Decision ID: aa4fe45b-bc83-4216-aaf2-98b728dfa495
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Am 24. August 2011 meldete sich der 1971 geborene
X._
unter H
inweis auf Hepatitis
C und Depressionen bei der Invalidenver
sicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/5). Nachdem die
Sozialversicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, medizinische Berichte eingeholt hatte, forderte sie den Versicherten auf,
seiner Mitwirkungspflicht nachzukommen und im Rahmen
eine
r
stationären
Massnahme
mindestens
sechs Monate kon
trolliert
alkoholabstinent zu leben und den übrigen Substanzgebrauch zu stabi
lisieren
, unter Androhung, dass bei Säumnis a
ufgrund der Akten entschieden we
rde
(Urk. 7/35). Am 3. Mai 2013 liess der Versicherte mitteilen, dass er sich einer
solchen Massnahme nicht unterz
iehen lassen wolle (Urk. 7/39).
1.2
Am 8. Mai 2013
forderte
die IV-Stelle
den Versicherten erneut - unter Andro
hung der Folgen bei Verweigerung - auf, seinen Mitwirkungspflichten nachzu
kommen (Urk. 7/40).
Am 28. Mai 2013 liess der Versicherte telefonisch mit
teilen, dass er sich einer therapeutischen Massnahme nicht unterziehen werde (Urk. 7/41), worauf die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 22. Juli 2013 in Aussicht stellte, das Leistungsbegehren abzuweisen
(Urk. 7/44)
.
1.3
Am 28. August 201
3 teilten
Dr.
med.
Y._
und
Dr.
med.
Z._
,
Gesundheitsdienste der Stadt
A._
, der IV-Stelle
mit, den
Labor
wer
ten
könne entnommen werden, dass die Leberwerte
regredient
und der CDT-Wert weiterhin unter der Nachweisgrenze liege, womit der Versicherte den auferlegten Auflagen nachgekommen sei (Urk. 7/45). Darauf hin erteilte die IV-Stelle am 8. November 2013
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, den Auftrag, den Versicherten zu begutachten (Urk. 7/51). Dieser teilte am 29. Januar 2014 mit, der Versicherte sei alkoholisiert bei ihm erschienen, weshalb die Begutachtung
habe
abgebrochen werden müssen
(Urk. 7/56).
1.4
Am 10. März 2014
auferlegte
die IV-Stelle dem Versicherten erneut die
Pflicht
, während sechs Monaten alkoholabstinent zu leben, mit dem
sinngemässen
Hinweis, dass bei Nichtbefolgen das Leistungsbegehren
abgewiesen werde (Urk. 7/57). Am
15. April 2014 teilte
Dr.
med.
C._
, Gesund
heitsdienste
der Stadt
A._
,
der IV-Stelle
mit, der Versicherte sei bereit, sich
einer ambulanten kontrollierten Alkoholabstinenz zu unterziehen (Urk. 7/62), und am 2. Juli 2014
teilte
der Beistand
des Versicherten
telefonisch mit, der Versicherte trete in die T
h
erapiestation
D._
ein (Urk. 7/70).
Am 16. Dezember 2014 wurde die Therapie abgebrochen (vgl. Urk. 7/99/1)
, worauf die IV-Stelle das
Leistungsbegehren des Versicherten m
it Verfügung vom 13. Mai 2015
ab
wies (Urk. 9/104 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 13. Mai 2015 (Urk. 2) erhob der Versicherte am 11. Juni 2015 Beschwerde mit dem Antrag, es seien ihm Leistungen der Invali
denversicherung zuzusprechen (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 7. August 2015 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was dem Beschwerdeführer am 17. August 2015 mitgeteilt wurde (Urk. 8).
Mit Verfügung vom 3
0.
Oktober 2015 (
Urk.
9) wurde das Gesuch um unent
geltli
che Prozessführung und Recht
s
vertretung (vgl.
Urk.
2 S. 2 Ziff. 5 und 6) bewilligt.
Auf entsprechende
Aufforderung hin (vgl. Urk. 9)
reichte der Rechtsvertreter des Versicherten am 10. November 2015 die Zustimmung der
Erwachsenenschutz
behörde
zur Prozessführung (Urk. 12) ein (Urk. 11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Ge
sundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der ver
sicher
ten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Alkoholismus (wie auch Drogensucht und Medikamentenabhängigkeit) begrün
det für sich allein keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Vielmehr wird er invalidenversicherungsrechtlich erst relevant, wenn er eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher, geistiger oder psychi
scher, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn er selber Folge eines körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschadens ist, dem Krankheitswert zukommt (Urteil des Bundesge
richts 8C_694/2008 vom 5. März 2009 E. 2).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.5
1.5.1
Wer Versicherungsleistungen beansprucht, muss unentgeltlich alle Auskünfte erteilen, die zur Abklärung des Anspruchs und zur Festsetzung der Versiche
rungsleistungen erforderlich sind (
Art.
28
Abs.
2 ATSG).
Soweit ärztliche oder fachliche Untersuchungen für die Beurteilung notwendig und zumutbar sind, hat sich die versicherte Person diesen zu unt
erziehen (
Art.
43
Abs.
2 ATSG).
Kommen die versicherte Person oder andere Personen, die Leistungen beanspru
chen, den Auskunfts- und Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach, so kann der Versicherungsträger aufgrund der Akten verfügen oder die Erhebung einstellen und Nichteintreten beschliessen. Er muss diese Personen
vorher schriftlich mahnen und auf die Rechtsfolgen hinweisen; ihnen ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen (
Art.
43
Abs.
3 ATSG).
1.
5
.2
Gemäss
Art.
7 IVG muss die versicherte Person alles ihr Zumutbare unterneh
men, um die Dauer und das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit zu verringern und den Eintritt einer Invalidität zu verhindern (
Abs.
1). Die versicherte Person muss an allen zumutbaren Massnahmen, die zur Erhaltung des bestehenden Arbeits
platzes oder zu ihrer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in einen dem Erwerbsleben gleichgestellten Aufgabenbereich dienen, aktiv teilnehmen. Dies sind unter anderen medizinische Behandlungen nach
Art.
25 des Bundesgeset
zes über die Krankenversicherung (
Abs.
2
lit
. d).
Als zumutbar gilt jede Massnahme, die der Eingliederung der versicherten Per
son dient; ausgenommen sind Massnahmen, die ihrem Gesundheitszustand nicht angemessen sind (
Art.
7a IVG).
1.5.3
Entzieht oder widersetzt sich eine versicherte Person einer zumutbaren Behand
lung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit verspricht, oder trägt sie nicht aus eigenem Antrieb das ihr Zumutbare bei, so können ihr die Leistun
gen vorübergehend oder dauern
d
gekürzt oder verweigert werden. Sie muss vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen. B
ehandlungs- oder Eingliederungs
massnahmen, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen, sind nicht zumutbar (
Art.
21
Abs.
4 ATSG).
1.5
.4
Gemäss
Art.
7b
Abs.
1 IVG können die Leistungen nach
Art.
21
Abs.
4 ATSG gekürzt oder verweigert werden, wenn die versicherte Person den Pflichten nach
Art.
7 IVG oder nach
Art.
43 Absatz 2 ATSG nicht nachgekommen ist.
Beim Entscheid über die Kürzung oder Verweigerung von Leistungen sind alle Umstände des einzelnen Falles, insbesondere das Ausmass des Verschuldens der
ve
rsicherten
Person, zu berücksichtigen (
Art.
7b
Abs.
3 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die leistungsabweisende Verfügung (Urk. 2) damit, der Beschwerdeführer habe die ihm auferlegte
Pflicht
, mind
estens wäh
rend sechs Monaten alk
oholabstinent gewesen zu sein, nicht erfüllt. Deshalb hätten keine weiteren medizinischen Abklärungen durchgeführt werden können, und es habe aufgrund der vorhandenen medizinischen Akten entschieden wer
den müssen. Gemäss diesen sei aus medizinischer Sicht kein
Gesundheitsscha
den
ausgewiesen (S. 2).
2.2
Dagegen wandte der Beschwerdeführer
zusammengefasst
ein (Urk. 1), er habe die Schadenminderungspflicht erfüllt und seine Mitwirkungspflichten nicht unentschuldbar verletzt
(S. 8 ff.)
.
Überdies sei in den medizinischen Akten ein Gesundheitsschaden ausgewiesen (S. 10 f.).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin das Leistungsbegehren des Beschwerdeführer
s
zu Recht aufgrund der
Verletzung seiner
Mitwirkungs
pflicht
verneint hat.
3.
3.1
Laut Austrittsbericht der
psychiatrischen Klinik E._
vom 7. Dezember 2010 (Urk. 7/22/11-16),
in welcher
der Beschwerdeführer vom 15. Oktober bis 22. November 2010 zum zweiten Mal hospitalisiert war
,
liegen folgende Diagnosen vor
(S. 1)
:
Heroinabhängigkeit, gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlich überwachten Ersatzdrogenprogramm mit Methadon (F11.22)
Benzodiazepinabhängigkeit
, Substitutionsversuch mit
Alprazolam
(F13.22)
Kokainabhängigkeit, gegenwärtig in beschützender Umgebung abstinent (F14.21)
V
erdacht auf
kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen (F61)
Hepatitis C
Es sei eine komplikationslose
Oxazepam
-Entwöhnung sowie unter
Substitu
tionsmedikation
mit Methadon ein Heroinentzug durchgeführt worden. Im wei
teren Verlauf seien zur Stimmungsstabilisierung
Trazodon
(
Trittico
)
eingesetzt
worden und die
Benzodiazepinmedikation
auf
Alprazolam
(
Xanax
) umgestellt worden
(S 3)
.
3.2
Im Arztbericht des Fachspitals
F._
vom 17. Februar 2012 (Urk. 7
/22
/5-8)
, wo der Beschwerdeführer vom 24. März bis 6. Juni
2011
aufgrund einer psy
chosozialen Erschöpfung bei Obdachlosigkeit und Suchtmittelabhän
g
igkeit in Behandlung war,
wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit gestellt
(S. 1)
:
kombinierte Persönlichkeitsstörung
rezidivierende depressive Störungen, g
egenwärtig l
eichte Episode
rezidivierende Obdachlosigkeit/Erschöpfung
chronische Hepatitis C
a
bgebrochene Interferon/
R
ibavirin
für 3 Monate in Belgien
Transaminasenerhöhung
Politoxikomanie
mit IVDA in ärztlich überwachtem Ersatzdrogenprogramm
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Ärzte:
Sta
t
us nach
Erysipel/Weichteilschwellung
Unterschenkel
/
Malleolus
med
i
alis
re
chts
Status nach
Hepatitis A (
Klinik E._
10/10)
Statuts nach
Hepatitis B
HIV negativ (01/11)
Auch nach der Entlassung stellten sich weiter die Probleme der beruflichen
Per
spektivlosigkeit
, der psychischen Instabilität und der geringen
Frustrationstole
ranz
im Rahmen einer kombinierten Persönlichkeitsstörung, aber auch soziale Schwierigkeiten, welche sich aus der Obdachlosigkeit ergeben hätten
(S. 2)
. Auf
grund der internistischen (Hepatitis), psychiatrischen (
Persönlichkeitsstö
rung
, De
pres
sion,
Polytoxikomanie
) und den beschriebenen psychosozialen patho
ge
nen Faktoren
bestehe
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 60 bis 70 %
(S. 3)
.
3.3
Lic
. phil. G._
, klinischer Psychologe
,
und
Dr.
Y._
, Polik
liniken
H._ und I._
,
diagnostizierten im Bericht vom 6. Februar 2013 (Urk. 7/33) folgende Diagnosen mit Auswirkun
g auf die Arbeitsfähigkeit (S.
2
):
rezidivierende depressive Störung (F33)
bei akzentuierter Persönlichkeit (F61.1 DD: Kombinierte
Persönlich
keitsstörung
)
organische Mitbeteiligung
Chronische Virushepatitis C (B182)
Virenlast: 2‘880‘000lU/ml am 8.8.2012 (8‘280‘000
lU
/ml am 10.5.2012)
Genotyp 3
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie (S.
3
):
Substanzstörungen, als sekundäre Folgestörungen des Diagnosepunktes 1
sekundäre Opiatabhängigkeit, Teilnahme an einem ärztlich kon
trollier
ten Substitutionsprogramm (F11.22)
sekundäre Kokainabhängigkeit, gegenwärtig sporadischer
S
ubstanz
ge
brauch
(F14.26), ausserhalb eines
arbeitsfähigkeitstangie
renden
Ausmasses
sekundäre Alkoholabhängigkeit, schädlicher Gebrauch (F10.1) bei erhöhten Leberwerten
St
atus
n
ach
sekundärer
Benzodiazepinabhängigkeit
gegenwärtig absti
nent (F13.20)
Status nach
Hepatitis A
St
atus nach
Hepatitis B
Thrombozytopenie
(
Tc
85 x 1000 mm3 am 10.5.2012)
St
atus nach Erysipel/Weichteilschwellung Unterschenkel
/
Malleolus
med
ialis
rechts
Der Beschwerdeführer zeige aufgrund der psychischen Störungen tiefgreifende Veränderungen des Verhaltens, welche besonders die Äusserung der Affekte, die Bedürfnisse und Impulse, den sozialen Kontakt, die sozialen Kompetenzen und insbesondere auch die Arbeitsfähigkeit beträfen. Dies umso mehr, je grösser
der Druck sei,
was dann
jeweils im S
inne eine
r Spirale zu
Eskalation
en
führen könne. In beruflichen
Situationen sei er unaufmerksam und mache Flüchtig
keitsfehler bei der Arbeit. Er habe Schwierigkeiten
,
bei der Durchführung von Aufgaben über längere Zeit aufmerksam zu sein und seine Aufgabe zu Ende zu führen. Er habe Probleme, die Arbeit zu organisieren
(S. 20)
.
3.4
Der Stellungnahme von
Dr.
med. J._
, Facharzt für Allgemeinmedizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, vom 21. Februar 2013 (vgl. Feststellungsblatt vom 22. Juli 2013, Urk. 7/42 S. 3 oben) ist zu ent
nehmen, dass der Beschwerdeführer im Wesentlichen an einer rezidivierenden depressiven Störung, vor dem Hintergrund von Substanzabhängigkeiten, vor
wiegend von Alkohol, leide.
4.
4.1
Die Anordnung einer Entzugsbehandlung und der Nachweis einer Abstinenz bereits im Abkl
ärungsverfahren kann unter dem T
itel der Mitwirkungspflicht angezeigt sein, wenn es darum geht, einen invaliditä
t
sfremden
Alkoholkonsum bei der Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit auszublenden. Besteht zwischen Alkoholsucht und krankheitswertigem psychischem Gesundheitsschaden ein Kausalzusammenhang, sind für die Frage der noch zumutbaren Erwerbstätigkeit die psychischen und die suchtmittelbedingten Beeinträchtigungen gesamthaft zu berücksichtigen. Einer allfälligen Wechselwirkung zwischen
Suchtmittelab
hängigkeit
und psychischer Begleiterkrankung ist Rechnung zu tragen. Hängt der Alkoholismus mit einer invalidisierenden Krankheit derart zusammen, dass eine Abstinenz unabdingbar ist, um die Progression der zusätzlichen Krankheit zu verhindern, kann ein Entzug als Eingliederungsmassnahme unter dem Titel der Schadenminderungspflicht in Frage kommen (beispielsweise bei einer invali
disierenden Leberschädigung, die ohne Abstinenz zu Leberzirrhose oder Leber
krebs führen würde
[
Urteil
des B
undgerichts
9C_370/2013
vom 22. November 2013 E. 4.2.1
mit Hinweisen]
).
4.2
Vorab ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer, nachdem ihm von der Beschwerdegegnerin letztmals am 10. März 2014
(Urk. 7/57)
die Pflicht auf
erlegt wurde, sich
mindestens während sechs Monaten alkoholabstinent – vor
zugsweise in stationärem Rahmen – zu verhalten, sich vom 1
2.
Mai bis 17. Juni 2014 in der Klink
K._
einem Alkohol- und Medikamentenentzug unterzogen hat
(vgl.
Urk.
7/99/2)
und hernach vom 30. Juli bis 16. Dezember 2014 im Rehabilitations
zentrum
D._
weilte.
Die dort durchgeführten
Tests
waren, wie auch diejenigen, die während des Jahres 201
3 bis 21. Februar 2014 von den S
tädtischen Ge
sundheitsdiensten durchgeführt
wurden
,
negativ
(vgl. Urk. 7/62 und Urk. 7/99)
.
Es kann aufgrund dieser Berichte davon ausge
gangen werden, dass der Beschwerdeführer
während den geforderten sechs Monaten alkoholabstinent war und seiner Mitwirkungspflicht nachgekommen ist. Dass die
Erfüllung der Mitwirkungspflicht nicht fachärztlich-psychiatrisch bestätigt worden ist, wie RAD-Arzt
Dr.
J._
am 25. Februar 2015 bemängelte
(vgl. Feststellungsblatt vom 13. Mai 2015, Urk. 7/103 S. 4 Mitte)
, erscheint doch sehr überspitzt, wurde dem Beschwerdeführer lediglich aufgegeben, sich den auferlegten Massnahmen in stationärem Rahmen zu unterziehen, welcher Pflicht er mit dem Aufenthalt im Psychiatriezentrum
K._
und im Rehabilitati
onszentrum
D._
nachgekommen ist.
4.3
Selbst aber wenn man sich auf den Standpunkt stellte, der Beschwerdeführer sei seiner Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen,
bleibt
festzustellen, dass es die Beschwerdegegnerin versäumt hat
te
zu prüfen, ob die geforderte
6-
monatige Alkoholabstinenz überhaupt zumutbar
beziehungsweise verhältnismässig war
(vgl.
E.
1.5.2
).
Den medizinischen
Bericht
en
jedenfalls
ist übereinstimmend zu entnehmen, dass
beim
Beschwerdeführer
neben einem psychischen
Gesund
heits
schaden
eine
P
olytoxikomanie
diagnostiziert wurde und er bereits mehrere stationäre
Suchtmittelentzüge mit Ersatzdrogenprog
r
ammen
hinter sich hat. Wes
halb die Beschwerdegegnerin sich allein von einer Alkoholabstinenz eine verbesserte Erwerbsfähigkeit versprach, ist nicht nachvollziehbar.
Überdies
st
eht
die Feststellung von RAD-Arzt
Dr.
J._
vom 21. Februar 2013 (E. 3.4)
, beim Beschwerdeführer liege eine rezidivierende depressive Störung vor dem Hinter
grund von Substanzabhängigkeiten, vorwiegend von Alkohol
,
vor,
im Wider
spruch zur Beurteilung durch
lic
. phil
.
G._
und
Dr.
Y._
im Bericht vom 6. Februar 2013 (E. 3.3)
, welche
die Substanzstörungen und auch die
Alko
holabhängigkeit
als sekundäre Folgestörungen der
rezidivierenden
depressiven Störung b
ei akzentuierter Persönlichkeit
betrachteten
, so dass ein Kausalzu
sammenhang zwischen den psychischen Beschwerden und dem Alkohol- und Drogenkonsum zumindest möglich ist, was aber von der Beschwerdegegnerin nie abgeklärt wurde
.
4.4
Beabsichtigte die Beschwerdegegnerin
,
wie
dies
d
ie
Begründung in der Verfü
gung vom 13. Mai 2015 (Urk. 2 S. 2) vermuten
läs
st
,
mit der Auferlegung der Mitwirku
ngspflicht
eine Begutachtung des Beschwerdeführers in nüchternem
Zustand,
erscheint
die auferlegte Pflicht zur 6-monatigen Alkoholabstinenz
als unverhältnismässig
,
hätte
doch
dafür eine Alkoholabstinenz von ein paar Tagen genügt. Überdies
stellt sich die Frage,
weshalb die Begutachtung nicht
durch
geführt wurde
, als der Beschwerdeführer im
D._
weilte
und erwiese
nermassen keinen Alk
ohol konsumiert hatte.
4.
5
Schliesslich
ist den Akten
nicht zu entnehmen, worauf
die Beschwerdegegnerin
ihre Erkenntnisse stützte, dass
bei
einer
6-
m
onatigen Alkoholabstinenz
eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit erzielt werden könne, zumal sie nie tatsächliche Feststellungen über den Umfang einer allenfalls bestehenden Arbeitsunfähigkeit
und
einer allfälligen zusätzlichen Einschränkung derselben
durch die Alkoholsucht
getroffen hat
.
5.
5.1
Zusammenfassend wä
re die Beschwerdegegnerin gehalten gewesen, eine umfas
sende psychiatrische Abklärung zu veranlassen, die insbesondere Aufschluss darüber gibt, ob die Alkohol- und Drogensucht des Beschwerdeführers eine Folge eines psychischen Gesundheitsschadens ist, ob zur Beurteilung der
invali
denversicherungsrechtlich
relevanten Arbeitsunfähigkeit ein kurzfristiger, im Rahmen einer Abklärungsmassnahme durchzuführender Alkoholentzug und die Stabilisierung der anderen Substanzen erforderlich
sind
, und ob solche dem Beschwerdeführer zumutbar sind.
Wäre
n
letztere
zu bejahen
gewesen
,
wäre
der Beschwerdeführer im Rahmen der Mitwirkungspflicht aufzufordern
gewesen
, sich der notwendigen Massnahme zu unterziehen.
Hätte er sich geweigert
,
hätte
die Beschwerdegegnerin
gestützt auf Art. 7b IVG entsch
ei
den
können
, wobei auch Abs. 3 dieser Bestimmung zu beachten
gewesen wäre
.
5.2
Erst wenn feststeht, dass die Alkohol- und Drogenabhängigkeit die aus
inva
liden
versicherungsrechtlicher
Sicht massgebende Arbeits- und Erwerbsfähigkeit beein
trächtig
en
und dem Beschwerdeführer ein langfristiger Entzug aus ärzt
licher Sicht zumutbar ist, kann
im Rahmen der Schadenminderungspflicht ein – allen
falls auch stationärer – Entzug verlangt und
eine allfällige
Weigerung mi
t Sanktionen ebenfalls im Sinne von Art. 7b IVG belegt werden.
6.
Das Dargelegte
führt zur Aufhebung der angefochtene
n
Verfügung und
Rück
weisung
der Sache zur erneuten Prüfung im Sinne
von Erwägung 5 und neuer Entscheidung
.
7.
7.1
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 700.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
7
.2
Der
anwaltlich vertretene u
nd obsiegende Beschwerdeführer
hat Anspruch auf eine Prozessentschädigung, die beim praxisgemäss anwendbaren Stundenansatz von Fr.
220
.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ermessensweise auf
Fr.
1‘800
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und von der Beschwerdegegnerin zu bezahlen ist.