Decision ID: 958d67a4-aff6-5819-a931-062aed3b24fc
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._,
Beschwerdeführerin,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die 1959 geborene B._ wurde am 16./20. April 1967 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung für Minderjährige angemeldet, worauf ihr medizinische
Massnahmen zur Behandlung von Geburtsgebrechen zugesprochen wurden. - Mit
einer Anmeldung vom 20. Juni 1985 beantragte sie namentlich Arbeitsvermittlung. Sie
habe eine Haushaltslehre gemacht und zuletzt bis Februar 1985 in einer Garage
gearbeitet. In der Folge wurde ihr ab Januar 1986 eine ganze Rente zugesprochen, die
nach einer Nierentransplantation vom April 1986 auf Ende Mai 1987 wieder eingestellt
wurde.
B.
B.a Im Dezember 2008 (act. 53) stellte die Versicherte einen weiteren Antrag (unter
anderem) auf IV-Leistungen. Die Invaliditätsfrage stelle sich seit Geburt bzw. seit
medizinischen Fehlbehandlungen im Jahr 1965. Wegen ihres von ihrer Seite
unverschuldet schlechten Gesundheitszustands habe sie keine Weiterbildungschancen
gehabt und ihr wirtschaftliches Fortkommen sei erschwert. In einem Schreiben vom
27. Januar 2009 (eingereicht mit Schreiben vom 9. Februar 2009, vgl. act. 57 und 58-1)
beantragte sie unter anderem eine Rente ab dem Zeitpunkt, da sich ihr Zustand nach
der Transplantation verschlechtert habe, weswegen sie in den vergangenen Jahren
nicht mehr zu 100 % habe arbeiten können. Am 5./16. Dezember 2009 schrieb die
Versicherte, sie reiche beiliegend Unterlagen von zwei Nierenspezialisten ein (Spital
E._, Funktionsbescheinigung über Dezember 2008, und Dr. med. A._, Innere
Medizin, spez. Nephrologie FMH). Daraus sei ersichtlich, dass das Transplantat schon
vor Dezember 2008 sehr schlecht gearbeitet habe. Die Abteilung F._ am Spital E._
hatte der Versicherten auf ihre Erkundigung hin am 1. Juli 2009 (act. 96-2) bescheinigt,
dass ihr Transplantat im Dezember 2008 noch zu 19 % gearbeitet habe. Auf
Veranlassung der Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen füllte die
Versicherte am 29. Dezember 2009 eine Anmeldung aus (act. 65). Sie habe eine
Berufsanlehre (interne Ausbildung) für den Aussendienst gemacht. Die Berufsausübung
sei ihr nicht mehr möglich, und zwar fliessend seit Ende Februar 2000 bis Januar 2002.
Seit 1. Januar 2008 arbeite sie noch zu 80 % und erledige Büro-Hilfsarbeiten.
B.b Die Ärztin des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) der Invalidenversicherung
nahm am 5. Januar 2010 (act. 113-1, vgl. act. 77) Stellung und hielt dafür, unter
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
korrekter Dialyse wäre eine Arbeitsfähigkeit von 50 % denkbar. Sie führte Gespräche
mit den in der Anmeldung bezeichneten Ärzten. Dr. med. C._, Allgemeinmedizin,
erklärte am 7. Januar 2010 (act. 73), er kenne die Versicherte nur vom Bericht der F._
am Spital E._ vom 1. Juli 2009. Unter Dialyse sollte eine Teilarbeitsfähigkeit möglich
werden; nach erneuter Transplantation sei eine volle Arbeitsfähigkeit denkbar. Dr. A._
gab gemäss Protokoll gleichentags (act. 74) an, er habe einzig im Oktober 2009 mit der
Versicherten Kontakt gehabt. Sie brauche dringend Dialyse. Sie suche einen anderen
Nephrologen, weil für eine korrekte Betreuung die Berichte des Spitals E._
angefordert werden müssten. Die Versicherte verweigere aber die (sc. wohl:
Offenlegung der) medizinischen Aktenlage. Dr. A._ berichtete am 22. Januar 2010
(act. 82), die Versicherte habe darauf bestanden, dass er von auswärts, besonders vom
Spital E._, keinerlei Akten beiziehe, und reichte ein Schreiben an die Versicherte vom
1. Dezember 2009 ein, worin er ihr erklärt hatte, ihre Nierenleistung liege bei
schätzungsweise 10 bis 15 %. Die Transplantatniere arbeite sehr schlecht. In diesem
Stadium sei jede medikamentöse Therapie mit gewissen Risiken und Nebenwirkungen
verbunden. Es sei davon abzuraten, irgendwelche Medikamente auszuprobieren, zum
Beispiel Prednison oder bestimmte Blutdrucksenker. Auch bei der Cholesterinsenkung
sei wegen diverser Interaktionen mit anderen Medikamenten oder Nebenwirkungen
Vorsicht geboten. Aufgrund der Nierenfunktionsverminderung werde die IV sicherlich
bereit sein, eine Rente auszurichten. Er denke, man dürfe mit einer Rente von 50 %
rechnen, möglicherweise sei auch eine solche von 100 % gerechtfertigt. Es sei zu
erwarten, dass sie sich einmal einer Dialyse werde unterziehen müssen und wieder eine
Transplantation benötigen werde.
B.c Mit Schreiben vom 10. Februar 2010 hielt die Versicherte dafür, ihre
Gesundheitsbeeinträchtigung sei durch die Nierenfunktionsbescheinigungen und
Laborwerte ausreichend belegt. In einer beigelegten "Bescheinigung" erklärte sie, bei
ihrer Ausbildung habe es sich um eine Verkaufsschulung gehandelt. Ab Oktober 1986
habe sie während fünfzehn Jahren auf ihrem Beruf gearbeitet. Wegen des merklich
schlechter werdenden Gesundheitszustandes habe sie die Leistung im Aussendienst
nicht mehr erbringen können, sei dann aber im Büro eingesetzt worden, was eine
Erleichterung, aber auch eine lohnmässige Rückstufung bedeutet habe.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.d Am 22. Februar 2010 fand ein Triage-Gespräch statt und am 24. Februar 2010
(act. 97) wurde die Versicherte zu einem Gespräch auf den 17. März 2010 eingeladen.
Am 7. März 2010 (act. 102) hielt die Versicherte unter anderem fest, ihr Anmeldebrief
sei Ende 2008 eingeschrieben eingereicht worden. Sie sei seit 2002 und immer noch
als Büroangestellte beschäftigt. Im Jahr 2001 habe sie noch in ihrem Beruf arbeiten
und gemäss IK-Auszug Fr. 83'467.-- verdienen können. Sie sei der Meinung, dass der
Termin vom 17. März 2010 entfallen könne, weil sie ja einen Arbeitsplatz habe.
B.e In einer Arbeitgeberbescheinigung vom 15. März 2010 (act. 103) wurde angegeben,
dass die Versicherte seit ca. 1985 angestellt sei. Bis Ende 2001 sei sie als
Aussendienstverkäuferin (ganze Schweiz) tätig gewesen, seither (bei fliessendem
Übergang) als G._-Sekretärin, seit 2003 noch zu 80 %. In den Jahren 2007, 2008 und
2009 habe sie einen Jahresverdienst von Fr. 50'310.-- erzielt. Seit Januar 2010 betrage
der AHV-pflichtige Lohn Fr. 60'000.-- pro Jahr.
B.f Am 22. März 2010 (act. 104) forderte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle die
Versicherte unter Androhung
von Rechtsfolgen auf, sich bei der Eingliederungsberaterin zu melden und an einem
Assessmentgespräch und einer "RAD-Novo" teilzunehmen. Die Versicherte erkundigte
sich am 29. März 2010, worin denn eine berufliche Eingliederung bestehen könnte, da
sie doch arbeite. Nach ihrer Auffassung sei ein ärztlicher Untersuch nicht erforderlich.
Mit Schreiben vom 16. und vom 21. April 2010 beantwortete die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der Versicherten diverse Fragen. In einer
undatierten Eingabe (act. 111) korrigierte die Versicherte verschiedene Angaben im
Triageprotokoll. Sie gab etwa an, ihr Gesundheitszustand wirke sich schon länger als
seit Juli 2009 auf die Arbeitsfähigkeit aus. Es sei auch bei Dialyse keine volle Leistung
möglich. Sie sei schon seit mehr als ... Jahren im selben Betrieb tätig. Bevor es ihr
schlecht gegangen sei, habe sie ein Jahreseinkommen von Fr. 97'378.-- verdient. Ob
sie eine Dialyse mache, sei ihre eigene Sache und werde vom Arzt geklärt.
B.g Am 27. April 2010 fand ein Assessmentgespräch statt, bei welchem die Versicherte
sich gemäss Protokoll mit einem Abschluss der Eingliederungsmassnahmen
einverstanden erklärt habe (act. 116). Am 3. Mai 2010 (act. 112) wurde als Ergebnis des
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Assessmentgesprächs festgehalten, die Versicherte wünsche keine Unterstützung der
IV im Sinne beruflicher Massnahmen. Medizinisch sei von einer mindestens 50-pro
zentigen Arbeitsfähigkeit für angestammte und adaptierte Tätigkeiten unter korrekter
Dialyse auszugehen. Der RAD hielt am 3. Mai 2010 (act. 113) fest, die Versicherte wolle
zunächst noch nicht an die Dialyse. Mit Schreiben vom 5. Mai 2010 (act. 118) brachte
die Versicherten weitere Korrekturen am Triageprotokoll an. Mit der Einschätzung des
Arztes sei sie nicht einverstanden. Er empfehle keine Diät und behandle sie nicht
medikamentös, sondern wolle, dass sie an die Dialyse komme. - Am 6. Mai 2010
(act. 115) teilte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der Versicherten mit, ihr
Leistungsgesuch betreffend berufliche Massnahmen werde abgewiesen. Sie sei
angemessen eingegliedert.
B.h Mit Vorbescheid vom 14. Mai 2010 (act. 119 f.) stellte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der Versicherten die Abweisung ihres
Rentengesuchs in Aussicht. Der Invaliditätsgrad betrage 20 % (Valideneinkommen
Fr. 75'000.--, Invalideneinkommen Fr. 60'000.--).
B.i Die Versicherte wandte am 9. Juni 2010 (act. 124) ein, eine Invalidität könne
angesichts der nicht selbst verschuldeten gesundheitlichen Beeinträchtigung nicht mit
Recht abgelehnt werden. Ihr Gesundheitszustand habe sich seit einigen Jahren
verschlechtert. Gemäss dem Attest des Spitals E._ vom 1. Juli 2009 habe ihre Niere
weniger als 20 % Funktion gebracht. Am 1. November 2009 habe ihr Kreatininwert bei
358 gelegen. Mit Schreiben vom 12. Juni 2010 stellte die Versicherte Fragen zur
Bedeutung der protokollierten Angaben.
B.j Mit Verfügung vom 1. Juli 2010 (act. 127) wies die Sozialversicherungsanstalt/IV-
Stelle den Rentenanspruch der Versicherten ab.
C.
Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde vom 16. August 2010. Die
Beschwerdeführerin beantragt die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie
Ausrichtung einer Rente, Vervollständigung des IK-Auszugs, Rückvergütung von Arzt-,
Labor- und Medikamenten-Selbstbehalten im Pauschalbetrag von Fr. 12'000.--,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
"IV-Entschädigung" samt Verzugszins für den Verlust einer Niere im Betrag von
Fr. 38'354.-- und eine rückwirkende "Teilrente" von 30 % für die Zeit von 1986 bis
2010 (samt Verzugszins) von insgesamt Fr. 472'582.--. Was die Rente betreffe, habe
sie einen Erwerbsausfall von 80.65 % erlitten (berechnet auf Nettolohnbasis;
Fr. 78'000.-- Jahreseinkommen im Beruf; Fr. 15'093.-- Einkommen bei 80 % Pensum
und 30 % Einsatz in einer Ersatztätigkeit). Im IK-Auszug seien die Arbeitsjahre 1977 bis
1985 (Fr. 121'761.--) und die Jahre 2008 und 2009 (ca. Fr. 100'000.-- bis
Fr. 110'000.--) zu Unrecht nicht erfasst. Im Vorschulalter sei sie ohne (sc. wohl:
genügende) Untersuchung medikamentös behandelt worden, worauf eine
Körperlähmung aufgetreten sei. Diese Fehlbehandlung sei jahrelang verschwiegen
worden. Schliesslich habe sie vorübergehend eine Rente erhalten, deren Ablauf sie sich
anhand der nun gesehenen Unterlagen nicht erklären könne. Seit einer
Medikamentenumstellung im Jahr 2003 arbeite ihr Transplantat immer schlechter. Sie
habe ein Medikament in überhöhter Dosis erhalten, schwerste Nebenwirkungen
bekommen und diese behandeln müssen. Zurzeit arbeite die Niere noch zu 14 %. Sie
sei müde und erschöpft, leide an Darmblähungen und Gliederschmerzen und ihre
Konzentration sei eingeschränkt. Gemäss dem Bundesamt für Sozialversicherungen
gebe es in der Schweiz 1'785 Nierenpatienten, von denen 685 eine Teil- und 1'100 eine
ganze Rente bekämen. Im Assessment-Protokoll würden diverse Angaben nicht
zutreffen. - Mit Eingabe vom 1. September 2010 änderte die Beschwerdeführerin den
Antrag auf eine Entschädigung auf einen Betrag von
Fr. 469'582.-- und erklärte, sie beantrage die Rentenleistung ab dem 1. Januar 2010.
D.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 23. September 2010 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdeführerin habe
nicht zugelassen, dass der RAD sich über den behandelnden Nephrologen Dr. A._
Einblick in die medizinischen Akten des Spitals E._ hätte verschaffen können, und
habe sich geweigert, der RAD-Ärztin im Rahmen eines Assessmentgesprächs Auskunft
über den Krankheitsverlauf zu erstatten. Sie habe ihre Mitwirkungspflicht verletzt. Der
Invaliditätsgrad könne aber, obwohl es an einer ärztlichen Einschätzung der
zumutbaren Arbeitsfähigkeit fehle, rechtsgenüglich bestimmt werden. Nach der
medizinischen Aktenlage spreche vieles dafür, dass die Beschwerdeführerin die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Tätigkeit als G._-Aussendienstmitarbeiterin Ende 2001 aus gesundheitlichen
Gründen habe aufgeben müssen. Sie habe aber im selben Betrieb als G._-Sekretärin
weiter arbeiten können. Weil sie in einem langjährigen, sehr stabilen Arbeitsverhältnis
stehe und anzunehmen sei, dass sie mit dem Pensum von 80 % in dieser Tätigkeit ihre
Restarbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpfe, bilde der im Jahr 2009
erzielte Jahresverdienst von Fr. 50'310.-- das Invalideneinkommen. Die hypothetische
Einkommensentwicklung der Beschwerdeführerin als G._-Aussendienstmitarbeiterin
auf Provisionsbasis eines kleineren G._s im Bereich Information und Werbung sei
unter Berücksichtigung der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung in der Branche zu
betrachten. Der Umstand, dass das Einkommen der Beschwerdeführerin seit dem
Wechsel in den Innendienst kaum mehr gestiegen sei, deute auf ein schwieriges
wirtschaftliches Umfeld hin, von welchem sie auch als Aussendienstmitarbeiterin
betroffen gewesen wäre. Wäre sie weiterhin als solche tätig geblieben, hätte sie wohl
aus wirtschaftlichen Gründen zuletzt deutlich weniger verdient als in den Spitzenjahren
2000 und 2001 (damals rund Fr. 97'000.--). Es rechtfertige sich, auf die
Durchschnittswerte zu greifen. Das Durchschnittseinkommen von Frauen im Bereich
G._, ... im Niveau 3 habe im Jahr 2008 Fr. 5'742.-- pro Monat ausgemacht. Für das
Jahr 2009 ergebe sich nach Anpassung an die Wochenarbeitszeit des Jahres 2008 und
die Nominallohnentwicklung bis 2009 ein Valideneinkommen von Fr. 73'164.--. Der
Invaliditätsgrad betrage somit rund 31 %, weshalb die Verneinung eines
Rentenanspruchs korrekt sei.
E.
In ihrer Replik vom 4. Oktober 2010 legt die Beschwerdeführerin dar, sie halte es für
unverständlich, dass sie mit einer Organfunktion von nur noch 10 % einen
Invaliditätsgrad von 20 % aufweisen sollte, während sie nach der Transplantation bei
einer Organfunktion von 100 % einen Invaliditätsgrad von 33.3 % gehabt habe. Sie
habe die Laborwerte und die Bescheinigung über den Wirkungsgrad ihres
Transplantats eingereicht und ihre Mitwirkungspflicht somit erfüllt. Allein die berufliche
Eingliederung betreffend wünsche sie keine Unterstützung durch die IV. Sie habe sich
bei der IV angemeldet, weil sich ihr Gesundheitszustand im Jahr 2003 wesentlich
verschlechtert habe und für sie die Büroarbeit immer schwieriger geworden sei. Wie
dem beigelegten Arztzeugnis zu entnehmen sei, sei sie ab dem 20. September 2010
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bis auf weiteres zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben. Sie erlaube das Einholen ihrer
Krankengeschichte vom Spital E._ nicht. Sie sei nach abgegebener Erklärung, dass
ihre medizinischen Werte für statistische Zwecke verwendet werden dürften,
misstrauisch geworden, als man ihr im Vergleich zu früher mehr Blutproben
abgenommen habe. Nach einer Unterleibsoperation habe man bei den verordneten
Immunsuppressiva eine Umstellung gemacht, worauf immer wieder Anpassungen
erforderlich gewesen seien. Es sei ihr so schlecht gegangen, dass sie im Spital nicht
genau habe angeben können, wann welche Wechselwirkungen aufgetreten seien und
bis wann diese gedauert hätten. Sie sei ständig mit der Behandlung von starken
Medikamentennebenwirkungen beschäftigt gewesen. Deshalb habe sie sich dazu
entschieden, den Arzt zu wechseln und die Krankengeschichte nicht weiterleiten zu
lassen. Im Brief von Dr. a._ habe sie bestätigt gefunden, dass sie im Spital E._
Medikamente erhalten habe, die sich mit den Immunsuppressiva nicht vertrügen. Bei
einer operativen Korrektur nach einer Unterleibsoperation sei ihr ausserdem eine
Genitalverstümmelung zugefügt worden. Weil sie im Hinblick auf eine mögliche Dialyse
eine Behandlung am Spital E._ benötige, habe sie von dort die Erklärung betreffend
die Verwendung von Daten für statistische Zwecke zurückverlangt. Sie dulde keine
Tests. - In dem beigelegten Zeugnis vom 21. September 2010 bescheinigte Dr. med.
D._, Allgemeine Medizin FMH, dass die Beschwerdeführerin ab 20. September 2010
voll arbeitsunfähig sei.
F.
Die Beschwerdegegnerin hat am 7./11. Oktober 2010 auf die Erstattung einer Duplik
verzichtet.

Erwägungen:
1.
1.1 Am 1. Januar 2008 ist die 5. IV-Revision in Kraft getreten. Die Beschwerdegegnerin
hat die angefochtene Verfügung am 1. Juli 2010, also unter der Geltung des Rechts
dieser Revision, erlassen. Zu beurteilen ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum
Zeitpunkt des Erlasses dieser Verfügung entwickelt hat. Dieser Sachverhalt reicht in
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
eine Zeit vor Inkrafttreten der 5. IV-Revision zurück. Soll auf bestimmte Sachverhalte
nicht neues Recht Anwendung finden, sondern das aufgehobene Recht massgebend
bleiben, muss eine geltende Norm die Weiteranwendbarkeit aufgehobenen Rechts für
bestimmte Sachverhalte anordnen. Die 5. IV-Revision enthält keine die Rente
betreffende übergangsrechtliche Bestimmung. Das Bundesamt für
Sozialversicherungen unterstellt aber zu Recht eine ausfüllungsbedürftige Lücke (vgl.
das Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 2007). Die Definition der Sachverhalte,
auf die noch altes Recht anwendbar sein soll, sollte durch ein materiellrechtliches,
unbeeinflussbares Merkmal erfolgen. In Frage kommen der Zeitpunkt der Entstehung
des Auszahlungsanspruchs oder der Eintritt des Versicherungsfalls, beide definiert
nach dem alten, ausser Kraft getretenen Recht (zum Ganzen im Detail der Entscheid
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S M. vom 28. Oktober 2009, IV
2009/5). Es liegt hier eine IV-Anmeldung von 2008 vor; der Eintritt der relevanten
Arbeitsunfähigkeit ist unklar. Für die Invaliditätsbemessung als solche hat sich keine
Änderung der Rechtslage ergeben. Was den allfälligen Rentenbeginn betrifft, gilt für die
übergangsrechtliche Frage das unten für die Hauptsache Darzulegende.
1.2 Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin einen
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin bei einem Invaliditätsgrad von 20 %
abgelehnt. Allein der Rentenanspruch bildet daher Streitgegenstand. - Die
Beschwerdeführerin beantragt in diesem Verfahren nebst der Ausrichtung einer Rente
(ursprünglich rückwirkend ab 1986, korrigiert ab 2010; im Verwaltungsverfahren noch
für die Zeit vor der Transplantation), eine Vervollständigung des IK-Auszugs, eine
Rückvergütung von Arzt-, Labor- und Medikamenten-Selbstbehalten ab 1979 und eine
IV-Entschädigung (wohl: Integritätsentschädigung). Auf diese Anträge kann mangels
Anfechtungsgegenstandes nicht eingetreten werden: Eine Übernahme von
Selbstbehaltskosten hatte die Beschwerdeführerin bereits im Verwaltungsverfahren
beantragt, worauf die Beschwerdegegnerin ihr am 5. März 2009 (act. 62) mitgeteilt
hatte, dass solche keine IV-Leistungen darstellten und nicht übernommen werden
könnten. Kosten von ärztlicher Behandlung und von Arzneien werden von der
Invalidenversicherung übernommen, wenn sie medizinische Massnahmen gewährt.
Solche hatte die Beschwerdeführerin zur Behandlung bei Geburtsgebrechen
zugesprochen erhalten; dieser Anspruch dauert indessen längstens bis zum
vollendeten 20. Altersjahr. Andere medizinische Massnahmen sind nach der Aktenlage
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
weder beantragt noch zugesprochen worden. Die Leistungskategorie der
Integritätsentschädigung kennt die Invalidenversicherung nicht. Die geltend gemachte
Fehlbehandlung geht nach Angaben der Beschwerdeführerin auf das Jahr 1965 zurück,
so dass allfällige Ansprüche verjährt wären (vgl. act. 54). Der Antrag auf
Vervollständigung des IK-Auszugs ist zur erstinstanzlichen Behandlung an die
Beschwerdegegnerin zu überweisen.
2.
2.1 Nach Art. 28 IVG (in der vom 1. Januar 2004 bis 31. Dezember 2007 gültig
gewesenen wie der auf den 1. Januar 2008 hin geänderten Fassung) besteht der
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu
70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.2 Für die Invaliditätsbemessung sind zunächst die medizinischen Vorbedingungen
von Bedeutung. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu
beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind im
Weiteren eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V
99 f. E. 4; ZAK 1982 S. 34).
2.3 Was den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin betrifft, liegt hier zum einen
die Feststellung der Abteilung F._ am Spital E._ vom 1. Juli 2009 (in Beantwortung
einer Anfrage der Beschwerdeführerin) vor, dass deren Transplantat im Dezember 2008
noch zu 19 % gearbeitet habe. Ausserdem hielt der RAD am 5. Januar 2010 dafür, eine
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von 50 % wäre unter korrekter Dialyse
denkbar. Gemäss zwei Gesprächsprotokollen des RAD über eingeholte Auskünfte von
Dr. A._ und von Dr. C._ haben beide Ärzte angegeben, unter Dialyse sollte eine
Teilarbeitsfähigkeit möglich werden. Dr. A._ hat der Beschwerdeführerin ferner am
1. Dezember 2009 berichtet, ihre Nierenleistung liege noch bei 10 bis 15 %. Es sei
nach seinem Dafürhalten mit einer Rente von 50 %, eventuell auch von 100 % zu
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
rechnen. Mit der Replik hat die Beschwerdeführerin schliesslich ein
Arbeitsunfähigkeitsattest für die Zeit ab dem 20. September 2010 von Dr. D._
eingereicht.
2.4 Dr. A._ hat die Beschwerdeführerin zwei Mal (je eine halbe Stunde lang)
untersucht (einschliesslich Ultraschall und Laborkontrolle), Dr. C._ kennt nach der
Aktenlage einzig die oben erwähnte Bescheinigung des Spitals E._. Der RAD hat
keine eigene Untersuchung durchgeführt. Ein IV-Arztbericht eines Arztes, der die
Beschwerdeführerin selber über eine gewisse Zeit medizinisch betreut hätte, fehlt. Die
Angaben zur Arbeitsfähigkeit sind vage und unbegründet oder bezüglich des
Ausmasses gar nicht bestimmt. Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin lassen sich aufgrund dieser spärlichen Unterlagen nicht
ausreichend zuverlässig beurteilen. Daran vermag nichts zu ändern, dass die
Beschwerdegegnerin dafürhält, der Invaliditätsgrad könne, obwohl es an einer
ärztlichen Einschätzung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit fehle, vorliegend in
rechtsgenüglicher Weise bestimmt werden, und dass sie darin offenbar mit der
Beschwerdeführerin übereinstimmt, die sich auf den Standpunkt stellte, die
Beschwerdegegnerin müsse aufgrund der eingereichten Labor- und anderen Berichte
zu einem Entscheid in der Lage sein. Im Ergebnis ist die Beschwerdegegnerin von einer
zumutbaren Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von 80 % ausgegangen, was keine
Stütze in den medizinischen Akten findet.
2.5 Die ausreichende Abklärung des Gesundheitsschadens und der medizinisch
zumutbaren Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist unabdingbare Voraussetzung
für die Beurteilung eines Leistungsanspruchs. Die Sache ist daher zur ergänzenden
Abklärung des medizinischen Sachverhalts an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
3.
3.1 Das bisherige Abklärungsverfahren stiess auf die Schwierigkeit, dass die
Beschwerdeführerin sich gegen das Einholen von Berichten der Abteilung F._ am
Spital E._ stellte. Die Beschwerdeführerin ist deshalb auf Folgendes hinzuweisen:
Nach Art. 43 Abs. 1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte
ein. Nach der Rechtsprechung liegt es im pflichtgemässen Ermessen der Verwaltung,
darüber zu befinden, mit welchen Mitteln der Sachverhalt abzuklären ist und ob im
Einzelfall ein einzelner Arztbericht genügt, eine ergänzende Untersuchung anzuordnen
oder ein förmliches Gutachten einzuholen ist (BGE 122 V 160 E. 1b; AHI 1997 S. 304
E. 3b). Der Versicherer hat einen grossen Ermessensspielraum hinsichtlich
Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen.
Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz hat er den Sachverhalt so weit zu ermitteln,
dass er über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit entscheiden kann (Bundesgerichtsentscheid i/S F.
vom 12. März 2010, 9C_28/10). Wo verschiedene, gleichermassen zweckmässige
Abklärungsmassnahmen in Frage kommen, besitzt die versicherte Person keinen
Anspruch auf die nach ihrer Auffassung optimale Anordnung. Die Ermessensfreiheit der
Verwaltung stösst hingegen an ihre Grenzen, wenn eine versicherte Person ein
berechtigtes Interesse für oder gegen eine bestimmte Anordnung im Zusammenhang
mit der Abklärungsmassnahme (dort: Begutachtung) vorzuweisen hat (nicht
veröffentlichter Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S F.D.-C.
vom 28. Oktober 2005).
3.2 Der Untersuchungsgrundsatz wird ergänzt durch die Mitwirkungspflichten der
versicherten Person (vgl. BGE 125 V 193 E. 2): Soweit ärztliche oder fachliche
Untersuchungen für die Beurteilung notwendig und zumutbar sind, hat sich die
versicherte Person diesen zu unterziehen (Art. 43 Abs. 2 ATSG). Die versicherte Person
hat sich allerdings nicht jeglicher zumutbaren Untersuchung zu unterziehen. Die
Untersuchungen müssen auch notwendig und von entscheidender Bedeutung für die
Erstellung des rechtserheblichen Sachverhalts sein (vgl. 9C_28/10).
3.3 Da die von der Beschwerdeführerin in ihrer Anmeldung vom Dezember 2009
benannten Ärzte über ihren Gesundheitszustand wie erwähnt nur oberflächlich
informiert sind, werden weitere Abklärungsmassnahmen unabdingbar erforderlich sein.
In Frage käme allenfalls eine Begutachtung der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin. Auch eine Begutachtung soll sich indessen sinnvollerweise auf die
Vorgeschichte stützen können. Mit dem Spital E._ ist eine Stelle vorhanden, welche
über den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin wohl
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
fundiert Auskunft geben kann, ist doch anzunehmen, dass die Beschwerdeführerin dort
seit langem in Behandlung oder in Kontrolle steht. Als KVG-Leistungserbringer ist das
Spital schon von Gesetzes wegen (Art. 6a Abs. 2 IVG) ermächtigt, den Organen der IV
auf Anfrage alle Auskünfte zu erteilen und alle Unterlagen zur Verfügung zu stellen, die
für die Abklärung von Leistungsansprüchen erforderlich sind. Die von der
Beschwerdeführerin für ihre Skepsis gegen das Einholen eines Arztberichts der
Abteilung F._ am Spital E._ bis anhin benannten Gründe vermöchten eine
Unzumutbarkeit der Abklärungsmassnahme kaum zu rechtfertigen. Denn es ginge um
eine Verwendung der Auskunft für die Zwecke der Abklärung des allfälligen IV-
Leistungsanspruchs der Beschwerdeführerin, nicht um Erhebungen für statistische
Zwecke. Mit der Einholung eines Berichts der behandelnden Stelle am Spital E._
wäre auch keine Behandlung (keine von der Beschwerdeführerin abgelehnte
zusätzliche medikamentöse Therapie oder Anpassung der Medikation) verbunden,
auch nicht zwingend eine ärztliche Untersuchung.
3.4 Eine ärztliche Untersuchung (wie etwa eine Begutachtung) bringt einen gewissen
Eingriff in die Persönlichkeit des Exploranden mit sich. Von Bedeutung ist, ob
schwerere oder geringere Eingriffe in die persönliche Integrität damit verbunden sind.
Die versicherte Person hat solche Eingriffe auf sich zu nehmen, wo der Sachverhalt
anders nicht abgeklärt werden kann (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen i/S IV 2005/14). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts
werden etwa die üblichen Untersuchungen einer Medizinischen Abklärungsstelle
(MEDAS) ohne konkret entgegenstehende Umstände generell als zumutbar betrachtet
(9C_28/10).
3.5 Ist eine Mitwirkung zumutbar und notwendig und kommt die versicherte Person
ihrer Pflicht in unentschuldbarer Weise nicht nach, muss die Verwaltung die Person
nach Art. 43 Abs. 3 ATSG schriftlich mahnen, sie auf die Rechtsfolgen hinweisen und
ihr eine angemessene Bedenkzeit einräumen. Bei Nichtbefolgen kann der
Versicherungsträger auf Grund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und
Nichteintreten (im Sinne des Einstellens des bereits aufgenommenen Verfahrens)
beschliessen. Die Beschwerdeführerin kann eine zumutbare und notwendige
Mitwirkung zwar verweigern, muss für diesen Fall aber mit den erwähnten Folgen
rechnen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.
4.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde, soweit darauf
eingetreten werden kann, unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 1. Juli
2010 teilweise gutzuheissen und die Sache ist zur ergänzenden Abklärung im Sinne der
Erwägungen und zu entsprechender neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Die korrigierte Beschwerdeschrift vom 1. September 2010 ist der
Beschwerdegegnerin zur erstinstanzlichen Behandlung des Antrags auf
Vervollständigung des IK-Auszugs zu überweisen.
4.2 Eine Rückweisung zur weiteren Abklärung der Streitsache und anschliessender
neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin stellt praxisgemäss aus prozessualer
Sicht in Bezug auf die Kosten ein vollständiges Obsiegen dar (vgl. SVR 1995 IV Nr. 51
S. 143; ZAK 1987 S. 266 E. 5a). Angesichts des Unterliegens der Beschwerdegegnerin
rechtfertigt es sich, ihr die Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert festgelegt werden (Art. 69 Abs. 1 IVG), gesamthaft
aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP/SG). Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.--
erscheint angemessen. Der Beschwerdeführerin ist der geleistete Kostenvorschuss von
Fr. 600.-- zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG