Decision ID: 29ef8456-1bba-4ddd-9d96-cfc09640d8af
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherte) arbeitete seit dem 15. August 2000 in einem
Stickereibetrieb als Nachseherin (IV-act. 1, 24-1/9). Am 29. August 2013 kündigte die
Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis mit der Versicherten wegen Schliessung der
Produktion (IV-act. 24-8/11). Ab dem 30. August 2013 bescheinigte Dr. med. B._,
Allgemeinmedizin FMH, der Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (vgl. IV-act.
24-7).
A.b Im Gutachten vom 28. April 2014 zuhanden der Generali Versicherungen AG,
Adliswil, diagnostizierte Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
FMH, eine schwergradige depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10:
F32.2). Verdeutlichungstendenzen im Sinne einer Aggravation oder Simulation konnte
er nicht erheben. Er ging von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten
aus (Fremdakten Generali Versicherungen AG, Adliswil [nachfolgend: KV-Z act.], 1-4
ff.).
A.c Am 7. Mai 2014 meldete sich die Versicherte bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug
an (IV-act. 1).
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A.d Im Arztbericht vom 11. Juni 2014 diagnostizierte Dr. med. D._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, eine depressive Störung, mittel- bis schwergradige
Episode (ICD-10: F32.1/F32.2) und eine ängstliche Persönlichkeitsstörung (ICD-10:
F60.6). Er ging von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit für alle Tätigkeiten aus (IV-act.
25).
A.e Im Arztbericht der Klinik E._ vom 10. September 2014 über die ambulante
Rehabilitationsbehandlung vom 21. Juli bis 15. August 2014 diagnostizierten Dr. med.
F._ und Dr. med. G._ eine mittelgradige bis schwere depressive Episode mit
somatischen Symptomen (ICD-10: F32.1/2). Sie attestierten eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit bei Klinikaustritt und empfahlen, die ambulante psychiatrische-
psychotherapeutische Behandlung bei Dr. D._ weiterzuführen (IV-act. 26).
A.f Mit Schreiben vom 29. Oktober 2014 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass
aufgrund des instabilen Gesundheitszustandes keine Eingliederungsmassnahmen
möglich seien (IV-act. 29, vgl. IV-act. 27).
A.g Im Arztbericht vom 12. Januar 2015 erklärte Dr. D._, dass die Versicherte an
einer schwergradigen depressiven Störung (ICD-10: F32.2) sowie an einer ängstlichen
Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F 60.6) leide und deswegen für jegliche Tätigkeiten voll
arbeitsunfähig sei. Er ging von einer ungünstigen Prognose, einer Chronifizierung und
einer Therapieresistenz aus (IV-act. 35).
A.h Mit Schreiben vom 26. Januar 2015 wies die IV-Stelle das Begehren um berufliche
Massnahmen wegen des Gesundheitszustandes ab (IV-act. 39).
A.i Im Verlaufsbericht vom 20. Oktober 2015 attestierte Dr. D._ einen stationär
gebliebenen Gesundheitszustand. Die psychische Störung habe sich chronifiziert und
habe einen invalidisierenden Verlauf genommen. Es bestehe eine volle
Arbeitsunfähigkeit für die angestammte wie auch für eine adaptierte Tätigkeit (IV-act.
50).
A.j Am 27. April 2016 begutachtete Dr. med. H._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, im Auftrag der IV-Stelle die Versicherte. Am 15. Juni und 5. Juli
2016 fand eine testpsychologische Exploration durch lic. phil. I._, Psychotherapeutin
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FSP, statt. Im psychiatrischen Gutachten vom 11. Juli 2016 diagnostizierte Dr. H._
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10:
F33.1), und differenzialdiagnostisch eine ängstliche Persönlichkeitsstörung und eine
posttraumatische Belastungsstörung. Er schätzte die Arbeitsfähigkeit sowohl in der
angestammten als auch in einer adaptierten Tätigkeit auf 50% (IV-act. 64).
A.k In der Stellungnahme vom 18. Juli 2016 erklärte RAD-Arzt Dr. med. J._, dass
von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auszugehen sei.
Eine Therapieauflage im Sinne einer administrativ angeordneten
Schadenminderungspflicht sei aus medizin-theoretischer Sicht in der vorliegenden
Konstellation bei bereits erfolgter ambulanter und teilstationärer ambulanter Therapie
nicht empfehlenswert und zielführend. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei eine
Besserung des Gesundheitszustandes mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit durch
eine stationäre psychiatrische Behandlung in absehbarer Zeit nicht qualifizierbar,
längerfristig medizin-theoretisch aber möglich (IV-act. 65).
A.l Mit Vorbescheid vom 1. September 2016 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht. Die spezialärztlichen Abklärungen
hätten zwar eine Arbeitsunfähigkeit von 50% sowohl in der angestammten als auch in
adaptierten Tätigkeiten ergeben, jedoch sei der leistungsvoraussetzende Nachweis der
Therapieresistenz bzw. Ausschöpfung der Therapiemassnahmen nicht erbracht
worden, denn die Versicherte hätte sich einem empfohlenen stationären
Therapieaufenthalt nicht unterzogen und beim Medikamentenspiegel sei der Wert für
Trimipramin unter dem Referenzbereich gelegen, was auf eine nicht optimale
Compliance hindeute. Ausserdem lägen mehrere invaliditätsfremde psychosoziale
Faktoren (Arbeitsverlust, fehlende Ausbildung sowie Jobchancen, Alter knapp über 60
Jahre, vorbestehende IV-Berentung des Ehemannes, Migrationshintergrund mit
schlechtem Spracherwerb, vorübergehende schwere Kränkungssituation nach
unerwarteter Kündigung) vor, welche sich nicht klar vom medizinischen Leiden selbst
trennen liessen, was gegen eine invalidisierende Wirkung der depressiven Störung
spreche. Hinzu käme, dass Aggravationshinweise und widersprüchliche Angaben
festgestellt worden seien. Folglich könne dem depressiven Leiden keine
invalidisierende Wirkung beigemessen werden. Die Beschwerdeführerin sei daher in
der Lage, das bisherige Einkommen von Fr. 61'626.- zu erzielen (IV-act. 69).
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A.m Mit Schreiben vom 19. September 2016 erbat der Rechtsvertreter der Versicherten
die IV-Stelle um eine Stellungnahme, ob sie in Ergänzung zu den bisher durchgeführten
teilstationären Behandlungen "die stationäre Therapie imperativ verlange und aus
welchen Gründen." (IV-act. 73). In der Stellungnahme vom 22. September 2016 erklärte
die IV-Stelle: "Entgegen Ihrer Auffassung geht es nicht darum, Ihnen «etwas
vorzuschreiben». Wie im Vorbescheid gestützt auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung dargelegt, kann der im psychiatrischen Gutachten diagnostizierten
depressiven Störung aus mehreren Gründen keine invalidisierende Wirkung
beigemessen werden. Hinsichtlich der zu prüfenden Frage des Vorliegens einer
relevanten Therapieresistenz kamen wir zum Schluss, dass die Therapiemassnahmen
nicht als ausgeschöpft bezeichnet werden können. Der Umstand, dass Sie sich trotz
fachärztlicher Empfehlung bisher keiner stationären Massnahme unterzogen haben,
war nicht das einzige Kriterium."(IV-act. 79).
B.
B.a Mit Einwand vom 30. September 2016 beantragte der Rechtsvertreter, die
Versicherte sei gemäss dem von der IV-Stelle eingeholten Gutachten zu behandeln und
es sei ihr eine halbe Rente zu gewähren. Zur Begründung wurde insbesondere
ausgeführt, dass sich die Versicherte nie gegen eine stationäre Einweisung gewehrt
habe. Ein entsprechender Beleg liege auch nicht in den Akten. Weder der Gutachter
noch der RAD-Arzt hätten eine stationäre Behandlung verlangt. Die IV-Stelle habe die
Versicherte hinsichtlich einer stationären Therapie weder gemahnt noch ihr eine
Bedenkfrist gesetzt. Die Versicherte habe sich wiederholt einer teilstationären
Behandlung unterzogen, letztmals im April 2016. Der entsprechende Bericht fehle
jedoch in den Akten (IV-act. 80).
B.b Mit Stellungnahme vom 3. Oktober 2016 erklärte Dr. D._, dass er der
Versicherten eine teilstationäre Behandlung empfohlen habe, da diese
erfolgsversprechender bzw. optimaler sei als eine Hospitalisierung in der
psychiatrischen Klinik (IV-act. 81).
B.c Mit Verfügung vom 18. November 2016 wies die IV-Stelle den erhobenen
Anspruch auf eine Invalidenrente ab. Zur Begründung wurde insbesondere ausgeführt,
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dass Depressionen im Allgemeinen therapeutisch angehbar seien, die Versicherte
jedoch die aus fachärztlicher Sicht indizierten und zumutbaren
Behandlungsmöglichkeiten nicht in kooperativer Weise und nachhaltig ausgeschöpft
habe. Es fehle daher an einer invalidenversicherungsrechtlich relevanten
Therapieresistenz. Im Weiteren deute der Medikamentenspiel auf eine nicht optimale
Compliance hin. Zudem lägen diverse invaliditätsfremde psychosoziale Faktoren vor,
die sich nicht klar vom medizinischen Leiden selbst trennen liessen, was gegen eine
invalidisierende Wirkung der depressiven Störung spreche. Ausserdem seien bei der
psychiatrischen Begutachtung deutliche Aggravationshinweise und widersprüchliche
Angaben festgestellt worden. Die abweichende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vom an
sich beweiskräftigen Gutachten sei die Folge davon, dass die normativen
Rahmenbedingungen die Annahme einer rentenauslösenden Gesundheitsschädigung
hier nicht zuliessen. Da keine Erwerbseinbusse vorliege, resultiere im
Einkommensvergleich ein Invaliditätsgrad von 0%. Zu den Einwänden wurde erklärt,
dass der im psychiatrischen Gutachten diagnostizierten Störung aus
versicherungsrechtlicher Sicht aus mehreren Gründen keine invalidisierende Wirkung
beigemessen werden könne. Dass die Therapiemassnahmen nicht ausgeschöpft
worden seien, sei nicht der einzige Grund gewesen. Eine stationäre Massnahme sei
ihrerseits nie gefordert gewesen (IV-act. 84).
C.
C.a Dagegen gelangte der Rechtsvertreter der Versicherten am 7. Dezember 2016 mit
Beschwerde ans Versicherungsgericht (act. G 1). Beantragt wurde: 1. Die angefochtene
Verfügung sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, vorerst
berufliche Massnahmen durchzuführen. 2. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung
aufzuheben und der Beschwerdeführerin sei eine halbe Rente zu gewähren. 3.
Subeventualiter sei die Beschwerdegegnerin anzuhalten, die angefochtene Verfügung
aufzuheben und vorerst das Mahn- und Bedenkverfahren zu eröffnen. 4. Unter Kosten-
und Entschädigungsfolgen zuzüglich 8% Mehrwertsteuer zu Lasten der
Beschwerdegegnerin. Zur Begründung wurde insbesondere ausgeführt, dass die
Beschwerdegegnerin die Rentenverfügung erlassen habe, ohne die beruflichen
Massnahmen zu thematisieren. Von der Beschwerdegegnerin sei nie eine Aufforderung
erfolgt, sich einer stationären Massnahme zu unterziehen. Auch sei nie ein Mahn- und
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Bedenkverfahren mit Auflagen initialisiert worden. Im Weiteren wurde gerügt, dass die
Beschwerdegegnerin den Bericht über den letzten teilstationären Klinikaufenthalt nicht
eingefordert habe. Zum Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin wurde angeführt,
dass selbst der RAD davon ausgehe, dass keine qualifizierbare Besserung des
Gesundheitszustandes mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit innert nützlicher Zeit
erwartet werden könne. Selbst eine stationäre Behandlung würde daran nichts ändern.
Da keine Verbesserung zu erwarten sei, betrage die Arbeitsunfähigkeit weiterhin 50%
(act. G 1).
C.b In der Beschwerdeantwort vom 13. Februar 2017 beantragte die
Beschwerdegegnerin, die Beschwerde abzuweisen (act. G 4). Zur Begründung wurde
insbesondere ausgeführt, dass über den Rentenanspruch entschieden werden könne,
wenn dieser wie vorliegend unabhängig von einer allfälligen
Eingliederungsberechtigung mangels eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades
abzulehnen sei. Auf die gutachterlich attestierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit könne nicht
abgestellt werden, denn Störungen, wie solche leicht bis mitteldepressiver Natur fielen
einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie therapieresistent
seien. Da die Beschwerdeführerin die Behandlungsmöglichkeiten nicht voll
ausgeschöpft habe, falle ein invalidisierendes psychisches Leiden ausser Betracht.
Zudem seien im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung, insbesondere bei
Durchführung der psychologischen Testverfahren, deutliche Aggravationshinweise und
widersprüchliche Angaben festgestellt worden, weshalb auch unter diesem Aspekt der
psychischen Störung eine leistungseinschränkende Wirkung abzusprechen sei.
C.c In der Replik vom 8. März 2017 wurde an den Rechtsbegehren gemäss
Beschwerde vom 7. Dezember 2016 festgehalten (act. G 6). Zur Begründung wurde
insbesondere ausgeführt, dass Eingliederungsmassnahmen erneut hätten geprüft
werden müssen, denn die erste Ablehnung sei zu Beginn der Depressionsbehandlung
im Oktober 2014 erfolgt. Da die Beschwerdegegnerin nicht von einer Therapieresistenz
ausgehe, hätte sie eine stationäre oder eine intensivere psychiatrische Therapie (mittels
Mahn- und Bedenkzeitverfahren) anordnen können und sollen. Gerügt wurde im
Weiteren, dass dem Gutachter die Frage der Therapieresistenz nicht gestellt worden
sei, trotzdem gehe die Beschwerdegegnerin nicht vom Vorliegen einer solchen aus.
Deshalb werde auch der Beweisantrag gestellt, die Therapieresistenz abzuklären. Der
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Einfluss der invaliditätsfremden psychosozialen Faktoren wurde bestritten, denn diese
hätten die Versicherte früher bei der Arbeit auch nicht gehindert.
C.d Mit Schreiben vom 17. März 2017 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die
Einreichung einer Replik (act. G 8).

Erwägungen
1.
Mit der im Streit liegenden Verfügung hat die Beschwerdegegnerin einen
Rentenanspruch abgelehnt, da sie die Beschwerdegegnerin aus
versicherungsrechtlichen Gründen - entgegen der gutachterlichen Einschätzung - als
voll arbeitsfähig erachtet. Die Beschwerdeführerin erachtet dagegen ihre
Arbeitsfähigkeit aus gesundheitlichen Gründen als eingeschränkt und lässt im
Hauptantrag berufliche Massnahmen und als Eventualantrag eine Rente und
subeventualiter die Durchführung des Mahn- und Bedenkzeitverfahrens beantragen.
Streitgegenstand bildet daher primär der Anspruch auf berufliche Massnahmen und
sekundär denjenigen auf eine Rente.
2.
2.1 Hinsichtlich des Anfechtungsgegenstands im vorliegenden Verfahren ist zu
beachten, dass im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren grundsätzlich
lediglich Rechtsverhältnisse zu überprüfen bzw. zu beurteilen sind, zu denen die
zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich - in Form einer Verfügung -
Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt vorliegend die Verfügung vom 18.
November 2016 den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand.
Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer
Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung ergangen ist (BGE 131
V 164 E. 2.1). Über berufliche Massnahmen kann im Beschwerdeverfahren allerdings
grundsätzlich auch dann entschieden werden, wenn sich der durch die angefochtene
Verfügung definierte Streitgegenstand lediglich auf den Rentenanspruch bezieht. Denn
im Sozialversicherungsrecht gilt der allgemeine Grundsatz "Eingliederung vor
Rente" (vgl. etwa UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2015,
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Vorbemerkungen N 81 ff.). Ergeht eine Rentenverfügung in Verletzung dieses
Grundsatzes, ist sie rechtswidrig (vgl. dazu auch Art. 28 Abs. 1 lit. a des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Deshalb muss im
Beschwerdeverfahren eine solche Verfügung aufgehoben und die Verwaltung
verpflichtet werden können, die Eingliederung abzuschliessen. Anders verhält es sich
jedoch, wenn die IV-Stelle bereits zu einem früheren Zeitpunkt rechtskräftig über die
beruflichen Massnahmen entschieden hat. In diesem Fall kann der Anspruch auf
berufliche Massnahmen im Beschwerdeverfahren grundsätzlich nicht erneut überprüft
werden, es sei denn, es dränge sich eine neue Beurteilung auf (vgl. Urteil des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 7. August 2018, IV 2017/145, E. 1.1
f.).
2.2 Über die Gewährung von beruflichen Massnahmen hat die Beschwerdegegnerin
bereits in der Mitteilung vom 26. Januar 2015 befunden (vgl. IV-act. 39). Die Mitteilung
ist zwar formlos und nicht in der Form einer Verfügung erfolgt. Allerdings hat die
Beschwerdegegnerin in der Mitteilung ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die
Beschwerdeführerin im Falle ihres fehlenden Einverständnisses, eine Verfügung
verlangen könne (vgl. IV-act. 39-2). Das Recht, eine solche Verfügung zu erwirken,
ergibt sich für Mitteilungen, die zu Recht in einem formlosen Verfahren ergangen sind,
auch aus Art. 51 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1). Für zu Unrecht formlos ergangene
Mitteilungen drängt es sich auf, dieses Recht in analoger Anwendung von Art. 51 Abs.
2 ATSG ebenfalls abzuleiten, damit das Verfahren wieder in die gesetzlich
vorgesehenen Wege gelenkt und der versicherten Person der Rechtsweg geöffnet wird.
Es wäre der Beschwerdeführerin somit unbenommen gewesen, eine anfechtbare
Verfügung über die Nichtgewährung der beruflichen Massnahmen zu verlangen oder
der Beschwerdegegnerin auf andere Weise mitzuteilen, dass sie mit der ablehnenden
Mitteilung vom 26. Januar 2015 nicht einverstanden sei. So hat das Bundesgericht
zumindest für die zu Unrecht formlos erfolgten Mitteilungen festgelegt, dass der
betroffenen Person grundsätzlich eine Frist von einem Jahr zur Verfügung steht, um an
den Versicherungsträger zu gelangen und den Erlass einer Verfügung zu verlangen
(BGE 134 V 150 E. 5.2). Ab dem 23. September 2015 - folglich noch innert der
einjährigen Frist - war die Beschwerdeführerin anwaltlich vertreten (vgl. IV-act. 43 f.).
Auch im Einwand vom 30. September 2016 (vgl. IV-act. 80) gegen den
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Rentenvorbescheid vom 1. September 2016 (vgl. IV-act. 69) hätte die anwaltlich
vertretene Beschwerdeführerin die beruflichen Massnahmen nochmals thematisieren
können, zumal Dr. H._ im psychiatrischen Gutachten vom 11. Juli 2016 (IV-act. 64)
nicht wie in früheren Arztberichten anderer Fachärzte von einer 100%igen, sondern von
einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit ausging. Im Einwandverfahren forderte der
Rechtsvertreter jedoch keine beruflichen Massnahmen, sondern beschränkte sich auf
den Rentenpunkt und machte eine halbe Rente geltend (vgl. IV-act. 80). Damit wurde
indirekt zum Ausdruck gebracht, dass die Beschwerdeführerin keine beruflichen
Massnahmen, sondern die Rentenprüfung wünscht. Zudem geht aus dem Einwand
vom 30. September 2016 auch sonst in keiner Weise hervor, dass die
Beschwerdeführerin berufliche Massnahmen wünschen würde (vgl. IV-act. 80). Erst in
ihrer Beschwerde vom 7. Dezember 2016 liess die Beschwerdeführerin plötzlich
geltend machen, dass zunächst berufliche Massnahmen durchzuführen seien (act. G
1). Da sich der Gesundheitszustand bzw. die Arbeitsunfähigkeit seit der Einsprache
nicht verändert haben und sich sowohl der Einwand (vgl. IV-act. 80) als auch die
angefochtene Verfügung (vgl. act. G 84) nur mit dem Rentenpunkt befasst haben, kann
Anfechtungsgegenstand dieses Verfahrens ebenfalls nur der Rentenanspruch sein.
Soweit die Beschwerdeführerin die Ausrichtung von beruflichen Massnahmen
beantragt (vgl. act. G 1), kann darauf folglich nicht eingetreten werden. An dieser Stelle
ist anzufügen, dass der Anspruch der Beschwerdeführerin auf berufliche Massnahmen
per Ende Januar 2019 wegen Erreichung des ordentlichen Rentenalters ohnehin
erloschen ist (vgl. Art. 10 Abs. 3 i.V.m. Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG).
3.
Zu prüfen bleibt der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente.
3.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % invalid sind (lit. c).
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3.2 Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
3.3 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen, Art. 16 ATSG). Nach
Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens
zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50%, und auf eine Viertelsrente,
wenn sie mindestens zu 40% invalid ist.
3.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen, 115 V 134 E. 2).
3.5 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
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begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne
einer Richtlinie ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten
von externen Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen,
volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/
bb).
3.6 Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat
das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V
360 E. 5b; BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
4.
4.1 Die Beschwerdeführerin beanstandet, dass die Beschwerdegegnerin nicht auf das
von dieser selbst in Auftrag gegebene psychiatrische Gutachten von Dr. H._ vom 11.
Juni 2016 mit einer Arbeitsfähigkeitseinschätzung von 50% abgestellt habe (vgl. act. G
1). Die Beschwerdegegnerin ging zwar gleichfalls vom Vorliegen einer depressiven
Störung aus, jedoch aus versicherungsrechtlichen Gründen nicht von einer 50%igen,
sondern einer vollen Arbeitsfähigkeit. Zur Begründung wurde angeführt, dass die
Therapiemöglichkeiten nicht ausgeschöpft worden seien bzw. die Therapieresistenz
noch nicht erstellt gewesen sei und invaliditätsfremde psychosoziale Faktoren
vorlägen. Zudem gebe es Aggravationshinweise und es seien Widersprüche in den
Aussagen der Beschwerdeführerin festgestellt worden (vgl. act. G 4).
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4.2
4.2.1 Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann zunächst nur relevant sein,
wenn sie Folge einer fachärztlich einwandfrei diagnostizierten
Gesundheitsbeeinträchtigung ist (vgl. Bundesgerichtsentscheid vom 15. Mai 2017,
8C_95/2017; BGE 130 V 396). Da die diagnostische Einordnung einer psychischen
Störung allein das objektiv bestehende tatsächliche Leistungsvermögen nicht festlegt,
sind die funktionellen Folgen der Gesundheitsschädigung qualitativ zu erfassen und
quantitativ einzuschätzen (vgl. BGE 141 V 281 E. 3.1; BGE 143 V 418 E. 4.1.2).
4.2.2 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1 f.)
sind grundsätzlich (bei Ausnahmen nach dem jeweiligen Beweisbedarf) sämtliche
psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281
zu unterziehen. Für die Beurteilung des funktionellen Leistungsvermögens sind gemäss
BGE 141 V 281 also in der Regel diverse Standardindikatoren beachtlich. Diese hat das
Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.1.3): Kategorie
"funktioneller Schweregrad" (E. 4.3) mit den Komplexen
"Gesundheitsschädigung" (Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und
Symptome; Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz; Komorbiditäten [E.
4.3.1]), "Persönlichkeit" (Persönlichkeitsentwicklung und -struktur, grundlegende
psychische Funktionen [E. 4.3.2]) und "sozialer Kontext" (E. 4.3.3) sowie Kategorie
"Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens [E. 4.4]) mit den Faktoren gleichmässige
Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen (E.
4.4.1) und behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Leidensdruck (E. 4.4.2).
4.3 Das der angefochtenen Verfügung vom 18. November 2016 zugrundeliegende
Gutachten von Dr. H._ vom 11. Juli 2016 wurde vor dem BGE 143 V 418 (vom 30.
November 2017) erstellt, welcher die Anwendbarkeit des strukturierten
Beweisverfahrens gemäss BGE 141 V 281 auf sämtliche psychische Erkrankungen
ausdehnte. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung verlieren vor BGE 141 V
281 (bzw. vor BGE 143 V 418) erstattete medizinische (psychiatrische) Gutachten ihren
Beweiswert nicht per se. Vielmehr ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die
Sachverständigengutachten, gegebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen
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Berichten, eine schlüssige Beurteilung im Licht der massgeblichen Indikatoren erlauben
oder nicht (vgl. BGE 141 V 281 E. 8; vgl. Bundesgerichtsentscheid vom 18. Mai 2017,
8C_842/2016).
4.4 Dr. H._ hat sich - wenn auch (da noch) in Unkenntnis der heute geltenden
bundesgerichtlichen Terminologie nur sinngemäss - mit dem funktionellen
Schweregrad der Beeinträchtigung auseinandergesetzt.
4.4.1 Im Gutachten erhob er die Gesundheitsschädigungen und deren Ausprägungen
(IV-act. 64-13 ff.; vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1.1). Gestützt u.a. auf die Aktenlage, eine
ausführliche Anamnese (mit Beizug einer Dolmetscherin), die telefonisch eingeholten
Auskünfte von Dr. D._ und die Angaben des Ehemannes, die Blutuntersuchung und
die durchgeführte Testdiagnostik stellte er die Diagnose rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1), und
differenzialdiagnostisch eine ängstliche Persönlichkeitsstörung und eine
posttraumatische Belastungsstörung. In den Erläuterungen führte er aus, dass zwar die
Kriterien für eine mittelgradige jedoch nicht für eine schwergradige Episode erfüllt seien
(vgl. IV-act. 64-16). Als erfüllt nannte er insbesondere eine mittelgradige
Antriebsschwäche, eine herabgesetzte Grundstimmung, depressive Affekte, welche in
Zusammenhang stünden mit den ethnischen Säuberungen im Heimatland der
Beschwerdeführerin im Jahr 19_ sowie der unerwarteten Kündigung der Arbeitsstelle,
eine beeinträchtigte Psychomotorik und eine mittelschwer ausgeprägte
Losigkeitssymptomatik (Interesselosigkeit, Freudlosigkeit, Lustlosigkeit,
Perspektivlosigkeit). Im Weiteren wies er darauf hin, dass die Berichte von Dr. D._,
Dr. B._ sowie der Tageskliniken seine Diagnose bestätigen würden. Festzuhalten ist,
dass die diagnostische Beurteilung in Anbetracht der Aktenlage und der erhobenen
Befunde nachvollziehbar und schlüssig ist.
4.4.2 Hinsichtlich des Behandlungs- und Eingliederungserfolgs bzw. der
Therapieresistenz (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2) ist festzustellen, dass sich die
Beschwerdeführerin einer fachärztlichen Behandlung unterzog. Jeden Monat fanden in
etwa zwei psychiatrische Konsultationen statt (IV-act. 64-12 f.). Zudem war sie vom 21.
Juli bis 15. August 2014 und vom 29. März bis 22. April 2016 in teilstationärer
psychiatrischer Behandlung. Die durchgeführte fachärztliche Behandlung erscheint
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aufgrund der vorliegenden Arztberichte zweckmässig und angemessen gewesen zu
sein. Dem Einwand der Beschwerdegegnerin, dass die Therapiemöglichkeiten nicht
ausgeschöpft worden seien, da keine stationäre Therapie stattgefunden habe, bzw.
keine Therapieresistenz vorliege, kann nicht gefolgt werden. So kann aus der
fachärztlichen Thematisierung einer stationären Therapie, selbst wenn der (nachträglich
befragte) Gutachter diese als zumutbar erachtet, nicht geschlossen werden, dass nur
eine stationäre Behandlung angemessen bzw. nur damit im Sinne der Rechtsprechung
die Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft gewesen wären (Therapieresistenz). Dass
die ärztlich empfohlene teilstationäre Behandlung nicht dem Leiden angemessen war,
ergibt sich weder aus den Arztberichten (insbesondere nicht aus dem Gutachten von
Dr. H._) noch aus den Rechtsschriften der Beschwerdegegnerin (vgl. IV-act. 81: Dr.
D._ empfahl der Versicherten eine teilstationäre Behandlung, da diese
erfolgsversprechender bzw. optimaler sei als eine Hospitalisierung). Anzumerken ist,
dass die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin auch nie zu einer stationären
Therapie aufforderte - schon gar nicht im Rahmen eines Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens. So führte die Beschwerdegegnerin zur stationären Therapie in
der angefochtenen Verfügung aus: "Eine solche wurde unsererseits jedoch nie explizit
gefordert." (IV-act. 84 -3). Sogar der RAD-Arzt erachtete eine stationäre
Therapieauflage im Sinne einer administrativ angeordneten Schadenminderungspflicht
aus medizin-theoretischer Sicht in der vorliegenden Konstellation bei bereits erfolgter
ambulanter und teilstationärer ambulanter Therapie als nicht empfehlenswert und
zielführend (vgl. IV-act. 65). Die seit mehreren Jahren durchgeführten fachärztlichen
Behandlungen sind als ein Indiz für das Vorliegen einer versicherungsrechtlich
relevanten psychischen Störung zu werten, zumal ohne die fachärztlichen
Behandlungen der Arbeitsunfähigkeitsgrad über dem von Dr. H._ gutachterlich
erhobenen Wert von 50% liegen dürfte (vgl. das frühere Gutachten von Dr. C._ vom
28. April 2014 [KV-Z act. 1-4 ff.]; vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2).
4.4.3 Gutachter Dr. H._ setzte sich auch mit den Funktionseinschränkungen, der
Ressourcenlage und dem sozialen Kontext auseinander. Er ging von einer
mittelschweren bis schweren Einschränkung der Planungs- und
Strukturierungsfähigkeit, der Durchhaltefähigkeit und der Fähigkeit zur Anwendung
erlernter Berufskompetenzen aus. Die Flexibilität, die Umstellungsfähigkeit, die
Selbstbehauptungsfähigkeit, die Kontaktfähigkeit zu Dritten und die Gruppenfähigkeit
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erachtete er als leicht bis mittelschwer eingeschränkt. Keine Einschränkungen erkannte
er bei der Selbstpflege, der Verkehrs- und Wegefähigkeit und der Fähigkeit, sich an
Regeln und Routineabläufe anzupassen. Obwohl die angeführten Beispiele teilweise
nicht zu überzeugen vermögen, wie der Gottesdienstbesuch als Nachweis für die
Gruppenfähigkeit (vgl. IV-act. 64-19), dürfte die Einschätzung des Gutachters
insgesamt trotzdem zutreffend sein.
4.4.4 Die vom Gutachter angeführten Widersprüche und Diskrepanzen (vgl. IV-act.
64-19 f.) stellen nicht das Vorliegen der Depression grundsätzlich in Frage, sondern
zeigen "lediglich" auf, wieso nicht von einer schweren Depression (wie von anderen
Fachärzten zuvor diagnostiziert), sondern von einer mittelschweren Depression
auszugehen ist (vgl. IV-act. 64-16). Wie vom Gutachter selbst bemerkt, kann nicht
ausgeschlossen werden, dass die Ungereimtheiten und Widersprüche auf die
schlechten Deutschkenntnisse der Beschwerdeführerin bzw. ihre eingeschränkte
Mitteilungsfähigkeit und die Übersetzungsproblematik zurückzuführen sind (vgl. IV-act.
64-14 f./28 f.). Trotzdem hatte der Gutachter offensichtlich keine ernsthaften Zweifel an
seiner Diagnose einer mittelschweren Depression, ansonsten er wohl nur eine
diesbezügliche Verdachtsdiagnose erhoben hätte. Selbst die stichwortartig genannten
invaliditätsfremden Faktoren wie fehlende Ausbildung, fehlende Jobchancen im Alter
von knapp 60 Jahren, vorbestehende IV-Berentung des Ehemannes und
Migrationshintergrund hielten ihn nicht davon ab, die genannte Diagnose zu stellen und
von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Zum erhobenen
Medikamentenspiegel ist festzustellen, dass der Wert für Trimipramin unter und
derjenige für Venlafaxin im Referenzbereich lag (IV-act. 64-14). Die
Beschwerdegegnerin stufte dies als Indiz für das Nichtvorliegen einer
versicherungsrechtlich relevanten Erkrankung ein. Diese Einschätzung erweist sich als
nicht haltbar, denn gemäss der fachärztlichen Literatur muss darauf geachtet werden,
dass Patienten nicht fälschlicherweise der Non-Compliance beschuldigt werden, denn
die Plasmakonzentration der Antidepressiva könne zwischen einzelnen Patienten
erheblich variieren (vgl. EDITH-HOLSBOER-TRACHSLER ET. AL, Die Akutbehandlung
depressiver Episoden, Die somatische Behandlung der unipolaren depressiven
Störungen: Update 2016, Teil 1, Richtlinien, Swiss Medical Forum 2016, 16(35), S.
716-724; abrufbar unter: www.sgad.ch/wordpress/wp-content/uploads/2016/08/Die-
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Akutbehandlung-depressiver-Episoden_20160831.pdf). Vorliegend kann deshalb eine
versicherungsrechtlich relevante Erkrankung nicht ausgeschlossen werden.
4.5 Zu den gutachterlichen Ausführungen zur Konsistenz (gleichmässige
Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen [BGE
141 V 281 E. 4.4.1] und behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Leidensdruck [BGE 141 V 281 E. 4.4.2]) ist anzumerken, dass Dr. H._ auch im Alltag
der Beschwerdeführerin durch die Depression bedingte Einschränkungen festgestellt
hat. Aufgrund des Ausmasses der Einschränkung ging Dr. H._ jedoch
nachvollziehbarerweise nicht von einer schweren, sondern nur von einer
mittelschweren Depression aus (vgl. IV-act. 19/21 f.). Gemäss den Ausführungen im
Gutachten gab es hinsichtlich der Kooperation bei den bisher erfolgten Therapien keine
wesentlichen Einschränkungen (IV-act. 64-21). Für die Zukunft empfahl der Gutachter
eine höher frequente ambulant psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung,
bedarfsweise auch vollstationäre Aufenthalte (vgl. IV-act. 64-23; vgl. dazu auch
vorangehende Erwägung 4.4.2).
4.6 Die Arbeitsunfähigkeitseinschätzung von 50% ist in Anbetracht der erhobenen
Befunde, den gestellten Diagnosen sowie den detaillierten Erläuterungen
nachvollziehbar und schlüssig, zumal der Gutachter die angestammte Tätigkeit als
Nachseherin als leidensangepasste Tätigkeit nannte, welche der Beschwerdeführerin
während 4.1 Stunden pro Tag zumutbar sei (vgl. IV-act. 64-22). Auch RAD-Arzt Dr.
J._ ging in der Stellungnahme vom 18. Juli 2016 von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit
in der angestammten Tätigkeit aus. Es gibt daher auch aus versicherungsrechtlicher
Sicht keine Veranlassung, nicht auf die Arbeitsfähigkeitseinschätzung von 50%
abzustellen (vgl. IV-act. 65).
4.7 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Gutachten die nach neuer
Rechtsprechung für sämtliche psychiatrische Diagnosen erforderlichen Indikatoren des
strukturierten Beweisverfahrens berücksichtigt. Für eine abweichende rechtliche
Beurteilung hinsichtlich der invalidenversicherungsrechtlichen Relevanz der
psychiatrischen Diagnosen bleibt somit kein Raum. Das Gutachten berücksichtigt die
geklagten Beschwerden und die vorhandenen medizinischen Akten. Insbesondere
erscheint die abweichende Beurteilung des psychiatrischen Gutachters gegenüber den
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früheren Arztberichten, welche ein schweres depressives Leiden sowie eine
Persönlichkeitsstörung und eine 100%ige Arbeitsunfähig attestierten, mit Blick auf die
erhobenen Befunde, Diagnosen und Belastungsfaktoren, aber auch mit Blick auf die
Tatsache, dass sich die Schätzung auf die bisherige und zugleich auch adaptierte
Tätigkeit bezieht, als nachvollziehbar. Auf das Gutachten ist daher abzustellen. Somit
bestand im vorliegend relevanten Zeitraum eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit.
5.
5.1 In Anbetracht des Alters der Beschwerdeführerin (26 Monate bis zur ordentlichen
Pensionierung bei Erlass der angefochtenen Verfügung) und gestützt auf die
Einschätzung des Gutachters Dr. H._, dass es keine besser adaptierte Tätigkeit als
die angestammte Tätigkeit als Nachseherin gebe (IV-act. 64-22), entsprechen sich die
Grundlagen für die Bestimmung der Vergleichseinkommen und der Invaliditätsgrad ist
im Rahmen eines Prozentvergleichs zu ermitteln (siehe zum Prozentvergleich etwa
Urteil des Bundesgerichts vom 6. April 2016, 8C_628/2015, E. 5.3.1 mit Hinweisen).
5.2 Die Höhe eines Tabellenlohnabzugs kann vorliegend offen gelassen werden. Denn
da bei der Bestimmung des Invalideneinkommens auf die angestammte Tätigkeit
abgestellt wird und mögliche abzugsrelevante Gesichtspunkte (wie etwa das
fortgeschrittene Alter, die mangelnde Flexibilität sowie leidensbedingte
Gesichtspunkte) bereits bei den Vergleichseinkommen zum Tragen gekommen sind,
fällt vorliegend jedenfalls ein rentenrelevanter Abzug von 20% oder höher ausser
Betracht.
5.3 Ausgehend von einer 50%igen Restarbeitsfähigkeit beträgt der Invaliditätsgrad im
Rahmen des Prozentvergleichs 50%. Selbst bei Gewährung eines 15%igen
Tabellenlohnabzugs würde ein Invaliditätsgrad von aufgerundet 58% (50% + [50% x
15%]) resultieren. Damit hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine halbe Rente
(Art. 28 Abs. 2 IVG). Die Arbeitsunfähigkeit ist gemäss schlüssiger RAD-Stellungnahme
vom 18. Juli 2016 mit der Kündigung des Arbeitsverhältnisses im August 2012
eingetreten (IV-act. 64-22, 65). Die Anmeldung der Beschwerdeführerin zum
Leistungsbezug erfolgte am 7. Mai 2014 (IV-act. 1). In Nachachtung von Art. 28 Abs. 1
lit. b IVG entsteht der Rentenanspruch am 1. November 2014.
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5.4 Da dem Antrag der Beschwerdeführerin auf Zusprache einer halben Rente
entsprochen wird, ist auf die gestellten Beweisanträge nicht weiter einzugehen.
6.
6.1 Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 18. November 2016
aufzuheben und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. November 2014 eine halbe
Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung und Ausrichtung der Rentenleistung ist die
Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis Fr.
1'000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint
als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.- zu bezahlen. Der von der Beschwerdeführerin geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.- ist ihr zurückzuerstatten.
6.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). In der vorliegenden
Streitsache erscheint eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'500.-
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.