/78/2). Die Anzahl der durch
geführten psy
chologischen Tests könne beim Leser den Eindruck hinter
lassen, dass die Untersuchung in ihrer Gesamtheit wissenschaftlich fundiert durch
geführt wor
den sei. Dies entspreche jedoch nicht den Tatsachen. Es seien sogenannte
projektive Testverfahren wie zum Beispiel der Rorschach-Test verwendet wor
den
. Diese könnten nicht als valide und dem aktuellen Stand der Wissen
schaft entsprechend angesehen werden. Durch Anwendung von projektiven Verfahren könnten keine Informationen gewonnen werden, welche sich in AMDP- und ICD-10-konforme Befunderhebung und Diagno
se
stellung über
füh
ren liessen. Die Ergebnisse der durchgeführten Tests seien sodann nicht auf ihre Validität überprüft worden. Auch dieser Umstand setze die durch
ge
führte testpsychologische Untersuchung in ihrer Wertigkeit erheb
lich ab. Es
ergebe sich aus dem Bericht von PD Dr.
Z._
, bei fehlender detaillierter Qua
li
fizierung des Zustandsbildes des Beschwerdeführers auf der Grundlage eines reliablen psychopathologischen Befunds, eine pauschale, apodiktische sowie stark subjektiv geprägte Beurteilung, welche den aktuellen Vorgaben
für eine versicherungspsychiatrische Begutachtung nicht entspreche (Urk. 6/78
/3).
4.2.5
Der Stellungnahme von PD Dr. Z._ vom 2. Mai 2016 zu Händen der Rechts
vertretung des Beschwerdeführers (Urk. 6/80) kann entnommen wer
den, es sei eine Selbstverständlichkeit, dass bei jedem Psychostatus die im AMP-System aufgelisteten psychopathologischen Symptome auf ihr Vorhan
densein und den Schweregrad am zu untersuchenden Patienten überprüft würden, und das habe er auch beim Beschwerdeführer getan
(
Urk.
6/80/2). Die kognitiven Tests wie der Benton-Test, die komplexe Rey-Figur, der D2
Test und der S-Wörter-Test seien
international anerkannte Leistungstests zur Erfassung der kognitiven und auch exekutiven (frontalen) Fähigkeiten. Im Gegensatz zum Befundblatt, das nur eine grobe Quantifizierung der Symp
tome zulasse, ermöglichten diese Tests eine genaue Messung der Leistungs
fä
higkeit. Beim Rorschachtest, Baumtest und Szondi-Test handle es sich um projektive Verfahren semiquantitativer Natur. Bezüglich der Per
sönlich
keits
erfassung seien diese Tests
eine wertvolle Ergänzung zur explorativen und klinisch-psychopathologischen Untersuchung von Patienten und Patientin
nen. Sie seien vor allem für die Beurteilung des Einz
elfalls wertvoll (Urk. 6/80/2).
5.
5.1
Streitig und zu prüfen ist vorliegend, ob eine Änderung
im anspruchserhebli
chen tatsächlichen Sachverhalt eingetreten ist.
Zeitliche Vergleichsbasis bil
det dabei die Verfügung vom 4. Februar 2004 (Urk. 6/38, Urk. 6/34 [Verfü
gungsteil 2]). Zur Diskussion steht insbesondere, ob bezüglich des laut Bericht von Dr. A._ vom 27. Oktober 2003 (E. 4.1) damals bestehenden psychischen Zustandsbilds eine massgebliche Besserung eingetreten ist.
5.2
5.2.1
Die Beschwerdegegnerin stützte ihre Auffassung, wonach sich der Gesund
heits
zu
stand des Beschwerdeführers seit
Erlass der Rentenverfügung vom 4. Februar 2004
ver
bessert habe und ihm eine angepasste Tätigkeit wieder zu 100
%
zum
utbar sei, auf das Gutachten der Y._ vom 24. November 2014 (Urk. 6/61).
5.2.2
Der Beschwerdeführer rügte zunächst, dass die Begutachtung nur eine bis zwei Stunden gedauert habe und im Vergleich zum Bericht von PD Dr. Z._ viel zu w
enig tiefgründig sei.
Hierzu ist festzuhalten, dass
rechtsprechungsgemäss
aus einer - verhältnis
mäs
sig - kurzen Dauer der psychiatrischen Exploration nicht von vornherein auf eine Sorgfaltswidrigkeit des Gutachters oder der Gutachterin geschlossen werden
kann
. Für den Aussagegehalt eines medizinischen Berichts kommt es nicht in erster Linie auf die Dauer der Untersuchung an.
Massge
blich ist vielmehr, ob der Bericht inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist
(vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts
8C_47/2016 vom 15. März 2016 E. 3.2.2
mit Hinweis
).
Insofern ist unerhe
blich, ob die psychia
trische Untersuchung
eine Stunde, zwei Stunden, zehn Stunden
oder
noch
länger gedauert hat.
5.2.3
Das Gutachten der
Y._
vom 24. November 2014, ergänzt durch die Stellung
nahme des psychiatrischen Gutachters Dr.
B._
vom 1
8.
April 2016
ist für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend, beruht auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen (internistisch, rheumatolo
gisch, psychiatrisch) und wurde in Kenntnis der und Auseinandersetzung mit den Vorakten erstattet. Warum der Beschwerdeführer zusätzlich noch durch einen Facharzt für Allgemeine Medizin hätte untersucht werden müssen (Urk. 1 S. 5), ist nicht ersichtlich. Die Gutachter berücksichtigten die geklag
ten Beschwerden und setzten sich mit diesen sowie dem Verhalten des Beschwerdeführers auseinander.
Sie legten die medizinischen Zusammen
hänge und die medizinische Situation ein
leuchtend dar und begründeten ihre Schlussfolgerungen nachvollziehbar.
Das Gutachten
der Y._
erfüllt daher grundsätzlich die rechtsprechungsge
mässen Anforderungen an eine beweiskräftige ärztliche Stellungnahme
(vgl. E. 2.6)
.
Dies gilt namentlich auch für das psychiatrische Teilgutachten von Dr. B._ vom 27. September 2014 (Urk. 7/61/28-34). Der psychia
tri
sche Bericht von Dr. Z._ vom 15. Oktober 2015 (vgl. E. 4.2.3) vermag dieses aufgrund der nachfolgenden Erwägungen nicht in Frage zu stellen.
5.3
5.3.1
Entgegen der vom Beschwerdeführer vertretenen Auffassung lassen nicht nur die Angaben des Beschwerdeführers selbst, sondern auch die Angaben von
Dr. B._
zum von ihm beobachteten Verhalten des Beschwerdeführers und zum Psychostatus auf eine deutliche Verbesserung des psychischen Zustandsbildes schliessen: Laut
Dr. A._
wirkte der Beschwerdeführer damals im affektiven Bereich angespannt, zyklothom, hintergründig ängst
lich, resignativ und verletzt, fühlte sich abgelehnt, war von der Grund
stimmung her dysphorisch gereizt und zeigte ein spürbares Aggressionspo
tential [E. 4.1;
Urk.
6/31/4-5]). Der psychiatrische Gutachter
Dr. B._
erhob demgegenüber einen weitestgehend unauffälligen Befund
(Urk. 6/61/32).
Zudem hatte auch
Dr. med. C._, FMH Allgemeine Innere Medizin,
im Bericht (Eingang IV-Stelle
am 4.
März 2014
;
Urk.
6/50) festgehalten, dass der
Beschwerdeführer
psychisch stabiler sei
und die Prog
nose eher günstig sei
; es könne ein Arbeitsversuch zu 50
%
vorgenommen werden (
Urk.
6/50/2).
5.3.2
Der Beschwerdeführer brachte vor, es erscheine nicht klar, ob
Dr. B._
die ursprüngliche Diagnose als Fehldiagnose betrachte, er von einer Nach
reifung der Persönlichkeit während der Berentung oder einer umfassenden Besserung
des Zustandsbilds ausgehe (Urk. 1 S. 7).
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers hat
Dr. B._
ausdrücklich festgehalten, dass eine „umfassende“ Besserung des Zustandsbildes, mithin sowohl eine Besserung der Persönlichkeitsproblematik als auch der Schmerz
problematik, eingetreten sei. So diagnostizierte er denn auch keine Persön
lichkeitsstörung mehr, sondern nur noch akzentuierte Persönlichkeitszüge, wobei er diese als narzisstisch und disso
zial bezeichnete (vgl. E. 4.2.2; Dr. A._ ging von emotional-instabilen Persönlichkeitszügen aus [vgl. E. 4.1]).
Bezüglich der laut dem rheumatologischen Gutachten erklärbaren, der vollzeitlichen Ausübung einer angepassten Tätigkeit aber nicht entgegen
ste
henden
Schmerzproblematik stellte Dr. B._
gar keine psychiatrische Diagnose mehr.
5.4
Ein Vergleich der Befunde/Psychostatus
ergibt, dass
die von Dr. Z._ unter dem Titel "Psychostatus"
gemachten Angaben, soweit es sich dabei um objektiv-eigene (klinische) Feststellungen und nicht bereits um eine Inter
pretation handelt, weitgehend mit den vom psychiatrischen Gutachter des
Y._
erhobenen psychischen Befunden überein
stimmen
.
Dr. Z._
hat die von ihm gestellte Diagnose einer emotional-instabilen Per
sönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.3) ausschliesslich mit den Ergebnissen der von ihm veranlassten Testverfahren begründet. Testverfahren kommt indes
sen im Rahmen psychiatrischer Begutachtungen höchstens ergänzende Funktion zu, während die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung entscheidend bleibt (Urteil
des Bundesgerichts
8C_578/2014 vom 1
7.
Oktober 2014 E. 4.2.7). Vorliegend stehen die Testergebnisse (
Urk. 6/75/18;
deutlich beeinträchtigte Konzentra
tions- und Leistungsfähigkeit
sowie Hinweise auf hirnorganische Beeinträch
tigung
) teilweise in Widerspruch zu den Ergebnissen der klinischen Untersu
chung
(Urk. 6/75/15-16; E. 4.2.3)
,
weshalb sie von vornherein nicht als massgeblich zu betrachten sind
.
5.5
5.5.1
Im psychiatrischen Kontext kommt es grundsätzlich nicht auf die Diagnose, sondern einzig darauf an, welche Auswirkungen eine Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit hat. Massgebend ist in erster Linie der lege artis erhobene psychopathologische Befund und der Schweregrad der Symptomatik (statt vieler: Urteile 9C_190/2016 vom 2
0.
Juni 2016 E. 4 und 9C_634/2015 vom 1
5.
März 2016 E. 6.1; je mit Hinweisen).
5.5.2
Eine Befundverbesserung erscheint aufgrund des insoweit überzeugenden psychiatrischen Teilgutachtens von
Dr. B._
sowohl bezüglich der Per
sönlichkeits- als auch bezüglich der Schmerzproblematik ausgewiesen. In der festgestellten Befundverbesserung ist eine Änderung in den tatsächli
chen Verhältnissen zu erblicken.
Diese ist geeignet,
den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen
. Mithin ist ein Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 ATSG zu bejahen und
der Invaliditätsgrad neu und ohne Bin
dung an frühere Invaliditätsschätzungen zu ermitteln (BGE 140 V 9).
5.6
5.6.1
Die Feststellung, wonach eine Befundverbesserung
eingetreten ist, gilt unge
achtet der jeweiligen Diagnosen
und
somit auch, wenn mit Blick
darauf, dass sich der Beschwerdeführer wegen der Schmerzen nach wie vor nicht arbeits
fähig fühlt,
davon ausgegangen w
ü
rd
e
, dass
in Abweichung vom Teilgut
achten von Dr. B._
noch eine somatoforme Schmerzstörung vorl
äge
.
5.6.2
Mit Blick auf die für die Beurteilung der invalidisierenden Wirkung einer soma
to
formen Schmerzstörung beachtliche
n Standardindikatoren (vgl. BGE
141 V 281
[diese Rechtsprechung findet auch bei einer
Persönlich
keitsänderung gemäss ICD-1
0 F62.8 Anwendung; vgl. Gutachten von Dr. Z._
,
Urk.
6/75/17-18
,
vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_822/2013 vom
4.
Juni 2014 E. 4.4 mit Hinweis])
ist zu bemerken, dass die di
agnoserelevan
ten Befunde nicht
mehr ausgeprägt erscheinen. Laut den Angaben des Beschwerdeführers haben die Schmerzen deutlich nachgelassen und er unter
zieht sich auch keiner Psychotherapie. Eine solche war noch gar nie etabliert worden
,
und auch einer stationären Schmerztherapie hat er sich bislang noch nie unterzogen, was nicht auf einen ausgeprägten psychischen Leidensdruck schliessen lässt. Die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit beeinträchti
gende Komorbiditäten liegen gemäss Gutachten des
Y._
nicht vor. Die auf
fällige Persönlichkeitsstruktur erscheint hinderlich. Anderseits sind durchaus Ressourcen (soziale Kontakte
, Urk. 6/61/29-30
) vorhanden. Von einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen Lebensberei
chen kann nicht die Rede sein (Reisen nach Thailand,
Joggen, M
usizieren,
H
aushalten
, Ausgehen
etc.). Der Verlauf seit der Begutachtung durch
Dr. A._
(2003) resp. der Rentenzusprache (2004) zeigt zudem klar, dass die psychische Verfassung und das Aktivitätsniveau des Beschwerdeführers massgeblich von seiner finanziellen Lage und seiner Motivation abhängen. Dies ergibt sich namentlich auch daraus, dass der Beschwerdeführer anläss
lich der Begutachtung im
Y._
angab, wenn er keine Rente mehr hätte, würde sich sein psychischer Zustand verschlechtern und er würde sich in eine psychiatrische Behandlung begeben
(vgl.
Urk. 6/61/29)
.
Insgesamt erscheinen
die
funktionelle
n
Auswirkungen
der laut dem Beschwer
de
führer
im Zeitpunkt der Begutachtung
be
im
Y._ bestehenden Schmerzen
anhand der Standardindikatoren nicht schlüssig und wider
spruchsfrei mit zumindest überwiegender Wahrscheinlichkeit na
chgewiesen. Vielmehr überwiegen
die Gründe, die dafür sprechen, dass die von ihm gel
tend gemachte
Arbeitsunfähigkeit
anders begründet
ist
als durch eine versi
cherte Gesundheitsbeeinträchtigung.
5.6.3
Es mag zwar zutreffen, dass bei Entzug der Rente das Risiko eines Rückfalls in die Obdachlosigkeit und den Suchtmittelm
issbrauch gross wäre (vgl. Urk.
1 S. 7). Dies kann aber keinen Grund für die Weiterausrichtung der Rente darstellen, zumal die
gegenteilige Betrachtungsweise darauf hinaus
laufen würde, dass quasi aus therapeutischen Gründen die Invalidenrente weiter auszurichten wäre, was fernab der ratio legis liegt
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_559/2015 vom 2. Dezember 2015 E. 3.2).
5.6.4
Für den Zeitpunkt der Begutachtung beim Y._ ist daher das Vorliegen eines invalidisierenden psychischen Leidens zu verneinen.
5.7
Gestützt auf die überzeugenden gutachterlichen Feststellungen ist demnach davon auszugehen, dass im Zeitpunkt der Begutachtung im Y._ in einer (den somatischen Beschwerden Rechnung tragenden) angepassten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestand. Hinweise dafür, dass sich seither bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung eine massgebliche Verschlechte
rung des Gesundheitszustandes sowie der Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers ergeben hätte, liegen nicht vor.
6.
Bei 100%iger Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit kann ohne weiteres angenommen werden, dass der Beschwerdeführer ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen könnte.
7.
Die Rechtsprechung des Bundesgerichts, wonach die Verwertung eines bestimmten Leistungspotenzials ohne vorgängige Durchführung befähigender Massnahmen allein vermittels Eigenanstrengung der versicherten Person nicht möglich sei (Urteil des Bundesgerichts
9C_163/2009 vom 10.
Sep
tember 2010, E. 4.2.2, in: SVR 2011 IV Nr. 30 S. 86), ist grundsätzlich auf Fälle zu beschränken, in denen die (revisions- oder wiedererwägungs
weise) Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente eine versicherte Person betrifft, welche das 5
5.
Altersjahr zurückgelegt oder die Rente seit mehr als 15 Jahren bezogen hat
(Urteil des Bundesgerichts 8C_39/2012 E. 5.1)
.
Weder ist der Beschwerdeführer 55 Jahre alt noch hat er während mehr als 15 Jahren eine Invalidenrente bezogen
, weshalb ihm die Selbsteingliede
rung
grundsätzlich zumutbar ist. Ausserdem bot die Eingliederungsberatung dem Beschwerdeführer an, ihn vor der Rentenaufhebung bei der Wiederein
gliederung zu unterstützen, woraufhin er ihr offenbar mitgeteilt hat, dass er derzeit auf Eingliederungsmassnahmen der IV verzichte, und einen schriftli
chen Entscheid der IV über die Rente wünsche, damit er einen Einwand erhe
ben könne (Urk. 6/65/3-5; vgl. auch Mitteilung der Beschwerdegegnerin vom 8. Juni 2015, Urk. 6/64).
Anzumerken bleibt, dass die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer anlässlich des Erstgesprächs mitgeteilt hat, dass er sich zu einem späteren Zeitpunkt für berufliche Massnahmen erneut anmelden könne, sofern er sich dazu in der Lage fühle (Urk. 6/65/3).
8.
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung somit nicht zu beanstan
den und die Beschwerde ist abzuweisen
.
9.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
8
00.-- festzulegen und ausgangsge
mäss vom Beschwerdeführer zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).