Decision ID: 87b87f82-8d82-5c20-97e1-28715f111c8e
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1951, war seit dem 2
3.
Mai 2005 als Mitarbeiterin Montage bei der
Z._ AG
angestellt
.
Der letzte Arbeitstag war am
8.
Januar 2012
(
Urk.
9/14
Ziff.
1, 2.1
und 2.7).
Die Versicherte meldete sich am 1
8.
Mai 2012 unter Hinweis au
f
dauernde
Nacken- und Schulterschmerzen
, Schmerzen in allen Gelenken und Sehnen
,
Schlafstörungen, eine chronische
Müdigkeit und Schweissausbrüche
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/5
Ziff.
6.2). Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
,
tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und
gab ein
polydisziplinäres Gutachten in Auftrag, das am 1
0.
Juli 2014 (
Urk.
9/65) erstattet wurde.
Am
9.
Januar 2015
(
Urk.
9/71)
stellte d
ie IV-Stelle der V
ersicherten den Vorbe
scheid zu.
A
m 1
9.
Februar 2015 (
Urk.
9/
77 =
78) und erneut am 1
2.
März 2015 (
Urk.
9/84)
erliess sie
je
einen neuen Vorbescheid
. Die Versicherte brachte
gegen den Vorbescheid vom 1
2.
März
2015
Einwände
vor (
Urk.
9/88,
Urk.
9/92)
.
Mit Verfügung vom 2
9.
Mai 2015 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch der Versi
cherten auf IV-Leistungen (
Urk.
9/95 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am 2
5.
Juni 2015 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
9.
Mai 2015 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei i
hr mit Wirkung ab
1.
Januar 2013
eine ganze, eventuell eine halbe Rente zuzuspre
chen. Subeventuell sei ein gerichtliches Gutachten anzuordnen und hernach über den Rentenanspruch neu zu entscheiden (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
8.
September 2015 (
Urk.
8) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Verfügung vom
6.
Januar 2016 wurde das Gesuch vom 2
5.
Juni 2015
(
Urk.
1 S. 2
Ziff.
4)
um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung abge
wiesen und der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
16 Dispositiv
Ziff.
1-2).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
stellte
im angefochtenen
Entscheid auf die frühere
Recht
sprechung
des Bundesgerichts (BGE 130 V 352 und anschliessende Urteile)
ab
, wonach eine diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung
und ähnliche
pathogenetisch
ätiologisch unklare
syndromale
Beschwerdebilder ohn
e nachweisbare organische Grund
l
a
ge
allein in der Regel keine
Invalidität zu begründen vermögen.
Die Beschwerdegegnerin
kam daher zum Schluss
, dass die von der Beschwerdeführerin subjektiv empfundenen gesundheitlichen Ein
schrän
kungen als überwindbar anzusehen seien
und kein Anspruch auf Leistungen d
er Invalidenversicherung bestehe
(
Urk.
2 S. 2
unten
).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte
dagegen
vor, auch wenn neben einer depres
siven Erkrankung mittleren Grades noch eine Schmerzfehlverarbeitung gegeben sei, stehe
erstere
im Vordergrund.
Entgegen den Ausführungen der
Beschwerde
gegnerin
könne einer depressiven Erkrankung mittleren Grades nicht ohne Weiteres
die invalidenversicherungsrechtliche Relevanz abgesprochen werden
(
Urk.
1 S. 6 oben).
Sie sei nur schon depressionsbedingt nicht mehr arbeitsfähig (S. 6 unten).
Des Weiteren sei davon auszugehen, dass
sie
aufgrund ihres Alters
selbst auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt keine Stelle mehr finden werde (
Urk.
1 S. 7
Ziff.
4).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob ein Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin
besteht.
3.
3.1
Dr.
med.
A._
,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheu
matologie, Klinik
B._
,
stellte
in
s
einem Bericht vom
7.
Mai 2012 (
Urk.
9/18/10-11)
fest,
d
as Beschwerdebild
entspreche einer mechanisch-stati
schen Problematik. In diesem Zusammenhang seien als die Belastungstoleranz der Wirbelsäule herabsetzende Faktoren die Kopf- und
Schulterprotraktion
und mehrsegmentale Degenerationen aufzuführen. Dabei hätten sich auch
Ketten
domyosen
(
Pe
riarthropathie
humeroscapularis
,
Epicondylopathie
humerora
di
a
lis
) entwickelt. Als weiterer und wesentlicher Faktor bei der Entstehung des Krankheitsbildes sei auch die monoton-repetitive Tätigkeit
der Beschwerdefüh
rerin
zu nennen. Ergänzend sei zu fragen, ob auch eine
Schmerzverarbeitungs
störung
(Somatisierung) vorliege, vor allem angesichts der Schmerzangaben
in einer höheren Intensität und
der
vollkommenen Therapieresistenz
auf
verschie
dene medikamentöse und physiotherapeutische
Massnahmen. Aus dem Gespräch
mit der Beschwerdeführerin
gehe hervor, dass gewisse psychosoziale Belastungsfaktoren vorlägen. Zeichen einer
radikulären
Reiz- oder sensomoto
rischen Ausfallsymp
tomatik seien nicht zu erkennen
.
3.2
Dr.
med.
C._
,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Kinder- und Jugendmedizin, attestierte in einem Bericht vom
1
3.
September 2012
für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit
der Beschwerdeführerin
seit dem
9.
Januar 2012 bis auf Weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(
Urk.
9/18/2
Ziff.
1.6).
3.3
Die Beschwerdeführerin war
sodann
vom 2
1.
Mai bis 1
6.
Juni 2012 in der
D._
in stationärer Behandlung (
Urk.
9/19 S. 1 oben).
Die Ärzte der
D._
stellten im Bericht vom
5.
Oktober 2012 (
Urk.
9/19) folgende Diagnosen (S. 1):
chronisches
cervicospondylogenes
Schmerzsyndrom mit/bei:
MRI April 2012: mehrsegmentale Degeneration
bei C5/6 und C6/7 mit ventraler Spondylose
und
Discusprotrusionen
, keine Beeinträchtigung neurogener Strukturen
Arbeitsassoziation bei monoton-repetitiven Arbeitsvorgängen
b
egleitende
Periarthropathie
humeroscapularis
und
Epicondylopathie
humeroradialis
Kopf- und
Schulterprotraktion
zentraler Schmerz
Windup
, Differentialdiagnose: Ve
rdacht auf
Somatisie
rungsstörung
Status nach
Thyroidektomie
Substitution von L-Thyroxin
Die Ärzte führten aus, die Patientin leide seit zwei bis drei Jahren an starken Schmerzen, vor allem im Nacken- und Rückenbereich, ausstrahlend in die Arme sowie
lumbospondylogen
teilweise bis in die Fussspitzen. Die Beschwerdeführe
rin assoziiere die Symptome auch mit einer Überlastung am Arbeitsplatz. Sie
habe
in relativ monotoner Haltung im Stehen und mit immer denselben Hand
griffen seit 7 Jahren als Produktionsmitarbeiterin
gearbeitet
, wobei sie mit einem Pensum von 90
%
Motoren zusammengeschraubt habe. Gegen die Schmer
zen helfe Ruhe und Abliegen. Die Patientin sei seit Januar 2012 schmerzbedingt nicht mehr berufstätig. Seitdem hätten sich die Schmerzen ein wenig verbessert (S. 1).
Insgesamt sei ein eher protrahierter Verlauf der Rehabilitation zu verzeichnen bei einem anhaltend hohen nicht beeinflussbaren Schmerzniveau (S. 2 Mitte).
3.4
Die Beschwerdeführerin begab sich a
b
2
0.
August 2012 in psychiatrische Behand
lung bei
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für
Psychiatrie und Psy
chotherapie (
Urk.
9/48
Ziff.
1.2).
Dr.
E._
stellte
im Bericht vo
m 1
1.
August 2013 (
Urk.
9/48)
fest
,
ein chro
nisches
cervikospondylogenes
Schmerzsyndrom habe zu folgenden Diagnosen geführt (S. 1
Ziff.
1):
s
chwere
bis
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom
generalisierte Angststörung
Panikstörung
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung
Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Hilfsarbeiterin bestehe seit dem
9.
Januar 2012 bis auf Weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. Der Gesundheits
zustand
der Patientin sei unverändert
(
Ziff.
1.6-1.7).
3.5
3.5.1
Die Beschwerdegegnerin gab
beim
F._
ein polydisziplinäres Gutachten
in Auftrag. Das Gutachten datiert
vom 1
0.
Juli 2014 (
Urk.
9/65) und
beruht auf den fachärztlichen Untersuchungen
durch
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Allgeme
ine Innere Medizin,
Dr.
med.
H._
, Fachar
zt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsa
pparates, und
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und
Psycho
therapie
,
und den
ihnen
zur Verfügung gestellten Akten (S. 3).
Die Gutachter führten aus, die
Beschwerdeführerin habe angegeben, dass sie morgens manchmal einkaufen gehe. Sie könne aber keine schweren Sachen tra
gen. Die Haushaltsarbeiten verrichte sie langsam
. Nachmittags müsse sie sich hi
nlegen, sie sei dann erschöpft. M
anchmal gehe sie die Enkelkinder besuchen
(S. 11
Ziff.
3.4 unten). Sie fühle sich ruiniert.
Sie habe Mühe, die Sachen im Haushalt zu verrichten. Sie könne wegen ihrer Schmerzen kaum noch die Haus
arbeit erledig
en. Sie habe überall Schmerzen und es
gebe keinen Tag ohne Schmerzen. Sie fühle sich müde und es gehe ihr immer schlecht. Schlafen könne sie nu
r mit Tabletten
. Sie fühle sich
nicht mehr arbeitsfähig (S. 12
Ziff.
3.6-
3.7).
3.5.2
Dr.
G._
stellte
zum allgemeinmedizinischen und internistischen Status
fest
, klinisch
stünden
eine ausgeprägte Adipositas, allgemeine diffuse
Ganzkörper
schmerzen
sowie eine allgemeine körperliche
Dekonditionierung
im Vorder
grund. Des Weiteren bestehe ein Status nach
Strumektomie
vor vielen Jahren. Unter der aktuellen Substitutionstherapie bestehe eine
euthyreote
Schilddrüsen
stoff
wechsellage
. Des Weiteren bestehe seit Jahren eine arterielle Hypertonie (S.
15
Ziff.
4.1.3).
Dr.
H._
stellte
aus orthopädischer Sicht
fest
, die Beschwerdeführerin
leide
anamnestisch
seit rund zweieinhalb Jahren an immer gleich starken, wenn nicht gar
insgesamt
zunehmenden Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in die rechte Sc
hulter
und den rechten Ellbogen
, teils einhergehend mit einem Einschlafen
der Hände, insbesondere links. A
uch der linke Vorderarm schlafe gelegentlich ein. Dank
der
Analgetika seien die
Nach
tschmerzen einigermassen im Rahmen.
Morgens habe sie Schmerzen am ganzen Körper,
vom Kopf bis in die Füsse. Die
Beschwerden seien 2011 aufgetreten im Rahmen einer Bronchitis und seither konstant geblieben (S. 16 f.
Ziff.
4.2.2). Nachgefragt nach der Belastbarkeit werde eine Sitzdaue
r von 30 bis maximal 60 Minuten
, eine Stehdauer von zirka 20 bis 30 Minuten und eine
Gehdauer
von zirka einer
Stunde
angegeben
(S. 17
Ziff.
4.2.2
oben
).
Dr.
H._
gab zum Befund an,
beim
Aufrufen des Namens
der Beschwer
deführerin
in der Wartezone
sei
eine flinke Wendung des Kopfes und ein zügi
ges Erheben aus dem Stuhl
erfolgt
. Es ha
be ein unauffälliges, flüssiges und
hink
freies
Gangbild bestanden.
Das
Aus- und Anziehen sei
en
ihr
uneinge
schränkt möglich gewesen
(S. 17
Ziff.
4.2.3).
Die Beschwerden würden im Bereich der Halswirbelsäule angegeben, wo mittels MRI gewisse degenerative Veränderu
ngen festgestellt worden seien.
Hinweise
für eine neurogene Problematik bestünden nicht.
Die Beschwerden
strahlten
nach Angaben der Versicherten
in die rechte Schul
ter und den rechten Arm bis teils in die rechte Hand aus
(S. 19
f.
Ziff.
4.2.5
).
In der Untersuchung falle auf, dass die Beschwerdeführerin bei jedem
Unter
suchungsschritt
stöhne und seufze.
Sie hechle und stöhne, ohne dass gerade etwas gemacht worden sei.
In der expliziten orthopädischen Untersuchung könne effektiv kein klar zuordenbares,
patho
-
morphologisches Korrelat für die generalisierten Schmerzen festgestellt werden. Die in der Exploration vorgetra
gene Beweglichkeitseinschränkung der Halswirbelsäule werde in unbeobachte
tem Zustand aufgegeben, ebe
nso könnten beide Schultern gut eingesetzt wer
den, sowohl beim An- und Ausziehen während der Untersuchung wie auch beim Hantieren mit der Handtasche mit teils komplexen Bewegungsabläufen in
unbeobachtetem
Zustand (S. 20 oben).
Drei von fünf positiven
Waddell
-Zeichen sprächen für eine gewisse nicht-somatische Komorbidität. Es sei erstaunlich, dass die von der Beschwerdeführerin angegebenen Dauerbeschwerden sich in keiner Weise hätten beeinflussen lassen. Schliesslich fehle der Wille der Beschwerdeführerin, sich wieder in den Arbeitsprozess
reintegrieren
zu wollen
, gebe sie doch an, dass sie sich aufgrund der subjektiv empfundenen Beschwer
den als nicht mehr arbeitsfähig sehe
(S. 20 Mitte).
3.5.3
Dr.
I._
führte aus psychiatrischer Sicht aus, befragt, weshalb
die Beschwer
deführerin
die psychiatrische Therapie 2013 abgebrochen habe, habe
sie
erwähnt, dass
ihre
Therapeutin eine Absage der Explorandin aus dem Tessin dahin
gehend
interpretiert habe, dass die Beschwerdeführerin sowieso nur eine Rente wolle. Die Therapeutin habe ihr nicht geglaubt
(S. 23 Mitte)
. Die Beschwerdeführerin verneine, dass sie an
Ängsten und/oder an Panik leide. Die von der Psychiaterin
Dr.
E._
gestellte
n
Diagnose
n
einer generalisiert
en Angst- und Panikstörung könnten
weder klinisch noch anamnestisch bestätigt werden. Die Beschwerdeführerin meine, dass sie zwar rasch besorgt sei, aber keine Ängste habe. Ihr Problem sei
en
ihre Müdigkeit und Kraftlosigkeit
. Sie freue sich deutlich weniger als früher und sei nicht mehr gleich aktiv
(S. 23 unten).
Die Beschwerdeführerin wirke etwas ratlos. Sie sei mit ihren Schmerzen deutlich überfordert und zeige Hinweise auf eine erschwerte Bewältigungsstrategie im Umgang mit
den
Schmerzen. Es lägen Anzeichen für eine
Schmerzfehlverar
beitung
vor (S. 25
Ziff.
4.3.3). Die Beschwerdeführerin habe sich im August 2012 in psychiatrische Behandlung bei
Dr.
E._
begeben und sei dort zirka ein Jahr in einer Therapie gewesen.
Dr.
E._
habe eine schwere bis mittel
gradige depressive Episode mit somatischem Syndrom, eine generalisierte Angststörung und eine Panikstörung diagnostiziert und die Beschwerdeführerin als voll arbeitsunfähig erklärt. Weder aus dem Bericht
von
Dr.
E._
noch anamnestisch oder aufgrund der heutigen Untersuchung lasse sich erklären, weshalb die Diagnose
n
einer generalisierten Angststörung
und einer
Panikstö
rung
gestellt worden sei
en
. Die Diagnosen lägen nicht vor (S. 25 f.).
Der Gutachter könne eine depressive Fehlentwicklung bestätigen, allerdings nicht in schwerem Ausmass. Die Beschwerdeführerin zeige klinisch eine mittel
gradige Depressivität mit somatischem Syndrom. Sie selbst bejahe auf Anfrage, dass es ihr seit 2013, nachdem sie die Therapie im Sommer 2013 abgebrochen habe, nicht schlechter gehe als 201
2.
Es könne also davon ausgegangen werden, dass immer eine mittelgradige Depressivität vorgelegen habe. In früheren Jah
ren habe jedoch nie eine depressive Erkrankung vorgelegen. Es könne davon ausgegangen werden, dass es sich um eine erste depressive Episode im Sinne eines Erschöpfungssyndroms nach langjähriger beruflicher und
familiärer Überlastung handle.
Aus psychiatrischer Sicht sei wohl die zuletzt ausgeübte hektische
Arbeit
am Fliessband in einer stehenden Tätigkeit wegen der
chronifi
zierten
, teilweise auch mechanischen Armschmerzen ungünstig
. Die Beschwer
deführerin zeige Hinweise auf eine psychogene Schmerzfehlverarbeitung mit Schmerzklagen in diversen Körperkompartimenten
(S. 26 Mitte).
Im Vordergrund stehe eine depressive Erkrankung. Aus psychiatrischer Sicht allein könne keine volle Arbeitsunfähigkeit
begründet werden (S. 26 unten). Die Beschwerdeführerin könne noch fünf Stunden täglich in einer einfachen, kör
perlich angepasst
en Tätigkeit eingesetzt werden (S. 27 oben).
3.5.4
Die Gutachter stellten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (S. 29
Ziff.
7):
chronisches
cervikospondylogenes
Schmerzsyndrom mit
Generalisie
rungs
tendenz
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom bei leis
tungsorientierter Persönlichkeit
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung
sonstige belastende Lebensumstände, die Familie und Haushalt negativ beeinflussen wie Überlastung durch jahrelange Erkrankung des Ehegat
ten
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter (S. 30
Ziff.
8):
Status nach CTS (?) Operation rechts vor Jahren
Adipositas, BMI 37.7
Status nach
Strumektomie
1987
substituierte Hypothyreose
arterielle Hypertonie, Erstdiagnose 1995
laryngealer Reizhusten, gemäss Akten seit 2012
keine
bronchopulmonale
Erkrankung
Aus rein internistischer Sicht lasse sich
k
eine Einschränkung der Arbeits
fä
higkeit begründen (S. 30
Ziff.
9 unten).
Die subjektiv geklagten Beschwerden mit Ausweitungstendenz im Sinne eines chronischen generalisierten
Schmerz
synd
roms
liessen sich aus orthopädischer Sicht nicht objektivieren. Das Aus
mass und die Intensität der beklagten Beschwerden liessen sich nicht allein mit dem orthopädischen Korrelat e
rklären. Es sei e
ine zusätzliche, nicht-soma
tische Komponente vorhanden. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit seien aufgrund der orthopädischen Befunde körperlich schwere sowie Tätigkeiten mit repetiti
ven
Über
kopfarbeiten
ungünstig. Aus orthopädischer Sicht sei die angestammte vor
wiegend sitzende Tätigkeit am Fliessband mit Montage von Kleinapparaten rein theoretisch durchaus möglich
.
Limitierend sei die nicht-somatische Kompo
nente (S. 31
Mitte
).
Aus psychiatrischer Sicht sei eine mittelgradige Depressivität auszumachen bei gleichzeitiger Schmerzfehlverarbeitung, wobei diese aus psychiatrischer Sicht nicht im Vordergrund stehe. Es sei eine psychiatrische Komorbidität im Sinne einer depressiven Fehlentwicklung von mittelgradigem Ausmass auszumachen, welche trotz antidepressiver Therapie und einjähriger Psychotherapie nicht habe behoben werden können. Die Beschwerdeführerin sei allerdings bereits 62 Jahre alt, habe keinen Beruf erlernt und sei unterdessen in gekündigter Stellung. Sie lebe mit einem Partner zusammen, der langjährig erkrankt sei. Al
l
dies seien invaliditätsfremde
Fa
ktoren. Die Depressivität reich
e nicht aus, um eine volle Arbeitsunfähigkeit zu begründen, weswegen der Beschwerdeführerin weiterhin eine dem Körperleiden angepasste Tätigkeit fünf Stunden täglich zumutbar sei. Sie sei etwas vermindert belastbar, vermindert stressbelastungsfähig und ver
füge eine ein vermindertes Durchhaltevermögen. Deswegen könne eine
Teilar
beitsunfähigkeit
psychiatrisch begründet werden (S. 31 unten).
Gesamthaft sei die Beschwerdeführerin in der früher ausgeübten Tätigkeit am Fliessband und unter Zeitdruck aufgrund des
cervikospondylogenen
Schmerz
syndroms
und der durch die psychiatrischen Faktoren bedingten ver
minderten Belastbarkeit ab Januar 2012 als zu 100
%
arbeitsunfähig zu beur
teilen (S. 32
Ziff.
10). Für körperlich leichte bis teilweise mittelschwere wechsel
belastende Tätigkeiten ohne Zeitdruck und Hektik sei die Beschwerdeführerin bis fünf Stunden täglich arbeitsfähig. Die Einschränkung in einer adaptierten Tätigkeit sei mit den psychiatrischen Faktoren zu begründen (S. 32
Ziff.
11).
3
.6
Dr.
med.
J._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
Regional
ärzt
licher
Dienst der Beschwerdegegnerin (RAD),
führte
in einer St
el
lungnahme vom 1
7.
Juli 2014 aus
, das Gutachten des
F._
vom 1
0.
Juli 2014 erfüllte die formalen Aspekte
eines Gutachtens
. Die vorbestehenden Berichte hätten den Gutachtern vorgelegen und seien gewürdigt worden.
Es seien ein chronisches
cervikospondylogenes
Schmerzsyndrom mit
Generalisierungsten
denz
, eine mit
telgradige depressive Episode bei leistungsorientierter Persönlich
keit, eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung und sonstige belastende Lebensum
stände (mit Tangierung der Arbeitsfähigkeit) ausgewiesen. Aus inter
nistischer Sicht sei keine Einschränkung der Arbeitsfähigke
it zu begründen
. Aus ortho
pä
discher Sicht werde die letzte Tätigkeit als möglich beurteilt. Nicht geeignet seien körperlich schwere Tätigkeiten und repetitive Überkopfarbeiten. Aus psy
chiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit auf fünf Stunden pro Tag redu
ziert. Aufgrund der verminderten Belastbarkeit, der verminderten
Stressbe
last
bar
keit
und eines verminderten Durchhaltevermögens werde eine leichtere Tätigkeit, jedoch keine rein stehende Tätigkeit, empfohlen.
Die bisherige Tätigkeit verbunden mit Zeitdruck am Fliessband sei aus psychiat
rischer Sicht
seit Januar 2012
zu 100
%
eingeschränkt
(
Urk.
9/75
S. 9 f.
).
4.
4.1
Mit
BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursache und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 u
nd anschliessende Urteile) ange
passt und festgehalten, dass die
Invaliditätsbemes
sung
stärker als
bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berück
sichtigen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen nieder
schlagen muss. Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit bezweckte die durch BGE
130 V 352 begründete Rechtspre
chung die Sicherstellung eines gesetzmässigen Versicherungsvollzuges mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe beziehungsweise (seit E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der
Überwindbarkeitsver
mutung
. Deren Rechtsnatur kann offen bleiben. Denn an dieser Rechtsprechung ist nicht festzuh
alten. Das bishe
rige Regel/Ausnahme-Modell wird durch ein st
rukturiertes Beweisverfahren er
setzt. An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – ausschliessliche Berücksichtigung der Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung und objektivierte Zumutbarkeitsprüfung bei materieller Beweisl
ast der rentenansprechenden Per
son (Art. 7 Abs. 2 ATSG) – ändert sich dadurch
nichts. An die Stelle des bishe
rigen Kriterienkatalogs (bei anhaltender
somatoformer
Schmerzstörung und vergleichbaren psychosomatischen Leiden) trete
n im Regelfall beachtliche Stan
dardindikatoren. Diese lassen sich in die Ka
tegorien Schweregrad und Konsis
tenz der funktionellen Auswirkungen ein
teilen. Auf den Begriff des primären Krankheitsgewinnes und die
Präponderanz
der psychiatrischen Komorbidität ist zu verzichten. Der Prüfungsraster ist recht
lich
er Natur. Recht und Medizin wir
ken sowohl bei der Formulierung der
Stan
dardindikatoren
wie auch bei deren – rechtlich gebotener – Anwendung im Ein
zel
fall zusammen. Im Grunde konkre
tisieren die in E. 4 und 5 formulierten Beweisthemen und Vorgehensweisen für die Invaliditätsbemessung bei psycho
somatischen Leiden die gesetzgeberischen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die
Anerkennung eines rentenbegrün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, w
enn die funktionellen Auswirkun
gen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der
Standardindi
ka
toren
schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahr
schein
lichkeit nachgewiesen sind. Fehlt e
s da
ran, hat die Folgen der
Beweis
lo
sig
keit
nach wi
e vor die materiell beweisbelas
tete versicherte Person zu tragen (E. 6).
4.2
Nach wie vor kann eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit nur
anspruchser
heblich
sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchtigung ist, die fach
ärztlich einwandfrei diagnostiziert ist. Die Sachverständigen sollen die Diagnose einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung so begründen, dass die Rechtsanwender nachvollziehen können, ob die
klassifikatorischen
Vorgaben tatsächlich eingehalten sind
. Dem diagnose-inhärenten Schweregrad der
soma
to
formen
Schmerzstörung ist vermehrt Rechnung zu tragen. Als „vorherr
schen
de Beschwerde“ verlang
t
wird „ein andauernder, schwerer und quälender Schmerz“
(Urteil des Bundesgerichts 8C_478/2015 vom 1
2.
Februar 2016, E.
3.3).
5.
5.1
Die Gutachter des
F._
nannten als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fä
higkeit
ein chronisches
cervikospondylogenes
Schmerzsyndrom mit
Generali
sierungstendenz
, eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syn
drom bei leistungsorientierter Persönlichkeit, eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung und sonstige bel
astende Lebensumstände
. Die Gutachter kamen zum Ergebnis, dass
der Beschwerdeführerin die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Mitarbeiterin Montage
in Anbetracht
ihrer
eingeschränkten Belastbarkeit
auf
grund des chronischen Schmerzsyndroms
und der psychiatrischen Faktoren
nicht mehr möglich sei. Dagegen sei ihr eine adaptierte körperlich leichte
Tätig
keit
fünf Stunden pro Tag
zumutbar
(E.
3.5.4
).
5.2
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist eine invalidisierende Wirkung einer mittelschweren depressiven Störung zwar nicht schlechthin auszuschlies
sen, indessen bedingt deren Annahme, dass es sich nicht bloss um eine Begleit
erscheinung einer Schmerzkrankheit, sondern um ein selbständiges, von einem psychogenen Schmerzsyndrom losgelöstes depressives Leiden handelt und im Weiteren, dass eine konsequente Depressionstherapie befolgt wird, deren Schei
tern das Leiden als resistent ausweist. Zumindest bei mittelschweren depressiven Episoden verneint dies das Bundesgericht regelmässig (Urteil des Bundesgerichts 8C_774/2013 vom
3.
April 2014, E. 4.2).
D
ie Beschwerdeführerin
hat
eine bei
Dr.
E._
begonnene Psychotherapie nach run
d einem Jahr wieder abgebrochen
.
Bei einer Dauer von nur einem Jahr fehlt es an der Voraussetzung einer konsequenten Depressionstherapie.
Es
ist davon auszugehen, dass
im Fall der Fortsetzung
der Therapie
eine Verbesserung der
Beschwerden
zu
erzielen
gewesen wäre
, da eine mittelgradige depressive Episode grundsätzlich als therapeutisch
angehbar
gilt
(Urteil des Bundesgerichts 9C_122/2014 vom 1
1.
September 2014, E. 3.3)
.
Das von der Beschwerdeführerin angeführte
(
Urk.
1 S. 6 oben)
Urteil des Bundesgerichts 9C_980/2010 vom 2
0.
Juni 2011, E. 5.3, führt zu keinem anderen Ergebnis.
Nach dem Abbruch der Therapie kann sich die Beschwerdeführerin nicht mit Erfolg darauf berufen,
dass sie bereits seit zwei Jahren an depressiven Symptomen leide.
Hinsichtlich der diagnostizierten
depressiven Episode
ist ein
e
invalidisierende Wirkung
daher
aus rechtlicher Sicht
zu verneinen.
Die
diagnostizierten
sonstigen belastenden Lebensumstände stehen
gemäss dem Gutachten des
F._
im Zusammenhang mit einer
Überlastung
der Beschwerde
führerin
wegen
einer jahrelangen
Erkrankung
ihres Ehegatten (E. 3.5.4 hiervor).
Es
handelt sich dabei
um IV-fremde Faktoren, die
bei der
Rentenprüfung
aus
geschieden werden müssen (vgl. E. 1.2 hiervor).
Die Gutachter des
F._
legten sodann nachvollziehbar dar
, dass die
K
riterien für die von
Dr.
E._
gestellten Diagnosen einer generalisierten
Angststö
rung
und einer Panikstörung
nicht
erfüllt sind
(E. 3.5.3)
.
Die genannten Diag
nosen
lassen sich nach dem Gutachten des
F._
daher nicht bestätigten.
5.3
Dr.
E._
und die Gutachter des
F._
diagnostizierten
zudem
eine anhal
tende
somatoforme
Schmerzstörung.
Im psychiatrischen Teil des Gutachtens des
F._
finden sich hierzu
einzig
die Angaben
,
die Beschwerdeführerin
habe
Hin
weise auf eine psychogene Schmerzfehlverarbeitung mit Schmerzklagen i
n diversen Körperkompartimenten
gezeigt
(E. 3.5.3).
Ein
von der Rechtsprechung zur Erhärtung der Diagnose geforderter
andauernder, schwerer und quälender Schmerz wird dagegen nicht beschrieben.
Dr.
H._
stellte bei der orthopädischen Untersuchung
Diskrepanzen zwi
schen
den geschilderten Schmer
zen und
dem Verhalten der Beschwerdeführerin fest
. So wurde etwa
die
vorgetragene eingeschränkte
Beweglichkeit der
Halswir
belsäule
von der Beschwerdeführerin im unbeobachteten
Zustand aufgegeben. Ebenso
konnte sie die
Schulter beim An- und Ausziehen während der Untersu
chung und beim Hantieren m
it der Handtasche gut einsetzen
(E. 3.5.2
hiervor
).
Die von
Dr.
H._
beschriebenen
Diskrepanzen
schliessen eine
relevante
Gesundheitsschädigung
aus (BGE 141 V 281 E. 2.2.1). Die Diagnose einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung lässt sich
demzufolge
nicht auf
rechterhalten.
Dies führt zum Ergebnis, dass der Beschwerdeführerin
aus
invali
denversicherungrechtlicher
Sicht
eine angepasste Tätigkeit
nicht nur ein
ge
schränkt, sondern vollumfänglich
zugemutet werden kann.
6
6.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog.
allgemeine Methode des
Einkom
mensvergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
6.2
Bei der Ermittlung des
Valideneinkommens
ist entscheidend, was eine ver
sicherte Person im massgebenden Zeitpunkt aufgrund ihrer beruflichen Fähig
keiten und ihrer persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der überwiegen
den Wahrscheinlichkeit ohne Gesundheitsschaden tatsächlich verdient hätte. Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Da nach empi
rischer Feststellung in der Regel ohne gesundheitliche Beeinträchtigung die bisherige Tätigkeit weitergeführt worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für die Bestim
mung des
Valideneinkommens
grundsätzlich
der letzte vor Eintritt des Gesundheitsschädigung erzielte, nötigenfalls der statistisch ausgewiesenen Einkommensentwicklung angepasste Verdienst (BGE 134 V 322 E. 4.1, 129 V 222 E. 4.3.1).
6.3
Die Beschwerdeführerin war zuletzt mit einem Pensum von 90
%
bei der
Z._
AG als Mitarbeiterin Montage
angestellt
.
Dabei verdiente sie
im Jahr 2011
Fr.
53‘520.-- (
Fr.
3‘810.-- x 13 +
Fr.
3‘990.--; vgl
.
den
Arbeitgeber
be
richt
vom 2
8.
Juni 2012,
Urk.
9/14 S. 3
Ziff.
2.12)
.
Bei einer
Nominallohn
ent
wicklung
von 0.8
%
im Jahr 2012 und 0.7
%
im Jahr 2013
(Die
Volkswirt
schaft, 3/4-2015, S. 89
Tabelle B
10
.2)
ergibt sich für 2013 ein an die Lohnentwicklung angepasster Verdienst von
Fr.
54‘326.--
(
Fr.
53‘520.
-- x 1.008 x 1.007).
In einem 100%
-Pensum ergibt sich ein Betrag von
Fr.
60‘362.--.
6
.4
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebun
gen
(LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E.
4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom sogenannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zugrunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende betriebsübliche Wochenarbeitszeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 E. 3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
Zur Bestimmung des Invalideneinkommens auf der Grundlage der LSE kann
– aus
nahmsweise – der Lohn eines einzelnen Sektors („Produktion" oder „Dienst
leistungen") oder gar einer bestimmten Branche herangezogen werden, wenn es als sachgerecht erscheint, um der im Einzelfall zumutbaren erwerbli
chen Verwertung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit Rechnung zu tragen, namentlich bei Personen, die vor der Gesundheitsschädigung lange Zeit im betreffenden Bereich tätig gewesen waren und bei denen eine Arbeit in anderen Bereichen kaum in Frage kommt (SVR 2008 IV Nr. 20 S. 63, 9C_237/2007 E.
5.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_667/2013 vom 29. April 2014 E. 5.3).
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kür
zen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten
nurmehr
beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ursprüng
lich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest
)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen verwer
ten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). Dabei ist zu beachten, dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der
Vergleichsein
kommen
mitverantwortliche invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des soge
nannten Leidensabzuges nicht nochmals berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 322 E. 5.2).
Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen. Es ist nicht von dem von der IV-Stelle vorgenommenen Abzug auszugehen und dieser ange
messen zu
erhöhen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_796/2013 vom 28. Januar 2014 E.
3
.
2 mit Hinweis auf
SVR 2011 IV Nr. 31 S. 90, 9C_728/2009 E. 4.1.2).
6.5
Gemäss LSE 2010 hätte die Beschwerdeführerin im Jahr 2010 in einer einfachen und repetitiven Tätigkeit ein durchschnittliches Einkommen von
Fr.
4‘225.-- pro Monat erzielen können (LSE 2010 S. 26 TA1). Der Tabellenlohn ist aufgrund des Alters der Beschwerdeführerin um 20
%
zu kürzen. Bei einer wöchentlichen Arbeitszeit im Jahr 2010 von 41.6 Stunden (Die Volkswirtschaft, 3/4-2015 S. 88 Tabelle B9.2) und einer Nominallohnentwicklung von 1
%
im Jahr 2011, 0.8
%
im Jahr 2012 und 0.7
%
im Jahr 2013 (Die Volkswirtschaft, a.a.O. S. 89 Tabelle B10.2) resultiert für das Jahr 2013 ein Einkommen von
Fr.
43‘246.-- (
Fr.
4‘225.--
x 12 : 40 x 41.6 x 1.01 x 1.008 x 1.007 x 0.8).
Vergleicht man das
Valideneinkommen
von
Fr.
60‘362.-- mit dem
Invaliden
einkommen
von
Fr.
43‘246.-- resultiert eine Erwerbseinbusse von
Fr.
17‘116.--, was einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von rund
2
8
%
entspricht.
6.6
Der Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes ist ein theoretischer und abstrak
ter Begriff, welcher dazu dient, den Leistungsbereich der Invalidenversicherung von jenem der Arbeitslosenversicherung abzugrenzen. Er umschliesst einerseits ein bestimmtes Gleichgewicht zwischen dem Angebot von und der Nachfrage nach Stellen; anderseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraus
setzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob die invalide Person die Mög
lichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten, und ob sie ein
renten
ausschliessendes
Einkommen zu erzielen vermag oder nicht (BGE 110 V 273 E.
4b; ZAK 1991 S. 321 E. 3b und 1985 S. 462 E. 4b; vgl. auch BGE 130 V 343 E.
3.2). An die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und
Verdienstaus
sichten
sind praxisgemäss nicht übermässige Anforderungen zu stellen; diese hat vielmehr nur so weit zu gehen, als im Einzelfall eine zuverlässige Ermitt
lung des Invaliditätsgrades gewährleistet ist. Für die Invaliditätsbemessung ist nicht darauf abzustellen, ob eine invalide Person unter den konkreten
Arbeits
marktverhältnissen
vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nützen könnte, wenn die verfüg
baren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (AHI 1998 S. 290 f. E. 3b; Urteile des Bundesgerichts I 273/04 vom 29. März 2005, I
591/02 vom 5. Mai 2004, I 285/99 vom 1
3.
März 2000 und U 176/98 vom 1
7.
April 2000). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen vonseiten des Arbeitgebers
rechnen kön
nen (Urteile des Bundesgerichts 9C_95/2007 vom 2
9.
August 2007 E. 4.3 und 9C_98/2014 vom 2
2.
April 2014 E. 3.1, je mit Hinweisen).
6
.7
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung wurde etwa ein 60-jähriger Versicherter mit einer unter anderem wegen rheumatologischer und kardialer Probleme um 30
%
eingeschränkten Leistungsfähigkeit als arbeitsmar
kttauglich angesehen (erwähnt im
Urteil des Bundesgerichts 9C_124/2010 vom 2
1.
September 2010, E. 5.2).
Die
im Dezember 1951 geborene
Beschwerdeführe
rin war zum Zeitpunkt der Anmeldung
bei der Invalidenversicherung
60-jährig und nach Ablauf des Wartejahres 61 Jahre alt. Auch wenn ihr eine Tätigkeit in der Montage nicht mehr zugemutet werden kann,
kommen
für die Beschwer
deführerin selbst als ungelernte Arbeiterin noch diverse Hilfsarbeitertätigkeiten in Frage
.
Demnach konnte ihr die Verwertung ihrer Arbeitskraft nach ihrem Ausscheiden bei der
Z._
AG per
8.
Januar 2012 zugemutet wer
den. Zu diesem Zeitpunkt war
sie
gerade
60 Jahre alt geworden.
6
.8
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin einen Rentenan
spruch der Beschwerdeführerin
unter Berücksichtigung der
mit BGE 141 V 281 geänderten Rechtsprechung des Bundesgerichts
(
psychosomatische
Leiden)
bei einem
rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von
2
8
%
zu Recht
verneint hat.
Die angefochtene Verfügung vom 2
9.
Mai 2015 erweist sich demzufolge als rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
7
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vorliegend
sind die Kosten auf
Fr.
700.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.