Decision ID: 8086f9a4-45b2-5eac-b46a-261ae8992aac
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der 1974 geborene Schweizer Staatsbürger A._ (im Folgen-
den: Versicherter oder Beschwerdeführer) wohnt in der Tschechischen Re-
publik. Während er seinen zivilrechtlichen Wohnsitz noch in der Schweiz
gehabt und eine Lehre zum Sportartikelverkäufer absolviert hatte, erlitt er
am 17. Januar 1993 als Beifahrer einen Autounfall (Akten [im Folgenden:
act.] der Invalidenversicherungs-Stelle für Versicherte im Ausland [im Fol-
genden: IVSTA, Beschwerdegegnerin oder Vorinstanz] 45 S. 69, S. 76 bis
81, S. 93). Dabei zog er sich eine instabile Halswirbelsäulenverletzung mit
discoligamentärer Läsion und Subluxation C4/5 sowie eine Berstungsspalt-
fraktur C5 und C6 zu (act. 45 S. 82 und 83). In der Folge erbrachte die
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (im Folgenden: Suva) die ge-
setzlichen Leistungen. Nach mehreren stationären Hospitalisationen und
vollständiger Arbeitsunfähigkeit (act. 45 S. 71 bis 73, S. 82 bis 92) wurde
der Versicherte am 13. Januar 1994 neurologisch und am 23. Februar 1994
neuropsychologisch untersucht; zusätzlich wurden ein psychoorganisches
Syndrom vom Hirnstammtyp nach Unfall sowie eine Depression diagnosti-
ziert (act. 45 S. 45 und 46, S. 50 bis 58). Da daraufhin der Versicherte nicht
mehr hatte erreicht werden können und sich dieser der ärztlichen Behand-
lung entzogen hatte, schloss die Suva den Versicherungsfall mit Schreiben
vom 30. August 1994 ab (act. 45 S. 37; vgl. auch S. 26 bis 36).
A.b Nachdem sich der Versicherte zufolge eines während der Arbeit bei
der heute im Handelsregister gelöschten Unternehmung B._ AG
(vgl. www. zefix.ch; zuletzt aufgerufen am 29. Juli 2020) beim Heben einer
Palette verspürten "Zwicks" im Hals/Genick am 24. Juni 1996 in ärztliche
Behandlung begeben hatte, war er noch im Ausmass von 50 % arbeitsfä-
hig; in der Periode vom 5. bis 27. August 1996 war er zudem zu 100 %
erwerbstätig (act. 45 S. 11 und 12, S. 18 und 19, S. 22 bis 25).
A.c In der Folge machte der Versicherte bei der Suva (als Rückfall zum
Schadenfall vom 17. Januar 1993) im September 2010 Nacken- und Kopf-
beschwerden geltend (act. 45 S. 1 und 2). Nach weiteren medizinischen
Abklärungen erliess die Suva am 8. Juli 2015 eine Verfügung, mit welcher
sie den Anspruch des Versicherten auf eine Invalidenrente abwies und die-
sem aufgrund einer Integritätseinbusse von 5 % eine Integritätsentschädi-
gung in der Höhe von Fr. 4'860.- zusprach. Die hiergegen am 1. September
2015 erhobene Einsprache wies die Suva mit Entscheid vom 7. September
2016 ab (act. 115). Diesen Einspracheentscheid liess der Versicherte beim
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Versicherungsgericht des Kantons C._ anfechten (act. 159); der
entsprechende Gerichtsentscheid ist – soweit ersichtlich – nicht aktenkun-
dig.
B.
Am 19. Oktober 2005 meldete sich der Versicherte erstmals zum Bezug
von Leistungen der Schweizerischen Invalidenversicherung (im Folgen-
den: IV) an (act. 38 S. 104). Nach versuchsweiser Durchführung eines Teils
der für die Beurteilung massgeblichen Abklärungen (act. 38 S. 86 bis 103,
act. 53) wurde die Prüfung des Leistungsanspruchs zufolge Wegzugs des
Versicherten ohne Adressangabe per 21. Februar 2007 eingestellt (act. 38
S. 31, 85 und 86).
C.
Mit Datum vom 15. April 2010 meldete sich der Versicherte erneut zum
Bezug von IV-Leistungen an (act. 47). Nach Vorliegen von medizinischen
Dokumenten (act. 49 bis 52, 54 bis 56) resp. insbesondere des von der IV-
Stelle des Kantons C._ (im Folgenden: IV-Stelle C._) beim
D._ Dienst (im Folgenden: D._) in Auftrag gegebenen psy-
chiatrischen Gutachtens vom 16. April 2011 wurde dem Versicherten mit
Wirkung ab dem 1. Dezember 2010 eine ganze IV-Rente zugesprochen
(act. 39 und 115 S. 4).
D.
D.a Am 7. April 2014 leitete die IVSTA von Amtes wegen eine Rentenrevi-
sion ein (act. 58 und 59). Nachdem der ausländische Sozialversicherungs-
träger am 2. Mai 2014 um die Durchführung einer psychiatrischen Explo-
ration ersucht worden war (act. 62, 64, 68), opponierte der Versicherte ge-
gen dieses Vorhaben der IVSTA (act. 67, 69 bis 71). In der Folge liess sich
die ausländische Verbindungsstelle nicht vernehmen (act. 72) und erliess
die IVSTA am 6. November 2014 eine Verfügung, mit welcher die Zahlung
der IV-Rente des Beschwerdeführers per 1. Januar 2015 eingestellt wurde
(act. 75).
D.b Nachdem die IVSTA Unterlagen der Verbindungsstelle in (...) erhalten
hatte (act. 81 bis 82, 87 und 88), liess der Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwalt E._, beim Bundesverwaltungsgericht mit Eingabe
vom 15. Dezember 2014 Beschwerde erheben und beantragen, die Verfü-
gung der Beschwerdegegnerin vom 6. November 2014 sei aufzuheben und
diese sei zu verpflichten, ihm weiterhin eine ganze Rente auszurichten
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(Ziff. 1); im Sinne einer vorsorglichen Massnahme sei die Verfügung der
Beschwerdegegnerin vorab insoweit aufzuheben, als sie der vorliegenden
Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzogen habe, und es sei die
Beschwerdegegnerin anzuhalten, unverzüglich die Rentenzahlungen wie-
der aufzunehmen (Ziff. 2); es sei ihm ferner die unentgeltliche Rechtspflege
und die unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu gewähren und der Unter-
zeichnende sei dementsprechend als unentgeltlicher Rechtsbeistand des
Beschwerdeführers zu bestellen (Ziff. 3); ausgangsgemäss seien die Ver-
fahrenskosten von der Beschwerdegegnerin zu beziehen und diese zu ver-
pflichten, den Beschwerdeführer angemessen prozessual zu entschädigen
(Ziff. 4; Beschwerdeverfahren C-7281/2014). Mit Zwischenverfügung vom
23. Januar 2015 wurde das Gesuch um Wiederherstellung der aufschie-
benden Wirkung abgewiesen (act. 91). Auf die hiergegen am 25. Februar
2015 erhobene Beschwerde (act. 95) trat das Bundesgericht mit Urteil
9C_150/2015 vom 27. Februar 2015 nicht ein (act. 99).
D.c Nach weiteren Instruktionsmassnahmen im Beschwerdeverfahren C-
7281/2014 (act. 101, 103 bis 112) hiess das Bundesverwaltungsgericht mit
Urteil vom 15. August 2016 die Beschwerde in dem Sinn gut, als die ange-
fochtene Verfügung vom 6. November 2014 aufgehoben und die Sache zur
Durchführung des korrekten Mahn- und Bedenkzeitverfahrens sowie an-
schliessender Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz
zurückgewiesen wurde (act. 113; vgl. auch act. im Beschwerdeverfahren
C-7281/2014). Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft
(act. 114). Schliesslich teilte die IVSTA dem Beschwerdeführer mit Be-
schluss vom 19. September 2016 mit, dass weiterhin Anspruch auf die bis-
herige Rente bestehe (act. 119); die entsprechende, unangefochten in
Rechtskraft erwachsene Verfügung datiert vom 28. September 2016 (act.
124).
D.d Nachdem die IVSTA erneut erfolglos versucht hatte, in (...) eine psy-
chiatrische Untersuchung durchführen zu lassen (act. 122, 123, 130 bis
133, 136 bis 158, 161, 163 bis 171), verfügte sie am 14. November 2017
die Aufhebung der IV-Rente für die Zukunft (act. 172). Hiergegen liess sich
der Versicherte, nunmehr vertreten durch Rechtanwalt Beat Lenel, mit
Schreiben vom 22. November 2017 nicht einverstanden erklären (act. 175
und 176). Anschliessend annullierte die IVSTA am 29. November 2017 die
am 14. November 2017 erlassene Verfügung und setzte das Revisionsver-
fahren fort (act. 178).
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D.e Nach Vorliegen von Dokumenten der (...) Verbindungsstelle (act. 182
bis 184) ermahnte die IVSTA den Versicherten am 16. Januar 2018, da er
bislang weder einen Psychiater aufgesucht noch den entsprechenden Un-
tersuchungsrapport der Tschechischen Sozialversicherung zugestellt hatte
(act. 185). Nach weiterer Korrespondenz zwischen den Parteien (act. 186
bis 193) kam die IVSTA am 20. Februar 2018 zum Schluss, dass eine psy-
chiatrische Begutachtung in der Schweiz organisiert werden sollte (act.
194). Daraufhin beauftragte die IVSTA am 3. Mai 2018 Dr. med. F._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, mit einer medizinischen Ab-
klärung (act. 201; vgl. auch act. 195 bis 200, 202 bis 209). Nachdem Dr.
med. F._ am 21. August 2018 die Expertise fertiggestellt (act. 209)
und Dr. med. G._, Facharzt für Allgemeine Medizin, vom IV-internen
medizinischen Dienst hierzu am 7. September 2018 eine Stellungnahme
abgegeben hatte (act. 213), erfolgte durch Dr. med. H._, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie, am 14. September 2018 eine weitere
IV-interne, ärztliche Beurteilung (act. 217). In der Folge äusserte sich der
Rechtsvertreter des Versicherten am 8. Oktober 2018 zum Gutachten von
Dr. med. F._ (act. 219 und 220). Nach erneuter Konsultation von
Dr. med. H._ (Bericht vom 11. Dezember 2018; act. 222) und wei-
teren Eingaben des Versicherten resp. dessen Rechtsvertreter (act. 224
bis 227, 229 und 230) erliess die IVSTA am 10. April 2019 einen Vorbe-
scheid, mit welcher der Versicherte darüber orientiert wurde, dass die bis-
her bezahlte ganze Rente durch eine halbe ersetzt werde (act. 231). Hier-
gegen liess der Versicherte mit Schreiben vom 15. April 2019 seine Ein-
wendungen vorbringen (act. 232 bis 234). Daraufhin befasste sich Dr. med.
I._, Facharzt für Allgemeine Medizin, vom IV-internen medizini-
schen Dienst am 8. Mai 2019 mit dem medizinischen Sachverhalt (act.
239). Daraufhin erliess die IVSTA am 24. Mai 2019 eine dem Vorbescheid
vom 10. April 2019 im Ergebnis entsprechende Verfügung (act. 242).
E.
E.a Hiergegen liess der Versicherte durch seinen Rechtsvertreter beim
Bundesverwaltungsgericht mit Eingabe vom 12. Juni 2019 Beschwerde er-
heben und folgende Rechtsbegehren stellen:
1. Für die Begründung dieser Beschwerde sei eine Frist bis Ende der Gerichts-
ferien am 19.08.2019, eventualiter bis 31.07.2019, subeventualiter bis
12.07.2019, anzusetzen;
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2. Dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Rechtsprechung und Verbei-
ständung durch den unterzeichneten Rechtsanwalt zu gewähren;
3. A._ sei weiterhin eine ganze Invalidenrente auszurichten;
4. Es sei ein Obergutachten durch Dr. J._, (...), zu erstellen, eventualiter
sei ein anderer, ebenfalls gut qualifizierter Psychiater mit der Erstellung eines
Obergutachtens zu betrauen, subeventualiter sei A._ eine angemes-
sene Frist zur Erstellung eines Privatgutachtens zu setzen
5. A._ sei durch einen Spezialisten für Halswirbelbruch auf seine chro-
nischen Nackenschmerzen zu untersuchen und ein entsprechendes Gutachten
zu erstellen;
6. Dieser Beschwerde sei, entgegen der Vorbringen der Beschwerdegegnerin,
aufschiebende Wirkung zu gewähren;
7. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
Zur Fristerstreckung für die Beschwerdebegründung führte der Rechtsver-
treter des Beschwerdeführers aus, er sei bis zum 7. Juli 2019 landesabwe-
send, weshalb er weder in der Lage sei, eine juristisch solide Begründung
abzuliefern, noch den Nachweis der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers
zu erbringen. Da eine Begründung bis zum letzten Tag vor Beginn der Ge-
richtsferien (12. Juli 2019) etwas gar kurzfristig angesetzt wäre, beantrage
er als Fristende den ersten Tag nach Ende der Gerichtsferien, also den
19. August 2019, zu wählen (act. im Beschwerdeverfahren [im Folgenden:
B-act.] 1).
E.b Mit Zwischenverfügung vom 17. Juni 2019 wurden die vom Beschwer-
deführer beantragten Fristerstreckungsgesuche bis zum 31. Juli 2019 resp.
bis zum 19. August 2019 abgewiesen. Weiter wurde der Beschwerdeführer
unter Hinweis auf die Säumnisfolgen (Nichteintreten auf die Beschwerde)
aufgefordert, innert Frist eine den Anforderungen von Art. 52 VwVG ent-
sprechende Beschwerdeschrift einzureichen, insbesondere die Eingabe
vom 12. Juni 2019 rechtsgenüglich zu begründen. Schliesslich erhielt der
Beschwerdeführer unter Hinweis auf die Säumnisfolgen (Aktenentscheid)
die Aufforderung, innert Frist eine eigenhändig unterzeichnete Vollmacht
einzureichen und das dieser Verfügung beigelegte Formular "Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege" ausgefüllt und mit den nötigen Beweismitteln
versehen beim Bundesverwaltungsgericht einzureichen (B-act. 3).
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E.c In seiner Beschwerdeergänzung resp. -begründung vom 12. Juli 2019
liess der Beschwerdeführer Folgendes beantragen (B-act. 5):
1. Dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Rechtsprechung und Verbei-
ständung durch den unterzeichneten Rechtsanwalt zu gewähren;
2. Dem Beschwerdeführer sei weiterhin eine ganze Invalidenrente auszurich-
ten, dazu sei die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 24. Mai 2019 aufzu-
heben und ggf. zur weiteren Abklärung des Sachverhaltes und Neuentscheid
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen;
3. Es sei ein Obergutachten durch Dr. J._, (...), zu erstellen, eventualiter
sei ein anderer, ebenfalls gut qualifizierter Psychiater mit der Erstellung eines
Obergutachtens zu betrauen, subeventualiter sei dem Beschwerdeführer eine
angemessene, ausreichend lange Frist zur Erstellung eines Privatgutachtens
zu setzen;
4. Der Beschwerdeführer sei durch einen Spezialisten auf seine chronischen
Nackenschmerzen zu untersuchen und ein entsprechendes Gutachten zu er-
stellen;
5. Die aufschiebende Wirkung der Beschwerde sei wiederherzustellen;
6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
Zur Begründung wurde zusammengefasst ausgeführt, in Widerspruch zu
einigen seiner eigenen Feststellungen komme der Gutachter Dr. med.
F._ zum Schluss, dass der Beschwerdeführer zu 50 % arbeitsfähig
sei. Aufgrund des Krankheitsbildes des Beschwerdeführers liege eine klas-
sische Erwerbsunfähigkeit vor. Es gehe hier weniger darum, ob eine Rest-
arbeitsfähigkeit zuzumuten sei, sondern ob die psychischen Defizite dem
Arbeitgeber bzw. der Arbeitsumgebung zuzumuten seien. Selbst wenn der
Beschwerdeführer den eisernen Willen hätte, ins Erwerbsleben zurückzu-
kehren, sei es unvorstellbar, dass sich ein Arbeitgeber oder eine ge-
schützte Werkstatt fände, wo die Defizite des Versicherten akzeptiert wür-
den. Viele der vom Gutachter genannten Bereiche seien für die Arbeitstä-
tigkeit zwingend notwendig. Doch genau diesbezüglich herrschten massive
Defizite. So nütze bspw. die Fähigkeit zur Anwendung fachlicher Kompe-
tenzen überhaupt nichts, wenn sie durch die fehlende Gruppenfähigkeit,
Selbstbehauptungsfähigkeit, Durchhaltefähigkeit und Flexibilität gar nie zur
Anwendung gelangen könne. Gar nicht geprüft oder gewürdigt seien die
"Ausraster", die der Versicherte immer wieder habe. Konkret ausgedrückt,
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kein Arbeitgeber würde einen Mitarbeiter anstellen, der keine Instruktionen
annehme, bei ganztägiger Anwesenheit nur 50 % leiste, die Arbeit nach
wenigen Minuten wieder niederlege, sich mit den übrigen Mitarbeitern ver-
krache und plötzliche Gefühlsexplosionen habe. Nicht einmal eine ge-
schützte Werkstatt würde diesen Versuch wagen. Vorliegend gebe es Indi-
zien, welche die Zuverlässigkeit des Gutachtens in Frage stellten. Insbe-
sondere würden schwere (gemäss Gutachter mittelschwere) Defizite bei
den Fähigkeiten, Ressourcen und Belastungen festgestellt, doch trotzdem
eine Arbeitsfähigkeit angenommen. Dies erscheine äusserst eigenartig,
insbesondere im Licht, dass auch der Gutachter keine Besserung an-
nehme. Die sehr hohen Testwerte in Hysterie, Psychopathie, Paranoia,
Psychasthenie und Schizophrenie fänden im Gutachten keine ausrei-
chende Würdigung. Weiter basiere das Gutachten zu einem grossen Teil
auf einer computerbasierten Auswertung, welche bei einem Krankheitsbild
wie demjenigen des Versicherten kaum aussagekräftige Ergebnisse erzie-
len könne. Der Umfang der Auswertung stehe in völligem Widerspruch zur
kurzen persönlichen Befragung (Dauer: 48 Minuten). Es falle das extreme
Spannungsverhältnis zwischen dem Gutachter und dem Beschwerdefüh-
rer auf. Wenn eine derart schlechte Stimmung zwischen Arzt und Proban-
den herrsche, dürfte es schwierig sein, ein völlig unparteiisches Gutachten
zu erstellen. Insbesondere die E-Mails, die der Beschwerdeführer im Nach-
gang an die Begutachtung dem Experten geschickt habe, liessen in das
Gefühlsleben und Krankheitsbild des Beschwerdeführers Einblick nehmen.
Weshalb diese E-Mails nicht ausführlicher ausgewertet und zur Ermittlung
des Geisteszustands des Beschwerdeführers herangezogen worden
seien, bleibe unklar. Weiter mache der Versicherte seit langem geltend,
dass er an chronischen Schmerzen im Nacken bzw. in der oberen Wirbel-
säule leide. Eine umfassende Abklärung dieser Beschwerden werde immer
wieder mit kurzer Argumentation weggewischt. Der Gutachter komme ohne
weitere Untersuchung zum Schluss, ein andauernder, schwerer und quä-
lender Schmerz sei nicht anzunehmen. Es dränge sich jedoch auf, die Ur-
sachen dieser Schmerzen festzustellen. Vorliegend würde ein Entzug der
aufschiebenden Wirkung den mittellosen und in Tschechien unter beschei-
densten Umständen lebenden Beschwerdeführer in eine persönliche Krise
stürzen. Er würde seine Wohnung und seine Haustiere verlieren und
müsste zurück in die Schweiz reisen, um Sozialhilfe beantragen zu können.
Es habe demzufolge bereits jetzt eine grosse persönliche Härte für ihn be-
deutet, nachdem die fragliche Verfügung sofort in Kraft getreten sei.
E.d Nach Erhalt der Eingabe des Beschwerdeführers vom 18. Juli 2019
samt Beilagen (B-act. 8) und Vorliegen der Vernehmlassung der Vorinstanz
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zum Antrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Be-
schwerde vom 19. Juli 2019 (B-act. 9) hiess die Instruktionsrichterin mit
Zwischenverfügung vom 23. Juli 2019 das Gesuch vom 12. Juni 2019 um
Erteilung des Rechts auf unentgeltliche Rechtspflege gut; der Beschwer-
deführer wurde von der Bezahlung des Kostenvorschusses befreit, und
ihm wurde Rechtsanwalt Beat Lenel als amtlicher Anwalt beigeordnet (B-
act. 10).
E.e Mit einer weiteren, vom 29. Juli 2019 datierenden Zwischenverfügung
wies die Instruktionsrichterin das Gesuch des Beschwerdeführers um Wie-
derherstellung der aufschiebenden Wirkung ab (B-act. 12).
E.f In ihrer Vernehmlassung zur Hauptsache vom 30. August 2019 bean-
tragte die Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde (B-act. 13).
Zur Begründung führte sie zusammengefasst aus, das Gutachten von
Dr. med. F._ entspreche zweifellos den allgemeinen Kriterien der
Rechtsprechung an einen beweiswertigen ärztlichen Bericht. Wie der be-
urteilende Facharzt des ärztlichen Dienstes festgehalten habe, sei das Gut-
achten in der Herleitung und Begründung bzw. Verwerfung von Diagnosen
äusserst sorgfältig, präzise und plausibel in der Beurteilung von Gesund-
heitszustand und Arbeitsfähigkeit. Auch sei das strukturierte Beweisverfah-
ren sorgfältig durchgeführt worden. Die beschwerdeweise bestrittene Bes-
serung in psychiatrischer Hinsicht ergebe sich aus dem Gutachten eindeu-
tig. Diverse, in den Vorakten gestellte psychiatrische Verdachtsdiagnosen
(ADHS, Zwangsstörung, somatoforme Störungen) hätten nicht mehr be-
stätigt werden können. Festzustellen gewesen sei jedoch eine ausserge-
wöhnliche Verdeutlichungstendenz und bewusstseinsnahe Aggravation.
Was beschwerdeweise gegen das Gutachten vorgebracht werde, gebe im
Wesentlichen nur die subjektive Betrachtungsweise des Beschwerdefüh-
rers wieder. Es bestehe kein Grund für die Einholung eines psychiatrischen
Obergutachtens. Der den Sachverhalt aus somatischer Sicht beurteilende
Arzt des ärztlichen Dienstes habe in seiner Stellungnahme vom 8. Mai
2019 festgehalten, dass sich keine aktuellen medizinischen Unterlagen be-
treffend den somatischen Gesundheitszustand fänden, welche gegen die
Möglichkeit der Ausübung von leidensangepassten Tätigkeiten entspre-
chend der aus psychiatrischer Sicht festgestellten Arbeitsfähigkeit von
50 % sprechen würden. Der Beschwerdeführer vermöge seine Vorbringen
demgegenüber offensichtlich nicht durch medizinische Beweismittel be-
handelnder Ärzte zu untermauern. Die Erforderlichkeit einer entsprechen-
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Seite 10
den Begutachtung sei dementsprechend nicht ausgewiesen. Die beim Be-
schwerdeführer bestehenden, psychisch bedingten Leistungseinschrän-
kungen gehörten eindeutig zu den von der erwähnten Rechtsprechung er-
fassten Einschränkungen, welche eine Verwertbarkeit der Restarbeitsfä-
higkeit auf dem allgemeinen ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht grundsätz-
lich ausschliessen würden. Insoweit die beim Beschwerdeführer bestehen-
den Einschränkungen beschwerdeweise als derart gravierend dargestellt
würden, als sie die Verwertbarkeit ausnahmsweise ausschliessen würden,
stehe dies in klarem Gegensatz zu den Feststellungen im psychiatrischen
Gutachten.
E.g In seiner Replik vom 11. September 2019 liess der Beschwerdeführer
zusammengefasst ausführen, er bemängle die Methoden, mit denen
Dr. med. F._ zu seinen Beobachtungen und Schlussfolgerungen
komme. Diese seien ungeeignet gewesen, die krankheitstypische Sympto-
matik vollumfänglich zu erkennen, und hätten ein völlig falsches Bild des
Beschwerdeführers gezeichnet. Weiter liess er die feindliche Stimmung,
die anlässlich der Begutachtung geherrscht habe, sowie die Begleitum-
stände während der Begutachtung kritisieren. Aus diesem Grund werde die
Erstellung eines Obergutachtens verlangt. Mittels einer vier Jahre alten Un-
tersuchung der Halswirbelsäule wolle die Vorinstanz belegen, dass der Be-
schwerdeführer keine organischen Beschwerden mehr habe. Eine dermas-
sen weit zurückliegende Untersuchung könne nicht mehr beweiskräftig
sein. Dass ein chronisches Schmerzsyndrom vorliegen könne, erwäge die
Vorinstanz nicht. Es sei völlig unerklärlich, weshalb sich die Beschwerde-
gegnerin gegen die notwendigen Abklärungen sträube. Ohne umfassende
und aktuelle Unterlagen sei ein Entscheid in dieser Sache ausgeschlossen
und nicht zu rechtfertigen. Jedes negative Schreiben der Beschwerdegeg-
nerin habe einen Schub beim Beschwerdeführer verursacht, der dann völ-
lig ausraste, herumschreie und die Kontrolle über seine Emotionen völlig
verliere. Aus diesen Gründen würden die Vorbringen der Vorinstanz, dass
der Beschwerdeführer eine Stelle in einer geschützten Werkstätte in der
Schweiz finden könnte, ins Leere laufen. Direkter Kundenkontakt als Sport-
artikelverkäufer sei völlig undenkbar, denn bereits beim ersten emotionalen
Ausbruch würde der Arbeitgeber wohl heftigen Schaden nehmen. Die Ver-
wertung der Restarbeitsfähigkeit sei weder sozial zumutbar noch für die
Gesellschaft tragbar. Wenn der Gutachter der Meinung sei, dass sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit dem 26. Juli 2018 ver-
bessert haben sollte, wäre dies nur eine kurze Momentaufnahme in einem
äusserst labilen Gleichgewicht, das jederzeit wieder auf die andere Seite
kippen könne. Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers könne
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Seite 11
nicht verbessert, sondern nur im Gleichgewicht gehalten werden (B-act.
15).
E.h In ihrer Duplik vom 17. September 2019 war die Vorinstanz der Ansicht,
die Replik gebe keinen Anlass zu irgendwelchen Weiterungen. Sie verwies
vollumfänglich auf ihre Vernehmlassung vom 30. August 2019 und hielt an
den darin gestellten Anträgen fest (B-act. 17).
E.i Mit prozessleitender Verfügung vom 20. September 2019 wurde der
Schriftenwechsel unter dem Vorbehalt weiterer Instruktionsmassnahmen
abgeschlossen (B-act. 18).
E.j Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften und Be-
weismittel der Parteien ist – soweit erforderlich – in den nachfolgenden Er-
wägungen einzugehen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht prüft von Amtes wegen und mit freier Kog-
nition, ob die Prozessvoraussetzungen erfüllt sind und ob auf eine Be-
schwerde einzutreten ist (Art. 7 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. De-
zember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]; BVGE
2016/15 E. 1; 2014/4 E. 1.2).
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 69 Abs. 1
Bst. b des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversiche-
rung [IVG, SR 831.20]) ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
der vorliegenden Beschwerde zuständig.
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG).
Gemäss Art. 3 Bst. dbis VwVG bleiben in sozialversicherungsrechtlichen
Verfahren die besonderen Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 6. Ok-
tober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG, SR 830.1) vorbehalten. Gemäss Art. 2 ATSG sind die Bestimmun-
gen dieses Gesetzes auf die bundesgesetzlich geregelten Sozialversiche-
rungen anwendbar, wenn und soweit die einzelnen Sozialversicherungs-
gesetze es vorsehen. Nach Art. 1 IVG sind die Bestimmungen des ATSG
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auf die IV anwendbar (Art. 1a - 26bis und Art. 28 - 70 IVG), soweit das IVG
nicht ausdrücklich eine Abweichung vom ATSG vorsieht. Nach den allge-
meinen intertemporalrechtlichen Regeln finden diejenigen Verfahrensre-
geln Anwendung, welche im Zeitpunkt der Beschwerdebeurteilung in Kraft
stehen (BGE 130 V 1 E. 3.2).
1.3 Als direkter Adressat ist der Beschwerdeführer von der angefochtenen
Verfügung vom 24. Mai 2019 (act. 242; vgl. auch act. 240 und 241) berührt
und er kann sich auf ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung
oder Änderung berufen (Art. 59 ATSG; Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist-
und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 60 ATSG; Art. 50 Abs. 1
und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist deshalb einzutreten.
1.4 Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstandes des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1) bildet die
Verfügung vom 24. Mai 2019, mit welcher die Vorinstanz die ganze IV-
Rente des Beschwerdeführers in Anwendung von Art. 88bis Abs. 2 Bst. a
der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung (IVV,
SR 831.201) auf eine halbe IV-Rente herabgesetzt hat. Streitig und zu prü-
fen ist die Rechtmässigkeit dieser Verfügung und in diesem Zusammen-
hang insbesondere, ob die Vorinstanz den Sachverhalt in medizinischer
Hinsicht rechtsgenüglich abgeklärt und gewürdigt hat.
1.5 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG).
2.
Im Folgenden sind die weiteren, im vorliegenden Verfahren im Wesentli-
chen anwendbaren Normen und Rechtsgrundsätze darzustellen.
2.1 Der Beschwerdeführer ist Schweizer Staatsbürger und wohnt in der
Tschechischen Republik, sodass vorliegend in erster Linie Schweizer
Recht anwendbar ist. Ebenfalls kann das Freizügigkeitsabkommen vom
21. Juni 1999 (FZA, SR 0.142.112.681) und die Regelwerke der Gemein-
schaft zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit gemäss An-
hang II des FZA, insbesondere die für die Schweiz am 1. April 2012 in Kraft
getretenen Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 (SR 0.831.109.268.1) und Nr.
987/2009 (SR 0.831.109.268.11), zur Anwendung gelangen. Seit dem 1.
Januar 2015 sind auch die durch die Verordnungen (EU) Nr. 1244/2010,
C-2927/2019
Seite 13
Nr. 465/2012 und Nr. 1224/2012 erfolgten Änderungen in den Beziehungen
zwischen der Schweiz und den EU-Mitgliedstaaten anwendbar. Das Vor-
liegen einer anspruchserheblichen Invalidität beurteilt sich indes auch im
Anwendungsbereich des FZA und der Koordinierungsvorschriften nach
schweizerischem Recht (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4; Urteil des BGer
9C_573/2012 vom 16. Januar 2013 E. 4).
2.2 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
geblich, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes
Geltung haben (BGE 143 V 446 E. 3.3; 139 V 335 E. 6.2; 138 V 475 E. 3.1).
Deshalb finden die Vorschriften Anwendung, die spätestens beim Erlass
der Verfügung vom 24. Mai 2019 in Kraft standen; weiter aber auch solche,
die zu jenem Zeitpunkt bereits ausser Kraft getreten waren, die aber für die
Beurteilung allenfalls früher entstandener Leistungsansprüche von Belang
sind.
2.3 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchti-
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte,
volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich
zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tä-
tigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6
ATSG).
2.4 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können
auch solche von psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m.
Art. 7 ATSG). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG
sowie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische
Befundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur
dann anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeein-
trächtigung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE
C-2927/2019
Seite 14
141 V 281 E. 2.1). Mit der Diagnose eines Gesundheitsschadens ist noch
nicht gesagt, dass dieser Schaden auch invalidisierenden Charakter hat.
Ob dies zutrifft, beurteilt sich gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut nach
dem Einfluss, den der Gesundheitsschaden auf die Arbeits- und Erwerbs-
fähigkeit hat. Entscheidend ist, ob der versicherten Person wegen des ge-
klagten Leidens nicht mehr zumutbar ist, ganz oder teilweise zu arbeiten.
Deshalb gilt eine objektivierte Zumutbarkeitsprüfung unter ausschliessli-
cher Berücksichtigung von Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung
(BGE 142 V 106 E. 4.4). Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheits-
schadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gel-
ten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person
bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu
verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weit-
gehend objektiv bestimmt (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 352 E. 2.2.1; SVR
2014 IV Nr. 2 S. 5 E. 3.1). Entscheidend ist, ob und inwiefern es der versi-
cherten Person trotz ihres Leidens sozialpraktisch zumutbar ist, die Rest-
arbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offenstehenden ausge-
glichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, und ob dies für die Gesellschaft trag-
bar ist. Dies ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu prüfen
(BGE 136 V 279 E. 3.2.1; SVR 2016 IV Nr. 2 S. 5 E. 4.2).
2.5 Es ist dem klaren Willen des Gesetzgebers gemäss Art. 7 Abs. 2 ATSG
Rechnung zu tragen, wonach im Zuge einer objektivierten Betrachtungs-
weise von der grundsätzlichen „Validität“ der versicherten Person auszu-
gehen ist (BGE 141 V 281 E. 3.7.2). Die Sachverständigen sollen die Di-
agnose so begründen, dass die Rechtsanwender nachvollziehen können,
ob die klassifikatorischen Vorgaben tatsächlich eingehalten sind (BGE 143
V 124 E. 2.2.2, 141 V 281 E. 2.1.1). Gemäss höchstrichterlicher Rechtspre-
chung erfolgt die Prüfung, ob ein psychischer Gesundheitsschaden eine
rentenbegründende Invalidität zu bewirken vermag, schliesslich anhand ei-
nes strukturierten normativen Prüfungsrasters (BGE 143 V 418 E. 7, 141
V 281 E. 4.1). Dies gilt für sämtliche psychischen Störungen (BGE 143 V
418 E. 7.2). Eine invalidenversicherungsrechtlich erhebliche Gesundheits-
beeinträchtigung liegt nur vor, wenn die Diagnose im Rahmen einer Prü-
fung auf der ersten Ebene auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschluss-
gründe nach BGE 131 V 49 standhält. Danach liegt regelmässig keine ver-
sicherte Gesundheitsschädigung vor, soweit die Leistungseinschränkung
auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht. Hinweise auf
solche und andere Äusserungen eines sekundären Krankheitsgewinns er-
geben sich namentlich, wenn eine erhebliche Diskrepanz zwischen den
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C-2927/2019
Seite 15
geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anam-
nese besteht, intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakteri-
sierung jedoch vage bleibt, keine medizinische Behandlung und Therapie
in Anspruch genommen wird, demonstrativ vorgetragene Klagen auf den
Sachverständigen unglaubwürdig wirken oder schwere Einschränkungen
im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend
intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichendes Ver-
halten hin. Besteht im Einzelfall Klarheit darüber, dass nach plausibler ärzt-
licher Beurteilung die Anhaltspunkte auf eine Aggravation eindeutig über-
wiegen und die Grenzen eines bloss verdeutlichenden Verhaltens klar
überschritten sind, ohne dass das aggravatorische Verhalten auf eine ver-
selbständigte, krankheitswertige psychische Störung (vgl. BGE 127 V 294
E. 5a) zurückzuführen wäre, fällt eine versicherte Gesundheitsschädigung
ausser Betracht und ein Rentenanspruch ist ausgeschlossen, selbst wenn
die klassifikatorischen Merkmale einer psychischen Störung gegeben sein
sollten (vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG erster Satz). Soweit die betreffenden Anzei-
chen neben einer ausgewiesenen verselbständigten Gesundheitsschädi-
gung (BGE 127 V 294 E. 5a) auftreten, sind deren Auswirkungen derweil
im Umfang der Aggravation zu bereinigen (BGE 141 V 281 E. 2.1.1 und
E. 2.2). Liegt auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe eine
versicherte Gesundheitsschädigung vor, erfolgt schliesslich auf der zwei-
ten Ebene anhand eines normativen Prüfungsrasters mit einem Katalog
von Indikatoren eine ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des – unter
Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer-
seits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – tatsächlich
erreichbaren Leistungsvermögens (BGE 141 V 281 E. 3.6). Es gilt im Re-
gelfall nach gemeinsamen Eigenschaften systematisierte Standardindika-
toren zu beachten (E. 4.1.3), welche sich in die Kategorien „funktioneller
Schweregrad“ (E. 4.3) und „Konsistenz“ einteilen lassen (E. 4.4). Der Prü-
fungsraster ist rechtlicher Natur (E. 5). Die Anerkennung eines rentenbe-
gründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus-
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs-
grundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wi-
derspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachge-
wiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit die materi-
ell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (E. 6).
2.6 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliede-
rungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können
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C-2927/2019
Seite 16
(Bst. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durch-
schnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind
(Bst. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8
ATSG) sind (Bst. c). Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % be-
steht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei mindestens 50 % auf eine halbe
Rente, bei mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei mindestens
70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Beträgt der Invaliditätsgrad
weniger als 50 %, so werden die entsprechenden Renten nur an Versi-
cherte ausbezahlt, die ihren Wohnsitz und ihren gewöhnlichen Aufenthalt
(Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben (Art. 29 Abs. 4 IVG). Diese Einschrän-
kung gilt jedoch nicht für die Staatsangehörigen eines Mitgliedstaates der
EU und der Schweiz, sofern sie in einem Mitgliedstaat der EU Wohnsitz
haben (Art. 7 VO [EG] 883/2004; vgl. BGE 130 V 253 E. 2.3 und E. 3.1).
Dies trifft auf den über die Schweizer Staatsbürgerschaft verfügenden Be-
schwerdeführer zu.
2.7 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Ren-
tenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Ge-
such hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgeho-
ben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Das Institut der Revision von Invalidenrenten
gilt für alle Sozialversicherungen, welche Invalidenrenten ausrichten, und
wurde vom Gesetzgeber in Weiterführung der entsprechenden bisherigen
Regelungen übernommen. Da somit keine davon abweichende Ordnung
beabsichtigt war, ist auch die dazu entwickelte Rechtsprechung grundsätz-
lich anwendbar (BGE 130 V 343 E. 3.5.2 und E. 3.5.4). Anlass zur Renten-
revision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnis-
sen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch
zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist deshalb nicht nur bei einer wesent-
lichen Veränderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revi-
dierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen (oder die Auswirkungen
auf die Betätigung im üblichen Aufgabenbereich) des an sich gleich geblie-
benen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben. Dazu gehört die
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer Angewöhnung oder An-
passung an die Behinderung. Ein Revisionsgrund ist ferner unter Umstän-
den auch dann gegeben, wenn eine andere Art der Bemessung der Invali-
dität zur Anwendung gelangt oder eine Wandlung des Aufgabenbereichs
eingetreten ist (BGE 141 V 9 E. 2.3, 130 V 343 E. 3.5). Eine weitere Diag-
nosestellung bedeutet nur dann eine revisionsrechtlich relevante Gesund-
heitsverschlechterung oder eine weggefallene Diagnose eine verbesserte
gesundheitliche Situation, wenn diese veränderten Umstände den Renten-
anspruch berühren (BGE 141 V 9 E. 5.2). Liegt eine erhebliche Änderung
C-2927/2019
Seite 17
des Sachverhalts vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächli-
cher Hinsicht allseitig, d.h. unter Berücksichtigung des gesamten für die
Leistungsberechtigung ausschlaggebenden Tatsachenspektrums neu und
ohne Bindung an frühere Invaliditätsschätzungen zu prüfen (BGE 141 V 9
E. 2.3, 117 V 198 E. 4b).
2.8 Bei der Beurteilung der Arbeits(un)fähigkeit stützen sich die Verwaltung
und – im Beschwerdefall – das Gericht auf Unterlagen, die von ärztlichen
und gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen
sind. Ärztliche Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und
dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tä-
tigkeiten die versicherte Person arbeitsfähig ist. Hinsichtlich des Beweis-
wertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Be-
lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die ge-
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammen-
hänge sowie der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss-
folgerungen der Expertinnen und Experten begründet sind (BGE 134 V 231
E. 5.1; 125 V 351 E. 3a). Eine begutachtende medizinische Fachperson
muss über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen (Urteil des
BGer 9C_555/2017 vom 22. November 2017 E. 3.1 mit Hinweisen). Den
von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten
Gutachten von medizinischen Sachverständigen, die den Anforderungen
der Rechtsprechung entsprechen, darf das Gericht vollen Beweiswert zu-
erkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der
Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 2.2.2; 135 V 465 E. 4.4).
Die Stellungnahmen des RAD oder des medizinischen Dienstes der IVSTA,
welche nicht auf eigenen Untersuchungen beruhen, können wie Aktengut-
achten beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im
Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich festste-
henden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Be-
fassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (vgl. Urteile
des BGer 9C_524/2017 vom 21. März 2018 E. 5.1; 9C_28/2015 vom
8. Juni 2015 E. 3.2; 9C_196/2014 vom 18. Juni 2014 E. 5.1.1, je mit Hin-
weisen). Die Aufgabe der versicherungsinternen Fachpersonen besteht
insbesondere darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfe-
stellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche
in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den me-
dizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und versicherungsmedizi-
nisch zu würdigen (vgl. SVR 2009 IV Nr. 50 [Urteil 8C_756/2008] E. 4.4 mit
C-2927/2019
Seite 18
Hinweis; Urteil des BGer 9C_692/2014 vom 22. Januar 2015 E. 3.3). Sie
haben die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht zu würdigen,
wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten
eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die an-
dere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu-
nehmen ist (BGE 142 V 58 E. 5.1). Enthalten die Akten für die streitigen
Belange keine beweistauglichen Unterlagen, kann die Stellungnahme ei-
ner versicherungsinternen Fachperson in der Regel keine abschliessende
Beurteilungsgrundlage bilden, sondern nur zu weitergehenden Abklärun-
gen Anlass geben (vgl. Urteil des BGer 9C_58/2011 vom 25. März 2011
E. 3.3).
Sofern RAD-Untersuchungsberichte den Anforderungen an ein ärztliches
Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352) genügen, auch hinsichtlich der
erforderlichen ärztlichen Qualifikationen, haben sie einen vergleichbaren
Beweiswert wie ein anderes Gutachten (SVR 2009 IV Nr. 53 S. 165
E. 3.3.2). Eine von anderen mit der versicherten Person befassten Ärzten
abweichende Beurteilung vermag die Objektivität des Experten nicht in
Frage zu stellen. Es gehört vielmehr zu den Pflichten eines Gutachters,
sich kritisch mit dem Aktenmaterial auseinanderzusetzen und eine eigen-
ständige Beurteilung abzugeben. Auf welche Einschätzung letztlich abge-
stellt werden kann, ist eine im Verwaltungs- und allenfalls Gerichtsverfah-
ren zu klärende Frage der Beweiswürdigung (BGE 132 V 93 E. 7.2.2).
2.9 Die Feststellung einer revisionsbegründenden Veränderung erfolgt
durch eine Gegenüberstellung eines vergangenen und des aktuellen Zu-
standes. Gegenstand des Beweises ist somit das Vorhandensein einer ent-
scheidungserheblichen Differenz in den – den medizinischen Unterlagen
zu entnehmenden – Tatsachen. Der Beweiswert eines zwecks Rentenrevi-
sion erstellten Gutachtens hängt folglich wesentlich davon ab, ob es sich
ausreichend auf das Beweisthema – erhebliche Änderung(en) des Sach-
verhalts – bezieht. Einer für sich allein betrachtet vollständigen, nachvoll-
ziehbaren und schlüssigen medizinischen Beurteilung, die im Hinblick auf
eine erstmalige Beurteilung der Rentenberechtigung beweisend wäre,
mangelt es daher in der Regel am rechtlich erforderlichen Beweiswert,
wenn sich die (von einer früheren abweichende) ärztliche Einschätzung
nicht hinreichend darüber ausspricht, inwiefern eine effektive Veränderung
des Gesundheitszustandes stattgefunden hat. Vorbehalten bleiben Sach-
lagen, in denen es evident ist, dass die gesundheitlichen Verhältnisse sich
verändert haben (SVR 2013 IV Nr. 44 S. 135 E. 6.1.2). Wegen des verglei-
C-2927/2019
Seite 19
chenden Charakters des revisionsrechtlichen Beweisthemas und des Er-
fordernisses, erhebliche faktische Veränderungen von bloss abweichen-
den Bewertungen abzugrenzen, muss deutlich werden, dass die Fakten,
mit denen die Veränderung begründet wird, neu sind oder dass sich vorbe-
standene Tatsachen in ihrer Beschaffenheit oder ihrem Ausmass substan-
tiell verändert haben. Eine verlässliche Abgrenzung der tatsächlich einge-
tretenen von der nur angenommenen Veränderung ist als erforderliche Be-
weisgrundlage nicht erreicht, wenn bloss nominelle Differenzen diagnosti-
scher Art bestehen. Die Feststellung über eine seit der früheren Beurtei-
lung eingetretene tatsächliche Änderung ist hingegen genügend untermau-
ert, wenn die ärztlichen Sachverständigen aufzeigen, welche konkreten
Gesichtspunkte in der Krankheitsentwicklung und im Verlauf der Arbeitsun-
fähigkeit zu ihrer neuen diagnostischen Beurteilung und Einschätzung des
Schweregrades der Störungen geführt haben (SVR 2013 IV Nr. 44 S. 136
E. 6.1.3).
3.
Vorab sind in einem ersten Schritt die beiden massgeblichen Vergleichs-
zeitpunkte zu bestimmen:
3.1 Als zeitliche Vergleichsbasis ist einerseits der Sachverhalt im Zeitpunkt
der ursprünglichen Rentenverfügung und anderseits derjenige zur Zeit der
streitigen Revisionsverfügung zu berücksichtigen (BGE 130 V 343 E. 3.5.2,
125 V 368 E. 2; SVR 2010 IV Nr. 53 S. 166 E. 3.1). Wurde die Rente zuvor
bereits revidiert oder bestätigt, so ist als zeitliche Vergleichsbasis die letzte
rechtskräftige Verfügung heranzuziehen, sofern eine materielle Überprü-
fung des Leistungsanspruches tatsächlich stattgefunden hat, d.h. eine
rechtskonforme (medizinische) Sachverhaltsabklärung, eine Beweiswürdi-
gung und gegebenenfalls – sofern Hinweise für eine Änderung in den er-
werblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands bestanden – ein Ein-
kommensvergleich durchgeführt worden sind (BGE 133 V 108 E. 5.4). Die
weitere Ausrichtung einer Invalidenrente nach einer von Amtes wegen
durchgeführten Revision, sofern dabei keine leistungsbeeinflussende Än-
derung der Verhältnisse festgestellt wurde, bedarf gemäss Art. 74ter Bst. f
IVV keiner Verfügung. Die blosse Mitteilung eines solchen Revisionsergeb-
nisses ist, wenn keine Verfügung verlangt wurde (Art. 74quater Abs. 1 IVV;
bis 31. Dezember 2011 Art. 74quater IVV), in Bezug auf den Vergleichszeit-
punkt einer rechtskräftigen Verfügung gleichzustellen (SVR 2013 IV Nr. 44
S. 135 E. 3.1.2).
C-2927/2019
Seite 20
3.2 Nach dem vorstehend Dargelegten und mit Blick auf die (letzte) rele-
vante materielle Überprüfung (vgl. hierzu E. 3.1 hiervor) bilden im vorlie-
genden Fall die massgeblichen zeitlichen Vergleichszeitpunkte die ur-
sprünglich rentenzusprechende, unangefochten in Rechtskraft erwach-
sene Verfügung vom 26. August bzw. 14. Oktober 2011 (act. 38 S. 4, act. 39
und 115 S. 4) sowie die vorliegend angefochtene Revisionsverfügung vom
24. Mai 2019 (act. 242). Nachfolgend ist somit zu prüfen, ob sich der Ge-
sundheitszustand des Beschwerdeführers in der Zeit vom 26. August bzw.
14. Oktober 2011 bis zum 24. Mai 2019 in rentenrelevanter Weise verän-
dert hat.
4.
Gemäss den Verlaufsprotokolleinträgen der IV-Stelle C._ vom
20. Juli 2010 war bei der Frage, ob eine Wiedereingliederung überhaupt
möglich war, und im Zusammenhang mit der Rentenfrage in erster Linie
die psychische Situation massgeblich (act. 38 S. 16 und 17). Unter diesen
Umständen bzw. zufolge weiterer Einträge im Verlaufsprotokoll dienten der
IV-Stelle C._ im Rahmen der ursprünglich zugesprochenen ganzen
IV-Rente ab dem 1. Dezember 2010 (act. 39 S. 2) als Entscheidbasis in
medizinischer Hinsicht in erster Linie das Gutachten von Dr. med.
K._ vom D._ Dienst (...) (im Folgenden: D._) vom
16. April 2011 (act. 38 S. 10) sowie die Stellungnahme von Dr. med.
L._ vom Regionalen Ärztlichen Dienst vom 9. Mai 2011 (act. 38 S.
18). Darüber hinaus lagen der IV-Stelle C._ in rein somatischer Hin-
sicht auch die Akten der Suva vor (act. 38 S. 16 und 17).
4.1 Die von der IV-Stelle C._ vorgenommene Zusammenfassung
des Gutachtens von Dr. med. K._ des D._ vom 16. April 2011
beinhaltete die Diagnosen von hochgradigen Verdachten auf eine schwere
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen, narzissti-
schen, dissozialen und schizoiden Anteilen (ICD-10: F61.0; bestehend seit
der Kindheit/Jugend), ein Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom
(ADHS; ICD-10: F90; bestehend seit der Kindheit/Jugend) sowie auf eine
gemischte Zwangsstörung mit Wasch- und Kontrollzwang (ICD-10: F42.2;
bestehend seit wenigen Jahren). Weiter wurden eine Cannabis-Abhängig-
keit (ICD-10: F12.25; bestehend seit dem 26. Lebensjahr) sowie ein chro-
nisches Schmerzsyndrom (ICD-10: R52.1; bestehend seit zirka 1993) di-
agnostiziert (act. 38 S. 10). Die Experten attestierten dem Versicherten so-
wohl in der angestammten Arbeit als auch in einer Verweisungstätigkeit
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (act. 38 S. 11).
C-2927/2019
Seite 21
4.2 Dr. med. L._, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie/Psycho-
therapie, vom RAD berichtete am 9. Mai 2011 (act. 38 S. 18), das Gutach-
ten des D._ sei ausführlich und schlüssig. Infolge der schweren
strukturellen (Persönlichkeits-)Störung des Versicherten sei dieser auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt keinem Arbeitgeber zumutbar. Die Diagnosen
stelle der D._ zwar nur als hochrangig verdächtig dar. Dies liege aber
mitunter daran, dass längere Beobachtungszeiten und Behandlungsver-
läufe fehlten und wofür wiederum das Störungsbild des Versicherten am
ehesten die Ursache darstelle (fehlende Krankheitseinsicht). Auf das Gut-
achten könne daher abgestellt werden.
5.
Anlässlich der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 24. Mai 2019
stützte sich die Vorinstanz in medizinischer Hinsicht insbesondere auf das
Gutachten von Dr. med. F._, Facharzt für Psychiatrie und Psycho-
therapie, vom 21. August 2018 (act. 209), die Stellungnahmen von Dr. med.
H._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 14. Septem-
ber und 11. Dezember 2018 (act. 217 und 222) sowie auf den Bericht von
Dr. med. I._, Facharzt für Allgemeine Medizin, vom 8. Mai 2019
(act. 239). Diese medizinischen Dokumente sind nachfolgend zusammen-
gefasst wiederzugeben und einer Würdigung zu unterziehen.
5.1 Dr. med. F._ diagnostizierte in seiner Expertise vom 21. August
2018 (act. 209) eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F61.0)
mit emotional instabilen, dissozialen, schizoiden und narzisstischen Antei-
len, mit neuropsychologischen Auffälligkeiten, mit regelmässigem Konsum
von Tabak und Cannabinoiden sowie anamnestisch Gebrauch von Alkohol,
Anabolika, Kokain und Amphetaminen/Ecstasy; dies bei einem
Schmerzsyndrom. Weiter berichtete Dr. med. F._, mit Bezug zum
Gutachten der D._ vom 16. April 2011 könne der damalige Verdacht
auf eine kombinierte Persönlichkeitsstörung bestätigt werden. Für eine hy-
perkinetische Störung (ADS/ADHS bspw. gemäss ICD-10: F90) lägen je-
doch keine klinischen Befunde vor, die von akzentuierten Persönlichkeits-
zügen abgrenzbar wären. Es fehlten zudem die geforderten (nicht nur spe-
kulativen) Belege aus der Kindheit. Selbst wenn solche Defizite (spekula-
tiv) angenommen werden sollten, dann seien sie nicht von relevantem Aus-
mass. Auch der Verdacht auf eine klinisch relevante Zwangsstörung lasse
sich (ausser aufgrund der Selbsteinschätzungen des Versicherten) nicht
objektiv begründen. Die entsprechende Definition werde nicht hinreichend
erfüllt. Bereits die "Kerndefinition", dass die Zwangsgedanken wiederkeh-
C-2927/2019
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rend, stereotyp und quälend seien, sei nicht zu bestätigen. Zwangshand-
lungen würden vom Versicherten zwar erwähnt, aber nicht im Sinn der psy-
chopathologischen Definition dargestellt und/oder beschrieben.
Zwangsphänomene seien anlässlich der aktuellen Untersuchung nicht zu
erkennen und würden die Untersuchung nicht behindern. Der Versicherte
nenne jedoch auch anlässlich der Untersuchung weiterhin Zwangsphäno-
mene. Allerdings sei seine Selbsteinschätzung zu relativieren, nachdem
eine bewusstseinsnahe Aggravation wesentlich im Vordergrund stehe. Zu-
sammenfassend sei allein aufgrund der Selbsteinschätzung des Versicher-
ten als "Anhaltspunkt" weiterhin der Verdacht auf ein zwanghaftes Syn-
drom zu begründen, welcher aber eine Diagnose gemäss ICD-10: F42 aus
versicherungspsychiatrischer Sicht nicht rechtfertige. Weitere (allfällig ver-
sicherungsmedizinisch relevante) Störungen gemäss ICD-10 (Kapitel F,
psychische und Verhaltensstörungen) – insbesondere ein Suchtleiden –
könnten im Fall des Versicherten ebenfalls nicht begründet werden. Es
seien auch keine Störungen gemäss der Kategorie F45 (somatoforme Stö-
rungen inkl. anhaltender Schmerzstörung F45.4 bzw. chronische Schmerz-
störung mit somatischen und psychischen Faktoren F45.41) zu begründen.
Beim Versicherten würden auch pathologische somatische Befunde in den
Akten aufgeführt. Gesamthaft ergäben sich unter Berücksichtigung der vor-
liegenden Arztberichte, der in den Akten dokumentierten fremdanamnesti-
schen Angaben und des aktuellen Untersuchungsbefundes aus versiche-
rungspsychiatrischer Sicht hinreichende Belege für eine aktuelle und im
Verlauf stattgefundene bewusstseinsnahe Aggravation der beschriebenen
Beeinträchtigungen. Sie stehe gegenwärtig wesentlich im Vordergrund.
Gesamthaft stünden mittelschwer ausgeprägte Defizite in den Bereichen
Fähigkeit zur Anpassung an Regeln/Routinen, Flexibilität/Umstellungsfä-
higkeit, Durchhaltefähigkeit, Selbstbehauptungsfähigkeit, Gruppenfähig-
keit und Fähigkeit zu familiären bzw. intimen Beziehungen im Vordergrund.
Demgegenüber verfüge der Versicherte über persönliche Ressourcen, Be-
rufserfahrung und eine soziale Integration im Ausland. Beim Verlauf der
Störung seien aber auch nicht krankheitsbedingte (soziale) Faktoren und
eine bewusstseinsnahe Aggravation zu beachten. Die Arbeitsfähigkeit in
der bisherigen Tätigkeit bezogen auf ein 100 %-Pensum liege bei 50 % bei
ganztägiger Präsenz. In einer leidensangepassten Verweisungstätigkeit
liege die Arbeitsfähigkeit bezogen auf ein 100 %-Pensum bei 50 % bei
ganztägiger Präsenz. Aus versicherungspsychiatrischer Sicht könne die
medizinische Beurteilung aufgrund des Gutachtens des D._ nicht kri-
tisch differenziert nachvollzogen werden. Sie sei retrospektiv zur Kenntnis
zu nehmen. Für die Zeit zwischen April 2011 und Juli 2018 seien keine
C-2927/2019
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medizinischen Beurteilungen (insbesondere zur Einschätzung der Arbeits-
fähigkeit) dokumentiert. Somit könne von der im vorliegenden Gutachten
erläuterten Beurteilung ab dem Datum der Untersuchung am 26. Juli 2018
ausgegangen werden. Im Gutachten des D._ vom 16. April 2011
seien unter anderem die Verdachtsdiagnosen AHDS und gemischte
Zwangsstörung aufgeführt worden; diese seien beide nicht mehr zu be-
gründen. Anlässlich der Untersuchung seien die objektivierbaren psycho-
pathologischen Befunde gar nicht bis gering ausgeprägt gewesen. Mit Be-
zug auf die im Gutachten von April 2011 dokumentierten objektiven psy-
chopathologischen Befunde sei festzustellen, dass der Versicherte im Den-
ken nicht mehr beschleunigt und/oder eingeengt sei. Sein Antrieb sei un-
auffällig. Der Versicherte sei auch nicht gedrückt, ängstlich, affektlabil
und/oder affektinkontinent. Er verhalte sich weder distanziert noch distanz-
gemindert. Er habe sich erst im Nachgang zur Untersuchung per E-Mail
gereizt geäussert. Eine bewusstseinsnahe Aggravation stehe gegenwärtig
wesentlich im Vordergrund. Eine Einschränkung der Leistung von 50 % sei
aufgrund eines erhöhten Betreuungsaufwands und einer eingeschränkten
Belastbarkeit bei Defiziten in den Bereichen Fähigkeit zur Anpassung an
Regeln/Routinen, Flexibilität/Umstellungsfähigkeit, Durchhalte-, Selbstbe-
hauptungs- und Gruppenfähigkeit für jede Erwerbstätigkeit anzunehmen.
5.2 In seiner Stellungnahme vom 14. September 2018 (act. 217) führte der
Psychiater und Psychotherapeut Dr. med. H._ zusammengefasst
aus, der Gutachter diagnostiziere eine kombinierte Persönlichkeitsstörung,
die er äusserst sorgfältig und präzise herleite. Andere – im Dossier genann-
ten Diagnosen – verwerfe er, was er jeweils ebenfalls sorgfältig begründe.
Die Schwere der Persönlichkeitsstörung werde allerdings nicht als gross
eingeschätzt, was der Gutachter plausibel an den Aktivitäten des Versi-
cherten ableite. Die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde sei ge-
ring. Zum Behandlungserfolg oder zur Behandlungsresistenz wie auch
zum Eingliederungserfolg oder zur Eingliederungsresistenz könnten keine
Aussagen gemacht werden, da sie nicht stattfinden würden. Komorbiditä-
ten bestünden nicht. Der Versicherte leide unter einer Persönlichkeitsstö-
rung. Diese sei aber nicht stark ausgeprägt. Dementsprechend verfüge der
Versicherte über einige persönliche Ressourcen, wie der Gutachter aus-
führe. Der soziale Kontext sei erhalten und sei vom Versicherten auch in
seiner neuen Umgebung aufgebaut worden. Einschränkungen im Aktivi-
tätsniveau bestünden im Grunde nicht, zumindest seien sie nicht psychiat-
risch begründet. Ein Leidensdruck bestehe – abgesehen von einer Frust-
ration – nicht. Es bestehe eine bewusstseinsnahe Aggravation. Ergebnis
C-2927/2019
Seite 24
der Begutachtung sei, dass eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit sowohl im an-
gestammten Beruf wie auch in jeder Verweistätigkeit bestehe. Als Besse-
rung des Gesundheitszustandes müsse man zufolge Ermangelung ande-
rer Dokumente das Datum der Begutachtung nehmen. Der Gutachter
äussere sich ausführlich zu den Verbesserungen hinsichtlich des psychiat-
rischen Gesundheitszustandes des Versicherten. Vor allem weise er auf
die nicht mehr vorhandenen Befunde hin, die zu den Schlussfolgerungen
im Gutachten vom 16. April 2011 geführt hätten. Weder gebe es Hinweise
auf ein ADHS noch auf eine Zwangsstörung.
5.3 In seinem Bericht vom 11. Dezember 2018 (act. 222) berichtete
Dr. med. H._, bezüglich den Argumenten, ob Dr. F._ den
Äusserungen des Versicherten, Selbstmord zu begehen, und ob er die Un-
angepasstheit und das aufbrausende Wesen zu wenig gewertet habe,
sollte die IV-Stelle den Gutachter selber fragen. Seines Erachtens habe Dr.
med. F._ das sehr wohl getan, jedoch könne eine bewusstseins-
nahe Aggravation nicht als psychiatrischer Gesundheitsschaden gelten.
5.4 Dr. med. I._ berichtete am 8. Mai 2019 (act. 239) zusammen-
gefasst, gemäss den medizinischen Akten liege in somatischer Hinsicht ein
Status nach einer Spondylodese C4 – C5 im Jahr 1993 und ein Zustand
nach Erkrankung an der Rotatorenmanchette 2005 sowie der Mittelhand V
links vor. Auch gehe aus den Dokumenten hervor, dass der Beschwerde-
führer nach dem Autounfall von 1993 nach Behandlung nicht an einem de-
fizitären neurologischen Syndrom mit einer Erkrankung der Halswirbel-
säule gelitten habe. Gemäss Dr. med. M._ seien dementsprechend
die Dysesthesien nach dem zervikalen Trauma als Diagnose ohne Auswir-
kungen auf die Arbeitsfähigkeit eingestuft worden. Aus somatischer Sicht
gebe es keine objektiven medizinischen Elemente, welche die Unzumut-
barkeit einer 50%igen Arbeitsfähigkeit bescheinigen würden.
6.
Wie bereits dargelegt wurde (vgl. E. 2.8 hiervor), kann auf Stellungnahmen
von Fachärztinnen und -ärzten des RAD nur unter der Bedingung abge-
stellt werden, dass deren Beurteilungen den allgemeinen beweisrechtli-
chen Anforderungen an einen ärztlichen Bericht (resp. an ein Gutachten)
genügen und zudem die beigezogenen Ärztinnen und Ärzte über die im
Einzelfall gefragten persönlichen und fachlichen Qualifikationen verfügen.
Den Berichten im Sinne von Art. 59 Abs. 2bis IVG der Dres. med. H._
und I._ könnte – obwohl solche ohne eigene Untersuchung resp.
Abklärung vor Ort verfasst wurden – volle Beweiskraft zukommen, wenn
C-2927/2019
Seite 25
die übrigen, von der bundesgerichtlichen Rechtsprechung herausgearbei-
teten Kriterien erfüllt sind. Weil vorliegend jedoch gewisse Zweifel an der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit an diesen ärztlichen Feststellungen wie
auch am Gutachten von Dr. med. F._ bestehen, sind ergänzende
Abklärungen unumgänglich (BGE 142 V 58 E. 5.1; BGE 135 V 465 E. 4.4;
BGE 122 V 157 E. 1d S. 162), wie nachfolgend zu erläutern ist:
6.1
6.1.1 Hinsichtlich des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers in
somatischer Hinsicht bezog sich die Vorinstanz vernehmlassungsweise am
30. August 2019 (B-act. 13) auf den Einspracheentscheid der Suva vom
7. September 2016 (act. 115) und machte geltend, der Kreisarzt der Suva
habe am 9. Juni 2015 – gestützt auf Röntgenaufnahmen und eine eigene
Untersuchung vom 8. Juni 2015 – festgehalten, dass die aktuelle klinische
Untersuchung objektiv relativ bland bis auf die leichte Bewegungsein-
schränkung der Halswirbelsäule ausfalle. Es würden keine Muskelverspan-
nungen und keine Myogelosen bestehen. Korrelierend hierzu fände sich
auch radiologisch eine gute postoperative Situation ohne Sekundärverän-
derungen in den benachbarten Segmenten zum Spondylodesegebiet. Die
Suva habe den Versicherten dementsprechend als eingeschränkt für Tä-
tigkeiten mit repetitiven Kopfwendbewegungen und Blick nach oben beur-
teilt. Ansonsten seien ihm vollschichtig bis und mit mittelschwere Tätigkei-
ten zumutbar. Die angestammte Tätigkeit als Sportartikelverkäufer wäre
dem Versicherten somit aus somatischen Gründen wieder vollschichtig zu-
mutbar. Weiter gab die Vorinstanz den Inhalt der Stellungnahme von
Dr. med. I._ vom 8. Mai 2019 wieder.
6.1.2 Der Allgemeinmediziner Dr. med. I._ vertrat in seiner Stellung-
nahme vom 8. Mai 2019 die Auffassung, aus somatischer Sicht gäbe es
keine objektiven medizinischen Elemente, welche die Unzumutbarkeit ei-
ner 50%igen Arbeitsfähigkeit bescheinigen würden. Insofern sich dieser
Facharzt und die Vorinstanz auf den medizinischen Bericht des Suva-
Kreisarztes vom 9. Juni 2015 oder allenfalls gar noch ältere ärztliche Do-
kumente stützten, kann darauf mit Blick auf das massgebliche Verfügungs-
datum vom 24. Mai 2019 mangels Aktualität zum Vornherein nicht abge-
stellt werden.
6.1.3 Weiter ist festzuhalten, dass Dr. med. I._ einerseits über In-
formationsquellen in Form von Arztberichten verfügt hatte, er andererseits
C-2927/2019
Seite 26
jedoch den Beschwerdeführer nicht selber untersucht hatte. Zwar steht die-
ser Umstand der Beweiskraft der Stellungnahme dieses Arztes vom 8. Mai
2019 grundsätzlich nicht entgegen. Da jedoch kein aktueller, lückenloser
und fachärztlicher Untersuchungsbefund resp. ein vollständiges Bild über
den Verlauf und den gegenwärtigen Status in somatischer (resp. in gesamt-
medizinischer; vgl. E. 6.2.7 hiernach) Hinsicht (vgl. hierzu RKUV 2006 U
578 S. 175 E. 3.4, 1988 U 56 S. 371 E. 5b) vorliegt und es nicht bloss um
die fachärztliche Beurteilung eines – aufgrund eines (aktuellen) beweis-
kräftigen medizinischen Dokuments – an sich feststehenden medizini-
schen Sachverhalts geht, kann darauf nicht abgestellt werden. Es ist dem-
nach auch nicht rechtsgenüglich erstellt, ob sich der Gesundheitszustand
während des in Frage stehenden Zeitraums zwischen dem 26. August bzw.
14. Oktober 2011 und der streitigen, vorliegend angefochtenen Revisions-
verfügung vom 24. Mai 2019 (vgl. E. 3.2 hiervor) rentenrelevant verändert
hat (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/bb; vgl. zum Ganzen auch E. 2.8 hiervor).
Hinzu kommt, dass Dr. med. I._ nicht über einen Facharzttitel in den
medizinischen Fachdisziplinen Orthopädie und/oder Orthopädische Chirur-
gie verfügt (vgl. E. 2.8 hiervor), weshalb seine Stellungnahme vom 8. Mai
2019 auch unter diesem Aspekt vorliegend nicht als uneingeschränkt be-
weiskräftig qualifiziert werden kann (vgl. zum gegenteiligen Fall Urteil des
BVGer C-5379/2009 vom 28. März 2011 E. 3.3.2.1; vgl. auch Urteile C-
5286/2013 vom 1. Dezember 2014 E. 3.3.1 und
C-2862/2010 vom 7. Mai 2012 E. 3.3.2 mit Hinweisen).
6.1.4 Ergänzend ist schliesslich darauf hinzuweisen, dass auch Dr. med.
F._ darauf hingewiesen hatte, dass er zu allfälligen somatischen
subjektiven Beschwerden und objektiven Befunden, Diagnosen, Therapien
oder zur Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrisch- psychotherapeutischer Sicht
nicht abschliessend Stellung nehmen könne, weshalb auf entsprechende
fachärztliche Beurteilungen verwiesen werde. Er äusserte sich hingegen
nicht explizit, um welche Beurteilungen es sich dabei handelte.
6.2 Zwar ist die Expertise von Dr. med. F._ vom 21. August 2018
umfassend. Sie beruht auch auf allseitigen Untersuchungen und Testun-
gen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden und wurde in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben. Dennoch bildet sie für den vorliegenden
Fall aus den folgenden Gründen keine vollständige, rechtsgenügliche Ent-
scheidgrundlage.
6.2.1 Die durch Dr. med. F._ vorgenommene Feststellung der revi-
sionsbegründenden Veränderung des gesundheitlichen Zustands erfolgte
C-2927/2019
Seite 27
zwar in rein psychisch-psychiatrischer Hinsicht durch eine Gegenüberstel-
lung des vergangenen und des aktuellen Zustandes. Da sich die Expertise
von Dr. med. F._ ausreichend auf das Beweisthema – erhebliche
Änderung(en) des Sachverhalts – bezieht und sich dessen – von der Ex-
pertise von Dr. med. K._ des D._ vom 16. April 2011 abwei-
chende – ärztliche Einschätzung hinreichend darüber ausspricht, inwiefern
eine effektive Veränderung des Gesundheitszustandes in rein psychisch-
psychiatrischer Hinsicht stattgefunden hat, kommt dem Gutachten von
Dr. med. F._ vom 21. August 2018 (act. 209) an sich ein gewisser
Beweiswert zu (vgl. zum gegenteiligen Fall SVR 2018 IV Nr. 13 S. 40 E.
4.2 und 4.2.1). Insbesondere zeigte Dr. med. F._ grundsätzlich
nachvollziehbar und schlüssig auf, dass und inwiefern der damalige Ver-
dacht auf eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (vgl. E. 4.1 hiervor) be-
stätigt werden konnte und welche konkreten Gesichtspunkte in der Krank-
heitsentwicklung und im Verlauf der Arbeitsunfähigkeit zu der diagnosti-
schen Beurteilung und Einschätzung des Schweregrades der Störungen
geführt hatten (vgl. hierzu SVR 2018 IV Nr. 13 S. 41 E. 4.2.2). Schliesslich
erläuterte Dr. med. F._ an sich auch nachvollziehbar und schlüssig,
weshalb sich die seinerzeit geäusserten Verdachte auf ein Aufmerksam-
keitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS; ICD-10: F90) sowie auf eine
gemischte Zwangsstörung mit Wasch- und Kontrollzwang (ICD-10: F42.2)
nicht hatten bestätigen lassen (vgl. E. 4.1 hiervor). Obwohl Dr. med.
F._ an diversen Stellen seines Gutachtens erwähnt hat (act. 209 S.
32, 41 bis 43), aus versicherungspsychiatrischer Sicht könne die medizini-
sche Beurteilung (insbesondere die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit) auf-
grund des Gutachtens von Dr. med. K._ nicht kritisch differenziert
nachvollzogen werden und diese sei retrospektiv zur Kenntnis zu nehmen,
ist letztlich mit Blick auf seine nachvollziehbaren und schlüssigen Ausfüh-
rungen erstellt, dass es sich bei seiner Beurteilung nicht um eine unter-
schiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sach-
verhalts handelt, was im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich wäre
(BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Damit kann es vorliegend jedoch nicht
sein Bewenden haben.
6.2.2 In psychischer Hinsicht ist betreffend die Ausführungen des Be-
schwerdeführers, wonach er bereit gewesen wäre, sich beim für seine her-
vorragenden Gutachten bekannten Dr. med. J._ oder einem anderen
Spezialisten ein Obergutachten zu erstellen, vorab zwar festzuhalten, dass
er von Bundesrechts wegen keinen formellen Anspruch auf Beizug eines
versicherungsexternen Gutachtens hat (vgl. hierzu BGE 123 V 175 E. 3d;
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Seite 28
BGE 122 V 157 E. 2c) und sich ein Mitwirkungsrecht im Sinne eines Wahl-
rechts bei der Bestimmung des Gutachters weder aus dem Anspruch auf
rechtliches Gehör noch aus der „Nähe“ des Einspracheverfahrens zur strei-
tigen Verwaltungsrechtspflege ableiten lässt (RKUV 1998 U 309 S. 460
E. 4b). In diesem Zusammenhang ist an den Untersuchungsgrundsatz zu
erinnern, welcher besagt, dass die verfügende Instanz den rechtserhebli-
chen Sachverhalt von Amtes wegen, aus eigener Initiative und ohne Bin-
dung an Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien, abklären und fest-
stellen muss (vgl. hierzu BGE 117 V 282 E. 4a). Ergänzend ist an dieser
Stelle auch darauf hinzuweisen, dass weder die Beauftragung von
Dr. med. F._ noch dessen Expertise für sich allein genommen – in
Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes – zu einer unvollständigen Er-
hebung des Sachverhalts geführt hatte (vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG; vgl.
hierzu auch Urteil 8C_736/2014 vom 29. November 2014 E. 2.1).
6.2.3 Der vom Beschwerdeführer bemängelten, kurzen persönlichen Be-
fragung von 48 Minuten ist weiter zu entgegnen, dass es für den Aussage-
gehalt eines medizinischen Gutachtens grundsätzlich nicht auf die Dauer
der Untersuchung ankommt. Massgebend ist in erster Linie vielmehr, ob
die Expertise inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist (vgl. hierzu
Entscheid des BGer 8C_942/2009 vom 29. März 2010, E. 5.2). Dies ist –
wie vorstehend dargelegt (vgl. E. 6.2.1 hiervor) – vorliegend grundsätzlich
der Fall. Daran ändert auch das vom Beschwerdeführer erwähnte Span-
nungsverhältnis dem Grundsatz nach nichts, zumal er selber hatte vorbrin-
gen lassen, dass es keine konkreten Indizien gäbe, dass der Experte
Dr. med. F._ parteiisch gewesen wäre.
6.2.4 Jedoch ergibt sich mit Blick auf die Ausführungen von Dr. med.
H._ in dessen Stellungnahme vom 11. Dezember 2018 (act. 222),
dass im Verwaltungsverfahren entgegen dessen Empfehlung darauf ver-
zichtet worden war, beim Experten Dr. med. F._ ergänzend in Er-
fahrung zu bringen, ob dieser die Äusserungen des Beschwerdeführers,
Selbstmord zu begehen, und die Unangepasstheit sowie das aufbrau-
sende Wesen korrekt und genüglich gewürdigt hat. Da Dr. med. H._
selber die Nachfrage bei Dr. med. F._ empfohlen hatte, kann nicht
als erstellt gelten, dass er dies "sehr wohl getan" hat.
6.2.5 Weiter sind die Ausführungen von Dr. med. F._, wonach auf-
grund eines erhöhten Betreuungsaufwands und der eingeschränkten Be-
lastbarkeit bei mittelschwer ausgeprägten Defiziten in vielen Bereichen
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Seite 29
(Fähigkeit zur Anpassung an Regeln/Routinen, Flexibilität/Umstellungsfä-
higkeit, Durchhaltefähigkeit, Selbstbehauptungsfähigkeit und Gruppenfä-
higkeit) dennoch eine 50%ige Leistungseinschränkung bestehen soll, ohne
entsprechende Präzisierung nicht zweifelsfrei nachvollziehbar, zumal der
Beschwerdeführer offenbar auch in hohem Masse unbeherrscht, aggressiv
und reizbar ist (act. 209 S. 61 ff.). Unter diesen Umständen erscheint es
zumindest fraglich, ob er einem Arbeitgeber oder einer Arbeitgeberin auf
dem ersten, allgemeinen Arbeitsmarkt überhaupt noch zumutbar ist
(vgl. zur Unzumutbarkeit bspw. Urteil des BGer 9C_277/2016 vom
15. März 2017 E. 4.3 mit Hinweisen).
6.2.6 Zwar fiel die klinische Untersuchung im Juni 2015 objektiv relativ
bland bis auf die leichte Bewegungseinschränkung der Halswirbelsäule
aus (vgl. E. 6.1.1 hiervor). Trotz der entsprechenden, veralteten Beurtei-
lung des Suva-Kreisarztes vom 9. Juni 2015 sowie den Äusserungen des
Beschwerdeführers, er habe jeden Tag Schmerzen (act. 209 S. 63) und
werde in Nachwirkung zu seinem Halswirbelbruch von chronischen, hefti-
gen Nackenschmerzen geplagt (act. 133 S. 2), wurde im Verwaltungsver-
fahren trotz des durchaus möglichen Zusammenwirkens von somatischen
und psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen darauf verzichtet, eine
bidisziplinäre Verlaufsbegutachtung durchzuführen. Die Vorinstanz be-
schränkte sich vielmehr bloss auf die Einholung einer psychiatrischen Ex-
pertise bei Dr. med. F._, ohne alle (allenfalls) relevanten gesund-
heitlichen Beeinträchtigungen zu erfassen und die sich daraus je einzeln
ergebenden Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit in ein Gesamtergebnis
zu bringen (zum Zweck eines interdisziplinären Gutachtens vgl. BGE 137
V 210 E. 1.2.4 S. 224; SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43, I 514/06 E. 2.1). Obwohl
die ursprüngliche Rentenzusprache insbesondere auf den psychischen
Beeinträchtigungen basierte (vgl. E. 4. hiervor), ist es mit Blick auf die ver-
altete Beurteilung des Suva-Kreisarztes vom 9. Juni 2015 sowie den vom
Beschwerdeführer beklagten täglichen Schmerzen nicht gerechtfertigt, im
Rahmen des vorliegend zu beurteilenden Revisionsverfahrens die psychi-
schen Befunde und deren Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfä-
higkeit isoliert abzuklären. Insofern kann auch den Berichten der Dres.
med. H._ und I._ vom 14. September und 11. Dezember
2018 sowie vom 8. Mai 2019 kein (voller) Beweiswert zukommen.
6.2.7 Vielmehr wäre angesichts der Aktenlage und der Möglichkeit des Zu-
sammenwirkens von somatischen und psychischen Beeinträchtigungen
zumindest (vgl. E. 6.2.8 hiernach) eine bidisziplinäre Verlaufsbegutachtung
C-2927/2019
Seite 30
in der Schweiz in den medizinischen Fachdisziplinen Psychiatrie und Psy-
chotherapie sowie Orthopädie durchzuführen gewesen, um den aktuellen,
gesamtheitlichen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers und des-
sen Auswirkungen auf die Arbeits- resp. Leistungsfähigkeit sowie allfällige
medizinische Veränderungen gegenüber dem Zeitpunkt der Rentenzuspra-
che unter Berücksichtigung sämtlicher bisher verfassten ärztlichen Be-
richte rechtsgenüglich abzuklären (vgl. hierzu Urteil des BVGer C-
2875/2014 vom 8. September 2016 E. 3.3.5 mit Hinweis auf Urteile des
BGer 8C_168/2008 vom 11. August 2008 E. 6.2.2 und 8C_189/ 2008 vom
4. Juli 2008 E.5 mit Hinweisen). Gemäss BGE 141 V 281 soll dabei nicht
die Diagnose, sondern der Nachweis der Behinderung mit Hilfe von Indika-
toren im Fokus der Begutachtung stehen. Im Übrigen dient eine rechts-
genügliche und umfassende, nicht bloss monodisziplinäre Begutachtung
auch zukünftigen Rentenrevisionen als äusserst taugliche und verwertbare
Vergleichsbasis.
6.2.8 Schliesslich ist mit Blick auf die von der Vorinstanz zwingend in Auf-
trag zu gebende Begutachtung darauf hinzuweisen, dass es den Gutach-
tern auch bei bidisziplinären Begutachtungen freisteht, die vom Bundes-
verwaltungsgericht bezeichneten Disziplinen (Psychiatrie und Psychothe-
rapie und Orthopädie) gegenüber der Auftraggeberin zur Diskussion zu
stellen, wenn ihnen die Vorgaben nicht einsichtig sind (vgl. hierzu BGE 139
V 349 E. 3.3; Entscheid des BGer 8C_277/2014 vom 30. Januar 2015
E. 5.2). Sollte sich ergeben, dass im Rahmen der von der Vorinstanz an-
zuordnenden Expertise die Berücksichtigung einer weiteren Fachdisziplin
unumgänglich wäre, hätte eine solche – da somit nebst der Orthopädie und
der Psychiatrie/Psychotherapie drei (oder sogar mehr) Fachdisziplinen be-
teiligt wären – bei einer Gutachterstelle zu erfolgen, mit welcher das Bun-
desamt für Sozialversicherungen eine Vereinbarung getroffen hat. Gemeint
sind die Medizinischen Abklärungsstellen (MEDAS) im Sinne von Art. 59
Abs. 3 IVG, wobei die Vergabe der Aufträge nach dem Zufallsprinzip ge-
mäss dem Zuweisungssystem „SuisseMED@P“ vorzunehmen wäre
(Art. 72bis Abs. 1 und 2 IVV; BGE 139 V 349 E. 2.2).
7.
Nach dem Dargelegten ist zusammenfassend festzustellen, dass der
rechtserhebliche Sachverhalt nicht rechtsgenüglich abgeklärt und gewür-
digt worden ist (Art. 43 ff. ATSG sowie Art. 12 VwVG). Die vorliegenden
medizinischen Berichte und Stellungnahmen im Sinne von Art. 59 Abs. 2bis
IVG der Dres. med. H._ und I._ sowie die psychiatrische
C-2927/2019
Seite 31
Expertise von Dr. med. F._ vermögen mit Blick auf die gesamtme-
dizinische Situation mangels voller Beweiskraft keine abschliessende Be-
urteilungsgrundlage zu bilden, sondern geben Anlass zu weitergehenden
medizinischen Abklärungen (vgl. Urteil des BGer 9C_58/2011 vom
25. März 2011 E. 3.3; zum gegenteiligen Fall resp. zur antizipierten Be-
weiswürdigung vgl. BGE 136 I 229 E. 5.3; vgl. auch BGE 122 V 157 E. 1d;
SVR 2005 IV Nr. 8 S. 37 E. 6.2, 2003 AHV Nr. 4 S. 11 E. 4.2.1; vgl. zum
Ganzen auch Urteil des BGer 8C_189/2008 vom 4. Juli 2008 E. 5 mit Hin-
weisen). Die damit verbundene Rückweisung der Sache in Nachachtung
des Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) an die Vorinstanz
zur weiteren Abklärung ist möglich, da einerseits kein umfassendes, von
der Vorinstanz eingeholtes bidisziplinäres Administrativgutachten vorliegt,
und andererseits eine Verlagerung der Expertentätigkeit von der administ-
rativen auf die gerichtliche Ebene sachlich nicht wünschbar ist (vgl. BGE
137 V 210 E. 4.2).
8.
Nach neuer Ermittlung des vollständigen und richtigen medizinischen
Sachverhalts hat die Vorinstanz auch einen neuen Einkommensvergleich
durchzuführen und abzuklären, ob und in welchem Ausmass der Be-
schwerdeführer zufolge seines Gesundheitszustandes auf dem ihm nach
seinen Fähigkeiten noch offenstehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu-
mutbarerweise noch erwerbstätig sein könnte (vgl. hierzu etwa Urteil des
BVGer C-5644/2018 vom 27. Mai 2019 mit Hinweis auf Urteil des BGer
9C_921/2009 vom 22. Juni 2010 E. 5.3). Dabei ist zu berücksichtigen, dass
an die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten
praxisgemäss nicht übermässige Anforderungen zu stellen sind (vgl. hierzu
Urteile des BGer 9C_118/2015 vom 9. Juli 2015 mit Hinweisen;
9C_744/2008 vom 19. November 2008 E. 3.2; 9C_236/2008 vom 4. August
2008 E. 4.2; Urteil des EVG I 349/01 vom 3. Dezember 2003 E. 6.1) und
die Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person nach der Tätigkeit zu beur-
teilen ist, die sie – im Rahmen der Schadenminderungspflicht (vgl. Art. 21
Abs. 4 ATSG) – nach ihren persönlichen Verhältnissen und gegebenenfalls
nach einer gewissen Anpassungszeit bei gutem Willen ausüben könnte
(vgl. Urteil des BVGer C-4315/2009 vom 22. August 2011 E. 5.2 mit Hin-
weisen).
9.
Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass nach der Rechtsprechung
ganz allgemein der Grundsatz gilt, dass eine invalide Person, bevor sie
Leistungen verlangt, alles ihr Zumutbare selber vorzukehren hat, um die
C-2927/2019
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Folgen ihrer Invalidität bestmöglich zu mildern; deshalb besteht kein Ren-
tenanspruch, wenn sie selbst ohne Eingliederungsmassnahmen zumutba-
rerweise in der Lage wäre, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkom-
men zu erzielen (vgl. hierzu BGE 138 I 205 E. 3.2 und 113 V 22 E. 4a; SVR
2007 IV Nr. 1 S. 3 E. 5.1). Berufliche Eingliederungsmassnahmen setzen
zwar in genereller Hinsicht insbesondere auch die Erfüllung der versiche-
rungsmässigen Kriterien und die subjektive und objektive Eingliederungs-
fähigkeit von versicherten Personen voraus (vgl. hierzu bspw. Urteil des
BGer 8C_667/2015 vom 6. September 2016 E. 4.2 mit Hinweisen). Jedoch
erfüllte der in Tschechien wohnhafte, nicht mehr in der Schweiz erwerbstä-
tige Beschwerdeführer im massgebenden Zeitpunkt des Verfügungserlas-
ses (24. Mai 2019) die versicherungsmässigen Voraussetzungen für Leis-
tungen der Invalidenversicherung gemäss Art. 1b IVG in Verbindung mit
Art. 1a AHVG nicht mehr. Da die für sämtliche Eingliederungsmassnahmen
geltende, in Art. 9 Abs. 1bis IVG statuierte Voraussetzung der Versiche-
rungsunterstellung zur Folge hat, dass das Recht auf entsprechende Leis-
tungen erlischt, sobald die betreffende Person nicht mehr versichert ist, hat
der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf berufliche Eingliederungs-
massnahmen (vgl. BGE 145 V 266 E. 4.2 und 5 mit Hinweisen).
10.
Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde vom 12. Juni
bzw. 12. Juli 2019 insofern gutzuheissen, als die angefochtene Verfügung
vom 24. Mai 2019 aufzuheben ist und die Akten im Sinne der Erwägungen
an die Vorinstanz zur Durchführung weiterer Abklärungen und anschlies-
sendem Erlass einer neuen Verfügung zurückzuweisen sind.
11.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-
schädigung.
11.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis und 2
IVG), wobei die Verfahrenskosten gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG in der Re-
gel der unterliegenden Partei auferlegt werden. Auf die Einholung eines
Kostenvorschusses wurde im vorliegenden Fall infolge Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung verzichtet (B-act. 10). Da eine Rückweisung
praxisgemäss als Obsiegen der Beschwerde führenden Partei gilt (BGE
132 V 215 E. 6), sind im vorliegenden Fall dem Beschwerdeführer keine
Kosten aufzuerlegen. Der Vorinstanz werden ebenfalls keine Verfahrens-
kosten auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
C-2927/2019
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11.2 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat zufolge Gewährung
des Rechts auf unentgeltliche Verbeiständung einen Anspruch auf eine
Entschädigung aus der Gerichtskasse. Da keine Kostennote eingereicht
wurde, ist die Entschädigung aufgrund der Akten festzusetzen (Art. 14
Abs. 2 Satz 2 VGKE). Unter Berücksichtigung des Verfahrensausgangs,
des gebotenen und aktenkundigen Aufwands, der Bedeutung der Streitsa-
che und der Schwierigkeit des vorliegend zu beurteilenden Verfahrens ist
eine Parteientschädigung von Fr. 2‘800.- angemessen (inklusive 7.7%iger
Mehrwertsteuer [seit 1. Januar 2018; vgl. Art. 25 Abs. 1 des Bundesgeset-
zes über die Mehrwertsteuer vom 12. Juni 2009 {MWSTG; SR 641.20}];
zur Berücksichtigung der Mehrwertsteuer bei der Entschädigung des un-
entgeltlichen Rechtsbeistands vgl. BGE 141 III 560 E. 2. und 3.).
11.3 Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Beschwerdeführer
der Gerichtskasse Ersatz zu leisten hat, wenn er zu hinreichenden Mitteln
gelangt (Art. 65 Abs. 4 VwVG).