Decision ID: 915d8968-429e-5f6b-87d0-b60adc5a104b
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Eliano Mussato, Bellevuestrasse 1b, Postfach,
9401 Rorschach,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rentenrevision (Einstellung)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 14. Oktober 2002 zum Bezug einer Invalidenrente bei der
Sozialversicherungsanstalt St. Gallen an. Die Behinderung bestehe in einer seelischen
Erkrankung und einer Migräne (act. G 3.1/1). Mit Arztbericht vom 21. Januar 2003 gab
die Sozialpsychiatrische Beratungsstelle B._ an, es bestehe eine rezidivierende
depressive Störung mit somatischen Symptomen, gegenwärtig mittelgradige Episode
(F33.1), bestehend seit Mitte 2001, bei langjährigem Alkohol- und
Medikamentenabhängigkeitssyndrom, bestehend seit ca. 1995. Die Versicherte sei in
sämtlichen Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig (act. G 3.1/11). Mit Verlaufsbericht vom
25. Mai 2004 gab die Sozialpsychiatrische Beratungsstelle B._ an, der Zustand habe
sich verschlechtert, indem aktuell eine schwere depressive Episode (F33.2) und
weiterhin - seit Mai 2001 - eine volle Arbeitsunfähigkeit bestehe (act. G 3.1/28). Mit
Verfügung vom 10. März 2005 sprach die IV-Stelle St. Gallen der Versicherten bei
einem angenommenen Invaliditätsgrad von 100 % eine ganze Rente, beginnend ab
1. Mai 2002, zu (act. G 3.1/34). Anlässlich der im Mai 2006 eingeleiteten Revision
wurde die Rente auf Grund der Angaben des Hausarztes, Dr. med. C._,
Allgemeinmedizin FMH, im Verlaufsbericht vom 29. August 2006 bestätigt (Mitteilung
vom 11. September 2006 [act. G 3.1/44 und 46]).
A.b Im Mai 2010 leitete die IV-Stelle erneut ein Revisionsverfahren ein. Dabei gab die
Versicherte an, sie habe vermehrt Kopfschmerzen und die Nerven hätten sich
verschlechtert (act. G 3.1/49). Im Verlaufsbericht vom 31. Mai 2010 gab Dr. med. D._,
Klinik G._, an, die Patientin sei nicht mehr in seiner Behandlung. Gleichzeitig reichte
er einen Bericht vom 9. November 2009 an Dr. C._ ein. Demnach diagnostizierte Dr.
D._ eine mittelgradige depressive Episode mit somatischen Symptomen,
wahrscheinlich im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung (F33.11), eine
generalisierte Angststörung (F41.1) sowie eine Lexotanilabhängigkeit (F13.25 [ständiger
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Gebrauch von Sedativa]). Es handelte sich um einen Erstkontakt für eine vorgesehene
Gesprächs- und Verhaltenstherapie (act. G 3.1/52). Nachdem Dr. C._ trotz
mehrfacher Mahnungen keinen weiteren Verlaufsbericht einreichte, ordnete die IV-
Stelle auf Anregung des RAD Ostschweiz eine medizinische Begutachtung bei Dr. med.
E._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, an (act. G 3.1/64 - 66).
A.c In seinem psychiatrischen Gutachten vom 7. Dezember 2011 diagnostizierte
Dr. E._ psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika
(Lexotanil) sowie ein Abhängigkeitssyndrom bei ständigem Substanzgebrauch (F13.25).
Weiter diagnostizierte er eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert
(F33.4). Diese Diagnosen seien ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Seit dem
medizinischen Referenzzeitpunkt vom 25. Mai 2004 habe sich der Gesundheitszustand
der Versicherten deutlich gebessert. Bis November 2009 habe sie an einer
rezidivierenden depressiven Störung gelitten, die gegenwärtig remittiert sei. Es lasse
sich nicht sagen, wann die Remission genau eingetreten sei. Bei der Alkohol- und
Medikamentenabhängigkeit handle es sich um eine primäre Sucht. Therapeutisch sei
vor allem eine Abstinenz von Benzodiazepinen anzustreben. Weil die Lexotanil-
Abhängigkeit jedoch keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründe, habe eine
solche Behandlung keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit im iv-rechtlichen Sinn (act.
G 3.1/71).
A.d Mit Feststellung vom 17. Februar 2012 ging die IV-Stelle von einem
Valideneinkommen als selbstständige Wirtin von Fr. 8'170.-- im Jahr 2010 und von
einem Invalideneinkommen in gleicher Höhe, dementsprechend von einer
Einschränkung von 0 % aus (act. G 3.1/74). Mit Vorbescheid vom 7. März 2012 teilte
die IV-Stelle der Versicherten mit, dass die Rente per Ende des der Zustellung der
Verfügung folgenden Monats aufgehoben werde (act. G 3.1/76). Am 25. April 2012
erhob der Rechtsvertreter der Versicherten Einwand und reichte zur Begründung am
10. Juni 2012 einen Bericht von Dr. med. F._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, vom 1. Juni 2012 ein. Darin diagnostizierte dieser eine "chronische
depressive Episode" gegenwärtig schwere Episode (F33.2), seit mindestens 2001,
anamnestisch einen Alkoholabusus (F10.2), bestehend von 1995 bis 2006, einen
Benzodiazepinabusus (F13.24), seit 1995, sowie einen Verdacht auf eine impulsive
Persönlichkeitsstörung vom Typ Borderline (F60.31), seit Geburt. Die Alkohol- und
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Medikamentensucht sei Folge der depressiven Erkrankung im Sinn eines
Medikationsversuchs, ebenfalls könne die Sucht im Zusammenhang mit der impulsiven
Persönlichkeitsstörung vom Typus Borderline gesehen werden. Keinesfalls sei die
Sucht primärer Natur, da die psychiatrischen Diagnosen vorhanden seien, obwohl die
Versicherte seit Jahren keinen Alkohol mehr konsumiere. Die Depression sei
chronifiziert und nicht mehr behandelbar. Die Versicherte sei zu 100 % arbeitsunfähig
(act. G 3.1/86.2 ff.).
A.e Auf entsprechende Nachfrage der IV-Stelle führte Dr. E._ in seinem Schreiben
vom 15. August 2012 aus, dass die Suchtproblematik gemäss anamnestischen
Angaben in den Akten viele Jahre vor dem Beginn der rezidivierenden depressiven
Störung begonnen habe, womit jene nicht Folge von letzterer sein könne. Den von ihm
erhobenen Psychostatus werte er weitgehend als Ausdruck von Aggravation,
beständen doch diverse Widersprüche. Die geklagten Symptome seien nicht stark
genug ausgeprägt gewesen, um die Diagnose einer eigentlichen depressiven Episode
zu stellen. Auch komme die Diagnose einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung nicht in Betracht, weil als vorherrschende Beschwerde nicht ein
andauernder, schwerer und quälender Schmerz angegeben werde, sondern sich die
Versicherte über alles mögliche beklage und die Klagen dann auch gleich wieder
relativiere. Es sei nicht nachvollziehbar, wie eine seit 2001 bestehende depressive
Erkrankung im Jahr 1995 eine Alkohol- und Medikamentensucht begründet haben soll
(act. G 3.1/90). Mit Stellungnahmen vom 16. Juli und 29. August 2012 führte der RAD
aus, die Ausführungen von Dr. F._ seien nicht geeignet, das Gutachtenergebnis von
Dr. E._ in Frage zu stellen. Die Nachfragen seien klar und eindeutig beantwortet, so
dass es keiner weiteren Abklärungen mehr bedürfe (act. G 3.1/92 und 93).
A.f Am 30. August 2012 verfügte die IV-Stelle die Einstellung der Rentenzahlung auf
das Ende des der Zustellung folgenden Monats (act. G 3.1/94).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 1. Oktober
2012 mit dem Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung und es sei der
Beschwerdeführerin eine ganze Rente zuzusprechen. Eventuell sei ein ergänzendes
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(Gerichts-)Gutachten einzuholen. Subeventuell sei die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Im Weiteren beantragt die Beschwerdeführerin
die unentgeltliche Prozessführung. Dr. F._ habe ausführlich dargelegt, weshalb die
Ergebnisse von Dr. E._ und die Einschätzung des RAD nicht zuträfen (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 7. November 2012 beantragt die Verwaltung
Abweisung der Beschwerde. Einem im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, die auf Grund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatteten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangten,
sei bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprächen. Über den Beweiswert des
Schreibens von Dr. F._ vom 1. Juni 2012 müssten nicht viele Worte verloren werden.
Wie Dr. E._ ausgeführt habe, gehe aus dem Schreiben hervor, dass die
Beschwerdeführerin für Dr. F._ deshalb zu 100 % arbeitsunfähig sei, weil etwas
anderes für ihn sozialideologisch nicht vertretbar sei. Dies erkläre wohl auch die
Diskrepanz in der Diagnostik. Irgendwie müsse die zum vornherein gegebene (und
sozialideologisch für ihn einzig vertretbare) 100 %ige Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit ja begründet werden (act. G 3).
C.
Mit verfahrensleitender Verfügung vom 9. November 2012 wurde das Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege bewilligt (act. G 4).

Erwägungen:
1.
1.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) hat die versicherte Person Anspruch auf eine ganze IV-Rente, wenn sie
mindestens zu 70% invalid ist; bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60% besteht
ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
Anspruch auf eine Viertelsrente. Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder
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längere Zeit andauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG, SR
830.1]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Die
Bemessung der Invalidität setzt daher voraus, dass der Gesundheitsschaden sowie
dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt worden sind. Dabei sind die
rechtsanwendenden Behörden auf die Einschätzung der medizinischen Lage durch
Fachpersonen angewiesen, welche den Gesundheitszustand beurteilen und dazu
Stellung nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Gestützt darauf ermittelt die
Verwaltung den Invaliditätsgrad in der Regel anhand eines Vergleichs zwischen den
möglichen Erwerbseinkommen ohne und mit Gesundheitsschaden (Art. 16 ATSG).
1.2 Wenn sich der Invaliditätsgrad der rentenbeziehenden Person erheblich ändert,
wird die Invalidenrente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur
Rentenrevision gibt jede Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist,
den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen (BGE 130 V 349
E. 3.5, vgl. BGE 133 V 545). Der Invaliditätsgrad kann sich unter anderem in erheblicher
Weise ändern, wenn sich der Gesundheitszustand verbessert oder verschlechtert hat
oder anders auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt. Eine anspruchsbeeinflussende
Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu
betätigen, ist von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden
kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu
berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert
hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird (Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über
die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Eine Herabsetzung oder Aufhebung der
Invalidenrente wird frühestens auf den ersten Tag des zweiten Monats wirksam,
welcher der Zustellung der Verfügung folgt (Art. 88 Abs. 2 lit. a IVV).
1.3 Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung
bildet die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des
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Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht (BGE 133 V 114 E. 5.4; BGE 130 V
77 E. 3.2.3). Im vorliegenden Fall ist demnach der Sachverhalt, welcher der
rentenzusprechenden Verfügung vom 10. März 2005 (act. G 3.1/34) zu Grunde lag, mit
dem Sachverhalt zur Zeit der angefochtenen Verfügung vom 30. August 2012 (act.
G 3.1/94) zu vergleichen.
2.
2.1 Im Folgenden ist zu prüfen, ob der Sachverhalt auf der Grundlage der
medizinischen Feststellungen und Schlussfolgerungen des Gutachtens von Dr. E._
vom 7. Dezember 2011 rechtsgenüglich erstellt ist.
2.2 Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des
Experten begründet sind. Alle Beweismittel sind, unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen, um zu entscheiden, ob die verfügbaren medizinischen
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten.
Das Sozialversicherungsgericht darf bei einander widersprechenden medizinischen
Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen
und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere
medizinische These abstellt. Dies ergibt sich aus dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Dennoch hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen
medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen. So besitzt das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte
Gutachten von externen Spezialärzten, die auf Grund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351). Angesichts der Divergenz von
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medizinischem Behandlungs- und Abklärungsauftrag können behandelnde
Medizinalpersonen und Gutachter denselben Sachverhalt anders beurteilen. Das
Gericht weicht aber nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung von einer an sich
beweiskräftigen Einschätzung eines amtlich bestellten fachmedizinischen Experten nur
ab (BGE 125 V 352f E. 3a und b; BGE 122 V 160 f. E. 1c), wenn die behandelnden
Ärzte wichtige - und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende -
Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt
geblieben sind (Urteile des Bundesgerichtes vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1 und
vom 16. August 2007, I 705/06, E. 3.2).
2.3 Vorliegend stützt die Beschwerdegegnerin ihre Rentenaufhebungsverfügung vom
30. August 2012 auf das Administrativgutachten von Dr. E._ vom 7. Dezember 2011
sowie dessen Ergänzung vom 15. August 2012. Darin gelangt Dr. E._ zum Schluss,
dass bei der Beschwerdeführerin psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa
oder Hypnotika (Lexotanil), ein Abhängigkeitssyndrom bei ständigem
Substanzgebrauch (F13.25) sowie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
remittiert (F33.4), vorlägen. Ob die Kriterien für das Vorliegen einer Alkoholabhängigkeit
gegenwärtig erfüllt seien, lasse sich nicht mit Bestimmtheit sagen, seien doch die
Angaben der Beschwerdeführerin diesbezüglich widersprüchlich. Die Laborwerte vom
16. November 2011 sprächen jedoch eher dagegen, sodass aktuell nicht vom Vorliegen
einer Alkoholabhängigkeit auszugehen sei. Beim Substanzgebrauch handle es sich um
eine primäre Sucht, werde doch die rezidivierende depressive Störung im Arztbericht
von Dr. J._ vom 21. Januar 2003 (act. G 3.1/11.1) erst seit Mitte 2001, die Alkohol-
und Medikamentenabhängigkeit dagegen bereits seit ca. 1995 bestehend angegeben.
Unter Ausblendung des Suchtanteils bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
(act. G 3.1/71.22 ff.).
2.4 Demgegenüber beruft sich die Beschwerdeführerin auf die Ausführungen von
Dr. F._ vom 1. Juni und 10. September 2012. Darin diagnostiziert Dr. F._ eine
"chronische depressive Episode", gegenwärtig schwere Episode (F33.2), bestehend
seit mindestens 2001, anamnestisch einen Alkoholabusus (F10.2), bestehend von 1995
bis 2006, einen Benzodiazepinabusus (F13.24), bestehend seit 1995, sowie einen
Verdacht auf eine impulsive Persönlichkeitsstörung vom Typ Borderline (F60.31),
bestehend seit Geburt. Die Alkohol- und Medikamentensucht sei Folge der depressiven
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Erkrankung im Sinn eines "Medikationsversuchs", ebenfalls könne die Sucht im
Zusammenhang mit der impulsiven Persönlichkeitsstörung vom Typus Borderline
gesehen werden, als Selbstmedikation der impulsiven Durchbrüche, der inneren Leere
oder als selbstzerstörerischer Akt. Keineswegs sei die Sucht primär; dagegen spreche,
dass die psychiatrischen Diagnosen vorhanden seien, obschon die Beschwerdeführerin
seit Jahren keinen Alkohol mehr konsumiere und die Menge an Lexotanil 3mg täglich
psychisch kompensiert und viel zu gering sei, um grösseren Krankheitswert zu
erlangen. Die (psychiatrische) Erkrankung sei nicht heilbar. Die Krankheit bewirke eine
100 %-ige Arbeitsunfähigkeit (act. G 3.1/97).
2.5 Zunächst ist festzustellen, dass es sich bei Dr. F._ nicht um einen behandelnden
Arzt handelt. Vielmehr wurde ihm die Beschwerdeführerin erst anlässlich des
vorliegend zu beurteilenden Revisionsverfahrens vom Rechtsvertreter zugewiesen.
Dr. F._ untersuchte die Beschwerdeführerin einmalig am 15. Mai 2012 und verfasste
in der Folge das Schreiben vom 1. Juni 2012. Er nimmt damit eher die Funktion eines
Parteigutachters wahr, wenn auch das genannte Schreiben nicht als Gutachten
bezeichnet wird. Inhaltlich sind sich in Bezug auf die anamnestisch aufgeführte
Alkoholabhängigkeit alle Beteiligten einig, dass diese seit Jahren (bzw. seit 2006)
remittiert ist. Die Beschwerdeführerin selber bezeichnete sich gegenüber dem
Gutachter nicht mehr als alkoholabhängig, wenn sie auch wiederum angab, manchmal
Alkohol und Tabletten oder alle paar Monate ein Bier zu nehmen (act. G 3.1/71.15, 17
und 26). Insgesamt geht der Gutachter - unter gewissen Zweifeln - gestützt auf die
anlässlich der Begutachtung erhobenen Laborwerte davon aus, dass aktuell tatsächlich
nicht von einer Abhängigkeit auszugehen sei (act. G 3.1/71.26). Dr. F._ geht davon
aus, dass die Beschwerdeführerin seit 2006 keinen Alkohol mehr konsumiert (act.
G 3.1/86.2). Nachdem in den Akten keine körperlichen, weiterhin bestehenden
Auswirkungen des Alkoholkonsums erwähnt werden, besteht diesbezüglich keine
massgebliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit mehr.
2.6 Umstritten ist demgegenüber die Beurteilung des depressiven Leidens der
Beschwerdeführerin. Die Rentenzusprache erfolgte 2005 im Wesentlichen gestützt auf
die Ausführungen im Verlaufsbericht der Sozialpsychiatrischen Beratungsstelle B._
vom 25. Mai 2004. Damals ging diese Stelle vom Vorliegen einer rezidivierenden
depressiven Episode, aktuell schwere depressive Episode (F33.2) und einer
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vollständigen Arbeitsunfähigkeit aus. Des Weiteren bestand damals noch ein
Alkoholmissbrauch (act. G 3.1/28). Die Beschwerdeführerin stand seit 17. Oktober
2001 wegen der depressiven Problematik bei der Beratungsstelle in Behandlung (act.
G 3.1/11.2). Anlässlich des Revisionsverfahrens im Jahr 2006 erklärte die
Sozialpsychiatrische Beratungsstelle, die Beschwerdeführerin sei letztmals im März
2006 in Behandlung gewesen (act. G 3.1/39). Die Beschwerdeführerin selber liess am
18. August 2006 ausrichten, nur noch bei ihrem Hausarzt Dr. C._ in Behandlung zu
sein. Dieser habe gesagt, sie müsse nicht mehr zum Psychiater gehen. Die
Medikamente könne er ihr auch verschreiben (act. G 3.1/43). Eine nachgewiesene
psychiatrische Behandlung erfolgte erst wieder ab 9. November 2009 in der Klinik
G._ bei Dr. med. D._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH. Dr. D._
diagnostizierte in seinem Schreiben vom 9. November 2009 an Dr. C._ eine
mittelgradige depressive Episode mit somatischen Symptomen, wahrscheinlich im
Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung (F33.11), eine generalisierte
Angststörung (F41.1) sowie eine Lexotanilabhängigkeit (F13.25). Angaben zur
Arbeitsfähigkeit machte er keine (act. G 3.1/52.5). Am 31. Mai 2010 meldete die Klinik
G._, dass die Beschwerdeführerin "seit 2009" nicht mehr dort in Behandlung sei (act.
G 3.1/52.1). Die Beschwerdeführerin selber (bzw. wohl Dr. C._) gab im
Revisionsformular vom 20. Mai 2010 an, die letzte Kontrolle in der Klinik G._ habe im
Dezember 2009 stattgefunden (act. G 3.1/49.1). Hinweise auf eine weitere
psychiatrische Behandlung finden sich nicht in den Akten und werden auch nicht
geltend gemacht. Insbesondere finden sich keine näheren Angaben über eine
vierjährige Behandlung in einer Tagesklinik. Nach eigenen Angaben der
Beschwerdeführerin beim Gutachter Dr. E._ wurde sie von ihrem ehemaligen
Hausarzt, Dr. H._, zu einer Psychiaterin nach I._ überwiesen, die sie wiederum in
die Tagesklinik geschickt habe. Dort sei sie vier Jahre hingegangen, seit drei Jahren
jedoch nicht mehr (act. G 3.1/71.15). Im Revisionsfragebogen vom 2. Juli 2006 gab sie
allerdings an, nur bei der Sozialpsychiatrischen Beratungsstelle B._ (die am 7. Juli
2006 mitteilte, die letzte Behandlung habe im März 2006 stattgefunden [act. G 3.1/39])
sowie beim Hausarzt Dr. C._ in Behandlung zu sein (act. G 3.1/37). Auch Dr. C._
selber machte in seinem Verlaufsbericht vom 29. August 2006 keinerlei Hinweise auf
eine parallel laufende psychiatrische Behandlung in einer Tagesklinik. Vielmehr führte er
als therapeutische Massnahmen lediglich die von ihm abgegebene Medikation auf (act.
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G 3.1/44). Es ist daher davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin unter der
erwähnten Behandlung in der Tagesklinik diejenige bei der Sozialpsychiatrischen
Beratungsstelle B._ meinte, welcher eine Tagesklinik angeschlossen ist.
Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass die Beschwerdeführerin von Oktober
2001 bis März 2006 bei der Sozialpsychiatrischen Beratungsstelle B._ in ambulanter
Behandlung und im November/
Dezember 2009 in der Klinik G._ bei Dr. D._ in psychiatrischer Behandlung war
(nach eigenen Angaben der Beschwerdeführerin zwei Mal [act. G 3.1/71.15]). Die
schlimmste psychische Phase scheint aber die Zeit von ca. 1995 bis 2004 gewesen zu
sein, als die Beschwerdeführerin ein erhebliches Alkoholproblem hatte - so musste sie
etwa am 28. Februar 1998 mit einer Alkoholintoxikation (5 Promille) ins Spital Z._
eingeliefert werden (act. G 3.1/72.9) - und gemäss Angaben der Beratungsstelle
mehrere Suizidversuche unternahm (act. G 3.1/11.2).
2.7 Beim geschilderten Behandlungsablauf erscheint nun plausibel, dass sich der
psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin, die seit Ende 2009 - zum
Zeitpunkt der Begutachtung im November 2011 also seit knapp zwei Jahren - nur noch
in hausärztlicher, nicht aber mehr in psychiatrischer Behandlung stand, gebessert hat.
Dies war wohl auch das Ziel der durchgeführten psychiatrischen Behandlungen.
Dr. E._ schildert ausführlich, wie er zu seiner Diagnose gelangte. So klage die
Beschwerdeführerin zwar über eine Depression, wenn sie danach gefragt werde, ihre
Angaben seien aber insgesamt sehr vage, unklar, teilweise auch widersprüchlich und
es hätten sich kaum objektive Hinweise für das Vorliegen von depressiven Symptomen
gefunden. Die Grundstimmung sei zwar etwas zum depressiven Pol hin verschoben,
die affektive Modulationsfähigkeit sei aber nicht eingeschränkt. Auf Grund der
Phänomenologie gehe er zum Zeitpunkt der Untersuchungen vom 12. Oktober und 16.
November 2011 nicht vom Vorliegen einer eigentlichen depressiven Episode aus. Die in
den Akten beschriebene rezidivierende depressive Störung sei somit remittiert (act.
G 3.1/71.26 f.). Nach den jetzigen Leiden befragt, berichtete die Beschwerdeführerin
selber im Wesentlichen über die bestehende Migräne, über Kraftlosigkeit und
Schmerzen (act. G 3.1/71.15, 25 f.). Im Weiteren setzt sich Dr. E._ mit der von
Dr. D._ gestellten Diagnose einer generalisierten Angststörung auseinander und führt
auf, dass eine solche ausgeschlossen sei, wenn gleichzeitig - wie dies Dr. D._ tue -
eine depressive Episode diagnostiziert werde (act. G 3.1/71.27). Demgegenüber
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vermag Dr. F._ keine konkreten Umstände zu nennen, welche die von ihm
diagnostizierte schwere depressive Episode belegen könnten. Es fehlen jegliche
Angaben über durchgeführte Untersuchungen oder Testverfahren. In der
Befunderhebung nennt er die stark verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit.
Die Beschwerdeführerin sei im formalen Denken verlangsamt und umständlich, zum
Teil verworren. Sie verliere oft den roten Faden, klage über Schlafstörungen, habe
keine Hobbies und keine Interessen mehr, empfinde den Alltag als mühsam, fühle sich
psychisch und physisch erschöpft und nicht belastbar. Es gebe keine Anhaltspunkte
für Wahn oder Sinnestäuschungen, jedoch Ich-Störungen in der Form, dass sie sich oft
nicht mehr spüre oder ihren eigenen Körper als "fremd" wahrnehme, was auch zur
Diagnose der Borderline-Persönlichkeitsstörung passe. Ein affektiver Rapport sei nicht
herstellbar, die Beschwerdeführerin sei nicht schwingungsfähig, habe latente
Suizidgedanken, keinen Lebenssinn und keine Ziele im Leben (act. G 3.1/71.18). Zwar
führt auch Dr. E._ eine verminderte Konzentration auf, als von der
Beschwerdeführerin genannte Beispiele führt er jedoch relativ harmlos wirkende
Episoden auf, wie, dass sich die Beschwerdeführerin nicht mehr an das Essen vor
zwei, drei Tagen erinnern könne, oder dass sie beim Spazieren manchmal nicht mehr
wisse, wo sie sei. Die Weitschweifigkeit in den Ausführungen fiel auch Dr. E._ auf,
ebenso die angegebenen Schlafstörungen. Im Weiteren berichtet Dr. E._ ebenfalls
über die geklagte Minderung der Vitalgefühle und über die Insuffizienzgefühle, wobei er
auch auf eine gewisse Inkonsistenz in den Angaben der Beschwerdeführerin hinweist.
Demgegenüber beurteilt er den affektiven Rapport als herstellbar und die affektive
Modulationsfähigkeit als uneingeschränkt. Im Gegensatz zu Dr. F._ fand Dr. E._
keine Hinweise auf ein Gefühl von Lebensüberdruss oder auf Todeswunsch oder
Suizidgedanken (act. G 3.1/71.21). Im Schreiben von Dr. F._ vom 1. Juni 2012
werden bezüglich der depressiven Problematik keine Aspekte vorgebracht oder gar
konkretisiert, die der Administrativgutachter nicht berücksichtigt hätte, sodass die
postulierte vollständige Arbeitsunfähigkeit nicht nachvollziehbar erscheint.
Dementsprechend vermögen die Ausführungen Dr. F._s das Gutachten nicht zu
erschüttern. Auch die Begründung für das (vermutete) Vorliegen einer impulsiven
Persönlichkeitsstörung vom Typ Borderline vermag nicht zu überzeugen, führt Dr. F._
als Ausdruck dieser Störung doch im Wesentlichen die Suizidhandlungen oder die
Alkoholexzesse an. Beides ist jedoch seit langer Zeit remittiert, fand doch der letzte
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Suizidversuch soweit ersichtlich im Mai/Juni 2001 statt (vgl. act. G 3.1/11.2), während
die Alkoholabhängigkeit auch gemäss Angaben von Dr. F._ offenbar bis 2006
fortdauerte. Ausser offenbar einer gewissen Neigung, sich auf instabile Beziehungen
einzulassen (die Beschwerdeführerin ist in vierter Ehe verheiratet) und den angeblich
übertriebenen Bemühungen, nicht verlassen zu werden, werden keine ICD-Kriterien für
das Vorhandensein einer Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus konkretisiert.
Für das Vorhandensein einer Persönlichkeitsstörung des impulsiven Typus führt
Dr. F._ wie gesagt die Suizidhandlungen und Alkoholexzesse an, die er als eine Art
Ausdruck von Gewalt der Beschwerdeführerin gegen sich selbst interpretiert. Das
Vorhandensein eines einzelnen Kriteriums reicht für die Annahme einer
Persönlichkeitsstörung jedoch nicht aus (vgl. Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation
psychischer Störungen, 5. Aufl., 2010, Hans Huber Verlag, F60.30 und F60.31).
Gemäss Angaben von Dr. E._ im Schreiben vom 15. August 2012 leidet zudem
niemand seit Geburt an einer Persönlichkeitsstörung (act. G 3.1/90.4).
2.8 Im Übrigen scheint Dr. F._ aus der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin
bisher eine ganze Rente bezogen hat, zu schliessen, dass die Depression demzufolge
(für immer) schweren Grades sein müsse. Den gleichen Schluss scheint er auch aus
den in der Vergangenheit erfolgten psychiatrischen Behandlungen der
Beschwerdeführerin zu ziehen (act. G 3.1/86.3). Dies ist jedoch nicht zulässig. Dr. F._
übersieht sodann, dass die von ihm zitierten Ärzte ("alle Ärzte ausser Dr. D._ haben
die Arbeitsfähigkeit auf 0 % geschätzt"), gemeint sind die Dres. J._ und K._ von
der Sozialpsychiatrischen Beratungsstelle B._ sowie Dr. C._, ihre
Arbeitsfähigkeitsschätzungen in den Jahren 2003 bis 2006 abgegeben haben. Diese
Angaben waren denn auch der Grund für die seinerzeitige Rentenzusprache bzw.
Nichtaufhebung der Rente anlässlich der ersten Revision vom Mai 2006. Selbst wenn
man davon ausgehen wollte, dass die Beschwerdeführerin auch im Dezember 2009
anlässlich der Behandlung in der Klinik G._ noch (oder wieder) zu 100 %
arbeitsunfähig gewesen ist (was jedoch keineswegs belegt ist; die von Dr. D._
aufgeführten Diagnosen führen nicht automatisch zu einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit), ist eine Remission der depressiven Episode bis zum
Beurteilungszeitpunkt im November 2011 auch ohne "Wunderheilung" plausibel.
Entgegen der Ansicht von Dr. F._ geht Dr. E._ zudem nicht davon aus, dass die
gesundheitliche Besserung und die daraus abgeleitete volle Arbeitsfähigkeit plötzlich
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zum Begutachtungszeitpunkt eingetreten seien. Vielmehr ist klar, dass diese im knapp
zweijährigen Zeitraum seit der Beurteilung durch Dr. D._ vom 9. November 2009
eingetreten sein muss, wobei die Arbeitsfähigkeit aber auch schon davor höher als 0 %
gewesen sein kann. Zusammenfassend sprechen keine konkreten Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise von Dr. E._, weshalb auf dieses Gutachten abzustellen
und davon auszugehen ist, dass im Begutachtungszeitpunkt eine
Lexotanilabhängigkeit und eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
remittiert, vorlagen.
2.9 Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts vermögen "reine"
Suchterkrankungen keine Invalidität im Sinn des Gesetzes zu bewirken. Eine
anrechenbare Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit liegt nur vor, wenn die Alkohol-
oder Medikamentenabhängigkeit eine Krankheit (oder einen Unfall) bewirkt hat, in
deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender
Gesundheitszustand eingetreten ist, oder aber, wenn sie selber Folge eines
körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist, dem Krankheitswert zukommt
(BGE 102 V 165, bestätigt in I 401/01 vom 4. April 2002 E. 2b-bb, 8C_480/2007 vom
20. März 2008 E. 6.1).
2.10 Vorliegend geht weder aus dem Gutachten von Dr. E._ noch aus den übrigen
medizinischen Akten hervor, dass die Lexotanilabhängigkeit zu einer weiteren
Krankheit oder Unfall geführt hätte, welche die Arbeitsfähigkeit heute noch
beeinträchtigen könnte. Als Folgekrankheit käme nur die später aufgetretene
Depression in Frage, die aber nach den gültigen Feststellungen von Dr. E._ remittiert
ist (vgl. vorstehende Erwägungen 2.7 und 2.8). Im Übrigen steht keineswegs fest, dass
die Depression, wenn auch zeitlich später aufgetreten, im Sinn einer Kausalkette auf
den Medikamentenkonsum zurückzuführen ist. Dr. F._ geht ohnehin davon aus, dass
die Medikamentenabhängigkeit keinen Krankheitswert hat (und damit wohl auch nicht
zu einer anderen Krankheit führen kann [act. G 3.1/86.2 f.]). Dies ist auch nicht zu
erwarten, wird doch gemäss Arzneimittelkompendium nichts über Folgeerkrankungen
bei längerer Einnahme des Medikaments berichtet (www.kompendium.ch). Ebenso
wenig ist ersichtlich, dass Mitte der 90er-Jahre eine andere Krankheit ursächlich für
den damals angefangenen Alkohol- und Medikamentenkonsum war. Vielmehr waren
nach der Aktenlage die Eheprobleme der Auslöser, die jedoch keine massgebliche
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Arbeitsunfähigkeit begründen können (act. G 3.1/11.2; vgl. auch Urteil 8C_480/2007
E. 6.3). Diesbezüglich vermögen denn die Ausführungen von Dr. F._ nicht zu
überzeugen, wonach die Alkohol- und Medikamentensucht Folge der depressiven
Erkrankung sei, da jene - wie auch von Dr. E._ ausgeführt - vor letzterer aufgetreten
ist (vgl. auch act. G 3.1/11.1). Es kann somit nicht davon ausgegangen werden, dass
gegenwärtig die Arbeitsfähigkeit nebst den allfälligen Wirkungen und Nebenwirkungen
des Lexotanils als reinen Folgen des Medikamentenmissbrauchs von weiteren Faktoren
beeinträchtigt wird. Wie gesagt, geht Dr. F._ sogar davon aus, dass der
Medikamentenkonsum psychisch kompensiert und viel zu gering sei, um grösseren
Krankheitswert zu erlangen, selber also keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hat
(act. G 3.1/86.3). Mangels relevanter psychischer Begleiterkrankung ist nicht von einer
invalidisierenden Wirkung der Lexotanilabhängigkeit im Rechtssinn auszugehen (vgl.
Entscheid des Bundesgerichts vom 19. August 2013 [9C_856/12] E. 2.2.2.).
2.11 Für das vorliegende Revisionsverfahren ohne Bedeutung ist sodann, ob sich der
psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin dauerhaft gebessert hat. Es
reicht, wenn die revisionsrechtlichen Bedingungen gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV erfüllt
sind. Nach Angaben von Dr. E._ lässt sich nicht genau sagen, seit wann die
depressive Störung remittiert ist (act. G 3.1/71.28). Es ist somit davon auszugehen,
dass die Verbesserung der psychischen Gesundheit spätestens drei Monate nach der
Untersuchung vom 16. November 2011, mithin am 16. Februar 2012 - und somit auch
zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses vom 30. August 2012 - zu berücksichtigen war.
Nachdem im Verfügungszeitpunkt keine relevante bzw. anrechenbare
Arbeitsunfähigkeit mehr bestanden hat, ist die Beschwerdegegnerin zu Recht von einer
vollen Arbeitsfähigkeit ausgegangen, so dass der Rentenanspruch - nachdem die
Verfügung am 31. August 2012 zugestellt wurde (vgl. Beschwerde S. 2) - frühestens
per 1. Oktober 2012 entfällt (Art. 88 Abs. 2 lit. a IVV).
3.
3.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
3.2 Die Kosten für dieses Verfahren sind auf Fr. 600.-- festzusetzen. Zufolge der
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist die vollständig unterliegende
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Beschwerdeführerin von der Bezahlung der Gerichtsgebühr zu befreien. Der Staat hat
sodann für die Kosten der Rechtsvertretung aufzukommen. Ausgehend von einem
Pauschalhonorar von Fr. 2’500.-- für den einfachen Schriftenwechsel, das gemäss
Art. 31 Abs. 3 des St. Galler Anwaltsgesetzes (sGS 963.70) um einen Fünftel zu kürzen
ist, ist die Entschädigung auf Fr. 2'000.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer)
festzusetzen. Wenn es die wirtschaftlichen Verhältnisse der Beschwerdeführerin
gestatten, kann sie gemäss Art. 99 Abs. 2 des St. Galler
Verwaltungsrechtspflegegesetzes (sGS 951.1) in Verbindung mit Art. 123 der Schweizer
Zivilprozessordnung (SR 272) zur Nachzahlung der Gerichtskosten und zur
Rückerstattung der Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung
verpflichtet werden.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP