Decision ID: d557adb2-a308-5276-8831-0cebb4686949
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso Glavas, Haus zur alten Dorfbank,
9313 Muolen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ war als Lastwagenchauffeur bei der B._ AG, St. Gallen, tätig und dadurch
bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von
Unfällen versichert, als er am 21. April 2010 auf einer Baustelle bei einer schrägen und
mit Geröll abgedeckten Stelle Beton abladen wollte, ausglitt und in ein ca. 60 cm tiefes
Loch stürzte (UV-act. 1, 34). Nach einer Erstbehandlung mit MRI-Untersuchung durch
den Hausarzt Dr. med. C._, Allgemeine Medizin FMH, am 22. April 2010 (UV-act. 4)
erfolgte am 5. Mai 2010 eine Untersuchung in der Klinik für Orthopädische Chirurgie
des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG). Im gleichentags erstellten Bericht wurden die
Diagnosen einer Supraspinatussehnenruptur rechts, einer Bicepssehnendegeneration
sowie einer Ruptur des Labrum glenoidale gestellt (UV-act. 2). Am 17. Mai 2010
wurden in derselben Klinik eine Schultergelenkarthroskopie und
Bicepssehnentenotomie sowie eine arthroskopische
Rotatorenmanschettenrekonstruktion durchgeführt (UV-act. 4, 6). Die Suva erbrachte
Heilkosten- und Taggeldleistungen.
A.b Am 15. Juni 2010 berichtete der Versicherte der Suva, dass er jeweils während der
Physiotherapie ausgehend vom Ellbogen ein Ziehen bzw. einen Schmerz hinauf zur
Schulter und zum Schulterblatt verspüre (UV-act. 10). Am 30. Juni 2010 stellte er sich
in der Sprechstunde der Klinik für Orthopädische Chirurgie des KSSG vor und
beschrieb ein seit der Operation verspürtes Streck- und Beugedefizit im rechten
Ellbogen mit endgradigen Schmerzen, welches sich wie eine Blockade anfühle. Von
Seiten des Schultergelenks sei er sehr zufrieden. Die Klinik diagnostizierte im
gleichentags erstellten Bericht einen Status nach arthroskopischer
Rotatorenmanschettenrekonstruktion und Bicepssehnentenotomie sowie aktuell eine
Blockadesymptomatik Ellbogen rechts bei Verdacht auf posttraumatische Arthrose
(UV-act. 12). Eine Computertomographie (CT) im Institut für Radiologie des KSSG vom
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6. Juli 2010 zeigte eine Stufenbildung in der Gelenkfläche des Radiusköpfchens von 2
mm, zwischen Radius und Processus coronoideus einen polygonalen 1 cm grossen
Ossikel am ventralen Aspekt des Ellbogengelenks, ausgeprägte arthrotische
Veränderungen humero-ulnar, osteophytäre Anbauten in der Fossa coracoidea, ein
Vakuumphänomen im Gelenkspalt, einen 2 bis 3 mm grossen Ossikel an der Spitze des
Processus coracoideus und zudem osteophytäre Anbauten in der Fossa olecrani (UV-
act. 16). Hierauf wurde am 10. August 2010 eine Ellbogen-Arthroskopie mit Entfernung
freier Gelenkskörper durchgeführt (UV-act. 26). Am 27. September 2010 folgte eine
erneute Ellbogen-Arthroskopie mit Abtragung der Osteophyten am Processus
coronoideus (UV-act. 26).
A.c Nach Einholung einer kreisärztlichen Beurteilung von Dr. med. D._, Facharzt FMH
für Chirurgie, vom 10. November 2010 (UV-act. 37) eröffnete die Suva dem Ver
sicherten mit Verfügung vom 17. November 2010, dass die Kausalität zwischen den
Ellbogenbeschwerden und dem Unfall vom 21. April 2010 nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit gegeben sei. Auch liege keine unfallähnliche Körperschädigung vor.
Die Suva sei demzufolge nicht leistungspflichtig (UV-act 42).
A.d Die gegen diese Verfügung vom Krankenversicherer des Versicherten (Swica
Gesundheitsorganisation) und von seinem Rechtsvertreter, Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso
Glavas, Muolen, erhobenen Einsprachen (UV-act. 46, 49, 52), wies die Suva nach
Einholung einer ärztlichen Beurteilung bei Dr. med. E._, Facharzt FMH für
Orthopädische Chirurgie, Abteilung Versicherungsmedizin der Suva (UV-act. 63), mit
Einspracheentscheid vom 11. April 2011 ab (UV-act. 64). Der Rechtsvertreter des
Versicherten hatte zusammen mit der Einsprachebegründung vom 26. Januar 2011
einen Untersuchungsbericht von Dr. med. F._, Klinik für Chirurgie und Orthopädie
des Spitals G._, vom 27. Oktober 2010 vorgelegt (UV-act. 52).
A.e Auf Zuweisung von Dr. C._ war der Versicherte am 1. Februar 2011 von Dr. med.
H._, deutscher Facharzt für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie
sowie Facharzt FMH für Handchirurgie, untersucht worden, der am 5. Februar 2011
über die Ergebnisse berichtete (UV-act. 59). Am 17. Februar 2011 war eine weitere
Untersuchung durch Dr. H._ und am 18. Februar 2011 eine weitere CT-Untersuchung
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des rechten Ellbogens durch Dr. med. I._, Facharzt FMH für medizinische Radiologie,
erfolgt (UV-act. 61).
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 11. April 2011 richtet sich die von
Rechtsanwalt Dr. Glavas für den Versicherten eingereichte Beschwerde vom 11. Mai
2011 mit den Anträgen, der angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben und
dem Beschwerdeführer seien sämtliche UVG-Leistungen (Heilbehandlung, Taggeld,
etc.) auch für den mitverletzten Ellbogen zu gewähren. Eventualiter sei eine
Oberexpertise durch eine Universitätsklinik in Auftrag zu geben; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin (act. G1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 9. Juni 2011 beantragte die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde (act. G3).
B.c Mit Replik vom 7. Juli 2011 liess der Beschwerdeführer eine mündliche
Verhandlung mit Einvernahme verschiedener Zeugen beantragen. Im Übrigen hielt er
an den bisherigen Anträgen fest, wie das auch die Beschwerdegegnerin in der Duplik
vom 8. August 2011 tat (act. G6, G8).
C. Mit Schreiben vom 20. Januar 2012 teilte der Präsident der Abteilung III des Ver
sicherungsgerichts dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mit, dass an der
beantragten Verhandlung keine Zeugenbefragung erfolgen werde (act. G 10). An der
Verhandlung vom 13. März 2012 liess der Beschwerdeführer an den bisherigen
Anträgen festhalten und insbesondere auf Anhaltspunkte hinweisen, die für die
Unfallkausalität seiner Ellbogenbeschwerden sprächen. Die Beschwerdegegnerin
verzichtete auf eine Teilnahme an der Verhandlung (act. G 14).
D. Auf die Begründungen und Ausführungen in den einzelnen Rechtsschriften und an
der mündlichen Verhandlung vom 13. März 2012 sowie auf die medizinischen Akten
wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.
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1.1 Die Beschwerdegegnerin legte im angefochtenen Einspracheentscheid die
Bestimmung über die Leistungspflicht des Unfallversicherers nach Art. 6 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) zutreffend dar. Gleiches
gilt in Bezug auf die Ausführungen über die gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG geltende
Voraussetzung des natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen dem
Unfallereignis und dem Gesundheitsschaden (BGE 129 V 181 E. 3.1 mit Hinweisen).
Darauf ist zu verweisen. Die Beurteilung des natürlichen Kausalzusammenhangs erfolgt
aufgrund der Feststellungen bei den medizinischen Untersuchungen und ist Aufgabe
des Arztes oder der Ärztin. Demgegenüber obliegt es dem Gericht, die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang zu beantworten (BGE 123 III 110 und 112 V 30; PVG
1984 Nr. 82, 174). Bei physischen Unfallfolgen hat allerdings die Adäquanz gegenüber
dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE
118 V 291 f. E. 3a). Ob zwischen dem schädigenden Ereignis und dem
Gesundheitsschaden ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, beurteilt sich nach
dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit; die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die
Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1, 123 V 44 E. 2a, je
mit Hinweisen).
1.2 Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abge
geben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des
Experten oder der Expertin begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert
eines ärztlichen Gutachtens ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels
noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als
Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Den Berichten
versicherungsinterner Ärzte kann rechtsprechungsgemäss gleichfalls Beweiswert
beigemessen werden, sofern sie schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet
sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
bestehen (RKUV 1991 Nr. U 133 S. 311). Auch eine ärztliche Beurteilung aufgrund der
Akten, wie sie vorliegend von Dr. E._ am 4. April 2011 (UV-act. 63) erstellt wurde, ist
nicht an sich unzuverlässig. Für die Beweistauglichkeit entscheidend ist, dass
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genügend Unterlagen von persönlichen Untersuchungen vorliegen (RKUV 1988 Nr. U
56 S. 366 E. 5b).
1.3 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach haben die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht von Amtes wegen für
die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen.
Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den
Mitwirkungspflichten der Parteien (vgl. BGE 130 I 183 f. E. 3.2, 125 V 195 E. 2, 122 V
158 E. 1a, je mit Hinweisen). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im
Sinn der Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Wenn es sich jedoch als
unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes einen Sachverhalt zu
ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu
entsprechen, greift die Beweisregel Platz, dass die Parteien eine Beweislast insofern
tragen, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt,
die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 117 V
264 E. 3b, 115 V 142 E. 8a; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326). Angewendet auf den
konkreten Fall heisst dies - entgegen der vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
anlässlich der mündlichen Verhandlung vorgetragenen Auffassung -, dass die
Beweislast hinsichtlich des Vorliegens eines natürlichen Kausalzusammenhangs
zwischen dem Unfall vom 21. April 2010 und dem Gesundheitsschaden am rechten
Ellbogen beim Beschwerdeführer liegt. Das Gericht darf eine Tatsache nur dann als
bewiesen annehmen, wenn es von ihrem Bestehen überzeugt ist. Es hat seinen
Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit
eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht (BGE 117 V
360 E. 4a mit Hinweisen).
2.
2.1 Gemäss der Schadenmeldung vom 23. April 2010 (UV-act. 1) sowie den
medizinischen Akten (UV-act. 2, 4, 6, 8) erlitt der Beschwerdeführer am 21. April 2010
infolge einer Schulterluxation rechts eine Rotatorenmanschettenruptur im
Supraspinatussehnenbereich. Die Läsion wurde am 17. Mai 2010 in der Klinik für
Orthopädische Chirurgie des KSSG operativ behandelt und die Beschwerdegegnerin
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erbrachte für den Schadenfall bzw. die Kosten der Heilbehandlung sowie die sich
daraus ergebende Arbeitsunfähigkeit Leistungen. Am 15. Juni 2010 klagte der
Beschwerdeführer gegenüber der Beschwerdegegnerin erstmals über einen Schmerz
ausgehend vom Ellbogen rechts (UV-act. 10) und am 30. Juni 2010 gegenüber den
Ärzten der Klinik für Orthopädische Chirurgie des KSSG über ein seit der
Schulteroperation vom 18. Mai 2010 verspürtes Streck- und Beugedefizit im rechten
Ellbogen, welches durch die physiotherapeutischen Beübungen keine Besserung
erfahre (UV-act. 12; vgl. auch UV-act. 34). Hierauf wurden verschiedene Diagnosen
gestellt, welche am 10. August und 27. September 2010 zwei Ellbogenarthroskopien
notwendig machten. Im Folgenden gilt es zu beurteilen, ob die diagnostizierten und
operativ behandelten Gesundheitsschäden im rechten Ellbogen mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit in einem natürlichen Kausalzusammenhang
zum Unfall vom 21. April 2010 stehen.
2.2 Für die Annahme unfallkausaler somatischer Gesundheitsschäden wird im Regelfall
eine strukturelle Läsion als objektivierbares Korrelat verlangt. Im Rahmen der im Institut
für Radiologie des KSSG am 6. Juli 2010 durchgeführten CT-Untersuchung des
rechten Ellbogens (UV-act. 16) zeigten sich organische Substrate bzw. strukturelle
Gesundheitsschädigungen in Form ausgeprägter arthrotischer Veränderungen mit
osteophytären Anbauten und freien Gelenkkörpern, welche unstreitig und aufgrund der
medizinischen Akten anzunehmen (laut Dr. H._ die Arthrose ausgenommen [UV-act.
59]), die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden verursachen bzw. zu
verursachen vermochten (vgl. dazu auch Alfred M. Debrunner, Orthopädie,
Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. Bern 2002, S. 579 ff., 738 f., 741). Bei der Arthrose
handelt es sich um einen degenerativen Gesundheitsschaden. Auch die Bildung eines
Osteophyten ist ein typisches Zeichen von degenerativen Gelenkveränderungen,
konkret ein fehllaufender Versuch des Körpers, die Auflagefläche eines arthrotischen
Gelenks zu verbreitern und damit den Auflagedruck zu mindern. Die
Osteophytenbildung ist mithin eine Reaktion auf die Arthrose im Sinn eines
Reparationsversuchs des Organismus. Freie Gelenkkörper kommen schliesslich
ebenfalls bei Arthrose vor (Debrunner, a.a.O., S. 58, 579 ff., 738 f., 853). Als
unfallkausaler Gesundheitsschaden können eine Arthrose und damit auch ihre Folge-
bzw. Begleiterscheinungen lediglich sekundär, d.h. als Spätfolge einer primären
Verletzung - beispielsweise nach einer schlecht verheilten intraartikulären Fraktur,
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geheilt ohne anatomisch exakte Reposition -, auftreten. Beim Beschwerdeführer wurde
radiologisch eine unter leichtgradiger Stufenbildung konsolidierte - grundsätzlich durch
einen Sturz bzw. Unfall entstehende - Radiusköpfchen-Meisselfraktur erhoben (UV-act.
16, 59, 65; vgl. dazu auch Debrunner, a.a.O., S. 580 f., 740 f.; <http://
vmrz0100.vm.ruhr-uni-bochum.de/spomedial/content>, abgerufen am 14. März 2012).
Freie Gelenkkörper können sich auch durch solche unmittelbaren Gelenkverletzungen
bilden (vgl. dazu <http://www.gelenk-klinik.de/freie-gelenkkoerper.html>, abgerufen am
6. Dezember 2011; Debrunner, a.a.O., S. 738). Nachfolgend ist damit zu entscheiden,
ob die Radiusköpfchen-Meisselfraktur sowie die weiteren radiologisch erhobenen
Gesundheitsschäden am rechten Ellbogen des Beschwerdeführers mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit durch den Unfall vom 21. April
2010 oder aber anderweitig verursacht wurden.
2.3
2.3.1 Massgebende Beurteilungskriterien für die Ursächlichkeit einer
Gesundheitsschädigung bilden zunächst der Unfallmechanismus zusammen mit den
echtzeitlich gestellten Unfalldiagnosen sowie der zeitliche Ablauf. In den echtzeitlichen
Akten, d.h. in der Unfallmeldung vom 23. April 2010 (UV-act. 1), im Bericht der Klinik für
Orthopädische Chirurgie des KSSG vom 5. Mai 2010 (UV-act. 2) sowie im Arztzeugnis
des erstbehandelnden Arztes Dr. C._ vom 26. Mai 2010 (UV-act. 4) ist einzig von
einer Unfall-Einwirkung auf die rechte Schulter die Rede. Auch die radiologischen
Untersuchungen und Therapien bezogen sich zunächst einzig auf die rechte Schulter
(UV-act. 4, 6). Am 25. Oktober 2010 wurde der Beschwerdeführer von der
Beschwerdegegnerin erstmals detailliert zum Unfallablauf befragt. Dieser habe sich auf
einer grossen Baustelle ereignet, auf der er Beton abgeliefert habe. Er habe hinter dem
Lastwagen gewartet. Auf dem Boden seien viel Geröll und Steine vorhanden gewesen.
Als der Betonkübel langsam näher gefahren worden sei, habe er einen Schritt gemacht.
Dabei sei er ausgerutscht und auf die rechte Seite gefallen, wobei er versucht habe,
sich mit dem rechten Arm abzustützen. Nach diesem Sturz auf die rechte Seite sei er in
das ca. 60 cm tiefe Loch hinunter gerutscht. Er habe sich keine äusseren Verletzungen
zugezogen. Auf die rechte Seite sei er jedoch gefallen. Ein sonstiges Anschlagen habe
nicht stattgefunden (UV-act. 34). Sowohl eine Supraspinatussehnenruptur als auch eine
Radiusköpfchenfraktur können durch einen Sturz auf den ausgestreckten Arm
http://www.gelenk-klinik.de/freie-gelenkkoerper.html
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entstehen, wenn versucht wird, den Sturz mit der Hand abzufangen (vgl. <http://
www.orthozentrum.ch/Schulter-Ellbogen-Hand/Rotatorenmanschettenruptur>, <http://
vmrz0100.vm.ruhr-uni-bochum.de/
spomedial/content>, beide abgerufen am 14. März 2011). In Bezug auf den konkreten
Fall ist nun allerdings festzuhalten, dass die Schilderung des Abstützens mit dem
rechten Arm erst rund sechs Monate nach dem Unfall abgegeben wurde, nachdem
zuvor nie eine Ellbogenbeteiligung beim Sturz angetönt worden war und es angesichts
der gegebenen Situation - Unfallereignis mit Sturz auf die rechte Seite, rein zeitlich
nachfolgende Ellbogenbeschwerden - nahe lag, die Ellbogenbeschwerden ebenfalls
dem Unfall vom 21. April 2010 zuzuordnen. Es ist somit nicht auszuschliessen, dass
die Darstellung des Beschwerdeführers bewusst oder unbewusst von nachträglichen
Überlegungen versicherungsrechtlicher Art oder anderer Art beeinflusst ist (vgl. dazu
auch Alexandra Rumo-Jungo, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. Aufl. Zürich
2003, S. 21; BGE 115 V 143 E. 8c mit Hinweisen). Andererseits erscheint das vom
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers anlässlich der mündlichen Verhandlungen
nochmals betonte Abstützen mit der rechten oberen Extremität bei einem Sturz auf die
rechte Seite durchaus als natürlicher bzw. geläufiger Reflex. Insofern wäre eine
gleichzeitige Verletzung von Schulter und Ellbogen anlässlich des Unfallereignisses
vom 21. April 2010 zwar möglich, jedoch keineswegs zwingend. Stürze sind in
mannigfaltiger Weise mit unterschiedlicher Krafteinwirkung auf die einzelnen, individuell
veranlagten Körperteile denkbar. Insbesondere aber auch vom zeitlichen Ablauf her
kann nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit von einem
Kausalzusammenhang zwischen Radiusköpfchen-Meisselfraktur und Unfallereignis
vom 21. April 2010 ausgegangen werden. Die Fraktur muss einer anderen - wenn auch
unbekannten - Ursache zugeschrieben werden. Gemäss Bericht der Klinik für
Orthopädische Chirurgie des KSSG vom 30. Juni 2010 traten beim Beschwerdeführer
Schmerzen sowie eine Bewegungseinschränkung im rechten Ellbogen anschliessend
an die Schulteroperation vom 18. Mai 2010 und damit erst rund einen Monat nach dem
fraglichen Unfall auf (UV-act. 12; vgl. dazu auch UV-act. 34). Die in der
Beschwerdeeingabe vorgebrachte Argumentation des Rechtsvertreters des
Beschwerdeführers, durch die Ruhigstellung der rechten oberen Extremität und die
wegen der Schulterverletzung eingenommenen schmerzlindernden Medikamente sei
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die zusätzliche, im Vergleich zur akuteren Schulterproblematik im ersten Moment nicht
hervorgetretene Ellbogenverletzung vorerst in Vergessenheit geraten bzw. von den
Ärzten übersehen worden, vermag diesen zeitlichen Ablauf nicht zu relativieren. Im
Regelfall führen massgebende Verletzungen zu Schmerzen und werden unmittelbar im
Anschluss an den Unfall oder zumindest unfallnah auch im entsprechenden Umfang
wahrgenommen. Eine Ruhigstellung der rechten oberen Extremität infolge der
Schulterverletzung durch eine Armschlinge oder einen Verband wurde im Übrigen vom
Beschwerdeführer anlässlich der mündlichen Verhandlung verneint. Eine solche sei erst
nach der Schulteroperation erfolgt. Nachdem der rechte Arm damit nach dem Unfall
weitgehend frei beweglich bzw. nicht fixiert war, erscheint ein Sachverhalt, bei
welchem der Beschwerdeführer anlässlich des Unfalls vom 21. April 2010 auch eine
Verletzung am rechten Ellbogen erlitten, diese jedoch erst nach der Schulteroperation
wahrgenommen hat, als ungewöhnlich und damit lediglich als möglich. In diesem Sinn
hielt auch Dr. J._ am 24. November 2010 fest, es bleibe hypothetisch, ob es sich um
ein koinzidenziell auftretendes manifest Werden eines vorbestehenden
asymptomatischen Zustands handle oder ob nach der Ruhigstellung ein manifest
Werden stattgefunden habe (UV-act. 45).
2.3.2 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Unfallmechanismus zusammen mit
den echtzeitlich gestellten Unfalldiagnosen sowie die ganzen zeitlichen Abläufen
massgebende Zweifel an einer Unfalleinwirkung auf den rechten Ellbogen am 21. April
2010 aufkommen lassen.
2.4 Nachdem Dr. D._ in seiner Stellungnahme vom 10. November 2010 auf den
zeitlichen Ablauf hinwies und eine Ellbogenverletzung anlässlich des Unfalls vom
21. April 2010 verneinte (UV-act. 37) und Dr. J._ am 24. November 2010 das Fehlen
von direkt kausal initial echtzeitlichen Anhaltspunkten, dass der Ellbogen im Unfall
involviert gewesen wäre, feststellte (UV-act. 45), nimmt übereinstimmend auch
Dr. E._ in seiner ärztlichen Beurteilung vom 4. April 2011 (UV-act. 63) die oben
dargelegten - für die Beurteilung der Unfallkausalität massgebenden - Gegebenheiten
(Unfallmechanismus, Unfalldiagnose, zeitlicher Ablauf) auf. Eine unfallbedingte
Ellbogenläsion ist dabei umso unwahrscheinlicher, als die diagnostizierte Arthrose
zusammen mit den zusätzlich erhobenen Osteophyten und freien Gelenkkörpern eine
umfassende degenerative Problematik im Bereich des rechten Ellbogens bildet (vgl.
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dazu E. 2.2), welche sich als sekundärer unfallkausaler Gesundheitsschaden
erfahrungsgemäss nicht innerhalb der drei Monate vom Unfall bis zur
Röntgenuntersuchung der Klinik für Orthopädische Chirurgie des KSSG vom 30. Juni
2010, bei welcher sich die fortgeschrittene degenerative Problematik zeigte (vgl. dazu
UV-act. 52), zu bilden vermag. So kam dann auch Dr. E._ zum Schluss, dass von
einer offensichtlich bereits seit längerem bestandenen erheblichen Arthrose am rechten
Ellbogen auszugehen sei. Hinsichtlich der These einer Radiusköpfchen-Meisselfraktur
mit Stufenbildung beim Unfallereignis vom 21. April 2010 äusserte er sodann, dass
anschliessend an das Unfallereignis bzw. in den echtzeitlichen Akten keine Schmerzen
am Ellbogen vermerkt worden seien und - bedeutsamer - am Radiusköpfchen und am
gegenüberliegenden Capitulum humeri-radiale schon ältere Veränderungen zu sehen
seien, die nicht erst innerhalb von wenigen Wochen entstanden sein könnten (UV-act.
63). Damit übereinstimmend erhob auch die Klinik für Orthopädische Chirurgie des
KSSG als Röntgenbefund eine Gelenkstufenbildung im Bereich des Radiusköpfchens
bei Verdacht auf eine alte Fraktur. Die Aussage, die Radiologie spreche für eine
"posttraumatische" Arthrose, vermag juristisch gesehen nichts über eine Kausalität in
Bezug auf das Unfallereignis vom 21. April 2010 auszusagen (vgl. Alfred Maurer,
Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. unv. Aufl. Bern 1989, S. 460 N 1205;
BGE 119 V 341 f. E. 2b/bb in fine), sondern drückt lediglich aus, dass gewisse
Beschwerden nach einem Unfall aufgetreten sind. Gerade im Sinn eines Vorzustands
(Fraktur im Bereich des Radiusköpfchens mit anschliessend eingetretener
degenerativer Erkrankung) hält die Klinik für Orthopädische Chirurgie des KSSG fest,
die Blockadeerscheinungen seien am Ehesten auf die Arthrose zurückzuführen, die der
Beschwerdeführer vor der Operation noch nicht verspürt habe. Eine überwiegend
wahrscheinliche Kausalität mit dem Unfall vom 21. April 2010 vermögen sodann aber
auch die Darlegungen von Dr. H._ nicht zu begründen. Dieser vermutet in seinem
Bericht vom 5. Februar 2011 (UV-act. 59), dass die Radiusköpfchen-Meisselfraktur vom
Unfallereignis vom 21. April 2010 komme. Zumindest liege ihm noch kein gegenteiliges
Röntgenbild vor, welches die Situation direkt nach dem Unfall zeige. Weil der
Beschwerdeführer vor dem Unfall keinerlei Beschwerden gehabt habe, scheine ihm
dieser die aktuelle Ursache zu sein. Es könne auch sein, dass sich der freie
Gelenkkörper durch das Unfallereignis gebildet habe bzw. abgesprengt worden sei.
Seine Formulierungen vermögen lediglich die Möglichkeit bzw. eine, neben anderen
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denkbaren - und angesichts der obigen Erwägungen gegenüber einer Kausalität zum
Unfallereignis vom 21. April 2010 doch weniger wahrscheinlichen - Variante für eine
Verursachung zu belegen, was dem im Sozialversicherungsrecht erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht genügt. Das Vorliegen von
Sachverhalten mit gleicher Möglichkeit, aber auch mit gleicher Wahrscheinlichkeit,
erlaubt nicht den überwiegend wahrscheinlichen Schluss auf eine der beiden Genesen.
Im Übrigen hielt auch Dr. H._ einer Kausalität mit dem Unfall vom 21. April 2010
entgegen ("zwar"), dass die Radiusköpfchen-Meisselfraktur auf dem Bild vom 6. Juli
2010 schon knöchern durchgebaut sei. Die Wahrscheinlichkeit der fraglichen
Unfallkausalität wird letztlich auch durch seine Aussage im nachfolgenden Bericht vom
21. März 2011 abgeschwächt, dass die auf dem Bild der CT-Untersuchung vom
18. Februar 2011 (UV-act. 61) generalisierte Ellbogenarthrose in ihrem Umfang
natürlich nicht so komplett als Folge des Unfalls zu sehen sei (UV-act. 62). Am
fehlenden überwiegend wahrscheinlichen Nachweis einer Kausalität zum Unfallereignis
vom 21. April 2010 vermögen die nicht gänzlich zu überzeugenden Ausführungen von
Dr. E._ betreffend freie Gelenkkörper nichts zu ändern. Im Vordergrund der
Beschwerden stehe die Beugeeinschränkung, die wesentlich durch die
Verknöcherungen im Bereich des Processus coronoideus verursacht worden sei. Durch
deren Entfernung habe die Beugung um etwa 15° verbessert werden können. Dass
freie Gelenkkörper bei der Beugeeinschränkung zusätzlich eine Rolle gespielt hätten,
sei nicht wahrscheinlich. Das CT habe keine Hinweise darauf geliefert, dass sich
kürzlich oder schon seit längerem Gelenkkörper irgendwo abgesprengt hätten. Dazu
fehle das sogenannte "Mausbett" (UV-act. 63). Auch wenn das Mausbett laut Dr. E._
fehlt, so hat aufgrund der medizinischen Akten doch als ausgewiesen zu gelten, dass
der Beschwerdeführer gemäss Ergebnis der CT-Untersuchung vom 6. Juli 2010 freie
Gelenkkörper aufwies (UV-act. 16). Andererseits kann der Aussage von Dr. E._
immerhin entnommen werden, dass der Zeitpunkt der Bildung der freien Gelenkkörper
mit dem Ergebnis der CT-Untersuchung vom 6. Juli 2010 nicht festgelegt werden kann
und damit kein Hinweis auf eine konkrete Unfallkausalität vorgelegt wird.
2.5 Allgemein ist schliesslich anzufügen, dass der von Dr. C._, Dr. F._ und
Dr. H._ in ihren Berichten angeführte Aspekt, dass vor dem Unfall vom 21. April 2010
keine Ellbogenbeschwerden beklagt worden seien (vgl. dazu UV-act. 27, 52, 59), für
sich nach konstanter bundesgerichtlicher Praxis keinen Beweis für eine Unfallkausalität
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
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zu erbringen vermag, da der zeitliche Aspekt allein keine wissenschaftlich genügende
Erklärung liefert. Andernfalls würde man sich mit dem blossen Anschein des Beweises
bzw. mit der blossen Möglichkeit begnügen und davon ausgehen, dass eine
gesundheitliche Schädigung schon dann durch den Unfall verursacht sei, wenn sie
nach diesem auftrat (Maurer, a.a.O., S. 460 N 1205; BGE 119 V 340 ff. E. 2b/bb). Die
Darlegung von Dr. F._ in seinem Bericht vom 27. Oktober 2010, der Patient habe
keinen gravierenden Unfall mit Frakturen im Ellbogenbereich in Erinnerung, führt
ebenfalls nicht automatisch zu einer Bejahung der überwiegend wahrscheinlichen
Kausalität zwischen der Ellbogenproblematik und dem Unfall vom 21. April 2010.
3.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass aufgrund der medizinischen Akten nicht mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als erstellt gelten kann, dass
es sich bei der Ellbogenproblematik rechts um eine natürlich-kausale Folge des
Unfallereignisses vom 21. April 2010 handelt. Demgemäss ist ein Anspruch des
Beschwerdeführers auf diesbezügliche Leistungen der Beschwerdegegnerin
abzuweisen. Die Frage der Adäquanz des Kausalzusammenhangs braucht in dieser
Situation nicht geprüft zu werden.
4.
Die Beschwerdegegnerin weist schliesslich in der Beschwerdeantwort vom 9. Juni
2011 zutreffend darauf hin, dass es sich beim Ereignis vom 21. April 2010 zweifelsfrei
um
einen Unfall handle und deshalb eine Prüfung der Anwendbarkeit von Art. 9 Abs. 2 der
Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) ausser Betracht falle.
5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).