Decision ID: 85f79ac1-7636-5371-a026-d3c11c479a59
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der
am 2
3.
März
1948
geborene
X._
erreichte 2013 das AHV-Rentenalter
und
schob den Beginn des Rentenbezugs auf
(
Urk.
9/14
und
Urk.
9/12
)
.
Seine Ehefrau
Z._
(geboren
9.
August
1951) steht seit 2015 im AHV-Rentenalter. Auch sie schob
den Bezug ihrer
Rente auf
(
Urk.
8/1
und
Urk.
8/2
)
.
Am 1
2.
August 2015 rief
X._
seine
aufgeschobene Altersrente per Oktober 2015 ab
(
Urk.
9/12
).
Mit Verfügung vom 1
8.
August 2015
sprach ihm die Ausgleichskasse AGRAPI ab
1.
Oktober 2015
eine
plafonierte
Altersrente in der Höhe von Fr.
2‘086.--
im Monat zu
(
Urk.
7/2)
.
Daran hielt sie
auf erhobene Einsprache vom 2
5.
August 2015 (
Urk.
7/3) hin
mit Entscheid vom
8.
September 2015 fest (
Urk.
2
).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom
8.
September 2015 erhob
X._
am 2
2.
September 2015 Beschwerde (
Urk.
1)
mit folgendem
Rechts
begehren
(S. 1):
„1.
Die AHV-Renten-Verfügung vom 1
8.
August 2015 und der Ein
spracheentscheid vom
8.
September 2015 seien insofern aufzuheben, als sie bei der Berechnung meiner aufgeschobenen AHV-Rente einen Plafonierungsabzug vornehmen, und es sei festzustellen, dass der Plafonierungsabzug erst ab dem Zeitpunkt des effektiven
Rentenbe
zugs
meiner Ehefrau vorgenommen wird.
2.
Unter Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin.“
Mit Beschwerdeantwort vom 2
3.
Oktober 2015 schloss die Ausgleichskasse auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6)
, was dem Beschwerdeführer mit Gerichtsverfügung vom 1
1.
November 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
10).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Anspruch auf eine ordentliche Altersrente haben Männer, welche das 65. Altersjahr und Frauen, welche das 6
4.
Altersjahr vollendet haben, sofern ihnen für mindestens ein volles Jahr Einkommen, Erziehungs- oder
Betreu
ungsgutschriften
angerechnet werden können
(
Art.
21
Abs.
1 i.V.m.
Art.
29
Abs.
1 AHVG).
Der Anspruch auf die
Altersrente
entsteht am ersten Tag des Monats, welcher der Vollendung des
gemäss
Art.
21
Abs.
1 AHVG
massge
benden Altersjahres folgt. Er erlischt mit dem Tod (
Art.
21
Abs.
2
AHVG
).
1.
2
Für die Rentenberechnung wird laut
Art.
29
quinquies
Abs.
3 lit. a AHVG eine Einkommensteilung vorgenommen, wenn beide Ehegatten rentenberechtigt sind. Dabei werden die Einkommen, welche die Ehegatten während der Kalenderjahre der gemeinsamen Ehe erzielt haben, geteilt und je zur Hälfte den beiden Ehegatten angerechnet.
1.
3
Nach
Abs.
1 des im Rahmen der 1
0.
AHV-Revision neu gefassten, am 1. Januar 1997 in Kraft getretenen
Art.
35 AHVG beträgt die Summe der bei
den Altersrenten eines Ehepaares
maximal 150
%
des Höchstbetrags der Altersrente, wenn beide Ehegatten Anspruch auf eine Altersrente haben (lit. a) oder wenn ein Ehegatte Anspruch auf
eine Altersrente und der andere Anspruch auf eine Rente
der Invalidenversicherung hat (lit. b).
Die Kürzung entfällt bei Ehepaaren, deren gemeinsamer Haushalt richterlich aufgehoben wurde (
Art.
35
Abs.
2 AHVG). Die beiden Renten sind im Verhältnis ihrer Anteil
e
an der Summe der ungekürzten Renten zu kürzen. Der Bundesrat regelt die Einzelheiten, insbesondere die Kürzung der beiden Renten bei Ver
sicherten mit unvollständiger Beitragsdauer (
Art.
35
Abs.
3 AHVG).
1.
4
Im Rahmen des flexiblen Rentenalters haben Personen, die das ordentliche Rentenalter erreicht haben, die Möglichkeit, den Bezug der Altersrente min
destens ein Jahr und höchstens fünf Jahre aufzuschieben und innerhalb die
ser Frist die Renten von einem bestimmten Monat an abzurufen (
Art.
39
Abs.
1 AHVG). Die aufgeschobene Altersrente und die sie allenfalls ablösende Hinterlassenenrente wird um den versicherungstechnischen Gegenwert der nicht bezogenen Leistung erhöht (
Art.
39
Abs.
2 AHVG), womit eine versi
cherte Person, welche ihre Altersrente aufschiebt, für die Dauer des gesamten Rentenbezugs eine erhöhte Rente erhält (
Art.
39
Abs.
2 AHVG i.V.m.
Art.
55
ter
der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung [AHVV]).
1.
5
Die
vom Bundesamt
für Sozialversicherungen (BSV)
herausgegebene Weglei
tung
über die Renten (RWL) in der Eidgenössischen Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung
hält in Randziffer 6303 (Stand 1.
Januar 2015 [identisch mit der Formulierung in der aktuell seit
1.
Januar 2017 gültigen Fassung]) fest, dass die Rente einer rentenberechtigten Person, deren Ehe
gatte die Rente aufschiebt, bereits während der
Aufschubsdauer
der Plafo
nierung nach
Art.
35 AHVG unterliegt.
1.
6
Verwaltungsweisungen richten sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Diese soll sie bei seiner Entscheidung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmun
gen zulassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von
Ver
waltungsweisungen
ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern wird dem Bestreben der Verwal
tung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwendung zu gewährleisten, Rechnung getragen (
BGE 140 V 314 E. 3.3 mit weiteren Hin
weisen)
.
2.
Zwischen den Parteien ist strittig, ob die Rente des Beschwerdeführers
bereits während der Aufschubsdauer der Rente seiner Ehefrau der Plafonierung unterliegt. Während die Beschwerdegegnerin dies unter Hinweis auf
Art.
35
Abs.
1 lit.
a
AHVG
und
die
Randziffer 6303
der
RWL bejaht (
Urk.
6),
bringt der Beschwerdeführer vor, die betreffende Randziffer gehe über den Gehalt von
Art.
35
AHVG hinaus
, weshalb mit der Plafonierung bis zum effektiven Rentenbezug seiner Ehefrau zuzuwarten sei
. So sei die Rede von der „Summe der beiden Renten für Ehepaare“, es gebe aber noch keine „Summe“ der Renten, werde doch der Ehefrau die Rente nicht ausbezahlt. Sie bezögen zusammen nicht mehr als 150
%
(
Urk.
1)
.
3
.
3
.1
3
.1.1
Der Wortlaut von
Art.
35
Abs.
1 lit. a
AHVG knüpft die Plafonierung der Altersrente an den Anspruch auf eine
solche
(„
ont
droit
à
une
rente de vieillesse“, „hanno diritto a una rendita di vecchiaia“ in der französischen und italienischen Textfassung)
an
.
Gemäss der Regelung in
Art.
21 AHVG besteht
Anspruch auf eine Altersrente
für Männer mit Vollendung des 65. Altersjahres und für Frauen mit Vollendung des 6
4.
Altersjahres
. Folglich ist der Eintritt des Versicherungsfalles Alter massgebend und nicht etwa der Beginn des Rentenbezugs.
Der Rentenanspruch wird bei Erreichen der Alters
grenze auch
ausgelöst, wenn die versicherte Person nicht aus dem Erwerbsle
ben ausscheidet (
Kieser
,
Alters- und
Hinterlassenenversicherung
,
in:
Schwei
zerisches Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale
Sicherheit,
3.
Auflage 2016, N
599
,
und
Binswanger
, Kommentar zum Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung, Zürich 1950, S. 122).
Der Renten
anspruch besteht damit unabhängig davon, ob die R
ente ausbezahlt wird oder nicht.
So fällt insbesondere im Falle eines Rentenaufschubs d
er Zeit
punkt des Anspruchsbeginns auf eine Altersrente und derjenige der effekti
ven Rentenauszahlung auseinander (vgl.
Art.
39
Abs.
1 AHVG
und
Art.
55
bis
bis
Art.
55
quarter
AHVV).
3
.1.2
Dass
die Begriffe des Versicherungsfalls, der E
ntstehung des Anspruchs bezie
hungsweise des
Beginns des Rentenbezugs nicht identisch und vonei
nander zu unterscheiden sind, geht auch
aus
BGE 132 V 265 hervor. Darin hat sich das Bundesgericht
in Bezug auf
Art.
29
quinquies
Abs.
4 lit. a AHVG
zu
den betreffenden Begriffsbestimmungen geäussert und diese
klar
voneinan
der abgegrenzt.
3
.1.3
Vor diesem Hintergrund erhellt,
dass der
Gesetzeswortlaut von
Art.
35
Abs.
1 lit. a AHVG keine
n
anderen Schluss zulässt, als
dass die Plafonierung der Renten von Ehegatten mit dem Erreichen des ordentlichen Rentenalters des zweitrentenberechtigten Ehepartners zusammenfällt, und zwar unabhängig davon, ob
ein Ehegatte
den Rentenbezug aufschiebt
(
vgl. auch Valterio, Droit de l’assurance-vieillesse et survivants [AVS] et de l’assurance-invalidité [AI], Zürich 2011, N
1012 und N
1021
; siehe auch
Urteil des Walliser Kantonsge
richts vom 4.
Februar 2014, ZWR 2015 S. 89 ff.)
.
Entgegen den entsprechen
den Ausführungen des Beschwerdeführers
(
Urk.
1 S. 2)
kann
aufgrund der Wortwahl des Gesetzgebers
nicht gesagt werden, dass die beschriebene
Pla
fonierungsregel
einzig im „Normalfall“ – d.h. wenn Anspruchsbeginn und effektiver Rentenbezug zusammenfallen – greift.
3
.2
Der
vom Beschwerdeführer begehrte
einstweilige
Verzicht auf eine
Rentenpla
fonierung
würde sodann
betreffend die gesamte Dauer des
Renten
bezugs
im
Vergleich zu einem Ehepaar,
das von der Möglichkeit des
Renten
aufschubs
keinen Gebrauch macht,
zu einer
ungerechtfertigten Besserstellung
führen.
Die von der Ehefrau des Beschwerdeführers aufgeschobene Alters
rente setzt sich – wie erwähnt (vgl. E. 1.4 vorstehend) – aus dem
Renten
grundbetrag
und dem
Aufschubszuschlag
zusammen.
M
it dem Zuschlag zum Rentenaufschub werden die nicht bezogenen Renten abgegolten
(Botschaft des Bundesrates zur Volksinitiative „Für ein flexibles AHV-Alter“, BBl 2007 S. 419
; vgl. auch Rz. 6304 RWL
).
Da somit beim
vorliegenden
Aufschub der Altersrente der Ehefrau
des Beschwerdeführers
(
um mindestens ein bis höchstens fünf Jahre
)
die Rentenerhöhung
die in dieser Zeit nicht bezogene Rente ausgleicht und der
Zuschlag beim Rentenaufschub nicht unter die Plafonierung fällt (Rz. 6339 RWL; vgl. auch Rz. 5519 RWL), resultiert auf den
ganzen
Zeitraum des Rentenbezugs betrachtet kein finanzieller Vor- oder Nachteil. Der Beschwerdeführer (und seine Ehefrau) sind folglich bezüglich der gesamthaft ausgerichteten Rentenleistungen einem Ehepaar gleichge
stellt,
das auf einen Rentenaufschub verzichtet und die Altersrente beim Ein
tritt ins Rentenalter bezogen hat (Urteil des Bundesverwaltu
ngsgerichts C-3484/2014 vom 27.
Februar 2015
E. 5.6.1 f.
und Urteil des Freiburger Kan
tonsgerichts 608 2015 133 vom 2
8.
September 2016
E. 2c
).
Damit erweist sich auch die Rüge des Beschwerdeführers, Randziffer 6303 der RWL gehe über den Gehalt von Art. 35 AHVG hinaus (
Urk.
1 S. 2), als unzu
treffend.
Folglich
besteht kein Anlass, von der betreffenden
Verwaltungs
weisung
abzuweichen.
Daran ändert nichts, dass
im Titel zu Art.
35 AHVG die Rede von der „Summe der beiden Renten für Ehepaare“ ist, zumal sich diese spätestens beim Abruf der Altersrente konkretisiert.
4
.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Rente des Beschwerdeführers bereits während der Aufschubsdauer der Rente seiner Ehefrau der Plafonie
rung unterliegt,
da die Summe
beide
r
Renten mehr als 150 Prozent des Höchstbetrags der Altersrente betr
ägt
(
Urk.
9/1
1 S. 13
).
Das Vorgehen der Beschwerdegegnerin, die Rente des Beschwerdeführers um
Fr.
587.-- (Fr. 2‘350.--
/ 4,
Urk.
9/9 Beiblatt
) zu kürzen
,
ist daher nicht zu
bemängeln
.
Da auch die – unbestritten gebliebene –
Höhe des Aufschubszuschlags
(Fr.
323.--)
durch die Akten ausgewiesen ist (
Urk.
9/1
1 S. 13
), ist der ange
fochtene Einspracheentscheid nicht zu beanstanden. Dies führt zur Abwei
sung der Beschwerde.