Decision ID: d7e08685-6bdf-45a7-ab36-9bf1031e72ee
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1991 geborene
X._
wurde am 17. Mai 2007 durch seine Mutter bei der Invalidenversicherung zum Bezug einer
Hilflosenen
tschädigung
angemel
det (Urk. 6
/8
7
). Gestützt auf den Abklärungsbericht für
Hilflosenentschädigung
für Minderjährige und
Intensivpflegezuschlag vom 17.
September 2007 (Urk. 6
/9
6
) sprach ihm die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV Stelle, mit Verfü
gung vom 2
5.
Oktober 2007 (Urk. 6
/10
1) vom 1. Februar 2007 bis 31.
Oktober 2009 eine
E
ntschädigung wegen mittlerer Hilflosigkeit zu.
1.2
Nach Eingang d
es Revisionsfragebogens vom 10. September 2009 (Urk. 6
/145
/3-5) veranlasste die IV-Stelle eine Abklärung für
Hilflosenentschädigung
für Er
wachsene (Beri
cht vom 24. November 2009; Urk. 6/159
) und sprach dem Versi
cherten mit Verfügung vom 25.
Januar 2010
(Urk. 6/165, Urk. 6/167)
ab 1.
No
vember 2009 eine
Hilflosenentschädigung
wegen leichter Hilflosigkeit bei Auf
enthalt im Heim zu.
1.3
Nach Mitteilung
der Mutter
des Versicherten, dass
d
ies
er
wieder zu Hause wohne (Urk.
6/246
), sprach ihm die IV-Stelle mit Verf
ügung vom 29.
Januar 2013 ab 1.
August 2012 eine
E
ntschädigung wegen schwerer
Hilflosigkeit zu (Urk. 6
/
258
).
Mit Verfügung vom 1
3.
Juli 2015 sprach die IV-Stelle dem Versicherten zudem eine halbe R
ente ab
1.
August 2014 zu (Urk. 6/329
, Urk
. 6/336
).
1.4
Anlässlich einer weiteren Abklärung für
Hilflosenentschädigung
für Erwachsene (
Bericht vom 29. Mai 2017;
Urk. 6/385
) gab
der Versicherte an, eine
Hilflo
senent
schädigung
wegen schwerer Hilflosigkeit
zu beziehen (S. 1).
Nach durchgefüh
r
tem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
6/384) hielt die
IV-Stelle mit Verfügung vom 14.
Juli 2017 (
Urk.
6/393) fes
t, dass dem Versicherten vom 1.
August 2012 bis 3
1.
März 2016 eine
Hilflosenentschädigung
wegen leichter Hilflosigkeit und ab
1.
April 2016 eine
Hilflosenentschädigung
wegen mittlerer Hilflosigkeit zu
ge
stand
en habe
. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.5
Mit Verfügung vom 29. S
eptember 2017 (Urk.
6/400
) verpflichtete die IV-Stelle den Versicherten, ihr zu Unrecht bezogene
E
ntschädigung für schwere Hi
lflosig
keit in der Höhe von Fr.
73'086.-- zurückzuerstatten.
Die dagegen erhobene Be
schwerde hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom
2
0.
März 2018
in dem Sinne gut, als es die angefochtene Verfügung
aus formellen Gründen
aufhob und die Sache
zur
hinreichenden Begründung
an die IV-Stelle
zurückwies (Prozess
Nr. IV.2017.01129
;
Urk.
6/422
).
Am
1
6.
März 2018
teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, der Rentenanspruch sei unverändert (Urk.
6/420
).
1.
6
In der Folge
erliess die IV-Stelle am 20. Juli 2018 einen neuen Vorbescheid (Urk. 6/424), wogegen der Versicherte am
30.
August 2018 (Urk. 12) und am 4.
Oktober 2018
(Urk. 6/427)
Einwände erhob. Am 2
4.
Januar 2019 erliess die IV-Stelle einen neuen Vorbescheid (Urk. 6/433), wogegen der Versicherte wiederum Einwände erhob (Urk. 6/434).
Mit Verfügung vom
9.
Mai 2019 (Urk. 6/439 = Urk. 2
) verpflichtete die IV-Stelle den Versicherten,
die ihm vom
1.
August 2012 bis 3
1.
Juli 2017 zu viel ausbezahlten
Hilflosenentschädigungen
in der Höhe von Fr.
73'086.-- zurückzuerstatten.
2.
Der Versicherte erhob am
11. Juni 2019
Beschwerde gegen die Verfügung vom
9. Mai 2019
(
Urk.
2) und beantragte,
es sei auf die Rückforderung der
Hilflo
senentschädigung
zu verzichten und festzuhalten, dass die Voraussetzungen für eine Rückforderung nicht erfüllt seien, beziehungsweis
e die Rückforderung ver
wirkt sei. Eventuell sei der Rückforderungsbetrag zu reduzieren (
Urk.
1
S. 2)
. Am
1
3.
August 2019 (Urk. 5
) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
1
6.
August 2019
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
7
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
42
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13
des Bun
desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG)
in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine
Hilflosenentschä
digung
. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die we
gen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (
Art.
9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische
Begleitung angewiesen ist (
Art.
42
Abs.
3 Satz 1 IVG;
Art.
38
der Verordnung
über die Invalidenversicherung,
IVV)
. Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs alltäglichen Lebensver
richtungen massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
-
Ankleiden, Auskleiden;
-
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
-
Essen;
-
Körperpflege;
-
Verrichtung der Notdurft;
-
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1.2
Art. 37 IVV sieht drei Hilflosigkeitsgrade vor. Gemäss Abs. 3 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf;
c.
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf;
d.
wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann; oder
e.
dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewie
sen ist.
1.3
Gemäss
Art.
37
Abs. 2
IVV
gilt die Hilflosigkeit als mittelschwer, wenn die versi
cherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf; oder
c.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter und überdies dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewiesen ist.
Nach der Rechtsprechung setzt Hilflosigkeit mittelschweren Grades nach Art. 37 Abs. 2
lit
. a IVV eine Hilfsbedürftigkeit in mindestens vier alltäglichen Lebens
verrichtungen voraus (BGE 121 V 88 E. 3b, 107 V 145 E. 2).
1.4
Gemäss
Art.
37
Abs.
1 IVV gilt die Hilflosigkeit als schwer, wenn die versicherte Person vollständig hilflos ist. Dies ist der Fall, wenn sie in allen alltäglichen Le
bensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter ange
wiesen ist und überdies der dauernden Pflege oder der persönlichen Überwachung bedarf.
1.5
Nach
Art.
25 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzuerstatten. Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt (
Abs.
1).
1.6
Eine Rückforderung von unrechtmässig bezogenen Geldleistungen ist in der So
zialversicherung nur unter den für die Wiedererwägung oder die prozessuale Re
vision formell rechtskräftiger Verfügungen massgebenden Voraussetzungen zu
lässig (vgl. BGE 130 V 380 E. 2.3.1 mit Hinweisen).
1.7
Der Versicherungsträger kann auf formell rechtskräftige Verfügungen, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Überprüfung gebildet haben, zurück
kommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (sogenannte Wiedererwägung; Art. 53 Abs. 2 und 3 ATSG; BGE 144 I 103 E. 2.2, 141 V 405 E. 5.2, 138 V 147 E. 2.1 mit Hinweis).
1.8
Die eine frühere Verfügung berichtigende Wiedererwägung im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG zieht grundsätzlich die Pflicht zur Rückerstattung der von der Inva
lidenversicherung zu Unrecht bezogenen Leistung nach sich (Art. 25 ATSG; BGE 130 V 318 E. 5.2, 130 V 380 E. 2.3.1, 110 V 298 Regeste). Wenn die Ver
waltung bei Erlass der ursprünglichen Verfügung einen spezifisch IV-rechtlichen Gesichtspunkt falsch beurteilt hat, kommt eine Rückforderung der unrechtmässig bezogenen Leistungen jedoch nur im Fall einer unrechtmässigen Leistungserwir
kung oder einer Verletzung der Meldepflicht (Art. 77 IVV) in Frage (vgl. Art. 85 Abs. 2 IVV und Art. 88
bis
Abs. 2
lit
. b IVV). Per 1. Januar 2015 wurde Art. 88
bis
Abs. 2
lit
. b IVV dahingehend ergänzt, dass bei verletzter Meldepflicht eine rück
wirkende Herabsetzung unabhängig davon erfolgt, ob die Verletzung der Melde
pflicht ein Grund für die Weiterausrichtung der Leistung war.
1.
9
Soweit die wiedererwägungsweise Korrektur IV-rechtliche Gesichtspunkte wie beispielsweise den Gesundheitszustand betrifft, ist (im Unterschied zu AHV-rechtlich motivierten Anpassungen) eine rückwirkende Anpassung nur beim Vor
liegen
zusätzlicher Voraussetzungen möglich
(
Ueli
Kieser
, ATSG-Kommentar,
3.
Auflage, Zürich/Basel/Genf 2015
,
N
1
7
zu
Art.
25 ATSG).
Als IV-spezifisch gelten Aspekte, welche die materiellen Voraussetzungen für die Zusprechung von Leistungen beschlagen wie der Invaliditätsgrad, die invalidi
tätsmässigen Anforderungen der einzelnen Leistungen oder die Teilgehalte der Verhältnismässigkeit gemäss
Art.
8
Abs.
1 IVG. Als AHV-analog gelten Aspekte wie die Versicherteneigenschaften, die Grundlagen der Rentenberechnung, die Kürzung einer zugesprochenen Rente oder ein Abzug von Quellensteuern von der ausgerichteten Rente. Im Bereich der AHV-analogen Sachverhalte kommt die Rückerstattungsordnung von
Art.
25
Abs.
1 ATSG ohne Besonderheiten zum Tra
gen (Ulrich Meyer, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung,
2.
Auflage, Zü
rich 2010, S. 406 f.).
1.
10
Nach Art. 25 Abs. 2 ATSG erlischt der Rückforderungsanspruch mit dem Ablauf eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen Leistung. Bei diesen Fristen handelt es sich um Verwirkungsfristen (BGE 119 V 431 E. 3a).
M
assgebend
für den Beginn der einjährigen Verwirkungsfrist
ist jener Zeitpunkt, in dem die Beschwerdegegnerin später bei der gebotenen und zumutbaren Auf
merksamkeit, etwa aufgrund eines zusätzlichen Indizes, den Fehler hätte erken
nen können
(
BGE 139 V 570 E. 3.1
).
Ist ein Zusammenwirken mehrerer Behörden notwendig, wird eine genügende Kenntnis angenommen, wenn sie bei einer da
von vorhanden ist (
Kieser
, a.a.O.,
N
57
zu
Art.
25 ATSG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
stellte in der a
ngefochtene
n
Verfügung vom
9.
Mai 2019
(
Urk.
2)
fest
, dass
der Beschwerdeführer
vom
1.
August 2012 bis 3
1.
März 2016 zu hohe
Hilflosenentschädigungen
, nämlich schweren statt leichten Grades, be
zogen habe
. Ab
1.
April 2016 habe er Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
mittleren Grades gehabt
(S. 4).
Die Ausgleichskasse habe einen Beschluss der IV-Stelle fehlerhaft umgesetzt. Dabei handle es sich um einen AHV-analogen Ge
sichtspunkt. Entsprechend komme
Art.
88
bis
Abs.
2 IVV nicht zur Anwendung, weshalb eine Rückforderung gestützt auf
Art.
25
Abs.
2 ATSG erfolge
n müsse
(S. 4 f.)
.
Die ursprüngliche Leistungsverfügung vom 2
9.
Januar 2013 sei zweifel
los unrichtig
gewesen. Die Berichtigung sei von erheblicher Bedeutung. Der Feh
ler
habe
erst mit der Revision beziehungsweise Überprüfung der
Hilflosenent
schädigung
im April 2017 erkannt werden können. Mit dem Vorbescheid vom 1
4.
Juli 2017 sei die Rückforderung somit rechtzeitig innert der einjährigen Ver
wirkungsfrist geltend gemacht worden. Auch die absolute fünfjährige Verwir
kungsfrist von fünf Jahren werde eingehalten (S.
5)
.
2.2
Der Beschwerdeführer
stellte sich demgegenüber
aus näher genannten Gründen (vgl.
Urk.
1 S. 5
Rz
1 f.)
auf den Standpunkt,
die Verfügung vom 2
9.
Januar 2013
sei
nach wie vor in Kraft (
Rz
1). Bis heute bestehe für die Rückforderung keine rechtliche Grundlage (
Rz
2). Deshalb sei die Rückforderung zum heutigen Zeit
punkt auf jeden Fall verwirkt (
Rz
3). Zudem hätte die Beschwerdegegnerin bereits bei
seine
m Umzug vom Wohnheim zurück zur Mutter eine Überprüfung der Hilflosigkeit vornehmen müssen (
Rz
4). Im Weiteren hätte bei der Abklärung im Jahr 2017 auch der Bedarf nach lebenspraktischer Begleitung abgeklärt werden müssen, welcher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen sei (
Rz
5). Zudem
sei
auch gestützt auf das Kreisschreiben über die Invalidität und Hilflo
sigkeit in der Invalidenversicherung weiterhin die mittlere
Hilflosenentschädi
gung
ausgewiesen gewesen (
Rz
6).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin über einen Rückforderungs
anspruch im Betrag von
Fr.
73'086
.-- gegenüber dem Beschwerdeführer verfügt.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin führte am
1
7.
September 2007
eine Abklärung an Ort und Stelle durch (Abklärungsbericht für
Hilflosenentschädigung
für
Minderjäh
rige und Intensivpflegezuschlag
vom
1
7.
September 2007,
Urk.
6/96
).
Zusammenfassend wurde in den Bereichen
«Aufstehen/Absitzen/Abliegen», «Kör
perpfle
ge», «Notdurft»,
«
Fortbewegung
/Pflege gesellschaftlicher Kontakte» und «medizinisch-pflegerische Hilfe»
ab
Februar 2007
eine
Hilfsbedürftigkeit ange
nommen
(
vgl. S. 3
unten).
Gestützt auf den Abklärungsbericht vom
1
7.
September 2007
wurde de
m
Be
schwer
deführer
mit Verfügung vom
2
5.
O
ktober 2007 (
Urk.
6/101) vom 1. Feb
ruar 2007 bis 31.
Oktober 2009 eine
E
ntschädigung wegen mittlerer Hilflosigkeit zugesprochen.
3.2
Die Beschwerdegegnerin führte am
1
2.
November 2009
eine
weitere
Abklärung durch (Abklärungsbericht für
Hilflosenentschädigung
für Erwachsene
vom
2
4.
November 2009
,
Urk.
6/159).
Die Abklärung fan
d
im
Y._
statt, wo der Beschwerde
führer vom 1
4.
August 2009 bis 1
3.
August 2012 eine Lehre absolviert
hat
(vgl. Urk. 6/237/
3). Es wurde ausgeführt, das Gespräch sei mit dem Betreuer des Be
schwerdeführers geführt worden. Der Beschwerdeführer selber habe nicht am Ge
spräch teilnehmen können, da er am Ausbildungsplatz gewesen sei (S. 1). Zusam
menfassend wurde ausgeführt, ab
1.
November 2009 (Erreichen des 1
8.
Alters
jahres) sei eine leicht
e Hilflosigkeit
im Heim ausgewiesen. Die niedrigere Stufe erkläre sich durch die bessere, behinderungsangepasste Infrastruktur im
Y._
(S. 3).
Gestü
tzt auf den Abklärungsbericht vom
24. November 2009
wurde dem Be
schwerdeführer mit Verfü
gung vom
2
5.
Januar 2010 (
Urk.
6/165,
Urk.
6/167)
ab 1.
November 2009
eine
Hilflosenentschädigung
wegen leichter Hilflosigkeit bei Aufenthalt im Heim zu
gesprochen
.
3.3
Nachdem die Mutter des Beschwerdeführers der Beschwerdegegnerin am 2
3.
Ok
tober 2012 mitgeteilt hat
te
, dass der Beschwerdeführer seit dem 1
9.
Juli 2012 wieder zu Hause wohne (
Urk.
6/246),
sprach ihm die
Beschwerdegegnerin
mit Verfügung vom 2
9.
Januar 2013 ab
1.
August 2012 eine
Hilflosenentschädigung
wegen schwerer Hilflosigkeit zu (
Urk.
6/258).
Eine Abklärung wurde nicht durch
geführt.
3.4
Die Beschwerdegegnerin führte am
4.
Mai 2017
eine
weitere
Abklärung durch (Abklärungsbericht für
Hilflosenentschädigung
für Erwachsene
vom
29. Mai 2017
,
Urk. 6/385
).
Der Beschwerdeführer gab
dabei
an
, eine
E
ntschädigung we
gen schwerer Hilflosigkeit zu beziehen (S. 1).
Er und seine Mutter seien davon ausgegangen, dass nach Heimaustritt die Anpassung erfolgt sei, weil er nicht mehr im Heim sei, also die Infrastruktur nicht mehr entsprechend gewesen sei und seine Mutter zu 100 % arbeite. Er habe den Heimaustritt gemeldet. Seit dem Heimaustritt sei keine Abklärungsperson von der Beschwerdegegnerin vorbeige
kommen (S. 2 f.).
Zusammenfassend wurde in den Bereichen «Aufstehen/Absitzen/Abliegen»
und
«Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte»
weiterhin eine
Hilfsbedürft
ig
keit angenommen. Seit Januar 2014 komme
«Körperpflege»
, und seit Januar 2016 das «An- und Auskleiden» hinzu
(vgl. S.
5
unten).
Gestützt auf den Abklärungsbericht vom 2
9.
Mai 2017 wurde dem Beschwerde
führer mit Verfügung vom 1
4.
Juli 2017 (Urk. 6/393) vom 1. August 2012 bis 31. März 2016
rückwirkend eine
E
ntschädigung wegen leichter Hilflosigkeit und ab 1. April 2016 eine
E
ntschädigung wegen mittlerer Hilflosigkeit zugesprochen
.
4.
4.1
Vorfrageweise ist zu prüfen, ob der Bezug der
Hilflosenentschädigung
wegen schwerer Hilflosigkeit
tatsächlich unrechtmässig erfolgt ist.
4.2
Wie
bereits erwähnt
(
vorstehend E.
1.
6
), kann sich die Unr
echtmässigkeit einer bereits be
zogenen Leistung unter anderem aufgrund einer Wiedererwägung der leistungszusprechenden Verfügung ergeben.
Die Wiedererwägung einer formell rechtskräftigen Verfügung setzt voraus, dass diese zweifellos unrichtig und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (
vorstehend
E. 1.
7
).
4.3
Der
Beschwerdeführer
bezog vom
1.
Februar 2007 bis 3
1.
Oktober 2009
eine
E
nt
schädigung wegen
mittlerer
Hilflosigkeit
(
vorstehend E. 3.1
).
Vom
14. August 2009 bis 13. August 2012 absolvierte der Beschwerdeführer eine Lehre und wohnte in einem Heim.
Deshalb wurde
ihm
gestützt auf einen neuen Abklärungs
bericht
ab 1.
November 2009
eine
E
ntschädigung wegen
leichter
Hilflosigkeit bei Aufenthalt im Heim
zugesprochen (
vorstehend E. 3.2
)
.
Nachdem die Mutter
des
Beschwerdeführers
der Beschwerdegegnerin am 23. Oktober 2012 mitgeteilt hat
te
, dass
d
er
Beschwerdeführer seit dem 19. Juli 2012
wieder
zu Hause wohne
,
sprach ihm die Beschwerdegegnerin m
it
Verfügung vom 2
9.
Januar 2013
ab 1.
August 2012 eine
E
ntschädigung wegen schwerer Hilflosigkeit zu
,
ohne zuvor einen neuen Abklärungsbericht eingeholt zu haben
(
vorstehend E. 3.3
).
Nachdem der Beschwerdeführer anlässlich einer neuen
Abklärung für
E
ntschädi
gung für Erwachsene
angegeben hat
te
, eine
E
ntschädigung wegen schwerer Hilflosigkeit zu beziehen,
stellte die Beschwerdegegnerin fest, dass dem Be
schwerdeführer irrtümlicherweise eine schwere statt leichte beziehungsweise mittlere
Hilflosenentschädigung
ausbezahlt worden sei
,
und forderte die zu
viel ausbezahlten Beträge zurück
(
vorstehend E. 3.4,
Urk. 6/400)
.
Die
Verfügung vom 14.
Juli 2017 (
Urk.
6/393)
, mit welcher
dem
Beschwerdeführer vom 1. August 2012 bis 31.
März 2016 eine
Hilflosenentschädigung
wegen leichter Hilflosigkeit und ab
1.
April 2016 eine
Hilflosenentschädigung
wegen mittlerer Hilflosigkeit
zugesprochen wurde,
erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
4.4
Nachdem die Mutter des Beschwerdeführer
s der Beschwerdegegnerin am 23.
Ok
tober 2012 mitgeteilt hat
te
, dass der Beschwerdeführer seit dem 1
9.
Juli 2012 wieder zu Hause wohne, teilte die Beschwerde
gegnerin der Ausgleichskasse glei
chentags
mit
(Urk.
6/247), der Beschwerdeführer lebe seit dem 1
9.
Juli 2012 wie
der zu Hause und es sei der entsprechende Ansatz zu verfügen.
Demnach bat die
Beschwerdegegnerin die
Ausgleichs
kasse um eine Änderung des Ansatzes für ei
nen Aufenthalt zu Hause ab
1.
August 201
2.
Von einer Änderung des Ansatzes bezüglich
de
s
Schweregrad
es
der
Hilflosenentschädigung
war keine Rede, den
noch wurde
mit Verfügung vom 2
9.
Januar 2013 ab
1.
August 2012 eine
E
nt
schädigung wegen schwerer Hilflosigkeit zu
gesprochen
(Urk.
6/258).
Zudem
wurde die
se
E
ntschädigung
ohne entsprechenden zeitnahen Abklärungsbericht zugesprochen
(vorstehend E. 3.3). Der letzte Abklärungsbericht datierte von No
vember 2009 (vorstehend E. 3.2)
.
Des Weiteren
ergibt sich aus dem Abklärungs
bericht
vom Mai 2017
,
dass er seit Heimaustritt bis März
20
16 weiterhin nur in zwei b
eziehungsweise
drei Bereichen auf Hilfe angewiesen war
(vorstehend E. 3.4)
und demnach kein Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
wegen schwerer Hilflosigkeit bestand (vgl. vorstehend E. 1.4).
Soweit der Beschwerde
führer beschwerdeweise die der Verfügung vom
1
4.
Juli 2017 (
Urk.
6/393
;
Zu
sprechung
eine
r
E
ntschädigung wegen leichter Hilflosigkeit vom
1.
August 2012 bis 3
1.
März 2016 und ab
1.
April 2016 wegen mittlerer Hilflosigkeit
) vorausge
gangenen Abklärungen kritisiert
(vorstehend E. 2.2)
,
kann er daraus nichts zu seinen Gunsten ableiten.
Die erwähnte Verfügung
erwuchs unangefochten in Rechtskraft
.
4
.5
Dementsprechend ergibt sich, dass der Beschwerdegegnerin ein Fehler unterlief und die
Zusprechung
der
E
ntschädigung wegen schwerer Hilflosigkeit
zweifellos unrichtig war.
Bei periodischen Leistungen ist eine erhebliche Bedeutung der Be
richtigung regelmässig gegeben (BGE 140 V 85 E. 4.4; 119 V 475 E. 1c mit Hin
weisen).
Da es sich bei einer
Hilflosenentschädigung
um
perio
dische Dauerleis
tungen handelt,
sind
die Voraussetzungen der Wiedererwägung erfüllt.
5.
5.1
Da dem Beschwerdeführer somit ab August 2012 zu Unrecht eine
Hilflosenent
schädigung
wegen schwerer Hilflosigkeit
ausgerichtet wurde, stellt sich die Frage, ob er diese zurückzuerstatten hat.
Wie unter
E. 1.8
dargelegt, zieht die eine frühere Verfügung berichtigende Wie
dererwägung grundsätzlich die Pflicht zur Rückerstattung der von der Invaliden
versicherung zu Unrecht bezogenen Leistung nach sich.
Wenn die Verwaltung bei Erlass der ursprünglichen Verfügung einen spezifisch IV-rechtlichen Gesichts
punkt falsch beurteilt hat, kommt eine Rückforderung der unrechtmässig bezo
genen Leistungen jedoch nur im Fall einer unrechtmässigen Leistungserwirkung oder einer Verletzung der Meldepflicht (Art. 77 IVV) in Frage.
5.2
Vorliegend
geschah der Fehler
bei der Umsetzung des Auftrags um Anpassung des Ansatzes für die Entschädigung.
Es ist zu prüfen, ob es sich dabei um einen spezifisch IV-rechtlichen Gesichtspunkt handelt.
Das
damalige Eidgenössische Versicherungsgericht
hat einen invalidenversiche
rungsspezifischen
Gesichtspunkt
in einem Fall verneint, in welchem
eine
Invali
denversicherungs
-Kommission in der Mitteilung ihres Beschlusses an die Aus
gleichskasse versehentlich einen Invaliditätsgrad von 100% statt 50%
eingetra
gen
hat
und die Kasse in der Folge eine ganze statt eine halbe Invalidenrente
zugesprochen
hat
; desgleichen, als die Mitteilung des Beschlusses der
Invaliden
versicherungs
-Kommission zwar den zutreffenden Invaliditätsgrad von 50%
wie
dergegeben
, die Kasse aber irrtümlicherweise eine ganze Rente gewährt
hat
(BGE 110 V 298 E. 2b)
.
Ebenso
im Fall
, in welchem
die
Annahme einer bloss leichten Hilflosigkeit
bei der verfügungsmässigen Umsetzung irrtümlicherweise zur Zu
sprechung einer
E
ntschädigung wegen Hilflosigkeit mittleren Grades
führte
(Ur
teil
e
des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 312/01 vom 1
3.
September 2001 E. 2a mit Hinweisen
und
I 286/03 vom
1.
Juli 2003
E. 2).
Daraus ist zu schliessen, dass die versehentliche Zusprechung einer
schweren
an
stelle einer
leichten bzw.
mittleren
Hilflosenentschädigung
keinen invalidenver
sicherungsspezifischen
Gesichtspunkt
darstellt, zumal der zur Wiedererwägung führende Fehler nicht bei der Beurteilung der invalidenversicherungsspezifischen Frage der Bemessung der Hilflosigkeit unterlief. Somit ist bei der vorliegenden irrtümlichen Zusprechung einer
Entschädigung wegen
schwere
r
Hilflos
igkeit
von einem AHV-analogen Sachverhalt auszugehen
.
Daraus folgt, dass eine allfällige Rückforderung auch bereits erbrachter Leistungen, mithin rückwirkend, zulässig ist, ohne dass der versicherten Person eine Meldepflichtverletzung vorzuwerfen wäre.
5.
3
Für den Beginn der einjährigen Verwirkungsfrist für die Rückforderung ist der Zeitpunkt
massgebend
, in welchem die Beschwerdegegnerin bei der gebotenen und
zumutbaren Aufmerksamkeit, etwa aufgrund eines zusätzlichen Indizes, den Fehler hätte erkennen können
(vorstehend E. 1.10
).
Die Beschwerdegegnerin entdeckte den Fehler
erst im Rahmen
der
Abklärung
für
Hilflosenentschädigung
für Erwachsene
vom
4.
Mai 2017
, als d
er Beschwerde
führer
angab
, eine
Hilflosenentschädigung
wegen sch
w
erer Hilflosigkeit zu be
ziehen
(vorstehend E. 3.4)
.
Aus den Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte, dass die Beschwerdegegnerin zwischen dem Erlass der fehlerhaften Verfügung
(Januar 2013)
und
der
Überprüfung
der
Hilflosenentschädigung
(
April
2017
, vgl. Urk. 6/382
)
eine Veranlassung gehabt haben könnte, den Fehler zu bemerken.
Zwar führte die Beschwerdegegnerin
im Jahr 2015
eine
Rentenprüfung
durch
und
sprach dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 1
3.
Juli 2015
eine halbe Rente ab
1.
August 2014 zu (
Urk.
6/329,
Urk.
6/336).
Die
Hilflosenentschädigung
bil
dete jedoch
nicht Gegenstand des Verfahrens und es bestand für die Beschwer
degegnerin kein Anlass, den Grad der
Hilflosigkeit
zu überprüfen.
Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, die Rückforderung sei zum heutigen Zeit
punkt auf jeden Fall verwirkt, nachdem bis heute für die Rückforderung keine rechtliche Grundlage vorhanden sei (vorstehend E. 2.2)
, kann ihm nicht gefolgt werden.
Wie die Beschwerdegegnerin zutreffend ausführt
(Urk. 2 S. 7)
, geht aus der Verfügung vom 1
4.
Juli 2017
(Urk. 6/393)
hervor, dass der Anspruch auf
Hilf
losenentschädigung
vom
1.
August 2012 bis und mit Juli 2017 neu festges
etzt und auch verfügt worden ist
.
Zudem
erliess die Beschwerdegegnerin
gleichentags
einen Vorbescheid, mit welchem sie die zu viel ausgerichteten
Hilflosenentschä
digungen
für den Zeitraum vom
1.
August 2012 bis Juli 2017 zurückgefordert hat
(Urk. 6/392). Die Berufung auf die rein formell fehlende ausdrückliche Auf
hebung der ursprünglichen Verfügung erscheint aus diesen Gründen überspitzt formalistisch.
D
ie einjährige Verwirkungsfrist
wird
durch den Erlass eines Vorbe
scheides im Sinne von
Art.
73
bis
IVV gewahrt (BGE 133 V 579 E. 4.3.1 und 119 V 431 E. 3c)
. Der Vorbescheid wurde am 1
4.
Juli 2017 erlassen (Urk.
6/
392), wo
mit die einjährige Verwirkungsfrist gewahrt wurde.
Des
Weiteren
wurde die absolute Verwirkungsfrist von fünf Jahren eingehalten.
Zur Fristwahrung genügt
e
der Vorbescheid
vom 1
4.
Juli 201
7.
Der Rückforderung der einzelnen Leistungen, welche
ab
dem
1.
August 2012
, das heisst jeweils we
niger als fünf Jahre zuvor erbracht wurden, steht kein Ablauf der fünfjährigen absoluten Verwirkungsfrist entgegen.
6.
6.1
Bei der Frage einer allfälligen Rückerstattung oder Verrechnung zu Unrecht be
zogener Leistungen ist der Gesichtspunkt des Vertrauensschutzes in dem Sinne zu berücksichtigen, als ihm die Funktion eines Korrektivs zukommt, wenn trotz gegebenem
Rückkommenstitel
die Rückforderung aufgrund des Verhaltens des Versicherers als stossend erscheint
(Urteil des Bundesgerichts 8C_987/2010 vom 2
4.
August 2011 E. 3.3)
.
Der Vertrauensschutz gebietet es
demnach
, bei Vorliegen bestimmter Sachverhalte auf eine Rückforderung zu verzichten. So verhält es sich, wenn die versicherte Person aufgrund des Verhaltens des Versicherungsträ
gers davon ausgehen darf, der Leistungsbezug erfolge rechtmässig
. Dies kann etwa der Fall sein, wenn die versicherte Person eine Meldung erstattet, die ent
sprechende Leistung - welche wegen der Meldung nicht mehr bezogen werden könnte - dennoch weiterhin ausgerichtet wird
(
Kieser
,
a.a.O.
, N
19 f.
zu
Art.
25).
Vorliegend
teilte
die Mutter des Beschwerdeführers der Beschwerdegegnerin am 2
3.
Oktober 2012
telefonisch
mit, dass der Beschwerdeführer
seine Lehre beendet habe und
seit dem 1
9.
Juli 2012 wie
der zu Hause wohne (
Urk.
6/246). Gleichen
tags
teilte die Beschwerdegegnerin der Ausgleichskasse am 2
3.
Oktober 2012 (
Urk.
6/247) mit, der Beschwerdeführer lebe seit dem 1
9.
Juli 2012 wieder zu Hause und es sei der entsprechende Ansatz zu verfügen.
Am 1
2.
Dezember 2012 (Urk. 6/252) informierte der Beschwerdeführer
die Beschwerdegegnerin
persön
lich
schriftlich
darüber
, dass er seit dem 19. Juli 2012 wieder zu Hause wohne, und
er
deshalb die
Hilflosenentschädigung
für zu Hause
beantrage.
In der Folge sprach
die Beschwerdegegnerin
dem Beschwerdeführer m
it Verfügung vom 2
9.
Januar 2013 ab
1.
August 2012 eine
Hilflosenentschädigung
wegen schwerer Hilflosigkeit zu (
Urk.
6/258).
Es wurde bereits dargelegt,
dass der Beschwerdegegnerin
mit der
Verfügung vom 2
9.
Januar 2013
ein Fehler unterlief und die
Zusprechung
der
Hilflosenentschä
digung
wegen schwerer Hilflos
igkeit zweifellos
unrichtig war (vorstehend E. 4.5
). Indem
der Beschwerdeführer
zweimal
der Beschwerdegegnerin seinen Umzug nach Hause gemeldet hatte, und ihm die Beschwerdegegnerin in der Folge
den
noch schriftlich
- und mit dem Hinweis, man habe die Voraussetzungen geprüft (vgl.
Urk.
6/258 S. 1 Mitte) -
eine
Hilflosenentschädigung
wegen schwerer Hilflo
sigkeit
zugesprochen hat,
wurde eine Vertrauensgrundlage geschaffen. Da die Unrichtigkeit der
Leistungs
ausrichtung für den Beschwerdeführer nicht ohne wei
teres erkennbar war, konnte er davon ausgehen, dass der Leistungsbezug recht
mässig erfolgt. Dies gilt umso mehr, als
d
er Beschwerdeführer und seine Mutter davon ausgegangen
sind
, dass nach Heimaustritt die Anpassung
der
Hilflosenent
schädigung
erfolgt sei, weil er nicht mehr im Heim sei, also die Infrastruktur nicht mehr entsprechend gewesen sei und seine Mutter zu 100
%
arbeite
(vorstehend E. 3.
4
)
.
U
nter dem Aspekt des Vertrauensschutzes
ist es
als stossend zu qualifi
zieren, wenn die Beschwerdegegnerin
die
über fast fünf Jahre
geleistete
E
ntschä
digung wegen schwerer Hilflosigkeit
zurückfordert, obschon der Beschwerdefüh
rer seinen Umzug nach Hause gemeldet und kein
en
Anlass hatte
,
an der Recht
mässigkeit der Leistungen zu zweifeln, weshalb
er
sich auf berechtigtes Vertrauen berufen kann (
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_987
/2010 vom 2
4.
August 2011 E. 3.5.1 mit Hinweisen
).
Das Bundesgericht hat wiederholt festgehalten, dass der Grundsatz von Treu und Glauben umso mehr gilt, wenn die Behörde nicht nur eine Auskunft erteilt, sondern eine unrichtige Verfügung erlassen hat (BGE 113 V 66 E. 2 mit Hinweisen).
Selbst wenn die Voraussetzung eines
Rückkommens
titels
bejaht
wird
, steht demnach jedenfalls der Vertrauensschutz der Rückforde
rung im Betrag von
Fr.
73'086.--
entgegen.
6
.
2
Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer betreffend die seit
Au
gust 2012
bezogene
E
ntschädigung wegen schwerer Hilflosigkeit
in Höhe von
Fr.
73'086.--
nicht rückerstattungspflichtig ist.
Dies führt zur Aufhebung des angefochtenen Entscheides und zur Gutheissung der Beschwerde.
7
.
7
.1
Die Gerichtskosten nach
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind auf
Fr.
7
00.-- anzusetzen und ausgangsgemäss der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7
.2
Nach
§
34
Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikos
ten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemes
sen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
)
und sind nach Einsicht in die Honorarnote vom
23. Au
gust 2019 (Urk. 9) auf
Fr. 1'802.65
(inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) fest
zusetzen und von der unterliegenden Beschwerdegegnerin zu bezahlen.