Decision ID: 28a3fa29-c1d8-5018-8fb5-c34b0b5d72a5
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Januar 2011 wegen eines Knieleidens zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an. Sie gab an, keine Schule besucht zu
haben und zuletzt als Putzfrau tätig gewesen zu sein (IV-act. 1). Am 1. Februar 2011
berichtete der Arzt der Chirurgie des Spitals B._, dass der Versicherten am
19. November 2010 eine Knietotalarthroplastik links wegen einer medial betonten
Gonarthrose implantiert worden sei (IV-act. 12).
A.b Die Arbeitgeberin der Versicherten, die C._ AG, gab am 23. Februar 2011 im
Fragebogen für Arbeitgebende an, die Versicherte sei seit dem 1. Juni 2004 bei ihr
angestellt. Der Beschäftigungsgrad betrage ca. 13 Stunden pro Woche bei einer
Wochenarbeitszeit im Betrieb von 42.5 Stunden. Am 18. August 2010 habe die
Versicherte letztmals gearbeitet. Das aktuelle Jahreseinkommen (ab 1. Januar 2011)
betrage Fr. 11'774.90 (IV-act. 8).
A.c Am 31. März 2011 berichtete Dr. med. D._, Facharzt FMH für Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats, die Versicherte habe über
andauernde Schmerzen am Knie links berichtet. Es sei eine Szintigrammuntersuchung
durchzuführen (IV-act. 14-24 f.). Am 7. April 2011 gab er an, die inzwischen erstellte
Skelettszintigraphie habe eine anhaltende ossäre Umbauzone um die
Prothesenkomponenten und an der Patella gezeigt. Es könne sich um eine
Retropatellararthrose handeln. Eine Arbeitsaufnahme sei noch zu früh (IV-act. 14-23).
Am 14. April 2011 berichtete der Hausarzt der Versicherten, Dr. med. E._, Facharzt
FMH für Allgemeine Innere Medizin, zum jetzigen Zeitpunkt sei die Versicherte zu 100%
arbeitsunfähig (IV-act. 14-2 f.). Am 5. Juli 2011 teilte Dr. D._ mit, bei der Kontrolle am
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15. Juni 2011 habe sich eine deutliche Besserung gezeigt. Bis zur Kontrolle am
24. August 2011 könne die Versicherte jedoch sicher noch nicht arbeiten (IV-act. 16).
A.d Am 18. Juli 2011 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass zurzeit keine
beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (IV-act. 23-1 f.).
A.e Am 9. August 2011 wurde die Versicherte auf Veranlassung der
Taggeldversicherung der Visana Services AG orthopädisch untersucht. Dr. med. F._,
Fachärztin FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparats, hielt gleichentags fest, es bestehe eine verminderte Belastbarkeit
der unteren Extremitäten. Die Ausübung der Reinigungstätigkeit bei einem Pensum von
20% bzw. einem täglichem Einsatz von 1,5 bis 2 Stunden sei ab sofort möglich, wobei
die Versicherte sich nicht bücken und keine Treppen steigen dürfe. In 4-6 Wochen
sollte die Tätigkeit mit einem Pensum von 20% ohne Probleme möglich sein. Bezogen
auf den allgemeinen Arbeitsmarkt verfüge die Versicherte über ein Arbeitsvermögen für
überwiegend sitzende Tätigkeiten, z.B. in der Montage (Fremdakten-act. 3-12 f.).
A.f Am 16. September 2011 berichtete Dr. D._, die Versicherte habe nach anfänglich
guten Fortschritten in der Physiotherapie wieder über eine Verschlechterung der
Situation berichtet. Sie gebe glaubhaft Schmerzen an und es lägen objektive Befunde
vor. Eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit sei noch nicht möglich (IV-act. 24). Am
15. Februar 2012 gab er an, der Gesundheitszustand sei stationär. Eine erneute
Skelettszintigraphie habe immer noch geringe Umbauzonen an der Prothese und
retropatellär gezeigt. Zwischenzeitlich habe die Versicherte auch mehr Schmerzen
rechts im Sinne einer aktivierten Gonarthrose (IV-act. 25-3). Am 31. März 2012
berichtete Dr. E._, die Versicherte leide an rasch progredienten Schmerzen im
Bereich des rechten Knies bei der bekannten Gonarthrose und sie habe weiterhin
persistierende Schmerzen im Bereich des operierten linken Knies. Aktuell sei sie als
Reinigungsfrau zu 100% arbeitsunfähig. Auch im Haushalt sei sie vermehrt auf Hilfe
angewiesen. In einer leichten, adaptierten, nicht belastenden Tätigkeit wäre allenfalls
eine Teilzeitbeschäftigung (sitzend) möglich (IV-act. 29).
A.g Am 7. Mai 2012 wurde die Versicherte durch Dr. med. G._, Facharzt FMH für
Innere Medizin und Rheumatologie, untersucht. In seinem Bericht vom 14. Mai 2012
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hielt Dr. G._ fest, die Versicherte habe neben den Schmerzen in den Knien auch
Schmerzen im Nacken- und Schultergürtel. Bei der Untersuchung habe er ein
Panvertebralsyndrom bei einem leichten Hohl-Rundrücken, segmentalen Dysfunktionen
und muskulären Verspannungen mit spondylogenen Ausstrahlungen in alle vier
Extremitäten gefunden. Als Reinigungsfrau sei die Versicherte weiterhin zu 100%
arbeitsunfähig. Eine sitzende Tätigkeit sei ihr zu ca. 40% zumutbar (IV-act. 55-8 ff.).
A.h Am 5. Juli 2012 berichtete PD Dr. med. H._, Arzt Orthopädie an der Klinik I._,
die Versicherte zeige eher diffuse Restbeschwerden mit einer Belastungsintoleranz.
Skelettszintigraphisch bzw. gemäss einer SPECT-CT bestünden keine Anhaltspunkte
für eine relevante Retropatellararthrose oder für periprothetische Auffälligkeiten (IV-
act. 45-3). Am 23. August 2012 berichtete er, nach einer Kniepunktion hätten sich die
Beschwerden bedeutsam vermindert. Er empfehle einen konservativen Therapieansatz
(IV-act.45-1). Die Versicherte sei seit 29. Mai 2012 bis auf weiteres als Reinigungsfrau
zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 45-7).
A.i Im Fragebogen zur Abklärung Erwerbstätigkeit/Haushalt gab die Versicherte am
25. September 2012 an, sie würde ohne Behinderung einer Tätigkeit als Putzfrau
nachgehen (20% bei der C._ AG, ca. 70% privat). Im Haushalt benötige sie die Hilfe
durch ihre Tochter und ihren Ehemann (IV-act. 31). Am 29. Oktober 2012 erfolgte eine
Haushaltsabklärung vor Ort. Die Abklärungsperson notierte, die Versicherte würde,
wenn sie gesund wäre, wie früher mit einem 50-60%-Pensum arbeiten (IV-act. 40).
A.j Am 25. Mai 2013 berichtete Dr. D._, am 30. Januar 2013 sei eine
Knietotalprothesenrevision durchgeführt worden. Die Beweglichkeit sei besser und die
Schmerzen seien nur noch gering vorhanden. Aktuell sei die Versicherte noch zu 100%
arbeitsunfähig, wobei im Spätsommer mit einer Besserung gerechnet werden könne.
Langfristig sei nicht davon auszugehen, dass sie für einen schweren Beruf wie
Reinigung zu 100% arbeitsfähig sein werde. Ihr seien lediglich noch leichtere Arbeiten
möglich, je nach Arbeitsplatz zu 50-100%. Dabei sei darauf zu achten, dass sie
wechselnd sitzend tätig sein und immer wieder Pausen einlegen könne (IV-act. 52-3).
Am 13./19. August 2013 berichtete Dr. E._, auch bei weniger Schmerzen im linken
Knie sei die Versicherte bei der bestehenden Gonarthrose rechts nicht in der Lage,
kniende Tätigkeiten auszuführen oder längere Zeit gebückt zu arbeiten. Zudem
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diagnostizierte er eine leichte Periarthropathia humeroscapularis (PHS) beider
Schultern. Er führte aus, als Reinigungsfrau sei die Versicherte zu 100% arbeitsunfähig.
Tätigkeiten, die nicht kniend oder gebückt ausgeführt werden müssten, seien ihr aktuell
zu 50% zumutbar, also ca. 4 Stunden pro Tag. Parallel zur Besserung der
Beschwerden in den Knien zeige sich eine massive psychische Dekompensation im
Sinne einer reaktiven Depression bei privaten Problemen (IV-act. 55-5, 56).
A.k Am 9. Dezember 2013 berichtete Dr. med. J._, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie, die Versicherte sei seit dem 20. August 2013 bei ihm in Behandlung.
Diese leide seit ca. 3 Jahren unter massiven familiären Belastungen. Er diagnostizierte
eine mittelgradige depressive Episode mit einem somatischen Syndrom (ICD-10
F32.11), eine Angst und eine depressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2), eine
mittelschwere gemischte Zwangsstörung (ICD-10 F42.2) und einen Verdacht auf eine
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1). Als Befunde hielt er eine
depressive Stimmung, Ängste, Zwänge, eine allgemeine Verlangsamung, eine
reduzierte Belastbarkeit und eine Stressintoleranz fest (IV-act. 62-5 f.). Aktuell sei der
Versicherten aufgrund der verminderten Belastbarkeit und Leistung keine Tätigkeit
zumutbar (IV-act. 62-3, 62-8).
A.l Am 18. Dezember 2013 notierte der Regionale Ärztliche Dienst (RAD), aufgrund der
psychiatrischen Diagnosen sei eine volle Arbeitsunfähigkeit medizinisch nicht
nachvollziehbar. Es sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit als Raumpflegerin
auszugehen. In einer adaptierten Tätigkeit (einfache, körperlich leichte Tätigkeit,
wechselbelastend, Möglichkeit zum Sitzen, kein Heben und Tragen über 10 kg, kein
häufiges Treppensteigen, keine Arbeiten im Knien, Hocken oder Kauern) sei die
Versicherte zu mindestens 50% arbeitsfähig. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei
der Gesundheitszustand stabil. Der Beginn der langandauernden Krankheit sei auf den
10. August 2010 festzulegen (IV-act. 63).
A.m Mit einem Vorbescheid vom 22. Januar 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten
bei einem Invaliditätsgrad von 17.07% die Abweisung des Leistungsbegehrens in
Aussicht (IV-act. 65). Am 24. Februar 2014 erhob die Versicherte dagegen einen
Einwand (IV-act. 67).
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A.n Am 12. März 2014 berichtete Dr. D._ über einen erfreulichen Verlauf am linken
Knie. Längeres Stehen mache die Versicherte noch müde und verursache Schmerzen
und zum Teil leichte Schwellungen. Das rechte Knie sei vor allem unter grösserer
Belastung schmerzhaft. Der Beschwerdedruck sei aber noch zu gering, als dass eine
Operation veranlasst werden sollte (IV-act. 70). Am 2. Mai 2014 berichtete Dr. E._
nach Rücksprache mit Dr. D._, die Versicherte sei zu 50% arbeitsunfähig. Ihr seien
nur Tätigkeiten zumutbar, welche die Knie nicht allzu stark belasteten. Arbeiten als
Reinigungsfrau oder mit Heben von Lasten seien nicht zu empfehlen (IV-act. 69).
A.o Mit einer Verfügung vom 3. Juli 2014 wies die IV-Stelle, entsprechend dem
Vorbescheid, das Leistungsbegehren ab (IV-act. 77).
A.p Dagegen erhob die Versicherte am 3. September 2014 eine Beschwerde (IV-
act. 79). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hiess die Beschwerde mit
einem Entscheid vom 3. Juli 2015 teilweise gut. Es hob die Verfügung vom 3. Juli 2014
auf und wies die Sache zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle zurück (IV-act. 95). Es
hielt im Wesentlichen fest, die IV-Stelle habe es unterlassen, sowohl in psychiatrischer
Hinsicht als auch betreffend die Beschwerden im Schulter-Nacken-Bereich weitere
Abklärungen vorzunehmen. Die IV-Stelle hätte zur Erfüllung ihrer Abklärungspflicht eine
umfassende Begutachtung der Versicherten anordnen müssen. Des Weiteren habe die
IV-Stelle es unterlassen, die Akten der Generali anzufordern, obwohl sie davon habe
ausgehen können, dass die Generali ebenfalls Abklärungen durchführte (IV 2014/383
E. 2). Die Versicherte und ihr Ehegatte hätten sodann Schulden in der Höhe von
Fr. 7'000.-- bis Fr. 8'000.-- sowie einen Privatkredit in der Höhe von Fr. 28'000.--. Der
Ehemann beziehe eine IV-Rente und eine BVG-Rente in der Höhe von Fr. 1'473.--. Die
drei noch im Haushalt wohnenden Kinder müssten einen Betrag für Kost und Logis
abgeben. Ohne die finanzielle Unterstützung der Kinder würden die Versicherte und ihr
Ehemann wohl sozialhilfebedürftig werden. Betreffend die Erwerbstätigkeit im fiktiven
Gesundheitsfall erscheine es daher am plausibelsten, dass die Versicherte zu 100%
erwerbstätig wäre, wobei insbesondere die finanzielle Situation der Versicherten ins
Gewicht falle und auch der Tatsache Bedeutung zukomme, dass sie angegeben habe,
stets gerne gearbeitet zu haben (IV 2014/383 E. 3). Der Entscheid erwuchs
unangefochten in Rechtskraft.
B.
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B.a In Umsetzung des Entscheids des Versicherungsgerichts vom 3. Juli 2015 holte
die IV-Stelle weitere Arztberichte ein. Dr. G._ hatte am 14. Februar 2014 berichtet,
die Versicherte leide an multiplen Beschwerden des Bewegungsapparates. Bei der
Untersuchung habe er ein Panvertebralsyndrom bei segmentalen Dysfunktionen,
muskulären Verspannungen und einem leichten Hohl-Rundrücken mit spondylogenen
Ausstrahlungen in die Arme und Beine gefunden. Auch die Gelenke der Hände und
Füsse seien teilweise druckdolent gewesen. Als Ursache für die Parästhesien der Arme
und Beine habe er ein muskulär bedingtes Thoracic outlet-Syndrom beidseits
gefunden. Hinweise auf eine Polyneuropathie habe er nicht feststellen können.
Anamnestisch, klinisch und labormässig habe er keine Hinweise für eine entzündlich-
rheumatische Erkrankung feststellen können. Das rechte Kniegelenk weise klinisch eine
beginnende Varusgonarthrose auf. Im linken Kniegelenk bestehe immer noch ein
kleiner Erguss (IV-act. 164-12 ff.). Dr. med. K._, Facharzt FMH Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats, hatte am 11. September 2014
über die Untersuchung der Schulter vom 10. September 2014 berichtet. Er hatte eine
symptomatische Tendinosis calcarea im Supraspinatusbereich rechts diagnostiziert. Er
hatte dazu festgehalten, das Schulterrelief sei ohne nennenswerte einseitige
Hypotrophie gewesen und es habe eine volle Beweglichkeit rechts und links
bestanden. Ein leichter Supraspinatusanspannungsschmerz sei vorhanden und die
Infraspinatusfunktionen seien gut gewesen (IV-act. 111). Am 14. November 2014 hatte
Dr. D._ angegeben, die Versicherte leide an einer muskulären Dysbalance im linken
Knie und an einer Gonarthrose rechts (IV-act. 110). Am 16. Januar 2015 hatte Dr. K._
berichtet, die Symptomatik im rechten Schulterbereich sei stärker als links gewesen.
Die Infiltration habe für knapp einen Monat eine deutliche Verbesserung gebracht. Jetzt
habe die Versicherte wieder Schmerzen, die bis in die beiden Hände ausstrahlten. Als
Befunde hätten sich eine relativ freie Beweglichkeit, mässig positive Impingement-
Tests beidseits, rechts stärker als links, und eine Hypästhesie diffus im Hand-/
Fingerbereich beidseits gezeigt. Für eine Rotatorenmanschettenpathologie hätten keine
Anhaltspunkte bestanden (IV-act. 109). Am 20. Januar 2015 hatte Dr. D._ die
Diagnose einer muskulären Dysbalance im linken Knie wiederholt. Er hatte berichtet,
das Gangbild sei aktuell hinkfrei gewesen. Das linke Knie sei unauffällig und auch das
rechte Knie sei bland gewesen. Die Situation habe sich beruhigt. Im Alltag komme die
Versicherte gut zurecht. An eine Arbeit in ihrem angestammten Beruf sei aber nicht zu
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denken (IV-act. 108). Am 23. Januar 2015 hatte er zuhanden der Rechtsvertreterin der
Versicherten berichtet, die Versicherte sei ab 15. August 2014 zu 50% und ab
11. September 2014 bis auf Weiteres zu 100% arbeitsunfähig gewesen. Die Versicherte
leide an chronischen Knieschmerzen beidseits und seit September 2014 an einer
hartnäckigen Schulterentzündung rechts. Ein grosser Teil der eingeschränkten
Arbeitsfähigkeit rühre von der zunehmenden depressiven Verstimmung der Patientin
her. Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht müsste jedoch
zusätzlich durch die behandelnden Ärzte beurteilt werden (IV-act. 164).
B.b Am 17. April 2015 war am Kantonsspital St. Gallen eine MR-Arthrographie des
rechten Schultergelenks durchgeführt worden. Dr. med. L._, Arzt Radiologie und
Nuklearmedizin, hatte am gleichen Tag berichtet, es bestehe eine osteoligamentäre
Einengung des Subakromialraumes bei einer fortgeschrittenen AC-Arthrose und einem
diskret nach lateral abfallenden Akromion (Typ II), eine fortgeschrittene Tendinose der
Supra- und Infraspinatussehne mit einer transmuralen Ruptur der Supraspinatussehne
sowie mit weiteren gelenkseitigen und interstitiellen Partialrupturen der Supra- und
Infraspinatussehne, eine komplette Ruptur der langen Bizepssehne sowie eine initiale
streifige lipomatöse Degeneration der Rotatorenmanschettenmuskulatur (IV-act. 129).
B.c Am 20. April 2015 hatte der orthopädische Gutachter des Medizinischen
Gutachtenzentrums Region St. Gallen über das orthopädische Assessement vom
19. März 2015 berichtet, welches im Auftrag der Generali Personenversicherungen AG
durchgeführt worden war. Er hatte die folgenden Diagnosen angegeben: Eine
Acromioclaviculargelenksarthrose mit einem Impingement der rechten Schulter, eine
Ruptur der Supraspinatussehne und eine Partialruptur der Infraspinatussehne, eine
komplette Ruptur der langen Bizepssehne, eine Verkalkung der Rotorenmanschette
links, eine medial akzentuierte trikompartimentale Gonarthrose mit einer Läsion des
medialen Meniskus rechts bei 0-Achse sowie eine Schmerzpersistenz nach einer
Knietotalprothese links 11/2010 mit Inlay-Wechsel, Patellaersatz und
Tuberositasproximalisierung 1/2013 bei 0-Achse. Er hatte ausgeführt, dass trotz dieser
Diagnosen von einer Restarbeitsfähigkeit bei voller Stundenpräsenz von 30% in der
bisherigen Tätigkeit ausgegangen werden könne. Körperlich leichte Tätigkeiten in
temperierten Räumen, die abwechslungsweise sitzend und stehend ausgeübt werden
könnten, ohne dass häufig gelaufen werden müsse, insbesondere auf Treppen und
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Leitern, und die nicht mit häufigen Arbeiten über der Horizontalen sowie knienden
Positionen verbunden seien, könnten seit jeher bei voller Stundenpräsenz zu 90%
zugemutet werden (Fremdakten-act. 4-17 ff.).
B.d Am 12. Juni 2015 hatte Dr. K._ berichtet, er habe eine unveränderte
Impingement-Symptomatik beidseits, eine Verspannung paravertebral zervikal und eine
Einschränkung der HWS-Beweglichkeit bezüglich Rotation und Inklination/Reklination
diagnostiziert. Das MRI der linken Schulter vom 17. April 2015 habe eine
osteoligamentäre Einengung des Subacromialraumes, eine AC-Arthrose, eine
intrinsische Veränderung des Supra- und Infraspinatus mit Ruptur im Supraspinatus,
eine Partialruptur Infraspinatus und eine rupturierte lange Bizepssehne gezeigt.
Momentan sei die Versicherte als Reinigungsfrau zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 107).
B.e Am 28. September 2015 berichtete Dr. med. M._, FMH Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates, über eine am 22. September 2015
durchgeführte manuelle Mobilisation und arthroskopische Adhäsiolyse des linken
Kniegelenks, nachdem eine partielle Kniegelenkssteife diagnostiziert worden war (IV-
act. 157). Im Verlaufsbericht vom 9. November 2015 hielt Dr. E._ zuhanden der IV-
Stelle fest, der Gesundheitszustand der Versicherten habe sich seit August 2013 leicht
verschlechtert. Neu bestehe ein PHS der rechten Schulter und wegen der
persistierenden Knieschmerzen sei am 22. September 2015 eine Mobilisation und
arthroskopische Adhäsiolyse des Kniegelenks links durchgeführt worden. Zudem
bestehe weiterhin eine deutliche depressive Verstimmung. Die Versicherte sei als
Reinigungsfrau zu 100% arbeitsunfähig. Rein somatisch gesehen sei sie in einer
Tätigkeit, welche das linke Knie nicht zu stark belaste und die Arme, vor allem links
über Brusthöhe, nicht beträfen, zu ca. 50% arbeitsfähig (ca. 3-4 Stunden pro Tag und
je nach Anforderungsprofil mit eingeschränkter Leistung; IV-act. 164-6 f.). Am
18. November 2015 berichtete Dr. K._, dass sich bei der Untersuchung am
12. November 2015 eine mässige Impingementsymptomatik gezeigt habe. Die
Bewegungen der Schultern seien in alle Richtungen auch gegen Widerstand
schmerzhaft gewesen. Der Versicherten sei eine Cortisonspritze in die linke Schulter
verabreicht worden (IV-act. 184, 169).
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B.f Am 4. Januar 2016 unterzog sich die Versicherte einer Operation in der Klinik Z._
des Kantonsspitals St. Gallen (IV-act. 172). Diese hatte keine anhaltende
Arbeitsunfähigkeit zur Folge (IV-act. 196-6).
B.g Im Verlaufsbericht vom 15. Februar 2016 hielt Dr. M._ fest, die Versicherte habe
am 18. November 2015 berichtet, dass sie bereits über eine Stunde ohne relevante
Beschwerden habe spazieren können (IV-act. 188). Am 3. März 2016 gab Dr. K._ an,
der Versicherten sei gleichentags eine Cortisonspritze in die linke Schulter verabreicht
worden (IV-act. 200).
B.h Am 27. April 2016 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie eine
bidisziplinäre Begutachtung in Auftrag gegeben habe (IV-act. 208). Auf einen Einwand
der Versicherten hin teilte die IV-Stelle am 8. Juni 2016 mit, sie sehe neu eine
polydisziplinäre Begutachtung vor (IV-act. 213, 221).
B.i Am 17. und 18. Oktober 2016 wurde die Versicherte durch das Ärztliche
Begutachtungsinstitut GmbH in Basel (ABI) polydisziplinär (internistisch, psychiatrisch,
orthopädisch und rheumatologisch) abgeklärt. Im Gutachten vom 22. November 2016
nannten die Gutachter im Wesentlichen folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit (vollständige Liste siehe IV-act. 231-27 f.):
· Chronische belastungsverstärkte Knieschmerzen links (ICD-10 M25.56)
· Medial betonte Gonarthrose rechts (ICD-10 M17.0)
· Chronisches zervikospondylogenes Schmerzsyndrom (ICD-10 M53.1)
· Chronisches thorakolumbospondylogenes Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.5)
· Belastungsdefizit beider Schultergelenke (ICD-10 M75.8)
Als Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gaben die
Gutachter an:
· Adipositas mit BMI 35
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· Verdacht auf Medikamentenmalcompliance
· Status nach Psychosozialen Belastungsfaktoren 2013
Die Gutachter hielten fest (IV-act. 231-29), aus internistischer Sicht bestünden keine
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Auch aus psychiatrischer Sicht könne
kein Störungsbild beschrieben werden. Die Versicherte habe sich ohne
psychopathologische Befunde präsentiert. In der Anamnese sei lediglich ein
Ehekonflikt vor ca. 2 Jahren zu verzeichnen, der zu einer kurzen
psychotherapeutischen Behandlung geführt habe. In ihrer Selbsteinschätzung fühle
sich die Versicherte zu keiner Tätigkeit mehr in der Lage und begründe dies mit ihren
Knieproblemen (IV-act. 231-14). Aus orthopädischer Sicht beeinflussten die
Kniebeschwerden beidseits bei einem Zustand nach mehreren Operationen links und
bei einer Gonarthrose rechts die Arbeitsfähigkeit. In der angestammten Tätigkeit als
Reinigungsfrau könne eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert werden. Aktivitäten ohne
wesentliche Belastung der Kniegelenke, namentlich solche im Sitzen oder mit kürzeren
Anteilen im Stehen oder Gehen, seien hingegen fast uneingeschränkt möglich.
Allenfalls sei ein etwas erhöhter Pausenbedarf notwendig, um die erlernten
Bewegungs- und Kräftigungsübungen durchzuführen. Eine entsprechend adaptierte
Tätigkeit könne vollzeitlich mit einer Leistungseinbusse von höchstens 10%
durchgeführt werden, was zu einer theoretisch verwertbaren Arbeitsleistung von
mindestens 90% führe. Aus rheumatologischer Sicht beeinflussten das chronische
zervikospondylogene und das chronische thorakolumbospondylogene
Schmerzsyndrom sowie das Belastungsdefizit beider Schultern die Arbeitsfähigkeit der
Versicherten. Körperlich schwere und mittelschwere Tätigkeiten seien ihr deshalb nicht
mehr zumutbar. Für eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne Einnahme von
wirbelsäulenbelastenden Zwangshaltungen und ohne Tätigkeiten über Kopf bestehe
aus rheumatologischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit. Insgesamt könne somit eine
Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Reinigungsfrau und in sämtlichen
anderen körperlich mittelschwer oder schwer belastenden sowie mehrheitlich im
Stehen und Gehen zu verrichtenden Tätigkeiten festgestellt werden. Für körperlich
leichte, adaptierte Tätigkeiten bestehe eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 90%,
vollschichtig umsetzbar mit einem etwas erhöhten Pausenbedarf. In Bezug auf den
Beginn und den Verlauf der Arbeitsunfähigkeit hielten die Gutachter fest (IV-
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act. 231-29 f.), dass mit der Operation vom 2. Februar 2010 (arthroskopische Operation
am Meniskus Knie links, IV-act. 231-19) initial eine volle Arbeitsunfähigkeit eingetreten
sei, woraufhin die Versicherte vorübergehend in den Erwerbsprozess zurückgekehrt
sei. Infolge zunehmender Knieschmerzen sei es im Sommer 2010 zu einer vollen
Arbeitsunfähigkeit gekommen, welche für die angestammte Tätigkeit im
Reinigungsdienst pauschal wahrscheinlich bis heute attestiert werden könne.
Körperlich adaptierte Tätigkeiten wären im Grundsatz jedoch auch in der
Vergangenheit möglich gewesen, jeweils unterbrochen durch die operativen
Behandlungen (namentlich Prothesenimplantation im November 2010, partieller
Prothesenwechsel und Tuberositas-Proximalisierung im Januar 2013 sowie
Arthroskopie im September 2015). Beim vorliegend beschriebenen, objektiv
unauffälligen Verlauf lasse sich für körperlich adaptierte Tätigkeiten eine
Arbeitsunfähigkeit allerdings nur jeweils während höchstens vier Monaten begründen,
bevor wieder eine Arbeitsfähigkeit im oben erwähnten Ausmass bestanden habe. Aus
rheumatologischer, psychiatrischer und internistischer Sicht ergäben sich keine
Hinweise für eine lang andauernde Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit seit
2010. In Bezug auf die Selbsteinschätzung der Versicherten bestehe eine deutliche
Diskrepanz zur gutachterlichen Beurteilung. Die Versicherte halte sich für gar nicht
mehr arbeitsfähig.
B.j Der RAD notierte am 15. Dezember 2016, auf das polydisziplinäre Gutachten könne
abgestellt werden. Es sei ausführlich, schlüssig und nachvollziehbar. Aus
versicherungsmedizinischer Sicht sei der Gesundheitszustand der Versicherten stabil
(IV-act. 232).
B.k Mit einem Vorbescheid vom 3. Januar 2017 stellte die IV-Stelle der Versicherten
bei einem IV-Grad von 10% die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (IV-
act. 235). Zur Begründung hielt sie fest, dass die Versicherte gemäss dem Urteil des
Versicherungsgerichts vom 3. Juli 2015 im Gesundheitsfall als Vollerwerbstätige
einzustufen sei. In der angestammten Tätigkeit als Reinigungsfrau bestehe seit der
Operation vom Februar 2010 keine relevante Arbeitsfähigkeit mehr. Bei einer langen
Dauer der Arbeitsunfähigkeit im bisherigen Bereich sei die zumutbare Arbeitsfähigkeit
in einem anderen Beruf zu berücksichtigen. Gemäss dem polydisziplinären Gutachten
bestehe für Tätigkeiten ohne wesentliche Belastung der Kniegelenke eine fast
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uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Durch Pausen rechtfertige sich ein
"Leistungsabzug" von höchstens 10%. Die Arbeitsunfähigkeiten wegen den
Operationen seien nur vorübergehend gewesen. Mehr als eine viermonatige
Arbeitsunfähigkeit habe sich nicht ergeben. Aus dem Einkommensvergleich
(Valideneinkommen Fr. 53'793.--, Invalideneinkommen Fr. 48'414.--) resultiere ein IV-
Grad von maximal 10%.
B.l Am 27. Januar 2017 teilte die Versicherte der IV-Stelle mit, dass sie sich seit
geraumer Zeit stationär in der Psychiatrischen Klinik N._ befinde. Die medizinischen
Akten würden zusammen mit den Einwendungen zum Vorbescheid zugestellt (IV-
act. 239). Am 22. März 2017 erhob sie einen Einwand (IV-act. 243) und beantragte, der
Vorbescheid vom 3. Januar 2017 sei aufzuheben und ihr seien die gesetzlichen
Leistungen zuzusprechen. Eventualiter sei eine BEFAS-Abklärung bzw. eine Evaluation
der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) durchzuführen. Subeventualiter sei ein neues
Gutachten anzuordnen. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, die IV-Stelle
verletze den Untersuchungsgrundsatz, indem sie auf eine völlig abstrakt-theoretische
Arbeitsfähigkeitsschätzung abstellen wolle, die mit ihrer individuell-konkreten
Leistungsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nichts gemein habe. Sie sei bald
_ Jahre alt, habe nie eine Schule besucht, sei Analphabetin und spreche die deutsche
Sprache nur schlecht. Erst eine BEFAS-Abklärung bzw. eine EFL könne konkret
aufzeigen, zu welcher Leistung sie effektiv noch fähig sei. Auf das Gutachten könne
nicht abgestellt werden, weil sie nicht umfassend untersucht worden sei. Der
Orthopäde habe lediglich die untere Körperhälfte und die Rheumatologin nur den
Rumpf und die oberen Extremitäten untersucht. Diese Art der Begutachtung sei
unüblich und zurückzuweisen. Des Weiteren sei das psychiatrische Teilgutachten als
falsch zurückzuweisen. Sie habe sich vom 6. Januar 2017 bis 23. Februar 2017
stationär in der Psychiatrischen Klinik N._ befunden. Aus dem Austrittsbericht vom
6. März 2017 sei unter anderem ersichtlich, dass sie – gemäss diametral anderer
Auffassung im Gutachten nur rund drei Monate zuvor – an einer rezidivierenden
depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, mit einem somatischen
Syndrom (ICD-10 F33.11), und an einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen
und psychischen Anteilen (ICD-10 F45.41) leide. Gemäss der Bestätigung der
Psychiatrischen Klinik N._ sei sie vom 6. Januar 2017 bis und mit 10. März 2017
vollständig arbeitsunfähig gewesen. Schliesslich werde die RAD-Beurteilung vom
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15. Dezember 2016, wonach der Gesundheitszustand aus versicherungsmedizinischer
Sicht stabil sei, bestritten; diese sei durch den Austrittsbericht der Psychiatrischen
Klinik N._ vom 6. März 2017 widerlegt. Mit dem Einwand reichte sie den erwähnten
Austrittsbericht ein (IV-act. 243-8 ff.). Die von der Versicherten genannten Diagnosen
und die Arbeitsunfähigkeitsbestätigung wurden durch den Bericht belegt. Die
behandelnden Ärzte führten zudem aus, dass ein chronisches Schmerzsyndrom
bezüglich der Knieoperation im Vordergrund stehe. Die anderen körperlichen
Beschwerden wie das Gefühl, das rechte Ohr sei verstopft, das Druckgefühl auf der
Brust und in der Magengegend, der Schwindel und die Kopfschmerzen seien
Beschwerden, die im Rahmen der depressiven Entwicklung aufgetreten seien. Mit
zunehmender Behandlung der Depression dürften sich diese körperlichen
Beschwerden weiter zurückbilden. Eine leichte Verbesserung sei schon festzustellen.
Der Status beim Eintritt sei wach und zu allen Qualitäten ausreichend orientiert
gewesen. Die Aufmerksamkeit, die Konzentration und das Gedächtnis seien unauffällig
gewesen. Der formale Gedankengang sei mittelgradig umständlich, leicht vorbeiredend
und perseverierend gewesen. Im Affekt habe die Versicherte mittelgradig eine
Hoffnungslosigkeit gezeigt. Sie sei mittelgradig niedergeschlagen, leicht ratlos,
schwergradig klagsam und leicht affektarm gewesen. Sie habe ein schwergradig
gestörtes Vitalgefühl gehabt und die Schwingungs- und Modulationsfähigkeit sei leicht
reduziert gewesen. Die Versicherte sei psychomotorisch verlangsamt und innerlich
leicht unruhig gewesen und sie habe Ein- und Durchschlafstörungen gehabt. Hinweise
auf eine Eigen- oder Fremdgefährdung hätten nicht bestanden. Der Status beim
Austritt sei wach und allseits orientiert gewesen. Es habe keine Gedächtnis- oder
Aufmerksamkeitsstörung bestanden. Die Versicherte sei im formalen Denken leicht
eingeengt auf den Konflikt mit dem Ehemann gewesen. Sie habe Befürchtungen
geäussert, dass sie alleine nicht zurechtkommen und wieder in eine Negativspirale
fallen werde. Ich-Störungen oder Sinnestäuschungen seien verneint worden. Wahn
oder Zwang hätten nicht bestanden. Im Affekt sei die Versicherte leicht ängstlich und
klagsam gewesen. Es lasse sich ein mehrheitlich somatisches Krankheitsverständnis
feststellen.
B.m Mit einer Verfügung vom 25. März 2017 wies die IV-Stelle, entsprechend dem
Vorbescheid, das Leistungsbegehren ab (IV-act. 244). Zu den Einwänden führte sie an,
das Alter, die tiefe Schulbildung und die mangelnden Sprachkenntnisse bestünden
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unabhängig von der gesundheitlichen Beeinträchtigung und könnten nicht als IV-
relevant betrachtet werden. Im Gutachten werde klar festgehalten, dass eine deutliche
Diskrepanz zwischen der gutachterlichen und der subjektiven Einschätzung bestehe.
Eine BEFAS-Abklärung würde deshalb nicht zum Ziel führen. Der Umstand, dass sich
die Versicherte am 6. Januar 2017 – just nach dem Eintreffen des abweisenden
Vorbescheids vom 3. Januar 2017 – in eine stationäre psychiatrische Behandlung
begeben habe, begründe noch keine relevante Verschlechterung des
Gesundheitszustands. Zudem werde im Austrittsbericht mehrfach erwähnt, dass die
somatischen Beschwerden im Vordergrund gestanden hätten. Die im Austrittsbericht
gestellte Diagnose der chronischen Schmerzstörung sei im Gutachten umfassend
thematisiert worden. Bei der mittelgradigen depressiven Episode falle gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung eine Arbeitsunfähigkeit nur in Betracht, wenn es
sich um ein schweres und therapieresistentes Leiden handle, wobei es einer
mittelgradigen depressiven Episode an der vorausgesetzten Schwere und damit an der
invalidisierenden Wirkung grundsätzlich fehle. Dass die Psychiatrische Klinik N._
über den Zeitraum der stationären Behandlung eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiere,
sei nachvollziehbar und begründe keine anhaltende Arbeitsunfähigkeit.
C.
C.a Am 10. Mai 2017 erhob die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 25. März 2017 (act. G 1). Sie beantragte die
Aufhebung der Verfügung und die Zusprache der gesetzlichen Leistungen. Eventualiter
sei eine BEFAS-Abklärung bzw. eine EFL durchzuführen. Subeventualiter sei ein neues
polydisziplinäres Gutachten anzuordnen. Zudem beantragte sie den Beizug der Akten
des Verfahrens IV 2014/383 und die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung
und Rechtsverbeiständung (vgl. auch act. G 2). Ergänzend zu den Einwänden im
Vorbescheidverfahren machte die Beschwerdeführerin geltend, es sei nicht
nachvollziehbar, dass gemäss dem Gutachten keine psychiatrische Diagnose mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe gestellt werden können. Die von der
Psychiatrischen Klinik N._ nur gerade 10 Wochen nach dem strittigen Gutachten des
ABI Basel vom 18. Oktober 2016 gestellten Diagnosen könnten nicht von heute auf
morgen auftreten. Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) habe zudem den
Untersuchungsgrundsatz verletzt, indem sie es versäumt habe, nach Erhalt des
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Chargé-Schreibens vom 27. Januar 2017 weitere Berichte betreffend den stationären
Aufenthalt in der Psychiatrischen Klinik N._ einzuholen. Schliesslich sei falsch, dass
sie sich "just nach dem Eintreffen des abweisenden Entscheides vom 3. Januar 2017"
in die stationäre psychiatrische Behandlung begeben habe. Sie sei von Dr. E._ am
5. Januar 2017 und ohne Kenntnis des negativen Vorbescheids in die Psychiatrische
Klinik N._ überwiesen worden. Ebenso sei falsch, dass der stationäre Aufenthalt
"keine relevante Verschlechterung des Gesundheitszustands" begründen könne.
Entweder habe sich ihr Gesundheitszustand vor dem Erlass der angefochtenen
Verfügung vom 25. März 2017 massgebend verschlechtert und/oder das
psychiatrische Gutachten des ABI im praktisch gleichen Zeitraum sei nachweislich
falsch. Des Weiteren habe die Beschwerdegegnerin es unterlassen abzuklären, ob sie
auch nach dem Austritt aus der Klinik aus psychiatrischer Sicht voll, teilweise oder gar
nicht mehr arbeitsunfähig gewesen sei. Ihr Gesundheitszustand sei komplex und sie sei
nicht nur betreffend die beiden Kniegelenke, sondern auch im Schulter- und
Nackenbereich eingeschränkt. Ihr könne nur noch eine leichte, wechselbelastende
Tätigkeit ohne Einnahme von wirbelsäulenbelastenden Zwangshaltungen und ohne
Tätigkeiten über Kopf zugemutet werden. Die verbleibende adaptierte
Restarbeitsfähigkeit sei aufgrund des Alters, des Analphabetismus und der seit bald
sieben Jahren dauernden Nichterwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
nicht verwertbar. Eine BEFAS- bzw. eine EFL-Abklärung zur Verifizierung der rein
medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit würde zeigen, dass sie nicht mehr fähig sei,
ein jährliches Invalideneinkommen von Fr. 48'414.-- zu erzielen. Die Aussage, dass
gemäss dem Gutachten eine deutliche Diskrepanz zwischen der gutachterlichen und
der subjektiven Einschätzung bestehe und deshalb eine BEFAS-Abklärung nicht zum
gewünschten Ziel führen würde, sei zudem falsch. Der RAD habe am 15. Dezember
2016 zu Recht notiert, dass keine Hinweise für eine Aggravation und Inkonsistenzen
bestünden. Schliesslich begründe die Verfügung nicht, weshalb kein "Leidensabzug"
zugestanden worden sei. Vorliegend sei ein "Leidensabzug" von 20% bzw. maximal
25% ausgewiesen.
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 12. Juni 2017 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass der
Einschätzung des ABI als einer für die IV geschaffenen spezialisierten Gutachterstelle
grosses Gewicht zukomme. Im Gegensatz zu den behandelnden Ärzten folge das ABI
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strikt versicherungsmedizinischen Prämissen. Das ABI-Gutachten sei ausführlich
abgefasst und die darin enthaltenen Schlussfolgerungen seien nachvollziehbar. Die
Beschwerdeführerin übersehe, dass ihre muskuloskelettalen Leiden sowohl von einem
Orthopäden als auch von einer Rheumatologin beurteilt werden könnten. Weil
Orthopäden im Gegensatz zu Rheumatologen auch operative Eingriffe vornähmen, sei
es sachgerecht gewesen, dass der orthopädische Gutachter aufgrund der
vorgenommenen Knieoperationen den Fokus auf die untere Körperhälfte der
Beschwerdeführerin gelegt, während die rheumatologische Gutachterin vor allem den
Rumpf und die oberen Extremitäten untersucht habe. Es sei nicht ersichtlich, inwiefern
die genannten Ärzte die Beschwerdeführerin nicht ausführlich und kompetent
untersucht hätten. Es gebe auch keine Hinweise darauf, dass der psychiatrische
Gutachter die Beschwerdeführerin nicht gründlich und kompetent untersucht hätte.
Aufgrund des unproblematischen Befunds habe er zu Recht keine Diagnose mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt. Die Beschwerdeführerin habe sich zum
Zeitpunkt der psychiatrischen Begutachtung nicht in psychiatrischer Behandlung
befunden und habe keine Psychopharmaka eingenommen. Der RAD habe am 29. Mai
2017 zum Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik N._ notiert (IV-act. 251), dass
aufgrund der stationären Therapie von einer deutlichen Verbesserung des
psychiatrischen Gesundheitszustands auszugehen sei. Beim Austritt hätten nur noch
leichte psychiatrische Beschwerden bestanden, welche keine anhaltende und IV-
relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründeten. Auf diese Ausführungen des
RAD könne abgestellt werden. In Bezug auf das Valideneinkommen sei auf die
schweizerische Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik (nachfolgend:
Tabellenlöhne) abzustellen. Frauen im Kompetenzniveau 1 hätten im Jahr 2013 ein
durchschnittliches Einkommen von Fr. 51'793.-- erzielt. Weil die Beschwerdeführerin
an ihrer letzten Arbeitsstelle ein unterdurchschnittliches Einkommen erzielt habe, sei
eine Kürzung des Tabellenlohns um 5% gerechtfertigt, da mit der vorgenommenen
Parallelisierung von Validen- und Invalideneinkommen nur der Ausgleich einer
deutlichen Abweichung der beiden Einkommensarten bezweckt werde. Das
Valideneinkommen betrage somit Fr. 49'203.--. Das Invalideneinkommen sei ebenfalls
gestützt auf die Tabellenlöhne zu berechnen. Für die Beschwerdeführerin geeignete
Tätigkeiten seien etwa leichtere Maschinenbedienungs-, Kontroll-, Sortier-, Prüf- sowie
Verpackungsarbeiten, leichtere Arbeiten bei der Lager- und Ersatzteilbewirtschaftung
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oder eine Beschäftigung an einem Empfang oder als Telefonistin. Auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt gebe es somit Arbeitsstellen. Berufliche Abklärungen
seien nicht notwendig, da die Angaben im ABI-Gutachten zu einer ihr adaptierten
Tätigkeit aussagekräftig genug seien. Da die Beschwerdeführerin nur noch leichte
Hilfstätigkeiten ausführen könne, sei ein "Leidensabzug" von 10% vorzunehmen. Ein
Teilzeitabzug sei dagegen nicht geschuldet, da Hilfsarbeiterinnen im Verhältnis zu einer
Vollzeitbeschäftigung proportional mehr verdienten. Das Invalideneinkommen betrage
somit Fr. 41'952.--, woraus ein IV-Grad von 15% resultiere.
C.c Das Versicherungsgericht bewilligte am 14. Juni 2017 das Gesuch um die
unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das Beschwerdeverfahren (act. G 5).
C.d Die Beschwerdeführerin machte in ihrer Replik vom 8. September 2017 ergänzend
geltend (act. G 9), dass es von Seiten des ABI zu einer falschen Terminplanung
gekommen sei. Sie sei für den zweiten Abklärungstag vom ABI am 19. Oktober 2016
und nicht am 18. Oktober 2016 erwartet worden. Dies müsse der Grund dafür sein,
dass es zu einer "abgekürzten" Begutachtung durch den orthopädischen Gutachter
und die rheumatologische Gutachterin gekommen sei. Des Weiteren seien die
Gutachter am 18. Oktober 2016 in Zeitnot gewesen und hätten die zwei Gutachten
(rheumatologisch und psychiatrisch) vor dem Mittag "reinwürgen" müssen. Sie habe
damit nicht hinreichend vollständig untersucht werden können. Das Gutachten sei
daher nicht verwertbar. Des Weiteren sei – entgegen ihrem Wunsch – ein Dolmetscher
in O._-er statt in P._-er Sprache vor Ort gewesen. Sie sei zwar in der O._
aufgewachsen, ihre Muttersprache sei aber P._. Auf das Gutachten könne daher
nicht abgestellt werden. In Bezug auf den psychischen Gesundheitszustand habe die
Beschwerdegegnerin es unterlassen abzuklären, ob bei ihr von einer Therapieresistenz
auszugehen sei. Des Weiteren könne nicht behauptet werden, dass es sich bei der
Einschätzung der Psychiatrischen Klinik N._ um eine Einschätzung "eines
behandelnden Arztes" handle. Die vorgenommene Parallelisierung der
Vergleichseinkommen von 5% sei falsch und berücksichtige ihre effektiv erzielten
Einkommen nicht gebührend.
C.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 11).
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Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 25. März 2017
einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin bei einem IV-Grad von 10% verneint.
Strittig ist somit, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
2.
2.1 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG,
SR 830.1). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.2 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
2.3 Das Versicherungsgericht hat im Entscheid vom 3. Juli 2015 festgehalten, es
erscheine am plausibelsten, dass die Beschwerdeführerin im fiktiven Gesundheitsfall zu
100% erwerbstätig wäre. Die Beschwerdegegnerin hat dies zu Recht als verbindliche
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Vorgabe im Sinne von Art. 56 Abs. 2 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRP, sGS 951.1) interpretiert. Demzufolge hat die Beschwerdegegnerin zu Recht einen
reinen Einkommensvergleich gemäss Art. 16 ATSG vorgenommen. Dieser
Einkommensvergleich ist nachfolgend auf seine Richtigkeit zu überprüfen.
3.
3.1 Um das zumutbare Invalideneinkommen ermitteln zu können, muss der verbliebene
Arbeitsfähigkeitsgrad der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststehen. Die Beschwerdegegnerin hat zur Beantwortung dieser
Frage das ABI mit der Erstellung eines polydisziplinären Gutachtens beauftragt. Im
Gutachten des ABI vom 22. November 2016 wurde dazu angegeben, die
Beschwerdeführerin sei in ihrer angestammten Tätigkeit als Reinigungsfrau und in
sämtlichen anderen körperlich mittelschwer oder schwer belastenden sowie
mehrheitlich im Stehen und Gehen zu verrichtenden Tätigkeiten arbeitsunfähig. Für
körperlich leichte, adaptierte Tätigkeiten bestehe eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit
von 90%, vollschichtig umsetzbar mit einem etwas erhöhten Pausenbedarf (IV-
act. 231-29). Strittig und im Folgenden zu prüfen ist, ob dem Gutachten voller
Beweiswert zukommt, das heisst, ob es die Arbeitsfähigkeit mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegt.
3.2 Ein Gutachten hat vollen Beweiswert, wenn es für die streitigen Belange umfassend
ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation
einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE 125 V 352
E. 3a). Vorliegend haben die Sachverständigen des ABI die Beschwerdeführerin
persönlich untersucht und ihre subjektiven Klagen aufgenommen (Gutachten Ziff. 3.1.,
4.1.1, 4.2.1, 4.3.1). Sie haben die objektiven klinischen Befunde wiedergegeben
(Gutachten Ziff. 3.2, 4.1.2, 4.2.2, 4.3.2), umfassende Kenntnis von den Vorakten gehabt
(Gutachten Ziff. 2) und diese gewürdigt (Gutachten Ziff. 3.6, 4.1.7, 4.2.7, 4.3.7).
Gestützt auf ihre Befunde haben sie die Diagnosen gestellt (Gutachten Ziff. 3.3, 4.1.4,
4.2.3, 4.3.3) und ihre Beurteilung zur Arbeits(un)fähigkeit, inklusive eine
Konsensbeurteilung, abgegeben (Gutachten Ziff. 3.5, 4.1.5, 4.2.5 f., 4.3.5 f., 6). Die
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Ausführungen der Gutachter sind schlüssig und nachvollziehbar. Die von den
behandelnden Fachärzten abweichenden Beurteilungen sind begründet, Widersprüche
bestehen im Gutachten nicht. Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Einwände der
Beschwerdeführerin Zweifel am Gutachten zu wecken vermögen.
3.3 Die Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, das Gutachten sei nicht verwertbar,
da es nicht umfassend bzw. unvollständig sei. Aus dem Gutachten sei ersichtlich, dass
der Orthopäde sie in Bezug auf ihre "untere" Körperhälfte und die Rheumatologin den
Rumpf und die "oberen" Extremitäten untersucht und begutachtet habe. Diese Art und
Weise der Begutachtung sei unsinnig. Vielmehr sei wichtig, dass sie ganzheitlich
rheumatologisch-orthopädisch untersucht und begutachtet werde, so wie es das
Versicherungsgericht im Entscheid vom 3. Juli 2015, E. 4.1, festgehalten habe. Das
Versicherungsgericht hat im genannten Entscheid tatsächlich eine Abklärung der
Beschwerden der Beschwerdeführerin aus ganzheitlich rheumatologisch-
orthopädischer Sicht gefordert, das heisst nicht nur betreffend die Kniebeschwerden,
sondern des gesamten Bewegungsapparates. Daraus ist jedoch nicht zu schliessen,
dass die Beschwerdeführerin in den beiden Fachdisziplinen Rheumatologie und
Orthopädie in Bezug auf den gesamten Bewegungsapparat hätte untersucht werden
müssen. Sowohl Rheumatologen als auch Orthopäden befassen sich mit Schmerzen
des Bewegungsapparates (vgl. etwa das Urteil des Bundesgerichts vom 23. Mai 2012,
9C_270/2012, E. 4.2). Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht ausgeführt hat, nehmen
Orthopäden im Unterschied zu Rheumatologen auch operative Eingriffe vor. Es ist
daher kein Grund ersichtlich, weshalb die Begutachtung nicht so hätte stattfinden
dürfen, wie sie durchgeführt worden ist, insbesondere da die beiden Gutachter ihre
Resultate in der Konsensbeurteilung zusammengeführt und konsolidiert haben. Der
Einwand der Beschwerdeführerin ist damit nicht stichhaltig.
3.4 Die Beschwerdeführerin hat sodann geltend gemacht, das psychiatrische
Teilgutachten sei falsch. Es sei nicht nachvollziehbar, dass der psychiatrische
Teilgutachter keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe stellen
können. Sie habe sich nämlich vom 6. Januar 2017 bis 23. Februar 2017, also nur rund
10 Wochen nach der psychiatrischen Begutachtung, stationär in der Psychiatrischen
Klinik N._ befunden. Die gemäss dem Austrittsbericht vom 6. März 2017 gestellten
Diagnosen (rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, mit
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einem somatischen Syndrom [ICD-10 F33.11]; chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Anteilen [ICD-10 F45.41]) könnten nicht von heute auf
morgen auftreten. Des Weiteren sei falsch, dass sie sich "just nach dem Eintreffen des
abweisenden Entscheides vom 3. Januar 2017" in die stationäre psychiatrische
Behandlung begeben habe. Durch den Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik N._
sei zudem belegt, dass der Gesundheitszustand nicht stabil sei. Ebenso könne nicht
behauptet werden, dass es sich bei der Einschätzung der Psychiatrischen Klinik N._
um eine Einschätzung eines "behandelnden Arztes" handle. Behandelnde Therapeuten
in einer Klinik haben gleich wie andere therapeutisch tätige Ärzte die sorgfältige
Erfüllung des Behandlungsauftrags und damit das Wohl der Patientinnen und Patienten
zum Ziel. Ihre Tätigkeit basiert auf dem Vertrauensverhältnis zur Patientin oder zum
Patienten. Sie sind damit ebenso zu den behandelnden Ärzten zu zählen wie die
behandelnden Fachärzte oder die Hausärzte. Die Kritik der Beschwerdeführerin
überzeugt deshalb nicht. Ein Eintritt in eine psychiatrische Klinik mit einem
anschliessenden stationären Aufenthalt ist eine gelegentlich beobachtete Reaktion auf
einen negativen Vorbescheid. Meist verbessert sich der Gesundheitszustand im Verlauf
des Klinikaufenthalts rasch. Dabei ist regelmässig zu beobachten, dass sich die
Versicherten in einer solchen Situation bewusst oder unbewusst psychisch stärker
eingeschränkt wähnen, als es objektiv der Fall ist. Dies trifft vorliegend ebenfalls zu. Die
Befunde beim Austritt aus der Psychiatrischen Klinik N._ zeigen, dass die
Beschwerdeführerin zu diesem Zeitpunkt nahezu gesund gewesen ist. Im
Austrittsbericht vom 6. März 2017 ist nämlich festgehalten worden, dass die
Beschwerdeführerin beim Austritt im formalen Denken auf den Konflikt mit dem
Ehemann leicht eingeengt gewesen sei und Befürchtungen geäussert habe, dass sie
alleine nicht zurechtkommen werde. Es habe kein Wahn oder Zwang bestanden, Ich-
Störungen oder Sinnestäuschungen seien von der Beschwerdeführerin verneint
worden. Es habe sich ein mehrheitlich somatisches Krankheitsbild feststellen lassen.
Auch ist festgehalten worden, dass die Behandlung aufgrund einer Ambivalenz der
Beschwerdeführerin pausiert worden sei (IV-act. 253). Der Leidensdruck ist somit so
gering gewesen, dass sich die Beschwerdeführerin nicht weiter behandeln lassen
wollte. Der relativ kurze Klinikaufenthalt von rund 7 Wochen zeigt auch, dass die
psychischen Beschwerden nicht allzu gravierend gewesen sein können. In diesem
Zusammenhang ist zudem der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass die
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behandelnden Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweifel
eher zugunsten ihrer Patienten auszusagen pflegen und dazu neigen, die
pessimistischen Beschwerdeschilderungen ihrer Patienten als objektiv ausgewiesen zu
qualifizieren (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b.cc; Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts vom 5. April 2004, I 814/03 E. 2.4.2). Ob die Beschwerdeführerin
als Reaktion auf den negativen Vorbescheid in die Psychiatrische Klinik N._
eingetreten ist oder ob sich ihr psychischer Gesundheitszustand unabhängig davon
verschlechtert hat, ist letztlich unbeachtlich, denn massgebend ist, dass beim
Klinikaustritt nur noch leichte psychische Beschwerden und damit keine anhaltende
Arbeitsunfähigkeit mehr bestanden haben. Die Ausführungen des psychiatrischen
Gutachters, Dr. med. Q._, sind überzeugend. Dr. Q._ hat nachvollziehbar
dargelegt, dass kein Störungsbild habe beschrieben werden können. Er hat
festgehalten, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Begutachtung nicht in
psychiatrischer Behandlung gestanden habe. In der Anamnese sei lediglich ein
Ehekonflikt vor ca. 2 Jahren zu verzeichnen gewesen, der zu einer kurzen
psychotherapeutischen Behandlung geführt habe. Die von Dr. J._ im Bericht vom
9. Dezember 2013 gestellten Diagnosen könnten nicht bestätigt werden (IV-
act. 231-12 ff.). Der RAD hat zum Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik N._
notiert, dass es nach der psychiatrischen Begutachtung vom 18. Oktober 2016 zu einer
vorübergehenden Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands mit einer
Arbeitsunfähigkeit während des stationären Aufenthalts gekommen sei. Nach dem
Klinikaustritt könne wieder auf die Beurteilung im Gutachten des ABI abgestellt werden
(IV-act. 251). Dieser Einschätzung ist zuzustimmen. Selbst wenn es vor dem
stationären Klinikaufenthalt zu einer Verschlimmerung der psychischen Beschwerden
gekommen sein sollte, sind diese – wie dargelegt – nur kurzzeitig aufgetreten und
haben keine anhaltende Arbeitsunfähigkeit bewirkt. Die Beschwerdegegnerin ist damit
auch zu Recht von einem stabilen psychischen Gesundheitszustand ausgegangen.
3.5 Die Beschwerdeführerin hat weiter eingewendet, das Gutachten sei auch deshalb
nicht verwertbar, weil das ABI die Termine falsch geplant und die Abklärungen dadurch
unter Zeitnot hätten durchgeführt werden müssen. Die Beschwerdeführerin sei vom
ABI für den zweiten Abklärungstag am 19. Oktober 2016 und nicht am 18. Oktober
2016 erwartet worden. In der Folge hätten die rheumatologische Gutachterin und der
psychiatrische Gutachter ihre Abklärungen vor dem Mittag "reinwürgen" müssen. Dies
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müsse auch der Grund für die "abgekürzte" Begutachtung durch den orthopädischen
Gutachter und die rheumatologische Gutachterin sein. Ob es tatsächlich zu einer
falschen Terminplanung gekommen ist, kann offengelassen werden. Es gibt nämlich
kein Indiz dafür, dass die Begutachtungen unter Zeitdruck erfolgt wären. Selbst wenn
ein Zeitdruck bestanden haben sollte, sind keine Indizien dafür vorhanden, dass die
Abklärungen nicht lege artis erfolgt wären. In Bezug auf die orthopädisch-
rheumatologische Begutachtung kann auf die Ausführungen in E. 3.3 und hinsichtlich
des Beweiswerts eines Gutachtens auf die Ausführungen in E. 3.2 verwiesen werden.
Vorliegend bestehen keine Anhaltspunkte und ist auch nicht substantiiert geltend
gemacht worden, inwiefern das Gutachten diesen Anforderungen nicht genügen
würde. Der Einwand der Beschwerdeführerin vermag den Beweiswert des Gutachtens
nicht zu schmälern.
3.6 Im Weiteren hat die Beschwerdeführerin eingewendet, bei der Begutachtung sei ein
Dolmetscher für die O._sche statt für die P._sche Sprache dabei gewesen. Auf das
Gutachten könne daher nicht abgestellt werden. Es ist aktenkundig, dass sich die
Beschwerdeführerin gut auf Deutsch hat äussern können und dass sie nur selten auf
die O._sche Sprache angewiesen gewesen sei. Dies haben nicht nur die Gutachter
des ABI (IV-act. 231-9, 231-12, 231-16), sondern früher auch Dr. G._ (IV-act. 55-9,
164-13) notiert. Im Übrigen hat sie auch angegeben, sie verstehe gut O._ (IV-
act. 231-16). Hinweise darauf, dass die Beschwerdeführerin die Fragen der Gutachter
nicht verstanden hätte, bestehen nicht. Auch dieser Einwand der Beschwerdeführerin
ist damit nicht stichhaltig.
3.7 Die Beschwerdeführerin hat sodann eine Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes gemäss Art. 43 ATSG moniert, weil die
Beschwerdegegnerin es unterlassen habe, trotz Kenntnis über den Aufenthalt der
Beschwerdeführerin in der Psychiatrischen Klinik N._ weitere Unterlagen einzuholen,
beispielsweise das Überweisungsschreiben von Dr. E._ oder den Bericht des R._,
welches sie am 5. Januar 2017 in die Klinik überwiesen habe. Die Beschwerdegegnerin
habe es auch unterlassen abzuklären, ob sie nach dem Austritt aus der Klinik aus
psychiatrischer Sicht weiterhin voll, teilweise oder gar nicht mehr arbeitsunfähig
geschrieben worden sei. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern das Einholen dieser
zusätzlichen Berichte einen Beweisfortschritt hätte bewirken können. Der psychische
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Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin ist durch den Austrittsbericht der
Psychiatrischen Klinik N._ ausreichend belegt gewesen. Da der Eintritt in die
Psychiatrische Klinik N._ einen Tag nach der Überweisung von Dr. E._ bzw. des
R._ erfolgt ist, ist davon auszugehen, dass der Gesundheitszustand bei Klinikeintritt
demjenigen am Überweisungstag entsprochen hat. Die Beschwerdegegnerin hat den
Austrittsbericht in der Begründung der Verfügung vom 25. März 2017 zudem gewürdigt
(vgl. IV-act. 244-2). Betreffend die Arbeitsfähigkeit nach dem Klinikaustritt hat für die
Beschwerdegegnerin kein Anlass bestanden, diese abzuklären. Wie in E. 3.4 dargelegt,
hatten die psychischen Beschwerden nämlich keine anhaltende Arbeitsunfähigkeit
bewirkt. Die Diagnose im Austrittsbericht bezogen auf den Austrittstag ist zudem nicht
geeignet, eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit auszulösen. Eine Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes liegt nicht vor.
3.8 Die Beschwerdeführerin hat zudem geltend gemacht, die Beschwerdegegnerin
habe in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes gemäss Art. 43 ATSG nicht
abgeklärt, ob bei ihr von einer Therapieresistenz auszugehen sei. Das
Versicherungsgericht hat nie darauf abgestellt, ob bei leichten bis mittelschweren
psychischen Störungen depressiver Natur eine Therapieresistenz vorliegt (vgl. IV
2014/565, E. 3.3; IV 2016/351, E. 3.1). Die bundesgerichtliche Rechtsprechung ist im
Übrigen heute überholt (vgl. BGE 143 V 409).
3.9 Die Beschwerdeführerin hat schliesslich eine Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes gemäss Art. 43 ATSG und des Anspruchs auf ein faires
Verfahren gemäss Art. 6 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK,
SR 0.101) geltend gemacht, weil sich die Beschwerdegegnerin auf eine medizinisch-
theoretische Arbeitsfähigkeitsschätzung abgestützt habe. Zwecks Bestimmung, zu
welcher Leistung sie effektiv noch fähig sei, sei eine BEFAS-Abklärung bzw. eine EFL
durchzuführen. Eine BEFAS-Abklärung wird im Rahmen der Prüfung beruflicher
Eingliederungsmassnahmen durchgeführt. Sie dient der Bestimmung, ob und falls ja
welche beruflichen Massnahmen anzuordnen sind. Im Rahmen eines Verfahrens um
Zusprechung einer Rente und damit zur Vornahme einer Arbeitsfähigkeitsschätzung ist
eine BEFAS-Abklärung nicht geeignet. In Bezug auf den Antrag, es sei eine EFL
durchzuführen, ist festzuhalten, dass in Fällen wie dem vorliegenden, in denen die
Selbsteinschätzung einer versicherten Person von den objektivierbaren medizinischen
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Befunden abweicht, eine EFL kaum je objektive Erkenntnisse bezüglich der
Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person liefert. Die Beschwerdegegnerin hat daher zu
Recht keine Durchführung einer EFL angeordnet. Die klinischen Untersuchungen durch
den orthopädischen Gutachter und die rheumatologische Gutachterin sind ausreichend
gewesen.
3.10 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Einwände der Beschwerdeführerin
gegen die Arbeitsfähigkeitsschätzung der Gutachter des ABI (90% in körperlich
leichten, adaptierten Tätigkeiten, vollschichtig umsetzbar mit einem etwas erhöhten
Pausenbedarf) keine Zweifel zu wecken vermögen. In Übereinstimmung mit dem RAD
kann auf das Gutachten des ABI abgestellt werden. Auch die Einwände der
Beschwerdeführerin, wonach der Untersuchungsgrundsatz gemäss Art. 43 ATSG und
des Rechts auf ein faires Verfahren gemäss Art. 6 EMRK verletzt seien, erweisen sich
als nicht stichhaltig. Damit ist mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit
ganztags bei einer verminderten Leistungsfähigkeit zu 90% arbeitsfähig ist.
4.
4.1 Nachdem der Arbeitsfähigkeitsgrad der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht, ist der von der Beschwerdegegnerin
vorgenommene Einkommensvergleich zu überprüfen. Zunächst ist massgebend, auf
welcher Basis der Einkommensvergleich durchzuführen ist. Der Rentenanspruch
entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach der Geltendmachung des
Leistungsanspruchs (Art. 29 Abs. 1 IVG). Anspruch auf eine Rente haben Versicherte,
die unter anderem während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (Art. 28 Abs. 1 lit. b
IVG). Die Beschwerdeführerin hat sich im Januar 2011 zum Leistungsbezug
angemeldet. Der letzte Arbeitstag ist im August 2010 gewesen. Die Gutachter des ABI
haben festgehalten, dass für die angestammte Tätigkeit als Reinigungsfrau
wahrscheinlich pauschal eine Arbeitsunfähigkeit seit dem Sommer 2010 attestiert
werden könne. Unter der Berücksichtigung der sechsmonatigen Frist und des
Wartejahrs ist der potentielle Rentenbeginn auf den 1. August 2011 festzusetzen. Basis
für den Einkommensvergleich bilden somit die Verhältnisse im Jahr 2011.
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4.2 Die Beschwerdeführerin hat keine Schulbildung absolviert und zuletzt als
Reinigungsfrau bei der C._ AG gearbeitet. Das Pensum hat ca. 13 Stunden pro
Woche bei einer Wochenarbeitszeit im Betrieb von 42.5 Stunden, also rund 30%,
betragen. Das Jahreseinkommen ab 1. Januar 2011 hat Fr. 11'774.90 betragen.
Daneben hat die Beschwerdeführerin bei weiteren Arbeitgebern gearbeitet (vgl. IK-
Auszug, IV-act. 9). Die Akten enthalten keine Angaben darüber, in welchen Pensen sie
für diese Arbeitgebenden gearbeitet hatte. Die Beschwerdeführerin gab zwar an, dass
sie – wenn sie gesund wäre – zu 20% bei der C._ AG und zu ca. 70% privat arbeiten
würde. Daraus kann jedoch nicht geschlossen werden, dass sie vor Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit zu 70% "privat" gearbeitet hätte. Auf die Angaben im IK-Auszug
kann somit nicht abgestellt werden. Die Beschwerdegegnerin hat daher richtigerweise
festgehalten, dass in Bezug auf das Valideneinkommen keine repräsentative
Einkommensbasis zur Verfügung stehe, so dass dieses gestützt auf die schweizerische
Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik zu berechnen sei. Massgebend
ist der statistische Zentralwert für Hilfsarbeiterinnen, welcher im Jahr 2011 Fr. 53'367.--
betragen hat (vgl. Anhang 2 der IV-Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe
2019). In Anbetracht des letzten Jahreslohns bei der C._ AG (Fr. 11'774.90 bei einem
Pensum von rund 30%) ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ein
unterdurchschnittliches Einkommen erzielt hatte. In den Akten finden sich jedoch keine
Anhaltspunkte dafür, dass sie vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung nur
unterdurchschnittlich leistungsfähig gewesen wäre. Der Umstand, dass sie einen
unterdurchschnittlichen Hilfsarbeiterinnenlohn erzielt hat, muss folglich auf Zwänge des
invalidenversicherungsrechtlich nicht massgebenden tatsächlichen Arbeitsmarktes
zurückzuführen gewesen sein. Hätte sich der Beschwerdeführerin eine entsprechende
Gelegenheit geboten, hätte sie eine besser entlöhnte Arbeitsstelle angenommen und
einen durchschnittlichen Hilfsarbeiterinnenlohn erzielt. Die Validenkarriere besteht
deshalb in der Ausübung einer durchschnittlich entlöhnten Hilfsarbeit. Das
Valideneinkommen entspricht somit dem statistischen Zentralwert der
Hilfsarbeiterlöhne, vorliegend Fr. 53'367.--.
4.3 In Bezug auf die Bemessung des Invalideneinkommens ist massgebend, dass der
Beschwerdeführerin aufgrund der fehlenden Ausbildung einzig eine Invalidenkarriere
als Hilfsarbeiterin offensteht. Praxisgemäss ist ebenfalls auf die Lohnstrukturerhebung
des Bundesamtes für Statistik abzustellen, also auf das durchschnittliche Einkommen
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für eine Hilfsarbeiterin im Jahr 2011 in der Höhe von Fr. 53'367.--. Der
Arbeitsfähigkeitsgrad beträgt mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit 90%. Dieser ist dem Beschäftigungsgrad gleichzusetzen, weshalb
das durchschnittliche Einkommen um 10% reduziert werden muss. Das entspricht
einem Jahreslohn von Fr. 48'030.--. Die Beschwerdeführerin kann nur noch körperlich
leichte, adaptierte Hilfsarbeiten ausüben. Aufgrund ihrer verminderten
Leistungsfähigkeit kann sie ihr zumutbares Pensum von 90% nicht in derselben Weise
verrichten wie eine gesunde Arbeitnehmerin, die sich in einem Pensum von 90%
anstellen lässt. Der betriebswirtschaftlich-ökonomische Wert ihrer Arbeitsleistung ist
deshalb vermindert. Bei der Ermittlung des Ausgangswerts des zumutbarerweise
erzielbaren Invalideneinkommens ist daher eine Korrektur vom Zentralwert
vorzunehmen. Dieser sogenannte Tabellenlohnabzug beläuft sich praxisgemäss auf
10%. Die Beschwerdegegnerin hat also zu Recht einen Tabellenlohnabzug von 10%
gewährt. Damit beläuft sich das zumutbare Invalideneinkommen auf Fr. 43'227.--.
4.4 Die Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, die verbleibende Restarbeitsfähigkeit
sei aufgrund des Alters, des Analphabetismus und der seit bald sieben Jahre
dauernden Nichterwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht
verwertbar. Ob eine versicherte Person die verbliebene Restarbeitsfähigkeit noch
verwerten kann, hängt davon ab, ob auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt Tätigkeiten
existieren, die den von den Ärzten aufgestellten Adaptionskriterien entsprechen. Auch
wenn eine solche Tätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt existiert, muss die
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit verneint werden, wenn die versicherte Person
einem Arbeitgeber aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigung nicht mehr
zumutbar ist. Die Gutachter des ABI haben folgende Adaptionskriterien aufgestellt:
Körperlich leichte Tätigkeit ohne wesentliche Belastung der Kniegelenke, namentlich
solche im Sitzen oder mit kürzeren Anteilen im Stehen und Gehen, sowie
wechselbelastend und ohne Einnahme von wirbelsäulenbelastenden Zwangshaltungen
und ohne Tätigkeiten über Kopf. Eine solche Tätigkeit besteht beispielsweise, wie die
Beschwerdegegnerin zu Recht ausgeführt hat, etwa in leichteren
Maschinenbedienungs-, Kontroll-, Sortier-, Prüf- sowie Verpackungsarbeiten.
Hinweise, wonach die Beschwerdeführerin einem Arbeitgeber aufgrund ihrer
gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht mehr zumutbar wäre, bestehen nicht. Das
Alter, der Analphabetismus und die mehrjährige Nichterwerbstätigkeit der
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Beschwerdeführerin sind Faktoren, die zwar auf dem tatsächlichen Arbeitsmarkt
Hinderungsgründe sein können, um eine Arbeitsstelle zu finden. Auf dem allgemeinen
und ausgeglichenen Arbeitsmarkt gibt es jedoch für Personen in jedem Alter einen
Arbeitsplatz. Angepasste Hilfsarbeiten können bei einer ausreichenden Instruktion
durch den Vorgesetzten zudem ohne weiteres von Analphabeten ausgeführt werden.
Invalidenversicherungsrechtlich sind diese Faktoren – zur Vermeidung einer
Vermengung von Invalidität und Arbeitslosigkeit – daher nicht massgebend.
Zusammenfassend ist die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit somit zu bejahen.
4.5 Die Gutachter des ABI haben der Beschwerdeführerin seit dem Sommer 2010 in
einer körperlich leichten, adaptierten Tätigkeit eine 90%ige Arbeitsfähigkeit attestiert.
Sie haben festgehalten, dass diese durch die operativen Behandlungen, namentlich die
Prothesenimplantation im November 2010, den partiellen Prothesenwechsel und die
Tuberositas-Proximalisierung im Januar 2013 und die Arthroskopie mit Arthrolyse und
Mobilisation im September 2015, jeweils unterbrochen worden sei. Aufgrund des
beschriebenen objektiv unauffälligen Verlaufs liesse sich eine Arbeitsunfähigkeit
allerdings nur jeweils während maximal 4 Monaten begründen. Selbst wenn mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit noch erstellt werden könnte, dass
die Beschwerdeführerin nach den erwähnten Operationen für jeweils 4 Monate zu
100% arbeitsunfähig gewesen wäre (die Prothesenimplantation im November 2010 fällt
im Übrigen in das Wartejahr und somit in die Zeit vor dem Beginn eines allfälligen
Rentenanspruchs), ist die Arbeitsunfähigkeit nicht langandauernd i.S.v. Art. 28 Abs. 1
lit. c IVG i.V.m. Art. 8 Abs. 1 ATSG. Deshalb bestehen keine befristeten
Rentenansprüche.
4.6 Bei einem Valideneinkommen in der Höhe von Fr. 53'367.-- und einem zumutbaren
Invalideneinkommen in der Höhe von Fr. 43'227.-- resultiert ein IV-Grad von 19%. Die
Beschwerdegegnerin hat einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine IV-Rente
somit im Ergebnis zu Recht verneint. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.
5.
5.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
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Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdeführerin
aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu
befreien.
5.2 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin
hat keine Honorarnote eingereicht. In einem durchschnittlich aufwändigen IV-Rentenfall
wie dem vorliegenden spricht das Versicherungsgericht praxisgemäss eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- zu. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass die
Rechtsvertreterin die Beschwerdeführerin bereits im Beschwerdeverfahren IV 2014/383
vertreten hat (Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz) und
für ihren Vertretungsaufwand entschädigt worden ist. Würde nun bei der Festlegung
der Parteientschädigung für das vorliegende Verfahren erneut der gesamte Aufwand für
das Aktenstudium berücksichtigt, würde die Rechtsvertreterin teilweise doppelt
entschädigt werden. Vor diesem Hintergrund erscheint eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- als angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu
kürzen (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Somit entschädigt der Staat
die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin mit Fr. 2'400.-- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer).
5.3 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung der Gerichtskosten und zur Rückerstattung der Parteientschädigung
verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO, SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP, sGS 951.1]).