Decision ID: 736c3a30-c0ad-5525-8829-a3b3497d54ad
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X.Y., geboren 1990, von Serbien, reiste am 20. Mai 2001 im Rahmen eines
Familiennachzugs in die Schweiz und besitzt heute eine Niederlassungsbewilligung.
B. In der Schweiz trat X.Y. wiederholt strafrechtlich in Erscheinung, weshalb ihn das
Amt für Inneres, Abteilung Migration, des Kantons Appenzell Ausserrhoden am
18. Januar 2012 verwarnte und ihm weitergehende ausländerrechtliche Massnahmen
androhte. Zwischen August 2009 und Oktober 2016 wurde X.Y. unter anderem wegen
einfacher Körperverletzung, grober Verletzung der Verkehrsregeln, Diebstahls und
Förderung der rechtswidrigen Einreise und des rechtswidrigen Aufenthalts rechtskräftig
verurteilt. Das Bundesgericht wies am 6. April 2016 eine Beschwerde von X.Y. gegen
eine Verurteilung wegen versuchter räuberischer Erpressung zu einer Freiheitsstrafe
von 24 Monaten ab. Mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes Gossau vom 20. Oktober
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2016 wurde er wegen Täuschung im Bereich Scheinehe, Raufhandels, Ungehorsams
gegen amtliche Verfügungen, Ungehorsams des Schuldners in Betreibungs- und
Konkursverfahren und mehrfachen Führens eines Motorfahrzeugs mit abgelaufenem
Führerausweis auf Probe sodann zu einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten und einer
Busse von CHF 400 verurteilt.
C. Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs widerrief das Migrationsamt mit Verfügung
vom 14. Februar 2017 die Niederlassungsbewilligung von X.Y. Zur Begründung führte
das Amt im Wesentlichen an, X.Y. habe zu sehr schweren Klagen Anlass gegeben. Er
sei mehrfach verurteilt worden und komme zudem seinen öffentlich-rechtlichen und
privatrechtlichen Verpflichtungen nicht nach. Er sei hoch verschuldet. Sein Verschulden
wiege aus ausländerrechtlicher Sicht sehr schwer. Es bestehe daher ein erhebliches
öffentliches Interesse am Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung. Dieses Interesse
überwiege sein privates Interesse, in der Schweiz bleiben zu können. Das
Untersuchungsamt Altstätten verurteilte X.Y. mit Strafbefehl vom 18. Mai 2017 wegen
Fahrens in angetrunkenem Zustand (privilegierte Alkoholkonzentration) zu einer Busse
von CHF 850. Das Sicherheits- und Justizdepartement wies den von X.Y. gegen den
Widerruf der Niederlassungsbewilligung erhobenen Rekurs am 7. Juli 2017 ab.
D. X.Y. (Beschwerdeführer) erhob gegen den am 10. Juli 2017 versandten
Rekursentscheid des Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) mit Eingabe
vom 25. Juli 2017 und Ergänzung vom 14. September 2017 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht mit den Anträgen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei der
angefochtene Entscheid aufzuheben und die Niederlassungsbewilligung des
Beschwerdeführers nicht zu widerrufen; eventualiter sei dem Beschwerdeführer eine
Aufenthaltsbewilligung zu erteilten. Der Beschwerdeführer ergänzte die Akten am
15. September 2017 mit einem Zwischenzeugnis seiner Arbeitgeberin und einer
Vereinbarung für die Beschäftigungsmodalitäten bis zum voraussichtlichen Abschluss
einer Maurerlehre im Sommer 2018. Am 29. September 2017 ersuchte der
Beschwerdeführer um Verzicht auf den Bezug von Gerichtskosten.
Die Vorinstanz verwies mit Vernehmlassung vom 4. Dezember 2017 auf die
Erwägungen im angefochtenen Entscheid und beantragte, die Beschwerde sei
abzuweisen.
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Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Vorbringen des
Beschwerdeführers zur Begründung seiner Anträge sowie die Akten wird – soweit
wesentlich – in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...).
2. Die Niederlassungsbewilligung kann bei Ausländern wie dem Beschwerdeführer, die
sich seit mehr als 15 Jahren ununterbrochen und ordnungsgemäss in der Schweiz
aufhalten, nur widerrufen werden, wenn sie in schwerwiegender Weise gegen die
öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen oder
diese gefährden (Art. 63 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 63 Abs. 1 lit. b Bundesgesetz
über die Ausländerinnen und Ausländer; Ausländergesetz, SR 142.20, AuG) oder wenn
sie zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt werden (Art. 63 Abs. 2 in Verbindung
mit Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG). Eine längerfristige Freiheitsstrafe liegt vor, wenn diese,
bedingt oder unbedingt ausgefällt, mehr als ein Jahr beträgt (vgl. BGE 135 II 377 E. 4.2
und 4.5).
X.Y. wurde mit Entscheid des Kreisgerichts Rorschach vom 19. Juni 2014 wegen
versuchter räuberischer Erpressung zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten verurteilt.
Das Kantonsgericht wies die von X.Y. gegen die Strafzumessung erhobene Berufung
am 16. Februar 2015, das Bundesgericht die dagegen erhobene Beschwerde mit Urteil
vom 6. April 2016 ab. Damit ist der Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 2 in Verbindung
mit Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG laut bundesgerichtlicher Rechtsprechung offensichtlich
erfüllt.
3. Ein Widerruf der Niederlassungsbewilligung rechtfertigt sich jedoch selbst bei
Vorliegen eines Widerrufsgrundes nur, wenn die im Einzelfall vorzunehmende
Interessenabwägung die aufenthaltsbeendende Massnahme auch als verhältnismässig
erscheinen lässt (Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen
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Eidgenossenschaft, SR 101, BV; Art. 96 Abs. 1 AuG). Der Widerruf setzt somit voraus,
dass das öffentliche Interesse an der Wegweisung die privaten Interessen der
betroffenen Person an deren Verbleib in der Schweiz übersteigt. Bei dieser
Interessenabwägung zu berücksichtigen sind gemäss konstanter bundesgerichtlicher
Praxis insbesondere die Schwere des Verschuldens des Ausländers, die Dauer seiner
Anwesenheit in der Schweiz und seine Integration sowie die ihm und seiner Familie
drohenden Nachteile. Die Niederlassungsbewilligung eines Ausländers, der sich schon
seit langer Zeit hier aufhält, soll nur mit Zurückhaltung widerrufen werden. Bei
wiederholter beziehungsweise schwerer Straffälligkeit ist dies jedoch selbst dann nicht
ausgeschlossen, wenn der Ausländer hier geboren ist und sein ganzes bisheriges
Leben im Land verbracht hat (vgl. BGer 2C_562/2011 vom 21. November 2011 E. 3.3).
Bei schweren Straftaten und bei Rückfall beziehungsweise wiederholter Delinquenz
besteht regelmässig ein wesentliches öffentliches Interesse, die Anwesenheit eines
Ausländers zu beenden, der derart die öffentliche Sicherheit und Ordnung
beeinträchtigt (vgl. BGE 139 I 31 E. 2.3.1 mit zahlreichen Hinweisen). Dies gilt
insbesondere, wenn der Betroffene besonders hochwertige Rechtsgüter verletzt oder
in Gefahr gebracht hat beziehungsweise er sich von straf- und ausländerrechtlichen
Massnahmen nicht beeindrucken lässt und damit zeigt, dass er auch künftig weder
gewillt noch fähig erscheint, sich an die hiesige Rechtsordnung zu halten (BGE 139 I 16
E. 2.1, 31 E. 2.1, 137 II 297 E. 3.3; BGer 2C_1086/2014 vom 11. Juni 2015 E. 2.1,
2C_843/2014 vom 18. März 2015 E. 3.2.1). Zu unterbleiben hat der Widerruf der
Niederlassungsbewilligung, wenn der verfolgte Zweck mit einer weniger
einschneidenden Massnahme, z.B. mit einer Androhung des Widerrufs der Bewilligung,
erreicht werden kann (BGE 135 II 377 E. 4.3; Weisungen des Staatssekretariates für
Migration, I. Ausländerbereich, Version 25.10.2013 Stand: 18. Juli 2016, Ziff. 8.3,
www.bfm.admin.ch).
4. Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, der Widerruf der
Niederlassungsbewilligung erweise sich als unverhältnismässig und verletze seinen
Anspruch auf Achtung des in Art. 13 Abs. 1 BV und Art. 8 Ziff. 1 EMRK geschützten
Privat- und Familienlebens.
4.1. Ausgangspunkt und Massstab der Überprüfung ist das Verschulden des
Beschwerdeführers im Zusammenhang mit den von ihm begangenen Straftaten und
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damit die verhängten Strafen beziehungsweise das in den entsprechenden Strafurteilen
zum Ausdruck kommende Verschulden. Dabei hat sich das Verwaltungsgericht mit den
Erwägungen der entscheidenden Strafbehörden auseinanderzusetzen, um zu einem
eigenen Schluss betreffend die Schwere des Verschuldens und die Gefahrenprognose
zu gelangen (VerwGE B 2011/58 vom 11. August 2011 E. 3.1). Denn beim Entscheid
über den Widerruf der Niederlassungsbewilligung stehen weniger der
Resozialisierungsgedanke oder die Prognose über das künftige Wohlverhalten als
vielmehr das allgemeine Interesse an der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit
und Ordnung im Vordergrund. Der Beurteilungsmassstab ist damit vorliegend im
Vergleich zu den Strafbehörden strenger. Zu beachten ist dabei jedoch, dass laut
Bundesgericht umso strengere Anforderungen an die Schwere des Verschuldens
beziehungsweise den Widerruf der Niederlassungsbewilligung zu stellen sind, je länger
Ausländer in der Schweiz leben. Die Ausweisung und damit auch der Widerruf der
Niederlassungsbewilligung ist aber selbst dann nicht ausgeschlossen, wenn Ausländer
in der Schweiz geboren und aufgewachsen sind (BGE 130 II 176 E. 4.4.2).
Der Beschwerdeführer wurde wegen versuchter räuberischer Erpressung zu einer
Freiheitsstrafe von 24 Monaten, davon 6 Monate unbedingt vollziehbar, verurteilt. Das
Kantonsgericht bezeichnet das Vorgehen des Beschuldigten insgesamt als brutal und
rücksichtslos, wenn auch teilweise dilettantisch (Dossier, S. 187/339). Dem
Beschwerdeführer attestierte das Kantonsgericht ein rabiates und hemmungsloses
Tatvorgehen (Dossier, S. 186); noch bevor er den Privatkläger überhaupt zur Zahlung
einer Geldsumme aufgefordert hatte, schlug ihm der maskierte Beschuldigte ohne
Vorwarnung mehrmals mit der Faust ins Gesicht, bis die Knochen splitterten. Das
Opfer erlitt denn auch einen dreifachen Augenhöhlenbruch, eine gebrochene Nase
sowie diverse Prellungen und Hämatome (Dossier, S. 239). Mit den vom
Kantonsgericht geschilderten und der Tat vorausgegangen Vorbereitungshandlungen
offenbarte der Beschwerdeführer gemäss Urteil „ein gesteigertes Mass an krimineller
Energie“ (Dossier, S. 186). Bei der massiven Gewaltanwendung handelte es sich
sodann um keine reine Kurzschlussreaktion. Stattdessen sei der Beschuldigte nach
eigenen Angaben angewiesen worden, ein „Vorher/nachher-Foto“ des Privatklägers
anzufertigen, welches zur Einschüchterung weiterer Schuldner hätte verwendet werden
sollen (Dossier, S. 187). Ausländerrechtlich muss auf ein sehr hohes Verschulden des
Beschwerdeführers geschlossen werden. Entscheidend ist dabei auch, dass der
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Beschwerdeführer die Tat nicht einfach aufgrund einer Abhängigkeit gegenüber seinem
damaligen Vorgesetzten begangen hat, sondern auch um sich selbst unrechtmässig zu
bereichern (Dossier, S. 188). Aus rein finanziellen Motiven war der Beschwerdeführer
folglich dazu bereit, massiv und völlig unverhältnismässig Gewalt anzuwenden. Vor
diesem Hintergrund ist ihm – entgegen seiner eigenen Ansicht – sehr wohl eine
erhebliche kriminelle Energie zu attestieren. Anders lässt sich sein dichter
Strafregisterauszug nicht deuten. Erschwerend hinzukommt, dass er weitere Delikte
geplant hatte. Er gab selbst an, dass es noch einen weiteren „Auftrag“ gab, um Geld
einzutreiben (Dossier, S. 187). Nichts zu seinen Gunsten ableiten kann er, wenn
vorbringt, dass es bei der räuberischen Erpressung bei einem Versuch geblieben sei.
Dies zeigt sich auch darin, dass das Kantonsgericht die Strafe aufgrund der
Versuchsstrafbarkeit nur geringfügig verringert hat (Dossier, S. 189). Dazu weist es
darauf hin, dass der Beschuldigte seinerseits das Notwendige getan habe, um den
Privatkläger zur Vermögensverfügung zu bringen; der Eintritt des tatbestandmässigen
Erfolgs habe somit nicht mehr weit entfernt gelegen. Darüber hinaus sei durch die
Gewaltausübung mit der körperlichen Integrität des Privatklägers ein weiteres
Rechtsgut (vollendet) beeinträchtigt worden; der Privatkläger habe durch den Überfall
respektive durch die Schläge des Beschuldigten erhebliche Gesichtsverletzungen
erlitten (Dossier, S. 189).
Hat man diese Schwelle der Gewaltanwendung überschritten und würde dies
ausländerrechtlich geduldet, dürfte eine Wiederholung und eine generell höhere
Gewaltbereitschaft von Ausländern nur eine Frage der Zeit sein. Dies muss nicht
geduldet werden (zumal in vorliegendem Fall auch generalpräventive Gesichtspunkte
berücksichtigt werden dürfen; VerwGE B 2013/40 vom 27. August 2013 E. 2.2.1 mit
weiteren Hinweisen, www.gerichte.sg.ch).
Im Übrigen handelt es sich bei Gewaltdelikten wie räuberische Erpressung um eine der
in Art. 121 Abs. 3 lit. a BV genannten Anlasstaten, deren Begehung dazu führen soll,
dass die ausländische Person "unabhängig von ihrem ausländerrechtlichen Status ihr
Aufenthaltsrecht sowie alle Rechtsansprüche auf Aufenthalt in der Schweiz"
verliert.Dieser Absicht des Verfassungsgebers trägt das Bundesgericht bei der
Auslegung des geltenden Ausländergesetzes insoweit Rechnung, als dies zu keinem
Widerspruch mit übergeordnetem Recht führt und mit gleichwertigen
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Verfassungsbestimmungen, namentlich dem Verhältnismässigkeitsprinzip, im Einklang
steht (sog. "praktische Konkordanz"; BGer 2C_200/2015 vom 18. Juni 2015 E. 3.4
unter Hinweis auf BGE 139 I 16 E. 4.2, 4.3 und 5.3, 31 E. 2.3.2).
4.2. Nicht auszuschliessen ist sodann, dass der Beschwerdeführer erneut zu ähnlichen
Delikten verleitet wird.Gerade was die finanzielle Situation anbelangt, scheint diese –
trotz momentaner Anstellung – nicht gefestigt zu sein (vgl. dazu auch Dossier, S.
192).In der Verfügung des Amtes für Inneres, Abteilung Migration, des Kantons
Appenzell Ausserrhoden vom 15. Juni 2016 wird festgehalten, dass gegen den
Beschwerdeführer offene Verlustscheine im Gesamtbetrag von CHF 35‘927.55 und
offene Betreibungen im Betrag von insgesamt CHF 106‘916.60 vorliegen würden
(Dossier, S. 274). Auch bringt der Beschwerdeführer im Rahmen seines Gesuchs um
unentgeltliche Rechtspflege selbst vor, dass er über bescheidene finanzielle Mittel
verfüge (act. 12).
Der Beschwerdeführer bringt vor, er habe aus seiner Verurteilung vom 16. Februar
2015 gelernt und nach der Verbüssung der teilbedingten Strafe eine charakterliche
Reifung durchgemacht. Eine positive Entwicklung ist ihm in der Tat nicht
abzusprechen. Der Umstand, dass er eine Arbeitsstelle hat und seine Lehre zu
beenden gedenkt, ist ihm zugute zu halten. Gegen eine Rückfallgefahr spricht dies
indessen nicht. Zunächst wurde er noch während des Strafvollzugs erneut straffällig
(vgl. unten). Auch wenn es sich dabei um ein weniger schwerwiegendes Delikt handelt,
so weist dies dennoch daraufhin, dass der Beschwerdeführer noch immer Mühe hat,
sich an unsere Rechtsordnung zu halten. Dass er sich daneben wohl verhalten hat,
entspricht nur dem üblicherweise zu erwartenden Verhalten. Immerhin wurde ihm eine
Probezeit von drei Jahren angesetzt, weshalb ihm bei Wiederholung innert dieser Frist
der Vollzug des bedingt ausgesprochenen Teils der Freiheitsstrafe gedroht hätte.Ein
entsprechendes Wohlverhalten darf ausländerrechtlich erwartet werden; eine erneute
(auch geringe) Straffälligkeit erhöht lediglich zusätzlich das öffentliche Interesse an der
Beendigung seiner Anwesenheit.
Soweit der Beschwerdeführer eine zweite Chance fordert, gilt zu beachten, dass er
diese schon längst unbenutzt hat verstreichen lassen. Wie die Vorinstanz zutreffend
festhält, wies der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Verurteilung durch das
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Kreisgericht am 19. Juni 2014 beziehungsweise des Berufungsentscheids des
Kantonsgerichts vom 16. Februar 2015 bereits 2015 sechs Vorstrafen aus. Darunter
befinden sich Delikte, die sich gegen Leib und Leben (einfache Körperverletzung)
beziehungsweise gegen das Vermögen (Diebstahl) richten. Die versuchte räuberische
Erpressung beging der Beschwerdeführer noch während seiner Probezeit betreffend
eines zuvor begangenen Delikts. Das Kantonsgericht leitet daraus zu Recht eine
gewisse Beharrlichkeit und Unbelehrbarkeit des Beschwerdeführers ab (Dossier, S.
189). Erschwerend kommt hinzu, dass er am 18. Januar 2012 durch das Amt für
Inneres, Abteilung Migration, des Kantons Appenzell Ausserrhoden verwarnt worden
war; offensichtlich schreckte auch dies den Beschwerdeführer nicht davon ab, weiter
zu delinquieren. Nach seiner Verurteilung durch das Kreisgericht Rorschach am
19. Juni 2014 und während des laufenden Berufungsverfahrens vor Kantonsgericht
wegen versuchter räuberischer Erpressung machte sich der Beschwerdeführer erneut
strafbar und wurde wegen Förderung der rechtswidrigen Einreise und des
rechtswidrigen Aufenthalts (Dossier, S. 163 f.) verurteilt. Am 22. März 2015 – das heisst
kurz nachdem die Berufung durch das Kantonsgericht am 16. Februar 2015
abgewiesen worden war – machte er sich wegen Raufhandels strafbar. Am
29. September 2015 und am 23. Oktober 2015 folgte er Vorladungen des
Betreibungsamtes nicht und in der Zeit von 20. März 2016 bis 8. Juni 2016 fuhr er
mehrfach mit seinem Auto trotz abgelaufenem Führerausweis. Im Hafturlaub während
seines Strafvollzugs lenkte der Beschwerdeführer am 16. April 2017 in angetrunkenem
Zustand einen Personenwagen, wofür er durch das Untersuchungsamt Altstätten
rechtskräftig verurteilt wurde.
Dem Beschwerdeführer kann damit keine günstige Prognose mit Blick auf die
Verübung weiterer Straftaten gestellt werden. Der Einwand des Beschwerdeführers, er
sei im Zeitpunkt der Tatbegehung noch ein junger Erwachsener gewesen, ändert daran
nichts. Die Vorinstanz weist zu Recht darauf hin, dass die bundesgerichtliche
Rechtsprechung, gemäss welcher für im Aufnahmestaat sozialisierte junge Erwachsene
nur wenig Raum für einen Aufenthaltsbeendigung besteht, nur in Fällen mit
überwiegend nicht gewalttätigen Delikten greift (BGer 2C_34/2016 vom 7. Juni 2016
E. 2.4. mit Hinweisen). Entsprechend findet diese Rechtsprechung auf den
Beschwerdeführer, der wegen einfacher Körperverletzung, versuchter räuberischer
Erpressung und Raufhandel verurteilt wurde, keine Anwendung.
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An der Fernhaltung und somit am Widerruf der Niederlassungsbewilligung des
Beschwerdeführers besteht demnach ein gewichtiges öffentliches Interesse.
5. Dem gewichtigen öffentlichen Interesse gegenüberzustellen sind die privaten
Interessen des Beschwerdeführers am Verbleib in der Schweiz. Der Beschwerdeführer
lebt seit mehr als 17 Jahren in der Schweiz. Er zog im Alter von 10 Jahren mit seiner
Familie von Serbien in die Schweiz, womit er hier einen grossen Teil seiner
obligatorischen Schulzeit absolviert hat und damit auch sprachlich integriert ist.
Gemäss eigenen Angaben pflegt er sodann einen sehr engen Kontakt zu seinen Eltern
und seinen Schwestern, welche ebenfalls in der Schweiz leben. Auch sozial scheint er
integriert zu sein; der Beschwerdeführer bringt vor, er beteilige sich rege am
Vereinsleben, insbesondere im Fussballclub. Von einer durchwegs gelungenen
Integration des Beschwerdeführers kann indessen nicht gesprochen werden.
Angesichts seiner zahlreichen Verurteilungen ist offensichtlich, dass der
Beschwerdeführer sichtbar Mühe hat, sich an die schweizerische Rechtsordnung zu
halten. Er sieht anscheinend die Notwendigkeit, den die in der Schweiz geltenden
Regeln zu folgen, nicht. Exemplarisch zu nennen ist, dass er sogar während eines
Hafturlaubs straffällig wurde, indem er in angetrunkenem Zustand (privilegierte
Alkoholkonzentration) ein Fahrzeug lenkte (Dossier, S. 338; act. 19/11). Dies zeugt von
einer ausserordentlichen Geringschätzung und Gleichgültigkeit gegenüber der
schweizerischen Rechtsordnung. Auch finanziell konnte er bis jetzt in der Schweiz
keinen Tritt fassen. Für sein junges Alter hat er schon Schulden im umfangreichen
Masse angehäuft (vgl. Dossier, S. 274). Auch musste er in der Vergangenheit von der
Sozialhilfe finanziell unterstützt werden (Dossier, S. 10 und 229). Zusammenfassend ist
dem Beschwerdeführer zwar ein grosses Interesse am Verbleib in der Schweiz zu
attestieren, allerdings überwiegt das öffentliche Interesse an seiner Fernhaltung.
Eine Rückkehr und Integration in Serbien sind dem Beschwerdeführer sodann
zumutbar. Mit der serbischen Kultur und seiner Muttersprache ist er aufgrund seines
Elternhauses zumindest soweit vertraut, dass er sich bei entsprechenden Bemühungen
ohne überdurchschnittliche Schwierigkeiten in seinem Heimatland zurechtfinden dürfte,
zumal er einen Teil seiner Kindheit dort verbracht hat und insbesondere die Schule bis
in die 4. Klasse in Serbien besucht hat. Auch kann er mit seinen Fähigkeiten und
Berufserfahrungen als Bauarbeiter/Maurer eine Arbeit in Serbien finden.Er ist weder
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verheiratet noch hat er Kinder. Mit seinen Eltern und Schwestern kann er über moderne
Kommunikationsmittel (E-Mail, SMS, Skype etc.) sowie im Rahmen von
Besuchsaufenthalten weiterhin regelmässigen Kontakt pflegen. Seine privaten
Interessen an einem Verbleib in der Schweiz sind damit wenig gewichtig.
Der vom Beschwerdeführer angerufene Anspruch auf Schutz des Familienlebens
gemäss Art. 8 Ziff. 1 EMRK beschränkt sich grundsätzlich auf die Kernfamilie, d.h. auf
die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjährigen Kindern (BGE 139 II 393
E. 5.1; BGer 2C_650/2010 vom 10. Februar 2011 E. 4.2). Gemäss der Rechtsprechung
des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) kann zwar unter
bestimmten Voraussetzungen auch die Beziehung von jungen Erwachsenen zu ihren
Eltern vom Begriff des Familienlebens im Sinne der Konvention erfasst sein (vgl. Urteil
des EGMR in Sachen Maslov gegen Österreich vom 23. Juni 2008, Beschwerde
Nr. 1638/03, Rz. 62 mit Hinweisen). Ob sich der volljährige Beschwerdeführer gestützt
auf seine Beziehung zu seinen Eltern und Schwestern oder aufgrund seiner über eine
normale Integration hinausgehenden privaten Bindungen auf den Schutzbereich von
Art. 8 Ziff. 1 EMRK berufen kann, ist fraglich, ist jedoch nicht abschliessend zu prüfen,
weil ein Eingriff gestützt auf eine gesetzliche Grundlage und eine
Verhältnismässigkeitsprüfung (Art. 8 Ziff. 2 EMRK) gerechtfertigt werden kann (BGE
135 I 143 E. 2.1), was wie vorliegend dargelegt der Fall ist. Analoges gilt ferner für
Art. 36 BV im Hinblick auf einen Eingriff in Art. 13 Abs. 1 BV (BGer 2C_200/2015 vom
18. Juni 2015 E. 3.7).
Was den Hinweis des Beschwerdeführers auf einen Entscheid des Kantonsgerichts
Basel-Landschaft vom 3. Dezember 2014 (810 14 238) betrifft, so ist der Vorinstanz zu
folgen, wenn sie ausführt, dass jener Sachverhalt in wesentlichen Punkten
Unterschiede zum vorliegenden Fall aufweist. Insbesondere hervorzuheben ist, dass im
dortigen Entscheid der Beschwerdeführer in der Schweiz geboren und seine gesamte
Kindheit verbracht hat und eine wesentlich geringere Freiheitsstrafe verhängt wurde.
Wie die Vorinstanz korrekt festhält, kann der Beschwerdeführer aus dem angeführten
Entscheid somit nichts zu seinen Gunsten ableiten.
Zusammenfassend ergibt sich damit, dass das öffentliche Interesse an der Fernhaltung
des Beschwerdeführers dessen private Interessen an einem Verbleib in der Schweiz
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überwiegen. Gründe, die die Wegweisung im Sinne von Art. 83 AuG als nicht möglich,
nicht zulässig oder nicht zumutbar erscheinen lassen, sind nicht ersichtlich. Die
Vorinstanz hat ihr Ermessen nicht überschritten; der vorinstanzliche Entscheid war
recht- und verhältnismässig, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
6. Eventualiter beantragt der Beschwerdeführer sodann als – im Vergleich zum Widerruf
der Niederlassungsbewilligung – mildere Massnahme die Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung. Dieser Antrag ist ebenfalls abzuweisen. Indem der
Beschwerdeführer den Widerrufsgrund nach Art. 62 Abs. 1 lit. b AuG gesetzt und der
Widerruf gemäss den vorangegangenen Ausführungen verhältnismässig ist, sind auch
die Voraussetzungen zur Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung nicht erfüllt (BGer
2C_254/2010 vom 15. Juli 2010 E. 4.3).
7. Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als unbegründet. Sie ist
dementsprechend abzuweisen.
8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens vom Beschwerdeführer zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von CHF 2‘000 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf die Erhebung ist mit Blick auf die
wirtschaftlichen Verhältnisse des verschuldeten Beschwerdeführers und den Umstand,
dass er angesichts des Widerrufs der Niederlassungsbewilligung die Schweiz zu
verlassen haben wird, zu verzichten (Art. 97 VRP). Der Beschwerdeführer stellte sodann
ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. Dieses Gesuch ist somit gegenstandslos.
Ausseramtliche Kosten sind bei diesem Verfahrensausgang nicht zu entschädigen
(Art. 98 Abs. 1 und Art. 98 VRP). Das Gesuch des Beschwerdeführers vom
29. September 2017 um unentgeltliche Rechtspflege erstreckte sich nicht auch auf eine
unentgeltliche Rechtsverbeiständung.