Decision ID: 152904f0-32cf-58e2-b689-a8f22286144e
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die aus D._ (...) in der Nordprovinz stammende Beschwerde-
führerin tamilischer Ethnie mit letztem Wohnsitz in E._ im gleichna-
migen Distrikt (Nord-Provinz) suchte zusammen mit ihren beiden (...) Kin-
dern am (...) um Asyl in der Schweiz nach. Am 22. Januar 2015 fand die
Befragung zur Person (BzP) statt und am 13. Februar 2015 wurde sie vom
SEM zu ihren Asylgründen angehört. Am 4. April 2016 fand die ergänzende
Anhörung der Beschwerdeführerin statt.
A.b Zur Begründung ihres Gesuchs führte die Beschwerdeführerin im We-
sentlichen an, sie sei im Jahr (...) nach F._ umgezogen. Zirka (Nen-
nung Zeitpunkt) sei sie den G._ beigetreten und nach H._
umgezogen, wo sie für die Organisation (Nennung Dauer) als (Nennung
Tätigkeit) tätig gewesen sei. Sie habe den Namen I._ erhalten.
Nachdem sie ein (...) Training absolviert habe, habe sie ihre Arbeit beim
(Nennung Bereich) des (Nennung Dienst) aufgenommen. Sie sei zunächst
für (Nennung Gebiet), dann für alle Gebiete zuständig gewesen. Sie habe
lediglich Büroarbeit verrichtet, indem sie Informationen dokumentiert und
archiviert und, wenn nötig, an ihre Vorgesetzte J._ weitergegeben
habe. J._ sei auch ihre einzige Kontaktperson innerhalb der Orga-
nisation gewesen. Manchmal hätten sie auch über (...) Personen Informa-
tionen gesammelt, welche sie von Informanten erhalten hätten. Der Zweck
der gesammelten Informationen sei ihr nie mitgeteilt worden. Sie habe die
Informationen ausschliesslich speichern und weiterleiten müssen. Darauf
beruhende Entscheidungen hätten jedoch andere, höhergestellte Perso-
nen getroffen. In den Jahren (...) bis (...) habe sie überdies an einer (Nen-
nung Tätigkeit) und sei dort auch als (Nennung Beruf) tätig gewesen. Sie
habe (Nennung Tätigkeit), die im Jahr (...) zusammen mit einem durch sie
verfassten Buch veröffentlicht worden seien, (...). Das von ihr unter einem
Pseudonym veröffentlichte Buch enthalte (...) Kurzgeschichten. Im Jahr (...)
habe sie geheiratet und sei nach K._ umgezogen, wobei sie aber
bis im Jahr (...) in H._ arbeitstätig geblieben sei. Ihr Mann sei als
(Nennung Tätigkeit) bei den G._ tätig gewesen. Ende des Krieges
habe sie sich mit ihrer Familie nach E._ begeben. In der Folge seien
sie ins Gebiet des Militärs gelangt und schliesslich ins Camp (...) gebracht
worden. Im Camp seien die Insassen durch die Soldaten regelmässig auf-
gefordert worden, sich zu ergeben respektive eine Tätigkeit für die
G._ zu gestehen. Dies habe sie jedoch aus Angst vor erheblichen
Nachteilen für ihre Person nicht getan. Einmal seien Soldaten zu ihrem Zelt
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gekommen und hätten sie mitnehmen wollen; sie habe sich zu diesem Zeit-
punkt jedoch an einem anderen Ort im Camp aufgehalten. Bevor ihnen et-
was habe zustossen können, seien sie gegen Zahlung einer Geldsumme
nach (Nennung Dauer) freigekommen und danach während (Nennung
Dauer) in L._ geblieben, bevor sie und ihre Familie Sri Lanka im
Jahr (...) über M._ verlassen hätten. In der Folge hätten sie sich bis
(Nennung Zeitpunkt) in N._ aufgehalten. Während dieser Zeit sei
die (Name Printmedium) veröffentlicht worden. Darin seien die Namen von
Personen gestanden, welche bei den G._ gewesen seien, und die
Aufforderung an das jeweilige Aufenthaltsland, diese Personen an Sri
Lanka auszuliefern. Ihr Name und derjenige ihres Ehemannes seien darin
aufgeführt gewesen. Da im (...) Bundesstaat O._ das Verbot der
G._ noch immer nicht aufgehoben sei, hätten sie sich nicht als de-
ren Angehörige zu erkennen gegeben. Sie habe damals in der Stadt (...)
gelebt und als sie gemerkt habe, dass sie beschattet würden, seien sie
umgezogen. Da N._ Sri Lanka unterstützt habe, hätten sie eine Ab-
schiebung in ihre Heimat befürchtet. Daraufhin sei sie zusammen mit ihren
Kindern in die Schweiz gereist. Aus finanziellen Gründen und weil er kriegs-
versehrt sei, habe ihr Ehemann zurückbleiben müssen. Bei einer Rückkehr
nach Sri Lanka fürchte sie um ihr Leben. Ihr Ehemann habe ihr mittlerweile
eine weitere Ausgabe der (Name Printmedium) zukommen lassen, worin
ihr Name noch immer aufgeführt sei. Sie wisse nicht, warum ihr Name auf
dieser Suchliste stehe. Sie sei nicht in den oberen Rängen des (Nennung
Dienst) gewesen; vielleicht aber, weil sie ein Buch geschrieben habe, wel-
ches von (Nennung Person) publiziert worden sei. Bei dessen Publikation
seien die oberen Kader der G._ zusammengekommen und sie sei
mit diesen fotografiert worden, was wiederum in vielen Zeitungen veröffent-
licht worden sei.
A.c Zum Beleg ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdeführerin diverse
Beweismittel ein: (Aufzählung Beweismittel).
A.d Am (...) liess die Vorinstanz durch die Schweizer Vertretung in
M._ Abklärungen vor Ort durchführen. Am 24. Februar 2017 ge-
währte das SEM den Beschwerdeführenden das rechtliche Gehör zum Ab-
klärungsergebnis der Botschaft vom (...). Die Beschwerdeführenden nah-
men dazu am 14. März 2017 Stellung.
A.e Am (...) gelangte das SEM erneut an die Schweizer Vertretung in
M._ und bat um Abklärung der Gefährdung von Personen, welche
ehemals in der (Name Printmedium) aufgeführt waren. Die Auskunft der
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Botschaft vom (...) wurde den Beschwerdeführenden vom SEM am 29. De-
zember 2017 zur Stellungnahme unterbreitet. Diese reichten mit Eingabe
vom 22. Februar 2018 ihre Stellungnahme zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 8. März 2018 stellte das SEM fest, die Beschwerdefüh-
rerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG,
zog ihre Kinder in ihre Flüchtlingseigenschaft mit ein, lehnte die Asylgesu-
che jedoch in Anwendung von Art. 53 AsylG (SR 142.31) ab und ordnete
die Wegweisung aus der Schweiz an. Zugleich wurde der Wegweisungs-
vollzug wegen Unzulässigkeit aufgeschoben und die vorläufige Aufnahme
der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder angeordnet.
C.
Mit einer fremdsprachigen Eingabe vom 10. April 2018 gelangten die Be-
schwerdeführenden an das Bundesverwaltungsgericht.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 18. April 2018 forderte die Instruktionsrichterin
die Beschwerdeführenden auf, innert 7 Tagen ab Erhalt dieser Verfügung
eine den gesetzlichen Erfordernissen genügende, in einer Amtssprache
des Bundes verfasste Beschwerde einzureichen, unter Androhung des
Nichteintretens im Unterlassungsfall.
E.
Mit Eingabe vom 25. April 2018 reichte die Beschwerdeführerin eine Teil-
übersetzung ihrer Rechtsmitteleingabe ein.
F.
In ihrer Zwischenverfügung vom 3. Mai 2018 stellte die Instruktionsrichterin
fest, dass fristgerecht eine Teilübersetzung der Beschwerdeschrift einge-
reicht worden sei, die jedoch keine konkreten Beschwerdebegehren (ma-
teriell- und verfahrensrechtlicher Art) enthalte. Da es sich um eine Laien-
beschwerde handle, an welche keine hohen Anforderungen zu stellen
seien, sei ausgehend vom Inhalt der angefochtenen Verfügung sowie den
Ausführungen in der Übersetzung der Beschwerdeschrift davon auszuge-
hen, die Beschwerde richte sich in materieller Hinsicht einzig gegen die
Ablehnung der Asylgesuche wegen Asylunwürdigkeit der Beschwerdefüh-
rerin, womit diesbezüglich von einer den gesetzlichen Anforderungen ge-
nügenden Beschwerdeschrift ausgegangen werde. Ferner verzichtete sie
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auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und wies die Beschwerdefüh-
renden darauf hin, innert drei Tagen ab Erhalt der Verfügung eine Überset-
zung allfälliger weiterer Beschwerdeanträge einzureichen, wobei bei unge-
nutzter Frist das Verfahren aufgrund der bestehenden Aktenlage weiterge-
führt werde.
G.
Mit Eingabe vom 8. Mai 2018 beantragten die Beschwerdeführenden, es
sei die Verfügung des SEM vom 8. März 2018 aufzuheben, es sei die
Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und Asyl zu gewähren, es sei die Un-
zulässigkeit, die Unzumutbarkeit und die Unmöglichkeit des Wegweisungs-
vollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen, und er-
suchten in prozessualer Hinsicht darum, es sei die unentgeltliche Prozess-
führung zu gewähren, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
zu verzichten und ein amtlicher Rechtsbeistand zu ernennen.
H.
Am 19. Juni 2019 liessen die Beschwerdeführenden über die Rechtsver-
treterin des Ehemannes der Beschwerdeführerin in dessen (Nennung Ver-
fahren) dem Bundesverwaltungsgericht diesbezügliche Unterlagen zukom-
men.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 9. Juli 2019 hiess die Instruktionsrichterin das
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut, verwies
darauf, dass bereits mit Zwischenverfügung vom 3. Mai 2018 auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses verzichtet worden sei, und forderte die Be-
schwerdeführenden auf, bis zum 24. Juli 2019 einen amtlichen Rechtsbei-
stand zu bezeichnen und eine entsprechende Vollmacht einzureichen. Im
Unterlassungsfall werde Verzicht auf eine amtliche Rechtsverbeiständung
angenommen.
J.
Mit Eingabe vom 12. Juli 2019 zeigte der rubrizierte Rechtsvertreter die
Übernahme des Mandats an und ersuchte um Akteneinsicht.
K.
Mit Zwischenverfügung vom 15. August 2019 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung gut und setzte Rechtsan-
walt lic. iur. Bernhard Jüsi als amtlicher Rechtsbeistand ein. Ferner über-
wies sie das Gesuch um Gewährung der Einsicht in die vorinstanzlichen
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Akten dem SEM zur Behandlung, gewährte dem Rechtsvertreter Aktenein-
sicht in die Akten des Beschwerdeverfahrens im in der Zwischenverfügung
bezeichneten Umfang und wies das Gesuch um Fristsetzung zur Be-
schwerdeergänzung ab. Sodann lud sie die Vorinstanz zur Einreichung ei-
ner Vernehmlassung bis zum 30. August 2019 ein.
L.
Das SEM gewährte den Beschwerdeführenden am 23. August 2019 ergän-
zende Akteneinsicht.
M.
Die Vorinstanz stellte in ihrer Vernehmlassung vom 23. August 2019 fest,
die Beschwerdeschrift – soweit eine Übersetzung vorliege – enthalte keine
neuen Tatsachen oder Beweismittel, welche eine Änderung ihres Stand-
punktes rechtfertigen könnten und verwies auf ihre Erwägungen, an denen
sie vollumfänglich festhielt.
N.
Mit Eingaben vom 9. September 2019 und vom 20. September 2019 mach-
ten die Beschwerdeführenden Ergänzungen zu ihrer Rechtsmitteleingabe,
reichten ein weiteres Beweismittel (Nennung Beweismittel) ein und ersuch-
ten um Beizug der Asylakten von P._ (N_), um Einsicht in
dieselben und um Einräumung der Gelegenheit zur Stellungnahme. Ferner
hielten die Beschwerdeführenden in ihrer Eingabe vom 9. September 2019
fest, ihre Beschwerde richte sich lediglich gegen die Ziffern 3. und 4. des
Dispositivs der angefochtenen Verfügung und zogen dementsprechend die
Beschwerde betreffend die Dispositivziffern 1 sowie 5 bis 7 des angefoch-
tenen Entscheids des SEM zurück
O.
Am 30. September 2019 legten die Beschwerdeführenden ein weiteres Be-
weismittel (Nennung Beweismittel) ins Recht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG in Kraft
getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs.
1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. Septem-
ber 2015).
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1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.3 Die Beschwerdeführenden sind als Verfügungsadressaten zur Be-
schwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-
gerecht (vgl. vorstehend Bstn. D. bis F.) eingereichte Beschwerde
(aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Das Gericht hat die Asylakten von P._ (N_) antragsgemäss
beigezogen. Auf die in diesem Zusammenhang von den Beschwerdefüh-
renden gestellten Ersuchen um Einsicht in diese Asylakten sowie um Ein-
räumung der Gelegenheit zur Stellungnahme, ist – abgesehen davon, dass
die erforderliche Vollmacht von P._ zwecks Einsichtnahme in deren
Asylakten N_ ohnehin nicht vorliegt – angesichts des vorliegenden
Verfahrensausgangs nicht weiter einzugehen.
4.
Nachdem das SEM die Beschwerdeführerin mit der angefochtenen Verfü-
gung gestützt auf Art. 3 AsylG und deren minderjährige Kinder gestützt auf
den Grundsatz der Einheit der Familie als Flüchtlinge anerkannte und de-
ren vorläufige Aufnahme anordnete, ist nachfolgend einzig zu beurteilen,
ob das SEM zu Recht zum Schluss gelangte, die Beschwerdeführerin sei
im Sinne von Art. 53 AsylG asylunwürdig, weshalb ihr Asylgesuch und die-
jenigen ihrer Kinder abzulehnen seien.
Da in der angefochtenen Verfügung die Flüchtlingseigenschaft der Be-
schwerdeführenden bereits festgestellt wurde und sie in ihrer Eingabe vom
9. September 2019 die Beschwerde betreffend die Dispositivziffern 1 (Zu-
erkennung der Flüchtlingseigenschaft) sowie 5 bis 7 (Vollzug der Wegwei-
sung) des angefochtenen Entscheids des SEM zurückzogen, sind die
Rechtsbegehren auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft sowie Fest-
stellung der Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und der Unmöglichkeit des
Wegweisungsvollzugs gegenstandslos geworden.
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5.
5.1 In der angefochtenen Verfügung führte die Vorinstanz zur Frage der
Asylunwürdigkeit im Wesentlichen aus, der Begriff der "verwerflichen
Handlungen" im Sinne von Art. 53 AsylG orientiere sich am abstrakten Ver-
brechensbegriff von Art. 10 Abs. 2 StGB. Unter den Verbrechensbegriff des
StGB fielen demnach Straftaten, die mit mehr als drei Jahren Freiheits-
strafe bedroht seien. Dabei sei von einer pauschalen Betrachtungsweise
Abstand zu nehmen. Vielmehr sei für die Anwendung von Art. 53 AsylG ein
individueller Tatbeitrag der betreffenden Person erforderlich. Sodann
müsse im Hinblick auf das begangene Delikt, die Umstände und die seither
vergangene Zeit die Anwendung von Art. 53 AsylG verhältnismässig sein.
Die Beschwerdeführerin sei ihren Angaben zufolge im (Nennung Dienst)
der G._ tätig gewesen und habe Dokumentationsarbeiten verrich-
tet. Sie habe Informationen über (Nennung Personen) gesammelt, diese
dokumentiert und an ihren Vorgesetzten weitergegeben. Sie habe sich
demnach aktiv für die G._ eingesetzt und für die Organisation äus-
serst hilfreiche Tätigkeiten – konkret Informationsbeschaffung und -doku-
mentation – übernommen.
Ferner seien unter Art. 53 AsylG nicht nur Verbrechen, sondern auch Hand-
lungen zu subsumieren, denen keine strafrechtliche Konnotation im enge-
ren Sinne zukomme. Bei der Beurteilung sei lediglich zu prüfen, ob hinläng-
lich konkrete Anhaltspunkte dafür vorliegen, die asylsuchende Person sei
für „verwerfliche Handlungen“ individuell verantwortlich (mit Verweis auf
Urteil des BVGer D-7316/2010 vom 7. Dezember 2011 E. 4.3). Es sei be-
kannt, dass die G._ rigoros und mit besonderer Grausamkeit gegen
(angebliche) oppositionelle Kräfte vorgegangen seien. Die Konsequenz
seien Delikte gegen Leib und Leben, beispielsweise Hinrichtungen, welche
nach fragwürdigen Verfahren durch G._-Gerichte durchgeführt wor-
den seien, gewesen. Diese Delikte seien gemäss dem Strafgesetzbuch mit
einer Freiheitsstrafe von über drei Jahren sanktioniert, womit eine verwerf-
liche Handlung vorliege.
Für die Beurteilung des individuellen Tatbeitrags seien die Aktivitäten der
Beschwerdeführerin zugunsten der G._ massgeblich. Die alleinige
Zugehörigkeit zur Organisation vermöge keinen Asylausschluss gemäss
Art. 53 AsylG zu begründen. Es sei daher auf ihren individuellen Tatbeitrag
abzustellen. Bei der Beurteilung desselben könnten jedoch nicht nur expli-
zit offengelegte Tatbeiträge relevant sein. Es stelle sich vielmehr die Frage,
welche verwerflichen Handlungen der betreffenden Person im konkreten
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Kontext zugerechnet werden müssten. Im Rahmen der Beurteilung des in-
dividuellen Tatbeitrags habe die Beschwerdeführerin zu ihrer Funktion bei
den G._ einerseits angeführt, ein wichtiges Mitglied der Organisa-
tion gewesen zu sein und dem Kader der G._ angehört zu haben.
Zwischen ihr und dem Chef des (Nennung Dienst) habe es nur eine weitere
Stufe respektive Person gegeben. Andererseits habe sie betont, nicht in
den oberen Rängen der G._ gewesen zu sein und keine gute Posi-
tion besetzt zu haben, zumal sie lediglich Informationen entgegengenom-
men, dokumentiert und weitergeleitet habe. Nachfragen zu ihrer konkreten
Tätigkeit habe sie öfters knapp und oberflächlich beantwortet oder sei die-
sen ausgewichen. Angesichts der Dauer ihrer Tätigkeit für G._ und
ihrer glaubhaften Aussagen zu ihrer Mitgliedschaft würden diese vagen
und substanzlosen Angaben erstaunen. Es sei davon auszugehen, dass
sie aus asyltaktischen Gründen ihre Ausführungen selektiv gestalte und
ihre tatsächlichen Tätigkeiten bewusst verharmlose beziehungsweise her-
unterspiele, insbesondere um allfällige Ausschlussgründe zu umgehen.
Darauf weise auch die geltend gemachte Nennung auf (Nennung Printme-
dium) der Jahre (...) und (...) hin, welche zweifelsfrei ein erhöhtes Profil
voraussetze. Die geltend gemachte (Nennung Tätigkeit) als Grund für die
Nennung auf der Liste vermöge nicht zu überzeugen. So habe sie eigenen
Angaben zufolge lediglich ein Buch im Jahr (...) veröffentlicht, welches aus-
schliesslich aus (...) Kurzgeschichten bestehe. Zudem enthalte der geltend
gemachte Eintrag auf der Liste keine Hinweise auf ihr Pseudonym, unter
welchem ihr Buch veröffentlicht worden sei. Ferner habe die Beschwerde-
führerin durch das Sammeln und Weiterleiten der Informationen zu (Nen-
nung Personen) einen substanziellen und entscheidenden Tatbeitrag zur
Begehung allfälliger verwerflicher Handlungen geleistet. Sie habe zwar
mehrfach betont, den Zweck dieser Informationen nicht gekannt, keine
grösseren Entscheidungen getroffen und nichts damit zu tun gehabt zu ha-
ben. Dennoch hätten die von ihr gesammelten Informationen zu Festnah-
men und Verhören der (Nennung Personen) geführt. Im Länderkontext sei
davon auszugehen, dass die Konsequenz ihres Handelns Delikte gegen
Leib und Leben gewesen seien. Sie habe somit durch ihr Verhalten einen
direkten und massgeblichen Tatbeitrag zum "Ausschalten von (Nennung
Personen)" und damit zu Delikten wie Tötung, Körperverletzung und Frei-
heitsberaubung geleistet. Die Auslieferung von angeblichen (Nennung Per-
sonen) stelle eine besonders verwerfliche Straftat dar und wiege unter dem
Aspekt des Verschuldens äusserst schwer. Die langjährige Tätigkeit und
die Funktion innerhalb des (Nennung Dienst) der G._ zeuge davon,
dass die Führung der Organisation der Beschwerdeführerin viel Vertrauen
entgegengebracht und sich die Beschwerdeführerin mit der skrupellosen
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Ideologie der G._ vollständig identifiziert habe. So habe sie be-
wusst eine Funktion bekleidet, welche die Erreichung der Ziele der Orga-
nisation sichergestellt habe. Entsprechend müsse sie sich im Rahmen ihrer
Tätigkeit Entscheidungen und Handlungen des Machtapparats zurechnen
lassen. Es sei davon auszugehen, dass sie die gewonnenen Informationen
im vollen Wissen um die für die Betroffenen damit verbundenen Gefahren
für Leib und Leben an die entsprechenden Stellen innerhalb der
G._ weitergeleitet habe. Durch ihr persönliches Zutun (Gehilfen-
schaft) habe sie folglich die Inhaftierung, Folterung oder gar Tötung von
(Nennung Personen) ermöglicht und sich der Beihilfe zu entsprechenden
Delikten schuldig gemacht. Ihre anderslautenden Erklärungen vermöchten
nicht zu überzeugen. Eine Argumentation, wonach man sich bei der Bege-
hung von Völkerrechtsverbrechen hinter der Befehlskette zu verstecken
versuche, sei rechtlich nicht haltbar. Insgesamt sei der individuelle Tatbei-
trag der Beschwerdeführerin aufgrund der Aktenlage erfüllt.
Ein Asylausschluss erweise sich auch als verhältnismässig. Die Beschwer-
deführerin sei der G._ freiwillig beigetreten. Aufgrund ihrer Aussa-
gen, ihrer Position und der Dauer ihres Engagements für die Organisation
sei davon auszugehen, dass sie sich mit der Ideologie der G._ iden-
tifiziert und der Organisation gegenüber loyal verhalten habe. Aus den Ak-
ten gehe auch nicht hervor, dass sie je versucht habe, von ihrer Tätigkeit
im (Nennung Dienst) loszukommen. Sodann sei sie in den Jahren (...) bis
(...) für die G._ tätig gewesen. Bezüglich des in Betracht zu ziehen-
den Zeitablaufs zwischen der Straftat und dem Asylentscheid liege somit
keine Verjährung gemäss Art. 97 Abs. 1 Bst. b StGB vor.
5.2 In ihrer Rechtsmitteleingabe entgegnete die Beschwerdeführerin, sie
sei lediglich eine (Nennung Verantwortung und Tätigkeit) und ihre Vorge-
setzte J._ darüber ins Bild gesetzt. Auch habe sie einige Informati-
onen, die J._ selber betroffen hätten, an diese übermittelt. In ihrer
Funktion habe sie die Informationen sortiert und archiviert. Der Vorwurf der
Vorinstanz, dass diese Tätigkeit ein Kriegsverbrechen darstelle, sei falsch.
Sie sei keine Informantin gewesen, sondern habe nur Informationen ent-
gegengenommen. Die Richtigkeit der Informationen sei Sache des Infor-
manten gewesen. Sie könne angesichts ihrer Funktion für keine Men-
schenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht werden, zumal in ihrer
Funktion auch keine Möglichkeit dazu bestanden habe. Sie habe keine
Kenntnisse über die allfälligen Ausführungen von militärischen und huma-
nitären Operationen gehabt und die Protokollierung solcher Operationen
seien nicht in die Verantwortung ihrer Abteilung, sondern in diejenige von
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Aussendienststellen gefallen. Ferner sei der Vorwurf vager und substanz-
loser Ausführungen zu Fragen des SEM unberechtigt. Sie habe den Inhalt
der Informationen, die sie erhalten, sortiert und archiviert habe, nicht ge-
kannt. Sie könne daher keine ausführlichen Erklärungen dazu machen.
Auch sei der Vorhalt unzutreffend, dass sie auf einige Fragen nicht konkret
geantwortet habe. Sie sei noch immer in (...) Behandlung, da sie in einem
normalen Gespräch von einem Thema zum anderen springe. Sie weise die
vorinstanzliche Unterstellung, dass sie eine wichtige Person gewesen sei,
zurück. Sie habe lediglich vermutet, dass ihre Stellung als (Nennung Ver-
mutung zu ihrer Einstufung) worden sei. Die Frage nach ihren Vorgesetz-
ten habe sie entsprechend den administrativen Verantwortlichkeiten beant-
wortet. Ihre Vorgesetzte J._ sei die Einzige gewesen, die für sie
zuständig gewesen sei und welche sie habe kontaktieren dürfen. Die Struk-
tur im (Nennung Dienst) und die allgemeine Geheimhaltung hätten dazu
geführt, dass ihre Stellung von der Vorinstanz – jedoch nicht von ihr – als
wichtig betrachtet worden sei. Die in der Schweiz als Flüchtling lebende
Q._ könne über die Aufgaben der Mitarbeiter im (Nennung Bereich)
Auskünfte geben. Sie habe lediglich angeführt, dass ihr Name in Sri Lanka
trotz ihrer Tätigkeit als normale Büromitarbeiterin auf einer Liste in einer
(Nennung Publikation) geführt und sie deshalb schikaniert worden sei. Ge-
mäss einer Abklärung des SEM sei ihr Name mittlerweile von dieser Liste
gestrichen worden. Weiter sei falsch, dass sie den G._ freiwillig bei-
getreten sei. Sie habe kriegsbedingt als erstgeborenes Kind der Familie zu
den G._ gehen und bis im Jahr (...) bei ihnen bleiben müssen, an-
sonsten eines ihrer Geschwister zwangsrekrutiert worden wäre. Ferner
hätten die von ihr geschriebenen Texte sehr wohl Auswirkungen gehabt,
was von R._ – welche in der Schweiz lebe – bestätigt werden
könne.
In ihren Eingaben vom 9. und 20. September 2019 hielten die Beschwer-
deführenden sodann fest, die konkreten Tätigkeiten und die hierarchische
Stufe, auf der die Beschwerdeführerin für die G._ tätig gewesen sei,
sei von der Vorinstanz falsch eingeschätzt worden. Die Vorinstanz habe
ihre Rolle selber als klar "subalterne" geschildert. Zwar sei sie in der Ver-
waltung der G._ – was sie einmal als Kader der Organisation be-
schrieben habe – beziehungsweise des lokalen (Nennung Dienst) tätig ge-
wesen und habe dort Akten behandelt, aber selber weder Informationen
über Personen beschafft noch bewertet oder gar irgendeine Entschei-
dungsbefugnis innegehabt, was das Vorgehen der G._ betroffen
habe. Sie habe sich den G._ nicht freiwillig angeschlossen, dies
aufgrund der Praxis von Zwangsrekrutierungen und um eine solche von
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Geschwistern zu verhindern. Letzteres sei auch der Grund gewesen, dass
die Beschwerdeführerin die ihr aufgrund ihrer Fähigkeiten als gebildete
Person zugewiesene Funktion so lange ausgeübt habe. Die Tatsache, dass
sie auf einer Liste der Regierung aufgeführt worden sei, belege nicht, dass
sie effektiv und objektiv betrachtet eine Funktion mit Entscheidungsgewalt
bei den G._ innegehabt habe. Die Behörden hätten sie aber wohl
höher eingestuft und geglaubt, sie sei in der (Nennung Abteilung) der
G._ tätig, weil sie ein Buch geschrieben habe, das von (Nennung
Person) herausgegeben worden sei. Zudem sei der (Nennung Verwandter)
der Beschwerdeführerin verhört worden und habe ihren Namen und wohl
auch ihre Tätigkeit für den (Nennung Dienst) erwähnt, was die heimatlichen
Behörden wohl überdies zur Fehleinschätzung gebracht habe, die Funktion
der Beschwerdeführerin höher einzuschätzen. Sodann habe die Anhörung
– soweit den (...) Zustand der Beschwerdeführerin betreffend – unter pre-
kären Bedingungen stattgefunden, was bei der Würdigung ihrer teilweise
sprunghaft wirkenden Aussagen zu berücksichtigen sei. So werde dieses
Aussageverhalten vom SEM falsch und einseitig gegen ihre Glaubhaf-
tigkeit ausgelegt. Ihre Aussagen seien in drei Bereichen zu korrigieren und
zu präzisieren. Hinsichtlich ihres Beitritts zu den G._ sei es bei die-
sem Thema zu einer Konfusion und Übersetzungsschwierigkeiten gekom-
men. Sie habe mehrfach erwähnt, im Haus leben zu wollen, aber nicht zu
können. Damit habe sie ausdrücken wollen, dass sie als Familie vor der
Wahl gestanden seien, den Ort im tamilischen Gebiet zu verlassen, oder
aber dass sich eine Person der Familie den G._ anschliesse. Hin-
sichtlich ihrer genauen Funktion sei zu ergänzen, dass sie zu keinem Zeit-
punkt selber in Kampfhandlungen verwickelt gewesen sei. Ihre Aussage
"Weil ich eine Kämpferin war" sei auf eine falsche Übersetzung des Wortes
"(...)" zurückzuführen. Ihr "militärischer Grad" sei nur unter grossem Druck
und nach wiederholter Nachfrage als Schätzung angegeben worden. Sie
habe aber auch gesagt, dass sie selber keinen solchen Rang gehabt habe,
sondern lediglich als Vergleich mit dem Militär den Rang angegeben habe.
Zudem sei es notorisch, dass im Stab tätige Personen in jeder Streitkraft
per se höhere Grade erhalten würden. Sie habe als "Schreibkraft" gearbei-
tet, jedoch keine Berichte verfasst, sondern eingehende Berichte und For-
mulare sortiert, korrigiert und abgelegt. Die konkreten Tätigkeiten könnten
von P._ bestätigt werden, die im gleichen Büro auf der gleichen Hie-
rarchiestufe wie sie gearbeitet habe. Im Verfahren von P._ sei kein
Asylausschluss verfügt worden, was als willkürliche Ungleichbehandlung
erscheine. Sodann habe sie im Rahmen ihrer (Nennung Tätigkeit) für (Nen-
nung Personen) eigene Schriften verfasst, welche die Organisation als
wertvoll für die Propaganda erachtet und daher entschieden habe, diese in
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Buchform zu veröffentlichen. Dabei habe es sich weder um ideologische
Texte noch um Aufrufe zu Gewalt oder ähnlichem gehandelt.
6.
6.1 Nach Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz-
lich Asyl. Davon ausgenommen sind jedoch unter anderem gemäss Art. 53
AsylG Flüchtlinge, die wegen verwerflicher Handlungen der Asylgewäh-
rung unwürdig sind (Bst. a) oder die die innere oder die äussere Sicherheit
der Schweiz verletzt haben oder gefährden (Bst. b).
Nach der von der Asylrekurskommission (ARK) entwickelten und seither
bestätigten Praxis gelten als "verwerfliche Handlungen" im Sinne von
Art. 53 Bst. a AsylG diejenigen Straftaten, die unter den Verbrechensbegriff
von Art. 9 Abs. 1 StGB in der bis zum 31. Dezember 2006 gültigen Fassung
fallen. Nach der asylrechtlichen Rechtsprechung ist es irrelevant, ob die
verwerfliche Handlung einen ausschliesslich gemeinrechtlichen Charakter
hat oder als politisches Delikt aufzufassen ist. Unter Art. 53 AsylG sind mit-
hin auch Handlungen zu subsumieren, denen keine strafrechtliche Konno-
tation im engeren Sinne des Strafrechts zukommt (vgl. BVGE 2011/29 E.
9.2.2; 2011/10 E. 6 [2. Abschnitt]; 2010/44 E. 6 je m.w.H.). Als Verbrechen
gemäss aArt. 9 Abs. 1 StGB wurde jede mit Zuchthaus bedrohte Straftat
definiert (Mindeststrafe von einem Jahr und Höchststrafe von 20 Jahren, in
besonderen Fällen lebenslänglich, vgl. aArt. 35 StGB). Seit der Änderung
des Strafgesetzbuches auf den 1. Januar 2007 werden Straftaten als Ver-
brechen definiert, die mit mehr als drei Jahren Freiheitsstrafe bedroht sind
(Art. 10 Abs. 2 StGB). Zudem wurde die Unterscheidung der Strafen in
Zuchthaus und Gefängnis aufgegeben. Nach altem wie nach neuem Recht
wird für die Einstufung von Straftaten unabhängig von der im Einzelfall ver-
hängten Strafe die für die begangene Straftat vorgesehene Höchststrafe
berücksichtigt. Das Bundesverwaltungsgericht schloss daraus, dass die
Änderung des Verbrechensbegriffs mehrheitlich keine Auswirkungen auf
die Beurteilung einer Straftat als verwerfliche Handlung habe, vorausge-
setzt das Höchststrafmass ändere sich nicht (vgl. BVGE 2012/20 E. 4.3).
Das anzusetzende Beweismass wurde in der Botschaft zur Totalrevision
des Asylgesetzes sowie zur Änderung des Bundesgesetzes über Aufent-
halt und Niederlassung der Ausländer vom 4. Dezember 1995 (BBl 1996 II
73) für Art. 1 F des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung
der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 53 AsylG übereinstimmend um-
schrieben, was sich in der Folge in der Rechtsprechung niedergeschlagen
hat. Demnach ist bei Straftaten, die im Ausland begangen wurden, kein
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strikter Nachweis erforderlich. Es genügt die aus schwerwiegenden Grün-
den gerechtfertigte Annahme, dass sich die betreffende Person einer Straf-
tat im Sinne der genannten Bestimmungen schuldig gemacht hat, wobei
auf den individuellen Tatbeitrag abzustellen ist (vgl. BVGE 2011/29
E. 9.2.3 f.).
Liegt eine entsprechende Delinquenz vor, vermag die alleinige Tatsache
einer Mitgliedschaft bei einer extremistischen Organisation (vgl. dazu
SR 122) grundsätzlich nicht zur Folgerung der Asylunwürdigkeit zu führen.
Vielmehr ist von einer pauschalen Betrachtungsweise Abstand zu nehmen
und, wie erwähnt, der individuelle Tatbeitrag – zu welchem die Schwere der
Tat und der persönliche Anteil am Tatentscheid wie auch das Motiv des
Täters und allfällige Rechtfertigungs- oder Schuldminderungsgründe zu
zählen sind – zu ermitteln. Ausserdem ist zu prüfen, ob die Rechtsfolge des
Asylausschlusses auch eine verhältnismässige Massnahme darstellt (vgl.
a.a.O. E. 9.2.4 m.w.H.).
6.2 Im Folgenden ist zunächst zu prüfen, ob und inwiefern der Beschwer-
deführerin verwerfliche Handlungen im oben genannten Sinne vorgewor-
fen werden können.
6.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht geht in seiner Rechtsprechung davon
aus, dass die G._ angesichts ihrer Zielsetzung der politischen
Selbstbestimmung der Tamilen in Sri Lanka nicht ausschliesslich als terro-
ristisch-kriminelle Organisation aufzufassen sind, gleichzeitig aber auf-
grund der Wahl ihrer Mittel, welche zu erheblichen Menschenrechtsverlet-
zungen geführt haben, ebenso nicht nach den alleinigen Kriterien einer
Bürgerkriegspartei behandelt werden können. Mit anderen Worten wird es
in Bezug auf die G._ einerseits nicht als sachgerecht angesehen,
deren Taten generell als Kriegshandlungen zu qualifizieren mit der Konse-
quenz, dass diese den daran Beteiligten generell nicht als Asylausschluss-
grund entgegengehalten werden können. Andererseits wird auch die An-
nahme eines Asylausschlusses einzig gestützt auf eine Mitgliedschaft bei
den G._ nicht als gerechtfertigt erachtet (vgl. BVGE 2011/29 E.
8.2.1; Urteil des BVGer D-4291/2012 vom 26. Juli 2013 E. 5.2.1 ff. m.w.H.).
6.2.2 Die Beschwerdeführerin gab im Rahmen der beiden vom SEM durch-
geführten Anhörungen zu Protokoll, sich (Nennung Zeitpunkt), mithin als
(...)-Jährige den G._ angeschlossen zu haben. Als Gründe für ihren
Beitritt führte sie an, man habe – wenn man in seinem eigenen Haus habe
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leben wollen – in der damaligen Situation dafür kämpfen müssen respek-
tive sie sei die Älteste der Familie gewesen und habe nicht gewollt, dass
jemand anderes von der Familie gehe, weshalb sie sich zu diesem Schritt
entschlossen habe (vgl. act. A12, F96 ff.). Nach ihrem Beitritt habe sie zu-
nächst (Nennung Dauer) als (Nennung Tätigkeit) für die Bewegung gear-
beitet. Anschliessend habe sie ein (Nennung Dauer) Training absolvieren
müssen, das im Wesentlichen aus der Einübung von Massnahmen zur ei-
genen Sicherheit bestanden habe (vgl. act. A12, F102 f.). Danach habe sie
im (Nennung Bereich) des (Nennung Dienst) der G._ im Büro gear-
beitet, wo sie für Dokumentationsarbeiten zuständig gewesen sei und da-
bei die – über diverse Informanten erhaltenen – Informationen gesammelt,
gespeichert und teilweise an ihre direkte Vorgesetzte J._ weiterge-
leitet habe (vgl. act. A12, F26 f. und F37-44; A29, F18-26). J._ habe
dann ihrerseits diese Informationen an die zuständige Person weitergelei-
tet (vgl. act. A12, F43). Mit S._, dem Chef des (Nennung Dienst),
habe sie nie direkten Kontakt gehabt (vgl. act. A29, F35). Der Zweck der
von ihr weitergeleiteten Informationen sei ihr nicht bekannt gegeben wor-
den, zumal grössere Entscheidungen von den Leuten in den oberen Rän-
gen getroffen worden seien. Zudem habe sie unter einem Pseudonym (...)
Kurzgeschichten verfasst, welche im Jahr (...) in einem Buch veröffentlicht
worden seien (vgl. act. A12, F55 ff.).
6.2.3 Vorliegend kann – entgegen den im angefochtenen Entscheid des
SEM angeführten Schlussfolgerungen – nicht der Schluss gezogen wer-
den, die Beschwerdeführerin sei entweder direkt oder lediglich indirekt an
gewalttätigen und terroristischen Handlungen der G._ beteiligt ge-
wesen und ihre unmittelbare beziehungsweise mittelbare Täterschaft an
verwerflichen Handlungen sei überwiegend wahrscheinlich. Nach der
Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts stellen weder die
G._-Mitgliedschaft für sich allein noch gewaltlose Aktivitäten inner-
halb dieser Organisation verwerfliche Handlungen im Sinne von Art. 53
AsylG dar. Sodann sind weder individuelle Handlungen noch eine individu-
elle Verantwortlichkeit ersichtlich, die als verwerflich im Sinne von Art. 53
AsylG einzustufen sind.
6.2.3.1 Zwar ergeben sich hinsichtlich der tatsächlichen Funktion der Be-
schwerdeführerin innerhalb der G._ – bei einem Vergleich der Aus-
sagen in den Anhörungen, in welchen sie darlegte, lediglich eine unterge-
ordnete Stellung innegehabt zu haben, und ihren Angaben in der BzP so-
wie im Rahmen des rechtlichen Gehörs vom 14. März 2017 zu den Abklä-
rungen der Botschaft vom (...) – teilweise uneinheitliche Aussagen, welche
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nachfolgend näher zu beleuchten sind. So führte sie anlässlich der BzP in
summarischer Weise an, sie sei ein wichtiges Mitglied der G._ und
in diesem Zusammenhang zuständig für die Informationen des (Nennung
Dienst) der Bewegung gewesen. Sie habe diese Informationen dokumen-
tiert und sichergestellt, bis diese von den Leuten bei ihr abgeholt worden
seien (vgl. act. A5, S. 10 unten). In ihrer Stellungnahme vom 14. März 2017
zu den Abklärungen der Botschaft brachte ihr damaliger Rechtsvertreter
vor, die Beschwerdeführerin sei kein einfaches Mitglied der G._ ge-
wesen. Als ehemaliges G._-Kader und (Nennung Tätigkeit) sei sie
eine bekannte Persönlichkeit in Sri Lanka gewesen. Sie sei an mehreren
öffentlichen Veranstaltungen in der (Nennung Region) aufgetreten und
habe (Nennung Texte) geschrieben. Ihre Reden hätten den Chef des (Nen-
nung Dienst) S._, für den sie gearbeitet habe, beeindruckt und sie
habe das volle Vertrauen von S._ gehabt. Aufgrund ihrer Bekannt-
heit und der Nähe zum G._-Kader habe die Aussenwelt sie für eine
sehr wichtige Persönlichkeit der G._ gehalten. Bezüglich der Aus-
sagen in der BzP stellt das Gericht fest, dass sich diese summarisch ge-
haltenen Schilderungen zur ausgeführten Tätigkeit für die G._ nicht
wesentlich von den Äusserungen in den Anhörungen unterscheiden. Wohl
führte die Beschwerdeführerin explizit an, sie sei ein wichtiges Mitglied der
G._ gewesen. Diese Aussage ist jedoch in Anbetracht des Um-
stands, dass alleine die Tätigkeit für den (Nennung Dienst) der Bewegung
aus subjektiver Wahrnehmung – ob zu Recht oder zu Unrecht – als Aus-
übung einer wichtigen Funktion wahrgenommen werden dürfte sowie in
Berücksichtigung des summarischen Charakters des BzP-Protokolls und
dessen eingeschränkten Beweiswerts, erheblich zu relativieren, und sie
stellt keine entscheidende Abweichung zu den Ausführungen in den Anhö-
rungen dar. Soweit sich die Beschwerdeführerin in der erwähnten Stellung-
nahme zum rechtlichen Gehör in pauschaler Form als ehemaliges
G._-Kader bezeichnet, ist anzumerken, dass sie im späteren Ver-
lauf ihrer Stellungnahme hingegen davon spricht, sie sei unter anderem
wegen der "Nähe zum G._-Kader" als wichtige Person beurteilt
worden. Aus diesen Ausführungen lässt sich demnach eine allfällige Zuge-
hörigkeit zum Kader der G._ noch nicht zweifelsfrei herleiten. Fer-
ner stellt das Vorbringen, die Beschwerdeführerin habe für S._ ge-
arbeitet und dessen volles Vertrauen gehabt, kein greifbarer inhaltlicher
Unterschied zu dem in den Anhörungen Vorgebrachten dar, zumal sie stets
von einer Tätigkeit innerhalb des (Nennung Dienst) der G._ sprach
und davon auszugehen ist, dass sämtliche Angehörigen dieser Abteilung
ohne Weiteres das volle Vertrauen ihres Chefs genossen haben. Soweit
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sie im Weiteren in ihrer Stellungnahme darauf hinweist, dass sie an meh-
reren öffentlichen Veranstaltungen in der (Nennung Region) aufgetreten
sei, lassen sich aus dieser erstmals vorgebrachten pauschalen Aussage
keine konkreten Hinweise darauf entnehmen, wann, wo genau, unter wel-
chen Umständen und insbesondere in welcher Funktion sie in der Öffent-
lichkeit aufgetreten sein will. Mit Blick auf die Beurteilung ihrer Funktion
innerhalb der G._ sind für das Gericht daraus keine konkreten
Rückschlüsse möglich. Ob es sich sodann bei den in der Stellungnahme
erwähnten (Nennung Texte) um die von der Beschwerdeführerin in den An-
hörungen erwähnten, in einem Buch veröffentlichten (...) Kurzgeschichten
handelt, kann offenbleiben, zumal daraus ebenfalls keine Folgerungen zur
ausgeübten Funktion innerhalb der G._ möglich sind. Alleine die
persönliche Einschätzung in der Stellungnahme der Beschwerdeführerin,
sie sei aufgrund ihrer Bekanntheit und der Nähe zum G._-Kader
von Aussenstehenden als wichtige Persönlichkeit der G._ gehalten
worden, lässt keine fassbaren Hinweise auf ihre tatsächliche Stellung und
Bedeutung innerhalb der Bewegung zu.
6.2.3.2 Zur Einschätzung der Bedeutung der Beschwerdeführerin für die
G._ und ihrer Funktion innerhalb derselben ist sodann auch dem
Umstand Rechnung zu tragen, dass eigenen Angaben zufolge ihr Name in
den Ausgaben der (Name Printmedium) vom (...) sowie vom (...) aufgeführt
worden sei. Gemäss der Schweizer Vertretung in M._ sind alle den
Behörden bekannten Angaben zu einer Person, die von den sri-lankischen
Behörden aufgrund eines Terrorverdachts gesucht wird, in der erwähnten
(Name Printmedium) aufgeführt. Die entsprechende Liste wird regelmässig
überprüft und angepasst. Eine Person wird von der Liste gestrichen, wenn
neue Informationen belegen würden, dass die Person keine Straftaten un-
ter dem Anti-Terrorgesetz (PTA) begangen hat (vgl. dazu act. A35 und
A50). Unbesehen des Umstands, dass laut Abklärungsergebnis der Bot-
schaft weder der tatsächliche Name noch das Pseudonym der Beschwer-
deführerin den sri-lankischen Behörden bekannt sei noch heute eine Be-
deutung habe und sie in der Ausgabe der fraglichen Liste vom (...) nicht
mehr aufgeführt ist (vgl. act. A35 und A50), lässt die Tatsache, dass die
Beschwerdeführerin wegen Terrorverdachts in ihrer Heimat gesucht wor-
den sei, durchaus Rückschlüsse auf eine Vergangenheit beziehungsweise
Tätigkeit bei den G._ zu, nicht jedoch auf die Wichtigkeit dieser Tä-
tigkeit und die Bedeutung ihrer Stellung innerhalb der Organisation. Insbe-
sondere belegt der fragliche Eintrag auf der Liste – wie die Beschwerde-
führerin in ihrer Eingabe vom 9. September 2019 zu Recht festhält – nicht,
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dass sie effektiv eine Funktion mit Entscheidungsgewalt bei den
G._ innehatte.
6.2.3.3 Im Lichte obiger Ausführungen geht das Gericht vorliegend davon
aus, dass die Beschwerdeführerin – ihren Angaben entsprechend – inner-
halb der (Nennung Abteilung) des (Nennung Dienst) in der (Nennung Be-
reich) beschäftigt war und bereits aufgrund dessen eine vertrauensvolle
Position innerhalb der Organisation innehatte. Weiter ist angesichts ihrer
Ausführungen zu dem von ihr verfassten Buch und den Umständen dessen
Veröffentlichung, anlässlich welcher höhere Kader der G._ anwe-
send gewesen seien und verschiedene Medien in der Folge über diesen
Anlass berichtet hätten (vgl. act. A12, F23; A29, F56), nicht auszuschlies-
sen, dass dieses Buch zu Propagandazwecken für die G._ verwen-
det worden sein könnte und mithin die Beschwerdeführerin dadurch ein
gewisses Wohlwollen in bestimmten Kreisen der Bewegung genoss. Doch
selbst wenn der Beschwerdeführerin nun als vertrauensvolle Mitarbeiterin
im (Nennung Dienst) der G._ eine besondere Wertschätzung sei-
tens S._ oder anderer höherer Chargen entgegengebracht worden
wäre, ergeben sich aus ihren Angaben zur Tätigkeit für die G._
auch nach obiger Interpretation ihrer diesbezüglich relevanten Ausführun-
gen keine konkreten Hinweise darauf, dass sie in irgendeiner Weise direkt
an Gewaltakten derselben beteiligt war. Weder nahm sie eine Führungs-
funktion ein noch verfügte sie über irgendwelche Entscheidungsbefug-
nisse. Von solchen ist auch angesichts ihrer Tätigkeit auf einer – eigenen
Angaben zufolge – unteren Stufe in der (Nennung Abteilung) des (Nennung
Dienst) nicht auszugehen. Auch der Umstand, dass der Chef des (Nen-
nung Dienst) nur zwei Stufen höher als sie selber gewesen sei, lässt nicht
per se auf solche Befugnisse schliessen. Im Weiteren sind die Ausführun-
gen der Beschwerdeführerin zu ihrer konkreten Tätigkeit nicht derart knapp
und oberflächlich ausgefallen, wie dies die Vorinstanz im angefochtenen
Entscheid bemängelt (vgl. act. A53, S. 5, Ziff. 2.2.1). Im Rahmen der An-
hörungen war die Beschwerdeführerin durchaus in der Lage, diverse De-
tails über ihre Tätigkeit und damit in Zusammenhang stehende Vorgänge
in ihrer Abteilung zu nennen, auch wenn sich erst aufgrund verschiedener
Nachfragen zu dieser ein konkreteres Bild ergab (vgl. act. A12, S. 5 ff.; A29,
S. 4 ff.), was möglicherweise auch im Zusammenhang mit der bei ihr ärzt-
lich diagnostizierten (Nennung Diagnose und Symptomatik), stehen dürfte
(vgl. das mit der Eingabe vom 30. September 2019 beiliegende [Nennung
Beweismittel]). Den Schlussfolgerungen des SEM, wonach davon auszu-
gehen sei, dass die Beschwerdeführerin mit ihren Unterstützungsleistun-
gen (...) im Sinne einer Mittäterschaft einen direkten und massgeblichen
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Tatbeitrag zur Auslieferung und zum "Ausschalten" von (Nennung Perso-
nen) und damit zu Delikten wie Tötung, Körperverletzung und Freiheitsbe-
raubung geleistet habe, kann nicht gefolgt werden. Die Vorinstanz vermag
mit ihren Verweisen auf die persönliche und ideologische Nähe der Be-
schwerdeführerin zu den G._ nicht schlüssig aufzuzeigen, wie sie
sich durch ihre Tätigkeit, in welcher sie im Wesentlichen eintreffende Infor-
mationen entweder archivierte oder an ihre Vorgesetzte weiterleitete, an
den allfälligen Gewalt- und Tötungsdelikten der G._ beteiligt haben
soll. Es lässt sich diesbezüglich nur spekulieren, welche tatsächlichen Aus-
wirkungen die von ihr weitergeleiteten Informationen auf das Vorgehen der
G._ gehabt haben könnten. Der alleinige Umstand, dass sie in der
(Nennung Abteilung) des (Nennung Dienst) der G._ Büroarbeiten
verrichtete und dabei auch Einblicke in die von Dritten beschafften Infor-
mationen gehabt hat, vermag die Beschwerdeführerin noch nicht in den
inneren Kreis der G._ oder in eine Position mit Weisungsbefugnis
innerhalb derselben zu rücken.
6.2.3.4 Mit dem Schluss, die Beschwerdeführerin habe sich durch ihre
langjährige Tätigkeit und ihre Funktion mit der skrupellosen Ideologie der
G._ vollständig identifiziert, zumal sie bewusst eine Funktion zur
Sicherstellung der Ziele der Organisation bekleidet habe, weshalb sie sich
im Rahmen ihrer Tätigkeit Entscheidungen und die Handlungen des Macht-
apparats zurechnen lassen müsse, unterstellt das SEM der Beschwerde-
führerin eine generelle Mitverantwortung für die den G._ zur Last
gelegten Straftaten in Form von gezielten Tötungen, von Folter oder ande-
ren Straftaten an (Nennung Personen), seien diese nun Armeeangehörige
oder Zivilpersonen. Dieser Schluss ist angesichts der Angaben der Be-
schwerdeführerin aber als unzulässig zu qualifizieren. Auch wenn sie den
G._ nicht zwangsweise, sondern aus freien Stücken beigetreten
sein dürfte, und sich in der Folge während mehrerer Jahre innerhalb der
Organisation als (Nennung Tätigkeiten) beschäftigte, ist in ihrem Fall noch
nicht mit einer überdurchschnittlichen Identifikation mit der Vorgehens-
weise einer gewaltbereiten Organisation wie den G._ auszugehen,
welcher einen Asylausschluss nach sich ziehen müsste (vgl. BVGE
2011/29 E. 9.2.2, 2011/10 E. 6, 2010/44 E. 6). Die Beschwerdeführerin hat
im Rahmen des Verfahrens wiederholt die Gründe ihres Beitritts zur Orga-
nisation dargelegt. Insbesondere sei sie mit einem "freiwilligen" Beitritt ei-
nem zwangsweisen Anschluss an die G._ zuvorgekommen und
habe verhindern wollen, dass – da sie das älteste Kind gewesen sei – eines
ihrer jüngeren Geschwister zwangsweise eingezogen worden wäre (vgl.
act. A12, F100; Übersetzung Beschwerdeschrift Ziff. 5.2; Schreiben vom
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9. September 2019, Ziff. 4). Die Beschwerdeführerin hat sodann unbestrit-
tenermassen zu keiner Zeit an Kampfhandlungen teilgenommen, war nicht
bewaffnet und absolvierte eigenen Angaben zufolge auch nie ein entspre-
chendes Waffentraining (vgl. act. A12, F103). Die Beteiligung an einer kon-
kreten Tat der G._, welche nach dem Gesagten als massgeblicher
Beitrag im Sinne eines Verbrechens angesehen werden müsste, ergibt sich
aus den Akten nicht. Dass sie mit der Weiterleitung von Informationen über
(Nennung Personen) an ihre Vorgesetzten einen Beitrag zur Erreichung
der Ziele der G._ geleistet hat, kann zwar nicht ausgeschlossen
werden, zumal sie ihre Unterstützungstätigkeit über eine lange Zeit ausge-
übt hat. Auch unter Berücksichtigung dessen, dass im Ausland begangene
verwerfliche Handlungen nach Art. 53 AsylG nicht eines strikten Beweises
bedürfen, sondern die aus schwerwiegenden Gründen gerechtfertigte An-
nahme genügt, dass sich die betroffene Person einer Straftat schuldig ge-
macht hat, ergibt sich aber aus der Aktenlage nachweislich keine Beteili-
gung an irgendeiner Tat der G._, die als massgeblicher Beitrag im
Sinne eines Verbrechens zu werten wäre. Es ist daher aufgrund der Akten-
lage auch eine allfällige indirekte Beteiligung an verwerflichen Handlungen
zu verneinen.
6.2.3.5 Überdies ist zu berücksichtigen, dass sich die Beschwerdeführerin
den Akten zufolge seit Kriegsende – faktisch aber wohl bereits nach der
Geburt ihres (Nennung Kind) im (...) (vgl. act. A12, F29) – weder für die
G._ engagiert hat noch sich seit ihrer Einreise in die Schweiz (Nen-
nung Zeitpunkt) etwas zuschulden kommen liess.
6.2.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschwerdeführerin
aufgrund der Aktenlage ein konkreter und individueller Tatbeitrag zu ver-
werflichen Handlungen im Sinne von Art. 53 AsylG nicht vorgeworfen wer-
den kann. Bei dieser Sachlage kann offen bleiben, ob ein Ausschluss vom
Asyl gegebenenfalls unverhältnismässig wäre.
6.3 Der Beschwerdeführerin – und gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG auch
ihren minderjährigen Kindern – ist daher in der Schweiz Asyl zu gewähren.
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass bezüglich der Beschwerdeführe-
rin keine Asylausschlussgründe nach Art. 53 AsylG bestehen und die – auf
den Punkt des Ausschlusses vom Asyl und die damit verbundenen Rechts-
folgen beschränkte – Beschwerde gutzuheissen ist. Entsprechend sind die
Ziffern 3 bis 7 der angefochtenen Verfügung aufzuheben und das SEM ist
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anzuweisen, der Beschwerdeführerin und ihren Kindern in der Schweiz
Asyl zu gewähren.
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG).
8.2 Der vertretenen Beschwerdeführerin ist angesichts ihres Obsiegens in
Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihr
notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen.
Der rubrizierte Rechtsanwalt wurde mit Zwischenverfügung vom 15. Au-
gust 2019 als amtlicher Rechtsvertreter eingesetzt. In der Kostennote vom
20. September 2019 werden ein Aufwand von 6.85 Stunden, Auslagen von
Fr. 22.10 und Übersetzungsarbeiten von Fr. 383.– geltend gemacht, aus-
machend einen Betrag von insgesamt Fr. 2609.25. Diese Kostennote er-
scheint den Verfahrensumständen als angemessen. Der angeführte Stun-
denansatz von Fr. 300.– ist für die Bemessung der Parteientschädigung im
Falle eines Obsiegens reglementskonform (vgl. Art. 10 Abs. 2 VGKE).
Nach Einreichung dieser Kostennote wurde noch eine Eingabe (Einrei-
chung Beweismittel) getätigt, welche bei der Entschädigung ebenfalls zu
berücksichtigen ist. Die von der Vorinstanz auszurichtende Parteientschä-
digung ist demnach gerundet auf insgesamt Fr. 2863.– (inkl. Auslagen und
Mehrwertsteueranteil) festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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