Decision ID: 6d744b6b-c08b-5a01-8bc7-fa05ca2754a2
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Christof Steger, Kriessernstrasse 40,
9450 Altstätten,
gegen
Branchen Versicherung Schweiz, Irisstrasse 9, Postfach, 8032 Zürich,
Beschwerdegegnerin,
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vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Adelrich Friedli, Stationsstrasse 66a,
8907 Wettswil,
betreffend
Invalidenrente und Integritätsentschädigung
Sachverhalt:
A.
A.a A._ war als Verkäuferin bei einer Metzgerei angestellt und dadurch bei der
Branchen Versicherung obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und
Nichtberufsunfällen sowie von Berufskrankheiten versichert (UV-act. K1). Am 9. August
2001 erlitt sie unverschuldet einen Verkehrsunfall (zum Unfallhergang vgl. den Rapport
der Kantonspolizei St. Gallen vom 18. August 2001, UV-act. K2). Dabei zog sie sich
geschlossene Vorderarmschaftfrakturen beidseits, eine geschlossene 2-Etagen-
Femurschaftfraktur links, eine 2.gradig offene Unterschenkelfraktur links, eine mediale
Malleolarfraktur links und rechts, eine komplexe offene Kniegelenksverletzung rechts
mit mehrfragmentärer Patellafraktur und partiellem Ausriss des Streckapparates rechts,
eine Fraktur des Processus lateralis tali rechts sowie eine commotio cerebri zu (UV-act.
M3). In der Folge musste sie mehrfach operiert werden (vgl. UV-act. M3 ff.). Die
Versicherte befand sich vom 6. September bis 16. Oktober 2001 zur Rehabilitation in
der Rheinburg Klinik. Der Versicherten wurde dort bei Austritt eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit bescheinigt (UV-act. M9). Auch danach unterzog sie sich mehreren
Operationen (vgl. etwa UV-act. M12, M17, M33 und M46). Die Branchen Versicherung
erbrachte Taggeld- und Heilbehandlungsleistungen.
A.b Im Rahmen einer von der Invalidenversicherung gewährten Umschulung
absolvierte die Versicherte eine Ausbildung zur Technischen Kauffrau, danach ein
einjähriges Praktikumsjahr mit einem Beschäftigungsgrad von 50% sowie
berufsbegleitend die Ausbildung zur Sachbearbeiterin Rechnungswesen. Die
Versicherte konnte im Praktikumsbetrieb weiterbeschäftigt werden (Schlussbericht der
IV-Berufsberaterin vom 10. Februar 2006, UV-Fremdakten).
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A.c Am 13. und 14. März 2008 wurde die Versicherte in der AEH Zentrum für
Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene AG begutachtet. Der AEH-Experte stellte als
"noch aktive Diagnosen" bei Status nach Polytrauma vom 9. August 2001 eine
geschlossene 2-Etagen-Femurschaftfraktur links, geschlossene
Vorderarmschaftfrakturen beidseits sowie Restbeschwerden im Bereich des rechten
Knies fest. Zusammenfassend kam er zum Schluss, dass noch Beschwerden und
objektivierbare Funktionseinschränkungen im Bereich beider Vorderarme bestünden.
Letztere seien in funktioneller Hinsicht durch eine verminderte Kraftausdauer bedingt.
Diese sei letztlich auch Folge der wohl nicht sicher strukturell zuzuordnenden, aufgrund
der Beobachtungen jedoch glaubhaft bestehenden Beschwerden, die am ehesten im
Zusammenhang mit dem Osteosynthesematerial und auch mit den stattgefundenen
Gewebetraumatisierungen stünden. In Bezug auf den linken Femur bestünden
ebenfalls noch Beschwerden, die bezogen auf die Belastbarkeitstests zu relevanteren
Einschränkungen führen würden, die jedoch für die heute nach der IV-Umschulung
ausgeübte kaufmännische Tätigkeit nicht mehr relevant seien. Eine leichte, vorwiegend
sitzende Arbeit hielt der AEH-Experte ganztags unter Berücksichtigung eines
zusätzlichen Pausenbedarfs von ungefähr 2 Stunden pro Tag für zumutbar. Nach einer
Adaption von 6 Monaten beschränke sich der zusätzliche Pausenbedarf auf eine
Stunde (AEH-Gutachten vom 23. Juli 2008, UV-act. M74).
A.d Die Versicherte wurde am 10. August 2009 erneut operiert (diagnostische
Arthroskopie, arthroskopische Glättung der Trochlea femoris und Resektion des
distalen Patellapoles des rechten Knies). Ihr wurde für die Dauer vom 7. bis 23. August
2009 eine 100%ige und ab 24. August 2009 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
bescheinigt (Austrittsbericht des Kantonsspitals Graubünden vom 11. August 2009,
UV-act. M80).
A.e Am 26., 28. und 31. Mai 2010 wurde die Versicherte im Medizinischen Zentrum
Römerhof (MZR) interdisziplinär (internistisch, orthopädisch-traumatologisch,
neurologisch und psychiatrisch) begutachtet. Im Gesamtgutachten vom 19. Juli 2010
stellten die Experten folgende unfallkausalen Diagnosen mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit: eine Claviculaschaftpseudarthrose links, eine verminderte
Belastbarkeit der oberen Extremität, eine sekundär konsolidierte 2-Etagen-
Femurschaftfraktur links sowie eine progrediente Retropatellararthrose rechts. In ihrer
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Gesamtbeurteilung kamen die MZR-Gutachter zum Schluss, dass die Versicherte für
eine angepasste Tätigkeit über eine maximale Restarbeitsfähigkeit von 75% verfüge.
Es bestünden keine unfallfremden Faktoren. Der Integritätsschaden betrage 10%. Zu
einem späteren Zeitpunkt werde es zu einer progredienten Mobilitätseinschränkung
durch Verstärkung der Symptomatik des rechten Kniegelenks kommen. Eine
Verschlechterung der neuropathischen Symptomatik sei ebenfalls möglich,
dementsprechend auch eine Zunahme der Beeinträchtigung von Arbeitsfähigkeit und
Integrität (UV-act. M84).
A.f Die Versicherte gelangte am 13. September 2010 mit Ergänzungsfragen an die
MZR-Gutachter (UV-act. K 187). Der fallführende Gutachter beantwortete diese im
Schreiben vom 17. Oktober 2010. Darin bestätigte er die 75%ige Restarbeitsfähigkeit
für leidensangepasste Tätigkeiten (UV-act. M85).
A.g Die IV-Stelle ermittelte gestützt auf das interdisziplinäre Gutachten einen 8%igen
Invaliditätsgrad und wies das Rentengesuch der Versicherten am 22. Februar 2011 ab
(UV-act. K200).
A.h Die Branchen Versicherung sprach der Versicherten mit Verfügung vom 18. März
2011 rückwirkend ab 1. November 2010 eine 13%ige Invalidenrente sowie eine
Integritätsentschädigung entsprechend einer 10%igen Integritätseinbusse zu (UV-act.
K208).
A.i Dagegen erhob die Versicherte am 4. Mai 2011 Einsprache. Sie stellte sich darin auf
den Standpunkt, dass das MZR-Gutachten nicht beweiskräftig sei. Das von der
Branchen Versicherung ermittelte Valideneinkommen werde akzeptiert. Hingegen sei
das berücksichtigte Invalideneinkommen zu hoch. Insbesondere sei ein
Tabellenlohnabzug von mindestens 15% vorzunehmen. Ferner wandte sich die
Versicherte gegen die Höhe der Integritätsentschädigung. Der Integritätsschaden sei
von den MZR-Gutachtern nicht hinreichend begründet worden (UV-act. K213). Die
Branchen Versicherung wies die Einsprache ab (Einspracheentscheid vom 16. Mai
2011, UV-act. K215).
B.
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B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 16. Mai 2011 richtet sich die Beschwerde
vom 14. Juni 2011. Die Beschwerdeführerin beantragt darin dessen Aufhebung und die
Rückweisung der Sache zur Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen. Eventuell
sei ihr eine höhere Invalidenrente zuzusprechen. Die Integritätsentschädigung sei
angemessen zu erhöhen. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur
Begründung bringt sie vor, dass das MZR-Gutachten nicht beweiskräftig sei. Es stehe
im Widerspruch zu den Einschätzungen der behandelnden Arztpersonen und fusse auf
dem unhaltbaren Ergebnis der vorangegangenen AEH-Begutachtung. Ferner sei die
wichtige Störung an beiden Daumen, die der neurologische Gutachter als erhebliche
Limitierung der zeitlichen Belastbarkeit gerade auch für leichte Tätigkeiten beschreibe,
offensichtlich nicht mit einberechnet worden. Auch andere Leiden seien bei der
Bemessung der Restarbeitsfähigkeit nicht genügend berücksichtigt worden. Überdies
bestehe entgegen den Gutachtern auch der Verdacht auf eine psychisch bedingte
Arbeitsunfähigkeit durch eine gestörte Konzentrationsfähigkeit. Bezüglich der
Ermittlung des Invaliditätsgrads rügt die Beschwerdeführerin, dass das
Valideneinkommen zu tief und das Invalideneinkommen zu hoch bemessen worden
seien. Ferner hält sie den von der Beschwerdegegnerin festgesetzten
Integritätsschaden von 10% als zu gering, da sie insbesondere nicht auf einer
Gesamtwertung basiere (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 11. Juli 2011
die Abweisung der Beschwerde. Sie hält das MZR-Gutachten für beweiskräftig. Es
bestünden keine Zweifel an der gutachterlichen Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit.
Das Valideneinkommen habe die Beschwerdeführerin im Einspracheverfahren
ausdrücklich anerkannt. Sie sei dabei zu behaften. Die in der Verfügung
vorgenommene Ermittlung des Invalideneinkommens sei zutreffend. Es bestehe kein
Anlass für die Vornahme eines Tabellenlohnabzugs. Auch die Festlegung der
Integritätseinbusse von 10% sei rechtskonform (act. G 3).
B.c In der Replik vom 1. September 2011 hält die Beschwerdeführerin unverändert an
ihren Anträgen fest (act. G 7) und reicht medizinische Stellungnahmen des
behandelnden Dr. med. B._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, vom
20. Dezember 2010 ein (act. G 7.1 f.).
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B.d Die Beschwerdegegnerin hält in der Duplik vom 8. September 2011 ihrerseits an
der beantragten Beschwerdeabweisung fest. Die nachträglich eingereichten
Stellungnahmen von Dr. B._ würden die Beurteilung durch das MZR nicht in Frage
stellen (act. G 9).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien ist die Höhe der Invalidenrente sowie der
Integritätsentschädigung umstritten.
2.
Zunächst ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu überprüfen.
2.1 Ist die versicherte Person infolge des Unfalls zu mindestens 10% invalid (Art. 8 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Die Invalidenrente
beträgt bei Vollinvalidität 80% des versicherten Verdienstes; bei Teilinvalidität wird sie
entsprechend gekürzt (Art. 20 Abs. 1 UVG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades
wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität
und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das
sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
2.2 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
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demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Die Rechtsprechung hat es mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte
Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholte Gutachten von externen Spezialärzten, die aufgrund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen,
besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb).
2.3 Die Beschwerdegegnerin stützte die verfügte Rentenzusprache auf das MZR-
Gutachten vom 19. Juli 2010 (UV-act. M84). Die Beschwerdeführerin hält diese
gutachterliche Einschätzungen aus verschiedenen Gründen für nicht beweiskräftig (act.
G 1).
2.3.1 Vorab wendet sie gegen das MZR-Gutachten ein, dass es im Widerspruch zu den
Einschätzungen der behandelnden Arztpersonen stehe (act. G 1, S. 2 f. und S. 4).
Rechtsprechungsgemäss kann es unter Beachtung der Divergenz von medizinischem
Behandlungs- und Abklärungsauftrag nicht angehen, eine medizinische Administrativ-
oder Gerichtsexpertise stets dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer
Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden medizinischen Fachpersonen
nachher zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an solchen vorgängig
geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten. Anders verhält es sich hingegen,
wenn die behandelnden medizinischen Fachpersonen objektiv feststellbare
Gesichtspunkte vorbringen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben und
die geeignet sind, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 13. März 2006, I 676/05, E. 2.4 mit Hinweisen).
Vorliegend fällt ins Gewicht, dass hinsichtlich der Befunde sowie der Diagnosen keine
wesentlichen unterschiedlichen ärztlichen Auffassungen bestehen. Die Abweichungen
beschränken sich auf die - naturgemäss mit Ermessenszügen behaftete - Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit. Insbesondere ergeben sich aus den Stellungnahmen des
behandelnden Dr. B._ vom 20. Dezember 2010 zu den somatischen und psychischen
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Unfallfolgen keine objektiven Gesichtspunkte, die von den MZR-Gutachtern nicht
berücksichtigt worden wären. Dr. B._ setzt sich darin auch nicht mit der MZR-
Einschätzung auseinander. In der Stellungnahme zu den somatischen Unfallfolgen legt
er keine medizinischen Befunde dar, welche die von ihm bescheinigte "ca." 50%ige
Arbeitsunfähigkeit rechtfertigen könnten (zum unauffälligen medizinischen Befund vgl.
act. G 7.1, S. 1). Vielmehr scheint er seine knapp begründete Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit allein auf die Leidensschilderung der Beschwerdeführerin (act. G 7.1,
S. 1) zu stützen. Was seine ebenfalls knapp begründete Stellungnahme zu den
psychischen Unfallfolgen anbelangt (act. G 7.2), so gilt es zu bemerken, dass er keine
psychiatrisch relevante Diagnose benennt und im Übrigen als Allgemeinmediziner und
Internist auch nicht über die erforderliche fachärztliche Ausbildung verfügt. Bei den von
ihm erhobenen Befunden "weniger belastbar, nicht ausgeglichen, mit einer
verminderten Konzentrationsfähigkeit" ist die von ihm für die "psychische Störung"
bescheinigte 50%ige Arbeitsunfähigkeit schlechterdings nicht nachvollziehbar.
Anhaltspunkte dafür, dass die MZR-Gutachter die Beschwerdeführerin nicht
ernstgenommen hätten (zum entsprechenden Vorwurf vgl. act. G 1, S. 4), fehlen.
Davon, dass die Beschwerdeführerin von den MZR-Gutachtern gar als Simulantin
abgefertigt worden sei, kann keine Rede sein, zumal diese erhebliche
Beeinträchtigungen anerkannten und selbst für leidensangepasste Tätigkeiten eine
reduzierte Arbeitsfähigkeit bescheinigten. Auch aus den übrigen Berichten der
behandelnden Arztpersonen - soweit sie sich überhaupt zur Restarbeitsfähigkeit
äusserten - ergeben sich keine von den MZR-Gutachtern vernachlässigten objektiven
Gesichtspunkte. Das gilt insbesondere auch für den Bericht des Kantonsspitals
Graubünden vom 23. Juli 2009, worin der Beschwerdeführerin - ohne nähere
Begründung - eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt wurde (UV-act. M78). Dabei
darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass dieser Bericht sowie sämtliche vor der
MZR-Begutachtung ergangenen relevanten Arztdokumente in das MZR-Gutachten
eingeflossen sind. Es besteht daher keine Veranlassung, das MZR-Gutachten wegen
abweichender Arbeitsfähigkeitsschätzung der behandelnden Arztpersonen in Frage zu
stellen.
2.3.2 Die Beschwerdeführerin kritisiert weiter, dass die MZR-Gutachter auf die
Durchführung einer EFL verzichtet haben (act. G 1, S. 4 und act. G 7, S. 2). Für eine
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und Zumutbarkeit ist in manchen Fällen neben den
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medizinischen Befunden und Diagnosen auch eine arbeitsorientierte Evaluation der
funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) wünschbar oder sogar erforderlich (Urteil des
Bundesgerichts vom 16. Januar 2009, 8C_547/2008, E. 4.2.1). Vorliegend verfasste das
MZR eine auf umfassenden interdisziplinären Abklärungen beruhende Expertise. Eine
neue EFL wurde nicht durchgeführt. Dies ist nicht zu beanstanden, wurde doch bereits
im Rahmen der AEH-Begutachtung am 13./14. März 2008 eine EFL durchgeführt (UV-
act. M74), die mit der von den MZR-Gutachtern definierten leidensadaptierten Tätigkeit
übereinstimmt und auch sonst nicht im Widerspruch zur gutachterlichen Beurteilung
steht. Die im EFL-Bericht geäusserte Erkenntnis, dass die Beschwerdeführerin die
bisherige Arbeit bewältigen könne (UV-act. M74, S. 17), steht nicht im Widerspruch zur
von den MZR-Gutachtern bescheinigten 75%igen Arbeitsfähigkeit, handelt es sich
doch dabei primär um eine Beurteilung der qualitativen Arbeitsfähigkeit und nicht um
eine schlüssig begründete quantitative Einschätzung der Restarbeitsfähigkeit durch die
EFL-Abklärungsperson. Damit geht einher, dass die EFL-Abklärungsperson selbst
keine eigene quantitative Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit vornahm und aus dem
Bericht nicht hervorgeht, eine über 50% liegende Restarbeitsfähigkeit sei der
Beschwerdeführerin nicht zumutbar. In antizipierter Beweiswürdigung konnte bzw.
kann somit auf die Durchführung einer weiteren EFL verzichtet werden, da sich der
entscheidwesentliche Sachverhalt mit genügender Klarheit aus den vorhandenen
medizinischen Unterlagen ergibt.
2.3.3 Zusätzlich rügt die Beschwerdeführerin, dass die MZR-Gutachter nicht das
gesamte Beschwerdebild in ihre Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit mit einbezogen
hätten (act. G 1, S. 4 f. und G 7, S. 5 f.; zu den Kniebeschwerden act. G 7, S. 5). So sei
die Störung an beiden Daumen offensichtlich quantitativ nicht mit einberechnet
worden. Zweck einer interdisziplinären Begutachtung besteht gerade darin, alle
relevanten Gesundheitsschädigungen zu erfassen und die daraus jeweils abgeleiteten
Einflüsse auf die Arbeitsfähigkeit würdigend in einem Gesamtergebnis auszudrücken.
Denn eine einfache Addition verschiedener Teilarbeitsunfähigkeiten kann je nach den
konkreten Fallmerkmalen ein zu hohes oder aber auch zu niedriges Ergebnis zeitigen
(SVR 2008 IV Nr. 15 S. 44, E. 2.1). Der neurologische MZR-Gutachter führte aus, dass
sich aus den belastungsabhängigen Störungen im Bereich beider Daumen sowohl in
qualitativer wie auch zeitlicher Hinsicht Einschränkungen von 20% ergäben. Für die
interdisziplinäre Beurteilung ist entscheidend, dass er die quantitative Einschränkung
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als Limitierung der zeitlichen Belastbarkeit "ohne wesentliche Belastung beider Arme/
Hände" beschrieb (neurologisches Teilgutachten, UV-act. M84, S. 5). Diese zeitliche
Einschränkung der Belastbarkeit ist in der Gesamteinschätzung, worin mit Blick auf die
Unterarme ein zusätzlicher Pausenbedarf genannt wird (Gesamtgutachten, UV-act
M84, S. 52), mit berücksichtigt. Mit einer geringeren zeitlichen Belastung der
Unterarme wird auch den belastungsabhängigen Daumenbeschwerden bzw. der
dadurch verursachten zeitlichen Limitierung Rechnung getragen. Die für die Unterarme
anerkannte Entlastung wird mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gleichzeitig zu einer
Entlastung der Daumen führen bzw. sich günstig auf die belastungsabhängigen
Daumenbeschwerden auswirken. Deshalb ist es nicht zu beanstanden, wenn im
Rahmen der Gesamtschau keine Addition der Arbeitsunfähigkeiten stattgefunden hat.
Was die von der Beschwerdeführerin ins Feld geführten belastungsabhängigen (UV-
act. M84, S. 25) Knieleiden betrifft (act. G 7, S. 5), so rechtfertigt sich ebenfalls keine
Erhöhung der interdisziplinär festgesetzten Arbeitsunfähigkeit. Denn es ist davon
auszugehen, dass diesem Leiden mit dem Zumutbarkeitsprofil einer vorwiegend
sitzenden Tätigkeit - wie sie im MZR-Gutachten umschrieben wurde (UV-act. M84,
S. 52) - vorliegend angemessen Rechnung getragen worden ist (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 31. Mai 2011, 9C_49/2011, E. 3.3). Auch weil sich die diversen
Einschränkungen hauptsächlich in einer erhöhten Pausenbedürftigkeit manifestieren
und nicht für jede der Beeinträchtigungen separate Pausen eingelegt werden müssen,
sind die Einschränkungen nicht zu addieren, so dass die Gesamteinschätzung der
Expertise auch unter diesem Gesichtspunkt überzeugt (Urteil des EVG vom
29. September 2005, I 316/05, E. 2.2 am Schluss). Vor diesem Hintergrund hält der
Vorwurf, es habe keine rechtsgenügliche interdisziplinäre Beurteilung stattgefunden,
nicht Stich.
2.3.4 Nach der Auffassung der Beschwerdeführerin ist es auch verwirrend, dass sich
die Gutachtensergänzung vom 17. Oktober 2010 nicht mit den Angaben im
Hauptgutachten vom 19. Juli 2010 decke (act. G 7, S. 4). Vorab ist klarzustellen, dass
es sich bei der Stellungnahme vom 17. Oktober 2010 um eine Beantwortung der von
der Beschwerdeführerin nachträglich gestellten Ergänzungsfragen handelt. Dabei ist
nicht ersichtlich und wird von der Beschwerdeführerin auch nicht konkret dargelegt,
inwiefern die Stellungnahme nicht mit der gutachterlichen Einschätzung zu vereinbaren
wäre bzw. weiteren Abklärungsbedarf begründen würde.
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2.3.5 Aus Sicht der Beschwerdeführerin spricht gegen das MZR-Gutachten ferner,
dass die Gutachter nicht dargelegt hätten, welche Tätigkeiten sie ausführen könne,
wenn sie aufgrund der Unterarmleiden nicht zur Hauptsache am Computer zu arbeiten
vermöge. Einen Büroarbeitsplatz, wo qualifizierte Arbeiten weniger als zur Hälfte in PC-
Arbeit bestehe, gäbe es kaum (act. G 7, S. 4 f.). Zur zumutbaren Verweistätigkeit
nahmen die MZR-Gutachter schlüssig Stellung (UV-act. M84, S. 52) und erachteten
eine kaufmännische Tätigkeit als leidensangepasst, indem sie auch hierfür eine 75%ige
Arbeitsfähigkeit bescheinigten (UV-act. M84, S. 54). Bei ihrer Kritik übersieht die
Beschwerdeführerin hingegen, dass selbst nach der Auffassung von Dr. B._ lediglich
längere Schreibarbeiten am PC zu vermeiden sind (act. G 7.1, S. 3). Andere Arbeiten
am PC (etwa Erstellen von Tabellen, Bedienen von Applikationen, Scan- und
Druckvorgänge usw.) sowie kürzere Schreibarbeiten sind der Beschwerdeführerin
damit auch gemäss Dr. B._ uneingeschränkt zumutbar. Des Weiteren gilt es zu
berücksichtigen, dass gerade bei kaufmännischen Tätigkeiten zu einem grossen Teil
nicht schriftliche Kommunikationsfunktionen sowie andere - etwa buchhalterische -
Funktionen wahr zu nehmen sind und selbst Arbeitsplätze mit einem einfachen
Aufgabenbereich vielfältig ausgestaltet sind (vgl. Urteil des EVG vom 29. Januar 2003,
UV 425/00, E. 4.4). Die von den MZR-Gutachtern vorgenommene Umschreibung der
Verweistätigkeit und die Bejahung der Zumutbarkeit einer Tätigkeit im kaufmännischen
Bereich sind damit nicht zu beanstanden.
2.3.6 Unbegründet ist der Vorwurf, die Arbeitsunfähigkeit könne nicht mit einem
blossen vermehrten Pausenbedarf ermittelt werden (act. G 1, S. 5). Denn das
gutachterliche Vorgehen ist lege artis und entspricht den Leitlinien der Schweizerischen
Ärztegesellschaft zur Begutachtung rheumatologischer Krankheiten und Unfallfolgen,
wonach grundsätzlich eine Einschränkung der Arbeitsleistung in Form einer Reduktion
der Belastungen und/oder der Arbeitszeit erfolgen kann (Schweizerische Ärztezeitung,
2007;88: 17, S. 740; zur Beweiskraft eines Gutachtens, dass die Reduktion der
Arbeitsfähigkeit mit einem erhöhten Pausenbedarf begründet, vgl. etwa Urteile des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 3. April 2008, IV 2006/17, E. 4.1
und 5 sowie des EVG vom 29. September 2005, I 316/05, E. 2.2 am Schluss). Es deckt
sich im Übrigen mit dem vorwiegend belastungsabhängigen Leidensbild der
Beschwerdeführerin.
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2.3.7 Soweit sich die Beschwerdeführerin u.a. mit Blick auf die damals durchgeführte
EFL gegen die Beweiskraft des AEH-Gutachtens wendet (act. G 1, S. 2), verkennt sie,
dass nicht dieses der Rentenzusprache zugrunde liegt, sondern dasjenige des MZR.
Die MZR-Gutachter nahmen eine selbstständige, vom AEH-Gutachten unabhängige,
unvoreingenommene Beurteilung vor, weshalb sich Ausführungen zur Kritik am AEH-
Gutachten erübrigen.
2.3.8 Bei der Würdigung des MZR-Gutachtens fällt weiter ins Gewicht, dass es auf
eigenständigen gründlichen Abklärungen beruht und für die streitigen Belange
umfassend ist. Die medizinischen Vorakten wurden verwertet und die von der
Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden berücksichtigt und gewürdigt. Die
Attestierung einer 75%igen Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten leuchtet in
der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation ein. Weiter bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv
wesentliche Tatsachen nicht berücksichtigt worden wären. Die Beschwerdegegnerin
hat damit der Bestimmung des Invaliditätsgrades zu Recht die gutachterliche
Leistungsfähigkeitsbeurteilung zugrunde gelegt.
3.
Ausgehend von einer 75%igen Restarbeitsfähigkeit sind nachfolgend deren erwerb
lichen Auswirkungen im Rahmen eines Einkommensvergleichs zu prüfen. Dabei sind im
Beschwerdeverfahren sowohl die Höhe des Validen- wie auch des
Invalideneinkommens umstritten.
3.1 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG).
3.2 Für das Valideneinkommen ist massgebend, was die versicherte Person aufgrund
ihrer beruflichen Fähigkeiten und persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der
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überwiegenden Wahrscheinlichkeit im massgebenden Zeitpunkt des allfälligen
Rentenbeginns verdient hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Dabei ist in der
Regel vom zuletzt - d.h. grundsätzlich vor dem Beginn der ganzen oder teilweisen
Arbeitsunfähigkeit - erzielten Verdienst auszugehen (BGE 130 V 349 E. 3.4.2 mit
Hinweisen).
3.2.1 Die Beschwerdegegnerin ermittelte gestützt auf den zuletzt vor dem
Unfallereignis erzielten Verdienst (13 x Fr. 3'700.--; UV-act. K59) angepasst an die
Nominallohnentwicklung für das Jahr 2009 ein Valideneinkommen von Fr. 56'230.--
(UV-act. K208). Die Beschwerdeführerin erachtet diesen Betrag als zu tief, da einerseits
eine höhere Nominallohnentwicklung als die von der Beschwerdegegnerin
berücksichtigte stattgefunden habe. Andererseits kontrastiere er mit dem von der
Metzgerei gemäss Arbeitsvertrag vom 5. Februar 2008 offerierten Lohn von Fr. 3'000.--
für ein 50%iges Arbeitspensum sowie den LSE-Tabellenlöhnen (act. G 1, S. 7).
3.2.2 Die Beschwerdegegnerin stellt sich zunächst auf den Standpunkt, dass sich die
Beschwerdeführerin auf ihr ausdrückliches Akzept des in der Rentenverfügung
berücksichtigten Valideneinkommens behaften lassen müsse (act. G 3, S. 4). Dem hält
die Beschwerdeführerin entgegen, dass "frühere (unreflektierte) Zugeständnisse" nicht
rechtskraftfähig seien und sie sich auch sonst nicht darauf behaften lassen müsse (act.
G 7, S. 6). Zwar lässt sich dem diesbezüglichen Verhalten des Rechtsvertreters der
Beschwerdeführerin eine gewisse Widersprüchlichkeit nicht absprechen. Indessen
werden die einzelnen (Berechnungs-)Elemente der Invaliditätsgradermittlung für sich
allein weder bei ausdrücklicher Anerkennung noch bei unterbliebener Rüge
rechtskräftig. Denn sie dienen lediglich der Entscheidbegründung, sind daher nicht
selbstständig anfechtbar. Sie können folgerichtig auch erst dann als rechtskräftig
beurteilt und damit einer richterlichen Überprüfung als entzogen gelten, wenn über den
Streitgegenstand (Rentenanspruch) insgesamt rechtskräftig entschieden worden ist
(vgl. BGE 125 V 416 E. 2b). Ferner ist das Verhalten auch nicht als venire contra factum
proprium zu qualifizieren noch erfolgte die damalige Anerkennung im Rahmen eines
Vergleichs im Sinn von Art. 50 ATSG.
3.2.3 Gemäss Unfallmeldung vom 25. August 2001 erzielte die Versicherte 2001 einen
Monatslohn von Fr. 3'700.-- (UV-act. K1). Unter Berücksichtigung des unbestrittenen
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13. Monatslohns ergibt sich daraus ein Jahresverdienst für das Jahr 2001 von
Fr. 48'100.--. Angepasst an die Nominallohnentwicklung bis 2010 (Indexstand, Frauen,
2001: 2'245; Indexstand, Frauen, 2010: 2'579; BSF, Tabelle Entwicklung der
Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne, 1976-2010) resultiert für das
Jahr 2010 ein Valideneinkommen von Fr. 55'256.-- ([Fr. 48'100.-- / 2'245] x 2'579). Die
Beschwerdeführerin legte ihrer Berechnung der Nominallohnanpassung eine
Nominallohnentwicklung von + 0.8% für das Jahr 2010 zugrunde, übernahm aber in
der Formel nicht den entsprechenden Wert von 1,008, sondern fälschlicherweise von
1,08 (act. G 1, S. 7), was einer Nominallohnentwicklung von 8% entsprechen würde.
Ohne dieses Versehen wäre die Beschwerdeführerin gar zu einem tieferen
Valideneinkommen als die Beschwerdegegnerin von Fr. 55'115.-- gelangt
([Fr. 48'100.-- / 2'245] x 2'552 x 1.008).
3.2.4 Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor, dass sie - nach der IV-Umschulung -
bei einem 50%igen Einsatz einen monatlichen Verdienst von Fr. 3'000.-- im Jahr 2008
erzielt habe. Dies kontrastiere mit dem von der Beschwerdegegnerin ermittelten
Valideneinkommen (act. G 1, S. 7 f.). Bei dieser Sichtweise verkennt die
Beschwerdeführerin, dass aus einer erfolgreichen Invalidenkarriere in einem neuen
Tätigkeitsbereich (kaufmännischer Bereich; vgl. Arbeitsvertrag vom 5. Februar 2008,
UV-act. K107, worin als Tätigkeitsbereich primär die Administration und Büroarbeiten
aufgeführt sind) nicht ohne Weiteres abgeleitet werden kann, die versicherte Person
hätte ohne Invalidität eine vergleichbare Position auch im angestammten
Tätigkeitsbereich (Fleischverkäuferin) erreicht. Vorliegend erscheint es nicht
überwiegend wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin ohne Gesundheitsschaden
und IV-Umschulung eine entsprechende Validenkarriere durchlaufen bzw. ein
entsprechend deutlich höheres Einkommen erzielt hätte, da vor dem Unfallereignis
keine konkreten Anhaltspunkte dafür bestanden haben, die auf eine über die
Nominallohnentwicklung hinausgehende Validenkarriere schliessen liessen (vgl. Urteil
des Bundesgerichts vom 15. Januar 2009, 8C_638/2008, E. 4.3). Insbesondere
erscheint es nicht plausibel, dass die geltend gemachte Lohnerhöhung im
angestammten Bereich aufgrund einer langjährigen Verkaufspraxis erzielt worden wäre.
Denn die Beschwerdeführerin war seit 1994 beim gleichen Arbeitgeber angestellt (vgl.
UV-act. K1) und verfügte bereits im Unfalljahr über eine langjährige Verkaufspraxis.
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3.2.5 Auch die LSE-Tabellenlöhne sprechen vorliegend nicht gegen ein Abstellen auf
den zuletzt vor dem Unfall erzielten Lohn zur Bestimmung des Valideneinkommens.
Denn bei der vor dem Unfall als gelernte Verkäuferin in einer Metzgerei angestellten
Beschwerdeführerin rechtfertigt sich nicht ein Abstellen auf das Anforderungsniveau
1 + 2 (Verrichtung höchst anspruchsvoller und schwierigster Arbeiten bzw. Verrichtung
selbstständiger und qualifizierter Arbeiten), sondern vielmehr auf das
Anforderungsniveau 3 (Berufs- und Fachkenntnisse vorausgesetzt). Der entsprechende
Monatslohn (Detailhandel und Reparatur) betrug im Jahr 2000 Fr. 3'734.--. Angepasst
an die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit im Jahr 2001 von 41.8 Stunden
([Fr. 3'734.-- / 40] x 41.8 = Fr. 3'902.--) und an die Nominallohnentwicklung (2001:
+ 2.5%) resultiert ein monatliches Einkommen von Fr. 4'000.-- (Fr. 3'902.-- x 1.025)
bzw. ein Jahreseinkommen von Fr. 48'000.--. Im Vergleich zum tatsächlich erzielten
Jahreslohn von Fr. 48'100.-- im Jahr 2001 resultiert damit keine
Unterdurchschnittlichkeit.
3.3 Bei der Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in der die versicherte Person konkret steht. Ist kein
solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die
versicherte Person - wie vorliegend die Beschwerdeführerin - keine oder jedenfalls
keine an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so ist auf
Erwerbstätigkeiten abzustellen, die der versicherten Person (nach zumutbarer
Behandlung und allfälliger Eingliederung) angesichts ihrer Ausbildung und ihrer
physischen sowie intellektuellen Eignung zugänglich wären. Rechtsprechungsgemäss
werden hierzu die Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch
herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen (BGE 129 V 475 f.
E. 4.2.1 mit Hinweisen).
3.3.1 Die Beschwerdegegnerin legte der Bestimmung des Invalideneinkommens das
Total der LSE-Tabelle TA1, Frauen, Anforderungsniveau 3, zugrunde. Einen Abzug vom
Tabellenlohn hielt sie für nicht gerechtfertigt (UV-act. K208/2). Die Beschwerdeführerin
rügt den herangezogenen Tabellenlohn nicht, fordert aber die Vornahme eines
Tabellenlohnabzugs von mindestens 15% (act. G 1, S. 9).
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3.3.2 Mit der Beschwerdegegnerin ist aufgrund der beruflichen
Umschulungsmassnahme der statistische Monatslohn der Tabelle TA1, Frauen,
Anforderungsniveau 3, für die Bestimmung des Invalideneinkommens heranzuziehen,
was von der Beschwerdeführerin nicht substanziiert bestritten wird. Dieses betrug im
Jahr 2008 Fr. 5'095.--. Unter Berücksichtigung der bis 2010 eingetretenen
Nominallohnentwicklung (2009: + 2.1%; 2010: + 1.1%) resultiert ein Monatslohn von
Fr. 5'259.-- (Fr. 5'095.-- x 1.021 x 1.011) bzw. angepasst an die im Jahr 2010
betriebsübliche Arbeitszeit von 41.6 Stunden ein Monatslohn von Fr. 5'469.--
([Fr. 5'259.-- / 40] x 41.6) bzw. ein Jahreseinkommen von Fr. 65'628.-- (Fr. 5'469.--
x 12). Unter Berücksichtigung einer 75%igen Restarbeitsfähigkeit (vgl. vorstehende
E. 2.3.8) resultiert ein Einkommen von Fr. 49'221.-- (Fr. 65'628.-- x 0.75).
3.3.3 Es stellt sich die Frage, ob von diesem statistischen Wert noch ein
Tabellenlohnabzug vorzunehmen ist. Nach der Rechtsprechung können die
statistischen Löhne um bis zu 25% gekürzt werden, um dem Umstand Rechnung zu
tragen, dass versicherte Personen mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung in der
Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht erreichen bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg
zu verwerten in der Lage sind. Dabei handelt es sich um einen allgemeinen
behinderungsbedingten Abzug (BGE 126 V 78 E. 5a/bb). Nach der Rechtsprechung
hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von
sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen – auch von invaliditätsfremden
Faktoren – des konkreten Einzelfalles ab (namentlich leidensbedingte Einschränkung,
Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind, wobei der maximal zulässige
Abzug auf 25% festzusetzen ist. Eine schematische Vornahme des
Tabellenlohnabzuges ist unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b). Der Beschwerdeführerin
steht nach der IV-Umschulung noch ein breites Spektrum leidensangepasster
Tätigkeiten zur Verfügung. Ein Abzug aufgrund der bereits in der Leidensadaption
berücksichtigten Unfallfolgen rechtfertigt sich vorliegend nicht. Der vermehrte
Pausenbedarf wurde bereits im Rahmen der quantitativen Bemessung der
Restarbeitsfähigkeit berücksichtigt und kann nicht nochmals in Abzug gebracht
werden. Es bestehen vorliegend auch keine Anhaltspunkte dafür, dass die
Beschwerdeführerin wegen mangelnder Berufserfahrung bloss eine "schlechte
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Anfängerentlöhnung" (act. G 1, S. 9) erwarten könnte, zumal sie bereits
Berufserfahrungen im kaufmännischen Bereich sammeln konnte (vgl. UV-act. K107 und
UV-act. M84, S. 21). Hingegen kann die Beschwerdeführerin einem Arbeitgeber wegen
Erholungsbedarfes nicht ganztags zur Verfügung stehen, sondern lediglich teilzeitlich
ihre 75%ige Restarbeitsfähigkeit verwerten. Es ist ihr deshalb ein Teilzeitabzug zu
gewähren. Zwar verwehrt die Rechtsprechung (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts
vom 26. August 2011, 8C_379/2011, E. 4.2.2.2) Frauen in den letzten Jahren einen
Teilzeitabzug. Sie gründet indessen allein auf einer nicht aussagekräftigen statistischen
Grundlage. Es besteht deshalb kein Grund, die im Rahmen einer Teilzeitanstellung zu
erwartenden Lohnnachteile bei Frauen zu verneinen (eingehend hierzu Philipp
Geertsen, Der Tabellenlohnabzug, in: Ueli Kieser/Miriam Lendfers, Jahrbuch zum
Sozialversicherungsrecht, St. Gallen 2012, S. 146 ff.). Vorliegend vermag die
Beschwerdeführerin immerhin ein 75%iges Pensum zu verrichten, weshalb sich die
Lohnnachteile infolge Teilzeitbeschäftigung in Grenzen halten dürften. Ferner ist der
Beschwerdeführerin auch aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters ein Abzug zu
gewähren (BGE 126 V 75, 129 V 472 E. 4.2.3 und 134 V 322 E. 5.2; eingehend zum
altersbedingten Abzug vgl. Geertsen, a.a.O., S. 143 ff.). Mit Blick auf die immerhin noch
über 10 Jahre liegende Aktivitätsdauer ist dieser Abzugsgrund aber nur in einem
geringen Ausmass zu berücksichtigen. Insgesamt erscheint den Verhältnissen der
Beschwerdeführerin die Gewährung eines 5%igen Abzugs angemessen. Daraus ergibt
sich ein Invalideneinkommen von Fr. 46'760.-- (Fr. 49'221.-- x 0.95).
3.4 Bei einem Invalideneinkommen von Fr. 46'760.-- resultiert eine Erwerbseinbusse
von Fr. 8'496.-- (Fr. 55'256 - Fr. 46'760.--) und ein Invaliditätsgrad von abgerundet
15% ([Fr. 8'496.-- / 55'256.--] x 100) und ein Anspruch auf eine entsprechende
Invalidenrente.
4. Zu prüfen bleibt noch die Höhe der Integritätsentschädigung.
4.1 Gemäss Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine
angemessene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde
erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität erleidet.
Die Bemessung der Integritätsentschädigung richtet sich laut Art. 25 Abs. 1 UVG nach
der Schwere des Integritätsschadens. Art. 36 Abs. 1 der Verordnung über die
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Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) bestimmt, dass ein Integritätsschaden als
dauernd gilt, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens mindestens in
gleichem Umfang besteht; er ist erheblich, wenn die körperliche, geistige oder
psychische Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark
beeinträchtigt wird (vgl. auch BGE 124 V 209).
4.2 Die Beschwerdegegnerin anerkannte eine 10%ige Integritätseinbusse. Sie stützte
sich auf die gutachterliche Einschätzung des fallführenden MZR-Experten vom 19. Juli
2010. Darin kam dieser zum Schluss, dass die mässig bis schwere
Femoropatellararthrose eine 10%ige Integritätseinbusse begründe (UV-act. M84,
S. 55). Die Beschwerdeführerin hält diese Einschätzung für unzutreffend, da der
Integritätsschaden unter Berücksichtigung des gesamten Beschwerdebilds zu erfolgen
habe und nicht nur bezogen auf die Femoropatellararthrose (act. G 1, S. 9 f.).
4.3 In der Tat ist die äussert knapp begründete gutachterliche Beurteilung des
Integritätsschadens nicht nachvollziehbar. Insbesondere fehlt eine Begründung,
weshalb lediglich die Femoropatellararthrose berücksichtigt wurde. Denn für die MZR-
Gutachter stand bei der Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit vor allem die
Schmerzsymptomatik im Bereich beider Unterarme im Vordergrund (UV-act. M85) und
es ist mangels gutachterlicher Auseinandersetzung nicht leichthin verständlich,
weshalb dieses Leiden keine dauernde und erhebliche Schädigung darstellt. Es fehlt an
einer umfassenden Beurteilung des Integritätsschadens. Die Sache ist daher bezüglich
der Bemessung des Integritätsschadens zur Vornahme weiterer medizinischer
Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Dabei werden die
medizinischen Experten, mit Blick darauf, dass die MZR-Gutachter mit einer Zunahme
der Beeinträchtigung der Integrität rechneten (UV-act. M84, S. 55), auch zur bislang
nicht näher abgeklärten Frage Stellung zu nehmen haben, ob voraussehbare
Verschlimmerungen im Sinn von Art. 36 Abs. 4 UVV vorliegen.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist der angefochtene Einspracheentscheid in teilweiser
Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und der Beschwerdeführerin eine 15%ige
Invalidenrente mit unbestritten gebliebener Wirkung ab 1. November 2010
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zuzusprechen. Zur Rentenfestsetzung ist die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Betreffend den Anspruch auf eine Integritätsentschädigung ist die
Sache zu weiteren medizinischen Abklärungen und zu neuer Verfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
5.3 Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine
Parteientschädigung für die Kosten der Vertretung und Prozessführung (Art. 61 lit. g
ATSG). Dabei ist vorliegend von einem vollen Obsiegen der Beschwerdeführerin
auszugehen (vgl. betreffend Überklagung Urteil des Bundesgerichts vom 25. Januar
2008, 9C_466/2007, E. 5; betreffend Rückweisung zur Vornahme weiterer Abklärungen
vgl. BGE 132 V 215 E. 6.2). Die Parteientschädigung ist vom Gericht ermessensweise
festzusetzen, wobei insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand
Rechnung zu tragen ist. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte
und Rechtsagenten (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Mit
Blick auf vergleichbare Fälle (vgl. etwa Urteil des Versicherungsgerichts vom 14. April
2010, UV 2008/88) erscheint eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 4'000.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Die Beschwerde wird zur Aufhebung des Einspracheentscheids vom 16. Mai 2011
dahingehend gutgeheissen, dass der Beschwerdeführerin eine 15%ige Invalidenrente
mit Wirkung ab 1. November 2010 zugesprochen und die Sache zur Rentenfestsetzung
und zu weiteren medizinischen Abklärungen und neuer Verfügung über den Anspruch
auf eine Integritätsentschädigung im Sinne der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von
Fr. 4'000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 07.03.2012 Art. 6, Art. 15 und Art. 24 UVG: Rentenanspruch und Integritätsentschädigung. Interdisziplinäres Gutachten bezüglich Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit beweiskräftig. Bestimmung der Vergleichseinkommen. Höhe Tabellenlohnabzug. Keine beweiskräftige medizinische Beurteilung des Integritätsschadens. Rückweisung zur Vornahme weiterer Abklärungen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 7. März 2012, UV 2011/44).
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
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2021-09-19T14:48:22+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen