Decision ID: 1efe32d1-5db8-438e-9fab-5600b5163f03
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die im Jahre 1969 geborene
X._
absolvierte in Serbien in den Jahren 1984 bis 1987 eine k
aufmännische Ausbildung (Urk. 7
/11 S. 4). 1990 kam ihre Tochter aus erster Ehe zur Welt; im Jahr 199
1 kam es zur Schei
dung (Urk. 7
/10 S. 3). Im Jahr 2000 reiste die Versicherte in die Schweiz ein und nahm 2008 eine Ausbildung zur Pflegefachfrau in Angriff. Seit dem 1. Mai 2011 war sie als Pflegeassistentin für die
Y._
in einem Pensu
m von 70 % er
werbstätig (Urk. 7
/11). Am 24. Mai 2013 kam
eine weitere
Tochter zur Welt. Im Anschluss an die Geburt kam es zu Rückenbeschwerden, welche schliesslich am 22. Januar 2014 zur Anmeldun
g bei der Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zür
ich, IV-Stelle, führten (Urk. 7
/11 S. 5 f.). Nach erfolgten Abklärungen, insbe
sondere der Einholung der vertrauensärztlichen Berichte der Pension
skasse der Stadt Zürich (Urk. 7
/13), stel
lte die IV-Stelle der Versicher
ten mit Vorbescheid vom 1. Oktober 2014 d
ie Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 7
/31) und hielt an diesem Entscheid mit Verfügung vom
10. November 2014 fest (Urk. 7/35
).
Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das hiesige Ge
richt in dem Sinne gut, dass es die Sache zur
bidisziplinären
Abklärung an die IV-Stelle zurückwies (
Urteil IV.2014.01295 vom 3
0.
Oktober 2015;
Urk.
7/41).
Diese holte in der Folge einen aktuellen Bericht des behandelnden Hausarztes ein und liess die Versicherte
bidisziplinär
abklären (
Urk.
7/44,
Urk.
7/64; MEDAS-Gutachten vom
2
9.
August 2016). Mit Vorbescheid vom 2
4.
Oktober 2016 stelle die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehren
s
in Aussicht (
Urk.
7/66) und hielt an diesem Entscheid mit Verfügung vom 1
6.
Februar 2017 fest (
Urk.
7/74 =
Urk.
2).
2.
Dagegen
liess die Versicherte
am 2
1.
März 2017 Beschwerde
erheben und bean
tragen
, es sei
ihr
basierend
auf einem Invaliditätsgrad von 100
%
eine Rente zu gewähren; eventualiter seien berufliche Massnahmen
durchzuführen, respektive
sei
die Sache zu weiteren Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Ver
fahrensrechtlich sei ein
bidisziplinäres
Gutachten bei anerkannten Fachpersonen einzuholen, ein zweiter Schriftenwechsel durchzuführen und der Beschwerde
führerin die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, unter Beigabe des Unter
zeichnenden als unentgeltlichem Rechtsvertreter; alles unter Kosten- und Ent
schädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
8.
Mai 2017 beantragte die Beschwerdegegnerin unter Hinweis auf das MEDAS-Gutachten vom 2
9.
August 2017 Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6). Mit Verfügung vom
6.
Juni 2017 wurde der Beschwerde
führerin die unentgeltliche Prozessführung gewährt und es wurde ihr Rechtsan
walt Philip
Stolkin
, Zürich, als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das vorlie
gende Verfahren bestellt; weiter wurde ihr die Beschwerdeantwort vom 1
8.
Mai 2017 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8).
Mit Schreiben vom 2
2.
Juni 2017 nahm der Vertreter der Beschwerdeführerin zur Beschwerdeantwort Stellung und reichte die Honorarnote ein (
Urk.
10 f.).
Im Sinne einer Vervollständigung des Sachverhalts wurden die vom Vertreter der Beschwerdeführerin in seinem Einwand vom 11. Januar 2017 formulierten Ergänzungsfragen den MEDA
S-Gutachtern zur Beantwortung unterbreitet
, unter Hinweis darauf, dass bei genauer Angabe der Fundstelle für bereits beantworte
te Fragen auf das Gutachten vom 29. August 2016 verwiesen werden könne (
Gerichtsverfügung vom 2
5.
Oktober 2017;
Urk.
12). Mit Schreiben vom 1
8.
Dezember 2017 reichte die MEDAS
Z._
die entsprechenden Stel
lungnahmen ein (
Urk.
15 ff.), welche den Parteien mit Verfügung vom 2
5.
Januar 2018 zur freigestellten Stellungnahme unterbreitet wurden (
Urk.
18).
Mit Schreiben vom 2
8.
Februar 2018 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine solche
(
Urk.
22); der Vertreter der Beschwerdeführerin nahm – innert mehr
fach erstreckter Frist (
Urk.
26) - mit Schreiben vom 1
9.
April 2018 zur Gutach
tensergänzung Stellung (
Urk.
27).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
29
Abs.
2
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossen
schaft (
BV
)
haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlich
keitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass des in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentli
cher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1 mit Hinweisen).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann eine Verletzung der nach
Art.
19
des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
)
in Verbin
dung mit
Art.
57, 58 und 60
des Bundesgesetzes über den Zivilprozess (
BZP
)
für den
Beizug
von Sachverständigen geltenden Verfahrensregeln, insbesondere der Vorschriften, wonach den Parteien Gelegenheit zu geben ist, zur Ernennung von Sachverständigen Stellung zu nehmen (
Art.
58
Abs.
2 BZP) und sich zu den Fragen zu äussern, deren Begutachtung beabsichtigt ist (
Art.
57
Abs.
2 BZP), als geheilt gelten, wenn das Gericht den angefochtenen Entscheid in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht frei überprüfen kann. In gleichem Sinn hat das Bun
desger
icht im Falle eines von der Suva
eingeholten blossen Aktengutachtens entschieden und eine Verletzung der Vorschriften von
Art.
58
Abs.
2 und 57 Abs. 2 BZP als geheilt betrachtet, nachdem der Beschwerdeführer sowohl wäh
rend des Einsprache- als auch im anschliessenden Beschwerdeverfahren Gele
genheit hatte, entsprechende Einwendungen vorzubringen. Eine Heilungsmög
lichkeit entfällt rechtsprechungsgemäss jedoch bei schwer wiegenden Verlet
zungen der in den
Art.
57 ff. BZP garantierten Gehörs- und Mitwirkungsrechte. Davon abgesehen ist im sozialversicherungsrechtlichen Verfügungsverfahren jeweils sorgfältig zu prüfen, ob eine Missachtung der Verfahrensgarantien von
Art.
57 ff. BZP, insbesondere von
Art.
58
Abs.
2,
Art.
59
Abs.
1 und
Art.
60 BZP nicht an sich einen schwer wiegenden Verfahrensmangel darstellt, bei dem eine Heilungsmöglichkeit entfällt (BGE 126 V 130 E. 2b, 120 V 357 E. 2b mit Hin
weisen). Die zitierte Rechtsprechung betreffend die Heilung von Verfahrens
mängeln hat in gleicher Weise auch auf die seit 1. Januar 2003 in Kraft stehen
de, für den
Beizug
von Sachverständigen geltende Verfahrensregel von Art. 44
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (
ATSG
)
zu gelten.
1.2
Muss der Versicherungsträger zur Abklärung des Sachverhaltes ein Gutachten einer oder eines unabhängigen Sachverständigen einholen, so gibt er der Partei deren oder dessen Namen bekannt. Diese kann den Gutachter aus triftigen Gründen ablehnen und kann Gege
nvorschläge machen (
Art.
44 ATSG). Weiter besteht ein Anspruch darauf, sich vorgängig zu den Gutachterfragen zu äussern, dagegen Einwände zu erheben und Ergänzungsfragen zu st
ellen (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.9;
vgl. auch Kieser, ATSG-Kommentar,
3.
Auflage,
Rz
. 30 zur
Art.
44).
Gemäss
Art.
37
Abs.
3 ATSG sind Mitteilungen von Behörden an die Vertretung einer Partei zu richten, solange die Partei ihre
Vollmacht nicht widerrufen hat.
Nach konstanter Rechtsprechung führt eine fehlerhafte Eröffnung nicht zur Nichtigkeit der Verfügung; dem Verfügungsadressat darf daraus indessen kein Nachteil erwachsen (
Urteil
des Bundesgerichts
8C_322/2010 vom
9.
August 2010 E. 4.1 mit weiteren Hinweisen
).
2.
2.1
Nachdem der Vertreter der Beschwerdeführerin i
n formeller Hinsicht
gerügt hat
te
, dass die mit Einwand vom 1
1.
Februar 2017 gestellten Ergänzungsfragen zu keinem Moment den MEDAS-Gutachtern zur Beantwortung überstellt worden seien, was eine Verletzung des rechtlichen Gehörs darstelle
(Urk. 1
S. 14
), er
folgte die gewünschte Gutachtensergänzung
i
m Sinne einer Vervollständigung des Sachverhalts (
Verfügung vom 2
5.
Oktober 2017;
Urk.
12).
2.2
In seiner Stellungnahme vom 1
9.
April 2018 führte der Vertreter der Beschwer
deführerin in fo
rmeller Hinsicht aus, dass die Vorgehensweise des Gerichts die Verletzung des rechtlichen Gehörs nicht zu heilen vermöge, da die Beantwor
tung der Ergänzungsfragen nach der Erstellung des MEDAS-Gutachtens keine objektive und neutrale Herangehensweise gewährleis
t
e. Zudem sei die Beant
wortung der Zusatzfragen allein aufgrund der Akten erfolgt; insgesamt sei die Rückweisung zur erneuten medizinischen Abklärung unter Berücksichtigung der rechtsstaatlichen Grundsätze nötig (
Urk.
27 S. 3 f.).
2.3
2.3.1
Hinsichtlich der
auch weiterhin
geltend gemachten Gehörsverletzung ist vor
auszuschicken, dass die
im Einwand formulierten Ergänzungsfragen den MEDAS-Gutachtern
im Sinne einer Vervollständigung des Sachverhalts
unter
breitet wurden
(
Urk.
12).
Unbestritten ist, dass die Mitteilung betreffend
die in Aussicht genommene
bi
disziplinäre
Untersuchung vom 1
1.
Februar 2016 direkt der Beschwerdeführerin zugestellt wurde (
Urk.
7/51,
Urk.
7/70). Allein aufgrund des im vorangegange
nen gerichtlichen Verfahren bestehenden Vertretungsverhältnisses (vgl.
Urk.
7/41) hätte die Zustellung gemäss
Art.
37
Abs.
3 ATSG an den Vertreter der Beschwerdeführerin erfolgen müssen. Spätestens ab dem 2
4.
Februar 2016 hätte der Beschwerdegegnerin das Vertretungsverhältnis
ohnehin bewusst
sein müssen, nachdem sich der Vertreter der Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit der Bezahlung der Parteientschädigung an die Beschwerdegegnerin
gewandt hatte
, unter Beilage einer entspre
chenden Vollmacht (
Urk.
7/53 f.;
Datum der Bearbeitung der Beschwerdegegnerin
: 2
4.
Februar 2016
). Nichtsdestotrotz er
folgte
auch die Mitteilung vom
7.
März 2016 mit Angaben zu den Sachverstän
digen allein an die Beschwerdeführerin (
Urk.
7/59). Der Vertreter der Beschwer
deführerin erfuhr erst im Rahmen der Akteneinsicht nach ergangenem Vorbe
scheid
von der durchgeführten Begut
a
chtung (
Urk.
7/66 ff.). Angesichts
des ge
schilderten Ablaufs ist
zweifelsohne
von einer
fehlerhaft
en Mitteilung bezüglich der in Aussicht geno
mmenen Begutachtung auszugehen.
Was
mögliche
Aus
stands- und Ablehnungsgründe
mit Blick auf die
angeordnete Begutachtung
be
trifft, ist
festzuhalten
, dass der Vertreter solche weder in seinem Einwand vom
1
1.
Januar 2017 (
Urk.
7/71) noch im Rahmen der Beschwerde geltend machte. Aus der mangelhaften Mitteilung im Zusammenhang mit der Begutachtung ist der Beschwerdeführerin somit kein Nachteil entstanden (vgl. Urteil
des Bundes
gerichts
8C_322/2010
vom
9.
August 2010 E. 4.2
mit Hinweis
).
Was das Stellen von Ergänzungsfragen
angeht
, erhielt der Vertreter der Beschwerdeführerin im
Vorbescheidverfahren
wie
auch im Rahmen der Beschwerde Gelegenheit, solche ins Verfahren einzubringen. Da das hiesige Gericht sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei
überprüfen
kann
vgl. dazu BGE 137 I 195 E. 2.3.2 mit Hinweisen)
, ist der Mangel,
nicht
bereits vorgängig zu
den Gutachtensfragen Stellung
nehmen und Ergänzungsfragen stellen
zu können
,
einer Heilung zu
gänglich. Eine eingehendere Prüfung der Verfahrensgarantien wird gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung allein betreffend
Art.
58
Abs.
2,
Art.
59
Abs.
1 und
Art.
60 BZP (Ausstands- und Ablehnungsgründe, Ermahnung zur Erstattung des Gutachtens nach bestem Wissen und Gewissen sowie zur Unpar
teilichkeit, Form des Gutachtens) gefordert (BGE 120 V 357 E. 2b).
Darüber hin
aus
zielt
der Vertreter mit seinen Ergänzungsfragen auch nicht auf die formell korrekte Durchführung
des Abklärungsverfahrens ab
, sondern
stellt
insbesonde
re das vorliegende psychiatrische Gutachten in Frage (
Urk.
7/71 S. 6);
solche
Einwände
aber
sind im Rahmen der Beweiswürdigung zu prüfen (vgl. dazu
in SZS 2008 S. 166 publiziertes
Urteil
des Bundesgerichts
U 145/06 vom 3
1.
August 2007
E. 6.4).
Bei
der am 1
1.
Februar 2016 in die Wege geleiteten Abklärung wurde zudem ein standardisierter Ablauf gewählt und auf Zusatzfra
gen verzichtet (
Urk.
7/43 S. 3).
Ferner
ist darauf hinzuweisen, dass bei bereits vorliegendem Gutachten kein Anspruch darauf besteht, Ergänzungsfragen von den Gutachtern beantworten zu lassen; die im Raum stehenden Fragen sind le
diglich im Zuge der Beweiswürdigung zu berücksichtigen. Anders verhält es sich
unter dem Gesichtspunkt
der Waffengleichheit
lediglich dann, wenn der Versicherungsträger seinerseits Erläuterungs- und
Ergänzungsfragen für not
wendig hält
(BGE 136 V 113 E. 5.4).
Als Zwischenergebnis kann somit festge
halten
werden
, dass die Verletzung der Mitwirkungsrechte bei der Anordnung der
bidisziplinären
Begutachtung im vor
liegenden Fall
ohnehin
als
geheilt
gelten konnte
.
D
ass
die Ergänzungsfragen
dennoch den
Gutachter
n
(
im Sinne einer Vervollständigung des medizinischen Sachverhalts
)
zur Beantwortung unterbreitet wurden, vermag nichts am Um
stand zu ändern, dass der beschriebene Mangel
einer
H
eilung
zugänglich war
.
2.3.2
Nachdem die Erg
än
zungsfragen den Gutachtern zur Beantwortung zugestellt
wurden, fällt eine Gehörsverletzung
umso weniger in Betracht. Das S
tellen von Ergänzungsfragen
im Rahmen von
medizinischen Gutachten stellt
eine
gängige Praxis dar und
kommt
nicht schon alle
in deshalb
nicht in Frage, weil ein
ange
fragter Gutachter
sich zwangsläufig vorgängig bereits mit der Sache befasst hat
.
Es wäre einem
kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) gar unbenommen, eine Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführun
gen erforderlich ist (B
GE
137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hinweisen; Urteil des Bun
desgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
Die Beurteilung der Schlüssigkeit der Aussagen in ihrer Summe erfolgt dabei im Rahmen der Beweiswürdigung. Dass eine versicherte Person sich dabei nicht ein zweites Mal
persönlich v
orstellen muss, entspricht ebenfalls gängiger Praxis. Auch
fand anlässlich
der Erstbeurteilung eine eingehende Un
tersuchung
statt
, sodass den
(
verfahrensrechtlichen
)
Garantien genüge getan ist; zudem ziel
t
en die Ergänzungsfragen allein auf eine Ergänzung
beziehungsweise
Präzisierung des Gutachtens ab
,
wobei eine erneute Vorstellung der Beschwer
deführerin nicht im Raume stand. Eine solche
wurde denn auch weder vom hie
sigen Gericht
noch
von
den involvierten Gutachtern für nötig befunden.
Zusammenfassend
lässt sich
unter keinem Titel eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
respektive von
Verfahrensgarantien fest
stellen
. Die
Antworten auf die
Ergänzungsfragen
sind
in die
Würdigung des vorliegenden
MEDAS-
Gutachtens
miteinzubeziehen
.
3
.
3
.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung;
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
o
der teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen,
ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkom
men zu erzielen (
vgl.
BGE
139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme
eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt
eine psychiatrische,
lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Di
agnose voraus (
vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2,
141 V 281 E. 2.1
, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6
). Eine fachärztlich
einwandfrei
festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähig
keit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die
nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende
Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arb
eitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7,
139 V 547 E. 5.2
, 127 V 294 E. 4c, je mit Hin
weisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
3
.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsren
te
und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
3
.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ein
ander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensver
gleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
3.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorlie
gen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledi
gen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutach
tens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersu
chungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt –
was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenen
falls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklar
heiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
4
.
4
.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung
vom 1
6.
Februar 2017
damit, dass
gestützt auf das MEDAS-Gutachten
vom 2
9.
August 2016
von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführe
rin auszugehen sei (
Urk.
2).
Bezüglich der eingegangenen Ergänzungen
zum
MEDAS-Gutachten verzichte
sie
auf eine Stellungnahme (
Urk.
22).
4
.2
Demgegenüber machte der Vertreter der Beschwerdeführerin
in materiellrechtli
cher
Hinsicht
im Wesentlichen geltend,
dass das MEDAS-Gutachten in keinem Punkt zu überzeugen vermöge, insbesondere sei die psychiatrische Befundauf
nahme mehr als nur mangelhaft (
Urk.
1 S. 8). Wei
ter sei nicht ersichtlich, wes
halb
im Rahmen des psychiatrischen Gutachten
s
von der Diagnose einer emo
tional instabilen Persönlichkeit abgesehen werde (S. 8 unten).
Auch
seien die Erlebnisse der Beschwerdeführerin geeignet, eine posttraumatische Belastungs
störung, wenigstens aber eine somatoforme Schmerzstörung auszulösen (S. 9). Es sei von einer schwer traumatisierten Patientin auszugehen, welche nachts nicht schlafen könne und unter Flash
-
Backs leide; weiter seien mehrere Ar
beitsversuche gescheitert, was auf eine erhebliche Erschöpfung,
auf
eine emo
tionale Instabilität, vielleicht gar
auf
eine somatoforme Schmerzstörung schlies
sen lasse (S. 11).
Infolge fehlender Ressourcen sei die Verwertung der Arbeitsfä
higkeit schmerzbedingt nicht mehr vollständig zumutbar; zudem stehe das Gut
achten in krassem Widerspruch zu den Beurteilungen von
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin (S. 12).
Insgesamt sei von einer Verlet
zung der Untersuchungsmaxime auszugehen, was die Rückweisung an die Vor
instanz rechtfertige; allenfalls sei ein Gerichtsgutachten anzuordnen oder
es sei
en
die im Einwand gestellten Fragen
der
Gutachterstelle zur Beantwortung zu überweisen (S. 13).
Das Gutachten sei krass mangelhaft, berücksichtige etwa nicht den Morbus Crohn, bagatellisiere die emotional instabile
Persönlichkeit der Beschwerdeführerin, übersehe, dass
Dr.
A._
von manischen Anteilen ge
sprochen habe und übergehe die traumatischen Erlebnisse der Beschwerdeführe
rin (S. 14).
Zuletzt habe die Beschwerdegegnerin
zu keinem
Zeitpunkt
Eingliede
rungsmassnahme
n
durchgeführt (Arbeitsvermittlung, Umschulungsmassnahme), weshalb der Grundsatz Eingliederung vor Rente verletzt sei (S. 15).
Zu
den ergänzenden Stellungnahmen der MEDAS-Gutachter (
Urk.
16/1-2) führ
te der Vertreter der Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus, dass die psychiat
rischen
Verlautbarungen
weiterhin ungenügend seien; insbesondere die Stel
lungnahme von
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychothe
rapie, erwecke den Eindruck, es müsse das bereits erstellte Gutachten
um jeden Preis gestützt werden. Zumindest sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zu
rückzuweisen, damit diese den Sachverhalt erneut und unter Wahrung des rechtlichen Gehörs abkläre (
Urk.
27 S. 5).
5
.
5
.1
Der Allgemeinmediziner
Dr.
A._
stellte in seinem Bericht vom 2
5.
Januar 2016
(
Urk.
7/44)
die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähi
gk
eit:
-
Emotional instabile Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.3) seit weit über zehn Jahren
-
Lumbago,
dysfunktionell
, nach Entbindung, bestehend seit Mai 2014 mit Symptomausweitung
-
Entesopathie
Becken dorsal rechts
-
Anpassungsstörung mit depressiver Symptomatik 05/04, 02/05, 09/06, 03/07, 09/2010 und 12/2011 bei Problemen in Bezug zum Partner, fi
nanziellen Problemen und Problemen in Bezug auf die Wohnumgebung.
Seit Januar 2003 stehe die Beschwerdeführerin bei ihm in Behandlung,
und zwar ein- bis zweimal pro Monat;
derzeit finde keine externe Behandlung statt. Die Prognose sei schlecht und die Arbeitsfähigkeit könne durch
medizinische Massnahmen nicht verbessert werden. In der bisherigen Tätigkeit als Pflegehilfe sei von einer Arbeitsfähigkeit von ca. 40
%
auszugehen. Für eine Wiederein
gliederung bestehe ab März 2012 eine Belastbarkeit von zwei bis vier Stunden pro Tag. Es bestehe eine schwierige finanzielle Situation, eine katastrophale Be
ziehungssituation sowie ein funktioneller Alleinerziehungsstatus
betreffend die
kleine Tochter (
Urk.
7/44).
5
.2
Die für das MEDAS-Gutachten vom 2
9.
August 2016
(
Urk.
7/64)
verantwortli
chen Fachärzte stellten keine Diagnose mit wesentlicher Einschränkung der zu
mutbaren Arbeitsfähigkeit. Ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähig
keit
sei von den folgenden Diagnosen auszugehen
(S. 24)
:
-
Chronifiziertes, unsp
ezifisches lumbales Schmerzsyndrom seit Jahren
-
Exazerbation anlässlich einer Spinalanästhesie im Rahmen der Sectio
caesarea
am 2
4.
Mai 2013
-
Fehlstatik mit diskreter
thorakolumbal
linkskonvexer Skol
iose, lum
baler Hyperlordose, Ha
ltungsinsuffizienz, muskulärer D
ysbalance und
Dekonditionierung
sowie Adipositas
-
Leichte
Segementdegeneration
L5/S1 mit
Chon
drose
, kleiner, nicht-
neurokompr
essiver
Diskusprotrusion
und geringer S
p
ondylarthrose (MRI 1
9.
September 2013, 2
4.
April 2014)
-
Tendinitis
calcarea
beidseits
-
Unspezifische
Coxalgie
rechts, DD überlastungsbedingt bei Adipositas
-
Adipositas Grad II mit BMI von 37 kg/m
2
-
Status nach ängstlich depressiver Anpassungsstörung (ICD-10 F43.21)
-
Akzentuierte Persönlichkeitszüge mit emotional instabilen und zwang
haften Persönlichkeitsanteilen (ICD-10 Z73.1)
-
Psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei anderorts klassifi
zierten Krankheiten (ICD-10 F54).
Sowohl aus rheumatologischer wie auch aus psychiatrischer Sicht sei die Be
schwerdeführerin für die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Pflegeassisten
tin/Pflegehelferin wie auch in einer anderen Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig.
Aus rheumatologischer Sicht sei
en
zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit eine dras
tische Gewichtsreduktion zwecks Entlastung der gewichtstragenden Gelenke sowie ein Aktivierungsprogramm zu empfehlen. Hinsichtlich der Tendinitis
cal
carea
sei die Indikation für eine
subakrom
i
ale
Steroidinjektion/für ein
Needling
sowie für Physiotherapie gegeben. Von psychiatrischer Seite her sei weiterhin eine Psychotherapie indiziert. Sowohl aus rheumatologischer wie auch aus psy
chiatrischer Sicht
erachteten
sie die Prognose als gut (
Urk.
7/64 S. 23-25).
5.3
In seiner ergänzenden Stellungnahme vom 2
7.
November 2017 listete
Dr.
med.
C._
die somatischen Diagnosen entsprechend dem Gutachten vom 2
9.
August 2016
auf
und verwies im Übrigen darauf, dass sich die weiteren ge
stellten Fragen an den psychiatrischen Teilgutachter wenden würden (
Urk.
16/1).
5.4
Dr.
B._
verwies in seiner ergänzenden Stellungnahme vom 1
2.
Dezember 2017 hinsichtlich der Diagnoseliste auf das psychiatrische Teil
gutachten vom 2
3.
Juni 201
6.
Zu
r
Frage nach dem
Vorliegen einer somatoformen Schmerzstö
rung wies
Dr.
B._
– auch unter Verweis auf das bereits
bestehende
Teilgut
achten – darauf hin, dass ein andauernder quälender Schmerz während der Un
tersuchung nicht habe objektiviert werden können. Zudem habe das Tagesakti
vitätsniveau der Beschwerdeführerin keine Anhaltspunkte
dafür
ergeben, dass sie durch einen quälenden Schmerz in ihren alltäglichen Ak
tivitäten beeinträch
tigt
wäre
. Mu
ltiple Traumatisierungen in der Biographie seien Risikofaktoren, eine entsprechende Entwicklung sei aber nicht zwingend.
Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung könne nicht aus dem Querschnitt einer einzigen Unter
suchung gestellt werden; aufgrund der fehlenden fremdanamnestischen Unter
lagen seien entsprechend dem Gutachten von
Dr.
med.
D._
akzentuier
te Persönlichkeitszüge diagnostiziert worden. Während der klinischen Untersu
chung habe weiter keine dauernde Erschöpfung festgestellt werden können, ge
gen eine solche würden auch das Tagesaktivitätsniveau und die sozialen Kon
takte sprechen (
Urk.
16/2 S. 2).
Bei der Exploration hätten sich keine Anhalts
punkte für eine durchgehende Freudlosigkeit finden lassen, der Antrieb sei nicht vermindert und die Stimmungslage nicht gedrückt gewesen. Die Traurigkeitsge
fühle seien vor dem Hintergrund der psychosozialen Umstände nachvollziehbar. Weiter stelle eine psychiatrische Exploration eine hohe emotionale Belastung dar; es komme immer wieder vor, dass Exploranden während der Untersuchung weinen würden. Sofern die Beschwerdeführerin an einer krankheitswertigen bi
polaren Störung leiden würde, wäre zu erwarten gewesen, dass sie sich einer fachärztlichen Behandlung unterzieht
. Gestützt auf die vorhandenen Unterlagen und den klinischen Befund sei eine entsprechende Diagnose nicht mit der erfor
derlichen überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu stellen.
Bezüglich der vorhan
denen Ressourcen sei anzumerken, dass die Beschwerdeführerin bar jeder Er
werbstätigkeit in der Lage sei, ihr psychophysische
s
Gleichgewicht zu halten. Zum Untersuchungszeitpunkt hätten sich keine Anhaltspunkte für eine krank
heitswertige psychische Störung finden lassen. Auch sei dem Referenten nicht bekannt, dass der Kontakt der Beschwerdeführerin zu ihren Eltern gut sei; viel
mehr habe diese berichtet, den Kontakt zu ihrem Vater abgebrochen zu haben (S. 3). Die abgebrochenen Arbeitsversuche seien in den medizinischen Akten nicht dokumentiert. Zuletzt sei darauf hinzuweisen, dass bei der
Einschätzung
der Leistungsfähigkeit psychiatrische Diagnosen per se wenig aussagekräftig seien. Die Beurteilung der Leistungsfähigkeit richte sich nach den funktionellen Einschränkungen einer psychiatrischen Erkrankung
(
S. 4).
6
.
6
.1
Die für das MEDAS-Gutachten vom 2
9.
August 2016 verantwortlichen Fachärz
te legen
den medizinischen Sachverhalt grundsätzlich in schlüssige
r
und nach
vollziehbare
r
Weise dar. Die vom Vertreter der Beschwerdeführerin beschwer
deweise sowie mit Schreiben vom 1
1.
Januar 2017 vorgetragenen Einwände sind demgegenüber nicht stichhaltig. So ist bezüglich der Diagnose Morbus Crohn (ED 2005) den Nebenbefunden
zu entnehmen
, dass die Erkrankung s
eit 2010 asymptomatisch verläuft
;
eine letzte gastroenterologische Kontrolle im April 2016
ergab
keinen Anhalt für eine entzündliche Darmveränderung (
Urk.
7/64 S. 24).
Eine vergleichsweise ausführliche psychiatrische Anamnese ergibt sich aus dem psychiatrischen Teilgutachten
von
Dr.
B._
vom 2
3.
Juni 2016 (
Urk.
7/64/38-40)
. Neben der Begründung der gestellten psychiatrischen Diagnosen setzt
e
sich
Dr.
B._
auch mit einer Vielzahl von im Laufe des Ver
fahrens gestellten Diagnosen auseinander.
So würden die klinischen Befunde keine Hinweise darauf ergeben, dass die Beschwerdeführerin unter einer Depres
sion von Krankheitswert, einer Erkrankung aus dem psychotischen Formenkreis und/oder einer
schizo
-affektiven Störung leide. Es sei spürbar, dass die Be
schwerdeführerin durch die p
sychosozialen Umstände und ihre
Lebensgeschich
te psychisch belastet sei (
Urk.
7/64/43 unten). Aktuell würden sich keine An
haltspunkte finden lassen, dass sich die reaktiven depressiven Störungen in ei
ner eigenständigen Erkrankung verselbständigt hätten (
Urk.
7/64/44). Weiter legt
e
Dr.
B._
seine Überlegungen zu den Themen manische Episoden und emotional instabile Persönlichkeitsstörung dar und begründet seine Einschät
zung unter Berücksichtigung der medizinischen Vorberichte (
Urk.
7/64/45).
Auch seien die diagnostischen Kriterien für eine chronische Schmerzstörung nicht gegeben. Das erste Kriterium (andauernder quälender Schmerz) sei nicht erfüllt, zudem habe sich der Schmerzcharakter in den letzten Monaten vom Ganzkörperschmerz zum punktuellen Schmerz verlagert. Weiter sei es zu einer Verbesserung des psychophysischen
Gleichgewichts gekommen und die Schmerzintensität
nehme
unter emot
ionaler Belastung nicht zu
, was gegen die Diagnose einer somatofor
men Schmerzstörung sprech
e (
Urk.
7/64/46).
Auch wenn die Erlebnisse der Beschwerdeführerin allenfalls geeignet wäre
n
, eine posttraumatische Belastungsstörung auszulösen, wurde eine solche zu keiner Zeit diagnostiziert, auch gibt die Beschwerdeführerin im Rahmen des Gutach
tens nicht an, unter Flash
-
Backs zu leiden; vielmehr scheinen die Schlafproble
me mit den Rückenschmerzen sowie mit der psychosozialen Belastungssituation in Zusammenhang zu stehen (
Urk.
7/64/32).
Zu den mit Schreiben vom 1
1.
Januar 2017
formulierten
Ergänzungsfragen äusserte sich
Dr.
B._
zudem in seiner Stellungnahme vom 1
2.
Dezember 2017 ausführlich und in einer schlüssigen und nachvollziehbaren Weise. Dass diese die Feststellungen im Gut
achten stützt, liegt in erster Linie daran, dass
im
Gutachten die meisten Fragen zumindest ansatzweise beantwortet
wurden
und der Stellungnahme vom 1
2.
Dezember 2017
eher
präzisierende Bedeutung zukommt.
Bezüglich der unbestrittenermassen
ausgeprägten
p
sychosozialen Belastungen ist
zu
be
merken, dass z
ur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG
– auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unab
dingbar
ist
, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewie
senermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturel
len Faktoren herrühren, bestehen darf,
sondern davon psychiatrisch zu unter
scheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Ver
stimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedi
zinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidi
tät gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesent
lichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Zusammenfassend kann auf die Einschätzung der für das MEDAS-Gutachten vom 2
9.
August 2016 verantwort
lichen Fachpersonen, insbesondere auch unter Berücksichtigung der ergänzenden Stellungnahme von
Dr.
B._
vom 1
2.
Dezember 2017, abgestellt werden.
6
.2
An dieser Einschätzung vermögen auch die Berichte von
Dr.
A._
nichts zu ändern. So ist
i
n Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf
ih
re auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351
E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Be
handlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag de
r therapeutisch tätigen (Fach-)
Person einer
seits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Exper
ten anderseits (BGE 124 I 170
E. 4
) nicht zu, ein Administrativ- oder
Gerichts
gutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen bzw. Therapiekräfte zu anders
lautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschät
zungen wichtige
–
und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende
–
Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt ge
blieben sind (Urteil
des Bundesgerichts
8C_677/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E. 7.2
mit Hinweisen, u.a. auf
SVR 2008 IV Nr
. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06]
).
Weiter stellt die Beurteilung von
Dr.
A._
keine – aus versicherungsrechtli
cher Sicht allein massgebende –
Einschätzung
der Sachlage aus medizinisch-theoretischer Sicht
dar
. So hielt
Dr.
A._
in seinem Bericht vom 2
4.
März 2014 bei im Wesentlichen gleichen Diagnosen wie im aktuellen Bericht vom 2
5.
Januar 2016 fest, dass die bisherige Tätigkeit aus medizinischer Sicht noch zumutbar, aber nicht realistisch sei (
Urk.
7/41 S. 6). Die aktuelle Einschätzung der Leistungsfähigkeit mit 40
%
ist demnach eher im Sinne einer subjektiv-realistischen als einer medizinisch-theoretischen Beurteilung der Leistungsfä
higkeit zu verstehen.
Gestützt auf das MEDAS-Gutachten vom 2
9.
August 2016 ist demnach sowohl in der angestammten als auch
in
einer anderen Tätigkeit von einer vollständi
gen Arbeitsfähigkeit auszugehen.
E
in IV-relevanter Gesundheitsschaden
ist
zu verneinen, sodass sich auch bezüglich der
Frage
von E
ingliederungsmassnah
men keine Weiterungen aufdrängen. Dies führt in Bestätigung der angefochte
nen Verfügung zur Abweisung der Beschwerde.
7
.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, infolge Ge
währung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Ge
richtskasse zu nehmen.
7.2
7.2.1
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist der unentgeltliche Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, Rechtsanwalt Philip
Stolkin
, aus der Gerichtskasse zu ent
schädigen.
7.2.
2
Nach
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss
§
8 in Verbindung mit
§
7
Abs.
1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) wird - auch im Rahmen der unentgeltlichen Rechtsvertretung - namentlich für unnötigen Aufwand kein Er
satz gewährt.
7.2
.3
Der von Rechtsanwalt
Philip
Stolkin
mit Eingabe vom
2
1.
Juni 2018
geltend gemachte Aufwand von
18.67
Stunden und
Fr.
175.30
Barauslagen (
Urk.
28-29
) ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht an
gemessen, insbesondere aufgrund der Tatsache, dass er d
i
e Beschwerdeführer
in
schon im
Vorbescheidverfahren
vertrat und die Akten somit bekannt waren. Sodann entspricht die Beschwerdeschrift in
weiten Teilen der Stellungnahme
vom
1
1.
Januar 2017 (
Urk.
7/71)
. Namentlich erscheint ein Aufwand von
über 12
Stunden für die Beschwerdeschrift und
4
Stunden für die
eine Seite materiel
le Ausführungen enthaltende Stellungnahme vom 1
9.
April 2018 (
Urk.
27)
als überhöht.
Angesichts der zu
rekapitulierenden
79
Aktenstücke der Beschwerdegegnerin, der
15
- und
5-
seitigen
Rechtsschriften, den Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
sowie der in ähnli
chen Fällen zugesprochenen Beträgen ist die Entschädigung von Rechtsanwalt
Philip
Stolkin
bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
2'800.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
7.3
D
i
e Beschwerdeführer
in
ist auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach
sie
zur Nachzahlung der Auslagen für die
unentgeltliche Rechtspflege
verpflichtet werden kann, sofern
sie
dazu in der Lage ist.