Decision ID: 2a832bcd-7d9d-49ed-887f-ffdd1790b428
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1972 geborene
X._
- gelernter tiermedizinischer
Praxisassis
tent
- arbeitete zuletzt vom 1. März 2007
bis
31. Oktober 2012
bei der
Y._
AG in als Maschinenführer (Urk. 8/24). Am 25. November 2010 wurde der Versicherte durch die
Krankentaggeldversiche
rung
Zürich Versicherungs-
Gesellschafts
AG bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zur Früherfassung gemeldet (Urk. 8/1).
Vom 7. Dezember 2010 bis 9. Februar 2011 war der Beschwerdeführer stationär in der
Z._
AG,
Privatklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
, hos
pitalisiert (Urk. 8/25).
Auf deren Aufforderung
der IV-Stelle
hin meldete sich
X._
am
27
. Januar 2011 (Eingangsdatum) bei der IV-Stelle
wegen Depression
zum Leistungsbezug an (Urk.
8/13).
Am 25. Februar 2011 erlitt der Versicherte einen Skiunfall und verletzte sich dabei die Schulter (vgl. Akten der Schweizerischen Unfallversicherung SUVA, Urk. 8/45).
Vom
3.
bis 24. März 2012 befand sich der Versicherte zum zweiten Mal stationär in der
Z._
AG (Urk. 8/29). Die
IV-Stelle
tätigte
erwerbliche und medizinische Abklärungen
und
liess
den Versicherten
durch med.
pract
. A._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, psychiatrisch begutachten (Gutachten vom 22. August 2012, Urk. 8/44).
A
m 29. März 201
3
erlitt der Beschwerdeführer einen
Autounfall mit Polytrauma (Urk. 8/55). Am 15. Juli 2013 bat die IV-Stelle den Gutachter
A._
um die Beantwortung zusätzlicher Fragen (Urk. 8/60), die am 17. Juli 2013 erfolgte (Urk. 8/61). Nach durchgeführtem
Vorbescheidver
fahren
(Urk. 8/74, Urk. 8/75-77 und Urk. 8/80) verneinte die IV-Stelle mit Ver
fügung vom 18. September 2014
einen Rentenanspruch
(Urk. 2).
2.
Dagegen führte
X._
am 10. Oktober 2014 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, es sei ihm unter Aufhebung der Verfügung vom 18. September 2014 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen.
Zudem ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Bestellung von Rechtsanwalt
Dr.
iur
. Marcel Bühler als unentgeltlichen Recht
s
beistand.
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 14. November 2014 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7, unter Beilage ihrer Akten; Urk. 8/1-83), was dem Beschwerdeführer am 17. November 2014 mitgeteilt wurde (Urk. 9).
Mit Verfü
gung vom 27. Mai 2016 (Urk. 11) wurde die Pensionskasse
O._
AG beigeladen und ihr eine Frist zur Stellungnahme gewä
hrt, worauf die Bei
geladene mit Schreiben vom 12. Juli 2016 (Urk. 13) verzichtete.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird - soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkran
kungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die
Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invali
dität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokul
turellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer
eigent
-
li
chen
Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen
ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungs
-
grad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehen
-
den – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend aus
wirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkom
mensvergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
beurteilte
drei verschiedene ges
undheitliche
Einschrän
kungen (psychische Situation, Skiunfall vom 25. Februar 2011 und Autounfall vom 29. März 2013) und
begründet
e
die Verneinung eines Rentenanspruchs im
Wesentlichen damit, dass dem Beschwerdeführer die bisherige Tätigkeit als Maschinenführer nicht mehr möglich, ihm hingegen eine
behinderungsange
passte
Tätigkeit (vorwiegend sitzend) zu 100 % zumutbar sei.
So liege bezüglich der psychischen Situation kein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden vor.
D
er Beschwerdeführer
sei
nach Ablauf der einjährigen Wartezeit seit dem Autounfall am 29. März 2013 zu 100
% arbeitsfähig in einer behi
n
derungsangepassten Tätigkeit
gewesen, was
zu einem rentenausschlies
senden Invaliditätsgrad von 16 % führe.
Ein leidensbedingter Abzug rechtfertige sich vorliegend nicht (Urk. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer ist demgegenüber
der
Ansicht,
dass auf das psychiatri
sche Gutachten vom 22. August 2012 abzustellen sei. Aufgrund der schweren depressiven Erkrankung sei er stark eingeschränkt. Allein die
Funktionsein
schränkung
führe zu einer eingeschränkten Arbeitsfähigkeit und nicht die psy
chosozialen Belastungsfaktoren. Die angeblich noch vorhandenen Ressourcen führten nicht zu einer Überwindbarkeit der Depression, da eine mittel-
bis
schwergradige
Depression schon gar nicht überwindbar sei. Der Skiunfall sowie der Autounfall führten zu einer weiteren relevanten körperlichen Einschränkung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Zumindest für die Dauer der
Akutbe
-
hand
lung
des aus dem Autounfall resultierenden Polytraumas während rund einem Jahr habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden.
Da er ein
wö
-
chentliches
Pensum von 40 Stunden versehen habe, sei
sein
Validenlohn
auf eine 41.6-Stundenwoche hochzurechnen beziehungsweise
sei
bei beiden Löhnen auf die
se
Hochrechnung
zu verzichten. Zudem
werde
um die Gewährung eines
leidensbe
dingten
Abzuges in der Höhe von 25 %
ersucht
(Urk. 1).
3.
3.1
Im Bericht der
Z._
AG (undatiert, eingegangen am 11. März 2011
, Urk. 8/25
) wurde als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
schwere depressive Episode ohne psychot
ische Symptome (ICD-10: F 32.2). bestehend seit spätestens November 2010,
festgehalten.
Als Nebendiagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurde eine essentielle arterielle Hyperto
nie (ICD-10: I 10) erwähnt.
Der Beschwerdeführer
sei
vom 7. Dezember 2010 bis 9. Februar 2011 stationär dort hospitalisiert
gewesen
.
Er sei mit einer depressi
ven Verstimmung mit Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Antriebs- und
Freudlosigkeit eingetreten, nachdem sein Bruder am 14. Februar 2010 nach
5-jähriger Krankheit an Krebs verstorben sei. In
F._
gebe es 6 Monate nach dem Tod eine Todeszeremonie, wobei er ab diesem Zeitpunkt eine Verschlech
terung seiner Stimmung bemerkt habe. Während seine restliche Familie den Tod akzeptieren würde, leide er an Lust-, Kraft- und Antriebslosigkeit und könne sich kaum mehr konzentrieren.
I
n
der
bisherigen Tätigkeit als Maschinenführer
sei
der Beschwerdeführer
seit dem 7. Dezember 2010 zu 100 % arbeitsunfähig.
Aufgrund der Einschränkung des Konzentrations-, Aufmerksamkeits- und Antriebsniveaus sei eine starke Verminderung der Leistungsfähigkeit gegeben. Aktuell sei im geschützten, behinderungsangepassten Rahmen eine 50%ige Tätigkeit möglich. Mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit könne gerechnet werden, doch seien weder Zeitpunkt noch Umfang zurzeit absehbar.
Sobald mit der Rückführung an den Arbeitsplatz begonnen werde, sollte dies im Sinne einer sukzessiven
Stei
gerung über Arbeitsversuche erfolgen.
Prinzipiell handle es sich um eine rever
sible Störung,
welche im Rahmen des stationären Aufenthaltes bereits teilweise remittiert sei.
Die Arbeitsfähigkeit sei prognostisch ungünstig aufgrund der aus
geprägten formalen Denkstörungen, welche vom Ausprägungsgrad an eine Psy
chose denken liessen. Eine Vollremission sollte sich innert einiger Monate ein
stellen. Erschwerend sei dabei die psychosoziale Belastung: Trennung von Ehe
frau und Kindern, Tod des nahestehenden Bruders an einem
Malignom
.
3.2
Dem Austrittsbericht der
Z._
AG vom 24. März 2011 (Urk. 8/29),
nach der zweiten
Hospitalisation
vom
3.
bis 24. März 2011
ist als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10: F 33.10) zu entnehmen. Seit dem Tod des Bruders leide der Beschwerdeführer unter Schlafstörungen, ausgeprägtem Morgentief, tiefer Traurigkeit und Hoffnungslo
sigkeit. In seinem sozialen Umfeld gebe es nach dem Verlust des Bruders vor allem eine sehr spannungsreiche Ehe
. Diese Situation und die Tatsache, dass e
r
im Rahmen der Fürsorge für seinen Bruder die Arbeitsstelle aufgegeben habe, stellten
krankheitserhalt
end
e Faktoren für das
depressive Geschehen
dar
.
Die depressive Störung sei
exazerbiert
, nachdem der Beschwerdeführer beim Ski
fahren mit seinen Kindern auf die rechte Schulter gestürzt sei und sich dabei eine Clavicula-Luxation zugezogen habe. Nun glaube er, dass er vom Pech verfolgt werde und sei vollkommen am Ende. Alles in seinem Leben sei kaputt und nun sei auch noch sein Körper kaputt gegangen.
3.3
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, nannte in ihrem Bericht vom 8. April 2011 (
Urk.
8/26) als Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F 32.1) sowie somatisch eine Clavicula-Luxation infolge Skiunfall am 25. Februar 201
1.
Die Depression bestehe seit circa April 2010 und sei durch den Tod des Bruders, der ihm aussergewöhnlich nahe gestanden und nach
5-jähriger Krebserkrankung gestorben sei, ausgelöst worden. Seither leide er an einer inneren Leere. Als der Beschwerdeführer Ende Oktober 2010 zudem noch einen Fussgänger angefahren habe, habe sich sein schlechtes Befinden noch akzentuiert, da er sich
deswegen
unangemessen grosse Vorwürfe gemacht habe. Seither sei er nicht mehr zur Arbeit gegangen. Die Wiederaufnahme der bisheri
gen Tätigkeit erscheine nach psychischer und körperlicher Genesung realistisch.
3.4
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
Oberarzt
am
D._
nannte
in seinem Bericht
vom 30. Mai 2011 (Urk. 8/31) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige bis schwere Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F 33.10) sowie eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F. 45.41). Der Beschwerdeführer sei seit März 2011 bis auf
Weiteres
zu 100 % arbeitsun
fähig. Es beständen
depressive Symptome, Ängste und Schmerzen im ganzen Körper, welche zu Konzentrations- und Aufmerksamkeitsproblemen sowie zu starker Belastung führten. Mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit könne nicht gerechnet werden, wobei eine längerfristige Prognose aufgrund der
chronifizierten
Krankheit schwierig sei.
3.5
Der Bericht der kreisärztlichen Untersuchung
der SUVA
vom 18. Januar 2012 (
Prof.
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Orthopädie und Unfall
verhütung FMH,
Urk. 8/45/19-22)
hält
fest, dass ein Zustand nach geschlossener Reposition des rechten SC-Gelenks wegen dorsaler SC-Luxation rechts vom 25. Februar 2011 vorliege. Bei der Untersuchung seien weder im Bereich der Halswirbelsäule noch im Bereich der Schultergelenke relevante funktionelle Defizite zu erheben. Die Halswirbelsäule sei bezüglich ihres
Bewegungsumfan
ges
altersentsprechend, neurologische Ausfälle könnten an den oberen Extre
mitäten nicht belegt werden. Allenfalls sei eine minime Subluxationsstellung des rechten SC-Gelenks tastbar. Die bildgebenden Befunde dokumentierten die damalige SC-Gelenkluxation vom 25. Februar 2011 ohne relevante Zeichen einer Arthrose. Bei weitgehend klinisch unauffälligen Verhältnissen sei vom medizinischen Endzustand auszugehen
. Bezüglich der Zumutbarkeit sei der Beschwerdeführer
für leichte bis mittelschwere körperliche Tätigkeiten ganztags ohne Heben und
Tragen von Lasten über 15 Kilogramm bis Hüfthöhe und 10 Kilogramm bis Schulterhöhe leistungsfähig. Häufige Überkopfarbeiten seien aus d
e
m Leistungsprofil auszuschliessen.
3.6
Dr.
A._
führte in seinem psychiatrischen Gutachten vom 22. August 2012 (Urk. 8/44) als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
eine mittelgradige bis schwere depressive Störung (ICD-10: F 32.2) mit stark regressiver Tendenz an.
Der Beschwerdeführer sei in einer Kleinstadt in
F._
aufgewachsen
. Er sei das mittlere von drei Kindern gewesen. Die Kindheit werde als glücklich und unproblematisch beschrieben. Der Beschwerdeführer habe eine Ausbildung als Tierarzt-Assistent abgeschlossen. Wegen des Kriegsausbruchs im damaligen
G._
sei er zusammen mit seinem um zwei Jahre älteren Bruder im Jahre 1991 nach
H._
ausgewandert und schliesslich, nachdem er für einige Jahre in die Heimat zurückgekehrt sei, dem Bruder in die Schweiz gefolgt, der hier eine eigene Familie gegründet habe. Der Beschwerdeführer habe seine damalige Freundin
, als diese, kurz nachdem er sie kennengelernt habe, schwanger geworden sei, Anfang 1997 geheiratet. Die Beziehung zu sei
ner Frau sei seit jeher konfliktreich gewesen. Die Partnerin habe ihm vorge
worfen, dass er zu viel Zeit mit seinem Bruder und zu wenig mit der Familie verbringen würde. Die Situation habe sich weiter verschärft, als der Bruder im Jahre 2005 schwer erkrankt sei und er sich deswegen noch intensiver um ihn gekümmert habe. Vorübergehend habe sich der Beschwerdeführer sogar von seiner Frau getrennt, nachdem diese zwischen 2006 und 2008 eine
Aussenbe
ziehung
eingegangen sei. Einige Monate nach dem Tod des Bruders im Februar 2010 beschreibe der Beschwerdeführer das Aufkommen einer zunehmenden Lethargie und Lustlosigkeit, ein stark vermehrtes Schlafbedürfnis, eine erhöhte Ermüdbarkeit sowie ein spürbares Abfallen der Konzentrationsfähigkeit
, was schliesslich auch zu einer Arbeitsunfähigkeit geführt habe. Ab November 2010 habe er eine ambulante psychiatrische Behandlung aufgenommen,
bei welcher
eine depressive Störung diagnostiziert worden sei. Eine kurze Zeit später not
wendig gewordene, stationär-psychiatrische Behandlung habe nur zu einer vorübergehenden,
geringgradigen
Verbesserung geführt.
Diagnostisch dürfte die depressive Erkrankung mit offensichtlichen formalen Denkstörungen, Konzentrationsstörung
en, einer spürbaren Affektverfla
chung, der deutlich erhöhten Erschöpfbarkeit sowie der passiven Suizidalität klar im Vordergrund stehen. Teilweise erinnerten einzelne Symptome wie die geschil
derten, überwertigen Verschuldungsideen sogar ein wenig an eine aufkom
mende (prä-
)psychotische Sym
p
tomatik. Inw
ieweit die
ebenfalls zu beobach
tende starke Regressionstendenz mit dem erhöhten Schlafbedürfnis und der
subjektiven Unfähigkeit, sich an irgendwelchen Haushaltsarbeiten oder anderen Verpflichtungen zu beteiligen, als Ausdruck einer zusätzlich vorhandenen neu
rotischen Störung (im Sinne einer Neurasthenie) zu werten sei, könne nicht abschliessend gesagt werden. Zumindest könne davon ausgegangen werden, dass bei durchaus noch vom Beschwerdeführer gepflegten sozialen Interaktio
nen eine zumindest geringe Überwindbarkeit der Passivität und Erschöpfung erwartet werden könne. Allerdings dürften die Einschränkungen im Alltag hauptsächlich durch das deutliche depressive Zustandsbild bedingt sein.
In einer Tätigkeit wie
der bisherigen als Maschinenführer, in der ein hohes Mass an Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit gefragt ist, in der flexibel und rasch auf wechselnde Problemstellungen eingegangen werden muss, könne von einer mindestens 80%igen Arbeitsunfähigkeit seit Anfang November 2010 aus
gegangen werden. In einer behinderungsangepassten Tätigkeit, die hauptsäch
lich von Routineabläufen geprägt ist und in der geringe Ansprüche an die Kon
zentrationsfähigkeit bestehen, dürfe ebenfalls seit November 2010 von einer um circa 60 % reduzierten Leistungsfähigkeit (40%ige Arbeitsfähigkeit) ausgegan
gen werden.
Aus medizinisch-therapeutischer Sicht mache es Sinn, die bereits begonnene a
m
bulante psychiatrische Behandlung weiterzuführen.
Ob sich damit eine wesentliche Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erreichen lasse, könne nicht abschliessend beantwortet werden. D
a sich der Beschwerdeführer sel
b
er nicht in der Lage sehe, einer geregelten Tätigkeit nachzugehen, seien
Reintegra
tionsbemühungen
erfahrungsgemäss kaum von Erfolg gekrönt.
Im Grossen und Ganzen seien die Angaben in den vorhandenen medizinischen Berichten kon
sistent. Dass der ambulant behandelnde Arzt Dr.
C._
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestätige, hänge möglicherweise damit zusammen, dass Ärzte häufig ihren Patienten gegenüber eine empathische und wenig kritische Haltung einnähmen und deshalb dazu neigten, deren subjektive Einschätzung zu übernehmen. Im persönlichen Gespräch habe sich
Dr.
C._
der im Gutach
ten festgehaltenen, differenzierten Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit weitge
hend angeschlossen.
Eine somatoforme Schmerzstörung, wie sie im letzten Bericht von
Dr.
C._
angetönt worden sei, spiele aus gutachterlicher Sicht - wenn überhaupt - nur eine stark untergeordnete Rolle im Krankheitsgeschehen. Die attestierte Arbeitsunfähigkeit beruhe hauptsächlich auf einem psychischen Leiden mit Krankheitswert. Hinweise auf das Vorhandensein einer
Suchterkran
kung
lägen nicht vor.
3.7
Der Verlaufsbericht der
Z._
AG (undatiert, eingegangen
am 23.
Dezember 2012,
Urk.
8/36) führte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome, bestehend sei
t
mindestens November 2010 (ICD-10: F 32.2) auf. Ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit verblieben die arterielle Hy
pertonie (essentiell, ICD-10: I
10) und der Status nach Clavicula-Luxation im März 201
1.
Grundsätzlich sei die depressive Störung unter konsequenter Therapie prognostisch positiv zu beurteilen. Der Beschwerdeführer habe aber mit dem Ende seiner Beziehung zur Ehefrau und dem Verlust der Arbeit psychosoziale Belastungsfaktoren, die den Verlauf wesentlich beeinflussen würden. Die Depression sei bereits im Rahmen der Erst-
Hospitalisation
teilweise remittiert; zudem sei seit der Beendigung der zweiten
Hospitalisation
kein weiterer stationärer Aufenthalt bekannt. Daher könne für den konkreten Fall ebenfalls von
einer positiven Prognose und
der Möglichkeit zur vollständigen Remission ausgegangen werden. Aus psychiatri
scher Sicht seien zum Zeitpunkt des Austritts (Ende März 2011) insbesondere Konzentrationsstörungen sowie leichte Aufmerksamkeits- und Auffassungsstö
rungen im Vordergrund gestanden, welche bei der Ausübung der angestammten Tätigkeit als Maschinenführer eine erhöhte Unfallgefahr darstellte. Zudem habe sich der Beschwerdeführer affektiv immer noch sehr niedergeschlagen gezeigt und habe neben ausgeprägten Schlafstörungen insbesondere an starkem Antriebsmangel gelitten, was eine regelmässige Teilnahme am Arbeitsprozess nicht konsequent ermöglicht
habe. Im geschützten Rahmen sei aber eine 50%ige Arbeitsfähigkeit weiterhin gegeben.
3.8
Im Bericht vom 3. Mai 2013 der Klinik für Unfallchirurgie
des
I._
(
I._
,
Urk. 8/55)
, wo sich der Beschwerdeführer vom
6.
bis 1
0.
Mai 2013 stationär
aufhielt
,
wurden folgende Diagnosen gestellt:
1.
Polytrauma nach Autounfall am 29. März 2013
2.
Thoraxtrauma
-
Rippenserienfraktur 2-9 links
-
Rippenserienfraktur 3-7 rechts
3.
Status nach offener
Tibiakopffraktur
und
Patellatrümmerfraktur
rechts
-
Status nach
Dé
bridement
,
Reinsertion
der Patellarsehne, R
esektion
late
r
aler Meniskus; Osteosynthese
Tibiakopf
und Anlage Fixate
u
r
Externe am 29. März 2013
-
Status nach Transfusion von 5
Erythrozytenkonzentraten
4.
Weichteilverletzung linke Hand
5.
Psychiatrische Diagnosen
-
Delir (ICD-10: F 05)
-
Reaktion auf schwere Belastung (
ICD-10: F 43.9)
-
anamnestisch re
zidivierende depressive Störung (ICD-10: F 33.9)
Nach der Operation am 7. Mai 2013 (Entfernung des
Fixateuer
externe) habe sich ein komplikationsloser postoperativer Verlauf mit stets guter
Schmerzkom
pensation
gezeigt. Vom
6.
Mai bis 20. Juni 2013 sei der Beschwerdeführer
zu 100 % arbeitsunfähig.
3.9
Am 17. Juli 2013 beantwortete der Gutachter
A._
ergänzende Fragen zu sei
nem psychiatrischen Gutachten vom 22. August 2012 (Urk. 8/61) und hielt fest, dass zum Zeitpunkt der Begutachtung beim Beschwerdeführer ein mittel- bis
schwergradig
depressives Zustandsbild vorgelegen habe. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
leite sich von den Funktionseinschränkungen, bedingt durch die depressive Symptomatik ab. Die psychosozialen Belastungsfaktoren (Tod des Bruders, familiäre beziehungsweise Eheprobleme
) seien in keiner
Art
und Weise in die versicherungsmedizinischen Überlegungen, was die Bestimmung der Arbeitsfähigk
eit betreffe, einbezogen worden.
Es sei zwar denkbar, dass die psy
chosozialen Faktor
en einen die Krankheit aufrecht
erhaltenden Einfluss ausüben. Sie seien aber nicht der Grund der Arbeitsunfähigkeit.
Entsprechend ändere sich an der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nichts.
3.10
Dr.
C._
hielt
in seinem Verlaufsbericht vom 30. August 2013 (Urk. 8/63)
an de
n
bisher gestellten Diagnose
n
einer rezidivierenden depressiven
Stö
-
rung
, gegenwärtig mittelgradige bis schwere Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F 33.10) sowie einer chronischen Schmerstörung mit somatischen und psy
chischen Faktoren (ICD-10:
F 45.41) fest und ergänzt
e
diese
um das am 29.
März 2013 erlittene Polytrauma. Der Beschwerdeführer zeige weiterhin eine sehr bedrückte Stimmung, Zukunftsängste und Freud- sowie Perspektivlosigkeit. Aufgrund seiner Diagnose, dem Verlauf und dem jetzigen Zustand sei der Beschwerdeführer weiterhin zu 100 % arbeitsunfähig für den offenen Arbeits
markt.
3.11
Der Bericht de
r
Klinik für Unfallchirurgie des
I._
vom 25. Februar 2014 (Urk. 8/69) führt
e
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf:
1.
Pseudarthrose
des
Tibiakopfes
rechts nach Plattenosteosynthese bei
offener
Tibiakopffraktur
vom 29.
März 2013 (
fecit
in Budapest)
-
OSME laterale Tibia,
Pseudarthrosenresektion
, Rekonstruktion
mittels medialer und lateraler LCP- und
Zugschraubenos
t
eosynthese, De
fektauffüllung mit
autologer
Spongiosa (rechter Beckenkamm) und 40 cc
Grafton
Putty
am
25. Oktober 2013
2.
Status nach
Patellatrümmerfraktur
und
Zuggurtungsosteosynthese
vom
15. April 2013
Der Beschwerdeführer habe sich für die Operation am 25. Oktober 2013 vom 24. Oktober bis 8. November 2013 im
I._
befunden.
Vom 23.
Januar bis 6. März 2014 sei er wiederum zu 100
%
arbeitsunfähig. Dass er sein rechtes Bein nicht voll belasten könne, verunmögliche aktuell die bisherige Tätigkeit als Maschinenführer.
4.
Die drei verschiedenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen und ihre jeweiligen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers sind gesondert zu prüfen.
4.1
4.1.1
Der Gutachter
A._
stellte in seinem Guta
chten vom 2
2.
August 2012 (Urk.
8/44) die Diagnose einer mittelgradigen bis schweren Störung (ICD-10
: F
32.2) mit stark regressiver Tendenz und attestierte dem Beschwerdeführer auf
grund der aus der depressiven Symptomatik resultierenden
Funktionseinschrän
kungen
eine 40%ige Arbeitsfähigkeit
für behinderungsangepasste Tätigkeiten. Zudem stellte er klar, dass die offenkundig vorliegenden psychosozialen
Belas
tungsfaktoren
(Tod des Bruders, familiäre beziehungsweise Eheprobleme) keinen Einfluss auf die versicherungsmedizinische Beurteilung der Arbeitsfähigkeit hätten (
Urk.
8/61).
4.1.2
Nach
Art.
7
Abs.
2 ATSG sind für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbs
unfähigkeit ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Der Umstand allein, dass psychosoziale oder soziokulturelle Umstände bei der Entstehung einer Gesundheitsschädigung eine wichtige Rolle spielten, tangiert deren Anspruchserheblichkeit nicht. Keine invalidisierende Gesundheitsschädigung ist indessen gegeben, wenn der medizinische Gutachter im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und sozio
kulturellen Belastungen aufgehen. Denn in einem solchen Fall stellen sich diese als direkte Ursache der Einschränkung im Leistungsvermögen dar; sie sind nicht bloss
pathogenetisch
bedeutsam. Am rechtlich vorausgesetzten Kausalzusam
menhang mit einer selbständigen Gesundheitsschädigung fehlt es daher, solange noch zu erwarten ist, dass mit einem Wegfall der belastenden Lebens
umstände unmittelbar auch die (somit nicht verselbständigte) psychische Stö
rung verschwinden werde. Die massgebende Ursache für Arbeitsunfähigkeit im Sinne von
Art.
6 ATSG bestimmt sich mitunter auch nach dem Leitsatz, dass eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert umso ausgeprägter vorhanden sein muss, je stärker psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mit
bestimmen (Urteil 9C_140/2014 vom 0
7.
Januar 2015, E. 3.3 mit weiteren Hin
weisen). Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beein
trächtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrüh
ren, bestehen darf, sondern davon zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheid
bare, andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit ver
gleichbaren psychischen Leidenszustand (vgl. BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichtes 8C_730/2008 vom 2
3.
März 2009 E. 2). Auch kann eine depressive Symptomatik
chronifiziert
, damit durchaus verselbständigt sein und dennoch im Rahmen des gesamten Beschwerdebildes nicht genug ins Gewicht fallen, als dass auf eine längerdauernde Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 f. ATSG) geschlossen werden dürfte.
Diesfalls
stellt sich das Problem der gutachtlichen Abgrenzung und Quantifizierung eigenständiger Beiträge der sozialen Faktoren nicht. Das gilt auch im umgekehrten Fall, wenn eine deutlich ausgeprägte psy
chische Störung "konkurrierende" soziale Faktoren in den Hintergrund drängt. Diese sind alsdann so eng mit der Gesundheitsschädigung und ihren funktio
nellen Auswirkungen verbunden, dass es sich rechtfertigt, den gesamten
Ursa
chenkomplex
der Folgenabschätzung zugrunde zu legen: In diesem Sinne kön
nen sich soziale Umstände – mittelbar – invaliditätsbegründend auswirken, indem sie eine (verselbständigte) Gesundheitsschädigung aufrechterhalten oder ihre (unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden) Folgen verschlimmern. In diesen Konstellationen tragen die als solche nicht versicher
ten sozialen Faktoren zum Umfang der verselbständigten
Gesundheitsschädi
gung
bei (Urteil 9C_140/2014 vom 0
7.
Januar 2015, E. 3.3 mit weiteren Hin
weisen).
In
den Klinisch-diagnostischen Leitlinien der Internationalen Klassifikation psy
chischer Gesundheitsstörungen der Weltgesundheitsorganisation, ICD-10 Kapitel V (F),
Dilling
/
Mombour
/Schmidt (Herausgeber),
9.
Auflage, Bern 2014, S. 169 f., werden unter F32 die depressiven Episoden (leicht-, mittel-,
schwergradig
) und unter F33 die rezidivierenden Störungen umschrieben.
Bei der typischen leichten (F32.0), mittelgradigen (F32.1) oder schweren Episode (F32.2 und F32.3) leidet laut diesen Leitlinien die betroffene Person gewöhnlich unter den typischen Symptomen von (a) gedrückter Stimmung, (b)
Interessen
verlust
, Freudlosigkeit und (c) Verminderung des Antriebes, erhöhter Ermüdbar
keit. Andere häufige Symptome sind (1) verminderte Konzentration und Auf
merksamkeit, (2) vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, (3) Schuldgefühle und Gefühle der Wertlosigkeit, (4) negative und pessimistische Zukunftsperspektiven, (5) Suizidgedanken, erfolgte Selbstverletzung oder
Sui
zidhandlungen
, (6) Schlafstörungen und (7) verminderter Appetit. Das klinische Beschwerdebild zeigt beträchtliche individuelle Varianten; ein untypisches Beschwerdebild ist besonders in der Jugend häufig. In einigen Fällen stehen zeitweilig Angst,
Gequältsein
und motorische Unruhe mehr im Vordergrund als die Depression (vgl. ICD-10 Kapitel V [F], a.a.O., S. 169-170).
Bei einer rezidivierenden depressiven Störung gemäss ICD-10 F33 handelt es sich gemäss den genannten Leitlinien um eine Störung, die durch wiederholte (leichte, mittelgradige oder schwere) depressive Episoden charakterisiert ist. Die einzelnen Episoden dauern zwischen drei und zwölf Monaten. Die Besserung zwischen den einzelnen Episoden ist dabei im Allgemeinen vollständig, wobei nur (aber immerhin) eine Minderheit von Patienten eine anhaltende Depression entwickelt (für welche ebenfalls die Kategorie F33 verwendet werden sollte; vgl. ICD-10 Kapitel V [F], a.a.O., S. 176 f.). Die Unterscheidung zwischen depressiven Episoden (F32) und rezidivierenden depressiven Störungen (F33) legt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes nahe, dass bei letzteren eher von einer ungünstigen Prognose in Bezug auf die Beurteilung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit auszugehen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 8C_484/2012 vom 2
6.
April 2013 E. 4.3.2.2).
Depressive „Episoden“ sind definitionsgemäss vorübergehender Natur und haben deshalb, zumindest wenn sie leicht bis mittelschwer sind, gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung in der Regel keine invalidisierende Wir
kung. Die invalidisierende Wirkung einer mittelschweren depressiven „Störung“ ist nach der Rechtsprechung nicht schlechthin auszuschliessen. Deren Annahme bedingt indessen insbesondere, dass eine konsequente Depressionstherapie befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_774/2013 vom
3.
April 2014 E. 4.2 und 9C_454/2013 vom 2
9.
Oktober 2013 E. 4.1).
4.1.3
Das psychiatrische Gutachten vom 22. August 2012 (Urk. 8/44) basiert auf einer fachärztlichen Untersuchung, wurde in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
(Anamnese) abgegeben. Der Gutachter
A._
hat detaillierte und nachvollziehbare Befunde und Diagnosen erhoben und
sich mit d
en vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden auseinandergesetzt. Zudem hat er die medizinischen Zusammenhänge und die medizinische Situation einleuchtend dargelegt und seine Schlussfolgerung nachvollziehbar begründet. Dem psychi
atrischen Gutachten kommt demnach grundsätzlich volle Beweiskraft zu (vgl. E. 1.5).
4.1.
4
Die vom Gutachter diagnostizierte mittelgradige bis schwere depressive Störung (ICD-10: F 32.2) mit regressiver Tendenz überzeugt angesichts des Verlaufs der depressiven Erkrankung. So steht fest
, dass beim Beschwerdeführer seit Jahren eine depressive Erkrankung vorliegt, welche durch den Tod seines ihm naheste
henden Bruders
im Februar 2010
nach 5-jähriger Krebserkrankung ausgelöst wurde.
Nachdem sich sein schlechtes Befinden aufgrund eines Verkehrsunfalls im Oktober 2010 akzentuiert hatte, begab
sich der Beschwerdeführer
sogleich
am 1.
November 2010
bei
Dr.
B._
in psychiatrische Behandlung (Urk. 8/26/2). In ihrem Bericht vom 8. April 2011
hielt diese fest
, dass
sich zu Beginn der Behandlung eine schwere depressive Symptomatik gezeigt habe, welche schliesslich als mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F 32.1) diag
nostiziert wurde.
Die weitere Entwicklung des depressiven Geschehens machte eine zweimalige stationäre
Hospitalisation
in der
Z._
AG
notwen
dig
, wo anfänglich eine schwere depressive Episode (Urk. 8/25) und nach einem Skiunfall mit Schulterverletzung eine rezidivierende depressive Störung (Urk. 8/29) diagnostiziert wurde.
Zudem liegen ausgeprägte Symptome wie for
male Denkstörungen, Konzentrationsstörungen, spürbare Affektverflachung, deutlich erhöhte Erschöpfbarkeit sowie passive Suizidalität vor, welche ein
durchaus
schweres psychopathologisches Zustandsbild darstellen.
Diese ausge
prägten Befunde sprechen für das Vorliegen einer schweren depressiven Erkran
kung. Die Tatsache, dass das klinische Behandlungsbild mit anfänglich guter Prognose trotz adäquater ambulanter psychiatrischer Behandlung sowie zwei
maliger stationärer
Hospitalisation
in der
Z._
AG (vom 7. Dezember 2010 bis 9. Februar 2011 und vom 3. bis 24. März 2011, vgl. E. 3.
1-2
) nur zu einer
geringgradigen
Verbesserung geführt hat, bestätigt die gutachterliche Einschätzung hinsichtlich des Vorliegens einer
„
Störung
“
; dies im Gegensatz zu einer nur vorübergehenden
„
Episode
“
.
Einer solchen aus
geprägten psychiatrischen Diagnose kann aus rechtlicher Sicht regelmässig eine invalidisierende Wirkung beigemessen werden (vgl. E. 4.1.2).
Ausser Frage steht
aber
auch, dass die vorhandenen psychosozialen
Belastungs
faktoren
- dabei insbesondere der Tod des Bruders, aber auch die konfliktgela
dene Ehe - bei der Entstehung und Aufrechterhaltung beziehungsweise Ver
schlimmerung des aktenkundigen psychischen Beschwerdebildes eine massge
bliche Rolle spielten.
Der Gutachter
A._
hält diesbezüglich in seinem psychi
atrischen Gutachten ausdrücklich fest, dass sich die Beurteilung der Arbeitsfä
higkeit von den durch die depressive Symptomatik bedingten
Funktionsein
schränkungen
ableite und nicht von den psychosozialen Belastungsfaktoren abhänge (vgl. U
rk. 8/44 und insbesondere Urk. 8
/61).
Entgegen der Auffassung
der Beschwerdegegnerin
(Urk. 2 S. 2) reichen die beim Beschwerdeführer vor
handenen Ressourcen (soziale Kontakte) nicht, um die vorliegende Störung zu überwinden. So relativiert auch der begutachtende Psychiater die zumindest geringe Überwindbarkeit der Passivität und Erschöpfung mit dem Hinweis, dass die Einschränkungen hauptsächlich durch das - verselbständigte - depressive Zustandsbild bedingt sei (
Urk.
8/44/12).
Festzuhalten ist, dass - in Übereinstimmung mit der gutachterlichen Einschät
zung - eine somatoforme Schmerzstörung, wie sie im Bericht von Dr.
C._
diagnostiziert
wurde (vgl. E. 3.4), im vorliegenden Krankheitsgeschehen nur eine stark untergeordnete Rolle spielt, weshalb nicht weiter auf diese Thematik einzugehen ist.
4.1.5
Beruhend auf dem psychischen Leiden mit Krankheitswert überzeugt auch die gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit, wonach beim Beschwerdeführer
in
seine
r
bisherige
n
Tätigkeit als Maschinenführer eine mindestens 80%ige Arbeitsunfähigkeit u
nd
in einer angepassten Tätigkeit (von Routineabläufen geprägt und mit geringen Ansprüchen an
die
Konzentrationsfähigkeit)
eine 40%ige Arbeitsfähigkeit
besteht, dies jeweils seit November 201
0.
Diese
versi
cherungsmedizinische
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit wird auch von der
Z._
AG geteilt, indem diese eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
- jedoch
in geschütztem Rahmen
-
als realistisch erachtet (Urk. 8/25 und Urk. 8/36). Dass alleine der behandelnde Psychiater
Dr.
C._
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert,
lässt sich durch die
Erfahrungstatsache
erklären
, dass Hausärzte und Hausärztinnen mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstel
lung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen, weshalb ihre Aussagen mit Vorbehalt zu würdigen sind (BGE 125 V 353 E. 3b7cc, BGE 122
V
160 E. 1c, je mit Hinweisen).
4.1.6
Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer aus psychiat
rischer Sicht seit
Oktober
2010
(vgl. Urk. 8/2, Urk. 8/13/7, Urk. 8/19/9)
für seine bisherige Tätigkeit als Maschinenführer zu mindes
tens 80% arbeits
unfähig ist, ihm
aber
spätestens
seit dem Zeitpunkt des möglichen
Rentenbe
ginns
(
1. Oktober 2011
,
vgl. Art. 28 Abs. 1
lit
. b
IVG und Art. 29 Abs. 1 IVG
, vgl. nachfolgend E. 5.1
) eine angepasste Tätigkeit, die hauptsächlich von
Routi
neabläufen
geprägt ist und in der geringe Anforderungen an die Konzentrati
onsfähigkeit bestehen, zu 40 % zumutbar ist.
4.2
Eine weitere detaillierte Auseinandersetzung mit den somatischen Beschwerden und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit im Zusammenhang mit dem Skiunfall vom 25. Februar 2011 und dem Autounfall vom 29. März 2013
erübrigt sich vorliegend, da der Beschwerdeführer - wie nachfolgend anhand einer Invaliditätsbemessung unter E. 5 aufzuzeigen sein wird - bereits allein aufgrund seiner psychischen Beeinträchtigung einen Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat.
5.
5.1
Anhand
eines Einkommensvergleichs
ist
zu prüfen, wie sich die eingeschränkte Leistungsfähigkeit des Beschwerde
f
ührers in wirtschaftlicher Hinsicht auswirkt.
Für die Vornahme des Einkommensvergleichs ist grundsätzlich auf die Gege
benheiten im Zeitpunkt des (hypothetischen) Rentenbeginns abzustellen (BGE 128 V 174, BGE 129 V 222). Das Wartejahr nach Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG endete am 12. Oktober 2011, nachdem er seit dem 13. Oktober 2010 durch
schnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen war (vgl. E. 4.1.6). Im Weiteren meldete sich der Beschwerdeführer am 27. Januar 2011 bei der
IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 8/13), womit die sechsmonatige Frist gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG im Juni 2011 endete und der frühestmögliche Rentenbeginn noch im Jahr 2011 liegt.
5.2
5.
2
.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validenein
kommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkom
mensentwicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfah
rung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortge
setzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweisen).
Der bei der Bemessung des Invalideneinkommens zu berücksichtigenden ausgegli
chenen Arbeitsmarktlage (Art. 16 ATSG) ist grundsätzlich auch bei der Festsetzung des
Validenlohnes
Rechnung zu tragen, wobei auf die Ergebnisse der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen
Lohnstruk
turerhebung
(LSE) abgestellt werden kann (Urteil des Bundesgerichts 9C_192/2014 vom 23. September 2014 E. 3.2 mit Hinweisen).
5.
2
.2
Als
Validenlohn
ist dem Einkommensvergleich der Jahreslohn, welchen der Beschwerdeführer im Gesundheitsfall im Jahr 2011 bei der
Y._
AG erzielt hätte, zugrunde zu legen. Gemäss Arbeitgeberauskunft vom 1. März 2011
(Urk. 8/24)
hätte
der Beschwerdeführer bei einem 100%-Pensum
im
Jahr 2011 Fr. 73‘720.-- verdient
.
5.
3
5.
3
.1
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebun
gen
(LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472
E.
4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom sogenannten Zentralwert (Median) aus
zugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zugrunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende betriebsübliche Wochenarbeitszeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 E. 3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durchschnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten
nurmehr
beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in
Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). Dabei ist zu beachten, dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der
Vergleichsein
kommen
mitverantwortliche invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des soge
nannten Leidensabzuges nicht nochmals berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 322 E. 5.2).
Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen. Es ist nicht von dem von der IV-Stelle vorgenommenen Abzug auszugehen und dieser ange
messen zu erhöhen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_796/2013 vom 28. Januar 2014 E.
3
.
2 mit Hinweis auf
SVR 2011 IV Nr. 31 S. 90, 9C_728/2009 E. 4.1.2).
5.
3
.2
Vorliegend ist zur Ermittlung des Invalideneinkommens auf die Tabellenlöhne abzustellen, da der Beschwerdeführer seine ursprüngliche Tätigkeit nicht mehr ausüben kann und keine neue Tätigkeit aufgenommen hat. Aus der Schweize
rischen
Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE 2010)
ergibt sich als Zentralwert für Arbeitnehmer des
Anforderungsprofils 4
(einfache und repetitive Arbeiten)
im privaten Sektor ein Bruttomonatslohn
in der Höhe von Fr. 4‘901.-- (T
abelle TA 1, Ziff. 1-96, S. 26)
. In Anbetracht der betrie
bsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden
(vgl. die Volkswirtschaft 9 -2013, S. 95, Tabelle B 9.2)
und in Anpassung an die Nominallohnentwicklung für Männer resultiert für
das Jahr 2011
ein Einkommen von
Fr. 61‘882.-- (Fr. 4‘901.-- x 12 : 40 x 41.7 : 2151 x 2171 [vgl. die Volkswirtschaft 9 -2013, S. 95, Tabelle B 10.3]) beziehungsweise 24‘753.-- bei einem 40%-Pensum.
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers (
Urk.
1 S. 14) ändert ein konk
ret erzielter
Validenlohn
, der im Rahmen einer 40-Stundenwoche erzielt wurde, nichts daran, dass das hypothetische Invalideneinko
mmen gestützt auf statisti
sche W
erte und damit auch auf die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden im Jahre 2011 zu berechnen ist.
5.
3
.3
Der Beschwerdeführer verlangt einen Leidensabzug in der Höhe von 25 %, da er aufgrund seiner psychischen und körperlichen Beeinträchtigungen auf dem Arbeitsmarkt stark eingeschränkt sei (Urk. 1 S. 14).
Ob und in welchem Umfang ein leidensbedingter Abzug vom Tabellenlohn vorzu
nehmen ist, liegt im pflichtgemässen Ermessen der Verwaltungsbehörde. Bei der Überprüfung des gesamthaft vorzunehmenden Abzuges, der eine Schät
zung darstellt und von der Verwaltung kurz zu begründen ist, darf das Sozial
versicherungsgericht sein Ermessen
nur
bei Vorliegen von
triftigen Gr
ünden
an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen.
Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin
im Einkommensvergleich vom
20. Mai 2014
(
Urk.
8/
71
)
hat der Beschwerdeführer aufgrund der behinderungsbedingten Einschränkun
gen, welche sich im
-
aus psychiatrischer Sicht erstellten
-
medizinischen Zumutbarkeitsprofils (angepasste Tätigkeit, welche hauptsächlich von
Routine
abläufen
geprägt ist und in der geringe Anforderungen an die Konzentrations
fähigkeit bestehen) widerspiegeln, mit einer Lohneinbusse zu rechnen. Deshalb rechtfertigt es sich vorliegend, einen leidensbedingten Abzug von 10 % zu gewähren.
5.
4
Die Gegenüberstellung von Validen-
und Invalideneinkommen ergibt
- unter Berücksichtigung eines Leidensabzuges von 10 % (vgl. E. 5.3.3) -
eine
Erwerbs
einbusse
von Fr.
51‘442
.-- (Fr. 73‘720.-- -
Fr. 22‘278.-- [
Fr. 24‘753.--
x 0.9
) und führt somit
zu einem Invaliditätsgrad von
gerundet 70 % (
69.78
%)
und berechtigt zu
einer
ganzen Rente
(vgl. E.
1.3).
6.
6.1
Zusammenfassend ist die Beschwerde dahingehend gutzuheissen, als festgestellt wird, dass der Beschwerdeführer ab
1.
Oktober 2011 Anspruch auf eine
ganze Rente
der Invalidenversicherung hat.
6.2
Angesichts des noch jungen Alte
r
s des Beschwerdeführers und der nach wie vor durchaus positiven Prognose
(vgl. unter anderem Urk. 8/36)
erscheint
es ange
zeigt, die weitere Entwicklung der psychischen Erkrankung in regelmässigen Abständen auf revisionsrechtlich relevante Veränderungen hin zu überprüfen.
7.
7.1
Die Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen sind (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG), sind auf
Fr.
600.-- anzuset
zen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
r
unterliegenden
Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen
.
7.2
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person Anspruch auf den vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festzusetzenden Ersatz der Parteikosten.
Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze ist de
m Beschwerdeführer
–
ent
-
spre
chend der eingereichten Honorarnote vom
7. April 2016
(
Urk.
10
), wobei der Aufwand als angemessen erscheint - eine Prozessentschädigung von
Fr. 2‘
539.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.
7.3
Entsprechend erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege als gegenstandslos.