Decision ID: bc87832f-9284-5e15-9e8f-768a50af0aea
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Am 11. Mai 2016 richtete die französische Steuerbehörde, die Direc-
tion Générale des Finances Publiques (DGFP; nachfolgend auch: ersu-
chende Behörde), gestützt auf Art. 28 des Abkommens vom 9. September
1966 zwischen der Schweiz und Frankreich zur Vermeidung der Doppel-
besteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen und vom Ver-
mögen und zur Vermeidung von Steuerbetrug und Steuerflucht
(SR 0.672.934.91, DBA CH-FR) ein Amtshilfeersuchen an die Eidgenössi-
sche Steuerverwaltung (ESTV; nachfolgend: Vorinstanz). Ebenso stützte
sich das Ersuchen auf die Vereinbarung vom 25. Juni 2014 über die Ände-
rung des Zusatzprotokolls zum revidierten Abkommen zwischen der
Schweiz und Frankreich vom 9. September 1966 zur Vermeidung der Dop-
pelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen und vom
Vermögen und zur Vermeidung von Steuerbetrug und Steuerflucht
(AS 2016 1195; nachfolgend: Vereinbarung 2014; diese Vereinbarung ist
teilweise ebenfalls unter der SR 0.672.934.91 wiedergegeben).
Als vom Ersuchen betroffene Personen nannte die DGFP mutmasslich in
Frankreich steuerpflichtige Personen, die anhand einer dem Ersuchen bei-
gelegten Liste identifizierbar seien. Als Informationsinhaberin in der
Schweiz wurde die UBS AG (heute: UBS Switzerland AG; nachfolgend:
UBS) genannt. Die Informationen würden für die Erhebung der französi-
schen Einkommenssteuer («impôt sur le revenu») für die Steuerjahre 2010
bis 2014 und die Solidaritätssteuer auf Vermögen («impôt de solidarité sur
la fortune») für die Steuerjahre 2010 bis 2015 benötigt.
A.b Grundlage des Ersuchens bildeten zusammengefasst drei aus einer in
Deutschland gegen die UBS geführten Strafuntersuchung stammende Lis-
ten mit Angaben zu über 45'000 UBS-Konten. Anhand der in den Listen
erfassten «Domizil»-Codes vermutete die DGFP, dass die ihr mehrheitlich
namentlich nicht bekannten Kontoinhaber bzw. wirtschaftlich Berechtigten
einer Steuerpflicht in Frankreich unterliegen. Aufgrund zahlreicher Hin-
weise, wonach französische Steuerpflichtige ihren Steuerpflichten nicht
nachgekommen waren und u.a. mit Blick darauf, dass gegen die UBS in
Frankreich ein Strafverfahren wegen des Aufbaus eines umfassenden
Steuerfluchtsystems eingeleitet worden war, nahm die DGFP an, dass die
in den Listen aufgeführten Kontodaten bzw. die damit verbundenen Vermö-
genswerte pflicht- und rechtswidrig in Frankreich weder deklariert noch ver-
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steuert worden waren. Die DGFP schätzte die dadurch für den französi-
schen Fiskus entstandenen Mindereinnahmen auf bis zu mehrere Milliar-
den Euro.
A.c Konkret ersucht die DGFP die ESTV für jedes in der Beilage des Ersu-
chens aufgeführte Konto um die Übermittlung der folgenden Informationen
für den Zeitraum vom 1. Januar 2010 bis 31. Dezember 2015:
a) Name(n)/Vorname(n), Geburtsdaten und letzte bekannte Adresse ge-
mäss den Bankunterlagen
(i) des/der Kontoinhaber(s)
(ii) der wirtschaftlich berechtigten Person(en) gemäss Formular A
(iii) jeder anderen Person, die in die Rechte und Pflichten der beiden
letztgenannten Personen tritt.
b) die Kontostände jeweils per 1. Januar der Jahre 2010 bis 2015.
B.
B.a Mit Editionsverfügung vom 10. Juni 2016 forderte die Vorinstanz die
UBS auf, die ersuchten Informationen einzureichen. Zudem bat sie, die be-
troffenen bzw. beschwerdeberechtigten Personen mit noch aktiven Ge-
schäftsbeziehungen über das Amtshilfeverfahren zu informieren.
B.b Darüber hinaus informierte die ESTV die betroffenen/beschwerdebe-
rechtigten Personen mittels Publikation im Bundesblatt vom 26. Juli 2016
über das laufende Amtshilfeverfahren und den wesentlichen Inhalt des
Amtshilfeersuchens.
C.
C.a Am 21. Juni 2016 stellte die UBS ein Gesuch um Wiedererwägung der
Editionsverfügung und um Akteneinsicht, reichte der Vorinstanz aber den-
noch nach und nach die erwünschten Informationen ein.
C.b Mit Verfügung vom 15. Juli 2016 trat die ESTV auf das Wiedererwä-
gungsgesuch nicht ein bzw. wies das Akteneinsichtsgesuch ab. Die dage-
gen erhobene Beschwerde der UBS hiess das Bundesverwaltungsgericht
mit Urteil A-4974/2016 vom 25. Oktober 2016 im Sinne der Erwägungen
gut, soweit es darauf eintrat. Es räumte der UBS Parteistellung vor der
Vorinstanz ein und ordnete die Gewährung der Akteneinsicht an.
A-1555/2018
Seite 4
D.
Am 19. August 2016 liess X._ als vom Amtshilfeersuchen be-
troffene Person seine anwaltliche Vertretung anzeigen und Akteneinsicht
verlangen, die ihm im Folgenden in mehreren Etappen grundsätzlich ge-
währt wurde.
E.
Ein durch ein Schreiben der UBS vom 23. August 2016 angestossener
schriftlicher Austausch zwischen der ESTV und der DGFP und ein Treffen
vom 22. Juni 2017 betreffend die Frage der Einhaltung des Spezialitäts-
prinzips mündeten in einer Verständigungslösung, deren Inhalt in einem
Briefwechsel vom 11. Juli 2017 bestätigt wurde. Zudem teilte die DGFP der
ESTV am 11. Juli 2017 mit, dass allfällige von den schweizerischen Behör-
den im Zusammenhang mit UBS-Konten erhaltene Informationen im Straf-
verfahren gegen die Bank nicht verwendet würden.
F.
Am 31. August 2017 informierte die ESTV X._ (nachfolgend: Be-
schwerdeführer) sowie die UBS über die beabsichtigte Informationsüber-
mittlung und gewährte eine zehntägige Frist zur allfälligen Zustimmung zur
Informationsübermittlung bzw. Einreichung einer Stellungnahme. Sowohl
der Beschwerdeführer als auch die UBS liessen daraufhin innert erstreck-
ter Frist beantragen, die Amtshilfe sei zu verweigern.
G.
Mit Schlussverfügung vom 9. Februar 2018 qualifizierte die ESTV das
Amtshilfeersuchen Frankreichs als zulässig und ordnete die Amtshilfeleis-
tung in Bezug auf die von der DGFP erfragten und von der UBS edierten
Bankinformationen betreffend den Beschwerdeführer an.
H.
Am 9. März 2018 erhob die UBS beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde gegen die genannte Schlussverfügung, wie auch gegen sieben
weitere gleichentags in Parallelverfahren erlassene Schlussverfügungen,
und verlangte deren Aufhebung. Zudem beantragte sie, die an sie gerich-
tete Editionsverfügung vom 10. Juni 2016 sei aufzuheben.
I.
Am 12. März 2018 liess der Beschwerdeführer gegen die ihn betreffende
Schlussverfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben.
Er beantragt zusammengefasst, die Schlussverfügung sei vollumfänglich
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aufzuheben und die edierten Bankunterlagen und Informationen seien von
der Vorinstanz unverzüglich an die UBS zurückzugeben. Eventualiter sei
das Verfahren bis zum Abschluss von zwei (näher bezeichneten) Strafver-
fahren zu sistieren. Subeventualiter seien keine Bankunterlagen und Infor-
mationen betreffend Sachverhalte, die sich vor dem 30. März 2016 zuge-
tragen haben, zu übermitteln. Subsubeventualiter seien keine Daten zu
übermitteln, die Sachverhalte vor dem 1. Februar 2013 erfassen; alles un-
ter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Staatskasse (zzgl.
MwSt.).
J.
In ihrer Vernehmlassung vom 2. Mai 2018 beantragt die Vorinstanz die kos-
tenfällige Abweisung der Beschwerde. In verfahrensrechtlicher Hinsicht
macht sie geltend, die dem Gericht elektronisch eingereichten Akten seien
dem Beschwerdeführer nicht vollständig offenzulegen, weil sich darin auch
Akten aus Drittverfahren befänden.
K.
Mit unaufgefordert eingereichter Stellungnahme vom 15. Mai 2018 liess
der Beschwerdeführer an seinen bisherigen Anträgen und Ausführungen
festhalten und Ergänzungsanträge hinsichtlich der Akteneinsicht stellen.
L.
Nach einem weiteren Schriftenwechsel zur Frage der Akteneinsicht, hiess
der Instruktionsrichter mit Zwischenverfügung vom 25. Juni 2018 das Ak-
teneinsichtsgesuch des Beschwerdeführers teilweise gut.
M.
Am 30. Juli 2018 erging im Parallelverfahren der UBS, welches u.a. die
vorliegend angefochtene Schlussverfügung zum Gegenstand hatte, das
Urteil A-1488/2018 des Bundesverwaltungsgerichts. Das Gericht hiess die
Beschwerde gut, soweit es darauf eintrat und hob die Editionsverfügung
vom 10. Juni 2016 und die angefochtenen Schlussverfügungen vom
9. Februar 2018 auf. Es kam zum Schluss, dass keine Amtshilfe zu leisten
sei, weil das Amtshilfeersuchen Frankreichs nicht sämtliche der von der
Rechtsprechung entwickelten – auf das vorliegende «Listenersuchen»
analog anwendbaren – Kriterien zur Abgrenzung der zulässigen Gruppen-
ersuchen von den unzulässigen «fishing expeditions» erfülle. Gegen die-
ses Urteil erhob die ESTV fristgerecht Beschwerde ans Bundesgericht.
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Seite 6
N.
Mit Zwischenverfügung vom 21. August 2018 sistierte der Instruktionsrich-
ter das vorliegende Verfahren mit Blick auf das zwischenzeitlich beim Bun-
desgericht anhängig gemachte (Pilot)-Verfahren betreffend UBS, da einem
allfälligen höchstrichterlichen Urteil präjudizielle Wirkung zukomme.
O.
Mit Urteil 2C_653/2018 vom 26. Juli 2019, welches in öffentlicher Beratung
erging, hiess das Bundesgericht die Beschwerde der ESTV gut und hob
das angefochtene Urteil des Bundesverwaltungsgerichts auf. Es bestätigte
die Editionsverfügung der ESTV vom 10. Juni 2016 und die Schlussverfü-
gungen vom 9. Februar 2018. Es qualifizierte das «Listenersuchen» Frank-
reichs vom 11. Mai 2016 als zulässig und die verlangten Informationen als
voraussichtlich erheblich. Weiter erkannte das Bundesgericht keine kon-
kreten Anhaltspunkte für eine Verletzung des Spezialitätsprinzips oder der
Geheimhaltungspflicht durch Frankreich.
P.
Mit Zwischenverfügung vom 10. Dezember 2019 hob der Instruktionsrich-
ter die Sistierung des vorliegenden Verfahrens mit Verweis auf das höchst-
richterliche Urteil vom 26. Juli 2019 und die erst später öffentlich zugänglich
gewordene schriftliche Urteilsbegründung auf.
Q.
Mit innert erstreckter Frist eingereichter Stellungnahme vom 12. Februar
2020 liess der Beschwerdeführer an seiner Beschwerde festhalten.
Auf die detaillierten Vorbringen in den Eingaben der Parteien wird – sofern
sie entscheidwesentlich sind – im Rahmen der Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Dem vorliegenden Verfahren liegt ein Amtshilfeersuchen der französi-
schen DGFP gestützt auf Art. 28 des DBA CH-FR zugrunde. Die Durchfüh-
rung dieser Abkommensbestimmung richtet sich – unter Vorbehalt abwei-
chender Regelungen im DBA CH-FR – nach dem Bundesgesetz vom
28. September 2012 über die internationale Amtshilfe in Steuersachen
(StAhiG, SR 651.1; vgl. Art. 1 StAhiG).
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1.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Beurteilung von Beschwerden
gegen Schlussverfügungen der ESTV betreffend die internationale Amts-
hilfe in Steuersachen zuständig (vgl. Art. 19 Abs. 5 StAhiG i.V.m. Art. 31 ff.
VGG). Das Verfahren vor diesem Gericht richtet sich nach dem VwVG, so-
weit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). Der Beschwerde-
führer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen und ist als Adres-
sat der angefochtenen Schlussverfügung und vom Amtshilfeersuchen be-
troffene Person zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 19 Abs. 2 StAhiG).
Auf die frist- und formgerecht (vgl. Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG)
eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
1.3 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in
vollem Umfang überprüfen. Der Beschwerdeführer kann neben der Verlet-
zung von Bundesrecht und der unrichtigen oder unvollständigen Feststel-
lung des rechtserheblichen Sachverhalts auch die Unangemessenheit rü-
gen (Art. 49 Bst. a bis c VwVG).
2.
2.1 Nach Art. 28 DBA CH-FR (in der hier anwendbaren Fassung des Zu-
satzabkommens vom 27. August 2009 [AS 2010 5683; nachfolgend: Zu-
satzabkommen 2009]) tauschen die zuständigen Behörden der beiden Ver-
tragsstaaten unter sich diejenigen Informationen aus, «die zur Durchfüh-
rung dieses Abkommens oder zur Anwendung oder Durchsetzung des in-
nerstaatlichen Rechts betreffend Steuern jeder Art und Bezeichnung, die
für Rechnung der Vertragsstaaten oder ihrer politischen Unterabteilungen
oder lokalen Körperschaften erhoben werden, voraussichtlich erheblich
sind, soweit die diesem Recht entsprechende Besteuerung nicht dem Ab-
kommen widerspricht» (Art. 28 Abs. 1 Satz 1 DBA CH-FR). Der Informati-
onsaustausch ist durch Art. 1 DBA CH-FR (persönlicher Anwendungsbe-
reich) und Art. 2 DBA CH-FR (sachlicher Anwendungsbereich) nicht einge-
schränkt (Art. 28 Abs. 1 Satz 2 DBA CH-FR).
Art. 28 Abs. 2 DBA CH-FR besagt, dass alle Informationen, die ein Ver-
tragsstaat nach Abs. 1 erhalten hat, ebenso geheim zu halten sind wie die
aufgrund des innerstaatlichen Rechts dieses Staates beschafften Informa-
tionen. Sie «dürfen nur den Personen oder Behörden (einschliesslich der
Gerichte und der Verwaltungsbehörden) zugänglich gemacht werden, die
mit der Veranlagung oder der Erhebung, mit der Vollstreckung oder der
Strafverfolgung oder mit der Entscheidung von Rechtsmitteln hinsichtlich
der in Absatz 1 genannten Steuern oder mit der Aufsicht darüber befasst
sind. Diese Personen oder Behörden dürfen die Informationen nur für diese
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Zwecke verwenden. Sie dürfen die Informationen in einem öffentlichen Ge-
richtsverfahren oder in einer Gerichtsentscheidung offenlegen. Ungeachtet
der vorstehenden Bestimmungen kann ein Vertragsstaat die erhaltenen In-
formationen für andere Zwecke verwenden, wenn solche Informationen
nach dem Recht beider Staaten für solche andere Zwecke verwendet wer-
den dürfen und die zuständige Behörde des ersuchten Staates dieser an-
deren Verwendung zustimmt». Es handelt sich bei dieser Regelung um das
sog. Spezialitätsprinzip.
2.2 Vorliegend ist weiter das Zusatzprotokoll DBA CH-FR, welches integ-
rierender Bestandteil des DBA CH-FR bildet, relevant. Vor dem Hintergrund
der internationalen Bestrebungen, Hindernisse beim internationalen Infor-
mationsaustausch abzubauen, erfuhr diese Bestimmung mit der Vereinba-
rung 2014 substanzielle Änderungen. Die Vereinbarung 2014 wurde zwi-
schen dem Bundesrat, der gestützt auf einen entsprechenden Bundesbe-
schluss vom 23. Dezember 2011 (AS 2016 1193) handelte, und der Regie-
rung der französischen Republik am 25. Juni 2014 abgeschlossen und trat
am 30. März 2016 durch gegenseitigen Notenaustausch in Kraft. Das Bun-
desgericht hat die Wirksamkeit der Änderung des Zusatzprotokolls DBA
CH-FR durch die Vereinbarung 2014 bestätigt ([zur Publikation vorgesehe-
nes] Urteil des BGer 2C_653/2018 vom 26. Juli 2018 E. 5.2.4).
2.3 Mit der Vereinbarung 2014 wurde namentlich auch Ziff. XI 3. Absatz
Bst. a des Zusatzprotokolls DBA CH-FR geändert. Diese Bestimmung ver-
langte bis dahin, dass ein Amtshilfeersuchen (mindestens) den Namen und
die Adresse der in eine Prüfung oder Untersuchung einbezogenen Person
zu nennen hatte. Art. 1 Abs. 1 der Vereinbarung 2014 ergänzte die Bestim-
mung dahingehend, dass neu die Identität der in eine Prüfung oder Unter-
suchung einbezogenen Person auch mittels weiterer Informationen, wel-
che ihre Identifikation ermöglichen, angegeben werden kann.
In den Übergangsbestimmungen sieht die Vereinbarung 2014 ihre grund-
sätzliche Anwendung auf Informationsbegehren betreffend Kalender- oder
Geschäftsjahre, die ab dem 1. Januar 2010 beginnen, vor (Art. 2 Abs. 2
Vereinbarung 2014). Im Sinne einer Ausnahme findet Art. 1 Abs. 1 der Ver-
einbarung 2014 Anwendung auf Informationsbegehren über Sachverhalte,
welche Zeitperioden ab dem 1. Februar 2013 betreffen (Art. 2 Abs. 3 Ver-
einbarung 2014). Das Bundesgericht hat entschieden, dass Art. 2 Abs. 3
der Vereinbarung 2014 die Anwendung von Ziff. XI 3. Abs. Bst. a Zusatz-
protokoll DBA CH-FR nur für Gruppenersuchen auf Informationen betref-
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Seite 9
fend Zeiträume ab dem 1. Februar 2013 beschränkt. Demgegenüber kön-
nen Einzelersuchen, welche die Personen nicht namentlich identifizieren,
für Informationen betreffend Zeiträume ab dem 1. Januar 2010 gestellt wer-
den (ausführlich: Urteil des BGer 2C_653/2018 E. 5.3 ff., E. 5.6).
2.4 Der Verweis auf «voraussichtlich erhebliche» Informationen soll «einen
möglichst breiten Informationsaustausch in Steuersachen gewährleisten,
ohne dass die Vertragsstaaten ‹fishing expeditions› durchführen oder In-
formationen verlangen können, deren Erheblichkeit für die Aufklärung der
Steuerangelegenheiten bestimmter Steuerpflichtiger wenig wahrscheinlich
ist» (Ziff. XI Abs. 2 Zusatzprotokoll DBA CH-FR; vgl. auch BGE 143 II 185
E. 3.3.1, 142 II 161 E. 2.1.1).
2.4.1 Es handelt sich dabei um eine Anlehnung an das OECD-Manual bzw.
den OECD-Kommentar zu Art. 26 des OECD-MA, wonach das Kriterium
der voraussichtlichen Erheblichkeit («pertinence vraisemblable», «foresee-
able relevance») der Balance zwischen dem angestrebten möglichst weit-
gehenden Austausch von Informationen und einer unerlaubten «fishing ex-
pedition» dient (vgl. BGE 142 II 161 E. 2.1.1; Urteil des BVGer
A-6037/2017 vom 8. Januar 2019 E. 2.4.1; vgl. ferner STEFAN OESTERHELT,
Amtshilfe im internationalen Steuerrecht der Schweiz, publiziert in: Juslet-
ter vom 12. Oktober 2009, Rz. 89). Gemäss der OECD liegt eine «fishing
expedition» vor, «lorsqu'elle [la demande] sollicite des renseignements
dont il est peu probable qu’ils aient un lien avec une enquête ou un contrôle
en cours», bzw. sie umschreibt diese als «speculative requests that have
no apparent nexus to an open inquiry or investigation» (OECD-Kommentar
zu Art. 26 OECD-MA Ziff. 5; Wortlaut gemäss der Fassung von 2014, wobei
dieser inhaltlich dem Update zu Art. 26 vom 17. Juli 2012 entspricht).
2.4.2 Das Erfordernis der voraussichtlichen Erheblichkeit und das Verbot
der «fishing expeditions» stehen in Einklang mit dem Verhältnismässig-
keitsprinzip, das als verfassungsmässiger Grundsatz staatlichen Handelns
(vgl. Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenos-
senschaft 18. April 1999 [BV, SR 101]) zwingend zu berücksichtigen ist
(statt vieler: Urteil des BVGer A-6037/2017 E. 2.4.2).
2.5 Ein wichtiges Element der internationalen Behördenzusammenarbeit
bildet der Grundsatz, wonach – ausser bei offenbarem Rechtsmissbrauch
oder bei berechtigten Fragen im Zusammenhang mit dem Schutz des
schweizerischen oder internationalen Ordre public (vgl. Art. 7 StAhiG) –
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prinzipiell kein Anlass besteht, an Sachverhaltsdarstellungen und Erklärun-
gen anderer Staaten zu zweifeln (sog. völkerrechtliches Vertrauensprinzip;
BGE 144 II 206 E. 4.4, 142 II 218 E. 3.3). Auf diesem Vertrauen gründet
letztlich das ganze Amtshilfeverfahren. Dementsprechend ist die ESTV an
die Darstellung des Sachverhalts im Ersuchen insoweit gebunden, als
diese nicht wegen offensichtlicher Fehler, Lücken oder Widersprüche so-
fort entkräftet werden kann (vgl. BGE 142 II 218 E. 3.1, 139 II 451 E. 2.2.1,
139 II 404 E. 9.5; statt vieler: Urteil des BVGer A-3773/2018 vom 8. Feb-
ruar 2019 E. 2.6). Gleiches gilt für die vom ersuchenden Staat abgegebe-
nen Erklärungen. Werden diese sofort entkräftet, kann der ersuchte Staat
ihnen nicht mehr vertrauen (Urteile des BVGer A-2725/2019 vom 25. Feb-
ruar 2020 E. 2.2, A-3716/2015 vom 16. Februar 2016 E. 3.5). Das Vertrau-
ensprinzip steht einer Nachfrage beim ersuchenden Staat nach weiteren
Erklärungen nicht entgegen, sofern erhebliche Zweifel an dessen Darstel-
lung bestehen (BGE 144 II 206 E. 3.3.2 und 4.4; statt vieler: Urteil des
BVGer A-1948/2019 vom 7. November 2019 E. 2.2).
2.6 Gemäss Art. 7 Bst. c StAhiG ist auf ein Ersuchen nicht einzutreten,
wenn es den Grundsatz von Treu und Glauben verletzt, «insbesondere
wenn es auf Informationen beruht, die durch nach schweizerischem Recht
strafbare Handlungen erlangt worden sind».
Sofern eine Partei behauptet, ein Amtshilfeersuchen beruhe auf strafbaren
Handlungen, ist jeweils zu prüfen, ob das Ersuchen dem im internationalen
öffentlichen Recht geltenden Grundsatz von Treu und Glauben entspricht.
Gegen diesen Grundsatz wird etwa verstossen, wenn der ersuchende
Staat versichert hatte, dass keine auf schweizerischem Territorium ge-
heime Bankdaten für ein Amtshilfeersuchen verwendet werden, und er
dennoch ein Ersuchen stellt, das direkt oder indirekt kausal mit solchen
geheimen Daten zusammenhängt. Soweit in einer solchen Konstellation
der zweite Teil von Art. 7 Bst. c StAhiG, der sich auf tatsächlich in der
Schweiz strafbare Handlungen bezieht (vgl. BGE 143 II 202 E. 8.5.6), an-
wendbar ist, hat dies zur Folge, dass die Schweiz nicht auf ein entspre-
chendes Amtshilfeersuchen eintreten darf (vgl. zum Ganzen BGE 143 II
224 E. 6.2; [den vorliegenden Fall betreffendes, aufgehobenes] Urteil
A-1488/2018 vom 30. Juli 2018 E. 2.10.2 mit Hinweisen; ferner: Urteil des
BVGer A-2292/2019 vom 6 November 2019 E. 2.2.1). Allerdings bedarf es
für die Annahme eines treuwidrigen Verhaltens nicht in jedem Fall der Miss-
achtung einer vorherigen ausdrücklichen Zusicherung. Entsprechend hat
das Bundesgericht in einem konkreten Fall den Kauf illegal erworbener Da-
ten und ein anschliessend darauf abgestütztes Amtshilfeersuchen auch
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Seite 11
ohne vorgängige Zusicherung des ersuchenden Staates, ein solches Ver-
halten zu unterlassen, als einen Verstoss gegen Treu und Glauben qualifi-
ziert (Urteil des BGer 2C_648/2017 vom 17. Juli 2018 E. 2.3.4). Die Frage,
ob ein Staat den Grundsatz von Treu und Glauben bei Konstellationen
nach Art. 7 Bst. c StAhiG verletzt hat, ist nach den Umständen des Einzel-
falls zu beurteilen (BGE 143 II 224 E. 6.4; Urteile des BGer 2C_819/2017
vom 2. August 2018 E. 2.2.2, 2C_648/2017 vom 17. Juli 2018 E. 2.3).
3.
Das hier streitgegenständliche Amtshilfeersuchen Frankreichs vom 11. Mai
2016 bildete – wie erwähnt (Sachverhalt Bst. M, N, O) – bereits Gegen-
stand eines Pilotverfahrens. Dieses fand mit dem Urteil des Bundesge-
richts 2C_653/2018 vom 26. Juli 2019 seinen Abschluss. Das Bundesge-
richt entschied, dass gestützt auf dieses Ersuchen Amtshilfe zu leisten sei.
Aufgrund dieser höchstrichterlichen Klärung der Frage der Zulässigkeit des
Amtshilfeersuchens und deren präjudizieller Bedeutung für das vorlie-
gende Verfahren bleibt für das Bundesverwaltungsgericht grundsätzlich
kein Raum, die Amtshilfe in Abweichung zu den höchstrichterlichen Erwä-
gungen zu verweigern.
Weil sich vorliegend sämtliche Vorbringen des Beschwerdeführers auf die
Frage der Zulässigkeit des Amtshilfeersuchens beziehen, beschränken
sich die nachfolgenden Ausführungen im Wesentlichen auf eine kurze Zu-
sammenfassung der relevanten, das Bundesverwaltungsgericht materiell
bindenden, höchstrichterlichen Schlussfolgerungen.
3.1 Der Beschwerdeführer verneint das Vorliegen einer gesetzlichen
Grundlage im Steueramtshilfegesetz (StAhiG) für das vorliegende Amtshil-
feersuchen, welches eine Vielzahl nicht namentlich identifizierter Personen
betrifft und seiner Ansicht nach weder die Charakteristika eines Einzel-
noch eines Gruppenersuchens erfülle.
Das Ersuchen nennt zwar die Namen der betroffenen Personen nicht. Viel-
mehr werden diese über Kontonummern sowie «Personennummern», die
ihnen von der Bank zugeteilt wurden, identifiziert. Das Bundesgericht hat
das vorliegende Ersuchen als eine nach innerstaatlichem Recht zulässige
Sammlung von Einzelersuchen qualifiziert und als Listenersuchen bezeich-
net. Eine Qualifikation als Gruppenersuchen im Sinn von Art. 3 lit. c StAhiG
hat es ausdrücklich verworfen (Urteil des BGer 2C_653/2018 E. 4). Weil
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Seite 12
hier demnach von einem – nach schweizerischem Recht grundsätzlich zu-
lässigen – Einzelersuchen auszugehen ist, verfängt die Argumentation,
wonach es an einer gesetzlichen Grundlage fehle, nicht.
3.2 Weiter macht der Beschwerdeführer geltend, das vorliegende Amtshil-
feersuchen, das Namen und Adressen der vom Ersuchen betroffenen Per-
sonen nicht nenne, sei unzulässig, weil Ziff. XI 3. Absatz Bst. a des Zusatz-
protokolls DBA CH-FR durch die Vereinbarung 2014 infolge einer Kompe-
tenzüberschreitung des Bundesrats bzw. der Bundesverwaltung nicht
rechtsgültig geändert worden sei.
Die Wirksamkeit der Änderung des Zusatzprotokolls DBA CH-FR durch die
Vereinbarung 2014 war vor Bundesgericht nicht mehr bestritten, zu Recht
wie das Bundesgericht mit Verweis auf die Rechtsprechung zu vergleich-
baren abkommensrechtlichen Konstellationen mit anderen Ländern befand
(Urteil 2C_653/2018 E. 5.2.4 mit Hinweisen; ausführlich dazu bereits: [auf-
gehobenes] Urteil des BVGer 1488/2018 E. 2.4 und 3.2.5 ff.). Es ist damit
auch im vorliegenden Fall von der Rechtsgültigkeit der Änderung von
Ziff. XI 3. Absatz Bst. a des Zusatzprotokolls DBA CH-FR durch die Verein-
barung 2014 auszugehen (vgl. E. 2.2). Demnach kann die ersuchende Be-
hörde die Identität der in eine Prüfung oder Untersuchung einbezogenen
Person mittels Angabe des Namens der betreffenden Person oder weiterer
Informationen, welche ihre Identifikation ermöglichen, liefern (E. 2.3). Der
gegenteiligen Ansicht des Beschwerdeführers, wonach die namentliche
Identifikation nach wie vor Voraussetzung der Amtshilfeleistung an Frank-
reich ist, kann daher nicht gefolgt werden.
3.3 Was den Informationsaustausch in zeitlicher Hinsicht betrifft, so wendet
der Beschwerdeführer im Sinne seiner Subeventualbegehren ein, dass In-
formationen erst für Zeiträume ab dem 30. März 2016 (Inkrafttreten der
Vereinbarung 2014) bzw. in Anwendung von Art. 2 Abs. 3 der Vereinbarung
2014 ab dem 1. Februar 2013 ausgetauscht werden dürften.
Diesbezüglich hat das Bundesgericht entschieden, dass ein Informations-
austausch gestützt auf das vorliegende «Listenersuchen», welches die be-
troffenen Personen auf andere Weise als durch Angabe der Namen und
Adressen identifiziere, bereits und wie von der ersuchenden Behörde ver-
langt, für Zeiträume ab 1. Januar 2010 rechtmässig sei (vgl. bereits vorne
E. 2.3). Es hat damit den Anwendungsbereich von Art. 2 Abs. 3 der Verein-
barung 2014 – insbesondere auch entgegen der vom Bundesverwaltungs-
gericht im dort angefochtenen Entscheid vertretenen Rechtsauffassung
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Seite 13
([aufgehobenes] Urteil A-1488/2018 E. 2.4.2 in fine und E. 3.2 ff.) – auf
Gruppenersuchen beschränkt (Urteil des BGer 2C_653/2018 E. 5.5 ff.). Die
von der Vorinstanz beabsichtigte Amtshilfeleistung für Informationen ab
dem 1. Januar 2010 ist mit Blick auf die bundesgerichtlichen Erwägungen
nicht zu beanstanden.
3.4 Der Beschwerdeführer sieht im vorliegenden Amtshilfeersuchen weiter
eine unzulässige «fishing expedition» (s. E. 2.4).
Vorab hat das Bundesgericht in Bestätigung seiner bisherigen Rechtspre-
chung festgehalten, dass das vorliegende «Listenersuchen», welches die
betroffenen Personen nicht namentlich identifiziere, analog zur Handha-
bung bei Gruppenersuchen drei Kriterien zu erfüllen habe, namentlich
(Urteil des BGer 2C_653/2018 E. 6.1.3 und 6.2):
(i) eine detaillierte Beschreibung der Gruppe enthalten müsse, welche die
spezifischen Tatsachen und Umstände beschreibt, die zum Ersuchen ge-
führt haben;
(ii) das anwendbare (Steuer-) Recht erläutern und aufzeigen müsse, wes-
halb Gründe vorliegen, welche annehmen lassen, die Steuerpflichtigen in
der Gruppe hätten ihre Verpflichtungen nicht erfüllt, d.h. das Steuerrecht
verletzt; und
(iii) aufzeigen müsse, dass die eingeforderten Informationen zur Erfüllung
der Verpflichtungen der Steuerpflichtigen der Gruppe führen.
In Bezug auf das vorliegende Amtshilfeersuchen erachtete das Bundesge-
richt – anders als noch das Bundesverwaltungsgericht im angefochtenen
und aufgehobenen Urteil A-1488/2018 E. 3.9.3 ff. – alle drei Kriterien als
erfüllt und hielt hinsichtlich des primär strittigen Kriteriums (ii) fest, dass das
Amtshilfeersuchen hinreichend konkrete Verdachtsmomente für ein steu-
errechtswidriges Verhalten der Personen hinter den Listen B und C – und
damit der von den acht Schlussverfügungen betroffenen Personen (d.h.
konkret auch des Beschwerdeführers) – nenne. Es verneinte das Vorliegen
einer «fishing expedition» und bejahte die voraussichtliche Erheblichkeit
der ersuchten Informationen (Urteil des BGer 2C_653/2018 E. 6.3). Damit
ist auch die Frage der Zulässigkeit des vorliegenden Amtshilfeersuchens
unter dem Aspekt der «fishing expedition» und der voraussichtlichen Er-
heblichkeit der erfragten Informationen abschliessend geklärt und bedarf
keiner Ergänzungen.
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3.5 Auch mit dem Argument, wonach keine zureichende Zusicherung
Frankreichs betreffend die Einhaltung des Spezialitätsprinzips vorliege, hat
sich das Bundesgericht bereits ausführlich auseinandergesetzt. Anders als
der Beschwerdeführer erkannte das Bundesgericht keine konkreten An-
haltspunkte, die darauf schliessen liessen, dass Frankreich beabsichtige,
gegen das Spezialitätsprinzip oder die Geheimhaltungspflicht gemäss
Art. 28 Abs. 2 DBA CH-FR zu verstossen (Urteil des BGer 2C_653/2018
E. 7 ff.). Es verwies dabei namentlich auf die seiner Ansicht nach rechts-
genügenden Zusicherungen Frankreichs in der Verständigungslösung vom
11. Juli 2017 und das Schreiben der DGFP vom selben Tag (siehe vorne
Sachverhalt Bst. E), an denen nach dem völkerrechtlichen Vertrauensprin-
zip (vorne E. 2.5) nicht zu zweifeln sei. Folglich steht auch das Speziali-
tätsprinzip gemäss Art. 28 Abs. 2 DBA CH-FR der vorliegend von der
Vorinstanz beabsichtigten Amtshilfeleistung nicht im Weg.
Sodann ist nicht ersichtlich, inwiefern der Beschwerdeführer von einer
möglichen Verletzung des Spezialitätsprinzips durch eine Verwendung der
Daten im Strafverfahren gegen die UBS in seinen eigenen Interessen be-
troffen wäre. Die in diesem Punkt direkt betroffene UBS hatte denn auch
Gelegenheit, sich selbst zur Wehr zu setzen. Eine Berufung des Beschwer-
deführers auf das Spezialitätsprinzip ist unter diesem Aspekt unzulässig
(vgl. Vernehmlassung, Rz. 27), weshalb darauf nicht näher einzugehen ist.
3.6 Im Eventualstandpunkt vertritt der Beschwerdeführer, das Amtshilfeer-
suchen verletze den Grundsatz von Treu und Glauben, weil es auf unrecht-
mässig erlangten Informationen beruhe (s. E. 2.6).
Das Bundesgericht hat sich mangels einer entsprechenden Rüge mit die-
ser Frage im Urteil 2C_653/2018 vom 26. Juli 2019 nicht auseinanderge-
setzt. Wie das Bundesverwaltungsgericht aber diesbezüglich bereits im (in-
zwischen aufgehobenen) Urteil A-1488/2018 festgehalten hatte (dortige
E. 3.4.1), ist vorliegend kein Verstoss gegen Treu und Glauben ersichtlich,
der ein Nichteintreten auf das Amtshilfeersuchen nach sich ziehen würde.
Daran ist vorliegend vollumfänglich festzuhalten. Zum einen liegt in Bezug
auf die vorliegend relevanten Daten der UBS keine Zusicherung Frank-
reichs vor, die Daten nicht zu verwenden. Zum anderen ist nicht ersichtlich,
inwiefern im Rahmen der (offiziellen) Beschlagnahmung der Dokumente
der UBS Deutschland AG und der anschliessenden Weitergabe dieser Do-
kumente von Deutschland an Frankreich schweizerisches Recht verletzt
worden wäre (vgl. E. 2.6).
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Seite 15
Der Beschwerdeführer macht denn auch geltend, dass am Ursprung der
von den deutschen Behörden eingeleiteten Strafuntersuchung gegen die
UBS Deutschland der Kauf einer CD mit Daten stehe, die von einem Bank-
mitarbeiter illegal beschafft und weitergegeben wurden. Eine solche straf-
bare Handlung (in der Schweiz) ist zwischenzeitlich zwar gerichtlich bestä-
tigt worden (s. Urteil des Bundesstrafgerichts SK.2016.34 vom 21. Januar
2019). Selbst wenn mit Blick auf diese Straftat aber eine irgendwie geartete
indirekte Kausalität zum vorliegenden Amtshilfeersuchen gegeben sein
sollte, so lässt sich daraus kein treuwidriges Verhalten Frankreichs ablei-
ten. Erstens wurde die Kausalkette durch externe Faktoren wie namentlich
die Ermittlungen der deutschen Strafbehörden wenn nicht gar unterbro-
chen, so doch zumindest stark beeinflusst. Zweitens handelt es sich bei
den vorliegend verwendeten Daten nicht um jene, die vom Bankmitarbeiter
illegal beschafft und nach Deutschland verkauft wurden, sondern um an-
dere Daten, die anlässlich der erst später erfolgten Hausdurchsuchung ge-
funden wurden.
Weiter bringt der Beschwerdeführer vor, dem Datenfund bei der UBS
Deutschland anlässlich der Hausdurchsuchung sei eine Bankgeheimnis-
verletzung durch Bankmitarbeitende vorausgegangen. Sowohl die Bun-
desanwaltschaft als auch die Beschwerdeinstanz haben zwischenzeitlich
eine vorsätzliche Verletzung des Bankgeheimnisses im Zusammenhang
mit den anlässlich der Hausdurchsuchung gefundenen – hier relevanten –
Listen verneint (siehe die Beschlüsse des Bundesstrafgerichts BB.2019.61
und BB.2019.63 vom 20. November 2019, mit welchen die Einstellungs-
verfügung der Bundesanwaltschaft bestätigt wurde). Auch diesbezüglich
fehlt es durch die Einwirkung externer Faktoren auf die Kausalkette ganz
grundsätzlich an einer hinreichenden Nähe Frankreichs zum Tatgesche-
hen, welche die Annahme eines Verstosses gegen den völkerrechtlichen
Grundsatz von Treu und Glauben rechtfertigen könnte.
Der in der Beschwerde eventualiter gestellte Sistierungsantrag hinsichtlich
der erwähnten Strafverfahren erweist sich aufgrund der zwischenzeitlich
rechtskräftigen Erledigung dieser Verfahren als gegenstandslos, weshalb
er abzuschreiben ist.
3.7 Nach dem Gesagten sind die Voraussetzungen für die in der Schluss-
verfügung vorgesehene Amtshilfeleistung erfüllt. Die Beschwerde erweist
sich als unbegründet und ist abzuweisen.
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4.
Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer die auf Fr. 5'000.-- festzuset-
zenden Verfahrenskosten zu tragen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG und Art. 2
Abs. 1 in Verbindung mit Art. 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher
Höhe ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden.
Dem unterliegenden Beschwerdeführer ist keine Parteientschädigung zu-
zusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario und Art. 7 Abs. 1 VGKE
e contrario).
5.
Dieser Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Amtshilfe in Steuer-
sachen kann innerhalb von 10 Tagen nur dann mit Beschwerde in öffent-
lich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht weitergezogen
werden, wenn sich eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung stellt
oder wenn es sich aus anderen Gründen um einen besonders bedeuten-
den Fall im Sinne von Art. 84 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 17. Juni
2005 über das Bundesgericht (BGG, SR 173.110) handelt (Art. 83 Bst. h,
Art. 84a und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Ob dies der Fall ist, entscheidet
das Bundesgericht.
(Das Dispositiv befindet sich auf der nächsten Seite).
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