Decision ID: cac3e548-e9c4-43e9-b849-7917bb1ffcad
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Erpressung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - , vom 3. September 2018 (GG180128)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 25. Mai 2018
(Urk. 28) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
- der Erpressung gem. Art. 156 Abs. 1 StGB sowie
- der Nötigung gem. Art. 181 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu
Fr. 40.–, wovon bis und mit heute 4 Tagessätze als durch Haft geleistet gel-
ten sowie mit einer Busse von Fr. 2'500.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 25 Tagen.
5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 2'000.– ; die weiteren Kosten betragen: Fr. 1'100.– Gebühr für das Vorverfahren, Fr. 5'755.– amtliche Verteidigung.
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung sowie der Übersetzung,
werden dem Beschuldigten auferlegt.
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7. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ für das gesam-
te Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 550.– inklusive Mehrwert-
steuer zu bezahlen.
Berufungsanträge:
a) Der amtlichen Verteidigung:
(Urk. 58 S. 1)
1. Der Beschuldigte sei in allen Punkten vollumfänglich freizusprechen.
2. Allfällige Zivilansprüche des Privatklägers seien abzuweisen, eventuali-
ter auf den Zivilweg zu verweisen.
3. Die Kosten- und Entschädigungsfolgen seien ausgangsgemäss zu ver-
legen.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat:
(Urk. 52, schriftlich, sinngemäss)
1. Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
2. Verzicht auf Anschlussberufung
3. Gesuch um Dispensation von der Teilnahme an der Berufungsverhand-
lung
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang
Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene, mündlich eröffnete Ur-
teil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 3. September
2018 liess der Beschuldigte mit Eingabe der amtlichen Verteidigung vom
6. September 2018 rechtzeitig Berufung anmelden (Urk. 40; Urk. 42; Prot. I S. 22;
Art. 399 Abs. 1 StPO). Nach Erhalt des begründeten Urteils am 20. November
2018 reichte die amtliche Verteidigung am 6. Dezember 2018 (Datum des Post-
stempels) fristgerecht die Berufungserklärung im Sinne von Art. 399 Abs. 3 StPO
ein und beantragte einen vollumfänglichen Freispruch (Urk. 49/1; Urk. 46/3). Mit
Präsidialverfügung vom 12. Dezember 2018 wurde die Berufungserklärung des
Beschuldigten dem Privatkläger und der Staatsanwaltschaft zugestellt und Frist
für Anschlussberufung oder einen Nichteintretensantrag angesetzt. Dieselbe Frist
wurde dem Beschuldigten angesetzt, um das Datenerfassungsblatt und Unterla-
gen zu seinen aktuellen wirtschaftlichen Verhältnissen einzureichen (Urk. 50). Mit
Eingabe vom 18. Dezember 2018 beantragte die Staatsanwaltschaft die Bestäti-
gung des vorinstanzlichen Urteils, erklärte ihren Verzicht auf Anschlussberufung
und stellte ein Gesuch um Dispensation von der Teilnahme an der Berufungsver-
handlung (Urk. 52). Der Privatkläger liess sich nicht vernehmen. Mit Eingabe vom
3. Januar 2019 liess der Beschuldigte das ausgefüllte Datenerfassungsblatt sowie
Unterlagen zu seinen wirtschaftlichen Verhältnissen einreichen (Urk. 53;
Urk. 54/1-6). Am 25. Januar 2019 wurden die Parteien zur Berufungsverhandlung
auf den 26. März 2019 vorgeladen (Urk. 56). Anlässlich der Berufungsverhand-
lung liess der Beschuldigte die eingangs aufgeführten Anträge stellen (Prot. II
S. 3; Urk. 58 S. 1).
II. Prozessuales
Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechtskraft
des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Nachdem der
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Beschuldigte mit seiner Berufungserklärung das gesamte Urteil anfechten liess
(Urk. 49/1), mit Ausnahme der festgesetzten Entschädigung der amtlichen Vertei-
digung (Urk. 42), was praxisgemäss nicht separat rechtskräftig zu erklären ist, ist
keine der vorinstanzlichen Anordnungen in Rechtskraft erwachsen.
III. Sachverhalt
1. Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift zusammengefasst vorge-
worfen, er habe am 21. September 2016 in seiner Wohnung an der C._-
strasse ... in ... Zürich vom Privatkläger Schadenersatz in der Höhe von
Fr. 25'000.– für dessen Scheidung nach islamischem Recht von seiner Stieftoch-
ter D._ verlangt, wobei er dem Privatkläger gesagt habe, er werde ihm an-
sonsten etwas antun, er habe schliesslich nichts zu verlieren (Urk. 28 S. 2: Er-
pressung, 1. Teil). Als er im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung bemerkt
habe, dass der Privatkläger das Gespräch mit dessen Mobiltelefon aufgenommen
habe, habe er dieses herausgefordert, indem er sich dem Privatkläger in den Weg
gestellt habe, als dieser die Wohnung habe verlassen wollen. Als der Privatkläger
seiner Forderung nicht nachgekommen sei, habe der Beschuldigte ihn mit seiner
linken Hand auf Distanz gehalten, während er mit der rechten Hand aus seiner
hinteren rechten Hosentasche ein Klappmesser hervorgenommen, dies geöffnet
und bei einer Distanz von ca. 20 cm gegen das Gesicht des Privatklägers gerich-
tet und diesen dabei nochmals aufgefordert habe, das Mobiltelefon herauszuge-
ben. Dieser Aufforderung sei der Privatkläger unter Todesangst dann nachge-
kommen. Der Beschuldigte habe das Mobiltelefon an seine ebenfalls anwesende
Stieftochter weitergereicht und mit deren Hilfe die besagte Aufnahme gelöscht
(Urk. 28 S. 2: Nötigung). Anschliessend habe der Beschuldigte dem Privatkläger
abermals gesagt, dass er ihm, dessen Mutter oder Bruder etwas antun werde und
dabei seine Forderung, ihm resp. seiner Stieftochter Fr. 25'000.– zu bezahlen,
wiederholt. Er habe sich dann beim Privatkläger erkundigt, welchen Betrag dieser
zu bezahlen bereit wäre, worauf dieser ihm Fr. 10'000.– angeboten habe. Der Be-
schuldigte habe seine Ehefrau E._ einen Vertrag diktieren lassen, welchen
der Privatkläger habe niederschreiben und unterzeichnen müssen. Mit diesem
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Vertrag habe sich der Privatkläger verpflichtet, Fr. 10'000.– und sämtliche erhal-
tenen Geschenke an D._ zu übergeben, wobei Fr. 8'000.– noch gleichentags
und der Rest des Geldes am folgenden Sonntag zu bezahlen gewesen wäre.
Währenddessen sei der Beschuldigte mit dem Messer in der Hand daneben ge-
standen und habe dem Privatkläger gesagt, dass er bei Nichteinhalten des Ver-
trages die Polizei informieren und ihn der Vergewaltigung seiner Stieftochter
D._ bezichtigen würde (Urk. 28 S. 2 f.: Erpressung, 2. Teil.)
Dabei habe der Beschuldigte gewusst, dass seine Äusserungen bzw. sein
Vorgehen den Privatkläger möglicherweise dermassen in seiner Handlungsfreiheit
beschränken könnten, dass er aus Furcht vor der ihm angedrohten Gewalt oder
aus Angst, andere ernstliche Nachteile zu erleiden, sich seinem Willen beugen
werde. Dies habe der Beschuldigte bewirken wollen oder sich zumindest damit
abgefunden. Zudem habe er in der Absicht gehandelt, sich unrechtmässig zu be-
reichern, da er gewusst habe, dass er keinen Anspruch auf die Forderung gehabt
und den Privatkläger durch sein Vorgehen zur Anerkennung einer nicht beste-
henden Schuld gezwungen habe (Urk. 28 S. 3).
2. Da sich die Anklage fast ausschliesslich auf die Aussagen der befragten
Personen stützt, ist näher auf diese einzugehen, und die bestrittenen Elemente
des Anklagesachverhaltes sind aufgrund der Untersuchungsakten und der vor
Gericht vorgebrachten Argumente nach den allgemeingültigen Beweisregeln zu
würdigen.
2.1. Die Vorderrichterin hat die rechtstheoretischen Grundsätze und Regeln
der Beweiswürdigung und der Würdigung von Aussagen mit der Unterscheidung
zwischen der allgemeinen Glaubwürdigkeit der aussagenden Person und der
übergeordneten Bedeutung der Glaubhaftigkeit des konkreten Inhalts der Aussa-
gen korrekt aufgeführt; es kann darauf verwiesen werden (Urk. 47 S. 7 und S. 9
ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2.2. Zur Veranschaulichung ist nochmals festzuhalten, dass das Gericht sei-
nem Urteil gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO denjenigen Sachverhalt zu Grunde legt,
den es aus seiner freien, aus der Verhandlung und aus den Untersuchungsakten
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geschöpften Überzeugung als verwirklicht erachtet. Ist der Beschuldigte nicht ge-
ständig und äussert er andere Sachverhaltsdarstellungen, als sich durch die übri-
gen Beweismittel und Indizien ergeben, so ist nach dem Grundsatz der freien Be-
weiswürdigung aufgrund der Aussagen und aller in Betracht fallenden Umstände
zu prüfen, ob der nicht mit Sicherheit feststehende Sachverhalt als gegeben er-
achtet werden kann (ZR 72 Nr. 80). Dabei sind an den Nachweis von Täterschaft
und Schuld hohe Anforderungen zu stellen. Ein Schuldspruch darf nur dann erfol-
gen, wenn die Schuld des Beschuldigten mit hinreichender Sicherheit erstellt ist,
mit anderen Worten, wenn Beweise dafür vorliegen, dass der Beschuldigte mit
seinem Verhalten objektiv und subjektiv den ihm zur Last gelegten Straftatbe-
stand verwirklicht hat. Das Gericht muss eine persönliche Gewissheit hinsichtlich
der Tatschuld erhalten. Nicht ausreichend ist, wenn die vorhandenen Beweise
zwar objektiv klar auf eine Schuld des Beschuldigten hindeuten, das Gericht aber
persönlich nicht zu überzeugen vermögen. Dabei kann jedoch nicht verlangt wer-
den, dass die Tatschuld gleichsam mathematisch sicher und unter allen Aspekten
unwiderlegbar feststeht. Eine bloss theoretische, entfernte Möglichkeit, dass der
wirkliche Sachverhalt anders sein könnte, genügt nicht, um einen Freispruch zu
begründen. Es muss genügen, wenn vernünftige Zweifel an der Schuld des Be-
schuldigten ausgeschlossen werden können. Hingegen ist irrelevant, ob das Ge-
richt tatsächlich zweifelt, denn massgebend ist, ob bei einer objektiven Betrach-
tungsweise solche Zweifel angebracht gewesen wären. Wenn sich das Gericht
nach Erschöpfung aller Erkenntnisquellen weder von der Existenz noch von der
Nichtexistenz der beweisbedürftigen Tatsachen zu überzeugen vermag, ist nach
dem in Art. 10 Abs. 3 StPO festgehaltenen Grundsatz "in dubio pro reo" von der
für den Beschuldigten günstigeren Sachlage auszugehen (SCHMID, Handbuch des
Schweizerischen Strafprozesses, 3. Auflage, Zürich/ St. Gallen 2017, N 227 ff.;
SCHMID, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 3. Auflage, Zü-
rich/St. Gallen 2018, N 4 ff. zu Art. 10 StPO).
2.3. Da es zu den Geschehnissen vom 21. September 2016 in der Wohnung
des Beschuldigten keine Aussagen von unabhängigen Zeugen gibt, ist die Be-
weiswürdigung erschwert. Mit Ausnahme des Geschädigten, welchem in der Rolle
des Privatklägers Parteistellung zukommt, sind alle anderen befragten Personen
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Familienangehörige des Beschuldigten und ebenfalls in die Verhandlungen betref-
fend die finanziellen Ansprüche von D._ gegen den Privatkläger involviert.
Dennoch ist nochmals darauf hinzuweisen, dass gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung bei der Würdigung von Aussagen nicht mehr wie früher Gewicht
auf die generelle Glaubwürdigkeit des Einvernommenen im Sinne einer dauerhaf-
ten personalen Eigenschaft gelegt wird, sondern diesem Gesichtspunkt kaum
mehr relevante Bedeutung zukommt. Weitaus bedeutender für die Wahrheitsfin-
dung ist die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage, welche durch methodische
Analyse ihres Inhalts darauf überprüft wird, ob die auf ein bestimmtes Geschehen
bezogenen Angaben einem tatsächlichen Erleben des Aussagenden entspringen
(BGE 133 I 33 E. 4.3; vgl. nachfolgend, Erw. III.2.6.7.).
2.4. Als Beweismittel liegen mithin insbesondere die belastenden Aussagen
des Privatklägers (Urk. 5/1; Urk. 36A; Urk. 36B) sowie die Aussagen des Be-
schuldigten (Urk. 4/1-3; Urk. 10/7; Prot. I S. 12 ff.; Prot. II S. 8 ff.) vor. Weiter sind
die Aussagen der Ehefrau und des Stiefsohnes des Beschuldigten, E._ und
F._, anlässlich deren Zeugeneinvernahmen vom 24. November 2016
(Urk. 6/1) und 1. November 2017 (Urk. 6/2) vorhanden. Die Stieftochter des Be-
schuldigten und Partnerin des Privatklägers, D._, machte anlässlich der
Zeugeneinvernahme vom 1. November 2017 von ihrem Aussageverweigerungs-
recht Gebrauch (Urk. 6/2). Zudem stehen die aus dem Strafverfahren gegen den
Privatkläger beigezogenen Akten (Urk. 7/1-11), das Hausdurchsuchungsprotokoll
vom 22. September 2016 (Urk. 8/1) und drei handschriftliche Briefe der Ehefrau
sowie der beiden Stiefkinder des Beschuldigten an die Staatsanwaltschaft vom
23. und 24. November 2016 (Urk. 10/9-11) zur Verfügung.
2.5. Die befragten Personen führten zur Vorgeschichte übereinstimmend
aus, dass die Stieftochter des Beschuldigten, D._, mit dem Privatkläger nach
islamischem Recht verheiratet gewesen sei, wobei dieser nach einer gewissen
Zeit die Scheidung verlangt habe, weshalb D._ zu ihren Eltern zurückgekehrt
sei. Dies sei auch der Grund dafür gewesen, weshalb zwischen der Familie von
D._ und dem Privatkläger nicht nur am Abend des 21. September 2016 –
sondern bereits einige Tage zuvor – Gespräche darüber geführt worden seien, ob
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dieser infolge der Scheidung eine Geldzahlung als Schadenersatz sowie für den
Unterhalt von D._ zu leisten oder ihr für drei weitere Monate Kost und Logis
bei sich zu gewähren habe (Urk. 4/1 S. 1 und S. 4; Urk. 4/2 S. 1 f.; Urk. 4/3 S. 3;
Urk. 5/1 S. 3 f. und S. 9 f.; Urk. 6/1 S. 3 ff.; Urk. 6/2 S. 3 und S. 5). Ergänzend be-
stätigte der Privatkläger, dass es diesbezüglich bereits vor dem 21. September
2016 zu einem Gespräch mit der Familie von D._ gekommen sei, an wel-
chem auch seine Mutter teilgenommen habe. Einige Tage zuvor sei ihm zudem
von F._ per Whatsapp ein Vertrag zugeschickt worden, mit welchem er (der
Privatkläger) sich im Hinblick auf die Scheidung zu einer Zahlung in der Höhe von
Fr. 25'000.– an D._ hätte verpflichten sollen (Urk. 5/1 S. 3 f., S. 9, Antw. auf
Fragen 24 ff., und S. 10, Antw. auf Frage 30, Beilage 2). Diese Aussagen decken
sich auch mit denjenigen des Beschuldigten, welcher ebenfalls ausführte, dass
der Privatkläger vor dem 21. September 2016 mit dessen Mutter zu ihnen ge-
kommen sei und sie zusammen ein Gespräch geführt hätten, da der Privatkläger
D._ habe abholen wollen (Urk. 4/1 S. 1). Der Privatkläger habe bereits im
Vorfeld mit E._ und F._ aufgrund der Scheidung über die Höhe der Ent-
schädigung verhandelt, und es sei auch vorgängig zu Kontakt zwischen dem Pri-
vatkläger und F._ per Whatsapp gekommen, was er aber erst später erfah-
ren habe (Urk. 4/3 S. 4 f.). Auch E._ bestätigte, dass der Privatkläger ein o-
der zwei Tage vor dem Vorfall mit dessen Mutter zu ihnen nach Hause gekom-
men sei, da sie über die Scheidung hätten reden wollen. Sie seien bereit gewe-
sen, den Privatkläger und dessen Mutter zu den Scheidungsgründen anzuhören.
Es sei ums Geld gegangen, da der Privatkläger nicht habe bezahlen wollen und
lieber bereit gewesen wäre, D._ nochmals drei Monate bei sich wohnen zu
lassen (Urk. 6/1 S. 10 f., Antw. auf Fragen 52 f.). Der eingereichte Whatsappchat-
verlauf belegt zudem, dass F._ dem Privatkläger vorgängig einen Vertrag
zugestellt hat, mit welchem sich der Privatkläger hätte verpflichten sollen, eine
Abfindung von Fr. 25'000.– an D._ zu bezahlen (Urk. 5/1 Beilage 2; Urk. 7/3
Beilage 1 und 2).
2.6. Die Aussagen der befragten Personen zur Vorgeschichte decken sich
somit. Einzig im Hinblick auf das Gespräch vom 21. September 2016 in der Woh-
nung des Beschuldigten und seiner Familie schildern die Befragten einen unter-
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schiedlichen Verlauf, weshalb die wesentlichen Aussagen des Privatklägers und
der weiteren Beteiligten zu den Geschehnissen am Tatabend einer eingehenden
Betrachtung zu unterziehen sind.
2.6.1. Der Beschuldigte bestreitet insbesondere, den Privatkläger mit einem
Messer bedroht zu haben, um damit die Löschung einer Gesprächsaufnahme auf
dessen Mobiltelefon sowie die Zahlung einer Geldsumme an D._ zu erzwin-
gen. Er habe den Privatkläger mit der Drohung, er werde zur Polizei gehen, nicht
zu einer Geldzahlung zwingen, sondern lediglich verhindern wollen, dass der Pri-
vatkläger seine Stieftochter D._ für weitere drei Monate zu sich nach Hause
nehme, nachdem dieser D._ mit Strom und einer Pistole gequält habe. Er
habe weder den Privatkläger noch dessen Familie mit dem Tod bedroht. Zur Lö-
schung einer Gesprächsaufzeichnung auf dem Mobiltelefon des Privatklägers sei
es nicht gekommen, und auch einen vom Privatkläger an diesem Abend hand-
schriftlich verfassten und unterzeichneten Vertrag betreffend eine Zahlung an
D._ habe es nicht gegeben (Urk. 4/1 S. 2 und S. 4 f.; Urk. 4/2 S. 2 f.; Urk. 4/3
S. 3 ff.; Prot. I S. 12 ff.). An diesen Aussagen hielt der Beschuldigte auch anläss-
lich der Berufungsverhandlung vollumfänglich fest (Prot. II S. 8 ff.).
Um den Anklagesachverhalt betreffend die Löschung einer Gesprächsauf-
nahme auf dem Mobiltelefon des Privatklägers allenfalls widerlegen zu können,
respektive die Darstellung des Beschuldigten zu untermauern, beantragte die Ver-
teidigung vor Vorinstanz die Auswertung dieses Mobiltelefons mit der Begrün-
dung, dass damit eine angebliche Datenlöschung verifiziert werden und besten-
falls die Datei komplett wiederhergestellt werden könnte, sodass sich auch der In-
halt des Gesprächs nachvollziehen lassen würde (Urk. 33; Prot. I S. 17). Dieser
Beweisantrag wurde von der Vorinstanz abgewiesen (Urk. 34; Urk. 47 S. 27). An-
lässlich der Berufungsverhandlung wies die Verteidigung nochmals daraufhin,
dass mit der Auswertung des Mobiltelefons eine allfällige Löschung der Ge-
sprächsaufnahme hätte überprüft werden können. Da heutzutage die Mobiltelefo-
ne aber schnell gewechselt würden, sodass der Privatkläger wohl bereits ein an-
deres Mobiltelefon besitze, bringe eine Auswertung nichts mehr, weshalb dieser
Beweisantrag nicht erneut gestellt worden sei (Urk. 58 S. 4 f.; Prot. II S. 13). Der
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Verteidigung ist beizupflichten, dass die beantragte Auswertung des Mobiltelefons
des Privatklägers für den Beschuldigten durchaus hätte entlastend sein können,
was bei der Beweiswürdigung zugunsten des Beschuldigten mitzuberücksichtigen
ist.
2.6.2. Der Privatkläger schilderte den Ablauf des Treffens vom 21. Septem-
ber 2016 in der Wohnung des Beschuldigten und dessen Familie anlässlich der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 23. November 2016 zusammenge-
fasst wie folgt: Er sei an diesem Abend in die Wohnung des Beschuldigten ge-
gangen, weil abgemacht gewesen sei, dass er D._ abholen werde. Ihm sei
mitgeteilt worden, dass sich der Beschuldigte zu diesem Zeitpunkt nicht in der
Wohnung aufhalten werde. Im Vorfeld seien Forderungen gestellt worden, wo-
nach er angesichts der Scheidung Fr. 25'000.– an D._ hätte bezahlen sollen.
Die Familie des Beschuldigten habe einen entsprechenden Vertrag ausgedruckt,
welchen er bereits zwei Tage zuvor gesehen habe. Weil er mit diesem Vertrag
nicht einverstanden gewesen sei und die Familie des Beschuldigten immer wieder
neue Forderungen gestellt habe, habe er vor dem Betreten der Wohnung sein
Mobiltelefon in die Hand genommen und die Sprachaufnahme aktiviert. Er habe
sich dann zusammen mit D._ und E._ ins Wohnzimmer gesetzt. Er habe
D._ für die nächsten drei Monate zu sich nehmen wollen. E._ habe ihm
aber gesagt, dass er D._ nicht mitnehmen könne, sondern er drei Monats-
mieten sowie eine Entschädigung für sie bezahlen müsse, was zusammen
Fr. 25'000.– betrage. Er habe gesagt, dass dies zu viel sei und er nur mit
Fr. 1'000.– für ihren Unterhalt bei den Eltern aufkommen werde. Sie seien damit
aber nicht einverstanden gewesen und hätten auf den Fr. 25'000.– beharrt. Plötz-
lich sei der Beschuldigte ins Zimmer gekommen. Dieser sei schon laut gewesen
und habe ihn angeschrien, dass er Fr. 25'000.– bezahlen müsse. Es sei dann ein
paar Minuten ein Hin und Her gewesen, da er (der Privatkläger) ihnen gesagt ha-
be, dass Fr. 25'000.– viel zu viel seien. Irgendwann habe der Beschuldigte ge-
merkt, dass er (der Privatkläger) das Gespräch mit seinem Mobiltelefon aufzeich-
ne, weshalb er dieses von ihm herausverlangt habe. Er habe sich aber geweigert,
es herauszugeben, und die Wohnung verlassen wollen. Daraufhin habe sich der
Beschuldigte ihm in den Weg gestellt und ihn am Verlassen der Wohnung gehin-
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dert. Mit seinem Mobiltelefon habe er Drohungen aufgenommen, welche der Be-
schuldigte gegen ihn und seine Familie ausgesprochen habe. Der Beschuldigte
habe ihn dann mit der Hand auf Distanz gehalten und ein Klappmesser aus seiner
Hosentasche geholt, welches schon aufgeklappt gewesen sei. Der Beschuldigte
habe daraufhin mit dem Messer herumgefuchtelt und ihm noch stärker gedroht.
Dieser habe ihm gedroht, dass er ihm, seiner Mutter und seinem Bruder etwas
antun würde. Der Beschuldigte habe gesagt, dass er ihm bzw. D._
Fr. 25'000.– bezahlen müsse, worauf er dem Beschuldigten aber geantwortet ha-
be, dass er dies nicht bezahlen könne. Der Beschuldigte habe ihn dann gefragt,
wieviel er bezahlen könne, worauf er Fr. 10'000.– gesagt habe. D._ sei dann
aufgefordert worden, Papier und Stift zu holen, und E._ habe ihm (dem Pri-
vatkläger) diktiert, was er schreiben solle. In der Zwischenzeit habe der Beschul-
digte D._ aufgefordert, die Sprachaufnahme auf dem Mobiltelefon zu lö-
schen. E._ habe ihm dann diktiert, dass er den Betrag von Fr. 10'000.– in bar
sowie sämtliche Geschenke, die sie erhalten hätten, an D._ übergeben müs-
se. Der Beschuldigte sei während der ganzen Zeit mit dem Messer dabeigestan-
den. Er (der Privatkläger) habe dann zusammen mit F._ und E._ den
Vertrag unterzeichnen müssen. Der Beschuldigte habe ihm auch gesagt, dass sie
die Polizei rufen und sagen würden, er habe D._ vergewaltigt, wenn er nicht
bezahlen würde. Es sei dann abgemacht worden, dass er zusammen mit D._
und F._ in seine Wohnung fahre, um die Sachen von D._ sowie die Ge-
schenke zu holen und ihnen das Geld zu überreichen, welches er bar in der Woh-
nung habe, und den Rest des Geldes auf der Bank zu holen (Urk. 5/1 S. 3 ff.).
2.6.3. Gemäss Ausführungen des Privatklägers bestand bereits ein ausge-
fertigter Vertrag betreffend eine Zahlung in der Höhe von Fr. 25'000.–, welcher
ausgedruckt worden war, und von welchem er schon vor dem Treffen am
21. September 2016 Kenntnis hatte, da ihm dieser Vertrag von F._ per
Whatsapp geschickt worden war (Urk. 5/1 S. 3 f. und S. 9, Antw. auf Fragen 24 f.;
Urk. 7/3 Beilage 1). Auch die Zeugin E._ bestätigte, dass sie den Betrag von
Fr. 25'000.– vom Privatkläger habe einfordern wollen, weshalb sie einen entspre-
chenden Vertrag vorgängig vorbereitet habe (Urk. 6/1 S. 5, S. 6, Antw. auf Frage
22, und Beilage 2). In Übereinstimmung mit der Verteidigung (Urk. 38 S. 6) ist
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nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschuldigte in einer hitzigen und emotionalen
Situation – er sei laut gewesen und habe geschrien (Urk. 5/1 S. 4) – mit vorgehal-
tenem Messer, E._ aufgefordert haben soll, dem Privatkläger einen neuen
Vertrag zu diktieren, welchen dieser mit einem Stift auf ein Papier niederschreiben
sollte, wenn bereits ein ausgefertigter Vertrag ausgedruckt vorlag. Viel nahelie-
gender wäre es gewesen, den Privatkläger aufzufordern, den bereits bestehen-
den Vertrag zu unterzeichnen, zumal der Beschuldigte gemäss Ausführungen des
Privatklägers aggressiv und ungeduldig gewesen sei und den Privatkläger mit den
Worten "schnell, schnell" (Urk. 5/1 S. 6 oben) zum Vertragsabschluss habe be-
wegen wollen. Weshalb der Beschuldigte in einer solchen Situation zusätzlich Zeit
aufgewendet haben soll, einen neuen Vertrag handschriftlich aufsetzen zu lassen,
obwohl bereits ein ausformulierter, ausgedruckter Vertrag vorhanden war, ist nicht
nachvollziehbar und wirkt lebensfremd. Ebenso fraglich ist auch, weshalb der Be-
schuldigte den Vertrag nicht direkt von E._ hat schreiben lassen, sodass der
Privatkläger lediglich noch zu einer Unterschrift hätte gebracht werden müssen.
Das vom Privatkläger geschilderte Vorgehen des Beschuldigten wirkt umständlich
und beschwerlich, was doch gewisse Zweifel an seiner Version weckt. Es ist auch
wenig glaubhaft, dass der Beschuldigte trotz seiner angeblich überlegenen Positi-
on aufgrund des vorgehaltenen Messers, die Zahlung an D._ auf
Fr. 10'000.– reduziert haben soll, wenn er den Privatkläger zur Unterzeichnung
des Vertrages betreffend eine Zahlung von Fr. 25'000.– hätte zwingen können,
zumal der Privatkläger selber ausführte, E._ und D._ sowie der Be-
schuldigte hätten auf den Fr. 25'000.– beharrt (Urk. 5/1 S. 4 f.). Dass es schliess-
lich doch nur noch um eine Zahlung von Fr. 10'000.– gegangen sein soll, lässt die
Version des Beschuldigten und der übrigen Befragten realistischer erscheinen,
wonach die Beteiligten in einer hitzigen und emotionalen Diskussion den Betrag
von Fr. 10'000.– miteinander ausgehandelt hätten (Prot. I S. 12 f.; Urk. 6/1 S. 5;
Urk. 6/2 S. 3 und S. 5, Antw. auf Frage 29).
2.6.4. Der Privatkläger macht weiter geltend, dass er Todesangst gehabt
habe, als der Beschuldigte das Messer gegen ihn gerichtet habe (Urk. 5/1 S. 8).
Den weiteren Ablauf des Treffens vom 21. September 2016 schilderte er dann wie
folgt: Danach sei er zusammen mit D._ und F._ zu seiner Wohnung ge-
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fahren, wo sie die persönlichen Sachen von D._ ins Auto geladen hätten.
Anschliessend habe er von seiner Mutter Geld holen wollen, welche sich bei sei-
nem Bruder aufgehalten habe. Dieser wohne gleich nebenan. Er sei dann in die
Wohnung seines Bruders gegangen. Dort habe er seiner Mutter aber nur gesagt,
dass er Geld brauche. Was genau vorgefallen sei, habe er ihr nicht erzählt, ob-
wohl sie habe wissen wollen, was beim Gespräch mit D._ und E._ her-
ausgekommen sei. Seine Mutter habe ihm dann Fr. 2'000.– gegeben. Daraufhin
sei er nochmals zurück in seine Wohnung gegangen. Dort habe ihn sein Bruder
angerufen. Diesem habe er kurz erklärt, dass der Beschuldigte ihn mit dem Mes-
ser bedroht und ihn gezwungen habe, einen Vertrag zu unterschreiben. Er habe
seinem Bruder auch gesagt, dass der Beschuldigte ihm gedroht habe, dass er zur
Polizei gehen und sagen würde, er habe D._ vergewaltigt, wenn er den Ver-
trag nicht unterschreiben würde. Sein Bruder habe ihm geraten, zur Polizei zu ge-
hen, sofort eine Anzeige zu machen, und F._ und D._, die alles gese-
hen hätten, dorthin mitzunehmen. Er sei dann mit F._ und D._ losgefah-
ren, habe ihnen aber gesagt, dass sie zur Bank fahren würden. Er habe die Poli-
zei nicht erwähnt, da er nicht gewollt habe, dass sie ihre Eltern warnen könnten.
Er habe gedacht, der Beschuldigte würde das Messer und den Vertrag vernich-
ten, wenn dieser erfahre, dass sie auf dem Weg zur Polizei seien. Der erste Poli-
zeiposten sei dann geschlossen gewesen, weshalb sie weiter zum zweiten Poli-
zeiposten gefahren seien (Urk. 5/1 S. 6 ff.).
2.6.4.1. Auch bei diesen Ausführungen des Privatklägers stellt sich die Fra-
ge, weshalb der Beschuldigte seine beiden Stiefkinder, F._ und D._, mit
dem Privatkläger in dessen Wohnung hätte fahren lassen sollen, wenn die Situa-
tion nach wie vor bedrohlich und angespannt gewesen wäre, insbesondere wenn
er den Privatkläger nur wenige Augenblicke zuvor mittels vorgehaltenem Messer
zur Anerkennung einer Zahlung und Unterzeichnung des Vertrages gezwungen
haben sollte. Es stellt sich die Frage, ob sich der Beschuldigte in einer solchen Si-
tuation nicht eher selber um den Erhalt des Geldes gekümmert und den Privatklä-
ger zu dessen Wohnung begleitet hätte, zumal allenfalls auch mit Widerstand des
Privatklägers zu rechnen gewesen wäre, nachdem dieser entschieden gegen eine
Zahlung an D._ gewesen war.
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2.6.4.2. Der Beschuldigte führte anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme
vom 22. September 2016 aus, er habe dem Privatkläger gesagt, dass er bereit
sei, sein Leben zu opfern, um die Kinder zu schützen (Urk. 4/1 S. 4, Antw. auf
Frage 26), was so auch von E._ bestätigt wurde (Urk. 6/1 S. 6, Antw. auf
Frage 21). Gestützt auf diese Aussagen ist der Umstand, dass F._ und
D._ den Privatkläger zu dessen Wohnung begleitet haben, um ihre Sachen,
die Geschenke sowie das Geld zu holen, ebenfalls eher ein Indiz dafür, dass sich
die Beteiligten auf einen Betrag von Fr. 10'000.– geeinigt und sich die Situation
wieder beruhigt hatte. Auch die Zeugen E._ und F._ gaben zu Protokoll,
es sei verhandelt worden, eine Einigung habe aber erzielt werden können, und
die Situation habe sich beruhigt, sodass D._ zusammen mit F._ den
Privatkläger in dessen Wohnung habe begleiten können, um dort die abgemach-
ten Sachen zu holen (Urk. 6/1 S. 5; Urk. 6/2 S. 3).
2.6.4.3. Es ist wenig glaubhaft, dass der Beschuldigte insbesondere seine
Stieftochter D._ mit dem Privatkläger hätte mitfahren lassen, wenn die Stim-
mung nach wie vor aufgebracht und bedrohlich gewesen wäre, zumal der Be-
schuldigte selber ausführte, die ganze Familie sei dagegen gewesen, dass der
Privatkläger D._ für weitere drei Monate zu sich nehme, nachdem was er ihr
angetan habe (Urk. 4/1 S. 2 ff.; Urk. 4/2 S. 3; Prot. I S. 13). Darauf wies auch die
Verteidigung hin (Urk. 58 S. 10).
2.6.5. Auch der Umstand, dass der Privatkläger nicht unverzüglich die Woh-
nung des Beschuldigten verlassen oder die Polizei verständigt hat, als ihm dies
wieder möglich gewesen wäre, lässt an den von ihm geschilderten Geschehnis-
sen zweifeln und insbesondere seine Aussage, er habe in der Wohnung des Be-
schuldigten Todesangst gehabt (Urk. 5/1 S. 8, Antw. auf Frage 21), unglaubhaft
wirken. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb der Privatkläger nicht versucht hat,
schnellstmöglich aus der Wohnung des Beschuldigten zu fliehen und sich aus der
Situation, in welcher er Todesangst gelitten habe, zu befreien, sondern stattdes-
sen F._ und D._ in seinem Auto zu seiner Wohnung mitgenommen hat.
Er bat auch weder seine Mutter noch seinen Bruder darum, die Polizei zu ver-
ständigen, obwohl er mit beiden Kontakt hatte. Er hätte seiner Mutter die Situation
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in Ruhe schildern können, zumal er sie alleine in der Wohnung seines Bruders
aufsuchte, was so auch aus den Aussagen von F._ hervorgeht (Urk. 6/2
S. 3), und sie bereits Kenntnis vom Treffen mit E._ und D._ hatte.
2.6.5.1. Der Privatkläger war auch ungestört, als ihn sein Bruder anrief, an-
sonsten er diesem das Vorgefallene nicht erzählt und sich mit diesem auch nicht
über eine Anzeige bei der Polizei unterhalten hätte, zumal er selber ausführte, er
habe Angst gehabt, dass F._ und D._ etwas mitbekommen und dann
den Beschuldigten warnen würden (Urk. 5/1 S. 7). Da der Privatkläger die Ge-
schehnisse detailliert seinem Bruder schildern konnte, wäre es ihm auch möglich
gewesen, in dieser Zeit telefonisch die Polizei zu verständigen. Zudem hatte sich
der Privatkläger bereits vor seiner Anzeige Gedanken darüber gemacht, dass der
Beschuldigte alles vernichten könnte, wenn er von F._ oder D._ gewarnt
werden würde. Er führte dazu aus, "ich wollte nicht, dass sie wussten, dass wir
zur Polizei fahren und so ihre Eltern warnen würden. Der Beschuldigte hatte ja die
Aufnahme auf meinem Handy gelöscht, hatte den Vertrag in der Wohnung und
das Messer. Ich dachte, wenn die Eltern gewarnt würden, würden sie all das ver-
nichten. Ich bemerkte, dass D._ und F._ immer wieder mit den Eltern te-
lefonierten." (Urk. 5/1 S. 7).
2.6.5.2. Auch gestützt auf diese Überlegungen des Privatklägers ist – in
Übereinstimmung mit der Verteidigung (Urk. 38 S. 7 f.; Urk. 58 S. 10 ff.) – nicht
nachvollziehbar, weshalb er die Polizei nicht schon früher in einem ungestörten
Augenblick telefonisch verständigte oder durch ein Familienmitglied verständigen
liess, sondern mit seiner Anzeige noch mehrere Stunden zuwartete (Tatzeitpunkt:
21. September 2016: ca. 17.30 Uhr bis 18.30 Uhr, Einvernahme des Privatklä-
gers: 21. September 2016, 23.50 Uhr, Urk. 36A), um dann spätabends mit
D._ und F._ auf der Rückbank von einem Polizeiposten zum Nächsten
zu fahren.
2.6.6. Auch die Aussagen des Privatklägers, wonach er in der Wohnung des
Beschuldigten geweint habe und dann sein Gesicht waschen gegangen sei
(Urk. 5/1 S. 10), lassen am Umstand, dass der Beschuldigte den Privatkläger
während der gesamten Zeit mit einem Messer bedroht haben soll, zweifeln, da
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nicht nachvollziehbar ist, weshalb der Beschuldigte dem Privatkläger in dieser Si-
tuation die Möglichkeit hätte einräumen sollen, das Zimmer zu verlassen, um das
Gesicht zu waschen, zumal der Beschuldigte damit Gefahr gelaufen wäre, dass
der Privatkläger diesen Augenblick zur Flucht oder um Hilfe zu verständigen ge-
nutzt hätte.
2.6.7. Bei der Würdigung der Aussagen der Zeugen E._ und F._
ist zu berücksichtigen, dass es sich bei E._ um die Ehefrau des Beschuldig-
ten und bei F._ um dessen Stiefsohn handelt und beide auch den Privatklä-
ger aufgrund der Hochzeit mit D._ näher kennen (Urk. 6/1 S. 3; Urk. 6/2
S. 2). Zudem waren E._ und F._ aktiv in die Verhandlungen betreffend
die finanziellen Ansprüche von D._ gegenüber dem Privatkläger involviert.
Diese Umstände sprechen aber nicht per se gegen die Glaubwürdigkeit der Zeu-
gen und sind auch der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen nicht abträglich, zumal so-
wohl E._ als auch F._ unter Hinweis auf die Straffolgen von Art. 307
StGB einvernommen worden sind (Urk. 6/1 S. 2; Urk. 6/2 S. 2). Insbesondere
E._ schilderte den Ablauf des Treffens vom 21. September 2016 detailliert
und schlüssig. So gab sie anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Zeugeneinver-
nahme glaubhaft zu Protokoll, dass sie kein Smartphone in der Hand des Privat-
klägers und auch kein Messer gesehen habe. Der Beschuldigte habe nicht ge-
droht, dem Privatkläger oder dessen Familie etwas anzutun, und er habe auch
nicht das Smartphone vom Privatkläger herausverlangt (Urk. 6/1 S. 7). Auch
F._ führte anlässlich seiner Zeugeneinvernahme glaubhaft aus, dass er sel-
ber nichts gesehen, sondern lediglich von seiner Mutter und Schwester gehört
habe, dass der Beschuldigte sich bedrohlich vor dem Privatkläger aufgebaut ha-
be. Er habe weder von einer Drohung noch einem Messer etwas gehört (Urk. 6/2
S. 4). Zu berücksichtigen ist auch, dass weder E._ noch D._ versucht
haben, den Beschuldigten in ein besseres Licht zu rücken oder dessen Verhalten
verharmlosend darzustellen. So gab insbesondere E._ zu Protokoll, dass der
Beschuldigte dem Privatkläger mit der Polizei gedroht habe. Der Beschuldigte sei
laut geworden und habe sich vor dem Privatkläger aufgebäumt. Er habe den Pri-
vatkläger aber nicht angefasst oder gepackt. Der Beschuldigte habe sich ganz
nahe vor den Privatkläger hingestellt und ihn angeschrien. Er habe den Privatklä-
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ger mit der Hand zurückgewiesen und diesem gesagt, dass er jetzt nicht gehen
könne (Urk. 6/1 S. 5 ff.). Auch D._ bestätigte, dass der Beschuldigte laut ge-
worden sei und dem Privatkläger gesagt habe, dieser habe die Wahl, entweder er
würde ihr das Geld geben oder sie würden zur Polizei gehen und ihn wegen Ver-
gewaltigung anzeigen (Urk. 7/3 S. 7). Auch die Ausführungen des Beschuldigten
und der Zeugin E._, wonach der Beschuldigte gegen die Hochzeit zwischen
D._ und dem Privatkläger gewesen sei, was selbst innerhalb der eigenen
Familie zu Streitereien geführt habe (Urk. 4/1 S. 2 f., Antw. auf Fragen 12, 18 und
19; Urk. 6/1 S. 8), sodass der Beschuldigte sogar den Kontakt zu D._ habe
abbrechen wollen (Urk. 6/1 S. 7, Antw. auf Frage 31), machen deutlich, dass die
Situation und das Verhalten des Beschuldigten nicht einfach beschönigt werden.
Selbst der Beschuldigte räumte ein, dass er dem Privatkläger mitgeteilt habe,
dass dieser D._ nicht mitnehmen könne, wodurch es fast eine Tätlichkeit mit
den Händen gegeben habe. Sie hätten sich aber nicht berührt. Er sei in der Woh-
nung sehr emotional gewesen, habe sich danach aber wieder beruhigt (Urk. 4/1
S. 2 f.).
2.6.8. E._, F._ und D._ haben die Geschehnisse vom
21. September 2016 zudem schon wenige Tage danach in ihren Schreiben vom
23. und 24. September 2016 an die Staatsanwaltschaft (Urk. 10/9-11) geschildert
und damit in einem Zeitpunkt, in welchem der Beschuldigte in Haft war (Urk. 10/1;
Urk. 10/14). Darin schilderten alle drei die Geschehnisse übereinstimmend und
E._ sowie F._ wiederholten ihre Ausführungen widerspruchsfrei und
glaubhaft anlässlich ihrer Zeugeneinvernahmen vom 24. November 2016
(Urk. 6/1) und 1. November 2017 (Urk. 6/2). Aus diesen Schreiben geht ebenfalls
hervor, dass der Beschuldigte sich vor den Privatkläger hingestellt habe und laut
geworden sei; von einem Messer oder einem handschriftlich verfassten Vertrag ist
jedoch keine Rede (Urk. 10/9-11). Gemäss Durchsuchungsprotokoll vom
22. September 2016 wurden in der Wohnung des Beschuldigten auch keine Ge-
genstände sichergestellt (Urk. 8/1).
2.6.9. Auf die Ergänzungsfrage des Beschuldigten, ob es zutreffe, dass der
Privatkläger an jenem Abend geweint habe und sie sich umarmt, verziehen und
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abgemacht hätten, dass sie sich aus dem Weg gehen würden, antwortete der Pri-
vatkläger, er habe geweint, verziehen habe er aber nicht, und sie hätten abge-
macht, dass sie sich aus dem Weg gehen würden, wenn das Geld bezahlt sei
(Urk. 5/1 S. 10, Antw. auf Frage 32). F._ sagte aus, der Privatkläger habe auf
der Wache Bemerkungen gemacht, dass er dem Beschuldigten jederzeit den Kie-
fer brechen könne. Er würde sie fertigmachen, und sie hätten ihm Geld zu bezah-
len (Urk. 6/2 S. 4). Die Aussagen des Privatklägers und von F._ hinterlassen
den Eindruck, dass das Vorgefallene für den Privatkläger noch nicht abgeschlos-
sen und dieser wütend auf den Beschuldigten war. Vor diesem Hintergrund wirkt
auch die Aussage des Beschuldigten, wonach der Privatkläger befürchtet habe, er
(der Beschuldigte) würde ihn anzeigen, weshalb der Privatkläger zuerst zur Poli-
zei gegangen sei, um ihm mit einer Anzeige zuvorkommen zu können (Prot. II
S. 12), durchaus naheliegend und glaubhaft. Der Privatkläger brachte zudem
deutlich zum Ausdruck, dass er trotz gewünschter Scheidung von D._ nicht
gewillt war, deswegen Schadenersatz in Form einer Geldzahlung zu leisten oder
finanziell weitere drei Monate für ihren Unterhalt aufzukommen (vgl. Urk. 5/1 S. 3
f.). Auch vor diesem Hintergrund erscheinen die Aussagen des Privatklägers
zweifelhaft, respektive ist fraglich, ob das Treffen am Abend des 21. September
2016 tatsächlich wie vom Privatkläger beschrieben abgelaufen ist.
3. Nach Würdigung sämtlicher Beweismittel bestehen somit unüberwindbare
Zweifel daran, dass sich die Geschehnisse wie vom Privatkläger geschildert zuge-
tragen haben. Der in der Anklageschrift geschilderte Sachverhalt lässt sich folg-
lich nicht rechtsgenügend erstellen, weshalb der Beschuldigte gemäss Art. 10
Abs. 3 StPO in Anwendung des Grundsatzes in dubio pro reo von den Vorwürfen
der Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB sowie der Nötigung im Sinne
von Art. 181 StGB freizusprechen ist.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Die Verlegung der Kosten richtet sich nach dem Grundsatz, wonach Ko-
sten zu tragen hat, wer sie verursacht. So gründet die Kostentragungspflicht des
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Beschuldigten im Falle eines Schuldspruchs (Art. 426 Abs. 1 StPO) auf der An-
nahme, dass er Einleitung und Durchführung des Strafverfahrens als Folge seiner
Tat veranlasst und daher zur Tragung der Verfahrenskosten verpflichtet sein soll.
Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie darin
auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3
StPO).
2. Ausgangsgemäss – der Beschuldigte wird freigesprochen und obsiegt im
Berufungsverfahren – sind die Kosten der Untersuchung und beider Gerichtsver-
fahren unter Bestätigung der Dispositivziffer 5 des angefochtenen Entscheides
(Kostenfestsetzung) auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 426 Abs. 2 und
Art. 428 Abs. 1 StPO). Für die Bemühungen im Berufungsverfahren ist die amtli-
che Verteidigung sodann mit Fr. 3'800.– (inkl. MwSt.; Urk. 59) aus der Gerichts-
kasse zu entschädigen. Dem Privatkläger ist keine Entschädigung zuzusprechen
(Art. 433 StPO).
3. Überdies ist dem freigesprochenen Beschuldigten eine Genugtuung für
den erlittenen Freiheitsentzug zuzusprechen (Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO in Ver-
bindung mit Art. 431 Abs. 2 StPO). Der Beschuldigte war vom 21. September
2016, 23.00 Uhr, bis 26. September 2016, 17.00 Uhr, in Haft (Urk. 10/14); wes-
halb ihm eine Genugtuung für 5 Tage Haft zuzusprechen ist. Diese ist, da keine
aussergewöhnlichen Umstände vorliegen, die eine höhere oder eine geringere
Entschädigung rechtfertigen würden, auf Fr. 1'000.– festzusetzen (vgl. Urteil des
Bundesgerichtes 6B_196/2014 vom 5. Juni 2014, E. 1.2).