Decision ID: 708e0adc-b985-48e9-99d2-408e148ead1f
Year: 2019
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Die Berufungskammer hält fest, dass:
̶ B. am 23. November 2018 bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts ein
Ausstandsgesuch gegen Bundesanwalt A. und weitere Personen, welche bei der Bun-
desanwaltschaft und der Bundeskriminalpolizei Mitglieder der sogenannten FIFA
Taskforce waren und/oder für die FIFA Taskforce arbeiteten, einreichte (S. 1.100.013
ff.);
̶ am 17. Juni 2019 die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts das Gesuch von
B. teilweise guthiess, indem sie die gegen Bundesanwalt A., gegen den ehemaligen
Leitenden Staatsanwalt des Bundes C. sowie gegen den Staatsanwalt des Bundes D.
geltend gemachten Ausstandsgründe bejahte (S. 1.100.039, Beschluss des Bun-
desstrafgerichts BB.2018.197 Dispositivziffer 1);
̶ Bundesanwalt A. am 27. Juni 2019 ein Revisionsgesuch gegen den Beschluss
BB.2018.197 und gegen einen weiteren Beschluss des Bundesstrafgerichts
(BB.2019.190 + BB.2018.198; dieser wird unter der Verfahrensnummer CR.2019.2
geführt), bei der Berufungskammer des Bundesstrafgerichts einreichte;
̶ Bundesanwalt A., gestützt auf Art. 60 Abs. 3 StPO i.V.m. Art. 56 Abs. 1 lit. f StPO
argumentierte, dass während des Verfahrens BB.2018.197 Ausstandsgründe betref-
fend Bundesstrafrichter E. – Präsident der Beschwerdekammer des Bundesstrafge-
richts und Vorsitz der Zusammensetzung, die den Beschluss BB.2018.197 erliess –
bestünden und er davon erst nach Abschluss des Verfahrens Kenntnis erlangt habe
(S. 1.100.001 ff.);
̶ Bundesanwalt A. somit im Wesentlichen beantragte, dass (1) bezüglich Bundesstraf-
richter E. das Vorliegen eines Ausstandsgrundes festzustellen sei und dass (2) der
Beschluss BB.2018.197 (Dispositivziffer 1) vom 17. Juni 2019 aufzuheben und das
Fehlen eines Ausstandsgrundes hinsichtlich Bundesanwalt A. festzustellen sei; even-
tualiter das Ausstandsgesuch von B. einer Neubeurteilung durch die Beschwerdekam-
mer zuzuführen sei respektive die Sache zur neuen Beurteilung zurückzuweisen sei;
̶ die Berufungskammer aufgrund der folgenden Erwägungen auf die Durchführung ei-
nes Schriftenwechsels verzichtete.
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Die Berufungskammer zieht in Erwägung, dass:
̶ die Berufungskammer gemäss Art. 38a StBOG über Berufungen und Revisionsgesu-
che entscheidet;
̶ aufgrund von Art. 40 StBOG für Revision, Erläuterung und Berichtigung von Entschei-
den der Beschwerdekammern nach Artikel 37 Absatz 2 die Artikel 121-129 des Bun-
desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 sinngemäss gelten, da in diesen Verfahren
nicht die StPO, sondern die spezialgesetzlichen Regeln zur Anwendung gelangen
(BBI 2008 8166);
̶ die übrigen Entscheide der Beschwerdekammern der Revision nicht zugänglich sind,
da es sich dabei nicht um Entscheide im Sinne von Art. 410 Abs. 1 StPO handelt (TPF
2011 115 E. 2.2; BBI 2008 8166; SCHMID/JOSITSCH, Handbuch des schweizerischen
Strafprozessrechts, 3. Aufl. 2017, N. 1587; OBERHOLZER, Stämpflis Handkommentar,
Bundesgerichtsgesetz, Art. 119a BGG N. 3);
̶ im konkreten Fall der Beschluss der Beschwerdekammer BB.2018.197 in Anwendung
von Art. 59 Abs. 1 lit. b StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG gefällt wurde und somit nicht
der Revision nach Art. 40 StBOG i.V.m. Art. 121 ff. BGG unterliegt;
̶ selbst in Nachachtung der Argumentation des Gesuchstellers und in Anwendung von
Art. 410 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 60 Abs. 3 StPO das Ergebnis in Anbetracht der fol-
genden Ausführungen nicht anders ausfallen würde;
̶ aufgrund von Art. 60 Abs. 3 StPO die Bestimmungen über die Revision gelten, wenn
der Ausstandsgrund erst nach Abschluss des Verfahrens entdeckt wird und Art. 60
Abs. 3 StPO somit die Revisionsgründe gemäss Art. 410 StPO ergänzt (BGE 144 IV
36 E. 2.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_733/2018 vom 24. Oktober 2018 E. 2.3; FIN-
GERHUTH, in Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordung, 2. Aufl. 2014,
Art. 410 StPO N. 73; HEER, in Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozesssord-
nung/Jugendstrafprozessordnung 2. Aufl. 2014, Art. 410 StPO N. 14; JEANNE-
RET/KUHN, Précis de procédure pénale, 2.. Aufl. 2018, N. 19118);
̶ nach Art. 410 Abs. 1 StPO die Revision verlangen kann, wer durch ein rechtskräftiges
Urteil, einen Strafbefehl, einen nachträglichen richterlichen Entscheid oder einen Ent-
scheid im selbstständigen Massnahmenverfahren beschwert ist;
̶ Urteile Entscheide sind, in denen über Straf- und Zivilfragen materiell befunden wird
und die anderen Entscheide in der Form eines Beschlusses oder einer Verfügung er-
gehen (Art. 80 Abs. 1 StPO) und gegen Letztere die Revision nicht zulässig ist (BGE
141 IV 269 E. 2.2.2; Entscheid des Bundesstrafgerichts BB.2017.95 vom 3. Juli 2017,
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BB.2016.353 vom 5. Oktober 2016, BB.2016.89 vom 9. Mai 2016; BB.2016.30 vom
18. Februar 2016, BB.2015.108 vom 7. Dezember 2015 E. 1.1);
̶ die Revision im Sinne von Art. 410 StPO somit nur gegen rechtskräftige Sachurteile
zulässig ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_30/2018 vom 21. Juni 2018 E. 1.2), der
Beschluss BB.2018.197 offensichtlich kein Sachurteil ist und deshalb der Revision
nicht unterliegen kann;
̶ das Revisionsgesuch somit unzulässig ist;
̶ das Gericht auf einen Schriftenwechsel verzichtet und auf das Revisionsgesuch nicht
eintritt, falls Letzteres offensichtlich unzulässig ist (Art. 412 Abs. 2 StPO, Art. 412 Abs.
3 e contrario StPO; SCHMID, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, Art. 412 N. 4);
̶ aufgrund des oben Gesagten auf das Revisionsgesuch nicht einzutreten ist;
̶ bei diesem Ausgang des Verfahrens auf die Erhebung einer Gerichtsgebühr zu ver-
zichten ist;
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