Decision ID: 09a50c99-70a8-547e-a874-a26d70944fa1
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A.Y., geboren 1975, Staatsangehörige von Kenia, reiste am 28. April 2002 in die
Schweiz ein, um ihre Heirat mit dem Schweizer B.Y. vorzubereiten. Am 16. März 2003
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wurde die gemeinsame Tochter K. geboren. Die Ehe wurde am 18. April 2003
geschlossen (Vorakten Migrationsamt, nachfolgend Dossier, S. 9 ff.). Infolge der Heirat
erhielt A.Y. eine Aufenthaltsbewilligung. Die Familie zog am 1. Oktober 2003 in den
Kanton St. Gallen.
Nach Auszug des Ehemannes aus der ehelichen Wohnung wies das Kreisgericht S.
diese mit dringlicher Anordnung vom 7. Mai 2004 A.Y. und deren Tochter zur alleinigen
Benutzung zu. Mit vorläufiger Verfügung vom 18. Juni 2004 bewilligte es das
Getrenntleben der Eheleute, gab K. vorläufig (d.h. bis zum Vorliegen eines Gutachtens)
in die Obhut der Mutter und verpflichtete diese zum Schutz des Kindeswohls, dreimal
wöchentlich bei der regionalen Beratungsstelle O. einzunehmen. Dem Vater räumte das
Kreisgericht ein Besuchsrecht ein und ordnete sowohl eine Erziehungsbeistandschaft
als auch eine Beistandschaft zur Überwachung des Besuchsrechts ein. Mit
Eheschutzentscheid vom 22. Oktober 2004 wurden diese Regelungen bestätigt. Die
Ehe zwischen A.Y. und B.Y. wurde mit Entscheid vom 18. Januar 2010 geschieden. Die
elterliche Sorge über K. wurde vereinbarungsgemäss A.Y. zugeteilt; dem Vater wurde
das vereinbarte Besuchs- und Ferienrecht eingeräumt, wobei die bestehende
Beistandschaft weitergeführt wurde. Da A.Y. mehrmals gedroht hatte, mit K. nach
Kenia zurückzukehren, wurde sie gerichtlich verpflichtet, den Reisepass ihrer Tochter
beim Beistand zu hinterlegen. Weil sie dieser Verpflichtung trotz wiederholten
Aufforderungen nicht nachkam, musste der Reisepass zwangsweise eingezogen
werden.
Aus Rücksicht auf das damals noch in ihrer Obhut und elterlichen Sorge stehende
Schweizer Kind hatte das Ausländeramt (heute Migrationsamt) die
Aufenthaltsbewilligung von A.Y. jeweils jährlich, letztmals bis 17. April 2011, verlängert,
obwohl ihre Ehegemeinschaft weniger als drei Jahre gedauert hatte und A.Y. seit Juni
2004 vom Sozialamt unterstützt werden musste. Im März 2010 betrug der
Schuldensaldo rund CHF 188‘300.
Nach zahlreichen Gefährdungsmeldungen wegen mangelhafter Betreuung und
Vernachlässigung wurde A.Y. die Obhut über ihr Kind entzogen und K. für unbestimmte
Zeit fremdplatziert. Seit Mitte Oktober 2010 lebt K. im Kinderheim X. in P. A.Y. wurde
ein begleitetes Besuchsrecht mit Auflagen betreffend Alkoholabstinenz eingeräumt und
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das Besuchsrecht des Vaters angepasst. Die gegen den Obhutsentzug erhobene
Beschwerde wurde mit Entscheid vom 30. November 2010 rechtskräftig abgewiesen.
Trotz Obhutsentzug holte A.Y. K. am 20. Dezember 2010 von der Schule ab und begab
sich mit ihr ins Frauenhaus nach M. Sie wurde wegen Entziehens von Unmündigen zu
einer (bedingten) Geldstrafe von zehn Tagessätzen zu CHF 30 sowie einer Busse von
CHF 100 verurteilt.
Nach dem Obhutsentzug und der Fremdplatzierung von K. verlängerte das
Migrationsamt die Aufenthaltsbewilligung von A.Y. nicht mehr. Es hielt ihr die
Sozialhilfeabhängigkeit seit Juni 2004 beziehungsweise den Anstieg der
Sozialhilfekosten (ohne die Krankenkassenkosten) auf zwischenzeitlich CHF 191‘300,
die fehlenden Arbeitsbemühungen und die Verurteilung wegen des Entziehens von
Unmündigen vor. Durch ihr Verhalten habe sie den Widerrufsgrund von Art. 62 lit. b
beziehungsweise e des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer
(SR 142.20, AuG) gesetzt. Art. 8 der Europäischen Konvention zum Schutze der
Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK) stehe einer Wegweisung nicht
entgegen beziehungsweise die Wegweisung sei verhältnismässig.
Auf den mit Eingabe ihres damaligen Rechtsvertreters vom 14. September 2011
vorsorglich erhobenen Rekurs trat das Sicherheits- und Justizdepartement nicht ein
und lehnte das gleichzeitig gestellte Gesuch um Wiederherstellung der verpassten
Rekursfrist ab. Dieser Entscheid wurde rechtskräftig. In der Folge wurde A.Y. eine neue
Ausreisefrist angesetzt, der sie nicht nachkam. Deshalb wurde sie am 16. Januar 2012
verhaftet und nach Kenia ausgeschafft. Sie wurde mit einem bis 19. Januar 2016
gültigen Einreiseverbot für den gesamten Schengenraum belegt.
Mitte November 2012 reichte A.Y., vertreten durch die Schweizerische Flüchtlingshilfe,
ein Gesuch um Aufhebung des Einreiseverbots und Erteilung eines Touristenvisums
zum Besuch der Tochter ein. Nach Abklärungen und Rücksprache mit der Kindes- und
Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Q. setzte das Staatssekretariat für Migration (SEM)
das Einreiseverbot mit Suspensionsverfügung vom 4. Februar 2013 für die Dauer vom
21. Februar bis 6. März 2013 für ein begleitetes Besuchsrecht aus.
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Mit Verfügung vom 1. März 2013 entzog die KESB A.Y. die elterliche Sorge auf
unbestimmte Zeit und stellte K. unter die Vormundschaft ihrer bisherigen Beiständin.
Die bisherige Besuchsregelung wurde aufgehoben und der Mutter wurde mit Blick auf
das bestehende Einreiseverbot ein situativ begleitetes Besuchsrecht eingeräumt, das
jeweils nach Prüfung und in Koordination mit der Vormundin und dem SEM sowie unter
den Voraussetzungen von Suchtmittelabstinenz und klaglosem Verhalten gegenüber
dem Kind und dessen sozialem Umfeld erfolgen könne. Diese Verfügung blieb
unangefochten.
A.Y. verblieb nach Ablauf des mit der Suspensionsverfügung gewährten
Touristenvisums widerrechtlich in der Schweiz und ersuchte am 7. März 2013,
vertreten durch das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (HEKS), um
Wiedererteilung einer Aufenthaltsbewilligung beziehungsweise Unterbreitung als
schwerwiegender persönlicher Härtefall sowie um vorübergehenden Aufenthalt für die
Dauer des Verfahrens. Das Migrationsamt wies die beiden Gesuche ab. Der dagegen
erhobene Rekurs wurde wieder zurückgezogen und mit Verfügung des Sicherheits-
und Justizdepartements vom 10. Juli 2013 abgeschrieben.
Nach eigenen Angaben reiste A.Y. sodann am 19. März 2013 auf dem Landweg nach
Deutschland, wo sie einen Asylantrag einreichte. Ihr Gesuch wurde mit Entscheid vom
9. Januar 2014 abgewiesen; sie wurde unter Androhung der Abschiebung angewiesen,
Deutschland zu verlassen.
Am 30. Januar 2014 stellte A.Y. beim SEM ein Gesuch um wiedererwägungsweise
Aufhebung des Einreiseverbots. Das SEM trat auf dieses Gesuch nicht ein und lehnte
mit Hinweis auf das Nichteinhalten der Bewilligungsauflagen anlässlich der letzten
Aussetzung des Einreiseverbots auch eine weitere Suspension ab. Ein
rechtsmittelfähiger Entscheid wurde nicht verlangt.
Mit Schreiben vom 21. Januar 2016 gelangte die Vormundin von K. ans Migrationsamt
und ersuchte auf Wunsch von K. um Prüfung eines Aufenthaltsrechts für die Mutter. Sie
orientierte, dass sich A.Y. nach Angaben der Organisation „Z.“ ohne
Aufenthaltsberechtigung in der Nähe von Berlin aufhalte. In der Folge forderte das
Migrationsamt die Einreichung verschiedener Unterlagen (u.a. des deutschen
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Asylentscheids, eines persönlichen Schreibens von K. und eines Berichts der
Vormundin über die Kontakte zwischen Mutter und Tochter seit Mai 2013).
Am 18. April 2016 reichte A.Y., vertreten durch die Organisation „Z.“ und diese
wiederum vertreten durch Rechtsanwalt Mustafa Ates, unter Beilage verschiedener
Unterlagen zu den Kontakten zwischen Mutter und Tochter beim Migrationsamt ein
Gesuch um Erteilung einer Einreise- und Aufenthaltsbewilligung gestützt auf das Recht
auf Familienleben (Art. 8 EMRK beziehungsweise Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG in
Verbindung mit Art. 31 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit
(SR 142.201, VZAE) ein (Dossier, S. 510 ff.). Mit Verfügung vom 29. Juli 2016 wies das
Migrationsamt das Gesuch um Unterbreitung als persönlicher Härtefall ab (act. 10/1a).
Das Sicherheits- und Justizdepartement wies den gegen diese Verfügung von A.Y. am
6. September 2016 erhobenen Rekurs am 13. April 2017 ab.
B. A.Y. (Beschwerdeführerin) erhob gegen den Entscheid des Sicherheits- und
Justizdepartements (Vorinstanz) vom 13. April 2017 durch ihren Rechtsvertreter mit
Eingabe vom 3. Mai 2017 und Ergänzung vom 22. Juni 2017 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei der angefochtene
Entscheid aufzuheben, das Gesuch um Erteilung einer Einreise- und
Aufenthaltsbewilligung dem Staatssekretariat für Migration zu unterbreiten. Dem
gleichzeitig gestellten Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und -
verbeiständung im Beschwerdeverfahren wurde mit Zwischenverfügung vom
8. Mai 2017 entsprochen.
Mit Vernehmlassung vom 3. Juni 2017 verwies die Vorinstanz auf die Erwägungen in
ihrem Entscheid und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Der Rechtsvertreter
reichte am 22. August 2017 eine Honorarnote ein.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen der
Beschwerdeführerin zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
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1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die
Beschwerdeführerin ist zur Beschwerde gegen den Rekursentscheid, mit welchem ihr
Rechtsmittel gegen die Abweisung des Gesuches um Unterbreitung als
schwerwiegender persönlicher Härtefall erfolgslos blieb, befugt (Art. 64 in Verbindung
mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde gegen den Rekursentscheid vom
13. April 2017 wurde mit Eingabe vom 3. Mai 2017 unter Berücksichtigung des
Fristenstillstandes über Ostern rechtzeitig erhoben und erfüllt zusammen mit der
Ergänzung vom 22. Juni 2017 in formeller sowie inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 30 Abs. 1 VRP sowie
Art. 145 Abs. 1 lit. a der Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272, ZPO, und
Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist deshalb einzutreten.
2. Die Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin ist nicht verlängert worden; die
entsprechende Verfügung ist rechtskräftig. Die Beschwerdeführerin strebt die Erteilung
einer neuen Aufenthaltsbewilligung wegen eines schwerwiegenden persönlichen
Härtefalls an.
2.1. Nach Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG kann von den Zulassungsvoraussetzungen der
Art. 18-29 abgewichen werden, um insbesondere schwerwiegenden persönlichen
Härtefällen Rechnung zu tragen. Diese Bestimmung räumt keinen
Bewilligungsanspruch ein (BGer 2C_154/2013 vom 14. Februar 2013 E. 2 mit
Hinweisen; sog. Ermessensbewilligung, BGE 137 II 345 E. 3.2.1). Mit Beschwerde beim
Verwaltungsgericht können gemäss Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP lediglich
Rechtsverletzungen geltend gemacht werden. Das Verwaltungsgericht kann deshalb
die Ausübung des Ermessens durch das Migrationsamt und die Vorinstanz nur
überprüfen, soweit eine rechtsfehlerhafte Ermessenshandhabung – und nicht lediglich
die Unangemessenheit – in Frage steht. Nach Art. 96 Abs. 1 AuG berücksichtigen die
zuständigen Behörden bei der Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die
persönlichen Verhältnisse sowie den Grad der Integration der Ausländerinnen und
Ausländer. Bei der Beurteilung, ob ein schwerwiegender persönlicher Härtefall vorliegt,
sind nach Art. 31 Abs. 1 VZAE vor allem die Integration (lit. a), die Respektierung der
Rechtsordnung (lit. b), die Familienverhältnisse (lit. c), die finanziellen Verhältnisse
(lit. d), die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz (lit. e), der Gesundheitszustand (lit. f)
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sowie die Möglichkeit für eine Wiedereingliederung im Herkunftsland (lit. g) zu
berücksichtigen. Die genannten Gesichtspunkte können bei der Beurteilung eine
wesentliche Rolle spielen, auch wenn sie einzeln betrachtet grundsätzlich noch keinen
Härtefall zu begründen vermögen (vgl. BGE 137 II 1 E. 4.1 im Zusammenhang mit der
Beurteilung, unter welchen Umständen ein nachehelicher Härtefall und damit ein
Anspruch zu bejahen ist). An einen schwerwiegenden persönlichen Härtefall werden
hohe Anforderungen gestellt (BGE 119 Ib 33 ff., 117 Ib 317f.). Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung liegt ein Härtefall vor, wenn sich die betroffene
Person in einer persönlichen Notlage befindet. Ihre Lebens-/Daseinsbedingungen
müssen, am durchschnittlichen Schicksal ausländischer Personen gemessen, in
gesteigertem Mass in Frage gestellt sein (BGE 130 II 39 E. 3, 128 II 200 E. 4). Der
Begriff des schwerwiegenden persönlichen Härtefalls ist restriktiv auszulegen und an
die genannten Härtefallkriterien ist ein strenger Massstab zu legen (VerwGE
B 2010/294 vom 31. Mai 2011 E. 3, www.gerichte.sg.ch). Eine gesetzliche Pflicht,
Ermessen in irgendeiner Weise grosszügig zu handhaben, besteht nicht (vgl. VerwGE
B 2010/185 vom 16. Dezember 2010 E. 2.4, www.gerichte.sg.ch).
2.2. Die Beschwerdeführerin bringt in diesem Zusammenhang vor, dass sie von Kenia
aus den Kontakt zu ihrer Tochter, die im Wohnheim X. in P. fremdplatziert sei, zunächst
auf telefonischem Weg und dann per Skype und E-Mail gepflegt habe (act. 7). Vor ihrer
Ausreise nach Kenia habe sie ihre Tochter regelmässig im Wohnheim besucht. Vom
21. Februar bis 6. März 2013 sei sie in der Schweiz gewesen, um ihre Tochter zu
besuchen. Später habe sie von Deutschland aus eine Anwältin mit der Regelung der
Kontakte zu ihrer Tochter beauftragt. Aus Deutschland habe sie den Kontakt zu ihrer
Tochter intensiver pflegen können, da es auch zu persönlichen Besuchen habe
kommen können. Sie seien in den letzten Jahren fast täglich in telefonischem Kontakt
gewesen und hätten sich zudem in den Frühlings- und Herbstferien 2015 jeweils in
Konstanz persönlich getroffen. Die deutschen Asylbehörden hätten sie ausweisen
wollen, hätten die Ausreise allerdings angesichts des in der Schweiz laufenden
Verfahrens ausgesetzt. Die grosse räumliche Distanz zwischen der Schweiz und Kenia
drohe mit grosser Wahrscheinlichkeit zum definitiven Beziehungsbruch zwischen ihr
und ihrer Tochter zu führen. Dies würde einen äusserst einschneidenden Eingriff in die
langjährige, intensiv gelebte Beziehung darstellen. Sie sei die einzige und engste
Familienangehörige der Tochter. Der Vater sei aufgrund gesundheitlicher Probleme
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nicht in der Lage, sich um seine Tochter zu kümmern. Entwicklungspsychologisch
würde der Verlust der Mutter sich offensichtlich erheblich ungünstig auf die Tochter
auswirken. Diesbezüglich brauche es Abklärungen. Dass es nach dem Obhutsentzug
im November 2010 respektive der Ausschaffung der Beschwerdeführerin im Januar
2012 nicht immer mit der Kontaktaufnahme geklappt habe, sei nicht der
Beschwerdeführerin vorzuwerfen. Dafür habe es objektive Gründe gegeben. Die
fehlende wirtschaftliche Beziehung zur Tochter liege darin begründet, dass sie nach
der Trennung alleinerziehend gewesen sei und aufgrund ihrer Betreuungspflichten
keiner Erwerbstätigkeit habe nachgehen können.
Soweit die Erwägungen sich nicht auf die Unterbreitung als Härtefall beziehen, wird
nicht auf die Darlegungen der Beschwerdeführerin eingegangen, da die
Aufenthaltsbewilligung rechtskräftig nicht verlängert wurde. Ob dies auch materiell
rechtmässig geschah, kann angesichts der Rechtskraft des entsprechenden
Entscheids nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens sein. Nicht eingegangen
wird auch auf die pauschalen Verweise auf das Gesuch vom 18. April 2016, die
Stellungnahme vom 27. Juli 2016 im Verfahren vor dem Migrationsamt und die
Rekursbegründung vom 6. September 2016 (vgl. Ziffer 9 der Beschwerdeergänzung
vom 22. Juni 2017, act. 7; vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St.
Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 921).
2.3. Hinsichtlich der obgenannten Kriterien für einen Härtefall kann aus den Vorbringen
der Beschwerdeführerin geschlossen werden, dass sie nur einen Punkt vorbringt, der
für einen Härtefall sprechen könnte, nämlich die intensive Beziehung zu ihrer Tochter.
Sie bringt weder gesundheitliche noch finanzielle oder andere Gründe vor, welche
einen Härtefall zu begründen vermögen. Von der von ihr behaupteten langjährig
intensiv gelebten Beziehung zu ihrer Tochter kann aber keine Rede sein. Denn die
Beschwerdeführerin traf sich mit ihrer Tochter nach eigener Darstellung z.B. im Jahre
2015 nur zweimal persönlich in Konstanz (act. 7 S. 4; Dossier S. 504 und 507), obschon
die Beschwerdeführerin in Berlin/Deutschland und damit vergleichsweise nahe bei ihrer
Tochter lebte. Eine intensive Beziehung hätte gewiss zu häufigeren Kontakten in der
Grenzregion der beiden Länder geführt. Nicht einleuchtend ist in diesem
Zusammenhang, warum die Beschwerdeführerin keinen Kontakt zur Tochter pflegen
könnte, wenn sie „untertaucht“ und in Deutschland ein Asylgesuch stellt. Denn zweimal
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kam sie ja nach Konstanz. Die Beschwerdeführerin selbst räumt überdies hinsichtlich
der vorangehenden Zeit ein, dass es nach dem Obhutsentzug im November 2010
respektive der Ausweisung im Januar 2012 mit der Kontaktaufnahme zwischen ihr und
ihrer Tochter nicht immer geklappt habe. Wer dafür verantwortlich war und warum es
nicht klappte, legte die Beschwerdeführerin trotz ihrer weitreichenden
Mitwirkungspflicht nicht dar. Sie behauptet einzig, dass ihr dies nicht vorgeworfen
werden könne und beruft sich auf ungenannte objektive Gründe. Solange sie aber nicht
angibt, warum es mit der Kontaktaufnahme zwischen ihr und ihrer Tochter nicht immer
klappte, ist doch erstellt, dass der Kontakt während dieser Zeit nicht besonders
intensiv war. Denn wenn die Beschwerdeführerin nicht überzeugend darlegt, warum
dies nicht an ihr gelegen haben soll, ist davon auszugehen, dass das Bedürfnis nach
Kontakt zumindest von einer Seite oder gar beiderseits nicht bestand, zumal die
Beschwerdeführerin zu gewissen Zeiten offenbar nach ihrer eigenen Angabe durchaus
einen im Umfang unsubstantiierten telefonischen und Internet-Kontakt gepflegt haben
will. Alleine die Berufung auf die Ausschaffung aus der Schweiz beziehungsweise das
Einreiseverbot, die in der Rekursschrift genannt worden waren (act. 10/4 S. 9), stellt
keine ausreichende Erklärung für den offenbar nicht immer klappenden Kontakt
zwischen den beiden dar, da dieser, wie selbst mit entsprechenden Handlungen und
Behauptungen dargelegt und mittels der vorliegenden Akten belegt, auch per Telefon
oder Internet stattfinden konnte.
Diesen Eindruck einer wenig intensiven Beziehung bestätigen auch die Akten, nach
denen die Kontaktversuche bereits vor der Ausschaffung der Beschwerdeführerin
vorwiegend seitens des Platzierungsorts der Tochter eingeleitet werden mussten
(Dossier, S. 384). Hinzu kommt, dass die Tochter laut den vorliegenden Akten
zumindest im März 2013 offenbar lieber im Heim bleiben wollte, als mit ihrer Mutter
zusammenzuleben (Dossier, S. 389 f.), trotz der gegenteilig lautenden Karte, die laut
Angabe der Tochter im Hinblick auf die Aufenthaltsbewilligung verfasst wurde (Dossier,
S. 389 ff.). Der mit der Suspension der Einreisesperre für die Zeit vom 21. Februar bis
6. März 2013 ermöglichte Besuchsaufenthalt der Beschwerdeführerin in der Schweiz
hat schliesslich dazu geführt, dass ihr am 1. März 2013 – nach dem Entzug der Obhut
im Jahr 2010 – auch das Sorgerecht entzogen und eine neue Besuchsregelung
getroffen werden musste (Dossier, S. 411 ff.). Unter diesen Umständen ist offen,
inwieweit eine dauerhafte räumliche Nähe der Beschwerdeführerin zu ihrer Tochter und
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das Bestreben der Mutter, Sorge- und Obhutsrecht wieder zu erlangen, dem
Kindeswohl zuträglich sind.
Tatsächlich nicht vorwerfen kann man der Beschwerdeführerin wohl, dass sie nicht
sämtliche möglichen Rechtsmittel im Zusammenhang mit den
Kindesschutzmassnahmen ergriffen hat, obwohl dies die oben ausgeführten
Erkenntnisse in Bezug auf die Beziehungsintensität immerhin nicht widerlegt.
Heute besteht kein Einreiseverbot mehr (act. 7 S. 3). Die Beschwerdeführerin kann aus
Deutschland jederzeit in die Schweiz einreisen, um ihre Tochter zu besuchen. Sie legt
in keiner Art und Weise dar, inwiefern dies bisher geschehen ist, obschon sie diese
Möglichkeit gehabt hätte beziehungsweise hat.
Angesichts der eingeschränkten Besuchsfrequenz seit dem Aufenthalt der
Beschwerdeführerin in Deutschland kann nicht behauptet werden, dass ihre
Anwesenheit in der Schweiz zur Vermeidung einer Notlage im Hinblick auf ihre
Beziehung zu ihrer Tochter unabdingbar wäre, wie dies die Beschwerdeführerin nahe
legt (vgl. act. 7 S. 11). Eine intensiv gelebte Beziehung zu ihrer Tochter (über regen
Telefon-/Internetkontakt hinaus, der auch aus Kenia gepflegt werden kann) ist damit
nicht rechtsgenügend behauptet und aufgrund der objektiven Faktenlage nicht erstellt.
Offenkundig aktenwidrig ist zudem die Behauptung der Beschwerdeführerin, dass sich
der Vater der Tochter nicht um diese kümmern könne. Denn er war immerhin an den
Sitzungen der sozialpädagogischen Wohngruppe des X.s, P., vom 27. November 2015
und 25. Mai 2016 beteiligt und interessiert sich offenkundig für den weiteren
Werdegang seiner Tochter und kümmert sich um deren Wohlbefinden (act. 10/10a;
Dossier, S. 502 ff.). Aus den Protokollen zu diesen Sitzungen geht auch hervor, dass
der Vater seine Tochter in der Regel alle zwei Wochen persönlich besucht und dass
sich die Tochter der Beschwerdeführerin sehr gut entwickelt, nicht nur in schulischer
Hinsicht (allenfalls Kanti-Kandidatin), sondern auch in menschlicher. Es war zu jenem
Zeitpunkt auch ein gemeinsamer Vater-Tochter-Urlaub im Tessin geplant. Die
Unsicherheit der Tochter in Bezug auf die Frage, ob die Mutter in Zukunft wieder in die
Schweiz könne oder nicht, nimmt in diesem Protokoll sehr wenig Raum ein.
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Da keine intensive affektive Beziehung der Beschwerdeführerin zu ihrer Tochter
vorliegt, ist unbeachtlich, warum allenfalls auch wirtschaftlich keine besondere
Beziehung bejaht werden kann. Ebenso unbeachtlich ist, warum die
Beschwerdeführerin Sozialhilfe bezog und ob sie eine Arbeit finden könnte, würde sie
in der Schweiz leben (act. 7 S. 11). Hinsichtlich der Integration in die hiesige
Rechtsordnung räumt die Beschwerdeführerin ein, dass es zu geringfügigen
Verurteilungen gekommen sei (act. 7 S. 9). Eine besondere Integration fällt damit
diesbezüglich ausser Betracht.
Der Fall Udeh (EGMR, Verfahrens-Nr. 12020/09, Urteil vom 16. April 2013), auf den sich
die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang beruft, ist mit dem vorliegenden Fall
deshalb nicht vergleichbar, weil es in jenem Fall um die Bewilligung selbst und nicht um
die Härtefallproblematik ging. Im vorliegenden Fall verfügt die Beschwerdeführerin
bereits seit langem nicht mehr über eine Aufenthaltsbewilligung und pflegte den
Kontakt zu ihrer Tochter in der Schweiz hauptsächlich per Telefon und Internet und
selten persönlich. Dass eine Aufenthaltsbewilligung alleine aus Art. 8 EMRK abgeleitet
werden könnte, wird im Fall Udeh deutlich verneint (EGMR, a.a.O., § 38). Dieser
Entscheid verhindert somit nicht die Anwendung der obgenannten Kriterien für die
Beurteilung eines Härtefalles. Dasselbe gilt für BGE 136 I 285, in dem es um eine
andere Konstellation ging; der betreffende Elternteil war auch der betreuende Elternteil.
Angesichts dessen liegt kein Härtefall vor.
Eine Anhörung der Tochter erübrigte und erübrigt sich tatsächlich, da selbst die
Bestätigung der Angaben der Beschwerdeführerin zur tatsächlich gelebten Beziehung
zu ihrer Tochter nicht ausreicht, um die erforderliche Beziehungsintensität zu belegen.
3. Da kein Härtefall vorliegt, ist keine weitere Interessenabwägung vorzunehmen. Denn
die Härtefallprüfung beinhaltet diese bereits. Die Vorinstanz hat ihr Ermessen
diesbezüglich nicht in rechtswidriger Art und Weise ausgeübt. Die Beschwerde erweist
sich deshalb als unbegründet und ist abzuweisen.
Dieses Ergebnis steht im Übrigen auch im Einklang mit Art. 8 EMRK. Wird einer
ausländischen Person, deren Familienangehörige sich hier aufhalten, die Anwesenheit
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untersagt und damit das Zusammenleben vereitelt, kann dies das Recht auf Achtung
des Familienlebens verletzen. Das von Art. 8 EMRK geschützte Recht ist indessen nur
berührt, wenn eine staatliche Entfernungs- oder Fernhaltemassnahme eine nahe, echte
und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung einer in der Schweiz gefestigt
anwesenheitsberechtigten Person beeinträchtigt, ohne dass es dieser möglich
beziehungsweise zumutbar wäre, das entsprechende Familienlieben andernorts zu
pflegen. Ein nicht sorge- oder obhutsberechtigter Elternteil eines Kindes mit einem
gefestigten Anwesenheitsrecht in der Schweiz hat gestützt auf Art. 8 EMRK einen
Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung, wenn er sich tadellos verhalten hat
und zwischen ihm und seinem Kind in wirtschaftlicher und affektiver Hinsicht eine
besonders enge Beziehung besteht, die wegen der Distanz zwischen der Schweiz und
dem Land, in welches der Elternteil vermutlich auszureisen hätte, praktisch nicht
aufrechterhalten werden könnte (vgl. dazu BGE 142 II 35 E. 6; vgl. auch BGer
2C_36/2009 vom 20. Oktober 2009 E. 2.2). Wie bei der Beurteilung des Anspruchs auf
eine Aufenthaltsbewilligung wegen eines persönlichen Härtefalls bereits festgestellt
wurde, kann indessen die Beziehung zwischen der weder obhuts- noch
sorgeberechtigten Beschwerdeführerin und ihrer Tochter nicht als in wirtschaftlicher
und affektiver Hinsicht besonders eng bezeichnet werden.
4. Dem Verfahrensausgang entsprechend hat die Beschwerdeführerin die Kosten zu
tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 2‘000 ist angemessen
(Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Die Kosten gehen zufolge
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege zulasten des Staates (Art. 99 Abs. 2 VRP
in Verbindung mit Art. 122 Abs. 1 Ingress sowie lit. b ZPO). Auf die Erhebung ist zu
verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP).
Vor Verwaltungsgericht wird die unentgeltliche Rechtsverbeiständung gewährt (vgl.
Art. 99 Abs. 1 VRP). Die staatliche Honorarordnung wird für die Vorbereitung und
Durchführung des Verfahrens der Verwaltungsrechtspflege angewendet, wird die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung bewilligt (vgl. Art. 30 Ingress lit. b Ingress und
Ziff. 2 des Anwaltsgesetzes; sGS 963.70, AnwG). Bei unentgeltlicher Prozessführung
wird das Honorar um einen Fünftel herabgesetzt (Art. 31 Abs. 3 AnwG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Verwaltungsgericht pauschal
CHF 1'000 bis CHF 12'000 (vgl. Art. 22 Abs. 1 Ingress und lit. b der Honorarordnung
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für Rechtsanwälte und Rechtsagenten; sGS 963.75, HonO). Innerhalb des für eine
Pauschale gesetzten Rahmens wird das Grundhonorar nach den besonderen
Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der Schwierigkeit des
Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten, bemessen (so Art. 19
HonO). Der Rechtsvertreter hat eine Kostennote über CHF 2‘129.95 (8,75 Stunden zu
CHF 220 zuzüglich tatsächliche Barauslagen von CHF 47.20 und Mehrwertsteuer)
eingereicht. Der geltend gemachte zeitliche Aufwand erscheint im Ergebnis mit Blick
auf die in ausländerrechtlichen Beschwerdeverfahren in der Regel zugesprochenen
pauschalen Entschädigungen und die Besonderheiten des Falles einerseits und auf den
um 20 Prozent zu kürzenden mittleren Stundenansatz von CHF 250 gemäss Art. 24
Abs. 1 HonO anderseits als angemessen. Der Rechtsvertreter ist dementsprechend aus
unentgeltlicher Rechtsverbeiständung mit CHF 1‘750 (8,75 Stunden zu CHF 200)
zuzüglich CHF 47.20 Barauslagen und – die anwaltlichen Leistungen wurden im
Wesentlichen vor dem 1. Januar 2018 erbracht – acht Prozent Mehrwertsteuer (vgl. Ziff.
2.1 der MWST-Info 19 zur Steuersatzänderung per 1. Januar 2018,
www.estv.admin.ch) zu entschädigen.