Decision ID: 2f327469-2d8a-4c33-ac55-052d0c184c48
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1981 geborene
X._
arbeitete als Pflegefachmann im
Y._
und war bei der
Visana
Versicherungen AG obli
gatorisch unfallversichert, als
er am 2
0.
Juni 2016 mit dem Motorrad stürzte
;
nach einer Bremsung
rutschte
das Vorderrad weg
, und
er fiel
auf die rechte Seite (
Urk.
10/1). Der erstbehandelnde
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Innere Medizin und Arbeitsmedizin, diagnostizierte in seinem Arztzeugnis vom 2
7.
Juni 2016 Prellungen von Schulter, Hüfte und Oberschenkel sowie Schürfungen im Kniebe
reich
.
Er
bescheinigte
dem Ver
si
cherten
für die Zeit vom 2
0.
bis 2
7.
Juni 2016
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und schloss die Behandlung am
2
7.
Juni 2016 ab (
Urk.
10/2). Die
Visana
anerkannte ihre Leistungspflicht (
Urk.
10/3-4), richtete Taggelder aus und übernahm die Behandlungskosten.
Am
9.
Dezember 2016 teilte sie der Arbeitgeberin des
Versicherten
den Fallabschluss mit (
Urk.
10/6).
1.2
Am 2
9.
August 2017
meldete die Arbeitgeberin
dem Krankentaggeld-Versicherer eine Arbeitsunfähigkeit des Versicherten ab 1
5.
Mai 2017 (
Urk.
10/13
; vgl. auch
Urk.
10/18
). Der Versicherte hatte
Dr.
Z._
an diesem Tag
aufgesucht, weil er seit einer Woche Schmerzen in der rechten Schulter verspürte (
Urk.
10/7; vgl. auch
Urk.
10/8-12).
Eine MRT-Untersuchung der rechten Schulter
brachte
am
7.
September 2017
eine
SLAP-Läsion
zur Darstellung
(
Urk.
10/14).
Mit E-Mail vom 2
4.
Oktober 2017 ersuchte die Arbeitgeberin die
Visana
, ihre Leistungspflicht für die neu aufgetretenen Schulterbeschwerden zu prüfen,
weil
ein Zusammenhang mit dem Unfall vom 2
0.
Juni 2016 möglich sei (
Urk.
10/18). Die
Visana
liess den Versicherten in der Folge einen Frageb
ogen ausfüllen (
Urk.
10/21),
zog ärztliche Verlaufsberichte bei (
Urk.
10/22,
Urk.
10/25) und holte bei ihrem beratenden Arzt PD
Dr.
med.
Dr.
iur
.
A._
, Facharzt für Chirurgie und Intensivmedizin, die Stellungnahme vom
8.
Februar 2018 zur Unfallkausalität der Schulterbeschwerden ein (
Urk.
10/27). Mit Verfügung vom 1
3.
Februar 2018 lehnte
sie
einen Leistungsanspruch des Versicherten aus der obligatorischen Unfallversicherung ab, da zwischen den Schulterbeschwerden und dem Unfall vom 2
0.
Juni 2016 kein natürlicher Kausalzusammenhang bestehe (
Urk.
10/31).
Dagegen erhob der Versicherte am 1
4.
März 2018 Einsprache (
Urk.
10/37; vgl. auch
Urk.
10/41). Am 1
6.
März
20
1
8
wurde er von
Dr.
med.
B._
, Fach
arzt für Orthopädische Chirurgie, an der rechten Schulter operiert (
Urk.
10/38).
Am 1
9.
April 2018 bejahte
Dr.
B._
eine Unfallkausalität der Schulter
beeinträchtigungen
(
Urk.
10/42). Die
Visana
holte weitere ärztliche Berichte
und bildgebende Befunde
ein
(
Urk.
6/49,
Urk.
10/53
,
Urk.
10/55
)
und stellte diese ihrem Vertrauensarzt
Dr.
A._
zur Stellungnahme zu
(
Urk.
10/50,
Urk.
10/52,
Urk.
10/54)
.
M
it
Einspracheentscheid
vom
1
8.
September 2018
hielt sie
an ihrer Ablehnung eines Leistungsanspruchs des Versicherten fest (
Urk.
2
/1
=
Urk.
10/56
).
2.
Dagegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Mark A.
Glavas
, mit Eingabe vom
1
7.
Oktober 2018 Beschwerde mit dem Antrag, es seien i
h
m die Unfallversicherungsleistungen auszurichten; eventualiter sei die Sache zu weite
ren Abklärungen, insbesondere einer neutralen Begutachtung, an die Beschwer
degegnerin zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 2
9.
Januar 2019 beantragte die
Visana
die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzu
treten sei (
Urk.
9)
, wovon dem Beschwerdeführer am
4.
Februar 2019 Kenntnis gegeben wurde (
Urk.
11)
.
Auf
die einzelnen Vorbringen
der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
UV170760
Übergangsrecht UVG-Revision, in Kraft seit 1. Januar 2017
09.2019
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebro
chen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Über
gangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
2
0.
Juni 2016
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Die Beweislast für das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens liegt beim Unfallversicherer, weil es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatsache handelt. Auch dies muss mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (
Urteil des Bundesgerichts 8C_589/
2017 vom 2
1.
Februar 2018 E. 3.2.3
mit Hinweisen).
1.4
Die Versicherungsleistungen werden auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt (
Art.
11 UVV). Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten
Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglich
erweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; von
Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder auch psychische
Veränderungen bewirkt, die zu einem anders gearteten Krankheitsbild führen können (BGE 118 V 293 E. 2c mit Hinweisen).
Rückfälle und Spätfolgen schliessen sich begrifflich an ein bestehendes Unfallereignis an. Entsprechend können sie eine Leistungspflicht der Unfallversicherung nur auslö
sen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seiner
zeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 293 E. 2c in
fine
).
Mit Bezug auf Rückfälle oder Spätfolgen kann der Unfallversicherer nicht auf der Anerkennung des natürlichen Kausalzusammenhanges beim Grundfall und bei früheren Rückfällen behaftet werden, weil die unfallkausalen Faktoren durch Zeitablauf wegfallen können. Vielmehr obliegt es dem Leistungsansprecher, das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhanges zwischen dem als Rückfall oder Spätfolge postulierten Beschwerdebild und
dem
Unfall nachzuweisen. Nur wenn die Unfallkausalität mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist, ent
steht eine erneute Leistungspflicht des Unfallversicherers. Je grösser der zeitliche Abstand zwischen dem Unfall und dem Auftreten der gesundheitlichen Beein
trächtigung ist, desto strengere Anforderungen sind an den Wahrscheinlichkeits
beweis des natürlichen Kausalzusammenhangs zu stellen
(Urteil des Bundesge
richts 8C_102/2008 vom 2
6.
September 2008 E. 2.2 mit Hinweis).
Dagegen
ist der Leistungsanspruch unter dem Aspekt des Grundfalls und nicht unter demjenigen eines Rückfalls zu prüfen, wenn die versicherte Person während der leistungsfreien Zeit weiterhin an den nach dem Unfall aufgetretenen Beschwerden gelitten hat
beziehungsweise
wenn Brückensymptome gegeben sind, die das Geschehen über das betreffende Intervall hinweg als Einheit kenn
zeichnen. Dies setzt nicht zwingend eine durchgängige ärztliche Behandlung voraus (Urteil
e
des Bundesgerichts 8C_433/2007 vom 2
6.
August 2008 E. 2.3
,
U
130/04 vom 1
7.
November 2004 E. 3.2 und 5.2
mit Hinweisen
sowie U12/06 vom
6.
Juni 2006 E. 4.3
).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Auch dem reinen
Aktengutachten
kann voller
Beweiswert
zukommen, sofern der Untersuchungsbefund lückenlos vorliegt, namentlich ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergibt
, und zudem nicht umstritten ist. Weiter sind unfallversicherungsintern eingeholte ärztliche
Berichte nicht zu berücksichtigen, wenn an der Richtigkeit der Schlussfolgerungen auch nur geringe Zweifel bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_724/2013 vom 31. März 2014 E. 4.2.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Im angefochtenen
Einspracheentscheid
hielt die
Visana
fest, die ab Mai 2017 beantragten Unfallversicherungsleistungen seien als Rückfall zum Motorradun
fall
vom 2
0.
Juni 2016 zu behandeln
(
Urk.
2/1 S. 3 f.)
.
Zur Beurteilung der Frage, o
b die neuen Schulterbeschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis vom 2
0.
Juni 2016 stünden, könne auf die Aktenbeurteilungen des versicherungsinternen Arz
tes
Dr.
A._
vom
8.
Februar, 3
1.
Mai,
2.
August und
6.
September
2018
abge
stellt werden. Diesen komm
e
voller Beweiswert
zu
.
Dr.
A._
habe in seiner Stel
lungnahme vom
8.
Februar 2018 dargelegt, dass
Dr.
Z._
anlässlich der Erst
konsultation vom 2
0.
Juni 2016
keine Anzeichen für eine allfällige Schulterge
le
nksverletzung dokumentiert habe
.
Der Beschwerdeführer habe nach dem Unfall zwar über Schulterbeschwerden geklagt, bereits am 2
7.
Juni 2016 habe er
Dr.
Z._
aber angegeben, sich weitgehend erholt zu haben.
Der am 1
6.
März 2018 anlässlich der Schulterarthroskopie erhobene Befund einer SLAP-Läsion
Typ
II
könne
gemäss
Dr.
A._
nicht einer am 2
0.
Juni 2016 erlittenen struktu
rellen Läsion der Schulter zugeordnet werden.
Zudem könne diese Diagnose, da kein intraoperatives Video erstellt worden sei, weder von einem beratenden Arzt noch einem Gutachter nachträglich überprüft werden.
Intraoperativ erstellte Bil
der seien für Drittbeurteilende oftmals schwierig zu interpretieren.
Laut
Dr.
A._
und der höchstrichterlichen Rechtsprechung
(Urteil des Bundesgerichts 8C_325/2013 vom
1
7.
Juni 2013
)
hätte sich die SLAP-Läsion in zeitlicher Nähe zum Unfall klinisch äussern müssen, damit eine Unfallkausalität angenommen werden könne
.
Das in der
Arthro
-MRI-Untersuchung
vom
7.
September 2017 dokumentierte Ganglion am
posterosuperioren
Labrum spreche für eine degene
rative Pathologie als Ursache der SLAP-Läsion, auch bei einem 37-jährigen Mann.
Die anderslautende Beurteilung von
Dr.
B._
vom 1
9.
April 2018 vermöge keine Zweifel an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der Einschätzung
des
Dr.
A._
zu begründen, da sie sich auf die unzulässige Beweisregel «
post
hoc ergo
propter
hoc» stütze.
Mangels eines ausgewiesenen natürlichen
Kausal
zusammenhangs mit dem Unfall vom 2
0.
Juni 2016
habe der Beschwerdeführer für den
am
2
4.
Oktober 2017
gemeldeten Rückfall kein
en
Anspr
uch auf Versi
cherungsleistungen (
Urk.
2
/1
S.
6-8).
2.2
D
er Beschwerdeführer
macht demgegenüber geltend,
zwar habe
der
erstbehan
delnde
Dr.
Z._
nach dem Unfall bloss eine Schulterprellung
diagnostiziert; dies
sei
aber
darauf zurückzuführen, dass er die Schulter weder bildgebend untersucht noch eine fachärztliche
Abklärung
veranlasst habe.
Vor diesem
Hin
tergrund sei die beschönigende Stellungnahme von
Dr.
Z._
vom
4.
Dezember 2017 zu sehen.
Als stets motivierter Pflegefachmann habe er schnell wieder mit der Arbeit begonnen, obwohl er weiterhin Beschwerden gehabt habe (
Urk.
1 S.
3 f. und 6). Anlässlich der Schulteroperation vom 1
6.
März 2018
sei
eine SLAP-Läsion Typ II
festgestellt worden
. Der Operateur
Dr.
B._
habe in seinem Bericht vom 1
9.
April 2018 erläutert, dass ein solcher Befund eindeutig einem Zustand nach einem Trauma, wie etwa einem Unfall, entspreche.
Da
er noch jung sei und eine SLAP-Läsion Typ II erlitten habe, sei
die Läsion
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall zurückzuführen (
Urk.
1 S. 4 f.
).
D
arauf
sei
abzustellen
.
Der beratende Arzt der
Visana
Dr.
A._
habe den Schulterbefund in seiner ersten Stellungnahme vom
8.
Februar 2018 als nicht unfallkausal bezeichnet. M
it seinen späteren
drei
Beurteilungen
habe er versucht, die Erste
zu schützen. Geradezu stossend sei seine letzte Stellungnahme, wonach er wegen fehlender Videoaufnahmen
der Operation
die
Diagnosestellung von
Dr.
B._
nicht überprüfen und bestätigen könne. Damit unterstelle er
Dr.
B._
ohne konkrete Anhaltspunkte mögliche Betrugsabsichten. Zudem habe er intraoperativ erstellte Bilder in genereller Weise als schwierig zu beurteilen bezeichnet, ohne konkret auf die von
Dr.
B._
während der Operation erstellten Bilder einzugehen. Auch habe er sich nicht die Mühe gemacht, bei
Dr.
B._
ergänzende Auskünfte einzuholen. Die vier Stellungnahmen von
Dr.
A._
beruhten auf einer bloss oberflächlichen Prüfung des Sachverhalts und tatsachenwidrigen Behauptungen, so dass darauf nicht abgestellt werden
könne
(
Urk.
1 S. 4 ff.)
.
Deshalb sei die
Visana
zu verpflichten, die Unfallversiche
rungsleistungen für den Rückfall zu erbringen. Sollte das Gericht nicht auf die Beurteilung von
Dr.
B._
abstellen,
sei
die Sache an die
Visana
zurück
zuweisen
, damit sie eine neutrale Begutachtung in Auftrag gebe
, wobei dem Gut
achter auch das Bildmaterial zu unterbreiten sei
(
Urk.
1
S. 2 f. und 8).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort hält die
Visana
den Argumenten des Beschwerdefüh
rers entgegen,
der Hausarzt
Dr.
Z._
sei durchaus in der Lage gewesen, das Beschwerdebild, welches der Beschwerdeführer initial gezeigt habe, richtig ein
zuordnen und zu behandeln.
Die Untersuchungen vom 2
1.
Juni 2016 hätten keine Auffälligkeiten, insbesondere betreffend die Armbeweglichkeit, gezeigt.
Hingegen sei aufgrund
des Überweisungsschreibens von
Dr.
Z._
vom
1.
Juni 2017 erstellt, dass die beiden AC-Gelenke degenerative Veränderungen
aufwiesen
.
Die weiteren Untersuchungen von
Dr.
C._
hätten dann die SLAP Läsion rechts mit einem
posterioren
Ganglion am Labrum ergeben
(
Urk.
9 S. 3 f.)
. Die beidseitige AC-Gelenkspathologie werde von
Dr.
B._
in seinen Berichten völlig ausgeblendet. Deshalb könne auf seine Kausalitätsbeurteilung nicht abgestellt werden.
Der Beschwerdeführer versuche die fachliche Kompetenz des beratenden Arztes
Dr.
A._
in Frage zu stellen. Dabei verkenne er, dass es eine
medizinische Erfahrungstatsache sei, dass Prellungen (Kontusionen), Verstauchungen oder Zer
rungen auch bei degenerativen Vorzuständen innert kurzer Zeit abheilten und sich die damit verbundenen Beschwerden gänzlich zurückbildeten.
Dies sei auch hier der Fall gewesen. Der Fallabschluss sei im Dezember 2016 vorgenommen worden, da der Beschwerdeführer sich am 2
7.
Juni 2016 als erholt erklärt habe und er seine Tätigkeit als Pflegefachmann seither monatelang ohne Einschrän
kungen habe ausführen können. Erst am 1
5.
Mai 2017 habe er wieder bei seinem Hausarzt vorgesprochen (
Urk.
9 S. 4).
3.
3.1
Der Hausarzt
Dr.
Z._
behandelte den Beschwerdeführer erstmals am Unfalltag (2
0.
Juni 2016) und erhob
Druckdolenzen
im Bereich der rechten Hüfte und des proximalen Oberschenkels, Schürfungen
infrapatellär
rechts sowie eine Prellung an der rechten
Schulter. Die Röntgenuntersuchung des Beckens, Oberschenkels und Knies zeigte keine
ossären
Läsionen. I
n
seinem Arztzeugnis vom 2
7.
Juni 2016
diagnostizierte
Dr.
Z._
Prellungen von Schulter, Hüfte und Oberschenkel sowie Schürfungen im Kniebereich.
In therapeutischer Hinsicht habe er Schonung veranlasst und Analgetika verordnet.
Der Beschwerdeführer sei
für die Zeit vom 2
0.
bis 2
7.
Juni 2016
zu 100
%
a
rbeitsunfähig
gewesen.
A
m
2
7.
Juni 2016 sei die Behandlung abgeschlossen worden
(
Urk.
10/2).
3.2
Laut Überweisungsschreiben von
Dr.
Z._
vom
1.
Juni 2017 suchte ihn der Beschwerdeführer am 1
5.
Mai 2017 auf. Er habe ihm
berichtet, seit einer Woche Schmerzen in der rechten Schulter zu haben, so dass er
kaum noch Betten machen und in der Pflege arbeiten
könne.
Dr.
Z._
erhob eine normale Beweglichkeit und Kraft beider Arme.
Hingegen seien die AC-Gelenke beidseits geschwollen gewesen
(
Urk.
10/7).
Die
Arthro
-MRI-Untersuchung
des rechten Schultergelenks vom
7.
September 2017 ergab eine SLAP-Läsion mit Ausdehnung von
pos
terosuperior
bis
antero
superior
sowie
ein vom
posterosuperi
oren
Labrum ausgehendes G
anglion mit Ausdehnung in die «
spinoglenoid
notch
»
.
Zusätzlich
erblickte der Radiologe etwas Flüssigkeit in der Bursa
subacromialis
, welche er differentialdiagnostisch als leichte Bursitis
subacromialis
interpretierte
(
Urk.
10/14).
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Rheumatologie, behandelte
den
Beschwerdeführer seit Juni 201
7.
Seinen
Berichten
vom 1
8.
September und 2
4.
Oktober 2017 ist zu entnehmen
, dass der Beschwerdeführer über nicht ausstrahlende Schmerzen in der rechten Schulter hauptsächlich
anterior
in der Nähe der
Bizepssehne
und des AC-Gelenks klagte, welche bei Retroversion und beim Betten machen im Pflege
heim provoziert werden
konnten.
Auf der linken Seite hätten im Rahmen der Untersuchung kaum Beschwerden provoziert werden können.
Vorher habe
d
er
Besch
w
erdeführer
keine Schulterschmerzen gehabt, mit
Ausnahme der Zeit nach dem Motorradunfall im März (richtig: Juni) 2016, als ihm die Schulter
zwei bis drei Wochen lang etwas weh getan habe.
Sonographisch
habe sich auf der rechten Seite etwa 1 mm Flüssigkeit in der Bursa
subacromialis
gezeigt, welche
möglich
erweise mit einem
alten Längsriss ohne Unterbrech
ungen der Kontur der
Supra
spinatussehne
zusammenhänge. Ansonsten hätten keine pathologischen Befunde erhoben werden können, insbesondere nicht im Bereich der
Bizepssehne
intraar
tikulär oder am AC-Gelenk.
Eine Infiltration der Bursa
subacromialis
habe für eine Woche eine Symptomverbesserung gebracht
, danach seien die Schmerzen wieder aufgetreten. Die
in der Folge
angefertigten
Arthro
-MRI-Bilder der Schulter hätten eine SLAP
-
Läsion rechts mit einem
posterioren
Ganglion am Labrum ergeben, welches differentialdiagnostisch
dem
Status nach dem Motorradunfal
l mit Sturz auf die Schulter zu
zuordnen sei. Zusammenfassend könnten die Symp
tome
in diesem komplexen Fall
nicht gänzlich konklusiv mit einer einzigen Pathologie im Schulterbereich zusammengebracht werden. Deshalb werde der Beschwerdeführer an den Orthopädischen Chirur
gen
Dr.
B._
überwie
sen zur Prüfung, ob eine operative Sanierung der Schulter in Frage komme
(
Urk.
10/15,
Urk.
10/19)
.
In dem am 1
4.
November 2017 ausgefüllten Fragebogen der
Visana
gab der Beschwerdeführer an, seit Sommer 2016 habe er immer wieder Schmerzen in der rechten Schulter gehabt. Er habe dann Schmerzmedikamente genommen. Da die Beschwerden anfangs unregelmässig und schwach gewesen seien, habe er sie nicht in einen direkten Zusammenhang mit dem Motorradunfall gebracht. Im Mai
2017
seien die Schmerzen dann stärker und unerträglich geworden, so dass er sich wieder bei
Dr.
Z._
in Behandlung begeben habe
. Seit dem 2
0.
Juni 2016 habe er keinen weiteren Unfall erlitte
n, der die rechte Schulter betro
f
fen habe
(
Urk.
10/21).
Am 2
1.
November 2017 berichtete der Orthopäde
Dr.
B._
über seine Untersuchung des Beschwerdeführers. In anamnestischer Hinsicht führte er aus, der Beschwerdeführer sei im März (richtig
:
Juni) 2016 mit dem Motorrad auf die rechte Seite gestürzt und habe sich unter anderem an der rechten Schulter
ver
letzt.
Die Schulter habe dann zwar leicht geschmerzt, er habe aber alles machen können. Im Mai
2017 sei es dann zu zunehmenden Schulterschmerzen gekom
men.
Mittlerweile habe sich ein Ganglion entwickelt, und die Schulter sei
sowohl in Ruhe als auch bei Bewegungen schmerzhaft.
Es
sei eine traumatische SLAP-Läsion der Schulter rechts mit einem kleinen
postero
-
superioren Ganglion und einer möglichen
Bizepstendinopathie
und AC-
Arthropathie
nach dem Motorrad
sturz zu diagnostizieren (
Urk.
10/22
; vgl. auch
Urk.
10/43
).
Im Bericht vom
4.
Dezember 2017 ergänzte
Dr.
Z._
auf Anfrage der
Visana
seine Angaben in den früheren Berichten dahingehend, dass anlässlich der Erst
untersuchung nach dem Unfall vom 2
0.
Juni 2016
der Beschwerdeführer
vor allem über Schmerzen im Bereich der rechten Hüfte, des Oberschenkels und des linken Unterschenkels geklagt habe
. Am 2
1.
Juni 2016 sei er wieder vorstellig geworden und habe nun über Schulterschmerzen rechts und Rückenschmerzen geklagt. Im Vordergrund seien aber immer noch die Beinbeschwerden gewesen.
Die Beweglichkeit von Kopf und Armen sei unauffällig gewesen. Es habe sich
folglich um eine Prellung der ganzen rechten Körperseite gehandelt (
Urk.
10/25).
In seiner Stellungnahme vom
8.
Februar 2018 hielt der Vertrauensarzt der
Visana
,
Dr.
A._
, fest,
Dr.
Z._
habe unmittelbar nach dem Unfall keine Funktions
einbusse an der rechten Schulter festgestellt. Zudem habe er auch keine äusserlich erkennbare Verletzung oder schmerzhafte Beweglichkeit im Schultergelenk
doku
-
mentiert
,
welche
auf eine Gelenksverletzung hätte hinweisen können.
Dem
entsprechend sei er von einer Schulterprellung ausgegangen. Erst nach rund 11 Monaten habe sich der Beschwerdeführer wieder
bei
Dr.
Z._
gemeldet
. Wann sich die von
Dr.
B._
erwähnte, im
Arthro
-MRI vom
7.
September 2017 sichtbar gewordene SLAP-Läsion im Verlauf der letzten Monate entwickelt habe, könne nicht näher eingegrenzt werden. In Verbindung mit dem ebenfalls zur Dar
stellung gelangten Ganglion an der hinteren oberen Gelenkslippe (
postero
-
supe
riores
Labrum) dürfte sich die SLAP-Läsion überwiegend wahrscheinlich als Aus
druck einer zwischenzeitlich voranschreitenden degenerativen Veränderung ent
wickelt haben. Zumindest sei der Beschwerdeführer nicht veranlasst gewesen, deutlich früher erneut bei
Dr.
Z._
zwecks Weiterabklärung von Schulterbe
schwerden vorstellig zu werden. Deshalb müsse die Rückfallkausalität abgelehnt werden (
Urk.
10/27).
3.3
Am 1
6.
März 2018 operierte
Dr.
B._
die rechte Schulter des Beschwer
deführers (Schulterarthroskopie,
Bizepstenotomie
, SLAP II-
Refixation
,
Acromio
plastik
und AC-Resektion sowie offene,
subpectorale
Bizepstenodese
). Dabei erhob er
arthroskopisch
eine ausgesprochene SLAP-Läsion Typ II.
Die
Rotatoren
manschette
war überall normal
.
Im Operationsbericht vom 1
9.
März 2018 diag
nostizierte er eine SLAP-Läsion Typ II mit
ganz
postero
-
superiorem
Ganglion sowie
mit
einer posttraumatischen AC-
Arthropathie
der rechten Schulter (
Urk.
10/38).
Am 1
9.
April 2018 nahm
Dr.
B._
zur Kausalität der Schulterbeschwer
den Stellung.
Er hielt fest, der Beschwerdeführer habe im März 2016 einen Motorradsturz erlitten und leide seither unter Beschwerden. Während der Opera
tion vom 1
6.
März 2018 habe er eine SLAP-Läsion Typ II erhoben. Dies bedeute, dass der
Bizepsanker
relevant vom oberen
Glenoidrand
abgerissen gewesen sei
. Dieser Befund entspreche eindeutig einem Zustand nach einem Trauma, wie es beispielsweise bei einem Sturz auftreten könne. Zwar könnten
Bizepsankerablö
sungen
auch degenerativer Natur sein. Dann seien sie in der Regel
nur
gering
gradig
, und es handle sich in solchen Fällen um SLAP-Läsionen Typ I. Zudem träten diese in der Regel im Alter ab etwa 60 Jahren auf. Der Beschwerdeführer sei mit 37 Jahren noch jung und weise eine SLAP-Läsion Typ II auf, weshalb diese sicher oder mindestens mit überwiegender Wahrscheinlichkeit unfallbedingt sei (
Urk.
3 =
Urk.
10/42).
In Stellungnahmen vom 3
1.
Mai und
2.
August 2018 hielt
Dr.
A._
unter Berücksichtigung der Ausführungen von
Dr.
B._
vom 1
9.
April 2018, der Berichte von
Dr.
C._
vom 1
1.
September und 2
5.
Oktober 2017 und des Datensatzes zur
Arthro
-MRI-Untersuchung an seiner Auffassung, dass die Schul
terproblematik nicht
(auch nur teilweise) durch den Unfall verursacht sei, fest.
B
ereits das auf den MRI-Bildern dokumentierte Ganglion am
posterioren
Labrum
spreche für eine degenerative Pathologie als Ursache der SLAP-Läsion.
Dr.
B._
habe seine Auffassung, dass die Befunde nicht degenerativer Natur
seien
, in keiner Art und Weise substantiiert
. Es handle sich dabei um blosse Behauptungen, denen ein deutlich geringerer Stellenwert zukomme als für Dritte einsehbare Fakten
(
Urk.
10/50).
Auch die Berichte von
Dr.
C._
vom 1
1.
Sep
tember und 2
5.
Oktober 2017 vermöchten an seiner Beurteilung nichts zu ändern (
Urk.
10/52).
Nachdem die
Visana
bei
Dr.
B._
die Operationsbilder erhältlich gemacht hatte (
Urk.
10/51,
Urk.
10/53), nahm
Dr.
A._
am
6.
September 2018 nochmals zur Unfallkausalität Stellung. Er hielt fest, das
s
auf den MRI-Bildern vom
7.
Sep
tember 2017 zur Darstellung gelangte Ganglion lokalisiere sich im Abschnitt der erlittenen SLAP-Läsion. Es stelle eine degenerative Erkrankung dar, auch
bei einem 37-jährigen Mann. Aufgrund bildgebender Diagnostik vermutete SLAP-Läsionen könnten erst im Rahmen einer Arthroskopie abschliessend
diagnosti
ziert werden. Dabei werde die Läsion intraoperativ beispielsweise mittels eines Häkchens ertastet. Intraoperativ erfolge die Prüfung im Rahmen eines dynami
schen Handelns, wohingegen die Bildgebung eine statische Standortbestimmung darstelle.
Intraoperativ erstellte Bilder seien für Drittbeurteilende oftmals schwie
rig zu interpretieren und könnten nicht in jedem Fall als Beweis herangezogen werden. Im Zweifelsfall sollten Videoaufnahmen erstellt werden, welche die dynamische Prüfung und Darstellung der Läsion auch für Dritte objektiv nach
vollziehbar machten. Derartige Videoaufnahmen lägen im hier zu beurteilenden Fall nicht vor (
Urk.
10/54; vgl. auch
Urk.
10/55).
4.
4.1
Nach Abschluss der Unfall
behandlung bei
Dr.
Z._
am
2
7.
Juni 2016 (
Urk.
10/2)
befand sich der Beschwerdeführer
bis zur erneuten Vorstellung beim gleichen Arzt
am
1
5.
Mai 2017 (
Urk.
10/7)
nicht me
hr in ärztlicher Behandlung. Dem Bericht
von
Dr.
C._
vom 2
5.
Oktober 2017
ist
zu entnehmen, dass er diesem
Arzt
angab,
vor Anfang Mai 2017 habe er keine Schulterschmerzen gehabt, mit Ausnahme der Zeit nach dem Motorradunfall, als ihm die Schulter zwei bis drei Wochen etwas weh getan habe (
Urk.
10/19).
Auch der Anamnese im ersten Bericht von
Dr.
B._
vom 2
1.
November 2017 lässt sich nicht ent
nehmen, dass die Schulter nach dem Unfall
durchgehend bis im Mai 2017 schmerzhaft war (
Urk.
10/22).
I
m
ausgefüllten
Fragebogen vom
1
4.
November 2017 (
Urk.
10/21)
machte der Beschwerdeführer
erstmals
geltend,
seit dem Som
mer 2016 habe er immer wieder Schmerzen
in der rechten Schulter gehabt. Anfangs seien diese
unregelmässig und schwach gewesen, weshalb er sie nicht mit dem Motorradunfall in Zusammenhang gebracht habe
(
Urk.
10/21;
vgl. auch
Urk.
1 S. 3).
Diese Angaben wurden dann offenbar
im Bericht von
Dr.
B._
vom 1
9.
April 2018 übernommen (
Urk.
10/42). Demgemäss
liegen
für die Zeit zwischen dem vorläufigen Ende der Behandlung bei
Dr.
Z._
am 2
7.
Juni 2016 und de
m neuerlichen Arztbesuch
am
1
5.
Mai 2017
keine echtzeitlichen ärzt
lichen Befunde über Schulterschmerzen
vor
,
geschweige denn ärztliche Stellung
nahmen zur Kausalität solcher Beschwerden
.
Im Übrigen scheint der Beschwer
deführer selbst
allfällige in der Zwischenzeit aufgetretene
Schult
erschmerzen zunächst nicht als u
nfallbedingt eingestuft zu haben.
Unter diesen Umständen
ist das Bestehen
unfall
kausaler
Schulterschmerzen im Sinne von Brückensympto
men nicht ausgewiesen
(vgl. das Urteil des Bundesgerichts
8C_271/2013 vom 3
0.
Juli 2013 E. 4 mit Hinweisen
). Unbestrittenermassen (
Urk.
1 S. 8,
Urk.
2/
1
S.
4
) ist deshalb bloss zu prüfen, ob die ab
Mai 2017
behandelten Schulterschmerzen einen Rückfall zum Unfall vom
2
0.
Juni 2016
darstellen
.
D
ie Beweislast für die Unfallkausalität
liegt
beim Beschwerdeführer.
4.2
Im
Operationsbericht von
Dr.
B._
vom
1
9.
März 2018
werden
die
im Rahmen der Arthroskopie vom
1
6.
März 2018
erhobenen Befunde dokumentiert
.
Mit
diesen Darlegungen
ist der Beweis für das Vorliegen einer
–
mit
den Worten von
Dr.
B._
–
«
ausgesprochenen
»
SLAP-Läsion Typ II grundsätzlich erbracht worden.
Dr.
B._
hat
die damals nicht näher bestimmte SLAP-Läsion bereits in seinem ersten Bericht vom 2
1.
November 2017 auf
den Motor
radunfall zurückgeführt (
Urk.
10/22). In seiner Stellungnahme
vom 1
9.
April 2018 hat er
sodann
grundsätzlich
schlüssig
dargelegt
, dass
eine SLAP-Läsion Typ II einem Zustand nach einem Trauma
, etwa einem Sturz,
entspreche
,
und
dass
degenerativ bedingte SLAP-Läsionen
in der Regel weniger schwer seien und
ab etwa 60 Jahren aufträten. Dies spreche dafür, dass diese Schulterläsion beim 37
-
jährigen Beschwerdeführer auf den Motorradsturz zurückzuführen sei
(
Urk.
10/42)
.
Ent
g
egen der Ansicht der
Visana
entspricht diese Argumentation nicht der beweisrechtlich
un
zulässigen
UV170570
Post hoc ergo propter hoc
08.2018
Formel «
post
hoc ergo
propter
hoc», nach deren Bedeutung eine gesundheitliche Schädigung schon dann als durch den Unfall
verursacht gilt, weil sie nach diesem aufgetreten ist (BGE 119 V 335 E. 2b/
bb
, Urteil des Bundesgerichts 8C_332/2013 vom 25. Juli 2013 E. 5.1).
A
llerdings
ging
Dr.
B._
in seiner Stellungnahme vom 1
9.
April 2018
offenbar
davon aus,
dass der Beschwerdeführer seit dem Motorradsturz durchge
hend unter Schulterbeschwerden litt (
Urk.
10/42).
Dies ist nach den vorstehenden Ausführungen nicht erwiesen.
Dr.
Z._
erhob im Mai 2017 beidseits geschwol
lene AC-Gelenke (
Urk.
10/7). Dem
Bericht
von
Dr.
B._
vom 1
9.
April 2018
ist nicht klar zu entnehmen, weshalb er die AC-
Arthropathie
der rechten Schulter als unfallbedingt einstufte,
ob er auch rein degenerative Befunde vor
fand und wie er den Einfluss solcher Befunde auf
die
Kausalitätsbeurteilung
der übrigen Schulterläsionen
, insbesondere der SLAP-Läsion,
beurteilt
.
Von Bedeu
tung ist zudem, dass SLAP-Läsionen
(bei jüngeren Personen)
auch
infolge
schwe
rer beruflicher Belastung
oder langjähriger
Überlastung beim Sport, insbesondere
bei
Wurfsportarten und Tennis
, auftreten können (vgl.
https://de.wikipe
dia.org/wiki/SLAP-Läsion
). Aus der Meldung der Arbeitsunfähigkeit an den Kran
kentaggeld-Versicherer
vom
2
9.
August 2017 geht hervor, dass der Beschwerde
führer
als
Pflege
fachmann
körperlich mittelschwere, unter anderem die Schultern belastende Arbeiten verrichtete und etwa zweimal täglich Gewichte über 10 kg heben musste (
Urk.
10/13).
Dr.
B._
hat sich mit dieser Kategorie mög
licher Ursachen nicht auseinandergesetzt
(
Urk.
10/42)
. Deshalb kann für die Kau
salitätsbeurteilung der
ab Mai 2017
erneut
geklagten
Schulterbeschwerden nicht allein auf seinen Bericht vom
1
9.
April 2018
abgestellt werden.
4.3
Bei den Stellungnahmen des
Vertrauensarztes der
Visana
,
Dr.
A._
,
handelt es sich um
Aktenbeurteilungen
, da
Dr.
A._
den Beschwerdeführer nicht persön
lich untersucht hat.
In
seiner Stellungnahme vom
6.
September 2018
hat
er die Beurteilung von
Dr.
B._
, dass der Beschwerdeführer eine SLAP-Läsion Typ II erlitten habe, zuminde
st sinngemäss in Frage gestellt
: Er wies darauf hin, dass
intraoperativ erstellte Bilder für
Drittbeurteilende oftmals schwierig zu interpretieren seien und nicht in jedem Fall als Beweis herangezogen werden könnten. Daher sollten sinnvollerweise Videoaufnahmen erstellt werden, die eine zuverlässigere Überprüfung erlaubten.
Solche lägen aber nicht vor.
Einleuchtend ist, dass d
ie SLAP-Läsion aufgrund der
Arthro
-MRI-Bilder
vom
7.
September 2017 (
Urk.
10/14)
nicht genauer eingegrenzt werden
und
der
genaue Typ
nur durch eine intraoperative Befunderhebung
, wie von
Dr.
B._
durchge
führt,
definitiv diagnostiziert werden
konnte (vgl. auch
https://de.wikipe
dia.org/wiki/SLAP-Läsion
)
.
Allerdings hat
Dr.
A._
s
eine Zweifel an der diag
nostischen Einordnung
der
SLAP-Läsion
durch
Dr.
B._
einzig
auf das
Argument gestützt, dass intraoperative
s Videoma
terial gege
n
über blossen Bildern eine bes
sere Nachvollziehbarkeit böte
.
Zum einen ist mit Blick
auf
seine
Stellung
nahme vom
6.
September 2018
aber nicht ganz klar, ob bloss
Dr.
A._
, der nicht Facharzt für Orthopädische Chirurgie ist, die von
Dr.
B._
zur Verfügung gestellten
Operationsbilder nicht
hinlänglich interpretieren
konnte, oder ob der Typ der SLAP-Läsion für jeden drittbeurteilenden Arzt anhand
dieser
Bilder nicht konklusiv beurteilbar ist
(
Urk.
10/54)
.
Zum anderen sind die Ausführungen von
Dr.
A._
, denen insofern
nicht
der Charakter
einer
fachärztlichen Beurteilung
zukommt, nicht geeignet, die von
Dr.
B._
aufgrund persönlicher Wahr
nehmungen
gestellte Diagnose einer
SLAP-Läsion Typ II
g
rundsätzlich in Zweif
el zu ziehen
.
Hierzu wären
neue Untersuchungsbefunde der rechten Schulter
des Beschwerdeführers
vorzubringen oder
Indizien, welche
die
Aussagekraft
der
fach
ärztlichen
Einschätzung von
Dr.
B._
konkret
in Frage zu stellen
ver
möchten
. Solche liegen nicht vor.
Unklar ist
mit Blick auf die Stellungnahmen
von
Dr.
A._
vom 3
1.
Mai,
2.
August und
6.
September 2018
,
wie
dessen
Zweifel
an dem von
Dr.
B._
intraoperativ
am 1
6.
März 2018
erhobenen Schulterbefund seine Kausali
tät
sbeurteilung
konkret
beeinflusst
haben
(
Urk.
10/50,
Urk.
10/52,
Urk.
10/54)
. M
it den Berichten von
Dr.
B._
und
Dr.
C._
(insbesondere dem Bericht vom 2
5.
Oktober 2017 [
Urk.
10/19])
liegen
Stellungnahmen zweier
behandelnder
Fachärzte
vor, wonach
eine zumindest teilweise Unfallkausalität
der SLAP-Läsion
überwiegend oder
mindesten
s gleich wahrscheinlich
ist
wie
eine degenerative Ursache.
Insbesondere ist nicht
klar, weswegen
für
Dr.
A._
das
Ganglio
n als degenerativer Befund
die Unfallkausalität in Bezug auf die SLAP-Läsion eindeutig ausschliesst, insbesondere auch im Sinne einer Teilkausalität.
Gleichzeitig fehlt eine substantiierte Stellungnahme eines behandelnden Arztes, welche eine unfallfremde Ursache der SLAP-Läsion postuliert.
Damit bestehen erhebliche
Zweifel
an der Richtigkeit der Schlussfolgerungen von
Dr.
A._
; diese
verbieten es, zur Kausalitätsbeurteilung allein auf
seine
Akten
beurteilung
abzustellen
(vorstehend E. 1.5).
4.4
Die Beschwerdegegnerin postuliert
gestützt auf die Darlegungen von
Dr.
A._
(
Urk.
10/27)
als zentrales Kausal
i
tätserfordernis, dass sich die SLAP-Läsion zeit
lich
nahe
zum Unfallereignis
hätte äussern müssen
.
In den Akten fehlt
indessen
eine
b
eweiskräftige fachärztliche Stellungnahme, welche
konkret
festhält, dass
eine Unfallkausalität
nicht anzunehmen sei, weil
sich die SLAP-Läsion in zeitli
cher Nähe zum Unfall klinisch
nicht geäussert habe.
Insofern verhält es sich hier anders als in
dem von der
Visana
zitierten
(
Urk.
2
/1
S. 7)
, vom Bundesgericht beurteilten Fall einer SLAP-Läsion Typ II
(vgl. das Urteil
des Bundesgerichts
8C_325/2013 vom 1
7.
Juni 2013
E. 4)
.
Zudem litt der Beschwerdeführer, anders als in jenem Fall, bereits unmittelbar nach dem Unfall unter Schulterbeschwer
den
.
Das
weitere
Argument der
Visana
,
Dr.
Z._
habe
kurz
nach dem Unfall vom 2
0.
Juni 2016 eine normale Schulter
funktion
erhoben
(
Urk.
2
/1
S. 7;
Urk.
10/25)
, spricht nicht
zwingend
gegen eine relevante Verletzung der Schulter am 2
0.
Juni 2016
;
die Schulterbeweglichkeit
und Kraft war
en
nämlich gemäss Bericht von
Dr.
Z._
vom
1.
Juni 2017
auch
noch im Mai 2017
normal (
Urk.
10/7). Bei der gegenwärtigen Aktenlage ist entgegen der Ansicht der
Visana
gerade
nicht erstellt, dass der Beschwerdeführer am 2
0.
Juni 2016 lediglich eine Schulterprel
lung ohne organische Läsionen erlitten hat. Deshalb sind ihre Ausführungen zur medizinischen Erfahrungstatsache,
dass Prellungen auch bei degenerativen Vor
zuständen innert kurzer Zeit abhe
il
en und sich die damit verbundenen Besc
hwer
den gänzlich zurückbilde
n
(
Urk.
9 S. 4)
,
unbehelflich
.
Da sich die zentrale
Frage der Unfallkausalität des Schulterleidens
weder
auf
grund
der Darlegungen von
Dr.
A._
noch gestützt auf diejenige von
Dr.
B._
beantworten lässt, ist
der
Sachverhalt weiter abklärungsbedürf
tig. Entsprechend dem Eventualantrag des Beschwerdeführe
r
s ist die Sache an die
Visana
zurückzuweisen, damit sie
das Gutachten eines
neutralen Facharzt
es
für Orthopädie
einhole
.
Dieser
wird sich unter Berücksichtigung sämtlicher
V
orakten
, insbesondere auch der von
Dr.
B._
erstellten i
ntraoperativen Bilder, und falls nötig nach zusätzlichen Erkundigungen bei den behandelnden Ärzten
zur
Frage zu äussern haben, ob beziehungsweise inwiefern die im Mai 2017 auf
getretenen Schulterbeschwerden in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 2
0.
Juni 20
16 stehen. Hernach wird die
Vis
ana
erneut über ihre Leistungspflicht zu verfügen haben. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzu
heissen.
5.
Nach
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V
57
E.
2.2).
Unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses ist die Prozessentschädigung des Beschwerd
eführers ermessensweise auf
Fr.
1’800
.-- festzusetzen.