Decision ID: 0aeb65ae-0c05-5cfc-bb17-6a5106c33fbe
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis der Kategorien B und BE (seit 10. August 1987), der
Kategorie C (seit 12. Juli 1993), der Kategorie CE (seit 16. September 1997) sowie der
Unterkategorien A1, D1 und D1E. Der Führerausweis war ihm zwischen Dezember
1994 und März 2013 viermal zu Warnzwecken entzogen: 1. bis 31. Dezember 1994
(1 Monat wegen Geschwindigkeitsüberschreitung), 4. Dezember 2006 bis 3. April 2007
(4 Monate wegen Unaufmerksamkeit), 12. September 2006 bis 11. September 2007
(12 Monate wegen Fahrens trotz Führerausweisentzugs) und 4. Februar bis 3. März
2013 (1 Monat wegen Geschwindigkeitsüberschreitung).
Am 12. Januar 2017 wurde X von seinem Hausarzt, Dr.med. G, J, hinsichtlich der
Fahreignung untersucht. Im ärztlichen Zeugnis wurde festgehalten, es bestehe eine
schubweise auftretende Multiple Sklerose (MS), die mit dem Medikament Rebif
therapiert werde. Wegen des unklaren Untersuchungsergebnisses sei eine weitere
Abklärung bei einem Arzt der Anerkennungsstufe 3 notwendig. Der zweite Untersuch
fand am 23. Januar 2017 beim Vertrauens- und Amtsarzt Dr.med. W, R, statt; er
bejahte die Fahreignung. Wegen der MS-Erkrankung empfahl er jedoch jährliche
hausärztliche und neurologische Kontrolluntersuchungen. Das Strassenverkehrsamt
forderte X am 31. Januar 2017 auf, sich so bald wie möglich einer neurologischen
Untersuchung zu unterziehen. Dr.med. S, R, Facharzt für Neurologie, bestätigte im
Gutachten vom 12. Februar 2017 die Fahreignung ebenfalls. Im Vergleich zur
Untersuchung vom Dezember 2012 seien keine relevanten körperlichen Befunde
feststellbar. Gestützt auf diese ärztlichen Berichte ordnete das Strassenverkehrsamt
am 19. April 2017 eine weitere Untersuchung beim Vertrauensarzt an, um die
Angelegenheit nachher abschliessend beurteilen zu können. Der Gutachter bestätigte
die Fahreignung im Bericht vom 17. Mai 2017 und wiederholte seine Empfehlung,
jährliche hausärztliche und neurologische Kontrollen anzuordnen. Mit Verfügung vom
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15. Juni 2017 ordnete das Strassenverkehrsamt entsprechende Auflagen an und
verpflichtete X unter anderem, jeweils im Mai ein ärztliches Zeugnis einzureichen, das
gestützt auf neurologische Abklärungen Auskunft über die Fahreignung gebe. Ein
solcher Untersuch fand am 7. Juli 2017 statt. Der Neurologe führte aus, die Krankheit
verlaufe stabil, jedoch sei hinsichtlich der Gangstörung (Gangataxie) mit
Tagesschwankungen zu rechnen. Grundsätzlich sei X aber in der Lage,
Personenwagen und Lastwagen zu lenken.
B.- Am 7. November 2017 fiel X im Rahmen einer polizeilichen Intervention im
häuslichen Bereich wegen Verwirrtheit und eines unsicheren Gangs auf. Er wurde dem
Amtsarzt (Dr.med. W) zugeführt, der von einer fürsorgerischen Unterbringung absah,
jedoch eine Überprüfung der Fahreignung empfahl. Die Kantonspolizei informierte das
Strassenverkehrsamt über den Vorfall. Mit Zwischenverfügung vom 10. Januar 2018
forderte dieses X auf, sich beim Hausarzt untersuchen zu lassen. Da sich dieser für
befangen erklärte, wurde Dr.med. W mit der Begutachtung beauftragt. Im Bericht vom
5. Februar 2018 über die Untersuchung vom 29. Januar 2018 wurde die Fahreignung
wegen der fortgeschrittenen MS-Erkrankung verneint. Gestützt darauf stellte das
Strassenverkehrsamt X am 8. Februar 2018 den Entzug des Führerausweises auf
unbestimmte Zeit in Aussicht und verbot ihm vorsorglich ab sofort das Führen von
Motorfahrzeugen aller Kategorien. Mit Verfügung vom 6. März 2018 entzog es X den
Führerausweis auf unbestimmte Zeit. Die Aufhebung der Massnahme machte es vom
Vorliegen der Fahreignung, bestätigt durch eine Ärztin oder einen Arzt der Stufe 4,
abhängig. Einem allfälligen Rekurs wurde die aufschiebende Wirkung entzogen.
C.- Mit Eingabe vom 14. März 2018 erhob X durch seinen Rechtsvertreter Rekurs bei
der Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte, die Verfügung des
Strassenverkehrsamts vom 6. März 2018 sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge
aufzuheben und dem Rekurs sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen. Er ersuchte
zudem um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung durch Rechtsanwalt
Jakob Ackermann, Jona. Mit Zwischenverfügung vom 19. April 2018 (ZV-2018/30)
wurde das Gesuch gutgeheissen. Das Strassenverkehrsamt verzichtete am 24. Mai
2018 auf eine Rekursvernehmlassung. Am 11. Juni 2018 wies der Verfahrensleiter das
Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ab (ZV-2018/46).
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Auf die Ausführungen des Rekurrenten zur Begründung seines Antrags wird, soweit
erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 14. März 2018 ist rechtzeitig eingereicht
worden und erfüllt in formeller und materieller Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
von Art. 41 lit. g , Art. 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekurs ist umstritten, ob die Vorinstanz den Führerausweis zu Recht für
unbestimmte Zeit entzogen hat.
a) Ausweise und Bewilligungen sind zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die
gesetzlichen Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16
Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG). Art. 16d SVG regelt
den Führerausweisentzug wegen fehlender Fahreignung. Danach ist unter anderem
nicht geeignet, ein Fahrzeug zu führen, wer nicht mehr über die notwendige körperliche
oder geistige Leistungsfähigkeit verfügt, um ein Motorfahrzeug sicher zu führen
(Art. 16d Abs. 1 lit. a SVG). Ein solcher Ausweisentzug setzt keine Widerhandlung
gegen die Strassenverkehrsvorschriften voraus. Mit dem Begriff der Fahreignung
umschreiben alle betroffenen wissenschaftlichen Disziplinen (insbesondere Medizin,
Psychologie und Jurisprudenz) die körperlichen und geistigen Voraussetzungen des
Individuums, um ein Fahrzeug im Strassenverkehr sicher lenken zu können. Die
Fahreignung muss grundsätzlich dauernd vorliegen (BGE 133 II 384 E. 3.1, mit
Hinweisen).
Inhaber eines Führerausweises der Kategorien C und D sowie der Unterkategorien C1
und D1 sind verpflichtet, sich bis zum 50. Altersjahr alle fünf Jahre einer
verkehrsmedizinischen Kontrolluntersuchung zu unterziehen, danach alle drei Jahre
(Art. 27 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 der Verkehrszulassungsverordnung, SR 741.51, abgekürzt:
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VZV). Diese Untersuchungen werden von kantonal anerkannten Ärzten der Stufe 2
durchgeführt (Art. 5a Abs. 1 lit. b Ziff. 2 VZV). Lässt das Ergebnis der
Erstuntersuchung keinen eindeutigen Schluss über die Fahreignung zu, wird eine
Zweituntersuchung durch einen Arzt der Stufe 3 durchgeführt (lit. c Ziff. 1). Die ärztliche
Einschätzung wird in Form eines Gutachtens mitgeteilt. Dieses muss nachvollziehbar,
belegt und begründet sein (vgl. Ph. Weissenberger, Kommentar SVG und OBG,
2. Aufl. 2015, Art. 15d SVG N 9). Für dessen Beweiswert ist entscheidend, ob es auf
umfassenden verkehrsmedizinischen Abklärungen beruht, in Kenntnis der Vorakten
(Anamnese) abgegeben wurde, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge
und der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des
Experten auf einer schlüssigen, nachvollziehbaren und in sich geschlossenen
Begründung beruhen (vgl. Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_7/2017 vom 10. Mai
2017 E. 3.5 mit Verweis auf BGE 125 V 351 E. 3a).
Wie jedes Beweismittel unterliegen Gutachten der freien richterlichen
Beweiswürdigung. In Sachfragen weicht das Gericht aber nur aus triftigen Gründen von
einer gerichtlichen Expertise ab. Die Beweiswürdigung und die Beantwortung der sich
stellenden Rechtsfragen ist Aufgabe des Gerichts. Dieses hat zu prüfen, ob sich auf
Grund der übrigen Beweismittel und der Vorbringen der Parteien ernsthafte Einwände
gegen die Schlüssigkeit der gutachterlichen Darlegungen aufdrängen. Erscheint ihm
die Schlüssigkeit eines Gutachtens in wesentlichen Punkten zweifelhaft, hat es
nötigenfalls ergänzende Beweise zur Klärung dieser Zweifel zu erheben. Das Abstellen
auf eine nicht schlüssige Expertise oder der Verzicht auf die gebotenen zusätzlichen
Beweiserhebungen kann gegen das aus Art. 9 BV abgeleitete Verbot willkürlicher
Beweiswürdigung verstossen (BGer 1C_101/2015 vom 8. Juli 2015 E. 4.3 mit
Hinweisen auf die Rechtsprechung).
b) Die Vorinstanz stützte die angefochtene Verfügung auf das Gutachten des
Vertrauensarztes vom 5. Februar 2018. Sie erwog, der Arztbericht weise keine
offensichtlichen Mängel auf. Er erscheine schlüssig und sei nachvollziehbar begründet.
Aus den Ausführungen gehe hervor, dass der Rekurrent im heutigen Zeitpunkt ein
besonderes Risiko im Strassenverkehr darstelle. Im Rekurs wurde dagegen
vorgebracht, der Sicherungsentzug sei nicht gerechtfertigt, da keine die Fahreignung
beeinträchtigenden Mängel ersichtlich seien. Die Schlussfolgerungen des Gutachters
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seien nicht nachvollziehbar, zumal keine Einsicht in allfällige medizinische Berichte
gewährt worden sei.
c) Die Vorinstanz ordnete mit Verfügung vom 15. Januar 2018 eine
Fahreignungsabklärung nach Art. 15d Abs. 1 SVG an. Sie beauftragte den
Vertrauensarzt mit einer medizinischen Untersuchung des Rekurrenten. Gemäss
Art. 28a Abs. 1 lit. a und Art. 5a VZV sind Untersuchungen bei rein
verkehrsmedizinischen Fragestellungen von einem Arzt der Stufe 1, 2 oder 3
durchzuführen. Der von der Vorinstanz beauftragte Vertrauensarzt verfügt über eine
Zulassung der Stufe 3, weshalb er zum Untersuch berechtigt war (vgl.
www.medtraffic.ch). Zu beanstanden ist indessen, dass dem Rekurrenten im Rahmen
der Gewährung des rechtlichen Gehörs keine Gelegenheit geboten wurde, sich zu den
Gutachtern zu äussern, und zwar weder zum zuerst beauftragten Hausarzt, der den
Auftrag wegen Befangenheit ablehnte, noch zum Vertrauensarzt, der die Untersuchung
durchführte (vgl. Urteil der Verwaltungsrekurskommission [VRKE] IV-2017/135 vom 22.
Februar 2018 E. 3a, im Internet abrufbar unter: www.gerichte.sg.ch). Darauf ist jedoch
nicht weiter einzugehen, da der Rekurrent gegen den Gutachter nicht opponierte.
d) aa) Der verkehrsmedizinische Vertrauensarzt schilderte im Gutachten vorab die
Vorgeschichte. Er kenne den Rekurrenten seit dem Jahr 2010. Damals sei dieser
wegen Drohungen gegenüber seiner Freundin, impulsiven Verhaltens und fehlenden
Realitätsbezugs aufgefallen. Infolge der MS-Erkrankung seien zunehmend
neurologische Störungen aufgetreten, die den Rekurrenten für jedermann sichtbar
beeinträchtigt hätten. Im Jahr 2017 habe er in seiner Funktion als Amtsarzt mehrmals
wegen häuslicher Gewalt mit dem Rekurrenten zu tun gehabt. Schon damals habe er
die reduzierte körperliche Verfassung und den mangelnden kognitiven Realitätsbezug
festgestellt, die Fahrfähigkeit jedoch noch nicht verneint. Im zweiten Teil des
Gutachtens hielt der Vertrauensarzt zur Untersuchung fest, der Rekurrent habe
ausgeprägte Gehstörungen in Form einer Paraspastik gezeigt. Er habe einen
unsicheren Gang, und auch die Koordination der Arme und die Feinmotorik der Hände
seien eingeschränkt. Im Gespräch sei er auffällig gewesen, insbesondere hinsichtlich
der Sprachmodulation und der Lautstärke. Zudem habe er Drohungen ausgestossen
und Mühe gehabt, problemorientiert zu denken und beim Thema zu bleiben. Die Zeit,
die er für den Trail-A-Test benötigt habe, sei weit über dem Normbereich gelegen.
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Gesichtsfeldeinschränkungen habe er nicht feststellen können. Unter dem Titel
"Beurteilung" hielt der Gutachter abschliessend fest, der Rekurrent sei nicht
fahrtauglich. Die fachneurologische Behandlung habe keine Verbesserung der
körperlichen und kognitiven Störungen ergeben; auch bestehe keine
Krankheitseinsicht. Weiter führte er aus, die MS-Erkrankung sei im Vergleich zu den
Voruntersuchungen fortgeschritten. Es bestünden neben den stark ausgeprägten
spastischen Bewegungsstörungen auch kognitive Beeinträchtigungen mit
Realitätsverkennungen und Impulsivität, weshalb es zu einem Polizeieinsatz gekommen
sei. Auf Druck der letzten Untersuchung habe der Rekurrent einen Neurologen
aufgesucht. Dieser habe die Krankheit aber nicht stabilisieren können. Massnahmen
könnten die Fahrtauglichkeit somit nicht verbessern. Weitere Abklärungen seien nicht
notwendig.
bb) In tatsächlicher Hinsicht ist unbestritten, dass der Rekurrent zwischen dem
23. Januar und dem 7. Juli 2017 viermal verkehrsmedizinisch untersucht wurde, und
zwar zweimal vom Vertrauensarzt (Arzt der Stufe 3, Amtsarzt) und zweimal von einem
Facharzt für Neurologie. Die Ärzte diagnostizierten übereinstimmend eine MS-
Erkrankung mit schubhaftem, aber stabilem Verlauf. Dabei handelt es sich um eine
chronisch fortschreitende, neurologische Erkrankung, die das zentrale Nervensystem
(Gehirn und Rückenmark) betrifft und eine fachärztliche Therapie erfordert. Es können
zerebrale und spinale Symptome wie Sehstörungen, Blasen- und Darmstörungen,
Sensibilitätsstörungen und spastische Paresen (Lähmungen, motorische Schwächen)
auftreten. Ein Schub dauert in der Regel länger als 24 Stunden und tritt frühestens 30
Tage nach Beginn des letzten auf (vgl. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl.,
Berlin 2017, S. 1187). Der Facharzt für Neurologie hielt im Gutachten vom 12. Februar
2017 fest, im Vergleich zur Voruntersuchung vom Dezember 2012 sei keine relevante
Veränderung des körperlichen Zustands feststellbar (act. 3/14). Im Bericht vom 7. Juli
2017 bestätigte er den stabilen Krankheitsverlauf, wobei hinsichtlich der Gangataxie
(Gangstörung) von Tagesschwankungen auszugehen sei. Die Eignung zum Führen von
Personen- und Lastwagen sei weiterhin gegeben (act. 3/27). Auch der Vertrauensarzt
bestätigte am 17. Mai 2017, dass sich der Gesundheitszustand gegenüber der
Untersuchung vom Januar 2017 nicht verändert habe. Aufgrund der
übereinstimmenden ärztlichen Empfehlungen ordnete die Vorinstanz am 15. Juni 2017
jährliche neurologische Kontrolluntersuchungen an. Der Rekurrent wurde verpflichtet,
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erstmals im Mai 2018 einen entsprechenden ärztlichen Bericht einzureichen, wobei die
Vorinstanz ausdrücklich eine neurologische Beurteilung verlangte. Bis Mitte des Jahres
2017 bestanden demnach aus medizinischer Sicht keine Bedenken, den Rekurrenten
weiterhin am Strassenverkehr teilnehmen zu lassen. Erst die Mitteilung eines Polizisten,
der den Rekurrenten am 7. November 2017 im Rahmen einer Intervention im
häuslichen Bereich kontrollierte und im Bericht als verwirrt und nicht mehr gut zu Fuss
beschrieb, führte zu Zweifeln an der Fahrfähigkeit; insbesondere auch beim Amtsarzt,
der damals die Notwendigkeit einer fürsorgerischen Unterbringung zu prüfen hatte und
später die von der Vorinstanz am 15. Januar 2018 angeordnete verkehrsmedizinische
Untersuchung als Vertrauensarzt durchführte.
cc) Gemäss dem vertrauensärztlichen Bericht befand sich der Rekurrent im Zeitpunkt
der Untersuchung in einem schlechten gesundheitlichen Zustand. Die Symptome der
Krankheit seien deutlich zu Tage getreten, so eine ausgeprägte Gangstörung, eine
eingeschränkte Koordination der Arme und eine Beeinträchtigung der Feinmotorik der
Hände. Die Feststellung des Gutachters, die Symptome der MS-Erkrankung seien im
Vergleich zu früheren Untersuchungen ausgeprägter gewesen, erscheint deshalb
nachvollziehbar. Indessen lag im Untersuchungszeitpunkt keine aktuelle neurologische
Beurteilung vor; die letzte datiert vom Juli 2017 und fiel für den Rekurrenten positiv
aus. Das ist insofern von Bedeutung, als der Vertrauensarzt im Schreiben vom 17. Mai
2017 eine jährliche verkehrsmedizinische Untersuchung gestützt auf einen
neurologischen Bericht empfahl. Der Rekurrent wurde deshalb von der Vorinstanz mit
Verfügung vom 15. Juni 2017 verpflichtet, jährlich ein ärztliches Zeugnis einzureichen,
das aufgrund neurologischer Abklärungen Auskunft über die Fahreignung gebe. Die
Vorinstanz mass diesem fachärztlichen Urteil offenbar erhebliches Gewicht bei. Eine
neurologische Untersuchung wurde aber vor oder im Zusammenhang mit der letzten
vertrauensärztlichen Untersuchung nicht vorgenommen, zumindest ergibt sich dies aus
dem Gutachten nicht. Ob sich der Rekurrent nach wie vor in neurologischer
Behandlung befindet, namentlich regelmässig mit dem Medikament Rebif therapiert
wird, und tatsächlich sämtliche therapeutischen Möglichkeiten bereits ausgeschöpft
sind, lässt sich dem Bericht nicht entnehmen. Der Gutachter führte dazu lediglich aus,
der Rekurrent sei nicht krankheitseinsichtig, ohne dies näher zu erläutern. Die
Feststellung, Massnahmen – gemeint sein dürften medizinisch-therapeutische –
könnten die Fahrtauglichkeit nicht verbessern, ist deshalb für den medizinischen Laien
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nicht nachvollziehbar. Zu berücksichtigen ist, dass sich der Rekurrent auch in einer
schlechten gesundheitlichen Tagesform befunden haben könnte, denn anlässlich der
neurologischen Untersuchung vom 7. Juli 2017 wurde festgestellt, es bestünden wohl
"Tagesschwankungen hinsichtlich der Gangataxie". Mit diesem Aspekt setzte sich der
Gutachter ebenfalls nicht auseinander. Im Weiteren geht aus dem
verkehrsmedizinischen Gutachten nicht hervor, welche Untersuchungen durchgeführt
wurden. Der Vertrauensarzt erwähnte lediglich den Trail-Making-Test A, für den der
Rekurrent zu viel Zeit benötigt habe, und den Sehtest, der offenbar zu keinen
Bedenken Anlass gab. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die Fahreignung des
Rekurrenten nicht umfassend abgeklärt wurde.
dd) Somit steht im Gutachten zwar, dass die Fahreignung des Rekurrenten im
Untersuchungszeitpunkt krankheitsbedingt beeinträchtigt gewesen sei, jedoch
erschliesst sich daraus nicht, weshalb sich der Gesundheitszustand des Rekurrenten
innert kurzer Zeit derart verschlechtert haben könnte. Insbesondere setzte sich der
Gutachter nicht mit den möglichen Therapien zur Linderung der Symptome
auseinander, sondern ging ohne Konsultation des Neurologen davon aus, es
bestünden keine Massnahmen zur Verbesserung der Fahrtauglichkeit, wobei er seine
Einschätzung nicht näher begründete. Damit fehlt es dem Gutachten an einer in sich
geschlossenen, nachvollziehbaren und schlüssigen Begründung, wie sie vom
Bundesgericht verlangt wird (vgl. BGer 1C_7/2017 vom 10. Mai 2017 E. 3.5 mit Verweis
auf BGE 125 V 351 E. 3a). Die Vorinstanz hätte demnach den Führerausweisentzug auf
unbestimmte Zeit nicht alleine gestützt auf den Bericht des Vertrauensarztes vom
5. Februar 2018 anordnen dürfen. Vielmehr hätte sie den Sachverhalt weiter abklären
und namentlich eine ergänzende neurologische Begutachtung anordnen müssen, wie
sie dies in der Verfügung vom 15. Juni 2017 (Auflagen) vorsah. Die Vorinstanz verlangte
dort ausdrücklich eine neurologische und damit fachärztliche Beurteilung des
Gesundheitszustands.
e) Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs teilweise gutzuheissen ist. Die
Verfügung der Vorinstanz (Entzug des Führerausweises auf unbestimmte Zeit) ist
aufzuheben, und die Angelegenheit ist zu weiteren Sachverhaltsabklärungen im Sinne
der Erwägungen und zu neuer Verfügung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die
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Vorinstanz wird zudem zu prüfen haben, ob der Führerausweis dem Rekurrenten für die
Dauer des Verfahrens vorsorglich zu entziehen ist.
3.- a) Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem
Rekurrenten und dem Staat je zur Hälfte aufzuerlegen. Die angefochtene Verfügung ist
zwar aufzuheben, der Rekurrent dringt mit seinem Hauptantrag auf
Wiederaushändigung des Führerausweises jedoch nicht durch. Ob die Fahreignung
gegeben ist, kann erst nach den zusätzlichen Abklärungen beurteilt werden. Eine
Entscheidgebühr von Fr. 1'800.–, worunter die Kosten der Verfügung zur
aufschiebenden Wirkung vom 11. Juni 2018 von Fr. 200.– (ZV-2018/46), erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf die
Erhebung der amtlichen Kosten ist infolge der Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege vorläufig zu verzichten.
b) Mit Verfügung vom 19. April 2018 wurde dem Rekurrenten die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung durch Rechtsanwalt Jakob Ackermann bewilligt. Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat keine Kostennote eingereicht. Das Honorar
im Verfahren vor der Verwaltungsrekurskommission wird grundsätzlich pauschal
bemessen, wobei der Rahmen zwischen Fr. 1'000.– und Fr. 12'000.– liegt (Art. 22 Abs.
1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75,
abgekürzt: HonO). Der Aktenumfang ist im Vergleich zu anderen
Sicherungsentzugsverfahren eher gering. Weder in tatsächlicher noch in rechtlicher
Hinsicht ergaben sich besondere Schwierigkeiten. Zu prüfen war im Wesentlichen die
Nachvollziehbarkeit des verkehrsmedizinischen Gutachtens. Der Rechtsvertreter
beschränkte sich im Rekurs auf den wesentlichen Punkt; entsprechend kurz fiel seine
Eingabe aus. Ein zufolge unentgeltlicher Rechtspflege um 20% gekürztes Honorar von
Fr. 1'000.– erscheint deshalb angemessen. Hinzuzuzählen sind die Barauslagen von
Fr. 40.– (4% von Fr. 1'000.–) und die Mehrwertesteuer von Fr. 80.10 (7,7% von
Fr. 1'040.– ; Art. 28 Abs. 1 und Art. 29 HonO). Die aus der Gerichtskasse zu
bezahlende ausseramtliche Entschädigung beläuft sich somit auf insgesamt
Fr. 1'120.10.
c) Der Rekurrent wird darauf hingewiesen, dass er zur Nachzahlung von Gerichts- und
Anwaltskosten verpflichtet werden kann, wenn sich seine wirtschaftlichen Verhältnisse
bis
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entsprechend verbessern (Art. 99 Abs. 2 VRP und Art. 123 Abs. 1 ZPO). Der
unentgeltliche Rechtsvertreter wird darauf hingewiesen, dass er von seinem
Mandanten kein zusätzliches Honorar fordern darf (Art. 11 HonO).