Decision ID: b83ceccf-e0ba-4400-9ddd-f5c7d24b29ab
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- A kam im Jahr 2014 als Kind von X (Mutter) und Y (Vater) zur Welt. Am 10. Juni
2015 erklärten die Eltern gegenüber der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde
(KESB) Bern, dass sie die gemeinsame elterliche Sorge über ihren Sohn ausüben
würden und sich über die Betreuungsanteile sowie den Unterhalt verständigt hätten.
Sie vereinbarten eine alternierende Obhut mit einer hälftigen Betreuungsaufteilung.
B.- Nachdem der Vater am 21. Februar 2017 mit dem Antrag auf "Eintragung der
alternierenden Obhut" an die KESB Rheintal gelangt war, führte diese am 12. Mai 2017
ein Gespräch mit beiden Elternteilen zur Klärung der strittigen Punkte durch. Die Idee
der Mutter war, dass sie die alleinige Obhut habe, aber ein erweiterter persönlicher
Verkehr zwischen Vater und Sohn stattfinden könne. Die alternierende Obhut sei
sowohl aufgrund der Distanz als auch aufgrund der schwierigen Kommunikation
zwischen den Eltern nicht durchführbar. Der Vater führte aus, dass A auch bei ihm gut
verwurzelt sei. Nach seiner Ansicht sei die alternierende Obhut weiterhin möglich; er
habe sich stets um eine gute Kommunikation bemüht und für die Durchführung auch
weite Distanzen auf sich genommen. Am 22. Mai 2017 gab die KESB Rheintal eine
interventionsorientierte Sozialabklärung bei der B GmbH in Auftrag. Der Bericht der B
GmbH datiert vom 29. Januar 2018. Darin kam die Abklärerin zum Schluss, dass es der
Mutter besser gelinge, die Bedürfnisse ihres Sohnes zu erkennen und danach zu
handeln. Da A demnächst in den Kindergarten eintreten werde, sei eine alternierende
Betreuungsregelung aufgrund der Distanz zwischen den Wohnorten der Mutter und
des Vaters nicht mehr denkbar. Es werde empfohlen, dass A seinen Lebensmittelpunkt
bei der Mutter haben und er den Vater jedes zweite Wochenende von Freitag bis
Sonntag besuchen können solle. Zudem werde die Errichtung einer Beistandschaft als
sinnvoll erachtet. Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs verfügte die KESB Rheintal
am 2. Mai 2018, dass A per 12. August 2018 unter die alleinige Obhut der Mutter
gestellt werde. Zudem wurde ein Wochenendbesuchsrecht sowie eine Ferien- und
Feiertagsregelung angeordnet. Gleichzeitig wurde festgehalten, dass der Vater das
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Recht habe, mindestens einmal wöchentlich mit seinem Sohn zu telefonieren. Einer
Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung entzogen.
C.- Dagegen erhob der Vater am 6. Juni 2018 Beschwerde bei der
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK). Am 16. August 2018
reichte der Vater durch seine Rechtsvertreterin bei der KESB Rheintal einen neuen
formellen Antrag um Prüfung der alternierenden Obhut ein. Er hatte inzwischen eine
Wohnung in D angemietet. Gleichzeitig stellte er einen Antrag um vorsorgliche
Regelung der alternierenden Betreuungszeiten. Seine Beschwerde gegen die
vorinstanzliche Verfügung vom 2. Mai 2018 zog er am 21. August 2018 zurück. Das
verfahrensleitende Mitglied der KESB hörte den Vater am 24. September 2018 und die
Mutter am 12. Oktober 2018 an. Ein weiteres Gespräch mit Vater und Mutter fand am
23. Oktober 2018 statt. Am 3. Dezember 2018 fand ein Hausbesuch beim Vater in
seiner Wohnung in D statt. Am 4. Dezember 2018 informierte die KESB die Eltern
darüber, dass vorgesehen sei, eine alternierende Obhut zu verfügen und gewährte den
Eltern das rechtliche Gehör. Der Vater erklärte sich damit einverstanden. Die Mutter
beantragte am 8. Januar 2019 die Abweisung des Antrags um alternierende Obhut und
ein erweitertes Besuchsrecht des Vaters. Am 16. Januar 2019 verfügte die KESB
Rheintal Folgendes:
"1. A wird per 15. Februar 2019 unter die alternierende Obhut der Eltern gestellt.
Die Mutter hat A am Freitagabend um 18.00 Uhr am Wohnort des Vaters in D dem
Vater zu übergeben.
2. Die Betreuungsregelung wird wie folgt festgesetzt:
A. Ungerade Kalenderwochen
In den ungeraden Kalenderwochen betreut Y A ab Freitagabend, 18:00 Uhr,
bis Mittwochmittag, 12:00 Uhr. Die Übergabe erfolgt durch die Mutter am
Wohnort
des Vaters in D. Das Abendessen nimmt A beim Vater ein. Am Mittwochmittag
begibt
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sich A direkt vom Kindergarten/Schule zur Mutter. Für den Weg ist der Vater
verantwortlich.
B. Gerade Kalenderwochen
In den geraden Wochen betreut die Mutter A von Mittwochmittag, 12:00 Uhr, bis
zu Beginn des Kindergartens bzw. der Schule am Montagmorgen. Für den
Kindergarten- resp. Schulweg ist die Mutter verantwortlich. Die Betreuungszeit
des Vaters beginnt mit Kindergarten- resp. Schulbeginn von A.
C. Ferien und Feiertage
Über Ferien und Feiertage haben sich die Eltern rechtzeitig und selbständig
abzusprechen.
D. Allgemeines
Es finden keine Übergaben von A in C statt.
Die Verantwortung für die Betreuung von A liegt bei dem Elternteil, bei welchem
die Betreuung vorgesehen ist, also auch im Krankheitsfall, Schulausfall und an
Feiertagen.
3. Für A wird für maximal sechs Monate bis spätestens 31. August 2019 eine
sozialpädagogische Familienbegleitung [...] zu insgesamt 40 Stunden, mit einem
Kostendach von CHF 5'800.00 angeordnet. Die Eltern werden angewiesen, an
der sozialpädagogischen Familienbegleitung mitzuwirken.
Das zuständige Sozialamt und die Eltern werden mit der Kostenregelung
beauftragt.
4. Die Beschlussgebühr beträgt CHF 500.00 und wird den Eltern unter solidarischer
Haftung je zur Hälfte auferlegt. Zufolge unentgeltlicher Prozessführung trägt den
Anteil
des Vaters einstweilen der Staat.
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5. Die Parteikosten werden wettgeschlagen. Über die Entschädigung für die
Vertretung
von Y durch Rechtsanwältin, Tanja Rambert-Klemm wird nach Vorliegen der
Honorarnote entschieden."
D.- Dagegen erhob die Mutter am 15. Februar 2019 durch ihre Rechtsvertreterin
Beschwerde bei der VRK. Sie stellte folgendes Rechtsbegehren:
"A. MATERI(E)LLE RECHTSBEGEHREN
...
1. Der Beschluss sei in den Ziffern 1., 2. A. – C., 4. und 5 aufzuheben.
2. A, geb. 2014, sei unter der alleinigen Obhut der Beschwerdeführerin und
Kindsmutter
zu verbleiben.
3. Dem Beschwerdegegner und Kindsvater sei in Ergänzung zum
Zirkulationsbeschluss
der KESB Rheintal vom 02. Mai 2018 (Beschluss-Nr. 413/2018 / Dossier-Nr.
2017-58)
das Recht einzuräumen, A jeden Montag von 11:35 Uhr bis 18:45 Uhr nach dem
Abendessen zu sich auf Besuch zu nehmen, sofern die Besuche in D stattfinden.
4. Von einem Entzug der aufschiebenden Wirkung der vorliegenden Beschwerde sei
abzusehen.
5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschwerdegegners.
B. FORMELLE RECHTSBEGEHREN
1. Das vorliegende Verfahren sei – bis das Kreisgericht Rheintal seine Zuständigkeit
geprüft hat – zu sistieren.
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2. Falls sich das Kreisgericht Rheintal auch in Bezug auf die Obhutsfrage als
zuständig
erachtet, sei das vorliegende Verfahren infolge Unzuständigkeit abzuschreiben.
3. Erachtet sich das Kreisgericht Rheintal für die Zuteilung der Obhut nicht als
zuständig,
sei die Sistierung aufzuheben und das vorliegende Verfahren fortzuführen.
4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des
Beschwerdegegners."
Die Gerichtsleitung gab dem Beschwerdegegner mit Schreiben vom 25. Februar 2019
Gelegenheit, sich zum Sistierungsgesuch zu äussern. Am 4. März 2019 stellte die
Rechtsvertreterin des Vaters den Antrag, der Antrag der Beschwerdeführerin um
Sistierung sei abzuweisen und das Verfahren vor der VRK fortzuführen, unter Kosten-
und Entschädigungsfolgen. Gleichzeitig stellte sie das prozessuale Begehren, die
Beschwerdeführerin sei zu verpflichten, dem Beschwerdegegner einen angemessenen
Prozesskostenbeitrag zu bezahlen, eventualiter sei dem Beschwerdegegner die
unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und es sei ihm in der Person von
Rechtsanwältin Tanja Rambert-Klemm eine unentgeltliche Rechtsvertreterin zur Seite
zu stellen. Mit Verfügung vom 14. Mai 2019 verfügte der Präsident, dem Gesuchsteller
werde kein Prozesskostenbeitrag zugesprochen und das Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege werde abgewiesen. Dagegen erhob der Vater
Beschwerde beim Kantonsgericht und beantragte die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege. Der Einzelrichter des Kantonsgerichts hob die einzelrichterliche
Verfügung der VRK auf und gewährte dem Vater im Verfahren vor der VRK die
unentgeltliche Rechtspflege und bestellte ihm Rechtsanwältin Tanja Rambert-Klemm
ab 4. März 2019 als Rechtsvertreterin.
E.- Die Rechtsvertreterin der Mutter informierte am 18. März 2019 darüber, dass sie
ihre Klage beim Kreisgericht Rheintal zurückgezogen und ein Schlichtungsgesuch
gestellt habe. Am Antrag um Sistierung des vor der VRK hängigen Verfahrens halte sie
ausdrücklich fest. Am 26. März 2019 wurde das vorliegende Verfahren sistiert.
Nachdem die Beschwerdeführerin am 13. Mai 2019 erneut Klage beim Kreisgericht
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eingereicht hatte, wurde die Sistierung am 22. Mai 2019 aufgehoben und das Verfahren
fortgeführt. Die KESB Rheintal verzichtete ausdrücklich auf eine Vernehmlassung. Am
15. Juli 2019 stellte die Rechtsvertreterin des Vaters einen Antrag um vorsorgliche
Regelung der Herbstferien sowie um vorsorgliche Anordnung einer Familienbegleitung,
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Die Rechtsvertreterin der Mutter zeigte
sich mit den vorsorglichen Anträgen des Vaters als einverstanden, weshalb sich eine
vorsorgliche Regelung der Herbstferien erübrigte. Hinsichtlich Dispositivziffer 3 der
vorinstanzlichen Verfügung vom 16. Januar 2019 über die Anordnung einer
sozialpädagogischen Familienbegleitung (SPF) sprach die Gerichtsleitung am 6. August
2019 eine Teilrechtskrafterklärung aus. Mit Beschwerdeantwort vom 16. August 2019
beantragte der Vater die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde vom 15. Februar
2019, soweit darauf einzutreten sei, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich
der gesetzlichen Mehrwertsteuern.
F.- Mit Eingabe vom 5. September 2019 stellte die Rechtsvertreterin des
Beschwerdebeteiligten den Antrag, der Beschwerde sei für das laufende Verfahren die
aufschiebende Wirkung zu entziehen und A sei unverzüglich für die Dauer des
Verfahrens unter die alternierende Obhut zu stellen. Am 16. September 2019
beantragte die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin die Abweisung dieses
Antrags. Am 17. September 2019 wurde der Antrag um Aufhebung der aufschiebenden
Wirkung insbesondere deshalb präsidial abgewiesen, weil bereits die Verhandlung auf
den 22. Oktober 2019 angesetzt war.
G.- Nachdem die mündliche Verhandlung aufgrund einer Arbeitsunfähigkeit der
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin zweimal verschoben werden musste, fand
sie am 4. November 2019 vor der VRK statt. Daran nahmen die Beschwerdeführerin mit
ihrer Rechtsvertreterin sowie der Beschwerdebeteiligte mit seiner Rechtsvertreterin teil.
Die Vorinstanz verzichtete auf eine Teilnahme.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit erforderlich, in den

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
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1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Bei Eltern, die
nicht miteinander verheiratet waren und seinerzeit eine gemeinsame Erklärung zu den
Kinderbelangen abgegeben haben, ist die KESB am Wohnsitz des Kindes zur
Änderung der Obhutsregelung zuständig (Art. 298a ff. ZGB, insbesondere Art. 298d
Abs. 2 ZGB). Ist der Unterhalt strittig, so ist das Kreisgericht zuständig. In diesem Fall
regelt das Gericht auch die übrigen Kinderbelange (Art. 298d Abs. 3 ZGB), das heisst,
die Zuständigkeit der KESB fällt weg. Als Wohnsitz des Kindes unter elterlicher Sorge
gilt der Wohnsitz der Eltern oder, wenn die Eltern keinen gemeinsamen Wohnsitz
haben, der Wohnsitz des Elternteils, unter dessen Obhut das Kind steht; in den übrigen
Fällen gilt sein Aufenthaltsort als Wohnsitz (Art. 25 Abs. 1 ZGB). Gemäss der
rechtskräftigen vorinstanzlichen Verfügung vom 2. Mai 2018 steht das Kind aktuell
unter der alleinigen elterlichen Obhut der Mutter. Dementsprechend leitet sich sein
Wohnsitz vom Wohnsitz der Mutter ab. Im vorinstanzlichen Verfahren wurden
hauptsächlich die Obhut bzw. die Betreuung des Kindes geregelt. Der Unterhalt war
vor der Vorinstanz kein Thema. Die letzte Eingabe der Rechtsvertreterin vor Erlass der
angefochtenen Verfügung erfolgte am 8. Januar 2019. Darin wurde weder ein Begehren
um Unterhalt gestellt noch ein Antrag auf Überweisung ans Kreisgericht gestellt. Die
KESB Rheintal war also zum Erlass der Verfügung vom 16. Januar 2019 zuständig.
2.- Die VRK ist zur Behandlung von Beschwerden gegen Verfügungen der KESB
zuständig (Art. 27 Abs. 1 des Einführungsgesetzes zur Bundesgesetzgebung über das
Kindes- und Erwachsenenschutzrecht, sGS 912.5, abgekürzt: EG-KES). Vorliegend
besteht die Problematik, dass die Mutter gleichzeitig zur Beschwerdeerhebung bei der
VRK am 15. Februar 2019 auch eine Klage ans Zivilgericht erhob, worin neu auch
Unterhaltsforderungen gestellt wurden. In der Zwischenzeit wurde erfolglos ein
Schlichtungsverfahren durchgeführt und erneut Klage beim Kreisgericht eingereicht.
Damit stellt sich die Frage, ob aktuell das Kreisgericht oder die VRK zuständig ist.
a) Art. 298d Abs. 3 ZGB sieht für den Fall, dass Unterhaltsbegehren gestellt werden,
eine Kompetenzattraktion des Zivilgerichts gegenüber der KESB vor (voranstehende
Ausführungen unter E. 1). Diese Bestimmung regelt jedoch nur das Verhältnis zwischen
KESB und Zivilgericht, aber nicht zwischen Verwaltungsrekurskommission
(Beschwerdeinstanz) und Zivilgericht (erste Instanz). Nach dem Erlass des
erstinstanzlichen Entscheids eingetretene Umstände, die allenfalls die Zuständigkeit
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der KESB beeinflussen, vermögen an der einmal gegebenen (funktionellen)
Zuständigkeit der Rechtsmittelbehörde nichts mehr zu ändern (Bundesgerichtsurteil
[BGer] vom 13. Juli 2018 E. 3.4). Die gesetzliche Regelung der Kompetenzattraktion
soll dem Kindswohl sowie der Prozessökonomie dienen. Eine Überweisung des bereits
im Rechtsmittelverfahren stehenden Obhuts- und Betreuungsstreits an ein
erstinstanzliches Gericht widerspräche diesen Grundsätzen (vgl. dazu auch Urteil
PQ170081-O/U des Zürcher Obergerichts vom 2. März 2018 E. 2.2). Sodann wird in
der Lehre darauf hingewiesen, dass bei wechselnden Zuständigkeiten das Risiko einer
Rechtsverzögerung bzw. Rechtsverweigerung besteht (vgl. Zogg, FamPra.ch 2019 S.
1-35).
b) Die bereits im vorinstanzlichen Verfahren rechtlich vertretene Beschwerdeführerin
ersuchte im Verfahren vor der KESB nicht um Vermittlung hinsichtlich einer
Unterhaltsstreitigkeit. Gleichzeitig ersuchte sie auch nicht um Überweisung des
Verfahrens ans Zivilgericht. Die angefochtene KESB-Verfügung erging eine gute Woche
nach der letzten Stellungnahme der Beschwerdeführerin. Erst nach der durch die KESB
gefällten, ihrem Antrag entgegenstehenden Verfügung und während der laufenden
verwaltungsverfahrensrechtlichen Beschwerdefrist stellte sie eine Zivilklage. Ein
Austausch mit dem Zivilgericht hat ergeben, dass sich dieses aufgrund des bei der
VRK laufenden Verfahrens aktuell nicht als zuständig erachtet. Im Interesse der
Prozessökonomie, bzw. im Interesse an einer beförderlichen Erledigung der sich
bereits im Rechtsmittelverfahren befindlichen Angelegenheit, im Interesse des
Kindswohls sowie im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung erachtet sich die
VRK dementsprechend als zuständig. Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
3.- Vorliegend ist umstritten, ob die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung vom
16. Januar 2019 zu Recht die alternierende Obhut der Eltern angeordnet hat, oder ob
sie die alleinige Obhut der Mutter hätte belassen müssen.
a) aa) Die Beschwerdeführerin begründet ihren Antrag um Zuteilung der alleinigen
Obhut über das Kind in ihrer Beschwerdeschrift insbesondere mit
Kommunikationsproblemen zwischen den Eltern, fehlender Fähigkeit zur Kooperation
und fehlender Vertrauensbasis. Weiter sei die Wohnung, die der Vater in D bezogen
habe, für ihn nicht finanzierbar, weshalb die Lösung gemäss der angefochtenen
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Verfügung keine Stabilität im Leben des Kindes zu gewährleisten vermöchte. Der Vater
sei nicht bereit, seinen Wohnsitz nach D zu verschieben. Zudem sei die Wohnung
aufgrund ihrer Grösse und ihres Zustands nicht mit dem Kindswohl vereinbar. Das
Verhältnis zwischen den Eltern habe sich in letzter Zeit nochmals massiv
verschlechtert. Der Sozialbericht der B GmbH, der als Grundlage für die vorinstanzliche
Verfügung vom 2. Mai 2018 gedient habe, weise darauf hin, dass es der Mutter besser
gelinge, auf die Bedürfnisse des Kindes einzugehen. Weiter seien sich die Eltern in
wichtigen Erziehungsfragen nicht einig. Der Vater lehne das schweizerische
Schulsystem generell ab und würde das Kind lieber nicht zur Schule schicken. Er achte
nicht genügend auf eine gesunde Ernährung des Kindes und erachte eine
medikamentöse Behandlung auch entgegen ärztlicher Empfehlung sowie
Sonnencreme für unnötig. Aufgrund dieser diversen Differenzen stünde die Anordnung
einer alternierenden Obhut dem Kindswohl entgegen. Zudem sei der Vater zu sehr in
"mathematischen Gerechtigkeitsgedanken" gefangen. Der Vater ziehe dem Kind keine
saubere, wettergerechte und altersgemässe Kleidung an. Er benutze das Kind als
Sprachrohr zwischen den Eltern und trage den Konflikt in Anwesenheit des Kindes oder
von Drittpersonen aus. Er sei unzuverlässig und telefonisch kaum erreichbar und stelle
seine eigenen Interessen vor jene seines Sohnes. Ferner habe die Beschwerdeführerin
bei der Vorinstanz beantragt, es sei ein Gutachten einzuholen, womit sie bei dieser kein
Gehör gefunden habe. Auch im vorliegenden Verfahren beantragte sie erneut ein
Gutachten. Des Weiteren stellte sie Antrag auf ein erweitertes Besuchsrecht des
Vaters.
Anlässlich der Verhandlung führte die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin zudem
zusammengefasst aus, dass man dem Vater das Angebot eines erweiterten
Besuchsrechts gemacht habe, der Vater davon jedoch keinen Gebrauch gemacht
habe. Seit rund 14 Monaten seien die Betreuungsverhältnisse stabil. Der Vater weigere
sich seit Jahren, sich an den Lebenshaltungskosten seines Sohnes zu beteiligen.
Inzwischen habe man gerichtlich durchgefochten, dass er wenigstens die
Kinderzulagen an die Mutter überweisen müsse. Der Vater weigere sich seit einiger
Zeit, A vor der Haustüre der Mutter abzugeben und warte auf der gegenüberliegenden
Strassenseite. Damit würden falsche Signale gesetzt. Er könne sich auch nicht
überwinden, das Kinderzimmer von A im neuen Haus der Mutter zu besichtigen.
Dadurch gerate A in einen Loyalitätskonflikt. Nur die alleinige Obhut mit erweitertem
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Besuchsrecht mit einer Reduktion der Berührungspunkte könne zu einer Entschärfung
der Situation führen. Der Vater sei nicht in der Lage, die Bedürfnisse von A vor seine
eigenen zu stellen. Es würde dem Kind schaden, wenn er die halbe Woche bei seinem
Vater verbringen müsste. Da er im Unterricht hinterherhinke bedürfe er einer grossen
Unterstützung. Der Vater wäre aber wohl nicht bereit dazu. Zudem klage A oft über
Bauchschmerzen und knirsche nachts mit den Zähnen. Die alleinige Obhut sei der
Mutter in der früheren Verfügung der KESB nicht nur wegen der räumlichen Distanz
zwischen den Eltern zugesprochen worden. Im angefochtenen Entscheid habe sich die
Vorinstanz mit den anderen Gründen nicht mehr auseinandergesetzt, weshalb dieser
Entscheid unvollständig sei. Die Vorinstanz sei auch auf den Mailverkehr zwischen
Mutter und Vater nicht eingegangen. Sie glaube nicht, dass der Vater in der Lage sei,
eine alternierende Obhut auszuüben. Die vom Vater beantragte
Besuchsrechtsbeistandschaft sei sinnvoll, diese würde zu einer Entspannung der
Situation führen.
Die Beschwerdeführerin selbst führte anlässlich ihrer Befragung zusammengefasst aus,
der Vater habe ihre Vorschläge stets abgelehnt und die Kommunikation sei schwieriger
geworden, seit A im Kindergarten sei. Sie informiere den Vater stets per Mail. Der Vater
reagiere darauf oftmals nicht. Wenn sie Vorschläge mache, nehme der Vater diese
nicht so an, wie sie sie gemacht habe, auch wenn sie denke, dass sie gut seien. Sie sei
nicht mehr bereit zu stundenlagen Diskussionen hinsichtlich der Ferienregelung. Sie
habe auch Angst, dass der Vater den Sohn betreffend Schule nicht unterstütze, wenn
es hart auf hart komme. A benötige möglicherweise Logopädie, sie wisse aber nicht,
wie der Vater dazu oder zu einer allfälligen Repetition von A stehe. A wolle seine
Lebenswelt seinem Vater zeigen. Dieser habe ihn jedoch erst einmal im Kindergarten
besucht. Sodann habe der Vater As Zimmer bei der Mutter noch nicht besichtigt,
obwohl sich A dies wünsche. Einmal habe der Vater sie vor dem Kind weggestossen.
Die Übergabe in C sei unbefriedigend und koste für sie sehr viel Zeit. Es gebe einfach
Dinge, worauf sie bestehe, bevor über weitere Betreuungszeiten gesprochen werden
könne. Eine gemeinsame Obhut komme für sie aktuell nicht in Frage. Zuerst müsse sie
spüren, dass sie vor A nicht mehr verunglimpfend hingestellt werde, erst dann könnten
sie einen Schritt weitergehen. Hinsichtlich Verbesserung der Kommunikation stehe sie
an. Es brauche eine externe Fachperson. Weiter wiederholte sie das angebotene
Besuchsrecht am Montagnachmittag.
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bb) Der Beschwerdebeteiligte brachte in seiner Beschwerdeantwort im Wesentlichen
vor, dass das Kind ihn seit August 2018 nur noch jedes zweite Wochenende sehen
könne, nachdem er vorher seit seiner Geburt ungefähr hälftig von beiden Elternteilen
betreut worden war. Die Situation sei nun seit geraumer Zeit in der Schwebe und das
Kind brauche endlich Klarheit über die Betreuungsmodalitäten. Es habe ein Bedürfnis
nach Ruhe und Stabilität, dem Rechnung getragen werden müsse. Wenn Klarheit über
die Obhut herrsche, werde es ohnehin zu einer Beruhigung der Situation kommen.
Weiter seien die Rügen der Beschwerdeführerin pauschal und kaum substantiiert.
Insbesondere würde sie auf frühere Verfahrenshandlungen verweisen, was nicht
genüge. Sodann sei die Vorinstanz in der Verfügung vom 2. Mai 2018 damals nur von
der alternierenden Obhut abgewichen, weil die Wohnsitze der Eltern weit
auseinanderlagen. Gleichzeitig habe die Vorinstanz damals erklärt, dass die
alternierende Obhut auf Antrag erneut geprüft werden könnte, wenn die Eltern sich
entscheiden würden, in Gehdistanz zueinander Wohnsitz zu nehmen. Der Sozialbericht
sei hinsichtlich der Verfügung vom 2. Mai 2018 notwendig geworden, um entscheiden
zu können, wem die alleinige Obhut zuzuteilen sei. Nachdem bei Erlass der vorliegend
angefochtenen Verfügung die Voraussetzungen für eine alternierende Obhut gegeben
gewesen seien, hätten sich weitere Abklärungen sowie ein Abstellen auf den früheren
Sozialbericht erübrigt. Zudem sei die KESB an diesen Sozialbericht nicht gebunden,
der ohnehin unsachlich, äusserst einseitig und unqualifiziert verfasst worden sei.
Die KESB und die Rechtsvertreterin des Vaters seien der Auffassung, dass die Parteien
fähig seien, ihre Kommunikation und die Pflicht zum gegenseitigen
Informationsaustausch über A besser zu handhaben. Während des Verfahrens und in
den geführten Gesprächen habe sich gezeigt, dass die Eltern durchaus selbstkritisch
und reflektiert seien und fähig erscheinen würden, mit fachlicher Unterstützung
gemeinsame Haltungssätze im Umgang miteinander als Eltern und gegenüber A zu
definieren. Sie hätten damit gezeigt, dass sie das für die alternierende Obhut
erforderliche Mindestmass an Kooperation aufbringen können. Unbestrittenermassen
seien Kommunikationsprobleme zwischen den Parteien vorhanden. Diese bestünden
aber nur deshalb, weil sich die Beschwerdeführerin seit Verfahrensbeginn weigere,
konstruktiv, rechtzeitig und überhaupt zu informieren, was die Belange von A angehe.
Dies nur mit dem Ziel, mit allen möglichen Mitteln für die alleinige Obhut zu kämpfen
und den Beschwerdebeteiligten zu diskreditieren. Diese Situation lasse den
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Beschwerdebeteiligten fast verzweifeln. Er sei ständig Forderungen der
Beschwerdeführerin ausgesetzt, wohingegen diese nicht bereit sei, ihren eigenen
Pflichten nachzukommen und an der Kooperation zu arbeiten.
Bestritten werde, dass die Wohnung des Beschwerdegegners in D aufgrund der
Grösse und des Zustands nicht mit dem Kindswohl vereinbar sei. Anlässlich der
Begutachtung durch die KESB sei sie als kindeswohltauglich beurteilt worden. Die
Wohnung verfüge über zwei Schlafzimmer, eine Küche und ein Bad. Das Kinderzimmer
sei für A seinen Bedürfnissen entsprechend eingerichtet und hinter dem Haus bestehe
die Möglichkeit zum Spielen im Freien. Auch mit einem kleineren Budget könne ein
kindsgerechtes Umfeld geschaffen werden. Die Finanzierbarkeit sei die Sache des
Vaters und hier nicht Thema. Auch der Kindesunterhalt sei nicht Verfahrensbestandteil.
Bisher hätten beide Eltern aufgrund der alternierenden Obhut die bei ihnen anfallenden
Kosten je selbst getragen. Sodann werde bestritten, dass für eine alternierende Obhut
der Lebensmittelpunkt des Beschwerdegegners zwingend in D sein müsste. Des
Weiteren habe der Beschwerdegegner nie erklärt, dass er nicht in Erwägung ziehen
könnte, einmal nach D zu ziehen. Aktuell sei er jedoch aufgrund seines Jobs an seinen
aktuellen Wohnort gebunden. Weiter werde bestritten, dass der Vater das
schweizerische Schulsystem generell ablehne, dass er nicht auf gesunde Ernährung
achte, dass er sich weigere, A Sonnencreme einzustreichen und medikamentöse
Behandlung als unnötig erachte. Auch dauernde Wiederholungen, wie, der Vater ziehe
seinem Sohn keine adäquate Kleidung an, es sei zu diversen massiven Vorkommnissen
gekommen, der Vater verliere sich in unnötigen Gerechtigkeitsüberlegungen, er
missbrauche seinen Sohn als Sprachrohr etc. seien reine Parteibehauptungen. Als der
Vater sich veranlasst gesehen hätte, in D eine Wohnung zu nehmen, hätte ihm die
Mutter nur Hindernisse in den Weg gelegt.
Ein Gutachten, welches sich zur Eignung einer alternierenden Obhut ausspreche,
werde nicht als notwendig erachtet und würde das Verfahren noch weiter in die Länge
ziehen. Falls dennoch ein solches in Auftrag gegeben werde, so müsse die Situation
bei beiden Eltern und nicht nur beim Vater abgeklärt werden. Die vorhandenen
Kommunikationsprobleme und teilweise unterschiedlichen Lebensauffassungen der
Eltern könnten durch eine sozialpädagogische Familienbegleitung ohne weiteres
angegangen oder gar aus dem Weg geräumt werden. Das von der Beschwerdeführerin
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vorgeschlagene erweiterte Besuchsrecht sei überdies kaum praktikabel, da das Kind
an jenem Nachmittag in der Jugi sei.
Anlässlich der Verhandlung führte die Rechtsvertreterin des Beschwerdebeteiligten
zudem aus, die Interessen von A seien stark in Mitleidenschaft gezogen worden, da er
seit über einem Jahr seinen Vater nur noch jedes zweite Wochenende sehen dürfe, und
dies ohne jegliche Rechtfertigung. A laufe Gefahr, seinen Vater zu verlieren. Der seit
längerem anhaltende Zustand könne rückwirkend weder für A noch für den Vater
wieder gut gemacht werden. Seit Geburt hätten A und sein Vater ein sehr gutes, enges
Verhältnis gehabt. Die zeitweilig gelebte alleinige Obhut der Mutter sei für diese
Beziehung nicht förderlich gewesen. Nicht nur sei das gerichtsübliche Besuchsrecht
des Vaters in dieser Zeit mehrmals beschnitten worden, sondern auch die seit Sommer
2018 bereitstehende Kapazität des Vaters zur Betreuung habe nicht wahrgenommen
werden können; dies trotz Vorliegen der zweiten KESB-Verfügung. Nur schon A zuliebe
hätte die Mutter die Betreuung des Vaters längst angemessen und sinnvoll ausweiten
können. Sie führe einen hartnäckigen Kampf gegen die alternierende Obhut und führe
A zwangsläufig in einen Loyalitätskonflikt. Spontane Kontakte mit A würden gar nicht
mehr vorkommen. Die Mutter bestimme, wann und wie A seinen Vater sehen könne.
Das gesamte Programm werde von ihr beherrscht. Sie sei nicht fähig, sich in das
Leben des Vaters und seine Organisation wie auch seine Bemühungen hineinzudenken.
Ihr Ziel sei die absolute Kontrolle. Sie habe ihre eigenen, subjektiv geprägten
Vorstellungen darüber, wie das Wohl von A gewährleistet werde. Sie sei gewillt, diese
Vorstellungen eigensinnig und unbelehrbar durchzusetzen.
Für den Fall, dass das Gericht zur Auffassung gelange, die alternierende Obhut sei
nicht vereinbar mit dem Kindswohl, sei dem Vater die alleinige Obhut über A
zuzusprechen. Es bleibe fraglich, ob die Mutter ihrer Pflicht zur Bindungstoleranz
nachkomme und alles dazu beitrage, das Vater-Sohn-Verhältnis zu unterstützen und zu
fördern. Bindungstoleranz gelte als Bestandteil der Erziehungsfähigkeit.
Bindungsintolerante Eltern würden gegen das Kindswohl handeln. Es gelte zu
vermeiden, dass der Vater in seiner Elternrolle zurückgedrängt werde. Durch die
Machtspiele der Mutter werde dieser immer frustrierter und trauriger. Die
Voraussetzungen der alternierenden Obhut seien aber nach wie vor erfüllt.
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Wenn der Vater seinen Sohn alternierend betreue, sei er selbstverständlich bereit, auf
Sportanlässe Rücksicht zu nehmen und in D zu bleiben. Wenn er seinen Sohn nur alle
zwei Wochenenden sehe, sei andererseits klar, dass er diese Zeit mit seinem Sohn
verbringen möchte. Der Vater kommuniziere zwar knapp, aber wo nötig, da antworte
er. Bei Mails informativer Art sei dies jedoch nicht immer notwendig. Wäre A in C in den
Kindergarten gekommen, wäre er ein Jahr später eingetreten und hätte so ein Jahr
länger im Vorschulstadium bleiben können. Weshalb dieses Argument des Vaters von
einer schlechten Erziehungsfähigkeit sprechen solle, sei nicht nachvollziehbar.
Der Beschwerdebeteiligte selbst führte anlässlich seiner Befragung aus, es sei noch
offen, ob es bei A nächstes Jahr zur Einschulung komme. Beim Abschlussgespräch
Ende Schuljahr habe er separat das Gespräch mit der Kindergärtnerin gesucht. Da von
Seiten der Mutter Beschuldigungen gegen ihn im Raum stünden, sei es aktuell nicht
möglich, mit ihr ein sachbezogenes Gespräch über das Kind zu führen. Die
Kommunikation laufe darauf hinaus, dass alles nur dann funktioniere, wenn er zu den
Vorschlägen der Mutter "ja" sage. Sonst gehe gar nichts. Wenn er zu einem
Verschiebungsvorschlag der Mutter nicht "ja" sage, entfalle das Besuchswochenende
gänzlich. Das setze ihn enorm unter Druck. Seit A in der alleinigen Obhut der Mutter
sei, könne er kaum noch gemeinsame Ferien mit dem Sohn verbringen. Wenn das Kind
krank sei, könne er es auch nicht mehr sehen. Die Kommunikation funktioniere erst
wieder, wenn beide Eltern ebenbürtige Gesprächspartner seien. Er könne sich nicht
erklären, wie die Mutter zum Schluss komme, er würde seinem Sohn verordnete
Medikamente nicht verabreichen. Er sei lediglich der Meinung, dass es nicht immer
gleich Globuli bedürfe, wenn sich das Kind irgendwo anschlage. Er getraue sich nicht
ins Haus der Beschwerdeführerin, da er Angst habe, dass es dann zu einer neuen
Vorwurfsserie gegen ihn kommen würde. Er habe A gesagt, er solle doch ein Foto von
seiner neuen Zimmerlampe machen. Er könne es der Mutter nie recht machen und
befinde sich in einer Bittsteller-Position. Die alternierende Obhut strebe er deshalb an,
weil er glaube, dass sein Sohn mehr Zeit mit ihm verbringen wolle. C sei für A eine
Konstante. Diesen Ort kenne er seit Geburt, er habe dort schon die Spielgruppe
besucht und habe viele Verwandte dort. Die Ausübung der alleinigen Obhut durch den
Vater wäre für A nicht wünschenswert. Er denke nicht, dass A dies wolle. Es wäre aber
möglich, sich darauf einzurichten. Er wisse zwar nicht, was in der Zeit laufe, in der das
Kind bei der Mutter sei. Der Junge sei aber ein guter Typ, weshalb er nicht denke, dass
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alles falsch sei, was dort laufe. Solange er noch Energie habe, versuche er, sich für A
einzusetzen.
cc) Die Vorinstanz führte in ihrer Verfügung vom 16. Januar 2019 zusammengefasst
aus, die Erziehungsfähigkeit als Grundvoraussetzung für die Anordnung einer
alternierenden Obhut sei bei beiden Eltern gegeben. Bereits vor dem
Kindergarteneintritt sei eine alternierende Obhut gelebt worden. Beide Eltern hätten
das bisherige Arbeitspensum beibehalten, weshalb auch die zeitliche Verfügbarkeit der
Eltern gegeben sei. Im Entscheid vom 2. Mai 2018 sei der Mutter mit der
Hauptbegründung, dass aufgrund der grossen Distanz der Wohnorte der Eltern eine
alternierende Obhut nicht mit dem Kindswohl vereinbar sei, die alleinige Obhut
zugesprochen worden. Dadurch, dass der Vater in zweiminütiger Gehdistanz zur Mutter
eine Wohnung in D gemietet habe, sei eine wesentliche Veränderung der Verhältnisse
eingetreten. Deshalb sei die Sache neu zu beurteilen. Während des Verfahrens und
insbesondere anlässlich eines Gesprächs vom 23. Oktober 2018 sei die KESB zur
Auffassung gelangt, dass die Eltern mit fachlicher Unterstützung durchaus in der Lage
seien, gemeinsame Haltungssätze im Umgang miteinander als Eltern und gegenüber A
zu definieren. Sie hätten damit gezeigt, dass sie bereit und fähig seien, das
Mindestmass an Kooperation, das für die alternierende Obhut notwendig sei,
aufzubringen. Mit einer SPF sollen die Eltern darin unterstützt werden. Die Bedenken
der Mutter darüber, ob die Wohnung des Vaters in D kindsgerecht sei, hätten anlässlich
einer Wohnungsbesichtigung nicht geteilt werden können. Die Einholung eines
Gutachtens zur Eignung einer alternierenden Obhut erscheine nicht als angezeigt. Es
würden sich keine Fragen stellen, die den Beizug eines Gutachters nötig machen
würden. Die Voraussetzungen für die alternierende Obhut seien erfüllt, weshalb ein
schrittweiser Wechsel nicht begründbar sei.
Ihre Verfügung vom 2. Mai 2018, womit sie der Mutter die alleinige Obhut erteilte, hatte
die Vorinstanz damit begründet, dass die Wohnsitze der Eltern 90 Kilometer
auseinanderliegen würden und deshalb eine alternierende Obhut ab dem
Kindergarteneintritt des Kindes nicht mehr möglich sei. Hinsichtlich dieser
Wohnverhältnisse seien die Eltern nicht in der Lage gewesen, eine Lösung zu finden.
Ausdrücklich wurde in den damaligen Erwägungen ausgeführt, dass die alternierende
Obhut auf Antrag neu geprüft werden könne, wenn die Eltern sich entscheiden würden,
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in Gehdistanz (zueinander) Wohnsitz zu nehmen. Aufgrund der damals gegebenen
Ausgangslage sah sich die KESB veranlasst, das Kind unter die alleinige Obhut eines
Elternteils zu stellen. Sie führte aus, dass die Mutter sich im Rahmen der Abklärung
besser auf Unterstützungsangebote eingelassen habe und es ihr aktuell besser gelinge,
die Bedürfnisse des Kindes wahrzunehmen. Deshalb wurde die alleinige Obhut damals
der Mutter erteilt.
dd) Die von der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung mit der
sozialpädagogischen Familienbegleitung (SPF) beauftragte Person führte in ihrem
Bericht vom 25. September 2019 aus, dass die Kommunikation zwischen den Eltern
die Umsetzung einer alternierenden Obhut nicht verunmögliche. Nach ihrer Empfehlung
solle deren Umsetzung schrittweise und in Kombination mit einer SPF erfolgen. Weiter
empfehle sie, die Kommunikation zwischen den Eltern auf ein Mindestmass zu
reduzieren, damit die Missverständnisse aufhören und Ruhe einkehren könne. Alle
Absprachen bezüglich Übergaben, Schule, Freizeit etc. sollen vorübergehend über die
Familienbegleitung laufen. Gleichzeitig empfahl sie eine Mediation für die Eltern.
b) Auf Begehren eines Elternteils, des Kindes oder von Amtes wegen regelt die
Kindesschutzbehörde die Zuteilung der elterlichen Sorge neu, wenn dies wegen
wesentlicher Änderung der Verhältnisse zur Wahrung des Kindeswohls nötig ist. Sie
kann sich auf die Regelung der Obhut, des persönlichen Verkehrs oder der
Betreuungsanteile beschränken (Art. 298d Abs. 1 und 2 ZGB). Beim Entscheid über die
Obhut, den persönlichen Verkehr oder die Betreuungsanteile berücksichtigt die
Kindesschutzbehörde das Recht des Kindes, regelmässige persönliche Beziehungen
zu beiden Elternteilen zu pflegen (Art. 298b Abs. 3 ZGB). Bei gemeinsamer elterlicher
Sorge prüft sie im Sinne des Kindeswohls die Möglichkeit einer alternierenden Obhut,
wenn ein Elternteil oder das Kind dies verlangt (Art. 298b Abs. 3 ZGB).
Im Fall der gemeinsamen elterlichen Sorge kann das Gericht entweder einem Elternteil
die alleinige Obhut zuteilen oder die alternierende Obhut beider Elternteile festlegen.
Die Obhut umfasst nicht mehr das Aufenthaltsbestimmungsrecht, sondern nur noch die
Befugnis, mit dem minderjährigen Kind in häuslicher Gemeinschaft zu leben und für
seine tägliche Betreuung und Erziehung zu sorgen. Mit der Obhut ist damit die Frage
der Betreuung des Kindes im Alltag verbunden. Leitprinzip ist das Kindeswohl und die
bis
ter
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Interessen der Eltern haben in den Hintergrund zu treten. Einbezogen werden müssen
zunächst die bestehenden Bindungen des Kindes zu beiden Elternteilen. Entscheidend
sind sodann die jeweiligen Erziehungsfähigkeiten der Eltern und ihre Eignung und
Bereitschaft, sich persönlich um das Kind zu kümmern und sich mit ihm zu
beschäftigen, sowie die Kooperationsbereitschaft und die Bereitschaft, insbesondere
die Beziehung zum anderen Elternteil zuzulassen (Bindungstoleranz).
Kooperationsfähigkeit und -bereitschaft sind ebenso wie die Bindungstoleranz ein
Teilbereich der Erziehungsfähigkeit. Alternierende Obhut kann in vielen Fällen dem
Kindeswohl entsprechen, stellt aber hohe Anforderungen an Eltern und Kinder, und ist
deshalb nicht grundsätzlich das zu bevorzugende Betreuungsmodell. Sie ist namentlich
dann nicht geeignet, wenn das Kind dadurch kontinuierlich dem Konflikt der Eltern
ausgesetzt ist oder wenn die ständigen Wechsel für das Kind zu belastend sind. Aus
der gemeinsamen elterlichen Sorge kann kein Elternteil das Recht ableiten, das Kind
auch tatsächlich zur Hälfte betreuen zu können. Das Wechselmodell kommt aber dann
in Frage, wenn die Eltern bereits während des Zusammenlebens beide massgeblich an
Pflege und Erziehung des Kindes beteiligt waren oder während des Getrenntlebens das
Kind bereits alternierend betreut haben (BSK-ZGB I-Schwenzer/Cottier, 6. Aufl. 2018,
Art. 298b N 7 mit Verweis auf Art. 298 N 4 ff.; Dettenborn/Walter,
Familienrechtspsychologie, 3. Auflage 2016, S. 218).
Erweist sich die alternierende Obhut unter allen denkbaren Betreuungsvarianten als die
beste Lösung, so ist diese auch gegen den Willen eines oder beider Eltern anzuordnen,
es sei denn, gerade die Weigerung stelle in der Konsequenz eine
Kindeswohlgefährdung dar (BK-Affolter/Vogel, Bern 2016, Art. 298 ZGB N 49). Die
psychologische Forschung weist darauf hin, dass das Wechselmodell auf Anordnung
des Gerichts oder der Behörde ohne grundsätzliche Bereitschaft beider Eltern, sich für
das Gelingen einzusetzen, wenig Erfolgs-chancen hat. Risikofaktoren für das Scheitern
des Wechselmodells sind namentlich, dass das Arrangement von den Eltern nicht
selbst gewählt wurde und dass der Wille fehlt, eine für beide Parteien faire, gerechte,
und gleichberechtigte Übereinkunft zu erreichen und dabei die Interessen des Kindes
im Auge zu behalten. Kritisch wäre daher, die alternierende Obhut nur noch
abzulehnen, wenn die Streitigkeiten zwischen den Eltern das Kindeswohl geradezu
gefährden. Im Lichte des Kindeswohls sollte die alternierende Obhut nur angeordnet
werden, wenn sie die bestmögliche Lösung darstellt (BSK ZGB I-Schwenzer/Cottier,
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a.a.O., Art. 298 N 7 mit Hinweisen). Die Kooperationsfähigkeit der Eltern wiederum
verdient besondere Beachtung, wenn das Kind schulpflichtig ist oder die Entfernung
zwischen den Wohnorten der Eltern ein Mehr an Organisation erfordert (BGE 142 III
617 E. 3.2.3 und 142 III 612 E. 4.3). Allein aus dem Umstand, dass ein Elternteil sich
einer alternierenden Obhut widersetzt, kann jedoch nicht ohne Weiteres geschlossen
werden, die nötige Kooperation sei nicht gewährleistet. Unter diesem Aspekt ist von
geteilter Obhut nur abzusehen, wenn das Verhältnis unter den Eltern hinsichtlich
anderer Kinderbelange von einer Feindseligkeit gezeichnet ist, aufgrund derer
anzunehmen ist, eine alternierende Obhut würde das Kind dem gravierenden
Elternkonflikt in einer Weise aussetzen, die seinen Interessen offensichtlich zuwiderläuft
(Urteil des Bundesgerichts [BGer] 5A_241/2018 vom 18. März 2019 E. 5.1).
c) Eine wesentliche Veränderung der Verhältnisse ist vorliegend darin zu sehen, dass
der Vater eine Wohnung in D bezogen hat. Das Modell der alternierenden Obhut wurde
bereits bis kurz vor dem Kindergarteneintritt gelebt. Davon abgewichen war die
Vorinstanz in einer früheren Verfügung hauptsächlich deshalb, weil die alternierende
Obhut aufgrund der grossen Distanzen zwischen den Wohnorten der Eltern nicht mehr
möglich war. Bis zu jenem Zeitpunkt hatte das Kind starke Bindungen zu beiden
Elternteilen. Aktuell erweist sich die Kommunikation und die Absprachefähigkeit
zwischen den Eltern als schwierig. Die Beschwerdeführerin wirft dem
Beschwerdebeteiligten mangelnde Erziehungsfähigkeit vor. Dies insbesondere deshalb,
weil die Eltern unterschiedliche Erziehungsvorstellungen hätten. Es gelang ihr jedoch
nicht, die Vorwürfe gegen den Vater nachvollziehbar zu konkretisieren. Insbesondere
erschienen die unterschiedlichen Vorstellungen der Eltern hinsichtlich
Medikamentenverabreichung und Einschulung auf der sachlichen Ebene nicht als
derart gravierend. Der Vater führte anlässlich der Verhandlung glaubwürdig aus, dass
bei Krankheit des Sohnes auch er die Verabreichung ärztlich verordneter Medikamente
als notwendig erachte. Sodann lag das Geburtsdatum von A relativ nahe beim Stichtag
für den Kindergarteneintritt im Kanton St. Gallen. In C wäre er erst ein Jahr später in
den Kindergarten eingetreten. Es war dementsprechend durchaus diskutabel, welches
Eintrittsdatum für A das bessere sei. Anlässlich der Befragung führte der
Beschwerdebeteiligte aus, dass er es begrüsst hätte, wenn A ein Jahr länger die
Vorteile des Vorschulstadiums hätte geniessen können. Der Kindergarteneintritt liegt
inzwischen schon lange zurück und ist damit kein aktuelles Thema mehr. Die
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Darstellung, der Vater stelle sich gänzlich gegen das schweizerische Schulsystem, liess
sich anlässlich der Befragung nicht bestätigen. Dass der Vater nicht auf eine gesunde
Ernährung des Sohnes achte, wurde von der Mutter zwar in den Raum gestellt, aber
nicht weiter ausgeführt. Hinweise auf eine mangelhafte Ernährung oder Hygiene beim
Vater bestehen nicht. Insgesamt besteht keine Veranlassung dafür, davon auszugehen,
dass der Vater nicht in der Lage wäre, hinreichend auf die Bedürfnisse seines Sohnes
einzugehen oder dass er ihn ungenügend unterstützen oder fördern würde.
Vielmehr wurde anlässlich der Befragung spürbar, dass der Vater das Kindswohl in den
Vordergrund stellt. Er führte aus, dass er deshalb für die alternierende Obhut sei, weil
er denke, dass sein Sohn ihn häufiger sehen wolle – was die Mutter übrigens nicht in
Abrede stellte. Er sei zudem der Meinung, dass eine alternierende Obhut für seinen
Sohn besser sei, als seine alleinige Obhut. Er gehe nicht davon aus, dass bei der
Mutter alles falsch laufe. C sei für seinen Sohn seit Geburt eine Konstante, die er für ihn
weiterhin aufrechterhalten wolle. Er hat bereits sehr viel Energie darin investiert, die
Grundlagen für eine alternierende Obhut weiterhin zu gewährleisten. Zudem war er
nicht darauf bedacht, die Mutter in ein schlechtes Licht zu rücken, sondern betonte
vielmehr, wie wichtig es für seinen Sohn und für ihn ist, mehr gemeinsame Zeit zu
verbringen.
Als der Sozialbericht an die B GmbH in Auftrag gegeben wurde, stellte sich aufgrund
der weit auseinanderliegenden Wohnorte der Eltern hauptsächlich die Frage, welchem
Elternteil die alleinige Obhut zukommen solle. Zudem liegt das Datum des Berichts
schon fast zwei Jahre zurück. Er stützte sich lediglich auf Gespräche mit den Eltern,
eine tiefergehende Abklärung fand nicht statt. Die Ausgangslage war damals eine
andere als heute. Im Übrigen gehen selbst aus diesem Bericht keine Hinweise darauf
hervor, dass der Vater über eine mangelnde Erziehungsfähigkeit verfügen könnte oder
eine alternierende Obhut grundsätzlich nicht geeignet wäre. Weitere Ausführungen zum
Inhalt oder zum beweisrechtlichen Gewicht dieses Berichts erübrigen sich.
Ideal wäre für A, wenn er weiterhin intensive Beziehungen zu beiden Elternteilen
pflegen könnte. Auch der Vater ist für seine weitere Entwicklung von grosser
Bedeutung. Wenn es auch früher schon zu Differenzen zwischen den Eltern gekommen
ist, so hat das Modell der alternierenden Obhut damals doch funktioniert. Die Fronten
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haben sich gemäss übereinstimmender Ausführungen beider Seiten erst zu jenem
Zeitpunkt stark verschlechtert, als A in den Kindergarten eintrat und sich fortan unter
der alleinigen Obhut der Mutter befand. Nachdem die Eltern sich jahrelang hälftig an
der Betreuung und Erziehung des Kindes beteiligten, führte dieser Umstand zu einem
Ungleichgewicht zwischen den Eltern. Es ist nicht ersichtlich, inwieweit eine
alternierende Obhut dem Kindswohl abträglich wäre. Eher ist damit zu rechnen, dass
sich der Konflikt der Eltern durch die Wiederaufnahme des früheren Modells wieder
beruhigt. Nicht nachvollziehbar ist die Begründung der Beschwerdeführerin, dass die
Installation der alleinigen Obhut bei der Mutter die Situation beruhigen könnte. Dieses
Modell wurde nun während über einem Jahr geführt und hat gerade zum Gegenteil
geführt. Sodann ist fraglich, dass sich damit vorliegend die Berührungspunkte
zwischen Mutter und Vater reduzieren liessen. Auch bei der alleinigen Obhut mit
Besuchsrecht fallen die Übergaben nicht weg. Zudem hätten die Eltern nach wie vor
die gemeinsame elterliche Sorge. Sie müssten sich dementsprechend weiterhin über
diverse Punkte aussprechen und Lösungen dafür suchen (z.B. Schuleintritt). Aktuell
gestaltet sich die Übergabe in C insbesondere für die Mutter als mühsam und
zeitaufwändig. Übergaben in C fallen bei der Wiederinstallation der alternierenden
Obhut gänzlich weg, da die Übergaben in D stattfänden. Weiter fallen bei der
alternierenden Obhut mit klar festgelegten Betreuungszeiten auch die unendlichen
Diskussionen über erweiterte Betreuungszeiten des Vaters und deren Umsetzbarkeit
weg. Diskussionen über Verschiebungen von Wochenenden, an denen Fussball-
Matchs stattfinden oder Kinder-Geburtstage gefeiert werden, erübrigen sich ebenso.
Diese könnten auch von der Wohnung des Vaters in D aus wahrgenommen werden.
Insgesamt ist vorliegend kein Grund ersichtlich, der gegen die Wiederaufnahme der
alternierenden Obhut sprechen würde. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass viele
Punkte, worüber heute Differenzen bestehen, wegfallen würden. Heute notwendige
Absprachen würden sich teilweise gänzlich erübrigen. Dies würde die Kommunikation
zwischen den Eltern vereinfachen. Daraus kann geschlossen werden, dass auch die
schwierige Kommunikation zwischen den Eltern kein Hindernis für die alternierende
Obhut darstellt, sondern im Gegenteil mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Beruhigung
erfahren würde. Dass die Mutter mit der alternierenden Obhut nicht einverstanden ist,
steht ihrer Anordnung ebenso wenig entgegen (vgl. voranstehenden Ausführungen).
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Auch das Ungleichgewicht, das mit der alleinigen Obhut zwischen den Eltern
entstanden ist, würde dadurch wieder beseitigt.
Nicht entscheidend ist vorliegend, wie der Vater seine zusätzliche Wohnung in D
finanziert. Anlässlich der Befragung beteuerte er, dass ihm die Finanzierung möglich
sei. Er brachte deutlich zum Ausdruck, sich nach seinen Kräften für eine stabile
alternierende Betreuungssituation von A einzusetzen. Sollte sich die Situation in
Zukunft dennoch erneut ändern, wäre es an der Vorinstanz, zu jenem Zeitpunkt die
Betreuungssituation zu überprüfen. Sodann hat die Vorinstanz in der Wohnung des
Beschwerdebeteiligten in D einen Augenschein durchgeführt und sie für kindsgerecht
befunden. Darauf kann abgestellt werden und eine erneute Beweisaufnahme ist nicht
notwendig. Dass es sich um eine eher bescheidene Wohnung handelt, steht dem
Kindeswohl nicht entgegen. Weiter kann nicht verlangt werden, dass der Vater seinen
Wohnsitz nach D verlegt. Die Unterhaltsproblematik ist vorliegend nicht Thema. Den
zwischen den Eltern in der Vergangenheit geführten Mailverkehr im Detail
auseinanderzunehmen würde den Rahmen des vorliegenden Verfahrens sprengen und
wäre zudem kaum geeignet, noch etwas an der Sache zu ändern. Dass
Kommunikationsprobleme bestehen, ist unbestritten.
Es stellen sich allerdings gewisse Zweifel an der Bindungstoleranz der Mutter. Die von
ihr gegen den Vater gerichteten Vorwürfe liessen sich nicht nachvollziehen. Obwohl der
Vater schon seit mehr als einem halben Jahr eine Wohnung in D hat, liess sie es des
Weiteren nicht zu, die Betreuungszeiten des Vaters zu erweitern. Zwar stellte sie ihm
ein "erweitertes Besuchsrecht" am Montagnachmittag in Aussicht, nicht ohne aber zu
betonen, dass A dann nicht in die Jugi gehen oder mit seinen Gspänli abmachen
könne. Selbst nachdem die Rechtsvertreterinnen beider Seiten in dieser Sache zu
vermitteln suchten und die Rechtsvertreterin des Beschwerdebeteiligten anlässlich der
Verhandlung nochmals ausführte, dass ein derartiges erweitertes Besuchsrecht am
Montagnachmittag für A nicht sinnvoll und überdies ohne Wohnung in D für den Vater
nicht umsetzbar wäre, beharrte sie weiterhin pauschal auf ihrem Vorschlag des
Montagnachmittags. Sodann bestätigte sie anlässlich der Verhandlung erneut, dass sie
erst dann bereit zu einer Ausdehnung der Betreuungszeiten des Vaters sei, wenn sich
die Kommunikation von Seiten des Vaters verbessere. Es gelang ihr jedoch nicht, diese
Ausführungen näher zu konkretisieren. Im Übrigen steht es nicht in ihrer Macht,
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derartige Bedingungen für die Wiederaufnahme der alternierenden Obhut aufzustellen.
Es ist fraglich, inwieweit sie noch bereit und in der Lage ist, ihre eigenen
(Kontroll-)Bedürfnisse im Interesse des Kindswohls zurückzustellen. Durch ihr Verhalten
drängte die Mutter den Vater in seiner Elternrolle immer stärker zurück, wodurch das
vom Vater beschriebene Ungleichgewicht entstand. Im Sinne der voranstehenden
Ausführungen ist jedoch davon auszugehen, dass sich diese Problematik mit der klaren
Festsetzung der hälftigen Betreuungszeiten reduziert und einer weiteren Entfremdung
zwischen Vater und Sohn sowie einer Verstärkung des Loyalitätskonflikts des Kindes
Vorschub geleistet werden kann. Die Einholung eines psychologischen Gutachtens
über die Erziehungsfähigkeit der Eltern erscheint somit jedenfalls zum heutigen
Zeitpunkt nicht als notwendig. Die Mutter erhält durch die Anordnung der
alternierenden Obhut die Chance, aktiv zu zeigen, dass sie die Beziehung zwischen
Vater und Sohn zulassen kann, und sie somit über Bindungstoleranz verfügt. Dass die
Mutter den Vater regelmässig mit Informationen über das gemeinsame Kind bediente,
kann ihr durchaus zugutegehalten und zudem als Indiz gewertet werden, dass der für
die alternierende Obhut gebotene Informationsfluss zwischen den Eltern weiterhin
gelingt und eine gewisse Grundlage und Bereitschaft der Mutter zur Kommunikation
noch immer besteht. Dem Vater dürfte die Kommunikation mit der Mutter ab dem
Zeitpunkt wieder leichter fallen, in dem er sich wieder als gleichberechtigter Elternteil
wahrgenommen fühlt.
Insgesamt erscheint im Lichte des Kindswohls die alternierende Obhut nach wie vor als
die beste Betreuungslösung für A. Es ist zurzeit kein Grund ersichtlich, weshalb sie
nicht umgesetzt werden könnte. Die Kommunikationsprobleme der Eltern stehen ihr
nicht entgegen. Im Gegenteil ist damit zu rechnen, dass sich diese mit der Rückkehr
zum früheren Modell der alternierenden Obhut wieder reduzieren lassen. Der Antrag
der Beschwerdeführerin um Zusprechung der alleinigen Obhut ist abzuweisen und die
alternierende Obhut im Sinne der angefochtenen Verfügung vom 16. Januar 2019 zu
bestätigen. Um weiteren Streitigkeiten über den Vollzugsbeginn vorzubeugen, ist sie
per 2. Dezember 2019 zu verfügen. Im Übrigen besteht keine Veranlassung dazu, die
alternierende Obhut nur langsam und schrittweise umzusetzen. Die Beziehung
zwischen Vater und Sohn ist intakt und braucht nicht zuerst noch aufgebaut werden.
Der Vater hat ausgeführt, die Betreuung umgehend aufnehmen zu können. Der
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sofortigen Umsetzung steht damit nichts im Wege. A wird sich schnell wieder an die
alternierende Obhut gewöhnen.
4.- Mit der Anordnung der alternierenden Obhut erübrigt sich die Prüfung eines
erweiterten Besuchsrechts des Vaters ebenso wie der Eventualantrag der alleinigen
Obhut des Vaters.
5.- Anlässlich der Befragung führten beide Elternteile aus, dass sie hinsichtlich ihrer
Kommunikation miteinander an ihre Grenzen stossen würden. Dieser Eindruck
bestätigte sich auch anhand der Akten. Dementsprechend ist die Unterstützung der
Eltern durch eine Drittperson zwingend erforderlich. Die Umsetzung der seinerzeit
durch die Vorinstanz angeordneten sozialpädagogische Familienbegleitung konnte bis
zum heutigen Zeitpunkt nicht angestossen werden. In der Regel werden
sozialpädagogische Familienbegleitungen bei erzieherischen Defiziten der Eltern
angeordnet. Bei der vorliegenden Problematik handelt es sich jedoch um
Schwierigkeiten in der Kommunikation der Eltern und nicht um eigentliche
Erziehungsdefizite. Es stellt sich daher die Frage, ob es geeignetere
Unterstützungsmassnahmen gibt. Die Eltern haben bereits Mediationen in Anspruch
genommen, die ebenfalls zu keiner Verbesserung geführt haben. Heute ist die Situation
derart verfahren, dass weitere Mediationen kaum erfolgversprechend sind. Beistände
werden oft eingesetzt, um den persönlichen Verkehr zwischen dem
besuchsberechtigten Elternteil und dem Kind zu überwachen und zwischen den Eltern
zu vermitteln. In der Regel wird bei alternierender Obhut keine Beistandschaft
angeordnet, weil man davon ausgeht, dass die Eltern in diesen Fällen in der Lage sein
sollten, sich selbst abzusprechen. Im vorliegenden Einzelfall ist diese Absprache
jedoch zurzeit nicht möglich. Dennoch wird die alternierende Obhut als beste
Betreuungslösung erachtet. Die Errichtung einer Beistandschaft erscheint als geeignet,
für die Umsetzung der Betreuungsregelung zu sorgen sowie zwischen den Eltern zu
vermitteln. Zudem haben beide Eltern anlässlich der Verhandlung erklärt, dass sie eine
Beistandschaft grundsätzlich – wenn auch bei teilweise etwas anderer Ausgangslage –
befürworten würden und dies aus ihrer Sicht zu einer Entspannung der Situation führen
würde. Somit ist die Vorinstanz anzuweisen, eine Beistandschaft gemäss Art. 308 Abs.
2 ZGB zu errichten und den Beistand damit zu beauftragen, die Umsetzung der
Betreuungsregelung zu überwachen, deren konkrete Modalitäten zu bestimmen und
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zwischen den Eltern zu vermitteln. Neben der Sicherstellung des Vollzugs der
Betreuungsregelung kann mit dem Vermittlungsauftrag auch der direkte Kontakt
zwischen den Eltern reduziert werden, was für die Beruhigung der Situation förderlich
ist.
Die Errichtung der Beistandschaft hindert die Eltern nicht daran, freiwillig weitere
Unterstützungsangebote in Anspruch zu nehmen.
6.- Die Eltern haben übereinstimmend zum Ausdruck gebracht, dass es für sie ohne
eine behördlich oder gerichtlich festgesetzte Ferien- und Feiertagsregelung zurzeit
kaum möglich ist, diesbezüglich einen Konsens zu finden. Obwohl dies bei Festsetzung
der alternierenden Obhut unüblich ist, erscheint es vorliegend als angebracht und
konfliktreduzierend, diesbezügliche Regelungen anzuordnen. In der vorinstanzlichen
Verfügung vom 16. Januar 2019 verzichtete die Vorinstanz auf eine Ferien- und
Feiertagsregelung. Die Eltern stützten sich diesbezüglich bisher auf die vorinstanzliche
Verfügung vom 2. Mai 2018. Dort wurde dem Beschwerdebeteiligten das Recht
gewährt, mindestens fünf Wochen Ferien, davon maximal zwei am Stück, mit seinem
Sohn zu verbringen. Im Zuge der Anpassung dieser Regelung an das Modell der
alternierenden Obhut ist der Mutter dieses Recht gleichermassen zu gewähren. Die
Eltern haben sich ihre Ferienwünsche rechtzeitig, mindestens aber drei Monate im
Voraus mitzuteilen. Können sie sich nicht einigen, so haben sie den Beistand um
Vermittlung zu ersuchen. Die Ferien beginnen am Freitag vor der Ferienwoche um
spätestens 16.00 Uhr und enden am Sonntag der Ferienwoche um spätestens 17.30
Uhr. Sämtliche Übergaben finden in D statt, wobei jeweils derjenige Elternteil, bei dem
sich das Kind bis zur Übergabe befindet, dieses zur Wohnung des anderen Elternteils
in D bringt (Bringschuld).
7.- Die Feiertagsregelung ist ebenfalls im Sinne der vorinstanzlichen Verfügung vom 2.
Mai 2018 weiterzuführen, wobei die Übergaben stets in D stattfinden. Fallen durch ein
Feiertagswochenende drei Wochenenden hintereinander in die Betreuungszeit
desselben Elternteils, so entsteht ein erhebliches Ungleichgewicht in der Betreuung.
Deshalb ist es in diesem Fall angebracht, dem anderen Elternteil einen Anspruch zu
gewähren, wonach er A wahlweise am Wochenende vor oder nach dem
Feiertagswochenende betreuen kann. Dies muss er wiederum mindestens drei Monate
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im Voraus mitteilen. Im Übrigen findet grundsätzlich kein Ausgleich der längeren
Betreuungszeiten von Feiertagswochenenden statt.
8.- Die vorinstanzliche Kostenverlegung wurde von der Beschwerdeführerin
angefochten, ihr Antrag um Aufhebung blieb jedoch unbegründet. Die Vorinstanz
verlegte die Kosten usanzgemäss, was nicht zu beanstanden ist.
9.- Eine Beschwerde hat aufschiebende Wirkung, sofern die
Erwachsenenschutzbehörde oder die gerichtliche Beschwerdeinstanz nichts anderes
verfügt (Art. 450c ZGB). Ein Entzug der aufschiebenden Wirkung hat nur
ausnahmsweise und im Einzelfall zu erfolgen und muss sich mit den Besonderheiten
des konkreten Falles begründen lassen. Es sind die Interessen an einem sofortigen
Vollzug des Entscheids gegen jene an einer rechtsstaatlich einwandfreien Prüfung der
Rechtslage gegeneinander abzuwägen. Der Entzug der aufschiebenden Wirkung
kommt nur bei Gefahr im Verzug und Dringlichkeit in Frage (BSK ZGB I-Geiser, Art.
450c N 7). Das Kind stand bis zum Kindergarteneintritt unter der alternierenden Obhut
beider Eltern. Hauptsächlich aufgrund der grossen Distanz zwischen den Wohnorten
der Eltern hatte die Vorinstanz in ihrer früheren Verfügung vom 2. Mai 2018
entschieden, dass das Kind unter die alleinige Obhut der Mutter gestellt werde. Es
stellte in Aussicht, dass die alternierende Obhut dann wieder geprüft werden könne,
wenn die Eltern in Gehdistanz zueinander wohnen würden. Noch im August 2018
bezog der Vater eine Wohnung in D, um die bis anhin gelebte Betreuungsregelung
fortführen zu können. Die Vorinstanz ordnete am 16. Januar 2019 wieder die
alternierende Obhut an. Die aufschiebende Wirkung hob sie damals nicht auf, da sie
die Dringlichkeit als nicht gegeben ansah. Zum heutigen Zeitpunkt mietet der Vater die
Wohnung in D schon seit über einem Jahr, ohne dass die alternierende Obhut gelebt
werden konnte. Vater und Sohn sehen sich zurzeit nur alle zwei Wochen, was der zuvor
starken Bindung zwischen ihnen abträglich ist. Erhebt die Mutter gegen den
vorliegenden Entscheid erneut Beschwerde, so wird die alternierende Obhut ohne
Entzug der aufschiebenden Wirkung weitere Monate oder bei einem nochmaligen
Weiterzug möglicherweise gar Jahre nicht gelebt werden können. Dadurch würde die
Beziehung zwischen Vater und Sohn weiter geschwächt. Möglicherweise würden die
Konflikte auf der Elternebene zu einer gänzlichen Entfremdung von Vater und Sohn
führen, was später kaum wiedergutgemacht werden könnte. Auf der anderen Seite sind
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bei der sofortigen Umsetzung der alternierenden Obhut keine negativen Auswirkungen
zu erwarten. Das Kind geht weiterhin am selben Ort zur Schule und kann eine intensive
Beziehung zu beiden Elternteilen pflegen. Es kann seinen gewohnten
Freizeitbeschäftigungen nachgehen und wird nicht aus seinem Umfeld gerissen.
Dementsprechend kommt es – selbst im Falle, in dem die nächste Instanz einen
gegenteiligen Entscheid fällen sollte – nicht zu wiederholten Umplatzierungen, die dem
Kindswohl abträglich wären. Zudem ist davon auszugehen, dass sich die Konfliktherde
mit der sofortigen Umsetzung der alternierenden Obhut reduzieren lassen. Insgesamt
erscheint es deshalb im Interesse des Kindswohls als dringend, dass die alternierende
Obhut unmittelbar wiederaufgenommen werden kann. Folglich ist einer allfälligen
Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu entziehen.
10.- Nach Art. 11 lit. a EG-KES und Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener
Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. Es gilt der Grundsatz der Kostentragung nach Massgabe des Obsiegens und
Unterliegens (W. Hagmann, Die st. gallische Verwaltungsrechtspflege und das
Rechtsmittelverfahren vor dem Regierungsrat, Diss. Zürich 1979, S. 267 f.). Da die
Beschwerdeführerin unterliegt, sind ihr die Kosten des vorliegenden Verfahrens
aufzuerlegen. Eine Gebühr von Fr. 2'500.– erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12).
11.- Die Rechtsvertreterin des Beschwerdegegners reichte anlässlich der Verhandlung
vom 4. November 2019 eine Kostennote über den Betrag von Fr. 13'749.– ein (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer). Vor der Verwaltungsrekurskommission beträgt das
Honorar als Pauschale zwischen Fr. 1'500.– und Fr. 15'000.– (Art. 22 Abs. 1 lit. b der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt:
HonO). Vergleichsweise wird in kindes- und erwachsenenschutzrechtlichen Verfahren
Art. 20 Abs. 1 lit. b HonO herangezogen, wo für entsprechende Streitigkeiten vor dem
Zivilgericht ein Rahmen von Fr. 1'000.– bis Fr. 7'500.– vorgesehen ist. Innerhalb dieses
Rahmens wird das Honorar nach den besonderen Umständen, namentlich nach Art
und Umfang der Bemühungen, der Schwierigkeit des Falles und den wirtschaftlichen
Verhältnissen der Beteiligten bemessen (Art. 19 HonO). Dabei richtet sich der
anerkannte Zeitaufwand nach der Arbeitsweise eines Anwalts und einer Anwältin, die
mit gründlichen Fachkenntnissen und längerer Erfahrung ein Mandat zielgerichtet
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 28/31
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St.Galler Gerichte
führen und sich auf das zur Interessenwahrung Notwendige beschränken (vgl.
Richtlinien zur unentgeltlichen Rechtspflege im Zivilprozess und für die
Privatklägerschaft im Strafprozess des Kantonsgerichts vom Mai 2011, im Internet
abrufbar unter www.sg.ch).
Vorliegend handelt es sich um einen Fall mit einem durchschnittlichen Aktenumfang.
Die Akten waren der Rechtsvertreterin bereits aus dem Verfahren vor der KESB sowie
einem früheren Beschwerdeverfahren bekannt. Es stellten sich keine allzu schwierigen
tatsächlichen oder rechtlichen Fragen und das Prozessthema beschränkte sich im
Wesentlichen auf die Zuteilung der Obhut. Es kam zu drei Zwischenverfahren mit
zusätzlichem Aufwand. Vermittlungsversuche zwischen den Eltern sind
verfahrensfremde Aufwendungen und können im Rahmen der ausseramtlichen
Entschädigung keine Berücksichtigung finden. Weiter ist bekannt, dass der Aufwand
an psychologischer Unterstützung, der durch Anwälte in derartigen Verfahren geleistet
wird, enorm hoch sein kann. Dieser Aufwand bezieht sich jedoch ebenfalls nicht direkt
auf das Gerichtsverfahren und kann sich ebenso wenig in der ausseramtlichen
Entschädigung niederschlagen. Insgesamt sowie im Vergleich zu ähnlich gelagerten
Fällen erscheint eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 5'500.– (zuzüglich der
effektiven Barauslagen in der Höhe von Fr. 227.10 und der Mehrwertsteuer von 7,7% in
der Höhe von Fr. 441.–) als angemessen.
Beim vorliegenden Verfahrensausgang sind die ausseramtlichen Kosten der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen.