Decision ID: 714597dd-93b6-4980-89de-20967f9b3829
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten:
1. Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau führt gegen den  im Zusammenhang mit einem am 6. August 2022 stattgefundenen  eine Strafuntersuchung insbesondere wegen (qualifiziert) groben .
Gestützt auf eine mündliche Anordnung der Staatsanwaltschaft  vom 7. August 2022 (bestätigt mit schriftlichem Festnahmebefehl vom 10. August 2022) wurde der Beschwerdeführer am 7. August 2022 vorläufig festgenommen, noch am gleichen Tag aber wieder entlassen.
Im Rahmen der vorläufigen Festnahme wurde u.a. das Mobiltelefon  Galaxy A71 des Beschwerdeführers vorläufig sichergestellt. Der  stellte bereits damals einen (am 16. August 2022 ) Siegelungsantrag.
2. Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau erliess am 10. August 2022 einen das sichergestellte Samsung Galaxy A71 betreffenden  Beschlagnahmebefehl.
3. 3.1. Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 16. August 2022  gegen den ihm am 11. August 2022 zugestellten - und Beschlagnahmebefehl. Dieser sei (unter Kosten- und  zu Lasten der Staatskasse) aufzuheben.
3.2. Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau beantragte mit  vom 31. August 2022 die Abweisung der Beschwerde unter .

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. Der Beschwerdeführer ist als beschuldigte Person Partei i.S.v. Art. 104 Abs. 1 lit. a StPO und offenbar Eigentümer des mit Verfügung der  Lenzburg-Aarau vom 10. August 2022 beschlagnahmten Samsung Galaxy A71. Damit hat er ein aktuelles Rechtsschutzinteresse an der Aufhebung oder Änderung des beschwerdefähigen  Durchsuchungsbefehls (Art. 382 Abs. 1 StPO; Art. 393 Abs. 1 lit. a
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StPO). Auf seine frist- (Art. 396 Abs. 1 StPO) und formgerecht (Art. 385 Abs. 1 StPO) erhobene Beschwerde ist einzutreten.
2. 2.1. Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau führte im angefochtenen - und Beschlagnahmebefehl aus, dass der Beschwerdeführer ( unter Betäubungsmitteleinfluss) am 6. August 2022 mit seinem Motorrad die erlaubten Höchstgeschwindigkeiten mehrfach massiv , auf polizeiliche Warnvorrichtungen sowie die Matrix "Stopp " nicht reagiert, eine Rotlichtsperre missachtet und auch  Überholmanöver durchgeführt habe. Bei seiner Anhaltung soll er einen Fluchtversuch unternommen und dabei mit einem Fahrzeug des Grenzwachtkorps kollidiert sein. Die Beschlagnahme und Durchsuchung des Mobiltelefons sei zur Klärung des Tatverdachts erforderlich und mit Blick auf die Bedeutung der Straftaten gerechtfertigt.
2.2. Der Beschwerdeführer brachte mit Beschwerde vor, eine Durchsuchung diene dazu, Aufzeichnungen, die prima vista als Beweisgegenstände in  kämen, auf ihre mögliche Beweiseignung hin zu untersuchen. Sie gehe deshalb einer Beschlagnahme zeitlich voraus und solle nicht "uno actu" mit Letzterer angeordnet werden. Eine Beweismittelbeschlagnahme sei erst im Falle einer rechtskräftigen Entsiegelung zu verfügen (Ziff. II/1). Der Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehl sei nur schon deshalb , weil im Zeitpunkt seines Erlasses sein Mobiltelefon noch  gewesen sei. Es hätte zunächst die Beseitigung der Siegelung  werden müssen (Ziff. II/3).
Für eine Durchsuchung müssten zudem die Voraussetzungen von Art. 197 Abs. 1 StPO erfüllt sein (Ziff. II/1). Eine gesetzliche Grundlage (vgl. Art. 197 Abs. 1 lit. a StPO) und ein hinreichender Tatverdacht (vgl. Art. 197 Abs. 1 lit. b StPO) seien ohne Frage gegeben (Ziff. II/3). Es stelle sich aber auch die Frage der Verhältnismässigkeit, mithin der Geeignetheit,  und Zumutbarkeit (vgl. hierzu insbesondere Art. 197 Abs. 1 lit. c und d StPO).
Wenn eine beschuldigte Person mit massiver Geschwindigkeit mit einem Motorrad vor der Polizei flüchte, sei sie mit Sicherheit nicht in der Lage, noch mit anderen Personen zu kommunizieren. Auch sei nicht ersichtlich, wie die Daten auf seinem Mobiltelefon auf seine gefahrene , Überholmanöver oder auf das angeblich nicht korrekt angebrachte Kontrollschild schliessen liessen. Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau habe denn auch nicht ausgeführt, welche Daten ihr zum Beweis welchen Sachverhalts dienen könnten, obwohl genau dies nötig gewesen wäre, um die Geeignetheit einer Durchsuchung zu begründen. Andernfalls wäre im
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Falle eines hinreichenden Tatverdachts jede Durchsuchung zulässig. Er sei zudem nach der vorgeworfenen Tat direkt festgenommen worden und  mit Sicherheit nicht in der Lage gewesen, irgendwelche Daten mit  zu teilen. Anders wäre es bei einer "Dash-Cam". Um eine solche gehe es hier aber gerade nicht. Dass das Mobiltelefon als Beweismittel für die Verkehrsregelverletzungen dienen könne, sei ausgeschlossen.  hinaus sei davon auszugehen, dass Videoaufnahmen der Polizei oder von Verkehrsüberwachungsmassnahmen bestünden. Es gebe vorliegend genügend taugliche und geeignete Beweismittel. Sein Mobiltelefon gehöre nicht dazu.
2.3. Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau führte hierzu mit  aus, es gehe um Vorwürfe i.S.v. Art. 90 Abs. 3 und 4 SVG. Die  habe 15 Minuten gedauert. Der Beschwerdeführer habe  sein Mobiltelefon auf sich getragen. Weil sich darauf allenfalls  über das strafrechtlich relevante Verhalten des Beschwerdeführers befinden könnten, sei es polizeilich sichergestellt worden. Weil der  hiermit nicht einverstanden gewesen sei, habe sie den kombinierten Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehl erlassen. Die vorsorgliche Beschlagnahme habe sich auf das Mobiltelefon als Gerät , nicht aber auf möglicherweise darauf vorhandene Informationen. Solche würden erst beschlagnahmt, wenn die Durchsuchung ergebe, dass derartige Informationen überhaupt vorhanden seien (mit Hinweis auf BGE 144 IV 74 E. 2.3).
Der Beschwerdeführer hätte zur Verhinderung des Zugriffs auf die Daten die Siegelung beantragen können. Er habe aber am 16. August 2022 , auf die Siegelung zu verzichten, weshalb es keines  mehr bedürfe. Das Mobiltelefon könne nun durchsucht werden. Über eine allfällige Rückgabe des Mobiltelefons sei nach erfolgter  des Geräts zu entscheiden.
Auf dem vom Beschwerdeführer bei der Tatbegehung mitgeführten  könnten sich tatrelevante Informationen befinden (Standorte;  zur Route; allfällig getätigte Chatnachrichten mit Drittpersonen;  Informationen auf installierten sozialen Medien, Filehosting- usw.). Die Schwere der Vorwürfe rechtfertige eine Durchsuchung zwecks Beweissicherung.
3. 3.1. Schriftstücke, Ton-, Bild- und andere Aufzeichnungen, Datenträger sowie Anlagen zur Verarbeitung und Speicherung von Informationen dürfen durchsucht werden, wenn zu vermuten ist, dass sich darin Informationen
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befinden, die der Beschlagnahme unterliegen (Art. 246 StPO). Die  oder der Inhaber kann sich vorgängig zum Inhalt der Aufzeichnungen äussern (Art. 247 Abs. 1 StPO). Aufzeichnungen und Gegenstände, die nach Angaben der Inhaberin oder des Inhabers wegen eines  Zeugnisverweigerungsrechts oder aus anderen Gründen nicht  oder beschlagnahmt werden dürfen, sind zu versiegeln und dürfen von den Strafbehörden weder eingesehen noch verwendet werden (Art. 248 Abs. 1 StPO).
Gegenstände einer beschuldigten Person können beschlagnahmt werden, wenn sie voraussichtlich als Beweismittel gebraucht werden (Art. 263 Abs. 1 lit. a StPO). Die Beschlagnahme ist mit einem schriftlichen, kurz  Befehl anzuordnen. In dringenden Fällen kann sie mündlich  werden, ist aber nachträglich schriftlich zu bestätigen (Art. 263 Abs. 2 StPO). Ist Gefahr im Verzug, so können die Polizei oder Private Gegenstände zuhanden der Staatsanwaltschaft oder der Gerichte vorläufig sicherstellen (Art. 263 Abs. 3 StPO). Macht eine berechtigte Person , eine Beschlagnahme von Gegenständen sei wegen eines  Zeugnisverweigerungsrechts oder aus anderen Gründen nicht , so gehen die Strafbehörden nach den Vorschriften über die Siegelung vor (Art. 264 Abs. 3 StPO). Zwangsmassnahmen sind nur zulässig, wenn die Herausgabe verweigert wurde oder anzunehmen ist, dass die  zur Herausgabe den Zweck der Massnahme vereiteln würde (Art. 265 Abs. 4 StPO).
3.2. Der Beschwerdeführer begründete seine Beschwerde u.a. damit, dass sein Mobiltelefon zum Zeitpunkt des Erlasses des Durchsuchungs- und  noch versiegelt gewesen sei.
Zwar war zum Zeitpunkt des Erlasses des Durchsuchungs- und  vom 10. August 2022 eine Durchsuchung des Mobiltelefons wegen des vom Beschwerdeführer am 7. August 2022 gestellten  nicht zulässig (vgl. hierzu etwa BGE 143 IV 270 E. 4.6). Eine solche fand aber bis zum Rückzug des Siegelungsantrags am 16. August 2022 offenbar auch gar nicht statt, wie dem entsprechenden E-Mail Verkehr zwischen Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau und dem amtlichen  des Beschwerdeführers vom 15. und 16. August 2022 (sowie auch der Beschwerdeantwort der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau) ohne  zu entnehmen ist.
Der Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehl war bzw. ist  nicht so zu verstehen, dass eine sofortige Durchsuchung des  angeordnet worden wäre, sondern so, dass (sozusagen ) eine Durchsuchung des gerade hierfür beschlagnahmten  im Anschluss an eine (allfällige) Entsiegelung angeordnet wurde.
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Weshalb dies nicht zulässig gewesen sein soll, ist nicht einsichtig. Vielmehr verhält es sich ja gerade so, dass eine Siegelung nur zu beantragen ist, wenn eine Durchsuchung bereits im Raum steht bzw. wenn in aller Regel bereits ein Durchsuchungsbefehl oder aber zumindest ein auf eine  abzielender Beschlagnahmebefehl (bzw. eine  i.S.v. Art. 263 Abs. 1 lit. a StPO) ergangen ist. In einem  Fall wird ein (bereits ergangener) Durchsuchungsbefehl aber nicht  wegen eines nachträglich gestellten Siegelungsantrags nichtig oder auch nur (im Falle einer Anfechtung) ungültig, sondern ist er einfach  einstweilen nicht vollziehbar. Weshalb es sich bei einem erst  zu einem Siegelungsantrag ergangenen Durchsuchungsbefehl  verhalten soll, ist nicht einsichtig. Für die von einem  betroffene Person ist es nämlich nicht erheblich, ob der  vor oder nach seinem Siegelungsantrag erging, sondern , dass er während eines hängigen Siegelungsverfahrens nicht vollzogen werden kann.
3.3. Weiter stellte der Beschwerdeführer in Frage, dass sein Mobiltelefon im gegen ihn wegen qualifizierter Widerhandlungen gegen das  geführten Strafverfahren als ein geeignetes und erforderliches Beweismittel zu betrachten sei.
Dem Sachverhaltsbericht der Regionalpolizei Zofingen vom 7. August 2022 ist zu entnehmen, dass die Polizei auf der Autobahn zwischen Lenzburg und Mägenwil (in Fahrtrichtung Zürich) auf den Beschwerdeführer wegen einer "beinahe Kollision" aufmerksam wurde. Deshalb und wegen den  mutmasslich begangenen und ohne Weiteres als gravierend  Verkehrsregelverletzungen liegt die Vermutung nahe, dass der Beschwerdeführer bereits ab Antritt der damaligen Fahrt in ebenfalls  Weise gegen wichtige Verkehrsregeln verstossen haben könnte, weshalb ein gewichtiges Interesse an einer möglichst vollständigen  der damaligen Fahrt besteht. Entgegen der Annahme des  ist damit nicht nur seine (in der Tat relativ gut belegte) Fahrt ab Lenzburg Gegenstand der Strafuntersuchung, sondern auch seine Fahrt bis nach Lenzburg, zu der bis anhin noch nahezu nichts bekannt ist.
Zwar gab der Beschwerdeführer bei seiner Einvernahme vom 7. August 2022 (wie auch gemäss FinZ-Set Formular) zu Protokoll, er habe von B. (wo der Beschwerdeführer seinen Wohnsitz hat) nach Basel fahren wollen (Frage 19). Konkrete Hinweise, die diese Aussage bestätigten, gibt es  keine. Nachdem der Beschwerdeführer damals aber sein Mobiltelefon auf sich trug, erscheint die von der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau im angefochtenen Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehl geäusserte Annahme, dass das Mobiltelefon zur Rekonstruktion der gesamten Fahrt
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dienlich sein könnte, ohne Weiteres begründet. So ist es etwa ohne  denkbar, dass der Beschwerdeführer seine damalige Fahrt durch eine auf seinem Mobiltelefon installierte Navigations-App aufzeichnen liess. Ebenso ist ohne Weiteres denkbar und sogar naheliegend, dass der  mit seinem Mobiltelefon kurz vor oder auch noch während der Fahrt bis nach Lenzburg mit seinem angeblichen "Kumpel" in Basel in einer Art und Weise kommunizierte, dass daraus konkrete Rückschlüsse gezogen werden können, wann er von wo losfuhr und wo er durchfuhr, was wiederum weitere Beweiserhebungen in Bezug auf allfällig weitere  (und womöglich sogar bereits bildlich dokumentierte) gravierende Verkehrsregelverletzungen während der besagten Fahrt liefern könnte. Dies ist gerade auch deshalb bedeutsam, weil der Beschwerdeführer  offenbar ohne (vgl. hierzu die Eröffnungsverfügung vom 10. August 2022) bzw. mit wegen einer abgebogenen Halterung nicht lesbarem (vgl. hierzu delegierte Einvernahme des Beschwerdeführers vom 7. August 2022, Frage 28) Kontrollschild und damit nicht ohne Weiteres identifizierbar unterwegs war.
Insofern lässt sich gerade nicht feststellen, dass die Durchsuchung des  keine geeignete und erforderliche Beweismassnahme wäre, sondern verhält es sich gerade umgekehrt.
3.4. Zwar erwähnte der Beschwerdeführer mit Beschwerde auch das Kriterium der Zumutbarkeit. Er legte aber nicht dar, warum der angefochtene - und Beschlagnahmebefehl unzumutbar sein könnte. Eine  ist denn auch nicht ersichtlich: Erstens geht es um die  schwerer Verkehrsregelverletzungen. Zweitens darf aus dem  des Siegelungsantrags geschlossen werden, dass besonders  Geheimhaltungsinteressen des Beschwerdeführers keine Rolle spielen. Drittens ist auch ansonsten nicht ersichtlich, dass der  durch die Beschlagnahme des am 7. September 2022  Mobiltelefons erhebliche Nachteile erlitte, die das öffentliche  an der Aufklärung der von einem hinreichenden Tatverdacht  Strafvorwürfe (auch mittels Durchsuchung des beschlagnahmten Mobiltelefons) zu überwiegen vermöchten.
3.5. Andere Gründe, weshalb der Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 10. August 2022 nicht  sein soll, nannte der Beschwerdeführer keine und sind auch  keine ersichtlich. Die Beschwerde erweist sich damit als  und ist abzuweisen.
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4. 4.1. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens sind ausgangsgemäss dem mit  Beschwerde unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO).
4.2. Die Entschädigung des amtlichen Verteidigers des Beschwerdeführers ist am Ende des Strafverfahrens von der dannzumal zuständigen Instanz  (Art. 135 Abs. 2 StPO).