Decision ID: abf55bb4-cfcb-5900-997e-ea02261685fc
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ stellte am 24. Juni 2013 bei der Ausgleichskasse MOBIL (vormals
Ausgleichskasse für das schweizerische Auto-, Motorrad- und Fahrradgewerbe,
nachfolgend: Ausgleichskasse) einen Antrag auf Rentenvorausberechnung. Dabei gab
er an, vom 1. April 1978 bis 31. Mai 2014 im Fürstentum Liechtenstein gearbeitet zu
haben (act. G 1.1). Mit Unterschrift von gleichem Datum ersuchte auch seine Ehefrau
B._ die Ausgleichskasse um Vorausberechnung ihrer AHV-Rente (act. G 1.2).
A.a.
In der Rentenvorausberechnung der Ausgleichskasse vom 26. Juli 2013 für A._
wurden vier Varianten mit je verschiedenen Zeitpunkten des Rentenbeginns aufgeführt.
Nach Variante 1 sollte die Altersrente für den Antragsteller bei einem Vorbezug von
zwei Jahren und somit ab Februar 2018 Fr. 850.-- betragen. Gemäss Variante 2 sollte
die Altersrente für den Versicherten im Falle seines zweijährigen Vorbezugs sowie eines
zweijährigen Vorbezugs durch seine Partnerin für ihn ab April 2019 eine Rente von
Fr. 894.-- ergeben. Nach Variante 3 sollte die Altersleistung für den Versicherten bei
einem Bezugsbeginn im Rentenalter, d.h. ab Februar 2020, Fr. 984.-- betragen und
gemäss Variante 4, falls sowohl der Versicherte als auch seine Partnerin die Rente ab
ihrem jeweiligen Rentenalter beziehen würden, für den Versicherten ab April 2021 eine
Rente von Fr. 1'009.-- resultieren. Bei ihrer Berechnung ging die Ausgleichskasse für
den Fall des zweijährigen Rentenvorbezugs von einer effektiven Beitragsdauer von 35
Jahren und einem Monat bzw. bei Verzicht auf einen Vorbezug von einer Beitragsdauer
von 37 Jahren und einem Monat und jeweils von der Anwendbarkeit der Rentenskala
A.b.
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37 sowie von massgebenden durchschnittlichen Jahreseinkommen von Fr. 12'636.--
(Variante 1), Fr. 16'848.-- (Variante 2), Fr. 11'232.-- (Variante 3) und Fr. 15'444.--
(Variante 4) aus (act. G 1.3).
Am 2. Mai 2017 stellte der Versicherte den Antrag auf Vorbezug der Rente um
zwei Jahre mit Beginn ab Februar 2018 (act. G 3.1, weitere Unterlagen).
A.c.
Mit Verfügung vom 5. März 2018 sprach die Ausgleichskasse dem Versicherten ab
1. Februar 2018 eine um zwei Jahre vorbezogene AHV-Rente in Höhe von Fr. 185.--
pro Monat zu. Die Berechnung basierte auf einer Beitragsdauer von acht Jahren und
drei Monaten, der Rentenskala 8 und einem massgebenden durchschnittlichen
Jahreseinkommen von Fr. 11'280.-- (Tabellenwert; act. G 3.1).
A.d.
Gegen diese Verfügung liess der Versicherte am 16. April 2018 durch
Rechtsanwalt lic. iur. R. Braun, Mels, Einsprache erheben. Darin machte er geltend,
dass er bei einer Rente von Fr. 185.-- pro Monat die Frühpensionierung nicht hätte
verantworten können. Mit der Kürzung der Rente gegenüber der Vorausberechnung um
fast 80% sei ihm ein irreparabler Schaden zugefügt worden. Er könne die
Leistungsminderung nicht mehr verbessern und auch die der Bank im Zusammenhang
mit der Aufnahme einer Hypothek vorgelegten Zahlen nicht einhalten. Da die
vertrauensschutzrechtlichen Voraussetzungen erfüllt seien, sei er so zu stellen, wie
wenn die Rentenvorausberechnung korrekt gewesen wäre (act. G 3.6).
A.e.
Mit Einspracheentscheid vom 21. Juni 2018 wies die Ausgleichskasse die
Einsprache ab. Zur Begründung führte sie aus, gestützt auf die Rechtsprechung des
Bundesgerichts seien die Voraussetzungen zum Vertrauensschutz nicht erfüllt. Da die
Rentenvorausberechnung an mehreren Stellen eindeutig und klar zum Ausdruck bringe,
dass die Angaben provisorischer Natur sowie unverbindlich seien, werde aufgezeigt,
dass die behördliche Information nicht zum vorneherein vorbehaltlos erteilt worden sei.
Daher könne aus dem Grundsatz von Treu und Glauben kein Anspruch abgeleitet
werden (act. G 1.6).
A.f.
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B.
Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom
16. August 2018 mit dem Antrag auf dessen Aufhebung und auf Ausrichtung einer
Altersrente gemäss der Rentenvorausberechnung vom 26. Juli 2013. Es sei dem
Beschwerdeführer ab Februar 2018 eine Rente von Fr. 850.-- pro Monat, ab April 2019
von Fr. 894.-- pro Monat, ab Februar 2020 von Fr. 984.-- pro Monat und ab April 2021
von Fr. 1'009.-- pro Monat auszurichten; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Der
Beschwerdeführer begründet, er habe infolge von schwierigen Operationen vor Jahren
eine Frühpensionierung in Betracht gezogen und bei sämtlichen beteiligten
Versicherungsträgern die Rentenhöhen abklären lassen. Insgesamt habe sich ergeben,
dass bei einem Vorbezug eine Rentenkürzung von gesamthaft knapp Fr. 18'000.-- pro
Jahr resultieren würde. Mit den entsprechenden Angaben habe der Beschwerdeführer
bei der Bank eine Hypothek abgeschlossen. Nachdem sich weder die gesetzlichen
Bestimmungen noch seine persönliche Situation seit der Vorausberechnung geändert
hätten, sei der Hinweis, die Berechnung sei nicht verbindlich, unbeachtlich. Auch habe
er nicht erkennen können, dass für die Zeit, als er nicht in der Schweiz gearbeitet habe,
die auf der Vorausberechnung von der Ehefrau gutgeschriebenen Einkommen und
Erziehungsgutschriften nicht richtig gewesen seien. Dafür wären spezialisierte
Gesetzeskenntnisse nötig gewesen. Auf Grund des Vertrauensschutzes sei der
Beschwerdeführer so zu stellen, wie wenn die Rentenvorausberechnung korrekt
gewesen wäre (act. G 1).
B.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 3. September 2018 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Da die Kriterien des
Vertrauensschutzes nicht erfüllt seien, könne aus der falschen
Rentenvorausberechnung auch kein Rentenanspruch in entsprechender Höhe
resultieren (act. G 3).
B.b.
Mit Replik vom 25. September 2018 hält der Beschwerdeführer an seinen
Anträgen fest. Zusätzlich zur Beschwerde führt er aus, dass unter Berücksichtigung der
fehlerhaften Vorausberechnung eine weitere Rentenkürzung und somit ein Schaden
von knapp Fr. 8'000.-- pro Jahr resultiere. Damit hätte er die Frühpensionierung nicht
verantworten können, denn dieser Nachteil könne nicht mehr rückgängig gemacht
B.c.
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Erwägungen
1.
werden. Zudem sei ungewiss, wie die hypothezierende Bank darauf reagieren werde.
Dies sei noch offen (act. G 5).
In der Duplik vom 7. November 2018 hält die Beschwerdegegnerin an ihren
Anträgen fest (act. G 7).
B.d.
Anspruch auf eine ordentliche Altersrente haben Männer, sofern sie das
65. Altersjahr vollendet haben und ihnen für mindestens ein volles Jahr Einkommen,
Erziehungs- oder Betreuungsgutschriften angerechnet werden können (Art. 21 Abs. 1
lit. a in Verbindung mit Art. 29 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung [AHVG; SR 831.10]). Der Anspruch auf die Altersrente
entsteht am ersten Tag des Monats, welcher der Vollendung des gemäss Abs. 1
massgebenden Altersjahres folgt (Art. 21 Abs. 2 AHVG). Die ordentlichen Renten
werden als Vollrenten (für Versicherte mit vollständiger Beitragsdauer) oder Teilrenten
(für Versicherte mit unvollständiger Beitragsdauer) ausgerichtet (Art. 29 Abs. 2 AHVG).
Männer und Frauen, welche die Voraussetzungen für den Anspruch auf eine
ordentliche Altersrente erfüllen, können die Rente ein oder zwei Jahre vorbeziehen. Der
Rentenanspruch entsteht in diesen Fällen für Männer am ersten Tag des Monats nach
Vollendung des 64. oder 63. Altersjahres. Die vorbezogene Altersrente wird gekürzt,
wobei der Kürzungssatz nach versicherungstechnischen Grundsätzen festgelegt wird
(Art. 40 AHVG).
1.1.
Ist oder war eine Person versichert, kann sie oder ihr Ehegatte die Altersrente
vorausberechnen lassen (Art. 58 Abs. 1 der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung [AHVV; SR 831.101]). Die Vorausberechnung erfolgt durch
diejenige Ausgleichskasse, die bei Einreichung des Gesuchs für den Bezug der
Beiträge zuständig ist (Art. 59 AHVV). Die Vorausberechnung erfolgt grundsätzlich nach
den Art. 50 - 57 AHVV. Für die Vorausberechnung der Altersrente ist der Zeitpunkt des
ordentlichen Rentenalters oder des Vorbezugs massgebend (Art. 60 Abs. 1 AHVV). Die
Ausgleichskasse kann der Berechnung die Angaben im Antrag zugrunde legen (Art. 60
Abs. 2 AHVV). Sie beschafft sich die Kontoauszüge von Amtes wegen (Art. 60 Abs. 3
AHVV).
1.2.
Möchte somit eine versicherte Person wissen, wie hoch ihre künftige Altersrente
ausfallen wird, kann sie nach der genannten Bestimmung von Art. 58 Abs. 1 AHVV von
1.3.
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2.
der Ausgleichskasse die Höhe der Rente vorausberechnen lassen, die ihr im Fall des
Eintritts des Risikos Alter vermutungsweise zustehen würde. Es handelt sich hierbei um
eine prognostische Rentenberechnung, zumal sich Rentenanspruch und Rentenhöhe
auf Grund von Entwicklungen in den persönlichen Verhältnissen oder in der Rechtslage
wesentlich verändern können (vgl. dazu Kreisschreiben des BSV über die
Rentenvorausberechnung [KSRV], gültig ab 1. Januar 2001, Stand 1. Januar 2018, Rz
1002). Die Rentenvorausberechnung hat folglich keinen verbindlichen, sondern
lediglich einen informativen Charakter. Sie entfaltet keine rechtlichen Wirkungen und
bindet die Behörden nicht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juli 2011, 9C_171/2011,
E. 6.1; MARCO REICHMUTH, in: Steiger-Sackmann/Mosimann [Hrsg.], Recht der
Sozialen Sicherheit, Handbücher für die Anwaltspraxis, Basel 2014, Rz 24.77; vgl. dazu
auch Ziff. 1 des Anhangs zum KSRV).
Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer ab 1. Februar 2018
Anspruch auf eine auf Grund des zweijährigen Vorbezugs gekürzte Altersrente von
monatlich Fr. 185.-- hat, zumal weder der Rentenbeginn noch die Rentenhöhe in Frage
gestellt werden. Ebenfalls unbestritten ist, dass die Rentenvorausberechnung
fälschlicherweise nicht von einer Beitragsdauer von acht Jahren und drei Monaten und
somit von der Rentenskala 8, sondern von einer solchen von 35 Jahren und einem
Monat, der Rentenskala 37 sowie von einem zu hohen massgeblichen
durchschnittlichen Jahreseinkommen ausging. Streitig und zu prüfen ist
demgegenüber, ob dem Beschwerdeführer auf Grund der fehlerhaften behördlichen
Auskünfte ein Entschädigungsanspruch zusteht, der ihm gemäss seinem Antrag ein
Renteneinkommen in Höhe der Rentenvorausberechnung sichern sollte.
2.1.
Hinsichtlich des Beschwerdeantrags ist vorab festzuhalten, dass die
Rentenvorausberechnung von vier verschiedenen Varianten ausging, welche auch als
solche zu verstehen waren. Wenn der Beschwerdeführer fordert, es sei eine Altersrente
nach allen vier Varianten auszurichten bzw. dass sie jeweils auf die genannten Termine
zu erhöhen sei, übersieht er, dass den Varianten je vier verschiedene Szenarien zu
Grunde lagen, die der Beschwerdeführer nicht alle zusammen hätte auswählen können.
So ging Variante 1 davon aus, dass der Antragsteller seine Altersrente zwei Jahre
vorbeziehen würde und Variante 2 davon, dass sowohl der Antragsteller als auch seine
Ehefrau einen zweijährigen Vorbezug wählen würden, weshalb im Zeitpunkt des
Rentenbeginns der Ehefrau ab April 2019 eine andere Rentenhöhe für den
Beschwerdeführer resultieren würde. Variante 3 ging davon aus, dass der
Beschwerdeführer keinen Vorbezug tätigen, sondern seine Altersrente erstmals im
2.2.
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3.
ordentlichen Rentenalter von 65 Jahren beziehen würde. Hätte auch seine Ehefrau ihre
Altersrente erst ab dem Rentenalter 64 bezogen, wäre die Rente des Antragstellers ab
April 2021 nochmals etwas höher ausgefallen (vgl. act. 1.3).
Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe sich auf Grund der in der
Rentenvorausberechnung vom 26. Juli 2013 mitgeteilten Altersrenten dazu
entschlossen, zwei Jahre vor dem ordentlichen Rentenalter in Pension zu gehen, da er
eine Kürzung aller Rentenleistungen um insgesamt knapp Fr. 18'000.-- pro Jahr hätte
akzeptieren können. Zudem habe sich auch seine Bank für die Gewährung einer
Hypothek auf die in Aussicht gestellten Altersleistungen verlassen. Da nun aber eine
weitere Kürzung um Fr. 8'000.-- erfolge, wisse er nicht, wie die Bank reagieren werde,
wenn sie dies erfahre. Mit Rentenkürzungen von insgesamt Fr. 26'000.-- pro Jahr hätte
er eine Frühpensionierung nicht verantworten können und auch nicht gemacht. Da er
diese Entscheidung jedoch nicht mehr rückgängig machen könne, erleide er einen
Schaden pro Jahr von knapp Fr. 8'000.-. Daher sei er gestützt auf den
Vertrauensschutz so zu stellen, wie wenn die Rentenvorausberechnung korrekt
gewesen wäre (vgl. act. G 1 und 5).
2.3.
Die Beschwerdegegnerin führt dagegen aus, dass die Kriterien des
Vertrauensschutzes nicht erfüllt seien, so sei die Rentenvorausberechnung nicht
vorbehaltlos ergangen und hätte der Beschwerdeführer auch erkennen müssen, dass
gemäss dem Dreisäulenprinzip nach einer Pensionierung mit Versicherungsleistungen
in der Höhe von 60% des letzten Brutto-AHV-Einkommens gerechnet werden könne.
Da sich bei der Berechnung der Altersleistungen des Beschwerdeführers weit höhere
Leistungen ergeben hätten als diese 60%, hätte ihm die falsche
Rentenvorausberechnung auffallen müssen. Schliesslich seien betreffend Dispositionen
im Hinblick auf die Frühpensionierung keine finanziellen Nachteile dargelegt, weshalb
auch dieses Kriterium zu verneinen sei (act. G 3 und 7).
2.4.
Abgeleitet aus dem Grundsatz von Treu und Glauben (Art. 9 der Bundesverfassung
[BV; SR 101]), der den Bürger und die Bürgerin im berechtigten Vertrauen auf
behördliches Verhalten schützt, können falsche Auskünfte von Verwaltungsbehörden
unter bestimmten Voraussetzungen eine vom materiellen Recht abweichende
Behandlung der rechtsuchenden Person gebieten. Gemäss Rechtsprechung und
Doktrin ist dies der Fall, 1. wenn die Behörde in einer konkreten Situation mit Bezug auf
bestimmte Personen gehandelt hat; 2. wenn sie für die Erteilung der betreffenden
Auskunft zuständig war oder wenn die rechtsuchende Person die Behörde aus
3.1.
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4.
zureichenden Gründen als zuständig betrachten durfte; 3. wenn die Auskunft von der
Behörde vorbehaltlos erteilt wurde; 4. wenn die Person die Unrichtigkeit der Auskunft
nicht ohne weiteres erkennen konnte; 5. wenn sie im Vertrauen auf die Richtigkeit der
Auskunft Dispositionen getroffen hat, die nicht ohne Nachteil rückgängig gemacht
werden können, und 6. wenn die gesetzliche Ordnung seit der Auskunftserteilung keine
Änderung erfahren hat. Diese Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein (vgl.
Ulrich Häfelin/Georg Müller/Felix Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl.
Zürich 2016, Rz 667ff., vgl. auch BGE 131 V 480 E. 5 mit Hinweisen).
Als Dispositionen im Sinne von Ziff. 5 gelten nach konstanter Rechtsprechung
(BGE 111 V 72 E. 4c, BGE 110 V 156 E. 4b, BGE 106 V 72 E. 3b) auch Unterlassungen.
Erforderlich ist, dass die Auskunft für die darauffolgende Unterlassung ursächlich war.
Ein solcher Kausalzusammenhang ist gegeben, wenn angenommen werden kann, der
Versicherte hätte sich ohne die fehlerhafte Auskunft anders verhalten. An den Beweis
des Kausalzusammenhangs zwischen Auskunft und Disposition bzw. Unterlassung
werden nicht allzu strenge Anforderungen gestellt. Denn bereits aus dem Umstand,
dass ein Versicherter Erkundigungen einholt, erwächst eine natürliche Vermutung
dafür, dass er im Falle eines negativen Entscheides ein anderes Vorgehen gewählt
hätte. Der erforderliche Kausalitätsbeweis darf deshalb schon als geleistet gelten, wenn
es auf Grund der allgemeinen Lebenserfahrung als glaubhaft erscheint, dass sich der
Versicherte ohne die fragliche Auskunft anders verhalten hätte (vgl. BGE 121 V 67 E. 4b
mit Hinweisen).
3.2.
Vorliegend ist unbestritten, dass die Voraussetzungen Ziff. 1, 2 und 6 für den
Vertrauensschutz (vgl. Erwägung 3.1) erfüllt sind, indem die Beschwerdegegnerin bei
der Rentenvorausberechnung in einer konkreten Situation mit konkretem Bezug auf
den Beschwerdeführer gehandelt hat und sie für die Vornahme einer
Rentenvorausberechnung zuständig war. Schliesslich hat sich die Rechtslage seit der
Auskunftserteilung bis zur Verwirklichung des Rentenbezugs ebenfalls nicht verändert.
Demgegenüber ist das Vorliegen des Kriteriums der vorbehaltlosen Erteilung gemäss
Ziff. 3 zu verneinen. So stand auf der Rentenvorausberechnung, dass sie "ohne
Gewähr" erfolge. In fetter Schrift wurde weiter festgehalten: "Insbesondere kann aus
dieser Berechnung kein Rentenanspruch abgeleitet werden." Schliesslich hielt ein
ganzer Abschnitt über allgemein gültige Angaben zur Rentenvorausberechnung
hinsichtlich der Verbindlichkeit der Rentenvorausberechnung fest, dass die
Vorausberechnung auf den jetzigen persönlichen Verhältnissen und den gegenwärtig
gültigen gesetzlichen Bestimmungen beruhe. Sowohl eine Änderung der persönlichen
4.1.
http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2020&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F111-V-65%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page72 http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2020&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F110-V-145%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page156 http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2020&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F106-V-65%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page72
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Situation (z.B. neuer Zivilstand, Arbeitslosigkeit, Auslandaufenthalt etc.) als auch eine
Änderung der gesetzlichen Bestimmungen (z.B. Erhöhung des Rentenalters, neue
Berechnungsregeln, AHV-Revisionen, etc.) könnten einen wesentlichen Einfluss auf den
Rentenanspruch und die Rentenhöhe haben. Die Vorausberechnungen könnten
deshalb nur einen orientierenden Charakter haben und seien für die Ausgleichskasse
rechtlich unverbindlich (act. G 1.3). Auch wenn in diesem Abschnitt grundsätzlich
davon ausgegangen wird, dass sich die Änderungen auf solche in der Person des
Antragstellers und auf solche im Rahmen der rechtlichen Grundlagen beziehen, wird
trotzdem auch für jeden anderen Fall eine rechtliche Verbindlichkeit mit oder ohne
solche Änderungen ausgeschlossen. Weiter liegen klare Vorbehalte vor, wenn der
Gewährsanspruch explizit ausgenommen und festgehalten wird, es könne kein
Rentenanspruch aus dieser Vorausberechnung abgeleitet werden. Damit ist die
Auskunft der Beschwerdegegnerin von vorneherein nicht vorbehaltlos erfolgt. Vielmehr
handelt es sich um eine provisorische, rein informative und damit unverbindliche
Mitteilung (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 7. April 2016, C-6377/2014,
E. 4.4.1). Dass eine Rentenvorausberechnung damit per se wertlos sei, wie der
Beschwerdeführer geltend macht (vgl. act. G 5), überzeugt nicht, weil sie trotzdem
grundsätzlich bestimmte Anhaltspunkte über die zu erwartenden Leistungen geben
sollte. Folglich fällt eine der Voraussetzungen für den Vertrauensschutz und damit die
Möglichkeit, sich darauf zu berufen, trotz der fehlerhaften Berechnung dahin (vgl. Urteil
des Bundesgerichts vom 6. Juli 2011, 9C_171/2011, E. 6.1).
Hinsichtlich des Kriteriums, ob die Unrichtigkeit nicht ohne weiteres erkennbar war,
ist dem Beschwerdeführer allerdings darin beizupflichten, dass er allein auf Grund
seiner zu erwartenden Altersleistungen die Fehlerhaftigkeit der Vorausberechnung nicht
unbedingt hätte bemerken müssen. Geht man nach allgemeiner Kenntnis davon aus,
dass in der Schweiz sowie auch im Fürstentum Liechtenstein aus der ersten und
zweiten Säule nach der Pensionierung Altersleistungen von ca. 60% des bisherigen
Einkommens geleistet würden, um - wie es Art. 113 Abs. 2 lit. a BV vorsieht - die
Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise zu ermöglichen,
hätte der Beschwerdeführer gemäss seinen Aufstellungen diese 60% nicht ganz
erreicht, was für ihn wohl mit dem zweijährigen Vorbezug zu begründen gewesen wäre.
Mit Bezug auf den im Jahr der Rentenvorausberechnung (2013) erzielten Jahreslohn
gemäss dem Individuellen Konto (IK) des Beschwerdeführers von Fr. 92'840.-- ergibt
sich ein Monatslohn von Fr. 7'737.-- (Fr. 92'840.-- / 12). Vergleicht man 60% davon,
also Fr. 4'642.-- mit der Berechnung des Beschwerdeführers, welche ab 1. Februar
2018 ohne die Übergangsrente und ohne die AHV-Rente seiner Frau Leistungen von
Fr. 4'365.-- beinhaltete (vgl. act. G 1.4), ging er somit von Leistungen aus der ersten
4.2.
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und zweiten Säule von 56% des früheren Lohnes aus. Demgegenüber hätte er aber
erkennen müssen, dass er mit einer Rente von Fr. 850.-- ab 1. Februar 2018, obgleich
er lediglich acht Jahre in der Schweiz gearbeitet hatte, eine praktisch gleich hohe
Rente erhalten sollte wie seine Ehefrau, die von 1975 bis 1978 und seit 1995
ununterbrochen in der Schweiz tätig gewesen war und ab April 2019 Fr. 872.-- erhalten
sollte. Zwar bezog er einen höheren Lohn als sie, dennoch arbeitete sie zeitlich viel
länger als er in der Schweiz und erbrachte viel mehr Beiträge. Auch standen die
Einkommen, welche beim Beschwerdeführer durch seine eigene Erwerbstätigkeit
berücksichtigt wurden, in keinem Verhältnis zu denjenigen, welche seine Frau durch die
vielen Jahre hindurch erzielte. Da sich die Rente nach vielen verschiedenen Kriterien
und somit nicht nur nach der Höhe des erzielten Lohnes pro Jahr berechnet, hätten
diese Unstimmigkeiten auffallen müssen (act. G 3.6). Insgesamt kann jedoch
offenbleiben, ob der Beschwerdeführer die Fehlerhaftigkeit hätte erkennen und die
Rentenvorausberechnung in Frage stellen müssen, da auch das nachfolgende
Kriterium zu verneinen ist.
Selbst wenn die fehlerhafte Rentenberechnung dem Beschwerdeführer somit nicht
hätte auffallen müssen, ist nicht ersichtlich, inwiefern er Dispositionen getroffen oder
unterlassen hätte, die nicht ohne Nachteil rückgängig gemacht werden können, zumal
ein Schaden beim Beschwerdeführer nicht ausgewiesen ist. Ob eine Altersrente im
Rentenalter abgerufen oder vorbezogen wird, macht grundsätzlich keinen Unterschied.
Wird eine Altersrente vorbezogen, erhält die versicherte Person für die Dauer des
gesamten Rentenbezugs eine gekürzte Altersrente. Die Kürzung wird nach
versicherungstechnischen Grundsätzen berechnet und zusammen mit den Renten
periodisch der Lohn- und Preisentwicklung angepasst (vgl. Art. 40 und Art. 33 AHVG
i.V.m. Art. 56 Abs. 4 AHVV). Macht die versicherte Person vom Vorbezug Gebrauch,
soll sie genau gleichgestellt werden, wie Personen, die ihre Altersrenten erst mit
Erreichen des ordentlichen Rentenalters beziehen. Nach Ablauf der Vorbezugsdauer
wird deshalb der Kürzungsbetrag neu festgesetzt. Massgebend für die Ermittlung des
Kürzungsbetrages sind die Summen aller vorbezogenen Altersrenten, die
Vorbezugsdauer und der entsprechende Kürzungssatz (6.8% oder 13.6%). Mit dem
Kürzungsbetrag werden somit die vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters
bezogenen Altersrenten kompensiert (vgl. AHV-Merkblätter: 3.04 Leistungen der AHV,
Flexibler Rentenbezug, Stand am 1. Januar 2020, Ziff. 4). Ein eigentlicher Schaden liegt
damit nicht auf der Hand.
4.3.
ter
Der Beschwerdeführer macht geltend, er hätte im Wissen um den tatsächlichen
AHV-Rentenbetrag eine Frühpensionierung nicht verantworten können. Mit anderen
4.4.
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5.
Auch wenn der Ärger des Beschwerdeführers über die falsche
Rentenvorausberechnung durchaus nachvollziehbar ist, ergibt sich gestützt auf die
obigen Ausführungen, dass die Rentenvorausberechnung einen nicht
rechtsverbindlichen, rein informativen Charakter aufweist. Dass der Beschwerdeführer
im Vertrauen auf die Richtigkeit der Rentenvorausberechnung Dispositionen getroffen
Worten macht er geltend, dass wenn er gewusst hätte, dass er ab 1. Februar 2018
nicht Fr. 850.--, sondern lediglich Fr. 185.-- monatlich erhalten würde, er bis zur
ordentlichen Pensionierung weitergearbeitet hätte. Diese Behauptung vermag jedoch
nicht zu überzeugen. Zwar ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer während
den zwei Jahren des Rentenvorbezugs mit jährlich knapp Fr. 8'000.-- ([Fr. 850.-- -
Fr. 185.--] x 12) mehr an AHV-Renten aus der Schweiz gerechnet hatte, was nun eine
Einbusse auf Grund der fehlerhaften Berechnung von knapp Fr. 16'000.-- ausmacht.
Für den Entscheid, ob er bis zur ordentlichen Pensionierung weiter arbeiten sollte oder
nicht, ging er somit davon aus, dass er ab 1. Februar 2018 jährlich Fr. 8'000.-- mehr
Renteneinnahmen aus der schweizerischen AHV haben würde. Hätte er demgegenüber
von Beginn an gewusst, dass er (zumindest am Anfang des Rentenbezugs) lediglich
eine AHV-Rente von monatlich Fr. 185.--, also Fr. 2'220.-- jährlich erhalten würde, hätte
er sich fragen müssen, ob er ab 1. Februar 2018 mit Rentenleistungen von monatlich
Fr. 6'020.-- (Fr. 2'320.-- Übergangsrente + Fr. 1'713.-- Altersrente der PK + Fr. 1'802.--
AHV FL + Fr. 185.-- AHV CH) bzw. ab 1. Juni 2018 mit monatlich Fr. 3'700.--
(Fr. 1'713.-- PK + Fr. 1'802.-- AHV FL + Fr. 185.-- AHV CH; immer ohne
Berücksichtigung der Rentenleistungen seiner Ehefrau, vgl. act. G 1.4) leben könnte
bzw. ob er unter Einbusse bei der AHV von monatlich Fr. 29.-- dennoch seine Rente
um zwei Jahre vorbeziehen sollte. Für die zwei Jahre AHV-Vorbezug betrug die
effektive Kürzung bis zum Rentenalter insgesamt lediglich Fr. 696.-- (24 x Fr. 29.--). Da
die Hauptkürzungen auf Grund der Vorbezüge bei den anderen Sozialversicherungen
anfielen (vgl. act. G 5.1-6) und der Beschwerdeführer vom 1. Juni 2014 bis 31. Mai
2018 zusätzlich eine Übergangsrente erhielt, welche beim Verzicht auf eine
Frühpensionierung weggefallen wäre, ist es kaum wahrscheinlich, dass er einzig auf
Grund der sowieso vergleichsweise gering ausfallenden AHV-Rente die Pensionierung
nicht vorgezogen, sondern noch vier weitere Jahre bzw. sogar bis Ende Januar 2020
gearbeitet hätte. Es fällt denn auch auf, dass im Antrag auf Rentenvorausberechnung
vom 24. Juni 2013 als Ende des Arbeitsverhältnisses bereits der 31. Mai 2014 genannt
wurde (act. G 1.1). Damit ist nicht dargetan, dass der Beschwerdeführer mit einer
korrekten Rentenvorausberechnung bis zur ordentlichen Pensionierung
weitergearbeitet und keinen Vorbezug gewählt hätte.
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St.Galler Gerichte
oder unterlassen hätte, die nicht ohne Nachteil rückgängig gemacht werden könnten,
ist zudem nicht ausgewiesen. Damit kann sich der Beschwerdeführer mangels
kumulativer Erfüllung aller sechs Voraussetzungen nicht auf den Vertrauensschutz
berufen und es besteht keine Rechtsgrundlage für einen Entschädigungsanspruch.
6.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).