Decision ID: 0e6ff8ea-53e0-496d-9cef-25644fec7799
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Nötigung etc.
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Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, Einzelgericht, vom 15. Oktober 2020 (GG200036)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 19. Mai 2020
(Urk. 22) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 62 S. 44 ff.)
1. Der Beschuldigte wird vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung im Sin-
ne von Art. 123 Ziff. 1 StGB i.V.m. Ziff. 2 Abs. 4 StGB, der Nötigung im Sin-
ne von Art. 181 StGB, der Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 5 StGB
sowie der Gewaltdarstellung im Sinne von Art. 135 Abs. 1bis StGB freige-
sprochen.
2. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 16. Juni
2020 beschlagnahmten Gegenstände
− Mobiltelefon, Asservaten-Nr. A013'024'856 − Messer, Asservaten-Nr. A013'025'086 − Schlagwaffe, Asservaten-Nr. A013'025'122 − Schlagwaffe, Asservaten-Nr. A013'025'155 − Munition, Asservaten-Nr. A013'025'166 − Revolver, Asservaten-Nr. A013'025'177 − Pistole, Asservaten-Nr. A013'025'202 − Munition, Asservaten-Nr. A013'025'224 − Sprühwaffe, Asservaten-Nr. A013'025'246 − Sprühwaffe, Asservaten-Nr. A013'025'257
werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils inner-
halb einer Frist von 90 Tagen auf erstes Verlangen herausgegeben.
Lässt der Beschuldigte diese Frist unbenutzt verstreichen, werden die Ge-
genstände der Kantonspolizei Zürich zur Vernichtung freigegeben.
3. Dem Beschuldigten wird für die erstandene Hafte eine Genugtuung von
Fr. 200.– aus der Gerichtskasse zugesprochen.
4. Die Zivilansprüche der Privatklägerin werden abgewiesen.
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5. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 2'100.00 Gebühr für die Strafuntersuchung
Fr. 200.00 Auslagen Vorverfahren (Auswertung Mobiltelefon)
Fr. 11'699.25 amtl. Verteidigungskosten (ab 20. September 2019, inkl. MwSt. und Auslagen)
Fr. 2'321.80 amtl. Verteidigungskosten für Zwangsmassnahmenverfahren (ab 20. September 2019, inkl. MwSt. und Auslagen)
Fr. 10'237.40 Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatkläge-rin (inkl. MwSt. und Auslagen)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
6. Die Kosten gemäss Dispositiv-Ziffer 5 werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen.
7. Dem Beschuldigten wird für die weiteren Kosten seiner Verteidigung (Kosten
Rechtsvertretung bis zum 19. September 2019) eine Prozessentschädigung
in der Höhe von Fr. 1'698.85 (inkl. MwSt.) sowie für die Kosten seiner Ver-
teidigung im Zusammenhang mit den Zwangsmassnahmenverfahren bis
zum 19. September 2019 eine Prozessentschädigung von Fr. 869.55 (inkl.
MwSt.), entsprechend insgesamt Fr. 2'568.40 (inkl. MwSt.) aus der Ge-
richtskasse zugesprochen.
Berufungsanträge:
a) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich:
(sinngemäss; schriftlich Urk. 65)
Kein Antrag.
b) Der Vertreterin der Privatklägerin:
(Urk. 86 S. 2 f.)
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Bülach vom 15. Oktober 2020 sei in Be-
zug auf Ziffer 1 (Vorwurf der einfachen Körperverletzung im Sinne von
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Art. 123 Ziff. 1 StGB i.V.m. Ziff. 2 Abs. 4 StGB sowie der Nötigung im
Sinne von Art. 181 StGB) sowie Ziffer 4 (Zivilansprüche) aufzuheben.
2. Es sei der Beschuldigte im Sinne der Anklagepunkte Ziffer 1 und 2
schuldig zu sprechen und angemessen zu bestrafen.
3. Es sei dem Grundsatz nach festzustellen, dass der Beschuldigte für
den durch sein strafbares Verhalten entstandenen Schaden gegenüber
der Privatklägerin haftet und die Sache sei zur Bemessung des Scha-
denersatzes auf den Zivilweg zu verweisen.
4. Es sei der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin eine Genug-
tuung in Höhe von Fr. 10'000.– nebst Zins von 5 % seit dem 3. Januar
2017 zu bezahlen.
5. Die Untersuchungs- und Gerichtskosten, einschliesslich der Kosten der
unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin, seien dem Be-
schuldigten aufzuerlegen, wobei die Kosten der anwaltlichen Vertre-
tung der Privatklägerin (zzgl. Mwst.) einstweilen auf die Staatskasse zu
nehmen sind.
c) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 87 S. 1)
1. Die Berufung der Privatklägerin sei vollumfänglich abzuweisen, und es
sei der vollumfängliche Freispruch der Vorinstanz zu bestätigen.
2. Die Genugtuungsforderung der Privatklägerin sei abzuweisen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge für das erst- und zweitinstanz-
liche Verfahren.
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte/Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Hinsichtlich des Verfahrensgangs bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zur
Vermeidung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen im an-
gefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 59 = 62 S. 5).
1.2. Gegen das mündlich eröffnete Urteil vom 15. Oktober 2020 (Urk. 45) melde-
ten sämtliche Parteien innert Frist Berufung an (Urk. 47, 49 und 51). Mit Verfü-
gung der Vorinstanz vom 30. Oktober 2020 erfolgte bezüglich Dispositivziffern 5
und 7 eine Berichtigung (Urk. 53) und es wurde den Parteien ein entsprechendes
berichtigtes Urteilsdispositiv zugestellt (Urk. 54). Die Verteidigung zog angesichts
erfolgter Berichtigung mit Schreiben vom 26. Oktober 2020 die angemeldete Be-
rufung zurück (Urk. 56 = 63). Mit Verfügung der Vorinstanz vom 29. Januar 2021
wurden die Akten der Berufungsinstanz überwiesen (Urk. 64). Das begründete
(berichtigte) Urteil wurde den Parteien am 5. bzw. 8. und 10. Februar 2021 zuge-
stellt (Urk. 59 = 62). Die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich (nachfolgend:
Staatsanwaltschaft) erklärte mit Eingabe vom 10. Februar 2021 den Rückzug der
Berufung (Urk. 65). Mit Schreiben vom 1. März 2021 ging die Berufungserklärung
der Privatklägerin fristgerecht ein (Urk. 67). Gleichzeitig wurde der Beweisantrag
gestellt, C._, die Mutter der Privatklägerin, als Zeugin zur Hauptverhandlung
(gemeint: Berufungsverhandlung) vorzuladen und anzuhören (Urk. 67 S. 2). Mit
Präsidialverfügung vom 5. März 2021 wurde dem Beschuldigten und der Staats-
anwaltschaft Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erklären oder begründet
ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. Gleichzeitig wurde der Be-
schuldigte aufgefordert, ein beiliegendes Datenerfassungsblatt auszufüllen und
diverse Unterlagen betreffend seine finanziellen Verhältnisse einzureichen
(Urk. 68). Die Verteidigung verzichtete mit Eingabe vom 19. März 2021 namens
des Beschuldigten auf Anschlussberufung (Urk. 70) und reichte die angeforderten
Urkunden ein (Urk. 71/1-2). Die Staatsanwaltschaft verzichtete mit Eingabe vom
30. März 2021 auf Anschlussberufung und erklärte, sich am weiteren Verfahren
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nicht aktiv zu beteiligen. Zudem wurde um Dispensation ihrer Vertreterin von der
Teilnahme an der Berufungsverhandlung ersucht (Urk. 72). Mit Beschluss vom
16. November 2021 wurde entschieden, die Privatklägerin im Rahmen der Beru-
fungsverhandlung als Auskunftsperson einzuvernehmen (Urk. 77).
1.3. Zur heutigen Berufungsverhandlung erschienen der Beschuldigte in Beglei-
tung seines amtlichen Verteidigers, Rechtsanwalt lic. iur. Y._, und Rechts-
anwältin lic. iur. X._ als unentgeltliche Rechtsvertreterin der Privatklägerin
sowie die Privatklägerin für ihre Einvernahme als Auskunftsperson (Prot. II S. 5).
Eingangs der Berufungsverhandlung wurde über den Beweisantrag der Privatklä-
gerin entschieden und dieser abgewiesen (Prot. II S. 9). Das Urteil erging im An-
schluss an die Berufungsverhandlung (Prot. II S. 44 ff.).
2. Umfang der Berufung
In der Berufungsschrift ist anzugeben, ob das Urteil vollumfänglich angefochten
wird (Art. 399 Abs. 3 lit. a StPO) oder, falls das Urteil nur in Teilen angefochten
wird, welche Abänderungen des erstinstanzlichen Urteils verlangt werden (Art.
399 Abs. 3 lit. b StPO). Die Privatklägerin ficht mit ihrer Berufung den vorinstanzli-
chen Freispruch von den Vorwürfen gemäss Anklageziffer 1 (Dispositivziffer 1, 1.
Satzteil), die Zusprechung einer Genugtuung an den Beschuldigten für erlittene
Haft (Dispositivziffer 3), die Abweisung ihrer Zivilansprüche (Dispositivziffer 4) und
die Kostenfolgen (Dispositivziffer 6) an (Urk. 67 S. 2). Als mitangefochten müssen
auch Dispositivziffern 5 und 7 betrachtet werden, da die Kostenfolgen seitens der
Vor-instanz nebst Dispositivziffer 6 auch in Dispositivziffern 5 und 7 geregelt wur-
den, indem die Entscheidgebühr ausser Ansatz fiel und dem Beschuldigten eine
Prozessentschädigung zugesprochen wurde. Nicht angefochten sind somit Dis-
positivziffer 1, 2. Satzteil (Freispruch betreffend Pornografie und Gewaltdarstel-
lungen) und Dispositivziffer 2 (Entscheid über beschlagnahmte Gegenstände).
Entsprechend ist vorab mittels Beschluss festzustellen, dass das bezirksgerichtli-
che Urteil bezüglich Dispositivziffern 1, 2. Satzteil und 2 in Rechtskraft erwachsen
ist.
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3. Beweisantrag der Privatklägerin
3.1. Wie schon vor Vorinstanz stellte die Privatklägerin im Berufungsverfahren
erneut den Beweisantrag, ihre Mutter C._ als Zeugin zur Berufungsverhand-
lung vorzuladen und anzuhören. Zur Begründung des Antrags wurde ausgeführt,
C._, die zum fraglichen Vorfall sachdienliche Hinweise geben könne, sei bis-
her nur polizeilich befragt worden, wobei sie hauptsächlich zu den Kinderbelan-
gen und nur rudimentär zum fraglichen Vorfall einvernommen worden sei. Eine
staatsanwaltschaftliche Einvernahme habe nicht stattgefunden. Die Privatklägerin
sowie die beiden Kinder, insbesondere der Sohn D._, würden auch heute
noch unter den Folgen des strafrechtlich-relevanten Handelns des Beschuldigten
leiden und befänden sich alle in Therapie. C._, die die Privatklägerin in der
Betreuung der Kinder während ihrer Arbeitszeiten unterstütze, kenne die Situation
detailliert. Der Zeuge E._ habe sich aufgrund seines Alters und des damit
verbundenen Gedächtnisverlusts nicht mehr an die Zusammenhänge erinnern
können, was angesichts der Befragung vor Vorinstanz deutlich geworden sei.
C._ könnte nochmals bestätigen, dass der Beschuldigte im Streit ein Handy
nach ihr geworfen, sie aber knapp verfehlt habe. Es rechtfertige sich daher, sie
als Zeugin vorzuladen bzw. anzuhören (Urk. 67 S. 2; Urk. 85; Prot. II S. 8 f.). An-
lässlich der Berufungsverhandlung liess die Privatklägerin zudem ausführen, dass
es sich um ein sogenanntes Vieraugendelikt handle und eine gerichtliche Zeu-
geneinvernahme von C._ gestützt auf die aktuelle Rechtsprechung des Bun-
desgerichts erforderlich sei. C._ sei vor Ort und sei auch bereit, heute aus-
zusagen (Urk. 85; Prot. II S. 8 f.).
3.2. Die Vorinstanz wies den betreffenden Beweisantrag in antizipierter Würdi-
gung ab und ging davon aus, dass von einer Einvernahme von C._ als Zeu-
gin keine weiteren sachdienlichen Angaben erwartet werden könnten (Urk. 62
S. 6). Wie von der Vorinstanz im Rahmen der Sachverhaltswürdigung zutreffend
erwähnt (Urk. 62 S. 18), führte C._ in ihrer polizeilichen Einvernahme in Ab-
weichung von der Privatklägerin, von der sie dies nach eigener Aussage erfahren
hatte, aus, die Privatklägerin habe ihr Handgelenk gebrochen, als sie sich, weil
sie am Fenstersims gestanden sei und befürchtete habe, mit dem Kopf anzu-
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schlagen, umgedreht habe (Urk. D1/5/1 F/A Nr. 51 f.). Mit dieser Aussage weiche
C._ von der insofern übereinstimmenden Sachverhaltsschilderung beider Be-
teiligter, wonach der Beschuldigte die Privatklägerin vor deren Sturz an den
Oberarmen zumindest festgehalten habe und die Privatkläger daraufhin – mit o-
der ohne Einwirkung des Beschuldigten – nach hinten gestützt und sich so das
Handgelenk gebrochen habe, ab (Urk. 62 S. 18).
3.3. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass die im Kern der
Anklage gemäss Anklageziffer 1.1. von den insoweit übereinstimmenden Aussa-
gen beider Parteien abweichenden Aussagen von C._ zumindest in diesem
Punkt nicht zutreffen können. Auch eine Einvernahme im heutigen Zeitpunkt, bald
fünf Jahre nach den fraglichen Ereignissen, vermöchte an der Einschätzung, wo-
nach auf ihre Aussagen insoweit nicht abgestützt werden kann, nichts zu ändern.
Zu beachten ist auch, dass eine unbeeinflusste Aussage von C._ im heuti-
gen Zeitpunkt ohnehin nicht mehr möglich ist, zumal sie als Mutter der Privatklä-
gerin – wie auch deren Rechtsvertreterin vorbringt – im gesamten, seit Jahren
andauernden Konflikt der Parteien ihrer Tochter nahesteht. Aussagen einer selbst
im Konflikt involvierten Person bezüglich eines mehrere Jahre zurückliegenden
Vorfalls wären daher, insbesondere wenn sie klar detaillierter ausfallen, mit gros-
ser Vorsicht zu würdigen. Dabei ist nochmals zu betonen, dass C._ bei kei-
nem der relevanten Vorfälle persönlich anwesend war und sich ihre sämtlichen
tatrelevanten Aussagen auf Erzählungen der Privatklägerin ihr gegenüber be-
schränken bzw. beschränken würden. Was den seitens der Rechtsvertreterin der
Privatklägerin angeführten Vorfall des mutmasslichen Wurfs eines Mobiltelefons
des Beschuldigten gegen die Mutter der Privatklägerin betrifft, so ist zu bemerken,
dass selbst im Falle der Annahme einer solchen Handlung des Beschuldigten
dies nichts zur Klärung der vorliegend zu beurteilenden Vorwürfe beitragen könn-
te. Auch was die unbestrittenermassen stark belastete Situation zwischen den
Parteien und ggf. zwischen dem Beschuldigten und den Kindern betrifft, so lässt
sich daraus kein Schluss bezüglich der im vorliegenden Verfahren zu beurteilen-
den Tatvorwürfe ziehen, zumal sich der Konflikt auf weit mehr Ereignisse bezieht
als lediglich diejenigen des späten Abends des 3. Januar 2017. Auch insofern ist
daher nicht ersichtlich, inwiefern eine Zeugenaussage von C._ zur Klärung
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der angeklagten Vorwürfe hilfreich sein könnte. Hinsichtlich der dem Beschuldig-
ten vorgeworfenen Drohungen ist schliesslich zu bemerken, dass C._ solche
in ihrer polizeilichen Einvernahme mit keinem Wort erwähnte (vgl. Urk. D1/5/1 F/A
Nr. 51 f.). Würde sie solche nun plötzlich doch schildern, wäre die Glaubhaftigkeit
der Aussagen aufgrund deren Nachschiebens stark in Zweifel zu ziehen, weswe-
gen auch diesbezüglich nicht ersichtlich ist, inwiefern eine Zeugenaussage ihrer-
seits vor Berufungsinstanz zur Klärung der Tatvorwürfe hilfreich sein könnte. Inso-
fern die Verteidigung sodann geltend macht, eine unmittelbare Beweisabnahme
durch das Berufungsgericht wäre aufgrund der aktuellen bundesgerichtlichen
Rechtsprechung zum Vieraugendelikt erforderlich und die Zeugin einzuverneh-
men, so ist klarzustellen, dass diese Rechtsprechung für Fälle gilt, bei denen eine
Aussage das einzige direkte Beweismittel darstellt (vgl. BGE 140 IV 196 E. 4.4.2
mit weiteren Hinweisen), weshalb sie nur für direkt am Vorfall beteiligte Personen
Geltung beanspruchen kann. Nachdem C._ den Vorfall lediglich vom Hören-
sagen kennt, kann hinsichtlich der Erforderlichkeit ihrer Zeugeneinvernahme
nichts aus der zitierten Rechtsprechung abgeleitet werden. Der Beweisantrag der
Privatklägerin auf Einvernahme von C._ als Zeugin war daher abzuweisen.
II. Schuldpunkt
1. Einleitende Bemerkungen
1.1. Vorweg ist festzuhalten, dass die Würdigung der Vorinstanz, wonach sich
sowohl die Tatvorwürfe gemäss Anklageziffer 1.1. (Urk. 62 S. 10 ff.) als auch ge-
mäss Anklageziffer 1.2. (Urk. 62 S. 23 ff.) nicht mit rechtsgenügender Sicherheit
erstellen lassen, weswegen der Beschuldigte davon freizusprechen sei, überzeu-
gend ist, so dass grundsätzlich darauf zu verweisen ist. Die nachfolgenden Erwä-
gungen sind daher primär präzisierender Natur und es ist auf neue Ausführungen
der Parteien im Berufungsverfahren einzugehen.
1.2. Für die vorliegend zu beurteilenden Tatvorwürfe ist – nebst deren Eigen-
schaft als Vieraugendelikte – charakteristisch, dass sie vor dem Hintergrund eines
seit Jahren zwischen den Parteien geführten Konflikts erfolgten, wobei sich das
Verhältnis der Parteien nach den Ereignissen in der Nacht vom 3. auf den 4. Ja-
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nuar 2017 sowie erfolgter räumlicher Trennung und späterer Scheidung offenbar
zunehmend verschlechterte, der Streit unter anderem auch vor der zuständigen
KESB geführt wurde und die Vorwürfe erst im Juni 2019 von der Privatklägerin
zur Anzeige gebracht wurden. Diesbezüglich ist zu bemerken, dass die Anzeige-
erstattung der Privatklägerin zeitnah auf die vom Beschuldigten im Februar 2019
erhobene Gefährdungsmeldung folgte. Spätestens nach der Scheidung im Jahr
2018 und der damit verbundenen Lossagung vom Beschuldigten wäre es der Pri-
vatklägerin – wie es auch die Verteidigung geltend macht (Urk. 87 S. 5) – indes
möglich gewesen, eine Anzeige wegen des Handgelenkbruchs, der sich immerhin
bereits im Januar 2017 ereignet hatte, zu erstatten. Zwar bringt die Privatklägerin
dagegen vor, davon ausgegangen zu sein, für die Anzeigeerstattung lediglich drei
Monate Zeit gehabt zu haben (Prot. I S. 35, 80; Prot. II S. 14). Dennoch ist mit der
Vorinstanz festzuhalten, dass die zeitliche Konnexität zwischen der Gefähr-
dungsmeldung des Beschuldigten im Februar 2019 und die kurz darauffolgende
Anzeige der Privatklägerin im Juni 2019 ins Auge fällt (vgl. die Ausführungen der
Vorinstanz in Urk. 62 S. 15 f.).
Der seit Jahren andauernde Konflikt zwischen den Parteien hat einerseits zur
Folge, dass die Privatklägerin gleichermassen wie der Beschuldigte ein persönli-
ches Interesse am Prozessausgang hat, weswegen ihre Aussagen ebenso wie
diejenigen des Beschuldigten mit einer gewissen Vorsicht zu würdigen sind, wo-
bei der Zeitpunkt der Anzeigeerstattung durch die Privatklägerin in der Würdigung
ihrer Aussagen nicht unberücksichtigt bleiben darf und eine gewisse Vorsicht ge-
bietet. Andererseits spricht zwar die lange Zeit zwischen den fraglichen Vorfällen
und der Einleitung des Verfahrens keineswegs gegen die Richtigkeit der Vorwür-
fe, doch ist zu beachten, dass es der Polizei und Staatsanwaltschaft nie möglich
war, unbeeinflusste Aussagen der Parteien aus deren frischen Erinnerung einzu-
holen. Der Konflikt war im Zeitpunkt der ersten Einvernahmen bereits seit Jahren
im Gange und die Frage, was ursprüngliche Wahrnehmung und was spätere In-
terpretation der Ereignisse des – zumindest gemäss Anklageziffer 1.1. – dynami-
schen Sachverhalts ist, ist entsprechend schwierig zu klären. Die Aussagen so-
wohl des Beschuldigte wie auch der Privatklägerin sowie der ihr nahestehenden
Eltern sind daher vor diesem Hintergrund zu würdigen.
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2. Vorwürfe gemäss Anklageziffer 1.1.
2.1. Zwischen den Parteien ist bei diesem Vorfall einerseits strittig, ob der Be-
schuldigte die Maltafel der Kinder – wie von der Privatklägerin geltend gemacht –
packte und in Richtung der Privatklägerin warf, so dass die Tafel diese am Ober-
schenkel traf und ein Hämatom verursachte, oder ob die Tafel bereits zuvor be-
schädigt war und beim Schliessen der Türe – wie vom Beschuldigten geltend ge-
macht – umstürzte. Da die Anklage dem Beschuldigten hieraus noch keinen Tat-
vorwurf macht, kann dies indessen offengelassen werden. Im Folgenden stimmen
die Aussagen der Parteien darin überein, dass der Beschuldigte die Privatkläge-
rin, nachdem diese die Türe wieder geöffnet hatte, an den Schultern festhielt bzw.
packte. Strittig ist – und dies ist der wesentliche Punkt –, ob der Beschuldigte die
Privatklägerin darauf, sie an den Oberarmen haltend, rückwärts von sich nach
hinten stiess, wodurch sie stürzte, oder ob die Privatklägerin sich losriss, der Be-
schuldigte sie im selben Moment losliess, so dass sie durch den plötzlichen
Schwung ihrer eigenen Rückwärtsbewegung nach hinten stürzte (vgl. die Ausfüh-
rungen der Vorinstanz in Urk. 62 S. 16 f.).
2.2. Die Aussagen des Beschuldigten, mit denen er ein Stossen der Privatkläge-
rin vor deren Sturz bestritt und wie es zu deren Sturz kam, erfolgten über sämtli-
che Einvernahmen hinweg grundsätzlich frei von relevanten Widersprüchen. Sie
wirken zudem plausibel, in sich schlüssig und lebensnah geschildert, wenn er gel-
tend machte, er habe die Privatklägerin mit beiden Händen an deren Oberarmen
gehalten, um sie zu beruhigen, und als sie sich von ihm habe losreissen wollen
respektive losgerissen habe, habe auch er sie – ohne sie hierbei in irgendeiner
Art und Weise gestossen zu haben – losgelassen, weswegen sie nach hinten
über die auf dem Boden liegenden Spielsachen gefallen sei (Urk. D1/3/1 F/A
Nr. 149; Urk. D1/3/6 F/A Nr. 6; Prot. I S. 54 ff.; Prot. II S. 34).
Gegenvorwürfe irgendwelcher Art gegen die Privatklägerin erhob der Beschuldig-
te nicht. Auch Übertreibungen lassen sich in seinen Aussagen keine finden. Mit
seiner Aussage, die Privatklägerin vor deren Sturz an den Oberarmen gehalten zu
haben, machte er zudem Angaben, die allenfalls auch zu seinen Ungunsten bzw.
als einen ihn belastenden Umstand interpretiert werden könnten. Sodann finden
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sich auch in den Schilderungen der Privatklägerin einige Punkte, die mit den An-
gaben des Beschuldigten korrespondieren. So lässt sich der von ihm geschilderte
aufgewühlte Gemütszustand der Privatklägerin in Übereinstimmung bringen mit
ihren Aussagen, wonach sie das Spielzimmer deshalb noch aufgeräumt habe,
weil sie – da sie nach der Spätschicht den Zug verpasst habe – aufgewühlt gewe-
sen sei und durch das Aufräumen habe "hinunterfahren" können (Urk. D2/2/3 F/A
Nr. 16; Prot. I S. 25; Prot. II S. 11). Die Privatklägerin stimmte in ihren Aussagen
auch mit dem Beschuldigten überein, sie sei ihm gefolgt, als er das Spielzimmer
verlassen habe (Urk. D2/2/3 F/A Nr. 16; Prot. I S. 25, 30 u. 55; Prot II. S. 12).
Hinsichtlich der Frage, was mit der Maltafel geschah, die wie erwähnt nur einen
Nebenpunkt darstellt, bestritt der Beschuldigte gleichbleibend, diese nach der Pri-
vatklägerin geworfen zu haben, wobei er die plausible und lebensnahe Erklärung
abgab, er habe die Maltafel lediglich zur Seite schieben wollen, um die Tür zu
schliessen, worauf die Tafel umgefallen sei, als er die Tür schwungvoll geschlos-
sen habe. Umgestürzt sei die Tafel deshalb, weil sie bereits vorgängig von den
Kindern beschädigt worden sei und deswegen keinen Halt mehr gehabt habe
(Urk. D1/3/1 F/A Nr. 149; Prot. I S. 54 ff.; Prot. II S. 32 f.).
Bezüglich des Einwands der Vertreterin der Privatklägerin, der Beschuldigte habe
erst an der vorinstanzlichen Hauptverhandlung zu Protokoll gegeben, dass die
Maltafel bereits zuvor beschädigt gewesen sei und dass auf dem Boden des
Spielzimmers diverse Spielsachen herumgelegen hätten, worüber die Privatkläge-
rin teilweise gestolpert sei (Prot. I S. 74; Urk. 86 S. 11), ist mit der Vorinstanz (vgl.
die detaillierten Erwägungen in Urk. 62 S. 20 f.) zu bemerken, dass die Einver-
nahme beider Parteien zu diesem Vorfall vor Vorinstanz als auch anlässlich der
Berufungsverhandlung deutlich detaillierter erfolgten, als dies vor Polizei und
Staatsanwaltschaft der Fall war. Dass deshalb die Aussagen sowohl des Be-
schuldigten wie auch der Privatklägerin hierzu deutlich ausführlicher erfolgten und
auch Details genannt wurden, die zuvor nicht genannt wurden, vermag daher
nicht zu überraschen und spricht nicht gegen die Richtigkeit der Depositionen.
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Die Aussagen des Beschuldigten sind mithin sowohl hinsichtlich des Sturzes als
auch hinsichtlich des angeblichen Wurfs der Maltafel als plausibel, lebensnah, in
sich schlüssig und glaubhaft zu bezeichnen.
2.3. Die Privatklägerin wurde wie auch der Beschuldigte erst anlässlich der
Hauptverhandlung wirklich detailliert zum Vorfall vom 3. Januar 2017 befragt,
während dieser Vorfall im Rahmen der polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen
Einvernahmen lediglich am Rande behandelt wurde. Entsprechend ist es nach-
vollziehbar, dass die diesbezüglichen Aussagen der Privatklägerin anlässlich ihrer
polizeilichen Einvernahme sehr oberflächlich sind, wobei sie lediglich erwähnte,
der Beschuldigte habe sie heftig gestossen und ihr eine Wandtafel nachgeworfen.
Dabei erwähnte sie im Gegensatz zu ihren späteren Aussagen nichts von einem
blauen Fleck an ihrem Bein bzw. Oberschenkel (Urk. D2/2/1 F/A Nr. 26). In ihrer
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme präzisierte sie den Vorfall dann insoweit
mit der Angabe, wonach der Beschuldigte mit voller Wucht eine Maltafel nach ihr
geworfen habe, wodurch sie einen blauen Fleck erlitten habe, da die Maltafel ihr
Bein getroffen habe. Ebenso gab sie dort erstmals detaillierter zu Protokoll, wie
der Beschuldigte sie gestossen habe, indem er sie zunächst mit beiden Händen
an ihren Oberarmen gepackt und unmittelbar darauf mit voller Wucht wieder ins
Spielzimmer geworfen habe, wobei sie beim Sturz – so glaube sie – noch über ein
paar Sachen hingefallen sei (Urk. D2/2/3 F/A Nr. 16). Im Rahmen der detaillierten
Befragung anlässlich der Hauptverhandlung führte die Privatklägerin präzisierend
lediglich noch aus, beim Wurf der Wandtafel seien deren Füsse auseinander-
bzw. abgebrochen, das ganze Holzteil, das die Tafel zusammengehalten habe,
sei auseinandergebrochen und sie sei von der Maltafel am Torso und am linken
oder rechten Oberschenkel getroffen worden. In klarem Widerspruch zu ihrer
Aussage bei der Staatsanwaltschaft führte sie auf entsprechende Nachfrage aus,
sie sei beim Hinfallen nicht über irgendetwas gestolpert (Prot. I S. 30). In der Be-
rufungsverhandlung führte sie auf Vorhalt dieses Widerspruchs zusammengefasst
aus, dass der Vorfall schon sehr lange zurückliege und sie nicht mehr daran den-
ken wolle. Sie wisse nicht mehr alles von A bis Z. Soweit sie wisse, sei sie aber
über nichts gestolpert (Prot. II S. 16). Mit der Vorinstanz (Urk. 62 S. 18) ist festzu-
stellen, dass es sich hierbei doch um einen Widerspruch im Kern des Anklagesa-
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chverhalts handelt, der unaufgelöst bleibt und gegen die Richtigkeit ihrer Schilde-
rungen spricht. Auch wenn der betreffende Vorfall bereits im Zeitpunkt der Ein-
vernahme bei der Staatsanwaltschaft mehrere Jahre zurücklag und die Privatklä-
gerin wohl in allen Einvernahmen gegebenenfalls aufgeregt war, so wäre doch
anzunehmen, dass sie sich daran noch zu erinnern vermöchte.
Sodann ist auffallend, dass die Schilderungen der Privatklägerin auch anlässlich
der sehr ausführlichen vorinstanzlichen Befragung vergleichsweise detailarm aus-
fielen. So bestätigte sie zwar ihre Aussage, wonach sie aufgrund des Wurfs der
Maltafel durch den Beschuldigten ein Hämatom am Oberschenkel erlitten habe,
vermochte jedoch nicht zu sagen, ob dies am linken oder rechten Oberschenkel
gewesen sei (Prot. I S. 27).
Wie die Vorinstanz insoweit zutreffend anmerkte (Urk. 62 S. 19) neigte die Privat-
klägerin in ihren Aussagen dazu, das Verhalten des Beschuldigten immer wieder
mit Aggressivität und Zorn in Verbindung zu bringen. Im Rahmen sowohl der poli-
zeilichen als auch der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme machte sie z.B. gel-
tend, der Beschuldigte sei wie eine "Furie" ins Kinderzimmer gekommen
(Urk. D2/2/1 F/A Nr. 26; Urk. D2/2/3 F/A Nr. 16). Bei der Staatsanwaltschaft führte
sie aus, der Beschuldigte habe die Tür des Spielzimmers mit voller Wucht zuge-
knallt und sie in der Folge ebenfalls mit voller Wucht ins Spielzimmer geworfen
(Urk. D2/2/3 F/A Nr. 16). Vor Vorinstanz führte sie wiederholt aus, der Beschuldig-
te habe sie mit voller Wucht nach hinten geworfen (Prot. I S. 29 f.). Anlässlich der
Berufungsverhandlung erklärte sie sodann, der Beschuldigte habe die Tür mit
Wucht aufgemacht, hätte die Maltafel mit voller Wucht gegen sie geworfen und
sie sei nach dem Stoss des Beschuldigten mit Wucht nach hinten gefallen (Prot. II
S. 12). Wenn die Vorinstanz hieraus den Schluss zieht, diese Neigung in den
Aussagen der Privatklägerin deuteten zumindest teilweise auf Übertreibungen hin
und seien als Indiz dafür zu werten, dass die Privatklägern ihre Aussagen an ge-
wissen Stellen ausgeschmückt habe, so kann dem jedenfalls insofern zugestimmt
werden, als dass die Privatklägerin hierdurch einen gewissen Hang zur Dramati-
sierung manifestierte. Selbstredend heisst dies noch nicht, dass die betreffenden
Aussagen der Privatklägerin zwingend Falschaussagen wären. Jedoch zeigt sich
- 16 -
hierin ein hohes Mass an emotionaler Betroffenheit, wobei letztlich unklar bleibt,
ob dies aufgrund des zu beurteilenden Vorfalls resultierte oder ob eher der seit
Jahren anhaltende hoch emotionale Konflikt zwischen den Parteien dafür ursäch-
lich ist.
Soweit die Parteien in ihren Aussagen übereinstimmen, spricht dies selbstver-
ständlich auch für die Glaubhaftigkeit der diesbezüglichen Angaben der Privatklä-
gerin. Insgesamt sind die Aussagen der Privatklägerin somit nicht von vorneher-
ein als unglaubhaft zu bezeichnen. Aufgrund der genannten Widersprüche im
Kern der Anklage, einer gewissen Detailarmut sowie einer Neigung zur Dramati-
sierung ist die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin indessen zumin-
dest in den genannten Punkten eingeschränkt.
2.4. E._ vermochte als Zeuge vor Vorinstanz lediglich wiederzugeben, was
ihm die Privatklägerin im Spital vom Vorfall geschildert habe. Insoweit stützte er
die Aussagen der Privatklägerin. Da er jedoch beim Vorfall selbst nicht dabei war,
sind seine Aussagen insbesondere vor dem Hintergrund seiner persönlichen Nä-
he zur Privatklägerin und der Tatsache des zwischen dem Vorfall und der erfolg-
ten Zeugenaussage stattgefundenen Zeitablaufs von mehr als dreidreiviertel Jah-
ren samt andauerndem Konflikt zwischen den Parteien kaum von Beweiswert.
Anders wäre dies z.B. zu werten, wenn er seine Aussagen nur kurz nach besag-
tem Gespräch mit der Privatklägerin aus frischer Erinnerung und unverfälscht ge-
genüber der Polizei gemacht hätte, was aber wie erwähnt so nicht erfolgen konn-
te. Entsprechend muss offenbleiben, was er effektiv noch in der Nacht nach dem
Vorfall von der Privatklägerin darüber hörte und was er allenfalls danach im Ver-
laufe der Jahre noch davon erfuhr.
2.5. C._ konnte in ihrer Einvernahme durch die Polizei vom 8. Juli 2019, al-
so zweieinhalb Jahre nach dem Vorfall, ebenfalls nur Aussagen, die sie von der
Privatklägerin gehört hatte, wiedergeben. Wie schon vorstehend dargelegt, wich
sie im Kern der Anklage jedoch von den übereinstimmenden Aussagen beider
Parteien ab, indem sie ausführte, die Privatklägerin habe ihr Handgelenk gebro-
chen, als sie sich, weil sie am Fenstersims gestanden sei und befürchtete habe,
mit dem Kopf anzuschlagen, umgedreht habe (Urk. D1/5/1 F/A Nr. 51 f.). Von ei-
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nem Festhalten der Privatklägerin an den Oberarmen durch den Beschuldigten
sagte sie dagegen nichts. Ihre Aussagen sind zur Unterstützung der Aussagen
der Privatklägerin ungeeignet. An dieser Einschätzung könnte wie ebenfalls vor-
stehend dargelegt auch eine Einvernahme als Zeugin vor Berufungsinstanz
nochmals fast zweieinhalb Jahre später nichts ändern.
2.6. Hinsichtlich des WhatsApp-Chatverlaufs der Parteien aus der Nacht kurz
nach dem Vorfall, am Morgen danach und zwei Tage später (Urk. 40) kann
grundsätzlich auf die zitierten Stellen im vorinstanzlichen Entscheid verwiesen
werden (Urk. 62 S. 21 f.). So ist der Vorinstanz beizupflichten, dass der Chat kei-
neswegs auf eine in jenem Zeitpunkt sehr konfliktbeladene Situation zwischen
den Parteien hinweist. Die darin ausgesprochene Entschuldigung des Beschuldig-
ten könnte zwar als Schuldeingeständnis interpretiert werden, doch kann sie zu-
mindest ebenso gut als Entschuldigung für seine Beteiligung überhaupt am Streit
zwischen den Parteien verstanden werden, anlässlich dessen die Privatklägerin
unglücklich nach hinten gestürzt wäre und sich dabei das Handgelenk gebrochen
hätte. Der Chatverlauf, in dem die Privatklägerin dem Beschuldigten mitteilte, wie
der Bruch im Spital behandelt werde bzw. werden müsse und ob er sie für eine
Nachkontrolle ins Spital fahren könne, deutet insgesamt eher auf einen Unfall als
Ursache des Bruchs hin als auf ein Stossen des Beschuldigten.
2.7. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass den durchaus glaubhaften Aussa-
gen des Beschuldigten die Aussagen der Privatklägerin gegenüberstehen, die aus
den genannten Gründen nicht gänzlich überzeugen. Die Aussagen der Eltern der
Privatklägerin vermögen daran nichts zu ändern. Der WhatsApp-Chatverlauf der
Parteien spricht schliesslich eher für die Version des Beschuldigten als für die
Version der Privatklägerin. Ebenso nicht unberücksichtigt bleiben kann wie er-
wähnt der zeitliche Konnex zwischen der Gefährdungsmeldung des Beschuldig-
ten und der Anzeigeerstattung der Privatklägerin (vgl. Erw. II.1.2.). Somit verblei-
ben jedenfalls gewichtige Zweifel an der Sachverhaltsvariante der Anklage bzw.
der Privatklägerin. Der Beschuldigte ist daher unter Anklageziffer 1.1. vom Vor-
wurf der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB i.V.m.
Ziff. 2 Abs. 4 StGB freizusprechen.
- 18 -
3. Vorwürfe gemäss Anklageziffer 1.2.
3.1. Die Aussagen des Beschuldigten zu diesem Vorwurf erfolgten über sämtli-
che Einvernahmen hinweg grundsätzlich frei von relevanten Widersprüchen. Sie
wirken zudem plausibel, in sich schlüssig und lebensnah geschildert, wenn er
konsequent bestritt, der Privatklägerin irgendwie gedroht zu haben. Unnötige An-
schuldigungen gegen die Privatklägerin erhob er nicht, auch wenn er ausführte,
dass gerade das Gegenteil der Fall gewesen sei und nicht er, sondern die Privat-
klägerin Drohungen ausgesprochen habe. So gab er bereits bei der Polizei und
auch in der Folge übereinstimmend zu Protokoll, die Privatklägerin habe ihm kon-
kret gedroht, ihn wegen des Handgelenkbruchs anzuzeigen, sollte er etwas gegen
die Hunde respektive den verhaltensauffälligen Hund F._ unternehmen (vgl.
Urk. D1/3/1 F/A Nr. 152; Urk. D1/3/6 F/A Nr. 6; Prot. I S. 57; Prot. II S. 35). Inso-
fern wurde seine Aussagen zumindest indirekt auch von der Privatklägerin bestä-
tigt, indem diese vor Vorinstanz ausführte, sie werde etwas unterneh-
men, wenn ihr dieser Hund weggenommen würde. Sie werde ihre Sachen schüt-
zen, der Hund gehöre zu ihrer Familie, wobei es ihr egal sei, ob es sich um ein
Kind oder einen Hund handle (Prot. I S. 38). Angesichts des Umstandes, dass der
besagte Hund offenbar immer schon ein Streitpunkt zwischen den Parteien war
(vgl. etwa Prot. I S. 39, 47; Prot. II S. 17 f., 35), kann das betreffende Vorbringen
des Beschuldigten nicht von vorneherein als Schutzbehauptung qualifiziert wer-
den. Insgesamt sind die Aussagen des Beschuldigten zur Frage der Drohungen
als durchaus glaubhaft zu bezeichnen.
3.2. Hinsichtlich des Inhalts der eigentlichen Drohung, wonach der Beschuldigte
ihr gedroht habe, er werde ihr die Kinder, die Hunde und alles, was ihr lieb sei,
wegnehmen (Urk. D2/2/1 F/A Nr. 27 f.; Urk. D2/2/3 F/A Nr. 25; Prot. I S. 28; Prot.
II S. 15 f.), stimmen die Aussagen der Privatklägerin grundsätzlich überein. Weiter
sagte sie über alle Einvernahmen hinweg konstant aus, dass der Beschuldigte zu
ihr gesagt habe, es bringe nichts, ihn anzuzeigen, da er bei der Kantonspolizei
Zürich arbeite (Urk. D2/2/1 F/A Nr. 28; Urk. D2/2/3 F/A Nr. 25; Prot. I S. 28; Prot.
II S. 15). Die Aussage, wonach der Beschuldigte gesagt habe, er habe einen
(Star-)Anwalt, der ihn "rausboxen" würde, machte die Privatklägerin in der ersten
- 19 -
Einvernahme bei der Polizei indessen noch nicht (vgl. Urk. D2/2/1 F/A Nr. 28).
Dies brachte sie erst bei der Staatsanwaltschaft vor und wiederholte es vor Vo-
rinstanz (vgl. Urk. D2/2/3 F/A Nr. 25; Prot. I S. 33; Prot. II S. 15) sowie in der heu-
tigen Berufungsverhandlung (Prot. II S. 15). Sodann führte sie in Widerspruch zu
ihren früheren Aussagen, wonach sie gegenüber den (beiden) Sanitätern (im Plu-
ral) den Vorfall geschildert habe bzw. ihnen gesagt habe, dass sie den Beschul-
digten nicht anzeigen wolle (Urk. D2/2/1 F/A Nr. 27; Urk. D2/2/3 F/A Nr. 16), vor
Vorinstanz aus, sie habe den Vorfall nur der Sanitäterin geschildert, als sie mit
dieser alleine gewesen sei (Prot. I S. 31), was sie auch anlässlich der Berufungs-
verhandlung wiederholte (Prot. II S. 13). Wenn die Vorinstanz dazu ausführt, die-
se Widersprüche seien noch nicht derart eklatant und liessen sich allenfalls noch
damit begründen, dass auch diese Vorfälle bzw. die angeblichen Drohungen be-
reits lange Zeit zurücklägen, so ist das grundsätzlich zutreffend (Urk. 62 S. 27).
Indessen deutet dies aber doch darauf hin, dass die Privatklägerin eine allmählich
verblassende Erinnerung gegebenenfalls mit sich Vorgestelltem ergänzt haben
könnte, was angesichts des andauernden Konflikts zwischen den Parteien mit
wohl zahlreichen verbalen Auseinandersetzungen zwischen ihnen nicht verwun-
dert.
Uneingeschränkt zuzustimmen ist der Vorinstanz (Urk. 62 S. 27 f.) im Folgenden,
dass die Widersprüche der Privatklägerin bezüglich des Zeitpunkts der Drohun-
gen doch eklatanter sind. Bei der Polizei führte sie aus, sie habe der Sanität ge-
sagt, dass sie den Beschuldigten nicht anzeigen wolle, da er sie massiv bedrohe
(Urk. D2/2/1 F/A Nr. 27). Die eingeklagte Drohung müsste diesfalls also bereits
unmittelbar nach dem Vorfall mit dem Sturz und noch vor ihrer Betreuung durch
die Sanität erfolgt sein.
Gegenüber der Staatsanwaltschaft sagte sie dagegen, sie habe den Beschuldig-
ten nicht angezeigt, da er ihr im Nachhinein gedroht habe (Urk. D2/2/3 F/A
Nr. 16). Im späteren Verlauf der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme gab sie
an, dass die Drohungen kurz nach dem Vorfall angefangen hätten, als sie dem
Beschuldigten gesagt habe, dass sie ihn anzeigen wolle (Urk. D2/2/3 F/A Nr. 25).
Dass solche Drohungen auch bereits vor dem Handgelenkbruch erfolgt wären,
- 20 -
erwähnte sie nicht, obwohl sie von der Staatsanwältin explizit danach gefragt
wurde. Auf diese Frage hin schilderte sie lediglich einen Vorfall mit einem Holz-
"Güggel" (vgl. Urk. D2/2/3 F/A Nr. 27). Nach ihrer Version bei der Staatsanwalt-
schaft wäre die Drohung also klar später erfolgt, als noch bei der Polizei geschil-
dert, jedenfalls erst nach dem Vorfall.
Vor Vorinstanz führte sie dann zunächst an, dass es bezüglich der Hunde bereits
vor dem 3. Januar 2017 solche Drohungen gegeben habe, wogegen die Drohun-
gen bezüglich der Kinder erst im Laufe der Zeit bzw. als die Beziehung beendet
gewesen sei, dazugekommen seien (Prot. I S. 28 f. u. S. 39). Die relevante Dro-
hung hätte diesfalls also viel früher, noch vor dem Vorfall mit dem Sturz stattge-
funden. Dass Drohungen bezüglich der Hunde bereits vor dem Vorfall vom
3. Januar 2017 ausgesprochen worden sein könnten – wie die Privatklägerin auch
anlässlich der Berufungsverhandlung geltend macht (Prot. II S. 16) –, ist grund-
sätzlich denkbar, zumal nach übereinstimmenden Aussagen beider Parteien die
Hunde, insbesondere der verhaltensauffällige Hund F._, schon immer ein
Thema zwischen ihnen gewesen seien (vgl. etwa Prot. I S. 39 u. 47; Prot. II
S. 17 f., 35). Weswegen der Beschuldigte die Drohungen betreffend die Kinder
ebenfalls bereits vor dem Vorfall vom 3. Januar 2017 – nämlich als die Beziehung
beendet worden sei, d.h. ca. im Herbst 2016 (vgl. Prot. I S. 47, 53) – ausgespro-
chen haben soll, vermag die Privatklägerin indessen nicht nachvollziehbar zu er-
klären. Auf Ergänzungsfrage der amtlichen Verteidigung vor Vorinstanz, wann sie
dem Beschuldigten gesagt habe, dass sie eine Strafanzeige gegen ihn erstatten
wolle, gab die Privatklägerin im Folgenden dann an, dass dies nicht sofort nach
dem Spitalaufenthalt, sondern ca. zwei bis drei Tage später der Fall gewesen sei
(Prot. I S. 41), was sie auch anlässlich der Berufungsverhandlung ausführte (Prot.
II S. 15 f.). Gemäss dieser Version hätte die relevante Drohung also doch erst
später erfolgt sein müssen. Insofern gebricht es ihren Aussagen auch an innerer
Logik. Hätte der Beschuldigte der Privatklägerin mit der Wegnahme der Kinder
und Hunde gedroht, als sie ihm erst zwei bis drei Tage nach dem Spitalaufenthalt
eröffnet habe, dass sie ihn anzeigen wolle, so ergibt dies keinen Sinn vor dem
Hintergrund ihrer weiteren Aussage, wonach sie bereits unmittelbar nach dem
Vorfall zunächst der Sanitäterin (Prot. I S. 31) und darauf ihrem Vater E._
- 21 -
gesagt habe, sie wolle keine Anzeige erstatten, da sie zu grosse Angst habe
(Prot. I S. 32). Mithin ist festzustellen, dass den Aussagen der Privatklägerin
chronologisch die innere Logik fehlt und sie doch klar widersprüchlich sind, was
zu Zweifeln an deren Richtigkeit führt.
Hinsichtlich der Punkte, dass die Privatklägerin vor Vorinstanz auf Vorhalt ihrer
widersprüchlichen Aussagen sehr emotional reagierte, darauf hinwies, sie sei
nervös, das Erscheinen vor Gericht, um alles erzählen zu müssen, sei für sie eine
grosse Belastung und sie habe tagtäglich mit diesen Bildern zu kämpfen, dass
bezüglich des Umstands, dass die Privatklägerin zudem auf detaillierte Fragen
eher selten in die Tiefe ging mit ihren Antworten, und dass sie zudem häufig mehr
auf die allgemeine Ehesituation mit dem Beschuldigten einging als auf die zur Be-
urteilung stehenden Vorwürfe, ist zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen
grundsätzlich auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen (Urk.
62 S. 29 f.). Gleiches gilt für die Berufungsverhandlung anlässlich welcher sich die
Privatklägerin sehr emotional zeigte, hingewiesen auf Widersprüche sich nicht
mehr richtig erinnern konnte und darauf hinwies, nicht mehr an die Vorfälle den-
ken zu wollen. Auch verwies sie als Antwort des Öfteren auf ihre generelle Ab-
hängigkeit vom Beschuldigten während der Ehe (Prot. II S. 11 ff., insb. S. 15 ff.).
Anzumerken ist, dass all dies zumindest einen Hinweis darstellt, dass sich bei ihr
allenfalls Erinnerungen an die Ereignisse vom 3. Januar 2017 und den Tagen da-
nach mit denjenigen an spätere Konflikte zwischen den Parteien um die Kinder
und/oder die Hunde überlagerten. Selbstredend spricht dies nicht zwingend da-
gegen, dass sich der Beschuldigte auch irgendwann um den Vorfall mit dem Sturz
und dem Handgelenkbruch der Privatklägerin herum entsprechend geäussert ha-
ben könnte. Jedoch lässt es ihre Aussagen als umso weniger verlässlich erschei-
nen.
Zusammenfassend ist die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin bezüg-
lich der Tatvorwürfe gemäss Anklageziffer 1.2. also doch erheblich eingeschränkt
zu bezeichnen.
3.3. Der Zeuge E._ konnte sich auch zu diesen Vorwürfen nur vom Hören-
sagen von der Privatklägerin äussern. Wie seitens der Vorinstanz zutreffend ge-
- 22 -
würdigt wird (Urk. 62 S. 30 f.), spricht gegen die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen,
dass er sich zunächst nur zu den mutmasslichen Nebenbemerkungen des Be-
schuldigten äusserte, wonach die Privatklägerin mit einer Anzeige keine Chance
habe, da sein Vater einen Staranwalt kenne, der ihn rausboxen würde, und seine
Arbeitgeberin, die Kantonspolizei, schütze ihn ebenfalls (Prot. I S. 13), während
der Zeuge E._ erst später in der Einvernahme die eigentliche Drohung, wo-
nach der Beschuldigte der Privatklägerin zudem gedroht habe, ihr die Kinder und
Hunde wegzunehmen (Prot. S. 15), schilderte. Wie bei der Privatklägerin selbst
gebricht es auch bei den Aussagen von E._ in chronologischer Hinsicht an
der inneren Logik. So ist nicht ersichtlich, weswegen die Privatklägerin – wie von
ihr und dem Zeugen vor Vorinstanz geschildert – bereits in der Nacht nach dem
Vorfall eine Anzeigeerstattung hätte ablehnen sollen, wenn sie dem Beschuldig-
ten – wie ebenfalls von ihr vor Vorinstanz und anlässlich der Berufungsverhand-
lung angegeben – erst zwei bis drei Tage nach dem Vorfall ihre geplante Anzei-
geerstattung mitgeteilt habe (Prot. I S. 41; Prot. II S. 15 f.), woraufhin er ihr mit der
Wegnahme der Kinder und Hunde gedroht habe. Entsprechend vermögen die
Aussagen von E._ bezüglich des Zeitpunkts der mutmasslichen Drohungen
nicht zu überzeugen, was den Beweiswert seiner Aussagen betreffend die mut-
masslichen Drohungen insgesamt in Zweifel zieht.
3.4. C._, die Mutter der Privatklägerin, erwähnte anlässlich ihrer polizeili-
chen Einvernahme vom 8. Juli 2019 mit keinem Wort, dass der Beschuldigte der
Privatklägerin nach dem Vorfall in irgendeiner Weise gedroht habe (vgl.
Urk. D1/5/1 F/A Nr. 51 f.). Diese Lücke in ihren Aussagen steht im Gegensatz zu
den Aussagen der Privatklägerin, die vor Vorinstanz ausführte, ihrer Mutter von
den Drohungen erzählt zu haben, da diese nach dem Vorfall praktisch jeden Tag
bei ihr gewesen sei (Prot. I S. 40). Dasselbe gilt bezüglich den Aussagen ihres
Ehemannes E._, der ausführte, die Privatklägerin habe ihnen, d.h. ihm und
seiner Frau, also C._, später von den Drohungen erzählt (Prot. I S. 13). Auch
wenn C._ im Rahmen des Berufungsverfahrens – knapp zweieinhalb Jahre
nach ihrer polizeilichen Einvernahme bzw. knapp fünf Jahre nach den betreffen-
den Ereignissen – noch formell als Zeugin einvernommen würde und nun plötzlich
ausführte, ihre Tochter habe sich ihr gegenüber entsprechend geäussert, so wäre
- 23 -
die Glaubhaftigkeit derart nachgeschobener Aussagen stark eingeschränkt. Zur
Klärung der zu beurteilenden Vorwürfe könnte eine Zeugeneinvernahme ihrerseits
jedenfalls nichts beitragen.
3.5. Wie betreffend die Vorwürfe gemäss Anklageziffer 1.1. ist auch bezüglich
der dem Beschuldigten vorgeworfenen Drohungen der WhatsApp-Chatverlauf der
Parteien aus der Nacht kurz nach dem Vorfall, am Morgen danach und zwei Tage
später (Urk. 40) von gewisser Relevanz, wobei hierzu auf die vorstehenden Er-
wägungen bezüglich Anklageziffer 1.1. (Erw. II.2.6.) sowie auf die zitierten Stellen
im vor-instanzlichen Entscheid zu verweisen ist (Urk. 62 S. 21 f.). So deutet der
Chat keineswegs auf eine in jenem Zeitpunkt sehr konfliktbeladene Situation zwi-
schen den Parteien hin. Zwar datierte die Privatklägerin die betreffenden Drohun-
gen wie gezeigt in ihrer letzten Version auf einen späteren Zeitpunkt als den be-
treffenden Chatverlauf. Gemäss ihrer Version bei der Staatsanwaltschaft hätte die
Drohung aber genau in jenem Zeitraum erfolgt sein müssen. Der WhatsApp-
Chatverlauf ist mithin zumindest ein gewisses Indiz für die Richtigkeit der Aussa-
gen des Beschuldigten.
3.6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass den durchaus glaubhaften Aussa-
gen des Beschuldigten die Aussagen der Privatklägerin gegenüberstehen, die aus
den genannten Gründen nicht gänzlich überzeugen. Die Aussagen der Eltern der
Privatklägerin vermögen daran nichts zu ändern. Der WhatsApp-Chatverlauf der
Parteien spricht schliesslich eher für die Version des Beschuldigten als für die
Version der Privatklägerin. Zudem ist der ins Auge fallende zeitliche Konnex zwi-
schen der Gefährdungsmeldung des Beschuldigten und der Anzeigeerstattung
der Privatklägerin zu berücksichtigen (vgl. Erw. II.1.2.). Somit verbleiben jeden-
falls gewichtige Zweifel an der Sachverhaltsvariante der Anklage bzw. der Privat-
klägerin. Der Beschuldigte ist daher unter Anklageziffer 1.2. vom Vorwurf der Nö-
tigung im Sinne von Art. 181 StGB freizusprechen.
4. Fazit
Zusammenfassend ist der Beschuldigte von den im Rahmen des Berufungsver-
fahrens noch zu beurteilenden Vorwürfen vollumfänglich freizusprechen.
- 24 -
III. Zivilansprüche
Hierzu ist zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen grundsätzlich auf die über-
zeugenden Ausführungen der Vorinstanz zu verweisen (Urk. 62 S. 38 f.). Anzu-
merken ist, dass angesichts der vorliegend gegebenen Beweislage nicht ersicht-
lich ist, inwiefern die Privatklägerin im Rahmen eines ordentlichen Zivilprozesses
einen Schadenersatz- und/oder Genugtuungsanspruch entgegen dem Strafver-
fahren erfolgreich geltend machen könnte. Der Sachverhalt ist daher spruchreif.
Die Zivilansprüche der Privatklägerin sind dementsprechend abzuweisen.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Erstinstanzliches Kosten- und Entschädigungsdispositiv
Nachdem es auch im Berufungsverfahren beim vorinstanzlichen Freispruch bleibt,
ist das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv gemäss Dispositiv-
ziffern 3 und 5-7 des angefochtenen Entscheides ausgangsgemäss zu bestätigen
(e contrario Art. 426 Abs. 2 StPO).
2. Kosten des Berufungsverfahrens
2.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.– zu veran-
schlagen. Im Berufungsverfahren werden die Kosten nach Obsiegen und Unter-
liegen auferlegt (Art. 428 Abs. 1 Satz 1 StPO). Die Privatklägerin unterliegt voll-
umfänglich mit ihrer Berufung. Entsprechend sind ihr die Kosten des Berufungs-
verfahrens, mit Ausnahme derjenigen der unentgeltlichen Vertretung der Privat-
klägerschaft, aufzuerlegen. Die Kosten der unentgeltlichen Rechtvertretung der
Privatklägerin sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei die Rück-
zahlungspflicht der Privatklägerin gemäss Art. 135 Abs. 4 in Verbindung mit Art.
138 Abs. 1 StPO vorzubehalten ist (vgl. RICKLIN, StPO Kommentar, 2. A., Zürich
2014, Art. 138 N 2).
2.2. Anders sieht es aus mit Bezug auf die Kosten der amtlichen Verteidigung:
Gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO kann ausschliesslich die zu den Verfahrenskosten
verurteilte beschuldigte Person zur Rückzahlung der Entschädigung der amtlichen
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Verteidigung verpflichtet werden. Mangels einer geeigneten gesetzlichen Grund-
lage besteht bei einem (vollständigen oder teilweisen) Freispruch der beschuldig-
ten Person keine entsprechende Rückzahlungspflicht der Privatklägerschaft. Die
Entschädigung der amtlichen Verteidigung ist in diesem Fall vom Staat zu tragen
(vgl. BGE 145 IV 90 E. 5.2 = Pra 108 [2019] Nr. 114 E. 5.2).
2.3. Der mit Kostennote vom 30. November 2021 (Urk. 88) geltend gemachte
Aufwand (inkl. Barauslagen) der amtlichen Verteidigung erscheint angemessen
und steht im Einklang mit den Ansätzen der Anwaltsgebührenverordnung. Nach
Berücksichtigung des effektiven Zeitaufwands für die Berufungsverhandlung und
für die nachträglichen Bemühungen ist Rechtsanwalt lic. iur. Y._ mit einem
Honorar von rund Fr. 4'600.– (inkl. Mwst.) aus der Gerichtskasse zu entschädi-
gen.
2.4. Der mit Kostennote vom 28. November 2021 (1. Teil-Rechnung) und
30. November 2021 (2. Teil-Rechnung) (Urk. 84/1–2) geltend gemachte Aufwand
(inkl. Barauslagen) der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Privatklägerin er-
scheint im Wesentlichen angemessen und steht im Einklang mit den Ansätzen der
Anwaltsgebührenverordnung. Nach Berücksichtigung des effektiven Zeitaufwands
für die Berufungsverhandlung und Berücksichtigung einer Stunde für die Nachbe-
sprechung des Urteils ist Rechtsanwältin lic. iur. X._ mit einem Honorar von
insgesamt Fr. 7'700.– (inkl. Mwst.) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
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