Decision ID: 57a6a2ed-2cdf-4f8e-b156-9052d8bbcb80
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherte) war bei der B._ AG im Verkauf tätig und
dadurch bei der Branchen Versicherung Schweiz (Metzger-Versicherungen
Genossenschaft [nachfolgend: Unfallversicherer]) gegen die Folgen von Unfällen
versichert. Mit Schadenmeldung UVG vom 10. April 2017 liess die Versicherte melden,
sie habe am 9. Februar 2017 zwei Pakete von mehr als 25 kg Gewicht abladen und mit
vollem Körpereinsatz auf eine über ihrer Körpergrösse von 1.56 m liegenden
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Laderampe befördern müssen, wobei ihr eine Sehne in der linken Schulter gerissen sei
(act. G3.1-V1). Dr. med. C._, FA Allgemeinmedizin (D), bei welchem die
Erstbehandlung erfolgt war (act. G3.1-V1, G3.1-V3), hatte die Versicherte für eine MRI-
Untersuchung der linken Schulter der Radiologie D._, Diagnosezentrum E._,
zugewiesen. Die Untersuchung war am 17. März 2017 durch Dr. med. F._
durchgeführt worden und hatte unter anderem eine interstitielle Partialruptur der
Supraspinatussehne zur Darstellung gebracht (act. G3.2-M2, G3.2-M3). Mit Schreiben
vom 30. März 2017 hatte Dr. C._ die Versicherte mit den Diagnosen ACG-Arthrose
links, subacromiales Impingement links und Partialruptur der linken
Supraspinatussehne zur weiteren Abklärung an Dr. med. G._, FMH Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Sportmedizin SGSM,
überwiesen (act. G3.1-M4).
A.b Mit Schreiben vom 12. April 2017 reichte die Klinik H._ dem Unfallversicherer ein
Kostengutsprachegesuch für einen stationären Aufenthalt zur Durchführung einer
Schulterarthroskopie links ein, welches dieser am 13. April 2017 ablehnte (act. G3.1/
V14). Am 23. April 2017 machte die Versicherte in einem "Fragebogen Unfallhergang"
des Unfallversicherers nähere Angaben zum Hergang des Ereignisses vom 9. Februar
2017 (act. G3.1-V3). Mit Schreiben vom 27. April 2017 teilte Dr. C._ dem
Krankenversicherer (Camor Care AG) der Versicherten mit, diese leide an einer
Schulterverletzung, welche eindeutig traumatisch bedingt sei und sich ohne
Vorankündigung manifestiert habe. Die in der Bildgebung gesehenen Befunde (v.a. die
Arthrose) seien bis anhin symptomlos gewesen (act. G3.2-M5). Am 2. Mai 2017 führte
Dr. G._ bei der Versicherten eine Schulterarthroskopie links mit intraartikulärem
Débridement, subacromialer Dekompression mit Bursectomie und Acromio-Plastik
sowie Abtragen von claviculären Osteophyten und Rekonstruktion der
Supraspinatussehne durch (act. G3.2-M6, vgl. auch act. G3.2-M7).
A.c Mit Verfügung vom 15. Mai 2017 lehnte der Unfallversicherer einen Anspruch auf
Versicherungsleistungen ab. Zur Begründung führte er aus, dass es sich beim Ereignis
vom 9. Februar 2017 nicht um einen Unfall handle. Die vertrauensärztliche Beurteilung
durch Dr. med. I._, Facharzt FMH Chirurgie, habe sodann ergeben, dass die
Partialruptur vorwiegend auf eine Erkrankung (Entzündung, AC-Arthrose usw.)
zurückzuführen sei (act. G3.1-V21; vgl. dazu auch act. G3.1-V16 ff.).
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B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt
MLaw Simon Hampl, Zürich, mit Eingabe vom 15. Juni 2017 Einsprache (act. G3.1-
V25). Zusammen mit der Einsprache reichte der Rechtsvertreter der Versicherten die
als "Entwurf" betitelte und von einer Mitarbeiterin des Unfallversicherers festgehaltene
Beurteilung von Dr. I._ ein (act. G3.1-V25-2).
B.b Am 7. August 2017 ersuchte der Unfallversicherer den Medical Support der Zürich
Versicherung anhand eines Fragenkatalogs um eine Kausalitätsbeurteilung (act.
G3.1-V29). Am 4. September 2017 reichte J._, Mitarbeiterin des Medical Supports
der Zürich Versicherung (act. G3), eine versicherungsmedizinische Beurteilung vom 30.
August 2017 aus der Fallbesprechung mit Dr. med. K._, Facharzt FMH für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, speziell
Schulter, Fähigkeitsausweis für Sportmedizin (SGSM), ein (act. G3.2-M8).
B.c Gestützt auf diese Beurteilung wies der Unfallversicherer die Einsprache vom 15.
Juni 2017 gegen die Verfügung vom 15. Mai 2017 mit Einspracheentscheid vom 21.
September 2017 ab (act. G3.1-V30).
B.d Am 28. September 2017 führte Dr. med. L._, Facharzt für Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, bei der Versicherten
erneut eine Schulterarthroskopie links mit Narbendébridement und Rekonstruktion der
Supraspinatussehne durch (act. G3.2-M9, vgl. auch act. G3.2-M10).
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 21. September 2017 erhob Rechtsanwalt
Simon Hampl für die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom
25. Oktober 2017 Beschwerde mit folgenden Anträgen: 1. Es sei der
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Einspracheentscheid vom 21. September 2017 des Unfallversicherers (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) betreffend Schaden-Nr. 225.693 aufzuheben und es seien die
Unfallversicherungsleistungen im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 9. Februar
2017 vollumfänglich zu erbringen. 2. Eventualiter sei der Einspracheentscheid vom 21.
September 2017 der Beschwerdegegnerin betreffend Schaden-Nr. 225.693
aufzuheben und die Angelegenheit zur Beurteilung des natürlichen
Kausalzusammenhangs zwischen dem Ereignis vom 9. Februar 2017 und der
gesundheitlichen Beeinträchtigung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 3.
Subeventualiter sei der Einspracheentscheid vom 21. September 2017 der
Beschwerdegegnerin betreffend Schaden-Nr. 225.693 aufzuheben und zur Beurteilung
des natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem Ereignis vom 9. Februar 2017
und der gesundheitlichen Beeinträchtigung ein fachärztliches, unabhängiges Gutachten
zu erstellen. 4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (Letztere zzgl. 8% MwSt) zu
Lasten der Beschwerdegegnerin (act. G1). Zusammen mit der Beschwerde reichte der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin unter anderem die Krankengeschichten-
Einträge von Dr. L._ und Dr. G._ (act. G1.11) ein.
C.b In der Beschwerdeantwort vom 24. November 2017 beantragte die
Beschwerdegegnerin, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Gilles Benedick, Lugano, die
Abweisung der Beschwerde, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (Letztere zzgl.
8% MwSt) zu Lasten der Beschwerdeführerin (act. G3).
C.c Mit Replik vom 19. Januar 2018 hielt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
an den Beschwerdeanträgen fest (act G7).
C.d Mit Duplik vom 19. Februar 2018 wiederholte auch der Rechtsvertreter der
Beschwerdegegnerin ihren Antrag auf Abweisung der Beschwerde (act. G9).

Erwägungen
1.
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Einig sind sich die Verfahrensparteien darin, dass die Beschwerdeführerin am 9.
Februar 2017 keinen Unfall nach Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1; in Verbindung mit Art. 6 Abs. 1 und 3
sowie Art. 7 und 8 UVG) erlitten hat, weil es nicht zur schädigenden Einwirkung eines
ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den Körper gekommen ist und es damit an einer
für die Erfüllung des Unfallbegriffs unabdingbaren Voraussetzung mangelt.
2.
2.1 Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG erbringt die Versicherung ihre Leistungen auch bei den
folgenden Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder
Erkrankung zurückzuführen sind: a. Knochenbrüche; b. Verrenkungen von Gelenken; c.
Meniskusrisse; d. Muskelrisse; e. Muskelzerrungen; f. Sehnenrisse; g. Bandläsionen; h.
Trommelfellverletzungen.
2.2 Mit Art. 6 Abs. 2 lit. a bis h UVG wird die Vermutung statuiert, dass der
Unfallversicherer bei erfüllter Listendiagnose leistungspflichtig ist. Dieser kann sich
aber von seiner Leistungspflicht befreien, wenn er den Nachweis erbringt, dass die
Körperschädigung vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist
(Botschaft vom 30. Mai 2008, BBl 2008 S. 5411, und Zusatzbotschaft vom 19.
September 2014, BBl 2014 S. 7922; SZS 2017 S. 33). Auf das Kriterium des äusseren
Faktors wird explizit verzichtet (BBl 2014 S. 7922).
2.3 Ob eine Schädigung vorwiegend durch Abnützung oder Krankheit verursacht ist,
muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit einer
abnutzungsbedingten oder krankhaften Verursachung der Schädigung genügt den
Beweisanforderungen nicht (BGE 133 III 88 f. E. 4.2.2, 132 III 720 E. 3.1, 130 III 325 E.
3.2 f.; Urteil des Bundesgerichts vom 9. Juli 2010, 4A_48/2010, E. 7.1; SZS 2018 S.
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355, SZS 2017 S. 34; vgl. THOMAS LOCHER/THOMAS GÄCHTER, Grundriss des
Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. Bern 2014, § 70 N. 58 f.). Der
Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach hat
die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht von Amtes wegen für die richtige
und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Dieser
Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den
Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 122 V 158 E. 1a, BGE 121 V 210 E. 6c). Der
Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast
begriffsnotwendig aus. Die Parteien tragen aber eine Beweislast insofern, als im Fall
der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem
unbewiesenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 E. 2 mit
Hinweisen, 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b mit Hinweisen). Wird also auf dem Wege der
Beweiserhebung nicht wenigstens mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass
eine Schädigung vorwiegend durch Abnützung oder Erkrankung verursacht wurde, so
hat dies als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten des Unfallversicherers auswirkt.
2.4
2.4.1 Zur Feststellung der medizinischen Verhältnisse, konkret zur Beurteilung der
Tatfrage, ob eine Schädigung vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung
zurückzuführen ist, ist die rechtsanwendende Behörde auf Unterlagen angewiesen, die
ihr von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (vgl. BGE 122 V 157 E. 1b
mit zahlreichen Hinweisen; ALEXANDRA RUMO-JUNGO/ANDRÉ PIERRE HOLZER,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/Basel/Genf, S. 55; SZS 2018 S. 357 f.). Das
Gericht hat diese Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG; vgl. dazu auch UELI
KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2015, Art. 43 N 52 ff., Art. 61 N
120; LOCHER/GÄCHTER, § 76 N. 25 ff.) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h.
ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu
würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel
unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu
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entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des
streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das
gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die
eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des
Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
Fachperson begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert eines ärztlichen
Gutachtens ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die
Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht
oder Gutachten (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 351, E. 3a mit Hinweis 122 V 157). Die
Beschwerdegegnerin stützt sich bei ihrer Leistungsablehnung für die bei der
Beschwerdeführerin bestehende Schulterproblematik links insbesondere auf die von
J._ am 4. September 2017 protokollierte versicherungsmedizinische Beurteilung von
Dr. K._ vom 30. August 2017 aus einer Fallbesprechung (act. G3.2/M8). Allgemein ist
dazu festzuhalten, dass rechtsprechungsgemäss auch Berichten und Gutachten,
welche die Versicherungen während des Administrativverfahrens von ihren eigenen
bzw. beratenden Ärzten und Ärztinnen einholen, Beweiswert beigemessen werden
kann. Auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen kann jedoch nicht
abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit bestehen. In diesem Fall sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen
(BGE 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4, 4.6 f.; Urteil des Bundesgerichts vom 16.
September 2014, 8C_385/2014, E. 4.2.2; SVR 2018 IV, Nr. 4, S. 12, E. 3.2). Eine
ärztliche Beurteilung aufgrund der Akten, wie sie vorliegend von Dr. K._
vorgenommen wurde (act. G3.2/M8), ist sodann nicht an sich unzuverlässig, wenn die
Akten ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen Status
ergeben und diese Daten unbestritten sind. Voraussetzung ist ein lückenloser
Untersuchungsbefund, damit der Experte oder die Expertin imstande ist, sich aufgrund
der vorhandenen Unterlagen ein lückenloses Bild zu verschaffen (PVG 1996, 265 E. 3b;
RKUV 1988 Nr. U 56 S. 371).
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2.4.2 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin stellt in der Beschwerde vom 25.
Oktober 2017 (act. G1) den Beweiswert der von J._ protokollierten
versicherungsmedizinischen Beurteilung von Dr. K._ vom 30. August 2017 in Frage.
Sie unterscheide sich der Natur nach nicht von der von einer Mitarbeiterin der
Beschwerdegegnerin erstellten Aktennotiz vom 13. April 2017 über die
Fallbesprechung mit Dr. I._ (act. G3.1-V25-2), welche auch nach Auffassung der
Beschwerdegegnerin den höchstrichterlichen Qualitätsanforderungen nicht Stand halte
(vgl. act. G3.11/V30). Die versicherungsmedizinische Beurteilung von Dr. K._ wurde
zwar nicht - wie zu erwarten wäre - von ihm selbst verfasst und unterzeichnet. Das
fragliche Dokument unterscheidet sich jedoch wesentlich von der vorgenannten
Aktennotiz, weshalb es als Beweis akzeptiert werden kann. Der Inhalt der von J._
protokollierten versicherungsmedizinischen Beurteilung von Dr. K._ vom 30. August
2017 orientiert sich genau an einem dem Medical Support der Zürich Versicherung von
der Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 7. August 2017 vorgelegten
Fragenkatalog, mit welchem Dr. K._ aufgefordert wurde, die Fragen anhand der
vorgelegten medizinischen Akten und des bildgebenden Materials zu beurteilen.
Zudem erscheinen die protokollierten Aussagen von Dr. K._ detailgetreu und im
Beweisergebnis homogen (act. G3.1/V29). Ob letztlich auf die
versicherungsmedizinische Beurteilung von Dr. K._ abgestellt werden kann, ist im
Rahmen der nachfolgenden materiellrechtlichen Beurteilung bzw. Beweiswürdigung zu
prüfen.
3.
3.1 In casu wurde von keiner Seite in Frage gestellt, dass im konkreten Fall von einer
Körperschädigung im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG auszugehen ist. Sowohl die MRI-
Untersuchung der linken Schulter vom 17. März 2017 (act. G3.2/M3) als auch die
Arthroskopie der linken Schulter vom 2. Mai 2017 (act. G3.2/M6) haben bei der
Beschwerdeführerin eine Partialruptur bzw. eine subtotale Ruptur der
Supraspinatussehne links zur Darstellung gebracht (vgl. Art. 6 Abs. 2 lit. f UVG). Es ist
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somit an der Beschwerdegegnerin, den Nachweis zu erbringen, dass die Partialruptur
der Supraspinatussehne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vorwiegend auf
Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist. Dazu müssen die für die Beurteilung
der versicherungsmedizinischen Pathogenese bedeutsamen Umstände bzw. Indizien
erhoben und im Rahmen der Beweiswürdigung gegeneinander abgewogen werden
(SZS 2018, S. 351 ff.).
3.2 Sowohl am 10. April 2017 in der Schadenmeldung UVG (act. G3.1/V1) als auch am
23. April 2017 im "Fragebogen Unfallhergang" (act. G3.1/V3) schilderte die
Beschwerdeführerin, sie habe am 9. Februar 2017 zwei Pakete von mehr als 25 kg
Gewicht abladen und mit vollem Körpereinsatz auf eine über ihrer Körpergrösse von
1.56m liegenden Laderampe von ca. 1.65m befördern müssen. Dabei sei ihr eine
Sehne in der linken Schulter gerissen bzw. sie habe gespürt, dass etwas in ihrer
Schulter passiert sei. Den Akten liegt zwar kein Arztzeugnis über die
Untersuchungsergebnisse (insbesondere Befunde, Diagnosen) der Erstbehandlung
durch Dr. C._ wegen Schulterbeschwerden links bei. Dennoch kann anhand der
vorliegenden Akten angenommen werden, dass diese am 14. März 2017 stattgefunden
hat und von Dr. C._ ein Zeugnis für eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab 14. März
2017 ausgestellt worden ist (act. G3.2/M0). Am 17. März 2017 wurde in der Radiologie
D._ bei der Indikation "Seit 6 Wochen Schmerzen linkes Schultergelenk,
ausstrahlend bis in die Hand/Taubheit. Kraftdefizit. Läsion der Rotatorenmanschette?"
eine MRI-Untersuchung der linken Schulter durch Dr. F._ durchgeführt. In der
Beurteilung des gleichentags erstellten Berichts zur MRI-Untersuchung wurden eine
mittelgradige hypertrophe AC-Gelenksarthrose, ein leicht eingeengter
Subacromialraum auf unter 6mm prädisponierend für ein subacromiales Impingement
mit aktuell mässiggradiger Tendinopathie und geringgradiger interstitieller Partialruptur
der Supraspinatussehne ansatznahe in der ventralen und mittleren Portion akzentuiert
sowie eine leichtgradige Bursitis subacromialis und subdeltoidea festgehalten (act.
G3.2/M3). Unter Angabe der Diagnosen ACG-Arthrose, Subacromiales Impingement,
Partialruptur der linken Supraspinatussehne und einer komplexen Schulterschädigung
links überwies Dr. C._ die Beschwerdeführerin am 30. März 2017 an Dr. G._ (act.
G3.2-M4). Dieser führte am 2. Mai 2017 eine Schulterarthroskopie links mit
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intraartikulärem Débridement, subacromialer Dekompression mit Bursectomie und
Acromio-Plastik sowie Abtragen von claviculären Osteophyten und Rekonstruktion der
Supraspinatussehne durch (act. G3.2-M6, vgl. auch act. G3.2-M7). Die von Dr. F._ im
MRI erhobene AC-Gelenksarthrose wird zwar von Dr. G._ im Operationsbericht vom
2. Mai 2017 nicht explizit genannt (act. G3.2-M9). Deshalb kann aber nicht - wie vom
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin vertreten (act. G1) - vom Nichtbestehen einer
Arthrose ausgegangen werden. Die "Diagnose" im Operationsbericht, welche sich auf
die Nennung der subtotalen Ruptur der Supraspinatussehne Schulter links beschränkt
(act. G3.2-M9), ist damit zu begründen, dass dort lediglich die zentrale Schädigung
genannt wurde, die zur Operation geführt hatte. Im Aufklärungsbogen zur Operation
wurden als Schädigungen ein Riss an der Gelenkkapsel bzw. den Muskelansätzen,
eine frische/alte Sehnenverletzung, Verletzung der Sehnenplatte (Rotatorenmanschette)
und eine Enge im Schultergelenk mit Sehnendegeneration (Impingement-Syndrom)
angekreuzt (act. G3.2-M1). Das als degenerativ bedingt bezeichnete subacromiale
Impingement-Syndrom (ALFRED M. DEBRUNNER, Orthopädie, Orthopädische
Chirurgie, 4. Aufl. Bern 2005, S. 727; PSCHYREMBEL, Klinisches Wörterbuch, 267.
Aufl. Berlin/Boston 2017, S. 862; ROCHE LEXIKON, Medizin, 5. München 2003, S.
915), welches im Übrigen im Operationsbericht ebenfalls nicht explizit erwähnt, jedoch
unstreitig operativ angegangen worden ist (vgl. act. G3.2-M6), sowie die arthroskopisch
bestätigten claviculären Osteophyten, welche sich reaktiv im Rahmen einer Arthrose
bilden (DEBRUNNER, a.a.O., S. 579 ff.; PSCHYREMBEL, a.a.O., S. 153, 1324; ROCHE
LEXIKON, a.a.O., S. 134, 1382), deuten ohne Weiteres auf die im MRI objektivierte AC-
Arthrose hin.
3.3 Basierend auf der in Erwägung 3.2 dargelegten Aktenlage antwortete Dr. K._ auf
die Frage, ob die Verletzung der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung
zurückzuführen sei (act. G3.1-V29), dass die schmerzursächlichen Veränderungen in
der linken Schulter der Beschwerdeführerin überwiegend auf Abnützung oder
Erkrankung zurückzuführen seien. Hinweise auf frische Läsionen im linken
Schultergelenk bzw. Verletzungen der schulternahen Strukturen würden fehlen (act.
G3.2-M8).
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3.4 Denn fehlende frische Läsionen der schulternahen Strukturen bzw.
Begleitverletzungen sind bei der Beurteilung der versicherungsmedizinischen
Pathogenese ein Indiz, welches eher gegen eine traumatische Genese im
medizinischen Sinn hindeutet (vgl. dazu ANDRÉ NABOLD in: Marc Hürzeler/Ueli Kieser
[Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Sozialversicherungsrecht, UVG
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Bern 2018, Art. 6 N 45, Fn 80; SZS 2018, S.
352). Die Supraspinatussehne liegt sodann in einer anatomisch engen Beziehung zum
Acromion (vgl. DEBRUNNER, a.a.O., S. 725; PSCHYREMBEL, a.a.O., S. 1576), insofern
es als naheliegend erscheint, bei der Beurteilung der vorliegenden Frage den
Gesundheitszustand des ganzen Schultergelenks zu betrachten. Mit den von Dr. K._
angeführten schmerzursächlichen Veränderungen - konkret der AC-Gelenksarthrose,
dem subacromialen Impingement mit aktuell mässiger Tendinopathie sowie der
leichten Bursitis subacromialis und subdeltoidea - präsentierte sich bei der
Beschwerdeführerin in der linken Schulter das Bild einer umfassenden degenerativen
bzw. krankheitsbedingten Situation (DEBRUNNER, a.a.O., S. 586, 726 f.;
PSCHYREMBEL, a.a.O., S. 39, 152, 297 f., 862, 1782; ROCHE LEXIKON, a.a.O., S.
134, 280, 915, 1808). Der Befund einer Partialruptur der Supraspinatussehne fügt sich
ohne weiteres darin ein und eine davon unabhängige, überlastungstraumatische
Sehnenruptur würde wesensfremd erscheinen. Ausserdem beschrieb Dr. G._ das
Acromion der Beschwerdeführerin im Operationsbericht vom 2. Mai 2017 als ventral
abfallend (act. G3.2-M6). Sowohl durch die obgenannten degenerativen bzw.
krankheitsbedingten Befunde als auch die erwähnte Acromionform kommt es zu einer
Sehnenrisse und Entzündungen der Bursa begünstigenden Einengung des unter dem
Schultergelenk liegenden Raums (DEBRUNNER, a.a.O., S. 724 ff.; PSCHYREMBEL,
a.a.O., S. 1576; <https://www.schulthess-klinik.ch/de/schulterchirurgie-und-
ellbogenchirurgie/behandlung/impingement-syndrom>, abgerufen am 15. Februar
2019). Zusammenfassend ist mithin festzuhalten, dass die Gesamtsituation der linken
Schulter der Beschwerdeführerin massgebend für eine abnützungs- bzw.
krankheitsbedingte Verursachung der Partialruptur der Supraspinatussehne spricht.
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3.5 Ein weiteres Indiz im Zusammenhang mit der Frage, ob die Partialruptur der
Supraspinatussehne links der Beschwerdeführerin vorwiegend auf Abnützung oder
Erkrankung zurückzuführen ist, bildet der zeitliche Ablauf. Zwar kommt dem Kriterium
des äusseren Faktors bei der Beurteilung der Leistungspflicht eines Unfallversicherers
gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG keine rechtliche Bedeutung mehr zu. Grundsätzlich weist
jedoch das zeitliche Zusammentreffen einer Körperschädigung mit einer geeigneten
Überlastungssituation eher auf eine traumatische Genese hin (vgl. SZS 2018, S. 352).
Insofern ist dem Grundsatz Rechnung zu tragen, dass die Anforderungen an den
Beweis des natürlichen Kausalzusammenhangs im Grad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit strenger sind, je grösser der zeitliche Abstand zwischen einem
berichteten Ereignis und der Objektivierung einer Schädigung ist (Urteil des
Bundesgerichts vom 26. September 2008, 8C_102/2008, E. 2.2; RKUV 1997 Nr. U 275
S. 191 E. 1c). Dieser Grundsatz ist insbesondere in denjenigen Fällen zu beachten, in
welchen nach einer längeren Latenzzeit radiologisch nur Befunde erhoben werden
konnten, welche - wie im vorliegenden Fall - verschiedene Ursachen (traumatische,
degenerative oder krankhafte) haben können. Laut Erklärung der Beschwerdeführerin
ist der Sehnenriss am 9. Februar 2017 beim Hantieren mit zwei mehr als 25 kg
schweren Paketen passiert (act. G3.1-V1, G3.1-V3). Eine Erstbehandlung sowie eine
Arbeitsunfähigkeit sind erst am 14. März 2017, also mehr als einen Monat nach dem
geltend gemachten Ereignis aktenkundig. Angesichts dieses zeitlichen Ablaufs kann
nicht von einer ereignisnah nachgewiesenen Körperschädigung im Bereich der Schulter
gesprochen werden. Zwar schilderte die Beschwerdeführerin am 23. April 2017 im
"Fragebogen Unfallhergang", sie habe die Schulterschmerzen zunächst mit
Schmerzmitteln, Salbe und kühlenden Umschlägen behandelt und sei erst zum Arzt
gegangen, als sie kein Gefühl mehr im linken Arm verspürt habe (act. G3.1-V3).
Angesichts des körperlich belastenden Berufs (vgl. act. G3.1-V3, Frage 4.) ist jedoch
zumindest überraschend, dass die Beschwerdeführerin trotz Schulterbeschwerden
länger als einen Monat keinen Arzt aufsuchte und keine Arbeitsunfähigkeit auswies.
Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass auch der zeitliche Ablauf ein Indiz für
eine überwiegend wahrscheinlich durch Abnützung oder Erkrankung verursachte
Teilruptur der Supraspinatussehne liefert.
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3.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass nach dem oben Gesagten keine Zweifel
an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der von der Beschwerdegegnerin eingeholten
und als massgeblich erachteten versicherungsmedizinischen Beurteilung von Dr. K._
vom 30. August 2017 (act. G3.2-M8) bestehen. Bei diesem Beweisergebnis kann mithin
auf die Beurteilung abgestellt werden. Die Beschwerdegegnerin vermochte darzutun,
dass die erstmals mit MRI vom 17. März 2017 diagnostizierte (act. G3.2-M3) und von
Dr. G._ am 2. Mai 2017 operativ sanierte Teilruptur der Supraspinatussehne (act.
G3.2-M6) vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist. Die
Beschwerdegegnerin hat damit ihre Leistungspflicht gestützt auf eine Listenverletzung
gemäss Art. 6 Abs. 2 lit. f UVG zu Recht verneint.
3.7
3.7.1 Der Arztbericht von Dr. C._ vom 27. April 2017 (act. G 3.2-M5) vermag an
dieser Beurteilung nichts zu ändern. Die Schlussfolgerung widerspricht der Würdigung
der Indizien in der Erwägung 3.4 ff. Dr. C._ geht offensichtlich von einem
degenerativen Vorzustand aus. Degenerative Erkrankungen zeichnen sich naturgemäss
durch einen progredienten Verlauf (beispielsweise durch eine Vergrösserung einer
einzelnen Schädigung oder durch Hinzutreten von Begleiterscheinungen) aus, was
auch erklärt, dass ihre typische Symptomatik nicht von Beginn weg umfassend, mit
ganzer Schwere auftreten muss, sondern bei wachsender Ausprägung zunächst
schleichend beginnt und sich irgendwann deutlich manifestiert. Ein zu Beginn
symptomloser oder höchstens geringe Beschwerden bereitender degenerativer
Zustand wird also in einem bestimmten Zeitpunkt - in der Regel dann, wenn dessen
Umfang ein gewisses Ausmass überschreitet - symptomatisch (vgl. dazu
DEBRUNNER, S. 586, 728 ff.). Insofern sprechen die Feststellungen von Dr. C._ nicht
gegen eine vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführende
Körperschädigung.
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3.7.2 Auch Dr. K._ geht in seiner versicherungsmedizinischen Beurteilung vom 30.
August 2017 (act. G3.2-M8) offensichtlich von einem degenerativen Vorzustand in der
linken Schulter aus, der durch die Hebebewegungen am 9. Februar 2017 schmerzhaft
geworden sei. Der Umstand, dass er während maximal zwei Wochen von einer
Kausalität zwischen den beiden Komponenten im Sinne einer vorübergehenden
Verschlimmerung ausging, kann indessen nicht als abschliessende Befürwortung einer
traumatischen Genese ausgelegt werden. Liegt bereits ein Vorzustand vor, besteht bei
einer vorübergehenden Verschlimmerung desselben der traumatisch kausale Anteil
(nur) in der Aktivierung der Listendiagnose in Form von Schmerzen oder einer
funktionellen Bewegungseinschränkung. Der Raum für eine traumatische
Ursächlichkeit im medizinische Sinne ist dabei - wenn überhaupt existierend -
unwesentlich klein. Die Aussage von Dr. K._ liefert damit keinen bedeutsamen
Nachweis gegen einen abnützungs- oder krankhaft verursachten Teilsehnenrisses. Vor
diesem Hintergrund kann im Übrigen auch der Dauer der vorübergehenden
Verschlimmerung einer vorbestehenden Schulterproblematik keine Bedeutung
beigemessen werden.
3.8 Im Sinn der Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des angefochtenen
Einspracheentscheids vom 21. September 2017 abzuweisen. Gerichtskosten sind
keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.