Decision ID: eaadbc86-40a3-4527-8f86-332ab741bdb2
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 10. November 2014 unter Hinweis auf seit März 2010
bestehende gesundheitliche Beeinträchtigungen bei der Eidgenössischen
Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (IV-act. 1). Sein Hausarzt Dr. med.
B._ nannte mit Bericht vom 24. November 2014 eine HIV-Infektion CDC-Stadium-3
mit depressiven Störungen im Jahr 2010, Status nach Herpes zoster C2-C4, Status
nach Sinusitis, Prostatitis, häufig rezidivierende Infekte, vor allem der Luftwege, sowie
einen Verdacht auf COPD bei Nikotinabusus und erklärte, der Versicherte werde alle
sechs Monate in der HIV-Sprechstunde der Infektiologie des Kantonsspitals C._
kontrolliert (IV-act. 7; vgl. auch IV-act. 10-1).
A.a.
Am 2. Dezember 2014 fand ein Gespräch zwischen dem Versicherten und der
zuständigen IV-Eingliederungsverantwortlichen statt (IV-act. 20). Die im Kantonsspital
C._ für den Versicherten zuständige Ärztin berichtete am 4. Dezember 2014 über
eine stabil supprimierte HI-Viruslast und CD4-Zellzahl unter der HIV-Therapie. Dies
entspreche dem Bereich einer leicht eingeschränkten Immunitätslage. Der Versicherte
sei bis auf akute Erkrankungen, welche jeweils Arbeitsunfähigkeiten von wenigen
Tagen mit sich gebracht hätten, nicht arbeitsunfähig (IV-act. 16-3). Am nächsten
Gespräch zwischen der zuständigen IV-Eingliederungsverantwortlichen und dem
Versicherten vom 13. Januar 2015 nahm zusätzlich die zuständige Sozialarbeiterin vom
Sozialamt D._ teil (IV-act. 29-1). Am 10. Februar 2015 unterzog der Versicherte sich
wegen chronischer Sinusitis frontalis links mit Osteomyelitis in der Hals-Nasen-
Ohrenklinik des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) einer Stirnhöhlenoperation und war
anschliessend bis zum 28. Februar 2015 zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 22-1 und 8).
Da der Versicherte am 11. Mai 2015 eine 18-monatige Haftstrafe antreten musste (IV-
A.b.
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St.Galler Gerichte
B.
act. 28), teilte die IV-Stelle ihm am 1. Juni 2015 mit, dass aufgrund seiner persönlichen
Situation zurzeit keine beruflichen Massnahmen angezeigt seien (IV-act. 31; vgl. auch
IV-act. 29 und 30). Mit Vorbescheid vom 11. Juni und Verfügung vom 26. August 2015
verneinte die IV-Stelle sodann bei einem Invaliditätsgrad von 27% einen
Rentenanspruch des Versicherten (IV-act. 34 und 35).
Nachdem feststand, dass er bereits am 10. Mai 2016 aus der Haft entlassen
werden würde (vgl. IV-act. 58-1), meldete der Versicherte sich am 7. Januar 2016
erneut bei der IV zum Leistungsbezug an (IV-act. 36). Am 11. Mai 2016 berichtete Dr.
B._, dass dem Versicherten körperlich leichte Arbeiten mit wechselnder
Arbeitsposition im staubfreien Innenbereich zumutbar seien. In der Strafanstalt habe er
50% gearbeitet. Ein Versuch, die Arbeitsleistung zu steigern, sei wegen diffuser
Schwindelgefühle und Kopfschmerzen mit Benommenheitsgefühl misslungen. Es
sprächen keine Gründe gegen einen sofortigen Beginn der Wiedereingliederung (IV-act.
51-1). Am 17. Juni 2016 nahm Dr. med. E._, Praktische Ärztin vom Regionalen
Ärztlichen Dienst (RAD), Stellung zu den vorhandenen Akten und kam zum Schluss,
dass Eingliederungspotential vorliege. Es solle mit 50%iger Arbeitsfähigkeit begonnen
und eine Steigerung auf 70 bis 80% angestrebt werden (IV-act. 57-1). Am 12. August
2016 berichteten die zuständigen Ärzte vom Kantonsspital C._, die Immunlage des
Versicherten sei robust und das Virus sei vollständig supprimiert (IV-act. 61-3). Am
24. August 2016 liess der Versicherte in der Klinik für Hand-, Plastische und
Wiederherstellungschirurgie am KSSG angeborene Fehlbildungen im Sinne beidseitiger
Syndaktylien der Zehen II und III operieren (IV-act. 63 und 84-6 ff.).
B.a.
Im September 2016 unterzeichneten der Versicherte, die IV-Stelle und die Stiftung
F._, Brockenhaus G._, einen Eingliederungsplan für eine berufliche Abklärung / ein
Einsatzprogramm mit Anfangspensum 50% vom 1. November 2016 bis 31. Januar
2017 (IV-act. 67; vgl. Verfügung vom 4. November 2016 in IV-act. 70 und
Taggeldverfügungen vom 25. November 2016 in IV-act. 73 und vom 16. Dezember
2016 in IV-act. 75). Diese Abklärung wurde per 13. Januar 2017 aus gesundheitlichen
Gründen abgebrochen (IV-act. 79 und Assessmentprotokoll / Verlaufsbericht der
Eingliederungsverantwortlichen in IV-act. 81-10). Dem Schlussbericht der Stiftung
B.b.
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F._ ist zu entnehmen, dass das Anfangspensum von 50% aufgrund häufiger,
krankheitsbedingter Absenzen des Versicherten nicht habe gesteigert werden können.
Quantitativ habe er die Arbeit in der Elektronikabteilung zufriedenstellend erledigt. Die
Kommunikation mit anderen Mitarbeitern und die Pausenzeiten seien des Öfteren sehr
ausgereizt worden. Qualitativ sei die Arbeit tadellos gewesen (IV-act. 79). Mit Mitteilung
vom 31. Januar 2017 verneinte die IV-Stelle einen weiteren Anspruch des Versicherten
auf berufliche Massnahmen (IV-act. 83).
Am 1. Februar 2017 nahm der Versicherte auf Überweisung seines Hausarztes hin
eine psychiatrische Behandlung bei Dr. med. H._, Klinik I._, auf (IV-act. 84-18).
Dieser äusserte gleichentags den Verdacht auf eine dissoziale Persönlichkeitsstörung
(ICD-10: F 60.2) und hielt fest, unter Mitberücksichtigung der geklagten körperlichen
Beschwerden, der Gehbehinderung und der schmerzbedingten Vermeidungshaltung
sowie drohender Dekompensation der Persönlichkeitsstörung sei mit dem Versicherten
eine integrative tagesklinische Behandlung vereinbart worden. Unmittelbar im
Anschluss an diese Behandlung sollten berufliche Massnahmen in die Wege geleitet
werden. Aus seiner Sicht sei dem Versicherten bei beginnender Dekompensation der
Persönlichkeitsstörung keine Stelle auf dem freien Wirtschaftsmarkt zuzumuten (IV-act.
84-20). Dr. B._ nannte Ende Februar 2017 zusätzlich zum Verdacht auf eine
dissoziale Persönlichkeitsstörung neu die Diagnosen einer Schlafstörung und eines
chronischen Lumbovertebralsyndroms bei flacher Diskushernie L5/S1. Bezüglich
Arbeitsfähigkeit hielt er fest, der Versicherte ermüde rasch. Die Leistungsfähigkeit
müsse noch abgeklärt werden, "bis jetzt" sei der Versicherte maximal 50% arbeitsfähig
(IV-act. 84-3; vgl. auch MRI der Wirbelsäule HWK7 - SWK 4 der Klinik für Radiologie
und Nuklearmedizin am KSSG vom 30. Januar 2017 in IV-act. 84-17).
B.c.
Dr. E._ beurteilte die medizinische Aktenlage am 2. Juni 2017 dahingehend,
dass der Versicherte die HIV-Infektion weiterhin regelmässig im Kantonsspital C._
kontrollieren lasse. Den diesbezüglichen Berichten zufolge sei das Virus vollständig
supprimiert und die Immunlage robust. Nach einer Therapieumstellung würden auch
fast keine Schlafstörungen mehr auftreten. Aus rein somatischer Sicht spreche nichts
gegen eine 75 bis 80%ige Arbeitsfähigkeit bei ganztägiger Präsenz. Eine
Leistungsminderung von etwa 20% sei aufgrund der Schlafstörungen, der erhöhten
Erschöpfbarkeit und anderer unspezifischer Symptome in Zusammenhang mit der HIV-
B.d.
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Erkrankung und der antiretroviralen Therapie plausibel. Aus psychiatrischer Sicht sei
die Behandlung in der Tagesklinik I._ abzuwarten (IV-act. 85-2). Am 13. Juni 2017
besuchte der Versicherte die Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des
KSSG wegen eines chronisch rezidivierenden "makulopapulösen Exanthems". Die
zuständigen Ärzte erwähnten in der Diagnoseliste unter anderem "lymphocytic
infiltration of the skin Jessner-Kanof (ICD-10:
L 93.0)" (dies entspricht gemäss der Klassifikation dem diskoiden Lupus
erythematodes, vgl. https://www.dimdi.de/static/de/klassifikationen/icd/icd-10-gm/
kode-suche/htmlgm2020/ block-l80-l99.htm, abgerufen am 13. August 2020) und
empfahlen eine medikamentöse Behandlung (IV-act. 89). Am 11. Juli 2017 retournierte
Dr. H._ der IV-Stelle das ihm zugestellte Formular zum Verlauf und teilte mit, dass der
Versicherte doch nicht bei ihm in Behandlung stehe, da die zuständige
Krankenversicherung die Kosten für die vorgesehene integrative tagesklinische
Behandlung nicht habe übernehmen wollen (IV-act. 88-2). Dr. E._ befand am 1.
September 2017, nach telefonischer Rücksprache mit dem Hausarzt Dr. B._ könne
ein ausreichend stabiler Gesundheitszustand bestätigt werden. Der Versicherte befinde
sich nicht in fachpsychiatrischer Therapie, was aus hausärztlicher Sicht auch nicht
dringlich erscheine. Im Vordergrund stünden die belastungsverstärkten
Rückenschmerzen und die neu aufgetretene dermatologische Symptomatik (IV-act.
94). Anlässlich einer Kontrolle im Kantonsspital C._ vom 25. Oktober 2017 erklärte
der Versicherte bezüglich der Hauterscheinungen, dass diese unter Einnahme des
Medikaments Plaquenil verschwunden seien. Die Ärzte stellten mit Bericht vom 26.
Oktober 2017 fest, dass es dem Versicherten abgesehen von seinen chronischen
Rückenschmerzen gesundheitlich gut gehe (IV-act. 100-38). Am 27. Oktober 2017
besuchte der Versicherte wegen seit Sommer 2017 auftretendem Herzrasen die
kardiologische Sprechstunde am KSSG, Spital J._, Innere Medizin, wo der
zuständige Arzt die Diagnose rezidivierendes Herzklopfen/-rasen ohne
Begleitsymptomatik stellte und festhielt, je nach Leidensdruck könne symptomatisch
ein Betablocker versucht werden (IV-act. 100-41 und 43).
Im Auftrag der IV wurde der Versicherte am 15. Januar 2018 in der ABI Aerztliches
Begutachtungsinstitut GmbH, Basel (nachfolgend: ABI), in den Disziplinen Allgemeine
Innere Medizin, Rheumatologie, Psychiatrie, Infektiologie und Neurologie abgeklärt (IV-
B.e.
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act. 91, 98 und 99). Die Fachärzte billigten im Gutachten vom 5. März 2018 einzig der
Diagnose HIV-Infektion CDC C3 und den HIV-assoziierten Krankheiten Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit des Versicherten zu (detailliert in IV-act. 100-32; zu den Diagnosen
ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vgl. IV-act. 100-33). Sie kamen in diesem
Gutachten zum Schluss, dass beim Versicherten für jegliche leichten bis
mittelschweren beruflichen Tätigkeiten eine 80%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit
bestehe, wobei das Pensum vollschichtig umgesetzt werden könnte mit leicht
erhöhtem Pausenbedarf und leicht reduziertem Rendement (IV-act. 100-35).
Dr. E._ beurteilte dieses Gutachten am 15. März 2018 als umfassend, sorgfältig
erstellt und in seinen Schlussfolgerungen widerspruchsfrei und konklusiv (IV-act. 102).
Gestützt darauf stellte die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom 16. April
2018 bei einem Invaliditätsgrad von 20% die Abweisung seines Rentenbegehrens in
Aussicht (IV-act. 106). Hiergegen wandte der Rechtsvertreter des Versicherten,
Fürsprecher Daniel Küng, am 13. Juli 2018 ein, der Versicherte leide an völlig
therapieresistenten lumbalen ziehenden Beschwerden mit Ausstrahlung in die untere
BWS und zum Teil in die rechte Flanke. Es sei von einem sozialen Rückzug in allen
Belangen auszugehen. Während der rheumatologische Gutachter eine stationäre
Therapie empfehle, erachte der psychiatrische Gutachter eine psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung nicht als zwingend notwendig. Für diesen
Widerspruch finde sich im Gutachten keine Erklärung. Nicht nachzuvollziehen sei auch,
dass sich der Gesundheitszustand von 2015 bis zum aktuellen Zeitpunkt um 10%
verbessert haben solle. Hinzu komme, dass der Versicherte sich im Gesundheitsfall mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit innerhalb der Tätigkeit eines
Montagearbeiters weiterentwickelt hätte. So sei bei einem 40-jährigen Montageleiter
mit einer Berufserfahrung von 15 Jahren von einem Lohn von rund Fr. 100'000.--
auszugehen. Damit hätte der Versicherte, selbst wenn man von dem von der IV-Stelle
angenommenen Invalidenlohn von Fr. 53'162.-- ausgehen würde, zumindest Anspruch
auf eine Viertelsrente (IV-act. 116). Am 13. August 2018 verfügte die IV-Stelle
entsprechend dem Vorbescheid die Abweisung des Rentenbegehrens. Zum Einwand
nahm sie dahingehend Stellung, dass vom Versicherten während seiner gesamten
Erwerbskarriere nicht annähernd ein Einkommen von Fr. 100'000.-- abgerechnet
worden sei. Die therapieresistenten Rückenschmerzen seien im Rahmen der
B.f.
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C.
Begutachtung sorgfältig abgeklärt worden. Die vom rheumatologischen Gutachter
empfohlene multimodale Rehabilitation sei nicht mit einer psychiatrischen Behandlung
zu verwechseln. Der geltend gemachte soziale Rückzug könne nicht nachvollzogen
werden, da der Versicherte Ferienreisen habe unternehmen und im Restaurant des
Partners regelmässig habe aushelfen können. Darüber hinaus sei er bei der beruflichen
Abklärungsmassnahme durch seine kommunikative Art gegenüber anderen
Mitarbeitern aufgefallen (IV-act. 119).
Gegen die Verfügung vom 13. August 2018 liess der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) durch seinen Rechtsvertreter am 7. September 2018 Beschwerde
erheben und unter Kosten- und Entschädigungsfolge deren Aufhebung beantragen.
Ihm sei eine ganze Invalidenrente ab wann rechtens, spätestens ab August 2016
zuzusprechen und zu entrichten. Eventualiter sei die Prozedur an die IV-Stelle
(nachfolgend Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen. Zudem sei ihm die unentgeltliche
Rechtspflege und -verbeiständung zu gewähren. Zur Begründung liess er anführen,
dass sein Lebensweg durch zahlreiche Stellenwechsel und Zeiten der Arbeitslosigkeit
gekennzeichnet sei. Damit werde die Vermutung nahegelegt, dass bei ihm seit der
Jugend gesundheitliche Auffälligkeiten und Einschränkungen bestanden haben
müssten. Es sei nicht verständlich, dass die Gutachter des ABI dem nicht
nachgegangen seien. Den von Dr. H._ geäusserten Verdacht auf eine dissoziale
Persönlichkeitsstörung habe der Gutachter des ABI damit verneint, dass er über Jahre
hinweg eine volle Leistungsfähigkeit an den Tag gelegt habe. Dem sei überhaupt nicht
so, was der Auszug aus dem Individuellen Konto (IK-Auszug) belege. Auch seine
persönlichen Beziehungen seien gekennzeichnet durch einen steten Wandel. Überdies
sei er auf der Suche nach sich selbst immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt
gekommen. Ins Bild passe auch die Auflösung der beruflichen Abklärung. Nur mache
man es sich viel zu einfach, von mangelnder Motivation auszugehen, anstatt den
Gründen für seine Verhaltensweisen nachzugehen. Eine sorgfältige und gründliche
Abklärung könne nur zur Annahme führen, dass er allein aufgrund seiner psychischen
Einschränkungen zu 100% arbeitsunfähig sei. Bezüglich des Valideneinkommens sei
davon auszugehen, dass er im Gesundheitsfall zumindest das Einkommen eines
Hauswarts verdienen könnte, welches in der Ostschweiz durchschnittlich rund Fr.
C.a.
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Erwägungen
1.
73'500.-- entspreche. Wieso die Schmerzverarbeitungsstörung nach den Kriterien des
Bundesgerichts überwindbar sein solle, sei dem Gutachten des ABI nicht zu
entnehmen. Es sei von einem sozialen Rückzug in allen Belangen auszugehen. Zu
seinem Lebenspartner und zu seiner Schwester, die ihm im Haushalt helfe, habe er
gute Kontakte. Sonst zu niemandem aus der Herkunftsfamilie. Auch aus dem
Motorradclub habe er sich zurückgezogen. Während der Rheumatologe des ABI eine
stationäre Therapie empfehle, erachte der Psychiater eine psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung nicht als zwingend notwendig. Dieser Widerspruch
sei nicht nachvollziehbar (act. G 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 31. Oktober 2018 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde und hielt zur Begründung fest,
der psychiatrische Gutachter habe sich mit den abweichenden Diagnosen befasst und
nachvollziehbar und schlüssig dargelegt, weshalb diese nicht erfüllt seien. Der Kontakt
zu den Mitgliedern des Motorradclubs sei nicht infolge sozialen Rückzugs abgebrochen
worden. Weitere Kontaktabbrüche seien nicht geltend gemacht worden (act. G 5).
C.b.
Dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung wurde
am 6. November 2018 entsprochen (act. G 6).
C.c.
In der Replik vom 19. März 2019 liess der Beschwerdeführer an seinen Anträgen
festhalten (act. G 16).
C.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine weitere Stellungnahme (vgl. act. G
17 und 18).
C.e.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der
Rentenanspruch des Beschwerdeführers. Es handelt sich um eine Wiederanmeldung
nach vorangegangener rechtskräftiger Rentenverweigerung. Der Beschwerdeführer
hatte im Rahmen der Anmeldung vom 7. Januar 2016 die Veränderung des
Gesundheitszustands und seiner persönlichen Situation seit der Verfügung vom 26.
August 2015 unstrittig glaubhaft gemacht und damit die Eintretenshürde des Art. 87
1.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/17
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Abs. 3 i.V.m. Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201)
überwunden.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.2.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.3.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.4.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
1.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/17
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2.
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a).
Die Beschwerdegegnerin stützte ihre nicht rentenbegründende
Invaliditätsbemessung auf das ABI-Gutachten vom 5. März 2018. Nachfolgend ist
dessen Beweiswert zu prüfen, wobei der Beschwerdeführer lediglich das
psychiatrische und das rheumatologische Teilgutachten bemängeln liess. Er vertrat in
der Beschwerde die Ansicht, er sei allein aufgrund seiner psychischen
Einschränkungen für sämtliche Tätigkeiten zu 100% arbeitsunfähig und die
therapieresistenten lumbalen ziehenden Beschwerden würden ihn zusätzlich
einschränken (act. G 1 S. 6). Bezüglich der übrigen Fachrichtungen (Allgemeine Innere
Medizin, Infektiologie und Neurologie) ist gestützt auf das Gutachten des ABI von der
arbeitsfähigkeitsrelevanten Diagnose der HIV-Infektion CDC C3 und den nicht
arbeitsfähigkeitsrelevanten Diagnosen einer chronischen Pansinusitis links und
Dysästhesie am lateralen linken Unterschenkel unklarer Ursache, eines Status nach
Herpes zoster C2-C4 rechts und Hepatitis B, eines intermittierenden, ätiologisch
unklaren Herzklopfens/Herzrasens, einer Lymphocytic infiltration of the skin Jessner-
Kanof, intermittierender Schwindelsymptome unklarer Ätiologie und einer chronischen
Diarrhoe auszugehen (IV-act. 100-32 f.). Die Einschätzung, dass aufgrund der
infektiologischen Grunderkrankung respektive der antiretroviralen Therapie beim
Beschwerdeführer seit Jahren eine 20%ige Einschränkung der Arbeits- und
Leistungsfähigkeit für jegliche berufliche Tätigkeit bestehe (vgl. IV-act. 100-33), ist
aufgrund der medizinischen Aktenlage ohne weiteres nachvollziehbar (vgl. IV-act.
100-9 bis 12), wird vom Beschwerdeführer nicht bemängelt und ist nicht zu
beanstanden. Zu prüfen gilt es demgegenüber, ob der Sachverhalt auch aus
psychiatrischer (nachfolgend: Erwägung 2.2) und rheumatologischer (nachfolgend:
Erwägung 2.3) Sicht hinreichend abgeklärt wurde.
2.1.
2.2.
Der Beschwerdeführer stand aktenkundig nach der Diagnosestellung der HIV-
Infektion im Jahr 2010 offenbar kurzzeitig in psychiatrischer Behandlung (vgl. IV-act.
2.2.1.
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84-20 und 100-16) und wurde am 1. Februar 2017 bei Dr. H._ vorstellig. Dieser erhob
die Verdachtsdiagnose einer dissozialen Persönlichkeitsstörung und erachtete eine
integrative tagesklinische Behandlung als indiziert (IV-act. 84-20). Mangels
Kostengutsprache durch die zuständige Krankenversicherung fand diese Behandlung
jedoch nicht statt (IV-act. 88-2). Auch nahm der Beschwerdeführer weder bei Dr. H._
noch bei einer anderen psychiatrischen Fachperson eine Behandlung auf. Gemäss
Auskunft des Hausarztes gegenüber der RAD-Ärztin vom Herbst 2017 erschien diesem
eine fachpsychiatrische Therapie des Beschwerdeführers nicht als dringlich (IV-act. 94).
Es ist vor diesem Hintergrund nachvollziehbar, dass die zuständige Ärztin vom RAD am
1. September 2017 zum Schluss kam, dass auch der psychische Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers stabil genug sei für eine Begutachtung. Grundsätzlich sah die
RAD-Ärztin auch aus psychiatrischer Sicht keine zwingenden Gründe, welche gegen
eine über 50%ige Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers sprachen. Aufgrund der
Vielschichtigkeit der gesundheitlichen Problematik des Beschwerdeführers empfahl sie
dennoch eine polydisziplinäre Begutachtung (IV-act. 94-2). Das vorliegend zu
würdigende psychiatrische Teilgutachten wurde von Dr. med. K._ erstellt, nachdem
er den Beschwerdeführer untersucht und die Vorakten studiert hatte (vgl. IV-act. 100-9
bis 12 und 15). Gegenüber diesem Gutachter hatte der Beschwerdeführer festgehalten,
keinen Psychiater zu brauchen. Er leide nicht unter Depressionen und habe auch keine
Ängste (IV-act. 100-16). Dr. K._ führte aus, der Beschwerdeführer habe vor allem
somatische Beschwerden mit im Vordergrund stehenden Schmerzen im
Bewegungsapparat beklagt (IV-act. 100-19). All die Probleme des Beschwerdeführers
mit nun auch finanzieller Abhängigkeit vom Sozialamt könnten auch psychisch zu
Enttäuschung führen. Insofern die Symptomatik aus somatischer Sicht nicht erklärt
werden könne, müsse aus psychiatrischer Sicht von einer Symptomausweitung im
Sinne einer Schmerzverarbeitungsstörung ausgegangen werden. Eine weitere
psychiatrische Diagnose könne nicht gestellt werden (IV-act. 100-18). Gegen die von
Dr. H._ als Verdacht formulierte Diagnose einer Persönlichkeitsstörung spreche vor
allem der Verlauf mit vor der Erkrankung normaler Sozialisation und voller
Leistungsfähigkeit während mehrerer Jahre. Eine Persönlichkeitsstörung manifestiere
sich früh, auf Dauer und sei dann im Verlauf im Schweregrad wenig veränderbar. Dem
Beschwerdeführer sei es aber früher möglich gewesen, sich ein lebenserhaltendes
Einkommen zu erwirtschaften. Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung würden oft
bereits in der Schule Probleme machen und dann spätestens im frühen
Erwachsenenalter immer wieder, so dass es wiederholt zu Beziehungsabbrüchen und
Einzelgängertum komme. Der Schweregrad einer Persönlichkeitsstörung ändere sich
im Verlauf wenig und sei kontinuierlich, es komme nicht zu einem phasischen Verlauf
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/17
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oder einer plötzlichen Dekompensation. Objektive psychopathologische Befunde
hätten im klinischen Untersuchungsgespräch nicht erhoben werden können (IV-act.
100-19). Beim Beschwerdeführer bestehe in allen seinen Fähigkeiten entsprechenden
und aus somatischer Sicht angepassten Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
ohne Leistungseinschränkung. Auch im Verlauf könne eine Arbeitsunfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht nicht bestätigt werden (IV-act. 100-18).
Bei den in Erwägung 2.2.1 dargelegten spärlichen psychiatrischen Vorakten,
dem Empfinden sowohl des Hausarztes als auch des Beschwerdeführers selber, dass
seine gesundheitlichen Probleme nicht in der psychiatrischen Fachrichtung zu finden
sind (vgl. vorstehend Erwägung 2.2.1), sowie mit Blick auf die erhobenen Befunde und
den Psychostatus ist nachvollziehbar, dass Dr. K._ neben der
Schmerzverarbeitungsstörung keine psychiatrische Diagnose stellen konnte. Das
Vorbringen in der Beschwerde, der Beschwerdeführer sei aus psychiatrischer Sicht
vollständig arbeitsunfähig, ist demgegenüber vor diesem Hintergrund nicht
nachvollziehbar. Seine von Dr. H._ abweichende Einschätzung hinsichtlich des
Vorliegens einer Persönlichkeitsstörung begründete Dr. K._ umfassend (vgl. IV-act.
100-18 f.) und nachvollziehbar. Dr. H._ erläuterte demgegenüber die von ihm als
Verdachtsdiagnose erhobene dissoziale Persönlichkeitsstörung in seinem Bericht vom
1. Februar 2017, der lediglich auf einem Untersuchungsgespräch beruhte, nicht (IV-act.
84-18 bis 21). Soweit der Beschwerdeführer diesbezüglich vorbringen lässt, es sei
nicht korrekt, dass er über Jahre hinweg voll leistungsfähig gewesen sei (act. G 1 S. 5),
ist darauf hinzuweisen, dass er selber Dr. H._ und den Gutachtern des ABI seine
Erwerbslaufbahn so beschrieb (vgl. IV-act. 84-19 sowie 100-13 und 16). Es ist sodann
aktenkundig, dass er offenbar in der Regelzeit eine Lehre zum Hauswart abschliessen
konnte (IV-act. 1-4 und 36-4; vgl. auch IV-act. 100-16) und im Anschluss daran zuerst
als Lieferwagen- und dann als LKW-Chauffeur tätig war. Bis ins Jahr 2011 sind
Chauffeurtätigkeiten dokumentiert (IV-act. 84-19 sowie IK-Auszug in IV-act. 42),
anschliessend war er mit befristetem Arbeitsverhältnis bis zum 29. Februar 2012 in der
Montage von Kühlgeräten tätig (IV-act. 5). Die dem IK-Auszug zu entnehmenden
Phasen von Arbeitslosigkeit (IV-act. 42) vermögen jedenfalls keine fehlende
Leistungsfähigkeit zu begründen, bedingt doch der Bezug von
Arbeitslosenentschädigung, dass der Ansprecher vermittlungsfähig ist und sich
engagiert um eine Arbeitsstelle bemüht. Soweit der Beschwerdeführer in der
Beschwerde seinen sozialen Rückzug betonen liess, ist mit der Beschwerdegegnerin
darauf hinzuweisen, dass dem Schlussbericht der Stiftung F._ vom 13. Januar 2017
zu entnehmen ist, dass der Beschwerdeführer die Kommunikation mit anderen
2.2.2.
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Mitarbeitern und die Pausenzeiten des Öfteren sehr ausgereizt habe (IV-act. 79). Auch
wies die Beschwerdegegnerin zu Recht darauf hin, dass der Rückzug aus dem
Motoradclub nicht aufgrund des psychischen Befindens des Beschwerdeführers,
sondern offenbar auf Wunsch der Mitglieder des Motoradclubs hin erfolgte (vgl. IV-act.
100-17). Zudem war dem Beschwerdeführer sein Führerschein entzogen worden und
er hatte aus finanziellen Gründen sein Motorrad verkaufen müssen (vgl. IV-act. 100-16
oben und 100-17). Der Beschwerdeführer liess sodann vorbringen, dem Gutachten sei
nicht zu entnehmen, wieso die diagnostizierte Schmerzverarbeitungsstörung
überwindbar sein solle nach den Kriterien des Bundesgerichts. Soweit er damit Bezug
nimmt auf die frühere sog. "Überwindbarkeitspraxis" des Bundesgerichts (vgl.
Entscheid 130 V 352), ist darauf hinzuweisen, dass diese Praxis von der sog.
"Indikatorenprüfung" (vgl. BGE 141 V 281 ff.) abgelöst worden und damit überholt ist.
Vor diesem Hintergrund ist auch in dieser Hinsicht kein Mangel im psychiatrischen
Teilgutachten des ABI erkenntlich. Soweit der Beschwerdeführer einen Widerspruch im
Gutachten darin sieht, dass der rheumatologische Gutachter eine multimodale
Rehabilitation empfahl, und der psychiatrische Gutachter eine psychiatrisch-
psychotherapeutische "als nicht zwingend notwendig" erachtete, ist auf die
nachvollziehbare Stellungnahme der RAD-Ärztin Dr. E._ zu verweisen. Sie erklärte am
10. August 2018 diesbezüglich im Rahmen des Einwandverfahrens, bei Ersterer handle
es sich nicht um eine stationäre psychiatrische Behandlung, sondern sie beinhalte
neben einer muskulären Rekonditionierung und der Schulung ergonomischer
Bewegungsabläufe die Vermittlung von Coping-Strategien und eine Reflexion des
Schmerzverhaltens (IV-act. 118-1).
Insgesamt ist das psychiatrische Gutachten in seiner Schlussfolgerung, dass der
Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht nicht in seiner Arbeitsfähigkeit
eingeschränkt ist, nachvollziehbar und schlüssig. Nach dem Gesagten ist gestützt auf
das Gutachten aus psychiatrischer Sicht von keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
auszugehen und folglich auf die somatische Arbeitsfähigkeit abzustützen.
2.2.3.
Der Beschwerdeführer empfindet die Rückenschmerzen als limitierenden Faktor
hinsichtlich seiner Arbeitsfähigkeit (vgl. beispielsweise IV-act. 100-17). Gemäss den
Akten steht er diesbezüglich nicht in fachärztlicher, sondern in hausärztlicher
Betreuung. Das sich mit diesen Schmerzen befassende rheumatologische
Teilgutachten wurde von Dr. med. L._, FMH Rheumatologie, erstellt, nachdem dieser
die Vorakten, insbesondere auch das MRT der Wirbelsäule vom 30. Januar 2017,
studiert (vgl. IV-act. 100-9 bis 12 sowie 23) und den Beschwerdeführer untersucht (IV-
act. 100-21 bis 23) hatte. Der Facharzt beurteilte die bildgebende Untersuchung vom
2.3.
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30. Januar 2017 dahingehend, dass der Spinalkanal völlig normal dargestellt sei, die
Lendenlordose sei leicht abgeschwächt, ansonsten zeige sich ein normales
thorakolumbales Alignement. Im Segment LWK4/5 bestehe eine leichte Dehydration,
betont im Segment LWK5/SWK1 mit diskreter Bandscheibenprotrusion im
lumbosakralen Übergang, ohne jegliche Kompression von neuralen Strukturen. Es
zeigten sich eine völlig unauffällig darstellbare Neuroforamina, keine Chondrosen,
Osteochondrosen oder Facettengelenksarthrosen und keine entzündlichen
Veränderungen. Insgesamt handle es sich weitgehend um ein normales
altersentsprechendes MRT der thorakalen und lumbalen Wirbelsäule (IV-act. 100-23).
Dr. L._ erhob eine umfassende Anamnese (siehe Details in IV-act. 100-22 f.) und hielt
im Anschluss fest, klinisch zeige sich eine sehr diskrete Wirbelsäulenfehlhaltung und -
fehlform sowie eine muskuläre Dekonditionierung, vor allem am Achsenskelett. Die
segmentale lumbale Untersuchung habe eine relativ erhebliche
Bewegungseinschränkung ergeben (vgl. dazu IV-act. 100-24 Mitte), bei subjektiver
Angabe des Beschwerdeführers, dass alle Bewegungsrichtungen die gleichen
verstärkten Lumbalgien verursachen würden. In Bezug auf die Flexion habe sich im
Status eine klare Diskrepanz gezeigt, indem zu Beginn des im Stehen durchgeführten
Finger-Boden-Abstandes eine Messung von 65 cm durchgeführt worden sei. Während
des liegenden Status habe der Beschwerdeführer sich selbständig in die
Langsitzposition begeben können, wobei ein Abstand Fingerspitzen-Fusssohle von 25
cm festgestellt worden sei. In dieser maximalen Langsitzposition habe der
Beschwerdeführer keine relevant verstärkten Lumbalgien beklagt. Bei nochmaliger
Prüfung des Finger-Boden-Abstands nach vorne habe sich ein solcher von 45 cm mit
nachfolgend klar verstärkt geschilderten Lumbalgien ergeben. Da rein biomechanisch
die Bewegungsart bei Flexion der LWS - sei es im Langsitz oder im Stehen - identisch
sei, könne diese Diskrepanz somatisch-orientiert nicht erklärt werden, sodass unter
Berücksichtigung des weitgehend normalen, altersentsprechenden MRT eine deutliche
psychosoziale Überlagerung des Schmerzbildes zu diskutieren sei. Die zum Teil
demonstrierte erhebliche Bewegungseinschränkung sei in diesem Sinne aufgrund des
MRT pathoanatomisch nicht zu erklären. Rein klinisch könne eine gewisse Dysfunktion
(Blockade) im lumbosakralen Übergang diskutiert werden, eine solche Dysfunktion sei
aber sicher nicht geeignet, die monatelangen therapieresistenten Beschwerden
adäquat zu erklären (IV-act. 100-24). Die sonstigen Bewegungsprüfungen im Bereich
der thorakalen Wirbelsäule hätten eine leichte schmerzhafte Einschränkung ergeben,
vor allem der Rotation nach rechts. Hier könne differentialdiagnostisch allenfalls eine
persistierende Blockade der costotransversalen Gelenke der unteren BWS zumindest
diskutiert werden. Die HWS sei ebenso unauffällig gewesen wie die peripheren Gelenke
an den oberen sowie unteren Extremitäten (IV-act. 100-25). Insgesamt gelangte Dr.
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3.
Unstreitig ist die Invaliditätsbemessung nach der Methode des Einkommensvergleichs
gemäss Art. 16 ATSG vorzunehmen. Der Beschwerdeführer erzielte gemäss IK-Auszug
jährliche Einkünfte, welche stets unter dem statistischen Durchschnittseinkommen von
männlichen Hilfsarbeitern von Fr. 66'803.-- im Jahr 2016 (vgl. Anhang 2 der von der
Informationsstelle AHV/IV herausgegebenen Textausgabe zum IVG, Ausgabe 2019)
lagen (vgl. IV-act. 42). Ein Abstellen auf ein höheres als dieses
Durchschnittseinkommen rechtfertigt sich vor diesem Hintergrund nicht. Um das
beantragte Einkommen eines Hauswartes (vgl. act. G 1 S. 6) hinzuziehen zu können,
müsste mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein, dass der Beschwerdeführer
diese Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht weitergeführt hat - was nicht der
L._ zum Schluss, dass der Beschwerdeführer an einem unspezifischen
lumbovertebralen Schmerzsyndrom leide mit klinischer Dysfunktion im lumbosacralen
Übergang, leichter Wirbelsäulenfehlform mit muskulären Dysbalancen mit
Abschwächung der abdominellen und rückenstabilisierenden Muskelgruppen, diskreter
Bandscheibenprotrusion im Segment LWK5/SWK1 ohne Kompression von neuralen
Strukturen und ohne klinische Hinweise für sensomotorische Defizite. Dieses
Schmerzsyndrom zeitigte laut Dr. L._ keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers (IV-act. 100-23 f.). Gegenteilige fachärztliche Meinungen, welche
objektiv feststellbare Gesichtspunkte zu Tage fördern könnten, welche im Rahmen
dieser rheumatologischen Begutachtung unerkannt geblieben und geeignet wären, zu
einer anderen Beurteilung zu führen, finden sich nicht in den Akten. Der
Beschwerdeführer bringt denn auch nichts Konkretes gegen dieses Teilgutachten vor.
Das rheumatologische Teilgutachten ist umfassend, beruht auf eigenen
Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden und die Vorakten, ist in
der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge einleuchtend und die
Schlussfolgerungen sind begründet, womit ihm Beweiswert zukommt (vgl. hierzu BGE
125 V 352 E. 3a mit Hinweis).
Bei dieser Aktenlage gelingt dem Beschwerdeführer der Nachweis, dass aus
psychiatrischer oder rheumatologischer Sicht die Arbeitsfähigkeit mindernde
Beeinträchtigungen bestehen, nicht. Auch ist nicht davon auszugehen, dass
diesbezüglich weitere Abklärungen eine Objektivierung ermöglichen könnten. Nach
dem Gesagten ist beim Beschwerdeführer spätestens ab der vorliegend relevanten
zweiten Anmeldung bei der IV-Stelle Anfang 2016 von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in
leichten bis mittelschweren Tätigkeiten auszugehen (vgl. IV-act. 100-35 sowie
vorstehend Erwägungen 2.1, 2.2.3 und 2.3).
2.4.
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Fall ist (vgl. vorstehend E. 2.2.2). Angesichts der 80%igen Arbeitsfähigkeit kann sodann
die genaue Bemessung des Invaliditätsgrades und eines allfälligen Tabellenlohnabzugs
offenbleiben, zumal bei Vornahme eines Prozentvergleichs selbst ein Abzug von 20%
nicht rentenbegründend wirkt (Invaliditätsgrad von 36%) und ein höherer Abzug
vorliegend offenkundig nicht in Frage kommt.
4.