Decision ID: 51c52da1-34ac-4caf-8146-8eb7fcf69a42
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Mit Urteil
vom
8. Januar 2013
(Prozess Nr. 8C_
355
/201
2, Urk. 2
/1) hob das Bun
desgericht den Entscheid des Sozialversicherungsgerichts vom
28. Februar 2012
(Prozess Nr. UV.
2011.00059
, Urk.
10
/
2/12
) in teilweiser Gutheissung der Beschwerde von
X._
auf und wies die Sache an das hiesige Gericht zurück, damit es, nach erfolgter
medizinischer
Abklärung im Sinne der Erwägungen, über die Beschwerde des
Versicherten
vom 21. Februar 2011 (Urk.
10
/2/1) gegen den
Einspracheentscheid
der Schweizerischen
Unfallversi
cherungsanstalt
(SUVA) vom 1. Februar 2011 (Urk.
10
/2/2) neu entscheide.
Das hiesige Gericht holte unter anderem einen medizinischen Bericht (Urk. 2/6) ein
und
veranlasste ein orthopädisch/
traumatologisches
Gutachten, das am 14. Januar
2014
erstattet wurde (Urk.
2/
10)
. Ferner holte es
ein
en
ergänzende
n
Bericht
zum Gutachten (Urk. 2/1
8
) ein. Mit Urteil vom 4. Juli 2014 wies es im Verfahren Nr. UV.2013.00026 die vom Versicherten am 21. Februar 2011 erho
bene Beschwerde
abermals
ab (Urk. 2/20).
2.
Das Bundesgericht hiess die dagegen vom Versicherten erhobene Beschwerde mit Urteil vom 12. Dezember 2014 (Prozess Nr. 8C_566/2014, Urk. 1/1)
erneut
in dem Sinne teilweise gut, dass es den Entscheid aufhob und die Sache an das hiesige Gericht zurückwies, damit es nach erfolgte
n
– diesmal
erwerblichen
-
Abklärungen
im Sinne der Erwägungen neu entscheide.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Die massgeblichen rechtlichen Grundlagen sowie der Sachverhalt sind im
Urteil
des hiesigen Gerichts
in Sachen der Parteien vom
2
8
.
Februar
201
2
(Urk.
10
/2/12) und im Urteil des Bundesgerichts vom 8. Januar 2013 (Urk. 2/1)
wiedergegeben
. Darauf wird verwiesen.
2.
2.1
Mit Urteil vom
12. Dezember 2014 (Urk. 1/1) hat das Bundesgericht den Entscheid des hiesigen Gerichts
vom 4. Juli 2014
aufgehoben und bezüglich des medizinischen Sachverhalts die Feststellung, wonach unter Berücksichtigung eines im Urteil
des hiesigen Gerichts
aufgezeigten Belastungsprofils
(vgl. Urk. 2/20
S. 6 f. E. 4.2)
von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit
des Beschwer
deführers
in einer leidensangepassten Tätigkeit auszugehen sei, als rechtens be
urteilt. Dies sei auch vom Beschwerdeführer denn auch ausdrücklich akzeptiert worden (S. 4 Ziff. 3.1).
Ebenfalls wurde der vom Bundesgericht bereits im Urteil vom 8. Januar 2013 bestätigte Verdienst von jährlich Fr. 73‘750.--, den der Beschwerdeführer ohne gesundheitliche Beeinträchtigung mutmasslich erzielen würde (
Valideneinkom
men
)
,
nicht in Frage gestellt
(S. 4 Ziff. 3.2 oben), weshalb beim
Einkommens
vergleich
darauf abzustellen ist
.
2.2
Das Bundesgericht hat in E. 3.
3
des Rückweisungsurteils
(Urk. 1/1)
den
Ent
scheid BGE 129 V 472
in Erinnerung geru
fen, der die Voraussetzungen be
stimmt, die erfüllt sein müssen, damit einem Einkommensvergleich nach Art. 16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) der von der SUVA zusammengestellten Dokumentation von Arbeitsplät
zen (Arbeitsplatzdokumentation, DAP) entnommene Lohndaten zugrunde gelegt werden dürfen. Demnach seien fünf DAP-Blätter mit konkret zumutbaren Arbeitsplatzbeschrieben notwendig, ansonsten im Bestreitungsfalle nicht darauf abgestellt werden könne
und die Invalidität aufgrund der vom Bundesamt für Statistik periodisch durchgeführten Lohnstrukturerhebungen (LSE) zu ermitteln sei.
In E. 3.4
(Urk. 1/1)
hat das Bundesgericht sodann erwogen, dass
das hiesige Gericht
i
m vorliegenden Fall
den
Ein
kommensvergleich auf der Grundlage von
le
diglich vier DAP-Blättern
vorgenommen
habe
, was
angesichts der vorgenann
ten Grundsätze
nicht angehe. Aus diesem Grund
sei der Einkommensvergleich
erneut
-
diesmal auf der Grundlage von in der LSE ausgewiesenen
Lohnanga
ben
–
durchzufüh
ren, wobei das hiesige Gericht auch darüber zu befinden habe, in welcher Höhe dem Besch
werdeführer ein allfälliger, so
genannt leidens- respek
tive behinderungsbedingter Abzug zuzugestehen sei
.
3.
3.1
In Nachachtung des Bundesgerichtsurteils
vom 12. Dezember 2014
ist der
Ein
kommensvergleich
gestützt auf die LSE-Tabellen vorzunehmen.
Unbestritten und vom Bundesgericht
bereits mit früherem Urteil
bestätigt ist demgegenüber
die Festsetzung des
Valideneinkommen
s
des Beschwerdeführers von
Fr. 73‘750.-
-
(vgl. vorstehend E. 2
.1
).
3.2
Zur Ermittlung des hypothetischen Invalideneinkommens für eine gemäss beschriebenem Belastungsprofil zumutbare Tätigkeit
ist gemäss Urteil des Bun
des
gerichts auf die LSE-Tabellenlöhne abzustellen. Angesichts der Zumut
barkeit einer 100%igen behinderungsangepassten Tätigkeit steht dem Beschwerdeführer
auch bei Beachtung der im Belastungsprofil genannten Einschränkungen eine breite Palette von Tätigkeiten offen. Für die Bemessung des
Invalideneinkom
mens
ist
auf den standardisierten Durchschnittslohn für einfache und repetitive Tätigkeiten in sämtlichen Wirtschaftszweigen des privaten Sektor
s abzustellen (LSE 200
8
, S.
26, Tabellengruppe TA1, Rubrik „Total“, Niveau 4).
Das im Jahr 20
08
von Männern im Durchschnitt aller einfachen und repetitiven Tätigkeiten erzielte Einkommen betrug pro Monat Fr.
4'806
.-- (LSE 20
08
, S.
26, Tab. TA1, Rubrik „Total“, Niveau 4),
mithin Fr.
57‘672.--
im Jahr (Fr. 4'806
.-- x 12). Der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit im Jahr
2008 von 41.7
Stunden angepasst,
ergibt dies den Betrag von Fr.
60‘123
.-- für das Jahr
2008
(Fr.
57‘672.
-- :
40 x 41.7
).
3.3
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kür
zen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten
nur mehr
beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszu
gehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest
)Ar
beits
fähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). Dabei ist zu beachten, dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der
Vergleichsein
kommen
mitverantwortliche invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des soge
nannten Leidensabzuges nicht nochmals berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 322 E. 5.2).
3.
4
Das trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung
zumutbarerweise
erzielbare Einkommen ist bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu ermitteln.
Ein solcher Arbeitsmarkt ist gekennzeichnet durch ein gewisses Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften und weist einen Fächer verschiedenster Tätigkeiten auf und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des kör
perlichen Einsatzes (BGE 110 V 273 E. 4b). Dabei ist nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten auszugehen. Es können nur Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegeben
heiten des Einzelfalles zumutbar sind. Andererseits sind an die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten keine übermässigen Anfor
derungen zu stellen (AHI 1998 S. 287 E. 3b). Die Gerichtspraxis geht davon aus, dass der ausgeglichene
Arbeitsmarkt für Personen, welche funktionell als Ein
armige zu betrachten sind und überdies nur noch leichte Arbeiten verrichten können, genügend realistische Betätigungsmöglichkeiten bietet (Urteil des Bun
desgerichts 9C_418/2008 vom 17. September 2008).
3.
5
Die medizinisch ausgewiesenen Behinderungen des Beschwerdeführers bestehen darin, dass er nur körperlich leichte Tätigkeiten, bei denen
keine
Schulterbewe
gungen
(
Schultereflexion
, -
innenrotation
, -
aussenrotation
, -abduktion) der
unfall
bedingt
beeinträchtigt
en linken Schulter notwendig sind und
welche
vor
nehm
lich aus dem Ellbogengelenk beziehungsweise Handgelenk
heraus
verrich
tet werden können, ohne regelmässige Hebe- und Tragbelastung bis 5 kg, ohne Arbeiten über Brustniveau oder Arbeiten in Armvorhalteposition, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne Vibrations-, Stoss- oder Drehbelastungen, aus
zuüben vermag (Urk. 2/20 S. 7).
Angesichts der Zumutbarkeit einer 100%igen behinderungsangepassten Tätig
keit steht dem Beschwerdeführer eine breite
Palette von Tätigkeiten offen.
Zu denken ist etwa an einfache Überwachungs-, Prüf- und Kontrolltätigkeiten sowie an die Bedienung und Überwachung von (halb-) automatischen Maschinen oder Produktionseinheiten, die nicht den Einsatz beider
Schultern
voraussetzen (vgl. Urteile
des Bundesgerichts
8C_207/2009 vom
8.
September 2009 E. 3.2 und 8C_635/2007 vom 2
7.
August 2008 E. 4.2 mit Hinweisen).
Des Weiteren
dürften die
genannten Einschränkungen bei den üblichen einfachen und repeti
tiven Tätigkeiten nicht
übermässig
ins Gewicht fallen
, da
der Tabellenlohn im Anforderungsniveau 4 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts 9C_
455/2013 vom
4.
Oktober 2013 E.
4.4).
Mithin schränken diese Behinderungen
den Beschwerdeführer
nicht wesentlich in der Wahl der Tätigkeit ein. Es ist daher nicht zu erwarten, dass d
er Beschwerdeführer
seine
verbleibende Arbeitsfähigkeit nur zu ein
em
deutlich
unter
durchschnittlichen Lohn -
der
viel
tiefer sein müsste als der verwendete Tabellenlohn - verwerten kann. Lohnmindernd wirkt sich
daher
einzig der Um
stand aus, dass
der Beschwerdeführer
mit dem genannten Zumutbarkeitsprofil keine Schwerarbeit mehr leisten und vor allem Arbeiten
ohne
Schulterbewe
gungen
mit möglichst viel
Bewegung
aus dem El
l
bogengelenk
und
Handgelenk
ausüben kann sowie vermehrte Erholungs-
und
Regenerationszeit bedarf.
Dieser
Umstand ist mit ein
em Abzug vom Tabellenlohn von 15 % Rechnung zu
tragen, womit sich ein Invalideneinkommen von rund Fr. 51‘105.-- (Fr. 60‘123.-- x 0.85) ergibt
.
3.6
Der Verg
leich des
Valideneinkommens
von Fr. 73‘750
.-- (vgl. vorstehend E.
3.1
) mit dem Invalideneinkommen von
Fr. 5
1‘105.-- (vgl. vorstehend E. 3.
5
)
ergibt eine Einkommenseinbusse von Fr
22‘645.--
und damit einen
Invaliditätsgrad von gerundet 31
%.
4.
Nach dem Gesagten bleibt zusammenfassend festzuhalten, dass der angefoch
tene
Einspracheentscheid
vom
1. Februar 2011 (Urk.
10
/2/2)
in teilweiser Gut
heissung der Beschwerde bezüglich der
Rentenzusprache
dahingehend abzuän
dern ist, dass
de
r
Beschwerdeführer ab dem
1. Mai 2008
Anspruch auf eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von
31
% hat.
5.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat
der Beschwerdeführer
Anspruch auf eine Parteient
schädigung. Diese ist nach Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit §
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierig
keit des Prozesses zu bemessen. In Anwendung dieser Grundsätze rechtfertigt sich die Zusprechung ein
er Prozessentschädigung von Fr.
2‘9
00.
--
.
Das Gericht erkennt
:
1.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der
Einspracheentscheid
der Schwei
ze
rischen Unfallversicherungsanstalt vom 1. Februar 2011
bezüglich der
Rentenzuspra
che
dahingehend abgeändert, dass der Beschwerdeführer ab dem 1. Mai 2008 Anspruch auf eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 31 % hat.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine
Prozessent
schädigung
von
Fr.
2'900
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
Rechtsanwalt
Dr.
iur
. André
Largier
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
Bundesamt für Gesundheit
5.