Decision ID: d2b938ea-6960-58a0-b83c-10274b1fa36e
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 04.05.2012 Art. 52 AHVG. Schadenersatzverfahren. Haftung des Geschäftsführers einer GmbH für entgangene bundesrechtliche Beiträge bejaht. Genügend substanziierte Schadenersatzforderung. Keine Rechtfertigungs- oder Entschuldigungsgründe für die Beitragspflichtverletzung von längerer Dauer (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 4. Mai 2012, AHV 2011/5).Präsidentin Lisbeth Mattle Frei, Versicherungsrichterinnen Miriam Lendfers und Marie Löhrer; Gerichtsschreiber Philipp GeertsenEntscheid vom 4. Mai 2012in SachenA._,Beschwerdeführer,vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Thomas Häne, Zürcherstrasse 49, Postfach 644, 8853 Lachen SZ,gegenAusgleichskasse Schweizerischer Baumeisterverband, Sumatrastrasse 15, 8006 Zürich,Beschwerdegegnerin,betreffendSchadenersatzforderung (i.S. B._GmbH, in Konkurs)Streitwert bundesrechtliche Forderung: Fr. 43'132.15Sachverhalt:
A.
A.a Die C._ GmbH (seit 5. August 2009: B._GmbH; nachfolgend: die Gesellschaft)
wurde am _. Mai 2006 mit einem Stammkapital von Fr. 20'000.-- ins Handelsregister
eingetragen. A._ amtete seit der Gründung als einziger Geschäftsführer und war seit
5. August 2009 einziger Gesellschafter der Gesellschaft (Auszug Handelsregister,
eingesehen am 8. Februar 2012). Die Gesellschaft war als beitragspflichtige
Arbeitgeberin der Ausgleichskasse des Schweizerischen Baumeisterverbands
angeschlossen. Am _. Oktober 2009 wurde über die Gesellschaft der Konkurs
eröffnet. Das Konkursverfahren wurde am _. November 2009 mangels Aktiven
eingestellt (Auszug Handelsregister, eingesehen am 8. Februar 2012).
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A.b Mit Verfügung vom 9. Dezember 2010 verpflichtete die Ausgleichskasse des
Schweizerischen Baumeisterverbands A._ zur Bezahlung von Schadenersatz für
bundesrechtliche Beiträge (einschliesslich Verwaltungskosten, Mahngebühren und
Verzugszinsen) im Betrag von Fr. 43'132.15. Dagegen erhob A._ am 4. Januar 2011
Einsprache. Darin bestritt er, beitragsrechtliche Vorschriften absichtlich oder
grobfahrlässig missachtet zu haben (zum Ganzen act. G 4.7). Die Ausgleichskasse des
Schweizerischen Baumeisterverbands wies die Einsprache ab und verneinte das
Vorliegen von Rechtfertigungs- und Entschuldigungsgründen (Einspracheentscheid
vom 10. Februar 2011, act. G 1.2).
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 10. Februar 2011 richtet sich die
vorliegende Beschwerde vom 14. März 2011. Der Beschwerdeführer beantragt darin
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen dessen Aufhebung. Er wirft der
Beschwerdegegnerin vor, dass die Schadenersatzforderung nicht ansatzweise
substanziiert sei. Ohnehin seien diverse Positionen unzulässig. Der
Schadenersatzverfügung sei zwar ein Kontoauszug angehängt. Diesem sei aber nicht
zu entnehmen, dass zwischen Mai 2008 und Oktober 2009 irgendwelche ALV-Beiträge
ausstehend gewesen wären. Nicht nachvollziehbar sei auch der Umfang der geltend
gemachten Verwaltungskostenbeiträge, Mahngebühren und Verzugszinsen. Hinzu
komme, dass die Beschwerdegegnerin unter dem Titel bundesrechtliche Beiträge auch
Ausstände geltend mache, bei denen es sich gar nicht um bundesrechtlich
geschuldete Sozialversicherungsbeiträge handle (Familienausgleichskasse) bzw.
welche ohnehin von einer Schadenersatzpflicht im Sinn des AHV-Rechts
ausgeschlossen wären (Militärdienstkasse). Ferner habe er weder pflichtwidrig noch
schuldhaft gehandelt (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 12. April 2011
die Beschwerdeabweisung. Zur Begründung führt sie aus, dass es sich beim
Kontoauszug um eine Aufstellung der offenen Posten handle. Die zugrunde liegenden
Details seien nicht aufgeführt, sondern nur die Totale der Rechnung für Akontobeiträge.
Die Details würden sich aus den monatlichen Akontoabrechnungen sowie den
einschlägigen Verwaltungsakten ergeben. Gleiches gelte für die genaue Berechnung
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des Verzugszinses. Aus den genannten Dokumenten ergebe sich auch, dass keine
Beiträge der Familienausgleichskasse oder der Militärdienstkasse geltend gemacht
worden seien. Vielmehr seien die Überschüsse zwischen FAK-Beiträgen und
Kinderzulagen sowie zwischen Militärdienstkassenbeiträgen und Militärdienstleistungen
von den geschuldeten AHV- und ALV-Beiträgen zugunsten des Beschwerdeführers in
Abzug gebracht worden. Im Übrigen lautet die Begründung ähnlich wie diejenige des
Einspracheentscheids vom 10. Februar 2011 (act. G 4).
B.c In der Replik vom 1. Juni 2011 macht der Beschwerdeführer ergänzend geltend,
dass er sich bereits aufgrund der fehlerhaften bzw. unvollständigen Kontoauszüge zu
einer Beschwerde veranlasst gesehen habe. Selbst wenn das Gericht den geforderten
Schadenersatz aufgrund der neu eingereichten Unterlagen als ausgewiesen erachte,
sei das Verhalten der Beschwerdegegnerin bei den Entschädigungsfolgen zwingend zu
berücksichtigen (act. G 10).
B.d Die Beschwerdegegnerin vertritt in der Duplik vom 10. August 2011 die
Auffassung, dass sich der Beschwerdeführer im Einspracheverfahren nicht über die
Nachvollziehbarkeit der Schadenersatzforderung beklagt habe. Hätte er Zweifel an
deren Höhe gehabt, hätte er eine detaillierte Aufstellung bereits vor dem Verfassen
seiner Einsprache verlangen können. Sie hält fest, dass die Schadenersatzverfügung
vom 9. Dezember 2010 eine exakte und korrekte Aufteilung des Schadens beinhaltet
habe (act. G 12).

Erwägungen:
1.
Im vorliegenden Verfahren ist die Schadenersatzpflicht des Beschwerdeführers einzig
für nichtgeleistete bundesrechtliche Beiträge (einschliesslich Mahngebühren,
Verwaltungskosten und Verzugszinsen) für Mai 2008 bis und mit September 2009, mit
Ausnahme der Pauschale für Juli 2008 im Betrag von Fr. 43'132.15, streitig.
Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer als verantwortliches Organ der
Gesellschaft anzusehen ist (act. G 1, S. 3). Nach Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) hat ein
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Arbeitgeber, der durch absichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von Vorschriften
der Ausgleichskasse einen Schaden verursacht, diesen zu ersetzen. Ist der Arbeitgeber
eine juristische Person, so können subsidiär gegebenenfalls die verantwortlichen
Organe belangt werden (BGE 123 V 15 E. 5b mit Hinweisen; bestätigt in BGE 129 V
11). Die Haftung nach Art. 52 AHVG sieht eine Verschuldenshaftung nach öffentlichem
Recht vor. Damit eine Schadenersatzpflicht entstehen kann, müssen alle
Haftungsvoraussetzungen gegeben sein, d.h. es muss ein Schaden eingetreten sein,
der auf ein widerrechtliches und schuldhaftes Verhalten des verantwortlichen Organs
zurückzuführen ist. Der Schadenersatzprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz (vgl.
hierzu bezüglich des Verwaltungsverfahrens Art. 43 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] und betreffend das
Verfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht Art. 61 lit. c ATSG) beherrscht, der
besagt, dass die Verwaltung bzw. das kantonale Versicherungsgericht von Amtes
wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts
zu sorgen hat. Der Untersuchungsgrundsatz gilt aber nicht uneingeschränkt, sondern
wird durch die verschiedenen Mitwirkungspflichten der Parteien ergänzt.
2.
Die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers bzw. des verantworlichen Organs setzt
zunächst den Eintritt eines Schadens bei der Ausgleichskasse voraus. Der Schaden
kann unbezahlt gebliebene paritätische AHV/IV/EO- und ALV-Beiträge,
Verwaltungskostenbeiträge, Mahngebühren, Veranlagungs- und Betreibungskosten
sowie Verzugszinsen für rückständige Beiträge umfassen (Thomas Nussbaumer, Das
Schadenersatzverfahren nach Art. 52 AHVG, in: Schaffhauser/Kieser [Hrsg.], Aktuelle
Fragen aus dem Beitragsrecht der AHV, St. Gallen 1998, S. 100).
2.1 Obschon im vorliegenden Verfahren der Untersuchungsgrundsatz gilt, wird dieser
insbesondere durch die Mitwirkungs- und Substanziierungspflicht der
Beschwerdegegnerin und des in Anspruch genommenen Beschwerdeführers
beschränkt. Entsprechend ist es einerseits Sache der Beschwerdegegnerin, ihre
Schadenersatzforderung soweit zu substanziieren, dass sie überprüft werden kann,
wobei die wesentlichen Tatsachenbehauptungen in der Schadenersatzverfügung
enthalten sein müssen. Die Beschwerdegegnerin muss in verständlicher Weise
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darlegen, für welche Zeitspanne, in welcher Höhe und bezogen auf welche Personen
die entgangenen Beiträge geschuldet sind. Ausgangspunkt sind in der Regel die
Lohnsummenmeldungen oder die durch eine Arbeitgeberkontrolle revidierten
Lohnbuchhaltungen. Ferner gehört zur Substanziierungspflicht grundsätzlich auch, den
eingeklagten Forderungsbetrag oder Teile davon zu belegen, also durch Einreichung
von Lohnabrechnungen, Nachzahlungs- und Veranlagungsverfügungen die in der
Beitragsübersicht enthaltenen Zahlungsvorgänge zu beweisen (vgl. Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 10. Juli 2002, H 81/02, E. 4b mit Hinweis).
Zusammenfassend ist es demnach Sache der Ausgleichskasse, die
Schadenersatzforderung soweit zu substanziieren, dass sie überprüft werden kann.
Anderseits obliegt es im Bestreitungsfall dem Beklagten, substanziiert darzulegen,
weshalb der von der Kasse ermittelte Schadensbetrag unzutreffend ist (Urteil des EVG
vom 28. November 2000, H 139/99, E. 4a mit Hinweis auf ZAK 1991 S. 126 E. II/1b).
2.2 Die Schadenersatzverfügung vom 9. Dezember 2010 enthält die wesentlichen
Grundlagen der Schadensberechnung. So listete die Beschwerdegegnerin die
einzelnen Schadensbetreffnisse (Beiträge AHV/IV/EO, Beiträge ALV,
Verwaltungskostenbeiträge, Mahngebühren und Verzugszinsen) auf. Ferner gab sie
darin an, dass vom berechneten Schadenersatzbetrag von Fr. 49'264.15 die
Akontobeiträge Oktober 2009 (Fr. 3'932.--) und die Rechnung FAK (Fr. 2'200.--)
abgezogen worden seien, weil diese erst nach Konkurseröffnung fällig geworden seien.
Daraus ergebe sich ein Betrag von Fr. 43'132.15. Der Verfügung beigelegt war ein
Kontoauszug. Darin sind die einzelnen Schadenspositionen mit Nennung der
relevanten zeitlichen Angaben (Datum der Buchung und - bei den
Beitragsabrechnungen - der monatlichen Akontoperiode) sowie die unbestritten
gebliebenen Zahlungen des Beschwerdeführers enthalten. Dass auf dem Kontoauszug
die ALV-Beiträge nicht explizit genannt wurden, vermag keine Mangelhaftigkeit der
Schadenssubstanziierung zu begründen. Denn einerseits wurde das Total der offenen
ALV-Beiträge in der Verfügung genannt, zum anderen ist die fehlende Nennung im
Kontoauszug wohl auf grafische Gründe (begrenzte Textspalte) zurückzuführen. Ins
Gewicht fällt aber, dass der Beschwerdeführer ohne weiteres hätte erkennen können,
dass unter der Rechnung mit dem Betreff "AHV/IV/EO" auch die bundesrechtlichen
ALV-Beiträge fielen, werden doch die ALV-Beiträge nicht separat in Rechnung gestellt.
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Im Übrigen hätte bereits ein Blick auf die dem Beschwerdeführer unbestrittenermassen
jeweils zugestellten - im Kontoauszug einzeln genannten - Akontorechnungen (vgl.
hierzu act. G 4.1, Rückseiten der Akontoabrechnungen) genügt, um nachvollziehen zu
können, dass und in welchem Umfang im aufgeführten Schadensbetrag auch die ALV-
Beiträge enthalten waren. Gleichzeitig hätte er dabei für jede monatliche Abrechnung
nachlesen können, woraus sich der im Kontoauszug genannte Gesamtbetrag im
Einzelnen (einschliesslich Mahngebühren und Verwaltungskosten) zusammensetzt.
Dass die Aufwendungen des Betreibungsverfahrens (Betreibungskosten und
Pfändungsgebühren) trotz je separater Zeile im Kontoauszug unter der
Sammelbezeichnung "Spesen" geführt wurden, vermag ebenfalls keine mangelhafte
Substanziierung der entsprechenden Kosten begründen. Zwar geht aus der
Schadenersatzverfügung und dem Kontoauszug nicht ohne Weiteres hervor, dass
sämtliche Spesen vorab mit der im Kontoauszug enthaltenen Teilzahlung vom 29. Mai
2009 im Betrag von Fr. 1'496.05 und der Gutschrift vom 10. Juni 2010 im Betrag von
Fr. 574.10 (Auszahlung des CO -Abgabeertrags, vgl. detaillierte Aufstellung der per
Kontoeröffnung offenen Beiträge samt Nebenkosten in act. G 4.5) verrechnet und der
Restbetrag auf die ausstehenden Beiträge angerechnet wurden. In der Verfügung
werden die Spesen hingegen nicht mehr aufgeführt, woraus geschlossen werden
konnte, dass unter diesem Stichwort keine offenen Forderungen mehr bestanden bzw.
diese bereits verrechnet waren, zumal das Total der Schadenersatzforderungen im
Kontoauszug sowie der Verfügung (vor Abzug der Oktoberbeiträge und der Rechnung
FAK) identisch sind.
2.3 Obschon es der besseren Klarheit halber wünschenswert gewesen wäre, wenn
die Beschwerdegegnerin die einzelnen Gutschriften, die Spesenzusammensetzung
sowie die vorgenommenen Verrechnungen/Anrechnungen in der Verfügung näher
erklärt hätte, kam sie mit der Schadenersatzverfügung samt Kontoauszug ihrer
Substanziierungspflicht nach. Eine rechtsgenügliche Überprüfung der
Schadenersatzforderung war gewährleistet. Die weiterführenden Details der
Schadenersatzforderung ist im Übrigen in den Verwaltungsakten sorgfältig
dokumentiert, auf deren Sichtung der Beschwerdeführer jedoch sowohl im
Verwaltungsverfahren als offenbar auch im Rahmen der Beschwerdeerhebung
verzichtete.
3.
2
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Weitere Haftungsvoraussetzung für die vorliegend massgebliche
Schadenersatzforderung ist die Widerrechtlichkeit.
3.1 Art. 14 Abs. 1 AHV in Verbindung mit Art. 34 ff. der Verordnung über die Alters-
und Hinterlassenenversicherung (AHVV; SR 831.101) schreibt vor, dass der Arbeitgeber
bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen
mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Bei einer
Lohnsumme von über Fr. 200'000.-- hat der Arbeitgeber die Beiträge monatlich zu
zahlen (Art. 34 Abs. 1 lit. a AHVV). Die Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht ist
eine gesetzlich vorgeschriebene öffentlichrechtliche Aufgabe. Dazu hat die
Rechtsprechung festgehalten, dass die Nichterfüllung dieser öffentlichrechtlichen
Aufgabe eine Missachtung von Vorschriften im Sinn von Art. 52 Abs. 1 AHVG bedeute
und grundsätzlich die volle Schadensdeckung nach sich ziehe (BGE 118 V 195 E. 2a
mit Hinweisen).
3.2 Aus den Akten ergibt sich und ist unbestritten, dass die Gesellschaft nur
schleppend und nicht vollumfänglich der Beitragspflicht nachgekommen ist, was zum
Schaden der Beschwerdegegnerin geführt hat. Die Gesellschaft bzw. deren Organe
haben damit die Beitragszahlungspflicht betreffend die von der Beschwerdegegnerin
geltend gemachten Ausstände missachtet. Zu prüfen bleibt das Vorliegen von
Rechtfertigungsgründen.
3.3
3.3.1 Zunächst stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, dass er mit
Schreiben vom 25. Januar 2008 (act. G 1.9) die Beschwerdegegnerin um eine
Ratenzahlung ersucht habe. Diese habe in der Folge wiederholt die aufgrund des
Konkurses der D._ GmbH seitens des Beschwerdeführers privat geschuldeten
Schadenersatzforderung und die neuen seitens der damaligen C._ GmbH
geschuldeten Sozialversicherungsbeiträge vermischt. Massgebend sei nun aber, dass
sich die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 3. März 2009 an die damalige "C._
GmbH" gewandt (act. G 1.10), sich auf die vereinbarte Ratenzahlung bezogen und für
ausstehende Beiträge eine Bezahlung von mindestens Fr. 600.-- bis Ende März 2009
verlangt habe. Der Beschwerdeführer habe damit von einem zugunsten der
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Gesellschaft gewährten Zahlungsaufschub ausgehen dürfen (act. G 1, S. 7). Die
Beschwerdegegnerin wendet hiergegen ein, dass sich der Beschwerdeführer mit dem
Schreiben vom 25. Januar 2008 um eine Ratenvereinbarung für die im
Schadenersatzverfahren der D._ GmbH geschuldeten Beiträge bemüht habe. Da sich
der Beschwerdeführer mit dem Schreiben vom 25. Januar 2008 über seine neue Firma
an sie gewandt habe, habe sie das Erinnerungsschreiben vom 3. März 2009 an die
neue Firmenadresse gesandt (act. G 4).
3.3.2 Die Frage, ob sich der Beschwerdeführer im Schreiben vom 25. Januar
2008 im Namen der Gesellschaft bzw. bezüglich der im vorliegenden Verfahren
massgeblichen Beiträge an die Beschwerdegegnerin gewandt hat, kann offen bleiben.
Denn selbst wenn dies zu bejahen wäre, durfte der Beschwerdeführer aus dem
Schreiben vom 3. März 2009 nicht auf eine Ratenzahlungsvereinbarung zugunsten der
Gesellschaft schliessen. Der Beschwerdeführer erhielt auf sein Schreiben vom
25. Januar 2008 als Antwort das Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 4. Februar
2008 (act. G 4.6). Dessen Inhalt bezieht sich auf einen Tilgungsplan bezüglich der
entgangenen Beiträge der D._ GmbH. Dem Gesuch um monatliche Ratenzahlungen
von Fr. 100.-- wurde entsprochen. Dem Beschwerdeführer musste demnach klar sein,
dass die Beschwerdegegnerin die von ihm ersuchte Ratenzahlung auf die von ihm
privat geschuldeten Beiträge bezog. Zugunsten der Gesellschaft konnte daraus nichts
abgeleitet werden. Daran ändert auch das von ihm ins Feld geführte, mehr als ein Jahr
später verfasste Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 3. März 2009 nichts, worin
diese bei Angabe der Mitgliedsnummer der D._ GmbH (4.0523) und bei klarem
Bezug zu dieser Gesellschaft zum Tilgungsplan bzw. Schreiben vom 4. Februar 2008
(vgl. Betreffzeilen sowie erster Satz) die ausstehenden Ratenzahlungen mahnte. Trotz
allenfalls missverständlicher Adressierung musste der Beschwerdeführer - zumindest
bei gebotener sorgfältiger Lektüre - erkennen, dass sich das Schreiben vom 3. März
2009 nicht auf die Gesellschaft bezog, womit ein entsprechender Rechtfertigungsgrund
entfällt.
3.4
3.4.1 Der Beschwerdeführer erblickt einen Rechtfertigungsgrund für das
mangelhafte Bezahlen der Beiträge auch darin, dass aufgrund einer
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Kontokorrentkreditnahme bei einer Bank praktisch kein finanzieller Spielraum mehr
bestanden habe. Er habe sich aber auch weiterhin um die Begleichung der
Sozialversicherungsbeiträge bemüht und - sofern irgendwie möglich - wiederholt
Zahlungen veranlasst. Er habe auch nur einen bescheidenen Lohn bezogen und mit
sämtlichen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln versucht, die Gesellschaft zu retten
und die Sozialversicherungsbeiträge zu begleichen (act. G 1).
3.4.2 Bei seiner Argumentation verkennt der Beschwerdeführer, dass es nicht
Sache der Ausgleichskasse ist, das wirtschaftliche Risiko eines Unternehmens zu
tragen, und ihm auch nicht der Konkurs der Firma, sondern die Nichtbezahlung der
Beiträge vorgeworfen wird. Dass sich die Gesellschaft in finanzielle Abhängigkeit einer
Bank begab, kann daher nicht als Rechtfertigungsgrund anerkannt werden, sondern
veranschaulicht vielmehr die düsteren Geschäftsaussichten. Gerade bei dieser
angespannten finanziellen Situation hätte sich der Beschwerdeführer primär um die
Begleichung der Sozialversicherungsbeiträge bemühen müssen und nur noch so viel
an Lohn auszahlen dürfen, wie er auch entsprechende Beiträge zu bezahlen vermochte
(vgl. SVR 1995 AHV Nr. 70 S. 214 E. 5). Auch der Bezug eines - aus der Sicht des
Beschwerdeführers - bescheidenen Nettoeinkommens von monatlich Fr. 4'000.-- stellt
keinen Rechtfertigungsgrund und im Übrigen auch keinen Entschuldigungsgrund dar,
da darin kein Bestreben zur Begleichung der Sozialversicherungsbeiträge ersichtlich
ist.
4.
Im Weiteren ist zu prüfen, ob die Vorschriften absichtlich oder grobfahrlässig
missachtet wurden.
4.1 Bei der Prüfung der Verschuldensfrage ist zu berücksichtigen, dass sowohl ein
Verschulden des Arbeitgebers wie des verantwortlichen Organs vorliegen muss. Nach
der Rechtsprechung ist nicht jede Verletzung der öffentlichrechtlichen Aufgaben durch
den Arbeitgeber ohne weiteres einem qualifizierten Verschulden seiner Organe
gleichzusetzen. Vorausgesetzt ist vielmehr ein Normverstoss von einer gewissen
Schwere. Eine Nichtabrechnung oder Nichtbezahlung der Beiträge genügt noch nicht,
um ein qualifiziertes Verschulden anzunehmen. Vielmehr sind die gesamten Umstände
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zu würdigen. Die Frage der Dauer des Normverstosses ist dabei ein
Beurteilungskriterium, das im Rahmen der Gesamtwürdigung zu berücksichtigen ist
und im Sinn der Rechtsprechung zu den Entlastungsgründen zur Verneinung der
Schadenersatzpflicht führen kann (BGE 121 V 244 E. 4b mit Hinweisen). Von einem
qualifizierten Verschulden ist in der Regel auszugehen, wenn etwa ein Arbeitgeber über
längere Zeit seine Abrechnungs- und/oder Ablieferungspflichten nur schleppend oder
bloss teilweise erfüllt. Gegen ein qualifiziertes Verschulden kann beispielsweise eine
relativ kurze Dauer des Beitragsausstands sprechen (BGE 121 V 244 E. 4b mit
Hinweis). Bei der Verschuldensbeurteilung gilt ein objektiver Verschuldensmassstab,
weshalb subjektive Entschuldbarkeit oder die Gründe für die Mandatsübernahme
unbeachtlich sind (Ueli Kieser, Alters- und Hinterlassenenversicherung, in: Ulrich Meyer
[Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale Sicherheit,
2. Auflage 2007, H 272 mit Hinweisen).
4.2 Bei der Beurteilung der Verschuldensfrage bringt der Beschwerdeführer vor, dass
die Wirtschaftskrise 2009 eine Kehrtwende im Geschäftsgang eingeleitet habe und die
Gesellschaft deswegen im Herbst 2009 wider Erwarten den Konkurs habe anmelden
müssen. Bei dieser Ausgangslage sei es nicht zu beanstanden, dass er im Sommer/
Herbst 2008 und Frühjahr 2009 mit pünktlichen Lohnzahlungen und Begleichung der
Lieferantenrechnungen versucht habe, den Betrieb am Leben zu erhalten und für die
jungen Handwerker den Arbeitsplatz zu sichern (act. G 1, S. 9).
4.2.1 Zunächst ist zu wiederholen, dass es nicht Sache der Ausgleichskasse ist,
das wirtschaftliche Risiko eines Unternehmens zu tragen, und dem Beschwerdeführer
auch nicht der Konkurs der Firma, sondern die Nichtbezahlung der Beiträge
vorgeworfen wird. Entgegen seiner Auffassung kann vorliegend zudem nicht bloss von
"einem vorübergehenden Aussetzen" (act. G 1, S. 9) der Bezahlung der
Sozialversicherungsbeiträge gesprochen werden. Denn die Gesellschaft kam
spätestens ab Mai 2008, mithin bereits mehr als knapp eineinhalb Jahre vor der
Konkurseröffnung, ihrer Beitragspflicht - wenn überhaupt - bloss schleppend nach (vgl.
act. G 4.1). Dem Beschwerdeführer ist damit als grobe Fahrlässigkeit anzulasten, dass
er als Geschäftsführer nicht die korrekte Beitragsabrechnung und pünktliche
Ablieferung besorgt hat. Wie aus den Ausführungen in der Beschwerdeschrift
hervorgeht (act. G 1), war sich der Beschwerdeführer im Übrigen der schwierigen
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finanziellen Lage des Unternehmens bewusst gewesen. Wie bereits erwähnt (vgl.
vorstehende E. 3.4.2) hätte er gerade unter derartigen Umständen für die Erfüllung der
sozialversicherungsrechtlichen Verpflichtungen besorgt sein müssen (BGE 108 V 205
E. 3b). Ihm muss angesichts der Kenntnis der schlechten finanziellen Lage vorgeworfen
werden, dass er trotzdem weitere Löhne ausbezahlt und dadurch ein weiteres
Ansteigen von offenen Sozialversicherungsbeiträgen nicht vermieden hat. Vielmehr
hätte er nur so viel Lohn zur Auszahlung bringen dürfen, als die darauf unmittelbar von
Gesetzes wegen entstandenen Beitragsforderungen gedeckt gewesen wären (vgl. SVR
1995 AHV Nr. 70 S. 214 E. 5).
4.2.2 Insoweit der Beschwerdeführer Sanierungsbemühungen als
Entschuldigung für die Beitragspflichtverletzung ins Feld führt, gilt es folgendes zu
beachten: Nach der Rechtsprechung kann die Nichtbezahlung von
Sozialversicherungsbeiträgen entschuldbar sein, wenn bei ungenügender Liquidität ein
Arbeitgeber zunächst für das Überleben des Unternehmens wesentliche andere
Forderungen (insbesondere solche der Arbeitnehmenden und Lieferanten) befriedigt,
sofern er auf Grund der objektiven Umstände und einer seriösen Beurteilung der Lage
annehmen darf, er werde die geschuldeten Beiträge innert nützlicher Frist nachzahlen
können (BGE 108 V 188 E. 2, bestätigt in BGE 121 V 243 und 132 III 523 E. 4.6). Eine
relativ kurze Dauer des Beitragsausstandes schliesst zwar ein grobes Verschulden
nicht zwingend aus, kann aber für sich allein - in Abwesenheit anderer Umstände -
nicht als grobfahrlässig gewertet werden (BGE 121 V 244 E. 4b). Eine kurze Dauer bzw.
"nützliche Frist" in diesem Sinn ist z.B. überschritten, wenn die Beitragszahlungspflicht
über ein Jahr lang verletzt wird (Urteil des Bundesgerichts vom 17. September 2007,
9C_111/2007, E. 3.1), zumal wenn dabei kein gezieltes, auch nicht in zeitlicher Hinsicht
konkretes Sanierungskonzept vorliegt oder wenn eine Sanierung erst nach einem
jahrelang defizitären Geschäftsgang erwartet werden kann. Nicht entschuldbar ist die
Beitragsrückbehaltung, wenn eine Sanierung überhaupt nicht ernsthaft erwartet
werden kann (zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts vom 18. Januar 2011,
9C_330/2010, E. 3.4).
4.2.3 Vorliegend kann offen bleiben, ob eine Sanierung der Gesellschaft ernsthaft
erwartet werden konnte. Denn die Beitragspflichtverletzung dauerte vorliegend mehr
als ein Jahr, weshalb schon deshalb ein Entschuldigungsgrund entfällt, zumal
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vorliegend offenbar kein konkretes Sanierungskonzept vorlag. Zumindest wurde ein
solches bislang vom Beschwerdeführer nicht dargetan.
4.2.4 Soweit der Beschwerdeführer gegenüber der Beschwerdegegnerin den
Vorwurf erhebt, sie habe Kenntnis über die schlechte finanzielle Situation der
Gesellschaft gehabt und bis "zum bitteren Ende zugewartet" (Einsprache vom
4. Januar 2011, act. G 4.7), kann ihm nicht gefolgt werden. Im vorliegenden Kontext ist
von Belang, dass die Beschwerdegegnerin, die - im Gegensatz zu anderen Gläubigern
- öffentliche Aufgaben wahrnimmt, stets auch das Prinzip der Verhältnismässigkeit zu
berücksichtigen hat, weshalb es ihr nicht ohne Weiteres zum Verschulden gereicht,
wenn sie - etwa um einer in Schwierigkeiten befindlichen Gesellschaft noch eine
Chance zu geben - nicht mit aller Härte gegen sie vorgeht. Allein daraus ein
Selbstverschulden der Beschwerdegegnerin ableiten zu wollen, ist der Sache nicht
angemessen. Dass die Rüge des Beschwerdeführers, die Beschwerdegegnerin sei
untätig geblieben, im vorliegenden Fall auch inhaltlich nicht begründet ist, belegen
allein schon die zahlreichen in den Akten liegenden Betreibungs- und
Fortsetzungsbegehren (vgl. act. G 4.2).
4.2.5 Der Beschwerdeführer benennt keine weiteren überzeugenden Gründe, die
sein Verhalten als nicht grobfahrlässig erscheinen lassen oder ein Selbstverschulden
der Beschwerdegegnerin belegen würden. Solche ergeben sich auch nicht aus den
Akten. Daran vermag auch der anerkennenswerte Umstand, dass der
Beschwerdeführer für sämtliche seiner Mitarbeitenden eine neue Anstellung organisiert
hat (vgl. Einsprache vom 4. Januar 2011, act. G 1.2), nichts zu ändern, ist doch
vorliegend einzig sein Verhalten während der Beitragspflichtverletzung zu beurteilen.
5.
Schliesslich muss zwischen der schuldhaften Verletzung von Vorschriften und dem
Eintritt des Schadens ein adäquater Kausalzusammenhang bestehen. Ein Ergebnis hat
dann als adäquate Ursache eines Schadens zu gelten, wenn es nach dem
gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach allgemeiner Lebenserfahrung an sich geeignet
ist, einen Erfolg in der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt des Erfolgs
durch das Ereignis also allgemein als begünstigt erscheint (AHI 1994 S. 204 mit
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Hinweisen). Vorliegend ist ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen den
Unterlassungen des Beschwerdeführers und dem eingetretenen Schaden gegeben und
nicht bestritten. Hätte der Beschwerdeführer dafür gesorgt, dass die Gesellschaft ihren
Beitragsabrechnungs- und Ablieferungspflichten nachkommt, wäre kein Schaden in
dieser Höhe entstanden.
6.
Nach dem Gesagten sind somit die Voraussetzungen für die Leistung von
Schadenersatz erfüllt. Exkulpations- oder Rechtfertigungsgründe liegen keine vor. Die
Beschwerdegegnerin hat demnach den Beschwerdeführer zu Recht verpflichtet,
Schadenersatz für entgangene bundesrechtliche Beiträge von Fr. 43'132.15
einschliesslich Nebenkosten zu bezahlen. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. Das
Beschwerdeverfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. a ATSG). Ausgangsgemäss hat der
Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP