Decision ID: 478aa29b-f30e-5e9f-a012-e6b545d1f66b
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie, gelangte am 12. Oktober 2015 in die Schweiz, wo er am selben Tag
um Asyl nachsuchte. Am 28. Oktober 2015 erhob das SEM im Empfangs-
und Verfahrenszentrum (EVZ) B._ seine Personalien, befragte ihn
zum Reiseweg und (teils am folgenden Tag) summarisch zu seinen Asyl-
gründen (Befragung zur Person [BzP]). Mit Zwischenverfügung vom
30. Oktober 2015 wies ihn das SEM für die Dauer seines Asylverfahrens
dem Kanton C._ zu. Am 12. Mai 2017 hörte ihn das SEM einlässlich
zu den Asylgründen an.
Hinsichtlich seiner persönlichen Verhältnisse und seines Werdegangs
machte der Beschwerdeführer geltend, er sei in D._ (Northern Pro-
vince, Distrikt E._) geboren, wo er bis im Jahr 2008 gelebt habe.
Anschliessend habe er in F._ gelebt, bis er im Februar 2010 nach
G._ im Jaffna-Distrikt gezogen sei, indessen seit November 2011
an der (...) University in H._ (...) studiert habe. Im Februar 2015 sei
er nach H._ gezogen, während seine Familie in G._ in
Jaffna geblieben sei. Er sei im Besitze eines (...).
An der (...) University in H._ sei er (...) der Studentenvereinigung
an der (...) gewesen.
Am 27. November 2014 hätten er und viele andere Studenten am Helden-
gedenktag teilgenommen. Im Februar 2015 seien er und weitere Studenten
wegen ihrer früheren Teilnahme am Heldengedenktag von Angehörigen
des CID (Criminal Investigation Department) festgenommen worden. Da-
bei sei er selbst im Lager von I._ über seine Familie befragt worden,
wobei er erklärt habe, dass einer seiner Brüder in J._ lebe und ein
anderer den Heldentod gestorben sei. Anschliessend sei er geschlagen
worden. Man habe ihn davor gewarnt, weiterhin derartige Anlässe zu be-
suchen. Am Abend desselben Tages sei er freigelassen worden.
Nach der Vergewaltigung und anschliessenden Ermordung einer tamili-
schen Schülerin namens K._ hätten er und weitere Studenten am
21. Mai 2015 eine Demonstration an der Uni organisiert und auch daran
teilgenommen. Er habe damals Handplakate verfertigt und diese an De-
monstrationsteilnehmer verteilt. Ausserdem habe er in seiner Eigenschaft
als (...) der Studentenvereinigung eine Rede gehalten, die Regierung auf-
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gefordert, Massnahmen gegen die Täter zu ergreifen und dabei viele revo-
lutionäre Sprüche gemacht. Mitglieder der EPDP (Eelam People's De-
mocratic Party) und des CID seien damals vor Ort gewesen und hätten die
Teilnehmer der Veranstaltung beobachtet. In der Folge sei die Polizei ein-
geschritten und habe die Demonstration durch Einsatz von Tränengas auf-
gelöst. Er und ein paar weitere Kommilitonen seien aus Angst auf dem Uni-
versitätsgelände geblieben. Gegen Abend habe er einen Anruf eines
Freundes erhalten, der ihm erzählt habe, er (der Beschwerdeführer) sei in
seiner Wohnung in H._ gesucht worden. Daraufhin habe der (...)
der Studentenvereinigung, L._, ein Parlamentsmitglied namens
M._ kontaktiert und diesem erzählt, dass er (der Beschwerdeführer)
und ein paar Kommilitonen Probleme hätten. Später habe der Fahrer
N._ des besagten Parlamentariers ihn und fünf Gefolgsleute in ei-
nem Van in ein Haus gebracht, wo sie sich mehr als zwei Monate lang
versteckt hätten. M._ habe sie dort drei Male besucht und sie ge-
fragt, ob sie Interesse daran hätten, ihn bei den Parlamentswahlen von
2015 zu unterstützen. Er habe in der Folge unter den Studenten Propa-
ganda für diesen Parlamentarier gemacht und dabei betont, wie wichtig es
sei, Tamilen zu wählen. Die Studenten hätten die Propaganda weiterver-
breitet. Irgendwie hätten Angehörige des sri-lankischen Militärs mitbekom-
men, dass er Propaganda für diesen Parlamentarier gemacht habe. Zudem
hätten sich Angehörige des CID am 10. August 2015 bei N._ nach
ihm und den fünf weiteren Studenten erkundigt. Aus Angst vor einer Fest-
nahme hätten er und die fünf Mitstreiter ihr Versteck verlassen. Er selbst
habe sich nach Colombo begeben, wo er sich bis zu seiner Ausreise auf-
gehalten habe. Am 4. Oktober 2015 habe er seine Heimat mit Hilfe eines
Schleppers mittels eines gefälschten sri-lankischen Reisepasses auf dem
Luftweg in Richtung Doha (Qatar) verlassen können. Anschliessend sei er
in die Türkei und von dort in einem Auto via unbekannte Länder am 12. Ok-
tober 2015 in die Schweiz gelangt.
Nach seiner Ausreise sei auch seine Cousine O._ vergewaltigt und
ermordet worden, worauf deren Mutter und Geschwister hätten nach
P._ flüchten müssen.
Im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka habe er Angst davor, gefoltert und
ermordet zu werden. Es existiere immer noch ein Polizeiposten in der Nähe
der Universität in H._. Die Tamilen hätten immer noch Probleme mit
dem CID und der Polizei. Es seien (im Oktober 2016) auch zwei Studenten
(an der Universität von Jaffna) von sri-lankischen Polizisten erschossen
worden.
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Der Beschwerdeführer reichte im Verlaufe des erstinstanzlichen Verfah-
rens seine sri-lankische Identitätskarte vom 1. Juli 2008, seine Geburtsur-
kunde, seinen Studentenausweis vom 17. Oktober 2011, ein Zulassungs-
schreiben der (...) University vom 17. Oktober 2011 sowie ein General Cer-
tificate of Education (Advanced Level) Examination vom 18. Dezember
2012 ein. Weiter reichte er Kopien eines Zeitungsartikels vom 22. Mai 2015
und eines Internetartikels vom 21. Mai 2015 über die Demonstration, an
welcher er teilgenommen habe, mehrerer Zeitungs- beziehungsweise In-
ternetartikel über zeitgleiche weitere Demonstrationen, an denen er nicht
teilgenommen habe, sowie weitere Internetartikel zu den Akten, in denen
über die Tötung eines Sozialarbeiters durch Sicherheitskräfte, Festnahmen
von Personen aus H._ am Flughafen in Colombo und über die Fest-
nahme von zwei Jugendlichen tamilischer Ethnie in H._ wegen Hel-
dentag-SMS berichtet wird.
B.
Mit Verfügung vom 21. August 2018 – eröffnet am 23. August 2018 – stellte
das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der
Schweiz und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der
Wegweisung.
C.
Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe seiner Rechtsvertrete-
rin vom 24. September 2018 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht.
Dabei beantragte er, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, seine
Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren. Eventu-
aliter sei die angefochtene Verfügung zur erneuten Überprüfung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Schliesslich beantragte er, es sei ihm die un-
entgeltliche Prozessführung zu bewilligen und ihm in der Person seiner
Rechtsvertreterin eine amtliche Rechtsbeiständin zu bestellen.
Der Beschwerdeführer fügte der Eingabe eine Fürsorgeabhängigkeitsbe-
stätigung des Vereins (...) vom 13. September 2018 sowie eine Kosten-
note seiner Rechtsvertreterin bei.
D.
Mit Schreiben vom 26. September 2018 bestätigte das Bundesverwal-
tungsgericht den Eingang der Beschwerde.
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E.
Mit Verfügung vom 27. September 2018 teilte der zuständige Instruktions-
richter dem Beschwerdeführer mit, er dürfe den Ausgang des Verfahrens
in der Schweiz abwarten. Ferner hiess er das Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung ei-
nes Kostenvorschusses. Ebenso hiess er das Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung gut und setzte dessen Rechtsver-
treterin als amtliche Rechtsbeiständin ein. Schliesslich lud er die Vorinstanz
zur Einreichung einer Vernehmlassung bis zum 12. Oktober 2018 ein.
F.
Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 9. Oktober 2018 fest, die
Beschwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Be-
weismittel, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könn-
ten und verwies dabei auf seine Erwägungen in der angefochtenen Verfü-
gung, an denen es vollumfänglich festhielt.
G.
Mit Begleitschreiben vom 9. Oktober 2018 reichte der Beschwerdeführer
mittels seiner Rechtsvertreterin Kopien eines Schreibens der (...) Univer-
sity, Sri Lanka, vom 25. September 2018 sowie eines Arbeitsblatts der Stu-
dentenvereinigung ein. Ergänzend führte er aus, er habe via Viber seinen
Freund Q._ kontaktiert, der noch Student an der (...) University sei.
Er habe diesen um eine Bestätigung gebeten, dass er (der Beschwerde-
führer) Mitglied beziehungsweise (...) der Studentenvereinigung an der
dortigen Universität gewesen sei. Der besagte Freund habe ihm daraufhin
Kopien eines Schreibens der (...) University und eines Arbeitsblatts der
Studentenvereinigung, wo er als (...) aufgeführt sei, per DHL in die Schweiz
geschickt. Hinsichtlich des Arbeitsblatts hielt der Beschwerdeführer fest,
die Studentenvereinigung habe jeweils diese Vorlage benutzt, um Mittei-
lungen an die Studenten zu machen. Auf diese Weise seien auch die von
der Studentenvereinigung organisierten Demonstrationen an die Studen-
ten kommuniziert worden. Er werde versuchen, die Originale der einge-
reichten Dokumente zu beschaffen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31] i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1
BGG).
1.2 Für das vorliegende Verfahren gilt nach der am 1. März 2019 in Kraft
getretenen Änderung des AsylG das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Über-
gangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.3 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Ge-
setzesartikel (Art. 83 und Art. 84) sind unverändert vom AuG ins AIG über-
nommen worden.
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden
(aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1
VwVG). Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-
nommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist ein-
zutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
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politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
3.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Ent-
scheiden dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2015/3 E. 6.5.1; Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 23. Februar
2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] m.w.H.).
4.
4.1
4.1.1 Das SEM führt zur Begründung seiner Verfügung zunächst aus, der
Beschwerdeführer habe in der BzP angegeben, er sei im Februar 2015 im
Zusammenhang mit seiner Teilnahme am Heldengedenktag vom 27. No-
vember 2014 verhaftet, dabei verwarnt und anschliessend wieder freige-
lassen worden. Bei der Anhörung habe er demgegenüber erklärt, er sei
anlässlich seiner Festnahme im Februar 2015 zusätzlich geschlagen wor-
den. Angesichts der Wichtigkeit solcher Asylgründe sei nicht nachvollzieh-
bar, weshalb er diese nicht bereits in der BzP erwähnt habe, weshalb sie
als nachgeschoben und folglich als unglaubhaft bewertet werden müssten,
zumal die entsprechenden Ausführungen in der einlässlichen Anhörung
auch unsubstantiiert geblieben seien.
4.1.2 In der Beschwerde wird in diesem Zusammenhang geltend gemacht,
der Beschwerdeführer sei bei der BzP immer wieder mit dem Hinweis un-
terbrochen worden, bei der Bundesanhörung die Gelegenheit zu erhalten,
seine Asylgründe ausführlicher darlegen zu können. Er habe diese Unter-
brechungen im Protokoll der BzP indessen nicht anmerken lassen, da er
sich der Konsequenzen dieser Unterlassung damals nicht bewusst gewe-
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sen sei. Dies sowie die Tatsache, dass die Befragung in der BzP nur sum-
marisch gewesen sei, lasse die erst bei der Anhörung geltend gemachte
Gewaltanwendung nicht als nachgeschoben erscheinen, sondern stelle
vielmehr eine Konkretisierung seiner Ausführungen bei der BzP dar (vgl.
Beschwerde S. 5 f. Ziff. 3.2).
4.1.3 Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich der Einschätzung der
Vorinstanz an, wonach sich die geltend gemachten Schläge anlässlich der
behördlichen Befragung des Beschwerdeführers im Februar 2015 als un-
glaubhaft erweisen. So fällt auf, dass der Beschwerdeführer in der BzP
Gelegenheit erhielt, seine Asylgründe in freier Rede vorzutragen und seine
Ausführungen auf einer halben Protokollseite festgehalten wurden (vgl.
act. A3/12 S. 7 Ziff. 7.01). Anschliessend wurden ihm Zusatzfragen gestellt,
wobei der Beschwerdeführer zweimal auf seine Verhaftung im Februar
2015 zu sprechen kam, um beide Male lediglich zu erwähnen, er sei ver-
warnt worden (vgl. act. A3/12 S. 8 Ziff. 7.01). Die lässt entgegen der in der
Beschwerde vertretenen Auffassung darauf schliessen, dass seine erst bei
der Bundesanhörung gemachte Aussage, er sei anlässlich der Befragung
im Februar 2015 auch physischen Übergriffen ausgesetzt gewesen (vgl.
act. A11/15 S. 4 F25 i.V.m. S. 9 F65 und S. 12 F100), nicht glaubhaft ist.
4.2
4.2.1 Das SEM hält weiter fest, die Schilderungen des Beschwerdeführers
hinsichtlich seiner Tätigkeiten anlässlich der Demonstration der Studenten-
schaft in H._ vom 21. Mai 2015 aus Anlass der Ermordung einer
tamilischen Schülerin seien teils widersprüchlich, teils unsubstantiiert aus-
gefallen. Im Einzelnen führt das SEM aus, der Beschwerdeführer habe in
der BzP ausgesagt, er habe in seiner Eigenschaft als (...) der Studenten-
vereinigung an besagter Demonstration eine Rede gehalten und dabei
viele revolutionäre Sprüche gemacht (vgl. act. A3/12 S. 7). In der einlässli-
chen Anhörung habe er demgegenüber nicht geltend gemacht, eine solche
Rede gehalten zu haben und auf Nachfrage hin habe er explizit verneint,
dass er damals als Redner aufgetreten sei (vgl. act. A11/15 S. 8). Soweit
er in der einlässlichen Anhörung geltend gemacht habe, bei dieser De-
monstration als Organisator gewirkt und Handplakate gemacht zu haben,
seien seine diesbezüglichen Ausführungen auch auf Nachfrage hin "flach
und wenig substantiiert" geblieben. Sie gingen nicht über das hinaus, was
jede andere Person in gleicher Weise erzählen könnte, ohne den Sachver-
halt selbst erlebt zu haben (vgl. act. A11/15 S. 5 f. und S. 7 f., Antw. auf
Fragen F29, F33 f., F41, F53 und F57 bis F59). Die vorstehend aufgezeig-
ten Ungereimtheiten führten deshalb zum Schluss, dass er keine
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massgebliche politische Rolle bei den Demonstrationen gegen den Tod von
K._ eingenommen habe, sondern allenfalls als einfacher Teilneh-
mer anwesend gewesen sei. Vor diesem Hintergrund erscheine es auch
nicht als glaubhaft, dass die Sicherheitskräfte ihn im Zusammenhang mit
der vorerwähnten Demonstration gesucht hätten.
4.2.2 In der Beschwerde wird diesbezüglich eingewendet, der Beschwer-
deführer habe nie ausgesagt, er habe während der Demonstration vom
21. Mai 2015 eine Rede gehalten. Vielmehr habe er damals Parolen geru-
fen, wobei er in diesen Parolen revolutionäre Sprüche verwendet habe.
Revolutionäre Sprüche würden üblicherweise nicht in einer Rede vor Pub-
likum verwendet, wohl aber als Rufe aus der Menschenmenge heraus. Ent-
sprechend sei die protokollierte Stelle in der BzP, er habe eine Rede ge-
halten, wohl auf einen Übersetzungsfehler zurückzuführen (vgl. Be-
schwerde S. 6 Ziff. 3.3). Die Vorinstanz erblicke weiter einen Widerspruch
darin, dass der Beschwerdeführer einerseits gesagt habe, er habe bei der
Demonstration als Organisator gewirkt, um andererseits zu behaupten, er
habe sich in dieser Zeit versteckt und keine politischen Aktivitäten durch-
geführt. Das SEM verkenne dabei, dass es sich bei der Organisation und
Teilnahme an genannter Demonstration um ein zeitlich vorgängiges Ereig-
nis handle. Er habe sich erst nach dieser Demonstration aus Angst vor ei-
ner erneuten Festnahme versteckt. Folglich habe er auch keine wider-
sprüchlichen Angaben hinsichtlich seiner politischen Tätigkeit gemacht
(vgl. Beschwerde S. 7 Ziff. 3.4, Abs. 3).
4.2.3
4.2.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht teilt die Argumentation des Be-
schwerdeführers in der Beschwerde nicht, wonach der Widerspruch be-
züglich einer von ihm an der Demonstration vom 21. Mai 2015 persönlich
gehaltenen beziehungsweise nicht gehaltenen Rede auf einem Überset-
zungsfehler beruhe. So ist dem Protokoll der BzP zu entnehmen, der Be-
schwerdeführer habe bei diesem Anlass eine Rede gehalten, weil er (...)
des Studentenflügels an der (...) der Universität gewesen sei. Die Proto-
kollstelle legt somit die Annahme nahe, der Beschwerdeführer sei damals
aufgrund seiner gehobenen Stellung innerhalb der Studentenvereinigung
als öffentlicher Redner aufgetreten. Weiter ist dem Protokoll zu entnehmen,
dass er in dieser Rede viele revolutionäre Sprüche verwendet habe. Er
brachte damit zum Ausdruck, die revolutionären Sprüche in seine Rede in-
tegriert zu haben. Die Annahme in der Beschwerde, revolutionäre Sprüche
würden "üblicherweise nicht in einer Rede vor Publikum verwendet", stösst
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somit ins Leere. Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass der Be-
schwerdeführer am Ende der BzP bestätigte, er habe den Dolmetscher gut
verstanden (vgl. act. A3/12 S. 8 Ziff. 9.02), und erklärte, das Protokoll ent-
spreche seinen Aussagen und der Wahrheit (vgl. act. A3/12 S. 8/9). Darauf
muss er sich behaften lassen. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer
seine Rolle als Redner bei der Bundesanhörung nicht (mehr) erwähnte,
lässt letztlich nur den Schluss zu, es sei ihm bei der Bundesanhörung nicht
mehr bewusst gewesen, dass er bei der BzP noch das Gegenteil behauptet
habe. Die hieraus resultierende Schlussfolgerung des SEM, der Beschwer-
deführer sei damals offensichtlich nicht als Redner aufgetreten, ansonsten
kongruente Antworten zu erwarten gewesen wären, ist nicht somit zu be-
anstanden.
4.2.3.2 Soweit in der Beschwerde behauptet wird, die Unterstellung der
Vorinstanz, der Beschwerdeführer habe sich bezüglich seiner politischen
Tätigkeiten widersprochen, beruhe auf einer Vermengung unterschiedli-
cher Zeitebenen, ist folgendes anzufügen: Der angefochtenen Verfügung
ist nicht zu entnehmen, dass das SEM verkannt hätte, dass die Teilnahme
des Beschwerdeführers an der Demonstration am 21. Mai 2015 und das
hieran anschliessende Aufsuchen eines Verstecks zwei chronologisch auf-
einander folgende Sachverhaltselemente darstellen. Die Vorinstanz er-
blickte vielmehr einen Widerspruch hinsichtlich geltend gemachter politi-
scher Tätigkeiten des Beschwerdeführers darin, dass dieser einerseits gel-
tend machte, während seines Aufenthalts in einem Versteck Wahlpropa-
ganda zugunsten eines Parlamentariers betrieben zu haben, um an ande-
rer Stelle ein entsprechendes politisches Engagement zu verneinen (vgl.
hierzu nachfolgend E. 4.3). Das SEM hält in seiner Verfügung allerdings
fest, die Ausführungen des Beschwerdeführers in Bezug auf seine Rolle
als angeblicher Mitorganisator der Demonstration vom 21. Mai 2015 seien
auch auf Nachfrage hin "flach und wenig substantiiert" ausgefallen. Die
diesbezüglichen Ausführungen der Vorinstanz wurden nicht bestritten,
weshalb auf die entsprechenden vorinstanzlichen Ausführungen zu verwei-
sen ist.
4.2.3.3 Der Beschwerdeführer vermag demnach nicht glaubhaft zu ma-
chen, dass er sich im Rahmen der studentischen Demonstration vom
21. Mai 2015 aus Anlass der Vergewaltigung und Ermordung einer tamili-
schen Schülerin politisch exponiert hat, weshalb grundsätzlich nicht er-
sichtlich ist, weshalb er in diesem Zusammenhang seitens der sri-lanki-
schen Behörden gesucht werden sollte.
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Seite 11
4.3
4.3.1 Der Beschwerdeführer machte geltend, er habe sich aus Angst vor
einer drohenden Festnahme durch die sri-lankischen Behörden mit mehre-
ren Kommilitonen aus der Studentenverbindung – darunter auch deren (...)
und (...) – mehrere Monate lang in einem vom Parlamentarier M._
organisierten Haus versteckt. Ungeachtet letzterer Ausführungen (vgl.
E. 4.2) ergeben sich indessen auch im Zusammenhang mit seinem angeb-
lich zweieinhalbmonatigen Aufenthalt in einem Versteck überwiegende
Zweifel an seinem diesbezüglichen Sachvortrag.
4.3.2 Das SEM hält in der angefochtenen Verfügung diesbezüglich fest,
der Beschwerdeführer habe widersprüchliche Angaben in Bezug auf seine
Propagandatätigkeiten zugunsten des Parlamentariers M._ ge-
macht. Im Einzelnen führt es aus, der Beschwerdeführer habe auf die An-
frage des Parlamentariers hin, ob er und seine Mitstudenten ihn bei den
anstehenden Parlamentswahlen unterstützen würden, in der BzP ausge-
sagt, er habe unter den Studenten Propaganda für diesen Parlamentarier
gemacht und er habe dabei betont, wie wichtig es sei, Tamilen zu wählen.
Die Studenten hätten die Propaganda weiterverbreitet (vgl. act. A3/12 S. 7
Ziff. 7.01). Demgegenüber habe er bei der einlässlichen Anhörung ver-
neint, solche Propagandatätigkeiten zugunsten dieses Parlamentariers
verrichtet zu haben, weil er sich versteckt gehalten habe. Er habe auch
keinen Kontakt zu anderen Studenten gehabt (vgl. act. A11/15 S. 13).
4.3.3 In der Beschwerde wird dem entgegengehalten, es liege faktisch kein
Widerspruch in den Aussagen des Beschwerdeführers vor: So hätten die
Mitglieder seiner Studentenvereinigung sehr wohl Wahlpropaganda für die-
sen Parlamentarier betrieben; er selber habe dies nicht tun können, da er
sich im fraglichen Zeitpunkt ja versteckt gehalten habe und aus Angst nicht
nach draussen gegangen sei (vgl. Beschwerde S. 7 Ziff. 3.4, Abs. 1 und 2).
4.3.4
4.3.4.1 Das Bundesverwaltungsgericht kann sich dieser Darstellung nicht
anschliessen. Zwar leuchtet grundsätzlich ein, dass der Beschwerdeführer,
der im fraglichen Zeitpunkt versteckt gelebt haben will, nicht in der Öffent-
lichkeit Wahlpropaganda für den Parlamentarier M._ tätigen
konnte. Seine Aussagen in der BzP sind aber ohne Weiteres dahingehend
zu verstehen, dass er auf die Anfrage von M._ hin aus dem Ver-
steck heraus die Propagandaarbeiten zu dessen Gunsten initialisiert und
koordiniert habe. Nur vor diesem Hintergrund ergibt seine weitere Aussage
in der BzP, die Studenten hätten die Propaganda weiterverbreitet (vgl. act.
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Seite 12
A3/12 S. 7 Ziff. 7.02), überhaupt einen Sinn. Bei der einlässlichen Anhö-
rung erklärte er demgegenüber, er habe auf entsprechende Anfrage von
M._ zwar Wahlunterstützung zugesagt, diesem dann aber nicht ge-
holfen (vgl. act. A11/15 S. 13 F106). Ausserdem habe er damals keinen
Kontakt zu anderen Studenten gehabt (vgl. act. A11/15 S. 13 F110). Letz-
tere Aussagen würden nun aber bedeuten, dass er sich in keiner Weise,
nicht einmal als Initiator und Koordinator entsprechender Bemühungen
nach aussen hin, für den Parlamentarier eingesetzt hätte. Diese Interpre-
tation wird zusätzlich durch seinen Hinweis untermauert, er habe damals
keinen Kontakt zu den anderen Studenten gehabt (vgl. act. A11/15 S. 13
F110). Der Widerspruch in seinen Angaben hinsichtlich der Frage, ob er
sich als Urheber entsprechender Bemühungen eingesetzt habe oder nicht,
bleibt demnach bestehen.
4.3.4.2 Unplausibel mutet sodann die Behauptung des Beschwerdeführers
an, Angehörige des CID hätten sich beim Fahrer des Parlamentariers
M._ nach seinem Verbleib erkundigt (vgl. act. A11/15 S. 9 F67). Zu-
nächst bleibt unerfindlich, wie Angehörige des CID herausgefunden haben
sollten, dass der Fahrer überhaupt in Verbindung mit dem Beschwerdefüh-
rer und seinen fünf Kommilitonen gestanden habe. Hätten sie davon ge-
wusst, hätten sie den Fahrer des Parlamentariers mit Sicherheit nicht auf
den aktuellen Aufenthaltsort des Beschwerdeführers und seiner fünf Mit-
studenten angesprochen, da sie damit ihr Vorhaben, des Beschwerdefüh-
rers und seiner fünf Gefolgsleute habhaft zu werden, in geradezu dilettan-
tischer Manier zunichtegemacht hätten.
4.3.4.3 Gegen die Glaubhaftigkeit der Behauptung des Beschwerdefüh-
rers, er habe sich unter den geschilderten Umständen mehr als zwei Mo-
nate in einem Versteck aufgehalten, spricht letztlich auch dessen pau-
schale Behauptung, M._ habe ihn nicht weiter schützen können
(vgl. act. A11/15 S. 10 F80). Zur Begründung seines diesbezüglichen Vor-
bringens führte er lediglich an, er habe diesen nicht persönlich gekannt
(vgl. act. A11/15 S. 10 F78). Letztere Behauptung steht indessen in diamet-
ralem Widerspruch zu seiner Aussage an anderer Stelle, M._ habe
ihn und seine fünf Mitstudenten in ihrem Versteck dreimal besucht und da-
bei um Wahlhilfe gebeten (vgl. act. A11/15 S. 13 F106).
4.4 Nach dem Gesagten ist übereinstimmend mit dem SEM der Schluss zu
ziehen, der Beschwerdeführer habe bezogen auf den Zeitpunkt seiner Aus-
reise aus Si Lanka keine asylrelevante Verfolgung glaubhaft zu machen
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vermocht. Daran vermag auch das am 9. Oktober 2018 zu den Akten ge-
reichte Schreiben der (...) University vom 25. September 2018 nichts zu
ändern, wonach der Beschwerdeführer im Jahr 2015 wegen seiner Teil-
nahme am Heldengedenkfeiertag vom 27. November 2014 behördlich fest-
genommen, geschlagen, gefoltert und anschliessend wieder freigelassen
worden sei, und seit seiner führenden Teilnahme an einer studentischen
Protestkundgebung im Gedenken an die Ermordung und Vergewaltigung
einer jungen Schülerin im Mai 2015 nunmehr behördlich gesucht werde.
Diesbezüglich ist festzuhalten, dass das besagte Dokument lediglich als
Fotokopie vorliegt und folglich zum Vornherein keine Prüfung auf Fäl-
schungsmerkmale zulässt. Bezeichnenderweise hat der Beschwerdeführer
es bis heute trotz entsprechender Verlautbarungen unterlassen, ein ent-
sprechendes Original nachzureichen. Darüber hinaus bleibt festzuhalten,
dass entsprechende Dokumente in Sri Lanka ohne Weiteres käuflich er-
worben werden können. Auch angesichts der zahlreichen Widersprüche
und Ungereimtheiten in den Vorbringen des Beschwerdeführers kommt
dem Dokument bestenfalls der Charakter eines Gefälligkeitsschreibens
ohne massgeblichen Beweiswert zu.
4.5
4.5.1 Das SEM stellt weiter fest, der Beschwerdeführer habe nicht glaub-
haft machen können, wegen der Demonstrationsteilnahme im Mai 2015
Probleme mit den sri-lankischen Sicherheitskräften gehabt zu haben. Es
gelte zu prüfen, ob er im Falle der Rückkehr dennoch begründete Furcht
vor künftigen Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG habe.
Diese Prüfung sei gemäss dem Referenzurteil des Bundesverwaltungsge-
richts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 anhand von Risikofaktoren vorzu-
nehmen. Rückkehrer, die illegal ausgereist seien, über keine gültigen Iden-
titätsdokumente verfügten, im Ausland ein Asylverfahren durchlaufen hät-
ten oder behördlich gesucht würden, würden am Flughafen zu ihrem Hin-
tergrund befragt. Diese Befragung und das allfällige Eröffnen eines Straf-
verfahrens wegen illegaler Ausreise stellten keine asylrelevante Verfol-
gungsmassnahme dar. Regelmässig würden Rückkehrer auch am Her-
kunftsort zwecks Registrierung, Erfassung der Identität, bis hin zur Über-
wachung der Aktivitäten der Person befragt. Auch diese Kontrollmassnah-
men nähmen grundsätzlich kein asylrelevantes Ausmass an. Auf des Be-
schwerdeführers Fall bezogen sei festzustellen, dass er über eine Identi-
tätskarte verfüge, die bei den Asylakten liege. Zudem hätten ihm die sri-
lankischen Behörden Jahr 2013 auch einen Reisepass ausgestellt, der sich
laut seinen Aussagen bei seinen Eltern in Sri Lanka befinde (vgl. act. A3/12
S. 6 Ziff. 4.2). Seine Identität sei daher klar und werde die sri-lankischen
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Seite 14
Behörden nicht zu Abklärungen veranlassen. Seine eintägige Festhaltung
im Februar 2015 sei nicht als genügend intensiv zu erachten, um asylrele-
vant zu sein. Ebenso allfällige nachfolgende Beobachtungen durch die Si-
cherheitskräfte. Weitere Behelligungen durch die sri-lankischen Sicher-
heitskräfte habe er, wie bereits erwähnt, nicht glaubhaft machen können.
Er habe nach Kriegsende im Jahr 2009 bis August (recte: Oktober) 2015 in
Sri Lanka gewohnt, ohne erhebliche Schwierigkeiten mit den Behörden ge-
habt zu haben. Allfällige, im Zeitpunkt seiner Ausreise bestehende Risiko-
faktoren – wie der Umstand, dass einer seiner Brüder im Krieg als LTTE-
Mitglied gestorben sei – hätten folglich kein Verfolgungsinteresse seitens
der sri-lankischen Behörden auszulösen vermocht. Es sei aufgrund der Ak-
tenlage nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka
nunmehr in den Fokus der Behörden geraten und in asylrelevanter Weise
verfolgt werden sollte. Auch der bedauernswerte Umstand, dass seine
Cousine gemäss seinen Aussagen nach seiner Ausreise vergewaltigt und
ermordet worden sein solle, sei bezüglich seiner eigenen Person nicht als
Risikofaktor zu werten, da das Ereignis – abgesehen davon, dass eine mit
ihm verwandte Person betroffen worden sei – in keinem direkten Zusam-
menhang mit ihm selbst stehe. Die von ihm geltend gemachte Tötung von
zwei Studenten stehe ebenfalls nicht in direktem Zusammenhang mit ihm,
weshalb der Vorfall ebenfalls kein Gefährdungselement für ihn darstelle.
Weiter könne er aus dem allgemeinen Hinweis auf Probleme der Studenten
mit den Behörden und den Polizeiposten in der Nähe der Universität in
H._ nichts zu seinen Gunsten ableiten. Gleich verhalte es sich mit
weiteren eingereichten Internetartikeln (Tötung eines Sozialarbeiters durch
Sicherheitskräfte; Festnahmen von Personen aus H._ am Flugha-
fen in Colombo; Festnahme von zwei Jugendlichen tamilischer Ethnie in
H._ wegen Heldentag-SMS). Somit bestehe insgesamt betrachtet
kein begründeter Anlass zur Annahme, dass er bei einer Rückkehr nach
Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft
asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein werde.
4.5.2 In der Beschwerde wird demgegenüber geltend gemacht, das Bun-
desverwaltungsgericht habe im Koordinationsurteil E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 eine nicht abschliessende Liste von schwachen und starken
Risikofaktoren für Verhaftung und Folter bei einer Rückkehr nach Sri Lanka
(Verbindungen zu den LTTE, regimekritische exilpolitische Aktivitäten,
frühere Verhaftungen, Haftbefehle, gerichtliche Anordnungen, eröffnete
Strafverfahren, fehlende Identitätspapiere, zwangsweise Rückführungen,
Narben und eine lange Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land) aufge-
D-5465/2018
Seite 15
listet (vgl. a.a.O. E. 8.3 bis 8.5). Es sei unbestritten, dass der Beschwerde-
führer aufgrund der Feierlichkeiten zum Heldentag am 27. November 2014
im Februar 2015 festgenommen worden sei. Er habe in diesem Zusam-
menhang auch glaubhaft gemacht, befragt, geschlagen, bedroht, verwarnt
und wieder freigelassen worden zu sein. Trotz dieser Verwarnung habe er
später eine Demonstration aus Anlass der Vergewaltigung und Ermordung
einer jungen Schülerin namens K._ organisiert und sei deswegen
in der Folge behördlich gesucht worden, weshalb er sich habe verstecken
müssen. Schliesslich hätten sich die Sicherheitskräfte beim Fahrer des
sein Versteck organisierenden Parlamentariers nach seinem Verbleib er-
kundigt. Aus Angst, die sri-lankischen Sicherheitskräfte könnten sein Ver-
steck herausgefunden haben, seien er und seine Mitstreiter deshalb mit
Hilfe dieses Fahrers am 10. August 2015 nach Colombo gelangt, wo er
seine Heimat schliesslich Angang Oktober 2015 auf dem Luftweg habe ver-
lassen können. Aufgrund seiner Schilderungen sei davon auszugehen,
dass ihm im Falle einer Rückkehr in sein Heimatland eine asylrelevante
Verfolgung drohen würde (vgl. Beschwerde S. 8 f. Ziff. 4).
Sollte sich das Bundesverwaltungsgericht dieser Einschätzung nicht an-
schliessen können, sei das vorliegende Verfahren zur vollständigen Fest-
stellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie zur Neubeurteilung an
die Vorinstanz zurückzuweisen. Es sei nämlich fraglich, inwieweit die Vor-
instanz überhaupt verlässlich habe beurteilen können, dass seine eintä-
gige Festhaltung im Februar 2015 den Anforderungen an eine hinlängliche
Intensität seiner Verfolgung nicht genüge, habe er doch bei der Bundesan-
hörung zusätzlich erwähnt, geschlagen und bedroht worden zu sein. Aus-
serdem sei er weder zur Situation im Camp noch zu den Umständen seiner
Befragung einlässlich befragt worden. Ferner habe die Vorinstanz auch
keine Fragen zu den Umständen des Heldentods seines Bruders sowie zu
ihrem persönlichen Verhältnis zueinander gestellt. Weiter bleibe unklar,
welche Personen mit ihm (im Februar 2015) verhaftet worden seien bezie-
hungsweise wer sich mit ihm versteckt gehalten habe. Schliesslich habe er
angegeben, während seines Aufenthalts im Versteck von der Polizei an der
Uni gesucht worden zu sein. Entsprechende Anschlussfragen des SEM
seien jedoch unterblieben (vgl. Beschwerde S. 10 Ziff. 5).
4.5.3 In Bezug auf ein allfälliges asylbeachtliches Risikoprofil des Be-
schwerdeführers im Sinne des Referenzurteils des Bundesverwaltungsge-
richts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8 ist zunächst festzuhalten, dass
dieser nicht glaubhaft machen konnte, vor seiner Ausreise aus Sri Lanka
behördlich gesucht worden zu sein.
D-5465/2018
Seite 16
Soweit er geltend macht, er sei im Februar 2015 wegen seiner früheren
Teilnahme am Heldengedenktag im November 2014 kurzzeitig festgehal-
ten und verhört worden, ist aufgrund der Aktenlage davon auszugehen,
dass er damals lediglich davor gewarnt worden ist, weiterhin entspre-
chende politische Aktivitäten auszuüben. Solche vermochte er in der Folge
nicht glaubhaft zu machen. Allein der Umstand, dass er bei seiner Anhö-
rung im Februar 2015 ausgesagt haben soll, einer seiner Brüder sei als
Märtyrer für die LTTE gestorben, lässt nicht auf ein asylrelevantes politi-
sches Profil schliessen. Gemäss Rechtsprechung führt die Verwandtschaft
zu früheren oder aktuellen LTTE-Mitgliedern oder -Sympathisanten nicht
per se zur Annahme einer begründeten Furcht vor ernsthaften Nachteilen
im Sinne von Art. 3 AsylG, zumal dann nicht, wenn die verwandte Person
längst verstorben ist. Alleine aus der tamilischen Ethnie, seinem Alter und
Geschlecht, seiner Herkunft aus dem Norden sowie dem Umstand, dass
er nach einem mehrjährigen Aufenthalt in der Schweiz nach Sri Lanka zu-
rückkehren wird, kann er keine Gefährdung ableiten.
Auch die politischen Ereignisse, welche seit der Ausreise des Beschwer-
deführers in Sri Lanka eingetreten sind, lassen nicht darauf schliessen,
dass sich das Risiko für tamilische Rückkehrer, im Falle einer Rückkehr
Menschenrechtsverletzungen zu erleiden, generell verschärft hätte (vgl.
hierzu etwa das Urteil des BVGer D-4285/2017 vom 6. Juli 2020 E. 7.8.2).
4.6 Vor dem Hintergrund ist nicht ersichtlich, inwieweit die Vorinstanz den
rechtserheblichen Sachverhalt unzureichend erstellt haben soll. Allein der
Umstand, dass der Beschwerdeführer im Februar 2015 kurzzeitig festge-
nommen und dabei davor gewarnt worden sein soll, weiterhin politisch ak-
tiv zu sein, vermag kein aktuelles Verfolgungsinteresse der sri-lankischen
Behörden an seiner Person zu begründen. Demgegenüber ist es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen, glaubhaft zu machen, dass er infolge sei-
ner (angeblichen) Teilnahme an einer Demonstration im Gedenken an eine
getötete Schülerin im Mai 2015 in den Fokus behördlichen Interesses ge-
raten und in der Folge behördlich gesucht worden sein soll. Ausserdem
erfüllt er auch kein Risikoprofil im Sinne der Rechtsprechung. Die Rüge der
unvollständigen Sachverhaltsfeststellung erweist sich deshalb als unbe-
gründet.
4.7 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, was
geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest
D-5465/2018
Seite 17
glaubhaft zu machen. Das SEM hat demnach zu Recht die Flüchtlingsei-
genschaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abge-
lehnt.
5.
5.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
6.
6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
D-5465/2018
Seite 18
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
6.3 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri
Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-
gesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka
lässt den Wegweisungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen (vgl. Refe-
renzurteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 12.2 sowie statt
vieler das Urteil des BVGer E-895/2020 vom 15. April 2020 E. 9.2). Es er-
geben sich aus den Akten auch keine konkreten Hinweise darauf, dass der
Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen so
genannten "Background Check" (Befragung und Überprüfung von Tätig-
keiten im In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich
gefährdet wäre. Daran vermögen der Regierungswechsel vom Novem-
ber 2019 sowie die seither veränderte Lage in Sri Lanka nichts zu ändern.
Der Wegweisungsvollzug erweist sich somit als zulässig.
6.4
6.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
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Seite 19
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
6.4.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen, und es herrscht weder Krieg
noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24 E. 13.2.1). Ge-
mäss Rechtsprechung ist der Wegweisungsvollzug in die Nord- und Ost-
provinz zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskri-
terien bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 E. 13.2). An dieser Einschätzung vermögen die Gewalt-
vorfälle in Sri Lanka vom 21. April 2019, der gleichentags von der sri-lanki-
schen Regierung verhängte und am 28. August 2019 aufgehobene Aus-
nahmezustand sowie die mit den Wahlen im November 2019 zusammen-
hängenden gewalttätigen Ausschreitungen nichts zu ändern (vgl. dazu statt
vieler Urteil das BVGer E-895/2020 vom 15. April 2020 E. 9.3). Vorliegend
sprechen auch keine individuellen Gründe gegen die Zumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs. Der Beschwerdeführer hat vor seiner Ausreise in
der Nord- und in der Ostprovinz gelebt, wohin der Vollzug der Wegweisung
grundsätzlich als zumutbar zu erachten ist. Ausserdem verfügt er mit sei-
nen Eltern, einem Bruder sowie Tanten und Cousins über zahlreiche Ver-
wandte in seiner Heimat, weshalb vom Bestehen eines hinreichenden fa-
miliären und sozialen Beziehungsnetzes auszugehen ist. Sein Vater be-
treibt Landwirtschaft in G._ (vgl. act. A3/12 S. 5 Ziff. 3.01 i.V.m.
act. A11/15 S. 3 F12 und F16). Ausserdem werden seine Familienangehö-
rigen in Sri Lanka finanziell von seinem in J._ wohnhaften Bruder
unterstützt (vgl. act. A11/1 S. 3 F16). Im Weiteren verfügt der Beschwerde-
führer über eine gute schulische Ausbildung sowie über einen universitären
Abschluss in (...) (vgl. act. A11/15 S. 3 F17-F19). Somit ist davon auszu-
gehen, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka gute Voraussetzungen
mitbringt, um sich in seiner Heimat eine neue Existenz aufzubauen. Der
Vollzug der Wegweisung erweist sich demnach nicht als unzumutbar.
6.5 Der Beschwerdeführer verfügt über eine Identitätskarte und es obliegt
ihm, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine
Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4
AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12). Dem Vollzug der Wegweisung
steht auch die Corona-Pandemie nicht entgegen. Bei dieser handelt es sich
– wenn überhaupt – um ein temporäres Vollzugshindernis, welchem im
Rahmen der Vollzugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden Rech-
nung zu tragen ist, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Wegweisung
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Seite 20
der Situation in Sri Lanka angepasst wird (vgl. Entscheidungen und Mittei-
lungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 14
E. 8d und e sowie statt vieler Urteil des BVGer D-4796/2019 vom 27. April
2020 E. 8.9). Der Vollzug der Wegweisung ist daher auch als möglich zu
bezeichnen (Art. 83 Abs. 2 AIG).
6.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihm indessen mit Zwi-
schenverfügung vom 27. September 2018 die unentgeltliche Prozessfüh-
rung sowie die amtliche Rechtsverbeiständung nach aArt. 110 Abs. 1
AsylG gewährt wurden und sich an den Voraussetzungen dazu nichts ge-
ändert hat, sind ihm keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
9.
Der mit Verfügung vom 27. September 2018 für das Beschwerdeverfahren
amtlich beigeordneten Rechtsvertreterin ist ein Honorar auszurichten (vgl.
für die Grundsätze der Bemessung der Parteientschädigung Art. 7 ff.
VGKE). Die am 24. September 2018 eingereichte Gesamtkostennote weist
für das vorliegende Verfahren einen totalen Zeitaufwand von neun Stunden
sowie eine Spesenpauschale von Fr. 50. – auf. Der Aufwand erscheint in
zeitlicher Hinsicht – unter Einschluss der Eingabe vom 9. Oktober 2018 –
als angemessen. Das Gericht legt der amtlichen Verbeiständung bei nicht-
anwaltlichen Vertretern einen maximalen Stundenansatz von Fr. 150.– zu-
grunde. Für das Beschwerdeverfahren sind der amtlich beigeordneten
Rechtsvertreterin somit zu Lasten des Gerichts ein amtliches Honorar von
Fr. 1'453.95 sowie eine Spesenpauschale in der Höhe von Fr. 50.–, mithin
ein Gesamtbetrag von Fr. 1'500.– (inklusive Mehrwertsteuerzuschlag; ge-
rundet) zuzusprechen.
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