Decision ID: fb500602-406b-4723-9414-a9668c55a873
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1961 geborene
X._
verfügt über eine ausländische Aus
bildung zur Sekretärin
(Urk. 7/
1/4) und ist Mutter zweier 1987 und 1991 gebore
ner Kinder
(Urk. 7/
6/2
,
Urk.
7/33/3
).
Im September 2004 meldete sie sich unter Hinweis auf Depressionen, Schlafprobleme, Hüft-
,
Rücken- und Magenschmerzen sowie Gebärmutterprobleme bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
(Urk. 7/
1).
Gestützt auf den Haushaltabklärungsbericht vom 1. September 20
0
5, gemäss welchem die
Versicherte
als zu 100
%
im Haushalt tätig qualifiziert und dabei nicht als eingeschränkt beurteilt wurde
(Urk.
7
/
16), wies die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle, das Leistungs
begehren mit Verfügung vom 1. September 2005 ab
(Urk. 7/
17). Die dagegen erfolgte Einsprache
(Urk. 7/
18) wies die IV-Stelle am 1
8.
November 2005 ab
(Urk. 7/
22).
1.2
Am 3
1.
August 2011, eingegangen bei der IV-Stelle am
6.
September 2011, mel
dete sich die
Versicherte
unter Hinweis auf eine Verletzung der Unterarme seit
1.
Februar 2011 erneut zum Leistungsbezug an
(Urk. 7/
32).
Die IV-Stelle tätigte daraufhin medizinische sowie erwerbliche Abklärungen. Namentlich liess sie die
Versicherte
polydisziplinär durch das
Begutachtungszentrum A._
begut
achten, welches sein Gutachten am 2
0.
März 2014 fertigstellte
(Urk. 7/
77). Ferner liess sie eine Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haus
halt vornehmen (Haushaltabklärungsbericht vom 1
9.
Dezember 2012,
Urk.
7/79).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/
82 ff.) sprach sie der Versi
cherten m
it Verfügung vom 14. April 2015 mit Wirkung ab 1. Oktober 201
3
eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu
(Urk. 7/
122
und
Urk.
7/132
)
. Dabei ging sie davon aus, dass die Versicherte im Gesundheitsfall bis Ende September 2013 zu 21 % im Erwerbsbereich und zu 79 % im Haushaltsbereich tätig gewesen wäre und ab Oktober 2013 zu 80 % im Erwerbsbereich und zu 20 % im Haus
haltsbereich (Urk.
7/115
). Bezüglich der Einschränkung im Erwerbs
bereich stützte sie sich auf das polydisziplinäre Gutachten des
Begutachtungszentrum
s
A._
vom 20. März 2014 (Urk. 7/77), wonach keine relevante Restarbeitsfähigkeit bestand (Urk. 7/77/52). Im Haushaltsbereich nahm die IV-Stelle gestützt au
f den Bericht über die Haushalt
abklärung vom 11. Dezember 2012 eine Einschränkung von 21,5 % an (Bericht vom 19. Dezember 2012, Urk. 7/79/7). So errechnete sie einen Invaliditätsgrad von 38 % für die Zeit bis Ende September 2013 und einen von 84 % ab Oktober 2013 (
Urk.
7/115
).
Gegen diese Verfügung vom 1
4.
April 2015 erhob die
Versicherte
Beschwerde mit dem Antrag,
die angefochtene Ver
fügung sei in Bezug auf die Ablehnung von Ansprüchen für den Zeitraum vor
dem 1. Oktober 2013 aufzu
heben und es sei ihr für die Zeit vom 1. Februar 2012 bis zum 30. September 2013 eine halbe Invalidenrente zuzusprechen
(Urk. 7/
139/3-7). N
ach Hinweis des Gerichts im Beschluss vom 10. Juli 2015 auf eine mögliche Schlechterstellung im Urteilsfall (Urk. 7/
141) zog sie ihre Beschwerde
mit Eingabe vom 4. September 2015 zurück (Urk.
7/142/4
).
1.3
Im Nachgang dazu holte die IV-Stelle Berichte der behandelnden Ärzte ein
(Urk. 7/
148)
,
liess eine erneute Haushaltabklärung durchführen (Bericht vom 6. April 2016,
Urk.
7/152)
und legte das Dossier ihrem
Regionale
n
Ärztliche
n
Dienst
(RAD) vor
(Urk. 7/
155/3). Mit Vorbescheid vom 2
8.
Juni 2016 stellte sie der Versicherten die wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügung vom 14. April 2015 und die Aufhebung der Rente per Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats in Aussicht
,
d
ies
wegen zweifellos unrichtiger Qualifikation (Urk. 7/
156). Dagegen erhob die
Versicherte
am 30. August 2016 Einwand
(Urk. 7/
167). Am
2.
Februar 2017 verfügte die IV-Stelle im ange
kündig
ten Sinne
(Urk. 7/
171 =
Urk.
2)
.
2.
Gegen die Verfügung vom
2.
Februar 2017 erhob die
Versicherte
am 27. Februar 2017 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr auch für die Zeit nach dem 3
1.
März 2017 weiterhin eine ganze Invalidenrente zuzusprechen
(Urk.
1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer
Beschwerdeantwort
vom
6.
April 2017 auf Abweisung der Beschwerde
(Urk.
6). Dies wurde der Beschwerdeführerin am 1
0.
April 2017 mitgeteilt
(Urk.
8).
Mit Gerichtsverfügung vom 1
3.
September 2018 wurde die
Personalvorsorge Y._
zum Prozess beigeladen
(Urk.
9). Sie verzichtete am 10. Oktober 2018 auf das Einreichen einer Stellungnahme
(Urk.
10).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
D
ie
IV-Stelle
kann
auf formell rechtskräftige Verfügungen, welche nicht Gegen
stand materieller richterlicher Überprüfung gebildet haben, zurück
kommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn – was auf periodische Dauerleistungen regelmässig zutrifft (BGE 119 V 475 E. 1c mit Hinweisen) – ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53 Abs. 2 und 3 ATSG; BGE 141 V 405 E. 5.2,
138 V 147 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_819/2017 vom 13. Februar 2017 E. 2.2). Die Wiedererwägung im Sinne von Art. 53 Abs. 2
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
dient der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung einschliesslich unrich
tiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhaltes (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_121/2017 vom 5. Juli 2018 E. 8.2).
Die Wiedererwägung nach
Art.
53
Abs.
2 ATSG setzt voraus, dass kein
ver
nünftiger
Zweifel an der Unrichtigkeit der Verfügung möglich, folglich nur dieser einzige Schluss denkbar ist. In diesem Sinne qualifiziert unrichtig ist eine Verfü
gung, wenn eine Leistung aufgrund falscher Rechtsregeln beziehungsweise ohne oder in unrichtiger Anwendung
der
massgeblichen
Bestimmungen
zugesprochen wurde (BGE 141 V 405 E. 5.2, 140 V 77 E. 3.1 mit Hinweis). Gleiches gilt bei einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes, insbe
sondere wenn die notwendigen fachärztlichen Abklärungen überhaupt nicht oder nicht mit der erforderlichen Sorgfalt durchgeführt wurden
(vgl. Art. 43 ATSG; BGE 141 V 405 E. 5.2; Urteil des Bu
ndesgerichts 8C_717/2017 vom 2.
August 2018 E. 3.2 mit Hinweisen).
Soweit ermessensgeprägte Teile der Anspruchs
prüfung vor dem Hin
tergrund der Sach- und Rechtslage
einschliesslich
der Rechts
praxis im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung in ver
tretbarer Weise beurteilt worden sind, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus
(BGE 141 V 405 E. 5.2 mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_766/2016 vom 3. April 2017 E. 1.1.2 mit Hinweisen).
1.2
Zulässig ist eine Wiedererwägung eines Verwaltungsentscheides auch dann, wenn eine zunächst dagegen erhobene Beschwerde wieder zurückgezogen wurde; auch hier sind aber die spezifischen Wiedererwägungs
voraussetzungen von
Art.
53
Abs.
2 ATSG zu beachten (
Kieser
,
ATSG
-Kommen
tar,
3.
Aufl. 20
15,
Rz
49 zu
Art.
53 ATSG mit Hinweis auf BGE 138 V 3
39
E. 6
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt,
dass
die Tatsache, dass
sie die Beschwerdeführerin
in der rentenzu
sprechenden Verfügung vom 1
4.
April 2015
ab Okto
ber 2013 als im Gesund
heits
fall
zu 80
%
erwerbstätig und zu 20
%
im Haushaltbereich tätig qualifiziert habe, mit Blick auf die Aktenlage nicht nachvollziehbar
sei. Deshalb sei ein Wiederer
wägungsgrund gegeben und d
ie Berichtigung
dieser
zweifellos unrichtigen Ver
fügung sei von erheblicher Bedeutung, da es sich bei der Invalidenrente um eine periodische Leistung handle.
Die neue Beurteilung der Sache
ergebe, dass aus
medizinischer Sicht der Gesundheitszustand unverändert und die Beschwerde
führerin im Erwerbsbereich zu 80
%
eingeschränkt
sei
.
Es sei
davon aus
zugehen
, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall weiterhin mit einem Pensum von 21
%
als Betriebsmitarbeiterin (Reinigung)
angestellt wäre
und zu 79
%
im Haus
halt tätig wäre
. Die mit dem Arbeitgeber abgesprochene Erhöhung des Arbeits
pensums ab Mai 2011 auf 45
%
sei erst nach Eintritt des Gesundheitsschadens erfolgt. Anhaltspunkte, dass die Absicht einer
Pensums
erhöhung
auch ohne Ein
tritt des Gesundheitsschadens bestanden haben könnten, lägen keine vor. Die Aussage der Beschwerdeführerin, wonach sie im Gesund
heitsfall ihr Arbeitspen
sum nach dem Tod ihres Ehemannes
im Jahr 2013
auf 80
%
erhöht hätte, sei nicht nachvollziehbar. Sie habe finanzielle Gründe angeführt, andererseits aber mehrfach angegeben gehabt, dass sie Eigentümerin des Familienhauses und auf
grund einer Erbschaft finanziell abgesichert sei. Sodann habe sie bis im Jahr 2012 das Studium ihres Sohnes finanzieren können und die beiden Kinder hätten trotz der (geringen) eigenen Einkommen keine
Beiträge an die Lebensunterhalt
skosten der Familie geleistet. Die Beschwerde
gegnerin errechnete
unter Zugrundlegung des Erwerbsbereichs von 21
%
und einer dort erlittenen Einbusse von 5
%
(Teil
invalidität von 1
%
) sowie des Haushaltsbereichs von 79
%
mit einer Ein
busse von 21,5
%
(Teilinvalidität von 17
%
)
einen nicht rentenbegründenden Invali
ditätsgrad von
gesamthaft
18
%
.
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte in ihrer Beschwerde vor, bis zum Eintritt des Gesundheitsschadens im Februar 2011 habe sie i
n einem Teilzeitpensum von 21
% im Reinigungsdienst gearbeitet. Damals habe sie den chronisch kranken Ehemann zu betreuen und zusätzlich die beiden Kinder zu versorgen gehabt. Im Hinblick auf die künftige Entlastung von dem Aufwand zur Versorgung der damals vor dem Abschluss der Ausbildung stehenden Kinder habe sie bereits im Jahr 2010 die Erhöhung des Erwerbspensums auf 50
%
beabsichtigt, wozu sie nebst der schriftlichen Bestätigung die Zeugenaussage der behandelnden Ärztin anbiete (Urk. 1 S. 2). Im Dezember 2010 sei die Erhöhung des Arbeitspensums mit Wirkung ab dem Frühjahr 2011 verbindlich vereinbart worden. Mit dem Verster
ben ihres Ehemannes im Oktober 2013 sei die Entlastung von der Betreuung des zuhause gepflegten chronisch kranken Partners erfolgt. Zudem seien die Renteneinkünfte des Ehemannes weggefallen. Zu diesem Zeitpunkt hätte sie im Gesund
heitsfall ihr Pensum auf mindestens 80
%
erhöht (Urk. 1 S. 3).
Die
Rentenzuspra
che
sei gestützt auf ein polydisziplinäres Gutachten und einen Haushaltabklä
rungsbericht erfolgt. Korrekt sei, dass sich ihr Gesundheitszustand und dessen Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nach Verfügungserlass nicht verändert hät
ten (Urk. 1 S. 4). Die bundesgerichtliche Rechtsprechung erlaube die Annahme einer zweifellosen Unrichtigkeit in Fällen wie dem vorliegenden nicht
(Urk. 1 S. 5).
Die Annahme, dass sie ihr Erwerbspensum nach dem Tod ihres Ehegatten im Gesundheitsfall auf 80
%
aufgestockt hätte, sei gut begründet, zumindest jedoch vertretbar (Urk. 1 S. 6).
Im Übrigen befinde sie sich nicht in derart abge
sicherten finanziellen Verhältnissen, dass die
Pensumserhöhung
nicht nachvoll
ziehbar wäre (Urk. 1 S. 7).
3.
Strittig ist
im Rahmen der wiedererwogenen Aufhebung der Rente
die Qualifi
ka
tion der Beschwerdeführerin respektive deren zweifellose Unrichtigkeit im Zeit
punkt des Erlasses der Verfügung vom 1
4.
April 201
5.
Aus den Akten ergab sich damals Folgendes
:
3.1
Dem Haushaltabklärungsbericht vom
1.
September 2005 ist zu entnehmen, die Beschwerdeführerin leide an einer Depression mit chronischem Erschöpfungs
zu
stand (Urk. 7/15/1). Zuletzt habe sie im Mai und Juni 1997 im Betrieb ihres Schwagers Gartenarbeiten ausgeführt. Seither habe sie keine Stelle mehr gesucht. Die Tätigkeit in der Gärtnerei habe sie wegen partnerschaftlicher Probleme auf
gegeben. Gleichzeitig hätten die psychischen Probleme zugenommen. Ihr Ehe
mann habe Probleme mit der Gesundheit gehabt und sie sei aufgrund der Gesamtsituation zuhause geblieben. Besonders die Doppelbelastung von Haushalt und Erwerbstätigkeit sei ihr zu gross geworden. Sie habe sich für den Haushalt entschieden (Urk. 7/15/2).
Ihr Ehemann beziehe eine ganze Invalidenrente und fahre sporadisch Schulbus.
Sie könnte auch bei voller Gesundheit keiner Erwerbstä
tigkeit nachgehen.
Sie sei für den ganzen Haushalt zuständig. Das Haus sei gross und aufwändig zu pflegen und vom Ehemann bekomme sie keine Hilfe. Einerseits hätten sie immer eine konventionelle Rollenverteilung gehabt, ande
rerseits könne der Ehemann wegen seines Leidens (Schwäche und Rückenbe
schwerden) nur bei leichten Haushaltsarbeiten helfen. Der Haushalt mit dem grossen Garten - circa 2'000 Quadratmeter Grundstück - stellten eindeutig eine Vollzeitstelle dar.
Die Versicher
te
wolle auch für die Kinder da sein und ver
lange noch (fast) keine Mithilfe im Haushalt. Die Abklärungsperson schloss, unter diesen Umständen sei eine ausserhäusliche Tätigkeit unvorstellbar
. Die Tochter
, 14
-
jährig, nehme
drei Mahlzeiten pro Tag zuhause ein, der Sohn
, 18-
jährig,
zwei und der Ehemann alle
(Urk. 7/15/3).
Die Beschwerdeführerin hielt in ihrem Ein
wand vom
2.
Oktober 2005 fest, weitere Stellengesuche nach der Arbeit bei der Firma
B._
seien ihr von der Vermittlungsfirma verwehrt worden wegen ihres schlechten Gesundheitszustands
. Sie verlange eine halbe Invaliden
rente oder Integrationsmassnahmen, damit sie einer zu 100
%
bezahlten Arbeit nachgehen könne
(Urk. 7/18/2).
3.2
Im Verlaufsbericht Case Management Arbeitsintegration wurde über
ein
Informationsgespräch vom 1
9.
April 2011 berichtet. Daraus ergibt sich, dass Sohn
(24)
und Tochter
(20)
nach wie vor zuhause lebten. Der Sohn studiere und die Tochter habe eine Lehrstelle gefunden. Der Ehemann
werde
aufgrund eines Krebs
leidens
wohl
nicht mehr lange leben und werde zweimal wöchentlich von der Spitex betreut (Urk. 7/31/3
).
3.3
Anlässlich ihres Klinikaufenthalts in der
Integrierten Psychiatrie C._,
im Februar 2011
, der per fürsorgerischen Freiheitsentzuges erfolgt war, weil sich die Versicherte an den Unterarmen
komplexe Schnitt
wun
den zugefügt hatte,
berichtete
die Versicherte
, sie habe sich all die Jahre um ihren
schwer nierenkranken
Ehe
mann gekümmert. Die Schnittverletzungen habe sie sich aus Verzweiflung und Wut über ihn zugefügt, nachdem er
wie schon früher
ein Abhörgerät in ihrer Handtasche deponiert habe (Urk. 7/41/20).
Im Alltag sei ihr Ehemann selbständig (Urk. 7/41/23).
Auch im Kantonsspital
D._
gab sie laut dem Austrittsbericht vom
3.
Februar 2011 an, sie müsse sich derzeit um ihren krebskranken Ehemann kümmern (Urk. 7/41/25).
3.4
Bei der von der Pensionskasse beauftragten psychiatrischen Gutachterin
, welche ihr Gutachten am 2. Juli 2012 erstattete,
gab die Beschwerdeführerin
am 27. Oktober 2011 (Urk. 7/54/2)
weiterhin an, beide Kinder lebten bei ihr und ihrem Mann. Der Sohn studiere, die Tochter habe eine Lehre als
Coiffeuse
begonnen (Urk. 7/54/9).
Ihr Mann sei in seinen Alltagsfunktionen nicht einge
schränkt, fordere aber ständig ihre Anwesenheit (Urk. 7/54/12).
Sie hoffe, eines Tages wieder Auftragsarbeiten im kreativen Bereich ausführen zu können, auch weil sie damit zumindest die Fixkosten decken könnte. Der Ehemann, welcher nur noch eine Invalidenrente erhalte, habe
der Familie
mit seiner Sucht und seinem Verhalten alles genommen. Zudem müsse er im Zusammenhang mit der Verurteilung wegen Drogenschmuggels und -handels noch hohe Verfahrens
kosten abbezahlen. Wenigstens hätten sie Gütertrennung vereinbar
t
und das Familienhaus laute auf ihren Namen. Zusätzlich habe sie ein kleines Erbe erhalten von einer Grosstante ihres Mannes (Urk. 7/54/12-13).
3.5
Am 1
1.
Dezember 2012 wurde eine Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähig
keit in Beruf und Haushalt durchgeführt (Urk. 7/79/1).
Die Beschwerdeführerin gab dabei an, sie würde bei guter Gesundheit im vorgesehenen Pensum von 45
%
arbeiten. Die erwerbstätige Tochter müsse zuhause nichts abgeben. Die Abklä
rungsperson hielt fest, die Beschwerdeführerin würde bei guter Gesundheit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu 45
%
arbeiten. Die
Pensumserhöhung
sei im Arbeitgeberfragebogen dokumentiert und der Arbeitsversuch von Mai bis
August 2011 sei ebenfalls ungefähr in diesem Pensum erfolgt
.
Gemäss Haus
haltabklärungsbericht lebten beide Kinder
noch zuhause, wobei der Ehemann und die Tochter zuhause assen,
sich
der studierende Sohn hingegen
mittags auswärts
verpflege
(Urk. 7/79/3).
Im Haushaltsbereich ermittelte die Abklärungsper
son eine Einschränkung von 21,5
% (Urk. 7/79/8).
Der Rechtsdienst der Beschwerdegeg
nerin ging in seiner Stellungnahme vom 2
5.
Mai 2013 entgegen dem Abklärungs
bericht davon aus, die Beschwerde
führerin wäre im Gesundheitsfall zu 21,43
%
erwerbstätig. Er führte aus, die Absprache der Steigerung des Arbeitspensums auf 45
%
sei offenkundig erst nach Eintritt des Gesundheitsschadens erfolgt (Urk. 7/84).
3.6
Im polydisziplinären Gutachten der
A._
vom 2
0.
März 2014 wurden als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1), eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit abhängigen, asthenischen und selbstun
sicheren Persönlichkeitszügen (ICD-10: F60.7), sowie ein Zustand nach komple
xer Schnittverletzung beider Handgelenke
palmar
in suizidaler Absicht am
1.
Februar 2011 genannt (Urk. 7/77/48-49). Gesamtmedizinisch gelangten die Gutachter zum Schluss, der Beschwerdeführerin sei - aufgrund der psychischen Problematik - in jeglicher Tätigkeit seit sicherlich 2012 eine mindestens 80%ige Arbeitsunfähigkeit zu attestieren (Urk. 7/77/52).
Im Zeitpunkt der psychiatrischen Begutachtung vom 1
9.
Februar 2014 (Urk. 7/77/3) lebten weiterhin sowohl Sohn als auch Tochter zuhause. Der Sohn hatte mittlerweile sein Studium abgeschlossen und befand sich auf Stellensuche, die Tochter verfügte über einen Lehrabschluss als
Coiffeuse
(Urk. 7/77/60). Weiter ist dem Gutachten zu entnehmen,
die Beschwerdeführerin
habe das Erbe ihres Gatten ausschlagen müssen, da er bei der Justiz Schulden von über Fr. 80'
000.-- gehabt habe. Sie beziehe
nun eine Witwenrente der ersten Säule sowie eine sehr kleine Rente von der Pensionskasse des Gatten. Lohn habe sie noch bis Dezember 2012 erhalten. Die Teilrente an ihren Sohn sei nun beendet, weil er das Studium abgeschlossen habe (Urk. 7/77/61).
3.7
In ihrem Einwand vom 1
0.
Juni 2014 brachte die Beschwerdeführerin vor, es sei unzutreffend, dass sie ohne Gesundheitsschaden lediglich zu 21
%
erwerbstätig wäre. Allein schon aufgrund der wirtschaftlichen Verhältnisse mit dem tiefen Familieneinkommen von monatlich unter Fr. 4'000.-- sei von einem wesentlich höheren Pensum auszugehen.
Deshalb habe sie schon vor Eintritt des Gesund
heitsschadens um eine Erhöhung ihres Beschäftigungsgrad
e
s ersucht und es sei ihr verbindlich zugesagt worden, dass ihrem Begehren entsprochen werde, sobald eine andere Mitarbeiterin im Reinigungsdienst des Schulbetriebs austrete und ein
entsprechendes Arbeitspensum vergeben werden könne. Die Erhöhung des Beschäftigungsgrades auf 44,49
%
sei sodann im März 2011 per 1. Mai 2011 für unbefristete Zeit verfügt worden
. Nach dem Tod des während Jahren pflegebe
dürftigen Ehemannes im Oktober 2013 sei dessen Renteneinkommen von rund Fr. 3'500.-- weggefallen, sodass eine zusätzliche Erhöhung des Arbeits
pensums auf 80
%
nötig geworden wäre. Zufolge der Entlastung von der aufwändigen Pflegearbeit hätte sie dieses Pensum bei guter Gesundheit ohne Weiteres zusätz
lich zum Haushalt bewältigen können (Urk. 7/93/1-2).
3.8
Der Telefonnotiz der Beschwerdegegnerin über das Telefonat mit der Personalab
teilung der Berufsfachschule
E._
vom 3
0.
August 2012 ist zu entnehmen, dass man der Beschwerdeführerin versprochen habe, dass sie ihr Pensum erhöhen könne, wenn ihre Kollegin zu arbeiten aufhöre (Urk. 7/93/4)
.
3.9
Die Abklärungsperson hielt am 2
8.
Oktober 2014 fest, dem Einwand der Beschwerdeführerin könne gefolgt werden und sie könne ab Oktober 2013 als zu 80 % erwerbstätig qualifiziert werden. Allerdings habe bis zum Zeitpunkt der Abklärung im Dezember 2012 keine Krankenpflege des Ehemannes durch die Beschwerdeführerin stattgefunden (Urk. 7/98/2-3).
3.10
Am 1
1.
Dezember 2014 führte der Rektor der Berufsfachschule
E._
aus, aufgrund der Personalplanung im Dezember 2010 sei mündlich vereinbart wor
den, dass der Beschäftigungsgra
d der Beschwerdeführerin erhöht werde
, sobald Frau
F._
austrete. Frau
F._
sei per Ende April 2011 pensioniert worden (Urk. 7/103).
3.11
Die Hausärztin
Dr.
G._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
berichtete am 2
6.
Januar 2015, sie meine sich erinnern zu können, dass die Beschwerdeführerin bereits vor dem Vorfall vom 1.
Februar 2011 betreffend Arbeit eine klare Vorstellung gehabt habe und dass schon klar gewesen sei, dass sie ihr Pensum auf circa 50
%
erhöhen könne. Sie seien beide erstaunt gewesen, dass der Arbeitsvertrag mit dem höheren Pensum dann im Frühling
2011
trotz Krank
schreibung
und unklarer Wiederaufnahme der Arbeit ausgestellt worden sei (Urk. 7/109/2).
4.
4.1
Die
Erwerbsbiographie der Beschwerdeführerin
zeigt, dass die Versicherte
unge
fähr
im Jahr 1984 in die Schweiz ein
reiste und
im Dezember 1984 heiratete (Urk. 7/6/2, Urk. 7/2/1). Gemäss Gutachten arbeitete sie nach ihrer Einreise zuerst stundenweise, danach während circa zweieinhalb Jahren mit einem 100
%
-Pen
sum (Urk. 7/77/15), wobei ihr Auszug aus dem individuellen Konto (IK
Auszug)
dafür - abgesehen vom Jahr 1986 - auffallend tiefe Einkommen aus
weist (Urk. 7/38/2). Im Jahr 1987 gebar sie ihr erstes Kind, im Jahr 1991 folgte
die Geburt des zweiten Kindes
(Urk. 7/6/2). Der ab dem Jahr 1990 behandelnde
Dr.
H._
,
Facharzt für Allgemeinmedizin, bemerkte bereits
bei der Erstkonsultation leichte depressive Zeichen. Ferner berichtete er über regel
mäs
sige Migräneepisoden ab 1992
sowie über typische depressive Symptome ab 199
6.
Nach einem Suizidversuch musste
die Beschwerdeführerin
im Jahr 1997 erstmals psychiatrisch hospitalisiert werden. Es folgten ein weiterer Klinikauf
ent
halt
im Jahr 1998 sowie eine mehrjährige antidepressive Behandlung (Urk. 7/6/2
, Urk.
7/54/
9-
10,
Urk.
7/77/56
).
Mithin hatten Geburten respektive die Kinderbe
treuung sowie psychische Krankheit bereits wenige Jahre nach der Niederlassung in der Schweiz möglicherweise einen Einfluss aufs ausgeübte Arbeitspensum, sodass kaum zuverlässige Rückschlüsse auf
das hypothetische Erwerbspensum im
Gesundheitsfall möglich sind.
4.2
Am
1.
November 2005 nahm
die Beschwerdeführerin
eine Tätigkeit als Betriebs
mitarbeiterin
(
im Bereich
Reinigung)
bei der Berufsfachschule
E._
auf (Urk. 7/42/1-2).
Per 1. Mai 2011 wurde der Beschäftigungsgrad der Beschwerde
führerin
auf knapp 45
% erhöht (Urk. 7/42/2, Urk. 7/103). Dabei bestätigten sowohl der Rektor als auch (etwas weniger detailliert) die Personalabteilung der Berufsfachschule
E._
, dass die
Pensumserhöhung
bereits im Dezember 2010 respektive vor
einem von der Versicherten am 1. Februar 2011 erlittenen
Unfall vereinbart worden sei,
und zwar
auf den Zeit
punkt der Pensionierung einer Kollegin hin (Urk. 7/93/4, Urk. 7/103). In Einklang damit gab
Dr.
G._
an, die Beschwerdeführerin und sie seien erstaunt gewesen, dass der Arbeitsvertrag mit dem höheren Pensum im Frühling 2011 trotz Krank
schreibung
und unklarer Wiederaufnahme der Arbeit ausgestellt worden sei (Urk. 7/109/2). Vor diesem Hintergrund
wäre die Annahme eines Arbeitspensums von 45
%
ab Mai 2011
im Gesundheitsfall
auf jeden Fall vertretbar gewesen.
4.3
Die Qualifikation als zu 80
%
Erwerbstätige nahm die Beschwerdegegnerin infolge des
Versterbens
des
krebs
kranken Ehemannes der Beschwerdeführerin im Oktober 2013 vor (Urk. 7/98/2-3). Zwar
ist nicht dokumentiert, dass
die Beschwerdeführerin ihren Ehemann vor dessen Tod
im medizinischen Sinne gepflegt hätte. Namentlich dem Haushaltabklärungsbericht vom 19. Dezember 2012
lässt sich
nichts Entsprechendes entnehmen (Urk. 7/79
, Urk. 7/98/3
). Im Februar 2011 gab die Beschwerdeführerin an, ihr Ehemann sei im Alltag selbständi
g (Urk. 7/41/23). Im April 2011 wurde er zweimal pro Woche von der Spitex betreut (Urk. 7/31/3). Im Oktober 2011 war er in seinen Alltagsfunktionen weiterhin nicht eingeschränkt (Urk. 7/
54/12).
Indes lässt sich den Akten ent
nehmen, dass
die Beschwerdeführerin
sich
gemäss
ihren Angaben vom Februar
2011 all die Jahre um ihren Ehemann gekümmert
hat
(Urk. 7/41/20) und sie sich auch
in jenem Zeitraum
um ihren krebskranken Ehemann kümmern
musste (Urk. 7/41/25). Ihre
Erwähnung
vom Oktober 2011, dass ihr Ehemann ständig ihre Anwesenheit fordere (Urk. 7/54/12), ist glaubhaft, zumal er sie bei Abwesen
heiten mehrmals mittels Abhörgeräten überwachte (Urk. 7/41/20).
Auch
Dr.
G._
gab im Juni 2012 an, die Beschwerdeführerin müsse für ihren Mann präsent sein (Urk. 7/54/18). Während seiner fünf letzten Lebenswochen besuchte sie ihn täglich während jeweils meistens zwölf Stunden im Spital (Urk. 7/77/59). Bei diesen Gegebenheiten ist
es
nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin
nach dem
Tod ihres Ehemannes wieder mehr zeitliche Kapazitäten erlangte. Die Annahme, dass sie diese zur Steigerung ihres Arbeitspensums verwendet hätte, ist vertretbar. Dies gilt umso mehr, als sie nun tagsüber alleine zuhause wäre, da ihr Sohn ausgezogen ist und ihre Tochter zwar im
oberen Stock des
selben Haus
es
lebt, aber
vollzeitlich
arbeitet
(Urk. 7/152/3)
.
Insgesamt ist nach dem Gesagten vertretbar, dass für die Zeit nach dem Tod des Ehemannes von einer
(
weiteren
)
Erhöhung des Arb
eitspensums ausgegangen wurde. Dabei erscheinen die gewähl
ten
80
%
zwar
vor dem gesamten Hintergrund
als
eher hoch, indes
liegen sie
nicht ausserhalb des
zulässigen
Ermessensbereichs
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_562/2008 vom 3. November 2008 E. 2.2)
. Folglich sind die Zweifel an der
der Verfügung vom 1
4.
April 2015 zugrundliegenden
Qualifikation nicht derart, dass sie die
Rentenzusprache
als qualifiziert unrichtig erscheinen lassen, wie dies für eine Wiedererwägung
der rechtskräftig gewordenen Verfügung
erforderlich wäre (BGE 141 V 405 E. 5.3).
4.4
Die Parteien sind sich einig
darüber
, dass im Vergleich
zum Zeitpunkt der
Ren
tenzusprache
keine relevante Ver
änderu
ng
des Gesundheitszustands eingetreten ist (
Urk.
1 S. 4, Urk. 2 S. 2). Dies bestätigte auch der RAD nach Einsicht in den Bericht von
Dr.
G._
vom 2
8.
Dezember 2015 (Urk. 7/155/3).
Mithin ist die angefochtene Verfügung auch nicht mit der substituierten Begründung einer Rentenrevision zu schützen.
4.5
Da die vorgenommene wiedererwägungsweise Rentenaufhebung mangels zwei
felloser Unrichtigkeit nicht zulässig ist und eine Rentenrevision ebenfalls nicht in Frage kommt, ist die angefochtene Verfügung in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben.
Dies hat den Weiterbestand der damit aufgehobenen Verfügung vom 1
4.
April 2015 (Urk. 7/122) zur Folge.
5.
5.1
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von
L
eistungen
der Invalidenversicherung
. Das Verfahren ist daher kosten
pflich
tig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invaliden
versicherung; IVG)
und ermessensweise auf
Fr.
6
00.
--
anzusetzen. Ausgangsge
mäss sind die Gerichtskosten
der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
5.2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Unter Berücksichtigung
dieser Grundsätze
ist die
de
r Beschwerdeführerin zustehende
Prozessentschädigung
ermessens
weise auf
Fr.
2'
0
00.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
festzusetzen.