Decision ID: 51d342aa-c865-429c-87f1-86dc7c90073a
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Advokat lic. iur. Martin Boltshauser, c/o procap, Froburgstrasse 4,
Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 13. Juni 2003 aufgrund eines lumboradiculären
Schmerzsyndroms zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung – namentlich
Berufsberatung, Umschulung auf eine neue Tätigkeit und Rente – bei der IV-Stelle des
Kantons St.Gallen an (IV-act. 1).
A.b Im Auftrag der IV-Stelle erstattete Dr. med. B._, Facharzt FMH für
Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin, am 23. September 2004 ein
fachärztliches Gutachten, in welchem er im Wesentlichen ein chronisches
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom links und ein residuelles sensibles
lumboradiculäres Ausfallsyndrom L5 links sowie eine beginnende Gonarthrose links
diagnostizierte und volle Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte bis mittelschwere,
wechselbelastende Tätigkeiten unter Vermeidung repetitiven Lastenhebens über 12,5
Kilogramm attestierte (IV-act. 26).
A.c Nachdem zwei weitere Operationen an der Wirbelsäule der Versicherten
durchgeführt worden waren, beauftragte die IV-Stelle Dr. B._ mit der Erstellung eines
Verlaufsgutachtens. Dieses wurde am 21. September 2006 erstattet. Im Wesentlichen
diagnostizierte Dr. B._ ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom mit
anamnestisch lumbospondylogener Komponente; die Arbeitsfähigkeit schätzte
Dr. B._ auf 50 % (zweimal zwei Stunden täglich) in einer körperlich leichten,
wechselbelastenden Tätigkeit mit Heben und Tragen von Lasten bis maximal 15
Kilogramm und bis Schulterhöhe, unter Vermeidung von Tätigkeiten in
Wirbelsäulenzwangshaltungen und Über-Kopf-Arbeiten sowie ohne repetitive
Wirbelsäulenflexionen und Wirbelsäulenextensionen. Für den Zeitraum von Juni 2005
bis Januar 2006 sei gemäss den zur Verfügung stehenden Unterlagen von einer
100%igen Arbeitsunfähigkeit auszu-gehen. In Haushalttätigkeiten bestehe eine
Einschränkung der Leistungsfähigkeit für körperlich anstrengendere Tätigkeiten,
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entsprechend einer Verminderung von maximal 20–30 %. Es sei schliesslich fraglich,
so Dr. B._, ob der bald dreifachen Mutter (Sohn zudem unter einem
Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom leidend) eine ausserhäusliche Berufstätigkeit über
50 % zugemutet werden könne (IV-act. 59).
A.d Dr. med. C._, Facharzt FMH für Arbeitsmedizin, vom IV-internen regionalen
ärztlichen Dienst (RAD), hielt am 27. September 2006 gestützt auf das
Verlaufsgutachten von Dr. B._ sowie die übrigen aktenkundigen medizinischen
Berichte fest, dass die angestammte Tätigkeit ab September 2002 nicht mehr
zumutbar sei und in einer leidensadaptierten Tätigkeit von September 2002 bis und mit
Juli 2004 von vollständiger Arbeitsunfähigkeit, von August 2004 bis und mit Mai 2005
von vollständiger Arbeitsfähigkeit, von Juni 2005 bis und mit Januar 2006 von
vollständiger Arbeitsunfähigkeit und ab Februar 2006 von 50%iger Arbeitsunfähigkeit
auszugehen sei (IV-act. 60).
A.e In der Folge prüfte die IV-Stelle berufliche Eingliederungsmassnahmen. Im
Schlussbericht vom 3. November 2006 wurde festgehalten, die Versicherte habe
mitgeteilt, dass es ihr nicht gut gehe, sie im sechsten Monat schwanger sei und
eventuell nochmals operiert werden müsse. Sie habe im Jahr 2002 das letzte Mal
gearbeitet, damals zu 100 %. Bei voller Gesundheit würde sie zu 50 % arbeiten, da sie
noch zwei Kinder (damals neun und 13 Jahre alt) habe, die sie selbst betreuen müsse
(IV-act. 65).
A.f Nach der Geburt des dritten Kindes der Versicherten prüfte die IV-Stelle erneut
berufliche Eingliederungsmassnahmen. Im Schlussbericht vom 18. Mai 2007 wurde
festgehalten, die Versicherte habe mitgeteilt, sie sei aus gesundheitlichen Gründen
nicht arbeitsfähig. Da sie ein Kleinkind zu betreuen habe und eines der beiden anderen
Kinder an einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom leide, sie für die Kinderbetreuung
aber keine familiäre Unterstützung habe, sei sie zusätzlich in ihrer Erwerbsfähigkeit
beeinträchtigt (IV-act. 74).
A.g Am 12. Juli 2007 wurde eine Abklärung im Haushalt der Versicherten
durchgeführt. Im entsprechenden Bericht vom 27. Juli 2007 wurde unter anderem
festgehalten, dass die Versicherte bei voller Gesundheit – wie bereits vor ihrer
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Erkrankung – einer 100%igen Erwerbstätigkeit nachgehen würde, einerseits aus
finanziellen Gründen und andererseits, weil sie unter die Leute müsse; sie habe das
Gefühl, zuhause falle ihr die Decke auf den Kopf. Sie würde abends im Service arbeiten
(ab ca. 16.00 oder 17.00 Uhr); ihr Lebenspartner würde auf die Kinder aufpassen (IV-
act. 78).
A.h Mit Vorbescheid vom 8. Februar 2008 teilte die IV-Stelle mit, dass die Zusprache
einer halben Invalidenrente ab 1. Juni 2006 vorgesehen sei (IV-act. 93). Dagegen liess
die Versicherte am 31. März 2008 Einwand erheben. Sie beantragte die Zusprache
einer Rente auch für die Zeit vor dem 1. Juni 2006, gestützt auf die Stellungnahme des
RAD-Arztes Dr. C._ vom 27. September 2006 und unter Berücksichtigung der
Tatsache, dass für den Zeitraum von August 2004 bis und mit Mai 2005 nicht von
vollständiger Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden könne (IV-act. 99).
A.i In der Folge führte die IV-Stelle eine weitere Abklärung im Haushalt der
Versicherten durch. Im entsprechenden Bericht vom 16. Januar 2009 wurde unter
anderem festgehalten, dass die Versicherte bei voller Gesundheit aus finanziellen
Gründen zu 100 % als Serviertochter arbeiten würde, und zwar jeweils von etwa 16.00
bis etwa 01.00 Uhr; werktags würde eine Freundin das jüngste Kind betreuen, ab 17.30
Uhr könne der Ehemann die Betreuung übernehmen, ebenso an den Wochenenden.
Die Abklärungsbeauftragte der IV-Stelle hielt im Abklärungsbericht dazu fest, die
Angaben der Versicherten seien nicht durchwegs überzeugend. Zudem sei im
Anschluss an die Abklärung mitgeteilt worden, dass die Versicherte zum vierten Mal
Mutter wurde. Die Qualifikation sei daher ab Geburt des vierten Kindes nochmals neu
zu prüfen (IV-act. 119).
A.j Mit Vorbescheid vom 3. Juni 2009 teilte die IV-Stelle mit, dass kein Anspruch auf
eine Invalidenrente bestehe. Die Versicherte sei als Mutter von vier Kindern zu 100 %
als Hausfrau und Mutter zu qualifizieren; eine zusätzliche Erwerbstätigkeit zu diesem
belastenden Aufgabenbereich sei als realitätsfremd zu qualifizieren, was auch für die
Zeit vor der Geburt des vierten Kindes gelte. Der Invaliditätsgrad betrage demnach
24 % (IV-act. 129). Dagegen liess die Versicherte am 3. Juli 2009 Einwand erheben. Sie
habe im Rahmen der Haushaltsabklärungen glaubhaft dargelegt, dass sie ohne
gesundheitliche Beeinträchtigung zu 100 % erwerbstätig wäre. Sie und ihre Familie
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seien auf das entsprechende Einkommen angewiesen. Aufgrund der Arbeitszeiten wäre
eine weitgehende Betreuung der Kinder gewährleistet; an den Schnittstellen würden
die beiden kleinen Kinder im Kinderhort betreut. Sie sei deshalb als Vollerwerbstätige
zu qualifizieren (IV-act. 130).
A.k Am 10. Juli 2009 verfügte die IV-Stelle gemäss Vorbescheid vom 3. Juni 2009.
Eine vollzeitige Erwerbstätigkeit werde weiterhin als realitätsfremd qualifiziert, zumal die
Versicherte ja auch ihre 50%ige Erwerbstätigkeit nicht verwerte (IV-act. 133).
B.
B.a Dagegen richtet sich die am 14. September 2009 erhobene und am 11. Januar
2010 ergänzte Beschwerde, mit der die Überprüfung des Invaliditätsgrades beantragt
und zur Begründung ausgeführt wird, aufgrund der gesamten Umstände sei die
Beschwerdeführerin als Vollerwerbstätige zu qualifizieren; eventualiter sei zu prüfen, ob
ihr rückwirkende Leistungen bis mindestens zur Geburt des dritten Kindes zustünden
(act. G 1 und G 9).
B.b Die Beschwerdegegnerin schliesst auf Abweisung der Beschwerde. In ihrer
Beschwerdeantwort vom 3. März 2010 führte sie zur Begründung ihres Antrages aus,
die Ausführungen der Beschwerdeführerin seien realitätsfremd. Zudem zeige die
Tatsache, dass sich die Beschwerdeführerin bislang nicht bemüht habe, ihre
verbliebene Erwerbsfähigkeit zu verwerten, dass die Möglichkeit und der Wille, ausser
Haus zu arbeiten, eher theoretischer Natur seien. Eine 50%ige Erwerbstätigkeit sei
zwar allenfalls bis zur Geburt des vierten Kindes noch denkbar, was aber am Ergebnis
nichts ändere, da der Invaliditätsgrad für den entsprechenden Zeitraum auch bei dieser
Annahme weniger als 40 % betrage und damit nicht zum Bezug einer Rente berechtige
(act. G 11).
B.c Die Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Replik (act. G 14).

Erwägungen:
1.
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In der Regel wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrads gemäss Art. 16 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der
Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das
sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Bei Versicherten mit
vollendetem 20. Altersjahr, die vor der Beeinträchtigung ihrer Gesundheit nicht
erwerbstätig waren und denen eine Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, ist
gemäss Art. 5 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) und Art. 8 Abs. 3 ATSG hingegen die Unmöglichkeit, sich im bisherigen
Aufgabenbereich zu betätigen, massgebend (vgl. auch Art. 28a Abs. 2 IVG). Bei
Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind, wird der Invaliditätsgrad für den auf
die Erwerbstätigkeit entfallenden Teil gemäss Art. 16 ATSG und für den auf den
Aufgabenbereich entfallenden Teil gemäss Art. 28a Abs. 2 IVG ermittelt (Art. 28a Abs. 3
IVG). Ist aber anzunehmen, dass die versicherte Person im Zeitpunkt der Prüfung des
Rentenanspruchs ohne Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wäre, so ist die
Invaliditätsbemessung gemäss Art. 27 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) ausschliesslich nach den Grundsätzen für
Erwerbstätige zu bemessen. Gemäss ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung
ist für die Beantwortung der Frage, ob eine versicherte Person ohne
Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wäre, entscheidend, was diese bei im
Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung
bestünde, weshalb die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse
ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das
Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen
Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen sind (vgl. etwa BGE 125 V 146 E. 2c
S. 150 mit Hinweisen).
2.
2.1 Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, sie wäre ohne
Gesundheitsschaden zu 100 % erwerbstätig (vgl. IV-act. 78, 99, 119 und 130 sowie
act. G 1 und G 9). Zwar soll sie im Rahmen des Eingliederungsgesprächs vom
bis
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3. November 2006 ausgeführt haben, sie würde bei voller Gesundheit nur zu 50 %
arbeiten (vgl. IV-act. 65), doch hat die Beschwerdeführerin diese von ihr nicht
gegengezeichnete Feststellung nie bestätigt – im Gegenteil: Sie hielt anlässlich der
Haushaltabklärung vom 25. November 2008 explizit fest, sie habe diese Aussage nie
gemacht (vgl. IV-act. 119). Es ist deshalb davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin durchwegs den Standpunkt vertritt, sie wäre ohne
Gesundheitsschaden zu 100 % erwerbstätig. Indessen ist nicht allein der von der
Beschwerdeführerin vertretene Standpunkt massgebend. Vielmehr ist – mit Blick auf
die bundesgerichtliche Rechtsprechung – zu prüfen, wovon angesichts der gesamten
Umstände mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auszugehen ist.
2.2 Herausragende Bedeutung kommt dabei der Tatsache zu, dass die
Beschwerdeführerin vierfache Mutter ist, wobei sich zwei der vier Kinder noch im
Kleinkindalter befinden – die Kinder sind zwei, vier, 14 und 18 Jahre alt (vgl. IV-act. 1
und 122). Ohne Gesundheitsschaden könnte die Beschwerdeführerin vor dem
Hintergrund dieser Tatsache nur dann einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit nachgehen,
wenn eine genügende Betreuung der Kinder gewährleistet wäre. Ohne geeignete
Betreuungslösung müsste die Aufnahme einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit als
unrealistisch qualifiziert werden. Die Beschwerdeführerin macht diesbezüglich geltend,
sie würde abends und nachts arbeiten, das heisst jeweils von etwa 16.00 Uhr oder
17.00 Uhr bis etwa 01.00 Uhr, und zwar an drei Werktagen und an den Wochenenden.
Ihr Mann würde seinerseits jeweils frühmorgens mit der Arbeit beginnen (etwa um
07.00 Uhr), weshalb er am Abend entsprechend früh nach Hause kommen würde und
die Kinderbetreuung übernehmen könnte. Ergänzend würde eine Freundin oder ein
Kinderhort die Betreuung während der Zeit, in der die Beschwerdeführerin zur Arbeit
gehe und ihr Ehemann noch nicht zuhause sei, übernehmen, womit eine
durchgehende, angemessene Kinderbetreuung gewährleistet wäre. Die Situation wäre
damit etwa mit der eines Ehepaares, das Gegenschicht arbeitet, vergleichbar. Diese
Lösung kann zwar nicht als ideal bezeichnet werden, ist sie doch mit erheblicher
Belastung für die Beschwerdeführerin und ihren Ehemann verbunden. Allerdings ist
notorisch, dass nicht wenigen Familien aus finanziellen Gründen keine andere Wahl
bleibt, als ähnliche Lösungen zu leben. Dass beide Ehepartner vollzeitig erwerbstätig
sind, obwohl sie Kinder im Kleinkindalter haben, ist keine Seltenheit: Gemäss den
aktuellen Ergebnissen der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) des
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Bundesamtes für Statistik (BFS) arbeiten immerhin rund 50’000 Frauen mit Kindern im
Alter von 0–6 Jahren in einem Vollzeitpensum (BFS, SAKE, T 03.02.01.15). Dass auch
die Beschwerdeführerin ohne Gesundheitsschaden einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit
nachginge bzw. nachgehen müsste, ist aufgrund der finanziellen Verhältnisse des
Ehepaares als wahrscheinlich anzunehmen: Die Beschwerdeführerin würde im
Gastgewerbe erfahrungsgemäss einen tiefen Lohn beziehen; der Ehemann war
offensichtlich wiederholt arbeitslos. Dass für die beiden älteren Kinder Waisenrenten
ausgerichtet werden – wovon eine wohl in absehbarer Zeit entfallen wird, nachdem das
älteste Kind in diesem Jahr volljährig wird und wohl auch bald die Erstausbildung
abschliessen wird –, ändert daran nichts, sind die Beträge doch nicht so hoch, dass sie
es der Beschwerdeführerin erlauben würden, ihr hypothetisches Erwerbspensum
massgebend zu reduzieren. Dies gilt vor allem für Zeiträume, während denen der
Ehemann arbeitslos ist.
2.3 Andere Umstände, die einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit entgegenstehen
würden, sind nicht ersichtlich. Irrelevant ist auch der Hinweis der Beschwerdegegnerin,
die Beschwerdeführerin habe (angeblich) keine Bemühungen unternommen, ihre
Resterwerbsfähigkeit zu verwerten, was zeige, dass sie auch ohne
Gesundheitsschaden keiner Erwerbstätigkeit nachgehen würde, kann doch nicht
aufgrund des (angeblichen) tatsächlichen Verhaltens der Beschwerdeführerin in ihrer
aktuellen Situation unbesehen auf ihr hypothetisches Verhalten ohne
Gesundheitsschaden geschlossen werden.
2.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Frage, ob und allenfalls in welchem
Pensum die Beschwerdeführerin ohne Gesundheitsschaden arbeiten würde, in jedem
Fall nur rein hypothetisch beantwortet werden kann. Entscheidend ist vor diesem
Hintergrund, dass die Beschwerdeführerin durchwegs und entschieden den
Standpunkt vertreten hat, sie wäre vollzeitig erwerbstätig, dass sie eine angemessene
Betreuungslösung für die Kinder aufgezeigt hat, dass die Tätigkeit im Service zeitlich
eine vollzeitige Erwerbstätigkeit erlaubt, dass die finanzielle Notwendigkeit einer
vollzeitigen Erwerbstätigkeit gerade angesichts der wiederholten Phasen von
Arbeitslosigkeit des Ehemannes ausgewiesen ist und dass keine Umstände ersichtlich
sind, die der entsprechenden Hypothese, die Beschwerdeführerin wäre ohne
Gesundheitsschaden vollzeitig erwerbstätig, entgegen stehen.
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3.
3.1 Vor diesem Hintergrund ist die Beschwerde gutzuheissen. Die
Beschwerdeführerin hat – ausgehend von der überzeugenden Aufstellung des RAD-
Arztes Dr. C._ (IV-act. 60) und unter der Berücksichtigung von Art. 88a IVV – vom
1. September 2003 bis 31. Oktober 2004 und vom 1. September 2005 bis 30. April
2006 Anspruch auf eine ganze und ab 1. Mai 2006 auf eine halbe Rente der
Invalidenversicherung.
3.2 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festgelegt.
Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint vorliegend angemessen. Nach Art. 95
Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren
ganz oder teilweise abgewiesen werden. Demnach hat die unterliegende
Beschwerdegegnerin die Gerichtskosten gesamthaft zu tragen. Die Bewilligung der
unentgeltlichen Prozessführung wird damit obsolet.
3.3 Die anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin hat sodann Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung
der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen werden (Art. 61
lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP). In einem Fall mit mittlerem Aufwand und
Schwierigkeitsgrad wird praxisgemäss eine Pauschalentschädigung von Fr. 3’500.--
ausgerichtet. Insgesamt rechtfertigt sich in der vorliegenden Sache, die Entschädigung
auf pauschal Fr. 3’500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.
Eine Entschädigung aus unentgeltlicher Rechtsvertretung wird damit obsolet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP