Decision ID: 3cd8a503-a6d8-4e4c-9555-9a07439cb195
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A._ - ein nigerianischer Staatsbürger aus B._, C._ -
suchte am 1. Februar 2020 in der Schweiz um Asyl nach und wurde in der
Folge dem Bundesasylzentrum (BAZ) (...) D._ zugewiesen.
B.
Anhand der eines Treffers in der Eurodac-Datenbank stellte die Vorinstanz
fest, dass der Beschwerdeführer zuvor am 22. September 2017 in Italien
um Asyl nachgesucht hatte. In einem darauf eingeleiteten Dublin-Verfahren
bestätigten die italienischen Behörden gegenüber der Vorinstanz, dass der
Beschwerdeführer sich mehrere Jahre in Italien aufgehalten hatte, und
stimmte einem Begehren um Rückübernahme zu. Mit Entscheid vom
12. Oktober 2020 verfügte die Vorinstanz aufgrund medizinischer Um-
stände bei der Person des Beschwerdeführers, dass in der Schweiz ein
Asyl- und Wegweisungsverfahren erfolgt.
C.
Am 6. November 2020 wurde der Beschwerdeführer zu seiner Person, zu
seinem Reiseweg und summarisch zu seinen Asylgründen (Befragung zur
Person [BZP]) und am 2. Dezember 2020 vertieft zu seinen Asylgründen
befragt.
Zu seinen Gesuchsgründen brachte er im Wesentlichen vor, er nehme eine
leitende Rolle bei der separatistischen Gruppierung «Indigenous People of
Biafra (IPOB)» ein. Bereits sein Vater habe ab 1967 unter der Führung von
Odumegwu Ojukwu in führender Funktion im Krieg für die Unabhängigkeit
Biafras gekämpft, was ihn geprägt habe. Nachdem Kanu (ein Anführer der
Unabhängigkeitsbewegung in Biafra) im Jahr 2015 nach Nigeria zurückge-
kehrt sei, habe er sich entschieden, der IPOB-Bewegung beizutreten, und
eine lokale Gruppe gegründet. Aufgrund seiner politischen Tätigkeit sei er
von den nigerianischen Sicherheitsbehörden vorgeladen und befragt wor-
den, wobei er sich dezidiert für die Unabhängigkeit Biafras ausgesprochen
habe. Obwohl es Versammlungsverbote gegeben habe und die Organisa-
tion IPOB als terroristisch verboten wurde, habe er an Demonstrationen
teilgenommen.
Am 30. Mai 2016 (Gedenktag an den Biafra-Konflikt) habe er eine De-
monstration am (...) mitorganisiert. Dann habe das Militär auf die Demonst-
ranten geschossen, was er nur mit viel Glück überlebt habe. Danach sei er
erst bei einem Freund abgestiegen und, nachdem er gewarnt worden sei,
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dass die Polizei nach ihm suche, habe er einen Bekannten aufgesucht, von
dem er gewusst habe, dass dieser und dessen in Italien wohnhafte Bruder
«E._» ihm dabei helfen könnten das Land zu verlassen.
Daraufhin habe er einem Priester des Glaubenssystems «Juju» schwören
müssen, dass er in Europa arbeiten werde, um die Kosten seiner Reise zu
begleichen. Anfang Juni 2016 habe er mit Hilfe der vorgenannten Bekann-
ten über Lybien und dem Mittelmeer Italien erreicht, wo er auf Tabak- und
Olivenplantagen sowie für die Mitglieder einer Kirchgemeinde gearbeitet
habe. «E._» habe ihn schliesslich aufgefordert Schulden in Höhe
von 30'000 EURO zu begleichen, woraufhin er sich aus Furcht vor
«E._» zur Weiterreise in die Schweiz entschlossen habe.
D.
Am 9. Dezember 2020 wurde der Beschwerdeführer dem erweiterten Ver-
fahren zugewiesen.
E.
Mit Verfügung vom 25. März 2021 - zugestellt am 29. März 2021 - stellte
die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der
Schweiz und ordnete den Vollzug an.
F.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
14. April 2021 (Poststempel vom 15. April 2021) beim Bundesverwaltungs-
gericht Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei auf-
zuheben und ihm unter Feststellung der Flüchtlingseigenschaft Asyl zu ge-
währen. Eventualiter sei ihm wegen der Unzumutbarkeit beziehungsweise
Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme zu ge-
währen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgelt-
lichen Rechtspflege einschliesslich des Verzichts auf Erhebung eines Kos-
tenvorschusses, Bestellung einer amtlichen Rechtsvertreterin und Gewäh-
rung von Einsicht in die Akte (...).
Der Beschwerde lagen - neben einer Kopie der angefochtenen Verfügung
- insbesondere folgende Dokumente bei:
- Anmeldeformular für eine «Indigenous National ID» beziehungsweise
die das «IPOB Movement»;
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- eine Medienmitteilung von Amnesty International vom 23. November
2016 betreffend Konfrontationen zwischen nigerianischen Militärange-
hörigen und Pro-Biafra-Aktivisten;
- ein Arztbericht von Dr. med. P. Ternes vom 2. Februar 2021
G.
Mit Eingabe vom 4. November 2021 legte der Beschwerdeführer einen Be-
richt von Amnesty International als Beweismittel ins Recht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
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Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
4.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet.
5.
Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers beantragt Akteneinsicht in
das Dokument (...) (Mitteilung der Vorinstanz an den Leistungserbringer
Rechtsschutz zu Handen des Beschwerdeführers) und begründet diesen
Antrag damit, dass sie aus Zeitnot aufgrund ihrer Büroabwesenheit bis
Ende April 2021 noch nicht Akteneinsicht erhalten habe; nach Kenntnis die-
ses Dokuments sei ausreichende Frist zur Beschwerdeergänzung einzu-
räumen. Mit Blick auf den Zeitablauf, den grundsätzlichen Zugang der
Rechtsvertreterin zu diesen Akten und das Ausbleiben eines anderslauten-
den Hinweises des Beschwerdeführers ist davon auszugehen, dass diese
Obliegenheit des Beschwerdeführers inzwischen nachgeholt werden
konnte.
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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7.
7.1 Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid damit, dass sie die Asyl-
gründe des Beschwerdeführers für insgesamt unglaubhaft hält. Dazu führt
sie im Wesentlichen aus, dass es Ungereimtheiten in den Aussagen des
Beschwerdeführers zur zeitlichen Einordnung und den Umständen des Bi-
afra-Konflikts gebe und die Rolle, die sein Vater darin eingenommen habe.
Zu seiner eigenen Rolle in der IPOB, zu Demonstrationen, bei denen er
inhaftiert worden sei, und insbesondere zum Vorfall am Gedenktag vom
30. Mai 2016 habe nur nichtssagende Aussagen gemacht. Es sei weiter in
Anbetracht seiner allgemein fehlenden Glaubwürdigkeit weder glaubhaft
noch sei flüchtlingsrechtlich relevant, dass er von Menschenhändlern ver-
folgt werde.
7.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, dass die Ausführungen der Vo-
rinstanz hinsichtlich seiner Glaubhaftigkeit im Fluchtpunkt unzutreffend
seien. So sei aus den Akten ersichtlich, dass er das Alter seiner Eltern nicht
kenne, und daher sei kein Widerspruch darin zu sehen, wenn die Altersan-
gaben und Zeitangaben, die er machte, chronologisch nicht übereinstimm-
ten. Weiter führt er Medienberichte an, die Zeugnis davon abgeben sollen,
dass auch Kindersoldaten nach kurzer Einweisung bereits hohe Funktio-
nen im damaligen Biafra-Konflikt eingenommen hätten. Schliesslich macht
der Beschwerdeführer geltend, dass er ausführliche Aussagen zu seiner
Flucht gemacht habe und Abklärungen betreffend Menschenhandel ange-
stossen worden seien, die von der Vorinstanz nicht beachtet worden seien.
8.
8.1 Die vorinstanzlichen Ausführungen zur Glaubhaftigkeit der Aussagen
des Beschwerdeführers hinsichtlich seiner Fluchtgründe sind im Ergebnis
zutreffend. Während der Beschwerdeführer zu seiner Reiseroute und den
Umständen seiner Einreise nach Europa ausführlich und mit zahlreichen
Realkennzeichen aussagt, fallen seine Angaben zu seiner angeblichen
Rolle in der IPOB-Bewegung äusserst knapp, oberflächlich und distanziert
aus. Dabei liegt der Schwerpunkt der Glaubhaftigkeitsprüfung nicht darin,
ob der Beschwerdeführer die Rolle seines Vaters im damaligen Biafra-Kon-
flikt und die damaligen Umstände nach hiesigem Verständnis korrekt schil-
dern kann, sondern ob er über seine eigenen Fluchtumstände und Motive
plausible und mit Realkennzeichen versehene Aussagen macht. Vorlie-
gend äussert sich der Beschwerdeführer zwar ausführlich zu politischen
und historischen Aspekten des Konflikts in der Biafra-Region, doch über
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angeblich selbst Erlebtes (Inhaftierungen, Demonstrationen, Gewalt durch
Polizei und Militär) äussert er sich nur sehr knapp, oberflächlich und detail-
arm. Auch zur Demonstration vom 30. Mai 2016, die der Beschwerdeführer
als entscheidenden Auslöser seiner Flucht benennt, fällt seiner Beschrei-
bung zwar wortreich, aber inhaltlich vage und klischiert aus. Das vom Be-
schwerdeführer als Ausdruck eingereichte Online-Anmeldeformular für die
IPOB und die bei der Vorinstanz eingereichte Identitätskarte aus Biafra sind
als Nachweis seiner angeblichen Mitgliedschaft bei der IPOB-Bewegung
oder eine Nähe zu dieser ungeeignet. Vielmehr fällt auf, dass der Be-
schwerdeführer über ihre Strukturen, Kommunikationskanäle und Vorge-
hensweisen kaum inhaltliche Angaben machen kann und sich im Wesent-
lichen auf die Aussage beschränkt, man habe Leute mobilisiert und sich zu
Versammlungen und Demonstrationen verabredet. Insbesondere da der
Beschwerdeführer geltend macht, eine führende Rolle bei der IPOB inne-
zuhaben, ist nicht nachvollziehbar, dass er zu den Strukturen dieser Orga-
nisation keine Aussagen machen kann. Die Vorfälle, die der Beschwerde-
führer beschreibt, sind jedenfalls in Nigeria einem breiten Publikum be-
kannt, wobei die Beschreibungen sich darauf beschränken, was in der Be-
richterstattung geschildert wurde. Im Übrigen kann, um Wiederholungen zu
vermeiden, auf die Erwägungen der Vorinstanz in der angefochtenen Ver-
fügung verwiesen werden, soweit sie sich auf die Glaubhaftigkeit der Aus-
sagen des Beschwerdeführers beziehen, die dieser über die Ereignisse in
den Jahren 2015 und 2016 macht. Die Vorbringen des Beschwerdeführers,
er sei Teil oder gar ein Anführer der IPOB-Bewegung, habe an Demonstra-
tionen teilgenommen, Gewaltakte erlebt und sei oft inhaftiert worden, sind
nicht glaubhaft.
8.2 Die behauptete Bedrohung durch «E._» und dessen Umfeld ist
nicht flüchtlingsrechtlich relevant; zum einen ist kein flüchtlingsrechtlich er-
hebliches Verfolgungsmotiv ersichtlich, zum anderen handelt es sich dabei
bei Wahrunterstellung um eine Verfolgung durch Dritte, wobei von der
Schutzfähigkeit und dem Schutzwillen des nigerianischen Staates auszu-
gehen ist. So ist auch in Hinblick auf diesen Sachverhaltsaspekt nicht vom
Vorliegen einer auch objektiv drohenden aktuellen Gefahr einer zukünfti-
gen asylbeachtlichen Verfolgung auszugehen. Die Vorinstanz hat das Asyl-
gesuch demnach zu Recht abgelehnt.
9.
9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
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Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
9.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
10.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
10.3
10.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den Hei-
mat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
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10.3.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Die Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
10.3.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde-
führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes
für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§
124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Hei-
matstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als
unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegwei-
sung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmun-
gen zulässig.
10.4
10.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
10.4.2 In Bezug auf Nigeria geht das Bundesverwaltungsgericht davon
aus, dass keine Situation allgemeiner Gewalt herrscht (vgl. Urteil des
BVGer [...] vom (...), E. 7.4 mit weiteren Hinweisen). Die medizinischen
Probleme des Beschwerdeführers stehen einer Rückkehr nach Nigeria
nicht im Weg. Die Vorinstanz hält zutreffend fest, dass die gesundheitlichen
Schwierigkeiten des Beschwerdeführers sich unterdessen gemäss der Ak-
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tenlage relativiert haben. Laut dem Arztbericht vom 2. Februar 2022 beste-
hen Verdachtsdiagnosen betreffend ein posttraumatisches Belastungssyn-
drom und eine depressive Entwicklung. Physisch leide der Beschwerde-
führer an chronischer Rhinitis (Nasenschleimhautentzündung), möglichem
Post-Covid-Syndrom mit Muskelschmerzen im Brustbereich und Knie-
schmerzen mit dem Verdacht einer Meniskusläsion. Dieses Krankheitsbild
erreicht nicht einen Schweregrad, der die Rückkehr nach Nigeria unzumut-
bar erscheinen liesse und den Beschwerdeführer einer Lage aussetzen
würde, in der er sich keinen Zugang zu der medizinischen Unterstützung
verschaffen könnte, die er benötigt.
10.4.3 Ausserdem ist zu erwarten, dass sich der Beschwerdeführer auch
beruflich und sozial schnell wieder integrieren kann, zumal er in Nigeria
bereits verschiedene berufliche Tätigkeiten ausübte und damit nach seiner
Aussage aufgrund seiner hohen Kundenorientierung gut verdient haben
soll. Darüber hinaus besteht in Nigeria mit Lagos eine innerstaatliche
Wohnsitzalternative für den Beschwerdeführer, wo er nach seiner Aussage
Verwandtschaft hat, falls er in seinem Heimatort von den Angehörigen de-
rer behelligt werden sollte, die ihm den Transport nach Europa ermöglicht
haben sollen.
Das SEM hat in seinem Entscheid demnach zutreffend festgestellt, dass
der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers zumutbar ist.
10.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
10.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
12. Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um unentgeltliche Rechts-
pflege ist abzuweisen, da die Begehren - wie sich aus den vorstehenden
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Erwägungen ergibt - als aussichtslos zu bezeichnen sind. Die Vorausset-
zungen gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG sind daher nicht erfüllt.
13.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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