Decision ID: 61be4f81-0e52-48e6-ab56-14e94b0171fc
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._, angestellt im Paketdienst der B._ AG, meldete sich am 9. Juli 2015
erstmals zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Am 25.
Oktober 2014 hatte sie sich bei einem Arbeitsunfall gemäss Bericht über die
Erstbehandlung durch Dr. med. C._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, eine
Kontusion des linken Handgelenks zugezogen (vgl. IV-act. 29-25). Weitere Abklärungen
im Kantonsspital St. Gallen (KSSG) hatten eine TFCC-Läsion links und eine LT-Band-
Instabilität links ergeben, weshalb sich die Versicherte am 14. Januar 2015 einer
diagnostischen Arthroskopie, einem Shaving und einer Kenakortinfiltration unterzogen
hatte. Die behandelnden Ärzte des KSSG hatten ihr vom 14. bis 31. Januar 2015 eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% attestiert (IV-act. 29-50 ff.).
A.a.
Am 25. März 2015 hatten die behandelnden Ärzte des Schmerzzentrums des
KSSG über ein CRPS (komplexes regionales Schmerzsyndrom) Hand links berichtet
(IV-act. 29-38 ff.). Da der Verlauf absolut stagniert hatte und keinerlei Anzeichen einer
Besserung vorgelegen hatten, hatten die behandelnden Ärzte des KSSG der
Versicherten am 27. Mai 2015 eine Ulnaverkürzungsosteotomie empfohlen. Die
Versicherte sei weiterhin nicht arbeitsfähig und die Hand werde nur für sehr leichte
Tätigkeiten eingesetzt (IV-act. 57). Die entsprechende Operation wurde am 23. Oktober
2015 durchgeführt (IV-act. 29-18 f., 42).
A.b.
Am 16. Oktober 2015 hatte die IV-Stelle der Versicherten mitgeteilt, aufgrund ihres
Gesundheitszustandes seien derzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen
möglich (IV-act. 19).
A.c.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Im Auftrag der Generali Allgemeine Versicherungen AG (nachfolgend: Generali),
Unfallversicherer der Versicherten, wurde diese durch Ärzte der PMEDA bidisziplinär
(neurologisch, orthopädisch) abgeklärt. In ihrem Gutachten vom 16. Juni 2016 hielten
diese als Diagnosen ein regredientes bzw. weitgehend abgeheiltes CRPS Typ I links
mit Minderbeweglichkeit nach Hyperextensionstrauma und TFCC-Läsion sowie
zweimaligen operativen Eingriffen fest. Sie befanden, andauernde Einschränkungen in
der angestammten Tätigkeit seien nicht zu erwarten. Adaptierte Tätigkeiten seien per
sofort leistbar mit einer Arbeitsfähigkeit von 100%. Der medizinische Endzustand sei
aus orthopädischer Sicht noch nicht erreicht (Fremdakten 10).
A.d.
Am 21. Oktober 2016 unterzog sich die Versicherte im KSSG einer Entfernung der
LCDCP-Platte an der Ulna links (IV-act. 46 f.). Am 16. November 2016 berichteten die
behandelnden Ärzte des KSSG, die Schmerzen seien trotz stationärer Behandlung
sowie intensiver und adäquater Analgesie wieder deutlich höher als präoperativ (IV-act.
66).
A.e.
Mit Mitteilung vom 5. Januar 2017 wies die IV-Stelle das Begehren um berufliche
Massnahmen ab (IV-act. 71).
A.f.
Am 16. Januar 2017 berichteten die behandelnden Ärzte des Schmerzzentrums
des KSSG über ein CRPS Hand links (IV-act. 78). Am 7. April 2017 hielten sie als
Nebendiagnosen ausserdem eine mittelgradige depressive Episode fest (IV-act. 97).
Die behandelnden Ärzte der Klinik für Hand-, Plastische- und
Wiederherstellungschirurgie des KSSG hielten am 20. März 2017 als Anamnese fest,
die Hand könne aus der immer noch getragenen Manschette heraus als Bei- und
Hilfshand eingesetzt werden. Eine Belastung sei allerdings weiterhin nicht möglich (IV-
act. 100).
A.g.
Im Auftrag der Generali wurde die Versicherte im Frühjahr 2017 erneut durch Ärzte
der PMEDA abgeklärt. In ihrem Gutachten vom 4. Mai 2017 hielten diese als Diagnosen
ein regredientes CRPS Typ I, links, sowie eine leichtgradige Minderbeweglichkeit
Handgelenk links bei Zustand nach Hyperextensionstrauma und TFCC-Läsion sowie
insgesamt dreimaligen operativen Eingriffen fest. Sie befanden, in der angestammten
Tätigkeit bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100%. Eine adaptierte Tätigkeit könne die
A.h.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
Versicherte zu 100% ausüben. Eine orthopädisch-rheumatologische
Nachuntersuchung in ca. sechs Monaten sei als sinnvoll zu erachten, wobei ein
Verlaufsbericht seitens der Behandler gegebenenfalls ausreichen könne (Fremdakten
17).
Mit Verfügung vom 22. Mai 2017 stellte die Generali die vorübergehenden
Versicherungsleistungen per 4. Mai 2017 ein, verneinte den Anspruch auf eine
Invalidenrente und sprach der Versicherten eine Integritätsentschädigung zu
(Fremdakten 16).
A.i.
Mit Vorbescheid vom 12. Juli 2017 stellte die IV-Stelle der Versicherten bei einem
Invaliditätsgrad von 0% die Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht (IV-act. 109).
A.j.
Dagegen erhob die Versicherte am 14. September 2017 Einwand (IV-act. 110, vgl.
IV-act. 112). Sie reichte einen Bericht von Dr. C._ vom 6. September 2017 ein (IV-act.
112-4).
A.k.
Am 25. Oktober 2017 verfügte die IV-Stelle entsprechend dem Vorbescheid (IV-act.
113).
A.l.
Gegen die Verfügung vom 25. Oktober 2017 erhob die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) die vorliegende Beschwerde vom 27. November 2017. Sie
beantragte darin, die Verfügung sei aufzuheben und es seien ihr die gesetzlichen
Leistungen zuzusprechen. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Durchführung weiterer
Abklärungen an die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen; alles
unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Sie machte geltend, entgegen den
Ausführungen des neurologischen PMEDA-Gutachters liege weiterhin ein stark
chronifiziertes CRPS vor, welches sie erheblich einschränke. Ihre psychischen
Beeinträchtigungen seien bei der Bemessung der Arbeitsunfähigkeit sowie der
Einschränkung im Haushalt nicht berücksichtigt und es sei keine Haushaltsabklärung
durchgeführt worden (act. G1).
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 2. Februar 2018 die Abweisung der
Beschwerde. Sie führte aus, es könne auf das Gutachten abgestellt werden. Es
B.b.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und vorliegend zu prüfen ist der Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente gegenüber der Beschwerdegegnerin.
bestünden keine Anhaltspunkte, welche weitere Abklärungen aus psychiatrischer Sicht
notwendig machen würden (act. G4).
Mit Replik vom 14. Mai 2018 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest.
Sie brachte vor, nach Ansicht der behandelnden Ärzte bestehe noch immer ein CRPS
und zudem liege ein Ulnaimpaktionssyndrom links sowie eine TFCC-Läsion vor (act.
G11). Sie reichte Berichte des KSSG vom 20. Dezember 2017 und 10. April 2018 ein
(act. G11.1 f.).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G13).B.d.
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60%,
auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50%, und auf eine Viertelsrente, wenn
sie mindestens zu 40% invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] i.V.m. Art. 28a Abs. 1 IVG). Bei nicht
erwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und denen die
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die
Bemessung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in
welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2
IVG). Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind, wird für diesen Teil die
Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich
tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In
diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im
1.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.
Vorab ist die Frage zu klären, ob die medizinische Situation und die
Leistungseinschränkungen der Beschwerdeführerin rechtsgenüglich abgeklärt wurden.
Die angefochtene Verfügung stützt sich in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf
das Verlaufsgutachten der PMEDA vom 4. Mai 2017 (IV-act. 113, Fremdakten 17). Die
Beschwerdeführerin spricht diesem die Beweiskraft ab und hält ihm abweichende
Beurteilungen der behandelnden Ärzte entgegen (vgl. act. G1, G11).
Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu
bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG; so genannte "gemischte Methode").
Im Sozialversicherungsprozess gelten die Grundsätze der Untersuchungspflicht
und der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Demgemäss hat der
Versicherungsträger bzw. im Beschwerdefall das Gericht den rechtserheblichen
Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien
gebunden zu sein. Verwaltungsbehörden und Sozialversicherungsgerichte haben
zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 110 V 53 E. 4a am Schluss, BGE 117 V 282 f. E.
4.a).
1.2.
Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine
zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der medizinischen
Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
1.3.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, ihre psychischen Beeinträchtigungen seien
nicht berücksichtigt worden (act. G1). Das PMEDA Gutachten wurde von der
2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Unfallversicherung Generali veranlasst und beinhaltete entsprechend dem Auftrag die
Disziplinen der Neurologie und der Orthopädie, nicht aber der Psychiatrie (vgl.
Fremdakten 17). In der Anamnese gab die Beschwerdeführerin gegenüber dem
neurologischen Teilgutachter Dr. med. D._, Neurologie FMH, an, es gehe ihr wegen
der Schmerzen psychisch nicht gut, sie sei frustriert und traurig. Ausserdem belaste sie
die kürzlich festgestellte MS-Erkrankung ihres Ehemannes. Sie sei auch antriebslos
und könne sich schlecht aufraffen. Manchmal müsse sie weinen. Alle zwei Wochen sei
sie nun auch in Behandlung bei der Psychologin Dr. phil. E._. Man habe ihr auch
einmal ein Antidepressivum gegeben, was jedoch nichts geholfen habe (Fremdakten
17-5 f.). Dr. D._ hielt fest, die Stimmung sei ausgeglichen und situationsadäquat. Der
Affekt sei sowohl spontan wie auch auf Fremdreize gut modulierbar. Die
Psychomotorik wirke unauffällig und die Antriebslage sowie die Intentionalität seien
normal (Fremdakten 17-11). Er setzte sich jedoch nicht vertieft mit allfälligen
psychischen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin auseinander, wozu er
mangels entsprechender Facharztausbildung auch nicht kompetent gewesen wäre.
Neben den erwähnten anamnestischen Angaben gegenüber Dr. D._ finden sich in
den Akten weitere Hinweise auf psychische Beschwerden der Beschwerdeführerin.
Bereits in einem Bericht des Schmerzzentrums des KSSG vom 5. Mai 2015 führten die
zuständigen Ärzte aus, die Beschwerdeführerin bitte um Absage ihres Termins zum
psychosomatischen Assessment, da die Vielzahl der Termine von ihr und ihren Kindern
ihr momentan zu viel würden und sie sich nicht sicher sei, ob sie überhaupt einen
Psychologen brauche. Die Ärzte waren jedoch der Ansicht, das psychosomatische
Assessment sollte einen grundlegenden Bestandteil der weiteren Evaluation und der
Therapie bilden (IV-act. 29-36 f.). Am 16. Januar 2017 hielten die zuständigen Ärzte des
Schmerzzentrums des KSSG sodann als anamnestische Angabe fest, die
Beschwerdeführerin habe ein psychosomatisches Assessment damals wegen
Zeitmangels abgelehnt. Nun fühle sie sich in ihrer Situation jedoch immer mehr
eingeschränkt und mache sich Sorgen, wie es weitergehen solle. Die Ärzte beurteilten,
die Beschwerdeführerin sei durch die bereits langanhaltende Situation psychisch sehr
belastet, sie werde für ein psychosomatisches Assessment aufgeboten (IV-act. 78). Am
7. April 2017 listeten sie sodann als Nebendiagnose eine mittelgradige depressive
Episode auf. Die Beschwerdeführerin sei zur Behandlung der depressiven Symptomatik
und zum Erlernen von Entspannungsverfahren regelmässig zu psychotherapeutischen
Gesprächen im Schmerzzentrum angebunden. Die initiierte antidepressive und
schmerzmodulierende Medikation mittels Cymbalta habe aufgrund von
Nebenwirkungen umgehend wieder beendet werden müssen. Die
psychotherapeutischen Gespräche seien für die Beschwerdeführerin sehr wichtig
geworden und ihre Stimmung habe leicht stabilisiert werden können (IV-act. 97). Selbst
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
RAD-Arzt Dr. med. F._ hatte am 10. Februar 2017 eine psychische Alteration in
Betracht gezogen (vgl. IV-act. 89-3), es wurden jedoch keine entsprechenden
Abklärungen getätigt. Der Sachverhalt erweist sich damit als noch nicht spruchreif. Die
Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese wenigstens die
Behandlungsakten der behandelnden Psychologin Dr. phil. E._ (vgl. act. G1) beizieht
und gegebenenfalls weitere Abklärungen in psychiatrischer Hinsicht vornimmt.
Infolge des Unfalls und der operativen Eingriffe hat die Beschwerdeführerin
unbestritten wiederholt ein CRPS an der linken Hand entwickelt. Sie macht geltend, ein
solches liege weiterhin vor und schränke sie erheblich ein (act. G1, G11). Die
behandelnden Ärzte des Schmerzzentrums des KSSG berichteten unter anderem am
16. Januar 2017 über ein CRPS Hand links. Sie hielten fest, die Budapester-Kriterien
(Asymmetrie der Hauttemperatur, Veränderung der Hautfarbe, Ödem, reduzierte
Beweglichkeit) seien erfüllt. Die linke Hand sei geschwollen, der Hypothenar links
deutlich gerötet und überwärmt. An der linken Hand liege ein Ödem vor und die
Beweglichkeit links sei reduziert (IV-act. 78). Die behandelnden Ärzte der Klinik für
Hand-, Plastische- und Wiederherstellungschirurgie des KSSG erhoben am 18. Januar
2017 als Status zwar eine inspektorisch unauffällige Hand, keine Hautrötung und
allenfalls eine minimale Schwellung, sprachen aber dennoch über das CRPS und
allfällige Therapiemöglichkeiten desselben (IV-act. 81). Am 7. April 2017 berichteten die
Ärzte des Schmerzzentrums des KSSG sodann über eine Chronifizierung des CRPS
mit Stadium II nach Gerbershagen (IV-act. 97-3 ff.). Die PMEDA-Gutachter hielten in
ihrem Gutachten vom 4. Mai 2017 (wie bereits in ihrem Gutachten vom 16. Juni 2016;
vgl. Fremdakten 10, insbesondere Fremdakten 10-40 f.) ein regredientes CRPS Typ I
fest. Dr. D._ befand, die Budapest-Kriterien seien nicht erfüllt. Im klinischen
Untersuchungsbefund seien Restsymptome eines weitgehend ausgeheilten CRPS Typ
I festzustellen (Druck- und Klopfschmerzhaftigkeit im Bereich des ulnaren Handgelenks
links, Rötung der ulnaren Handkante links), wobei die reklamierten Beschwerden in
ihrer Intensität deutlich diskrepant zum objektiven klinischen Befund seien. Es fielen
Zeichen einer deutlichen Symptomausweitung auf. Die Beschwerdeführerin hatte über
starke Schmerzen in der Hand, einen geröteten Handballen und Schwellungen
berichtet (Fremdakten 17-5, 17-12 f.). Der orthopädische PMEDA-Teilgutachter führte
aus, entgegen den Angaben des Schmerzzentrums des KSSG seien aktuell keine
sicheren kutanen Zeichen eines CRPS evident bei seitengleicher Hauttemperatur und -
qualität sowie trockenen Hautverhältnissen. Lediglich eine leichtgradige Hyperämie der
hypothenaren Weichteile sei objektivierbar. Die dargebotene Minderbeweglichkeit des
Handgelenks links sowie der Unterarmwendebewegung links seien durch aktive
Gegenspannung aggraviert und mangelnd kooperiert, sichere Zeichen einer namhaften
2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
artikulären Störung seien nicht objektiviert. Eine ausreichende biologische Plausibilität
der reklamierten Symptomatik sei nicht gegeben (Fremdakten 17-25). Am 10. April
2018 berichteten die behandelnden Ärzte des Schmerzzentrums des KSSG jedoch
weiterhin über ein CRPS Hand links und hielten fest, die Budapester Kriterien seien
anamnestisch sowie klinisch weiterhin erfüllt (act. G11.2). Dieser Bericht erging zwar
nach der angefochtenen Verfügung vom 25. Oktober 2017, stellt aber die damalige
Regredienz des CRPS dennoch in Frage. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass die
Gutachter den medizinischen Endzustand als noch nicht erreicht erachteten und eine
orthopädisch-traumatologische Nachuntersuchung in ca. sechs Monaten als sinnvoll
erachteten, wobei sie auch einen Verlaufsbericht seitens der Behandler gegebenenfalls
für ausreichend hielten (Fremdakten 17-30). Die Beschwerdegegnerin wird die Situation
bezüglich des CRPS zum Zeitpunkt der Verfügung mittels einer Rückfrage an die
Gutachter und allfälligen weiteren Abklärungen zu prüfen haben.
Die Beschwerdegegnerin stufte die Beschwerdeführerin als zu 50%
teilerwerbstätig und zu 50% im Haushalt beschäftigt ein (IV-act. 113). Sollte die
Beschwerdegegnerin an der Anwendung der gemischten Methode festhalten, so hätte
sie weitere Abklärungen bezüglich der Einschränkungen im Haushalt zu tätigen. Die
Beschwerdegegnerin stellte der Beschwerdeführerin zwar einen Fragebogen zur
Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt zu, welchen diese am 23.
Januar 2017 ausfüllte (IV-act. 77), nahm aber keine eigenen Abklärungen vor Ort vor.
Auch beurteilten weder die PMEDA Gutachter noch die behandelnden Ärzte den Grad
der Einschränkung im Haushalt. Die Beschwerdeführerin gab gegenüber Teilgutachter
Dr. D._ an, sie könne mit der linken Hand Gegenstände nicht mehr anheben und
nichts mehr im Haushalt erledigen, weder die Wäsche versorgen noch bügeln. Putzen
ginge auch nicht mehr. Die Beschwerden seien so ausgeprägt, dass sie nahezu den
ganzen Tag Hilfe von ihrem Mann, den Kindern und der Schwägerin benötige
(Fremdakten 17-5). Dr. D._ äusserte sich jedoch nicht weiter dazu. Aus dem
Fragebogen ergibt sich ebenfalls, dass ein Grossteil der anfallenden Arbeiten nur noch
mit Hilfe von Familienmitgliedern erledigt werden könne (IV-act. 77). RAD-Arzt Dr. F._
beurteilte zwar am 4. Juli 2017, eine signifikante Einschränkung im Haushalt,
wesentlich und anhaltend, könne aufgrund der vorliegenden Unterlagen nicht
festgestellt werden. Er begründete dies jedoch nicht (IV-act. 106). In der angefochtenen
Verfügung hielt die Beschwerdegegnerin fest, eine Abklärung vor Ort sei nicht in
Betracht gezogen worden, da auch bei einer erheblichen Einschränkung im Haushalt
(was aufgrund der 100%igen Arbeitsfähigkeit im Erwerb unrealistisch sei) kein
rentenbegründender IV-Grad resultiere (IV-act. 113). Entgegen diesen Ausführungen
fällt je nach Ergebnis der weiteren medizinischen Abklärungen jedoch ein
2.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
rentenbegründender IV-Grad in Betracht, weshalb sich entsprechende Erhebungen der
Einschränkungen im Haushalt als notwendig erweisen könnten. Bei der
eingeschränkten Beweglichkeit und Belastbarkeit der linken Hand der
Beschwerdeführerin kann nicht ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass keine
erhebliche Einschränkung im Haushalt vorliegt, zumal die Gutachter von einer
vollständigen Arbeitsunfähigkeit in ihrer angestammten bimanuellen Tätigkeit als
Betriebsmitarbeiterin ausgingen (vgl. Fremdakten 17-2). Auch Dr. C._ berichtete am
6. September 2017 über eine starke Einschränkung im Haushalt (IV-act. 112-4, bzgl.
der geltend gemachten Einschränkungen vgl. auch IV-act. 39-2).
Der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin ist anhand der vorhandenen
medizinischen Akten nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit festlegbar. Der
Sachverhalt erweist sich als noch nicht spruchreif. Die Sache ist an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die notwendigen Abklärungen im
Sinne der vorstehenden Erwägungen durchführt. Anschliessend wird sie erneut über
den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin verfügen müssen.
2.4.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde unter Aufhebung der angefochtenen
Verfügung vom 25. Oktober 2017 dahingehend gutzuheissen, dass die Sache zur
weiteren Abklärung und zu neuer Verfügung im Sinne der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
3.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Die Rückweisung
zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als volles Obsiegen (vgl. BGE 132 V 215 E. 6.2).
Folglich hat die Beschwerdegegnerin die Gerichtskosten zu bezahlen. Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.
3.2.
bis
Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGS 963.75; in der vorliegend
anwendbaren, seit 1. Januar 2019 gültigen Fassung, siehe Art. 30 HonO) pauschal
Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Die Beschwerdeführerin gilt beim vorliegenden
3.3.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte