Decision ID: c52b2af7-7bde-4bba-9f94-d15551293216
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1967,
war vom
1.
Oktober 2014 bis 2
8.
Februar 2017
bei
der Spitex Y._
als
Pflegefachfrau HF
in einem
80
%-Pensum an
ge
stellt und dadurch bei der Schweizerischen Mobiliar Versicherungs
gesell
schaft AG gegen die Folgen von Un
fäl
len ver
sichert. Am
1
6.
Juni 2015
stolperte
die Versicherte
über einen Stuhl und zog sich dabei eine Verletzung des linken Fusses zu
(vgl. Unfallmeldung vom
2
2.
Juni 2015
[
Urk.
13/M3
],
Arztzeugnis UVG vom 2
5.
Juni 2015 [
Urk.
13/M4]
)
.
Die
Erstkonsultation erfolgte am
1
8.
Juni 2015
bei
Dr.
med. Z._
, Fachärztin Allgemeine Innere Medizin
, die ein
Distor
sionstrauma links
diagnostizierte (
vgl. Arztzeugnis UVG vom 2
1.
Sep
tember 2015, Urk. 13/M7
). Die Mobiliar Versiche
rung erbrachte in der Folge die gesetz
lichen Heilbehandlungs- und Taggeld
leistungen (Urk.
12/
P2;
Urk.
3/4).
Mit Schreiben vom 1
4.
Dezember 2018
teilte die Mobiliar der Versicherten unter Verweis auf ein zwischen den Parteien stattgefundenes Gespräch vom 1
7.
Okto
ber 2018 mit, man werde die Kosten für den Medikamentenentzug übernehmen, falls sie sich dem unterziehe, andernfalls würde die Rente gestützt auf das
poly
diszip
linäre Gutachten der A._ AG
vom 1
9.
Oktober 2017
verfügt
(
Urk.
12/P131). Nachdem die Versicherte
darauf nicht reagiert hatte,
stellte die Mobiliar
g
estützt
auf
das
A._
-Gutachten
(
Urk.
13/M154-218)
sowie
die Beurteilung des beratenden Arztes
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Chirurgie (Stellungnahme vom 1
4.
März 2018,
Urk. 13/M276)
,
mit Verfügung vom 1.
März 2019
die Leistungen für die Heilbehandlungen per 2
8.
Februar 2019 respektive die Taggeldzahlungen per 3
1.
März 2019 ein und sprach der Ver
sicher
ten ab
1.
April 2019
eine UVG-Rente von 13 % zu
.
Einen Anspruch auf eine Inte
gritätsentschädigung
verneinte
sie
(Urk. 12/P137-145). Die dageg
en erhobene Ein
spra
che vom 5.
März 2019 (Urk. 12/P150-151) sowie ergänzend vom 2
5.
April 2019 (Urk. 12/P177-181) und 1
3.
Januar 2020 (
Urk.
12/P198) wurde m
it
Einsprache
entscheid
vom 11.
Mai 2020
abgewiesen
(
Urk.
12/P201 =
Urk.
2)
.
2.
Hiergegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom
9.
Juni 2020 (Urk. 1) Be
schwer
de und beantragte, der angefochtene
Einspracheentscheid
sei aufzu
heben und es seien ihr die vorübergehenden Unfallversicherungsleistungen (Heil
be
handlungs
kosten und Taggeld) weiterhin
, über den
2
8.
Februar respektive
3
1.
März 2019 hinaus,
auszurichten. Die Beschwerdegegnerin sei ausser
dem zu verpflichten, ihr nach Erreichen des End
zustandes eine höhere UVG-Rente sowie eine Integritäts
entschädigung zuzu
sprechen. In prozessualer Hinsicht be
antragte sie die Durch
führung eines zweiten Schriftenwechsels.
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom
2
8.
September
2020
auf Abweisung der Beschwerde
(Urk.
10, unter Beilage der
Versicherungsa
kten [
Urk.
11/1-3,
Urk.
12/P1-P204,
Urk.
13/M1-M357]
). Mit Verfügung vom 1. Ok
to
ber 2020 wurde der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zugestellt und gleichzeitig
mitgeteilt, dass ein
zweiter Schriftenwechsel
als nicht erforderlich erachtet werde
(Urk. 14
). Mit Eingabe vom 2
6.
Oktober 2020 reichte die
Be
schwerdeführerin eine weitere Stellungnahme zu den Akten (Urk. 15),
was der
Beschwerdegegnerin
mit
Mitteilung vom 27
.
Oktober
2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
16
).
Die
darauf folgende
Stellungnahme der Beschwerdegegnerin vom 1
8.
November 2020 (
Urk.
17) wurde der Beschwerdeführerin mit Mitteilung vom 2
6.
November 2020 zur Kenntnisnahme zugestellt (
Urk.
18).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
1
6.
Juni 2015
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
2.
2.1
Gemäss
Art.
6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (
Abs.
1).
2.2
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]), so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid (Art. 8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Begriffes «namhaft» in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglichkeit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen – wie etwa einer Badekur – zu erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durchführung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicherten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1 mit Hinweisen, insbes. auf BGE 134 V 109 E. 4.3; vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3).
2.3
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person nach Eintritt der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgegliche
ner Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein
kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
2.
4
2.4
.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.4
.2
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
).
Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungs
träger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärun
gen vorzuneh
men (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.5
Art.
21
Abs.
4 ATSG bestimmt, dass einer versicherten Person die Leistungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden können, wenn sie sich einer zumutbaren Behandlung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbs
möglich
keit verspricht, entzieht oder widersetzt oder nicht aus eigenem Antrieb
das
ihr Zumutbare dazu beiträgt. Behandlungs- oder Eingliederungsmassnahmen, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen, sind nicht zumutbar. Die versicherte Person muss vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen
.
Art.
61
der Verordnung über die Unfallversicherung
(
UVV
)
hält entsprechend fest, dass
für den Fall, dass sich eine versicherte Person
ohne zureichenden Grund weigert, sich einer zumutbaren Behandlung oder Eingliederu
ngsmassnahme zu unter
ziehen, ihr
nur die Leistungen gewährt werden, die beim erwarteten Erfolg dieser Massnahmen wahrscheinlich hätten entrichtet werden müssen.
3
.
3
.1
Im angefochtenen Entscheid vom 1
1.
Mai 2020 (Urk. 2)
sowie in ihrer Be
schwer
de
antwort vom 2
8.
September 2020 (Urk. 10)
und ergänzenden Stellungnahme vom 1
8.
November 2020 (
Urk.
17)
konstatierte die Beschwerdegegnerin, indem di
e Be
schwer
de
führerin die stationäre Therapie für den Medikamenten
entzug, der gemäss Einschätzung des beratenden Arztes angezeigt sei
und zu einer wesent
lichen Verbesserung des Gesundheitszustandes beitragen könne
, nicht innert Frist organisiert habe, habe sie ihre Mitwirkungs- und Schaden
min
de
rungspflicht verletzt, wes
halb zu Recht aufgrund der vorhandenen medizi
nisch
en Akten ent
schieden wor
den sei.
Ge
stützt auf die medizinischen Abklärungen, insbesondere das
A._
-Gutachten vom 1
9.
Oktober 2017, ging die Beschwerde
gegnerin
sodann
davon aus, dass die Beschwerdeführerin spätestens ab Oktober 2018
- aufgrund der verbleibenden Unfallfolgen und trotz schäd
lichem Gebrauch durch Opioide - in einer angepassten Tätigkeit voll ar
beits
fähig sei.
Hinsichtlich der Festlegung des Invalideneinkommens müsse die Beschwerdeführerin sich
, bei Verletzung der Mitwirkungs- und Scha
den
minde
rungs
pflicht,
eine volle Leistungs
fähigkeit ge
mäss Kompetenz
niveau 3 anrechnen lassen. An der Renten
be
rechnung
und dem Invaliditätsgrad von 13
% werde fest
gehalten. Ein Integritäts
schaden liege nicht vor.
3
.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom
9.
Juni 2020 (
Urk.
1)
sowie ihrer Stellungnahme vom 2
6.
Oktober 2020 (
Urk.
15)
zusam
men
gefasst geltend,
die Ärzte des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) seien der Auffassung, dass eine Reduktion der Opiate eine Bes
se
rung bringen könne. Der Endzustand sei demnach noch nicht gegeben, weshalb die Beschwerdegegnerin weiterhin - über den 3
1.
März 2019 hinaus - Taggelder zu leisten habe.
Die Beschwerdeführerin wies ausserdem darauf hin, dass s
ie zahlreiche Therapien, auch
interventionelle
Therapien versucht
habe
, die allesamt ohne Erfolg ge
blie
ben seien. Insbesondere seien auch die beiden Versuche, die Opiate abzusetzen oder zu reduzieren, aufgrund der
Schmerzexazerbation
ge
scheitert. Eine weitere Entzugs
kur
sei nicht zumutbar.
Die Voraussetzungen für den Entzug der Opiate seien deshalb nicht gegeben.
Im Übrigen sei das Mahn- und
Be
denk
zeitverfahren
nicht korrekt durchgeführt worden.
Schliesslich sei auch die Be
rechnung des Invalideneinkommens falsch. Falls sie in einer angepassten Tätig
keit noch ar
beitsfähig wäre, wäre von einem Kompetenzniveau 1 auszugehen und es wäre ein Leidensabzug von mindestens 20
%
vorzunehmen. Da sie den Fuss nur teil
be
lasten könne
,
sei eine Funktionsbehinderung ausgewiesen, was eine Integri
täts
entschädigung von 5 bis 30
%
zur Folge habe.
4
.
4
.1
Am 16. Juni 2015
stolperte die Beschwerdeführerin über einen Stuhl und zog sich dabei
ein OSG-Distorsionstrauma am linken Fuss zu
(vgl.
Urk.
13/M1-3
, Urk. 13/M4
)
. Bei nicht
regredienter
Schwellung des linken
oberen Sprung
ge
lenkes (OSG)
wurde am 1. Juli 2015 eine Magnetresonanztomographie (MRI) des linken Fusses durchgeführt und ein Distorsionstrauma links mit/bei
undislozier
tem
Volkmann-Dreieck,
Syndes
mosen-Teilriss
und Riss des Ligamentum
fibulotalare
anterior
diagnostiziert. Es erfolgte eine Ruhigstellung im
Vacoped
für sechs Wochen (Urk. 13/M5-6).
Nach
dem die konservativen Therapiemassnahmen er
folg
los verlau
fen
waren
,
erachteten die be
handelnden Ärzte die
Restabilisierung
der
Syn
des
mose
indiziert. Am 6.
No
vember 2015 erfolgte
im Spital C._
ein operativer Eingriff (
Débridement
und
TightRope
Syndesmosenfixation
; vgl. Ope
ra
tions
bericht vom
6.
November 2015
,
Urk.
13/M
10-
11).
In der Folge diagnos
ti
zierten die Spitalärzte
ein
chronisches regionales Schmerz
syndrom (CRPS) Typ I im Bereich des linken Unterschenkels/Fusses
, welches sich postope
rativ
ent
wickelt
habe
. Da die durchgeführten Therapien zu keiner we
sent
lichen Besserung der Beschwerden
führten
, erfolgte
am
8.
April 2016
bei Verdacht auf eine Ner
venkompres
sion eine
Osteosynthesematerialentfernung
(OSME
; vgl. Austritts
bericht vom 1
9.
April 2016, Urk. 13/M31-32
).
4
.2
Im Rahmen
der
Einholung einer Zweitmeinung wurde die Beschwerdeführerin am 27.
Juli 2016 in der Universitätsklinik
D._
vorstellig, wo die Diagnose eines CRPS bestätigt wurde
(vgl.
Urk.
13/M28-30)
.
Aufgrund persistierender Be
schwer
den trotz ausgeschöpfter ambulanter Massnahmen begab sie sich vom 29. August bis 1
7.
September 201
6
in eine intensive Rehabilitationsbehandlung in der Universitätsklinik
D._
und nahm danach eine regelmässige ambulante Ergo- und Physiotherapie mit Lymphdrainage in Anspruch (vgl.
Urk.
13/M36-39
)
.
PD
Dr.
med. E._
, Chefarzt Rheumatologie an der Univer
sitäts
klinik
D._
,
hielt in seinem
B
ericht vom 1
4.
Juni 2017 (
Urk.
13/M105-106) fest, es zeige sich trotz intensiven medikamentösen und therapeutischen Mass
nahmen ein protrahierter Verlauf mit anhaltend hoher Aktivität im CRPS. Aus physi
ka
lisch-medizinischer Sicht könne eineinhalb Jahre nach dem auslösenden Ereignis ein medizinischer Endzustand postuliert werden, sofern die geplante lumbale Grenz
strangblockade
auch
zu keinem substantiellen Ansprechen führe. Er empfahl die Weiterführung der bisherigen Medikation, wobei diese im Verlauf aus
zu
schleichen sei. Auch die Intervalle zwischen den Physiotherapiesitzungen seien zu verlängern und im Verlauf auszuschleichen. Bezüglich Arbeitsfähigkeit kon
statierte er, es sei nicht realistisch, dass die Beschwerdeführerin mittel- bis lang
fristig in ihrem angestammten Beruf als Pflegefachfrau wieder eine volle Arbeits
fähigkeit
erlangen könne. Medizinisch-theoretisch sei eine wechsel
be
las
tende Tätigkeit in einer Verweistätigkeit, unter Berücksichtigung der aktuellen Medika
tion, möglich, wobei das Pensum in der geplanten multidisziplinären
Be
gut
achtung festzulegen sei.
4
.3
Die Beschwerdeführerin wurde in der
A._
polydisziplinär begutachtet, worüber am 1
9.
Oktober 2017 berichtet wurde (
Urk.
13/M154-218). Die Untersuchungen fanden am 21., 2
2.
und 2
4.
August 2017 sowie am 1
4.
September 2017 statt.
4
.3.1
Die orthopädische Gutachterin hielt fest, im Rahmen der
orthopädisch-trauma
to
logischen
Untersuchung habe sich eine geringe Schwellung des linken Fusses und Sprung
gelenkes sowie eine um 1.5 cm r
eduzierte Unterschenkel
muskulatur links als Hinweis auf die anhaltende Schonung des linken Beines beim Laufen an zwei Unterarmgehstützen gezeigt. Im Seitenvergleich sei eine eingeschränkte Beweg
lich
keit des linken oberen und unteren Sprunggelenkes demonstriert worden. Das am
5.
Januar 2017 durchgeführte MRI des linken Fusses sei unauffällig gewesen, ebenso die aktuell angefertigten Röntgenbilder des linken Fusses und Sprung
gelenkes vom 2
1.
August 201
7.
Die sichtbare inhomogene
osteopene
Knochen
struktur entspreche der anhaltenden Inaktivität. Seitens der Rheumatologie der Universitätsklinik
D._
werde anhaltend die Diagnose eines CRPS des linken Fusses gestellt. Bei Überprüfung der Diagnose anhand der Budapest-Kriterien
sei
das
Vorliegen eines CRPS
am
linken Fuss
aktuell noch zu bestätigen
. Im Rahmen der hiesigen Untersuchung würden sich jedoch einige Diskre
panzen zeigen.
Aufgrund des Vergleichs
des aktuellen klinischen Untersuc
h
ungsbefundes
mit
de
n
Befund
an
gaben in den vorhandenen Akten
sei von einem deutlichen
Rück
gang der CRPS-bedingten Be
schwer
den am linken Fuss
auszugehen
. Diskre
pant zu den a
ngegebenen massi
ven Schmerzen d
es linken Fusses sei die Tatsache, dass Paracetamol und Ibu
pro
fen entgegen den Angaben der Beschwerdeführerin nicht adäquat ein
genommen werden würden. Die analgetische Therapie der Beschwer
deführerin mi
t Opiaten (
Oxycodon
) sei von
or
t
h
opädisch-traumato
logischer
Seite nicht indi
ziert und da
her zügig abzusetzen. Aufgrund des Neben
wirkungs
spektrums und des Herab
setzens der Schmerzschwelle würden diese
Medi
kamente
dafür sorgen, dass sich die Beschwerdeführerin nicht arbeitsfähig fühle. Nicht nachvollzie
h
bar sei auch die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin bei rek
l
amierten erheblichen belas
tungs
abhängigen Schmerzen im linken Fuss die vorhandenen Einlagen entgegen ihren Angaben nicht trage. Aufgrund des Laufens an zwei Unterarm
geh
stü
t
zen ergebe sich eine 100%ige Arbeitsun
fähig
keit in der bisherigen Tätig
keit als Pflege
fachfrau. In einer leidens
adaptier
ten, dem Belastungsprofil entspre
chen
den Tätigkeit bestehe jedoch von ortho
pädisch-
traumatologischer
Seite eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
13/M207-208
,
Urk.
13/M186-187
)
.
4
.3.2
Bei der neurologischen Untersuchung habe die Beschwerdeführerin - so die neurolog
ische Gutachterin - über einen D
auerschmerz im Bereich des oberen Sprunggelenkes links berichtet,
weshalb
sie beim Gehen den Fuss nicht aufsetzen könne und auf zwei Unterarmgehstöcke angewiesen sei. Sie habe auch über eine Überempfindlichkeit des linken Fusses bericht
et. In den Akten werde ein CRPS Typ 1
beschrieben. Der neurologische Befund zeige jedoch keine Paresen oder Sensibilitätsausfälle. Neben der berichteten Überempfindlichkeit am Fuss würde
n
eine leichte Temperaturdifferenz und geringe Unterschiede in der Schweiss
sekretion
bestehen. Dies als Hinweis auf ein
en
noch bestehende
n
, jedoch im Ver
gl
eich zu den
Vorakten
gebesserten
Morbus
Sudeck
. Aus neurologischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Pflegefachfrau nicht mehr gegeben. In einer Verweistätigkeit liege jedoch eine vollständige Arbeits
fähigkeit vor (
Urk.
13/M207
,
Urk.
13/M176
).
4
.3.3
Im Rahmen der psychiatrischen Exploration habe die Beschwerdeführerin ange
geben, dass die Psyche aus ihrer Sicht keinen
Einfluss auf die Schmerzen habe
. Sie schätze sich aus psychiatrischer Sicht nicht eingeschränkt ein. Der psychia
t
rische Gutachter konstatierte,
aus den Akten gehe hervor, dass die Beschwerde
führerin unter depressivem Affekt, Freudlosigkeit, Antriebsschwäche und
Er
schöpfung leide. I
m Untersuchungsgespräch habe die Beschwerde
führerin
jedoch nur
über ihre Erschöpfbarkeit und Konz
entrationsstörungen berichtet.
Im Affekt sei sie weder depressiv noch
dysphorisch
. Sie bezeichne sich auch als psy
chisch stabil. Hinweise für eine aktuell vorliegende
,
länger andauernde depressive Episo
de gebe es keine.
In Bezug auf den schädlichen Gebrauch von Opioiden hielt der Gutachter eine leichte
Ausprägung
fest
. Aus psychiatrischer Sicht würden deshalb keinerlei Diagnosen bestehen, die die Arbeitsfähigkeit einschränken würden
(Urk.
13/M206)
.
Aufgrund der Konzentrationsprobleme durch die Opiate riet der psychiatrische Gutachter jedoch zu einer schmerzdistanzierenden Medikation, um einer weiteren Verschlechterung entgegenzuwirken. Die
Prog
-
nose
sei an
ge
sichts der guten Ressourcenlage günstig (
Urk.
13/M155).
Die Beschwerdeführerin zeige sich auch offen für einen Aufenthalt in einer
Schmerz
-
klinik
mit Schmerz
distan
zie
rung (
Urk.
13/M207
,
Urk.
13/M158
).
4
.3.4
Auf dem Fachgebiet der Inneren Medizin würden sich
laut
A._
-Gutachter
keine Erkrankungen finden, die die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen würden.
Labor
chemisch seien bei der Untersuchung das Cholesterin mit 5,6 mmol/l und die
Triglyceride
mit 3,16 mmol/l erhöht gewesen. Für eine sekundä
re Ursache der
Hyperlipoprotein
ämie
wie z.B. Diabetes mellitus, eine Hypothyreose oder ein
nephrotisches
Syndrom ergebe sich kein
en
Anhalt
. Die meisten
Hyperlipo
protein
ämien
würden durch Über-/Fehlernährung und/oder Bewegungsarmut hervor
ge
rufen werden, so sicherlich auch bei der Beschwerdeführerin. Die Beschwerde
füh
rerin hab
e über eine exzessive Tagesschläfrigkeit mit Ein
schlafneigung tags
über geklagt. Aus internistischer Sicht sei diese erhöhte Tagesschläfrigkeit am ehesten auf die Medikamenteneinnahme bei chronischem Schmerzsyndrom (inkl. Opioide) zurückzuführen. Entsprechend sei die Schmerzmedikation zu überprüfen (Urk. 13/M206
,
Urk.
13/M167
).
4
.3.5
Im Rahmen d
er Konsensbeurteilung hielten die Gutachter folgende Dia
gnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest
(
Urk.
13/M208):
-
Bewegungseinschränku
ng linkes Sprunggelenk und CRPS Typ 1
linker Fuss nach
Débridement
und
TightRope
Syndesmosenf
ixation
links am 6.
November 2015 sowie Plattenentfernung am linken Sprunggelenk und Revision des
Nervus
saphenus
am linken
Malleolus
medialis
am
8.
April 2016
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit seien:
-
Psychische- und Verhaltensstörung durch Opioide: schädlicher Gebrauch (ICD-10: F11.1)
-
Rezidivierende depressive Störung seit 2005, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F33.4)
-
Übergewicht (BMI 29.2)
-
Gemischte
Hyperlipoproteinämie
Sie verneinten eine Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
in ihrem bisherigen Beruf als Pflegefachfrau und attestierten ihr in einer leidensangepassten Tätigkeit
unter Berücksichtigung des Belastungsprofils
(retrospektiv
seit Ende 2015
)
eine 100%ige Arbeits
fähigkeit (Urk.
13/M20
5f.
).
Folgendes Belastungsprofil hiel
ten sie im polydisziplinären Kon
sens fest: körperlich leichte bis mittelschwere, vor
wie
gend sitzende Tätigkeiten mit gelegentlichem Gehen und Stehen, ohne Hocken. Unter einer oralen Anti
koagulationstherapie mit
Riva
roxaban
seien Tätigkeiten mit einem erhöhten
Ver
letzungs
- bzw. Unfallrisiko zu vermeiden. Bei erhöhter Tages
schläfrigkeit sollten keine Fahrzeuge gelenkt wer
den
(Urk.
13/M205)
.
In prognostischer Hinsicht
konsta
tier
ten die
A._
-Gutachter,
mit einer wesent
lichen Bes
serung sei nach knapp zwei Jahren nicht mehr zu rechnen. Die Prognose in einer dem Belastungsprofil entsprechenden Tätigkeit sei hin
ge
gen als günstig anzusehen. Zur Entlastung der Gelenke beider unterer Extremi
tä
ten werde eine Gewichtsreduktion empfohlen.
D
ie er
höhte Tages
schläfrigkeit
sei
am ehesten auf die Medikamenteneinnahme bei chro
nischem Schmerz
syndrom (inkl. Opioide) zu
rück
zuführen. Die Schmerz
medika
tion sei des
halb zu überprüfen.
Ferner werde a
ufgrund der Konzentrationsprobleme durch die Opiate zu einer schmerzdistan
zie
renden Medikation geraten, um einer weiteren Verschlechterung entgegen
zu
wirken.
Aus psychiatrischer Sicht sei
die Prognose a
n
ge
sichts der guten Res
sourcen
lage günstig (
Urk.
13/M204).
Hinsichtlich der emp
fohlenen Absetzung der Opiate präzisierten die
A._
-Gutachter i
n ihrer ergän
zen
den Stellungnahme
vom 22. Fe
bruar 2018 (
Urk.
13/M220-224), ein abruptes Absetzen der Opiate sei aufgrund der Möglichkeit des Auftretens einer Entzugs
symptomatik medizinisch nicht sinnvoll, jedoch seien diese so zügig wie möglich auszu
schlei
chen (M223).
4
.4
Die am 3
0.
Oktober 2017 am Institut für Anästhesiologi
e des Universitätsspitals F._
durchgeführte Grenzstrangbloc
kade auf der linken Seite (Urk.
13/M232) blieb ohne jeglichen Effekt (
Urk.
13/M234).
In der Folge erklärte sich die
Be
schwerdeführerin mit der Anlage von zwei Stabelektroden zur Rückenmarks-nahen Stimulation einverstanden. Der operative Eingriff erfolgte am
2.
März 2018
und verlief komplikationslos
(vgl.
Urk.
13/M255f.).
Bei
a
usbleibender Verbesse
rung der Schmerzsituation wurde am 1
4.
März 2018 eine Explantation der Elek
tro
den durchgeführt (
Urk.
13/M261f.,
Urk.
13/M277-279).
4.5
Dr.
B._
führte
in seiner ärztlichen Beur
tei
lung vom 1
4.
März 2018 (Urk.
13/M265-276)
zu Händen der Beschwerdegegnerin
aus,
es bestehe weiterhin ein CRPS, allerdings würden
seit Juni 2017
keine trophischen Störun
gen mehr vorliegen.
Im
A._
-Gutachten würden zwar die bei einem CRPS für eine saubere Befunderhebung notwendige Foto
dokumentation fehlen und auch keine exakten Messwerte der Hauttemperatur sowie der von der Beschwerdeführerin ange
ge
be
nen bereits nach kurzer Zeit im Sitzen auftretenden Schwellungen vorliegen
(vgl.
M268f.)
. Es sei aber auf zahlre
iche Inkon
sistenzen hinzuweisen, die mit den von der Be
schwer
de
führerin angegebenen Beschwerden nicht über
ein
stimmen würden.
So habe sie angegeben, dass sie kaum eine Stunde sitzen könne, dann komme es zu Schwel
lun
gen. Sie sei deshalb sehr schmerzge
plagt und könne nichts machen. Anderer
seits habe
die Beschwerdeführerin
eine halb
tägige Flug
reise nach Florida unternommen, sei dort drei Wochen verweilt und auch sonst im Rahmen ihres alltäglichen Lebens nicht un
tätig. Insofern seien ihre Aussagen in Bezug auf das, was sie noch machen könne, zu relativieren. Ferner lasse sich die lediglich geringe Atrophie aus
schliesslich der Unterschenkel
musku
la
tur vor dem Hintergrund der fast zwei
jährigen, weitgehend vollen Entlastung des linken Beines nicht ausreichend be
grün
den. Es wäre zu erwarten, dass auch die
Ober
schenkelmuskulatur erheblich volumengemindert wäre (M267).
Dass die
Be
schwer
de
führerin längere Zeit Auto
fahre,
zu Hause
die Wäsche mache und
sich mit Freunden treffe,
lasse Rückschlüsse darauf zu, dass ihr eine leidens
an
ge
passte Tätigkeit zumutbar wäre (M270). Die Annahme einer retrospektiven vollen Ar
beits
fähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit ab Ende 2015, wie sie die
A._
-Gutachter fest
hielten, sei vor dem Hin
tergrund der Beurteilung durch
PD
Dr.
E._
, wonach im Juni 2017 noch ein
florides
CRPS sowie massive
opioid
pflichtige
Schmerzen bestanden hätten und eine Belastung des linken Fusses nur bis 20 kg möglich gewesen sei, jedoch nicht ausreichend begründbar (M267).
Die
A._
-Gutachter würden
denn auch
davon ausgehen, dass die Beschwerde
führe
rin
,
solange sie das
Oxycodon
ein
nehme
,
noch nicht arbeitsfähig sei. Die
(recte: Der)
psychia
trische Gut
achterin
(recte: Gut
achter)
habe einen Entzug ange
sprochen, der nicht kalt durchzu
führen sei, son
dern im Rahmen einer stationären Behandlung.
Er,
Dr.
B._
,
erachte diese Mass
nahme als richtig. Die Beschwerde
führerin nehme hochdosiert
seit
über einein
halb Jahre
Oxycodon
ein. Das dadurch entwickelte Abhängigkeitssyndrom sei unfall
bedingt verursacht.
Er
gehe davon aus, dass nach einem Entzug das angegebene Zumut
bar
keitsprofil im Umfang einer 100%ige Arbeitsfähigkeit kor
rekt sei (M266). In Bezug auf die durch
geführten Heilbehandlungen und deren Auswirkung auf den Gesund
heits
zustand äusserte
Dr.
B._
, er stimme der Beurteilung von
PD
Dr.
E._
zu und empfeh
le ebenfalls, dass die Beschwerdeführerin die Physiotherapie sowie Lymph
draina
gen innerhalb von sechs Monaten ausschleiche. Die Be
schwer
de
führerin solle Kompressionsstrümpfe tragen, womit fluktuierende Schwellun
gen des Fusses ver
hindert werden könnten. So sei es ihr auch möglich, die verordneten Einlagen zu tragen (M266).
Im Zusammenhang mit der Beurteilung des Integritätsschadens äusserte Dr.
B._
,
residuelle
Unfallfolgen des initial erlittenen Distorsionstraumas des lin
ken oberen Sprunggelenkes in Form einer Arthrose würden nicht vorliegen. Eine Integritätsentschädigung sei damit nicht geschuldet. Es sei auch nicht zu erwar
ten, dass es zu einer Arthrose des oberen Sprunggelenkes kommen werde. Die Knorpeldecke des oberen Sprunggelenkes sei nicht geschädigt worden, um eine Ent
wicklung zur OSG-Arthrose zu bahnen (M265).
4
.
6
Im Kontrollber
icht der Schmerztherapie des F._
vom 2
7.
März 2018 wurde erst
mals die Diagnose einer symptomatischen zervikalen Diskushernie C5/C6 gestellt (Urk.
13/M281). In der Folge wurde die Beschwerdeführerin infiltriert, was
laut den behandelnden Ärzten
eine Ver
besserung der ausstrahlenden Schmerzen im Bereich des rechten Armes
brachte
(vgl. Urk. 13/M285
,
Urk.
13/M301
).
Dr.
med. G._
, beraten
der Arzt der Beschwerdegegnerin,
beurteilte die Schmerzen in der Hals
wirbel
säule C6
jedoch
als unfallunabhängig
. Es handle sich hierbei um eine Symptom
aus
weitung und habe mit den Stimulatoren und dem Laufen an Stöcken
nichts zu tun
(vgl. Stel
lung
nahme vom
1.
Juni 2018, Urk.
13/M303).
Gestützt auf die
vorliegende
, am 1
7.
Oktober 2018 erstellte
Bilddokumentation des v
erletzten linken Fusses
könne
die CRPS-Diagnose nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit be
stätigt werden. Die Budapester-Kriterien seien nicht erfüllt - keine Rötung, keine Behaarung, keine Schweissbildung, keine Atrophie der Muskulatur
trotz Minder
belastung seit gut drei Jahren
. Vielmehr
sei
von einem Problem der Lymph
ödeme aus
zugehen
, wes
halb die Beweglichkeit zu trainieren sei
.
Ausser
dem
empfahl
Dr.
G._
,
einen Medikamentenentzug
durchzuführen
(vgl. Stel
lung
nahme vom 19.
Oktober 2018, Urk.
13/M317).
Vor diesem Hinter
grund ei
nig
ten sich die Parteien a
uf Wunsch der Beschwerdeführerin auf einen stationä
ren Medikamen
ten
entzug
unter schmerz
therapeutischer psychologischer Beglei
tung (parallel dazu Abklärung/Be
treu
ung des Bewegungsapparates)
in de
r Reha
klinik
H._
(vgl. Urk.
12/P117-119).
4
.
7
Im Zuge des Beschwerdeverfahrens reichte die Beschwerdeführerin die Unter
suchungs
berichte des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
der IV-Stelle Zürich
vom 17. September 2019 zu den Akten (
Urk.
3/5-6).
RAD-Arzt
Dr.
med. I._
, Facharzt für Chirurgie,
führte aus, dass eine Schädigung der Halswirbelsäule und des linken Fusses/Sprunggelenks bestehe. Primär sei festzu
halten, dass
unverändert ein CRPS
Typ 1
mit ent
sprechenden Beschwerden, Symptomen und Bewegungsein
schränkungen
vorliege
. Im Vergleich zu den Voruntersuchungen, insbesondere im Ver
gleich zum
A._
-Gutachten
,
sei eher eine Verschlechterung eingetreten.
Die Entlastung der linken unteren Extremität erfolge mit einer Oberschenkelorthese. Dies sei aus chirurgischer Sicht nicht nachvollziehbar. Dadurch würde die Fehlstellung im linken OSG/Fuss nur noch mehr fixiert
und die Orthese sei kontraproduktiv für die Behandlung des noch bestehenden CRPS. Im Rahmen der heutigen Untersuchung habe ein
Muskulatur
defizit
der linken unteren Extremität mittels Umfangmessung nachgewiesen werden können. Im
A._
-Gutachten sei eine vol
le Arbeitsfähigkeit für eine leidensangepasste
Tätig
keit attestiert worden.
Dr.
B._
habe diese Einschätzung als nicht nachvollziehbar bezeichnet. Aufgrund der noch erheblichen klinischen Symptomatik
und der heutigen Untersuchung
könne der Einschätzung der
A._
-Gutachter nicht gefolgt werden. Die Feststellung von
Dr.
B._
sei hinge
gen nachvollziehbar und plausibel.
Dr.
I._
attestier
te der Beschwerde
führerin seit Ende August 2019 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
(
überwiegend sitzende Tätigkeiten mit leichter Wechselbelastung, teils sitzend, teils ebenerdig gehend, auch mit gelegentlichem Heben und Tragen von Lasten bis 10 kg und ohne Zwangshaltungen
)
.
Um eine Verbesserung der Arbeits
fähigkeit zu erreichen, empfahl
er
die Beendi
gung der Opioid-Therapie sowie eine
leit
linien
gerechte medikamentöse
Psycho
pharmaka
therapie
unter Serum
spiegel
kontrolle, wobei der Entzug unter stationä
ren Bedingungen zu er
fol
gen habe. Die Fortsetzung der Physiotherapie sei empfehlenswert (
Urk.
3/5
S.
11f.).
Dr.
med. J._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho
therapie sowie RAD-Ärztin, hielt eine rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33
.
1)
,
mit Aus
wirkung auf die Arbeits
fähigkeit fest. Aktuell liege noch keine Arbeits
fähigkeit auf dem ersten Arbeits
markt vor. Mit Hilfe von zusätzlichen medizi
ni
schen Mass
nahmen und Eingliede
rungs
mass
nahmen könne jedoch eine mindes
tens 50%ige Arbeitsfähigkeit in
ner
halb von sechs bis zwölf Monaten erreicht werden. Zur Verbesserung der Arbeits
fähigkeit solle die Beschwerde
führerin un
bedingt die bereits von der Unfall
versicherung empfohlene sta
tionäre Behand
lung im Sinne einer interdiszi
pli
nären Schmerzthe
rapie mit dem Ziel, den Um
gang mit den Schmerzen zu ver
bessern und die Schmerzmedikation zu reduzieren bzw. ganz abzusetzen, durch
führen (
Urk.
3/6 S. 8).
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin
stützt
e
ihre Auffassung, wonach der medizinische End
zustand im Zeitpunkt der Leistungseinstellung
Ende März 2019
erreicht gewesen
und nunmehr eine volle Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit ausgewiesen
sei, im Wesent
lichen auf
das poly
diszi
pli
näre Gutachten der
A._
vom 19. Ok
tober 2017, welches
in Kenntnis der und
Aus
ein
an
dersetzung mit den Vor
akten (vgl. Urk.
13/M210-216
) abge
ge
ben
wurde
.
Die
Gut
achter
haben
detaillierte Be
funde erhoben
(vgl.
Urk.
13/M188-190, M177, M169, M160
), die geklagten Be
schwer
den berücksichtigt (vgl. Urk.
13/M193, M179, M172, M164
)
und sich mit diesen sowie dem Ver
halten
der
Beschwerdeführer
in
auseinander
gesetzt. Zudem
haben sie
die medizinischen
Vorakten
kritisch gewürdigt
(vgl. Urk. 13/M206-208) und sich ein
lässlich mit der vor
wiegend rele
van
ten Frage der Arbeitsfähigkeit auseinander
gesetzt (Urk. 13/M205)
. Das Gut
ach
ten erfüllt demnach
grundsätzlich
die recht
spre
chungs
ge
mässen
Anfor
derungen an eine beweis
kräftige ärztliche Ent
sc
hei
dungs
grund
lage (vgl. E.
2.
4
).
5.2
Die
A._
-Guta
chter diagnostizierten ein CRPS Typ 1
am linken Fuss mit Bewegungs
ein
schränkungen, das sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. In ihrem Gutachten vom Oktober 2017 schlossen sie die Wahr
scheinlichkeit einer wesent
lichen Bes
se
rung des Gesundheitszustandes nach zwei Jahren aus und beurteilten die Be
schwerdeführerin in einer den Leiden angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeits
fähig (vgl. E. 4.3.5). Damit bestätigten die
A._
-Gut
achter die bereits von
PD
Dr.
E._
gestellte Diagnose eines CRPS sowie dessen Ein
schätzung, dass die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit auf
grund des CRPS nicht mehr arbeitsfähig sei, ihr jedoch medizinisch-theore
tisch eine wechselbelastende Verweistätigkeit zumutbar sei (vgl. E. 4.2).
Auch hinsichtlich des Endzustand stimmt ihre Beurteilung mit jener von
PD
Dr.
E._
überein. I
n seinem Bericht 1
4.
Juni 2017
postulierte er den Eintritt des medizinischen Endzustands
, sofern die damals
geplante
Grenzstrangblockade
ebenfalls nicht zu einem substantiellen Ansprechen führe
(E. 4.2)
. Eine
Verbesserung konnte in der Folge dadurch jedoch nicht bewirkt werden
(
Urk.
13/M232,
Urk.
13/M234).
5.3
In Bezug auf die die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ein
schränkende Diagnose eines CRPS wies
Dr.
B._
in seiner
Aktenb
eurteilung vom 14. März 2018 zwar darauf hin, dass im Rahmen des polydisziplinären Gut
ach
tens der
A._
nicht alle für die Beurteilung des CRPS not
wen
di
gen Messungen
vorge
nommen worden seien
.
Letztlich stellte er aber die Diagnose des CRPS sowie die von den Gutachtern festgestellte Verbesserung
der Beschwerden nicht in Frage
(E. 4.5
).
Hinsichtlich der Einschätzung der Arbeits
fähigkeit
in leidens
angepasster Tätigkeit
stimmte
Dr.
B._
der Einschätzung der
A._
-
Gutach
ter insoweit zu
, als dass nach einem Medikamentenentzug das von den Gutachtern angegebene Zumutbarkeits
pro
fil im Umfang einer 100%igen Arbeitsfähig
keit korrekt sei (vgl. E. 4.5).
D
ies verkennt der RAD-Arzt
Dr.
I._
, der eine abweichende Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vornahm
.
Dessen Ausführung, wonach
Dr.
B._
die von den
A._
-Gutachtern fest
gehaltene volle Arbeits
fähigkeit als nicht nachvollziehbar bezeichnet habe
(Urk.
3/5 S. 11), stimmt so nicht.
Dies ist insofern von Belang, als
der RAD-Arzt die Feststellung
en
v
on Dr.
B._
als nachvollziehbar und plausibel
bezeichnete (
Urk.
3/5 S. 12
)
.
5.
4
Die Beschwerdeführerin machte geltend, dass der Endzustand noch nicht gegeben sei und verwies diesbezüglich auf die Stellungnahmen der RAD-Ärzte vom 17. Sep
tember 2019
, wonach eine Reduktion von Opiaten zu einer Besserung des Gesundheitszustandes führen könnte
(
Urk.
1 S. 6).
Dabei orientierten sie sich an der Einschätzung von
Dr.
B._
respektive an der von der Beschwerdegegnerin
mit Schreiben vom 1
4.
Dezember 2018
geforderten Entzugstherapie, welche Forderung ihrerseits auf der Stellungnahme von
Dr.
B._
basierte
(
Urk.
3
/5 S.
12,
Urk.
3/6 S. 8).
Diesbezüglich ist festzuhalten,
dass im Rahmen einer «namhaften Besse
rung des Gesundheits
zu
standes» die durch weitere Heil
behandlung zu erwartende Besserung ins Ge
wicht fallen
muss
(vgl. E. 2.2 vorstehend)
. Unbedeu
tende
Verbes
serungen ge
nügen nicht (BGE 134 V 109 E.
4.3 mit Hinweis
en), wie etwa
allfällige blosse Ver
besserung allein des Leidens an sich, eine nur kurzfris
tige Linderung, eine Verbesserung der Be
find
lichkeit oder dass
der Versicherte etwa von Physio
thera
pie
profitieren kann
(Urteile des Bundes
gerichts 8C_970/2012 vom 3
1.
Juli 2013 E. 3.4; 8C_855/2009 vom 2
1.
April 2010 E. 7; 8C_338/2009 vom 1
4.
Januar 2010 E. 5.1; 8C_28/
2008 vom 2
8.
Juli 2008 E. 3.3). Bei der Beschwerdeführerin konnte im Zeitpunkt der Einstellung der vorübergehenden Leistungen Ende März 2019 aufgrund der
Einschätzungen der
A._
-Gutachter und von PD
Dr.
E._
eine namhafte Verbesserung der CRPS-Sympto
matik nicht mehr erwartet werden.
Dr.
B._
bewertete die über eineinhalb Jahre hochdosierte Ein
nahme von
Oxycodon
jedoch
als die Arbeits
fähig
keit einschrän
kend und erachtete die Be
schwer
de
führerin erst nach einem durch
ge
führten Medikamen
ten
entzug zu
100
% arbeits
fähig in einer Verweis
tätig
keit (vgl. E. 4.
5
).
5.5
Gestützt darauf
forderte
die Beschwerdegegnerin
die Beschwerdeführerin
zu einem stationären Medikamenten- respektive Opiatentzug auf und führte ein Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
durch. Dieses erfolge korrekt. Mit Schreiben vom 1
4.
Dezember 2019 wies die Beschwerdegegnerin darauf hin, dass sich die Beschwerdeführerin anlässlich des Gesprächs vom 1
7.
Oktober 2018 bereit erklärt habe, sich einem stationären Medikamentenentzug, wie von den Ärzten vorgeschlagen, zu unterziehen. Weiter führte die Beschwerdegegnerin aus, dass die Beschwerdeführerin gemäss
A._
-Gutachten in einer leidensange
passten Tätigkeit voll arbeitsfähig sei. Sie wies sodann darauf hin, dass sie den Medika
mentenentzug übernehme, falls die Beschwerdeführerin ihn durchführen lasse. Andernfalls werde der Fall abgeschlossen und gestützt auf das genannte Gutach
ten die Rente verfügt. Den definiti
ven Bescheid von der Beschwerde
führerin werde bis 2
2.
Januar 2019 erwartet (
Urk.
12/P131).
Am im Schreiben vom 1
4.
Dezember 2019 erwähnten Gespräch vom 1
7.
Oktober 2018 waren die Beschwerdeführerin, ihr Rechtsvertreter sowie zwei Mitarbeiter der Beschwerdegegnerin beteiligt. Grund für dieses Gespräch war mitunter der in den medizinischen Akten empfohlene stationäre Medikamentenentzug (vgl.
Urk.
12/P99). Anlässlich des Gesprächs erklärte sich die Beschwerdeführerin bereit, sich einem solchen zu unterziehen (
Urk.
12/P121). Im Nachgang zu diesem Gespräch gelangte die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 2
5.
Oktober 2018 an die Beschwerdeführerin. Sie führte aus,
Dr.
B._
habe auf die
Opioidab
hän
gigkeit
hingewiesen und empfohlen einen Entzug durchzuführen. Dieser Beurtei
lung habe sich der RAD angeschlossen. Die Beschwerdeführerin habe am 1
8.
Oktober 2018 erklärt, dass sie dazu bereit sei. Es werde nun empfohlen, die stationäre Therapie in der Rehaklinik
K._
durchzuführen (
Urk.
12/P115). Daraufhin antwortete die Beschwerdeführerin respektive ihr Rec
htsvertreter mit Schreiben vom 2
9.
Oktober 2018, dass die Rehaklinik
K._
hierfür ungeeignet
sei. Die eigenen Abklärungen hätten ergeben, dass einzig die Rehaklinik
H._
empfohlen werde (
Urk.
12/P117
). Mit Mail vom
5.
November 2018
verwies die Beschwerdegegnerin auf eine von ihrer Seite zw
ischenzeitlich erfolgte Kontakt
auf
nahme mit der Klinik
H._
und bat die Beschwerde
führerin, sich über ihren Hausarzt bei der Klinik anzumelden (
Urk.
12
/P119). Am 2
1.
November 201
8
er
kundige sich die Beschw
erdegegnerin bei der Beschwerde
führerin über den Stand der Dinge (
Urk.
12/P129). Schliesslich mahnte die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 1
4.
Dezember 2018 (
Urk.
12/P131).
Sinn und Zweck des Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
ist es, die versicherte Person auf die möglichen nachteiligen Folgen ihrer Widersetzlichkeit
aufmerk
sam zu machen und sie so in die Lage zu versetzen, in Kenntnis aller wesentlichen Faktoren ihre Entscheidung zu treffen. Das Gesetz schreibt nicht vor, wie die Verwaltung die Vorgaben von
Art.
21
Abs.
4 ATSG im Einzelnen zu erfüllen hat, weshalb ihr ein weiter Ermess
ensraum zusteht (
E._
/Vollen
weider, in: Basler Kommentar, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, 2020,
N.
84 f. zu
Art.
21 ATSG;
Kieser
, ATSG-Kommentar,
4.
Aufl. 2020,
N.
152 zu
Art.
21 ATSG). Die Beschwerdeführerin wusste, welches Verhalte
n von ihr gefordert wurde. Eben
falls war klar, dass im Falle der Widersetzlichkeit auf das Gutachten des
A._
respektive auf die darin attestierte volle A
rbeitsfähigkeit in leidensan
ge
passter Tätigkeit abgestellt würde. Die bis 2
2.
Januar 2019 angesetzte Frist ist als angemessen zu erachten; dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund,
dass die Mass
nahme bereits seit Mitte Oktober 2018 im Raum stand. Damit wurde das Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
korrekt durchgeführt. D
er angeordnete stationäre Medi
kamentenentzug ist ohne Weiteres zumutbar. D
aran ändert nichts, dass die Be
schwerdeführerin bereits früher Versuche
unternommen hatte, die Schmerz
medikamente zu reduzieren (vgl.
Urk.
1 S. 9f.), wird doch ein Entzug, wie ihn die Beschwerdegegnerin angeordnet hat, von den Ärzten dringend empfohlen (
Urk.
3/5 S. 12,
Urk.
3/6 S. 8,
Urk.
13/M266+271).
5.6
Aufgrund der Verletzung ihrer Schadenminderungspflicht ist die Beschwerde
führerin
- wie die Beschwerdegegnerin zutreffend erkannt hat (
Urk.
2,
Urk. Urk.
12/P137-145) -
so zu stellen, als ob sie sich dem stationären Medika
mentenentzug unterzogen hätte
(
Art.
61 UVV, vgl. E. 2.5 hiervor)
, womit gestützt auf die ärztlichen Ein
s
chätzungen
vom Eintritt des medizinischen Endzustands per 2
2.
Januar 2019 und
von einer
vollen
A
rbeitsfähigkeit in einer leidensange
p
assten Tätigkeit auszugehen ist.
5.7
Nicht gefolgt werden kann der Beschwerdeführerin, soweit sie eine
relevante Verschlech
terung des Gesundheitszustands seit der
A._
-Begutachtung
und eine voll
ständige Arbeitsunfähigkeit behauptet (
Urk.
1 S. 6). RAD-Arzt
Dr.
I._
äusser
te in seinem Bericht zwar, dass sich die
CRPS-Symptomatik seit der Begutach
tung im August 2017 eher verschlecht
ert habe
und verwies dabei auf
eine im Seitenvergleich ver
ände
rte Hauttemper
atur
. Im Übrigen er
gab
sich jedoch ein i
m Wesentlichen unverändertes Be
schw
erdebild, berichtete
Dr.
I._
doc
h von einer unveränderten Hyper
algesie und Hyperästhesie im linken Fuss und OSG (
Urk.
3/5 S. 9). Dass das
CRPS Typ 1 und die damit einher
gehenden Bewegungseinschränkungen und Beschwer
den die Arbeitsfähigkeit be
ein
trä
chtigen, wurde von den
A._
-Gutach
tern in ihrer Beurteilung
berück
sichtigt.
Gross
es Gewicht m
ass
Dr.
I._
dem
Muskulatur
defizit
in der linken unteren Extremität zu, die er auf die Verwendung der
Beinorthodese
zurückführte
(
Urk.
3/9 S. 9 u. 11f.)
. Dazu ist festzuhalten, dass die Umfang
messungen der
A._
-Gutachern und jene von
Dr.
I._
in etwa ähnlich ausfielen (
Urk.
3/5 S. 8,
Urk.
13/M181
). Gleichwohl ist aufgrund des Berichts von
Dr.
I._
nicht auszuschliessen, dass infolge
der Abgabe der
Beinorthodes
e
eine Ve
rschlechterung eingetreten ist. Für eine allfällige Verschlechterung hat indessen die Beschwerdegegnerin nicht einzustehen.
Denn
die Invalidenversiche
rung
erteilte
Kos
t
engutsprache für die
Beinorthodese
erst mit Mitteilung vom 2
5.
Mai 2019
(
Urk.
19
). Zu diesem Zeitpunkt hatte die Beschwerdegegnerin ihre Heilbehandlungen (zu Recht) bereits eingestellt gehabt. Eine
Leistungspflicht
des Unfallversicherers
für eine nicht bewilligte Heilmassnahme und der sich aus
ihr ergebenden Folgen besteht nicht (BGE 128 V 169 E. 1c).
S
oweit
Dr.
I._
die Arbeits
fähigkeit der Beschwerde
führerin seit dem Zeitpunkt der Untersuchung am 2
7.
August 2019 auf 50
%
einschätzte, ist
sodann
darauf hinzuweisen, dass er auch ein rezidivierendes HWS-Syndrom bei radio
logisch na
chgewiesenen degenerativen Veränderun
gen als die Arbe
itsfähigkeit einschränkend beur
te
ilte und entsprechend mitberück
sichtigte (vgl.
Urk.
3/5 S. 10). Dabei handelt es
sich indes nicht um eine unfallbedingte Beein
trächtigung (vgl. E. 4.6), weshalb diese b
ei der Feststellung der Arbeitsfähigkeit im UV-Verfahren nicht zu berücksichti
gen ist.
5.8
In Bezug au
f die von
Dr.
J._
diagnostizierte rezidi
vierende depressive Stö
rung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1), und die au
fgrund des
sen attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit im ersten Arbeits
markt, ist zu
nächst festzuhalten, dass sie sich zur natürlichen Unfallkausalität nicht äusserte, was vor dem Hintergrund, dass ihr
e Stellungnahme im invalidenver
sicherungs
rechtlichen Verfahren erging und in dessen Rahmen diese Frage nicht von Relevanz ist, ohne Weiteres verständlich ist. Wie es sich damit verhält, kann
offen bleiben
, da die Leistungspflicht eines Unfallversicherers nebst der natür
lichen eine adäquate Kausalität voraussetzt. Für di
e Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges
zwi
sche
n dem Unfall und psychischen Gesundheitsschä
digun
gen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewis
se Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernst
haft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinweisen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknü
pfen, wobei ausgehend vom augenfälligen Geschehens
ablauf folgende Einteilu
ng vorgenommen wurde: banale beziehungs
weise leichte Unfälle einer
seits, schwere Unfälle anderseits und
schliess
lich der
dazwischen liegende
mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E. 5b/
aa
; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2). Bei banalen Unfäl
len wie zum Beispiel bei gering
fügigem
Anschlagen des Kopfes oder Übertreten des Fusses und bei leichten Un
fällen wi
e zum Beispiel einem gewöhn
lichen Sturz oder Ausrutschen kann der
adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychischen Gesundheits
störungen in der Regel ohne Weiteres verneint
werden, weil aufgrund der allge
meinen Lebenserfahrung aber auch un
ter Einbe
z
ug unfallmedizinischer Erkennt
nisse davon ausgegangen werden darf, d
ass ein solcher Unfall nicht ge
eignet ist, einen erhebli
chen Gesundheitsschaden zu ver
ursachen (BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
, 115 V 133
E. 6a). Gemäss vorliegender Unfall
meldung vom 2
2.
Juni 2015 (
Urk.
13/M3) hat sich die Beschwerdeführerin beim Absteigen von einem Hocker den rechten (recte: linken) Knöchel lädiert resp. v
erknackst. Mit Blick auf die ge
nannte bundesgerichtliche Rechtsprechung ist eindeutig auf einen banalen Un
fall zu schliessen. Die Be
schwerdeführerin scheint zu verkennen, dass bei der Frage, ob es sich um einen leichten, mittleren oder schweren Unfall hand
elt, allein der augenfällige Geschehensablauf respek
tive
das objektiv erfassbare Unfallereig
nis mass
gebend ist und nicht die Unfall
folgen oder der Heilungsverlauf (
Urk.
1 S. 4). So
weit
Dr.
J._
die Beschwer
deführerin aufgrund ihrer psychi
schen Erkra
nkung im ersten Arbeitsmarkt momen
tan nicht arbeitsfähig erachtete, ist dies entsprechend im vorliegenden UV-Verfahren nicht zu berücksichtigen.
5.9
Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass
spätestens im Zeitpunkt der Ein
st
ellung der vorübergehenden Leistungen mit überwiegender Wahrscheinlich
keit keine namha
fte Besserung des Gesundheits
zustandes mehr zu erwarten war und die Beschwerdeführerin
soweit die Unfallfolgen betreffend
in einer leidens
ange
passten Tätigkeit wieder zu 100
%
arbeitsfähig war.
6.
6.1
Zu prüfen ist weiter, ob
die
Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine höhere In
va
lidenrente als eine solche bei einem Invaliditätsgrad von 1
3
%
hat.
6.2
Beim Einkommensvergleich
ging
die Beschwerdegegnerin von einem hypo
the
tischen
Valideneinkommen
2018
in der Höhe von
Fr.
91’400
.
10 aus (Urk. 12/P140
)
, was von der Beschwerdeführerin unbestritten blieb.
Davon ist vor
lie
gend nicht abzuweichen.
Rentenbeginn
ist zwar
1.
April
2019, weshalb der Einkommensvergleich in zeitlicher Hinsicht auf dieser Basis zu berechnen wäre. Da aber statistische Zahlen hinsichtlich der Nominallohn
ent
wicklung bis 2019
im Zeitpunkt des angefochtenen Entscheids
(noch) fehl
t
en, rechtfertigt
es sich,
das Validen- und In
valideneinkommen per 2018 zu berechnen, was für den Renten
anspruch keinen Unterschied macht.
6.3
6.3.1
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein
solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen
gegeben, nament
lich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) heran
ge
zogen werden (BGE 126 V 75 E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1).
6.3.2
Da
die
Beschwerdeführer
in
nach Eintritt des Ge
sundheitsschadens keine Erwerbs
tätigkeit mehr aufgenommen hat, mit welcher
sie
die verbleibende Restarbeits
fähigkeit voll ausschöpfte, hat die Beschwerdegegnerin zu Recht das Invaliden
ein
kommen anhand von Lohntabellen ermittelt.
Die Beschwerde
-
gegnerin stützte sich auf den monatlichen Durchschnittslohn
von Fr. 6'202.-- für
Frauen
im Anforderungs
niveau
3
(k
omplexe praktische Tätigkeiten welche ein
gross
es Wis
sen in einem Spezialgebiet voraussetzen
)
nach der Lohnstruktur
-
erhebung
2014
des Bundesamtes für Statistik
ab
(LSE
2014
, Tabelle TA1, Total,
Kompetenzniveau 3,
Frauen
).
U
nter Berück
sich
tigung
einer
Arbeits
zeit von
42
Stunden pro Woche sowie der Nominal
lohn
entwicklung
berechnete die Beschwer
de
gegnerin
ein Jahres
ein
kommen von Fr.
79'323.10
, Stand 2018
(
Urk.
12/P139)
.
6.3.3
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, dass ihr angepasst lediglich noch eine Hilfstätigkeit (Kompetenzniveau 1) zumutbar sei und bei der Berechnung des Invalideneinkommens ausserdem ein Leidensabzug von mindestens 20 % zu berücksichtigen sei (
Urk.
1 S. 10f.).
Die Beschwerdeführerin hat eine Ausbildung als Krankenschwester gemacht. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes
im Jahr 1998
ha
t
sie sich um die Familie gekümmert und im Jahr 2007 angefangen am Mittagstisch in der
Schule auszu
helfen. Seit 2012
hat
sie
wieder im Pflegeberuf
gearbeitet
, zuletzt v
on Oktober 2014 bis Februar 2017 bei der Spitex in einem 80%-Pensum
(vgl.
Urk.
12/P156, Ur
k.
13/M191). Die von der Beschwerdeführerin vor dem Unfall ausgeübte Tätig
keit ging über
wiegend mit Arbeiten
in stehender
, gehender oder gebückter Haltung einher. Ge
mäss Angaben des Spitex-Zentrums
macht die Administrativ
arbeit lediglich einen kleinen Anteil (7
%
) der Tätigkeit aus (vgl.
Urk.
12/P77). Die Fach
kenntnisse, die die Beschwerdeführerin erworben hat, erschöpfen sich in den medizinischen Kenntnissen im Pflegeberuf.
Ein Abstellen auf anspruchsvolle Tätigkeiten des Kompetenzniveaus 3 über alle Berufssparten entbehrt
einer nach
voll
ziehbaren Logik, denn
die
Beschwerdeführer
in
kann klarerweise nicht in allen Bereichen komplexe praktische Tätigkeiten ausführen, welche ein
gross
es Wissen in einem Spezialgebiet voraussetzen.
Sie ist
auf
ihr
bearbeitetes Fach
gebiet der
Pflege
beschränkt.
Eine Tätigkeit im
Pflegebereich
, die überwiegend
in stehender
, gehender oder gebückter Haltung ausgeführt wird,
ist aber nicht mehr geeignet.
Daran ändert - entgegen den Ausführungen der Beschwerdegegnerin - auch
die
Verletzung der Mitwirkungs- oder Schaden
minderungspflicht nic
hts. Gestützt auf Art.
61 UVV
wird
einem Ver
sicherten - wenn er sich ohne zu
reichenden Grund weigert, sich einer zumutbaren Behandlung oder Ein
glie
de
rungs
massnahme zu unterziehen - nur die Leistungen gewährt
werden
, die beim erwar
teten Erfolg dieser Massnahmen wahrscheinlich hätten entrichtet werden müssen.
Die Beschwerdegegnerin hielt fest, mit der ange
wiesenen Behandlung (stationäre Therapie für die Medikamentenanpassung/-entzug) wäre die Be
schwer
deführerin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einer angepassten Tätig
keit voll arbeits
fähig und in ihrer Konzentrationsfähigkeit nicht einge
schränkt (
Urk.
2 S. 8
;
vgl. auch
Urk.
12/P139
).
Darauf ist
abzustellen.
Die Rechtsprechung stellt diesbezüglich konkret auf die Fähigkeiten der Versicherten ab. So stellte das Bundesgeric
ht im Urteil
9C_780/2016
vom
3.
Ok
to
ber 2017 E. 4.3 auf das unterste Leistungsniveau ab, weil es sich beim Versicherten um einen «klassischen Handwerker» handelte, der als Kleinunter
-
nehmer immer wieder schwere körperliche Arbeiten verrichten musste. Schulische Ausbildungen waren aufgrund der intellektuellen Fähigkeiten nicht angezeigt. Im Urteil
8C_829/2019
vom
6.
März 2020 E. 4.2 brachte das Bundesgericht das Kompe
tenz
niveau 2 über alle Wirtschaftszweige zur Anwendung unter Hinweis, dass dieses eine Vielzahl von praktischen Tätigkeiten (wie Verkauf/Pflege/
Datenverarbeitung und Administration/Bedienen von Maschinen und elektro
-
nischen Geräten/Si
cher
heits
dienst/Fahrdienst) umfasst, die anspruchsvoller sind als die in Kompe
tenz
niveau 1 erfassten einfachen Tätigkei
ten körperlicher oder handwerklicher
Art.
Angesichts der Ausbildung der Beschwerdeführerin sowie des von den Gut
achtern formulierten Belastungspro
fils, wonach ihr leichte und vorwiegend sitz
en
de Tätigkeiten zumutbar sind (vgl. E. 4.3.5), ist vorliegend nicht erstellt, dass die Beschwerdeführerin bloss noch Hilfsarbeiten im Kompetenz
niveau 1 ausüben könnte. Insofern
drängt sich vorliegend ein Abstellen auf die Tabellen
löhne im Kompetenzniveau 2 auf
.
Gemäss
der Tabelle TA1 der LSE 201
8
(
gemäss
bundesgerichtlicher Recht
sprechung sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffent
lich
ten Tabellen der LSE zu verwenden [vgl.
BGE 143 V 295 E. 4.1.3]
) beträgt der monatliche Durchschnittslohn im Kompetenzniveau 2 für Frauen
Fr.
4‘849.--
. Aufgerechnet auf ein Jahr, angepasst an die durchschnittliche Wochen
arbeitszeit von 41.7 Stunden (Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirt
schaftsabteilungen, S 8) ergibt dies ein Einkommen von
Fr.
60‘661.--
(Fr. 4‘8
49
.-
- x
12 :
40 x 41.7)
.
6.3.4
Ein
Abzug vom Tabellenlohn ist bei diesem Wert nicht angezeigt.
Der Be
schwer
de
führerin sind alle körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeiten, die vorwiegend sitzend ausgeübt werden können und nur mit gelegentlichem Gehen und Stehen sowie ohne Hocken einhergehen, zumutbar. Das Kompetenz
niveau 2
beinhaltet - im Gegensatz zum Kompetenzniveau 1 - eine Vielzahl genau solcher Tätigkeiten, weshalb
die
Beschwerdeführer
in
mit einem ungekürzten Lohn rechnen kann.
6.4
Wird das
Valideneinkommen
von Fr.
91’400
.
10
(vgl. 6.2) dem Invaliden
ein
kom
men gegenübergestellt, resultiert eine
Erwerbseinbusse
von
Fr.
30‘
739.10
oder
ein
Invaliditätsgrad von gerundet 34
%. Der Beschwerdeführerin
steht eine Invali
den
rente
ab
1.
April 2019
in diesem Umfang zu.
Dies führt zur teilweisen
Gut
heissung
der Be
schwerde.
7.
Schliesslich verlangte die Beschwerdeführerin die
Zusprache
einer Integritäts
ent
schädigung (
Urk.
1 S.
11
).
7.1
Nach Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemes
sene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität erleidet. Die Integritätsentschädigung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt.
Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahres
verdienstes nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens abge
stuft (Art. 25 Abs. 1 UVG).
Gemäss Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädi
gung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Abs. 1 dieser Vorschrift bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens minde
stens in gleichem Umfang besteht. Er ist erheblich, wenn die körperliche oder geistige Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird. Gemäss Abs. 2 gelten für die Bemessung der Integritätsentschädigung die Richtlinien des Anhanges
3.
Fallen mehrere körperliche oder geistige Integritätsschäden aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die Integritätsentschädigung nach der gesamten Beeinträchtigung fest
gesetzt (Abs. 3).
7.2
Anlässlich der
A._
-Begutachtung
wurde
weder ein
Talusvorschub
noch eine vermehrte mediale oder laterale Aufklappbarkeit als Zeichen der Instabilität identifiziert und auch
keine Beeinträchtigung des Bewegungsumfangs der Hüft- und Kniegelenke
festgestellt
. Einzig eine geringe bis
mässiggradig
einge
schränkt demonstrierte Bewegungseinschränkung des linken OSG
wurde
festge
halten
(vgl. Urk.
13/M189).
Gestützt darauf
und angesichts dessen, dass neuro
logisch auch keine Defizite der unteren Extremitäten ausgemacht werden konn
ten,
sah Dr.
med. L._
, orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Be
wegungs
apparates, aus beratungsärztlicher Sicht an den unteren Extremitäten keine funk
tionellen Einschränkungen am lin
ken OSG/Fuss belegt, die zu einer erheblichen Beeinträchtigung im Sinne der
Erheblichkeitsgrenze
eines Integritäts
schadens der SUVA-Tabelle 2 führen könnte
n
(vgl. Urk. 13/M355).
Bereits
Dr.
B._
verneinte in seiner ärztlichen Beurteilung vom 1
4.
März 2018 mangels ausgewiesener Arthrose bei Status nach Distorsions
trauma des linken OSG das Vorliegen
residueller
Unfallfolgen und damit einen Anspruch auf eine Integritäts
entschädi
gung. Laut
Dr.
B._
ist eine Arthrose des OSG auch prognostisch nicht zu erwarten
(vgl. E. 4.
5
in
fine
).
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin vermag daran auch der Untersuchungsbericht von RAD-Arzt Dr.
I._
nichts zu ändern. So hielt
Dr.
I._
weder
eine Arthrose
noch Beweglichkeits
einschränkun
gen der Hüft- und Kniegelenke fest
und
verneinte
auch das Vorliegen
eine
r
Band
insta
bi
li
tät. Wie die
A._
-Gutachter
hielt
er
zwar
eine Einschrä
nkung der Be
weg
lich
keit
des linken Sprung
gelenkes
bei Extension und Flexion wie auch Pro
nation und Supination fest,
wies
jedoch
darauf hin, dass
der Fuss und das Sprung
gelenk durch eine Orthese fest fixiert seien (
Urk.
3/5 S. 7). Aus chirur
gi
sch
er Sicht sei dies nicht nachvollziehbar, da dadurch die Fehlstellung im linken OSG/Fuss
noch mehr fixiert werde, was kontraproduktiv sei. Eine Verbesserung der Belast
barkeit des linken Fusses wäre durch eine Schuheinlage nach Mass zu erreichen.
Insgesamt schätzte Dr.
I._
die Feststellungen von Dr.
B._
als
nach
voll
ziehbar und plausibel
ein (vgl.
Urk.
3/5 S.
12).
Es besteht kein Anlass von dieser ärztlichen Einschätzung abzuweichen.
Insofern ist darauf abzustellen.
Im Übrigen greift das Gericht nicht ohne Not bzw. nur insoweit ein, als dass die unfall
medi
zinische Beurteilung sachlich nicht gerechtfertigt ist und zu stossenden Ungleich
heiten führen würde. Dies ist nach dem Gesagten vor
lie
gend offensicht
lich nicht der Fall.
8.
Zusammenfassend ist die Beschwerde in dem Sinne teilweise gutzuheissen, dass die
Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Invalidenrente der Unfallversicherung im Umfang von 3
4
%
hat.
Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens - teilweises Obsiegen - steht der anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG und § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) eine gekürzte Prozessentschädigung zu. Die Entschädigung wird vom Gericht nach Ermessen und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen fest
ge
setzt (§ 34 Abs. 1 und 3
GSVGer
). Entsprechend ist ihr eine gekürzte Prozess
ent
schädigung von Fr.
1’100
.-- (inkl. Bara
uslagen und
MWSt
) auszurichten.