Decision ID: 4a5d63dc-8037-57cb-beb5-a4f98fb2f819
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer − ein Angehöriger der Ethnie der "Parangi" (Burg-
her) mit letztem Wohnsitz in B._, C._, Ostprovinz − reiste
am (...). Mai 2016 in die Schweiz ein und stellte am 23. Mai 2016 im Emp-
fangs- und Verfahrenszentrum D._ ein Asylgesuch. Am 3. Juni
2016 fand seine summarische Befragung zur Person (BzP) und am 2. Au-
gust 2018 eine Anhörung zu den Asylgründen gemäss Art. 29 Abs. 1 AsylG
(SR 142.31) statt.
B.
B.a Der Beschwerdeführer brachte im Rahmen der BzP zur Begründung
seines Asylgesuchs im Wesentlichen vor, er habe seit 2014 der Partei
TMVP (Tamil Makkal Viduthalai Pulikal) angehört und habe für diese (...)ar-
beiten verrichtet und bei den Wahlen geholfen. Sein Freund E._ (im
Folgenden F._) habe ihm zu dieser Beschäftigung verholfen.
Er habe von diesem ferner erfahren, dass der Parteivorsitzende "Piliyan"
(nom de guerre von Sivanesathurai Chandrakanthan, Führer der TMVP
und Chief Minister der Ostprovinz, Anmerkung des Gerichts, im Folgenden:
P.) für Morde verantwortlich gewesen sei. P. habe dann die Wahlen verlo-
ren und sei am 11. Oktober 2015 festgenommen worden. Am 25. Oktober
2015 habe F._ ihn angerufen und gefragt, ob er die Dinge, die er
ihm über P. berichtet habe, jemandem weitererzählt habe. Danach sei er
mit seiner Frau und ihrem Kind zu einem Onkel in G._ gegangen.
Im Übrigen sei er von den LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) geschla-
gen worden, weil er der Partei von P. angehörte. Von diesem Vorfall
stamme die Wunde an (...). Er sei am (...) 2016 legal von Colombo aus
nach H._ geflogen und von dort aus von Schleppern (...) über den
Iran in die Türkei gebracht worden und habe von dort aus Griechenland in
einem Schlauchboot erreicht. Nach einem rund 40-tägigen Aufenthalt in
diesem Land sei er – wiederum mithilfe von Schleppern – via Nordmaze-
donien, Serbien, Ungarn und Österreich in die Schweiz weitergereist.
B.b Bei der Anhörung gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, er habe von
1996 bis 2006 für die LTTE und danach, nachdem sich Karuna und P. von
den Tamil Tigers getrennt hätten, gegen Bezahlung für P. gearbeitet, sei
aber nicht Parteimitglied der TMVP gewesen. Er habe für P. (...)-
arbeiten verrichtet und namentlich beim Aufbau von Bühnen für Wahlver-
anstaltungen sowie beim Aufhängen von Wahlplakaten geholfen. Er habe
sich auch darum bemüht, die Angehörigen seiner Ethnie als Wähler für die
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TMVP zu gewinnen. Ende 2008 sei er von der sri-lankischen Armee fest-
genommen, geschlagen und misshandelt worden (die Soldaten hätten
seinen Anus mit einer Flasche penetriert). P. habe schliesslich dafür ge-
sorgt, dass er freigelassen worden sei, und er habe sich anschliessend
während 20 Tagen im Spital behandeln lassen müssen. Während seiner
Tätigkeit für P. habe er mitbekommen, dass dieser zahlreiche kriminelle
Taten (Waffen- und Drogenhandel, Erpressungen, Menschenschmuggel)
begangen habe. Zudem habe er von seinem Freund F._ – welcher
ebenfalls für P. tätig gewesen sei – erfahren, dass P. für die Ermordung
eines Parlamentsabgeordneten namens Joseph Pararajasingam im Jahr
2005 verantwortlich gewesen sei und geplant habe, auch den Sieger der
Wahl von 2013 zu ermorden. Er habe aus diesen Gründen Angst vor P.
bekommen und versucht, sich von diesem zu distanzieren. P. habe ihn aber
dazu gezwungen, weiterhin für ihn zu arbeiten. Gegen Ende 2014 sei er,
als er mit dem Aufbau einer Bühne für eine Wahlveranstaltung von P. in
I._ beschäftigt gewesen sei, von etwa 15 Personen angegriffen
worden. Sie hätten ihn geschlagen und die von ihm aufgebaute Bühne de-
moliert. Er habe bei diesem Übergriff eine grosse Wunde (...) erlitten, die
er im Spital habe behandeln lassen müssen. Später habe ihm F._
berichtet, dass P. hinter diesem Übergriff gesteckt habe. Er vermute,
P. habe diesen seinen politischen Gegnern in die Schuhe schieben und
erreichen wollen, dass er seine Wahlveranstaltung an einem zentraleren
Ort habe abhalten können. Im Oktober 2015 sei P. in Zusammenhang mit
dem Mord an dem Parlamentsabgeordneten Pararajasingam im Jahr 2005
festgenommen worden. Anscheinend sei er von einem seiner Mitarbeiter
verraten worden. Eines Tages habe er (Beschwerdeführer) einen Telefon-
anruf von seinem Freund F._ erhalten, der ihn gefragt habe, ob er
jemandem etwas über P. weitererzählt habe. F._ habe aber aufge-
legt, bevor er habe antworten können. Er habe daraufhin befürchtet, dass
F._ ihn bezichtigen könnte, P. verraten zu haben. Wegen dieser Be-
fürchtungen sei er am 20. Oktober 2015 zu Verwandten in J._ ge-
gangen und habe von dort aus seine Ausreise organisiert. Seine Mutter
und sein Cousin hätten im Haus seiner Familie zum Rechten gesehen; sie
hätten ihm berichtet, dass sie mehrmals von Leuten von P. nach seinem
Verbleib und seiner Telefonnummer gefragt worden seien. Zudem sei seine
Ehefrau beschimpft und sexuell belästigt worden. Man habe seine Fami-
lienangehörigen als Verräter bezeichnet.
B.c Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer einen
Geburtsregisterauszug in englischer Übersetzung, Unterstützungsschrei-
ben des Bischofs (...) C._ vom 26. Juli 2018 sowie der Sri Lanka
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Portuguese Burgher Foundation vom 26. Juli 2018, des Priesters der (...)
Church in K._, C._, vom 26. Juli 2018 und eines Justice of
Peace von C._ vom 29. Juli 2018, ein Schreiben seiner Ehefrau
vom 26. Juli 2018 sowie einen ärztlichen Bericht des Stadtspitals (...),
L._, vom 25. Mai 2017 zu den Akten.
C.
Mit Verfügung vom 18. Oktober 2019 (eröffnet am 22. Oktober 2019) stellte
das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, lehnte sein Asylgesuch vom 23. Mai 2016 ab und ordnete seine Weg-
weisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an.
D.
Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 18. November 2019 erhob der
Beschwerdeführer gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerde und beantragte, dieser Entscheid sei aufzuheben und es
sei ihm Asyl zu gewähren; eventualiter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und ihm in der
Schweiz die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In verfahrensrechtlicher
Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung,
um Beiordnung seiner Rechtsvertreterin als unentgeltliche Rechtsbeistän-
din sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Zudem
sei die aufschiebende Wirkung der Beschwerde festzustellen.
Zum Beleg seiner Vorbringen wurde eine ärztliche Bestätigung von
Dr. med. M._, Allgemeine Medizin FMH, L._, vom 15. No-
vember 2019 inklusive Fotografie einer Narbe des Beschwerdeführers ein-
gereicht.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 28. November 2019 forderte der Instruktions-
richter den Beschwerdeführer auf, innert Frist seine Mittellosigkeit zu bele-
gen, stellte fest, über die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung und
Verbeiständung werde zu einem späteren Zeitpunkt des Verfahrens befun-
den und verzichtete vorderhand auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses. Zudem wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung
eingeladen.
F.
In ihrer Vernehmlassung vom 5. Dezember 2019 hielt die Vorinstanz an
ihrer Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
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Seite 5
G.
Mit Eingabe vom 13. Dezember 2019 reichte der Beschwerdeführer eine
Sozialhilfebestätigung der (...) vom 12. November 2019 zu den Akten.
H.
Der Instruktionsrichter hiess mit Instruktionsverfügung vom 17. Dezember
2019 die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie um unentgeltliche Verbeiständung
im Sinne von aArt. 110a AsylG gut, setzte MLaw Cora Dubach als amtliche
Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers ein und verzichtete definitiv auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses. Ferner wurde dem Beschwerde-
führer Gelegenheit zur Einreichung einer Replik geboten.
I.
Mit Eingabe seiner Rechtsbeiständin vom 3. Januar 2020 reichte der Be-
schwerdeführer eine Stellungnahme zur Vernehmlassung der Vorinstanz
ein. In der Beilage wurden ein Bericht zur aktuellen Situation in Sri Lanka
sowie zwei fremdsprachige Zeitungsartikel in Kopie eingereicht
J.
Mit Eingabe vom 11. März 2020 reichte der Beschwerdeführer Übersetzun-
gen der beiden Zeitungsartikel und eine Kostennote der Rechtsbeiständin
nach.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
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1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.5 Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Zur Begründung ihrer Verfügung führte die Vorinstanz Folgendes aus:
3.1.1 Die Vorbringen des Beschwerdeführers seien überwiegend unsub-
stanziiert ausgefallen. Dies treffe insbesondere auf seine Aussagen bezüg-
lich seiner Beziehung zu P. und F._ sowie des Telefonanrufs von
F._ zu. Seine Beschreibung der kriminellen Machenschaften von P.
sei sehr allgemein gehalten; es sei davon auszugehen, dass er mit diesem
und dessen Leuten höchstens minimal zu tun gehabt habe. Die Vorbringen
des Beschwerdeführers betreffend die Umstände, die ihn dazu veranlasst
hätten, sich von P. zu distanzieren, seien substanzlos. Im Weiteren wirke
es unlogisch, dass er, obwohl er P. angeblich seit langem gekannt und für
ihn gearbeitet habe, nie von diesem persönlich eingeweiht worden sei und
keinen näheren Bezug zu ihm aufgebaut habe. Es werde aus den Aussa-
gen des Beschwerdeführers nicht ersichtlich, dass er eine bedeutsame
Funktion im Umfeld von P. bekleidet hätte, weshalb es auch nicht nachvoll-
ziehbar sei, dass dieser ihn gezwungen habe, für ihn weiterzuarbeiten. Da
er keine illegalen Sachen für P. erledigt und ihm nicht sehr nahegestanden
habe, hätte er ohne Weiteres durch jemand anderen ersetzt werden kön-
nen. Ferner sei schwer nachvollziehbar, dass F._ den Telefonanruf
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mit dem Beschwerdeführer beendet habe, bevor dieser seine Frage habe
beantworten können. Die von ihm hierfür gegebene Erklärung ergebe kei-
nen Sinn. Im Weiteren habe er im Verlaufe des Verfahrens zu wesentlichen
Punkten seiner Vorbringen widersprüchliche Angaben gemacht, nament-
lich zur Frage, ob er Mitglied der TMVP gewesen sei, zum Zeitpunkt, an
welchem er für P. zu arbeiten begonnen habe, sowie zu den Umständen,
unter denen ihm die Wunde an (...) zugefügt worden sei. Die Erklärung des
Beschwerdeführers, er habe bei der BzP absichtlich falsche Angaben ge-
macht, weil er zuvor von Landsleuten eingeschüchtert worden sei, könne
nicht gehört werden, da er explizit auf die vertrauliche Behandlung seiner
Aussagen hingewiesen worden sei. Das Vorbringen anlässlich der Anhö-
rung, er habe von 1996 bis 2006 für die LTTE gearbeitet, müsse als nach-
geschoben qualifiziert werden, da er dies bei der BzP trotz ausdrücklicher
Aufforderung, nun jegliche Tätigkeiten mit Bezug auf die LTTE offenzule-
gen, nicht erwähnt habe. Die eingereichten Beweismittel seien nicht geeig-
net, den geltend gemachten Sachverhalt glaubhaft zu machen. Die Unter-
stützungsschreiben seien inhaltlich vage und als Gefälligkeitsschreiben zu
bewerten oder allenfalls gar käuflich erworben worden. Aus dem Arztzeug-
nis ergebe sich hinsichtlich des Datums der Zufügung der diagnostizierten
Verletzung am Anus ein weiterer Widerspruch zu den Aussagen des Be-
schwerdeführers in den Befragungen.
3.1.2 Im Weiteren lasse die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri
Lanka den Wegweisungsvollzug im heutigen Zeitpunkt nicht als generell
unzulässig erscheinen, und es würden sich aus den Akten keine Anhalts-
punkte dafür ergeben, dass dem Beschwerdeführer im Falle einer Rück-
kehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch
Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Auch unter Berück-
sichtigung des vom sri-lankischen Präsidenten Sirisena nach den Bomben-
anschlägen vom 21. April 2019 ausgerufenen Notstands sei nicht von einer
Situation allgemeiner Gewalt im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG (SR 142.20)
auszugehen. Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers in die
Ostprovinz sei ferner unter Beachtung der im Referenzurteil E-1866/2015
definierten Zumutbarkeitskriterien als individuell zumutbar zu bezeichnen.
Der Beschwerdeführer habe keine gravierenden gesundheitlichen Prob-
leme und verfüge über berufliche Erfahrung. Ferner habe er in seinem Hei-
matstaat eine gesicherte Wohnsituation und ein stabiles soziales Umfeld.
3.2
3.2.1 Der Beschwerdeführer ergänzte in seiner Beschwerdeeingabe zu-
nächst den Sachverhalt dahingehend, dass die sri-lankische Armee ihm bei
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der Verhaftung im Jahr 2008 vorgeworfen habe, (...) ins LTTE-Gebiet ge-
schmuggelt zu haben, was aber nicht der Wahrheit entsprochen habe. Die
Soldaten hätten nicht gewusst, dass er für P. gearbeitet habe, ansonsten
sie ihn wohl in Ruhe gelassen hätten. Im Jahr 2013 habe er für P. drei
Waffentransporte ins muslimische Gebiet in N._ durch-
geführt. Seine Ehefrau sei im August 2019 von unbekannten Personen auf
Motorrädern angefahren worden. Da er viele Details über die kriminellen
Tätigkeiten von P. gekannt habe, sei er zu einem gefährlichen Mitwisser
geworden. Er befürchte, im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka von der
TMVP unter Druck gesetzt zu werden, damit er im Verfahren gegen P. nicht
als Zeuge aussage. Es sei bekannt, dass die TMVP keine Mittel scheue,
um wichtige Zeugen zu unterdrücken und einzuschüchtern. Er befürchte,
getötet oder zumindest irregulär inhaftiert zu werden. Es sei ausserdem
davon auszugehen, dass er vonseiten des Staates als Zeuge der kriminel-
len Machenschaften von P. unter Druck gesetzt werden könnte.
3.2.2 Bezüglich der Frage der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen habe die
Vorinstanz ein zu starkes Gewicht auf die ihm vorgeworfenen Widersprü-
che in den bei der BzP und bei der Anhörung protokollierten Aussagen ge-
legt. Es sei ihm sehr wohl gelungen, seine Asylgründe plausibel, substan-
ziiert und nachvollziehbar darzulegen. Er habe bei der BzP unvollständige
und unwahre Angaben gemacht, weil er von anderen sri-lankischen Asyl-
suchenden eingeschüchtert worden sei; man habe ihm gesagt, er solle die
TMVP nicht in ein schlechtes Licht rücken und allfällige Verbindungen zu
den LTTE verschweigen. Dadurch liessen sich einige der von der Vor-
instanz gerügten Widersprüche erklären. Im Weiteren habe er entgegen
der Argumentation des SEM durchaus einige Anekdoten zu seinem Ver-
hältnis zu P. zu Protokoll gegeben, die zeigen würden, dass er regelmässi-
gen Kontakt zu diesem gepflegt habe. Da er auch Waffenlieferungen für P.
ausgeführt habe, sei es nicht erstaunlich, dass F._ ihm weitere De-
tails über die Machenschaften von P. offengelegt habe. Als Mitwisser und
Zeuge sei er entgegen der Einschätzung der Vorinstanz nicht bloss ein
leicht austauschbarer (...) gewesen. Der Widerspruch zwischen den Anga-
ben im Arztbericht vom 25. Mai 2017 und seinen protokollierten Aussagen
sei darauf zurückzuführen, dass bei der ärztlichen Konsultation kein Dol-
metscher anwesend gewesen sei und es wohl zu einem Missverständnis
gekommen sei.
3.2.3 Er sei bereits einmal Opfer eines Schlägertrupps der TMVP gewor-
den und es sei bekannt, dass diese Partei viele Menschenrechtsverletzun-
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Seite 9
gen begangen habe und begehe, ohne von den staatlichen Behörden des-
wegen belangt zu werden. Nach der Wahl von Rajapaksa sei damit zu
rechnen, dass die Partei noch mehr Freiheiten erhalte, die tamilische Be-
völkerung zu unterdrücken. Es gebe verschiedene Berichte, wonach die
TMVP mit den sri-lankischen Sicherheitskräften sowie mit dem bewaffne-
ten Flügel der regierungsnahen Eelam People's Democratic Party (EPDP)
zusammenarbeite, und dass Gegner oder Zeugen krimineller Machen-
schaften der TMVP Gefahr laufen würden, Opfer von Gewaltverbrechen
zu werden. Dieses Risiko habe sich aufgrund der neusten politischen Ver-
änderungen in Sri Lanka noch verschärft. Er sei als Zeuge und Mitwisser
der kriminellen Machenschaften der TMVP und insbesondere von deren
Chef P. besonders gefährdet. Seine Gefährdung habe sich durch seine
Flucht und die Einreichung eines Asylgesuchs sowie durch den Macht-
wechsel in Sri Lanka noch akzentuiert. Es sei davon auszugehen, dass ihm
bei einer Rückkehr Folter, Verhaftung oder gar die Tötung drohe. Diese
Gefahr werde durch den Angriff auf seine Ehefrau demonstriert, bei wel-
chem sie angefahren worden sei. Im Weiteren erfülle er mehrere der im
Referenzurteil E-1866/2015 definierten Risikofaktoren: Er habe in der Ver-
gangenheit für die LTTE gearbeitet und sei in diesem Zusammenhang von
der Armee verhaftet und gefoltert worden. Weiter habe er eine grosse
Narbe an (...), und er habe in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt. Ange-
sichts des Machtwechsels in Sri Lanka müsse davon ausgegangen wer-
den, dass Personen mit einem derartigen Profil mit asylrelevanter Verfol-
gung rechnen müssten. Die von ihm erlebte Verfolgung sei gezielt gegen
ihn gerichtet gewesen und habe auf seiner politischen Gesinnung und sei-
ner ethnischen Herkunft gefusst. Er könnte ferner angesichts der Zusam-
menarbeit zwischen der TMVP und den Regierungskräften nicht darauf
zählen, dass ihn der sri-lankische Staat schützen würde. Demnach seien
entgegen der vorinstanzlichen Auffassung sämtliche Voraussetzungen der
Flüchtlingseigenschaft gegeben.
3.2.4 Im Weiteren sei angesichts des Machtwechsels vermehrt mit Repres-
sionen gegenüber Tamilen und Tamilinnen zu rechnen. In diesem Sinne sei
der Vollzug der Wegweisung nicht mit den menschenrechtlichen Verpflich-
tungen zu vereinbaren und er erweise sich damit als unzulässig.
3.3 In ihrer Vernehmlassung hielt die Vorinstanz an ihrer Einschätzung fest,
dass der Beschwerdeführer sich im Asylpunkt widersprüchlich geäussert
habe. Das Vorbringen, er sei an Waffentransporten von P. beteiligt gewe-
sen, sei als nachgeschoben zu qualifizieren und stehe im Widerspruch
dazu, dass er in den Befragungen mehrfach ausgesagt habe, er sei in
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Seite 10
keine kriminellen Machenschaften verwickelt gewesen. Da die Personen,
die seine Ehefrau angeblich angefahren hätten, unbekannt seien, vermöge
dieses Vorbringen ebenfalls nichts an ihrer Einschätzung zu ändern. Die
vorgebrachten Erklärungen für die festgestellten Widersprüche in den Aus-
sagen des Beschwerdeführers vermöchten nicht zu überzeugen. Da sich
seine Asylvorbringen als unglaubhaft erwiesen hätten, entfalle eine Bewer-
tung gemäss den in der Beschwerde genannten Risikofaktoren. Dies gelte
auch für die Befürchtung, aufgrund des zuletzt erfolgten Machtwechsels in
Sri Lanka irgendwelche Nachteile zu erleiden.
3.4 In seiner Replik erklärte der Beschwerdeführer, er habe die Waffen-
transporte in den Befragungen absichtlich nicht erwähnt, weil er befürchtet
habe, dass seine in Sri Lanka verbliebenen Angehörigen durch Abklärun-
gen der schweizerischen Behörden gefährdet werden könnten. Da er
rechtsunkundig sei, sei nachvollziehbar, dass er entsprechenden Gerüch-
ten seiner Landsleute Glauben geschenkt habe. Er gehe davon aus, dass
die Personen, die im August 2019 seine Ehefrau behelligt hätten, Angehö-
rige der TMVP seien, da diese Partei ein direktes Interesse daran habe,
ihn einzuschüchtern. Sie arbeite eng mit der neu gewählten Regierung Sri
Lankas zusammen, und es sei angekündigt worden, dass P. aus der Un-
tersuchungshaft entlassen werden solle. Schliesslich sei auf den jüngsten
Regierungswechsel und die Krise zwischen der Schweiz und Sri Lanka we-
gen der Entführung einer Schweizer Botschaftsangestellten hinzuweisen.
Gegner des Rajapaksa-Clans würden direkt unter Beschuss stehen und
verfolgt. Es sei lediglich eine Frage der Zeit, bis es auch zu Übergriffen
gegen politische Gegner der TMVP komme.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Seite 11
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie ge-
nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich
nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht
widersprüchlich sein, nicht der inneren Logik entbehren oder den Tatsa-
chen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Vorbringen sind sub-
stanziiert, wenn sie sich auf detaillierte, präzise und konkrete Schilderun-
gen stützen. Als schlüssig gelten Vorbringen, wenn sie innerhalb einer An-
hörung, zwischen Anhörungen oder im Vergleich zu Aussagen Dritter keine
Widersprüche aufweisen. Allerdings sollten kleine, marginale Widersprü-
che sowie solche, die nicht die zentralen Asylvorbringen betreffen, zwar in
die Gesamtbetrachtung einfliessen, jedoch nicht die alleinige Begründung
für die Verneinung der Glaubhaftigkeit darstellen. Darüber hinaus muss die
gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbe-
sondere dann nicht der Fall ist, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt
oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen aus-
wechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mitwir-
kung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachen bedeutet ferner – im Ge-
gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der
gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die
Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht.
Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2012/5
E. 2.2, BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3; Entscheidungen und Mitteilungen
der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1
S. 190 f.; ANNE KNEER und LINUS SONDEREGGER, Glaubhaftigkeitsprüfung
im Asylverfahren – Ein Überblick über die Rechtsprechung des Bundesver-
waltungsgerichts, in: ASYL 2015/2 S. 5).
E-6131/2019
Seite 12
5.2
5.2.1 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person
die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile
von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche mit beacht-
licher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, so-
fern ihr die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1
AsylG aufgezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive
zugefügt zu werden drohen, und vor denen sie keinen ausreichenden staat-
lichen Schutz erwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f. und 2008/4 E. 5.2,
je m.w.H.). Eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne dieser Bestim-
mung liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, Letztere
hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich
– auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in abseh-
barer Zukunft verwirklichen. Es müssen demnach hinreichende Anhalts-
punkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem
Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Ent-
schluss zur Flucht hervorrufen würden. Aufgrund der Subsidiarität des
flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Anerkennung der Flüchtlings-
eigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person in ihrem
Heimat- oder Herkunftsstaat keinen ausreichenden Schutz finden kann
(vgl. BVGE 2011/51 E. 6, 2008/12 E. 7.2.6.2 und 2008/4 E. 5.2).
5.2.2 Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die
Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder
der begründeten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des
Asylentscheids ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der
Verfolgungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Si-
tuation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb
zugunsten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berück-
sichtigen (vgl. zum Ganzen BVGE 2011/51 E. 6, 2011/50 E. 3.1.1 und
3.1.2, 2010/57 E. 2, 2008/34 E. 7.1, 2008/12 E. 5.2 und 2008/4 E. 5.2, je-
weils m.w.H.; WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax / Rudin / Hugi Yar /
Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., 2009, Rz. 11.17 und 11.18).
6.
6.1 Zu Recht wies die Vorinstanz darauf hin, dass der Beschwerdeführer
in den Befragungen divergierende Angaben zur Dauer seiner Tätigkeit für
P., zur Frage seiner Mitgliedschaft bei der TMVP und zur Ursache seiner
(...)verletzung machte. Er hat diese Divergenzen nicht bestritten. Seine Er-
klärung, er habe bei der BzP teilweise bewusst falsche Angaben gemacht,
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Seite 13
weil er von anderen sri-lankischen Asylsuchenden unter Druck gesetzt wor-
den sei, ist von vornherein nicht geeignet, diese Ungereimtheiten auszu-
räumen und vermag auch angesichts der ihm zugesicherten Vertraulichkeit
der Befragungen nicht zu überzeugen. Die auf Beschwerdeebene behaup-
tete Beteiligung an Waffentransporten der TMVP erwähnte der Beschwer-
deführer im Rahmen der Befragungen nicht, sondern er gab vielmehr aus-
drücklich zu Protokoll, an keinen illegalen Aktivitäten von P. und seinen
Leuten beteiligt gewesen zu sein (vgl. Protokoll Anhörung A18 F52). Seine
Erklärung, er habe dieses Sachverhaltselement im erstinstanzlichen Ver-
fahren aus Angst vor Repressalien gegen seine Angehörigen im Falle dies-
bezüglicher Abklärungen durch die Schweizer Behörden verschwiegen, ist
als unbehelfliche Schutzbehauptung zu bewerten. Dieses Vorbringen ist
als nachgeschoben und damit als unglaubhaft zu bewerten. Nach dem Ge-
sagten rechtfertigen sich erhebliche Zweifel an dem vom Beschwerdefüh-
rer dargelegten Umfang seiner Tätigkeit für die TMVP und deren Anführer
P.. Es ist zwar nicht auszuschliessen, dass er während einer gewissen Zeit
von dieser Partei als Hilfskraft bei Wahlveranstaltungen beschäftigt wurde
und in diesem Zusammenhang gewisse Kontakte zum Parteiführer P.
hatte. Jedoch hat der Beschwerdeführer nicht glaubhaft dargelegt, dass er
über namhaftes Wissen betreffend kriminelle Machenschaften von P. ver-
fügt oder gar in solche verwickelt war.
6.2 Demzufolge ist auch den vom Beschwerdeführer gemäss seinen An-
gaben erlittenen beziehungsweise befürchteten Nachteilen im Zusammen-
hang mit seiner Tätigkeit für die TMVP die Grundlage entzogen. Seine Aus-
führungen zu dem Überfall im Jahr 2014 lassen nicht darauf schliessen,
dass dieser gezielt gegen seine Person gerichtet war. Nach seiner Darstel-
lung handelte es sich dabei vielmehr um ein taktisches Wahlkampfmanöver
von P.. Die vom Beschwerdeführer geäusserte Befürchtung, er habe nach
der Verhaftung von P. mit Repressalien seitens der TMVP zu rechnen,
weil er ein Mitwisser von dessen Machenschaften sei, ist eine blosse Ver-
mutung, für welche stichhaltige Anhaltspunkte fehlen. Es liegen keine
konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass er in Zusammenhang mit den
gegen P. erhobenen Anschuldigungen wegen der Ermordung des Parla-
mentsabgeordneten gebracht worden wäre, und es sind keine plausiblen
Gründe ersichtlich, weshalb er des Verrats an P. verdächtigt werden sollte,
zumal er nicht glaubhaft gemacht hat, in dessen kriminelle Aktivitäten ver-
wickelt gewesen zu sein oder detaillierte Kenntnisse darüber zu haben.
Ohnehin ist der Furcht des Beschwerdeführers vor Repressalien durch die
TMVP, um ihn an einer allfälligen Zeugenaussage gegen P. zu hindern, die
E-6131/2019
Seite 14
Grundlage dadurch entzogen, dass P., zusammen mit vier anderen Ver-
dächtigen, am 13. Januar 2021 vom C._ High Court vom Vorwurf
des Mordes an Joseph Pararajasingham freigesprochen wurde, nachdem
die Generalstaatsanwaltschaft die Anklage hatte fallen lassen (vgl. HUMAN
RIGHTS WATCH [HRW], Open Wounds and Mounting Dangers, Blocking Ac-
countability for Grave Abuses in Sri Lanka, Februar 2021, S. 9 und 25; AM-
NESTY INTERNATIONAL, Sri Lanka: Collapse of Joseph Pararajasingham
murder case a failure of justice, 13. Januar 2021).
6.3 Angesichts dieser Feststellungen ist im Weiteren die Glaubhaftigkeit
der vom Beschwerdeführer vorgebrachten Behelligungen seiner Angehöri-
gen nach seiner Ausreise in Zweifel zu ziehen. Jedenfalls lassen sich
weder seinen diesbezüglichen Aussagen noch dem Schreiben seiner
Ehefrau vom 26. Juli 2018 substanziierte Angaben zur Identität der angeb-
lichen Verfolger sowie deren Motiven entnehmen. Die vom Beschwerde-
führer eingereichten Unterstützungsschreiben verschiedener Amts- und
Würdenträger wurden von der Vorinstanz zu Recht als blosse Gefälligkeits-
erklärungen ohne relevanten Beweiswert qualifiziert, zumal diese lediglich
pauschale Angaben zu seinen angeblichen Problemen enthalten.
6.4 Weil es sich bei der vom Beschwerdeführer im Rahmen der Anhörung
vorgebrachten Festnahme und Misshandlung durch die sri-lankische
Armee im Jahr 2008 in zeitlicher Hinsicht nicht um ein zentrales Sachver-
haltselement handelt – sowie in Anbetracht des summarischen Charakters
der BzP –, kann aus dem Umstand, dass er dieses Vorbringen bei der
ersten Befragung nicht erwähnte, nicht ohne Weiteres auf dessen Unglaub-
haftigkeit geschlossen werden. Jedenfalls fehlt es diesem Vorbringen aber
an einem sachlichen und zeitlichen Zusammenhang zu seiner Ausreise im
Jahr 2016. Den Akten ist nicht zu entnehmen, dass er nach 2008 weitere
Nachteile von Seiten der sri-lankischen Behörden erlitten hätte, weshalb
kein Grund zur Annahme besteht, dass er im heutigen Zeitpunkt mit sol-
chen zu rechnen hätte.
6.5 Eine begründete Verfolgungsfurcht des Beschwerdeführers lässt sich
im Weiteren auch nicht aus den vom Bundesverwaltungsgericht im Refe-
renzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 definierten Risikofaktoren ablei-
ten:
6.5.1 Das Gericht orientiert sich gemäss diesem Urteil bei der Beurteilung
des Risikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von
Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei
handelt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeint-
E-6131/2019
Seite 15
lichen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, um die Teil-
nahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen und um das Vorlie-
gen früherer Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden, üblicher-
weise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbin-
dung zu den LTTE (sog. stark risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O.,
E. 8.4.1–8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu
werden, unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen
Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise zu-
rückgeführt werden oder die über die Internationale Organisation für Mig-
ration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sicht-
baren Narben (sog. schwach risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O.,
E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaub-
haft gemachten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der
betreffenden Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbeson-
dere jene Rückkehrenden eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachtei-
len im Sinn von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Be-
hörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt sind, den tamilischen Sepa-
ratismus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O., E. 8.5.1).
6.5.2 Der Beschwerdeführer ist keiner dieser Risikogruppen zuzurechnen.
Gestützt auf die vorangehenden Erwägungen besteht kein Grund zur
Annahme, dass er im Zeitpunkt seiner Ausreise behördlich gesucht wurde.
Es sind keine stichhaltigen Hinweise dafür ersichtlich, dass er aufgrund
seiner Vorgeschichte ins Visier der sri-lankischen Behörden geraten könnte
und diese ein asylrechtlich relevantes Verfolgungsinteresse an ihm haben.
Insbesondere ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer be-
fürchten muss, die sri-lankischen Behörden könnten ihm aufgrund der von
ihm geltend gemachten früheren Tätigkeit für die LTTE im Zeitraum von
1996 bis 2006 sowie der Verhaftung und Misshandlung im Jahre 2008 im
heutigen Zeitpunkt eine Verbindung zu den LTTE unterstellen. Dass ihm
keine Verfolgung durch die heimatlichen Behörden droht, wird auch
dadurch untermauert, dass er in der Lage war, einen sri-lankischen Reise-
pass zu beschaffen, und mit diesem legal über den Flughaften Colombo
ausreiste. Unter Würdigung aller Umstände ist somit anzunehmen, dass
der Beschwerdeführer von der sri-lankischen Regierung nicht zu jener
Gruppe von Personen gezählt wird, die bestrebt ist, den tamilischen Sepa-
ratismus wiederaufleben zu lassen, und so eine Gefahr für den sri-lanki-
schen Einheitsstaat darstellt. Es ist auch nicht damit zu rechnen, dass er
auf der "Stop List" aufgeführt wird. Exilpolitische Tätigkeiten macht er nicht
geltend. Somit liegen in seinem Fall keine stark risikobegründenden Fak-
toren im Sinne des erwähnten Urteils vor.
E-6131/2019
Seite 16
6.5.3 Die ohnehin nur leicht risikobegründende Narbe des Beschwerdefüh-
rers an (...) lässt sich ohne Weiteres verdecken. Schliesslich besteht kein
Grund zur Annahme eines aktuellen relevanten Verfolgungsrisikos wegen
seiner Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie, aufgrund seiner mehrjährigen
Landesabwesenheit sowie dem Fehlen ordentlicher Identitätspapiere.
6.6
6.6.1 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers lässt schliesslich
auch die aktuelle allgemeine Situation in seinem Heimatstaat nicht auf eine
asylrelevante Gefährdung schliessen. Seit Einreichung des Asylgesuchs
durch den Beschwerdeführer war die Lage in Sri Lanka verschiedenen Ver-
änderungen unterworfen, wobei namentlich politische Spannungen, die
verheerenden Terroranschläge an Ostern 2019 sowie zuletzt die Wahl von
Gotabaya Rajapaksa zum Präsidenten von Sri Lanka zu erwähnen sind.
6.6.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist sich der Veränderungen der letz-
ten Zeit in Sri Lanka bewusst, beobachtet die Entwicklungen aufmerksam
und berücksichtigt sie bei der Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen
Kenntnisstand durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefähr-
dungslage für Personen, die bestimmte Risikofaktoren erfüllen, auszuge-
hen (vgl. Referenzurteil E‐1866/2015, a.a.O.; HRW, Sri Lanka: Families of
"Disappeared" Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt es zum heutigen
Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri
Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr aus-
gesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Einzelfall zu prüfen, ob ein
persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen zur Präsidentschafts-
wahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen besteht.
6.6.3 Ein solcher Bezug ist vorliegend, wie sich aus den vorstehenden Er-
wägungen ergibt, nicht ersichtlich.
6.7 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer somit nicht gelungen,
eine relevante Verfolgungsgefahr im Sinn von Art. 3 AsylG darzutun. Das
SEM hat folglich zu Recht seine Flüchtlingseigenschaft verneint und sein
Asylgesuch abgelehnt.
E-6131/2019
Seite 17
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2
8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
8.2.2 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
E-6131/2019
Seite 18
8.2.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
8.2.4 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde-
führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt
den Wegweisungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen (vgl. Referenz-
urteil E-1866/2015, a.a.O., E. 12.2). Auch der EGMR hat sich wiederholt
mit der Gefährdungssituation von Tamilen befasst, die aus einem europäi-
schen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen (vgl. EGMR, R.J. gegen
Frankreich, Urteil vom 19. September 2013, Beschwerde Nr. 10466/11;
E.G. gegen Grossbritannien, a.a.O.; T.N. gegen Dänemark, Urteil vom
20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 20594/08; P.K. gegen Dänemark, Urteil
vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08; Rechtsprechung bestä-
tigt in J.G. gegen Polen, Entscheidung vom 11. Juli 2017, Beschwerde
Nr. 44114/14). Dabei unterstreicht der Gerichtshof, dass nicht generell da-
von auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe eine unmenschliche
Behandlung. Den Akten lassen sich keine stichhaltigen Hinweise dafür ent-
nehmen, dass diese Einschätzung nicht mehr zutreffend wäre.
8.2.5 Es ergeben sich aus den Akten keine konkreten Anhaltspunkte dafür,
dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beacht-
licher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen
"Background Check" (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In-
und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet
wäre.
8.2.6 Der Vollzug erweist sich damit als zulässig.
E-6131/2019
Seite 19
8.3
8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.3.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen, und in Sri Lanka herrscht
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24
E. 13.2.1). Gemäss Rechtsprechung ist der Vollzug von Wegweisungen
in die Nord- und Ostprovinz zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen
Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiä-
ren oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte
Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil
E-1866/2015, a.a.O., E. 13.2). An dieser Einschätzung vermögen auch die
vom Beschwerdeführer erwähnten Ereignisse (Präsidentschaftswahl im
Jahr 2019, diplomatische Krise zwischen der Schweiz und Sri Lanka Ende
2019) nichts zu ändern und sie bleibt weiterhin aktuell (vgl. dazu aus neu-
erer Teitetwa die Urteile des BVGer D-2635/2020 vom 1. März 2021 E. 8.2
oder E-5504/2019 vom 25. Februar 2021 E.10.3.2).
8.3.3 Die Vorinstanz hat das Bestehen individueller Wegweisungshinder-
nisse zu Recht verneint. Der Beschwerdeführer verfügt gemäss Aktenlage
über ein tragfähiges soziales Beziehungsnetz in seinem Heimatstaat, auf
dessen Unterstützung er zur Sicherung seiner wirtschaftlichen Existenz
mutmasslich zählen kann. Es besteht kein Grund zur Annahme, dass er bei
einer Rückkehr nach Sri Lanka in eine existenzielle Notlage geraten wird.
8.3.4 Bezüglich der Corona-Pandemie ist festzuhalten, dass in Sri Lanka
gemäss öffentlich zugänglichen Quellen der erste Fall einer Covid-19-
Erkrankung Ende Januar 2020 – somit rund einen Monat bevor in der
Schweiz der erste Fall gemeldet wurde – diagnostiziert wurde. Die Krank-
heit hat sich in Sri Lanka offenbar nicht stärker als in der Schweiz ausge-
breitet. Jedenfalls führt die Tatsache, dass auch Sri Lanka von Covid-19-
Erkrankungen betroffen ist, nicht bereits zur Annahme der Unzumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs.
8.3.5 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
E-6131/2019
Seite 20
8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mit Zwischenver-
fügung vom 17. Dezember 2019 sein Gesuch um unentgeltliche Prozess-
führung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen wurde und keine An-
haltspunkte dafür vorliegen, dass sich seine finanzielle Lage seither ent-
scheidrelevant verändert hat, ist von der Auflage von Verfahrenskosten ab-
zusehen.
11.
Mit der Zwischenverfügung vom 17. Dezember 2019 wurde auch das Ge-
such des Beschwerdeführers um amtliche Verbeiständung gutgeheissen
(aArt. 110a Abs. 1 VwVG) und seine Rechtsvertreterin als Rechtsbeistän-
din eingesetzt. Demnach ist dieser ein amtliches Honorar für ihre notwen-
digen Aufwendungen im Beschwerdeverfahren auszurichten. Der in der
Kostennote vom 11. März 2020 ausgewiesene zeitliche Aufwand von
17.5 Honorarstunden erscheint nicht als angemessen und ist auf 15 Stun-
den zu reduzieren. Der zeitliche Aufwand von 2 Stunden für den oder die
Dolmetscher/in (Fr. 160.–) erscheint ebenso notwendig. Das Beratungsge-
spräch wird hingegen praxisgemäss nicht entschädigt. Demzufolge ist das
amtliche Honorar – in Anwendung des in der Zwischenverfügung kommu-
nizierten Stundenansatzes von maximal 150 Franken – auf insgesamt
2434.− (inkl. Auslagen) festzusetzen und durch die Gerichtskasse zu ver-
güten.
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Seite 21