Decision ID: 745ec25d-6351-4490-a337-fc3d45de0d01
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend
Feststellung / Berichtigung der Personalien
Berufung gegen einen Entscheid des Einzelgerichtes im summarischen Verfahren des Bezirksgerichtes Hinwil vom 27. Mai 2019 (EP180011)
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Rechtsbegehren: (act. 1 und act. 1B, sinngemäss)
Es sei festzustellen, dass die Gesuchstellerin eritreische Staatsangehörige sei, sich ihr Geburtsort in D._ [Ort] (Eritrea) befinde, ihre Eltern E._ F._ (Vater) und G._ H._ (Mutter) heissen würden und sie ledig sei.
Modifiziertes Rechtsbegehren: (act. 20, sinngemäss)
Der Nachname der Gesuchstellerin sei auf "B._ C._" zu berichtigen. Es sei zudem festzustellen, dass sie äthiopische Staatsangehörige sei, sich ihr Geburtsort in I._ [Region] (Äthiopien) befinde, ihre Eltern B._ C._ (Vater) und J._ K._ (Mutter) heissen würden und sie ledig sei.
Urteil des Bezirksgerichtes: (act. 28 = act. 34 S. 10 f.)
1. Es wird festgestellt, dass die Gesuchstellerin folgende Personalien hat:
- Familienname: B._ C._ - Vorname: A._
- Geburtsdatum: tt. April 1992 - Geschlecht: weiblich
- Geburtsort: I._ [Region] (Äthiopien) - Zivilstand: ledig
- Familienname des Vaters: C._ - Vorname des Vaters: B._ - Familienname der Mutter: K._ - Vorname der Mutter: J._
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2. Der Antrag der Gesuchstellerin, es sei ihre Staatsangehörigkeit festzustellen, wird
abgewiesen.
3. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 600.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 300.– Dolmetscherkosten.
4. Die Kosten des Entscheids werden der Gesuchstellerin auferlegt, zufolge Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtspflege jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse
genommen. Die Gesuchstellerin wird auf die Nachzahlungspflicht gemäss Art. 123
ZPO hingewiesen.
5./6. [Schriftliche Mitteilung / Rechtsmittelbelehrung: Berufung, 10 Tage, keine Fristen-
stillstände].
Berufungsanträge: (act. 35 S. 2)
"1. Es sei Ziff. 2 des Urteils des Bezirksgerichts Hinwil vom 27. Mai 2019 aufzuheben.
2. Es sei festzustellen, dass die Staatsangehörigkeit der Gesuchstellerin und Berufungsklägerin Äthiopien ist.
3. EVENTUALITER sei die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die  zurückzuweisen.
4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. MwSt. zulasten der Staatskasse."

Erwägungen:
1.
1.1. A._ B._ C._ (Gesuchstellerin und Berufungsklägerin, fortan
Berufungsklägerin) reiste im Jahre 2014 in die Schweiz ein. Ihr am 14. Juni 2014
gestelltes Asylgesuch wurde abgelehnt. Die Wegweisung wurde wegen Unzu-
mutbarkeit nicht vollzogen bzw. aufgeschoben und sie wurde in der Schweiz vor-
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läufig aufgenommen (act. 7/4-5, act. 7/16). Die Berufungsklägerin hat mit L._
zwei gemeinsame Kinder namens M._ und N._. Die Berufungsklägerin
und L._ wollen heiraten. Gemäss der Bestätigung über den registrierten Per-
sonenstand für ausländische Staatsangehörige und Staatenlose war die Beru-
fungsklägerin im Zivilstandsregister mit dem Vornamen "A._", dem Nachna-
men "E._ F._" und dem Geburtsdatum "tt.04.1992" erfasst, der Ge-
burtsort und der Zivilstand waren als "unbekannt" und die Staatsangehörigkeit als
"ungeklärt" geführt. Die Aufnahme mit Minimalangaben erfolgte bei der Geburt
des Kindes M._ am tt. mm.2016. Um das Ehevorbereitungsverfahrens beim
Zivilstandsamt O._ durchführen zu können, möchte die Berufungsklägerin ih-
re Personalien eintragen bzw. berichtigen lassen (act. 2/1-2, act. 2/6, act. 6/1-2).
1.2. Dafür gelangte die Berufungsklägerin mit Eingabe vom 18. Dezember 2018
mit einem Gesuch um Berichtigung resp. Feststellung der Personalien an das Be-
zirksgericht Hinwil (fortan Vorinstanz, act. 1 und act. 1A). Die Vorinstanz zog die
Akten des Migrationsamtes des Kantons Zürich, des Staatssekretariats für Migra-
tion sowie des Zivilstandsamts O._ bei (act. 6/1-8, act. 7/1-34, act. 8/1-30,
act. 10/1-3). Vom Gemeindeamt des Kantons Zürich wurde eine Stellungnahme
eingeholt, welche vom 25. Januar 2019 datiert (act. 13). Am 10. April 2019 fand
die Anhörung der Berufungsklägerin mit Parteibefragung statt (Prot. Vi S. 5,
act. 20). Im Nachgang zur Verhandlung reichte die Berufungsklägerin diverse Be-
lege nach (act. 22/1-2, act. 24/1-4). Das Gemeindeamt äusserte sich mit Eingabe
vom 10. Mai 2019 zu den geänderten Anträgen und den eingereichten Belegen
der Berufungsklägerin. Es hielt fest, keine Einwendungen zu erheben, sollte die
Vorinstanz gestützt auf die Belege und die persönliche Befragung der Berufungs-
klägerin zur Überzeugung gelangen, die geltend gemachten Personendaten seien
richtig (act. 27). Mit Urteil vom 27. Mai 2019 entschied die Vorinstanz im eingangs
aufgeführten Sinne (act. 28 = act. 34 S. 10 f.).
2.
Die Berufungsklägerin erhob mit Eingabe vom 28. Juni 2019 (Datum Poststempel)
rechtzeitig Berufung gegen das vorinstanzliche Urteil vom 27. Mai 2019, soweit
darin ihr Gesuch um Feststellung der Staatsangehörigkeit abgewiesen wurde
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(act. 29; act. 35). Sie stellte den prozessualen Antrag, es sei ihr eine kurze Frist
zur Ergänzung der Berufungsbegründung anzusetzen (act. 35 S. 2). Am 2. Juli
2019 (Datum Poststempel) reichte die Berufungsklägerin eine weitere Eingabe
ein, darin hielt sie u.a. fest, eine Frist zur Ergänzung der Berufungsbegründung
sei nicht (mehr) notwendig (act. 38).
Die Akten des vorinstanzlichen Verfahrens wurden beigezogen (act. 1-32). Man-
gels Gegenpartei ist keine Berufungsantwort einzuholen. Auf eine Stellungnahme
der Vorinstanz kann verzichtet werden (Art. 324 ZPO).
3.
Gemäss Art. 308 Abs. 1 lit. a ZPO sind erstinstanzliche Endentscheide in nicht
vermögensrechtlichen Angelegenheiten – abgesehen von hier nicht vorliegenden
Ausnahmen gemäss Art. 309 ZPO – mit Berufung anfechtbar. Mit der Berufung
kann die unrichtige Rechtsanwendung und die unrichtige Feststellung des Sach-
verhaltes geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO). Die Berufung ist (fristgemäss)
schriftlich und begründet einzureichen (Art. 311 Abs. 1 ZPO i.V.m. Art. 314 Abs. 1
ZPO). Dabei ist im Einzelnen darzulegen, aus welchen Gründen der angefochte-
ne Entscheid falsch ist und deshalb abgeändert werden muss (Begründungslast;
siehe OGer ZH LB110049 vom 5. März 2012 E. 1.1 f. m.w.H.). Geprüft wird somit
nur, was beanstandet worden ist. Soweit jedoch eine Beanstandung vorgebracht
wurde, wendet die Berufungsinstanz das Recht von Amtes wegen an (Art. 57
ZPO). Sie ist weder an die Argumente einer Partei noch an die Begründung des
vorinstanzlichen Entscheides gebunden. Neue Tatsachen und Beweismittel sind
im Berufungsverfahren nur noch zu berücksichtigen, wenn sie ohne Verzug vor-
gebracht wurden und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor Vorinstanz vorge-
bracht werden konnten (Art. 317 Abs. 1 ZPO).
4.
4.1. Die Vorinstanz befand, es sei der Nachname der Berufungsklägerin zu be-
richtigen und zusätzlich seien ihr Zivilstand, ihr Geburtsort und die Vor- sowie
Nachnamen ihrer Eltern festzustellen (act. 34 S. 9). In Bezug auf die Staatsange-
hörigkeit wies die Vorinstanz das Gesuch der Berufungsklägerin um Berichtigung
ab: Sie habe als Beweis – nebst der Parteibefragung – lediglich das Schreiben ei-
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nes Anwaltes und Übersetzers ins Recht gereicht, aus dem hervorgehe, dass drei
nicht näher bekannte Zeugen unter anderem bestätigten, sie sei äthiopische
Staatsangehörige. Die beigebrachten Schulzertifikate würden sich zur Staatsan-
gehörigkeit nicht äussern. Im Rahmen des Asylverfahrens habe die Berufungs-
klägerin angegeben, ihr Vater sei Eritreer und ihre Mutter Äthiopierin. Sie habe
noch behauptet, in Äthiopien aufgewachsen, aber eritreische Staatsangehörige zu
sein, was sich auch mit den beigebrachten Schulzeugnissen in Einklang bringen
lasse. Im Rahmen der Parteibefragung am 10. April 2019 habe die Berufungsklä-
gerin zunächst erklärt, bereits gegenüber den Migrationsbehörden offengelegt zu
haben, dass ihr Vater Eritreer sei, sie aber in I._ [Region] geboren, aufge-
wachsen und zur Schule gegangen sei. Später habe sie erklärt, sowohl ihre Mut-
ter als auch ihr Vater seien äthiopische Staatsangehörige. Die Vorinstanz schloss,
dass die Staatsangehörigkeit der Berufungsklägerin aufgrund der vorliegenden
Urkunden und den Widersprüchen in ihren Aussagen nicht zweifelsfrei geklärt
werden könne (act. 34 S. 6 f.).
4.2. Die Berufungsklägerin macht im Wesentlichen geltend, die Vorinstanz habe
den Sachverhalt unrichtig festgestellt und die aus der eingeschränkten Untersu-
chungsmaxime fliessende Abklärungspflicht verletzt. Zunächst treffe es nicht zu,
dass ihre Aussagen widersprüchlich seien. Sie (die Berufungsklägerin) habe stets
erklärt, äthiopische Staatsangehörige zu sein. Unklarheiten hätten lediglich die
Staatsangehörigkeit ihrer Eltern betroffen. Sie habe anlässlich der vorinstanzli-
chen Parteibefragung erklärt, ihr Vater sei nicht eritreischer Staatsangehöriger.
Diesbezüglich sei es offensichtlich zu einem Übersetzungsfehler bzw. einer fal-
schen Protokollierung gekommen. Es würde keinen Sinn ergeben, wenn sie aus-
geführt hätte, ihr Vater sei eritreischer Staatsangehöriger, und nur wenige Minu-
ten später gesagt hätte, ihr Vater sei äthiopischer Staatsangehöriger. Die Beru-
fungsklägerin rügt, dass die Vorinstanz diesen kleinen Widerspruch zum Anlass
genommen habe, um ihr Begehren um Feststellung der Staatsangehörigkeit ab-
zuweisen. Nach Ansicht der Berufungsklägerin wäre die Vorinstanz aufgrund der
eingeschränkten Untersuchungsmaxime zudem gehalten gewesen, den Wider-
spruch zu klären und sie (die Berufungsklägerin) aktiv nach der Ursache des Wi-
derspruchs bzw. der richtigen Staatsangehörigkeit ihres Vaters zu fragen. Im Wei-
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teren beanstandet die Berufungsklägerin eine unrichtige Würdigung der Beweis-
mittel durch die Vorinstanz. Aus der Parteibefragung und der übereinstimmenden
Erklärung dreier Zeugen ergebe sich, dass sie (die Berufungsklägerin) äthiopi-
sche Staatsangehörige sei. Die Vorinstanz habe diesen Beweismitteln den Be-
weiswert nicht abgesprochen und hätte folglich auf diese abstellen müssen. In
Bezug auf die Berichtigung ihres Nachnamens und Geburtsorts habe die Vor-
instanz darauf abgestellt. Zudem habe sie (die Berufungsklägerin) der Vorinstanz
ein Schulzeugnis auf Tigrinya eingereicht, in welchem als ihre Nationalität "Äthio-
pien" aufgeführt sei. Die Vorinstanz wäre aufgrund der eingeschränkten Untersu-
chungsmaxime gehalten gewesen, entweder selber eine Übersetzung des Doku-
ments in Auftrag zu geben oder aber sie (die Berufungsklägerin) dazu aufzufor-
dern (act. 35 S. 4 und 8-10). Aus der eingeschränkten Untersuchungsmaxime fol-
ge überdies, dass weitere, nicht angebotene Beweismittel abzunehmen seien,
wenn der Sachverhalt ungenügend geklärt sei. Im versäumten Vorhalt der Vo-
rinstanz, dass die zur Staatsangehörigkeit eingereichten Belege unzureichend
seien, sowie im nicht erfolgten Verlangen weiterer Dokumente bzw. im unterlas-
senen Hinweis auf die Wichtigkeit der Übersetzung, sieht die Berufungsklägerin
eine Verletzung ihres Anspruchs auf Beweis als Teilgehalt des Anspruchs auf
rechtliches Gehör. Sie verlangt aus diesem Grund die Aufhebung des vorinstanz-
lichen Entscheides (zur Staatsangehörigkeit) und die Rückweisung der Sache an
die Vorinstanz, wobei nach Ansicht der Berufungsklägerin von der Rückweisung
einzig abgesehen werden könnte, wenn der Feststellung der äthiopischen Staats-
angehörigkeit entsprochen würde (act. 35 S. 11-13).
5.
5.1. Die Berufungsklägerin ist nur mit Minimalangaben im Zivilstandsregister ver-
zeichnet worden. Es wurde keine Staatsangehörigkeit eingetragen bzw. diese als
"ungeklärt" geführt (act. 6/1). Folglich kann es hinsichtlich der Staatsangehörigkeit
nicht um die Bereinigung bzw. Berichtigung eines vorhandenen Registereintrages
gemäss Art. 42 ZGB gehen, sondern nur um die Feststellung der Staatsangehö-
rigkeit (vgl. dazu auch OGer ZH NL080068 vom 16. Juli 2009, E. 4.b). Entspre-
chend lautet das Rechtsbegehren der Berufungsklägerin im Berufungsverfahren.
Das Bestehen eines Feststellungsinteresses kann bejaht werden, da eine Heirat
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zwischen der Berufungsklägerin und L._ erst in das Zivilstandsregister einge-
tragen werden könnte, wenn Klarheit über die Identität der Berufungsklägerin be-
steht (vgl. act. 1B und act. 2/2).
Wie bei der Bereinigung einer Eintragung (Art. 41 f. ZGB) handelt es sich auch bei
der Feststellung von Personalien um eine Angelegenheit der freiwilligen Gerichts-
barkeit (BGE 131 III 201 Erw. 1.2). Das Gericht hat gestützt auf Art. 248 lit. e ZPO
im summarischen Verfahren zu entscheiden (BSK ZPO-Mazan, 3. A., Basel 2017,
Art. 249 N 8). Es gilt die eingeschränkte Untersuchungsmaxime und keine Be-
weisbeschränkungen, insbesondere gilt es den strikten Beweis zu erbringen (vgl.
Art. 254 ZPO und Art. 255 lit. b ZPO; Spühler/Dolge/Gehri, Schweizerisches Zivil-
prozessrecht, 9. A., Bern 2010, § 52 N 238 f. und auch BSK ZPO-Mazan, a.a.O.,
Art. 248 N 14 und Art. 255 N 7). Ein solcher gilt als erbracht, wenn das Gericht
aufgrund objektiver Gesichtspunkte von der Richtigkeit einer Sachbehauptung
überzeugt ist. Eine bloss überwiegende Wahrscheinlichkeit reicht nicht, eine ab-
solute Gewissheit wird jedoch nicht verlangt; es genügt, wenn keine ernsthaften
Zweifel mehr an der behaupteten Tatsache bestehen oder allfällig verbleibende
Zweifel nicht als erheblich resp. als leicht erscheinen (siehe auch BSK ZGB I-
Lardelli/ Vetter, 6. A., Basel 2018, Art. 8 N 17, BGE 130 III 321 E. 3.2). Das Ge-
richt stellt den Sachverhalt von Amtes wegen fest, es hat ihn nicht zu erforschen.
Die Berufungsklägerin ist deshalb nicht davon befreit, an der Erstellung des ent-
scheidwesentlichen Sachverhalts aktiv mitzuwirken und die zu erhebenden Be-
weise bzw. Beweismittel zu bezeichnen. Sie trägt die primäre Verantwortung für
die Sachverhaltsermittlung, unter gerichtlicher Mithilfe jedoch, indem ein Hinweis
auf die Mitwirkungspflicht sowie das Beibringen von Beweisen zu erfolgen hat.
Gemäss der allgemeinen Regel von Art. 8 ZGB liegt die Beweislast bezüglich der
behaupteten Staatsangehörigkeit bei der Berufungsklägerin. Die Geltung der ein-
geschränkten Untersuchungsmaxime ändert daran nichts (vgl. ZK ZPO-Klingler,
3. A., Zürich/Basel/Genf 2016, Art. 255 N 1 sowie ZK ZPO-Sutter-Somm/Schrank,
a.a.O., Art. 55 N 76).
5.2. Zur behaupteten äthiopischen Staatsangehörigkeit liegen die Parteibefra-
gung der Berufungsklägerin, die von ihr eingereichte (auf drei Zeugenaussagen
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basierende) Bestätigung dreier Richter, vier Schulzeugnisse bzw. -zertifikate, ein
Schülerausweis sowie die beigezogenen Akten des Zivilstandsamts, des Migrati-
onsamts und des Staatssekretariats für Migration im Recht. Die Vorinstanz fragte
die Berufungsklägerin nach ihrer Geburtsurkunde, die Staatsangehörigkeit bele-
genden Dokumenten und Ausweisen, ob solche aus ihrem Heimatland nachge-
fordert werden können und Personen ihre Herkunft bezeugen könnten. Die Beru-
fungsklägerin konnte keine Zeugen bezeichnen, welche zu Gunsten ihre Sach-
darstellung aussagen könnten. Ein Zertifikat/Geburtsurkunde oder Dokumente
müssten nach ihren Angaben persönlich bei den Behörden im Heimatland ver-
langt werden. Ihre Identitätskarte habe sie auf Anraten bei der Einreise in die
Schweiz vernichtet. Sie habe nun nichts mehr, um sich auszuweisen. Die vorge-
legten Dokumente seien alles, was sie habe (act. 20 S. 7-10). Angesichts dieser
Fragen und darauf gegebenen Antworten kann gesagt werden, dass die Vor-
instanz der ihr im Rahmen der Untersuchungsmaxime obliegenden Abklärungs-
pflicht nachgekommen ist. Insbesondere ist nicht ersichtlich und von der Beru-
fungsklägerin auch nicht dargetan, welche tauglichen Beweismittel (noch) hätten
von der Vorinstanz verlangt resp. abgenommen werden können. In Bezug auf die
eingereichten Beweismittel ist festzuhalten, dass aus den Erwägungen der Vor-
instanz nicht klar wird, ob sie den Schülerausweis unbeachtet liess. Aufgrund des
Aktorenverweises (siehe act. 34 S. 6, Erw. 7.1.1.) könnte angenommen werden,
dass die Vorinstanz den Schülerausweis beachtete. Da der Schülerausweis nur
auf Tigrinya im Recht lag und die Vorinstanz nicht konkret auf den Inhalt Bezug
nahm, ist allerdings vom Gegenteil auszugehen. Eine fremdsprachige Urkunde,
der keine Übersetzung beiliegt, gilt grundsätzlich als nicht gehörig angebotenes
Beweismittel. Mangels ausdrücklicher gesetzlicher Regelung und aufgrund des
Verbotes des überspitzten Formalismus ist es allerdings unzulässig, die Urkunde
als nicht eingereicht zu behandeln bzw. nicht darauf abzustellen, auch nicht nach
entsprechender Androhung. Der Berufungsklägerin ist darin zuzustimmen, dass
die Vorinstanz ihr eine Frist zur Einreichung einer Übersetzung hätte ansetzen
bzw. eine amtliche Übersetzung hätte einholen müssen (so auch ZK ZPO-Weibel,
a.a.O., Art. 180 N 13 f.). Die unzulässige Unterlassung der Vorinstanz führt zur
Berücksichtigung der von der Berufungsklägerin nunmehr im Berufungsverfahren
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neu eingereichten Übersetzung des bereits bei den vorinstanzlichen Akten lie-
genden Schülerausweises (act. 24/4 = act. 37/2a; act. 37/2b). Im Weiteren ist
festzuhalten, dass die Vorinstanz die beigebrachten Schulzertifikate als im kon-
kreten Fall beweisuntauglich erachtete, indem sie befand, dass sie sich zur
Staatsangehörigkeit nicht äusserten (act. 34 S. 6, Erw. 7.1.1.). Soweit sich dies
auf die vier Schulzeugnisse bzw. -zertifikate (act. 24/1-3) bezieht, ist dem zuzu-
stimmen. Hinsichtlich der Bestätigung dreier Richter gestützt auf drei Zeugenan-
gaben sowie der Parteibefragung erkennt die Berufungsklägerin sodann zutref-
fend, dass die Vorinstanz diesen den Beweiswert nicht absprach, was jedoch
nicht unmittelbar zu einem Abstellen darauf führt. Vielmehr unterstehen diese
Beweismittel der freien Beweiswürdigung (Art. 157 ZPO), aufgrund welcher die
Vorinstanz zum Schluss kam, die Staatsangehörigkeit der Berufungsklägerin kön-
ne nicht zweifelsfrei geklärt werden. Indem die Berufungsklägerin gestützt auf die
Bestätigung dreier Zeugen resp. Richter, ihre Parteibefragung und den Schüler-
ausweis folglich ihre äthiopische Staatsangehörigkeit festgestellt wissen möchte,
stellt sie sich gegen die vorinstanzliche Beweiswürdigung. Darauf ist im Folgen-
den genauer einzugehen:
5.3. Zunächst ist auf die Parteibefragung der Berufungsklägerin einzugehen,
welche vor dem Hintergrund ihrer im Asylverfahren gemachten Angaben gesehen
werden muss. Hinsichtlich der Angaben zur eigenen Staatsangehörigkeit wider-
sprach sich die Berufungsklägerin in der Parteibefragung vor Vorinstanz nicht.
Der Widerspruch liegt vielmehr darin, dass sie zuvor gegenüber den Behörden
konstant etwas anderes angab, wofür sie der Vorinstanz eine Begründung lieferte.
Zum Grund für den Wechsel ihres Standpunktes bzw. ihres Antrages hinsichtlich
ihrer Staatsangehörigkeit befragte die Vorinstanz die Berufungsklägerin mehrmals
(vgl. act. 20 S. 3, 5 und 9), ihr kann insofern kein Versäumnis vorgeworfen wer-
den. Die Parteibefragung ist ein vollwertiges Beweismittel, das grundsätzlich
gleichrangig ist wie alle übrigen dem Gesetz bekannten Beweismittel. Daran än-
dert nichts, dass die Berufungsklägerin als Gesuchstellerin ein augenscheinliches
eigenes Interesse am Verfahrensausgang hat. Das Gericht bildet sich seine
Überzeugung nach freier Würdigung der Beweise (Art. 168 ZPO, Art. 157 ZPO;
BGE 143 III 297 E. 9.3.2 S. 333; vgl. auch Müller, DIKE-Komm-ZPO, Art. 191
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N 32 ff.). Das Eigeninteresse der Berufungsklägerin beschlägt ihre Glaubwürdig-
keit, ihre Angaben sind mit Vorsicht zu werten. Allerdings muss mitberücksichtigt
werden, dass sie nach Ermahnung zur Wahrheit sowie unter Strafandrohung des
Art. 191 Abs. 2 ZPO befragt worden ist (siehe act. 20 S. 2). Im Vordergrund steht
die aussagenbezogene resp. inhaltliche Aussagenwürdigung: In Bezug auf die
Glaubhaftigkeit der Angaben der Berufungsklägerin ist zu beachten, dass sie –
entgegen ihren Behauptungen in der Berufung – nicht stets erklärte, äthiopische
Staatsangehörige zu sein, Widersprüche somit nicht nur in ihren Äusserungen zur
Staatsangehörigkeit ihrer Eltern liegen. Die Berufungsklägerin trat gegenüber den
Schweizer Behörden bereits unter verschiedenen Identitäten in Erscheinung, da-
bei gab sie als Staatsangehörigkeit jeweils "Eritrea" an. Im Asylverfahren führte
sie aus, sie sei in Eritrea geboren und in Äthiopien aufgewachsen. Sie sei eritrei-
sche Staatsangehörige wie ihr Vater, ihre Mutter sei Äthiopierin. Ihre Eltern seien
in Eritrea gestorben als sie sieben Jahre alt gewesen sei. Ihr Vater sei im Kampf
gefallen, ihre Mutter an den Folgen von Krebs gestorben. Sie sei deshalb zirka im
Jahre 1999 von ihrer Grossmutter nach Äthiopien geholt worden, wo sie und ihre
Schwester fortan in I._ [Region] gelebt hätten sowie zur Schule gegangen
seien. Sie sei nie nach Eritrea zurückgekehrt und habe in Äthiopien keine eritrei-
sche Identitätskarte beantragen können. Eine äthiopische Identitätskarte habe sie
auch nicht beantragen können, ihr sei gesagt worden, diese würde ihr erst mit 19
Jahren ausgestellt (act. 14; act. 6/6 = act. 10/2 = act. 7/33 S. 3 f. und 6; act. 7/16
S. 2). Gegenüber dem Zivilstandsamt gab die Berufungsklägerin im "Fragebogen
Aktenprüfung/NSA" am 7. Juli 2016 an, keine Dokumente aus ihrem Heimatland
resp. nie Dokumente von Eritrea gehabt zu haben (act. 6/4 S. 2). Auch im Begeh-
ren an die Vorinstanz vom 18. Dezember 2018 gab die Berufungsklägerin als ihre
Staatsangehörigkeit Eritrea an (act. 1). Im Rahmen der unter Strafandrohung er-
folgten Parteibefragung machte sie dann (erstmals) geltend, Äthiopierin zu sein
(act. 20 S. 3). Die Berufungsklägerin erklärte, sie spreche eigentlich zum ersten
Mal darüber, äthiopische Staatsbürgerin zu sein. Dem Staatsekretariat für Migra-
tion habe sie dies nicht gesagt. Die Berufungsklägerin entschuldigte sich und gab
als Grund für die falschen Angaben zu den Personalien an, man habe ihr gesagt,
dass Leute aus Äthiopien keine "guten" Aufenthaltsbewilligungen erhalten wür-
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den. Es sei ihr geraten worden, sich als Eritreerin auszugeben, was sie gemacht
habe. Im Nachhinein fühle sie sich nicht gut dabei und sie wolle, dass alle wüss-
ten, dass sie aus Äthiopien sei. Die Berufungsklägerin gab auf Nachfrage weiter
an, bei der Einreise eine Frau kennengelernt zu haben, und sie hätten sich als
Schwestern ausgegeben. Die "Schwester" hätte Probleme gehabt, wenn sie (die
Berufungsklägerin) ihren Namen geändert oder sich als Äthiopierin ausgegeben
hätte, da sie (die "Schwester") sich selbst als Eritreerin ausgegeben habe. Die
"Schwester" habe ihr gedroht, sich umzubringen, sollte sie (die Berufungskläge-
rin) ihren Namen vor ihr ändern lassen. Nun habe die "Schwester" ihre Persona-
lien geändert und sie (die Berufungsklägerin) wolle nun auch ihre korrigieren. Auf
vorinstanzlichen Vorhalt der Änderung ihrer Anträge zur Staatsangehörigkeit, be-
kräftigte die Berufungsklägerin, nicht mehr mit einer Lüge leben zu wollen und
deshalb nun die Wahrheit zu sagen (act. 20 S. 3, 5 f. und 9). Zum Geburtsort be-
fragt, gab die Berufungsklägerin an, vor den Migrationsbehörden "offengelegt" zu
haben, dass ihr Vater Eritreer sei, sie aber in I._ [Region] geboren, aufge-
wachsen und zur Schule gegangen sei (act. 20 S. 7). Auf die spätere Frage der
Vorinstanz, ob ihre Eltern äthiopische Staatsangehörige seien, antwortete die Be-
rufungsklägerin mit "Ja". Auf die Frage, welche Staatsangehörigkeit sie besitze,
antwortete sie, sie sei Äthiopierin (act. 20 S. 8).
5.4. Genau genommen sagte sie damit vor der Vorinstanz nicht aus, ihr Vater sei
Eritreer, sondern sie gab lediglich an, dass sie das der Migrationsbehörde gegen-
über angegeben habe. Ein Widerspruch innerhalb der vorinstanzlichen Aussagen
liegt damit nicht vor. Hinzu kommt, dass auch bei einem Vater mit eritreischer
Staatsangehörigkeit und einer Mutter mit äthiopischer Staatsangehörigkeit die
äthiopische Staatsangehörigkeit der Berufungsklägerin nicht ausgeschlossen er-
scheint, umso mehr als der Vater weggegangen sei, als die Mutter im vierten Mo-
nat mir ihr schwanger war (act. 20 S. 8 oben). Insgesamt betrachtet können die
Ausführungen der Berufungsklägerin zu ihrer Staatsangehörigkeit in der Parteibe-
fragung bei der Vorinstanz trotz der Widersprüche zu ihren früheren Angaben
nicht per se als unglaubhaft bezeichnet werden. Ihre Erklärung, weshalb sie ihre
Angaben zur Staatsangehörigkeit änderte, erscheint plausibel und lebensnah. Es
ist nicht zu erkennen, welchen Vorteil sie in einer Falschangabe zu ihrer Staats-
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angehörigkeit zum jetzigen Zeitpunkt erlangen wollte oder könnte (vgl. insbes.
auch zur Wegweisung abgewiesener Asylsuchender nach Äthiopien: <https://
www.sem.admin.ch/sem/de/home/aktuell/news/2019/2019-01-16.html>, zuletzt
besucht am 1. November 2019, im Vergleich zur Wegweisung nach Eritrea:
<https://www.sem.admin.ch/sem/de/home/asyl/eritrea/faq.html>, zuletzt besucht
am 1. November 2019). Aus dem Protokoll der Anhörung der "Schwester" der Be-
rufungsklägerin beim Staatssekretariat für Migration vom 19. November 2018 geht
hervor, dass diese nachträglich ihre Angaben änderte und erklärte, einen anderen
Familiennamen zu haben und Äthiopierin zu sein. Wie die Berufungsklägerin er-
zählte auch sie, zu ihrem Familiennamen sowie ihrer Nationalität keine richtigen
Angaben gemacht zu haben, weil ihr für den schnellen Erhalt einer Aufenthalts-
bewilligung geraten worden sei, sich als Eritreerin auszugeben. Mit der Beru-
fungsklägerin sei sie nicht verwandt (act. 10/3 S. 2 f.). Dies korrespondiert mit den
Erklärungen der Berufungsklägerin und lässt deren Angaben insofern als glaub-
haft erscheinen. Die äthiopische Staatsangehörigkeit der Berufungsklägerin wird
im Weiteren durch drei Richter ("judges of AbyiAdi town kebele 03") bestätigt, ge-
stützt auf drei Zeugenangaben aus dem Quartier, wo die Familie der Berufungs-
klägerin wohnt (act. 22/1-2, Prot. Vi S. 12). In Äthiopien ist bei Zweifeln über die
Nationalität der Beweis mithilfe dreier Zeugen durchaus bekannt (vgl. <https://
www.fluechtlingshilfe.ch/herkunftslaender/afrika/athiopien.html>, dort unter "Iden-
titätsdokumente in ausgewählten Herkunftsländern", zuletzt besucht am 1. No-
vember 2019). Beim vor Vorinstanz vorgelegten und im obergerichtlichen Beru-
fungsverfahren in Übersetzung eingereichten Schülerausweis handelt es sich
zwar nicht um ein amtliches Dokument, dennoch ist zu gewichten, dass der Schü-
lerausweis im Original eingereicht wurde und ein Foto enthält. Der Schüleraus-
weis weist als Nationalität der Berufungsklägerin Äthiopien aus (act. 24/4 und
act. 37/2a-2b).
Auch wenn noch gewisse Zweifel verbleiben, so sind diese doch als nicht erheb-
lich einzustufen, und der Beweis der äthiopischen Staatsangehörigkeit der Beru-
fungsklägerin ist aufgrund der genannten Beweise als erbracht anzusehen. Dies
führt zur Gutheissung der Berufung, zur Aufhebung von Dispositiv-Ziffer 2 des
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vorinstanzlichen Urteils vom 27. März 2019 und zur Feststellung der äthiopischen
Staatsangehörigkeit der Berufungsklägerin.
6.
6.1. Die Berufungsklägerin dringt mit ihrer Berufung durch. Ausgangsgemäss
sind für das Berufungsverfahren keine Kosten zu erheben (Art. 107 Abs. 2 ZPO).
Mangels einer Gegenpartei, von welcher eine Parteientschädigung zugesprochen
werden könnte, sowie mangels gesetzlicher Grundlage für eine Entschädigung
durch den Staat, entfällt die Zusprechung einer Entschädigung für das Rechtsmit-
telverfahren.
6.2. Die Berufungsklägerin stellte ein Begehren um gerichtliche Bestellung eines
unentgeltlichen Rechtsbeistandes für das Berufungsverfahren (act. 35 S. 3 und 13
f.; Art. 119 Abs. 5 ZPO). Die Berufung der Berufungsklägerin erweist sich – wie
gesehen – nicht als aussichtslos. Es ist von der Bedürftigkeit der Berufungskläge-
rin auszugehen (vgl. act. 2/7, act. 6/8, act. 7/20, act. 7/23, act. 7/26) und sie war
zur Wahrung ihrer Rechte im vorliegenden Verfahren auf rechtlichen Beistand an-
gewiesen (vgl. Art. 117 und Art. 118 Abs. 1 lit. c ZPO). Der Berufungsklägerin ist
somit für das Rechtsmittelverfahren in der Person von Rechtsanwalt MLaw
X._ ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen. Dieser reichte Aufstel-
lungen über einen Aufwand und Barauslagen ein und beantragt sinngemäss eine
Entschädigung von insgesamt Fr. 2'335.25 (act. 37/3 und act. 39/4).
Unentgeltliche Rechtsvertreter werden nach den gleichen Grundsätzen entschä-
digt, nach denen auch die Parteientschädigungen zugesprochen werden, wenn
eine Partei selbst einen Anwalt beizieht und bezahlt. Nicht geschuldet ist daher
eine Entschädigung gemäss § 3 AnwGebV, die nur besonderen Fällen vorbehal-
ten ist (vgl. § 16 Abs. 1 und § 21 AnwGebV). Bei nicht vermögensrechtlichen
Streitigkeiten richtet sich die Grundgebühr nach der Verantwortung und dem not-
wendigen Zeitaufwand des Anwaltes sowie nach der Schwierigkeit des Falles. Die
Bemessung erfolgt grundsätzlich gemäss § 4 ff. AnwGebV, die die allgemeinen
Grundsätze des § 2 Abs. 1 AnwGebV insoweit konkretisieren. Die Gebühr beträgt
in der Regel Fr. 1'400 bis Fr. 16'000 und wird in Summarsachen in der Regel auf
zwei Drittel bis einen Fünftel ermässigt. Der Anspruch auf die Gebühr entsteht mit
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der Erarbeitung der Begründung, deckt auch den Aufwand für die allfällige Teil-
nahme an der Hauptverhandlung ab. Für weitere notwendige Rechtsschriften wird
ein Zuschlag berechnet (§§ 5 Abs. 1, 9 und 11 Abs. 1 und 2 AnwGebV). Ange-
sichts des für die Berufungsklägerin auf den Spiel stehenden Interesses (Feststel-
lung ihrer Staatsangehörigkeit) wohnte dem vorliegenden Fall eine etwas erhöhte
Verantwortung inne. Die tatsächlichen und rechtlichen Fragestellungen können
hingegen nicht als besonders schwierig angesehen werden und der Aktenumfang
war überblickbar. Insgesamt ist das vorliegende Verfahren gemessen an der Ver-
antwortung, dem Zeitaufwand und der Schwierigkeit im unteren Rahmen anzuset-
zen. Zu beachten ist, dass Rechtsanwalt MLaw X._ am 28. Juni 2019 eine
Berufungsschrift einreichte und eine weitere Eingabe am 2. Juli 2019 machte. Die
Grundgebühr ist daher auf Fr. 2'000.00 festzusetzen. Hinzu kommen die Baraus-
lagen. Während die vom Rechtsvertreter der Berufungsklägerin geltend gemach-
ten Auslagen für die Berufung (Fr. 49.50), das Scheiben an die Mandantschaft
(Fr. 11.50), die Rücksendung der Akten an die Vorinstanz (Fr. 12.00) und die wei-
tere Eingabe an das Obergericht (Fr. 14.80) gerade noch als nachvollziehbar er-
achtet werden können, trifft dies für die Kopien der vorinstanzlichen Akten über
Fr. 122.50 nicht zu, da diese erst nach Ablauf der Rechtsmittelfrist angefertigt
wurden (vgl. act. 35 S. 6 und act. 38). Bei der Berufungsfrist handelt sich um eine
gesetzliche Frist, welche nicht erstreckt werden kann (Art. 144 Abs. 1 ZPO). Der
Rechtsvertreter der Berufungsklägerin hat die Berufung innert Frist ohne die vo-
rinstanzlichen Akten verfasst, eine nachträgliche Ergänzung wäre nicht zulässig
gewesen und wurde indes auch nicht von ihm vorgenommen. Zur Abklärung, ob
hinsichtlich des Schülerausweises der Berufungsklägerin keine Übersetzung im
Recht lag, reichte eine Aktendurchsicht. Die Auslagen von Fr. 122.50 erweisen
sich als nicht notwendig und sind nicht zu entschädigen. Die Entschädigung ist
folglich auf Fr. 2'087.80 festzulegen. Hinzu kommt der Mehrwertsteuerzuschlag
(7.7 %). Rechtsanwalt MLaw X._ ist folglich für seine Bemühungen und Bar-
auslagen als unentgeltlicher Rechtsbeistand der Berufungsklägerin im Berufungs-
verfahren aus der Gerichtskasse mit Fr. 2'248.55 zu entschädigen. Die Beru-
fungsklägerin ist auf die Nachzahlungspflicht gemäss Art. 123 Abs. 1 ZPO hinzu-
weisen.
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