Decision ID: 333c9331-983b-4e45-8689-de44e7e360e3
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VB
Chamber: SG_VB_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A.
Am 8. Juni 2020 auferlegte das Amt für Wasser und Energie (AWE)
der A._ AG im Zusammenhang mit einem Schadenfall mit wasser-
gefährdenden Flüssigkeiten vom 31. März 2020 an der C._-strasse
in Z._ eine Gebühr für den Einsatz des Schadendiensts in der Höhe
von Fr. 2'995.–. Die Havarie bestand darin, dass beim Befüllen eines
Heizöltanks durch einen Chauffeur der A._ AG 1200 Liter Heizöl
ausliefen.
B.
a) Gegen diese Kostenverfügung erhob die A._ AG, vertreten
durch lic.iur. Beat Eberle, Rechtsanwalt, Bad Ragaz, mit Schreiben
vom 22. Juni 2020 Rekurs beim Baudepartement. Es werden folgende
Anträge gestellt:
1. Die Kostenverfügung sei aufzuheben.
2. Eventualiter seien die Kosten zwischen den Störern aufzuteilen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Rekursgegnerschaft.
b) Mit verfahrensleitender Anordnung vom 25. Juni 2020 setzte
das Baudepartement der Rekurrentin unter der Angabe der
Säumnisfolgen für die Leistung des Kostenvorschusses von
Fr. 1'500.– eine Frist bis 6. Juli 2020.
c) Da der Kostenvorschuss am 13. Juli 2020 der Staatsbuchhal-
tung noch nicht gutgeschrieben worden war, erkundigte sich der
Verfahrensleiter gleichentags telefonisch beim Rechtsvertreter der Re-
kurrentin nach der Bezahlung des Vorschusses. Der Kostenvorschuss
ging sodann am 14. Juli 2020 bei der Staatsbuchhaltung ein. Mit
Schreiben vom 16. Juli 2020 gab das Baudepartement der Rekurrentin
Gelegenheit, sich zur Klärung der Sachlage zu äussern bzw. einen
Nachweis für die rechtzeitige Bareinzahlung oder Kontobelastung
einzureichen. Dabei machte es die Rekurrentin auf die Möglichkeit
aufmerksam, den Rekurs schriftlich zurückzuziehen oder ein Gesuch
um Wiederherstellung der Zahlungsfrist zu stellen.
d) Die Rekurrentin lässt mit Schreiben vom 17. Juli 2020 mitteilen,
dass die Rechnung am 29. Juni 2020 zwar via E-Banking bezahlt, die
entsprechende Zahlung aber nicht ausgelöst worden sei. Die Zahlung
sei entweder untergegangen, weil wegen der Covid-19-Krise
verschiedene Bankangestellte im Homeofice arbeiten würden, oder
die Zahlung sei auf Grund einer Zeitüberschreitung abgebrochen und
deshalb nicht ausgelöst worden. Falls diese Erklärung nicht als
Nachweis für die rechtzeitige Leistung des Kostenvorschusses genü-
gen sollte, werde der Antrag um Wiederherstellung der Frist zur
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 90/2020), Seite 3/7
Leistung des Kostenvorschusses gestellt. Subeventualiter werde um
Einholung der Zustimmung der Rekursgegnerschaft gebeten.
e) Das Baudepartement gab der Vorinstanz und den Grundeigen-
tümern mit Schreiben vom 20. Juli 2020 Gelegenheit, sich zum
Gesuch um Wiederherstellung der Frist im Sinn von Art. 53 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1; abgekürzt
VRP) vernehmen zu lassen.
f) Der Rechtsdienst des Amtes für Umwelt (AFU) nimmt am
29. Juli 2020 für die Vorinstanz zum Wiederherstellungsgesuch Stel-
lung und führt dabei aus, dass das Verschulden des Rechtsvertreters
bei der nicht fristgerechten Bezahlung schwer wiege, weshalb eine
Wiederherstellung grundsätzlich nicht in Frage komme. Sodann er-
scheine die Kostenauflage an die Rekurrentin nach einer summari-
schen Prüfung richtig. Dementsprechend sei eine Wiederherstellung
der verpassten Frist auch aus verfahrensökonomischer Sicht nicht op-
portun, weshalb keine Zustimmung erteilt werde.
g) B._ nehmen innert erstreckter Frist am 21. August 2020, ver-
treten durch MLaw Marcel Strehler, Rechtsanwalt, Frauenfeld, Stel-
lung. Sie bestreiten sowohl, dass die Rekurrentin den Nachweis für die
Rechtzeitigkeit des zwischenzeitlich geleisteten Kostenvorschusses
erbracht habe, wie auch, dass für das Säumnis ein bloss leichtes Ver-
schulden vorliege. Einer Wiederherstellung der Frist würden sie aus-
drücklich nicht zustimmen.
h) Mit Schreiben vom 24. August 2020 kündigt der zuständige
Sachbearbeiter den Rekursentscheid an (richtig: Entscheid über das
Gesuch um Wiederherstellung der Frist). Auf telefonische Nachfrage
vom 15. September 2020 bestätigt der Rechtsvertreter, dass die
Rekurrentin einen anfechtbaren Entscheid bezüglich des Gesuchs um
Wiederherstellung der Frist wünsche.
C.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten in den vor-

genannten Eingaben wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
1.
1.1 Die Zuständigkeit des Baudepartementes zur Behandlung des
vorliegenden Gesuchs um Wiederherstellung der Frist ergibt sich aus
Art. 148 Abs. 1 der schweizerischen Zivilprozessordnung (SR 272;
abgekürzt ZPO) in Verbindung mit Art. 43bis Abs. 1 Bst. a VRP.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 90/2020), Seite 4/7
1.2 Vorliegend ist unbestritten, dass der Kostenvorschuss nicht
innert Frist bis am 6. Juli 2020 geleistet worden ist. Die Zahlung
erfolgte am 14. Juli 2020, das heisst um über eine Woche verspätet.
1.2.1 Ein Gesuch um Wiederherstellung einer Frist ist nach Art. 30
Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 148 Abs. 2 ZPO innert zehn Tagen
seit Wegfall des Säumnisgrundes einzureichen. Liegt kein eigentliches
Hindernis vor (zum Beispiel verzögerte Auslösung einer Zahlung,
verspätete Eingabe), beginnt der Fristenlauf mit der Gewissheit über
die Säumnis bzw. bereits dann, wenn die betroffene Partei bzw. deren
Vertretung von der Säumnis hätte Kenntnis haben müssen (U.P.
CAVELTI, in: Rizvi/Schindler/Cavelti, Praxiskommentar zum Gesetz
über die Verwaltungsrechtspflege (VRP), Zürich/St.Gallen 2020,
Art. 30 - 30bis N 182 mit Hinweis).
1.2.2 Wie mit der Aufforderung zum Kostenvorschuss mitgeteilt, gilt
die Frist nur dann als eingehalten, wenn der Kostenvorschuss bis am
letzten Tag der Frist dem Bankkonto in der Schweiz belastet worden
ist. Wer eine Zahlung in einem Rechtsmittelverfahren per E-Banking
erledigen will, muss folglich die Annahmeschlusszeiten für den
Überweisungsauftrag berücksichtigen. Bei der UBS ist für eine
Inlandüberweisung 16 Uhr Annahmeschluss (www.ubs.com/ch/de/
private/accounts-andcards/accounts/payments.html). Mithin hätte
spätestens am 6. Juli 2020 kontrolliert werden müssen, ob die Zahlung
rechtzeitig ausgelöst worden ist. Das Gesuch um Wiederherstellung
datiert vom 17. Juli 2020, mithin elf Tage später, womit das
Wiederherstellungsgesuch verspätet ist, weshalb auf das Gesuch
nicht einzutreten ist.
2.
Nachfolgend ist zu zeigen, dass die Frist auch nicht wiederhergestellt
werden könnte, selbst wenn auf das Gesuch eingetreten werden
könnte:
2.1 Gemäss Art. 30ter Abs. 1 VRP kann die Wiederherstellung einer
Frist angeordnet werden, wenn der Verfahrensgegner zustimmt. Die
Vorinstanz wie auch die betroffenen Grundeigentümer haben ihre
Zustimmung ausdrücklich verweigert und die Abweisung des Gesuchs
um Wiederherstellung der Frist beantragt.
2.2 Nach Art. 30ter Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 148 Abs. 1
ZPO kann die Rekursinstanz auf Gesuch einer säumigen Partei eine
Nachfrist gewähren, wenn die Partei glaubhaft macht, dass sie kein
oder nur ein leichtes Verschulden trifft.
2.2.1 Die Wiederherstellung dient dazu, die Prozessnachteile aus un-
verschuldet versäumter Prozesshandlung zu beheben. Damit die an-
gesetzten Fristen ihre Wirkung entfalten können und die Rechtssicher-
heit nicht in Frage gestellt wird, müssen Gesuche um Wiederherstel-
lung der Frist nach strengen Kriterien beurteilt werden. (VerwGE
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 90/2020), Seite 5/7
B 2014/40 vom 14. Mai 2014 Erw. 2.2.1 mit Hinweisen; CAVELTI,
a.a.O., Art. 30 - 30bis N 177 mit Hinweisen).
2.2.2 Unter einem unverschuldeten Hindernis als Säumnisursache
versteht die Praxis einen Umstand, den der Säumige nicht zu vertreten
hat. Gemeint sind objektive und subjektive Unmöglichkeiten der
Fristeinhaltung. Darunter fallen insbesondere eine plötzliche, schwere
Erkrankung des Betroffenen, pflichtwidriges Verhalten der Post, Ein-
reiseschwierigkeiten, Epidemien oder Katastrophenfälle. Solche
Voraussetzungen sind in der Praxis selten der Grund für eine Ver-
spätung, weshalb dieser Bestimmung wenig praktische Bedeutung zu-
kommt. Die Behauptung, die Säumnis der Frist sei unverschuldet
erfolgt, kann denn auch vorliegend nicht geteilt werden, auch wenn
wegen der Covid-19 Situation wohl zahlreiche Mitarbeiter im Home-
Office gearbeitet haben. Die Rekurrentin jedenfalls macht nicht
glaubhaft, dass der weitgehend automatisierte Zahlungsvorgang via
E-Banking deshalb unvorhersehbar nicht funktioniert haben sollte (vgl.
dazu CAVELTI, a.a.O., Art. 30 – 30bis N 180 mit Hinweisen). Somit
könnte die Frist einzig aufgrund eines leichten Verschulden
wiederherstellt werden.
2.2.3 In der Praxis wird ein leichtes Verschulden mit Blick auf den wei-
ten Ermessensspielraum, den die Bestimmung einräumt, nur mit Zu-
rückhaltung angenommen. Insbesondere bei einer Rechtsvertretung
wird ein strenger Massstab angelegt. Leichtes Verschulden wird
regelmässig verneint bei Umständen, die dem Betroffenen als
erhebliche Nachlässigkeit zugerechnet werden müssen, zum Beispiel,
wenn er vergisst, die vorbereitete Eingabe der Post zum Versand zu
übergeben, den Klienten nicht instruiert, wenn er ihm die Aufforderung
zur Leistung eines Kostenvorschusses übergibt oder wenn er wegen
grossen Arbeitsanfalls die Fristenkontrolle vernachlässigt. Beim
berufsmässigen Rechtsvertreter wird ein strengerer Massstab
angelegt als bei einem nicht oder nicht rechtskundig vertretenen
Beteiligten. Der berufsmässige Rechtsvertreter hat seinen Betrieb so
zu organisieren, dass Fristen auch in seiner Abwesenheit gewahrt
werden (BGE 99 II 352). Ein leichtes Verschulden liegt mithin nur vor,
wenn die verletzte Sorgfaltspflicht unter den gegebenen Umständen
als geringfügig erscheint und nur von einer überdurschnittlich
sorgfältigen Person beachtet worden wäre. Handelt die betreffende
Partei durch einen Vertreter, so hat sich diese das Handeln desselben
anrechnen zu lassen. Das Gleiche gilt auch für das Handeln von
Hilfspersonen, wobei der Kreis weit gezogen wird und nicht nur
weisungsgebundene Personen des Beteiligten oder dessen Vertreter
meint, sondern auch Erfüllungsgehilfen wie Banken, Kanzleipersonal
usw., wenn kein ständiges Rechtsverhältnis besteht (CAVELTI, a.a.O.,
Art. 30 - 30bis N 178 mit Hinweisen).
2.2.4 Die Rekurrentin lässt vorbringen, dass die "Buchhaltung" ihres
Rechtsvertreters die Rechnung am 29. Juni 2020 als bezahlt verbucht
und abgelegt habe. Dabei habe sie nicht kontrolliert, ob die Zahlung
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 90/2020), Seite 6/7
auch tatsächlich abgebucht worden sei. Mithin bestreitet die Rekurren-
tin nicht, dass der Fehler bei ihr bzw. ihrem Rechtsvertreter, dessen
Kanzleimitarbeiterin oder dessen Bank passiert sei. Folglich spielt es
keine Rolle, ob die Zahlung wegen einer Zeitüberschreitung bei der
Zahlung, die zum Abbruch statt zur Ausführung der Transaktion ge-
führt haben könnte, nicht ausgelöst worden ist oder weil bankintern
etwas schiefgelaufen ist. Für Letzteres fehlen ohnehin jegliche Hin-
weise, von deren überwiegender Wahrscheinlichkeit die Rekurs-
instanz aber ausgehen können müsste (CAVELTI, a.a.O., Art. 30 – 30bis
N 180). Bei der Verwendung von E-Banking gehört es im Gegenteil
zur elementaren Sorgfaltspflicht eines professionellen Rechtsvertre-
ters, dass er die Rechtzeitigkeit der Bezahlung eines Kostenvorschus-
ses prüft. Das Verschulden des Vertreters der Rekurrentin erscheint
unter diesen Umständen nicht mehr als leicht im Sinn von Art. 148 Abs.
1 ZPO. Das Gesuch um Wiederherstellung wäre daher auch
abzuweisen, wenn darauf eingetreten werden könnte.
3.
Zusammenfassend hat die Rekurrentin das Gesuch um Wiederher-
stellung der Frist verspätet gestellt, weshalb darauf nicht einzutreten
ist. Sodann können die vorgebrachten Säumnisgründe auch nicht als
unverschuldet bezeichnet werden. Die Nichteinhaltung der Frist für
den Kostenvorschuss stellt vielmehr eine Nachlässigkeit dar, die nicht
mehr als leichtes Verschulden qualifiziert werden kann. Darüber
hinaus stimmen die Verfahrensgegner der Wiederherstellung der Frist
ausdrücklich nicht zu. Das Gesuch wäre somit auch abzuweisen,
sofern darauf einzutreten wäre. Da die Frist zur Zahlung des
Kostenvorschusses nicht eingehalten ist, ist auf den Rekurs vom
22. Juni 2020 nicht einzutreten.
4.
4.1 Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die
Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. Die Entscheidgebühr beträgt Fr. 1'500.– (Nr. 20.13.01 des
Gebührentarifs für die Kantons- und Gemeindeverwaltung,
sGS 821.5). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die
amtlichen Kosten von der Rekurrentin zu bezahlen.
4.2 Der von der D._ am 14. Juli 2020 geleistete Kostenvorschuss
von Fr. 1'500.– ist zu verrechnen.
5.
Die Rekurrentin stellt ein Begehren um Ersatz der ausseramtlichen
Kosten.
5.1 Im Rekursverfahren werden ausseramtliche Kosten auf Antrag
entschädigt, soweit sie auf Grund der Sach- und Rechtslage notwen-
dig und angemessen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die ausseramt-
liche Entschädigung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen
und Unterliegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Vorschriften der
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 90/2020), Seite 7/7
Schweizerischen Zivilprozessordnung finden sachgemäss Anwen-
dung (Art. 98ter VRP).
5.2 Da die Rekurrentin mit ihren Anträgen unterliegt, hat sie von vorn-
herein keinen Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung. Ihr
Begehren ist deshalb abzuweisen.