Decision ID: 450d06ce-28b4-5972-b53e-5b507b8dd7b8
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 12.03.2012 Art. 17 Abs. 3 lit. a und Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG. Nichtantritt eines Einsatzprogramms. Einstellung in der Anspruchsberechtigung von 25 Tagen bestätigt (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 12. März 2012, AVI 2011/48).Präsidentin Lisbeth Mattle Frei, Versicherungsrichterin Marie Löhrer, a.o. Versicherungsrichter Christian Zingg; Gerichtsschreiber Philipp GeertsenEntscheid vom 12. März 2012in SachenA._,Beschwerdeführer,gegenRAV Oberuzwil, Wiesentalstrasse 22, Postfach, 9242 Oberuzwil,Beschwerdegegner,vertreten durch Amt für Arbeit, Unterstrasse 22, 9001 St. Gallen,betreffendEinstellung in der Anspruchsberechtigung (arbeitsmarktliche Massnahme)Sachverhalt:
A.
A.a A._ erhob im Antrag vom 12. Januar 2011 per 28. Februar 2011 Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung (act. G 3/A4). Der Versicherte wurde am 13. April 2011 vom
Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) Oberuzwil zu einem Abklärungsgespräch
betreffend Einsatzprogramm eingeladen (act. G 3/A39). Anlässlich des - in Bezug auf
die Verständigung schwierigen - Beratungsgesprächs teilte der Versicherte mit, dass er
einen Schreib- oder Hubstaplerkurs besuchen wolle. Der Versicherte zeigte Interesse
an einem Einsatzprogramm im B._, bei dem der RAV-Berater in Aussicht stellte, mit
einem Hubstapler arbeiten zu können. Als Vorstellungstermin im Einsatzprogramm
wurde der 26. April 2011 vereinbart (act. G 3/A41).
A.b Am 22. April 2011 teilte der Versicherte dem RAV Oberuzwil sinngemäss mit, er
benötige unbedingt einen Deutschkurs. Sollte er im Einsatzprogramm keinen
Hubstapler bedienen können, so wäre er nicht "gern dort". Er würde dann besser einen
Deutschkurs besuchen (act. G 3/A43). Der Versicherte berichtete dem RAV am 26. April
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2011 per E-Mail, dass er mit dem Chef des B._ gesprochen habe. Dieser habe ihm
erklärt, dass er ihn mangels entsprechenden Führerausweises den Hubstapler nicht
bedienen lassen könne. Deshalb würde er im B._ nicht gerne arbeiten. Er möchte
lieber einen Deutschkurs und danach einen Kurs für die Bedienung von Hubstaplern
besuchen (act. G 3/A46). Das RAV Oberuzwil antwortete dem Versicherten
gleichentags, dass die Teilnahme am vorgesehenen Einsatzprogramm u.a. der
Abklärung der Vermittlungsfähigkeit diene. Die Teilnahme sei verbindlich. Es sei
deshalb nicht möglich, das Einsatzprogramm zu verschieben, oder am vereinbarten
Programm gar nicht teilzunehmen. Der Versicherte wurde aufgefordert, umgehend das
Einsatzprogramm im B._ anzutreten. Bei positiver Entwicklung seiner Arbeit und
seines Einsatzes sei das RAV Oberuzwil gerne bereit, den Besuch eines Deutschkurses
noch einmal zu besprechen (act. G 3/A46). Der Versicherte ersuchte am Abend des
26. April 2011 erneut per E-Mail um ein anderes Einsatzprogramm. Das RAV Oberuzwil
erwiderte am 27. April 2011 dem Versicherten, dass seine Deutschkenntnisse für eine
Bewerbung ausreichend seien. Ein Gesuch zu einem ergänzenden Deutschkurs werde
mit der Unterstützung einer Programmleitung die besseren Chancen haben. Da er
seine letzte Anstellung selbst aufgegeben habe, werde mit der Anweisung zum
Einsatzprogramm primär seine Vermittlungsfähigkeit überprüft. Das RAV Oberuzwil
erwarte, dass er das Einsatzprogramm wie besprochen am 2. April 2011 (richtig wohl:
3. Mai 2011) aufnehme (act. G 3/A45). In der Anweisung vom 27. April 2011 wurde der
Versicherte aufgefordert, am vom 3. Mai bis 31. Dezember 2011 dauernden
Einsatzprogramm teilzunehmen (act. G 3/A47).
A.c Der Versicherte orientierte das RAV Oberuzwil am 29. April 2011, dass er durch
die Vermittlung eines Temporärbüros eine Arbeitsgelegenheit erhalten habe. Er wisse
noch nicht, wie lange der Einsatz dauern werde. Er wisse nur, dass er am 2. Mai 2011
arbeiten werde. Das RAV Oberuzwil teilte dem Versicherten am 2. Mai 2011 mit, dass
das verfügte Einsatzprogramm für den Moment storniert werde. Es könne aber
anschliessend angetreten werden (act. G 3/A52).
A.d Am 4. Mai 2011 wurde der Versicherte informiert, dass am 6. Mai 2011 ein
Deutsch
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Einstufungstest stattfinden werde (act. G 3/A53). Der Versicherte wurde am 5. Mai
2011 wegen unentschuldigter Abwesenheit vom Einsatzprogramm verwarnt. Aus dem
Ein-satzvertrag ergebe sich lediglich ein temporärer Einsatz von 6 Stunden am 2. Mai
2011. Gemäss Rückmeldung des Temporärbüros sei zurzeit kein weiterer Einsatz
vorgesehen. Bis zum Erhalt der schriftlichen Deutschkursverfügung müsse der
Versicherte die Arbeit im Einsatzprogramm im B._ spätestens bis am 9. Mai 2011
aufnehmen (act. G 3/A55). Der Versicherte erwiderte am 6. Mai 2011 sinngemäss, dass
er einen Deutsch- und einen Hubstaplerkurs benötige. Sollte er danach keine Arbeit
finden, so wäre er bereit, an einem Einsatzprogramm - aber nicht im B._ -
teilzunehmen (act. G 3/A57).
A.e Das RAV Oberuzwil orientierte den Versicherten am 12. Mai 2011, dass die
andauernde unentschuldigte Abwesenheit vom Einsatzprogramm (vgl. hierzu act. G 3/
B46) als Programmabbruch gewertet und eine entsprechende Meldung an den
Rechtsdienst gemacht werde (act. G 3/A60). Wegen Nichtantritts eines
Einsatzprogramms stellte das RAV Oberuzwil den Versicherten in der Verfügung vom
31. Mai 2011 für 25 Tage in der Anspruchsberechtigung ein (act. G 3/A64).
A.f Am 1. Juni 2011 wurde der Versicherte angewiesen, an einem vom 14. Juni bis
9. September 2011 dauernden Deutschkurs teilzunehmen (act. G 3/A67).
A.g Gegen die Einstellung vom 31. Mai 2011 erhob der Versicherte am 9. Juni 2011
Einsprache (act. G 3/B56). In der Einsprachebegründung vom 17. Juni 2011 brachte er
vor, dass er entgegen anderslautenden Abmachungen nicht habe Deutsch oder die
Bedienung eines Hubstaplers lernen können. Er habe sich deshalb missverstanden
gefühlt. Weiter müsse entlastend berücksichtigt werden, dass er am 2. Mai einen
Zwischenverdienst erzielt habe und bei Antritt dieses Einsatzes nicht gewusst habe, für
wie lange er dort gebraucht werde. Sein Verschulden sei daher als leicht zu taxieren
und er sei höchstens für 10 Tage in der Anspruchsberechtigung einzustellen (act. G 3/
A75).
A.h Die Einsprache wurde am 24. Juni 2011 abgewiesen (Einspracheentscheid vom
24. Juni 2011, act. G 3/A76).
B.
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B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 24. Juni 2011 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 9. Juli 2011. Der Beschwerdeführer beantragt darin sinngemäss
dessen Aufhebung. Er bringt vor, er wisse nicht, was ein Einsatzprogramm sei. Ferner
sei ihm vom Beschwerdegegner ein Hubstaplerkurs im B._ in Aussicht gestellt
worden. Er habe dem Einsatzprogramm im B._ mit Blick auf den Hubstaplerkurs
zugestimmt. Die Bedienung eines Hubstaplers wäre ihm aber im Rahmen des
angeordneten Einsatzprogramms nicht möglich gewesen. Er habe versucht diese
Angelegenheit mit dem Personalberater zu besprechen. Dieser sei hierfür aber nicht
bereit gewesen (act. G 1).
B.b Der Beschwerdegegner beantragt in der Beschwerdeantwort vom 31. August
2011 die Beschwerdeabweisung. Zur Begründung verweist er auf den angefochtenen
Einspracheentscheid (act. G 3).

Erwägungen:
1. Zu beurteilen ist die Frage, ob der Beschwerdeführer zu Recht wegen
Nichtantritts eines Einsatzprogramms für 25 Tage in der Anspruchsberechtigung
eingestellt wurde.
1.1 Gemäss Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) ist der
Versicherte, der Versicherungsleistungen beanspruchen will, verpflichtet, mit
Unterstützung des zuständigen Arbeitsamts alles Zumutbare zu unternehmen, um die
Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen (Schadenminderungspflicht). In
Konkretisierung dieser Pflicht bestimmt Art. 17 Abs. 3 lit. a AVIG, dass der Versicherte
auf Weisung des zuständigen Arbeitsamtes an arbeitsmarktlichen Massnahmen, die
seine Vermittlungsfähigkeit fördern, teilzunehmen hat. Zu den arbeitsmarktlichen
Massnahmen (Art. 59 ff. AVIG) gehören namentlich vorübergehende Beschäftigungen
im Rahmen von Programmen öffentlicher oder privater, nicht gewinnorientierter
Institutionen (Art. 64a Abs. 1 lit. a erster Teilsatz AVIG). Befolgt der Versicherte die
Kontrollvorschriften oder Weisungen des Arbeitsamtes nicht, namentlich indem er eine
arbeitsmarktliche Massnahme ohne entschuldbaren Grund nicht antritt, abbricht oder
deren Durchführung oder Zweck durch sein Verhalten beeinträchtigt oder
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verunmöglicht, so ist er gestützt auf Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG in der
Anspruchsberechtigung einzustellen.
1.2 Der Beschwerdeführer wurde am 27. April 2011 verbindlich angewiesen, vom
3. Mai bis 31. Dezember 2011 an einem Einsatzprogramm (Programm zur
vorübergehenden Beschäftigung) im B._ teilzunehmen. Nachdem der Besuch dieser
Massnahme aufgrund eines über ein Temporärbüro vermittelten Arbeitseinsatzes "für
den Moment storniert" wurde (act. G 3/A52), machte der Beschwerdegegner den
Beschwerdeführer darauf aufmerksam, dass er nach seinem eintägigen Arbeitseinsatz
vom 2. Mai 2011 am Einsatzprogramm teilnehmen müsse (Verwarnung vom 5. Mai
2011, act. G 3/A55). Es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer daraufhin nicht am
Einsatzprogramm teilnahm. Zu prüfen ist, ob er einen entschuldbaren Grund für den
Nichtantritt des Einsatzprogrammes benennen kann.
1.3 Der Beschwerdeführer nahm den Vorstellungstermin im B._ am 26. April 2011
wahr. Dabei stellte sich heraus, dass der Beschwerdeführer mangels Führerscheins
nicht berechtigt war, den Hubstapler zu bedienen. Einen anderen Arbeitsplatz im B._
lehnte der Beschwerdeführer ab (E-Mail vom 26. April 2011, act. G 3/A46). Bei der
Auswahl des zu beurteilenden Einsatzprogramms fiel die Bedienung eines Hubstaplers
ins Gewicht (act. G 3/A41 und E-Mail vom 27. April 2011, act. G 3/A45). Es ist daher
verständlich, dass der Beschwerdeführer anlässlich des Vorstellungstermins vom
26. April 2011 enttäuscht darüber war, dass er im Rahmen des Einsatzprogramms
nicht mit einem Hubstapler hätte arbeiten können und mit dem RAV-Berater über eine
andere Kursmöglichkeit sprechen wollte. Zu beachten gilt indessen, dass der
Beschwerdegegner dem Beschwerdeführer noch gleichentags mitteilte, dass das
Einsatzprogramm auch der Prüfung der Vermittlungsfähigkeit diene und allein schon
deshalb daran festgehalten werde bzw. die Teilnahme verbindlich bleibe. Zudem stellte
er dem Beschwerdeführer den Besuch eines Deutschkurses bei positiv verlaufendem
Einsatz in Aussicht (act. G 3/A46). Ins Gewicht fällt aber auch, dass der
Beschwerdegegner den Beschwerdeführer darauf hinwies, dass bei einem guten
Arbeitseinsatz im Einsatzprogramm die Möglichkeit bestehe, mit der Unterstützung der
Programmleitung ein aussichtsreicheres Gesuch für einen Hubstaplerkurs einreichen zu
können (E-Mail vom 27. April 2011, act. G 3/A45). Dem Beschwerdeführer hätte daher
bewusst sein müssen, dass das Nichtbedienen des Hubstaplers keinen
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Entschuldigungsgrund für einen Nichtantritt des Einsatzprogramms darzustellen
vermochte. Gleiches gilt für das Bestreben des Beschwerdeführers, primär einen
Deutschkurs besuchen zu wollen. Denn es ist vorliegend nicht ersichtlich, inwiefern
seine unbestrittenermassen bescheidenen, aber dennoch vorhandenen mündlichen
Deutschkenntnisse (act. G 3/A44 und G 3/B12) einer Tätigkeit im B._
entgegengestanden wären, mithin einen Entschuldigungsgrund begründen würden. Der
Beschwerdeführer macht auch nichts Entsprechendes geltend. Vielmehr erachtet er
einen Deutschkurs im Zusammenhang mit seinen Anstellungschancen für sinnvoll (vgl.
etwa act. G 3/A57). Hinzu kommt, dass er über die Tragweite eines unentschuldigten
Nichtantritts spätestens nach der Verwarnung vom 5. Mai 2011 - die nach beendetem
Temporäreinsatz vom 2. Mai 2011 erfolgte - aufgeklärt war. Vor diesem Hintergrund
besteht kein Entschuldigungsgrund für die Nichtteilnahme am Einsatzprogramm.
2.
Zu beurteilen bleibt damit die Rechtmässigkeit der verfügten Einstelldauer.
2.1 Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Versschuldens
(Art. 30 Abs. 3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30 Tage bei
mittelschwerem und 31 bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 2 der
Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung [AVIV; SR 837.02]).
2.2 Der Beschwerdegegner hat auf ein mittelschweres Verschulden im oberen
Bereich erkannt und den Beschwerdeführer für 25 Tage in der Anspruchsberechtigung
eingestellt. Der Beschwerdegegner hat sich bei der Bemessung ausdrücklich am - für
das Gericht grundsätzlich nicht verbindlichen - Einstellraster des Staatssekretariats für
Wirtschaft (publiziert im Kreisschreiben über die Arbeitslosenentschädigung [KS-ALE]
vom Januar 2007, D72) orientiert, der für den erstmaligen Nichtantritt eines
Einsatzprogramms einen Sanktionsrahmen von 21 bis 25 Tagen vorsieht. Die
beschwerdegegnerische Verschuldenszumessung liegt am obersten Rand des
angemessenen Sanktionsrahmens. Es bestehen bei allem Verständnis für die Situation
des Beschwerdeführers indessen keine Gründe, die ein Eingreifen in das
beschwerdegegnerische Ermessen rechtfertigen würden.
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3.
3.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
3.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP