Decision ID: 4dfc1b41-b422-4ec6-995e-519ac198128a
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_HG
Chamber: ZH_HG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Forderung
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Rechtsbegehren: (act. 1)
" 1. Die Beklagte sei unter ausdrücklichem Vorbehalt des  zu verpflichten, dem Kläger eine Entschädigung in der  von CHF 46'609.10 unter dem Titel Schadenersatz zu , samt 5 % Zins ab 1. Juli 2011.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der ."
Sachverhalt und Verfahren:
A. Parteien und ihre Stellung
Der Kläger ist eine natürliche Person mit Wohnsitz in C._.
Bei der Beklagten handelt es sich um eine Aktiengesellschaft mit Sitz in D._,
welche den Betrieb aller Arten von Versicherungs- und Rückversicherungsge-
schäften mit Ausnahmen der direkten Lebensversicherung bezweckt (act. 3/3).
B. Unbestrittener Sachverhalt und Prozessgegenstand
Am 17. März 1994 wurde der Kläger ohne sein Verschulden in einen Verkehrsun-
fall verwickelt. Konkret fuhr E._ dem korrekt vor einem Fussgängerstreifen in
Zürich anhaltenden Kläger in das Heck. Diesen Unfall erachtete das hiesige Han-
delsgericht als ursächlich für verschiedene körperliche und kognitive Beeinträchti-
gungen beim Kläger sowie dafür, dass der Kläger auch ab dem Jahr 1996 dauer-
haft nur in einer optimal angepassten Tätigkeit ohne Schichtdienst, ohne Füh-
rungs- und Leistungsaufgaben, mit klar geregelter Arbeitszeit und ohne hohe An-
sprüche an kognitive Funktionen und kommunikative Kompetenzen zu 50 % ar-
beitsfähig war (HGer ZH vom 23. November 2016 HG060245 E. II. 2.1 und IV. D.
2.8, act. 3/4).
In den Erwägungen seines Urteils vom 23. November 2016 hielt das hiesige Han-
delsgericht fest, durch den genannten Unfall sei dem Kläger ein Erwerbsausfall im
Umfang von CHF 810'214.25 entstanden, für welchen die Beklagte einzustehen
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habe. Entsprechend dem klägerischen Rechtsbegehren wurde die Beklagte ver-
pflichtet, dem Kläger einen Betrag von CHF 500'000.– zu bezahlen (HG060245-O
Erw. IV. E. 2.8 S. 78, act. 3/4).
Bevor sich das hiesige Handelsgericht mit der Klage gegen die Beklagte befasste,
hatte der Kläger die Klage zuvor am 23. Dezember 2006 am Bezirksgericht Zürich
anhängig gemacht. Mit Beschluss vom 23. März 2009 überwies das Bezirksge-
richt Zürich das Verfahren an das hiesige Handelsgericht, wo es mit Beschluss
vom 29. April 2009 mit einem weiteren bereits vom Kläger anhängig gemachten
Verfahren vereinigt wurde (HG060245-O Erw. I. 1 und 2, act. 3/4).
Am 21. Dezember 2007 stellte der Kläger beim Friedensrichteramt D._ zu-
dem das Begehren, die Beklagte sei im Zusammenhang mit dem Unfall vom 17.
März 1994 zu einer Zahlung von CHF 5'000'000.– zu verpflichten (act. 3/6). Mit
Schreiben vom 20. Mai 2008 zog der Kläger diese Klage jedoch wieder zurück
(act. 3/7).
Mit vorliegender Teilklage macht der Kläger nun CHF 46'609.10 des dazumal im
Verfahren Nr. HG060245-O nicht eingeklagten Schadens geltend. Die Summe
basiert dabei gemäss dem Kläger auf der gerichtlichen Feststellung für den Er-
werbsschaden im Jahre 2011. Eventualiter macht er den Schaden für das Jahr
2016 in der Höhe von CHF 43'909.21 geltend (act. 1 Rz 11 f.). Da die Beklagte im
Rahmen der Klageantwort die Verjährungseinrede erhoben hat (act. 12 Rz 6.5),
ist vorliegend zu prüfen, ob die geltend gemachten klägerischen Ansprüche be-
reits verjährt sind oder nicht.
C. Prozessverlauf
Der Kläger reichte am 13. November 2019 (Datum Poststempel) die vorliegende
Klage hierorts ein (act. 1). Den von ihm geforderten Vorschuss für die Gerichts-
kosten leistete er fristgerecht (act. 4; act. 6). In der Folge reichte die Beklagte in-
nert erstreckter Frist die Klageantwort vom 20. Januar 2020 ein (act. 12). Nach-
dem beide Parteien eine Beschränkung des Verfahrens auf die Frage des Eintritts
der Verjährung beantragt hatten (act. 12 und act. 17), ordnete das hiesige Gericht
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mit Verfügung vom 17. Februar 2020 einen zweiten Schriftenwechsel an und be-
schränkte das Verfahren einstweilen auf die Frage des Eintritts der Verjährung
(act.18). Sowohl die diesbezügliche Replik vom 12. Mai 2020 als auch die Duplik
vom 28. August 2020 ergingen rechtzeitig (act. 21 und act. 25). Beide Parteien
haben auf die Durchführung der Hauptverhandlung in Bezug auf das auf die Fra-
ge des Eintritts der Verjährung beschränkte Verfahren verzichtet (act. 28, 30 und
31). Das Verfahren erweist sich als spruchreif.

Erwägungen:
1. Prozessvoraussetzungen
Das Gericht prüft von Amtes wegen, ob die Prozessvoraussetzungen erfüllt sind
(Art. 60 ZPO). Die Prozessvoraussetzungen beinhalten insbesondere die sachli-
che und örtliche Zuständigkeit (Art. 59 Abs. 2 lit. b ZPO).
Die örtliche Zuständigkeit stützt sich auf Art. 38 Abs. 1 ZPO, da die Beklagte ihren
Sitz im Kanton Zürich hat, und ist seitens der Beklagten zu Recht unbestritten ge-
blieben (act. 12 Rz. 8). Die sachliche Zuständigkeit stützt sich auf Art. 6 Abs. 2
und 3 ZPO i.V.m. § 44 lit. b GOG und ist ebenso gegeben.
Die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen geben zu keinen weiteren Bemerkungen
Anlass. Auf die Klage ist einzutreten.
2. Verjährung des Anspruchs
Nachdem das Verfahren mit Verfügung vom 17. Februar 2020 auf die Frage des
Eintritts der Verjährung beschränkt wurde (act.18), ist darüber ein Entscheid zu
fällen.
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2.1. Parteivorbringen
2.1.1. Beklagte
Die Beklagte erhebt die Einrede der Verjährung. Sie behauptet, der Kläger habe
jeweils periodisch Verjährungseinredeverzichtserklärungen angefordert, wobei in
dieser Kette für den Zeitraum vom 1. Januar 2015 bis zum 25. Oktober 2015 eine
Lücke bestehe. Da die relative Verjährungsfrist sicher vor dem 31. Dezember
2012 ihren Anfang genommen habe, sei die zweijährige relative Verjährungsfrist
am 1. Januar 2015 bereits abgelaufen gewesen (act. 12 Rz 6.5; act. 25 Rz 29.1).
Dem Kläger sei die Verjährungsproblematik seit Einleitung der Teilklage über
CHF 500'000.– bewusst gewesen, weshalb er in der Folge diverse Verjährungs-
verzichtserklärungen verlangt habe. Dass der Kläger per Ende 2014 keine neue
Verzichtserklärung eingefordert habe, liege nicht in der Verantwortung der Be-
klagten (act. 12 S. 7; act. 25 Rz 13).
Falsch sei die klägerische Ansicht, wonach die relative Verjährungsfrist erst mit
Kenntnis des gerichtlichen Gutachtens vom 16. November 2015 zu laufen begon-
nen habe (act. 12 Rz 24.1). Tatsächlich habe beim Kläger zum Zeitpunkt der Kla-
geeinleitung bereits seit 15 Jahren eine von den Sozialversicherungen gestützte
Vollerwerbsunfähigkeit bestanden (act. 12 Rz 24.2 S. 18). Die relative Verjäh-
rungsfrist sei mit der Zustellung des letzten von der Suva eingeholten neurologi-
schen Gutachtens von PD Dr. F._ vom 10. August 1999, spätestens aber mit
der Eröffnung der Suva-Rentenverfügung vom 30. August 2000 initiiert worden
(act. 12 Rz 24.3; act. 25 Rz 21.3 und 29.1).
2.1.2. Kläger
Der Kläger macht geltend, er habe erst mit Zustellung des interdisziplinären Gut-
achtens vom 16. November 2015 genügende Kenntnis des Schadens bzw. der
Person des Ersatzpflichtigen erlangt. Bis dahin sei die Kausalität des zweiten Un-
falls zwischen Unfall und Schaden unklar gewesen. Ebenso unklar sei auch die
natürliche Kausalität (als Tatfrage) gewesen. Dem Kläger habe somit auch die
Kenntnisnahme der Person gefehlt, die für seinen Schaden verantwortlich gewe-
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sen sei. Wie in BGE 131 III 61 liege auch hier ein aussergewöhnlicher Sachver-
halt vor, in dem sich vier Autounfälle innerhalb von etwas mehr als 6 Jahren er-
eignet hätten mit zum Teil schweren Gesundheitsfolgen. Erst das gerichtliche
Gutachten vom 16. November 2015 und das darauf basierende Urteil des Han-
delsgerichts hätten erhellt, wie der Schaden im Wesentlichen aussehe und wel-
che Person für welchen Teil ersatzpflichtig sei (act. 1 Rz 34 f.; act. 21 Rz 6 f. und
46). Bis dahin habe sich nie ein Gutachten dazu geäussert, ob und in welchem
Umfang der streitgegenständliche Unfall zum Gesamtschaden beigetragen habe.
Somit habe dem Kläger auch die Kenntnisnahme der Person gefehlt, die für sei-
nen Schaden verantwortlich gewesen sei.
Der Kläger bestreitet weiter, dass die zuvor von den Sozialversicherern in Auftrag
gegebenen Gutachten geeignet gewesen wären, diese Fragen zu beantworten,
ansonsten hätte das Handelsgericht kein eigenes Gutachten in Auftrag geben
müssen. Namentlich das Gutachten von Prof. Dr. F._ vom 10. August 1999
habe zwar festgehalten, dass die ersten beiden Unfälle kausal für die bestehen-
den gesundheitlichen Schäden des Klägers gewesen seien, aber nicht in jeweils
welchem Umfang (act. 21 Rz 48 und 65).
2.2. Rechtliches
2.2.1. Verjährungseinrede
Der Eintritt der Verjährung führt nicht zum Untergang der Forderung, steht jedoch
deren Durchsetzbarkeit entgegen (GAUCH/SCHLUEP/EMMENEGGER, Schweizeri-
sches Obligationenrecht, Allgemeiner Teil, Band II, 10. Aufl. 2014, N. 3276). Sie
darf nur auf Einrede des Schuldners berücksichtigt werden (Art. 142 OR). Ist die
Verjährungseinrede begründet, ist die Klage durch Sachurteil abzuweisen (BGE
111 II 55 E. 1 S. 56 = Pra 74 [1985] Nr. 129).
Die Behauptungs- und Beweislast für die Tatsachen, welche den Eintritt der Ver-
jährung begründen, trägt der Schuldner, welcher die Einrede der Verjährung er-
hebt (BGE 111 II 55 E. 3a S. 57-58 = Pra 74 [1985] Nr. 129). Der Gläubiger ist
hingegen beweisbelastet mit den Tatsachen, welche den Eintritt der Verjährung
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ausschliessen (BERTI, in: Zürcher Kommentar, 3. Aufl. 2002, N. 26 zu Art. 142
OR), insbesondere für Umstände, welche die Verjährungsfrist unterbrochen ha-
ben (BGer 4C.64/1992 vom 12. Mai 1992 E. 4b).
2.2.2. Zivilrechtliche Verjährung
Nach aArt. 83 Abs. 1 SVG (vor dem 1. Januar 2020 geltende Fassung) verjährten
Schadenersatz- und Genugtuungsansprüche aus Unfällen mit Motorfahrzeugen in
zwei Jahren vom Tag hinweg, an dem der Geschädigte Kenntnis vom Schaden
und von der Person des Ersatzpflichtigen erlangt hat, jedenfalls aber mit dem Ab-
lauf von zehn Jahren vom Tag des Unfalls an (AS 2011 4927). Wurde die Klage
aus einer strafbaren Handlung hergeleitet, für die das Strafrecht eine längere Ver-
jährung vorsah, so galt diese auch für den Zivilanspruch (AS 1959 706).
2.2.3. Beginn der Verjährungsfrist
Sowohl nach aArt. 83 Abs. 1 SVG (vor dem 1. Januar 2020 geltende Fassung) als
auch nach aArt. 60 Abs. 1 OR (vor dem 1. Januar 2020 geltende Fassung) ist für
den Beginn der relativen Verjährungsfrist mithin die Kenntnis des Schadens und
der ersatzpflichtigen Person entscheidend.
2.2.3.1. Kenntnis des Schadens
Die Verjährungsfrist beginnt einheitlich für sämtliche Schadenspositionen mit
Kenntnis des Gesamtschadens zu laufen (BGE 109 II 418 E. 4 S. 422-423; BGE
92 II 1 E. 3 S. 4). Befindet sich das Ausmass des Schadens in Entwicklung, be-
ginnt die Verjährungsfrist nicht vor deren Abschluss zu laufen; dies gilt besonders
für die Kosten der medizinischen Behandlung oder für einen länger andauernden
Erwerbsausfall aufgrund vorübergehender oder dauernder Erwerbsunfähigkeit
(BGE 112 II 118 E. 4 S. 123; BGE 108 Ib 97 E. 1c S. 99-100).
Nach der Rechtsprechung hat der Geschädigte genügende Kenntnis vom Scha-
den, wenn er den Schadenseintritt, die Art und den ungefähren Umfang der
Schädigung kennt und zur Formulierung einer Klage mit Begehren und Begrün-
dung in der Lage ist (BGE 136 III 322 E. 4.1 S. 329 f.; 131 III 61 E. 3.1.1 S. 68;
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II 158 E. 4a S. 160 f.). Massgebend ist die tatsächliche Kenntnis des Schadens
und nicht der Zeitpunkt, in dem der Geschädigte bei gehöriger Aufmerksamkeit
vom Schaden hätte Kenntnis erlangen können (BGE 136 III 322 E. 4.1 S. 330; 111
II 55 E. 3a S. 57 f.). Der Geschädigte braucht nicht genau zu wissen, wie hoch der
Schaden ziffernmässig ist, zumal auch künftiger Schaden eingeklagt werden und
dieser nötigenfalls nach Art. 42 Abs. 2 OR geschätzt werden kann (BGE 131 III 61
E. 3.1.1 S. 68; 114 II 253 E. 2a S. 256). Genügende Kenntnis liegt vor, wenn die
medizinischen Folgen der schädigenden Handlung abzusehen und mit grosser
Wahrscheinlichkeit zu bestimmen sind, wenn sich der gesundheitliche Zustand
stabilisiert hat (BGE 114 II 253 E. 2b S. 257; BGer 4A_707/2012 vom 28. Mai
2013 E. 7.3.2; 4A_647/2010 vom 4. April 2011 E. 3.1).
Die Kenntnis des Schadens verlangt nicht das Vorliegen von Beweismitteln
(BGE 131 III 61 E. 3.1 S. 68-69 im Zusammenhang mit der Person des Schädi-
gers). Die Rechtsprechung knüpft für den Zeitpunkt der Kenntnis allerdings meis-
tens an das Vorliegen einer Urkunde (Rechnung, Arztbericht, Rentenentscheid)
an. Geht es hingegen um die Folgen einer Invalidität, so ist in der Regel ein Gut-
achten oder ein ausführlicher medizinischer Bericht erforderlich (BGE 112 II 118
E. 4 S. 123; BGer 4A_647/2010 vom 4. April 2011 E. 3.2; 4A_580/2008 vom 17.
März 2009 E. 3).
2.2.3.2. Kenntnis der Person des Ersatzpflichtigen
aArt. 60 OR (vor dem 1. Januar 2020 geltende Fassung) verlangt als Vorausset-
zung für den Beginn der Verjährungsfrist nebst der Kenntnis des Schadens auch
die Kenntnis der Person des Haftpflichtigen. Über diese Person muss Gewissheit
bestehen, Verdacht genügt nicht (BGE 82 II 43 E. 1 S. 43-44; VON BÜREN,
Schweizerisches Obligationenrecht. Allgemeiner Teil, Zürich 1964, S. 431; O-
SER/SCHÖNENBERGER, in: Zürcher Kommentar zum Obligationenrecht. Art. 1-183
OR, 2. Aufl., Zürich 1929. N. 13 zu Art. 60; SCHWANDER, Die Verjährung ausser-
vertraglicher und vertraglicher Schadenersatzforderungen, Diss. Freiburg 1962,
S. 22: die Adresse muss vorliegen), auch Vermutung nicht (BGer 4C.182/2004
vom 23. August 2004, E. 5.2.1; BGE 131 III 61 S. E. 3.1.2 S. 68). Dies hängt je-
doch nicht vom Vorhandensein eines Beweismittels ab; das Gesetz spricht nur
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von "Kenntnis", nicht von "Beweis" (BREHM, in: Berner Kommentar zum Obligatio-
nenrecht. Art. 41-61, 4. Aufl., Bern 2013, N. 61 zu Art. 60).
Zur Kenntnis der Person des Täters gehört auch die Kenntnis der natürlichen
Kausalität. Erst wenn die Schadensursache bekannt ist, kann auch der Täter eru-
iert werden (BREHM, a.a.O., N. 61a zu Art. 60). Unter gewissen Umständen, wenn
nämlich der natürliche Kausalzusammenhang nur mittels einer wissenschaftlichen
Expertise festgestellt werden kann, wird der Geschädigte allerdings erst mit dem
Empfang dieser Expertise eine sichere Kenntnis der verantwortlichen Person ha-
ben (BGE 131 III 61 E. 3.1.2 S. 68 = Pra 94 [2005] Nr. 121).
2.3. Würdigung
2.3.1. Absolute Verjährungsfrist
Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass die absolute Verjährungsfrist nicht
abgelaufen ist. Entsprechend erübrigen sich weitere Ausführungen dazu.
2.3.2. Relative Verjährungsfrist
Wie erwähnt beginnt die relative zweijährige Verjährungsfrist nach aArt. 60
Abs. 1 OR mit der Kenntnis des Schadens und der ersatzpflichtigen Person zu
laufen.
2.3.2.1. Kenntnis der ersatzpflichtigen Person
Der Kläger macht geltend, er habe erst mit Zustellung des interdisziplinären Gut-
achtens vom 16. November 2015 genügende Kenntnis der Person des Ersatz-
pflichtigen erlangt. Erst das gerichtliche Gutachten vom 16. November 2015 und
das darauf basierende Urteil des Handelsgerichts hätten erhellt, welche Person
für welchen Teil des Schadens ersatzpflichtig sei (act. 1 Rz 34 f.; act. 21 Rz 6 f.
und 46). Bis dahin habe sich nie ein Gutachten dazu geäussert, ob und in wel-
chem Umfang der streitgegenständliche Unfall zum Gesamtschaden beigetragen
habe.
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Er beruft sich auf einen Entscheid des Bundesgerichts vom 26.10.2004 (BGE 131
III 61 = Pra 94 [2005] Nr. 121, vgl. dazu auch DÄPPEN, in: Basler Kommentar zum
Obligationenrecht, 7. Aufl., Basel 2020, N. 8 zu Art. 60). Dort wurde in der Reges-
te des Entscheids im Zusammenhang mit der Kenntnisnahme der Person des Er-
satzpflichtigen festgehalten, dass der Begriff der Kenntnis in aller Regel nicht vom
Vorhandensein eines Beweismittels abhänge und es sich nur unter gewissen
aussergewöhnlichen Umständen aufdränge, gleichwohl auf ein Gutachten abzu-
stellen. In jenem Fall ging das Bundesgericht davon aus, dass solche ausserge-
wöhnliche Umstände gegeben waren und der natürliche Kausalzusammenhang
zwischen dem schädigenden Ereignis und dem Schaden nur durch ein wissen-
schaftliches Gutachten feststellbar war (BGE 131 III 61 E. 3.1.2 S. 68 f. = Pra 94
[2005] Nr. 121). Der Geschädigte habe erst mit Empfang des technischen Gut-
achtens sichere Kenntnis von der verantwortlichen Person erhalten. Dieses Gut-
achten stellte fest, dass ein Teil der Risse an den Häusern von den Sprengungen
in einem 500 Meter entfernten Steinbruch stammte, die den Boden destabilisiert
und zu Verschiebungen geführt hatten. Der Experte hat des Weiteren hervorge-
hoben, dass es für einen Laien schwierig sei, in Anbetracht der Distanz von 500
Metern zwischen den beschädigten Gebäuden und dem Steinbruch, unter Be-
rücksichtigung der Norm SN 640 312 a sowie wegen der geringen Intensität der
als Folge der Sprengungen registrierten Erschütterungen einen Kausalzusam-
menhang zwischen den Sprengungen und der Rissbildung festzustellen. Das
Bundesgericht schützte daher die Feststellungen der Vorinstanz, dass die Kläger
erst aufgrund der Expertise über genügende Kenntnisse in Bezug auf den natürli-
chen Kausalzusammenhang zwischen den Sprengungen und den Rissen verfügt
habe, um gegen die Beklagten haftpflichtrechtlich vorzugehen.
Vorliegend wurde bereits im neurologischen Gutachten von PD Dr. F._ vom
10.08.1999 (act. 14/9), welches von der Suva eingeholt wurde, Folgendes festge-
halten (act. 14/9 S. 42):
"Inwiefern sind solche Behinderungen ursächlich auf den Unfall vom 20.11.1991 und auf den Unfall vom 17. März 1994 ?
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Der Unfall vom 20.11.1991 führte vornehmlich zu einer erheblichen Einschränkung der körperlichen Belastbarkeit. Dadurch war Herr A._ nicht mehr in der Lage, seine Tätigkeit als Autospengler und Automechaniker wieder aufzunehmen. Der Unfall vom 17. März 1994 hatte zusätzliche zerviko-zephale Symptome mit ebenfalls  Zunahme der Schmerzintensität zur Folge, die zur weiteren Abnahme der körperlichen Belastbarkeit führten. Zudem traten durch diesen Unfall neuropsychologische Funktionsstörungen auf, die zu  Einschränkung in sämtlichen kaufmännisch-administrativen  führten."
Das Gutachten äussert sich somit dazu, welche Folgen die beiden Unfälle hatten.
Auch der Kläger stellte sich im ersten Haftpflichtprozess (HG060245) auf den
Standpunkt, dass der vorliegend relevante Unfall vom 17. März 1994 zur Folge
hatte, dass zusätzliche zerviko-zephale Symptome mit ebenfalls belastungsab-
hängiger Zunahme der Schmerzintensität sowie neuropsychologische Funktions-
störungen auftraten, die zur weiteren Abnahme der körperlichen Belastbarkeit
führten. Dadurch sei es zu einer Einschränkung in sämtlichen kaufmännisch-
administrativen Bereichen gekommen.
Der Kläger berief sich im ersten Haftpflichtprozess (HG060245) auf die zitierte
Stelle des Gutachtens F._ und bediente sich der gleichen Argumentation
(act. 14/2 S. 19 und 23 ff.), um den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen
dem Unfallereignis vom 17.03.1994 und dem erlittenen Schaden darzutun. Als
Beweisofferte führte er die Seite 42 des entsprechenden Gutachtens an (act.
14/9).
Gestützt auf das Gutachten F._ vom 10.08.1999 (act. 14/9) war dem Kläger
somit bekannt, dass die Beklagte als Haftpflichtversicherin für die Folgen des
zweiten Unfalls einzustehen hatte. Die gesundheitlichen Folgen, welche den bei-
den Unfällen zuzuordnen waren, sowie die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
wurden im Gutachten F._ konkret umschrieben.
Es ist somit festzuhalten, dass der Kläger spätestens im Zeitpunkt der Kenntnis-
nahme des Gutachtens von PD Dr. F._ vom 10.08.1999 (act. 14/9) von der
Person des Ersatzpflichtigen Kenntnis hatte und ein kausaler Zusammenhang
zwischen dem Unfall und seinen gesundheitlichen Beeinträchtigungen bestand.
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2.3.2.2. Kenntnis des Schadens i.S.v. aArt. 83 OR
Der Kläger ist der Ansicht, dass die relative Verjährungsfrist erst mit Kenntnis des
gerichtlichen Gutachtens vom 16. November 2015 zu laufen begonnen habe
(act. 12 Rz 24.1). Demgegenüber beruft sich die Beklagte darauf, dass beim Klä-
ger zum Zeitpunkt der Klageeinleitung bereits seit 15 Jahren eine von den Sozial-
versicherungen gestützte Vollerwerbsunfähigkeit bestanden habe (act. 12 Rz 24.2
S. 18). Die relative Verjährungsfrist habe mit der Zustellung des letzten von der
Suva eingeholten neurologischen Gutachtens von PD Dr. F._ vom 10. Au-
gust 1999, spätestens aber mit der Eröffnung der Suva-Rentenverfügung vom 30.
August 2000 begonnen (act. 12 Rz 24.3; act. 25 Rz 21.3 und 29.1).
Wie erwähnt, wird für den Beginn der Verjährung nicht voraussetzt, dass der Ge-
schädigte den Schaden ziffernmässig exakt kennt, sondern es genügt, wenn ihm
die wesentlichen Elemente seines Schadens bekannt sind. Die Kenntnis des
Schadens verlangt auch nicht das Vorliegen von Beweismitteln.
Aufgrund des Gutachtens von PD Dr. F._ vom 10.08.1999 (act. 14/9) erhielt
der Kläger Kenntnis davon, welche gesundheitlichen Folgen den beiden Unfällen
zuzuordnen waren. Mit Erlass der IV-Rentenverfügung stand auch fest, dass der
Kläger zu 100 % erwerbsunfähig war, was im Gutachten konkret umschrieben
wurde. Dass dabei nicht näher quantifiziert wurde, welcher Teil des Erwerbsscha-
dens welchem Haftpflichtigen zuzuordnen ist, ändert daran nichts. Letztlich ist ei-
ne solche Quantifizierung kaum jemals exakt möglich, vor allem wenn die Unfal-
lereignisse viele Jahre zurückliegen.
Auch wenn nach Vorliegen des Gutachtens von PD Dr. F._ vom 10.08.1999
(act. 14/9) nicht exakt feststand, für welchen Teil des Gesamtschadens die Be-
klagte haftbar gemacht werden konnte, so waren dem Kläger damals die wesent-
lichen Elemente seines Schadens bekannt.
Im ersten Prozess (HG060245) umschrieb er die Folgen der beiden Unfälle wie
folgt:
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Der Kläger machte geltend, dass er durch den Unfall vom 20.  1991 für den Beruf eines Autospenglers und -mechanikers  arbeitsunfähig war, aber bis Ende 1995 eine  in eine rein kaufmännisch-administrative Tätigkeit möglich  wäre. Der Unfall vom 17. März 1994 habe sodann dazu geführt, dass der Kläger 1 auch ab dem Jahr 1996 dauerhaft nur in einer  angepassten Tätigkeit ohne Schichtdienst, ohne Führungs- und Leistungsaufgaben, mit klar geregelter Arbeitszeit und ohne hohe  an kognitive Funktionen und kommunikative Kompetenzen zu 50 % arbeitsfähig war.
Er übernahm mithin im Wesentlichen die Argumentation des Gutachtens F._.
Daraus ergibt sich, dass ihm die wesentlichen Elemente des Schadens spätes-
tens gestützt auf das Gutachten F._ vom 10.08.1999 (act. 14/9) bekannt wa-
ren.
2.3.3. Verjährungsunterbrechung
Die Verjährung wird durch Klage oder Schlichtungsgesuch unterbrochen. Dabei
unterbricht die Klage die Verjährung nur in Höhe des eingeklagten Betrages
(BGE 133 III 675 E. 2.3.2; KILLIAS/WIGET, in: Handkommentar zum Schweizeri-
schen Privatrecht. Obligationenrecht. Allgemeine Bestimmungen, Furrer/Schnyder
[Hrsg.], 3. Aufl., Zürich 2016, N. 18 zu Art. 135).
Die Verjährungsfristen von aArt. 83 Abs. 1 SVG sind zudem durch die beteiligten
Parteien selbst verlängerbar (BGE 99 II 185 E. 2a S. 188-189). Überdies ist ein
nachträglicher Verzicht auf die Verjährungseinrede sowohl während laufender als
auch nach abgelaufener Verjährungsfrist möglich (Art. 141 Abs. 1 OR e contrario;
BGE 132 III 226 E. 3.3.7 S. 239-240).
Das Unfallereignis, für welches die Beklagte einzustehen hat, datiert vom
17.03.1994. Es ist unbestritten, dass Verjährungseinredeverzichtserklärungen für
die Zeit bis 31. Dezember 2014 vorliegen, anschliessend jedoch für den Zeitraum
vom 1. Januar 2015 bis zum 25. Oktober 2015 eine Lücke besteht. Da die relative
Verjährungsfrist sicher vor dem 31. Dezember 2012 ihren Anfang genommen hat,
führt der Unterbruch im Jahre 2015 dazu, dass der Haftpflichtanspruch des Klä-
gers aus dem Unfallereignis vom 17.03.1994 gegenüber der Beklagten am 1. Ja-
nuar 2015 verjährt ist.
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3. Ergebnis
Die Verjährungseinrede der Beklagten ist begründet. Damit erübrigt sich eine Prü-
fung der Anspruchsvoraussetzungen. Die Klage ist abzuweisen.
4. Kosten- und Entschädigungsfolge
Die Höhe der Gerichtsgebühr bestimmt sich nach der Gebührenverordnung des
Obergerichts vom 8. September 2010 (Art. 96 ZPO i.V.m. § 199 Abs. 1 GOG) und
richtet sich in erster Linie nach dem Streitwert bzw. nach dem tatsächlichen Streit-
interesse (§ 2 Abs. 1 lit. a GebV OG). Vorliegend beträgt der Streitwert
CHF 46'609.10. Dies ergibt eine Grundgebühr von CHF 5'280.00 (§ 4 Abs. 1
GebV OG). Diese ist lediglich leicht zu reduzieren, da zwar einerseits im Wesent-
lichen nur die Frage der Verjährung zu behandeln war, andererseits der Streitwert
im Verhältnis zum Aufwand nicht besonders hoch erscheint. Die Gerichtsgebühr
ist auf CHF 4'500.00 festzusetzen. Ausgangsgemäss sind die Kosten dem Kläger
aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 1 Satz 1 ZPO) und aus dem von ihm geleisteten Kos-
tenvorschuss zu beziehen (Art. 111 Abs. 1 Satz 1 ZPO).
Bei berufsmässig vertretenen Parteien bestimmt sich die Höhe der Parteientschä-
digung nach der Verordnung über die Anwaltsgebühren vom 8. September 2010
(AnwGebV; Art. 95 Abs. 3 lit. b und 96 ZPO i.V.m. § 48 Abs. 1 lit. c und Abs. 2
des Anwaltsgesetzes vom 17. November 2003) und richtet sich in erster Linie
nach dem Streitwert (§ 2 Abs. 1 lit. a AnwGebV). Dies ergibt eine Grundgebühr
von CHF 6'695 (§ 4 Abs. 1 AnwGebV). Für die zweite Rechtsschrift ist diese um
rund 30 % zu erhöhen (§ 11 Abs. 2 AnwGebV). Ausgangsgemäss wird der Kläger
entschädigungspflichtig (Art. 106 Abs. 1 Satz 1 ZPO). Der Kläger ist zu verpflich-
ten, der Beklagten eine Parteientschädigung in der Höhe von CHF 9'000.00 zu
bezahlen.
Das Handelsgericht erkennt:
1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf CHF 4'500.00.
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3. Die Kosten werden dem Kläger auferlegt und vorab aus dem von ihm geleis-
teten Kostenvorschuss bezogen.
4. Der Kläger wird verpflichtet, der Beklagten eine Parteienschädigung in der
Höhe von CHF 9'000.00 zu bezahlen.
5. Schriftliche Mitteilung an die Parteien sowie an die Eidgenössische Finanz-
marktaufsicht FINMA, Laupenstrasse 27, 3003 Bern.
6. Eine bundesrechtliche Beschwerde gegen diesen Entscheid ist innerhalb
von 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesge-
richt,1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen
Beschwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder
Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42
und 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Der Streit-
wert beträgt CHF 35'000.00.