Decision ID: 75a681ff-161a-4ab3-82ba-2bcc69b168fc
Year: 2016
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
Mit Urteil vom 18. Februar 2015 verurteilte das Bezirksgericht Bremgarten
B., amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt A., wegen Drohung zu einer
Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je Fr. 70.--, unter Gewährung des
bedingten Vollzuges mit einer Probezeit von 4 Jahren. Die Entschädigung
des amtlichen Verteidigers wurde auf Fr. 15'493.30 fixiert (act. 1.3).
Mit Eingabe vom 5. März 2015 meldete B., vertreten durch RA A. gegen das
obgenannte Urteil die Berufung an. Nach Zustellung des begründeten Urteils
erklärte B. am 5. Juni 2015 die Berufung (act. 1.3). Mit Urteil vom
27. November 2015 wies das Obergericht des Kantons Aargau, Strafgericht,
1. Kammer (nachfolgend "OG AG"), die Berufung ab. Unter Ziff. 2 des
Dispositivs wurde die zugesprochene Entschädigung von RA A. für die
amtliche Verteidigung von B. für das erstinstanzliche Verfahren von Amtes
wegen auf pauschal Fr. 7'500.-- gekürzt (act. 1.3).
RA A., vertreten durch Rechtsanwalt Christoph Turnherr, gelangt gegen
Ziff. 2 des Dispositivs des obgenannten Urteils (Entschädigungsentscheid)
am 2. März 2016 an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts
(act. 1).

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Ist die Beschwerdeinstanz ein Kollegialgericht, so beurteilt deren
Verfahrensleitung die Beschwerde allein, wenn diese die wirtschaftlichen
Nebenfolgen eines Entscheides bei einem strittigen Betrag von nicht mehr
als Fr. 5'000.-- zum Gegenstand hat (Art. 395 lit. b StPO). Zu den
wirtschaftlichen Nebenfolgen im Sinne dieser Bestimmung zählt auch die
Entschädigung der amtlichen Verteidigung (SCHMID, Handbuch des
schweizerischen Strafprozessrechts, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013,
N. 1521).
1.2 Mit dem angefochtenen Entscheid sprach das OG AG dem
Beschwerdeführer eine amtliche Entschädigung für das erstinstanzliche
Verfahren von Fr. 7'500.-- zu. Der Beschwerdeführer beantragt sinngemäss
eine Entschädigung für die erste Instanz in der Höhe von Fr. 15'493.30.
- 3 -
Aus dem Dargelegten geht hervor, dass die wirtschaftlichen Nebenfolgen
des strittigen Betrags mehr als Fr. 5'000.-- betragen, mithin die vorliegende
Beschwerde in Dreierbesetzung zu behandeln ist (vgl. Art. 38 StBOG).
2.
2.1 Vorliegend angefochten ist Ziff. 2 des Dispositivs des Urteils des OG AG vom
27. November 2015. Darin wurde die vom Bezirksgericht Bremgarten
festgesetzte Entschädigung des Beschwerdeführers für seine Bemühungen
als amtlicher Verteidiger von B. heruntergesetzt. Die vom OG AG für das
Berufungsverfahren festgesetzte Entschädigung blieb unangefochten. Es
stellt sich vorliegend die Frage der Zuständigkeit des hiesigen Gerichts.
2.2 Gegen den Entscheid, mit welchem das Berufungsgericht eines Kantons die
Entschädigung der amtlichen Verteidigung für deren Bemühungen im
kantonalen Berufungsverfahren festsetzt, kann diese bei der
Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde führen (Art. 135
Abs. 3 lit. b StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG; vgl. zuletzt Beschluss des
Bundesstrafgerichts BB.2015.47 vom 16. Dezember 2015, E. 2.1;
RUCKSTUHL, Basler Kommentar, 2. Aufl., Basel 2014, Art. 135 StPO N. 19).
2.3 Mit Urteil des Bundesgerichts 6B_985/2013 vom 19. Juni 2014, E. 1.2 wurde
die Zuständigkeit des hiesigen Gerichts wie folgt ausgedehnt:
"Lorsque la fixation de l'indemnité, tant pour la première que la deuxième
instance, demeure litigieuse à la suite de la décision de dernière instance
cantonale, il se justifie qu'une même instance fédérale puisse être saisie
de l'entier de cette problématique. Cela ne contrevient ni à la lettre ni à
l'esprit de l'art. 135 CPP. L'autorité de recours compétente est donc le
Tribunal pénal fédéral, plus précisément la Cour des plaintes (art. 37 al. 1
LOAP), à qui il incombe de statuer tant sur l'indemnité de première que de
deuxième instance cantonale. Il s'ensuit qu'aucune voie de recours n'est
ouverte au Tribunal fédéral, que ce soit le recours en matière pénale ou le
recours constitutionnel subsidiaire."
Diese Rechtsprechung wurde in BGE 140 IV 213 E. 1.6 bestätigt. Zudem
hielt das höchste Schweizer Gericht in der E. 1.7 mit Bezugnahme auf den
konkreten Fall Folgendes fest:
"Angefochten ist ein Urteil des Obergerichts des Kantons Solothurn, in
welchem über die vom Amtsgericht Solothurn-Lebern der unentgeltlichen
Rechtsbeiständin für das erstinstanzliche Verfahren zugesprochene
Entschädigung entschieden wurde. Die vom Obergericht für das
- 4 -
Berufungsverfahren festgesetzte Entschädigung blieb unangefochten. Es
liegt deshalb kein Anwendungsfall von Art. 135 Abs. 3 lit. b StPO vor, sodass
die beim Bundesstrafgericht eingereichte Beschwerde vom Bundesgericht
als Beschwerde in Strafsachen zu behandeln ist."
Die neuesten in der Sache ergangenen Urteile sind BGE 141 IV 187 und
6B_1028/2015. Aus der Erwägung 1.2 vom BGE 141 IV 187 kann Folgendes
entnommen werden:
"Lorsque, comme en l'espèce, l'autorité pénale a fixé l'indemnité de
défenseur d'office tant pour la procédure de première que de deuxième
instance cantonale, la voie de recours ouverte est celle prévue à l'art. 135
al. 3 let. b CPP pour l'entier de l'indemnisation. L'autorité de recours
compétente est donc le Tribunal pénal fédéral, plus précisément la Cour des
plaintes (art. 37 al. 1 LOAP; RS 173. 71), à qui il incombe de statuer tant sur
l'indemnité de première que de deuxième instance cantonale (ATF 140 IV
213 consid. 1.6 p. 216; arrêts 6B_985/2013 du 19 juin 2014 consid. 1.2;
6B_212/2014 du 9 octobre 2014 consid. 1.3)."
2.4 In concreto kann festgehalten werden, dass mit Beschwerde vom
2. März 2016 das Urteil der Vorinstanz lediglich in Bezug auf die Festsetzung
der Entschädigung des Beschwerdeführers als amtlicher Verteidiger für das
erstinstanzliche Verfahren angefochten wurde. Gemäss klarer
bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist in solchen Konstellationen
Beschwerde in Strafsachen an das Bundesgericht zu erheben (BGE 140 IV
213 E. 1.7). Da sich eine Änderung dieser Praxis auch nicht aus der
neuesten, in der Sache ergangenen höchstrichterlichen Rechtsprechung
ergibt, ist auf die Beschwerde nicht einzutreten und diese ist
zuständigkeitshalber dem Bundesgericht zu überweisen.
2.5 Es sind keine Kosten zu erheben.
- 5 -