Decision ID: 0f79a746-2575-558e-95dd-8ad2c76883df
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer mit Verfügung vom 13. Dezember 2011 zum
Zivildienst zugelassen und zur Leistung von 387 Diensttagen verpflichtet
wurde, wovon er bisher 34 Tage geleistet hat;
dass er infolge der Diensttagereduktion im Rahmen der Weiterentwicklung
der Armee noch 330 Tage zu leisten hat und spätestens per 31. Dezember
2023 altershalber aus dem Zivildienst zu entlassen ist;
dass die Vorinstanz den Beschwerdeführer mit Verfügung vom 29. Novem-
ber 2019 von Amtes wegen zu einem Einsatz vom 6. April 2020 bis zum
30. Oktober 2020 verpflichtete;
dass sie diese mit Verfügung vom 8. April 2020 widerrief, da der Einsatz-
betrieb ihr mit E-Mail vom 19. März 2020 mitgeteilt hatte, der geplante Ein-
satz sei aufgrund der Epidemielage (Verbreitung des SARS-CoV-2;
"Corona-Pandemie") nicht mehr möglich, worüber sie den Beschwerdefüh-
rer umgehend mit E-Mail vom 23. März 2020 informiert und den Widerruf
des Aufgebots angekündigt habe;
dass der Beschwerdeführer diese Verfügung mit einer als "Einsprache" be-
zeichneten Beschwerde vom 7. Mai 2020 beim Bundesverwaltungsgericht
anfocht, wobei er die "mind. teilweise" Anrechnung der (nicht geleisteten)
Diensttage vom 6. April 2020 bis zum 10. Mai 2020 beantragte und gleich-
zeitig angab, weiterhin zu versuchen, "einen neuen Einsatz zu suchen und
zu vereinbaren";
dass die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 28. Mai 2020 auf Abwei-
sung der Beschwerde schloss und zur Begründung festhielt:
– der Einsatz vom 6. April bis zum 30. Oktober 2020 sei infolge
Schliessung des Einsatzbetriebs unmöglich geworden, womit ein
wichtiger Grund vorläge, welcher den Widerruf des Aufgebots
rechtfertigt habe;
– da der Beschwerdeführer den Einsatz am 6. April 2020 (gestützt
auf die der Verfügung vom 8. April 2020 vorausgegangene E-Mail
vom 23. März 2020, in welcher der Widerruf angekündigt wurde)
nicht angetreten habe, liege kein vorzeitiger Abbruch des Einsat-
zes vor;
– die Anrechnung von nicht geleisteten Diensttagen bei Widerruf ei-
nes Aufgebots sei nicht vorgesehen;
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dass der Beschwerdeführer in seiner Eingabe vom 15. Juni 2020 ausführte:
– er hätte einen Einsatz vom 6. April bis zum 10. Mai 2020 leisten
können, diese Möglichkeit sei ohne sein Verschulden dahinge-
fallen;
– das Datum vom 10. Mai 2020 beziehe sich auf den Zeitpunkt des
Inkrafttretens von Lockerungen der bundesrätlichen Massnahmen
im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, welche vielen
Betrieben erlaubt hätten, wieder zu öffnen, weshalb er an seinem
Antrag auf Anrechnung dieser Tage trotz Nichtleistung festhalte;
– er gehe davon aus, in Woche 25 eine Einsatzvereinbarung ab-
schliessen und der Vorinstanz anschliessend einreichen zu kön-
nen;
– im Übrigen gehe er davon aus, "dass das Regionalzentrum und
auch das Bundesamt für den Zivildienst im Bezug auf Fristen,
Dienstverschiebung etc. rechtmässig gehandelt" hätten;
dass die Vorinstanz mit Eingabe vom 1. Juni 2020 an ihrem Antrag auf
Beschwerdeabweisung festhielt;
dass sie mit erneuter Eingabe vom 24. August 2020 unter dem Titel "Neue
Beschwerde von [X.] gegen unsere Verfügung vom 10. Juli 2020 (in Erwei-
terung der bei Ihnen hängigen Beschwerdesache B-2459/2020)" an das
Bundesverwaltungsgericht gelangte, in welchem sie anführt:
– der Beschwerdeführer habe am 1./2. Juli 2020 eine Einsatzverein-
barung für einen Zivildiensteinsatz vom 7. September 2020 bis
30. April 2021 abgeschlossen;
– die Vorinstanz habe ihn darauf mit Verfügung vom 10. Juli 2020
zu einem Zivildiensteinsatz von 236 Tagen Dauer in diesem Zeit-
raum aufgeboten;
– am 13. August 2020 (Poststempel vom 14. August) habe der Be-
schwerdeführer ein so tituliertes "Gesuch um Dienstverschie-
bung" eingereicht, in welchem er einen Dienstantritt per 1. April
2021 beantragt;
– da das "Gesuch um Dienstverschiebung" während laufender
Rechtsmittelfrist der Verfügung vom 10. Juli 2020 erhoben wurde
(und da ein enger Konnex zum vorliegenden Beschwerdeverfah-
ren bestehe), sei in diesem eine Beschwerde gegen die genannte
Verfügung zu erblicken;
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dass das Bundesverwaltungsgericht im Verfahren B-4217/2020 mit Verfü-
gung vom 26. August 2020, auf welche verwiesen werden kann, erwog, es
handle sich – insbesondere da das Aufgebot vom 10. Juli 2020 resp. die
darin veranschlagten 236 Diensttage betreffend einen Einsatz bei einem
neuen Einsatzbetrieb mit der beim Bundesverwaltungsgericht hängigen
Streitsache in keinem direkten Zusammenhang steht – bei der Eingabe des
Beschwerdeführers vom 13. August 2020 entgegen den Ausführungen der
Vorinstanz um ein Dienstverschiebungsgesuch, dessen Beurteilung in de-
ren Zuständigkeitsbereich fällt, weshalb dieses zuständigkeitshalber an
diese zurückging;
dass der Beschwerdeführer sich am 27. August 2020 erneut an das Bun-
desverwaltungsgericht wandte und zur Eingabe der Vorinstanz vom 24. Au-
gust 2020 sowie zu seinem dort erwähnten Dienstverschiebungsgesuch
betreffend den Einsatz vom 7. September 2020 bis 30. April 2021 Stellung
nahm;
dass dieses Schreiben am 28. August 2020 sowohl der Vorinstanz als auch
dem Bundesamt für Zivildienst zur Kenntnis gebracht wurde;

und zieht in Erwägung:
dass gemäss Art. 31 VGG das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG beurteilt, sofern keine Ausnahme
nach Art. 32 VGG vorliegt;
dass als Vorinstanzen die in Art. 33 VGG genannten Behörden gelten;
dass das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden
Streitsache zuständig ist (Art. 63 Abs. 1 des Zivildienstgesetzes vom 6. Ok-
tober 1995, ZDG, SR 824.0);
dass die Eingabefrist (Art. 66 Bst. b ZDG) sowie die Anforderungen an
Form und Inhalt der Beschwerdeschrift (Art. 52 Abs. 1 des Verwaltungsver-
fahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968, VwVG, SR 172.021) gewahrt
sind;
dass zur Beschwerde berechtigt ist, wer am Vorverfahren teilgenommen
und durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist sowie ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 48
Abs. 1 Bst. a-c VwVG);
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dass das Rechtsschutzinteresse dann schutzwürdig ist, wenn es erstens
praktisch ist, d.h. wenn ein mit der Verfügung verbundener strittiger Nach-
teil noch besteht, also das mit der Beschwerde verfolgte Anliegen mit deren
Gutheissung erreicht werden könnte, und wenn es zweitens aktuell ist, also
der angefochtene Akt im Urteilszeitpunkt noch Rechtswirkungen entfaltet
und das Ereignis, auf das er sich bezogen hatte, nicht bereits stattgefunden
hat (VERA MARANTELLI/SAID HUBER, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.],
Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, Art. 48 N 15; vgl. ISABELLE HÄNER,
in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar VwVG, 2. Aufl. 2019, Art. 48
N 22);
dass der Beschwerdeführer bereits in seiner Beschwerde vom 7. Mai 2020
sowie in seiner Stellungnahme vom 15. Juni 2020 den Abschluss einer
neuen Einsatzvereinbarung in Aussicht gestellt und diese dann auch be-
treffend einen Zivildiensteinsatz bei einem neuen Einsatzbetrieb vom
7. September 2020 bis zum 30. April 2021 am 1./2. Juli 2020 abgeschlos-
sen und in der Folge bei der Vorinstanz eingereicht hat;
dass er zudem die Rechtmässigkeit des mit Verfügung vom 8. April 2020
erfolgten Widerrufs des Einsatzes vom 6. April 2020 bis zum 30. Oktober
2020 in seiner Eingabe vom 15. Juni 2020 nicht mehr in Frage stellt, aller-
dings an seinem Antrag auf Anrechnung der Einsatztage vom 6. April 2020
bis zum 10. Mai 2020 festhält;
dass auf die Beschwerde mangels Rechtsschutzinteresse daher insoweit
nicht einzutreten ist, als der Beschwerdeführer unter dem Titel «Einsprache
gegen die Verfügung vom 08.04.2020 betreffend Widerruf des Aufgebots»
zumindest sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen Widerrufsverfü-
gung beantragt;
dass in einem Beschwerdeverfahren der Streitgegenstand das durch die
Verfügung geregelte Rechtsverhältnis, soweit dieses angefochten wird,
umfasst und durch den Gegenstand der angefochtenen Verfügung (An-
fechtungsgegenstand) und durch die Parteibegehren bestimmt wird (vgl.
für viele: Urteil des BVGer B-6262/2015 vom 18. März 2016 E. 1.4, m.H.);
dass Gegenstand des Beschwerdeverfahrens jedoch nur sein kann, was
Gegenstand des vorinstanzlichen Verfahrens war oder nach richtiger Ge-
setzesauslegung hätte sein sollen (vgl. für viele: Urteil des BVGer
B-3200/2017 vom 22. August 2017, S. 7);
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dass der in der angefochtenen Verfügung umschriebene Anfechtungsge-
genstand demnach nicht nur den Ausgangspunkt, sondern auch den Rah-
men und die Begrenzung des Streitgegenstandes des Verfahrens bildet,
weshalb über diejenigen Punkte, welche von der Vorinstanz nicht verfü-
gungsweise entschieden wurden und über welche sie nicht entscheiden
musste, das Bundesverwaltungsgericht daher grundsätzlich nicht urteilen
darf (vgl. Urteil des BVGer B-3200/2017 vom 22. August 2017, S. 7, mit
Verweis auf BGE 131 V 164 E. 2.1; Urteil des BVGer B-6262/2015 vom
18. März 2016 E. 1.4);
dass vorliegend nur die angefochtene Verfügung vom 8. April 2020 im Streit
liegen kann, die sich einzig zum Widerruf des Aufgebotes zum Zivildienst
vom 29. November 2019 äussert, nicht aber zur Anrechnung der Einsatz-
tage vom 6. April bis zum 10. Mai 2020 respektive zur Gesamtzahl der noch
zu leistenden Diensttage, über welche es dem Beschwerdeführer freisteht,
bei der Vorinstanz eine anfechtbare Verfügung zu verlangen;
dass daher auf die Beschwerde auch insoweit nicht einzutreten ist, als der
Beschwerdeführer eine Anrechnung der nicht geleisteten Diensttage vom
6. April bis zum 10. Mai 2020 begehrt;
dass Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht im Bereich des Zivildienstes
kostenlos sind und keine Parteientschädigung auszurichten ist (Art. 65
Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 1995 über den zivilen Ersatz-
dienst [ZDG, SR 824.0]),
dass dieser Entscheid nicht an das Bundesgericht weitergezogen werden
kann und somit endgültig ist (Art. 83 Bst. i des Bundesgerichtsgesetzes
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
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