Decision ID: 1ebfb4e7-4643-4c7f-ae65-bd8977e1d7c7
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war als Geschäftsleiter der B._ GmbH bei der
Swica Versicherungen AG (nachfolgend: Swica), Winterthur, unfallversichert, als ihm
am 3. April 2013 in den Ferien in C._ schwindelig wurde, woraufhin er stürzte, mit
dem Kopf an einem Metallgeländer anschlug und sich dabei Kopfverletzungen sowie
ein Schädelhirntrauma zuzog (vgl. UV-act. 1, 16 und 110 S. 6 f.; bezüglich des weiteren
gesundheitlichen Verlaufs mit verschiedenen Komplikationen sei auf den Sachverhalt
im Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 16. November
2020, UV 2019/10, verwiesen). Die Swica anerkannte ihre Leistungspflicht für dieses
Unfallereignis und kam für die Kosten der Heilbehandlung auf. Auch erbrachte sie
Taggeldleistungen (vgl. Akten im Verfahren UV 2019/10).
A.a.
Gestützt auf die von ihr getätigten medizinischen Abklärungen verfügte die Swica
am 18. Dezember 2017 die Einstellung der nicht neuroophthalmologischen
Behandlungen per 31. Juli 2016. Weiter sprach sie dem Versicherten für die Zeit ab
dem 1. Januar 2018 eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 20 % sowie eine
Integritätsentschädigung aufgrund einer Integritätseinbusse von 15 % zu (UV-act. 406;
zur nicht explizit verfügten, jedoch im Schreiben vom 19. Mai 2017 angekündigten
Reduktion der Höhe des Taggeldanspruchs per 25. Mai 2017 vgl. UV-act. 366). Eine
vom Versicherten gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wies die Swica mit
Einspracheentscheid vom 18. Dezember 2018 ab (UV-act. 443).
A.b.
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B.
Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer), vertreten durch Rechtsanwalt L. Gmünder, St. Gallen, am 31.
Januar 2019 Beschwerde (act. G 1 im Verfahren UV 2019/10). Er beantragte, der
angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben und ihm sei ab dem 1. Januar 2018
eine Invalidenrente von 53 % zu leisten, ihm seien für die Zeit vom 24. Mai 2017 bis 31.
Dezember 2017 rückwirkend Taggelder auf der Basis einer Arbeitsunfähigkeit von 50
% zu leisten, das gesamte Taggeld und die Invalidenrente seien rückwirkend auf der
Basis eines versicherten Verdienstes von mindestens Fr. 78'480.-- zu leisten, ihm sei
für das Ereignis vom 3. April 2013 eine Integritätsentschädigung von mindestens 30 %
zu gewähren und ihm seien rückwirkend seit 1. August 2016 und zukünftig weiterhin
die ophthalmologischen, neuroophthalmologischen und otologischen
Heilbehandlungen zu gewähren. Eventualiter seien weitere medizinische Abklärungen
durchzuführen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Swica
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin; act. G 1 S. 2 im Verfahren UV 2019/10).
B.a.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 5. März 2019 beantragte die Swica (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde (act. G 3 im
Verfahren UV 2019/10).
B.b.
In seiner Replik vom 23. Mai 2019 hielt der Beschwerdeführer an den in der
Beschwerde gestellten Anträgen fest (act. G 9 im Verfahren UV 2019/10). In ihrer Duplik
vom 24. Juni 2019 hielt auch die Beschwerdegegnerin unverändert an ihrem Antrag auf
Abweisung der Beschwerde fest (act. G 11 im Verfahren UV 2019/10).
B.c.
Mit Entscheid vom 16. November 2020 hiess das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen die Beschwerde gut. Es hob den Einspracheentscheid vom 18.
Dezember 2018 auf und sprach dem Beschwerdeführer für die Dauer vom 25. Mai bis
31. Dezember 2017 Taggeldleistungen basierend auf einem Arbeitsunfähigkeitsgrad
von 50 % sowie ab dem 1. Januar 2018 eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad
von 50 % zu. Überdies verpflichtete es die Beschwerdegegnerin, dem
Beschwerdeführer rückwirkend per 1. August 2016 sowie zukünftig die Kosten der aus
unfallversicherungsrechtlicher Sicht notwendigen ophthalmologischen,
neuroophthalmologischen und otologischen Behandlungen zu vergüten. Schliesslich
B.d.
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C.
Mit Urteil 8C_15/2021 vom 12. Mai 2021 hob das Bundesgericht den Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 16. November 2020 in teilweiser Gutheissung der dagegen
von der Swica erhobenen Beschwerde auf und wies die Sache zur neuen Entscheidung
an das Versicherungsgericht zurück. Im Übrigen wies es die Beschwerde ab. Es
begründete die Rückweisung insbesondere damit, dass das Versicherungsgericht
seine Beurteilung zu Unrecht auf das Z._-Gutachten vom 30. März 2020 gestützt
habe. Dieses beziehe sich nämlich auf einen Sachverhalt, der für die streitigen Belange
nicht aussagekräftig sei, indem es nicht den hier massgeblichen Gesundheitszustand
per 18. Dezember 2018, sondern jenen per Untersuchungsdatum (10. bis 18.
Dezember 2019 respektive 6. Januar 2020) berücksichtige. Auch unterschieden die
Z._-Experten nicht zwischen krankheits- und unfallbedingten Einschränkungen. Es
könnten aus dem Z._-Gutachten keine zuverlässigen Schlüsse hinsichtlich der
Kausalität gezogen werden und das Versicherungsgericht habe es unterlassen, die
Befunde der Z._-Experten den Ergebnissen der im unfallversicherungsrechtlichen
Verfahren eingeholten polydisziplinären Gutachten der D._ GmbH vom 27. Dezember
2015 und vom 13. April 2017 gegenüberzustellen und in den
unfallversicherungsrechtlich spezifischen Punkten zu würdigen. Bei diesem Ergebnis
sei den vorinstanzlichen Feststellungen die Grundlage entzogen. Das Z._-Gutachten
vom 30. März 2020 könne somit nicht als Basis für die Festsetzung der unfallbedingten
Arbeitsunfähigkeit dienen. Die Sache sei daher an das Versicherungsgericht
zurückzuweisen, damit dieses den massgeblichen Sachverhalt per 18. Dezember 2018
wies es die Sache zur Festsetzung der Rentenbeträge, der Taggeldleistungen sowie zur
erneuten Abklärung und Festsetzung der Integritätsentschädigung an die
Beschwerdegegnerin zurück. Das Versicherungsgericht ging unter Berücksichtigung
der gesamten medizinischen Aktenlage, namentlich auch der von der
Beschwerdegegnerin eingeholten Gutachten bei der D._ GmbH, von durch die
Meningitis bedingten und somit unfallkausalen objektivierbaren Marklagergliosen aus,
die für die vom Beschwerdeführer geklagte Problematik verantwortlich seien. Zur
Beurteilung des Ausmasses der durch die als unfallkausal eingestuften Leiden
bedingten Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers stützte sich das
Versicherungsgericht auf ein von der Invalidenversicherung eingeholtes Z._-
Gutachten, da es dieses bezüglich des Ausmasses der Einschränkungen als plausibler
erachtete als die unfallversicherungsrechtlichen Gutachten (act. 0 im Verfahren UV
2019/10).
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 5/23
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- allenfalls nach Vornahme weiterer Abklärungen - neu feststelle. Weiter merkte das
Bundesgericht an, dass eine objektivierbare Meningitis nicht bedeute, dass auch die
übrigen beim Unfall zugezogenen Leiden objektivierbar und damit in dem Sinne
unfallkausal seien, dass sich der natürliche und adäquate Kausalzusammenhang
deckten. Vielmehr sei von einem erlittenen Schädelhirntrauma auszugehen, sodass
sämtliche nicht objektivierbaren Einschränkungen, namentlich das Fatigue-Syndrom,
die Kopfschmerzen, die psychischen sowie neuropsychologischen Einschränkungen
und der Tinnitus zuerst auf ihre natürliche und bejahendenfalls auf ihre Adäquanz hin zu
überprüfen seien (act. G 1).
D.
Mit Schreiben vom 8. Juli 2021 informierte der verfahrensleitende Richter die
Parteien darüber, dass sich das Versicherungsgericht namentlich mit Blick auf
Erwägung 6 des bundesgerichtlichen Rückweisungsentscheides dazu veranlasst sehe,
die unfallkausalen Diagnosen und Beschwerden und deren Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers mittels eines gerichtlichen Obergutachtens
abklären zu lassen. Er gab den Parteien Gelegenheit, sich zur beabsichtigten
Begutachtung zu äussern, und wies sie darauf hin, dass bei der Einholung eines
Obergutachtens das Risiko einer Verschlechterung der Rechtsstellung der betroffenen
Person bestehe (act. G 2). Die Parteien sprachen sich in der Folge für die Einholung
eines gerichtlichen Obergutachtens aus (dazu und zum gewährten rechtlichen Gehör
hinsichtlich der Gutachtenspersonen und der beabsichtigten Fragestellungen vgl. act.
G 3 ff.).
D.a.
Am 7. Juni 2022 erstattete die vom Versicherungsgericht beauftragte Y._ AG ihr
polydisziplinäres Gutachten (act. G 22). Die Beschwerdegegnerin nahm dazu am 5. Juli
2022 (act. G 27) und der Beschwerdeführer am 26. August 2022 (act. G 29) Stellung.
Mit Schreiben vom 7. September 2022 äusserte sich der Beschwerdeführer sodann zur
Eingabe der Beschwerdegegnerin vom 5. Juli 2022 (act. G 31). Die
Beschwerdegegnerin nahm zur Eingabe des Beschwerdeführers am 20. September
2022 Stellung (act. G 32).
D.b.
Mit Eingabe vom 22. September 2022 ersuchte der Beschwerdeführer für das
Verfahren UV 2021/39 um Zusprache einer pauschalen Parteientschädigung von Fr.
2'500.-- zuzüglich Barauslagen und Mehrwertsteuer (act. G 34).
D.c.
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Erwägungen
1.
Unstrittig ist der von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Fallabschluss per 31.
Dezember 2017 mit der Einstellung der Taggeldleistungen (vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 16. November 2020, UV 2019/10,
E. 5.2) sowie der über den Fallabschluss hinaus andauernde Anspruch des
Beschwerdeführers auf die unfallkausalen ophthalmologischen und
neuroophthalmologischen Heilbehandlungen (vgl. Beschwerde der
Beschwerdegegnerin ans Bundesgericht vom 5. Januar 2021, S. 14, Rz. 3.3; im
Dossier UV 2019/10). Vorliegend strittig und zu prüfen sind, wie bereits im
Beschwerdeverfahren UV 2019/10, die Ansprüche des Beschwerdeführers auf
Rentenleistungen (inklusive der Höhe des versicherten Verdienstes) sowie eine
Integritätsentschädigung. Weiter strittig ist die Höhe der ab dem 25. Mai bis zum 31.
Dezember 2017 ausbezahlten Taggelder sowie der Anspruch auf otologische
Heilbehandlungsleistungen (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St.
Gallen vom 16. November 2020, UV 2019/10, E. 2).
2.
Mit Schreiben vom 5. Oktober 2022 machte der Beschwerdeführer für die
wahrgenommenen Begutachtungstermine bei der Y._ AG einen Anspruch auf
Aufwandersatz (Reisespesen und Erwerbsausfall) in der Höhe von Fr. 1'405.50 geltend
(act. G 36 und 36.1).
D.d.
Gestützt auf Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) hat der Unfallversicherer für einen Gesundheitsschaden nur insoweit
Leistungen zu erbringen, als dieser in einem natürlichen und adäquaten
Kausalzusammenhang zum versicherten Ereignis steht (Alexandra Rumo-Jungo/André
Pierre Holzer, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich
Stauffer (Hrsg.), Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4.
Aufl. 2012, S. 53 ff.). Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind
alle Umstände, ohne deren Vorhandensein die gesundheitliche Beeinträchtigung nicht
oder nicht in gleicher Weise oder nicht zur gleichen Zeit eingetreten wäre. Für die
Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs ist nicht erforderlich, dass ein Unfall
die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass
das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Faktoren für die Schädigung
2.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 7/23
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3.
verantwortlich, d.h. zumindest teilkausal ist, der Unfall mit anderen Worten nicht
weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung
entfiele (BGE 129 V 181 E. 3.1, 117 V 376 E. 3a; SVR 2007 UV Nr. 28 S. 94, U 413/05,
E. 4.1 mit Hinweisen; Rumo-Jungo/ Holzer, a.a.O., S. 53). Für die Tatfrage nach dem
Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht in
der Regel auf Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen angewiesen. Die Frage
nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die
vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist
(BGE 129 V 181 E. 3.1 und 112 V 32 f. E. 1; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55 und 58
f.).
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweis). Bei einem eingeholten Gerichtsgutachten weicht das Gericht nicht ohne
zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Expertin oder des
medizinischen Experten ab. Sie haben die Aufgabe, der Gerichtsbarkeit ihre
Fachkenntnisse zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt
medizinisch zu erfassen (vgl. BGE 125 V 353 f. E. 3b/aa).
2.2.
Zur Abklärung der über den Zeitpunkt des Fallabschlusses vom 31. Dezember
2017 hinaus bestehenden unfallkausalen Diagnosen sowie deren Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit hat das Versicherungsgericht nach dem Rückweisungsentscheid des
Bundesgerichts (act. G 1) ein Obergutachten bei der Y._ AG in Auftrag gegeben (act.
G 12). In der Konsensbeurteilung des Gutachtens haben die Sachverständigen als
unfallkausale Diagnosen, die im Zeitpunkt des Rentenbeginns vom 1. Januar 2018 und
auch im Zeitpunkt des Erlasses des Einspracheentscheides vom 18. Dezember 2018
3.1.
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(UV-act. 443) noch bestanden haben, einen Status nach Schädelprellung infolge
Synkope mit/bei Status nach Meningitis, Hyposmie, Status nach mittlerer Meatotomie,
Ethmoidektomie, Vergrösserung des Strirnhöhlenausflusstraktes, Abdichten der
Schädelbasis mit Temporalisfaszie am 9. Juli 2013, Status nach Stirnhöhlenrevision
rechts am 14. Januar 2014, Diplopie bei Höhen- und Innenschielen bei Status nach
Orbitabodenfraktur und residueller Abduzensparese rechts sowie Sehstörungen
(Asthenopie, Photophobie) nach Schädelhirntrauma mit begleitenden
belastungsabhängigen Kopfschmerzen genannt. Überdies haben sie festgehalten, dass
die Diagnose "leichte kognitive Störung nach Frei et al. 2016 bzw. minimale bis leichte
kognitive Störung nach SUVA Tabelle 8" als teilunfallkausal zu betrachten sei (act. G 22
S. 16 und 23). Aufgrund der unfallkausalen Diagnosen haben die Sachverständigen
dem Beschwerdeführer aus interdisziplinärer Sicht ab dem 13. April 2017 eine 40%ige
Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit, jedoch eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Verweistätigkeit attestiert (act. G 22 S. 19
und 22; zur attestierten vollständigen Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen
Tätigkeitsbereichen bis sechs Monate nach dem Unfall und der attestierten 50%igen
Arbeitsunfähigkeit ab einem Jahr nach dem Unfall aufgrund weiterer unfallkausaler
Leiden, die zwischenzeitlich abgeklungen sind oder sich verbessert haben, vgl.
ebenfalls act. G 22 S. 22).
Soweit der Beschwerdeführer einen Widerspruch zwischen den in der
Konsensbeurteilung und den in den Teilgutachten attestierten Arbeitsfähigkeiten sieht
(vgl. act. G 29 S. 2), kann ihm nicht gefolgt werden. Entgegen der Behauptung des
Beschwerdeführers ist ihm im neuropsychologischen Teilgutachten nicht für jede
angepasste Tätigkeit eine 10%ige Einschränkung zuerkannt worden, sondern nur für
die angestammte Tätigkeit (vgl. act. G 22.6 S. 43 f.). Folgerichtig ist auch in der
Konsensbeurteilung aus neuropsychologischer Sicht eine 10%ige Arbeitsunfähigkeit in
der angestammten Tätigkeit attestiert worden, während in leidensangepasster Tätigkeit
eine volle Arbeitsfähigkeit angenommen worden ist (vgl. act. G 22 S. 19). Zwar hat der
Beschwerdeführer richtig erkannt, dass ihm im psychiatrischen Teilgutachten –
zumindest für die angestammte Tätigkeit – eine 30%ige Einschränkung attestiert
worden ist (vgl. act. G 22.7 S. 20 f.), jedoch hat die psychiatrische Sachverständige die
psychischen Leiden als nicht unfallkausal eingestuft (vgl. act. G 22.7 S. 21 ff.). Dass die
von psychiatrischer Seite attestierte Arbeitsunfähigkeit in der interdisziplinären
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit für Verweistätigkeiten unberücksichtigt geblieben ist
(vgl. act. G 22 S. 19), ist somit entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers (vgl.
act. G 29 S. 2) nicht zu beanstanden. Vielmehr ist es unglücklich, dass die 30%ige
Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen in der Konsensbeurteilung nochmals
3.2.
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erwähnt wird, ohne klare Angabe, dass diese Arbeitsunfähigkeit nicht unfallkausal ist.
Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht vorbringt (vgl. act. G 27 S. 2 f.), geht aus dem
psychiatrischen Teilgutachten nämlich unmissverständlich hervor, dass die aus
psychischen Gründen attestierte Arbeitsunfähigkeit nicht unfallkausal ist (act. G 22.7
S. 21 ff.). Diese redaktionell etwas verwirrende Darstellung in der Konsensbeurteilung
vermag die Beweiskraft des Gutachtens jedoch nicht zu schmälern, da die aus
psychischen Gründen attestierte Arbeitsunfähigkeit bei der Konsensbeurteilung letztlich
nicht berücksichtigt worden ist (vgl. Beurteilung unter der Tabelle in act. G 22 S. 19).
Entgegen der Behauptung der Beschwerdegegnerin (act. G 27 S. 1 f.) ist die
Unfallkausalität der neuropsychologischen Einschränkungen im Gutachten nicht
ungenügend beleuchtet worden. Der neuropsychologische Sachverständige hat sich
mit den in den Akten enthaltenen Vorbefunden auseinandergesetzt (vgl. act. G 22.6). Er
hat sodann offen zugegeben, dass nur schwer gesagt werden könne, welche Anteile an
den neuropsychologischen Einschränkungen unfallkausal seien und welche nicht
(vgl. act. G 22.6 S. 41 f.). Eine genauere Differenzierung kann folglich nicht gefordert
werden. Da bereits eine Teilkausalität ausreicht (vgl. oben E. 2.1), ist es nicht zu
beanstanden, dass die Sachverständigen im interdisziplinären Konsens die
neurokognitiven Einschränkungen schliesslich als unfallkausal eingestuft haben (act. G
22 S. 16 und 28 f.).
3.3.
Die Einwände der Parteien gegen das am 7. Juni 2022 von der Y._ AG erstattete
Gutachten erweisen sich damit als unbegründet. Das Gutachten beruht auf
eigenständigen Abklärungen und ist für die streitigen Belange umfassend. Die
medizinischen Vorakten und die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden sind
berücksichtigt worden. Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv
wesentliche Tatsachen im Gutachten nicht berücksichtigt oder die Sachverständigen
bei der Begutachtung nicht lege artis vorgegangen wären. Bei der Festlegung der
Arbeitsfähigkeit haben sich die Sachverständigen an den vom Bundesgericht
vorgegebenen Standardindikatoren orientiert. Das Gutachten beleuchtet namentlich
auch die in den Vorakten enthaltenen teils unterschiedlich diskutierten Diagnosen,
Einschränkungen und Unfallkausalitäten. Die im Gutachten attestierten unfallkausalen
Diagnosen und Arbeitsfähigkeiten sind im Wesentlichen nachvollziehbar und
verständlich. Für die Frage, welche natürlich unfallkausalen Schäden im Zeitpunkt des
Rentenbeginns vom 1. Januar 2018 vorgelegen haben und welche Arbeitsunfähigkeiten
daraus resultieren, kann folglich auf das Gutachten abgestellt werden.
3.4.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass im Zeitpunkt des
Rentenbeginns vom 1. Januar 2018 sowie im Zeitpunkt des Erlasses des
3.5.
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4.
Einspracheentscheides vom 18. Dezember 2018 - neben den die Vergangenheit
beschreibenden Statusdiagnosen - als natürlich unfallkausale Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine leichte kognitive Störung nach Frei et al. bzw.
minimale bis leichte kognitive Störung nach SUVA Tabelle 8, eine Diplopie bei Höhen-
und Innenschielen bei Status nach Orbitabodenfraktur und residueller Abduzensparese
rechts sowie Sehstörungen (Asthenopie, Photophobie) nach Schädelhirntrauma mit
begleitenden belastungsabhängigen Kopfschmerzen verblieben sind (act. G 22 S. 15
f.). Als unfallkausale Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ist sodann die
Hyposmie anzusehen (act. G 22 S. 16). Der Tinnitus ist demgegenüber als nicht
unfallkausal einzustufen (act. G 22 S. 17), sodass die Beschwerdegegnerin die
otologischen Heilbehandlungsleistungen zu Recht eingestellt hat.
Weiter zu prüfen ist, ob zwischen den über den 31. Dezember 2017 hinaus
bestehenden natürlich kausalen Unfallfolgen und dem Unfallereignis vom April 2013
auch ein adäquater Kausalzusammenhang gegeben ist.
4.1.
Die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist eine Rechtsfrage, die
vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist
(BGE 129 V 181 E. 3.1 und 112 V 32 f. E. 1; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55 und 58
f.). Die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen
Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers spielt im Bereich
organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die
adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 109 E. 2 S. 111
f., 127 V 102 E. 5b/bb S. 103 und 138 V 251 E. 4). Objektivierbar sind
Untersuchungsergebnisse, die reproduzierbar und unabhängig von der
untersuchenden Person und den Angaben des Patienten bzw. der Patientin sind.
Folglich kann von objektiv ausgewiesenen organisch-strukturellen Unfallfolgen gemäss
Bundesgericht insbesondere dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde
mit - wissenschaftlich anerkannten - apparativen/bildgebenden Abklärungen (wie z.B.
Röntgen, MRT, CT, EEG [Elektroenzephalogramm]) bestätigt werden können (vgl. BGE
134 V 121 f. E. 9 und 134 V 232 E. 5.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom
28. Oktober 2009, 8C_216/2009, E. 2 mit Hinweisen). Sind die geklagten Beschwerden
natürlich unfallkausal, nicht aber in dem Sinne objektiv ausgewiesen, hat gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung eine gesonderte Prüfung der Adäquanz zu
erfolgen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 12. Mai 2021, 8C_15/2021, E. 7.1; act. G
1).
4.2.
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Die subjektiv geklagten asthenopischen Beschwerden (schnelle Ermüdbarkeit und
Kopfschmerzen) sowie die passagere Doppelbildwahrnehmung lassen sich gemäss
dem ophthalmologischen Teilgutachten durch den geringen Tieferstand des rechten
Auges nach Orbitabodenfraktur und die trotz Prismenkorrektur latente
Innenschielstellung bei residueller Abduzensparese, mithin durch objektivierbare
Befunde, erklären. Gleichzeitig ist entsprechend den Ausführungen der
ophthalmologischen Gutachterin auch denkbar, dass das vom Beschwerdeführer
erlittene Schädelhirntrauma Ursache der genannten Probleme ist (vgl. act. G 22.8 S. 17
f.). Die neuropsychologischen Beschwerden haben ihre Ursache gemäss dem
entsprechenden Teilgutachten - zumindest teilweise - in der unfallkausalen Ermüdung
(vgl. act. G 22.6 S. 43), die sich ihrerseits, wie erwähnt, durch den objektivierbaren
Tieferstand des rechten Auges und die latente Schielstellung bei residueller
Abduzensparese erklären lässt. Die geklagten subjektiven Leiden finden in
objektivierbaren Befunden somit in gewisser Weise eine Erklärung. Beim Vorliegen von
subjektiven Leiden, welche durch objektivierbare unfallkausale Befunde erklärbar sind,
dürfte in der Regel - entgegen der entsprechenden Andeutung im bundesgerichtlichen
Rückweisungsentscheid (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 12. Mai 2021,
8C_15/2021, E. 7.2) - eine gesonderte Adäquanzprüfung nicht notwendig sein.
Beschwerden an sich sind nämlich einer Objektivierung zumeist nicht zugänglich,
entsprechen sie doch grundsätzlich einem subjektiven Empfinden. Gleichwohl können
sie als objektivierbar gelten, wenn ihnen objektivierbare Korrelate zu Grunde liegen
(vgl. BGE 138 V 252 E. 5.2 ff., wo das Bundesgericht neben der Nachweisbarkeit durch
apparative Bildgebungen auch andere Kriterien für die Objektivierbarkeit beleuchtet).
Angesichts dessen, dass gemäss der ophthalmologischen Gutachterin jedoch nicht nur
die objektivierbaren Befunde, sondern auch das erlittene Schädelhirntrauma als
Ursache in Frage kommt (vgl. act. G 22.8 S. 17 f.), sich die subjektiven Leiden gemäss
Gutachten der Y._ AG mithin nicht ausschliesslich durch die objektiven Befunde
erklären lassen, kann die Durchführung der vom Bundesgericht angeordneten
Adäquanzprüfung nach der sogenannten Schleudertraumapraxis nach den
Grundsätzen von BGE 117 V 369 respektive BGE 134 V 109 vorliegend als sachgerecht
erachtet werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 12. Mai 2021, 8C_15/2021, E.
7.2).
4.3.
Bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs gestützt auf die
Schleudertrauma-Praxis ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall - ausgehend vom
augenfälligen Geschehensablauf - als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob
er dem mittleren Bereich angehört. Der adäquate Kausalzusammenhang zwischen
Unfall und gesundheitlicher Beeinträchtigung ist bei leichten Unfällen in der Regel ohne
4.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/23
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weiteres zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne weiteres zu bejahen, wogegen
bei Unfällen des mittleren Bereichs weitere Kriterien in die Beurteilung mit
einzubeziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist
und abhängig davon, ob einzelne Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt
sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder
müssen mehrere herangezogen werden. Als Kriterien nennt die Rechtsprechung a)
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls,
b) die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, c) fortgesetzt
spezifische, belastende ärztliche Behandlung, d) erhebliche Beschwerden, e) ärztliche
Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert, f) schwieriger
Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen und g) erhebliche Arbeitsunfähigkeit
trotz ausgewiesener Anstrengungen. Diese Aufzählung ist abschliessend (zum Ganzen
BGE 134 V 126 ff. E. 10 und 137 V 382 ff. E. 4 f.; Entscheid des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen vom 20. Dezember 2016, UV 2015/29, E. 5.1).
Aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs ist der vorliegende Unfall weder
der Gruppe der leichten noch jener der schweren Unfälle, sondern dem mittleren
Bereich zuzuordnen. Hervorzuheben ist, dass es sich beim erlittenen Unfall namentlich
nicht um ein gewöhnliches Anschlagen des Kopfes handelt, das von der
Rechtsprechung teilweise als leicht eingestuft wird (vgl. BGE 117 V 383 E. 4b).
Vielmehr hat der Beschwerdeführer aufgrund eines Sturzes seinen Kopf - wohl ziemlich
heftig - an einem Metallgeländer angeschlagen und sich dabei erhebliche
Kopfverletzungen zugezogen (vgl. namentlich UV-act. 1).
4.5.
Dem Unfallereignis ist - namentlich aufgrund des heftigen Kopfanpralls mit
beachtlichen Verletzungsfolgen - eine gewisse Eindrücklichkeit zwar nicht
abzusprechen. Abgesehen von den Verletzungsfolgen sind jedoch keine Umstände
aktenkundig, die das Unfallereignis als besonders dramatisch oder besonders
eindrücklich erscheinen liessen, weshalb das Kriterium der besonders dramatischen
Begleitumstände oder der besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls zu verneinen ist.
4.6.
Der Beschwerdeführer ist am Tag seiner Rückkehr in die Schweiz auf der zentralen
Notfallaufnahme des Spitals X._ vorstellig geworden, wo die Ärzte einen Status nach
einem Schädelhirntrauma, eine leicht dislozierte mehrfragmentäre Fraktur der
Vorderwand des Sinus frontalis beidseits (einstrahlend in das Orbitadach), eine Fraktur
der Lamina papyracea beidseits und bis zur Christa galli reichend, eine leicht
dislozierte Orbitabodenfraktur rechts, eine mehrfragmentäre dislozierte Nasenfraktur
und ein residuelles beidseitiges Monokelhämatom diagnostiziert haben (vgl. UV-act. 16
und 110 S. 6 f.). Auch hat er in der Folge an Kopfschmerzen, an einer ausgeprägten
4.7.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 13/23
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Konzentrationsschwäche mit Gedankenverlangsamung sowie über leichte
Wortfindungsstörungen geklagt (vgl. UV-act. 16 S. 2 f.). Später ist es zu einer
posttraumatischen Meningitis gekommen einhergehend mit verstärkten
Kopfschmerzen, erhöhter Temperatur, Allgemeinzustandsverschlechterung, Licht- und
Lärmempfindlichkeit sowie Übelkeit (vgl. UV-act. 37 S. 1). Aufgrund der multiplen
Gesichtsschädelfrakturen sowie der in der Folge aufgetretenen Meningitis mit
zahlreichen Beschwerden ist das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der
erlittenen Verletzungen als erfüllt zu betrachten.
Wie soeben dargelegt, ist es beim Beschwerdeführer zu einer posttraumatischen
Meningitis gekommen. Diese hat eine antibakterielle und antivirale Therapie in
stationärer Behandlung erforderlich gemacht. Im Anschluss an diese Behandlung ist
der Beschwerdeführer überdies für einen operativen Eingriff mit mittlerer Meatotomie,
Ethmoidektomie, Vergrösserung des Stirnhöhlenausflusstraktes sowie Abdichten der
Schädelbasis mittels Temporalisfaszie in die HNO-Klinik verlegt worden (vgl. UV-act.
37 S. 3 und 40 S. 2 ff.). Im Übrigen sind am 26. November 2013, also mehrere Monate
nach dem Unfall, an der Stirn rechts Schmerzen und eine sichtbare Schwellung am
medialen Augenwinkel aufgetreten, die zu einer notfallmässigen Vorstellung im X._
geführt haben. Eine daraufhin veranlasste CT-Untersuchung hat noch immer nicht
konsolidierte Frakturen und neu eine Sinusitis gezeigt (vgl. UV-act. 77, 94, 110 S. 10).
Aufgrund rezidivierender Schwellungen sowie Schmerzen frontal rechts mit teils
blutiger Sekretion aus der Nase ist am 14. Januar 2014 sodann eine operative
Stirnhöhlenrevision rechts erforderlich geworden (UV-act. 100). Es ist demnach von
einem schwierigen Heilungsverlauf mit erheblichen Komplikationen auszugehen, womit
ein weiteres Adäquanzkriterium - sogar in ausgeprägter Weise - erfüllt ist.
4.8.
Angesichts der anlässlich des Unfalls vom 3. April 2013 erlittenen
mehrfragmentären Brüche und des Schädelhirntraumas mit entsprechenden
Beschwerden, der langwierigen Konsolidation dieser Frakturen (vgl. dazu Entscheid
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 16. November 2020, UV
2019/10, E. 4.2), der im Juni 2013 aufgetretenen Meningitis, der HNO-Operation mit
Vergrösserung des Stirnhöhlenausflusstraktes und Abdichten der Schädelbasis im Juli
2013 (vgl. UV-act. 37 S. 3 und 40 S. 2 ff.), der ab November 2013 rezidivierend
aufgetretenen Schwellungen und Schmerzen im Gesicht mit teils blutiger Resektion aus
der Nase (vgl. UV-act. 77, 94 und 110 S. 10) sowie der operativen Stirnhöhlenrevision
im Januar 2014 (UV-act. 100), der ab Februar 2014 durchgeführten, auch von Seiten
der Gutachter der W._ GmbH empfohlenen (vgl. UV-act. 173 S. 40) neurokognitiven
Therapien (vgl. UV-act. 196 und 219), der zahlreichen bildgebenden Abklärungen, der
4.9.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 14/23
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namentlich im Jahr 2016 durchgeführten ophthalmologischen und
neuroophthalmologischen Untersuchungen und Behandlungen (vgl. dazu z.B. UV-act.
209, 282, 293, 302 und 317) sowie der zahlreichen Begutachtungen mit
Behandlungsempfehlungen (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St.
Gallen vom 16. November 2020, UV 2019/10, Sachverhalt A.f, A.h, A.i und A.j) dürften
wohl auch die Kriterien der langen Beschwerden und der spezifisch fortgesetzten
ärztlichen Behandlung erfüllt sein.
Zwar ist beim Beschwerdeführer trotz starker Kopfschmerzen, einer
ausgeprägten Konzentrationsschwäche mit Gedankenverlangsamung und leichten
Wortfindungsstörungen aus HNO-Sicht zunächst kein Handlungsbedarf eruiert worden
und es ist in erster Linie eine neuropsychologische Behandlung empfohlen worden
(UV-act. 16 S. 2 ff.), während nach der notfallmässigen Einlieferung aufgrund der
Meningitis dann doch ein operativer Eingriff in der HNO-Klinik erfolgt ist (vgl. UV-act.
40 S. 2 ff.). Anhaltspunkte für eine ärztliche Fehlbehandlung liegen aber nicht vor.
4.10.
Trotz zahlreicher Beschwerden und aufgetretener Komplikationen, die erneute
Spitalaufenthalte erfordert haben, hat der Beschwerdeführer seine berufliche Tätigkeit
jeweils relativ rasch in dem Umfang, wie es ihm möglich erschienen ist, wieder
aufgenommen (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
16. November 2020, UV 2019/10, Sachverhalt A.a und A.b). Dennoch ist seine
Arbeitsfähigkeit erheblich beeinträchtigt geblieben, auch wenn er gewissenhaft
während langer Zeit an neuropsychologischen Trainings teilgenommen (vgl. Entscheid
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 16. November 2020, UV
2019/10, Sachverhalt A.e ff.) und sich aktiv um die Umgestaltung seines Arbeitsplatzes
bemüht hat (vgl. z.B. act. G 22.8 S. 7 f. Ziff. 3.2.7 und 3.2.15). Das Kriterium der
erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen kann somit
ebenfalls bejaht werden.
4.11.
Zusammenfassend sind fünf von sieben Adäquanzkriterien als erfüllt zu
betrachten, wobei eines sogar in besonders ausgeprägter Weise vorliegt. Damit ist der
adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und denjenigen Leiden
(Sehstörungen, rasche Ermüdbarkeit, Kopfschmerzen und der neurokognitiven
Beeinträchtigungen), die gemäss Gutachten der Y._ AG für die 40%ige
Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit verantwortlich sind (vgl. act. G 22 S.
15 f.), zu bejahen. Gleiches gilt für die Hyposmie, welcher die Sachverständigen keine
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers beigemessen haben (act.
G 22 S. 16).
4.12.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 15/23
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5.
6.
Was die Höhe der strittigen Taggeldleistungen im Zeitraum vom 25. Mai bis
31. Dezember 2017 betrifft, ist festzuhalten, dass die Y._ AG dem Beschwerdeführer
die 40%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit ab dem 13. April 2017
attestiert hat (vgl. act. G 22 S. 22). Die Beschwerdegegnerin hat dem
Beschwerdeführer daher für den Zeitraum vom 25. Mai bis 31. Dezember 2017
Taggelder für eine Arbeitsunfähigkeit von 40 % auszurichten. Daran ändert auch der
Umstand nichts, dass gemäss Art. 6 Abs. 2 ATSG zur Beurteilung des Grades der
Arbeitsunfähigkeit bei langer Dauer auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen
Beruf oder Aufgabenbereich zu berücksichtigen ist. Zum einen wäre dem
Beschwerdeführer eine angemessene Übergangszeit einzuräumen gewesen, um sich
eine andere Tätigkeit zu suchen. Zum anderen hat der Beschwerdeführer seine
angestammte Tätigkeit ja gerade seinen Leiden anzupassen versucht, sich also bereits
in einer angepassten Tätigkeit versucht. Dass diese bereits angepasste Tätigkeit
rückwirkend von den Gutachtern der Y._ AG als noch immer nicht optimal angepasst
erachtet worden ist (vgl. dazu namentlich act. G 22.8 S. 18), darf dem
Beschwerdeführer nicht zum Nachteil gereichen, zumal es auch verständlich und
sinnvoll ist, dass eine versicherte Person zunächst darum bemüht ist, den
angestammten Arbeitsplatz aufrechterhalten zu können.
5.1.
Was den versicherten Verdienst, nach dem sowohl die Taggelder als auch die
Renten bemessen werden (Art. 15 Abs. 1 UVG), betrifft, kann auf die, soweit ersichtlich,
von keiner Partei gerügten Ausführungen in Erwägung 6.6 des Entscheids des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 16. November 2020, UV 2019/10,
verwiesen werden. Die Beschwerdegegnerin ist zu verpflichten, für die Bemessung des
versicherten Verdienstes auch den vom Beschwerdeführer im Nebenverdienst erzielten
Lohn miteinzubeziehen.
5.2.
Weiter zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente.
Anspruch auf eine Invalidenrente hat eine versicherte Person, wenn sie infolge des
Unfalls zu mindestens 10 % invalid ist (Art. 18 Abs. 1 UVG). Gemäss Art. 16 ATSG wird
für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen, das die versicherte
Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in
6.1.
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Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht
invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
6.2.
Für das Valideneinkommen ist massgebend, was die versicherte Person
aufgrund ihrer beruflichen Fähigkeiten und ihrer persönlichen Umstände nach dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit im massgebenden Zeitpunkt des
allfälligen Rentenbeginns verdient hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Dabei
ist in der Regel vom zuletzt – d.h. grundsätzlich vor dem Beginn der unfallbedingten
ganzen oder teilweisen Arbeitsunfähigkeit – erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der
realen Einkommensentwicklung angepassten Lohn auszugehen (BGE 130 V 349 E.
3.4.2 und 139 V 30 E. 3.3.2, je mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 18. März
2015, 8C_590/2014, E. 5.1).
6.2.1.
Die durch die Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom 18. Dezember 2017
gestützt auf den Durchschnitt der Jahresverdienste von 2000 bis 2012 vorgenommene
Festlegung des jährlichen Valideneinkommens auf Fr. 104'610.45 (vgl. UV-act. 406 S.
4) wird vom Beschwerdeführer nicht kritisiert (vgl. act. G 29 S. 3) und ist auch nicht zu
beanstanden. Allerdings ist es noch der Nominallohnentwicklung bis zum Zeitpunkt des
Rentenbeginns, also bis zum Jahr 2018, anzupassen. Unter Berücksichtigung der
Nominallohnentwicklung bis zum Jahr 2018 ergibt sich ein Valideneinkommen von
gerundet Fr. 108'052.85 (Fr. 104'610.45 / 2188 x 2260; vgl. Bundesamt für Statistik,
Tabelle T 39, Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der
Reallöhne, 2010-2021).
6.2.2.
6.3.
In der aktuell ausgeübten – gemäss Gutachten nicht optimal angepassten –
Tätigkeit schöpft der Beschwerdeführer mit einem Pensum von 50 % (vgl. dazu act. G
36) bzw. gerade mal 20-30 % (vgl. act. G 22.6 S. 34) sein Erwerbspotential nicht voll
aus, da ihm gemäss Gutachten in der angestammten Tätigkeit eine Arbeit zu 60 % und
in optimal angepassten Tätigkeiten sogar vollschichtig zumutbar wäre (vgl. act. G 22
S. 19). Da der Beschwerdeführer gemäss seinen eigenen Angaben seine selbständige
Tätigkeit schon zu grossen Teilen aufgegeben hat (keine Gewinnung von Neukunden,
Büro ist in Eigenheim verlegt worden, keine Angestellten mehr; act. G 22 S. 33) bzw.
ihm aufgrund der gesundheitlichen Umstände auch die Kunden abgesprungen sind (er
habe nur noch einen Kunden; vgl. act. G 22 S. 33), ist ein Wechsel in eine
unselbständige Tätigkeit – zumindest im Zeitpunkt des Rentenbeginns vom 1. Januar
6.3.1.
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2018 – als zumutbar einzustufen (zum Alter vgl. auch Art. 28 Abs. 4 der Verordnung
über die Unfallversicherung [UVV; SR 832.202]). Folglich ist für die Festsetzung des
Invalideneinkommens auf Tabellenlöhne abzustellen. Wie der Beschwerdeführer zu
Recht vorbringt, ist er seit vielen Jahren selbständig als V._ tätig und hat ursprünglich
als U._ gearbeitet (vgl. act. G 29 S. 4). Beide Tätigkeiten sind, was auch seitens der
Beschwerdegegnerin unbestritten ist (vgl. act. G 32 S. 2), nicht mehr geeignet, da es
sich dabei um Tätigkeiten mit erhöhten Anforderungen an die Sehkraft handelt, die
gemäss Gutachten nicht optimal leidensangepasst sind (vgl. act. G 22.8 S. 15). Da
keine Umschulung durchgeführt worden ist, ist der Beschwerdeführer auf dem
allgemeinen ausgeglichenen Arbeitsmarkt auf Tätigkeiten angewiesen, die keine
spezifische Ausbildung erfordern. Die für den Beruf des V._ und für eine selbständige
Tätigkeit erforderlichen kognitiven Fähigkeiten und übrigen Kompetenzen dürften ihm
gleichwohl zu Tätigkeiten verhelfen, die intellektuell über einfachen Tätigkeiten
körperlicher oder handwerklicher Art im Sinne des Kompetenzniveaus 1 der Tabelle TA
1 der Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik liegen, was sich
lohnmässig entsprechend auswirken dürfte. Dies zeigt sich beispielsweise auch darin,
dass es dem Beschwerdeführer möglich gewesen ist, ein politisches Engagement
aufzunehmen (vgl. dazu act. G 13.1, Konsensbeurteilung des Z._-Gutachtens S. 11).
So dürfte der Beschwerdeführer gerade über bedeutende kommunikative und
zwischenmenschliche Fähigkeiten verfügen, die ihm bei Tätigkeiten auf dem
Kompetenzniveau 2 bestimmt hilfreich sind. Aufgrund seiner intellektuellen Fähigkeiten
sowie seiner langjährigen beruflichen Erfahrung als selbständig Erwerbender
rechtfertigt es sich somit, auf das Kompetenzniveau 2 der LSE 2018 abzustellen. Eine
Einstufung ins Kompetenzniveau 3, wie sie die Beschwerdegegnerin kurz angedacht
hat (vgl. act. G 32 S. 2), erscheint hingegen ohne Umschulung nicht sachgerecht,
handelt es sich dabei doch um komplexe Tätigkeiten, welche ein grosses Wissen in
einem Spezialgebiet voraussetzen (vgl. die Umschreibung in der Tabelle TA1 der LSE
2018). Dessen dürfte sich die Beschwerdegegnerin bewusst sein, weshalb sie sich
grundsätzlich denn auch mit einer Einstufung ins Kompetenzniveau 2 als einverstanden
erklärt hat (vgl. act. G 32 S. 2). Bei der in der Tabelle TA1 der LSE 2018 ausgewiesenen
wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden ergibt sich als Basis für das
Invalideneinkommen ein Jahresgehalt von Fr. 67'788.-- (12 x Fr. 5'649.--). Angepasst
an die wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden resultiert ein Invalideneinkommen
von gerundet Fr. 70'669.-- (Fr. 67'788.-- / 40 x 41.7).
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (act. G 29 S. 3 f.) ist vorliegend
kein Tabellenlohnabzug angezeigt. Die vom Beschwerdeführer von psychischer und
6.3.2.
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7.
oto-rhino-laryngologischer Seite angeführten Einschränkungen sind für die
unfallversicherungsrechtliche Invaliditätsbemessung nicht relevant, da die psychischen
Leiden (act. G 22.7 S. 21 ff.) und der Tinnitus (act. G 22.5 S. 39 ff.) als nicht unfallkausal
eingestuft worden sind. Da die vom Beschwerdeführer aktuell ausgeübte Tätigkeit von
neuropsychologischer Seite als optimal erachtet wird (act. G 22.6 S. 44), dürfte es
diesem zudem nicht allzu schwer fallen, auf dem allgemeinen ausgeglichenen
Arbeitsmarkt eine andere Tätigkeit zu finden, die seiner neurokognitiven
Leistungsfähigkeit optimal entspricht. Die ophthalmologischen Einschränkungen,
namentlich der Ausschluss von Tätigkeiten mit erhöhten Anforderungen an die Sehkraft
(act. G 22.8 S. 15), schränkt zwar das Betätigungsfeld des Beschwerdeführers ein,
doch ist anzunehmen, dass der allgemeine Arbeitsmarkt auch diesbezüglich geeignete
Stellen bereithält, die überdies kein erhöhtes Gefährdungspotential aufweisen (vgl.
dazu act. G 22.8 S. 14 f.) und auch der neurokognitiven Leistungsfähigkeit des
Beschwerdeführers entsprechen. Aufgrund von Art. 28 Abs. 4 UVV rechtfertigt sich
sodann grundsätzlich auch kein Leidensabzug aufgrund des fortgeschrittenen Alters
des Beschwerdeführers.
Stellt man dem Valideneinkommen von Fr. 108'052.85 das Invalideneinkommen
von Fr. 70'669.-- gegenüber, resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr. 37'383.85 und ein
Invaliditätsgrad von gerundet 35 % (Fr. 37'383.85 x 100 / Fr. 108'052.85).
6.4.
Gemäss Art. 24 Abs. 1 UVG besteht ein Anspruch auf eine
Integritätsentschädigung, wenn die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde
und erhebliche Schädigung ihrer körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität
erleidet. Als dauernd gilt ein Integritätsschaden, wenn er voraussichtlich während des
ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang bestehen bleibt, und als erheblich,
wenn die körperliche, geistige oder psychische Integrität unabhängig von der
Erwerbsfähigkeit augenfällig oder stark beeinträchtigt wird (Art. 36 Abs. 1 UVV).
7.1.
Gemäss Art. 25 UVG wird die Integritätsentschädigung in Form einer
Kapitalleistung ausgerichtet, wobei sie entsprechend der Schwere des
Integritätsschadens abgestuft wird. Voraussehbare Verschlimmerungen sind nach Art.
36 Abs. 4 UVV angemessen zu berücksichtigen. Anhang 3 zur UVV enthält eine Skala
für Integritätsentschädigungen. Die Entschädigung für spezielle, nicht in der Skala
aufgeführte Integritätsschäden wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert
abgeleitet. Integritätsschäden, welche nicht wenigstens einen Skalenwert von 5 %
erreichen, geben keinen Anspruch auf Entschädigung (zum Ganzen Anhang 3 UVV). In
7.2.
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Weiterentwicklung der Skala des Anhangs 3 zur UVV hat die medizinische Abteilung
der SUVA weitere Bemessungsgrundlagen in Form von Tabellen erarbeitet, welche als
Richtwerte dienen können (vgl. BGE 116 V 157 E. 3a). Die Bemessung der
Integritätsentschädigung beruht auf einer medizinisch-theoretischen Einschätzung der
Beeinträchtigung der Integrität, wobei von den individuellen Auswirkungen des
Gesundheitsschadens zu abstrahieren ist (BGE 113 V 221 f. E. 4).
Im interdisziplinären Konsens haben die Sachverständigen der Y._ AG
nachvollziehbar und schlüssig begründet, dass aus oto-rhino-laryngologischer Sicht
ein Integritätsschaden von 5 % und aus ophthalmologischer Sicht ein solcher von 8 %
bestehe. Der Integritätsschaden von 5 % gehe auf die von der [...]-klinik [...] nach
umfangreicher Abklärung diagnostizierte Hyposmie zurück. Ein vollständiger Verlust
des Geruchssinns würde einem Integritätsschaden von 15 % entsprechen. Vorliegend
werde vom Beschwerdeführer subjektiv keine Verminderung des Riechvermögens
beklagt und die Tests hätten nur eine partielle Einschränkung ergeben, weshalb von
einem Integritätsschaden von (maximal) 5 % auszugehen sei. Aus ophthalmologischer
Sicht lägen eine Diplopie, eine Asthenopie und eine Blendung vor. Bei der Bemessung
der Integritätsentschädigung sei zu berücksichtigen, dass die Doppelbildwahrnehmung
überwiegend im Nahbereich bestehe. Bei Blick in die Ferne sei ein ausreichend grosses
Feld des binokularen Einfachsehens vorhanden, sodass der Beschwerdeführer mit
Prismenkorrektur weiterhin Auto fahren könne. Nach einem Schädelhirntrauma könnten
Störungen im Nahsehbereich mit schneller Ermüdung und eine vermehrte
Blendungsempfindlichkeit auftreten. Beim Beschwerdeführer müssten die
asthenopischen Beschwerden berücksichtigt werden. Gleichzeitig gelte es auch die
Tatsache zu beachten, dass der Beschwerdeführer über ein Stereosehen verfüge und
nicht derart geblendet sei, dass er permanent auf ein Filterglas angewiesen sei. Die
Blendungsempfindlichkeit werde insbesondere bei der Bildschirmarbeit beklagt (act. G
22 S. 34 f.). Die Beschwerdegegnerin erhebt gegen die gutachterlich zugestandenen
Integritätsschäden aus ophthalmologischer und oto-rhino-laryngologischer Sicht auch
keine Einwände (vgl. act. G 27 S. 3). Der Beschwerdeführer bringt, soweit ersichtlich,
ebenfalls nichts gegen die gutachterliche Einschätzung des Integritätsschadens vor
(vgl. act. G 29).
7.3.
Nicht einverstanden ist die Beschwerdegegnerin hingegen mit dem aus
gutachterlicher Sicht festgestellten Integritätsschaden von 10 % auf
neuropsychologischem Fachgebiet (act. G 27 S. 3). Die Sachverständigen gehen von
einer minimalen bis leichten unfallkausalen neurokognitiven Beeinträchtigung aus,
weshalb sie in Anwendung der SUVA Tabelle 8 einen Integritätsschaden von 10 %
7.4.
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8.
attestieren (act. G. 22 S. 35). Wie aus der gutachterlichen Begründung der Berechnung
dieses Integritätsschadens erhellt, ist eine dauernde erhebliche kognitive
Beeinträchtigung, die zu einer Integritätsentschädigung berechtigen würde, aber
gerade nicht überwiegend wahrscheinlich ausgewiesen. Die Sachverständigen
erklären, dass sich im zeitlichen Verlauf fluktuierende kognitive Leistungen gezeigt
hätten. Während im Jahr 2015 unauffällige Befunde bestanden hätten, seien im Jahr
2020 leichte bis mittelschwere Einbussen vorhanden gewesen. Aktuell hätten sich in
den Untersuchungen wieder leichte kognitive Minderleistungen ohne unfallspezifisches
Ausfallmuster in den Exekutivfunktionen gezeigt. Aus rein neuropsychologischer Sicht
zeige sich objektiv keine dauernde erhebliche kognitive Beeinträchtigung (act. G 22 S.
35). Mangels mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesener dauernder
erheblicher Beeinträchtigungen besteht aus juristischer Sicht kein Anspruch auf eine
Integritätsentschädigung für die vorhandenen minimalen bis leichten
neuropsychologischen Beeinträchtigungen. Dass die Sachverständigen den
neuropsychologischen Einschränkungen Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
beigemessen haben, ändert daran nichts. Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind
nämlich nicht nur erhebliche Einschränkungen, sondern sämtliche zu berücksichtigen.
Es kann durchaus sein, dass sich gewisse Einschränkungen zusammen mit anderen in
einem Berufsfeld negativ auswirken, ohne dass sie für sich selber erhebliche Nachteile
zeitigen. Die Sachverständigen haben den neuropsychologischen Einschränkungen
denn auch nur einschränkende Auswirkung im angestammten Tätigkeitsfeld
beigemessen, nicht jedoch für Verweistätigkeiten. Schliesslich führen die
neuropsychologischen Beeinträchtigungen im Rahmen der interdisziplinären
Beurteilung nicht zu einer höheren Arbeitsunfähigkeit als sie ohnehin bereits aus
ophthalmologischer Sicht ausgewiesen ist (vgl. oben E. 3).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Integritätsentschädigung basierend auf einem Integritätsschaden von 13 % hat.
7.5.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde vom 31. Januar 2019 (act. G 1 im
Verfahren UV 2019/10) dahingehend gutzuheissen, dass die Beschwerdegegnerin dem
Beschwerdeführer für den Zeitraum vom 25. Mai bis 31. Dezember 2017
Taggeldleistungen auf der Basis einer Arbeitsunfähigkeit von 40 % auszurichten hat,
dass sie dem Beschwerdeführer ab dem 1. Januar 2018 eine Invalidenrente basierend
auf einem Invaliditätsgrad von 35 % zu bezahlen hat, dass sie dem Beschwerdeführer
eine Integritätsentschädigung basierend auf einem Integritätsschaden von 13 %
auszurichten hat, dass sie rückwirkend per 1. August 2016 sowie zukünftig die Kosten
8.1.
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der aus unfallversicherungsrechtlicher Sicht notwendigen ophthalmologischen und
neuroopthalmologischen Behandlungen zu vergüten hat und dass die Sache zur
Festsetzung der Rentenbeträge und der Taggeldleistungen im Sinne der Erwägungen
an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird. Im Übrigen ist die Beschwerde
abzuweisen.
Gerichtskosten sind mangels gesetzlicher Grundlage im UVG keine zu erheben
(Art. 61 lit. f ATSG).
8.2. bis
Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Als volles Obsiegen gilt auch die Rückweisung
der Sache an die Verwaltung zwecks ergänzender Abklärungen (BGE 132 V 235 E. 6.2).
Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). Auch wenn nicht
sämtlichen Anträgen des Beschwerdeführers stattgegeben wird, ist hinsichtlich der
Entschädigungsfolge aufgrund des eingeholten Gerichtsgutachtens von einem
vollständigen Obsiegen des Beschwerdeführers auszugehen. Denn aufgrund des nicht
vollständig abgeklärten Sachverhalts hat sich der Beschwerdeführer zu Recht zur
Erhebung der Beschwerde veranlasst gesehen und eine Rückweisung zur weiteren
Abklärung hätte zu einem vollständigen Obsiegen des Beschwerdeführers geführt (vgl.
BGE 132 V 215 E. 6.2; vgl. ferner BGE 137 V 210 E. 4.4.2). Für die Aufwendungen im
Verfahren UV 2019/10 ist dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von
pauschal Fr. 8'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen. Für
die Begründung dieser Entschädigung kann auf den Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 16. November 2020 (UV 2019/19;
E. 8.3 f.) verwiesen werden, zumal das Bundesgericht (vgl. act. G 1) diese
Entschädigung trotz entsprechender Vorbringen der Beschwerdegegnerin (vgl.
Beschwerde ans Bundesgericht vom 5. Januar 2021, S. 14 ff.) nicht beanstandet hat.
Für die Aufwendungen im Verfahren UV 2021/39, in dem namentlich das Y._-
Gutachten zu studieren und dazu Stellung zu nehmen gewesen ist, ist der
Beschwerdeführer unter Berücksichtigung seines diesbezüglichen Antrags (vgl. act. G
34) und der erfolgten Eingaben (vgl. namentlich act. G 3, 15, 29, 31, 34 und 36)
pauschal mit Fr. 2'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
8.3.
Auch hat die Beschwerdegegnerin die Kosten für das Gutachten der Y._ AG in
der Höhe von Fr. 25'000.-- zu bezahlen (vgl. act. G 23), da die Einholung des
Gutachtens für die Beurteilung des Leistungsanspruchs unerlässlich gewesen ist (vgl.
Art. 45 Abs. 1 ATSG; BGE 137 V 210 E. 4.4.2). Weiter hat der Beschwerdeführer
8.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 22/23
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St.Galler Gerichte