Decision ID: 525a0c4b-431f-45e7-b480-6c03f22290e6
Year: 2018
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Die Beschwerdekammer hält fest, dass:
- die Generalstaatsanwaltschaft Thurgau mit Teil-Schluss-Verfügung vom
26. Februar 2018 einem Rechtshilfeersuchen der Staatsanwaltschaft Bonn
entsprach und die Herausgabe der Gegenstände und Unterlagen gemäss
dem der Teil-Schluss-Verfügung angehängten Verzeichnis an die ersu-
chende Behörde bewilligte (act. 1.1);
- sich unter den herauszugebenden Dokumenten u. a. bei der Bank F. AG in
Zürich erhobene Kontoauszüge der A. Ltd. (Ordner K6), der B. Ltd. (Ord-
ner K7), der C. Ltd. (Ordner K8), der D. Ltd. (Ordner K9) und der E. Ltd.
(Ordner K10) befinden (vgl. hierzu S. 4 und 5 des Aktenverzeichnisses zur
erwähnten Teil-Schluss-Verfügung);
- die vorgenannten Gesellschaften (nebst anderen) mit gemeinsamer Be-
schwerde vom 3. April 2018 an die Beschwerdekammer des Bundesstrafge-
richts gelangten (act. 1);
- sie dabei beantragen, die Teil-Schluss-Verfügung sei aufzuheben und die im
Rechtshilfeersuchen der Staatsanwaltschaft Bonn vom 2. Dezember 2015
verlangte Rechtshilfe sei zu verweigern, soweit die Herausgabe von Konto-
unterlagen der Beschwerdeführerinnen verlangt werde (act. 1, S. 2);
- gemäss einer Online-Recherche im ICRIS CSC Companies Registry Hong
Kong bzw. im Register des Companies House Grossbritanniens die ein-
gangs erwähnten Gesellschaften allesamt als aufgelöst resultierten (act. 3),
weshalb deren Vertreter die Gelegenheit eingeräumt wurde, geeignete und
aktuelle Nachweise des Bestands der Gesellschaften zum Zeitpunkt ihrer
Beschwerde einzureichen (act. 4);
- dieser einräumte, die Gesellschaften seien zwar aufgelöst worden, aber der
jeweils am Liquidationserlös wirtschaftlich Berechtigte werde anstelle der je-
weiligen Gesellschaft beschwerdeberechtigt (act. 6).

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass:
- auf Beschwerdeverfahren in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten die
Bestimmungen des VwVG anwendbar sind (Art. 39 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37
Abs. 2 lit. a Ziff. 1 StBOG), wenn das IRSG nichts anderes bestimmt (Art. 12
Abs. 1 IRSG);
- 3 -
- die Schlussverfügung der ausführenden kantonalen oder der ausführenden
Bundesbehörde zusammen mit den vorangehenden Zwischenverfügungen
der Beschwerde an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts unter-
liegt (Art. 80e Abs. 1 IRSG);
- zur Beschwerdeführung berechtigt ist, wer persönlich und direkt von einer
Rechtshilfemassnahme betroffen ist und ein schutzwürdiges Interesse an
deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 80h lit. b IRSG);
- bei der Erhebung von Kontoinformationen namentlich der Kontoinhaber als
persönlich und direkt betroffen im Sinne des Art. 80h lit. b IRSG gilt (Art. 9a
lit. a IRSV);
- die Beschwerdeführerinnen demnach zur Beschwerde gegen die angefoch-
tene Teil-Schluss-Verfügung berechtigt wären, soweit sie sich damit jeweils
gegen die Herausgabe der sie selber betreffenden Kontoauszüge an die er-
suchende Behörde richten;
- im Beschwerdeverfahren darüber hinaus als Partei jedoch nur zuzulassen
ist, wer zum Zeitpunkt der Einreichung der Beschwerde partei- und prozess-
fähig ist (vgl. hierzu den Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2016.283
vom 26. Mai 2017 E. 2.2, mit Hinweis auf das Urteil des Bundesverwaltungs-
gerichts A-5410/2012 vom 28. Mai 2013 E. 2 m.w.H.);
- auf eine Beschwerde nicht einzutreten ist, wenn die Partei-/Prozessfähigkeit
bei Einreichung der Beschwerde fehlt (Entscheid des Bundesstrafgerichts
RR.2016.283 vom 26. Mai 2017 E. 2.2 m.w.H.);
- die Beschwerdeführerinnen allesamt schon vor Einreichung der Beschwerde
aufgelöst worden sind (act. 3), es ihnen daher zum Zeitpunkt der Be-
schwerde an der erforderlichen Partei- und Prozessfähigkeit fehlte, weshalb
auf die Beschwerde nicht einzutreten ist, soweit sie in ihrem Namen erhoben
wurde;
- bei dieser Ausgangslage die vom Vertreter der Beschwerdeführerinnen auf-
geworfene Frage der Zulässigkeit der Rechtsnachfolge im Verwaltungsver-
fahren im Allgemeinen und auch mit Blick auf die Beschwerdelegitimation
gemäss Art. 80h IRSG nicht weiter geprüft werden muss (Entscheid des Bun-
desstrafgerichts RR.2016.298 vom 4. April 2017 E. 3.4);
- 4 -
- die Beschwerdeführerinnen auch aus dem von ihnen angeführten Urteil des
Bundesgerichts 1C_520/2017 vom 1. November 2017 nichts zu ihren Guns-
ten ableiten können, nachdem in jenem Fall die Beschwerde von Beginn weg
im Namen des (angeblich) wirtschaftlich Berechtigten und nicht im Namen
der aufgelösten Gesellschaft erhoben wurde;
- auf die Beschwerde demnach nicht einzutreten ist, soweit sie sich gegen die
Herausgabe der Ordner K6, K7, K8, K9 und K10 an die ersuchende Behörde
richtet;
- die Gerichtskosten für diesen Entscheid bei diesem Ausgang des Verfahrens
den Beschwerdeführerinnen aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG);
- die Gerichtsgebühr auf Fr. 1‘500.– festzusetzen ist (Art. 63 Abs. 5 VwVG
i.V.m. Art. 73 StBOG und Art. 5 und 8 Abs. 3 lit. a des Reglements des Bun-
desstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Ent-
schädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]), unter An-
rechnung des entsprechenden Betrages am geleisteten Kostenvorschuss
von Fr. 6‘000.–;
- die verbleibenden 4‘500.– vorerst als Kostenvorschuss für die Beschwerde-
verfahren RR.2018.117 (G. Ltd.), RR.2018.123 (H. Ltd.) und RR.2018.124
(I. Ltd.) in der Bundesstrafgerichtskasse verbleiben;
- diese Beschwerdeverfahren betreffend der Schriftenwechsel einzuleiten ist;
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