Decision ID: 15262565-7ef3-429d-8f7d-8ab8a48e9a55
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1953,
war
seit 2001 als
Frühstücksmitarbeiterin
im
Y._
,
tätig
, wobei der letzte Arbeitstag der 31. Januar 2008 war
(
Urk.
7/10 Ziff. 2.1 und Ziff. 2.7, Ziff. 2.14)
,
und meldete sich am 18. August 2008
bei der I
nvalidenversicherung zum Renten
bezug an (
Urk.
7/2). Die
Sozial
ver
sicherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte in der Folge medizi
ni
sche Berichte
(
Urk.
7/7
-9
,
Urk.
7/11,
Urk.
7/13-
15
)
,
einen Arbeitgeberbericht (
Urk.
7/10)
und einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug;
Urk.
7/6
)
ein und veranlasste
beim
Z._
ein
polydisziplinäres Gutachten, welches am 2
2.
Oktober 2009 erstattet wurde (
Urk.
7/21).
Mit Vorbescheid vom 4. Januar 2010 (
Urk.
7/25) stellte die IV-Stelle
der Versicherten in Aussicht, dass kein Anspruch auf eine Invaliden
rente be
stehe.
Dagegen erhob die Versicherte am 4. und am 15. Februar 2010 Einwände (
Urk.
7/30 und
Urk.
7/34) und reichte medizinische Berichte (
Urk.
7/29,
Urk.
7/33
) ein. Am 28. Mai 2010 nahmen
die
Z._
-Gutachter
hierzu Stellung (
Urk.
7/37).
Die Versicherte reichte in der Folge weitere
medizinische
Bericht
e
(
Urk.
7/43
,
Urk.
7/48
) ein
und
a
m
13. und am 14. Januar 2011 wurde eine
Evaluation der funk
tionellen Leistungsfähigkeit (EFL) in der
A._
durchgeführt
, über welche am 28. Januar 2011
Bericht erstattet wurde (
Urk.
7
/50
=
Urk.
7/69/3-13 =
Urk.
7/84/1-11
).
Am. 8. März 2011 (
Urk.
7/53) reichte die
Versicherte einen weiteren medizinischen Bericht (
Urk.
7/52
=
Urk.
7/69/1-2
) ein
und auch die IV-Stelle holte weitere medizinische Berichte (
Urk.
7/55,
Urk.
7/61
=
Urk.
7/66
,
Urk.
7/63) ein und veranlasste beim Regiona
len Ärztlichen Dienst
(RAD) ein psychiatrisches Gutachten, welches am 25. Ok
tober 2011 erstattet wurd
e (
Urk.
7/64).
In der Folge reichte die Versicherte
wei
tere
medizinische Be
rich
te (
Urk.
7/66
=
Urk.
7/61
,
Urk.
7/69,
Urk.
7/78) ein. Mit Verfügung vom 17.
Juli
2012 (
Urk.
7/83 und
Urk.
7/85
=
Urk.
2
) sprach die IV-Stelle der Ver
sicherten ab Januar 2011 eine ganze Invalidenrente zu.
2.
Die Versicherte erhob gegen die Verfügung vom
17. Ju
li 2012 (
Urk.
2
)
am 1
2.
September 2012 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, es sei ihr
bereits
ab Januar 2009 mindestens eine halbe Rente auszuri
chten (S. 1
).
Mit
Beschwer
de
antwort
vom 21. November 2012 (
Urk.
6) beantragte die IV-Stelle die Abwei
sung der Beschwerde, was der Versicherten am 4. Januar 2013 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8)
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
ge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bun
des
ge
se
tzes über die Invalidenversicherung; IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be
einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine
Erwerbs
unfähig
keit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
windbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG in der seit 1. Januar 2008 gel
tenden Fassung).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen,
erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (Art. 8 ATSG
) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Dre
i
viertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
),
in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invalidi
täts
grad
bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwer
defall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
be
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen
(BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
begründete
in der angefochtenen Verfügung
(
Urk.
2
)
die
Zusprache
einer ganzen Invalidenrente ab 1. Januar 2011 damit
,
dass die Be
schwerdeführerin seit
31. Januar 2008
in der angestammten Tätigkeit
nicht mehr
arbeitsfähig sei
. In eine
r angepassten Tätigkeit sei sie
jedoch bis Januar 2011 zu
100
%
arbeitsfähig gewesen
, womit für diesen Zeitraum
ein
renten
ausschliessen
der
Invaliditätsgrad
resultiere
.
In der Folge habe sich
ihr
Gesund
heitszustand
jedoch
ve
rschlechtert und vom 11. Januar
bis 25. Oktober 2011 (RAD-Unter
su
chung) sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in je
glichen Tätigkeiten aus
zugehen
, was einen Anspruch auf eine ganze Rente begründe
.
Ab dem 25. Ok
to
ber 2011
bestehe in angepasster Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 30
%
. Unter Berücksichtigung eines lei
densbedingten Abzuges von 10
%
resultiere ein Invaliditätsgrad von 74
%
, womit
ebenfalls
ein Anspruch auf eine ganze Rente aus
gewiesen sei
(Verfügungsteil 2 S. 1 ff.)
.
2.2
Die Beschwerdeführerin machte in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend, sie habe die
Arbeit wegen anhaltender Beschwerden im Januar 2008 aufgegeben, womit sie Anrecht auf Ausrichtung
einer
Invalidenrente ab Januar 2009 habe. Sie sei
seit Januar 2008 mindestens zu 50
%
arbeitsunfähig
.
Auf das
Z._
-Gutachten
könne nicht abgestellt werden (S. 2 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin schon vor dem 1. Januar 2011
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat.
3
.
3.
1
Dr.
med
.
B._
, Facharzt
FMH für C
hirurgie,
stellte in seinem
Bericht
vom
1
2.
September 2008 (
Urk.
7/7/1-8
)
folgende Diagnosen
mit Auswirku
n
g
auf
die Arbeitsfähigkeit (
lit
. A):
Sulcus
ulnaris
K
ompressionssyndrom mit
Epicondylitis
humeri
ulnaris
rechts
Rhizarthrose
beidseits rechtsbetont
Status nach durchgemachter Poliomyelitis links mit muskulärer
In
trin
sicparese
der linken Hand sowie der Muskulatur des rechten Un
ter
schenkels
subacromiales
Impingement
und mögliche Polyläsion der Schulter rechts
Thoracic
Outlet Syndrome (
TOS
)
cervik
o-spondylogenes
Syndrom bei Hohlrücken
Verdacht auf
Fibromyalgie
mul
tiple
periartikuläre
und
artikuläre
Schmerzen im Bereich der Finger- und Zehengelenke
Er stellte folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
Status nach
Handgelenkganglionexzision
rechts am 31. Januar 2008
(vgl.
Urk.
7/7/11)
Status nach
Synovektomie
der
Beugesehne
D
igiti
(
Dig
.)
I und
D
ig
.
II
rechts am 14. Mai 2008
(vgl.
Urk.
7/7/12)
Status nach TF
C-Läsion mit
arthroskopischem
Dé
bridement
am 10. Juli 2007
(vgl.
Urk.
7/7/14-15)
Dr
.
B._
führte aus, die Beschwerdeführerin sei
seit dem 18. Dezember 2007
bei ihm in Behandlung, wobei die letzte Kontrolle am 11. September 2008 statt
gefunden habe (
lit
. D.
Ziff.
1-2). Seit
dem 1. April 2008 bestehe in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(
lit
. B).
In einer
behin
derungsangepassten
Tätigkeit bestehe seit 1. April 2008 eine Arbeitsfähigkeit
zwischen 25 und 50
%
, welche aber im Moment aufgrund der verschiedenen
Schmerz
lokalisationen
und Krankheitsprozesse nicht gegeben sei (
Ziff.
5.2).
3.
2
Dr.
med
.
C._
, Facharzt
FMH für physikalische Medizin
Rheumaer
kran
kungen
, stellte in seinem Bericht 1. Oktober 2008 (
Urk.
7/9) folgende Diag
nosen (
Ziff.
1.1):
zervikospondylogenes
Syndrom rechts bei Hohlrundrücken
subacromiales
Impingement
(l
aut
Dr.
D._
)
Epicondylopathia
humeri
radialis
rechts, bestehend seit 2006
Ganglionoperation
rechtes Handgelenk (31. Januar 2008),
Dupuytre
n
Operation rechts (14. Februar 2008) beide
Operationen durch
Dr.
B._
Dr.
C._
führte aus, die Beschwerdeführerin sei vom 25. Juni bis 9. Juli 2008
bei ihm in Behandlung gewesen (
Ziff.
3.1-2). Als Serviceangestellte be
stehe laut
Beschwerdeführerin seit Januar 2008 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
, welche
durch
Dr.
B._
ausgestellt worden sei. Er selbst habe ihr keine Arbeit
sun
fähig
keiten attestiert (
Ziff.
2).
Ab sofort sei die bisherige Tätigkeit zu 50
%
und eine behinderungsangepasste Tätigkeit zu 100
%
möglich (
Ziff.
5.2).
In seinem Bericht vom 4. Februar 2009 (
Urk.
6/14) führte
Dr.
C._
aus, ope
rative, medikamentöse und physikalische Therapiemassnahmen könnten sich allen
falls schmerzlindernd auswirken und eine Normalisierung der Sensibilität und Kraft herbeiführen, so dass die Tätigkeit als Service-Angestellte
wieder möglich sei. Bei Nicht
a
nsprechen der Beschwerden auf die Therapiemassnahmen sei ein Berufswechsel angezeigt (
Ziff.
1.8
). Ab Juli 2008 sei in einer angepassten wechselbelastenden Tätigkeit
von einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
auszugehen
(
Ziff.
3).
3.
3
Dr.
med.
E._
, Facharzt FMH
für Innere Medizin, stellte in seinem Bericht vom 11. Januar 2009 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (
Ziff.
1.1):
Sulcus
ulnaris
Kompressionssyndrom mit
Epicondylitis
humeri
ulnaris
rechts
Rhizarthrose
beidseits, rechtsbetont
Status nach d
u
r
chgemachter Poliomyelitis
, bestehend seit Juni 2008,
mit
Befall der distalen linken oberen Extremität, insbesondere der intrin
sischen Handmuskulatur links
Befall der unteren Extremität vor allem des rechten Unterschenkels
multifokales Schmerzsyndrom der rechten oberen Extremität
, bestehend seit August 2006,
bei
symptomatischer AC-Gelenksarthrose rechts
Verdacht auf
Pulley
-Läsion mit Subluxation der langen
Bizepssehne
rechts
medial betonter
Epikondylitis
rechts
Verdacht auf
Edson
-Syndrom rechts
Reizsyndrom
des Plexus
brachialis
im
costoclaviculären
Übergangsge
biet
, bestehend seit Dezember 2006
TOS
Verdacht auf
Fibromyalgie
multiple,
periartikuläre
und
artikuläre
Schmerzen im Bereich der Finger- und Zehengelenke
Dr
.
E._
nannte
folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (
Ziff.
1.2):
Status nach
Handgelenksganglionexzision
rechts, 31. Januar 2008
S
tatus nach
Synovektomie
der Beugesehnen
Dig
.
I und
Dig
.
II rechts, 14.
Ma
i 2008
S
tatus nach TFC-Läsion mit
arthroskopischem
Débridement
, 10. Juli 2008
Status nach Entfernung eines dermalen
melanozytären
Naevus
Com
pund-Typ
am Nasenrücken Oktober 2006
Status nach
Varixknotenentfernung
Mittelphalanx
Dig
.
II Hand links, Mai 2002
Dr
.
E._
führte
aus, die Beschwerdeführerin sei seit dem 10. Januar 2000 bei ihm in Behandlung, wobei die letzte Kontrolle am 18. August 2009 stattgefun
den habe (
Ziff.
3.1-2). Seit 1. April 2008 bestehe in der zuletzt ausgeübten Tä
tigkeit als Hotelmitarbeiterin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Ziff.
2).
In einer behinderungsangepassten Tätigkeit bestehe sei 1. April 2008 eine Arbeitsfähig
keit von 25 bis 50
%
(
Ziff.
5.2).
3.
4
Die Ärzte
des
Z._
erstatteten
am 1
2.
Oktober 2009 das von der
Be
schwer
de
gegnerin
veranlasste polydisziplinäre Gutachten (
Urk.
6/21
/2-21
).
Sie stellten folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
S. 17
Ziff.
5.1):
Belas
tungsdefizit rechtes Kniegelenk
bei Status nach
Kniegelenksdistor
sion
rechts am 28. Februar 2009
vordere Kreuzbandruptur, Partialruptur des medialen Seitenbandes, Ho
rizontalläsion des Aussenmeniskus Pars
intermedia
und
Hinterhorn
sowie Horizontalriss
Innenmeniskushinterhorn
(MRI März 2009)
Status nach durchgemachter Poliomyelitis
Befall der distalen linken Extremität, vor allem intrinsische
Handmus
kulatur
links
,
der unteren Extremität, vor allem des rechten Unter
schenkels
Belastungsdefizit beider Füsse bei Hohlfuss/Hammerzehendeformität beid
seits
, rechtsbetont
Die Ärzte stellten folgende Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S.
17
Ziff.
5.2):
Hypermobilitätssyndrom
klinisch, labortechnisch und
skelettszintigraphisch
kein Hinweis für ein entzündlich-rheumatisches Geschehen
Belastungsdefizit rechtes Handgelenk
Status nach Handgelenksganglion-Exzision rechts am 31. Januar 2008
Status nach TFC-Läsion mit
arthroskopischem
Débridement
am 10. Jul
i 2008
Status nach
Synovektomie
der Beugesehnen
Dig
. I und II rechts am 14.
Ma
i 2008
chronisches
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom, rechtsbetont
Dysbalance
der Schultergürtelmuskulatur
klinisch keine Hinweise für
radikuläre
Symptomatik
radiologisch beginnende degenerative Veränderungen C5/6
kernspintomographisch kein Nachweis einer Diskushernie (MRI Juni 2008)
ängstliche Wesenszüge ohne das Vorliegen einer ängstlich vermeidenden Persönlichkeitsstörung
Die Ärzte
des
Z._
führten zusammenfassend aus, aufgrund der objektivierbaren rheumatologischen Befunde sei die Beschwerdeführerin in der zuletzt ausgeüb
ten Tätigkeit als Frühstücksbuffet-Mitarbeiterin zu 100
%
arbeitsunfähig.
Für
eine leichte, überwiegend sitzende Tätigkeit bestehe aus rheumatologischer Sicht
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
.
Bei der psychiatrischen Unter
suchung
habe kein pathologischer Befund erhoben werden können. Bei fehlen
der psy
cho
pathologischer Funktionseinschränkung habe sich auf psychiatri
schem Fach
gebiet keine Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit ge
zeigt (
S.
18
Ziff.
6.2).
Aufgrund der anamnestischen Angaben, der Untersuchungsbefunde, der vorlie
genden Dokumente sowie der früher at
testierten Arbeitsunfähigkeiten
sei davon auszugehen, dass seit dem
31. Januar 2008 eine Arbeitsunfähigkeit als Service-Angestellte bestehe.
Im Rahmen der postoperativen Rekonvaleszenz nach ins
gesamt 3 Operationen im Bereich des rechten Handgelenkes und der rechten Hand im Januar, Mai und Juli 2008 habe jeweils vorübergehend für 8 Wochen eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Nach dem Kniedistorsionstrauma rechts am 28. Februar 2009 habe bis Juni 2009 ebenfalls eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit bestanden. Ab dann bestehe die Arbeitsfähigkeit im d
argelegten Aus
mass (
S. 18
Ziff.
6.3).
3.
5
PD
Dr
.
med.
F._
,
Facharzt FMH
für Orthopädie und Handchirurgie
, nannte in seinem Bericht vom 26. Januar 2010 (
Urk.
7/33/2
=
Urk.
7/37
/
12
) als
Diagnose
ein
en komplexen
Schmerzzustand nach Poliomyelitis und Atrophie der
Handmuskulatur (
Thenar
und alle
intrische
Muskeln, nicht nur C8).
Dr
.
F._
führte
aus,
es stehe fest
, dass die Beschwerdeführerin
in einer angepassten Tätigkeit als zu 100
%
arbeitsfähig gelte
. Es stehe aber auch fest, dass die linke Hand massiv geschwächt sei und die rechte Hand nun progressiv schwächer werde. Somit sei die Frage eines
postpolio
Syndroms wieder aufzu
werfen. Jedenfalls stelle sich nun die Frag
e
einer angepassten Tätigkeit, da die linke Hand de facto kraftlos sei. Mit dieser Hand seien repetitive Arbeiten zwar möglich, jedoch langsam und ohne Kraft. Anders ausgedrückt sei eine manuelle Tätigkeit nur bedingt möglich und zwar in
einer entsprechenden Anstalt. E
r sei erstaunt, dass man in einem Gutachten den Status der Beschwerdeführerin be
schrei
be
und dabei
die fehlende Kraft, d. h. die volle Muskelatrophie, welche au
gen
fällig sei,
nicht einmal beschreibe. Man
erhalte
den Eindruck
,
diese Polio
mye
litis sei untergeordnet und nicht wichtig. Bekannt sei auch, dass sich die
Po
li
o
problematik
mit dem Alter
progressiv verschlimmere
, wovon auch nichts zu lesen sei. Man habe den Eindruck, dass das Problem beim Sitzen gelöst sei. Dies treffe mit dieser Atrophie an der linken Hand kaum zu. Rechts liege dazu ein
deutig eine
ulnaris
Neuropathie vor, im Sinne der lokalen Schmerzen und zwar ohne Muskelatrophie. Jedoch werde diese Seite progressiv schwächer.
3.
6
Dr.
med.
G._
,
Fachärztin
FMH für Physikalische Medizin und für Rehabilitation,
stellte
in ihrem Bericht vom
2.
Februar 2010 (
Urk.
7/33/1
=
Urk.
7/37/11
)
folgende Diagnosen (
Ziff.
1.1):
Sulcus
ulnaris
Kompressionssyndrom mit
Epicondylopathia
humeri
ulna
ris
rechts
Rhizarthrose
beidseits, rechtsbetont
Status nach durchgemachter Pol
io
myelitis mit Befall des linken Armes sowie rechten Beines mit Beinverkürzung rechts
chro
nische
Periarthropathia
humerosc
apularis
tendinotica
rechts nach Schultersubluxation
chronisches
lumbospondylogenes
Syndrom bei
Fehlform
der Wirbel
säule,
Spondylarthrose
L4/5, bilaterale
Diskusprotrusionen
L2-5
chronisches
Cervik
overtebralsyndrom
bei
Spondylosis
deformans
,
Un
kovertebralarthrosen
und
Spondylarthrosen
C4-7
reaktive Depression
Dr.
G._
führte
aus, die Beschwerdeführerin könne aufgrund der massiven muskulären Atrophie des linken Armes sowie
des
zunehmenden
Sulcus
U
lna
rissyndrom
s
rechts mit ebenfalls Schwäche des rechen Armes sowie
Belastungs
schmerzen
der rechten Schulter ihre bisherige Arbeit nicht mehr ausüben
(
Ziff.
2.1).
Aufgrund der progredienten Rückenschmerzen mit fortgeschrittenen degenerati
ven Veränderungen sowohl der Halswirbelsäule (HWS)
wie auch der
Lendenwirbelsäule
(
LWS
)
sowie multiplen
Protrusionen
der LWS von L2-5 könne
eine Berufsinvalidität als Serviertochter angenommen werden (
Ziff.
2.1a).
Eine rein adaptierte Tätigkeit ohne Belastung der oberen Extremitäten aber auch der unteren Extremitäten könne der Beschwerdeführerin im Umfang von etwa 30 bis 40
%
zugemutet werden (
Ziff.
2.2). Die langfristige Prognose sei eher un
günstig und es sei mit der weiteren Progredienz der Rückenschmerzen sowie der Schwäche der oberen Extremitäten zu rechnen (
Ziff.
2.3).
3.
7
Am 28. Mai 2
010
nahmen die
Z._
-Gutachter zu den
Bericht
en
von
Dr.
G._
und
Dr.
F._
Stellung (
Urk.
7/3
7
/1-2). Sie führten aus, dass die von
Dr.
G._
gestellten Diagnosen
nur teilweise mit den von ihnen gestellten
übereinstimmen würden. So hätten sich bei der rheumatologischen Untersu
chung
im
Z._
im August 2009 keine Hinweise für eine
Schul
ter-Peria
rthropa
thie
oder
Epicondylitis
gezeigt und eine
Rhizarthrose
sei radiologisch im August 2009 ausgeschlossen worden.
Auch die von
Dr.
G._
beschriebene massive musku
läre Atrophie des linken Armes habe sich weder bei der Untersuchung im
Z._
noch bei den Voruntersuchern feststellen lassen. Es zeige sic
h lediglich die do
ku
mentierte A
trophie der intrins
ischen Handmuskeln links.
Die von
Dr.
G._
beschriebenen fortgeschrittenen degenerative
n
Veränderungen der
Lenden
wirbel
säule
hätten durch die kernspintomographische Untersuchung vom 14. Januar 2010
ausgeschlossen werden können (vgl.
Urk.
7/37/4-5
). Hierbei hätten sich le
diglich geringfügige degenerative Veränderungen mit
Spondylar
throsen
in Höhe L4/5 sowie
geringe
Protrusionen
L2 bis L5
gezeigt, was einem
altersent
sprech
en
den
Befund entspreche.
Höhergradige
degenerative Verände
rungen oder
Ner
ven
wurzelkompressionen
hätten nicht nachgewiesen werden können. Die
kern
spin
to
mographisch
am 14. Januar 2010 nachgewiesenen
mäs
siggradig
ausge
prägten Veränderungen C4 bis C6 seien gegenüber der Vorun
tersuchung vom 26. Juni 2008 leicht progredient. Wie auch bei der
kernspinto
mographischen
Unter
suchung vom Juni 2008 hätten
aber auch im Januar
2010
keine zervikalen Diskushernien nachgewiesen werden können. Dies decke sich auch mit dem Un
tersuchungsbefund
im
Z._
.
Aus der im Januar 2010 durchge
führten
kern
spin
to
mographischen
Untersuchung der HWS und der LWS sei keine zusätzliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
abzuleiten
(S. 2).
Die von
PD
Dr.
F._
(vorstehend E. 3.5) attestierte 100%ige Arbeitsfähig
keit in angepasster
(richtig = angestammter
)
Tätigkeit decke sich weitgehend mit
ihrer Einschätzung. Die von ihm festgestellte Kraftlosigkeit der linken Hand und eine zunehmende Schwäche der rechten Hand hätten sich bei der Untersuchung nicht gezeigt. Der
Faust
schluss
an beiden Händen sei komplett und seitengleich
kräftig gewesen.
Grundsätzlich sei es möglich, wenn auch sehr unwahrschein
lich,
dass es seit der Untersuchung im
Z._
vom August 2009 gegenüber der Unter
su
chung bei
PD
Dr.
F._
zu den v
on ihm beschriebenen Befunden gekomm
en
sei. Sofern dies der Fall sei, sollte im Hinblick darauf eine erneute Untersuchung der Be
schwerdeführerin erfolgen (S. 2 Mitte).
3.
8
Dr.
med.
H._
,
Facharzt
FMH für Chirurgie
, stellte in seinem Be
richt vom 17. August 2010 (
Urk.
7/4
3) folgende Diagnosen (
Ziff.
1):
Verdacht auf post-polio Syndrom mit progredienter Schwäche der linken Hand und des rechten Fusses
cervikal
- und lumbalbetontes
Paravertebralsyndrom
komplexe Handproblematik links bei Status nach multiplen
Handopera
tionen
Dr.
H._
führte aus, in der angestammten Tätigkeit im Service sei die Be
schwerdeführerin bis auf weiteres zu 100
%
arbeitsunfähig. Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bezüglich der Handproblematik links müsse separat durch einen Handspezialisten beurteilt werden. Für alle Tätigkeiten mit schwerem He
ben oder Tragen von Lasten sowie in wirbelsäulenbelastenden Tätigkeiten in Zwangshaltungen, für lang andauerndes reines Stehen, insbesondere in
vorn
e
über
geneigter
Körperhaltung, für alle Tätigkeiten mit repetitiven Rumpf- oder HWS-rotierenden Stereotypien sowie Arbeiten überwiegend im Überkopfbereich
sei die Beschwerdeführerin aufgrund der medizinischen Diagnosen nicht geeig
net
. Zumutbar erscheine eine kör
perlich leichte Tätigkeit in
wir
belsäulenadap
tierten
Wechselpositionen
, i
nsbesondere ohne
Heben von schweren Lasten, nicht mehr als
4 kg kurzfristig und 2 kg längerfristig. Auf Grund der ko
m
plexen Problema
tik
mit eingeschränkter Funktion der linken Hand bei Status nach multiplen
Hand
operationen
müsse die prozentuale Arbeitsfähigkeit beziehungs
weise Leistungs
fähigkeit in einem funktionellen Leistungstest ermittelt werden (S. 2).
3.
9
Dr.
med.
I._
,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in seinem Bericht vom 10. Januar 2011 (
Urk.
7/48) folgende Diagnosen (S. 3):
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F33.11)
ängstliche Persönlichkeitsstörung (ICD
-10 F
60.6)
chronifiziertes
Schmerzsyndrom bei bekannten Wirbelsäulenänderungen sowie Ände
rungen des rechten Kniegelenkes
Dr.
I._
führte
aus,
die Beschwerdeführerin stehe wegen ihren psychischen Beschwerden seit dem
20. Oktober 2010
in seiner Behandlung (S. 1)
.
Sie
habe gleich
zeitig mit den körperlichen Beschwerden auch psychische Probleme be
kommen. Sie sei niedergeschlagen, innerlich ange
spannt, sehr ängstlich, lust- und
interessenlos, im Antrieb vermindert und im
mer erschöpft gewesen. Sie fühle sich
als Versagerin und habe es nicht anneh
men können, nicht mehr arbeiten zu können. Zeitweise sei sie ganz verzweifelt gewesen und habe keinen Ausweg mehr
gesehen, insbesondere deswegen, weil ihr Mann ebenfalls schwer krank sei
(S.
2 oben). Es sei durch die
T
herapie zu keiner Änderung des Z
ustandes ge
kommen. Nach wie vor seien depressive und Angstsymptome
sehr stark betont, dazu stehe
eine ausgeprägte
Selbstwertprob
lematik
im Vordergrund.
S
ie
klage
über starke Schmerzen, die ihr den
Allt
ag sehr schwer machten, aber auch in der Nacht
äusserst störend
seien. Sie habe über Angstattacken berichtet, welche sie häufig heimgesucht hätten und sie stark beunruhigten. Seit d
em
Therapie
an
fang
seien gewisse
Symptome sogar noch
intensiver geworden und die Beschwer
deführerin sei gar nicht imstande, ihre bisherige noch eine andere Tätigkeit auszuüben. Neben den depressi
ven Symptomen wirk
t
en sich auch ihre Angstzu
stände und andauernden Schmerzen intensiv auf ihre Arbeitsfähigkeit aus.
Sie sei die ganze Zeit der Be
handlung wegen ihrer psychischen Beschwerden voll ar
beitsunfähig
gewesen
(S. 2 unten).
3.
10
Die Fachpersonen
der
A._
führten
in ihrem Berich
t vom 28.
Januar
2011 (
Urk.
7/50 =
Urk.
7/69/3-13 =
Urk.
7/84/1-11
) nach am 13. und 14.
Ja
nuar 2011 durchgeführter Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit
aus
, die Beschwerdeführerin habe ein multiples Beschwerdebild präsentiert, wo
bei
aktuell Beschwerden im Bereich der linken Hand somatisch etwas im Vor
der
grund gestanden hätten. Auffällig sei die schlechte psychische Verfassung
der Beschwerdeführerin gewesen, welche
sowohl bei der Erhebung der Anam
nese
,
als auch bei dem Test selbst und später in der ärztlichen
Schlussbespre
chung
,
un
vermittelt
zu weinen
angefangen habe
. Das räumliche Orientierungs
ver
mö
gen
sei sowohl in der Klinik
als auch auf dem Heimweg ungenügend ge
wesen. Die Fachleute der
A._
führten aus, der letzte Bericht des Psychiaters
Dr.
I._
gebe die Situation treffend wieder.
In Anbetracht der wahrscheinlich erheblichen depressiven Komponente sei fraglich, ob die a
ktuell
rezeptierte
Me
di
kamentation
bis zum Abend hin ausreichend sei (S. 3 unten). Die
Leistungs
bereitschaft
sei als zuverlässig zu beurteilen und die Konsistenz bei den Tests sei mässig gewesen (S. 4). Es bestehe zusätzlich zu den
muskuloske
lettal
bedingten Einschränkungen wahrscheinlich eine mittelschwere bis schwere
Leistungsmin
de
rung
infolge der psychischen Störung mit
Krankheits
wert
(
Bericht
Dr.
I._
vom 10. Januar 2011). Aus rein somatischer Sicht sei die Tätigkeit als
Früh
stücks
mitarbeiterin
nicht mehr zumut
bar. Zumutbar sei
eine
sehr leichte,
wechselbelastende, vorwiegend sitzende Tätigkeit. Manuelle Tätig
keiten mit
fein
motorischen
Anforderunge
n seien nicht möglich, ebenso we
nig repetitives Han
tieren von Gegenständen, keine Einnahme von Zwangshaltungen wie Hocke,
Knien,
Kauern, kein Kriechen, keine Arbeiten über Schulterhöhe und kein wie
der
holtes Treppensteigen. Die
mögliche
Arbeitszeit betrage 4 Stunden pro Tag, wobei die Reduktion der Arbeitspräsenz au
s
der psycho-physischen Ermüdung
re
su
ltiere
(S. 4 unten).
3.11
Auf entsprechende Anfrage der Beschwerdegegnerin
hin bestätigte
Dr.
I._
in seinem Schreiben vom 2
2.
August 2011 (
Urk.
7/55), dass die Beschwerdeführe
rin
seit seinem Brief vom 10. Januar 2011 in ihrer Arbeitsfähigkeit stark beein
trächtigt werde. Aus psychiatrischer Sicht
erachte
er sie nach wie vor
als
voll ar
beits
unfähig.
3.
12
Am
25. Oktober 2011 erstattete RAD-Ärztin
Dr.
med.
J._
,
Fachärz
tin
FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
ein
Gutachten (
Urk.
7/64). Sie stellte folgende Diagnose
n
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
S. 4
Ziff.
9):
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F 33.11) mit anamnestisch somatischem Syndrom
akzentuierte Persönlichkeitszüge einer ängstlichen Persönlichkeit (ICD-10 Z73.1)
Dr
.
J._
führte aus,
Dr.
I._
habe
ab Januar 2011 eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit aufgrund einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig eine
r mittelgradig depressiven Episode
, und
eine
r
ängstliche
n
Persönlichkeits
störung
attestiert. Auch während der heutigen Untersuchung sei ein deutlich de
primierter
sowie ängstlich besorgter Affekt aufgefallen, wobei
zentrales The
ma der Besorgnis
die körperlichen Beschwerden bildeten
und
die hiermit verbun
de
nen Zukunftsängste. Gleichzeitig imponiere ein passiv-aggressiver, durchaus kraft
voller Affekt, der spürbar werde, wenn die Versicherte ihre Symptomatik und den Erhalt der Arbeitsunfähigkeit zu verteidigen suche und
hierzu
ener
gievoll
Auskunft gebe. Hier liessen sich Inko
nsistenzen in
Bezug auf die subje
k
tiven Schilderungen der anhaltenden Energie- und Kraftlosigkeit der Beschwer
de
führerin erkennen. Eine anhaltende
somatoforme
Schmerz
störung, die bei mul
tipler und
diffuser Beschwerdeschilderung allenfalls noch zu disku
tieren wäre, habe sich nicht diagnostizieren lassen. Es ergäben sich zwar Hin
weise
für eine
Symptomausweitung, die Beschwerd
eführerin weise jedoch nicht das
typische Bild
andauernder schwerer und quälender Schmerzen auf
,
und zu
dem fehle die
ty
pisch lange Anamnese medizinischer Untersuchungen und Konsultationen. Hin
zu komme, dass ein Teil der bestehenden
Schmerzsympto
matik
auf ein so
matisches Korrelat zurückzuführen und hierdurch zu begründen sei. Psycho
dy
namisch drängten sich unbewusst Wiedergutmachungswünsche der Beschwer
de
führerin auf, welche den regressiven Rückzug in die subjektive Handlungsun
fähigkeit und die Depression unterhielten. Bewusstseinsnäher er
scheine hier je
doch die Selbstlimitierung und Verdeutlichungstendenz, die sich auch im Rahmen
der Explorationssituation hätten beobachten lassen (S. 4
Ziff.
10).
Die Beschwerdeführerin sei aufgrund der Einschränkung, die sich durch die mittel
gradig depressive Episode ergebe, in folgenden Parametern der funktio
n
ell
en Leistungsfähigkeit eingeschränkt
(S.
3, S.
5 oben)
: Es bestehe eine mittel
gradige Ein
schränkung der Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen aufgrund der gedanklichen Einengung auf die Schmerzsymptomatik und der
Durchhaltefä
higkeit
. Desgleichen bestehe eine mittelgradige Einschränkung
der Fähigkeit
zur Planung und zur Strukturierung von Aufgaben aufgrund der in
haltlichen Fixierung auf die Schmerzproblematik und aufgrund der Einschrän
kungen der Konzentrationsfä
higkeit. Die Umstellfähigkeit, Durchhaltefähigkeit sowie die
Selbstbehaup
tungsfähigkeit
sei
en
im Rahmen der depressiven vermin
derten Antriebslosigkeit sowie
der
gedanklichen Einengungen ebenf
alls mittel
gradig eingeschränkt. Die Fähigkeit zu ausserberuflichen Aktivität sei auch mittelgradig eingeschränkt, wobei dies keine Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit zeitige. Die Wegefähigkeit könne als mittelgradig eingeschränkt betrachtet werden, zumindest aus psychi
atrischer Perspektive.
Gesamthaft
,
die depressive Episode unterhaltend, komme eine akzentuierte ängst
liche Persönlichkeitskomponente hinzu, welche jedoch angesichts der biogra
phi
schen Anamnese mit einer konsistenten
soziobiogra
phischen
Beziehungs- und
Berufsanamnese
bis in das Jahr 2008 ohne wesentli
che Brüche die Diagnose einer
spezifischen Persönlichkeitsstörung, wie
sie
durch
Dr.
I._
gestellt
worden
sei
, nicht ausweise
(S. 5 oben)
.
Aus psychiatrischer Perspektive ergebe sich somit eine Einsc
hränkung der Ar
beitsfähigkeit von
50
%
. Zudem sei
zu erwähnen
, dass bei der Attestierung der Ein
schränkung einer andauernden 100%igen Arbeitsunfähigkeit durch
Dr.
I._
die von ihm verordnete psychopharmakologische Therapie bei weitem als nicht aus
reichend erscheine und eine Diskrepanz zur attestierten Di
agnose und der Einschätzung der
doch
beträchtlichen Arbeitsunfähigkeit eröffne (S. 5
Mitte
).
Dr.
J._
führte
aus, mit der Diagnose der rezidivierenden depressiven Stö
rung, aktuell einer mittelgradig depressiven Episode
,
bei begleitend akzentuier
ten
ängstlichen Persönlichkeitszügen sei ein Gesundheitsschaden ausgewiesen
(S.
5 Ziff.
11)
.
Aufgrund der fl
uktuierenden Symptomatik und des
fehlenden Referenzwert
es
(die damalig attestierte mittelgradige depressive Episode rechtfertige nicht ohne weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit) sei die Beschwerdeführerin vom 11.
Januar 2011 bis zum Datum der RAD-Untersuchung vom 25. Oktober 2011
als zu 100
%
arbeitsunfähig in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit im Service so
wie
in jeder angepassten Tätigkeit zu betrachten. Ab dem 25. Oktober 2011 sei von ei
ner 50%igen Arbeitsfähigkeit ge
mäss Belastungs- und Ressourcen
-Profil der
Stellungnahme durch de
n
orthopädischen Fachkollegen
Dr.
med.
K._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie,
auszugehen (S. 5 f.
).
3.13
Die RAD-Ärzte
Dr.
K._
und
Dr.
J._
führten
nach durchgeführter
Kon
sensbesprechung
in ihrem Bericht vom 25. November 2011 (
Urk.
7/82/5-7) aus, vom 31. Januar 2008 an habe in der angestammten Tätigkeit eine 100%ige Ar
beitsunfähigkeit bestanden, in einer angepassten Tätigkeit sei die Beschwer
de
führerin zu 100
%
arbeitsfähig gewesen.
Vom
11. Januar 2011 bis 25. Oktober 2011 habe auch in einer angepassten Tätigkeit eine 100%
i
ge Arbeitsunfähigkeit bestanden. Ab dem 25. Oktober 2011 sei
konsensuell
gesamthaft gesehen, bei einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
aus orthopädischer Sicht und einer Arbeitsfä
higkeit von 50
%
aus psychiatrischer Sicht
,
von einer 30%igen
Restarbeitsfähig
keit
in angepasster Tätigkeit auszugehen (S. 1).
3.
14
Die
Fachpersonen des
L._
stellten in ihrem Bericht vom 15. März 2012 (
Urk.
7/78) folgende Diagnosen (S. 1
f.
):
Poliomyelitis mit/bei:
Befall der distalen linken Extremität, vor allem internistische
Hand
muskulatur
links
, der unteren Extremität, vor allem des rechten Un
terschenkels (Diagnose
Z._
vom 1
2.
Januar 2009)
Schmerzen rechtes Knie mit/bei:
Status nach Kniegelenksdistorsion rechts am 28. Januar 2009
vordere Kreuzbandruptur, Partialruptur des medialen Seitenbandes, Horizontalläsion des Aussenmeniskus Pars
intermedia
und
Hinterhorn
sowie Horizontalriss
Innenmeniskushinterhorn
, MRI März 2009,
(
Di
agnose
Z._
vom 1
2.
Januar 2009
)
Sulcus
ulnaris
Kompression
s
syndrom mit
Epicondylitis
humeri
ulnaris
rechts
(Diagnose
Dr.
B._
, 7. November 2008)
Rhizarthrose
beidseits, rechtsbetont
(Diagnose
Dr.
B._
, 7. November 2008
)
Verdacht auf
Fibromyalgie
(Diagnose
Dr.
B._
, 7. November 2008)
Impingement
der Schulter rechts
(Diagnose
Dr.
B._
, 7. November 2008)
Synovektomie
der Beugesehne
Dig
. I und II rechts
(Diagnose
Z._
vom 1
2.
Januar 2009)
Status nach
arthroskopischem
Dé
bridement
des Handgelenkes rechts am 10. Juli 2008
(Diagnose
Dr.
B._
, 7. November 2008)
Status nach
Handgelenk
ganglionexzision
und
radiocarpaler
Synovekto
mie
am 31. Januar 2008
(Diagnose
Dr.
B._
, 7.
November 2008)
chronisches
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom rechts mit/bei:
minime rechtskonvexe Skoliose der HWS und Streckhaltung der HWS
C
5
-7
beginnende
Chondrosen
und Spondylosen am deutlichsten C5-7 kein Nachweis einer fokalen
Diskusvorwölbung (MRI
16. Juni 2008, in etwa unverändert 14. Januar 2010)
lumbospondylogenes
Syndrom mit/bei:
lumbale Hyperlordose
Spondylarthrosen
und leichte hypertrophierte Ligamente
flava
L4/5
geringe bilaterale
Diskusprotrusionen
L2-5, keine
radikuläre
Kom
pres
sion (Diagnose Röntgeninstitut Oe
rlikon vom 14. Januar 2010)
Beinverkürzung rechts 3.2 cm (Diagnose Navarra vom 16. März 2010)
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
Di
e Fachpersonen
des
L._
führten
aus, die Beschwerdeführerin sei subjektiv zu 100
%
arbeitsunfähig auch für angepasste Tätigkeiten. Im Sinne eines positiven
Leistungsbildes seien Spazieren, die Be
nutzung von öffentlichen Verkehrs
mitteln,
leichte Hausarbeiten und die Körper
pflege möglich. Im Sinne eines negativen Leistungsbildes könne keine Tätigkeit (Autofahren, Hausarbeiten) über längere Zeit ausgeführt werden. Die Beschwer
deführerin müsse immer wieder Pausen machen und reagiere auf Belastung mit verstärkten Schmerzen. Feinmotorische Arbeiten könnten nicht mehr ausgeführt werden. Die koordinativen Fähigkeiten seien eingeschränkt.
Aufgrund des oben genannten positiven und negativen Leistungsbildes sei die Beschwerdeführerin seit dem 31. Januar 2008 als zu 100
%
arbeitsunfähig zu betrachten (S. 7 oben). Auch die psychiatrische und somatische
Konsensbeur
tei
lung
habe ergeben, dass der Beschwerdeführerin keine Arbeit mehr zuzumu
ten
sei
und sie auch in einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig
sei
(S.
7 unten).
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist de
r
Rentenbeginn. Die Beschwerdegegnerin setzte den Rentenbeginn auf den Januar 2011
fest
und stützte sich für den davorliegenden Zeitraum auf die Einschät
zung
der
Z._
-Gutachter
vom Oktober 2009 (vorste
hend E. 3.4) und deren Stellungnahme vom Mai 2010 (vorstehend E. 3.7)
sowie
auf die Einschätzung der Fachpersonen der
A._
vom Januar 2011
(vorstehend E. 3.10) und auf das psychiatrische Gutach
ten von
Dr.
J._
vom
Oktober 2011
und
die
folgende
Konsensbesprechung mit
Dr.
K._
im
No
vem
ber
2011
(vorstehend E. 3.12
-13
).
4.
2
Das
Z._
-Gutachten
vom Oktober 2009
(vorstehend E. 3.
4
) berücksichtigt die von der Beschwerdeführerin geklagten
Beschwerden und setzt sich mit diesen
umfassend auseinander. Es wurde sodann in Kenntnis der wesentlichen
Vorak
ten
abgegeben, leuchtet in der Darlegung der medizinischen Situation ein, und die Schlussfolgerung ist in nachvollziehbarer Weise begründet. Es erfüllt daher die Anforderungen an eine
beweiskräftige Expertise (vorstehend E. 1.4)
, so dass da
rauf abgestellt werden kann
.
Die
Z._
-
Gutachter konnten im Oktober 2009 keine psychiatrische Diagnose
nennen
,
befanden die Beschwerdeführerin
jedoch
aus
somatischer Sicht
seit dem 31. Januar 2008 in der angestammten Tätigkeit als Serviceangestellte für nicht mehr arbeitsfähig. I
n einer den L
eiden ange
passten Tätigkeit
gingen sie von einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
aus
.
Dem steht
auch nicht die Einschätzung von
Dr.
B._
(vorstehend E. 3.1)
entgegen, wel
cher
ein Jahr zuvor, im September 2008 eine maximale Arbeitsfähigkeit in an
ge
pass
te
r Tätigkeit von 50
%
als möglich erachtete
.
Dr.
C._
(vorstehend
E.
3.2), wel
cher selbst keine Arbeitsunfähigkeit attestierte, ging
im Februar 2009
ebenfalls
da
von aus, dass die Beschwerdeführerin ab Juli 2008 in einer ange
passten,
wech
selbelastenden
Tätigkeit wieder zu 100
%
arbeitsfähig sei. Der langjährig
behandelnde Hausarzt
Dr.
E._
(vorstehend E.
3.3)
sah
dagegen im Januar 2009
ab April 2008 lediglich noch eine Arbeitsfähigkeit
in angepasster Tätigkeit
von 25 bis 50
%
gegeben, wobei hierbei das Gericht
der Erfahrungs
tatsache Rech
nung tragen muss und soll, dass in Bezug auf Berichte vo
n
Haus
ärztinnen
und Hausärzten,
diese mitunter im Hinblick auf ihre
auftragsrechtli
che
Vertrauens
stellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aus
sagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
4.3
Zu den
vom
Z._
-Gutachten
abweichenden Einschätzung
en
der Situation
durch PD
Dr.
F._
im Januar 2010
(vorstehend E. 3.5) und
Dr.
G._
im Februar 2010 (vorstehend E. 3.6) nahmen die Gutachter des
Z._
im Mai 2010 (vorste
hend E.
3.7) nachvollziehbar
Stellung
. So führte insbesondere
Dr.
G._
Diag
nosen au
f, die sich in der Zwischenzeit
durch b
ildgebende Verfahren nicht hat
ten
bestätigen lass
en
.
Die
Äusseru
ngen von
PD
Dr.
F._
sind unklar
, wobei seine
n Bedenken betreffend die Handproblematik
insofern Rechnung getragen
wur
de, als dass
in der Folge
,
auch a
uf Anraten von
Dr.
H._
(vorstehend E.
3.8
)
hin
,
zu deren
genaueren Abklärung
im Januar 2011
eine EFL-Testung
in der
A._
(vorstehend E.
3.
10)
durchgeführt wurde. Dort wurde in angepasster Tätigkeit eine
noch mögliche Arbeitsfähigkeit von 50
%
festgehal
ten. Da anlässlich der EFL-Testung auch eine psychische Problematik in den Vor
dergrund trat
und bei der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit eine Rolle spielte
,
veranlasste die Beschwerdegegnerin zu deren Abklärung ein psychiatri
sches Gut
achten
beim RAD
.
Das von
der RAD-Ärztin
Dr.
J._
Oktober 2011
erstellte Gutachten (vorste
hend
E. 3.12)
erfüllt die Anforderungen an eine beweiskräftige Expertise (vor
stehend E. 1.4), so dass grundsätzlich darauf abgestellt werden kann.
Dr.
J._
(vorstehend E. 3.12)
ging im Oktober 2011 davon aus, dass ab
Zeit
punkt ihrer Begutachtung
eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50
%
aus
gewiesen
sei
.
Anlässlich der Konsensbesprechun
g mit
Dr.
K._
im Novem
ber
2011 (vorstehend E.
3.13) wurde gesamthaft gesehen eine
Restar
beitsfähig
keit
von 30
%
festgehalten.
4.4
Nicht gefolgt werden kann
Dr.
J._
hinsichtlich
des von ihr genannten
Zeit
punkt
s
des
Beginns der Arbeitsunfähigkeit
. Sie bezog sich
für den Zeitraum vor ihrer Unter
suchung mangels anderweitiger Akten auf die A
ngaben
von
Dr.
I._
und
nahm
eine Arbeitsunfähig
keit von 100
%
ab
11. Januar
2011
an
.
Bei der letztgenannten Angabe von Dr.
I._
ist eine Diskrepanz zu berück
sichtigen, die nur als offensichtliches Versehen erklärlich ist: Dr.
I._
führte nämlich in seinem Bericht vom 10. Januar 2011 aus, er behandle die Beschwer
deführerin seit dem 20. Oktober 2010 und attestierte eine Arbeitsunfähigkeit ab diesem Datum (vorstehend E. 3.9). In seiner Auskunft vom 22. August 2011 gab er an, er erachte die Beschwerdeführerin nach wie vor als vollständig arbeitsun
fähig und führte aus, sie sei dies seit seinem Brief vom 10. Januar 2011 (vor
steh
end E. 3.11). Es gibt weder von ihm genannte noch sonst wie
plau
sibler
weise
anzunehmend Gründe, weshalb der Be
ginn der attestierten Arbeitsun
fähig
keit nun ein anderer - 10. Januar 2011 - sein sollte als der erstgenannte, also der 20. Oktober 2010.
Demnach rechtfertigt sich, ab dem Behandlungsbeginn
bei
Dr.
I._
, ausgehend von der
von
Dr.
J._
und
Dr.
K._
anlässlich der
Konsensbe
sprech
ung
getroffenen Einschätzung
,
von einer Einschränku
ng in der Arbeitsfähigkeit von 7
0
%
in angepasster Tätigkeit
auszugehen.
Nicht
zu überzeugen vermag
dagegen die Konsensbeurteilung der Fachpersonen des
L._
vom
März 2012
(vorstehend E. 3.14)
, welche die
Beschwerdeführerin
,
ohne dies
plausibel
zu begründen
,
rückwirkend
seit dem
31. Januar 2008 genere
ll
als
100
%
arbeitsunfähig befanden. So wurde in unübersichtlicher Art und Weise
Diagnosen, welche von anderen Ärzten ir
gendwann einmal gestellt wurden, und welche sich in der Zwischenzeit auch teilweise nicht bestätig
t
hatten, mit sub
jektiven Angaben der Be
schwerdeführerin
vermischt
.
4.
5
Aufgrund des Gesagten ist davon auszugehen,
dass
seit Januar 2008 in der an
gestammten Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit mehr gegeben ist, jedoch der medi
zinische Sachverhalt dahingehend erstellt zu erachte
n
ist, dass bis
zum
19. Ok
to
ber 2010
in einer angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
be
standen hat. Da sich der Zustand der Beschwerdeführerin verschlechterte
,
ist ab
20
. Oktober 2010 in einer angepassten Tätigkeit
von
eine
r
Arb
eitsfähigkeit von 3
0
%
auszugehen
.
5.
5.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
ein
kommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des
frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zu
letz
t erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkom
mensentwicklung
an
gepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfah
rung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortge
setzt worden wäre. Aus
nah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 129 V 222 E. 4.3.1 mit Hinweisen).
5.2
Die Beschwerdeführerin arbeitete vor Eintritt ihres Gesundheitsschadens als
Ser
viceangestellt
e
im
Y._
. Laut
Arbeit
geberbericht
hätte
sie dort im Jahr 2008 ohne den Gesundheitsschaden
Fr.
52‘650.-- verdien
t
(
Urk.
7/10
Ziff.
2.11).
Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung von 1.9
%
im Jahr 2009 und 1
.0
%
im Jahr 2010
(Die Volkswirtschaft 6-2012, S. 95 Tabelle B 10.2,
lit
. M-O) resultiert im Jahr 2009 ein
Valideneinkommen
von
rund
Fr.
53‘650.-- (
Fr.
52‘
650.-- x 1.019) und im Jahr 2010 ein
Valideneinkommen
von rund
Fr.
54‘187.--
(
Fr.
52‘650.-- x 1.019 x 1.010)
.
5.3
Für die Bestimmung des
Invalideneinkommens
ist primär von der beruflich-er
w
er
blichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht
.
Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, na
mentlich wei
l die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jeden
falls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, so k
önnen nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt fü
r
Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebun
gen
(LSE) heran
ge
zo
gen werden (BGE 126 V 75 f. E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1)
.
Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Brutto
löhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wo
bei
jeweils vom so genannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwen
dung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr ge
nerel
l eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zu
grunde liegt, weshalb der mass
geb
li
che Tabellenlohn auf die entsprechende
be
triebsübliche
Wochen
arbeits
zeit
auf
zurechnen ist (BGE 129 V 472 E.
4.3.2, 126 V 75 f. E.
3b/
bb
, 124 V 321 E.
3b/
aa
;
AHI 2000 S. 81 E. 2a).
5.4
Gemäss LSE belief sich der durchschnittliche Lohn von Frauen für alle einfa
chen und repetitiven Tätigkeiten im Jahr 2008 auf
Fr.
4’116.-- (LSE 2008, S. 26, Tabelle TA1, Total, Niveau 4). Dies ergibt bei einer durchschnittlichen
Wochen
arbeitszeit
von 41.6 Stunden (Die Volkswirtschaft 6-2012, S. 94 Tabelle B 9.2,
Total) unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung von 2.1
%
(
Die Volks
wirtschaft 6-2012, S. 95 Tabelle B 10.2, Nominal Total) ein
Invalidenein
kommen
von
Fr.
52'446.--
im
Jahr 2009
(
Fr.
4'116.--
: 40 x 41.6 x 12 x 1.021).
Im Jahr 2010 belief sich der durchschnittliche Lohn von Frauen für al
l
e einfa
chen und repetitiven Tätigkeiten auf
Fr.
4‘225.
-- (LSE 2010 S. 26, Tabelle TA1, Total, Niveau 4). Dies ergibt bei einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 41.6 Stunden (Die Volkswirtschaft 6-2012, S. 94 Tabelle B 9.2, Total) unter Be
rücksichtigung des noch möglichen Arbeitspensums von 30
%
ein
Invalidenein
kommen
von rund
Fr.
15‘818.-- (
Fr.
4‘
225.--
: 40 x 41.6 x 12 x 0.3).
5.5
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kür
ze
n.
Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass ver
sicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit ver
richteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten
nurmehr
beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durch
schnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ur
sprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu
einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem
Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merk
male der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Na
tionalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre ge
sundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeits
markt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der Bestimm
ung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall ge
samthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). Dabei ist zu beachten, dass all
fällige bereits bei der Parallelisierung der
Vergleichsein
kommen
mitverant
wort
liche invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des soge
nannten
Leidensab
zuges
nicht nochmals berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 322 E. 5.2).
In Anbetracht der gesamten Umstände erscheint ein leidensbedingter Abzug von
10
%
als
an
gemessen.
5.6
Unter Berücksichtigung eines lohnmindernden Faktors von 10
%
ergibt sich ab
1.
Februar 2009 ein Invalideneinkommen in der Höhe von
rund
Fr.
47‘201
.-- (
Fr.
52'446.--
x 0.9
). Bei einem
Valideneinkommen
von
Fr.
53‘650.--
resultiert
somit eine E
inkommenseinbusse von
Fr.
6‘449
.--
, was einem Invaliditätsgrad
vo
n 12
%
entspricht
und damit
keinen Rentenanspruch begründet
.
Ab
1.
Oktober 2010 ergibt sich ebenfalls unter Berücksichtigung eines
lohnmin
dern
den
Faktors von 10
%
ein Invalideneinkommen in der Höhe von rund
Fr.
14‘236
.-- (
Fr.
15‘818.--
x 0.9). Bei
einem
Valideneinkommen
von
Fr.
54‘187.--
resultiert eine E
inkommenseinbusse von
Fr.
39‘951
.--, w
as einer Ein
schränkung von rund 74
%
entspricht
und einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente begründet.
6.
In teilweiser
Gutheissung der Beschwerde ist
die angefochtene
Verfü
gung
vom 1
7.
Juli 2012 (
Urk.
2
) daher dahingehend abzuändern, dass
ab
1.
Oktober 2010
ein Anspruch der Beschwerdefü
hrerin auf eine ganze Rente
der Invalidenversi
cherung besteht.
7.
7.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die G
erichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 900.-- anzusetzen und
ausgangsgemäss
zu einem Drittel der
Beschwer
degegnerin
und zu zwei Drittel
n
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
7.2
Bei diesem Ausgang des Verfahrens steht der Beschwerdeführerin eine redu
zier
te
P
rozessentschädigung zu, die beim praxisgemä
ssen Stundenansatz von
Fr.
135
.--
(zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
4
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwert
steuer) zu bemessen und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen ist
.