Decision ID: 79987f86-b829-435c-9462-e5dbe5892575
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
W._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch die Psychiatrische Klinik Wil, Dr. med. A._, Dr. med. B._,
Zürcherstrasse 30, Postfach 573, 9501 Wil SG 1,
gegen
CSS Versicherung, Tribschenstrasse 21, Postfach 2568, 6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a Der 1982 geborene W._ begab sich am 24. April 2006 in stationäre Behandlung
in die Psychiatrische Klinik Wil, nachdem er am 16. März 2006 aus der Klinik für
Psychiatrie, Psychotherapie und Suchtbehandlung am St. Pirminsberg in Pfäfers
entlassen worden war (act. G 4).
A.b Mit Verfügung vom 25. Januar 2008 hielt die CSS Versicherung (nachfolgend:
CSS), bei welcher der Beschwerdeführer obligatorisch krankenversichert ist, fest, sie
übernehme die Kosten für den stationären Aufenthalt in der Akutabteilung der Psychia
trischen Klinik Wil nur bis am 31. Dezember 2006. Ab dem 1. Januar 2007 werde sie
die Pflegetaxe analog der höchsten Pflegestufe nach dem BewohnerInnen-
Einstufungs- und Abrechnungssystem (BESA) mit Fr. 70.-- pro Tag vergüten. Aufgrund
ihrer Abklärungen sei die Akutspitalbedürftigkeit nicht mehr ausgewiesen. In der
dagegen gerichteten Einsprache liess der durch Dr. med. A._, sowie Dr. med. B._,
vertretene Beschwerdeführer bis auf Weiteres die Kostenübernahme für die
Akutabteilung beantragen (act. G 10.3.41).
B.
B.a In ihrem Einspracheentscheid vom 7. Mai 2008 hielt die CSS an ihrer Verfügung
fest (act. G 4.1). Mit Schreiben vom 13. Mai 2008 machte die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers die CSS auf eine Unvollständigkeit des Textes im Bereich des
Seitenumbruchs von Seite 4 auf Seite 5 im Einspracheentscheid aufmerksam und
ersuchte um Zustellung eines korrigierten Entscheids (act. G 10.1).
B.b Am 15. Mai 2008 stellte die CSS den um diesen Seitenumbruchfehler korrigierten
Einspracheentscheid mit unverändertem Entscheiddatum vom 7. Mai 2008 nochmals
zu. Das Begleitschreiben enthielt keinen Hinweis über allfällige Folgen für den
Rechtsmittellauf (act. G 8.3).
C.
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C.a Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde vom 12. Juni 2008 beantragt der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers beim Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen die Aufhebung des Einspracheentscheids sowie sinngemäss die weitere
Kostenübernahme für Aufenthalt und Behandlung auf der Akutabteilung durch die CSS.
C.b Am 23. Juni 2008 ersuchte das Versicherungsgericht die CSS, den genauen
Zustellungszeitpunkt ihres am 7. Mai 2008 versandten Einspracheentscheids
abzuklären (act. G 5). Das Nachforschungsergebnis der Post ergab, dass der
Einspracheentscheid am 8. Mai 2008 zugestellt wurde (act. G 6.2).
C.c Mit Schreiben vom 10. Juli 2008 forderte der Präsident des kantonalen
Versicherungsgerichts den Beschwerdeführer zur Nachreichung des ursprünglich
fehlerhaften Einspracheentscheids vom 7. Mai 2008 auf (act. G 7). Dies geschah am
4. August 2008 (act. G 8).
C.d In ihrer Beschwerdeantwort vom 8. September 2008 beantragt die CSS, dass auf
die Beschwerde vom 12. Juni 2008 wegen Versäumnis der Rechtsmittelfrist nicht
einzutreten sei. Eventualiter sei die Beschwerde abzuweisen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge.
D.
Der Beschwerdeführer hat auf die Einreichung einer Replik verzichtet (act. G 12).

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer die 30-tägige Frist zur Einreichung
der Beschwerde eingehalten hat. Sollte dies nicht der Fall sein, kann auf die
Beschwerde nicht eingetreten werden.
2.
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2.1 Nach Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) ist die Beschwerde innerhalb von 30
Tagen seit Eröffnung des Einspracheentscheids einzureichen. Mit der Eröffnung eines
Entscheids ist dessen Zustellung gemeint.
2.2 Die CSS macht geltend, dass für die Berechnung der Rechtsmittelfrist allein auf
die Zustellung des fehlerhaften Einspracheentscheids abgestellt werden müsse.
Demgegenüber habe die Zustellung des korrigierten Entscheids keine neue
Rechtsmittelfrist ausgelöst. Nachdem die Beschwerde vom 12. Juni 2008 nicht
innerhalb der dreissigtägigen Frist erhoben worden sei, könne darauf nicht eingetreten
werden. Im Weiteren seien auch keine Gründe ersichtlich, welche eine
Wiederherstellung der Frist nach Art. 41 ATSG rechtfertigen würden.
3.
3.1 Vorliegend ist unbestritten, dass der als Einschreiben versandte
Einspracheentscheid vom 7. Mai 2008 dem Beschwerdeführer am 8. Mai 2008 eröffnet
wurde. Die Frist von 30 Tagen für dessen Anfechtung endete demnach am 9. Juni
2008. Die Beschwerde vom 12. Juni 2008 wurde mithin nicht innerhalb der Frist von 30
Tagen und deshalb grundsätzlich verspätet erhoben. Es stellt sich aber dir Frage, ob
die Zustellung des korrigierten Einspracheentscheids, wie vom Beschwerdeführer
sinngemäss geltend gemacht, einen neuen Fristenlauf ausgelöst hat. Dies wäre
möglich, wenn die Korrektur auf Grund ihrer Qualifikation einen solchen bewirkt.
3.2 Dem Sozialversicherungsträger stehen zur Korrektur inhaltlicher Fehler bei
Entscheiden gemäss Art. 55 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 69 des Bundesgesetzes über das
Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) grundsätzlich die Instrumente der
Erläuterung und der Berichtigung zur Verfügung. Durch das Begehren um Erläuterung
können Unklarheiten und Widersprüche im Dispositiv eines Entscheids oder zwischen
diesem und der Begründung eliminiert werden (Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 5. Aufl., 2006, S. 395, Rz. 1847). Dabei geht es um die Klarstellung
der Folgen einer Entscheidung. Die ursprüngliche Anordnung soll lediglich verdeutlicht,
niemals aber geändert oder gar aufgehoben werden (Vogel Stefan, Kommentar zum
Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren (VwVG), in: Auer/Müller/Schindler
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(Hrsg.), Zürich/St. Gallen 2008, N. 4 zu Art. 69). Wird eine Erläuterung noch vor Eintritt
der formellen Rechtskraft verlangt, hemmt dies eine laufende Rechtsmittelfrist
grundsätzlich nicht. Einzig für den Fall der Gutheissung wird die Rechtsmittelfrist neu
eröffnet, d.h. die Adressaten erhalten nochmals die Möglichkeit zur Erhebung eines
Rechtsmittels, welches bereits gegen den ursprünglichen Entscheid offenstand. Dabei
läuft die neue Frist nur für jene Teile des Dispositivs, welche effektiv präzisiert wurden
(Vogel Stefan, a.a.O., N. 11 und 18 zu Art. 69 mit Hinweisen). Mit der Berichtigung kann
die Sozialversicherung jederzeit Redaktions- oder Rechnungsfehler oder
Kanzleiversehen korrigieren, die keinen Einfluss auf die Entscheidungsformel oder auf
den erheblichen Inhalt der Begründung ausüben (Art. 55 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 69
Abs. 3 VwVG). Im Unterschied zur Anpassung, Wiedererwägung und Revision handelt
es sich nicht um eine Rücknahme der unrichtigen Verfügung und deren Ersatz durch
eine neue, sondern bloss um die Berichtigung der an sich richtigen, aber aus Versehen
falsch geschriebenen oder berechneten Verfügung (BGE 119 Ib 368 E. 2, 99 V 64
E. 2b). Eigentliche Fehler im Inhalt können nicht auf dem Wege der Berichtigung
beseitigt werden. Die Berichtigung soll ohne zeitliche Verzögerung erfolgen, ist aber –
vorbehältlich des Vertrauensschutzes – grundsätzlich jederzeit möglich, also auch an
einer bereits rechtskräftigen oder an einer angefochtenen Verfügung (Zünd Christian,
Kommentar zum Gesetz über das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich,
Zürich 1999, Vorbem. zu §§ 29-32, N. 13 mit Hinweisen). Im Gegensatz zur Erläuterung
steht bei der Berichtigung eine Neueröffnung der Rechtsmittelfrist nicht zur Debatte
(Vogel Stefan, a.a.O., N. 23 zu Art. 69).
3.3 Die Rechtsvertreter des Beschwerdeführers wurden bei Durchsicht und Prüfung
des Einspracheentscheids vom 7. Mai 2008 darauf aufmerksam, dass zwischen den
Seiten 4 und 5 mindestens ein Satzteil fehlte (act. G 8.1). Sie ersuchten die CSS
deshalb am 13. Mai 2008 schriftlich um Zustellung eines vollständigen
Einspracheentscheids und erhielten diesen umgehend mit Begleitbrief vom 15. Mai
2008 durch A-Post zugestellt (act. G 4.1). Bis zum Fristablauf am 9. Juni 2008 verblieb
ihnen noch mehr als drei Wochen, um gegen den Entscheid ein Rechtsmittel zu
ergreifen. Ein Vergleich der beiden Entscheid-Fassungen zeigt, dass im fehlerhaften
Einspracheentscheid auf Seite 4 unten lediglich eine Textzeile ("Rahmen von Art. 49
Abs. 3 KVG grundsätzlich gleich zu behandeln (Eugster, a.a.O., Rz.") fehlt. Diese
enthält ein Zitat aus Lehre und Rechtsprechung über die gesetzlichen Voraussetzungen
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einer Leistungspflicht bei stationären psychiatrischen Dauerpatienten. Sie macht weiter
keine Ausführungen über die konkreten Verhältnisse des Beschwerdeführers. Obgleich
die Lücke im Text offensichtlich ist, ergeben sich für den Leser weder Widersprüche
noch erhebliche Unklarheiten in der Entscheidbegründung. Vielmehr darf vorausgesetzt
werden, dass Ärzten, welche sich auf die stationäre psychiatrische Behandlung von
Patienten spezialisiert haben, die gesetzlichen Grundlagen für den Leistungsanspruch
durch den Versicherungsträger ohnehin bekannt sind. Dies vorliegend umso mehr als
die CSS denselben Textbaustein zur Begründung ihrer Leistungsablehnung schon
gegenüber mehreren anderen Patienten der Psychiatrischen Klinik Wil verwendet hat,
wovon die Klinik jeweils ebenfalls Kenntnis nahm (vgl. unter anderen: KV 2008/4 und
KV 2008/1). Das entsprechende Fachwissen durfte folglich auch bei den
Rechtsvertretern des Beschwerdeführers als bekannt gelten. Damit führte der
fehlerhafte Einspracheentscheid für den Beschwerdeführer aber weder in zeitlicher
noch in inhaltlicher Hinsicht zu einem Nachteil. Die Korrektur des Umbruchfehlers
stellte deshalb klarerweise eine Berichtigung dar, welche keine neue Rechtsmittelfrist
ausgelöst hat.
4.
4.1 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers stellt sich jedoch auf den
Standpunkt, dass die Rechtsmittelfrist mit der Zustellung des korrigierten
Einspracheentscheids zu laufen begann, sodass die erst am 12. Juni 2008 eingereichte
Beschwerde innert Frist erhoben worden sei. Es stellt sich die Frage, ob er als
juristischer Laie darauf vertrauen durfte, dass ihm mit dem korrigierten Entscheid die