Decision ID: 2ba69ed3-87b6-5771-a4b1-7ed87c138b5a
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer, ein 1960 geborener nigerianischer Staatsangehö-
riger, gelangte am 1. April 2003 in die Schweiz und ersuchte hier um Asyl.
Nachdem sein Asylgesuch am 12. Mai 2003 abgewiesen und seine Weg-
weisung verfügt worden war, verliess er die Schweiz am 16. Mai 2004.
B.
Am 19. April 2006 heiratete der Beschwerdeführer in Nigeria die schweize-
risch-italienische Doppelbürgerin D._ (geb. 1959). Am 4. Februar
2007 nahm er Wohnsitz in der Schweiz und erhielt vom Kanton Basel-Stadt
eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei der Ehefrau. Am 2. März 2012
wurde dem Beschwerdeführer die Niederlassungsbewilligung erteilt.
C.
Aufgrund seiner Ehe erhielt der Beschwerdeführer im Verlauf des Som-
mers 2013 zusätzlich zu seiner nigerianischen Staatsangehörigkeit das ita-
lienische Staatsbürgerrecht.
D.
Mit Entscheid des Zivilgerichts des Kantons Basel-Stadt vom 5. Dezember
2013 wurde dem Beschwerdeführer und seiner Ehefrau das Getrenntleben
bewilligt (Akten der Migrationsbehörde des Kantons Basel-Stadt [BS-act.]
60 [die kantonalen Akten sind weder paginiert noch mit einem Aktenver-
zeichnis versehen; die nachfolgende Zitierung nimmt Bezug auf die Seiten-
nummer der digitalen Ausfertigung der kantonalen Akten, die dem Bundes-
verwaltungsgericht vorliegt]). Per 1. April 2014 zog der Beschwerdeführer
aus der ehelichen Wohnung aus (BS-act. 46, 48, 50) und am 3. Dezember
2018 wurde die Ehe geschieden (BS-act. 232).
E.
Rund einen Monat nach seiner Scheidung, am 11. Januar 2019, heiratete
der Beschwerdeführer in Nigeria die nigerianische Staatsangehörige
E._ (geb. 1984) und am 15. März 2019 reichte er bei der Migrati-
onsbehörde des Kantons Basel-Stadt (nachfolgend Migrationsamt) ein Fa-
miliennachzugsgesuch ein für die Ehefrau und die vier gemeinsamen Kin-
der (geb. 2010, 2013, 2014 und 2016) (BS-act. 117).
Am 26. März 2019 teilte der Beschwerdeführer dem Migrationsamt auf An-
frage mit, er habe seine jetzige Ehefrau im Dezember 2005 kennengelernt
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und pflege mit ihr seit Januar 2006 eine Liebesbeziehung. Aus der Bezie-
hung seien vier gemeinsame Kinder hervorgegangen. Im Januar 2019 hät-
ten sie sich zur Heirat entschieden (BS-act. 149, 151).
F.
Am 26. Januar 2016 nahm der Beschwerdeführer eine selbständige Er-
werbstätigkeit als Inhaber eines Coiffeur-Salons auf (BS-act. 93, 115). Er
war bereits vorher von der Sozialhilfe abhängig und blieb es auch nach
Aufnahme der selbständigen Erwerbstätigkeit.
G.
Während seines Aufenthalts in der Schweiz erwirkte der Beschwerdeführer
zwei strafrechtliche Verurteilungen:
Mit Urteil des Strafgerichts des Kantons Basel-Stadt vom 20. Oktober 2016
wurde der Beschwerdeführer der einfachen Körperverletzung mit einem
gefährlichen Gegenstand sowie der Drohung schuldig gesprochen und zu
einer bedingten Freiheitsstrafe von 7 Monaten verurteilt (BS-act. 3).
Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt vom
16. Dezember 2016 wurde der Beschwerdeführer wegen einer Reihe von
SVG-Delikten zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen und ge-
meinnütziger Arbeit von 32 Stunden verurteilt (BS-act. 7).
H.
Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs widerrief das Migrationsamt am
30. Januar 2020 die Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers
und wies ihn unter Ansetzung einer Ausreisefrist bis zum 30. April 2020 aus
der Schweiz weg (BS-act. 484).
Zur Begründung führte es aus, der Beschwerdeführer habe durch Ver-
schweigen der mit seiner heutigen Ehefrau seit 2006 geführten Parallelbe-
ziehung und wegen selbstverschuldeter erheblicher Sozialhilfeabhängig-
keit die Widerrufsgründe des Art. 63 Abs. 1 Bst. a AIG (SR 142.20) in Ver-
bindung mit Art. 62 Abs. 1 Bst. a AIG und des Art. 63 Abs. 1 Bst. c. AIG
gesetzt. Ferner stellte es fest, dass der Beschwerdeführer aus dem Ab-
kommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossen-
schaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitglied-
staaten andererseits über die Freizügigkeit (Freizügigkeitsabkommen,
FZA, SR 0.142.112.681), in dessen persönlichen Geltungsbereich er als
italienischer Staatsagangehöriger fällt, weder als selbständig erwerbende
noch als nicht erwerbstätige Person ein Recht auf Aufenthalt ableiten
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könne. Denn er beziehe wirtschaftliche Sozialhilfe und habe weder den
Nachweis einer existenzsichernden selbständigen Erwerbstätigkeit er-
bracht noch verfüge er über ausreichende finanzielle Mittel, wie es das
Freizügigkeitsabkommen verlange.
In Anbetracht der mangelhaften Integration des Beschwerdeführers, der
ihm offenstehenden Möglichkeit, sich in Nigeria erneut zu integrieren und
mit seiner Familie dort zu leben oder aber eine Familienzusammenführung
in Italien anzustreben, überwiege das öffentliche Interesse am Widerruf der
Niederlassungsbewilligung und an einer Wegweisung aus der Schweiz, so-
dass diese Massnahme als verhältnismässig erscheine.
I.
Auf eine gegen die vorgenannte Verfügung am 23. März 2020 erhobene
Beschwerde (BS-act. 495) trat das kantonale Justiz- und Sicherheitsdepar-
tement am 7. April 2020 nicht ein (BS-act. 509). Zwei in der Folge am 8. Mai
2020 (BS-act. 517) und 4. August 2020 (BS-act. 550) beim Migrationsamt
eingereichte Wiedererwägungsgesuche blieben ohne Erfolg (Verfügungen
vom 10. Juni und 9. September 2020, BS-act. 538 und 567).
J.
Der Beschwerdeführer liess eine Reihe ihm gesetzter Ausreisefristen un-
beachtet, bis er am 3. März 2021 in Ausschaffungshaft genommen wurde.
Am 5. März 2021 wurde er aus der Ausschaffungshaft entlassen, da er das
Gericht davon überzeugen konnte, er werde den für ihn bereits gebuchten
Flug nach Italien freiwillig antreten (unpaginiert bei den Akten des SEM
[SEM-act]). Am 8. März 2021 gelangte er über seinen Rechtsvertreter an
das Migrationsamt und teilte mit, er habe im grenznahen Frankreich Wohn-
sitz genommen. Das Verfahren betreffend Erteilung einer Aufenthaltsbewil-
ligung sei bereits anhängig. Er werde daher den Flug nach Italien nicht
antreten und bereits vereinbarte Termine nicht wahrnehmen. Gemäss Mit-
teilung des Migrationsamts an die Vorinstanz vom 12. März 2021 gilt er
daher seit dem 8. März 2021 als ausgereist (Akten des BvGer [Rek-act.]
18).
K.
Bereits am 13. Oktober 2020 verhängte die Vorinstanz gegen den Be-
schwerdeführer ein dreijähriges, vom 28. Oktober 2020 bis 27. Oktober
2023 befristetes Einreiseverbot (SEM-act. 14/83).
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Zur Begründung wird ausgeführt, der Beschwerdeführer habe mit seiner
Straffälligkeit und dem Verschweigen von Tatsachen (Parallelehe) gegen
die Gesetzgebung verstossen, womit auch die öffentliche Sicherheit und
Ordnung gefährdet worden sei (Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG i.V.m. Art. 77a
Abs. 1 Bst. a und Art. 77a Abs. 2 der Verordnung vom 24. Oktober 2007
über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit [VZAE, SR 142.201]).
Ausserdem habe er durch die Sozialhilfe Basel-Stadt in erheblichem Mas-
se unterstützt werden müssen. Damit bestehe zusätzlich die Gefahr, dass
bei einer Wiedereinreise erneut Sozial- und Rückreisekosten anfielen,
könne doch der Beschwerdeführer im Bedarfsfall nicht unverzüglich auf fi-
nanzielle Hilfe zurückgreifen. Demzufolge bestehe zusätzlich ein Fernhal-
tegrund im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. b AIG.
Schliesslich sei der Beschwerdeführer von der zuständigen Behörde ge-
mäss Art. 64 Abs. 1 Bst. a – c AIG aus der Schweiz weggewiesen worden
und sei nicht innerhalb der angesetzten Frist ausgereist. Gemäss Art. 67
Abs. 1 Bst. b AIG sei auch aus diesem Grunde eine Fernhaltemassnahme
anzuordnen.
Es bestehe demnach ein spezialpräventiv begründetes gewichtiges öffent-
liches Interesse an einer Fernhaltung des Beschwerdeführers, um künftige
Störungen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu verhindern. Auf-
grund des bisherigen Verhaltens sei weiterhin von einer Rückfallgefahr und
damit auch von einer gegenwärtigen und hinreichend schweren Gefähr-
dung, die Grundinteressen der Gesellschaft berührt, im Sinne von Art. 5
Anhang I FZA auszugehen. Die Fernhaltemassnahme diene auch dazu,
weitere Belastungen der Sozialhilfe zu verhindern, nachdem der Be-
schwerdeführer während Jahren für seinen Lebensunterhalt nicht selber
habe aufkommen können und seine selbständige Tätigkeit es ihm nicht er-
laubt habe, sich innert nützlicher Frist gänzlich von der Sozialhilfe zu lösen.
Es bestehe daher kein Recht auf Freizügigkeit mehr. Auch seien mangels
genügender finanzieller Mittel die Voraussetzungen für einen erwerbslosen
Aufenthalt nicht erfüllt. Der Beschwerdeführer unterhalte in der Schweiz
keine Beziehungen im Rahmen der Kernfamilie. Zwar halte er sich schon
seit längerer Zeit in der Schweiz auf, doch könne er beruflich wie wirtschaft-
lich nicht als vertieft integriert gelten.
Es sei dem Beschwerdeführer als EU-Bürger ohne weiteres zuzumuten,
sich in Italien oder in Nigeria, wo seine Ehefrau und Kinder lebten, eine
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Existenz aufzubauen und zu beweisen, dass er seine Lehren gezogen
habe und willens und fähig sei, die volle Verantwortung für sein Verhalten
zu tragen.
Die auf drei Jahre festgelegte Dauer des Einreiseverbots zum Schutz der
öffentlichen Sicherheit und Ordnung sei als verhältnismässig und ange-
messen zu erachten. Die Stellungnahme im Rahmen des rechtlichen Ge-
hörs enthalte keine Gründe, davon abzusehen.
Aus den gleichen Gründen werde zur Wahrung der öffentlichen Ordnung
und Sicherheit einer Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzogen
(Art. 55 Abs. 2 VwVG).
L.
Gegen die vorgenannte Verfügung erhob der Beschwerdeführer am
19. Oktober 2020 Rechtsmittel beim Bundesverwaltungsgericht (Rek-act.
1). In der Sache beantragte er deren ersatzlose Aufhebung und in verfah-
rensrechtlicher Hinsicht die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
mit Befreiung von den Verfahrenskosten und Bestellung seines Rechtsver-
treters zum unentgeltlichen Rechtsbeistand.
M.
Die Vorinstanz schloss in ihrer Vernehmlassung vom 18. Januar 2021 auf
Abweisung der Beschwerde (Rek-act. 8).
N.
Mit Zwischenverfügung vom 28. Januar 2021 gewährte das Bundesverwal-
tungsgericht dem Beschwerdeführer antragsgemäss die unentgeltliche
Rechtspflege mit Kostenbefreiung und Bestellung seines Rechtsvertreters
zum unentgeltlichen Rechtsbeistand (Rek-act.9).
O.
Der Beschwerdeführer hielt in seiner Replik vom 1. Februar 2021 an den
gestellten Rechtsbegehren fest und beantragte die Gewährung der von der
Vorinstanz vorsorglich entzogenen aufschiebenden Wirkung der Be-
schwerde (Rek-act. 10).
P.
Nach Einholung der Stellungnahme der Vorinstanz vom 15. Februar 2021
(Rek-act. 12) und einer Erwiderung des Beschwerdeführers vom 5. März
2021 (Rek-act. 15) lehnte das Bundesverwaltungsgericht das Gesuch um
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Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung mit Zwischenverfügung
vom 10. März 2021 ab (Rek-act. 16).
Q.
Auf den weiteren Akteninhalt wird – soweit erheblich – in den Erwägungen
eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Verfügungen des SEM, die ein Einreiseverbot im Sinne von Art. 67 AIG
(SR 142.20) zum Gegenstand haben, unterliegen der Beschwerde an das
Bundesverwaltungsgericht (Art. 112 Abs. 1 AIG i.V.m. Art. 31 ff. VGG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist zur Erhebung des Rechtsmittels legitimiert
(Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde ist daher einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und – soweit nicht eine kantonale Behörde als Be-
schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden
(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet das Bundesrecht
von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begrün-
dung der Begehren nicht gebunden und kann die Beschwerde auch aus
anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen.
Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Ent-
scheides (vgl. BGE 139 II 534 E. 5.4.1; BVGE 2014/1 E. 2 m.H.).
3.
Der Beschwerdeführer verfügt neben der nigerianischen auch über die ita-
lienische Staatsbürgerschaft. Als italienischer Staatsbürger ist er Angehö-
riger eines Vertragsstaates des Freizügigkeitsabkommens (nachfolgend
auch: Vertragsausländer). Gemäss Art. 2 Abs. 2 AIG gelangt daher das na-
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tionale Ausländerrecht, bestehend aus dem AIG und seinen Ausführungs-
verordnungen, nur soweit zur Anwendung, als das Freizügigkeitsabkom-
men keine abweichenden Bestimmungen enthält oder die Bestimmungen
des nationalen Ausländerrechts günstiger sind.
4.
4.1 Landesrechtliche Grundlage der angefochtenen Verfügung bildet
Art. 67 AIG. Nach Art. 67 Abs. 1 Bst. b AIG wird gegen weggewiesene Aus-
länderinnen und Ausländer ein Einreiseverbot verhängt, wenn diese nicht
innerhalb der angesetzten Ausreisefrist ausgereist sind. Gemäss Art. 67
Abs. 2 Bst. a AIG kann gegen Ausländerinnen und Ausländer, die gegen
die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland
verstossen haben oder diese gefährden, ein Einreiseverbot verfügt wer-
den. Gestützt auf Art. 67 Abs. 2 Bst. b AIG kann ferner ein Einreiseverbot
erlassen werden, wenn die betroffene Person Sozialhilfekosten verursacht
hat. Das Einreiseverbot wird für eine Dauer von höchstens fünf Jahren ver-
hängt. Die Anordnung eines Einreiseverbots von mehr als fünf Jahren
Dauer ist zulässig, wenn von der betroffenen Person eine schwerwiegende
Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgeht (Art. 67 Abs. 3
zweiter Satz AIG). Das Bundesverwaltungsgericht hat in einem Grundsatz-
urteil vom 26. August 2014 (BVGE 2014/20) entschieden, dass Einreise-
verbote, die auf der Grundlage von Art. 67 Abs. 1 oder 2 AIG ergehen,
zwingend auf eine bestimmte Dauer zu befristen sind. Die Verbotsdauer
kann dabei bis maximal 15 Jahre, im Wiederholungsfall 20 Jahre betragen.
Aus humanitären oder anderen wichtigen Gründen kann die zuständige
Behörde von der Verhängung eines Einreiseverbots absehen oder ein Ein-
reiseverbot endgültig oder vorübergehend aufheben (Art. 67 Abs. 5 AIG).
4.2 Das Einreiseverbot dient als präventivpolizeiliche Massnahme der Ab-
wendung künftiger Störungen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung
durch ausländische Personen (BBl 2002 3709, 3813). Soweit Art. 67 Abs. 2
Bst. a AIG mit dem Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung
unmittelbar an vergangenes Verhalten des Betroffenen anknüpft, steht die
Gefahrenabwehr durch Generalprävention im Sinne der Einwirkung auf
das Verhalten anderer Rechtsgenossen im Vordergrund (zur Generalprä-
vention im Ausländerrecht vgl. etwa Urteil des BGer 2C_282/2012 vom
31. Juli 2012 E. 2.5 m.H.). Die Spezialprävention im Sinne der Einwirkung
auf das Verhalten des Betroffenen selbst kommt zum Tragen, soweit Art. 67
Abs. 2 Bst. a AIG als alternativen Fernhaltegrund die Gefährdung der öf-
fentlichen Sicherheit und Ordnung durch den Betroffenen selbst nennt. Ob
eine solche Gefährdung vorliegt, ist gestützt auf die gesamten Umstände
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des Einzelfalles im Sinne einer Prognose zu beurteilen, die sich naturge-
mäss auf das bisherige Verhalten des Betroffenen abstützen muss.
4.3 Die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Sinne von Art. 67 Abs. 2
Bst. a AIG bildet dabei den Oberbegriff für die Gesamtheit der polizeilichen
Schutzgüter. Sie umfasst unter anderem die Unverletzlichkeit der objekti-
ven Rechtsordnung und der Rechtsgüter Einzelner (vgl. BBl 2002 3709,
3813). Ein Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung liegt un-
ter anderem vor, wenn gesetzliche Vorschriften oder behördliche Verfügun-
gen missachtet werden (vgl. Art. 77a Abs. 1 Bst. a VZAE). Die Annahme
einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung setzt dagegen
konkrete Anhaltspunkte dafür voraus, dass der Aufenthalt der betroffenen
Person in der Schweiz mit erheblicher Wahrscheinlichkeit zu einem
Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung führen wird
(Art. 77a Abs. 2 VZAE).
5.
5.1 Das Freizügigkeitsabkommen vermittelt den Angehörigen seiner Ver-
tragsstaaten gegen Vorlage eines gültigen Personalausweises oder Reise-
passes ein von keinen weiteren Tatbestandsvoraussetzungen abhängiges
Recht auf Einreise und erwerbslosen Aufenthalt von bis zu drei Monaten
Dauer (Art. 3 FZA i.V.m. Art. 1 Abs. 1 Anhang I FZA; BGE 143 IV 97 E. 1).
Das Einreiseverbot nach Art. 67 AIG stellt eine Massnahme dar, die dieses
Recht einschränkt. Solche Massnahmen sind gemäss Art. 5 Abs. 1 Anhang
I FZA zulässig, wenn sie aus Gründen der öffentlichen Ordnung, Sicherheit
und Gesundheit gerechtfertigt sind (Ordre-Public-Vorbehalt). Die Konkreti-
sierung des Ordre-Public-Vorbehalts erfolgt durch die drei Richtlinien
64/221/EWG (ABl. Nr. 56/850 vom 4.4.1964), 72/194/EWG (ABl. Nr. L
121/32 vom 26.5.1972) und 75/35/EWG (ABl. Nr. L 14/14 vom 20.1.1975)
in ihrer Fassung zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des Freizügigkeitsab-
kommens (Art. 16 Abs. 1 FZA i.V.m. Art. 5 Abs. 2 Anhang I FZA) und die
vor diesem Zeitpunkt bestandene, einschlägige Rechtsprechung des Ge-
richtshofs der Europäischen Gemeinschaft (Gerichtshof, EuGH) (Art. 16
Abs. 2 FZA). In diesem Sinne schränkt das Freizügigkeitsabkommen die
ausländerrechtlichen Befugnisse nationaler Behörden bei der Handhabung
ausländerrechtlicher Massnahmen wie des Einreiseverbots ein.
5.2 Abweichungen vom Grundsatz des freien Personenverkehrs sind nach
der Rechtsprechung eng auszulegen. Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA setzt aus-
ser der Störung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit, wie sie jede Ge-
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setzesverletzung darstellt, eine tatsächliche und hinreichend schwere Ge-
fährdung voraus, die ein Grundinteresse der Gesellschaft berührt. Ob das
der Fall ist, beurteilt sich gemäss Art. 3 Abs. 1 der Richtlinie 64/221/EWG
ausschliesslich nach dem persönlichen Verhalten der betreffenden Person,
wobei gemäss Abs. 2 der genannten Bestimmung eine strafrechtliche Ver-
urteilung für sich allein nicht genügt. Sie kann nur insoweit herangezogen
werden, als die ihr zugrundeliegenden Umstände ein persönliches Verhal-
ten erkennen lassen, das eine gegenwärtige Gefährdung der öffentlichen
Ordnung und Sicherheit darstellt. Art. 5 Anhang I FZA steht mit anderen
Worten Massnahmen entgegen, die im Sinne eines Automatismus an ver-
gangenes Fehlverhalten anknüpfen, und solchen, die aus Gründen der Ge-
neralprävention angeordnet werden. Insoweit kommt es im Unterschied
zum Landesrecht auf das Rückfallrisiko an, wobei die in Kauf zu nehmende
Rückfallgefahr desto geringer ist, je schwerer die möglichen Rechtsgüter-
verletzungen wiegen (vgl. BGE 139 II 121 E. 5.3 m.H.).
5.3 Innerhalb der vom Gemeinschaftsrecht gezogenen Grenzen sind die
Vertragsstaaten grundsätzlich frei festzulegen, welche Verhaltensweisen
sie als Störung ihrer Grundinteressen betrachten. Eine solche gemein-
schaftsrechtliche Schranke erblickt der Gerichtshof im primärrechtlichen
Verbot der Diskriminierung aufgrund der Staatsangehörigkeit (heute:
Art. 18 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union;
vgl. die analoge Bestimmung des Art. 2 FZA). Ein Mitgliedstaat kann daher
das Verhalten des Staatsangehörigen eines anderen Mitgliedstaates nicht
als hinreichend schwerwiegend betrachten, wenn er gegenüber dem glei-
chen Verhalten eigener Staatsangehöriger keine Zwangs- oder andere tat-
sächliche und effektive Massnahmen zur Bekämpfung dieses Verhaltens
ergreift (Urteile des EuGH vom 18. Mai 1989, Kommission/Deutschland,
249/86, EU:C:1989:204, Rn. 19, und vom 18. Mai 1982, Adoui und Cor-
nuaille, 115/81 und 116/81, EU:C:1982:183, Rn. 8). Ansonsten kann auch
einfacher Konsum von Betäubungsmitteln eine Gefährdung darstellen, die
besondere Massnahmen zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ord-
nung gegen Angehörige anderer Mitgliedstaaten rechtfertigen kann (Urteil
des EuGH vom 19. Januar 1999, Calfa, C-348/96, EU:C:1999:6, Rn. 22).
6.
6.1 Die Vorinstanz begründet das angefochtene Einreiseverbot mit der
Straffälligkeit des Beschwerdeführers und seiner jahrelangen Täuschung
der Behörden durch Verschweigen der während der Ehe mit einer schwei-
zerisch-italienischen Doppelbürgerin in Nigeria geführten Parallelbezie-
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hung mit einer nigerianischen Staatsangehörigen. Ferner wirft sie dem Be-
schwerdeführer vor, dass er in erheblichem Mass von der Sozialhilfe un-
terstützt werden musste und die Ausreisefrist missachtet hat, die ihm nach
rechtskräftigem Verlust seiner Niederlassungsbewilligung und der Wegwei-
sung aus der Schweiz gesetzt wurde. Damit hat der Beschwerdeführer
nach Auffassung der Vorinstanz die Fernhaltegründe des Art. 67 Abs. 2
Bst. a AIG (Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung), des
Art. 67 Abs. 2 Bst. b AIG (Verursachung von Sozialhilfekosten) und des
Art. 67 Abs. 1 Bst. b AIG (Missachtung der Ausreisefrist) gesetzt. Zudem
beinhalte sein Verhalten eine gegenwärtige, tatsächliche und hinreichend
schwere Gefährdung der Grundinteressen der Gesellschaft im Sinne von
Art. 5 Anhang I FZA, die eine Fernhaltemassnahme gegen ihn rechtfertige.
6.2 Dagegen wird vorgebracht, der Beschwerdeführer sei als italienischer
Staatsbürger aus dem Freizügigkeitsabkommen berechtigt. Daher könne
gegen ihn ein Einreiseverbot nur bei sehr schweren Verstössen strafrecht-
licher Art ausgesprochen werden. Es sei wohl zutreffend, dass er geringfü-
gig bestraft worden sei, doch könne damit nicht «im Ernst» ein Einreisever-
bot gegen einen EU-Bürger gerechtfertigt werden. Auch begründe die Vo-
rinstanz nicht, warum eine Parallelbeziehung eine besonders schwere
Straftat sein solle. Von einer Täuschung der Behörden könne ohnehin
keine Rede sein. Im Übrigen habe er als italienischer Staatsbürger ein ge-
nerelles Aufenthaltsrecht ausserhalb eines Familiennachzugs. Die Vo-
rinstanz bleibe auch die Antwort schuldig, was der Sozialhilfebezug mit ei-
nem Einreiseverbot zu tun habe. Der Bezug von Sozialhilfe könne zum
Entzug der Aufenthaltsbewilligung führen. Mit einer schweren Verletzung
der öffentlichen Sicherheit und Ordnung habe dies aber offensichtlich
nichts zu tun. Das von der Vorinstanz erwähnte Grundinteresse der Ge-
meinschaft sei ebenso wie die „schwere Gefährdung der öffentlichen Ord-
nung“ in jeder Hinsicht verfehlt. Die öffentliche Ordnung werde bei objekti-
ver Betrachtungsweise durch den Beschwerdeführer in keiner Art und
Weise gefährdet. Es handle sich um einen harmlosen italienischen Staats-
bürger, der Sozialhilfe bezogen habe und geringfügig bestraft worden sei.
Die Vorinstanz habe offensichtlich jedes Augenmass verloren.
7.
Es steht ohne Zweifel fest, dass in der vorliegenden Streitsache die lan-
desrechtlichen Eingriffsvoraussetzungen des Art. 67 AIG in mehrfacher
Hinsicht erfüllt sind. Der Beschwerdeführer hat den Fernhaltegrund des
Art. 67 Abs. 1 Bst. b AIG gesetzt, weil er – nach dem Widerruf seiner Nie-
derlassungsbewilligung und Wegweisung aus der Schweiz – innerhalb der
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Seite 12
ihm gesetzten Fristen nicht ausgereist ist. Als weiterer Fernhaltegrund tre-
ten diverse Verstösse gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung im
Sinne von Art. 67 Abs.2 Bst. b AIG hinzu: Der Beschwerdeführer hat ge-
genüber der kantonalen Bewilligungsbehörde seine Parallelbeziehung ver-
schwiegen und sie – zumindest durch Unterlassung - getäuscht, ist wieder-
holt straffällig geworden und hat sich nach Ablauf der ersten Ausreisefrist
rechtswidrig in der Schweiz aufgehalten und wiederholt behördliche Verfü-
gungen missachtet. Als letzter Fernhaltegrund gelangt Art. 67 Abs. 2 Bst. b
AIG zur Anwendung, denn der Beschwerdeführer hat erhebliche Sozialhil-
fekosten verursacht.
8.
Zu prüfen bleibt, ob die Tatbestandsvoraussetzungen eines Einreisever-
bots auch nach Massgabe des Freizügigkeitsabkommens erfüllt sind.
8.1 In diesem Zusammenhang gilt es vorweg festzuhalten, dass das Recht
auf Einreise und erwerbslosen Aufenthalt von bis zu drei Monaten Dauer,
das jedem Vertragsausländer zusteht (vgl. oben E. 5.1), nicht von ausrei-
chenden finanziellen Mitteln abhängt (BGE 143 IV 97 E. 1.5; Weisungen
und Erläuterungen des SEM zur Verordnung über den freien Personenver-
kehr [Weisungen VFP], Stand Januar 2021, Ziff. 2.2.1) und dass Massnah-
men der öffentlichen Sicherheit und Ordnung nicht für wirtschaftliche Zwe-
cke geltend gemacht werden können (Art. 5 Abs. 2 Anhang I zum FZA in
Verbindung mit Art. 2 Abs. 2 der Richtlinie 64/221/EWG). Die Gefahr des
Sozialhilfebezugs fällt daher nicht in den Anwendungsbereich des Ordre-
public-Vorbehalts des Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA und ist infolgedessen
nicht geeignet, gegenüber freizügigkeitsberechtigten Personen ein Einrei-
severbot zu rechtfertigen (vgl. Urteile des BVGer F-1148/2017 vom 7. Juli
2017; F-7007/2017 vom 13. September 2018; je m.H.; zustimmend EPINEY
/ NÜESCH, Zur schweizerischen Rechtsprechung zum Personenfreizügig-
keitsabkommen, in: Alberto Achermann et al. [Hrsg.], Jahrbuch für Migrati-
onsrecht 2017/2018, S. 312 bei N. 220; vgl. auch MARCEL DIETRICH, Die
Freizügigkeit der Arbeitnehmer in der Europäischen Union, 1995, S. 502;
WALTER FRENZ, Handbuch Europarecht, Band 1: Europäische Grundfrei-
heiten, 2. Aufl. 2012, Rz. 2039). Daraus ergibt sich, dass freizügigkeitsbe-
rechtigten Personen der Fernhaltegrund des Art. 67 Abs. 2 Bst. b AIG nicht
entgegengehalten werden kann. Soweit die Vorinstanz ihre Massnahme
auf diesen Fernhaltegrund bzw. die Gefahr weiterer Sozialhilfekoksten
stützt, kann ihr daher nicht gefolgt werden.
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Seite 13
8.2 Des Weiteren ist festzuhalten, dass Art. 67 Abs. 1 Bst. b AIG, der un-
mittelbar an die Missachtung der Ausreisefrist durch eine weggewiesene
ausländische Person anknüpft und hierfür als Regelrechtsfolge ein Einrei-
severbot vorsieht, gegenüber freizügigkeitsberechtigten Personen von
vornherein nicht als eigenständiger Fernhaltegrund zur Anwendung gelan-
gen kann. Denn die Missachtung einer Ausreisefrist ist nicht gleichbedeu-
tend mit einer tatsächlichen, gegenwärtigen und hinreichenden Gefähr-
dung, die ein Grundinteresse der Gesellschaft berührt, wie es Art. 5 Abs. 1
Anhang I FZA für freizügigkeitsrechtsbeschränkende Massnahmen ver-
langt. Die Missachtung einer Ausreisefrist stellt lediglich ein Element neben
anderen dar, die insoweit von Bedeutung sind, als sie ein persönliches Ver-
halten der betroffenen Personen erkennen lassen, das eine solche Gefähr-
dung darstellt. Darauf ist weiter unten einzugehen.
8.3 Unter dem Gesichtspunkt des Ordre-public-Vorbehalts fallen folgende
Verhaltensweisen des Beschwerdeführers ins Gewicht:
8.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht hegt keine Zweifel daran, dass der
Beschwerdeführer die Aufenthalts- und später die Niederlassungsbewilli-
gung im Kanton Basel-Stadt erschlich, indem er gegenüber der kantonalen
Bewilligungsbehörde pflichtwidrig seine Parallelbeziehung zu einer nigeri-
anischen Staatsangehörigen verschwieg, mit der er während seiner Ehe
mit einer schweizerisch-italienischen Doppelbürgerin, der er den Aufenthalt
in der Schweiz verdankte, insgesamt vier Kinder zeugte. Die Annahme liegt
nahe, dass er im Sommer 2013 das italienische Staatbürgerrecht nicht er-
halten hätte, hätten die italienischen Behörden von seiner Parallelbezie-
hung Kenntnis gehabt.
Wohl hat der Beschwerdeführer im Sommer 2013 das italienische Staats-
bürgerrecht erworben, wodurch er Begünstigter des Freizügigkeitsabkom-
mens wurde, auch wenn davon ausgegangen werden kann, dass das nicht
geschehen wäre, hätten die italienischen Behörden von der Parallelbezie-
hung des Beschwerdeführers Kenntnis gehabt. Allerdings trifft es nicht zu,
dass er ab diesem Zeitpunkt gestützt auf das Freizügigkeitsabkommen ein
generelles Aufenthaltsrechts ausserhalb eines Familiennachzugs gehabt
habe. Der Beschwerdeführer übersieht, dass die spezifischen Freizügig-
keitsrechte nicht voraussetzungslos gelten. Er konnte sich auf keines von
ihnen berufen. Denn er ging, soweit ersichtlich, keiner unselbständigen Er-
werbstätigkeit nach, war also nicht Arbeitnehmer (Art. 6 Anhang I FZA), für
den Aufenthalt als selbständig Erwerbstätiger fehlte ihm eine existenzsi-
chernde Geschäftstätigkeit (Art. 12 Abs. 1 und 2 des Anhangs I FZA; Urteil
F-5184/2020
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des BGer 2C_430/2020 vom 13. Juli 2020 E. 4.1 m.H.) und für einen Auf-
enthalt ohne Erwerbstätigkeit mangelte es ihm an ausreichenden finanzi-
ellen Mitteln (Art. 24 Abs. 1 Anhang I FZA).
Der (Dauer-)Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Schweiz hing daher
auch nach Erwerb des italienischen Staatsbürgerrechts von seiner Ehe mit
der schweizerisch-italienischen Doppelbürgerin und damit vom Erfolg sei-
ner Täuschung ab. Zu seinen Gunsten spricht indessen, dass die Ehegat-
ten von ihrer Trennung im April 2014 keinen Hehl machten. Gleichwohl
nahm sich die kantonale Migrationsbehörde der Angelegenheit erst näher
an, nachdem sie aus Anlass des Familiennachzugsgesuchs vom 15. März
2019 von der Parallelbeziehung des Beschwerdeführers erfahren hatte.
8.3.2 Das Aussageverhalten, das der Beschwerdeführer im Zusammen-
hang mit dem Familiennachzug an den Tag gelegt hat, lässt ihn ebenfalls
in einem ungünstigen Licht erscheinen.
8.3.2.1 Im Familiennachzugsgesuch vom 15. März 2019 bestätigte der Be-
schwerdeführer explizit, dass er der Vater der vier Kinder sei, und belegte
diese Behauptung mit nigerianischen Geburtsurkunden (BS-act. 117 ff.,
140 ff.). Seine Angaben bestätigte er mit Schreiben vom 26. März 2019 an
die kantonale Migrationsbehörde. Er versicherte gleichzeitig, dass er und
seine jetzige Ehefrau seit anfangs 2006 ein Liebespaar gewesen seien und
dass er seine Ehefrau und die gemeinsamen vier Kinder nachziehe wolle,
weil er immer an sie denken müsse, sie vermisse und in seinem Alter nicht
mehr von ihnen getrennt leben wolle. Ausserdem wolle er seinen Kindern
eine gute Schulbildung und eine gute Zukunft ermöglichen (SEM-act. 149
f., 151 f.).
8.3.2.2 Als dem Beschwerdeführer nach der Eröffnung des Verfahrens auf
Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung bewusst wurde, dass er mit sei-
nem Familiennachzugsgesuch den eigenen Aufenthaltstitel in Gefahr
brachte, wurde in den Eingaben vom 28. August 2019 und 3. September
2019 aus der Partnerin, mit den ihr seit Anfang 2006 eine Liebesbeziehung
verband, in einem ersten Schritt eine «Trägerfrau», die er im Einverständ-
nis seiner Schweizer Ex-Ehefrau suchte und benutzte, um sich seinen Kin-
derwunsch zu erfüllen. Seine Schweizer Ex-Ehefrau, die selbst vier Kinder
gehabt habe und keine Kinder mehr habe bekommen können, habe seinen
Kinderwunsch sehr gut nachvollziehen können (SEM-act. 452, 460 f.).
F-5184/2020
Seite 15
8.3.2.3 Nach dem Widerruf der Niederlassungsbewilligung ging der Be-
schwerdeführer noch weiter. Am 7. Mai 2020 orientierte er die kantonale
Migrationsbehörde über seine Trennung von seiner nigerianischen Ehefrau
und äusserte Zweifel, ob die Kinder überhaupt von ihm seien. Er habe sie
nie rechtmässig anerkannt (BS-act. 517). Nach Darstellung seiner Ex-Ehe-
frau gegenüber der kantonalen Migrationsbehörde vom 14. Mai 2020
stammt nur ein Kind von ihm. Die anderen Personen seien die Kindsmutter
und die drei Halbgeschwister dieses Kindes (BS-act. 531). Und im Schrei-
ben vom 17. Juni 2020 scheint der Beschwerdeführer behaupten zu wol-
len, dass keines der Kinder von ihm sei und er seiner Schweizer Ehefrau
nie untreu gewesen sei. Er habe ein Jahr nach der Scheidung «eine arme
junge Frau» in Nigeria geheiratet und sich derer Kinder angenommen, um
ihnen den Besuch einer Schule zu ermöglichen (SEM-act. 544).
8.3.3 Es tritt hinzu, dass der Beschwerdeführer während seines Aufent-
halts in der Schweiz wiederholt strafrechtlich in Erscheinung getreten ist.
8.3.3.1 So wurde der Beschwerdeführer mit Urteil des Strafgerichts des
Kantons Basel-Stadt vom 20. Oktober 2016 der einfachen Köperverletzung
im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 und 2 StGB (vorsätzliche Begehung durch Gift,
eine Waffe oder einen gefährlichen Gegenstand) und der Drohung im
Sinne von Art. 180 Abs. 1 und Abs. 2 Bst. a StGB zum Nachteil eines ehe-
maligen Arbeitskollegen seiner Ex-Ehefrau schuldig gesprochen und zu ei-
ner Freiheitsstrafe von 6 Monaten bei einer Probezeit von 2 Jahren verur-
teilt. Das Strafverfahren wegen mehrfacher Drohung zu Lasten seiner Ex-
Ehefrau wurde gleichzeitig in Anwendung von Art. 55a Abs. 1 Bst. a StGB
sistiert (BS-act. 3). Der nicht schriftlich begründeten Verurteilung lag ge-
mäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt vom
17. Mai 2016 der folgende Sachverhalt zugrunde (BS-act. 1):
Am 19. September 2015 nahm der Beschwerdeführer an einer Abdan-
kungsfeier teil. Als er dort seine von ihm zwischenzeitlich getrennt lebende
Ex-Ehefrau traf und sah, dass sie in Begleitung des Geschädigten war, for-
derte er sie auf, den Anlass zu verlassen. In der Folge kam es zu einer
verbalen Auseinandersetzung zwischen dem Beschwerdeführer einerseits
und seiner Ex-Ehefrau, die der Aufforderung nicht nachkam, sowie dem
Geschädigten andererseits, in deren Verlauf der Beschwerdeführer den
Geschädigten mehrfach mit dem Tod bedrohte. Der Versuch der Ex-Ehe-
frau, den Beschwerdeführer zu beruhigen, misslang und nachdem dieser
erfolglos versucht hatte, den Geschädigten am Hals zu packen, griff er
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Seite 16
nach seinem mitgebrachten Stock und schlug mit diesem den Geschädig-
ten mehrfach gegen den Hals und auf den Hinterkopf. Der Beschwerdefüh-
rer liess vom Geschädigten erst ab, nachdem es Drittpersonen gelungen
war, ihn von diesem wegzuziehen. Am Folgetag betrat der Beschwerdefüh-
rer die Wohnung seiner Ex-Ehefrau und drohte ihr gegenüber, dass er den
Geschädigten töten werde, falls er ihn irgendwo auf der Strasse sehen
werde bzw. falls sie nicht die Finger von ihm lassen sollte bzw. falls er sie
noch einmal in seiner Begleitung sehen sollte.
8.3.3.2 Bereits zuvor wurde der Beschwerdeführer wegen eines mutmass-
lichen Gewaltdelikts polizeilich aktenkundig. Ein Mitschüler seiner
Deutschklasse beschuldigte den Beschwerdeführer, ihn am 24. August
2012 verprügelt zu haben und ihn am 29. August 2012 mit weiteren Schlä-
gen bedroht zu haben (BS-act. 13). Der Beschwerdeführer gestand ein,
dass es zwischen ihm und seinem Mitschüler zu einem Kampf gekommen
sei, die Ursache jedoch rassistische Provokationen gewesen seien (BS-
act. 17). Zu einer gerichtlichen Beurteilung kam es nicht, da der Mitschüler
seinen Strafantrag zurückzog. Das Strafverfahren wurde mit Verfügung
vom 10. Oktober 2013 von der Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-
Landschaft eingestellt (BS-act. 28).
8.3.3.3 Am 16. Dezember 2016 erging gegen den Beschwerdeführer ein
Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt, mit welchem
er wegen einer Reihe von Zuwiderhandlungen gegen das Strassenver-
kehrsgesetz zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen bei einer
Probezeit von 2 Jahren und gemeinnütziger Arbeit von 32 Stunden verur-
teilt wurde. Dem Beschwerdeführer wurde insbesondere angelastet, dass
er am 30. Januar 2016 das Motorfahrzeug seiner damaligen Freundin (zum
Gebrauch) entwendet und mit ihm ohne die vorgeschriebene Begleitperson
sowie die vorgeschriebene L-Tafel Vorschriftssignale missachtend eine
Lernfahrt durchgeführt hatte (BS-act. 7)
8.3.4 Schliesslich ist dem Beschwerdeführer vorzuhalten, dass er sich
nach dem rechtskräftigen Widerruf seiner Niederlassungsbewilligung und
Wegweisung aus der Schweiz während längerer Zeit rechtswidrig im Land
aufhielt und sich beharrlich weigerte, seiner Ausreiseverpflichtung nachzu-
kommen. Die ihm ursprünglich bis 30. April 2020 gesetzte Frist zur Aus-
reise liess er ebenso unbeachtet, wie die ihm bei der Einvernahme vom
13. Oktober 2020 unter Androhung der Anordnung einer Ausschaffungs-
oder Vorbereitungshaft zwecks Sicherung des Wegweisungsvollzugs ge-
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setzte, bis 27. Oktober 2020 laufende Nachfrist (BS-act. 593). Der Be-
schwerdeführer erklärte damals, er sei nicht bereit, die Schweiz zu verlas-
sen. Sollte er ausgeschafft werden, werde er umgehend zurückkehren
(BS-act. 590 ff.). Am 28. Januar 2021 wurde der Beschwerdeführer wegen
illegalem Aufenthalt festgenommen. Anlässlich seiner Einvernahme vom
5. Februar 2021 behauptete der Beschwerdeführer, dass er am 27. Okto-
ber 2020 die Schweiz Richtung Elsass verlassen habe, aber schon am Fol-
getag zurückgekehrt sei, weil seine Einsprache gegen das Einreiseverbot
«akzeptiert» worden sei. Wiederum wurde ihm unter Androhung polizeili-
cher Zwangsmittel eine Nachfrist bis 1. März 2021 eingeräumt. Auch die-
ses Mal erklärte der Beschwerdeführer, er werde die Schweiz nicht bzw.
niemals verlassen (unpaginiert bei den Akten des SEM). Dementspre-
chend musste der Beschwerdeführer nach unbenütztem Ablauf der Frist
am 2. März 2021 erneut festgenommen und in Ausschaffungshaft genom-
men werden. Nachdem er anlässlich der gerichtlichen Haftüberprüfung
vom 5. März 2021 das Gericht davon überzeugen konnte, dass er den für
12. März 2021 bereits gebuchten Flug nach Italien freiwillig antreten werde,
wurde der Beschwerdeführer auf freien Fuss gesetzt. Am 8. März 2021
teilte der Beschwerdeführer über seinen Rechtsvertreter mit, dass er zwi-
schenzeitlich im grenznahen Frankreich Wohnsitz genommen habe. Das
Verfahren betreffend Aufenthaltsbewilligung sei in Frankreich hängig. Er
werde somit nicht wie angekündigt nach Italien ausreisen (Beilage zu Rek-
act. 18).
8.4 Die aufgeführten belastenden Sachverhaltselemente vermögen jeweils
für sich alleine kaum eine Gefahr zu begründen, die den Anforderungen
des Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA genügen würde. Teils erreichen sie den
notwendigen Schweregrad nicht, teils liegen sie zeitlich zu weit zurück,
ohne dass der Beschwerdeführer wieder einschlägig in Erscheinung getre-
ten wäre. In ihrer Gesamtheit zeigen sie deutlich eine impulsive und unbe-
herrschte Persönlichkeit des Beschwerdeführers auf, der während längerer
Zeit in unterschiedlichen Lebensbereichen erhebliche Mühe mit der Res-
pektierung der Rechtsordnung bekundete beziehungsweise bekundet. Mit
weiteren Störungen der Rechtsordnung muss gerechnet werden, wobei
zum heutigen Zeitpunkt die ausländerrechtliche Ordnung im Vordergrund
steht. Der Beschwerdeführer ist zwar mit einem knappen Jahr Verspätung
doch noch ausgereist und lebt heute – soweit bekannt – im grenznahen
Ausland. Mit Blick auf die gesamten Umstände ist jedoch zu befürchten,
dass die Einsicht des Beschwerdeführers nicht von Dauer ist und er ohne
eine Fernhaltemassnahme versucht sein könnte, in Missachtung der
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Seite 18
Rechtslage erneut auf Dauer in der Schweiz Fuss zu fassen. Auch ange-
sichts der zurückhaltenden Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-
richts zu freizügigkeitsrechtsbeschränkenden Massnahmen infolge dro-
hender Störung der ausländerrechtlichen Ordnung (vgl. dazu etwa das Ur-
teil des BVGer F-7007/2017 vom 13. November 2018 m.H.) ist im konkre-
ten Fall davon auszugehen, dass vom Beschwerdeführer ein tatsächliche,
gegenwärtige und hinreichende Gefahr ausgeht, die ein Grundinteresse
der Gesellschaft berührt. Die Eingriffsvoraussetzungen sind mithin auch im
Lichte des Freizügigkeitsabkommens erfüllt.
9.
9.1 Den Entscheid darüber, ob ein Einreiseverbot anzuordnen und wie es
zeitlich auszugestalten ist, legen Art. 67 Abs. 2 und 3 AIG in das pflichtge-
mässe Ermessen der Behörde. Zentrale Bedeutung kommt dabei dem
Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu, der eine wertende Abwägung zwi-
schen den öffentlichen und privaten Interessen verlangt. Ausgangspunkt
der Überlegungen bilden die Stellung der verletzten oder gefährdeten
Rechtsgüter, die Besonderheiten des ordnungswidrigen Verhaltens und die
persönlichen Verhältnisse der betroffenen ausländischen Person (Art. 96
AuG; ferner statt vieler HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwal-
tungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 555 ff.).
9.2 Vom Beschwerdeführer geht, wie weiter oben dargelegt, eine rechtser-
hebliche Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung aus. Es besteht
daher ein öffentliches Interesse an seiner Fernhaltung. Von besonderem
Gewicht, das auch eine längerfristige Fernhaltemassnahme rechtfertigen
könnte, ist das öffentliche Interesse jedoch nicht. Denn zum heutigen Zeit-
punkt sind keine hochwertigen Rechtsgüter gefährdet. Die Fernhaltemass-
nahme dient im Wesentlichen dazu, dem Entscheid der kantonalen Bewil-
ligungsbehörde über den Widerruf der Niederlassungsbewilligung und
Wegweisung des Beschwerdeführers Nachdruck zu verleihen.
9.3 Auf der anderen Seite hielt sich der Beschwerdeführer vergleichsweise
lange in der Schweiz auf. Über eine entsprechende Integration verfügt er
jedoch nicht. Gleichwohl ist ihm aufgrund des langen Aufenthaltes und der
Bedeutung der Freizügigkeitsrechte ein gewisses Interesse an von behörd-
lichen Massnahmen ungestörten Einreisen nicht abzusprechen. Hinzu tritt,
dass er – soweit bekannt – in unmittelbarer Grenznähe zur Schweiz in einer
Gegend lebt, die kulturell und wirtschaftlich sehr stark auf die Stadt Basel
ausgerichtet ist, und daher vom Einreiseverbot vergleichsweise stark be-
troffen sein dürfte.
F-5184/2020
Seite 19
9.4 Eine wertende Gewichtung der sich gegenüberstehenden Interessen
führt das Bundesverwaltungsgericht zum Ergebnis, dass das gegen den
Beschwerdeführer verhängte Einreiseverbot dem Grundsatz nach zwar
nicht beanstandet werden kann. Die auf drei Jahre bemessene Dauer der
Fernhaltemassnahme erscheint jedoch nicht als verhältnismässig. Ange-
sicht der gesamten Umstände und unter Berücksichtigung der Tatsache,
dass der Beschwerdeführer die Schweiz am 8. März 2021 verlassen hat,
erachtet es das Bundesverwaltungsgericht als verhältnismässig und ange-
messen, das Einreiseverbot auf zwei Jahre, d.h. bis zum 27. Oktober 2022
zu befristen.
10.
Aus diesen Erwägungen folgt, dass das auf 3 Jahre befristete Einreisever-
bot Bundesrecht verletzt (vgl. Art. 49 VwVG). Es ist hinsichtlich seiner
Dauer aufzuheben und bis zum 27. Oktober 2022 zu befristen. In diesem
Sinne ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen.
11.
11.1 Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens wären dem Beschwer-
deführer grundsätzlich ermässigte Verfahrenskosten aufzuerlegen (vgl.
Art. 63 Abs. 1 VwVG sowie Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Infolge der Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege ist davon jedoch abzusehen. Die Vorinstanz hat von Geset-
zes wegen keine Verfahrenskosten zu tragen (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
11.2 Für die notwendigen Kosten der Rechtsvertretung ist dem Beschwer-
deführer im Umfang seines teilweisen Obsiegens eine (gekürzte) Partei-
entschädigung zuzusprechen. Diese geht zulasten der Vorinstanz (Art. 64
Abs. 1 und Abs. 2 VwVG). Zur Deckung des darüber hinausgehenden Auf-
wands ist dem als amtlichen Anwalt bestellten Rechtsvertreter ein Honorar
aus der Gerichtskasse auszurichten (vgl. Art. 12 VGKE). Mangels einer
Kostennote setzt das Gericht die Parteientschädigung und das Honorar
des amtlichen Anwalts nach pflichtgemässem Ermessen fest (Art. 14 Abs.
2 VGKE).
11.3 Die Höhe der zu ersetzenden Gesamtkosten ist mit Blick auf den ak-
tenkundigen Aufwand, die Komplexität und Bedeutung der Sache sowie in
Anwendung der gesetzlichen Bemessungskriterien von Art. 8 ff. VGKE auf
Fr. 1'800.- festzulegen. Davon entfallen Fr. 600.- auf die Parteientschädi-
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gung und Fr. 1’200.- auf das amtliche Honorar. Gelangt der Beschwerde-
führer später zu hinreichenden Mitteln, ist das amtliche Honorar zurückzu-
erstatten (vgl. Art. 65 Abs. 4 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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