Decision ID: 9e516eba-6310-461a-afce-df9dcd4a4243
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1963,
war
von November 2005
bis
Ende Februar 2011
bei der
Y._
AG
als Raumpflegerin
erst
in einem
30
%-Pensum
und ab Dezember 2010 in einem 50%-Pensum
angestellt (Urk. 7/
10
).
Seit
Februar 2007 arbeitete sie ausserdem in einem 35.7%-Pensum in
der Berufs
bildu
ngs
schule Z._
als Betriebsmitarbeiter
i
n (Urk. 7/11).
Am 25. November 2010 (Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis auf
eine Diskushernie zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk. 7/2).
Mangels Mitwirkungspflicht wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Ver
fü
gung vom 18. Oktober 2011 ab (Urk. 7/28).
1.2
Unter Beilage diverser Arbeitsunfähigkeitszeugnisse (Urk. 7/29) reichte die Ver
sicherte am 18. Mai 2017 (Eingangsdatum) unter Hinweis auf eine rezidivie
rende depressive Störung sowie Rückenschmerzen
ein neues Leistungsbegehren
ein
(
Urk. 7/30).
Von der IV-Stelle darauf hingewiesen, dass sie zur Glaubhaft
ma
chung einer gesundheitlichen Veränderung entsprechende aktu
el
le Beweis
mittel bei
bringen müsse (Urk. 7/33), liess die Versicherte den Arztbericht ihres Haus
arztes zu den Akten reichen (Urk. 7/34). Hierauf nahm d
ie IV-Stelle Abklä
rungen in er
werblicher und medi
zinischer Hinsicht vor, holte die Berichte der behan
deln
den Ärzte (Urk. 7/37, Urk. 7/40, Urk. 7/41, Urk. 7/55) sowie einen Auszug aus dem Indivi
duel
len Konto der Versicherten (IK-Auszug; Urk. 7/36) ein und ersuchte die Ar
beit
geberin um Auskünfte (Arbeitge
berfrage
bogen vom 24. November 2017, Urk. 7/50). In der Folge veranlasste die IV-Stelle eine akten
basierte Eins
chätzung durch Dr. med. A._
, Fachärztin für ortho
pädische Chirurgie und Trauma
to
logie sowie Ärztin des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD; vgl. Feststellungs
blatt, Urk.
7/57).
Gestützt darauf stellte die IV
Stelle mit Vorbescheid vom
3.
April 2018 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aus
sicht (Urk. 7/58).
Dagegen erhob
die
Versicherte am
8. Mai 2018 (Urk. 7/60) sowie ergänzend am 14. Juni
201
8
(Urk.
7/68
)
und 2.
April 2018 (Urk. 7/77)
Einwand
und legte weitere Arztberichte (Urk. 7/63-67, Urk. 7/71, Urk. 7/75-76, Urk. 7/81-86, Urk. 7/88) ins Recht.
Die RAD-Ä
rztinnen Dr.
A._
sowie Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Psychia
trie und Psychotherapie, nahmen
am 18. Februar 2019 so
wie am 23. September 2019
eine erneute Be
urteilung der medizinischen Ak
tenlage vor
(vgl. Feststellungs
blatt, Urk.
7/94). Mit Verfügung vom 20. Februar 2020 verneinte die IV-Stelle wie vorbeschieden einen Anspruch auf Leistungen
der Invalidenversicherung (Urk.
7/95 = Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte mit Eingab
e vom 25. März 2020 (Urk. 1) Be
schwer
de und beantragte, die angefochtene Verfügung sei auf
zu
heben und d
er
Beschwerde
führer
in spätestens ab September 2017 eine ganze Invalidenrente auszurichten.
Die IV-Stelle schloss mit Beschwerdeantwort vom 23. April 2020 auf Ab
wei
sung der Beschwerde (Urk. 6). M
it Verfügung vom
5. Mai 2020
wurde de
r
Beschwer
de
führer
in
die Beschwerdeantwort zur Kenntnisnahme zuge
stellt
(Urk. 8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG)
.
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitssc
hadens im Sinne von Art. 4 Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in
ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V
215 E. 5.3.2, 143 V
409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 54
7 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl.
Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
IVG
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
Tritt die Verwaltung auf ein Revisionsgesuch ein (vgl. Art. 87 Abs. 2 IVV), so gilt der Untersuchungsgrundsatz. Danach haben Sozialversicherungsträger (Art. 43 Abs. 1 ATSG) und im Beschwerdefall das Sozialversicherungsgericht (Art. 61
lit
.
c ATSG) den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des strei
tigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht (Urteil des Bundesgerichts 9C_382/2020 vom 7. Oktober 2020 E. 2.2 mit Hinweis).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
I
n der angefochtenen Verfügung vom 2
0
.
Februar
2020 (Urk. 2) hielt die Be
schwer
de
gegnerin fest, medizinische Abkläru
ngen hätten ergeben, dass
keine schwere depressive Symptomatik bestehe und auch aus somatischer Sicht keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vorliegen würden. Es zeige sich zwar eine deutliche Einschränkung der Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule sowie eine geringe Einschränkung der Hals- und Brustwirbelsäule, die ange
stamm
te Tätigkeit als Betriebsmitarbeiterin in der Reinigung sei jedoch weit
gehend angepasst. Es bestehe deshalb kein Anspruch auf eine Invalidenrente.
2.2
Demgegenüber machte d
i
e Beschwerdeführer
in in
i
hrer Beschwerde vom 25. März
2020 (Urk. 1) zusammengefasst geltend,
es könne nicht bloss von einer nur vorübergehenden Anpassungsstörung ausgegangen werden. Die von der psychi
a
trischen Gutachterin erhobenen Befunde und Diagnosen seien klar und die voll
ständige Arbeits-/Erwerbsunfähigkeit in angestammter und in adaptierter Tätig
keit sei ausgewiesen (S. 14). Ausserdem leide sie inzwischen an grösseren Beschwer
den im Rahmen der
Lumboischialgie
. Damit habe sie Anspruch auf eine ganze IV-Rente (S. 15).
Ergänzend sei anzufügen, dass es sich bei der von der Beschwerdeführerin zuletzt ausgeübten Tätigkeit (Reinigung Schulhaus) nicht um eine leichte Tätigkeit handle. Aufgrund ihrer Schmerzen und Bewegungsein
schränkungen sowie den psychiatrischen Diagnosen seien ihr derartige Tätig
keiten klar nicht mehr möglich (S. 20).
3.
Bei Vorliegen einer Diskushernie L5/S1 links wurde bei der Beschwerdeführerin am 17. Oktober 2000 i
m Kantonsspital C._
eine Diskektomie L5/S1 links durchgeführt, deren postoperative Verlauf sich gemäss Angaben des behan
delnden Arztes komplikationslos gestaltet habe (vgl. Kurzaustrittsbericht vom 22. Oktober 2000, Urk. 7/63/3).
Aufgrund zunehmender lumbaler Beschwerden, die nach
gluteal
rechts über den lateralen Ober- und Unterschenkel bis zum Fuss hin ausstrahlen würden,
erfolgte
a
m 10. August 2010
eine lumbale und
lumbo
sakrale
Spondylodese
.
Laut Angaben der Fachärzte, habe sich der postoperative Verlauf ins
gesamt komplikationslos mit unproblematischer Mobilisation und physio
the
ra
peutischer Anleitung gestaltet.
Postoperativ hätten sich
jedoch persi
stie
rende
Lumboischialgien
mit Ausstrahlung von der
Lendenwirbel
säule (
LWS
)
in den late
ralen Ober- u
nd Unterschenkel rechts
gezeigt, die sich bis zum Austritt nur wenig gebessert hätten
.
Die Fachärzte diagnostizierten
degenerative Verän
de
run
gen im Bereich der unteren LWS bei Status nach Diskushernien-Operation L5/S1 (2000) sowie konsekutiver Sinterung im Bandscheibenfach mit nunmehr beidseitiger
Foramen
stenose
L5/S1 sowie eine
Osteochondrose
L5/S1,
Chondrose
L4/5 und
ein
Anulus
fibrosus
-Einriss in Höhe L4/5
(vgl. Austrit
tsbericht vom 19.
Au
gust 2010, Urk. 7/9/12-14).
Sie
attestierten
der Beschwerdeführerin
eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit bis zum Nachkontrolltermin im November 2010. Dann könne je nach radio
logischer und klinischer Symptomatik über die weitere Arbeits
fähig
keit entschie
den wer
den. Grundsätzlich sei jedoch zumindest eine Teilarbeits
fähig
keit wieder zu er
war
ten (Urk. 7/9/16).
Die erstmalige Leistungsabweisung (Verfügung vom 18. Oktober 2011) erfolgte - nach entsprechender Mahnung und Darlegung der Säumnisfolgen (Urk. 7/24) - aufgrund dieser unzulänglichen Aktenlage (Urk. 7/28).
4.
4.1
Im Zusammenhang mit der Neuanmeldung der Beschwerdeführerin vom 18. Mai 2017 präsentiert sich die medizinische Aktenlage im Wesentlichen folgender
massen:
4
.2
Nach einem Suizidversuch am 8. August 2016 war die Beschwerdeführerin
in der D._
zunächst vom 8. bis 16. August 2016 in stationärer und
vom 25.
August bis 20.
Oktober 2016 in ambulanter Behandlung.
Gemäss den behandelnden Ärzten war das Zustands
bild zu Beginn durch eine reduzierte Leistungsfähigkeit, Antriebslosig
keit, Freud
losigkeit, affektive Labili
tät, Traurigkeit, massive Schlafstörungen sowie im Ver
lauf neu auftretende Sui
zid
gedanken gekennzeichnet.
Die Ärzte diagnostizierten eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F32.2) sowie eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41). Unter der medikamentösen Therapie mit
Trazodon
(
Trittico
) sei es jedoch zu einer Zustandsverbesserung gekommen.
Aufgrund zeitweiser sprachlicher Probleme
werde eine Weiterbehandlung durch eine
italienisch sprechende
Psychiater
in
empfohlen (vgl. Abschlussbericht vom 29. Juni 2017; Urk. 7/37/6).
4.3
Seit dem 24. Oktober 2016 war die Beschwer
deführerin bei Dr. med.
E._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
in wöchentlicher
, delegiert bei einer Psychotherapeutin stattfindender
Therapie. Dr.
E._
beschrieb die Beschwerdeführerin in ihrem Bericht vom 21. Juli 2017 (Urk. 7/41) als wach, bewusstseinsklar und allseits orientiert. Die Beschwer
deführerin
klage
über Konzentrations- und Gedächtnisstörungen und wirke im Denken gehemmt, eingeengt und grüblerisch. Sie sei in der Grundstimmung sehr deprimiert, freud- und lustlos. Die Schwingungsfähigkeit sei vermindert und es sei eine massive Er
schöpfung und Antriebsstörung sichtbar. E
s würden immer wieder Suizid
ge
dan
ken auftauchen. Anhaltspunkte für W
ahn, Sinnestäuschungen oder Ich
Störungen gebe es jedoch keine.
Dr.
E._
hielt folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest:
-
Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F32.2)
-
Anpassungsstörung nach Tod des Ehepartners (ICD-10: F43.2)
-
Probleme in Verbindung mit Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit (ICD-10: Z56)
-
Verschwinden oder Tod eines Familienangehörigen (ICD-10: Z63.4)
Aufgrund der schweren depressiven Symptome mit massiver Angst, Lebens
un
lust, Schlafstörungen, Appetitverlust, sozialem Rück
zug und mangelnden
Zukunfts
perspektiven attestierte Dr.
E._
der Be
schwer
deführerin keine Arbeits
fähigkeit. Ausserdem sei von einer schlech
ten Prognose auszugehen, da sie neben der schweren psychopatho
lo
gischen Sympto
matik an unterschiedlichen körperlichen Symptomen leide.
4.4
Im Auftrag der BVK wurde die Beschwerdefü
hrerin am 18. Juli 2017 von Dr. med.
F._
, FMH Psychiatrie
und Psychotherapie, begutachtet
.
Die psych
ia
trische Gutachterin
hielt
im Bericht vom 4. September 2017 (Urk. 7/67)
fest, d
as Denken
der Beschwerdeführerin
sei inhaltlich auf den Verlust des Ehe
mannes und die Geschehnisse am Arbeitsplatz mit Beeinträchtigungserleben ein
geengt. Dieses mute überwertig an, indem es mit hoher Emotionalität beladen sei und keine Hinterfragung oder Relativierung zulasse. Gegenüber dem Arbeitgeber und der Vorgesetzten habe sich ein
dysphorisch
-emotional geladenes
Beeinträch
tigungs
- und Opfererleben ausgebildet, in welchem sie nicht zu irritieren sei.
Die Beschwerdeführerin
habe von Angst berichtet
(Angst vor dem Vorgesetzten, vor dem Alleinsein, Panikattacken)
und davon, dass sie das Vertrauen verloren habe
sowie
misstrauisch und
verunsichert
sei. Ausserdem habe sie von einer Störung der Vitalität, Appetitverlust, Ein- und Durc
hschlafstörungen be
richtet. Dr.
F._
be
schrieb die Beschwerdeführerin im Affekt labil und deutlich zum depres
si
ven Pol verstimmt, zuweilen verzweifelt-agitiert, stellen
weise
dys
pho
risch
. An
trieb und Psychomotorik seien reduziert. Die Suizidalität lasse sich nicht ab
schliessend be
urteilen. Die Beschwerdeführerin habe Lebens
überdruss ange
ge
ben und dass sie es bedaure, dass der Suizidversuch nicht erfolg
reich ver
laufen sei. Kon
krete Pläne und/oder Vorbereitungshandlungen
habe
sie je
doch
verneint
(S.
15).
Dr.
F._
hielt folgende psychiatrische Diagnosen fest (S. 25):
-
Chronische, unter der aktuellen Behandlung therapieresistente, aktuell wieder schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome im üblichen Sinne (ICD-10: F32.2)
,
aber mit überwertig anmutendem Beein
trächtigungserleben gegenüber dem Arbeitgeber im Sinne einer krank
heits
wertigen sensitiven Konfliktreaktion (ICD-10: F22)
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41)
-
komorbid
in Anteilen eventuell auch die Entwicklung körperlicher Symp
tome aus psychischen Gründen (ICD-10: F68.0); dieser Störung werde in der Regel kein Krankheitswert zuerkannt
Dr.
F._
konstatierte, im Rahmen der gutachterlichen Exploration seien die psychischen Beschwerden im Vordergrund gestanden.
Es würde wieder ein schwerer Ausprägungsgrad der depressiven Episode vorliegen mit erheblicher
Krank
heitssymptomatik, trotz einiger Inkonsistenzen.
Über chronische Schmer
zen, bei welchen keine Therapie helfe, klage die Beschwerdeführerin additiv. Die be
handelnde Psychiaterin würde den zwischenzeitlich schwer depressiv ausge
präg
ten Krankheitszustand bestätigen.
Seit
S
istieren der Arbeit verschlechtere sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin. Unter der gegenwärtigen anti
depres
siven und psychologisch-psychotherapeutischen Behandlung habe sich eine Therapieresistenz eingestellt. Der emotional-affektive Zustand werde laufend instabiler (S. 29f.). Laut Gutachterin seien e
in Ausbau der Therapie und die Wieder
herstellung der Arbeitsfähigkeit
jedoch
wichtig, weil die Arbeit auch Sinn
findung, Aktivierung, soziale Integration und Tages
struktur darstelle, sodass eine geeignete Tätigkeit bzw. die Hinführung zu einer solchen auch eine prognostisch wichtige Ressource darstelle
(S. 37)
.
Hierbei erweise sich der Umstand, dass der vorliegende Krankheitszustand psychiatrisch noch nicht austherapiert sei, als prognostisch günstiger Faktor.
Gerade depressive Störungen seien einer Behand
lung zugänglich und eine Aktivierung/Beschäfti
gung in einem halbstationären Setting würden eine geeignete Behandlungs
methode der offensichtlichen Fixie
rung auf die Krankenrolle im Rahmen der De
pression in Kombination mit der somatoformen Störung sowie der Entwick
lung körperlicher Symptome aus psychi
schen Gründen darstellen
(S. 38)
.
In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit äusserte Dr.
F._
, die Haupteinschrän
kung liege in der verminderten Durchhaltefähigkeit und Belastbarkeit sowie in den sozialen Kompetenzen mit seit der aktuellen schweren depressiven Episode erheblich eingeschränkter Fähigkeit sich an Regeln und Routinen zu halten. Weiter sei
en
die Flexibilität und die Umstellungsfähigkeit
sowie die Kontakt
fähigkeit gegenüber Dritten deutlich eingeschränkt (S. 41). Aus diesen Gründen sei die Beschwerdeführerin - auch aufgrund der medizinischen Prognose mit nur langsam zu erwartender Stabilisierung - aus psychiatrischer Sicht in der ange
stammten Tätigkeit für lange Zeit nicht einsetzbar und zu 100 % arbeitsunfähig (S. 42).
Dr.
F._
verneinte auch eine Arbeitsfähigkeit in einer Verweis
tätig
keit und konstatierte, aufgrund der erheblichen psychiatrischen Morbidität mit somatischer
Multikomorbidität
bestehe auch bei einer adaptierten Tätigkeit eine schwere Behinderung. Berücksichtige man den gegenwärtig schwer depressiven Zustand mit latenter Suizidalität und laufen
d
zunehmender Instabi
li
tät, sei bereits bei einer geringen Arbeitstätigkeit mit einer ausgeprägten Überfor
derungs
situa
tion und gesundheitlicher Verschlechterung zu rechnen. Zudem würde die Zeit für die medizinisch dringend indizierte Therapieoptimierung fehlen. Sie emp
fehle gegenwärtig auf die Anbindung an eine psychiatrische Tages
klinik mit an
schlies
sen
dem Belastungsaufbau zu fokussieren (S. 43).
4.
5
Gegenüber der Beschwerdegegnerin äusserte die behandelnde Psychiaterin Dr.
E._
in ihrem
Verlaufsb
ericht vom 22. Februar 2018 (Urk. 7/55), die Grund
stimmung der Beschwerdeführerin sei nicht mehr so sehr deprimiert, wie noch zu Beginn der Behandlung. Sie leide jedoch massiv an ihren körperlichen Beschwer
den, die zu ausgeprägter Freud- und Lustlosigkeit führen würden. Die Schwin
gungs
fähigkeit sei nach wie vor vermindert, die massive Erschöpfung habe sich jedoch gemildert und auch die Suizidgedanken seien aktuell im Hinter
grund.
Trotzdem müsse
aufgrund
der Belastung durch multiple kör
per
liche Be
schwerden weiterhin von einer eher schlechten Prognose ausge
gangen werden und eine Arbeitsfähigkeit sei
weiterhin
nicht ge
geben.
In ihrem Bericht vom 4. März 2019 (Urk. 7/76) konstatierte Dr.
E._
, die diagnostische Einschätzung habe sich im Verlauf von einer depressiven Episo
de hin zu einer rezidivierenden depressiven Störung entwickelt. Es könne nicht mehr einfach von einer Anpas
sungs
störung gesprochen werden. Die Beschwerde
führerin würde trotz antide
pressiver Medikation das Bild einer Depression mit ausgeprägten Schlaf
stö
rungen, verminderter Konzentration und Aufmerksamkeit bis hin zu Erlebnis
sen von Bewusstseinsverminderung mit
Vigilanzherabsetzung
zeigen. Passiv wer
de ausserdem ein selbstdestruktives Verhalten im Nicht
be
handeln schwerer Infek
te deutlich. Das komplexe Zusammenspiel körperlicher und psychischer Be
schwer
den führe dazu, dass die Beschwerdeführerin in der Bewältigung ihrer täg
lich anstehenden Arbeit im Haushalt an die Grenzen der Belastbarkeit gerate. Ferner würden die chronischen körperlichen Beschwerden zur
Chronifizierung
des de
pressiven Zustandes beitragen.
Dr.
E._
erachtete die Beschwerdeführerin nicht arbeitsfähig und äusserte eine negative Prognose.
4.6
Aufgrund chronischer Rückenschmerzen
sowie progredienter Nacken-Schulter- sowie Armschmerzen
wurde die Beschwerdeführerin im No
vem
ber 2017
bei Dr.
G._
,
Chiropraktor
SCG/ECU, vorstellig.
Dieser äusserte in seinem Bericht vom 17. Januar 2018 (Urk. 7/65), die Anamnese sowie der Befund würden auf ein chronisch progredientes
cervikoradikuläres
Reiz
- und Ausfall
syndrom bei stark fort
geschrittener
Osteochondrose
C6/7 hindeuten. Die Beschwerdeführerin habe gut auf die
chiro
praktische
Behandlung reagiert, weshalb er
die Beschwerdeführerin bis zur Beschwerdefreiheit
chiropraktisch
betreuen
werde
.
4.7
Zur Abklärung einer Myokardischämie bei ausgeprägtem Risikoprofil mit Niko
tin
abusus, genetischer Disposition, Diabetes mellitus Typ II und Übergewicht wurde die Be
schwerdefüh
rerin bei Dr. med. H._
, Facharzt FMH Kardio
logie, vorstellig. Dieser hielt in seinem Arztbericht vom 31. Oktober 2018 (Urk. 7/71/7-11) fest, in der durchgeführten transthorakalen Echokardiografie zeige sich eine gute LVEF und RVEF ohne Nachweis von regionalen Wand
be
wegungs
störungen.
Alle Herz
höhlen seien normal gross und nicht hypertrophiert. Eine diastolische Dys
funk
tion könne ausgeschlossen werden. Es würden lediglich beginnend leicht
gradige Insuffizienzen an de
r Aorten- und
Pulmonalklappe
so
wie eine Ektasie der Aorta
ascendens
thorakalis
bestehen. Im Rahmen der durch
geführten
Laufband
ergo
metrie
habe die Beschwerdeführerin submaximal ausbe
lastet werden können. Der Abbruch sei bei altersentsprechend normaler körper
licher Leistungsfähigkeit wegen peripherer Erschöpfung erfolgt. Schwindel und thorakale Beschwerden seien komplett verneint worden und es würden sich auch keine signifikanten ST-Streckenveränderungen zeigen. Insofern würden sich klinisch und elektrisch zurzeit keinerlei Hinweise für eine Myokardischämie ergeben.
4.8
Wegen Verdacht auf eine
Periarthropathia
humeroscapularis
tendopathica
bzw.
Omarthrose
erfolgte am 3. April 2019 eine rheumatologische Beur
teilung durch Dr. med. I._
, FMH Rheumatologie und Innere Medizin (vgl. Arzt
bericht vom 10. April 2019, Urk. 7/82). Dieser bestätigte einen dringenden Verdacht auf eine symptomatische AC-Gelenksarthrose im linken Schultergelenk. Zu
dem bestehe ein chronisches
cervikovertebrales
bzw.
lumbo
vertebrales
Syndrom bei Status nach zweimaliger
Diskushernienoperation
bzw.
Spondylodese
der unteren
LWS
. Aufgrund der Konturver
gröberung an den Fingergelenken müsse auch von einer Fingerpolyarthrose und einer
Rhizarthrose
beidseits ausgegangen werden. Die Prognose sei ungewiss, da deutliche psycho
soziale Belastungs
fak
to
ren vorliegen würden und bei der Unter
suchung auch eine Verdeutlichungs
tendenz nachweisbar gewesen sei.
Im Zuge einer Nachkontrolle
berichtete Dr.
I._
,
sonografisch
habe
an der linken Schulter eine Teilruptur der
Supra
spinatus
sehne
mit wenig
artikulärem
Erguss sowie eine aktivierte AC
Gelenks
arthro
se do
ku
mentiert werden könne. In der Folge
führte er
eine
Infiltration durch
(vgl. Stellungnahme vom 21. Mai 2019, Urk. 7/81).
Am 23.
April 2019 wurde die Be
schwerdeführerin in
der J._
vorstellig, wo die Schulter bei klin
isch im vordergrundstehender AC
Gelenkssymptomatik sowie
sub
acro
mialer
Bursitis mittels
Arthro
-MRI gen
auer abgeklärt wurde (vgl. Urk.
7/84).
4.9
Aufgrund kurzer Bewusstseinsstörungen wurde
die Beschwerdeführerin bei Dr.
med. K._
, Facharzt Neurologie FMH, vorstellig. Dieser berichtete a
m 27.
Juni 2019 (Urk. 7/8
3
)
, e
ine sichere neurologische Ursache für die Beschwerden seien weder klinisch-neurologisch,
elektroenephalographisch
noch neurovaskulär zu finden. Die minimalen
atherosklerotischen
Veränderungen an den
extra
kra
niellen
Gefässen seien
hämodynamisch
nicht signifikant und nicht weiter kon
troll
bedürftig. Da die Beschwerden im Rahmen von Stressbedingungen deut
lich
stärker hervortreten würden, sei eine psychosomatische Ursache zu vermuten, möglicherw
eise im Rahmen einer Depression
.
4.10
RAD-Ärztin Dr.
A._
konstatierte im Rahmen der aktenbasierten Einschätz
ung aus somatischer Sicht, es bestehe eine AC-Gelenksarthrose der linken Schul
ter mit Bewegungseinschränkung für alle Bewegungen über der Horizon
ta
len. Ausserdem würden Degenerationen der HWS und LWS ohne neurologische Aus
fälle bestehen. Die vom Hausarzt berichtete Gangbildstörung mit Gangun
sicher
heit habe von den Spezialärzten nicht beobachtet werden können. Damit könnten aus somatischer Sicht leichte bis gelegentlich mittel
schwere angepasste Tätig
kei
ten ohne beidhändiges Arbeiten über der eigenen Schulterhöhe und ohne Tätig
kei
ten mit ungünstigen Hebelwirkungen auf den linken Schultergürtel weiter
hin zugemutet werden. Dem Arbeitgeberfragebogen zufolge sei die ange
stammte Tätigkeit weitgehend angepasst
(vgl. Stellungnahme vom 23. Sep
tem
ber 2019, Urk. 7/94 S. 6)
.
Im Zuge der
aktenbasierten
psychiatrischen Be
ur
teilung hielt Dr.
B._
fest,
die Diagnosen der depressiven Episode (ICD-10: F32) und der Anpassungsstörung (ICD.10: F43) würden sich gegenseitig ausschliessen. Da sich die Symptomatik nach verschiedenen psychosozialen Belastungen entwickelt habe (krebskranker Ehemann und dessen Tod, Todgeburt bei der Tochter und deren nachfolgende Erkrankung, Auszug des Sohnes, Arbeitsplatzkonflikte), sei am ehesten von einer Anpassungsstörung auszugehen. Aufgrund des psycho
pathologischen Befundes zusammen mit den Beschwerden könne auch nicht von einer schweren depressiven Symptomatik ausgegangen werden. Dagegen würde auch die geringe medikamentöse Therapie mit
Trittico
sprechen. Aus psychia
t
rischer Sicht sei kein dauerhafter Gesundheitsschaden ausgewiesen (vgl. er
gän
zende psychiatrische Stellungnahme vom 18. Februar 2019, Urk. 7/94 S. 4). Ferner konstatierte Dr.
B._
,
die behandelnde Psychiaterin habe von einer inzwischen rezidivie
ren
den depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episo
de, berichtet. An Symptomen habe sie einen passiven Todeswunsch, ein chro
ni
sches Früher
wa
chen, eine verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, Phasen ver
min
der
ten Appetits mit stark schwankendem Gewicht sowie Selbst
schädigung durch Nicht-Behandeln von schweren Infekten genannt. Damit seien nach ICD-10 vier Zu
satzsymptome ausgewiesen, ein Hauptsymptom der Depres
sion werde hin
ge
gen nicht dokumentiert
(vgl.
Stellungnahme vom 23. Sep
tem
ber 2019
, Urk. 7/94 S. 6)
.
4.11
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens reichte die Beschwerdeführerin den Arzt
ber
icht von med.
pract
. L._
, Psychiatrie und P
sychotherapie, sowie
lic
.
phil.
M._
vom 11. März 2020 (Urk. 3) zu den Akten.
Diese
diagnos
ti
zierten eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne
psychotische Symptome
,
(ICD-10: F33.2) und begründeten, inhalt
lich sei das Denken auf depressive Themen eingeengt, wie Gefühle der Wertlosigkeit, Schuld
gefühle, mangelnde Zukunftsperspektiven und Todes
wünsche. Die Beschwerde
führerin sei affektiv erreichbar, aber wenig moduliert. Die Stimmung sei vorwie
gend traurig bis depressiv. Psychomotorisch wirke sie verlangsamt. Die körper
lichen Schm
erzen würden sich in ihrem Gang
- vornübergebeugt und in der Be
wegung verlangsamt - zeigen. Die Beschwerde
führerin zeige trotz anti
depressiver Medikation das Vollbild einer Depression mit folgenden Symptomen: ausgeprägte Schlafstörungen (Einschlafprobleme und chronisches, frühes Erwachen), vermin
derte Konzentration und Aufmerksamkeit bis hin zu Erlebnis
sen von Bewusst
seins
verminderungen mit
Vigilanz
herab
setzung
. Passiv werde selbstdestruktives Verhalten im Nichtbehandeln schwerer Infekte deutlich. Das komplexe Zusam
men
spiel körperlicher und psychischer Beschwerden würde zu dem Gesamtbild einer
gebrechlichen
, vorgealterten Frau füh
ren, die in der Bewältigung ihrer täglich anstehenden Arbeiten (in ihrem Haus
halt) an die Gren
zen der Belastbarkeit ge
rate. Die chronischen körperlichen Beschwerden würden zur
Chronifizierung
des depressiven Zustandes der Beschwer
deführerin beitragen.
Aus all diesen Gründen sei die Beschwerdeführerin nicht arbeitsfähig und es sei von einer negativen Prognose auszugehen.
5.
5.1
Ge
mäss
ein
h
elliger ärztlicher Einschätzung leidet die Beschwerdeführerin neben den degenerativen Veränderun
gen im Bereich der unteren LWS und
Osteo
chondrose
L5/S1 (vgl. vorstehend E.
3
) neu a
uch an einer symptomatischen AC
Gelenks
arthrose im linken Schul
ter
gelenk
, welche sich einschränkend auf die Arbeits
fähigkeit auswirkt
(vgl. E. 4.8 und 4.10 hiervor).
Der vorliegen
den Akten
lage
sind
diesbezüglich
aber nur unvollständige Angaben zu entnehmen. So wurde die Beschwerde
führerin im April 2019 i
n der J._
aufgrund ihrer Schulter
problematik zwar genauer untersucht (vgl. E. 4.8 in
fine
), ein aus
führ
licher Be
richt über die Untersuchungsergebnisse
(ausser die Beur
teilung des Rheumatologen
I._
) sowie die Ergebnisse der Infiltrationstherapie (vgl. E. 4.8) sind
allerdings nicht in den Akten und ha
ben
auch der RAD-Ärztin nicht vorgelegen. Vor diesem Hintergrund erweist sich die Ansicht der RAD-Ärztin Dr.
A._
, die die Beschwerde
führe
rin nicht per
sönlich untersucht hat und nur eine unvollständige Aktenlage beur
teil
te und ge
stützt darauf sämtliche leichte bis gelegentlich mittelschwere ange
passte Tätig
keiten ohne beidhändiges Arbeiten über der eigenen Schulterhöhe und ohne Tätig
keiten mit ungünstigen Hebelwirkungen auf den linken Schulter
gürtel zumutbar er
achtete sowie die von
der Beschwerdeführerin bisher ausgeübte Tätig
keit als Reini
gungs
angestellte in einer Schule als leichte Tätigkeit ein
schätz
te (E. 4.10), als nicht hinreichend verlässlich.
Soweit die Beschwerdeführerin i
n somatischer Hinsicht
geltend
machte
, die Herz
erkrankung sowie die chronische Bronchitis schränke ihre Leistungsfähigk
eit deutlich ein (Urk. 1 S. 17), ist sie darauf hinzuweisen
, dass sich i
n der vor
liegen
den medizinischen Aktenlage keine Anhaltspunkte für eine invaliden
ver
siche
rungs
relevante Herz- oder Lungenerkrankung
finden lassen
. Vielmehr konnte eine Myokardischämie von den Fach
ärzten klinisch nicht nachgewiesen werden (vgl. E
. 4.7) und Dr. med. N._
, Innere Medizin und Pneumologie FMH, äusserte explizit, dass ein IV-Ren
ten
anspruch aus den pulmonalen Befunden nicht abgeleitet werden könne (vgl. Arztbericht vom 8. März 2019, Urk. 7/85).
5.2
D
ivergente
ärztliche
Beurteilungen
bestehen
indes
darüber, ob die Diagnose einer rezi
di
vie
renden depressiven Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psy
cho
tische Symptome, vorliegt und ihr
- auch im Verlauf -
ein invaliden
versicherungsrechtlich relevanter Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit zukommt. RAD-Ärztin Dr.
B._
hielt dies
bezüglich in ihren
Stellungnahme
n
vom
18.
Februar und
23.
September 2019
fest, dass keine die Arbeitsfähigkeit dauerhaft einschränkende Diagnose vorliegt und führte aus, dass
aufgrund des psycho
pathologischen Befundes nicht von einer schweren depressiven Symptomatik ausgegangen werden könne. Es sei am ehesten von einer Anpassungsstörung auszugehen, welche am abklingen sei (E.
4.10).
Wohl ergeben sich aus
dem Gutachten von Dr.
F._
und ins
besondere auch
den
diversen
Berichten von Dr.
E._
wenig Angaben zu den objektiven Befunden und lassen sich die Diagnosen anhand ihre
n
Aus
führungen nicht vollständig nachvollziehen, zumal sie wiederholt über
schwierige soziale Umstände
berichtet
en
und ihre Ausfüh
rungen eine Abgrenzung zu einer psychia
tri
schen Diagnose missen lassen. Indes beruht die Stellungnahme de
r
RAD
-Ärztin
auf keiner persönlichen Untersuchung und konnte sich auch die psych
ia
trische Fach
ärztin lediglich auf die unzuläng
lichen Befunde der behandelnden Psychia
terin abstützen. Angesichts der neusten Rechtsp
rechung des Bundes
gerichts (E.
1.2) darf aufgrund der Diagnose, vorlie
gend immerhin (auch) eine re
zi
di
vie
ren
de depressive
Störung mit wiederholt schweren Episoden
, und des Zeitablaufs nicht (mehr) ohne weiteres auf Thera
pierbarkeit geschlossen bzw. die invaliden
-
versicherungs
recht
liche Rele
vanz verneint werden.
Schlüssige medizinische Ausführungen, die eine zuverlässige Beurteilung der Arbeits
fähigkeit im nunmehr anzuwendenden strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 erlauben würden, liegen hier nicht vor. Die Prüfung der
invaliden
versicherungsrechtlich relevanten Beeinträchtigungen ist nicht möglich, da sich die gegebenen Arztberichte sowie die Stellungnahmen der RAD
-
Ärzt
innen
nicht eingehender dazu äussern. Eine Auseinandersetzung der Beschwerde
-
gegnerin mit den rechtsprechungsgemäss massgebenden Standardindikatoren bezüglich einer allfälligen psychischen Beeinträchtigung fand nicht statt. Es ist nicht aus
zu
schliessen, dass die diagnostizierte depressive Störung
ohne psychotische
Sym
p
tome
ein Ausmass erreicht hat, das invalidenversicherungs
-
rechtlich relevant ist. Solange aber Anhaltspunkte für eine psychiatrische Erkrankung vorliegen und weitere Sachverhaltsabklärungen möglich sind, darf im Rahmen des Unter
suchungs
grundsatzes (Art. 61
lit
. c ATSG) die Folge der Beweislosigkeit für einen invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschaden nicht greifen (vgl. BGE 138
V 218 E. 6 S. 221; 117 V 261 E.
3b S. 264 mit Hinweis
; vgl. auch E. 1.4
). Zur ab
schliessenden Klärung sind weitere medizinische Angaben notwen
dig.
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung
an die Vorinstanz zurückweisen,
insbesondere
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache einge
treten oder der Sachverhalt ungenügen
d festgestellt wurde (§ 26 Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
Die Sache ist daher an die Beschwerde
-
gegnerin zurückzuweisen, damit sie weitere me
dizinische Abklärungen,
insbesondere
ein psychiatrisches Gutachten, einhole.
Ferner ist je nach Ausgang der medizinischen Abklärungen nicht auszuschliessen, dass hin
sicht
lich der Qualifikationsfrage eine Haushaltsabklärung notwendig wird.
Gestützt auf diese Abklärungen wird sie in Berücksichtigung des gesund
heit
lichen Verlaufs erneut über die Sache zu entscheiden haben.
Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewil
ligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwer
t festzulegen (Art.
69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
d
ie
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist gestützt
auf Art. 61
lit
. g ATSG in Ver
bin
dung mit § 34 Abs. 1 und 3
GSVGer
unter Berücksichtigung der Bedeutung der
Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
auf Fr. 2'
200
.
--
(inkl. Baraus
lagen und
MWSt
) festzusetzen.