Decision ID: 80787d53-2a59-4b11-9df4-5f831b4eefe0
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X.Y. (geb. 1987, kosovarischer Staatsangehöriger) heiratete am 1. Februar 2008 im
Kosovo seine seit 1996 in der Schweiz niedergelassene Landsfrau Q.T. (geb. 1988). Im
Rahmen des Familiennachzuges reiste er am 14. Mai 2008 zu seiner Ehefrau in die
Schweiz ein und erhielt eine einjährige Aufenthaltsbewilligung. Am 7. November 2009
kam der gemeinsame Sohn S. zur Welt, welcher wie seine Mutter die
Niederlassungsbewilligung erhielt. Das Ausländeramt (heute Migrationsamt) sistierte
am 27. Oktober 2009 die Behandlung des Gesuchs von X.Y. vom 8. Juni 2009 um
Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung für die Dauer von sechs Monaten. Am
14. Juni 2010 verweigerte es die Verlängerung und auferlegte X.Y. Verfahrenskosten
von Fr. 200.-. Es stützte seinen Entscheid im Wesentlichen auf bis dahin gegen X.Y.
ergangene, fremdenpolizeilich als schwerwiegend betrachtete 23 Bussenverfügungen
sowie auf Betreibungen über Fr. 21'441.20. Den gegen die Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung erhobenen Rekurs wies das Sicherheits- und Justizdepartement
des Kantons St. Gallen (nachfolgend Vorinstanz) am 24. Juni 2011 ab. Zufolge
unentgeltlicher Rechtspflege wurden die Entscheidgebühr von Fr. 1'000.- vom Staat
getragen und der Rechtsvertreter mit Fr. 800.- zuzüglich Mehrwertsteuer entschädigt
(RDRM.2010.92).
Das Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen wies die von X.Y. (nachfolgend
Beschwerdeführer) gegen den Rekursentscheid erhobene Beschwerde am
15. Dezember 2011 ab. Da dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege
gewährt worden war, wurden die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 2'000.-
vom Staat getragen und der Rechtsvertreter entsprechend seiner Honorarnote vom
12. September 2011, die auf einem Aufwand von 9.69 Stunden zu einem - reduzierten -
Ansatz von Fr. 200.- je Stunde (Fr. 1'938.-) und einer Pauschale von vier Prozent auf
der Basis eines ungekürzten Honorars (Fr. 2'422.50; Stundenansatz Fr. 250.-) für die
Barauslagen (Fr. 96.90) beruhte, mit Fr. 2'034.90 zuzüglich Mehrwertsteuer entschädigt
(B 2011/150). Die Entschädigung von Fr. 2'197.70 (inkl. Mehrwertsteuer) wurde dem
Rechtsvertreter am 31. Januar 2012 ausbezahlt.
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B./ Die von X.Y. gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts am 31. Januar 2012
erhobene Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten hiess das
Bundesgericht am 14. Dezember 2012 gut (2C_97/2012). Es hob den angefochtenen
Entscheid auf, wies das Migrationsamt des Kantons St. Gallen an, die
Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers zu verlängern, und die Sache zur
Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen des kantonalen Verfahrens an das
Verwaltungsgericht zurück.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers reichte zusammen mit Eingabe vom
7. Januar 2013 für das Beschwerdeverfahren vor dem Verwaltungsgericht eine neue
Honorarnote ein, welche für den Aufwand von 9.69 Stunden von einem ungekürzten
Stundenansatz von Fr. 250.- ausging. Unter Berücksichtigung der unveränderten
pauschalen Barauslagen von Fr. 96.90 und der am 31. Januar 2012 bereits
ausbezahlten ausseramtlichen Entschädigung von Fr. 2'197.70 ergab sich ein
Rechnungsbetrag von Fr. 523.25 (9.69 Stunden zu je Fr. 50.- zuzüglich
Mehrwertsteuer).

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Das Bundesgericht wies mit Urteil vom 14. Dezember 2012 das Migrationsamt des
Kantons St. Gallen an, die Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers zu
verlängern. In der Sache entsprach es damit dem Begehren, welches der
Beschwerdeführer zu Unrecht erfolglos vor den kantonalen Instanzen gestellt hatte.
2. Nach Art. 95 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1,
abgekürzt VRP) hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die amtlichen Kosten zu tragen,
dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden. Aufgrund dieser
Bestimmung sind die amtlichen Kosten der Verfahren vor dem Verwaltungsgericht
(Fr. 2'000.-), dem Sicherheits- und Justizdepartement (Fr. 1'000.-) und dem
Migrationsamt (Fr. 200.-) dem Staat aufzuerlegen. Auf die Erhebung der Kosten wird
verzichtet (Art. 95 Abs. 3 VRP). Im Rekurs- und im kantonalen Beschwerdeverfahren
wurden zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege die amtlichen Kosten
vom Staat getragen. Auf die Erhebung von Kostenvorschüssen wurde verzichtet.
Dementsprechend bestehen keine Rückerstattungsansprüche des Beschwerdeführers.
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Dies gilt auch für die ihm im Verfahren vor dem Migrationsamt auferlegten Kosten,
soweit er sie nicht bereits bezahlt hat.
3. Nach Art. 98 Abs. 1 VRP besteht im Beschwerdeverfahren vor Verwaltungsgericht
Anspruch auf Ersatz der ausseramtlichen Kosten, welche den am Verfahren Beteiligten
gemäss Art. 98bis VRP nach Obsiegen und Unterliegen auferlegt werden. Die
Vorschriften der Schweizerischen Zivilprozessordnung (SR 272, abgekürzt ZPO) über
die Parteientschädigung finden sachgemäss Anwendung (Art. 98ter VRP). Vor
Verwaltungsgericht wird die unentgeltliche Rechtsverbeiständung in sachgemässer
Anwendung der entsprechenden Vorschriften der ZPO gewährt (Art. 99 Abs. 1 und 2
VRP). Zu klären sind in der Folge Grundlage (vgl. dazu nachfolgend E. 3.1) und Höhe
des Ersatzanspruchs (vgl. dazu nachfolgend E. 3.2).
3.1. Da dem Begehren des Beschwerdeführers auch in den kantonalen Verfahren
vollumfänglich zu entsprechen gewesen wäre, sind die Vertretungskosten in diesen
Verfahren aufgrund des in Art. 98bis VRP verankerten Erfolgsprinzips – und nicht
gestützt auf Art. 99 VRP, welche die am 22. August 2011 gewährte unentgeltliche
Rechtsverbeiständung regelt – zu ersetzen.
Stützt sich der Anspruch auf die unentgeltliche Rechtsverbeiständung, richtet er sich
gegen den Staat, stützt er sich auf das Erfolgsprinzip, richtet er sich gegen die
Gegenpartei (vgl. M. Kayser, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum
Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Zürich/St. Gallen 2008, N 38 zu Art. 65
VwVG), welche auch im Verwaltungsverfahren nicht in allen Fällen mit dem Staat
identisch ist. Der öffentlich-rechtliche Entschädigungsanspruch auf der Grundlage der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung hat subsidiären Charakter und bleibt ohne
Einfluss auf die Prozessentschädigung des unterliegenden Gegners. Er kommt dann
zum Tragen, wenn keine Prozessentschädigung geschuldet oder diese uneinbringlich
ist (vgl. BGer 5P.421/2000 vom 10. Januar 2001 E. 3b). Der subsidiäre Charakter zeigt
sich insbesondere darin, dass ein Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung –
soweit nicht vorab darüber entschieden wurde – mit der Gutheissung der Begehren der
den Anspruch geltend machenden Partei gegenstandslos wird (vgl. BGer 2C_97/2012
vom 14. Dezember 2012 E. 3.2).
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Die Unterscheidung der Anspruchsgrundlagen ist auch dann von Belang, wenn an
einem Verfahren wie vorliegend ausschliesslich kantonale Behörden beteiligt sind. Hier
zeigt sie sich darin, dass die Kosten bei Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung im Beschwerdeverfahren dem Gericht und bei Anwendung des
Erfolgsprinzips dem zuständigen Departement belastet werden. Die Rechtsverhältnisse
unterscheiden sich aber auch hinsichtlich der Personen, denen der Anspruch auf den
Kostenersatz zukommt. Wird dem Vertretenen die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung gewährt, tritt der als Rechtsbeistand bestellte Rechtsvertreter in
ein öffentlich-rechtliches Verhältnis zum Staat und der Kostenersatz ist ihm
zuzusprechen (vgl. BGE 132 V 200 E. 5.1.4; 122 I 322 E. 3b). Werden die
ausseramtlichen Kosten hingegen entsprechend dem Erfolgsprinzip der obsiegenden
Partei ersetzt, handelt es sich um eine Entschädigung, welche der Partei – und nicht
unmittelbar dem Vertreter – zusteht. Würden die Vertretungskosten gestützt auf die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung ersetzt, wäre die Partei, welcher die
Rechtswohltat gewährt wurde, zudem während zehn Jahren zur Nachzahlung der
Kosten verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (vgl. Art. 98ter VRP in Verbindung
mit Art. 123 ZPO). Eine solche Pflicht ist jedoch nicht gerechtfertigt, wenn der Partei ein
Ersatzanspruch, der sich auf das Erfolgsprinzip stützt, zukommt.
3.2. Gemäss Art. 22 Abs. 1 Ingress und lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte
und Rechtsagenten (sGS 963.75, abgekürzt HonO) beträgt das Honorar in der
Verwaltungsrechtspflege vor Verwaltungsgericht pauschal Fr. 1'000.- bis Fr. 12'000.-.
Innerhalb des für eine Pauschale gesetzten Rahmens wird das Grundhonorar nach den
besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der
Schwierigkeit des Falls und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten,
bemessen (Art. 19 HonO).
Der Rechtsvertreter macht in der Honorarnote vom 7. Januar 2013 bei einem
Zeitaufwand für das Beschwerdeverfahren von 9.69 Stunden und einem Ansatz von
Fr. 250.- je Stunde sowie pauschalen Barauslagen von vier Prozent Kosten von
Fr. 2'519.40 (zuzüglich Mehrwertsteuer) geltend. Die ausseramtliche Entschädigung
von Fr. 2'034.90 (zuzüglich Mehrwertsteuer), die dem Rechtsvertreter im
Beschwerdeentscheid vom 15. Dezember 2011 aus unentgeltlicher Rechtspflege
zugesprochen wurde (VerwGE B 2011/150 E. 5.2), ging – entsprechend der
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Honorarnote vom 12. September 2011 – von demselben Zeitaufwand von 9.69
Stunden, jedoch einem um einen Fünftel reduzierten Stundenansatz (vgl. Art. 31 Abs. 3
des Anwaltsgesetzes; sGS 964.70, abgekürzt AnwG) von Fr. 200.— aus. Dieser Ansatz
bewegt sich im Rahmen der bundesgerichtlichen Vorgaben zur Bemessung des
Honorars für amtliche Verteidigungen und die unentgeltliche Rechtsverbeiständung
(vgl. BGE 131 V 153, 132 I 201). Die geltend gemachte Entschädigung erschien dem
Verwaltungsgericht unter Berücksichtigung der pauschalen Bemessung des Honorars
und der Herabsetzung um einen Fünftel im Rahmen der unentgeltlichen Rechtspflege
als den konkreten Umständen angemessen. Der in der Honorarnote vom 7. Januar
2013 verrechnete Ansatz von Fr. 250.- je Stunde entspricht in Fällen, in denen das
Honorar nach Zeitaufwand bemessen wird, dem mittleren Honorar gemäss Art. 24
Abs. 1 HonO.
Für die Bemessung des Honorars entfällt die bei der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung vorgeschriebene Herabsetzung. Dies entspricht der in Art. 98ter
und 99 Abs. 2 VRP vorgeschriebenen sachgemässen Anwendung von Art. 122 Abs. 2
ZPO, welcher gemäss der in der Literatur vertretenen Auffassung der unentgeltlich
prozessführenden Partei, welche obsiegt, Anspruch auf eine volle – und nicht nur eine
auf dem Armenrechtstarif berechnete – Parteientschädigung einräumt (vgl. L. Huber, in:
Brunner/Gasser/ Schwander [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung, Kommentar,
Zürich/St. Gallen 2011, N 13 zu Art. 122 ZPO). Dass die obsiegende Partei durch einen
unentgeltlichen Rechtsbestand vertreten war, ist mithin nicht eine wesentliche
Tatsache für die Festlegung der Parteientschädigung, weil die öffentlich-rechtliche
Entschädigung von ihrem Zweck her nur subsidiär zum Tragen kommt. Es folgt daraus,
dass es keinen sachlichen Grund gibt, die Entschädigung der obsiegenden Partei
deshalb zu kürzen, weil ihr ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt worden ist (vgl.
BGer 5P.421/2000 vom 10. Januar 2001 E. 3b). Davon geht das Bundesgericht auch im
Rückweisungsentscheid aus, wenn es die Sache zur Regelung der Kosten– und
Entschädigungsfolgen des kantonalen Verfahrens an das Verwaltungsgericht
zurückgewiesen hat. Eine solche Rückweisung hätte sich erübrigt, wenn der Ersatz der
Vertretungskosten nach wie vor nach den bei der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung anwendbaren Regeln zu bemessen gewesen wäre.
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Da gemäss Art. 98bis VRP die ausseramtliche Entschädigung den am Verfahren
Beteiligten nach Obsiegen und Unterliegen auferlegt wird, sind dem Beschwerdeführer
diese Kosten vollumfänglich zu ersetzen (vgl. dazu R. Hirt, Die Regelung der Kosten
nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen 2004, S. 182 ff.). Zu
berücksichtigen ist indessen, dass dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
gestützt auf Ziff. 3 des Dispositivs des vom Bundesgericht aufgehobenen Entscheides
vom 15. Dezember 2011 zur Deckung der Vertretungskosten am 31. Januar 2012 vom
Staat bereits Fr. 2'197.70 (Fr. 2'034.90 zuzüglich Fr. 162.80 Mehrwertsteuer)
ausbezahlt wurden. Damit beträgt der Anspruch des Beschwerdeführers noch
Fr. 523.25.
4. Dem Beschwerdeführer wurde auch im Rekursverfahren die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung gewährt. Sein Rechtsvertreter, der in jenem Verfahren keine
Kostennote einreichte, seine Anträge jedoch unter Kosten- und Entschädigungsfolge
stellte, wurde mit Fr. 800.- (vier Fünftel einer angemessenen Entschädigung von
Fr. 1'000.-) zuzüglich Mehrwertsteuer entschädigt. Wie im Beschwerdeverfahren (vgl.
dazu oben E. 3) sind dem Beschwerdeführer, dessen Begehren gutzuheissen gewesen
wäre, die ausseramtlichen Kosten auf der Basis des Erfolgsprinzips gemäss Art. 98bis
VRP vollständig und ungekürzt, d.h. mit Fr. 1'000.- (zuzüglich Mehrwertsteuer) zu
ersetzen. Davon ausgehend, dass dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers für die
Vertretung im Rekursverfahren bereits Fr. 800.- zuzüglich Mehrwertsteuer
zugesprochen wurden, verbleibt ein Anspruch von Fr. 200.- zuzüglich Mehrwertsteuer.
5. Für diesen Entscheid werden keine amtlichen Kosten erhoben (Art. 97 VRP). Ob ein
zusätzlicher Anspruch auf Ersatz ausseramtlicher Kosten besteht, kann offen bleiben,
da im Rückweisungsverfahren entsprechend dem mit der Eingabe vom 7. Januar 2013
verbundenen geringen zusätzlichen Aufwand eine hinsichtlich des Zeitbedarfs
unveränderte Honorarnote eingereicht wurde.