Decision ID: bf147202-4467-4aa8-bf9d-dcb4e3e3ea3d
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1965,
ist
seit 2010 bei der Gemeindeverwaltung
Y._
im Kanzleidienst tätig (Urk. 7/25). Unter Hinweis auf ein
duktales
Carcinoma
in situ (DCIS; Brustoperation und Totaloperation 2013),
Breast
Cancer (BRCA) 1 positiv (Befund 2013) und einen Erschöpfungszustand sowie psychische Probleme seit April 2014 meldete sie sich am
6.
August 2014 bei der Invaliden
versicher
ung zum Leistungsbezug an (Urk.
7/11). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, teilte am 2
3.
Dezember 2014 mit, dass keine be
ruflichen Eingliederungsmassnahmen angezeigt seien (
Urk.
7/24). Die IV-Stelle zog die Akten der Krankentaggeldversiche
rung bei (Urk.
7/41)
und veranlasste
bei
Dr.
med.
Z._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
ein psy
chiatri
sches Gutachten, welches am
9.
November 2015 ers
tattet wurde (Urk.
7/44).
Mit
Verfügung vom 2
3.
Mai 2016 (
Urk.
7/65)
verneinte
die
IV-Stelle
einen Rentenanspruch.
Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom
1.
Februar 2017
in dem Sinne gut, als es die angefochtene Verfügung aufhob und die Sache an die IV
-Stelle zurückwies (Prozess Nr.
IV.
2016.00708
;
Urk.
7/73
).
1.2
In der Folge holte die IV-Stelle medizinische Berichte und bei
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
ein
psychiatrisches
Gutach
ten ein (Gutachten vom
2
8.
Februar 2018
; Urk.
7/
98
). Nach durchgeführtem
Vor
bescheidverfahren
(
Urk.
7/
100
, Urk. 7/106, Urk. 7/113, Urk. 7/117-119
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
1
7.
Juli 2019
einen Rentenanspruch (
Urk.
7/
123
=
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am
1
6.
September 2019
Beschwerde gegen die Verfügung vom
1
7.
Juli 2019
(
Urk.
2) und beantragte,
diese sei aufzuheben und es sei
die IV-Stelle zu verpflichten,
ihr
die gesetzlichen Leistungen auszurichten; insbeson
dere sei die IV-Stelle zu verpflichten, ihr eine
halbe Invalidenrente
auszurichten
. Eventuell sei die Angelegenheit zur weiteren Abklärung an die
IV-Stelle
zurück
zuweisen (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
2.
Oktober 2019
(
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde,
was der Beschwerdeführerin am
1.
November 2019
(
Urk.
8) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
raus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E.
4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V
396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidi
tät. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfä
higkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V
215
E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
4
Über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechtsan
wendung hat sich das Bundesgericht verschiedentlich geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorge
gebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Ab
schätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträchtigun
gen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E. 5.2.1).
Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen las
sen. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswür
digung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und so
mit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich im
mer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rah
men des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwor
tet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang an
dauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Ein
schränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeits
unfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu er
bringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenanspreche
nden Person auswirkt (BGE 144 V
50 E. 4.3
).
1.
5
Hin
sichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) ab
gegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und
in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folge
rungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
hielt
in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2)
fest
,
aus versicherungsmedizinischer Sicht liege keine gesundheitliche Einschränkung vor, die eine dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe (S. 1).
Der
Bericht von
Dr.
B._
enthalte keine objektivierbaren Befunde, die die
Befunde
des me
dizinischen Gutachtens von
Dr.
A._
widerlegten. Er habe
sich
intensiv mit der vorliegenden Müdigkeit befasst und eine
Fatig
u
e
sei nicht diagnostiziert wor
den (S. 2).
2.2
Demgegenüber vertrat die Beschwerdeführerin den Standpunkt (
Urk.
1), dass
Dr.
A._
die Frage einer möglichen somatischen Ursache
ihrer
Beschwerden in Form einer krebsbezogenen Müdigkeit (
C
ancer
related
Fatigue
) aufgeworfen habe. Diese könne er jedoch, weil fachfremd, nicht beurteilen (
S. 7
Rz
18). Die Beurtei
lung der
C
ancer
related
Fatigue
sei durch
Dr.
B._
und das Zentrum
C._
erfolgt. Die Resultate hätten vor einem definitiven Entscheid über den Leistungsanspruch zwingend abgewartet werden müssen (
S. 7
Rz
19). Mit dem B
ericht von
Dr.
B._
vom 9.
April 2019 und dem Bericht des Zentrums
C._
vom 2
3.
August 2019 sei die 50%ige Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin er
stellt (
S. 8
Rz
20).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
der Rentenanspruch und damit insbesondere
die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin.
3.
3.1
Dem Rückweisungsurteil vom
1.
Februar 2017 (
Urk.
7/73) lagen folgende, vom Gericht als nicht genügend aussagekräftig beurteilte Arztberichte zugrunde (vgl. E. 3 des genannten Urteils):
Dr. med.
D._
, Fachärztin für
Gynäkologie und Geburtshilfe
, nannte mit Bericht vom 4. September 2014 (Urk. 7/18) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
duktales
Carcinoma
in situ
(DCIS) Mamma rechts, sowie klassische
lobuläre
Neoplasie
-
Breast
Cancer (BRCA)
1 positiv
-
reaktive depressive Verstimmung
Sie führte aus, dass sie die Beschwerdeführerin seit 2010 betreffend Vorsorge und seit April 2013 regelmässig wegen der Diagnose behandle (Ziff. 1.2). Seit 8.
April 2014 sei die Beschwerdeführerin in ihrer Tätigkeit als Sachbearbeite
rin zu 50 % arbeitsunfähig (Ziff. 1.6). Aufgrund reduzierter Belastbarkeit, Konzentrations
stö
rungen und schneller Ermüdung sei es ihr unmöglich, ein Vollzeitpensum zu leis
ten. Ein Pensum von täglich 50 %, was 4 Stunden 12 Minuten entspreche, sei
aktuell
möglich
(Ziff. 1.7).
3.2
Dr. med.
E._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, gab mit Bericht vom 22. Oktober 2014 (Urk. 7/23) an, die Beschwerdeführerin seit April 2014 zu behandeln (Ziff. 1.2), und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
Depression
-
BRCA 1 - Positivität,
Mammakarzinom
(Mamma-CA) rechts
-
Mastektomie beidseits und Rekonstruktion am 26. August 2013
-
Hysterektomie und Ovarektomie beidseits am 13. Dezember 2013
Seit 8. April 2014 sei die Beschwerdeführerin in ihrer Tätigkeit als kauf
männi
sche Angestellte zu 50 % arbeitsunfähig (Ziff. 1.6). Es bestehe eine redu
zierte psychi
sche Belastbarkeit, Konzentrationsstörungen und ein Aufmerk
samkeitsdefizit. Die bisherige Tätigkeit sei noch zu 50 % zumutbar (Ziff. 1.7).
3.3
PD Dr. med.
F._
, Facharzt für P
lastische,
Rekonstruktive
und Ästhetische Chirurgie
, Klinik
G._
, nannte mit Bericht vom 21. April 2015 (Urk. 7/28) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.2):
-
DCIS Brust rechts, BRCA1-Genmutation
-
Status nach beidseitiger Mastektomie und Rekonstruktion mittels
auto
logem
Gewebe
Es erfolge eine ambulante Behandlung mit Kontrollen in zweimonatigem Rhyth
mus (Ziff. 3.1). Die Arbeitsfähigkeit könne durch medizinische Mass
nahmen nicht verbessert werden
(Ziff. 4.1)
.
Weitere Angaben zur Arbeitsfähigkeit machte er nicht.
3.4
Dr.
E._
(vorstehend E. 3.2
)
nannte mit Bericht vom 1
5.
Mai 2015 (Urk. 7/34) als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Depression (Ziff. 1.2). Die bisherige
,
beziehungsweise eine angepasste Tätigkeit
,
könne zu 50 % ausge
übt
werden (Ziff. 2.1).
3.5
Dr. med.
H._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychothe
ra
pie
, führte mit Bericht vom 29. Mai 2015 (Urk. 7/33) aus, er
behandle
die Beschwerdeführerin seit Mai 2014 (Ziff. 1.2), und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
andauernde Persönlichkeitsände
rung bei Status nach
Mammacarci
nom
in situ mit
Mammaresektion
beidseits 2013 (ICD-10 F62.88)
-
rezidivierende
depressive Stör
ung (ICD-10 F32.00 gegenwärtig)
-
chronisches Erschöpfungssyndrom (ICD-10 F48.0)
Alle Diagnosen würden seit mindestens April 2014 gelten.
Eine Veränderung der Persönlichkeit habe sich nach dem Tod der Schwester 1997 aufgrund eines Uteruskarzino
ms und der Diagnose eines Mamma
karzinoms bei der jüngeren Schwester sowie nach eigener Diagnose eines Mammakarzinoms 2012 beziehungs
weise 2013 entwickelt. Darüber hinaus bestünden rezidivierende depressive Phasen und eine anhaltende Reduktion des Leistungs- und Energie
ni
veaus. Es bestehe ein instabiler Affekt mit rezidivierenden depressiven Ein
brü
chen, allgemeinem erheblich reduziertem Funktions-, Leistungs-, Antriebs- und Energieniveau, eine rasche Erschöpfbarkeit psycho-psychisch mit seit der
Mammaresektion
bestehendem erhöhtem Erholungsbedarf. Oft bestehe eine
Anhedonie
und ein Gefühl der Überforderung (Ziff. 1.4). Die Beschwerdeführerin sei von 13. Dezember 2013 bis 9. Januar 2014 zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Von 8. April 2014 bis
heute sei sie zu 50 % arbeitsunfähig (Ziff. 1.6). Die Beschwerdeführerin könne
maximal vier Stunden hintereinander eine berufliche Tä
tigkeit ausüben. Danach sei sie erschöpft und benötige entsprechend lange
Erho
lungs
- und Ruhephasen (Ziff. 1.7).
3.6
Am 27. August 2015 erstattete Dr. med.
I._
, Facharzt für Allge
meine Innere Medizin und für Kardiologie, das von der
Personalvor
sorge
J._
in Auftrag gegebene Gutachten (Urk. 7/50). Er nannte folgende Diagnosen (S. 7 f.):
-
high grade Mammakarzinom rechts, Typ DCIS mit Kalk und Nekrosen
-
der vorliegende genetisch vermittelte Karzinomtyp führt zur siche
ren Erkrankung Mammakarzinom
-
Status nach stereotaktischer Vakuumbiopsie rechts am 17. Mai 2013, DCIS, BRCA 1 positiv
-
positive Familienanamnese, Schwester 44-jährig an Mammakarzi
nom erkrankt (BRCA positiv), andere Schwester 42-jährig an Ova
rialkarzi
nom verstorben
-
Status nach Skin-
Sparing
Mastektomie beidseits und
sentinel
Lym
pho
nodektomie
beidseits am 26. August 2013
-
Status nach
laparoskopischer
Hysterektomie und
Adnexektomie
,
Ma
millenrekonstruktion
beidseits am 13. Dezember 2013
-
psychiatrische Diagnose: anhaltende,
chronifizierte
psychische Asthe
nie, kombiniert mit depressivem Zustandsbild unter regel
mässiger psy
chotherapeutischer Betreuung und Antidepressiva
-
anhaltender im Verlauf stationärer
Rekonvaleszenzzustand
mit Müdig
keit, Adynamie, körperlicher Schwäche, verlängertem Erho
lungsbe
dürfnis, Schlaflosigkeit
Die
Beschwerdeführerin
habe sich von den Eingriffen sowohl körperlich als auch psychisch nie mehr richtig erholt. Es persistiere seither trotz aktuell dokumen
tier
ter Tumorfreiheit ein anhaltender
Rekonvaleszenzzustand
. Die
Beschwerdeführe
rin
leide unter einer verminderten körperlichen und emotionalen Belastbarkeit, es fänden sich intermittierend auftretende Schwäche/Erschöpfungszustände, ein deutlich gesteigertes Erholungsbedürfnis sowie Schlafstörungen. Mehrmals habe die
Beschwerdeführerin
, welche seit dem 8. April 2014 krankheitsbedingt 50 % arbeitsunfähig eingestuft sei, versucht, das Arbeitspensum wieder zu steigern. Jedes Mal sei es zu Erschöpfungszuständen und psychophysischen Einbrüchen ge
kommen, weswegen aktuell nur noch eine 50%ige Arbeitsfähigkeit resultiere. Die
Beschwerdeführerin
stehe seither auch in regelmässiger, kontinuierlicher psy
cho
therapeutischer Betreuung. Medikamente würden eingesetzt und vom behan
deln
den Psychiater werde die Diagnose psychische Asthenie überlagert von einer an
haltenden therapierefraktären de
pressiven Symptomatik gestellt (S. 7). Die
Beschwerdeführerin
sei aktuell in der Lage, im bis anhin ausgeübten Tätigkeits
be
reich im Umfang von 50 % weiterhin arbeitstätig zu bleiben (S. 9
lit
. e).
3.7
Am 9. November 2015 erstattete Dr. med.
Z._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
, das von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebene Gut
achten (Urk. 7/44). Er nannte die folgenden Diagnosen (S. 10 oben):
-
protrahiertes neurasthenisches Erschöpfungssyndrom
(
ICD-10 F48.0
)
-
Status nach Operationen im August 2013 und Dezember 2013 wegen Mammakarzinoms und positivem Gentest
Ab Juni 2008 habe die Beschwerdeführerin bei ihrem Ehemann gearbeitet und ein Bürofach- und ein Handelsdiplom nachgeholt. Dabei sei sie erstmals
in eine Erschöpfung geraten, bedingt dadurch, dass am Arbeitsplatz der Str
ess nach der Zusammenlegung von Betreibungsämtern zugenommen habe. Es sei zu einigen wenigen Krankheitsabsenzen,
auch bei zwei Prüfun
gen, aber zu keinen weiteren Nachteilen, keiner depress
iven Störung und keiner psychia
trischen Behandlung gekommen (S. 10 unten).
1997 sei eine Schwester der Beschwerdeführerin früh an Unterleibskrebs gestor
ben. 2012 sei eine andere Schwester an Brustkrebs erkrankt und habe zweimal operiert werden müssen. Heute gehe es ihr wieder relativ gut. In diesem Zusam
menhang seien bei der Beschwerdeführerin vermehrte medizi
nische Kontrollen gemacht worden und ein Gentest habe ein belastendes Re
sultat gebracht. Im August 2013 sei die Beschwerdeführerin nach einem ver
dächtigen
Biopsiebefund
operiert worden, die Diagnose habe auf ein Mamma
k
arzinom in situ gelautet. Da
raufhi
n seien im Dezember 2013 aus Si
cherheitsgründen auch die Eierstöcke und die Gebärmutter entfernt worden. Dieser Verlauf habe bei der Beschwerde
führerin
Ängste ausgelöst. Insbesondere habe der positive Gentest sie in eine Hal
tung ge
bracht, dass die Krebskrankheit weiter in ihr stecke und jederzeit in ihrem Leben wieder auftreten könne, verstärkt noch, als im September 2014 verdächtige Darm
polypen entdeckt worden seien. Die Ängste seien aber auf den gesundheit
lichen Bereich beschränkt geblieben und hätten sich nicht manifest auf den all
gemeinen Zustand ausgewirkt (S. 10 f.).
Die Beschwerdeführerin habe ihre Arbeit jeweils nach einer Erholungsphase
nach den Operationen problemlos
wieder aufgenommen
, so auch am 6. Janu
ar
2014 zu 100 %. Eigentliche depressive Symptome seien bis zu diesem Zeitpunkt ebenfalls nicht zu erkennen. Der später behandelnde Psychiater Dr.
H._
habe eine Persönlichkeitsänderung beim
Status nach dem Mammakarzinom (
ICD 10 F62.8
)
diagnostiziert. Er habe in seinem Bericht vom 29. Mai 2015 diese Diagnose nicht näher erläutert. Er selbst sehe keine Anhaltspunkte dafür, dass sich die Persön
lichkeit der Beschwerdeführerin geändert hätte. Seines Erachtens sei es auch zu früh, eine solche Diagnose zu stellen (S. 11 oben).
In den folgenden drei Monaten habe der Arbeitsstress zugenommen. Schlaf- und Konzentrationsstörungen seien aufgetreten. Die Beschwerdeführerin sei in eine Müdigkeit und Energielosigkeit geraten. Der psychische Zustand sei
exazerbiert
, als sie Ende März noch bei einer Abstimmung in der Gemeinde habe mithelfen müssen. Sie habe erst am 8. April 2014 zum Hausarzt Dr.
E._
gehen können. Seither sei sie bis heute konstant zu 50 % arbeitsunfähig geschrieben worden. Sie habe Antidepressiva erhalten. Aus eigenem Antrieb habe sie am 28. Mai 2014 die psychiatrische Behandlung bei Dr.
H._
aufgenommen (S. 11 Mitte).
Die beschriebenen Beschwerden würden auf einen psychischen Stresszustand und ein konsekutives Erschöpfungssyndrom hindeuten. Dies habe auch Dr.
H._
so diagnostiziert. Der Hausarzt Dr.
E._
habe in seinen Berichten eine «
Depression
»
genannt, ohne sie jedoch näher zu spezifizieren und auszuführen. Dr.
H._
habe in seinem Bericht vom 29.
Mai 2015 zusätzlich von einer «
rezid
ivierenden depressiven Störung»
gesprochen, aber ebenfalls praktisch ohne Er
läuterung von spezifisch depressiven Aspekten. Mit der Codierung
«F32.00»
habe er zum damaligen Zeitpunkt einen leichten depressiven Zustand ohne somatische Stresssymptomatik, mithin ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, gemeint (S. 11 unten).
Die Beschwerdeführerin
selbst
könne
von sich aus keine speziell depressiven Be
schwerden beschreiben, das heiss
e
Symptome depressiver Natur ausserhalb des Erschöpfungssyndroms. Erst auf
sein
Nachfragen
gebe
sie depressive Verstim
mung
en
wie Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit an. Die Stimmung ha
be
sich denn auch rasch wieder gebessert. Die mögliche aktuelle depressive
Störung würde
er
deshalb als höchstens leicht und ohne relevanten Einfluss auf die Arbeitsfähigkei
t und die Prognose bezeichnen (S.
11
f.
)
.
Die teilweise Krankschreibung im April 2014 habe zusammengefasst psychische Gründe gehabt und sei aus heutiger Sicht nachvollziehbar. Dass die Arbeitsfähig
keit der Beschwerdeführerin heute noch nur 50 % betrage, sei seines Erachtens nicht ausgeschlossen, aber weniger verständlich: Die Situation am Arbeitsplatz habe sich bald entspannt. Der psychische Zustand habe sich insgesamt verbessert. Konzentrationsstörungen bestünden nicht mehr, die Fehlerquote der
Beschwer
deführerin
bei der Arbeit sei heute normal. Die Schlaf
störungen seien weitgehend gewichen. Verstimmungen bestünden mit Ausnahme der Ängste nicht mehr (S.
12 Mitte).
Was die Arbeitsfähigkeit betreffe, müsse er die heutige Einschätzung der behan
delnden Ärzte einer 50%igen Reduktion nach dem oben Gesagten
offenlassen
. Falls die aktuelle teilweise Arbeitsunfähigkeit weiterhin bestätigt wer
den sollte, schlage er eine Verlaufskontrolle in einem halben Jahr vor (S. 12 f.)
.
Aus heutiger psychiatrischer Sicht sei die Attestierung einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % ab dem 8. April 2014 nachvollziehbar. Begründet werde sie durch ein psychisches Leiden mit Krankheitswert, nämlich ein neurasthenisches Erschöp
fungssyndrom mit depressiven Aspekten. Die psychiatrische
Prognose
sei gut. Eine Arbeitsunfähigkeit auf lange Dauer müsse heute nicht angenommen werden (S. 13 oben).
Zur Frage der Standardindikatoren gemäss Bundesgericht führte er aus, die Be
funde seien heute noch subjektiv in Bezug auf die reine Erschöpfung aus
ge
prägt. Die Behandlung habe sukzessive einen Erfolg gezeitigt. Komorbiditäten bestün
den nicht. Di
e Items Komplex «Persönlichkeit» und «
sozialer
Kontext»
seien nicht relevant. Das Aktivitätsniveau sei heute vorwiegend noc
h
bei der Berufsaus
übung eingeschränkt. Der Leidensdruck sei ausgewiesen (S. 13
unten).
3.8
Dr. med.
K._
, Facharzt
für
Anästhesiologie
, Regionaler Ärztlicher
Dienst der IV-Stelle (RAD)
,
führte mit Stellungnahme vom 18. November 201
5 (Urk. 7/45/5) aus, obwohl der Gutachter die Krankschreibung mindestens teil
weise nachvollziehen könne, liege aus versicherungsmedizinischer Sicht kein IV-relevanter Gesundheitsschaden mit dauerhafter Auswirkung auf die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit vor.
3.9
Dr.
H._
(vorstehend E. 3.5)
nannte mit Bericht vom 31. März 2016 (Urk. 7/62) die folgenden Diagnosen (S. 3 Ziff. 1):
-
depressive Störung, gegenwärtig leichtgradig (ICD-10 F32.00)
-
chronisches Erschöpfungssyndrom (ICD-10 F48.0)
-
Persönlichkeitsveränderung (ICD-10 F62.88)
Der Bericht von Dr.
Z._
sei aus näher genannten Gründen (S. 1 ff.) nicht nach
vollziehbar.
Die Beschwerdeführerin zeige unverändert eine intermittierend gedrückte Stim
mungslage mit Antriebsmangel und erhöhter Ermüdbarkeit und öfters eine ein
geschränkte Fähigkeit, Freude zu empfinden. Die Auswirkungen im Sinne von Schwierigkeiten, ihre berufliche Tätigkeit auszuüben (reduziertes Leistungs
ni
veau, verminderter Antrieb, rasche Erschöpfbarkeit, Konfliktfähigkeit und ver
minderte
Stressresilienz
) und zuweilen die Aufrechterhaltung von sozialen Kon
takten seien deutlich. Intermittierend bestünden zudem Schlafstörungen, die die Beschwerdeführerin mittels eines schlafinduzierenden Antidepressivums
coupiere
. Darüber hinaus bestünde ein chronisches Erschöpfungssyndrom, welches die depressive Komponente perpetuiere (S. 3 Ziff. 2).
Bei der Beschwerdeführerin sei eine Persönlichkeitsveränderung im Sinne einer anhaltenden Verunsicherung in der Persönlichkeit und im Gestalten von sozialen Kontakten vor allem auch im beruflichen Kontext, dem chronischen Gefühl der allgegenwärtigen Gefahr eines Rezidivs des Mammakarzinoms, einem reduzierten Selbstwertgefühl mit rasch auftretenden Selbs
t
zweifeln und dem allgemein ver
stärkten Gefühl der erhöhten Vulnerabilität und Ausgeliefertseins feststellbar. Im Vergleich zur prämorbiden Lebensspanne, das heisse vor der Diagnose des Mammakarzinoms, schildere die Beschwerdeführerin solche Symptome nicht (S. 3 f. Ziff. 3).
Die Beschwerdeführerin sei aufgrund der vorliegenden psychischen Erkrankung aus psychiatrisch-medizinischer Sicht zu 50 % arbeitsunfähig, das Funktions-, Leistungs- und Energieniveau sei dauerhaft reduziert, darüber hinaus bestünde eine stark verminderte
psycho-physische
Resilienz hinsichtlich negativer Leben
s
ereignisse (S. 4 Ziff. 4.2).
3.10
Zu dieser medizinischen Aktenlage hielt das hiesige Gericht fest (
Urk.
7/73 E. 4):
In somatischer Hinsicht ausgewiesen und unbestritten ist, dass ein Mammakarzinom (BRCA Positiv) diagnostiziert wurde, woraufhin im August 2013 eine beidseitige Mastektomie und im Dezember 2013 eine Hysterektomie und eine beidseitige Ovarektomie vorgenommen wurden. Strittig sind vorliegend der psychische Gesund
heitszustand und dessen Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
Von mehreren Ärzten wurde eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit festgestellt. Soweit jedoch
Dr.
D._
als Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe (vorstehend E. 3.1),
Dr.
E._
als Facharzt für Allgemeine Innere Medizin (vorstehend E. 3.2 und E. 3.4) und
Dr.
I._
, als Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Kardiologie
(vorstehend E. 3.6), aufgrund psychischer Leiden eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit an
nahmen, handelt es sich nicht um einschlägige fachärztliche Beurteilungen.
Der behandelnde Psychiater
Dr.
H._
ging aufgrund psychischer Leiden ebenfalls von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit aus (vorstehend E. 3.5 und E. 3.9). Der psychiatrische Gutachter
Dr.
Z._
erachtete die von
Dr.
H._
ge
stellte Diagnose einer Persönlichkeitsveränderung als unzutreffend, da er keine Anhaltspunkte dafür sah beziehungsweise den Verlauf als zu kurz erachtete, um eine solche Diagnose zu stellen. Auch diagnostizierte er im Gegensatz zu
Dr.
H._
keine depressive Störung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, sondern eine höchstens leichte depressive Störung ohne relevanten Einfluss auf die Arbeitsfä
higkeit (vorstehend E. 3.7). Übereinstimmend diagnostizierten beide ein Erschöp
fungssyndrom. Während
Dr.
H._
, wie erwähnt, eine 50%ige Arbeits
unfähigkeit feststellte, äusserte sich
Dr.
Z._
nicht konkret zur Arbeitsfähigkeit. So führte letzterer aus, die teilweise Krankschreibung im April 2014 sei nachvollziehbar. Dass die Arbeitsfähigkeit noch immer nur 50
%
betrage, sei seines Erachtens nicht ausgeschlossen, aber weniger verständlich. Weiter führte er aus, die heutige Einschät
zung der behandelnden Ärzte einer 50%igen Reduktion offen lassen zu müssen. Eine selbständige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nahm
Dr.
Z._
demnach nicht vor. Wie erwähnt (
...
), ist das Gericht jedoch zur Bemessung des Invaliditätsgrads auf Unterla
gen von medizinischen Fachpersonen angewiesen.
Wie in BGE 141 V 281 festgehalten (E. 5.2.1), hat sich das Bundesgericht ver
schiedentlich, so auch jüngst, über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechtsanwendung geäussert. Danach ist es sowohl den begutachten
den Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfä
higkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorgegebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht (BGE 137 V 64 E. 5.1). Bei der Abschätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträchtigungen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 140 V 193 E. 3.2).
Eine juristische Beurteilung der Arbeitsfähigkeit kann aufgrund der vorliegenden Ak
tenlage nicht erfolgen. So sind sich zwar verschiedene Ärzte einig, dass die Beschwer
deführerin zu 50
%
arbeitsunfähig ist. Davon ist jedoch nur
Dr.
H._
ein psychiatrischer Facharzt. Seine Diagnosestellung wiederum wird vom zweiten psy
chiatrischen Facharzt,
Dr.
Z._
, mehrheitlich in Zweifel gezogen. Zudem ist die ver
trauensärztliche Stellung von
Dr.
H._
als behandelnder Psy
chiater zu berücksichtigen (
...
). Schliesslich liegt vom psychiatrischen Gutachter
Dr.
Z._
keine
schlüssige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vor, obschon die Beschwerdegegnerin eine Begutachtung gerade zur Abklärung der Arbeitsfähigkeit als notwendig erachtete (
...
), und er eine Verbe
s
serung des psychischen Zustandes feststellte (vgl. vorstehend E.
3.7).
Damit liegt keine genügende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vor.
Im Übrigen fiel die Prüfung der gemäss der neusten bundesgerichtlichen Rechtspre
chung massgeblichen Standardindikatoren durch
Dr.
Z._
äusserst knapp aus (vgl. vorstehend E. 3.7).
Zusammenfassend erweist sich die vorliegende psychiatrische Aktenlage für eine ab
schliessende Beurteilung des Leistungsanspruchs in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin als unzulänglich, weshalb die angefochtene Verfügung aufzuhe
ben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese nach ergänzender psychiatrischer Abklärung, gegebenenfalls unter Beurteilung der Stan
dardindikatoren, in geeigneter Weise eine neue Beurteilung vornehme und über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
4.
4.1
Seither präsentierte sich die relevante medizinische Aktenlage wie folgt:
Dr.
H._
(vorstehend E. 3.5
, E. 3.9
)
nannte mit Bericht
vom 2
0.
Juli 2017 (Urk. 7/87
)
die gleichen Diagnosen wie in seinem Bericht vom 2
9.
Mai 2015 (vgl. E. 3.5) und hielt eine dauerhafte 50%ige Arbeitsunfähigkeit fest
(
Ziff.
1.6)
.
4.2
Dr.
E._
(vorstehend E. 3.2, E. 3.4)
nannte
mit Bericht
vom 1
9.
August 2017
(Urk. 7/89)
folgende, hier gekürzt aufgeführte Diagnosen (
Ziff.
1.1):
-
depressive
Störung, chronisches Erschöpfungssyndrom, Persönlichkeits
veränderung
-
Mammakarzinom rechts (in Situ
)
Dr.
E._
attest
ierte der Beschwerdeführerin
weiterhin eine 50%ige Arbeitsun
fähigkeit
für die bisherige Tätigkeit (
Ziff.
1.6)
.
4.3
4.3.1
Dr.
med.
A._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
, erstattete am
2
8.
Februar 2018 ein psychiatrisches Gutachten (Urk. 7/98) und
nannte als psychiatrische Diagnose einen Status nach Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2;
S. 44
Ziff.
6.3.4).
4.3.2
Hinsichtlich der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
führte
der
Gutach
ter unter anderem aus,
aus psychiatrischer Sicht lasse sich nur eine Anpassungs
störung nach ICD-10 F43.2 feststellen, ausgelöst durch die Krebserkrankung, berufliche und private Überforderung. Beginn der Symptomatik mit Schlaf
stö
run
gen
sei
Mitte März 2014
gewesen und habe
bis maximal März 2016
ange
hal
ten
. Objektiv lasse sich über die Jahre eine Besserung fassen: Die Beschwerde
füh
rerin habe im Verlauf wieder verschiedene Aktivitäten aufgenommen (Yoga, MTT, Motorradfahren, etc.). Sie habe in ihrer Verlaufskurve eine leichte Besserung ein
ge
zeichnet und durch die positiven Krebsscreenings 2017 sei auch die Krebs
angst zurückgegangen. Trotzdem habe sie angegeben, die Müdigkeit habe sich über die Jahre nicht gebessert und sie habe auf die Idee einer
Pensumserhöhung
etwas ängstlich-abwehrend reagiert (S. 42).
Wenn man von der üblichen klini
schen Dreiteilung leicht - mittel - schwer ausgehe, liege, bezogen auf die Beein
trächti
gungen im Alltag und den Beziehungen, insgesa
mt eine leichte Störung vor (S.
44
Ziff.
6.3.3.). Hauptklage sei eine vorzeitige Ermüdung nach der halbtä
gigen Tätigkeit als Sachbearbeiterin in einem Betreibungsamt. Vorzeitige Ermü
dung könne somatische Gründe haben, zum Beispiel Blutarmut, Eisenmangel, Ernäh
rung, Übergewicht, Schlafapnoe,
Restless
legs
,
Dekonditionierung
, krebsbe
zogene Müdigkeit, etc., sowie mit psychischen Störungen einhergehen
. Die Diskrepanz zwischen Aktivitätsniveau in Arbeit und Alltag weise zudem auf die Funktiona
lität der Störung hin, die in der Paarkonstellation, in Rollenvorstellun
gen und in der Persönlichkeit der Beschwerdeführerin begründet sein könne und weiterer Überlegung bedürfe
(S. 37
Ziff.
6.3.1).
Zur
Anpassungsstörung und
de
r
in den Akten genannten Diagnose depressives Syndrom führte
Dr.
A._
aus, die Beschwerdeführerin sei
mit den Krebserkran
kungen ihrer Geschwister und dann mit der eigenen bedrohlichen Krebsdiagnose
nachvollziehbar
überfordert
gewesen
. Subjektiv
habe
sie in dieser Situation be
fürchten
müssen
, als Nächste zu erkranken und an der Krebserkrankung zu ver
sterben oder doch mindestens einen leidvollen Weg mit Operation, Chemo
thera
pie und Bestrahlung durchstehen zu müssen. Die Krebserkrankung und die damit verbundenen Operationen und Veränderungen könn
t
en a
ls «
entscheidende Le
bensveränderung
»
gemäss dem Konzept der Anpassungsstörung gemäss ICD-10 F43.2 verstanden werden. Vorherrschende Symptome bei Krankheitsbeginn seien krebsbezogene Ängste und Sorgen, konsekutive Schlafstörungen als Folge nächt
lichen ängstlichen Grübelns, Konzentrationsstörungen durch innere Ab
sorption mit Ängsten und Sorgen sowie eine angst-stressbedingte Ermüdung durch die monatelange Sympathikus-Überaktivierung gewesen. Eine eigentliche depressive Symptomatik habe damals nicht vorgelegen. Die
Beschwerdeführerin
habe
trotz
dem ein hohes Aktivitätsniveau auf
gewiesen, soziale Kontakte gepflegt und sei
für den Ehemann nicht wesensverändert gewesen
. Die eigentliche Dekompensa
tion nach dem Wahlsonntag Ende März 2014 sei aufgrund der gesundheitlichen, beruflichen und privaten Belastung nicht überraschend gewe
sen. Die
Beschwer
deführerin
habe trotz der beschriebenen Anpassungsstörung mit Ängsten und Schlafstörungen ein übermässiges Arbeitspensum leisten müs
sen und sei weiter
hin für Haushalt und Kochen zuständig gewesen. Der Hausarzt habe richtig rea
giert und habe durch seine 50%-Krankschreibung für Entlastung gesorgt.
Da die Diagnose einer
Anpassungsstörung
üblicherweise zeitlich auf sechs Monate be
ziehungswese auf maximal zwei Jahre nach dem lebensverän
dernden Ereignis begrenzt werde, könne diese Diagnose, mit März 2014 als Krankheitsbeginn (Beginn Schlafstörungen)
,
bis maximal März 2016 gestellt wer
den. Üblicherweise würde man bei einer Anpassungsstörung mit Erschöpfung nach einem halben Jahr eine wesentliche Besserung erwarten. Dazu sei es aber nicht gekommen. Hier dürfte die
fortbestehende Krebsangst
eine Rolle gespielt haben
, welche durch die Auffälligkeiten in den Screenings jeweils angeheizt
wor
den sei (S. 37 f.).
Hinsichtlich Depression
sei
eine depressive Stimmung
zu verneinen
. Die Be
schwerdeführerin
und ihr Ehemann hätten zwar von einer «Niedergeschlagen
heit» vor den Vorsorgeuntersuchungen berichtet. Es sei jedoch, sofern keine besorgnis
erregenden Befunde vorhanden gewesen seien, zu einer deutlichen Auf
hellung der Stimmung direkt danach gekommen. Die
Beschwerdeführerin
sei dann gelöst und entspannt gewesen wie früher auch. Ein Interesse- und Freude
verlust
habe ebenfalls nicht bestanden
,
da die
Beschwerdeführerin
weiterhin in erheblichem Masse aktiv
gewesen sei
.
Es hätten
lediglich situativ begründete Beeinträchtigun
gen
vorgelegen
, wie sie jeder andere Mensch mit einer Krebser
krankung auch erleb
e
(S. 39).
Betreffend Neurasthenie erklärte
Dr.
A._
, die
Beschwerdeführerin
beschreibe zwar eine vorzeitige Ermüdbarkeit, diese lasse sich aber in den Alltagsschilderun
gen nur geringfügig nachvollziehen, insbesondere nicht während ihrer Ferien und sozialen Aktivitäten, zumal die
Beschwerdeführerin
nach dem Mittagsschlaf wie
der aktiv sei. Müdigkeit am Nachmittag, insbesondere nach 4,5 Stunden anstren
gender Arbeit und einem Mittagessen, die man über einen Mittagsschlaf kom
pensiere, sei nichts Ungewöhnliches. Die Nachmittagsmüdigkeit wie auch die verstärkte Einschlafneigung am Abend nehme mit dem Alter zu. Es sei verständlich, dass die
Beschwerdeführerin
diese physiologische Veränderung der Krebser
kran
kung zuschreibe, im Kern sei es aber ein normaler physiologischer Prozess (S. 39
f.).
Hinsichtlich Persönlichkeitsänderung wies
Dr.
A._
darauf
hin
, dass die Grund
voraussetzung starkes, dysfunktionales Erleben/Verhalten nicht gegeben sei. Eine
Persönlichkeitsänderung von krankheitswertiger Schwere hätte auch dem Ehe
mann auffallen müssen, er sei jedoch von der Dekompensation im März 2014 überrascht worden. Zuvor sei die
Beschwerdeführerin
für ihn psychisch unauf
fällig gewesen (S. 41).
4.3.3
Hinsichtlich
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
wurde aus
geführt, der Hausarzt
Dr.
E._
habe eine stabilisierende Medikation mit
Cipralex
5
mg gestartet sowie zur Schlafunterstützung
Surmontiltropfen
einge
setzt. Ab Mai 2014 habe
Dr.
H._
die psychiatrische Therapie übernommen und
Cipralex
im Verlauf
auf 10mg (A
ugust 2014) und schliesslich 15
mg (spätes
tens Mai 2015) erhöht. Im weiteren Verlauf sei die Dosis nicht weiter angepasst worden. Für die vom Referenten postulierte Anpassungsstörung sei das eine an
gemessene und im Ergebnis erfolgreiche Therapie gewesen
.
I
n Bezug auf die vom behandelnden Psychiater postulierte chronische therapieresistente Depression hätte die Dosis des Antidepressivums
Cipralex
versuchsweise weiter erhöht, allenfalls das Antidepressivum durch ein zweites Antidepressivum ergänzt oder er
setzt und auch Augmentationsstrategien überlegt werden müssen, bis es zu einer vollständigen Remission komme. Warum das nicht gemacht worden sei, sei un
klar und könne auch als Hinweis auf wenig Leidensdruck beziehungsweise ge
ringe Ausprägung der Depressivität verstanden werden. Gemäss Akten habe es keine Medikamentenspiegelmessungen gegeben. Es gebe kei
ne Hinweise auf
Malc
o
mpliance
(S. 44 f.
Ziff.
6.4).
4.3.4
Hinsichtlich individueller Belastungsfaktoren und Ressourcen sowie allfällig re
levanter Persönlichkeitsfaktoren wurde ausgeführt,
die Beschwerdeführerin habe sich in ihrer bisherigen Berufskarriere offenbar sehr bewährt, sie imponiere als freundliche, hilfsbereite und bescheidene Person, die sich gut in Teams einfü
gen könne (S. 45
Ziff.
6.5.1). Sie erscheine als sehr kooperative Person, habe aber offenbar Ängste vor einer
Pensumserhöhung
beziehungsweise einem Stellen
wechsel, was die vollständige berufliche Reintegration erschweren könne. Es seien gewisse Schwächen in der Selbstbehauptung anzunehmen - über die Kran
kenrolle könne sich die Beschwerdeführerin legitim von Erwartun
gen/Ansprüchen abgrenzen (S. 45
Ziff.
6.5.2).
4.3.5
Zur aktuellen sozialen Situation führte die Beschwerdeführerin gegenüber dem Gutachter folgendes aus: Sie sei verheiratet und habe keine Kinder. Sie führe einen gemeinsamen Haushalt mit dem Ehemann und einer Katze in einem Haus mit Umschwung. Als wichtige aktuelle Bezugspersonen erwähnte sie mehrere Arbeitskollegen, mit denen sie Ende Januar ein Wochenende gemeinsam auswärts mit einer Übernachtung verbracht habe. Sie habe mehrere Freunde, mit welchen sie gemeinsam Silvester und Geburtstage verbracht habe. Mit Nachbarn grilliere
sie im Sommer oder trinke Kaffee. In der Freizeit spaziere sie meist alleine 60 bis 90 Minuten, das tue ihr gut, meist unter der Woche gegen Nachmittag. Sie fahre zudem Ski, das heisse Abfahrt. Zuletzt im April 2017 in Ischgl eine Woche. Sie seien jeweils um 10 bis 10.30 Uhr auf
der
Piste, zwischendurch
gebe es
Suppe
in einer
Hütte, allenfalls auch noch eine Kaffeepause, gegen 16 Uhr
gingen sie wie
der nach Hause
. Sie fahre
auf dem
schweren Motorrad ihres Ehemannes mit, zum Beispiel für eine Stunde in den Schwarzwal
d
, über Pässe und Seen in die Inner
schweiz, sowohl mit dem Ehemann als auch mit Kollegengruppen. Mit den Kol
legen gäbe es auch längere Ausflüge, Donnerstag bis Sonntag, zum Beispiel ins Südtirol. Anfahrt vier bis sieben Stunden, Tagesausflug vier bis fünf Stunden, Rückfahrt vier bis sieben Stunden. Meist gehe das für sie. Hinten könne sie auch mal die Augen schliessen. Ihr Motorrad sei bequem für den Mitfahrer und für sie nicht anstrengend. Sie habe zudem ein
Fitnessabo
und gehe einmal pro Woche, meist Mittwochnachmittag, ins Training. Alle zwei Wochen besuche sie ein Rücken- und Beckenbodentraining. Jeweils Dienstagabend von 20 bis 21.30 Uhr sei sie im Yoga (sanftes Yoga mit Entspannungsübungen). Im Garten jäte und pflanze sie Blumen an (S. 25 f.).
Zur üblichen Tagesgestaltung führte sie aus, sie stehe jeweils um 7 Uhr auf, be
reite Tee vor,
d
usche
und
f
rühstücke. Um 7.50 Uhr gehe sie zu Fuss zur Arbeit und beginne um 8 Uhr mit der Arbeit. Arbeitsschluss sei gegen 12.30 Uhr. Dann gehe sie nach Hause, esse mit ihrem Ehemann das von ihm zubereitete Mittag
es
sen, lese Zeitung, schaue die Post durch. Anschliessend werde sie müde und lege sich hin, zirka 30 Minuten bis 2 Stunden, je nachdem. Dann habe sie wieder mehr Energie, mache Haushalt, Wäsche oder ähnliches beziehungsweise
habe
Termine (S. 27).
Ihre letzten Ferien habe sie Ende Januar 2018 im Kleinwalsertal für eine Woche verbracht. Zu den letzten Festtagen führte sie aus, an den Weihnachten 2017 sei sie «völlig erschlagen» gewesen, mit Bronchitis und Fieber. Am 2
4.
Dezember seien sie mit der Familie des Ehemannes von 18 bis 22.30 Uhr essen gegangen. Sie hätte eigentlich kochen sollen, aber das wäre mit der Bronchitis zu viel ge
wesen. Den Silvester 2017 habe sie mit insgesamt 10 Personen bei sich zu Hause gefeiert. Sie habe mit ihrem Mann tagsüber und abends gekocht, zwischen
durch sei sie einmal 30 Minuten abgelegen. Ein Kollege habe am Abend beim Servieren und Abräumen geholfen. Es habe sechs Gänge gegeben. Sie hätten den Abend mit Plaudern und Essen verbracht und um Mitternacht angestossen. Dann habe es noch ein Dessert gegeben, um 1.30 Uhr seien die Gäste gegangen. Sie hätten noch etwas aufgeräumt, den Rest dann am nächsten Tag (S. 27). Die letzte Flug
reise
habe
sie im November 2017 nach Lanzarote unternommen (S. 28).
4.3.6
H
insichtlich der Konsistenz wurde unter anderem ausgeführt,
die berichteten Be
schwerden und präsentierten Symptome seien konsistent zur Aktenlage und den Befunden wie auch der Fremdanamnese gewesen. Die angebotenen Thera
piemög
lichkeiten würden angemessen wahrgenommen. Das Aktivitätsniveau vor Eintritt des Gesundheitsschadens sei insofern höher gewesen, als die Beschwer
deführerin damals noch 100 % gearbeitet habe und Haushalt/Kochen für den damals kaum mithelfenden Ehemann miterledigt habe und den Haushalt auch mit einem höhe
ren Grad an Sorgfalt
und
Aufwand geführt habe.
Inzwischen arbeite die Be
schwerdeführerin nur noch in einem Pensum von 50 %, der pen
sionierte Ehe
mann helfe mehr im Haushalt mit, im Freizeitbereich sei die Beschwerdeführerin aber heute wie damals altersbereinigt sehr aktiv. Die Ein
schränkungen
würden
Alltagsanforderungen wie auch berufliche Anforderungen nicht in vergleichba
rem Ausmass
betreffen
- hier gebe es eine Diskrepanz.
Aggravation und Simula
tion würden nicht vorliegen, wahrscheinlich aber eine integrationsbehindernde Funktionalität der Störung. Psychosoziale Faktoren spielten insofern eine Rolle, als die Beschwerdeführerin aufgrund ihres Alters und der Arbeitsmarktsituation befürchte, keinen Stellenwechsel (um zum Beispiel ein höheres Pensum zu reali
sieren) mehr vollziehen zu können. Insgesamt sei die verbliebene Teil-Arbeitsun
fähigkeit sowohl auf ein medizinisches Leiden (vorzei
tige Erschöpfbarkeit) wie auch auf psychosoziale Faktoren zurückzuführen (S. 36
Ziff.
6.2).
4.3.7
Zur allgemeinen arbeitsbezogenen Leistungsfähigkeit führte
Dr.
A._
unter an
derem aus, die Beschwerdeführerin habe in beiden Explorationen von jeweils fast drei Stunden Dauer insgesamt eine relativ gute Präsenz und Ausdauer gezeigt, ohne wesentliche Ermüdungszeichen. Im seit April 2014 realisierten Pen
sum von 50 % seien keine krankheitswertigen Einschränkungen fassbar. Die Beschwerde
führerin könne nach der vormittäglichen Arbeit, Mittagessen und Mittagsschlaf am Nachmittag diversen auch körperlich fordernden Aktivitäten nachgehen. Autofahren, Spaziergänge, Skifahren, Motorradfahren, Feste feiern, etc. seien nicht wesentlich durch Müdigkeit limitiert (siehe zum Beispiel Sil
vestergestal
tung). In
sofern müsse man hier eine normale Alltagsperformance festhalten
.
Auch bei der Performance in den Ferien würden sich aus den Schilde
rungen zu Tagesablauf und Aktivitäten keine krankhaften Einschränkungen im Aktivitäts
niveau ergeben (S. 46).
4.3.8
In der angestammten Tätigkeit sei eine Präsenzzeit von täglich mindestens 80 % möglich, wobei eine übliche Leistung erbracht werden könne. Im zeitlichen Ver
lauf habe ab dem
8.
April 2014 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bestanden. Ab dem
9.
November 2015, das heisst dem Datum des Gutachtens von
Dr.
Z._
, sei die Alltagsperformance bereits so gewesen, dass man ab da eine 60%ige Arbeitsfä
higkeit annehmen müsse. Weitere Verbesserungen des Gesundheitszustandes
könnten an der von der Beschwerdeführerin beschriebenen Verbesserung nach März 2017 und nach September 2017 festgemacht werden. Ab März 2017 lasse sich deshalb eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
begründen und ab September 2017 von mindestens 80 %. Spätestens ab September 2017 sei die ursprünglich diag
nostizierte Anpassungsstörung vollstän
dig remittiert gewesen
(
S. 47 f.
Ziff.
6.5.4).
Zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit führte
Dr.
A._
aus, mit Blick auf die Nachmittagsmüdigkeit würde eine Tätigkeit, die eine lange Mittags
pause mit Mittagsschlaf erlaube, den Bedürfnissen der Beschwerdeführerin ent
gegen
kommen
. Hier würde sie ohne Adaption direkt 100 % arbeiten können.
Im zeitlichen Verlauf habe ab dem
8.
April 2014 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit be
standen. Ab dem
9.
November 2015, das heiss
e
dem Datum des Gutachtens von
Dr.
Z._
, sei die Alltagsperformance bereits so gewesen, dass man ab da eine
8
0%ige Arbeitsfähigkeit annehmen müsse.
Ab
März 2017
lasse
sich eine Arbeits
fähigkeit von
9
0
%
begründen und ab September 2017
eine 100%ige Arbeitsfä
higkeit
(
S. 48
Ziff.
6.5.5).
4.3.9
Weiter
führte
Dr.
A._
aus
, er habe aus psychiatrischer Sicht keine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit belegen können. Mit seinen Befunden bezüglich Akti
vitätsniveau
würde
jedoch eine Einschränkung von bis zu weniger als 20
%
durch eine somatische Störung vereinbar
sein
. Neben Schlafapnoe, Übergewicht und anderen möglichen somatischen Ursachen, die die subjektive Müdigkeit der
Be
schwerdeführerin
plausibilisieren könnten, komme insbesondere eine krebsbe
zo
gene Müdigkeit infrage, die er aber, weil fachfremd, nicht beurteilen könne. Allenfalls empfehle
sich
noch eine onkologische Beurteilung dieses Aspekts (
S.
49
Ziff.
8
).
4.
4
Mit Stellungnahme vom
1
2.
März 2018 (Urk. 7/99/3-4)
erachtete
Dr.
med.
L._
, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD),
das Gutachten von
Dr.
A._
als umfassend und nachvollziehbar. Darauf könne abgestellt werden.
4.
5
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Neurologie und für
Psychiatrie und Psycho
therapie
,
berichtete am
9.
April 2019 (Urk. 7/118
= Urk. 3/3
)
über eine am 1
8.
März 2019 stattgefundene Sprechstunde und nannte
folgende Diagnosen (S. 3):
-
Cancer
related
Fatigue
prolongierter Verlauf - im ICD-10 finde sich keine Möglichkeit der eindeutigen Zuordnung zu einer F-Diagnose
-
rezidivierende depressive Störung, aktuell remittiert (ICD-10 F33.4)
-
akzentuierte Persönlichkeitszüge ängstlich-vermeidend (ICD-10 Z73.1)
Aufgrund der vorliegenden Schilderung und Befunde sei eine
C
ancer
related
Fatigue
als Ursache für die geschilderten kognitiven Schwierigkeiten,
für den
feh
lenden Leistungs- und Belastbarkeitszuwachs in den letzten Jahren,
für die
ph
a
senweise unüberwindbare Tagesmüdigkeit,
für die
reduzierte Energie und
die
schnelle Erschöpfung anzusehen
(S. 3).
Mit der Beschwerdeführerin sei besprochen worden, einen erneuten Versuch mit einer ambulanten-onkologischen Rehabilitation mit dem Ziel einer Verminderung der
Fatiguesymptomatik
zu unternehmen und damit eine Leidensminderung zu erzielen. Ferner werde die Überweisung zu einer neuropsychologischen Testung erfolgen. Die Beschwerdeführerin werde hierzu gesondert durch die zuständige Praxis aufgeboten. Zum aktuellen Zeitpunkt sei eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit gegeben (S. 4).
4.6
Am
2.
Juli 2019 hielt die Beschwerdegegnerin bezugnehmend auf ein Telefonat mit
Dr.
L._
, RAD, fest, der Bericht von
Dr.
B._
enthalte keinerlei ob
jektive
n
Befunde. Sie bestätige lediglich das Gutachten und gebe wieder,
wo
rüber
die Beschwerdeführerin klage. Seit dem Gutachten von
Dr.
A._
sei kein neuer Sachverhalt ausgewiesen (Urk. 7/122/2).
4.
7
Dr.
med.
M._
, Fachärztin für
Neurologie
, und
lic
. phil.
N._
, N
europsychologin/Psychologin FSP,
Zentrum
C._
,
berichtete
n
am
2
3.
August 2019 (Urk. 3/7)
über eine verhaltensneurologisch-neuropsychologische Untersuchung vom
6.
August 2019 und führte
n
aus,
zusammenfassend zeigten sich bei der allseits orientierten, ko
operativen, psychomotorisch sowie kognitiv verlangsamten, etwas hypomimi
schen, müde und antriebsgemindert wirkenden Beschwerdeführerin mit guter An
strengungsbereitschaft, die im Affekt
dysphorisch
und etwas vermindert schwin
gungsfähig wirke, folgende kognitive Befunde: Eine verbale Gedächtnis
schwäche (Lernen leicht, Abruf mittelgradig betroffen bei jedoch intakter Speicherfähigkeit) sowie leicht
e
bis schwere
attentional
-exekutive Einschränkun
gen (verbale Ideen
produktion auf ein phonematisches Kriterium, gerichtete sowie geteilte Aufmerk
samkeit und Daueraufmerksamkeit). Zusätzlich
habe
sich eine schwere unter
durchschnittliche
visuo
-verbale Informationsgeschwindigkeit
gezeigt
. Anamnes
tisch würden sich zudem Hinweise auf eine rasche Ermüdbarkeit im Alltag ergeben, die sich in der 2-stündigen Untersuchung in einer leicht abnehmbaren Be
lastbarkeit bei jedoch hoher Anstrengungsbereitschaft sowie am Ende der Unter
suchung in Leistungsschwankungen widerspiegelten
(S. 3 f.)
.
Die obigen Befunde sowie Verhaltensbeobachtungen entsprächen aktuell einer leichten bis mittelgradigen Funktionsstörung (entsprechend den Konsenskriterien von Freit et al., 2016), vorwiegend
fronto
-limbischer Regelkreise mit Betonung
der sprachdominanten Hemisphäre, ätiologisch multifaktoriell bedingt
.
Dr.
M._
und
lic
. phil.
N._
nannten ferner die folgenden
Differential
diagnos
en
:
Folgen der Ovarektomie und Hysterektomie (2013) bei Status nach Mammakarzinom mit konsekutiver möglicher hormoneller Dysregulation
sowie eine C
ancer
related
Fatigue
. Eine mögliche Befundaggravation aufgrund der af
fektpathologischen Symptomatik mit der dafür typischen Hypofunktion der sprachdominanten Hemisphäre sei möglich, jedoch nicht der alleinige Erklä
rungsgrund. Zusätzlich limitierend könnten sich vorbestehende Schwächen im Rahmen der frühkindlich erworbenen zerebralen Entwicklungsschwäche bei Frühgeburt, die bis 2014 jedoch gut habe kompensiert werden können, auswirken. Die im Schädel-MRI festgestellten einzelnen unspezifischen fokalen
Gliosen
soll
ten aktuell keinen relevanten Einfluss auf die kognitive Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin haben (S. 4).
Aus rein neurokognitiver Sicht sei die Arbeitsfähigkeit aktuell zu 50 % einge
schränkt. Aufgrund der obigen Befunde arbeite die Beschwerdeführerin aktuell nur mit einem 50%igen Pensum und zwar bei einem verständnisvollen Arbeitge
ber. Leider lasse sich die
Fatiguesymptomatik
im Rahmen einer zeitlich begrenz
ten Untersuchung nicht umfassend beurteilen. Um der Beschwerdeführerin wirk
lich gerecht zu werden, würde eine Belastbarkeitsabklärung, unterstützt durch die IV-Stelle, empfehlenswert
sein
. Generell sei die Beschwerdeführerin zwingend auf IV-unterstützende Massnahmen (IV-Teilrente) angewiesen (S. 4).
5.
5.1
Mit Urteil
vom
1.
Februar 2017
wies das hiesige Gericht die Sache zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurück. Gestützt auf das Rückweisungs
urteil des hiesigen Gerichts veranlasste die Beschwerdegegnerin
eine psychiatri
sche Begutachtung der Beschwerdeführerin.
Dr.
A._
konnte im Gutachtens
zeitpunkt keine psychiatrische Diagnose mehr feststellen und attestierte
dement
sprechend
in seinem Gutachten vom 2
8.
Februar 2018 der
Beschwerdeführerin
aus psychiatrischer Sicht
im Gutachtenszeitpunkt
keine Arbeitsunfähigkeit mehr
(vorstehend
E. 4.3.1,
E. 4.3
.8 f.
).
5.2
Das Gutachten von
Dr.
A._
vom
28.
Februar 2018
(vgl. vorstehend E. 4.
3
)
ist
für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Unte
rsuchungen der Beschwerdeführerin und
berücksichtigt
die
von
ihr
geklagten Beschwerden in an
gemessener Weise
.
Sodann wurde es in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstattet und trägt der konkreten medizinischen Situation Rech
nung.
Darüber hinaus leuchtet es auch in der Darlegung der medizinischen Zusammen
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und enthält nach
vollziehbar begründete Schlussfolgerungen.
Auch seitens des RAD waren keine Mängel des Gutachtens ersichtlich (vorstehend E.
4
.4).
Damit
eignet sich das Gut
achten von
Dr.
A._
grundsätzlich hinsichtlich der erhobenen Befunde, der gestellten Diagnosen und den Schlussfolgerungen beziehungsweise Auswirkungen bezüglich der Arbeitsfähigkeit
auch im zeitlichen Verlauf
(vgl. vorstehend E. 4.3)
als Ausgangslage für die Prüfung der Standardindikatoren
, zumal keine Gründe ersichtlich sind, welche ein Abweichen davor rechtfertigen würden (vgl.
nachfol
gend E. 5.6-5.7
)
.
5.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
5.
4
Somit ist nunmehr zu prüfen, ob sich
der
Gutachter an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Be
rücksichtigung der einschlägigen Indikatore
n
eingeschätzt ha
t
(BGE 141 V 281 E. 5.2.2).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
5.
5
Der psychiatrische Gutachter setzte sich eingehend mit den Standardindikatoren auseinander (vgl.
vorstehend
E. 4.3 und
E.
5.4
). Seine Beurteilung umfasste das ganze Leistungsprofil mit sowohl negativen als auch positiven Anteilen und ist so verfasst, dass die attestierte Arbeitsunfähigkeit «gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen und Ressourcen» (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) abgeleitet wurde. Er ist bei der Beantwortung der Frage, wie er das Leistungsvermögen ein
schätzte, den einschlägigen Indikatoren gefolgt, hat ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt, welche Folge der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind, und seine versicherungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung ist auf ob
jektivierter Grundlage erfolgt. Die von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob er sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren ein
geschätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist klar zu bejahen. Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrund
lage lassen sich anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen.
Insbesondere wurde zum beweisrechtlich entscheidenden Aspekt der Konsistenz nachvollziehbar dargelegt,
dass die
Einschränkungen
die
Alltagsanforderungen
und
die
berufliche
n
Anforderungen nicht in vergleichbarem Ausmass betreffen
würden
- hier gebe es eine Diskrepanz. Aggravation und Simulation würden nicht vorliegen, wahrscheinlich aber eine integrationsbehindernde Funktionalität der Störung
(vorstehend E. 4.3.6)
.
Ebenfalls berücksichtig
t
e der Gutachter, dass sich
objektiv über die Jahre eine Besserung fassen liess, obschon die Beschwerdefüh
rerin angegeben habe, die Müdigkeit habe sich über die Jahre nicht gebessert
(vorstehend E. 4.3.2)
.
Ebenfalls berücksichtig
t
e der Gutachter, dass
die Beschwer
deführerin in beiden Explorationen von jeweils fast drei Stunden Dauer insgesamt eine relativ gute Präsenz und Ausdauer gezeigt habe, ohne wesentliche Ermü
dungszeichen.
Er hielt fest, i
m seit April
2014 realisierten Pensum von 50
% seien keine krankheitswertigen Einschränkungen fassbar.
Des Weiteren wies
Dr.
A._
darauf hin, dass d
ie Beschwerdeführerin nach der vormittäglichen Arbeit, Mit
tagessen und Mittagsschlaf am Nachmittag diversen auch körperlich fordernden Aktivitäten nachgehen
könne und kam zum Schluss, dass i
nsofern
eine
normale Alltagsperformance festhalten
werden müsse
. Auch bei der Performance in den Ferien würden sich aus den Schilderungen zu Tagesablauf und Aktivitäten keine krankhaften Einschränkungen im Aktivitätsniveau ergeben
(vorstehend E. 4.3.7)
.
Zudem
legte
Dr.
A._
in nachvollziehbarer Weise dar, dass die
Beschwerdefüh
rerin
ab Ende März/Anfang April 2014 in der Arb
eitsfähigkeit eingeschränkt war und
dass sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin
nach der Dekom
pensation Ende März 2014 im Laufe der Zeit besserte. Es erweist sich daher als schlüssig, dass
Dr.
A._
die
Beschwerdeführerin
erst im September 2017
in der angestammten Tätigkeit
wieder als zu
mindestens
80
%
arbeitsfähig erachtete
(vgl. vorstehend E. 4.3.8)
. Die von
Dr.
A._
ab September 2017 attestierte Arbeitsfähigkeit von mindestens 80
%
erweist sich insbesondere auch deshalb als nachvollziehbar, weil er in seinem Gutachten eingehend darlegte, weshalb die theoretisch infrage kommenden Diagnosen Depression, Neurasthenie und Persön
lichkeitsänderung von ihm nicht gestellt werden konnten
(vorstehend E. 4.3.2)
.
Nach dem Gesagten ist d
ie von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob sich
der
Gutachter an die massgebenden n
o
rmativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren eingeschätzt
hat
(BGE 141 V 281 E. 5.2.2), klar zu bejahen. Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrund
lage lassen sich anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit n
a
chweisen.
Demnach ist auf die Feststel
lungen im Gutachten hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit
(vorstehend E.
4.3.8 f.
) ab
zustellen.
5.
6
Die übrigen fachärztlichen Berichte vermögen die gutachterliche Beurteilung nicht umzustossen.
So enthält der Bericht von
Dr.
B._
vom
9.
April 2019 (vorstehend E. 4.5) keine objektiven Befunde, wie dies
Dr.
L._
zu Recht
erwähnte
(vgl. vorstehend E. 4.6).
Weshalb die
vom behandelnden Psychiater (vor
stehend E. 4.1) und dem Gutachter
Dr.
Z._
(vorstehend E. 3.7
)
genannten
Diag
nose
n
nicht genügend schlüssig sei
en
, wurde im Gutachten
von
Dr.
A._
aus
führlich und
nachvollziehbar erklärt (vgl.
vorstehend E. 4.3.2
).
Soweit der Haus
arzt
Dr.
E._
nach wie vor eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte (vorste
hend E.
4.2), kann auf die Ausführungen im Urteil des hiesigen Gerichts vom
1.
Februar 2017
verwiesen werden, wonach es sich dabei nicht um eine ein
schlä
gige fachärztliche Beurteilung handelt (vorstehend E. 3.10).
5.
7
Bezüglich des nach Verfügungserlass erstellten Berichts über eine
verhaltensneu
rologisch-neuropsychologische Untersuchung vom
6.
August 2019
(vorstehend E. 4.7) gilt, dass
n
ach ständiger Rechtsprechung das Sozialversicherungsgericht die Gesetzmässigkeit des angefochtenen Entscheids in der Regel nach dem Sach
verhalt beurteilt, der zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normal
fall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 131 V 242 E. 2.1, 121 V 362 E. 1b).
Der Bericht bezieht sich auf den Zeitraum vor und nach Verfü
gungserlass, weshalb er grundsätzlich zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit de
r
Beschwerdeführer
in
herangezogen werden kann.
Dr.
M._
und
lic
. phil.
N._
führten in ihrem Bericht aus
,
die Befunde sowie Verhaltensbeobachtungen entsprächen aktuell einer leichten bis mittelgradigen Funktionsstörung. Differen
tialdiagnostisch handle es sich um Folgen der Ovarektomie und Hysterektomie (2013) bei Status nach Mammakarzinom mit konsekutiver möglicher hormoneller Dysregulation.
Als weitere
Differentialdiagnose
komme
eine
C
ancer
related
Fatigue
in Frage
.
Aus rein neurokognitiver Sicht gingen
die Fachpersonen
von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit aus.
Gleichzeitig
hielten
sie
aber
fest
, die
Fatigue
symptomatik
habe sich im Rahmen der zeitlich begrenzten Untersuchung nicht umfassend
beurteilen lassen
(vorstehend E. 4.7)
.
Aus
den folgenden Gründen vermag die Beurteilung durch
Dr.
M._
und
lic
. phil.
N._
nicht zu überzeugen:
Sie diagnostizierten in erster Linie eine leichte bis mittelgradige Funktionsstörung und wiesen lediglich differential
diagnostisch auf allfällige Folgen der Krebserkrankung hin, womit ein Zusam
menhang mit der onkologischen Erkrankung
nicht mit dem
erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt ist
.
Zudem konnte aus neurologischer Sicht (vgl. vorstehend E. 5.6 und E. 4.5) für d
ie geltend gemachten
neuropsychologi
s
chen
Beschwerden
kein entsprechendes strukturelles Korrelat objektiviert werden, zumal die Diagnose auch von onkologischer Seite nicht ge
stellt wurde
,
w
omit
e
ine Cancer
related
Fatigue
insgesamt
nicht ausgewiesen
ist
.
Des Weiteren hat die Beschwerdeführerin d
ie gegenüber den Fachpersonen im Rahmen der verhaltensneurologisch-neuropsychologische
n
Untersuchung geäus
serten Beschwerden auch gegenüber dem psychiatrischen Gutachter
Dr.
A._
ausführlich dargelegt
(vorstehend E. 4.3)
. Sie flossen demnach in seine Beurtei
lung ein
, zumal e
s grundsätzlich Aufgabe des psychiatrischen Facharztes
ist
, die Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung allfälliger neuropsychologischer Defizite einzuschätzen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_752/2018 vom 1
2.
April 2019
E. 5.3)
.
Hinzu kommt, dass
bei der verhaltensneurologisch-neuropsychologischen Untersuchung isoliert Einschränkungen festgestellt wurden,
während
es sich
beim Gutachten -
der
unterschiedliche
n
Natur von Behandlungsauftrag der therapeu
tisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich be
stellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4)
entspre
chend
-
um eine
viel
umfassendere Beurteilung
handelt
. So setzten sich
Dr.
M._
und
lic
. phil.
N._
namentlich nicht mit den Ressourcen und dem ausgeprägten Aktivitätsniveau der Beschwerdeführerin auseinander
, wäh
rend
Dr.
A._
dies
eingehend
tat
.
Zudem ist die Beurteilung von
Dr.
M._
und
lic
. phil.
N._
teilweise
unpräzise
, wenn sie zum Beispiel ausführten, dass leicht
e
bis schwere
attentional
-exekutive Einschränkungen bestünden. Nach dem Gesagten und insbesondere mit Blick auf die oben erwähnten Indikatoren erscheint die Beurteilung einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit von
Dr.
M._
und
lic
. phil.
N._
somit
als
nicht plausibel.
Soweit die Beschwerdeführerin ausführt, die Beschwerdegegnerin hätte vor einem definitiven Entscheid die Resultate der
verhaltensneurologisch-neuropsychologi
sche
n Beurteilung
zwingend
abwarten müssen
(vorstehend E.
2.2)
, kann ihr nicht gefolgt werden.
Diesbezüglich ist zu wiederholen, dass es
grundsätzlich Aufgabe des psychiatrischen Facharztes
ist
, die Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung allfälliger neuropsychologischer Defizite einzuschätzen
.
Eine neuropsychologi
sche Abklärung stellt lediglich eine Zusatzuntersuchung dar, welche bei begrün
deter Indikation in Erwägung zu ziehen ist
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_752/2018 vom 1
2.
April 2019 E. 5.3).
Dr.
A._
führte aus,
neben
Schlafap
noe, Übergewicht und anderen möglichen somatischen Ursachen, die die subjek
tive Müdigkeit der Beschwerdeführerin plausibilisieren könnten, komme insbe
sondere eine krebsbezogene Müdigkeit infrage, die er aber, weil fachfremd, nicht beurteilen könne. Allenfalls empfehle sich noch eine onkologische Beurteilung dieses Aspekts
(vorstehend E. 4.3
.9
).
Somit ergibt sich weder aus dem Gutachten von
Dr.
A._
noch de
n
RAD-Einschätzung
en
(vgl. vorstehend E. 4.4 und E. 4.6)
eine begründete Indikation für eine neuropsychologische Abklärung, womit für die IV-Stelle keine Veranlassung bestand, eine solche abzuwarten.
Zudem holte die Beschwerdeführerin i
n der Folge keine onkologische Beurteilung ein, sondern nahm eine Sprechstunde bei
Dr.
B._
,
Fachärztin
für Neurologie und für
Psy
chiatrie und Psychotherapie, wahr. Der Bericht von
Dr.
B._
lag der Beschwer
degegnerin im Verfügungszeitpunkt vor. Daraus geht hervor, dass sie die
Beschwerdeführerin zu einer neuropsychologischen Testung an
Dr.
M._
und
lic
. phil.
N._
überwies. Ein Bericht einer onkologischen Fachperson war im Verfügungszeitpunkt somit nicht abzuwarten, weshalb
die Beschwerdegegne
rin mit einem Entscheid nicht zuwarten musste
.
Schliesslich ist h
insichtlich der von
Dr.
A._
für möglich gehaltenen krebsbe
zogenen somatischen Störung
festzuhalten, dass die von
ihm
erhobenen Befunde einer Einschränkung von weniger als 20
%
entsprechen (
vorstehend E. 4.3.9
). Eine Erkrankung, deren Symptome von
Dr.
A._
bereits im Rahmen der von ihm attestierten maximal 20%igen Arbeitsunfähigkeit aufgehen, ist nicht geeig
net, einen Leistungsanspruch
zu begründen (vgl. auch Urteil des hiesigen Gerichts vom 2
7.
Februar 2019
E. 5.1, Prozess-Nr. BV.2016.00081)
.
5.
8
Der Sachverhalt ist
somit
dahingehend erstellt, dass für die angestammte Tätig
keit
i
m zeitlichen Verlauf ab dem
8.
April 2014 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
, a
b dem 9. November 2015
eine 60%ige Arbeitsfähigkeit
und
ab März 2017
eine
70%ige
Arbeitsfähigkeit
bestanden hat. Ab
September 2017
bestand
angestammt eine
mindestens
80%ige
Arbeitsfähigkeit.
Für eine angepasste Tätigkeit bestand im zeitlichen Verlauf ab
dem
8.
April 2014 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
, a
b dem 9.
November 2015 eine 80%ige Arbeitsfä
higkeit
, a
b März 2017 eine
90
%
ige
Arbeitsfähigkeit und ab September 2017 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
.
Tabellarisch dargestellt, bestehen folgende Arbeitsfähigkeiten:
A
rbeits
fähigkeiten
angestammt
angepasst
Ab
8.
April 2014
50
%
50
%
Ab
9. November 2015
60
%
80
%
A
b März 2017
70
%
90
%
A
b
September 2017
Mind. 8
0
%
100
%
5.9
Da ein Rentenanspruch gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruches
eintritt und sich die Beschwerdeführerin am 6. August 2014 zum Leistungsbezug angemeldet hat (
Urk.
7/11),
ist der frühestmögliche Rentenbeginn grundsätzlich im
Februar
201
5.
Unter Berücksichtigung des operativen Eingriffs im Dezember 2013 und der von
Dr.
H._
attestierten Arbeitsunfähigkeit ab jenem Zeitpunkt (vgl. vorstehend E. 3.5) endete die
einjährige War
tefrist
im Dezember 2014.
Da der Gutachter
Dr.
A._
erst a
b
März 2017 eine 70%ige beziehungsweise ab
September 2017 eine
mindestens 80%ige
Arbeitsfähigkeit für die angestammte
Tätigkeit
angenommen hat, und
im zeitlichen Verlauf ab dem
8.
April 2014
Teil
arbeitsunfähigkeiten attestiert hat
(siehe
vorstehend E. 5.8
)
, resultiert ein befris
teter Rentenanspruch.
5.
10
Hinsichtlich der Frage nach der sozialversicherungsrechtlichen Qualifizierung ist angesichts der Erwerbsbiographie der Beschwerdeführerin (vgl. den IK-Auszug vom 2
1.
Mai 2014,
Urk.
7/9) ohne Weiteres davon auszugehen, dass sie im Ge
sundheitsfalle weiterhin zu 100
%
erwerbstätig wäre.
Des Weiteren
ist davon auszugehen, dass
d
ie
Beschwerdeführerin
in der ange
stammten Tätigkeit in der Gemeindeverwaltung im Kanzleidienst optimal einge
gliedert
war und ist. Insbesondere
war sie nicht gehalten gewesen,
in
der
Phase der Genesung
(zwischen 2014 und 2017) mit auch
in einer angepassten Tätigkeit noch
ausgewiesener
Verbesserung
und damit Veränderung
der Arbeitsfähigkeit
(vgl. vorstehend E. 5.8)
das bestehende Arbeitsverhältnis zu kündigen und eine neue (
angepasstere
) Tätigkeit anzunehmen.
Demzufolge ist für die Dauer von Februar 2015 (vgl. E. 5.9)
bis Februar 2016 (
Art.
88a
Abs.
1 IVV)
basierend auf
einer 50%igen Arbeitsfähigkeit angestammt
(
und angepasst
)
von einem Invaliditätsgrad von 50
%
auszugehen, was zu einem Anspruch auf eine halbe Rente für diesen Zeitraum führt.
Von März 2016 bis Ende Mai 2017 (
Art.
88a
Abs.
1 IVV) ist
basierend auf
einer 60%igen Arbeitsfä
higkeit angestammt von einem Invaliditätsgrad von 40
%
auszugehen, was zu einem Anspruch auf eine
befristete
Viertelsrente
für diesen Zeitraum führt
. Die nachfolgend attestierten
Arbeitsfähigkeiten von 70
%
(ab März 2017) und min
destens 80
%
ab September 2017 angestammt führen zu rentenausschliessenden Invaliditätsgraden.
5.11
Zusammengefasst hat die Beschwerdeführerin somit Anspruch auf eine befristete halbe Rente von Februar 2015 bis Februar 2016 und auf eine befristete
Viertels
rente
von März 2016 bis Mai 2017.
6.
Dies führt
aufgrund der
insbesondere
beantragten
unbefristete
n
halbe
n
Rente
we
gen
der neuropsychologischen
Einschränkungen (vgl.
Urk.
1
)
zur
teilweisen
Gut
heissung der Beschwerde, Aufhebung der angefochtenen Verfügung und
Zu
spra
che
eine
r
befristete
n
halbe
n
Rente von Februar 2015 bis Februar 2016 und
einer
befristete
n
Viertelsrente
von März 2016 bis Mai 201
7.
Im Übrigen, insbe
sondere soweit eine unbefristete halbe Rente und eine Rückweisung zu weiteren medizi
nischen Abklärungen beantragt wurde (vgl.
Urk.
1),
ist
die Beschwerde ab
zuwei
sen
.
7
.
7
.1
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Inva
lidenversicherung (IVG) sind ermessensweise auf
Fr.
900.-- festzusetzen und
auf
grund
des teilweise Obsiegens
der Beschwerdeführerin den Parteien
je zur Hälfte
aufzuerlegen.
7
.2
Der
teilweise
obsiegenden und anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin steht eine
reduzierte
Prozessentschädigung zu, die beim praxisgemässen Stundenan
satz von
Fr.
220.- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ermessensweise auf
Fr.
1’000
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und der Beschwerde
gegnerin aufzuerlegen ist.