Decision ID: 5843091d-109f-5690-8009-79430e7e7f23
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 24. August 2015 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen
zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Er gab an, krankheitsbedingt seit dem 28.
März 2015 zu 100 % arbeitsunfähig zu sein.
A.b Dr. med. B._, Spezialarzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, hatte
am 27. April 2015 die folgenden Diagnosen gestellt (IV-act. 12-4 f.): Subacromiales
Impingementsyndrom beider Schultern, rechts mehr als links mit fortgeschrittener AC-
Arthrose rechts, neuroforaminale Stenose C5-7 mit rezidivierender Parästhesie und
Spondylose mit Spondylarthrose und funktioneller Neurokompromittierung lumbal bei
Übergangsstörung L5/S1. Dr. med. C._, Neurochirurgie, hatte in einem Bericht vom
6. Mai 2015 angegeben (IV-act. 12-8), dass der Versicherte seit 30 respektive 15
Jahren an einem Nackenschmerzsyndrom mit Kribbelparästhesien leide. Am 9. Juni
2015 hatte sich der Versicherte einer Schulterarthroskopie mit einem intraartikulären
Debridement, einer subacromialen Bursektomie mit Acromioplastik und
Dekompression des AC-Gelenks rechts unterzogen (Fremdakten, KV-act. 7-5). Der
Operateur Dr. B._ hatte der Krankentaggeldversicherung am 31. Juli 2015 berichtet
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(Fremdakten, KV-act. 7), dass nach dem Abschluss der Rehabilitation eine vollständige
Eingliederung in die angestammte Tätigkeit möglich sein sollte. Auf Dauer seien schwer
schulterbelastende Tätigkeiten in der Schulterebene und darüber jedoch ungünstig.
Wechselbelastende Tätigkeiten im Stehen und Sitzen seien problemlos möglich. Die
Wiedereingliederung werde voraussichtlich am 20. August 2015 mit einem Pensum von
50 % gestartet. Dr. C._ hatte am 19. August 2015 erklärt (IV-act. 12-10), dass sich
die Nackenschmerzen nur mit einer Operation verbessern liessen. Eine solche sei
jedoch nicht zwingend; auf dem Bau werde der Versicherte ohnehin nicht mehr
arbeiten können. In einer rückenadaptierten Tätigkeit ohne Arbeiten über der
Schulterhöhe bestehe zumindest längerfristig sicher eine 50 %ige Arbeitsfähigkeit. Dr.
B._ hatte am 21. August 2015 berichtet (IV-act. 12-11 f.), dass der Versicherte acht
Wochen nach der operativen Intervention noch bewegungs- und belastungsabhängige
Schmerzen im Schultergelenk beklagt habe. Er schliesse sich Dr. C._ an und
empfehle eine IV-Berentung des Versicherten. Die Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit
sei noch nicht möglich. Die Hausärztin Dr. med. D._ berichtete der IV-Stelle am 7.
September 2015 (IV-act. 12-2 f.), dass der Versicherte in der angestammten Tätigkeit
als Gipser seit dem 30. März 2015 durchgehend zu 100 % arbeitsunfähig sei. Aktuell
bestünden noch postoperative Beschwerden der rechten Schulter. Eine körperlich
leichte Tätigkeit ohne Arbeiten oberhalb der Schulterlinie und ohne starke Rückneigung
des Kopfes sei dem Versicherten zumutbar.
A.c RAD-Ärztin Dr. med. E._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, notierte am
28. September 2015 (IV-act. 14-2), dass in der angestammten, körperlich eher
schweren Tätigkeit als (Hilfs-)Gipser voraussichtlich seit dem 30. März 2015 eine
bleibende Arbeitsunfähigkeit vorliege. In einer körperlich leichten, wechselbelastenden
Tätigkeit ohne Arbeiten über Schulterhöhe bestehe eine 50 %ige Arbeitsfähigkeit mit
allfälliger Steigerungsoption.
A.d Dr. B._ berichtete der Krankentaggeldversicherung am 2. November 2015 (KV-
act. 14-12 f.), dass der Versicherte in der angestammten Tätigkeit als Gipser nicht mehr
arbeitsfähig sei. Wechselbelastende, sitzende und stehende Tätigkeiten mit einer
maximalen Belastung von 5-10 kg unter Ausschluss von Arbeiten in und über der
Schulterebene seien dem Versicherten zu 100 % zumutbar. Die Limitierungen aufgrund
der Wirbelsäulenerkrankung müssten durch Dr. C._ beurteilt werden.
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A.e Die Gipsergeschäft F._ GmbH berichtete der IV-Stelle am 9. November 2015 (IV-
act. 17), dass sie den Versicherten vom 1. Oktober 2007 bis 30. November 2015 für
Gipserarbeiten beschäftigt habe. Die Kündigung sei aus wirtschaftlichen Gründen
erfolgt. Der letzte effektive Arbeitstag sei der 27. März 2015 gewesen. Der Jahreslohn
des Versicherten habe seit April 2012 Fr. 69'550.-- betragen. Gemäss dem IK-Auszug
hatte der Versicherte im Jahr 2014 einen Lohn von Fr. 69'336.-- erzielt (IV-act. 11-1).
A.f Der stellvertretende Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle notierte am 26.
Januar 2016 (IV-act. 35), der Gesundheitszustand sei instabil, da im Februar 2016 eine
Operation geplant sei. Am 26. Januar 2016 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
dass zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen angezeigt seien, da
medizinische Massnahmen im Vordergrund stünden.
A.g Am 23. Februar 2016 unterzog sich der Versicherte einer Schulterarthroskopie der
rechten Schulter mit intraarticulärem Débridement und Re-Dekompression des AC-
Gelenkes und partieller Bursaresektion subacromial (IV-act. 40). Der Operateur Dr.
B._ berichtete der Hausärztin am 7. April 2016 (IV-act. 43), dass der Versicherte nach
der Operation fast die gleichen Beschwerden wie vorher angegeben habe. Nach
Abschluss der Rekonvaleszenz seien dem Versicherten angepasste Tätigkeiten
sicherlich zu 50 % zumutbar. Derselbe Arzt berichtete am 9. Mai 2016 (IV-act. 48), dass
eine Infiltration im Bereich der Bicepssehne eine deutliche Schmerzlinderung gebracht
habe. Der Versicherte habe aber wieder mehr Nackenschmerzen beschrieben.
A.h RAD-Arzt Dr. med. G._, Facharzt für Chirurgie, Praktischer Arzt, notierte am 3.
Juni 2016 (IV-act. 50), dass dem Versicherten die angestammte Tätigkeit als Hilfsgipser
auf Dauer nicht mehr zuzumuten sei. Dr. B._ habe die Arbeitsfähigkeit von 50 % für
eine leidensangepasste Tätigkeit allein mit den vorgetragenen Schmerzen begründet,
was aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht genüge. Der Versicherte sei in einer
optimal leidensangepassten Tätigkeit bei voller Präsenz wegen eines noch erhöhten
Pausenbedarfs zu 80 % leistungsfähig.
A.i Die Hausärztin berichtete der Krankentaggeldversicherung am 10. August 2016 (KV-
act. 14-45 f.), dass der Versicherte eine Büroarbeit ausüben könnte. Dies sei "in Bezug
auf seine angestammte Tätigkeit" aber unrealistisch. Dr. C._ berichtete der
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Hausärztin am 29. September 2016 (IV-act. 85), dass er sich die MRT der HWS und der
LWS (vom 20./21. September 2016, IV-act. 80, 86) nochmals angeschaut habe. Es
bestünden Kribbelparästhesien der DIG II bis V bds. und pseudoradikuläre Schmerzen
im Arm und vor allem Nackenschmerzen. Im Bereich der LWS habe er keine
wesentliche Nervenwurzelkompression gesehen, die das Kribbeln im rechten Bein
erklären könnte. Er bleibe dabei, dass der Versicherte in einer rückenadaptierten
Tätigkeit nur zu 50 % arbeitsfähig sei.
A.j In einem an RAD-Arzt Dr. G._ gerichteten Schreiben vom 17. Oktober 2016 (IV-
act. 99) bemängelte die Hausärztin, dass sich die bisherige (RAD-)Beurteilung nur auf
die Schultererkrankung bezogen habe. Dr. G._ notierte am 12. Oktober 2016 (IV-act.
102), dass die Adaptionskriterien eindeutig auf die Wirbelsäulenproblematik eingingen.
Nachdem sehr unterschiedliche Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit vorlägen, werde
eine bidisziplinäre orthopädisch-neurologische Begutachtung veranlasst.
A.k Am 12. November 2016 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit (IV-act. 104), dass
zur Klärung der Leistungsansprüche eine umfassende medizinische Untersuchung
notwendig sei. Die Begutachtung erfolge durch die Gutachterstelle IME
(Interdisziplinäre Medizinische Expertisen) und beinhalte die folgenden Abklärungen:
Psychiatrie (gemeint: Neurologie) durch Prof. Dr. med. H._, Facharzt für Neurologie
und Schmerztherapie, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und Orthopädie
durch Dr. med. I._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates.
A.l Die bidisziplinäre (orthopädische und neurologische) Begutachtung fand am 16.
Dezember 2016 statt (Gutachten vom 6. Januar 2017, IV-act. 107). Die Diagnosen mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit lauteten:
• Chronisches zervikozephales Schmerzsyndrom mit
- generalisierten degenerativen Veränderungen der HWS betont im Segment C5/C6
sowie C6/7
- polysegmentalen Uncarthrosen
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- hyperthropher Spondylarthrose mit resultierender Foraminalstenose HWK 4/5 links
sowie HWK 7/BWK 1 links
- Ganglionzyste im Segment C5/6
• chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom bei
- polysegmentaler Spondylosis
- lumbalisiertem 1 Sakralwirbel
- multisegmentaler breitbasiger Diskusprotrusion mit Kontakt zu den deszendierenden
L4-Wurzeln beidseits sowie der Nervenwurzel L5 rechts und rezidivierender
Wurzelirritationssymptomatik L4 rechts mit episodischen Kribbeldysästhesien im L4-
Versorgungsareal ohne motorische Ausfälle bei degenerativen Veränderungen der
Wirbelsäule mit multiplen Foramenstenosen
- mehrsegmentalen Osteochondrosen mit begleitenden Bandscheibenprotrusionen
betont im Segment L4/5
• knöchernes Outletimpingement des rechten Schultergelenkes bei
- Acromion Typ Bigliani II/III
- AC-Gelenksarthrose
- Status nach zweimaliger Arthroskopie mit SAD und Bursaresektion
• knöchernes Outletimpingement des linken Schultergelenkes bei
- Acromion Typ Bigliani II/III
- AC-Gelenksarthrose.
Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gaben die Gutachter keine an.
Der neurologische Gutachter Dr. H._ erklärte, dass aus rein neurologischer Sicht
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deutliche degenerative Veränderungen des Stütz- und Bewegungsapparates mit
Neuroforameneinengungen unterschiedlichen Ausmasses in der HWS und der LWS
vorlägen. Es bestünden lediglich Hinweise auf eine rezidivierende Wurzelirritation L4
rechts mit Kribbeldysästhesien, die keine Fähigkeitsstörungen hervorrufe. Weitere
neurologische Störungsbilder lägen nicht vor. Als psychosoziale Faktoren seien
Probleme in der Ausbildung und im Beruf, Arbeitslosigkeit, fehlende berufliche
Perspektiven und finanzielle Probleme zu benennen. Im Haushalt habe der Versicherte
bisher alle Aufgaben selbst übernehmen können. Im Hinblick auf die Arbeitsfähigkeit
seien ausschliesslich zum Nervenschutz Einschränkungen zu beachten, sodass keine
schweren und dauerhaft mittelschweren Arbeiten sowie Arbeiten mit repetitiven
Drehbewegungen und Beugebewegungen in den betroffenen Wirbelsäulensegmenten
mehr erfolgen sollten. Ebenso seien Arbeiten, die eine häufige Inklination der HWS oder
einen nach vorne gebeugten Oberkörper erforderten, zu vermeiden. Auch sollten keine
ständigen Arbeiten in Kälte oder in Zugluft ausgeführt werden. Die zuletzt ausgeübte
Tätigkeit sei dem Versicherten daher nicht mehr zumutbar. Die Arbeitsunfähigkeit
bestehe seit dem 28. März 2015. In einer leichten bis gelegentlich mittelschweren
Tätigkeiten mit Wechselbelastung und ohne die oben beschriebenen negativen
Leistungsmerkmale sei der Versicherte aus neurologischer Sicht zu 100 % arbeitsfähig.
Der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung von Dr. C._ könne nicht gefolgt werden, da er keine
Belege für handicapierende Fähigkeitsstörungen geliefert habe. Der Tagesablauf und
das Medikamentenverhalten des Versicherten zeigten eindrücklich, dass er weitgehend
an die Schmerzen "adaptiert sei". Der orthopädische Gutachter Dr. I._ hielt fest, dass
der Versicherte in der biomechanischen Funktion seiner Hals- und Lendenwirbelsäule
sowie seiner Schultergelenke limitiert sei. Das Aktivitätsniveau im Alltagsleben sei
jedoch nicht so erheblich eingeschränkt, wie die subjektiv beklagten Beschwerden es
erwarten liessen. Im Rahmen der klinischen Untersuchung hätten sich mehrfach
Inkonsistenzen gezeigt. Insgesamt habe er (Dr. I._) sich des Eindrucks eines
bewusstseinsnahen "malingerings" nicht erwehren können. Die als körperlich schwer
einzustufende Tätigkeit als Gipser und Kranführer sei dem Versicherten seit der IV-
Anmeldung (24. August 2015) nicht mehr zumutbar. In einer körperlich leichten bis
gelegentlich mittelschweren, wechselbelastenden, optimal angepassten Tätigkeit sei
der Versicherte aus orthopädisch-chirurgischer Sicht quantitativ zu 100 % arbeitsfähig
(zu den qualitativen Schonkriterien s. IV-act. 107-3 f.). Diese Einschätzung gelte
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spätestens fünf Monate nach der am 24. Februar 2016 erfolgten zweiten
Schulteroperation, d.h. ab dem 1. August 2016. In bidisziplinärer Hinsicht kamen die
Gutachter zum Schluss, dass der Versicherte in der angestammten Tätigkeit als Gipser
und Kranführer seit dem 24. August 2015 voll arbeitsunfähig sei. In einer optimal
adaptierten Tätigkeit bestehe seit dem 1. August 2016 wieder eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit. RAD-Arzt Dr. G._ notierte am 11. Januar 2017 (IV-act. 108), dass
das IME-Gutachten die versicherungs-medizinischen Anforderungen erfülle, weshalb
auf es abgestellt werden könne.
A.m Die Eingliederungsverantwortliche notierte am 12. Januar 2017 (IV-act. 110- 8f.),
dass sich der Versicherte während der Begleitung durch sie und durch das RAV
weiterhin zu maximal 20 % arbeitsfähig gefühlt habe. Der Versicherte habe am 10.
Oktober 2016 ein RAV-Einsatzprogramm in der J._ in einem Pensum von 20 %
begonnen. Eine Steigerung des Pensums habe infolge der subjektiven Beschwerden
nicht erreicht werden können.
A.n Am 23. Januar 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit (IV-act. 112), dass
sein Begehren um berufliche Massnahmen abgewiesen werde. Zur Begründung hielt
sie fest, dass der Versicherte in einer leidensadaptierten Tätigkeit seit dem 1. August
2016 zu 100 % arbeitsfähig sei. Der Versicherte sei bei der Stellensuche nicht
gesundheitsbedingt eingeschränkt, weshalb er keinen Anspruch auf eine aktive
Arbeitsvermittlung habe.
A.o Mit Vorbescheid vom 24. Januar 2017 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten bei
einem IV-Grad von 4 % die Abweisung des Rentengesuchs an (IV-act. 117). Zur
Begründung führte sie an, dass in der angestammten Tätigkeit als Hilfsgipser seit dem
30. März 2015 eine ununterbrochene Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen sei. Ohne
Behinderung hätte der Versicherte in der angestammten Tätigkeit im Jahr 2015 ein
Einkommen von Fr. 69'550.-- erzielen können (13 x Fr. 5'350.--, vgl.
Arbeitgeberfragebogen und IV-act. 116-2). Eine adaptierte Tätigkeit sei ihm trotz der
Behinderung weiterhin zu 100 % zumutbar. Gemäss der Lohnstrukturerhebung des
Bundesamtes für Statistik (LSE) könne er mit der Behinderung noch ein
Jahreseinkommen von Fr. 66'453.-- erzielen.
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A.p Gegen die Mitteilung vom 23. Januar 2017 und den Vorbescheid vom 24. Januar
2017 liess der Versicherte am 22. Februar 2017 einen Einwand erheben (IV-act. 118).
Sein Rechtsvertreter erklärte, dass der Versicherte mit der Abweisung des Gesuchs um
berufliche Massnahmen nicht einverstanden sei. Der entsprechende
Leistungsanspruch sei im Vorbescheidverfahren neu zu prüfen. Im Ablehnungsfall sei
eine anfechtbare Verfügung zu erlassen. Von der Rentenprüfung sei vorerst Abstand zu
nehmen. Zur Begründung machte der Rechtsvertreter geltend, der Versicherte sei nicht
darauf hingewiesen worden, dass die administrative Erstbegutachtung regelmässig
polydisziplinär und damit zufallsbasiert zu erfolgen habe. Dies stelle eine klare
Verletzung der Aufklärungspflicht dar. Eine solche sei einer falschen Auskunft
gleichgestellt, weshalb die Begutachtung rückwirkend aufzuheben und dem
Versicherten die Möglichkeit zu gewähren sei, ein polydisziplinäres Gutachten zu
verlangen. Dem Versicherten sei vorgegaukelt worden, dass er bidisziplinär
psychiatrisch und orthopädisch begutachtet werde. Indessen sei eine neurologisch-
orthopädische Begutachtung erfolgt. Dadurch seien sein Anspruch auf rechtliches
Gehör sowie die Vorschriften zur Einholung medizinischer Gutachten verletzt worden.
Eine polydisziplinäre Expertise sei immer dann einzuholen, wenn die Beschaffenheit der
Gesundheitsproblematik nicht vollends gesichert sei. Dies sei vorliegend der Fall
gewesen. Die IV-Stelle habe denn auch eine psychiatrische Begutachtung vorgesehen.
Die von den somatischen Gutachtern diagnostizierten Schmerzsyndrome hätten
dringend psychiatrisch beurteilt werden müssen. Die Begutachtung hätte also
zwingend polydisziplinär erfolgen müssen. Da es sich bei den diagnostizierten
Schmerzsyndromen offensichtlich um psychosomatische Leiden handle, hätte ein
strukturiertes Beweisverfahren erfolgen müssen. Das IME-Gutachten erfülle also die
beweisrechtlichen Anforderungen nicht und es sei in materieller Hinsicht mangelhaft.
Daher sei es mittels eines verfahrensleitenden Entscheids aus dem Recht zu weisen.
Aus den Einschätzungen der behandelnden Ärzte gehe klar hervor, dass der
Versicherte auch in einer leidensadaptierten Tätigkeit eingeschränkt sei. Aufgrund der
mittlerweile langen Absenz vom Arbeitsmarkt habe er Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen. Nach dem Abschluss der Integrationsbemühungen sei
der Rentenanspruch neu zu prüfen, wobei zwingend eine polydisziplinäre
Begutachtung vorzunehmen sei. Vorsorglich sei darauf hinzuweisen, dass bereits das
im IME-Gutachten gezeichnete Leistungsbild nur noch in Nischenbereichen verwertbar
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sei. Ausserdem dürften sich aus psychiatrischer Sicht zusätzliche Einschränkungen
ergeben. Sollte dem Versicherten überhaupt ein Invalideneinkommen angerechnet
werden dürfen, wäre ein hoher "Leidensabzug" zu gewähren.
A.q RAD-Ärztin Dr. med. K._, Fachärztin für Physikalische Medizin und
Rehabilitation, notierte am 8. März 2017 (IV-act. 120), dass von den behandelnden
Ärzten keine psychiatrischen Symptome oder Hinweise für ein psychiatrisches Leiden
erwähnt worden seien. Eine psychiatrische Begutachtung habe sich daher nicht
aufgedrängt. Die Gutachter hätten eine unauffällige psychiatrische Vorgeschichte
erhoben. Sie hätten keine Hinweise für ein relevantes psychiatrisches Leiden gefunden.
Das IME-Gutachten sei schlüssig und es könne auf es abgestellt werden. Hinweise für
ein syndromales Leiden, welches psychiatrisch hätte abgeklärt werden müssen, lägen
nicht vor. Eine psychiatrische Begutachtung sei nicht erforderlich; auch eine
polydisziplinäre Begutachtung sei nicht zwingend notwendig. Dr. C._ berichtete der
Hausärztin am selben Tag (IV-act. 121) über einen klinisch-neurologisch unveränderten
Status. Er erklärte, dass er nicht ganz verstehen könne, weshalb der Versicherte von
der IV "abgelehnt" worden sei. Der Versicherte sei in einer rückenadaptierten Tätigkeit
lediglich zu 50 % arbeitsfähig. RAD-Ärztin Dr. K._ notierte am 29. März 2017 (IV-act.
124), dass es sich bei der Beurteilung von Dr. C._ um eine andere Einschätzung
desselben medizinischen Sachverhalts handle.
A.r Mit Vorbescheid vom 10. April 2017 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung seines Gesuchs um berufliche Massnahmen in Aussicht (IV-act. 127).
Dagegen liess der Versicherte am 12. April 2017 einwenden (IV-act. 128), dass er
neben der Arbeitsvermittlung auch Anspruch auf einen Arbeitsversuch und einen
Einarbeitungszuschuss habe. Diese Leistungen setzten eine aktive Unterstützung bei
der Arbeitsvermittlung voraus.
A.s Mit Verfügung vom 9. Juni 2017 wies die IV-Stelle das Gesuch um berufliche
Massnahmen wie angekündigt ab (IV-act. 130). Zum Einwand hielt sie fest, dass eine
Arbeitsvermittlung nur zu gewähren sei, wenn die Schwierigkeiten einer versicherten
Person bei der Suche nach einer geeigneten Stelle schwergewichtig auf gesundheitlich
bedingte Einschränkungen zurückzuführen seien.
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A.t Im Rahmen der zweiten Anhörung gegen den Vorbescheid vom 24. Januar 2017
betreffend Rente verwies der Rechtsvertreter des Versicherten am 31. Juli 2017 auf die
Einwandbegründung vom 22. Februar 2017 (IV-act. 135). Ergänzend hielt er fest, dass
eine psychiatrische Begutachtung nicht nur dann notwendig sei, wenn sich Hinweise
für ein relevantes psychiatrisches Leiden fänden. Aus den medizinischen Akten sei
ersichtlich, dass beim Versicherten eine psychische Komponente mitspiele. Am 2.
August 2017 verfügte die IV-Stelle wie angekündigt bei einem IV-Grad von 4 % die
Abweisung des Rentengesuchs (IV-act. 136). Zur Begründung hielt sie ergänzend zu
den Ausführungen im Vorbescheid fest, dass weder Hinweise für ein relevantes
psychiatrisches noch für ein abklärungsbedürftiges syndromales Leiden bestünden.
Eine psychiatrische Begutachtung sei daher nicht erforderlich. Auch eine
polydisziplinäre Begutachtung sei nicht zwingend notwendig
B.
B.a Bereits am 12. Juli 2017 hatte der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer)
gegen die Verfügung vom 9. Juni 2017 betreffend berufliche Massnahmen Beschwerde
erheben lassen (act. G 1, IV 2017/262). Sein Rechtsvertreter hatte die Aufhebung der
Verfügung und die Gewährung beruflicher Massnahmen und entsprechender
Taggeldleistungen beantragt. Ergänzend zur Begründung im Vorbescheidverfahren
hatte er geltend gemacht, der Beschwerdeführer sei bei der Wiedereingliederung auf
Hilfe angewiesen, weil er über keine Ausbildungen verfüge und sich auf dem Bau und
in der Produktion keinerlei Fertigkeiten habe aneignen können, die in einer leichten
Tätigkeit verwertbar seien.
B.b Gegen die Rentenabweisungsverfügung vom 2. August 2017 liess der
Beschwerdeführer am 14. September 2017 Beschwerde erheben (act. G 1, IV
2017/331). Sein Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der Verfügung und die
Zusprache einer Invalidenrente. Im Sinne eines Prozessantrages ersuchte er das
Gericht, auf Kosten der IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) ein
Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben. Zur materiellen Begründung machte er
ergänzend zu den Einwänden im Vorbescheidverfahren geltend, bei der Festlegung des
Invalideneinkommens sei zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer zeitlebens in
handwerklichen Berufen bzw. im Baugewerbe tätig gewesen sei, dass er kaum
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Deutsch spreche und dass er bildungsfern und im fortgeschrittenen Lebensalter sei.
Ausserdem bestehe gemäss den behandelnden Ärzten auch in leidensadaptierten
Tätigkeiten lediglich eine Teilarbeitsfähigkeit. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren
sei dem Beschwerdeführer ein maximaler Tabellenlohnabzug von 25 % zu gewähren.
B.c Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte im Verfahren IV
2017/262 (betreffend berufliche Massnahmen) am 29. September 2017 die Abweisung
der Beschwerde (act. G 4, IV 2017/262). Sie hielt daran fest, dass eine psychiatrische
Begutachtung nie indiziert gewesen sei. Bei den im Gutachten diagnostizierten Leiden
handle es sich nicht um psychosomatische Leiden. Dass in der Mitteilung vom 12.
November 2016 von einer psychiatrischen Begutachtung gesprochen worden sei, sei
lediglich ein Verschrieb gewesen. Eine psychiatrische Abklärung sei nie in Frage
gekommen. Dem Beschwerdeführer müsse spätestens bei der Begutachtung
aufgefallen sein, dass er nicht psychiatrisch, sondern neurologisch abgeklärt worden
sei. Er habe dies während der Untersuchung nicht bemängelt. Obwohl es nicht
notwendig gewesen sei, sei ein strukturiertes Beweisverfahren durchgeführt worden.
Auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung der Gutachter könne abgestellt werden, da
offensichtlich nur zwei Disziplinen betroffen gewesen seien. Das Einkommen des
Beschwerdeführers habe im Jahr 2013 Fr. 69'298.-- betragen. Der Tabellenlohn für
Hilfsarbeiter habe sich im gleichen Jahr auf Fr. 65'654.-- belaufen. Da der
Beschwerdeführer in einer adaptierten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei, belaufe sich
der Invaliditätsgrad auf 5.26 %. Die leistungsspezifische Invalidität für eine
Arbeitsvermittlung sei nicht gegeben, da der Beschwerdeführer in einer körperlich
leichten Tätigkeit voll arbeitsfähig sei. Er habe auch keinen Anspruch auf eine
Umschulung. Andere berufliche Massnahmen seien nicht angezeigt bzw. seien vom
Beschwerdeführer nicht konkret geltend gemacht worden. Dem Beschwerdeführer
seien daher zu Recht keine beruflichen Massnahmen zugesprochen worden.
B.d Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers verzichtete auf eine Replik im
Verfahren IV 2017/262 (act. G 5 f., IV 2017/262).
B.e Im Verfahren IV 2017/331 (betreffend Rente) beantragte die Beschwerdegegnerin
am 15. November 2017 die Abweisung der Beschwerde (act. G 4, IV 2017/331). Zur
Begründung verwies sie auf die Beschwerdeantwort im Verfahren IV 2017/262.
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Ergänzend merkte sie an, dass in einer Hilfstätigkeit erfahrungsgemäss sehr geringe
Deutschkenntnisse benötigt würden. Das Alter spiele eine untergeordnete Rolle. Eine
Vorbildung sei nicht nötig.
B.f Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers verzichtete im Verfahren IV 2017/331
auf eine Replik (act. G 6, IV 2017/331).
B.g Am 9. Januar 2018 wies das Gericht den vom Beschwerdeführer im Verfahren IV
2017/331 gestellten Prozessantrag, es sei ein Gerichtsgutachten einzuholen, ab (act. G
8, IV 2017/331). Es erwog, dass auch dann kein Gerichtsgutachten einzuholen wäre,
wenn das Gericht zum Schluss käme, dass zusätzlich eine psychiatrische
Untersuchung notwendig sei, weil diesfalls eine Rückweisung der Sache an die
Beschwerdegegnerin zur erneuten Begutachtung zu erfolgen hätte.

Erwägungen
1.
1.1 Die Beschwerdegegnerin hat mit der Verfügung vom 9. Juni 2017 einen Anspruch
des Beschwerdeführers auf berufliche Eingliederungsmassnahmen verneint. Mit der
Verfügung vom 2. August 2017 hat sie auch einen Rentenanspruch abgelehnt. Die
Beschwerdegegnerin hat mit diesen beiden Verfügungen über zwei eigenständige
Leistungsansprüche entschieden. Zwar hat der Beschwerdeführer zwei separate
Beschwerdeschriften eingereicht; eine gemeinsame Anfechtung ist nicht möglich
gewesen, da die Beschwerdegegnerin die Rentenverfügung erst nach Ablauf der
Beschwerdefrist zur Anfechtung der Verfügung betreffend berufliche Massnahmen
erlassen hat. Die Beschwerdebegründung ist aber in beiden Fällen im Wesentlichen
dieselbe gewesen, nämlich dass das von der Beschwerdegegnerin eingeholte
bidisziplinäre Gutachten nicht beweiskräftig sei. Die Beschwerdegegnerin hat denn
auch im Verfahren IV 2017/331 auf ihre Eingabe im Verfahren IV 2017/262 verwiesen
und diese lediglich durch eine kurze Zusatzbegründung ergänzt. Da den beiden
Streitgegenständen weitgehend derselbe Sachverhalt zugrunde liegt, dient eine
gemeinsame Beurteilung der Prozessökonomie. Für die Parteien bringt eine
gemeinsame Beurteilung keine Nachteile mit sich. Die beiden gegen die Verfügungen
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vom 9. Juni 2017 und vom 2. August 2017 gerichteten Beschwerden werden deshalb
vereinigt.
1.2 Als Eintretensvoraussetzung zu prüfen ist, ob die 30-tägige Beschwerdefrist (Art.
60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR 830.1) zur Anfechtung der Verfügungen
eingehalten worden ist. Der Rechtsvertreter hat die Verfügung vom 9. Juni 2017 am 12.
Juni 2017 erhalten. Die Beschwerdefrist hat somit am 13. Juni 2017 zu laufen
begonnen und ist am 12. Juli 2017 und damit am Tag der Beschwerdeerhebung
abgelaufen. Die Verfügung vom 2. August 2017 ist während der Gerichtsferien
ergangen, weshalb die Frist erst am 16. August 2017 zu laufen begonnen hat (Art. 38
Abs. 4 lit. b ATSG). Der 30. Tag der Frist ist also auf den 14. September 2017 gefallen.
Der Rechtsvertreter hat am 14. September 2017 und somit am letzten Tag der Frist
Beschwerde erhoben. Auf die Beschwerden ist somit einzutreten.
2.
2.1 Ob eine versicherte Person einen Anspruch auf berufliche
Eingliederungsmassnahmen und einen Anspruch auf eine Invalidenrente hat, hängt von
ihrer Arbeitsunfähigkeit in der angestammten und in einer leidensangepassten Tätigkeit
ab. Als Nächstes ist daher zu prüfen, ob der Beschwerdeführer wegen gesundheitlicher
Beeinträchtigungen in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist.
2.2 In medizinischer Hinsicht liegen insbesondere das bidisziplinäre Gutachten von Dr.
H._ (Neurologie) und Dr. I._ (orthopädische Chirurgie) vom 6. Januar 2016 und die
Berichte der behandelnden Ärzte, namentlich des orthopädischen Chirurgen Dr. B._,
des Neurochirurgen Dr. C._ und der Hausärztin Dr. D._, im Recht.
2.3 In formeller Hinsicht hat der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers geltend
gemacht, dem Beschwerdeführer sei vorgegaukelt worden, er werde in den Disziplinen
Psychiatrie und Orthopädie begutachtet. Tatsächlich sei jedoch eine neurologisch-
orthopädische Begutachtung erfolgt. Damit habe die Beschwerdegegnerin den
Gehörsanspruch des Beschwerdeführers sowie die Vorschriften zur Einholung
medizinischer Gutachten verletzt. Tatsächlich hat die Beschwerdegegnerin dem
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Beschwerdeführer am 12. November 2016 (irrtümlich) eine psychiatrisch-orthopädische
Begutachtung statt eine neurologisch-orthopädische Begutachtung angekündigt. Zur
Verwechslung ist es wohl gekommen, weil der neurologische Gutachter auch über den
Facharzttitel Psychiatrie und Psychotherapie verfügt. Dass es sich bei der Ankündigung
der psychiatrischen Teilbegutachtung um ein Versehen handeln muss, ist offensichtlich
gewesen, da im gesamten vorangegangenen Verwaltungsverfahren weder von Seiten
des Beschwerdeführers noch von Seiten der behandelnden Ärzte je die Rede von einer
psychischen Problematik gewesen ist. Der Beschwerdeführer hätte das Versehen also
bemerken müssen und er hätte folglich die Möglichkeit gehabt, die
Beschwerdegegnerin noch vor der Begutachtung damit zu konfrontieren. Dass die
Ankündigung der falschen Gutachtensdisziplin bei der Begutachtung selbst offenbar
nicht thematisiert worden ist und dass sich der Beschwerdeführer im Anschluss an die
Begutachtung nicht umgehend an die Beschwerdegegnerin gewendet und sie auf die
Unstimmigkeit aufmerksam gemacht hat, spricht sogar dafür, dass der
Beschwerdeführer das Versehen bemerkt und deshalb gar keine psychiatrische,
sondern eine rein somatische Begutachtung erwartet hat. Da der Beschwerdeführer
unter Aufbringung der gebotenen Sorgfalt also hätte bemerken müssen, dass die
Beschwerdegegnerin versehentlich eine falsche Gutachtensdisziplin angekündigt hat,
liegt keine Verletzung des Anspruchs auf das rechtliche Gehör vor. Auch die
verfahrensrechtlichen Bestimmungen zur Einholung von medizinischen Gutachten,
insbesondere Art. 44 ATSG, hat die Beschwerdegegnerin nicht verletzt.
2.4 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat weiter vorgebracht, dass eine
administrative Erstbegutachtung regelmässig polydisziplinär zu erfolgen habe. Das
Bundesgericht hat in Erw. 3.2 des vom Rechtsvertreter angeführten BGE 139 V 349
zwar ausgeführt, dass eine umfassende administrative Erstbegutachtung regelmässig
polydisziplinär und damit zufallsbasiert anzulegen sei. Es hat allerdings auch darauf
hingewiesen, dass keine festen Kriterien zur allgemeingültigen Abgrenzung der
Anwendungsfelder der verschiedenen Kategorien von Expertisen existierten und dass
die grosse Vielfalt von Begutachtungssituationen Flexibilität erfordere. Es ist also im
Einzelfall zu entscheiden, ob eine mono- oder bidisziplinäre Begutachtung zur Klärung
der Leistungsansprüche ausreichend ist oder ob eine polydisziplinäre Begutachtung
notwendig ist. Dabei ist zu beachten, dass es im Ermessen des Versicherungsträgers
liegt, darüber zu befinden, mit welchen Mitteln er die in Art. 43 Abs. 1 ATSG statuierte
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Sachverhaltsabklärung von Amtes wegen vornimmt. Dem Versicherungsträger kommt
also ein grosser Ermessensspielraum bei der Beurteilung der Notwendigkeit, des
Umfangs und der Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen zu (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 10. Oktober 2011, 9C_1037/2010 E. 5.1). Das Gericht darf sein
Ermessen nur dann an die Stelle desjenigen des Versicherungsträgers setzen, wenn
der Versicherungsträger sein Ermessen überschritten, unterschritten oder missbraucht
hat (vgl. BGE 126 V 75 E. 6 mit Hinweisen; vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 10. April
2012, 8C_38/2012 E. 1.1). Gegenstand der Berichte der behandelnden Ärzte sind
Schulter-, Rücken- und Nackenbeschwerden gewesen. Der Beschwerdeführer hat sich
in Behandlung seiner Hausärztin Dr. D._, des orthopädischen Chirurgen Dr. B._
(Schultern) und des Neurochirurgen Dr. C._ (Nacken und Rücken) befunden. Die
behandelnden Ärzte haben in den zahlreichen Berichten, die in den Verwaltungsakten
liegen, nie eine psychische Problematik oder Auffälligkeit erwähnt. Auch eine
allgemein-internistische Diagnose hat die Hausärztin nie angegeben. Vor diesem
Hintergrund leuchtet es ein, dass RAD-Arzt Dr. G._ eine bidisziplinäre neurologisch-
orthopädische Begutachtung empfohlen hat. Der Beschwerdeführer hat auch
gegenüber den Gutachtern keine psychischen Probleme erwähnt (IV-act. 107-33/82).
Die Gutachter haben insbesondere keine Hinweise für eine somatoforme Störung
gefunden. Zwar haben sie eine Diskrepanz zwischen den objektiven Befunden und den
subjektiv beklagten Beschwerden festgestellt (vgl. IV-act. 107-119). Diese kann jedoch
durch das von den Gutachtern festgestellte, stark verdeutlichende bis aggravierende,
von Dr. I._ als bewusstseinsnah eingeschätzte Verhalten erklärt werden (IV-act.
107-31/119). Die Gutachter haben keinen ausgeprägten Leidensdruck ausmachen
können. Zudem hat der Beschwerdeführer nicht über starke Einschränkungen in den
Alltagsaktivitäten berichtet (IV-act. 107-49). Demnach hat die Beschwerdegegnerin ihr
Ermessen nicht rechtsfehlerhaft ausgeübt, indem sie lediglich eine bidisziplinäre und
keine polydisziplinäre Begutachtung in Auftrag gegeben hat. Insbesondere ist keine
psychiatrische Begutachtung notwendig gewesen. Diese Einschätzung stimmt mit
jener der RAD-Ärztin Dr. K._ überein (IV-act. 210). Demzufolge ist es auch nicht
notwendig gewesen, die Arbeitsfähigkeit anhand eines strukturierten Beweisverfahrens
i.S.v. BGE 141 V 281 zu ermitteln (vgl. auch die Urteile des Bundesgerichts vom 30.
November 2017, 8C_841/2016 und 8C_130/2017, gemäss welchen die für
somatoforme Schmerzstörungen entwickelte Rechtsprechung, wonach in einem
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strukturierten Beweisverfahren anhand von Indikatoren die tatsächliche Arbeits- und
Leistungsfähigkeit der betroffenen Person zu ermitteln ist, künftig auf sämtliche
psychischen Erkrankungen Anwendung findet). Nachfolgend ist somit zu prüfen, ob
das im Recht liegende bidisziplinäre Gutachten inhaltlich überzeugt.
2.5 Unbestritten und aufgrund der funktionellen Einschränkungen der Hals- und der
Lendenwirbelsäule sowie der Schultergelenke ausgewiesen ist, dass der
Beschwerdeführer in der angestammten, körperlich belastenden Tätigkeit als
Hilfsgipser, die Arbeiten auf und über der Schulterebene und das Tragen und Heben
schwerer Lasten beinhaltet hat, nicht mehr arbeitsfähig ist. In der bidisziplinären
Beurteilung haben die Gutachter den Beginn der Arbeitsunfähigkeit auf den Zeitpunkt
der Anmeldung, d.h. den 24. August 2015, festgelegt. Der Anmeldezeitpunkt sagt
jedoch nichts über den Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit aus und fällt in der
Regel nicht mit letzterem zusammen. Die Hausärztin hat dem Beschwerdeführer ab
dem 30. März 2015 eine Arbeitsunfähigkeit für die angestammte Tätigkeit attestiert. Am
9. Juni 2015 ist die erste Schulteroperation erfolgt. Die RAD-Ärztin Dr. E._ und auch
der Teilgutachter Dr. H._ sind davon ausgegangen, dass die Arbeitsunfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit bereits im März 2015 eingetreten ist. Auch die
Beschwerdegegnerin hat darauf abgestellt. Demnach steht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer seit März 2015 in
seiner angestammten Tätigkeit als ungelernter Gipser voll arbeitsunfähig ist.
2.6 Umstritten ist die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer optimal
adaptierten Hilfsarbeit. Die Gutachter Dr. H._ und Dr. I._ sind zum Schluss
gekommen, dass der Beschwerdeführer in einer körperlich leichten bis gelegentlich
mittelschweren, wechselbelastenden, optimal adaptierten Tätigkeit aus orthopädisch-
neurologischer Sicht zu 100 % arbeitsfähig sei. Der behandelnde orthopädische
Chirurg Dr. B._ hat der Krankentaggeldversicherung am 31. Juli 2015 berichtet, dass
eine wechselbelastende Tätigkeit im Stehen und Sitzen nach Abschluss der
Rehabilitation problemlos möglich sei. Kurz darauf, am 21. August 2015, hat sich Dr.
B._ der Beurteilung des behandelnden Neurochirurgen Dr. C._, wonach der
Beschwerdeführer auch in einer rückenadaptierten Tätigkeit längerfristig lediglich noch
zu 50 % arbeitsfähig sei, angeschlossen und eine IV-Berentung empfohlen. Am 5.
November 2015 hat Dr. B._ der Krankentaggeldversicherung wiederum berichtet,
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dass eine adaptierte Tätigkeit zu 100 % möglich sei; dabei hat er sich aber lediglich auf
die von ihm behandelte Schulterproblematik bezogen, d.h. er hat die
Wirbelsäulenbeschwerden unberücksichtigt gelassen. Am 7. April 2016 hat Dr. B._
die Arbeitsfähigkeit für angepasste Tätigkeiten nach Abschluss der Rekonvaleszenz
wieder auf 50 % geschätzt. Gesamthaft betrachtet erscheint es, als habe Dr. B._ den
Schulterbeschwerden keinen quantitativen, sondern lediglich einen qualitativen Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit beigemessen. Diese Einschätzung stimmt mit jener der
Gutachter überein. Bezüglich der Wirbelsäulenbeschwerden hat er sich offenbar auf die
Einschätzung von Dr. C._ verlassen. Die Gutachter haben die Beurteilung von Dr.
C._, d.h. dass der Beschwerdeführer auch in einer optimal adaptierten Tätigkeit
lediglich noch zu 50 % arbeitsfähig sei, nicht geteilt (IV-act. 107-113). Der
orthopädische Gutachter Dr. I._ hat erklärt, dass die Beurteilung von Dr. C._ nicht
nachvollziehbar und nicht mit den versicherungsmedizinischen Empfehlungen der
Swiss Insurance Medicine (SIM) konform sei (IV-act. 107-114). Der neurologische
Gutachter Dr. H._ hat ergänzend bemerkt, dass Dr. C._ in seinen medizinischen
Dokumentationen keine Belege für handicapierende Fähigkeitsstörungen als
Begründung seiner Arbeitsfähigkeitsschätzung geliefert habe (IV-act. 107-51). RAD-
Arzt Dr. G._ ist derselben Meinung gewesen; er hatte bereits am 3. Juni 2016 erklärt,
dass die behandelnden Ärzte die Einschätzung einer 50 %igen Arbeitsunfähigkeit für
eine leidensangepasste Tätigkeit allein mit den vorgetragenen Schmerzen begründet
hätten, was aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht genüge. Tatsächlich ist für die
Festlegung der Arbeitsfähigkeit nicht die Selbsteinschätzung bzw. Selbstdarstellung
der versicherten Person relevant, sondern es ist entscheidend, welche Tätigkeiten ihr
aus objektiver Sicht noch zumutbar sind. Die Einschätzung des Neurochirurgen Dr.
C._ vermag daher keine Zweifel an der gutachterlichen Beurteilung zu wecken. Die
Hausärztin hat der Beschwerdegegnerin am 7. September 2015 berichtet, dass der
Beschwerdeführer eine adaptierte Tätigkeit noch ausüben könne. Am 10. August 2016
hat sie der Krankentaggeldversicherung berichtet, dass eine Büroarbeit rein theoretisch
möglich wäre, dies "in Bezug auf seine angestammte Tätigkeit" aber unrealistisch sei.
Die Hausärztin hat damit wohl ausdrücken wollen, dass aus rein medizinischer Sicht in
einer adaptierten Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe, es aber schwierig bzw.
unmöglich sein werde, eine den Leiden des Beschwerdeführers angepasste Tätigkeit
zu finden, die den schulischen (und allenfalls auch den sprachlichen) Kenntnissen des
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Beschwerdeführers entspreche. Bei der Frage der Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit, d.h. ob es auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt überhaupt eine
Tätigkeit gibt, die der Beschwerdeführer noch ausüben könnte, handelt es sich nicht
um eine medizinische Frage, weshalb sie nicht von den medizinischen Fachpersonen
zu beantworten ist. Die hier massgebende, rein medizinisch-theoretische
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Hausärztin stimmt mit der gutachterlichen Einschätzung
überein. Auch sonst sind keine Hinweise ersichtlich, die gegen die Verwertbarkeit des
Gutachtens sprechen würden. Die Gutachter haben die geklagten Beschwerden
berücksichtigt und sie haben Kenntnis der Vorakten gehabt. Aus der Sicht eines
medizinischen Laien erscheint das Gutachten sorgfältig abgefasst, ausführlich und
widerspruchsfrei. Auch die Prüfung des RAD hat ergeben, dass das Gutachten die
versicherungsmedizinischen Anforderungen erfüllt (IV-act. 108-1). Demnach überzeugt
auch die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. H._ und Dr. I._ für körperlich
adaptierte Tätigkeiten. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer
in seiner angestammten Tätigkeit als ungelernter Gipser seit März 2015 andauernd zu
100 % arbeitsunfähig ist. Wegen zwei Schulteroperationen am 9. Juni 2015 und am 23.
Februar 2016 ist der Beschwerdeführer vorübergehend auch für adaptierte Tätigkeiten
vollständig arbeitsunfähig gewesen. In einer optimal adaptierten Tätigkeit besteht
spätestens seit dem 1. August 2016 (fünf Monate nach der zweiten Schulteroperation)
wieder eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit.
3.
3.1 Die Beschwerdegegnerin hat bereits mit der Mitteilung vom 23. Januar 2017 das
Begehren um berufliche Massnahmen abgewiesen. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers hat am 22. Februar 2017 erklärt, dass der Beschwerdeführer mit
der Mitteilung nicht einverstanden sei und dass der entsprechende Leistungsanspruch
im Vorbescheidverfahren neu zu prüfen sei. Im Ablehnungsfall sei eine anfechtbare
Verfügung zu erlassen (IV-act. 118-7). Die Beschwerdegegnerin ist daher richtigerweise
auf die Mitteilung vom 23. Januar 2017 zurückgekommen und hat einen Vorbescheid
(10. April 2017, IV-act. 127) und anschliessend die angefochtene Verfügung (9. Juni
2017) erlassen.
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3.2 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat die Gewährung beruflicher
Massnahmen, namentlich von Integrationsmassnahmen, Berufsberatung,
Arbeitsvermittlung, eines Arbeitsversuchs und von Einarbeitungszuschüssen beantragt.
Zwar trägt die angefochtene Verfügung vom 9. Juni 2017 den Titel "kein Anspruch auf
berufliche Massnahmen". In der Verfügung selbst ist jedoch nur der Anspruch des
Beschwerdeführers auf Arbeitsvermittlung gemäss Art. 18 IVG verneint worden. Auch
in der Vorgeschichte dieser Verfügung findet sich kein Indiz dafür, dass das
Verwaltungsverfahren die Abklärung anderer beruflicher Eingliederungsmassnahmen
beinhaltet hätte. Die Beschwerdegegnerin hat somit gar nie über den Anspruch des
Beschwerdeführers auf Integrationsmassnahmen (Art. 14a IVG), auf Berufsberatung
(Art. 15 IVG), auf einen Arbeitsversuch (Art. 18a IVG) oder auf einen
Einarbeitungszuschuss (Art. 18b IVG) entschieden. Der Titel der Verfügung vom 9. Juni
2017 war somit zu weit gefasst; korrekt wäre "Kein Anspruch auf Arbeitsvermittlung"
gewesen. Da die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung vom 9. Juni
2017 lediglich über den Anspruch auf Arbeitsvermittlung entschieden hat, kann im
vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht geprüft werden, ob der Beschwerdeführer
Anspruch auf andere berufliche Eingliederungsmassnahmen hat. Auf den Antrag, dem
Beschwerdeführer seien Integrationsmassnahmen, Berufsberatung, ein Arbeitsversuch
und Einarbeitungszuschüsse zu gewähren, kann somit nicht eingetreten werden.
3.3 Zu überprüfen bleibt der Anspruch auf Arbeitsvermittlung. Arbeitsunfähige
Versicherte, welche eingliederungsfähig sind, haben Anspruch auf eine aktive
Unterstützung bei der Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes und auf begleitende
Beratung im Hinblick auf die Aufrechterhaltung ihres Arbeitsplatzes (Art. 18 Abs. 1 IVG).
3.4 Die Beschwerdegegnerin hat argumentiert, dass der Beschwerdeführer keinen
Anspruch auf Arbeitsvermittlung habe, weil er in einer leidensadaptierten Tätigkeit zu
100 % arbeitsfähig sei und bei der Stellensuche nicht gesundheitsbedingt
eingeschränkt sei. Die Beschwerdegegnerin stützt sich dabei auf die
bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach in Fällen, in denen die Arbeitsfähigkeit
einzig insoweit betroffen sei, als der versicherten Person nur leichte Tätigkeiten voll
zumutbar seien, es zur Begründung des Anspruchs auf Arbeitsvermittlung zusätzlich
einer spezifischen Einschränkung gesundheitlicher Natur bedürfe. Die
leistungsspezifische Invalidität des Anspruchs liege vor, wenn die Behinderung
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Probleme bei der Stellensuche verursache (Rz 5005 des Kreisschreibens über die
Eingliederungsmassnahmen beruflicher Art, KSBE, Stand 1. Januar 2018; Urteil des
Bundesgerichts vom 12. Januar 2016, 8C_641/2015 E. 2). Diese höchstrichterliche
Rechtsprechung überzeugt jedoch nicht. Art. 18 Abs. 1 IVG verweist auf Art. 6 ATSG,
wonach eine Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung der Gesundheit
bedingte Unfähigkeit ist, im bisherigen Beruf zumutbare Arbeit zu leisten. Gemäss dem
Wortlaut der Bestimmung ist also all jenen versicherten Personen eine
Arbeitsvermittlung zu gewähren, die infolge einer Gesundheitsbeeinträchtigung nicht
mehr im bisherigen Beruf erwerbstätig sein können und arbeitslos sind. Die Praxis,
wonach eine versicherte Person nur einen Anspruch auf Arbeitsvermittlung hat, wenn
sie bei der Suche einer geeigneten Arbeitsstelle wegen ihres Gesundheitsschadens
Schwierigkeiten hat oder invaliditätsbedingt spezielle Anforderungen an den
Arbeitsplatz oder an den Arbeitgeber stellt, ist mit der 5. IV-Revision, die am 1. Januar
2008 in Kraft getreten ist, verworfen worden. Die bestehenden beruflichen
Massnahmen für beruflich unqualifizierte Arbeitsunfähige sind als unzureichend
erachtet worden. Hilfsarbeiterinnen und Hilfsarbeiter, die ihre bisherige Tätigkeit aus
gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können, in einer angepassten
Hilfstätigkeit aber noch voll arbeitsfähig sind, sollten neu auch Anspruch auf
Arbeitsvermittlung haben, wenn andere Gründe, wie Stellenmangel auf dem
Arbeitsmarkt, die Stellensuche erschwerten (Botschaft zur Änderung des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [5. Revision] vom 22. Juni 2005, BBl
2005 4459, 4522, 4524). Die bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach
Hilfsarbeiterinnen und Hilfsarbeiter nur einen Anspruch auf Arbeitsvermittlung haben,
wenn sie bei der Stellensuche gesundheitsbedingt eingeschränkt sind, ist somit weder
mit dem Wortlaut von Art. 18 Abs. 1 IVG noch mit dem historischen Willen des
Gesetzgebers vereinbar. Das Ergebnis der sprachlich-grammatikalischen und der
historischen Auslegung ist auch mit dem Sinn und Zweck und der systematischen
Stellung von Art. 18 Abs. 1 IVG vereinbar. Der Sinn und Zweck der Arbeitsvermittlung
ist es, arbeitsunfähige versicherte Personen rasch wieder einzugliedern (vgl. BBl 2005
4459, 4565). Beim Anspruch auf Arbeitsvermittlung handelt es sich um eine atypische
Leistung, denn sie kann eine Invalidität gar nicht beeinflussen, weil die Höhe des
zumutbaren Invalideneinkommens nicht davon abhängt, ob die versicherte Person
einer Erwerbstätigkeit nachgeht. Der Invaliditätsgrad spielt bei der Arbeitsvermittlung
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somit keine Rolle (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 12. Januar 2016, 8C_641/2015 E.
2; zum Ganzen vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
20. Oktober 2015, IV 2013/578 E. 2). Demnach hat der in seiner bisherigen Tätigkeit als
Hilfsgipser voll arbeitsunfähige, in einer adaptierten Tätigkeit jedoch voll arbeitsfähige
Beschwerdeführer grundsätzlich Anspruch auf Arbeitsvermittlung, auch wenn ihn die
gesundheitliche Beeinträchtigung bei der Stellensuche nicht einschränkt.
3.5 Der Anspruch auf Arbeitsvermittlung setzt zusätzlich voraus, dass die versicherte
Person "vermittlungsfähig" ist, d.h. dass objektiv die Möglichkeit und subjektiv die
Bereitschaft besteht, von einem Arbeitgeber angestellt zu werden (Rz 5005 KSBE;
Urteil des Bundesgerichts vom 18. November 2016, 9C_594/2016 E. 3.2). Der
Beschwerdeführer hat am 10. November 2016 ein Einsatzprogramm des RAV in einem
Pensum von 20 % begonnen (IV-act. 110-7). Er hat sich während der Massnahme zu
maximal 20 % arbeitsfähig gefühlt. Obwohl er über die gutachterliche
Arbeitsfähigkeitsschätzung in Kenntnis gesetzt worden ist (IV-act. 110-8), hat das
Pensum im Verlauf infolge der subjektiven Beschwerden nicht gesteigert werden
können (IV-act. 110-8). Vor diesem Hintergrund muss die subjektive Bereitschaft des
Beschwerdeführers für eine berufliche Wiedereingliederung im Zeitpunkt des
Verfügungserlasses (9. Juni 2017) verneint werden. Daher hat die Beschwerdegegnerin
den Anspruch auf Arbeitsvermittlung im Ergebnis zu Recht abgelehnt.
4.
4.1 Als Nächstes ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers zu prüfen.
4.2 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist gemäss Art.
8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung
der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach
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zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist
der Invaliditätsgrad grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln.
Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der
Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
4.3 Die Arbeitsfähigkeit in der angestammten und in einer adaptierten Tätigkeit ist
bereits in Erw. 2 festgelegt worden. Demnach ist der Beschwerdeführer in der
angestammten Tätigkeit als ungelernter Gipser seit März 2015 dauerhaft voll
arbeitsunfähig. Wegen zwei Schulteroperationen am 9. Juni 2015 und am 23. Februar
2016 hat vorübergehend auch für adaptierte Tätigkeiten eine volle Arbeitsunfähigkeit
bestanden. Für adaptierte Hilfsarbeiten besteht spätestens seit dem 1. August 2016
wieder eine volle Arbeitsfähigkeit. Gemäss Art. 7 Abs. 1 ATSG liegt eine
Erwerbsunfähigkeit erst vor, wenn sich die versicherte Person einer zumutbaren
Behandlung und Eingliederung unterzogen hat. In Übereinstimmung damit sieht Art. 28
Abs. 1 lit. a IVG vor, dass ein Rentenanspruch erst entsteht, wenn die Erwerbsfähigkeit
nicht durch zumutbare − medizinische oder berufliche − Eingliederungsmassnahmen
wieder hergestellt, erhalten oder verbessert werden kann (siehe auch Art. 16 ATSG).
Eine Arbeitsunfähigkeit vermag somit so lange keine Invalidität zu begründen, als die
andauernde medizinische Behandlung noch eingliederungsrelevant ist, d.h. wenn nach
Abschluss der therapeutischen Massnahmen eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu
erwarten ist (vgl. Entscheide des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
27. November 2017, IV 2015/257 E. 4.7 und vom 12. Dezember 2017, IV 2015/349 E.
2.3). Die Schulteroperationen und die daran anschliessenden Rehabilitationsphasen
sind eingliederungsrelevant gewesen, denn der Beschwerdeführer hat nach Abschluss
der Rehabilitation, die auf die zweite Schulteroperation erfolgt ist, im August 2016 in
einer optimal adaptierten Tätigkeit wieder eine volle Arbeitsfähigkeit erlangt. Die
vorübergehende vollständige Arbeitsunfähigkeit für alle Arten von Erwerbstätigkeiten
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aufgrund der beiden Schulteroperationen hat somit keine rentenspezifische Invalidität
zu begründen vermocht.
4.4 Die Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Hilfsgipser ist im März
2015 eingetreten. Im Jahr 2014 hat der Beschwerdeführer gemäss dem IK-Auszug ein
Einkommen von Fr. 69'336.-- erzielt (IV-act. 11). Gemäss der Auskunft des ehemaligen
Arbeitgebers hat der Lohn im Jahr 2014 Fr. 69'550.-- betragen (13 x Fr. 5'350.--, IV-
act. 17). Da die Differenz zwischen dem IK-Auszug und den Angaben des ehemaligen
Arbeitgebers für den Ausgang des Verfahrens nicht wesentlich ist, ist das
Valideneinkommen für das Jahr 2014 (zugunsten des Beschwerdeführers) auf Fr.
69'550.-- festzusetzen. Der Lohn eines Hilfsarbeiters hat im selben Jahr, aufgerechnet
auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden, Fr. 66'453.--
betragen (Anhang 2 der IVG-Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2018).
Da davon auszugehen ist, dass sich das Validen- und das Invalideneinkommen in etwa
gleich entwickelt haben, kann eine Aufwertung auf das Jahr 2016 (frühestmöglicher
Rentenbeginn) unterbleiben. Auch wenn dem Beschwerdeführer ein Tabellenlohnabzug
von 10 % gewährt würde, so würde bei einem Valideneinkommen von Fr. 69'550.-- und
einem Invalideneinkommen von Fr. 59'808.-- (0.9 x Fr. 66'453.--) ein IV-Grad von 14 %
resultieren. Bei einem maximalen Tabellenlohnabzug von 25 %, wie ihn der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers gefordert hat, würde der IV-Grad 28 %
betragen.
4.5 Der Rechtsvertreter hat geltend gemacht, dass die Arbeitsleistung des
Beschwerdeführers aufgrund der von den Gutachtern angegebenen Adaptionskriterien
lediglich noch in Nischenbereichen verwertbar sei. Ob eine versicherte Person die
verbliebene Resterwerbsfähigkeit noch verwerten kann, hängt davon ab, ob auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt Tätigkeiten existieren, die den von den Ärzten
aufgestellten Adaptionskriterien entsprechen. Auch wenn eine solche Tätigkeit auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt existiert, muss die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
verneint werden, wenn die versicherte Person einem Arbeitgeber aufgrund ihrer
gesundheitlichen Beeinträchtigung nicht mehr zumutbar ist. Zwar ist der
Beschwerdeführer wegen seiner körperlichen Gesundheitsschäden in qualitativer
Hinsicht in seiner Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt (vgl. IV-act. 107-3 f.). Dies
bedeutet jedoch nicht, dass er seine Restarbeitsfähigkeit von 100 % in einer den
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Adaptionskriterien entsprechenden, körperlich leichten bis gelegentlich mittelschweren,
wechselbelastenden Tätigkeit nicht verwerten könnte. Entgegen der Behauptung des
Rechtsvertreters ist die Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht nur in
Nischenbereichen verwertbar. Zu denken ist beispielsweise, wie die
Beschwerdegegnerin zu Recht angeführt hat, an leichtere
Maschinenbedienungsarbeiten (act. G 4/Ziff. 4). Hinweise darauf, dass der
Beschwerdeführer einem Arbeitgeber nicht zumutbar wäre, bestehen nicht. Das Alter
spielt im Falle des Beschwerdeführers keine Rolle, da die Einarbeitungszeit bei
Hilfsarbeiten kurz ist. Hilfsarbeiten setzen auch keine Berufskenntnisse und keine
Berufserfahrung und in der Regel höchstens rudimentäre Kenntnisse der
Landessprache voraus, über die der Beschwerdeführer verfügt (vgl. IV-act. 32-4:
Beschwerdeführer spricht ein gebrochenes, jedoch gut verständliches Deutsch). Unter
Berücksichtigung aller Umstände ist die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit somit
zu bejahen. Bei einem IV-Grad von deutlich weniger als 40 % besteht kein Anspruch
auf eine IV-Rente.
4.6 Demnach sind die Beschwerden abzuweisen.
5.
5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um
die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt.
Praxisgemäss wird in einem durchschnittlichen IV-Fall eine Gerichtsgebühr von Fr.
600.-- erhoben. Im vorliegenden Entscheid sind zwei voneinander unabhängige
Beschwerden beurteilt worden (vgl. Erw. 1.1). Eine Verdoppelung der Gerichtsgebühr
wäre jedoch nicht gerechtfertigt, da der Aufwand für das Aktenstudium nur einmal
angefallen ist. Dem Gericht ist jedoch insoweit ein Mehraufwand entstanden, als es
betreffend die Einholung eines Gerichtsgutachtens einen Zwischenentscheid hat fällen
müssen. Die Gerichtsgebühr ist daher für das Beschwerdeverfahren IV 2017/262 auf Fr.
400.-- und für das Verfahren IV 2017/331 auf Fr. 600.-- festzusetzen. Dem Ausgang
des Verfahrens entsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- vollumfänglich
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Der vom Beschwerdeführer im Verfahren IV
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 26/26
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2017/262 geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird daran angerechnet und im
Umfang von Fr. 200.-- zurückerstattet. Der im Verfahren IV 2017/331 geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird vollumfänglich mit der Gerichtsgebühr verrechnet.
5.2 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf
eine Parteientschädigung (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).