Decision ID: 644f3e3c-6e15-4bcb-a936-5fe6190a4968
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1958,
war als Hilfsarbeiter tätig (vgl.
Urk.
6/6/1).
Am 25. Juli 2000 meldete er sich wegen Bandscheiben- und Knieschäden erstmals bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
6/2). Nach Durchführung der erforderlichen Ab
klärungen (
Urk.
6/6 ff.) verneinte die damals zuständige IV-Stelle Bern mit Verfügung vom 3. September 2001 einen Rentenanspruch des Versicherten (
Urk.
6/23). Dies bestätigte das Verwaltungsgericht des Kantons Bern mit Urteil vom 29. März 2002 (
Urk.
6/28).
Am 7. Februar 2007 meldete sich der
Versicherte wegen Kniearthrose
erneut
zum Leistungsbezug
an (
Urk.
6/35).
Die nun zuständige Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche (
Urk.
6/41) und medizi
nische (
Urk.
6/42-43) Abklärungen. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
6/54-55;
Urk.
6/58), in dessen Rahmen weitere medizinische Abklärungen erfolgten (
Urk.
6/60-66), verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 27. Dezem
ber 2007 (
Urk.
6/67) einen Umschulungsanspruch sowie mit Verfügung vom 28. Dezember 2007
(
Urk.
6/68)
einen Rentenanspruch des Versicherten.
1.2
Vom 1. Juni 2008 bis 31. August 2011 war der Versicherte bei der
Firma Y._
als Chauffeur
angestellt, wobei der letzte Arbeitstag der 8. April 2011 war (
Urk.
6/82/1
f.
).
Am 29. Juli 2011 (
Urk.
6/76) machte der Versicherte
im Rahmen einer Neuan
meldung
eine Verschlechterung
seines Gesundheitszustands
geltend. Die IV-Stelle holte aktuelle Arztberichte (
Urk.
6/80
;
Urk.
6/86) und einen Arbeitgeber
bericht (
Urk.
6/82) ein und zog die Akten der Krankentaggeldversicherung bei (
Urk.
6/81). Sodann veranlasste sie eine polydisziplinäre Begutachtung des Ver
sicherten an der M
EDAS
(MEDAS), de
ren Gutachten am 27. November 2012 erstattet wurde (
Urk.
6/100). Nach durch
geführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
6/104-108;
Urk.
6/110) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 15. August 2013 einen Leistungsanspruch des Versi
cherten (
Urk.
6/120 =
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom 15. August 2013 (
Urk.
2) erhob der Versicherte am 28. August 2013 Beschwerde mit dem sinngemässen Antrag auf Zusprache einer Rente
und Gewährung beruflicher Massnahmen
(
Urk.
1). Mit Beschwerdeant
wort vom 10. Oktober 2013 (
Urk.
5) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde
, was dem Beschwerdeführer am 29. Oktober 2013 mitgeteilt wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6
des Bundesgesetzes über den Allgemei
nen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen
Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. Au
-
gust 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisi
onsgrund im Sinne von Art. 17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Ein
spracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71
E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
Bei einer Neuanmeldung der Versicherten sind die Regeln zur Revision analog anwendbar (BGE 134 V 131 E. 3 S. 132; BGE 117 V 198 E. 3a)
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers und damit zusammenhängend die Frage, ob seit der Verfügung vom 28. Dezember 2007,
welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht
e (vgl. vorstehend E. 1.3), eine anspruchsrelevante Verschlechterung eingetreten ist.
2.2
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit 2007 nicht wesentlich verändert habe. Für eine körperlich mittelschwere bis schwere Tätigkeit bestehe weiterhin keine Arbeitsfähigkeit. In einer angepassten Tätigkeit sei der Be
schwerdeführer aber weiterhin zu 100
%
arbeitsfähig. Die zuletzt ausgeübte Tä
tigkeit als Chauffeur sei eine solche Tätigkeit und weiterhin vollschichtig zu
mutbar, weshalb weder ein Rentenanspruch noch ein Anspruch auf berufliche Massnahmen bestehe. Die eingereichten Berichte enthielten keine neuen rele
vanten Tatsachen (
Urk.
2 S. 1 f;
Urk.
5).
2.3
Der Beschwerdeführer brachte demgegenüber vor, nach ärztlicher Ansicht habe sich sein Zustand seit 2007 verschlechtert und es seien weitere Abklärungen notwendig.
Die Tätigkeit als Chauffeur sei nicht mehr zumutbar (
Urk.
1).
3.
3.1
Die Ärzte der
Klinik Z._
diagnostizierten mit Bericht vom 16. Februar 2007 (
Urk.
6/43/5-6) eine beidseitige Gonarthrose aktuell links mehr als rechts sowie chronische Lumbalgien beidseits. Dazu komme eine gewisse Schmerzver
arbeitungsstörung, welche die Beschwerden sicher aggraviere.
3.2
Dr.
med.
A._
, Innere Medizin FMH,
Hausarzt des Beschwerdeführers (vgl.
Urk.
6/76
Ziff.
6.5),
stellte mit Bericht vom 23. Februar 2007 (
Urk.
6/43/1-2) folgende Diagnosen (lit. A):
beginnende Gonarthrosen beidseits rechts mehr als links
Knorpelschäden, Degeneration beider Menisken
seit mindestens 2000 starke Schmerzen
DD: Schmerzverarbeitungsstörung
jeweils nur kurzzeitige Besserung nach Infiltrationen
In der angestammten Tätigkeit als Maler sei der Beschwerdeführer seit 18. Ok
tober 2006 vollständig arbeitsunfähig. Für leichte, wechselbelastende Tätigkei
ten bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80-100
%
(lit. B).
3.3
Zuhanden der Krankentaggeldversicherung berichtete
Dr.
med.
Dr.
phil.
B._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, am 15. Mai 2007 (
Urk.
6/65/7-
15)
und
diagnostizierte im Wesentlichen eine subaffektive Störung ohne Krankheitswert bei chronisch-persistierender Schmerzproblematik. Gemäss rheumatologischer Beurteilung bestehe in einem Beruf mit leichter bis mittel
schwerer wechselnder Belastung eine volle Arbeitsfähigkeit
.
Auch aus psychiat
rischer Sicht sei keine Arbeitsunfähigkeit gegeben (S. 8).
Eine
zusätzlich durch
geführte
verhaltensneurologische / neuropsychologische Abklärung ergab keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (
Urk.
6/65/18).
3.4
Mit Bericht vom 19. November 2007 über ein Arbeitsassessment stellten die Ärzte der Rheumaklinik am
Universitätsspital
O._
folgende Diagnosen (
Urk.
6/66 S. 4):
Gonarthrose beidseits linksbetont
fortgeschritten, lin
k
s mit Knorpelschäden, Meniskusdegeneration so
wie
Bakerz
yste
aktuell diskrete Synovitis, leicht verstärkt nach Belastbarkeitstests
anamnestisch rezidivierendes Lumbovertebralsyndrom
Osteochondrose L5/S1
aktuell leichte Funktionseinschränkungen
arterielle Hypertonie Grad II
Das funktionelle Problem bestehe vor allem in einer leicht verminderten Schul
ter-Armkraft; die vom Beschwerdeführer geschilderten Kniebeschwerden hätten hingegen mit den durchgeführten Tests nicht objektiviert werden können.
Grundsätzlich sei eine mittelschwere bis schwere Tätigkeit ohne länger dauern
des Kauern, ohne ununterbrochenes Stehen und ohne Gehen auf unebenem Gelände oder dauerndem Gehen
ganztags
zumutbar (S. 3 unten).
3.5
Gestützt auf diese medizinische Aktenlage verneinte die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 28. Dezember 2007 einen Leistungsanspruch des
Beschwer
deführers
(
Urk.
6/68).
4.
4.1
Bildgebend wurde
n
am 30. Juni 2011 im rechten Knie eine medial betonte Gon
arthrose und eine leichte Femoropatellar-Gelenksarthrose sowie im rechten Knie eine im Seitenvergleich stärkere medial betonte Gonarthrose mit deutlicher Verschmälerung des Gelenkspalts sowie mässiger Femoropatellar-Gelenksarth
rose festgestellt. Das MRI des linken Knies vom 1. Juli 2011 ergab eine mässige Femoropatellararthrose und eine schwere medialbetonte Femorotibialarthrose mit bis auf den Knochen reichende
n Knorpelläsionen, Degenerationen und
Risse im Meniskus und eine kleine Bakerzyste (
Urk.
6/80/10).
4.2
Dr.
A._
stellte mit Bericht vom 3. September 2011 (
Urk.
6/80/1-4) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (lit. A):
Gonarthrosen beidseits rechts mehr als links
Knorpelschäden, geringer Erguss
und Bak
erzyste, Degeneration beider Menisken
mehrfache Infiltrationen, bisher nie mit anhaltender Wirkung
lumbovertebrales Schmerzsyndrom
keine sensomotorischen Defizite
bildgebend kein Nachweis einer Neurokompression
zervikoradikuläres Reizsyndrom C7 rechts
bildgebend Diskushernie mit möglicher Irritation
beginnende Polyarthrose
mittelgradige depressive Episode als Reaktion auf die multiplen Be
-
schwer
den und die soziale Situation
Der Beschwerdeführer habe aufgrund der Schmerzen als Chauffeur immer wie
der krankgeschrieben werden müssen. Ab Juli 2011 sei klar gewesen, dass er diese Arbeit nicht mehr ausüben könne. Die Haupteinschränkung beruhe auf den Knieschmerzen. Es sei damit zu rechnen, dass nur noch leichte Arbeiten verrichtet werden könnten (
Ziff.
1.4). Im Bereich der Lenden- und Halswirbel
säule
hätten
sich die Schmerzen mit Physiotherapie und Analgesie deutlich re
duzieren
lassen
. Bei den Knien sei ein Erfolg bisher ausgeblieben (
Ziff.
1.5).
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Chauffeur sei der Beschwerdeführer seit 9. April 2011 bis auf weiteres v
oll arbeitsunfähig (Ziff 1.6). In e
ine
r
behinde
rungsangepasste
n
leichte
n
Arbeit, sitzend und wechselbelastend ohne grosse Gewichtsbelastung
,
betrage die Arbeitsfähigkeit wohl 70 bis 100
%
, da bei der Bewältigung von Gehstrecken Abstriche bei der Geschwindigkeit gemacht wer
den müssten (
Ziff.
1.7).
4.3
Die Gutachter der MEDAS stellten in ihrem am 2
7.
November 2012 unter Berücksichtigung der Akten und
nach
Durchführung einer internis
tischen, rheumatologischen und psychiatrischen Untersuchung erstatteten Gut
achten (
Urk.
6/100) folgende Diagnosen
mit Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
(S.
25):
chronische linksbetonte Knieschmerzen
linksbetonte mediale Gonarthrose
weitgehend Absenz von
klinischem und bildgebendem Korrelat
chronische Kreuzschmerzen
leichte degenerative Veränderungen lumbosakral
aktuelle Absenz von klarer spondylogener oder radikulärer Ausstrah
lung, Ausnahme: nicht auslösbarer Achillessehnenreflex rechts
Die folgenden Diagnosen hätten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 25):
metabolisches Syndrom mit
Adipositas
arterieller Hypertonie
Dyslipidämie
deutlicher Hyperurikämie
primäre Hypothyreose vom Typ Hashimoto mit
hohem Verdacht auf inadäquate Substitutionseinnahme
chronische rechtsbetonte Oberarmschmerzen bei
möglichem intermittierendem zervikoradikulärem Reizsyndrom C7 rechts
teilweiser Abstinenz von organischem Korrelat
Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Diagnose und somit keine Einschrän
kung (S. 25).
Im rheumatologischen Teilgutachten (
Urk.
6/100/33 ff.) wurde festgehalten, das
s
die Schilderung der Sc
hmerzen und der subjektiv erleb
ten funktionellen Ein
schränkungen im Alltag massiv überzeichnet wirkten; dies insbesondere im Vergleich zu Patienten mit ähnlichen radiologisch degenerativ bedingten, aber weit geringeren Schmerzen. Es entstehe der Eindruck einer Verdeutlichungsten
denz. Im Rahmen des Schon- und Schmerzverhaltens sei die Untersuchung praktisch am ganzen Bewegungsapparat inkonsistent und sehr schwierig durchführbar. Fachärztlich und radiologisch gut dokumentiert bestehe eine rechtsbetonte mediale Gonarthrose beidseits. Die neurologische Untersuchung ergebe unter Berücksichtigung der Schmerzangabe erstaunlich wenig objektive Befunde: es bestehe bei erschwerter Untersuchbarkeit ein leichtes Extensionsde
fizit am rechten Knie. Ein Erguss als Zeichen einer Aktivierung der Arthrose könne nicht festgestellt werden. Die Flexion sei frei. Die Druck- und am rechten Knie gar die Berührungsdolenz sei derart diffus und empfindlich, dass man ei
gentlich an ein gebrochenes Bein denken müsse, was natürlich nicht der Fall sei (
Urk.
6/100/39).
Die Untersuchungs
resultate seien inkonsistent. Zudem fänden sich keine objek
tiven Kriterien, welche eine somatische Schädigung vermuten liessen, wie zum Beispiel eine asymmetrische Weichteilatrophie oder eine asymmetrische Abnut
zung der Schuhsohle. Die Somatisierungstendenz werde durch verschiedene Vorberichte bestätigt und äussere sich auch in der zurückhaltenden Meinung verschiedener Orthopäden bezüglich operativer Eingriffe. Zusammenfassend fänden sich erstaunlich wenig objektivierbare Befunde, radiologisch könne aber zweifelsfrei eine mediale Arthrose am rechten Knie bestätigt werden (
Urk.
6/100/39).
Hinsichtlich der Rückenschmerzen fänden sich radiologisch nur geringe bis mässig
e
degenerative Veränderungen. Die beschriebene Pathologie erkläre das chronische Schmerzausmass nicht. Eine mögliche Mitbeteiligung und Aufrecht
erhalt
ung des lumbalen Schmerzsyndrom
s durch die degenerativen Verände
rungen sei aber vorstellbar. Ähnlich wie bei den übrigen Problemen am Bewe
gungsapparat könnten die aktuellen Schmerzen und Einschränkungen im Alltag somatisch nur zu einem geringen Grad erklärt werden. Die Oberarmschmerzen könnten aufgrund der Befunde somatisch nicht erklärt werden (
Urk.
6/100/40).
An den Sprunggelenken fänden sich konventionell radiologisch keine relevan
ten Veränderungen. Die hochsensible Szintigraphie zeige eine geringgradige Anreicherung am linken Sprunggelenk im Sinne einer „beginnenden Arthrose“, womit ein geringer Umfang und keine pr
ognostische Aussage gemeint seien.
Eine Tätigkeit als Chauffeur sei grundsätzlich gut zumutbar, sofern das Ent- und Beladen innerhalb der vorgesehenen Limiten erfolge (
Urk.
6/100/41).
Gemäss Beurteilung des psychiatrischen Gutachters sei die Diagnose einer De
pression im Jahr 2011 nicht mit Befunden belegt (
Urk.
6/100/50).
Zusammenfassend we
rde die Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätig
keit als Chauffeur auf 100
%
geschätzt, sofern repetitives Heben und Tragen auf weniger als 15 kg über der Gürtelhöhe und 5 kg über der Schulterhorizontalen limitiert werden könne, dies aufgrund der rheumatologischen Befunde. Für eine körperlich schwere und mittelschwere frühere Tätigkeit wie Bauarbeiter oder Maler bestehe aus rheumatologischen Gründen keine Arbeitsfähigkeit mehr und als Kellner sei von einer Restarbeitsfähigkeit von 70
%
auszugehen. Körperlich leichte Verweistätigkeiten in Wechselposition, ohne Gehen auf ebenem Gelände von mehr als zwei bis drei Stunden und auf unebenem Gelände von länger als einer Stunde, ohne gehäuftes Begehen von Leitern und Gerüsten, ohne ständi
ges Knien und
mit wie vorstehend präzisiertem
Tragen seien zu 100
%
zumut
bar (S. 26).
Der Gesundheitszustand habe sich seit 2006 nicht über das Alters
entsprechende
hinaus
verschlechtert (S. 27).
4.4
Dr.
A._
führte dazu mit einem undatierten Schreiben (
Urk.
6/113) aus, es sei aus ärztlicher Sicht nicht korrekt, von einer weitgehenden Absenz von klini
schem und bildgebendem Korrelat zu sprechen.
Die Beschwerden entsprächen genau den bei der schweren Arthrose des linken und rechten Knies
zu erwar
tenden
.
Der
Zustand habe sich entgegen der MEDAS-Beurteilung seit 2006 ver
schlechtert, denn
die Schmerzen hätten bei langen Fahrten deutlich zugenom
men. Die Arbeit als Chauffeur sei nicht mehr zumutbar gewesen (S. 2). Der Be
schwerdeführer habe immer versucht zu arbeiten. Die Arbeit als Kellner oder Chauffeur könne nicht als leicht oder wechselbelastend betrachtet werden, da die Anforderungen mit Laden von schweren Lasten, Leitern und Treppen stei
gen, Gehen nach langer Inaktivität auf dem Fahrersitz, raschem Gehen und schnellen Reaktionen starke Beschwerden verursachten. Hinsichtlich der oberen Sprunggelenke hätten die Schmerzen stark zugenommen, weshalb hierzu wei
tere Abklärungen angezeigt seien (S. 3 f.).
4.5
Der rheumatologische Gutachter nahm dazu am
5.
Juni 2013 (
Urk.
6/116) wie folgt Stellung: Er habe das letzte und somit auch relevante MRI des linken Knies vom
1.
Juli 2011 beurteilt, worin sich eine mässige Femoropatellararth
rose und eine schwere medial betonte Femorotibialarthrose zeige. Dieser Um
stand sei entsprechend gewürdigt worden. Trotzdem seien die klinischen Be
funde am Knie relativ gering. Auch seien die Untersuchungsresultate
sehr in
konsistent. Konventionell-radiologisch zeige sich denn auch eher eine mässige
mediale Gonarthrose. Ohne neue klinische Befunde habe sich auch keine neue radiologische Untersuchung aufgedrängt. Zusammengefasst seien die bildge
benden Befunde in der Beurteilung ausführlich berücksichtigt worden und trotz geringem klinischem Befund in die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit eingeflos
sen. Es bestehe daraus abgeleitet eine (richtig wohl: keine)
erhebliche
Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 1 unten f.).
5.
5.1
Das im November 2007 durchgeführte
Arbeitsassessment
mit konkreter Funk
tionstestung ergab bei der Diagnose einer beidseitigen Gonarthrose, dass die vom Beschwerdeführer geschilderten Kniebeschwerden mit den durchgeführten Tests nicht objektiviert werden konnten und eine knieangepasste Tätigkeit
zu 100
%
zumutbar ist (vgl. vorstehend E. 3.4). Dies führte zur rentenabweisenden Verfügung vom 2
8.
Dezember 200
7.
In der Folge war der
Beschwerdeführer
v
om
1.
Juni 2008 bis 3
1.
August 2011 als Chauffeur voll erwerbstätig, wobei der letzte Arbeitstag der
8.
April 2011 war (
Urk.
6/82).
5.2
Im weiteren Verlauf wurde
n
bildgebend ein Fortschreiten der degenerativen Veränderungen in Knie
,
eine Diskushernie sowie eine beginnende Polyarthrose festgestellt (vgl. vorstehend E. 4.1). Allein daraus kann jedoch noch keine Ver
änderung der Arbe
itsfähigkeit abgeleitet werden:
Invalidenversicherungsrecht
lich sind nicht die Diagnosen und deren Anzahl entscheidend, sondern die Auswirkungen der gesundheitlichen Beeinträchtigungen auf die Arbeitsfähigkeit (BGE 136 V 279 E.3.2.1 S. 281 mit Hinweis auf BGE 127 V 294). Eine Änderung der erhobenen Diagnosen sagt als solche nichts aus über die Entwicklung des Invaliditätsgrades.
5.3
Hausarzt
Dr.
A._
erachtete die angestammte Tätigkeit als Chauffeur als nicht mehr zumutbar; die Haupteinschränkung liege in den Knieschmerzen. Dazu ist festzustellen, dass
Dr.
A._
diese Einschätzung hauptsächlich aufgrund der Schmerzangaben des Beschwerdeführers und soweit ersichtlich nicht gestützt auf
eigene
Befunde traf. Wie es sich damit verhält, ist jedoch von untergeord
neter Bedeutung, da
Dr.
A._
eine leichte behinderungsangepasste Tätigkeit (sitzend und wechselbelastend) zu 70 bis 100
%
zumutbar erachtete
(vgl. vor
stehend E. 4.2)
.
5.4
Diese hausärztliche Beurteilung einer Restarbeitsfähigkeit von 100
%
stimmt mit derjenigen der MEDAS-Gutachter überein, die eine behinderungsangepasste Tätigkeit ebenfalls als vollumfänglich zumutbar erachteten
(vgl. vorstehend
E. 4.3)
. Das MEDAS-Gutachten ist umfassend, berücksichtigt die geklagten Be
schwerden, erging unter Durchführung allseitiger Untersuchungen und vermag in der Begründung zu überzeugen, womit es den praxisgemässen Anforderun
gen an einen Arztbericht (vgl. vorstehend E.
1.4) genügt. Im Gegensatz zur Be
urteilung durch
Dr.
A._
, dessen Fachgebiet die Innere Medizin ist, erfolgte die Abklärung der Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers
durch einen Rheumato
logen, was die Nachvollziehbarkeit und den Beweiswert der MEDAS-Beurteilung entscheidend erhöht. Dabei wurde festgestellt, dass die Schmerzschilderung an
gesichts der radiologisch dokumentierten Befunde und der Untersuchung
ser
gebnisse
massiv ü
berzeichnet wirkte
und der Eindruck einer Verdeutlichungs
tendenz entstand. Das Schmerzverhalten
liess gar auf eine
Fraktur
schliessen
. Zwar wurd
e die Arthrose bestätigt,
dadurch bedingte
Einschränkungen
konnten aber nicht
objektiviert
werden
.
So fand
sich einzig ein - bei erschwerter Unter
suchbarkeit - leichtes Extensionsdefizit am rechten Knie. Ein Erguss als Zeichen einer aktiven Arthrose war nicht vorhanden und die Flexion war frei. Objektive Kriterien für eine somatische Schädigung, wie eine asymmetrische Weichteil
atrophie oder Abnutzung der Schuhe, waren nicht vorhanden (vgl. vorstehend E. 4.3).
Die tatsächlichen Auswirkungen der Kniearthrose sind bei objektiver Betrachtung deshalb als gering zu beurteilen.
Zu diesem Schluss kamen bereits die Fachärzte
der Rheumaklinik
anlässlich der Beurteilung im Jahr 2007 (vgl. vorstehend E. 5.1).
Die Oberarmschmerzen waren
anlässlich der MEDAS-Begutachtung
somatisch nicht erklärbar und auch
für die Rückenschmerzen fand sich
kein Korrelat, wel
ches das Ausmass der Beschwerden erklären könnte
(vgl. vorstehend E. 4.3)
. Was die Sprunggelenke anging, so wurde eine allfällige - nicht bestätigte - Be
einträchtigung abgeklärt und berücksichtigt (vgl.
Urk.
6/100/41).
Angesichts dieser Feststellungen kann der MEDAS-Beurteilung, wonach
selbst
die angestammte Tätigkeit als Chauffeur bei Beachtung von Gewichtslimiten voll zumutbar ist, ohne weiteres gefolgt werden.
Ebenso ist ausgewiesen, dass seit 2007 keine Verschlechterung eingetreten ist. Weitere Abklärungen sind nicht notwendig.
5.5
Bei
versicherungsrechtlich
voller Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit besteht kein Anspruch auf berufliche Massnahmen.
Der angefochtene Entscheid erweist sich als rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
6
00.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie dem Beschwerdeführer auf
zuerlegen.