Decision ID: e9ac7bc6-9d96-5946-a889-77006f8bb9f2
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
I.
A.
Der Beschwerdeführer stellte am 3. April 2017 in der Schweiz ein Asyl-
gesuch. Zu dessen Begründung gab er bei seinen Befragungen zur Proto-
koll, er sei im Jahr 2012 einer Jugendorganisation namens "(...)" beigetre-
ten. Am (...) 2014 sei er von Angehörigen des Criminal Investigation De-
partments (CID) mitgenommen und wegen mutmasslicher Verbindungen
zu den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) sowie zu seinen Beziehun-
gen zum Vanni-Gebiet befragt und dabei misshandelt worden; nach zwei
Tagen sei er freigekommen. Am (...) 2015 habe er eine Versammlung be-
treffend ein Massaker besucht, bei welchem ein bekannter Aktivist mitge-
wirkt habe. In der Folge hätten ihn Soldaten am (...) 2015 mitgenommen
und zu diesem Mann befragt. Er sei am gleichen Tag freigelassen und jener
Aktivist etwa einen Monat später getötet worden. Nachdem er am (...) 2017
in Colombo an einer Demonstration teilgenommen habe, an der Polizisten
fotografiert hätten, sei am nächsten Tag mit einem Bild von ihm zu Hause
nach ihm gesucht worden. Seine Mutter habe ihm später erzählt, die Be-
amten hätten ihr seine Tötung angedroht. Am (...) März 2017 habe er Sri
Lanka auf Furcht vor Verfolgungshandlungen verlassen. Nach seiner Aus-
reise hätten sich Polizisten zu Hause nach ihm erkundigt.
B.
Mit Verfügung vom 27. Januar 2020 stellte die Vorinstanz fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge-
such ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Weg-
weisungsvollzug an. Das SEM begründete seine Verfügung im Wesentli-
chen mit der Unglaubhaftigkeit der geltend gemachten Asylgründe.
C.
Mit Eingabe seines damaligen Rechtsvertreters vom 26. Februar 2020
focht der Beschwerdeführer diesen Asylentscheid beim Bundesverwal-
tungsgericht an. Er liess die Richtigkeit der vorinstanzlichen Unglaubhaf-
tigkeitsargumentation bestreiten und die Asylgewährung beantragen.
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Seite 3
D.
Das Bundesverwaltungsgericht wies diese Beschwerde mit seinem Urteil
E-1153/2020 vom 11. Mai 2020 ab. Das Gericht schloss sich der negativen
Glaubhaftigkeitsbeurteilung des SEM an und stellte fest, vor dem Hinter-
grund der unglaubhaften Ausreisegründe sei auch nicht von einem Risi-
koprofil des Beschwerdeführers im Sinn der Rechtsprechung des Gerichts
auszugehen. Zudem sei nicht ersichtlich, inwiefern sich die in der Be-
schwerde thematisierten innenpolitischen Entwicklungen in Sri Lanka zum
heutigen Zeitpunkt konkret nachteilig auf ihn auswirken könnten.
E.
Mit Verfügung vom 31. Juli 2020 hiess das SEM ein Gesuch des Beschwer-
deführes vom 30. Juli 2020 um Erstreckung der Ausreisefrist gut und setzte
diese neu auf den 25. September 2020 fest. Der Beschwerdeführer liess
die neue Ausreisefrist allerdings ungenutzt verstreichen.
II.
F.
Mit Eingabe an das SEM vom 29. April 2021 liess der Beschwerdeführer
durch seine Rechtsvertreterin ein "Wiedererwägungsgesuch" stellen und
beantragen, es sei infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
seine vorläufige Aufnahme in der Schweiz anzuordnen.
F.a Zur Begründung wurde einerseits dargelegt, seit dem letzten Entscheid
über sein Asylgesuch habe sich die innenpolitische Situation in Sri Lanka
stetig verschlechtert, so dass daraus nun eine konkrete Gefährdung für ihn
entstanden ist, wenn er in sein Herkunftsland zurückkehren sollte. In Sri
Lanka würden von Regierungsseite zunehmend Massnahmen ergriffen,
die einem "kulturellen Genozid" an den Tamilen gleichzusetzen seien.
Diese Entwicklungen würden ihn besonders treffen, weil er sich exil-
politisch exponiert habe und anzunehmen sei, dass dies den heimatlichen
Behörden nicht verborgen geblieben sei. Konkret habe er am (...) 2021 in
B._ an einer Demonstration gegen die Unterdrückung der Tamilen
teilgenommen. Unter diesen Umständen müsse auch seine Flüchtlingsei-
genschaft neu und anders beurteilt werden. Andererseits sei die Entwick-
lung der Corona-Pandemie in Sri Lanka so dramatisch, dass auch dies eine
neue Gefahr für ihn darstelle.
F.b Mit dem Gesuch wurden zwei Fotografien des Beschwerdeführers an
einer Kundgebung zu den Akten gereicht.
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Seite 4
G.
Mit Verfügung vom 8. Juni 2021 (eröffnet am 10. Juni 2021) nahm das SEM
die Eingabe des Beschwerdeführers als Mehrfachgesuch gemäss Art. 111c
AsylG (SR 142.31) entgegen und wies dieses – unter erneuter Anordnung
der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs – ab.
H.
Auch diese Verfügung liess der Beschwerdeführer mit Eingabe seiner
Rechtsvertreterin vom 12. Juli 2021 beim Bundesverwaltungsgericht an-
fechten. Er beantragte inhaltlich die Aufhebung des Entscheids des SEM
und die Asylgewährung unter Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft,
eventualiter die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz und subeventu-
aliter die Anordnung seiner vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit
des Wehweisungsvollzugs. In prozessualer Hinsicht wurde die Herstellung
der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde und die Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeiständung unter Beiordnung
der Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin beantragt. Mit der Be-
schwerde wurde ein Länderbericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe
(SFH) zu den Akten gereicht.
I.
Am 15. Juli 2021 bestätigte der Instruktionsrichter den Eingang der Be-
schwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
E-3200/2021
Seite 5
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.3 Auf die Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten.
1.4 Nicht einzutreten ist auf den Antrag, es sei die aufschiebende Wirkung
der Beschwerde herzustellen, weil dieses Rechtsmittel von Gesetzes we-
gen aufschiebende Wirkung hat (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 55 Abs. 1 VwVG).
Für den zusätzlich beantragten Erlass vollzugshemmenden Massnahmen
besteht aus gleichem Grund keine Veranlassung.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
E-3200/2021
Seite 6
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Das SEM verwies zur Begründung seiner Verfügung vom 8. Juni 2021
im Asylpunkt zunächst auf seinen Asylentscheid vom 27. Januar 2020, den
das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 11. Mai 2021 bestätigt habe.
Darin sei festgestellt worden, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers
unglaubhaft seien und er kein spezifisches Risikoprofil erfülle. Die Teil-
nahme an einer Demonstration vom (...) 2021 stelle ein niederschwelliges
exilpolitisches Engagement dar, das nicht zu einer Gefährdung des Be-
schwerdeführers zu führen vermöge. Es sei auch nicht anzunehmen, dass
die aktuelle innenpolitische Situation in Sri Lanka zu einer Veränderung der
Einschätzung seiner Gefährdungssituation führen könnte, zumal kein per-
sönlicher Bezug zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 oder
zu deren Folgen ersichtlich sei. Es gebe nach wie vor keinen Anlass zur
Annahme, dass unter Präsident Rajapaksa ganze Volksgruppen kollektiv
einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt seien.
5.2 In der Beschwerde wird im Wesentlichen ausgeführt, der dem neuen
Asylgesuch zugrundeliegende Sachverhalt sei von der Vorinstanz falsch
respektive nur unzureichend gewürdigt worden. Der Beschwerdeführer sei
ein aktiver Sympathisant und öffentlicher Unterstützer der LTTE, der in
Sri Lanka bereits mehrfach verhaftet, befragt und misshandelt worden sei.
Er sei den sri-lankischen Behörden als tamilischer Regimekritiker und
Unterstützer der Belange der LTTE bekannt. Der CID habe – auch nach
der Ausreise – mehrmals bei der Familie des Beschwerdeführers vor-
gesprochen. Es sei davon auszugehen, dass die sri-lankischen Behörden
(beziehungsweise ihre Agenten in der Schweiz) Informationen über seine
exilpolitischen Aktivitäten gesammelt hätten. Dies ergebe sich auch aus
der mit der Beschwerde eingereichten Länderanalyse der SFH. Mithin sei
seine Flüchtlingseigenschaft auch aus diesem Grund festzustellen.
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Seite 7
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht schliesst sich nach Durchsicht der Ak-
ten vollumfänglich der Vorinstanz an: Im ersten Asylverfahren wurde
– in erster und zweiter Instanz – die Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen
des Beschwerdeführers festgestellt. Soweit er den Sachverhalt im Rahmen
seines Folgegesuchs so darstellt, wie wenn das erste Verfahren mit der
Feststellung der Glaubhaftigkeit seiner Asylgründe geendet hätte, über-
zeugt dies offenkundig nicht. Auf diese Vorbringen ist nicht weiter einzu-
gehen.
6.2 Mit dem Regierungswechsel von Ende 2019 und der Frage allfälliger
Auswirkungen auf die Situation des Beschwerdeführers hatte sich das
Bundesverwaltungsgericht bereits in seinem Urteil vom 11. Mai 2020 aus-
einandergesetzt (vgl. dort E. 7.3 und 8.3). Auch in dieser Hinsicht kann auf
die zu bestätigenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung vom
8. Juni 2021 (vgl. dort S. 6) verwiesen werden, denen es nichts beizufügen
gibt.
6.3 Die Teilnahme des Beschwerdeführers an einer regimekritischen De-
monstration in B._ lässt nicht auf ein exponiertes exilpolitisches En-
gagement schliessen. Hinzu kommt, dass er keine weiteren Kundgebungs-
teilnahmen oder anderen Exilaktivitäten konkret vorgebracht hat. Es steht
nicht fest, dass die sri-lankischen Behörden diese niederschwellige Aktivi-
tät überhaupt zur Kenntnis genommen haben. Und es ergeben sich auch
keinerlei Hinweise darauf, dass sie diesfalls in der Lage gewesen wären,
den Beschwerdeführer als Kundgebungsteilnehmer zu identifizieren. In
dieser Hinsicht ist erneut darauf hinzuweisen, dass seine bisherigen Vor-
bringen sich als unglaubhaft herausgestellt haben; soweit der Beschwer-
deführer in diesem Zusammenhang darauf verweist, er sei bei den heimat-
lichen Behörden ja schliesslich bereits als Regimekritiker registriert, was
seine Identifizierung leicht mache (vgl. Beschwerde S. 3 und 5), kann auf
das oben Gesagte verwiesen werden.
6.4 Das SEM hat unter diesen Umständen zu Recht die Flüchtlingseigen-
schaft des Beschwerdeführers verneint und sein Mehrfachgesuch abge-
lehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
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Seite 8
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere nach wie vor weder über
eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch
auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug der Wegweisung für
Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder
Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemei-
ner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Der Vollzug
ist nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder in den
Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausreisen oder
dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.3 Soweit im Rahmen des vorliegenden Asyl-Folgeverfahrens auf eine
vollzugsrechtlich relevante Gefährdung des Beschwerdeführers wegen
seiner früheren Asylvorbringen, wegen der Veränderung der politischen
Verhältnisse in Sri Lanka oder wegen seiner exilpolitischen Aktivitäten hin-
gewiesen wird, kann auf die vorstehenden Erwägungen verwiesen werden.
8.4
8.4.1 Im Mehrfachgesuch wurde zudem die Befürchtung des Beschwerde-
führers ausgedrückt, aufgrund der in Sri Lanka anhaltenden Corona-
Pandemie bei einer Rückkehr in gesundheitliche Gefahr zu geraten. Ende
2020 habe es dort eine "zweite Welle" der Infektionen gegeben, welche
das Land schwer getroffen und wieder zu einem Lockdown geführt habe.
Danach sei eine neue, gefährliche Mutation des Virus aufgetreten, und im
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Seite 9
Rahmen der aktuellen "dritten Welle" würden die Zahlen der Infektionen
mit dem Coronavirus rasend schnell ansteigen. Es sei absehbar, dass
– neben dem aktuellen "Hotspot" Indien – Sri Lanka bald zu einem Land
werde, das die Kontrolle über die Pandemie vollständig verliere (vgl. Ge-
such vom 29. April 2021 S. 6 ff.).
8.4.2 Im Urteil, welches das erste Asylverfahren des Beschwerdeführers
rechtskräftig abschloss, hatte das Bundesverwaltungsgericht Folgendes
festgehalten: "Schliesslich steht auch die Corona-Pandemie dem Wegwei-
sungsvollzug nicht entgegen. Bei dieser handelt es sich – wenn überhaupt
– um ein temporäres Vollzugshindernis, welchem im Rahmen der Vollzugs-
modalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem
etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation in Sri Lanka angepasst wird"
(BVGer E-1153/2020 E. 10.6 m.w.H.). Dieser Erwägung, auf welche auch
das SEM verwiesen hat (vgl. angefochtene Verfügung S. 7 f.), ist – abge-
sehen vom Hinweis darauf, dass es sich beim Beschwerdeführer um einen
jungen und gemäss Akten gesunden Mann handelt – nichts beizufügen.
8.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Wegwei-
sungsvollzug zu Recht als (weiterhin) zulässig, zumutbar und möglich be-
zeichnet hat. Die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser
Betracht.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Gründe für eine Rückweisung der Sache
an die Vorinstanz sind auch nicht ersichtlich.
Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten wird.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 1500.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung und Rechtsverbeiständung sind – ungeachtet der Frage der pro-
zessualen Bedürftigkeit des Beschwerdeführers – infolge der Aussichts-
losigkeit der Rechtsbegehren abzuweisen (Art. 65 Abs. 1 VwVG).
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