Decision ID: 409d8ac9-88b1-5f23-a037-03d34d79d823
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 5. Dezember 2015 im damaligen
Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._ um Asyl nach. Dort
wurde er am 21. Dezember 2015 zu seinen Personalien und zu seinem
Reiseweg sowie summarisch zu seinen Fluchtgründen befragt (Befragung
zur Person [BzP]). Am 2. Oktober 2017 wurde er durch eine Mitarbeiterin
des SEM vertieft angehört.
A.b Anlässlich der BzP und der Anhörung machte der Beschwerdeführer
im Wesentlichen geltend, er sei sri-lankischer Staatsangehöriger tamili-
scher Ethnie und stamme aus C._ (Distrikt C._, Nordpro-
vinz). Kurz nach seiner Geburt sei seine Familie aber nach D._
(Distrikt D._, Ostprovinz) gezogen und habe seither – abgesehen
von einer vorübergehenden Rückkehr nach C._ 1991/1992 – unun-
terbrochen dort gelebt. Er habe in D._ die Schule besucht und spä-
ter nebst einem (...) auch ein (...) betrieben. Im Jahr 2006 sei er von der
"Bewegung" beziehungsweise von den Liberation Tigers of Tamil Eelam
(LTTE) einberufen worden und habe einen Teil des Waffentrainings sowie
eine politische Ausbildung absolviert; danach habe er während einiger Wo-
chen Informationen über Bewegungen der Sicherheitskräfte an die LTTE
weitergeleitet. Im selben Jahr sei er zusammen mit einigen Freunden nach
einem Anschlag auf einen Gemüseladen für einige Stunden auf die Poli-
zeistation von E._/D._ mitgenommen worden. Nach dem
Verschwinden seines Bruders J. im Jahr 2009 sei er für eineinhalb Jahre
als (...) nach F._ gegangen, und ab Ende 2011 habe er ein Jahr
lang in G_ gearbeitet, bis er sich habe krankschreiben lassen und
nach Sri Lanka zurückgekehrt sei. Im März 2011 sei er zusammen mit sei-
nem Vater für einen Tag festgenommen und zum Verbleib seines Bruders
H_ befragt worden, beziehungsweise er habe nach der Ausreise
von H_ nach I_ im Jahr 2010 bis zum 8. April 2015 keinerlei
Probleme mit den heimatlichen Behörden gehabt.
Des Weiteren brachte er vor, er habe im Hinblick auf die Präsidentschafts-
wahlen vom 8. Januar 2015 die Tamil Arasu Kachchi beziehungsweise die
Tamil National Alliance (TNA) unterstützt, indem er Plakate aufgehängt und
Transporte getätigt habe. Er vermute, durch dieses Engagement die Auf-
merksamkeit der sri-lankischen Behörden auf sich gezogen zu haben. Am
8. April 2015 sei er auf dem Heimweg von der Arbeit von Unbekannten
überfallen, geschlagen, gefesselt und in einem Lieferwagen verschleppt
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worden. In der Haft sei er unter Schlägen zum Verbleib seines Bruders
befragt und aufgefordert worden, ein in singhalesischer Sprache gehalte-
nes Schreiben, mit welchem er die Unterstützung der LTTE hätte zugeben
sollen, zu unterzeichnen. Da er sich dieser Aufforderung widersetzt habe,
sei er erneut misshandelt worden. Schliesslich habe er doch mit seiner Un-
terschrift bestätigt, Mitglied der LTTE gewesen zu sein beziehungsweise
mit seinem Bruder zusammengearbeitet zu haben. Am 13. April 2015 habe
er mit der Hilfe eines von seinem Vater dafür kontaktierten Geheimdienst-
mitarbeiters aus der Haft entkommen können. Seine Eltern hätten ihn dann
nach J_ gebracht, wo er bei einem Onkel und zeitweise bei einer
Schwägerin gelebt habe. In J_ habe er die in der Haft erlittenen
inneren Verletzungen privat von einem Arzt behandeln lassen und zwecks
Organisation der Ausreise einen Schlepper kontaktiert. Während seines
Aufenthalts in J_ hätten sich Unbekannte in seinem Haus in
D._ nach ihm erkundigt. Seine Ehefrau, mit der er seit (...) verhei-
ratet sei, sei von den Beamten derart eingeschüchtert worden, dass sie
das Haus verlassen habe und zu ihrer Schwester gezogen sei; sie leide
seit diesem Vorfall unter Depressionen. Er habe Sri Lanka am (...) 2015
verlassen und sei auf dem Luftweg nach K_ und am nächsten Tag
via verschiedene, ihm nicht namentlich bekannte Länder bis nach
L_ gereist. Für die Reise habe er einen auf seinen Namen lauten-
den und mit seinem Bild versehenen Pass benutzt.
Schliesslich gab der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung vom
2. Oktober 2017 zu Protokoll, er habe im Jahr 2016 an einer Demonstration
in M_ teilgenommen und dabei Fahnen gehalten sowie Parolen ge-
rufen; auf einem auf der Website "N_" veröffentlichten Video sei
sein Gesicht zu sehen gewesen. Im selben Jahr habe er in der Nähe von
O_ auch an den (...) teilgenommen.
A.c Der Beschwerdeführer reichte im Verlauf des vorinstanzlichen Verfah-
rens einen Eheschein im Original, eine Kopie seiner Identitätskarte, be-
glaubigte Kopien seiner Geburtsurkunde und des Todesscheins seines
Schwagers, einen Zeitungsartikel betreffend den Tod seines Schwagers im
Jahr (...) sowie je ein auf den 19. Januar 2016 beziehungsweise auf den
28. September 2017 datiertes Schreiben des Parlamentsabgeordneten
P_ und des (...) von D._ zu den Akten. Der Reisepass, mit
dem er nach Europa gereist sei, habe er nach Ankunft in der Schweiz sei-
nem Schlepper zurückgeben müssen.
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B.
Mit Verfügung vom 20. Dezember 2017 – eröffnet am 22. Dezember 2017
– stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus
der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an.
C.
Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 22. Januar 2018 beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragte die Aufhebung der
SEM-Verfügung vom 20. Dezember 2017, die Zuerkennung der Flücht-
lingseigenschaft und die Gewährung des Asyls, allenfalls die Erteilung ei-
ner vorläufigen Aufnahme. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um
Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses.
D.
D.a Die Instruktionsrichterin stellte mit Zwischenverfügung vom 29. Januar
2018 fest, der Beschwerdeführer dürfe den Abschluss des Verfahrens ge-
stützt auf Art. 42 AsylG (SR 142.31) in der Schweiz abwarten. Sodann
wurde er aufgefordert, bis zum 13. Februar 2020 entweder eine Fürsorge-
abhängigkeitsbestätigung nachzureichen oder einen Kostenvorschuss in
der Höhe von Fr. 750.– einzuzahlen (Art. 63 Abs. 4 VwVG), ansonsten auf
die Beschwerde nicht eingetreten werde. Das Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung wurde unter Vorbehalt der rechtzeitigen
Nachreichung einer Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung gutgeheissen.
D.b Der verlangte Kostenvorschuss wurde am 30. Januar 2018 bezahlt.
E.
Mit auf den 10. Mai 2019 datierter Eingabe (Poststempel: 14. Mai 2019)
reichte der Beschwerdeführer zwei weitere, auf den 8. März 2018 bezie-
hungsweise auf den 5. April 2018 datierte Schreiben des (...) von
D._ und des Parlamentsabgeordneten P_ im Original ein.
F.
F.a Das Bundesverwaltungsgericht übermittelte die Akten am 20. April
2020 an das SEM und lud dieses zur Einreichung einer Vernehmlassung
ein.
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F.b Mit Vernehmlassung vom 4. Mai 2020 beantragte das SEM sinnge-
mäss die Abweisung der Beschwerde. Die Vernehmlassung wurde dem
Beschwerdeführer am 8. Mai 2020 zur Kenntnisnahme zugestellt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das
bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung
des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VwVG und Art. 6 AsylG).
1.4 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert, weshalb auf
die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten ist (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
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Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen).
3.3 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-
chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile
von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, welche ihr
gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Hei-
matstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind bezie-
hungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37).
Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die An-
erkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die be-
troffene Person in ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz finden
kann (vgl. BVGE 2011/51 E. 7, 2008/12 E. 7.2.6.2, 2008/4 E. 5.2). Aus-
gangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage
nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begrün-
deten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylent-
scheids ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfol-
gungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation
im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zuguns-
ten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen
(vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4, WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi
Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl. 2009, Rz. 11.17 und 11.18).
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3.4 Beruft sich eine Person darauf, dass durch ihre illegale Ausreise
(sog. Republikflucht) oder durch ihr Verhalten nach der Ausreise aus dem
Heimat- oder Herkunftsstaat (insbesondere durch exilpolitische Aktivitäten)
eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, hat sie begründeten
Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung, wenn der Heimat- oder Her-
kunftsstaat mit erheblicher Wahrscheinlichkeit vom fraglichen Umstand er-
fahren hat und die Person deshalb bei einer Rückkehr in flüchtlingsrecht-
lich relevanter Weise verfolgt würde (vgl. Urteil des BVGer E-5232/2015
vom 3. Februar 2015 E. 5.3).
Solche subjektiven Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingsei-
genschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG
zum Ausschluss von Asyl, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder
nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, wel-
che subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen kön-
nen, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1
m.w.H.).
4.
4.1 Die Vorinstanz gelangte in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers vermöchten weder den Anforderun-
gen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die
Asylrelevanz im Sinne von Art. 3 AsylG zu genügen.
4.1.1 Hinsichtlich der Frage der Glaubhaftigkeit der Vorbringen wies das
SEM vorab darauf hin, der Beschwerdeführer habe anlässlich der Anhö-
rung zwei Schreiben als Beweismittel zu den Akten gereicht. Das eine
Schreiben stamme vom Parlamentsabgeordneten und Oppositionsführer
P_, das andere vom (...) von D._. In beiden Dokumenten
werde explizit erwähnt, dass der jeweilige Verfasser den Beschwerdeführer
und seine Familie gut kenne. Indessen werde im Schreiben des Bischofs
nirgends erwähnt, dass der Beschwerdeführer jemals inhaftiert oder miss-
handelt worden wäre; als einzige Verfolgungsmassnahme werde dort eine
mehr als zweimalige Suche durch unbekannte Personen angeführt. Dem-
nach stehe der Inhalt dieses Beweismittels in klarem Widerspruch zu den
Angaben des Beschwerdeführers im Rahmen des Asylverfahrens. Da die-
ser erklärt habe, seine Familie habe den (...) über seine Probleme in
Kenntnis gesetzt, sei nicht nachvollziehbar, weshalb dieser das angeblich
für die Ausreise zentrale Ereignis einer willkürlichen, mit schwerer Folter
verbundenen Inhaftierung im April 2015 nicht genannt haben sollte. Die An-
nahme, dass eine derartige Inhaftierung gar nie stattgefunden habe und
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die Familie des Beschwerdeführers deshalb dem (...) gegenüber nichts da-
von erwähnt habe, werde dadurch bestätigt, dass auch im Schreiben des
Parlamentsabgeordneten und Oppositionsführers P_ keine derar-
tige Inhaftierung Erwähnung finde. Aus diesem Schreiben gehe ebenso
wenig hervor, dass der Beschwerdeführer in Sri Lanka jemals Verfolgungs-
massnahmen ausgesetzt gewesen wäre; im Gegenteil stehe dort sinnge-
mäss gleich zweimal, dass der Beschwerdeführer das Land wegen der Be-
fürchtung, Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt werden zu können, verlas-
sen habe. Auf diese widersprüchlichen Angaben angesprochen, habe sich
der Beschwerdeführer bemüht vage und ausweichend geäussert.
Sodann habe der Beschwerdeführer im Verlauf des Verfahrens zu wesent-
lichen Punkten unterschiedliche Angaben gemacht. So habe er in der BzP
im Zusammenhang mit der Festnahme vom 8. April 2015 angegeben, in
welches Camp er gebracht worden sei, wohingegen er in der Anhörung
erklärt habe, dass ihm dies nicht bekannt sei. Im Zusammenhang mit der
Inhaftierung vom April 2015 habe er in der BzP auch berichtet, es seien
einmal drei Personen gekommen und hätten ihm einen Brief zugesteckt.
Das Schreiben sei auf Singhalesisch verfasst gewesen und es habe darin
gestanden, dass er und sein Bruder der "Bewegung" geholfen hätten, und
man habe ihm gedroht, ihn zu erschiessen und seine Familie zu entführen,
wenn er nicht unterschreibe; er sei so lange geschlagen und gequält wor-
den, bis er unterschrieben habe. Zum gleichen Thema habe er demgegen-
über in der Anhörung erläutert, eines Tages sei ein Beamter mit einem
Schreiben gekommen und habe ihn aufgefordert, dieses zu unterschrei-
ben. Er habe den Inhalt des Schreibens nicht gekannt und die Unterschrift
verweigert, worauf man ihn unmenschlich behandelt und ihm Tritte in den
Unterleib versetzt habe. Wegen der Schläge habe er unterschrieben. Erst
danach habe ihm der Beamte den Inhalt vorgelesen; mit seiner Unterschrift
habe er zugegeben, den LTTE geholfen zu haben. Bezüglich seines Bru-
ders habe er in der BzP dargelegt, nicht zu wissen, ob dieser bei den LTTE
gewesen sei oder nicht, um dann in der Anhörung vorzubringen, sein Bru-
der sei Mitarbeiter des Geheimdienstes der LTTE gewesen und betätige
sich nun exilpolitisch in Q_. Ausserdem habe der Beschwerdefüh-
rer in der BzP vorgebracht, im März 2011 zusammen mit seinem Vater für
einen Tag inhaftiert und dabei über seinen Bruder befragt und geschlagen
worden zu sein. In der Anhörung habe er diese Inhaftierung mit keinem
Wort erwähnt, sondern im Gegenteil erklärt, seit der Ausreise des Bruders
nach I_ im Jahr 2010 bis zum April 2015 keinen Kontakt mit den sri-
lankischen Behörden gehabt zu haben. Als ihm zu diesen widersprüchli-
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chen Aussagen das rechtliche Gehör gewährt worden sei, habe er sich vor-
wiegend darauf berufen, in der BzP aufgefordert worden zu sein, sich kurz
zu fassen; seine in der Anhörung gemachten Angaben seien aber richtig.
Schliesslich wies das SEM darauf hin, der Beschwerdeführer habe anläss-
lich der Anhörung in der freien Schilderung seiner Asylgründe geltend ge-
macht, in der Haft von 2015 seien Fotos von ihm angefertigt worden, aus-
serdem seien ihm Bilder von ehemaligen LTTE-Mitgliedern gezeigt und er
sei gefragt worden, ob er diese Personen kenne. Er habe zwei Personen
erkannt, woraufhin ihm Fragen zu diesen gestellt worden seien. Ausser-
dem sei er auch zu einem Mann, der Flüchtlingen helfe, befragt worden.
Obwohl ihm in der BzP ebenfalls die Möglichkeit zur freien Schilderung der
Ereignisse vom April 2015 gewährt worden sei, habe er dort keinen dieser
Sachverhalte erwähnt, sondern lediglich zu Protokoll gegeben, in der Haft
über seinen Bruder befragt worden zu sein. Auf Vorhalt hin habe er erklärt,
die Dolmetscherin habe ihn in der BzP immer wieder unterbrochen und ihn
aufgefordert, nur summarisch zu berichten. Dem sei indessen entgegen-
zuhalten, dass jede Unterbrechung vermerkt worden sei und sich im BzP-
Protokoll zahlreiche Details über die Ereignisse vom April 2015 finden wür-
den, unter anderem auch mehrere sich wiederholende Äusserungen, die
mit Sicherheit nicht aufgenommen worden wären, wenn sich der Be-
schwerdeführer nicht frei hätte äussern können. Ebenso seien im BzP-Pro-
tokoll verschiedene Sachverhalte festgehalten worden, die der Beschwer-
deführer in der Anhörung nicht mehr erwähnt habe. Diese Elemente seien
als deutliche Hinweise darauf zu werten, dass die Äusserungen des Be-
schwerdeführers über seine Inhaftierung im April 2015 vollständig aufge-
nommen worden seien.
4.1.2 Hinsichtlich der Beurteilung der Asylrelevanz der Vorbringen hielt das
SEM fest, der Beschwerdeführer habe nicht glaubhaft machen können, vor
seiner Ausreise asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt ge-
wesen zu sein. Vielmehr sei er bis Oktober 2015 in Sri Lanka wohnhaft
gewesen, habe also nach Kriegsende noch sechs Jahre in seinem Heimat-
staat gelebt. Allfällige, zum Zeitpunkt der Ausreise bestehend Risikofakto-
ren hätten folglich kein Verfolgungsinteresse seitens der sri-lankischen Be-
hörden auslösen können. Aufgrund der Aktenlage sei somit nicht ersicht-
lich, weshalb er bei seiner Rückkehr nach Sri Lanka in den Fokus der Be-
hörden geraten und in asylrelevanter Weise verfolgt werden sollte. An die-
ser Beurteilung vermöge auch der Umstand, dass er im Jahr 2016 einmalig
als Mitläufer an einer regierungskritischen Demonstration in M_ so-
wie an den (...) ausserhalb von O_ teilgenommen habe, nichts zu
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ändern. Der Beschwerdeführer erfülle offensichtlich kein Risikoprofil, das
ihn in den Augen der sri-lankischen Sicherheitsbehörden als Person er-
scheinen lasse, die bestrebt sei, den sri-lankischen Separatismus wieder-
aufleben zu lassen. Die Frage, ob der Beschwerdeführer die TNA anläss-
lich der Wahlen vom 8. Januar 2015 durch verschiedene Aktivitäten unter-
stützt habe, könne bei dieser Sachlage offengelassen werden, zumal die
TNA seit Kriegsende eine Parlamentspartei sei.
4.2 In der Beschwerdeschrift wiederholt der Beschwerdeführer den in der
BzP und anlässlich der Anhörung geschilderten Sachverhalt und hält am
Wahrheitsgehalt seiner Aussagen fest. Ergänzend führte er an, er habe im
Jahr 2014 von seinem Bruder Geld aus R_ erhalten, welches er
habe weitergeben müssen. Er verstehe nicht, wieso die von ihm einge-
reichten Beweismittel als untauglich qualifiziert worden seien. Auch wenn
in den beiden Schreiben die Verhaftung und die Folter nicht erwähnt wor-
den seien, so sei daraus doch ersichtlich, dass er aufgrund seines Bruders
verfolgt werde und sein Leben in Gefahr sei. Es müsse beachtet werden,
dass sowohl das Schreiben des (...) als auch dasjenige des Parlaments-
abgeordneten auf Anfrage seiner Familie verfasst worden seien, mithin auf
Aussagen Dritter basierten, und zu einem Zeitpunkt ausgestellt worden
seien, als er sich schon in der Schweiz befunden habe. Aus den Schreiben
könne keinesfalls geschlossen werden, dass seine Verhaftung im Jahr
2015 nie stattgefunden habe, habe er doch die Festnahme und die erlittene
Folter in der Anhörung sehr detailliert und lebensecht beschrieben.
Was den Vorwurf der widersprüchlichen Angaben zum Ort seiner Inhaftie-
rung betreffe, so habe er in der Anhörung darauf hingewiesen, dass er in
der BzP lediglich die Vermutung geäussert habe, ins genannte Armeecamp
gebracht worden zu sein, weshalb er den Namen des Camps in der Anhö-
rung zunächst nicht erwähnt habe. Im Weiteren verstehe er auch nicht, wo-
rin die Vorinstanz einen Widerspruch in seinen Aussagen betreffend das
Papier, welches er in der Haft habe unterzeichnen müssen, sehe, habe er
doch beide Male gesagt, er sei unter Folter und Drohung gezwungen wor-
den, ein Blatt zu unterschreiben, ohne dessen Inhalt zu kennen. Sodann
habe er zwar in der BzP tatsächlich gesagt, dass er nicht wisse, ob sein
Bruder bei den LTTE gewesen sei. Er habe indessen erst nach seiner Aus-
reise von der LTTE-Mitgliedschaft von H_ erfahren und wisse bis
heute nicht, was dieser eigentlich mache. Zudem habe er die Verhaftung
im Jahr 2011 in der Anhörung nicht mehr erzählt, weil er gedacht habe, es
reiche aus, dass er seinen zweiten Auslandaufenthalt in G_ er-
wähne. Schliesslich weist der Beschwerdeführer (erneut) darauf hin, dass
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er in der BzP angehalten worden sei, sich kurz zu fassen, weshalb es nicht
zulässig sei, seine dort und in der Anhörung gemachten Aussagen "in die-
ser Sicht" miteinander zu vergleichen.
4.3 Das SEM hält in seiner Vernehmlassung an seinen in der angefochte-
nen Verfügung vom 20. Dezember 2017 gemachten Erwägungen fest und
erachtet sinngemäss auch die am 14. Mai 2019 (Datum Poststempel) ein-
gereichten Schreiben als nicht geeignet, die Vorbringen des Beschwerde-
führers in einem anderen Licht erscheinen zu lassen.
5.
5.1 Nach eingehender Durchsicht der vorliegenden Akten und insbeson-
dere auch unter Berücksichtigung der vorstehenden Einwendungen
schliesst sich das Bundesverwaltungsgericht der vorinstanzlichen Ein-
schätzung in Bezug auf die Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwer-
deführers an. Lediglich der Umstand, dass der Beschwerdeführer in der
BzP noch nicht erwähnt hatte, dass ihm in der Haft von 2015 Bilder ehe-
maliger LTTE-Mitglieder gezeigt worden seien und er zu diesen sowie zu
einem weiteren Aktivisten befragt worden sei (vgl. vorstehend E. 4.1.1,
3. Abschnitt), ist nicht als klare Ungereimtheit zu werten. Im Übrigen kann
zur Vermeidung von Wiederholungen auf die einlässlichen Erwägungen in
der angefochtenen Verfügung sowie auf die Zusammenfassung unter
E. 4.1.1 verwiesen werden. Entgegen der in den Beschwerdeschrift vertre-
tenen Auffassung bestehen keinerlei Hinweise, dass der Beschwerdefüh-
rer in der BzP die wichtigsten Gründe für seine Ausreise aus Sri Lanka nicht
hätte erwähnen können, wobei an dieser Stelle nochmals darauf hinzuwei-
sen ist, dass er Ereignisse wie die Festnahme vom März 2011 in der BzP,
nicht aber in der ausführlichen Anhörung vorbrachte beziehungsweise in
der Anhörung sogar ausdrücklich erklärte, nach der Ausreise seines Bru-
ders nach I_ im Jahr 2010 bis April 2015 keine Probleme mit den
sri-lankischen Behörden gehabt zu haben (vgl. Akten SEM A11 zu F102),
und diese Aussage auf entsprechende Nachfrage hin ausdrücklich bestä-
tigte (vgl. A11 zu F103). Die erstmals auf Beschwerdeebene erwähnte
Geldübermittlung seines Bruders und die Weiterleitung des erheblichen
Betrages ist als nachgeschobener Sachvortrag zu qualifizieren.
Sodann sind auch die beiden auf Beschwerdeebene eingereichten, wiede-
rum vom Parlamentsabgeordneten und Oppositionspolitiker P_ so-
wie vom (...) von D._ ausgestellten Bestätigungen nicht geeignet,
die Zweifel an der Glaubhaftigkeit der vom Beschwerdeführer geltend ge-
machten Verfolgungssituation zu beseitigen. So wird im Schreiben von
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Seite 12
P_ vom 5. April 2018 lediglich in allgemeiner Art und Weise – und
ohne zeitliche oder örtliche Angaben – festgehalten, der Beschwerdeführer
werde der Beteiligung an tamilischer Militanz verdächtigt und sei von Un-
bekannten verhaftet worden. Im Schreiben des (...) vom 6. März 2018 wird
nun zwar eine Festnahme vom 8. April 2015 erwähnt, jedoch ebenfalls nur
in sehr allgemeiner Form und ohne Nennung eines Orts. In Anbetracht der
gesamten Umstände sind die beiden wenige Wochen nach Ergehen der
ablehnenden SEM-Verfügung ausgestellten Bestätigungen als blosse Ge-
fälligkeitsschreiben ohne weiteren Beweiswert zu qualifizieren.
5.2 Nunmehr bleibt zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer trotz fehlender
Vorverfolgung bei einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im
Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden.
5.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 festgestellt, dass Angehörige der tamilischen Ethnie bei
einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer ernstzunehmenden Ge-
fahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl. a.a.O. E. 8.3). Zur Be-
urteilung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in
Form von Verhaftung und Folter zu werden, wurden verschiedene Risiko-
faktoren identifiziert. Eine tatsächliche oder vermeintliche, aktuelle oder
vergangene Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag in der "Stop List" und die
Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen wurden als
stark risikobegründende Faktoren eingestuft, da sie unter den im Entscheid
dargelegten Umständen bereits für sich allein genommen zur Bejahung ei-
ner begründeten Furcht führen könnten. Demgegenüber stellen das Fehlen
ordentlicher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri Lanka, Narben und
eine gewisse Aufenthaltsdauer in einem westlichen Land schwach risiko-
begründende Faktoren dar. Von den Rückkehrenden, die diese weitrei-
chenden Risikofaktoren erfüllten, habe jedoch nur jene kleine Gruppe tat-
sächlich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne
von Art. 3 AsylG zu befürchten, die nach Ansicht der sri-lankischen Behör-
den bestrebt sei, den tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen
und so den sri-lankischen Einheitsstaat gefährde. Mit Blick auf die darge-
legten Risikofaktoren seien in erster Linie jene Rückkehrer gefährdet, de-
ren Namen in der am Flughafen in J_ abrufbaren "Stop-List" ver-
merkt seien und der Eintrag den Hinweis auf eine Verhaftung beziehungs-
weise einen Strafregistereintrag im Zusammenhang mit einer tatsächlichen
oder vermuteten Verbindung zu den LTTE enthalte. Entsprechendes gelte
für sri-lankische Staatsangehörige, die sich im Ausland regimekritisch be-
tätigt hätten (vgl. a.a.O. E. 8).
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Seite 13
5.2.2 Der Beschwerdeführer vermochte – wie vorstehend dargelegt – we-
der die geltend gemachte Inhaftierung im April 2015 noch weitere Nach-
stellungen durch die sri-lankischen Behörden oder durch den Behörden
nahe stehende Personen glaubhaft zu machen. Sodann ergeben sich auch
der tamilischen Ethnie des Beschwerdeführers und seiner fünfjährigen
Landesabwesenheit sowie aus der angeblich vor vierzehn Jahren erfolgten
kurzzeitigen Ausbildung und Unterstützung der LTTE und dem gewaltsa-
men Tod seines Schwagers im (...) keine Hinweise auf ein aktuell beste-
hendes Verfolgungsinteresse seitens der sri-lankischen Behörden. Daran
vermöchte auch die behauptete Tätigkeit für die TNA nichts zu ändern,
weshalb das SEM die entsprechenden Angaben nicht abschliessend auf
ihre Glaubhaftigkeit prüfen musste, zumal die TNA eine legale, nach wie
vor mit einigen Sitzen im Parlament vertretene Partei ist.
Selbst wenn er ohne Reisepass respektive mit temporären Reisedokumen-
ten nach Sri Lanka zurückkehren müsste, würde dies zwar allenfalls bei
der Wiedereinreise in Sri Lanka zu einem "Background-Check" führen. Es
muss damit gerechnet werden, dass er nach dem Verbleib seiner Reisepa-
piere und zum Grund seiner Ausreise befragt und überprüft wird. Dabei
kann nicht ausgeschlossen werden, dass er wegen des fehlenden Reise-
passes gebüsst wird, wobei ein entsprechendes Vorgehen der sri-lanki-
schen Behörden aber keine flüchtlingsrechtliche Relevanz entfaltet (vgl.
Referenzurteil E-1866/2015 vom 25. Juli 2016 E. 8.4.4). Nach dem Gesag-
ten ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Falle einer
Rückkehr in sein Heimatland dort Massnahmen zu befürchten hat, welche
über eine einfache Kontrolle hinausgehen, und er wegen seines Profils von
den Behörden als Bedrohung wahrgenommen wird.
5.2.3 Was die in der Anhörung (vgl. A11 zu F221 ff.) vorgebrachten exilpo-
litische Aktivitäten betrifft, so erschöpfen sich diese in der einfachen Teil-
nahme an einer Demonstration in M_ im Jahr 2016 und an der (...)
in der Nähe von O_ im selben Jahr; in M_ habe er eine
Fahne getragen und er sei auf einem Video zu sehen gewesen. Allein
durch die – unter in der Schweiz lebenden sri-lankischen Staatsangehöri-
gen weit verbreitete – Teilnahme an Demonstrationen und Gedenktagen
hat sich der Beschwerdeführer indessen nicht derart exponiert, dass An-
lass zur Annahme bestehen würde, die sri-lankischen Behörden hätten da-
von Kenntnis bekommen; dies gilt umso mehr, als diese Aktivitäten auch
nicht durch entsprechende Bildaufnahmen belegt sind. Das Vorliegen von
subjektiven Nachfluchtgründen ist somit ebenfalls zu verneinen.
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Seite 14
5.2.4 Insgesamt bestehen keine Hinweise, dass dem Beschwerdeführer im
Fall einer Rückkehr nach Sri Lanka ernsthafte Nachteile im Sinne von
Art. 3 AsylG drohen könnte.
5.3 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, seine
Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu ma-
chen. Die Vorinstanz hat sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt die Vorinstanz das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Bei der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2, m.w.H.).
7.2
7.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
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Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
7.2.2 Das SEM wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin,
dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Personen
schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerde-
führer nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich erhebliche Gefährdung
glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden.
Eine Rückkehr nach Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5
AsylG rechtmässig.
7.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Men-
schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste
der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR, Saadi gegen Italien,
Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.).
Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegwei-
sungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen (vgl. Referenzurteil des
BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 12.2 sowie statt vieler Urteil des
BVGer E-895/2020 vom 15. April 2020 E. 9.2). Es ergeben sich aus den
Akten auch keine konkreten Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer
bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen so genannten "Back-
ground Check" (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In- und
Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet wäre.
Daran vermögen der Regierungswechsel vom November 2019 sowie die
seither veränderte Lage in Sri Lanka nichts zu ändern.
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Seite 16
7.2.4 Der Vollzug der Wegweisung erweist sowohl im Sinne der asyl- als
auch der völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig, zumal sich die Ein-
wendungen des Beschwerdeführers (vgl. Beschwerde Ziff. II.) im Wesent-
lichen auf eine Wiederholung von Argumenten, welche bereits im Rahmen
der Flüchtlingseigenschaft vorgetragen wurden, beschränken.
7.3
7.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.3.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. Das Bundesverwal-
tungsgericht geht weiterhin davon aus, dass der Wegweisungsvollzug zu-
mutbar ist, wenn das Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien
(insbesondere Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Bezie-
hungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und
Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil E-1866/2015
E. 13.2). Diese Einschätzung bleibt auch nach den aktuellen Entwicklun-
gen in Sri Lanka und insbesondere auch nach den Parlamentswahlen vom
5. August 2020 weiterhin zutreffend.
7.3.3 Sodann sind auch keine individuellen Gründe erkennbar, welche ge-
gen die Rückkehr des Beschwerdeführers sprechen könnten. Wie in der
angefochtenen Verfügung zutreffend bemerkt wurde, verfügt der Be-
schwerdeführer in der Stadt D._ über ein tragfähiges Beziehungs-
netz (unter anderem [...]). Bis zur Ausreise lebte er im Haus der Ehefrau;
das eigene Haus verkaufte er kurz zuvor. Ausserdem führte er ein (...) und
ein (...). Es ist daher nicht zu befürchten, dass er bei einer Rückkehr in
seine Heimat in eine existenzielle Notlage geraten würde, zumal er nöti-
genfalls auch mit der finanziellen Unterstützung weiterer, im Ausland wohn-
hafter Verwandter (...) rechnen kann.
Schliesslich bestehen auch keine medizinischen Wegweisungshindernisse
Der Beschwerdeführer erklärte, unter (...) zu leiden; die Trennung von der
Familie sei schwierig und er fühle sich einsam. Wegen dieser Beschwerden
sei er bei einem Allgemeinpraktiker in Behandlung, und am 10. Oktober
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2017 stehe ein weiterer Termin für eine Blutuntersuchung an (vgl. A3 Ziff.
8.02 und A11 zu F195 ff.). Wie in der angefochtenen Verfügung diesbezüg-
lich zutreffend festgestellt wurde, könnten die geltend gemachten Be-
schwerden – sofern sie überhaupt noch bestehen (auf Beschwerdeebene
liess sich der Beschwerdeführer dazu nicht vernehmen) – problemlos auch
im Heimatstaat behandelt werden.
7.3.4 Demnach erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumut-
bar.
7.4
7.4.1 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.4.2 Hinsichtlich der allfälligen, aufgrund der Corona-Pandemie derzeit
gegebenen Unmöglichkeit des Vollzugs ist Folgendes festzuhalten: Ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ist die Unmöglichkeit des
Vollzugs dann festzustellen, wenn sich sowohl eine freiwillige Ausreise als
auch ein zwangsweiser Vollzug klarerweise und aller Wahrscheinlichkeit
nach für die Dauer von mindestens einem Jahr als undurchführbar erwei-
sen (vgl. Urteil des BVGer E-7575/2016 vom 28. Juli 2017 E. 6.2). Dies ist
in Anbetracht der derzeitigen Entwicklung der Pandemie nicht anzuneh-
men. Der aktuellen Situation kann indessen im Rahmen der Ansetzung der
Ausreisefrist Rechnung getragen werden.
7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1–
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Seite 18
3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG), wobei der
am 30. Januar 2018 geleistete Kostenvorschuss zur Bezahlung der Ver-
fahrenskosten zu verwenden ist.
(Dispositiv nächste Seite)
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