Decision ID: e67677e4-e03a-530d-a7c5-e7e62574de93
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin suchte am 2. Oktober 2014 in der Schweiz um
Asyl nach.
A.a Am 9. Oktober 2014 wurde sie im ehemaligen Empfangs- und Verfah-
renszentrum B._ zu ihrer Person, dem Reiseweg und summarisch
zu den Fluchtgründen befragt (BzP) und am 8. Juni 2015 vom SEM vertieft
zu ihren Asylgründen angehört. Sie brachte dabei im Wesentlichen vor, sie
sei eritreische Staatsangehörige und ethnische Tigrinyia und stamme aus
dem Dorf C._ in der Subzoba D._ (Zoba E._). Ihre
Familie lebe von der Landwirtschaft. Die neunte und zehnte Schulklasse
habe sie in E._ besucht und während dieser Zeit bei ihrer in einem
dortigen Stadtteil wohnhaften Grossmutter gelebt. Im Juni 2014 sei sie
während der Schulferien zu ihren Eltern zurückgekehrt. Dort sei sie Mitte
Juni 2014 von zwei Soldaten zuhause festgenommen worden. Sie sei ver-
dächtigt worden, illegal aus Eritrea ausreisen zu wollen, nachdem zwei aus
demselben Dorf stammende Mitschülerinnen namens F._ und
G._ bei einem Ausreiseversuch verhaftet worden seien und sie
fälschlicherweise bezichtigt hätten, dies auch vorgehabt zu haben. Ihre
Freundin H._ sei auch festgenommen worden und sie seien in ei-
nem ihr nicht namentlich bekannten Gefängnis in E._ inhaftiert wor-
den. Sie sei mit H._, F._ und G._ sowie zwei ihr nicht
bekannten Personen in einer Zelle eingesperrt gewesen. Während der Haft
sei sie geschlagen worden und habe mit gefesselten Händen in der Sonne
sitzen müssen. Die beiden unbekannten Zellengenossinnen hätten erzählt,
dass sie von Soldaten vergewaltigt worden seien, als sie nur zu zweit in
der Zelle gewesen seien. Zu sechst hätten sie einen weiteren Vergewalti-
gungsversuch abwehren können; als Vorgesetzte, die ihre Schreie gehört
hätten, nachschauen gekommen seien, hätten die Soldaten sie in Ruhe
gelassen. Nach zwei Wochen, anfangs Juli 2014, sei ihr die Flucht aus dem
Gefängnis gelungen. Sie sei während eines Toilettengangs, der ausserhalb
des Gefängnisses im Freien stattgefunden habe, zusammen mit
H._ davongerannt. Es sei schon dunkel gewesen und der Wächter
habe sie nicht einholen können. Sie hätten sich umgehend zu Fuss nach
Äthiopien begeben. Sie habe den Weg nicht gekannt, aber ihre Freundin
H._ habe sich in der Gegend gut ausgekannt. Wie lange sie unter-
wegs gewesen seien, könne sie nicht sagen. An der Grenze seien sie von
äthiopischen Soldaten in Empfang genommen, verpflegt, dann zu einer Po-
lizeistation gebracht und anschliessend in ein Flüchtlingscamp gefahren
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worden. Von dort aus sei sie – ohne H._ – in den Sudan weiterge-
reist und dann via Libyen nach Italien und schliesslich am 1. Oktober 2014
in die Schweiz gelangt. Die Reise sei von Schleppern organisiert und von
ihrem in I._ lebenden Bruder bezahlt worden. Wieviel sie gekostet
habe, wisse sie nicht. Ihre Eltern, (...) Brüder und eine Schwester seien
weiterhin in C._ wohnhaft. Eine verheiratete Schwester lebe in
E._, eine Schwester in J._ und ein Bruder, wie gesagt, in
I._. Sie verfüge weder über einen Pass noch eine Identitätskarte.
Sie habe nur einen Taufschein. Ihr Schülerausweis sei verloren gegangen.
Sie könne sich nicht erinnern, in welchem Alter sie eingeschult worden sei.
Als sie im Juni 2014 die Schule in der zehnten Klasse verlassen habe, sei
sie (...) respektive (...) Jahre und ein paar Monate alt gewesen. Bezie-
hungsweise sie sei am (...) geboren und im Zeitpunkt der Einreise in die
Schweiz (...) Jahre alt gewesen. Bei einer Rückkehr nach Eritrea fürchte
sie sich vor einer erneuten Inhaftierung. Gesundheitlich gehe es ihr gut.
A.b Bezüglich der weiteren Aussagen beziehungsweise der Einzelheiten
des rechtserheblichen Sachverhalts wird auf die Protokolle und die einge-
reichten Beweismittel (kirchlicher Taufschein, Kopien der Identitätskarten
der Eltern) verwiesen (vgl. vorinstanzliche Akten A6 und A14).
B.
B.a Mit Verfügung vom 19. Februar 2016 – eröffnet am 22. Februar 2016
– stellte das SEM fest, dass die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigen-
schaft nicht erfülle. Es lehnte das Asylgesuch ab und ordnete die Wegwei-
sung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an.
B.b Zur Begründung führte es im Wesentlichen an, die Vorbringen der Be-
schwerdeführerin vermöchten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit
gemäss Art. 7 AsylG (SR 142.31) nicht zu genügen. Ihre Angaben zur Ver-
haftung, Inhaftierung und Flucht aus dem Gefängnis würden nicht den Ein-
druck von persönlich Erlebtem vermitteln, sondern sich auf eine oberfläch-
liche Aufzählung von Handlungen und Gegebenheiten beschränken, die
auch leicht von einer unbeteiligten Person nacherzählt werden könnten.
Auch die illegale Ausreise aus Eritrea und die Organisation der Weiterreise
von Äthiopien nach Europa vermöge sie nicht realitätsnah und anschaulich
darzulegen. An der Unglaubhaftigkeit der fluchtauslösenden Ereignisse
und illegalen Ausreise aus Eritrea vermöchten die eingereichten Beweis-
mittel nichts zu ändern. Der kirchliche Taufschein vermöge höchstens zu
bestätigen, dass die Beschwerdeführerin in Eritrea geboren worden sei,
könne aber weder belegen, dass sie dort aufgewachsen, noch dass sie
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2014 illegal nach Äthiopien ausgereist sei. Diesen Beweis vermöchten
auch die Identitätskarten der angeblichen Eltern nicht zu erbringen. Zudem
habe die Beschwerdeführerin für sich selbst keine rechtsgenüglichen Aus-
weisschriften eingereicht, weshalb das behauptete verwandtschaftliche
Verhältnis zu diesen Personen nicht eindeutig festgestellt werden könne.
Der Wegweisungsvollzug sei als zulässig, zumutbar und möglich zu erach-
ten.
C.
C.a Mit Eingabe vom 17. März 2016 erhob die Beschwerdeführerin beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Sie ersuchte um Aufhebung der
vorinstanzlichen Verfügung und um Feststellung der Flüchtlingseigen-
schaft sowie um Gewährung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzulässig-
keit des Wegweisungsvollzugs, eventualiter um Rückweisung der Sache
an das SEM zur Neubeurteilung. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte
sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbei-
ständung sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
C.b Zur Begründung machte sie – nach zusammenfassender Darstellung
der Ausreisegründe – im Wesentlichen geltend, sie habe die Inhaftierung
und Flucht detailliert geschildert. Belege für das Erlebte könne sie nicht
beibringen. Die gerügte Knappheit und Einsilbigkeit entspreche ihrer Art zu
reden. Auch sei sie es nicht gewohnt, vor fremden Menschen über Gefühle
und unangenehme Erlebnisse, wie es die Verhaftung und Inhaftierung ge-
wesen seien, zu sprechen. Ihre Wahrnehmungsfähigkeit sei damals wohl
beeinträchtigt gewesen, weshalb es verständlich sei, dass sie das Gefäng-
nis nicht habe lokalisieren und benennen können. Ihre Anwesenheit hier-
zulande sei ein untrüglicher Beweis für ihre Reise von Eritrea nach Europa.
Ihre Ausführungen würden keine Widersprüche aufweisen, und dass sie
sich bezüglich des Zeitpunkts des Schulabbruchs respektive ihres damali-
gen Alters geirrt habe, sei ein Detail. Zudem dürften die Angaben bei der
BzP nicht überbewertet werden. Der Taufschein und die Identitätskarten
der Eltern würden belegen, dass sie in Eritrea geboren sei. Zum Beweis
ihrer eritreischen Herkunft und des Schulbesuchs reiche sie nun noch eine
Kopie ihres Schulzeugnisses ein, die ihr ihre Familie gemailt habe. Das
SEM verneine zu Unrecht das Vorliegen eines subjektiven Nachflucht-
grunds. Eine illegale Ausreise aus Eritrea sei generell weitaus wahrschein-
licher als eine legale. Sie habe dargelegt, dass sie geflüchtet sei. Damit sei
sie auch illegal aus Eritrea ausgereist und folglich als Flüchtling wegen Un-
zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen. Im Übrigen
habe das SEM die Begründungspflicht verletzt, indem es bei der Frage der
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Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs von ihrer Abstammung aus Erit-
rea ausgehe, obwohl es zuvor die illegale Ausreise und damit die eritrei-
sche Herkunft in Abrede gestellt habe. Dies sei nicht logisch. Eventualiter
sei die Sache daher zwecks Neubegründung zurückzuweisen.
D.
Am 22. März 2016 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang
der Beschwerde.
E.
E.a Am (...) 2019 heiratete die Beschwerdeführerin den eritreischen
Staatsangehörigen K._ (Asylgesuch vom [...] 2014, Verfügung des
SEM vom [...] 2015: Ablehnung des Asylgesuchs, vorläufige Aufnahme we-
gen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs).
E.b Am 22. Mai 2019 beantragte die Beschwerdeführerin einen Wechsel in
den Wohnsitzkanton des Ehemannes. Am 6. August 2019 stellte das SEM
fest, dass aufgrund der Heirat ein Anspruch auf Einheit der Familie be-
stehe, und bewilligte den Kantonswechsel. Zudem legte es die Asylakten
der Beschwerdeführerin mit dem Dossier des Ehemannes zusammen
(N [...]). Am (...) 2019 wurde dem Ehemann im Wohnsitzkanton eine Här-
tefallbewilligung (Aufenthaltsbewilligung B) erteilt.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 4. Dezember 2019 stellte die Instruktionsrich-
terin fest, dass für den Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung von der pro-
zessualen Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin auszugehen sei und die
Begehren im damaligen Zeitpunkt aufgrund einer summarischen Aktenprü-
fung auch nicht als aussichtslos erschienen, weshalb sie auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses einstweilen verzichtete. Gleichzeitig lud sie die
Vorinstanz angesichts der veränderten persönlichen Verhältnisse der Be-
schwerdeführerin zur Vernehmlassung zum Wegweisungspunkt ein.
G.
In seiner Vernehmlassung vom 13. Dezember 2019 führte das SEM an,
der Ehemann der Beschwerdeführerin verfüge hierzulande nicht über ein
gefestigtes Aufenthaltsrecht, weshalb die Beschwerdeführerin von ihm kei-
nen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung ableiten könne.
Bestehe zwischen den Eheleuten eine tatsächlich gelebte Beziehung wäre
es angezeigt, die Ehefrau gestützt auf Art. 44 AsylG vorläufig aufzuneh-
men, sofern keine Ausnahmetatbestände vorliegen würden. Vorliegend sei
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aber ein Ausnahmetatbestand gegeben. Art. 44 AsylG sei nicht anwendbar,
wenn die familiäre Beziehung in einem anderen Land gelebt werden könne,
in dem keine Vollzugshindernisse bestehen würden. Gemäss aktueller Pra-
xis sei der Wegweisungsvollzug nach Eritrea als generell zumutbar zu er-
achten. Das SEM habe die Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung der
Beschwerdeführerin in der angefochtenen Verfügung bejaht und es be-
stehe auch kein Anlass zur Annahme, dass es ihrem Ehemann zum heuti-
gen Zeitpunkt nicht zumutbar wäre, mit der Beschwerdeführerin nach Erit-
rea zurückzukehren. Das SEM lehne es daher ab, die Beschwerdeführerin
gestützt auf Art. 44 AsylG vorläufig aufzunehmen. Der Ehemann habe je-
doch die Möglichkeit, bei den kantonalen Behörden ein ausländerrechtli-
ches Familiennachzugsgesuch gemäss Art. 44 AIG für die Beschwerdefüh-
rerin zu stellen. Da ihm erst kürzlich und nach erfolgter Heirat die Härtefall-
bewilligung erteilt worden sei, sei davon auszugehen, dass die Vorausset-
zungen für einen ausländerrechtlichen Familiennachzug (insbesondere
keine Sozialhilfeabhängigkeit) gegeben sein dürften.
H.
H.a Mit Zwischenverfügung vom 18. Dezember 2019 forderte die Instrukti-
onsrichterin die Beschwerdeführerin im Hinblick auf die Beurteilung des
Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege auf, innert sie-
ben Tagen ihre aktuelle finanzielle Situation zu belegen. Die Beschwerde-
führerin kam der Aufforderung am 22. Dezember 2019 nach.
H.b Mit Zwischenverfügung vom 10. Januar 2020 stellte die Instruktions-
richterin fest, dass die prozessuale Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin
auch im heutigen Zeitpunkt zu bejahen sei, weshalb sie das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1
VwVG guthiess. Hinsichtlich des Gesuchs um unentgeltliche Rechtsverbei-
ständung forderte sie die Beschwerdeführerin auf, bis zum 27. Januar
2020 den Namen des von ihr bestimmten Rechtsbeistands oder der
Rechtsbeiständin mitzuteilen und eine entsprechende Vollmacht einzu-
reichen, verbunden mit dem Hinweis, dass bei ungenutzter Frist von einem
Verzicht auf Bestellung eines amtlichen Rechtsbeistands auszugehen sei.
H.c Mit Eingabe vom 23. Januar 2020 zeigte die rubrizierte Rechtsvertre-
terin die gleichentags erfolgte Mandatierung durch die Beschwerdeführerin
an und ersuchte um ihre Einsetzung als amtliche Rechtsbeiständin.
H.d Mit Zwischenverfügung vom 27. Januar 2020 hiess die Instruktions-
richterin das Gesuch um Gewährung der amtlichen Rechtsverbeiständung
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gut und ordnete die rubrizierte Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin
als unentgeltliche Rechtsbeiständin bei. Gleichzeitig stellte sie der Be-
schwerdeführerin die Vernehmlassung des SEM zu und räumte ihr Gele-
genheit ein, dazu bis zum 11. Februar 2020 eine Replik einzureichen.
H.e Mit Schreiben vom 28. Januar 2020 ersuchte die Rechtsvertreterin um
Einsicht in das Beschwerdedossier und um Erstreckung der Frist zur Ein-
reichung einer Replik.
H.f Mit Schreiben vom 30. Januar 2020 teilte die Instruktionsrichterin der
Rechtsvertreterin mit, dass grundsätzlich davon ausgegangen werde, dass
die Beschwerdeführerin sie mit den Dokumenten bediene, sie ihr der Ein-
fachheit halber aber Kopien der Rechtsmitteleingabe vom 17. März 2016
samt Beilagen zukommen lasse. Die Frist zur Einreichung einer Replik ver-
längerte sie antragsgemäss bis zum 25. Februar 2020.
I.
In ihrer Replik vom 25. Februar 2020 entgegnete die Beschwerdeführerin,
sie und ihr Ehemann würden keine Sozialhilfe beziehen, obgleich sie auf-
grund ihres Status nichts zum Familienbudget beitragen könne und das
Einkommen ihres im (...) tätigen Ehemannes für die Bestreitung des Le-
bensunterhalts von zwei Personen knapp sei. Angesichts der knappen fi-
nanziellen Verhältnisse sei nicht davon auszugehen, dass einem Gesuch
um ausländerrechtlichen Familiennachzug durch die kantonalen Behörden
stattgegeben würde. Das SEM habe mit Verfügung vom (...) 2015 festge-
stellt, dass der Vollzug der Wegweisung ihres Ehemannes unzumutbar sei.
Es könne ihnen daher nicht zugemutet werden, ihr Eheleben in Eritrea zu
führen. Dies sei nur in der Schweiz möglich.
Die Rechtsvertreterin legte der Eingabe ihre Kostennote (samt Einzah-
lungsschein) bei.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
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zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie
ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und
aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verneinung der Flücht-
lingseigenschaft und den angeordneten Vollzug der Wegweisung (vgl. die
Rechtsbegehren in der Rechtsmitteleingabe vom 17. März 2016 S. 1 [und
S. 4 Fazit]). Die Beschwerdeführerin machte geltend, sie erfülle die Flücht-
lingseigenschaft aufgrund illegal erfolgter Ausreise aus Eritrea und sei da-
her wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzuneh-
men. Die Ablehnung des Asylgesuchs blieb demgegenüber unangefochten
und ist damit in Rechtskraft erwachsen.
4.
Für den Beschwerdeentscheid ist die im Zeitpunkt seiner Ausfällung beste-
hende Aktenlage massgeblich (vgl. zum Ganzen MOSER/BEUSCH/KNEU-
BÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013,
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Rz. 2.204 ff.; BVGE 2012/21 E. 5.1). Veränderungen der Situation zwi-
schen Ausreise und Asylentscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asyl-
suchenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2, BVGE
2010/9 E. 5.2, BVGE 2007/31 E. 5.3 f.).
5.
5.1 Vorab ist die verfahrensrechtliche Rüge der Beschwerdeführerin, das
SEM habe die Begründungspflicht und damit ihr rechtliches Gehör verletzt,
zu prüfen.
5.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest. Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29
Abs. 2 BV, Art. 29 und Art. 32 Abs. 1 VwVG), das alle Befugnisse umfasst,
die einer Partei einzuräumen sind, damit sie ihren Standpunkt wirksam zur
Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1).
Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich zur Sache zu
äussern, erhebliche Beweismittel beizubringen und mit erheblichen Be-
weisanträgen gehört zu werden sowie Einsicht in die Akten zu nehmen. Mit
dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen
tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidung ange-
messen zu berücksichtigen. Die Begründung der Verfügung muss so ab-
gefasst sein, dass die betroffene Person den Entscheid gegebenenfalls
sachgerecht anfechten kann. Die Behörde muss die wesentlichen Überle-
gungen nennen, von denen sie sich hat leiten lassen und auf die sie ihren
Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist hingegen, dass sich die Begründung
mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes ein-
zelne Vorbringen ausdrücklich erwähnt oder widerlegt (vgl. BGE 136 I 184
E. 2.2.1, 126 I 97 E. 2.b).
5.3 Der Rüge der Beschwerdeführerin, das SEM habe die Begründungs-
pflicht verletzt, indem dessen Argumentation nicht logisch erscheine, wenn
es im Vollzugspunkt von ihrer Abstammung aus Eritrea ausgehe, bei der
Prüfung der Flüchtlingseigenschaft aber ihre eritreische Herkunft in Abrede
stelle, kann nicht gefolgt werden. Wie unter E. 5.2. ausgeführt, verpflichtet
der Gehörsanspruch die Behörde, die Überlegungen zu nennen, von de-
nen sie sich hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Dieser
Pflicht ist das SEM in seiner Verfügung 19. Februar 2016 hinreichend nach-
gekommen. Es hat ausführlich dargelegt, weshalb es die Flüchtlingseigen-
schaft der Beschwerdeführerin als nicht erfüllt und den Vollzug der Weg-
weisung als durchführbar erachtet. Eine Gehörsverletzung liegt damit nicht
vor. Ob der Argumentation respektive den Schlussfolgerungen des SEM im
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Ergebnis zuzustimmen ist, ist nunmehr Gegenstand des vorliegenden Be-
schwerdeverfahrens. Im Übrigen hat das SEM nicht in Abrede gestellt,
dass die Beschwerdeführerin eritreische Staatsangehörige sei.
5.4 Aufgrund des Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefochtene
Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vor-
instanz zurückzuweisen. Der entsprechende (Eventual-)Antrag um Rück-
weisung an das SEM ist daher abzuweisen.
6.
6.1 Im vorliegenden Verfahren ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin
wegen der Ausreise aus Eritrea, die illegal erfolgt sei, bei einer Rückkehr
dorthin – mithin wegen subjektiver Nachfluchtgründe gemäss Art. 54 AsylG
– befürchten muss, ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG aus-
gesetzt zu werden.
6.2 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – etwa durch ein illegales Verlassen
des Landes – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht
sogenannte subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG gel-
tend. Solche begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von
Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des
Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich
gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, die subjektive Nachflucht-
gründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläu-
fig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1).
6.2.1 Durch Republikflucht wird zum Flüchtling, wer wegen illegaler Aus-
reise Sanktionen des Heimatstaats befürchten muss, die bezüglich ihrer
Intensität ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG darstellen (vgl.
BVGE 2009/29).
6.2.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im als Referenzurteil publi-
zierten Urteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 mit der Frage befasst, ob
Eritreerinnen und Eritreer, die ihr Land illegal verlassen haben, allein des-
wegen bei einer Rückkehr Verfolgung zu befürchten haben. Unter Bezug-
nahme auf die konsultierten Quellen hat es festgestellt, dass die bisherige
Praxis, wonach eine illegale Ausreise per se zur Flüchtlingseigenschaft
führe, nicht mehr aufrechterhalten werden könne. Aus der im Urteil vorge-
nommenen Analyse ergebe sich, dass zahlreiche Personen, welche illegal
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aus Eritrea ausgereist seien, relativ problemlos in ihre Heimat hätten zu-
rückkehren können. Daher sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
davon auszugehen, dass einer Person einzig aufgrund ihrer illegalen Aus-
reise aus Eritrea eine asylrelevante Verfolgung drohe. Eine geltend ge-
machte Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG er-
scheine allein aufgrund einer illegalen Ausreise nicht mehr als objektiv be-
gründet. Nicht asylrelevant sei auch die Möglichkeit, dass jemand nach der
Rückkehr in den Nationaldienst eingezogen werde, da es sich dabei nicht
um eine Massnahme handle, die aus asylrechtlich relevanten Motiven er-
folge; ob eine drohende Einziehung in den Nationaldienst unter dem Blick-
winkel von Art. 3 EMRK und Art. 4 EMRK relevant sein könnte, betreffe die
Frage der Zulässigkeit beziehungsweise Zumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs. Ein erhebliches Risiko einer Bestrafung bei einer Rückkehr ge-
stützt auf asylrelevante Motive sei nur dann anzunehmen, wenn neben der
illegalen Ausreise weitere Faktoren zu bejahen seien, welche die asylsu-
chende Person in den Augen der eritreischen Behörden als missliebige
Person erscheinen lassen würden (vgl. a.a.O. E. 5.1).
6.2.3 Vorliegend kann die Frage der Glaubhaftigkeit der von der Beschwer-
deführerin geltend gemachten illegalen Ausreise aus Eritrea mangels
flüchtlingsrechtlicher Relevanz offenbleiben. Wie erwähnt, vermag die ille-
gale Ausreise allein keine Furcht vor einer zukünftigen flüchtlingsrechtlich
relevanten Verfolgung zu begründen, und zusätzliche Gefährdungsfakto-
ren sind vorliegend nicht ersichtlich. Die Beschwerdeführerin machte nicht
geltend, vor ihrer Ausreise aus Eritrea im Sommer 2014 in den Militär- res-
pektive Nationaldienst eingezogen worden zu sein respektive einer Einbe-
rufung nicht gefolgt zu sein, und die blosse Möglichkeit einer künftigen Rek-
rutierung für den Nationaldienst ist – wie soeben ausgeführt – asylrechtlich
nicht relevant. Andere Anknüpfungspunkte, welche die Beschwerdeführe-
rin in den Augen des eritreischen Regimes als missliebige Person erschei-
nen lassen beziehungsweise zu einer Schärfung ihres Profils und dadurch
zu einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsgefahr führen könnten,
sind aufgrund der Aktenlage nicht erkennbar. Das SEM erachtete die Vor-
bringen der Beschwerdeführerin, vor dem Verlassen Eritreas wegen des
fälschlicherweise erhobenen Verdachts, eine illegale Ausreise geplant zu
haben, verhaftet worden und nach zwei Wochen aus dem Gefängnis ge-
flohen zu sein, als den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7
AsylG nicht genügend. Dieser Einschätzung ist nach Prüfung der Akten
beizupflichten. Die entsprechenden Schilderungen der Beschwerdeführe-
rin vermögen in der Tat nicht in einem für die Glaubhaftigkeit genügenden
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Seite 12
Mass zu überzeugen. Der Einwand der Beschwerdeführerin, es entspre-
che ihrer Art, sich knapp zu fassen, vermag die ungenügende Dichte ihrer
Angaben nicht zu erklären. Trotz wiederholter, gezielter Nachfragen sei-
tens der Befragerin bei der Anhörung vom 8. Juni 2015 vermochte die Be-
schwerdeführerin ihre Vorbringen nicht hinreichend zu substanziieren. Die
vom SEM geäusserten Zweifel an den Aussagen sind berechtigt. Mit den
Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe vom 17. März 2016 vermag die
Beschwerdeführerin dem SEM nichts Substanzielles entgegenzusetzen
und die Zweifel an der Glaubhaftigkeit ihrer Angaben nicht auszuräumen
beziehungsweise nicht darzulegen, dass sie im Zeitpunkt ihrer Ausreise
aus Eritrea von den heimatlichen Behörden verfolgt worden wäre. Dem auf
Beschwerdeebene eingereichten Zeugnis für das Schuljahr 2013/2014
kann nur ein geringer Beweiswert zugemessen werden, liegt dieses doch
nur in Form einer – schlecht lesbaren – Kopie vor. Zudem steht es inhaltlich
in Widerspruch zu den Angaben der Beschwerdeführerin selbst: Laut ihr
(und dem eingereichten Taufschein) sei sie am (...) geboren, wohingegen
das Schulzeugnis den (...) als Geburtsdatum nennt. Im Übrigen vermag
das besagte Dokument unabhängig von der Frage der Echtheit nichts an
der Einschätzung der fluchtauslösenden Vorbringen der Beschwerdeführe-
rin zu ändern, wird doch nicht grundsätzlich ein Schulbesuch der Be-
schwerdeführerin, sondern die geltend gemachte Verhaftung und Flucht
aus dem Gefängnis in Frage gestellt. Andere Ereignisse oder Umstände,
die allenfalls als profilschärfend zu erachten wären, legte die Beschwerde-
führerin nicht dar, gab sie doch zu Protokoll, nie politisch oder religiös aktiv
gewesen zu sein und – abgesehen von den geschilderten Problemen, die
indes als unglaubhaft zu erachten sind – keine Schwierigkeiten mit den
heimatlichen Behörden gehabt zu haben (vgl. A6 S. 9).
6.2.4 Die Beschwerdeführerin erfüllt damit die Flüchtlingseigenschaft ge-
mäss Art. 3 AsylG unter dem Aspekt subjektiver Nachfluchtgründe (Art. 54
AsylG) nicht.
6.3 Zusammenfassend hat das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Be-
schwerdeführerin zu Recht verneint.
7.
7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-
milie (Art. 44 AsylG).
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Seite 13
7.2 Die Wegweisung wird unter anderem dann nicht verfügt, wenn die asyl-
suchende Person im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlas-
sungsbewilligung ist (Art. 32 Bst. a der Asylverordnung 1 vom 11. August
1999 [AsylV 1, SR 142.311]) oder ein grundsätzlicher Anspruch auf Ertei-
lung einer Aufenthaltsbewilligung besteht, wobei die kantonale Ausländer-
behörde zuständig ist, über den Anspruch konkret zu befinden (vgl. auch
BVGE 2013/37 E. 4.4; Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen]
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 23 E. 3.2;
EMARK 2001 Nr. 21 E. 9). Ist die asylsuchende Person nicht im Besitz ei-
ner gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung, ist im Asyl- und
Wegweisungsverfahren mit Blick auf die mögliche Zuständigkeit der kanto-
nalen Ausländerbehörde daher vorfrageweise zu prüfen, ob die asylsu-
chende Person sich im Sinne von Art. 14 Abs. 1 AsylG auf einen grund-
sätzlichen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung berufen
kann (vgl. EMARK 2001 Nr. 21 E. 10).
7.2.1 Soweit nicht das Gesetz oder das Freizügigkeitsabkommen einen
Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung vermittelt, kommt als
Anspruchsgrundlage Art. 8 EMRK in Betracht, wobei diesbezüglich die
bundesgerichtliche Rechtsprechung massgeblich ist (vgl. EMARK 2001
Nr. 21 E. 8a und b sowie E. 9). Die im Asylverfahren angeordnete Wegwei-
sung wird demzufolge praxisgemäss aufgehoben, wenn ein potenzieller
Anspruch gestützt auf Art. 8 EMRK vorfrageweise bejaht wird, die be-
troffene Person an die zuständige kantonale Ausländerbehörde ein Ge-
such um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gerichtet hat und dieses
Gesuch noch hängig ist (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4.2.2).
7.2.2 Vorliegend ist nicht aktenkundig, dass die Beschwerdeführerin, die
weder über eine Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung noch über
einen selbständigen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung
verfügt, bei der zuständigen Behörde ein Gesuch um Erteilung einer frem-
denpolizeilichen Bewilligung aufgrund der Familienverhältnisse eingereicht
hätte. Damit sind die im Rahmen des Wegweisungspunkts zur Heranzie-
hung von Art. 8 EMRK verlangten Voraussetzungen nicht erfüllt. Die Beur-
teilung eines solchen Gesuchs hätte durch das zuständige kantonale Mig-
rationsamt zu erfolgen und sprengt den Prozessgegenstand des vorliegen-
den Verfahrens. Es bleibt der Beschwerdeführerin jedoch unbenommen,
nach Ergehen dieses Urteils einen allfälligen Anspruch auf Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung mit einem entsprechenden Gesuch bei der zustän-
digen Behörde geltend zu machen.
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8.
Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht
möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetz-
lichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83
Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
8.1 Die genannten drei Bedingungen für einen (vorläufigen) Verzicht auf
den Vollzug der Wegweisung sind alternativer Natur: Ist eine erfüllt, so ist
der Vollzug der Wegweisung als undurchführbar zu erachten, und die wei-
tere Anwesenheit in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vor-
läufige Aufnahme zu regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
8.2.1 Art. 8 EMRK und Art. 13 BV garantieren den Schutz des Familienle-
bens. Ehegatten gehören zum Kreis der von Art. 8 EMRK geschützten Fa-
milienbeziehungen. Von einem gefestigten Anwesenheitsrecht eines in der
Schweiz lebenden Familienmitglieds ist gemäss Rechtsprechung ohne
Weiteres auszugehen, wenn dieses über die schweizerische Staatsange-
hörigkeit oder eine Niederlassungs- oder Aufenthaltsbewilligung, auf deren
Verlängerung ein Anspruch besteht, verfügt (vgl. BGE 135 I 143 E. 1.3.1
und 3.1, BGE 130 II 281 E. 3.1; EMARK 2005 Nr. 3 E. 3.1).
8.2.2 Beim Ehemann der Beschwerdeführerin, der in der Schweiz über
eine im Rahmen einer Härtefallprüfung erteilte Aufenthaltsbewilligung ver-
fügt, kann zwar nicht von einem gefestigten Aufenthaltsrecht im vorge-
nannten Sinn gesprochen werden. Aber Art. 8 EMRK ist auch dann anruf-
bar, wenn bei einem in der Schweiz über eine Aufenthaltsbewilligung ver-
fügenden Mitglied der Kernfamilie nicht absehbar ist, dass eine Ausreise
erfolgen würde, und eine enge, nahe, echte und tatsächlich gelebte famili-
äre Beziehung besteht. Hinweise für eine solche enge familiäre Beziehung
sind insbesondere das Zusammenleben in einem gemeinsamen Haushalt,
eine finanzielle Abhängigkeit und die Übernahme von Verantwortung für
die andere Person. Diese Voraussetzungen sind vorliegend als erfüllt zu
erachten. Die Beschwerdeführerin lebt mit ihrem Ehemann zusammen und
er kommt mit seinem Erwerbseinkommen für den gemeinsamen Lebens-
unterhalt auf. Dem Einwand des SEM in der Stellungnahme vom 13. De-
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zember 2019, es sei für das Paar zumutbar, ihr Eheleben in Eritrea zu füh-
ren, kann nicht gefolgt werden. Das SEM hat mit Verfügung vom (...) 2015
festgestellt, dass die Rückkehr nach Eritrea für den Ehemann der Be-
schwerdeführerin nicht zumutbar ist. Im Rahmen einer am (...) 2018 erfolg-
ten Überprüfung kam es zum Schluss, dass eine Aufhebung der vorläufi-
gen Aufnahme des Ehemannes nicht gerechtfertigt sei und diese bestehen
bleibe, mithin eine Rückkehr für ihn nach Eritrea weiterhin unzumutbar ist.
Am (...) 2019 wurde ihm dann die besagte Aufenthaltsbewilligung in der
Schweiz erteilt. Es ist daher nicht absehbar, dass der erwerbstätige Ehe-
mann der Beschwerdeführerin seinen Aufenthalt hierzulande aufgeben und
in Richtung Eritrea ausreisen würde. Da das Ehepaar Anspruch darauf hat,
sein Eheleben zu führen, steht Art. 8 EMRK dem Vollzug der Wegweisung
der Beschwerdeführerin entgegen.
8.2.3 Der Beschwerdeführerin ist demnach in Anwendung von Art. 83
Abs. 3 AIG wegen Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.
Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die Beschwerde gutzuheissen ist,
soweit sie den Wegweisungsvollzug betrifft; im Übrigen ist sie abzuweisen.
Die Verfügung des SEM vom 19. Februar 2016 ist hinsichtlich der Ziffern 4
(Verlassen der Schweiz) und 5 (Vollzug der Wegweisung) des Dispositivs
aufzuheben, und das SEM ist anzuweisen, die Beschwerdeführerin ge-
stützt auf Art. 44 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 3 AIG vorläufig aufzunehmen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären infolge des hälftigen Un-
terliegens der Beschwerdeführerin die hälftigen Kosten aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen wurde mit Zwischenverfügung vom
10. Januar 2020 das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen, weshalb keine Verfah-
renskosten aufzuerlegen sind.
10.2 Der vertretenen Beschwerdeführerin ist angesichts ihres teilweisen
Obsiegens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine reduzierte
Entschädigung für die ihr notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zu-
zusprechen. Die Rechtsvertreterin bezifferte den zeitlichen Aufwand in der
Kostennote vom 25. Februar 2020 mit 3 Stunden (Stundenansatz von
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Fr. 250.–). Zudem machte sie Barauslagen von Fr. 27.40 geltend und wies
auf die Mehrwertsteuerpflicht hin. Die von der Vorinstanz auszurichtende
hälftige Parteientschädigung ist demnach auf (gerundet) Fr. 419.– (inkl.
Auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
10.3 Im Umfang des Unterliegens ist der als unentgeltliche Rechtsbeistän-
din eingesetzten Rechtsvertreterin gemäss dem in der Ernennungsverfü-
gung vom 27. Januar 2020 genannten Kostenrahmen ein amtliches Hono-
rar zulasten der Gerichtskasse in der Höhe von (gerundet) Fr. 338.– (inkl.
Auslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
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