Decision ID: 4bdbb893-688a-4cde-a530-b576024c75aa
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1960, wurde von de
r SWICA Versicherungen AG (nach
folgend: SWICA) mit Verfügung vom 1
2.
Mai 1995 infolge eines am 2
3.
Mai 1992 erlittenen Auffahrunfalls eine UV-Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 71
%
zugesprochen (
Urk.
8/72, vgl. auch
Urk.
8/1-2).
Im Oktober 2014 leitete die SWICA eine Rentenrevision ein (
Urk.
8/178). In deren Rahmen wurde die Versicherte durch die MEDAS
Y._
begutachtet. Er
stattet wurde das Gutachten am 2
2.
Dezember 2017 (
Urk.
8/317, vgl. auch
Urk.
8/305, 8/310, 8/314, 8/325). Mit Schreiben vom 1
2.
April 2018 stellte die SWICA die Aufhebung der Invalidenrente per 3
0.
April 2018 in Aussicht (
Urk.
8/321). Am 1
1.
Juni 2018 erliess sie eine entsprechende Verfügung. Gleich
zeitig entzog sie einer allfälligen Einsprache die aufschiebende Wirkung (
Urk.
8/327). Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte am 1
2.
Juli 2018 Ein
sprache. Unter anderem beantragte sie, es sei ihrer Einsprache die aufschiebende Wirkung zu gewähren (
Urk.
8/328). Mit Zwischenverfügung vom 3
0.
Juli 2018 wies die SWICA den Antrag auf Wiederherstellung der a
ufschiebenden Wirkung ab (
Urk.
8/330
).
Dagegen erhob die Versicherte am 1
4.
September 2018 beim Sozialversicherungs
gericht des Kantons Zürich Beschwerde und beantragte, es sei die Zwischenver
fügung vom 3
0.
Juni 2018 aufzuheben respektive es sei der Einsprache vom 1
2.
Juli 2018 die aufschiebende Wirkung zu gewähren (
Urk.
8/331). Mit Urteil vom 1
4.
Januar 2019 wies das Sozialversicherungsgericht die Beschwerde ab (Prozess Nr. UV.2018
.00231;
Urk.
8/339). Dagegen erhob die
Versicherte am 1
1.
Februar 2019
beim Bundesgericht Beschwerde in öffentlich-rechtlichen An
gelegen
heiten (Prozess Nr. 8C_123/2019;
Urk.
8/340).
Mit
Einspracheentscheid
vom 1
4.
Februar 2018 wies die SWICA die Einsprache der Versicherten vom 1
2.
Juli 2018 gegen die Rentenaufhebungsverfügung vom 1
1.
Juni 2018 ab (
Urk.
8/341).
Diesen Entscheid brachte die SWICA dem Bundesgericht im Prozess 8C_123/2019 mit Eingabe vom 1
0.
April 2019 zur Kenntnis (vgl.
Urk.
8/349 S. 2). Mit Verfü
gung vom 1
0.
Mai 2019 schrieb das Bundesgericht den Prozess 8C_123/2019 als gegenstandslos ab (
Urk.
8/349).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 1
4.
Februar 2018 erhob die Versicherte am 2
1.
März 2019 Beschwerde beim Sozialversicherungsgericht und beantragte, in Aufhebung des angefochtenen Entscheids seien ihr weiterhin die gesetzlichen Leistungen auszurichten (
Urk.
1 S. 2). In prozessualer Hinsicht stellte sie ein
Aus
standsbegehren
gegen den Sozialversicherungsrichter
Gräub
, die Sozialversiche
rungsrichterinnen Fehr und
Grieder
-Martens und den Gerichtsschreiber Sonder
egger sowie gegen sämtliche übrigen am Urteil vom 1
4.
Januar 2019 (Prozess Nr.
UV.2018.00231) beteiligten Personen. Im Weiteren beantragte sie in prozessualer Hinsicht, es sei der vorliegenden Beschwerde aufschiebende Wirkung zu erteilen und es sei ein zweiter Schriftenwechsel durchzuführen (
Urk.
1 S. 2). Die SWICA schloss in der Beschwerdeantwort vom 2
2.
Mai 2019 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7). Mit B
eschluss vom 1
1.
Juni 2019 trat das Sozialversiche
rungsgericht
auf das
Aus
standsbegehren
nicht ein
. Das Gesuch um
Wiederher
stellung
der aufschieben
den Wirkung wies es
ab
(
Urk.
9). Dagegen erhob die Beschwerdeführerin am 2
0.
August 2019 beim
Bundesgericht
insoweit
Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Ang
elegenheiten, als sie die Gewährung der aufschiebenden Wirkung ihrer Beschwerde vom 2
1.
März 2019 verlangte
(Pr
ozess Nr. 8C_524/2019,
Urk.
11). Darauf trat das Bundesgericht mit Urteil vom 2
6.
August 2019 nicht ein (
Urk.
12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ist eine versicherte Person infolge des Unfalles mindestens zu 10
%
invalid, so hat sie gemäss
Art.
18
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (
UVG
)
Anspruch auf eine Invalidenrente. Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers erheblich, so wird gemäss
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs
rechts (
ATSG
)
die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht,
herabgesetzt oder aufgehoben.
Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächl
ichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invali
ditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Re
nte bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Än
derung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeb
lichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beur
teilung eines im Wes
entlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im re
visionsrechtlichen Kon
text unbe
achtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsäch
licher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit weiteren Hinweisen). Es besteht kein Grund, in der Unfallversicherung bezüglich der Frage der Adäquanz von diesem Grundsatz abzuweichen. Dies gilt umso mehr, als einem wesentlichen Teil der Adäquanzkriterien nach BGE 134 V 109 E. 1
0.3 ein gewisses zeitliches, dy
namisches Element zukommt, so dass diese sich durch Zeitablauf ändern kön
nen. Insofern kann nicht von einem zeitlich abgeschlossenen Sachverhalt ausge
ga
n
gen werden, der einer neuerlichen Überprüfu
ng im Rahmen eines Revisions
ver
fahrens entzogen bliebe (vgl. BGE 136 V 369 E. 3.1). Damit ist zugleich gesagt, dass die Prüfung der Adäquanzkriterien aufgr
und der im Zeitpunkt der erwoge
nen revisionsweisen Leistungsanpassung gegebenen tatsächlichen Verhältnisse zu erfolgen hat (Bundesgerichtsurteil 8C_147/2017 vom
2.
August 2017 E. 3.2).
1.2
Unabhängig von einem materiellen Revisions
grund kann der Versicherungsträ
ger nach
Art.
53
Abs.
2 ATSG wiedererwägungsweise auf formell rechtskräftige Ver
fügungen, welche nicht Gegenstand materiell
er richterlicher Beurteilung ge
bildet haben, zurückkommen, wenn sie zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berich
tigung von erheblich
er Bedeutung ist. Vorausgesetzt wird, dass kein ver
nünftiger Zweifel an der Unrichtigkeit der Verfügung möglich, folglich nur dieser einzige Schluss denkbar ist. Soweit ermessens
geprägte Teile der An
spruchsprüfung vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage einschliesslich der Rechtspraxis im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung (BGE 125 V 383 E. 3) in ver
tretbarer Weise beurtei
lt worden sind, scheidet die An
nahme zweifelloser Unrich
tigkeit aber aus (Bundesgerichtsurteile 8C_680/2014 vom 1
6.
März 2015 E. 3.1, 9C_427/2014 vom
1.
Dezember 2014 E. 2.2, 8C_473/2014 vom
7.
Oktober 2014 E. 2 und 9C_121/2014 vom
3.
September 2014 E. 3.2.1, in: SVR 2014 IV Nr. 39 S. 137).
Bei einem wiedererwägungswei
sen Zurückkommen auf eine zweifellos unrichtige Revisionsverfügung ist der Rentenanspruch ex
nunc
und pro
futuro
ohne Bindung an die ursprüngliche Verfügung in allen seinen Teilen neu zu beurt
eilen (BGE 140 V 514 E. 5.2).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist, ob die SWICA
zu Recht die I
nvalidenrente per 3
0.
April 2018
aufgehoben
hat
.
2.2
Grundlage für die
Rentenzusprache
bildete das psychiatrisch-neuropsychologi
sche Gutachten der
Z._
vom
8.
Juni 199
4.
Darin wurden ein
chronifiziertes
zerviko
zephales
und -brachiales Schmerzsyndrom, leicht- bis
mässiggradige
neuropsy
chologische Defizite und ein pseudoneurasthenisches Syndrom diagnostiziert (
Urk.
8/45 S. 17).
Im neuropsychologischen Teilgutachten wurde dazu ausgeführt, testpsycholo
gisch könnten neuropsychologische Defizite vor allem im visuellen Bereich, in der Konzentration und in den Gedächtnisleistungen objektiviert werden. Aus neuropsychologischer Sicht sei die Beschwerdeführerin noch in der Lage, maxi
mal drei Stunden pro Tag in einer nicht sonderlich anspruchsvollen Tätigkeit zu arbeiten (
Urk.
8/45 S. 13 u. 21). Das in der psychi
atrischen Teilbegutachtung fest
gestellte pseudoneurasthenische Syndrom wurde auf den Unfall vom 2
3.
Mai 1992 zurückgeführt. Im Vordergrund stünden eine Reduzierung der
Aufmerksam
keits
- und Konzentrationsfähigkeit, Störungen der Stimmung und des Antriebs, Übererregbarkeit, Interessenlosigkeit, Reizüberempfindlichkeit, diffuse und situa
tionsbedingte Ängste, soziale Distanzierung, rasche Erschöpfbarkeit sowie vorübergehende Argwohnvorstellungen, die von Angst begleitet seien (
Urk.
8/45 S. 14, 17 u. 21). Im psychiatrischen Teilgutachten findet sich keine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit (vgl.
Urk.
8/45 S. 14-17). Im Rahmen der Gesamtbeurteilung wurde ausgeführt, unter Berücksichtigung aller Faktoren könne der Beschwerde
führerin eine Arbeitsfähigkeit von maximal drei Stunden
pro Tag
bescheinigt werden (
Urk.
8/45 S. 21).
Gestützt auf dieses Gutachten errechnete die Invalidenversicherung einen Invali
ditätsgrad von 71
%
(
Urk.
8
/51). Die SWICA übernahm in der Verfügung vom 1
2.
Mai 1995 diesen Invaliditätsgrad und sprach der Beschwerdeführerin auf die
ser Grundlage eine UV-Invalidenrente zu (
Urk.
8/72).
2.3
Im Gutachten der MEDAS
Y._
vom 2
2.
Dezember 2017 wurde eine unfallbedingte somatoforme autonome Funktionsstörung (ICD-10 F45.3) und dif
ferenzialdiagnostisch zusätzlich eine dissoziative Störung der Bewegungs- und Sinnesempfindung (ICD-10 F44.4-7) diagnostiziert. Daneben wurden degenera
tive Veränderungen der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule
,
eine ISG-Arthrose
sowie einen Status nach transitorischer ischämischer Attacke
im Sinne von krankheitsbedingte
n Diagnosen festgehalten. In diesem Rahmen wurde explizit
darauf hingewiesen, dass keine Residuen der Distorsion der Halswirbelsäule aus somatischer Sicht objektivierbar seien (
Urk.
8/317 S. 48).
Aus somatischer Sicht war keine unfallbedingte Einschränkung der Arbeitsfähig
keit feststellbar (
Urk.
8/317 S. 47). Auch in neuropsychologischer Hinsicht war das Leistungsprofil unauffällig (
Urk.
8/317 S. 44 u. 47). In psychiatrischer Hinsicht führten die MEDAS-Gutachter aus, die Beschwerdeführerin leide an einer (unfallfremden) phobischen Störung sowie an einer (auch heute noch über
wie
gend wahrscheinlich in einem teilkausalen Zusammenhang mit dem Unfall
ereig
nis stehenden) somatoformen autonomen Funktionsstörung, differenzial
diagnos
tisch zusätzlich an einer dissoziativen Störung der Bewegung- und Sinnes
empfindung. Der Beschwerdeführerin sei aus rein psychiatrischer Sicht in der bisherigen als auch in einer allfälligen Verweistätigkeit ein Halbtageseinsatz (vier Stunden) in einer wohlwollenden Arbeitsumgebung mit klaren Zuständig
keiten sowie mit zusätzlicher Pause zumutbar. Limitierend erwiesen sich dabei die zu
nehmenden Schmerzen, die Anspannung und die Gereiztheit. Der unfall
kausale Anteil sei auf 2/3 und der Krankheitsanteil auf 1/3 der Einschränkung zu schätzen (
Urk.
8/45 S. 45 u. 47). Gegenüber der im 1994 durchgeführten Begut
achtung ergäben sich aus psychiatrischer Sicht somit keine grossen Veränderun
gen in Hinblick auf die Leistungsfähigkeit (
Urk.
8/317 S. 45, vgl. auch
Urk.
7/310 S. 49).
3.
3.1
Das
Gutachten
der MEDAS
Y._
vom
2
2.
Dezember 2017 erfüllt
die von der Rechtsprechung verlangten Anforderungen an eine beweiskräftige
Ent
scheidungsgrundlage (BGE 134 V 231 E. 5.1;
E. 1.3 hiervor). Zwar weist die Beschwerdeführerin zu Recht darauf hin, dass darin fälschlicherweise ausgeführt wird, die
Z._
-Gutachter hätten eine Arbeitsfähigkeit von 3,5 Stunden attesti
ert, während effektiv
von einer Arbeitsfähigkeit von drei Stunden ausgegangen wurde (
Urk.
1 S. 9,
Urk.
8/45 S. 18,
Urk.
8/317 S. 45 u. 51). Jedoch handelt es sich hierbei um eine Ungenauigkeit, die nicht weiter ins Gewicht fällt. Dadurch wird der Beweiswert des MEDAS-Gutachtens nicht geschmälert.
3.2
Gemäss dem Gutachten der MEDAS
Y._
, namentlich dem neuropsy
chologischen Teilgutachten, bestehen keine massgebenden neuropsychologischen Einschränkungen mehr. Es zeigte sich
in der Untersuchung
vielmehr eine alters- und ausbildungsadäquate kognitive Leistungsfähigkeit. Die früher festgestellten kognitiven Minderleistungen, welche zur
Rentenzusprache
geführt
hatten, waren nicht mehr feststellbar
(
Urk.
7/305
S.
6 f.). Die Gutachter erkannten auch keine massgeblichen unfallbedingten neurologischen Defizite mehr und die Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit wurde mit degenerativen Pathologien sowie psychi
schen Aspekten begründet (
Urk.
7/317 S.
47-
48).
Damit ist das Vorliegen eines Revisionsgrundes zu bejahen. Daran ändert nichts, dass
sich
die
Schätzung der Arbeitsfähigkeit mit vier statt dr
ei Stunden (
Urk.
7/45 S. 21
,
Urk.
7/317 S.
47 u. 50
) insgesamt nur wenig verändert hat
.
So ist die Arbeitsunfähigkeit nicht mehr eindeutig unfallkausal (neuropsychologisch nach dem Unfall), sondern basiert auf einer psychiatrischen Pathologie, die nur teil
weise, nämlich zu 2/3 auf den Unfall zurückzuführen ist. Bestand laut Gutachten der
Z._
vom
8.
Juni 1994 eine unfallbedingte Einschränkung in der Arbeitsfä
higkeit von 65
%
(
100 :
8,5 x
5,5 [8,5 -
3
]
)
,
beträgt sie nunmehr noch 35
%
(100 : 8,5 x
3 [2/3 von 4,5
[
8,5 - 4]).
3.3
Selbst
wenn ein Revisionsgrun
d zu verneinen wäre, könnte
die SWICA auf die rentenzusprechende Verfügung
zurückkommen:
Erfolgt bei fehlenden objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen eine
Zusprache
von Dauerleistungen der Unfallver
sicherung ohne spezielle Adäquanzprüfung, so liegt eine
Leistungszusprache
auf Grund falscher Rechtsanwendung vor. Die Unfallversicherung ist praxisgemäss in der Folge befugt, wiedererwägungsweise auf diese zurückzukommen (
Bundes
gerichtsurteil
e
8C_643/2018 vom
4.
Juli 2019 vom 5.1 mit Hinweisen
, 8C_193/2016 vom 2
6.
Oktober 2016 E. 4.3
).
Solches
war bei der Verfügung vom 1
2.
Mai 1995 der Fall.
Darin übernahm die SWICA den von der Invalidenversicherung errechneten Invaliditätsgrad von 71
%
unter Hinweis auf die Bindungswirkung (
Urk.
8/72). Nach der damals geltenden
Rechtsprechung bestand für
die Organe der Unfallversicherung
zwar grundsätz
lich eine Bindung an
Invaliditätsschätzung der Invalidenversicherung
(vgl. BGE
119 V 470,
RKUV 1995 Nr. U 220 S. 107 f
.,
ferner BGE 126 V 288
E. 2c
), jedoch beschlug dies
bloss
die Berechnung des Invaliditätsgrads. B
ei der Unfal
l
versiche
rung
handelt es sich
um eine kausale und bei der Invalidenversicherung um
eine finale Versicherung. Die SWICA hätte deshalb vor der Übernahme der Invalidi
tätsbemessung eine Kausalitätsprüfung vornehmen müssen, was sie of
fensichtlich nicht tat (
Urk.
8/72).
4.
4.1
Liegt demnach
ein Revisionsgrund vor, so ist
der Rentenanspruch und damit auch die Adäquanz des natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereig
nis und den geltend gemachten Beschwerden für die Zukunft neu zu prüfen. Da
bei ist unbestritten, dass in der Zeit ab
1.
Mai 2018
zwar noch natürlich kau
sale, jedoch keine im Sinne der Rechtsprechung organisch hinreichend nachweis
baren Unfallfolgen bestanden haben.
Beim Unfall handelte es sich um eine Fron
talkol
lisi
on. Dabei erlitt die Beschwerdeführerin
eine HWS-Distorsion bei Ab
knickme
chanismus (v
gl.
Urk.
8/34 S. 3) und damit
eine
schleudertraumaähnliche
Verlet
zung
(Urteil des
Eidg
. Versicherungsgericht
s
U 197/04 vom 2
9.
März 2006 E. 2.1)
. Aufgrund
der sofort aufgetretenen intensiven lokalen Schmerzen an der Halswir
belsäule
(
Urk.
8/2, 8/34 S. 1)
rechtfertigt es sich hie
r
bei, auf die Kriterien der sog. "Schleudertrauma-Praxis
" (BGE 134 V 109) abzustellen.
4.2
Die bei der Adäquanzbeurteilung zu berücksichtigende Schwere d
es Unfalles
ist aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kräften zu beurt
eilen (SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26 [
U 2/07 E. 3.1
]
).
Beim Unfall vom 2
3.
Mai 1992
stiess
der Personenwagen mit der Beschwerdeführerin als Mitfah
rerin seitlich frontal gegen einen anderen Personenwagen
. Das Fahrzeug mit der Beschwerdeführerin war
mit einer Geschwindigkeit von 40 bis 45 km/h
, das an
dere mit einer Geschwindigkeit von 25 km/h unterwegs (
Urk.
8/1, 8/3). Ein sol
ches Ereignis ist
als im engeren
Sinne mittelschwerer Unfall zu qualifizieren (Urteil des
Eidg
. Versicherungsgerichts U 33/03
vom
2.
Dezember 2003
E. 4.1).
Die Adäquanz eines Kausalzusammenhanges ist somit dann zu bejahen, wenn drei
der
massgeblichen
Kriterien
(oder eines der Kriterien ausgeprägt) erfüllt sind (vgl. Urteil 8C_899/2013 vom 1
4.
Mai 2014 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen).
Der Katalog dieser Kriterien lautet (vgl.
BGE 134 V 109 E. 10.3):
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalles;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
-
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
-
erhebliche Beschwerden;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
4.3
4.3.1
Der Unfall vom 2
3.
Mai 1995 hat sich bei objektiver Betrachtungsweise weder unter besonders dramatischen Begleitumständen ereignet, noch war er von bes
ondere
r
Eindrücklichkeit. D
abei wird nicht vom subjektiven Empfinden
d
er versicherten Person ausgegangen, sondern es gilt ein objektiver
Massstab
(
Bun
desgerichtsurteil 8C_525/2017 vom 3
0.
August 2018
E. 8.5)
. Vor diesem Hinter
grund bleibt unerheblich, dass die Beschwerdeführerin nach dem Verlassen des Autos vor lauter Schreck einen Kreislaufkollaps erlitt (
Urk.
8/314 S. 15).
4.3.2
Auch das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen ist nicht gegeben, da die Diagnose eines Schleudertraumas dazu nicht genügt, sondern es einer besonderen Schwere der für ein Schleudertrauma typischen Beschwerden oder besonderer, das Beschwerdebild beeinflussender Umstände,
wie etwa einer abgedrehten Körperhaltung, bed
arf (SVR 2017 UV Nr. 41 S. 141 [
8
C_833/2016
E. 6.3]
), die hier nicht vorliegen.
Selbst wenn die Beschwerdefüh
rer
in beim Unfall
eine Commotio cerebri erlitten hat, was aber von den MEDAS-Gutachtern
eher verneint wird (
Urk. 8/317
S. 15, 8/31
4
S.
15
), führt dies nicht zur Bejahung, da die
neurologischen Befunde
stets unauffällig waren und keine un
fallbedingte
n
somatische
n
Schädigungen vorliegen (
Urk.
8/34 S
. 3 u. 6,
Urk.
8/45 S. 19
, Urk. 8/314
S. 8
,
Urk.
8/317 S. 47
,
Urk.
8/325 S.
8
; vgl. Bundesgerichtsurteil 8C_608/2015 vom 1
7.
Dezember 2015 E. 5.3.2, Urteil des
Eidg
. Versicherungs
gerichts U 462/04
vom 1
3.
Februar 2006
E. 2.4.2).
4.3.3
Für das Kriterium der fortgesetzt spezifischen, belastenden ärztlichen Behandlung fallen die medikamentöse und physiotherapeutische Behandlung wie auch ärztli
che Verlaufskontrollen und Abklärungen
ausser
Betracht (
Bundesgerichtsurteil 8C_525/2017
vom 3
0.
August
2018
E. 8.5 mit Hinweisen). Die Beschwerdeführe
rin begab sich zwar für neun Sitzungen
in psychiatrische respektive psychologi
sche
Behandlung
(
Urk.
8/310 S. 25)
. Diese erfolgte indessen
, soweit aus den Akten ersichtlich, im Zusammenhang mit Eheproblemen (
Urk.
8/310 S. 24 u. 30). Selbst wenn sie als Folge des Unfalls stattgefunden hätte, änderte sich angesichts der kurzen Dauer nichts daran, dass auch dieses Kriterium zu verneinen ist.
4.3.4
Beim Kriterium der erheblichen Beschwerden ist der ganze Verlauf bis zum 3
0.
April 2018 zu berücksichtigen. In dieser Ze
it kam es zu mannigfaltigen
somatischen Abklärungen, unter anderem auch wegen weiteren Unfällen, wobei sich häufig ein unauffälliger somatischer Status ergab (
Urk.
8/317 S. 2-23). In ihrem Lebensalltag machen sich die Beschwerden bemerkbar. In der Haushalts
führung ist
die Beschwerdeführerin
eingeschränkt, sie
ver
mag diese aber zu bewältigen. Auch ist ihre soziale Einbettung
soweit
intakt (
Urk.
8/310
S. 21,
23
u. 27
). Zu berücksichtigen ist, da
s
s gewisse Schmerzangaben
nicht erklärbar res
pektive diskrepant sind (
Urk.
8/317 S. 42). Jedoch kann das Verhalten nicht ein
fach als zweckgerichtet interpretiert werden, sondern ist eher Ausdruck der moros gereizten Grundstimmung, des hohen Kontrollbedürfnisses
bei ängstlichen und zwanghaften Zügen und der vielfältigen Kränkungserfahrungen neben bewuss
ten, aber auch unbewussten Anteilen an der psychischen Symptomatik
, die
jedoch
teilweise
krankheitsbedingt ist (
Urk.
8/310 S. 41, 46 u. 48
,
Urk.
8/317 S. 44 f
.
). Vor diesem Hintergrund
ist
das Kriterium der erheblichen Beschwerden zu beja
hen, jedoch nicht ausgeprägter Form.
4.3.5
Offensichtlich nicht erfüllt ist das Kriterium der ärztlichen Fehlbehandlung. Das
selbe gilt für das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs und erheblicher Komplikationen. Denn aus der
blossen
Dauer der ärztlichen Behandlung und der geklagten Beschwerden darf nicht schon auf einen schwierigen Heilungsverlauf
geschlossen werden; dazu bedarf es besonderer Gründe (vgl. SVR
2018 UV Nr. 3 S. 9 [8C_147/2017
E. 5.3
]
, wo eine multiple Sklerose zum unfallbedingten Gesundheitsschaden hinzukam), die hier nicht gegeben sind (
Bundesgerichtsurteil 8C_525/2017 vom 3
0.
August 2018 E. 8.5).
4.3.6
Der Beschwerdeführerin wurde
ab
1.
Juni 1995 bis 3
0.
April 2018, mithin wäh
rend fast 23 Jahren, eine Invalidenrente aufgrund eines Invaliditätsgrades von 71
%
ausgerichtet. Mit der
Zusprache
der Rente ging eine implizite Anerkennung einer entsprechenden Erwerbsunfähigkeit einher, so dass
an und für sich
von ihr nach
Rentenzusprache
keine besonderen Anstrengungen, die Arbeitsunfähigkeit zu überwin
den, mehr verlangt werden können
.
Indessen nahm die Beschwerde
führerin im Februar 1993 die Arbeit in ihrer angestammten Tätigkeit als Ser
vicemitarbeiterin in einem Restaurant zu 50
%
wieder auf. Nach einem Chefwech
sel wurde ihr aber, offenbar im Zuge einer Auseinandersetzung,
per Ende
März 1995 gekündigt. Spätere Arbeitsversuche scheiterten (
Urk.
8/71 S. 2
,
Urk.
8/310 S. 7 f., 16 u. 33).
Das Kriterium
der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausge
wiesener Anstrengungen
ist daher zumindest in seiner
einfachen Form zu bejahen (
Bundesgerichtsurteil 8
C_147/2017 vom
2.
August 2017 E. 5.2).
4.4
Damit sind bloss
zwei der Kriterien und keines in besonders ausgeprägter Weise erfüllt
, was
zur Bejahung der Adäquanz nicht genügt. Fehlt es an einem adäqua
ten Kausalzusammenhang zwischen dem am
2
3.
Mai 1992
erlittenen Unfall un
d den über den
1.
Mai 2018
hinaus geklagten Beschwerden, entfällt eine weiterge
hende Leistungspflicht. Es bleibt kein Raum für eine Prüfung, ob das
pathogene
tisch-ätiologisch
unklare
syndromale
Beschwerdebild ohne nachweisbare organi
sche Grundlage eine Erwerbsunfähigkeit zu begründen vermag
(BGE 141 V 274 E. 5.2
; 136 V
279).
4.5
Was die Beschwerdeführerin weiter gegen
die Aufhebung der Invalidenrente
vor
bringt, vermag zu keinem anderen Ergebnis zu führen. Soweit sie die Aktenfüh
rung der SWICA kritisiert, ist zutref
fend, dass die Nummerierung der
selben Ak
tenstücke nicht immer einhei
tlich erfolgte
. Laut SWICA ist dieser Umstand auf die Umstellung von Papier- auf e-Dossiers zurückzuführe
n (
Urk.
7 S. 4
).
Jeden
falls bestehen keine Anhaltspunkte dafür
, da
ss dadurch für die
Entscheidfin
dung
wesentliche Akten unterschlagen worden wären.
Da
s gilt namentlich für den von der Beschwerdeführerin monierten Umstand,
dass der Austrittsbericht des erstbe
handelnden Spitals
A._
nicht bei den Akten ist (
Urk.
1 S. 6). Aus dem
Z._
-Guta
chten vom
8.
Juni 1994 geht
herv
or, dass die Beschwerdeführerin
nach drei Stunden
aus dem Spital
A._
entlassen wurde
mit der Empfehlung, sie solle sich am nächsten Tag bei ihrem Hausarzt melden (
Urk.
8/45 S. 2). Dies tat die Beschwerdeführerin denn auch und der entsprechende Bericht des Hausarztes
liegt vor (
Urk.
8/2).
Das Fehle
n des Berichts des Spitals
A._
, falls überhaupt jemals ein solcher verfasst wurde,
schadet daher nicht.
4.6
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.