Decision ID: 43d58436-991f-4a39-a830-a9f6b7546223
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1967, absolvierte eine Lehre zum uniformierten Post
beamten und erlangte später das Handelsdiplom (Urk. 7/5 und 7/16-18). Von April 2010 bis Januar 2016 war er am Y._ als Sachbear
beiter in der Debitorenbewirtschaftung angestellt (Urk. 7/18, 7/32 und 7/107/49). Unter Hinweis auf ein Thoracic-outlet-Syndrom links sowie Beein
trächtigungen der Bandscheiben meldete er sich am 1. Juni 2012 bei der Invali
denversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/5). Die Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte in der Folge nebst einem Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug; Urk. 7/12) einen Arbeitgeberfragebogen (Urk. 7/32) sowie diverse Arztberichte (Urk. 7/3, 7/14, 7/23 und 7/28) ein. Mit Schreiben vom 17. April 2013 teilte sie dem Versicherten mit, dass kein Anspruch auf berufliche Massnahmen wie namentlich eine Umschulung bestehe (Urk. 7/26). Im Weiteren gab die IV-Stelle bei der Z._ ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag (Z._-Gutach
ten samt ergänzender Stellungnahme vom 14. Oktober 2013; Urk. 7/51 f.). Mit Vorbescheid vom 19. November 2013 stellte sie dem Versicherten die Abwei
sung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 7/56), wogegen jener am 5. Dezember 2013 sowie ergänzend am 30. Januar und 3. Februar 2014 Ein
wand erhob (Urk. 7/61, 7/67 und 7/69). Nach Eingang weiterer Arztberichte (Urk. 7/68 und 7/76) und einer weiteren Stellungnahme der Z._-Experten (Urk. 7/70) liess die IV-Stelle den Versicherten wiederum bei der Z._ interdis
ziplinär untersuchen (Z._-Gutachten vom 29. September 2015; Urk. 7/95). Am 1. April 2016 verfügte die IV-Stelle sodann im Sinne des Vorbescheids (Urk. 7/102 = Urk. 2). Gestützt auf ein psychiatrisches Gutachten von Dr. med. A._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 14. April 2016 (Urk. 7/103 = Urk. 3/3) stellte der Versicherte am 19. April 2016 ein Wie
dererwägungsgesuch (Urk. 7/104), auf welches die IV-Stelle mit Verfügung vom 28. April 2016 nicht eintrat (Urk. 7/106).
2.
Gegen die Verfügung vom 1. April 2016 (Urk. 2) erhob X._ am 4. Mai 2016 Beschwerde (Urk. 1) mit den Rechtsbegehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihm sei eine Invalidenrente nach den gesetz
lichen Bestimmungen zuzusprechen. Eventualiter sei die Angelegenheit zwecks Erstellung eines Obergutachtens an die IV-Stelle zurückzuweisen. Mit Beschwerdeantwort vom 7. Juni 2016 ersuchte die IV-Stelle um Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), worüber der Versicherte mit Verfügung vom 8. Juni 2016 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 8).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
[
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 A
TSG) sind.
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Was Parteigutachten anbelangt, rechtfertigt der Umstand allein, dass eine ärzt
liche Stellungnahme von einer Partei eingeholt und in das Verfahren einge
bracht wird, keine Zweifel an ihrem Beweiswert. Auch Parteigutachten enthal
ten Äusserungen eines Sachverständigen, die zur Feststellung eines medizi
nischen Sachverhaltes beweismässig beitragen können. Daraus folgt indessen nicht, dass eine solche Expertise den gleichen Rang besitzt wie ein vom Gericht oder von der Verwaltung im Rahmen des Abklärungsverfahrens eingeholtes Gutachten. Trotz dieser beschränkten Bedeutung verpflichtet es - wie jede sub
stantiiert vorgetragene Einwendung gegen eine solche Expertise - das Gericht, den von der Rechtsprechung aufgestellten Richtlinien für die Beweiswürdigung folgend zu prüfen, ob das Parteigutachten in rechtserheblichen Fragen die Auf
fassungen und Schlussfolgerungen des vom Gericht oder von der Verwaltung förmlich bestellten Gutachters derart zu erschüttern vermag, dass davon abzu
weichen ist (BGE 125 V 351 E. 3b/dd und c sowie Urteil des damaligen Eidge
nössischen Versicherungsgerichts I 750/05 vom 7. April 2006 E. 1.3).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 1. April 2016 (Urk. 2) stellte sich die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen auf den Standpunkt, die Z._-Gutachter hätten in ihrer Expertise vom 14. Oktober 2013 keine medizinischen Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gestellt. Dementsprechend liege kein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden vor und es bestehe auch kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (S. 1 f.).
Unter Bezugnahme auf die seitens des Versicherten im Vorbescheidverfahren erhobenen Einwände und neu eingereichten medizinischen Unterlagen hielt die IV-Stelle im Weiteren fest, dass diese Dokumente der Z._ zunächst zur Stel
lungnahme vorgelegt worden seien. Die Gutachter seien zur Auffassung gelangt, dass keine neuen schlüssigen Befunde oder Beurteilungen vorliegen würden, welche die psychiatrische Teilexpertise in Frage zu stellen vermögen. In der Folge sei bei der Z._ ausserdem ein interdisziplinäres Verlaufsgutachten eingeholt worden, auf welches abgestellt werden könne. Demnach lägen nach wie vor keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vor. Das psychi
atrische Parteigutachten ändere am Beweisergebnis nichts und von weiteren Abklärungen seien keine neuen Erkenntnisse mehr zu erwarten (S. 2).
2.2
Hiergegen brachte der Versicherte in seiner Beschwerdeantwort vom 4. Mai 2016 (Urk. 1) zur Hauptsache vor, die Z._-Gutachter hätten sich nicht oder nur unzureichend mit den Indikatoren gemäss BGE 141 V 281 auseinandergesetzt, weshalb die Expertise beweisrechtlich nicht verwertbar sei. Das Gutachten von Dr. A._ erfülle hingegen sowohl formell als auch materiell die Anforderun
gen an die bundesgerichtliche Rechtsprechung und weise einen invalidisieren
den Gesundheitsschaden aus. Demzufolge bestehe ein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung. Sofern das Gericht zur Erkenntnis gelangen sollte, dass auch dem Z._-Gutachten Beweiswert zukomme, sei die Sache aufgrund der gegenteiligen Beurteilungen zur Erstellung eines Obergutachtens an die IV-Stelle zurückzuweisen (S. 7 ff.).
3.
3.1
Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers lässt sich anhand der Aktenlage im Wesentlichen wie folgt zusammenfassen:
Dr. med. B._, Facharzt für Neurologie, diagnostizierte am 31. Januar 2012 ein neurogenes Thoracic-outlet-Syndrom links mit leichtgradi
ger unterer Armplexusparese links (Urk. 7/3/2). Der Versicherte habe insbeson
dere von einem dumpfen „Ziehen und Stechen“ im linken Arm mit inkonstanter Taubheit des Ringfingers und des kleinen Fingers berichtet. Begleitend bestehe eine leichte Kraftlosigkeit des linken Arms (Urk. 7/3/3).
3.2
Dr. med. C._ stellte in seinem Bericht vom 13. Juli 2012 zusätzlich eine längere Anpassungsstörung mit depressiver und ängstlicher Reaktion (ICD-10 F43.22) fest (Urk. 7/14/1). Der Beschwerdeführer zeige typische Symptome von Depression und Überforderung am Arbeitsplatz mit psychischer wie körperlicher Müdigkeit, Reizbarkeit, Konzentrations- und Schlafstörungen sowie Vergess
lichkeit. Vom 23. Januar bis 28. Februar 2012 sei die Arbeitsfähigkeit zu 100 % und seit März 2012 zu 50 % eingeschränkt. Diese Beeinträchtigung bestehe sicherlich noch ein bis zwei Monate fort (Urk. 7/14/2 f.).
3.3
Im Rahmen seiner vertrauensärztlichen Untersuchungen vom 19. Juli 2012 und 31. Januar 2013 attestierte Dr. med. D._, Facharzt für Kardiologie und Allgemeine Innere Medizin, ebenfalls eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 7/28/11 und 7/28/23). Diagnostisch wies er dabei insbesondere auf das neurogene Thoracic-outlet-Syndrom, vegetative Begleitbeschwerden sowie eine Burnout-Symptomatik hin (Urk. 7/28/9 und 7/28/22) und ging in seiner Stel
lungnahme vom 31. Januar 2013 von einer bleibenden Einschränkung aus (Urk. 7/28/25).
3.4
Dem polydisziplinären Z._-Gutachten vom 14. Oktober 2013 (Urk. 7/51) lassen sich verschiedene Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ent
nehmen, so namentlich (Urk. 7/51/24):
-
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21)
-
Chronische Beschwerden an adominanter linker oberer Extremität und Halswirbelsäule (ICD-10 M79.60/M54.2)
-
Symptomausweitung (ICD-10 F54), Differentialdiagnose im Rahmen einer Somatisierungs- respektive dissoziativen Störung.
Aus internistischer Sicht führte Prof. Dr. med. E._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, aus, dass weder die intermittierend nachts verspür
ten Abdominalbeschwerden noch das leicht erhöhte Serumkreatinin die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen würden. Im Vordergrund stehe die Problematik im Bereich des linken Armes und der linken Gesichtshälfte, welche aus spezial
ärztlicher Sicht zu beurteilen sei (Urk. 7/51/8).
Dr. med. F._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, äus
serte sich dahingehend, dass der Explorand über eine erhöhte Ermüdbarkeit mit Konzentrationsstörungen und Kopfschmerzen sowie eine Sensibilitätsstörung im linken Arm geklagt habe. Trotz verschiedener lebensgeschichtlicher Belastungs
situationen fühle sich der Versicherte nicht psychisch krank, sondern sei über
zeugt, unter Beschwerden mit einer somatischen Ursache zu leiden. Im Gespräch habe er eher untergründig leicht depressiv gewirkt, wobei in den Akten eine depressive Symptomatik mit einer Anpassungsstörung dokumentiert sei. Diese könne bestätigt werden. Eine psychische Überlagerung im Sinne einer Somati
sierung sei vor diesem Hintergrund möglich (Urk. 7/51/11). Weiter hätten sich etwas akzentuierte Persönlichkeitszüge eruieren lassen, wobei die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nicht gestellt werden könne. Insgesamt liege keine schwere psychische Störung vor, weshalb die Arbeitsfähigkeit nicht einge
schränkt sei (Urk. 7/51/12).
Gemäss orthopädischer Beurteilung von Dr. med. G._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, hätten sich die vom Exploranden geklagten Beschwerden in keiner Weise nachvollzie
hen lassen. Auf radiologischer Ebene seien zwar deutliche degenerative Verän
derungen der unteren Halswirbelsäule dokumentiert worden, jedoch würde es an klaren Hinweisen für eine Neurokompression oder Myelopathie mangeln. Die fehlenden Zeichen längerdauernder Schonung des linken Arms würden ferner gegen die als erheblich geschilderten Einschränkungen im Alltag sprechen, sodass eine deutliche Schmerzausweitung angenommen werden könne. Es handle sich vordergründig um ein neurogenes Leiden. Sowohl für die ange
stammte Tätigkeit wie auch für jede andere körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit liege aus orthopädischer Sicht eine zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit vor (Urk. 7/51/17).
Dr. med. H._, Facharzt für Neurologie, wies darauf hin, dass der aktuelle neurologische Befund auf jeden Fall nicht mit einer orga
nischen Läsion peripherer oder zentraler Lokalisation vereinbar sei. Die Ober- und Unterarmmuskulatur sei seitengleich ausgeprägt bei gut erhältlichen Refle
xen. Im Weiteren würden trophische Störungen fehlen. Bei den Kraftprüfungen hätten sich Inkonsistenzen und teilweise eine Innervierung des Antagonisten feststellen lassen. Es stelle sich die Frage einer dissoziativen Bewegungs- und Empfindungsstörung, welche in das psychiatrische Fachgebiet falle. Aus neuro
logischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt (Urk. 7/51/20).
In der neuropsychologischen Untersuchung durch lic. phil. I._ habe der Versicherte sodann in sämtlichen geprüften Bereichen durchschnittliche bis überdurchschnittliche Resultate erzielt, weshalb keine Diagnose gestellt werden könne und die Arbeitsfähigkeit aus neuropsychologischer Sicht nicht einge
schränkt sei (Urk. 7/51/23).
Im polydisziplinären Konsens kamen die Gutachter zum Schluss, dass der Beschwerdeführer unter einem Beschwerdekomplex leide, der aus somatischer Sicht nicht objektiviert werden könne. Bei fehlender psychiatrischer Komorbi
dität mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit sei beim Versicherten von einer 100%igen Arbeits- und Leistungsfähigkeit sowohl in der angestammten Tätig
keit im kaufmännischen Bereich als auch in sämtlichen anderen körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeiten auszugehen (Urk. 7/51/26).
3.5
Dr. C._ merkte in seiner Stellungnahme vom 29. Januar 2014 an, dass entge
gen den Einschätzungen der Z._-Gutachter eine psychiatrische Komorbidität - am ehesten in Form von rezidivierenden depressiven Episoden (ICD-10 F33) - vorliege. Ferner habe sich das Arbeitspensum von 50 % als gerade richtig erwiesen. Mehr Leistung sei dem Versicherten aufgrund des Konzentrations
mangels und der Erschöpfung nicht möglich gewesen (Urk. 7/68/5). Der Arbeitswille und die Anstrengungsbereitschaft des Versicherten seien im Z._-Gutachten in keiner Weise gewürdigt und bei der Einschätzung der Arbeitsfä
higkeit berücksichtigt worden (Urk. 7/68/6). Die Gesamtbeurteilung mit der Annahme einer voll erhaltenen Arbeitsfähigkeit und Belastbarkeit entspreche nicht den klinischen Wahrnehmungen der behandelnden Fachpersonen und die Argumentation der Gutachter sei in dieser Hinsicht weder nachvollziehbar noch überzeugend (Urk. 7/68/7).
3.6
Bezugnehmend auf diese Kritik äusserten sich die Z._-Experten am 15. Mai 2014 dahingehend, dass die von Dr. C._ gestellte Diagnose einer mittelgradi
gen Depression nicht auf objektiven Befunden, sondern einzig auf subjektiven Angaben des Versicherten beruhe. Im psychiatrischen Teilgutachten sei klar begründet worden, weshalb von einer leichten depressiven Symptomatik auszu
gehen sei (Urk. 7/70/1). Insbesondere sei kein deutlicher phasischer Verlauf mit auch symptomfreien Intervallen, wie dies für eine rezidivierende depressive Störung notwendig wäre, fachärztlich ausgewiesen. Der vom Versicherten gegenüber Dr. C._ angegebene Konzentrationsmangel und die Erschöpfung hätten anlässlich der Begutachtung gerade nicht objektiviert werden können. Insgesamt würden aus psychiatrischer Sicht keine neuen schlüssigen Befunde oder Beurteilungen vorliegen, welche die psychiatrische Teilexpertise in Frage stellen könnten (Urk. 7/70/2).
3.7
Im polydisziplinären Z._-Gutachten vom 29. September 2015 (Urk. 7/95) wur
den insbesondere die folgenden Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (Urk. 7/95/24):
-
Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10 F54)
-
Dissoziative sensomotorische Störung am linken Arm (ICD-10 F44.7)
-
Chronisches linksseitiges Zervikalsyndrom (ICD-10 M47.82)
-
Anamnestisch osteochondrische Veränderungen Halswirbelkörper 5-7 (ICD-10 M42.12).
Gegenüber Dr. med. J._, Facharzt für Allgemeine Innere Medi
zin, habe der Versicherte angegeben, seit dem 7. Januar 2012 unter einem „Lähmungsgefühl“ im linken Arm sowie einer Gefühlsstörung im linken Ring- und Kleinfinger zu leiden, nachdem plötzlich heftige nadelstichartige Schmer
zen im Brustbereich aufgetreten seien. Er könne den Arm zwar bewegen; dieser sei jedoch bis in den linken Schulterbereich gefühllos. Er verspüre ausserdem konstant ziehende bis stechende Schmerzen mit Ausstrahlung bis in die linke Kopfseite und teilweise bis in die rechte Schläfenregion. Die Intensität der Schmerzsymptomatik im linken Arm und Kopfbereich sei mit 8 auf der 10er Analogskala angegeben worden (Urk. 7/95/7 f.). Die Befunde im allgemeininter
nistischen Status seien gemäss Dr. J._ unauffällig gewesen, was auch hinsichtlich der Ergebnisse der Blutuntersuchung gelte. Aus allgemeininter
nistischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit daher nicht eingeschränkt (Urk. 7/95/9).
Dr. med. K._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt im psy
chiatrischen Teilgutachten fest, der Explorand habe sich dahingehend geäussert, dass es ihm psychisch gut gehe. Er habe über Beschwerden im linken Arm-, Schulter- und Kopfbereich berichtet. In den ersten zwei Jahren seit deren Auf
treten habe er Mühe gehabt, die Schmerzen zu akzeptieren, sei zum Teil depres
siv gewesen und habe sich zurückgezogen. Nun könne er besser mit seinen Beschwerden umgehen. Psychisch gehe es ihm wieder gut und er nehme auch keine Antidepressiva mehr ein (Urk. 7/95/10). Während der Untersuchung sei die Stimmung ausgeglichen und die Psychomotorik lebhaft gewesen. Antriebs
störungen hätten sich nicht finden lassen. Der Explorand habe einen wachen, bewusstseinsklaren Eindruck gemacht. Zeitlich, örtlich, situativ und zur eigenen Person sei er gut orientiert gewesen. Während der ganzen Untersuchung habe er keine Zeichen von Konzentrationsschwäche gezeigt und auf die gestellten Fra
gen gut eingehen können. Die Merkfähigkeit und die Gedächtnisleistungen seien intakt gewesen. Anhaltspunkte für wahnhaftes Denken, Wahnvorstellun
gen oder Halluzinationen hätten sich nicht eruieren lassen. Der Versicherte habe zudem weder über Zwangsgedanken, Zwangshandlungen, Phobien, Ängste,
Sui
zidgedanken oder Veränderungen der Stimmung und des Antriebs im Laufe des Tages berichtet (Urk. 7/95/12).
Das Ausmass der geklagten Beschwerden und die subjektive Krankheitsüberzeu
gung, nur noch 50 % arbeiten zu können, hätten durch die somatischen Befunde nicht hinreichend objektiviert werden können, weshalb eine psychische Überlagerung angenommen werden müsse. Der Versicherte klage aber nicht über einen schweren Schmerz, der ihn im Alltag völlig einschränke und sei psychosozial oder emotional nicht belastet. Die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung könne daher nicht gestellt werden. Das Symp
tom Schmerz stehe im Vordergrund, die Klagen über Sensibilitäts- und moto
rische Einbussen seien im Rahmen einer Schmerzverarbeitungsstörung zu sehen. Soweit sie somatisch nicht hinreichend objektiviert werden können, seien sie in das Krankheitsbild einer dissoziativen Störung einzuordnen. Insgesamt würden jedoch weder die Schmerzverarbeitungs- noch die dissoziative Störung nach Evaluation der Indikatoren gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen. Der Versicherte könne in der Regel gut schlafen und habe morgens keine Mühe aufzustehen. Vormittags arbeite er, ruhe sich dann circa eine Stunde aus und kümmere sich nachmittags um den Haushalt, welchen er bis auf schwere Arbeiten selbständig führe, oder besuche seine zahlreichen Therapien. Er pflege auch rege soziale Kontakte und führe seit einem Jahr eine Beziehung mit seinem Freund. In seiner Freizeit löse er vor allem Denksportaufgaben, sehe fern oder treffe sich mit Freunden (Urk. 7/95/13).
Dr. med. L._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatolo
gie des Bewegungsapparates, wies darauf hin, dass die orthopädische Detail-
un
tersuchung des Rumpfes und der Beine keine wesentlichen Pathologien ergeben habe. Am rechten Arm habe sich eine freie Beweglichkeit sämtlicher Gelenke bei guter Kraftentfaltung gezeigt. Der linke Arm sei hingegen kaum aktiv ein
gesetzt worden. Passiv bestehe eine praktisch freie Beweglichkeit, doch habe der Versicherte beim Führen des linken Arms über die Horizontale nadelstichartige Schmerzen an linken Nacken- und Kopfhälfte angegeben. Dies lasse sich aus orthopädischer Ebene nicht ausreichend erklären; es werde auf die neurolo
gische Beurteilung verwiesen. Auffallend sei allerdings, dass der Explorand trotz der anamnestisch mehrjährigen weitgehenden Funktions
losigkeit des lin
ken Arms ein nahezu symmetrisches Relief von Schultern und Armen aufweise. Seine Angabe, durch passives beziehungsweise aktiv-assistiertes Bewegungs
training mittels eines Flaschenzuges ein Umfangsdefizit von 8 cm am Oberarm kompensiert zu haben, sei nicht plausibel nachvoll
ziehbar. Zusammenfassend lasse sich die vom Beschwerdeführer angegebene Problematik am linken Arm mit einer weitgehenden Funktionslosigkeit im Alltag aus orthopädischer Sicht nicht ausreichend begründen. Entsprechend könne auch kein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit abgeleitet werden. Allgemein seien körperlich leichte bis mit
telschwere Tätigkeiten, bei denen eine Hebe- und Tragelimite von 15 Kilo
gramm nur ausnahmsweise und eine solche von 20 Kilogramm nicht über
schritten werde und keine repetitiven Bewegungen der Arme oberhalb der Hori
zontalen vorkämen, uneingeschränkt zumutbar (Urk. 7/95/17 f.).
Aus neurologischer Sicht führte Dr. med. M._, Facharzt für Neurolo
gie, aus, dass die präsentierten Einschränkungen des linken Arms weder mit einer peripheren neurogenen Läsion (Plexusneuropathie) noch mit einer zentra
len Störung des Nervensystems erklärt werden könnten. Bei der Prüfung der Motorik habe der Versicherte eine stark ausgeprägte Verlangsamung und hoch
gradige Schwäche am linken Arm gezeigt, wobei es zur Gegeninnervation gekommen sei. Später hätten jedoch beim Ankleiden rasche, gezielte Bewe
gungsabläufe beobachtet werden können. Im Weiteren spreche die fehlende muskuläre Atrophie am linken Arm dafür, dass dieser deutlich mehr eingesetzt werde, als dies vom Exploranden berichtet werde. Unter Berücksichtigung der Untersuchungsresultate und der beschriebenen Aggravation könne davon aus
gegangen werden, dass es sich um eine funktionelle Störung am linken Arm handle. Bezüglich der linksseitigen Nackenschmerzen fänden sich klinische Hinweise auf ein leichtes bis mässiges Zervikalsyndrom. Im Ergebnis attestierte Dr. M._ keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus neurologischer Sicht (Urk. 7/95/21).
Im interdisziplinären Konsens kamen die Z._-Gutachter zum Schluss, dass der Versicherte für die angestammte Tätigkeit im Bürobereich wie auch für eine andere körperlich leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit zu
100 % arbeits- und leistungsfähig sei. Aufgrund der subjektiven Krankheits
überzeugung des Exploranden sei die Prognose für eine vollständige Wiederein
gliederung in den Erwerbsprozess unsicher. Es bestehe ein verdeutlichendes, aggravierendes Verhalten (Urk. 7/95/26).
3.8
Dr. med. A._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnosti
zierte in seinem psychiatrischen Gutachten vom 14. April 2016 eine dissoziative Störung (ICD-10 F44.7), welche sich auf die Arbeitsfähigkeit aus
wirke. Dies sei demgegenüber in Bezug auf die ebenfalls festgestellte Schmerz
verarbeitungsstörung (ICD-10 F54) nicht der Fall (Urk. 7/103/36).
Der Versicherte habe geschildert, dass er sich wie immer erschlagen fühle. Er verspüre ein Ziehen und Stechen im linken Arm. Dieses gehe vom Handgelenk zum Arm herauf bis zur Schulter und Nacken sowie bis zur linken Schädel
hälfte. Es würden nach wie vor Funktionseinbussen bestehen. Er könne seinen linken Arm nicht über die Höhe der Schulter bewegen und die Kraft sei eben
falls eingeschränkt, wobei er diese durch unterschiedliche Therapien habe stei
gern können. Sensibilitätsstörungen seien zum Teil vollständig vorhanden, er spüre kaum etwas bis gar nichts. So habe er sich beispielsweise in der Weih
nachtszeit 2014 sehr stark am heissen Backofen verbrannt, ohne es zu merken. Die Bewältigung des Alltags sei recht anstrengend. Dem Exploranden sei es oft übel; psychisch fühle er sich aber auch dank der funktionierenden Beziehung zu seinem Partner stabil (Urk. 7/103/29).
Zum Psychostatus äusserte sich Dr. A._ insbesondere dahingehend, dass weder formale Denkstörungen noch sprunghaftes Denken oder Ideenflucht fest
stellbar gewesen seien. Auch inhaltliche Denkstörungen, Wahn- und Sinnes
täuschungen oder Ich-Störungen seien nicht vorhanden. Zwänge und Ängste seien verneint worden Der Schlaf sei schmerzbedingt unruhig; es komme zu Durchschlafstörungen. Ein partieller sozialer Rückzug sei ebenfalls vorhanden. Von akuter Suizidalität habe sich der Versicherte deutlich distanziert (Urk. 7/103/31). Insgesamt sei der Psychostatus weitgehend unauffällig. Abge
sehen von einem partiellen sozialen Rückzug seien keine depressiven Symptome eruierbar gewesen. Auch in der Beurteilung der Persönlichkeit würden sich keine Auffälligkeiten zeigen. Ein aggravierendes Verhalten sei nicht beobacht
bar gewesen (Urk. 7/103/41). Die behandelnden Ärzte würden es ebenfalls nicht für möglich erachten, dass der Versicherte seine Beschwerden vortäusche. Eine unbewusste Symptomausweitung sei gerade typisch für psychosomatische Stö
rungen wie die gemischte dissoziative Störung gemäss ICD-10 F44.7, welche unter Berücksichtigung der vorhandenen Bewegungs- und Sensibilitätsbeein
trächtigungen zu diagnostizieren sei. Deren Schweregrad sei als mittelschwer einzuschätzen (Urk. 7/103/42). Die Einschränkungen im Alltag des Exploranden würden verschiedene Tätigkeiten umfassen, welche mit dem linken Arm ausge
führt werden müssten. In seiner angestammten Bürotätigkeit sei er dadurch deutlich limitiert. Unter Berücksichtigung der schweren Beeinträchtigung der Durchhaltefähigkeit gemäss der Mini-ICF-APP-Untersuchung müsse von einer 50%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit als Büroangestellter ausgegangen werden (Urk. 7/103/43 ff.).
4.
4.1
Zwischen den Parteien ist strittig, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat (vgl. E. 2.1 f.).
Vorab ist das Z._-Gutachten vom 29. September 2015 (Urk. 7/95; vgl. E. 3.7) auf dessen Beweiswert zu überprüfen. Es basiert auf umfassenden internis
tischen, psychiatrischen, orthopädischen und neurologischen Abklärungen. Die Expertise wurde in detaillierter Kenntnis der Vorakten erstellt (Urk. 7/95/2 ff.). Des Weiteren konnte der Beschwerdeführer gegenüber den einzelnen Gutachtern seine aktuellen Beschwerden schildern und wurde von diesen jeweils - soweit fachspezifisch erforderlich - eingehend befragt (Urk. 7/95/7 ff., 7/95/10 ff., 7/95/14 f. und 7/95/18 f.). Insbesondere im Rahmen der psychiatrischen Explo
ration konnte er sich zu diversen Themenbereichen wie seinem beruflichen Werdegang, dem gewöhnlichen Tagesablauf und der familiären Situation äus
sern (Urk. 10/95/10 ff.). Die geklagten Leiden fanden im Rahmen der Feststel
lung der Diagnosen Berücksichtigung, wobei diese wie auch die aus medizi
nischer Sicht resultierenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit überzeugend dargelegt und erläutert wurden (Urk. 7/95/9 f., 7/95/12 ff., 7/95/17 f. und 7/95/20 f.). Soweit möglich erfolgte sodann eine ausführliche und schlüssige Auseinandersetzung mit vorangegangenen ärztlichen Beurteilungen (Urk. 7/95/10, 7/95/14, 7/95/21 ff. und 7/95/25 f.). Insgesamt erfüllt das poly
disziplinäre Z._-Gutachten damit die praxisgemässen Kriterien an den Beweis
wert einer medizinischen Expertise (vgl. E. 1.5).
4.2
4.2.1
Zu prüfen ist, ob die vom Versicherten in seiner Beschwerdeschrift vorgebrach
ten Rügen die Beweiskraft des Z._-Gutachtens zu schmälern vermögen. So macht er geltend, dass die Z._-Experten zwar Hinweise für Selbstlimitierung gefunden und ein „verdeutlichendes, aggravierendes Verhalten“ festgestellt hätten. Sie hätten sich aber nicht zur zentralen Frage geäussert, ob die Selbst
limitierung bewusst oder unbewusst geschehe, weshalb das Gutachten nicht zum Beweis geeignet respektive nicht verwertbar sei. Dr. A._ habe demge
genüber festgehalten, dass es sich um eine unbewusste Symptomausweitung handle, welche typisch für die diagnostizierte psychosomatische Störung sei. Eine bewusste Aggravation liege demnach nicht vor (Urk. 1 S. 8 f.).
4.2.2
Beruht die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Kons
tellation, liegt regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor (siehe Meyer-Blaser, Der Rechtsbegriff der Arbeitsunfähigkeit und seine Bedeutung in der Sozialversicherung, namentlich für den Einkommensvergleich in der Invali
ditätsbemessung, Schaffhauser/Schlauri [Hrsg.], Schmerz und Arbeitsunfähig
keit, St. Gallen 2003, S. 92 f.). Eine solche Ausgangslage ist etwa gegeben, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizi
nische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken; schwere Einschränkungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist (siehe Kopp/Willi/Klippstein, Im Graubereich zwischen Körper, Psyche und sozialen Schwierigkeiten, in: Schweizerische Medizinische Wochenschrift 1997, S.1434, mit Hinweis auf eine grundlegende Untersuchung von Winckler und Foerster; BGE 131 V 51).
4.2.3
Dr. M._ beschrieb in seiner Teilexpertise, dass anlässlich der Untersuchung des linken Armes Gegeninnervationen festzustellen gewesen seien. Beim späteren Ankleiden hätten sich zudem rasche und gezielte Bewegungsabläufe beobachten lassen. Im Weiteren spreche die fehlende muskuläre Atrophie am linken Arm dafür, dass der Arm im Alltag deutlich mehr eingesetzt werde, als dies vom Versicherten präsentiert werde (Urk. 7/95/21). Das nahezu symmetrische Relief von Schultern und Armen war denn auch dem untersuchenden Orthopäden aufgefallen (Urk. 7/95/17). Vergleichbare Feststellungen lassen sich sodann dem Z._-Gutachten vom 14. Oktober 2013 entnehmen (Urk. 7/51/17 und 7/51/20).
Es kann indes offen bleiben, ob allein aufgrund dieser fachärztlichen Feststellun
gen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf eine bewusste Symp
tomausweitung - und damit auf eine rentenausschliessende Aggravation - geschlossen werden kann. Es liegt ein vom Beschwerdeführer und einem Ver
treter der N._ abgeschlosse
ner Ausbildungsvertrag zum vierjährigen Lehrgang „Dipl. Naturheilpraktiker TEN“ vor, welcher am 31. Mai 2012 - am selben Tag wie die Anmeldung zum Leistungsbezug (Urk. 7/5/6) - unterzeichnet wurde (Urk. 7/15). Diese Ausbildung setzt nicht nur erhebliche zeitliche Ressourcen voraus, sondern beinhaltet unter anderem auch das Erlernen von Massagepraktiken (vgl. die Hinweise zur Aus
bildung unter
www.paracelsusschulen.ch
und
www.bodyfeet.ch,
beide besucht am 4. September 2017). Überdies kann den Akten entnommen werden, dass der Versicherte (spätestens) seit Juli 2015 eine Naturheilpraxis in O._ führt, wobei er auch Massagen anbietet (klassische und Funktionsmassagen; Urk. 7/93/1; vgl. P._, besucht am 4. September 2017). Er ist im Übri
gen von der ASCA Schweizerische Stiftung für Komplementärmedizin als Therapeut anerkannt (vgl.
www.asca.ch
, besucht am 4. September 2017).
Der Beschwerdeführer gab bei der ersten Z._-Begutachtung und gegenüber Dr. A._ an, dass er eine Ausbildung zum Naturheilpraktiker absolviere (Urk. 7/51/6 und 7/103/24), nicht jedoch anlässlich der zweiten Untersuchung durch die Z._-Experten (vgl. Urk. 7/95/8 und 11). Den Umstand, dass er zwi
schenzeitlich eine Naturheilpraxis - unter anderem mit Massageangebot - eröff
net hatte, erwähnte er auch gegenüber den behandelnden Ärzten nicht (vgl.
E. 3). Diese wesentliche Gegebenheit wurde von den medizinischen Fach
personen somit nicht in die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit miteinbezogen. Insofern liegt eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Ein
schränkungen am linken Arm und dem Verhalten des Beschwerdeführers in beruflicher Hinsicht vor. Zum einen äusserte er wiederholt, dass er sich keine Steigerung seines aktuellen Arbeitspensums von 50 % vorstellen könne (Urk. 7/51/7, 7/51/10, 7/95/9 und 7/103/30 [maximal 60 %]). Allerdings war er in der Lage, neben seiner beruflichen Tätigkeit am Y._ eine zeitintensive Aus
bildung zum Naturheilpraktiker zu absolvieren sowie eine eigene Praxis zu eröffnen und zu führen. Zum anderen stehen die Angaben des Versicherten betreffend die Schmerzen und die Funktionseinschränkung am linken Arm im diametralen Widerspruch zu seinem Massageangebot.
In Anbetracht dieser Sachlage kann der Einschätzung von Dr. A._, wonach kein aggravierendes Verhalten festzustellen gewesen sei (Urk. 7/103/41), nicht gefolgt werden. Es ist vielmehr mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf eine bewusste Symptomausweitung und damit auf eine Aggravation zu schliessen. Hierfür sprechen nicht nur die überzeugenden Ausführungen der Z._-Gutach
ter, sondern auch die beruflichen Aktivitäten des Beschwerdeführers in den letzten Jahren. Ist von einer Aggravation auszugehen, liegt bezüglich der geklagten funktionellen Beeinträchtigungen kein versicherter Gesundheitsscha
den vor (vgl. vorstehend E. 4.2.2 und BGE 141 V 281 E. 2.2.1).
4.3
4.3.1
Sowohl Dr. A._ als auch die Z._-Gutachter haben die Diagnose einer dissozia
tiven Störung gestellt, welche als
pathogenetisch-ätiologisch unklare
s
syndromale
s Beschwerdebild
ohne nachweisbare organische Grundlage
zu klas
sifizieren ist (vgl. E. 1.3).
Wird Aggravation bejaht, so erübrigt sich zwar auch hinsichtlich dieser Erkrankung die Prüfung der Standardindikatoren im Sinne der bundesgerichtlicher Rechtsprechung (BGE 141 V 281 E. 2.2.2). Der Vollständigkeit halber wird jedoch im Folgenden - in der gebotenen Kürze - auf die diesbezüglichen Vorbringen des Beschwerdeführers eingegangen.
4.3.2
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen einer anhaltenden somato
formen Schmerzstörung oder eines damit vergleichbaren psychosoma
tischen Leidens (BGE 141 V 281 E. 4.2) sind Indikatoren beachtlich, die das Bundesgericht wie folgt systematisiert hat
(
BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad"
-
Komplex „Gesundheitsschädigung"
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Komplex „Sozialer Kontext"
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Lei
dens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Ressourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
Beweisrechtlich entscheidend ist der Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4):
Der Indikator einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen zielt auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufga
benbereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (z.B. Freizeitge
staltung) anderseits gleich ausgeprägt ist. Dabei ist das bisherige Kriterium des sozialen Rückzugs (wiederum) so zu fassen, dass neben Hinweisen auf Ein
schränkungen auch Ressourcen erschlossen werden; umgekehrt kann ein krank
heitsbedingter Rückzug aber auch Ressourcen zusätzlich vermindern. Soweit erhebbar, empfiehlt sich auch ein Vergleich mit dem Niveau sozialer Aktivität vor Eintritt der Gesundheitsschädigung. Das Aktivitätsniveau der versicherten Person ist stets im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Die Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das heisst das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden, weist (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex "Gesundheitsschädigung") auf den tatsächlichen Leidensdruck hin. Dies gilt allerdings nur, solange das betreffende Verhalten nicht durch das laufende Versicherungsverfahren beeinflusst ist. Nicht auf fehlenden Leidensdruck zu schliessen ist, wenn die Nichtinanspruchnahme einer empfohlenen und zugänglichen Therapie oder die schlechte Compliance klarer
weise auf eine (unabwendbare) Unfähigkeit zur Krankheitseinsicht zurückzu
führen ist. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der ver
sicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Eingliederung. Inkonsis
tentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Einschrän
kung sei anders begründet als durch eine versicherte Gesundheitsbeeinträchti
gung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
4.3.3
Vorab ist festzuhalten, dass weder die Z._-Gutachter noch Dr. A._ direkt auf die einzelnen Standardindikatoren Bezug genommen haben. Deren Prüfung kann jedoch auf der Basis der schlüssigen Sachverhaltsfeststellungen durch den Rechtsanwender - mithin das Gericht - erfolgen (vgl. BGE 141 V 281 E. 8).
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers (Urk. 1 S. 9) kann nicht von einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen ausgegangen werden. Wie bereits ausgeführt, konnte rückblickend für den Zeitraum nach der Anmeldung zum Rentenbezug eine erhebliche berufliche Aktivität festgestellt werden. Der Versicherte war in der Lage, neben seiner Tätigkeit am Y._ eine Ausbildung zum Naturheilpraktiker zu absolvieren und in der Folge eine eigene Praxis zu eröff
nen (vgl. E. 4.2.4). Als nicht nachvollziehbar erweist sich daher die von Dr. A._ angeführte schwere Beeinträchtigung der Durchhaltefähigkeit. Sel
biges gilt für die von ihm festgestellte mittelschwere Beeinträchtigung der Fähigkeit, familiäre und intime Beziehungen zu pflegen (Urk. 7/103/33). Die Aussagen des Versicherten widersprechen sich in diesem Kontext in grundsätz
licher Weise. Gegenüber Dr. A._ gab er an, aufgrund seiner Erkrankung viel inaktiver zu sein und sich mehr zu Hause zu verkriechen (Urk. 7/103/30). An die Z._-Gutachter gewandt hielt er wenige Monate zuvor noch fest, dass es ihm psychisch gut gehe und dass er seit eineinhalb Jahren eine gute Beziehung mit seinem Freund führe. Explizit wies der Versicherte darauf hin, dass er im Sozi
albereich nicht eingeschränkt sei und viele Kollegen und Freunde habe (Urk. 7/95/10-12; vgl. ausserdem Urk. 7/51/10). Auf einen krankheitsbedingten sozialen Rückzug kann vor diesem Hintergrund jedenfalls nicht mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit geschlossen werden.
Im Weiteren ist darauf aufmerksam zu machen, dass sowohl mit Blick auf die Z._-Expertise als auch diejenige von Dr. A._ weder von einer auffälligen Persönlichkeitsstruktur (vgl. Urk. 7/95/12 f., 7/103/31 und 7/103/41) noch von einer psychiatrischen Komorbidität auszugehen ist. In Bezug auf Letzteres ver
kennt der Beschwerdeführer (vgl. Urk. 1 S. 11 Ziff. 36 f.), dass eine Störung, welche nach der Rechtsprechung als solche nicht invalidisierend sein kann, gemäss bundesgerichtlicher Praxis keine Komorbidität darstellt (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3 mit Hinweisen). Dies trifft insbesondere auf die von den psychiat
rischen Fachärzten diagnostizierte Schmerzverarbeitungsstörung zu (ICD-10 F54; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_275/2016 vom 19. August 2016 E. 4.3.4).
In Anbetracht dieser Erkenntnisse kann selbst unter Berücksichtigung des Umstan
des, dass der Beschwerdeführer bereits zahlreiche Therapien besucht hat (vgl. Urk. 1 S. 10) nicht von einer anspruchsbegründenden Einschränkung sei
nes Leistungsvermögens ausgegangen werden. So wirkten sich die Behandlun
gen im Wesentlichen positiv aus und führten dazu, dass der Versicherte seinen psychischen Zustand mittlerweile selbst als gut einstuft. Diese Einschätzung teilt denn auch namentlich der behandelnde Psychiater Dr. C._ (Urk. 7/103/27). Von einem definitiven Scheitern der Therapien respektive einer Behandlungs
resistenz kann vor diesem Hintergrund keine Rede sein.
4.4
Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass einem allfälligen Rentenanspruch nicht nur eine Aggravation, sondern auch die Ergebnisse des strukturierten Beweisverfahrens im Sinne von BGE 141 V 281 entgegenstehen. Die Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers erweist sich weder aus somatischer noch aus psychiatrischer Sicht als eingeschränkt. Auf die Schlussfolgerung im polydis
ziplinären Z._-Gutachten vom 29. September 2015, wonach dem Versicherten sowohl die angestammte Tätigkeit im Bürobereich als auch jede andere körper
lich leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit zu 100 % zu
mutbar sei, kann abgestellt werden. Entgegen dem Eventualantrag des Beschwerde
führers (Urk. 1 S. 2 und 12 f.) besteht aufgrund der beweiskräftigen medizinischen Aktenlage kein Anlass für weitere Abklärungen oder das Einho
len eines Obergutachtens (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. Urteil des Bundes
gerichts 8C_468/2007 vom 6. Dezember 2007 E. 5.2.2 mit Hinweisen).
5.
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 900.-- anzusetzen. Entsprechend dem Verfahrensausgang sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.