Decision ID: 0cd150ae-a420-539f-8d04-e110e3d53c3e
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
Z._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. oec. Hermann Grosser, Kriessernstrasse 40,
9450 Altstätten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a Z._, Jahrgang 1974, meldete sich am 18. August 2001 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an und beantragte Berufsberatung und
Umschulung (IV-act. 1). Dr. med. A._, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin,
diagnostizierte im Arztbericht vom 1. September 2001 ein chronisches
Panvertebralsyndrom und ein chronisches femoropatelläres Schmerzsyndrom
beidseits. Im angestammten Beruf als Krankenschwester bestehe eine medizinisch
begründete Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20% (IV-act. 4-1). Die IV-Stelle
gewährte der Versicherten eine Umschulung zur medizinischen Praxisdisponentin/
Technischen Kauffrau (IV-act. 13, 34), die die Versicherte Ende 2004 erfolgreich
abschloss.
A.b Nach Beendigung der Umschulung machte die Versicherte geltend, auch in der
neuen Tätigkeit nur zu 50% arbeitsfähig zu sein. Der IV-Berufsberater warf im
Schlussbericht vom 19. Januar 2005 die Frage auf, ob für die Rentenprüfung auf die
entsprechende ärztliche Einschätzung abgestellt werden könne oder ob ein
ganzheitliches Gutachten erstellt werden müsse (IV-act. 80). Die IV-Stelle gab daraufhin
bei ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) eine bidisziplinäre orthopädische und
psychiatrische Begutachtung in Auftrag. Das Gutachten vom 26. August 2005 nennt
neben den Diagnosen des chronischen Panvertebralsyndroms und des
femoropatellären Schmerzsyndroms beidseits jene der Neurasthenie, der
somatoformen Schmerzverarbeitungsstörung und der Persönlichkeitsstörung mit
unreifen und regressiven Zügen. In der Tätigkeit einer kaufmännischen Angestellten
belaufe sich die Arbeitsfähigkeit auf 80% (IV-act. 99).
A.c Mit Verfügung vom 12. September 2005 hielt die IV-Stelle fest, die beruflichen
Massnahmen seien erfolgreich abgeschlossen. Mit dem erworbenen Fähigkeitszeugnis
habe die Versicherte die Möglichkeit, eine entsprechende Arbeitsstelle zu finden. Sie
sei rentenausschliessend eingegliedert (IV-act. 102). Gegen diese Verfügung erhob
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Rechtsanwalt lic.oec. Hermann Grosser in Vertretung der Versicherten am 12. Oktober
2005 Einsprache (IV-act. 105), die er am 30. Januar 2006 zurückzog unter dem
ausdrücklichen Vorbehalt, dass damit die Rentenfrage nicht entschieden sei.
Gleichentags reichte er ein Rentengesuch ein (IV-act. 112 f.).
A.d Mit Schreiben vom 1. Februar 2006 hielt die IV-Stelle fest, das Gesuch um
Rentenleistungen sei mit Verfügung vom 12. September 2005 abgewiesen worden.
Damit das Revisionsgesuch geprüft werden könne, seien ausführliche Arztberichte,
Lohnausweise usw. einzureichen (IV-act. 115). Der Rechtsvertreter der Versicherten
reichte mit Schreiben vom 30. März 2006 und 31. Mai 2006 weitere Unterlagen ein (IV-
act. 119, 121). Nach Rücksprache mit dem RAD und Rückfrage bei Dr. med. B._,
Facharzt FMH für Allgemeine Medizin (IV-act. 123, 124, 129), kündigte die IV-Stelle mit
Vorbescheid vom 6. November 2006 an, sie gedenke, auf das neue Leistungsbegehren
nicht einzutreten, da im neuen Gesuch keine neuen Tatsachen geltend gemacht
würden (IV-act. 133). Dazu nahm der Rechtsvertreter der Versicherten am 7. Dezember
2006 Stellung. Er beantragte die Ausrichtung einer halben IV-Rente (IV-act. 137). Die
IV-Stelle erliess am 12. Dezember 2006 eine Nichteintretensverfügung (act. G 1.1).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde des Rechtsvertreters der
Versicherten vom 25. Januar 2007. Er beantragt sinngemäss die Aufhebung der
Verfügung und die Zusprache einer halben IV-Rente ab 1. Januar 2005. Eventualiter sei
die Angelegenheit zur Ergänzung des Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Weiter
verlangt er die Durchführung einer öffentlichen Verhandlung. Der Beschwerdeführerin
sei von ärztlicher Seite empfohlen worden, ihr Arbeitspensum auf 50% herabzusetzen,
um die Symptome ihrer Erkrankungen auf ein erträgliches Mass zu reduzieren. Seit der
Umschulung arbeite sie noch 50%, d.h. jeweils am Morgen, um sich in der übrigen Zeit
vor allem mit Schlafen genügend erholen zu können. Der RAD habe die Arbeitsfähigkeit
wohl auf 80% geschätzt, doch habe die Beschwerdeführerin trotz grossem Einsatz
diese Arbeitsfähigkeit nicht realisieren können. Die Einsprache gegen die Verfügung
vom 12. September 2005 sei mit dem ausdrücklichen Vorbehalt zurückgezogen
worden, dass damit die Rentenfrage nicht entschieden sei. Um die
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versicherungsrechtlichen Ansprüche in allen Teilen zu wahren, sei gleichzeitig ein
neues Rentengesuch eingereicht worden. Eine Rentenverfügung habe die
Beschwerdegegnerin nicht erlassen. Deshalb gehe es vorliegend nicht um die Frage
einer Rentenrevision. Die medizinischen Beurteilungen von Dr. C._, Dr. B._ und
Dr. D._ hätten eindeutig ergeben, dass die Beschwerdeführerin unter Aufbietung der
zumutbaren Willensanstrengung ein Teilpensum von 50%, aber nicht mehr, erfüllen
könne (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 7. März 2005 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Die IV-Stelle sei grundsätzlich verpflichtet, bei einer
Anmeldung für berufliche Massnahmen einen allfälligen Rentenanspruch (auch ohne
ausdrückliche Anmeldung) ebenfalls zu prüfen. Da für alle Beteiligten bekannt gewesen
sei, dass die Umschulung erfolgreich abgeschlossen worden sei, die Versicherte seit
Juni 2005 einer Teilzeitstelle nachgehe und dadurch weder weitere berufliche
Massnahmen, noch Arbeitsvermittlung, sondern nur noch eine (halbe) IV-Rente
gewünscht habe, sei eine Verfügung betreffend berufliche Massnahmen nicht mehr
nötig gewesen. Die Verfügung vom 12. September 2005 habe einen Rentenanspruch
verneint. Ein Einspracherückzug könne grundsätzlich nur vorbehaltlos erfolgen. Mit
Schreiben vom 1. Februar 2006 habe die IV-Stelle dem Rechtsvertreter
unmissverständlich mitgeteilt, dass das erneute Rentengesuch als Revisionsgesuch
behandelt werde, und auf ein mögliches Nichteintreten hingewiesen. Der
Rechtsvertreter habe nicht nur gegen die Sichtweise der IV-Stelle nicht protestiert,
sondern selber in seinem Schreiben vom 23. Februar 2006 ein Revisionsgesuch
erwähnt. Auch habe er auf die Beendigung des Einspracheverfahrens (ohne
Bestätigung eines Vorbehalts) nicht reagiert. Später habe er auch gegen den
Vorbescheid nichts eingewendet. Unter diesen Umständen könne kaum behauptet
werden, dass es sich im vorliegenden Verfahren nicht um ein Revisionsverfahren
handle bzw. dass die Verfügung vom 12. September 2005, die einen Rentenanspruch
verneine, nicht rechtskräftig sei. Die Versicherte leide seit Jahren an den gleichen
Beschwerden. Eine Verschlechterung des Gesundheitszustands seit dem 12.
September 2005 sei nicht erfolgt. Man sei auf das neue Rentengesuch zu Recht nicht
eingetreten. Selbst wenn man annehmen würde, dass die Verfügung vom
12. September 2005 nicht rechtskräftig sei, wäre die Beschwerde abzuweisen, da eine
somatoforme Schmerzstörung vorliege. Die behandelnden Ärzte hätten im Gegensatz
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zu den RAD-Ärzten die zumutbare Willensanstrengung der Beschwerdeführerin nicht
berücksichtigt (act. G 4).
B.c In der Replik vom 23. April 2007 lässt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
festhalten. Ihr Rechtsvertreter betont erneut, es sei keine Rentenverfügung ergangen.
Die IV-Stelle sei zuerst davon ausgegangen, dass ein Invaliditätsgrad von 61% und
damit ein Rentenanspruch bestehe. Bestritten werde, dass ein Einspracherückzug nur
vorbehaltlos erfolgen könne. Die Beschwerdegegnerin habe denn auch im bisherigen
Verfahren nicht geltend gemacht, dass der unter Vorbehalt erfolgte Einspracherückzug
nicht rechtmässig sei. Im Übrigen bestreitet der Rechtsvertreter, dass die
behandelnden Ärzte die zumutbare Willensanstrengung der Beschwerdeführerin nicht
berücksichtigt hätten (act. G 10).
B.d Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin teilte dem Gericht am 9. Juni 2008
mit, dass er auf die in der Beschwerdeschrift beantragte mündliche Verhandlung
verzichte (act. G 13).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben, und weil bei
der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung
vom 12. Dezember 2006 eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist (BGE 132 V 215
Erw. 3.1.1; Urteil 8C_589/2007 vom 14. April 2008, Erw. 3), sind vorliegend die bis zum
31. Dezember 2007 geltenden materiellen Bestimmungen anzuwenden.
2.
Die Beschwerdegegnerin stellt sich auf den Standpunkt, das Rentengesuch vom
30. Januar 2006 sei ein Revisionsgesuch. Beim zu beurteilenden Verfahren handle es
sich um ein Revisionsverfahren (act. G 4, Ziff. III/2; IV-act. 115). Dies ist unzutreffend.
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Da der Beschwerdeführerin keine Rente zugesprochen wurde, kann es sich bei der
Eingabe vom 30. Januar 2006 höchstens um eine Neuanmeldung und sicher nicht um
ein Revisionsgesuch handeln.
3.
3.1 Der IV-Stelle obliegt u.a. die Bemessung der Invalidität einer versicherten Person
(Art. 57 Abs. 1 lit. d des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG;
SR 831.20]). Sind die versicherungsmässigen Voraussetzungen erfüllt, so klärt sie den
Sachverhalt im Rahmen des ihr obliegenden Untersuchungsgrundsatzes von Amtes
wegen ab (vgl. Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]; Art. 69 Abs. 2 der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Über Leistungen, Forderungen und
Anordnungen, die erheblich sind oder mit denen die betroffene Person nicht
einverstanden ist, hat der Versicherungsträger nach Art. 49 Abs. 1 ATSG schriftliche
Verfügungen zu erlassen.
3.2 Die Beschwerdegegnerin erkannte in der Beschwerdeantwort zu Recht, dass die
IV-Stelle grundsätzlich verpflichtet ist, bei einer Anmeldung für berufliche Massnahmen
einen allfälligen Rentenanspruch auch ohne ausdrückliche Anmeldung zu prüfen. Mit
der Anmeldung wahrt eine versicherte Person grundsätzlich alle ihre zu diesem
Zeitpunkt gegenüber der IV bestehenden Leistungsansprüche, selbst wenn sie diese im
Anmeldeformular nicht im Einzelnen angibt. Dieser Grundsatz ergibt sich aus der
Untersuchungsmaxime und der Rechtsanwendung von Amtes wegen (Ulrich Meyer-
Blaser, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, Zürich 1997, S. 281).
3.3 Bei ihrer Anmeldung vom 18. August 2001 beantragte die Beschwerdeführerin nur
Berufsberatung und Umschulung (IV-act. 1-6). Im Laufe der Umschulung bis zu deren
Abschluss Ende 2004 manifestierte sich für die Beschwerdeführerin zumindest
subjektiv, dass sie auch im adaptierten Beruf nur ein Pensum von 50% würde
bewältigen können. Obwohl vor dem 30. Januar 2006 keine schriftliche Anmeldung
zum Rentenbezug aktenkundig ist, stand nach Abschluss der Umschulung Ende 2004
ausschliesslich noch die Rentenfrage im Raum. Wie auch die Beschwerdegegnerin in
der Beschwerdeantwort ausführt, waren sich beide Parteien nach dem erfolgreichen
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Abschluss der Umschulung und Aufnahme der Teilzeitstelle im Juni 2005 im Klaren
darüber, dass die beruflichen Massnahmen abgeschlossen waren. Der IV-
Berufsberater ging bereits in seinem Schlussbericht vom 19. Januar 2005 davon aus,
dass eine Rentenprüfung stattfinden müsste und machte Angaben zu den beiden
Vergleichseinkommen (IV-act. 80). Die IV-Stelle berechnete am 11. Mai 2005 in einem
für den internen Gebrauch bestimmten Formular denn auch einen Invaliditätsgrad von
61% (IV-act. 88). Der zuständige RAD-Arzt hielt in einer Stellungnahme vom 31. Mai
2005 fest, die Umschulung sei mit dem Ziel einer vollen Eingliederung erfolgt. Eine
Arbeitsunfähigkeit von 50% im umgeschulten Beruf sei vertrauensärztlich nicht
nachvollziehbar (IV-act. 90). Zu dieser Einschätzung gelangte er gestützt auf die
vorhandenen Akten, ohne die Beschwerdeführerin selbst gesehen zu haben. Zur
Klärung der medizinischen Situation gab die IV-Stelle beim RAD eine bidisziplinäre
Begutachtung in Auftrag, die am 23. August 2005 durchgeführt wurde. Im Gutachten
vom 26. August 2005 hielten die Gutachter die Angabe der Beschwerdeführerin fest,
der Rentenantrag sei Anfang Januar 2005 gestellt worden "wegen Schmerzen, sie
könne nicht 100% schaffen" (IV-act. 99-9, Ziff. 1.6).
3.4 Auch wenn die Beschwerdeführerin nach Abschluss der Umschulung offenbar
keinen schriftlichen Rentenantrag einreichte, so ergeben die erläuterten Umstände
doch, dass die Beschwerdegegnerin – wenn nicht auf Antrag, so zu Recht von Amtes
wegen – eine Rentenprüfung vornahm und zu diesem Zweck eigens eine Begutachtung
in Auftrag gab.
3.5 Vor diesem Hintergrund ist fraglich, ob es den verfügungsweisen förmlichen
Abschluss der beruflichen Massnahmen noch bedurft hätte. Wie sogleich zu zeigen ist,
wurde über den Abschuss jedoch tatsächlich verfügt. Nach einer internen Notiz der
Beschwerdegegnerin vom 7. September 2005 ist von einer Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin von 80% auszugehen. Da keine Rente beantragt worden sei,
müsse diese auch nicht abgewiesen werden (IV-act. 101). Entsprechend trägt die
Verfügung vom 12. September 2005 den Betreff "Berufliche Massnahmen erfolgreich
abgeschlossen". In der Begründung bezog sich die Beschwerdegegnerin auf die
Kostengutsprache für berufliche Massnahmen. Die Beschwerdeführerin habe die
Umschulung zur Medizinischen Praxisassistentin erfolgreich absolviert. Mit diesem
erworbenen Fähigkeitszeugnis habe sie die Möglichkeit, eine entsprechende
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Arbeitsstelle zu finden. Sie sei rentenausschliessend eingegliedert (IV-act. 102). Der
Wortlaut dieser Verfügung und die Notiz vom 7. September 2005 verdeutlichen, dass
die Beschwerdegegnerin in der Verfügung nicht etwa über die Rentenfrage
rechtsverbindlich befinden, sondern vielmehr die berufliche Eingliederung formell
abschliessen wollte. Der Hinweis, die Beschwerdeführerin sei rentenausschliessend
eingegliedert, ist lediglich Teil der Begründung des Abschlusses der beruflichen
Massnahmen und hat nicht etwa Dispositivcharakter. Mit der Verfügung vom
12. September 2005 wurde über die Rentenfrage somit nicht verfügt. Entsprechend
konnte die Beschwerdeführerin nicht an der Eintretenshürde der Glaubhaftmachung
einer gesundheitlichen Veränderung gemäss Art. 87 Abs. 4 IVV i.V.m. Art. 87 Abs. 3 IVV
scheitern; diese Hürde kann nur bei einer Neuanmeldung nach vorheriger
rechtskräftiger Verneinung des Rentenanspruchs zur Anwendung gelangen. Die
Nichteintretensverfügung vom 12. Dezember 2006 erweist sich also als rechtswidrig.
3.6 Selbst wenn man mit der Beschwerdegegnerin davon ausgehen wollte, mit der
Verfügung vom 12. September 2005 sei der Rentenanspruch abgewiesen worden,
wäre die Verfügung vom 12. Dezember 2005 aufzuheben. Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin erhob am 12. Oktober 2005 Einsprache gegen die Verfügung vom
12. September 2005 (IV-act. 105). Offenbar in der Meinung, dass jene Verfügung nur
die beruflichen Massnamen rechtsverbindlich abschliessen wollte, zog er die
Einsprache am 30. Januar 2006 zurück, wobei er den ausdrücklichen Vorbehalt
anbrachte, dass damit die Rentenfrage nicht entschieden sei (IV-act. 112-1). Am
8. Februar 2006 teilte die IV-Stelle dem Rechtsvertreter mit, das Einspracheverfahren
werde durch den Einspracherückzug vom 30. Januar 2006 beendet (IV-act. 116). In
diesem Schreiben, dem der Charakter eine Abschreibungsverfügung zukommt, wies
die Beschwerdegegnerin nicht etwa darauf hin, dass der ausdrückliche Vorbehalt des
Rechtsvertreters, wonach der Entscheid über die Rentenfrage offen bleibe, nicht
akzeptiert würde. Nach Treu und Glauben durfte die Beschwerdeführerin davon
ausgehen, dass die Beschwerdegegnerin über die Rentenfrage noch förmlich verfügen,
diese Verfügung in rechtsgenüglicher Weise begründen und ihre Entscheidgrundlagen
offenlegen würde. Das im Beschwerdeverfahren vorgebrachte Argument der
Beschwerdegegnerin, ein Einspracherückzug könne grundsätzlich nur vorbehaltlos
erfolgen, ist nicht zielführend. Eine solche Sichtweise hätte sie dem Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin unmittelbar nach Erhalt des Schreibens vom 30. Januar 2007
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mitteilen und ihm die Wahl lassen müssen, die Einsprache entweder vorbehaltlos
zurückzuziehen oder daran festzuhalten. Sich im Nachhinein auf die Rechtskraft der
angeblichen Rentenverfügung vom 12. September 2005 zu berufen, ist unter diesen
Umständen rechtsmissbräuchlich.
3.7 Die Nichteintretensverfügung vom 12. Dezember 2006 ist somit als rechtswidrig zu
qualifizieren und aufzuheben. Die Beschwerdeführerin hat Anspruch auf die korrekte
Durchführung des Rentenprüfungsverfahrens, das mit einer begründeten Verfügung
abzuschliessen ist.
4.
4.1 Wie das Bundesgericht in ständiger Rechtsprechung festhält, sind im
verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse
zu überprüfen und zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde
vorgängig verbindlich – in Form einer Verfügung – Stellung genommen hat. Insoweit
bestimmt die Verfügung den beschwerdeweise weiterziehbaren
Anfechtungsgegenstand. Davon zu unterscheiden ist der Streitgegenstand, worunter
das Rechtsverhältnis verstanden wird, das – im Rahmen des durch die Verfügung
bestimmten Anfechtungsgegenstandes – den aufgrund der Beschwerdebegehren
effektiv angefochtenen Verfügungsgegenstand bildet. Nach der Rechtsprechung kann
das verwaltungsgerichtliche Verfahren aus prozessökonomischen Gründen auf eine
ausserhalb des Anfechtungsgegenstandes, d.h. ausserhalb des durch die Verfügung
bestimmten Rechtsverhältnisses liegende spruchreife Frage ausgedehnt werden, wenn
diese mit dem bisherigen Streitgegenstand derart eng zusammenhängt, dass von einer
Tatbestandsgesamtheit gesprochen werden kann, und wenn sich die Verwaltung zu
dieser Streitfrage mindestens in Form einer Prozesserklärung geäussert hat (BGE 122 V
34 Erw. 2a).
4.2 Zu prüfen bleibt, ob im vorliegenden Verfahren eine Ausdehnung des
Anfechtungsgegenstands auf die Rentenfrage gerechtfertigt ist. Vor Erlass der
Verfügung vom 12. September 2005 hat sich die Beschwerdegegnerin auf den
Standpunkt gestellt, dass keine Rente beantragt worden sei, weshalb diese auch nicht
abgewiesen werden müsse (IV-act. 101). Zwar hat sie das RAD-Gutachten in Auftrag
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gegeben, hat aber im Anschluss daran auf eine eigentliche Rentenprüfung verzichtet.
Erst im Nachhinein im Rahmen der Anmeldung vom 30. Januar 2006 (die übrigens
wegen der von Amtes wegen vorzunehmenden Rentenprüfung im Grunde ohnehin
nicht nötig gewesen wäre) stellte sie sich auf den Standpunkt, die Rentenfrage bereits
verfügungsweise beantwortet zu haben. Deswegen verzichtete sie auf eine umfassende
Prüfung des Rentenbegehrens mit dem Argument, zwischen dem 12. September 2005
und der Neuanmeldung vom 30. Januar 2006 sei keine erhebliche gesundheitliche
Veränderung glaubhaft gemacht worden. Die vorgenommene Eintretensprüfung hatte
summarischen Charakter. Eine eigentliche umfassende Rentenprüfung hat die
Beschwerdegegnerin also bis heute nicht vorgenommen. Eine Ausdehnung des
Anfechtungsgegenstands ist bei dieser Sach- und Rechtslage nicht gerechtfertigt. Der
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens beschränkt sich auf die Frage,
ob die Beschwerdegegnerin auf die Anmeldung vom 30. Januar 2006 zu Recht nicht
eingetreten ist. Diese formale Frage hängt mit der materiellen Beurteilung des
Rentengesuchs nicht derart eng zusammen, dass von einer Tatbestandsgesamtheit
gesprochen werden könnte.
4.3 Zu beachten ist im Weiteren, dass bei einer Rentenprüfung der Verwaltung
grundsätzlich der Sachverhalt relevant ist, wie er sich bis zum Verfügungserlass
zugetragen hat. Da vorliegend noch gar keine Rentenverfügung erging, ist der zeitlich
relevante Sachverhalt noch nicht festgelegt; auch dies spricht gegen eine Ausdehnung
des Anfechtungsgegenstands durch das Versicherungsgericht. Weiter gegen eine
Ausdehnung spricht, dass die Beschwerdeführerin – sollte sie mit der erstmaligen
materiellen Beurteilung der Rentenfrage durch das Gericht nicht einverstanden sein –
verglichen mit einer regelrechten erstmaligen Rentenverfügung durch die Verwaltung
nur noch einen verkürzten Rechtsmittelweg in Anspruch nehmen könnte; ihr stünde
weder ein Vorbescheidsverfahren noch ein kantonales Gerichtsverfahren offen,
sondern sie müsste direkt ans Bundesgericht gelangen. All diese Argumente sprechen
gegen eine Ausdehnung des Anfechtungsgegenstands.
5.
5.1 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist die angefochtene Verfügung vom
12. Dezember 2006 aufzuheben. Die Beschwerde ist gutzuheissen, soweit darauf
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eingetreten werden kann. Die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen,
damit diese den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin prüfe und darüber verfüge.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint
als angemessen. Da sich die angefochtene Verfügung als rechtswidrig erwiesen hat
und da die Beschwerdeführerin auf jeden Fall gezwungen gewesen ist, Beschwerde zu
führen, um nicht rechtswidrig behandelt zu werden, muss in Bezug auf die
Kostentragungspflicht unabhängig vom konkreten Beschwerdebegehren (in Analogie
zur entsprechenden Regelung bei einer Rückweisung zur weiteren Abklärung, vgl. ZAK
1987 S. 266 Erw. 5a) von einem vollumfänglichen Obsiegen der Beschwerdeführerin
ausgegangen werden. Die Beschwerdegegnerin trägt deshalb die gesamten
Gerichtskosten.
5.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Angemessen erscheint
eine Parteientschädigung von Fr. 3'000.- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG