Decision ID: 6f8f7dd9-b79f-51b1-ac2b-84ad5ba959b9
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der aus Pakistan stammende Beschwerdeführer verliess den Heimatstaat
eigenen Angaben zufolge im April oder Mai 2018 und gelangte via
B._ in den Iran. Nach rund zwei Wochen sei er in die Türkei weiter-
gereist und habe dort während sechs Monaten gearbeitet, bevor er nach
Griechenland gelangt sei, wo er ein Jahr lang gearbeitet habe. Am 19. Sep-
tember 2020 sei er in die Schweiz eingereist und habe gleichentags um
Asyl nachgesucht. Als Geburtsdatum gab der Beschwerdeführer sowohl
auf dem Personalienblatt für Asylsuchende als auch an der in Urdu geführ-
ten Erstbefragung für Unbegleitete Minderjährige Asylsuchende (UMA)
vom 1. Oktober 2020 den (...) an. Als Grund für die Ausreise aus seinem
Heimatstaat gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, der Sohn eines Nach-
barn habe in der Vergangenheit ihn und seine Mutter mit einem Messer
verletzt und sei deshalb zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Er (Be-
schwerdeführer) sei zu diesem Zeitpunkt ungefähr zehn Jahre alt gewesen.
Daraufhin habe sein Vater von dieser Nachbarsfamilie Drohanrufe bekom-
men, in welchen er zu einer Einigung gedrängt worden sei, ansonsten man
ihn (Beschwerdeführer) töten würde. In der Folge habe er sein Heimatdorf
verlassen und seither keinen Kontakt mehr zu seinen Eltern gehabt.
B.
Am 26. November 2020 fand die Anhörung zu den Asylgründen in Punjabi
statt. Der Beschwerdeführer führte dabei aus, er habe im Alter von unge-
fähr neun Jahren regelmässig ein Mädchen aus der Nachbarschaft getrof-
fen, was deren Familie nicht gutgeheissen habe. Aus diesem Grund sei er
durch deren Brüder bedroht und geschlagen worden. Sein Vater habe er-
folglos versucht die Situation mit dieser Familie zu klären. In der Folge
habe er den Kontakt zum Mädchen abbrechen wollen, diese habe sich aber
nicht daran halten wollen, woraufhin ihr Bruder eines nachts bei ihnen ein-
gebrochen sei und sowohl ihn selbst als auch seine Mutter und seinen
Grossvater verletzt habe. Man habe ihn wegen seiner schweren Verletzun-
gen in ein Spital gebracht und operiert. Nach der Entlassung aus dem
Spital habe sein Vater die Familie in ein anderes Dorf gebracht und es habe
ein Verfahren gegen den Bruder dieses Mädchens gegeben; sie hätten
dabei auch einen Rechtsanwalt gehabt. Die Täterfamilie habe eine Eini-
gung angestrebt, damit der Sohn aus dem Gefängnis hätte entlassen wer-
den können. Als sie dies verweigert hätten, hätten die Drohungen angefan-
gen. Gemeinsam mit seiner Familie sei er deshalb nach C._ gegan-
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gen und von dort alleine nach D._, E._ und F._ ge-
reist, wo er jeweils einige Zeit gearbeitet habe. Zu seiner Familie sei er
nicht mehr zurückgekehrt und habe auch nicht versucht, sie zu kontaktie-
ren, weil er nicht gewusst habe, ob sie noch an derselben Adresse leben
würden.
C.
Mit Entscheid vom 3. Dezember 2020 wurde der Beschwerdeführer dem
erweiterten Verfahren zugeteilt. Gleichentags informierte die Rechtsvertre-
tung des Beschwerdeführers über die Beendigung des Mandatsverhältnis-
ses.
D.
Das SEM gab beim Institut für Rechtsmedizin (IRM) des Kantonsspitals
G._ ([...]) ein Altersgutachten in Auftrag. Hierzu wurde der Be-
schwerdeführer am 4. Dezember 2020 rechtsmedizinisch untersucht.
E.
Am 7. Dezember 2020 wurde der Beschwerdeführer dem Kanton
H._ zugewiesen, und am 10. Dezember 2020 wurde ihm eine neue
Vertrauensperson zugeordnet.
F.
Dem Beschwerdeführer wurde vom SEM mit Schreiben vom 17. Dezember
2020 das rechtliche Gehör zum Altersgutachten gewährt und ihm hierzu
eine anonymisierte Version des Dokuments zugestellt. Das SEM führte
aus, der Beschwerdeführer habe anlässlich der Anhörung unsubstanziierte
und teilweise widersprüchliche Angaben zu seinem Alter gemacht. Das aus
diesen Gründen in Auftrag gegebene Altersgutachten habe ein Mindestal-
ter im Zeitpunkt der Untersuchung von (...) Jahren und ein wahrscheinli-
ches Alter von (...) Jahren ergeben. Infolgedessen erweise sich sein ange-
gebenes chronologisches Lebensalter von (...) Jahren als unzutreffend.
Die geltend gemachte Minderjährigkeit könne folglich nicht geglaubt wer-
den, weshalb er fortan als volljährig betrachtet werde. Angesichts der gros-
sen Differenz zwischen seinen Angaben und dem Ergebnis der Altersun-
tersuchung müsse davon ausgegangen werden, er habe vorsätzlich ver-
sucht über seine Identität zu täuschen. Es werde aufgrund dessen auch in
Betracht gezogen, das im ZEMIS eingetragene Alter anzupassen.
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G.
Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers informierte das SEM am
21. Dezember 2020 über ihre Mandatierung und bat um Akteneinsicht.
H.
In seiner Stellungnahme vom 12. Januar 2021 liess der Beschwerdeführer
ausführen, dass er auf seiner Altersangabe bestehe. Er habe an der Anhö-
rung schlüssige und ausführliche Aussagen zu seiner Minderjährigkeit
gemacht und sein Aussageverhalten entspreche auch demjenigen einer
minderjährigen Person. Mangels Kontakt zu seiner Familie sei es ihm leider
weiterhin nicht möglich, sein Alter anhand von objektiven Beweismitteln
zu belegen. Er würde sich aber nochmals einer medizinischen Abklärung
unterziehen, sollte dies als notwendig erachtet werden. Die medizinische
Altersabklärung mit einem durchschnittlichen Lebensalter von (...) bis
(...) Jahren sei nämlich sehr ungenau ausgefallen und könne so kaum aus-
schlaggebend sein.
I.
Mit Verfügung vom 14. Januar 2021 – eröffnet am 19. Januar 2021 – lehnte
das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Weg-
weisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. Weiter ver-
fügte es die Änderung des Geburtsdatums des Beschwerdeführers im
ZEMIS auf den (...) und brachte einen Bestreitungsvermerk an.
J.
In den Verfahrensakten befindet sich ein Nachgutachten des rechtsmedizi-
nischen Instituts des (...) vom 4. Februar 2021. Darin wurde einleitend fest-
gehalten, die Nachbegutachtung erfülle einen Auftrag vom 27. Januar 2021
und ersetze das Gutachten vom 9. Dezember 2020.
K.
Gegen die Verfügung des SEM vom 14. Januar 2021 liess der Beschwer-
deführer mit Eingabe vom 18. Februar 2021 beim Bundesverwaltungs-
gericht Beschwerde erheben. Er beantragte die Aufhebung von Ziffer 7 der
angefochtenen Verfügung sowie die Anweisung der Vorinstanz; das Ge-
burtsdatum sei im ZEMIS auf den (...) zu ändern; weiter seien die Ziffern
3–6 der angefochtenen Verfügung aufzuheben und er wegen Unzumutbar-
keit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz auf-zunehmen.
Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und die Sache zur Neubeurtei-
lung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte
der Beschwerdeführer um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
sowie um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses.
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L.
Am 25. Februar 2021 ging beim Bundesverwaltungsgericht die Bestäti-
gung der Unterstützung des Beschwerdeführers durch den Sozialdienst
des Kantons H._ ein (datierend vom 23. Februar 2021).
M.
Mit Zwischenverfügung vom 2. März 2021 hiess der Instruktionsrichter die
Gesuche des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung gut und setzte Rechtsanwältin
Lara Märki als amtliche Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers ein.
Er lud zudem das SEM zur Vernehmlassung ein.
N.
In der Vernehmlassung vom 11. März 2021 hielt das SEM an seinen Erwä-
gungen in der angefochtenen Verfügung fest und beantragte die Abwei-
sung der Beschwerde.
O.
Der Instruktionsrichter gab dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
17. März 2021 dem Beschwerdeführer die Gelegenheit zur Vernehmlas-
sung des SEM Stellung zu nehmen.
P.
Nach gewährter Fristerstreckung liess der Beschwerdeführer mit Eingabe
vom 16. April 2021 eine Replik zu den Akten reichen und an seinen Anträ-
gen festhalten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinn von
Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-
ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde. Das Verfahren
richtet sich nach dem VwVG, dem VGG, dem BGG und dem AsylG (Art. 37
VGG und Art. 6 AsylG).
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1.2
1.2.1 Vorliegend bildet neben der Änderung des Geburtsdatums im ZEMIS
lediglich die Anordnung des Vollzugs der Wegweisung Beschwerdegegen-
stand, zumal die Dispositivziffern 1–3 der Verfügung des SEM vom 14. Ja-
nuar 2021 (Flüchtlingseigenschaft, Asylgewährung und Anordnung der
Wegweisung) mangels Anfechtung in Rechtskraft erwachsen sind.
1.2.2 Praxisgemäss wird das Beschwerdeverfahren betreffend ZEMIS-
Datenbereinigung (E-777/2021) neben dem Wegweisungs-Beschwerde-
verfahren (E-741/2021) separat geführt (vgl. BVGE 2018 VI/3). Vorliegend
kann – aufgrund der Verfahrenskonstellation und des Prozessausgangs –
jedoch in einem Urteil über beide Verfahren befunden werden.
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 2 AsylG;
Art. 48 Abs. 1, Art. 50 sowie Art. 52 VwVG).
1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Bereich des Ausländerrechts (vgl. BVGE 2014/26 E. 5) wie
auch hinsichtlich der ZEMIS-Berichtigung nach Art. 49 VwVG. Das Bun-
desverwaltungsgericht überprüft demnach beide Aspekte mit uneinge-
schränkter Kognition.
3.
3.1 Zur Begründung seiner ablehnenden Verfügung führte das SEM an, die
anlässlich der Befragungen gemachten Angaben des Beschwerdeführers
zu seinem Alter seien unsubstanziiert und teilweise widersprüchlich ausge-
fallen, weshalb ein Altersgutachten in Auftrag gegeben worden sei. Ge-
mäss diesem Gutachten habe sein Mindestalter im Zeitpunkt der Untersu-
chung 21 Jahre betragen und das wahrscheinliche Alter sei bei (...) Jahren
gelegen, weshalb die Eintragung im ZEMIS angepasst worden sei. Der Be-
schwerdeführer habe sodann in seiner Stellungnahme keine Argumente
vorgebracht, welche eine Änderung des Standpunkts des SEM rechtferti-
gen würde und die Volljährigkeit in Frage stellen könne. Hinsichtlich der
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vorgebrachten Asylgründe führte das SEM aus, es sei nicht davon auszu-
gehen, der pakistanische Staat komme seiner Schutzpflicht nicht nach, weil
dieser nicht jeden denkbaren Übergriff präventiv verhindern könne. Viel-
mehr sei vorliegend der Täter verhaftet worden und es sei ein Gerichtsver-
fahren eingeleitet worden. Wegen weiterer Drohungen seitens der Familie
des Täters habe er sich aber nicht mehr an die Behörden gewandt, zumal
die pakistanischen Behörden ohne Bestechung nicht arbeiten würden. Sei-
nen Aussagen zufolge sei er durch seine Familie unterstützt worden und
sie hätten auch einen Rechtsanwalt genommen. Die staatlichen Behörden
hätten ihm zudem den erforderlichen Schutz gewährt. Die geltend gemach-
ten Ereignisse seien zudem bereits im Jahr 2014 erfolgt und er habe seinen
Heimatstaat erst im Jahr 2018 verlassen, ohne dass es in dieser Zeit zu
weiteren Vorkommnissen gekommen sei. Es sei folglich einerseits nicht
davon auszugehen, die Flucht ins Ausland sei die einzige Möglichkeit für
ihn gewesen der vorgebrachten Verfolgungssituation zu entgegen, und an-
dererseits fehle es an der nötigen Aktualität. Es fehle seinen Vorbringen
folglich bereits an der Asylrelevanz. Weiter seien keine Gründe ersichtlich,
die dem Wegweisungsvollzug entgegenstünden. In Pakistan herrsche
keine Situation generealisierter Gewalt, welches sich über weite Teile des
Staatsgebiets erstrecken würden, und der Beschwerdeführer sei jung und
gesund und könne Berufserfahrung in verschiedenen Bereichen vorwei-
sen. Es sei sodann davon auszugehen, dass er bei einer Rückkehr auf
Bekannte zurückgreifen könne, die ihn für seine Ausreise unterstützt
hätten. Es erweise sich als unwahrscheinlich, dass sämtliche Kontakte zu
seiner Familie abgebrochen seien. Auch eine mögliche Infizierung mit
SARS-CoV-2 spreche nicht gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs, zumal die Ansteckungsgefahr aktuell weltweit gross sei.
3.2
3.2.1 Der Beschwerdeführer liess in seiner Beschwerdebegründung zu-
nächst bemängeln, dass nicht ersichtlich sei, aus welchen Gründen über-
haupt ein Altersgutachten durchgeführt worden sei. Einerseits sei das
blosse Fehlen von Identitätspapieren neutral als Tatsache und nicht etwa
als Anhaltspunkt gegen eine vorgetragene Minderjährigkeit zu berücksich-
tigen. Andererseits habe er stets dasselbe Geburtsdatum angegeben und
seine Aussagen dazu seien immer stringent gewesen und hätten chrono-
logisch Sinn ergeben. Die Erwartungen der Vorinstanz an die Genauigkeit
seiner Angaben seien zudem keineswegs altersgerecht und es sei keine
seinem Alter und Bildungsniveau entsprechende Anhörung durchgeführt
worden. Hinzuweisen sei insbesondere auf die ihm vorgeworfenen Wider-
sprüche, zumal aus dem Protokoll der Erstbefragung klar hervorgehe, dass
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es zu Verständigungsproblemen gekommen sei. Es würden insgesamt
starke (und zusätzliche schwache) Indizien für seine Minderjährigkeit spre-
chen. Die Durchführung eines zweiten Altersgutachtens, worin das wahr-
scheinliche Alter gestrichen worden sei, zeige ausserdem die allgemeinen
Unsicherheiten auf, mit welchen Altersabklärungen verbunden seien. Aus
welchen Gründen von einem Mindestalter von (...) Jahren ausgegangen
worden sei, habe schliesslich nicht nachvollziehbar aufgezeigt werden kön-
nen. Seine sich aus der Minderjährigkeit ergebende, spezifische Situation
sei vor diesem Hintergrund beim Vollzug des Wegweisungsvollzugs unter
dem Aspekt der Zumutbarkeit zu beachten, und es seien entsprechende
Abklärungen zur persönlichen Situation vorzunehmen. Zu berücksichtigen
sei dabei der Grundsatz des Kindeswohls nach Art. 3 des Übereinkom-
mens über die Rechte des Kindes (Kinderrechtskonvention; SR 0.107).
Aufgrund der Annahme seiner Volljährigkeit habe sich die Vorinstanz nur in
pauschaler Weise mit seinem familiären Umfeld auseinandergesetzt und
sei wegen der als unglaubhaft taxierten Vorbringen zu Unrecht von einem
noch intakten Beziehungsnetz im Heimatstaat ausgegangen. Er habe aber
glaubhaft dargetan, dass er seit der Auseinandersetzung mit einer Nach-
barsfamilie keinen Kontakt mehr zu seiner Familie pflege und nicht einmal
wisse, ob sie noch am selben Ort wohne. Es sei weiter bedenklich, dass
das SEM seine frühere Kinderarbeit als Arbeitserfahrung betitle. Nachdem
er auch keine Schulbildung habe geniessen können, würde ihn bei einer
Rückkehr eine aussichtslose Zukunft erwarten. Der Wegweisungsvollzug
erweise sich folglich als unzumutbar.
3.2.2 Eventualiter sei die Sache in diesem Punkt an die Vorinstanz zur
Neubeurteilung zurückzuweisen, weil sie fälschlicherweise von seiner Voll-
jährigkeit ausgegangen sei. Darüber hinaus seien zwei problematische An-
hörungen durchgeführt worden, bei welchen den besonderen Aspekten
seiner Minderjährigkeit keine Rechnung getragen worden sei; es habe Ver-
ständigungsprobleme gegeben, er sei gesundheitlich angeschlagen gewe-
sen und ausserdem gesiezt worden, was nicht zu einer angenehmen
Atmosphäre beigetragen habe. Das SEM habe sich auch in ungenügender
Weise mit der Stellungnahme der Rechtsvertretung vom 12. Januar 2021
auseinandergesetzt.
3.3 Das SEM führte in der Vernehmlassung aus, es sei bedauerlich, dass
das Nachgutachten des IRM nach dem Asylentscheid erfolgt sei und zu-
dem die zuständige Rechtsberatungsstelle nicht auf direktem Weg darüber
informiert worden sei. Die Verfügung des SEM sei aber nicht mit dem im
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ersten Altersgutachten noch erwähnten wahrscheinlichen Alter des Be-
schwerdeführers begründet worden, sondern stütze sich auf das Mindest-
alter ab. Beide Gutachten würden keine Zweifel an der Volljährigkeit des
Beschwerdeführers zulassen, zumal darin von einem durchschnittlichen
Lebensalter von (...) bis (...) Jahren sowie einem Mindestalter von (...) aus-
gegangen werde. Bei der Durchführung des Altersgutachtens könne kei-
neswegs von einem unzumutbaren Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des
Beschwerdeführers gesprochen werden, habe er doch selber angeboten,
sich einer erneuten Untersuchung zu unterziehen. Auch die Vorwürfe be-
treffend die Befragungssituationen seien entschieden von der Hand zu wei-
sen. Die Erstbefragung sei bewusst kurzgehalten und relevante Fragen
seien im Rahmen der Anhörung nachgeholt worden. Der Beschwerdefüh-
rer sei auch mehrfach gefragt worden, ob er sich in der Lage sehe, die
Befragung fortzuführen, und sei darauf hingewiesen worden, sich zu mel-
den, sollte sich sein Zustand verschlechtern. Aus den Anhörungsprotokol-
len gehe sodann hervor, dass er die ihm gestellten Fragen verstanden
habe und adäquat habe beantworten können. Es sei sodann nicht unüb-
lich, einen jungen Erwachsenen zu siezen. Eine Abklärung der persönli-
chen Situation im Heimatstaat habe sich vorliegend erübrigt, zumal von
seiner Volljährigkeit ausgegangen worden sei.
3.4 In seiner Replik widerspricht der Beschwerdeführer den Ausführungen
des SEM, wonach mit dem wahrscheinlichen Alter argumentiert worden
sei. Die Vorinstanz habe es sowohl unterlassen, die Hintergründe der in
Auftrag gegebenen Nachbegutachtung zu erläutern, als auch darzutun, wie
es auf das Mindestalter von (...) Jahren gekommen sei. Bereits wegen der
grossen Altersspanne hinsichtlich des Durchschnittsalters würden grund-
legende Zweifel an der Richtigkeit der Resultate aufkommen. Diese wür-
den erhärtet durch die immensen Unterschiede zwischen den Resultaten
der einzelnen Altersuntersuchungen. Sein Angebot, ein weiteres Alters-
gutachten durchzuführen, ändere schliesslich nichts an der Unrechtmäs-
sigkeit des zuvor ohne seine Einwilligung erfolgten Altersgutachtens. Der
Beschwerdeführer habe an der Anhörung auch von Anfang an darauf hin-
gewiesen, er würde diese Befragung lieber nicht durchführen. Dieser
Wunsch sei übergangen und ihm ein anderer Vorschlag unterbreitet wor-
den. Es liege auf der Hand, dass es für ihn als UMA schwieriger gewesen
sei, seine Bedürfnisse und Interessen gegenüber den Behörden selbst-
ständig durchzusetzen. Mit dem als Replikbeilage eingereichten aktuellen
Arztbericht wolle er auf seine depressive Episode sowie seine Posttrauma-
tische Belastungsstörung hinweisen.
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4.
4.1 Die Vorinstanz führt zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben das
ZEMIS, welches der Bearbeitung von Personendaten aus dem Ausländer-
und dem Asylbereich dient (Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 2 des Bundesgesetzes
über das Informationssystem für den Ausländer- und den Asylbereich vom
20. Juni 2003 [BGIAA, SR 142.51]) und in der Verordnung über das Zent-
rale Migrationsinformationssystem vom 12. April 2006 (SR 142.513;
ZEMIS-Verordnung) näher geregelt ist. Nach Art. 19 Abs. 1 ZEMIS-Verord-
nung richten sich die Rechte der Betroffenen, insbesondere deren
Auskunfts-, Berichtigungs- und Löschungsrecht sowie das Recht auf Infor-
mationen über die Beschaffung besonders schützenswerter Personen-
daten, nach dem Datenschutzgesetz (DSG, SR 235.1) und dem VwVG.
4.2 Wer Personendaten bearbeitet, hat sich über deren Richtigkeit zu ver-
gewissern (Art. 5 Abs. 1 DSG). Werden Personendaten von Bundes-
organen bearbeitet, kann jede betroffene Person insbesondere verlangen,
dass unrichtige Personendaten berichtigt werden (Art. 5 Abs. 2 i.V.m.
Art. 25 Abs. 3 Bst. a DSG). Ist die Unrichtigkeit erstellt, besteht ein unein-
geschränkter Anspruch auf Berichtigung (vgl. statt vieler Urteil des BVGer
A-7615/2016 vom 30. Januar 2018 E. 3.2, m.w.H.).
4.3 Grundsätzlich hat die das Berichtigungsbegehren stellende Person die
Richtigkeit der von ihr verlangten Änderung, die Bundesbehörde im Be-
streitungsfall dagegen die Richtigkeit der von ihr bearbeiteten Personen-
daten zu beweisen (vgl. Urteil des BGer 1C_240/2012 vom 13. August
2012 E. 3.1; BVGE 2013/30 E. 4.1). Nach den massgeblichen Beweisre-
geln des VwVG gilt eine Tatsache als bewiesen, wenn sie in Würdigung
sämtlicher Erkenntnisse so wahrscheinlich ist, dass keine vernünftigen
Zweifel bleiben; unumstössliche Gewissheit ist dagegen nicht erforderlich.
5.
5.1 Zunächst ist die durch den Beschwerdeführer behauptete und vom
SEM bestrittene Minderjährigkeit zu beurteilen. Die Vorinstanz geht wegen
des Altersgutachtens vom 9. Dezember 2020 beziehungsweise vom
4. Februar 2021 von der Volljährigkeit des Beschwerdeführers aus, wel-
ches aufgrund der fehlenden Identitätsdokumente sowie den wenig sub-
stanziierten und teilweise widersprüchlichen Angaben zu seinem Alter ver-
anlasst worden sei. Der Beschwerdeführer seinerseits hält an seiner Min-
derjährigkeit fest.
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5.2 Im Asylverfahren ist die Minderjährigkeit – der allgemeinen asylrechtli-
chen Beweisregel folgend – von der beschwerdeführenden Person zumin-
dest glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 3 und E. 4.2.3).
5.3 Demnach obliegt es vorliegend grundsätzlich dem SEM zu beweisen,
dass das aktuell im ZEMIS eingetragene Geburtsdatum ([...]) korrekt ist.
Der Beschwerdeführer wiederum hat nachzuweisen, dass das von ihm im
Datenänderungsgesuch geltend gemachte Datum ([...]) richtig bezie-
hungsweise zumindest wahrscheinlicher ist als das im ZEMIS erfasste, ihm
mithin eine höhere Glaubwürdigkeit zukommt als dem bisherigen Eintrag
(vgl. Urteil des BVGer A-3051/2018 vom 12. März 2019 E. 5.5). Gelingt kei-
ner Partei der sichere Nachweis, ist dasjenige Geburtsdatum im ZEMIS zu
belassen oder einzutragen, dessen Richtigkeit wahrscheinlicher ist.
6.
6.1 Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sind von
den in der Schweiz angewandten Methoden der medizinischen Altersab-
klärung nur die Schlüsselbein- respektive Skelettaltersanalyse und die
zahnärztliche Untersuchung (nicht jedoch die Handknochenaltersanalyse
und die ärztliche körperliche Untersuchung) zum Beweis der Minder-
beziehungsweise Volljährigkeit einer Person geeignet. Die medizinischen
Altersabklärungen stellen – je nach Ergebnis – unterschiedlich zu gewich-
tende Indizien für das Vorliegen der Minder- respektive Volljährigkeit einer
Person dar (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.1 f.).
6.2
6.2.1 Im vorliegenden Verfahren wurde – offensichtlich vom SEM ein zwei-
tes Altersgutachten in Auftrag gegeben. Dieses vom 4. Februar 2021
datierende Dokument nennt als Datum für den "Auftrag [...] um Nach-
begutachtung" den 27. Januar 2021. Aus welchem Grund dieser Folge-
auftrag überhaupt erging – seltsamerweise zwei Wochen nach Erlass der
hier zu beurteilenden Verfügung vom 14. Januar 2021 und damit während
laufender Beschwerdefrist – ergibt sich aus den Akten nicht. Ebenso eigen-
tümlich erscheint, dass das neue Gutachten dem Beschwerdeführer
gemäss Akten durch das SEM nicht eröffnet wurde. Seine heutige Rechts-
vertretung wurde davon offenbar durch die frühere (im beschleunigten ers-
ten Teil des erstinstanzlichen Verfahrens eingesetzte) amtliche Rechtsver-
tretung in Kenntnis gesetzt und reichte das zweite Gutachten zusammen
mit der Beschwerde ein für den Fall, dass "das revidierte Gutachten noch
keinen Einzug in die Akten gefunden haben sollte" (vgl. Beschwerde S. 5).
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6.2.2 Durch die in der Vernehmlassung mit Bedauern eingestandenen
Mangel bei der Information über die Nachbegutachtung ist dem Beschwer-
deführer zwar – dank dem Engagement der Rechtsvertretungen des Be-
schwerdeführers – im Ergebnis kein Nachteil erwachsen. Trotzdem bleiben
die Fragen unbeantwortet im Raum, wieso das SEM einen Folgeauftrag
erteilte und vor allem, warum es dies erst zwei Wochen nach Ausfällung
des Asylentscheids tat, zu einem Zeitpunkt also, in dem das neue Doku-
ment im erstinstanzlichen Verfahren gar nicht mehr berücksichtigt werden
konnte. Dieses Vorgehen erweckt den Anschein, die Vorinstanz sei sich
nach ihrem Entscheid plötzlich nicht mehr sicher gewesen, ob sie auf einer
korrekten Aktengrundlage entschieden habe.
6.2.3 Ein Vergleich der beiden Dokumente ergibt allerdings, dass die ein-
zige Veränderung des zweiten Gutachtens darin besteht, dass die Ausfüh-
rungen im ersten Bericht zum "wahrscheinlichsten Alter" (vgl. A29 S. 2
und 5) im zweiten entfernt wurden. Auch aus dem zweiten Gutachten wird
der Grund hierfür nicht ersichtlich; es wird bloss eingangs festgehalten, das
zweite Dokument ersetze das Gutachten vom 9. Dezember 2020 vollum-
fänglich (vgl. A40 S. 1).
6.2.4 Unter den gegebenen Umständen können weitere Abklärungen in
diesem Zusammenhang zwar unterbleiben. Das SEM ist aber aufzufordern
in Zukunft die Gründe für allfällige Nachbegutachtung aktenkundig zu ma-
chen und auch die Asylsuchenden darüber transparenter zu informieren.
6.3
6.3.1 Im Gutachten des IRM vom 9. Dezember 2020 beziehungsweise
4. Februar 2021 wird die forensische Lebensaltersschätzung des Be-
schwerdeführers auf eine körperliche Untersuchung, eine Röntgenuntersu-
chung der Hand und eine Erstellung einer Panoramaröntgenuntersuchung
von Ober- und Unterkiefer sowie eine computertomographische Unter-
suchung beider Schlüsselbein-Brustbeingelenke abgestützt. Die Hand-
knochenanalyse ergab ein Mindestalter von (...) Jahren; die Schlüssel-
beinanalyse ein Mindestalter vom (...) Jahren sowie eine Altersspanne von
(...) bis (...) Jahren; die zahnärztliche Untersuchung ein Mindestalter von
(...) Jahren sowie eine Altersspanne von (...) bis (...) Jahren (vgl. A29 resp.
A40 je S. 4 f.). Aufgrund dieser Angaben ist zwar tatsächlich nicht ersicht-
lich, aus welchen Gründen im Gutachten vom 9. Dezember 2020 von ei-
nem Mindestalter von (...) Jahren ausgegangen wurde (vgl. A29 bzw. A40
je S. 5). Dennoch wertete das SEM zu Recht das Altersgutachten als Indiz
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für die Volljährigkeit des Beschwerdeführers, zumal gemäss der zuvor ge-
nannten Rechtsprechung als starkes Indiz für die Volljährigkeit zu werten
ist, wenn – wie vorliegend – das Mindestalter bei der Schlüsselbein- res-
pektive Skelettaltersanalyse oder der zahnärztlichen Untersuchung über
18 Jahren liegt und die sich anhand der beiden Analysen ergebenden Al-
tersspannen überlappen (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.2).
6.3.2 Der Beschwerdeführer gab sowohl auf dem Personalienblatt als auch
anlässlich seiner Befragungen als sein Geburtsdatum den (...) zu Protokoll.
Vor dem Hintergrund der beschriebenen Lebensumstände ist seine Erklä-
rung, er habe sein Geburtsdatum durch seine Mutter erfahren, als plausibel
zu erachten. Es erschliesst sich dem Gericht auch nicht, inwiefern die dies-
bezüglichen Angaben des Beschwerdeführers anlässlich der BzP vage ge-
blieben seien, nachdem aus dem Befragungsprotokoll hervorgeht, dass
der Beschwerdeführer wegen Verständigungsschwierigkeiten an mehreren
Stellen darauf hingewiesen wurde, er könne an der Anhörung vertieft er-
zählen (vgl. angefochtene Verfügung S. 6; A13 S. 3, 7 und 8). Hingegen
fielen in der Anhörung die Schilderungen der persönlichen, beruflichen und
familiären Lebensumstände, zu Identitätsdokumenten und zu den Umstän-
den der Ausreise aus dem Heimatstaat wenig substanziiert aus, wie das
SEM in seiner Verfügung zutreffend festhielt (vgl. angefochtene Verfügung
S. 6; A18 S. 6 ff.).
6.3.3 Der Beschwerdeführer reichte keine Identitätsdokumente zu den
Akten und hat sich auch offensichtlich nicht um die Beschaffung solcher
bemüht. Seine Erklärung, er verfüge über keinerlei Identitätsdokumente
und stehe ausserdem mit keiner Person aus seinem Heimatstaat in Kon-
takt, erscheint als Schutzbehauptung. So handelte es sich beim geltend
gemachten Konflikt, weswegen er seinen Heimatstaat verlassen habe, ge-
rade nicht um eine familiäre Auseinandersetzung. Es ist aus diesem Grund
nicht nachvollziehbar, weshalb er deswegen den Kontakt zu sämtlichen Fa-
milienangehörigen hätte abbrechen sollen (vgl. A18 ad F63 ff.).
6.4 Bei der Einschätzung des Alters des Beschwerdeführers ist eine Ge-
samtwürdigung vorzunehmen, bei der auch die protokollierten Aussagen
zu den persönlichen Lebensumständen zu berücksichtigen sind (vgl. Ent-
scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 2004 Nr. 30 E. 6.4.3 f.: insbes. [übereinstimmende] Angaben
zum Alter, zu Identitätspapieren bzw. zu den Gründen für deren Nichtein-
reichung, zu den familiären Umständen, zum Schulbesuch, zu Berufsbil-
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dung sowie Berufstätigkeit und zu den Ausreiseumständen sowie nachvoll-
ziehbare länderspezifische Angaben zum behaupteten Herkunftsgebiet).
Angesichts des Resultats des Altersgutachtens sowie der vorangegange-
nen Ausführungen zu den durch den Beschwerdeführer beschriebenen
persönlichen Lebensumstände ist festzustellen, dass die für die Volljährig-
keit des Beschwerdeführers sprechenden Indizien überwiegen. Daher
kommt das Gericht zum Schluss, dass die Volljährigkeit des Beschwerde-
führers wahrscheinlicher ist als dessen Minderjährigkeit.
6.5 Nach dem Gesagten ist die im ZEMIS erfasste Angabe wahrscheinli-
cher als das durch den Beschwerdeführer geltend gemachte Geburtsda-
tum. Folglich ist der Beschwerdeantrag auf Änderung des Eintrags im
ZEMIS abzuweisen.
7.
7.1 In seinem Rechtsmittel beantragte der Beschwerdeführer die Rückwei-
sung der Sache an die Vorinstanz, weil der Sachverhalt hinsichtlich des
angeordneten Wegweisungsvollzugs ungenügend abgeklärt und sein An-
spruch auf rechtliches Gehör verletzt worden sei, indem zwei problemati-
sche und nicht kindgerechte Anhörungen durchgeführt worden seien. Wei-
ter habe sich das SEM nicht mit der Stellungnahme vom 12. Januar 2021
zum Altersgutachten auseinandergesetzt und im Asylentscheid nur unge-
nügend gewürdigt. Nachdem der Entscheid bereits einen Tag nach Ein-
gang der Stellungnahme ergangen sei, bestehe der Verdacht, der Ent-
scheid sei bereits vor Eingang der Stellungnahme gefällt worden.
7.2 Vor dem Hintergrund der Ausführungen in Erwägung 6 erweisen sich
die Rügen des Beschwerdeführers, die Anhörungen seien nicht kind-
gerecht durchgeführt worden und das SEM hätte Abklärungen zu seinem
familiären Umfeld im Heimatstaat vornehmen müssen, als unbegründet.
7.3 Auch die Rüge, die Vorinstanz habe sich nicht in angemessener Weise
mit der Stellungahme zum Altersgutachten vom 12. Januar 2021 auseinan-
dersetzt, ist unbegründet. So wurde in der angefochtenen Verfügung der
Inhalt der Stellungnahme zusammengefasst widergegeben, und das SEM
setzte sich damit auseinander (vgl. Verfügung S. 6).
7.4 Der Antrag des Beschwerdeführers auf Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz ist nach dem Gesagten ebenfalls abzuweisen.
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8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2
8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
8.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
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8.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofs für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig
erscheinen.
8.2.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinn
der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.3
8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.3.2 In Pakistan herrscht nach konstanter Rechtsprechung, trotz regional
teilweise angespannter Lage, keine landesweite Situation allgemeiner Ge-
walt, die zur Annahme führen müsste, jede dorthin zurückkehrende Person
sei mit erheblicher Wahrscheinlichkeit konkret gefährdet. Der Wegwei-
sungsvollzug ist daher nicht generell unzumutbar (vgl. dazu das Referenz-
urteil des BVGer E-3258/2018 vom 2. Juni 2020 E. 12.4.1 sowie das Urteil
des BVGer D-2534/19 vom 7. April 2021 E. 8.4.2, je m.w.H.).
8.3.3 Angesichts der in der vorangegangenen Erwägung 6 gewonnenen
Erkenntnisse sind die Erwägungen des SEM in der angefochtenen Verfü-
gung betreffend Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs des Beschwer-
deführers nicht zu beanstanden. Es hat sich in genügender Weise mit sei-
ner konkreten Situation im Falle seiner Rückkehr in den Heimatstaat aus-
einandergesetzt. Der Übergriff des Sohnes der Nachbarn wurde von den
heimatlichen Behörden verfolgt und dieser wurde auch zu einer Gefäng-
nisstrafe verurteilt. Beim Beschwerdeführer handelt es sich sodann um ei-
nen volljährigen jungen Mann, dem es trotz – seinen Angaben zufolge –
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fehlender Schulbildung gelang, in verschiedenen Städten für seinen
Lebensunterhalt aufzukommen (vgl. A13 S. 5; A18 ad F41 ff. und F75 ff.).
Nachdem auch das Gericht seine Behauptung, er habe jegliche Kontakte
zu seinen Verwandten im Heimatstaat abgebrochen, als unglaubhaft er-
achtet, ist von einem bestehenden Beziehungsnetz auszugehen, welches
ihn bei seiner Rückkehr wird unterstützen können. Es bestehen folglich
keine konkreten Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer in seinem
Heimatstaat in eine existenzielle Notlage geraten würde. Blosse soziale
und wirtschaftliche Schwierigkeiten, von denen die ansässige Bevölkerung
im Allgemeinen betroffen ist, genügen nicht, um eine konkrete Gefährdung
im Sinn von Art. 83 Abs. 4 AIG darzustellen (vgl. BVGE 2008/34 E. 11.2.2).
8.3.4 Mit der Replik liess der Beschwerdeführer einen Bericht eines Not-
fallgesprächs vom 3. März 2021 ins Recht legen. Darin wird ausgeführt,
der Beschwerdeführer zeige Hinweise auf eine depressive Erkrankung
und/oder eine Posttraumatische Belastungsstörung. Eine akute Selbst-
oder Fremdgefährdung könne ausgeschlossen werden. Es sei aber unklar,
ob die aktuelle Symptomatik reaktiv auf den Asylentscheid entstanden sei
oder bereits zuvor bestanden habe, weshalb um Einleitung einer ausführ-
lichen psychotherapeutischen Abklärung gebeten werde.
8.3.5 Das Gesundheitswesen und die damit verbundene Versorgungslage
in Pakistan ist – bemessen an der Grösse der zu versorgenden Bevölke-
rung – begrenzt und es besteht für die Patientinnen und Patienten meist
die Notwendigkeit die (an sich grundsätzlich kostenlosen) Leistungen
selbst zu zahlen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-6084/2020
vom 15. Juni 2021 E. 10.4.3; Malik, M. A., Universal health coverage
assessment Pakistan, 12.2015, < https://ecommons.aku.edu/pakistan_
fhs_mc_chs_chs/203/ > abgerufen am 22. Juni 2021; sowie Quellen der
World Health Organization [WHO], Primary Care Systems Profiles & Per-
formance (PRIMASYS), 2017, < https://www.who.int/alliance-hpsr/pro-
jects/AHPSR-Pakistan-061016.pdf >, abgerufen am 22. Juni 2021).
In der Provinz Punjab, der Herkunft des Beschwerdeführers, bestehen zu-
sätzlich Behandlungsmöglichkeiten in psychiatrischer Hinsicht, insbeson-
dere in der Stadt Lahore, die mit dem Punjab Institute of Mental Health
(PIMH) grundsätzlich über eine spezialisierte Einrichtung für die Behand-
lung von psychiatrischen Erkrankungen verfügt (vgl. Specialized Health-
care & Medical Education Department, < https://health.punjab.gov.pk/
TertiaryHospitals.aspx >, abgerufen am 22. Juni 2021).
https://www.who.int/alliance-hpsr/projects/AHPSR-Pakistan-061016.pdf https://www.who.int/alliance-hpsr/projects/AHPSR-Pakistan-061016.pdf
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8.3.6 Das Gesundheitssystem in Pakistan ist zwar nicht vergleichbar mit
demjenigen in der Schweiz, eine Grundversorgung ist aber gewährleistet.
Vor diesem Hintergrund sind die gesundheitlichen Probleme des Be-
schwerdeführers nicht als derart schwerwiegend einzustufen, als dass sie
der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs entgegenzustehen vermöch-
ten. Zudem kann der Beschwerdeführer beim SEM bei Bedarf ein Gesuch
um medizinische Rückkehrhilfe stellen (Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG und
Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 über Finanzierungsfra-
gen [AsylV 2; SR 142.312]).
8.3.7 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihm jedoch mit
Verfügung vom 2. März 2021 die unentgeltliche Prozessführung gemäss
Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde, sind keine Verfahrenskosten aufzuer-
legen.
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10.2 Mit derselben Verfügung wurde der Antrag auf amtliche Rechtsverbei-
ständung gutgeheissen und dem Beschwerdeführer Rechtsanwältin Märki
als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet. Dieser ist deshalb ein amtli-
ches Honorar zulasten der Gerichtskasse zu entrichten, wobei nur der not-
wendige Aufwand zu entschädigen ist (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8 Abs. 2
VGKE). Es wurde keine Kostennote eingereicht, weshalb der notwendige
Aufwand anhand der Akten festzulegen ist (Art. 14 Abs. 2 VGKE). In An-
wendung der massgebenden Bemessungsfaktoren und unter Anwendung
des in der Zwischenverfügung vom 2. März 2021 angekündigten Stunden-
ansatzes ist der unentgeltlichen Rechtsbeiständin durch das Gericht ein
Honorar von insgesamt Fr. 1800.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzu-
schlag i.S.v. Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) auszurichten.
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