Decision ID: 8c3b55c8-7fdb-5b6a-bc0a-ec8e8a3ed7b4
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die im Jahre 1954 geborene
X._
erlitt am 22. April 2003 bei ei
nem
Autounfall eine HWS-Distorsion und meldete sich in diesem Zusammen
hang
am 10. November 2004 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-St
elle, zum Rentenbezug an (Urk. 8/4, Urk. 8
/6). Mit Verfügung vom 23. Juni
2005 wurde der Versicherten ausgehend von
einem IV-Grad von 60 % mit Wir
kung ab 1. April 2004 eine
Dreivi
ertelsrente
zugesprochen (Urk. 8/28, Urk. 8
/23)
. Die SUVA schloss das Verfahren mit Verfügung vom 20. Juli 2005 vergleichs
weise ab und sprach der Versicherten ausgehend von einer Erwerbsunfähigkeit
von 10 % eine Rente zu; überdies
gewährte sie
eine Integritätsentschädigung bei einer Ein
busse
von 5 % (Urk. 8
/26).
Im Mai 2010 wurde seite
ns der IV-Stelle eine revisions
weise Überprüfung des
Rentenanspruchs der Versicher
ten in die Wege geleitet (Urk. 8
/37). In diesem Zu
sammenhang wurden begleitend berufliche Massn
ah
men durchgeführt (Urk. 8
/41,
Urk. 8
/44). Mit Vorbescheid vom 27. Januar 2012 wurde die Einstellung der Rente
mangels anspruchsbegründender Invalidi
tät in Aussicht gestellt (Urk. 8
/52). Im Zuge der weiteren Abklärungen wurde am 4. Juli 2013 eine
po
lydisziplinäre
medizinische Untersuchung ins Auge gefasst beziehungsweise a
ls notwendig be
zeichnet (Urk. 8
/80) und mit Mitteilung vom
15. Januar 2014 die Abklärungs
stelle bekanntgegeben (Urk. 8
/87). Mit Zwischenverfügung vom 31. Januar 2014
hielt die IV-Stelle an der Notwendigkeit der Begutachtung fest, unter Hinweis
darauf, dass die Gutachterstelle nach Eintritt der Rechtskraft der genannten Ver
fügu
ng bekannt gegeben werde (Urk. 8
/96 = Urk. 2).
Mangels abschliessender Bestimmung der Gutachterstelle trat das
hiesige Ge
richt mittels Beschluss vom 23. Oktober 2014 auf die gegen die Verfügung vom 31. Januar 2014 erhobene Beschwerde nicht ein (
Urk.
8/107
; Prozess IV.2014.00257)
. Mit Schreiben vom 15. Dezember 2014 bezeichnete die IV-Stelle
in der Folge
die für die Begutachtung vorgesehenen medizini
schen
Fach
personen
(
Urk.
8/112);
die Terminbestätigung für die Begutachtung an der M
EDAS
Y._
erging am 5. Januar 2015 (
Urk.
8/117). Mit
Zwischenverfü
gung
vom 19. Januar 2015 hielt die IV-Stelle an der Abklärungsstelle fest (
Urk.
8/121).
2.
Dagegen erhob der Vertreter der Versicherten am 16. Februar 2015 Beschwerde und beantragte, es sei das Revisionsverfahren in Aufhebung der
Zwischenverfü
gung
vom 19. Januar 2015 abzuschliessen und der Beschwerdeführerin die bis
herige Rente unverändert auszurichten; unter Entschädigungsfolge zu Last
en der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 19. März 2015 beantragte die Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 23. März 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anfechtungsgegenstand ist die Verfügung vom
1
9
. Januar 2015
(Urk. 2), mit wel
cher die Beschwerdegegnerin an der Notwendigkeit einer polydisziplinären
Begutachtung
der Beschwerdeführerin bei der M
EDAS
Y._
festgehalten hat. Hierbei handelt es sich um
eine Zwischenverfügung im Sinne von Art. 55 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungs
rechts
(ATSG) in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 und Art. 46 des Bundesgese
tzes über das Verwaltungsverfah
ren (
VwVG
), welche bei Bejahung eines nicht wie
der gutzumachenden Nachteils (Art. 46 Abs. 1
lit
. a
VwVG
; BGE 132 V 93
E. 6.1) grundsätzlich selbständig mit Beschwerde angefochten werden kann.
1.2
In BGE 137 V 210 hielt das Bundesgericht fest, dass die nicht sachgerechte Be
gutachtung in der Regel einen rechtlichen und nicht nur einen tatsächlichen Nachteil bewirken könne (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7). Aus diesem Grund sei die
Eintretensvoraussetzung
des nicht wieder gutzumachenden Nachteils im Rah
men
einer verfassungs- und konventionskonformen Auslegung für das erstin
stanz
li
che Verfahren bei der Anfechtung ein
er umstrittenen Gutachtensanord
nung zu bejahen.
1.3
Als Folge der vom Bundesgericht in BGE 137 V 210 aufgestellten Forderungen setzte der Bundesrat den neuen Artikel 72
bis
der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) auf den 1. März 2012 in Kraft. Demzufolge haben
polydis
zi
plinäre
medizinische Gutachten, das heisst medizinische Gutachten, an denen drei
und mehr medizinische Fachdisziplinen beteiligt sind (vgl. Kreisschreiben über
das Verfahren in der Invalidenversicherung, KSVI, Stand 1. Januar 201
5
,
Rz
. 2075
Satz 1), bei einer Gutachterstelle zu erfolgen, mit welcher das Bundes
amt
für Sozialversicherungen (BSV) eine Vereinbarung getroffen hat (Abs. 1). Die Ver
gabe dieser Aufträge erfolgt nach dem Zufallsprinzip (Abs. 2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene
Zwischenverfügung da
mit, dass gestützt auf die medizinischen Unterlagen eine Verbesserung des ge
sundheitlichen Zustandes möglich sei, was durch eine Begutachtung bei der M
EDAS
Y._
abzuklären sei. Nachdem gegen die begutachtenden Perso
nen keine schützenswerte
n
Ausstands- oder Ablehnungsgründe vorliegen wür
den, sei an der ins Auge gefassten Begutachtung festzuhalten (
Urk.
2).
Im Rahmen der Beschwerdeantwort führte die Beschwerdegegnerin zu
d
em aus, dass die M
EDAS
Y._
(neu
Z._
AG
) sehr wohl zu den
Gutachter
stellen
zähle, welche über einen Vertrag mit dem BSV verfügen würden (
Urk.
7).
2.2
Demgegenüber machte der Vertreter der Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass bei der Stiftung M
EDAS
Y._
seit der Gründung
A._
als Präsident des Stiftungsrates amte,
welcher daneben diverse andere Schlüsselfunktionen
in verschiedenen Firmen bekleide.
Aufgrund der wirt
schaftlichen Verflechtung liege gegen die Stiftung ein formeller
Ausstandsgrund
vor, weshalb die M
EDAS
Y._
als Gutachterstelle abzulehnen sei. Zudem sei die M
EDAS
Y._
aktuell beim BSV nicht
als Gutachterstelle zugelas
sen und die
Begutachtung durch die
Z._
AG
wiederum würde eine ek
latante Verletzung des rechtlichen Gehörs darstellen. Weiter würden auch Ein
wände bezüglich der einzelnen Fachpersonen sowie der Notwendigkeit der Be
gutachtung generell bestehen (
Urk.
1).
2.3
Wie der
Liste des BSV „Polydisziplinäre Gutachterstellen, welche über einen Vertrag mit dem BSV nach Artikel 72
bis
IVV verfügen“
(
Urk.
3/6)
zu entnehmen ist, verfügt die M
EDAS
Y._
für die Zeit ab dem 1. Januar 2015 nicht mehr über einen entsprechenden Vertrag mit dem BSV; die Nachfolge tritt die
Z._
AG
an. Im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung war demnach die Vergabe der polydisziplinären Abklärung an die M
EDAS
Y._
nicht mehr rechtens. Auch kann die
Z._
AG
nicht ohne
vorgängige
Gewäh
rung des rechtlichen Gehörs anstelle der M
EDAS
Y._
die Begutachtung übernehmen. Sowohl bei der Stiftung als auch bei der AG handelt es sich um eigenständige juristische Personen, bei welchen grösstenteils verschiedene Ver
antwortlichkeiten bestehen (
Urk.
10/1-2). So bekleidet etwa
A._
bei der
Z._
AG kein Amt, was die Ausführungen des Vertreters der Be
schwerdeführerin zu
r
wirtschaftliche
n
Verflechtung obsolet werden lässt (
Urk.
10/2).
Schon allein deshalb ist die Sache zur erneuten Verfügung und
vor
gäng
iger
Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen.
Weiter ist darauf hinzuweisen, dass
Dr.
med.
B._
, welcher für die Begutachtung im Bereich Neurologie vorgesehen ist (
Urk.
3/3), offenbar nicht (mehr) für die
Z._
AG arbeitet. V
or diesem Hintergrund muss die Verbindlichkeit der Mitteilung vom 15. Dezember 2014 bezweifelt werden. Auch in dieser Hinsicht stellen sich Fragen des rechtlichen Gehörs sowie allen
falls der vertragsgemässen Abwicklung der geplanten Begutachtung.
Zusammenfassend führt dies zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 19. Januar 2015
und
zur Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin
zur rechtskonformen Mitteilung der Gutachterstelle sowie der entsprechenden Fachpersonen.
3.
Da es vorliegend nicht um die Be
willigung oder Verweigerung von
Leistungen der
Invalidenversicherung geht, ist das Beschwerdeverfahren kostenlos (
Art.
61
lit
a ATSG in Verbindung mit
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die In
validenversicherung [IVG]).
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerdefüh
rerin eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, wel
che in Anwendung von
Art.
61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwier
igkeit des Prozesses auf
Fr.
1'3
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.