Decision ID: 6928973b-9fc9-4463-8fd5-594380a38913
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1953 g
eborene Altersrentnerin X._
meldete sich am 30.
April
2020
unter Hinweis
auf eine
n am 4.
April
2019 erlittenen Hirnschlag
sowie verblei
bende Gesundheitsschäden an der linken Körperseite/Hand
bei der
Ausgleichs
kasse
des Schweizerischen Gewerbes (
nachfolgend:
Ausgleichskasse)
zum Bezug einer
Hilflosenentschädigung
an (Urk.
8/1)
.
G
estützt auf die Angaben der Versi
cherten sowie des zuständigen Arztes der Klinik für Neurochirurgie des Kan
tons
spitals
Y._
im
Anmeldef
ormular (Urk.
8/1
S.
8
-9
) sowie
nach telefonischer Rück
sprache mit der
Versicherten (vgl. Aktennotiz
vom
25.
Mai 2020;
Urk. 8/
6
)
gelangte
die
für
die Abklärung zuständige
IV-Stelle der
Sozialversicherungsan
stalt
des Kantons Zürich
zum Schluss
,
dass kein Anspruch auf eine
Hilflosenent
schädigung
gegeben sei
(vgl. Urk. 8/7)
, was
die Au
sg
l
e
ichskasse der
Versicherten mit Verfügung
vom 29.
Mai 2020
eröffnete
(Urk. 8/9
-10
).
Dagegen erhob
diese
mit
Eingabe
vom
22.
Juni 2020
Einsprache
(Urk. 8/
11
)
,
welche sie mi
t Schreiben vom 13.
Juli 2020 (Urk.
8/14) und vom 2.
Oktober 2020
(Urk.
8/23) dahin er
gänzte, dass sich ihr Gesundheitszustand wegen Schwi
ndels verschlechtert habe (Urk.
8/14) bzw.
dass
s
i
e
seit
3.
Oktober 2020 täglich und bis auf weiteres Hilfe von der Spitex erhalte, welche ihr beim Anlegen der Hand-Arm
o
rthese und
beim
Anziehen beh
i
l
flich sei
(Urk.
8/23)
.
In der Folge
holte die
IV-Stelle
bei der Ver
sicherten sowie der sie unterstützenden Bekannten
(
Z._
)
ergänzende
Auskünf
te zur Hilflosigkeit in
den einzelnen Lebensverrichtungen
ein
(vgl.
in
s
bes.
Urk. 8/
18
ff.
; einschliesslich Angaben des behandelnden Hausarztes im For
mular
)
und veranlasste eine
Abklärung
der Hilflosigkeit bei der
Versicherten zu Hause
(vgl.
Abklärungsbericht für
Hilflosenentschädigung
für Erwachsene vom
10.
November
2020, Urk. 8/
25
). Gestützt auf die so getätigten Abklärungen
hielt
die Ausgleichskasse mit
E
insprachee
ntscheid
vom 12.
Januar 2021
daran fest, dass kein Anspruch auf
eine
Hilflosenentschädigung
gegeben sei
(Urk.
2).
2.
Dagegen erhob X._
hierorts mit Eingabe vom 9.
Februar
2021 Be
schwerde und beantragte sinngemäss
, dass ihr eine
Hilflosen
en
tschädigung
aus
zurichten sei
(Urk.
1).
Die Ausgleichskasse
erstattete am 9.
April 2021
unter Hinweis auf die
auf Abwei
sung schliessende
Stellungnahm
e der IV-Stelle vom 8.
April 2021
ihre
Beschwer
deantwort (Urk. 6-7),
was der Beschwerdeführeri
n mit Gerichtsverfügung vom 13.
April 2021 zu
r Kenntnis gebracht wurde (Urk.
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
nach Art. 43
bis
de
s Bundesgesetzes über die Alter
s- und
Hinterlassenenversicherung
(
AHVG
)
haben Bezüger von Altersrenten oder Ergänzungsleistungen mit Wohnsitz und gewöhnlichem Auf
enthalt (Art. 13 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversi
cherungsrechts, ATSG) in der Schweiz, die in schwerem, mittlerem oder leichtem Grad hilflos (Art. 9 ATSG) sind. Dem Bezug einer Altersrente ist der Rentenvor
bezug gleichgestellt (
Abs.
1). Der Anspruch auf die Entschädigung für eine Hilflo
sigkeit leichten Grades entfällt bei einem Aufenthalt im Heim (Abs. 1
bis
). Als Heim im Sinne von Artikel 43
bis
Abs.
1
bis
AHVG gilt jede Einrichtung, die von einem Kanton als Heim anerkannt wird oder über eine kantonale Betriebs
bewil
ligung als Heim verfügt (Art. 66
bis
Abs. 3
der Verordnung über die Alters- und
Hinter
lassenenversicherung
,
AHVV).
Für die Bemessung der Hilflosigkeit sind die Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sinngemäss anwendbar (Art. 43
bis
Abs. 5 Satz 1 AHVG). Gestützt auf die ihm in Art. 43
bis
Abs. 5 Satz 3 AHVG eingeräumte Befugnis zum Erlass ergänzender Vorschriften erklärte der Bundesrat in Art. 66
bis
Abs. 1 AHVV für die Bemessung der Hilflosigkeit Art. 37 Abs. 1 und Abs. 2
lit
. a und b sowie Abs. 3
lit
. a–d der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) für sinngemäss anwendbar.
1.2
Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (
Art.
9 ATSG).
Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs alltäglichen Lebensverrichtungen massge
bend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
-
Ankleiden, Auskleiden;
-
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
-
Essen;
-
Körperpflege;
-
Verrichtung der Notdurft;
-
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1.3
Die Hilflosigkeit gilt als schwer, wenn die versicherte Person vollständig hilflos ist. Dies ist der Fall, wenn sie in allen alltäglichen Lebensverrichtungen regelmäs
sig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies der dau
ernden Pflege oder der persönlichen Überwachung bedarf (Art. 37 Abs. 1 IVV).
Im Bereich der AHV gilt die
Hilflosigkeit
alsdann
als mittelschwer, wenn
die ver
sicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe
Dritter ange
wiesen ist (
lit
. a)
oder in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen re
gelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf (
lit
. b;
Art. 37 Abs. 2 IVV). Als leicht wird die Hilflosigkeit eingestuft, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (
Art. 37 Abs. 3
lit
. a
IVV
), einer
dauernden persönlichen Überwachung bedarf (
lit
.
b), einer durch
das
Gebrechen bedingten ständigen und besonders auf
wendigen Pflege bedarf (
lit
. c) oder wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann (Art. 37 Abs. 3
lit
. d IVV). Die lebenspraktische Begleitung (
vgl.
Art 37 Abs. 2
lit
. c und Abs. 3
lit
. e IVV, Art. 38 IVV) findet in der AHV keine Berücksichtigung (vgl. Art. 66
bis
Abs. 1 AHVV; BGE 133 V 569).
Die Hilfe ist regelmässig, wenn sie die versicherte Person täglich benötigt oder eventuell täglich nötig hat (
Rz
8025 des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invali
denversicherung [
KSI
H]
, in der seit
1.
Januar
2015 gültigen Fassung
)
.
Die
Hilfe
ist
(
unter anderem
)
erheblich, wenn die versicherte Per
son mindestens eine Teilfunktion einer einzelnen Lebensverrichtung (z. B. „Waschen“ bei der Le
bensverrichtung „Körperpflege“ [
BGE 107 V 136]) – nicht mehr, nur mit unzumutbarem Aufwand oder nur
auf unübliche Art und Weise (z.B.
Essen mit den Fingern: BGE 106 V 153) selbst ausüben kann oder wegen ihres psychischen Zustandes ohne besondere Auf
forderung nicht vornehmen würde (
Rz
8026 KSIH).
1.4
Der Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
entsteht am ersten Tag des Monats, in dem sämtliche Voraussetzungen erfüllt sind und die Hilflosigkeit schwe
ren, mittleren oder leichten Grades ununterbrochen während mindestens eines Jahres bestanden hat. Er erlischt am Ende des Monats,
in dem die Voraussetzun
gen nach
Art.
43
bis
Abs.
1
AHVG
nicht mehr gegeben sind (
Art.
43
bis
Abs.
2
AHVG).
1.
5
Gemäss Art. 69 Abs. 2 IVV kann die IV-Stelle zur Prüfung eines Leistungsan
spruchs unter anderem Abklärungen an Ort und Stelle vornehmen
(vgl. auch
Rz
8131 ff. KSIH).
Nach der Rechtsprechung hat ein Abklärungsbericht unter dem Aspekt der Hilflosigkeit (Art. 9 ATSG) oder des Pflegebedarfs folgenden Anforde
rungen zu genügen: Als Berichterstatterin oder Berichterstatter wirkt eine quali
fizierte Person, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergebenden Beein
trächtigungen und
Hilfsbedürftigkeiten
hat. Bei Unklarheiten über physische oder psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche Lebensver
richtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zuläs
sig, sondern notwendig. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen Lebensverrichtungen sowie der tat
bestandsmässigen Erfordernisse der dauernden Pflege und der persönlichen Über
wachung und der lebenspraktischen Begleitung sein. Schliesslich hat er in Über
einstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Ge
richt greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung täti
genden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebie
tet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungs
person näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (
BGE
133 V 450 E. 11.1.1, 130 V 61 E. 6.1 f.
). Diese Grundsätze gelten entspre
chend auch für die Abklärung der Hilflosigkeit unter dem Gesichtspunkt der le
benspraktischen Begleitung (BGE 133 V 450 E. 11.1.1; vgl. Urteil des Bundesge
richts 8C_464/2015 vom 14. September 2015 E. 4) sowie unter dem Aspekt des Intensivpflegezuschlags (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_
573/2018 vom 8. Januar 2019 E. 3.2
).
2.
2.1
Die Ausgleichskasse verneinte im angefochtenen
E
insprachee
ntscheid
einen An
spruch auf
Hilflosenentschädigung
im Wesentlichen
mit der Begründung
, dass
die Beschwerdeführerin
gemäss
den
Abklärungen der IV-Stelle
in keiner der mass
gebenden
alltäglichen
Lebensverrichtungen
auf regelmässige und erhebliche
Dritthilfe a
ngewiesen sei (Urk.
2)
.
2.2
Dagegen macht die
Beschwerdeführerin
sinngemäss
geltend, dass sie
– entgegen den
Feststellung
en
der Abklärungsperson
-
insbesondere
in den
Lebensverrich
tungen
«
Ankleiden
/Auskleiden
»
sowie
«
Körperpflege
»
auf
die
Hilfe
Dritter
ange
wiesen sei
.
Auch könn
e
sie
nur
d
ank
der Hilfe einer Bekannten
sowie
von
Freun
den zuhause leben, welche
diverse
Hilfeleistungen erbringen
w
ürden
.
Auch beim Einkaufen
sei sie
auf Hilfe
angewiesen (
Urk.
1).
3.
3.1
3.1.1
Der für die Angaben in der Anmeldung
vom 30. April 2020
verantwortlich zeich
nende Arzt der Klinik für Neurochiru
r
gie am Neurozentrum des
Kantonsspitals
Y._
dia
gnos
t
i
zierte
am 15.
April 2020
einen Status
nach MCA-Clipping rechts am 4.
April 2019 sowie eine Parese der Hand links.
Betreffend Art und Auswir
kung der physischen Einschränkungen gab er
an, die Hand links sei nicht ge
brauch
sfähig
(Urk. 8/1 S.
8)
.
3.1.2
Hausarzt
Dr.
med.
A._
,
Facharzt
FMH Innere Medizin, diagnostizierte i
m For
mular Abklärung der
Hilflosenentschädigung
vom 5. August 2020 (Eingang bei der IV-Stelle)
einen Insult bei Ane
u
rysma-OP, eine spastische Parese der linken Hand und
Hemisyndrom
sowie Schwindel und Depression
. Zu den Einschränkun
gen
gab
er
an, die linke Hand sei nicht brauchbar
,
es bestehe
auch
Schwindel,
in
psychischer
Hinsicht eine
Depression (
Urk.
8/18
S. 2
).
3.2
3.2.1
Am
4.
November 2020
führte die IV-Stelle eine Abklärung der Hilflosigkeit bei der V
ersicherten zuhause durch (Urk.
8/25).
Gemäss dem entsprechenden Abklä
rungsbericht vom 1
0.
November 2020 gab die
Versicherte
eingangs im Wesentli
chen
an,
sie müsse
den linken Arm seit Oktober 2020 in einer Schiene tragen
,
damit dieser in einer Ruheposition sei. Ihre Hand sei verkrampft. Eine Hand
schiene stehe ebenfalls zur Diskussion
. Zwischendurch ziehe sie die Armschiene auch wieder aus, weil
diese ihr Schmerzen verursache. Schmerzmittel benötige sie keine. Auf der linken Seite sei ein zweites Aneury
s
ma entdeckt worden. D
a die erste Operation aus ihrer Sicht nicht so gut verlaufen
sei, habe sie Angst vor der zweiten
Operation und möchte
solange möglich
davon
ab
sehen.
Im Herbst 2019 habe sie ihr Auto verkauft und sei seither vermehrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs (
Urk.
8/25 S. 2).
Z
um Tag
e
sverl
auf
ist dem Bericht zu entnehmen, die Versicherte gebe an, dass sie
am Mor
gen zwischen
acht
und
neun
Uhr aufstehe und dann
frühstücke (etwas E
infaches wie Porridge), oft müsse sie sich zum Essen zwingen
,
weil sie wegen der Magensäure ein Aufstossen habe. Von sich aus habe sie keinen Hunger, achte aber darauf, dass sie täglich eine warme Mahlzeit
einnehme
. Zum Mittagessen gehe sie ins Restaurant eines Altersheimes oder eine Freundin bringe ihr etwas vorbei. Sie lese gerne, besorge sich i
mmer wieder Bücher aus der Bibli
othek, oder arbeite nach ihren Möglichkeiten im Ga
rten (g
rosse Töpfe auf der Terr
asse). Nach
mittags fänden die Therapiesitzungen statt. Alle 14 Tage komme eine Freundin
vorbei, um den
Hauskehr
zu machen
.
G
röbere Verschmutzungen
reinige
die
Ver
sicherte
mit
eine
m
Handstaub
sauger
,
welchen
sie
einhä
ndig bedienen könne.
Weiter beschäftige sie sich mit
z
eichnen, Karten schreiben etc. Zum Abende
ssen esse sie etwas Leichtes, z
.
B
.
Gschwellti
oder einen Griessbrei
(Urk.
8/25 S. 2)
.
3.2.2
Zum
Bereich
«
Ankleiden/Ausk
l
eiden
»
gebe
die Versicherte an
,
dass
sie
die Klei
dung
w
etter
angepasst
nach Lust und Laune
selbs
tändig aussuche und bei Ver
schm
utzung wechsle. Wegen der Spastik in der linken Hand habe sie Mühe mit diversen Kleidungsstücken. Es gebe Pullover
,
die sie nicht mehr selber anzu
z
iehen
vermöge
. Knöpfe könne sie selbständig öffnen und schliessen, Reissverschlüsse
könne sie
seit April 2019 nicht mehr
selbständig einfädeln
,
diesbezüglich
erhalte sie Hilfe von Freundinnen.
Weiter
könne
sie
weder
selbständig
in Winterstiefel ein-
noch
aussteigen. Auch das Binden von Schuhen sei einhändig nicht mehr möglich. Seit Oktober 2020 komme jeden Morgen die Spitex
,
um ihr die
Arm
schiene anzuziehen. Jeden zweiten
Morgen sei die Spitex
auch beim Anziehen behilflich
. Am Abend sei
die Versicherte
auf sich alleine gestellt und müsse sich alle
i
ne u
mziehen (
Urk.
8/25 S. 3).
3.2.3
Zum Berei
c
h
«
Aufstehen/Absitzen
/Abliegen
»
wurde festgehalten, dass die Kundin in diesem Bereich selbständig sei
(
Urk.
8/25 S. 3)
.
3.2.4
Zum Bereich
«
Essen
»
ist dem Bericht zu entnehmen
,
dass die
Versicherte
nicht mehr mit dem Besteck umgehen könne, da die
linke Hand
spastisch sei. Als Hilfs
hand
könne
sie diese jedoch einsetzen
.
Es
sei es
ihr
aber
nicht möglich, etwas mit der rechten Hand zu zerschneiden, da sie
m
it der linken Hand nichts festhalten könne. Aus einem Glas oder einer
Tasse könne sie ohne Probleme t
rinken
(
Urk.
8/25 S. 3)
.
3.2.5
Zur
Lebensverrichtung
«
Körperpflege
»
ist dem Bericht zu entnehmen, dass die Versicherte über eine Badewanne mit Badebrett verfüge, in welche sie problemlos ein
- und au
ssteigen könne
, wenn auch beim Baden das Aufstehen etwas schwie
riger sei
.
Die Versicherte
dusche oder bade jeden zweiten
Tag.
A
uch
sei sie
in der Lage
,
sich die Haare selber zu w
aschen. Einzig beim Föhnen und F
risieren sei sie auf die regelmässige Hilfe
ihrer Freundin angew
i
e
sen, da sie ihre Haare mit der Rundbürste föhnen müsse
, was
einhändig nicht möglich sei. Die Dritt
h
ilfe werde ca
. drei
mal pro Woche g
e
leistet. Die Zähne putze
die Versicherte
regelmässig ab
wechselnd man
uell oder e
lektrisch. B
eim
Schneiden der Fingernägel
sei sie auf die
regelmässige
Hilfe ihrer Freundin angewiesen
(Urk.
8/25 S. 3)
.
3.2.
6
Gemäss dem
Abklärungsb
ericht ist die Versicherte
bei der Lebensverrichtung
«
Reinigung nach Verrichtung der
Notdu
r
ft
»
nicht eingeschränkt
(
Urk.
8/25 S. 4)
.
3.2.
7
Bei der Leben
s
verrichtung
«
Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte
»
gebe
die Versicherte an, seit Januar 2020 habe sie Angst wegen dem
zwei bis
drei
mal
pro Woche au
ftretenden Schwindel.
Im Juni 2020 sei sie auf der Terrasse gestürzt und habe sich dabei an der linken Hand eine
n Knochenriss am kleinen und am
Ringfinger
zugezogen. Aus diesem Grund habe sie eine Zeit lang nicht in die Physiotherapie gehen können.
In den letzten
zwei
Monaten sei es besser geworden. In der Wohnung sei sie nicht e
ingeschränkt, Termine in B._
nehme sie alleine mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wahr. Zur Therapie in Zug werde sie von ihrer Freundin mit dem Auto gefahren. Treppen könne sie ohne Proble
me überwinden. S
oziale Kontakte pflege sie regelmässig zu Freun
dinnen, mit welc
hen sie spazieren oder einen Kaffee
trinken
gehe
(
Urk.
8/25 S.
4)
.
3.2
.
8
Unter dem Titel
«
da
uernde medizinisch-p
flegerische Hilfe
»
gebe
die Versicherte an,
dass
seit Oktober 2020 die Spitex täglich am Morgen
komme
und ihr die Armorthese an
ziehe
. Bei der Medikamenteneinnahme benötige sie keine Hilfe
; sie sei in der Lage, die Medikamente aus dem Blister zu drücken
(Urk. 8/25 S. 4)
.
Weiter
gebe
sie an, e
ine
persönliche
Überwachung
finde nicht statt
(Ur
k.
8/25 S.
4)
.
3.2.
9
Die Abklärungsperson schlussfolgerte
zusammenfassend
, dass die
Versicherte
in keine
r Lebensverrichtung
auf regelmässige und erhebliche Dritthilfe angewiesen sei. Zudem sei es zumutbar, schadenmindernde Massnahmen (Anschaffung von Hilfsmitteln,
z.B.
rutschfestes Schneidebrett)
zu
ergreifen
. Auch könne die dau
ernde medizinisch-pflegerische Hilfe noch nicht angerechnet werden
(Urk.
8/25 S.
4 f
)
.
4.
4.1
Unum
stritten ist
, dass
die Beschwerdeführerin
in
den
alltäglichen
Lebensverrich
tungen
«
Aufstehen/Absitzen/Abliegen
»
,
«
Essen
»
und
«
Reinigung
nach Verrich
tung der Notdurft
»
nicht
oder nicht
in rechtserheblichem Masse
eingeschränkt ist. Ebenso
wenig
macht
die Beschwerdeführerin
geltend,
dass
mit Blick auf die seit Oktober 2020 stattfindenden Besuche durch die Spitex
ein
Anspruch auf
Hilf
losenentschädigung
ge
geben
sei
. Im Lichte der Ausführungen
in der Beschwerde
s
trittig und zu
prüfen
ist hingegen
, ob
die Beschwerdeführerin
in den Bereichen
«
Ankleiden/Auskleiden
»
,
«
Körperpflege
»
und
«
Fortbewegung/Pflege gesellschaft
licher Kontakte
»
regelmässig auf erhebliche Dritthilfe angewiesen ist
oder ob sie infolge der weiteren benötigten
Hilfeleistungen Anspruch auf eine
Hilflosenent
schädigung
hat
.
4.2
Im Bereich
«
Ankleiden/Auskleiden
»
liegt e
ine Hilflosigkeit vor, wenn die versi
cherte Person ein unentbehrliches Kleidungsstück oder ein Hilfsmittel nicht selber an- oder ausziehen kann. Hilflosigkeit liegt auch vor, wenn die versicherte Person
sich
zwar selber ankleiden, aufgrund kognitiver Probleme jedoch der Witterung nicht entsprechend kleiden kann oder wenn sie Vor- und Rückseite der Klei
dungsstücke verwechselt (vgl.
Rz
8014 KSIH).
Dass die
Beschwerdeführerin
aufgrund der Spastik
ihrer
linken (
adominanten
) Hand
sich faktisch nur noch einhändig ankleiden und daher
gewisse Kleidungs
stücke nicht mehr selbständig anziehen kann, ist vor dem Hintergrund der ärzt
lichen Verlautbarungen (E.
3.1
hievor
)
unbestritten. Dies geht auch aus
dem Ab
klärungsbericht bzw. aus
den
Angaben der Beschwerdeführerin
nachvollziehbar
hervor (Urk. 8/25 S.
3).
Entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführerin
ist gleichwohl nicht zu beanstanden,
dass die Abklärungsperson sie
anlässlich der Abklärung vor Ort
darauf
hingewiesen hat
, dass sie sich
etwa
J
acken und Mäntel mit Knöpfen
anschaffen
kann
(vgl.
Urk.
1
). Denn
w
ie die Abklärungsperson damit implizite zu Recht zum Ausdruck bringt,
trifft die
versicherten Personen
– bevor sie Versicherungsleistungen in Anspruch nehmen -
eine
Schadenminde
rungs
pflicht
(
zur Schadenminderungspflicht im Sozialversicherungsrecht vgl.
BGE 141 V 642
E. 4.3.2
)
, im Rahmen
welcher es ihnen
unter anderem
zu
zumuten
ist
,
mehr
heitlich
der Behinderung
angepasste
Kleid
er und Schuhe
auszuwählen,
bei wel
chen keine
Dritthilfe
erforder
lich ist.
Aber
auch
soweit die
Beschwerdeführerin
gewisse Kleidungsstück
e
allenfalls
nur
unter
Zuhilfenahme
von
Hilf
s
mitteln oder
Anwendung von
(erlernbaren)
Kompensationsstrategien
selbständig
anziehen
kann
,
f
ührt dies nicht
zur Hilflosigkeit.
So vermag
eine blosse Erschwerung oder Verlangsamung bei der Vornahme von Lebensverrichtungen grundsätzlich keine Hilflosigkeit
zu begründen
(KSIH 8013 unter Hinweis auf Urteil des Bundesge
richts 9C_633/2012
vom 8.
Januar
2013).
Insgesamt
nicht zu beanstanden
ist so
mit
, dass die Abklärungsperson eine Hilfslosigkeit in diesem Bereich verneint hat.
4.3
Im Bereich
«
Körperpflege
»
liegt Hilflosigkeit vor, wenn die versicherte Person eine täglich notwendige Verrichtung im Rahmen der Körperpflege (Waschen, Käm
men, Rasieren, Baden/Duschen) nicht selber ausführen kann. Keine Hilflosigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person Hilfe beim Frisieren oder bei
m
Nagel
lackieren braucht (
Rz
8020
KSIH
).
D
ie
Beschwerdeführerin
wendet ein
, dass
sie
- um sich wohl zu fühlen -
tägliche Haarwäsche benötige
(
Urk.
1).
Jedoch kann die Beschwerdeführerin
gemäss ihren
Angaben anlässlich der Abklärung vor Ort
ihre
H
aare selber waschen
(E. 3.2.4), weshalb - s
elbst wenn
eine Haarw
äsche
täglich
notwendig
sein sollte
-
nicht er
sichtlich
ist
,
inwiefern sie diesbezüglich
hilflos
ist
.
Daran ändert nichts
, dass die
Beschwerdeführerin
– weil sie die Rundbürste nicht einhändig einsetzen kann –
beim Föhnen
und Frisieren mit der Rundbürste
Hilfe
in Anspruch nimmt
.
Denn
die Notwendigkeit der
Hilfe beim Frisieren
begründet
regelmässig
keine Hilflo
sigke
i
t
(
Rz
8020 KSIH), weshalb
sich
auch im Falle der Beschwerdeführerin
daraus
nichts
zu ihren Gunsten ergibt
.
V
iel
mehr hat die Abklärungsper
so
n
im Lichte der Schadenminderungspflicht
auch
in
diesem Zusammen
hang
zu
Recht
ausgeführt, dass
es
der Beschwerdeführerin
zumutbar
ist
, ihre Haare
(
ohne Rundbürste
)
trock
enzu
föhnen und
sich
danach
zu f
risieren
(
Urk.
7 S. 3
,
Urk.
8/25 S. 4
)
. Wegen der
beanspruchten
Dritthilfe
beim Frisieren resultiert daher
– wie unstr
e
itig auch nicht
wegen des nicht
täglich notwendige
n
Schneiden
s
der Fingernägel
– im Be
reich «Körperpflege»
kein rechtserheblicher Hilfsbedarf.
4.4
Bei der Lebensverrichtung
«
Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte
»
liegt
Hilflosigkeit
vor, wenn sich die versicherte Person auch mit einem Hilfsmit
tel nicht mehr allein im oder ausser Haus fortbewegen oder wenn sie keine ge
sellschaftlichen Kontakte pflegen kann. Unter gesellschaftlichen Kontakten sind die zwischenmenschlichen Beziehungen zu verstehen, wie sie der Alltag mit sich bringt (z. B. Lesen, Schreiben, Besuch von Konzerten, von politischen oder reli
giösen Anlässen usw.;
vgl.
Rz
.
8022 f.
KSIH
).
Soweit die
Beschwerdeführerin geltend
macht
, dass sie
«
an Tagen mit starkem Schwindel
»
auf
Hilfe in
Form von Fahrten zur Physiother
a
p
ie und Arztbesuchen angewiesen sei
,
ergibt sich bereits daraus, dass sie Unterstützung nicht täglich nötig hat
.
Darauf ist auch zu schliessen
,
weil
die Beschwerdeführerin
anlässlich der Abklärung vor Ort
ausgeführt
hat
,
dass sie – nach einer
vorübergehenden
Phase mit stärkerem Schwindel –
(nun)
Termine in B._
selbständig wahrnehmen
, sich Bücher aus der Bibliothek besorgen
und r
egelmässige
soziale Kontakte
zu Freundinnen
pflegen
kann
(vgl.
Urk.
8/25 S. 4)
;
denn
d
ass
s
i
e
dabei
wegen Schwindel
beschwerden
stets auf
Begleitung
angewiesen
sei
, hat sie nicht geltend gemacht
.
Daher und da
die Beschwerdeführerin
auch
in der
Beschwerde nicht
vorbringt
,
sie könne
sich
– wegen
nicht abseh
barer Sc
hw
indelanfälle –
grundsätzlich
nicht mehr alleine
ausser Haus fort
be
wegen
,
ist
aufgrund der Akten
vielmehr
d
avon ausz
u
gehen,
dass
sie
Dritthilfe (
Begleitung
)
nur
(
noch
)
sit
u
a
tiv
nötig hat
(vgl.
so denn
etwa auch
die
An
ga
b
en v
o
n
Z._
vom 13.
August 2020
, wonach die
Begl
e
i
tung wegen Schwindel
«
je nach
Tagesbefindlichkeit nötig
»
sei
; Urk. 8/21 S.
3
).
B
enötigt jedoch
die
Beschwerdeführerin
nicht
täglich
er
Begleitung
– was
im Ü
brigen
hinsichtlich der
Hilfe beim
Einkauf
schon daher gilt
,
als
ein Einkauf jeweils
für mehrere Tage getätig
t
w
er
den kann
-
ist
auch
im Bereich
«
Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte
»
eine
re
c
hts
erhebl
i
che
Hilflosigkeit
nicht erstellt
.
4.5
S
oweit
die Beschwerdeführerin
geltend macht, dass sie
nur dank der Hilfe von Freunden und
Z._
,
welche ihr bei verschiedenen Verrichtungen Hilfe leisten würden,
weiterhin selbständig
wohnen
könne
(
Hilfe
stellungen in F
orm von
Öff
nen von Konservendosen und Einmachgläsern, Wechseln von Glühbirnen, Hilfe und Fahrt zur Entsorgungsstelle,
beim Wäsche und Bettwäsche aufhängen
sowie
Bettwäsche neu anziehen
; vgl. Urk.
1
),
führen
diese
- nicht täglich anfallenden
–
Hilfestellungen
von Vorneherein
nicht zur Anerkennung einer
rechtserhebliche
n
Hilflosigkeit
.
So
beziehen sich
diese
- die
Haushaltsführung
betreffenden
-
Hilfe
stellungen
auf
Verrichtungen
, die all
enfalls
unter dem Aspekt
der
«
lebensprakti
schen Begleitung
»
von Bedeutung
wären
(vgl. insbes.
Art.
38
Abs.
1
lit
. a IVV
; vgl. auch
Rz
8050 KSIH
)
. Jedoch
findet
die lebenspraktische Begleitung
bei der Beurteilung der Hilflosigkeit
im Bereich der
AHV
keine Berücksichtigung
(vgl. E.
1.3 hiervor)
.
4.6
Zusammenfassend ergibt sich, dass klar feststellbare Einschätzungen, die ein Ein
greifen in das Ermessen der
Abklärungsperson
erlauben würden, nicht
ersichtlich sind
.
Gestützt
auf den Abklärungsbericht vom
1
0.
November 2020
, der auch im Übrigen die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine zuverlässige
Ent
scheid
grundlage
erfüllt
(E. 1.5 hiervor)
,
ist somit
rechtsgenüglich
erstellt
, dass die
Beschwerdeführerin
unter Berücksichtigung der ihr oblie
genden Schadenminde
rungspflicht
nicht
im Sinne der massgebenden
rechtlichen
Bestimmungen
hilflos ist, da sie nicht
in
allen oder
mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen in regelmässiger und erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist
(
vgl.
Art.
37
Abs.
1 und 2
IVV
)
und
auch die
V
oraussetzungen
für eine (leichte) Hilflo
sigkeit
nach
Art.
37
Abs.
3
lit
. a bis d IVV
nicht
erfüllt sind.
Damit besteht kein Anspruch auf eine
Hilflosen
en
tschä
digung
.
Der angefochtene
Einspracheent
scheid
erweist sich
damit
als rechtens
,
weshalb
die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.