Decision ID: c4403010-4f4d-484d-8d31-1b1fe6a60bd7
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der im Jahre 1963 geborene
X._
besuchte im
Y._
die Grundschule und das Gymnasium und war seit März 1986 als Saison
nier in der Schweiz erwerbstätig. Im März 1989 reiste er definitiv in die Schweiz ein, wo er ab Februar 1991 für die
Z._
in der
Blumen
anlieferung
eine Anstellung fand (
Urk.
8/2,
Urk.
8/7). Am
7.
November 2001 zog er sich bei ei
nem Sturz im Kühlraum Rücken- und Kopfverletzungen zu und konnte die Ar
beit unfallbedingt nicht mehr wieder aufnehmen (
Urk.
8/11/2;
Urk.
8/9, Anstel
lungsende 3
0.
September 2002). Am 2
9.
Oktober 2002 meldete er sich bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/2
). In der Folge klärte diese den Sachverhalt ab, insbesondere liess sie den Versicherten psychiatrisch begutachten (Gutachten von
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2
6.
März 2004;
Urk.
8/28).
Mit Verfügung vom 1
0.
Juni 2004 und Wirkung ab
1.
November 2002 sprach sie dem Versicherten ausgehend von einem
Invalidi
tätsgrad
von 75
%
eine ganze Rente zu (
Urk.
8/31). Mit Mitteilung vom 1
9.
August 2009 wurde der Rentenanspruch revisionsweise bestätigt (
Urk.
8/45).
Am 2
6.
Februar 2013 leitete die IV-Stelle erneut eine Überprüfung des Renten
an
spruchs in die Wege (
Urk.
8/49) und liess den Versicherten in diesem Zu
sammenhang polydisziplinär begutachten (MEDAS-Gutachten vom
2
3.
Ma
i 2014,
Urk.
8/63
/4-
1
39
). Mit Vorbescheid vom 1
8.
Dezember 2014 stellte sie die Ein
stellung der Rente in Aussicht (
Urk.
8/67) und hielt an diesem Entscheid mit Verfügung vom
2.
April 2015 fest (
Urk.
8/85 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Vertreter des Versicherten am
8.
Mai 2015 Beschwerde und
beantragte, es sei dem Beschwerdeführer weiterhin eine ganze Rente auszu
richten
, eventualiter sei eine neue polydisziplinäre Abklärung durchführen zu las
sen. Weiter sei dem Beschwerdeführer für das vorliegende Verfahren die un
ent
geltliche Rechtspflege und
Verbeiständung
zu gewähren; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
7.
Juni 2015 beantragte die Beschwerdegegnerin unter Hinweis auf die Akten die Abweisung der Beschwer
de (
Urk.
7), was dem
Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2
3.
Juni 2015 zur Kenntnis gebracht wurde
(
Urk.
12). Mit Schreiben vom
6.
Juli 2015 beantragte der Vertreter des Beschwerdeführers in verfahrensrechtlicher Hinsicht, dass das vorliegende Ver
fahren zu sistieren sei, bis die zuständigen medizinischen Fachgesellschaften den aktuellen Stand der Erkenntnisse zu
Handen
der gutachterlichen Praxis in
Richtlinien fassen und nach diesen neuen Richtlinien die Begutachtung erfolgen könne (
Urk.
14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung;
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die
Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG
). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
säch
lichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai
2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. Augus
t 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Aus
wirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszu
stan
des auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurtei
lung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheent
scheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditäts
be
messung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können
(BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des
strittigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arzt
berichtes
ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange um
fassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Be
schwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist,
in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung de
r medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Ex
per
ten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c, je mit Hinwei
sen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die ange
fochtene Verfügung damit, dass die
vorliegenden Diagnosen, welche zur
Rentenzusprache
geführt hätten, zu den
patho
genetisch-ätiologisch
unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nach
weisbare organische Grundlage zählen würden. Insgesamt sei aktuell kein inva
li
di
sierender Gesundheitsschaden ausgewiesen, was gestützt auf die Schluss
be
stimmungen der Änderung des
IVG
vom 1
8.
März 2011 (
6.
IV-Revi
sion, erstes
Massnahmepaket
) zur Aufhebung der Rente führe (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte der Vertreter des Beschwerdeführers im Wesentlichen geltend, dass sich der psychische Gesundheitszustand im Zeitpunkt der ange
fochtenen Verfügung verglichen zum Zeitpunkt des MEDAS-Gutachtens vom
April 2014 erheblich verschlechtert habe (
Urk.
1 S. 2). Im Rahmen von
Art.
17 ATSG
sei für die Prüfung einer Renteneinstellung aber der Zustand im Zeit
punkt der Verfügung massgebend, wobei gestützt auf die Angaben von
Dr.
A._
von einer mittelgradig
en
bis schweren depressiven Störung auszu
ge
hen sei. Zweifelsohne habe die Beschwerdegegnerin den Gesundheitszustand
im Verfügungszeitpunkt nicht genügend abgeklärt, weshalb eine neue
poly
dis
zi
pli
näre
(insbesondere psychiatrische) Abklärung anzuordnen sei (
Urk.
1 S. 4 f.).
3
.
Vergleichsbasis im vorliegenden Revisionsverfahren
bildet die Verfügung vom 1
0.
Juni 200
4 (Invaliditätsgrad von 75
%
), welche sich in medizinischer Hin
sicht im Wesentlichen auf das psychiatrische Gutachten von
Dr.
A._
vom 2
6.
März 2004 stützt. Dieser diagnostizierte dannzumal als Hauptdiagnose eine prolongierte gemischte Anpassungsstörung mit Störung der Gefühle und des Sozialverhaltens (ICD-10 F43.25) mittelschweren bis schweren Grades bei lang
jähriger Symptomentwicklung. Allenfalls bestehe zusätzlich eine affektive Störung aufgrund eines medizinischen Krankheitsfaktors. Unter Ausschluss IV-
fremder Faktoren sei von einer 70-80%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (
Urk.
8/28 S. 9-11).
Die revisionsweise Bestätigung der Rente vom 19. August 2009 (Urk. 8/45) basierte einzig auf einem knappen Formularbericht des Hausarztes (Urk. 8/43), was als Vergleichsgrundlage nicht ausreicht.
4.
Die für das MEDAS-Gutachten vom
2
3.
Ma
i 2014 verantwortlichen Fachärzte
konnten mit Auswirkung auf die A
rbeitsfähigkeit keine Diagnose
stellen.
Kein
e Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
massen sie
ei
nem chronischen
lum
bo
ver
tebralen
und rechtsseitig
lumbospondylogenen
Schmerzsyndrom, eine
r
Ortho
drome Circus Movement
Tachycardia
, einem Di
abetes mellitus Typ 2 (ED 2010), einer arteriellen Hypertonie,
einer
Adipositas sowie einer Lebersteatose
zu
(
Urk.
8/63/33).
Zusammenfassen
d
hielten sie fest,
der Beschwerdeführer
sei
aus interdiszi
plinä
rer Sicht
i
n der bisherigen
Tätigkeit als Mitarbeiter bei der Blumenbörse sowie in einer ver
gleichbaren leichten bis gelegentlich mittelschweren Tätigkeit zu 100
%
ar
beitsfähig. Eine anhaltende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
könne aus ver
sicherungsmedizinis
cher und aus interdisziplinärer Sicht weder aktuell
noch retrospektiv begründet werden. Die medizinischen Überlegungen welche zur
Rentenzusprache
geführt hätten, seien nach aktuellem medizinischen Wissens
stand und versicherungsmedizinischer Überlegungen nicht nachvollziehbar (
Urk.
8/63/44). Bereits im Jahre 2009 sei seitens des Hausarztes die Überprüfung der Rentenleistungen empfohlen worden, wobei die IV-Stelle der Empfehlung keine Beachtung geschenkt habe (
Urk.
8/63/49).
5.
5.1
In diagnostischer Hinsicht ist festzuhalten, dass die von
Dr.
A._
in seinem Gutachten vom 2
6.
März 2004 gestellte Hauptdiagnose einer prolongierten ge
mischten Anpassungsstörung nicht zu den
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage zählt (vgl. BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3). Die
se
Rechtsprechung kommt dabei stets
nur bei
psychosomatischen Leiden mit
funktionellen
Körper
beschwerdesyndromen
zum Zug
(vgl. BGE 141 V 281 E. 2.1.1). Vor diesem Hintergrund fällt eine Revision des Rentenanspruchs gestützt auf die
Schluss
bestimmungen
der Änderung des
IVG vom 1
8.
März
2011 (
6.
IV-Revision, erstes
Massnahmepaket
) ausser Betracht
und es bleibt entsprechend den Ausführungen des Vertreters des Beschwerde
füh
rers zu prüfen, ob sich der Gesundheitszustand seit der ursprünglichen
Ren
tenzusprache
wesentlich verändert hat.
Aufgrund der ursprünglich sowie den aktuell gestellten Diagnosen fällt dabei eine Sistie
rung des vorliegenden Ver
fahrens, wie dies der Vertreter des Beschwerdeführers in seinem Schreiben vom
6.
Juli 2015 verlangte (
Urk.
14), ausser Betracht, da im vorliegenden Verfahren
weder die Überwindbarkeitspraxis noch die neu er
gangene
Schmerzrecht
spre
chu
ng
(BGE 141 V 281) eine Rolle spielen.
5.2
5.2
.1
Im Rahmen des Gutachtens von
Dr.
A._
klagte der Beschwerdeführer ins
besondere über Ein- und Durchschlafstörung mit schmerzbedingtem
Früher
wachen
, Herzklopfen und –rasen,
linksthoraka
le Schmerzen und Druckgefühl, Ma
genschmerzen, Dauerkopfschmerzen, Sekundenwechsel von Hitzegefühl zu Ganzkörperfrösteln, Mundtrockenheit und Schwindelattacken. Weiter beklagte
der Beschwerdeführer Stressintoleranz, Nervosität und hohe innere Anspan
nung
, Vergesslichkeit und Angstanfälle bis hin zu Panikattacke
n;
daneben wür
den ein sozialer Rückzug, ein Verlust von gewohnten Interessen und Freizeit
be
schäf
ti
gungen, eine Soziophobie sowie Insuffizienzgefühle vorliegen. Er fühle sich müde
,
matt und abgeschlagen, das Lebensgefühl sei ihm vollständig
ab
handen gekommen
, der Zustand sei eine absolute Katastrophe für ihn und seine Familie. Die Tagesroutine bestehe aus Laufen und Liegen, für Kinder und Freunde habe er keine Nerven mehr, er fühle sich für jede Tätigkeit zu er
schöpft.
Dr.
A._
hielt
in
klinisch
er Hinsicht
fest, dass der Beschwerdeführer auf den ersten Blick deutlich gezeichnet aussehe.
Psychomotorisch und im Antrieb bestehe eine er
hebliche Verlangsamung, Affekt und Stimmung seien
anerg
-depressiv gedrückt bei deutlich eingeschränkter affektiver Modulationsfähigkeit und deutlichem Leidensdruck (
Urk.
8/28 S. 6).
5.2
.2
Anlässlich de
r
MEDAS-
Begutachtung
gab der Beschwerdeführer an, an starken Schmerzen im ganzen Körper zu leiden, insbesondere im Rückenbereich. Hin und wieder habe
er
Herzstolperer
sowie einen Druck in der Brust (
Urk.
8/63/22).
Hinsichtlich des Tagesablaufs gab der Beschwerdeführer an, dass er nach dem Aufwachen ein warmes Bad nehme, das tue ihm gut. Danach esse er ein
Gipfeli
und trinke einen Kaffee und würde in der Folge sitzen, liegen oder in der Woh
nung herumlaufen. Bei schönem Wetter würde er sp
azieren gehen, etwa 20 bis 30 Minuten, in der Regel zweimal pro Tag, manchmal auch dreimal. Manchmal gehe er auch mit seiner Frau einkaufen, mehrheitlich würde seine Frau die Ein
käufe erledigen. Zu Hause schaue er fern und lese gerne die Zeitung. Viele sozi
ale Kontakte habe er nicht, er wohne mit seiner Familie zusammen und habe selten Besuch. Zuletzt sei er im Sommer 2013 für eine Woche in Serbien in den
Ferien gewesen. Die Reise habe er mit dem Auto gemacht (14 bis 16 Stunden), wobei mehrheitlich seine Frau gefahren sei (
Urk.
8/63/26
).
Der Beschwerdeführer sei lächelnd zur Untersuchung gekommen, habe einen starken Händedruck gehabt und den Gutachter freundlich begrüsst. Bei der Kommunikation und interpersonel
len Aktion
seien
von Beginn an keine Ein
schränkun
gen
festgestellt worden. Die klinische Untersuchung habe keine An
haltspunkte für Konzentrations- oder Aufmerksamkeitsstörungen ergeben. Der Beschwerdeführer sei stets in der Lage gewesen, die
Fragen
rasch,
situations
adäquat
und ohne Latenz zu beantworten. Bei plötzlichem Themenwechsel habe er keine Schwierigkeiten gezeigt
, sich rasch anzupassen, weiter habe keine
Er
schöpfungstendenz
festgestellt werden können. Eine
Grübelneigung
liege nicht vor, auch depressionstypische Denkinhalte wie Insuffizienzgefühle, Schuldge
fühle, Gefühle der Wertlosigkeit oder
negativistische
Zukunftsperspektiven seien nicht ausgemacht worden. Die Grundstimmung sei unauffällig, freundlich und situationsangepasst gewesen. Eine pathologische Affektauslenkung habe nicht vor
gelegen, insbesondere habe keine anhaltende depressive Affektivität festge
stellt werden können bei unauffälligem Antrieb und affektiver
Schwingungs
fähigkeit
. Die Psychomotorik sei unauffällig gewesen, auch habe keine Verlang
samung und kein Interessenverlust vorgelegen (
Urk.
8/63/27).
5.2
.3
Sowohl aufgrund der geklagten Beschwerden als auch des Tagesablaufs ist
entsprechend
de
n
Angaben
der MEDAS-Fachärzt
e
von einer Verbesserung des Gesund
heitszustandes auszugehen. Die vom Beschwerdeführer geschilderte Ver
besse
rung des Aktivitätsniveaus (vgl. Tagesablauf) wiederspiegelt sich
dabei
auch
in den klinischen Befunden.
Eine solche Verbesserung ist auch ohne weiteres mit der ursprünglich gestellten Diagnose einer Anpassungsstörung in Einklang zu bringen, halten die Symptome einer solchen
doch
meist nicht länger als 6
Mo
nate an (Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien,
9.
Auflage, S. 209). Damit ist ein
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17 ATSG gegeben und es bleibt die Situation im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung zu prüfen.
Ursprünglich hatte der Beschwerdeführer noch eine mittelschwere bis schwere depressive Alteration präsentiert mit Rückzug
,
Affektlabilität,
Belastungs
intoleranz
, Angst- und Panikattacken sowie kognitiv
-
intellektuellen Defiziten (Urk.
8/28/2). Dies ist heute nicht mehr erkennbar.
5.3
Das vorliegende MEDAS-Gutachten würdigt den medizinischen Sachverhalt in einer schlüssigen Weise unter Berücksichtigung der
Vorakten
.
So zeigten die Gutachter anhand der objektiven Untersuchungsresultate in nachvollziehbarer
W
eise
auf, dass keine psychopathologischen Befunde erhoben wurden (Urk.
8/63/27) und eine entsprechende Erkrankung nicht (mehr) besteht.
Die Expertise
stellt damit eine verlässliche Grundlage für die Beurteilung der Leis
tungsfähigkeit dar, so dass sowohl in der angestammten als auch einer an
ge
passten Tätigkeit von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit auszugehen ist.
An dieser Einschätzung vermag
auch
der Bericht der Fachärzte der Psychiatri
schen Universitätsklinik vom 2
7.
März 2015 nichts zu ändern
, welche eine mittelgradige depressive Episode diagnostizierten
(
Urk.
8/89)
.
Der Bericht beruht überwiegend auf den
Angaben des Beschwerdeführers, wohingegen eine Würdi
gung der medizinischen
Vorakten
fehlt. Zudem
ist in Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von be
handelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften auf die Erfahrungs
tatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre
auftragsrechtli
che
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V
465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behand
lungsauftrag der thera
peu
tisch tätigen (Fach-) Person einerseits und Begutach
tungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170
E. 4
) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen bzw. Therapiekräfte zu anderslautenden Einschät
zungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wichtige - und nicht rein subjektiver Interpre
tation entspringende - Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil
des Bun
desgerichts
8C_677/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E. 7.2
mit Hinweisen, u.a. auf
SVR 2008 IV Nr
. 15 S. 43 E.
2.2.1 [I 514/06]
).
Vorliegend kann insbesondere auch keine einen
längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung
aus
gemacht werden, da der Beschwerdeführer bereits nach der ersten Nacht
der geplanten stationären Behandlung
die Klinik wieder
verliess
. Dabei gab er an, dass
er sich da nicht wohlfühle und seine Familie vermisse
. Er könne es sich überhaupt nicht vorstellen
,
eine längere Zeit in der Klinik zu bleiben und sich auf eine stationäre Therapie einzulassen
(
Urk.
8/89 S.
3).
Das erwähnte Verhal
ten spricht – entsprechend dem Eindruck der MEDAS-Gutachter – gegen einen wesentlichen Leidensdruck.
5.4
Im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung
war
demzufolge kein IV-relevanter Gesu
ndheitsschaden mehr ausgewiesen, was in Abweisung der Beschwerde zur Bestätigung der angefochtenen Verfügung führt.
6
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen, infolge Be
willigung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsvertretung
jedoch
einst
weilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist der unentgeltliche Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt
Mark A.
Glavas
, Zürich, nach Einsicht in die Honorarnote vom
8.
Juni 2016
(Urk. 16)
mit
Fr.
2‘001.90
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
aus der Gerichtskasse zu entschädigen.