Decision ID: 0b67c46a-73a4-5373-8ce6-adc13f63ea0d
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X und C sind die verheirateten, jedoch getrennt lebenden Eltern von B (geb. im April
2015). Im Mai 2018 eröffnete die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB)
Toggenburg aufgrund einer Gefährdungsmeldung ein Kindesschutzverfahren. Seit dem
6. Februar 2019 ist das Scheidungsverfahren beim Kreisgericht Toggenburg hängig.
Mit verfahrensleitender Verfügung vom 4. Mai 2020 sistierte die KESB Toggenburg das
Verfahren betreffend Kindesschutzmassnahmen bis zum Vorliegen einer
rechtskräftigen oder zumindest vollstreckbaren gerichtlichen Anordnung in den
Kinderbelangen.
B.- Dagegen erhob X am 18. Mai 2020 Beschwerde und beantragte, dass Ziffer 1 der
angefochtenen Verfügung aufzuheben sei. Weiter sei festzustellen, dass Ziffer 1 der
Verfügung Art. 3, Art. 6 Ziffer 1 und Art. 8 EMRK verletze. Zudem sei anzuordnen, dass
die Beschwerdeführerin wöchentlich während mindestens vier Stunden persönlichen
Kontakt B haben könne. Die Anträge seien superprovisorisch und vorsorglich zu
verfügen. Ausserdem beantragte X die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsvertretung. Mit Schreiben vom 22. Mai 2020 wies der Präsident das Begehren
auf superprovisorische und vorsorgliche Verfügung ab. Mit Stellungnahme vom
5. Januar 2021 liess sich C zur Beschwerde vernehmen und beantragte, dass auf die
Beschwerde nicht einzutreten sei, eventualiter sei diese vollumfänglich abzuweisen. Die
Vorinstanz verzichtete mit Schreiben vom 4. Januar 2021 auf eine Vernehmlassung.
Auf die von den Beteiligten gemachten Ausführungen wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- a) Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Bei Verfügungen eines Mitglieds der Kindes- und
Erwachsenenschutzbehörde ist gemäss Art. 27 Abs. 2 des Einführungsgesetzes zum
Kindes- und Erwachsenenschutzrecht (sGS 912.5, abgekürzt: EG-KES) der
Einzelrichter der VRK sachlich zuständig. Die Befugnis zur Rechtsmittelerhebung ist
gegeben. Die Beschwerde vom 18. Mai 2020 ist rechtzeitig eingereicht worden und
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erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (vgl. Art. 450
und Art. 450b des Zivilgesetzbuches [SR 210, abgekürzt: ZGB] und Art. 41 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [sGS 951.1, abgekürzt: VRP]).
b) Die angefochtene Sistierungsverfügung stellt eine prozessleitende Verfügung dar.
Dabei handelt es sich um einen Zwischenentscheid im Sinn von Art. 93 des
Bundesgesetzes über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz; SR 173.110,
abgekürzt: BGG). Die ZPO geht hingegen von einer anderen Terminologie aus. Gemäss
ZPO stellt eine prozessleitende Verfügung keinen Zwischenentscheid dar (vgl. BSK-
ZPO, Steck/Brunner, Art. 237 N 6 ff.). Da im vorliegenden Verfahren betreffend
Sistierung das VRP anwendbar ist (vgl. zur Ordnungskaskade: PK VRP/SG-Gmünder,
Art. 41 N 8), besteht kein Raum für eine subsidiäre Anwendung der ZPO. Die
Beschwerde gegen eine prozessleitende Verfügung (Zwischenentscheid im Sinne des
BGG) ist gemäss Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen
zulässig, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken kann. Ein
Nachteil kann nur dann als nicht wieder gutzumachend qualifiziert werden, wenn er
rechtlicher Natur ist. Der Nachteil ist nur dann rechtlicher Art, wenn er auch durch einen
für die Beschwerdeführerin günstigen Endentscheid nicht mehr behoben werden
könnte, insbesondere wenn der angefochtene Zwischenentscheid nicht mehr
zusammen mit dem Endentscheid angefochten werden kann. Hingegen genügt eine
bloss tatsächliche Beeinträchtigung wie die Verlängerung oder die Verteuerung des
Verfahrens nicht (vgl. VerwGE B 2016/141 vom 30. Mai 2017 E. 2.2; BGE 133 III 629 =
Pra 97/2008 Nr. 66 E. 2.3.1; BGE 126 I 97, E. 1b; (vgl. auch PK VRP/SG-Widmer, Art.
20 N 14).
c) Das Vorliegen der Rechtsmittelvoraussetzungen (Zulässigkeitsvoraussetzungen des
Rechtsmittels) ist von Amtes wegen zu prüfen. Die Beweislast dafür trägt, wer das
Rechtsmittel ergreift (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit, N 385). Entsprechend
muss die betroffene Partei den nicht wiedergutzumachenden Nachteil dartun, d.h. sie
ist beweispflichtig, sofern die Gefahr nicht von vornherein offenkundig ist. Fehlt die
Rechtsmittelvoraussetzung des drohenden, nicht wiedergutzumachenden Nachteils, so
ist auf die Beschwerde nicht einzutreten (BGE 137 III 324 E. 1.1).
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d) Die Beschwerdeführerin legt nicht dar, inwiefern durch die verfahrensleitende
Verfügung der Vorinstanz vom 4. Mai 2020 ein nicht wiedergutmachender Nachteil
droht. Ein solcher ist auch nicht ersichtlich. Aufgrund des hängigen
Scheidungsverfahren am Kreisgericht Toggenburg ist gemäss Art. 315a Abs. 1 ZGB
das Kreisgericht Toggenburg auch für die Kindesschutzmassnahmen zuständig.
Sämtliche Kindesschutzmassnahmen können durch das Kreisgericht Toggenburg
angeordnet werden. Insofern erleidet die Beschwerdeführerin durch die Sistierung
keinen Nachteil, weder rechtlicher noch tatsächlicher Natur. Auf die Beschwerde ist
nicht einzutreten.
2.- Selbst wenn auf die Beschwerde einzutreten gewesen wäre, wäre diese
abzuweisen. So ist die angefochtene Verfügung entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin in formeller Hinsicht nicht zu beanstanden. Zum Zeitpunkt der
Einleitung der Kindesschutzmassnahme im Mai 2018 hatte B Wohnsitz in D, weshalb
die KESB Toggenburg sowohl örtlich als sachlich zuständig war und während der
Rechtshängigkeit bleibt (Art. 314 Abs. 1, Art. 315 Abs. 1 i.V.m. Art. 25 Abs. 1 und
Art. 442 Abs. 1 ZGB). Das zuständige Behördenmitglied war zum Erlass
verfahrensleitender Anordnungen befugt (Art. 23 EG-KES). Der Beschwerdeführerin
wurde das rechtliche Gehör mit Schreiben vom 6. März 2020 von der Vorinstanz
gewährt (act. 7/481). Die Verfügung ist sodann hinreichend begründet. Auch in
materieller Hinsicht wäre die Beschwerde abzuweisen. Mit der Sistierung lässt sich
verhindern, dass sich zwischen der KESB Toggenburg und dem Kreisgericht
Toggenburg parallele Zuständigkeiten ergeben und in der Folge widersprüchliche
Entscheide ergehen.
3.- a) Die Beschwerdeführerin ersuchte um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und Rechtsverbeiständung. Über Gesuche um unentgeltliche
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung entscheidet der Abteilungspräsident (Art. 13
lit. d des Reglements über den Geschäftsgang der Verwaltungsrekurskommission). Die
Vorschriften der ZPO über die unentgeltliche Rechtspflege finden sachgemäss
Anwendung (Art. 450f ZGB, Art. 11 lit. a EG-KES und Art. 99 VRP).
b) Gemäss Art. 117 ZPO hat eine Person Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege,
wenn sie nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechtsbegehren nicht
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aussichtlos erscheint. Sie umfasst auch die Bestellung eines Rechtsbeistands, wenn
dies zur Wahrung der Rechte notwendig ist (Art. 118 Abs. 1 lit. c ZPO). Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind als aussichtslos Begehren anzusehen, bei
denen die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die
deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Dagegen gilt ein Begehren
nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahren ungefähr die
Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend ist, ob eine
Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem
Prozess entschliessen würde. Eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene
Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb anstrengen können, weil er sie
- zumindest vorläufig - nichts kostet. Ob im Einzelfall genügende Erfolgsaussichten
bestehen, beurteilt sich aufgrund einer vorläufigen und summarischen Prüfung der
Prozessaussichten, wobei die Verhältnisse im Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs
massgebend sind (BGE 142 III 138 E. 5.1).
c) Wie bereits ausgeführt, entsteht durch die Sistierung des Kindesschutzverfahrens
vor der Vorinstanz kein nicht wiedergutzumachender Nachteil. Das Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege ist deshalb wegen Aussichtslosigkeit der Beschwerde
abzuweisen (vgl. BGer 4A_351/2017 vom 21. Juli 2017).
4.- Nach Art. 11 lit. a EG-KES und Art. 95 Abs. VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte
die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden. Es gilt
der Grundsatz der Kostenverlegung nach Massgabe des Obsiegens und Unterliegens
(PK VRP/SG-Von Rappard-Hirt, Art. 95 N 3). Die Beschwerdeführerin unterliegt mit
ihren Begehren, weshalb ihr die amtlichen Kosten aufzuerlegen sind. Angemessen
erscheint eine Entscheidgebühr von Fr. 500.– (vgl. Art. 7 Ziff. 112 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12).