Decision ID: 1414b9ea-d292-5e40-a7db-d8899acd0dca
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1977, hat in Mazedonien die obligatorische Schulzeit absolviert und danach keinen Beruf erlernt. Seit ihrer Einreise in die Schweiz im Jahr 1997 war sie nicht erwerbstätig bzw. nach der Geburt ihrer Kinder (
Jhg
. 1999 und 2003) Hausfrau. Im März 2015 meldete sie sich unter Hinweis auf Rheuma, Diabetes, Blutdruck und Arthritis bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 8/1).
Die IV-Stelle zog den IK-Auszug bei
(Urk. 8/6)
, holte Berichte bei den behandelnden Ärzten ein und führte am 7. September 2016 eine Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt durch (Urk. 8/24). In der Folge veranlasste sie eine
bidis
ziplinäre
Abklärung der Versicherten, welche durch die
Dres
.
Y._
,
Dr.
med. und
Dr.
sc. nat. ETH, F
achärztin FMH für Innere Medizin, spez. Rheumaerkran
kungen, sowie Prof.
Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH für Neurologie sowie Fach
arzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, durchgeführt wurde (internistisch-rheumatologisches Gutachten vom 27. Dezember 2016 [Urk.
8/29]
sowie
psychiatrisches Fachg
utachten vom 3. Januar 2017
einschliesslich
b
i
disziplinäre
Zu
sammenfassung vom 3. Januar 2017
[Urk.
8/32]
).
Gestützt auf die
so getätigten
Abklärungen stellte die
IV-Stelle der Versicherten
mit Vorbescheid vom 3. Juli 2017 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 8/48) und hielt daran nach erhobenem Einwand mit Verfügung vom 2
6.
Oktober 2017 fest (Urk. 2).
2.
Dagegen lässt
X._
durch Rechtsanwalt Bernhard
Zollinger
hierorts mit Eingabe vom 29. November 2017
(Urk. 1)
Beschwerde erheben und beantra
gen, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und ihr eine ganze Rente auszurichten (1.), eventualiter sei ihr
eine halbe oder eine
Dreiviertelsrente
zuzu
sprechen (2.),
subeventualiter
sei die Sache zurückzuweisen (3.), es sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung und der unentgeltliche Rechtsvertreter in der Person des Unterzeichnenden zu bewilligen
(4.)
, unter Kos
ten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (5.).
Mit Vernehmlassung vom 10. Januar 2018 stellte die IV-Stelle Antrag auf Ab
weisung der Beschwerde (Urk. 7), was der Beschwerdeführerin mit Gerichtsverfü
gung
vom 26.
Februar 2018 zur Kenntnis gebracht wurde, unter anderem unter Hinweis darauf, dass über den Antrag auf unentgeltliche Prozessführung und un
entgeltliche Rechtsvertretung zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werde (Urk. 13).
Mit Eing
abe vom 2. Mai 2018 liess die Versicherte ein P
rotokoll des
A._
_
über ein stattgehabtes Aufklä
rungsgespräch vom 17.
März 2018
im Hinblick auf eine Operation
ins Recht
reichen
(Urk. 15-16). D
ie IV-Stelle verzichtete am 15.
Mai 2018 auf eine Stellung
nahme hierzu (Urk. 18).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
W
as das
mit Eingabe vom
2.
Mai 2018 eingereichte Aufklärungsprotokoll des
A._
vom 17.
März 2018 be
trifft, welches nach Ergehen der
angefochtenen
Ver
fügung
vom 26. Oktober 2017
datiert, ist nicht ersichtlich und wird auch seitens des Rechtsvertreters nicht geltend gemacht, dass es den hier massgeblichen Beurteilungszeitraum
(bis zum Erlass der angefochtenen Verwal
tungsverfügung am 2
6.
Oktober 2017
; vgl. statt vieler:
BGE 131 V 407
E. 2.1.2.1)
beschlagen würde. Es hat daher
im vorliegenden Verfahren
ausser Acht zu bleiben.
2.
2
.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2
.2
2.2.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit
Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
raus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
2.2.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines ren
tenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143
V 418, 143
V 409, 141
V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE
141 V
281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
2.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestell
ten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen be
ruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychi
schen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Aus
einandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfol
gerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
3
.
3
.1
Die IV-Stelle begründete die angefochtene
leistungsabweisende
Verfügung damit, dass
gemäss dem eingeholten
ärztlichen
Gutachten die Tätigkeit als Reinigungs
mitarbeiterin, in welcher die Versicherte eine Anstellung gesucht habe, nicht mehr zumutbar sei. Hingegen sei aus ärztlicher Sicht eine angepasste Tätigkeit nach wie vor zu einem vollen Pensum zumutbar. Der Einkommensvergleich er
gebe keine Erwerbeinbusse, weshalb kein Rente
nanspruch ausgewiesen sei (Urk.
2).
3
.2
Dagegen lässt die Versicherte zur Hauptsache geltend machen, dass ihr gemäss Einschätzung des Hausarztes
Dr.
B._
eine angepasste Tätigkeit nur im Umfang von 50 % zumutbar sei.
Weiter
mangle es an konkret genannten Verweistätig
keiten
,
weshalb auch die leidensangepasste Tätigkeit nicht nachvollziehbar sei.
Den Einschränkungen sei durch einen Leidensabzug in Höhe von 25
% Rechnung zu tragen. Ein Rentenanspruch sei ausgewiesen (Urk. 1).
4
.
4
.1
Die Beschwerdeführerin wur
de am
12
.
Dezember 2016 internistisch-
rheumatolo
gisch und am 3.
Januar 2017 psychiatrisch
untersucht
. Die Gutachter
Dr.
Y._
und Prof.
Dr.
Z._
fassten die bis zur Begutachtung der Beschwerdefüh
r
erin aktenkundigen Berichte zusammen, weshalb
sie an dieser Stelle nicht zu wiederholen sind
(
vgl.
Urk.
8/29 S. 4 ff. sowie
Urk.
8/32 S. 5 ff.).
4
.2
Dr.
Y._
stellte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk.
8/
29 S. 23)
:
- Psorias
is-Arthritis (Erstdiagnose 09/20
12) bei Psoriasis
vulgaris
mit
-
Verschiedene
n
Basistherapien:
-
Leflunomid
(10/2012 bis 01/2014)
-
Enbrel (03/2015 bis 04/2015)
-
Metho
trexat
ab 01/2014 bis auf weiteres, aktuell 10mg pro Woche
-
Golimumab
(
Sinponi
) ab 06/2015 bis auf weiteres
-
Gegenwärtig in Remission
-
klinisch keine entzündlichen Veränderungen
-
bildgebend kein Nachweis entzündlicher
Veränderungen in der Ganz
kö
r
per-
Szintigraphie (12/2016) und
- daher weitere Besserung gegenüber der Szintigraphie 06/2014 und
sehr deutliche Besserung gegenüber Szintigraphie 09/2012
-
Ohne
ossäre
-
erosive
-entzündliche Veränderungen insbesondere
-
k
eine akute oder chronische entzündliche Befunde
- beider Hände (MRI
01/2016 und Szintigraphie 12/2016) und
- beider Füsse (Szintigraphie 12/2016 und Röntgen 12/2016)
Als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte sie:
-
Diabetes mellitus Typ II (Erstdiagnose 2011) mit oraler Therapie und
-
u
ngenügender Einstellung (HbA1c 7.7%)
-
Arterielle Hypertonie mit medikamentöser Therapie
-
Hypothyreose (Erstdiagnose 2011) mit
-
Adäquater Hormon-Substitution
-
Vitamin D-Mangel (26
nmol
/l)
-
Kariöse Zähne
Dr.
Y._
führte unter Hinweis auf
verschiedene, unter anderem von ihr ver
anlasst
e (vgl.
Urk.
8/29 S
. 39 ff.)
bildgebende Abklärungen zusammenfassend aus, bei der Versicherten sei nach vorbestehender Psoriasis
vulgaris
im Jahr 2012 eine Psoriasis-Arthritis aufgetreten, die
szintigraphisch
09/2012 eindeutig doku
mentiert worden sei. Sie sei ab 10/2012 mit einem Basismittel behandelt worden
,
wodurch
es zu einer baldigen Besserung gekommen sei, wie die
Ganzkörper-Szintigraphie 06/2014 ergeben habe. Unter der Basistherapie mit niedrig dosier
tem parenteralem
Methotrexat
und
Golimumbab
(
Simponi
) sei eine Remission eingetreten, denn aktuell seien weder klinisch noch
szintigraphisch
Hinweise auf akute oder chronische Entzündungen mehr vorhanden. Die MRI-Untersuchung beider Hände (01/2016) habe sogar altersentsprechend normale Befunde ergeben. Die aktuellen Befunde erklärten das Ausmass der angegebenen Beschwerden nur zu einem kleinen Teil. Die Versicherte könne eine angepasste Tätigkeit zu 100
% ausüben bezogen auf ein Pensum von 100
%
(
Urk.
8/29 S.
25)
. Da ihr Handein
satz bei der Unt
ersuchung normal gewesen sei und aus rheumatologischer Sicht keine Ursache für eine fast fehlende Handkraft beidseits bestehe, sei bezüglich der Messung der maximalen Handkraft, welche nur 3
% der Norm ergeben habe bzw
.
eine fast völlige Kraftlosigkeit, von einer Selbstlimit
i
erung auszugehen
(Urk. 8/29 S.
26).
Zur le
idensangepassten Tätigkeit führte
Dr.
Y._
aus, dass d
ie Versicherte
– da sie
weiterhin durch die rheumatoide Arthr
itis limitiert sei -
eine leichte,
über
wiegend sitzende Tätigkeit mit Wechselbelastung ohne grobmotorische Bean
spruchung der Hände
benötige
. D
abei könne sie Lasten bis zu 10
kg hantieren (leichtes Belastungsniveau). Länger dauernde Tätigkeiten in Nässe, Kälte oder grossen Temperaturschwankungen (z.B. in Kühlräumen) könne sie nicht ausüben. Eine angepasste Tätigkeit gemäss diesem Profil könne sie zu 100 % ausüben
,
be
zogen auf ein Pensum von 100 %. Im Haushalt bestehe keine Einschränkung; bei besonders belastenden Tätig
keiten würden die Kinder helfen. In einer angepassten Tätigkeit wie auch im Haushalt habe nie eine andauernde Arbeits
un
fähigkeit be
standen (
Urk. 8/29 S.
37
).
4
.3
Prof.
Dr.
Z._
stellte in seinem Gutachten
vom
3.
Januar 2017 keine psychi
atrischen
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk. 8/32 S. 29)
. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
bezeichnete er eine chronische Schmerz
störung mit psychischen und somatischen Befunden (ICD-10 F 45.41) sowie eine depressive Episode mit somatischem Syndr
om,
ggw
. mittelgradig (ICD-10 F
32.11)
,
mit/bei multiplen schweren psychosozialen Belastungsfaktoren (Schwie
rigkeiten bei der
kulturellen Eingewöhnung [Sprachschwierigkeiten; ICD-10 Z 60.2], Probleme in Verbindung mit Ausbildung [ICD-10 Z 55], Probleme in Ver
bindung mit ökonomischen Verhältnissen [hohe Schulden; ICD-10 Z 59] sowie sonstige näher bezeichnete Probleme in der primären Bezugsgruppe [vorgesehene Ausschaffung des Ehemannes; ICD-10 Z 63.8]).
Er führte im Wesentlichen aus, bei der Versicherten bestehe
seit vielen Jahren
eine chronische Schmerzerkrankung, die bisher psychiatrisch
undiagnostiziert
gewesen sei
. Es
liege
eine chronische Schmerzstörung
mit somatischen und psy
chischen Faktoren vor. Zugl
e
ich bestehe eine depressive Episode, die Folge der schweren psychosozialen Belastungsfaktoren und der Schmerzen sei. Beide Stö
rungsbilder seien nicht bzw
.
unzureichend
behandelt.
Da der Grundsatz der Be
handlung vor Rente zu gelten habe, könne aktuell aus gutachterlicher Sicht kein IV-relevanter Gesundheitsschaden diagnostiziert werden.
Bei der ergebnis
offenen Prüfung der Standardind
i
katoren
,
die gemäss Bundesgericht sowie den im IV-Rundschreiben 339 gemachten Umsetzungsempfehlungen bei derartigen psycho
somatischen Störungsbildern abzuprüfen seien, seien keine belastenden Hinweise zu finden gewesen, so dass die Überwindbarkeitsvermutung angenom
men werden könne. Zudem würden in der Krankheitsgeschichte bei der dysfunk
tionalen Schmerzverarbeitung und der depressiven Entwicklung dominierend psychosozi
ale Belastungsfaktoren eine entscheidende Rolle spielen
,
die im IV-Recht als invaliditätsfremd einzustufen
seien
. Insgesamt ergäben sich damit keine IV-relevanten psychiatrischen Störungsbilder mit nachfolgenden
Handicapierun
gen
auf die mittel- und langfristige Arbeitsfähigkeit der Explorandin. Auch im Haushalt sei unter Mithilfe der Familienangehörigen keine Einschränkung aus rein psychiatrischer Sicht gegeben, so dass eine mittel- und langfristige Arbeits
fähigkeit von 20
% und mehr auf der Grundlage der bekannt gewordenen Sach
verhalte und des psychiatrischen Untersuchungsbefundes nicht a
usgesprochen werden könne (Urk. 8/32 S.
31).
Er empfahl eine multimodale Schmerztherapie gemäss Leitlinien sowie ein
e
leitliniengerechte Behandlung der depressiven Epi
sode
und
hielt dafür, dass die Versicherte a
us gutachterlicher Sicht
unverzüglich in einer körperlich leidensgerechten Tätigkeit eingegliedert werden könne (
Urk.
8/32 S. 30).
4.4
Die
bidisziplinäre
Zusammenfassung ergab, dass die Beschwerdeführerin auf
grund der gestellten Diagnose
n
in einer leidensangepassten Tätigkeit (leichte,
überwiegend sitzende Tätigkeit mit Wechselbelastung ohne grobmotorische Beanspruchung der Hände, Lasten bis zu 10 kg
ohne länger dauernde Tätigkeiten in Nässe, Kälte oder
grossen Temperaturschwankungen
)
zu 100 % arbeitsfähig sei. Im Haushalt bestehe keine Einschränkung; bei besonders belastenden Tätig
keiten würden die Kinder helfen. In einer angepassten Tätigkeit wie auch im Haushalt habe nie eine andauernde Arbeits
un
fähigkeit bestanden (
Urk.
8/32 S. 31).
5
.
5.1
Das Gutachten
beruht
auf umfassenden internistisch-rheumatologischen und psychiatrischen
Untersuchungen. Es wurde zudem
in Kenntnis der
Vorakten
und in rheumatologischer Hinsicht gestützt auf eigens angefertigte
b
ildgebende Ab
klärungen
erstellt. Die Beschwerdeführerin konnte ihre aktuellen Beschwerden
gegenüber
den Gutachtern schildern (Urk.
8/29 S.
13
und
Urk.
8/32 S. 19)
und sie wurde von diesen jeweils – soweit fachspezifisch erforderlich – ergänzend befragt. Die geklagten Leiden wie die objektiven Befunde fanden im Rahmen der
Beurteilung und
Diagnosestellung Berücksichtigung und deren Auswirkungen auf die A
rbeitsfähigkeit
wurden
für den rechtsanwenden medizinischen Laien nachvollziehbar dargelegt.
5.2
So
erläuterte
Dr.
Y._
, dass
es
bezüglich der im Vordergrund stehenden
Psoriasis-
Arthritis
unter Behandlung zu einer Besserung bzw. Remission gekom
men ist, was
mit
Blick
auf die
in weiten Teilen normalen klinischen Befunde
(Urk.
8/29 S. 15 ff.
)
und
die
aktuellen
Bildgebungen
(
vgl. wiederum Urk. 8/29 S. 39 ff.
)
, welche
keine Hinweise mehr auf chronische Entzündungen
ergaben, nachvollziehbar ist.
Mit Blick auf die anlässlich der klinischen Untersuchung weitgehend normale
n
rheumatologische
n
Befunde (sowie auch
auf gewisse
I
n
konsistenzen; vgl. dazu Urk.
8/29 S. 24 und S. 36),
leuchtet
aber
auch ein, dass
Dr.
Y._
von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit
in einer leidensangepass
ten Tätigkeit
ausging, und dass sie
-
unter Hinweis auf
Empfeh
lungen
der Swiss Insurance
Medicine
der
Psor
i
asis-
Arthri
ti
s
Rechnung tragend
-
qual
itati
v
e Ein
schränkung
en beim z
umutbare
n
Belastungsprofil
vornahm
(Urk.
8/29 S.
27).
5.3
Aber auch
die von
Prof.
Dr.
Z._
gestellten Diagn
o
sen
leuchten ein. So kann
mit Blick auf die
anlässlich der Untersuchung festgestellte
eingeschränkte
Affek
tivität
(
Urk.
8/32
S. 23)
sowie die
genannten
verschiedenen psychosozialen Belastungen
(
einschliesslich Schmerzen
)
die Diag
n
ose einer reaktiven
mittelgra
digen depressiven Episode
nachvollzogen werden. Dies gilt
mit Blick auf die
von Prof.
Dr.
Z._
genannten
erfüllten
Kriterien (
fehlende
s
medizinische
s
Korre
lat, Auftreten der chronischen Schmerzen unter psychosozialen und emot
ionalen Belastungsfaktoren,
Intensivierung der subjektiven Schmerzwahrnehmung unter diesen Umständen, der
hohe Schmerzlevel, die geringe Wirksamkeit therapeuti
s
cher Massnahmen) auch für die gestellte Diagnose einer chronischen Schmerz
störung
mit psychischen und somatischen Faktoren (Urk. 8/32 S. 27)
.
Aber auch
die
Einschätzung von
Prof.
Dr.
Z._
, wonach aus psychiatris
c
her Sicht keine invalidenversich
e
rungsrechtlich bedeutsame
Einsch
r
änkung
resultiere
,
kann
– zumindest im
E
rgebnis
-
nachvollzog
e
n werden.
Zwar v
erneinte
Prof.
Dr.
Z._
eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesund
heitsschädigung unter anderem
unter Hinweis auf die
bisher erfolgte
un
genü
gende Behandlung
der Leiden
und somit
sinngemäss
(wohl) auf die nicht ausge
wiesene
Therapieresistenz, welches Argument allein
nach der neueren Rechtspre
chung
eine Invalidität
nicht mehr ausschliessen kann (
vgl
. bezüglich Depressio
nen BGE 143 V 409
)
.
Jedoch ist
Prof.
Dr.
Z._
j
edenfalls
da
rin zu folgen, dass
d
ie
Würdigung der
massgebenden
Standar
d
indik
a
t
o
ren
insgesamt
nicht auf
Arbeitsunfähigkeit
schliessen lässt
:
Ein Leiden
von erheblichem Schweregrad wurde nicht diagnostiziert und
es
sind die diagnoserelevanten Befunde a
llenfalls mässig
ausgeprägt
,
denn
Prof
.
Dr.
Z._
hatte
im Psychostatus
–
bis auf
Einschränkungen
in der Aff
ektivität -
weitgehend
normale B
e
funde
in den ma
s
sgeblichen Funktione
n
fest
ge
stell
t
(vgl.
Urk. 8/32 S.
22 f
.
)
.
Von einer Therapieresistenz ist
alsdann
nicht auszugehen, hatte Prof.
Dr.
Z._
doch
- wie erwähnt
-
darauf hingewiesen, dass die
Ver
sicherte bis
anhin
keine
psychiatrisch-
fachär
z
t
liche T
her
apie in An
spruch
genom
men hatte
bzw
.
die Depression unzureichend bzw
.
die somatoforme Störung gänzlich unbehandelt sei
(
Urk.
8/32
S.
27
-28
).
Alsdann bestehen zwar
somatische
Komorbiditäten
, jedoch erscheinen diese angesichts der von
Dr.
Y._
erho
benen Befunde
nicht
als
stark
ausgeprägt
.
Zur
Persönlichkeit hielt
Prof.
Dr.
Z._
fest, dass aus gutachterlicher Sicht keine Störungen der Ich
-
Funk
tionen vorliegen würden (
Urk. 8/32
S.
26) und keine Hinweise auf eine Persön
lichkeitsstörung oder
-ak
zentuierung (
Urk.
8/32
S. 2
4)
.
Weiter
ging er
im kogni
tiven Bereich von einer Begabung im Normbereich aus
(
Urk.
8/32
S.
23
),
womit insgesamt keine
limitierende
n
Persönlichkeitsmerkmale
erkennbar sind.
Zum sozialen
Kontext hielt er fest, dass die Versicherte zwar einen leichten Rück
zug angebe,
jedoch
guten Kontakt innerhalb der erweiterten Familie und zu Kollegin
nen habe
(
Urk.
8/32
S
.
26
).
Ein
ausgeprägter sozialer Rückzug
ist damit nicht
erkennbar und enthält der soziale Lebenskontext
-
auch wenn die damals be
vor
stehende Ausschaffung ihres (
wegen Drogenha
ndel verurteilten; vgl.
Urk.
8/32
S. 32)
Ehegatten
eine erhebliche Belastung darstellte
–
auch
bestäti
gende, sich potenziell günstig auf die Ressourcen auswirkende Faktoren
.
Zum Aspekt der Ko
n
sistenz ergibt sich
, dass
die Beschwerdeführerin
sowohl im Haus
halt
(wenn
auch eingeschränkt) Arbeiten
verrichtet
als auch
soziale Kontakte pflegt
(
Urk.
8/32
S.
18 und S. 20
f.
)
, was mit der aus subjektiver Sicht
gegebenen
gänz
lichen Arbeitsunfähigkeit
sowie schlechten psychischen Verfassung
(
Urk.
8/32
S. 21
)
nicht in Einklang steht.
Was schliesslich den behandlungs- und eingliede
rungsanamnestisch ausgewi
esenen Leidensdruck betrifft
, steht die Ve
r
sich
erte zwar bezüglich des
somatischen Leiden
s
seit Jahren
in
(erfolgreicher)
Behand
lung.
B
ezüglich der psychischen Leiden
nahm
sie
jedoch
keine
entspre
chende (
psychiatrische
)
Behandlung
in Anspruch
,
welch letzterer
Umstand
nicht auf einen erheblichen Leidensdruck schliessen
lässt
. Insgesamt ist Prof.
Dr.
Z._
daher
darin zu folgen, dass die
rechtserheblichen
Standardi
n
dika
toren
bei g
esamthafter Betrachtung
nicht
überwie
gend wahrscheinlich
auf eine Arbeitsun
fähigkeit schliessen lassen.
Bei dieser Sachlage kann
offenbleiben, in
w
iew
eit
das klinische Erscheinungsbild
-
angesichts der Ausführungen vo
n
Prof.
Dr.
Z._
, wonach
in der Krankheitsgeschichte
dominierend
die
psycho
s
o
zia
len Faktoren eine ent
scheidende Rolle spielen würden -
nicht
einzig in Be
ein
trächtigungen besteht, die von den belastenden
psychosozialen
Faktoren her
rüh
ren, dieses mithin gleichsam in ihnen aufgeht (vgl. BGE
127 V
294 E.
5a), und somit
auch insofern
invalidenversicherungsrechtlich nicht von Bedeutung wäre
.
5.
4
Die
g
utachterliche
n
Einschätzung
en
werden
alsdann
auch
durch den
beschwer
deweise eingereichte
n
Bericht des
Hausarztes
Dr.
med.
B._
, Facharzt
für Allge
meinmedizin FMH
, vom 12.
September 2017
(Urk.
3/4)
nicht
in Frage gestellt
.
So geht
Dr.
B._
- w
ie
die Beschwerdeführerin
selber
ausführen lässt
(vgl. Urk. 1 S. 5)
-
g
rundsätz
lich
von
in etwa
den
gleichen Diagnosen
wie
Dr.
Y._
und
Prof.
Dr.
Z._
aus
. Soweit
Dr.
B._
hingegen die
Arbeitsfähigk
eit
in einer leidensangepassten Tätigkeit
tiefer
einschätzt
(
auf
2-3 Stunden pro Tag
)
,
ist
fest
zustellen,
dass
er
die so attestierte Arbeitsunfähigkeit – deren Festlegung er
selber
als schwer beurteilbar bezeichnet – nicht näher begründet. Zu berücksichtigen ist überdies, dass
n
ach der Rechtsprechung
der
Erfahrungstatsache Rechnung zu tra
gen
ist
, dass Hausärzte und behandelnde Fachärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (vgl. dazu BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Auch
werden im Bericht
von
Dr.
B._
keine
wichtige
n
Aspekte be
nannt, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben wären
und die möglicherweise eine andere Beurteilung rechtfertigten
(vgl. dazu etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_677/2014 vom 29. Okt
ober 2014 E. 7.2 mit Hinwei
sen)
.
5.5
Zusammenfassend
e
rfüllt das Gutachten
von
Dr.
Y._
und
Prof.
Dr.
Z._
die praxisgemässen Kriterien für eine beweiswerte medizinische Expertise, wes
halb
für die
Beurteilung der Gesundheitsschädigung und deren funktionellen Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit
dar
auf
abgestellt werden kann. Danach ist
die Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit zu 100
% arbeits
fähig
.
6.
6.1
Die Verwaltung
qualifizierte die Versicherte als Erwerbstätige (vgl. dazu E. 6.3
hienach
) und nahm entsprechend
zur Invaliditätsbemessung einen Einkommens
vergleich vor.
Während
sie
das
Invalideneinkommen
auf Grundlage der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE)
TA1,
Total/
Niveau 1, Lohn für Hilfsarbeiten (Zentralwert) ermittelte, stellte sie beim
Valideneinkommen
auf sta
tistische (Tabellen-)Werte
im Bereich Reinigung und Hilfskräfte (LSE TA17) ab und mithin auf ein statistisches Einkommen
, welche
s
die Versicherte bei guter Gesundheit
als Reini
gung
s
mitarbeiterin hätte erzielen können
(v
gl. Urk.
2, vgl. auch
Urk.
8/46
)
.
6.2
Soweit die Versic
herte beanstandet
,
die IV-Stelle
habe
in Betracht fallende (Ver
weis-)
Tätigkeiten nicht konkretisiert
, ist vorwegzuschicken, dass sich die Frage der Verwertbarkeit der (Rest-)Arbeitsfähigkeit
rechtsprechungsgemäss
bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt beurteilt, wobei an die Konkretisierung keine allzu hohen Anforderungen zu stellen sind. Insbeson
d
ere hat
das Bundes
gericht
wiederholt
ausgeführt
,
dass körperlich leichte und we
chselbelastende Tätigkeiten
, wie sie auch der Beschwerdeführerin zumutbar sind,
au
f
dem ausge
g
lichenen Arbei
tsmarkt
durchaus vorhanden sind. D
ie IV
-
Stelle
war daher
nicht geh
a
l
ten, die im Einzelnen zumutba
r
en Verweist
ätigkeit
en
näher aufzuzeigen, wor
an
auch
die Einschränkungen gemäss Belastungsprofil nichts
zu
ändern
ver
m
ögen
(vgl. zum Ganzen statt
vieler etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_469
/2016 vom 22. Dezember 2016, E.
6.3
)
.
6.3
Zum Einkommensvergleich ist anzumerken, dass
die Versicherte
nie
als Reini
gungsmitarbeiterin
erwerbstätig
war,
sondern
gemäss
– unbelegten
– Angaben anlässlich
der Haushaltabklärung
vor allem
eine solche Stelle gesucht
habe
n will
(
vgl.
Urk.
8/24 S.
3
)
.
Da
vor diesem Hintergrund
jedenfalls
nicht überwiegend wahrscheinlich
ist
,
dass sie in dieser Branche gearbeitet hätte
,
die Versicherte
weder
über
Berufsbildung
noch
im Bereich Reinigung über ausgewiesene E
rfah
rung verfügt
und ausschliesslich Hilfsa
rbeiten in Betracht fallen,
erscheint
es
viel
mehr sachgerecht,
beide Vergleichseinkommen auf
derselben tabellarischen Grundlage
(Hilfsarbeiten) zu ermitteln
.
Sind Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom selben
Tabellenlohn zu berechnen, entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung des Abzuges vom Tabellenlohn gemäss
BGE 126 V 75
(
vgl.
etwa Bundesgerichtsurteil 9C_311/2013 vom 12. November 2013 E. 6.3 mit Hinweisen).
D
ie Versicherte
ist
in einer leidensangepassten Täti
gkeit vollständig arbeitsfähig
,
weshalb
selbst bei Vor
nahme eines maxi
mal zulässigen
– hier
daher
nicht näher zu prüfenden -
Abzugs von 25
%
(BGE 125 V 75)
kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad (von min
destens 40
%) resultiert.
6.
4
Nach dem Gesagten
ergibt
s
elbst
die
Annahme, dass die Versicherte als voll Erwerbs
t
ätige zu qualif
i
zieren ist,
in keinem Fall ein
en rentenbegründenden
Invaliditätsgrad
. Es
braucht daher auch nicht näher geprüft zu werden
,
ob
die Qualifikation der Versicherten als Erwerbstätige
(gestützt auf die Auskünfte des Sozialamtes, wonach die Versicherte
- infolge Inhaftierung des Ehemannes und Sozialhilfeabhän
g
igkeit der Familie -
bei guter Gesundheit
zu 100 % einer Erwerbstätigkeit hätte nach
gehen müssen; vgl. Urk. 8/24 S.
3)
überhaupt
zutref
fend ist
.
So
f
ührt
eine
Qualifikation als
(ganz oder teilweise)
im H
aushalt Tätige
infolge der die Versicherte und ihre Familienmitglieder treffenden Schadensmin
derungspflicht regelmässig zu einem
tieferen Invaliditätsgrad
.
7.
7.1
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Diese Voraussetzungen sind vorliegend erfüllt. Antragsgemäss (Urk. 1) ist der Beschwerdeführerin deshalb die unentgeltliche
Rechtspflege
zu bewilligen.
7.2
Nach
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) be
misst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert.
M
it Eingabe vom 1
3.
März 2018
macht
e
Rechtsanwalt
Zollinger
einen
Aufwand von 9.667
Stunden und Fr.
118.--
Spesen
geltend (Urk.
14)
. Aus der detaillierten Leistungsübersicht ist jedoch ersichtlich, dass darin auch Bemühungen
aufgeführt
sind, welche nicht das v
orliegende Beschwerdeverfahren (
sondern das Verwal
tungsverfahren
)
betreffen (Bemühungen bis und mit 14. September 2017
; vgl. Urk.
14 S.
2
)
und daher
im vorliegenden Zusammenhang nicht zu entschädigen sind. Nach Abzug der entsprechenden Pos
itionen (150 Minuten sowie Fr.
2
4.--
Barauslagen) resultiert ein Aufwand von 7.
16 Stunden und Fr. 9
4
.-- Barauslagen,
was
gerade noch
angemessen erscheint. Damit ist
die Entschädigung von Rechts
anwalt
Zollinger
bei Anwendung des gerichtsü
blichen Stundenansatzes von Fr.
220.-- (zu
züglich Mehrwertsteuer
von 8 %
[2017]
bzw. 7.7 %
[2018]
) auf Fr.
1'
801.85
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
7.3
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhän
gig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt.
Vorliegend erweist sic
h eine Kostenpauschale von Fr. 8
00.-- als angemessen, wel
che ausgangsgemäss de
r
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen, jedoch zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichts
kasse zu nehmen ist.
7.4
Die Beschwerdeführerin ist auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hinzuweisen, wonach
sie
zur Nachzahlung der Gerichtskosten sowie der Auslagen für die Vertretung v
erpflich
tet werden kann, sobald sie
dazu in der Lage ist.
Das Gericht
beschliesst:
In Bewilligung des Gesuchs vom
2
9.
November 2017
wird der Beschwerdeführerin Rechtsanwalt Bernhard
Zollinger
, Zürich, als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren bestellt
,
und es wird ihr die unentgeltliche Prozessführung ge
währt.
und
erkennt
sodann
:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
8
00
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt
,
zufolge
Ge
währung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse
genommen.
D
ie
Beschwerdeführer
in
wird auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Der unentgeltliche Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, Rechtsanwalt Bernhard
Zollinger
, Zürich, wird mit
Fr. 1'801.85
(inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt. Die Beschwerdeführerin wird auf die Nachzahlungspflicht
gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen
.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Bernhard
Zollinger
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5
.