Decision ID: 6d58848e-2186-450c-ac76-e4c7c4952aac
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1. Mit Verfügung vom 7. Februar 2011 verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, - nach medizinischen und erwerblichen Abklärungen, unter anderem einer psychiatrischen Untersuchung durch Dr. med. Z._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, von ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) - einen Anspruch von X._ auf Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 2).
2. Dagegen liess X._ am 10. März 2011 Beschwerde erheben und beantragen, es seien ihr die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache an die Vorinstanz zur umfassenden Begutachtung zurückzuweisen. Subeventualiter sei ein Gutachten durch das Gericht einzuholen (Urk. 1 S. 2). Die IV-Stelle beantragte in der Beschwerdeantwort vom 5. Mai 2011, es sei die Sache zur Einholung eines psychiatrischen Gutachtens zurückzuweisen und insofern die Beschwerde gutzuheissen (Urk. 7). In der Replik vom 14. Juni 2011 liess die Versicherte unter Bezugnahme auf die Anträge in der Beschwerdeantwort neu beantragen, es sei ein Gutachten bei Dr. med. Y._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, durch das Gericht einzuholen. Eventualiter sei die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit diese die Begutachtung bei Dr. Y._ veranlasse, einschliesslich der Möglichkeit, ein neuropsychologisches Gutachten anzuordnen (Urk. 12). Die IV-Stelle verzichtete auf eine Duplik (Urk. 16).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die Parteien sind sich einig, dass ein psychiatrisches Gutachten notwendig ist. Dem ist gestützt auf die Sach- und Rechtslage beizupflichten. Der Bericht von Dr. Z._ erweist sich als unvollständig, nachdem die Beschwerdeführerin in der Untersuchung von einschneidenden Erlebnissen in Form eines jahrelangen sexuellen Missbrauchs sowie von körperlicher und psychischer Gewalt nicht berichtet hatte beziehungsweise dazu nicht fähig war (vgl. dazu Urk. 1, 8/94). Dr. Z._ äusserte deshalb in der Stellungnahme vom 4. Mai 2011 die Ansicht, es sei ein psychiatrisches Gutachten bei einer Frau in Auftrag zu geben. Es empfehle sich eine Begutachtung durch Dr. Y._. Eine neuropsychologische Untersuchung sei seines Erachtens nicht notwendig, bleibe aber der Entscheidung der Gutachterin überlassen (Urk. 9).
2. Die Beschwerdeführerin erklärt sich mit einer Begutachtung durch Dr. Y._ einverstanden, sofern dieser die Möglichkeit einer neuropsychologischen Abklärung eingeräumt werde. Aus prozessökonomischen Gründen wirft die Beschwerdeführerin die Frage auf, ob das Gutachten durch das Gericht in Auftrag gegeben werden solle (Urk. 12). Da die Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts grundsätzlich dem Versicherungsträger obliegt (Art. 43 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG) und vorliegend keine Konstellation vorliegt, die einen Anspruch auf ein Gerichtsgutachten begründet (vgl. dazu BGE 137 V 210), ist die Sache jedoch zur Einholung des psychiatrischen Gutachtens an die IV-Stelle zurückzuweisen.
Es steht im Ermessen der IV-Stelle, darüber zu befinden, mit welchen Mitteln die Sachverhaltsabklärung zu erfolgen hat (Art. 43 Abs. 1 ATSG, Urteil des Bundesgerichts 8C_163/2007 vom 6. Februar 2008 E. 3.2). Bei Anordnung eines Gutachtens hat sie die Mitwirkungsrechte der versicherten Personen zu beachten (vgl. dazu BGE 137 V 210 E. 3.4.2.6 ff.). Nachdem Dr. Z._ als fallverantwortlicher RAD-Arzt eine Begutachtung durch Dr. Y._ in Aussicht gestellt und gleichzeitig der Gutachterin den Entscheid über die Notwendigkeit zusätzlicher neuropsychologischer Abklärungen überlassen will und die Beschwerdeführerin sich ausdrücklich mit diesem Vorgehen einverstanden erklärt hat, ist die IV-Stelle aufgefordert, die Abklärungen so zu veranlassen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
3. Es ist verständlich, dass es der Beschwerdeführerin schwer fällt, sich über ihre schwierige Vergangenheit zu äussern, insbesondere über den sexuellen Missbrauch und die ihr widerfahrene Gewalt. Sie ist jedoch aufzufordern und auch darauf hinzuweisen, dass sie im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht (Art. 43 Abs. 2 ATSG) verpflichtet ist, anlässlich der anzuordnenden Begutachtung darüber zu sprechen.
4.
4.1 Laut Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist abweichend von Art. 61 lit. a ATSG das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200-1000 Franken festgelegt.
Die Gerichtskosten sind auf Fr. 700.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
4.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die obsiegende Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese ist nach Art. 61 lit. g ATSG in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses, dem Mass des Obsiegens, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festzusetzen. Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze und nach Einsicht in die Honorarnote von Rechtsanwältin Claudia Eugster vom 31. August 2012 (Urk. 18) ist der Beschwerdeführerin eine Prozessentschädigung von Fr. 2‘743.90 (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) zuzusprechen.
4.3 Damit erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege als gegenstandslos (vgl. Urk. 1 S. 2).