Decision ID: 98bf0d7d-a0e3-5d66-a674-f9be8d67c87e
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die
196
9
geborene
X._
, deutsche Staatsangehörige
mit Niederlas
sungs
bewilligung
C EU/EFTA
(Urk. 7/
245
)
,
war vom
1
.
September
2016
bis 31.
Okto
ber 2019
bei der
Y._
AG als Head of Qua
lity Management & Business Excellence angestellt (Urk. 7
/
124
)
.
Das Arbeits
ver
hältnis wurde der Versicherten auf den 31. Jan
uar 2019 gekündigt (Urk. 7/237) und
m
ittels gerichtlichen
Vergleichs
bis zum 31. Oktober
2019 erstreckt
(Urk. 7/250-257 S. 1
Ziff. 1
)
.
Zudem wurde
n
ein monat
licher Lohn in der Höhe von EUR
11'455.-- bis zum Beendigungszeitpunkt des Arbeitsverhältnisses (S. 2 Ziff. 4), ein Bonus von jeweils EUR 46'784.-- für die Geschäftsjahre 2017/2018 und 2018/2019 sowie vo
n EUR
3'898.67 anteilig für das Geschäftsj
ahr 2019/2020 (S. 2 f. Ziff. 5) und
eine
Abfindung im Umfang von EUR 350'000.-- (S. 3 Ziff. 7) vereinbart
sowie die Versicherte berechtigt
erklärt
, den ihr überlassenen Dienst
wagen bis zum Beendigungszeitpunkt privat zu nutzen (S. 5
Ziff.
11)
.
Am
8
.
November 2019
meldete sich
die
Versicherte beim Regionalen Arbeits
vermittlungszentrum (RAV) zur Arbeitsvermittlung an (Urk.
7
/
258
) und beantragte bei der Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich ab
8
.
November
2019
die Ausrichtung von Arbeitslosenentschädigung (Urk.
7
/
246-249
S. 1).
In der Folge tätigte die Arbeitslosenkasse Abklärungen zum letzten
Arbeitsverhältnis
.
Die
Arbeitslosenkasse
des Kantons Zürich
verneinte
-
unter anderem gestützt auf ein von der Bundesagentur für Arbeit, Operativer Service Essen,
Deutschland,
am 16. März 2020 (Urk. 7/109-112) ausgefülltes PD U1-Formular, welches ein Ein
kommen von EUR 80'000.-- zwischen
dem 1. November 2018 und 31.
Oktober
2019 bescheinig
t
e (Ziff. 2.3.1)
-
mit Verfügung vom
27
.
März
2020
(Urk.
7
/
89-91
) e
inen Anspruch auf Arbeitslosent
schädigung für die Zeit vom
1
.
November
201
9
bis zum
2
.
Juli
202
2
mit der Begründung, dass die Versicherte bei einer freiwilli
gen Abgangsentschädigung von EUR 350'000.-- und einem durchschnittlichen monatlichen Einkommen von EUR 6'700.
--
in der besagten Zeit keinen anrechen
baren Arbeits- und Verdienstausfall erlitten habe.
Die
dagegen erhobene Ein
sprache (
vgl.
Urk.
7
/
40-61
, Urk. 7/74
) wurde mit Entscheid
vom 28. Mai 2020
(Urk. 2) abgewiesen.
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom
28. Mai 2020
erhob
die
Versicherte am
2
.
Juli
20
20
(Urk. 1) Beschwerde und
beantrage, dieser sei aufzuheben und es sei
festzustellen, dass höchstens bis am 20. Juli 2020 kein anrechenbarer Arbeits-/Ver
dienstausfall b
estehe und
dass sie ab dem 21.
Juli 2020 Anspruch auf Arbeits
losenentschädigung habe
(S. 2).
In ihrer Beschwerdeantwort vom
14
.
Juli
2020
(Urk.
6
) ersuchte die Arbeits
losen
kasse um Abweisung der Beschwerde, wovon
der
Beschwerdeführer
in
mit Verfü
gung vom 16
.
Juli
2020
Kenntnis gegeben wurde (Urk.
9
).
Mit Eingabe vom
13. August 2020
(Urk.
10
)
reichte die
Beschwerdeführer
in
ein
PD U1-Formular
vom 10. August 2020
, in welchem ein Einkommen in der Zeit
vom 1. November 20
18 bis 31. Oktober 2019 von EUR
252'914,63 bescheinigt wurde
(Urk. 11/6 Ziff. 2.3.1),
sowie weitere
Unterlagen zu
Kosten das Geschäfts
auto
betreffend
nach (Urk. 11/1-6)
und stellte sich neu auf den Standpunkt, dass nur bis am 11. Mai 2020 kein anrechenbarer Verdienstausfall
bestanden habe
.
In ihrer Stellungnahme vom 11. September
2020 (Urk. 13) zur Eingabe vom 13. August 2020 hielt die Beschwerdegegnerin fest, dass vom 1. November 2019 bis 10. Dezember 2020 kein anrechenbarer Arbeits- und Verdienstausfall
erlitten worden
sei
und daher bis 10. Dezember 2020 kein Anspruch auf eine Arbeitslosen
en
tsch
ädigung bestehe. Die Stellungahme wurde der
Beschwerdeführerin
am 7. Oktober 2020 (Urk. 15)
zur Kenntnis zugestellt.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 8 Abs. 1
des
Bun
des
gesetzes über die obligatorische Arbeitslosen
entschädigung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) besteht Anspruch auf Ar
beitslosenentschädigung, wenn die versicherte Person unter anderem ganz oder teilweise arbeitslos ist (lit. a) und wenn sie einen anrechenbaren Arbeitsausfall erleidet (lit. b).
1.2
Der Arbeitsausfall ist gemäss Art. 11
Abs.
1
AVIG
anrechenbar, wenn er einen Ver
dienstausfall zur Folge hat und min
des
tens zwei aufeinander folgende vo
lle Ar
beitstage dauert.
1.3
Der Arbeitsausfall gilt solange nicht als anrechenbar, als
freiwillige
Leistungen
des
Arbeitgebers
den durch die Auflösung
des
Arbeitsverhältnisses entstandenen Verdienstausfall decken (Art. 11a Abs. 1 AVIG).
Als
freiwillige
Leistungen
des
Arbeitgebers
bei der Auflösung
des
privatrechtlichen oder öffentlich-rechtlichen Arbeitsverhältnisses gelten
Leistungen
, die nicht Lohn- oder Entschädigungsan
sprüche nach Art. 11 Abs. 3 AVIG darstellen (Art. 10a der Verordnung über die
obligatorische Arbeitslosenentschädigung und die Insolvenzentschädigung [AVIV
]).
Freiwillige Leistungen des Arbeitgebers werden nur berücksichtigt, soweit sie den Höchstbetrag nach Art. 3 Abs. 2 AVIG übersteigen (Art. 11a Abs. 2 AVIG).
Dieser beträgt Fr. 148'200.-- im Jahr (Art. 22 Abs. 1 der Verordnung über die
Unfall-versicherung
, UVV).
Die für die berufliche Vorsorge verwendeten Beträge werden von den zu berück
sichtigenden freiwilligen Leistungen nach
Art.
11a
Abs.
2 AVIG bis höchstens zum oberen Grenzbetrag nach
Art.
8
Abs. 1 des Bundesgesetzes
über die beruf
liche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge
(BVG)
abgezogen
(
Art.
10b AVIV)
.
Dieser Grenzbetrag beträgt Fr. 85‘320.-- (
Art.
8
Abs.
1 BVG).
1.4
Die Frist, während welcher der Arbeitsausfall nicht anrechenbar ist, beginnt mit dem ersten Tag nach Ablauf des Arbeitsverhältnisses, für das die freiwilligen Leis
tungen ausgerichtet wurden, und zwar unabhängig davon, wann sich die versi
cherte Person bei der Arbeitslosenversicherung als arbeitslos meldet (Art. 10c Abs. 1 AVIV).
Die Dauer der Frist berechnet sich, indem der Betrag der berücksichtigten freiwil
ligen Leistungen durch den Lohn geteilt wird, der im Rahmen der Tätigkeit erzielt wurde, welche die Leistungen ausgelöst hat, und zwar unabhängig davon, ob die versicherte Person während dieser Frist eine Erwerbstätigkeit ausübt (Abs. 2).
Massgebend für die Berechnung der Dauer des nicht anrechenbaren Arbeitsaus
falls
ist der effektiv erzielte Lohn auch
wenn dieser über dem Höchstbetrag des versicherten Verdienstes von gegenwärtig
Fr. 12‘
350
.
--
liegt
(AVIG Praxis ALE B127)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren Einspracheentscheid vom
28
.
Mai
2020
(Urk. 2) im Wesentlichen dahingehend,
dass
solange freiwillige Leistungen des Arbeitgebers den durch die Auflösung des Arbeitsverhältnisses entstehenden Verdienstausfall deck
t
en,
der Arbeitsausfall
nicht
als anrechenbar
gelte
, sodass während dieser Zeit kein Anspruch auf eine Arbeitslosenentschädigung bestehe.
Bei
einer freiwilligen Abgangsentschädigung von EUR 350'000.-- und einem durchschnittlichen monatlichen Einkommen von EUR 6'700.
--
bestehe
vom 1. November
2019 bis zum 2. Juli 2022 kein anrechenbarer
Arbeits- und Ver
dienstausfall
,
weshalb die Beschwerdeführerin
in der Zeit bis zum 2. Juli 2022 keinen Anspruch auf eine Arbeitslosenentschädigung
habe
.
Unbestrittenermassen habe sie zwar einen Anteil von Fr. 120'000.-- der Abgangsentschädigung
an
ihre Freizügigkeitsstiftung zurückbezahlt. Dabei handle es sich jedoch nicht um eine
Investition in die berufliche Vorsorge, sondern um eine Rückzahlung eines Vorbezuges betreffend Wohneigentumsförderung mit Mitteln der beruflichen Vor
sorge, weshalb diese Zahlung nicht als freiwillige Leistung in die berufliche Vor
sorge qualifiziert werden könne und entsprechend im Höchstbetrag von Fr. 85'320.-- nicht in Abzug gebracht werden könne. Zudem habe sie zwar gemäss den aktenkundigen Lohnabrechnungen tatsächlich
mehr verdient
als die
im
PD U1-Formular
bescheinigten
EUR 80'000.--, jedoch sei die Arbeits
losen
kasse an die Angaben im Formular gebunden (S. 4-6).
2.2
Die
Beschwerdeführer
in
brachte mit Beschwerdeschrift vom
2
.
Juli
2018 (Urk. 1) dagegen im Wesentlichen vor,
die Beschwerdegegnerin habe die getätigten Leis
tungen an die Freizügigkeitsstiftung zu Unrecht nicht als freiwillige Leistungen an die
2.
Säule berücksichtigt und in Verletzung der für sie geltenden Unter
suchungsmaxime auf die Angaben im PD U1-Formular abgestellt, obwohl den
Lohnabrechnungen sowie dem gerichtlichen Vergleich entnommen werden kön
ne, dass ihr tatsächlich ein höheres Bruttoeinkommen ausbezahlt worden sei. Es sei demnach belegt, dass vom 1. November 2019 bis längstens 20. Juli 2020 ein an
rechenbarer Arbeits-/Verdienstausfall zu verneinen sei und sie danach An
spruch auf eine Arbeitslosenentschädigung habe (S. 5-13).
2.3
In ihrer
Eingabe vom 13. August 2020 (Urk. 10)
–
unter anderem
unter Beilage eines
von der Bundesagentur für Arbeit, Operativer Service Essen, Deutschland, am
10. August 2020
ausgefüllten
PD U1-Formular
s
, in welchem ein Einkommen in der Zeit vom 1. November 2018 bis 31. Oktober 2019 von EUR 252'914,63 bescheinigt wurde (Urk. 11/6 Ziff. 2.3.1)
-
stellte sich
die
Beschwerdeführerin neu
auf den Standpunkt,
bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen von EUR
21'076.21 und unter Berücksichtigung der von der ehemaligen Arbeitgeberin übernommenen PKW-Kosten sowie der freiwilligen Leistung bestehe
bereits ab dem 12
. Mai 2020
Anspruch auf eine Arbeitslosenentschädigung
.
2.4
In ihrer Stellungnahme zur Eingabe vom 13. August 2020 (E. 2.3)
führte
die Beschwerdegegnerin am 11. September 2020 (Urk. 13)
aus
, dass der Auffassung der Beschwerdeführerin nicht gefolgt werden könne.
Aus den Unterlagen ergebe sich,
dass
ihr in der Zeit vom 1. November 2018 bis 31. Oktober 2019 jeweils ein
Monatslohn von EUR 11'455.-- und Bonuszahlungen, welche anteilsmässig anzu
rechnen seien, ausbezahlt worden sei
en
. Zudem sei den Lohnabrechnungen zu entnehmen, dass
die Beschwerdeführerin
von ihrer Arbeitgeberin zusätzliche Zahlungen («PKW-Wert
gw
. Vorteil», «Zuschuss KV
stp
.»
und
«
Zusch
.
Freiw
. KV frei»)
erhalten habe.
So ergebe sich insgesamt ein durchschnittlicher Verdienst über einen Beobachtungsraum von 12 Monaten von EUR 16'066.60 oder über
einen Beobachtungsraum von 6 Monaten von EUR 16'065.
7
0.
Der Verdienst be
trage daher EUR 16'066.60 respektive Fr. 17'658.8
0.
Die
s führe zu einem an
re
chenbaren Arbeitsausfall von 13.39 Monaten, was 13 Monaten und 8 Werk
tagen entspreche
.
Folglich habe die Beschwerdeführerin vom 1. November 2019 bis 10. Dezember 2020 keinen anrechenbaren Arbeits- und Verdienstausfall erlitten und deshalb bis zum 10. Dezember 2020 keinen Anspruch auf eine Arbeits
losenentschädigung.
2.5
Strittig
und zu prüfen ist
einzig die
Dauer
,
während welcher der Arbeitsausfall
der Beschwerdeführerin aufgrund der von ihr erhaltenen
Abgangsentschädigung
nicht anrechenbar ist.
K
orrekterweise
unbestritten
sind
dabei
die
anrechenbare
freiwillige Leistung im Umfang von EUR
350'000.
-- und der
massgebliche
Umrechnungskurs
mit Stand am 8. November 2019
(vgl. Urk.
1
S. 3 Mitte und
S. 5
unten; Urk. 2 S. 4 unten und S. 5 unten
, Urk. 7/105-107, Urk. 7/149, Urk. 7/250-257 Ziff. 7
)
.
Zu prüfen bleibt
einerseits
,
ob die Zahlung an die Freizügigkeits
stiftung
UBS AG von Fr. 120'000.
-- abzuziehen
ist oder nicht
(E. 3.1 nachstehend)
und andererseits die
Höhe des massgeblichen Lohnes
(E. 3.2 nachstehend)
.
3.
3.1
Belegt ist, dass am 13. Dezember 2019 eine Rückzahlung in der Höhe von Fr. 120’0
0
0.
--
für eine
n
am 26.
Oktober 2018
getätigten
Vorbezug
(Wohn
eigen
tumsförderung mit Mitteln der beruflichen Vorsorge)
auf
ein
Freizügigkeitskonto
der Beschwerdeführerin
bei
der Freizügigkeitsstiftung der
UBS AG
erfolgt ist (vgl. Urk. 7/82-84).
Die Beschwerdegegnerin hat denn auch zu Recht anerkannt, dass ein Anteil von Fr. 120'000.-- der Abgangsentschädigung dafür verwendet wurde (E. 2.1).
Durch die zeitliche Nähe der Einzahlung mit der Auszahlung der Ab
gangsentschädigung kann mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
davon ausge
gangen werden
, dass
die Rückzahlung auf das Freizügigkeitskonto aus
den Mitteln der
Abgangsentschädigung
erbracht wurde
.
Nach der Rechtsprechung ist für die Beurteilung der Frage, ob eine Zahlung an die Pensionskasse als freiwillige Leistung im Sinne von Art. 10b AVIV zu quali
fizieren ist, einzig entscheidend, ob
der verwendete Betrag aus der Abgangs
entschädigung der freien Verfügung der Versicherten dadurch entzogen wird, als er in der gebundenen Vorsorge der 2. Säule investiert worden ist. Dies kann direkt durch den Arbeitgeber oder aber auch freiwillig durch die versicherte Person
selbst erfolgen (vgl.
BBl
2001 II 2279; Urteil des Bundesgerichts 8C_568/2007 vom 19. Juni 2008 E. 3.4-5).
Der von der Beschwerdeführerin einbezahlte Betrag von Fr. 120'000.-- ist nicht als freiwillige Leistung zu qualifizieren, und jedenfalls nicht als solche, welche ihr Alterskapital erhöht. Denn nach Art. 30d Abs. 1 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) muss der im Rahmen der Wohneigentumsförderung
bezogene Betrag vom Versicherten oder
von seinen Erben an die Vorsorgeeinrichtung unter anderem zurückbezahlt werden
, wenn das Wohneigentum veräussert wird. Mit der Einzahlung des Be
trages ist die Beschwerdeführerin nichts anderem als ihren gesetzlichen Pflichten nachgekommen, einfach bereits vor Veräusserung des Wohneigentums. Verkauft sie dieses in Zukunft wann immer sie will, wird sie keine Rückzahlung mehr tätigen müssen. Damit kann sie über den gesamten Verkaufspreis frei verfügen. Buchhalterisch gesehen stand ihrem Vermögen eine Schuld gegenüber. Der (verfügbare) Wert des Hauses war rechnerisch um Fr. 120'000.-- zu Gunsten des Vorsorgekapitals reduziert. Nach der Einzahlung ist der Wert nicht mehr redu
ziert, der Beschwerdeführerin fiel mithin der gesamte Betrag zu.
Die Abgangsentschädigung
im Umfang von Fr. 384'685.-- (EUR 350'000.-- x 1.0991 [Umrechnungskurs am 8. November 2019; vgl. E. 2.5, Urk. 7/105,
Ziff.
F1-3 des Kreisschreibens über die Auswirkungen der Verordnung
{
EG
}
Nr. 883/2004 und 987/2009 auf die Arbeitslosenversicherung
{Kreisschreiben}
])
ist demgemäss lediglich um den
allgemeinen Abzug von
Fr. 148'200.--
zu ver
min
dern, weshalb ein
für die Berechnung zu berücksichtigender Betrag von Fr.
236’485
.
-- verbleibt
.
3.2
3.
2
.1
Uneinigkeit zwischen den Parteien besteht auch über die Höhe des massgeblichen Lohns der Beschwerdeführerin. Diesbezüglich liegen zwei PD U1-Formulare mit unterschiedlichen Angaben über die Höhe des erwirtschafteten Lohns
(Urk. 7/109-112, Urk. 11/6), Lohnabrechnungen (Urk. 7/197-223), ein Anstel
lung
s
vertrag (Urk. 7/226-236) sowie ein gerichtlicher Vergleich (Urk. 7/250-257) in den Akten.
Bezüglich den PD U1-Formularen ist festzuhalten, dass gemäss Art. 61 (EG) Nr.
883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit der zuständige Träger bei der Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen alle nach den Rechtsvorschriften eines anderen Staates zurückgelegten Versicherungszeiten, Beitragszeiten und Zeiten einer selbständigen Erwerbstätigkeit berücksichtigen muss. Die anzurechnenden
Zeiten werden grundsätzlich verbindlich im PD U1-Formular angegeben. Der zuständige Träger ist verpflichtet, diese strikt zu berücksichtigen. Eine Nachprü
fung ist nur erforderlich, wenn Anhaltspunkte vorliegen, dass die Eintragung nicht den Tatsachen entspricht (vgl. Urk. 11/6; Ziff. A13-18, Ziff. C21-34 und Ziff. E25-37 des Kreisschreibens über die Auswirkungen der Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 und 987/2009 auf die Arbeitslosenversicherung [KS ALE 883]). Hinsichtlich des bescheinigten Bruttoeinkommens bietet das Formular demgegen
über keine Gewähr, worauf im Übrigen auch die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerdeschrift richtig hinwies (Urk. 1 S. 8 oben und S. 9 Ziff. 16.1). Daher rechtfertigt es sich nicht, unbesehen auf die Angaben in den PD U1-Formularen abzustellen, was sich auch daraus ergibt, dass diese widersprüchlich sind. Mass
gebend ist vielmehr der vertraglich vereinbarte Lohn,
soweit dieser auch ta
tsäch
lich realisiert worden ist (vgl. AVIG Praxis ALE/C1-2). Dieser ergibt sich vor
liegend einerseits aus der gerichtlichen Vereinbarung vom 20. September 2018 (Urk. 7/250-257) und andererseits aus den Lohnabrechnungen für den massgeb
lichen Zeitraum (vgl. Art. 37 Abs. 1-2 AVIV) von November 2018 bis Oktober 2019 respektive Mai bis Oktober 2019.
3.2.2
Festgelegt im
gerichtlichen
Vergleich
vom 20. September 2018
und durch ent
sprechende Lohnabrechnungen
(LAB)
ausgewiesen
sind
für den Zeitraum vom 1. November 2018 bis 31. Oktober 2019:
•
der monatliche Grundlohn
von
EUR
11'455.
-- (vgl.
Vergleich [
Urk. 7/250-2
57 S. 2 Ziff. 4]
;
LAB Nov. 2018
[Urk. 7/199
]
,
LAB Dez.
2018
[Urk. 7/197], LAB
Jan. 2019 [Urk. 7/
222
]
, LAB Feb. 2019 [Urk. 7/220], LAB März 2019 [Urk
. 7/218], LAB April 2019 [Urk. 7/216], LAB Mai 2019 [Urk. 7/214], LAB Juni 2019 [Urk. 7/212], LAB Juli 2019 [Urk. 7/210], LAB August 2019 [Urk. 7/208], LAB Sept. 2019 [Urk. 7/204], LAB Okt. 2019 [Urk. 7/165].
•
Bonuszahlungen auf den Monat runtergebrochen
von EUR
3'898.67
(EUR
46'784.-- / 12). So wurde für das Geschäftsjahr
2017/2018 und
2018/
2019
je
ein Jahresbonus von EUR
46'784.
-- und anteilig für das Geschäfts
jahr 2019/2020
ein solcher
von
EUR
3'898.67
vereinbart
(
vgl. Vergleich [
Urk. 7/250-257 S. 2 f. Ziff.
5
]
)
, wobei ein Geschäftsjahr jeweils
von
Oktober bis September dauerte (
vgl. Urk. 1 S. 10 Ziff.
16.4)
.
Dabei erfolgte laut Be
schwerdeführerin im Oktober 2019 die Auszahlung für das Geschäftsjahr 2018/2019 und den Anteil für das Geschäftsjahr 2019/2020 im Umfang von total EUR 50'682.67
(
Urk. 1 S. 10
Ziff.
16.4; vgl. auch die Lohnabrechnung vom Oktober 2019 [Urk. 7/165]
)
.
•
Zahlungen für das A
uto im Umfang von monatlich EUR
438.--
. Diese sind
in den Lohnabrechnungen als «PKW-Wert
gw
. Vorteil» ausgewiesen
und
daher
in diesem Umfang zu
berücksichtigen
(vgl. Vergleich [Urk. 7/250-257 S. 5 Ziff. 11]; LAB Nov. 2018 [Urk. 7/199], LAB Dez. 2018
[Urk. 7/197], LAB Jan. 2019 [Urk. 7/222], LAB Feb. 2019 [Urk. 7/220], LAB März 2019 [Urk. 7/218], LAB April 2019 [Urk. 7/216], LAB Mai 2019 [Urk. 7/214], LAB Juni 2019 [Urk. 7/212], LAB Juli 2019 [Urk. 7/210], LAB August 2019 [Urk. 7/208], LAB Sept. 2019 [Urk. 7/204]). Zwar
wurde von der Beschwerde
führerin mit ihrer Eingabe vom
13.
August 2020 (Urk. 10) unter Beilage eines Schreibens der Arbeitgeberin vom 16.
Juni 2020 (Urk. 11/2) geltend ge
macht, dass sich die tatsächlichen Fahrzeugkosten für das Jahr 2019 auf EUR
8'410.99
belaufen hätten
, dazu fehlen jedoch
detaillierte
Angaben
darüber
, welche Kosten damit genau gemeint
und übernommen worden
sind (z.B. Aufstellung der Kostenposten), sodass von den
in
den Lohnabrech
nun
gen
ausgewiesenen
Vorteilsgewährungen auszugehen ist. Ebenso wenig können
die geltend gemachten Benzinkosten berüc
ksichtigt werden (Urk. 10 S. 2)
,
da von der Beschwerdeführerin keine Belege über allfällige Zahlungen aufgelegt wurden und diese ja für Geschäftszwecke nötig waren
.
Nicht zu berücksichtigen sind – entgegen der Berechnung der Beschwerde
geg
nerin in ihrer Stellungnahme vom 11. September 2020 (E. 2.4) – die Positionen «Zuschuss KV
stp
.». Wie sich aus den LAB Nov. 2018 bis Okt. 2019 entnehmen lässt, wurde
n
Beträge in der exakten Höhe der «Zuschuss KV
stp
.»-Positionen jeweils im kommenden Monat wieder abgezogen
in der Position «Persönliche
Be
/Abzüge»
(vgl. beispielsweise die LAB-Abrechnungen
für Dezember 2018, wo in der Abrechnung für November 2018 mit dem Titel «R11/2018 aus 12/2018» der Betrag von EUR 254,56
gutgeschrieben
und in der Rechnung für Dezember 2018 mit dem Titel «12/2018 aus 12/2018» als Verrechnung aus Rückrechnung wieder abgezogen wurde [Urk. 7/197-198]; vgl. für die übrigen Monate
Urk. 7/199-223
)
.
Ebenso wenig berücksichtigt werden können die Positionen «Zu
schuss
freiw
. KV», welche in der Serie der Lohnabrechnungen mit Ausdrucks
datum 7. November 2019 (Urk. 7/164-184) aufgeführt sind, nicht jedoch in der jüngeren Serie mit Ausdrucksdatum 15. November 2019 (Urk. 7/197-223)
. Damit sind sie
auch nicht ausgewiesen
. Aus dem gerichtlichen Vergleich ergeben sich neben dem Grund
lohn, den
Bonuszahlungen und den
Benützungsrechte
n
eines Dienstwagens
denn auch
keine
solche
Vergütung
en
, welche als zusätzlicher Lohnbestandteil zu berücksichtigen wäre
n (vgl. Urk. 7/250-257)
.
Zusammenfassend resultiert ein monatlich zu berücksichtigender Lohn in der Zeit
von
1.
November
2018 bis
31. Oktober
2019 von EUR
15'791.67 oder
Fr. 1
7'356.60 (vgl. zur Umrechnung E. 2.5 und E. 3.1 vorstehend). Dabei besteht kein Unterschied hinsichtlich
des
durchschnittlichen Lohnes in d
er einjährigen Periode vom 1. November 2018 bis 31. Oktober
2019 oder d
e
r sechsmonatigen Periode vom 1.
Mai bis 31.
Oktober 2019 (
vgl.
Art.
37
Abs.
1 und
Abs.
2
AVIV).
3.
3
Nach dem Gesagten ist
bei
einem monatlichen Einkommensverlust von
Fr. 17'356.60
(E. 3.2) aufgrund der freiwilligen Leistung der
Arbeitgeberin
(E. 3.1)
von
keinem anrechenbaren Verdienstausfall vom 1.
November
2019
bis
17
.
Dezember
2020
(
Fr. 236
'
48
5.--
/
Fr. 17'356.60
=
13
,
63 Monate = 13
Monate und
13
Werktage [0,63
x 30 / 1,4 abgerundet auf ganze Tage; vgl. E. 1.
4
und
AVIG-
Praxis ALE/B126-128]) und somit einer mangelnden Anspruchsberech
tigung
der
Beschwerdeführer
in
auf eine Arbeitslosenentschädigung bis zum
17
.
Dezember
20
20
auszugehen
.
Ein Anspruch auf eine Arbeitslosenentschä
digung besteht somit frühestens ab 1
8
.
Dezember
2020, sofern die übrigen Vor
aussetzungen erfüllt sind
.
Dabei wird die Beschwerdegegnerin
angesichts der im Internet doku
mentierten Arbeitstätigkeit
der Beschwerdeführerin (Urk. 16
) insbe
sondere der Frage des Vorliegens einer Arbeitslosigkeit sowie der Vermitt
lungs
fähig
keit nachzugehen haben.
Da die Beschwerdegegnerin
mit
Einspracheentscheid
vom
28
.
Mai
2020 (Urk.
2
) e
inen Anspruch auf Arbeitslosent
schädigung für die Zeit vom 1. November 2019 bis zum 2.
Juli 202
2 verneinte,
ist die Beschwerde
im
aufgezeigten Sinne
teilweise gutzuheissen
.
4.
Ausgangsgemäss hat d
ie
anwaltlich vertretene Beschwerdeführer
in
gestützt auf
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) Anspruch auf eine
gekürzte
Prozessentschädigung. Diese ist unter Berücksichti
gung der Bedeutung der Streitsache
,
der Schwierigkeit des Prozesses
und dem Mass des Obsiegens
auf Fr.
1’3
00
.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) fest
zusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen
.