Decision ID: 240e64ca-1be9-5593-90a7-fb98b3d529e3
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X erwarb den Führerausweis der Kategorie B am 5. Juli 1956. Wegen Verursachens
eines Verkehrsunfalls zufolge nicht angepasster Geschwindigkeit wurde ihm der
Führerausweis mit Verfügung des Strassenverkehrsamts des Kantons St. Gallen vom
17. Mai 2013 für einen Monat entzogen.
B.- Am Freitag, 26. Oktober 2018, um 15.17 Uhr, fuhr X mit seinem Personenwagen auf
der A-Strasse in B in Richtung Zentrum. Auf Höhe des Oberstufenzentrums im Bereich
des Fussgängerstreifens kollidierte er mit einem achtjährigen Mädchen, das sich dabei
leicht verletzte. Der Atemalkoholtest verlief negativ. X gab der Polizei gegenüber an,
innerhalb der letzten 24 Stunden verschiedene Medikamente eingenommen zu haben.
Die Staatsanwaltschaft verfügte eine Blut- und Urinprobe. Gemäss einem Gutachten
des Fachbereichs Forensische Medizin am Institut für Rechtsmedizin St. Gallen
(nachfolgend: IRM) vom 27. November 2018, das sich auf den Polizeibericht mit
Auftrag zur toxikologischen Untersuchung, das Protokoll der ärztlichen Untersuchung
anlässlich der Blutentnahme und den Untersuchungsbericht der forensisch-
toxikologischen Analyse stützte, konnten die dokumentierten Auffälligkeiten mit der
nachgewiesenen Aufnahme von Morphin, Dihydrocodein, Clopidogrel, Paracetamol
und Diclofenac erklärt werden und begründeten aus rechtsmedizinischer Sicht nach
dem Dreisäulenprinzip für den Unfallzeitpunkt eine Fahrunfähigkeit. Ferner erachtete
das IRM die Indikation für eine Fahreignungsbegutachtung aufgrund einer möglichen
medizinischen Ursache für den beschriebenen Unfallhergang als gegeben.
Aufgrund dieser Vorkommnisse eröffneten die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren
und das Strassenverkehrsamt ein Administrativmassnahmeverfahren gegenüber X.
Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs ordnete das Strassenverkehrsamt mit
Verfügung vom 19. Dezember 2018 eine verkehrsmedizinische Untersuchung an.
C.- Dagegen erhob X mit Eingabe vom 3. Januar 2019 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK). Er beantragte die
Aufhebung der Verfügung vom 19. Dezember 2018. Am 1. Februar 2019 verzichtete die
Vorinstanz auf eine Vernehmlassung. Auf die Ausführungen im Rekurs zur Begründung
des Antrags wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
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D.- Das Strafverfahren gegen X wegen Verletzung der Verkehrsregeln und Fahrens in
nicht fahrfähigem Zustand wurde vom Untersuchungsamt C am 4. April 2019
eingestellt, was einem Freispruch gleichkommt.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rechtsmittelerhebung ist gegeben. Der
Rekurs vom 3. Januar 2019 ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in formeller
und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekurs ist umstritten, ob die Vorinstanz zu Recht an der Fahreignung des
Rekurrenten zweifelte und eine verkehrsmedizinische Untersuchung anordnete.
a) Der Rekurrent macht geltend, im Gutachten des IRM werde bemängelt, dass eine
ärztliche Verschreibung von Morphin nicht nachgewiesen sei. Mittlerweile sei indessen
erstellt, dass sein Hausarzt ihm damals das Arzneimittel MST Continus, das Morphin
enthalte, verordnet habe. Zudem nehme er es schon lange nicht mehr ein. Das
Strafverfahren sei eingestellt worden. Ihn treffe nachweislich kein Verschulden am
Unfall. Gemäss Protokoll der ärztlichen Untersuchung seien beinahe alle Parameter zu
seinen Gunsten ausgefallen. Was den unsicheren Gang und die unsichere plötzliche
Kehrtwende angehe, könne sein Hausarzt bestätigen, dass dies nichts mit der
Medikamenteneinnahme zu tun habe.
b) Gemäss Art. 15d Abs. 1 Ingress des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01,
abgekürzt: SVG) wird eine Person einer Fahreignungsuntersuchung unterzogen, wenn
Zweifel an ihrer Fahreignung bestehen. Mit dem Begriff der Fahreignung werden die
körperlichen und geistigen Voraussetzungen des Individuums umschrieben, um ein
Fahrzeug im Strassenverkehr sicher lenken zu können. Die Fahreignung muss
grundsätzlich dauernd vorliegen (BGE 133 II 384 E. 3.1). Sie ist von der Fahrfähigkeit
abzugrenzen. Die Fahrfähigkeit bezieht sich auf die momentane körperliche und
geistige Leistungsmöglichkeit einer Person zum sicheren Führen eines Motorfahrzeugs
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im Strassenverkehr. Fahrfähig ist, wer im Augenblick der Fahrt fit ist (K. Knöpfli, Die
heutige Bedeutung und Praxis von Fahreignungsuntersuchungen, in: Probst/Werro
[Hrsg.], Strassenverkehrsrechtstagung 2016, S. 222 f.).
Zweifel an der Fahreignung bestehen namentlich dann, wenn einer der Umstände
gemäss Art. 15d Abs. 1 lit. a bis e SVG vorliegt (Urteil des Bundesgerichts [BGer]
1C_13/2017 vom 19. Mai 2017 E. 3.2). Nach Art. 15d Abs. 1 lit. b SVG ist eine
verkehrsmedizinische Untersuchung anzuordnen, wenn jemand unter dem Einfluss von
Betäubungsmitteln ein Fahrzeug lenkt. Unter die Betäubungsmittel fällt unter anderem
Morphin (vgl. Art. 2 lit. a des Bundesgesetzes über die Betäubungsmittel und die
psychotropen Stoffe, SR 821.121, abgekürzt: BetmG). Die Fahrunfähigkeit gilt als
erwiesen, wenn im Blut des Fahrzeuglenkers freies Morphin nachgewiesen und der
Grenzwert von 15 μg/l erreicht oder überschritten wird (Art. 2 Abs. 2 der
Verkehrsregelnverordnung, SR 741.11, abgekürzt: VRV; Art. 34 der Verordnung des
ASTRA zur Strassenverkehrskontrollverordnung, SR 741.013.1, abgekürzt: VSKV-
ASTRA).
Sofern keiner der Sondertatbestände vorliegt, kann eine Fahreignungsuntersuchung
auch gestützt auf die Generalklausel in 15d Abs. 1 SVG angeordnet werden. Anlass für
die Abklärung der Fahreignung können deshalb grundsätzlich alle Hinweise auf eine
Einschränkung der körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit geben, und zwar
unabhängig davon, ob sie einen Bezug zum Strassenverkehr aufweisen oder nicht. So
verhält es sich etwa bei einer Verlangsamung der Reaktionen (vgl. etwa BGer 6A.
17/2006 vom 12. April 2006), bei geistigen Absenzen oder bei Krankheiten wie
Epilepsie, Diabetes, Alzheimer, Parkinson, Schizophrenie und dergleichen
(Ph. Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl. 2015, Art. 15d N 53).
Fahreignungsuntersuchungen erfolgen unabhängig von einer tatsächlich erfolgten
Verkehrsregelverletzung, einem Verschulden der kontrollierten Person oder einer
strafrechtlichen Verurteilung. Aus diesem Grund kann eine verkehrsmedizinische
Fahreignungsprüfung grundsätzlich auch dann angeordnet werden, wenn im Zeitpunkt
der Kontrolle keine Fahrunfähigkeit vorlag, aber dennoch Zweifel geweckt wurden, ob
die Fahreignung an sich gegeben ist. Bei der Anordnung einer verkehrsmedizinischen
Abklärung hat die zuständige Behörde einen gewissen Ermessensspielraum. Es
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müssen jedoch konkrete Anhaltspunkte Zweifel an der Fahreignung wecken (BGer
1C_41/2019 vom 4. April 2019 E. 2.1).
c) Eine Blutprobe ist nach Art. 12a der Verordnung über die Kontrolle des
Strassenverkehrs (SR 741.013, abgekürzt: SKV) anzuordnen, wenn Anzeichen von
Fahrunfähigkeit oder Hinweise auf Fahrunfähigkeit vorliegen, die nicht oder nicht allein
auf Alkoholeinfluss zurückzuführen sind. Zusätzlich kann eine Sicherstellung von Urin
angeordnet werden. Wurde eine Blutentnahme angeordnet, so hat der damit
beauftragte Arzt die betroffene Person auf die medizinisch feststellbaren Anzeichen von
Fahrunfähigkeit aufgrund von Alkohol-, Betäubungsmittel- oder Arzneimittelkonsum zu
untersuchen (Art. 15 Abs. 1 SKV). Die Ergebnisse der Blut- und Urinanalyse sind
zuhanden der Straf- und Entzugsbehörde durch anerkannte Sachverständige
hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Fahrfähigkeit begutachten zu lassen, wenn eine die
Fahrfähigkeit beeinträchtigende Substanz im Blut nachgewiesen wird und es sich dabei
nicht um Alkohol oder eine in Art. 2 Abs. 2 VRV aufgeführte Substanz handelt oder
wenn eine Person eine Substanz nach Art. 2 Abs. 2 VRV gemäss ärztlicher
Verschreibung eingenommen hat, jedoch Hinweise auf eine Fahrunfähigkeit bestehen.
Der oder die Sachverständige berücksichtigt die Feststellungen der Polizei, die
Ergebnisse der ärztlichen sowie der chemisch-toxikologischen Untersuchung und
begründet die daraus gezogenen Schlussfolgerungen (Art. 16 Abs. 1 und 2 SKV, sog.
Dreisäulenprinzip). Die Kontrollbehörde (Polizei) hat die von ihr festgestellten
Auffälligkeiten unter möglichst genauer Schilderung des persönlichen Eindrucks zu
protokollieren (Art. 26 VSKV-ASTRA).
Das Verfahren zur Feststellung der Fahrunfähigkeit im Strassenverkehr zufolge
Alkohol-, Betäubungsmittel- und/oder Arzneimitteleinfluss wird durch Weisungen des
Bundesamtes für Strassen (ASTRA) konkretisiert, die sich insbesondere an die
Kontrollbehörden (Polizei), die Strafverfolgungsbehörden, die Gerichte, die
Administrativmassnahmebehörden, das beigezogene medizinische Personal, die
chemisch-toxikologischen Laboratorien und an die Sachverständigen richten (Weisung
vom 2. August 2016 zur Feststellung der Fahrunfähigkeit, im Internet abrufbar unter:
www.astra2.admin.ch, nachfolgend: Weisung). Ein Verdacht auf Fahrunfähigkeit
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besteht danach namentlich dann, wenn der Fahrzeugführer, wie im vorliegenden Fall,
angibt, Betäubungsmittel und/oder Arzneimittel konsumiert zu haben (Weisung, B Ziff.
2.1 lit. b). Der mit der Untersuchung beauftragte Arzt hat seine Einschätzung über den
Grad der psychophysischen Beeinträchtigung der untersuchten Person abzugeben
(Weisung, C Ziff. 1 und Anhang 3).
d) Im vorliegenden Fall hielt die Polizei in der Auftragserteilung vom 27. Oktober 2018
zur forensisch-toxikologischen Analyse fest, dass das Verhalten und die Stimmung des
Rekurrenten einerseits ruhig und normal, andrerseits verlangsamt gewesen seien. Die
Sprache wurde als unauffällig, die Pupillen als normal/mittelweit und die Augen als
unauffällig beschrieben. Beim Gleichgewicht wurde angegeben, dass sich der
Rekurrent aufgrund des Alters zeitweise abstützen müsse (act. 21). In den
Schlussbemerkungen des Polizeirapports wurde sodann ausgeführt, dass beim
Rekurrenten kein Verdacht auf Angetrunkenheit oder sonstige Fahrunfähigkeit
bestanden habe (act. 9/34).
Im Protokoll der ärztlichen Untersuchung anlässlich der Blutentnahme am Spital
wurden das Nasenseptum, die Augenbindehäute, die zeitliche und örtliche
Orientierung, die Pupillen, die Pupillenlichtreaktion, die Stimmung, das Verhalten, das
Befinden, das Bewusstsein, der Denkablauf und die Sprache des Rekurrenten als
unauffällig, klar oder normal beschrieben. Der gerade Gang und die plötzliche
Kehrtwendung wurden als unsicher, der Finger-Finger/Nase-Versuch als sicher
eingestuft. Beim Romberg-Test (Prüfung des Gleichgewichtssinnes) und der Inneren
Uhr ergaben sich keine Auffälligkeiten, der Drehnystagmus (Beobachtung der Einstell-
Bewegung der Augen nach fünfmaliger Drehung um die eigene Achse, vgl. Merkblatt
für das Arztprotokoll "Verdacht auf Betäubungsmittel-, Arzneimittel- und
Alkoholkonsum", im Internet abrufbar unter: www.kssg.ch/rechtsmedizin) war
feinschlägig. Insgesamt wurde der Rekurrent von der Ärztin als nicht merkbar unter
Substanzeinfluss beurteilt (act. 9/61).
Bei der forensisch-toxikologischen Analyse wurden im Urin Opiate, Dihydrocodein
samt Metaboliten, Morphin, Clopidogrel samt Metabolit, Paracetamol samt Metabolit
sowie Dic-lofenac nachgewiesen. Im Blut war Morphin nicht nachweisbar, jedoch
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konnte Dihydrocodein mit einer Konzentration von 28 μg/l festgestellt werden (act. 9/56
f.).
Im Gutachten des IRM vom 27. November 2018 wurden die auffälligen Befunde
gemäss ärztlichem Untersuchungsprotokoll und Polizeibericht als Fremdangaben
wiedergegeben. In der gutachtlichen Stellungnahme wurde festgehalten, dass im Blut
der Arzneimittelwirkstoff Dihydrocodein in einer subtherapeutischen Konzentration
vorhanden gewesen sei. Dabei handle es sich um ein Medikament aus der Gruppe der
Opiode, welches zur Behandlung von Schmerzen und Reizhusten eingesetzt werde. Es
könne die Reaktionsfähigkeit und die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Im Urin sei
Morphin nachgewiesen worden. Eine ärztliche Verschreibung lasse sich jedoch aus den
vorliegenden Unterlagen nicht ableiten. Bei den übrigen Wirkstoffen handle es sich um
einen Blutverdünner (Clopidogrel) und um zwei gängige Schmerzmedikamente
(Paracetamol und Diclofenac). Zusammenfassend könnten die dokumentierten
Auffälligkeiten durch die analytisch nachgewiesene Substanzaufnahme erklärt werden
und begründeten aus rechtsmedizinischer Sicht die Annahme einer Fahrunfähigkeit
nach dem Dreisäulenprinzip. Aufgrund einer möglichen medizinischen Ursache für den
beschriebenen Unfallhergang sei eine Indikation zur Fahreignungsbegutachtung
gegeben (act. 9/55 ff.).
e) Beim Rekurrenten wurde im Blut kein Morphin nachgewiesen. Zudem nahm er das
morphinhaltige Medikament aufgrund einer ärztlichen Verschreibung ein (vgl. Art. 2
Abs. 2 VRV). Der Spezialtatbestand gemäss Art. 15d Abs. 1 lit. b SVG (Fahren unter
dem Einfluss von Betäubungsmitteln) ist daher nicht anwendbar.
Die Vorinstanz stützt ihre Verfügung zur Anordnung einer verkehrsmedizinischen
Untersuchung denn auch auf die Generalklausel von Art. 15d Abs. 1 SVG. Sie ging
dabei jedoch davon aus, dass der Rekurrent in vermutlich nicht fahrfähigem Zustand
einen Verkehrsunfall verursacht habe und bezog sich auf das Gutachten des IRM vom
27. November 2018. Dieses Gutachten nach dem Dreisäulenprinzip wurde zwecks
Nachweises der Fahrunfähigkeit erstellt. Entgegen der Schlussfolgerung im Gutachten,
wonach der Rekurrent im Zeitpunkt des Unfallereignisses fahrunfähig gewesen sei,
wurde das Strafverfahren gegen ihn in diesem Punkt mit Verfügung des
Untersuchungsamts C vom 4. April 2019 eingestellt. Die Staatsanwältin erwog, dass
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die Blutalkoholanalyse ein negatives Resultat ergeben habe. Der im Blut
nachgewiesene Arzneimittelwirkstoff Dihydrocodein sei lediglich in subtherapeutischer
Konzentration vorhanden gewesen, weshalb dieser Befund nicht als
Fahrunfähigkeitsindikator zu deuten sei. Auch die Beobachtungen der Polizei
(verlangsamt, zeitweises Abstützen aufgrund des Alters) sowie anlässlich der ärztlichen
Untersuchung (unsicher beim Gehen und beim Gleichgewicht) könnten nicht ohne
Weiteres als Zeichen der Fahrunfähigkeit des Rekurrenten betrachtet werden. Allenfalls
handle es sich dabei auch um Nachwirkungen des Unfalls (act. 18). Es besteht im
vorliegenden Verfahren keine Veranlassung, von der rechtskräftigen Beurteilung der
Fahrfähigkeit durch die Strafbehörden abzuweichen. Angesichts des sowohl von der
Polizei als auch der Ärztin grösstenteils als unauffällig, sicher und normal eingestuften
Zustands des Rekurrenten vermögen die wenigen auffälligen Befunde eine
Fahrunfähigkeit nicht nachzuweisen. Die Polizei hielt im Rapport ausdrücklich fest,
dass beim Rekurrenten kein Verdacht auf eine Fahrunfähigkeit bestanden habe, und
auch die Ärztin stufte ihn als nicht merkbar unter Substanzeinfluss stehend ein. Der
einzige im Blut nachweisbare Arzneimittelwirkstoff (Dihydrocodein) war nur in
subtherapeutischer Konzentration vorhanden. Morphin, das allenfalls noch einen
Einfluss auf die Fahrfähigkeit gehabt haben könnte, war im Blut nicht nachweisbar.
Schlüssige Indizien, dass der Rekurrent am 26. Oktober 2018 ein Fahrzeug in nicht
fahrfähigem Zustand lenkte, liegen damit nicht vor. Es ist deshalb entgegen der
Annahme der Vorinstanz davon auszugehen, dass der Rekurrent beim Unfallereignis
fahrfähig war.
Eine verkehrsmedizinische Fahreignungsuntersuchung kann grundsätzlich auch dann
angeordnet werden, wenn im Zeitpunkt der Kontrolle keine Fahrunfähigkeit vorlag, aber
dennoch ernsthafte Zweifel geweckt wurden, ob die Fahreignung an sich gegeben ist.
Gemäss Gutachten des IRM ist beim Rekurrenten eine Indikation zur
Fahreignungsbegutachtung wegen einer möglichen medizinischen Ursache für den
beschriebenen Unfallhergang gegeben. Offenbar ging die Gutachterin davon aus, dass
ein nicht korrektes Verhalten des Rekurrenten im Sinn einer verspäteten oder
ausgebliebenen Reaktion Ursache des Unfalls war. Gemäss Einstellungsverfügung im
Strafverfahren konnte dem Rekurrenten bei der Kollision mit der Fussgängerin jedoch
keine Verkehrsregelverletzung nachgewiesen werden. Die Staatsanwältin hielt fest, es
sei davon auszugehen, dass das Mädchen ohne Kontrollblick nach links und rechts
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einige Meter neben dem Fussgängerstreifen einfach auf die Strasse gerannt sei, womit
der Rekurrent weder habe rechnen können noch müssen (act. 18). Von einer
medizinischen Ursache für den Unfall ist nicht die Rede, womit die im Gutachten
genannte Indikation für eine verkehrsmedizinische Untersuchung nachträglich
dahingefallen ist. Auch die vom Rekurrenten eingenommenen Arzneimittel vermögen
keine hinreichenden Zweifel an der Fahreignung zu begründen. Als problematisch im
Zusammenhang mit der Fahrfähigkeit kämen die Wirkstoffe Dihydrocodein und
Morphin in Frage. Ersterer wurde im Blut lediglich in einer subtherapeutischen
Dosierung festgestellt, letzterer konnte nur im Urin und nicht im Blut nachgewiesen
werden, weshalb nicht von einer potenzierenden Wechselwirkung der beiden
Wirkstoffe auszugehen ist. Alkohol hatte er keinen konsumiert. Gemäss der
Medikamentenkarte seines Hausarztes nahm der Rekurrent das Morphin damals
aufgrund einer ärztlichen Verschreibung ein, täglich eine Tablette MST Continus in der
geringsten Dosierung von 10 mg. Die Einnahme des entsprechenden Medikaments
wurde sodann am 30. November 2018 gestoppt (act. 2/3). Verdichtete Hinweise, dass
der Rekurrent von einer dieser Substanzen abhängig sein könnte oder diese
regelmässig in grossen Dosen konsumiert, fehlen damit gänzlich.
f) Zusammenfassend liegen somit keine konkreten Anhaltspunkte vor, die Zweifel an
der Fahreignung des Rekurrenten aufkommen liessen. Der Rekurs ist demzufolge
gutzuheissen und die Verfügung vom 19. Dezember 2018 (Anordnung einer
verkehrsmedizinischen Untersuchung) aufzuheben.
3.- a) Bei diesem Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten dem Staat
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint
angemessen (Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist dem Rekurrenten zurückzuerstatten.
b) Zufolge Obsiegens hat der Rekurrent Anspruch auf volle Entschädigung der
ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP und Art. 98 VRP), soweit diese aufgrund der
Rechts- und Sachlage als notwendig und angemessen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP).
Im Rekursverfahren war der Beizug eines Rechtsbeistandes geboten. Der
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Rechtsvertreter reichte eine Kostennote ein, worin er ein Honorar von Fr. 1'175.– (4.7
Stunden à Fr. 250.–) geltend macht (act. 11). Im Verfahren vor der
Verwaltungsrekurskommission wird das Honorar als Pauschale ausgerichtet; der
Rahmen liegt zwischen Fr. 1'500.– und Fr. 15'000.– (Art. 22 Abs. 1 lit. b der
Honorarordnung, sGS 963.75; abgekürzt: HonO). Innerhalb dieses Rahmens wird das
Grundhonorar nach den besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der
Bemühungen, der Schwierigkeit des Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der
Beteiligten, bemessen (Art. 19 HonO). Umstritten war die Frage, ob die Anordnung
einer verkehrsmedizinischen Untersuchung zulässig war. Angesichts des
durchschnittlichen Aktenumfangs und des eingeschränkten Prozessthemas erscheint
das geltend gemachte Honorar von Fr. 1'175.– ohne Weiteres als angemessen.
Hinzuzuzählen sind die Barauslagen von Fr. 47.– und die Mehrwertsteuer von Fr. 94.10
(Art. 22 Abs. 1 lit. b, Art. 28 Abs. 1 und Art. 29 HonO). Die ausseramtliche
Entschädigung beträgt damit insgesamt Fr. 1'316.10; kostenpflichtig ist der Staat
(Vorinstanz).