Decision ID: e0aa9678-313f-4e87-a4c9-883a4463153c
Year: 2011
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Fahren in fahrunfähigem Zustand etc.
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Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, Einzelrichter in Strafsachen, vom 24. November 2010 (GG100436)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl vom 11. Oktober 2010
(Urk. 18) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Angeklagte ist schuldig
− des Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 1
Satz 2 SVG,
− der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB,
− des Nichtmitführens der erforderlichen Ausweise im Sinne von Art. 99
Ziff. 3 SVG.
2. Der Angeklagte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu
Fr. 100.– (insgesamt Fr. 12'000.–) sowie mit einer Busse von Fr. 1'000.–.
Bezahlt der Angeklagte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
angesetzt.
4. Der Angeklagte ist dem Geschädigten dem Grundsatz nach mit einer Haf-
tungsquote von 100% in zivilrechtlicher Hinsicht vollumfänglich schadener-
satzpflichtig und schuldet ihm eine Genugtuung.
5. Die Zivilansprüche des Geschädigten werden auf den Zivilweg verwiesen.
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6. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1000.00 ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. Kosten der Kantonspolizei
Fr. Kanzleikosten Untersuchung
Fr. 5'678.50 Auslagen Untersuchung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
7. Die Kosten, einschliesslich derjenigen der Untersuchung werden dem Ange-
klagten auferlegt.
Berufungsanträge:
a) der Verteidigerin des Angeklagten:
(Urk. 37 S. 1)
1. A._ sei vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung freizuspre-
chen und auf die Zivilforderung von B._ sei nicht einzutreten.
2. Eventualiter sei festzustellen, dass A._ zivilrechtlich mit einer Haf-
tungsquote von 50% haftet, und das Mitverschulden von B._ mit einer
Haftungsquote von 50% festzustellen.
3. Subeventualiter seien die Zivilforderungen von B._ auf den Zivilweg
zu verweisen.
b) des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:
(Urk. 30, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Das Gericht erwägt:
I.
1. Am 11. Oktober 2010 klagte die Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl den Ange-
klagten wegen fahrlässiger Körperverletzung, Fahrens in fahrunfähigem Zustand
und Nichtmitführens der erforderlichen Ausweise an. Mit Urteil vom 24. November
2010 sprach der Einzelrichter in Strafsachen am Bezirksgericht Zürich den Ange-
klagten dieser Delikte schuldig, verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 120 Ta-
gessätzen zu Fr. 100.-- und zu einer Busse von Fr. 1'000.--, und stellte dem
Grundsatz nach fest, dass er dem Geschädigten Schadenersatz und eine Genug-
tuung schulde.
2. Gegen das Urteil vom 24. November 2010, das ihm am 20. Januar 2011
schriftlich in begründeter Form eröffnet wurde (Urk. 24/2) liess der Angeklagte am
31. Januar 2011 rechtzeitig Berufung erklären (Urk. 25), und mit Eingabe vom 9.
Februar 2011 benannte er innert der gesetzlichen Frist seine Beanstandungen
(Urk. 26).
3. Die Berufung des Angeklagten richtet sich gegen den Schuldspruch wegen
fahrlässiger Körperverletzung sowie gegen die Strafzumessung und den Ent-
scheid über die Zivilansprüche (Urk. 26). Die Staatsanwaltschaft verlangt die Be-
stätigung des vorinstanzlichen Entscheids (Urk. 30). Der Geschädigte liess sich
nicht vernehmen. Beweisanträge wurden von keiner Seite gestellt.
Die Schuldsprüche wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand i.S. von Art. 91 Abs.
1 Satz 2 SVG und wegen Nichtmitführens der erforderlichen Ausweise i.S. von
Art. 99 Abs. 3 SVG wurden nicht angefochten und sind demnach rechtskräftig
geworden. Das gleiche gilt für die vorinstanzliche Aufstellung der Kosten. Dies ist
vorab festzustellen.
4. Der angefochtene Entscheid wurde laut Protokoll im Anschluss an die
Hauptverhandlung vom 24. November 2010 beraten, jedoch weder mündlich noch
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schriftlich im Dispositiv eröffnet, sondern erst am 12. Januar 2011 sogleich in be-
gründeter Form an die Parteien verschickt (Prot. I S. 9 und S. 12; Urk. 24/1-3).
Aus übergangsrechtlicher Sicht stellt sich die Frage, ob auf dieses Verfahren das
neue, am 1. Januar 2011 in Kraft getretene eidgenössische, oder das alte (kanto-
nale) Prozessrecht zur Anwendung kommt. Gemäss Art. 453 Abs. 1 StPO ist da-
für auf den Zeitpunkt der Ausfällung des Entscheides abzustellen. Die Botschaft
stellt klar, dass damit nicht das Datum der Eröffnung des Entscheides gemeint ist
(Botschaft zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts vom 21. Dezember 2005,
BBl 2006 1352).
Vorliegend ist aufgrund des vorinstanzlichen Protokolls ohne weiteres davon aus-
zugehen, dass die Ausfällung des Entscheides im Rahmen der Beratung vom 24.
November 2010 stattgefunden hat und das Datum der Ausfällung somit dem Ent-
scheiddatum entspricht. Auf das Verfahren kommt demnach das bisherige, kanto-
nale Prozessrecht zur Anwendung.
II.
1. Anlass für das vorliegende Verfahren ist ein Verkehrsunfall, der sich in der
Nacht vom 23. auf den 24. August 2009 kurz nach Mitternacht an der Kreuzung
zwischen der ...strasse und der ...strasse im Zürcher Kreis ... ereignete. Der vom
Angeklagten gelenkte BMW stiess auf der Kreuzung frontal mit der rechten Seite
des vom Geschädigten gelenkten Mercedes zusammen. Beide Unfallbeteiligten
wurden verletzt.
Ein Atemlufttest ergab beim Angeklagten einen Alkoholgehalt von rund 1,6 ‰.
Ausserdem führte er die erforderlichen Ausweispapiere nicht mit sich (vgl. Urk. 6).
Diese Vorwürfe hat der Angeklagte anerkannt, und die entsprechenden
Schuldsprüche sind rechtskräftig. Thema des Berufungsverfahrens ist, ob sich der
Angeklagte überdies der fahrlässigen Körperverletzung schuldig gemacht hat. Ei-
ne Strafuntersuchung gegen den Geschädigten betreffend den gleichen Vorwurf
wurde eingestellt (Urk. 16).
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2. Die Polizei erstellte in der Unfallnacht eine Fotodokumentation. Der Unfall-
hergang lässt sich im Nachhinein zwar nicht abbilden. Die Bilder der Örtlichkeiten
unterstützen jedoch die Vorstellung und erleichtern die Interpretation der übrigen
Beweismittel. Auf den eindrücklichen Fotografien der zerstörten Fahrzeuge (vgl.
die Reaktion des Angeklagten in Urk. 8 S. 5 f.) ist zu erkennen, dass der BMW
des Angeklagten (Urk. 2/7) frontal mit der rechten Vordertüre des Mercedes des
Geschädigten (Urk. 2/8 f.) kollidierte, woraus sich ergibt, dass der Geschädigte
vor dem Angeklagten auf der Kreuzung war.
3. Die Anklagebehörde liess durch den Wissenschaftlichen Dienst der Stadtpo-
lizei der Stadt Zürich ein Gutachten erstellen, um den Unfallverlauf anhand der.
nachträglich vorhandenen Spuren - Unfallendlage, Beschädigungen der Unfall-
fahrzeuge sowie an parkierten Fahrzeugen und Liegenschaften - zu rekonstruie-
ren. Dabei ermittelt ein Computerprogramm in einem iterativen Prozess diejeni-
gen Werte (z.B. die Kollisionsgeschwindigkeiten), die am besten mit den erwähn-
ten Ausgangswerten übereinstimmen. Diese Berechnung beruht auf dem Impuls-
und dem Energieerhaltungssatz der klassischen Physik, der besagt, dass die Be-
wegungsenergie vor dem Unfall bei der Kollision in Deformationsenergie umge-
wandelt wird.
Eine Besonderheit des vorliegenden Unfallhergangs ist, dass die Fahrzeuge
durch die primäre Kollision die Richtung änderten und erst durch die sekundäre
Kollision mit einer Liegenschaft und davor abgestellten Fahrzeugen und anderen
Gegenständen zum Stillstand kamen. Um die Ausgangsgeschwindigkeit vor der
primären Kollision festzustellen, müssen die an den Fahrzeugen feststellbaren
Schäden den verschiedenen Ereignissen zugeordnet werden, was jedoch grund-
sätzlich keine Schwierigkeiten bereitet. Die Endstellung lässt Rückschlüsse auf
die durch die Primärkollision verursachte Richtungsänderung zu (vgl. Urk. 10/7 S.
5 ff.).
Im Gutachten vom 10. März 2010 kam der Wissenschaftliche Dienst der Stadtpo-
lizei Zürich in Bezug auf die Frage der Kollisionsgeschwindigkeit zum Ergebnis,
dass die Simulation bei einer Geschwindigkeit des BMW des Angeklagten von 48
km/h und einer Geschwindigkeit des Mercedes des Geschädigten von 18 km/h
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eine optimale Übereinstimmung ergebe (Urk. 10/7 S. 8 unten). Unter Berücksich-
tigung von realistischen Toleranzen ergebe das eine Kollisionsgeschwindigkeit
von 46 km/h bis 50 km/h bzw. von 16 km/h bis 20 km/h (Urk. 10/7 S. 9).
Der Angeklagte bringt gegen die Schlussfolgerungen des Gutachtens vor, er habe
im Zeitpunkt der Kollision auf das Gaspedal gedrückt, was sich auf die Bewegung
seines Fahrzeugs nach der Kollision ausgewirkt haben müsse (Urk. 8 S. 5 und S.
6 und Urk. 37 S. 2). Damit übersieht er, dass sich diese Beschleunigung - wenn
überhaupt - erst nach der primären Kollision ausgewirkt haben kann und somit für
die Bestimmung der Geschwindigkeit bei der Kollision ohne Bedeutung ist, wie
der für die Ausarbeitung des Gutachtens zuständige Sachbearbeiter des Wissen-
schaftlichen Dienstes der Stadtpolizei Zürich klarstellte (Urk. 10/8). Da die Energie
vom Motor zunächst auf die Reifen und dann auf die Strasse zu übertragen ge-
wesen wäre, hätte die verbleibende Beschleunigung ohnehin nur minime Auswir-
kungen auf die Endlage gehabt.
Die Versuche der Verteidigung, das Gutachten als unfundiert anzugreifen (Prot. I
S. 8 f.), werden durch die darin enthaltene und hier zusammengefasste Darstel-
lung der Methode entkräftet (Urk. 10/7 S. 4 f.). Die pauschale Einwendung, das
Ergebnis sei toleranzbehaftet (Prot. I S. 9), ist unberechtigt angesichts eines prä-
zis umrissenen Toleranzbereichs von jeweils 2 km/h. Worauf sich die Verteidi-
gung mit der Äusserung bezieht, es habe sie schockiert, dass man nicht mehr ha-
be feststellen können, welches die Aufprallgeschwindigkeit gewesen sei und ob
sie bei der Mauer grösser gewesen sei als beim Zusammenstoss mit dem Merce-
des (Prot. I S. 9), ist unklar: Das Gutachten beantwortet die Frage nach der Kolli-
sionsgeschwindigkeit sehr wohl, und die Geschwindigkeit beim sekundären Auf-
prall gegen die Mauer war nicht Thema der Fragestellung. Das vorkollisionäre
Verhalten der Unfallbeteiligten, namentlich ob diese vor der Kollision beschleunigt
oder gebremst hatten, lässt sich hingegen mit den Mitteln der Unfallanalyse nicht
feststellen und muss deshalb offen bleiben (Urk. 10/7 S. 14 Ziff. 5 und 6).
4. Die Aussagen des Geschädigten gegenüber der Polizei in der Unfallnacht
(Urk. 5) sind in diesem Verfahren nicht verwertbar, weil die strafprozessualen
Teilnahmerechte des Angeklagten nicht beachtet wurden. Das hat insbesondere
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zur Folge, dass sich nicht erstellen lässt, ob der Geschädigte vor der Kreuzung
anhielt, wie er selber geltend macht (Urk. 5 Antw. 3 und 8), was das Gutachten
zwar aus physikalischer Sicht für möglich hält (Urk. 10/7 S. 10), wofür es jedoch
keine anderen Beweise gibt.
5. Als einziges weiteres Beweismittel verbleiben die Aussagen des Angeklag-
ten. Diese sind jedoch nicht nur wegen der Parteistellung des Angeklagten und
seinem Interesse am Ausgang dieses Verfahrens, sondern auch wegen seiner
Trunkenheit in der Unfallnacht, die sich auch auf seine Wahrnehmung ausgewirkt
haben dürfte, mit Zurückhaltung zu würdigen.
Eine inhaltliche Betrachtung seiner Aussagen bestätigt diese grundsätzlichen
Vorbehalte: Während der Angeklagte in der Unfallnacht aussagte, er habe vor der
Kreuzung abgebremst und nach rechts geschaut, und als er nichts gesehen habe,
sei er zugefahren (Urk. 4 S. D2), sagte er in der staatsanwaltschaftlichen Einver-
nahme vom 26. Mai 2010 aus, er habe zuerst nach links, dann nach rechts und
dann wieder nach links geschaut (Urk. 8 S. 2). Auf den Widerspruch zu seiner
ersten Aussage angesprochen stellte sich heraus, dass er von seinem üblichen
Verhalten darauf geschlossen hatte, dass er zuerst nach links geschaut habe,
wobei er einräumen musste, dass er das vielleicht "falsch gesagt" habe (Urk. 8 S.
5). Ob er damit die erste oder die zweite Aussage korrigieren wollte, kann offen
bleiben. Unabhängig von seinem Blutalkoholgehalt in der Unfallnacht ist nicht an-
zunehmen, dass er sich 8 Monate später besser daran erinnern konnte, ob er vor
der Kollision einen Kontrollblick nach links gemacht hatte.
Es ist daher auf seine erste Aussage abzustellen, dass er vor dem Befahren der
Kreuzung nur nach rechts geschaut hatte. Damit steht fest, dass er den Geschä-
digten, der von links kam, nicht sehen konnte, unabhängig davon, ob dieser ohne
Licht fuhr, wie der Angeklagte mutmasst (Urk. 8 S. 2), und ob er sich überhaupt in
seinem Blickfeld befand, was laut dem Gutachten nicht der Fall war, sofern der
Geschädigte vor der Kreuzung angehalten hatte (vgl. Urk. 10/7 Anh. 8). Auf die
Strafbarkeit des Angeklagten haben diese Varianten keinen Einfluss, so dass of-
fen bleiben kann, wie es sich damit verhält.
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Der Angeklagte widerspricht dem Gutachten in Bezug auf die darin getroffene
Feststellung über seine Geschwindigkeit. In der Unfallnacht sagte er aus, er sei
mit 30 km/h gefahren. Vor der Kreuzung habe er abgebremst, und er sei mit 20
km/h bis 25 km/h in die Kreuzung eingefahren (Urk. 4 S. D1 f.). In der staatsan-
waltschaftlichen Einvernahme vom 26. Mai 2010 wiederholte er diese Aussage
(Urk. 8 S. 4). Als er später in der gleichen Befragung mit dem Unfallgutachten
konfrontiert wurde, das ganz andere Werte nennt, reagierte er ungläubig (Urk. 8
S. 6). In der vorinstanzlichen Hauptverhandlung räumte er ein, dass er vielleicht
auch etwas schneller gefahren sei, aber nicht schneller als 40 km/h (Prot. I S. 5).
Die menschliche Wahrnehmung ist schon grundsätzlich kein geeignetes Instru-
ment, um die Geschwindigkeit eines Fahrzeugs festzustellen. Die Vorinstanz hat
zutreffend begründet, dass dies für den Angeklagten in seinem damaligen alkoho-
lisierten Zustand erst recht gilt (Urk. 33 S. 9 oben). Das Aussageverhalten des
Angeklagten zeigt auf, dass er nicht weiss, wie schnell er gefahren ist, und sich
mit Annahmen behilft, die er aufgrund seines Normverhaltens trifft, wie aus seiner
Aussage in der vorinstanzlichen Hauptverhandlung hervorgeht, er kenne die
"Ecke", wo der Unfall geschah, sehr gut, man bremse dort immer ab. Seine ab-
schliessende Aussage, er fahre in einer 30er Zone nicht mehr als 40 km/h (Prot. I
S. 5), mit der er immerhin eine Geschwindigkeitsüberschreitung einräumt, tönt
nicht überzeugend und vermag die aufgrund objektiver Spuren getroffenen an-
derslautenden Feststellungen des Gutachtens nicht zu entkräften. Selbst mit einer
Geschwindigkeit von 40 km/h wäre der Angeklagte aus der Startposition gemäss
Gutachten nach anderthalb Sekunden mitten auf der Kreuzung mit dem Geschä-
digten, der mit 20 km/h nach einer Sekunde auf der Kreuzung gewesen wäre, kol-
lidiert. Nur nebenbei ist festzuhalten, dass auch eine Geschwindigkeit von 30
km/h den Verhältnissen – enge, unübersichtliche Kreuzung – nicht angepasst ge-
wesen wäre.
6. Es ist demnach erstellt, dass der Angeklagte unaufmerksam war, da er vor
dem Befahren der Kreuzung nicht nach links schaute und den vor ihm heranna-
henden Geschädigten deshalb nicht rechtzeitig erkennen konnte, und dass er die
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zulässige Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h um mehr als die Hälfte überschritt,
wie ihm die Anklageschrift vorhält (Urk. 18 S. 2 Ziff. 2).
7. Die Verteidigung betont immer wieder, dass der Angeklagte von rechts ge-
kommen sei und demnach Vortritt gehabt habe. Das ist grundsätzlich unbestritten.
Aufgrund der Unfallspuren steht jedoch ebenfalls fest, dass sich der Geschädigte
zuerst auf der Kreuzung befand. Das ist vorliegend entscheidend. Gemäss Art. 14
Abs. 2 VRV ist der Vortrittsberechtigte nämlich verpflichtet, auf diejenigen Stras-
senbenützer Rücksicht zu nehmen, die eine Strassenverzweigung erreichen, be-
vor sie ihn erblicken konnten, was eine aus praktischen Gründen unabdingbare
Relativierung des Vortrittsrechts bedeutet.
Unter diesen Umständen kann sich der Angeklagte nicht auf sein Vortrittsrecht
berufen, bzw. dieses tritt gegenüber seiner Pflicht zur Rücksichtnahme auf den
grundsätzlich vortrittsbelasteten Geschädigten in den Hintergrund. Der Angeklag-
te war unaufmerksam, indem er es unterliess, sich mit einem Kontrollblick nach
links zu vergewissern, dass sich von dort niemand nähert und vor ihm die Kreu-
zung erreicht. Zur Kollision beigetragen hat weiter die deutlich überhöhte Ge-
schwindigkeit des Angeklagten, da er andernfalls erst nach dem Geschädigten
auf die Kreuzung gelangt wäre oder die Kollision zumindest eher vermeidbar ge-
wesen wäre, weil mehr Zeit für eine Reaktion zur Verfügung gestanden hätte,
wenn er jedenfalls nicht mit mehr als der erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 30
km/h gefahren wäre.
Ob der Geschädigte vor der Kreuzung angehalten hatte, ist für die strafrechtliche
Würdigung des Verhaltens des Angeklagten ohne Belang, da der Geschädigte die
Kreuzung unabhängig davon vor ihm erreichte, wie aus dem Kollisionsbild (Front
gegen rechte Seite) zweifelsfrei hervorgeht, und somit Art. 14 Abs. 2 VRV zur
Anwendung kommt. Ein allfälliges Selbstverschulden des Geschädigten wirkt sich
lediglich auf die Haftpflicht aus. Auf die entsprechenden Vorbringen der Verteidi-
gung ist daher bei der Behandlung der Zivilansprüche einzugehen (vgl. unten IV).
Die Auffassung der Verteidigung, der Angeklagte werde zu Unrecht beschuldigt,
weil er im Unfallzeitpunkt alkoholisiert gewesen sei (Prot. I S. 7), ist unbegründet.
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Die Beweiswürdigung hat ergeben, dass der Angeklagte die zulässige Höchstge-
schwindigkeit um mehr als die Hälfte überschritt und nicht nach links schaute, von
wo der Geschädigte vor ihm auf die Kreuzung gelangte. Der Alkoholkonsum mag
ein Grund für dieses Verhalten gewesen sein. Der Angeklagte hat damit jedoch
unabhängig von seinem Alkoholkonsum seine Sorgfaltspflicht gleich mehrfach
verletzt, was für den Unfall und den Eintritt der damit verbundenen Verletzungs-
folgen (vgl. unten 8) kausal war und eine pflichtwidrige Unvorsichtigkeit i.S. von
Art. 12 Abs. 3 StGB darstellt.
8. Laut Angaben des Hausarztes erlitt der Geschädigte eine HWS-Distorsion
und ein HWS-Beschleunigungstrauma (Urk. 11/5), was der behandelnde Neuro-
loge untechnisch als Nackenschmerzen beschreibt (Urk. 11/6). Beide Ärzte beja-
hen die Unfallkausalität der Beschwerden (Urk. 11/5 und 11/6). Diese Verlet-
zungsfolgen wurden von der Vorinstanz zurecht der einfachen Körperverletzung
i.S. von Art. 123 StGB zugeordnet (Urk. 33 S. 12 f.).
9. Sämtliche Tatbestandselemente der fahrlässigen Körperverletzung i.S. von
Art. 125 StGB sind erfüllt. Der Geschädigte stellte wenige Tage nach dem Unfall
einen entsprechenden Strafantrag gegen den Angeklagten (Urk. 4). Der Ange-
klagte ist demnach ferner der fahrlässigen Körperverletzung schuldig zu spre-
chen.
III.
1. Fahrlässige Körperverletzung i.S. 125 StGB und Fahren in fahrunfähigem
Zustand i.S. von Art. 91 SVG werden mit Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren
oder mit Geldstrafe geahndet. Der Angeklagte ist demnach mit einer Geld- oder
Freiheitsstrafe, allenfalls verbunden mit einer Busse, zu belegen, die gemäss Art.
49 Abs. 1 StGB wegen Deliktsmehrheit angemessen zu erhöhen sind. Für das
Nichtmitführen der erforderlichen Ausweise i.S. von Art. 99 Abs. 3 SVG ist dane-
ben in jedem Fall eine Busse auszufällen.
2. Die Verteidigung rügt in Bezug auf die Strafzumessung, dass die Vorinstanz
dem Angeklagten trotz seines Alkoholkonsums keine Verminderung der Zurech-
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nungsfähigkeit zubilligte (Urk. 25 S. 2 Ziff. 3). Die Vorinstanz schloss die Anwen-
dung von Art. 19 Abs. 2 StGB unter Rückgriff auf die Rechtsfigur der sogenannten
actio libera in causa (Art. 19 Abs. 4 StGB) mit der Begründung aus, dass der An-
geklagte die im Zustand der Trunkenheit begangenen Taten hätte voraussehen
können (Urk. 33 S. 18 E. 3.2).
Der Angeklagte wies in der Tatnacht einen Blutalkoholgehalt von rund 1.6 ‰ auf
(Urk. 6 S. A4). Laut der Rechtsprechung ist bei diesem Wert eine Verminderung
der Zurechnungsfähigkeit noch nicht zu vermuten (BGE 122 IV 49 E. 1.b; BGE
117 IV 292 E. 2.d). Die im Polizeiprotokoll dokumentierten Merkmale dürften zu-
mindest teilweise Nachwirkungen der Kollision darstellen (vgl. Urk. 10/7 S. 13 und
Anh. 11) und ändern deshalb nichts an diesem Ergebnis (Urk. 6 S. A2). Ein
Strafmilderungsgrund i.S. von Art. 19 StGB liegt demnach nicht vor.
3. Hat der Angeklagte mehrere mit einer gleichartigen Strafe bedrohte Delikte
begangen, ist zunächst eine Einsatzstrafe für das schwerste dieser Delikte fest-
zusetzen. Das ist vorliegend die fahrlässige Körperverletzung.
Der Angeklagte überschritt die zulässige Höchstgeschwindigkeit um mehr als die
Hälfte, was die Vorinstanz zurecht als massiv übersetzte Geschwindigkeit be-
zeichnete (Urk. 33 S. 17 E. 2.2). Die Kollisionsgeschwindigkeit war entsprechend
hoch. Der Geschädigte erlitt infolge der Kollision eine HWS-Distorsion. Es ist be-
kannt, dass solche Verletzungen lang anhaltende Folgen haben können. Nur den
modernen Sicherheitsstandards im Autobau ist es zu verdanken, dass dieser Un-
fall nicht zu schwereren Verletzungen führte. Das objektive Tatverschulden wiegt
daher nicht mehr leicht.
Subjektiv handelte der Angeklagte in Anbetracht der für die unübersichtliche Ver-
kehrssituation klar überhöhten Geschwindigkeit grobfahrlässig. Der erhöhte Blut-
alkoholgehalt wird mit der Verurteilung wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand
geahndet und wirkt sich daher bei der fahrlässigen Körperverletzung nicht auf das
Tatverschulden aus, da ansonsten eine unzulässige Doppelverwertung erfolgen
würde. Das subjektive Tatverschulden wiegt folglich noch leicht.
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In Anbetracht der erwähnten Strafzumessungsfaktoren erscheint eine Einsatzstra-
fe von 90 Tagessätzen angemessen.
Das objektive Tatverschulden bezüglich des Fahrens in fahrunfähigem Zustand
wiegt angesichts des Blutalkoholgehalts von mindestens 1,6 Promille erheblich.
Subjektiv ist zu berücksichtigen, dass der Angeklagte als Sommelier im Aussen-
dienst tätig ist (Urk. 8 S. 8). Er betont, dass er im Beruf einen verantwortungsbe-
wussten Umgang mit dem Alkohol pflege (Urk. 8 S. 4). Die Auswirkungen von Al-
kohol auf die Fahrtüchtigkeit sind ihm daher bestens bekannt, was sich in Bezug
auf dieses Delikt erschwerend auf sein Tatverschulden auswirkt, wie die Vo-
rinstanz zutreffend festgehalten hat (Urk. 33 S. 17 E. 2.1). Der Angeklagte hatte
sein Fahrzeug laut eigenen Aussagen an der ...strasse abgestellt, bevor er sich
von einem Kollegen in dessen Auto an ein Fest nach C._ fahren liess. Er hät-
te sein Auto zwar nach dem Fest an der ...strasse stehen lassen und mit dem
Zug nach Hause nach D._ fahren können (Urk. 8 S. 3). Es ist jedoch davon
auszugehen, dass er sich die Option, für die Heimfahrt in der Nacht vom Sonntag
auf den Montag das Auto zu benützen, bewusst offen hielt. Der Schluss, dass er
von Anfang an in Kauf nahm, sein Auto in angetrunkenem Zustand wieder zu be-
nützen, ist daher berechtigt. Auch das subjektive Tatverschulden wiegt erheblich.
Die Einsatzstrafe ist aus diesem Grund um mindestens 30 Tagessätze zu erhö-
hen und zudem mit einer Busse zu verbinden.
4. Der Angeklagte ist nicht vorbestraft (Urk. 34). Laut den Akten weist er eine
Verwarnung wegen Überschreitens der Höchstgeschwindigkeit innerorts um 18
km/h im Juni 2009 auf (Urk. 14/1). Gemäss eigenen Aussagen droht ihm zurzeit
der Entzug des Führerausweises, nachdem er während des Fahrens ein Mobilte-
lefon in der Hand gehalten hatte (Prot. II S. 7 f.). Im Übrigen kann auf die Ausfüh-
rungen der Vorinstanz zu seinem Vorleben und seinen persönlichen Verhältnis-
sen verwiesen werden. Laut den Aussagen des Angeklagten in der Berufungs-
verhandlungen hat sich daran ausser einem höheren monatlichen Einkommen
von nun brutto Fr. 6'000.– nichts Wesentliches geändert (Prot. II S. 6-9). Für die
Strafzumessung ergeben sich aus diesen persönlichen Faktoren keine Folgerun-
gen.
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5. Die für die fahrlässige Körperverletzung und das Fahren in fahrunfähigem
Zustand zu verhängende Strafe ist angesichts ihrer Höhe als Geldstrafe auszufäl-
len (Art. 40 StGB e contrario). Die Grundsätze der Tagessatzbemessung wurden
von der Vorinstanz grundsätzlich korrekt wiedergegeben (Urk. 33 S. 19 E. 4.2.1;
vgl. auch BGE 134 IV 60).
Aufgrund des Verschlechterungsverbots kann die von der Vorinstanz festgesetzte
Tagessatzhöhe von Fr. 100.– nicht erhöht werden und ist daher zu bestätigen.
6. Der Angeklagte ist demnach mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu
Fr. 100.– zu bestrafen. Die von der Vorinstanz ausgesprochene Busse von
Fr. 1'000.– wurde nicht beanstandet und ist zu bestätigen, ebenso die Ersatzfrei-
heitsstrafe von 10 Tagen für den Fall, dass der Angeklagte die Busse schuldhaft
nicht bezahlt. Einer höheren Strafe steht das Verschlechterungsverbot entgegen
(§ 399 StPO/ZH).
7. Der Vollzug einer Geldstrafe kann unter den in Art. 42 StGB genannten Vo-
raussetzungen aufgeschoben werden. Diese sind vorliegend erfüllt. Der Vollzug
der Geldstrafe ist daher aufzuschieben unter Ansetzung einer Probezeit von zwei
Jahren.
IV.
1. Der Geschädigte stellte den Antrag, es sei im Grundsatz festzustellen, dass
der Angeklagte vollumfänglich schadenersatzpflichtig sei und dass ihm der Ange-
klagte eine Genugtuung schulde. Zur Feststellung des Quantitativs seien diese
Forderungen auf den Zivilweg zu verweisen (Urk. 21). Die Vorinstanz ist diesem
Antrag gefolgt (Urk. 33 S. 20 f.).
Der Angeklagte hat den Entscheid über die Zivilansprüche angefochten. Die
Schadenersatzforderung sei wegen Mitverschuldens zu reduzieren, und die Ge-
nugtuungsforderung sei aus dem selben Grund abzuweisen (Urk. 26 S. 2 Ziff. 2).
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2. Gemäss Art. 58 SVG ist der Halter eines Motorfahrzeugs haftbar für Verlet-
zungen und andere Schäden, die durch den Betrieb seines Motorfahrzeugs verur-
sacht werden. Da der Geschädigte nicht Halter des von ihm gelenkten Fahrzeugs
war (Urk. 1 S. 5 oben), kann sich der Angeklagte ihm gegenüber nicht auf Art. 61
SVG berufen, da diese Bestimmung nur die Haftung zwischen Haltern regelt,
sondern es kommt Art. 59 SVG zur Anwendung.
Dass neben dem Angeklagten grundsätzlich auch der Halter des vom Geschädig-
ten gelenkten Fahrzeugs für den Schaden des Geschädigten haftbar ist, wirkt sich
im Verhältnis zum Geschädigten nicht aus, da gemäss Art. 61 Abs. 3 SVG mehre-
re ersatzpflichtige Halter grundsätzlich solidarisch haften.
Da ein Verschulden des Angeklagten aufgrund dieses Verfahrens feststeht,
kommt Art. 59 Abs. 1 SVG von vornherein nicht zur Anwendung. Kann der Ange-
klagte nachweisen, dass ein Verschulden des Geschädigten beim Unfall mitge-
wirkt hat, bestimmt der Richter die Ersatzpflicht gemäss Art. 59 Abs. 2 SVG unter
Würdigung aller Umstände. Dabei ist zu beachten, dass der Geschädigte nicht für
die Betriebsgefahr des von ihm gelenkten Fahrzeugs haftbar ist, sondern sich nur
ein allfälliges Selbstverschulden anrechnen lassen muss, während der Angeklag-
te als Halter ausser für sein Verschulden auch für die Betriebsgefahr einstehen
muss.
3. Der Angeklagte macht geltend, der Geschädigte sei zu schnell gefahren
(Urk. 26 S. 2 Ziff. 2): Wer in einer 30er Zone mit 20 km/h von links auf eine Kreu-
zung fahre, den treffe ein Mitverschulden an einer allfälligen Kollision (Prot. I S.
9). Im Zusammenhang mit der rechtlichen Würdigung wurde bereits dargelegt,
dass sich der Angeklagte nicht auf sein Vortrittsrecht berufen kann, da der Ge-
schädigte die Kreuzung vor ihm erreichte.
Die vom Gutachten unter Berücksichtigung der Toleranz ermittelte Maximalge-
schwindigkeit von 20 km/h beim Befahren der Kreuzung ist nicht zu beanstanden.
Die Auffassung des Angeklagten, der Geschädigte habe zu schnell beschleunigt
und sei zu schnell gefahren (Prot. I S. 8 f.; Urk. 26 S. 1 f. und S. 2 Ziff. 2) ist halt-
los. Nachdem der Geschädigte entschieden hatte zuzufahren, nützte eine tiefere
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Geschwindigkeit nichts mehr, sondern erhöhte im Gegenteil sogar die Kollisions-
gefahr, da sich dadurch die Verweildauer auf der Kreuzungsfläche verlängerte.
Der Angeklagte wirft dem Geschädigten weiter vor, er sei ohne Licht gefahren.
Dafür gibt es keine Belege. Der Angeklagte sagt denn auch selber, dass es sich
dabei lediglich um eine Mutmassung handle, weil er den Geschädigten nicht ge-
sehen habe (Urk. 8 S. 2), was aber auch dadurch erklärbar ist, dass der Ange-
klagte vor dem Befahren der Kreuzung nicht nach links schaute, was seiner ers-
ten Aussage entspricht (Urk. 4 S. D2) und wovon nach dem Beweisergebnis aus-
zugehen ist (vgl. oben II.5).
Ein Selbstverschulden des Geschädigten läge allenfalls dann vor, wenn der Ge-
schädigte - entgegen seiner eigenen Darstellung - vor der Kreuzung nicht ange-
halten hatte und deshalb nicht mehr rechtzeitig reagieren konnte, als der Ange-
klagte in seinem Blickfeld auftauchte. Ein allfälliges Selbstverschulden des Ge-
schädigten würde allerdings nichts an den weiter oben festgestellten Pflichtverlet-
zungen des Angeklagten ändern und hätte keinen Einfluss auf seine Strafbarkeit.
Auf adhäsionsweise geltend gemachten Zivilansprüche kommen die zivilrechtli-
chen Regeln über die Beweislastverteilung zur Anwendung. Der Angeklagte ist
daher als Beklagter behauptungs- und beweispflichtig für Umstände, die er zu
seiner Entlastung anführt. Wie oben festgestellt wurde, lässt sich aufgrund der
prozessual verwertbaren Beweismittel nicht erstellen, ob der Geschädigte vor
dem Befahren der Kreuzung angehalten hatte (vgl. oben II.4). Unter diesen Um-
ständen scheitert der Angeklagte mit dem Versuch, sich mit dem Nachweis eines
Selbstverschuldens des Geschädigten zu entlasten.
4. Der Angeklagte vermochte nicht darzutun, dass den Geschädigten ein
Selbstverschulden trifft, das nach den Grundsätzen von Art. 59 Abs. 2 SVG zu ei-
ner Haftungsreduktion führen würde. Der Entscheid der Vorinstanz über die Zi-
vilansprüche ist demnach zu bestätigen. Es ist dem Grundsatz nach festzustellen,
dass der Angeklagte vollumfänglich schadenersatzpflichtig ist und eine Genugtu-
ung schuldet, und im Übrigen sind die Forderungen des Geschädigten auf den Zi-
vilweg zu verweisen.
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V.
Der Angeklagte ist mit seiner Berufung nur in Bezug auf die Höhe der Busse er-
folgreich und unterliegt mit seinen übrigen Anträgen. Die Kostenauflage der Vo-
rinstanz ist zu bestätigen, und die Kosten des Berufungsverfahrens sind vollum-
fänglich dem Angeklagten zu auferlegen.