Decision ID: d637552c-17f6-4951-b4d0-a7d4ae1fbbbf
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1946
, bezog eine ordentliche
Witwenrente
der
Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(
AHV
; Urk.
8/46/1
), als
sie
sich am
19. Mai 2003 bei der Stadt
Y._
zum Bezug
von Ergänzungs- und Zusatzleistungen zur
Witwenrente der AHV
anmeldete (Urk.
8/47
).
Mit Verfügungen vom
29. März 2004 (
Urk.
8/45) und vom 5. April 2004 (
Urk.
8/43-44) verneinte die Stadt
Y._
,
Durchführungsstelle für Zusatzleistungen zur AHV/IV
, vorerst einen Anspruch der Versicherten auf Ergänzungs- und Zusatzleistung für die Zeit ab 19. Mai 2003. Mit
Verfügung vom 9. August 2006 (
Rev
. Nr. 1;
Urk.
8/41) wur
den der Versicherten mit Wirkung ab Juni 2006
vorerst
Zusatzleistungen in Form
von
Beihilfe und mit Verfügung 21. Dezember 2006 (
Rev
. Nr. 2;
Urk.
8/35) mit Wirkung ab 1. Juli 2007
zusätzlich zur Beihilfe
Ergänzungsleistungen zugesprochen.
1.2
Mit Verfügung vom 6. Januar 2011 (
Urk.
8/6 S. 2) sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, der Versicher
ten in Ablösung der bisher ausgerichteten Witwenrente eine ordentliche Alters
rente zu.
Mit Verfügungen vom 13. März 2012
(
Rev
. Nr. 13; Urek. 8/10 und
Rev
. Nr. 14;
Urk.
8/7) setzte die Stadt
Y._
,
Durchführungsstelle für Zusatzleistungen zur AHV/IV
, den Anspruch auf Ergänzungs- und Zusatzleistungen der Versicherten ab 1. Januar 2011 bis 31. März 2012 revisionsweise neu fest.
Mit Verfügung vom 5. April 2012 (
Urk.
8/5) verpflichtet
e
die Stadt
Y._
die Versicherte zur Rückerstattung von zu Unrecht für die Zeit vom 1. Januar 2011 bis 31. März 2012 ausgerichteter Beihilfen im Betrag von
Fr.
9‘705.--.
Diese Verfügung ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen.
1.3
Am
29. April 2012
stellte
die
Versicherte ein Gesuch um Erlass der Rückforde
rung im Betrag von Fr.
9‘705.--
(Urk.
8/4
).
Mit Verfügung vom 11. Juni 2012 (
Urk.
8/2/7)
wies die Stadt
Y._
das Erlassgesuch ab.
Die
von der
Versicher
ten
am 14. Juni 2012
dagegen erhobene Einsprache (
Urk.
8/2/5
) wies die
Stadt
Y._
, Durchführungsstelle für Zusatz
leistungen zur AHV/IV,
mit Entscheid vom
1
2.
Juli 2012
(Urk.
8/2/4
= Urk. 2) ab.
2
.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 3. Februar 2011
erhob
die
Versicherte
am 10. August 2012
Beschwerde
(
Urk.
1) und beantragte sinngemäss die Aufhebung des
angefochtene
n
Einspracheentscheid
es
und den Erlass der Rückerstattung im Betrag von
Fr.
9‘705.--.
Mit
Eingabe vom 29. August 2012
(Urk.
6
)
verzichtete die Stadt
Y._
auf eine Stellungnahme, worauf der Beschwerdeführerin am 4. September 2012 eine Kopie dieser Eingabe zugestellt wurde (
Urk.
9)
.
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
1.1
St
reitig und zu prüfen ist, ob
der Beschwerdeführerin
die
mit Verfügung vom
5. April 2
012
(Urk.
8/5
)
rechtskräftig festgestellte Rückerstattungsschuld über
Fr.
9‘705.--
erlassen werden kann, wobei
die
Rückforderung ausschliesslich Ergänzungsleistungen nach dem
Bundesgesetz über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (
ELG
)
betrifft
(
Urk.
8/10 und
Urk.
8/7 je S. 2
).
1
.2
Nach Art. 25 Abs. 1 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzuer
statten (Satz 1). Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt (Satz 2). Im Übrigen entspricht die
Rückforderbarkeit
unrechtmässig bezogener Sozial
leistungen ei
nem allgemeinen Rechtsgrundsatz (vgl. BGE 127 V 252 E. 4a). Der Erlass wird auf begründetes, schriftliches Gesuch hin gewährt und ist spätestens 30 Tage nach Eintritt der Rechtskraft der Rückforderungsverfügung zu beantragen (Art. 4 Abs. 4 der
Verordnung über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungs
rechts,
ATSV)
.
1
.3
Nach der Rechtsprechung (BGE 102 V 245, 110 V 176) ist der Erlass der Rückfor
derung zu verweigern, wenn die versicherte Person die nach den Um
ständen gebotene Aufmerksamkeit nicht beachtet oder ihre Meldepflicht hin
sichtlich Änderungen in den massgeblichen Verhältnissen in grober Weise ver
letzt hat. Anderseits kann sich die versicherte Person auf den guten Glauben be
rufen, wenn ihre fehlerhafte Handlung oder Unter
lassung nur eine leichte Ver
letzung der Melde
oder Aus
kunfts
pflicht darstellt (BGE 112 V 97 E. 2c mit Hinwei
sen).
1
.4
Bei der Beurteilung des guten Glaubens als Erlassvoraussetzung unterscheidet die Rechtsprechung zwischen dem guten Glauben als fehlendem Unrechtsbe
wusstsein und der Frage, ob sich jemand unter den gegebenen Umständen auf den guten Glauben berufen konnte oder bei zumutbarer Aufmerksamkeit den bestehenden Rechtsmangel hätte erkennen können (BGE 122 V 221 E. 3).
2.
2.
1
Nach der Rechtsprechung scheidet der gute Glaube regelmässig aus, wenn ein Berechnungsfehler vorliegt, welchen die versicherte Person bei Beachtung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit ohne weiteres hätte erkennen müssen (Urteil des Bundesgerichts P 62/04 vom 6. Juni 2005 E. 4.3).
2
.2
Das Bundesgericht hat in einem Fall aus dem Jahre 2011, bei welchem ein bis
her unverheirateter Versicherter eine im Vergleich zu Verheirateten höhere Ergänzungsleistung bezog und der EL-Durchführungsstelle seine Heirat recht
zeitig und korrekt gemeldet hatte, erkannt, dass die Meldung seiner Heirat den Versi
cherten nicht vom Vorwurf grober Nachlässigkeit zu entlasten vermöge, wenn die EL-Durchführungsstelle es versäumt habe, nach dem Hinweis des Versi
cherten auf die Hochzeit die Leistungen neu zu berechnen, weil eine mit zumut
barer Sorgfalt vorgenommene Prüfung des der Verfügung beigelegten EL
Berechnungsblattes ganz erhebliche Unstimmigkeiten aufgezeigt hätte, und da es selbst einem Laien ohne spezielle Kenntnisse der EL
Berechnung hätte auf
fallen müssen, dass trotz der Heirat keine Änderungen in der EL-Berechnung vorgenommen worden seien. Der Versicherte, welcher die Ergänzungsleistungen weiterhin im Betrag, der für eine alleinstehende Person ermittelt wurde, entge
gengenommen hatte, habe nicht nur in leichter Weise gegen die Sorgfaltspflicht verstossen, weshalb der gute Glaube zu verneinen sei (Urteil des Bundesgerichts 9C_453/2011 vom 15. September 2011 E. 4.1 f.).
2
.3
In einem anderen Fall aus dem Jahre 2008 hatte der Versicherte eine Rente der SUVA in der EL-Anmeldung aufgeführt und der EL-Durchführungsstelle einen Rentenausweis eingereicht. Diese setzte jedoch bei der Berechnung der jährli
chen Ergänzungsleistung unter den anrechenbaren Einnahmen versehentlich den monatlichen Rentenbetrag an Stelle des jährlichen Betrags ein. Das Bun
desgericht stellte fest, dass sämtliche Positionen sowie der Ausgaben- bezie
hungsweise Einnahmenüberschuss im Berechnungsblatt explizit und leicht er
kennbar mit den Jahres- und nicht mit den Monatswerten aufgeführt worden seien. Da der Versicherte selbst bei oberflächlicher Durchsicht des EL-Berechnungsblattes in einer Aufstellung, welche ansonsten durchwegs Jahreswerte enthielt, hätte erkennen können und müssen, dass die EL-Berechnung unzu
treffend war, sei sein guter Glauben zu verneinen (Urteil des Bundesge
richts 8C_391/2008 vom 14. Juli 2008 E. 4.4.2 ff.).
2
.4
Gemäss Art. 28
Abs.
1 ATSG haben die
Versicherten und ihre Arbeitgeber beim Vollzug der Sozialversicherungsge
setze unentgeltlich mitzuwirken (
Abs.
1).
Wer Versicherungsleistungen beansprucht, muss unentgeltlich alle Auskünfte ertei
len, die zur Abklärung des Anspruchs und zur Festsetzung der Versicheru
ngs
leistungen erforderlich sind (
Abs.
2).
Sodann haben gemäss Art. 31
Abs.
1 ATSG die Bezüger und Bezügerinnen, ihre Angehörigen und Dritte, denen die Leistung zukommt, j
ede wesentliche Ände
rung in den für eine Leistung massgebenden Verhältnissen dem Versicherungs
träger oder dem jeweils zuständigen Durchführungsorgan zu melden.
3
.
3
.1
Den Akten ist zu entnehmen, dass
die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 6. Januar 2011 (
Urk.
8/6 S. 2) von ihrem Anspruch auf eine Altersrente mit Wirkung ab
1. Januar 2011 in Kenntnis setzte und ihr
darin
die Überweisung
auf ihr Bank
konto
des im Vergleich zur Witwenrente höheren
Altersr
entenbetrags für
den
Monat Januar
im Betrag von
Fr.
2‘162.-- in den ersten zwanzig Tagen des Mo
nats in Aussicht stellte.
3
.2
Am 14. Februar 2011 hat die Beschwerdeführerin Kenntnis der Verfügung der Beschwerdegegnerin gleichen Datums (
Urk.
8/11) erhalten, worin bei Bemes
sung des Leistungsanspruchs ein monatlicher Rentenbetrag von Fr. 1‘434.-- als anrechenbare Einnahmen berücksichtigt wurde (S. 2). Die Beschwerdeführer
in
hat auf der Verfügung
sodann
unterschriftlich bestätigt, dass die von ihr gemachten Angab
en
vollständi
g seien und der Wahrheit entsprä
chen (S. 3).
3
.3
Bei der Ablösung der Witwenrente von
Fr.
1‘434.-- im Monat (vgl.
Urk.
8/13) durch die Altersrente von monatlich
Fr.
2‘162.-- (
Urk.
8/6) handelt es sich um eine wesentliche Änderung in den für
die Versicherungsl
eistung
en
massgeben
den Verhältnissen i
m Sinne von Art. 31
Abs.
1 ATSG. Diese Einkommensveränderung hätte
die Beschwerdeführer
in
der Beschwerdegegnerin
nach
Erhalt der Altersrentenverfügung vom
6.
Januar 2011 (
Urk.
8/6) melden müssen.
3.4
Der Beschwerdeführerin ist nicht zu folgen, wenn sie geltend macht
, dass sie nicht gewusst habe, dass sie die Einkommensveränderungen sofort melden müsse (
Urk.
1). Denn einerseits wurde die Beschwerdeführerin in sämtlichen Leistungsverfügungen (vgl. beispielsweise
Urk.
8/41 S. 3) von der Beschwerdegegnerin ausdrücklich darauf hingewiesen, dass jede Änderung der Verhältnisse, welche die Herabsetzung oder die Erhöhung von Zusatzleistungen zur Folge habe - insbesondere eine Erhöhung der Einnahmen - unverzüglich ge
meldet werden müss
t
e.
Die Beschwerdeführerin, welche spätestens bei Erhalt der Altersrentenverfügung vom
6.
Januar 2011 (
Urk.
8/6 S. 2), wissen musste,
dass ihre bisherige Witwen- per
1.
Januar 2011 durch eine Altersrente ersetzt wurde, musste daher spätestens bei Erhalt
dieser Verfügung
wissen, dass sich ihre tat
sächlichen Verhältnisse
in einem
wesentlich
en Umfang
und in einer für den Leistungsanspruch massgebenden
Weise
verändert haben.
3.5
Zudem hat die Beschwerdeführerin am 1
4.
Februar 2011 gegenüber der Beschwerdegegnerin in einer den tatsächlichen Verhältnissen widersprechenden Weise unterschriftlich bestätigt, dass ihre
Angaben, welche als Bemessungsfaktoren
der Verfügung vom 1
4.
Februar 2011 (
Urk.
8/11 S. 3) zu Grunde
lagen,
vollständig seien und der Wahrheit entsprächen. Dieses Verhalten stellt
zumin
dest
eine grobfahrlässige Verletzung
ihrer
Mitwirkungspflicht
en
dar.
3.6
Die
Beschwerdeführer
in, welche von der Ablösung der Witwen- durch die Alters
rente per
1.
Januar 2011 Kenntnis hatte, hätte
sodann
selbst bei ober
flächlicher Durchsicht der
Verfügung vom 1
4.
Februar 2011 (
Urk.
8/11) ohne weiteres erkennen können
, dass
darin nicht der monatliche Rentenbetrag der Altersrente sondern derjenige der
früher bezogenen
Witwenrente und damit
massiv zu tiefe Erw
erbseinkünfte aufgeführt waren
, und dass
die EL-Berech
nung
daher
unzutreffend war.
Die
Beschwerdeführer
in, welche
die Ergänzungsleistungen weiterhin in einem Betrag, der
gestützt auf
ein viel zu tiefes Erwerbseinkommen ermittelt wurde, entgegennahm, hat damit nicht nur in leichter, sondern
in grober Weise gegen die ihr
obliegenden Sorg
faltspflichten verstossen.
3.7
In Anbetracht der gesamten Umstände ist der gute
Glaube
der Beschwerdeführe
rin
beim Bezug der Ergänzungsleistungen, welche der Rückforderung im Betrag von Fr.
9‘705.--
zu Grunde liegen, zu verneinen.
Da bereits der gute Glaube fehlt, erübrigt sich die Prüfung der grossen Härte als zweite Erlassvoraussetzung.
4
.
Nach Gesagtem ist
daher
nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin mit Verfü
gung vom
1
1.
Juni 2012
(Urk.
8/2/7
) und mit
dem
diese bestätigen
dem
Einspracheentscheid
vom
1
2.
Juli 2012
(Urk. 2) das Gesuch
der Beschwer
de
führerin
um Erlass der Rückerstattungsschuld von Fr.
9‘705.--
verneinte. Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.