Decision ID: b9fd5faa-c53d-4b17-938e-55028cf06f7f
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Advokat lic. iur. Martin Boltshauser, c/o Procap Schweiz, Frohburg
strasse 4, Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente (Beginn)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 25. März 1996 erstmals zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, den Beruf einer Bäckerei-/
Konditoreiverkäuferin erlernt zu haben. Wegen einer Handverletzung könne sie nicht
mehr schwer arbeiten. Sie beantragte die Umschulung auf eine neue Tätigkeit. Im
Arztbericht vom 20. Juni 1996 gab Dr. med. B._, Allgemeine Medizin FMH, an, die
Versicherte habe durch einen Sturz am 11. November 1995 eine Distorsion des linken
Handgelenks erlitten; es bestehe eine Dysplasie des linken Handgelenks mit
Minusvariante. Seit Geburt bekannt seien bei der Versicherten multiple Exostosen; in
der Jugend seien mehrfach Exostosenabtragungen vorgenommen worden. Als
Verkäuferin sei die Versicherte zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 6). Den SUVA-Akten ist
zu entnehmen, dass der Sturz vom 11. November 1995 keine ossäre Läsion zur Folge
hatte, jedoch ein massiver krankhafter Vorzustand mit multiplen Exostosen
festzustellen war. Am 24. Januar und am 25. März 1996 war die Versicherte operiert
worden, wobei jeweils auch Exostosen abgetragen wurden (Bericht über die kreisärzt
liche Untersuchung vom 17. Juni 1996). Am 9. Oktober 1996 berichtete PD Dr. med.
C._, Leitender Arzt Handchirurgie am Kantonsspital St. Gallen, der IV-Stelle, nach
seiner Beurteilung sei die Versicherte für keine Arbeit mit schwerem Heben, längerem
Stehen oder längerem Laufen geeignet. Wegen der multiplen Knochenverformungen,
einem angeborenen Leiden, sei die Umschulung auf einen leichten, wahrscheinlich
vermehrt sitzenden Beruf und mit geringer körperlicher Anstrengung dringend
erforderlich. Medizinische Möglichkeiten zur Verbesserung der Arbeitsfähigkeit
bestünden nicht; man müsse versuchen, die entsprechenden Symptome zu beheben
durch lokales Abtragen der Exostosen, die meistens nachwachsen würden (IV-act. 12).
Zuhanden der SUVA berichtete Dr. C._ am 28. November 1996, die Versicherte sei in
ihrem Beruf als Verkäuferin weiterhin arbeitsunfähig.
A.b Aufgrund der gesundheitlichen Situation prüfte die IV-Stelle den Anspruch der
Versicherten auf eine Umschulung. Mit Verfügung vom 8. April 1997 wurden ihr
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berufliche Massnahmen für die Dauer vom 14. April 1997 bis 30. September 1999 in
Form einer Umschulung zur Technischen Kauffrau zugesprochen (IV-act. 23,
Anpassungen am 14. Mai 1998 [IV-act. 49] und 11. März 1999 [IV-act. 58]). Am
20. Oktober 1999 hielt der Berufsberater fest, die Versicherte habe die Umschulung
erfolgreich absolviert und sei nun in der Lage, selbständig eine Stelle zu suchen (IV-
act. 60). Die IV-Stelle stellte mit Verfügung vom 5. November 1999 fest, aus
medizinischen Gründen sei es der Versicherten nun möglich und zumutbar, im neu
erlernten Beruf vollumfänglich erwerbstätig zu sein, womit sie rentenausschliessend
beruflich integriert sei (IV-act. 61).
B.
B.a Am 5. März 2004 teilte Dr. med. D._, Spezialarzt FMH für Chirurgie speziell
Handchirurgie, der IV-Stelle mit, die Versicherte stehe bei ihm seit dem 15. Februar
2002 in regelmässiger Behandlung. Sie leide an den Folgen eines Nichtbetriebsunfalls
(Sturz beim Schlitteln [IV-act. 87-4]) am 13. Januar 2002 und an den Folgen ihrer
chronischen angeborenen Krankheit. Die IV habe ihr im Jahr 1999 die Umschulung zur
Technischen Kauffrau ermöglicht. Seit dem 5. März 2002 sei die Versicherte
ununterbrochen vollständig oder teilweise arbeitsunfähig. Sie habe ihre Arbeitsstelle
verloren und eine Wiedereingliederung sei bisher nicht möglich gewesen. Es seien im
laufenden Jahr noch mehrere medizinische Behandlungen notwendig und es sei mit
einer dauernden eingeschränkten Arbeitsfähigkeit von 50% oder mehr zu rechnen.
Dr. D._ ersuchte die IV-Stelle um Neuprüfung ihrer Leistungspflicht (IV-act. 69). Am
17. April 2004 unterzeichnete die Versicherte die erneute IV-Anmeldung (IV-act. 71). Die
E._ AG, bei der die Versicherte seit dem 16. August 2001 ganztags als
Sachbearbeiterin beschäftigt gewesen war, hatte das Arbeitsverhältnis per 31. Oktober
2002 gekündigt (IV-act. 78). Seither war die Versicherte bei der Arbeitslosenkasse
gemeldet (IV-act. 71). Im Arztbericht vom 4. November 2004 an die IV-Stelle gab
Dr. D._ verschiedene Diagnosen an, die einerseits auf den Unfall vom 13. Januar
2002 und anderseits auf die seit Geburt bestehende Krankheit zurückzuführen seien.
Es sei nicht möglich gewesen, die Arbeitsfähigkeit der Versicherten (vorübergehend)
auf über 66 / % zu steigern. Die Arbeit im Bürobereich habe wegen der Beschwerden
nicht vollumfänglich geleistet werden können. Eine Stellenvermittlung durch das RAV
sei nicht zustande gekommen. Die Beurteilung der Versicherten sei äusserst schwierig.
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Es liege eine erhebliche gesundheitliche Störung vor, welche die Arbeitsfähigkeit in
einem hohen Masse beeinträchtige. Es seien noch operative Eingriffe geplant mit zum
Teil längerdauernden Rehabilitationsbehandlungen. Zurzeit sei die Arbeitsfähigkeit in
der bisherigen Tätigkeit nicht beurteilbar. Körperlich leichte Tätigkeiten ohne zu starke
Belastung der Hände, eher in sitzender Position seien der Versicherten zumutbar, initial
wohl nur mit einem zeitlich eingeschränkten Pensum. Wegen der Polymorbidität sei
eine MEDAS-Untersuchung und eine berufliche Abklärung zu empfehlen (IV-act. 87). Im
Arztbericht vom 14. Dezember 2004 diagnostizierte Dr. med. F._, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, multiple
fibrocartilaginäre Exostosen sowie einen Status nach vorderer Kreuzbandplastik am
rechten Knie und äusserte den Verdacht auf eine Fibromyalgie. In der Vergangenheit
hätten wiederholt operativ Exostosen abgetragen werden müssen, zuletzt am
17. November 2004. Als Technische Kauffrau sei die Versicherte seit ungefähr
eineinhalb Jahren 100% arbeitsunfähig. Ob sich daran in Zukunft etwas ändern werde,
sei zweifelhaft. An therapeutischen Massnahmen könne nur die Resektion der neu
wachsenden Exostosen empfohlen werden. Die Prognose müsse insgesamt als eher
ungünstig bezeichnet werden, da die Exostosen in letzter Zeit eher verstärkt wachsen
würden (IV-act. 89). Am 2. März 2005 führte Dr. F._ im Rahmen eines operativen
Eingriffs eine Syndesmosenresektion am oberen rechten Sprunggelenk mit einer
Resektion von fibrocartilaginären Exostosen und einer Spanarthrodese der
Syndesmose mittels autologem Beckenkamm sowie eine Metallentfernung im Bereich
des Tibiakopfes durch (IV-act. 97).
B.b Am 7. November 2005 wurde die Versicherte im Auftrag der IV-Stelle im ABI
(Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH Basel) untersucht und begutachtet; das
Gutachten datiert vom 7. Dezember 2005 (IV-act. 103). Das Gutachten hielt fest, aus
orthopädischer Sicht bestehe aufgrund der multiplen Osteochondrome (im Bereich fast
sämtlicher langen Röhrenknochen [ICD-10: D16.9]) eine verminderte Belastbarkeit des
gesamten Bewegungsapparates. Für körperlich belastende Tätigkeiten oder Arbeiten,
die weitgehend im Stehen durchgeführt würden, bestehe bleibend eine volle
Arbeitsunfähigkeit. Für die angestammte Tätigkeit als Kauffrau oder andere körperlich
leichte Tätigkeiten in wechselnder Position, jedoch bevorzugt im Sitzen, bestehe eine
Arbeitsfähigkeit von 100%. Die objektivierbaren Befunde würden nicht erklären, wie es
bei einer derart angepassten Tätigkeit zu einer wesentlichen Schmerzprovokation
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kommen sollte. Diese Einschätzung gelte unter Vorbehalt der in Kürze
vorzunehmenden Operation im Bereich der linken unteren Extremität, durch welche
vorübergehend eine volle Arbeitsunfähigkeit entstehe. Langfristig sei durch diesen
Eingriff eine Besserung des Beschwerdebildes zu erwarten (IV-act. 103-14f.). In Bezug
auf allfällige Massnahmen aus orthopädischer Sicht stehe die Versicherte in
fachärztlicher orthopädischer Behandlung und weitere Therapiemassnahmen seien
bereits geplant. In Anbetracht der Tatsache, dass in den letzten Jahren multiple
Operationen im Bereich des Bewegungsapparates durchgeführt worden seien, wäre zu
evaluieren, ob eine vertiefte Abklärung an einem auf Knochentumore spezialisierten
Zentrum sinnvoll sein könnte. Der Gutachter merkte an, dass es in Bezug auf die
Reintegration in den Arbeitsprozess sicherlich in hohem Masse hinderlich sei, wenn die
Versicherte sich jährlich einem operativen Eingriff mit entsprechend langer
Arbeitsunfähigkeit unterziehen müsse. Im Anschluss an die bevorstehende Operation
sei eine rasche Reintegration in den Arbeitsprozess anzustreben. Aus medizinischer
Sicht sei dies, unter Voraussetzung eines unauffälligen postoperativen Verlaufs,
durchaus zumutbar (IV-act. 103-15). Der psychiatrische Gutachter diagnostizierte bei
der Beschwerdeführerin eine somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4), die aber
ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit sei (IV-act. 103-18). In ihrer Gesamtbeurteilung
gelangten die Gutachter bei der Versicherten zu einer geschätzten Arbeitsfähigkeit von
100% in einer körperlich adaptierten Tätigkeit. Da in der Zukunft mit wiederholt
auftretenden Operationen gerechnet werden müsse, sei über die Zeit gemittelt eine
Leistungseinbusse von maximal 20% anzunehmen. Diese Arbeitsunfähigkeit gelte seit
dem 1. Oktober 2004.
B.c Gestützt auf das ABI-Gutachten verfügte die IV-Stelle am 2. Februar 2006 die
Abweisung des Rentengesuchs bei einem Invaliditätsgrad von 20% (IV-act. 107). Da
gegen liess die Versicherte am 6. März 2006 Einsprache erheben (IV-act. 112). Mit
Einspracheentscheid vom 21. Juli 2006 hielt die IV-Stelle an ihrem Entscheid fest und
wies die Einsprache ab (IV-act. 123). Die dagegen erhobene Beschwerde vom
14. September 2006 (IV-act. 124) hiess das Versicherungsgericht mit Entscheid vom
14. November 2007 teilweise gut, hob den Einspracheentscheid der
Beschwerdegegnerin auf und wies die Streitsache zur Durchführung ergänzender
medizinischer Abklärungen an die IV-Stelle zurück (IV-act. 133). Es sei näher zu prüfen,
ob die Annahme einer durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit von 20% der vorliegenden
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Situation, wo die Beschwerdeführerin infolge operativer Eingriffe mit wiederkehrenden
Arbeitsausfällen zu rechnen habe, angemessen sei, oder ob weitere Abklärungen
hinsichtlich der Verwertbarkeit der zumutbaren Restarbeitsfähigkeit vorzunehmen
seien. Von Relevanz in diesem Zusammenhang sei sowohl die Häufigkeit der
notwendigen Eingriffe als auch deren Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit; bezüglich
beidem gebe das Gutachten keine schlüssigen Antworten. Therapiealternativen (zu den
operativ erfolgenden Exostosenabtragungen) müssten ebenfalls vertieft geprüft
werden. Alsdann seien auch bezüglich der bleibenden Folgen des Unfalls vom
13. Januar 2002 und deren Auswirkungen auf die zumutbare Arbeitsleistung der
Beschwerdeführerin weitere Abklärungen nötig. Schliesslich sei zu prüfen, ob und
inwieweit bereits vor der ABI-Begutachtung eine rentenbegründende
Erwerbsunfähigkeit bestanden habe und ob es aufgrund der echtzeitlichen
medizinischen Beurteilungen nachvollziehbar sei, die Arbeitsunfähigkeit von 20%
rückwirkend ab 1. Oktober 2004 festzusetzen, wie die Gutachter des ABI dies getan
hätten.
B.d Am 1. April 2008 gab die IV-Stelle erneut beim ABI ein Gutachten in Auftrag (IV-
act. 139).
Die Versicherte wurde am 14. Oktober 2008 im ABI begutachtet und untersucht, das
Gutachten wurde am 19. Januar 2009 erstattet (IV-act. 144). Die Diagnosen mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit lauteten:
"Multiple Osteochondrome im Bereich fast sämtlicher Röhrenknochen sowie an den
Wirbelkörpern C7 und Th7 links sowie am Os ilium beidseits und am Os sacrum
(ICD-10: D16.9)
Status nach multiplen Resektionen seit 1976, zuletzt am 20.06.2008 am Ulnaschaft
rechts (ICD-10: Z98.8)."
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien:
"1. Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4)
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2. Status nach Ersatzplastik des vorderen Kreuzbandes rechts am 28.08.2004 und
Status nach Notch-Débridement am 08.04.2008 nach Distorsionstrauma im Schulalter
(ICD-10: Z98.8/T93.4)."
Die Gutachter hielten fest, aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit nicht
eingeschränkt. Aus orthopädischer Sicht bestehe aufgrund der multiplen
Osteochondrome mit Sicherheit eine etwas verminderte Belastbarkeit im Bereich des
gesamten Bewegungsapparats, so dass Tätigkeiten mit erhöhter körperlicher
Belastung oder solche, die weitgehend im Stehen durchgeführt werden müssten, nicht
mehr möglich seien. Für die genannten Tätigkeiten bestehe bleibend eine volle
Arbeitsunfähigkeit. Für die angestammte Tätigkeit der Versicherten als Kauffrau oder
für andere körperlich leichte Tätigkeiten in wechselnder Position, wo eine Hebe- und
Traglimite von 5 kg nur ausnahmsweise überschritten werde und mindestens die Hälfte
der Arbeit im Sitzen ausgeführt werden könne, bestehe eine zeitlich und
leistungsmässig uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Im Hinblick auf die in Kürze
bevorstehende Operation am linken Unterschenkel sei mit einer vorübergehenden
vollen Arbeitsunfähigkeit zu rechnen, die jedoch für die oben beschriebenen Tätigkeiten
zwei Wochen kaum überschreiten dürfte. Im Vergleich zur letzten Begutachtung im
November 2005 habe sich keine wesentliche Veränderung des Zustandsbildes
ergeben, so dass auch die Beurteilung der Belastbarkeit der Versicherten und der
daraus resultierenden Arbeitsfähigkeit trotz der zusätzlichen Abklärungen identisch
bleibe. Die aktuell behandelnden Ärzte hätten auf entsprechende Nachfrage die
Berichte über die verschiedenen durchgeführten Operationen zugesandt, jedoch ohne
Stellungnahme betreffend allfällige längerfristige Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit.
Zur Unfallkausalität betreffend die Problematik am linken Handgelenk sei im Jahr 2007
durch Dr. med. G._, FMH Chirurgie/Handchirurgie, eine Begutachtung erfolgt;
detaillierte Angaben zur Arbeitsfähigkeit oder zur medizinischen Gesamtsituation seien
dabei nicht gemacht worden (IV-act. 144-25). Aufgrund des Berichts von Dr. med.
H._, FMH Neurologie, über die Untersuchung vom 18. Dezember 2008 könne eine
relevante neurologische Pathologie für die von der Versicherten angegebene
verminderte Berührungsempfindung am ganzen linken Arm explizit ausgeschlossen
werden (IV-act. 144-29). Ferner hielten es die ABI-Gutachter im Hinblick auf die
Reintegration der Versicherten in den Arbeitsprozess für wünschenswert, wenn auf
weitere Eingriffe zur Resektion von Osteochondromen verzichtet würde. Sofern
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allerdings die Entfernung notwendig sei, namentlich bei stammnahen
Osteochondromen oder Rezidiven an Lokalisationen, so sollte unbedingt eine
Abklärung an einem auf Tumore des Bewegungsapparates spezialisierten Zentrum
durchgeführt werden, da dann die Möglichkeit einer malignen Entartung in Betracht
gezogen und gegebenenfalls behandelt werden müsste (IV-act. 144-25). Die Frage, ob
und allenfalls wie lange nach dem Unfall vom 13. Januar 2002 eine Arbeitsunfähigkeit
in der Tätigkeit als Kauffrau bestanden hatte, könne nicht mehr exakt beurteilt werden.
Die vorübergehenden Arbeitsunfähigkeiten infolge der operativen Eingriffe dürften bei
offenbar immer regelrechtem Verlauf im Einzelfall sechs Wochen kaum überschritten
haben (IV-act. 144-28).
B.e Gestützt auf dieses Gutachten stellte die IV-Stelle im Vorbescheid vom 24. März
2009 die Abweisung des Rentengesuches in Aussicht (IV-act. 150). Dagegen liess die
Versicherte am 11. Mai 2009 Einwand erheben (IV-act. 155). Zusätzlich reichte ihr
Rechtsvertreter, Advokat M. Boltshauser, am 30. September 2009 einen Bericht der
Klink I._ für ambulante psychosomatische Rehabilitation ein (IV-act. 167). Darin
hielten die behandelnden Ärzte fest, bei der Versicherten habe sich aufgrund der
Belastung durch ihre Krankheit zunehmend eine depressive Entwicklung manifestiert.
Seit Juni 2009 befinde sie sich in regelmässiger psychotherapeutischer Behandlung.
Die Ärzte der Klinik I._ diagnostizierten eine mittelgradig depressive Episode mit
somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11) sowie ein chronifiziertes Schmerzsyndrom (IV-
act. 168). Aufgrund des Berichts der Klinik I._, in dem auch von weiteren kürzlich
erfolgten und noch bevorstehenden Operationen die Rede war, ging Dr. med. J._
vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) von einem instabilen
Gesundheitszustand der Versicherten aus und es wurden weitere Arztberichte
eingeholt (IV-act. 170).
B.f Nach diversen weiteren Abklärungen teilte die IV-Stelle der Versicherten am
18. August 2011 mit, aufgrund ihres Gesundheitszustandes seien keine beruflichen
Eingliederungsmassnahmen möglich (IV-act. 226). In der Folge wurde der
Rechtsvertreter der Versicherten durch einen Sachbearbeiter der IV-Stelle telefonisch
darüber orientiert, dass beabsichtigt sei, eine Rente mit Anspruchsbeginn per April
2008 zuzusprechen (IV-act. 228, 229). In der schriftlichen Stellungnahme vom
23. Januar 2012 zeigte der Rechtsvertreter der Versicherten der IV-Stelle an, dass
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diese mit einem Rentenbeginn erst im Jahre 2008 nicht einverstanden sei. Es sei
tatsächlich schwierig, den genauen Zeitpunkt zu ermitteln. Grundsätzlich bestehe eine
von den behandelnden Ärzten durchgehend attestierte Arbeitsunfähigkeit seit 2002. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der ABI-Gutachter vom November 2005 habe das
Versicherungsgericht in seinem Entscheid vom 14. November 2007 in Frage gestellt;
sie könne daher nicht massgebend sein. Eine Berentung ab 2008 erscheine nicht
annehmbar. Die Versicherte sei aber bereit, sich im Rahmen eines Vergleiches über
den Rentenbeginn zu einigen. Der Rechtsvertreter schlug einen Rentenbeginn per
1. Januar 2006 vor (IV-act. 230). Mit Vorbescheid vom 20. April 2012 stellte die IV-
Stelle die Zusprache einer Viertelsrente ab Juli 2008 und einer ganzen Rente ab
Oktober 2008 in Aussicht. Bis Ende März 2008 sei von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit
der Versicherten in ihrer angestammten und adaptierten Tätigkeit auszugehen; danach
hätte die Häufigkeit der Operationen die Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit
verunmöglicht (IV-act. 236). Dagegen erhob der Rechtsvertreter der Versicherten am
23. Mai 2012 Einwand, wobei er auf sein Schreiben vom 23. Januar 2012 verwies. Auf
den Vergleichsvorschlag werde im Vorbescheid nicht eingegangen. Eine Berentung ab
2008 sei nicht annehmbar (IV-act. 240). Mit Verfügung vom 17. Oktober 2012 sprach
die IV-Stelle entsprechend ihrem Vorbescheid der Versicherten mit Wirkung ab 1. Juli
2008 eine Viertelsrente und ab 1. Oktober 2008 eine ganze Rente zu (IV-act. 242, 244).
C.
C.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde der Versicherten
vom 21. November 2012 (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragt darin, in Abänderung
der Verfügung vom 17. Oktober 2012 sei der Rentenbeginn neu festzusetzen. In der
Begründung der Beschwerde wird insbesondere das zweite ABI-Gutachten vom
19. Januar 2009 kritisiert. Es sei darin lediglich festgestellt worden, in gesundheitlicher
Hinsicht würden keine objektiven Veränderungen seit der ersten Begutachtung
bestehen. Mit der Handverletzung hätten sich die Gutachter nicht auseinandergesetzt
und diesbezüglich auch keine eigenen Untersuchungen vorgenommen. Zur
rückwirkenden Arbeitsunfähigkeit hätten sich die Gutachter, die selbst von einer
100%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen seien, nicht geäussert, obwohl das ABI extra
mit dieser Frage konfrontiert worden sei. Die vorliegenden
Arbeitsunfähigkeitszeugnisse ab 2002 seien nicht gewürdigt worden. Erst durch den
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Einsatz des RAD sei die Beschwerdegegnerin zur Einsicht gekommen, dass aufgrund
der grossen Absenzen der Beschwerdeführerin eine Tätigkeit auf dem Arbeitsmarkt
nicht mehr zumutbar sei. Die Beschwerdegegnerin habe zur Frage einer möglichen
Berentung ab Januar 2003 respektive wegen verspäteter Anmeldung ab 1. April 2003
nie konkret Stellung genommen. Es werde bestritten, dass die Beschwerdeführerin bis
2008 eine Stelle mit flexiblem Arbeitsmodell hätte ausführen können, denn solche
Modelle seien nicht ausgerichtet auf plötzliche, nicht planbare Absenzen, sondern sie
würden den Mitarbeitern das Recht gewähren, bei Spitzenzeiten mehr zu arbeiten und
bei Flauten entsprechend zu kompensieren. Diese Flexibilität hätte die
Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Erkrankung und den kaum voraus planbaren
Operationen gerade nicht gehabt. Schliesslich erklärte der Rechtsvertreter nochmals
die Bereitschaft der Beschwerdeführerin, einem Vergleich mit einer ganzen Rente ab
1. Januar 2006 zuzustimmen.
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 15. Januar 2013 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Beschwerde abzuweisen (act. G 7). Bei der Beschwerdeführerin hätten ab April
2008 immer häufiger Operationen durchgeführt werden müssen. Davor seien es rund
zwei Operationen pro Jahr gewesen, was zu kürzeren vollständigen Arbeitsunfähig
keiten geführt habe. Die Beschwerdegegnerin sei von einer durchschnittlichen
20%igen Arbeitsunfähigkeit und der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
ausgegangen. Stellen mit flexiblen Jahresarbeitszeitmodellen gebe es durchaus auf
dem freien Arbeitsmarkt, auch für Bürotätigkeiten. Eine massgebliche
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin, durch die ein Invaliditätsgrad von
mindestens 40% erreicht wurde, sei erst ab Juli 2008 nachgewiesen. Die Frage einer
Berentung ab dem Jahr 2003 stelle sich nicht; es werde auf die beiden ABI-Gutachten
verwiesen. Dasselbe gelte für die vergleichsweise vorgeschlagene Berentung ab
Januar 2006. Rentenbegründende Arbeitsunfähigkeiten in den Jahren 2003 und 2006
seien nicht ausgewiesen.
C.c Am 30. Januar 2013 ist dem Gesuch der Beschwerdeführerin um Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von Gerichtskosten und Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) entsprochen worden (act. G 8).
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C.d Mit Replik vom 4. Februar 2013 hielt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
an seinen in der Beschwerde gestellten Begehren fest (act. G 10). Die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit durch die ABI-Gutachter sei mit der Stellungnahme des RAD widerlegt
worden. Die Beschwerdegegnerin gehe nun selbst davon aus, dass bei der
Beschwerdeführerin eine massgebliche Arbeitsunfähigkeit seit 2008, mithin vor dem
Zeitpunkt des zweiten ABI-Gutachtens von 2009, bestanden habe. Damit sei das ABI-
Gutachten entkräftet und es könne nicht mehr unbesehen darauf abgestellt werden.
C.e Nachdem die Beschwerdegegnerin auf eine Duplik verzichtete, wurde der
Schriftenwechsel am 23. April 2013 abgeschlossen (act. G 12).

Erwägungen:
1.
1.1 Am 1. Januar 2008 ist die Änderung des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) vom 6. Oktober 2006 (5. IV-Revision) und am
1. Januar 2012 sind die im Zug der 6. IV-Revision geänderten Bestimmungen des IVG
in Kraft getreten. Vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen sind in
zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der
Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes
Geltung haben (BGE 132 V 220 E. 3.1.1 und 131 V 11 E. 1). Ein allfälliger
Leistungsanspruch ist für die Zeit vor einem Rechtswechsel aufgrund der bisherigen
und ab diesem Zeitpunkt nach den neuen Normen zu prüfen (vgl. BGE 130 V 445
E. 1.2.1). Nach der Rechtsprechung stellt das Sozialversicherungsgericht bei der
Beurteilung einer Streitsache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der
streitigen Verwaltungsverfügung eingetretenen Sachverhalt ab (BGE 129 V 1 E. 1.2 mit
Hinweis).
1.2 Vorliegend erging die angefochtene Verfügung am 17. Oktober 2012, wobei ein
Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen
der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass
der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über welche noch nicht rechtskräftig verfügt
wurde, ist entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit
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bis 31. Dezember 2007 auf die damals geltenden Bestimmungen und ab diesem
Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-Revision beziehungsweise 6. IV-Revision
abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des Bundesgerichts vom
7. Juni 2006, I 428/04, E. 1).
2.
2.1 Versicherte Personen, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können,
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40
Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40
Prozent invalid sind, haben einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung
(Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit
dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, SR 830.1 [ATSG]). Die
Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das
die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre.
2.2 Die Höhe der behinderungsbedingten Erwerbseinbusse hängt vor allem vom Grad
der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ab. Um diesen
bestimmen zu können, sind Verwaltung und Gericht auf Unterlagen angewiesen, die
ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
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Aufgabe der ärztlichen Sachverständigen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen
und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten
die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen).
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
2.3 Das trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung zumutbarerweise erzielbare
Einkommen ist bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu ermitteln. Für die
Invaliditätsbemessung ist nicht massgeblich, ob eine invalide Person unter den
tatsächlichen Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig, ob sie
die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die
verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden. Der
Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes beinhaltet aber nicht nur ein gewisses
Gleichgewicht zwischen dem Angebot und der Nachfrage nach Stellen, sondern
bezeichnet auch einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer
verschiedenartiger Stellen offen hält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten
beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen
Einsatzes (BGE 110 V 276 E. 4 mit Hinweisen). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt
umfasst schliesslich auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und
Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von
Seiten des Arbeitgebers rechnen können. Von einer Arbeitsgelegenheit kann allerdings
nicht mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nur noch in so
eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch
nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines
durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden eines entsprechenden
Arbeitsplatzes daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil des
Bundesgerichts vom 28. April 2010, 8C_1050/2009, E. 3.3 mit Hinweisen). Unter diesen
Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob eine invalide Person die Möglichkeit
hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten und ob sie ein rentenausschliessendes
Einkommen zu erzielen vermag oder nicht (AHI 1998 S. 291 E. 3b). Weder gestützt auf
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die Pflicht zur Selbsteingliederung noch unter Hinweis auf die der versicherten Person
auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt offen stehenden Möglichkeiten zur Verwertung
der Resterwerbsfähigkeit dürfen von ihr Vorkehren verlangt werden, die unter
Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des
Einzelfalles nicht zumutbar sind (vgl. Art. 21 Abs. 4 ATSG; Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG] vom 10. März 2003, I 617/02, E. 3.1 mit Hinweisen).
3.
3.1 Anlässlich der ersten Begutachtung der Beschwerdeführerin im Jahr 2005 kamen
die Gutachter des ABI zum Schluss, aus internistischen und aus psychiatrischen
Gründen gebe es keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Aus orthopädischer Sicht
bestehe für die (zuletzt ausgeübte) Tätigkeit als Kauffrau oder eine andere körperlich
leichte Tätigkeit in wechselnder Position, jedoch bevorzugt im Sitzen, eine
Arbeitsfähigkeit von 100%. Mit Rücksicht auf die wegen der diagnostizierten multiplen
Osteochondrome wiederholt zu erwartenden operativen Eingriffe reduzierten die
Gutachter die Arbeitsfähigkeit um 20%. Sie wiesen darauf hin, dass es im Hinblick auf
eine allfällige Reintegration in den Arbeitsprozess wohl in hohem Masse hinderlich sei,
wenn sich die Beschwerdeführerin fast jährlich einem operativen Eingriff mit
entsprechend lang dauernder Arbeitsunfähigkeit unterziehen müsste (IV-act. 103-14f.,
103-19f.).
3.2 Das Versicherungsgericht hat in seinem Entscheid vom 14. November 2007 das
Erfordernis zusätzlicher Abklärungen damit begründet, dass dem Gutachten nicht zu
entnehmen sei, aufgrund welcher konkreten Anhaltspunkte die Sachverständigen zu
einer geschätzten Leistungseinschränkung von 20% gelangt seien. Ob die aufgrund
des Verlaufs in der Vergangenheit getroffene Annahme, es würde jährlich ein Eingriff
notwendig werden, auch für die Zukunft zutreffe, lasse sich nach der Aktenlage nicht
abschliessend beurteilen. Alsdann befand das Gericht, dass die Verwertbarkeit der
bestehenden Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin eingehender überprüft
werden müsste. Es sei unklar, ob diese wegen der wiederkehrenden gesundheitlich
bedingten Perioden verminderter Arbeitsfähigkeit in der Umsetzung der
Restarbeitsfähigkeit nicht derart eingeschränkt sei, dass der allgemeine Arbeitsmarkt
die entsprechenden Stellen praktisch nicht kenne oder eine Beschäftigung nur bei nicht
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realistischem Entgegenkommen eines Arbeitgebers möglich sei. Die Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit hänge sowohl von der Häufigkeit der notwendigen Eingriffe als
auch von deren Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ab. Beide Aspekte hielt das Gericht
für ungenügend abgeklärt (Erwägung 6 des Entscheids, IV-act. 133-8f.).
3.3 Auch nach der nochmaligen Untersuchung der Beschwerdeführerin im Oktober
2008 vertraten die Sachverständigen des ABI in ihrem Gutachten vom 19. Januar 2009
die Auffassung, deren Arbeitsfähigkeit in einer körperlich adaptierten Tätigkeit (wie jene
als Kauffrau) sei weder aus orthopädischen noch aus psychiatrischen oder
internistischen Gründen eingeschränkt. Seit der Begutachtung im Jahr 2005 habe sich
am Befund grundsätzlich nichts geändert. Im Zusammenhang mit den verschiedenen in
der Zwischenzeit erfolgten operativen Eingriffen sei es jeweils vorübergehend zu einer
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gekommen, die aber bei offenbar immer
regelrechtem Verlauf im Einzelfall sechs Wochen kaum überschritten hätte, bevor
wieder eine Rückkehr in den Arbeitsprozess zumutbar gewesen wäre. Ob unter diesen
Umständen die Aufnahme einer Tätigkeit im freien Arbeitsmarkt überhaupt möglich
gewesen wäre, könne aus medizinischer Sicht nicht beurteilt werden (IV-act. 144-28).
3.4 Nach der Verlaufsbegutachtung wurden der Beschwerdegegnerin weitere Berichte
von Ärzten eingereicht, bei denen die Beschwerdeführerin in Behandlung stand. Dem
Bericht von Dr. med. K._, FMH Chirurgie und Handchirurgie, vom 3. September 2009
ist zu entnehmen, dass bei der Beschwerdeführerin im Januar 2007 sowie im Januar,
Juni und Dezember 2008 operative Eingriffe (Exostose-Abtragungen) durchgeführt
worden waren. Die Exostosen, welche die Beschwerdeführerin seit Jahren am ganzen
Skelettsystem bilde, würden an den Armen durch Druck Nervenirritationen auslösen
(IV-act. 169). Gemäss einem Bericht der Klinik I._ vom 11. September 2009 stand die
Beschwerdeführerin seit Juni 2009 in regelmässiger psychotherapeutischer
Behandlung und war bei ihr eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem
Syndrom sowie ein chronifiziertes Schmerzsyndrom diagnostiziert worden. Als Grund
für die zunehmende depressive Entwicklung und die psychophysische Instabilität der
Beschwerdeführerin nannten die behandelnden Ärzte die fortschreitende Exostose-
Erkrankung und die daraus erwachsenden Belastungen (IV-act. 168). Auf Anfrage des
Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin hielt Dr. F._ am 10. November 2009 fest,
entgegen der im ABI-Gutachten geäusserten Zweifel seien die operativen Eingriffe stets
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indiziert gewesen aufgrund progredienter Schmerzen durch die Exostose-Bildung;
nach jedem Eingriff sei es zu einer deutlichen Verbesserung gekommen. Angesichts
der chronisch progressiven Erkrankung würde auch in Zukunft die Notwendigkeit
bestehen, weitere Exostosen operativ zu entfernen. Dr. F._ legte seiner
Stellungnahme einen Bericht der Klinik L._ über eine konsiliarische orthopädisch-
handchirurgische Untersuchung der Beschwerdeführerin im August 2007 bei; nach
Meinung jener Fachärzte war die chirurgische Abtragung der Exostosen die einzige
Therapieoption (IV-act. 173, vgl. auch den bereits im ersten ABI-Gutachten erwähnten
Arztbericht von Dr. med. M._, FMH Innere Medizin, vom 23. September 2005,
gemäss welchem chemotherapeutische Interventionen nicht empfehlenswert, sondern
die chirurgischen Therapiemöglichkeiten weiterzuführen seien, IV-act. 103-4). Dr. med.
N._, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie FMH, stellvertretender Chefarzt der
Klinik I._, bescheinigte der Beschwerdeführerin am 2. Februar 2010 aus
psychiatrischer Sicht weiterhin eine verminderte Arbeitsfähigkeit. Das Leistungsbild
beziehungsweise zumutbare Tätigkeiten seien nur unter Berücksichtigung der
somatischen Aspekte adäquat zu definieren. Bei Eingliederungsmassnahmen müsste
beachtet werden, dass die Beschwerdeführerin rasch ermüde, dass es aufgrund von
Schmerzen zu wiederholten Arbeitsausfällen käme und Operationen zusätzlich den
regelmässigen Einsatz am Arbeitsplatz erschweren würden (IV-act. 176). Dr. F._
berichtete am 4. Februar 2010, im September 2009 und im Januar 2010 seien
Exostose-Abtragungen erfolgt; die Beschwerdeführerin sei aktuell nicht arbeitsfähig
und nur beschränkt gehfähig, bedingt durch die Schmerzen, welche von exostotischen
Appositionen im Wirbelsäulenbereich, an Ellbogen und Handgelenk, Hüft-, Knie- und
OSG-Bereich herrührten. Es sei ihr kaum möglich, gleichbleibende Positionen über
längere Zeit einzuhalten (IV-act. 178). Mit Arztbericht der Klinik I._ (Dr. N._) vom
21. Mai 2010 wurde bei der Beschwerdeführerin psychiatrischerseits eine anhaltende
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom diagnostiziert. Der
aktuelle Zustand sei gekennzeichnet durch Schlafstörungen, Gewichtsverlust,
Appetitlosigkeit, depressive Episoden, Reizbarkeit, Dünnhäutigkeit und Kraftlosigkeit.
Seit März 2010 sei eine deutliche Verschlechterung eingetreten. Aufgrund der
Schmerzen und der wiederholten Operationen bestehe eine eingeschränkte physische
und psychische Belastbarkeit, die Alltagsbewältigung sei der Beschwerdeführerin nur
unter grossem Energieaufwand möglich. Sie sei aktuell zu 100% arbeitsunfähig, rein
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psychiatrisch bedingt ungefähr zu 40%. Es bestehe eine ausgeprägte Wechselwirkung
der somatischen und psychischen Aspekte (IV-act. 187). Gemäss Bericht von Dr. F._
vom 3. Januar 2011 ist die Beschwerdeführerin (seit längerem) nicht mehr arbeitsfähig.
Sie leide an chronischen permanenten Schmerzen und müsse sich inzwischen alle drei
Monate einem operativen Eingriff unterziehen. Daran würde sich in Zukunft nichts
ändern. Aktuell stünden Beschwerden im Bereich der Kiefergelenke, des
Gesichtsschädels, der Fuss-, Knie- und Hüftgelenke sowie der Wirbelsäule im
Vordergrund (IV-act. 206-3/4).
3.5 Die Sachverständigen des ABI waren sowohl im Gutachten vom Jahr 2005 als
auch in demjenigen von 2009 davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin in der
Arbeitsfähigkeit als Technische Kauffrau grundsätzlich nicht eingeschränkt sei – weder
aus psychischen noch aus somatischen Gründen. Eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit könne jedoch aus dem Umstand resultieren, dass immer wieder
operative Eingriffe (zwecks Entfernung der störenden Osteochondrome) notwendig
würden. Während die Gutachter die entsprechende Leistungseinbusse im Jahr 2005
auf 10-20% geschätzt hatten (und dabei durchschnittlich von einer Operation pro Jahr
ausgegangen waren), führten sie im Gutachten vom 19. Januar 2009 aus, die noch
vorliegenden Osteochondrome seien "stammnah und somit einer operativen
Entfernung nicht mehr so gut zugänglich, [sie] dürften jedoch auch mechanisch eher
wenig stören" (IV-act. 144-25). Die Experten gingen also davon aus, operative Eingriffe
mit entsprechenden Phasen von vollständiger Arbeitsunfähigkeit seien in Zukunft
weniger häufig notwendig als in der Vergangenheit. Wie die seit der letzten
Begutachtung der Beschwerdeführerin eingegangenen medizinischen Berichte zeigen,
haben sich die Einschätzung und die Prognose der ABI-Gutachter nicht bestätigt. Nicht
nur ist seit Mitte 2009 noch eine massgebliche psychische Beeinträchtigung
hinzugetreten, auch in somatischer Hinsicht hat sich der Gesundheitszustand
verschlechtert und die Häufigkeit notwendiger operativer Eingriffe hat weiter
zugenommen. Dass die Beschwerdegegnerin aufgrund des in den medizinischen Akten
abgebildeten Krankheitszustands zum Schluss gelangt ist, eine verwertbare
Arbeitsfähigkeit liege bei der Beschwerdeführerin nicht mehr vor, ist nachvollziehbar
und nicht zu beanstanden. Sie hat ihr daher zu Recht eine ganze Rente zugesprochen.
4.
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Strittig ist der Beginn des Rentenanspruchs, welcher in der angefochtenen Verfügung
vom 17. Oktober 2012 auf den 1. Juli 2008 festgesetzt worden ist.
4.1 Die Beschwerdeführerin hat sich am 17. April 2004 (erneut) mit dem Begehren um
IV-Leistungen angemeldet (IV-act. 71). Damit richtet sich der Rentenbeginn nach den
bis zum 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Gesetzesbestimmungen (vgl. E. 1).
4.2 Der Eintritt des Rentenfalls wird durch aArt. 29 Abs. 1 IVG geregelt. Der Renten
anspruch entsteht (abgesehen von der hier nicht anwendbaren lit. a) frühestens in dem
Zeitpunkt, in dem die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen
war (lit. b). Die einjährige Wartezeit gilt als eröffnet, sobald eine Arbeitsunfähigkeit von
mindestens 20% vorliegt (AHI 1998 S. 124 E. 3c). Ein wesentlicher Unterbruch der
Arbeitsfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person an mindestens 30
aufeinanderfolgenden Tagen voll arbeitsfähig war (Art. 29 der Verordnung über die
Invalidenversicherung, SR 831.201 [IVV]; Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts i/S K. vom 26. März 2004, I 19/04). Auch vor der Anmeldung
liegende Zeiten von Arbeitsunfähigkeit sind zu berücksichtigen (ZAK 1966 S. 58; Ulrich
Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 1. A. 1997, S. 238; BGE
117 V 26 E. 3b; BGE 121 V 264; Entscheid des EVG i/S C. vom 2. März 2000, I 307/99).
4.3 Im Falle einer rückwirkenden Rentenfestsetzung ist es unter Umständen
notwendig, den Invaliditätsgrad für verschiedene zurückliegende Zeitabschnitte nach
Massgabe der jeweiligen Erwerbsunfähigkeit unterschiedlich hoch zu bemessen. Bei
der rückwirkenden stufenweisen Rentenzusprache richtet sich der Zeitpunkt einer
Rentenherabsetzung oder -aufhebung ausschliesslich nach Art. 88a Abs. 1 IVV,
derjenige einer Erhöhung nach Art. 88a Abs. 2 IVV. Art. 88 Abs. 2 IVV findet keine
Anwendung (vgl. BGE 106 V 16; BGE 109 V 125). Nach Art. 88a Abs. 1 IVV ist die
anspruchsbeeinflussende Änderung bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit für
die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu
berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere
Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne
wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat und voraussichtlich weiterhin
andauern wird. Nach Art. 88a Abs. 2 IVV ist die anspruchsbeeinflussende Änderung bei
ter
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einer Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit zu berücksichtigen, sobald sie ohne
wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat. Art. 29 IVV ist sinngemäss
anwendbar.
4.4 Nach aArt. 48 Abs. 2 IVG können Leistungen für die zwölf der Anmeldung voran
gehenden Monate ausgerichtet werden. Da die IV-Anmeldung im April 2004 erfolgt ist,
könnte ein allfälliger Rentenanspruch frühestens am 1. April 2003 entstanden sein.
5.
5.1 Die Beschwerdegegnerin hat den Rentenbeginn auf den 1. Juli 2008 festgesetzt.
Dabei ist sie – gestützt auf die ABI-Gutachten – davon ausgegangen, dass die
Beschwerdeführerin bis Ende März 2008 in der als adaptiert geltenden Tätigkeit als
Technische Kauffrau grundsätzlich zu 100% arbeitsfähig gewesen sei, den
vorübergehend vollständigen Arbeitsunfähigkeiten infolge der wiederkehrend
notwendigen Operationen (nach Annahme der Beschwerdegegnerin zwei Mal jährlich)
allerdings mit der Anerkennung einer Leistungseinbusse von 20% Rechnung getragen
werden müsse (IV-act. 242-2). Dieser Einschätzung kann so nicht gefolgt werden. In
Übereinstimmung mit der Einschätzung der ABI-Gutachter ist zwar anzunehmen, dass
die Beschwerdeführerin in ihrer Tätigkeit als Technische Kauffrau medizinisch
theoretisch zu 100% arbeitsfähig war. Diese Tätigkeit ist als körperlich leicht
anzusehen und war der Beschwerdeführerin zeitlich und leistungsmässig
uneingeschränkt zumutbar. Der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin sich
wiederkehrend Operationen unterziehen muss, kann aber nicht mit einer Reduktion
(von i.c. 20%) der geschätzten Arbeitsfähigkeit Rechnung getragen werden. Eine
solche "Mischrechnung" ist nicht zulässig. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin grundsätzlich jeweils bis zum Zeitpunkt des notwendigen Eingriffs
100%ig arbeitsfähig war. Daraufhin folgten Phasen der vollständigen Arbeitsunfähigkeit
während des Spitalaufenthalts und der Dauer der Rekonvaleszenz. Daran schlossen
wieder Zeiten vollständiger Arbeitsfähigkeit bis zum nächsten Eingriff.
5.2 Die ABI-Gutachter sind davon ausgegangen, dass sich die Beschwerdeführerin
jährlich einer Operation unterziehen müsse. Diese Prognose hat sich als zu optimistisch
erwiesen. Tatsächlich wurden bei ihr bereits ab dem Jahr 2005 – im Abstand von drei
bis
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bis sieben Monaten – rund zwei Exostosenabtragungen jährlich vorgenommen. Davon
ist denn auch die Beschwerdegegnerin ausgegangen. In den Phasen zwischen den
Eingriffen aber war die Beschwerdeführerin in der als adaptiert geltenden Tätigkeit als
Technische Kauffrau jeweils wieder zu 100% arbeitsfähig. Für die Zeit vor 2008 ist
anzunehmen, dass es der Beschwerdeführerin möglich war, diese Arbeitsfähigkeit
erwerblich zu verwerten. Mit durchschnittlich zwei Operationen jährlich kam es noch
nicht zu derart häufigen Ausfällen, dass anzunehmen wäre, es hätte sich kein
Arbeitgeber mehr gefunden, der bereit gewesen wäre, sie anzustellen.
5.3 Aus den Akten ergibt sich, dass im Jahr 2008 die Zahl der Eingriffe zugenommen
hat und die Abstände zwischen den Operationen (samt Rekonvaleszenzzeiten) deutlich
kürzer geworden sind. Seither muss davon ausgegangen werden, dass die Phasen, in
denen die Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsfähigkeit erreicht, so kurz
geworden sind, dass auch auf dem theoretisch ausgeglichenen (modernen)
Arbeitsmarkt, welcher flexible Jahreszeitarbeitsmodelle und Möglichkeiten von
kurzzeitigen Arbeitseinsätzen kennt, keine Verwertbarkeit mehr anzunehmen ist. Denn
der Beschwerdeführerin wäre die Ausübung einer Erwerbstätigkeit nur noch bei einem
nicht realistischen Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich
(vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 21. September 2010, 9C_124/2010, E. 2.2,
Urteil des Bundesgerichts vom 17. Januar 2014, 8C_669/2013, E. 4.3.2). Es ist damit
davon auszugehen, dass unter Berücksichtigung der Situation der Beschwerdeführerin
ihre Arbeitskraft auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht mehr nachgefragt wird
und ihr damit die Verwertung ihrer Arbeitsfähigkeit auch unter Berücksichtigung der
Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zumutbar ist (vgl. dazu Urteil des
Bundesgerichts vom 22. März 2012, 9C_153/2011, E. 3.1).
5.4 Im Ergebnis hat die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin vor April 2008 damit zu Recht verneint. Die Beschwerde ist
dementsprechend abzuweisen.
6.
6.1 Der Beschwerdeführerin wurde die unentgeltliche Rechtspflege am 30. Januar
2013 bewilligt (act. G 8). Wenn ihre wirtschaftlichen Verhältnisse es gestatten, kann sie
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jedoch zur Nachzahlung verpflichtet werden (Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1] i.V.m. Art. 123 Abs. 1 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272]).
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Sie ist der
unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege
ist sie aber von der Bezahlung der Gebühr zu befreien.
6.3 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr.
12'000.--. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin verzichtete auf das Einreichen
einer Kostennote. In der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit erscheint eine
pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- angemessen. Diese ist um einen
Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes (AnwG; sGS 963.70). Somit
entschädigt der Staat die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin pauschal (BGE 125
V 201) mit Fr. 2'800.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht