Decision ID: 827a8024-6315-48fb-9905-790ed847b6d8
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Die Beschwerdekammer hält fest, dass:
- die Staatsanwaltschaft München I gegen A. ein Ermittlungsverfahren wegen
Steuerhinterziehung führt und in diesem Zusammenhang am 28. Mai 2018
der Leitende Oberstaatsanwalt München I die Schweiz um Durchsuchung
der Räumlichkeiten an der D.-strasse in Z. und an der E.-strasse in Y. sowie
um Befragung von A. unter Anwesenheit eines deutschen Beamten ersuchte
(Verfahrensakten Ordner, Lasche 1, Urk. 1);
- die Eidgenössische Steuerverwaltung auf entsprechendes Ersuchen der
Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Luzern vom 20. August 2018 am
17. Oktober 2018 zum Schluss kam, die Gewährung der ersuchten Rechts-
hilfe sei zulässig (Verfahrensakten Ordner, Lasche 2, Urk. 1 und 3);
- der Leitende Oberstaatsanwalt München I mit Schreiben vom 10. Juli 2020
mitteilte, dass am Rechtshilfeersuchen vom 28. Mai 2018 nach wie vor fest-
gehalten werde (Verfahrensakten Ordner, Lasche 3, Urk. 2);
- die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Luzern den deutschen Behörden
am 10. Juli 2020 telefonisch mitteilte, dass Steuerfahndern in der Regel
keine Bewilligung zur Teilnahme an Einvernahmen im Kanton Luzern erteilt
würden (Verfahrensakten Ordern, Lasche 3, Urk. 4);
- die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Luzern mit Eintretensverfügungen
vom 15. September 2020 auf das Rechtshilfeersuchen eintrat und die Luzer-
ner Polizei mit der Durchsuchung der Wohnung von A. an der D.-strasse in
Z. sowie mit dessen Befragung beauftragte; gleichentags die Oberstaatsan-
waltschaft des Kantons Luzern einen entsprechenden Hausdurchsuchungs-
sowie Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehl erliess (Verfahrensakten
Ordner, Lasche 4, Urk. 1-3);
- anlässlich der Hausdurchsuchung vom 11. Februar 2021 unter anderem ver-
schiedene elektronische Datenträger sichergestellt wurden (Verfahrensak-
ten Ordner, Lasche 5, Urk. 1 und 5);
- A. und seine Ehefrau B. mit Beschwerde vom 20. Februar 2021 an das Kan-
tonsgericht Luzern gelangt sind und darum ersuchten, es sei festzustellen,
dass die Zwangsmassnahmen vom 11. Februar 2021 Art. 197, 244 und 263
StPO verletzen; sie zudem die unverzügliche Herausgabe der beschlag-
nahmten Gegenstände sowie die Aufhebung der Verfügungen der Ober-
staatsanwaltschaft des Kantons Luzern beantragten (act. 1);
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- A. und B. die Beschwerde offenbar auch im Namen ihrer im Jahre 2017 ge-
borenen Tochter, C., stellten;
- das Kantonsgericht Luzern mit Verfügung vom 15. April 2021 auf die Be-
schwerde nicht eintrat und die Akten, inklusive der Vernehmlassungen der
Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Luzern und A. und B., zuständigkeits-
halber an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts weiterleitete
(act. 2; 2.1 und 2.2.);
- auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet wird (Art. 57 Abs. 2
des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfah-
ren [Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG; SR 172.021] e contrario).

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:
- auf Beschwerdeverfahren in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten die
Bestimmungen des VwVG anwendbar sind (Art. 39 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37
Abs. 2 lit. a Ziff. 1 StBOG), wenn das Bundesgesetz vom 20. März 1981 über
internationale Rechtshilfe in Strafsachen (Rechtshilfegesetz, IRSG; SR
351.1) nichts Anderes bestimmt (Art. 12 Abs. 1 IRSG);
- sich die vorliegende Beschwerde sinngemäss gegen die Eintretensverfügun-
gen vom 15. September 2020 und den Hausdurchsuchungs- sowie den
Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehl vom 15. September 2020 rich-
tet;
- es sich bei den Eintretensverfügungen vom 15. September 2020 materiell
um Eintretens- und Zwischenverfügungen handelt, da sie inhaltlich über die
Vorprüfung von Art. 80 Abs. 1 IRSG hinausgehen;
- der Schlussverfügung in Rechtshilfeangelegenheiten vorangehende Zwi-
schenverfügungen nur selbstständig angefochten werden können, sofern sie
durch die Beschlagnahme von Vermögenswerten und Wertgegenständen
(Art. 80e Abs. 2 lit. a IRSG) oder durch die Anwesenheit von Personen, die
am ausländischen Prozess beteiligt sind (Art. 80e Abs. 2 lit. b IRSG), einen
unmittelbaren und nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken;
- es sich bei den vorliegend sichergestellten und allenfalls zu beschlagnah-
menden Daten und Datenträgern nicht um Vermögenswerte und Wertgegen-
stände im Sinne von Art. 80e Abs. 2 lit. a IRSG handelt, was von den Be-
schwerdeführern zu Recht auch nicht geltend gemacht wird (vgl. TPF 2010
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133; siehe u. a. auch die Entscheide des Bundesstrafgerichts RR.2014.112
vom 29. April 2014; RR.2013.210 vom 31. Juli 2013; RR.2012.12 vom
19. April 2012), und die sichergestellte und allenfalls zu beschlagnahmende
Pistole Walther PAK, Modell P99, inkl. Platzpatronen, ein Zufallsfund ist, der
nicht Gegenstand des vorliegenden Rechtshilfeverfahrens ist (vgl. Verfah-
rensakten Ordner, Lasche 5, Urk. 1 S. 2);
- das Gesetz im Bereich der Rechtshilfe in Strafsachen ferner keine unmittel-
bare Beschwerdemöglichkeit gegen den hier mitangefochtenen Hausdurch-
suchungs- und Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehl vorsieht
(Art. 80e Abs. 2 IRSG e contrario; Entscheide des Bundesstrafgerichts
RR.2018.95-97 vom 29. März 2018; RR.2015.57 vom 19. Februar 2015;
RR.2014.112 vom 29. April 2014; RR.2012.12 vom 19. April 2012);
- demnach kein taugliches Anfechtungsobjekt im Sinne von Art. 80e Abs. 2
IRSG vorliegt, weshalb die angefochtenen Verfügungen vom 15. Septem-
ber 2020 sowie der Hausdurchsuchungs-, und Durchsuchungs- sowie Be-
schlagnahmebefehl vom 15. September 2020 nicht selbständig anfechtbar
sind und auf die Beschwerde folglich nicht einzutreten ist;
- bei diesem Ausgang des Verfahrens die Gerichtskosten den Beschwerde-
führern 1 und 2 unter solidarischer Haftung aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1
VwVG i.V.m. Art. 36 Abs. 1 lit. b StBOG) und diese auf Fr. 1‘000.-- festzu-
setzen sind.
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