Decision ID: 86f04de7-0494-42fe-ae98-53bb5112cc3e
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 8. Mai 2014 wegen Rücken- und Nackenschmerzen sowie
psychischer Probleme erneut bei der Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an
(IV-act. 64).
A.b Der Versicherte hatte am 6. März 2012 unter Hinweis auf zwei
Bandscheibenvorfälle und psychische Probleme ein erstes Mal um IV-Leistungen
ersucht (IV-act. 1). Gestützt auf ein im Auftrag des Krankentaggeldversicherers
eingeholtes bidisziplinäres Gutachten der MEDAS Bern vom 11. März 2013 (Dr. med.
B._, Neurologie; Dr. med. C._, Psychiatrie, Untersuchungen vom 17. und
21. Januar 2013; Fremdakten act. 4-3 ff.), wonach aus neurologischer Sicht für eine
angepasste, körperlich leichte und bisweilen mittelschwere berufliche Tätigkeit, sowie
aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestand
(Fremdakten, act. 4-23), hatte die IV-Stelle am 26. März 2013 die berufliche
Eingliederung abgeschlossen (IV-act. 55-3). Am 3. April 2013 hatte sie eine Mitteilung
erlassen, wonach kein Anspruch auf berufliche Massnahmen und Rentenleistungen
bestehe (IV-act. 59).
A.c Dr. med. D._, Facharzt für Neurochirurgie, berichtete am 4. September 2013
dem Hausarzt des Versicherten, es lägen aktuelle MRI-Bilder der Halswirbelsäule vor,
die einerseits Spondylophyten bei C6/7 und beginnende leichte Spondylophyten bei
C5/6 zeigten, andererseits auch Bandscheibenvorfälle. Der Vorfall C6/7 sei besonders
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in der Axialschicht deutlich Myelon-komprimierend (IV-act. 61-3 f.). Dr. med. E._,
Facharzt FMH für Neurochirurgie, beschrieb im Bericht zu einer konsiliarischen
Untersuchung vom 21. November 2013 eine mediane Diskushernie C6/7 mit leichter
Myelonkompression, ohne Myelopathie (IV-act. 61-5 f.). Der ebenfalls konsultierte
Prof. Dr. med. F._, Facharzt FMH für Neurochirurgie, hielt am 28. April 2014 fest, die
Beschwerden, die der Versicherte im Nacken angebe, seien durchaus glaubwürdig,
sehe man doch im MRI einen Diskusvorfall C6/7, zwar ohne Nervenkompression, aber
mit leichter Myeloneindellung. In adaptierter Tätigkeit bestehe aber eine 100 %ige
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 63-1 f.).
A.d RAD-Ärztin Dr. med. G._, Praktische Ärztin, nahm am 6. Juni 2014 dazu Stellung:
Neu bestehe gemäss MRI der HWS vom 24. Juli 2013 eine mediane Diskushernie C6/
C7 mit leichter Verdrängung des Myelons ohne myelopathische Veränderungen und
ohne Wurzelkompression. Der klinische Untersuchungsbefund - und somit das
Funktionsniveau - bzw. der Gesundheitszustand mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit habe sich seit dem Gutachten bzw. dem Referenzzeitpunkt vom
3. April 2013 nicht wesentlich verändert (IV-act. 77). Gestützt darauf eröffnete die IV-
Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom 11. Juni 2014, sie gedenke, auf das neue
Gesuch nicht einzutreten (IV-act. 80). Mit begründetem Einwand vom 1. September
2014 liess der Versicherte geltend machen, durch die Diagnose einer Diskushernie
C6/7 sei eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes eingetreten. Er beantragte
eine Umschulung (IV-act. 93). RAD-Ärztin Dr. G._ führte dazu aus, dass die Diagnose
sich nicht arbeitsfähigkeitsrelevant auswirke, da keine entsprechenden
Funktionseinschränkungen wie radikuläre Ausfälle oder Paresen hinzugekommen seien
und klinisch bzw. radiologisch objektiviert werden könnten. Die Schmerzproblematik
sei bereits vorbestehend gewesen und sei im Rahmen des MEDAS-Gutachtens
beurteilt und gewürdigt worden (5. September 2014, IV-act. 97).
A.e Die IV-Stelle trat mit Verfügung vom 16. September 2014 auf das Gesuch nicht ein
(IV-act. 99). Hiergegen liess der Versicherte am 17. Oktober 2014 Beschwerde erheben
(IV-act. 102-2 ff.). Mit Verfügung vom 8. Dezember 2014 widerrief die IV-Stelle die
Verfügung vom 16. September 2014 (IV-act. 111), und das Versicherungsgericht
schrieb am 20. Januar 2015 das gegenstandslos gewordene Beschwerdeverfahren ab
(IV 2014/483; IV-act. 115).
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A.f Der Eingliederungsverantwortliche schloss am 9. März 2015 den Fall ab, da der
Versicherte in einer adaptierten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei (IV-act. 119-4). Am
16. März 2015 gewährte die IV-Stelle erneut das rechtliche Gehör zur beabsichtigten
Abweisung hinsichtlich beruflicher Massnahmen und Rente (Vorbescheid, IV-act. 122).
Mit begründetem Einwand vom 22. Mai 2015 liess der Versicherte eine Dreiviertelsrente
und die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Vorbescheidverfahren beantragen (IV-
act. 126). Er legte einen Bericht von Prof. F._ vom 20. Mai 2015 ins Recht. Dieser
diagnostizierte eine Diskushernie L5/S1 links mit Wurzelkompression S1 links und eine
degenerative Discopathie L4/5. Eine transforaminale Nervenwurzelblockade S1 links
habe ein recht erfreuliches Ergebnis gezeitigt. Es bestehe die Möglichkeit einer
operativen Intervention (Dekompression des Foramens L5/S1 links mit Spondylodese).
Seiner Ansicht nach sei der Versicherte in keiner Tätigkeit über 50 % arbeitsfähig (IV-
act. 126-6 f.).
A.g RAD-Ärztin Dr. G._ hielt in der Stellungnahme vom 28. Mai 2015
zusammengefasst fest, der Einwand vom 22. Mai 2015 enthalte keine neuen
medizinischen Informationen oder Befunde, welche zum Zeitpunkt der Beurteilung
durch die MEDAS-Gutachter (März 2013) bzw. durch den RAD (zuletzt Juni 2014) noch
nicht bekannt gewesen seien. Aufgrund eines dysfunktionalen Bewältigungsmusters
müsse die Arbeitsfähigkeit versicherungsmedizinisch-theoretisch, abgestützt auf die
objektivierbaren Befunde, ermittelt werden. Die bisherige Festlegung der
Arbeitsfähigkeit könne demnach beibehalten werden (IV-act. 129).
A.h Mit Verfügung vom 3. Juni 2015 wies die IV-Stelle das Gesuch in Bezug auf
berufliche Massnahmen ab (IV-act. 130). Sie beauftragte am 23. Juli 2015
Prof. Dr. med. H._, Facharzt FMH Neurologie, mit einem Konsilium (IV-act. 131).
Prof. H._ diagnostizierte eine relative zervikale Spinalkanalstenose HWK 6/7, klinisch
neurologisch inapparent, degenerative LWS-Veränderungen, aktuell ohne Hinweise auf
höhergradige Radikulopathie, eine Migraine ohne Aura, einen Status nach HWS
Distorsion Grad II (QTF-Klassifikation) 2011 sowie einen Status nach Stromunfall
rechter Arm Oktober 2010. Er legte dar, klinisch neurologisch fänden sich keine
relevanten Defizite, die Ausdruck einer Radikulopathie der HWS oder LWS seien.
Insgesamt lägen degenerative Veränderungen an der HWS und LWS vor, die
vermutlich Rücken- und Nackenschmerzen erklären könnten. Die darüber hinaus
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angegebene Ausstrahlung in den linken Arm, die Blockaden mit Geheinschränkungen,
die Schwäche in der rechten Hand nach Stromunfall sowie das Taubheitsgefühl in den
Füssen liessen sich auf neurologischem Fachgebiet nicht weiter objektivieren und
erklären. Die SEP-Latenzen seien zwar diskret verzögert, dies könne aber technisch
bedingt sein oder sei allenfalls Ausdruck einer sehr diskreten Myelopathie, die weder
bildgeberisch noch klinisch relevant sei (Berichte vom 9. und 17. September 2015, IV-
act. 137 f.).
A.i Dazu führte RAD-Ärztin Dr. G._ am 2. Oktober 2015 aus, dass in sämtlichen
Untersuchungen ein unauffälliger Befund erhoben worden sei. Somit könnten weder
radikuläre Befunde an HWS und LWS noch Symptome einer Myelopathie objektiviert
und neurologisch bestätigt werden. Die durch degenerative Veränderungen an HWS
und LWS hervorgerufenen, belastungsabhängigen Schmerzen würden im adaptierten
Tätigkeitsprofil bereits berücksichtigt. An der bisherigen Arbeitsfähigkeitsfeststellung
von 100 % für leidensadaptierte Tätigkeiten könne somit festgehalten werden. Es
handle sich um ein chronifiziertes Schmerzsyndrom von HWS und LWS auf der Basis
von degenerativen Veränderungen ohne neurologischen Ausfälle. Im Vergleich zum
Referenzzeitpunkt März 2013 seien keine objektivierbaren Funktionseinschränkungen
hinzugekommen (IV-act. 139).
A.j Mit Vorbescheid vom 8. Oktober 2015 gewährte die IV-Stelle dem Versicherten das
rechtliche Gehör zur vorgesehenen Abweisung des Rentenbegehrens (IV-act. 142).
Dagegen liess der Versicherte am 11. November 2015 Einwand erheben und im
Wesentlichen darlegen, die Berichte von Prof. H._ bzw. die von der
Beschwerdegegnerin angenommene 100 %ige Arbeitsfähigkeit in adaptierten
Tätigkeiten seien nicht nachvollziehbar und stichhaltig. Dr. I._ beurteile ihn aus
psychiatrischer Sicht ebenfalls zu 30 % arbeitsunfähig. Dies sei im Rahmen des
maximalen leidensbedingten Abzugs von 25 % zu berücksichtigen (IV-act. 143).
A.k RAD-Ärztin Dr. G._ nahm am 8. April 2016 zu den einzelnen Ausführungen des
Einwenders Stellung und kam zum Schluss, aus somatischer Sicht bestehe eine
100 %ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 145).
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A.l Dr. med. I._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, führte im Arztbericht vom
13. April 2016 aus, sie behandle den Versicherten seit 19. März 2012. Als Diagnosen
vermerkte sie chronische Schmerzen mit psychischen und somatischen Faktoren
(ICD-10: F45.41), eine Persönlichkeitsakzentuierung, narzisstische und impulsive
Anteile (ICD-10: F61.1), sowie Anpassungsprobleme bei Veränderungen der
Lebensumstände (ICD-10: Z60.0). Sie schätzte den Versicherten aus psychiatrischer
Sicht zu ca. 30 % arbeitsunfähig (IV-act. 147-2 ff.).
A.m Dr. med. J._, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, stellte gering ausgeprägte degenerative Veränderungen an den
Knien fest (Innenmeniskusdegeneration Knie links und initiale retropatellare
Chondropathie und Innenmeniskus-Degeneration Knie rechts). Diese könnten die vom
Versicherten beklagten ausgeprägten Beschwerden nicht erklären. Es müsse von einer
lumbospondylogenen Schmerzursache ausgegangen werden (Bericht vom 24. Mai
2016, IV-act. 149). RAD-Arzt Dr. med. K._, Facharzt für Innere Medizin,
Rheumatologie, Physikalische Medizin und Rehabilitation, wies in einer Stellungnahme
vom 27. Juni 2016 auf eine Diskrepanz zwischen geklagten Beschwerden und
fehlendem organischem Korrelat (neurologisch und orthopädisch) hin (IV-act. 152-1).
RAD-Arzt Dr. med. L._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, begründete in
seiner Stellungnahme vom 28. Juli 2016, dass aus psychiatrischer Sicht keine
invalidenversicherungsrechtlich relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliege.
Schon die vom Versicherten beharrlich vertretene Umschulungsfähigkeit spreche
gegen die geforderte Dauer und Schwere der somatoformen Schmerzstörung (IV-
act. 152-2).
A.n Der Versicherte bestritt, dass ein geäusserter Wiedereingliederungswunsch gegen
die Dauer und Schwere der Schmerzstörung spreche. Dass ein geringer
Ausprägungsgrad bestehe und er in den übrigen Lebensbereichen uneingeschränkt
Aktivitäten vornehme, sei eine aktenwidrige Behauptung. Es sei ihm mindestens eine
halbe IV-Rente zuzusprechen (Eingabe vom 25. August 2016, IV-act. 154). Weiter
reichte er einen MRI-Bericht vom 14. September 2016 zu den Akten, wonach an der
linken Schulter ein geringes Impingement durch eine initiale hypertrophe AC-
Gelenksarthrose bestehe (Dr. med. M._, FMH Radiologie, IV-act. 158). RAD-Arzt
Dr. K._ verneinte eine einschränkungsbegründende Schwere und schloss, an der
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RAD-Stellungnahme vom 27. Juni und 28. Juli 2016 sei weiterhin festzuhalten
(Stellungnahme vom 13. Oktober 2016, IV-act. 159).
A.o Mit Verfügung vom 15. Dezember 2016 wies die IV-Stelle das Rentengesuch ab.
Aus somatischer Sicht bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten.
Leidensadaptiert seien körperlich leichte, wechselbelastende Arbeiten ohne
Zwangshaltungen der Wirbelsäule und ohne Überkopftätigkeiten. Aus psychiatrischer
Sicht müsse in Abwesenheit einer iv-rechtlich relevanten Erkrankung mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit ebenfalls von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgegangen
werden. Die neu eingereichten Berichte enthielten keine neuen medizinischen Aspekte,
weshalb weiter an dieser Beurteilung festgehalten werde (IV-act. 160).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 15. Dezember 2016 lässt A._, vertreten durch
Rechtsanwalt Dr. iur. M. Bühler, am 30. Januar 2017 Beschwerde erheben. Er
beantragt, es sei ihm in Aufhebung der angefochtenen Verfügung unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen eine Dreiviertelsrente zuzusprechen. Eventualiter sei ihm eine
halbe IV-Rente zuzusprechen. Sodann ersucht er um Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege inklusive Rechtsverbeiständung. Der Beschwerdeführer bestreitet
gestützt auf die sich bei den Akten befindenden Arztberichte, dass weder somatische
noch psychische IV-relevante Einschränkungen vorlägen. Der RAD stütze sich einzig
auf die Berichte von Prof. H._ vom 9. und 17. September 2015. Dessen Beurteilung,
wonach die gefundenen SEP-Latenzen eher technisch bedingt seien, sei nicht
nachvollziehbar. Die bildgeberisch nachgewiesene Myelonkompression im Bereich
C6/7 sei von Prof. H._ nicht beachtet worden. Aufgrund dieser müsse eine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes angenommen werden. Die beklagten
Beschwerden liessen sich neurologisch mit der Verschlechterung im Bereich C6/7
erklären. Im Weiteren sei die seit dem Referenzzeitpunkt April 2013 aufgetretene
weitere LWS-Problematik nicht berücksichtigt worden. Sodann bestehe auch
hinsichtlich der Kniebeschwerden eine Verschlechterung. Auch Schulterbeschwerden
links würden in der Gesamtbeurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht genügend
berücksichtigt. Dr. I._ beurteile ihn aus psychiatrischer Sicht ebenfalls zu 30 %
arbeitsunfähig. Das von ihr diagnostizierte, neu chronifizierte Schmerzsyndrom finde
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keine Beachtung in der Beurteilung durch den RAD. Die Annahme der
Beschwerdegegnerin, dass eine Indikatorenprüfung bei einem geäusserten
Wiedereingliederungswunsch von vornherein nicht notwendig sei, widerspreche dem
Grundsatz "Eingliederung vor Rente". Der geringe Ausprägungsgrad der
Schmerzstörung und die uneingeschränkten Aktivitäten in den übrigen
Lebensbereichen seien eine aktenwidrige Behauptung. Die von Dr. I._ attestierte
Arbeitsunfähigkeit von 30 % könne nicht einfach ausser Acht gelassen werden. Es sei
ihm der maximale Tabellenlohnabzug zu gewähren, da ihm seine vormalige körperlich
schwere Tätigkeit als Maler nicht mehr zumutbar sei (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 20. März 2017 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Dass ein versicherungsexterner Sachverständiger
betreffend Befunderhebung, Diagnostik und Einschätzung der Arbeitsfähigkeit zu
anderen Ergebnissen gelange als die in die Behandlung involvierten Fachpersonen,
könne für sich allein nicht gegen die Zuverlässigkeit einer Expertise sprechen. Es könne
auf die über einen längeren Zeitraum erfolgte, jeweils auf aktuellen medizinischen Akten
basierende, lückenlose und widerspruchsfreie Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch
den RAD und auf die Konsiliarberichte von Prof. H._ abgestellt werden. Weitere
Abklärungen seien nicht angezeigt. Dr. I._ habe nicht eine somatoforme
Schmerzstörung, sondern chronische Schmerzen mit psychischen und somatischen
Faktoren diagnostiziert. Dieser Diagnose fehle ein Bezug zum Schweregrad. Weiter
habe sie nicht eine Persönlichkeitsstörung, sondern eine Persönlichkeitsakzentuierung
festgestellt. Die von ihr dennoch attestierte Arbeitsunfähigkeit von 30 % verdeutliche,
dass sie von einem umfassenden bio-psycho-sozialen Krankheitsbegriff ausgegangen
sei. Die von ihr gestellten Diagnosen fielen nicht unter den Begriff des
rechtserheblichen Gesundheitsschadens (act. G 3).
B.c Am 24. März 2017 bewilligt die Abteilungspräsidentin dem Versicherten die
unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und unentgeltliche
Rechtsverbeiständung) für das vorliegende Beschwerdeverfahren (act. G 4).
B.d Mit Replik vom 1. Juni 2017 trägt der Beschwerdeführer vor, den Begründungen
der Beschwerdegegnerin für die von den behandelnden Ärzten abweichenden
Beurteilungen könne nicht gefolgt werden. Die Dichotomie psychogen vs. somatogen
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sei nicht mehr gerechtfertigt. Dass Dr. I._ von einem umfassenden bio-psycho-
sozialen Krankheitsmodell ausgehe, werde bestritten. Sie habe beispielsweise bereits
im Bericht vom 8. Juni 2012 eine Depression diagnostiziert (act. G 8).
B.e Der Beschwerdeführer legt am 29. Juni 2017 einen Bericht vom 30. Mai 2017 über
eine Notfallkonsultation im Spital N._ wegen Gefühls von Luftnot, "Spannungsgefühl
am Herzen" und Kribbeln an den Extremitäten (act. G 10) sowie am 24. Oktober 2018
einen Bericht über eine MRI-Untersuchung der HWS vom 12. Oktober 2018 ins Recht
(act. G 13 und 13.1).

Erwägungen
1.
1.1 Die Mitteilung vom 3. April 2013 (IV-act. 59) bezieht sich in ihrer Begründung zwar
auf den Anspruch auf berufliche Massnahmen, insbesondere auf Arbeitsvermittlung.
Ihrem Wortlaut zufolge umfasst die Abweisung indessen das ganze Leistungsbegehren,
auch hinsichtlich des Rentenanspruchs. Der Beschwerdeführer hat im Anschluss an die
Mitteilung keine anfechtbare Verfügung beantragt oder geltend gemacht, die
Abweisung seines Gesuchs hätte der Verfügungsform bedurft. Erst über ein Jahr später
teilte sein Hausarzt der IV-Stelle mit, dessen Gesundheitszustand habe sich
verschlechtert (IV-act. 61-1 f.). Die Mitteilung vom 3. April 2013 hat somit die Wirkung
einer rechtskräftigen abweisenden Verfügung erlangt (vgl. BGE 134 V 145).
Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens bildet ausschliesslich ein allfälliger
Rentenanspruch. Die Verfügung vom 3. Juni 2015 betreffend berufliche Massnahmen
(IV-act. 130) und vom 18. August 2015 betreffend unentgeltliche Rechtsverbeiständung
im Vorbescheidverfahren (IV-act. 136) sind demgegenüber unangefochten in
Rechtskraft erwachsen.
1.2 Die richterliche Überprüfung einer Verwaltungsverfügung ist grundsätzlich auf den
bis zum Zeitpunkt des Erlasses dieser Verfügung eingetretenen Sachverhalt
beschränkt. Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, sind soweit zu
berücksichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang
stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des Abschlusses des
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Verwaltungsverfahrens zu beeinflussen (BGE 131 V 243 E. 2.1; BGE 129 V 4 E. 1.2 und
Urteil des Bundesgerichts vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008, E. 2.3.1, mit Verweisen). Der
vom Beschwerdeführer ins Recht gelegte Bericht über die Notfallkonsultation im Spital
N._ vom 30. Mai 2017 betrifft eine notfallmässige Vorstellung am Vortag wegen
Luftnot, "Spannungsgefühl am Herzen" und Kribbeln an den Extremitäten. Es wurde
der Verdacht auf eine Panikattacke erhoben (act. G 10.1). Dabei handelt es sich um ein
zeitlich abgegrenztes und ausschliesslich den Zeitraum nach der angefochtenen
Verfügung vom 15. Dezember 2016 betreffendes Ereignis. Auch der MRI-Bericht vom
12. Oktober 2018 betrifft eine fast zwei Jahre nach Erlass der angefochtenen
Verfügung erfolgte Untersuchung. Er beinhaltet zudem den Vergleich zum Ergebnis
einer ebenfalls nach der Verfügung angefertigten MRI-Untersuchung vom 4. Mai 2017
(act. G 13.1). Die beiden Berichte wären demnach lediglich relevant, soweit sie vor
Erlass der angefochtenen Verfügung festgestellte Befunde oder Diagnosen bestätigen
oder in Frage stellen würden, was nicht der Fall ist.
2.
2.1 Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, wird eine
neue Anmeldung nur geprüft, wenn die gesuchstellende Person glaubhaft macht, dass
sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat
(Art. 87 Abs. 2 und 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV]). Ist die
anspruchserhebliche Änderung glaubhaft gemacht, ist die Verwaltung verpflichtet, auf
das neue Leistungsbegehren einzutreten und es in tatsächlicher und rechtlicher
Hinsicht umfassend zu prüfen (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 17. April 2018,
9C_589/2017, E. 4, mit weiteren Verweisen, vom 6. Juni 2018, 8C_868/2017, E. 3.1 und
vom 3. August 2018, 8C_177/2018, E. 3.3).
2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
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Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
2.3 Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter
Gesundheitsschaden setzt eine auf objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich
gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem
voraus (BGE 130 V 396 E. 5.3 und E. 6, BGE 141 V 289 E. 3.2; Urteil des
Bundesgerichts vom 22. Februar 2016, 8C_1/2016, E. 4.3). Erforderlich ist zudem, dass
sich der Gesundheitsschaden auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auswirkt (vgl.
Urteile des Bundesgerichts vom 30. November 2017, 8C_350/2017, E. 5.4, und vom
27. März 2015, 8C_673/2014, E. 5.1.1; BGE 143 V 427 E. 6). Für somatisch unklare
Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und gleichgestellte Diagnosen) sowie
psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen ist der Beweis nach dem
strukturierten Verfahren mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE 141 V 281 und
BGE 143 V 428, E. 7.1). Der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche
gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als geleistet betrachtet werden,
wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden
Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen
(Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143 V 427, E. 6 a. E.).
2.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
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Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne einer Richtlinie
ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb). Soll ein Versicherungsfall
ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die
Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel
an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen
Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen mittels unabhängiger Begutachtung
vorzunehmen (BGE 135 V 469 f. E. 4.4).
3.
Vorliegend ist insbesondere zu prüfen, ob seit dem Gutachten der MEDAS Bern
Anhaltspunkte für eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes eingetreten sind,
welche die Massgeblichkeit der damaligen Beurteilung so in Frage stellen, dass weitere
Abklärungen erforderlich wären.
3.1 Mit Bezug auf die lumbale Wirbelsäule wurde im Gutachten vom 11. März 2013
festgehalten, es bestünde eine leichte Bandscheibenproblematik L4/5, jedoch ohne
radikuläre Kompression. In neurologischer Hinsicht ergäben sich zwar vorwiegend
degenerative Veränderungen der LWS. Diagnostisch wurden diese als Lumbalgien
ohne Hinweise auf radikuläre Störungen erfasst. Weiter wurde ausgeführt, die vom
Beschwerdeführer berichteten sonstigen Beschwerden hätten kein eindeutig
zuzuordnendes klinisches Korrelat gezeigt (Fremdakten, act. 4-13, 21). Prof. H._
führte im Aktenauszug MRI-Befunde der LWS vom 1. Mai 2014 und vom 21. April 2015
an. Im zweitgenannten wurde eine progrediente, links neuroforaminal betonte
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Discusherniation mit Tangierung der Nervenwurzel S1 links, verstärkt im Verlauf zur
Voruntersuchung, sowie eine stabile Osteochondrosis intervertebralis lumbalis L4/5
birecessal mit Tangierung der Nervenwurzel L5 beidseits beschrieben (IV-act. 137-2).
Klinisch war die Untersuchung durch Prof. H._ insgesamt unauffällig (IV-act. 137-4).
Es lägen weder motorische noch sensible Defizite vor, die Ausdruck einer
Radikulopathie der (HWS oder) LWS seien. Insgesamt lägen degenerative
Veränderungen der LWS (und HWS) vor, die vermutlich die Rückenschmerzen erklären
könnten (IV-act. 138-3). Die Elektromyographie aus dem von S1 links versorgten M.
gastrocnemius sei regelrecht gewesen. Hinweise auf eine lumbale Radikulopathie gebe
es hier ebenfalls nicht (IV-act. 137-4). Zur Abklärung grenzwertig verzögerter, somato-
sensibel evozierter Potentiale bzw. zum sicheren Ausschluss einer auch subklinisch
relevanten zervikalen Myelopathie veranlasste er ein MRI des Neurocraniums (IV-
act. 137-4), welches einen unauffälligen Befund ergab. Prof. H._ schloss daraus,
dass die Verzögerung der SEP-Latenzen bei der Stimulation der Beinnerven eher
technisch bedingt oder allenfalls Ausdruck einer sehr diskreten Myelopathie sei, die
weder klinisch noch bildgeberisch relevant sei (IV-act. 138-3). Abschliessend hielt er
fest, es lägen degenerative Veränderungen an der LWS vor, die vermutlich die
Rückenschmerzen erklärten. Die Blockaden mit Geheinschränkungen sowie das
Taubheitsgefühl in den Füssen liessen sich neurologisch nicht weiter objektivieren und
erklären (IV-act. 138-3). Somit liegen an der Lendenwirbelsäule zwar degenerative
Befunde mit Tangierung bzw. Kompression insbesondere der S1- Wurzel vor (vgl. auch
Bericht Prof. F._ vom 20. Mai 2015, IV-act. 126-6 f.), diese führen jedoch klinisch zu
keinen relevanten motorischen oder sensiblen Defiziten. Zu den die Rückenschmerzen
erklärenden degenerativen Befunden nahm Dr. G._ am 2. Oktober 2015 Stellung,
diese würden im adaptierten Tätigkeitsprofil bereits berücksichtigt (IV-act. 139). Die
Degenerationen im Bereich der LWS sind demnach zwar progredient, sie wirken sich
aber in quantitativer Hinsicht aktuell nicht auf die Arbeitsfähigkeit aus. Bezüglich der
bildgebend festgestellten radikulären Befunde legt Prof. H._ unter Berücksichtigung
klinischer, bildgebender und elekromyographischer Befunde schlüssig und
nachvollziehbar dar, dass diese sich klinisch nicht auswirkten und die geklagten
Beschwerden in den Beinen entsprechend nicht erklärbar seien. Sie sind deshalb für
die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht relevant, da sie zu keinen
Funktionseinschränkungen führen (vgl. auch Stellungnahme RAD-Ärztin Dr. G._ vom
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5. September 2014, IV-act. 97). Daran vermag auch nichts zu ändern, dass Dr. J._
festhielt, betreffend der Knieschmerzen müsse von einer lumbospondylogenen
Ursache ausgegangen werden (IV-act. 149). Dr. J._ erhob hinsichtlich des Rückens
keine Befunde und stellte auch keine Diagnose für diesen Bereich. Aus seinen
Berichten geht auch nicht hervor, dass ihm die die Lendenwirbelsäule betreffenden
Berichte bekannt gewesen wären (vgl. IV-act. 148 f.). Seine Feststellung einer
möglichen lumbospondylogenen Ursache der Knieschmerzen vermag daher die
Beurteilung von Prof. H._ nicht in Frage zu stellen.
3.2 Hinsichtlich der Halswirbelsäule erhob der MEDAS-Gutachter als Diagnose ein
Zervikalsyndrom nach PW-Unfall am 25. Dezember 2011. Auch wenn geringfügige
lokalsegmentale Bewegungsstörungen der HWS bestehen könnten, hätten diese keine
relevanten Auswirkungen auf die Funktionalität und somit auf die Arbeitsfähigkeit
(Fremdakten, act. 4-13). Dr. D._ führte im Bericht vom 4. September 2013 aus, es
lägen aktuelle MRI-Bilder der Halswirbelsäule vor, die einerseits Spondylophyten bei
C6/7 und beginnende leichte Spondylophyten bei C5/6 zeigten, andererseits auch
Bandscheibenvorfälle. Der Vorfall C6/7 sei besonders in der Axialschicht deutlich
Myelon-komprimierend (IV-act. 61-3 f.). Dr. E._ berichtete am 21. November 2013
über ein chronisches, cervikospondylogenes Schmerzsyndrom, bei medianer
Diskushernie C6/C7 mit leichter Myelonkompression ohne Myelopathie (IV-act. 61-5 f.).
Prof. H._ fand auch im Bereich der HWS klinisch-neurologisch keine auf eine
Radikulopathie hinweisenden Defizite, jedoch degenerative Veränderungen, welche die
Nackenschmerzen, nicht aber die angegebene Ausstrahlung in den linken Arm und die
angegebene Schwäche in der rechten Hand nach Stromunfall im Oktober 2010
erklären könnten. Diagnostisch hielt er eine relative zervikale Spinalkanalstenose HWK
6/7, klinisch-neurologisch inapparent, sowie einen Status nach HWS Distorsion Grad II
(QTF-Klassifikation) 2011 fest (IV-act. 138-2 f.). RAD-Ärztin Dr. G._ führte auch
hinsichtlich der degenerativen Veränderungen der HWS aus, diese seien im adaptierten
Tätigkeitsprofil bereits berücksichtigt (IV-act. 139). Soweit der Beschwerdeführer
geltend macht, Prof. H._ erkläre die festgestellten Latenzen im Bereich C6/7 als
technisch bedingt und verkenne dabei, dass eine Myelonkompression nachgewiesen
sei, ist darauf hinzuweisen, dass Prof. H._ aufgrund der elektromyographischen
Befunde ein MRI des Neurocraniums anfertigen liess, welches weitgehend unauffällig
war (vgl. E. 3.1). Seine Beurteilung der Befunde als technisch indiziert stützt sich somit
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auf diesen MRI-Befund sowie auf den Umstand, dass der Beschwerdeführer bei der
Untersuchung keine höheren Reizströme tolerierte. Sodann wurde das MRI nicht zum
Ausschluss einer Myelonkompression, sondern einer Myelopathie angeordnet. Die
bildgebend festgestellte Myelonkompression steht daher nicht im Widerspruch zur
Beurteilung der Messresultate als technisch bedingt. So wird das Vorhandensein einer
Myelopathie auch von Dr. E._ explizit verneint (IV-act. 61-5 f.). In diesem
Zusammenhang dürfte auch der Hinweis von RAD-Ärztin Dr. G._ zu verstehen sein,
dass eine Myelonkompression nicht identisch sei mit einer Myelopathie (Stellungnahme
vom 8. April 2016, IV-act. 145). Hinsichtlich der Halswirbelsäule ist somit keine
quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgewiesen.
3.3 Dr. J._ hielt ausdrücklich fest, dass die beklagten ausgeprägten Beschwerden
durch die festgestellten gering ausgeprägten degenerativen Veränderungen im
Kniegelenk nicht erklärt werden könnten (IV-act. 149). Auch RAD-Arzt Dr. K._ wies
auf die Diskrepanz zwischen der vom Beschwerdeführer angegebenen deutlichen
Einschränkung der körperlichen Aktivitäten und dem klinisch erhobenen flüssigen,
hinkfreien Gangbild hervor. Die geklagten ausgeprägten Beschwerden könnten weder
bildgebend noch klinisch erklärt werden (27. Juni 2016, IV-act. 152-1). Nachvollziehbar
erscheint auch, dass das durch MRI vom 13. September 2016 festgestellte
Impingement keine quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bewirkt, da es vom
Radiologen ausdrücklich als geringfügig bezeichnet wird (Bericht MRI vom
14. September 2016, IV-act. 158; Stellungnahme RAD-Arzt Dr. K._ vom 13. Oktober
2016 (IV-act. 159).
3.4 Der psychiatrische Experte legte im psychiatrischen Teilgutachten vom 11. März
2013 dar, die Persönlichkeitsstruktur des Beschwerdeführers weise stärkere
narzisstische Züge auf, die sich auch in der Affektwahrnehmung und Affektregulation
äusserten. Während die narzisstischen Impulse früher durch schulische, sportliche und
berufliche Erfolge hätten kompensiert werden können, hätten sie später zum
dysfunktionalen Verhalten mit Störung der Bewältigung von Beschwerden und
Konflikten geführt. Die dysfunktionalen Bewältigungsmuster manifestierten sich
gegenwärtig als Dysfunktionalität im Hinblick auf die körperlichen Beschwerden und
führten zur Schonung (Passivität und Vermeidung) im Sinne einer Symptomausweitung
und damit einer weiteren Beschwerdeverstärkung. Die Persönlichkeit weise auch eine
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besondere Empfindsamkeit, Sensibilität auf (Fremdakten, act. 4-19).
Zusammenfassend ergebe sich das Bild einer Anpassungsstörung bei einer sensitiv
narzisstisch, konstitutionell veranlagten Persönlichkeitsstruktur, die keiner relevanten
Störung entspreche, jedoch zu einer dysfunktionalen Verarbeitung der somatischen
Beschwerden beitrage. Aus psychiatrischer Sicht ergäben sich somit keine
Leistungseinbussen zum gegenwärtigen Zeitpunkt (Fremdakten, act. 4-21, 23). Die
behandelnde Dr. I._ führte im Arztbericht vom 13. April 2016 folgende Diagnosen an:
chronische Schmerzen mit psychischen und somatischen Faktoren (ICD-10: F45.41),
eine Persönlichkeitsakzentuierung, narzisstische und impulsive Anteile (ICD-10: F61.1)
sowie Anpassungsprobleme bei Veränderungen der Lebensumstände (ICD-10: Z60.0).
Die aktuelle finanzielle Situation, die Arbeitsunfähigkeit und fehlende
Zukunftsperspektiven würden sehr belastend erlebt und hätten starken Einfluss auf das
Wohlbefinden. Die Persönlichkeitsstruktur mit starken narzisstischen und impulsiven
Anteilen erschwere die konstruktive Bewältigung der somatischen Probleme. Aus
diesem Grund seien dysfunktionale Bewältigungsstrategien wie Vermeidung und
Schonung entstanden. Die Einschränkungen führten zu einer massiven
Selbstwertproblematik. Zudem bestehe eine eingeschränkte Introspektionsfähigkeit,
aufgrund derer es sehr schwierig sei, funktionale Copingstrategien für die bestehenden
Einschränkungen zu erlernen. Zweifelsohne sei die Wahrnehmung der somatischen
Schmerzkomponente depressiv verstärkt, aber die Einschränkungen in der
Beweglichkeit und Belastbarkeit seien zu einem nicht unerheblichen Teil auf die
bestehenden Rückenbeschwerden zurückzuführen. Aus diesem Grund sei der
Versicherte aus psychiatrischer Sicht und aufgrund der interpersonellen
Schwierigkeiten, die wohl bei der vorhandenen Persönlichkeitsstruktur zu erwarten
seien, zu ca. 30 % arbeitsunfähig (IV-act. 147-2 ff.). RAD-Arzt Dr. L._ äusserte dazu,
in der Anamnese würden Schilderungen klinischer Symptome angeführt, die allerdings
weder im psychopathologischen Status noch im Behandlungsbericht verifiziert würden.
Eine Depression werde nicht diagnostiziert. Die Persönlichkeitsdiagnose sei nicht
schwerwiegend; es werde keine Persönlichkeitsstörung, sondern eine
Persönlichkeitsakzentuierung diagnostiziert. Dr. I._ diagnostiziere weiter eine
somatoforme Schmerzstörung. Angesichts des geringen Ausprägungsgrades und der
in den übrigen Lebensbereichen uneingeschränkt vorhandenen Aktivitäten könne
bereits aus den vorliegenden Akten geschlossen werden, dass die Richtlinien des
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Bundesgerichts, welche in den Standardindikatoren formuliert worden seien, nicht
erfüllt würden. Schon die vom Versicherten beharrlich vertretene Umschulungsfähigkeit
spreche gegen die geforderte Dauer und Schwere der somatoformen Schmerzstörung.
Aus psychiatrischer Sicht liege keine invalidenversicherungsrechtlich relevante
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor (IV-act. 152-2). Im Ergebnis kann dem aus
rechtlicher Sicht gefolgt werden. Zwar liegen keine eine relevante Beeinträchtigung
ausschliessende Aggravation oder Simulation vor, so dass aufgrund der
diagnostizierten Schmerzstörung nach dem strukturierte Beweisverfahren gemäss BGE
141 V 281 vorzugehen ist. Indes weist, wie Dr. L._ zu Recht hervorhebt, die Diagnose
chronischer Schmerzen mit psychischen und somatischen Faktoren nicht per se einen
hohen diagnoseimmanenten Schweregrad auf (vgl. BGE 142 V 106). Eine den
Beschwerdeführer stärker beeinträchtigende somatische Komorbidität ist nicht
ausgewiesen. Eine Persönlichkeitsstörung wurde ebenfalls nicht diagnostiziert. Jedoch
bestehen narzisstisch und impulsiv akzentuierte Persönlichkeitszüge, welche einer
funktionalen Bewältigung der somatisch begründeten Beschwerden hinderlich sind.
Ressourcenhemmend sind auch die von Dr. I._ erwähnte Selbstwertproblematik und
eingeschränkte Introspektionsfähigkeit. Als wichtige Ressourcen sind indessen die
offenbar intakte Partnerschaft und das hohe Bildungsniveau des Beschwerdeführers
anzuführen. Die von Dr. I._ attestierte psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit von
30 % erklärt sich auch mit der Belastung durch die aktuelle finanzielle Situation, die
Arbeitslosigkeit und die fehlenden Zukunftsperspektiven (vgl. IV-act. 147-3). Dabei
handelt es sich um psychosoziale Belastungsfaktoren, deren Auswirkungen
invaliditätsfremd sind und daher für die invalidenversicherungsrechtliche
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht berücksichtigt werden dürfen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 21. Juli 2014, 9C_152/2014, E. 3.1.2; BGE 127 V 299 E. 5.a). Es
bestehen somit keine psychiatrischen Diagnosen, welche ausreichend schwere
funktionelle Auswirkungen zeitigten, um eine invalidenversicherungsrechtlich relevante
Arbeitsunfähigkeit zu begründen.
4.
Zusammenfassend ergibt sich aus der medizinischen Aktenlage insgesamt
nachvollziehbar und schlüssig, dass der Beschwerdeführer in adaptierten Tätigkeiten in
seiner Arbeitsfähigkeit invalidenversicherungsrechtlich betrachtet nicht eingeschränkt
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ist. Die abweichenden Beurteilungen von Dr. I._ und Prof. F._ berücksichtigen die
subjektive Schilderung des Beschwerdeführers bzw. seine dysfunktionale Bewältigung
und vorhandene Belastungsfaktoren, welche auszuklammern sind. Prof. F._ hält
lediglich fest, "nach seiner Meinung" werde der Beschwerdeführer sicher nicht mehr
als zu 50 % arbeitsfähig werden (IV-act. 126-6). Seine Schätzung wird auch in weiteren
Berichten und insbesondere im Vorbescheid- und Beschwerdeverfahren nicht durch
medizinisch objektivierte Einschränkungen begründet. Somit stehen der
Massgeblichkeit des Konsiliums von Prof. H._ und den RAD-Berichten keine
objektiven medizinischen Standpunkte entgegen. Im Übrigen erzielte der
Beschwerdeführer zuletzt ab 1. Mai 2011 einen Jahreslohn von 12 x Fr. 5'091.50 bzw.
13 x Fr. 4'700.-- = Fr. 61'098.-- bzw. Fr. 61'100.-- (Angaben Arbeitgeberin vom 2. Mai
2012, IV-act. 15-2, 24). Er verfügt zwar über ein nicht abgeschlossenes
Geschichtsstudium, hat indessen in der Schweiz nie ein höheres stabiles Einkommen
erzielt (vgl. Auszug aus dem individuellen Konto [IK], IV-act. 68). Anhaltspunkte für eine
zu einem höheren Einkommen führende Validenkarriere im Gesundheitsfall finden sich
in den Akten nicht und werden auch nicht geltend gemacht. Das Valideneinkommen
entspricht demnach dem letzten Jahreseinkommen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
21. Dezember 2016, 8C_728/2016, E. 3.1, mit weiteren Verweisen). Es liegt nahe beim
Median gemäss Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik (BFS),
Anforderungsniveau 4, Männer, beträgt für das Jahr 2011 Fr. 61'910.--
(Informationsstelle AHV/IV, IV 2019, Bern 2019, Anhang 2), weshalb (zugunsten des
Beschwerdeführers und in Übereinstimmung mit der Beschwerdegegnerin, vgl. IV-
act. 140 und 160) ein Prozentvergleich durchgeführt werden kann. Selbst wenn aus
psychiatrischer Sicht von einer 30 %igen Arbeitsunfähigkeit und von einem
Tabellenlohnabzug von jedenfalls nicht mehr als 10 % ausgegangen würde, würde ein
Invaliditätsgrad von 37 % (1- [70 % x 0,9]) resultieren, womit der Beschwerdeführer
keinen Rentenanspruch hat.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
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Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
unterliegenden Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten vollumfänglich aufzuerlegen.
Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu befreien.
5.3 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr.
15'000.--. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat eine Kostennote eingereicht
(act. G 12; act. G 12.1). Darin macht er ein Honorar von Fr. 2'970.--, Barauslagen von
Fr. 87.40 und Mehrwertsteuer von Fr. 244.15, total Fr. 3'301.55 geltend. Dies erscheint
angemessen. Das Honorar ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 des
Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Somit hat der Staat den Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers pauschal mit Fr. 2‘660.15 (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
5.4 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).