Decision ID: 7b5a9967-2832-4825-ab4d-784f2025e1ef
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1965 geborene
X._
war vom 1. August 1991 bis am 31. Ok
tober 2009 als Mitarbeiterin Zahlungsverkehr bei der
B
ank
Y._
angestellt
(
Urk.
8/12)
. Anschliessend war sie vom 16. November 2009 bis 31. August 2010 bei der Bank
Z._
(heute
Privatbank
A._
AG) tätig und daraufhin vom 1. September 2010 bis 31. De
zember 2011 bei der
B._
(
Urk.
8/6/6, Urk.
8/7/5 und
Urk.
8/12
).
Am
31. Oktober 2011 meldete sie sich unter Hinweis
auf psychische Beschwerden, De
pression (Burnout), Panikattacken, Schilddrüsenprobleme (Überfunktion) und Rückenbeschwerden
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
8/7
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen
und
sprach ihr vom 14. Mai 2012 bis 4. September 2013 berufliche Massnahmen
(
Arbeitstraining und Arbeitsversuch)
zu (
Urk.
8/27,
Urk.
8/35 und
Urk.
8/43)
. Die Versicherte konnte daraufhin
ab 1.
Oktober 2013 eine 50
%
-Stelle bei der
C._
antreten
(Urk. 8/54)
. Die IV-Stelle sprach ihr mit V
erfü
gung vom
4.
Juli 2014
bei einem Invaliditätsgrad von 54
%
ab 1.
September 2013 eine halbe Rente der Invaliden
versicherung zu (
Urk.
8/77
).
Am 1
8.
September 2015 teilte sie der Versicherten mit, dass sie bei einem Invaliditätsgrad von 51
%
weiterhin Anspruch auf eine halbe Rente habe (
Urk.
8/94).
1.2
Nachdem die Versicherte der IV-Stelle
am 1
9.
Januar 2016
eine Lohnerhöhung gemel
det hatte (Urk. 8/96), leitete
diese
ein Revisionsverfahren ein. In dessen Rahmen
tätigte
sie
medizinische und erwerbliche Abklärungen und liess die Ver
sicherte insbesondere durch die
Medas
D._
polydiszipli
när begutachten (Expertise vom
1
3.
Juli 2017
;
Urk.
8/152
).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
8/175
und
Urk.
8/189
)
hob
die IV-Stelle
die bislang ausgerichtete halbe Rente
mit Verfügung vom 1
9.
September 2018
auf Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf
(Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am
1
5.
Oktober 2018
Beschwerde (Urk. 1) und bean
tragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei
die Vorinstanz zu verpflichten, ihr die gesetzlichen Leistungen auszurichten, insbesondere sei die halbe Invalidenrente weiterhin zu leisten (S. 2). Am 1
2.
Dezember 2018
(Urk.
7
) beantragte die IV-Stelle, die Beschwerde sei abzuweisen.
Am 28. Januar 2020 reichte die Beschwerdeführerin eine Stellungnahme ein (
Urk.
10),
welche
der Be
schwerdegegnerin am
3.
Februar 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
12).
Mit
Eingabe vom 14.
April
2020 (
Urk.
14) reichte die Beschwerdeführerin Korrespon
denz mit der Beschwerde
gegnerin ein (
Urk.
15/1-3).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teil
weise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psy
chischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
tels
rente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestim
men. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invali
dität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Ein
glie
de
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeits
markt
lage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbs
ein
kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Validen
einkommen).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Aus
wirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Fer
ner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Ände
rung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypo
thetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die
rentenaufhebende
Verfügung vom
19. Sep
tember 2018
(Urk. 2) damit, dass
sich der Gesundheitszustand der Be
schwerdeführerin verschlechtert habe. Sie sei heute zu 45
%
arbeitsfähig. In ihrer Tätigkeit für die
C._
habe sie
indes
ihr Einkommen konstant steigern können. Ein Revisi
onsgrund sei
somit
ausgewiesen. Aus dem - näher dargelegten - Einkommensvergleich ergebe sich ein rentenausschliessender Inva
liditätsgrad von 32
%
(S. 2-4).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
die Leistungsfähigkeit von 45
%
sei unbestritten.
Zu beanstanden sei hingegen die Berech
nung des Invaliditätsgrades. So sei das Valideneinkommen nicht ge
stützt auf die
vom Bundesamt für Statistik herausgegebene Schweizerische Lohn
strukturerhebung (LSE)
, sondern anhand ihres bei der
Y._
erzielten Einkommens zu berechnen. Während jener Anstellung habe sie einen gesundheitlichen Zusam
menbruch erlitten und sich von die
sem nie mehr vollständig erholt. In der Folge habe sie schlechter qualifizierte Tätigkei
ten mit
entsprechender Lohneinbusse ausüben müssen. Im Gesundheitsfall würde sie heute mindestens das Doppelte des aktuellen Einkommens erzielen.
Aufgrund ihrer guten Leistungen und ihrer Fachkenntnisse habe sie wieder ihr ehemaliges Lohnniveau erreichen können. Es gebe keine Gründe, weshalb dies nicht auch ohne Eintreten der gesundheitlichen Beschwerden der Fall gewesen wäre
(S. 5-
8).
Auch das Invalidenein
kommen sei - aus näher dargelegten Gründen -
anders zu berechnen (S. 8-9
).
Es liege damit ein Invaliditätsgrad von mindestens 50
%
vor. Ein Revisionsgrund bestehe nicht und ihr sei weiterhin die halbe Invalidenrente auszurichten (S. 10).
Im Laufe des Verfahrens ergänzte sie (
Urk.
10), ihr sei die Stelle bei der
C._
per 3
1.
Dezember
2019 gekündigt worden. Gemäss Gutachten der
Medas
D._
sei von einer Arbeitsfähigkeit von 45
%
aus
zugehen. Es habe sich also gezeigt, dass ihr Bemühen, ein 50
%
-Pensum zu leis
ten, eine Überforde
rung dargestellt habe. Das von ihr geforderte Leistungsniveau habe sie nicht erfüllen können. Das von der Beschwerdegegnerin geltend ge
machte Invalideneinkommen werde deshalb bestritten.
3.
Strittig und zu prüfen ist, ob sich der Sachverhalt in invalidenversicherungs
-
rechtlich relevanter Hinsicht (vgl. dazu E. 1.
5
hievor
) verändert hat. Dem im Jahr
e
2015 durch
geführten Revisionsverfahren lag eine umfassende Anspruchsprüfung zu Grunde, wur
den doch
nicht nur
Berichte der behandelnden Ärzte,
der IK-Auszug,
Lohnabrechnungen
und der Arbeitsvertrag
zu den Akten genommen (Urk. 8/87-
89
)
, sondern auch eine Stel
lungnahme des
Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
eingeholt (
Urk.
8/93/3) und der IV-Grad neu berechnet (51
%
, zu
vor 54
%
). G
estützt
auf diese Abklärungen wurde d
ie
Ausrichtung einer halben
Rente
am 18. September 2015
bestätigt (Urk.
8/94
). Die Beurteilung einer allfäl
ligen Ver
änderung hat daher im Vergleich mit den i
n diese
m Zeitpunkt vorgele
genen Verhältnissen zu erfolgen.
4
.
4
.1
Dr. med.
E._
, Psychiater und Psychotherapeut FMH, stellte in seinem Bericht vom 30. November 2011 (Urk.
8
/11/5-10) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1):
-
rezidivierende depressive Episode, mittelgradig bis schwer, mit somatischen Symp
tomen
-
Morbus Basedow
-
Persönlichkeit akzentuiert mit abhängigen Zügen
Dazu führte er aus, die
Beschwerdeführerin
sei seit dem 21. Juni 2011 zu 50 % arbeits
unfä
hig. Eine erste Episode mit psychischer Dekompensation (seines Wis
sens die erste depressive Episode) habe sich vor rund vier Jahren ereignet. Damals sei sie bei der
Y._
als Prokuristin tätig gewesen. Sie habe sich von einer neuen Vorgesetzten schikaniert gefühlt und hilflos reagiert. Anfang 2009 sei die Kün
digung im
«
gegenseitigen Einver
nehme
n
»
erfolgt. Anschliessend habe sich die psychische Verfassung gebessert. Sie habe eine neue Stelle in
F._
gefun
den, wo sie aber nicht lange geblieben sei. Der Arbeitsweg sei zu lange gewesen. Ein Umzug sei nicht in Frage gekommen, da sie in der Nähe der Mutter habe bleiben wollen, um welche sie sich kümmern zu müssen meine. Ende 2010 habe sie eine neue Stelle bei der
B._
in Zürich angetreten. Dort habe sie nach kurzer Zeit erfahren, dass die Abteilung aus Rationalisierungsgründen aufgelöst werde. Seither bestehe zunehmender Druck von Seiten der Arbeitgeberin. In ei
nem Qua
lifika
tionsgespräch habe man ihr mangelhafte Leistungen vorgeworfen, dies könne sie überhaupt nicht nachvollziehen. Nachvollziehbar schildere sie diese Vorwürfe als Manöver der Arbeitgeberin, die Mitarbeiter möglichst wegen vor
geschobenen Gründen entlassen zu können. Ende 2010 sei die Diagnose eines Morbus Basedow gestellt worden. Ab Frühjahr 2011 sei es zu einer zunehmenden psychischen Dekompensation gekommen (S. 5).
Die verminderte Arbeitsfähigkeit sei derzeit vor allem durch die Depression be
dingt. Es sei davon auszugehen, dass in einem freundlicheren und
supportiveren
beruflichen Umfeld bald wieder eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe (S. 6).
4
.2
Der behandelnde
Dr.
E._
hielt in seinem Bericht vom 4. September 2013 (Urk.
8
/51/5-10) fest, die Belastbarkeit habe im Vergleich zum letzten Bericht klar abgenommen. Heute müsse gesagt werden, dass ein Wiedererreichen einer vollen Arbeitsfähigkeit kaum erwartet werden könne. Seit 1. März 2013 arbeite
die Be
schwer
deführerin
zu 50 % an einer von der Invalidenversicherung vermittelten Stelle. Eine Steigerung sei ganz klar aus
geschlossen (S. 2 f.).
4
.3
Im Bericht vom 2
0.
März 2015 (
Urk.
8/89/6-9) führte
Dr.
E._
aus, die depres
sive Symptomatik habe
s
ich zurückgebildet und die Beschwerdeführerin sei in einer mehr
heitlich stabilen psychischen Verfassung. Die lange Zeit schwer ein
stellbare Schilddrü
senhormon-Problematik habe stabilisiert werden können. Die derzeitige Tätigkeit müsse als optimal angepasst beurteilt werden. Die verbesserte gesundheitliche Situation sei nicht zuletzt auch von diesem Umstand abhängig. Sie fühle sich gut ins Team einge
bettet und mache eine Arbeit, für die sie kom
petent sei und
die
ihr gefalle. Der vermin
de
rte Leistungsdruck durch die 50
%-Tätigkeit wirke sich stabilisierend auf die Gesund
heit aus. Eine Steigerung dieser Anforderungen sei aber nicht sinnvoll, weil mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit
mit erneuter Überforderung und Dekompensation zu rechnen wäre. Es müsse als Erfolg betrachtet werden, dass dank den beruflichen IV-Massnahmen eine geeig
nete Arbeit habe gefunden werden können. Am derzeitigen Rahmen sollte nichts verändert werden (S. 1).
Die Beschwerdeführerin sei zu 50
%
arbeitsfähig. Eine vollständige Heilung und Wiedererlangung der vollen Leistungsfähigkeit könne auf
grund des bisherigen Verlaufs und der Persönlichkeitsstruktur nicht erwartet werden. Ohne weitere Krisen sollte sie im derzeitigen Rahmen leistungs- und ar
beitsfähig blei
ben (S. 2-3).
4
.
4
Dr.
med.
G._
, Facharzt FMH Allgemeine Innere Medizin,
Dr.
med.
H._
, Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und
Dr.
med.
I._
, Facharzt FMH Rheumatolo
gie
, von der
Medas
D._
ste
llten
in ihrem Gutachten vom 1
3.
Juli 2017
(
Urk.
8/152
) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S.
24
):
-
rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradige Episode mit somati
schem Syndrom
-
Status nach Morbus Basedow, Status nach
Thyreoidektomie
01/2012 und Sub
stitu
tion mit
Eltroxin
-
dringender Verdacht auf relevante
Osteopenie
/Osteoporose mit:
-
Abnahme der Körpergrösse um 4
cm
-
klassische
r
axiale
r
Irritation mit Erschütterungsschmerz, vermehrte
r
BWS-Kyphose und aufliegende
m
Rippenbogen
-
röntgenologisch dringende
m
Verdacht auf
beginnende Keilformationen BWK
8-
1
2
-
Risikofaktoren: familiäre Belastung, rezidivierende systemische
Kortikoste
roid-Therapie
und Status nach Morbus Basedow
-
Adipositas mit BMI von 28 kg/m
2
Zudem hielten sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (S.
24
):
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit abhängigen, ängstlich-vermeidenden, selbstunsicheren und sensitiven Anteilen
-
Asthma bronchiale mit aktuell unauffälliger Spirometrie aber erhöhtem NO in der Ausatmungsluft
-
Hypertonie
-
Dyslipidämie
-
Verdacht auf
Restless
Legs
-Syndrom respektive
Periodic
Limb
Movement
Disorder
Dazu führten sie aus, es beständen Wechselwirkungen der beiden psychiatrischen Diagnosen. Zudem bestehe ein Zusammenhang zwischen der Depression und dem Schilddrüsenleiden. Die Beschwerdeführerin sei in allen Lebensbereichen durch ihre funktionellen Störungen in gleichem Masse eingeschränkt (S. 24).
In ihrer aktuellen Tätigkeit als Mitarbeiterin einer Anlageberaterfirma bestehe eine
50%ige quantitative Arbeitsfähigkeit mit einer 10%igen Einschränkung der qua
litativen Leistungsfähigkeit. Die Leistungseinbusse sei begründet einerseits durch die psychiatrischen Funktionsstö
rungen und andererseits dadurch, dass ihr Mög
lichkeiten für Pausen gewährt werden müssten zur Durchführung von Lockerungs- und Gymnastikübungen wegen der vermin
derten Belastbarkeit des Ach
senskeletts. Insgesamt ergebe dies eine Arbeitsfähigkeit von 45
%
. Diese Arbeits
fähigkeit bestehe seit dem Gutachtenszeitpunkt (S. 26). Die Verschlechterung ge
genüber 2013 bestehe durch die Neudiagnose einer Osteoporose mit verminderter Belastbarkeit des Achsenskeletts. Dazu komme die Neudiagnose eines
Restless
Legs
-Syndroms respektive einer
Periodic
Limb
Movement- Störung mit ent
spre
chend negativem Einfluss auf die Schlafeffizienz. Wegen den oben angeführten Wechselwirkungen der verschiedenen Diagnosen könne kaum mit einer Steige
rung
der Arbeitsfähigkeit gerechnet werden. Für die Beschwerdeführerin sei es wegen ihrer Persönlichkeitsstörung, insbesondere der interpersonellen Sensitivi
tät, schwierig, im Team oder mit Vorgesetzten zu arbeiten. Hier habe sie eine geringe Flexibilität bezie
hungsweise die Passung müsse gut sein, ansonsten komme es zu einem raschen Abfall der Arbeitsleistung. In der aktuellen Tätigkeit sei diese Passung sowohl mit den Vorge
setzten als auch im Team gut. Dies bleibe aber ihre Achillesferse, beispielsweise bei einem Wechsel des Vorgesetzten (S. 27).
5.
5.1
Das polydisziplinäre Gutachten
der
Medas
D._
vom 13. Juli 2017
(E.
4.4
hievor
) beruht auf den erforderlichen allgemeininternisti
schen, rheumato
logischen
und
psy
chi
atrischen Untersuchungen, ist für die strei
tigen Belange umfas
send und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten Vorakten erstellt. Die Gutachter legten die medizinischen Zusammenhänge einleuch
tend dar, beurteilten die medizinische Situation über
zeugend und setzten sich mit den geklagten Beschwerden und dem Verhalten der Beschwerdeführerin auseinander. Konsistenz und Plausibilität wurden von den Gutachtern beurteilt, ebenso wurden die Ressourcen und Belastungen schlüssig gewürdigt. Nachvollziehbar und ausführlich begründet
,
schlossen die Gutachter auf eine 45%ige Arbeitsfähigkeit
in jeglicher Tätig
keit und zeigten auf, dass sich der Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin seit 2013
verschlechtert und die Arbeitsfähigkeit verringert hat.
Das Gutachten entspricht damit den rechtspre
chungsgemässen Anfor
derungen an eine beweiskräftige medizini
sche
Entschei
dungsgrundlage (vgl. E.
1.4
hievor
)
und es ist darauf abzustellen
. Dies
wird von den Parteien denn auch nicht bestritten.
5.2
Seit dem Vergleichszeitpunkt ist demnach e
ine wesentliche Änderung der ge
sundheit
lichen Verhältnisse
ausgewiesen. Diese ist
geeignet, den Invaliditätsgrad und
somit
den Rentenanspruch zu beeinflussen.
Ebenso ist es seit dem Vergleichs
zeitpunkt zu einer Einkomme
nsverbesserung von mehr als Fr.
1'500.-- pro Jahr gekommen (
Art.
31 IVG;
2015 Brutto-
Brutto-
Einkommen von Fr.
50'400.--, Urk. 8/158; 2018 Brutto-Einko
mmen von
Fr.
52'641.55, vgl. E.
6.
3
.3
unten). Ein Revisions
grund ist
damit
erstellt und der Renten
anspruch ist in rechtlicher und tatsächli
cher Hinsicht umfassend zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilun
gen besteht.
6.
6.1
Zu
beurteilen
ist demnach
, wie sich das Leistungsvermögen der Beschwerdefüh
rerin in wirt
schaftlicher Hinsicht auswirkt.
Der für die Invaliditätsbemessung und damit den Rentenanspruch massgebende Ein
kommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothe
tischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (BGE 130 V 343 E. 3.4.2).
6.2
6.2.1
Die Beschwerdeführerin war vom 1. September 2010 bis 31. Dezember 2011 bei der
B._
angestellt und ist seit dem 21. Juni 2011 durchgehend zu mindestens 50 % arbeitsun
fähig.
Kurz nach ihrer Anstellung erfuhr
sie
, dass ihre Abteilung aus Ration
alis
ierungs
gründen aufgelöst werde. Ab dann sei die Stimmung im Team geprägt gewesen von gegenseitigem Misstrauen, von Angst und Spannung sowie grossem Druck von Seiten de
r
Arbeitgeber
in, welche
ihr in einem Qualifikations
gespräch mangelhafte Leistung vorgeworfen habe. Diese Vorwürfe waren nach Ansicht der Beschwerdeführerin jedoch nur ein Manöver der Arbeitgeberin, um den Stellenabbau nicht als Grund deklarieren zu müssen und die Mitarbeiter we
gen vorgeschobenen Gründen entlassen zu können (so etwa
Urk.
8/11/9). Auch wenn die Arbeitgeberin die langandauernde Krankschreibung als Vorwand be
nutzt haben soll, um die mangelhafte Leistung der Beschwerdeführerin zu be
gründen, ist mit Blick auf die ohnehin geplante Auflösung ihrer Abteilung mit damit verbundenem Stellenabbau nicht überwiegend wahrscheinlich, dass sie bei guter Gesundheit weiterhin für die
B._
gearbeitet hätte. Für das Valideneinkom
men ist deshalb nicht ihr dort erzielter Verdienst zu berücksichtigen. Vielmehr ist dieses gestützt auf
TA1 der
LSE
2014
festzulegen
.
Nachdem die Beschwerdefüh
rerin während rund 20 Jah
ren
für verschiedene Banken gearbeitet hat und keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie ohne gesundheitliche Beeinträchtigung eine Anstellung ausserhalb dieser Bran
che gesucht hätte,
drängt sich die Anwen
dung der statistis
chen Durchschnittslöhne dieser
Branche nachgerade auf und es besteht keine Notwendigkeit
zur Berechnung des
Valideneinkommens
das Inva
lideneinkommen auf ein 100
%
-Pensum hochzurechnen. Dass sie mit ihrer Tätig
keit für die
Anlageberatungsunternehmung
C._
, bei welcher sie für
die Buchhaltung und Zahlungen verantwortlich ist (Urk.
8/152/
15
)
,
trotz ihrer Beschwerden pro Stunde mehr verdient als sie im Gesund
heitsfall verdient hätte
, vermag daran nichts zu ändern, zumal gemäss bundesgericht
licher Recht
sprechung aus einer erfolgreichen Invalidenkarriere nicht ohne Weiteres auf eine entsprechende berufliche Karriere im Gesundheitsfall
beziehungsweise vorlie
gend auf eine vergleichbare Anstellung im Gesundheitsfall
geschlossen werden kann (so etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_25/2014 vom
5.
Juni 2014 E. 4.2.2). Ob sich die Invali
denkarriere in einem völlig anderen oder wie vorliegend in ei
nem ähnlichen Tätigkeits
bereich wie die
Validenkarriere
entwickelt,
ist dabei nicht von Belang
.
6.2.2
Der monat
liche Bruttolohn (Zentralwert)
der LSE 2014
für Frauen in komplexen prakti
schen Tätigkeiten, welche ein grosses Wissen in einem Spezialgebiet vo
raussetzen (Kompetenzniveau 3), in Finanzdienstleistung
st
ätigkeiten (
Ziff.
64
) beläuft sich auf Fr.
7’077
.--. Dies ergibt unter Berücksichtigung einer betriebsüb
lichen durchschnittli
chen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.
5
Stunden
(Bundesamt für Statistik, Betriebs
übliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilun
gen, T. 03.02.03.01.04.01),
aufgerechnet auf das Jahr 2018 (vgl. Indices 2014: 2
673
und 2018: 2
732
, Entwicklung der Nominal
löhne, Bundesamt für Statistik, T39,
Frauen
) ein
Validen
einkommen von Fr.
90
'
053.45 per 2018
.
6.2.3
Nachdem das bei der
Y._
erzielte Einkommen (vgl.
Urk.
8/12/3
,
Urk.
1 S. 10) von zuletzt Fr. 93'760.--
per 2009 (a
ufgerechnet per 2018
Fr.
100'373
.
20
, vgl. Indices 2009: 2552 und 2018: 2732, T39, a.a.O.) nichts am Anspruch auf Ausrichtung einer
Viertelsrente
der Invalidenversicherung ändert (
IV-Grad von 48
%
statt 42
%
;
vgl. dazu E. 6.3-6.4), ist auf die Ausführungen der Beschwerdeführerin, weshalb dieses für die Berechnung des
Valideneinkommens
heranzuziehen sei
(
Urk.
1 S. 6-7)
, nicht weiter einzugehen.
6.3
6.3.1
Die Beschwerdeführerin ist seit dem 1. Oktober 2013 mit einem 50
%
-Pensum bei der
C._
angestellt. Dies zunächst als «Analyst
of
the
Company» und seit ihrer Beförderung per
1.
Juli 2018 als «
Associate
of
the
Company» (Urk. 8/54 und
Urk.
8/170).
Im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfü
gung
(1
9.
September 2018) war sie weiterhin zu 50
%
als
Associate
tätig. Mit dieser Anstellung schöpft
e
die Beschwerdeführerin ihre Restarbeitsfähigkeit best
möglich aus
(50%ige Arbeitsfähigkeit mit 10%iger Leistungseinschränkung)
, auch ihr behandelnder Psychiater erachtete die Tätigkeit als optimal angepasst. Für das Invalideneinkommen ist deshalb auf
das
mit dieser Arbeit erzielte Ein
kommen abzustellen.
Der Umstand, dass
ihr die Stelle
knapp ein Jahr nach Erlass der angefochtenen Verfügung
per 31.
Dezember 2019 gekündigt
wurde
(
Urk.
10-11), ändert
im vorliegenden Verfahren
nichts
.
Die entsprechenden Umstände wer
den von der Beschwerdegegnerin aufgrund des Revisionsgesuch
s
vom Januar 2020
zu prüfen sein (vgl.
Urk.
15/1-3).
6.3.2
Im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung erzielte
die Beschwerde
führerin
ein Jahreseinkommen von
Fr.
44'000.-- (
Urk.
8/170/3). Es besteht kein Anlass, für die Berechnung des Invalideneinkommens auf das im Jahre 2017 vor der Beförderung erzielte Einkommen abzustellen, sind doch für die ziffernmässig möglichst genaue Ermittlung der beiden hypothetischen Erwerbseinkommen die Verhältnisse im Verfü
gungszeitpunkt massgebend.
Auch handelt es sich beim Einkommen ab
1.
Juli 2018 entgegen den Ausführungen der Beschwerdegegnerin (
Urk.
2 S. 4) nicht um eine Zurückstufung verglichen mit 201
7.
In jenem Jahr wurde
die Beschwerdeführerin
zwar mit
Fr.
48'561.30
entlöhnt
(
Urk.
8/163/4), doch handelte es sich dabei aufgrund der damals noch fehlenden Zweignieder
lassung der Arbeitgeberin in der Schweiz um ein Brutto-Brutto-Einkommen, wel
ches nicht direkt mit dem Brutto-Einkommen ab
1.
Ju
li 2018
verglichen werden kann.
6.3.3
Gemäss Arbeitsvertrag hat die Beschwerdeführerin
zwar
keinen rechtlich durch
setzba
ren Anspruch auf einen Bonus (vgl.
Urk.
8/170/3). Nachdem ihr
aber
ein solcher aufgrund der guten Geschäftsergebnisse der Arbeitgeberin
seit Beginn ih
rer Anstellung
stet
s ausgerichtet wurde
(Urk.
8/87/6,
Urk.
8/95/1 und Urk. 8/163/4)
und deren Arbeits
geschäft nach Angaben der Beschwerdeführerin weiterhin sehr gut laufe (
Urk.
8/152/58), ist davon auszugehen, dass ihr auch
für die
Folgejahre ein Bonus ausbezahlt wird. Dieser ist bei der Berechnung des In
valideneinkommens folglich zu berücksichtigen. Nachdem die Höhe des Bonus
jährlich variiert und dessen Umfang
per 2018 im Zeitpunkt des Erlasses der an
gefochtenen Verfügung nicht bekannt war, rechtfertigt es sich, den durchschnitt
lichen Bonus der vergangenen drei J
ahre heran
zuziehen
.
Der Beschwerdeführerin wurde per 2015 ein solcher von
$ 8'000.--, 2016 von $
7'000.--
und 2017
von $
11'000.-- ausgerichtet (
Urk.
8/95/1 und
Urk.
8/163/4).
Es ist
somit
ein Bonus in der Höhe von $ 8'666.67 anzurechnen, was durchschnittlich
Fr.
8'641.55
(
Fr.
8’654.55
per 31.12.2015,
Fr.
8’828.75
per 31.12.2016 und
Fr.
8’441.35
per 31.12.2017
, vgl. die Exchange Rates
History
der jeweiligen Zeitpunkte gemäss
dem von der Beschwerdeführerin
vorgebrachten Währungsrechner auf
www.exchangera
tes.org.uk)
entspricht.
Nach dem Gesagten ist von einem Invali
deneinkommen von
Fr.
52'641.55 per 2018 auszugehen.
6.4
Aus den Vergleichseinkommen ergibt sich ein Invaliditätsgrad von
42
%. Die Be
schwer
degegnerin hat die Rente de
r
Beschwerdeführer
in
damit
zu
Unrecht auf
gehoben.
Diese ist jedoch per
1.
November 2018
auf eine
Viertelsrente
herabzu
setzen
(vgl. Art. 88
bis
Abs. 2 lit. a
der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV
), was zur
teilweisen
Gutheissung der Beschwerde führt.
7
.
7.1
Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 700.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der un
terliegen
den Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Der Beschwer
deführerin steht
ausgangsgemäss
eine Prozessentschädigung
zu, welche
vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festge
setzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3
Gesetz über das Sozialversiche
rungsgericht, GSVGer
). Entsprechend ist ihr eine
solche von Fr.
2‘3
00.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwert
steuer) auszurichten.
Anlass zur Reduktion der Parteient
schädigung besteht nicht, weil das Überklagen den Prozessaufwand nicht wesentlich beeinflusst hat (Urteil des Bundesgerichts 9C_699/2010 vom 2
2.
Dezember 2010 E.
4).