Decision ID: b4aa7f48-cc3f-4dc4-9cf7-10be87be0a73
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend gewerbsmässiger betrügerischer Missbrauch einer Datenverarbei-
tungsanlage etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 1. Abteilung, vom
2. Dezember 2014 (DG140292)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 29. September 2014
(Urk. 30) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
- des gewerbsmässigen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverar-
beitungsanlage im Sinne von Art. 147 Abs. 2 StGB sowie
- der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 4 Jahren Freiheitsstrafe, wovon 139 Tage
durch Haft erstanden sind.
3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
4. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ Fr. 435'495.40
zusätzlich 5% Zins seit dem 11. März 2013 zu bezahlen.
5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ für die Kosten
seiner anwaltlichen Vertretung Fr. 7'383.– (inkl. Barauslagen und 8% MwSt.)
zu bezahlen.
6. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 8. April 2014,
28. April 2014 und 18. September 2014 beschlagnahmten sowie durch vor-
zeitige Verwertung erlangten Fr. 88'193.85, als Buchgeld vorhanden bei der
Bezirksgerichtskasse Zürich (SK...), werden dem Privatkläger B._ in
Anrechnung an den ihm entstandenen Schaden ausbezahlt.
7. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 26. März 2014
beschlagnahmten Fr. 5'000.– (A...), als Buchgeld vorhanden bei der Be-
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zirksgerichtskasse Zürich (SK...), werden dem Privatkläger B._ in An-
rechnung an den ihm entstandenen Schaden ausbezahlt.
8. Die mit Verfügungen der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 26. März 2014
beschlagnahmten Gegenstände:
- Apple MacBook Pro (A...),
- MacBook (A...),
- Schweizer Reisepass B._ (A...),
- Schweizer Reisepass ... lautend auf B._ (A...),
lagernd bei der Bezirksgerichtskasse Zürich (SK...), sind dem Beschuldigten
auf erstes Verlangen herauszugeben. Holt der Beschuldigte die genannten
Gegenstände nicht innert 60 Tagen seit der Rechtskraft dieses Entscheides
ab, werden sie durch die Lagerbehörde vernichtet.
9. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 26. März 2014
beschlagnahmte "Mobiltelefon HTC mit Ladekabel und SIM-Karte (C._)"
(A...), lagernd bei der Bezirksgerichtskasse Zürich (SK...), ist C._ auf
erstes Verlangen herauszugeben. Holt C._ den genannten Gegenstand
nicht innert 60 Tagen seit der Rechtskraft dieses Entscheides ab, wird er
durch die Lagerbehörde vernichtet.
10. Die übrigen mit Verfügungen der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom
26. März 2014 sowie vom 2. April 2014 beschlagnahmten Gegenstände, la-
gernd bei der Bezirksgerichtskasse Zürich (SK... und SK...) werden einge-
zogen und durch die Lagerbehörde vernichtet.
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11. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. Kosten der Kantonspolizei
Fr. 3'000.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. 18'159.15 Auslagen Untersuchung
Fr. 18'431.35 amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
12. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher
Verteidiger des Beschuldigten mit Fr. 18'431.35 (inkl. Barauslagen und 8%
MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt.
13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten
auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden unter Vorbehalt ei-
ner Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO auf die Gerichtskasse ge-
nommen.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 58 S. 2)
1. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass Dispositivziffern 4-10, 12 und
13 nicht angefochten wurden und somit in Rechtskraft erwachsen sind.
Die mit Dispositivziffer 11 festgesetzte Gerichtsgebühr wird ebenfalls
anerkannt.
2. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der mehrfachen Urkundenfälschung
freizusprechen. Im Übrigen sei der erstinstanzliche Schuldspruch (ge-
werbsmässiger betrügerischer Missbrauch einer Datenverarbeitungs-
anlage) zu bestätigen.
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3. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten zu be-
strafen, wobei die Dauer der bis anhin erstandenen Untersuchungshaft
von insgesamt 139 Tagen anzurechnen sei.
4. Die Freiheitsstrafe sei zu vollziehen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Staatskasse.
b) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:
(Urk. 54, schriftlich)
Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksge-
richts Zürich, 1. Abteilung, vom 2. Dezember 2014 liess der Beschuldigte mit Ein-
gabe vom 3. Dezember 2014 rechtzeitig Berufung gemäss Art. 399 Abs. 1 StPO
anmelden (Urk. 43). Das begründete Urteil der Vorinstanz wurde dem Verteidiger
am 29. Januar 2015 zugestellt (Urk. 49/2), worauf der Beschuldigte am 12. Feb-
ruar 2015 fristgerecht seine Berufungserklärung einreichen liess (Urk. 51).
Innert der ihr angesetzten Frist gemäss Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO verzichtete die
Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl darauf, Anschlussberufung zu erheben oder ein
Nichteintreten auf die Berufung des Beschuldigten zu beantragen und ersuchte
stattdessen um die Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils (Urk. 54). Die Privat-
kläger liessen sich innert Frist nicht vernehmen.
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1.2. Das vorliegende Urteil erging im Anschluss an die Berufungsverhandlung,
zu welcher der Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers, Rechts-
anwalt lic. iur. X._, erschienen ist (Prot. II S. 3). Der Staatsanwaltschaft wur-
de die Teilnahme an der Berufungsverhandlung mit Einverständnis des Verteidi-
gers erlassen (Urk. 55).
2. Umfang der Berufung
Der Beschuldigte fordert mit seiner Berufung hauptsächlich einen Freispruch vom
Vorwurf der mehrfachen Urkundenfälschung und eine Reduktion der Strafe
(Urk. 51 S. 2; Urk. 58 S. 2). Faktisch nicht angefochten wurde ausserdem die vor-
instanzliche Kostenaufstellung. Damit wurde die Berufung teilweise beschränkt
(Art. 399 Abs. 4 StPO).
Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechtskraft des
angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Es ist somit festzu-
stellen, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 1. Abteilung, vom 2. Dezember
2014 bezüglich der Dispositivziffern 1 Punkt 1 (Schuldspruch wegen gewerbs-
mässigen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage), 4 (Zivil-
punkt), 5 (Entschädigung für anwaltliche Vertretung des Privatklägers 1), 6 bis 10
(Entscheid über die beschlagnahmten Gelder und Gegenstände), 11 bis 13 (Kos-
ten- und Entschädigungsdispositiv) unangefochten blieb und in diesem Umfang in
Rechtskraft erwachsen ist.
3. Sachverhalt
Der eingeklagte Sachverhalt ergibt sich aus der Anklageschrift vom 29. Septem-
ber 2014 (Urk. 30) und aus der Zusammenfassung im vorinstanzlichen Urteil
(Urk. 50 S. 6 f.), worauf gestützt auf Art. 82 Abs. 4 StPO verwiesen werden kann.
Der Beschuldigte anerkannte den eingeklagten Sachverhalt bereits vor Vorinstanz
und erhob auch anlässlich des Berufungsverfahrens keine tatsächlichen Einwen-
dungen (Urk. 50 S. 7 f. und Urk. 51). Es ist somit vom vorinstanzlich festgestellten
Sachverhalt auszugehen.
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4. Rechtliche Würdigung
4.1. Die Vorinstanz würdigte das Verhalten des Beschuldigten gemäss Anklage-
ziffer 1 als mehrfache Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB. Sie
erwog, das Vorgehen des Beschuldigten und die Umstände deuteten darauf hin,
dass dieser bei der Post im Namen des Privatklägers 1 habe handeln wollen. Er
habe sich bei der Autorisierung der beiden Nachsendeaufträge mittels Unterschrift
auf dem Touchscreen des Unterschriftenpads als Privatkläger 1 ausgegeben und
somit über die Identität des Ausstellers der Urkunde, des Nachsendeauftrages,
getäuscht, zumal die Postangestellten jeweils davon ausgingen, den Privatkläger
1 vor sich zu haben (Urk. 50 S. 9 f.).
4.2. Den Tatbestand der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB
erfüllt, wer in der Absicht, jemanden am Vermögen oder an anderen Rechten zu
schädigen oder sich oder einem andern einen unrechtmässigen Vorteil zu ver-
schaffen, eine Urkunde fälscht oder verfälscht. Als Urkundenfälschung im enge-
ren Sinne versteht man das Herstellen einer unechten Urkunde, wobei eine sol-
che vorliegt, wenn sie nicht von dem aus ihr ersichtlichen Aussteller, sondern von
einem Anderen stammt, bzw. wenn sie den Anschein erweckt, sie rühre von einer
anderen Person als ihrem tatsächlichen Urheber her (BOOG, in: BSK-Strafrecht II,
3. Auflage 2013, N 2 f. zu Art. 251 StGB).
Die Vorinstanz bejahte die Urkundenqualität der beiden Nachsendeaufträge
(Urk. 50 S. 10). Dabei verwies sie zu Recht auf Art. 110 Abs. 4 StGB, wonach ei-
ne Aufzeichnung auf einem Bild- und Datenträger der Schrifturkunde gleichge-
stellt ist, sofern sie demselben Zweck dient. Auch eine Computerurkunde muss
eine dauerhafte Verkörperung einer menschlichen Gedankenerklärung darstellen,
welche bestimmt und geeignet ist, eine rechtserhebliche Tatsache zu beweisen
und einen Aussteller erkennen lässt. Zudem müssen die gespeicherten Informati-
onen maschinell ohne weiteres in eine visuell erkenn- und lesbare Form zu-
rückgeführt werden können (BOOG, in: BSK-Strafrecht I, 3. Auflage 2013, N 86 ff.
zu Art. 110 Abs. 4 StGB; BBl 1991 II 988, 992 f.). Bei den Nachsendeaufträgen
handelt es sich um eine Computerurkunde im vorstehenden Sinn: Der Auftrag des
Kunden um Nachsendung seiner Post (Verkörperung einer Gedankenerklärung)
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wird im Computer der Poststelle bearbeitet und gespeichert. Den Aufzeichnungen
im Datenverarbeitungssystem lässt sich der auftraggebende Kunde entnehmen
und die Daten lassen sich durch einen entsprechenden Ausdruck visualisieren
(vgl. Urk. 13/1/2 S. 3 und 4). Die im Computer gespeicherten Nachsendeaufträge
haben zudem Beweiseignung und Beweisbestimmung im Rechtsverkehr, zumal
sie beweisen sollen, dass ihr Aussteller der Post einen Nachsendeauftrag erteilt
hat. Der Beschuldigte anerkannte denn auch die Urkundenqualität der beiden
Nachsendeaufträge (Urk. 40 S. 4), weshalb sich diesbezüglich weitere Ausfüh-
rungen erübrigen.
Hingegen bestreitet der Beschuldigte, den Tatbestand der Urkundenfälschung in
objektiver oder subjektiver Hinsicht erfüllt zu haben (Urk. 51 S. 2). Er habe sich
am 1. und 28. November 2012 am Postschalter mit seiner eigenen Identitätskarte
ausgewiesen und sich daher jeweils als sich selber ausgegeben. Da er seine ei-
gene Identitätskarte vorgewiesen habe, auf welcher sein eigenes Geburtsdatum
aufgeführt gewesen sei, hätten zu keinem Zeitpunkt Zweifel über seine Identität
bestanden. Er habe sich ausdrücklich nicht als Privatkläger ausgegeben, sondern
für diesen einen Nachsendeauftrag erteilt. Die beiden Nachsendeaufträge seien
seinem eigenen Willen entsprungen. Auftraggeber der beiden Nachsendeaufträge
sei er [der Beschuldigte] gewesen. Weil er unter seiner wahren Identität am Post-
schalter vorstellig geworden sei, seien Urheber und der aus der Urkunde ersichtli-
che Aussteller der Urkunde identisch. Zudem entspreche die beurkundete Ge-
dankenerklärung, Erteilung eines Nachsendeauftrages für den Privatkläger, voll-
umfänglich seiner Willensäusserung. Indem er mit seiner Unterschrift lediglich be-
stätigt habe, dass er selber für den Privatkläger einen Nachsendeauftrag in Auf-
trag gegeben habe, habe er keine Urkundenfälschung begangen (Urk. 40 S. 5 f.;
Urk. 58 S. 4 ff.).
Die Vorinstanz hielt dem Beschuldigten entgegen, dass sowohl sein Vorgehen
wie auch die gesamten Umstände darauf hindeuteten, dass er von der Postange-
stellten als Privatkläger 1 wahrgenommen werden sollte und sich als diesen aus-
geben wollte (Urk. 50 S. 9 f.). Dem ist zuzustimmen. Der Beschuldigte begab sich
am 1. und am 28. November 2012 jeweils an den Postschalter mit dem Ziel, unter
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Ausnutzung der Namensgleichheit den Anschein zu erwecken, er sei der Privat-
kläger 1 und wolle seine (eigene) Post umleiten. Bei der Erteilung der Nachsen-
deaufträge wies sich der Beschuldigte wohl mit seiner eigenen Identitätskarte aus,
aufgrund der Namensgleichheit zum Privatkläger 1 liess er aber die Postange-
stellte glauben, den Auftrag vom Privatkläger 1 selber erteilt zu bekommen und
veranlasste sie, eine weitere Überprüfung seiner Personalien zu unterlassen.
Dass der Beschuldigte nicht, wie von der Verteidigung behauptet (Urk. 40 S. 6),
für den Privatkläger 1 einen Nachsendeauftrag erteilen, sondern über seine wahre
Identität täuschen wollte, ergibt sich denn auch aus seiner eigenen Aussage an-
lässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung. Da führte er aus, er müsse zum
Schutz der Dame am Schalter gestehen, dass er diese in ein Gespräch verwickelt
habe (Urk. 36 S. 7). Es gehörte somit zur Vorgehensweise des Beschuldigten, die
Postangestellte abzulenken, um mit seinem Täuschungsmanöver durchzudringen.
Ein solches Ablenkungsmanöver hätte es nicht benötigt, wenn der Beschuldigte
tatsächlich seine eigene Identität hätte offenlegen und für den Privatkläger 1 hätte
handeln wollen, zumal er dann auch weder falsche Telefonnummern hätte ange-
ben (Urk. 7/11 S. 3) noch darauf hätte hinweisen müssen, dass er in die Ferien
gehe und die Post zurückbehalten wolle (Urk. 7/20 S. 6; Prot. I S. 7 und Prot. II
S. 14). Dass der Beschuldigte beabsichtigte, die Postangestellte über seine wahre
Identität zu täuschen, ergibt sich denn auch aus seinen Aussagen anlässlich der
Berufungsverhandlung, wonach er es einfach einmal probiert habe (Prot. II S. 15).
Zudem bestehen immerhin Zweifel, dass er für die Autorisierung der Nachsende-
aufträge durch die Unterzeichnung auf dem Touchscreen des Unterschriftenpads
seine eigene Unterschrift verwendete, wie sich aus dem Vergleich der beiden Un-
terschriften auf den Nachsendeaufträgen (Urk. 13/1/2 S. 3 und 4) und dem vom
Beschuldigten handschriftlich unterzeichneten Verfahrensprotokoll ergibt (Urk. 36
S. 9). Der Vorinstanz ist demnach in ihrer Schlussfolgerung zuzustimmen, wo-
nach der Beschuldigte durch sein Vorgehen über die Identität des Ausstellers der
Urkunde täuschte und durch die Ausnutzung der Namensgleichheit den Anschein
erweckte, der Nachsendeauftrag rühre vom Privatkläger 1 her. Damit erwirkte der
Beschuldigte je eine unechte Urkunde und machte sich demgemäss der mehrfa-
chen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB schuldig.
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5. Strafzumessung und Vollzug
5.1. Betreffend die allgemeinen Regeln der Strafzumessung und die Bildung ei-
ner Gesamtstrafe kann, um Wiederholungen zu vermeiden, auf die zutreffenden
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 50 S. 13 f.). Die Vorinstanz
hat insbesondere in Nachachtung der ständigen Rechtsprechung des Bundesge-
richts (Urteil 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013, Erw. 2.1 und 2.3.2; mit Hinweisen,
bestätigt in Urteil 6B_375/2014 vom 28. August 2014, Erw. 2.6. a. E.) korrekter-
weise bei der Festsetzung der Einsatzstrafe zunächst alle objektiven und subjek-
tiven verschuldensrelevanten Umstände beachtet, in einem weiteren Schritt die
übrigen Delikte beurteilt und aufgezeigt, in welchem Ausmass die Einsatzstrafe in
Anwendung des Asperationsprinzips zu erhöhen ist und schliesslich erst nach
Festlegung der (hypothetischen) Gesamtstrafe für sämtliche Delikte die allgemei-
nen Täterkomponenten berücksichtigt.
5.2. Die Vorinstanz ist korrekterweise vom gewerbsmässigen betrügerischen
Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage als schwerstem Delikt ausgegangen
und hat den Strafrahmen zutreffend auf eine Geldstrafe nicht unter 90 Tagessätze
oder eine Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahre festgelegt (Urk. 40 S. 13). Auch unter
Berücksichtigung der Deliktsmehrheit und der mehrfachen Tatbegehung, welche
strafschärfend zu berücksichtigen sind, liegen keine ausserordentlichen Gege-
benheiten vor, welche ein Verlassen des ordentlichen Strafrahmens erfordern. In-
dessen ist diesem Umstand innerhalb des ordentlichen Strafrahmens jedenfalls
straferhöhend Rechnung zu tragen.
5.3. Im Zusammenhang mit dem gewerbsmässigen betrügerischen Missbrauch
einer Datenverarbeitungsanlage qualifizierte die Vorinstanz das Verschulden als
gerade noch leicht und setzte eine hypothetische Einsatzstrafe von 3 1⁄2 Jahren,
mithin eine Strafe am oberen Rand des unteren Drittels des zur Verfügung ste-
henden Strafrahmens, fest (Urk. 50 S. 15-17). Dies verlangt insofern nach einer
Überprüfung, als die Strafe bei einem gerade noch leichten Verschulden eher bei
einem Fünftel des zur Verfügung stehenden Strafrahmens anzusiedeln wäre.
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Bei der Bestimmung der objektiven Tatschwere ist das Doppelverwertungsverbot
zu beachten (Urteile des Bundesgerichts 6B_294/2010 vom 15. Juli 2010 E. 3.3.2
und 6B_242/2008 vom 24. September 2008, E. 2.1.2). Umstände, die zur Anwen-
dung eines höheren oder tieferen Strafrahmens führen, dürfen innerhalb des ge-
änderten Strafrahmens nicht noch einmal als Straferhöhungs- oder Strafminde-
rungsgrund herangezogen werden. Indessen darf der Richter zusätzlich berück-
sichtigen, in welchem Ausmass ein qualifizierender oder privilegierender Tatum-
stand gegeben ist. Der Richter verfeinert damit nur die Wertung, die der Gesetz-
geber mit der Festsetzung des Strafrahmens vorgezeichnet hat (BGE 120 IV 67
E. 2b und BGE 118 IV 342 E. 2b).
Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat (Urk. 50 S. 15), sind die Zeitspan-
ne und die Kadenz, die einzelnen Deliktsbeträge sowie die Gesamtdeliktssumme
zu berücksichtigen. Demnach schlägt insbesondere der Umstand, dass der Be-
schuldigte innerhalb von gerade mal rund vier Monaten 55 Einzelbezüge tätigte
und dadurch eine enorme Deliktssumme von Fr. 435'459.40 generierte, verschul-
denserhöhend zu Buche. Weiter ist erschwerend zu berücksichtigen, dass der
Beschuldigte zum Nachteil einer einzigen Person handelte und seine deliktische
Tätigkeit nicht von sich aus beendete, wenngleich er im Rahmen der Begutach-
tung angab, er habe gemerkt, dass er den Zenit überschritten habe (Urk. 24/4
S. 30). Nichtsdestotrotz wurde seinem Tun erst durch die Anzeige des Privatklä-
gers 1 und die Sperrung der beiden Kontokarten ein Ende gesetzt (Urk. 1 S. 6).
Der Beschuldigte ging insofern planmässig und bedacht vor, als dass er für die
Bargeldbezüge einerseits nicht überwachte Bankomaten aufsuchte (Urk. 7/1
S. 4 f. und Urk. 24/4 S. 29) und sich zudem mit Schal, Mütze und Sonnenbrille
ausstattete (Urk. 24/4 S. 30), um nicht erkannt zu werden. Hinzukommend hob er
stets einen Betrag von knapp unter Fr. 10'000.– ab, weil er – aufgrund einer vor-
gängigen Erkundigung bei einem ihm bekannten ehemaligen Angestellten der ...
[Bank] – wusste, dass man sich bei diesen Beträgen nicht ausweisen musste
(Urk. 24/4 S. 29). Dieses Vorgehen erweist sich als äusserst dreist und manifes-
tiert eine erhebliche kriminelle Energie. In objektiver Hinsicht muss das Verschul-
den des Beschuldigten angesichts des konkreten sehr weiten Strafrahmens für
den gewerbsmässigen betrügerischen Missbrauch einer Datenverarbeitungsanla-
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ge als keineswegs mehr leicht bis erheblich bezeichnet werden. Die diesbezügli-
che Einschätzung der Vorinstanz ist demnach zu korrigieren.
Zutreffend hingegen hat die Vorinstanz festgehalten, dass der Beschuldigte aus
rein finanziellen und damit egoistischen Motiven sowie direktvorsätzlich handelte.
So kann auch nicht von einer finanziellen Notlage des Beschuldigten ausgegan-
gen werden, zumal er mit dem deliktisch erworbenen Geld nicht nur Schulden ab-
bezahlte, sondern sich auch im grossen Stile Luxusgüter leistete (Prot. II S. 17).
Eine verminderte Schuldfähigkeit war beim Beschuldigten zwar zu keinem Zeit-
punkt gegeben (Urk. 24/4 S. 66 f.), dennoch attestierte der Gutachter ihm in sei-
nem Gutachten vom 15. August 2014 (Urk. 24/4) eine Persönlichkeitsakzentuie-
rung mit narzisstischen, histrionischen und dissozialen Merkmalen (Urk. 24/4 S.
66), welche sich jedenfalls leicht verschuldensmindernd auswirkt.
Insgesamt vermag die subjektive Komponente die objektive Tatschwere leicht zu
relativieren, weshalb das Verschulden insgesamt als keineswegs mehr leicht zu
qualifizieren ist. Eine Einsatzstrafe von 3 Jahren erweist sich als angemessen.
5.4. Hinsichtlich der mehrfachen Urkundenfälschung hat die Vorinstanz zutref-
fend erkannt, dass diese Delikte in einem engen Zusammenhang zum gewerbs-
mässigen betrügerischen Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage standen
und notwendige Vortaten waren (Urk. 50 S. 17). Erst durch die Urkundenfäl-
schungen, die dadurch erzielte Einsicht in die Post des Privatklägers 1 und die so
erhaltenen Bankdaten, wurde der nachträgliche Missbrauch überhaupt möglich.
Wenngleich es sich bei der mehrfachen Urkundenfälschung um ein Begleitdelikt
handelt, ist der Unrechtsgehalt aber nicht bereits durch den gewerbsmässigen be-
trügerischen Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage erfasst, da durch diese
Tatbestände nicht das gleiche Rechtsgut geschützt wird. Zu berücksichtigen ist,
dass der Beschuldigte keinen allzu grossen Aufwand betreiben musste, um die
Urkundenfälschung verwirklichen zu können. Er nutzte seine Namensgleichheit
mit dem Privatkläger 1 aus, wobei ihm dieser Umstand durch einen Zufall zuge-
kommen war, und vertraute im Übrigen auf die Unaufmerksamkeit der Postange-
stellten, welche er durch ein Gespräch ablenkte. Die objektive Tatschwere ist
noch als leicht einzustufen. Überdies kann der Vorinstanz zugestimmt werden,
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wonach der Beschuldigte gemäss eigenen Angaben aus der Umleitung der Post
Profit schlagen wollte (Urk. 7/11 S. 8), womit er aus finanziellen und damit egoisti-
schen Motiven handelte. Die subjektive Tatschwere entspricht dem objektiven
Verschulden. Eine Erhöhung der Freiheitsstrafe um drei Monate auf 3 1⁄4 Jahre
trägt dem Verschulden und dem Asperationsprinzip angemessen Rechnung.
5.5. Die Vorinstanz hat sich umfassend zum Lebenslauf und den persönlichen
Verhältnissen des Beschuldigten geäussert (Urk. 50 S. 18 f.). Es kann darauf
verwiesen werden. Anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigte der Beschul-
digte im Wesentlichen seine Ausführungen und machte in Bezug auf die von ihm
angefangene Lehre als Bootsbauer geltend, er habe diesen Weg gewählt, um neu
anfangen zu können. Er wolle verhindern, dass er so wieder in alte Muster zu-
rückfalle und von seiner Vergangenheit eingeholt werde. Als Bootsbauer sei er im
Stundenlohn von Fr. 8.–/Stunde angestellt und verdiene somit rund Fr. 2'200.–
pro Monat. Er könne auf dem Lehrbetrieb wohnen und müsse dafür keine Miete
bezahlen. Im Übrigen werde er von seinem Bruder und der Zunft unterstützt
(Prot. II S. 10-13). In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass
sich aus diesen Umständen keine strafzumessungsrelevanten Faktoren ableiten
lassen (Urk. 50 S. 19).
Zurecht attestierte die Vorinstanz dem Beschuldigten mit Verweis auf das psychi-
atrische Gutachten keine strafmindernde Reue oder Einsicht (Urk. 50 S. 21). Die-
se Einschätzung ist zutreffend. So hielt der Gutachter fest, der Beschuldigte sei
kaum bereit, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. Er zeige eine Reihe
von Entschuldigungen für sein Verhalten und verschiebe im Grunde die Schuld
auf andere (Urk. 24/4 S. 48), was sich auch anlässlich seinen Ausführungen in
der Berufungsverhandlung zeigte (Prot. II S. 10). Aus seinen Angaben sei ein
Schuldbewusstsein aber keine umfassende Reue ersichtlich geworden (Urk. 24/4
S. 49 und S. 61).
Hingegen sind die Vorstrafen des Beschuldigten klar straferhöhend zu veran-
schlagen. So weist er drei Vorstrafen auf (Urk. 57), wovon zwei einschlägig sind,
was sich massgelblich zu seinen Lasten auswirkt. Dass ihm die jüngste Verurtei-
lung je ordnungsgemäss eröffnet worden ist – was er bestreitet (Prot. I S. 2 und
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Prot. II S. 13) – kann den Beizugsakten nicht entnommen werden. Diese Vorstrafe
ist damit nicht zu berücksichtigen.
Weiter hielt die Vorinstanz zurecht fest, der Beschuldigte sei zwar weitestgehend
geständig gewesen, aufgrund der Beweislage sei aber auch kein Raum für Be-
streitungen geblieben (Urk. 50 S. 20). Dies ist insofern zu relativieren, als der Be-
schuldigte immerhin die von ihm getätigten Bargeldbezüge nicht mehr in Frage
stellte und eine gewisse Kooperationsbereitschaft aufwies, was auch der Verteidi-
ger zurecht geltend machte (Urk. 58 S. 9 f.). Dem ist strafmindernd Rechnung zu
tragen.
Dem Straferhöhungsgrund der strafrechtlichen Vorbelastung steht das strafmin-
dernd zu berücksichtigende Geständnis gegenüber, wobei der Straferhöhungs-
grund überwiegt. Insgesamt rechtfertigt es sich somit die Strafe um drei Monate
zu erhöhen, womit eine Freiheitsstrafe von 3 1⁄2 Jahren resultiert.
5.6. Die vom Beschuldigten bereits erstandene Haft von 139 Tagen ist an die
Strafe anzurechnen (Art. 51 StGB).
5.7. Wie die Vorinstanz bereits zutreffend festgehalten hat (Urk. 50 S. 22), steht
eine Gewährung eines bedingten oder teilbedingten Vollzuges bereits aufgrund
der Strafhöhe nicht zur Diskussion (Art. 42 Abs. 1 StGB; art. 43 Abs. 1StGB). Die
Freiheitsstrafe ist somit zu vollziehen.
6. Kosten- und Entschädigungsfolgen
6.1. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unter-
liegt mit seinem Antrag auf Freispruch hinsichtlich der mehrfachen Urkundenfäl-
schung vollumfänglich. Bei der vorgenommenen Strafreduktion handelt es sich
um einen Ermessensentscheid des Gerichts ohne Einfluss auf die Kostenauflage.
Dem Beschuldigten sind daher ausgangsgemäss die Kosten des Berufungsver-
fahrens aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO).
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6.2. Die Kosten der amtlichen Verteidigung in der Höhe von Fr. 4'000.– (Urk. 60;
inkl. MwSt.) sind auf die Gerichtskasse zu nehmen. Das Nachforderungsrecht
bleibt vorbehalten.