Decision ID: bb075989-45b6-4456-ab6e-7a4c4666f83f
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ war vom 27. November 2012 bis zum 30. Mai 2017 als Geschäftsführer mit
Einzelunterschrift der B._ GmbH im Handelsregister des Kantons St. Gallen
eingetragen. Am 6. Juni 2018 wurde der Konkurs über die Gesellschaft eröffnet und am
25. Februar 2019 als geschlossen erklärt. Die Gesellschaft wurde am 27. Februar 2019
von Amtes wegen aus dem Handelsregister gelöscht (online-Handelsregisterauszug).
Nachdem die Ausgleichskasse der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen
bereits mehrere Pfändungsverlustscheine betreffend offene Beitragsforderungen im
Zeitraum von 2014 bis 2016 erhalten hatte, verpflichtete sie A._ mit Verfügung vom
17. Mai 2018, Schadenersatz für entgangene bundes- und kantonalrechtliche Beiträge
in Höhe von Fr. 20'897.70 bzw. Fr. 2'252.60, total somit Fr. 23'150.30, zu bezahlen, da
er es als einziger Gesellschafter und Geschäftsführer unterlassen habe, für eine
korrekte Beitragsabrechnung und -verabgabung zu sorgen (act. G 3.2/15).
A.a.
Mit Einsprache vom 14. Juni 2018 machte A._ im Wesentlichen geltend, er habe
zu keiner Zeit eine Organstellung für die B._ GmbH ausgeübt, und verlangte die
Herausgabe sämtlicher Nachzahlungsverfügungen, Betreibungs- und
Pfändungsbegehren sowie die gesamte Korrespondenz zwischen der SVA und der
B._ GmbH im relevanten Zeitraum (act. G 3.2/5).
A.b.
Mit Entscheid vom 9. Juli 2019 wies die Ausgleichskasse die Einsprache ab, da
der Einsprecher als einzelzeichnungsberechtigter Geschäftsführer der B._ GmbH
verpflichtet gewesen sei, dafür zu sorgen, dass die Beiträge korrekt abgerechnet und
A.c.
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B.
pünktlich abgeliefert werden. Ebenso sei er verpflichtet gewesen, wesentliche
Lohnänderungen zu melden. Dies habe er offensichtlich und unbestrittenermassen
unterlassen. Gemäss eigenen Angaben habe er sich bis ins Jahr 2017 nicht um die
Geschäfte der Gesellschaft gekümmert und seine Geschäftsführerrolle nicht
wahrgenommen. Insbesondere habe er in den betroffenen Jahren 2014 bis 2016 die
Beitragsablieferung nicht überprüft. Erst als es zu Problemen gekommen sei, habe er
seine Pflicht ab März/April 2017 ernst genommen und sich über den Stand der
Geschäftstätigkeiten und der Finanzen informiert. Rund 4,5 Jahre habe er sich nicht um
das Unternehmen gekümmert und keine Massnahmen ergriffen, die Beiträge zu
bezahlen, oder versucht, Zahlungsanweisungen zu geben und durchzusetzen.
Ausschlussgründe lägen keine vor. Durch sein Verhalten habe er den Schaden
mindestens grobfahrlässig verursacht. Daran ändere auch der vom Einsprecher geltend
gemachte Einwand, die operative faktische Tätigkeit habe nicht bei ihm gelegen,
nichts. Die in Art. 810 Abs. 1 und 2 OR beschriebenen Aufgaben der Geschäftsführung
seien unübertragbar und seien von jedem Geschäftsführungsmitglied gleichermassen
zu erfüllen, selbst wenn dieses als "Strohmann" fungiere. Bei einer bloss groben
routinemässigen Kontrolle hätten ihm die zahlreichen Mahnungen, Zahlungsbefehle
etc. auffallen müssen. Auch hätte er sich mit einem kurzen Telefonanruf bei der
Ausgleichskasse über die Ausstände informieren können. Als
einzelzeichnungsberechtigter Geschäftsführer wäre er ferner ermächtigt gewesen,
Massnahmen einzuleiten, ja sogar Zahlungen auszuführen (act. G 3.2/2).
Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom
9. September 2019 mit dem Antrag auf dessen Aufhebung. Sodann seien sämtliche
Nachzahlungsverfügungen, Betreibungs- und Pfändungsbegehren, Verlustscheine
sowie die gesamte Korrespondenz mit der B._ GmbH und C._ Treuhand in dieser
Sache zu edieren. In formeller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer, dass die
Beschwerdegegnerin eine Beweiswürdigung vorgenommen habe, die mit den Akten im
klaren Widerspruch stehe und bei der einzelne Beweise unberücksichtigt geblieben
oder gar nicht beigezogen worden seien. Sie sei damit in Willkür verfallen und habe
gegen Art. 9 BV und Art. 6 EMRK verstossen. Zudem habe sie gegen das
Beschleunigungsgebot verstossen, indem sie mit dem Erlass der
B.a.
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Schadenersatzverfügung fast ein halbes Jahr und mit dem Erlass des
Einspracheentscheids nochmals über ein Jahr zugewartet habe. Materiell macht der
Beschwerdeführer implizit geltend, die Beschwerdegegnerin habe die Anmeldefrist für
die Eingabe von Konkursforderungen gemäss Schreiben des Konkursamtes D._ (7.
September 2018) nicht eingehalten (vgl. act. G 3.1/31). Es werde sich sodann zeigen,
ob die Verjährungsfrist tatsächlich eingehalten worden sei. Zudem stelle sich die Frage,
wie es überhaupt möglich sei, dass der geltend gemachte Schaden Ausstände bis
zurück ins Jahr 2014 umfasse. Im Weiteren führt der Beschwerdeführer wie bereits in
der Einsprache aus, dass er zwar als Geschäftsführer im Handelsregister eingetragen,
jedoch nie in dieser Funktion tätig gewesen sei. Er habe keinen Arbeitsvertrag als
Geschäftsführer erhalten, weil diese Funktion vom Geschäftsinhaber ausgeübt worden
sei. Weil er keinen Einblick in die Geschäftsführung erhalten habe, könne er auch keine
Kenntnis über die Vorgänge im Verkehr mit der Beschwerdegegnerin gehabt haben.
Die Beschwerdegegnerin habe von Anfang an gewusst, wer tatsächlich die
Geschäftsführung bei der B._ GmbH ausgeübt habe. Der Beschwerdeführer habe
weder Kenntnis davon gehabt, dass über die Gesellschaft der Konkurs eröffnet worden
sei, noch sei ihm ein Konkursinventar oder ein Kollokationsplan zugestellt worden. Die
involvierten Instanzen hätten das ganze Verfahren über den Gesellschafter E._ und
die C._ Treuhand geführt, ohne ihn als im Handelsregister eingetragenen
Geschäftsführer miteinzubeziehen. Die Beschwerdegegnerin schweige sich auch
darüber aus, an wen die Zahlungsbefehle ausgehändigt worden seien oder wer bei den
Pfändungsvollzügen anwesend gewesen sei. Er sei somit nie faktisches Organ der
B._ GmbH gewesen. Es sei unhaltbar zu behaupten, er habe der
Beschwerdegegnerin absichtlich oder grobfahrlässig einen Schaden zugefügt, indem er
Vorschriften missachtet habe. Schliesslich liege auch kein adäquater
Kausalzusammenhang vor. Die Beschwerdegegnerin übersehe, dass ihr eigenes
Verhalten in der Sache derart schwer wiege, dass nach dem gewöhnlichen Lauf der
Dinge und der Lebenserfahrung die dem Beschwerdeführer angelasteten Verfehlungen
nicht mehr als adäquate Schadensursache in Frage kämen. Der einzige Gesellschafter
und Inhaber der B._ GmbH habe offenbar über die C._ Treuhand mit der
Beschwerdegegnerin verhandelt und dabei Vereinbarungen getroffen, von denen der
Beschwerdeführer nie etwas erfahren habe. Die C._ Treuhand habe ihm gegenüber
zudem unwahre und falsche Auskunft erteilt.
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Erwägungen
1.
In der Beschwerdeantwort vom 14. Oktober 2019 (Eingang beim
Versicherungsgericht: 17. Oktober 2019) beantragt die Beschwerdegegnerin unter
Verweis auf die Ausführungen des angefochtenen Einspracheentscheides die
Abweisung der Beschwerde. Sie fügt an, dass die Aktenedition im
Verwaltungsverfahren versehentlich unterblieben sei (act. G 3). Nach Einsichtnahme in
die Akten am 14. November 2019 auf der Kanzlei des Versicherungsgerichtes erstattete
der Beschwerdeführer am 4. Januar 2020 eine Replik, in welcher er um Gutheissung
der Beschwerde ersucht und bezüglich der Akten des Verwaltungsverfahrens
verschiedene formelle Rügen erhebt. Ausserdem sei die Beschwerdeantwort verspätet
eingereicht worden und daher aus dem Recht zu weisen (act. G 5 und G 7). Die
Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 9).
B.b.
Zunächst ist auf die formellen Rügen des Beschwerdeführers einzugehen. Wie
bereits im Einspracheverfahren macht er geltend, es seien sämtliche
Nachzahlungsverfügungen, Betreibungs- und Pfändungsbegehren, Verlustscheine
sowie die gesamte Korrespondenz (der Beschwerdegegnerin) mit der B._ GmbH und
der C._ Treuhand zu edieren. Dabei bleibt unklar, ob er damit meint, keinen Einblick
in die Akten erhalten zu haben (Verweigerung des rechtlichen Gehörs), oder aber, dass
die Beschwerdegegnerin diese Akten nicht gebührend berücksichtigt habe, wirft er
doch der Beschwerdegegnerin auch vor, dem angefochtenen Entscheid einen den
Akten widersprechenden Sachverhalt zu Grunde gelegt zu haben, welcher Vorwurf
wiederum Aktenkenntnis voraussetzen würde. Wie aus seinen übrigen Ausführungen
erhellt, begründet der Beschwerdeführer seine Beschwerde im Wesentlichen damit,
dass er als formeller (im Handelsregister eingetragener) Geschäftsführer keine
tatsächlichen Befugnisse in der Gesellschaft ausgeübt habe und ihn deshalb kein
Verschulden an den Zahlungsrückständen und am eingetretenen Schaden treffe.
Vielmehr treffe die Beschwerdegegnerin selber ein Mitverschulden an der Entstehung
des Schadens. Dies soll sich offenbar seiner Ansicht nach aus der nicht edierten
Korrespondenz zwischen der Beschwerdegegnerin und dem einzigen Gesellschafter
der B._ GmbH und der C._ Treuhand oder weiteren Akten ergeben. Es ist somit
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer nicht in erster Linie geltend machen
will, den Inhalt der Akten nicht gekannt zu haben, sondern, dass die
Beschwerdegegnerin die in den Akten bestehenden Hinweise, wonach er in der
1.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 6/15
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Gesellschaft keine tatsächlichen Entscheidbefugnisse ausgeübt habe, seiner Meinung
nach zu Unrecht nicht berücksichtigt habe. Zudem hat der Beschwerdeführer im
vorliegenden Verfahren von der Möglichkeit der Akteneinsicht Gebrauch gemacht. In
der entsprechenden Stellungnahme dazu macht er wiederum weder geltend, Akten
nicht gekannt zu haben, noch nimmt er konkret Bezug auf die nunmehr bekannten
Akten. Vielmehr rügt er in formeller Hinsicht im Wesentlichen die seiner Ansicht nach
unübersichtliche Aktenführung der Beschwerdegegnerin. Er verlangt denn in seiner
Replik vom 4. Januar 2020 auch keine Aufhebung des Einspracheentscheids aus
formellen Gründen samt anschliessender Neubeurteilung durch die
Beschwerdegegnerin. Vielmehr geht er ebenfalls davon aus, dass nun das Gericht die
Angelegenheit beurteilen soll (act. G 7). Soweit der Beschwerdeführer schliesslich
implizit geltend machen will, die Vorakten seien dem Gericht zu edieren, damit dieses
den vollen Sachverhalt für die Entscheidfindung kenne, wäre diesem Anliegen mit der
im vorliegenden Verfahren standardmässig erfolgten Edition Genüge getan. Der
angefochtene Einspracheentscheid ist deshalb nicht schon auf Grund formeller Mängel
aufzuheben bzw. nichtig zu erklären. Vielmehr ist auf die Vorbringen des
Beschwerdeführers in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.
Im Weiteren macht der Beschwerdeführer geltend, die Beschwerdeantwort sei
verspätet eingereicht worden und deshalb aus dem Recht zu weisen. Dem ist
entgegenzuhalten, dass die Korrespondenz zwischen der Beschwerdegegnerin und
dem Versicherungsgericht praxisgemäss per Bote überbracht wird. Dieser Dienst wird
zweimal wöchentlich durchgeführt. Vorliegend ist die Beschwerdeantwort am letzten
Tag der Frist, am 14. Oktober 2019, verfasst worden. Die Übersendung mit dem
nächstmöglichen Boten ist deshalb - analog zur Postaufgabe - als fristwahrend
anzusehen. Im Übrigen handelt es sich bei der vom Gericht angesetzten Frist um eine
blosse Ordnungsvorschrift. Bei deren Überschreitung riskiert die säumige Partei, dass
ihre Eingabe auf Grund des Verfahrensfortschritts nicht mehr berücksichtigt werden
kann, nicht jedoch eine Ausserrechtweisung (keine Verwirkungsfolge [vgl. Art. 61
Ingress des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[SR 830.1; abgekürzt: ATSG] in Verbindung mit Art. 58 Abs. 1 und Art. 30 des st.
gallischen Geseztes über Verwaltungsrechtspflege [sGS 951.1; abgekürzt: VRP] e
contrario]). In materieller Hinsicht ändert sich für den Beschwerdeführer bzw. für das
vorliegende Verfahren ohnehin nichts, ist doch dieses durch die Untersuchungsmaxime
gekennzeichnet; das Gericht hat also die Sachverhaltsabklärung von Amtes wegen
durchzuführen (Art. 61 lit. c ATSG). Zudem hat es das Recht von Amtes wegen
anzuwenden und ist nicht an die Anträge der Parteien gebunden (Art. 61 Abs. 1 lit. d
1.2.
bis
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2.
Fügt ein Arbeitgeber durch absichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von
Vorschriften der Versicherung einen Schaden zu, so hat er diesen zu ersetzen. Handelt
es sich beim Arbeitgeber um eine juristische Person, so haften subsidiär die Mitglieder
der Verwaltung und alle mit der Geschäftsführung oder Liquidation befassten
Personen. Sind mehrere Personen für den gleichen Schaden verantwortlich, so haften
sie für den ganzen Schaden solidarisch (Art. 52 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes über
die Alters- und Hinterlassenenversicherung; AHVG, SR 831.10). Die Arbeitgeber sind
verpflichtet, von dem von ihnen ausgerichteten Einkommen aus unselbstständiger
Erwerbstätigkeit die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen, mit der
Ausgleichskasse abzurechnen sowie die erforderlichen Angaben zu machen, und die
Beiträge zusammen mit dem Arbeitgeberbeitrag periodisch der Ausgleichskasse zu
entrichten (Art. 14 Abs. 1 und Art. 51 AHVG, Art. 34 und 36 der Verordnung über die
Alters- und Hinterlassenenversicherung; AHVV, SR 831.101). Die Missachtung dieser
Pflichten verletzt Vorschriften der Versicherung im Sinne von Art. 52 AHVG. Art. 52
Abs. 1 AHVG sieht eine Verschuldenshaftung nach öffentlichem Recht vor. Damit eine
Schadenersatzpflicht entstehen kann, müssen alle Haftungsvoraussetzungen gegeben
sein, d.h. es muss ein Schaden eingetreten sein, der auf ein widerrechtliches und
schuldhaftes Verhalten des verantwortlichen Organs zurückzuführen ist. Zudem muss
zwischen dem Verhalten der belangten Person und dem eingetretenen Schaden ein
adäquater Kausalzusammenhang gegeben sein. Diese Haftungsordnung gilt auch für
die Beitragsforderungen der Familienausgleichskasse (Art. 25 lit. c des
Bundesgesetzes über die Familienzulagen; SR 836.2). Die Schadenersatzforderung
verjährt zwei Jahre, nachdem die zuständige Ausgleichskasse vom Schaden Kenntnis
erhalten hat, spätestens aber fünf Jahre nach Eintritt des Schadens. Diese Fristen
ATSG; vgl. auch Ueli Kieser, Kommentar ATSG, 4. Aufl., Art. 43 N11, mit Hinweis auf
BGE 116 V 26 f.).
Schliesslich rügt der Beschwerdeführer die lange Verfahrensdauer bei der
Beschwerdegegnerin. So habe es ab dem Schreiben vom 28. November 2017
(Aufforderung zur Stellungnahme) bis zum Verfügungserlass vom 17. Mai 2018 ein
halbes Jahr gedauert. Die Bearbeitung der Einsprache habe dann nochmals ein gutes
Jahr in Anspruch genommen. Zwar ist diese Verfahrensdauer nicht als besonders kurz
anzusehen. Abgesehen davon, dass sie aber auch nicht als unverhältnismässig lang zu
bezeichnen ist, ist zudem nicht ersichtlich, inwiefern der Beschwerdeführer dadurch
beschwert wäre. Nachdem das Verwaltungsverfahren mittlerweile abgeschlossen ist,
drängen sich jedenfalls keine weiteren Massnahmen auf.
1.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/15
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können unterbrochen werden. Der Arbeitgeber kann auf die Einrede der Verjährung
verzichten. Sieht das Strafrecht eine längere Frist vor, so gilt diese (Art. 52 Abs. 3
AHVG in der hier anwendbaren, bis Ende 2019 gültig gewesenen Fassung).
3.
Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer vom 27. November 2012
bis zum 30. Mai 2017 als Geschäftsführer mit Einzelunterschrift der B._ GmbH im
Handelsregister des Kantons St. Gallen eingetragen war (vgl. online-Handels
registerauszug), sodass er grundsätzlich der Haftungsordnung des Art. 52 Abs. 2
AHVG untersteht. Der Beschwerdeführer bestreitet sodann weder grundsätzlich das
Bestehen eines Schadens noch dessen Höhe. Er bestreitet jedoch, bei der B._
GmbH eine materielle Organstellung innegehabt zu haben. Zudem habe die
Beschwerdegegnerin den Schaden durch eigene Versäumnisse mitverschuldet.
Bestritten wird zudem, dass zwischen dem Verhalten des Beschwerdeführers und dem
eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Wie es sich
damit verhält, ist nachfolgend zu prüfen.
3.1.
3.2.
Die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers bzw. des verantwortlichen Organs
setzt zunächst den Eintritt eines Schadens bei der Ausgleichskasse voraus. Nach der
Rechtsprechung gilt der Schadeneintritt als erfolgt, sobald die Beiträge wegen
Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers nicht mehr im ordentlichen Verfahren erhoben
werden können, beispielsweise bei Erhalt von Pfändungsverlustscheinen oder bei
Konkurseröffnung über eine juristische Person (BGE 113 V 256 E. 3c; 123 V 16 E. 5b).
Der Schaden kann unbezahlt gebliebene paritätische AHV/IV/EO- und ALV-Beiträge,
Verwaltungskostenbeiträge, Mahngebühren, Veranlagungs- und Betreibungskosten
sowie Verzugszinsen für rückständige Beiträge umfassen (Thomas Nussbaumer, Das
Schadenersatzverfahren nach Art. 52 AHVG, in Schaffhauser/Kieser [Hrsg.], Aktuelle
Fragen aus dem Beitragsrecht der AHV, St. Gallen 1998, S. 100). Die
schadenersatzpflichtige Person hat auf Grund ihrer Mitwirkungspflichten den
Schadensbetrag substantiiert zu bestreiten, soweit die Forderung nicht auf
rechtskräftigen Verfügungen beruht (ZAK 1991 S. 125, AHI-Praxis 1993 S. 172, SVR
2001 AHV S. 51 Nr. 15).
3.2.1.
In ihrer Verfügung vom 17. Mai 2018 bezifferte die Beschwerdegegnerin den
Schaden auf Fr. 23'150.30, davon Fr. 20'897.70 bundesrechtliche und Fr. 2'252.60
kantonalrechtliche Beiträge (act. G 3.2/15.2). Dabei handelt es sich um entgangene
3.2.2.
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Lohnbeiträge für den Zeitraum von Oktober 2014 bis Dezember 2016, konkret um die
Posten 2014/0007 (Pauschale Oktober bis Dezember 2014), 2015/0004 (Pauschale
April bis Juni 2015), 0005 (Pauschale Juli bis September 2015), 0008 (Pauschale
Oktober bis Dezember 2015), 2016/0001 (Mahngebühr und Betreibungskosten), 0002
(Pauschale Januar bis März 2016), 0005 (Pauschale Juli bis September 2016), 0006
(Jahresabrechnung 2015) und 0007 (Pauschale Oktober bis Dezember 2016). Der
geltend gemachte Schaden ergibt sich sodann aus den Schadensberechnungsblättern
sowie aus dem Kontoauszug vom 23. September 2019 (act. G 3.1/2 und G 3.2/6 ff.).
Schliesslich liegt ein Konkursverlustschein über Fr. 23'359.10 vor (act. G 3.1/16),
sodass der geltend gemachte Schaden von insgesamt Fr. 23'150.30 ausgewiesen ist.
Er wird denn vom Beschwerdeführer auch nicht substantiiert bestritten. Der
Beschwerdeführer war sodann im massgebenden Zeitraum von Oktober 2014 bis
Dezember 2016 als Geschäftsführer im Handelsregister eingetragen, sodass er für
diesen Schaden grundsätzlich haftbar gemacht werden kann.
3.3.
Weitere Haftungsvoraussetzung für die vorliegend massgeblichen
Schadenersatzforderungen ist die Widerrechtlichkeit. Art. 14 Abs. 1 AHVG in
Verbindung mit Art. 34 ff. AHVV schreibt vor, dass der Arbeitgeber bei jeder
Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit den
Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Bei einer Lohnsumme ab
Fr. 200‘000.-- hat der Arbeitgeber die Beiträge monatlich zu zahlen (Art. 34 Abs. 1 lit. a
AHVV). Gemäss Art. 35 Abs. 2 AHVV in Verbindung mit Rz 2048 der Wegleitung des
Bundesamtes für Sozialversicherungen über den Bezug der Beiträge in der AHV, IV und
EO (WBB) sind Änderungen der ursprünglichen voraussichtlichen Lohnsumme von
mindestens 10 Prozent während des laufenden Jahres zu melden, sofern diese
Änderung mindestens Fr. 20'000.-- ausmacht. Die Beitragszahlungs- und
Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vorgeschriebene öffentlich-
rechtliche Aufgabe. Dazu hat das Bundesgericht wiederholt erklärt, dass die
Nichterfüllung dieser öffentlich-rechtlichen Aufgabe eine Missachtung von Vorschriften
im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG bedeute und grundsätzlich die volle
Schadensdeckung nach sich ziehe (BGE 118 V 195 E. 2a mit Hinweisen).
3.3.1.
Vorliegend war die B._ GmbH, die ab Juni 2009 (damals noch als F._ GmbH)
der Beschwerdegegnerin als beitragspflichtige Arbeitgeberin angeschlossen gewesen
war, ab Oktober 2014 - und damit relativ kurze Zeit nach dem Gesellschafterwechsel
vom November 2012 - ihrer Beitragszahlungspflicht nicht mehr vollumfänglich
3.3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/15
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nachgekommen. Die Gesellschaft musste nach dem Besitzerwechsel bereits ab der
ersten Beitragsrechnung (nachzuzahlende Beiträge 2013) sowie für die nachfolgenden
Akontorechnungen regelmässig gemahnt und betrieben werden (etwa act. G 3.1/194,
196, 199, 200, 201, 202, 207, 208, 209, 216 und 218). Zudem wurden die
Jahresabrechnungen ebenfalls von Anfang an erst nach Erinnerung oder Mahnung
durch die Beschwerdegegnerin eingereicht (act. G 3.1/192, 195 und 198, 221 f.). Auch
aus den diversen Pfändungsurkunden ergibt sich, dass die B._ GmbH die
Forderungen der Beschwerdegegnerin und anderer öffentlich-rechtlicher Gläubiger
regelmässig unbezahlt liess (etwa act. G 3.1/142, 173.1 oder 179.1). Offen blieb
schliesslich ein Beitragsvolumen samt Nebenkosten von Fr. 23'150.30, was gemessen
an einer Lohnsumme von Fr. 100'000.-- einem Zeitraum von ca. anderthalb Jahren
entspricht. Daraus ergibt sich ohne Weiteres, dass die Gesellschaft ihrer
Beitragsabrechnungs- und Ablieferungspflicht während längerer Zeit nicht
ordnungsgemäss nachgekommen war. Damit ist die Haftungsvoraussetzung der
Widerrechtlichkeit erfüllt.
3.4.
Im Weiteren ist zu prüfen, ob die Vorschriften absichtlich oder grobfahrlässig
missachtet wurden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sowohl ein Verschulden der
Arbeitgeberin wie des verantwortlichen Organs vorliegen muss. Nach der
Rechtsprechung ist nicht jede Verletzung der öffentlich-rechtlichen Aufgaben durch die
Arbeitgeberin ohne Weiteres einem qualifizierten Verschulden ihrer Organe
gleichzusetzen. Vorausgesetzt ist vielmehr ein Normverstoss von einer gewissen
Schwere. Eine Nichtabrechnung oder Nichtbezahlung der Beiträge genügt noch nicht,
um ein qualifiziertes Verschulden anzunehmen. Vielmehr sind die gesamten Umstände
zu würdigen. Die Frage der Dauer des Normverstosses ist dabei ein
Beurteilungskriterium, das im Rahmen der Gesamtwürdigung zu berücksichtigen ist
und im Sinne der Rechtsprechung zu den Entlastungsgründen zur Verneinung der
Schadenersatzpflicht führen kann (BGE 121 V 244 E. 4b mit Hinweisen). Von einem
qualifizierten Verschulden ist in der Regel auszugehen, wenn etwa eine Arbeitgeberin
über längere Zeit ihre Abrechnungs- und/oder Ablieferungspflichten nur schleppend
oder bloss teilweise erfüllt. Gegen ein qualifiziertes Verschulden kann beispielsweise
eine relativ kurze Dauer des Beitragsausstands sprechen oder der Umstand, dass eine
Arbeitgeberin bei ungenügender Liquidität zunächst für das Überleben des
Unternehmens wesentliche andere Forderungen (insbesondere solche der
Arbeitnehmer und Lieferanten) befriedigt, sofern sie auf Grund der objektiven
Umstände und einer seriösen Beurteilung der Lage annehmen darf, sie werde die
3.4.1.
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geschuldeten Beiträge innert nützlicher Frist nachzahlen können (BGE 121 V 244 E. 4b
mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 18. Januar 2011, 9C_330/2010, E. 3.4). Bei
der Verschuldensbeurteilung gilt ein objektiver Verschuldensmassstab, weshalb
subjektive Entschuldbarkeit oder die Gründe für die Mandatsübernahme unbeachtlich
sind (Ueli Kieser, Alters- und Hinterlassenenversicherung, in: Ulrich Meyer [Hrsg.],
Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale Sicherheit, 3. Auflage, G
460 mit Hinweisen). Das Mass der gebotenen Sorgfalt hängt immer von den
Umständen ab, wozu auch die Grösse der Firma und die Anzahl Verwaltungsräte
gehören. Bei einem einzigen Verwaltungsrat bzw. Geschäftsführer gilt ein strengerer
Massstab (Urteil des Bundesgerichts vom 10. Dezember 2010, 9C_325/2010, E. 5.1).
Wie unter vorstehender Erwägung 3.3.2 ausgeführt, kam die B._ GmbH ihrer
Beitragsabrechnungs- und Ablieferungspflicht in etwa ab dem Gesellschafterwechsel
im November 2012 bis Ende 2016, mithin fast während der gesamten Zeit, als sie
Personal beschäftigte, nur schleppend oder überhaupt nicht nach und verstiess damit
gegen Gesetzesvorschriften. So mussten unter dem neuen Eigentümer die meisten
Quartalsrechnungen sowie die auszugleichenden Beiträge gemahnt und betrieben
werden. Es wird weder geltend gemacht noch ist ersichtlich, dass es für dieses
Verhalten einen entschuldbaren Grund gibt. Insbesondere ist nicht erkennbar, dass ein
tragfähiges Sanierungskonzept bestanden hätte, das realistischerweise und prospektiv
gesehen eine nachhaltige Sanierung der Gesellschaft innert nützlicher Frist, das heisst
praxisgemäss innerhalb eines Jahres, hätte erwarten lassen. Zwar kündigte die
Gesellschaft die Arbeitsverhältnisse der beiden Angestellten auf Ende Oktober 2015
und reduzierte damit die Lohnsumme (vgl. Lohnmeldung 2015 [act. G 3.1/117). Auch
der angestellte Inhaber der Firma arbeitete nur noch bis Ende 2016 weiter. Ab 2017
beschäftigte die Gesellschaft kein Personal mehr (Lohndeklarationen 2016 und 2017,
welch letztere durch den Revisor der Beschwerdegegnerin erstellt werden musste [act.
G 3.1/62 und 99]). Trotzdem kann bei der vorliegend langen Dauer der
Beitragsausstände ohne entschuldbaren Grund und der Höhe der ausstehenden
Beiträge nicht mehr von einem leichten Verschulden ausgegangen werden. Vielmehr ist
davon auszugehen, dass die B._ GmbH den Betrieb während gut zwei Jahren
(Oktober 2014 bis Dezember 2016) unter anderem auf Kosten der AHV führte, was zur
Annahme eines groben Verschuldens der Arbeitgeberin führt.
3.4.2.
Der Beschwerdeführer war sodann unbestrittenermassen vom 27. November
2012 bis zum 30. Mai 2017 als Geschäftsführer der B._ GmbH im Handelsregister
des Kantons St. Gallen eingetragen. Er ist jedoch der Ansicht, nicht dieser Eintrag sei
massgebend, sondern ob und wann eine Person tatsächlich die mit der Tätigkeit eines
3.4.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/15
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Geschäftsführers verbundene Verantwortung übernommen habe. Dies ergebe sich aus
dem Vertrag mit der Gesellschaft. Ein solcher Vertrag sei vorliegend nie erstellt worden,
weshalb er zu keiner Zeit eine (materielle) Organstellung innegehabt habe oder als
Geschäftsführer tätig gewesen sei. Dem ist jedoch entgegenzuhalten, dass eine als
Geschäftsführer oder Geschäftsführerin einer GmbH im Handelsregister eingetragene
Person von Gesetzes wegen als mit der Geschäftsführung im Sinn von Art. 52 Abs. 2
AHVG befasst gilt (BGE 126 V 238 E. 4). Somit gehörten die Festlegung der
Organisation der Gesellschaft im Rahmen von Gesetz und Statuten, die Ausgestaltung
des Rechnungswesens und der Finanzkontrolle sowie die Aufsicht über die Personen,
denen Teile der Geschäftsführung übertragen sind, namentlich im Hinblick auf die
Befolgung der Gesetze, Statuten, Reglemente und Weisungen, zu seinen
unübertragbaren und unentziehbaren Aufgaben (Art. 810 Abs. 2 Ziff. 2 - 4 OR). Dies
beinhaltet auch die Überwachung und Einhaltung der Beitragsabrechnungs- und -
ablieferungspflicht betreffend Sozialversicherungsbeiträge. Der Beschwerdeführer war
mithin als zuständiges Gesellschaftsorgan verpflichtet, für eine korrekte und pünktliche
Abrechnung und Ablieferung dieser Beiträge zu sorgen. Vorliegend ist unbestritten,
dass er sich nicht um die genannten Pflichten gekümmert hat. Er kann sich auch nicht
damit entschuldigen, dass er keine tatsächlichen Befugnisse in der Firma ausgeübt hat
oder dass die Korrespondenz zwischen der Beschwerdegegnerin und der B._ GmbH
nicht über ihn, sondern über den Gesellschafter und die C._ Treuhand geführt wurde.
Denn der Schuldvorwurf, der einen "Strohmann" trifft, rührt gerade aus dem Umstand,
sich auf Verhältnisse eingelassen zu haben, die ihm die gesetzlich vorgeschriebene
Erfüllung seines Amts verunmöglichen (vgl. Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts H 87/00 vom 13. Februar 2001 E. 3b und Urteil des
Bundesgerichts 9C_66/2016 vom 10. August 2016 E. 5.5). Gerade die Tatsache, dass
er vom Gesellschafter nicht über die laufenden Geschäfte informiert wurde - wobei der
Beschwerdeführer nicht geltend macht, vor März/April 2017 jemals nachgefragt zu
haben -, und die damit verbundenen Schwierigkeiten, die gesetzlichen Aufgaben eines
Geschäftsführers pflichtgemäss erfüllen zu können, hätten den Beschwerdeführer
veranlassen müssen, wesentlich früher, und nicht erst nach viereinhalb Jahren, als
Geschäftsführer zu demissionieren. Überhaupt ist nicht ersichtlich, weshalb der
Beschwerdeführer, der nach eigenen Angaben weder über eine bezahlte Anstellung
noch über tatsächliche Entscheidbefugnisse in der Gesellschaft verfügte, dieser als im
Handelsregister eingetragener Geschäftsführer zur Verfügung stehen sollte (in der
Beschwerde spricht er gar von einem irrtümlichen Eintrag [Ziff. 6.2], wobei ihm aber
jedenfalls bewusst war, dass er im Handelsregister eingetragen war [vgl. Replik Ziff.
5.8]). Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers sind sodann keine Umstände
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ersichtlich, welche sich die Beschwerdegegnerin als Eigenverschulden anrechnen
lassen müsste. Insbesondere hat sie die offenen Beitragsforderungen jeweils zeitnah
gemahnt und betrieben. In der Regel mahnte sie zwei Monate nach Rechnungsstellung
und stellte nach einem weiteren Monat bzw. nach Ablauf der Zahlungsfrist das
Betreibungsbegehren. Es ist sodann nicht Aufgabe der Beschwerdegegnerin, die
Unternehmensverantwortlichen auf deren Pflichten hinzuweisen.
Es bleibt somit festzustellen, dass der Beschwerdeführer in grobfahrlässiger
Weise gegen seine Sorgfaltspflicht als formeller Geschäftsführer verstossen hat, indem
er sich praktisch während seiner gesamten Zeit als Geschäftsführer der B._ GmbH
nicht um die Belange der Beitragsabrechnung und -ablieferung gekümmert hat. Daran
ändert schliesslich nichts, dass er ab März/April 2017, als offenbar seine Ablösung
durch den Inhaber der C._ Treuhand vorgesehen war, doch noch Erkundigungen
über die Geschäftstätigkeit und die finanzielle Lage der B._ GmbH beim
Gesellschafter und beim Treuhänder einholte bzw. einzuholen versuchte (act.
G 3.2/5.26 ff.). Über die ausstehenden Sozialversicherungsbeiträge erkundigte er sich
konkret erst am 29. November 2017 beim Treuhänder, nachdem er von der
Beschwerdegegnerin zur Stellungnahme aufgefordert worden und bereits nicht mehr
im Amt war (act. G 3.2/5.31 und 17). Indem die Beschwerdegegnerin auf Grund der
Aktenlage auf ein grobfahrlässiges Verhalten des Beschwerdeführers als
Geschäftsführer der B._ GmbH geschlossen hat, hat sie nach dem Gesagten keine
willkürliche Würdigung dieser Akten vorgenommen. Ohnehin beruht der Vorwurf, die
Beschwerdegegnerin habe Akten unberücksichtigt gelassen bzw. für ihren Entscheid
auf einen falschen Sachverhalt abgestellt, auf der unzutreffenden Rechtsauffassung
des Beschwerdeführers, wonach ein Verschulden ausgeschlossen sei, wenn ihm in der
Gesellschaft tatsächlich keine Entscheidbefugnisse zugekommen seien. Wie oben
ausgeführt, genügt jedoch eine formelle Organstellung, um der Schadenersatzpflicht
nach Art. 52 Abs. 2 AHVG zu unterstehen, weshalb aus dem Nachweis, dass er
tatsächlich keine Befugnisse in der Gesellschaft ausgeübt hat, nichts für den
Standpunkt des Beschwerdeführers gewonnen ist. Im Gegenteil gereicht ihm - wie
vorstehend ausgeführt - gerade seine pflichtwidrige Untätigkeit zum Verschulden.
3.4.4.
3.5.
Schliesslich muss zwischen der schuldhaften Verletzung von Vorschriften und
dem Eintritt des Schadens ein adäquater Kausalzusammenhang bestehen. Ein Ereignis
hat dann als adäquate Ursache eines Schadens zu gelten, wenn es nach dem
gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach allgemeiner Lebenserfahrung an sich geeignet
3.5.1.
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ist, einen Erfolg in der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt des Erfolgs
durch das Ereignis also allgemein als begünstigt erscheint (BGE 125 V 461 E. 5a und
119 V 406 E. 4a, je mit Hinweisen).
Vorliegend ist ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen den
Unterlassungen des Beschwerdeführers und dem eingetretenen Schaden gegeben.
Hätte der Beschwerdeführer rechtzeitig dafür gesorgt, dass die Gesellschaft ihren
Beitragsablieferungspflichten nachkommt, oder aber dafür, dass die Gesellschaft nur
noch so viele Löhne ausbezahlt wie Beiträge darauf entrichtet werden konnten, wäre
kein Schaden in dieser Höhe entstanden. Indem die Beiträge nach Erhalt der definitiven
Pfändungsverlustscheine bzw. nach der Konkurseröffnung nicht mehr im ordentlichen
Verfahren nach Art. 14 ff. AHVG bei der Arbeitgeberin eingefordert werden konnten, ist
der Schaden entstanden (vgl. Entscheid des Bundesgerichts H 37/02 vom
3. September 2003 E. 3.2 mit Hinweisen). Wie bereits ausgeführt, hat die
Beschwerdegegnerin die Forderungen jeweils zeitnah gemahnt und betrieben.
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers liegt damit kein Verhalten der
Beschwerdegegnerin vor, das den Kausalzusammenhang zwischen seinen
Unterlassungen und dem Eintritt des Schadens derart unterbrechen würde, dass ihm
letzterer im Sinn einer fehlenden Adäquanz nicht mehr angerechnet werden könnte.
3.5.2.
Schliesslich macht der Beschwerdeführer geltend, die Schadenersatzforderung sei
verspätet geltend gemacht worden. So sei der Beschwerdegegnerin ab 16. März 2015
bekannt gewesen, dass ein Schaden eingetreten sei. Auch dieses Vorbringen verfängt
nicht. Abgesehen davon, dass sich in den Akten kein Verlustschein vom 16. März 2015
befindet, verlangt die Beschwerdegegnerin jedenfalls keinen Schadenersatz für dieses
Betreffnis. Vielmehr resultierte die erste offengebliebene Forderung, für welche sie
Schadenersatz verlangt (Akontorechnung Oktober bis Dezember 2014 vom
11. Dezember 2014 [Posten 2014/0007]), im Pfändungsverlustschein vom 2. Juni 2016
(act. G 3.1/146 und 3.2/6). Durch das Vorliegen dieses Pfändungsverlustscheins ist
belegt, dass die Arbeitgeberin ihrer Beitragsabrechnungspflicht nicht nachgekommen
ist und realistischerweise auch der Schadenersatzpflicht nicht nachkommen kann (vgl.
BGE 113 V 256 E. 3c S. 258). Somit ist dieser Teilschaden am 2. Juni 2016 eingetreten.
Mit Erhalt des Pfändungsverlustscheins am 3. Juni 2016 (vgl. Eingangsstempel
Beschwerdegegnerin) hat die Beschwerdegegnerin zudem Kenntnis des Schadens
erlangt. Die zweijährige relative Frist zur Geltendmachung von Schadenersatz dauerte
somit bis zum 3. Juni 2018. Indem die Beschwerdegegnerin am 17. Mai 2018 die
3.6.
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