Decision ID: 4f8f37a5-144c-40d9-ab39-f9dfa3a1275e
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
mehrfacher Raub etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung, vom 10. Januar 2013 (DG120351)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 16. Oktober 2012
(Urk. 17) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 47)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
- des mehrfachen Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB,
- des versuchten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB in Verbindung
mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie
- der strafbaren Vorbereitungshandlungen zum Raub im Sinne von
Art. 260bis Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird freigesprochen, soweit ihm unter Ziff. 1.4 der Anklage vorge-
worfen wird, die Uhren "Moonlight" und "Firefly" geraubt zu haben.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit vier Jahren Freiheitsstrafe, wovon bis und mit
heute 304 Tage durch Haft sowie durch vorzeitigen Strafvollzug erstanden sind.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.
5. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 11. September 2012
unter SK-Nr. ... beschlagnahmten Gegenstände (1 Laptop-Tasche „Lexon“ schwarz;
1 Plastiksack „C&A“ gelb, 1 Paar Handschellen, 1 Teppichmesser blau,
1 Pfefferspray, 1 Paar Handschuhe Leder schwarz, 1 Brille in schwarzem Brillenetui)
werden eingezogen und der Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung über-
lassen.
6. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 11. September 2012
beschlagnahmten Gegenstände (1 beiger Filzhut, lagernd unter SK-Nr. ...,
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1 Schreckschusspistole „Walther“ P88 Compact 9mm PAK Nr. ..., inkl.
1 Magazin, lagernd beim FOR unter der Asservat-Nr. ..., 1 Räuber-Strumpf-Maske
schwarz, lagernd beim FOR unter der WD-Nr. ..., 1 FM Transceiver Yaesu VX-5 inkl.
Antenne und Ohrhörer, lagernd beim FOR unter der WD-Nr. ...) werden eingezogen
und der Lagerbehörde zur gut-scheinenden Verwendung überlassen.
7. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 11. September 2012
beschlagnahmten Gegenstände (1 Rucksack schwarz "Pack Easy", 1 Mantel "Giorgio
Armani", 1 Hut "Leisure Felt", 1 Krawatte "Angelo Litrico", 1 Hemdkragenfetzen "van
Laack", 1 Herrenschirm "Knirps"; alle Gegenstände lagernd beim Forensischen
Institut Zürich unter ...) werden eingezogen und der Lagerbehörde zur
gutscheinenden Verwendung überlassen.
8. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 13. September 2012
beschlagnahmte Geissfuss, lagernd bei der Kantonspolizei von Genf unter
No évén: ..., wird eingezogen und der Lagerbehörde zur gutscheinenden
Verwendung überlassen.
9. Es wird festgehalten, dass der Beschuldigte die Schadenersatzforderung des
Privatklägers B._ im Betrag von Fr. 500.– sowie dessen Genugtuungsforderung
im Betrag von Fr. 500.– anerkannt hat. Darüber hinaus wird der Beschuldigte
verpflichtet, dem Privatkläger weitere Fr. 500.– als Genugtuung sowie 5% Zins auf
allen genannten Beträgen seit 8. Februar 2006 zu bezahlen. Im übersteigenden
Umfang wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
10. Das Schadenersatzbegehren des Privatklägers C._ wird auf den Zivilweg
verwiesen.
11. Es wird festgehalten, dass der Beschuldigte die Genugtuungsforderung des Privat-
klägers D._ im Betrag von Fr. 500.– anerkannt hat.
12. Es wird festgehalten, dass der Beschuldigte die Schadenersatzforderung der Privat-
klägerin ... Versicherung im Betrag von Fr. 266'304.– zzgl. 5% Zins seit 8. Februar
2006 anerkannt hat.
13. Dem Privatkläger D._ wird für die Anreise zur Einvernahme vom 16. August
2012 ein Spesenersatz von Fr. 280.– aus der Gerichtskasse zugesprochen.
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14. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 3'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. Kosten Kantonspolizei
Fr. 2'500.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten
Fr. 2'785.– Auslagen Untersuchung
Fr. amtliche Verteidigung (ausstehend)
Allfällige weiter Auslagen bleiben vorbehalten.
15. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die
Gerichtskasse genommen (vgl. StPO 426); vorbehalten bleibt eine Nachforderung
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
16. (Mitteilungen)
17. (Rechtsmittelbelehrung)"
Berufungsanträge:
a) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 66 S. 2)
1. Der Beschuldigte A._ sei mit einer Freiheitsstrafe von 7 Jahren zu
bestrafen.
2. Im Übrigen sei das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung,
vom 10. Januar 2013 zu bestätigen.
3. Die Anträge des Beschuldigten / Anschlussberufungsklägers seien ab-
zuweisen.
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b) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 67 S. 1 f.)
1. Es sei festzustellen, dass das angefochtene Urteil in den unange-
fochten gebliebenen Ziffern in Rechtskraft erwachsen ist.
2. Der Beschuldigte sei mit 3 Jahren Freiheitsstrafe zu bestrafen unter
Anrechnung der bisher erstandenen Haft.
3. Die Freiheitsstrafe sei im Umfang von 18 Monaten zu vollziehen.
4. Im weiteren Umfang von 18 Monaten sei die Freiheitsstrafe bedingt
aufzuschieben und die Probezeit auf vier Jahre festzulegen.
5. Der Beschuldigte sei aus der Haft zu entlassen.
6. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien inklusive derjenigen der
amtlichen Verteidigung auf die Staatskasse zu nehmen.

Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil vom 10. Januar 2013 wurde der
Beschuldigte des mehrfachen Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB, des
versuchten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22
Abs. 1 StGB sowie der strafbaren Vorbereitungshandlungen zum Raub im Sinne
von Art. 260bis Abs. 1 StGB schuldig- und soweit ihm in Anklageziffer 1.4 vorge-
worfen wurde, die Uhren "Moonlight" und "Firefly" geraubt zu haben, freige-
sprochen. Der Beschuldigte wurde mit vier Jahren Freiheitsstrafe, wovon
304 Tage durch Haft sowie durch vorzeitigen Strafantritt erstanden waren,
bestraft. Weiter entschied die Vorinstanz über verschiedene beschlagnahmte
Gegenstände, nahm sodann Vormerk, dass der Beschuldigte diverse Schadener-
satz- und Genugtuungsforderungen anerkannt hat, und entschied über weitere
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Zivilansprüche. Zudem wurde dem Privatkläger D._ für die Anreise zur Ein-
vernahme vom 16. August 2012 ein Spesenersatz von Fr. 280.– aus der Ge-
richtskasse zugesprochen. Die Kosten der Untersuchung sowie des gerichtlichen
Verfahrens wurden dem Beschuldigten auferlegt und die Kosten der amtlichen
Verteidigung unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO einstweilen auf die Gerichtskasse genommen (Urk. 37 S. 3 ff.).
1.2. Gegen dieses Urteil meldete die Staatsanwaltschaft am 14. Januar 2013
fristgerecht die Berufung an (Urk. 38). Nach Zustellung des begründeten Urteils
(Urk. 42 = 47; Urk. 44/1) reichte die Staatsanwaltschaft am 23. Mai 2013 ebenfalls
innert Frist die Berufungserklärung ein (Urk. 48). Mit Präsidialverfügung vom
11. Juni 2013 wurde die Berufungserklärung in Anwendung von Art. 400 Abs. 2
und 3 StPO dem Beschuldigten sowie den Privatklägern übermittelt, um gegebe-
nenfalls Anschlussberufung zu erheben oder Nichteintreten auf die Berufung zu
beantragen (Urk. 51). Am 3. Juli 2013 liess der Beschuldigte fristgerecht
Anschlussberufung erheben (Urk. 54). Mit Präsidialverfügung vom 10. Juli 2013
wurde die Anschlussberufungserklärung den Privatklägern sowie der Staats-
anwaltschaft zugestellt (Urk. 57).
1.3. Zu Beginn der heutigen Berufungsverhandlung, zu welcher der Staatsanwalt
lic. iur. U. Krättli, der Beschuldigte sowie der amtliche Verteidiger Rechtsanwalt
lic. iur. X._ erschienen sind, waren weder Vorfragen zu entscheiden noch
Beweise abzunehmen (Prot. II S. 4 ff.). Das vorliegende Urteil erging im
Anschluss an die Berufungsverhandlung (Prot. II S. 9 ff.).
2. Umfang der Berufung
2.1. Die Staatsanwaltschaft beschränkte ihre Berufung ausschliesslich auf die
Frage der Strafzumessung (Dispositivziffer 3; Urk. 48 S. 2).
2.2. Der Beschuldigte lässt das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich der Straf-
zumessung (Dispositivziffer 3) sowie des Strafvollzugs (Dispositivziffer 4) anfech-
ten (Urk. 54 S. 2).
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2.3. Damit ist das vorinstanzliche Urteil in den folgenden Punkten unangefochten
geblieben und demnach in Rechtskraft erwachsen (Art. 399 Abs. 3 StPO in
Verbindung mit Art. 402 und 437 StPO; Prot. II S. 6 ff):
- Schuldsprüche (Dispositivziffer 1);
- Freispruch (Dispositivziffer 2);
- Entscheide über verschiedene beschlagnahmte Gegenstände
(Dispositivziffern 5 bis 8);
- Entscheide betreffend die Zivilforderungen (Dispositivziffer 9 bis 12);
- Entscheid über den Spesenersatz an den Privatkläger D._
(Dispositivziffern 13);
- Kostenfestsetzung und Kostenauferlegung (Dispositivziffern 14 und 15).
Vom Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnungen ist vorab Vormerk zu nehmen
(Art. 404 StPO).
3. Strafzumessung
3.1. Zunächst ist - mit der Vorinstanz (Urk. 47 S. 14) - festzuhalten, dass am
1. Januar 2007 das neue Strafgesetzbuch in Kraft getreten ist. Der Beschuldigte
beging die fraglichen Delikte teils vor (Anklageziffern 1.2 bis 1.4) und teils nach
(Anklageziffer 1.1) dem Inkrafttreten dieser Gesetzesänderung. Entsprechend
stellt sich die Frage nach dem anwendbaren Recht.
3.1.1. Nach neuem Recht wird grundsätzlich nur beurteilt, wer nach dessen
Inkrafttreten ein Delikt begangen hat (Art. 2 Abs. 1 StGB). Hat jedoch der Täter
ein Verbrechen oder Vergehen vor Inkrafttreten dieses Gesetzes begangen und
erfolgt die Beurteilung erst nachher, so ist das neue Gesetz anzuwenden, wenn
es für den Täter das mildere ist (lex mitior; Art. 2 Abs. 2 StGB). In der Schweiz
folgen Lehre und Rechtsprechung bei der Beurteilung der lex mitior der konkreten
Methode, d.h. es wird geprüft, nach welchem der beiden Rechte der Täter für die
gerade zu beurteilende Tat besser wegkommt (Bundesgerichtsentscheid
6B_102/2011 vom 14. Februar 2012, E. 1.3.1; Riklin, Revision des Allgemeinen
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Teils des Strafgesetzbuches: Fragen des Übergangsrechts, AJP 12/2006
S. 1473). Dabei hat die Bewertung immer zuerst bei der Strafbarkeit einzusetzen.
Ist sie unter beiden Rechten gegeben, so sind die Sanktionen zu vergleichen (vgl.
zum Ganzen auch Schwarzenegger/Hug/Jositsch, Strafrecht II, 8. Auflage, Zürich
2007, S. 315 f.).
3.1.2. Wie nachstehend zu zeigen ist, ist für sämtliche Delikte eine Freiheitsstrafe
von mehr als 3 Jahren auszusprechen. Damit ist die Grenze für einen möglichen
teilbedingten Strafvollzug überschritten (Art. 43 StGB). Das neue Recht erweist
sich somit nicht als milder. Entsprechend wäre in Bezug auf die unter Geltung des
alten Rechts begangenen Delikte altes Recht anzuwenden. Die allgemeinen
Bestimmungen zur Strafzumessung haben aber gegenüber dem bisherigen Recht
materiell keine grundlegenden Änderungen erfahren, auch wenn verschiedene
Details modifiziert wurden (Entscheide des Bundesgerichtes 6B_585/2008 vom
19. Juni 2009, E. 2.; 6B_426/2008 vom 29. August 2008 E. 2.2.; 6B_131/2007
vom 22. November 2007, E. 2.1.; Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Schweizeri-
sches Strafgesetzbuch, 19. Auflage, Zürich 2013, N 1 und N 4 zu Art. 47 StGB
samt Zitaten). Nachdem die Vorinstanz für die gesamte Strafzumessung neues
Recht zur Anwendung brachte (Urk. 47 S. 14), die Staatsanwaltschaft vor
Vorinstanz nach neuem Recht plädiert hatte (Urk. 35 S. 4 f.) und dieser Umstand
von der Verteidigung nicht beanstandet wurde (Urk. 36; Urk. 54), rechtfertigt
es sich aus Praktikabilitätsgründen auch im Berufungsentscheid für die Strafzu-
messung aller Delikte neues Recht anzuwenden. Der Beschuldigte erleidet
dadurch auf jeden Fall keine Benachteiligung.
3.2. Das Bundesgericht hat die Grundsätze, nach welchen eine Strafe zuzu-
messen ist, in der jüngeren Bundesgerichtspraxis ausführlich dargestellt. Darauf
ist vorab zu verweisen (BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff; BGE 135 IV 130 E. 5.3.1; BGE
132 IV 102 E. 8.1, je mit Hinweisen; Bundesgerichtsentscheide 6B_466/2013 vom
25. Juli 2013, E. 2.1, und 6B_274/2013 vom 5. September 2013, E. 1.2.2).
3.2.1. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen
für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe
der schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchst-
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mass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen und ist an das
gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Bei der
Bildung der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB ist vorab der ordentliche
Strafrahmen für die schwerste Straftat zu bestimmen und alsdann die Einsatz-
strafe für die schwerste Tat innerhalb dieses Strafrahmens festzusetzen. Hernach
sind alle weiteren Delikte verschuldensmässig zu bewerten und es muss die
Einsatzstrafe in Anwendung des Asperationsprinzips gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB
unter Berücksichtigung der in Frage kommenden weiteren Strafzumessungs-
kriterien angemessen erhöht werden. Der Richter hat mithin in einem ersten
Schritt gedanklich die Einsatzstrafe für das schwerste Delikt festzulegen, indem er
alle diesbezüglichen straferhöhenden und strafmindernden Umstände einbezieht.
In einem zweiten Schritt hat er die Strafe zu erhöhen, um die weiteren Delikte zu
sanktionieren. Auch dort muss er den jeweiligen Umständen Rechnung tragen
(Bundesgerichtsentscheide 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013, E. 2.1, und
6B_274/2013 vom 5. September 2013, E. 1.2.2).
3.2.2. Der ordentliche Strafrahmen wird durch einen Strafschärfungsgrund – wie
auch einen Strafmilderungsgrund – nicht automatisch erweitert. Zwar besteht in
solchen Fällen die Möglichkeit, den Strafrahmen – nach oben bzw. unten – zu
öffnen. Der ordentliche Rahmen ist aber nur dann zu verlassen, wenn ausser-
gewöhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte
Strafe im konkreten Fall zu hart bzw. zu milde erscheint (BGE 136 IV 55 E. 5.8).
3.2.3. Es ist darauf hinzuweisen, dass der Richter, sofern er das Urteil zu be-
gründen hat, die für die Zumessung der Strafe erheblichen Umstände und deren
Gewichtung festzuhalten hat (Art. 50 StGB). Gemäss dieser gesetzlich festge-
schriebene Begründungspflicht hat der Richter die Überlegungen, die er bei der
Bemessung der Strafe vorgenommen hat, in den Grundzügen wiederzugeben, so
dass die Strafzumessung nachvollziehbar ist (BGE 134 IV 17 E. 2.1).
3.2.4. Weiter ist zu erwähnen, dass die schweizerische Praxis bei nicht besonders
schwerem Verschulden in aller Regel die Strafen im unteren bis mittleren Teil des
vorgegebenen Strafrahmens ansiedelt. Strafen im oberen Bereich, insbesondere
Höchststrafen, sind bloss ausnahmsweise und bei sehr schwerem Verschulden
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des Täters auszusprechen (BSK StGB I - Wiprächtiger, 3. Auflage, Basel 2013,
Art. 47 N 19).
3.3. Die Vorinstanz ging – ausgehend von Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1
StGB als schwerste Straftat (Art. 49 Abs. 1 StGB) – zutreffenderweise vom
ordentlichen Strafrahmen zwischen 180 Tagessätzen Geldstrafe und 10 Jahren
Freiheitsstrafe aus (Art. 140 Ziff. 1 StGB; vgl. Urk. 47 S. 14). Weiter hat die
Vorinstanz zutreffend erwogen, dass keine ausserordentlichen Umstände vor-
liegen, die es rechtfertigen würden, den ordentlichen Strafrahmen trotz Straf-
schärfungs- (Art. 49 Abs. 1 StGB) und Strafmilderungsgrund (Art. 22 Abs. 1 StGB)
zu verlassen (vgl. Urk. 47 S. 15). Damit sind sowohl die Deliktsmehrheit als auch
der Versuch im vorliegenden Fall innerhalb des ordentlichen Strafrahmens ent-
sprechend zu berücksichtigen.
3.4. Tatkomponente der schwersten Straftat
3.4.1. Allgemeines
Die Vorinstanz hat bei der objektiven wie auch bei der subjektiven Tatkomponente
sämtliche Delikte (Anklageziffern 1.1 bis 1.4) gemeinsam beurteilt, anstatt
– methodisch korrekt – zunächst alleine das schwerste Delikt zu würdigen, hierfür
eine Einsatzstrafe festzulegen und diese anschliessend unter Berücksichtigung
der weiteren Delikte zu erhöhen, um damit nachvollziehbar zu machen, in
welchem Ausmass die Deliktsmehrheit eine Strafschärfung zur Folge hat. Den
entsprechenden Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 47 S. 16 f.) kann deshalb nur
teilweise gefolgt werden.
3.4.2. Anklageziffer 1.4 (ND 3)
3.4.1.1. Als "schwerste Straftat" im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB ist der Raub in
Anklageziffer 1.4 (ND 3) der Strafzumessung als Ausgangspunkt zugrunde zu
legen.
3.4.1.2. Als Ausgangskriterium für die Verschuldensbewertung ist die objektive
Tatschwere festzulegen und zu bemessen. Es gilt zu prüfen, wie stark das straf-
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rechtlich geschützte Rechtsgut überhaupt beeinträchtigt worden ist. Darunter
fallen etwa das Ausmass des Erfolges, wie insbesondere der Deliktsbetrag, die
Gefährdung, das Risiko und der Sachschaden etc., sowie die Art und Weise des
Vorgehens. Von Bedeutung ist auch die kriminelle Energie, wie sie durch die Tat
und die Tatausführung offenbart wird. Auch die Grösse des Tatbeitrages
bei mehreren Tätern und die hierarchische Stellung sind von Bedeutung (BSK
StGB I - Wiprächtiger, a.a.O., Art. 47 N 91 ff.; Trechsel/Affolter-Eijsten, StGB
Praxiskommentar, 2. Auflage, Zürich/St. Gallen 2013, Art. 47 N 18 f.).
In Bezug auf die objektive Tatschwere fällt zunächst in Betracht, dass der
Beschuldigte vier Uhren im Wert von insgesamt Fr. 932'000.– erbeutete. Dies
stellt – mit der Staatsanwaltschaft (Urk. 66 S. 4) – einen sehr hohen Deliktsbetrag
dar. Zwar ist davon auszugehen, dass dem Beschuldigten der tatsächliche
Verkaufspreis der gestohlenen Uhren nicht bekannt war und es damit letztlich
vom Zufall abhing, wie hoch die effektive Deliktssumme war. Der Beschuldigte hat
aber – gemäss seinen eigenen Angaben (vgl. Urk. 6/3 S. 13) –teure Uhren steh-
len und damit einen hohen Deliktsbetrag erzielen wollen. Sodann ist zu berück-
sichtigen, dass der Beschuldigte bei der Tatbegehung eine Schreckschusspistole
verwendete. Zwar war diese ungeladen, sodass keine tatsächliche Verletzungs-
gefahr für den anwesenden Verkäufer, den Geschädigten D._,
bestand. Indem der Beschuldigte aber die Waffe auf den Oberkörper des
Geschädigten richtete und sogar den Lauf direkt auf dessen Brust setzte, um zu
erreichen, dass er sich hinsetzte und keine Gegenwehr leistete, zeigte der
Beschuldigte wenig Skrupel, auf den Geschädigten starken psychischen Druck
auszuüben und ihn in Todesangst zu versetzen. Weitergehende, insbesondere
physische Gewalt wendete der Beschuldigte aber nicht an. Dennoch lässt das
Verhalten des Beschuldigten auf eine erhebliche kriminelle Energie schliessen.
Weiter ist zu beachten, dass diese Raubtat nicht auf einer spontanen Idee des
Beschuldigten gründete, sondern vielmehr – mit der Staatsanwaltschaft (Urk. 66
S. 4) – detailliert geplant war. So wusste der Beschuldigte bereits im Vorfeld, dass
er aus einer bestimmten Glasvitrine sechs einmalige und teure Uhren behändigen
wollte (vgl. Urk. 6/3 S. 13). Um diese Vitrine öffnen zu können, führte er einen
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Geissfuss mit sich. Weiter benutzte er bei der Tat eine Strumpfmaske und
wechselte auf der Flucht seine Kleidung, um unerkannt entkommen zu können
(vgl. Urk. 17 S. 10; Urk. 6/4 S. 18). Die detaillierte Planung seiner Tat lässt eben-
falls auf eine erhebliche kriminelle Energie des Beschuldigten schliessen.
Der Beschuldigte gab an, dass er während der vorliegend zu beurteilenden Raub-
tat über Funk mit einer anderen Person in Kontakt gestanden sei (vgl. Urk. 6/4
S. 13). Er habe bereits ca. 5 Tage vor der effektiven Tatbegehung diese Bijouterie
ausrauben wollen. Er sei mit einem Mafiamann, der auf einer Brücke gestanden
und ihn beobachtet habe, mit einem Funkgerät in Verbindung gestanden. Als er in
Richtung der Bijouterie gegangen sei, habe ihm diese Person über Funk mitge-
teilt, dass er sich schnell entfernen müsse (Urk. 6/4 S. 17). Weiter führte er aus,
dass er auch beim Raub in Zürich (Anklageziffer 1.2, ND 1) ein Funkgerät auf sich
getragen habe (vgl. Urk. 6/4 S. 13). Diese Sachdarstellung wird dadurch gestützt,
dass in der Nähe dieses Tatorts – neben weiteren inkriminierten Gegenständen –
ein Funkgerät (FM Transceiver der Marke "Yaesu" mit Antenne und Ohrhörer)
gefunden wurde und der Beschuldigte bestätigte, dass er dieses während der Tat
bei sich gehabt habe (vgl. Urk. 6/4 S. 14). Es ist somit davon auszugehen, dass
der Beschuldigte von mindestens einer weiteren Person im Hintergrund unter-
stützt bzw. überwacht wurde.
In diesem Zusammenhang hält die Vorinstanz fest, dass die Planung der Tat
gemäss den Angaben des Beschuldigten vor allem durch Hintermänner der
russischen Mafia erfolgt sei. Da diese Angaben nicht widerlegt worden seien, sei
zugunsten des Beschuldigten zu berücksichtigen, dass er hierarchisch lediglich
auf unterster Stufe, mithin als Ausführender, gehandelt habe. Die Einbindung in
diese Organisation lasse aber dennoch auf eine erhebliche kriminelle Energie
schliessen (Urk. 47 S. 16 f.). Diese Ausführungen sind zutreffend, weshalb darauf
verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO). Wie nachstehend noch zu zeigen
ist, muss – zugunsten des Beschuldigten – davon ausgegangen werden, dass der
Beschuldigte die fraglichen Raubtaten nicht alleine, sondern vielmehr zusammen
mit bzw. unter der Anweisung von weiteren Personen beging, er somit in
eine kriminelle Organisation eingebunden war. Mit der Vorinstanz muss dem
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Beschuldigten zwar zugute gehalten werden, dass er hierarchisch lediglich in
untergeordneter Rolle handelte. Das Mitwirken in einer solchen kriminellen Orga-
nisation lässt aber dennoch auf eine erhebliche kriminelle Energie schliessen.
Wenn die Vorinstanz sodann ausführt, dass eine gewisse Drucksituation, welche
den Beschuldigten zur Verübung der Taten veranlasste, leicht strafmindernd zu
berücksichtigen sei (Urk. 47 S. 17), so verkennt sie, dass es sich dabei um ein
Element der Strafzumessung handelt, das korrekterweise erst im Rahmen der
subjektiven Verschuldensbewertung von Bedeutung ist. Entsprechend ist erst
nachstehend zu prüfen, ob allenfalls von einer Drucksituation auszugehen ist, die
strafmindernd zu berücksichtigen ist.
Zusammengefasst ist festzuhalten, dass angesichts des weiten Strafrahmens das
objektive Verschulden des Beschuldigten als erheblich zu würdigen ist.
3.4.1.3. Sodann ist eine Bewertung des subjektiven Verschuldens vorzunehmen.
Es stellt sich hier die Frage, wie dem Täter die objektive Tatschwere tatsächlich
anzurechnen ist. Zum subjektiven Verschulden gehören etwa die Frage der
Zurechnungs- bzw. der Schuldfähigkeit sowie das Motiv. Ferner sind die weiteren
subjektiven Verschuldenskomponenten, wie beispielsweise einige der in Art. 48
StGB aufgeführten Gründe, zu berücksichtigen.
In subjektiver Hinsicht fällt zunächst in Betracht, dass der Beschuldigte geltend
macht, er habe im Auftrag von Hintermännern der russischen Mafia gehandelt. Er
habe in Russland einen Autounfall gehabt. Da er Schuld am Unfall gehabt habe,
hätte er den Schaden bezahlen müssen. Er habe aber kein Geld gehabt, weshalb
er in Raten habe bezahlen wollen. Dies habe die am Unfall beteiligte Person nicht
gewollt. Diese Person hätte ihn dann in der Folge unter Druck gesetzt. Auf
Anordnung dieser Person sei er in die Schweiz gereist und habe die Raubtaten
begangen (Urk. 6/3 S. 11 ff.; Urk. 6/4 S. 34 S. 8 ff.; Urk. 64 S. 7 ff.).
Es fällt zunächst auf, dass der Beschuldigte den Ablauf der Geschehnisse nicht
übereinstimmend ausführte. So machte er anlässlich der polizeilichen Einver-
nahme vom 2. April 2012 geltend, dass sich der Unfall im Jahr 2002 ereignet
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habe. Er habe sich schuldig erklärt am Unfall und sei bereit gewesen, den
Schaden in Raten zu bezahlen. Nach einiger Zeit habe man ihm angeboten, in
Moskau Autos zu stehlen. Er habe ihnen aber erklärt, dass er dazu nicht fähig sei.
Danach habe er keinen Kontakt mehr zu diesen Personen gehabt. Er habe zwar
den Schaden nicht bezahlt, er habe aber angefangen, Geld zu sammeln. Im Jahr
2004 habe ihn diese Person dann wieder angerufen. Er habe dieser Person
4000.– Euro angeboten. Diese Person habe aber erklärt, dass dies zu wenig sei.
Diese Person habe ihm dann gesagt, er solle in die Schweiz fahren. Dies habe er
aber abgelehnt, da er keine Straftat habe begehen wollen. Nach einer Woche sei
sein Auto nieder gebrannt. Danach habe er dann diese Person angerufen. Dieser
habe ihm mitgeteilt, er müsse in die Schweiz gehen. Nach den Raubtaten in der
Schweiz im Jahr 2006 habe er sich in einem Vorort in Moskau versteckt. Nach
sechs Jahren hätten sie ihm dann wieder gesagt, er müsse wieder dieselbe
Bijouterie ausrauben (Urk. 6/3 S. 11 ff.). Demgegenüber führte er vor Vorinstanz
aus, dass er im Winter 2001/2002 einen Unfall gehabt habe. Da er kein Geld
gehabt habe, den Schaden zu bezahlen, habe ihm die andere Person gesagt, er
werde ihn finden. Dann habe er eine Zeit lang nichts gehört von dieser Person.
Irgendwann sei man auf ihn zugekommen und man habe ihm gesagt, er solle
Autos klauen. Er habe gesagt, er könne dies nicht. Ihm sei dann gedroht worden
und man habe ihm das Auto verbrannt. Er sei geflohen und habe sich sechs Jah-
re lang versteckt (Urk. 34 S. 8 ff.). Anlässlich der Berufungsverhandlung führte der
Beschuldigte schliesslich aus, der Besitzer des anderen, am Verkehrsunfall betei-
ligten Fahrzeuges habe ihm diverse Vorschläge gemacht, wie er den Schaden
begleichen könne, wie beispielsweise dass er Autos stehlen oder gestohlene
Autos überführen solle. Er habe sich immer geweigert, dies zu tun. Dann habe
diese Person vorgeschlagen, dass er nach Deutschland fahren solle und dort ein
Auto stehlen und nach Russland überführen solle. Doch er habe ihm gesagt, dass
er dies nicht machen könne, da er nicht wisse wie. Schliesslich sei ihm gesagt
worden, dass er mit einer 20 Sekunden-Arbeitsleistung seine gesamten Schulden
sofort zurückzahlen könne. Sie hätten ihm gesagt, er müsse nur in ein Geschäft
gehen und dort das, was sie ihm gesagt hätten, stehlen und ihnen dann über-
geben. So sei es dazu gekommen (Urk. 64 S. 8). Erst auf die Frage, weshalb er
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sich nicht an die Polizei gewendet habe, meinte der Beschuldigte, er habe dies
eigentlich gar nicht tun wollen, er sei aber stark unter Druck gesetzt worden. Sein
Auto sei angezündet worden (Urk. 64 S. 8). Wie aus dem Gesagten ersichtlich ist,
divergieren die Schilderungen des Beschuldigten insbesondere dahingehend, ob
das Anzünden seines Autos die Reaktion darauf war, dass er sich weigerte, Autos
in Moskau zu stehlen, oder dass er sich weigerte, in der Schweiz zu delinquieren.
Da es sich dabei nicht lediglich um ein untergeordnetes Detail handelt, wäre zu
erwarten, dass der Beschuldigte in diesem Punkt übereinstimmende Angaben
machen würde.
Sodann fällt bei der Darstellung des Beschuldigten auf, dass sämtliche Ausfüh-
rungen zu den angeblichen Personen der russische Mafia lediglich knapp, wenig
detailliert und teilweise nicht plausibel sind. So konnte er weder die fraglichen
Personen genau beschreiben, noch konnte er konkret angeben, wo er sich jeweils
mit ihnen getroffen hatte bzw. wie er mit ihnen in Kontakt getreten war ("Eine
Person von diesem Russen wusste wo ich mich im Hotel aufhielt und er kontak-
tierte mich per Telefon. Ich kam dann vom Hotel runter und wir trafen uns an
einem abgemachten Ort in Luzern" Urk. 6/3 S. 13; Er habe eine Telefonnummer
von einer Person in Moskau erhalten. Nach der Tat hätte er diese Nummer
wählen müssen und diese Person in Moskau hätte ihm dann gesagt, wohin er
gehen müsse. Die Telefonnummer habe er im Kopf gehabt. Wenn er diese Num-
mer bekannt geben würde, dann könne er nicht mehr nach Hause gehen, dann
würde er unterwegs verschwinden und irgendwo in der Umgebung von Moskau
begraben werden, Urk. 6/4 S. 10.). Er konnte auch nicht nachvollziehbar dar-
legen, wann und wo er jeweils die Waffen und die weiteren für die Tatbegehung
verwendeten Gegenstände erhielt und wie er nach der Tat das Deliktsgut übergab
(auf die Frage, wo und wann er die Waffe erhalten habe: "Es ist so lange her. Das
weiss ich nicht mehr. Irgendwo in der Stadt", und anschliessend auf die Frage, ob
er die Stadt Zürich meine: "Das weiss ich nicht. Die Kleider und die Waffen
wurden mir immer von den Mafialeuten gegeben", Urk. 6/4 S. 15; in der gleichen
Einvernahme auf die Frage, wo und wann man ihm die Waffe gegeben habe:
"Das weiss ich nicht mehr ganz genau. Aber die Hauptsache ist ja, dass ich die
Pistole bekam und nicht selber gekauft habe", Urk. 6/4 S. 20). Demgegenüber
- 16 -
sind die übrigen Ausführungen des Beschuldigten zu den einzelnen Taten sehr
ausführlich, nachvollziehbar und wirken erlebt. So konnte er präzise schildern, wie
er die einzelnen Raubtaten ausführte (vgl. Urk. 6/4 S. 11 ff, S. 14 ff. und S. 17 ff.).
Er vermochte sich an kleinste Details erinnern ("Der Verkäufer machte an der
Wand etwas. Dort stand eine Leiter" Urk. 6/4 S. 11) und konnte beispielsweise
genau beschreiben, wo sich die Bijouterie in Genf befand ("Wenn man vom
Bahnhof rauskommt führt eine Strasse zum Fluss hin. Dort geht man nach rechts,
ca. 150 oder 200 Meter von der Strasse, die zum Fluss führt. Wiederum auf der
rechten Seite gab es einen Laden wo diese Uhren verkauft wurden" Urk. 6/3
S. 13). Auch konnte er beispielsweise die Uhren, die er in Genf raubte (ND 3),
detailliert beschreiben ("Ich musste sechs Uhren holen/stehlen und eine davon
musste mit einem Meteoritenstein versehen sein. Diese Uhren waren einmalig"
Urk. 6/3 S. 13; "Die Beute war vier Uhren aus der Vitrine. Sie waren goldfarben
und teuer" Urk. 6/3 S. 13). Ebenso war es ihm möglich, genau zu beschreiben,
wie er nach der Tat in Genf flüchtete, wo er sich umzog und wo er anschliessend
ein Taxi nahm (vgl. Urk. 6/4 S. 18).
Weiter ist in Betracht zu ziehen, dass der Beschuldigte lediglich in allgemeiner
Weise angab, dass er moralisch und psychisch unter Druck gesetzt worden sei
(Urk. 34 S. 9) und er Angst um seine Familie gehabt habe (Urk. 6/3 S. 15). Wie er
aber konkret bedroht, in Angst versetzt oder unter Druck gesetzt wurde, sodass er
sich gezwungen sah, die vorliegend zu beurteilenden Straftaten zu begehen, gab
der Beschuldigte in keinster Weise an. Diesbezüglich führte er lediglich aus, man
habe sein Fahrzeug angezündet (vgl. 6/3 S. 12), was auch von seiner Lebens-
gefährtin bestätigt wird (vgl. Urk. 56/1 bzw. Urk. 56/2). Auch legte er nicht einmal
plausibel dar, weshalb er sich nicht an die Polizei wandte. Hierzu führte er schlicht
aus, dass wenn er das gemacht hätte, wäre er nicht hier (vgl. Urk. 34 S. 9; vgl.
auch Urk. 64 S. 8).
Trotz der genannten Widersprüche und Ungenauigkeiten ist zu berücksichtigen,
dass der Beschuldigte – seit er ein Geständnis ablegte – in Bezug auf die angeb-
lichen "Hintermänner" im Kerngeschehen konstant aussagte. Zudem erscheinen
insbesondere die Schilderungen, wonach er einen Verkehrsunfall verursacht
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habe, den Schaden des anderen, an diesem Unfall beteiligten Fahrzeuges nicht
habe bezahlen können und er deshalb in diese ganze "Geschichte" hineingeraten
sei, nachvollziehbar und erlebt. Schliesslich deckt sich diese Sachdarstellung mit
den weiteren Aussagen des Beschuldigten, wonach er bei der Tatbegehung – wie
vorstehend dargelegt – mit einer weiteren Person über Funk in Verbindung stand.
Zudem wird diese Sachdarstellung dadurch gestützt, dass in der Nähe des Tat-
orts ein Funkgerät gefunden wurde.
Zugunsten des Beschuldigten ist somit davon auszugehen, dass er von weiteren
Personen unter Druck gesetzt wurde, die fraglichen Raubtaten zu begehen. Der
Beschuldigte hat allerdings – wie vorstehend dargelegt – nicht konkret darlegen
können, inwiefern er oder seine Familie bedroht wurden. Aufgrund der Schilde-
rungen des Beschuldigten kann nicht von einer für ihn ausweglosen Situation
gesprochen werden. Es wäre dem Beschuldigten durchaus zuzumuten gewesen,
sich an die Polizei zu wenden, anstatt die Raubtaten tatsächlich zu begehen. Die
Entscheidungsfreiheit des Beschuldigten war insgesamt in leichtem Masse einge-
schränkt gewesen. Die genannte Drucksituation ist damit leicht strafreduzierend
zu berücksichtigen.
Der Beschuldigte handelte mit direktem Vorsatz. Er hat diese Tat aus finanziellen
Beweggründen begangen, um den Verpflichtungen aus dem von ihm geschilder-
ten Verkehrsunfall nachzukommen. Das Motiv erweist sich daher insoweit als
egoistisch.
Das objektive Verschulden wird damit durch die subjektive Tatkomponente leicht
relativiert.
3.4.1.4. Wenn die Staatsanwaltschaft bei diesem Delikt von einer Einsatzstrafe
von 6 1⁄2 Jahren ausgeht (Urk. 66 S. 6), so erscheint dies nach dem Gesagten
deutlich zu hoch. Ausgehend von der objektiven und subjektiven Tatschwere des
schwersten Delikts ist eine hypothetische Einsatzstrafe von rund 36 Monaten
Freiheitsstrafe angemessen.
- 18 -
3.4.2. Deliktsmehrheit
Wegen der zusätzlich vom Beschuldigten begangenen Delikte ist diese Einsatz-
strafe – wie vorstehend dargelegt – in Anwendung des Asperationsprinzips
angemessen zu erhöhen (Art. 49 Abs. 1 StGB).
3.4.2.1. Anklageziffer 1.2 (ND 1)
Der Beschuldigte hat sich sodann auch in Anklageziffer 1.2 (ND 1) des Raubes im
Sinne von Art. 144 Ziff. 1 StGB schuldig gemacht.
In Bezug auf die objektive Tatschwere ist vorab zu bemerken, dass diese Tat
weitgehend vergleichbar ist mit dem zuvor in Anklageziffer 1.4 (ND 3) beurteilten
Raub. Zwar handelt es sich hier um einen geringeren Deliktsbetrag. Der Beschul-
digte hat aber dennoch Deliktsgut im Wert von insgesamt Fr. 384'710.– erbeutet,
was ein nach wie vor sehr hoher Deliktsbetrag ist. Entsprechend kann im Wesent-
lichen auf die obgenannten Erwägungen verwiesen werden. Hervorzuheben ist
insbesondere, dass der Beschuldigte auch hier eine Schreckschusspistole
verwendete. Diese war nicht geladen und stellte damit keine Gefährdung für den
Geschädigten dar. Dennoch zielte der Beschuldigte aus kurzer Distanz auf den
Bauch des Geschädigten und versetzte diesen dadurch in Todesangst. Der
Beschuldigte führte gemäss seinen Angaben bei dieser Raubtat zwar ein Funk-
gerät mit sich, stand aber während der Tatbegehung nicht in Kontakt mit einer
anderen Person (vgl. Urk. 6/4 S. 13). Der Beschuldigte hat auch diese Tat
detailliert geplant. Dies lässt wiederum auf eine erhebliche kriminelle Energie
schliessen. Das objektive Verschulden des Beschuldigten ist hier als noch erheb-
lich zu würdigen.
In Bezug auf die subjektive Tatschwere kann vollumfänglich auf die obgenannten
Ausführungen verwiesen werden. Der Beschuldigte hat die Tat vorsätzlich und
lediglich aus egoistischen Beweggründen begangen. Dass der Beschuldigte
durch die von ihm erwähnten "Hintermänner" unter gewissen Druck gesetzt
wurde, ist auch hier leicht strafreduzierend zu berücksichtigen. Das objektive
Verschulden wird damit durch die subjektive Tatkomponente leicht relativiert.
- 19 -
Dieses Delikt führt somit zu einer erheblichen Erhöhung der hypothetischen
Einsatzstrafe.
3.4.2.2. Anklageziffer 1.3 (ND 2)
Der Beschuldigte hat sich zudem in Anklageziffer 1.3 (ND 2) des versuchten
Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
schuldig gemacht. Bei einem Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB kann das
Gericht die Strafe mildern. Das Mass der zulässigen Reduktion der Strafe hängt
unter anderem von der Nähe des tatbestandsmässigen Erfolgs und den tat-
sächlichen Folgen der Tat ab (BGE 121 IV 55 E. 1).
In objektiver Hinsicht fällt in Betracht, dass der Beschuldigte wiederum eine
Schreckschusspistole verwendete und diese aus kurzer Entfernung auf den
Geschädigten richtete. Für den Geschädigten bestand allerdings keine unmittel-
bare Gefährdung, da auch in diesem Fall die Waffe ungeladen war. Der Beschul-
digte beabsichtige, sämtliche Schmuckstücke in der Bijouterie, mithin eine Delikt-
summe von Fr. 30'000.– bis Fr. 50'000.–, zu stehlen. Der Beschuldigte hat bei
diesem Delikt dem Geschädigten mit der Hand ins Gesicht gegriffen bzw. eine
Ohrfeige versetzt. Diese Handlung war aber – mit der Vorinstanz (vgl. Urk. 47
S. 16) – nicht geplant, sondern erfolgte viel mehr als Reaktion auf das Verhalten
des Geschädigten, da dieser nach seinem Arm bzw. der Hand, in welcher er die
Waffe hielt, griff, und um Hilfe schrie. In subjektiver Hinsicht bleibt festzuhalten,
dass der Beschuldigte auch hier vorsätzlich und lediglich aus egoistischen
Gründen handelte. Der Beschuldigte befand sich aber auch hier in einer Druck-
situation, was ihm leicht strafreduzierend zugute zu halten ist. Das objektive und
subjektive Tatverschulden für den mutmasslich vollendeten Raub wiegt damit
nicht mehr leicht.
Der Beschuldigte hat die vorliegende Tat nicht zu Ende geführt. Es blieb damit
beim Versuch. Nachdem der Geschädigte sich zur Wehr setzte und um Hilfe
schrie, eilte die Ehefrau des Geschädigten zum Geschehen. Als der Beschuldigte
die Ehefrau erblickte, drehte er sich um und ergriff ohne Beute die Flucht (vgl.
Urk. 17 S. 9). Der Beschuldigte hat somit unmittelbar, nachdem er auf Widerstand
- 20 -
stiess bzw. als er die Ehefrau des Geschädigten sah, von seinem Vorhaben abge-
lassen. Er hat somit nicht versucht, trotzdem seine Tat durchzusetzen, indem er
weiterhin den Geschädigten bzw. dessen Ehefrau mit der Schreckschusspistole
bedrohte oder gar weitergehende Gewalt anwendete. Dass es bei der versuchten
Tat blieb, rechtfertigt damit eine erhebliche Reduktion.
Dieses Delikt führt somit zu einer merklichen Erhöhung der hypothetischen Ein-
satzstrafe.
3.4.2.3. Anklageziffer 1.1 (HD)
Der Beschuldigte hat sich sodann in Anklageziffer 1.1 (HD) der strafbaren Vor-
bereitungshandlung gemäss Art. 260bis Abs. 1 StGB schuldig gemacht. Dieser
Tatbestand sieht für sich alleine eine Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder eine
Geldstrafe vor.
Der Beschuldigte plante einen Raubüberfall auf die Bijouterie B._ in Zürich,
welche er bereits im Jahr 2006 ausgeraubt hatte (Anklageziffer 1.2, ND 1). Er
beabsichtigte, insbesondere 10 Uhren der Marke Rolex sowie weitere teure
Schmuckstücke zu stehlen (vgl. Urk. 6/4 S. 4 und Urk. 17 S. 2). Der Beschuldigte
hat die Tat genau geplant und diverse Vorbereitungshandlungen getroffen. So
kundschaftete er die Umgebung aus, lief die Strasse hin und her und schaute in
den Laden. Dadurch wusste er, wer in der Bijouterie arbeitete und wo sich die
Uhren, die er stehlen wollte, befanden (Urk. 6/4 S. 4). Er hatte sich bereits detail-
liert ausgedacht, wie er beim Raub vorgehen wollte: "Da ich an diesem Tag eben
keine Waffe dabei hatte, habe ich mir das so überlegt: Ich werde in den Laden
dann reingehen, wenn der Verkäufer die Tür aufmacht. Ich komme von hinten zu
ihm, lege meine Finger auf seinen Rücken, damit er denkt, dass ich eine Pistole in
der Hand habe. Ich wäre ihm dann in den Laden gefolgt. Wenn er sich gewehrt
hätte, hätte ich vielleicht versucht, die Handschellen einzusetzen, um ihn an
etwas Metallisches zu fesseln (Urk. 6/4 S. 4 f.). Vor der Tat organisierte
der Beschuldigte diverse Gegenstände, welche er hierfür benötigte. So kaufte
er in Luzern Lederhandschuhe und erwarb in Zürich Handschellen sowie eine
Computertragtasche für die Beute. Zudem brachte er von Russland einen Pfeffer-
- 21 -
spray mit (vgl. Urk. 17 S. 3). Der Beschuldigte zog im Hinblick auf die Raubtat
mehrere Kleiderschichten an, wobei er einen Veston mit einer Schnur nach oben
band, damit dieser nicht unter den darüber getragen Kleider hervorschaute. Damit
hätte er sich nach der Tat schnell umziehen und so sein Aussehen verändern
können (Urk. 6/4 S. 7 und S. 9; Urk. 17 S. 3). Schliesslich hat der Beschuldigte
den Fluchtweg genau auskundschaftet ("Ich schaute ganz genau, welche Wege
wohin führen. Jede Gasse und Sackgasse kannte ich schon dort." (Urk. 6/4 S. 7).
Der Beschuldigte hat auch diese Tat vorsätzlich und lediglich aus finanziellen,
mithin aus egoistischen Beweggründen begangen. Allerdings ist auch hier leicht
strafreduzierend zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte von den erwähnten
"Hintermänner" unter gewissen Druck gesetzt wurde, dieses Delikt zu begehen.
Der Beschuldigte hatte die Tat akribisch genau durchgeplant und hierfür sämtliche
Vorbereitungshandlungen getroffen. Mithin stand er lediglich kurz vor der Tataus-
führung. Es hing somit lediglich vom Zufall ab, dass der Beschuldigte verhaftet
und deshalb die Tat nicht ausführen konnte.
Nach dem Gesagten ist das objektive und subjektive Tatverschulden als noch
leicht zu qualifizieren. Damit führt dieses Delikt zu einer leichten Erhöhung der
hypothetischen Einsatzstrafe.
3.5. Täterkomponente
3.5.1. Im Allgemeinen
Die Täterkomponente (Art. 47 Abs. 1 Satz 2 StGB) umfasst das Vorleben, die
persönlichen Verhältnisse sowie das Verhalten nach der Tat und im Straf-
verfahren. Bei der Beurteilung des Vorlebens fallen einerseits früheres Wohl-
verhalten, andererseits Zahl, Schwere und Zeitpunkt von Vorstrafen ins Gewicht.
Unter dem Gesichtspunkt der persönlichen Verhältnisse ist etwa zu berücksichti-
gen, ob sich der Täter im Strafverfahren kooperativ verhielt, ob er Reue und
Einsicht zeigte, ob er mehr oder weniger strafempfindlich ist.
- 22 -
3.5.2. Persönlichen Verhältnisse
Hinsichtlich der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten kann zunächst auf
die zusammenfassende Wiedergabe im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden
(Urk. 47 S. 18; Art. 82 Abs. 4 StPO). Anlässlich der Berufungsverhandlung er-
gänzte der Beschuldigte, er sei in Usbekistan aufgewachsen und habe dort die
Mittelschule, ein Berufsgymnasium im Bereich Maschinenbedienung mit Speziali-
tät Rolltreppenbedienung, besucht. Er habe dann auf diesem Gebiet gearbeitet.
Er sei bei diversen grossen Bauprojekten in Moskau, wie beispielsweise bei
Schulhaus- oder Warenhauskomplexen oder anderen Wohnsiedlungen, tätig
gewesen. Als die Löhne gesunken seien, habe er sich aber anderweitig ausrich-
ten müssen. Deshalb habe er sich als Taxifahrer selbständig gemacht. Als Taxi-
chauffeur habe er ca. 1'500.– US Dollar pro Monat verdient. Er habe zwei
Töchter. Die ältere Tochter, E._, habe er zusammen mit seiner Ex-Frau
gehabt. Sie sei bereits 26 Jahre alt. Mit ihr habe er nur selten Kontakt, da sie
bereits eine eigene Familie habe und über 400 km von Moskau entfernt wohne.
Seine jüngere Tochter, F._, habe er zusammen mit seiner Lebenspartnerin
G._. Er lebe mit F._ und G._ zusammen und unterstütze beide fi-
nanziell (Urk. 64 S. 3 ff.).
Die persönlichen Verhältnisse wirken sich damit bei der vorliegenden Strafzu-
messung - mit der Vorinstanz (vgl. Urk. 47 S. 19) - neutral aus.
3.5.3. Vorstrafen
Der Beschuldigte weist im Schweizerischen Strafregister keine Vorstrafen auf
(Urk. 50). Zwar sei er gemäss eigenen Angaben in Moskau im Jahr 1990 wegen
Tragens eines Messer bestraft worden (Urk. 14/3 S. 3). Diese Strafe liegt aber
bereits seit längerem zurück und ist nicht einschlägig. Entsprechend ist diese
Vorstrafe – mit der Vorinstanz (Urk. 47 S. 19) – bei der vorliegenden Strafzu-
messung vernachlässigbar.
- 23 -
3.5.4. Nachtatverhalten
Ein Geständnis kann im Rahmen der Strafzumessung zugunsten des Täters
berücksichtigt werden, wenn es auf Einsicht in das begangene Unrecht oder auf
Reue schliessen lässt oder der Täter dadurch zur Tataufdeckung über den
eigenen Tatanteil beiträgt. Diese Praxis fusst auf der Überlegung, dass Geständ-
nisse zur Vereinfachung und Verkürzung des Verfahrens und zur Wahrheits-
findung beitragen können. Demgegenüber kann sich ein Verzicht auf Strafminde-
rung aufdrängen, wenn das Geständnis die Strafverfolgung nicht erleichtert hat,
namentlich weil der Täter nur aufgrund einer erdrückenden Beweislage oder gar
erst nach Ausfällung des erstinstanzlichen Urteils geständig geworden ist
(Bundesgerichtsentscheide 6B_426/2010 vom 22. Juli 2010, E. 1.5., und
6B_740/2011 vom 3. April 2012, E. 3.4). Ein vollumfängliches Geständnis aus
freien Stücken und kooperatives Verhalten eines Täters bei der Aufklärung von
Straftaten sowie Einsicht und Reue können gemäss bundesgerichtlicher Recht-
sprechung zu einer Strafreduktion von einem Fünftel bis zu einem Drittel führen
(BGE 121 IV 202 E. II/2d/cc).
Der Beschuldigte bestritt anlässlich der ersten polizeilichen Einvernahme vom
12. März 2012 (Urk. 6/1) sowie gleichentags in der Hafteinvernahme (Urk. 6/2) die
ihm vorgeworfene Tat. Auch zu Beginn der zweiten polizeilichen Einvernahme
vom 2. April 2013 zeigte sich der Beschuldigte nicht geständig. Erst als er mit der
Raubtat zum Nachteil der Bijouterie B._ (Anklageziffer 1.2, ND 1) konfrontiert
wurde und er somit annehmen musste, dass er mit dieser Tat in Verbindung ge-
bracht werden könnte, zeigte sich der Beschuldigte geständig (Urk. 6/3). Damit
kann vorliegend – entgegen der Verteidigung (Urk. 67 S. 4) – nicht von einem
vollumfänglichen und freimütigen Geständnis ausgegangen werden, das eine
maximale Strafreduktion rechtfertigt. Wenn die Staatsanwaltschaft hierzu aller-
dings geltend macht, der Beschuldigte habe lediglich unter der drückenden
Beweislast ein Geständnis abgelegt, weshalb dieses nicht in allzu starkem Masse
strafmindernd zu berücksichtigen sei (Urk. 66 S. 7 f.), kann dem nicht vollum-
fänglich gefolgt werden. Es triff zwar zu, dass der Beschuldigte erst auf Vorhalt
weiterer Taten, mit denen er in Verbindung gebracht werden konnte, geständig
- 24 -
wurde, und damit –- wie erwähnt – kein Geständnis aus freien Stücken vorliegt.
Dennoch bleibt zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte schliesslich sehr detail-
lierte Angaben machte und schlussendlich mehr zugab, als ihm hätte nachge-
wiesen werden können. Damit rechtfertigt es sich, das Geständnis des Beschul-
digten - entgegen der Staatsanwaltschaft (Urk. 66 S. 6 f.) - erheblich straf-
mindernd zu berücksichtigen.
3.5.5. Fazit Täterkomponente
Nach dem Gesagten kann festgehalten werden, dass sich die Täterkomponente
aufgrund des Geständnisses erheblich strafmindernd auswirkt.
3.6. Gesamtwürdigung
In Würdigung aller massgeblichen Strafzumessungsgründe erweist sich die von
der Vorinstanz ausgesprochene Freiheitsstrafe von 48 Monaten als dem
Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten angemes-
sen.
An diese Freiheitsstrafe sind die durch Untersuchungshaft und vorzeitigen Straf-
antritt erstandenen 606 Tage anzurechnen (Art. 51 StGB; vgl. Urk. 11/1).
Bei einer Strafe dieser Höhe fällt ein bedingter oder teilbedingter Vollzug von
Gesetzes wegen nicht in Betracht (Art. 42 Abs. 1 StGB und Art. 43 Abs. 1 StGB).
Es kann daher darauf verzichtet werden, dies explizit so im Dispositiv festzu-
halten.
4. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Im Berufungsverfahren werden die Kosten nach Obsiegen und Unterliegen aufer-
legt (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ausgangsgemäss – die Staatsanwaltschaft unterliegt
mit ihrem Berufungsantrag auf Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 7 Jahren
und der Beschuldigte unterliegt mit seinem Berufungsantrag auf Verurteilung zu
einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren – sind die Kosten des Berufungsverfahrens, mit
Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung, zu drei Vierteln auf die Staats-
kasse zu nehmen und zu einem Viertel dem Beschuldigten aufzuerlegen. Die
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Kosten der amtlichen Verteidigung in der Höhe von Fr. 5'000.– (vgl. Urk. 62, zu-
züglich der Entschädigung für die Berufungsverhandlung) sind zu einem Viertel
einstweilen und zu drei Vierteln definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei
im Umfang eines Viertels die Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 vorbe-
halten bleibt.