Decision ID: e31c8d2d-3e44-564b-9379-86882701abcb
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Andres Büsser, Marktgasse 20, 9000 St. Gallen,
gegen
Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG, Postfach, 8085 Zürich,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend Versicherte) war seit 5. Mai 2001 als Tagesmutter beim B._
tätig und dadurch bei der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG (nachfolgend Zürich)
obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert, als sie am 17. Juni 2002 einen
Auffahrunfall erlitt (act. I-1, 5, 9, 42). Bereits am 14. Juni 2002 war die Versicherte
aufgrund eines Sturzes mit Rollschuhen Ende Februar 2002 und den seither geklagten
Zervikalgien bei Dr. med. C._, Facharzt FMH für Neurochirurgie, ambulant untersucht
worden. Nach dem Unfallereignis vom 17. Juni 2002 diagnostizierte Dr. C._
gleichentags Zervikalgien bei Instabilität C7/Th1, Status nach Sturz mit Rollschuhen
Ende Februar 2002 und Exacerbation der Zervikalgien Status nach Autounfall am
17. Juni 2002 und empfahl am 28. Juni 2002 eine Operation (act. II-Zm 1, 3). Am
26. Juni 2002 war eine cervicale vertebro-spinale Kernspintomographie durchgeführt
worden (act. II-Zm 2). Auch die Ärzte des Kantonsspitals St. Gallen, Neurochirurgie,
empfahlen am 10. Juli 2002 eine Operation auf Höhe C5/6 (act. II-Zm 4).
Dr. med. D._, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, attestierte der Versicherten mit
Bericht vom 29. April 2003 eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit vom 17. Juni
bis 20. November 2002 (act. II-Zm 7).
A.b Am 19. August 2004 stürzte die Versicherte mit dem Fahrrad und zog sich dabei
multiple Schürfungen zu (act. II-Zm 19/5). Die Behandlung wurde gleichentags
abgeschlossen, nachdem die Wundversorgung und die Tetanusprophylaxe erfolgt
waren.
A.c Mit Bericht vom 9. Februar 2005 erachtete Dr. med. E._, Facharzt für
Anästhesie, eine Radiofrequenzneurotomie für indiziert, da die Testblockaden mit einer
Wahrscheinlichkeit von 90% eine traumatisch bedingte Verletzung der
zygapophysialen Gelenke C2/3 rechts und C5/6 rechts ergeben hätten (act. II-Zm 9).
Im weiteren Verlauf führte er mehrmals funktionelle perkutane Rhizotomien C3 rechts
und C6 rechts durch (act. II-Zm 12, 14/01, 26, 31). Am 8. April 2008 erstellte Dr. med.
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F._, Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Schmerztherapie des Inselspitals
Bern, ein Gutachten, worin er festhielt, dass die noch vorhandenen gesundheitlichen
Beeinträchtigungen überwiegend wahrscheinlich auf den Unfall zurückzuführen seien,
mindestens als Teilursache (act. II-Zm 17). Mit neurologischem Gutachten vom 26. Mai
2008 (act. II-Zm 18) stellte Dr. med. G._, Facharzt FMH für Neurologie, fest, dass der
Status quo sine im Januar 2003 erreicht worden sei und die noch vorhandenen
gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht auf den Unfall vom 17. Juni 2002 als
alleinige und eher unwahrscheinlich als Teilursache zurückzuführen seien.
A.d Seit 1. Juli 2008 war die Versicherte bei Dr. H._ zu 30% als Reinigungsfrau
angestellt und in dieser Eigenschaft ebenfalls bei der Zürich obligatorisch gegen die
Folgen von Unfällen versichert (act. II-I/3). Am 19. September 2008 war sie an einem
Verkehrsunfall mit seitlicher Frontalkollision beteiligt und erlitt eine Thorax- und
Sternumkontusion sowie ein HWS-Distorsionstrauma (act. II-I/ZA1). Bis 24. September
2008 befand sich die Versicherte in der chirurgischen Abteilung des Kantonsspitals
St. Gallen und wurde bis 30. September 2008 arbeitsunfähig geschrieben (act. II-I/M1,
I/15/3). Da sie ihre Tätigkeit ab 10. Oktober 2008 wieder im vertraglichen
Arbeitspensum von 30% aufnahm, schloss die Zürich den Fall mit Schreiben vom
22. Januar 2009 ab (act. II-I/19).
A.e Am 28. Januar 2010 wurde eine vertebro-spinale Kernspintomographie
durchgeführt (act. II-Zm 29). Mit Gutachten vom 19. Oktober 2010 der Gutachterstelle
Solothurn für interdisziplinäre Begutachtungen (gutso; act. II-Zm 34) wurde festgestellt,
dass die noch vorhandenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nicht mehr auf den Unfall vom 17. Juni 2002 oder denjenigen vom
19. September 2008 zurückzuführen seien.
A.f Mit Verfügung vom 12. April 2011 (act. I-170, II-I/37) wurden die Leistungen im
Zusammenhang mit dem Unfall vom 17. Juni 2002 per 30. Juni 2003 eingestellt mit der
Begründung, der Status quo sine sei erreicht worden. In Bezug auf den Unfall vom
19. September 2008 wurde ausgeführt, dass der Gesundheitszustand der Versicherten
durch diesen Unfall nicht massgeblich bzw. nur vorübergehend beeinflusst worden sei.
Die Leistungen wurden daher per 31. Oktober 2008 eingestellt.
B.
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Die dagegen erhobenen Einsprachen vom 12. Mai 2011 der Versicherten und vom
1. Juli 2011 der Swica Krankenversicherung AG (act. I-174/1, 181, 185) wurden mit
Einspracheentscheid vom 28. Oktober 2011 abgewiesen (act. I-188).
C.
C.a Mit Beschwerde vom 2. Dezember 2011 (act. G 1) liess die Versicherte durch
Rechtsanwalt Dr. Andres Büsser, St. Gallen, beantragen, der angefochtene
Einspracheentscheid sei aufzuheben und die Sache sei zu unabhängiger
gesetzmässiger Begutachtung an die Versicherung zurückzuweisen. Eventualiter seien
der Versicherten nach Begutachtung im Gerichtsverfahren die gesetzmässigen UV-
Leistungen ab gesetzlichem Zeitpunkt zu gewähren; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Zur Begründung führte der Rechtsvertreter insbesondere an,
dass die Informationsaufnahme und die Schlussfolgerungen im Gutachten der "gutso"
in verschiedener Hinsicht fehlerhaft erfolgt seien.
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 10. Januar 2012 schloss die Beschwerdegegnerin
auf vollumfängliche Abweisung der Beschwerde (act. G 3). Zur Begründung brachte sie
im Wesentlichen vor, es sei auf das Gutachten der "gutso" vom 19. Oktober 2010
abzustellen. Die von der Beschwerdeführerin angezeigten Mängel seien entweder nicht
korrekt oder für die medizinische Beurteilung nicht relevant.
C.c Mit Replik vom 29. Februar 2012 (act. G 7) und Duplik vom 9. März 2012
(act. G 10) hielten die Parteien an ihren jeweiligen Standpunkten fest.

Erwägungen:
1.
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet der Einspracheentscheid
vom 28. Oktober 2011 (act. G 1.1). Streitig ist, ob die Beschwerdegegnerin die
Leistungen in Zusammenhang mit dem Unfall vom 17. Juni 2002 auf den 30. Juni 2003
und in Zusammenhang mit dem Unfall vom 19. September 2008 auf den 31. Oktober
2008
einstellen durfte. Dabei steht insbesondere die Beweiskraft des von der
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Beschwerdegegnerin eingeholten interdisziplinären Gutachtens vom 19. Oktober 2010
zur Diskussion (act. II-Zm 34).
2.
2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) werden Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt. Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung
bildet die
Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht demnach nur für
Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit einem versicherten
Unfallereignis zusammenhängen (Alexandra Rumo-Jungo, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, 3. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2003, S. 42 ff.). Während es Aufgabe der
Ärztin oder des Arztes ist, den natürlichen Kausalzusammenhang zu beurteilen, obliegt
es dem Gericht, die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang zu beantworten
(PVG 1984 Nr. 82 174 E. 2b). Ob ein natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist,
beurteilt sich nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit; die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs
genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1 mit
Hinweisen). Im Bereich klar ausgewiesener organischer Unfallfolgen im Sinn von
nachweisbaren strukturellen Veränderungen (ein organisches Substrat konnte mit
bildgebenden Untersuchungsmethoden [Röntgen, Computertomogramm, EEG]
nachgewiesen werden) spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem
natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers
praktisch keine Rolle (vgl. BGE 117 V 359 E. d/bb, unten, mit Hinweisen auf Lehre und
Rechtsprechung ;118 V 286 E. 3a). Sie ist bei ausgewiesener natürlicher Kausalität
ohne weiteres zu bejahen (BGE 127 V 102 E. 5b/bb; 123 V 98 E. 3b; 118 V 286 E. 3a;
117 V 359 E. 5d/bb mit Hinweisen).
2.2 Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt
erst manifest, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers, wenn entweder der
(krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat
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(Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem
schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustands auch ohne Unfall früher
oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (vgl. zum Ganzen RKUV 1994
Nr. U 206 S. 328f. E. 3b, mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 11. Juni 2007,
U 290/06, E. 3.3). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten
Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher
Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hierbei um eine
anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die entsprechende Beweislast nicht bei
der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46
E. 2 mit Hinweisen; BGE 117 V 261 E. 3b). Dabei muss jedoch nicht etwa der Beweis
für unfallfremde Ursachen erbracht werden. Welche Ursachen ein nach wie vor
geklagtes Leiden hat, ob es Krankheitsursachen, ein Geburtsgebrechen oder
degenerative Veränderungen sind, ist unerheblich. Denn es ist nicht so, dass der
Unfallversicherer bei einmal bejahter Unfallkausalität so lange haftet, als er unfallfremde
Ursachen nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachzuweisen vermag.
Entscheidend ist allein, ob unfallbedingte Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre
kausale Bedeutung verloren haben, also dahin gefallen sind (RKUV 1994 Nr. U 206
S. 328f. E. 3b).
2.3 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, [ATSG; SR 830.1]). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 351, E. 3a mit
Hinweis). Erachtet das Sozialversicherungsgericht die rechtserheblichen tatsächlichen
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Entscheidgrundlagen bei pflichtgemässer Beweiswürdigung als schlüssig, darf es den
Prozess ohne Weiterungen - insbesondere ohne Anordnung eines Gerichtsgutachtens -
abschliessen (RKUV 1997 Nr. U 281 S. 281 E. 1a).
3.
3.1 Gemäss dem Bericht vom 25. Juni 2002 von Dr. C._ (act. II-Zm 1) klagte die
Beschwerdeführerin nach einem Sturz auf den Rücken beim Rollschuhlaufen Ende
Februar 2002 über Nacken- und Rückenschmerzen im oberen thorakalen Bereich. In
den folgenden Tagen sei eine Zunahme der Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in das
Schulterblatt links zu verzeichnen gewesen. Es seien keine Armschmerzen festgestellt
worden. Er habe die Beschwerdeführerin auch am Unfalltag (17. Juni 2002) untersucht
und dabei die gleichen Befunde festgestellt wie an der Voruntersuchung vom 14. Juni
2002. Nach Feststellen der Instabilität im HWS-Bereich habe er zur Ruhigstellung der
HWS einen Halskragen angepasst. Mit Röntgenbericht vom 26. Juni 2002 (act. II-Zm 2)
stellte Dr. med. I._, Spezialarzt FMH für Röntgendiagnostik, fest, dass die Aufnahmen
eine Streckhaltung mit einer Höhenminderung und Dehydrierung der Bandscheiben C5/
C6 und C6/C7, auf der Höhe C5/C6 mit Darstellung einer Diskushernie neben der
Unkarthrose vergrössert medio-lateral-rechtsseitig zeigten, jedoch apikal auch
linksseitig, das Foramen recht erheblich einengend. Auf Höhe C6/C7 bestehe eine
leichte Protrusion der Bandscheibe bei ebenfalls Höhenminderung und Dehydrierung.
Es sei auf dieser Höhe bei nur geringfügiger unkarthrotischer und spondylarthrotischer
Veränderung keine sichere Hernie sichtbar. Es sei eine Einengung des Spinalkanals im
Bereich C5/C6, weniger C6/C7 auf 7 mm vorhanden, sonst bestehe ein normal weiter
Spinalkanal. Auf Höhe C7/Th1 sei die MR unauffällig ohne Dehydrierung.
Paravertebrale Weichteile und ossäre Konfiguration seien im Normbereich ohne
Hinweise für eine Fraktur, Fissur oder Bandläsion. Dr. C._ - und später auch das
Kantonsspital St. Gallen - empfahlen wegen der festgestellten Diskushernie C5/C6 (und
Instabilität C7/Th1) eine vordere Diskektomie und Stabilisation mit Cage, die
Beschwerdeführerin entschied sich jedoch gegen einen operativen Eingriff (act. II-
Zm 3, 4). Nach Ansicht von Dr. E._ (act. II-Zm 10) handelte es sich bei den
Symptomen der Beschwerdeführerin um typische Folgen eines
Genickschleudertraumas. Diese Art Verletzung beschädige die zervikalen
Facettengelenke. Mit audio-neurootologischem Bericht vom 4. Oktober 2004 (act. II-
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Zm 16/03) diagnostizierte Dr. med. J._, Spezialarzt FMH für Otorhinolaryngologie,
Hals- und Gesichtschirurgie, einen visuo-vestibulären und cervico-vestibulären
"mismatch". In einer von einer Zürich-Mitarbeiterin festgehaltenen Besprechung vom
23. Januar 2006 (act. II-Zm 11) gab Dr. med. K._, FMH Neurochirurgie, an, dass auf
den Röntgenbildern vom 2002 massive degenerative Veränderungen ersichtlich seien,
welche nicht in einem kausalen Zusammenhang mit dem Unfall vom 17. Juni 2002 oder
dem Sturz mit den Rollerblades von Ende Februar 2002 ständen. Dr. F._ stellte
neben chronischen cervikalen und Armschmerzen den Verdacht auf partielle
Beteiligung der Facettengelenke und eine ungenügend behandelte Depression fest
(act. II-Zm 17). Dr. G._ berichtete mit neurologischem Gutachten vom 26. Mai 2008
(act. II-Zm 18), dass die Beschwerdeführerin zweifellos ein Distorsionstrauma der
Halswirbelsäule erlitten habe, was ein cervicales Schmerzsyndrom zur Folge gehabt
habe. In den bereits früh angefertigten Röntgen- und MR-Aufnahmen zeigten sich
keine traumatischen Veränderungen und die beschriebenen leichten degenerativen
Veränderungen seien als vorbestehend zu betrachten. Eine vertebro-spinale
Kernspintomographie vom 28. Januar 2010 (act. II-Zm 29) zeigte gemäss Dr. med.
L._ eine dehydrierte Bandscheibe C4/C5 mit relativ breitbasiger kleinvolumiger
medianer Hernierung der Bandscheibe links und mit praktisch fehlendem Liquorsaum
um das Myelon auf dieser Höhe. Auch die Bandscheibe C5/C6 zeige eine Hernierung
und Dehydratation, wobei die Hernie auf diesem Niveau medio-rechts-lateral bevorzugt
zur Darstellung komme mit rechts recessaler Einengung. Eine zweite Hernierung,
welche kleiner sei, komme medio-links-lateral auf diesem Niveau im recessalen, teils
auch im foraminalen Bereich zur Darstellung. Zudem stellte er eine leichte
Diskusprotrusion auf Höhe C6/C7, jedoch ohne Nachweis einer
Nervenwurzelkompression, sowie Spondylosis und Unkarthrosis vor allem auf Höhe
C5/C6 beidseitig fest. Eine Aufnahme der HWS ap/seitlich und funktionell vom
28. Januar 2010 (act. II-Zm 30) führte eine minime rechtskonvexe Skoliosefehlhaltung
sowie eine ausgeprägte Streckhaltung der Halswirbelsäule mit leichter Kyphosierung
der mittleren und unteren Halswirbelsäule zutage. Ebenso habe sich eine Spondylosis
vor allem auf Höhe C6/C7 nach ventral und C5/C6 dorsal gezeigt.
3.2 Bei der Beurteilung von kraniozervikalen Beschleunigungstraumata kann von
organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen nach der höchstrichterlichen
Rechtsprechung erst dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit
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apparativen/bildgebenden Abklärungen bestätigt werden können (vgl. BGE 134 V 109
E. 9, 117 V 359 E. 5d/aa; SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81 E. 5.4 mit Hinweisen [U 479/05]),
wobei die Untersuchungsmethoden überdies wissenschaftlich anerkannt sein müssen
(BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweisen). Eine manuelle ärztliche Untersuchung fördert
klinische, nicht aber somatisch-strukturelle Ergebnisse zu Tage. Als solche gelten
Ergebnisse, die reproduzierbar und von der Person des Untersuchenden und den
Angaben des Patienten unabhängig sind. Würde lediglich auf die Ergebnisse klinischer
Untersuchungen abgestellt, so würde fast in allen Fällen ein organisches Substrat
namhaft gemacht. Entsprechend können ein Thoracic outlet Syndrom (TOS),
myofasziale und tendinotische bzw. myotendinotische Befunde, Verhärtungen und
Verspannungen der Muskulatur, Druckdolenzen im Nacken sowie Einschränkungen der
HWS-Beweglichkeit für sich allein nicht als organisch hinreichend nachweisbare
Unfallfolgen betrachtet werden. Gleiches gilt für Nackenverspannungen bei
Streckhaltung der HWS mit Retrohaltung (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom
17. Oktober 2008, 8C_124/2008, E. 6.1, mit zahlreichen Hinweisen sowie vom
7. Februar 2008, U 13/07, E. 3.2 und 3.3). Bei den vorgenannten Gesundheitsschäden,
insbesondere bei der Dehydratation und Hernierung der Bandscheiben C4/C5 und C5/
C6, der Diskusprotrusion auf Höhe C6/C7, der Unkarthrose und Spondylarthrose
handelt es sich um organische Substrate, die grundsätzlich immerhin als Ursache der
geklagten Beschwerden im zervikalen Bereich in Frage kommen. Zu prüfen ist daher im
Folgenden, inwieweit diese organischen Substrate durch den Unfall vom 17. Juni 2002
(darin eingbeschlossen auch der Unfall vom 14. Juni 2002) und/oder den Unfall vom
19. September 2008 verursacht wurden oder inwieweit der Unfall darauf eingewirkt hat.
In Frage kommen eine durch den Unfall verursachte organische
Gesundheitsschädigung, eine richtunggebende Verschlimmerung eines degenerativen
Vorzustands oder ein durch den Unfall lediglich ausgelöster (nicht verursachter) oder
vorübergehend verschlimmerter degenerativer Vorzustand. Beim Unfall als
Auslösefaktor interessiert im Weiteren die Frage, ob der Beschwerdeschub noch
andauert bzw. bis zu welchem Zeitpunkt er angedauert hat (vgl. dazu RKUV 2000
Nr. U 378 S. 190 E. 3).
3.3 Im Bereich des Unfallversicherungsrechts entspricht es einer Erfahrungstatsache,
dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer
Bandscheibenveränderungen entstehen und ein Unfallereignis nur ausnahmsweise,
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unter besonderen Voraussetzungen, als eigentliche Ursache in Betracht fällt. Eine
Diskushernie kann als weitgehend unfallbedingt betrachtet werden, wenn das
Unfallereignis von besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädigung der
Bandscheibe herbeizuführen, und die Symptome der Diskushernie (vertebrales und
radikuläres Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsunfähigkeit aufgetreten
sind (Wolfgang Meier, Lumbale Diskushernie und Unfall, in: Medizinische Mitteilungen
der Suva Nr. 68, Dezember 1995, S. 14 ff.; RKUV 2000 Nr. U 379 S. 192 f. E. 2a mit
Hinweisen; Urteile des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar
2007 Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 3. Oktober 2005,
U 163/05, E. 3.1, und vom 18. Februar 2002, U 459/00, E. 3b). Nur in Ausnahmefällen
ist ein Unfall geeignet, eine Bandscheibenverletzung hervorzurufen, zumal eine
gesunde Bandscheibe derart widerstandsfähig ist, dass unter Gewalteinwirkung eher
die Wirbelknochen brechen, als dass die Bandscheibe verletzt würde. Die isolierte
Verletzung einer Bandscheibe durch einen Unfall konnte im medizinischen Versuch
lediglich bei rein axialer Belastung der Wirbelsäule, nicht aber bei Rotations-,
Hyperextensions- oder Hyperflexionsbewegungen herbeigeführt werden. Dieselben
Kriterien gelten bezüglich der Verschlimmerung eines vorbestehenden
Gesundheitsschadens. Dies führt dazu, dass eine Unfallkausalität nur dann in Frage
kommt, wenn der Unfall auch geeignet gewesen wäre, eine gesunde Bandscheibe zu
verletzen. Eine besondere Schwere ist weder im Unfallereignis vom 17. Juni 2002, noch
im Unfallereignis vom 19. September 2008 zu erblicken. Die nicht als besonders
schwer einzustufenden Vorfälle waren insbesondere nicht geeignet, eine gesunde
Bandscheibe zu schädigen. Bezüglich des Nackenbereichs war die
Beschwerdeführerin bis zum ersten Ereignis nicht beschwerdefrei, erfolgte doch die
Erstkonsultation bei Dr. C._ aufgrund solcher Beschwerden. Bereits im September
2000 war die Beschwerdeführerin zudem wegen einer akuten Torticollis in
chiropraktischer Behandlung (act. II-Zm 21) und im Februar 2001 hatte sie die
Hausärztin wegen Rückenbeschwerden und Schmerzen in den Armen konsultiert
(act. II-Zm 23). Ob ein vertebrales und radikuläres Syndrom unverzüglich aufgetreten
ist, kann unter diesen Umständen offen bleiben. Die weiteren, den bildgebenden
Untersuchungen zu entnehmenden organischen Substrate sind ausschliesslich
degenerativer Natur. Als Diskusprotrusion wird eine sich im Verlauf des degenerativen
Prozesses entwickelnde Ausweitung des Faserrings und deren durch Druck des
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Nucleus pulposus nach hinten ausgelöste Vorwölbung bezeichnet, wobei dies die
Vorstufe einer Hernie bildet (Alfred M. Debrunner, Orthopädie, Orthopädische
Chirurgie, Patientenorientierte Diagnostik und Therapie des Bewegungsapparates,
4. Auflage, Bern 2005, S. 879). Bei der Unkarthrose handelt es sich um eine
degenerative Erkrankung der Wirbelsäule (insbesondere HWS) mit Einengung der
Foramina intervertebralia durch Osteophyten (Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch,
262. Auflage, Berlin/New York 2011, S. 1954 unter "Spondylosis uncovertebralis").
Unter Skoliose ist eine fixierte seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule zu verstehen, die
entweder im Wachstumsalter entsteht, symptomatisch bedingt ist oder durch die
Haltung hervorgerufen wird (Debrunner, a.a.O., S. 827 f.). Als Spondylose wird eine
degenerative Erkrankung der Wirbelkörper und Bandscheibenschaden bezeichnet
(Pschyrembel, a.a.O., S. 1954 unter "Spondylosis deformans"). Unter Spondylarthrose
ist schliesslich eine degenerative Gelenkerkrankung der kleinen Wirbelgelenke zu
verstehen, die eine Folgeerscheinung der Skoliose bilden, aber auch in verschiedenen
Stadien einer Wirbelsäulendegeneration auftauchen kann (Debrunner, a.a.O., S. 852 ff.;
Pschyrembel, a.a.O., S. 1952). Mit der Diskusprotrusion, der Unkarthrose, der Skoliose,
der Spondylose und der Spondylarthrose in den Bandscheiben C5/C6 und C6/C7
bestand bereits zum Ereigniszeitpunkt des Unfalls vom 17. Juni 2002 ein diskreter,
nicht manifest oder symptomatisch gewordener, pathologischer Vorzustand in den
betreffenden Segmenten. Die Diskushernie wurde mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit durch das Unfallereignis vom 17. Juni 2002 ausgelöst, womit eine
natürliche Kausalität gegeben ist. Das Unfallereignis vom 19. September 2008 hatte
gemäss Austrittszeugnis ein Thoraxleiden als Schlussdiagnose bzw. Restbeschwerden
zur Folge (act. II-I/15.3). Im Austrittsbericht vom 29. September 2008 ist von einer
raschen Regredienz der Schmerzsymptomatik die Rede (act. II-I/M 1). Mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit ist davon auszugehen, dass kein natürlicher
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 19. September 2008 und den
vorliegend geklagten Beschwerden gegeben ist. Die Wirbelsäule war nach Aktenlage
bei beiden Unfällen nicht einer reinen axialen Belastung ausgesetzt, womit eine
Kausalität fehlt und eine neue, bleibende Gesundheitsschädigung im Sinn einer
strukturellen Veränderung, wie auch eine richtunggebende, mithin dauernde
unfallbedingte Verschlimmerung ausgeschlossen werden können.
4.
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4.1 Wird die Diskushernie durch den Unfall lediglich ausgelöst, nicht aber
(weitgehend) verursacht, übernimmt die Unfallversicherung den durch das
Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub, spätere Rezidive dagegen nur, wenn
eindeutige Brückensymptome gegeben sind (statt vieler: Urteil des EVG vom 20.
September 2001, U 379/00, E. 6a; vgl. auch Debrunner/Ramseier, Die Begutachtung
von Rückenschäden, Bern 1990, S. 56). Nach übereinstimmender ärztlicher Meinung
kann das Unfallereignis vom 17. Juni 2002 als auslösender Faktor der Beschwerden
angesehen werden (act. II-Zm 3, 6, 10, 17, 18, 34), womit die Versicherung für den
durch den Unfall ausgelösten Beschwerdeschub aufzukommen hat. Laut Gutachten
vom 8. April 2008 von Dr. F._ (act. II-Zm 17) können die Depression und die
psychosoziale Belastungssituation alleine die Beschwerden nicht erklären. Theoretisch
sei es möglich, dass initiale Verletzungen im Zusammenhang mit dem Unfall abgeheilt
seien und sich eine zentrale Sensibilisierung im Sinn von Veränderungen der
Erregbarkeit des zentralen Nervensystems (zentrale Plastizität) gebildet habe, welche
die Beschwerden bei fehlendem noziceptivem Input aufrechterhalte. Für ein solches
Schmerzgedächtnis bei Fehlen von peripheren Verletzungen gebe es allerdings
(hauptsächlich aufgrund der objektiven Schwierigkeit, dieses Thema bei Menschen zu
untersuchen) keinen Beweis. Selbst wenn dies der Fall wäre, sei eine solche
Veränderung der zentralen Erregbarkeit eine Folge der initialen Verletzung. Mit
neurologischem Gutachten vom 26. Mai 2008 (act. II-Zm 18) äusserte sich Dr. G._
dahingehend, dass die Beschwerdeführerin zweifellos ein Distorsionstrauma der
Halswirbelsäule erlitten habe, was ein cervicales Schmerzsyndrom zur Folge gehabt
habe. Allerdings habe der Unfall nicht eine beschwerdefreie Halswirbelsäule getroffen,
sie habe bereits vorgängig drei Phasen von Nackenschmerzen gehabt, die selbst eine
neurochirurgische Beurteilung zur Folge gehabt hätten. Die Beschwerden seien in der
Folge weitgehend abgeklungen. Aufgrund des Verlaufs sei anzunehmen, dass im
Januar 2003 der Status quo sine erreicht worden wäre. Die in der Folge auftretenden
Beschwerden, die exacerbiert seien, das Ausmass der initialen Beschwerden
übertroffen hätten und auch von weiteren Symptomen begleitet gewesen seien,
könnten nicht mehr auf das Unfallereignis zurückgeführt werden, sondern ständen im
Zusammenhang mit den vorbestehenden degenerativen Veränderungen der
Halswirbelsäule. Mit dem interdisziplinären Gutachten "gutso" vom 19. Oktober 2010
(act. II-Zm 34) kamen die Experten zum Schluss, dass die heutigen Beschwerden mit
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überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht mehr mit dem Unfall vom 17. Juni 2002 in
einem natürlichen Kausalzusammenhang ständen. Sie erachteten es als überwiegend
wahrscheinlich, dass durch die Heckkollision vom 17. Juni 2002 eine vorübergehende
Verschlimmerung eines vorbestehenden Zustands ausgelöst worden sei, deren Dauer,
d.h. der Zeitraum bis zum Erreichen des Status quo sine, übereinstimmend auf
maximal 12 Monate zu veranschlagen sei. Die Differenz zum von Dr. G._
angenommenen Zeitraum begründeten die Experten mit den vorbestehenden
degenerativen Veränderungen, die eine länger dauernde Erholungs-/Adaptationszeit
erfordern könnten. Diese Annahme sei zwar streng wissenschaftlich nicht bewiesen
(auch nicht das Gegenteil), doch würden viele anekdotische und persönliche
Erfahrungen darauf hindeuten. Eine fehlende morphologische Entwicklung
(Verschlimmerung) der betroffenen Segmente im Lauf von 8 Jahren, die über den
Rahmen des natürlichen Krankheitsverlaufs hinausgehe, sei ein sehr stichhaltiges
Argument gegen eine richtungsweisende traumatische Verschlimmerung. Der Unfall
vom 19. September 2008 habe gemäss Beschreibung der Beschwerdeführerin und der
vorhandenen Aktenlage zu keiner nennenswerten Verschlimmerung der Beschwerden
oder Verschlechterung der Befunde beigetragen.
4.2 Gestützt auf das Gutachten "gutso" (act. II-Zm 34) stellte die Beschwerdegegnerin
die Leistungen in Zusammenhang mit dem Unfall vom 17. Juni 2002 auf den 30. Juni
2003 und in Zusammenhang mit dem Unfall vom 19. September 2008 auf den
31. Oktober 2008 ein. Die Beschwerdeführerin ist der Ansicht, dass das Gutachten
"gutso" nicht verwertbar sei und die Beschwerdegegnerin sich nicht darauf abstützen
dürfe.
4.2.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie sei nicht etwa, wie im Gutachten
vom neuropsychiatrischen Experten erwähnt, in einem "dunklen traditionell islamischen
Gewand" (act. II-Zm 34 S. 36) zur Untersuchung erschienen, sondern habe einen
Pullover und eine gewöhnliche schwarze Hose getragen. Die Beschwerdegegnerin ist
der Ansicht, der Hinweis auf ein "dunkles traditionell islamisches Gewand mit einem
dunklen Kopftuch" lasse nicht auf eine Voreingenommenheit der Gutachter schliessen.
Dem ist beizupflichten. Es handelt sich dabei lediglich um eine Beobachtung, ohne
dass der neuropsychiatrische Gutachter daraus etwas zu Ungunsten der
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Beschwerdeführerin ableiten würde (vgl. act. II-Zm 34 S. 46 f. Klinischer Befund/
Psychostatus des neuropsychiatrischen Experten).
4.2.2 Des Weiteren liess die Beschwerdeführerin vorbringen, ihre Inappetenz sei
nicht auf eine ständige Übelkeit (act. II-Zm 34 S. 39), sondern auf ein Schluckproblem
verbunden mit den starken Nackenschmerzen zurückzuführen. Gegenüber dem
neurologischen Experten erklärte die Beschwerdeführerin jedoch, dass das Schlucken
normal sei (act. II-Zm 34 S. 30), weshalb eine Unrichtigkeit in der gutachterlichen
Feststellung nicht zu erblicken ist.
4.2.3 Zudem lässt die Beschwerdeführerin anführen, dass entgegen den
Feststellungen im Gutachten (act. II-Zm 34 S. 41) im Jahr 2010 drei Serien
Physiotherapie durchgeführt worden seien. Den Akten ist zwar zu entnehmen, dass im
Zeitraum April/Mai 2010 insgesamt zehn und im Zeitraum September/Dezember 2010
elf Physiotherapiesitzungen durchgeführt wurden (act. II-I/ZB 7; act. I-173). Die
Begutachtung durch die jeweiligen Experten fand jedoch bereits am 21. Oktober 2009,
am 14. und am 21. Januar 2010 statt (act. II-Zm 34 S. 2). Physiotherapeutische
Behandlungen zwischen August 2006 und Januar 2010 sind nicht aktenkundig. Auch
gegenüber Dr. F._ gab die Beschwerdeführerin im April 2008 an, sie habe die
Physiotherapie wegen Wirkungslosigkeit abgesetzt (act. II-Zm 17). Zudem ergibt sich
aus der Behandlungsbestätigung vom 7. April 2008 des behandelnden
Physiotherapeuten, dass zwischen Januar und August 2003 keine Physiotherapien
stattgefunden haben und anschliessend ab September 2003 wieder ein
Behandlungsintervall von 6 Monaten bzgl. Physiotherapie folgte (act. I-104/3 ff.).
4.2.4 Ausserdem lässt die Beschwerdeführerin geltend machen, sie habe nicht,
wie im Gutachten (act. II-Zm 34 S. 41) festgehalten, gesagt, dass aufgrund einer
psychiatrischen Behandlung ihr ohne weiteres die Kinder hätten weggenommen
werden können, und sie habe sich dabei insbesondere nicht auf die Auslegung
traditioneller Werte ihrer Ursprungskultur bezogen. Sie habe lediglich ausgeführt, dass
sie die psychischen Schwierigkeiten auf die Dauerschmerzen zurückführe. Zudem
werde nicht erwähnt, dass die Beschwerdeführerin nach dem Religionsunterricht noch
zwei Semester lang einen Nähkurs absolviert habe. Inwiefern diese Informationen bei
der Beurteilung der natürlichen Kausalität relevant sein sollen, wird weder von der
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Beschwerdeführerin dargelegt, noch ist dies aus den Akten erkennbar. Ausserdem
wurde die Begutachtung in Anwesenheit einer akkreditierten Dolmetscherin
durchgeführt, weshalb mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von der Richtigkeit der
Ausführungen auszugehen ist. Zudem unterscheidet der begutachtende
neuropsychiatrische Experte klar zwischen der Aussage der Beschwerdeführerin,
aufgrund einer psychiatrischen Behandlung hätten ihr ohne weiteres die Kinder
weggenommen werden können, und seiner eigenen Schlussfolgerung, dass sie sich
dabei auf die Auslegung traditioneller Werte ihrer Ursprungskultur bezogen habe.
4.2.5 Nach Ansicht der Beschwerdeführerin geht die Eintragung von Dr. D._ im
Februar 2001, dass beim Autofahren oft Schmerzen in den Armen vorhanden gewesen
seien, offensichtlich auf ein sprachliches Missverständnis zurück. Zu jenem Zeitpunkt
sei sie überhaupt nicht Auto gefahren. Dr. C._ habe demgegenüber unmittelbar nach
dem Unfall festgehalten, dass keine Armschmerzen vorhanden gewesen und dass vom
20. bis 21. Juni 2002 zusätzlich Zervicobrachialgien beidseits aufgetreten seien. Es
bestehen keine Hinweise auf ein sprachliches Missverständnis bei der Eintragung von
Dr. D._ im Februar 2001, wonach beim Autofahren oft Schmerzen in den Armen
vorhanden gewesen seien. Die Behauptung, dass die Beschwerdeführerin im Februar
2001 keine Fahrerlaubnis besessen habe, vermag keine Zweifel am Eintrag zu
erwecken, zumal den Akten zu entnehmen ist, dass der Führerausweis seit 10. Mai
2001 gültig ist und es auf der Hand liegt, dass davor Lernfahrten bzw. ein
Lernfahrausweis notwendig waren (act. II-I/ZA 1). Selbst wenn Dr. C._ anlässlich der
Erstkonsultation am 14. Juni 2002 rückwirkend bis zum Ereignis im Februar 2002
festgestellt haben sollte, dass keine Armschmerzen bestanden hätten, würde dies das
Auftreten von solchen Beschwerden vor dem Februar 2002 (wie von Dr. D._
festgestellt) nicht ausschliessen.
4.2.6 Mit Schreiben vom 18. März 2008 wies bereits Dr. G._ auf eine Lücke im
Verlauf zwischen November 2002 bis August 2004 hin (act. I-102). Daraufhin liess der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin die Krankengeschichte der Praxis Dr. D._
sowie die Bestätigung der Behandlungstermine der Physiotherapiepraxis M._
auflegen (act. I-105). Entgegen dem Vorbringen der Beschwerdeführerin standen diese
medizinischen Aufzeichnungen der Praxis Dr. D._ in Zusammenhang mit dem Unfall
vom 17. Juni 2002 bei der Erstellung des Gutachtens "gutso" zur Verfügung (act. II-
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Zm 34 S. 18 f.). Zwar ist im Zeitraum April 2003 bis August 2004 aufgrund der
Aktenlage nicht von einer Beschwerdefreiheit auszugehen, doch ist zweifellos eine
Verbesserung verzeichnet (20. August 2003: "Nacken gut"; Dezember 2003: "Geht viel
besser, Bf.: HWS frei beweglich, keine Zwangshaltung mehr"), die im Dezember 2003
zu einem Behandlungsabschluss bei Dr. D._ führte (act. I-104/2). Im April 2004 ist
denn auch von einem Rezidiv die Rede.
4.2.7 Insgesamt sind die von der Beschwerdeführerin angebrachten Einwände
nicht
geeignet, Zweifel an den Schlussfolgerungen im Gutachten "gutso" bezüglich des
Erreichens des Status quo sine zu erwecken. Beim Status quo sine handelt es sich um
einen hypothetischen Zustand, welcher sich häufig nur mit Erfahrungswerten
bestimmen lässt (Urteil des EVG vom 18. September 2002, U 60/02, E. 2.2, E. 3.2 mit
Hinweisen auf die medizinische Literatur; Urteil des Bundesgerichts vom 28. Februar,
U 357/06, E. 4.6). Dr. G._ ging davon aus, dass der Status quo sine bereits im Januar
2003 erreicht worden sei. Eine Abweichung von dieser Feststellung und eine
Veranschlagung des Status quo sine auf Juni 2003 begründen die Experten mit den
vorbestehenden degenerativen Veränderungen. Weshalb nicht auf das Gutachten von
Dr. F._ abzustellen ist, wurde im Gutachten nachvollziehbar erläutert. Der Umstand,
dass seit dem Unfall anhaltende, zu Beginn als unfallkausal taxierte Schmerzen und
eine damit verbundene Arbeitsunfähigkeit bestehen, spricht nicht automatisch für das
Vorliegen anhaltender Unfallrestfolgen bzw. eine andauernde unfallbedingte
Arbeitsunfähigkeit. Die Leistungseinstellung des Unfallversicherers bedingt keine
Beschwerdefreiheit bzw. volle Arbeitsfähigkeit. Entscheidend ist allein, ob der durch
den Unfall ausgelöste Beschwerdeschub seine kausale Bedeutung verloren hat (RKUV
1994 Nr. U 206 S. 329 E. 3b). Das Gutachten "gutso" erfüllt die an den Beweiswert
eines Arztberichts gestellten Voraussetzungen (vgl. dazu BGE 125 V 351 E. 3a mit
Hinweis). Bezüglich des Erreichens des Status quo sine ist daher darauf abzustellen.
5.
5.1 Die Beschwerdeführerin ist der Ansicht, der psychiatrische Experte habe für die
fachrelevante Beurteilung der natürlichen Kausalität der psychischen Beschwerden in
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rechtlich offensichtlich unzulässiger Weise auf den "Eindruck" der Dolmetscherin
abgestellt, was für die Unverwertbarkeit des entsprechenden Gutachtens spreche. Der
Fachgutachter könne nicht einmal den Beginn der psychischen Beschwerden angeben,
der jedoch bedeutsam sei für die Kausalitätsbeurteilung. Im Gutachten (act. II-Zm 34
S. 46 f.) erwähnt der neuropsychiatrische Experte, dass der eigentliche Psychostatus,
im Besonderen die Einschätzung der Affektivität und der Stimmung, aufgrund der
Übersetzungsdienste sehr erschwert sei. Aufgrund des Eindrucks der Übersetzerin,
welche offensichtlich Erfahrung im Umgang mit ähnlichen Situationen habe, gehe
hervor, dass sie die Beschwerdeführerin als deutlich depressiv erlebe und in ihrem
affektiven Rapport sehr eingeschränkt empfinde. Zu anderen psychischen Funktionen,
abgesehen von der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin bewusstseinsklar sei und
gemäss Informationen voll orientiert, lasse sich nichts Verbindliches sagen. So auch in
Bezug auf den Denkablauf, wobei aufgrund der Kommunikation mit der Dolmetscherin
eindeutig der Eindruck entstehe, dass die Gedankengänge verlangsamt seien, die
Antworten auf die Fragen teilweise mit einer etwas langen Latenz kämen. Tatsächlich
obliegt die fachrelevante Beurteilung dem psychiatrischen Experten und nicht der
Dolmetscherin, insbesondere geht aus dem Gutachten auch nicht hervor, welche
fachspezifische Qualifikation bzw. Erfahrung im Umgang mit ähnlichen Situationen
letztere aufweisen soll. Andererseits stellte bereits Dr. F._ mit Gutachten vom 8. April
2008 fest, dass eine Depression vorhanden sei, und dieser Befund wurde auch im
vorliegend bestrittenen Gutachten bestätigt (act. II-Zm 34 S. 54). Bestand, Ausmass
und Beginn der psychischen Beschwerden der Beschwerdeführerin können vorliegend
jedoch offen bleiben, da sich bei Verneinung der adäquaten Kausalität die Prüfung des
natürlichen Kausalzusammenhangs erübrigt.
5.2 Auch wenn nach Eintritt des Unfalls vom 17. Juni 2002 eine HWS-Distorsion im
Raum stand und ein kraniozervikales Beschleunigungstrauma diagnostiziert wurde
(act. II-Zm 10, 16/03, 18, 34 S. 56), ist vorliegend nicht weiter zu prüfen, ob bei der
Beschwerdeführerin von einem Schleudertrauma oder einer schleudertraumaähnlichen
Verletzung auszugehen ist. Zwar verschlimmerten sich die vorbestehenden
Nackenschmerzen ca. 2 Stunden nach dem Unfall (act. II-Zm 1), was nach
Rechtsprechung auch ohne Auftauchen des typischen Beschwerdebilds mit einer
Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations-
und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit und Visusstörungen,
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Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung usw. innerhalb der
Latenzzeit für ein HWS-Trauma spricht (BGE 117 V 359 E. 4b; vgl. auch BGE 117 V 369
E. 3e; Bestätigung in BGE 134 V 109 E. 9). Allenfalls in Zusammenhang mit
Schleudertraumata oder schleudertraumaähnlichen Verletzungen geltend gemachte
typische Beschwerden traten bei der Beschwerdeführerin jedoch erst viel später nach
dem Unfall vom 17. Juni 2002, jedoch früher als der Unfall vom 19. September 2008 in
Form von Schwindel, Lärmempfindlichkeit (Phonophobie) und Tinnitus (erstmals
dokumentiert am 4. Oktober 2004 im Bericht von Dr. J._; act. II-Zm 16/03) sowie
Depression (erstmals dokumentiert am 8. April 2008 im Gutachten von Dr. F._; act. II-
Zm 17) auf. Deren Adäquanz ist daher anhand der Psychopraxis (BGE 115 V 133) zu
prüfen.
5.3 Beide Unfälle sind unbestrittenermassen als mittlere Unfälle im Grenzbereich zu
den leichten Unfällen zu qualifizieren. Damit müssen für die Bejahung der Adäquanz
vier Adäquanzkriterien erfüllt sein (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Dezember 2009,
8C_487/2009, E. 5). Die Kriterien der besonders dramatischen Begleitumstände oder
der besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls, der ungewöhnlich langen Dauer der ärzt
lichen Behandlung und der ärztlichen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen
erheblich verschlimmerte, sind weder beim Heckauffahrunfall vom 17. Juni 2002, noch
beim Unfall vom 19. September 2008 gegeben. Gegenteiliges geht weder aus den
Akten hervor, noch wird dies von der Beschwerdeführerin geltend gemacht.
Körperliche Dauerbeschwerden sind ebenfalls zu verneinen, da nach dem Unfall vom
17. Juni 2002 durchaus Verbesserungen zu verzeichnen waren (act. I-104/2; act. II-
Zm 21) und die Beschwerden nach dem Unfall vom 19. September 2008 gemäss den
Angaben der Beschwerdeführerin in der Zwischenzeit völlig verschwunden seien und
einzig im Bereich des rechten Knies medial noch eine gewisse verminderte
Berührungsempfindlichkeit verblieben sei (act. II-Zm 34 S. 31). Bezüglich Grad und
Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit ist zu erwähnen, dass die
Beschwerdeführerin nach dem Unfall vom 17. Juni 2002 bis zum 20. November 2002
voll arbeitsunfähig war, danach jedoch ihre Arbeit als Tagesmutter wieder im
gewohnten Pensum aufnahm (act. II-Zm 18 S. 9). Nach dem Unfall vom 19. September
2008 nahm sie die Arbeit als Haushaltshilfe am 10. Oktober 2008 wieder auf (act. II-I/
19). Das Kriterium ist daher nicht als erfüllt zu betrachten. Die Schwere oder besondere
Art der erlittenen Verletzungen und ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische
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Fehlentwicklungen auszulösen, ist nicht als erfüllt zu betrachten, zumal die
Diskushernie mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht auf den Unfall vom 17. Juni
2002 zurückzuführen ist und die vom Unfall vom 10. Oktober 2008 herrührenden
Verletzungen abgeheilt sind. Besondere Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt
haben, sind aus den Akten nicht ersichtlich und erhebliche Komplikationen liegen
unbestrittenermassen nicht vor. Da somit kein Kriterium erfüllt ist, ist die Adäquanz
nicht gegeben.
6.
Zusammenfassend ist nicht anzunehmen, dass eine weitere (retrospektive)
psychiatrische Abklärung zu einem anderen Ergebnis führen würde und es ist zu
bestätigen, dass die Einstellung der Leistungen gestützt auf das Gutachten "gutso"
bezüglich des Unfalls vom 17. Juni 2002 auf den 30. Juni 2003 und bezüglich des
Unfalls vom 19. September 2008 auf den 31. Oktober 2008 zu Recht erfolgt ist.
Insbesondere ist zum Antrag der Beschwerdeführerin auf eine unabhängige
Begutachtung in ihrer Muttersprache anzumerken, dass sich weder aus dem
verfassungsmässigen Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV; SR 101]) noch aus
dessen Konkretisierung für das Abklärungsverfahren in Art. 42 und 52 ATSG ein
Anspruch auf Durchführung einer medizinischen Abklärungsmassnahme in der
Muttersprache der Versicherten oder unter Beizug eines Übersetzers ableiten lässt.
7.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind gemäss Art. 61 lit. a ATSG keine zu erheben.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP