Decision ID: 38cfca2c-4a76-4180-a834-793a92e65823
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
K._
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Thomas Brender, Bahnhofstrasse 61,
8001 Zürich,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
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Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Urs Glaus, Oberer Graben 44, Postfach,
9001 St. Gallen,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A
A.a Der 1963 geborene K._ war als Plattenleger bei A._ tätig und dadurch bei der
Suva obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er am 1. Juni 2001 von
einer Zecke gebissen wurde (Suva-act. 1). Dr. med. B._, Facharzt für Allgemeine
Medizin FMH, diagnostizierte mit Schreiben vom 1. Oktober 2001 eine frische
Borreliose-Erkrankung im Generalisierungsstadium (Suva-act. 4). Die Suva anerkannte
ihre Leistungspflicht und erbrachte die gesetzlichen Versicherungsleistungen. Ab 24.
September 2001 konnte der Versicherte die Arbeit wieder zu 50%, ab 17. Oktober
2001 zu 75% und ab 22. Oktober 2001 zu 100% aufnehmen (Suva-act. 8). Mit
Schreiben vom 28. November 2001 erklärte Dr. B._ die gegenwärtige Behandlung für
abgeschlossen (Suva-act. 7). Weitere Beratungen würden in einem Abstand von jeweils
zwei bis drei Wochen stattfinden. Die voraussichtliche Dauer der Behandlung wurde
von Dr. B._ auf drei bis sechs Wochen festgelegt. Am 5. Dezember 2001 beantragte
Dr. med. L._, Abteilung Arbeitsmedizin Suva, den vorläufigen Abschluss und das
Dossier sei abzulegen (Suva-act. 9). Mit Unfallmeldung vom 25. März 2002 (Suva-act.
11) liess der Versicherte der Suva Glieder- und Handgelenksschmerzen als Rückfall
zum am 1. Juni 2001 erlittenen Zeckenbiss melden. Dr. med. C._, Allgemeine
Medizin FMH, diagnostizierte eine Tendinopathie an beiden Handgelenken (Suva-act.
13). Dr. med. D._, Arzt für Neurologie, stellte im Schreiben vom 24. Juni 2002 (Suva-
act. 18) die Diagnose einer Neuroborreliose. Dr. med. E._, Rheumatologie FMH,
diagnostizierte eine wahrscheinliche Post-Lyme-Erkrankung mit Fibromyalgie-Syndrom
sowie Status nach vierwöchiger Rocephin-Therapie wegen einer Neuroborreliose im
Sommer 2002 (Suva-act. 68). Vom 18. Februar bis 11. März 2003 erfolgte ein
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Aufenthalt in der RehaClinic Zurzach. Im Austrittsbericht vom 31. März 2003 (Suva-act.
83) wurden die Diagnosen einer Neuroborreliose und einer chronischen diffus
wechselnden Schmerzsymptomatik gestellt. Dr. med. F._, Facharzt für Innere
Medizin FMH, hielt im Schreiben vom 12. November 2003 (Suva-act. 93) einen Status
nach Lyme-Neuroborreliose gemäss auswärtiger Beurteilung fest, wobei aktuell
laborchemisch kein Hinweis auf Aktivität bestand. Eine polydisziplinäre Begutachtung
durch die MEDAS der Universitätskliniken Basel ergab gemäss Gutachten vom 21.
September 2004 (Suva-act. 126) die Diagnosen eines Verdachts auf ein Post-Lyme-
Disease-Syndrom mit/bei Status nach Lyme-Borreliose Juni 2001, Oligoarthralgien und
diffuser Ganzkörperschmerzsymptomatik, minimalen kognitiven
Leistungseinschränkungen und keiner aktuellen oder abgelaufenen Neuroborreliose
sowie ein chronisches generalisiertes Schmerzsyndrom unklarer Ätiologie ohne
Anhaltspunkte für entzündliche rheumatologische Affektion des Bewegungsapparats.
Dr. med. G._, Suva-Arzt Abteilung Arbeitsmedizin, war gemäss Schreiben vom 4.
Oktober 2004 (Suva-act. 127) mit dem Gutachten in verschiedenen Punkten nicht einig.
Zusammenfassend sei unbestritten, dass ein Verdacht auf ein Post-Lyme-Disease-
Syndrom bestehe, allerdings lasse sich durch diese schlecht begründete, nicht
unumstrittene Verdachtsdiagnose keine Kausalität ableiten. Aufgrund der
Ausführungen von Dr. G._ wurde der Fall der MEDAS Basel nochmals zur
Stellungnahme vorgelegt (Suva-act. 159). Mit Schreiben vom 26. September 2005
(Suva-act. 165) teilte Dr. med. H._, Innere Medizin und Rheumatologie FMH, mit,
dass er seine im MEDAS-Fachgutachten gemachte Beurteilung, dass die
Krankheitserscheinungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit einem Borrelien-Infekt
zuzuschreiben seien, in dem Sinn ändere, dass ein Zusammenhang zumindest möglich
bis wahrscheinlich erscheine. Der fallverantwortliche Arzt Dr. med. I._, Innere Medizin
FMH, MEDAS Basel, hielt im Schreiben vom 7. Oktober 2005 fest, man sei mit Dr.
G._ einig, dass das Beschwerdebild des Exploranden auch ohne vorhergehende
Borreliose auftreten könne. Aus diesem Grund werde die Einschätzung, dass die
bestehenden Beschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit borreliosebedingt
seien, in dem Sinn revidiert, dass hier nur ein möglicher, nicht aber ein
wahrscheinlicher Kausalzusammenhang mit der Borreliose bestehe.
A.b Mit Verfügung vom 20. März 2006 teilte die Suva dem Versicherten mit, dass ein
Zusammenhang zwischen dem Grundfall und der als Rückfall gemeldeten
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Gesundheitsschädigung nicht mit der mindestens erforderlichen Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen werden könne. Versicherungsleistungen könnten daher keine erbracht
werden. Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wies die Suva mit
Einsprache-Entscheid vom 30. März 2007 (Suva-act. 185) ab.
B.
B.a Dagegen richtet sich die von Rechtsanwalt Dr. iur. Thomas Brender, Zürich, im
Namen des Versicherten eingereichte Beschwerde vom 10. Mai 2007 mit den
Anträgen, es seien in Anerkennung der heutigen Beschwerden als unfallkausale Folgen
des Zeckenereignisses die nach UVG geschuldeten ordentlichen Leistungen
(Taggelder, Renten, Integritätsentschädigung etc.) unter ordentlicher Verzinsung der
Nachzahlungen zu erbringen, und es sei dem Beschwerdeführer in der Person des
Unterzeichnenden ein unentgeltlicher Rechtsbeistand beizugeben sowie für das
Gerichtsverfahren eine angemessene Prozessentschädigung auszurichten; allfällige
Verfahrenskosten seien der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Zur Begründung wird
im Wesentlichen ausgeführt, dass die Haltung der Abteilung Arbeitsmedizin den
zahlreichen und überzeugenden Vorbeurteilungen der Fachärzte widerspreche, so dass
schon deshalb die Aussagen des MEDAS-Gutachtens schlüssig und nachvollziehbar
seien. Es sei verfahrensrechtlich und beweismässig nicht zulässig, dass lediglich ein
Teilgutachter in einem Gesamtgutachten die gesamte gemeinsame Abklärungsarbeit
von nicht weniger als sieben Fachärzten eigenmächtig und ohne nochmalige
Diskussion im gesamten Facharztteam abändere. Die eigenmächtige Abänderung des
Gesamtgutachtens entwerte die Beweiskraft des Gutachtens insgesamt, weil es in der
jetzigen Situation nicht mehr schlüssig erscheine, hinsichtlich der Schlussfolgerung
nicht mehr nachvollziehbar sei und nicht mehr mit dem Teilgutachten korrespondiere.
Die Gutachter seien ausserdem auf die Einwendungen des Rechtsvertreters des
Beschwerdeführers nicht eingegangen, was eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
bedeute. Dr. I._ begründe seinen Meinungsumschwung mit der Feststellung, dass
das heutige Beschwerdebild auch ohne vorgängige akute Lyme-Borreliose auftreten
könne. Das sei vor allem deshalb unrichtig, weil sich bei der Fibromyalgie einerseits
häufig keine Ätiologie eruieren lasse und andererseits die Fibromyalgie in den
häufigsten Fällen ein Beschwerdebild aufgrund körperlicher Überbelastung entstehen
lasse, was aber vorliegend klar nicht der Fall sein könne. Dr. I._ sei bekannt
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gewesen, dass in zeitlicher Hinsicht die Entwicklung sämtlicher Beschwerden ab dem
Zeitpunkt des Unfallereignisses entstanden und der Versicherte davor in jeder Hinsicht
völlig beschwerdefrei gewesen sei. Die Einspracheinstanz der Beschwerdegegnerin sei
in ihrem Entscheid mit keinem Wort auf die Einsprachebegründung eingetreten,

sondern habe in den Erwägungen rein theoretisch das MEDAS-Gutachten insgesamt
als folgerichtig bezeichnet. Das heutige Beschwerdebild habe sich ohne Zäsur und
ohne Unterbruch aus dem akut und verspätet mit Rocephin behandelten
Beschwerdebild heraus entwickelt. Es gehe daher nicht an, dass nunmehr in der
Beschwerdeabfolge künstlich eine Zäsur geschaffen werde, respektive dass das
gleichzeitige Entstehen eines zweiten Beschwerdebilds als möglich oder gar als
überwiegend wahrscheinlich angenommen werde. Sodann sei wissenschaftlich
erhoben, dass bei allen an Lyme-Borreliose erkrankten Patienten, welche trotz
adäquater antibiotischer Therapie krank geblieben seien, sich später häufig ganz
andere Beschwerden entwickelt hätten. Die beigelegte ärztliche Bestätigung von Dr.
F._ vom 4. April 2007 lege dar, dass sich das Beschwerdebild seit dem 20. April
2006 nicht gebessert habe.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 12. Juli 2007 beantragt Rechtsanwalt Dr. iur. Urs
Glaus, St. Gallen, im Namen der Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Bei
der Stellungnahme der Gutachter handle es sich weder um einen
Meinungsumschwung noch um von der Suva verlangte Änderungen. Vielmehr habe die
Beschwerdegegnerin die MEDAS Basel ersucht, zu den festgestellten Mängeln
Stellung zu nehmen, d.h. ihre vorgängige Beurteilung zu erklären bzw. zu präzisieren.
Dr. H._ sei nur auf die Kritikpunkte am rheumatologischen Fachgutachten
eingegangen und habe damit lediglich seine eigene Beurteilung präzisiert. Zudem
vertrete er nicht plötzlich eine andere Meinung, vielmehr lege er dar, aufgrund welcher
Überlegungen er im Fachgutachten einen wahrscheinlichen Zusammenhang
angenommen habe. Der mit der Beschwerdeschrift von Dr. F._ eingereichten
Bestätigung vom 4. April 2007 seien keine Hinweise auf einen Zusammenhang der
Beschwerden mit dem Zeckenbiss zu entnehmen. Bei einem Zeckenbiss handle es
sich um ein banales Unfallereignis, weshalb die Adäquanz psychischer Störungen ohne
weiteres verneint werden könne. Sodann handle es sich bei der Fibromyalgie nicht um
ein typisches oder gar spezifisches Symptom der Lyme-Borreliose.
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B.c Mit Replik vom 26. September 2007 hielt der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers an seinen Anträgen fest und beantragte zusätzlich, es sei
eventualiter die Sache zur weiteren Abklärung des medizinischen Sachverhalts und zur
Festsetzung des Grades der Arbeitsunfähigkeit an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Ergänzend führte er aus, dass die Beschwerden gar nie vollständig
abgeklungen seien, weshalb bei der Vorstellung bei Dr. C._ nicht von einem Rückfall
gesprochen werden könne. Zusätzlich zur Replik legte der Rechtsvertreter einen
Bericht von Dr. E._ vom 13. August 2007, ein ärztliches Attest von Dr. C._ vom 30.
August 2007 und einen Bericht von Dr. D._ vom 19. September 2007 ins Recht.
B.d Mit Duplik vom 5. Oktober 2007 liess auch die Beschwerdegegnerin an ihrem
Antrag auf Abweisung der Beschwerde festhalten. Die drei zusätzlich eingereichten
Arztberichte würden eine Kausalität zwischen den Beschwerden und dem Zeckenbiss
vom Juni 2001 nicht zu beweisen vermögen.
Erwägungen:
1.
Streitig ist vorliegend, ob die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden ab März
2002 kausal auf den Unfall (Zeckenbiss) vom 1. Juni 2001 zurückzuführen sind und
somit die Beschwerdegegnerin zur Erbringung von weiteren Versicherungsleistungen
verpflichtet ist.
2.
2.1 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus,
dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit,
Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinn des
natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der
eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht
zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser
Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht
erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher
Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen
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Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person
beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne
dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele. Ob zwischen einem
schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher
Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung bzw. im
Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihnen obliegenden Beweiswürdigung nach
dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu befinden habe. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs
genügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 119 V 338 E. 1 mit
Hinweisen; BGE 129 V 177 E. 3.1). Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im
Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden
ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein
Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem
gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich
geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt
dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint. Lehre und
Rechtsprechung lassen den sozialen Unfallversicherer für Schäden nur dann einstehen,
wenn diese sowohl in einem natürlichen wie auch in einem adäquaten
Kausalzusammenhang mit dem schädigenden Ereignis stehen. Der Voraussetzung des
adäquaten Kausalzusammenhangs kommt dabei die Funktion einer
Haftungsbegrenzung zu (BGE 129 V 177, E. 3 mit Hinweisen).
2.2 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die urteilenden Instanzen die
Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten.
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis).
http://jumpcgi.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&sort=relevance&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2006&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F119-V-335%3Ade&number_of_ranks=0#page338
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3.
3.1 Die Beschwerdegegnerin anerkannte die Leistungspflicht für das Unfallereignis
vom 1. Juni 2001 und erbrachte die gesetzlichen Versicherungsleistungen. Am 5.
Dezember 2001 beantragte Dr. L._ intern den vorläufigen Fallabschluss. Nachdem
der Beschwerdeführer am 20. März 2002 wegen Glieder- und Handschmerzen erneut
Dr. C._ aufsuchte, prüfte die Suva in der Folge ihre Leistungspflicht im Rahmen eines
Rückfalls zum Unfallereignis vom 1. Juni 2001. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers hielt in der Replik fest, dass der ärztliche Zwischenbericht von Dr.
B._ bestätige, dass die Behandlung lediglich weitestgehend abgeschlossen gewesen
sei. Weiterhin sei eine Behandlung erforderlich, wobei Sehstörung, Schwindel und
Schwächegefühle noch einer zusätzlichen Abklärung bedürften. Sodann sei die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in seinem neuen Bericht vom 28. November 2001
nochmals verändert worden. Entsprechend dürfte es unrichtig sein, nach der
Vorstellung des Beschwerdeführers bei Dr. C._ und nachdem die Beschwerden
überhaupt nie abgeklungen seien, von einem Rückfall zu sprechen.
3.2 Bis zum Inkrafttreten des ATSG schrieb Art. 99 Abs. 1 Satz 1 UVG in der bis
31. Dezember 2002 gültigen Fassung vor, dass der Versicherer über erhebliche
Leistungen und Forderungen und über solche, mit denen der Betroffene nicht
einverstanden ist, schriftliche Verfügungen zu erlassen hat. Gemäss Art. 124 lit. b UVV
ist eine schriftliche Verfügung insbesondere zu erlassen über die Kürzung oder
Verweigerung von Versicherungsleistungen. Für die grosse Masse der Fälle war jedoch
das De-facto-System, das der administrativen Vereinfachung diente, zulässig. Auch
wenn mit der Ersetzung von alt Art. 99 Abs. 1 Satz 1 UVG durch Art. 49 Abs. 1 ATSG
nicht Grundsätzliches geändert werden sollte, so ist doch klar bestätigt worden, dass
die konkreten Rechtsverhältnisse prinzipiell durch Verfügung zu ordnen sind und dies
von vornherein gegeben ist bei der Regelung von Leistungen von erheblicher
Bedeutung. Die Erheblichkeit bemisst sich bei der Einstellung vorübergehender
Leistungen (Taggeld, Heilbehandlung) nicht danach, wie lange diese erbracht worden
sind; denn die Erheblichkeit liegt nicht in der Beendigung dieses vorausgegangenen -
längeren oder kürzeren - Leistungsbezuges, sondern im Fallabschluss ex nunc et pro
futuro, da die versicherte Person mit keinerlei Leistungen mehr rechnen kann (BGE 132
V 412 Erw. 4).
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3.3 Dr. L._ hat am 5. Dezember 2001 den vorläufigen Abschluss des Falles lediglich
Suva-intern beantragt. Eine Verfügung oder eine schriftliche Mitteilung an den
Beschwerdeführer ist nicht erfolgt. Die Frage, ob beim Fallabschluss eine formelle
Verfügung notwendig, oder ob eine De-facto-Erledigung auseichend gewesen wäre,
kann vorliegend offen gelassen werden, zumal ein bloss interner, rein administrativer
Abschluss des Verfahrens am 5. Dezember 2001 ohne Mitteilung an den
Beschwerdeführer selbst den Erfordernissen eines formlosen Verfahrensabschlusses
nicht zu genügen vermag. Selbst bei einem Fallabschluss nach dem De-facto-System
wäre die Einstellung von Heilleistungen und Taggeldern zumindest mitteilungsbedürftig
gewesen. Dem ärztlichen Zwischenbericht von Dr. B._ vom 28. November 2001 ist
sodann zu entnehmen, dass zu diesem Zeitpunkt noch Beratungen stattfanden und die
gelegentlichen Episoden mit Schwindel und Schwächegefühlen eventuell noch einer
zusätzlichen Abklärung bedürften. Ein Fallabschluss wäre somit auch zu früh erfolgt,
weil die Behandlungen noch nicht abgeschlossen waren. Der Beschwerdeführer begab
sich bereits am 20. März 2002 wieder in ärztliche Behandlung, weshalb auch ein -
mitgeteilter - provisorischer Fallabschluss wieder dahingefallen wäre, da davon
auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer mit dem Fallabschluss nicht einverstanden
gewesen wäre und eine formelle beschwerdefähige Verfügung beantragt hätte.
Nachdem im vorliegenden Fall somit kein rechtsgenüglicher Fallabschluss vorliegt, ist
verfahrensmässig weiterhin von einem fortdauernden Grundfall und nicht von einem
Rückfall auszugehen.
4.
Diese verfahrensmässige Ausgangslage (Andauern des am 1. Juni 2001 eingetretenen
Grundfalls) hat zur Folge, dass die Leistungspflicht des Unfallversicherers erst entfällt,
wenn das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines
Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist. Da es sich um
eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der
Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist -
nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U
363 S. 46 Erw. 2 mit Hinweisen).
5.
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5.1 Das polydisziplinäre Gutachten der MEDAS Basel vom 21. September 2004
basiert auf einer internistischen, einer rheumatologischen, einer neurologischen, einer
neuropsychologischen, einer psychiatrischen, einer ophthalmologischen und einer
infektiologischen Untersuchung. Aufgrund der verschiedenen Fachgutachten wurden
im Hauptgutachten vom 21. September 2004 die Diagnosen des Verdachts auf ein
Post-Lyme-Disease-Syndrom sowie eines chronischen generalisierten
Schmerzsyndroms unklarer Ätiologie gestellt. Es könne mit Sicherheit davon
ausgegangen werden, dass zu keinem Zeitpunkt eine Neuroborreliose bestanden habe.
Der einmalig im Liquor nachgewiesene leicht erhöhte lgG-Wert müsse als falsch
positiver Befund gewertet werden. Die aktuell bestehenden Beschwerden seien, mit
Ausnahme der Augensymptomatik, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im Sinn
eines Post-Lyme-Disease-Syndroms auf die Borreliose zurückzuführen. Es sei somit
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Zeckenbiss im
Sommer 2001 zu den beklagten Beschwerden geführt habe.
Dr. G._ hielt am 4. Oktober 2004 (Suva-act. 127) fest, dass bei Diagnose einer
Fibromyalgie, beim Fehlen von Hinweisen auf eine chronische Borreliose, bei zwar
bekannter Assoziation zwischen Borreliose und Fibromyalgie, gleichzeitig aber im
Wissen darum, dass eine Fibromyalgie auch mit anderen Krankheiten assoziiert werde,
nicht mit Wahrscheinlichkeit eine Borreliose als Ursache der Beschwerden postuliert
werden könne. In der Stellungnahme vom 7. Oktober 2005 (Suva-act. 166) führte Dr.
I._ aus, dass wie in der Schlussdiagnose festgehalten, bei stattgehabter Lyme-
Borreliose im Juni 2001 und dem nachfolgenden Beschwerdebild, insbesondere bei
Ausschluss einer somatoformen Schmerzstörung in der psychiatrischen Begutachtung,
der Verdacht auf das Vorliegen eines Post-Lyme-Syndroms gestellt werden müsse.
Allerdings sei man mit Dr. G._ einig, dass ein Beschwerdebild wie es der
Beschwerdeführer präsentiere, auch ohne vorhergehende Borreliose auftreten könne.
Aus diesem Grund würde die Einschätzung, dass die bestehenden Beschwerden mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit borreliosebedingt seien, in dem Sinn revidiert, dass
hier nur ein möglicher, nicht aber ein wahrscheinlicher Kausalzusammenhang mit der
Borreliose bestehe.
5.2 Aufgrund der vorliegenden medizinischen Akten ist rechtsgenüglich erstellt, dass
bis zum Vorliegen des MEDAS-Gutachtens vom 21. September 2004 die
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fortbestehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit auf andere Ursachen als den Zeckenbiss zurückgeführt werden
konnten. Dr. D._ diagnostizierte am 5. Dezember 2002 eine Borreliose mit
nachgewiesener ZNS-Beteiligung, Dr. E._ ging am 6. Juni 2003 von einer
wahrscheinlichen Post-Lyme-Erkrankung aus, die RehaClinic Zurzach stellte nach
einem stationären Aufenthalt vom 18. Februar bis 11. März 2003 ebenfalls die Diagnose
einer Neuroborreliose und gemäss MEDAS-Gutachten vom 21. September 2004 seien
die aktuell bestehenden Beschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf die
Borreliose - im Sinn eines Post-Lyme-Disease-Syndroms - zurückzuführen. Nachdem
die Beschwerdegegnerin aufgrund der medizinischen Aktenlage bis zumindest am 21.
September 2004 einen natürlichen Kausalzusammenhang zwischen den geklagten
Beschwerden und dem Zeckenstich nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu
verneinen vermag, hat sie bis zu diesem Zeitpunkt die gesetzlichen
Versicherungsleistungen zu erbringen.
5.3 Aus den obigen Ausführungen ist ersichtlich, dass Dr. H._ und Dr. I._ ihre
Beurteilungen im MEDAS-Gutachten vom 21. September 2004 nachträglich revidierten.
Dr. H._ führte mit Schreiben vom 26. September 2005 aus, dass er seine Beurteilung,
wonach die Krankheitserscheinungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit einem
Borrelien-Infekt zuzuschreiben seien, in dem Sinn ändere, dass ein Zusammenhang
zumindest möglich bis wahrscheinlich erscheine. Dr. I._ hielt im Schreiben vom 7.
Oktober 2005 fest, dass er die Einschätzung, die bestehenden Beschwerden seien mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit borreliosebedingt, in dem Sinn revidiere, dass hier
nur ein möglicher, nicht aber ein wahrscheinlicher Kausalzusammenhang mit der
Borreliose bestehe. Ob aufgrund der nachträglich geänderten Beurteilungen der
Gutachter das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung zwischen Beschwerden und
Zeckenstich - ohne weitere Abklärungen - mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen werden kann, ist umstritten. Allerdings braucht diese Frage einstweilen
gerichtlich noch nicht beantwortet zu werden: Im vorliegenden Fall wurde – wie
erwähnt - durch die Beschwerdegegnerin noch kein rechtsgenüglicher Fallabschluss
vorgenommen und die Kausalität nur unter der Annahme eines Rückfalls und nicht
eines Grundfalls geprüft. Dies wird die Beschwerdegegnerin vorerst im
Verwaltungsverfahren nachzuholen und sich dafür zur Leistungseinstellung nochmals
zu äussern haben; hierfür ist die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen.
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Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
angefochtenen Einsprache-Entscheids vom 30. März 2007 in dem Sinn gutzuheissen,
dass die Beschwerdegegnerin verpflichtet wird, dem Beschwerdeführer bis am 21.
September 2004 die gesetzlichen Versicherungsleistungen zu erbringen. Bezüglich der
Kausalitätsprüfung ab dem 21. September 2004 wird die Sache an die Vorinstanz
zurückgewiesen, um über eine allfällige Leistungseinstellung neu zu verfügen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Hingegen hat der
obsiegende Beschwerdeführer Anspruch auf eine Parteientschädigung für die Kosten
der Vertretung und Prozessführung (Art. 61 lit. g ATSG). Unter Berücksichtigung der
Bedeutung der Streitsache sowie der Schwierigkeit des Prozesses rechtfertigt es sich,
diese auf pauschal Fr. 4'000.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen. Die
bewilligte unentgeltliche Rechtsverbeiständung wird bei diesem Prozessausgang
gegenstandslos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht