Decision ID: bd2cf92c-b495-56b8-aa91-9182b441acbd
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1973,
Mutter zweier 1996 und 2003 geborener Kinder (vgl.
Urk.
5/2
Ziff.
3),
war zuletzt von Mai bis September 2006 als
Betriebsmit
arbeiterin
für die
Y._
tätig (
Urk.
5/16), als sie
am 3
1.
August 2006 einen Verkehrsunfall
erlitt
(
Urk.
5/10/98
Ziff.
4.6). Am 2
3.
Januar 2008 meldete sie sich bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Renten
bezug an (
Urk.
5/2). Mit Verfügung vom
7.
April 2008 (
Urk.
5/22/26-28)
und
Einspracheentscheid
vom
4.
September 2008 (
Urk.
5/25)
stellte die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA) die
infolge des Unfalles
erbrachten
Versicherungsl
eistungen
per 2
1.
April 2008 ein
,
bestätigt mit
Urteil des hiesigen Gerichts vom 1
2.
März 2010
(
Urk.
5/92
),
und Urteil
des Bundesgerichts
vom
4.
August 2010
(
Urk.
5/45).
Die Versicherte meldete sich a
m 2
5.
November 2010
bei
der
Invalidenversiche
rung
für den Bezug einer
Hilflosenentschädigung
an
(
Urk.
5/48).
Die IV-Stelle veranlasste in der Folge eine psychiatrische Begutachtung der Versicherten (Gutachten vom 1
3.
Januar 2011,
Urk.
5/54) und führte eine Abklärung an Ort und Stelle durch (Abklärungsbericht betreffend
Hilflosenentschädigung
vom 2
9.
März 2011,
Urk.
5/61).
Mit Verfügung vom 2
7.
Mai 2011
(
Urk.
5/75,
Urk.
5/73)
sprach
ihr
die
IV-Stelle
rückwirkend ab dem
1.
Dezember 2009
eine Entschädigung bei mittlerer Hilflosigkeit zu.
1.2
Auf Veranlassung der IV-Stelle
wurde die Versicherte
zwischen dem
1
1.
Juni und
7.
Juli 2012
observiert
(
Urk.
5/112 S. 2). Die
Generali
Personenversicherun
gen AG stellte der IV-Stelle
zudem
Akten
(
Urk.
5/107/2-1
33
,
Urk.
5
/113)
über eine von
ihr
veranlasste
weitere
Observation der Versicherten zu.
Mit Verfügung vom 1
0.
Januar 2013 (
Urk.
5/124) sistierte die IV-Stelle die
Hilf
losenentschädigung
per sofort. Eine
von der Versicherten
am 1
3.
Februar 2013 dagegen erhobene Beschwerde (
Urk.
5/127/3-1
4) wies das hiesige Gericht mit
Urteil vom 1
9.
Juni 2013 (Prozess Nr. IV.2013.00164) ab (
Urk.
5/
139 Dispositiv
Ziff.
1).
1.3
Die IV-Stelle veranlasste
in der Folge
eine polydisziplinäre Begutachtung der Versicherten durch die
Medizinische Abklärungsstelle (
Medas
)
Z._
(
Urk.
5/152).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
5/159,
Urk.
5/166
) stellte die IV-Stelle die
Hilflosenentschädigung
mit Verfügung vom 2
5.
September 2014 (
Urk.
5/171 =
Urk.
2)
rückwirkend
per
1.
August 2012 ein und stellte fest, dass die ausgerichteten Leistungen
für den Zeitraum ab August 2012 bis 1
0.
Januar 2013 zurückzuerstatten s
eien
.
Mit Verfügung vom 2
9.
September 2014
(
Urk.
5/176 =
Urk.
7/
2)
verneinte die IV-Stelle
nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
5/158,
Urk.
5/164)
einen Anspruch
der Versicherten
auf IV-Leistungen.
2.
2.1
Die Versicherte erhob am 3
1.
Oktober 2014 Beschwerde (
Urk.
1) gegen die Ver
fü
gung vom 2
5.
September 2014 (
Urk.
2) betreffend
Hilflosenentschädigung
. Sie beantragte
,
diese sei aufzuheben
,
und es sei die IV-Stelle anzuweisen, die
Hilflosenentschädigung
mittleren Grades
(erst)
per 3
0.
November 2013 einzu
stellen und die Leistungen für den Zeitraum vom 1
0.
Januar bis 3
0.
November 2013 zu erbringen
.
Des Weiteren sei festzustellen, dass die Voraussetzungen für eine Rückerstattung der für den Zeitraum von August 2012 bis 1
0.
Januar 2013 ausgerichteten Leistungen nicht erfüllt s
eien
(
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-3 oben).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
5.
Dezember 2014 die Abweisung der Beschwerde
(
Urk.
4).
2.2
Gegen die Verfügung der IV-Stelle vom 2
9.
September 2014 betreffend IV-Leis
tungen (
Urk.
7/2) erhob die Beschwerdeführerin am
3.
November 2014 Beschwerde
(
Urk.
7/1, Prozess Nr. IV.2014.01
164). Sie
beantragte
,
die
se
Verfü
gung
sei aufzuheben
,
und
es sei die IV-Stelle anzuweisen, ihr rückwirkend ab dem
1.
Juli 2008 bis zum 3
0.
November 2013 eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100
%
zu erbringen (
Urk.
7/
1 S. 2
Ziff.
1-2 oben).
Mit Beschwerdeantwort vom
5.
Dezember 2014 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde
vom
3.
November 2014
und die Vereinigung
beider Verfahren
(
Urk.
7/4).
2.3
Mit Gerichtsverfügung vom 1
6.
Januar 2015 wurde der Prozess IV.2014.01164 mit dem vorliegenden Prozess IV.2014.01157 vereinigt und unter die
ser Prozessnummer weitergeführt. Die Vernehmlassungen der Beschwerdegegnerin vom
5.
Dezember 2014 wurden der Beschwerdeführerin zugestellt (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Eine fach
ärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerz
störung
begründet als solche noch keine Invalidität. Nach der bisheri
gen Rechtsprechung bestand eine Vermutung, dass die
somatoforme
Schmerz
stö
rung
oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwind
bar sind.
Danach konnten b
estimmte Umstände, welche die
Schmerzbewäl
ti
gung
intensiv und konstant behindern, den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess un
zumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt
e
. Ob ein solcher Ausnahmefall vorl
a
g, entschi
e
d sich im Einzelfall anhand ver
schiedener Krite
rien. Im Vorder
grund st
and
die Feststellung einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein
konnten
auch weitere mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllte Faktoren, so: chronische
körperliche Begleiterkrankungen; ein mehrjäh
riger,
chronifizier
ter
Krankheits
verlauf
mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdau
ernde Rückbildung; ein ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer
innerseeli
scher
Verlauf einer an sich missglückten, psy
chisch aber entlastenden
Konflikt
bewältigung
(primärer Krankheitsgewinn; „Flucht in die Krankheit"); ein
unbe
friedigendes Behandlungsergebnis
trotz konsequent durchgeführter ambu
lanter und/oder stationärer Behandlung (auch mit unterschiedlichem the
rapeutischem Ansatz) und gescheiterte
Rehabilita
tions
massnahmen
bei vorhan
dener Motiva
tion und Eigenanstrengung (koopera
tive Haltung) der versicherten Person. Je mehr dieser Kriterien zutr
a
fen und je ausgeprägter sich die entspre
chenden Befunde darstell
t
en, desto eher
waren
- ausnahmsweise - die Voraus
setzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352, 131 V 49 E. 1.2, BGE 139 V 547 E. 3).
Mit
Urteil
vom 3. Juni 2015
(BGE 141 V 281)
hat das Bundesgericht von dieser Rechtsprechung Abstand genommen und eine neue Basis für die Beurteilung
somatoformer
Sch
merzstörungen begründet (E. 6).
1.4
BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht seine bis
herige Rechtsprechung zur
Beur
teilung der
Invalidität
bei
Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursa
che und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 und an
schlies
sen
de Urteile) ange
passt und festgehalten, dass die Invaliditätsbemessung stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Aus
wirkungen zu berücksichti
gen hat, was sich schon in den diagnostischen An
for
derungen niederschlagen muss. Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit be
zweck
te die durch BGE 130 V 352 begründete Rechtspre
chung die Sicher
stellung eines gesetzmässigen
Versiche
rungs
vollzuges
mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe beziehungsweise (seit E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der
Über
windbarkeitsver
mutung
. Deren Rechtsnatur kann offen bleiben. Denn an dieser Rechtsprechung ist nicht festzuhalten. Das bishe
rige Regel/Ausnahme-Modell wird durch ein strukturier
tes Beweisverfahren er
setzt. An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – ausschliessliche Berück
sichtigung der Folgen der gesund
heitlichen Beein
trächti
gung und objektivierte Zumutbarkeitsprüfung bei mate
rieller Beweislast der rentenansprechenden Per
son (Art. 7 Abs. 2 ATSG) – ändert
sich dadurch nichts. An die Stelle des bishe
rigen Kriterienkatalogs
(bei anhal
ten
der
somatoformer
Schmerzstörung und vergleichbaren psychosomatischen Lei
den) tre
ten im Regelfall beachtliche
Stan
dardindikatoren
.
Diese lassen sich in
die Kate
gorien Schweregrad und Konsis
tenz der funktionellen Auswirkungen ein
tei
len. Auf den Begriff des primären Krankheitsgewinnes und die
Präponderanz
der psychiatri
schen Komorbidität ist zu verzichten.
Der Prüfungsraster ist
rechtli
cher Natur. Recht und Medizin wir
ken sowohl bei der Formulierung der
Stand
ard
indikato
ren
wie auch bei deren – rechtlich gebotener – Anwendung im Ein
zel
fall
zusammen. Im Grunde konkre
tisieren die in E. 4 und 5 formulierten
Beweis
themen
und Vorgehensweisen für die Invaliditätsbemessung bei psychoso
mati
schen Leiden die gesetzgeberischen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die
Anerkennung eines
rentenbegrün
denden
Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn
die funktionellen Auswirkun
gen der medizinisch festgestell
ten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der
Standardin
dikatoren
schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nach
ge
wiesen sind. Fehlt es da
ran, hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wie vor die materiell
beweisbelas
tete
versicherte Person zu tragen (E. 6).
Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit bezweck
te BGE 130 V 352 die Sicher
stel
lung eines gesetzmässigen Versicherungsvollzuges mittels der Regel/Aus
nahme-Vorgabe beziehungsweise (seit E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der Überwindbarkeitsvermutung. Gemäss
BGE 141 V 281
ist die
Über
windbar
keitspraxis
in Änderung der Rechtspre
chung aufzugeben (E. 3.5). In
methodi
scher Hinsicht ergibt sich Folgendes: Die Frage, ob die diagnostizierte
Schmerz
störung
zu einer ganzen oder teilweisen Arbeitsunfähigkeit führe, stellt sich nicht mehr im Hinblick auf die Widerlegung einer Ausgangsvermutung. Das bisherige Regel/Ausnahme-Modell wird durch einen strukturierten, norma
ti
ven Prüfungsraster ersetzt. Anhand eines Kataloges von Indikatoren erfolgt eine
ergebnisoffene
symmetrische Beurteilung des – unter Berücksichtigung
leis
tungshindernder
äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und
Kompensations
po
tentialen
(Ressourcen) anderseits – tatsächlich er
reichbaren Leistungsver
mö
gens (E. 3.6). Betont wird, dass die Aufgabe der Überwindbarkeitsvermutung an den Regeln betreffend die Zumutbarkeit nichts ändert, namentlich nicht am
Erfor
dernis einer objektivierten
Beurteilungs
grundlage
. Nach Art. 7 Abs. 2 zweiter
Satz ATSG liegt eine Erwerbsunfähigkeit nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist. Medizinisch-psy
chiatrisch nicht begründbare Selbstein
schätzungen und -limitierungen, wie sie gerichtsnotorisch ärztlicherseits sehr oft unterstützt werden – wobei erst noch häufig gar keine konsequente Be
hand
lung stattfindet –, sind auch künftig nicht als invalidisierende
Gesund
heits
be
einträchtigung
anzuerkennen (E. 3.7.1).
Nach Aufgabe des Konzepts der Überwindbarkeitsvermutung, welche durch eine ergebnisoffene Beurteilung des funktionellen Leistungsvermögens als zentralem Beweisgegenstand abgelöst wird, scheint der Begriff des Kriteriums nicht mehr geeignet. Das Bundesgericht spricht fortan von Indikatoren, einem Begriff, der massgebliche Beweisthemen bezeichnet, anhand welcher ein bestimmter Sach
verhalt ermittelt wird (vgl. dazu auch Peter Henningsen, Probleme und offene Fragen in der Beurteilung der Erwerbsfähigkeit bei Probanden mit funktionellen
Körperbeschwerdesyndromen, in: SZS 2014 S. 533 und 541 [Gutachten des Prof.
Dr.
Peter Henningsen, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Technische Universität München, vom Mai 2014 zu Fragen der Schweizer Praxis zur Invaliditätsfeststellung bei
somatoformen
und ver
wandten Störungen]; E. 4.1.1 und E. 4.1.2).
Die im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren, welche nach gemeinsamen Eigenschaften systematisiert werden können, umschreibt das Bundesgericht im erwähnten Leitentscheid
BGE 141 V 281
wie folgt:
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
(E. 4.3.1.2)
Komorbiditäten
(E. 4.3.1.3)
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen; E. 4.3.2)
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens; E. 4.4)
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Lei
dens
druck
(E. 4.4.2)
Die Antworten, welche die medizinischen Sachverständigen anhand der (im Ein
zelfall relevanten) Indikatoren geben, verschaffen den Rechtsanwendern In
di
zien, wie sie erforderlich sind, um den Beweisnotstand im Zusammenhang mit der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit bei psychosomatischen Störungen zu über
brücken (E. 4.1.3).
1.5
D
as Bundesgericht
hat sich
ver
schiedentlich, so auch jüngst, über das Zusam
men
wirken von Recht und Medi
zin bei der konkreten Rechtsanwendung geäussert. Danach ist es sowohl den be
gutachtenden Ärzten als auch den Orga
nen der Rechtsan
wendung aufge
ge
ben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die nor
mativ vorgege
be
nen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht (BGE 137 V 64 E. 5.1). Bei der Abschätzung der Folgen aus den diagnosti
zierten gesundheit
li
chen Beeinträchtigungen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grund
lage für die an
schliessende juris
ti
sche Beurteilung der Frage, welche Arbeits
leistung der versi
cherten Person noch zugemutet werden kann (BGE
141 V 281 E.
140 V 193 E. 3.2; Ulrich Meyer, Der Rechtsbegriff der Arbeitsunfähigkeit und
seine Bedeutung in der So
zialversicherung, nament
lich für den
Einkommensver
gleich
in der
Invaliditäts
bemessung
, in: Schmerz und
Arbeitsunfähigkei
t, Schaff
hauser/
Schlauri
,
Hrsg.
2003, S. 49).
In diesem Sinne lautet die normativ bestimmte Gutachterfrage, wie die sachver
ständige Person das Leistungsvermögen einschätzt, wenn sie dabei den ein
schlä
gigen Indikatoren folgt. Die Rechtsanwender überprüfen die betreffenden Angaben frei, insbesondere dahin, ob die Ärz
te sich an die massgebenden nor
mativen Rahmenbedingungen gehalten haben, das heisst, ob sie ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt haben, welche Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind (Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG), sowie, ob die
ver
si
cherungs
medizinische
Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektivierter Grundlage erfolgt ist (Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG; vgl. BGE 137 V 64 E. 1.2 in
fine
). Dies sichert die einheitliche und rechtsgleiche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit (BGE
141 V 281
E. 5.2.2
;
140 V 290 E. 3.3.1, 135 V 201 E. 7.1).
Jedenfalls in der Invalidenversicherung tragen Recht und Medizin, je nach ihren
fachlichen und funktionellen Zuständigkeiten, zur Feststellung ein und dersel
ben
Arbeitsunfähigkeit bei. Das heisst, dass die medizinischen Gutachter nicht, wie häufig anzutreffen, eine quasi freihändige Beurteilung abgeben und dane
ben noch Grundlagen liefern sollen, anhand derer die Rechtsanwender eine von der subjektiven ärztlichen Einschätzung losgelöste Parallelüberprüfung vor
nehmen. Es gibt keine unterschiedlichen Regeln gehorchende, getrennte Prü
fung einer medizinischen und einer rechtlichen Arbeitsfähigkeit (
BGE 141 V 281
E. 5.2.3).
1.6
In intertemporalrechtlicher Hinsicht ist sinngemäss wie in BGE 137 V 210 (be
treffend die rechtsstaatlichen Anforderungen an die medizinische Begutach
tung) vorzugehen. Nach diesem Entscheid verlieren gemäss altem
Verfahrens
standard
eingeholte Gutachten nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Ge
geben
heiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstel
len auf die vor
handenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE a.a.O. E. 6 in
initio
). In sinngemässer Anwendung der nunmehr materiell-beweisrechtlich geänderten Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prü
fen, ob die beigezogenen admi
nistrativen und/oder gerichtlichen Sachverständi
gen
gutachten – gegebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berich
ten – eine schlüssige Beurteilung im Lichte d
er massgeblichen Indikatoren er
lau
ben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Um
ständen eine punktuelle Ergänzung genügen (
BGE 141 V 281
E. 8).
1.
7
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.8
Gemäss
Art.
42
Abs.
1 IVG haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13 ATSG) in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönli
chen Überwachung bedarf (
Art.
9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewie
sen ist (
Art.
42
Abs.
3 Satz 1 IVG;
Art.
38
der Verordnung über die Invaliden
versicherung;
IVV). Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs alltäglichen Lebensverrichtungen massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
Ankleiden, Auskleiden;
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
Essen;
Körperpflege;
Verrichtung der Notdurft;
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1.
9
Art. 37 IVV sieht drei Hilflosigkeitsgrade vor. Gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als mittelschwer, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a)
in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise
auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b)
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden per
sönlichen Überwachung bedarf; oder
c)
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter und überdies dauernd auf lebenspraktische Beglei
tung im Sinne von Artikel 38 angewiesen ist.
Nach der Rechtsprechung setzt Hilflosigkeit mittelschweren Grades nach Art. 37 Abs. 2
lit
. a IVV eine Hilfsbedürftigkeit in mindestens vier alltäglichen
Lebens
verrichtungen
voraus (BGE 121 V 88 E. 3b, 107 V 145 E. 2).
1.10
Gemäss
Art.
88a
Abs.
1 IVV ist
bei
eine
r
Verminderung der Hilflosigkeit, des
inva
liditätsbedingten
Betreuungsaufwandes oder
des
Hilfebedarfs
die
anspruchs
beeinflussende
Änderung für d
ie Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen wer
den kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird.
Die hierzu notwen
dige Prognose unterliegt dabei dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 119 V 7 E. 3c/
aa
mit Hinweisen).
1.11
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
2.1.1
Die
Beschwerdegegnerin stellte
in der angefochtenen Verfügung vom 2
5.
September 2014 (
Urk.
2)
fest
, die Abklärungen hätten ergeben, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nach der erstmaligen
Zusprache
einer
Hilflosenentschädigung
allmählich verbessert habe. Dies habe auch zu
einer vermehrten Selbständigkeit geführt. Mit überwiegender Wahrscheinlich
keit sei
gestützt auf die Observationsergebnisse
davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin spätestens seit dem
1.
August 2012 wieder eine Selbstän
digkeit in den Lebensverrichtungen erreicht habe. Somit sei spätestens seit die
sem Zeitpunkt
k
eine Hilflosigkeit mehr ausgewiesen
(S. 3
und S. 4
).
Da versicherte Personen jede für den Leistungsanspruch wesentliche Änderung unverzüglich zu melden hätten
, d
ie Beschwerdeführerin
aber
diese Meldung unterlassen habe, liege eine Verletzung der Meldepflicht und somit ein unrechtmässiger Bezug von Leistungen vor. Diese seien zurückzuerstatten, wes
halb die bezogenen Leistungen aufgrund der Hilflosigkeit mittleren Grades ab
1.
August 2012
bis zum Sistierungszeitpunkt am 1
0.
Januar 2013
zurückzufor
dern seien
(S. 3)
.
2.1.2
Mit Verfügung vom 2
9.
September 2014 verneinte die Beschwerdegegnerin
zudem
einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf IV-Leistungen
, da kein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliege oder vorgelegen habe
(
Urk.
7/2).
Die diagnostizierte mittelgradige depressive Episode gelte
rechtsprechungsge
mäss
als Begleiterscheinung der
vorliegenden
Schmerzstörung und vermöge kein eigenes verselbständigtes Leiden zu begründen. Die diagnostizierte
Persön
lichkeitsänderung
werde nicht näher erläutert. Da diese aber nach dem Auto
unfall aufgetreten und das Unfallereignis ein gewöhnlicher Auffahrunfall gewesen sei, sei die Persönlichkeitsänderung nicht nachvollziehbar.
Aufgrund des Gutachtens von
Dr.
A._
liege kein invalidisierender Gesundheitsschaden vor. Die Gutachter der
Medas
Z._
hätten nunmehr keine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellen können
. Es sei von einer Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes auszugehen, doch sei dieser bereits im Zeitpunkt der Begutachtung durch
Dr.
A._
nicht dermassen erheblich gewesen, dass von einer anspruchserheblichen Erkrankung hätte aus
gegangen werden können
(
Urk.
7/2 S. 2 ff.).
2.2
2.2.1
Die Beschwerdeführerin
stellte sich
in ihrer Beschwerde
vom 3
1.
Oktober 2014
(
Urk.
1)
im Wesentlichen auf den Standpunkt, es sei zwar gestützt auf das
Gut
achten der
Medas
Z._
vom 1
8.
Dezember 2013
unbestritten, dass sich die gesundheitliche Situation zwischenzeitlich verbessert habe, weshalb auch kein Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
mehr bestehe, doch sei diese Verbesserung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht bereits per
1.
August 2012 eingetreten, sondern erst ab Dezember 2013
(S. 5)
.
Im Gutachten der
Medas
Z._
werde von einer seit 2011 erfolgten schrittweisen Besserung der psychischen Einschränkung der Beschwerdeführerin und einer etwa drei Monate
vor der aktuellen Exploration deutlichen Verbesserung der psychischen Einschränkungen gesprochen. Es sei willkürlich, wenn einzig aufgrund des Umstandes, dass die Beschwerdeführerin während der Observationstage jeweils während kurzer Zeitabschnitte draussen habe beobachtet werden können, ange
nommen werde, dass sich ihr Gesundheitszustand damals schon derart verbes
sert habe, dass die Voraussetzungen für eine
Hilflosenentschädigung
nicht mehr vorgelegen hätten
(S. 11)
.
Daher dürften auch keine
Hilflosenentschädigungen
zurückgefordert werden. Selbst wenn die Aufhebung der
Hilflosenentschädi
gung
berechtigt gewesen wäre, so hätte die Aufhebung frühestens per Januar 2013 erfolgen dürfen, womit auch in dieser Konstellation kein Raum für eine Rückforderung bestünde (S. 12 f.).
2.2.2
Gegen d
ie Verneinung eines Rentenanspruchs für den befristeten Zeitraum in der Vergangenheit vom
1.
Juli 2008
(sechs Monate nach Anmeldung bei der Invalidenversicherung)
bis 3
0.
November 2013 wandte die Beschwerdeführerin ein, dass die von
Dr.
A._
diagnostizierte Persönlichkeitsänderung mit massi
vem Rückzug, Passivität und zunehmender Regression und Ängstlichkeit durch
aus als eigenständige Erkrankung zu werten sei. Es handle sich dabei denn auch nicht um eine leichte Persönlichkeitsänderung bei chronischem
Schmerzsyn
drom
, welche zu den unklaren Beschwerden gezählt werden könnte
(
Urk.
7/1 S.
7)
.
Soziale Kontakte ausserhalb der Kernfamilie seien der Beschwerdeführerin nicht möglich gewesen. Auch die Gutachter der
Medas
Z._
hätten fest
gehalten, dass der Einschätzung durch
Dr.
A._
gefolgt werden könne und erst nach 2011 langsam und schrittweise eine Verbesserung des Gesundheitszu
standes eingetreten sei. Seit dem Autounfall im August 2006 bis November 2013 habe eine Arbeitsunfähigkeit vorgelegen
(S. 8)
.
Die Gutachter der
Medas
Z._
hätten festgehalten, dass die Kriterien nach F
oe
rster in Bezug auf die anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung nicht mehr vorlägen. Damit hät
ten sie bestätigt, dass diese in der Vergangenheit erfüllt gewesen seien (S. 9).
3.
3
.
1
Die Beschwerdeführerin erlitt am 31. August 2006 einen Verkehrsunfall (
Urk.
5/9;
Urk.
5
/
10
/98
Ziff. 4 und 6).
Die Erstbehandlung fand im Spital
B._
statt, wo
im Dokumentationsbogen Nackenschmerzen und
muskuloskelettale
Befunde Kategorie II diagnostiziert, als Befunde diffuse Druckschmerzen am Nacken, Rücken und Oberarme genannt wurden und eine voraussichtliche Arbeitsunfä
higkeit von sieben Tagen attestiert wurde (vgl.
Urk.
5/92 E. 3.1).
3.2
Seit
Februar 2007 (andernorts März 2007; vgl.
Urk.
5/51/1
Ziff.
1.2)
ist d
ie
Beschwerdeführerin
bei med.
pract
.
C._
, Facharzt für Allgemeinmedi
zin
,
und dem Psychologen
D._
in Behandlung (
Urk.
5/17/7).
Med.
pract
.
C._
nannte in einem B
ericht vom 1
3.
März 2008 (
Urk.
5/15
/1) zum Verlauf persistierende Rücken-, Hals- und
Kopfschmerzen,
Bewegungsein
schränkung
im Schulterbereich, Verkrampfungen,
Ausdrucks- und Kontaktfähig
keit massiv gehemmt, sprachliche Ausdrucksfähigkeit eingeschränkt. Als Diag
nosen nannte med.
pract
.
C._
ein posttraumatisches Belastungssyndrom bei Status nach einem Autounfall mit
Beschleunigungs
trauma
und als Differentialdi
agnose
eine
Mild Brain
Injury
. Weiter stellte er die
Diagnosen Nervosität, Ver
gesslichkeit und Ängstlichkeit,
Konzentrationsdeffi
z
ienz
, Schlafstörungen, destabilisiertes Persönlichkeitsbild und Verlust an Selbst
vertrauen. Med.
pract
.
C._
führte weiter aus, die Beschwerdeführerin sei nicht
mehr in der Lage, ihre Kinder hinreichend zu betreuen und zu erziehen. Sie sei
völlig von ihrem Mann abhängig geworden. Eine Arbeitsfähigkeit sei nicht mehr
gegeben.
3.3
Vom
8.
März bis
8.
Juni 2010 hielt sich die Beschwerdeführerin auf Einweisung ihres ambulant behandelnden Psychologen
D._
zum Aufbau einer Tagesstruktur und zur Schmerzbehandlung
,
in der Tagesklinik der
E._
auf
(
Urk.
5/51/8-12
)
.
Gemäss den Angaben der Angehörigen sei die Beschwerdeführerin seit dem Unfall in ihrer Persönlichkeit wie verändert. Sie fall
e
im sozialen Kontakt durch Impulsivität, Gereiztheit, Misstrauen, verbale Aggressivität und ausgeprägten Rückzug
auf
.
Die Beschwerdeführerin h
abe sich von
Beginn
der Behandlung an
sehr ängstlich, einsilbig und verschlossen gezeigt und habe zu Mitpatientinnen keinen Kontakt aufgenommen. Im Einzelkontakt habe durch eine einfach strukturierte und vali
dierende Gesprächsführung sukzessive Vertrauen aufgebaut werden können, so dass im Verlaufe ein therapeutisches Arbeiten auf niedrigstem Niveau möglich geworden sei.
Beim Austritt sei sie bewusstseinsklar, zu allen Qualitäten orien
tiert gewesen, im Kontakt schnell wechselnd von zugewandt bis in sich gekehrt. Die kognitiven Auffälligkeiten seien unverändert gewesen. Es wurden generali
sierte Ängste, ein ausgeprägtes Vermeidungs- und Schonverhalten, Intrusionen
,
starke Schmerzen am ganzen Körper
und ein sozialer Rückzug
festgehalten
.
Die Beschwerdeführerin
sei in
einem minimal stabileren
psychischen Zustandsbild entlassen worden
. Als Austrittsdiagnosen wurden eine anhaltende
somatoforme
Schmerzs
törung (ICD-10 F45.4) und eine andere
andauernde
Persönlichkeitsän
derung
nach Autounfall im
Jahre
2006 mit posttraumatischer Symptomatik, diversen Ängsten und emotionaler Instabilität (ICD-10 F62.8)
genannt
.
Zur weiteren Förderung von alltagsrelevanten Fertigkeiten wurde eine Ergotherapie im Lebensumfeld empfohlen.
3.4
Med.
pract
.
C._
bestätigte
in einem weit
eren Bericht vom 1
1.
Dezember 2010 (
Urk.
5/51
/1-4
=
Urk.
5/56/1-4
)
die
von den Ärzten der
E._
gestellten
Diagnosen
(
Ziff.
1.1).
Es sei seit dem Aufenthalt in der
E._
keine Veränderung eingetreten. Die Prognose sei chronisch, ohne Aussicht auf eine Besserung (
Ziff.
1.4). Die Arbeitsunfähigkeit betrage seit dem U
nfall vom 3
1.
August 2006 100
%
(
Ziff.
1.6). Es bestünden kognitive und körperlich schmerzhafte Ein
schränkungen. Das Konzentrationsvermögen, die körperliche Belastbarkeit (
Ziff.
1.7) und auch das Auffassungsvermögen und die Anpassungsfähigkeit seien eingeschränkt (
Urk.
5/51/4
=
Urk.
5/56/4
). Der
Beschwerdeführer
in
seien auch keine angepassten Tätigkeiten zumutbar (
Urk.
5/51/4
=
Urk.
5/56/4
).
Med.
pract
.
C._
beantwortete auf einem Beiblatt vom 1
6.
Dezember 2010 zum
Arztbericht Fragen zur Hilflosigkeit der Beschwerdeführerin (
Urk.
5/51
/5-7
=
Urk.
5/56/5
-7
). Er gab an, die Beschwerdeführerin benötige Hilfe bei der Fort
bewegung im Freien
und bei der Pflege gesellschaftlicher Kontakte. Er vermerkte dazu
:
einfache persönliche Begleitung wegen Phobie, soziale Phobi
e mit
Vermei
dungshaltung
(
Ziff.
6). Weiter gab er an, dass die Beschwerdeführerin Begleitung bei Erledigungen und Kontakten ausserhalb der Wohnung (Ehemann) und die regelmässige
Anwesenheit einer Drittperson zur Verhinderung einer dauernden Isolation von der Aussenwelt (Schwägerin im gleichen Haus koche und helfe im Haushalt) benötige
(
Ziff.
9).
In den anderen Bereichen verneinte er eine Hilfsbe
dürftigkeit
, so auch in den Bereichen „Ankleiden/Auskleiden“ und „Essen“
.
Diesbezüglich hielt er einzig fest,
dass
d
ie
Beschwerdeführerin
gemäss ihren Angaben ein kleines Problem mit Socken
(oder unleserlich geschrieben
en Sachen
)
habe. Sie müsse von Angehörigen verbal angewiesen w
erden, führe dann die Tä
tigkeiten alleine durch.
Sodann habe sie angegeben
, keine Lust zum Essen zu haben
(
Ziff.
1 und 3).
3.5
3.5.1
Die Beschwerdeführerin wurde in der Folge am
6.
Januar 2011 im Auftrag der Beschwerdegegnerin durch
Dr.
med.
A._
, Facharzt
f
ür Psychiatrie un
d Psychotherapie,
begutachtet.
Das Gutachten datiert vom 1
3.
Januar 2011 (
Urk.
5/54)
.
3.5.2
Dr.
A._
berichtete über die geschilderten aktuellen Beschwerden und den Tages
ablauf der Beschwerdeführerin. Sie klage über unerträgliche Kopf- und Nackenschmerzen, über Schmerzen
am ganzen Körper und intensive
Än
gste
.
Die Schmerzmedikation würde keine Besserung bringen. Etwa alle drei Wochen
konsultiere sie ihren Hausarzt med.
pract
.
C._
und etwa ein Mal pro Monat den Psychotherapeuten
D._
. Wöchentlich werde sie zu Hause von einer Ergotherapeutin besucht, die versuche, sie zu aktivieren.
Sie verlasse das Haus nie alleine. Sie verbringe den ganzen Tag entweder mit dem Ehemann oder mit der Schwägerin, die im gleichen Haus wohne. Diese beiden würden auch den Haushalt führen. Sie selber verrichte nur kleine Handreichungen.
Schmerzbe
dingt
müsse sie
häufig nach kurzer Zeit wieder aufhören und sich hinlegen. An guten Tagen unternehme sie zusammen mit der Schwägerin oder ihrem Ehe
mann einen kurzen Spaziergang. Mit ihren Angehörigen im Kanton
F._
pflege sie gelegentlich telefonisch Kontakt. Weitere soziale Kontakte würden verneint
(S. 5 f.
Ziff.
2)
.
3.5.3
Betreffend den psychopathologischen Befund hielt
Dr.
A._
fest, di
e
Grund
stim
mung
der Beschwerdeführerin sei deutlich niedergeschlagen. Das formale Denken sei geordnet und kohärent. Inhaltlich bestehe eine deutliche Einschrän
kung auf die Schmerzsymptomatik sowie die Ängste. Beim Berichten über das Unfallgeschehen sei eine vegetative Mitbeteiligung feststellbar.
D
ie
Beschwer
deführerin
schildere praktisch tägliches Wiedererleben des Unfallereignisses. Aufgrund ihrer Ängste sowie der chronischen Schmerzen müsse sie zu Hause ständig begleitet werden. Sie brauche auch Unterstützung beim Anziehen und beim Duschen.
Dr.
A._
hielt fest, dass sich die Beschwerdeführerin im Laufe der Untersuchung leicht stabilisiert habe. Im kurzen Nachgespräch mit dem Ehemann und der Schwägerin hätten diese die Angaben der Beschwerdeführerin bestätigt. Seit dem Unfall sei eine deutliche Persönlichkeitsänderung eingetreten
(S. 6 f.
Ziff.
3)
.
Anlässlich der aktuellen Untersuchung seien die chronische
Schmerzsymptoma
tik
, die Ängstlichkeit und die depressive Entwicklung im Vordergrund gestan
den. Die von den ambulant behandelnden Kollegen gestellte Diagnose einer Persönlichkeitsänderung sei nachvollziehbar. Bei somatisch nicht beziehungs
weise nicht vollständig erklärbaren Beschwerden sei aus psychiatrischer Sicht eine
somatoforme
Schmerzstörung zu beschreiben. Erklärende Konflikte liessen sich anlässlich der ambulanten Untersuchung jedoch nicht eruieren. Entspre
chende Konstellationen würden jedoch häufig erst nach längerer psychothera
peutischer Behandlung in den Vordergrund treten. Sowohl von der Beschwer
deführerin als auch von den Angehörigen werde eine deutliche Regression mit Vermeidungsverhalten und Rückzug beschrieben. Die Beschwerdeführerin weise zudem eine mittelgradige depressive Symptomatik im Sinne einer
chronifizier
ten
mittelgradigen depressiven Episode auf. Eine Arbeitstätigkeit habe sie seit dem Unfall nicht mehr aufgenommen. Innerhalb des Familiensystems werde sie intensiv betreut. Eigenaktivität beziehungsweise Mitbeteiligung an den
Haus
halts
arbeiten
werde sowohl von der Beschwerdeführerin als auch von den Angehörigen weitgehend verneint. Aus therapeutischer Sicht wäre wahrschein
lich eine stationäre Behandlung in einer psychosomatisch orientierten Klinik indiziert, um die Beschwerdeführerin aus diesen Verhaltensmustern zu lösen. Die einmal wöchentlich zu Hause durchgeführte
Ergotherapie scheine sinnvoll, aber zu wenig ausgebaut. Anlässlich einer stationären Behandlung könnte auch die Medikation angepasst beziehungsweise optimiert werden
(S. 8
Ziff.
4)
.
3.5.4
A
ls Diagnosen
nannte
Dr.
A._
(S. 9
Ziff.
1):
chronisches Schmerzsyndrom be
i Status nach Autounfall am 3
1.
August 2006 mit
somatoformer
Schmerzkomponente im Sinne einer anhalten
den
somatoformen
Schmerzstörung
(ICD-10 F
45.4)
sekundäre
chronifizierte
depressive Entwicklung, gegenwärtig mittelgra
dige depressive Episode
(ICD
-10 F
32.1)
Persönlichkeitsänderung mit massivem Rück
zug, Passivität und zuneh
men
der Regression und Ängstlichkeit bei Status nach Autounfall
am 3
1.
August 2006 (ICD 10 F 62.8)
D
ie Beschwerde
führerin sei seit dem Unfall im August 2006 nicht mehr berufs
tätig. Aufgrund
des chronischen Schmerzsyndroms, der mittelgradigen depressi
ven Episode und der
Persönlichkeitsänderung sei sie aus psychiatrischer Sicht zur Zeit nicht ar
beitsfähig.
Wahrscheinlich bestehe die vollständige Arbeitsun
fähigkeit seit dem Unfall vom 3
1.
August 200
6.
Auch in einer angepassten Tätigkeit bestehe für ei
ne ausserhäusliche Tätigkeit zur
Zeit keine Arbeitsfähig
keit.
Nach eigenen Angaben verhalte sich die Beschwerdeführerin auch zu Hause völlig passiv.
Aus rein psychiatrischer Sicht sei auf
grund des objektivier
baren psychopathologischen Befundes die Tätigkeit als Haus
frau beziehungs
weise eine andere Tätigkeit zu Hause zumindest medizinisch theoretisch zu 50
%
zumutbar (S. 9
Ziff.
2-3).
Eine wesentliche Besserung der Beschwerden sei gemäss der Beschwerdeführerin zu keinem Zeitpunkt eingetreten. Bezüglich einer ausserhäuslichen Tätigkeit gehe er,
Dr.
A._
, von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit aus, wobei er sich bei der retrograden Beurteilung auf die Akten stützen müsse
(S. 9
Ziff.
4)
.
Die antidepressive Medikation sollte ausgebaut werden.
Aufgrund der
Gesamt
situation
empfahl
Dr.
A._
eine stationäre Behandlung in einer psychosom
a
tischen Klinik mit nachfolgender Intensivierung der ambulanten P
sych
o
ther
a
pie. Da
zu müsse die Beschwerde
f
ührerin
, die Ängste vor einer stationären Behandlung geäussert habe,
aber noch motiviert werden. Langfristig sollte mindestens eine Teilarbeitsfähigkeit von etwa 50
%
erreicht werden können
(S.
10
Ziff.
5)
.
Berufliche Massnahmen seien zum jetzigen Zeitpunkt nicht
indiziert, da sich die psychische Situation zunächst stabilisieren müsse, wozu wie erwähnt eine stationäre Behandlung indiziert sei
(S. 10
Ziff.
6)
.
In diagnostischer Hinsicht bestehe gemäss
Dr.
A._
in Abweichung der Beurtei
lung seiner Kollegen zusätzlich eine
chronifizierte
mi
ttelgradige depres
sive Episode (S. 10
Ziff.
7). Es überwögen keine psychosoziale Faktoren. Die Arbeitsunfähigkeit sei auf ein psychisches Leiden mit Krankheitswert zurück
zuführen (S. 11
Ziff.
9).
3.6
Dr.
A._
nahm
am
9.
Februar 2011 (
Urk.
5/59)
zu ihm von der
Beschwerde
geg
nerin
gestellten Fragen
(vgl.
Urk.
5/58)
Stellung. Er hielt fest, dass die soge
nannten Foerster Kriterien seines Erachtens teilweise erfüllt seien. So bestehe ein mehrjähriger Krankheitsverlauf mit
Chronifizierung
, eine psychische Komor
bidität und ein sozialer Rückzug. Ferner habe er keine klaren Hinweise auf eine bewusste Selbstlimitierung anlässlich der gutachterlichen Untersu
chung feststel
len können. Allerdings sei hierfür auch ein längerer
Beobach
tungszeitraum
notwendig.
Im Rahmen einer ambulanten Begutachtung liessen sich nur Ver
mutungen anstellen.
Eine ausserhäusliche A
rbeit sei der Beschwer
deführer
in zumindest im jetzigen Zeitpunkt nicht möglich
, auch nicht eine angepasste Tätigkeit im Umfang von
50
%
.
Aktuell sei lediglich eine angepasste Tätigkeit, welche die Beschwerdeführerin zu Hause ausüben könnte, zu 50
%
zumutbar. Eine Aktivierung der Beschwerdeführerin im häuslichen Rahmen und bei fixierter Krankenrolle sei schwierig. Eine stationäre Behandlung wäre daher angezeigt, wodurch wahrscheinlich eine 50%ige
Restarbeitsfähigkeit
für ange
passte Tätigkeiten
erreicht werden könnte.
3.7
In seiner Stellungnahme vom
4.
März 2011 hielt daraufhin
Dr.
med.
G._
, Facharzt Allgemeine
Innere Medizin
, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, fest, dass gestützt auf die präzisierenden Antworten von
Dr.
A._
von einer Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von 50
%
für eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit in Heimarbeit spätestens seit Ablauf der Wartezeit ausgegangen werden könne (
Urk.
5/172/5-6).
3.8
3.8.1
Die Beschwerdegegnerin führte am 2
2.
März 2011 eine Abklärung an Ort und Stelle
durch (Abklärungsbericht für
Hilflosenentschädigung
für Erwachs
ene vom 2
9.
März 2011,
Urk.
5/61
).
3.8.2
Die Abklärungsperson führte im Bericht aus, man habe die Beschwerdeführerin zu Hause besucht und die Situation mit der Schwägerin besprochen.
Neben der
Schwä
gerin
seien auch
der Ehemann der Beschwerdeführerin und die Ergothera
peutin anwesend gewesen. Die Beschwerdeführerin habe während des Gespräches
teilnahmslos (apathisch) neben ihnen auf dem Sofa gelegen. Mit ihr selber habe kein Gespräch geführt werden kön
nen (S. 1). Die Beschwerdeführe
rin habe auf dem Sofa mit einer roten Decke bis unters Kinn zugedeckt gelegen. Sie habe der Abklärungsperson zur Begrüssung kaum die Hand gegeben. Sie habe eingefallen und apathisch gewirkt.
Seit dem Unfall 2006 sei sie mehr und mehr verstummt und habe sich zuneh
mend in sich zurückgezogen. Es seien diverse Ängste aufgetreten, vor allem vor fremden Leuten (S. 2 oben). Die Ergotherapeutin betreue die Beschwerdeführerin
seit Juni 201
0.
Fremden gegenüber kommuni
ziere die Beschwerdeführerin ma
xi
mal mit Nicken. Das Ziel der Ergotherapie sei, sie aus der Isolation zu holen. Gemäss der Schwägerin beklagte die Beschwerdeführerin Schmerzen am ganzen Körper und sei dauernd müde (S. 2 unten).
Die Wohnung verlasse die Beschwerdeführerin nur noch in Begleitung, maximal zweimal pro Woche und nicht zu lange. Sie fühle sich sehr unwohl unter frem
den Leuten (S. 2 unten).
3.8.3
Im Bereich „Ankleiden/Auskleiden“ wurde geltend gemacht, dass die Kleidung bereitgelegt werden müsse, da die Beschwerdeführerin diese nicht mehr wetter- und farbgerecht auslesen könne. Wenn sie sehr starke Schmerzen habe, müsse ihr dabei geholfen werden, dies sei etwa drei bis vier Mal pro Woche der Fall.
Schlüpfschuhe
könne die Beschwerdeführerin selber anziehen, sobald sie sich aber zum Anziehen oder zum Ausziehen bücken müsste, sei Hilfe nötig. Die Abklärungsperson schloss daraus, dass sowohl direkte wie auch indirekte Hilfe in diesem Bereich benötigt werde (S. 3)
.
3.8.4
Betreffend den Bereich „Essen“ befand die Abklärungsperson die Angaben etwas diffus. Es sei nicht ganz klar, ob die Beschwerdeführerin aus körperlichen oder kognitiven Einschränkungen beim Essen Unterstützung benötige. Den Schilderungen sei aber zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin beim Essen offenbar regelmässig auf Hilfe angewiesen sei
. Zum einen müssten die Speisen offenbar zerschnitten werden und zum anderen müsse die Beschwerdeführerin zur Benützung des Bestecks animiert und angeleitet werden (S. 4 oben).
3.8.5
Die Abklärungsperson vermerkte unter der Rubrik
„
Körperpflege
“
, die Beschw
er
de
führerin sei auf regelmässige Unterstützung angewiesen
, da sie die Körper
pflege ohne Hilfe vermutlich nicht oder nur unzulänglich durchführen würde
.
Die Beschwerdeführerin habe angeführt, Hilfe beim Duschen und bei der gründ
lichen Reinigung zu benötigen. Auch könne sie die Haarpflege nicht mehr selber durchführen, da sie nicht mehr in der Lage sei, die Arme über die Schul
terhöhe zu heben
(S. 4 unten).
3.8.6
Betreffend den Bereich
„
Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte
“ wurde ausge
fü
hrt, die Beschwerdeführerin könne sich grundsätzlich selbständig fortbewegen.
Es
sei
geltend gemacht
worden
, dass sie die Wohnung praktisch nie alleine verlasse. Falls doch, bleibe sie stets in der nächsten Umgebung, da sie offenbar Probleme mit der Orientierung habe.
Ausserhäusliche Termine nehme sie nur in Begleitung wahr, auch pflege sie nur in Begleitung soziale Kontakte. Sie habe schnell Mühe, wenn viele Leute um sie seien und verlasse dann den Raum. Die Abklärungsperson hielt fest, die Beschwerdeführerin
verlasse das Haus seit gut zwei bis zweieinhalb Jahren praktisch nur noch in Begleitung. Es sei dabei stets Motivationsarbeit nötig. Ausserhalb der Familie
nehme sie kaum mehr Kontakt auf. Auch innerhalb der Familie pflege sie nur sehr
begrenzt Kontakte. Den Angaben zufolge habe die Beschwerdeführerin nach dem Unfall ausserhäusliche Termine nicht mehr selber wahrgenommen. Es sei stets Begleitung nötig gewesen (S. 5).
3.8.7
Unter der Rubrik
„
persönliche Überwachung
“
w
urde ausgeführt, die Beschwer
de
führerin werde nie alleine gelassen. Es bestehe die Gefahr, dass sie sich etwas an
tun könnte. Die Abklärungsperson bemer
kte dazu, es könne von einer ge
wissen Überwachungsbedürftigkeit ausgegangen werden. Aufgrund der offenbar vorliegenden kognitiven Einschränkungen scheine eine gewisse latente Eigengefährdung ausgewiesen (S. 6).
3.8.8
Zusammenfassend wurde in den Bereichen
„
An-/Auskleiden
“
,
„
Essen
“
,
„
Kör
per
pfle
ge
“
und
„
Fortbewegung
“
ab Januar 2009 beziehungsweise ab August 2006 eine Hilf
s
bedürftigkeit angenommen.
Ab Januar 2008 könne zudem die
Über
wachungs
bedürftigkeit
angerechnet werden
(S. 6 unten)
.
3.9
Gestützt auf den Abklärungsbericht vom 2
9.
März 2011 wurde der Beschwer
deführerin mit Verfügung vom 2
7.
Mai 2011 mit Wirkung ab
1.
Dezember 2009 eine Entschädigung wegen mittlerer Hilflosigkeit zugesprochen (
Urk.
5/75, vgl.
Urk.
5/73).
3.10
Mit Bericht vom 2
8.
April 2011 hielt der behandelnde med.
pract
.
C._
an seinen gestellten Diagnosen (posttraumatische Belastungsstörung, anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung, andere andauernde Persönlichkeitsänderung nach Autounfall 2006 mit posttraumatischer Symptomatik, diversen Ängsten und emotionaler Instabilität) fest und berichtete über den Therapieverlauf.
Einerseits
gab er an
, die
Beschwerdeführerin werde stets von ihrem Ehemann begleitet.
Andererseits
hielt er fest
, der Beschwerdeführerin
sei es gelungen, nach drei Sitzungen allein in die Therapie zu kommen.
Allein sei sie gesprächi
ger.
Sie
sei aus psychotherapeutischer Sicht zu 100
%
a
rbeitsunfähig. Die
regelmässige Erledigung
der alltäglichen Aufgaben im Haushalt sei durch die starken Schwankungen des Gemütszustandes nicht gewährleistet (
Urk.
5/80).
3
.11
Am 3
0.
August 2011 nahm die RAD-Ärztin
Dr.
med. H._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, zu allfälligen Unstimmigkeiten zwischen dem Abklärungsbericht vom 2
9.
März 2011, der RAD-Stellungnahme vom
4.
März 2011 und dem Gutachten und der ergänzenden Stellungnahme von
Dr.
A._
vom 1
3.
Januar 2011 beziehungsweise
9.
Februar 2011 Stellung. Dabei hielt sie fest, dass der im Gutachten geschilderte Tagesablauf und psy
cho
pathologische Befund nicht den Schilderungen im Abklärungsbericht wider
spreche.
Anhand der Aktenlage könne aus versicherungspsychiatrischer Sicht teil
weise von einem sekundären Krankheitsgewinn und von einer teilweise ein
geschränkten Zumutbarkeit zur willentlichen Überwindung der Beschwerden ausgegangen werden.
Aus versicherungsmedizinischer Sicht könnten keine Widersprüche festgestellt werden. Die in der RAD-Stellungnahme vom
4.
März 2011 angegebene Restarbeitsfähigkeit von 50
%
in angepasster Tätigkeit in Heimarbeit sei medizinisch-theoretisch zumutbar
(
Urk.
5/172/7-8).
3.1
2
Am
1.
September 2011 hielt die
IV-
Abklärungsperson fest, dass sie die Angaben der Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Präsentation während der Abklärung vor Ort und angesichts der bis dahin vorliegenden Unterlagen nicht in Zweifel habe ziehen müssen. Obschon sie das sehr hohe Ausmass der Passivität der Beschwerdeführerin auch nicht wirklich in Einklang mit den vorliegenden medizinischen Unterlagen
habe bringen können, seien die Schilderungen vor Ort grundsätzlich doch glaubwürdig gewesen (
Urk.
5/172/8).
RAD-Ärztin
Dr.
H._
befand am
7.
September 2011 ihrerseits auf Anfrage die geschilderten Beobachtungen vor Ort aus medizinisch-praktischer Sicht als nachvollziehbar. Unter Einbezug der psychiatrischen Einschätzung des Gutach
ters sei die Beschwerdeführerin in der Haushaltsbewältigung aus medizinisch-theoretischer Sicht teilweise auf Hilfe angewiesen (
Urk.
5/172/8).
3.13
Med.
pract
.
C._
ergänzte mit Bericht vom
3.
Oktober 2011 (
Urk.
5/84/1-4) seine bisher gestellten Diagnosen um die Diagnose eines „Depressions-Zustands“ (
Ziff.
1.1). Es finde eine Gesprächstherapie beim Psychotherapeuten
D._
statt. Weiterhin seien keine Veränderungen im Gesundheitszustand eingetreten. Die Beschwerdeführerin habe sich massiv zurückgezogen (
Ziff.
1.4). Es bestünden kognitive Einschränkungen, Körperschmerzen, ein depressiver Zustand, Angstzustände (
Ziff.
1.7). Die Beschwerdeführerin sei zu 100
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
1.6), auch für behinderungsangepasste Tätigkeiten (S. 4).
In einem Beiblatt
zum Arztbericht
beantwortete er am
9.
November 2011
Fra
gen zur Hilflosigkeit der Beschwerdeführerin
(
Urk.
5/89)
. Im Vergleich zu seinen
Angaben vom 1
6.
Dezember 2010 bezeichnete er die Beschwerdeführerin
unverändert als hilfsbedürftig bei der Fortbewegung im Freien und bei der Pflege gesellschaftlicher Kontakte
(S. 2)
. Auch benötige sie unverändert Beglei
tung bei Erledigungen und Kontakten ausserhalb der Wohnung und die regel
mässige Anwesenheit einer Drittperson zur Verhinderung einer dauernden Iso
lation von der Aussenwelt
(S. 3)
. Neu befand er, dass die Beschwerdeführerin auch beim Kämmen und Baden/Duschen regelmässig auf die Hilfe Dritter ange
wiesen sei. Sie müsse verbal aufgefordert werden, sich zu waschen und zu kämmen.
Man habe sie beim Baden zu unterstützen, das Wasser in die Wanne einlaufen zu lassen, und man könne sie nicht lange in der Wanne alleine lassen (S. 2).
In allen anderen Bereichen, insbesondere auch beim „Anklei
den/Auskleiden“ und beim „Essen“, verneinte er eine Hilfsbedürftigkeit.
3.14
RAD-Ärztin
Dr.
H._
nahm am
7.
März 2012 Stellung. Sie befand die von med.
pract
.
C._
diagnostizierte posttraumatische Belastungsstörung aus ver
sicherungsmedizinischer Sicht nicht nachvollziehbar. Einleuchtend sei hingegen die andauernde Persönlichkeitsänderung nach Autounfall 2006 mit posttrauma
tischer Symptomatik. Die aktuelle Aktenlage weise seit der Begutachtung durch
Dr.
A._
keine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes
aus. Der Beschwerdeführerin sei es zumutbar, ihre Beschwerden teilweise zu überwinden und eine angepasste Heimarbeit zu leisten. Ein Gesundheitsschaden sei im Sinne einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung, einer andauernden
Persön
lichkeitsänderung
und einer
chronifizierten
depressiven Entwicklung, mittelgra
diger Episode
,
ausgewiesen. Damit liege ein relevantes psychisches Leiden vor, das zu deutlichen Funktionseinschränkungen führe (
Urk.
5/172/9).
3.15
Am 2
6.
April 2012 legte
d
e
r Rechtsdienst der Beschwerdegegnerin
den Fall erneut
dem RAD
zur Stellungnahme zu allfälligen Unstimmigkeiten und zur Frage, ob allenfalls eine Observation nötig wäre, vor. RAD-Arzt
D
ipl. med.
I._
, Facharzt für Neurologie
,
Psychiatrie
und Psychotherapie
, wies
in der Folge am 2
7.
April 2012
auf diverse Unstimmigkeiten im medizinischen Sach
ver
halt hin
. Die Beschwerdeführerin habe
gemäss
den Unterlagen am 3
1.
Au
gust 2006 einen Autounfall erlitten. In der Folge seien Nackenschmerzen, Nervosität und Konzentrations- und Schlafstörungen aufgetreten. Aus psychi
atrischer Sicht sei sie vor dem Unfall vollkommen unauffällig gewesen. Auffal
lend sei jedoch, dass die Beschwerdeführerin verschiedene Stellenverluste innerhalb kurzer Zeit erlitten habe. Die bisherigen Behandlungen seien alle erfolglos geblieben. Während einer Begutachtung sei sie durchaus
in der Lage gew
esen
, umfassend und ausf
ü
hrlich
Auskunf
t zu ihren Beschwerden zu gebe
n. Dagegen sei sie
wä
hrend der Abklärung vor Ort zur Hilfl
o
s
ig
keit völlig apa
thisch auf dem Sofa gel
egen
. Zur Psychotherapie habe sie anfänglich nur in
Beg
l
eitung, später aber auch alleine erscheinen können, was ebenfalls mit der Abklärung vor Ort kontrastiere. Die äusserst ausgeprägten Beschwerden seien bei vollkommen
blander
Anamnese v
erglichen mit
dem doch eher leichten Unfall
ohne organische
nachgewiesen
e
Schäden
ungewöhnlich.
Gemäss dem Abklärungsbericht verlasse die Beschwerdeführerin das Haus nur in Begleitung und nicht häufiger als zweimal pro Woche.
Über eine Observation könnten weiterführende Information erhältlich gemacht werden (
Urk.
5/172/10-11).
3.16
3.16
.1
Zwischen dem 1
1.
Juni und dem
7.
Juli 2012 erfolgte im Auftrag der
Beschwer
degegnerin
(vgl.
Urk.
5/111) eine durch die
J._
durchge
führte Observation (
Urk.
5/
112
S. 3 oben).
3.16.2
Im Bericht der
J._
vom 2
3.
Juli 2012 (
Urk.
5/112
) wurde ausgeführt, die Beschwerdeführerin habe sich während der Überwachungsphase die meiste Zeit an ihrem Wohnort aufgehalten und sei dort ab und zu im Garten
ge
s
ehen worden. Am Samstag,
7.
Juli 2
012, sei sie als Beifahrerin zu
sammen
mit einer weiblichen Person zu einem Schuhgeschäft in
K._
gefahren.
Dort habe sie sich zirka eine Viertelstunde aufgehalten. Sie sei unter anderem al
leine
durch das Schuhgeschäft gegangen und habe diverse Schuhe begutachtet.
Dabei habe sie unter anderem die linke oder rechte Hand über Schulterhöhe gehoben und nach den Schuhen auf den Regalen gegriffen. Auch habe sie sich weit nach vorne gebückt und mit der linken Hand im untersten Bereich eines Regals nach einem Schuh gegriffen.
In der Folge habe sie auch Schuhe anprobiert, ohne sich hinzusetzen. Ohne einen Einkauf zu tätigen, habe sie das Geschäft mit der Begleitperson wieder verlassen (S. 3 unten
und S. 12
).
3.16.3
Die Beschwerdegegnerin stellte im Hinblick auf die Überwachungsziele die Frage,
wie die Beschwerdeführerin die alltäglichen Arbeiten und Obliegenheiten erledi
gen könne. Der Ermittler der
J._
antwortete dazu, die Beschwerdeführerin habe gelegentlich gesehen werden können, wie sie alleine mit Küchenutensilien (Kochtopf, Plastikbehälter etc.) zum Kompostbehälter in ihrem Garten gekommen sei und dort offenbar Küchenabfälle entsorgt habe, weshalb davon ausgegangen werden könne, dass sie irgendwelche
Küchenar
beiten
ausführe
(S. 4
Ziff.
1)
.
Auch sei es vorgekommen, dass sie den Briefkas
ten geleert habe (S. 6
Ziff.
17).
Auf die Frage,
ob bei der Beschwerdeführerin die in den Beschwerden aufgelisteten Symptome (ängstlich, apathisch, etc.) ersicht
lich gewesen seien
, antwortete der Ermittler, die Besc
hwerdeführerin sei unter anderem alleine in einem
Schuhladen umhergegangen und habe sich verschie
dene Schuhe angeschaut. An
ihrem Wohnort habe sie sich immer wieder alleine in ihrem Garten aufgehalten. Ihr Auftreten sei dabei aufmerksam und für den Betrachter
zu keiner Zeit ge
hemmt, ängstlich oder verunsichert gewesen (S. 4
Ziff.
3). Die Beschwerde
füh
rerin habe kürzere Wegstrecken zurückgelegt u
nd dabei ein flüssiges und zügi
ges
Gangbild gezeigt (S. 4
Ziff.
6).
Die Bewegungen der Beschwerdeführerin seien zu keiner Zeit gehemmt gewesen. Sie habe sich unter anderem auf einen Stuhl gesetzt und wieder erhoben. Auch sei es vorge
kommen, dass sie sich im Garten ihres Wohnortes stehend nach vorne gebeugt habe und mit beiden Händen nach Gegenständen auf dem Boden gegriffen und diese aufgehoben habe. Ihr Gesichtsausdruck sei gelöst und zufrieden gewesen (S. 4
Ziff.
5).
3.16.4
Auf die Frage, ob die Beschwerdeführerin einen wenig kommunikativen, zurück
haltenden oder einen kommunikativen, kontaktfreudigen Eindruck gemacht habe,
antwortete d
er Ermittler,
die Beschwerdeführerin sei immer wieder gesehen wor
den, wie sie sich im Garten ihres Wohnhauses aufgehalten habe.
Dabei sei es unter anderem vorgekommen, dass sie zusammen mit Personen am
Gartentisch gesessen und Tee getrunken habe. S
ie habe sich unterhalten und ak
tiv
am Gespräch teilgenommen. Weiter habe sie sich ab und zu alleine und mit diver
sen Kindern im Garten aufgehalten und sich mit diesen unterhalten. In der
Folge sei sie auch näher auf die Kinder eingegangen und habe mit ihnen zu
sam
men
etwas begutachtet. Es sei klar erkennbar gewesen, dass sie einen zirka fünf Jahre alten Knaben
beaufsichtigt habe. Auch habe sie vorbeigehende Personen gegrüsst (S. 5
Ziff.
8).
Bei den diversen Gesprächen mit ihren Mitmenschen habe sie sich aufmerksam und besonders gegenüber dem etwa fünf Jahre alten Knaben fürsorglich verhalten (S. 5
Ziff.
9). Sie habe immer saubere und gepflegte Freizeitkleidung getragen. Ihr Auftreten habe selbstbewusst und sicher gewirkt (S. 5
Ziff.
10 und 11). Sie habe zu keiner Zeit Dritthilfe in Anspruch nehmen müssen (S. 6
Ziff.
18).
3.17
Die Beschwerdeführerin antwort
ete in einem Fragebogen vom 1
7.
August 2012 (
Urk.
5/98
) auf Fragen der Beschwerdegegnerin nach ihrem Gesundheitszustand. Das Formular wurde von der Ergotherapeutin im Beisein der
Beschwerdeführe
rin und ihrer
Schwägerin ausgefüllt (S. 4 unten). Auf die Frage, welche körperli
chen und/oder psychischen Einschränkungen sie von
einer vollen oder teilwei
sen Ar
beitsfähigkeit abhalten würden, gab die Beschwerdeführerin an, sie habe starke Schmerzen am ganzen Körper und Ängste. Es bestehe ein starker Rück
zug aus dem sozialen Leben (sie verbringe die Zeit praktisch nur in einem Zim
mer auf dem Sofa). Weiter gab sie eine grosse Müdigkeit und eine depressive Symptomatik an. Beim Gehen sei sie durch starke Schmerzen eingeschränkt (Rücken, Beine, Arme, Schultern, Kopf). Es seien ihr nur ganz kurze Gehstrecken möglich
. Sie benötige für alles, insbesondere beim Schuhe binden oder Tragen von grösseren Gegenständen, Unterstützung
(S. 1 oben). Auf die Frage, welche
Tätigkeiten - ausserhalb einer Erwerbstätig
keit - sie seither ausgeübt habe, ant
wortete die Beschwerdeführer, dies sei gar nicht
möglich. Sie könne auch mit ihren Kindern nichts gemeinsam machen. Der Haushalt sei gar nicht möglich
, ihre Schwägerin mache alles
(S. 1 unten).
Sitzen könne sie nur zum E
ssen, dann müsse sie sich wieder hinlegen. Sie lebe sozial zurückgezogen, ausser zu ihrer Familie und einmal wöchentlich mit ihrer Ergotherapeutin und ihrem Psychiater habe sie keine sozialen Kontakte mehr. Sie äussere kaum mehr Freude, alles sei eine Belastung für sie. Bei fremden Menschen habe sie grosse Ängste, sie nehme keinen Kontakt auf (S. 2).
Auf die Frage nach Sportarten oder Hobbys antwortete die Beschwerdeführerin, leider sei es ihr nicht mehr möglich, einem Hobby nachzugehen und auch kei
ner ruhigen Tätigkeit. Sie liege nur noch auf dem Sofa und zeige keine Interes
sen an irgendetwas (S. 2 unten).
Sie könne kein Fortbewegungsmittel mehr selbständig benützen. Mit der Familie fliege sie zweimal pro Jahr nach
L._
, wobei sie grosse Ängste habe. Der Zustand sei seit dem Unfall unverändert (S. 3).
3.1
8
In i
hren Berichten vom
4.
und 1
9.
September 2012
(
Urk.
5/100-101)
wiederhol
ten med.
pract
.
C._
und der Psycho
therapeut
D._
die mit früheren Berichten gestellten Diagnosen und Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit. Aus
drücklich wurde festgehalten, dass die Beschwerdeführerin den Haushalt nicht mehr verrichten und sich auch nicht mehr um ihre eigenen Kinder kümmern könne. Sie verhalte sich total passiv (
Urk.
5/100 S. 2). Zur Therapie werde sie stets von ihrem Ehemann begleitet
(
Urk.
5/101 S. 2)
.
3
.
19
RAD-Arz
t Dipl. med.
I._
nahm am
1.
Oktober 2012 (
Urk.
5
/
172/12
) ergän
zend
zum Observationsmaterial betr
effend die Observierung vom 1
1.
Juni bis
7.
Juli 2012 Stellung.
Dipl.
med.
I._
führte aus, es bestünden Zweifel am funktionellen
Leistungs
bild
.
Di
e Beschwerdeführerin sei i
m Rahmen der Observation bei verschiedenen Haus
haltstätigkeiten beobachtet worden. Sie h
abe mit anderen Personen kom
mu
niziert. Ausserdem habe sie sich ohne fremde Hilfe in einem Schuhgeschäft bewegen und Schuhe anprobieren können. Dies stehe im Gegensatz zu dem regressiv apathischen Zustandsbild bei der Aussendienstabklärung. Die funktio
nellen Einschränkungen seien mit überwiegender Wahrscheinlichkeit geringer als
bisher angenommen. Die bisherigen Observationssequenzen seien sehr kurz. Des
halb wären zusätzliche Sequenzen durchaus
sinnvoll. Bei den bisherigen Se
quenzen liessen sich keine körperlichen Einschränkungen feststellen. Ob zusätz
lich noch psychische Einschränkungen bestünden
,
erscheine fraglich, da
die Be
schwerdeführerin eine deutliche Teilhabe am familiären und ausserhäusli
chen L
eben zeige
.
3.20
Im Auftrag der
Generali
observierte die
M._
die Beschwerdeführerin zwischen dem 1
5.
Juli und 1
1.
August 2012 in
L._
(
Urk.
5/113 S. 2 bis 8).
Dem Bericht vom
5.
September 2012
(
Urk.
5/113)
ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin am 1
1.
August 2012 auf einem öffentlichen Markt beobachtet worden sei.
Sie sei alleine gewesen und von einem Marktstand zu einem Gemüsestand gegan
gen. Über der linken Schulter habe sie eine grosse Handtasche getragen. Beim Gemüsestand sei die Beschwerdeführerin, die einen gepflegten Eindruck gemacht habe, stehen geblieben. Sie habe sich umgesehen, als ob sie jemanden suchen würde. Sie habe mit einem Mobiltelefon telefoniert. Kurze Zeit später sei ein älterer Mann auf sie zugekommen und sie seien gemeinsam in einem Auto wegg
efahren
. Es hätten keine objektivierbaren Behinderungen oder Einschrän
kungen festgestellt werden können
(S. 4 bis 8)
.
3.21
In seiner Stellungnahme vom
1.
November 2012 hielt RAD-Arzt Dipl. med.
I._
fest, die Observation stehe im krassen Widerspruch zu den Angaben im Abklärungsbericht und den Angaben der Beschwerdeführerin. Anhand der Observation sei eine Verbesserung des Gesundheitszustandes überwiegend wahrscheinlich. Die Fragen nach einer Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und in einer angepassten Tätigkeit seien im Rahmen einer Begutachtung zu klären (
Urk.
5/172/13).
3.22
Am 2
9.
November 2012
besprachen Mitarbeiter des Rechtsdienstes der
Beschwer
degegnerin
mit der Beschwerdeführerin und in Anwesenheit ihrer Schwägerin die Situation und
eröffneten ihr
das Observationsergebnis
(
Urk.
5/117)
.
Die Beschwerdeführerin hielt dabei an ihren Aussagen im Frage
bogen vom 1
7.
August 2012 fest (S. 2). Nach dem Gespräch stellten die IV-Mit
arbeiter fest, a
nfänglich
habe
hauptsächlich die Schwägerin gesprochen und die Beschwerdeführerin
nur teilweise mit dem Kopf genickt oder diesen geschüttelt, wobei sie
ein schmerzverzehrtes Gesicht gemacht und ihre Pos
i
tion auf dem Stuhl geändert habe.
Nach Eröffnung der Observation habe sie aktiver am Gespräch teilgenommen (
Urk.
5/172/13-14).
In der Folge wurde mit Verfügung vom 1
0.
Januar 2013 die
Hilflosenentschädi
gung
per sofort sistiert, da eine Verbesserung des Gesundheitszustandes über
wiegend wahrscheinlich sei (
Urk.
5/124).
3.23
3.23.1
Am
4.
und
6.
November 2013 wurde die Beschwerdeführerin im Auftrag der Beschwerdegegnerin durch Ärzte der
Medas
Z._
internistisch, rheuma
tologisch und
insbesondere
psychiatrisch begutachtet
. Die Ärzte erstatteten ihr Gutachten am 1
8.
November 2013 (
Urk.
5/152/2-43).
Gestützt auf umfassendes
Aktenstudium (S. 2-21
Ziff.
2
) und unter Berücksichtigung der
subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin zur allgemeinen und persönlichen Anamnese, zur Systemanamnese und zum jetzigen Leiden (S. 21-26
Ziff.
3)
sowie
gestützt auf die
Befunderhebung aus rheumatologischer und internistischer Sicht
, die
fachspezifischen Zusatzuntersuchungen
(S. 25-26
Ziff.
4) und die ausführliche psychiatrische Teilbegutachtung (S. 26-37
Ziff.
5) gelangten die Ärzte in ihrer polydisziplinären Konsensbesprechung vom
6.
November 2013 zum Schluss, dass keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu stellen seien (S.
37
Ziff.
6.1.1).
Ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nannten die Ärzte fol
gende Diagnosen:
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4)
rezidivierende depressive Störung, derzeit voll remittiert (ICD-10: F33.4)
akzentuierte Persönlichkeitszüge mit
histrionischen
und passiv-
aggressi
ven Anteilen (ICD-10: Z73.1)
generalisiertes Schmerzsyndrom mit multiplen vegetativen
Begleitbeschwerden
chronisches
zervikozephales
Syndrom mit/bei Status nach HWS-
Distorsion am 3
1.
August 2006
Status nach Radio-Jod-Therapie im Juli 2007 wegen Hyperthyreose und
Struma-Adenom
3.23.2
Bei der aktuellen Untersuchung habe die Beschwerdeführerin das Bild eines
Ganz
körperschmerzsyndroms
geboten. Hals- und Lendenwirbelsäule würden stark eingeschränkt bewegt unter diffusen Schmerzäusserungen. Daneb
en
fänden sich viele Zeichen für nichtorganisches Krankheitsverhalten
(S. 38
Ziff.
6.2.3)
. So habe sie beispielsweise bei der Prüfung der Lendenwirbelsäule Rumpfbeugen mit den Händen bis auf die Oberschenkelmitte mit Angabe von Schmerzen im ganzer Körper und
Reklination
und Seitneigung
unter Stöhnen und generalisierter Schmerzangabe
nur angedeutet ausgeführt
(S. 25
Ziff.
4.1).
3.23.3
Der psychiatrische Gutachter
stelle
übereinstimmend mit den
Vorbeurteilungen
die
Diagnose einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung, wogegen eine depressive Störung anhand der aktuellen Untersuchung
s
ergebnisse nicht bestä
tigt werden könne
(S. 38
Ziff.
6.2.3)
.
Eine antidepressive Medikation erscheine aktuell nicht mehr erforderlich. Auch eine Persönlichkeitsänderung, die in einen
Zusammenhang mit dem Autounfall
vom August 2006
diag
n
ost
i
ziert
worden sei, könne aktuell nicht bestätigt werden
(S. 31
Ziff.
5.4.2 unten)
.
3.23.4
Bei der aktuellen Untersuchung h
ätten
eine leichte, eher nur phasenweise
Herab
gestimmtheit
mit allenfalls sehr leichter Antriebsminderung und einem
geringgradigen
sozialen Rückzug, leichter Selbstwertminderung, leichten Schlafstörungen, die scheinbar auf ein Schmerzmittel besser
n
würden, sowie allenfalls leichte Stimmungsschwankungen festgestellt
werden können
.
Haupt
fokus
seien eindeutig diffuse Schmerzangaben im gesamten Körper ohne spezi
elle Lokalisation gewesen. Als wesentliche Symptome seien die diffuse, physio
logisch nicht erklärbare Schmerzsymptomatik und die Schlafstörungen zu nennen, die bisher nicht adäquat behandelt worden seien und die bei einer adä
quaten Behandlung deutlich bessern würden. Die vorliegende psychische Symptomatik wäre eindeutig behandelbar
. Im Vergleich zu den psychischen Einschränkungen, die zu einer
Rentenzusprache
(richtig:
Zusprache
einer
Hilf
losenentschädigung
) geführt hätten, sei von einem wesentlich gebesserten Zustand auszugehen
(S. 31 f.
Ziff.
5.4.3)
.
3.23.5
D
as in den
Vorakten
erwähnte „posttraumatische Belastungssyndrom“ könne weder aktuell noch retrospektiv bestätigt werden. Das Unfallereignis sei ein eher alltäglicher Unfall gewesen.
Am ehesten scheine plausibel, dass sich eine depressive Symptomatik im Rahmen der Schmerzsymptomatik nach dem Unfall entwickelt habe. Diese Symptomatik sei vom Vorgutachter
Dr.
A._
beschrie
ben worden. Aktuell sei sie aber nicht mehr feststellbar. Inzwischen sei auch die Medikation auf eine unbedeutende Dosis reduziert worden. Somit sei es zu einer deutlichen Besserung des psychischen Zustandes gekommen
(S. 32
Ziff.
5.4.3)
.
Da nie eine Extrembelastung vorgelegen habe, könne auch keine
Persönlich
keits
änderung
nach Extrembelastung diagnostiziert werden. Auch eine andau
ernde Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom könne nicht bestätigt werden. Es bestünden bei der Patientin akzentuierte
Persönlichkeits
züge
mit
histrionischen
und passiv-aggressiven Anteilen. Da die Beschwer
de
führerin die Mitarbeit bei der aktuellen psychiatrischen Untersu
chung überwie
gend verweigert habe, hätten weitere psychische Symptome nicht sicher eruiert werden können. Eine andauernde Persönlichkeitsänderung sei letztendlich nicht sicher nachweisbar, könne aber auch nicht sicher bestätigt werden. Einem erfahrenen Untersucher müsste eine solch
schwerwiegende Stö
rung aber sof
o
r
t auffa
l
len, was nicht der Fall gewesen sei. Die A
ngaben der Explorandin hätten un
klar und wenig plausibel gewirkt und ihr Verhalten manipulativ und drama
tisierend. Es hätten sich Tendenzen von Aggravation gezeigt
(S. 32 unten
Ziff.
5.4.3)
.
3.23.6
Der
Medas
-Psychiater nahm in Bezug auf die
somatoforme
Schmerzstörung eine Prüfung der sogenannten Foerster-Kriterien vor. Zusammenfassend gelangte er zum Schluss, dass im Vergleich zu den Vorbefunden aus der psychi
atrischen Begutachtung durch
Dr.
A._
im Jahr 2011 ein wesentlich gebes
serter psychischer Zustand vorliege. Die qualifizierenden Foerster-Kriterien lägen nicht mehr vor
(S. 33
Ziff.
5.4.3)
. Die
Beschwerdeführer
in zeige ausbaufä
hige Ressourcen.
Wenn es von ihr gefordert würde, wäre sie auch in der Lage, mehr Tätigkeiten im Haushalt zu übernehmen.
Sie habe angegeben, dass sie
sehr wohl alleine duschen
und sich auch alleine anziehen könne
(S. 34
Ziff.
5.4.4)
, wobei ihr Mann auch früher hierbei nur selten geholfen habe (S. 28
Ziff.
5.2.1)
.
Der Beschwerdeführerin sei es bei Aufwendung der zumutbaren Willensanstrengung möglich, ihre Beschwerden zu überwinden
(S. 34
Ziff.
5.4.5)
.
3.23.7
Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
in ange
stammter Tätigkeit wie auch in angepassten Tätigkeiten
(S. 34 f.
Ziff.
5.6)
.
Retrospektiv lasse sich der Verlauf der Arbeitsunfähigkeit Jahre nach dem Unfall nur schwer rekonstruieren. Es müsse wohl retrospektiv davon ausgegan
gen werden, dass die Angaben im Gutachten von
Dr.
A._
als Grundlage für die Beurteilung bis 2011 heranzuziehen seien. Seit 2011 sei es zu einer schritt
weisen Besserung der psychischen Einschränkungen gekommen. Wann genau diese Besserung eingetreten sei, lasse sich retrospektiv anhand der vagen und unvollständigen Angaben der Beschwerdeführerin bei nur eingeschränkter Kooperationsbereitschaft nicht sicher feststellen. Etwa drei Monate vor der aktuellen Exploration habe mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine deutli
che Verbesserung der psychischen Einschränkungen bestanden.
Sicher bestehe eine vollständige Arbeitsfähigkeit in bisheriger und angepasster Tätigkeit ab dem Untersuchungszeitpunkt am
6.
November 2013
(S. 36
Ziff.
5.11 und S. 40
Ziff.
8.1)
.
3.24
RAD-Arzt Dipl. med.
I._
hielt in seiner Stellungnahme vom
6.
Januar 2014 das
Medas
-Gutachten für medizinisch nachvollziehbar und in seinen Schluss
folgerungen als plausibel. Eine Verbesserung des Gesundheitszustandes habe stattgefunden (
Urk.
5/172 /15).
3.25
Am
2.
beziehungsweise
4.
April 2014 erging die Stellungnahme des
Rechts
dienstes
der Beschwerdegegnerin (
Urk.
5/172/16-21).
4.
4.1
In somatischer Hinsicht besteht vorliegend unbestrittenermassen kein
Gesund
heitsschaden
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Dies ist aktenmässig ausgewiesen. Strittig und zu prüfen bleibt indes ein allfälliger psychischer Gesundheitsschaden und seine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Besc
hwerdeführerin, insbesondere in der Zeit ab dem Autounfall vom August 2006 bis zur Untersuchung der Beschwerdeführerin durch den Psychiater der
Medas
Z._
am
6.
November 201
3.
4.2
F
ür die Zeit nach der Begutachtung durch die Ärzte der
Medas
Z._
hat die Beschwerdegegnerin un
streitig und
zu Recht auf das
den praxisgemässen Anforderungen
(
vorstehen
d E. 1.11
)
entsprechende
Medas
-
Gutachten vom 1
8.
November 2013 abgestellt: Dieses beruht auf den für die strittigen Belange umfassenden und allseitigen Untersuchungen sowie einer ausführlichen Anam
nese und berücksichtigt die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden sowie sämtliche Befunde in angemessener Weise. Sodann wurde das Gutachten in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstellt und trägt der medizinischen konkreten Situation Rechnung.
Die Gutachter stellten überzeugend fest, dass anhand der aktuellen Untersu
chungsergebnisse keine depressive Störung bestätigt werden könne
(vorstehend
E. 3.23.3)
.
Am ehesten scheine plausibel, dass sich eine depressive Symptomatik im Rahmen der Schmerzsymptomatik nach dem Unfall entwickelt habe. Diese sei vom Vorgutachter
Dr.
A._
beschrieben worden, aktuell indes nicht mehr feststellbar gewesen
.
Die
Medas
-Gutachter beurteilten damit die von
Dr.
A._
festgestellte mittelgradige depressive Episode als reaktive Begleiterscheinung zur chronischen Schmerzstörung, die sich zwischenzeitlich verbessert habe.
Auch eine
andauernde Persönlichkeitsänderung wurde zumindest in der aktuel
len Untersuchung überzeugend verneint
(vorstehend E. 3.23.5).
Die Prüfung der diagnostizierten
somatoformen
Schmerzstörung
erfolgte an
hand der bislang bundesgerichtlich vorgegeben gewesenen sogenannten Foers
ter-Kriterien
(vorstehend E. 3.23.6)
. Deren eingehende Analyse, welche Punkt für Punkt detailliert begründet wurde
(vgl.
Urk.
5/152/2-43 S. 33)
, ergab nach
vollziehbar aus psychiatrisch-versicherungsmedizinischer Sicht eine Zumut
bar
keit der Überwindung der psychischen Störungsbilder durch die Beschwerdefüh
rerin.
Entsprechend besteht
keine invalidisierende
Schmerz
störung
, dies sicher
seit der Begutachtung durch die
Medas
-
Ärzte
(vorstehend E.
3.23.7)
. Dabei bleibt es auch unter dem Gesichtspunkt der unlängst ergan
genen Änderung der Rechtsprechung.
Der psychiatrische Gutachter hat sich – wenn auch, da noch in Unkenntnis mit der
späteren und heute aktuellen
bundesge
richtlichen
Termino
logie, nur sinngemäss – mit dem funktionellen Schweregrad der Beeinträchti
gung auseinander gesetzt: Die
Gesund
heits
schädi
gung
betref
fend wurde die Aus
prägung der relevanten Befunde thematisiert, ebenso der Therapieverlauf und die Frage von begleitenden Erkrankungen (Komorbidität). Der Komplex der Persönlichkeit floss direkt in die Diagnostik ein und der sozi
ale Kontext wurde im Gutachten ebenfalls angesprochen und berücksichtigt.
Unter dem Aspekt der Konsistenz
erscheinen der Umfang der geltend gemachten
Aktivitätseinschrän
kungen
bei deutlichen Aggravationstendenzen und einem ausgeprägten dys
funk
tionalen Krankheits-, Schon- und Vermeidungsverhalten wie auch der eher geringe Leidensdruck bei nicht restlos klarer psychiatrisch-psychotherapeu
tischer Behandlung und Nichtinanspruchnahme der bereits durch
Dr.
A._
empfohlenen
stationären
psychosomatischen
Rehabilitations
behandlung
berück
sichtigt.
4.3
4.3.1
Den
psychischen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und dessen Auswir
kungen auf ihre Arbeitsfähigkeit
im Verlauf
seit dem Unfall vom August 2006
konnten die Ärzte der
Medas
Z._
mehr als sieben Jahre nach dem Unfallereignis naturgemäss
nicht sicher beurteilen.
Hinzu kam, dass die Beschwerdeführerin selbst nur sehr rudimentäre und vage Angaben bei einge
schränkter Kooperationsbereitschaft
machte
.
Die Ärzte
äussersten sich deshalb dahingehend, dass wohl bis
zur Zeit
nach der
Untersuchung
durc
h
Dr.
A._
im Januar 2011
dessen Beurteilung heranzuziehen sei.
Diese Formulierung lässt darauf schliessen, dass die Beurteilung durch
Dr.
A._
die
Medas
-Ärzte nicht restlos zu überzeugen schien. Jedenfalls wiesen sie
unmissverständlich
darauf hin, dass es seither
(zumindest)
zu einer Besserung der psychischen Einschrän
kungen gekommen sei,
so dass sie aktuell weder eine depressive Störung noch eine andauernde Persönlichkeitsänderung
hätten
feststellen können. Allerdings sahen sie sich
ausser Stande, ein genaues Datum der Besserung zu bezeichnen.
Sie hielten fest, dass überwiegend wahrscheinlich etwa drei Monate vor ihren Untersuchungen, mithin etwa ab August 2013, eine deutliche Verbesserung der psychischen Einschränkungen bestanden habe.
4.3.2
Dr.
A._
Beurteilung
vom
Januar 2011
(vorstehend E. 3.5)
, wonach er die Beschwerdeführerin
für eine angepasste Tätigkeit in Heimarbeit oder als Haus
frau
zu 50
%
arbeitsfähig erachtete,
beruhte vornehmlich auf den subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin sowie auf den Bestätigungen durch ihre Angehörigen.
D
ie
von
der Beschwerdeführerin
geschilderte
n Aktivitäts- und Partizipationsbeeinträchtigungen wurden beispielsweise nicht anhand eines Mini-ICF-APP verifiziert.
Zwar konnte
Dr.
A._
im Gegensatz zu den späteren Gutachtern, die – auch durch die Observationsergebnisse bestätigte - deutliche
Aggravationstendenzen festhielten, keine klaren Hinweise auf eine bewusste Selbstlimitierung feststellen, räumte diesbezüglich aber ein, dass zur Beurteilung einer möglichen Selbstlimitierung ein längerer Beobachtungszeitraum notwen
dig wäre
,
und er nur Vermutungen anstellen könne
(vorstehend E. 3.6)
.
Die neben dem chronischen Schmerzsyndrom bestehende depressive Komponente
bezeichnete er als sekundäre
chronifizierte
depressive Entwicklung, aktuell mit
telgradige depressive Episode.
Nach der Rechtsprechung werden leicht- bis mittelgradige Episoden einer Depres
sion und selbst mittelgradige depressive Episoden regelmässig nicht als von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im Sinne eines verselbständigten Gesundheitsschadens betrachtet, die es der betroffenen Person verunmöglicht, die Folgen der bestehenden Schmerzproblematik zu überwinden. Daran ändert nichts, wenn die depressive Episode vor dem Hintergrund einer rezidivierenden depressiven Störung diag
nostiziert worden ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_104/2014 vom 2
6.
Juni 2014 E. 3.3.4 mit Hinweisen; vgl. auch Urteil 9C_856/2013 vom
8.
Oktober 2014 E.
5.1.2). Zwar ist eine invalidisierende Wirkung einer mittelschweren depressi
ven Störung nicht schlechthin auszuschliessen, indes bedingt deren Annahme, dass es sich nicht bloss um eine Begleiterscheinung einer Schmerzkrankheit, sondern um ein selbständiges, vom psychogenen Schmerzsyndrom losgelöstes depressi
ves Leiden handelt und im Weiteren, dass eine konsequente
Depressi
onstherapie
befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist (Urteil des Bun
desgerichts 8C_774/2013 vom
3.
April 2014 E. 4.2 mit Hin
wei
sen).
Dr.
A._
hielt fest,
dass sich die depressive Symptomatik
nach dem im August 2006 erlittenen Unfall
entwickelt habe. Dass es sich dabei um ein selbständiges, vom chronischen Schmerzsyndrom losgelöstes Leiden handelt, ist seiner Beur
teilung so nicht zu entnehmen.
Er bejahte zwar das Vorliegen einer psychischen Komorbidität
(vorstehend E. 3.6)
, ohne dies
aber
näher darzulegen, mithin
ohne eine
nachvollziehbare, mit objektiven Befunden untermauerte Begründung. Ins
besondere bleibt unklar,
welches
der
neben der
somatoformen
Schmerzstörung
von ihm diagnostizierte
n
Leiden (
chronifizierte
mittelgradige depressive Episode oder Pers
önlichkeitsänderung
mit massivem Rückzug, Passivität und zuneh
mender Regression und Ängstlichkeit bei Status
nach Autounfall
)
Dr.
A._
als psychische Komorbidität
verstanden haben
wollte
.
Da aber gemäss den Aus
führungen von
Dr.
A._
nicht von einer Ausschöpfung der therapeutischen und medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten gesprochen werden kann,
hielt dies
er
doch fest
, die antidepressive Medikation sei
aufgrund des mittelgradigen depressiven Syndroms
auszubauen
,
und
zur Stabilisierung der psychischen
Situation sei eine stationäre Behandlung in einer psychosomatischen Klinik indiziert, wodurch mindestens wieder eine Teilarbeitsfähigkeit in einer ausser
häuslichen Tätigkeit erreicht werden sollte
(vorstehend E. 3.5.4)
,
ist jedenfalls zu schliessen, dass die depressive Störung aufgrund der fehlenden konsequenten Depressionstherapie nicht als
therapie
resistent ausgewiesen und daher aus rechtlicher Sicht nicht als invalidisierend zu betrachten ist.
4.3.3
Die Beschwerdeführerin machte geltend, die von
Dr.
A._
diagnostizierte
Per
sönlichkeitsänderung
mit massivem Rückzug, Passivität und zunehmender Regression und Ängstlichkeit sei durchaus als eigenständige Erkrankung zu werten (vorstehend E. 2.2.2).
Die von
Dr.
A._
gestellte diesbezügliche Diag
nose stützte sich auf die Äusserungen der Beschwerdeführerin und ihrer Ange
hörigen, die eine deutliche Regression mit Vermeidungsverhalten und Rückzug beschrieben, sowie auf die gestellte Diagnose der die Beschwerdeführerin 2010 behandelnden Ärzte der
E._
, die eine andere andauernde
Persönlichkeitsände
rung
nach Autounfall im August 2006 mit posttraumatischer Symptomatik, diversen Ängsten und emotionaler Instabilität nannten
(vorstehend E. 3.5.3 und E. 3.3)
.
Dr.
A._
erläuterte die diagnostizierte Persönlichkeitsänderung indes nicht näher
. Seiner Beurteilung ist einzig zu entnehmen, dass diese
nach dem Unfall entstanden sei.
Ob ein solches Leiden, das von den Ärzten der
Medas
Z._
im November 2013 ausgeschlossen werden konnte
(vorstehend E.
3.23.3)
, im Zeitpunkt der Untersuchung durch
Dr.
A._
tatsächlich vorge
le
gen hatte, erscheint indes zweifelhaft.
Denn bei andauernden Persön
lichkeitsänderungen nach ICD-10
F62 handelt es sich um Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen, die sich bei Personen ohne vorbestehende Persönlichkeitsstörung nach katastrophaler oder extrem anhal
tender Belastung entwickelt haben oder nach schwerer psychischer Krankheit. Diese Diagnosen sollten nur dann gestellt werden, wenn bei einer Person Hin
weise auf eine eindeutige und andauernde Veränderung im Wahrnehmen, Denken und Verhalten bezüglich der Umwelt und der eigenen Person vorliegen. Die Persönlichkeitsänderungen sollen deutlich ausgeprägt und mit unflexiblem und fehlangepasstem Verhalten verbunden sein, das vor der belastenden Erfahrung nicht bestanden hat.
Eine derartige andauernde
Persönlichkeitsän
derung
wird meist als Folge verheerender traumatischer Erfahrungen gesehen. Eine andauernde Persönlichkeitsänderung sollte nur diagnostiziert werden, wenn diese als anhaltend und lebensverändernd anzusehen ist und ätiologisch auf eine tiefgreifende, existentiell extreme Erfahrung zurückgeführt werden kann (
Dilling
/
Mombour
/Schmidt, Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), Klinisch-diagnostische Leitlinien,
9.
Auflage 2014).
Beim am 3
1.
August 2006 erlittenen Unfall handelte es sich um
einen Verkehrs
unfall
, wobei die Beschwerdeführerin mit ihrem Fahrzeug nach einer
Streifkol
lision
mit einem anderen von rechts kommenden Fahrzeug gegen eine
angren
zende Liegenschaft prallte und hernach über Nackenschmerzen klagte
(vgl.
Urk.
5/10/65
und
Urk.
5/92 S.
2
)
.
Die Beschwerdeführerin
erlitt keine schweren Verletzungen. Mit Urteil des hiesigen Gerichts vom 1
2.
März 2010
(
Urk.
5/92)
wurde der Unfall zu den mittelschweren Ereignissen gezählt
(E. 5.1)
, wobei offengelassen wurde, ob das Ereignis als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen oder als mittelschwer im engeren Sinne
einzustufen
sei
(E.
5.2)
. Besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrück
lichkeit des Unfalls wurden verneint
(E. 6.1)
.
Dies wurde vom Bundesgericht mit Urteil vom
4.
August 2010 bestätigt (
Urk.
5/45).
Beim erlittenen Verkehrsunfall handelte es sich nach Gesagtem nicht um ein Ereignis, das als tiefgreifende, katastrophale, existentiell extreme
Erfahrung angesehen werden und zu einem psychischen Leiden gemäss ICD-10 F62 führen könnte
.
Zudem erscheinen die Schilderungen der Beschwerdeführerin, sie müsse aufgrund ihrer Ängste sowie der chronischen Schmerzen zu Hause ständig begleitet werden und verbringe den ganzen Tag mit dem Ehemann oder der Schwägerin, wobei sie das Haus nie alleine verlasse, über keine Eigenaktivität verfüge
,
sich schmerzbedingt auch nicht an den Haushaltarbeiten beteilige
und mit Ausnahme ihrer engsten Angehörigen keine sozialen Kontakte pflege
(vor
stehend E. 3.5.2)
,
angesichts des Umstandes, dass eine bewusste
Selbstlimitie
rung
nicht gänzlich ausgeschlossen werden konnte
(vorstehend E. 3.6)
,
und im Hinblick auf die späteren Observationsergebnisse, gemäss welchen sich die Beschwerdeführerin
unter anderem
immer wieder alleine im Garten ihres Hauses aufgehalten habe, ihr Auftreten zu keiner Zeit gehemmt, ängstlich oder verunsi
chert gewirkt habe, sie mit andern Personen zusammen am Gartentisch geses
sen, Tee getrunken und sich aktiv mit ihnen unterhalten habe, sich mit diversen Kindern im Garten aufgehalten
und offenbar einen Knaben beaufsichtigt und vorbeigehende Personen gegrüsst und sich auch alleine auf einem Markt aufge
halten habe
(vorstehend E. 3.16 und E. 3.20)
, als nicht gänzlich nachvollziehbar. Dies insbesondere vor dem Hintergrund des erlittenen Verkehrsunfalls
, bei wel
chem die Beschwerdeführerin - wie mit Urteil vom 1
2.
März 2010 festgehalten (
Urk.
5/92 E. 6.2) - keine Verletzungen erlitten hat, die erfahrungsgemäss geeignet sind, psychische Fehlentwicklungen auszulösen.
Somit ist mit der Beschwerdegegnerin die diagnostizierte andauernde
Persön
lichkeitsänderung
nicht nachvollziehbar und
vermag daher auch keine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit zu begründen. Eine psychische Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer erscheint demnach
auch
für die Zeit bis zur
Begutachtung durch die Ärzte der
Medas
Z._
als nicht ausgewiesen. Daran vermag auch die nicht weiter begründete Stel
lung
nahme der RAD-Ärztin
Dr.
H._
vom
7.
März 2012 (vorstehend E.
3.14) nichts zu ändern.
4.3.4
Damit verbleibt die Prüfung der invalidisierenden Wirkung der durch
Dr.
A._
diagnostizierten
somatoformen
Schmerzstörung. Die Beschwerdegegnerin
ver
neinte
eine solche, indem sie die Massstäbe der bisherigen Überwindbarkeits-Rechtsprechung an
wandte und
körperliche Begleiterkrankungen
und das Vor
liegen eines primären Krankheitsgewinns
verneinte
sowie
die therapeutischen Behandlungsmassnahmen als nicht ausgeschöpft bezeichnete
(
Urk.
5/172/17)
. Diese Beurteilung stimmt soweit mit derjenigen durch
Dr.
A._
überein
(vorste
hend E. 3.6)
. Dieser erachtete indes das Kriterium
des
sozialen Rückzugs als erfüllt, wo
hingegen
die Beschwerdegegnerin angesichts der
durch die Beschwerdeführerin
geschilderten Kontakte zu ihren Angehörigen und
der Spa
ziergänge, die sie an guten Tagen mit ihrer Schwägerin oder
ihrem
Ehemann unter
nehme, einen solchen in allen Belangen des Lebens verneinte. Die Beurteilung durch die Beschwerdegegnerin ergab nachvollziehbar eine Zumutbarkeit der Überwindung der Beschwerden durch die Beschwerdeführerin.
Bei dieser Schlussfolgerung bleibt es auch unter dem Gesichtspunkt der
Praxis
änderung
durch BGE 141 V 28
1.
Insbesondere unter dem Aspekt der Konsistenz erscheint die Nichtinanspruchnahme der
durch
Dr.
A._
empfohlenen
psy
chosomatischen stationären Behandlung mit nachfolgender Intensivierung der ambulanten Psychotherapie auf einen geringeren Leidensdruck hinzuweisen, als von der Beschwerdeführerin vorgetragen.
Abschliessend gilt es festzuhalten, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass die geltend gemachte Einschränkung anders begrün
det ist als durch eine versicherte Gesundheitsbeeinträchtigung.
Damit steht fest, dass kein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliegt oder vorgele
gen hat. Daraus folgt, dass kein Anspruch auf eine Invalidenrente besteht.
Die diesbezügliche Beschwerde ist demnach abzuweisen.
5.
5.1
Vorliegend ist unbestritten, dass sich die gesundheitliche Situation der Beschwer
deführerin seit der
Zusprache
einer
Hilflosenentschädigung
mittleren Grades
mit Wirkung ab
1.
Dezember 2009 (
Urk.
5/75) verbessert hat. Die Beschwerdeführerin bringt
indes
gestützt auf das Gutachten der
Medas
Z._
vom 1
8.
November 2013
vor, dass erst seit November 2013,
mithin
dem
Zeitpunkt der Untersuchung durch die
Medas
-Gutachter,
davon ausgegangen könne, dass die Voraussetzungen für die Ausrichtung einer
Hilflosenentschädi
gung
nicht mehr erfüllt gewesen seien (
Urk.
1 S. 11).
5.2
Richtig ist, dass die
Medas
-Gutachter
retrospektiv den Beginn der
deutlichen
Besserung der psychischen Einschränkungen nicht sicher feststellen konnten und daher festhielten, dass
zumindest sicher im Untersuchungszeitpunkt und überwiegend wahrscheinlich
drei Monate vor der aktuellen Exploration und damit im August 2013 eine deutliche Verbesserung der psychischen Einschrän
kungen bestanden habe. Ihre Beurteilung lässt
aber Raum für die Annahme eines früheren Einsetzens der (deutlichen) Besserung. Denn sie hielten eine schrittweise Besserung seit der Begutachtung durch
Dr.
A._
im Januar 2011 fest, wobei ihre Formulierung, für die Beurteilung bis Januar 2011 müssten wohl die Angaben von
Dr.
A._
als Grundlage herangezogen werden, ange
sichts ihrer Stellungnahme zu dessen Gutachten
– wie bereits in E. 4.3.1 erwähnt -
darauf hinweist, dass sie seine Beurteilung nicht restlos nachvollzieh
bar erachteten.
5.3
Die
Zusprache
einer
Hilflosenentschädigung
mittleren Grades basierte insbeson
dere auf der am 2
2.
März 2011 durchgeführten Abklärung vor Ort und den damals massiv vorgetragenen Defizite
n
(vorstehend E. 3.8)
.
Im Fragebogen vom 1
7.
August 2012 bezeichnete die Beschwerdeführerin ihren Gesundheitszustand als unverändert (vorstehend E. 3.17).
Die Ergebnisse der Observation in
K._
(vorstehend E. 3.16) wie auch die
jenigen der Observation im Ausland (vorstehend E. 3.20) bestätigten aber die vermuteten Diskrepanzen (vorstehend E. 3.15).
Der apathisch auf dem Sofa liegenden Beschwerdeführerin, welche Fremden gegenüber nur mit Nicken kommuniziere und Mühe habe, wenn viele Leute um sie seien
, welche die Woh
nung nur in Begleitung verlasse
(vorstehend E. 3.8.2)
,
und welche
gemäss ihren Angaben im Fragebogen vom 1
7.
August 2012
(vorstehend E. 3.17)
, bestätigt anlässlich der Besprechung bei der Beschwerdegegnerin vom 2
9.
November 2012
(vorstehend E. 3.22)
, nichts mit ihren Kindern gemeinsam machen könne und kein Interesse an irgendetwas zeige,
stehen
in eindeutiger Weise
die Beobachtungen gegenüber, dass die Beschwerdeführerin
im Juli 2012
alleine durch
ein
Schuhgeschäft
in
K._
gegangen sei
und Schuhe habe probie
ren können
(vorstehend E. 3.16.2
und
Urk.
5/112 S. 21 f. Fotos Nr. 16 bis 18
)
,
im Juli/August 2012
in
L._
allein auf einem öffentlichen Markt beobachtet worden sei
und mit einem Mobiltelefon telefoniert habe
(vorstehend E. 3.20
und
Urk.
5/113
Fotos S. 4 ff.
)
, sich
im Garten
an ihrem Wohnort allein oder in Anwesenheit von
diversen
Personen
aufgehalt
en
, mit diesen Tee getrunken und
sich aktiv mit ihnen unterhalten habe,
vorbeigehende Personen gegrüsst habe,
sich mi
t Kindern im Garten aufgehalten habe und auf diese eingegangen sei und
erkennbar einen etwa fünf Jahre alten Knaben
beaufsichtigt habe
, wobei ihr Auftreten aufmerksam und für den Beobachter zu keiner Zeit gehemmt, ängstlich oder verunsichert gewesen sei
(vorstehend E. 3.16.3-3.16.4
und
Urk.
5/112 S. 14 ff. Fotos Nr. 3 bis 15
)
.
Diese Beobachtungen lassen eine Hilfs
bedürftigkeit im Bereich „Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte“ als auch eine Überwachungsbedürftigkeit der Beschwerdeführerin als zweifelhaft erscheinen.
Den
Angaben
der Beschwerdeführerin
, dass sie, falls sie sich beim Anziehen oder Ausziehen von Schuhen bücken müsse, Hilfe benötige, und nicht in der Lage sei, die Arme über die Schulterhöhe zu heben
(vorstehend E. 3.8.3, E. 3.8.5 und E. 3.17)
,
stehen die Beobachtungen im Schuhgeschäft
diametral
gegenüber (
vgl. auch
Urk.
5/112 S. 21 f. Fotos Nr. 17 und Nr. 18). Auch wurde sie dabei beobachtet, wie sie
sich im Garten ihres Wohnorts stehend nach vorne gebeugt und nach einem Gegenstand auf dem Boden gegriffen habe
(
Urk.
5/112 S. 16 Foto Nr. 7 und S. 19 Foto Nr. 13).
Ihren Schilderungen, sie benötige bei allem, so auch beim Tragen von grösseren Gegenständen, Unterstützung, und
es
ihr keine Tätigkeit im Haushalt mehr möglich
sei
,
widersprechen die
jenigen
des Ermittlers
, die Beschwerdeführerin habe gelegentlich gesehen werden können, wie sie alleine mit Küchenutensilien (Kochtopf, Plastikbehälter)
zum Kompostbehälter in ihrem Garten gekommen sei und dort offenbar Küchenabfälle entsorgt habe, weshalb davon ausgegangen werden könne, dass sie irgendwelche Küchenarbeiten ausführe
(vorstehend E.
3.16.3 und
Urk.
5/112 S. 16 Foto Nr. 6).
Auch sei sie gesehen worden, wie sie mit der linken Hand einen Hocker zum Gartentisch trage und wie sie ein
Kin
derrad
mit der rechten Hand hochhebe, es einige Meter trage und neben der Liegenschaft deponiere (
Urk.
5/112 S. 9 und
Urk.
5/112 S. 20 Foto Nr. 14).
Den von der Abklärungsperson als diffus bezeichneten Angaben der Beschwer
de
führerin anlässlich der Abklärung vor Ort im Bereich „Essen“
stehen die Beo
bach
tungen gegenüber, dass die Beschwerdeführerin mit anderen Personen in ihrem Garten Tee getrunken und
auch
nach etwas
Essbarem (
Aperitif
geb
ä
ck
) gegriffen und dieses zum Mund geführt habe
(
Urk.
5/112 S. 7 und
Urk.
5/112 S.
14 f. Fotos Nr. 3 bis 5)
.
Zudem gilt es zu berücksichtigen, dass auch ihr behandelnder Arzt med.
pract
.
C._
im Dezember 2010 und im Oktober 2011
eine Hilfsbedürftigkeit der Beschwerde
führerin im Bereich „Essen“ stets vernein
te (vorstehend E. 3.4 und E.
3.13).
Betreffend
die
Hilfsbedürf
t
igkeit
in den Bereichen „An-/Auskleiden“ und „
Kör
per
pflege
“
gab die Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung durch die Ärzte der
Medas
Z._
schliesslich
an,
diesbezüglich auf keine Hilfe mehr angewiesen zu sein, wobei sie auf Nachfragen zugegeben habe,
dass sie
auch früher beim Duschen selten auf die Hilfe ihres Ehemannes angewiesen gewesen
s
ei (vorstehend E. 3.23.6).
Auch
ist auf die Verneinung einer Hilfsbe
dürftigkeit der Beschwerdeführerin im Bereich „An-/Auskleiden“ durch med.
pract
.
C._
hinzuweisen (vorstehend E. 3.4 und E. 3.13).
5.4
Nach Gesagtem ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und dadurch auch
ihre Selbständigkeit
spätestens
ab dem Zeitpunkt der Observation (Beginn Juni 2012) erheblich verbessert
hat
. Im Gegensatz zu den geschilderten
Einschrän
kun
gen
anlässlich der Abklärung vor Ort war die Beschwerdeführerin in der Lage, ihre Wohnung selbständig zu verlassen
, sich auch unter fremden Men
schen wie auf einem öffentlichen, belebten Markt aufzuhalten
und
gewisse soziale Kontakte zu pflegen. Sie bedurfte
keiner
dauernden persönlichen
Über
wachung
, war
sie doch selber offensichtlich in der Lage, Kinder zu beaufsichti
gen. Auch erscheint es überwiegend wahrscheinlich, dass sie bereits in jenem Zeitpunkt in den Bereichen „An-/Auskleiden“, „Körperpflege“ und „Essen“ nicht mehr
dauernd, regelmässig und in erheblicher Weise
auf d
ie Hilfe Dritter ange
wiesen war und daher überwiegend wahrscheinlich keine Hilflosigkeit mehr vorlag.
5.5
In Anwendung von
Art.
88a
Abs.
1 IVV letzter Satz ist die Verminderung der Hilflosigkeit für die Aufhebung der Leistung in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussic
htlich weiterhin andauern wird, weshalb vorliegend spätestens seit dem
1.
Oktober 2012 (Mitte Juni 2012 plus drei Monate) keine Hilfslosigkeit mehr ausgewiesen ist.
6.
6.1
Es bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin infolge einer
Meldepflichtverlet
zung
einen Rückforderungsanspruch hat.
6.2
6.2.1
Gemäss
Art.
25
Abs.
1 Satz 1 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzuerstatten. Der Rückforderungsanspruch erlischt mit dem Ablauf eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der ein
zelnen Leistung. Wird der Rückforderungsanspruch aus einer strafbaren Hand
lung hergeleitet, für welche das Strafrecht eine längere Verjährungsfrist vor
sieht, so ist diese Frist massgebend (
Art.
25
Abs.
2 ATSG).
6.2.2
Laut
Art.
77 IVV hat der Berechtigte oder sein gesetzlicher Vertreter sowie Behör
den oder Dritte, denen die Leistung zukommt, jede für den
Leistungsan
spruch
wesentliche Änderung, namentlich eine solche des Gesundheitszustan
des, der Arbeits- oder Erwerbsfähigkeit, des Zustands der Hilflosigkeit, des
inva
liditätsbedingten
Betreuungsaufwandes oder Hilfebedarfs, des für den Ansatz der
Hilflosenentschädigung
und des Assistenzbeitrages massgebenden Aufent
haltsortes sowie der persönlichen und gegebenenfalls der wirtschaftli
chen Ver
hältnisse des Versicherten, unverzüglich der IV-Stelle anzuzeigen (vgl. auch
Art.
31
Abs.
1 ATSG).
Wird eine Leistung der Invalidenversicherung zu Unrecht ausgerichtet und ist dies darauf zurückzuführen, dass der Bezüger sie unrechtmässig erwirkt hat oder der ihm gemäss
Art.
77 IVV zumutbaren Meldepflicht nicht nachgekom
men ist, erfolgt die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung rückwirkend
ab
Eintritt der für den Anspruch erheblichen Änderung
an, unabhängig davon, ob die Verletzung der Meldepflicht oder die unrechtmässige Erwirkung ein Grund für die Weiterausrichtung der Leistung war
(
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. b IVV), an
son
sten frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung fol
genden Monats an (
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. a IVV).
6.3
Nach dem in Erwägung 5 Gesagten lässt sich gestützt auf die vorliegende Akten
lage eine gesundheitliche Verbesserung
vor November 2013
mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit feststellen.
Eine Meldepflicht bezieht sich auf
Sach
verhaltsänderungen
, um welche die betreffende Person sowohl bezüglich des Vorliegens als auch hinsichtlich der Auswirkungen auf den
Leistungsan
spruch
weiss beziehungsweise wissen müsste (Ueli
Kieser
, ATSG-Kommentar,
2.
Auflage, Zürich/Basel/Genf 2009,
Art.
31
Rz
11).
Das Vorbringen der Beschwerdeführerin, ihr Gesundheitszustand habe sich erst ab der Untersuchung durch die
Medas
-Ärzte im November 2013 erheblich gebessert, erscheint aufgrund des anlässlich der Observationen
gezeigten Ver
haltens
sowie der bei der Begutachtung
erhobenen Befunde
nicht als schlüssig und nicht nachvollziehbar. Zudem räumte die Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung selbst ein, im Bereich „Körperpflege“
auch in der Vergangen
heit
nicht im behaupteten Umfang auf Hilfe Dritter angewiesen gewesen zu sein.
6.4
Nach Gesagtem liegt eine Meldepflichtverletzung vor, weshalb die
Beschwerde
gegnerin
einen Rückforderungsanspruch hat. Damit durfte sie die bisherige
Hilflosenentschädigung
mittleren Grades zu Recht rückwirkend aufheben, wobei die
Einstellung der Leistungen per
1.
Oktober 2012 – und nicht per
1.
August 2012 – zu erfolgen hat (vorstehend E. 5.5). Folglich besteht ein
Rückforderungs
anspruch
der Beschwerdegegnerin für die ausgerichteten Leistungen aufgrund der Hilflosigkeit mittleren Grades für die Zeit ab Oktober 2012 bis zum Zeit
punkt der Sistierung der Leistungen am 1
0.
Januar 201
3.
Die
Beschwerdegeg
nerin
wird über die Rückforderung in
masslicher
Hinsicht
noch
zu verfügen haben.
7.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Invalidenrente hat, weshalb die diesbezügliche Beschwerde abzuweisen ist. Sodann hat die Beschwerdegegnerin die bisherige
Entschädi
gung für eine Hilflosigkeit mittleren Grades zu Recht aufgehoben, wobei die Einstellung in teilweiser Gutheissung der diesbezüglichen Beschwerde per
1.
Oktober 2012 zu erfolgen hat und die ausgerichteten Leistungen für den Zeitraum ab
1.
Oktober 2012 bis 1
0.
Januar 2013 zurückzuerstatten sind.
Die Sache ist zur Festlegung der Rückforderung in
masslicher
Hinsicht an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
8.
8.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streit
wert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
1‘000.-- anzusetzen. Ent
sprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdeführerin zu vier Fünftel
n
(
Fr.
800.--) und der Beschwerdegegnerin zu einem Fünftel (
Fr.
200.--) aufzuerlegen.
8.2
Die nur teilweise obsiegende und anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine
um vier Fünftel
reduzierte Prozessentschädigung, die beim praxisgemässen Stundenansatz für bis Ende 2014 angefallenen Aufwand von
Fr.
200.
--
(zuzüglich Mehrwertsteuer) ermessensweise auf
Fr.
860.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und von der Beschwerdegegnerin zu bezahlen ist.