Decision ID: 9d753739-c42e-472b-9e47-d95c395a35f3
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Nach der Karte Gewässernetz 1:10'000 (GN 10) der Kantone St. Gallen und beider
Appenzell, Stand 1. Januar 2015, verlief der C._bach in Y._ ab Parzelle Nr. 1_,
Grundbuch Z._, eingedolt, mit Ausnahme der Querung zwischen den Grundstücken
Nrn. 2_ und 3_, in den privaten Grundstücken entlang der Q._strasse, Parzelle
Nrn. 4_ und 5_, Gemeindestrasse zweiter Klasse, bis zur Mündung in den U._bach
auf Parzelle Nr. 6_ (M._strasse, Kantonsstrasse, www.geoportal.ch). Vom
10. März 2015 bis 8. April 2015 legte der Gemeinderat Z._ das
Hochwasserschutzprojekt Nr. 00_: Verlegung und Sanierung C._bach, Y._, inkl.
Beitragsplan und Wirkungsanalyse nach Massnahmen öffentlich auf. Dieses Projekt
sah neben der Ausdolung an der Grenze der Grundstücke Nrn. 7_ und 1_ ab Parzelle
Nr. 1_ den Ersatz der bestehenden durch eine genügend gross dimensionierte
Eindolung sowie deren Verlegung in die Q._strasse vor. Die Gesamtkosten der
Sanierung C._bach belaufen sich gemäss Kostenvoranschlag auf CHF 396'900
(inklusive Mehrwertsteuer). Der Bund leistet einen Beitrag von 35% der
subventionsberechtigten Kosten von CHF 351'100 (CHF 122'885). Der Kanton trägt die
Kosten im Bereich der M._strasse (CHF 45'800). Die Gemeinde entrichtet einen
Beitrag von 25% der verbleibenden Kosten von CHF 228'215 (CHF 57'053.75). Die
Restkosten von CHF 171'161.25 gehen zu Lasten der Perimeterpflichtigen (vgl. ABl_,
act. 14/1 [insbesondere S. 2, 5 sowie Anhang 1, 4-8] und 14/2b).
B. Das X._, ein Verein nach Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210,
ZGB [fortan: Verein]), gegründet am 2. April 2015, erhob am 6. April 2015 bei der vom
Gemeinderat Z._ am 18. März 2014 eingesetzten Schätzungskommission
Gewässerperimeter Y._ (fortan: Schätzungskommission), Einsprache gegen den
Beitragsplan vom 13. Februar 2013 (act. 4/2, S. 1, act. 7, act. 14/1 und 3). Nach
Durchführung einer Einspracheverhandlung am 20. Oktober 2015 wies die
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Schätzungskommission die Einsprache mit Entscheid vom 11. Dezember 2015 ab,
soweit sie darauf eintrat (act. 14/4 und 6). Dagegen rekurrierte der Verein am
7. Januar 2016 an die Verwaltungsrekurskommission (act. 10/1). Am
13. November 2017 führte die Verwaltungsrekurskommission einen Augenschein durch
(act. 10/28) und wies den Rekurs vom 7. Januar 2016 ab, soweit sie darauf eintrat
(act. 2).
C. Gegen den Entscheid der Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) vom
13. November 2017 (versandt am 4. Dezember 2017) erhob der Verein
(Beschwerdeführer) am 30. Dezember 2017 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit
dem Rechtsbegehren, es sei der angefochtene Entscheid unter Kosten- und
Entschädigungsfolge aufzuheben. Eventualiter sei die Angelegenheit zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen (act. 1). Am 26. Januar 2018
verzichtete die Vorinstanz auf eine Vernehmlassung (act. 9). Mit Stellungnahme vom
9. Februar 2018 schloss die Schätzungskommission (Beschwerdegegnerin) auf
Abweisung der Beschwerde (act. 12). Am 25. Februar 2018 liess sich der
Beschwerdeführer abschliessend vernehmen (act. 16).
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die

Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 29 des
Wasserbaugesetzes; sGS 734.1, WBG, in Verbindung mit Art. 59 Abs. 1 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeeingabe vom
30. Dezember 2017 (act. 1) erfolgte unter Berücksichtigung der Gerichtsferien (Art. 64
in Verbindung mit Art. 30 Abs. 1 VRP und Art. 145 Abs. 1 lit. a der Schweizerischen
Zivilprozessordnung, Zivilprozessordnung; SR 272, ZPO) rechtzeitig und erfüllt formal
und inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1
und Art. 48 Abs. 1 VRP). Fraglich ist die Beschwerdebefugnis des Beschwerdeführers
(Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs.1 VRP, siehe zur Einheit des Verfahrens auch
Art. 111 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, Bundesgerichtsgesetz;
SR 173.110, BGG), welcher als Verein konstituiert ist.
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1.1. Ein Verein kann die Interessen der Mehrheit oder einer Grosszahl seiner Mitglieder
mit Beschwerde geltend machen, wenn deren Wahrung zu seinen statutarischen
Aufgaben gehört und eine Vielzahl von Mitgliedern ihrerseits beschwerdebefugt wären
(sog. "egoistische Verbandsbeschwerde", vgl. BGer 1C_117/2017; 1C_118/2017 vom
20. März 2018 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 142 II 80 E. 1.4.2 mit Hinweisen). Das
Interesse vieler Verbandsmitglieder an einem Präjudiz für ähnlich gelagerte Fälle reicht
nicht aus zur Anfechtung einer Anordnung, die sich nur an einzelne Verbandsmitglieder
richtet; insoweit kann die egoistische Verbandsbeschwerde nicht zum Führen von
"Musterprozessen" dienen. Der Anteil an betroffenen Verbandsmitgliedern und deren
Legitimation sind – sofern die Legitimationsvoraussetzungen nicht offensichtlich erfüllt
sind – substantiiert darzulegen (vgl. M. Bertschi, in: A. Griffel [Hrsg.], Kommentar zum
Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. Aufl. 2014, § 21 Rz. 97 f.).
Der Beschwerdeführer weist nicht nach, dass die Mehrheit oder jedenfalls eine grosse
Zahl seiner Mitglieder vom strittigen Beitragsplan betroffen ist. Aus den von ihm am
17. Januar 2018 nachgereichten Unterlagen (act. 7) ergibt sich, dass lediglich acht von
53 Vereinsmitgliedern (namentlich D._ [Parzelle Nrn. 7_ und 8_], E._ [Parzelle
Nr. 9_], die F._ AG [Parzelle Nr. 10_] resp. G._ und H._ [www.zefix.ch], I._ und
J._ [Parzelle Nr. 11_] sowie K._ und L._ [Parzelle Nr. 12_], act. 14/1/Anhang 7 f.,
www.geoportal.ch) vom strittigen Beitragsplan betroffen sind. Die von der
Beschwerdegegnerin im Einspracheentscheid vom 11. Dezember 2015 als "relevante
Repräsentantin des Beschwerdeführers" genannte N._ (act. 14/4, S. 3 Rz. 10), welche
anlässlich der Vereinsversammlung des Beschwerdeführers vom 7. März 2016 als
Aktuarin und derjenigen vom 8. Mai 2017 als Beisitzerin fungierte, ist im Mai 2017 aus
dem Verein ausgetreten (act. 7, insbesondere Protokoll der Vereinsversammlung vom
8. Mai 2017 Ziff. 8, und Art. 5 lit. a und Art. 6 der Vereinsstatuten, act. 3). Bereits aus
diesem Grund ist auf die Beschwerde nicht einzutreten. Damit kann dahingestellt
bleiben, ob die Rechtsmittelerhebung zur Wahrung der Interessen seiner Mitglieder zu
den statutarischen Aufgaben des Beschwerdeführers gehört (vgl. Ziff. 2 der
Vereinsstatuten vom 2. April 2015, act. 3).
1.2. Zu untersuchen bleibt, wie es sich mit dem Umstand verhält, dass L._ als
Grundeigentümer der Parzelle Nr. 12_, welche sich im Gewässerperimeter Y._
befindet (act. 14/1, Anhang 1 und 7 f.), die Beschwerdeeingabe vom
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30. Dezember 2017 mitunterzeichnet hat (act. 1, S. 6). Nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung erscheint es überspitzt formalistisch, eine Prozesserklärung
buchstabengetreu auszulegen, ohne zu fragen, welcher Sinn ihr vernünftigerweise
beizumessen sei. Parteierklärungen, die im Rahmen eines Prozesses abgegeben
werden, sind unter Berücksichtigung von Treu und Glauben auszulegen, d.h. sie
müssen so ausgelegt werden, wie sie der Empfänger nach den gesamten Umständen
in guten Treuen verstehen durfte und verstehen musste. Dies gilt umso mehr, wenn es
sich bei den Beschwerdeführerenden, wie hier, um juristische Laien handelt (vgl.
BGer 1C_33/2017 vom 23. Juni 2017 E. 2.2.3 mit Hinweisen).
In der Beschwerdeschrift vom 30. Dezember 2017 (act. 1, S. 1 und 6), in welcher
lediglich der Beschwerdeführer als Partei bezeichnet wird, heisst es: "[...] erheben wir
Beschwerde gegen den Entscheid der Verwaltungsrekurskommission vom
13. November 2017 [...]" sowie "Mit freundlichen Grüssen Für das X._". Vor diesem
Hintergrund kann der Ausdruck "wir" in Bezug auf L._ nur so verstanden werden, dass
er die Eingabe vom 30. Dezember 2017, wie bereits zuvor die Einsprache vom
6. April 2015 (act. 14/3) und den Rekurs vom 7. Januar 2016 (act. 10/1), als
Vorstandsmitglied (act. 7) und damit als Vertreter des Beschwerdeführers
unterschrieben hat. Es finden sich keine Anhaltspunkte dafür, dass die
Beschwerdeerhebung nicht nur im Namen des Vereins, sondern auch namens von L._
als Einzelperson erfolgte. Demnach ist es nicht überspitzt formalistisch, lediglich den
Verein als Beschwerdeführer zu betrachten.
2. Lediglich der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass der Beschwerde, selbst
wenn darauf einzutreten gewesen wäre, kein Erfolg beschieden gewesen wäre: Der
Beschwerdeführer macht geltend (act. 1 und 16), die Beschwerdegegnerin habe es
versäumt, vor dem Erstellen des Beitragsplans Kosten Dritter gemäss Art. 42 WBG von
der Beitragsberechnung auszunehmen. Überdies müssten sämtliche künstlichen
Wassereinleitstellen bezüglich des Sondervorteils im Beitragsplan berücksichtigt
werden.
2.1. Verursachen Werke Dritter höhere oder zusätzliche Bau- und Unterhaltskosten, die
ohne das Werk nicht anfallen würden, tragen diese die Mehrkosten (Art. 42 WBG).
Inhaber künstlicher Wasserleitungen, vor allem jene, die Wasser aus fremden
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Einzugsgebieten zuleiten, sind für die verursachten Mehrkosten beitragspflichtig, wenn
durch das Einleiten das natürliche Wasserregime so geändert wird, dass
wasserbauliche Massnahmen getroffen werden müssen. Andere Grundstücke sind aus
Praktikabilitätsgründen nicht einzubeziehen, weil sich sonst kaum eine vernünftige
Begrenzung der Kette der einzubeziehenden Grundstücke und damit des Perimeters
finden liesse (vgl. Botschaft der Regierung zum Wasserbaugesetz vom 22. April/
14. Mai 2008, in: ABl 2008 S. 2175 ff. [fortan: Botschaft], S. 2210).
Wie die Beschwerdegegnerin in ihrer Vernehmlassung vom 9. Februar 2018 (act. 12)
zunächst nachvollziehbar ausgeführt hat, werden vorliegend sämtliche Strassen-,
Abwasser- und Werkleitungskosten direkt den Verursachern belastet (vgl. act. 14/1/
Anhang 6). Ein Verstoss gegen Art. 42 WBG liegt damit nicht vor. Soweit sich der
Beschwerdeführer auf die Aufwände für Kanalisation und Entwässerung im Betrag von
CHF 183'100 (act. 4/7, S. 3) berufen, legen sie nicht dar, inwiefern es sich dabei um
Aufwände für künstliche Wasserleitungen aus fremden Einzugsgebieten oder für
Leitungen, durch welche das natürliche Abwasserregime derart geändert wird, dass
wasserbauliche Massnahmen getroffen werden müssen, handeln sollte. Gemäss dem
technischen Bericht zum Hochwasserschutzprojekt C._bach vom 16. Februar 2015
(act. 4/4, S. 4 Ziff. 4.2) wurden neben den Strassensammlern lediglich teilweise
bestehende Hausanschlüsse innerhalb des Perimeters, welche an die alte Eindolung
des C._bachs angeschlossen waren, mit dem neuen C._bachkanal verbunden. Falls
sich dies tatsächlich auf die Leitungsdimensionierung ausgewirkt haben sollte, hätten
sich dies die Grundeigentümer im Beitragsplan Gewässerperimeter Y._ selbst
zuzurechnen. Im Übrigen tut nichts zur Sache, wie es sich diesbezüglich in
gewässerschutzrechtlicher Hinsicht verhält (vgl. hierzu Art. 3a und Art. 7 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über den Schutz der Gewässer, Gewässerschutzgesetz; SR 814.20,
GSchG sowie Art. 3 Abs. 3 lit. b und Art. 5 Abs. 2 lit. b und d der
Gewässerschutzverordnung; SR 814.201, GSchV).
2.2. Wie die Vorinstanz als Fachgericht (vgl. Art. 16 Abs. 1 Satz 2 des
Gerichtsgesetzes; sGS 941.1, GerG; Art. 18 lit. b der Verordnung über die Organisation
der Verwaltungsrekurskommission, sGS 941.113, Staatskalender 2017/18 S. 172, und
VerwGE B 2017/1 vom 26. September 2018 E. 3.1 mit Hinweisen) in Erwägung 3a und
3b (act. 2, S. 4-8) sodann überzeugend ausgeführt hat, sind Grundstücke, von denen
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das Wasser zwar kommt, die aber durch das Hochwasserschutzprojekt keinen Vorteil
erfahren, nicht im Beitragsplan zu berücksichtigen (vgl. Art. 4 Abs. 1 lit. b, Art. 38,
Art. 40 Abs. 1 und 3 WBG sowie Art. 16 der Wasserbauverordnung; sGS 734.11, WBV,
und VerwGE B 2011/120; B 2011/121 vom 17. Januar 2012 E. 2.1 mit Hinweis,
allerdings in Bezug auf Art. 15 und Art. 16 Abs. 1 des Wasserbaugesetzes vom
23. März 1969; nGS 18-58 mit Nachträgen, aWBG, Botschaft, S. 2208 f. sowie W.
Ritter, Kommentar zum Wasserbaugesetz des Kantons St. Gallen, Widnau 2012,
S. 103 ff.). Dies gilt insbesondere für das Gebiet W._.
3. [...]