Decision ID: 95619336-2b65-4c2c-8534-014720b1c0d0
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
wurde
im
August 2004 im
Spital Z._
als Frühgeburt in der 35./3
6.
Schwangerschaftswoche mit einem Gewicht von 1990 Gramm geboren. Am 1
3.
August 2004 meldeten ihn seine Eltern bei der Invalidenversicherung zum Bezug von
m
edizinischen Massnahmen an (
Urk.
12/2). Mit Verfügung vom
6.
Dezember
2004 anerkannte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, das Geburtsgebrechen
Ziff.
313 (angeborene Herz- und Gefässmissbildungen) und gewährte Kostengutsprache für dessen Behandlung
vom
9.
bis 3
0.
September 2004
(
Urk.
12/17).
Eine weitere Verfügung vom
3.
Dezemb
er 2004 bejahte das Geburtsgebre
chen
Ziff.
494 (Neugeborenes mit einem Gewicht unter 2000 g bis zur Erreichung eines Gewichtes von 3000
g;
Urk.
12/18) und eine weitere vom 1
4.
Februar 2005 gewährte medizinische Massnahmen für das Geburtsgebrechen
Ziff.
395 (leich
te
cerebrale
Bewegungs
störungen
bis
zum vollendeten
2.
Lebensjahr;
Urk.
12/27).
Die IV-Stelle ge
währte
mit Verfügung vom 3
0.
Juni 2005
heilpädagogische Früherziehung bis zum Eintritt in
den Kindergarten (
Urk.
12/37). Sie übernahm auch die Operation
des Geburtsgebrechens
Ziff.
355 (Kryptorchismus; Leistenhoden; Verfügung vom
1
9.
Juni 2006,
Urk.
12/46).
1.2
Am
1
1.
Dezember 2013 meldete der Krankenversicherer von
X._
, die
Sanitas
Grundversicherungen AG
(nachfolgend:
Sanitas
)
, das Geburtsgebrechen
Ziff.
412 (
Ptosis
palpebrae
congenita
: angeborenes Herabhängen des
Oberlids
) zur
Anerkennung durch die Invalidenversicherung und Ausrichtung von medi
zinischen
Massnahmen an (
Urk.
12/61).
In diesem Zusammenhang reichte die
behandelnde
Kinderärztin
Dr.
med.
A._
am
9.
Januar
2015 ein Formular
(
Urk.
12/67) und die Augenklinik des
B._
den Bericht vom 2
8.
Januar 2015 (
Urk.
12/71) ein. Mit Verfügung vom 1
3.
April 2015 gewährte die IV-Stelle Kostengutsprache für medizinische Massnahmen für das Geburtsgebrechen
Ziff.
412 während der Dauer vom 1
2.
Dezember
2013 bis 3
1.
Dezember 2023 (
Urk.
12/81).
Dagegen erhob die
Sanitas
Beschwerde beim
hiesigen
Sozialversicherungsgericht und verlangte die Übernahme der Kosten medizini
s
cher Massnahmen für dieses Geburtsgebrechen ab 1
5.
Dezember
2004, mindes
tens aber ab 1
0.
Mai 200
5.
Das Gericht
hiess die Beschwerde im Urteil vom 3
0.
September 2015 in dem Sinne gut, dass es die Sache an die IV-Stelle zur
ergänzenden Abklärung des Sachverhaltes und zum neuen Entscheid zurückw
ies (Verfahrensnummer IV.2015.00523;
Urk.
12/91).
1.3
In Nachachtung des Urteils holte die IV
-Stelle in der Folge verschiedene Bericht
e ein (
Urk.
12/93/1+2, 12/99/1+2) und unterbreite
te das Ergebnis dem Regionalen
Ä
rztlichen Dienst, Prof.
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Kinder- und
Jugendme
dizin
. Dieser
ging im Bericht vom
8.
Dezember 2015 von keiner angeborenen
Ptosis
aus (
Urk.
12/100).
Dies teilte die IV-Stelle im Vorbescheid vom 1
5.
Dezember 2015 mit (
Urk.
12/104).
Mit Verfügung vom
9.
Februar 2016 wies die IV-Stelle das Gesuch um Ausrichtung von medizinischen Massnahmen
mangels Vorliegens des Geburtsgebrechen
s
Ziff.
412
ab (
Urk.
2).
2.
2.1
Dagegen
wandte sich
Dr.
A._
mit dem Einverständnis der Eltern des Versi
cherten
mit Schreiben vom
9.
März 2016 an die IV-Stelle und verlangte eine Neubeurteilung (
Urk.
12/109). Sie legte ihrer Eingabe
zahlreiche medizinische Berichte bei (
Urk.
12/110/1-11). D
ie Mutter des Versicherten
liess
am 1
6.
März 2016 Beschwerde erheben und den Antrag stellen, es sei die Verfügung vom
9.
Februar 2016 aufzuheben und es sei festzustellen, dass die
Beschwerdegeg
nerin
für die Kosten der medizinischen Massnahmen des Geburtsgebrechens
Ziff.
412 aufzukommen
habe
, eventualiter sei die IV-Stelle zu verpflichten, die gesetzlich vorgeschriebenen notwendigen medizinischen Abklärungen über den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers vorzunehmen oder zu veranlassen (
Urk.
1 S.
2).
Sie liess die Beschwerde in der Ergänzung vom 1
2.
April 2016 begründen (
Urk.
5)
.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am
1.
Juni 2016 die Abweisung der Besch
werde, nachdem sie die neuen Unterlagen erneut Prof.
Dr.
C._
zur Beurteilung unterbreitet hatte
(
Urk.
12/116,
Urk.
11).
2.2
Der Krankenversicherer akzeptierte den
in der Verfügung getroffene
n
Entscheid (
Urk.
12/107).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
13 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG)
haben Versicherte bis zum vollendeten 2
0.
Altersjahr Anspruch auf die zur Behand
lung von Geburtsgebrechen notwendigen medizinischen Massnahmen (
Abs.
1). Der Bundesrat bezeichnet die Gebrechen, für welche diese Massnahmen gewährt werden; er kann die Leistung ausschliessen, wenn das Gebrechen von geringfü
giger Bedeutung ist (
Abs.
2).
Als Geburtsgebrechen im Sinne von
Art.
13 IVG gelten Gebrechen, die bei voll
endeter Geburt bestehen; die Geburtsgebrechen sind in der Liste im Anhang auf
geführt (
Art.
1 der Verordnung vom
9.
Dezember 1985 über Geburtsgebrechen [
GgV
]). Als medizinische Massnahmen, die für die Behandlung eines
Geburts
gebrechens
notwendig sind, gelten sämtliche Vorkehren, die nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sind und den therapeuti
schen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (
Art.
2
Abs.
3
Gg
V
).
In die
bund
esrätliche
Liste
der Geburtsgebrechen (Anhang zur
GgV
)
aufgenom
men wurde
in
Ziff.
412 die
Ptosis
palpebrae
congenita
(angeborenes Herabhänge
n des Oberlides).
1.2
Zur Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher Leistungsansprüche bedarf es ve
r
lässlicher medizinischer
Entscheidgrundlagen
(BGE 134 V 231 E. 5.1). Hinsicht
lich des Beweiswertes eines Gutachtens ist entscheidend, ob es für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklag
ten Beschwerden berücksichtigt,
in Kenntnis der
Vorakten
(Anam
nese) abgegeben
worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolge
rungen des Experten begrü
ndet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1
mit Hinwe
is auf 125 V 351 E. 3a).
Das Gericht prüft
das Vorliegen eines
Sachverhalt
s
nach dem Beweismass der
überwiegende
n
Wahrsch
einlichkeit
.
1.3
Gemäss
Art.
43
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozial
versicherungs
recht
s
(
ATSG
)
prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein. Bei der Prüfung der Begehren
darf er auch den Sachverstand
versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen einbezi
ehen
(BGE 135 V 254 E. 3.4.1
).
Das Bundesrecht schreibt dabei nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu würdigen sind. Für das gesamte Verwa
ltungs- und
Verwaltungsgerichts
be
schwerdeverfahren
gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsrichter die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass der Sozialver
sicherungsrichter alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden
hat, ob die verfügbaren Unter
la
gen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten.
Insbesondere darf er bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den
Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum er auf die eine und nicht auf die andere medizi
nische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allsei
tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 122 V 160 E. 1c mit Hinweisen).
1.
4
Dennoch hat es die Rechtsprechung mit dem G
rundsatz der freien
Beweiswür
di
gung
als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Be
richte und Gutachten Richtlinien für di
e Beweiswürdigung aufzustellen.
Die Rechtsprechung hat den Berichten versicherungsinterner medizinischer
Fa
ch
personen
stets Beweiswert zuerkannt, praxisgemäss kommt ihnen nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder einem im Verfahren nach
Art.
44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag gegebenen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E.
3a
,
122 V 157 E.
1c
). Zur Frage der Berichte und Gutachten
versiche
rungsinterner
Fachpersonen wurde der Grundsatz betont,
dass
ein
Anstellungs
verhältnis
dieser Person zum Versicherungsträger alleine nicht schon auf mang
elnde Objektivität und Befangenheit schliessen lässt (
BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens ent
schieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu
stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssi
g
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE
135 V 465 E. 4.4;
122 V 157 E. 1d
).
G
emäss
Art.
59
Abs.
2
bis
IVG
stehen
die regionalen ärztlichen Dienste den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des
L
eistungsan
spruchs
zur Verfügung
. Sie setzen die für die In
validenversicherung nach
Art.
6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig. Nach
Art.
49
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
beurteilen die regio
nalen ärztlichen Dienste die medizinischen Voraussetzungen des
Leistungs
anspruchs
. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizini
schen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundes
amtes frei wählen (
Abs.
1). Die regionalen ärztlichen Dienste können bei Bedarf selber ärztliche Untersuchungen von Versicherten durchführen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (
Abs.
2). Nicht zwingend erforderlich
ist, dass die versicherte Person untersucht wird. Nach
Art.
49
Abs.
2 IVV führt der RAD für die Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des
Leistungs
an
spruchs
nur "bei Bedarf" selber ärztliche Untersuchungen durch. In den übrigen Fällen stützt er seine Beurteilung auf die vorhandenen ärztlichen Unterlagen ab (
BBl
2005 4572 zu Absatz 2). Das Absehen von eigenen Unter
suchungen ist somit nicht an sich ein Grund, um einen RAD-Bericht in Frage zu stellen (Urteil
des Bundesgerichts
9C_622/2007 vom
9.
September 2008 E. 2.2). Dies gilt insbesondere, wenn es im Wesentlichen um die Beurteilung eines fest
stehenden medizinischen Sachverhalts geht und die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (SVR 2011 IV Nr. 2 S. 7, 9C_904/2009 E. 2.2; SVR 2009 IV 56 174, 9C_323/2009 E. 4.2 und 4.3; Urteil
des Bundesgerichts
I 1094/06 vom 1
4.
November 2007 E. 3.1.1 in
fine
mit Hin
weisen; vgl. auch B
GE 127 I 54 E. 2e und f
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Verfügung damit, dass gemäss den medi
zinischen Unterlagen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht von einer an
geborenen
Ptosis
palpebrae
auszugehen sei, da in den ersten Lebenstagen sowie in mehreren fachärztlich dokumentierten Untersuchungen keine
Ptosis
, keine sekundäre Fehlhaltung des Kopfes und auch kein Schielen sowie keine Mydria
sis
(Pupillenerweiterung)
angegeben worden seien (
Urk.
2).
2.2
Die Vertreterin des Versicherten hält in der Beschwerde dafür, dass gestützt auf die Einschätzung der behandelnden
Kinderärzin
Dr.
A._
dagegen von einem angeborenen Leiden ausgegangen werden müsse. D
ie Anfangsberichte in der Geburtsklinik
Z._
seien sehr mangelhaft gewesen, vieles sei darin nicht auf
geführt worden. Der Versicherte sei am 2
7.
Oktober 2004 mit der Diagnose einer bilateralen
Ptosis
an
den Augenarzt überwiesen worden. Die Vertreterin st
ellt
den Antrag, dass wenn nicht auf die Angaben der behandelnden Ärzte abge
stellt werde, ein externes Fachgutachten anzuordnen sei (
Urk.
1,
Urk.
5).
Die Beschwerdegegnerin verwies auf die geäusserte Ansicht ihres
r
egionalen
ä
rztlichen Dienstes und schloss sich dieser an (
Urk.
11).
3.
3.1
Im Rahmen der Anmeldung des Versicherten bei der IV-Stelle für das Leiden einer
Ptosis
palpebrae
congenita
wurde seitens der Augenklinik des
B._
, wo
der
Versic
herte am 2
0.
März
2012
an den hängenden Augenlidern
operiert worden war,
im Bericht vom
2
8.
Januar 2015 a
ngegeben, gemäss
den
Unterlagen habe das Geburtsgebrechen
Ziff.
412 vorgelegen
. Die Ärzte diag
nostizierten ei
ne beidseitige kongenitale
Ptosis
mit massiver
Kopfzwang
s
hal
tung
/
Reklination
vor dem operativen Eingriff
(
Urk.
12/71
/3
).
Im Bericht des
D._
vom 1
1.
Mai 2005 über eine ambulante Un
tersuchung des Versicherten vom
2
8.
April 2005 wurde eine neuropädiatrische Standortbestimmung gemacht, um die Fragen nach einer Frühförderung des Versicherten und allfälligen Diagnosen zu beantworten. Festgehalten wurde im Befund unter anderem eine beidseitige
Ptose
, schmale Lidspalte mit nach lateral abfallender
Lidachse
beidseits. Beobachtet wurde, der Versicherte folge Bewe
gungen horizontal regelrecht, vertikal seien die Folgebewegungen kaum sicht
bar, sofort werde eine Kopfhebung wegen der
Ptose
gemacht. Die Ärzte diag
nostizierten ein unklares
Dysmorphiesyndrom
und einen allgemeinen
Entwick
lungsrückstand
mit höchstwahrscheinlich genetischer Ursache. Zu einem famili
ären
Blepharophimosis
-Syndrom
(
Verengung der Lidspalte)
wü
rde neben den Augen
auch
die Hypotonie, der Entwicklungsrückstand und das Herzviti
um
(=Herzfehler)
passen (
Urk.
12/
83/22f.
).
Der Augenarzt
Dr.
med.
E._
, an den der Versicherte von der Kinderärztin überwiesen worden war, hielt im Bericht vom
8.
Dezember 2004 über die Untersuchu
ngen vom
5.
November 2004 und vom 2
7.
November 2004 die Diagnose einer bilateralen
Oberlidptose
beidseits, wahrscheinlich kongenital
,
fest. Die Pupille werde lediglich im obersten Teil bedeckt, so dass die optische Achse bilatera
l frei bleibe. Bei
Abblick
habe
er den Eindruck, dass das
Oberlid
zurück
bleibe,
was
als „
lid
lag“ bezeichnet werde und zusammen mit der fehlenden Ober
lidfalte typisch wäre für die kongenitale
Ptose
.
Bei der Untersuchung der
Motilität scheine eine
bilaterale
Heberschwäche
vorzuliegen, diesbezüglich würde
die weitere
Verlaufskontrolle definitiv Aufschluss geben. Eine bilaterale
Heber
schwäche
könne kombiniert mit einer kongenitalen
Ptose
auftreten, wel
che dan
n als „komplizierte“
Pto
se
bezeichnet werde. Eine kongenitale
Ptosis
könne im Rahmen von Syndromen auftreten. Sie könne auch mit kongenitalen Herzfehlern auftreten. (...) Weil die vorliegende (wahrscheinlich kong
enitale
)
Ptose
zur signifikanten Kopfzwangshaltung führen könnte, werde gegen Ende des ersten Lebensjahres über die O
perationsindikation entschieden (
Urk.
12/110/6).
Am 1
0.
Juni 2005 befand der Augenarzt
Dr.
E._
, dass zwar ei
n
e deutliche
Heberschwäche
vorhanden sei
,
und er stellte auch eine signifikante
Anisohyperopie
(
unterschiedliche Weitsichtigkeit;
Hyperopie
rech
ts wesentlic
h höher als links)
fest. Weil jedoch die
O
berlidptose
deutlich weniger ausgeprägt geworden sei und auch die
Kopfzwangshaltung weniger ausgeprägt sei, wurde entschieden, die Operation hinauszuschieben (
Urk.
12/110/4).
Eine genetische Untersuchung des Versicherten vor allem wegen seines Herzfeh
lers brachte kein erkennbares Resultat
(kein CATCH 22)
hervor (Bericht von Prof.
Dr.
med.
F._
, Institut für Medizinische Genetik der
G._
vom 1
5.
Dezember 2004,
Urk.
12/110/11).
3.2
Prof.
Dr.
med.
C._
,
Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin,
vom RAD,
wurde als beratender Arzt von der
Beschwerdegegnerin beigezogen und äusserte sich dreimal zur Frage, ob das Leiden des Versicherten von Geburt
an
vorgelegen hat. Im
letzten
Berich
t vom
1.
Ju
ni 2016, den er
im Rahmen des ge
richtlichen Verfahrens erstellt
hat
, nachdem
ihm
sämtliche
seitens des Versi
cherten
nach
gereichten Akten vorgelegt worden waren,
legte er dar, dass im Bericht
des Spitals
Z._
vom
6.
August 2004, wo der Versicherte geboren worden war, keine Hinweise auf eine angeborene
Ptosis
palpebrae
gemacht
worden
seien
.
In diesem
Formular, wo der
Neugeb
orenenstatus
festgehalten
worden sei
(
Urk.
12/93)
, habe man ausdrücklich Auffälligkeiten an den Geni
tal
i
en und am Herzen festgestellt und angekreuzt. Im Besonderen am Kopf und damit auch an den Augen seien keine Auffälligkeiten erwähnt worden, gleich
zeitig sei jedoch auch das Feld „unauffällig“ nicht angekreuzt worden.
Auf
grund der Tatsache, dass die Herztöne und ein Herzgeräusch ausführlich be
schrieben worden seien, könne davon ausgegangen werden, dass der ganze
Thoraxbereich
,
also auch die Lunge
,
untersucht worden sei, obwohl beim Be
reich Lunge/Thorax
keine Unauffälligkeit als Resultat der Untersuchung ange
kreuzt worden sei. Man könne also davon ausgehen, dass der Neugeborene umfassend untersucht worden sei, jedoch nur die Auffälligkeiten
im Formular
ausdrücklich
festgehalten
worden seien. Und da beim Bereich der Augen nichts notiert worden sei, könne davon ausgegangen werden, dass
dieser Organbereich unauffällig gewesen sei (
Urk.
12/116).
In den folgenden ärztlichen Untersuchungen vom 1
0.
August
2004 (
Urk.
12/93/1
) und
vom 1
5.
September
2004
sei von keiner
Ptosis
palpebrae
gesprochen wor
den. Erstmals sei
von
Dr.
A._
am 2
7.
Oktober 2004 eine beidseitige
Ptosis
ohne weitere neurologische Auffälligkeiten im Augen-, Gesichts- und
Kopfbe
reich
angegeben worden
. Sie habe
über kein
vorhandenes
reaktiv
es Lächeln berichtet. Im
Bericht des
D._
vom 1
1.
Mai
2005
seien
leichte Exkoriationen der Haut beschrieben worden. Der damals ebenfalls festgestellte Entwicklungsrückstand und das unklare
Dysmorphiesyndrom
seien als höchst
wahrscheinlich genetischer Ursache erklärt worden, aus augenärztlicher Sicht sei
die
Ptosis
beidseits
als
wahrscheinlich kongenitale
Ptosis
eingeschätzt worden.
Aber bereits im Juni 2005 sei von einer Operation Abstand genommen worden, eine Operation sei erst am 2
3.
Januar 2012 vorgenommen worden, weil eine massive
Kopfzwanghaltung
vorgelegen habe.
Prof.
C._
stellte dabei
unter Hinweis
auf zahlreiche medizinische Literatur
fest, die Tatsache, dass eine
Ptosis
auch erworben sein und unter anderem auch mechanisch bedingt auftreten könne, werde dabei von keinem der Ärzte disku
tiert. Fälle von
Ptosis
, die sich erst in den ersten Lebensmonaten manifestierten, seien bereits seit 1856 beschrieben worden.
Der Augenarzt des Versicherten,
Dr.
med.
E._
, der die
Ptosis
als angeboren erklärte, habe bei seiner Diagnose kaum die anfänglichen Berichte, in denen keine Auffälligkeiten an den Augen beschrieben worden seien, vor sich gehabt, sodass nur die Diagnose einer
Ptose
, nicht jedoch die Klassifikation als kongenital tragfähig sei (
Urk.
12/116).
4.
Prof.
C._
ist als Facharzt für Kindermedizin geeignet, die vorliegende Frage einer angeborenen oder später erworbenen
Ptosis
palpebrae
zu
beantworten. Er hat die vorhandenen medizinischen Unterlagen
vollumfänglich
berücksichtigt und gewürdigt und mit der med
izinischen Fachliteratur abgegli
chen.
Er wies zu Recht darauf hin, dass im
Neugeborenenstatus
des Versicherten keine Auffällig
keiten an den Augen festgestellt worden waren
. Er analysierte die festgehal
tenen Anfangsbefunde im Bericht des Spitals
Z._
sorgfältig. Es kann
dabei
zwar in der Tat festgestellt werden, dass dieser erste Bericht nicht sehr sorgfältig ausgefüllt
worden war
, wäre doch, wenn gewiss
e Organe geprüft
, jedoch keine Auffälligkeiten festgestellt
wurden
, ein Kästchen mit „unauffällig“ anzukreuzen gewesen, was nicht gemacht worden war. Es ist aber mit Prof.
C._
festzu
stellen, dass
offenbar mehr untersucht als schriftlich korrekt
im Formular
fest
gehalten worden war.
Offenbar konzentrierte man sich darauf, die Auffällig
keiten festzuhalten.
Hätte der Versicherte im Geburtszeitpunkt bereits an einer auffälligen
Ptosis
gelitten, wäre das in irgendeiner Form im
Bericht
wohl fest
gestellt
worden, was – w
ie gesagt – nicht der Fall ist.
Der
erste
Hinweis auf eine
Ptosis
ergibt sich
in der Tat erst
aus dem Bericht von
Dr.
A._
vom 2
7.
Oktober 2004, weshalb in der Folge die augenärzt
lichen Ab
klärungen stattfanden.
Dr.
E._
stellte
dabei
die
Ptose
zwar in einen wahr
scheinlichen kongenitalen Zusammenhang, begründete diese Ansicht
jedoch nicht
,
was von Prof.
C._
zu
Recht bemängelt wurde unter Hinweis darauf, dass es auch erworbene
Formen
gebe
oder
dass eine
Ptose
nachträglich
auch
mechanisch bedingt auftreten
könne
.
Dr.
E._
nahm
jedoch
keinen
Bezug
da
rauf
.
Er diskutierte mögliche Zusammenhänge
der
Ptosis
mit einem angebore
nen Syndrom
. Der Möglichkeit eines Syndroms ging man mit gewissen geneti
schen Untersuchungen nach, das Resultat war negativ und für die
Frage des Vorliegens
des strittigen
Geburtsgebrechens
Ziff.
412 auf jeden Fall
nicht in positivem Sinne beweisbildend.
Damit kann in der Tat nicht von einer überwiegend wahrscheinlichen kongeni
talen
Ptose
ausgegangen werden, wie der kinderärztliche Gutachter überzeu
gend dargetan hat. Weitere Abklärungen erübrigen sich, im Besonderen exis
tieren keine weiteren Berichte der Geburtsklinik über stattgehabte Untersuchun
gen, die genauer Auf
schluss
geben würden
und detaillierter wären,
denn
die Klinik
wurde geschlossen
(
Urk.
12/
96).
Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen.
5
.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von
Fr.
500.--
der
be
schwerdeführenden
Partei aufzuerlegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).