Decision ID: 6d808e5b-ba05-41b9-91c2-f24a0a400ab8
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache Nötigung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich (9. Abteilung) vom 20. Juni 2012 (DG110287)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 21. Sep-
tember 2011 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 21).
Urteil der Vorinstanz:
1. Die Beschuldigte ist schuldig der mehrfachen Nötigung im Sinne von
Art. 181 StGB zum Nachteil des Privatklägers B._.
2. Die Beschuldigte wird vom Vorwurf der Nötigung im Sinne von
Art. 181 StGB zum Nachteil der Privatklägerinnen C._, D._ und
E._ freigesprochen.
3. Die Beschuldigte wird bestraft mit 12 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 66 Ta-
ge durch Haft erstanden sind.
4. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
5. a) Es wird eine ambulante Behandlung der Beschuldigten im Sinne von
Art. 63 StGB (Behandlung psychischer Störungen) angeordnet.
b) Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird zu diesem Zweck nicht aufgescho-
ben.
6. a) Das Schadenersatzbegehren des Privatklägers B._ wird auf den Zi-
vilweg verwiesen.
b) Auf die Schadenersatzbegehren der Privatklägerinnen C._, D._
und E._ wird nicht eingetreten.
7. a) Die Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ Fr. 1'800.--
als Genugtuung zu bezahlen.
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b) Auf die Genugtuungsbegehren der Privatklägerinnen C._, D._
und E._ wird nicht eingetreten.
8. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 5'000.-- ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 5'000.-- Gebühr Anklagebehörde
Fr. 14'613.80 Auslagen Untersuchung
Fr. 11'658.15 amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
9. Ausgangsgemäss werden die Kosten der Untersuchung und des gerichtli-
chen Verfahrens, ausgenommen derjenigen der amtlichen Verteidigung, der
Beschuldigten auferlegt.
10. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO. Über die Höhe der Kosten der amtlichen Verteidigung wird mit sepa-
rater Verfügung entschieden.
11. Die Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ für das gesam-
te Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 20'000.– (zuzüglich MWST)
zu bezahlen.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung der Beschuldigten:
(Urk. 96 S. 1 f.)
Anträge:
1. Die Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
Die Zivilansprüche seien auf den Zivilweg zu verweisen.
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2. Der Beschuldigten sei für die erstandene Untersuchungshaft eine an-
gemessene Entschädigung zu bezahlen.
3. Die Verfahrenskosten, inklusive der Kosten der erbetenen und der amt-
lichen Verteidigung, seien auf die Staatskasse zu nehmen.
4. Die Ersatzmassnahmen seien aufzuheben.
Eventualantrag:
Die Anklage sei an die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich zurückzu-
weisen.
Subeventualantrag:
Die Beschuldigte sei wegen Missbrauch einer Fernmeldeanlage im Sinne
von Art. 179 septies StGB schuldig zu besprechen und mit einer Busse von
CHF 500.– zu bestrafen.
b) Der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Prot. II S. 7)
Das Urteil der Vorinstanz sei grundsätzlich zu bestätigen, mit einer Ausnah-
me, nämlich einer Änderung im Strafpunkt. Hier seien 15 Monate Freiheits-
strafe unbedingt zu verhängen.
c) Der Privatklägerschaft B._:
(Urk. 97 S. 1)
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 20. Juni 2012 sei vollum-
fänglich zu bestätigen inkl. der Ersatzmassnahmen.
2. Die Beschuldigte sei zudem zu verpflichten, den zusätzlich verursach-
ten Aufwand in der Höhe von CHF 3'410.65 zuzüglich die heutige Ver-
handlung zu entschädigen.
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Das Gericht erwägt:
I. Gegenstand des Berufungsverfahrens
Mit Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom 20. Juni 2012 wurde die
Beschuldigte der mehrfachen Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB zum Nachteil
des Privatklägers B._ schuldig gesprochen. Vom Vorwurf der Nötigung im
Sinne von Art. 181 StGB zum Nachteil der Privatklägerinnen C._, D._
und E._ wurde sie freigesprochen. Die Beschuldigte wurde bestraft mit einer
Freiheitsstrafe von 12 Monaten. Es wurde der Vollzug der Freiheitsstrafe und eine
vollzugsbegleitende ambulante Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB angeord-
net. Auf die Genugtuungs- und Schadenersatzbegehren der Privatklägerinnen
C._, D._ und E._ wurde nicht eingetreten. Das Schadenersatzbe-
gehren des Privatklägers B._ wurde auf den Zivilweg verwiesen, und die Be-
schuldigte wurde verpflichtet, dem Privatkläger Fr. 1'800.– als Genugtuung zu be-
zahlen (Urk. 82).
Gegen das Urteil hat die Beschuldigte mit Eingabe vom 21. Juni 2012 Berufung
angemeldet (Urk. HD 74) und fristgerecht mit Eingabe vom 7. September 2012
die Berufungserklärung eingereicht (Urk. 83). Sie beantragt vollumfänglichen
Freispruch und Nichteintreten auf die Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren
des Privatklägers B._.
Mit Eingabe vom 21. September 2012 hat die Staatsanwaltschaft innert der mit
Präsidialverfügung vom 20. September 2012 (Urk. 85) angesetzten Frist An-
schlussberufung erhoben und diese auf die Strafzumessung beschränkt. Sie be-
antragt, die Bestrafung der Beschuldigten mit einer unbedingten Freiheitsstrafe
von 15 Monaten (Urk. 87). Die Privatklägerinnen und der Privatkläger haben keine
Anschlussberufung erhoben. Demzufolge ist das vorinstanzliche Urteil betreffend
Dispositiv-Ziffern 2, 6 b) und 7 b) in Rechtskraft erwachsen, davon ist vorab Vor-
merk zu nehmen.
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Beweisanträge wurden von keiner Seite gestellt.
II. Prozessuales
1. Vorbringen der Beschuldigten betreffend Anklageprinzip
Die Beschuldigte liess bereits vor Vorinstanz im Rahmen der Hauptverhandlung
vom 15. Februar 2012, in welcher die Parteien sich zu Vorfragen äussern konn-
ten, eine Verletzung des Anklageprinzips geltend machen. Die Verteidigung führte
aus, mit dem Verweis auf die umfassenden Anhänge zur Anklage werde der An-
klagegrundsatz verletzt, da der Anklagevorwurf bezüglich der einzelnen Nöti-
gungshandlungen nicht konkretisiert werde (Prot. I S. 13).
Mit Beschluss vom 15. Februar 2012 hat die Vorinstanz festgehalten, angesichts
der Vielzahl der Einzelhandlungen und der Komplexität des konkreten Falls sei es
gerechtfertigt, dass die Anklage bezüglich der Zeit- und Ortsangaben der einzel-
nen Tathandlungen auf die Anhänge zur Anklage verweise. In der Anklageschrift
werde das der Beschuldigten zur Last gelegte Delikt der mehrfachen Nötigung
genügend präzisiert und sei erkennbar, welche Vorwürfe im objektiven und sub-
jektiven Bereich erhoben werden. Die Vorinstanz stellte in ihrem Beschluss vom
15. Februar 2012 die Gültigkeit der Anklage fest (Urk. HD 51).
In der Hauptverhandlung vom 20. Juni 2012 machte die Verteidigung erneut gel-
tend, die Anklage lasse eine effiziente Verteidigung nicht zu und verletze das Ak-
kusationsprinzip (Urk. HD 68 S. 2). Die Anklage verweise bezüglich der einzelnen
Vorfälle einfach auf die Anhänge I-III zur Anklage und die Verteidigung und das
Gericht müssten sich die konkreten Vorwürfe selber erstellen und sich selber
überlegen, durch welches Bussibaer-Fax, die Nötigung wann vollendet worden
sein soll. Der Tatbestand der Nötigung sei weit gefasst und die Tatvariante der
"anderen Beschränkung der Handlungsfreiheit" sei restriktiv auszulegen. Die An-
klage müsse daher Tatzeit, Tatort, verwendetes Nötigungsmittel und dadurch be-
wirkte Einschränkung der Handlungsfreiheit klar nennen. In der Anklage fehle je-
doch völlig, in wie weit die Privatkläger durch Faxe, Telefonate und Warenbestel-
lungen in ihrer Handlungsfreiheit konkret beeinträchtigt worden seien. Die Ankla-
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ge umschreibe nicht, welche zeitraubenden und bemühenden Vorkehrungen die
Privatklägerschaft zu treffen hatte und worin konkret die erhebliche Einschrän-
kung der Lebensweise, der Lebensqualität und des Sicherheitsgefühls liegen
(Urk. HD 68 S. 4). Dies wurde anlässlich der Berufungsverhandlung erneut gel-
tend gemacht (Urk. HD 96 S. 11).
2. Würdigung
Hinsichtlich der allgemeinen Ausführungen zum Anklagegrundsatz kann vorab auf
die zutreffenden Darlegungen der Vorinstanz verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4
StPO; Urk. HD 82 S.15).
In der Anklageschrift vom 21. September 2011 wird der Beschuldigten vorgewor-
fen, sie habe ab Anfang des Jahres 2010 bis zu ihrer Verhaftung im Oktober 2010
den Privatkläger durch zahlreiche anonyme, teils drohende Telefonanrufe sowie
durch zahlreiche anonyme, teils drohende SMS angegangen und in der Zeit vom
25. Januar 2010 bis 6. Juli 2010 Bestellungen/Aufträge zu Lasten des Privatklä-
gers vorgenommen. Betreffend Ort, Datum und Zeit der SMS / Faxe, Telefonanru-
fe sowie Falschbestellungen wird in der Anklageschrift auf drei umfangreiche An-
hänge zur Anklageschrift verwiesen, wobei bei allen drei Kategorien von Tathand-
lungen jeweils der Zeitraum ihrer Begehung umschrieben ist. Die einzelnen Tat-
handlungen lassen sich diesen Anhängen ohne weiteres entnehmen und die Be-
schuldigte hatte die Möglichkeit, sich in den Befragungen zu jeder einzelnen
Handlung zu äussern. Dass angesichts der grossen Anzahl der in den Anhängen
dokumentierten Handlungen keine Auflistung in der Anklageschrift selber erfolgt,
vielmehr lediglich auf die Anhänge verwiesen wird, beeinträchtigt die Verteidi-
gungsrechte der Beschuldigten nicht. Mit der Vorinstanz ist daher festzuhalten,
dass durch die rein technische Massnahme des Verweisens auf die Anhänge das
Anklageprinzip nicht verletzt wurde.
Mit Bezug auf die Einschränkungen der Handlungsfreiheit des Privatklägers wird
in der Anklageschrift festgehalten, die Privatklägerschaft habe in beruflicher und
privater Hinsicht diverse zeitraubende und bemühende Vorkehrungen treffen
müssen, um die Belästigungen und Bedrohungen abzuwenden und die Falschbe-
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stellungen und Aufträge zu revozieren und richtig zu stellen. Überdies seien die
Privatkläger durch das Verhalten der Beschuldigten stark verunsichert und in ih-
rem Sicherheitsgefühl erheblich eingeschränkt worden. Mit dieser Umschreibung
sind die Beschränkungen des Privatklägers in seiner Handlungsfreiheit als Ele-
ment des Nötigungstatbestandes anklagegenügend festgehalten.
Bezüglich des Zeitpunkts, ab welchem die Schwelle zur Nötigung überschritten
sein soll ist festzuhalten, dass es in der Natur der Sache liegt, dass beim Vorwurf
des "Stalkings" ein solcher Zeitpunkt nicht genau feststellbar ist (vgl. Urk. HD 96
S. 13). Es ist somit nicht erforderlich, einen solchen in der Anklageschrift aufzu-
führen.
Zusammenfassend erweist sich die Rüge der Verletzung des Anklageprinzips als
nicht begründet.
III. Sachverhaltserstellung
1. Vorbringen der Beschuldigten
Die Beschuldigte bestreitet ihre Täterschaft. Sie lässt geltend machen, sie habe
zwar in der Untersuchungshaft ein Geständnis abgelegt, dieses aber nach der
Entlassung aus der Untersuchungshaft widerrufen. Das Geständnis sei nur er-
folgt, da es ihr in der Haft psychisch extrem schlecht gegangen sei. Es bestünden
klare Hinweise dafür, dass F._ der Bussibaerlimann sei, auf den in diversen
Faxen Bezug genommen werde.
Die Verteidigung macht geltend, die der Anklage beigelegten Telefonanrufe, SMS
und Warenbestellungen seien bestimmt lästig gewesen, jedoch nicht geeignet,
den Privatkläger und seine Ehefrau zu nötigen, mit der Beschuldigten in Kontakt
zu treten. Die angewandten Zwangsmittel hätten für sich allein genommen die für
die Nötigung erforderliche Intensität der Beschränkung der Handlungsfreiheit der
Betroffenen nicht erreicht.
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Ferner führte die Verteidigung aus, es sei zu berücksichtigen, dass das angeblich
angestrebte Ziel der Beschuldigten, dass der Privatkläger mit ihr in Kontakt trete,
bzw. ein Gespräch über den verlorenen Prozess im Jahre 2005 in Sachen
G._ mir ihr führe, nie eingetreten sei, weshalb keine Vollendung der Tat,
sondern nur ein Versuch vorliegen könne (Urk. HD 68 S. 11; Urk. HD 96 S. 6,
8 ff.).
Aus den Vorbringen der Beschuldigten geht somit hervor, dass sie ihre Täter-
schaft bestreitet und eventualiter geltend macht, die eingeklagten Belästigungen
würden nicht die für den Tatbestand der Nötigung erforderliche Intensität errei-
chen, subeventualiter stellt sie sich sodann auf den Standpunkt, es liege bloss
versuchte Tatbegehung vor. Nachfolgend ist demzufolge zuerst zu prüfen, ob sich
die Täterschaft der Beschuldigten erstellen lässt. Die weiteren Fragen (notwendi-
ge Intensität der Belästigungen und Frage der Vollendung des Deliktes) sind im
Rahmen der rechtlichen Würdigung zu beurteilen.
2. Beweismittel betreffend Täterschaft der Beschuldigten
2.1. Aussagen der Beschuldigten
In der ersten Befragung vom 13. Oktober 2010 bestritt die Beschuldigte den Vor-
wurf der Nötigung zum Nachteil von B._ vollumfänglich (Urk. HD 6/1).
Sie anerkannte in der zweiten Einvernahme vom 1. November 2010, dass sie ei-
nen gewissen Teil der Faxe geschrieben habe (Urk. HD 6/2 S. 1). Sie habe die
Bussibärli-Faxe und Baucenter-Faxe an die Hauptnummer von B._ gesandt
(Urk. HD 6/2 S. 3). Dies habe sie getan, weil sie mit ihm habe in Kontakt treten
wollen und mit ihm über den verlorenen Fall (betreffend das Verfahren gegen
G._) habe sprechen wollen (Urk. HD 6/2 S. 7). Sie habe sich von ihm oder
von dieser Kanzlei "verarscht" gefühlt. Morddrohungen oder SMS mit drohendem
Inhalt habe sie jedoch nicht geschickt. Sie habe ihn Bussibärli, B._li, B._
genannt (Urk. HD 6/2 S. 8). Ferner beschrieb sie im Detail, wie sie sich gegen-
über der Fluggesellschaft ... als Tochter des Privatklägers ausgegeben habe und
über einen Angestellten der ... [Fluggesellschaft], dem sie schmeichelte und den
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sie privat traf, die notwendigen Angaben (Ticketnummer, Referenznummer und
Kreditkartennummer) für eine Umbuchung eines Fluges des Privatklägers von
H._ nach I._ im Juli 2010 erhältlich gemacht und die Verschiebung des
Rückfluges des Privatklägers erwirkt habe (Urk. HD6/2 S. 12). Die Umbuchung
des Fluges bestätigte sie sodann in der Einvernahme vom 18. November 2010
(Urk. HD 6/5 S. 5 f.).
Die Beschuldigte anerkannte in der Einvernahme vom 8. November 2010, ver-
schiedene ihr vorgehaltene Faxschreiben bzw. SMS verfasst zu haben und dass
sie im Juni 2010 als Frau C._ Aufträge erteilt hat betreffend Reparaturen ei-
ner angeblich zerbrochenen Fensterscheibe und einer kaputten Türglocke sowie
eine Abmeldung gegenüber dem EWZ (Urk. HD 6/3 S. 6 ff.).
In der Einvernahme vom 10. November 2010 anerkannte sie ihre Urheberschaft
betreffend ein SMS bedrohlichen Inhalts vom 29.09.2010 "B._li I._
[Stadt] wird unsicher gemacht" und "Tatort ist die ...strasse" und räumte ein, dass
sie glaube, sie habe auch die SMS Meldung verfasst "B._li auf was wartest
Du noch bringt Dir nichts als eine falsche Handlung und es wird geschossen aber
das weisst Du ja" (Urk. HD 6/4 S. 2 f.).
Am 18. November 2010 sagte die Beschuldigte aus, sie habe im Dezember 2009
versucht, mit B._ mit den E-Mails Kontakt aufzunehmen, um mit ihm über
den verlorenen Prozess zu sprechen (Urk. HD 6/5 S. 7). Sie habe ihm ihre Han-
dynummer gegeben, er habe sie aber nie angerufen, sie habe sich "verarscht" ge-
fühlt und sei enttäuscht gewesen. Mit ihren Faxen, SMS, Anrufen etc. habe sie
B._ zeigen wollen, wie es sei, wenn man mit solchen Faxen dran komme,
man habe ihr ja im Prozess gegen G._ unterstellt, sie habe Rechtsanwalt
J._ Faxe mit Anspielungen geschickt (Urk. HD 6/5 S. 8).
In der Einvernahme vom 30. November 2010 räumte die Beschuldigte ein, auf
den Namen von B._ diverse Waren und Taxis bestellt zu haben, bzw. Hotel-
reservationen auf seinen Namen vorgenommen zu haben (Urk. HD 6/6). Auch in
dieser Einvernahme hat die Beschuldigte nicht einfach pauschal alle Vorhalte an-
erkannt, vielmehrt bestritt sie diverse Punkte (Urk HD 6/6 S. 6, S. 7/8, S. 9, S. 10).
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Die Beschuldigte hat auch in der ersten Einvernahme nach ihrer Haftentlassung
am 8. Februar 2011 ihre Urheberschaft betreffend verschiedene SMS und Fax-
schreiben anerkannt, nachdem sie in Anwesenheit ihres Verteidigers ausdrücklich
bestätigt hatte, dass sie einvernahmefähig sei und es ihr psychisch gut gehe (Urk.
HD 6/8 S. 1 f.). In dieser Einvernahme bestätigte sie sodann, dass die ganze An-
gelegenheit im Zusammenhang mit dem Prozess gegen G._ stehe, bei wel-
chem Rechtsanwalt J._ aus dem Büro B._-G._ vertreten habe. Sie
erklärte, B._ sei mit G._ per du und sie gehe davon aus, dass er diesem
beim Freispruch behilflich gewesen sei. Sie mache B._ für diesen Freispruch
verantwortlich (Urk. HD 6/8 S. 12 f.). Sie habe nicht geplant gehabt, B._ zu
stalken. Den Auslöser habe gebildet, dass sie ihn eines Tages in der Stadt
I._ angetroffen habe. Sie habe ihn zweimal gesehen und habe ihn dann ein-
mal treffen wollen und habe ihm ein E-Mail vor Weihnachten geschickt. Ein Tref-
fen mit B._ sei dann nie zu Stande gekommen, worauf sich eine Dynamik
entwickelt habe, es sei von ihr nicht geplant gewesen, dass sie Herrn B._
stalken wolle (Urk. HD 6/8 S. 13). Sie habe mit Herrn B._ schon reden wol-
len. Irgendwie habe es von Anfang an nicht richtig geklappt. Nachdem sie dann
so viele SMS und Faxe geschickt habe, habe sie sich nicht mehr getraut, mit ihm
zu reden, sie habe ein Donnerwetter befürchtet (Urk. HD 6/8 S. 14). In der Ein-
vernahme vom 13. Mai 2011 wiederholte sie, nach zwei zufälligen Begegnungen
mit B._ habe sie gedacht, sie wolle Kontakt mit ihm aufnehmen und mit ihm
einmal über den Gerichtsfall reden. In der Folge habe das Ganze dann eine Dy-
namik angenommen, die Lawine sei ins Rollen gekommen (Urk. HD 6/10 S. 25).
Auch in der Befragung vom 15. Februar 2011 bestätigte die Beschuldigte, dass
sie einvernahmefähig sei und es ihr gut gehe (Urk. HD 6/9 S. 1), und sie aner-
kannte auf Vorhalt ihre Urheberschaft betreffend die vorgehaltenen SMS. Sie er-
klärte, sie sei nicht über die Niederlage im Verfahren gegen G._ hinwegge-
kommen. Wegen dem Stalking von G._ habe sie ihre Lebenssituation ge-
wechselt, sei umgezogen, habe Briefkasten und Türe mit falschem Namen ange-
schrieben und die Türglocke blockiert (Urk. HD 6/9 S. 6). In dieser Einvernahme
sagte die Beschuldigte ferner aus, sie wolle ein Buch über Stalking schreiben und
bestätigte, in einer SMS vom 3. Oktober 2010 an B._ geschrieben zu haben,
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dass ihr Anwalt meine, dass sie einen Verlag für das Buch finden werde und er
(B._) die Projektionsfläche gewesen sei (Urk. HD 6/9 S. 17).
In der Schlusseinvernahme vom 31. August 2011 und in der Befragung vor Vor-
instanz verweigerte die Beschuldigte die Aussage (Urk. HD 6/13; Urk. HD 65
S. 49), wobei sie in der Befragung vor Vorinstanz das in der Untersuchung abge-
legte Geständnis sinngemäss widerrief, indem sie geltend machte, sie habe wäh-
rend der Untersuchungshaft Valium und ein anderes Medikament einnehmen
müssen und unter Medikamenteneinfluss aussagen müssen. Sie habe die Sa-
chen richtiggehend auswendig lernen müssen. Sie habe mit ihrem Verteidiger ab-
gemacht, dass sie einfach ein Geständnis ablege, und Staatsanwalt ... habe ge-
sagt, dass es gut sei, wenn sie ein Geständnis ablege, sonst komme sie nicht
raus (Urk. HD 65 S. 6).
Anlässlich der Berufungsverhandlung gab die Beschuldigte an, sie sei im vorlie-
genden Verfahren nur deswegen in Verdacht geraten, weil sie bereits im Jahr
2005 in Verdacht gekommen sei, dass sie damals Faxe an die Kanzlei B._
geschickt habe. Es sei alles erfunden, was ihr vorgeworfen werde, sie habe keine
der in der Anklage erwähnten Mitteilungen verfasst (Urk. HD 93 S. 6 ff.). In einer
schriftlichen Stellungnahme, welche ihr Anwalt ins Recht legte, bezeichnete sie ihr
Geständnis als unrealistisch bzw. unglaubwürdig (Urk. HD 95).
2.2. Ergebnisse der Hausdurchsuchung
Anlässlich der Hausdurchsuchung am Wohnort der Beschuldigten wurden ver-
schiedene Unterlagen sichergestellt. In der Agenda der Beschuldigten waren die
Bürotelefonnummer von B._, seine Fax-Nummer und weitere 8 Telefon-
nummern lautend auf B._ notiert (Urk. HD 6/10 S. 4). Ausserdem enthält die-
se Agenda Notizen im Zusammenhang mit der von der Beschuldigten geschilder-
ten Umbuchung des Rückfluges von B._ aus H._ (u.a. Ticketnummer
und Buchungsreferenzen) (Urk. HD 6/10 S. 5).
Auf einem Notizzettel fanden sich verschiedene Notizen, welche die Beschuldigte
nach eigener Zugabe im Hinblick auf ihr Stalking-Buch erstellt hat (Urk. HD 6/10
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S. 7 ff.). Sie räumte auch ein, dass B._ ihr als Projektionsfläche gedient habe
(Urk. HD 6/10 S. 8).
Sichergestellt wurde sodann ein Ordner mit 47 A-4-Seiten enthaltend Hinweise,
Tipps und Tricks zur Erlernung des Stalking-Handwerks (Urk. HD 6/12 Beweismit-
telblatt 45). Die Beschuldigte erklärte diesbezüglich, sie habe dieses Buch selber
geschrieben, es handle sich aber erst um einen Entwurf, möglicherweise würden
noch Sachen dazukommen, sie gedenke das Buch einmal zu veröffentlichen (Urk.
HD 6/12 S. 3).
Aus den sichergestellten Unterlagen geht sodann hervor, dass die Beschuldigte
Informationen über B._ sammelte, indem sie Berichte über ihn aus dem In-
ternet herunterlud und Zeitungsartikel über ihn aufbewahrte.
2.3. Rufnummeridentifikation
Ein weiteres Indiz für die Täterschaft der Beschuldigten stellt dar, dass sie am
3. Juli 2010 von ihrem Handy aus auf die Combox des Handys von B._ an-
gerufen hat. Sie räumte ein, sie glaube, sie habe bei diesem Anruf vergessen, die
Nummer zu unterdrücken, vielleicht habe sie die Nummer aber auch extra ange-
zeigt, damit er zurückrufen könne (Urk. HD 6/5 S. 12; Urk. HD 6/10 S. 6).
3. Beweiswürdigung
Den vorstehenden Ausführungen ist zu entnehmen, dass die Beschuldigte wäh-
rend der ganzen Untersuchung ein sehr weitgehendes Geständnis ablegte betref-
fend ihre Täterschaft mit Bezug auf SMS, Fax, Telefonate, Bestellungen von Wa-
ren und Dienstleistungen auf den Namen des Privatklägers sowie eine detailliert
geschilderte Umbuchung eines Fluges. Dieses Geständnis wird gestützt durch die
bei der Hausdurchsuchung sichergestellten Aufzeichnungen und Unterlagen, die
notierten Telefonnummern des Privatklägers, die aufbewahrten Zeitungsberichte
über ihn und die Internet-Downloads über ihn, Notizen betreffend Ticketnummer,
Referenznummer im Zusammenhang mit der von ihr geschilderten Umbuchung
eines Fluges des Privatklägers und das Manuskript für das Buch, welches die Be-
schuldigte betreffend Tipps und Hinweise für Stalking verfasste. Die von der Be-
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schuldigten selbst nachträglich gegen die Glaubhaftigkeit ihrer Aussage in Feld
geführten Vorbehalte (vgl. Urk. HD 95) vermögen vor diesem Hintergrund nicht zu
überzeugen und entkräften ihr Geständnis in keiner Weise.
Festzuhalten ist sodann, dass die Beschuldigte sich auch nach der Entlassung
aus der Haft über mehrere Einvernahmen hinweg geständig erklärte und bei die-
sen Einvernahmen nach der Haftentlassung bestätigte, einvernahmefähig zu sein
und dass es ihr psychisch gut gehe. Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Be-
schuldigte damals nicht einvernahmefähig gewesen sein soll (vgl. Urk. HD 96
S. 4), zumal die Einvernahmen jeweils in Gegenwart ihres damaligen Verteidigers
erfolgten.
Es bestehen zusammengefasst keine Hinweise für ein falsches Geständnis. Der
erst in der Befragung vor Vorinstanz erfolgte sinngemässe Widerruf des Geständ-
nisses lässt unter diesen Umständen keine Zweifel am Wahrheitsgehalt des Ge-
ständnisses aufkommen.
Die Vorinstanz hat sorgfältig dargelegt, in welchem Umfang die Beschuldigte ein
Geständnis betreffend SMS-Nachrichten und Faxmitteilungen (Urk. 82 S. 20-24),
betreffend Telefonanrufe (Urk. 82 S. 25) und betreffend Falschbestellungen (Urk.
82 S. 26 f.) ablegte, darauf kann vollumfänglich verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4
StPO). Mit der Vorinstanz ist daher festzuhalten, dass der Sachverhalt im Umfang
des Geständnisses der Beschuldigen erstellt ist (mehr als 260 SMS bzw. Faxmit-
teilungen in der Zeit vom 14. Januar 2010 bis 6. Oktober 2010, 1 Telefonanruf am
1. Juli 2010 und 2 Anrufe am 11. Oktober 2010 und 11 Falschbestellungen Mitte
März 2010 bis Anfang Juli 2010).
IV. Rechtliche Würdigung
1. Allgemeines
Wer jemanden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch
andere Beschränkung seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu unterlas-
sen oder zu dulden, wird mit Freiheitstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe be-
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straft. Die Vorinstanz und die Staatsanwaltschaft würdigen das Verhalten der Be-
schuldigten als mehrfache Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB.
Bezüglich des vom Tatbestand der Nötigung geschützten Rechtsgutes sowie der
Nötigungsmittel kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwie-
sen werden (Urk. 82 S. 36 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Festzuhalten ist sodann, dass
der Anklage kein Vorwurf der Gewaltanwendung entnommen werden kann. Zu
prüfen ist daher, ob die Handlungen der Beschuldigten unter die Tatbestandsvari-
ante der Androhung ernstlicher Nachteile oder andere Beschränkung der Hand-
lungsfreiheit zu subsumieren sind.
2. Objektiver Tatbestand
2.1. Androhung ernstlicher Nachteile
Androhung ernstlicher Nachteile als Nötigungsmittel im Sinne von Art. 181 StGB
ist dann zu bejahen, wenn die Androhung geeignet ist, das Opfer in seiner Ent-
scheidungsfreiheit einzuschränken. Die Drohung braucht nicht die gleiche Intensi-
tät zu erreichen wie bei schwerer Drohung im Sinne von Art. 180 StGB (De-
lon/Rüdy in: Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar zum Strafrecht II,
2. A., Art. 181 N 25 f.). Ernstlich im Sinne dieser Bestimmung ist der angedrohte
Nachteil, wenn er nach einem objektiven Massstab geeignet ist, auch eine ver-
ständige Person in der Lage des Betroffenen gefügig zu machen und seine freie
Willensbildung und -betätigung zu beschränken (BGE 122 IV 325).
Die Vorinstanz hat die Faxmitteilungen und SMS mit bedrohendem Inhalt zutref-
fend aufgelistet (Urk. 82 S. 38). Es handelt sich um folgende Mitteilungen:
Der Fax vom 16. März 2010 16.08 Uhr enthält die Mitteilung "B._ SEI DOCH
FROH NICHT NOCH DEINE EIGENE TODESANZEIGE IN DER LOKALZEI-
TUNG ZU LESEN ..DIE STELLUNGNAHME DAZU ZU LESEN WAERE SPAN-
NENDER FUER DICH..ALS LEBENDIG BEGRABENER .. ABS. PSYCHOTHRIL-
LER"
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Mit Fax vom 21. Juni 2010 11.54 Uhr erhielt der Privatkläger die Mitteilung:
"B._ DEIN SCHWARZER AUDI KENNZ. .....DEINE REIFEN PFFIIHFIPPFF-
HEIHH DIE MESSERSCHLEIFER SIND AM HANDWERK GEH MAL NACHGU-
CKEN DIE AUTOWERKSTATT WARTETE ABS. WIR SPIELEN KATZ UND
MAUS MIT DIR..DU BIS DER KATER UND WIR DIE MAEUSE"
Am 29. September 2010 erreichte den Privatkläger um 00:13 Uhr eine SMS mit
dem Inhalt "B._LI AUF WAS WARTEST DU NOCH BRINGT DIR NICHTS
EINE FALSCHE HANDLUNG UND ES WIRD GESCHOSSEN ABER DAS
WEISST DU JA ... [Nummer]" und am gleichen Tag um 15.47 Uhr eine SMS des
Inhalts I._ [Stadt] werde unsicher gemacht gefolgt um 22.12 Uhr von einem
weiteren SMS mit dem Inhalt: "B._LI TATORT IST DIE ...STRASSE ...
[Nummer]".
Die Vorinstanz hat zutreffend festgehalten, dass diese Nachrichten mindestens
implizite Androhungen betreffend die Rechtsgüter Leib und Leben beinhalten.
Dass es sich bei den verklausulierten Todesdrohungen, dem Drohen mit Schies-
sen und der Erwähnung des Wohnortes des Privatklägers als Tatort um die An-
drohung ernstlicher Nachteile handelt, bedarf keiner weiteren Erläuterungen.
Die vorerwähnten Mitteilungen betreffend Androhung von Handlungen gegen Leib
und Leben des Privatklägers haben den Privatkläger stark verunsichert. Er schil-
derte in seiner Einvernahme als Auskunftsperson, die unterschwelligen bis offe-
nen Drohungen wie die Nennung der ...strasse als Tatort hätten dazu geführt,
dass er das Gebäude nur noch über die Tiefgarage mit dem Auto verlassen habe
und das Haus zur Strasse hin nur noch in Begleitung, dass er beim Aussteigen
aus dem Auto in der Stadt zuerst die Umgebung abgecheckt habe, da durch die
dauernden gezielten Meldungen klar gewesen sei, dass sein jeweiliger aktueller
Aufenthalt selbst in den Ferien und im Ausland jederzeit genauestens unter Kon-
trolle gewesen sei (Urk. HD 62/3 S. 6). Diese nachvollziehbaren und glaubhaften
Schilderungen des Privatklägers zeigen auf, dass die Mitteilungen bedrohlichen
Inhalts im Zusammenhang mit den zahllosen Miteilungen zu sehen sind, in denen
dem Privatkläger vor Augen geführt wurde, dass die Urheberschaft der Mitteilun-
gen und Anrufe stets über seinen Aufenthalt Bescheid wusste. Der Beschuldigten
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war es sogar gelungen, eine Umbuchung seines Rückfluges von H._ nach
I._ zu erwirken, nachdem sie die Buchungsdaten und die Kreditkartennum-
mer des Privatklägers erhältlich gemacht hatte.
Dass die über mehrere Monate (März, Juni und September 2010) verteilten Mittei-
lungen drohenden Inhalts zusammen mit den zahllosen Mitteilungen, aus welchen
hervorging, dass die Täterschaft über den jeweiligen aktuellen Aufenthaltsort des
Privatklägers Bescheid wusste und der Umstand, dass die Täterschaft sogar in
Besitz seiner Kreditkartennummer gekommen war, geeignet waren, das Sicher-
heitsgefühl des Privatklägers nachhaltig zu beeinträchtigen und ihn damit in sei-
ner Handlungsfreiheit massiv einschränkten, ist somit erstellt. Die Tatbestandsva-
riante der Androhung ernstlicher Nachteile im Sinne von Art. 181 StGB ist erfüllt.
2.2. Anderer Beschränkung der Handlungsfreiheit
Bezüglich der allgemeinen Ausführungen zum Nötigungsmittel der anderen Be-
schränkung der Handlungsfreiheit im Sinne von Art. 181 StGB sowie der Ausfüh-
rungen zum Stalking kann auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden
(Urk. 82 S. 39 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Tatbestandsvariante der anderen
Beschränkung der Handlungsfreiheit restriktiv ausgelegt werden muss.
Vorstehend wurde unter 2.1. ausgeführt, dass die Mitteilungen per Fax und SMS
in ihrer Gesamtheit zu sehen sind, zusammen mit den Mitteilungen bedrohlichen
Inhalts das Bild eines abgestimmten systematischen Vorgehens abgeben und zu
einer Beeinträchtigung des Sicherheitsgefühles des Privatklägers führten. Dass
die zahlreichen Mitteilungen nicht bedrohlichen Inhaltes für sich allein betrachtet
geeignet gewesen wären, die Handlungsfreiheit des Privatklägers einzuschrän-
ken, ist nicht erkennbar. Eine andere Einschränkung der Handlungsfreiheit des
Privatklägers als die erhebliche Einschränkung des Sicherheitsgefühls durch die
Mitteilungen wird in der Anklage nicht konkret umschrieben und lässt sich auch
den Aussagen des Privatklägers nicht entnehmen. In der Anklageschrift wird
diesbezüglich festgehalten, der Privatkläger habe sowohl in beruflicher als auch in
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privater Hinsicht diverse, zeitraubende und bemühende Vorkehrungen treffen
müssen, um die Belästigungen und Bedrohungen abzuwenden. Die diesbezügli-
chen Ausführungen des Privatklägers in seiner Einvernahme als Auskunftsperson
beziehen sich jedoch auf die Reaktionen auf die Falschbestellungen und Aufträ-
ge. Der Privatkläger sagte nachvollziehbar und glaubhaft aus, dass bei allen auf
ihn bestellten Sachen, Hotel- und Restaurantreservationen sowie Flugbuchungen
Richtigstellungen erfolgen mussten, auf Rechnungen reagiert werden musste und
Rücksendungen vorzunehmen waren, was das Sekretariat seiner Anwaltskanzlei
pro Tag mehr als eine Stunde in Anspruch genommen habe (Urk. HD 62/3 S. 4).
Diese Angabe wurde auch von E._ als Auskunftsperson bestätigt indem sie
aussagte, der Aufwand mit dem Durchschauen der Faxschreiben, dem Stornieren
und Retournieren von Falschbestellungen sei sehr gross gewesen, bis zu einer
Stunde pro Tag (Urk. HD 62/6 S. 4).
Somit ist einzig betreffend die Falschbestellungen und Aufträge im Namen des
Privatklägers zu prüfen, ob diese geeignet waren, eine mit der Androhung ernstli-
cher Nachteile oder mit Gewaltanwendung vergleichbare Einschränkung der
Handlungsfreiheit zu bewirken.
Erstellt ist unter Hinweis auf die Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 82 S.26 ff, Art.
82 Abs. 4 StPO), dass die Beschuldigte in der Zeit vom 18. März 2010 bis 6. Juli
2010 11 Falschbestellungen bzw. Aufträge (Reparaturaufträge, Verschiebung des
Rückfluges H._-I._, Sperrung der EC-Karte) bezüglich des Privatklägers
B._ tätigte. Dass diese Handlungen der Beschuldigten dazu führten, dass
der Privatkläger zeitraubende und bemühende Vorkehrungen treffen musste, um
Richtigstellungen vorzunehmen, Waren zurückzuschicken und auf Rechnungen
zu reagieren, ist ohne weiteres nachvollziehbar. Der Privatkläger führte glaubhaft
aus, dass der Aufwand bis zu einer Stunde pro Tag betragen habe. Angesichts
der grossen Anzahl von Falschbestellungen und Aufträgen über eine Zeitdauer
von mehreren Monaten hinweg und der deshalb über längere Zeit hinweg erhebli-
chen zeitraubenden und bemühenden Richtigstellungen und Retournierungen ist
die Intensität einer anderen Einschränkung der Handlungsfreiheit im Sinne von
Art. 181 StGB erfüllt.
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3. Subjektiver Tatbestand
Der Tatbestand der Nötigung erfordert in subjektiver Hinsicht Vorsatz, wobei nach
herrschender Auffassung Eventualvorsatz genügt (vgl. Stratenwerth / Jenny /
Bommer, Schweizerisches Strafrecht, BT I, 7. A., Bern 2010, § 5 N 14).
Dass die Beschuldigte die angeklagten Handlungen mit Wissen und Willen be-
gangen hat, steht ausser Frage und bedarf keiner Erklärung.
Ohne weiteres ist sodann zu schliessen, dass die Mitteilungen bedrohlichen In-
halts zusammen mit den Mitteilungen und Anrufen, mit denen sie dem Privatklä-
ger zu verstehen gab, dass sie stets über seinen jeweiligen Aufenthaltsort Be-
scheid wusste, darauf abzielten, das Sicherheitsgefühl des Privatklägers zu be-
einträchtigen. Dass die Handlungsfreiheit des Privatklägers dadurch einge-
schränkt wurde, indem er Sicherheitsvorkehrungen treffen und sein Verhalten än-
dern musste, liegt auf der Hand und wurde von der Beschuldigten mindestens in
Kauf genommen. Dies räumte sie selber ein indem sie aussagte, sie habe
B._ mit ihren Faxen, SMS, Anrufen etc. zeigen wollen, wie es sei, wenn man
mit solchen Faxen drankomme, dass er selber spüren müsse, was man ihr im
Prozess gegen G._ unterstellt habe (Urk. HD 6/5 S. 8). Sie sei ungerechtfer-
tigt behandelt worden und habe einfach zeigen wollen, wie es sei, wenn man je-
manden ungerecht behandle (Urk. HD 6/5 S. 9). Diese Aussagen deuten klar da-
rauf hin, dass sich die Beschuldigte am Privatkläger B._ rächen wollte, weil
sie sich - wie sie mehrfach erklärte - "verarscht" fühlte durch Rechtsanwalt
J._ und die Kanzlei des Privatklägers im Verfahren gegen G._. Sie er-
klärte, B._ sei mit G._ per du gewesen und sie gehe davon aus, dass er
diesem beim Freispruch behilflich gewesen sei, sie mache B._ für diesen
Freispruch verantwortlich (Urk. HD 6/8 S. 12 f.).
Dass die Falschbestellungen, Buchungen, Umbuchungen und Aufträge dem Pri-
vatkläger und seinem Umfeld Umtriebe verursachten und sich dieser genötigt sah,
auf solche Aufträge und Bestellungen zu reagieren, war derart naheliegende Fol-
ge des Handelns der Beschuldigten, dass auch diesbezüglich von vorsätzlicher
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Tatbegehung im Hinblick auf die Beschränkung der Handlungsfreiheit des Privat-
klägers auszugehen ist.
4. Rechtswidrigkeit
Die Vorinstanz hat zutreffend ausgeführt, dass die Rechtswidrigkeit bei der Nöti-
gung positiver Begründung bedarf. Es kann auf ihre diesbezüglichen Darlegungen
verwiesen werden (Urk. 82 S. 47 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
Dass Drohungen gegen Leib und Leben ein rechtswidriges Mittel darstellen, be-
darf keiner weiteren Darlegungen.
Die Falschbestellungen, Auftragserteilungen und Umbuchen unter falscher Identi-
tätsangabe im Namen des Privatklägers oder einer seiner Angehörigen stellen
Verletzungen der Persönlichkeit im Sinne von Art. 28 ff. ZGB sowie unerlaubte
Handlungen (gegen die guten Sitten) im Sinne von Art. 41 Abs. 2 OR dar (Schny-
der in: Honsell, Vogt, Wiegand [Hrsg.], Basler Kommentar Obligationenrecht I, 5.
A., Art. 41 N 43). Auch diesbezüglich ist Rechtswidrigkeit zu bejahen.
5. Vollendung des Deliktes oder Versuch
Da der Privatkläger aufgrund der wiederholten Drohungen in seiner Handlungs-
freiheit eingeschränkt wurde und sich veranlasst sah, Vorkehrungen zu seiner Si-
cherheit zu treffen (Verlassen des Hauses nur im Auto über die Tiefgarage oder in
Begleitung, Abchecken der Umgebung beim Aussteigen aus dem Auto) ist das
Delikt vollendet, obwohl das Fernziel der Kontaktnahme durch den Privatkläger
durch die Beschuldigte nicht erreicht wurde. Aufgrund der Falschbestellungen und
Aufträge in seinem Namen oder im Namen von Angehörigen musste der Privat-
kläger Stornierungen vornehmen, Rechnungen retournieren, Richtigstellungen
vornehmen. Auch betreffend dieses Vorgehen liegt ein vollendetes Delikt vor.
6. Mehrfache Tatbegehung
Die Faxmitteilungen, SMS und Telefonate einerseits und die Falschbestellungen
andererseits haben die Handlungsfreiheit des Privatklägers in unterschiedlicher
Hinsicht beschränkt. Während erstere ihn in seinem Sicherheitsgefühl beeinträch-
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tigten und ihn dazu veranlassten, Vorkehrungen zur Gewährleistung seiner Si-
cherheit zu treffen und sein Verhalten zu ändern (Verlassen der Liegenschaft nur
noch im Auto über die Tiefgarage oder in Begleitung, Abchecken der Umgebung),
haben letztere dazu geführt, dass er zeitraubende und bemühende Vorkehrungen
treffen musste (Stornierungen, Retournierungen, Richtigstellungen etc.). Der Pri-
vatkläger wurde in unterschiedlicher Hinsicht in seiner Handlungsfreiheit einge-
schränkt. Daher liegt mehrfache Tatbegehung vor.
7. Fazit
Die Beschuldigte ist der mehrfachen Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB schul-
dig zu sprechen.
V. Strafe
1. Allgemeines
Sowohl bezüglich der Erwägungen zum Strafrahmen sowie betreffend die Straf-
zumessung im Allgemeinen, kann auf die detaillierten Ausführungen der Vor-
instanz verweisen werden (Urk. 82 S. 49 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
Vorliegend ist von einem ordentlichen Strafrahmen von bis zu 3 Jahren Freiheits-
strafe auszugehen.
2. Strafzumessung in concreto
2.1. Tatkomponente
2.1.1. Objektive Tatschwere
Die Delinquenz erstreckt sich über einen längeren Zeitraum von 9 Monaten (Mitte
Januar 2010 bis Mitte Oktober 2010). Während dieser Zeit hat die Beschuldigte
dem Privatkläger über 260 SMS und Faxmitteilungen geschickt. Diese intensive
deliktische Tätigkeit und das Abstimmen der Mitteilungen bedrohlichen Inhaltes
mit Mitteilungen, welche aufzeigten, dass der Privatkläger von der Beschuldigten
beobachtet wurde und sie über seinen Aufenthalt stets Bescheid wusste, zeugen
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von planmässigem Vorgehen, von durchdachtem, gezieltem und "professionel-
lem" Vorgehen und von hoher krimineller Energie. Die Beschuldigte strebte dieses
professionelle Vorgehen auch an, was sich aus ihrer Äusserung ergibt, wonach
sie den Privatkläger als Projektionsfläche für ihr Stalking-Buch verwendet habe.
Zulasten der Beschuldigten fällt ins Gewicht, dass sie verklausulierte Todesdro-
hungen aussprach (es werde geschossen und Tatort sei der Wohnort des Privat-
klägers), was den Privatkläger auch massiv in seinem Sicherheitsgefühl beein-
trächtigte. Erschwerend kommt hinzu, dass auch das private und berufliche Um-
feld des Privatklägers durch die Delinquenz betroffen wurde.
In objektiver Hinsicht wiegt das Verschulden erheblich.
2.1.2. Subjektive Tatschwere
Die Beschuldigte hat glaubhaft dargetan, dass sie anfangs das Gespräch mit dem
Privatkläger B._ suchte und mit ihm über den Prozess gegen G._ spre-
chen wollte und dass die Motivation der Rache erst dazukam, als sich kein Tref-
fen mit dem Privatkläger ergeben hat. Dies ändert jedoch nichts daran, dass das
Motiv der Beschuldigten egoistischer Natur war. Sie fühlte sich ungerecht behan-
delt, war nicht über die erlittene Niederlage im Verfahren gegen G._ hinweg-
gekommen und handelte aus Rachsucht, ohne dass ihr der Privatkläger selber
dazu Anlass gegeben hätte.
Dem schlüssigen psychiatrischen Gutachten von Dr. med. K._ vom 8. De-
zember 2010 ist zu entnehmen, dass seitens der Beschuldigten keine verminderte
Schuldfähigkeit vorliegt. Der Verteidiger moniert, dass ein Gutachten der psychiat-
rischen ...klinik ... vom 11. Februar 2003 (Urk. HD 16/5) durch die Vorinstanz
nicht berücksichtigt worden sei. Darin sei eine höchstens mittelgradige Beein-
trächtigung der Zurechnungsfähigkeit der Beschuldigten festgestellt worden
(Urk. HD 96 S. 16). Hierzu ist anzumerken, dass das Gutachten von Dr. med.
K._ deutlich aktueller ist und insbesondere betreffend die heute zu beurtei-
lenden Taten erstellt wurde. Die Gutachterin legt nachvollziehbar dar, dass auf-
grund der sich über einen langen Zeitraum hinweg erstreckenden Delinquenz, des
hohen Organisationsgrades der deliktischen Handlungen und des hochstrategisch
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motivierten Vorgehens der Beschuldigten keine Verminderung der Schuldfähigkeit
vorliegt (Urk. HD 10/2 S. 59 f.). Es ist somit nicht zu beanstanden, dass die Vo-
rinstanz bei ihrer Beurteilung auf das aktuelle Gutachten abgestellt hat. Darin wird
ein Bezug ihres Handelns zu der festgestellten Persönlichkeitsstörung vom nar-
zisstischen Typus festgestellt (Urk. HD 10/2 S. 64). Mit der Gutachterin ist ferner
festzuhalten, dass Handlungsimpuls und Motivation für die Delinquenz in der als
Kränkung erlebten Niederlage im Rechtsstreit in Sachen G._ zu erblicken ist
und dass sich die Beschuldigte aufgrund ihrer narzisstischen Persönlichkeitsstö-
rung sehr stark gekränkt fühlte und wütend wurde (Urk. HD. 10/2 S. 58). Die
Handlungsmotivation steht daher in einem engen Zusammenhang mit der psychi-
schen Erkrankung der Beschuldigten, was das Verschulden in subjektiver Hinsicht
erheblich mindert.
Aufgrund dieses Krankheitsbildes ist in subjektiver Hinsicht lediglich von einem
leichten Verschulden auszugehen.
2.1.3. Einsatzstrafe
Dem insgesamt nicht mehr leichten Verschulden angemessen erscheint eine Ein-
satzstrafe im Bereich von 7 Monaten.
2.2. Täterkomponente
Die Vorinstanz hat die persönlichen Verhältnisse der Beschuldigten zutreffend
dargelegt (Urk. 82 S. 53 f.). Es ergeben sich daraus keine strafzumessungsrele-
vanten Faktoren.
Zugunsten der Beschuldigten fällt ins Gewicht, dass sie sich in der Untersuchung
weitgehend geständig erklärte. Da sie dieses Geständnis widerrufen hat und sich
auch nicht einsichtig oder reuig zeigte, ist ihr teilweise kooperatives Verhalten nur
leicht strafmindernd zu berücksichtigen.
Erheblich straferhöhend fallen dagegen die beiden einschlägigen Vorstrafen der
Beschuldigten ins Gewicht. Mit Urteil des Strafgerichts Basel-Stadt vom 23. Mai
2003 wurde sie der Verleumdung, des mehrfachen Missbrauchs einer Fernmel-
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deanlage sowie der Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes schuldig gespro-
chen und mit einer bedingten Gefängnisstrafe von 5 Monaten bestraft. Mit Ent-
scheid des Strafbefehlsrichters Basel-Stadt vom 26. Januar 2005 wurde sie we-
gen mehrfachen Missbrauches einer Fernmeldeanlage mit einer bedingten Haft-
strafe von 14 Tagen und einer Busse von Fr. 800.– bestraft.
2.3. Fazit
Die Berücksichtigung der Täterkomponente führt zu einer Erhöhung der Einsatz-
strafe. Die Beschuldigte ist daher mit einer Strafe von 9 Monaten zu bestrafen. An
diese Strafe anzurechnen sind 66 Tage erstandener Haft.
3. Strafart
Bei Strafen von sechs Monaten bis zu einem Jahr steht die Geldstrafe im Vorder-
grund bzw. stellt sie die Hauptsanktion dar. Das ergibt sich aus dem Prinzip der
Verhältnismässigkeit, wonach bei alternativ zur Verfügung stehenden Sanktionen
im Regelfall diejenige gewählt werden soll, die weniger stark in die persönliche
Freiheit des Betroffenen eingreift bzw. die ihn am wenigsten hart trifft. Bei der
Wahl der Sanktionsart ist als wichtiges Kriterium die Zweckmässigkeit einer be-
stimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld
sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 83 E. 4.1; vgl.
auch BGE 134 IV 97 E. 4.2.2).
Die Beschuldigte geht keiner Arbeit nach und ist in kein besonderes soziales Um-
feld eingebettet. Gemäss eigenen Angaben lässt sie sich durch ihre Mutter aus-
halten und arbeitet nicht (Urk. HD 93 S. 3). Eine Geldstrafe würde somit durch die
Mutter finanziert und würde die Beschuldigte nicht in ihrer Lebensführung ein-
schränken, was der Natur der Strafe als Sühne widerspricht. Auch die Geldstrafe
ist höchstpersönlicher Natur und muss von der Verurteilten selbst und soll nicht
von Drittpersonen geleistet werden (Dolge in: Niggli / Wiprächtiger [Hrsg.], Basler
Kommentar StGB I, 2. A., N 17 zu Art. 34). Insbesondere ist ferner auch zu be-
rücksichtigen, dass die Beschuldigte mehrfach einschlägig vorbestraft ist und
dass sie dadurch offenbar nicht genügend beeindruckt wurde, sondern in einer
- 25 -
eigentlichen Eskalation wieder über Monate hinweg delinquierte. Eine Geldstrafe
erscheint somit auch aus spezialpräventiver Sicht nicht zweckmässig. Die Strafe
ist als Freiheitsstrafe auszusprechen.
VI. Strafvollzug
Den zutreffenden Darlegungen der Vorinstanz betreffend die Gewährung des be-
dingten Strafvollzuges folgend (Urk. 82 S. 56 f.) sind zwar die objektiven Voraus-
setzungen für die Gewährung des bedingten Strafvollzuges erfüllt, jedoch kann
der Beschuldigten aufgrund der einschlägigen Vorstrafen sowie dem im psychiat-
rischen Gutachten festgestellten deutlichen bis sehr hohen Rückfallrisiko für Dro-
hungen, Nötigungen oder Erpressung keine günstige Prognose mehr gestellt
werden. Die Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten Strafvollzugs im
Sinne von Art. 42 Abs. 1 StGB sind daher nicht erfüllt.
VII. Massnahme
1. Anordnung
Betreffend die Anordnung einer ambulanten Massnahme hat die Vorinstanz das
Nötige ausgeführt. Ihren Erwägungen ist beizupflichten und es kann vollumfäng-
lich darauf verwiesen werden (Urk. 82 S. 57 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
Demzufolge ist eine ambulante Massnahme gestützt auf Art. 63 StGB anzuord-
nen.
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2. Aufschub im Sinne von Art. 63 Abs. 2 StGB
Das Gericht kann den Vollzug einer zugleich ausgesprochenen unbedingten Frei-
heitsstrafe zu Gunsten einer ambulanten Behandlung aufschieben, um der Art der
Behandlung Rechnung zu tragen (Art. 63 Abs. 2 StGB). Gemäss der Rechtspre-
chung des Bundesgerichts ist ein solcher Strafaufschub anzuordnen, wenn neben
dem Erfordernis der Ungefährlichkeit eine tatsächliche Aussicht auf erfolgreiche
Behandlung durch den sofortigen Vollzug der ausgefällten Freiheitsstrafe beein-
trächtigt würde. Die Therapie geht vor, falls eine sofortige Behandlung gute Reso-
zialisierungschancen bietet, welche der Strafvollzug klarerweise verhindern oder
vermindern würde. Dabei sind einerseits die Auswirkungen des Strafvollzuges, die
Erfolgsaussichten der ambulanten Behandlung und die bisherigen Therapie-
bemühungen zu berücksichtigen, andererseits aber auch das kriminalistische Er-
fordernis, Straftaten schuldangemessen zu ahnden bzw. rechtskräftige Strafen
grundsätzlich zu vollziehen. Ein Strafaufschub ist angezeigt, wenn der Strafvoll-
zug die begründete Aussicht auf erfolgreiche Heilbehandlung erheblich beein-
trächtigten würde. Dies ist nicht erst anzunehmen, wenn der Vollzug eine Thera-
pie verunmöglicht oder den Behandlungserfolg völlig in Frage stellt. Vielmehr geht
die Therapie vor, sobald eine sofortige Behandlung gute Resozialisierungschan-
cen bietet, die der Strafvollzug verhindern oder wesentlich vermindern würde. In
diesem Falle ist der Vollzug mit der Behandlung nicht vereinbar (BGE 129 IV 161
E. 4.1; 124 IV 246 E. 2b; 120 IV 1 E. 2b).
Bezüglich der Ungefährlichkeit der Beschuldigten ist festzuhalten, dass zwar ge-
mäss Gutachten das strukturelle Rückfallrisiko für weitere Drohungen, Nötigungen
oder Erpressungen deutlich bis sehr hoch sei. Weiter wird jedoch festgehalten,
dass das Risiko für eine Umsetzung der Drohungen sehr gering sei (Urk. HD 10/2
S. 64). Somit steht zwar fest, dass ein hohes Risiko für weitere ähnlich gelagerte
Taten besteht. Dabei handelt es sich jedoch nicht um Gewaltdelikte, welche eine
Gefahr für Leib und Leben allfälliger Opfer und konkret des Privatklägers B._
bedeuten würden. Auch wenn die Taten der Beschuldigten nicht zu verharmlosen
sind und diese eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität des Privatklägers
bedeuteten, ist das Erfordernis der Ungefährlichkeit vorliegend zu bejahen.
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Zur Frage, ob der Art der Behandlung auch bei gleichzeitigem oder vorherigem
Strafvollzug Rechnung getragen werden kann, führte die Gutachterin aus, dass
die ambulante Massnahme grundsätzlich sowohl bei gleichzeitigem wie auch
nach vorherigem Strafvollzug durchgeführt werden könne. Es empfehle sich je-
doch, die Behandlung möglichst zeitnah einzuleiten, so dass es nicht empfeh-
lenswert erscheine, die Massnahme erst nach erfolgtem Strafvollzug einzuleiten
(Urk. HD 10/2 S. 65). Daraus wird deutlich, dass die zeitliche Komponente, die
ambulante Massnahme möglichst bald einzuleiten, im Vordergrund steht. Die
Gutachterin weist ferner darauf hin, dass der Erfolg einer Behandlung im ambu-
lanten Setting an die Motivation der Beschuldigten geknüpft ist (Urk. HD 10/2
S. 65). Diese dürfte durch den Aufschub der Strafe begünstigt werden und die
Chance einer erfolgreichen Behandlung gegenüber einem vorgängigen oder
gleichzeitigen Vollzug der Freiheitsstrafe erhöhen. Gemäss Rechtsprechung des
Bundesgerichts muss bei Freiheitsstrafen bis zu 2 Jahren, welche noch bedingt
vollziehbar sein könnten, schon die ernstzunehmende Möglichkeit der Bewährung
genügen, um das Strafbedürfnis (vorerst) zurücktreten zu lassen (vgl. dazu Heer,
BSK StGB I, N 59 f. zu Art. 63). Vorliegend wird eine Freiheitsstrafe von 9 Mona-
ten, somit einer Strafe im unteren Rahmen, ausgesprochen.
Aufgrund der nicht allzu hohen Freiheitsstrafe und des zeitlich dringlichen Be-
handlungsbedürfnisses der Beschuldigten sowie deren Ungefährlichkeit rechtfer-
tigt es sich, der Beschuldigten den Aufschub der Freiheitsstrafe zugunsten der
ambulanten Massnahme im Sinne einer letzten Chance gerade noch zu gewäh-
ren. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die Vollzugsbehörde eine vorüber-
gehende stationäre Behandlung anordnen kann, wenn dies zur Einleitung der
ambulanten Massnahme geboten erscheint, beispielsweise um eine medikamen-
töse Behandlung einzuleiten oder ähnliches (Art. 63 Abs. 3 StGB; Heer, a.a.O.,
N 77 zu Art. 63).
VIII. Zivilforderungen
Der Privatkläger hat keine Anschlussberufung erhoben. Demzufolge ist unter Be-
rücksichtigung des Verschlechterungsverbotes in Bestätigung des vorinstanzli-
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chen Entscheides das Schadenersatzbegehren des Privatklägers B._ auf
den Zivilweg zu verweisen.
Betreffend die Höhe der vom Privatkläger geltend gemachten und von der Vor-
instanz zugesprochenen Genugtuung von Fr. 1'800.– hat sich die Beschuldigte
vor Vorinstanz und auch im Berufungsverfahren nicht geäussert.
Eine Genugtuung von Fr. 1'800.– erscheint der erlittenen Verletzung des Privat-
klägers in seiner psychischen Integrität und dem Verschulden der Beschuldigten
angemessen. Die Beschuldigte ist daher zu verpflichten, dem Privatkläger eine
Genugtuung von Fr. 1'800.– zu bezahlen.
IX. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Regelung der Kosten und Entschädi-
gungsfolgen (Dispositiv-Ziffern 8 bis 11) zu bestätigen. Im Hauptpunkt unterliegt
die Beschuldigte vollumfänglich. Die Reduktion der Strafe und der Aufschub des
Vollzugs zugunsten der ambulanten Massnahme beruhen auf einem Ermessens-
entscheid des Gerichts. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind der Beschul-
digten somit in vollem Umfang aufzuerlegen (Art. 428 StPO). Die Kosten der amt-
lichen Verteidigung für das Berufungsverfahren sind auf die Gerichtskasse zu
nehmen, vorbehalten bleibt die Nachforderung gestützt auf Art. 135 Abs. 4 StPO.
Die Beschuldigte ist ferner zu verpflichten, dem Privatkläger B._ für das Be-
rufungsverfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 3'000.– zu bezahlen.
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