Decision ID: 4484e678-c215-525e-9773-649fd843e7c1
Year: 2019
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Mit Verfügung vom 30. April 2015 beschloss die Justiz-, Gemeinde- und
Kirchendirektion des Kantons Bern (JGK) die kantonale Überbauungsordnung
"E._" (im Folgenden KÜO E._) und bewilligte gleichzeitig den Neubau
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einer aus mehreren Gebäuden bestehenden Produktionsanlage für rekombinante
Hämophilie-Therapeutika. Mit Entscheid vom 29. Juni 2015 wies der Regierungsrat des
Kantons Bern die dagegen erhobenen Beschwerden ab und bestätigte den Entscheid der
JGK. Das Verwaltungsgericht mit Entscheid vom 23. September 2015 (VGE 2015/237)
sowie das Bundesgericht mit Entscheid vom 22. Dezember 2015 (BGE 1C_559/2015)
wiesen eine dagegen erhobene Beschwerde ebenfalls ab.
2. Mit Entscheid vom 28. März 2017 bewilligte das Regierungsstatthalteramt Biel/Bien-
ne eine Aufstockung des Administrationsgebäudes A um ein Vollgeschoss und eine Attika
(Technikzentrale). Eine dagegen erhobene Beschwerde wies die Bau-, Verkehrs- und
Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) mit Entscheid vom 13. Juni 2017 ab, soweit sie
darauf eintrat.
3. Am 4. Juli 2018 reichte die Beschwerdegegnerin bei der Gemeinde Lengnau ein
Baugesuch ein für die Aufstockung der Gebäude B und C um zwei Vollgeschosse (3. und
4. OG) und ein Attikageschoss (5. OG Technikzentrale) sowie für das Erstellen von drei
Leuchtschriften auf dem Administrationsgebäude A. Die betroffenen Gebäude befinden
sich auf der Parzelle Lengnau Grundbuchblatt Nr. F._. Das Gebäude A liegt im
Sektor 1 der KÜO E._, die Gebäude B und C im Sektor 2. Gegen das
Bauvorhaben erhoben unter anderen die Beschwerdeführenden Einsprache. Mit
Gesamtentscheid vom 23. Oktober 2018 erteilte das Regierungsstatthalteramt Biel/Bienne
die Baubewilligung.
4. Gegen diesen Entscheid reichten die Beschwerdeführenden am 13. November 2018
Beschwerde bei der BVE ein, ohne darin einen ausdrücklichen Antrag zu stellen. Das
Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte in seiner ersten
Verfügung vom 16. November 2018 aus, aufgrund einer summarischen Beurteilung
erscheine die Beschwerde teilweise ungenügend begründet und sie enthalte noch keinen
klaren Antrag. Die Beschwerdeführenden erhielten Gelegenheit, innert der noch laufenden
Beschwerdefrist eine verbesserte Beschwerdeschrift einzureichen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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5. Von den Beschwerdeführenden ging innert der Beschwerdefrist keine verbesserte
Beschwerde ein. Das Rechtsamt führte daraufhin den Schriftenwechsel durch und holte die
Vorakten ein. Mit Beschwerdeantwort vom 6. Dezember 2018 stellt die
Beschwerdegegnerin den Antrag, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten, eventualiter sei
sie abzuweisen und der angefochtene Entscheid zu bestätigen. Das
Regierungsstatthalteramt beantragt die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf
eingetreten werden könne. Die Gemeinde verweist in ihrer Stellungnahme auf ihren
Amtsbericht vom 5. September 2018, mit dem sie die Erteilung der Baubewilligung
beantragte.
6. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Zuständigkeit und Beschwerdelegitimation
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde
zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG in
Verbindung mit Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden, die eine direkte
Sichtverbindung zu den aufzustockenden Gebäuden haben, haben sich als Einsprechende
am vor-instanzlichen Verfahren beteiligt. Da ihre Einsprache abgewiesen wurde, sind sie
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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durch den vorinstanzlichen Entscheid beschwert und zur Beschwerdeführung legitimiert.
Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde wird eingetreten.
2. Mindestanforderungen an die Form
a) Die Beschwerdegegnerin beantragt, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten. Die
Beschwerde enthalte weder einen Antrag noch eine genügende Begründung. Trotz
gewährter Möglichkeit hätten die Beschwerdeführenden die Beschwerde innert der
Beschwerdefrist nicht verbessert. Sie könnten sich daher nicht darauf berufen, juristische
Laien zu sein.
b) Parteieingaben müssen gemäss Art. 32 Abs. 2 VRPG4 bestimmten
Mindestanforderungen an die Form genügen. Antrag, Begründung und Unterschrift
gehören zu den eigentlichen Gültigkeits- und Prozessvoraussetzungen.5 Generell sind aber
an Laieneingaben keine hohen Anforderungen zu stellen. Es ist ausreichend, wenn sich
aus dem Zusammenhang sinngemäss ergibt, was beantragt wird.6 Was die Begründung
betrifft, so genügt es, wenn aus der Beschwerdeschrift ersichtlich ist, in welchen Punkten
und weshalb der angefochtene Entscheid beanstandet wird. Die Begründung braucht nicht
zuzutreffen; sie muss aber sachbezogen sein. Es genügt nicht, bloss zu behaupten, der
angefochtene Entscheid sei falsch. Die Rechtsmitteleingabe muss sich wenigstens in
minimaler Form mit dem angefochtenen Entscheid auseinandersetzen und es muss
sinngemäss erkennbar sein, welche Rechtsnorm oder Grundsätze der
Ermessungsausübung nach Auffassung der beschwerdeführenden Partei verletzt oder
inwiefern Sachverhaltselemente unrichtig oder unvollständig festgestellt worden sind.7
c) Die Beschwerdeführenden haben ihre Beschwerde nur sehr rudimentär begründet.
Der als "Baubeschwerde gegen Gesamtbauentscheid vom 23. Oktober 2018" betitelten
Eingabe lässt sich aber sinngemäss entnehmen, dass die Beschwerdeführenden mit dem
Entscheid der Vorinstanz nicht einverstanden sind und damit die Aufhebung des
angefochtenen Entscheids vom 23. Oktober 2018 beantragen. Dem Antragserfordernis
wird damit Genüge getan.
4 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 5 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 32 N. 10 und 12 6 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 32 N. 13 7 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 32 N. 15
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d) Weshalb die Beschwerdeführenden mit dem vorinstanzlichen Entscheid nicht
einverstanden sind, ist aus ihrer Eingabe allein allerdings nicht eindeutig ersichtlich. Sie
führen aber immerhin aus, ihre Begründung beziehe sich auf die Erwägungen 3.3.2. bis
3.3.5 des vorinstanzlichen Entscheides. Liest man die Beschwerde zusammen mit diesen
Teilen des angefochtenen Entscheids, ergibt sich Folgendes:
Die Vorinstanz behandelte in den genannten Erwägungen die Themen
Sonneneinstrahlung, Lichtimmissionen, Geruchs- und Lärmimmissionen sowie
Wertverminderung der Liegenschaft der Beschwerdeführenden. Sie verwies dabei zur
Begründung einzig auf ein Schattendiagramm und die Stellungnahme der Bauherrschaft
und stimmte dieser ohne eigene Begründung zu. Nur hinsichtlich der von den
Beschwerdeführenden befürchteten Wertminderung ihrer Liegenschaft hielt die Vorinstanz
in einer eigenen Begründung fest, allfällige Wertminderungen durch gesetzeskonform
erstellte Bauten seien zu dulden. In ihrer Beschwerde nehmen die Beschwerdeführenden
auf die von der Vorinstanz als Begründung erwähnte Stellungnahme der
Beschwerdegegnerin und die eingereichten Beweismittel Bezug. So halten sie unter dem
Titel „3.3.2 Sonneneinstrahlung“ fest, die Computeranimationen seien falsch, und
verweisen auf eigene Fotos. Sie machen damit genügend erkennbar geltend, das
Schattendiagramm der Beschwerdegegnerin sei falsch. Hinsichtlich der Lichtimmissionen
der Leuchtschriften erwähnen die Beschwerdeführenden unter dem Titel „3.3.3
Lichtemissionen“ Berichte des BAFU, worin unter anderem auf die SIA Norm zu
Lichtemissionen verwiesen wird. Die Beschwerdeführenden kritisieren damit zwar nicht
ausdrücklich, aber immerhin erkennbar, die Begründung der Vorinstanz, es gebe keine
Vorschriften zu Lichtimmissionen, sei falsch. Was die von den Beschwerdeführenden in
ihrer Einsprache gerügten Lärm- und Geruchsimmissionen betrifft, verwies die Vorinstanz
in ihrem Entscheid einzig auf eine Stellungnahme der Bauherrschaft, wonach mit der
Genehmigung der KÜO E._ die Einhaltung der Lärmgrenzwerte für den
Vollausbau bereits geprüft worden sei. Die Beschwerdeführenden machen dazu in ihrer
Beschwerde geltend, eine Beurteilung sei noch nicht möglich, solange die Nutzung noch
nicht konkret definiert sei. Vielleicht werde auch mit Chemikalien gearbeitet, mit
gefährlichen Bakterien, Giften oder explosivem Material. Auch hier ist – wenn auch knapp –
ersichtlich, inwiefern die Beschwerdeführenden den vorinstanzlichen Entscheid kritisieren.
Die Beschwerdeführenden haben ihre Beschwerde zwar nur kurz begründet, sie haben
aber genügend erkennbar gemacht, in welchen Punkten und weshalb sie den ebenfalls nur
RA Nr. 110/2018/150 6
sehr rudimentär begründeten vorinstanzlichen Entscheid beanstanden. Da es bei
Laienbeschwerden ausreichend ist, wenn sich aus dem Zusammenhang sinngemäss
ergibt, was geltend gemacht wird, wird auf die Beschwerde eingetreten.
3. Schattenwurf
a) Die Beschwerdeführenden rügten in ihrer Einsprache, durch die Erhöhung der
Gebäude B und C werde ihnen die Aussicht nach Westen sowie im Frühling und Herbst die
Sonneneinstrahlung gegen Abend genommen. Die Vorinstanz hielt im angefochtenen
Entscheid dazu fest, laut Stellungnahmen der Bauherrschaft und der Gemeinde Lengnau
entspreche die geplante Höhe der Gebäude B und C den Vorschriften der KÜO
E._ und ein von der Beschwerdegegnerin eingereichtes Schattendiagramm zeige,
dass das Gebäude der Beschwerdeführenden zu den relevanten Zeiten gar nicht
beschattet werde. Die Beschwerdeführenden rügen nun, die Computeranimationen zum
Schattenwurf seien falsch. Sie verweisen auf eigene Fotos, welche die aufzustockenden
Gebäude vor der Abendsonne zeigen.
b) Gebäude mit einer Gesamthöhe von mehr als 30 Metern dürfen bestehende
zonenkonforme oder nach den geltenden Vorschriften mögliche Wohnbauten nicht durch
übermässigen Schattenwurf beeinträchtigen. Als zulässige Beschattungsdauer gelten bei
Tag- und Nachtgleiche am 21. März zwischen 07.30 Uhr und 17.30 Uhr zwei Stunden, und
am mittleren Wintertag, dem 8. Februar, zwischen 08.30 und 16.30 Uhr zweieinhalb
Stunden (Art. 20 Abs. 1 BauG i.V.m. Art. 22 Abs. 3 BauV8). Mit anderen Worten: Eine
unzulässige Beschattung ist nur gegeben, wenn die betroffenen Wohnbauten am 21. März
tagsüber zwischen 07.30 Uhr und 17.30 Uhr länger als zwei Stunden bzw. am 8. Februar
tagsüber zwischen 08.30 und 16.30 Uhr länger als zweieinhalb Stunden beschattet
werden. Es ist somit nicht jegliche Beschattung durch hohe Gebäude über 30 Meter
unzulässig. Eine gewisse Beeinträchtigung der Besonnung durch zonenkonforme, den
baupolizeilichen Vorschriften entsprechenden Bauten, ist zu dulden.
c) Mit Verfügung vom 30. April 2015 beschloss die JGK die KÜO E._ und
bewilligte gleichzeitig den Neubau einer pharmazeutischen Produktionsanlage mit
mehreren Gebäuden. Die damals bewilligten Gebäude B und C im Sektor 2 waren
dreigeschossig und knapp 18 m hoch. Die rechtskräftige Verfügung der JGK prüfte aber
8 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1)
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nicht nur die Bewilligungsfähigkeit dieser Gebäude, sondern legte mit dem Beschluss der
KÜO E._ die maximal zulässige Höhe aller künftigen potentiellen Gebäude in den
einzelnen Sektoren des Überbauungsordnungsperimeters abschliessend fest. Da in
einzelnen Sektoren auch über 30 Meter hohe Gebäude zulässig sind (Art. 6 Abs. 4 der
Überbauungsvorschriften), wurde beim Beschluss der KÜO E._ auch ein
Schattendiagramm erstellt und geprüft, ob die innerhalb des Perimeters der
Überbauungsordnung maximal zulässigen Bauten die Beschattungstoleranzen einhalten
würden.9 Die JGK ist in ihrer Verfügung vom 30. April 2015 zum Schluss gekommen, die
Vorgaben von Art. 22 Abs. 2 und Abs. 3 BauV seien eingehalten und die nach der
Überbauungsordnung zulässigen Bauten würden keine bestehenden oder nach den
geltenden Vorschriften möglichen Wohnbauten durch übermässigen Schattenwurf
beeinträchtigen (Erwägung III.2.15, S. 26). Die Frage der Beschattung durch die in der
KÜO E._ zulässigen Bauten ist somit bereits rechtskräftig beurteilt. Auf die Rüge
der Beschwerdeführenden kann nicht eingetreten werden.
d) Im Übrigen ist nicht ersichtlich, weshalb die von der Beschwerdegegnerin
eingereichte Beschattungsanimation unzutreffend sein sollte. Die Distanz zwischen dem
Wohngebäude der Beschwerdeführenden und den aufzustockenden Gebäuden B und C
beträgt mehr als 320 Meter. Es scheint ausgeschlossen, dass die Gebäude B und C, auch
wenn sie künftig mit den neuen Geschossen und der Technikzentrale mehr als 30 Meter
hoch sein werden, gegenüber dem Wohnhaus der Beschwerdeführenden die nach Art. 22
BauV zulässigen Beschattungszeiten überschreiten könnten. Es mag zutreffen, dass die
Gebäude B und C den Beschwerdeführenden teilweise die Abendsonne oder die Aussicht
auf den Sonnenuntergang rauben; dies allein macht aber die Aufstockung der Gebäude
nicht unzulässig. Nur eine Beschattung, welche die Toleranzen der genannten Vorschrift
überschreitet, ist unzulässig. Eine gewisse Beeinträchtigung der Besonnung oder der
Aussicht auf den Sonnenuntergang durch zonenkonforme, den baupolizeilichen
Vorschriften entsprechende Bauten, ist dagegen durch die Nachbarn zu dulden.
4. Lärm- und Geruchsimmissionen
9 Vgl. Erläuterungsbericht zur KÜO E._ vom April 2015, S. 20 f.
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a) Die Beschwerdeführenden machten in ihrer Einsprache geltend, infolge der
Gebäudeaufstockungen könne es zu mehr Lärmbelästigungen durch zusätzlichen Verkehr,
mehr Mitarbeitende sowie zusätzliche Produktion und Geräte kommen. Zudem seien
zusätzliche Geruchsbelästigungen durch Abgase, Heizungen und mehr Produktion zu
erwarten. Die Vorinstanz hielt dazu im angefochtenen Entscheid fest, laut Stellungnahme
der Bauherrschaft sei mit der Genehmigung der KÜO E._ die Frage der
Einhaltung der Lärmgrenzwerte auf dem Stand eines Vollausbaus bereits geprüft worden.
Die Beschwerdeführenden machen dazu in ihrer Beschwerde geltend, da die Nutzung der
zusätzlichen Geschosse noch nicht definiert sei, könne über die Auswirkungen noch nicht
entschieden werden. Vielleicht werde auch mit Chemikalien gearbeitet, mit gefährlichen
Bakterien, Giften oder explosivem Material.
b) Aus der Beschwerde ergibt sich nicht eindeutig, was die Beschwerdeführenden am
vorinstanzlichen Entscheid beanstanden. Soweit sie geltend machen wollen, es sei nicht
möglich, dass die Lärm- und Geruchsimmissionen bereits geprüft worden seien, da die
Nutzung der neuen Geschosse noch nicht festgelegt ist, ist ihre Rüge unbegründet.
Gemäss den Überbauungsvorschriften der KÜO E._ darf im Perimeter der
Überbauungsordnung ein Pharmaziewerk mit 95'000 m2 anrechenbarer Gebäudefläche
erstellt werden (Art. 1 und 6 der Überbauungsvorschriften). Bei Erlass der KÜO
E._ und der gleichzeitigen Bewilligung der Detailerschliessung sowie der ersten
Bauetappe war zudem bereits bekannt, dass die Beschwerdegegnerin im neuen
Pharmaziewerk rekombinante Hämophilie-Therapeutika herstellen will. Im damaligen
Verfahren prüfte die JGK gestützt auf eine Lärmprognose und die Berichte der zuständigen
Fachstellen das mögliche Verkehrsaufkommen, die dadurch zu erwartenden
Lärmimmissionen und die Einhaltung der Luftreinhaltungsvorschriften nicht nur hinsichtlich
der ersten Ausbauetappe, sondern hinsichtlich des gemäss der KÜO E._
zulässigen Vollausbaus.10 Die von den Beschwerdeführenden in ihrer Einsprache
erwähnten Lärm- und Geruchsimissionen der im vorliegenden Verfahren zu beurteilenden
Ausbauetappe wurden daher bereits geprüft. Die JGK kam dabei zum Schluss, es werde
nicht zu unzulässigen Immissionen gegenüber den Anwohnern kommen. Zudem verfügte
sie hinsichtlich Luftreinhaltung und Lärmschutz Auflagen zur vorsorglichen
Emissionsbegrenzung. Die Vorinstanz durfte daher auf eine erneute Prüfung verzichten
10 Vgl. Verfügung der JGK vom 30. April 2015, S. 16 f. und S. 20 f.; siehe auch Erläuterungsbericht zur KÜO E._, S. 18 ff.
RA Nr. 110/2018/150 9
und ging zu Recht davon aus, die Aufstockung der Gebäude verursache keine
unzulässigen Immissionen.
Soweit die Beschwerdeführenden allfällige Gefährdungen durch Chemikalien etc.
befürchten, kann ebenfalls auf die bereits erfolgte Prüfung durch die JGK und deren
rechtskräftige Verfügung vom 30. April 2015 verwiesen werden. Die JGK hat vor dem
Beschluss der KÜO E._ einen Kurzbericht nach Störfallverordnung11 sowie einen
Bericht des Kantonalen Laboratoriums, Abteilung Umweltsicherheit, eingeholt. Auch die
Gebäudeversicherung, welche die Brandschutzmassnahmen beurteilte, sowie das beco,
das die Arbeitsplatzsicherheit prüfte, und das Amt für Wasser und Abwasser
berücksichtigten bei der Beurteilung die allfällige Lagerung bzw. Bearbeitung von
gefährlichen Stoffen oder explosivem Material und stimmten dem Vorhaben mit Auflagen
zu (vgl. Verfügung der JGK vom 30. April 2015, Ziffern 2.1 Bst. c, 2.2, 2.12, 4.6, 4.10 Bst.
s, 4.134.18.12 ff.). Den beurteilenden Stellen war damals bereits bekannt, wie gross das
Pharmaziewerk im Vollausbau werden könnte und was hergestellt werden soll. Mögliche
Gefährdungen durch das im Überbauungsperimeter zulässige Pharmaziewerk, in dem
rekombinante Hämophilie-Therapeutik produziert werden sollen, wurden somit bereits
beurteilt. Da die umstrittene Aufstockung der Gebäude B und C nichts an der
Risikosituation ändert, kann auf weitere Abklärungen verzichtet werden. Allfällige künftige
Nutzungsänderungen wären in einem neuen Baubewilligungsverfahren zu beurteilen, in
dem betroffene Nachbarn ihre Rechte wahrnehmen könnten. Die Rüge der
Beschwerdeführenden ist daher unbegründet.
5. Lichtimmissionen
a) Die Beschwerdegegnerin will auf dem Administrationsgebäude A drei
Leuchtschriften, bestehend aus roten beleuchteten Einzelbuchstaben, die den Schriftzug
„G._“ bilden, erstellen. Zwei der geplanten Leuchtschriften sind 12 Meter lang und
3.6 Meter hoch, eine Leuchtschrift hat eine Länge von 17.5 Metern und ist ebenfalls 3.6
Meter hoch. Die Schriftzüge sollen tags und nachts beleuchtet sein, wobei während der
Nacht eine nicht näher definierte Dimmung geplant ist. Die Vorinstanz hat die
11 Verordnung des Bundesrates vom 27. Februar 1991 über den Schutz vor Störfällen (Störfallverordnung, StFV; SR 814.012)
RA Nr. 110/2018/150 10
Leuchtschriften ohne Auflagen bewilligt und festgehalten, es gebe in der Schweiz bis anhin
keine verbindlichen Regelungen für Lichtimmissionen.
b) Die Beschwerdeführenden rügten in ihrer Einsprache, die nächtlichen
Lichtimmissionen würden ihnen, der Natur und der Tierwelt schaden. In ihrer Beschwerde
verweisen sie auf zwei Berichte des Bundesamtes für Umwelt BAFU. Sinngemäss machen
sie damit geltend, es gebe doch Regelungen für Lichtimmissionen.
c) Die umstrittenen Schriftzüge sollen durch künstliches Licht beleuchtet werden.
Künstliches Licht besteht aus elektromagnetischen Strahlen und gehört daher zu den
Einwirkungen im Sinn von Art. 7 Abs. 1 USG12.13 Im Sinne der Vorsorge sind solche
Einwirkungen, die schädlich oder lästig werden können, frühzeitig zu begrenzen (Art. 1
Abs. 2 USG; Vorsorgeprinzip). Demgemäss sind unter anderem Strahlen durch
Massnahmen bei der Quelle zu begrenzen (Art. 11 Abs. 1 USG; Emissionsbegrenzungen),
und zwar unabhängig von der bestehenden Umweltbelastung, so weit dies technisch und
betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist (Art. 11 Abs. 2 USG). Solche vorsorglichen
Emissionsbegrenzungen sind namentlich zur Vermeidung unnötiger Emissionen geboten.14
Steht fest oder ist zu erwarten, dass die Einwirkungen unter Berücksichtigung der
bestehenden Umweltbelastung schädlich oder lästig werden, sind verschärfte
Emissionsbegrenzungen anzuordnen (Art. 11 Abs. 3 USG).
Es gibt für Lichtimmissionen weder konkrete Belastungsgrenzwerte, noch gelten
vorsorgliche Anlagegrenzwerte. Dies bedeutet allerdings nicht, dass Lichtimmissionen nicht
zu überprüfen sind. Die Behörden müssen die Lichtimmissionen in jedem Einzelfall
beurteilen, dies unmittelbar gestützt auf Art. 11 ff. USG und insbesondere dem
Vorsorgeprinzip Rechnung tragen. Die Behörden können sich hierfür auf Angaben von
Experten und Fachstellen stützen. Dazu gehören die vom Bundesamt für Umwelt, Wald
und Landschaft (BUWAL; heute BAFU) im Jahr 2005 herausgegebenen Empfehlungen zur
Vermeidung von Lichtemissionen (nachfolgend: Empfehlungen BUWAL).15 Die
12 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) 13 BGE 140 II 214 E. 3.2, 140 II 33 E. 4; BVR 2006 S. 116 E. 5.5; VGE 2015/2 vom 31. März 2016 E. 8.6.2 14 BGE 140 II 33 E. 4.1 15 Die Empfehlungen werden aktualisiert; eine neue Vollzugshilfe Lichtemmissionen soll 2019 in Kraft treten; Fundstelle der bisherigen Empfehlung: https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/landschaft//publikationen/empfehlungen-zur-vermeidung-von-lichtemissionen.html
https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/landschaft/publikationen-studien/publikationen/empfehlungen-zur-vermeidung-von-lichtemissionen.html https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/landschaft/publikationen-studien/publikationen/empfehlungen-zur-vermeidung-von-lichtemissionen.html
RA Nr. 110/2018/150 11
Empfehlungen verstehen sich als „Leitlinie“, enthalten aber keine konkret anwendbaren
Normen.16 Sie konkretisieren in erster Linie das Vorsorgeprinzip, indem sie aufzeigen, wie
sich unnötige Lichtemissionen durch eine nachhaltige Lichtnutzung in Aussenräumen
vermeiden lassen. Sie zeigen aber auch die negativen Konsequenzen von
Lichtimmissionen auf Menschen, Tiere und Pflanzen, ihre Lebensgemeinschaften und
Lebensräume auf, die bei der Beurteilung der Schädlichkeit von Lichtimmissionen zu
berücksichtigen sind (Art. 1 Abs. 1 und Art. 14 Bst. a USG analog; vgl. auch Art. 18 NHG17
und Art. 1 Abs. 1 und Art. 7 Abs. 4 JSG18). Seit 1. März 2013 gilt zudem die SIA-Norm 586
491 zur Vermeidung von unnötigen Lichtemissionen im Aussenraum. Sie zielt darauf ab,
unnötige Lichtemissionen an der Quelle zu vermeiden, in Anwendung des Vorsorgeprinzips
und entsprechend dem Stand der Technik (Ziff. 0.3).19 Im Kanton Bern hat zudem das
beco, Berner Wirtschaft, Empfehlungen zur Vermeidung von Lichtverschmutzungen
herausgegeben.20
Alle drei genannten Publikationen weisen auf die negativen Auswirkungen von Kunstlicht
auf Mensch und Natur hin, insbesondere auf die teilweise tödlichen Folgen für nachtaktive
Tiere, und empfehlen, Beleuchtungen auf das absolut Notwendige zu beschränken und
insbesondere bei (Eigen- und Fremd-)Reklamen eine zeitliche Beschränkung anzuordnen.
Das BUWAL (heute BAFU) und die SIA-Norm 586 491 empfehlen diesbezüglich eine
Synchronisation mit dem Nachtruhefenster analog zum Lärmschutz von 22.00 bis 06.00
Uhr. Das beco geht etwas weniger weit und nennt beispielhaft eine Beschränkung von
24.00 bis 05.00 Uhr.21 Die BVE folgt praxisgemäss diesen Empfehlungen und ordnet bei
beleuchteten Reklamen regelmässig eine zeitliche Beschränkung an.22
16 BGer 1C_216/2010 vom 28.9.2010, E. 3.1, in URP 2010 S. 698; 1C_105/2009 vom 13.10.2009, E. 3.2, in URP 2010 S. 145 17 Bundesgesetz vom 1. Juli 1966 über den Natur- und Heimatschutz (NHG; SR 451) 18 Bundesgesetz vom 20. Juni 1986 über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (JSG; SR 922) 19 BGE 140 II 214 E. 3.3, 140 II 33 E. 4.3 20https://www.vol.be.ch/vol/de/index/luft/lichtverschmutzung.assetref/dam/documents/VOL/BECO/de/Luft/Licht_ Elektrosmog/beco-luft-licht-verschmutzung_DE.pdf 21 BGE 140 II 33 E. 4.1 - 4.3; SIA-Norm 586 491, Ziffer 3.7; BUWAL, Empfehlungen zur Vermeidung von Lichtemissionen, Bern 2005, S. 8 f. und S. 34; beco, Lichtverschmutzung vermeiden, S. 6 22 Vgl. beispielsweise BDE vom 7. Dezember 2016, RA Nr. 110/2016/65, E. 5 oder BDE vom 1. April 2015, RA Nr. 110/2014/117, E. 3
https://www.vol.be.ch/vol/de/index/luft/lichtverschmutzung.assetref/dam/documents/VOL/BECO/de/Luft/Licht_Elektrosmog/beco-luft-licht-verschmutzung_DE.pdf https://www.vol.be.ch/vol/de/index/luft/lichtverschmutzung.assetref/dam/documents/VOL/BECO/de/Luft/Licht_Elektrosmog/beco-luft-licht-verschmutzung_DE.pdf
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d) Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist neben den verbindlichen
Vorschriften des Bundesrechts auch kantonales und kommunales Ausführungsrecht zum
Vorsorgeprinzip zulässig, soweit es sich auf Konkretisierungen beschränkt.23 Kantonale
und kommunale Vorschriften müssen aber den Vorrang des bundesrechtlichen
Umweltschutzrechts beachten und sind bundesrechtskonform auszulegen (Art. 46 Abs. 1
und Art. 49 Abs. 1 BV24). Der Kanton Bern hat mit Art. 51 KEnG25 eine Vorschrift zu
Beleuchtungen erlassen, die einerseits auf die Reduktion des Stromverbrauchs abzielt und
andererseits dem Schutz der Nachbarn und der Tierwelt vor unnötigen Lichtimmissionen
dient.26 Art. 51 KEnG verlangt, dass Beleuchtungen energieeffizient und umweltschonend
zu betreiben sind; die Lichtstärke und die Dauer der Beleuchtungen sind auf das Mass zu
beschränken, das aus Sicherheitsgründen erforderlich und für den Verwendungszweck
geboten ist. Es handelt sich bei dieser Vorschrift um eine zulässige Konkretisierung des
Vorsorgeprinzips.
Auch das Baureglement der Gemeinde Lengnau vom 26. Mai 2011 enthält
Ausführungsbestimmungen zum Vorsorgeprinzip bei Beleuchtungen und verlangt in Art.
435, dass leuchtende Reklamen von 24.00 bis 06.00 Uhr grundsätzlich auszuschalten sind.
Diese Regelung kommt allerdings laut Art. 2 der Überbauungsvorschriften der KÜO
E._ im Bereich der Überbauungsordnung nicht zur Anwendung. Die KÜO
E._ selbst hält in Art. 21 Abs. 3 der Überbauungsvorschriften fest,
„Firmenanschriften sind so zu beleuchten, dass eine starke Lichtstrahlung vermieden wird
(Dimmung während der Nachtzeit)“. Diese Vorschrift kann bei einer
bundesrechtskonformen Auslegung nur als Minimalvorschrift verstanden werden, d.h. laut
Überbauungsvorschriften sind beleuchtete Firmenschriften während der Nachtzeit
mindestens zu dimmen. Das Vorsorgeprinzip gebietet aber, weitere Vorsorgemassnahmen
im konkreten Einzelfall zu prüfen. Wird eine Dimmung der Beleuchtung als genügende
Massnahme erachtet, ist der Grad und der zeitliche Umfang der Dimmung verbindlich
festzulegen.
23 BGE 118 Ib 590 E. 3c; BGer 1A.62/1997 und 1P.150/1997 vom 24. Oktober 1997 E. 3b (ZBl 1998 437 ff.), 1A.282/2000 und 1A.286/2000 vom 15. Mai 2001 E. 4c (URP 2001923 ff.); VGE 2015/2 vom 31. März 2015 E. 8.6.3. 24 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) 25 Kantonales Energiegesetz vom 15. Mai 2011 (KEnG; BSG 741.1) 26 Vortrag zum Kantonalen Energiegesetz vom 1. Juli 2009, S. 53
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e) Die Vorinstanz kam zwar zu Recht zum Schluss, für Lichtimmissionen gebe es keine
konkreten Belastungsgrenzwerte. Sie durfte deswegen aber nicht auf weitere Abklärungen
verzichten und die Leuchtschriften ohne weiteres bewilligen. Das USG verlangt zwingend,
dass vorsorgliche Emissionsbegrenzungen geprüft werden müssen und die technisch und
betrieblich möglichen sowie wirtschaftlich tragbaren Massnahmen angeordnet werden.
Dabei sind bei Leuchtreklamen verschiedene Aspekte zu berücksichtigen, wie
beispielsweise die Grösse der Leuchtschriften, die Beleuchtungsstärke und die
Leuchtdichte der Beleuchtung sowie ihr Standort. Befinden sich leuchtende Reklamen nicht
in Kernzonen von grösseren Siedlungen, sondern in Wohngebieten oder – wie im
vorliegenden Fall – am Siedlungsrand angrenzend an Landwirtschaftsgebiet, sind ihre
negativen Auswirkungen stärker und vorsorgliche Emissionsbegrenzungen eher
anzuordnen. In erster Linie ist aber bei Fremd- und Eigenreklamen zu prüfen, ob die
Beleuchtung überhaupt notwendig ist und wenn ja, in welchen Zeiträumen. Dies verlangt
auch Art. 51 KEnG. Sämtliche unnötige Lichtimmissionen sind zu vermeiden. Es ist nur das
zu beleuchten, was beleuchtet werden muss (SIA Norm 586 491, Ziff. 2.2.2, Ziff. 2.5.1, Ziff.
2.5.5 sowie Ziff. 3.8; Empfehlungen BUWAL, S. 28 und S. 34). Firmenanschriften, die in
erster Linie der Eigenwerbung dienen, müssen in der Regel nachts nicht beleuchtet sein.
Es rechtfertigt sich daher in den meisten Fällen, die Beleuchtung auf einen bestimmten
Zeitraum zu beschränken und nachts während einigen Stunden zu untersagen. Dies ist
heute technisch ohne weiteres möglich. Für die Festlegung ob, und wenn ja in welchem
Zeitraum, eine beleuchtete Eigenreklame auszuschalten ist, ist allerdings im Einzelfall eine
nähere Prüfung der betrieblichen Notwendigkeit erforderlich. So kann es beispielsweise
sein, dass ein Betrieb bereits während der Nachtzeit auf Lieferungen von Dritten
angewiesen ist und eine beleuchtete Firmenanschrift zur besseren Auffindbarkeit des
Betriebes sinnvoll ist. Bei anderen Betrieben ist eine während der Nacht beleuchtete
Firmenanschrift dagegen gänzlich unnötig. Wird im konkreten Einzelfall eine Beleuchtung
während einer gewissen Zeitspanne als notwendig erachtet, ist im Rahmen des
Vorsorgeprinzips zu prüfen, ob allenfalls eine Dimmung des Lichts angebracht ist und
wenn ja, in welchem Zeitraum und in welchem Umfang.
f) Die konkreten Lichtemissionen der von der Beschwerdegegnerin geplanten
Leuchtschriften bzw. ihre allfällige zeitliche Begrenzung gestützt auf das Vorsorgeprinzip
sowie weitere möglichen Massnahmen wurden noch nicht geprüft. Es sind weitere
Abklärungen notwendig, insbesondere zur betrieblichen Notwendigkeit der Beleuchtung.
Die Angelegenheit ist noch nicht entscheidreif. Die von der Vorinstanz erteilte Bewilligung
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kann somit nicht bestätigt werden. Der vorinstanzliche Entscheid ist daher soweit die
Leuchtschriften betreffend aufzuheben und die Sache ist gestützt auf Art. 72 Abs. 2 VRPG
zur Fortsetzung des Verfahrens an die Vorinstanz zurückzuweisen.
6. Wertverminderung der Liegenschaft der Beschwerdeführenden
a) Die Beschwerdeführenden befürchten, ihre Liegenschaft verliere aufgrund der
beeinträchtigten Aussicht nach Westen und weniger Besonnung an Wert und sei daher
schwieriger zu vermieten.
b) Die Rüge der Beschwerdeführenden, das Bauvorhaben führe zu einer
Wertverminderung ihrer Liegenschaft, bezieht sich auf eine privatrechtliche Frage. Mit
Ausnahme privatrechtlicher Tatbestände, welche die Baugesetzgebung voraussetzt oder
ausdrücklich als massgebend erklärt, wird im Baubewilligungsverfahren über
privatrechtliche Verhältnisse nicht entschieden. Die Beurteilung derartiger Fragen liegt im
Zuständigkeitsbereich der Zivilgerichte. Die Baubewilligungsbehörden haben laut Art. 2
Abs. 1 BauG ausschliesslich zu prüfen, ob ein Bauvorhaben den bau- und
planungsrechtlichen Vorschriften und den nach andern Gesetzen im
Baubewilligungsverfahren zu prüfenden Vorschriften entspricht. Sind Bauten zonenkonform
und entsprechen sie baupolizeilichen Vorschriften, müssen Nachbarn deren Einwirkungen,
wie den Entzug von Licht oder Aussicht, dulden (Art. 24 Abs. 1 BauG und Art. 89 Abs. 2
BauV).27 Auf die Rüge der Beschwerdeführenden betreffend Wertverminderung wird daher
nicht eingetreten. Die privatrechtlichen Einwände der Beschwerdeführenden wurden im
Übrigen im angefochtenen Entscheid als Rechtsverwahrung vorgemerkt (Art. 32 und Art.
36 Abs. 3 Bst. f BewD28).
7. Zusammenfassung und Kosten
a) Auf die Rügen der Beschwerdeführenden betreffend Beschattung und
Wertverminderung wird nicht eingetreten. Ihre Rüge zu den Lärm- bzw.
Geruchsimmissionen ist unbegründet. Der vorinstanzliche Entscheid ist daher soweit die
27 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 24 N. 31 Bst. a. 28 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
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Aufstockung der Gebäude B und C betreffend zu bestätigen. Hinsichtlich der
Lichtimmissionen der drei Leuchtschriften auf Gebäude A sind dagegen weitere
Abklärungen notwendig. Diesbezüglich wird der vor-instanzliche Entscheid aufgehoben
und die Sache zur Fortsetzung des Verfahrens an die Vorinstanz zurückgewiesen. Bei
diesem Ausgang des Verfahrens gelten die Beschwerdeführenden als zu zwei Drittel
unterliegend.
b) Die Verfahrenskosten, bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 2'100.– (Art. 103
Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV29), werden zu zwei Dritteln, ausmachend
Fr. 1'400.–, den Beschwerdeführenden und zu einem Drittel, ausmachend Fr. 700.–, der
Beschwerdegegnerin auferlegt (Art. 108 Abs. 1 VRPG).
c) Die Beschwerdeführenden haben zudem der Beschwerdegegnerin zwei Drittel der
Parteikosten zu ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Anwältin und der Anwalt der
Beschwerdegegnerin machen ein Honorar von Fr. 2'304.40 sowie Auslagen von Fr. 64.–
und Mehrwertsteuern von Fr. 182.35 geltend. Das geltend gemachte Honorar gibt zu
keinen Bemerkungen Anlass. Die Beschwerdegegnerin ist allerdings
mehrwertsteuerpflichtig30 und kann somit die von ihren Rechtsvertretern auf sie überwälzte
Mehrwertsteuer in ihrer eigenen Mehrwertsteuerabrechnung als Vorsteuer abziehen. Ihr
fällt daher betreffend Mehrwertsteuer kein Aufwand an und eine Abgeltung der
Mehrwertsteuer käme einer mit Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG unvereinbaren
Überentschädigung gleich. Die in der Kostennote der Anwältin und des Anwalts der
Beschwerdegegnerin aufgeführte Mehrwertsteuer ist daher bei der Bestimmung des
Parteikostenersatzes nicht zu berücksichtigen. Die Beschwerdeführenden haben somit der
Beschwerdegegnerin Parteikosten im Umfang von Fr. 1'578.95 zu ersetzen (zwei Drittel
von Fr. 2'368.40).