Decision ID: b01c06e5-2a99-40d3-8e38-b737f7c35cd6
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964,
zog sich am 14. Oktober 2004 bei einem Treppensturz Kontusionen der rechten Flanke, des rechten Ellbogens und des Schädels zu (Urk. 9/9/2). Am 9. Juni 2005
meldete
er
sich
bei der
Sozial
versi
cherung
sanstalt
des Kantons Zürich, IV-
Stelle, zum Leistungsbezug an
(Urk. 9/3).
Nach medizinischen und erwerblichen Abklärungen wies die IV
Stelle unter Hinweis darauf, dass ein therapiefähiges Suchtgeschehen, wel
ches bereits Folgeschäden mit Krankheitswert verursacht habe, vorliege, de
ssen allfällige invalidisieren
de Auswirkungen erst nach Durchlaufen der notwendi
gen und zumutbaren medizinischen Massnahmen/Suchtmittelabstinenz geprüft werden könnten,
das Leistungsbegehren des Versicherten
mit Verfügung vom 22. Dezember 2005 ab (Urk. 9/35). Mit Schreiben vom gleichen Tag hielt sie den Versicherten dazu an, sich einer längeren stationären Behandlungs- und
Reha
bilitationsmass
nahme
zu unterziehen, unter der Androhung, dass sie bei einer erneuten Anmeldung die Beurteilung der zumutbaren Arbeitsleistung so vor
nehmen würde, als ob eine solche Massnahme durchgeführt worden wäre (Urk. 9/36).
Die dagegen vom Versicherten erhobene Einsprache wies die IV
Stelle
mit Entscheid vom 1. November 2006 ab (Urk. 9/56).
1.2
Mit Schreiben vom 10. April 2007 meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an
(Urk. 9/60).
Die IV-Stelle wies
das
Leistungs
begehren
nach medizinischen Abklärungen und durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
unter Hin
weis darauf, dass das Suchtproblem des Versicherten weiter
hin im Vordergrund stehe und ein zusätzlicher invalidisierender psychi
scher Gesundheitsschaden nicht vorliege, mit Verfügung vom 27. Februar 2008 erneut ab (Urk. 9/81).
1.3
Die
vom Versicherten
dagegen erhobene Beschwerde (Urk. 9/82/3
-9
) hiess das Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
mit Urteil vom 16. September 2009 (Urk. 9/90) in dem Sinne gut,
als es die IV-Stelle zu ergänzenden medizi
nischen Abklärungen verpflichtete
.
In Nachachtung dieses Urteils liess die IV-Stelle den Vers
icher
ten durch
die Abklärungsstelle
Y._
am 1
6.
und 18. August 2010
p
olydisziplinär begutachten (Gut
achten vom 18.
November
2010, Urk.
9/113)
.
Nach
dem dem Versicherten mit Vorbescheid vom 1
4.
Februar 2011 (Urk. 9/119)
wiederum die
Abweisung
seines
Leistungsbegehrens
in Aus
sicht gestellt worden war
und
er
dagegen Einwände erhoben hatte (Urk. 9/121, Urk. 9/124),
lud
die IV-Stelle den Versicherten
zu einem
Gespräch
zur Abklä
rung der beruflichen Situation
ein
(Urk.
9/128
).
Nach durchgeführtem Gespräch (Urk. 9/133)
wies d
ie IV-Stelle
das
Leistungsbegehren
unter Hinweis
darauf, dass der Invaliditätsgrad 0 % betrage und berufliche Massnahmen nicht mit Erfolg durchgeführt werden könnten, mit Verfügung vom 28. August 2012
ab (Urk. 2).
2.
Hiergegen
erhob der Versicherte
mit Eingabe vom
28
.
September 2012
Beschwerde
(Urk. 1)
und beantragte,
die ange
fochtene Verfügung sei auf
zuhe
ben und
es sei
ih
m eine ganze Rente auszurichten (Urk. 1 S. 2).
Mit
Beschwer
deantwo
rt
vom 5. November 2012 (Urk. 8
) schloss die
Beschwerde
gegnerin
auf Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom 12. November
2012
(Urk. 12)
wurde
dem Beschwerdeführer die
unentgeltliche Prozessführung gewährt und Rechtsanwältin Maria-Luisa Fuentes als unentgeltliche Rechtsvertreterin bestellt.
Der Beschwerdeführer hielt
mit
Replik
vom 4. Dezember 2012
(Urk. 14)
an seinen Anträgen fest und reichte einen Bericht
von Prof. Dr. phil
.
Z._
, Neuropsychologin, und Dr. med.
A._
, FMH Neurologie
, vom 29. Oktober 2012 (Urk. 15)
ein
.
Mit Eingabe vom 22. Januar 2013
(Urk. 18)
teilte die Beschwerdegegnerin mit, dass sie auf die Einreichung einer Duplik verzichte, was de
m Beschwerdeführer
am 25. Januar 2013 mitgeteilt wurde (Urk. 19).
3
.
Auf die Vorbringen der Parteien
sowie die eingereichten Unterlagen wird
, soweit erforderlich, im Rahmen der nachf
olgenden Erwägungen ein
gegangen
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Die
IV-Stelle
führte zur Begründung d
er angefochtenen Verfügung
aus
, dem Beschwerdeführer sei eine behi
nderungsangepasste Tätigkeit zu
100 % zumut
bar.
Nach Einkommensvergleich
ergebe si
ch ein Invalidit
ätsgrad von 0 %. Ihre Abklärungen hätten im Übrigen ergeben, dass berufliche Massnahmen nicht mit Erfolg durchgeführt werden könnten
. Das Leistungsbegehren (Rente und berufli
che Massnahmen) sei deshalb abzuweisen
(Urk. 2).
Der Beschwerdeführer
brachte
da
gegen
vor
,
er sei nicht arbeitsfähig. Er könne
kein
Einkommen mehr erzielen
, weshalb ihm
eine ganze Rente zuzusprechen
sei
(Urk. 1, Urk. 14).
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Die Invalidität kann
Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
2.2
Alkoholismus (wie auch Drogensucht und Medikamentenabhängigkeit) begrün
det für sich allein keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Vielmehr wird er invalidenversicherungsrechtlich erst relevant, wenn er eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher, geistiger oder psychi
scher, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn er selber Folge eines körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschadens ist, dem Krankheitswert zukommt (Urteil des Bundesge
richts 8C_694/2008 vom 5. März 2009 E. 2). Dabei ist das
g
anze
für die Alko
holsucht massgebende Ursachen- und Folgespektrum in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen, was impliziert, dass einer allfälligen Wechselwirkung zwischen Suchtmittelabhängigkeit und psychischer Begleiterkrankung Rechnung zu tra
gen ist (Urteile des Bundesgerichts I 758/01 vom 5. November 2002 E. 3.2, und I 390/01 vom 19. Juni 2002 E. 2b). Was die krankheitsbedingten Ursachen der Alkoholsucht betrifft, ist für die invalidenversicherungsrechtliche Relevanz der Abhängigkeit erforderlich, dass dem Alkoholismus eine ausreichend schwere und ihrer Natur nach für die Entwicklung einer Suchtkrankheit geeignete Gesundheitsstörung zugrunde liegt, welche zumindest eine erhebliche
Teilur
sa
che
der Alkoholsucht darstellt (Urteil des Bundesgerichts I 192/02 vom 23. Oktober 2002 E. 1.2.2 mit Hinweis); es genügt nicht, wenn es sich nur um eine ganz untergeordnete Teilursache handelt (nicht veröffentlichtes Urteil des Bundesgerichts I 130/93 vom 29. August 1994). Mit dem Erfordernis des
Krank
heitswerts
einer allfälligen verursachenden psychischen Krankheit wird ver
langt, dass diese die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit einschränkt (BGE 99 V 28 f. E. 2; Urteil des Bundesgerichts I 940/05 vom 10. März 2006 E. 2.2; erwähntes Urteil I 758/01 E. 3.1). Wenn der erforderliche Kausalzusammenhang zwischen Alkoholsucht und krankheitswertigem psychischem Gesundheitsschaden besteht, sind für die Frage der noch zumutbaren Erwerbstätigkeit die psychi
schen und die suchtbedingten Beeinträchtigungen gesamthaft zu berücksichti
gen. Um diese Frage beantworten zu können, sind Verwaltung und Gericht auf
möglichst detaillierte medizinische Auskünfte über die Verhältnisse zur Zeit der Entstehung der Alkoholsucht auf der einen und der allfälligen psychiatrischen
Komorbidität
auf der andern Seite sowie über den allfälligen ursächlichen Zusammenhang zwischen den beiden Aspekten angewiesen (vgl. zur Bedeutung medizinischer Auskünfte zur Bestimmung der Invalidität BGE 115 V 133 E. 2; BGE 124 V 265 E. 3c mit Hinweis, 99 V 28 E. 2; SVR 2001 IV Nr. 3 S. 7 E. 2b; AHI 2002 S. 30 E. 2a, 2001 S. 228 f. E. 2b mit Hinweisen; Urteile des Bundes
gerichts I 169/06 vom 8. August 2006 E. 2.2 und 4.2 mit Hinweisen und des Bundesgerichts 8C_672/2010 vom 27.
September 2010 E. 2).
2.3
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
3.
3.1
Im
Urteil
des hiesigen Gerichts
vom 16. September 2009
(Urk. 9/90)
wurde
erwo
gen
, dass
aufgrund der
damals vorliegenden
Aktenlage
der somatische und psychische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers sowie dessen Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit nicht zuverlässig beurteilt werden
k
ö
nnte
n
.
Darauf kann verwiesen werden (Urk. 9/90 E. 4).
Die Sache wurde deshalb zur polydisziplinären Begutachtung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen
(Urk. 9/90 E. 6)
.
3.2
Der Beschwerdeführer wurde
in der Folge
am 1
6.
und 18. August 2010 im
Y._
internistisch,
psychiatrisch, orthopädisch sowie neurologisch untersucht
(Urk. 9/113)
.
Die Gutachter diagnostizierten
(Urk. 9/113/31)
mit Einfluss auf die Arbeitsfähig
keit ein chronisches thorakal betontes panvertebrales Schmerzsyndrom ohne
radikuläre
Symptomatik (ICD-10 M54.80).
Als o
hne Einfluss auf die Arb
eitsfä
higkeit
erachteten
sie den
chronische
n
Ethylabusus
(ICD-10 F10.2
; unter Hin
weis auf eine wahrscheinlich
ethylisch
bedingte Anämie,
Thrombozytopenie
und Hepatopathie
) sowie einen Zustand nach depressiver mittelgradiger Epi
sode,
aktuell
remittiert (ICD-10 F32.1
).
In der Gesamtbeurteilung
attestierten die Gutachter dem
Beschwerdeführer
eine zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit
für körperlich leichte Tätigkeiten in wechselnder Position,
bei denen
eine Hebe- und
Tragli
mite
von 10 kg nicht überschritten
wird
und keine Zwangshaltungen des Rumpfes oder repetitive Ü
berkopfbewegungen der Arme vork
ommen
.
Sie führ
ten aus, dass
Tätigkeiten mit darüber hinaus gehendem Belastungsprofil hinge
gen zu einer nicht zumutbaren Schmerzprovokation führen
könnten
,
weshalb
dafür eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit
bestehe
(Urk. 9/113/32).
Die depres
sive Störung, die im Frühjahr 2010 zu einem Aufenthalt in der Klinik
B._
geführt habe, sei mittlerweile remittiert und habe nur vorübergehend einen Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit gehabt. Gleiches gelte auch in Bezug auf die frü
her diagnostizierten depressiven Verstimmungen, di
e
zumindest aus heutiger Sicht nur vorübergehenden Charakter gehabt hätten und keinen länger dauern
den Einfluss auf die Arbeits- und Le
istungsfähigkeit bewirkt hätten
(Urk. 9/113/
33
)
.
Hinsichtlich der
Alkoholabhängigkeit
führten
die Gutachter
aus, dass diese
bislang weder aus psychiatrischer noch aus neurologischer Sicht zu irreversiblen Schäden geführt
habe
, und auch aus internistischer Sicht bleibe sie ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
.
Entsprechend
seien die in der Ver
gangenheit offenbar festgestellten Einschränkungen in unmittelbarem Zusam
menhang mit dem nach wie vor aktuellen Suchtgeschehen zu sehen und nicht im Sinne von dadurch bedingten Langzeitschäden (Urk. 9/113/32).
Die Gutach
ter empfahlen eine vollständige Sistierung des Alkoholkonsums, ohne die sie eine Rückkehr auf den Arbeitsmarkt als kaum realistisch erachteten (Urk. 9/113/34).
4.
4.1
Das
Y._
-Gutachten vermag die an eine beweiskräftige ärztliche Expertise gestell
ten Anforderungen vollumfänglich zu erfüllen (E.
2.
5
). So tätigten die Gut
achter eigene, umfassende Abklärungen, berücksichtigten die geklagten Beschwerden und begründeten ihre Einschätzungen in nachvollziehbarer Weise sowie in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
. Hinweise, welche gegen die Verwertbarkeit des Gutachtens sprächen, sind entgegen der Ansicht de
s
Besch
werdeführers
nicht ersichtlich
, wie sich aus dem
F
olgenden ergibt.
4.2
Die Kritik des Beschwerdeführers am neurologischen Teilgutachten
hinsichtlich der Hirnatrophie
-
der neurologische Gutachter Dr.
med.
C._
, FMH Neurolo
gie,
vermöge
zu Unrecht
keine Einschränkung zu erkennen und halte es nicht einmal für notwendig, eine weitere CT-Untersuchung in Auftrag zu geben
vermag nicht zu überzeugen (Urk. 1 S. 3-4).
Der neurologische Gutachter
Dr.
C._
setzte sich mit der
in der Vergangenheit
festgestellten
Hirnatrophie
auseinander und liess insbesondere
die
CT-
Untersuchung des Kopfes
von 2004
von ein
em externen Radiologen/Neuroradiologen beurteilen
, der eine
leichtgra
dige
Hirnatrophie feststellte (Urk. 9/113/29-30)
.
Dr.
C._
führte
insbesondere unter Hinweis auf die neuropsychologische Untersuchung vom 29. März 2010 in der
Klinik
B._
,
anlässlich derer
weitgehend altersentsprechende, teilweise sogar überdurchschnittliche kognitive Leistungen festgestellt worden waren
(vgl. bei
liegender
Bericht vom 19. April 2010, Urk. 9/113/
41
)
- aus, es seien weder von Seiten der bekannten Hirnatrophie noch von Seiten der
Alko
holerkrankung
kognitive Leistungseinbussen feststellbar.
Er kam
gestützt darauf wie auch
aufgrund seiner übrigen Befunde
zum Schluss, dass die generalisierte Hirnatrophie bislang weder zu einer Manifestation im kognitiven Bereich noch im Übrigen neurologischen Status geführt habe und führte aus, im Rahmen der Begutachtung könne auf eine erneute Bildgebung des
Neurokraniums
verzichtet werden, da diese in Anbetracht des klinischen Befundes keinen Einfluss auf die Beurteilung der A
rbeitsfähigkeit hätte
(Urk. 9/113/29-30)
.
Auf diese schlüssigen und nachvollziehbaren Ausführungen kann abgestellt werden.
Auch der vom Beschwerdeführer m
it der Replik
einge
reichte Bericht
der
Dr
es
.
Z._
und
A._
vom 2
9.
Oktober 2012 (Urk. 15)
vermag an
der Ein
schätzung von Dr.
C._
nichts zu ändern.
Mit
diesem Bericht wurde
die
Durchführung eines
Schädel-MRI vom 23. Oktober 2012 aktenkundig gemacht und ausgeführt, die kognitiven Dysfunktionen hätten zugenommen. Die aktuel
len Befunde seien vereinbar mit einer äthyltoxischen
Enzephalopathie
und wür
den mit dem aktuellen Schädel-MRI Befund korrelieren
(Urk. 15 S. 2)
.
Die Befunde
, auf
denen
der Bericht basiert,
wurden
am 19. Oktober
2012 respektive am
23. Oktober
2012
erhoben
und somit zeitlich nach Erlass der
hier
angefoch
tenen
Verfügung vom 28. August 20
12 (Urk. 2)
welcher die Grenze der richterli
chen Überprüfungsbefugnis bildet (vgl. etwa BGE 129 V 356 E. 1, 129 V 169 E.
1, 129 V 4 E.1.2, je mit Hinweisen)
.
Im Übrigen schlug
Gutachter Dr.
C._
sel
ber
im Sinne einer Standortbestimmung
eine gelegentliche MR-Bildgebung vor,
verzichtete jedoch
anlässlich seiner Begutachtung
darauf
,
weil
eine solche
in Anbetracht des klinischen Befundes keinen Einfluss auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit gehabt hätte
(Urk.
9/113/30)
.
Was
sodann
die Ausführung
en
der
Dres
.
Z._
und
A._
betrifft, es befänden sich
anamnestisch
Hinweise auf eine frühkindliche zerebrale Dysfunktion, die das Risiko für die Entwicklung der Suchtkrankheit erhöht haben dürfte
(Urk. 15 S. 2), so
ist darauf hinzuwei
sen, dass anamnestisch ein Status na
ch Commotio cerebri nach einem -
etwa im Jahr 1971 erlittenen - Verkehrsunfall im
Y._
Gutachten erwähnt wurde (Urk. 9/113/17). Dass die Folgen dieses Unfalls
eine
erhebliche Teilursache der Alkoholsucht dar
stellen
könnnten
-
was für eine
invalidenversicherungsrecht
lich
relevante
Alkoholsucht
r
echtsprechung
sgemäss
der Fall sein müsste (E. 2.2)
ist jedoch mit Blick auf die umfangreichen medizinischen Abklärungen
durch
nicht
s
dargetan.
Der Bericht der
Dres
.
Z._
und
A._
vermag den
Beweis
wert
des
Y._
Gutachtens
daher
nicht zu schmälern.
4.3
Der Beschwerdeführer wandte
gegen das
Y._
-Gutachten des Weiteren
ein,
das Fachgebiet von
Dr.
D._
-
welche
das psychiat
rische
Teilgutachten erstellt habe -
sei
nicht
eruierbar
.
Es erstaune deshalb nicht, dass
Dr.
D._
keine psychiatrischen Einschränkungen erkannt habe
(Urk. 1 S. 3)
.
Dieser Einwand geht fehl.
Aus den Akten
ist
ersichtlich, dass
es sich bei
Dr.
D._
um eine
Fachärztin
für Psychiatrie und
Psychotherapie
handelt
(Urk. 9/113/34
)
und
diese
somit
sehr wohl
befähigt
war
, das psychiatrische
Teil
gutachten
zu erstellen.
Im Urteil des hiesigen Gerichts
vom 16. September 2009
wurde zwar darauf hingewiesen, dass
die psychiatrische Begutachtung vor
zugsweise durch einen Psychiater mit Fachgebiet Sucht durchzuführen sei (Urk.
9/90 E. 6).
D
ies bedeutet jedoch nicht, dass ein
e
Fach
ä
rzt
in
ohne
formelle
Zusatzq
ualifikation nicht dazu befähigt
wäre
.
Das Teilgutachten
vermag - wie oben ausgeführt (E. 4.1) - alle an ein ärztliches Gutachten gestellten Anforde
rungen vollumfänglich zu erfüllen.
Hinsichtlich der Alkoholsucht äusserte sich Dr.
D._
i
nsbesondere
dazu, dass psychiatrische Sekundärfolgen bislang nicht
festzustellen seien (Urk. 9/113/21)
,
als auch dazu, dass es sich um ein primäres langjähriges Suchtgeschehen handle
und e
ine
Komorbidität
bis auf
narzisstische
Wesenszüge nicht erkennbar
sei
(Urk. 9/113/21-22; siehe E.
2.2).
Dr.
D._
setzte sich auch mit den
Vorakten
auseinander, i
nsbesondere
mit dem
vom Beschwerdeführer genannte
n
Gutachten von Dr.
med.
E._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 28. November 2005 (Urk. 9/33) und legte schlüssig dar, weshalb zu diesem Bericht eine Dis
krepanz bestehe (Urk. 9/113/22
,
siehe
hierzu
auch
die
Gesamtbeurteilung Urk. 9/113/
32-33
Punkt
6.3
). Es
besteht
demnach keine Veranlassung, nicht auf das psychiatrische Teilgutachten abzustellen.
4.4
Im Weiteren brachte der Beschwerdeführer vor, der Beruf
sberater der
Beschwer
de
gegnerin
sei zur Auffassung gelangt, dass Eingliederungsmass
nahmen mit absoluter Gewissheit keine Eingliede
rungswirksamkeit zeigen könnten und
der ausgeglichene Arbeitsmarkt für ihn keine Stelle bereithalte.
Es
sei nicht bloss auf die Einschätzung des Arztes abzustellen, sondern auch die Meinung des Berufsberaters zu berücksichtigen
(Urk.
1 S. 4-5).
Hinsichtlich
dieses
Einwandes
berief d
er Beschwerdeführer sich auf das
Urteil
des Bundes
gerichts 9C_833/2007 vom 4. Juli 200
8.
Anders als dort handelt sich
jedoch
vorliegend nicht um eine leistungsorientierte mehrwöchige berufliche Abklä
rung
,
sondern lediglich um ein Gespräch zur Abklärung der beruflichen Situa
tion
(Urk. 9/133/3-6). Wenn der Berufsberater
nach durchgeführtem Gespräch ausführt
,
anamnestisch ergäben sich klare Hinweise auf eine schwere neuroti
sche Persönlichkeits-, Verhaltens- und Arbeitsstörung, an deren der Beschwer
deführer schwer leide, und es lägen unverkennbar alle Symptome einer schwe
ren
alkoholsucht
bedingten
Wesensänderung vor (Urk. 9/133/1-2)
,
vermag dies
die Befunde
und Diagnosen der
Y._
-Gutachter
nicht zu
entkräften
, handelt es sich doch um medizinische Beurteilungen, die dem Facharzt vorbehalten
sind
.
Ausserdem ist beim
Beschwerdeführer
der Fall auch insofern anders gelagert,
als
ein
e
Alkoholproblem
atik
vorliegt
.
Zuletzt wurde
eine
Alkoholabhängigkeit
anlässlich
der Begut
achtung vom 1
6.
u
nd 18. August 2010 im
Y._
diagnosti
ziert
(E. 3.2). Bei
der Berufsberatung vom 20. Mai 2011 gab der Beschwerde
führer zwar an,
Alkoholabstinenz sei kein Problem und er sei mit
dem Alkohol
„
definitiv fertig
“
,
jedoch erklärte
er auch
gleichzeitig, er nehme kein
Antabus
, da dies zu mühsam sei, wenn man einmal „reintrinke“. Er sei nicht absolut trocken. Er trinke jedoch nur noch ein Bier zwischendurch (Urk. 9/133/3-5). Dies lässt auf eine weiterhin bestehende Alkoholproblematik schliessen.
D
ie
se
ist zwar vorliegend
invaliden
versicherungsrechtlich
für die
Invaliditätsbemes
sung
nicht relevant
(E. 2.2, E. 3.2,
E.
4.3),
sie kann jedoch einer
beruflichen Ein
gliederung
durchaus im Wege stehen
. So führten auch die Ärzte im
Y._
-Gut
achten an, dass die
Pro
gnose
bezüglich einer
Rückkehr in
den
Erwerbsprozess lediglich bei
einer völli
gen Alkoholkarenz
als günstig zu bezeichnen
sei (Urk. 9/113/34)
.
4.5
Mit den
Y._
-Gutachtern ist folglich davon auszugehen, dass der Beschwerde
führer
in
angepasste
n
Tätigkeiten zu 100 % arbeitsfähig ist (E. 3.2)
.
5.
Bei dieser Sachlage erleidet der Beschwerdeführer - welcher bis anhin jeweils bloss geringe jährliche Erwerbseinkommen erzielte (vgl. Urk. 9/90 S. 22 f.) - aber keine anspruchsbegründende Erwerbseinbusse. Die angefochtene Verfü
gung, mit welcher ein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung ver
neint wurde, ist daher nicht zu beanstanden. Die dagegen gerichtete Beschwerde ist daher abzuweisen.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf
Fr.
6
00.-- anzusetzen und dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen, jedoch zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen a
uf die Gerichtskasse zu nehmen.
6.2
Die unentgeltliche Rechtsvertretung hat dem Gericht eine detaillierte Zu
sammen
s
tellung über ihren Zeitaufwand und ihre Barauslagen einzureichen; unterlässt sie dies, wird die Entschädigung vom Gericht nach Ermessen festge
setzt (§ 7 Abs. 2 in Verbindung mit § 8 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht,
GebV
SVGer
). Unnötiger oder geringfügiger Aufwand wird ausserdem nicht ent
schä
digt (§ 7 Abs. 1 in Verbindung mit § 8
GebV
SVGer
).
Die
unentgeltliche Rechtsvertreter
in
des Beschwerdeführers
, Rechtsanwältin Maria-Luisa Fuentes, machte mit Honorarnote vom 25. November 2013 einen
A
ufwand von 18,65 Stunden
mit einem Stundenansatz von Fr. 250.-- sowie
Barauslagen von Fr. 139.
--
und damit ein Gesamthonorar von
Fr.
5
‘
185
.
6
0
(
inkl.
MWSt
)
geltend (Urk. 20
). Angesichts der Tatsache, dass vorliegend keine schwierigen Rechtsfragen zu klären waren, erscheint
der
Aufwand
von 18,65 Stunden
als übersetzt. Bei grosszügiger Betrachtung können eine Stunde Auf
wand für Instruktion,
drei
weitere Stunden für Aktenstudium
,
drei
Stunden für das Abfassen
der
Beschwerde
schrift
sowie zwei Stunden für das Abfassen der Replik
als gerechtfertigt betrachtet werden.
Eine
weitere Stunde
kann
zudem anerkannt werden, wenn berücksichtigt wird, dass die unentgeltliche
Rechts
vertreterin
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege mit einer weiteren Eingabe zu substantiieren hatte und das Urteil mit de
m
Beschwerdeführer noch zu besprechen hat.
M
it Blick darauf, dass das vor
liegende Verfahren von der Untersuchungsmaxime geprägt ist,
rechtfertigt es sich sodann
nicht, einen höheren als den gerichtsüblichen Ansatz von
Fr.
200.-- pro Stunde in Anwendung zu bringen.
Die geltend gemachten Barauslagen von Fr.
139
.-- erscheinen als angemessen. Der unentgeltlichen Rechtsvertreterin ist daher eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 2‘
310
.
10
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.