Decision ID: b3fe5489-1a8c-493e-868c-bd7f6cb6e509
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1961 geborene X._, diplomierter Pflegefachmann und Vater vierer 1990, 1993, 1996 und 2005 geborener Kinder, war seit Oktober 2007 bei der Stiftung Y._ tätig, zuletzt seit Februar 2010 zu einem 90%igen Pensum als medizinische Nachtbetreuung (Urk. 17/19). Letzter effektiver Arbeitstag war der 6. Januar 2014 (Urk. 17/23/3, vgl. demgegenüber Urk. 17/39/2, wonach der letzte Arbeitstag der 27. Dezember 2013 war). Mit Datum vom 13. Mai 2014 meldete er sich unter Hinweis auf eine manische Depression bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 17/10). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog die Akten der Krankentaggeldversicherung (Urk. 17/16) sowie einen Auszug aus dem Individuellen Konto (IK-Auszug vom 3. Oktober 2014, Urk. 17/24) bei und tätigte berufliche und medizinische Abklärungen. Insbesondere veranlasste sie die
bidisziplinäre
(Psychiatrie/Orthopädie) Untersu
chung durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) vom 17. Dezember 2015 (vgl. Untersuchungsbericht vom 28. Dezember 2015, Urk. 17/39 f.). Zwischen
zeitlich teilte sie dem Versicherten mit, mangels subjektiver Eingliederungsfä
higkeit seien Eingliederungsmassnahmen aktuell nicht angezeigt (vgl. Mittei
lung vom 1. Oktober 2014, Urk. 17/22, vgl. auch Verlaufsprotokoll zur Eingliederungsberatung, Urk. 17/23/1). Nach durchgeführtem
Vorbescheidver
fahren
(Urk. 17/47, Urk. 17/49, Urk. 17/55) wies die IV-Stelle das Leistungs
begehren des Versicherten mit Verfügung vom 22. September 2016 ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob X._ am 18. Oktober 2016 Beschwerde (Urk. 1). Mit der innert im Sinne einer Notfrist erstreckten Nachfrist (vgl. Urk. 3, Urk. 8) einge
gangenen
Beschwerdebegründung vom 29. November 2016 beantragte der nunmehr vertretene Beschwerdeführer, es sei die angefochtene Verfügung vom 22. September 2016 aufzuheben und ein neutrales, psychiatrisch-orthopädisches Gutachten einzuholen sowie (sinngemäss), es seien ihm die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Durchführung einer öffentlichen Verhandlung sowie
um Gewährung der unentgeltlichen Pro
zessführung
und
um Bestellung von Rechtsanwalt Dr. Kurt Pfau zum unentgelt
lichen Rechtsbeista
nd (Urk. 1
0
S. 2)
. Ausserdem gab
der Beschwerde
führer
den Kurzaustrittsbericht der Psychiatrie Z._ vom 24. No
vember 2016 zu den Akten (Urk. 11). Mit nachträglicher Eingabe vom 5. Dezember 2016 wies er zusätzlich den Austrittsbericht der Psychiatrie Z._ vom 28. No
vember 2016 ins Recht (Urk. 12, Urk. 13). Die Doppel dieser Eingaben wurden der Beschwerdegegnerin am 7. Dezember 2016 zur Stellungnahme zugestellt (Urk. 14). Mit Beschwerdeantwort vom 19. Januar 2017 schloss diese auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 16), was dem Beschwerdeführer am 26. Januar 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 21). Des Weiteren reichte der Beschwer
de
führer am 18. August 2017 (Eingangsdatum, Urk. 22) den Ärztli
chen Bericht der Psychiatrie Z._ vom 18. Juli 2017 (Urk. 23) ins Recht, welcher der Beschwerde
gegnerin zur Kenntnisnahme zugestellt wurde (Urk. 24).
3.
Nach Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Bestellung von Rechts
anwalt Dr. Kurt Pfau zum unentgeltlichen Rechtsbeistand (Verfügung vom 29. August 2017, Urk. 24) führte das Gericht am 6. November 2017 eine Hauptverhandlung durch, an welcher der Beschwerdeführer an seinen Rechtsbe
gehren festhielt (Protokoll S. 6 ff.).
4.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit
(Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krank
heitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran
hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. De
zember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeits
markt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE
141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl.
Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.6
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätig
keit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizini
schen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können
Versicherte bei Bedarf sel
ber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
ge
wisser
massen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Ver
waltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben
den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu
nehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hin
weisen).
RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG betreffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Verfahrensregeln entfalten daher bei Einholung v
on RAD-Berichten keine Wir
kung
(Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifi
ka
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis ver
siche
rungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD
Be
richte gehö
ren – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundes
gerichts 8C_197/2014 vom
3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
1.7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Von der Rückweisung der Sache an den Versicherungsträger zur Gewährung des rechtlichen Gehörs ist nach dem Grundsatz der Verfahrensökonomie dann abzu
sehen, wenn dieses Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem gleichlaufenden und der Anhörung gleichgestellten Interesse der versicherten Person an einer möglichst beförderlichen Beurteilung ihres Anspruchs nicht zu vereinbaren sind (vgl. zum Ganzen BGE 137 I 195 E. 2.3.2; BGE 136 V 117 E. 4.2.2.2; BGE 133 I 201 E. 2.2).
Be
i
ungenügenden Abklärungen
durch den Versicherungsträger holt
die Be
schwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein
, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativ
expertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der
–
anschliessend
reformatorisch entscheidenden
–
Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. E
ine Rückweisung an den Versicherungsträger
bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten
Frage begründet
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen
erforderlich ist (B
GE
137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung erwog die Beschwerdegegnerin im Wesentli
chen, gestützt auf den orthopädisch-psychiatrischen Untersuchungsbericht des RAD vom 28. Dezember 2015 bestehe aus orthopädischer Sicht eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit von Dezember 2013 bis Juni 2014. Da die gesundheitliche Einschränkung somit nicht länger als ein Jahr angedauert habe, bestehe kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung. In psychiatrischer Hinsicht bestehe keine Erkrankung mit erheblicher und dauerhafter Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, womit kein rechtserheblicher Gesundheitsschaden vorliege. Ausserdem verfüge der Beschwerdeführer über genügend Kraft für Freizeitakti
vitäten, womit auch genügend Ressourcen bestünden, um einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit nachzugehen (Urk. 2 S. 2).
2.2
Dagegen wandte der Beschwerdeführer im Wesentlichen ein, der behandelnde Psychiater habe wiederholt eine bipolare affektive Störung, gegenwärtig mittel
gradig depressive Episode diagnostiziert und wiederholt eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit bescheinigt. Mit Schreiben vom 1. Oktober 2014 sei ihm (dem Beschwerdeführer) bestätigt worden, dass die Arbeitsvermittlung als abge
schlossen zu betrachten sei, da er sich wegen seines psychischen Zustandes nicht eingliederungsfähig fühle. Ausserdem sei den Akten zu entnehmen, dass die Krankentaggeldversicherung bis 6. Januar 2016 Krankentaggelder abge
rechnet habe. Es sei unverständlich, weshalb die Beschwerdegegnerin die Arbeits
fähigkeit so anders beurteile als die Krankentaggeldversicherung. Dass er (der Beschwerdeführer)
in der Lage sein soll, seine bisherige Tätigkeit als Kran
kenpfleger problemlos wieder aufzunehmen, sei angesichts des orthopädischen Belastungsprofils des RAD wirklichkeitsfremd. So habe ein Krankenpfleger nicht selten mit Gewichten von mehr als 25 kg zu tun, zum Beispiel beim Umlagern von Patienten. Mithin bestünden echte Zweifel an der Beurteilung der IV-Stelle, weshalb eine neutrale medizinische Begutachtung durchzuführen sei (Urk. 10 S. 3 ff.).
In Ergänzung hierzu liess der Beschwerdeführer anlässlich der Hauptverhand
lung ausführen, die Beschwerdegegnerin verharmlose seine psychische Krank
heit zu einer leichten depressiven Episode, wohingegen eine bipolare Störung vorliege, überlagert mit depressiven Episoden. Der behandelnde Psychiater habe seit dem 6. Januar 2014 an dieser Diagnose sowie einer depressiven Episode mittleren Grades festgehalten und sei bereits damals von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit aus psychischer Sicht ausgegangen. Daran habe er bis zum Sommer 2016 festgehalten. Bei einer bipolaren psychischen Störung sei von einer eigentlichen Geisteskrankheit auszugehen, die nicht nur vorübergehenden Charakter habe, sondern eine dauernde psychische Störung darstelle. Bipolare Störungen hätten vielfach einen chronischen Verlauf, mit wechselhaften Zuständen, was die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit erschwere. Aus dem Austrittsbericht der Psychiatrie Z._ vom 28. November 2016 komme zum Ausdruck, dass er (der Beschwerdeführer)
auf Grund dieser bipolaren affektiven Störung in Ver
bindung mit einer mittel- bis
schwergradigen
depressiven Episode
bereits im Jahre 2014 habe stationär behandelt werden müssen. Er habe dann nochmals Mitte Oktober 2016 notfallmässig im Rahmen einer fürsorgerischen Unterbrin
gung (FU) in
e
d
r
Psychiatrie Z._ hospitalisiert werden müssen und sei - nach einem Unter
bruch zur Beerdigung seines älteren Sohnes - letztlich am
17. November 2016 aus der stationären Behandlung entlassen worden, wobei einerseits ein Case Management durch die Psychiatrie Z._ und andererseits eine ambulante Behandlung im Ambulatorium der Psychiatrie Z._ seit dem 7. Dezember 2016 installiert wurde. Nur dadurch habe eine Beistandschaft durch die KESB vorläufig vermieden werden können. Schliesslich ergebe sich aus dem Verlaufsbericht des Ambulatoriums der Psychiatrie Z._ vom 18. Juli 2017, dass das Krankheitsbild zwischen mittelgradigen und
schwergradigen
depressiven Episoden schwanke. Es bestünden nach diesem Bericht weiterhin Konzentrationsprobleme, Erschöpfbarkeit,
AntriebsA
._
ung
, affektive Verflachung und Ratlosigkeit, weiter hypomanische oder manische Phasen. Es komme auch in diesem Bericht zum Ausdruck, dass dieses Krank
heitsbild oft in der konkreten Ausprägung sehr stark schwanke. Er (der Beschwerdeführer) sei medikamentös gut eingestellt, gleichwohl habe sich nach diesem Verlaufsbericht die depressive Ausprägung verschlechtert und es werde auf die spezifischen Elemente hingewiesen, die mit diesen depressiven Episoden einhergingen, nämlich sozialer Rückzug, auch eine gewisse Verwahrlosung, Antriebsschwäche, völlige Ratlosigkeit in der praktischen Lebensgestaltung. Es werde darauf hingewiesen, dass trotz regelmässiger Therapie und trotz medika
mentöser Behandlung auf Grund des gegebenen Krankheitsbildes eine Arbeits
fähigkeit unter 40 % gegeben sei. Mit dieser medizinischen Aktenlage kon
trastiere die Meinung des RAD ganz massiv, weshalb Abklärungsbedarf bestehe (Protokoll S. 6 ff.).
3.
3.1
Mit Bericht vom 3. Juni 2014 hielt der seit anfangs März 2014 erneut (s.u.) behan
delnde Dr. med. A._, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psycho
therapie
, mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine bipolare affektive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F
31.3) fest. Ca. 2003 sei es zu einer ersten depressiven Episode gekommen im Rahmen einer Ehekrise. Der Beschwerdeführer habe mit Schlaftabletten einen Suizidversuch begangen. Eine psycho- und pharmakotherapeutische (
Efexor
) Behandlung habe schnelle Besserung gebracht. Im Nachgang einer Rückenoperation wegen einer Diskushernie L4/L5 mit Lähmungserscheinungen im Mai 2012 sowie zufolge familiärer Schwierigkeiten (Verkehrsunfall des Sohns, Trennung von der Ehefrau) sei es im September 2012 erneut zu einer depressiven Episode mit Suizi
dalität gekommen. Auch hier habe mit der psycho- und pharmakothera
peuti
schen (
Trittico
, Quetiapin) Behandlung eine baldige Remission und Wieder
auf
nahme der Arbeit erreicht werden können. Der Beschwerdeführer sei in diesem Zusammenhang vom 24. September bis 11. Oktober 2012 bei ihm (Dr. A._) in Behandlung gewesen. Anfangs 2014 sei der Beschwerdeführer in Belgrad und in der Schweiz auffällig geworden, woraufhin er per
FU in die Psychiatrische
O._-K
linik (
O._
)
eingewiesen und alsdann in die Klinik B._, Psychiatrie Z._, überwiesen worden sei. Mittels medikamentöser Therapie (
Olanazapin
) sei die manische Symptomatik allmählich zurückgegangen. Seit März 2014 bestehe wiederum eine depressive Episode, welche medikamentös (
Wellbutrin
,
Solian
Ferrum Hausmann,
Amlodipin
Mepha
,
Temesta
Expidet
) und psychothera
peutisch (1x/Woche) behandelt werde. Das Ableben der Mutter am 23. Mai 2014 habe die Symptomatik nochmals verschlechtert (Urk. 17/18/1-3).
Im Rahmen der Befundung notierte Dr. A._ leichte Konzentrations- und Merk
störungen. Der Denkvorgang des Beschwerdeführers sei leicht verlangsamt und mittelgradig umständlich. Grübelneigung, Schuldgefühle, Durchschlaf
stö
rungen und Müdigkeit seien mittelgradig ausgeprägt. Sodann sei der Beschwer
deführer mittelgradig deprimiert, gereizt, innerlich unruhig, affektlabil, affekt
starr, antriebsarm,
hoffnungslos und ängstlich. Insbesondere habe er Angst, in ein Loch zu fallen und nie mehr herauszufinden, vor allem morgens. Die moto
rische Unruhe und Aggressivität taxierte Dr. A._ als „leicht“ (Urk. 17/18/2). In Sachen Aktivitäten und Hobbys notierte er ausserdem: „Haushalt, Schwimmen, Treffen mit den Nachbarn, unter anderem zum Tischtennis oder Schach spielen. Er unternimmt regelmässig etwas mit seinem jüngsten Sohn“ (Urk. 17/18/6).
Der Beschwerdeführer sei in seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Pflegefach
mann seit März 2014 zufolge verminderter Belastbarkeit, Konzentrationsprob
leme, verminderten Antriebs sowie schneller Ermüdbarkeit zu 100 % arbeitsun
fähig. Die Einschränkungen liessen sich mit medizinischen Massnahmen ver
mindern und es könne mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit (in noch nicht abschätzbarer Zeit) gerechnet werden (Urk. 17/18/3 f.).
3.2
Im Austrittsbericht der Psychiatrie Z._ vom 6. März 2014 wird im Wesentlichen der Ver
dacht auf eine Manie mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F 30.2), differen
zialdiagnostisch schizoaffektive Störung, gegenwärtig manische Episode (ICD
10: F25.0) festgehalten (Urk. 17/26/3).
Der Beschwerdeführer habe sich unter Aufrechterhaltung der FU aufgrund eines manischen Zustandsbildes, anlässlich welchem er an seinem Arbeitsort randa
liert und mit Stühlen geworfen habe, vom 16. Januar bis 28. Februar 2014 zur stationären Therapie in der Psychiatrie Z._ aufgehalten.
Bei
Eintritt
sei der manisch-psy
chotische Mischzustand unter der bereits eingeleiteten Pharmakotherapie (
Zyprexa
) bereits
regredient
gewesen. Es hätten sich noch diskrete Verfol
gungsideen gezeigt. Ferner habe der Beschwerdeführer von
„Erregungszustän
den“ berichtet.
Formalgedanklich habe sich in den ersten Gesprächen
ein
drucksvoll eine Weitschweifigkeit
bis Ideenflüchtigkeit
gezeigt.
Thematisch vordergründig sei stets die schwierige familiäre Situation
gewesen (Urk. 17/26/3-4). Nach einer Stabilisierung seien im weiteren Verlauf auch die Tagesausflüge weitestgehend unproblematisch verlaufen. Schliesslich sei der Beschwerdeführer bei gut
organisierter ambulanter Nachbetreuung
mittels
Installation eines Case
Managements in
einem stabilisierten, zufriedenstellen
den
Zustandsbild
entlassen worden
.
Bei Austritt sei er w
ach
und allseits orien
tiert gewesen. Es hätten keine Aufmerksamkeits
- oder Gedächtnis
störungen bestanden. Das formale
Denken
sei
geordnet
gewesen, ohne Befürchtungen, Zwänge, Wahn, Sinnestäuschungen und
lch
-Störungen. Ausserdem sei der Beschwerdeführer
bei Austritt im Affekt freundlich und schwingungsfähig gewesen bei
unauffällig
em
Antrieb
und ohne Anzeichen auf
Suizidalität oder Fremdgefährdung
(Urk. 17/26/5)
.
3.3
Im orthopädischen Untersuchungsbericht vom 28. Dezember 2015 stellte Dr. med. C._, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie, RAD, keine Diag
nosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit notierte er (1) eine chronische Lumbalgie und
Lumbo
ischialgie
links mit
residuellem
, sensiblem L5-Syndrom links bei Zustand nach
Sequest
rek
tomie
und Diskektomie L4/5 links (5/2012) sowie (2) Bewegungs
schmerz und partielle Bewegungseinschränkung des linken Hand
gelenks bei Zustand nach konservativ therapierter distaler, handgelenksnaher Unterarm
fraktur (1/2014, Urk. 17/39/6).
Der Beschwerdeführer habe berichtet, seit
Abschluss der
postoperativen Phase im Nachgang
der Bandscheiben-Operation im Jahr
e 2012
unverä
ndert und gleich
bleibend an bewegungs- und belastungsunabhängigen Schmerzen im Bereich der LWS, des linken Gesässes sowie
an der
Aussenseite des linken Unter
schenkels
zu leiden
. An der Aussenseite des linken Unterschenkels und Fusses empfinde er
zusätzlich ein Taubheitsgefühl. Sodann habe er n
ach der Ope
ra
tion für längere Zeit erhebliche Probleme in Form einer
Stuhlinkontinenz gehabt, was sich inzwischen zwar gebessert habe, aber nicht vollkommen
abge
klungen sei.
Im Januar 2014 habe er sich während eines Aufenthaltes in Bel
grad eine handgelenksnahe Fraktur des linken Unterarmes zugezogen, welche konservativ mit Gipsruhigstellung behandelt worden sei. Seitdem
seien das Beugen des Handgelenkes sowie
Umwendebewegungen
schmerzhaft einge
schränkt. Schmerzmedikamente nehme er indes nicht regelmässig ein (Urk. 17/39/1)
.
Im Rahmen der Befundung notierte Dr. C._, während
der etwa 25 Minuten dauernden Erhebung der orthopädischen Anamnese
habe der Beschwerdeführer ruhig,
ohne verbale oder mimische Schmerzäusserungen
auf dem Stuhl
gesessen
.
Sowohl
das Ankleiden
als auch das
Auskleiden
sei
flüssig im Stehen
erfolgt
, ohne Festhalten am Mobiliar, Trickbewegungen oder Schmerz
äusserun
gen
(Urk. 17/39/3
)
.
Demgegenüber bestünden
Druckdolenzen
im Bereich der HWS, BWS, LWS
sowie des linken Handgelenks bei leichter Verdichtung im Bereich des distalen
Radioulnargelenks
. Ausserdem zeige sich bei Rotation und Seitneigung eine weitgehende Fixierung der LWS. Bei der segmentalen Untersu
chung der groben Kraft sei keine Reduktion der Kraft in den Kennmuskeln der oberen und unteren Extremitäten aufgefallen. Die Prüfung der Berührungssen
sibilität links habe eine
Abschwächung an der Aussenseite des Oberschenkels und noch stärker des Unterschenkels sowie im Dermatom
L5 auf dem Fussrü
cken angegeben. An
der
Aussenseite des linken Fusses
,
einschliesslich lateralem Anteil der Fusssohle
,
bestehe
eine praktisch aufg
ehobene Berührungssensibilität (Urk. 17/39/3 f.).
Dr. C._ kam zum Schluss, es
sei
kein somatischer Gesundheitsschaden ausge
wiesen, der die Arbeitsfähigkeit für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit
beeinträch
tige
. In seiner bisherigen Tätigkei
t als Psychiatriepfleger bestehe
aus rein ortho
pä
discher Sicht durchgehend eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit seit Dezember 201
3. D
ie zuletzt ausgeübte Tätigkeit
entspreche
aus rein orthopädischer Sicht
denn auch
einer optimal behinderungsangepassten Tätigkeit.
Das
Belastungs
profil einer aus orthopädischer Sicht möglichen Tätigkeit
beschrieb Dr. C._ wie folgt
:
„
Körperlich leichte bis selten mittelschwere Arbeiten
,
ohne Heben und Tragen von Lasten mehr als 10 kg
,
regelmässig bis selten 15 kg, ohne häufiges Bücken oder längeres Stehen in vornüber gebeugter Haltung, ohne verdrehte Zwangshaltungen des Rumpfes oder längere Arbeiten über Kopf, ohne Notwen
digkeit kraftvollen Hantierens mit der linken Hand beziehungsweise biegende, stossende oder vibrierende Einwirkungen auf das linke Handgelenk
“ (Urk. 17/39/6).
3.4
Im psychiatrischen Untersuchungsbericht vom 28. Dezember 2015 diagnosti
zierte med.
pract
. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine bipolare affektive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10: F 31.1). Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hielt er (1) akzentuierte Persönlichkeitszüge, zurückgezogen und scheu (Z 73.1), (2) Hepatitis C, (3) Hypertonie sowie (4) Diabetes mellitus fest (Urk. 17/40/7).
Der Beschwerdeführer habe berichtet, seit zwei
Jahren nicht mehr gelacht
zu haben. Seit 2012 würden seine Nerv
en immer dünner.
An
Weihnachten 2013 habe er in Belgrad
Ramba
-Zamba angerichtet, sei aggressiv zu den Eltern und
zur
Verwandtschaft gewesen, habe mit der Kreditkarte drei- bis viertausend Franken Schulden gemacht und das Geld an Arme verschenkt.
Sodann
sei
er
rasant
Auto gefahren und habe
gemeint, dass
ihn die Polizei
beschatte. Nach der Rückkehr in die Schweiz
habe
er - sich gegen ve
rmeintliche Verfolger wehrend - a
n seiner Arbeitsstelle
randaliert
und einen Kollegen mit einem Stuhl beworfen. Er
habe
den Kollegen fast verletzt (weint). Dafür schäme er sich sehr. Seither gehe es ihm schlecht.
Die Depression beschäftige ihn
und
manchmal sei er auch gereizt. Neulich habe er einen Teller und ein Glas vom Tisch gewischt. Er verliere die Hoffnung. Er habe inzwischen auch einige Freunde verloren. Erfreulicherweise habe sich der Kontakt zur Frau
und zu den Kindern verbessert. S
ie rufe manchmal an. Zweimal pro Woche bekomme er Besuch oder gehe
er
sie bes
uchen. Mit seinem Sohn
sei es auch schwierig. Er habe schon zwei Lehren abgebrochen und nach
einem Verkehrsunfall acht
Tage im künstli
chen Koma gelegen. Leider sei dann (
am
23.5.14) auch seine Mutter in Belgrad
ver
storben. Finanziell werde es im Januar eng
. Sein Krankentaggeld laufe aus, weshalb er
wohl bald aufs Sozialamt
müsse
. Darüber hinaus müsse er noch für zwei Kinder Unterhalt bezahlen.
Die aktuelle
Pharmakotherapie
bestehe aus
Risperidon
Helvepharm
(1mg 0-0-3),
Venlafaxin
Helvepharm
ret
. (300mg-O-O-
O
),
Temesta
exp
. 1mg in Reserve sowie
Amlodipin
10 und
Met
formin
(Urk. 17/40/2
f.).
Im Rahmen der Befundung notierte med.
pract
. D._, der Beschwerdeführer sei p
ünktlich und
mit dem eigenen Auto
alleine ein
getroffen. Er
sei
freundl
ich und bereitwillig im Kontakt und
spreche mit
normale
r
Stimmlautstärke. Weiter habe ein häufiger Blickkontakt sowie
ein
flüssiger und zusammenhängender Gedanken
gang
bestanden
,
ohne
A
nhalt für Sinnestäuschungen, I
ch
- oder
inhalt
liche Denkstörungen.
In a
ffektiv
er Hinsicht sei der Beschwerdeführer wenig schwingungsfähig, habe aber im Laufe des Gesprächs m
it
gelächelt
.
Seine
Mimik
sei gering, i
nsbesondere bei
der Darstellung seiner Leiden. Demgegen
über sei
bei Erörterungen
zu den
Veränderungen in der Stadt Belgra
d und des Namens Alexandar
Leben in
seine
Mimik
gekommen. Gestik und
Antrieb
seien unauffällig
.
Sodann habe der Beschwerdeführer prompt geantwortet
und mehrere
eigeninitiative
Gesprächsbeiträge
geleistet
.
Ausserdem sei er
über die gesamte Unters
uchungszeit (135 Minuten von 9-
11.15h)
a
ufmerksam und kon
zentriert
geblieben (Urk. 17/40/4 f.).
Med.
pract
. D._ hielt weiter fest, der Beschwerdeführer zeige
sich als eine eher zurückgez
ogene und scheue Persönlichkeit. Schulisch/beruflich sei sein Leben erfolgreich verlaufen. Demgegenüber habe er im
Privat
bereich
viel Unglück erlebt. Die
Ehe
sei
konfliktreich
gewesen. 2012 sei es zur Trennung gekommen. Der älteste Sohn sei
aus der Schweiz ausgewiesen
worden. Der Sohn habe
2012 einen schweren Verkehrsunfall
erlitten.
Ausserdem sei der Beschwerdeführer
2012 an einem operationsbedürftigen
Kauda
-Syndrom
erkrankt
, von dem er sich erfreulicherweise
wieder arbeitsfähig erholt habe. Eine kurze manische Phase im Jahre
2012
habe
ambulant therapiert werden
können
.
Anschliessend habe der Beschwerdeführer
weiterhin als Nachtwache bei
der
Y._ gearbeitet
.
Im Jahre 2013 habe er erneut manisch dekompensiert, woraufhin er schliesslich in die Psychiatrie eingewiesen worden sei.
Im Rück
blick besteh
e
kein Zweifel an der bipolaren affektiven Störung.
Dem Austritts
bericht der Psychiatrie sei
indes nichts P
athologisches mehr
zu entnehmen. Auch könne
dem
behandelnden
Psychiater nicht zugestimmt werden,
soweit er
eine mit
telgradige Depression festgestellt habe
.
So entspreche das vom Beschwerdeführer im Bericht von Dr. A._ vom 3. Juni 2014 geschilderte Funktionsniveau
keiner mittelgradigen Depression.
Die
ICD
Richtlinien
würden festlegen
, dass bei ei
ner mittelgradigen Depression „
die betroffene Person meist grosse Schwierigkeiten hat, alltägliche Aktivitäten fortzusetzen
“. Somit bestehe
mindestens seit dem 3. Juni 20
14 nur noch eine leichte Depression.
Im
Nach
hinein
sei denn auch
nicht ganz nachvollziehbar,
weshalb
die berufliche Rein
tegration nicht
gelu
ng
en sei
. In den
Akten
w
e
rd
e
mehrmals darauf hingewiesen, dass sich
d
er
Beschwerdeführer
für
sein manisches Auftreten geschämt
und
eine Kontaktaufnahme mit dem Ar
beitgeber grosse Ängste ausgelöst habe
.
So habe er denn auch ein
geplantes Arbeitgeber
gesprä
ch und andere Empfehlungen (ambulante
Ergotherapie)
abgelehnt
. Selbst der Empfehlung zu einer tagesklini
sch
en Behandlung habe der Beschwerde
führer keine Folge geleistet
. Aus versi
cherungspsychiatrischer Sicht
bestehe damit
eine Diskrepanz zum anson
sten guten Funktionsniveau, weshalb von einem
Vermeidungsverhalten
auszugehen sei. A
ngesichts der bipolaren affekti
ven Störung
sei
ein ungestörter und regel
mässiger Tag-Nacht-Rhythmus erfor
der
lich. Eine Tätigkeit als Nachtwache
sei daher
ungünstig.
Demgegenüber sei die Arbeit
im Behindertenheim
tagsüber
möglich.
Es empfehle
sich ein stufen
weiser Wiedereinstieg.
In seiner bisherigen Tätigkeit als Pflegefachmann sei der Beschwerdeführer seit Dezember 2013 bis längstens 3. Juni
2014
zu 100 %
arbeits
unfähig gewesen. S
either
bestehe aber eine
voll
e A
rbeitsfähig
keit (Urk. 17/40/6 f.)
.
3.5
In einer seitens des Beschwerdeführers erbetenen Stellungnahme vom 27. Juni 2016 hielt Dr. A._ an seiner medizinischen Beurteilung fest und führte ergänzend aus, entgegen dem Bericht des RAD vom 28. Dezember 2015 könne der Beschwerdeführer die sozialen und häuslichen Aktivitäten nur mit erhebli
chen Schwierigkeiten ausführen und man habe in der Therapie auch gezielt darauf hingearbeitet, dass er diese Tätigkeiten ausführe. Sodann sei es Ende Dezember 2014/anfangs Januar 2015 erneut zu einer kurzen Episode mit manischen und psychotischen Symptomen gekommen. Ausserdem sei der Beschwerdeführer am 3. Januar 2015 auf dem Eis ausgerutscht und habe sich dabei eine Radiusfraktur zugezogen. Diese Angaben würden in der Anamnese des RAD-Berichts fehlen. Ausserdem sei die Einschätzung des RAD-Arztes, wonach seit Juni 2014 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestehe, vor diesem Hin
tergrund schwer nachvollziehbar. Seit Februar 2015 sei keine
manisch-psycho
tische Symptomatik mehr aufgetreten, insofern habe sich der Zustand seither leicht stabilisiert. Allerdings sei die Ausprägung der depressiven Symptomatik im Verlauf schwankend gewesen. Insbesondere sei es im Mai 2015 zu einer Verschlechterung gekommen, anlässlich welcher der Beschwerdeführer mehrere Wochen nicht mehr zu den Terminen erschienen sei und die verordneten Medi
kamente selbständig abgesetzt habe. Aktuell werde eine stationäre Behandlung in der Psychiatrie Z._ sowie die Beantragung einer Beistandschaft diskutiert (Urk. 17/54/2).
4.
4.1
Die IV-Stelle stützte ihren ablehnenden Entscheid vom
22
.
September
2016 (Urk. 2 S. 2) auf
den
bidisziplinären
Untersuchungsbericht des RAD vom 28. Dezember 2015
ab.
4.2
Dr. C._ attestierte dem Beschwerdeführer – entgegen den anderslautenden Erwä
gungen in der angefochtenen Verfügung vom 22. September 2016 (vgl. Urk. 2 S. 2, E. 2.1) - aus rein orthopädischer Sicht seit Dezember 2013 durchgehend eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (vgl. Urk. 17/39/6). Entgegen der Ansicht von Dr. A._ (E. 3.5) berücksichtigte Dr. C._ die im Januar 2014 (allenfalls 2015) zugezogene Radiusfraktur und die anlässlich seiner Unter
su
chung geklagten Bewegungsschmerzen und partielle Bewegungsein
schränkung (Urk. 17/39/6). Dass nach Abschluss der postoperativen Phase der Bandschei
ben-Operation im Jahre 2012 auch angesichts der seither unverändert und gleichbleibenden Symptomatik keine Einschränkung für die bisherige Tätigkeit besteht, erscheint insbesondere dadurch schlüssig, dass der Beschwerdeführer diese Tätigkeit bis Dezember 2013 effektiv im Pensum von 90 % ausgeübt hatte und keine spezifischen Behandlungen oder Untersuchungen mehr anforderte (Urk. 17/39/2). Ob der Beschwerdeführer als Pfleger im Nachtdienst regelmässig Gewichte von über 25 kg Heben musste, weshalb diese Tätigkeit das von Dr. C._ als zumutbar umschriebene Belastungsprofil sprengen würde, kann indes aufgrund der nachfolgenden Erwägungen vorerst offengelassen werden.
4.3
4.3.1
In
psychiatrischer Hinsicht
ist
unbestritten und aufgrund der insoweit kongruen
ten Aktenlage ausgewiesen, dass der Beschwerdeführer an einer bipo
laren Störung leidet. Währenddem med.
pract
.
D._
eine bipolare Störung,
gegenwärtig
leichte depressive Episode
,
diagnostizierte,
postulierte
Dr. A._
ab Behandlungsbeginn (März 2014) zusätzlich eine
mittelgradig
e
depressive Episode
, wobei er in der Stellungnahme vom 27. Juni 2016 einen in der Symp
tomatik schwankenden Verlauf festhielt. Unverändert seit Behandlungs
beginn beurteilte er die Arbeitsunfähigkeit mit 100 %, wobei er anfänglich mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit rechnete (vgl. E. 3.1), wohingegen med.
pract
. D._ ab Juni 2014 ein vollzeitliches Pensum im bisherigen Beruf ohne Nachtwache als zumutbar einschätzte.
4.3.2
Aktenmässig ist ausgewiesen, dass der Beschwerdeführer nach einer ersten mani
schen Phase mit psychotischen Symptomen im Januar 2014 ein Jahr später (Januar 2015) erneut eine (kurze) Episode mit manischen und psychotischen Symptomen durchlitt, welche eine zweite stationäre Behandlung zur Folge hatte. Anschliessend soll - laut Stellungnahme Dr. A._ (E. 3.5) - zwar keine manisch-psychotische Symptomatik mehr aufgetreten sein, jedoch die Ausprä
gung der depressiven Symptomatik schwankend gewesen sein, insbesondere sich im Mai 2016 verschlechtert haben. Im Oktober 2016 erfolgte eine erneute Einweisung mittels FU und stationärer Behandlung. Diese Ein
weisung erfolgte nach Erlass der angefochtenen Verfügung und die nachträglich zu den Akten gegebenen Austrittsberichte der Psychiatrie Z._ vom 24. bzw. 28. November 2016 (Urk. 11, Urk. 13) betreffend die stationäre
Hopsitalisation
vom 13. bis 20. Oktober 2016 und vom 25. Oktober bis 17. November 2016 beziehen sich auf einen Sachver
halt, der sich nach Erlass der angefochtenen Verfügung ereignete. Dasselbe gilt für den Bericht der Psychiatrie Z._ vom 18. Juli 2017, wonach zum gegebenen Zeitpunkt eine schwere depressive Episode vorlag (Urk. 23). Indes bleiben sie insoweit beachtlich, als sie Rückschlüsse auf den zu beurteilenden massgeblichen Sach
verhalt zulassen (vgl. BGE 131 V 242 E. 2.1, 121 V 362 E. 1b).
4.3.3
Der RAD-Bericht vom 28. Dezember 2015 beruht auf fachärztlichen Unter
suchun
gen unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden, setzt sich - in Kenntnis der
Vorakten
- mit abweichenden medizinischen Einschätzungen aus
einander und ist in der Schlussfolgerung nachvollziehbar. Aufgrund des akten
kundigen fluktuierenden Verlaufs der bipolaren Störung bestehen jedoch Zwei
fel, ob die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aufgrund der Befunde vom 17. Dezember 2015 (Untersuchungszeitpunkt) der medizinisch zumutbaren Leistungs
fähigkeit über einen längeren Zeitraum, jedenfalls bis zur ange
fochte
nen Verfügung (22. September 2016) entspricht.
Die unterschiedliche Wertung der depressiven Episode (leicht respektive mittelgradig) lässt sich hier
nicht nur
aus der Verschiedenheit von Behandlungsauftrag einerseits und Unter
suchung
s
auftrag andererseits erklären
, sondern ist vor dem Hintergrund einer bipolaren Störung mit schwankendem Verlauf zu sehen, welche nach Auskunft des behandelnden Arztes
(vgl.
Urk.
17/28)
ausserdem infolge somatischer Faktoren (chronische Virushepatitis C) schwer zu behandeln sei und deren Einfluss auf die Antriebslosigkeit und Müdigkeit nicht feststeht. Hierzu nahm med.
prac
t
.
D._
nicht Stellung
.
Ferner bleibt festzuhalten, dass sich der Beschwerde
führer seit Anfang 2014 einer fachärztlichen Behandlung unterzogen hat und keine medizinischen Angaben darüber vorliegen, dass die Behandlungsmög
lichkeiten nicht ausgeschöpft wären. Wenn med.
pract
. D._ aufgrund ablehnender Haltung des Beschwerdeführers in Bezug auf Eingliederung und tagesklinischer Behandlung darlegt, es bestehe eher ein Vermeidungsverhalten (E. 3.4 in
fine
), so wäre angesichts der bipolaren Störung eine medizinische Stellungnahme des Krankheitseinflusses zu den diesbezüglichen Verhaltens
weisen zu erwarten gewesen. Ob hinsichtlich der depressiven Episoden in Zusammenhang mit der bipolaren Störung die erhebliche und dauerhafte Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit und damit der
rechtserhebliche Gesundheits
schaden zu verneinen ist (vgl. Urk. 2 S. 2), kann demzufolge nicht beurteilt werden. Soweit der Beschwerdeführer die zumutbaren therapeutischen Möglich
keiten nicht ausschöpfen würde, müssten ausserdem die Vorschriften von Art. 21 Abs. 4 ATSG beachtet werden.
4.4
Nach dem Gesagten kann daher nicht auf den Untersuchungsbericht von med.
pract
. D._ abgestellt werden (vgl. E. 1.6). Andererseits vermögen auch der Bericht von Dr. A._ vom 3. Juni 2014 - angesichts der damals ausgeübten Freizeitaktivitäten, der erhobenen Befunde und grundsätzlich guten Prognose - sowie die Stellungnahme vom 27. Juni 2016 (E. 3.5), worin keine objektiven Befunde wiedergegeben werden, nicht als Entscheidungsgrundlage zu überzeu
gen. Demzufolge sind weitere medizinische Abklärungen zur Arbeits- und Leistungsfähigkeit seit Januar 2014 sowie zum Verlauf notwendig. Hierbei ist festzuhalten, dass nebst der psychiatrischen Beurteilung je nach fachärztlicher Einschätzung allenfalls somatische Abklärungen (orthopädisch/rheumatologisch vgl. E. 4.2; vgl. auch der allfällige Einfluss der viralen Hepatitis, Urk. 17/28/5) angezeigt sind. Je nach Ausgang der medizinischen Abklärungen ist nicht aus
zuschliessen, dass weitere beruflich/erwerbliche Ergänzungen notwendig wer
den: arbeitete der Beschwerdeführer doch zuletzt in einem Teilzeitpensum, wobei nicht bekannt ist, aus welchen Gründen und welches Pensum der Beschwerdeführer ohne Gesundheitsschaden (mit oder ohne Nachtdienste) ausü
ben würde.
Angesichts des möglichen umfassenderen Abklärungsbedarfs rechtfertigt
sich
ent
gegen dem Beschwerdeantrag - eine Rückweisung (E. 1.7).
5.
Zusammenfassend ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, als die Verfü
gung vom 22. September 2016 aufzuheben und die Sache an die Sozialversi
cherungsanstalt das Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückzuweisen ist, damit diese nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers neu verfüge.
6.
6.1
Die Kos
ten des Verfahrens sind auf Fr. 1‘000
.-- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat, die dem zum unentgeltlichen Rechtsbeistand ernannten Rechtsanwalt, Kurt Pfau, auszuzahlen ist.
In Anwendung von § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) in Verbin
dung mit § 7f. der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebVSVGer
) ist die Prozessentschädigung ermessensweise auf Fr. 3‘000.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen und ausgangsgemäss der unterliegenden Beschwerde
gegnerin aufzuerlegen.