Decision ID: fcf5f8d7-405f-5006-8b13-b7079c6b311e
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Robert Baumann, Waisenhausstrasse 17,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
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Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rückerstattung von Ergänzungsleistung zur IV
Sachverhalt:
A.
Mit Verfügungen vom 9. Dezember 2004 und vom 13. Januar 2005 sprach die IV-Stelle
A._ bei einem Invaliditätsgrad von 95% eine ganze Invalidenrente mit Zusatz- und
Kinderrenten zu. Am 22. Juni 2005 füllte der Versicherte die Anmeldung zum Bezug
von Ergänzungsleistungen aus. Der Anmeldung lag ein Schreiben der B._,
Sammelstiftung BVG, Personalvorsorge: C._, vom 8. November 2004 bei. Laut
diesem Schreiben war dem Versicherten für die Zeit vom 12. Juli 2003 bis 31.
Dezember 2004 eine "Invalidenrente 100%" ausgerichtet worden. Ab Januar 2005
waren die Zahlungen monatlich erfolgt. Im Anmeldeformular gab der Versicherte als
Einnahmen die Rente der Invalidenversicherung und eine Rente der B._ an. Die Frage
nach allfälligen weiteren Einnahmen verneinte er ausdrücklich. Am 15. November 2005
liess der Versicherte durch die C._ Rechtsschutzversicherung eine provisorische
Abrechnung der B._, Sammelstiftung BVG, für die Periode 12. Juli 2003 bis 31.
Dezember 2004 über Fr. 15'330.70 sowie die Kopie einer Lebensversicherungspolice
der B._, Schweizerische Lebensversicherungsgesellschaft, Todesfall-Versicherung
vom 14. Dezember 1995 einreichen. Laut dieser Police betrug die Rente bei
Erwerbsunfähigkeit Fr. 12'000.- pro Jahr. Die C._ Rechtsschutzversicherung wies
darauf hin, dass der Versicherte effektiv Fr. 1000.- monatlich aus der
Lebensversicherung erhalte. In der Folge beschränkte sich das Abklärungsverfahren
auf die Frage der Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens der Ehefrau
des Versicherten und auf die Frage nach einer allfälligen ausländischen Invalidenrente.
Am 5. Juli 2006 erfolgte die Anspruchsberechnung rückwirkend ab dem 1. Juli 2005.
Dabei berücksichtigte die EL-Durchführungsstelle auf der Einnahmenseite ein
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hypothetisches Erwerbseinkommen der Ehefrau des Versicherten, die
Rentenleistungen der Invalidenversicherung, den Vermögensertrag und "Renten und
Pensionen aller Art" von Fr. 12'000.-. Mit einer Verfügung vom 6. Juli 2006 sprach die
EL-Durchführungsstelle dem Versicherten für Juli bis Dezember 2005 monatliche
ordentliche Ergänzungsleistungen von Fr. 796.-, für Januar 2006 monatliche
ordentliche Ergänzungsleistungen von Fr. 846.- und ab Februar 2006 monatliche
ordentliche Ergänzungsleistungen von 538.- zu.
B.
Der Versicherte liess am 28. Juli 2006 Einsprache gegen die Verfügung vom 6. Juli
2006 erheben und beantragen, die Verfügung sei aufzuheben und sein Anspruch auf
Ergänzungsleistungen sei neu zu berechnen. Konkret verlangte der Versicherte, dass
ihm kein hypothetisches Erwerbseinkommen seiner Ehefrau als Einnahmen
anzurechnen und dass ein höherer Mietzins abzuziehen sei. Die EL-
Durchführungsstelle wies die Einsprache am 14. September 2006 ab. Der Versicherte
liess am 16. Oktober 2006 Beschwerde erheben und die Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens der Ehefrau rügen. Das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen beschränkte sich dementsprechend in seinem Urteil vom 20. März
2007 auf die Prüfung der Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens. Es
wies die Sache zur weiteren Abklärung des Sachverhalts an die EL-Durchführungsstelle
zurück. Diese erhob am 19. April 2007 Beschwerde beim Bundesgericht mit dem
sinngemässen Begehren, die Sache sei zur Abklärung eines allfälligen hypothetischen
Erwerbseinkommens an sie zurückzuweisen. Allerdings seien medizinische
Abklärungen explizit auszunehmen. Das Bundesgericht hob den kantonalen Entscheid
am 6. Februar 2008 auf und bestätigte die in der Verfügung vom 6. Juli 2006
zugesprochene Ergänzungsleistung, da dort zu Recht ein hypothetisches
Erwerbseinkommen in der damals ermittelten Höhe angerechnet worden sei.
C.
Obwohl die ursprüngliche Leistungsverfügung vom 6. Juli 2006 aufgrund des laufenden
Rechtsmittelverfahrens noch nicht formell rechtskräftig geworden war, hatte die EL-
Durchführungsstelle Anpassungen der Ergänzungsleistung vorgenommen. Mit einer
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Verfügung vom 29. Dezember 2006 hatte sie die ordentliche Ergänzungsleistung per
1. Januar 2007 auf Fr. 562.- monatlich und mit einer Verfügung vom 21. Dezember
2007 per 1. Januar 2008 auf Fr. 574.- monatlich angehoben. Am 25. Januar 2008 hatte
die AHV-Zweigstelle der EL-Durchführungsstelle ein Schreiben der B._,
Sammelstiftung BVG, Personalvorsorge: C._, vom 15. Januar 2008 eingereicht. Laut
diesem Schreiben hatte das Ersuchen des Versicherten um eine Erhöhung der Rente
nicht bewilligt werden können, da er bereits eine maximale Rente beziehe. Die EL-
Durchführungsstelle teilte dem Versicherten am 21. Februar 2008 mit, dieses Schreiben
der B._ (BVG-Rente) habe keinen Einfluss auf die Berechnung der
Ergänzungsleistung, da es keine Änderung gebe.
D.
Im Rahmen einer periodischen Überprüfung des Leistungsanspruchs füllte der
Versicherte am 12. September 2008 einen Fragebogen aus. Dabei gab er an, er erhalte
eine Rente der Invalidenversicherung von Fr. 16'272.- jährlich und eine BVG-Rente der
B._-Versicherung von Fr. 10'790.- jährlich. Er verneinte die Frage nach Renten,
Taggeldern oder anderen Leistungen. Dem Formular lag eine Bestätigung der B._,
Sammelstiftung BVG, Personalvorsorge: C._ bei, laut welcher der Versicherte im Jahr
2007 eine Rente von Fr. 10'790.- erhalten hatte. Am 23. Dezember 2008 erging eine
Verfügung, mit der die EL-Durchführungsstelle die monatliche Ergänzungsleistung ab
1. Januar 2009 auf Fr. 606.- festsetzte. Darin war den Ergebnissen der periodischen
Überprüfung noch nicht Rechnung getragen. Die eigentliche Anpassungsverfügung als
Ergebnis der periodischen Überprüfung erging am 12. März 2009. Die EL-
Durchführungsstelle setzte den monatlichen Anspruch ab September 2008 auf Fr. 627.-
und ab Januar 2009 auf Fr. 691.- fest. Anstelle der bisher angerechneten Rente der
B._ von Fr. 12'000.- fand neu eine solche von Fr. 10'790.- Berücksichtigung.
E.
Am 22. September 2009 erfuhr die EL-Durchführungsstelle, dass dem Versicherten
möglicherweise Rentenleistungen ausgerichtet würden, die bisher noch nicht deklariert
worden seien. Die AHV-Zweigstelle teilte am 22. September 2009 mit, das Steueramt
habe herausgefunden, dass der Versicherte schon seit längerem zwei Renten von der
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B._ beziehe. Dieser Mitteilung der AHV-Zweigstelle lag ein Rentenausweis der B._,
Sammelstiftung BVG, Personalvorsorge: C._, bei, laut dem sich die Rentenleistungen
im Jahr 2008 auf Fr. 10'790.40 belaufen hatten. Gemäss dem ebenfalls beigelegten
Auszug aus dem Bankkonto des Versicherten für das Jahr 2008 hatten die "B._
Schweizerische Lebensver." im Jahr 2008 monatlich Fr. 899.20 und die "B._-Leben"
quartalsweise Fr. 3035.75 überwiesen. Die EL-Durchführungsstelle nahm rückwirkend
ab dem Anspruchsbeginn am 1. Juli 2005 eine Neuberechnung vor, bei der sie
zusätzlich zur Rente der B._ Sammelstiftung BVG auch die Rente der B._
Lebensversicherung berücksichtigte. Es resultierte für die gesamte Periode vom 1. Juli
2005 bis 30. September 2009 ein erheblicher Einnahmenüberschuss. Die EL-
Durchführungsstelle forderte die in diesem Zeitraum ausgerichteten ordentlichen
Ergänzungsleistungen von Fr. 31'603.- und auch die im gleichen Zeitraum vergüteten
Krankheitskosten von insgesamt Fr. 5562.- zurück. Die gesamte Rückforderung belief
sich auf Fr. 37'165.-. Die entsprechende Verfügung erging am 5. November 2009.
Bereits am 4. November 2009 hatte die EL-Durchführungsstelle eine "EL-Abweisungs-
Verfügung mit Wirkung ab 01.10.2009" erlassen.
F.
Der Versicherte liess am 7. Dezember 2009 gegen die Rückforderungsverfügung vom
5. November 2009 Einsprache erheben und die vollumfängliche Aufhebung dieser
Verfügung beantragen. Zur Begründung liess er sinngemäss ausführen, die
Rückforderung sei verwirkt. Da die EL-Durchführungsstelle bereits bei der Prüfung der
Anmeldung hätte erkennen müssen, dass die B._ Versicherung ihm zwei Renten
auszahle, liege der Fehler hinter der unrechtmässigen Leistungsausrichtung bei ihr. Der
zweite Anlass, bei dem die EL-Durchführungsstelle ihren Fehler hätte erkennen
müssen, sei die periodische Überprüfung im Herbst 2008 gewesen. Die einjährige
relative Verwirkungsfrist habe deshalb nur wenige Tage nach dem 7. Oktober 2008 zu
laufen begonnen. Die am 5. November 2009 ergangene Rückforderungsverfügung sei
somit verspätet. Die EL-Durchführungsstelle wies die Einsprache am 15. März 2010 ab.
Sie führte aus, die ursprüngliche Leistungszusprache sei in Bezug auf das
hypothetische Erwerbseinkommen der Ehefrau angefochten worden. Der Versicherte
habe damals nicht darauf hingewiesen, dass zu Unrecht nur eine der beiden Renten
der B._ angerechnet worden sei. Auch bei der periodischen Überprüfung im Jahr
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2008 habe der Versicherte nur eine Rente der B._ angegeben. Sie habe deshalb
davon ausgehen müssen, dass die Rente von Fr. 12'000.- auf Fr 10'790.- herabgesetzt
worden sei. Erst mit der Mutationsmeldung der AHV-Zweigstelle sei für sie zu erkennen
gewesen, dass dem Versicherten zwei Renten der B._ Versicherung ausgerichtet
worden seien.
G.
Der Versicherte liess am 14. April 2010 beim Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen Beschwerde erheben und beantragen, der Einspracheentscheid sei
vollumfänglich aufzuheben und es sei festzustellen, dass kein Rückforderungsanspruch
in der Höhe von Fr. 37'165.- bestehe bzw. es sei von einer Rückforderung im
vorgenannten Umfang abzusehen. Zur Begründung liess der Versicherte ausführen,
nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung löse erst der "zweite Anlass" die relative
Verwirkungsfrist aus. Entgegen der von der EL-Durchführungsstelle vertretenen
Auffassung sei dieser "zweite Anlass" allerspätestens auf den 7. Oktober 2008
festzusetzen, so dass die Rückerstattungsverfügung vom 5. November 2009 nach dem
Ablauf der einjährigen Verwirkungsfrist erlassen worden sei. Bei Aufwendung der
gebotenen Sorgfalt hätte der EL-Durchführungsstelle auffallen müssen, dass der
Betrag für "andere Renten und Pensionen aller Art" plötzlich und ohne ersichtlichen
Grund tiefer ausgefallen sei. Anhand der damaligen Aktenlage hätte innert weniger
Minuten festgestellt werden können, dass die B._ zwei Renten ausrichtete. Die
ursprüngliche Leistungsverfügung vom 6. Juli 2006 sei angefochten und schliesslich
durch das Bundesgericht bestätigt worden. Bei zumutbarer Aufmerksamkeit hätte die
EL-Durchführungsstelle also im Rahmen der Rechtsmittelverfahren gleich dreimal
erkennen müssen, dass die Anspruchsberechnung in Bezug auf die Rentenleistungen
der B._ falsch gewesen sei.
H.
Die EL-Durchführungsstelle beantragte am 27. Mai 2010 die Abweisung der
Beschwerde. Sie verwies auf die Begründung des angefochtenen
Einspracheentscheides. Zugleich führte sie aus, der Versicherte mache im weiteren
Sinn geltend, sein treuwidriges Verhalten sei zu schützen. Er habe es nämlich jahrelang
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unterlassen, auf die zu tief angerechnete BVG-Rente hinzuweisen. Dadurch habe er zu
hohe Ergänzungsleistungen genossen.
I.
Der Versicherte liess in seiner Replik vom 3. Juni 2010 einwenden, die EL-
Durchführungsstelle lasse unerwähnt, dass solche rudimentären Prüfungen gerade
auch von ihr selbst nicht vorgenommen worden seien.
J.
Die EL-Durchführungsstelle verzichtete am 18. Oktober 2010 auf eine materielle
Stellungnahme.

Erwägungen:
1.
Unrechtmässig bezogene Leistungen sind zurückzuerstatten (Art. 25 Abs. 1 Satz 1
ATSG). Solange die bezogene Leistung sich auf eine formell rechtskräftige
Leistungsverfügung stützt, ist sie nicht unrechtmässig, auch wenn diese formell
rechtskräftige Leistungsverfügung inhaltlich rechtswidrig ist bzw. geworden ist. Daraus
folgt, dass die formell rechtskräftige, aber inhaltlich rechtswidrige Leistungsverfügung
revisionsweise (Art. 53 Abs. 1 ATSG) oder wiedererwägungsweise (Art. 53 Abs. 2
ATSG) aufgehoben und durch eine inhaltlich korrekte Leistungszusprache ersetzt oder
dass sie rückwirkend einer verspätet bekannt gewordenen, anspruchsmindernden
Sachverhaltsveränderung angepasst werden muss (Art. 17 Abs. 2 ATSG i.V.m. Art. 25
Abs. 2 lit. c oder d ELV). Die Differenz zwischen der ausgerichteten Leistung und der –
tieferen – Leistung, wie sie gemäss der korrigierten Leistungsverfügung hätte
ausgerichtet werden sollen, definiert die unrechtmässig bezogene Leistung. Die
Rückforderung unrechtmässig bezogener Leistungen setzt also – mit Ausnahme der
Leistungsausrichtung ohne leistungszusprechende Verfügung – zwingend die Korrektur
der ursprünglichen, formell rechtskräftigen Leistungsverfügung voraus (vgl. Ueli Kieser,
ATSG-Kommentar, 2.A., N. 12 zu Art. 25 ATSG). Rückforderungsverfügungen der
Beschwerdegegnerin enthalten erfahrungsgemäss keinen Hinweis auf eine vorgängige
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Korrektur der unrichtigen, aber formell rechtskräftigen früheren Leistungsverfügung. Es
wird nur eine materielle Rückforderung geltend gemacht. Zusätzlich zur
Rückforderungsverfügung erlässt die Beschwerdegegnerin in aller Regel eine
Anpassungsverfügung nach Art. 17 Abs. 2 ATSG, mit der sie die bis dahin laufend
ausgerichtete, überhöhte Leistung auf das Ende des Rückforderungszeitraums auf das
korrekte Mass herabsetzt. Dabei wird jeweils ignoriert, dass eine revisionsrechtlich
relevante Sachverhaltsveränderung fehlt, die auf diesen Zeitpunkt eingetreten wäre und
damit die Leistungsherabsetzung gestützt auf Art. 17 Abs. 2 ATSG zulassen würde.
Auch in der Rückforderungsverfügung vom 5. November 2009 fehlt der
verfahrensrechtliche Korrekturteil, der erst die Unrechtmässigkeit des
Leistungsbezuges zwischen dem 1. Juli 2005 und dem 30. September 2009 bewirken
würde. Ergänzt wird die Rückforderungsverfügung durch die "EL-Abweisungs-
Verfügung mit Wirkung ab 01.10.2009" vom 4. November 2009, die als
Aufhebungsverfügung per 30. September 2009 ausgestaltet ist. Inhaltlich hat sich an
der Rückforderung durch den Einspracheentscheid vom 15. März 2010 nichts
geändert. Auch der angefochtene Einspracheentscheid erscheint deshalb als rein
materielle Rückforderung ohne verfahrensrechtliche Korrektur früherer, unrichtiger
Leistungsverfügungen. In einer langjährigen Rechtsprechung hat das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen diese Vorgehensweise immer so
interpretiert, dass die Beschwerdegegnerin damit konkludent verfahrensrechtlich
korrekt vorgegangen sei, d.h. die ursprünglichen, falschen Leistungsverfügungen
korrigiert und erst dann die unrechtmässig bezogenen Ergänzungsleistungen
zurückgefordert habe. Je nach der konkreten Konstellation haben die
Rückforderungsverfügungen also jeweils konkludent eine prozessuale Revision, eine
Wiedererwägung oder eine rückwirkende Herabsetzung/Aufhebung enthalten. Da die
zukünftige, d.h. die an den Rückforderungszeitraum anschliessende Leistung in aller
Regel bereits durch diese Korrektur einer früheren, unrichtigen Leistungsverfügung
festgestanden hat, ist die entsprechende Verfügung nur als Orientierung über die
Leistungshöhe für die Zukunft interpretiert worden. Diese Auslegung ihrer
Rückforderungsverfügungen und ihrer "Verfügungen" für die Zukunft ist von der
Beschwerdegegnerin immer akzeptiert worden.
2.
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Grundsätzlich müsste diese Rechtsprechung des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen auch auf den vorliegenden Fall zur Anwendung kommen. Der
Einspracheentscheid vom 15. März 2010 wäre also so zu interpretieren, dass er aus
der verfahrensrechtlichen Korrektur der früheren unrichtigen Leistungszusprache und
aus der anschliessenden materiellrechtlichen Korrektur des entsprechenden
Leistungsbezuges mittels einer Rückforderung ordentlicher Ergänzungsleistungen im
Betrag von Fr. 37'165.- bestehen würde. Da der Beschwerdeführer die "EL-
Abweisungs-Verfügung mit Wirkung ab 01.10.2009" gar nicht angefochten hat, kann
die Frage offen bleiben, welche Bedeutung diese "Verfügung" hat. Der
Beschwerdeführer hat bereits am 1. Juli 2005 beide Renten der B._-Versicherung
bezogen. Das grundsätzlich anwendbare Korrekturinstrument kann also nicht die
(rückwirkende) Anpassung gemäss Art. 17 Abs. 2 ATSG i.V.m. Art. 25 Abs. 2 ELV sein.
Es müsste sich vielmehr um ein Korrekturinstrument handeln, das geeignet wäre, die
ursprüngliche Leistungszusprache aufzuheben und durch die bis zum 30. September
2009 andauernde Abweisung des Leistungsgesuchs vom 22. Juni 2005 zu ersetzen. Es
müsste sich also um eine prozessuale Revision (Art. 53 Abs. 1 ATSG) oder um eine
Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2 ATSG) handeln. Dies würde allerdings voraussetzen,
dass es sich bei der verfahrensrechtlichen Grundlage des unrechtmässigen
Leistungsbezugs um eine nicht gerichtlich beurteilte Verfügung oder um einen nicht
gerichtlich beurteilten Einspracheentscheid handeln würde (vgl. Ueli Kieser, a.a.O., N.
27 zu Art. 53 ATSG; gilt notwendigerweise auch für die prozessuale Revision). Nun ist
der Einspracheentscheid vom 14. September 2006, mit dem die Beschwerdegegnerin
dem Beschwerdeführer rückwirkend ab 1. Juli 2005 eine Ergänzungsleistung
zugesprochen hatte, aber zunächst durch das Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen und dann durch das Bundesgericht beurteilt worden. Im Ergebnis hat das
Bundesgericht (vgl. Fritz Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Auflage 1983, S.
190) dem Beschwerdeführer eine Ergänzungsleistung zugesprochen, bei deren
Berechnung fälschlicherweise nur eine von zwei Renten der B._-Versicherung als
Einnahme angerechnet worden ist. Demnach liegt kein formell rechtskräftiger
Einspracheentscheid vor, der einer prozessualen Revision nach Art. 53 Abs. 1 ATSG
oder eine Wiedererwägung nach Art. 53 Abs. 2 ATSG zugänglich wäre. Das zwingt zum
Schluss, dass die Beschwerdegegnerin mit dem vorliegend angefochtenen
Einspracheentscheid vom 15. März 2010 eine Korrektur des Bundesgerichtsurteils vom
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6. Februar 2008 angeordnet hat, was offensichtlich rechtswidrig ist. Die
Beschwerdegegnerin hätte um eine Revision des Bundesgerichtsurteils (Art. 123 Abs. 2
lit. a BGG) ersuchen müssen, um dann die dem Beschwerdeführer ausgerichteten
Ergänzungsleistungen zurückfordern zu können.
3.
Dagegen könnte eingewendet werden, der Beschwerdeführer habe damals
ausschliesslich die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens seiner
Ehefrau gerügt. Nach dem sogenannten Rügeprinzip hätten das Versicherungsgericht
und anschliessend das Bundesgericht deshalb nur die Rechtmässigkeit der
Einnahmenposition "hypothetisches Erwerbseinkommen der Ehefrau" geprüft. Alle
anderen Einnahmen- und Ausgabenpositionen seien nicht in die Beurteilung
einbezogen worden. Damit sei nur der Teil "hypothetisches Erwerbseinkommen der
Ehefrau" des Einspracheentscheides vom 14. September 2006, der damals den
Anfechtungsgegenstand gebildet habe, gerichtlich beurteilt worden. In Bezug auf die
übrigen Einnahmen- und Ausgabenpositionen sei der Einspracheentscheid vom 14.
September 2006 unbeurteilt in formelle Rechtskraft erwachsen, so dass er in diesem
Teil der prozessualen Revision (Art. 53 Abs. 1 ATSG) oder der Wiedererwägung (Art. 53
Abs. 2 ATSG) zugänglich sei. Er könne also in Bezug auf die Einnahmenposition
"übrige Renten" revisions- oder wiedererwägungsweise aufgehoben und durch eine
korrigierte Verfügung ersetzt werden. Das Bundesgerichtsurteil werde dadurch nicht
tangiert, weil ja auch nach der prozessualen Revision bzw. nach der Wiedererwägung
weiterhin das dort angeordnete hypothetische Erwerbseinkommen der Ehefrau
angerechnet werde. Einem so konsequent verstandenen Rügeprinzip wäre entgegen zu
halten, dass gemäss der höchstrichterlichen Rechtsprechung immer das gesamte
Rechtsverhältnis den Streitgegenstand bildet (vgl. BGE 125 V 413 ff.). Ulrich Meyer-
Blaser hat bei einer Analyse dieser höchstrichterlichen Rechtsprechung festgestellt,
dass der Anfechtungsgegenstand immer dann gleichzeitig den Streitgegenstand
ausmache, wenn eine Verfügung nur ein einziges Rechtsverhältnis zum Gegenstand
habe (was der Normalfall sei). Die begriffliche Abgrenzung und Festsetzung von
Anfechtungs- und Streitgegenstand erfolge daher auf der Ebene der
Rechtsverhältnisse. Das sei in BGE 110 V 48 Erw. 3c nicht klar genug zum Ausdruck
gebracht worden, indem dort missverständlich von nicht beanstandeten Teilaspekten
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eines Rechtsverhältnisses gesprochen worden sei. Dies habe auf eine Teilrechtskraft
der nicht bestrittenen Aspekte des Rechtsverhältnisses verbunden mit einer
Beschränkung des Streitgegenstandes auf den beanstandeten Punkt schliessen
lassen. Das sei aber gerade nicht gemeint gewesen (vgl. Ulrich Meyer-Blaser, Der
Streitgegenstand im Streit - Erläuterungen zu BGE 125 V 413, in: Schaffhauser/Schlauri
[Hrsg.], Aktuelle Rechtsfragen der Sozialversicherungspraxis, S. 27). Der
Streitgegenstand kann sich also nie auf ein Teilelement eines Rechtsverhältnisses
beschränken, selbst wenn das Rechtsmittelbegehren, die "Rüge", nur auf ein
Teilelement beschränkt ist und die übrigen Teilelemente dieses Rechtsverhältnisses
ausdrücklich als nicht angefochten bezeichnet werden. Darauf deutet im Übrigen auch
der Umstand hin, dass selbst die Befürworter eines konsequenten Rügeprinzips (vgl.
etwa Th. Locher, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3.A., S. 482 f.) annehmen,
die Rechtsmittelinstanz könne unter gewissen Voraussetzungen auch nicht gerügte
Teilelemente eines Rechtsverhältnisses in die Beurteilung einbeziehen. Das wäre nicht
möglich, wenn nur das gerügte Teilelement allein den Streitgegenstand bilden würde.
Das Rügeprinzip beinhaltet also nur den - selbstverständlichen - Anspruch des
Rechtsmittelberechtigten auszuwählen, welches von mehreren in einer anfechtbaren
Verfügung/in einem anfechtbaren Einspracheentscheid geregelten Rechtsverhältnissen
den Streitgegenstand bilden soll. Will man im Rügeprinzip mehr sehen als die
Fähigkeit, in diesem Sinn auszuwählen, d.h. will man mit dem Rügeprinzip erreichen,
dass das den Streitgegenstand bildende Rechtsverhältnis von der Rechtsmittelinstanz
nicht in allen Teilelementen auf seine Rechtmässigkeit überprüft wird, so muss das
Rügeprinzip als Einschränkung der Überprüfungskognition auf das gerügte Teilelement
des streitigen Rechtsverhältnisses verstanden werden, wobei sich das Dispositiv des
Rechtsmittelentscheides dann aber doch auf das gesamte streitige Rechtsverhältnis
bezieht (vergleichbar mit einer Beschränkung der Kognition auf Rechtsfragen, die
nichts daran ändert, dass das Urteilsdispositiv de facto immer auch die Bejahung der
Rechtmässigkeit der Sachverhaltsermittlung durch die Vorinstanz enthält). Diese
Wirkung des Rügeprinzips setzt aber eine ausdrückliche gesetzliche Anordnung
voraus. So dürfte auch die höchstrichterliche Rechtsprechung zum neuen Art. 106
BGG (vgl. BGE 133 II 249 ff. Erw. 1.4.1) zu verstehen sein. Im EL-Bereich besteht das
Rechtsverhältnis aus der Gesamtheit der Einnahmen- und Ausgabenpositionen, aus
denen sich die konkrete Anspruchsberechnung zusammensetzt (oder zusammensetzen
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müsste). Da es nach dem oben Ausgeführten kein Rügeprinzip gibt, das es der
anfechtenden Person erlauben würde, den Streitgegenstand des
Rechtsmittelverfahrens auf eine einzige Einnahmen- oder Ausgabenposition - im
vorliegenden Fall auf die Einnahmenposition "hypothetisches Erwerbseinkommen der
Ehefrau" - zu beschränken und die Verfügung/den Einspracheentscheid in Bezug auf
alle anderen Einnahmen- und Ausgabenpositionen in formelle Rechtskraft erwachsen
zu lassen, müssen sämtliche Einnahmen- und Ausgabenpositionen - im vorliegenden
Fall also auch die Einnahmenposition "andere Renten" - Gegenstand der gerichtlichen
Beurteilung gebildet haben. Der Einspracheentscheid vom 14. September 2006 ist
somit in Bezug auf alle Einnahmenpositionen, die in der Anspruchsberechnung
enthalten gewesen sind oder hätten enthalten sein müssen, beurteilt worden. Demnach
ist er weder einer prozessualen Revision noch einer Wiedererwägung zugänglich. Der
vorliegend angefochtene Einspracheentscheid, mit dem die Beschwerdegegnerin den
Einspracheentscheid vom 14. September 2009 hat korrigieren wollen, erweist sich
deshalb als rechtswidrig; er ist aufzuheben.
4.
Entsprechend den vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde gutzuheissen. Der
vollumfänglich obsiegende Beschwerdeführer hat gegenüber der Beschwerdegegnerin
einen Anspruch auf eine volle Parteientschädigung. Die Parteientschädigung bemisst
sich nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses.
Praxisgemäss erweist sich eine Parteientschädigung von Fr. 3000.- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP