Decision ID: b23b0d08-245e-4dde-9500-53de29798b02
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A.Y., geboren 1980, deutsche Staatsangehörige, reiste am 1. Oktober 2009 in die
Schweiz ein, wo ihr am 5. Oktober 2009 eine bis 30. September 2014 gültige
Aufenthaltsbewilligung EG/EFTA zur Erwerbstätigkeit erteilt wurde. Aus ihrer Beziehung
zu K.R., geboren 1976, offenbar hier niederlassungsberechtigter österreichischer
Staatsangehöriger, ging die gemeinsame Tochter, B.M., geboren 2009 in Heiden,
deutsche Staatsangehörige, hervor, welche über eine Niederlassungsbewilligung
verfügt. Am 1. April 2010 meldete sich A.Y. nach X., Österreich, ab, worauf ihre bis 30.
September 2014 gültige Aufenthaltsbewilligung erlosch. Mit Verfügung vom 14.
September 2011 genehmigte die Vormundschaftsbehörde Z. eine zwischen ihr und
K.R. abgeschlossene Vereinbarung über die gemeinsame elterliche Sorge für B.M. Die
Obhut wurde auf den Kindsvater übertragen. Am 22. Juni 2012 reiste A.Y. in die
Schweiz ein, wo ihr eine Kurzaufenthaltsbewilligung EU/EFTA zur Erwerbstätigkeit,
gültig bis 20. Juni 2013, erteilt wurde (Akten Migrationsamt A.Y. [fortan: Dossier A],
S. 16-19, 25 und 127 Ziff. 2, Akten Migrationsamt B.M. [fortan: Dossier B], S. 3-7,
25-27, 48, act. 1, S. 3 Ziff. III/1).
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B. Am 24. Dezember 2013 meldete A.Y. der Politischen Gemeinde E. eine
Adressänderung innerhalb der Gemeinde. Mit Verfügung vom 12. Februar 2014 stellte
das Migrationsamt fest, dass ihre Kurzaufenthaltsbewilligung abgelaufen sei und sie
sich ohne Bewilligung in der Schweiz aufhalte. Es forderte sie auf, die für eine
Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung nötigen Dokumente innerhalb von zehn Tagen
beim Einwohneramt ihrer Wohngemeinde einzureichen. Am 6. März 2014 meldete sie
sich in G. rückwirkend per 1. Februar 2014 an. Am 16. April 2014 ersuchte sie um
Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA zur Erwerbstätigkeit (Dossier A, S. 29,
32-42 und 52 f.).
C. Am 9. Mai 2014 forderte das Migrationsamt A.Y. auf, bis 13. Juni 2014
Lohnabrechnungen und eine Bestätigung des Arbeitgebers über die bestandene
Probezeit und ihre unbefristete Weiterbeschäftigung einzureichen. Dieser Aufforderung
kam sie innert erstreckter Frist mit Schreiben vom 25. Juni 2014 nach. Mit
verfahrensleitender Anordnung vom 3. Juli 2014 stellte das Migrationsamt fest, dass sie
von Januar bis Juni 2014 lediglich über ein monatliches Einkommen von CHF 12.29
verfügt habe und ihr daher keine Aufenthaltsbewilligung zur Erwerbstätigkeit erteilt
werden könne. Gleichzeitig forderte es sie unter Androhung von Säumnisfolgen auf, bis
17. Juli 2014 die erforderlichen Unterlagen für ein Gesuch zum Verbleib beim
Lebenspartner einzureichen. Innert erstreckter Frist forderte A.Y. das Migrationsamt mit
Eingabe vom 23. Juli 2014 auf, ihr eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. Sie werde
per 1. August 2014 eine zweite Stelle antreten. Am 4. August 2014 setzte ihr das
Migrationsamt eine Frist bis 18. August 2014 an, um einen rechtsgültig unterzeichneten
Arbeitsvertrag und ein vollständig ausgefülltes und rechtsgültig unterzeichnetes
Formular A1 einzureichen. Am 2. September 2014 reichte sie innert erstreckter Frist
einen Arbeitsvertrag zwischen ihr und L.T. (auch: N.T., fortan: Arbeitgeberin 1), Z., der
Mutter von K.R., vom 1. Juni 2014 und das mit den Arbeitgeberdaten am 29. August
2014 ergänzte Formular A1 nach (Dossier A, S. 54-63, 66-70, 73-77, 166 f. und 153
Frage 4).
D. Mit Zwischenverfügung vom 4. September 2014 stellte das Migrationsamt fest, dass
A.Y. eine garantierte wöchentliche Arbeitszeit von mindestens 12 Stunden nicht
nachgewiesen habe und ihr deshalb keine Bewilligung zur Erwerbstätigkeit erteilt
werden könne. Gleichzeitig forderte es sie unter Androhung von Säumnisfolgen auf, bis
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18. September 2014 ein Gesuch zur erwerbslosen Wohnsitznahme resp. zum Verbleib
beim Lebenspartner einzureichen. Am 17. September 2014 reichte A.Y. eine
Bestätigung der Arbeitgeberin 1 an deren Schwiegersohn O.W. vom
14. September 2014 nach, wonach sie bei ihr wöchentlich zwischen 20 und 26
Stunden arbeite. Mit Zwischenverfügung vom 6. Oktober 2014 forderte das
Migrationsamt A.Y. auf, bis 10. November 2014 die Lohnabrechnungen für die Monate
August bis Oktober 2014 sowie eine Kopie der Quellensteuerabrechnung, 3. Quartal
2014, einzureichen. Gleichzeitig drohte es ihr an, ihr Gesuch bei Säumnis abzuweisen.
Mit Schreiben vom 8. November 2014 ersuchte A.Y. um Abnahme der Frist, bis die
Arbeitgeberin 1 aus angeblich längerdauernden Ferien zurückgekehrt sei. Mit
verfahrensleitender Anordnung vom 18. November 2014, welche per A-Post eröffnet
wurde, gewährte ihr das Migrationsamt eine letztmalige Fristerstreckung bis 10.
Dezember 2014 und drohte ihr nochmals an, dass bei Säumnis aufgrund der
vorhandenen Akten entschieden werde. Mit Verfügung vom 5. Januar 2015 wies das
Migrationsamt das Gesuch von A.Y. vom 16. April 2014 ab und ordnete deren
Wegweisung aus der Schweiz unter Ansetzung einer Ausreisefrist bis 19. Januar 2015
an. Am 20. Januar 2015 ersuchte der Rechtsvertreter von A.Y. beim Migrationsamt um
Akteneinsicht, was ihm in der Folge offenbar gewährt wurde (vgl. Dossier A, S. 78-89,
90-94, 157 f. Frage 47, act. 12/1, S. 2 f. Ziff. II/3, act. 12/6a).
E. Gegen die Verfügung des Migrationsamtes vom 5. Januar 2015 rekurrierte A.Y.
durch ihren Rechtsvertreter am 26. Januar 2015 beim Sicherheits- und
Justizdepartement mit dem Rechtsbegehren, es sei die Verfügung des
Migrationsamtes vom 5. Januar 2015 unter Kosten- und Entschädigungsfolge
aufzuheben und ihr Gesuch um Erteilung einer ordentlichen Aufenthaltsbewilligung zur
Erwerbstätigkeit zu bewilligen. Eventualiter sei die Sache an das Migrationsamt
zurückzuweisen (act. 12/1). Am 13. Februar 2015 reichte sie Quittungen für
Lohnzahlungen im August und September 2014 sowie ein Schreiben der Arbeitgeberin
1 vom 1. Februar 2015 nach (act. 12/7). Am 2. März 2015 bestätigte das
Migrationsamt, dass sie während des laufenden Verfahrens einer Erwerbstätigkeit
nachgehen könne (Dossier A, S. 116). Am 11. März 2015 wurde die Arbeitgeberin 1 und
am 12. März 2015 A.Y. von der Kantonspolizei wegen Verdachts auf Urkunden- bzw.
Unterschriftenfälschung und Täuschung der Behörden einvernommen (Dossier A,
S. 139-167). Am 25. März 2015 reichte A.Y. einen Arbeitsvertrag vom
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13./22. März 2015 mit der Q. GmbH (nachfolgend: Arbeitgeberin 2), ein (act. 12/13 f.).
Mit Vernehmlassung vom 1. April 2015 beantragte das Migrationsamt die Abweisung
des Rekurses (act. 12/15).
F. Mit Stellungnahme vom 23. April 2015 reichte A.Y. unter anderem eine
Zwischenverfügung des kantonalen Steueramtes betreffend Nachreichung von
Quellensteuerabrechnungen vom 8./10. April 2015 an die Arbeitgeberin 1 ein
(act. 12/17). Ihrer Eingabe vom 30. Juni 2015 legte sie Quittungen für Lohnzahlungen
der Arbeitgeberin 1 von April bis Juni 2015, Lohnabrechnungen der Arbeitgeberin 2
vom April bis Juni 2015 mitsamt Arbeitsplänen für die Zeit vom 16. März 2015 bis
13. Juni 2015 und eine Honorarnote ihres Rechtsvertreters bei (act. 12/23 ff.). Mit
Vernehmlassung vom 16. Juli 2015 stellte das Migrationsamt fest, dass sie erstmals im
Juni 2015 ein wöchentliches Arbeitspensum von über 12 Stunden erreicht habe.
Gleichzeitig stellte es eine Wiedererwägung der Verfügung vom 5. Januar 2015 in
Aussicht, falls sie weitere Lohnabrechnungen der Arbeitgeberin 2 sowie Belege der
Arbeitgeberin 1 zum Quellensteuerabzug und zu Lohnabrechnungen einreiche (act.
15/25). Am 16. Oktober 2015 reichte sie Lohnabrechnungen der Arbeitgeberin 2 vom
Juli bis September 2015, Quittungen der Lohnzahlungen der Arbeitgeberin 1 vom Juli
bis September 2015 und deren Schreiben an das kantonale Steueramt vom 10. Juli
2015 ein (act. 12/28). Am 9. November 2015 zog das Migrationsamt die Verfügung vom
5. Januar 2015 in Wiedererwägung und erteilte ihr eine bis 8. November 2020 gültige
Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA zur Erwerbstätigkeit (act. 12/31 und 32a). Mit
Verfügung vom 17. November 2015 (act. 2) schrieb das Sicherheits- und
Justizdepartement den Rekurs vom 26. Januar 2015 zufolge Gegenstandslosigkeit ab
(Ziff. 1). Die amtlichen Kosten von CHF 400 auferlegte es A.Y. unter Verrechnung mit
dem geleisteten Kostenvorschuss von CHF 1000 (Ziff. 2). Ihr Begehren um Ersatz der
ausseramtlichen Kosten wies es ab (Ziff. 3).
G. Gegen die Verfügung des Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) vom 17.
November 2015 erhob A.Y. (Beschwerdeführerin) durch ihren Rechtsvertreter am 2.
Dezember 2015 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren, es sei
Ziff. 2 der angefochtenen Verfügung aufzuheben und es seien ihr keine amtlichen
Kosten aufzuerlegen. Es sei Ziff. 3 der angefochtenen Verfügung aufzuheben und ihr
eine Parteientschädigung in der Höhe von CHF 4096.85 zu Lasten des Staates
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(Migrationsamt) zuzusprechen (act. 1). Nach Durchsicht der Vorakten verzichtete die
Beschwerdeführerin am 4. Januar 2016 auf eine Beschwerdeergänzung (act. 9). Mit
Vernehmlassung vom 12. Januar 2016 schloss die Vorinstanz auf Abweisung der
Beschwerde (act. 11).
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...).
2. Die Beschwerdeführerin rügt zunächst, die Vorinstanz habe ihren
verfassungsmässigen Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, da sie sich mit ihren
Darlegungen in Bezug auf die Gehörsverletzung resp. die unrichtige
Sachverhaltsfeststellung durch das Migrationsamt im Zusammenhang mit der
verfügten Ausreise und der Verletzung der Mitwirkungspflicht nicht auseinandergesetzt
habe (act. 1, S. 4 f. Ziff. III/2 f., S. 7 f. Ziff. IV/3, S. 10 Ziff. IV/6).
2.1. Die Begründungspflicht als Teilgehalt des Anspruchs auf rechtliches Gehör im
Sinne von Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (SR 101, BV, vgl. BGE 142 I 135 E. 2.1 mit Hinweisen, siehe auch
Art. 58 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 24 Abs. 1 lit. a VRP) soll verhindern, dass sich die
Behörde von unsachlichen Motiven leiten lässt, und dem Betroffenen ermöglichen, die
Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anzufechten. Dies ist nur möglich, wenn sowohl
der Betroffene wie auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des
Entscheides ein Bild machen können. In diesem Sinn müssen wenigstens kurz die
Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf
welche sich ihr Entscheid stützt (vgl. BGer 2C_718/2010 vom 2. März 2011 E. 2.1). Dies
bedeutet indes nicht, dass sich die Behörde mit jeder tatbeständlichen Behauptung
und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss. Vielmehr kann sie sich auf
die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken (vgl. BGer 1C_218/2015 vom
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2. Juni 2016 E. 4.3 mit Hinweis auf BGE 136 I 229 E. 5.2 und BGE 140 II 262 E. 6.2 mit
Hinweis).
2.2. Die Vorinstanz stellte sich unter Ziffer 2 f. der angefochtenen Verfügung (act. 2) auf
den Standpunkt, die Abweisung des Gesuchs um Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA zur Erwerbstätigkeit wäre weder tatsächlich noch
rechtlich zu beanstanden gewesen. Die Beschwerdeführerin habe im Gesuchsverfahren
den Nachweis für den für die Bewilligungserteilung erforderlichen Arbeitsumfang von
mindestens 12 Wochenstunden selbst innert mehrfach erstreckter Frist nicht erbracht,
obgleich sie dazu im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht verpflichtet gewesen wäre. Sie
habe die Voraussetzungen für die Bewilligungserteilung erst im Rekursverfahren erfüllt.
Eine regelmässige Beschäftigung bei der Arbeitgeberin 1 sei erst ab April 2015 erfolgt.
Auch sei diese Beschäftigung erst durch das Einreichen der Unterlagen betreffend
Quellensteuerabzug rechtsgenügend glaubhaft gemacht worden. Vor diesem
Hintergrund habe die Beschwerdeführerin die Abschreibungsgebühr von CHF 400 zu
tragen und es seien ihr keine ausseramtlichen Kosten zu entschädigen. Aus dieser
Begründung ergibt sich mit genügender Klarheit, weshalb die Vorinstanz die
Beschwerdeführerin zur Tragung der amtlichen Kosten verpflichtete und ihr keine
ausseramtliche Entschädigung zusprach. Die Beschwerdeführerin vermochte die
angefochtene Verfügung denn auch durchaus sachgerecht anzufechten. Die Vorinstanz
begründete ihre Verfügung insoweit hinreichend. Ihr kann keine Verletzung von Art. 29
Abs. 2 BV vorgeworfen werden. Ob die Argumentation der Vorinstanz auch inhaltlich
zutrifft, bleibt im Folgenden zu prüfen.
3. Die Beschwerdeführerin wirft der Vorinstanz weiter vor (act. 1, S. 5 Ziff. III/3, S. 9 f.
Ziff. IV/5), sie habe den Sachverhalt unrichtig festgestellt. Die Voraussetzungen für die
Erteilung der Aufenthaltsbewilligung seien nicht erst im Laufe des Rekursverfahrens
geschaffen worden. Sie habe bereits im erstinstanzlichen Verfahren diverse Belege zum
Nachweis des Arbeitsumfangs von wöchentlich 12 Stunden eingereicht, darunter die
Bestätigung der Arbeitgeberin 1 vom 14. September 2014. Die diesbezüglichen
Quittungen habe sie der Vorinstanz mit Schreiben vom 13. Februar 2015 zugestellt. Wie
aus dem Schreiben der Arbeitgeberin 1 vom 1. Februar 2015 hervorgehe, habe alleine
das Verhalten des Migrationsamtes dazu geführt, dass diese das Arbeitsverhältnis mit
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ihr sistiert habe. Andernfalls hätte sie auch nach den Monaten August und September
2014 bis April 2015 bei ihr arbeitstätig sein können.
3.1. Die Rekursinstanz ermittelt den rechtserheblichen Sachverhalt und erhebt die
Beweise von Amtes wegen, wobei vorbehältlich der Wahrung des öffentlichen
Interesses nur die von den Beteiligten angebotenen und die leicht zugänglichen
Beweise über erhebliche Tatsachen aufzunehmen sind (Art. 57 Abs. 1 VRP in
Verbindung mit Art. 12 VRP). Unrichtig ist ein Sachverhalt festgestellt, wenn aus den
vorhandenen Beweismaterialien unrichtige Schlüsse gezogen werden, insbesondere
indem der Sachverhalt falsch oder aktenwidrig festgestellt wird oder indem Beweise
unrichtig gewürdigt werden (vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton
St. Gallen – dargestellt an den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl. 2003, N
587 f.).
3.2. Vor Eintritt der Gegenstandslosigkeit war im vorinstanzlichen Verfahren strittig (vgl.
Antrag Ziff. 3 des Rekurses vom 26. Januar 2015, act. 12/1, S. 2), ob der
Beschwerdeführerin als Arbeitnehmerin ein Anspruch auf Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung im Sinne von Art. 4 des Abkommens zwischen der
Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft
und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (SR 0.142.112.681, FZA)
in Verbindung mit Art. 6 Anhang I FZA zusteht. Im Arbeitsvertrag zwischen der
Beschwerdeführerin und der Arbeitgeberin 1, der Mutter des Lebenspartners der
Beschwerdeführerin, vom 1. Juni 2014 (Dossier A, S. 74 f.) wurde Arbeit auf Abruf ohne
Mindestarbeitszeit vereinbart. Am 17. September 2014 reichte die Beschwerdeführerin
das Schreiben der Arbeitgeberin 1 vom 14. September 2014 ein, worin diese
bestätigte, dass die Beschwerdeführerin bei ihr zwischen 20 und 26 Stunden pro
Woche arbeite (Dossier A, S. 80-82). Entsprechende Belege waren diesem Schreiben
jedoch nicht beigelegt. Bei dieser Sachlage war das Migrationsamt verpflichtet, die
Beschwerdeführerin mit Zwischenverfügung vom 6. Oktober 2014 (Dossier A, S. 83)
aufzufordern, Lohn- und Quellensteuerabrechnungen einzureichen, um die lediglich
behauptete Arbeitsleistung rechtsgenüglich nachzuweisen (vgl. hierzu BGE 131 II 339
E. 3 mit Hinweisen und Weisungen VEP des Staatssekretariats für Migration SEM vom
Januar 2017, S. 48 f. Ziff. 4.2.3, www.sem.admin.ch, und zur Rechtsnatur von
Weisungen BGE 141 II 1 E. 3.2.2 mit Hinweisen, siehe auch bereits Zwischenverfügung
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des Migrationsamtes vom 4. September 2014, Dossier A, S. 78 f.). Wie die
Beschwerdeführerin selbst einräumt, reichte sie die Quittungen für die Lohnzahlungen
der Arbeitgeberin 1 vom August und September 2014 am 13. Februar 2015
(act. 12/7/5 f.) und damit erst während des Rekursverfahrens ein. Ungeachtet dessen
bildeten diese Quittungen keine Grundlage für die Wiedererwägung der Verfügung vom
5. Januar 2015 resp. für die Erteilung der Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA zur
Erwerbstätigkeit, da damit eine regelmässige Beschäftigung bei der Arbeitgeberin 1
nicht belegt werden konnte. Auch wurde dadurch der Verdacht des Migrationsamtes,
es handle sich um einen Gefälligkeitsarbeitsvertrag (vgl. Vernehmlassung vom 1. April
2015, act. 12/15), nicht ausgeräumt. Wie die Vorinstanz in Erwägung 2b der
angefochtenen Verfügung (act. 2, S. 2) zutreffend festhielt, erfüllte die
Beschwerdeführerin die Voraussetzungen für die Erteilung der Aufenthaltsbewilligung
EU/EFTA zur Erwerbstätigkeit erst, nachdem sie im Verlauf des Rekursverfahrens die
Quittungen der Lohnzahlungen der Arbeitgeberin 1 für die Monate April bis
September 2015 (act. 12/23a/3 und act. 12/28b) und die Zwischenverfügung des
kantonalen Steueramtes betreffend Nachreichung von Quellensteuerabrechnungen
vom 8./10. April 2015 an die Arbeitgeberin 1 (act. 12/17a/9 f.) sowie den Arbeitsvertrag
vom 13./22. März (act. 12/13a) und die Lohnabrechnungen der Arbeitgeberin 2 für die
Monate April bis September 2015 mitsamt den Arbeitsplänen für die Zeit vom 16. März
bis 13. Juni 2015 (act. 12/23a/2 und 4 sowie act. 12/28a) eingereicht hatte.
Diesbezüglich tut nichts zur Sache, ob die Arbeitgeberin 1 in den Monaten
Oktober 2014 bis März 2015 wegen der ungewissen Rechtslage hinsichtlich der
ausländerrechtlichen Bewilligung der Beschwerdeführerin darauf verzichtete, die Arbeit
der Beschwerdeführerin abzurufen (vgl. hierzu Dossier A, S. 153 f. Frage 12,
act. 12/7/4). Falls dem so wäre, hätte sich die Beschwerdeführerin diesen
Arbeitsausfall selbst zuzuschreiben. Ihr wäre es ohne Weiteres freigestanden, bereits
im erstinstanzlichen Verfahren eine Bestätigung des Migrationsamtes einzuholen,
wonach sie während des laufenden Verfahrens einer Erwerbstätigkeit nachgehen dürfe
(vgl. hierzu Schreiben des Migrationsamtes vom 2. März 2015, Dossier A, S. 116). Aus
den Akten ergeben sich indessen keine Anhaltspunkte, dass die Beschwerdeführerin in
dieser Hinsicht beim Migrationsamt interveniert hätte und dieses in der Folge untätig
geblieben wäre und ihr dadurch den Nachweis einer regelmässigen Beschäftigung bei
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der Arbeitgeberin 1 verunmöglicht hätte. Der Vorinstanz kann keine rechtsfehlerhafte
unrichtige Sachverhaltsfeststellung vorgeworfen werden.
4. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht der Kostenspruch der Vorinstanz.
4.1. Auch in der internen Verwaltungsrechtspflege kann die Abschreibung eines
Rekurses gestützt auf Art. 95 Abs. 1 VRP mit amtlichen Kosten verbunden sein (vgl. R.
Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz,
Lachen/St. Gallen 2004, S. 100 f.). Wird eine Streitsache zufolge Gegenstandslosigkeit
abgeschrieben, so hat jener Beteiligte die Kosten zu tragen, der die
Gegenstandslosigkeit verursacht hat (Cavelti/Vögeli, a.a.O., N 773). Lässt sich nicht
mehr feststellen, wer den Grund für die Gegenstandslosigkeit gesetzt hat, oder kann
sie keiner am Verfahren beteiligten Partei zugerechnet werden, sind die
Verfahrenskosten nach Billigkeit zu verlegen. Dabei kann insbesondere auf den
mutmasslichen Prozessausgang vor Eintritt der Gegenstandslosigkeit abgestellt
werden, oder die amtlichen Kosten können demjenigen auferlegt werden, der den
Prozess verursacht hat (vgl. R. Hirt, a.a.O., S. 101 f.).
Laut Art. 98 Abs. 2 VRP besteht im Rekursverfahren kein unbedingter Anspruch auf
ausseramtliche Entschädigung, sondern nur soweit eine Entschädigung aufgrund der
Sach- und Rechtslage als notwendig und angemessen erscheint. Der Verweis auf die
Angemessenheit in Art. 98 Abs. 2 VRP lässt es zu, – selbst wenn sie als notwendig
erscheint – lediglich eine reduzierte Entschädigung zuzusprechen oder von der
Zusprechung gänzlich abzusehen, wenn die konkreten Umstände des Falles dies
nahelegen (VerwGE B 2011/88 vom 18. Oktober 2011 E. 2.2.4 mit Hinweisen,
www.gerichte.sg.ch, und GVP 1993 Nr. 53). Gemäss Art. 98 VRP wird die
ausseramtliche Entschädigung den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und
Unterliegen auferlegt (vgl. auch Art. 98 VRP in Verbindung mit Art. 95 Abs. 1 lit. b und
Art. 106 Abs. 1 Satz 1 der Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zivilprozessordnung;
SR 272, ZPO). Inwiefern ein Beteiligter obsiegt, ist aufgrund der gestellten Anträge zu
beurteilen (vgl. VerwGE B 2011/88 vom 18. Oktober 2011 E. 2.2.2, a.a.O). Hat keine
Partei vollständig obsiegt, so werden die ausseramtlichen Kosten nach dem Ausgang
des Verfahrens verteilt (Art. 98 VRP in Verbindung mit Art. 106 Abs. 2 ZPO). Bei einer
Abschreibung infolge Gegenstandslosigkeit (Art. 242 ZPO) gilt die Grundregel, dass
bis
ter
ter
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derjenige als unterlegener Beteiligter zu betrachten ist, der die Gegenstandslosigkeit
verursacht hat, falls der Grund für das Gegenstandsloswerden des Prozesses dem
Verhalten einer Partei zuzuschreiben ist. Ansonsten ist auf den mutmasslichen
Prozessausgang abzustellen (vgl. Art. 98 VRP in Verbindung mit Art. 107 Abs. 1
lit. e ZPO, Entscheid des Kantonsgerichts BE.2014.5 vom 25. Juni 2014 E. 3a,
www.gerichte.sg.ch, M. H. Sterchi, in: Hausheer/Walter [Hrsg.], Kommentar zum
schweizerischen Privatrecht, Schweizerische Zivilprozessordnung, Band I, Bern 2012,
Art. 107 N 18).
Den Behörden kommt bei der Verlegung und Bemessung von amtlichen und
ausseramtlichen Kosten ein erheblicher Ermessensspielraum zu. Die
Ermessenskontrolle ist dem Verwaltungsgericht im Beschwerdeverfahren verwehrt
(Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP, vgl. VerwGE B 2013/178 vom 12. Februar 2014 E. 2.2, siehe
auch VerwGE B 2014/70 vom 27. November 2015 E. 2.4, www.gerichte.sg.ch).
4.2. Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, sie habe mutmasslich
obsiegt resp. sei die Gegenstandslosigkeit durch das Migrationsamt verursacht
worden, welches die Verfügung vom 5. Januar 2015 in Wiederwägung gezogen habe
(act. 1, S. 3 Ziff. II/4 S. 8 f. Ziff. 4 f.). Das Migrationsamt habe die Verfügung vom 5.
Januar 2015 erlassen, ohne sicherzustellen, dass ihr die verfahrensleitende Anordnung
vom 18. November 2014 tatsächlich zugegangen sei. Es wäre verpflichtet gewesen, ihr
diese Anordnung per Einschreiben und mit Hinweis auf die Säumnisfolgen zuzustellen.
Da es dies unterlassen habe, habe es ihren Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt,
zumal ihr vorheriges Verhalten nicht habe vermuten lassen, dass sie eine angesetzte
Frist ohne Weiteres verstreichen lassen würde (act. 1, S. 3-8 Ziff. II/4, III/2, IV/2 f.).
Entgegen der Meinung des Migrationsamtes sei sie ihrer Mitwirkungspflicht immer
nachgekommen. Sie habe nie eine Frist zur Einreichung von Unterlagen versäumt.
Auch könne ihr nicht zur Last gelegt werden, dass die Quellensteuerabrechnungen
nicht früher eingereicht worden seien (act. 1, S. 3-5 Ziff. III, S. 7-11 Ziff. IV/3 und 5 f.).
Das Migrationsamt habe ihre Wegweisung unter Ansetzung einer Ausreisefrist bis
19. Januar 2015 übereilt und rechtswidrig angeordnet. Damit habe es gegen Art. 8 der
Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR
0.101, EMRK) resp. Art. 13 Abs. 1 BV verstossen, da sie dadurch von ihrer hier
ter
http://www.gerichte.sg.ch
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niederlassungsberechtigten Tochter getrennt worden wäre (act. 1, S. 4 f. Ziff. III/2, S.
10 f. Ziff. IV/6).
4.3. Bereits im erstinstanzlichen Verwaltungsverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz
(Art. 12 Abs. 1 VRP) lediglich beschränkt. Nach Art. 12 Abs. 2 VRP sind nur die von den
Beteiligten angebotenen und die leicht zugänglichen Beweise über erhebliche
Tatsachen aufzunehmen, wenn zur Wahrung des öffentlichen Interesses keine
besonderen Erhebungen nötig sind (vgl. hierzu VerwGE B 2009/192 vom 15. April 2010
E. 2.1 mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch, und Cavelti/Vögeli, a.a.O., N 603 ff.). Die
Folgen der Beweislosigkeit eines Sachumstands hat grundsätzlich zu tragen, wer
daraus Vorteile ableitet, hier also die Beschwerdeführerin (vgl. Art. 8 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches, SR 210, ZGB, und BGE 140 I 285 E. 6.3.1 sowie
VerwGE B 2015/60 vom 27. September 2016 E. 3.2 mit Hinweisen,
www.gerichte.sg.ch). In ausländerrechtlichen Bewilligungsverfahren unterliegen die
Parteien bei der Sachverhaltsermittlung einer spezialgesetzlichen Mitwirkungspflicht
(Art. 90 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer, Ausländergesetz;
SR 142.20, AuG). Das FZA enthält diesbezüglich keine abweichenden oder milderen
Bestimmungen (vgl. Art. 2 Abs. 2 AuG). Die Gesuchsteller sind gestützt auf Art. 90 AuG
auch gehalten, die Behörden von sich aus über Sachverhalte zu informieren, die für
den Bewilligungsentscheid von Bedeutung sein können (vgl. M. Spescha,
Migrationsrecht, 4. Aufl. 2015, Art. 90 AuG, N 2). Die Mitwirkungspflicht gilt selbst
dann, wenn sich die entsprechende Auskunft zum Nachteil des Rechtsunterworfenen
auswirkt (vgl. T. Göksu, in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Bundesgesetz über die
Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 90 N 8). Art. 90 lit. b AuG konkretisiert
die Mitwirkungspflicht als Beweisbeschaffungspflicht (vgl. BGer 2C_471/2012 vom
18. Januar 2013 E. 4.2.1). Die Mitwirkungspflicht gilt grundsätzlich für alle Arten von
Tatsachen, kommt aber vorab für jene Umstände in Frage, die eine Partei besser kennt
als die Behörden und welche diese ohne die Mitwirkung der Partei gar nicht oder nicht
mit vernünftigem Aufwand erheben könnten (vgl. BGer 2C_2/2015 vom
13. August 2015 E. 2.3 mit Hinweisen). Damit die Verfahrensbeteiligten die ihnen
obliegenden Mitwirkungspflichten wahrnehmen können, bedarf es einer
entsprechenden Aufklärung durch die Verwaltungsbehörden. Aus dem Anspruch auf
rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) fliesst insbesondere das Recht der
Mitwirkungspflichtigen, von den Behörden darüber aufgeklärt zu werden, worin die
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Mitwirkungspflicht besteht, welche Beweismittel sie beizubringen haben und mit
welchen Säumnisfolgen sie im Fall einer unterlassenen Mitwirkung rechnen müssen
(vgl. K. Plüss, in: A. Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des
Kantons Zürich, § 7 N 107, siehe auch Art 17 VRP und VerwGE B 2010/293 vom 31.
Mai 2011 E. 2.7, www.gerichte.sg.ch).
Die Verfügung ist den Betroffenen in der Regel schriftlich zu eröffnen (Art. 25 Abs. 1
Satz 1 und Abs. 2 VRP, vgl. hierzu auch Art. 30 Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 138
ZPO sowie VerwGE B 2012/21 vom 15. Oktober 2012 E. 4.3.2 mit Hinweisen,
www.gerichte.sg.ch). Dabei hat grundsätzlich die Behörde nachzuweisen, dass und
wann ihre Verfügung dem Adressaten zugestellt wird (vgl. BGE 142 IV 125 E. 4.3 mit
Hinweisen). Mangelhaft eröffnete Verwaltungsakte sind in der Regel nicht nichtig,
sondern nur anfechtbar, und sie werden durch Nichtanfechtung rechtsgültig (vgl. BGE
137 I 273 E. 3.1 mit Hinweisen). Nichtigkeit einer Verfügung wird nur angenommen,
wenn diese mit einem schweren Mangel behaftet ist, wenn dieser Mangel offensichtlich
ist und wenn zudem die Rechtssicherheit durch die Annahme der Nichtigkeit nicht
ernsthaft gefährdet wird (vgl. Wiederkehr/Richli, Praxis des allgemeinen
Verwaltungsrechts, Band I, Bern 2012, N 2554, und BGer 2C_139/2016 vom 14. Juni
2016 E. 3.5 mit zahlreichen Hinweisen). Eine Verfügung, die überhaupt nicht eröffnet
worden ist, vermag keinerlei Rechtswirkungen zu entfalten (vgl. VerwGE B 2014/100
vom 27. April 2016 E. 6.2 mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch). Ist ein mangelhaft
eröffneter Verwaltungsakt anfechtbar, ist nach den konkreten Umständen des
Einzelfalls zu prüfen, ob die betroffene Partei durch den Eröffnungsmangel tatsächlich
irregeführt und dadurch benachteiligt worden ist. Richtschnur für die Beurteilung dieser
Frage ist der auch in diesem prozessualen Bereich geltende Grundsatz von Treu und
Glauben gemäss Art. 5 Abs. 3 und Art. 9 BV, an welchem die Berufung auf
Formmängel in jedem Fall ihre Grenze findet (vgl. VerwGE B 2013/263; B 2014/75 vom
28. April 2015 E. 2.3.3 mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch). Nach dem
verfassungsmässigen Grundsatz von Treu und Glauben wird von den Privaten eine
angemessene Sorgfalt und Umsicht erwartet. Die Beteiligten haben das Zumutbare zur
Abwendung eines Nachteils vorzukehren (vgl. I. Häner, Das erstinstanzliche
Verwaltungsverfahren, Zürich 2008, S. 40). Die Berufung auf Formmängel findet ihre
Grenzen am Grundsatz von Treu und Glauben, der Behörden und Privaten
gleichermassen rechtsmissbräuchliches und widersprüchliches Verhalten verbietet.
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Demgemäss ist im Rahmen zumutbarer prozessualer Sorgfaltspflicht ein festgestellter
Verfahrensmangel unverzüglich anzuzeigen (vgl. BGer 9C_511/2014 vom 26.
September 2014 E. 3.3 mit Hinweisen, allerdings in Bezug auf eine fehlende
Unterschrift, siehe auch T. Gächter, Rechtsmissbrauch im öffentlichen Recht, Zürich
2005, S. 63 f., 199 ff. und 532 f.).
4.4. Das Migrationsamt forderte die Beschwerdeführerin bereits mit
Zwischenverfügung vom 6. Oktober 2014 auf, bis 10. November 2014
Lohnabrechnungen der Arbeitgeberin 1 für August bis Oktober 2014 und eine
Quellensteuerabrechnung für das dritte Quartal 2014 einzureichen. Bei Säumnis drohte
es ihr an, ihr Gesuch um Aufenthaltsbewilligung im Sinne von Art. 4 FZA in Verbindung
mit Art. 6 Anhang I FZA zu verweigern (Dossier A, S. 83). Nicht umstritten ist, dass der
Beschwerdeführerin diese Zwischenverfügung zuging, wenngleich diese wie auch
diejenigen vom 4. August 2014 und 4. September 2014 (Dossier A, S. 70 und 78 f.) per
A-Post versandt wurde. Damit kann dem Migrationsamt betreffend die Androhung der
Säumnisfolgen in Bezug auf die Lohn- und Quellensteuerabrechnungen für die Monate
August bis Oktober 2014 von vornherein keine Verletzung des rechtlichen Gehörs
vorgeworfen werden, selbst wenn der Beschwerdeführerin die verfahrensleitende
Anordnung des Migrationsamtes vom 18. November 2014 tatsächlich nicht
zugegangen wäre. Seit der Zustellung der Zwischenverfügung vom 6. Oktober 2014
war für sie erkennbar, dass ihr die anbegehrte Aufenthaltsbewilligung verweigert wird
(vgl. hierzu auch Cavelti/Vögeli, a.a.O., N 608), wenn sie die vom Migrationsamt
bezeichneten Unterlagen nicht fristgerecht beibringt. Bei dieser Sachlage war das
Migrationsamt nicht verpflichtet, die Säumnisfolgen aufgrund des Gesuchs der
Beschwerdeführerin vom 8. November 2014 um Abnahme der mit Zwischenverfügung
vom 6. Oktober 2014 angeordneten Frist (Dossier A, S. 84) vor Erlass einer
entsprechenden Verfügung erneut anzudrohen, auch wenn es die Säumnisfolgen in der
verfahrensleitenden Anordnung vom 18. November 2014 (Dossier A, S. 85) wiederholte
und sich diesbezüglich nicht auf einen Verweis auf die Zwischenverfügung vom 6.
Oktober 2014 beschränkte. Ohnedies hält die Berufung der Beschwerdeführerin auf die
Nichteröffnung der Zwischenverfügung des Migrationsamtes vom 18. November 2014
im Licht von Treu und Glauben nicht stand. Zum einen rechtfertigt es sich nicht, die
Nichtigkeit der verfahrensleitenden Anordnung vom 18. November 2014 anzunehmen.
Die Beschwerdeführerin erhielt von dieser Zwischenverfügung spätestens im Rahmen
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der ihrem Rechtsvertreter vom Migrationsamt gewährten Akteneinsicht im Januar 2015
Kenntnis (vgl. Dossier A, S. 90-94, act. 12/1, S. 2 f. Ziff. II/3, act. 12/6a). Zum anderen
wurde ihr in der verfahrensleitenden Anordnung vom 18. November 2014 die mit
Zwischenverfügung vom 6. Oktober 2014 angeordnete Frist letztmalig bis
10. Dezember 2014 erstreckt. Falls die Zustellung der Zwischenverfügung vom
18. November 2014, welche per A-Post versandt wurde, tatsächlich unterblieben wäre,
hätte dies die Beschwerdeführerin spätestens nach Ablauf der am 6. Oktober 2014
angeordneten Frist am 10. November 2014 nach Treu und Glauben veranlassen
müssen, von sich aus beim Migrationsamt unverzüglich die nötigen näheren
Aufschlüsse zu ihrem Gesuch vom 8. November 2014 einzuholen. Sie blieb jedoch
untätig und erkundigte sich nicht danach. Damit nahm sie bewusst in Kauf, dass das
Migrationsamt ihr die Aufenthaltsbewilligung, wie bereits mit Zwischenverfügung vom
6. Oktober 2014 angedroht, verweigert, was es dann auch mit Verfügung vom 5.
Januar 2015 – nach Ablauf der mit Zwischenverfügung vom 18. November 2014
letztmalig bis 10. Dezember 2014 erstreckten Frist – tat (Dossier A, S. 86-89). Ferner
stellte das Migrationsamt in Erwägung 3 der mittlerweile aufgehobenen Verfügung vom
5. Januar 2015 (Dossier A, S. 88) zutreffend fest, dass die Beschwerdeführerin ihrer
Mitwirkungspflicht trotz schriftlicher Aufforderung im erstinstanzlichen Verfahren nicht
nachgekommen sei. Der Beschwerdeführerin lagen die Quittungen für die
Lohnzahlungen in den Monaten August und September 2014 nach eigenen Aussagen
an der Einvernahme vom 12. März 2015 (Dossier A, S. 145 Fragen 64-66) bereits
Anfang Oktober 2014 vor. Diese Unterlagen hätte sie gestützt auf Art. 90 AuG von sich
aus unverzüglich beim Migrationsamt einreichen müssen. Da sie dies in Widerspruch
zu ihrer nachträglichen Beteuerung, sie wollte die fehlenden Unterlagen nach Erhalt
gemäss der Zwischenverfügung vom 6. Oktober 2014 nachreichen (act. 1, S. 6 f.
Ziff. IV/2), unterliess, hat sie bereits aus diesem Grund ihre Mitwirkungspflicht im
erstinstanzlichen Verfahren verletzt. Hinzu kommt, dass sie, wie bereits ausgeführt,
beim Migrationsamt treuwidrig nicht nach dem Verbleib der am 8. November 2014
beantragten Fristerstreckung fragte, falls ihr die verfahrensleitende Anordnung vom
18. November 2014 tatsächlich nicht zugegangen war. Sie muss sich deshalb
vorwerfen lassen, die Quittungen für die Lohnzahlungen in den Monaten August und
September 2014 trotz der schriftlichen Aufforderungen in den Zwischenverfügungen
vom 6. Oktober 2014 und 18. November 2014 nicht fristgerecht eingereicht zu haben.
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Daran ändert nichts, dass die Arbeitgeberin 1 im Jahr 2014 offenbar keine
Quellensteuerabrechnungen erstellte und beim kantonalen Steueramt einreichte (vgl.
Zwischenverfügung des kantonalen Steueramtes vom 8. April 2015, act. 12/17a/9).
Auch wenn der Beschwerdeführerin diese Abrechnungen im erstinstanzlichen
Verfahren nicht vorliegen konnten, wäre sie verpflichtet gewesen, das Migrationsamt in
Wahrnehmung ihrer Mitwirkungspflicht (Art. 90 AuG) auf diesen Umstand hinzuweisen,
was sie aber ebenfalls unterliess. Im Weiteren beruft sich die Beschwerdeführerin
erstmals im Beschwerdeverfahren auf einen Anspruch auf Bewilligung ohne
Erwerbstätigkeit (vgl. hierzu Art. 4 FZA in Verbindung mit Anhang I Art. 24 FZA und Art.
8 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV). Dabei übersieht sie, dass sie verpflichtet gewesen
wäre, die erforderlichen Unterlagen für die Erteilung einer solchen Bewilligung im
Gesuchsverfahren beizubringen (Art. 90 AuG). Da sie dies trotz mehrfacher schriftlicher
Aufforderung durch das Migrationsamt (vgl. Dossier A, S. 62 f. und 78 f.) unterliess,
hätte sie es sich wegen der Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht selbst zuschreiben
müssen, wenn sie dadurch von ihrer hier niederlassungsberechtigten Tochter und
ihrem Lebenspartner, mit welchen sie offenbar in gemeinsamem Haushalt lebt,
getrennt worden wäre. Daran ändert nichts, dass es nicht Frage des Streitgegenstands,
sondern der Begründung ist, aufgrund welcher Rechtsgrundlagen und
Sachverhaltselemente sich ein allfälliger Bewilligungsanspruch ergibt (vgl. BGer
2C_1140/2015 vom 7. Juni 2016 E. 2.2.1 mit Hinweisen).
Nach dem Gesagten kann keine Rede davon sein, dass die Beschwerdeführerin wegen
des Verhaltens des Migrationsamtes, namentlich angeblich wegen der
fälschlicherweise festgestellten Mitwirkungspflichtverletzung, der Verletzung des
rechtlichen Gehörs, der unterbliebenen Zustellung der verfahrensleitenden Anordnung
vom 18. November 2014 sowie der Verletzung von Art. 8 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV,
gezwungen war, Rekurs gegen die Verfügung des Migrationsamtes vom 5. Januar 2015
zu erheben. Vielmehr wurde das letztlich unnötige Rekursverfahren dadurch verursacht,
dass sich die Beschwerdeführerin im erstinstanzlichen Verfahren treuwidrig verhielt und
ihrer Mitwirkungspflicht nicht nachkam sowie die erforderlichen Unterlagen für eine
Bewilligung zur Erwerbstätigkeit erst im Verlauf des Rekursverfahrens einreichte (vgl. E.
3.2 hiervor). Obschon die Gegenstandslosigkeit des vorinstanzlichen Rekursverfahrens
dadurch verursacht wurde, dass das Migrationsamt die Verfügung vom 5. Januar 2015
am 9. November 2015 in Wiedererwägung zog (act. 12/32a), ist das
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Gegenstandsloswerden der Beschwerdeführerin zuzuschreiben. Mit Blick auf das der
Vorinstanz zustehende weitreichende Ermessen ist demnach nicht zu beanstanden,
dass sie der Beschwerdeführerin für das vorinstanzliche Rekursverfahren in
Abweichung des Verteilungsgrundsatzes entsprechend dem Erfolg der Parteien im
Prozess (Art. 95 Abs. 1 VRP) amtliche Kosten in der Höhe von CHF 400 auferlegte und
ihr keine ausseramtliche Entschädigung zusprach. Die Beschwerde ist abzuweisen.
5. (...).