Decision ID: e8b99eab-ccf6-5c3f-a60e-044bbbc95513
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a. A._ meldete sich erstmals im Oktober 2007 wegen eines Rückenleidens bei der
IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Gestützt
auf ein rheumatologisches Gutachten (vom 28. August 2008, IV-act. 42), laut dem in
der aktuellen Tätigkeit als Hilfsmetzgerin eine Arbeitsfähigkeit von 30 % und in einer
leidensangepassten Tätigkeit eine solche von 100 % bestand, wies die IV-Stelle das
Rentengesuch mit Verfügung vom 20. November 2008 ab (IV-act. 47).
A.b. Im Januar 2012 meldete sich die Versicherte wegen Schmerzen am ganzen
Körper, Depressionen, Schlaflosigkeit, Unruhe, Angstzuständen und wegen eines
Unfalls erneut zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 53).
A.c. Der Hausarzt der Versicherten, Dr. med. B._, teilte der RAD-Ärztin Dr. med.
C._ am 10./13. Januar 2012 mit (IV-act. 62), dass die Versicherte an einem Status
nach einem Mammakarzinom rechts (ED Juni 2010), an multiplen Lipomen am ganzen
Körper, an einem Status nach einem Abriss des Radius Processus styloideus rechts
am 6. Juni 2011 bei Osteoporose, an einer Frozen Shoulder rechts (entwickelt nach
Handbruch) und an einer depressiven Entwicklung im Rahmen des Mammakarzinoms/
an einer Anpassungsstörung leide. Von onkologischer Seite her könne eine vollständige
Remission bestätigt werden. Am 6. Juni 2011 habe sich die Versicherte beim Hantieren
mit einem Kochtopf einen Handgelenksbruch zugezogen. Der Heilungsverlauf sei
verzögert.
A.d. RAD-Ärztin Dr. med. C._ notierte am 25. Januar 2012, dass zurzeit kein
Eingliederungspotenzial resp. keine Arbeitsfähigkeit gegeben sei (IV-act. 63). Am 27.
Januar 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass aufgrund ihres
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Gesundheitszustandes zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich
seien (IV-act. 66).
A.e. Die Ärzte der Klinik für Hand-, Plastische- und Wiederherstellungschirurgie des
Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) berichteten der IV-Stelle am 19. Juli 2012 (IV-act. 77),
dass die Versicherte an einem CRPS Typ I Unterarm rechts mit/bei einem Ulna-
Impaktionssyndrom Handgelenk rechts und einem Status nach
Ulnaverkürzungsosteotomie rechts am 21. März 2012, an einer Radiocarpal-Arthrose
am Handgelenk rechts und an einer Frozen Shoulder rechts leide. In der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit bestehe seit dem 21. März 2012 eine volle Arbeitsunfähigkeit.
Wegen der Schmerzen, der Schwellung und der Bewegungseinschränkung des rechten
Unterarms und Handgelenks sei bei Rechtsdominanz der Versicherten zum jetzigen
Zeitpunkt auch eine adaptierte Tätigkeit nicht möglich. Es sei ein langwieriger
Krankheitsverlauf zu erwarten.
A.f. Dr. med. D._, Psychiatrie und Psychotherapie, Klinik E._, berichtete der IV-
Stelle am 13. September 2012 (Posteingang; Ausstellungsdatum unbekannt, IV-act.
82), dass die Versicherte seit 2011 an einer Anpassungsstörung mit längerer
depressiver Reaktion (F43.21) leide. Aus psychiatrischer Sicht bestehe seit
Behandlungsbeginn am 14. Dezember 2011 für jegliche Tätigkeit eine
Arbeitsunfähigkeit von 40 %.
A.g. Vom 10. Oktober bis 22. November 2012 befand sich die Versicherte in der
Rehaklinik Bellikon (Austrittsbericht vom 27. November 2012, IV-act. 103-4 ff.). Die
Ärzte hielten in ihrer Beurteilung fest, dass sich eine fortgeschrittene DRUG-Arthrose
rechts sowie ein Neurom des N. radialis superfizialis im Bereich des Handgelenks
rechts entwickelt hätten. Die Schmerzen im rechten Handgelenk persistierten weiterhin.
Zudem bestehe, begleitet von einer Bewegungseinschränkung, eine ausgeprägte
Schwellung sowie Allodynie. Insgesamt könne von einem Mindergebrauch der rechten
oberen Extremität gesprochen werden. Die Budapester Kriterien für ein CRPS seien
aktuell knapp nicht erfüllt. Die Ärzte empfahlen ein operatives Vorgehen. Der ängstlich-
depressiven Reaktion massen sie eine wichtige Rolle für den Schweregrad und die
Aufrechterhaltung der Schmerzen bei. Im Verlauf des Aufenthalts habe eine leichte
Verbesserung der Schmerzproblematik erreicht werden können.
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A.h. Die Ärzte der Klinik für Hand-, Plastische- und Wiederherstellungschirurgie des
KSSG berichteten dem Hausarzt am 14. Dezember 2012 (IV-act. 101), dass durch den
Aufenthalt in der Rehaklinik Bellikon keine Verbesserung der Schmerzen an der rechten
Hand habe erzielt werden können. Die Versicherte sei nach wie vor zu 100 %
arbeitsunfähig.
A.i. Der Hausarzt berichtete der IV-Stelle am 2. April 2013 (IV-act. 103), dass die rechte
Hand immer noch weitgehend gebrauchsunfähig sei. Rein theoretisch wäre eine sehr
leichte Arbeit, bei der die Versicherte die rechte Hand nicht gebrauchen müsse,
denkbar. Aber für eine ungelernte Arbeiterin ohne Deutschkenntnisse mit einer
therapieresistenten Depression gebe es ausserhalb einer geschützten Werkstatt keine
solche Beschäftigung.
A.j. Die Ärzte der Klinik für Hand-, Plastische- und Wiederherstellungschirurgie des
KSSG berichteten der IV-Stelle am 8. Mai 2013 (IV-act. 105), dass am 5. April 2013 eine
Osteosynthesematerialentfernung Ulna rechts und eine Testinfiltration erfolgt seien.
Weitere Testinfiltrationen zur Simulation bzw. Vorbereitung einer
Handgelenksdenervation nach Wilhelm und/oder DRUG-Arthrodese seien geplant. Die
Versicherte könne ihre rechte Hand kaum bzw. nur für Hilfsfunktionen einsetzen.
Jedoch sei ihr eine adaptierte Tätigkeit ganztags mit reduzierter Leistung zumutbar. Dr.
C._ notierte am 22. Mai 2013 (IV-act. 108), dass für adaptierte Tätigkeiten wieder
eine Arbeitsfähigkeit erreicht werden könne. Der Verlauf bleibe jedoch abzuwarten.
A.k. Vom 21. Oktober 2013 bis 29. November 2013 fand eine
Rehabilitationsbehandlung in der Klinik E._ statt (Bericht vom 2. Januar 2013 [richtig
2014, UV-act. 21-11 ff.). Dr. D._ hielt fest, dass die Versicherte an einer
mittelgradigen depressiven Episode mit somatischen Symptomen (F32.11) leide. Der
psychische Zustand habe sich im Verlauf der Rehabilitation zunehmend gebessert. Im
Zeitpunkt des Austritts habe aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit mehr bestanden.
A.l. Med. pract. F._ hielt im Bericht über die ärztliche Abschlussuntersuchung der
Suva St. Gallen vom 15. Januar 2014 fest (UV-act. 24-13 ff.), dass subjektiv eine
schmerzhaft eingeschränkte Beweglichkeit des Handgelenks und ein
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belastungsabhängig progredientes Beschwerdebild mit Schwellneigung bestehe.
Objektiv sei die Beweglichkeit des Handgelenks in allen Ebenen deutlich
eingeschränkt. Aktuell bestünden keine Zeichen eines CRPS. An weitergehenden
Behandlungen/Therapien sei lediglich die von den Handchirurgen vorgeschlagene
Arthrodese zumindest teilweise erfolgversprechend. Die Versicherte lehne einen
operativen Eingriff zurzeit jedoch ab. Leichte bis maximal mittelschwere Tätigkeiten, bei
denen die rechte Hand nur noch als Hilfshand diene, seien ihr zweimal drei Stunden
pro Tag, gegebenenfalls mit einer längeren Pause, zumutbar. Rotationsbewegungen
sowie Schläge und Vibrationen auf die rechte obere Extremität müssten vermieden
werden.
A.m. RAD-Ärztin Dr. C._ führte am 18. Februar 2014 aus (IV-act. 115), dass der
Gesundheitszustand aus versicherungsmedizinischer Sicht stabil sei. In der
angestammten Tätigkeit als Metzgereigehilfin bestehe seit dem 29. Juli 2010 eine
bleibende Arbeitsunfähigkeit. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten
stellte die RAD-Ärztin auf die Beurteilung der Suva-Ärztin med. pract. F._ ab.
A.n. Mit Vorbescheid vom 6. März 2014 (IV-act. 119) stellte die IV-Stelle der
Versicherten bei einem IV-Grad von 26 % die Abweisung des Rentengesuchs in
Aussicht. Zur Begründung hielt sie fest, dass der Versicherten eine adaptierte Tätigkeit
während zweimal drei Stunden mit gegebenenfalls längeren Pausen zumutbar sei.
Dagegen liess die Versicherte am 24. April 2014 durch ihren Rechtsvertreter einwenden
(IV-act. 123-1 f.), dass die psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit nicht berücksichtigt
worden sei. Dr. D._ hatte dem Rechtsvertreter am 22. April 2014 angegeben (IV-
act. 123-3), dass die depressive Symptomatik seit Dezember 2011 einen fluktuierenden
Verlauf mit kürzeren, wochenlangen Remissionsphasen und einer vorwiegend
depressiven Symptomatik im mittelgradigen Ausmass genommen habe. Vom 14.
Dezember 2011 bis Ende 2013 habe eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit von 40 %
bestanden. Seit Januar 2014 habe sich der psychische Zustand erheblich
verschlechtert, sodass gegenwärtig von einer mittelschweren bis schweren
depressiven Episode mit somatischen Symptomen ausgegangen werden könne,
welche die Arbeitsfähigkeit der Versicherten zu 100 % einschränke.
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A.o. Im Verlaufsbericht vom 4. September 2014 gab Dr. D._ an, dass die Versicherte
weiterhin für jegliche Tätigkeiten voll arbeitsunfähig sei (IV-act. 125). Bei einem guten
Verlauf könne in zwei bis drei Wochen eine Arbeitsfähigkeit von 50 % erreicht werden.
Am 10. Oktober 2014 erklärte Dr. D._, dass der Gesundheitszustand stationär sei (IV-
act. 126). Er schätzte die Arbeitsfähigkeit neu auf vier Stunden pro Tag (ohne
Leistungsverminderung). RAD-Ärztin Dr. C._ notierte (nach Rücksprache mit der
RAD-Psychiaterin Dr. G._) am 25. November 2014 (IV-act. 127), dass die Angaben
von Dr. D._ inkonsistent und widersprüchlich seien: Trotz der exakt gleichen
Befundbeschreibung in den Verlaufsberichten habe er unterschiedliche
Arbeitsfähigkeitsschätzungen abgegeben. Ausserdem sei die Befundbeschreibung
unvollständig und reiche nicht aus, um eine mittelgradige depressive Störung gemäss
ICD-10 zu diagnostizieren. Der Gesundheitszustand der Versicherten habe sich seit
dem Rehabilitationsaufenthalt in der Klinik E._ vom Oktober/November 2013 nicht
relevant verändert.
A.p. Am 27. November 2014 informierte die IV-Stelle den Rechtsvertreter der
Versicherten darüber, dass sie am bisherigen Entscheid festhalte (IV-act. 128).
Dagegen wendete der Rechtsvertreter am 11. Dezember 2014 ein (IV-act. 129), dass
die Versicherte weiterhin zu 100 % arbeitsunfähig sei. Am 2. April 2015 reichte der
Rechtsvertreter zwei neu medizinische Berichte ein (IV-act. 136). Die Klinik für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates des KSSG hatte
am 26. Januar 2015 über eine Indikation zur arthroskopischen Teilmeniskektomie
wegen eines positiven Meniskuszeichens für die mediale Seite berichtet (IV-act. 137).
Die Klinik für Psychosomatik des KSSG hatte am 4. Februar 2015 berichtet (IV-act.
138), dass die Versicherte an einer somatoformen Schmerzstörung mit psychischen
und somatischen Anteilen (F45.41) und an einer mittelschweren bis schweren
depressiven Störung (F33.2) leide. Im Bericht vom 28. April 2015 hatte dieselbe Klinik
festgehalten (IV-act. 143), dass aufgrund der depressiven Symptomatik und der
Konzentrationsprobleme eine deutlich verminderte bis ganz aufgehobene
Leistungsfähigkeit bestehe. Sie empfahl eine stationäre psychiatrische Behandlung
einschliesslich einer Temesta-Entwöhnung.
A.q. Die Klinik für Neurologie des KSSG berichtete dem Hausarzt am 3. Juni 2015 (IV-
act. 152), dass sich bei der mit Ausnahme der schmerzbedingten Veränderungen
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unauffälligen neurologischen Untersuchung bei zusätzlich einer unauffälligen zerebralen
Bildgebung mittels MRI keine Hinweise für eine intrakranielle organische Pathologie
ergeben hätten und somit keine sekundäre Kopfschmerzursache vorliege. Es handle
sich am ehesten um chronische Kopfschmerzen im Rahmen des chronifizierten
generalisierten Schmerzsyndroms. Differentialdiagnostisch müsse an einen Analgetika-
induzierten Kopfschmerz gedacht werden. Einen am 23. November 2015 begonnenen
Aufenthalt in der psychiatrischen Tagesklinik H._ brach die Versicherte am
18. Dezember 2015 ab, weil sie das Angebot als nicht nützlich empfand
(Austrittsbericht vom 18. Dezember 2015, IV-act. 165-2 ff.).
A.r. RAD-Arzt Dr. med. I._ schlug am 23. März 2016 die Durchführung eines
polydisziplinären Gutachtens mit den Fachdisziplinen Allgemeine Innere Medizin,
Neurologie, Orthopädie und Psychiatrie vor (IV-act. 169).
A.s. Dr. med. J._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete dem
Hausarzt am 23. Mai 2016 (IV-act. 177-89) über die ersten sieben
Behandlungssitzungen. Als Diagnosen nannte sie eine mittelschwere bis schwere
depressive Störung mit wahnhaften Symptomen, Verfolgungs- und Schuldwahn
zeitweise (F33.3), eine gemischte Angststörung (F41.3) und eine Temesta-Abhängigkeit
seit 2012 (F13.2). Aufgrund der Komplexität des Krankheitsbildes seien die
Optimierung der Medikation und eine mitarbeitfokussierte Psychotherapie nur begrenzt
möglich.
A.t. Im Juni und Juli 2016 wurde die Versicherte durch die Medas Neurologie
Toggenburg AG allgemein-internistisch, orthopädisch und psychiatrisch abgeklärt
(Gutachten vom 22. August 2016, IV-act. 177). Die angekündigte Untersuchung in der
Disziplin Neurologie fand − ohne Angabe von Gründen − nicht statt. Die Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit lauteten:
Chronisches Panvertebralsyndrom seit 2008–
Mammakarzinom Erstbehandlung 2010, seither ohne Rezidiv–
Osteopenie im Rahmen der anhaltenden adjuvanten Behandlung des
Mammakarzinoms
–
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Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gaben die Gutachter unter
anderem eine Dysthymie (F34.1), andere gemischte Angststörungen (F41.3) und eine
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41) an
(vollständige Liste: Siehe IV-act. 177-79). Der allgemein-internistische Gutachter hielt
fest, dass der Versicherten infolge der Situation nach der Behandlung des
Mammakarzinoms, welche auch zu einer Osteopenie geführt habe, die bisherige
Tätigkeit in der Fleischverarbeitung wie auch andere mittelschwere und schwere
Tätigkeiten nicht mehr vollumfänglich zumutbar seien. In einer angepassten Tätigkeit
bestehe aus allgemein-internistischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
Der orthopädische Gutachter Dr. med. K._ erklärte, dass wegen des
lumbovertebralen Schmerzsyndroms und des Zervikalsyndroms seit 2008 eine
verminderte Belastbarkeit für das Tragen und Heben bestehe. Aktuell habe die
Versicherte glaubhaft Schmerzen in der HWS, der BWS und der LWS angegeben. In
der Untersuchung habe sich gegenüber einer alters- und geschlechtsentsprechenden
Vergleichsperson eine leichte bis mässiggradige Gebrauchsminderung der rechten
Hand und des rechten Armes gezeigt. Aus rein orthopädischer Sicht bestehe in der
angestammten Tätigkeit als Hilfsmetzgerin seit dem 15. Januar 2014 eine
Arbeitsfähigkeit von 30 % und in einer leidensangepassten Tätigkeit eine volle
Arbeitsfähigkeit. Zumutbar seien leichte manuelle Tätigkeiten, wobei die rechte Hand
nicht speziell belastet werden dürfe (negatives Fähigkeitsprofil: Siehe S. 38 f. des
Gutachtens; positives Fähigkeitsprofil: Siehe S. 40 f. des Gutachtens). Vom 6. Juni
2011 bis 14. Januar 2014 habe aus rein orthopädischer Sicht für jegliche Tätigkeiten
eine volle Arbeitsunfähigkeit bestanden (Hand). Die von der Suva-Ärztin attestierte
zeitliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit könne aus
orthopädischer Sicht nicht nachvollzogen werden. Der Suva-Einschätzung fehle eine
Feststellung zu den Pausen und der tatsächlichen Handbelastung, wenn die rechte
Hand nur als Hilfshand eingesetzt werde. Der psychiatrische Gutachter Prof. Dr. L._
notierte, dass bei der Versicherten zum einen "Krebsängste" nach der Diagnose eines
Mammakarzinoms ab Mitte 2010 im Sinne einer gemischten Angststörung bestünden.
Ausgangspunkt dieser Störung könne eine ängstlich-depressive Anpassungsstörung
gewesen sein. Zwischenzeitlich könne eine Abhängigkeit von Benzodiazepinen
vorgelegen haben. Insgesamt spreche der psychopathologische Befund für eine
distale Handgelenksarthrosen rechts (Unfall vom 6. Juni 2011).–
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Dysthymie, die nie schwer genug gewesen sei, um die für die Versicherte wesentlichen
Aktivitäten zu unterbinden. Die Therapieadhärenz sowohl in der Psychotherapie als
auch hinsichtlich der Medikamenteneinnahme sei nicht ausreichend. Es bestehe ein
verfestigtes Krankheitsverständnis, das per se nicht von Krankheitswert sei. Dieses
Krankheitsverständnis umfasse auch passive Versorgungswünsche. Das Erleben sei
auf den Schmerz und dessen Vermeidung eingeengt. Aus psychiatrischer Sicht
ergäben sich keine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit. Befundlich lägen keine
Fakten vor, die die von Dr. D._ ab dem 14. November 2012 attestierte
Arbeitsunfähigkeit von 40 % begründen könnten. Auch sei die psychiatrische Therapie
nicht dicht genug gewesen, um eine derart schwere Störung annehmen zu können.
Ebenso könnten die Diagnose einer ab Januar 2014 bestehenden mittelgradigen bis
schweren depressiven Episode und die Aussage, dass sich die Arbeitsunfähigkeit von
100 % bei einem guten Verlauf innert zwei bis drei Wochen auf 50 % verbessern
könne, nicht nachvollzogen werden. Der angegebene Schweregrad der Depression
entspreche nicht der aktuell gezeigten Vitalität und Modulationsfähigkeit der
Versicherten. Ausserdem liessen die Aussagen von Dr. D._, wonach berufliche
Massnahmen angezeigt seien und die Versicherte keine Hilfe bei den Alltagsaktivitäten
brauche, erhebliche Zweifel an dem von Dr. D._ angegebenen Schweregrad der
depressiven Störung aufkommen. In polydisziplinärer Hinsicht hielten die Gutachter
fest, dass die Versicherte vom 6. Juni 2011 bis 14. Januar 2014 für jegliche Tätigkeit
voll arbeitsunfähig gewesen sei. Seit dem 15. Januar 2014 bestehe für die
angestammte Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 30 % und für adaptierte Tätigkeiten
eine Arbeitsfähigkeit von 100 %. RAD-Arzt Dr. I._ notierte am 10. Oktober 2016
sinngemäss, dass für die Rentenprüfung auf das Gutachten abgestellt werden könne
(IV-act. 178). Zur fehlenden neurologischen Untersuchung äusserte er sich nicht.
A.u. Mit einem zweiten Vorbescheid vom 22. November 2016 (IV-act. 182) kündigte die
IV-Stelle der Versicherten an, dass ab dem 1. Juli 2012 (sechs Monate nach der
Anmeldung) bis 30. April 2014 (befristet) ein Anspruch auf eine ganze Rente bestehe.
Für die Zeit vom 7. Juni 2011 bis 13. Januar 2014 erachtete die IV-Stelle die
Versicherte als für sämtliche Tätigkeiten vollständig arbeitsunfähig. Der IV-Grad betrug
für diese Zeitperiode somit 100 %. Für die Zeit ab dem 14. Januar 2014 ging die IV-
Stelle wieder von einer vollen Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten aus. Bei einem
Valideneinkommen von Fr. 54'644.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 48'414.--
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betrug der IV-Grad ab diesem Zeitpunkt 11 %. Für die Ermittlung des
Valideneinkommens verwies die IV-Stelle im Berechnungsblatt "Einkommensvergleich"
auf die Suva-Verfügung vom 4. Februar 2014 (IV-act. 180). Die Suva hatte das
Valideneinkommen anhand der Durchschnittslöhne der Branche Detailhandel in der
Grossregion Ostschweiz im Jahr 2010 ermittelt (LSE 2010, Tabelle A1) und der
Nominallohnentwicklung bis 2014 angepasst (UV-act. 26). Die IV-Stelle errechnete das
Invalideneinkommen anhand des durchschnittlichen Einkommens einer Hilfsarbeiterin
im Jahr 2014 (Fr. 53'793.--; LSE 2014, Schweiz, privater Sektor, Niv. 1). Aufgrund der
qualitativen und quantitativen "Handeinschränkungen" berücksichtigte sie einen
"Leidensabzug" von 10 %. Dagegen liess die Versicherte einwenden (IV-act. 188, 192,
194), dass sie rückwirkend ab dem 1. Juli 2012 Anspruch auf eine (unbefristete) ganze
IV-Rente habe. Die Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit seien insbesondere
psychisch bedingt. Am 21. März 2017 (IV-act. 198) reichte die Rechtsvertreterin der
Versicherten eine von Dr. J._ abgegebene "Gegendarstellung" zum psychiatrischen
Teilgutachten der Medas vom 15. März 2017 ein (act. G 1.1.4). Dr. J._ hatte kritisiert,
dass die aktuelle psychiatrische Behandlung im psychiatrischen Teilgutachten nicht
erwähnt werde. Sie gehe davon aus, dass der Gutachter keine Kenntnis ihres Berichts
vom 23. Mai 2016 gehabt habe. Zwar könne sie die vom Gutachter gestellten
Diagnosen bestätigen. Es sei jedoch nicht vorstellbar, dass keine der gestellten
psychiatrischen Diagnosen einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe. Die
Einschätzung der Gutachter, wonach die Versicherte in einer angepassten Tätigkeit zu
100 % arbeitsfähig sei, könne sie nicht teilen, da die Versicherte aufgrund ihres Alters
und der gesamten Berufs- und Lebenssituation nicht vermittelbar sei; eine derartige
Tätigkeit sei nur rein "versicherungsmedizinisch-theoretisch" möglich.
A.v. RAD-Arzt Dr. med. I._ notierte am 6. April 2017 (IV-act. 199), dass der Bericht
von Dr. J._ kleine "Unschärfen" enthalte: Entgegen ihrer Behauptung sei ihr Bericht
vom 23. Mai 2016 im Gutachten erwähnt worden. Der Gutachter habe die Versicherte
auch zu den ambulanten Kontakten bei Dr. J._ befragt. Dr. J._ sei in ihrer
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zu einem anderen Ergebnis als der Gutachter
gekommen, ohne auf differente Befunde oder konkrete funktionelle Einschränkungen
zu verweisen. Auch habe sie die Diskrepanz zwischen der im Gutachten von der
Versicherten angegebenen Medikation und dem für alle Substanzen "negativen"
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Medikamentenspiegel nicht kommentiert. Der RAD-Arzt kam zum Schluss, dass sich
die medizinische Sachlage nicht geändert habe.
A.w. Mit Verfügung vom 25. April 2017 (IV-act. 195, 201) sprach die IV-Stelle der
Versicherten wie angekündigt vom 1. Juli 2012 bis 30. April 2014 eine (befristete) ganze
Rente zu. Zum Einwand hielt sie fest, dass gemäss den Medas-Gutachtern ab Januar
2014 von einer rentenausschliessenden Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit
ausgegangen werden könne.
B.
B.a. Gegen diese Verfügung liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
am 31. Mai 2017 Beschwerde erheben (act. G 1). Ihre Rechtsvertreterin beantragte die
Aufhebung der Verfügung, soweit ein Rentenanspruch ab dem 1. März 2014 verneint
werde; der Beschwerdeführerin sei auch ab dem 1. März 2014 eine Rente basierend
auf einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % auszurichten. Eventualiter sei ein
neues psychiatrisches Gutachten in Auftrag zu geben. Die Rechtsvertreterin stellte
ausserdem ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung. Zur
Begründung der Beschwerde machte sie geltend, die Medas-Gutachter seien
fälschlicherweise davon ausgegangen, dass keine psychiatrische Behandlung
stattfinde. Die aktuelle psychiatrische Behandlung zeige, dass es sich bei den
Ausführungen der Gutachter, die Beschwerdeführerin sei nicht bereit, ihre Ressourcen
zu mobilisieren, um eine wahrheitswidrige Unterstellung handle. Dr. J._ habe
aufgezeigt, dass die psychischen Einschränkungen so stark seien, dass ein Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit vorliege. Des Weiteren sei angesichts des Alters der
Beschwerdeführerin, der schlechten Deutschkenntnisse, der fehlenden Ausbildung und
der langen Abwesenheit vom Arbeitsmarkt ein Maximalabzug von 25 % gerechtfertigt.
Das Schmerzzentrum des KSSG hatte in einem Bericht vom 22. Februar 2017
angegeben (act. G 1.1.3), dass die Schmerzkontrolle nicht zufriedenstellend sei.
Darüber hinaus zeige die Beschwerdeführerin weiterhin eine deutliche psychische
Belastung bei einer bekannten Depression. Am 18. Mai 2017 hatten die Ärzte derselben
Klinik festgehalten (act. G 4), dass sich die Beschwerdeführerin weiterhin deutlich
depressiv und schwer zugänglich präsentiert habe. Unter diesen Umständen sei keine
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adäquate multimodale, schmerztherapeutische Behandlung möglich. Es bestehe eine
Indikation für eine stationäre Behandlung.
B.b. Die IV-Stelle beantragte am 8. September 2017 die Abweisung der Beschwerde
(act. G 10). Zur Begründung führte sie an, dass nicht jedem diagnostizierten Leiden
Krankheitswert zukomme. Die Beschwerdeführerin habe keine Gründe vorgebracht, die
ernsthafte Zweifel am Beweiswert des Gutachtens erwecken könnten. Weder der
Umstand, dass die Beschwerdeführerin seit Juni 2010 nicht mehr erwerbstätig
gewesen sei, noch die mangelhaften Sprachkenntnisse rechtfertigten einen Abzug vom
Tabellenlohn.
B.c. Das Gericht bewilligte am 12. September 2017 das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) für das Verfahren vor dem Versicherungsgericht (act. G 11).
B.d. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin machte in ihrer Replik vom 11.
Oktober 2017 ergänzend geltend (act. G 13), dass dem "Gutachten" von Dr. J._
zumindest der gleich hohe Stellenwert zukommen müsse wie dem Medas-Gutachten,
da es sich bei Dr. J._ um eine zertifizierte Gutachterin SIM handle. Die Gutachter
hätten sich nicht mit den Befunden von Dr. J._ auseinandergesetzt. Gemäss ICD-10
habe die Diagnose einer "anderen gemischten Angststörung" Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit, wenn die Diagnosekriterien mehrerer Angststörungen erfüllt seien. Des
Weiteren könne eine Dysthymie durchaus einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben,
zumal auch noch andere psychiatrische Diagnosen gestellt worden seien. Aus den
Berichten des Schmerzzentrums des KSSG und von Dr. J._ gehe hervor, dass die
psychischen Einschränkungen trotz regelmässiger Therapie so stark seien, dass sie
sich auf den Alltag der Beschwerdeführerin auswirkten und somit einen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit hätten. Schliesslich habe die Beschwerdeführerin entgegen der
Angabe der Gutachter die Psychotherapien nicht wegen fehlender Motivation, sondern
wegen fehlender Vertrauensverhältnisse zu den behandelnden Therapeuten
abgebrochen.
B.e. Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 15).
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B.f. Am 16. Januar 2020 bat das Gericht die Beschwerdegegnerin darum, Stellung
dazu zu nehmen, weshalb sie das Weglassen der in Auftrag gegebenen neurologischen
Begutachtung akzeptiert habe (act. G 17). Die Beschwerdegegnerin verwies in ihrer
Eingabe vom 9. März 2020 (act. G 22) auf eine beiliegende Stellungnahme des RAD-
Arztes Dr. I._ vom 18. März 2020 (act. G 22.1). Dieser hatte festgehalten, dass die
Auswahl der Gutachtensdisziplinen der durchführenden Gutachterstelle obliege. Der
Vorschlag des RAD, die Disziplin Neurologie in die Begutachtung miteinzubeziehen,
habe mehr formale als inhaltliche Gründe gehabt, da hinsichtlich der letztlich
unspezifischen Kopfschmerzproblematik bereits einmal ein Neurologe involviert
gewesen sei. Bei den Kopfschmerzen handle es sich um einen funktionell nicht
relevanten Nebenaspekt, der in der Beschwerdeschilderung und in den Befunden, aber
auch im Dossier keinen prominenten somatischen Stellenwert gehabt habe. Ausserdem
sei die Schmerzproblematik im psychiatrischen Teilgutachten thematisiert worden.
Schliesslich falle die Beurteilung eines als leichtgradig beschriebenen CRPS durchaus
gleichrangig in die Expertise eines Orthopäden. Zusammengefasst sei der Verzicht auf
eine neurologische Begutachtung weder formal noch inhaltlich zu beanstanden. Die
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Stellungnahme hierzu
(act. G 24).

Erwägungen
1.
Vorab ist zu prüfen, ob die Beschwerde rechtzeitig erhoben worden ist. Gemäss Art. 60
Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG, SR 830.1) ist die Beschwerde innerhalb von 30 Tagen nach der Eröffnung der
Verfügung einzureichen. Die angefochtene Verfügung datiert vom 25. April 2017, die
Beschwerde ist am 31. Mai 2017 erhoben worden. Die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin hat angegeben, dass ihr die Verfügung am 1. Mai 2017 zugestellt
worden sei. Die Frist hat also am 2. Mai 2017 zu laufen begonnen. Der 30. Tag der Frist
ist folglich auf den Mittwoch, 31. Mai 2017 gefallen. Die Rechtsvertreterin hat an
diesem letzten Tag der Frist Beschwerde erhoben. Die Beschwerde ist demnach
rechtzeitig erfolgt, weshalb auf sie einzutreten ist.
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2.
3.
Die Beschwerdeführerin hatte sich erstmals im Oktober 2007 zum Bezug von IV-
Leistungen angemeldet. Ein Rentenanspruch war damals verneint worden. Bei der
Anmeldung vom Januar 2012 hat es sich somit um eine Neu- bzw. Wiederanmeldung
gehandelt.
2.1.
Gemäss Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV,
SR 831.201) wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn darin glaubhaft gemacht
wird, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise
geändert hat. Die erste Anmeldung war wegen eines Rückenleidens erfolgt. Bei der
zweiten Anmeldung haben ein Ganzkörperschmerzsyndrom, Depressionen, Ängste
(infolge einer Brustkrebsdiagnose im Juni 2010) und die Folgen eines Handbruchs
rechts im Juni 2011 im Vordergrund gestanden. Da es sich im Vergleich zur ersten
Anmeldung um andere/neue gesundheitliche Beeinträchtigungen gehandelt hat, ist die
Beschwerdegegnerin zu Recht (voraussetzungslos) auf die Neuanmeldung eingetreten.
2.2.
Mit der angefochtenen Verfügung vom 25. April 2017 hat die Beschwerdegegnerin
der Beschwerdeführerin lediglich eine befristete (ganze) Rente für den Zeitraum 1. Juli
2012 bis 30. April 2014 zugesprochen. Nach der Auffassung des Bundesgerichts muss
bei einer erneuten Anmeldung nach einer vorausgegangenen rechtskräftigen
Abweisung eines Rentenbegehrens geprüft werden, ob ein Revisionsgrund im Sinne
von Art. 17 ATSG vorliegt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4. März 2015,
9C_9/2015). Diese Praxis ist jedoch gesetzwidrig, da mit Art. 29 Abs. 1 ATSG eine
abschliessende gesetzliche Regelung der Wirkung von Neuanmeldungen besteht,
sodass keine ausfüllungsbedürftige Gesetzeslücke vorliegt, die durch eine analoge
Anwendung des Art. 17 ATSG auf die Neuanmeldung auszufüllen wäre (vgl. Entscheid
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 6. Dezember 2016, IV 2014/188
E. 1.3 ff.). Die Neuanmeldung unterscheidet sich also nicht von einer erstmaligen
Anmeldung. Demnach ist im vorliegenden Fall gemäss der ständigen Praxis der
Abteilung II des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen nur zu prüfen, ob die
Beschwerdeführerin bleibend oder während einer längeren Zeit in einem
rentenbegründenden Ausmass invalid (gewesen) ist.
2.3.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
3.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/27
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4.
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Bei nicht erwerbstätigen
Versicherten erfolgt die Bemessung der Invalidität nach Art. 28a Abs. 2 IVG, bei zum
Teil erwerbstätigen Versicherten nach Art. 28a Abs. 3 IVG.
3.2.
Die Beschwerdeführerin hat ab dem 1. Januar 2000 zu 100 % als Hilfsarbeiterin in
einer Metzgerei gearbeitet (IV-act. 21-7 ff.). Per 14. Februar 2008 hat sie das
Arbeitspensum auf 50 % reduziert (IV-act. 21-6). Die Reduktion des Arbeitspensums ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nur aus gesundheitlichen Gründen erfolgt (vgl.
IV-act. 23). Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin daher zu Recht als
Vollerwerbstätige qualifiziert und den Invaliditätsgrad anhand eines reinen
Einkommensvergleichs ermittelt.
3.3.
Um den IV-Grad ermitteln zu können, muss die Arbeitsfähigkeit bzw. die
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststehen.
4.1.
In medizinischer Hinsicht liegen insbesondere die Berichte der Klinik für Hand-,
Plastische- und Wiederherstellungschirurgie des KSSG vom 19. Juli 2012, 14.
Dezember 2012 und 8. Mai 2013, der Austrittsbericht der Rehaklinik Bellikon vom 27.
November 2012, der Bericht der Klinik für Neurologie des KSSG vom 3. Juni 2015, der
kreisärztliche Abschlussbericht vom 15. Januar 2014, die Berichte von Dr. D._ vom
13. September 2012, 2. Januar 2014, 22. April 2014 und 4. September 2014, die
4.2.
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Berichte von Dr. J._ vom 23. Mai 2016 und 15. März 2017 und das Medas-Gutachten
vom 22. August 2016 im Recht.
Zunächst ist die Frage zu klären, ob das Fehlen einer neurologischen
Begutachtung ein Mangel ist, der den Beweiswert des polydisziplinären Medas-
Gutachtens unter das notwendige Mass (überwiegende Wahrscheinlichkeit) reduziert.
RAD-Arzt Dr. I._ hat hierzu festgehalten, dass die Auswahl der Gutachtensdisziplinen
der durchführenden Gutachterstelle obliege und dass der Wunsch der IV-Stelle (bzw.
des RAD) nach bestimmten Disziplinen formal gesehen lediglich einen Vorschlag
darstelle. Gemäss der Auffassung des Bundesgerichts sind die beauftragten
medizinischen Sachverständigen letztverantwortlich für die Qualität ("fachliche Güte")
und die Vollständigkeit der interdisziplinär erstellten Entscheidungsgrundlage, aber
auch für eine wirtschaftliche Abklärung. Mit dieser Gutachterpflicht nicht vereinbar
wäre es, wenn den Sachverständigen eine Disziplinenwahl aufgezwungen würde, die
sie − auch nach pflichtgemässer Würdigung der für den Auftrag ausschlaggebenden
Überlegungen − für (versicherungs-) medizinisch nicht vertretbar hielten (vgl. BGE 139
V 349 E. 3.3; vgl. auch Rz. 2077.7 des Kreisschreibens über das Verfahren in der
Invalidenversicherung, KSVI, welche aber erst per 1. Januar 2018 und damit erst nach
Beendigung des dem Beschwerdeverfahren zugrunde liegenden
Verwaltungsverfahrens Eingang ins Kreisschreiben gefunden hat). Hieraus lässt sich
schliessen, dass es sich bei den von der Beschwerdegegnerin bzw. dem RAD
angegebenen Gutachtensdisziplinen tatsächlich lediglich um Vorschläge bzw.
Empfehlungen zuhanden der Gutachterstelle gehandelt hat. Die Neurologie
Toggenburg AG ist also nicht verpflichtet gewesen, eine neurologische Begutachtung
durchzuführen. Der Umstand, dass die Gutachterstelle auf eine neurologische
Begutachtung verzichtet hat, bedeutet somit nicht, dass dem Medas-Gutachten vom
22. August 2016 die Beweiskraft per se abgesprochen werden müsste. Nach der
Ansicht von RAD-Arzt Dr. I._ ist eine neurologische Begutachtung nicht notwendig
gewesen. Er hat erklärt, dass sein Vorschlag, die Disziplin Neurologie in die
Begutachtung miteinzubeziehen, mehr formale als inhaltliche Gründe gehabt habe, da
nach der Aktenlage hinsichtlich der letztlich unspezifischen Kopfschmerzproblematik
bereits einmal ein Neurologe involviert gewesen sei. Des Weiteren falle die Beurteilung
eines als leichtgradig beschriebenen CRPS durchaus gleichrangig in die Expertise des
Orthopäden. Der entsprechende klinische Untersuchungsbefund im orthopädischen
Teilgutachten der Neurologie Toggenburg AG gehe über den bei einer allgemeinen
neurologischen Untersuchung zu erwartenden Detaillierungsgrad hinaus, weshalb kein
Mangel in der faktischen Befundung innerhalb des Gutachtens zu erkennen sei. Die
Ausführungen von Dr. I._ überzeugen. Insbesondere ist in antizipierender
4.3.
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Beweiswürdigung davon auszugehen, dass eine neurologische Begutachtung keine
weiteren Erkenntnisse bezüglich der Kopfschmerzproblematik gebracht hätte, da diese
bereits im Juni 2015 umfassend durch die Klinik für Neurologie des KSSG abgeklärt
worden war. Schliesslich bleibt noch darauf hinzuweisen, dass die Medas-Gutachter
die Beschwerdegegnerin darüber informiert respektive im Gutachten darauf
hingewiesen hätten, wenn sie eine neurologische Begutachtung für die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit als notwendig erachtet hätten. Dies haben sie jedoch nicht getan.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Fehlen einer neurologischen
Begutachtung im vorliegenden Fall keinen Mangel darstellt. Es ist keine neurologische
Begutachtung notwendig gewesen, um den medizinischen Sachverhalt
rechtsgenüglich zu ermitteln.
Somit bleibt zu prüfen, ob das Medas-Gutachten inhaltlich überzeugt. In
somatischer Hinsicht sind die Gutachter zum Schluss gekommen, dass die
Beschwerdeführerin infolge des Handgelenkbruchs rechts vom 6. Juni 2011 bis 14.
Januar 2014 für jegliche Tätigkeiten vollständig arbeitsunfähig gewesen sei. Nach der
konservativen Behandlung des am 6. Juni 2011 erlittenen Handgelenksbruchs hatten
sich ein Ulnaimpaktionssyndrom und eine Radiocarpalarthrose an der rechten Hand
entwickelt (Bericht des KSSG vom 19. März 2012, IV-act. 96-17 f.). Am 21. März 2012
war eine Ulnaverkürzungsosteotomie rechts erfolgt (Bericht des KSSG vom 26. März
2012, IV-act. 96-13 f.). Wegen weiterhin bestehender starker Schmerzen hatten die
Ärzte der Klinik für Hand-, Plastische- und Wiederherstellungschirurgie des KSSG im
Mai/Juni 2012 die Diagnose eines komplexen regionalen Schmerzsyndroms (CRPS Typ
I) gestellt (IV-act. 96-7 ff.). Während des Aufenthalts in der Rehaklinik Bellikon vom 10.
Oktober bis 22. November 2012 hatten die dortigen Ärzte die Kriterien für die Diagnose
eines CRPS als aktuell knapp nicht erfüllt angesehen. Da sich zwischenzeitlich aber
eine fortgeschrittene DRUG-Arthrose rechts sowie ein Neurom des N. radialis
superfizialis im Bereich des Handgelenks rechts entwickelt hatten, hatten die Ärzte ein
operatives Vorgehen empfohlen. Am 5. April 2013 waren eine
Osteosynthesematerialentfernung Ulna rechts und eine Testinfiltration erfolgt. Am
14. Juni 2013 hatte dann die Handgelenksdenervation stattgefunden (siehe z.B. Bericht
vom 26. Januar 2015, IV-act. 142-15 f.). Am 20. August 2013 (UV-act. 19-25 f.) hatten
die Chirurgen über eine Schmerzreduktion berichtet und die weitere Steigerung des
Handeinsatzes, die Reduktion des NSAR-Konsums und die Weiterführung der
Ergotherapie empfohlen. Die Chirurgen hatten die Beschwerdeführerin anlässlich einer
Nachkontrolle vom 13. November 2013 wegen des weiterhin sehr ausgeprägten
Schmerzempfindens nochmals über die operativen Möglichkeiten (RSL-Fusion und
DRUG-Arthrodese) aufgeklärt (Bericht vom 14. November 2013, UV-act. 21-21 f.). Die
4.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/27
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Beschwerdeführerin hatte im damaligen Zeitpunkt keine weiteren Behandlungen
gewünscht. Am 15. Januar 2014 hatte die kreisärztliche Abschlussuntersuchung der
Suva stattgefunden. Im entsprechenden Bericht vom 16. Januar 2014 hatte die
Kreisärztin festgehalten, dass weitergehende Behandlungen/Therapien nicht
überwiegend wahrscheinlich zu einer namhaften Verbesserung des unfallbedingten
Gesundheitszustandes führen würden. Lediglich die von den Handchirurgen
vorgeschlagene Arthrodese sei zumindest teilweise erfolgversprechend. Die
Beschwerdeführerin lehne einen (weiteren) operativen Eingriff zurzeit jedoch ab. Am 18.
Februar 2014 hatte RAD-Ärztin Dr. C._ den Gesundheitszustand aus
versicherungsmedizinischer Sicht erstmals als stabil bezeichnet. Zwar hat der Hausarzt
im Bericht vom 2. April 2013 eine sehr leichte Arbeit, bei der die Beschwerdeführerin
die rechte Hand nicht gebrauchen müsse, (zumindest aus somatischer Sicht) als
denkbar erachtet. Und auch die Chirurgen haben der Beschwerdeführerin im Bericht
vom 8. Mai 2013 für adaptierte Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit (mit reduzierter
Leistung) bescheinigt. Diese Beurteilungen überzeugen jedoch nicht, denn zum
Zeitpunkt der Berichterstattung war die am 14. Juni 2013 stattfindende
Handgelenksdenervation schon geplant gewesen; bereits am 5. April 2013 war nämlich
eine Testinfiltration erfolgt. RAD-Ärztin Dr. C._ hatte daher am 22. Mai 2013 zu Recht
notiert, dass aufgrund der geplanten medizinischen Massnahmen weiterhin keine
Arbeitsfähigkeit bestehe und der Verlauf abzuwarten sei. Zusammenfassend ist
festzuhalten, dass bezüglich der Handgelenksproblematik erst im Januar 2014 ein
stabiler Gesundheitszustand erreicht worden ist. Die Medas-Gutachter sind daher zu
Recht für die Zeit ab dem Unfallereignis (6. Juni 2011) bis Mitte Januar 2014 von einer
vollen Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten ausgegangen.
Demnach bleibt zu prüfen, ob aus somatischer Sicht ab dem 14./15. Januar 2014
weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit bestanden hat. Die Medas-Gutachter haben der
Beschwerdeführerin wegen eines chronischen Panvertebralsyndroms, einer
Osteopenie und einer distalen Handgelenksarthrose rechts für die angestammte
Tätigkeit als Hilfsarbeiterin in einer Metzgerei ab dem 14. Januar 2014 eine
Arbeitsfähigkeit von 30 % attestiert. Die Beschwerdeführerin hat in der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit als Hilfsarbeiterin in der Metzgerei offenbar bei (praktisch) allen
Arbeitsschritten mitgeholfen, so beispielsweise beim Verkauf der Fleischwaren, aber
auch bei der Fleischverarbeitung (vgl. IV-act. 177-65). Die Tätigkeit hat deshalb auch
das Heben oder Tragen von Lasten von 10-25 kg umfasst, d.h. es hat sich teilweise um
eine mittelschwere Tätigkeit gehandelt (siehe Arbeitgeberbericht vom 7. Juli 2008, IV-
act. 39). Angesichts des Arbeitsprofils überzeugt die Einschätzung der Gutachter, dass
der Beschwerdeführerin die meisten Arbeiten bzw. Arbeitsschritte als Hilfsarbeiterin in
4.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/27
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einer Metzgerei aufgrund ihrer körperlichen Beeinträchtigungen (Rücken, Hand rechts,
Osteopenie) nicht mehr zumutbar sind. Zwar hat RAD-Arzt Dr. I._ bezweifelt, dass
mit Blick auf das von den Gutachtern beschriebene negative Leistungsprofil überhaupt
noch eine Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit bestehe (IV-act. 178). Er hat
aber zu Recht bemerkt, dass für die Beurteilung des Rentenanspruchs im vorliegenden
Fall ohnehin die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit ausschlaggebend sei.
Demnach steht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass die
Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit als Hilfsarbeiterin in einer
Metzgerei ab Mitte Januar 2014 weiterhin zumindest zu 70 % eingeschränkt gewesen
ist. Hinsichtlich einer leidensangepassten Tätigkeit sind die Medas-Gutachter zum
Schluss gekommen, dass für leichte manuelle Tätigkeiten, bei denen die
Beschwerdeführerin die rechte Hand nicht speziell belasten müsse und welche die
weiteren Adaptionskriterien erfüllten (siehe IV-act. 177-38 f.), seit dem 15. Januar 2014
wieder eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe. Diese Beurteilung steht in Widerspruch zu
derjenigen der Suva-Kreisärztin med. pract. F._, welche die Arbeitsfähigkeit für
adaptierte Tätigkeiten in ihrem Abschlussbericht vom 16. Januar 2014 auf zweimal drei
Stunden, gegebenenfalls mit einer längeren Pause, geschätzt hat. Der orthopädische
Medas-Gutachter hat die Arbeitsfähigkeitsschätzung der Suva-Ärztin als nicht
nachvollziehbar bezeichnet, weil eine Feststellung zu den Pausen und der tatsächlichen
Handbelastung, wenn die rechte Hand nur als Hilfshand eingesetzt werde, fehle.
Tatsächlich hat die Suva-Ärztin nicht begründet, weshalb die Beschwerdeführerin eine
optimal adaptierte Tätigkeit, in welcher sie die rechte Hand nur als Hilfshand hätte
einsetzen müssen, lediglich noch sechs Stunden pro Tag, allenfalls zusätzlich mit einer
längeren Pause, hätte ausüben können. Demgegenüber hat sich der orthopädische
Medas-Gutachter eingehend mit den Funktionseinschränkungen insbesondere der
rechten Hand und dem positiven und negativen Leistungsprofil auseinandergesetzt
(vgl. IV-act. 177-38 ff./42 f.). Aus diesem Grund ist auf die gutachterliche Beurteilung
abzustellen, laut der die Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht ab Mitte Januar
2014 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für adaptierte Tätigkeiten wieder voll
arbeitsfähig gewesen ist.
Der psychiatrische Gutachter hat den von ihm gestellten Diagnosen einer
Dysthymie, anderer gemischter Angststörungen und einer chronischen
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren keinen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit beigemessen. Daher ist er aus psychiatrischer Sicht − auch
retrospektiv − von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgegangen. Demgegenüber hat Dr.
D._ der Beschwerdeführerin ab dem 14. November 2012 (Behandlungsbeginn)
wegen einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion eine
4.6.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/27
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Arbeitsunfähigkeit von 40 % bescheinigt. Dr. D._ hat als Grund für die Einschränkung
der Leistungsfähigkeit eine Affektlabilität bzw. eine reduzierte Belastbarkeit genannt.
Der psychiatrische Gutachter hat überzeugend erklärt, dass diese Befunde nicht
ausreichten, um eine Arbeitsunfähigkeit von 40 % zu begründen. Ausserdem sei die
psychiatrische Therapie nicht dicht genug gewesen, um eine derart schwere Störung
annehmen zu können. Tatsächlich hatte die damalige kognitive Verhaltenstherapie nur
ca. alle drei Wochen stattgefunden (IV-act. 82-2). Laut Dr. D._ hat sich der
psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin ab Januar 2014 erheblich
verschlechtert. Wegen einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
mittelschwere bis schwere Episode mit somatischen Symptomen, hat er der
Beschwerdeführerin ab Januar 2014 eine volle Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. Im
Verlaufsbericht vom 4. September 2014 ist er weiterhin von einer vollen
Arbeitsunfähigkeit ausgegangen. Er hat jedoch angemerkt, dass bei einem guten
Verlauf in zwei bis drei Wochen eine Arbeitsfähigkeit von 50 % erreicht werden könne.
Obwohl Dr. D._ der Beschwerdegegnerin am 10. Oktober 2014 mitgeteilt hat, dass
der Gesundheitszustand gleich geblieben sei, hat er die Arbeitsfähigkeit neu auf vier
Stunden pro Tag festgelegt. RAD-Ärztin Dr. C._ am 25. November 2014 hat die
Angaben von Dr. D._ in den Verlaufsberichten vom 4. September und 2. Oktober
2014 zu Recht als inkonsistent und widersprüchlich bezeichnet: Trotz exakt gleicher
Befundbeschreibung hat Dr. D._ unterschiedliche Arbeitsfähigkeitsschätzungen
abgegeben. Auch die Kritik der RAD-Ärztin, dass die Befundbeschreibung
unvollständig sei und nicht ausreiche, um die Diagnose einer mittelgradigen
depressiven Störung gemäss ICD-10 nachzuvollziehen, überzeugt. Darüber hinaus hat
auch der psychiatrische Medas-Gutachter erhebliche Zweifel am Schweregrad der
depressiven Störung geäussert, namentlich weil Dr. D._ im Bericht vom 4.
September 2014 angegeben hatte, dass berufliche Massnahmen angezeigt seien und
dass die Beschwerdeführerin keine Hilfe bei den Alltagsaktivitäten benötige. Auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzungen von Dr. D._ kann somit nicht abgestellt werden. Die
Beschwerdeführerin befindet sich seit dem 22. Januar 2016 bei der Psychiaterin Dr.
J._ in ambulanter Behandlung. Entgegen der Behauptung der Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin hat der psychiatrische Gutachter Kenntnis des Berichts von Dr.
J._ vom 23. Mai 2016 und damit auch von der aktuell laufenden
psychotherapeutischen Behandlung gehabt. Eine Zusammenfassung des Berichts vom
23. Mai 2016 ist dem Aktenauszug des psychiatrischen Teilgutachtens zu entnehmen
(IV-act. 177-60). Der Bericht ist ausserdem im Anhang des Gutachtens als Kopie
beigelegt (IV-act. 177-89). Zwar hat sich der psychiatrische Gutachter nicht explizit
zum Bericht von Dr. J._ vom 23. Mai 2016 geäussert. Dieser Bericht ist allerdings
auch nicht aussagekräftig, denn es hat sich um einen Kurzbericht gehandelt, der weder
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Befunde zu den gestellten Diagnosen noch eine Arbeitsfähigkeitsschätzung enthalten
hat. Der psychiatrische Gutachter hat sich aber − und das ist entscheidend − mit den
von Dr. J._ gestellten Diagnosen einer mittelschweren bis schweren depressiven
Störung, einer gemischten Angststörung und einer Temesta-Abhängigkeit
auseinandergesetzt. Auch zum angegebenen Verfolgungswahn hat er sich geäussert
(IV-act. 177-70). Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat argumentiert, die
Aussage der Gutachter, die Beschwerdeführerin sei nicht bereit, ihre Ressourcen zu
mobilisieren, sei angesichts der aktuellen psychiatrischen Behandlung wahrheitswidrig.
Die Gutachter haben festgehalten, dass die Beschwerdeführerin keine Bereitschaft
gezeigt habe, ihre Ressourcen im Sinne einer Wiedereingliederung zu mobilisieren,
obwohl sie das nachweisbar bzw. aus der Sicht ihrer Therapeuten gekonnt hätte (IV-
act. 177-80). Dass eine versicherte Person motiviert ist, eine Psychotherapie zu
absolvieren, lässt noch nicht den Schluss zu, dass sie auch gewillt sei, sich beruflich
einzugliedern. Vom Therapiewillen kann also nicht auf einen Eingliederungswillen
geschlossen werden. Tatsächlich geht aus den Akten nicht hervor, dass die
Beschwerdeführerin motiviert wäre, wieder in das Berufsleben einzusteigen. Vielmehr
besteht gemäss dem psychiatrischen Gutachter ein verfestigtes Krankheitsverständnis,
welches auch passive Versorgungswünsche umfasst (IV-act. 177-77). Die Aussage der
Gutachter, dass die Beschwerdeführerin keine Bereitschaft gezeigt habe, ihre
Ressourcen im Sinne einer Wiedereingliederung zu mobilisieren, ist somit durchaus
plausibel. Die Rechtsvertreterin hat ausserdem geltend gemacht, dass die
Beschwerdeführerin entgegen den Angaben der Gutachter die Psychotherapien nicht
wegen fehlender Motivation, sondern wegen eines jeweils fehlenden
Vertrauensverhältnisses zu den Therapeuten abgebrochen habe. Der psychiatrische
Gutachter hat festgehalten, dass die Beschwerdeführerin die verordneten und von ihr
als eingenommen angegebenen Psychopharmaka gemäss den
Serumspiegelmessungen wahrscheinlich gar nicht einnehme. Psychiatrische Therapien
würden nur gering befolgt und nach der ärztlichen Anordnung bald wieder in für die
Behandler frustrierender Art abgebrochen. Das Krankheitsverständnis sei ganz
körperlich orientiert (IV-act. 177-81). Der Austrittsbericht der psychiatrischen
Tagesklinik H._ vom 18. Dezember 2015 (IV-act. 165-2 ff). bestätigt die Sichtweise
des Gutachters: Die Beschwerdeführerin hatte diese Therapie vorzeitig abgebrochen,
da sie das tagesklinische Angebot als für sie nicht nützlich erlebt hatte; insbesondere
hatten ihr ein Massage- und Physiotherapieangebot gefehlt. Bei einem somatisch
orientierten Krankheitsverständnis erscheint es aus der Sicht eines medizinischen Laien
aber auch nachvollziehbar, dass es für die Beschwerdeführerin schwierig sein muss,
ein Vertrauensverhältnis zum behandelnden Psychotherapeuten aufzubauen. Demnach
stehen die Aussagen des psychiatrischen Gutachters, wonach die Beschwerdeführerin
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/27
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die Psychotherapien wegen fehlender Motivation, und die Aussage der
Beschwerdeführerin, sie habe die bisherigen Psychotherapien wegen eines jeweils
fehlenden Vertrauensverhältnisses zu den Therapeuten abgebrochen, nicht in einem
Widerspruch zueinander. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat weiter
geltend gemacht, dass dem Bericht von Dr. J._ vom 15. März 2017 zumindest der
gleich hohe Stellenwert zukommen müsse wie dem Medas-Gutachten, da es sich bei
Dr. J._ um eine zertifizierte Gutachterin SIM handle. Die Berichte von behandelnden
Ärzten weisen insoweit eine generelle Schwäche auf, als diese aufgrund der
auftragsrechtlichen Vertrauensstellung und im Hinblick auf einen möglichen Ziel- und
Interessenskonflikt im Zweifel regelmässig eher zugunsten der Patienten aussagen (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 25. Februar 2015, 8C_616/2014 E. 5.3.3.3 mit
Hinweisen). Trotzdem ist immer zu prüfen, ob eine abweichende Beurteilung durch
einen behandelnden Arzt die gutachterliche Einschätzung in Zweifel zu ziehen vermag.
Ob der behandelnde Arzt über ein Zertifikat als Gutachter verfügt oder nicht, ist dabei
jedoch nicht relevant. Entscheidend ist vielmehr, ob der Bericht des behandelnden
Arztes inhaltlich überzeugt. Allein die Tatsache, dass Dr. J._ über ein Zertifikat als
Gutachterin verfügt, erhöht somit die Beweiskraft ihrer Berichte nicht. Die
Rechtsvertreterin hat schliesslich noch angeführt, dass gemäss ICD-10 die Diagnose
einer anderen gemischten Angststörung Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe,
wenn die Diagnosekriterien mehrerer Angststörungen erfüllt seien. ICD-10 ist eine
internationale statische Klassifikation der Krankheiten und verwandter
Gesundheitsprobleme (siehe www.dimdi.de/static/de/klassifikationen/ icd/icd-10-gm/
kode-suche/htmlgm2019/, besucht am 16. Mai 2020). Entgegen der Behauptung der
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin sagt die ICD-10 natürlich nichts darüber aus,
ob und gegebenenfalls welchen Einfluss eine medizinische Diagnose auf die
Arbeitsfähigkeit hat. Auch diese Argumentation der Rechtsvertreterin ist somit nicht
stichhaltig. Dr. J._ hat in ihrem Bericht vom 15. März 2017 festgehalten, dass sie mit
den vom psychiatrischen Gutachter gestellten Diagnosen einverstanden sei. Sie hat
jedoch erklärt, dass nicht vorstellbar sei, dass keine dieser Diagnosen einen Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit habe. Dem Bericht vom 15. März 2017 ist zu entnehmen, dass
Dr. J._ von einem falschen Arbeitsunfähigkeitsbegriff ausgegangen ist. Dr. J._ hat
nämlich festgehalten, dass eine körperlich leichte Tätigkeit nur rein medizinisch-
theoretisch denkbar sei, da die Beschwerdeführerin über keine ausreichenden
Deutschkenntnisse verfüge und keine abgeschlossene Lehre habe. Die
Beschwerdeführerin sei aufgrund ihres Alters und der gesamten Berufs- und
Lebenssituation nicht vermittelbar. Dr. J._ hat verkannt, dass bei der Bemessung der
Invalidität gerade die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit relevant ist.
Entscheidend ist, welche Arbeitsleistung einer versicherten Person objektiv betrachtet
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aus medizinischer Sicht noch zumutbar ist. Das Alter, die Ausbildung, die
Sprachkenntnisse und die Lebenssituation sind also bei der Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit unberücksichtigt zu lassen; die (fehlende) Ausbildung und die
Sprachkenntnisse sind nur insoweit relevant, als die Arbeitsfähigkeit mit Bezug auf eine
für die versicherte Person in Frage kommende (bzw. insbesondere ihrer Ausbildung
entsprechende) Tätigkeit zu ermitteln ist. Die Beurteilung von Dr. J._ stimmt also
eigentlich mit jener des psychiatrischen Medas-Gutachters überein: Dr. J._ dürfte
also mit den vom Gutachter angegebenen Diagnosen einverstanden gewesen sein und
eine Arbeitsfähigkeit von 100 % für adaptierte Tätigkeiten rein medizinisch-theoretisch
für möglich erachtet haben. Die Klinik für Psychosomatik des KSSG hat in ihren
Berichten vom 4. Februar 2015 und 28. April 2015 als Diagnose unter anderem eine
mittelschwere bis schwere depressive Störung angegeben und von einer deutlich
verminderten bis ganz aufgehobenen Leistungsfähigkeit aufgrund der depressiven
Symptomatik und der Konzentrationsprobleme gesprochen. Gemäss dem von den
Ärzten der Klinik für Psychosomatik angegebenen psychopathologischen Status sind
die kognitiven Einschränkungen jedoch mild gewesen. Die Beschwerdeführerin habe im
Affekterleben schwer depressiv, dysthym, weinerlich, jammerig und klagsam mit
massiven Insuffizienzgefühlen gewirkt. Die affektive Schwingungsfähigkeit sei deutlich
eingeschränkt und durchgehend depressiv gewesen. Die Beschwerdeführerin habe
Suidzidgedanken bejaht. Dieser psychopathologische Befund zeigt, dass die Diagnose
der Ärzte der Klinik für Psychosomatik wesentlich auf den Angaben der
Beschwerdeführerin beruht. Die subjektiven Angaben sind jedoch, gerade in Fällen wie
dem vorliegenden − die Gutachter haben von einem leidenszentrierten, demonstrativ
behinderungsbetonten, extrem appellativ erlebten Auftritt anlässlich der Untersuchung
gesprochen (IV-act. 177-80) − kritisch und anhand der objektiven Befunde zu
hinterfragen. Vor diesem Hintergrund überzeugt weder die von den Ärzten der Klinik für
Psychosomatik angegebene Diagnose einer mittelschweren bis schweren depressiven
Störung noch die darauf basierende Arbeitsfähigkeitsschätzung. Im Mittelpunkt der
Berichte des Schmerzzentrums M._ vom 22. Februar 2017 und vom 18. Mai 2017
haben die Schmerzen gestanden. Zwar ist den Berichten auch die Diagnose einer
mittelgradigen depressiven Störung resp. einer rezidivierenden depressiven Störung,
gegenwärtig mittelgradig bis schwere Episode, zu entnehmen. Sie haben aber weder
einen psychopathologischen Befund, welcher diese Diagnosen untermauern würde,
noch einen Hinweis darauf, dass sich der psychiatrische Gesundheitszustand in den
letzten Wochen/Monaten verschlechtert hätte, enthalten. Die Berichte des
Schmerzzentrums enthalten somit keine neuen Erkenntnisse hinsichtlich der
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Der psychiatrische Gutachter hat
überzeugend festgehalten, dass der psychopathologische Befund einer morosen mit
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5.
über das Mass der Verdeutlichung der körperlichen Beschwerden hinausgehenden
Missstimmung behafteten Beschwerdeführerin zusammen mit den aus den
Dokumenten belegten Anhaltspunkten einer Verbitterung gegenüber Behandlern und
auch in geringerem Umfang gegenüber dem Ehemann, und dem insgesamt
chronischen Verlauf für eine Dysthymie spreche, die nie schwer genug gewesen sei,
um für die Beschwerdeführerin wesentliche Aktivitäten zu unterbinden (IV-act. 177-75).
Auch ist nachvollziehbar, dass der psychiatrische Gutachter der Angststörung im Sinne
einer "Tumorangst" keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beigemessen hat. Der
psychiatrische Gutachter hat sich zudem mit den gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung zu prüfenden Standardindikatoren befasst (vgl. BGE 141 V 281; IV-
act. 177-72 ff.). Seine Schlussfolgerung, dass die Beschwerdeführerin aus
psychiatrischer Sicht weder in der Vergangenheit noch im Gutachtenszeitpunkt in ihrer
Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen ist, überzeugt insbesondere vor dem
Hintergrund, dass gemäss dem psychiatrischen Gutachter die Schmerzen und die
depressiven Verstimmungen die Beschwerdeführerin bei anderen (als beruflichen)
Aktivitäten nicht behindern, dass die Therapieadhärenz sowohl in der Psychotherapie
als auch hinsichtlich der Medikamenteneinnahme bisher nicht ausreichend gewesen ist
und dass keine ausreichende Motivation zur beruflichen Wiedereingliederung besteht
(IV-act. 177-77). Demnach ist auf die Beurteilung des psychiatrischen Medas-
Gutachters abzustellen, wonach aus psychiatrischer Sicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit besteht.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass im Zeitraum vom 6. Juni 2011 bis 14.
Januar 2014 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für jegliche Tätigkeiten eine volle
Arbeitsunfähigkeit bestanden hat. Seit dem 15. Januar 2014 ist die Beschwerdeführerin
in einer angepassten Tätigkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit wieder zu 100 %
arbeitsfähig.
4.7.
Somit bleibt noch der Einkommensvergleich vorzunehmen. Bei einer
Arbeitsunfähigkeit von 100 % für jegliche Tätigkeiten hat der IV-Grad im Zeitraum 6.
Juni 2011 bis 14. Januar 2014 bei einem Invalideneinkommen von Fr. 0.-- 100 %
betragen. Ab Mitte Januar 2014 ist die Beschwerdeführerin in einer adaptierten
Tätigkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit wieder zu 100 % arbeitsfähig gewesen.
Die Beschwerdeführerin hat in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Hilfsarbeiterin in
einer Metzgerei ein deutlich unterdurchschnittliches Einkommen erzielt: Im Jahr 2007
hatte es Fr. 42'000.-- betragen (12 x Fr. 3'500.--; IV-act. 21-7). Zum Vergleich: Das
durchschnittliche Einkommen einer Hilfsarbeiterin hatte im selben Jahr, aufgerechnet
5.1.
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6.
auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden, Fr. 51'047.--
betragen (Anhang 2 der IVG-Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2015).
Das Valideneinkommen ist anhand der (hypothetischen) Verhältnisse auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt festzulegen. Es ist nicht davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin freiwillig zu einem unterdurchschnittlichen Lohn gearbeitet hat,
sondern dass sie aufgrund der Wirtschaftslage bzw. der Situation auf dem realen
Arbeitsmarkt keine besser bezahlte Arbeitsstelle gefunden hat. Hätte der damalige
Arbeitsmarkt ihr eine durchschnittlich entlöhnte Hilfsarbeiterinnenstelle geboten, hätte
die Beschwerdeführerin diese Stelle angenommen. Dem Valideneinkommen ist daher
nicht das zuletzt erzielte, unterdurchschnittliche Erwerbseinkommen als Hilfsarbeiterin
in einer Metzgerei zugrunde zu legen, sondern der Lohn, den die Beschwerdeführerin
bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage hätte erzielen können, nämlich der
durchschnittliche Lohn einer Hilfsarbeiterin (d.h. der Zentralwert der Löhne aller
Hilfsarbeiterinnen). Die Invalidenkarriere entspricht somit der Validenkarriere, weshalb
sich eine ziffernmässige Festlegung der Vergleichseinkommen erübrigt und der IV-Grad
anhand einer Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen berechnet werden kann (vgl.
BGE 114 V 310 E. 3a). Ob im vorliegenden Fall ein Tabellenlohnabzug zu gewähren ist,
kann offen gelassen werden, denn selbst bei einem maximalen Tabellenlohnabzug von
25 % würde − für die Zeit ab Mitte Januar 2014 − ein IV-Grad von weit unter 40 %
resultieren.
Die Beschwerdeführerin hat sich im Januar 2012 zum Bezug von IV-Leistungen
angemeldet. Aufgrund der sechsmonatigen Wartezeit gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG hat
sie somit ab dem 1. Juli 2012 Anspruch auf eine ganze IV-Rente; das Wartejahr ist in
diesem Zeitpunkt erfüllt gewesen (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG). Eine Verbesserung der
Erwerbsfähigkeit ist für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem
Zeitpunkt an zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei
Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird (vgl. Art. 88a Abs. 1
IVV). Ab Mitte Januar 2014 ist die Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit
wieder voll arbeitsfähig gewesen. Die Rente ist somit per 30. April 2014 aufzuheben.
5.2.
Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.6.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Die
6.2.
bis
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