Decision ID: 60ae98a3-8e59-4bf9-abd8-4af236df73b4
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 2000, wurde von seinen Eltern unter Hin
weis auf eine
Cystische
Fibrose
(Geburtsgebrechen Ziffer 459 des Anhangs
zu
r Ve
rordnung über Geburtsgebrechen [
GgV
]
)
am 2
3.
November 2012 bei der Inva
lidenversicherung zum Leistungsbezug angemeldet (
Urk.
6/12).
Die Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte bei
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin am Kinderspital
Z._
, einen Arztbe
richt ein (
Urk.
6/19/5 ff.)
.
Mit Mitteilung vom
3.
Mai 2013 erteilte sie für den Zeitraum vom 2
5.
Oktober 2012 bis 2
9.
Februar 2020 Kostengutsprache für die Behandlung des Geburtsgebrechens
sowie ärztlich
verordnete Behandlungsgeräte und anerkannte Diätmittel (
Urk.
6/23).
Ferner teilte sie dem Versicherten mit Schreiben vom
6.
Mai 2013 mit, dass sie die Kosten für ambulante Physiotherapie nach ärztlicher Verordnung im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen vom 2
7.
November 2012 bis 3
0.
November 2017 übernehme (
Urk.
6/22).
Des Weiteren sprach sie
ihm
mit Verfügung vom
9.
Januar 2014 rückwirkend ab dem
1.
Okto
ber 2013 eine Entschädigung wegen leichter Hilflosigkeit zu (
Urk.
6/35)
, welche sie mit Ver
fügung vom 2
8.
Mai 2015 per 30.
Juni 2015 wieder aufhob
, nachdem der Versicherte das 1
5.
Altersjahr erreicht hatte
(
Urk.
6/40).
Am
1.
April 2016 er
teilte die IV-Stelle überdies Kostengutsprache für eine stationäre Rehabilitation
in der Zeit vom 3
1.
März bis 1
4.
April 2016
(
Urk.
6/46).
1.2
Nachdem
Dr.
Y._
die IV-Stelle mit Schreiben vom 2
7.
Juli 2017 (
Urk.
6/50) dar
über orientiert hatte, dass aufgrund aktueller Untersuchungen Zweifel an der Di
agnose einer
Cystischen
Fibrose
bestünden
, übernahm diese nach vorgängiger Rücksprache mit dem Bundesamt für Sozialversicherungen (vgl.
Urk.
6/52 f.)
mit Mitteilung vom 1
3.
September 2017
die Kosten einer Untersuchung im Universi
tätsklinikum
A._
, Deutschland
(
Urk.
6/55).
Mit Bericht vom 1
3.
März 2018 orientierte
Dr.
Y._
die IV-Stelle darüber, dass eine
Cystische
Fibrose
habe
aus
geschlossen werden könne
n
, weshalb in Bezug auf dieses Geburtsgebrechen eine Abmeldung von der Invalidenversicherung erfolge (
Urk.
6/57).
Mit Vorbescheid
vom 2
0.
Juni 2018 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die rückwirkende Auf
hebung der Mitte
i
lungen vom
3.
und
6.
Mai 2013 sowie
1.
April 2016 in Aussicht
. Die seit Juni 2013 erbrachten Leistungen für die Behandlung des Geburtsgebre
chens würden beim jeweiligen Leistungserbringer zurückgefordert (
Urk.
6/61). Sowohl der Versicherte als auch dessen
obligatorischer
Krankenversicherer, die
Sanitas
Grundversicherungen AG (nachfolgend:
Sanitas
)
,
erhoben dagegen Ein
wand (Urk. 6/71, 6/73). Am 1
0.
Oktober 2018 verfügte die IV-Stelle im angekün
digten Sinne (
Urk.
6/75 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die
Sanitas
am
2
2.
Oktober 2018 Beschwerde mit dem Rechtsbe
gehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben. Für den Fall, dass die Revi
sion nicht angezweifelt werde, sei festzustellen, dass die erbrachten Leistungen für die Behandlung des Geburtsgebrechens Ziffer 459
GgV
nicht zurückgefordert werden können (
Urk.
1 S. 7).
Mit Beschwerdeantwort vom 30. November 2018 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5). Mit Ver
fügung vom
5.
Dezember 2018 wurde der Versicherte zum Prozess beigeladen (
Urk.
7), liess sich in der Folge jedoch zur Sache nicht vernehmen (vgl.
Urk.
9). Darüber wurde die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 3
0.
Januar 2019 in Kenntnis gesetzt (
Urk.
10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Versicherte haben bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf die zur Be
handlung von Geburtsgebrechen (
Art.
3
Abs.
2
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
) notwendigen medizinischen Massnahmen (
Art.
13
Abs.
1
des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung, IVG
). Der Bundesrat bezeichnet die Gebrechen, für welche diese Massnahmen ge
währt werden. Er kann die Leistung ausschliessen, wenn das Gebrechen von ge
ringfügiger Bedeutung ist (
Art.
13 Abs. 2 IVG).
Als Geburtsgebrechen gelten diejenigen Krankheiten, die bei vollendeter Geburt bestehen (
Art.
3
Abs.
2 ATSG in Verbindung mit
Art.
1
Abs.
1 Satz 1
GgV
). Die blosse Veranlagung zu einem Leiden gilt nicht als Geburtsgebrechen. Der Zeit
punkt, in dem ein Geburtsgebrechen als solches erkannt wird, ist unerheblich (
Art.
1
Abs.
1
GgV
). Die Geburtsgebrechen sind in der Liste im Anhang aufge
führt. Als medizinische Massnahmen, die für die Behandlung eines Geburtsge
brechens notwendig sind, gelten sämtliche Vorkehren, die nach bewährter Er
kenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sind und den therapeutischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (
Art.
2
Abs.
3
GgV
).
1.2
1.2.1
Gemäss Art. 53 Abs. 1 ATSG müssen formell rechtskräftige Verfügungen und
Einspracheentscheide
in Revision gezogen werden, wenn die versicherte Person oder der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen ent
deckt oder Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war (sogenannte prozessuale Revision; BGE 143 V 105 E. 2.1, 138 V 324 E. 3.2).
1.2.2
Neue Tatsachen und Beweismittel im Sinne von Art. 53 Abs. 1 ATSG sind innert 90 Tagen nach ihrer Entdeckung geltend zu machen; nebst dieser relativen Frist gilt eine absolute 10-jährige Frist, die mit d
er Eröffnung der Verfügung respektive
des
Einspracheentscheides
zu laufen beginnt (BGE 143 V 105 E. 2.1 mit Hinwei
sen).
Der Zeitpunkt, in welchem die Partei den angerufenen Revisionsgrund hätte ent
decken können, bestimmt sich grundsätzlich nach dem Prinzip von Treu und Glauben. Praxisgemäss beginnt die relative 90-tägige Revisionsfrist zu laufen, sobald bei der Partei eine sichere Kenntnis über die neue erhebliche Tatsache oder das entscheidende Beweismittel vorhanden ist. Blosse Vermutungen oder gar Ge
rüchte genügen dagegen nicht und vermögen den Lauf der Revisionsfristen nicht in Gang zu setzen. Die sichere Kenntnis ist nach der bundesgerichtlichen Recht
sprechung nicht erst dann gegeben, wenn der Revisionsgesuchsteller die neue Tatsache sicher beweisen kann, sondern es genügt ein auf sicheren Grundlagen fussendes Wissen darüber (BGE 143 V 105 E. 2.4 mit Hinweisen; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_2/2018 vom 1. März 2018 E. 4).
1.2.3
Der Begriff «neue Tatsachen oder Beweismittel» ist bei der (prozessualen) Revision eines Verwaltungsentscheides nach Art. 53 Abs. 1 ATSG gleich auszulegen wie bei der Revision eines kantonalen Gerichtsentscheides gemäss
Art.
61
lit
. i ATSG oder bei der Revision eines Bundesgerichtsurteils gemäss Art. 123 Abs. 2
lit
. a
des Bundesgeset
zes über das Bundesgericht
(
BGG;
BGE 144 V 245 E. 5.1 mit Hinwei
sen, 143 V 105 E. 2.3).
Im Rahmen von Art. 53 Abs. 1 ATSG sind Tatsachen neu, wenn sie sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung oder des
Einspracheentscheides
verwirklicht haben, jedoch dem Revisionsgesuchsteller trotz hinreichender Sorgfalt nicht be
kannt waren. Die neuen Tatsachen müssen ferner erheblich sein, das heisst sie müssen geeignet sein, die
tatbeständliche
Grundlage des zur Revision beantragten
Entscheids zu verändern und bei zutreffender rechtlicher Würdigung zu einer an
deren Entscheidung zu führen (
BGE 144 V 245
E. 5.2 und 8C_210/2017 vom 22. August 2017 E. 7.1). Neue Beweismittel haben entweder dem Beweis der die Revision begründenden neuen erheblichen Tatsachen oder dem Beweis von Tat
sachen zu dienen, die zwar im früheren Verfahren bekannt gewesen, aber zum Nachteil des Gesuchstellers unbewiesen geblieben sind. Erheblich ist ein Beweis
mittel, wenn anzunehmen ist, es hätte zu einem anderen Entscheid geführt, falls die Verwaltung im früheren Verfahren davon Kenntnis gehabt hätte. Ausschlag
gebend ist, dass das Beweismittel nicht bloss der Sachverhaltswürdigung, sondern der Sachverhaltsfeststellung dient. Es bedarf dazu neuer Elemente tatsächlicher Natur, welche die Entscheidungsgrundlagen als objektiv mangelhaft erscheinen lassen (vgl. BGE 143 V 105 E. 2.3, 138 V 324 E. 3.2, je mit Hinweisen).
Betrifft der Revisionsgrund eine materielle Anspruchsvoraussetzung, deren Beur
teilung massgeblich auf Schätzung oder Beweiswürdigung beruht, auf Elementen also, die notwendigerweise Ermessenszüge aufweisen, so ist eine vorgebrachte neue Tatsache als solche in der Regel nicht erheblich. Ein (prozessrechtlicher) Revisionsgrund fällt demnach überhaupt nur in Betracht, wenn bereits im ur
sprünglichen Verfahren der untersuchende Arzt und die entscheidende Behörde das Ermessen wegen eines neu erhobenen Befundes zwingend anders hätten aus
üben und infolgedessen zu einem anderen Ergebnis hätten gelangen müssen. An diesem
prozessualrevisionsrechtlich
verlangten Erfordernis fehlt es, wenn sich das Neue im Wesentlichen in (differenzial-)diagnostischen Überlegungen erschöpft, also auf der Ebene der medizinischen Beurteilung anzusiedeln ist (BGE 144 V 245 E. 5.3 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung vom 10. Okto
ber 2018 zusammengefasst damit, dass
Dr.
Y._
mit Bericht vom 13. März 2018 die Diagnose der
Cystischen
Fibrose
widerrufen habe. Dieses neue Beweismittel zeige auf,
dass mangels eines Geburtsgebrechens im Sinne von Ziffer 459
GgV
-Anhang keine Leistungsansprüche bestanden hätten beziehungsweise bestünden.
Die Voraussetzungen für eine prozessuale Revision gemäss
Art.
53
Abs.
1 ATSG seien erfüllt
, was zur rückwirkenden Aufhe
bung der Kostengutsprachen vom
3.
und
6.
Mai 2013
sowie
1.
April 2016 führe.
Die seit Juni 2013 erbrachten Leis
tungen für die Behandlung des Geburtsgebrechens würden beim jeweiligen Leis
tungserbringer zurüc
kgefordert.
In Bezug auf die im
Vorbescheidverfahren
erho
benen Einwände sei
ergänzend
anzumerken, dass die im Zusammenhang mit der prozessualen Revision massgebende
90
-
tägige Frist
mit Zustellung des
Vor
-
bescheides
vom 2
0.
Juni 2018 eingehalten worden sei. Der Bericht der Klinik
A._
sei zusammen mit dem Schreiben von
Dr.
Y._
vom 1
3.
März 2018 erst am 2
3.
März 2018 eingegangen (
Urk.
2 S. 2 f.).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte in ihrer Beschwerdeschrift vom 2
2.
Oktober 2018 im Wesentlichen vor,
die Voraussetzungen für eine prozessuale Revision seien nicht erfüllt. Es lägen einerseits keine neuen Tatsachen oder Beweismittel vor, deren Beibringung zuvor nicht möglich gewesen sei. Insbesondere bestünden seit de
n
Jahr
en
2005 respektive 2006
medizinische L
eitlinien, welche für die Diagnose einer
Cystischen
Fibrose
mehrere Schweisstests sowie eine spezifische Mutation oder den Nachweis eines abnormen nasalen
epithelialen
Ionentransports forder
te
n
. Die nun in Deutschland durchgeführten Untersuchungen hätten
bei hinrei
chender Sorgfalt
somit bereits vor Jahren vorgenommen werden
müssen.
Ande
rerseits müsse ein neues Beweismittel den Fehler in der früheren Beweisgrundlage eindeutig aufzeigen, damit ein Revisionsgrund
bestehe
.
Anhaltspunkte für einen derartigen Fehler seien dem Bericht des Universitätsklinikums
A._
vom 2
1.
September 2017 allerdings nicht zu entnehmen.
Eine ursprüngliche Fehler
haftigkeit der von der Beschwerdegegnerin aufgehobenen Verfügungen aus den Jahren 2013 und 2016 liege demnach nicht vor,
weshalb
die Revision ihre Wir
kung nicht ex
tunc
entfalte und eine Rückforderung der für die Behandlung des Geburtsgebrechens erbrachten Leistungen nicht möglich sei (
Urk.
1 S. 5 ff.).
3.
3.1
Die mit der angefochtenen Verfügung aufgehobenen Mitteilungen betreffend Kostengutsprachen für medizinische Massnah
men vom
3.
Mai 2013 (
Urk.
6/23) und
6.
Mai 2013 (
Urk.
6/22) basierten auf dem
ärztlichen
Bericht von
Dr.
Y._
vom
3.
April 201
3.
Diesem
Dokument
ist zu entnehmen,
dass
beim
beigeladenen
Versicherten seit Jahren ein chronisch produktiver Husten mit Leistungsein
schränkung und beeinträchtigter Lungenfunktion
best
anden habe
. Bis Oktober 2012 sei die falsche Diagnose
eines Asthma
bronchiale gestellt worden, welches mit entsprechender antiasthmatischer Therapie behandelt worden sei.
Am
2
5.
Ok
tober 2012
habe
nach zwei pathologischen Schweisstests
eine
Cystische
Fibrose
im Sinne von Ziffer 459
GgV
-Anhang diagnostiziert w
erden können
.
Bei Pan
kreassuffizienz liege aktuell eine isolierte pulmonale Beteiligung vor (
Urk.
6/19/5 ff.).
Die ebenfalls von der Beschwerdegegnerin rückwirkend aufgehobene Kostengut
sprache für eine stationäre Rehabilitation in der
K
linik
B._
vom
1.
April 2016 (
Urk.
6/46) beruhte
in erster Linie
auf einem entsprechenden Antrag von
Dr.
Y._
vom 1
8.
März 201
6.
Darin hielt er namentlich fest, dass eine
Cysti
sche
Fibrose
mit chronischer obstruktiver
Pneumopathie
sowie chronisch-progre
dientem Untergewicht mit
Gedeihstörung
vorliege.
Bei Fortschreiten der Proble
matik drohe eine manifeste Essstörung und eine negative Beeinflussung der der
zeit noch stabilen pulmonalen Lungenerkrankung. Eine stationäre Massnahme sei dringend indiziert, da alle ambulanten Massnahmen ausgeschöpft seien (
Urk.
6/43).
Dr.
med.
C._
vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD), Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin,
nahm am
2
4.
März 2016
zu diesem Antrag Stellung und gelangte
zum Schluss, dass die stationäre Rehabilitationskur wegen der zunehmenden Ess- und
Gedeihproblematik
mit dem Geburtsgebrechen in
Verbindung
stehe und deren Kosten daher von der Invalidenversicherung
zu übernehmen seien
(U
rk.
6/45/2).
3.2
3.2.1
Mit Schreiben vom 2
7.
Juli 2017 orientierte
Dr.
Y._
die Beschwerdegegnerin darüber, dass aufgrund des klinischen Verlaufs Zweifel
daran
aufgekommen seien
, ob eine
Cystische
Fibrose
vorliege. Eine genetische Untersuchung habe diese Frage nicht klären können, da keine Mutationen gefunden worden seien. Die Ergebnisse der kürzlich erneut durchgeführten Schweisstestuntersuchungen hätten im intermediären Bereich gelegen. Eine
Cystische
Fibrose
könne weiterhin nicht ausgeschlossen werden; aufgrund der Schweisstestbefunde sei ein milder Phänoty
p
(«atypische Form») weiterhin möglich. Eine endgültige Klärung sei nun
mehr medizinisch dringend indiziert. Die
intestinale
Kurzschluss
-
strommessung
(ICM)
bilde heute international den
Goldstandard
der definitiven Diagnostik, wo
bei diese in der Schweiz nicht durchgeführt werde. Das nächstgelegene Zentrum hierfür sei das Universitätsklinikum
A._
in Deutschland. Es werde daher um Kostengutsprache für diese diagnostische Massnahme ersucht (
Urk.
6/50).
3.2.2
Die Beschwerdegegnerin erteilte in der Folge am 1
3.
September 2017 Kostengut
sprache für die Untersuchung im Universitätsklinikum
A._
(Urk. 6/55). De
m
Bericht
der Ärzte des Klinikums
vom 2
1.
September 2017 ist im Wesentli
chen zu entnehmen, dass eine
Cystische
Fibrose
nach einer
Rektumschleimhaut
biopsie
und einer Nasenpotentialmessung habe ausgeschlossen werden können. Nebst einer chronisch-fixierten mittelschweren obstruktiven
Pneumopathie
mit Überblähung liege eine
Gedeihstörung
mit aktuell sukzessiver Gewichts- und BMI-Zunahme vor (
Urk.
6/56/4 ff.).
Über
diese Beurteilung
setzte
Dr.
Y._
die Beschwerdegegnerin mit Bericht vom 1
3.
März 2018 in Kenntnis
und
widerrief
gleichzeitig
die Diagnose einer
Cystischen
Fibrose
(Urk.
6/57).
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Voraussetzungen für eine prozessuale Revision
gemäss
Art.
53
Abs.
1 ATSG erfüllt sind.
Nach einer
Rektumschleimhautbiopsie
sowie einer Nasenpotentialmessung schlossen die Ärzte des Universitätsklinikums
A._
mit Bericht vom 21. September 2017 eine
Cystische
Fibrose
explizit aus (
Urk.
6/56/4)
, worüber Dr.
Y._
die Beschwerdegegnerin — unter Widerruf der ursprünglich von ihm gestellten Diagnose (vgl.
Urk.
6/19/5) — mit Bericht vom 1
3.
März 2018 infor
mierte (
Urk.
6/57).
Damit liegt entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin ein
entscheidendes
neues Beweismittel vor, welches den Fehler in der früheren Beweisgrundlage eindeutig aufzeigt.
So
leidet
der
Beigeladene
unter Berücksich
tigung
der neu erhobenen Befunde
u
nbestrittenermassen nicht an einer
Cysti
schen
Fibrose
.
Wenn die
Befunde
des Universitätsklinikums
A._
der Be
schwerdegegnerin in den ursprünglichen Verfahren betreffend Kostengutsprache für medizinische Massnahm
en bekannt gewesen wären, hätte
sie ihr Ermessen mangels Vorliegens eines Geburtsgebrechens zwingend anders ausüben und in
folgedessen zu einem anderen Ergebnis
der A
bweisung der Leistungsbegeh
ren
gelangen müssen.
Die unrichtige Würdigung erfolgte, da damals für den Entscheid wesentlich
e Tatsachen nicht bekannt waren und
deswegen von
Dr.
Y._
eine Fehldiagnose gestellt worden war
(vgl.
E. 1.2.3 vorstehend
und
BGE
144 V 245 E. 5.3 f. und
E.
5
.5.5 sowie
Urteil des Bundesgerichts 8C_968/2010 vom
9.
Februar 2011 E. 2.2 mit Hinweis)
.
4.2
Die Beschwerdeführerin stellt nicht in Abrede, dass die Beschwerdegegnerin
die 90-tägige Frist zur Geltendmachung der neuen Tatsachen und Beweismittel (vgl. E. 1.2.2 vorstehend) mit Erlass des Vorbescheids vom 2
0.
Juni 2018 eingehalten hat, da ihr der Bericht von
Dr.
Y._
vom 1
3.
März 2018 erst am 23. März 2018 zuging
(vgl.
Urk.
6/58/1, 6/59/1)
. Es kann in diesem Zusammenhang auf die zu
treffenden Ausführungen der Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfü
gung v
erwiesen werden (
Urk.
2
S. 3).
4.3
Allerdings
vertritt die Beschwerdeführerin den Standpunkt,
dass die Beschwerde
gegnerin
die Untersuchungen in Deutschland bereits zu einem viel früheren Zeit
punkt hätte anordnen können respektive müssen
(
Urk.
1 S. 5)
.
Dieser Argumen
tation ist entgegenzuhalten, dass
es nach konstanter Rechtsprechung des Bun
desgerichts für die Annahme einer Leistungspflicht der Invalidenversicherung aufgrund von
Art.
13 IVG in beweisrechtlicher Hinsicht genügt, dass ein Facharzt oder eine Fachärztin zumindest für wahrscheinlich hält, es liege ein im Anhang der
GgV
enthaltenes Gebrechen vor (BGE 100 V 104 E. 2 in
fine
).
Wie die Be
schwerdeführerin auch selbst festhält (
Urk.
1 S. 4
Ziff.
15), bestanden damals
auf
der Grundlage des
Bericht
s
von
Dr.
Y._
vom
3.
April 2013
keine Anhaltspunkte
,
an der
gestellten
Diagnose
zu zweifeln
.
So
litt der
Beigeladene
zu jenem Zeitpunkt
nicht nur
seit Jahren unter einem chronisch produktiven Husten und einer ein
geschränkten Lungenfunktion
. Im Oktober 2012 ergaben zudem zwei Schweiss
tests pathologische Ergebnisse (
Urk.
6/19/6
, 6/57/1
).
Auch mit Blick auf die von der Beschwerdeführerin
herangezogene
Diagnoseleitlinie
betreffend
Muko
-
viszi
dose
(
Urk.
1 S. 5
,
Urk.
6/73/2 f.
;
zugänglich über
http://www.sgpp-sspp.ch/de/cystische-fibrose-80.html
, zuletzt besucht am
1.
April 2020
), welche zur Diagnosestellung
bei Vorhandensein eines klinischen Hinweises auf diese Er
krankung
insbesondere
erhöhte
Schweisschloridwerte
bei mindestens zwei unab
hängigen Messungen genügen lassen (S. 7 der Leitlinie
)
,
bestand für die Be
schwerdegegnerin somit kein Anlass, die Diagnose anzuzweifeln und weitere Ab
klärungen in Auftrag zu geben.
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin sehen die von ihr zitierten Leitlinien zur Diagnose
s
tellung einer
Cystischen
Fib
rose
n
icht kumulativ die Durchführung
v
on Schweisste
stungen
und einer Gentes
tung vor, sondern
es handelt sich um
alternativ
anwendbare Diagnosemethoden
. Das
seinerzeitige Vorgehen von Dr.
Y._
, der
zwei
im Ergebnis
pathologisch
e
Schweisstestungen
durchgeführt hat
(
Urk.
6/19/6)
,
ist vor diesem Hintergrund nicht zu beanstanden und der Beschwerdegegnerin lässt sich keine
mangelnde S
orgfal
t vorwerfen, indem sie auf die
gestellte Diagnose
abstellte
und
medi
z
i
ni
sche
Massnahmen
zur Behandlung des Geburtsgebrechens
zusprach
(
Urk.
6/22 f.
).
Dies gilt umso mehr
in Anbetracht des Umstands, dass es sich bei der
vom Uni
versitätsk
linikum
A._
vorgenommenen
intestinalen Kurzschlussstrom
messung
gemäss Bundesamt für Sozialversicherungen
um eine hochspezialisier
-
te
Abklärung handelt, welche in der Schweiz nicht durchgeführt wird
(vgl.
Urk.
6/53).
Erst diese Untersuchung erbrachte in der Folge endgültig Klarheit.
Nach dem Gesagten war
die Beschwerdegegnerin zum Zeitpunkt der Erteilung der Kostengutsprachen nicht gehalten, zusätzliche medizinische Abklärungen
in Be
zug auf die Feststellung des Geburtsgebrechens
zu tätigen
.
Dr.
Y._
äusserte erst
mals mit Schreiben vom 2
7.
Juli 2017
(
Urk.
6/50)
Zweifel an seiner Diagnose, worauf zeitnah
eine
U
ntersuchung
am Universitätsklinikum
A._
durchge
führt wurde
.
Erst n
ach
Eingang
der Ergebnisse dieser Abklärung
am 23. März 2018 hatte die Beschwerdegegnerin sichere Kenntnis über die entscheidende Tat
sache, dass kein Geburtsgebrechen
gemäss
Ziffer 459
GgV
-Anhang vorl
ag bezie
hungsweise vorliegt
.
Sämtliche Voraussetzungen für eine prozessuale Revision im Sinne von
Art.
53
Abs.
1 ATSG
welche auch bei formlosen, rechtsbeständig gewordenen
Leistungszusprechungen
wie den vorliegenden Kostengutsprachen
zur Anwendung gelangt (vgl. BGE 143 V
105 E.
2.1 mit Hinweisen)
sind damit erfüllt.
4.
4
Im Wesen der prozessualen Revision liegt es, dass dieser
Rückkommenstitel
, wel
cher der rechtsbeständigen Verfügung die Grundlage entzieht, eine uneinge
schränkte
materie
llrechtliche
Neuprüfung gebietet
und damit rückwirkend (ex
tunc
) Platz greift (BGE 129 V 211 E. 3.2.2 mit Hinweis).
D
emzufolge
ist nicht zu beanstanden,
dass die Beschwerdegegnerin die Kostengutsprachen vom
3.
Mai 2013
(
Urk.
6/23)
,
6.
Mai 2013
(
Urk.
6/22) und 1.
April 2016
(
Urk.
6/46)
rückwir
kend aufgehoben hat. Auf die
Feststell
ung, dass die seit Juni 2013 erbrachten Leistungen für die Behandlung des Geburtsgebrechens beim jeweiligen Leistungs
erbringer zurückgefordert werden, ist an dieser Stelle nicht weiter einzugehen, da die
s Gegenstand separater Verfügungen bildet, in welchen insbesondere der Um
fang der Rückforderung
festzulegen
ist
(vgl.
Art.
3
Abs.
1
der Verordnung über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSV).
Auf den Antrag der Beschwerdeführerin, es sei festzustellen, dass die erbrachten Leistungen für die Behandlung des Geburtsgebrechens
Ziff.
459
GgV
nicht zurückgefordert werden können (
Urk.
1 S. 7)
,
ist daher nicht einzutreten.
5.
Zusammenfassend
erweist sich die angefochtene Verfügung vom 1
0.
Oktober 2018 (
Urk.
2) als rechtens, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Be
schwerde führt.
6.
6.1
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69 Abs. 1
bis
I
VG) und ermessensweise auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen. Dem Ausgang des Verfahrens ent
sprechend
sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
6.2
Bei einer Beteiligun
g am Verfahren erhalten Beigela
den
e
volle Parteistellung mit Rechten und Pflichten einer Prozesspartei (
§
14
Abs.
2
des
Gesetz
es
über das So
zialversicherungsgericht
,
GSV
Ger
;
vgl. auch BGE 127 V 111 E. 6b). Beigeladene, die mit ihren Anträgen durchdringen, haben bei Vorliegen der übrigen Voraus
setzungen Anspruch auf Erstattung ihrer Parteikosten (BGE 109 V 62
Erw
. 4;
Leuzinger
, Bundesrechtliche Verfahrensanforderungen betreffend
Verfahrenkos
ten
, Parteientschädigung und unentgeltlichen Rechtsbeistand im Sozialversiche
rungsrecht, in: SZS 1991 S. 181).
Da
d
er
Ver
sicherte nicht
aktiv am Verfahren teilgenommen hat
und keine eigenen Anträge gestellt hat
, besteht kein
Anspruch
auf eine Prozessentschädigung
(BGE 127 V 107 E. 6b;
Urteil des Bundesgerichts 9C_277/2014 vom 2
6.
August 2014;
Kommentar zum Gesetz über das Sozialver
sicherungsgericht des Kantons Zürich,
2.
Auflage, Zürich/Basel/Genf 2009,
§
14
Rz
33).