Decision ID: 7cdc88b1-608a-4357-9f32-6f9b882f7ec5
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1980
in Polen
geborene
X._
schloss
1998
in seinem
Heimatland eine Lehre als
Heizungs-/Sanitärinstallateur
ab (vgl. Urk. 9/1 S. 2 f.
, Urk. 9/2 S. 4
) und bestand
im Mai
2004 die Reifeprüfung des Allgemei
nen Lyzeums für Erwachsene (Urk. 9/1 S. 6 ff.).
Zwischen
November
2005 und
Ende August 2009 führte er als
Selbständigerwerbender
ein Putzinstitut (Urk.
9/35 f.
,
Urk. 1 S. 4).
Am 26. Dezember 2009 reiste er in die Schweiz ein
(vgl. Urk. 9/2 S. 1
, Urk. 9/3
)
, wo er – nach verschiedenen temporären
Arbeits
einsätzen
(vgl. Urk. 9/6)
– zuletzt
vom
15. Oktober 2011
bis 30. Juni 2013
bei
der
Y._
GmbH
als
Lastwagenc
hauffeur angestellt war
(Urk. 9/10)
. A
m 28. Juni 2013
meldete er sich
zum Bezug von Leistungen (be
rufliche Integration, Rente) der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) an (Urk. 9/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, traf daraufhin berufliche, erwerbliche
sowie
medizinische Abklärungen
und zog die Akten des Krankentaggeldversicherers (Urk. 9/12) bei
. In Bestätigung ihres Vor
bescheids vom 24. Juli 2014 (Urk. 9/24) verfügte sie in der Folge am 24. Septem
ber 2014 die Abweisung des Rentenbegehrens, weil
die Invalidität noch vor der
Einreise
des Versicherten
in die Schweiz
eingetreten sei (Urk. 2).
2.
Gegen diese Verfügung liess
X._
am 28. Oktober 2014
mit folgenden Anträgen Beschwerde erheben (Urk. 1 S. 2):
„1.
Die Verfügung der Beschwerdegeg
nerin vom 24.09.
2014 sei aufzuhe
ben.
2.
Es sei dem Beschwerdeführer rückwirkend ab Juli 2013 eine volle IV-Rente zuzüglich Zins von 5 % auszurichten.
3.
Eventualiter sei der Beschwerdeführer einer psychiatrischen Begutach
tung zu unterziehen.
4.
Subeventualiter
sei da
s
Verfahren an die Vorinstanz zurückzuweisen und diese anzuweisen, bei dem Beschwerdeführer berufliche Abklärun
gen und entsprechende Eingliederungsmassnahmen durchzuführen.
5.
Dem Beschwerdeführer sei für das Verfahren die unentgeltliche Rechts
pflege zu bewilligen und in der Unterzeichnenden eine unentgeltliche
Rechtsbeiständin
zu bestellen.
6.
Unter
Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der
beschwer
de
geg
ne
rin
.“
Die IV-Stelle schloss am 4. Dezember 2014 auf Abweisung der Beschwerde (vgl. Beschwerdeantwort, Urk. 8), was dem Beschwerdeführer am 27. Januar 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 10).
Die mit Verfügung vom
27. Oktober 2015
(Urk. 14) zum Prozess beigeladene
Personalvorsorge
Y._
verzichtete (implizit) auf eine Stellungnahme
.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen ein
zu
gehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
träch
ti
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil
wei
se
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den aus
ge
glichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vor
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heit
lichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog
enanntes
Invalidenein
kommen
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte
,
wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sogenanntes
Valideneinkom
men
). Der
Ein
kommensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbsein
kommen
ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der
Einkom
mensdifferenz
der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog
enannte
allgemeine Methode des
Ein
kommensvergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
1.4.1
Gemäss Art. 6 Abs. 1
IVG
haben schweizerische und aus
ländische Staats
ange
hö
rige sowie Staatenlose vorbehältlich Art. 39 IVG An
spruch auf Leistungen
ge
mäss den nachstehenden Bestimmungen. Art. 6 Abs. 2 IVG be
stimmt, dass aus
ländische Staatsangehörige - vorbehältlich Art. 9 Abs. 3 IVG sowie abwei
chen
der staatsvertraglicher Regelungen - nur anspruchsbe
rechtigt sind, solange sie ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz haben und sofern sie bei Eintritt der Invalidität während mindestens eines vol
len Jahres Beiträge geleistet oder sich ununterbrochen während zehn Jahren in der Schweiz auf
ge
halten haben. Anspruch auf eine ordentliche Rente haben Versicherte, die bei Eintritt der Invalidität (Versicherungsfall) wäh
rend mindes
tens drei Jahren Bei
träge geleistet haben (Art. 36 Abs. 1 IVG).
Ist die dreijährige
Mindestbei
trags
dauer
mittels schweizerischer Versicherungszeiten nicht erfüllt, sind für Schweizer Bürger und für Staatsangehörige von EU- und EFTA-Staaten
Bei
trags
zeiten
, die in einem EU- oder EFTA-Staat zurückgelegt worden sind,
mitzu
berücksichtigen
(
vgl.
Art. 6 der Verordnung [EG] Nr. 883/2004 des Euro
päi
schen
Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 zur Koordin
ierung
der Systeme
der sozialen Sicherheit
).
1.
4.
2
Die Invalidität gilt als eingetreten, sobald sie di
e für die Begründung des An
spruch
s auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat (Art. 4 Abs. 2 IVG). Im Fall
e
einer Rente gilt die Invalidität in dem Zeitpunkt als eingetreten, in dem
die Voraussetzung nach
Art. 28 Abs. 1 IVG
erfüllt sind
.
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete die Leistungsverweigerung damit, dass
das der Invali
dität zugrunde liegende psychische Leiden
de
n
Beschwerdeführer
bereits seit dem
17. Lebensjahr in seinem Leist
ungsvermögen beeinträchtige.
Da der Versi
che
rungsfall damit geraume Zeit vor seiner Einreise in die Schweiz eingetreten sei,
seien die versicherungsmässigen Voraussetzungen nicht erfüllt (Urk. 2 S. 2, Urk. 8).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, er habe vor
der Einreise in die Schweiz von
2005 bis 29. Juli 2009 ein eigenes
Putz
institut
aufzubauen versucht und sei während dieser Zeitspanne voll ar
beits
fähi
g gewesen.
Gestützt auf die Ergebnisse der – im Rahmen der Prüfung der Eignung als Gabelstapler- und Lastwagenfahrer –
am 16.
November 2009 erfolgten psy
chologischen Untersuchung sei ihm denn auch attestiert worden, dass er keine geistigen Einschränkungen für die Arbeit als Fahrer aufweise (Urk. 1 S. 4
; vgl. Urk. 9/34
).
Die Invalidität sei daher mit Sicherheit nicht schon eingetreten, als er noch in Polen gelebt habe (S. 5). Seine Angehörigen könnten bestätigen, dass er damals
nie psychisch krank gewesen beziehungsweise wegen eines entspre
chenden Leidens behandelt worden sei (S. 7).
Echtzeitliche medizi
nische Berich
te,
die etwas Gegenteiliges belegten, seien nicht vorhanden (S. 9).
Auch in der Schweiz
sei
er,
bis
ihm
(
erst
)
ab 20. November 2012 eine – seither anhaltende - (Teil-)Arbeitsunfähigkeit bescheinigt worden
sei
, noch voll ar
beitsfähig gewesen
(S. 5
und
S. 10
). Entgegen den Angaben der ab November 2012 behandelnden Psychiater habe er in Polen nie in psychiatrischer Behand
lung gestanden; unzu
treffend sei auch, dass schon sein Vater und seine Gross
mutter an Schizo
phre
nie
gelitten hätten (S. 6 f.).
Angesichts der gemäss den Arztzeugnissen im Janu
ar 2013 eingetretenen 100%igen Arbeitsunfähigkeit habe er mit Wirkung ab Juli 2013 Anspruch auf eine ganze Rente (S. 10
).
3.
3.1
Aufgrund der aktenkundigen medizinischen Berichte
steht fest und ist unbe
stritten, dass der Beschwerd
e
führer aufgrund einer psychischen Störung in jeg
li
cher Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig ist. Betreffend die Entwicklung des frag
lichen Leidens geht aus den Akten im Wesentlichen Folgendes hervor:
Dr. med.
Z._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
, stellte am 20. Dezember 2012 nachstehende Diagnosen (Urk. 9/12 S. 17):
Mittelgradige depressive Episode, ICD-10 F32.1 (Differentialdiagnose: bi
polare affektive Störung)
Emotional instabile Persönlichkeit, ICD-10 F60.3 (Differentialdiagnose: Aufmerksamkeitsdefizit/-
hyperaktivitätsstörung
[ADHS] im Erwachse
nenalter)
Der Beschwerdeführer habe in Polen an diversen Arbeitsstellen gearbeitet und dann versucht, sich selbständig zu machen, sei dabei aber gescheitert. Zu den
fünf seit
27. September 2009 (S. 1
8
)
erfolgten Konsultationen sei
er
stets
in Be
gleitung seiner Ehefrau erschienen
. Er habe sich – wegen krankhafter Eifersucht –
schon
in Polen einer längeren psychiatrischen Behandlung unterzogen. Sein Vater und seine Grossmutter väterlicherseits hätten an einer psychischen Krank
heit (möglicherweise Schizophrenie)
gelitten; die
– nach der Scheidung allein
er
ziehende - Mutter beschreibe er als dominant und psychisch labil. Der Beschwer
deführe
r
habe
bereits
früher an Stimmungsschwankungen gelitten und sich nicht
dazu gehörend gefühlt; seiner
Mutter
habe er
erzieherische Probleme bereitet,
weshalb er streng bestraft und gedemütigt worden sei
.
Wegen Reizbar
keit, Impul
sivität, Schlafstörungen und Tagesmüdigkeit sei der Beschwerdefüh
rer vorüber
gehend ausserstande ge
wesen, seiner Tätigkeit als Lastwagenfahrer auf dem Flughafen nachzugehen. Seit 18. Dezember 2012 bestehe wieder eine 50%ige Arbeitsfähigkeit; es sei eine kontinuierliche Steigerung des Pensums vorgesehen (S. 17).
3.2
Am 25. März 2013 wurde der Beschwerdeführer im Auftrag seines
Krankentag
geldversicherers
von Dr. med.
A._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psy
chotherapie, untersucht. Diese stellte in ihrem Gutachten vom 30. März 2013
die Diagnose einer paranoiden Schizophrenie, Beobachtungszeitraum weniger als
ein Jahr (ICD-10 F20.09). Aufgrund der anamnestischen und
fremdanam
nesti
schen
Angaben sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer seit min
des
tens 2004 an dieser psychischen Störung leide und sich deswegen auch be
reits
im Heimatland habe behandeln lassen. Eine Typisierung des Verlaufs (kon
tinu
ier
lich oder epi
sodisch, mit oder ohne Residuum)
sei aufgrund der zur Ver
fügung stehenden Angaben und Unterlagen nicht möglich (Urk. 9/12 S. 9). Die Prog
nose sei vor dem Hintergrund, dass
die
paranoide Schizophrenie
seit rund neun Jahren bestehe
, zurückhaltend zu stellen. Zu beachten sei allerdings, dass der
Verlauf medizinisch nicht beziehungsweise zumindest nicht in verfügbarer Weise
dokumentiert sei. Auch die bisherigen therapeutischen Bemühungen seien nicht bekannt. Ob es sich um eine (praktisch) unbehandelte Erkrankung oder aber um
ein austherapiertes, therapieresistentes Leiden handle, könne daher nicht beur
teilt
werden (S. 12).
3.
3
Dr. med.
B._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, diag
nos
ti
zierte in ihrem Bericht
vom 31. Juli 2013
eine –
über einen Zeitraum von
mehreren Jahren
hinweg
entwickelte - paranoide Schizophrenie (ICD-10 F20). Der
Beschwerdeführer habe sich zirka im Jahr 2006 in Polen einer psychi
atrischen Behandlung unterzogen. Vom 27. September 2012 bis 27. Februar 2013 habe er sich wegen einer Depression von Dr.
Z._
psychiatrisch
be
handeln lassen. Nach der Kündigung des Arbeitsverhältnisses
im Dezember 2012
sei es zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands gekommen
(Urk. 9/9 S. 5)
.
In der zu
letzt ausgeübten Tätigkeit als Chauffeur habe vom 20. November bis 17. Dezem
ber 2012 eine 100%ige und vom 15. Januar bis 27. Februar 2013 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Seit 28. Februar 2013 und bis auf Weiteres sei der Beschwerdeführer – auch in einer
behinde
rungsangepassten
Tätigkeit (S. 7) – zu 100 % arbeitsunfähig (S. 6 und S. 9).
3.4
Med.
pract
.
C._
äusserte in ihrem Bericht vom 6. Dezember 2013
einen
Ver
dacht auf eine paranoide Schizophrenie (ICD-10 F20.0). Der Beschwerde
führer
habe im Alter von 17 Jahren erste Verfolgungsideen erlebt. Anamnestisch ergä
ben sich mehrere Hinweise auf psychotisches Erleben bereits in der Adoleszenz
. Den Umstand, dass er die Musikschule nicht abgeschlossen und auch eine Aus
bildung zum Physiotherapeuten abgebrochen habe, führe der Beschwerdeführer auf den – im Alter von zirka 18 Jahren – passageren Cannabis-Konsum zurück. Auch die
bei ihm
Angst
auslösenden
Verfolgungsideen und andere wahnhafte Vorstellungen hätten seine schulische Leistung stark beeinträchtigt. Seither sei er immer misstrauisch
und
kontrollierend
; er fühle sich beobachtet und verfolgt, glaube
,
gefilmt zu werden etc. (Urk. 9/16 S. 1). Nach der Einreise in die Schweiz 2009 sei der Verlauf anfänglich gut gewesen. Er habe eine Stelle im
Catering
bereich
am Flughafen gefunden und sei dort sehr zufrieden gewesen. Das Miss
trauen sei dann aber plötzlich wieder aufgeflammt
, er habe sich von seinen Ar
beitskollegen ausgelacht und beobachtet gefühlt, und er habe erneut
Eifer
suchtsideen
gegenüber seiner Ehefrau entwickelt. Schliesslich sei er nicht mehr fähig gewesen, konzentriert zu arbeiten. Seine Arbeitgeberin habe das Arbeits
verhältnis dann ohne Einhaltung der Kündigungsfrist aufgelöst, weil er „ver
rückt“ sei
. Gemäss Angaben des Beschwerdeführers seien sein Vater und seine
Grossmutter väterlicherseits psychisch krank gewesen. Bei seiner Mutter bestehe
anamnestisch Verdacht auf eine schwere
Borderline
-Persönlichkeitsstörung (S. 2)
. Der Beschwerdeführer sei zu 100 % arbeitsunfähig. Der Verlauf der Krankheit zeige eine Tendenz zur
Chronifizierung
(S. 3).
3.5
Am 24. Januar 2014 gab
med.
pract
.
C._
an, der Beschwerdeführer leide
seit Jahren, bestimmt aber seit April 2013 (Erststellung der Diagnose in der
Ta
ges
klinik
D
._
) an paranoider Schizo
phrenie (ICD-10 F22.0; Urk. 9/18 S. 1).
Aufgrund der anamnestischen Angaben sei davon auszugehen, dass sich bereits in der Adoleszenz er
ste diskrete psy
chotische Episoden und vor allem Beeinträchtigungsideen
gezeigt hätten
.
Zu dieser Zeit
sei auch ein deutlicher Knick
im Ausbildungsverlauf ersichtlich. Der Beschwerdeführer wie auch seine ihn stets begleitende Ehefrau stammten aus
schwerst
pathologischen Familienverhältnissen; es bestehe in dieser Situation eine tatsächliche „Folie à
deux
“. Seine Mutter, die sie – med.
pract
.
C._
– vor Jahren mehrmals behandelt habe, leide an einer schweren
Borderline
-Persönlichkeitsstörung mit sadistischen Elementen (in der Erziehung
und auch im aktuellen Verhalten; S. 2).
3.6
Gestützt auf die Akten gelangte Dr. med.
E._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, Arzt des Regionalärztlichen Dienstes (RAD) der IV, am 23. Juli 2014 zum Schluss, dass der Beschwerdeführer
mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit
bereits an paranoider Schizophrenie gelitten habe, als er in die
Schweiz eingereist sei, we
s
halb der fragliche Gesundheitsschaden nicht ver
sichert
sei
(Urk. 9/23 S. 4)
.
4.
4.1
Nach Lage der Akten ist davon auszugehen, dass die
-
mittlerweile
(auch in ei
ner Verweistätigkeit)
eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit bedingende
-
Schizo
phre
nie
bereits vor der
Einreise
des Beschwerdeführers
in die Schweiz
am 26. Dezember 2009 bestand. Zwar sind keine e
chtzeitlich
en
medizinische
n
Be
richte
betreffend die Zeit
in Polen
vorhanden, aufgrund seiner eigenen – über
einstimmenden - Angaben gegenüber den behandelnden respektive begutach
ten
den Ärzte und der von diesen eingeholten fremdanamnestischen Auskünfte
erscheint indes als überwiegend wahrsch
einlich, dass
d
er
Beschwerdeführer
scho
n
vor Ende
Dezember
2009
vorübergehend in ärztlicher Behandlung stand
und
des
wegen – zumindest temporär – auch in seinem Leistungsvermögen be
ein
träch
tigt war
(vgl.
hiezu
insbesondere Urk. 9/12 S. 17, Urk. 9/12 S. 9, Urk. 9 S. 5,
Urk. 9/16 S. 1
, Urk. 9/18 S. 2
)
.
4.2
Auf eine bereits im Zeitpunkt der Ei
nreise in die Schweiz vorhandene
I
nvalidi
tät
, mithin eine vor dem 26. Dezember 2009 während
wenigstens
eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch bestandene
durchschnittlich mindestens 40%ige Arbeitsunfähigkeit und
eine
über diesen Zeitpunkt hinaus anhaltende
mindes
tens 40%ige Erwerbsunfähigkeit (vgl. E.
1.4.2 und E. 1.2
)
, wie sie die IV-Stelle – ohne dies nachvollziehbar zu begründen – annahm (Urk. 2),
lassen
indes weder die medizinischen Berichte noch die effektiven Gegebenheiten schliessen.
So
attestierte keiner der
in der Schweiz behandelnden bez
iehungsweise begutach
ten
den Ärzte
schon für die Zeit vor
dem 1
2.
beziehungsweise 19. November 2012
(Urk. 9/12 S. 3, Urk. 9/9 S. 6)
eine psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit.
Selbst der RAD-Arzt Dr.
E._
hielt le
di
glich fest, dass der Gesundheitsschaden bereits bei Einreise in die Schweiz bestanden habe (Urk. 9/23 S. 4); eine schon damals bestandene (invalidisierende
)
Arbeits
un
fähigkeit bescheinigte der genannte Psy
chiater dem Beschwerdeführer
ebenfalls
nicht.
Tatsächlich arbeitete
Letzterer
denn auch
– nach verschiedenen kurzzeitigen Anstellun
gen – vom 15. Oktober 2011 bis
Ende
Oktober 2012
, als ihm wegen einer
Epicondylitis
rechts
vorüber
gehend
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde
(Urk. 9/10 S. 1,
Urk. 9/10
S. 11, Urk. 9/12 S. 4, Urk. 9/12 S. 15
)
, während gut
eines Jahres
voll
zeitlich
und ohne
längere oder auch gehäufte k
u
rze krankheitsbedingte
Absen
zen
aufzuweisen
(vgl. Urk. 9/10 S. 10 ff.)
als
Lastwagench
auffeur
Kat. C
bei der
Y._
GmbH
. Gemäss seiner damaligen Arbeitg
eberin ent
sprach der Lohn dabei der
Arbeitsleistung
(Urk. 9/10 S. 2)
, und die Kündigung erfolgte
wegen des
Verlust
s
zweier
Kunden, mithin aus wirtschaftlichen Grün
den (vgl. Kündigungsschreiben vom 8. April 2013, Urk. 9/10 S. 13).
4.3
Nach Lage der Akten war der Beschwerdeführer aufgrund der psychischen Stö
rung
vom
20. November bis 17. Dezember 2012 zu 100 %
und
vom 18. Dezem
be
r 2012
bis
15. Januar beziehungsweise
27. Febru
a
r 2013 zu 50 % arbeitsun
fähig
(Urk. 9/9 S. 6, Urk. 9/12 S. 3
und S. 18, Urk. 9/20 S. 1
)
.
Ab
dem 16. Janu
ar respektive 28. Februar
201
3
und mindestens noch bis zum Erlass der ange
foch
tenen Verfügung vom 24. September 2014 (Urk. 2)
bestand
daraufhin in jegli
cher Tätigkeit
eine
100%
ige
A
rbeitsunfähig
keit
(Urk. 9/9 S. 6, Urk. 9/
12 S. 11, Urk. 9/16 S. 3, Urk. 9/18 S. 3, Urk. 9/20 S. 1
). Die
für
einen allfälligen
Renten
an
spruch massgebliche (leistungsspezifische) Invalidität
trat demnach
mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit
im November 2013 (Ablauf des Wartejahrs; E. 1.2)
ein
(vgl. zudem betreffend Rentenbeginn Art. 29 Abs. 1 IVG)
.
4.4
Unklar ist indes, ob der
Ende Dezember 2009 in die Schweiz eingereiste Be
schwerdeführer
die
für einen Rentenanspruch vorausgesetzte
dreijährige
Min
dest
beitragsdauer
per November 2013 bereits
erfüllt
hatte
.
So
ergibt sich aus den
im IK-Auszug
(Urk. 9/6)
bis Ende 2012 verzeichneten und
den
wohl
bis zur Auf
lösung des Arbeitsverhältnisses mit der
Y._
GmbH per 30. Juni 2013 (Urk. 9/10 S. 13) erfüllten
, jedoch noch nicht im vorliegenden IK-Auszug vermerkten,
weiteren sechs Beitragsmonate
n
eine unter drei Jahren liegende Gesamtbeitragszeit in der Schweiz. Ob und gegebe
nenfalls in welchem Umfang der Beschwerdeführer, der nach dem Stellenverlust im Sommer 2013
bis
am
11. Oktober 2014
Krankentaggelder bezog
(vgl. Urk. 3/6 S. 1)
, zwischen dem
1. Juli 2013 und dem Eintritt der Invalidität noch weitere Beitragszah
lungen
geleistet
und/oder schon
vor seiner Einreise in die Schweiz
Beitrags
zeiten
in Polen
zurückgelegt hat
,
geht aus den Akten
nicht
hervor
. Die Sache ist daher an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie abkläre, ob die dreijährige
Min
destbeitragsdauer
erfüllt ist, und hernach über den Ren
tenanspruch des Be
schwerdeführers neu befinde.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um
die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen abweichend von Art. 61
lit
. a ATSG vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streit
wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind die Gerichtskosten in Höhe von Fr. 800.-- der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Das Gesuch des Beschwerdeführers um Ge
währung der unentgeltlichen Prozessführung und
Rechtsverbeiständung
(Urk. 1 S. 2) erweist sich damit als obsolet.
5.2
Ausgangsgemäss ist dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) eine Prozessentschädigung zuzusprechen
und diese nach Einsicht in
die
Kostennote vom 8. Dezember 2015 (Urk. 16)
mit
Fr.
2‘846.35
(inklu
sive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
zu bemessen
.