Decision ID: 398b840c-115e-4255-bff5-5994b35b010b
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) war seit November 2015 mit einem Pensum von
100% als Filialeiterin bei der B._ SA c/o C._ SA, tätig und dadurch bei der HDI
Global SE (nachfolgend: HDI), Zürich, gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 18.
Oktober 2016 erlitt sie einen Verkehrsunfall, als sie mit dem Motorroller bei nasser
Fahrbahn wegen eines von rechts in die von ihr befahrene Strasse einbiegenden, nicht
vortrittsberechtigten Fahrzeugs stark bremsen musste und hinfiel (UV-act. K1 f.).
A.a.
Am 19. Oktober 2016 fand die Erstbehandlung beim Hausarzt dipl. med. D._,
Allgemeine Innere Medizin, statt. Dieser notierte zunehmende HWS-Beschwerden und
veranlasste eine Magnetresonanztomographie (MRT; UV-act. M2).
A.b.
Am 25. Oktober 2016 wurde im Röntgeninstitut E._ eine MRT der HWS und
BWS durchgeführt. Diese ergab gemäss Dr. med. F._, FMH Radiologie und FMH
Nuklearmedizin, im HWS-Bereich frische Flexions-, Impressionsfrakturen im ventralen
Bereich des 3. und 4. HWK, ventrale Kontusionsherde im Segment HWK 6/7, eine
ältere Deckplattenimpression des 5. HWK sowie polysegmentale Degenerationen und
foraminale Stenosen. Im BWS-Bereich fand sich keine Fraktur, indes eine mediane
Diskushernie BWK 6/7 (UV-act. M3). Die verantwortlichen Ärzte der Klinik für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates des
Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) diagnostizierten mit Bericht vom 28. Oktober 2016
nach Einsicht in die MRT bei Signalverstärkung im Bereich von C3/C4 eine HWS-
A.c.
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Distorsion und eine leichte Impression C3/C4 und schlossen eine ligamentäre
Begleitverletzung aus (UV-act. M1).
Am 1. Dezember 2016 berichtete dipl. med. D._ von massivsten psychischen
Problemen der Versicherten und überwies sie an Dr. med. G._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie (UV-act. M4). Am 18. Januar 2016 stellte Dr. med.
H._, FMH Orthopädie und Traumatologie, bei der HDI einen Antrag auf stationäre
Rehabilitation zur zeitnahen Reintegration der Versicherten in den Berufsalltag (UV-act.
M7).
A.d.
Eine am 23. Januar 2017 im Röntgeninstitut E._ durch Dr. med. I._, FMH
Radiologie, durchgeführte MRT der HWS ergab eine aktivierte Osteochondrose C3/4
und C6/7 sowie keine weitere Sinterung von HWK 3 und HWK 4 (UV-act. M8).
A.e.
Mit Bericht vom 26. Januar 2017 diagnostizierte Dr. G._, in dessen Behandlung
die Versicherte seit dem 15. Dezember 2016 stand, eine Anpassungsstörung, einen
Verdacht auf eine beginnende Somatisierungsstörung sowie differentialdiagnostisch
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (UV-act. M9).
A.f.
Am 30. Januar 2017 gab Dr. med. J._, Facharzt FMH Psychiatrie/
Psychotherapie, beratender Arzt der HDI, eine Stellungnahme ab. Er kam zum Schluss,
dass ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen den aktuell dokumentierten
psychiatrischen Befunden, die als Grundlage der Indikation für eine psychiatrische
Behandlung gewertet würden, und dem Unfallereignis vom 18. Oktober 2016 nicht mit
dem erforderlichen Grad der Wahrscheinlichkeit belegt sei. Demzufolge seien aktuelle
und allenfalls weitere geplante psychiatrische oder psychotherapeutische
Behandlungen nicht kausal oder teilkausal zum Unfall (UV-act. M10).
A.g.
Eine am 9. Februar 2017 im Röntgeninstitut E._ durch Dr. med. K._, FMH
Radiologie und Diag. Neuroradiologie, durchgeführte MRT des Neurocraniums ergab
bis auf einzelne kleine Marklagergliosen einen unauffälligen Befund (UV-act. M17).
A.h.
Die neurologischen Untersuchungen vom 15. und 22. Februar 2017 bei Dr. med.
L._, Facharzt für Neurologie FMH, brachten keine objektivierbaren Belege für eine
A.i.
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Wurzelläsion, eine periphere Nervenkompression oder eine Leitungsstörung im Bereich
der langen Rückenmarksbahnen hervor (UV-act. M18).
Mit Schreiben vom 23. Februar 2017 an die HDI führte dipl. med. D._ aus, dass
er nicht verstehe, weshalb eine psychiatrische Betreuung nicht übernommen werde.
Die Versicherte habe nach ihrem Unfall massive Mühe mit der Verarbeitung der
Situation. Er habe deshalb auch zur psychologischen Behandlung geraten. Ob vorher
ein psychisches Problem bestanden habe, sei schwierig zu beurteilen. Dass aber
jemand ohne Gespräch dies beurteilen könne, sei ziemlich eigentümlich. Selbst wenn
vorbestehend allenfalls eine Problematik bestanden habe, sei unbestritten, dass die
Versicherte bis zum Unfallereignis keine psychiatrische Betreuung benötigt habe (UV-
act. M14).
A.j.
Mit Arztbericht vom 2. März 2017 äusserte sich Dr. G._ zum Aktengutachten von
Dr. J._. Es sei festzuhalten, dass sich die Versicherte vor dem Unfallereignis
psychisch/psychiatrisch gesund gezeigt habe, einer Beschäftigung nachgegangen und
sozial gut integriert gewesen sei. Seit dem Unfall traue sich die Versicherte zum Teil
nicht aus dem Haus und vermeide die öffentlichen Verkehrsmittel. Dies aus Angst, sich
noch weiter bzw. schwerer zu verletzen. Abgesehen davon, dass sie ein Vermeidungs-
und Schonverhalten an den Tag lege, kapsle sie sich auch ab und sehe aktuell nur
noch ihren Lebenspartner. Vor dem Unfall sei die Versicherte gesellig und aktiv
gewesen, von unternehmungsvoller Natur. Aus seiner fachärztlichen Sicht sei zwischen
dem Unfallereignis bzw. dem prolongierten Heilungsverlauf und dem aktuellen
Zustandsbild der Versicherten ein natürlicher Kausalzusammenhang abzuleiten (UV-
act. M15).
A.k.
Mit Bericht vom 8. März 2017 nahm Dr. J._ zu den neusten Arztberichten
Stellung und hielt an seiner am 30. Januar 2017 abgegebenen Beurteilung fest. Es
handle sich bei den geltend gemachten Beschwerden um eine eigenständige und
unfallfremde Angsterkrankung (UV-act. M16).
A.l.
Am 24. März 2017 gab Dr. med. M._, FMH Radiologie - Muskuloskelettale
Radiologie, eine Stellungnahme bezüglich der am 25. Oktober 2016 und 23. Januar
2017 durchgeführten MRT ab. Dies geschah im Sinne einer Zweitbeurteilung,
A.m.
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veranlasst durch die von der HDI beauftragte Gutachterin Dr. med. N._, Fachärztin
für Physikalische Medizin und Rehabilitation FMH (UV-act. M22 S. 37). Dr. M._ führte
aus, dass sich rein knöcherne posttraumatische Veränderungen in den HWK 3, 4, 6
und 7 im Sinne eines bone bruise und Fissuren in den Wirbelkörpern HWK 3, 4 und 7
finden würden. Es sei keine Wirbelkörperinfraktion nachweisbar. Einige Halswirbel
seien anterior abgeflacht, dies als Ausdruck einer normalen Formvariante. Das
Knochenmarködem in den betroffenen Wirbelkörpern sei partiell auch degenerativ
bedingt. Es würden sich keine ligamentären oder muskulären Weichteilveränderungen
finden, was gegen ein Hyperflexionstrauma spreche. Eine axiale Stauchung komme als
Traumamechanismus in Frage (UV-act. M22). Dr. N._ ihrerseits gab am 28. März
2017 eine erste Beurteilung ab. Sie kam in Beachtung der radiologischen
Stellungnahme durch Dr. M._ zum Schluss, dass es bei einem erheblichen
degenerativen Vorzustand anlässlich des Ereignisses vom 18. Oktober 2016 zu einer
vorübergehenden, nicht aber zu einer richtungsgebenden Verschlimmerung gekommen
sei. Der Status quo sine vel ante sei allerspätestens ein Jahr nach dem Ereignis erreicht
(UV-act. M19).
Am 1. Mai 2017 erstattete Dr. N._ ein Gutachten. Sie diagnostizierte ein
chronisches myofasziales bzw. tendomyogenes zervikales Schmerzsyndrom. Frakturen
in der Halswirbelsäule hätten nicht vorgelegen. Diesbezüglich sei auf die
Stellungnahme von Dr. M._ vom 24. März 2017 zu verweisen. Die knöchernen
Veränderungen in den HWK 3, 4 und 7 (im Sinne von Fissuren in den Wirbelkörpern
ohne Nachweis von Wirbelkörperinfraktionen) seien überwiegend wahrscheinlich Folge
des Ereignisses vom 18. Oktober 2016 (UV-act. M22 S. 36 ff.). Das begleitende
Knochenmarködem in den betroffenen Wirbelkörpern sei hingegen partiell degenerativ
bedingt. Der Status quo sine vel ante sei spätestens zwölf Monate nach dem Ereignis
erreicht und spätestens seit der Begutachtung im März 2017 bestehe auf
orthopädisch-rheumatologischem Fachgebiet als Folge des Unfalls kein
Gesundheitsschaden, der versicherungsmedizinisch betrachtet eine Limitierung der
Arbeitstätigkeit, bezogen auf die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als O._, begründen
könnte. Es bestehe keine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen Integrität
(UV-act. M22).
A.n.
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Mit Austrittsbericht vom 15. Juni 2017 der Privatklinik P._, in deren stationärer
Behandlung die Versicherte vom 29. Mai bis 18. Juni 2017 stand, diagnostizierte Dr.
med. Q._, Fachbereichsleiter Muskuloskelettale Rehabilitation, funktionelle HWS-
Beschwerden mit Zephalgien und Zervikozephalgien infolge Fraktur C3 und C4 sowie
ein chronisches Schmerzsyndrom mit somatischen und psychischen Faktoren (UV-act.
M24). Nach erneuter Anfrage durch die HDI hielt Dr. N._ mit Stellungnahme vom 3.
August 2017 an ihrer bereits abgegebenen Einschätzung vollumfänglich fest (UV-act.
M25).
A.o.
Am 29. Juni 2017 führte Dr. K._ eine weitere MRT der HWS durch. Diese ergab
keine Sinterung im Verlauf, eine stationäre zum Beispiel posttraumatische aktivierte
Osteochondrose/Unkovertebralarthrose, Punctum maximum HWK 3/4 und HWK 4/5,
geringer HWK 6/7 und HWK 2/3, mässiggradige diskoossäre Stenosen der
Neuroforamina ohne sichere Neurokompression sowie keine fokale Diskushernie (UV-
act. M26).
A.p.
Dr. med. R._, Facharzt für Neurochirurgie, beauftragt von der Versicherten bzw.
deren damaliger Rechtsvertreterin, kam mit Berichten vom 31. Juli 2017 bzw. 31.
August 2017 zum Schluss, dass es durch den Unfall vom 18. Oktober 2016 zu einer
richtungsgebenden Verschlimmerung eines vorbestehenden degenerativen Leidens der
HWS gekommen sei. Die vormals klinisch stabile Osteochondrose sei durch das
Unfallereignis aktiviert worden und verlaufe progredient. Aktuell sei auch das Segment
C2/3 angegriffen. Eine weitere Progredienz sei anzunehmen und zu befürchten (UV-act.
M28, M35).
A.q.
Am 15. Dezember 2017, ergänzt am 23. März 2018, gaben die Dres. M._ und
N._ eine interdisziplinäre Stellungnahme ab und äusserten sich insbesondere zur
MRT vom 29. Juni 2017 bzw. deren Beurteilung durch Dr. K._ und die daraus
gezogenen Schlüsse durch Dr. R._. Der HWK 2 zeige entgegen der Beschreibung
von Dr. K._ keinerlei Knochenmarködem. Stattdessen fände sich in der ventralen
Basis des HWK 2 eine umschriebene, normale Mehrverfettung ohne Krankheitswert,
welche entsprechend normalem Fettgewebe in der T1-gewichteten und in der T2-
gewichteten sagitallen Sequenz leicht hyperintens zur Darstellung komme. Die
odematösen Veränderungen in den HWK 3, 4 und 6 seien bei retrospektiver
A.r.
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B.
Am 30. April 2018 erhob die Versicherte gegen die Verfügung vom 5. April 2018
Einsprache (UV-act. K96). Am 18. Mai 2018 wies die HDI die Einsprache ab (UV-act.
K98).
C.
Betrachtung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht als bone bruise, sondern als
Bandscheiben-assoziierte Wirbelkörperveränderungen vom ödematösen Typ (Modic I)
im Rahmen der auf diesen Höhen bestehenden Segmentdegenerationen zu beurteilen.
In der Gesamtschau bedeute dies, dass die fachärztlich-radiologische Beurteilung vom
24. März 2017 sowie das Gutachten vom 1. Mai 2017 und die
versicherungsmedizinische Stellungnahme vom 3. August 2017 korrigiert werden
müssten. Es würden sich unter Berücksichtigung der Verlaufs-MRT vom 29. Juni 2017
zu keiner Zeit strukturelle Organkorrelate einer unfallbedingten Läsion der HWS
objektivieren lassen, welche mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem natürlichen
Kausalzusammenhang mit dem Ereignis vom 18. Oktober 2016 stehen würden (UV-act.
M32, M36).
Mit Verfügung vom 5. April 2018 stellte die HDI die Versicherungsleistungen aus
der obligatorischen Unfallversicherung infolge Erreichens des Status quo sine per 17.
Oktober 2017 ein. Auf eine Rückforderung der nach Erreichen des Status quo sine
erbrachten Leistungen werde verzichtet (UV-UV-act. K91).
A.s.
Gegen den Einspracheentscheid vom 18. Mai 2018 erhob die Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 15. Juni 2018 Beschwerde. Sinngemäss machte
sie geltend, es könne nicht auf die Beurteilungen der Dres. N._, M._ und J._
abgestellt werden. Die HDI (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) sei zu verpflichten, die
gesetzlichen Leistungen über das Einstellungsdatum hinaus zu entrichten. Im Weiteren
seien ihr Anwalts- und Gutachterkosten entstanden, die von der Beschwerdegegnerin
zu tragen seien. Insgesamt würden sich die Zahlungsrückstände auf insgesamt rund Fr.
26'500.-- belaufen (inklusive der Taggeldleistungen bis einschliesslich 30. Juni 2018).
Über ein angemessenes Schmerzensgeld solle das Gericht entscheiden (act. G1).
C.a.
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Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss den Übergangsbestimmungen werden
Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor Inkrafttreten der Änderung ereignet
haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach
bisherigem Recht gewährt. Vorliegend steht ein Unfall vom 18. Oktober 2016 zur
Diskussion. Es finden daher die bis 31. Dezember 2016 gültigen Bestimmungen
Anwendung.
2.
Mit Beschwerdeantwort vom 19. November 2018 liess die Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwalt M. Bürkle, Zürich, die vollumfänglich Abweisung der
Beschwerde vom 15. Juni 2018, soweit darauf einzutreten sei, beantragen (act. G9).
C.b.
Mit Replik vom 17. Dezember 2018 hielt die Beschwerdeführerin unverändert an
ihren Anträgen und deren Begründungen fest (act. G11). Die Beschwerdegegnerin hielt
ihrerseits in der Duplik vom 14. Januar 2019 an ihren Anträgen fest (act. G 11).
C.c.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
C.d.
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens (zum
Anfechtungsgegenstand siehe BGE 131 V 164 f. E. 2.1) bildet der Einspracheentscheid
vom 18. Mai 2018 (UV-act. K98). Diesem liegt die Verfügung vom 5. April 2018
zugrunde (UV-act. K91). Sowohl in der Verfügung als auch im Einspracheentscheid hat
die Beschwerdegegnerin ausschliesslich darüber befunden, dass die
Beschwerdesymptomatik spätestens per Leistungseinstellungsdatum (17. Oktober
2017) nicht mehr in einem natürlichen Kausalzusammenhang zum Unfallereignis vom
18. Oktober 2016 stehen würde, womit ab diesem Zeitpunkt keine
Versicherungsleistungen mehr geschuldet seien. Einzig die Klärung dieser Frage bildet
damit Gegenstand der vorliegenden Beschwerde. Nicht einzutreten ist damit auf den
2.1.
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3.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht ab dem 18. Oktober
2017 die Leistungen (Taggeld und Heilbehandlung) mangels eines
Kausalzusammenhangs der weiterhin geklagten Beschwerden zum Unfall vom 18.
Oktober 2016 eingestellt hat.
Antrag bezüglich einer Entschädigung für die im Verwaltungsverfahren entstandenen
Anwaltskosten. Dazu hat die Beschwerdegegnerin noch nicht Stellung genommen.
In Bezug auf den Antrag auf Schmerzensgeld (Genugtuung) fehlt es schon an einer
gesetzlichen Grundlage im UVG. Es handelt sich dabei um einen allfälligen
haftpflichtrechtlichen Anspruch, dessen Prüfung nicht in die sachliche Zuständigkeit
des Versicherungsgerichts fiele. Schliesslich hat die Beschwerdegegnerin über den
Anspruch auf eine Integritätsentschädigung noch nicht verfügt.
2.2.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art.
6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 UVG). Sie hat
zudem Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Art. 10 UVG).
Angesichts dieser gesetzlichen Bestimmungen bildet die Unfallkausalität
Anspruchsvoraussetzung für Heilkosten- und Taggeldleistungen der
Unfallversicherung. Eine Leistungspflicht besteht demnach nur für
Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit einem versicherten
Unfallereignis zusammenhängen (vgl. Art. 6 Abs. 1 UVG; André Nabold in: Kommentar
zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung [UVG], Bern 2018, N 48 ff. zu Art. 6; BSK UVG-Irene Hofer, Basel
2019, N 63 ff. zu Art. 6; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Rechtsprechung
des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2012, S. 53 ff.). Für die Beantwortung
der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der
Medizin ist das Gericht in der Regel auf Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen
angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber
eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis entwickelten
Regeln zu beurteilen ist (UVG Kommentar-Nabold, a.a.O., N 53 zu Art. 6; BSK UVG-
Hofer, a.a.O., N 66 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55, 88). Die Adäquanz
spielt im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen indessen praktisch
keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt
(BGE 134 V 111 f. E. 2).
3.1.
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Hat der Unfallversicherer seine Leistungspflicht einmal anerkannt, so entfällt seine
Leistungspflicht erst dann, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche Ursache der
fortdauernd geklagten Beschwerden darstellt, d.h. wenn die Beschwerden nur noch
und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruhen. Ebenso wie der
leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder
kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit
dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (Thomas Locher/Thomas Gächter, Grundriss
des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. Bern 2014, § 70 N 58 f.). Dahingefallen ist die
kausale Bedeutung, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor
dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich
nach dem schicksalsmässigen Verlauf einer Vorerkrankung auch ohne Unfall früher
oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (UVG Kommentar-Nabold,
a.a.O., N 54 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, a.a.O., N 71 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer,
a.a.O., S. 54; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b mit Hinweisen). Da es sich um eine
anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast – anders als bei der Frage,
ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht
bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (Urteil des Bundesgerichts
vom 4. August 2017, 8C_819/2016, E. 3.2.1; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54 f.). Die
Beweislastregel beschlägt einzig die rechtlichen Folgen der Abklärung, insofern als
dem Unfallversicherer die Beweislast zugewiesen wird für den Fall, dass ungeklärt
bleibt, ob dem Unfall (noch) eine kausale Bedeutung für den andauernden
Gesundheitsschaden zukommt. Bevor sich aber überhaupt die Frage der Beweislast
stellt, ist der Sachverhalt im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes richtig und
vollständig zu klären (Urteil des Bundesgerichts vom 4. August 2008, 8C_354/2007, E.
2.2). Im Weiteren bietet sich dem Unfallversicherer die Möglichkeit, auf eine
fälschlicherweise anerkannte Kausalität zurückzukommen und die Leistungen – ohne
Berufung auf den Rückkommenstitel der Wiedererwägung oder der prozessualen
Revision – mit Wirkung ex nunc et pro futuro und unter Verzicht auf eine Rückforderung
bereits erbrachter Leistungen einzustellen, wenn ihm der überwiegend wahrscheinliche
Beweis gelingt, dass zwischen dem Unfallereignis und einem ursprünglich als
unfallkausal anerkannten Gesundheitsschaden gar nie ein natürlicher
Kausalzusammenhang bestanden hat. Der Nachweis eines Dahinfallens einer –
fälschlicherweise – faktisch anerkannten Unfallkausalität würde sich diesfalls erübrigen
(BGE 130 V 384 E. 2.3.1; vgl. ferner Urteil des Bundesgerichts vom 4. August 2017,
8C_819/2016, E. 6.1).
3.2.
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Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Bezüglich Beweiswert eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
der medizinischen Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E.
3a mit Hinweisen). Berichte und Gutachten, welche die Versicherungen während des
Administrativverfahrens von ihren eigenen Ärzten und Ärztinnen einholen, können
beweistauglich sein. An deren Beweiswürdigung sind indes strenge Anforderungen zu
stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen
vorzunehmen (BGE 135 V 470 f. E. 4.4 mit Hinweis; bestätigt in Urteil des
Bundesgerichts vom 23. November 2012, 8C_592/2012, E. 5.3).
3.3.
Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens formgerecht eingeholten Gutachten
von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; vgl. ferner
Thomas Flückiger, Medizinische, insbesondere hausärztliche Berichte und ihre
Beweiskraft – mit einem Seitenblick auf die medizinischen Gutachten, in: Kieser/
Lendfers [Hrsg.], Sozialversicherungsrechtstagung 2013, St. Gallen 2014, S. 138 ff.). In
Bezug auf Berichte von Hausärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache
Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE
125 V 351 E. 3b/bb und cc). Dies gilt auch für Stellungnahmen behandelnder
Spezialärzte (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 6. April
2006, I 803/05, E. 5.5). Widersprechen Berichte behandelnder Ärzte dem von der
Verwaltung bei externen Spezialärzten eingeholten Gutachten, ist die unterschiedliche
Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Ärzte einerseits und
Begutachtungsauftrag der amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits zu
3.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/19
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4.
beachten (Urteil des EVG vom 18. April 2006, I 783/05, E. 2.2). Es ist deshalb nicht
zulässig, ein medizinisches Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu
stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden
Ärzte später zu anderslautenden Einschätzungen gelangen oder an vorgängig
geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten. Vorbehalten bleiben aber Fälle, in
denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte
wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte
benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben
sind (Urteil des Bundegerichts vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008, E. 2.3.2).
Die Beschwerdeführerin ist mit ihrem Motorroller bei nasser Fahrbahn mit einer
Geschwindigkeit von rund 50 km/h gestürzt. Initial hatte sie keine erheblichen
Beschwerden und konnte am Unfalltag arbeiten. Ab dem Folgetag beklagte die
Beschwerdeführerin Nackenschmerzen (UV-act. M1). Diese dauern über das
Leistungseinstellungsdatum (18. Oktober 2017) hinaus an.
4.1.
Insgesamt wurden drei (Verlaufs-)MRT der HWS angefertigt. Die erste MRT vom
25. Oktober 2016 nach dem Unfall vom 18. Oktober 2016 brachte gemäss Dr. F._
frische Flexions-, Impressionsfrakturen im ventralen Bereich des 3. und 4. HWK sowie
ventrale Kontusionsherde im Segment HWK 6/7 hervor (act. M3). In der MRT vom 23.
Januar 2017 zeigte sich nach Dr. I._ eine aktivierte Osteochondrose C3/4 und C6/7
sowie keine weitere Sinterung von HWK 3 und 4 (act. M8). Die am 29. Juni 2017
durchgeführte MRT der HWS ergab nach Dr. K._ keine Sinterung im Verlauf bei
stationärer z.B. posttraumatischer Osteochondrose/Unkovertebralarthrose, Punctum
maximum HWK 3/4 und HWK 4/5, geringer HWK 6/7 und HWK 2/3 (UV-act. M26). Die
MRT vom 25. Oktober 2016 liesse grundsätzlich auf eine strukturelle Läsion in der
HWS schliessen (frische Flexions-, Impressionsfrakturen); letztlich sind sich die
Fachärzte entgegen der Annahme der Beschwerdeführerin indes einig, dass es
anlässlich des Ereignisses vom 18. Oktober 2016 zu keinen Frakturen bzw. Infraktionen
im HWS-Bereich gekommen ist (siehe Dr. M._ in UV-act. M22 S. 7 und Dr. R._ in
UV-act M35 S. 4).
4.2.
Hat der Unfall – wie hier – keinen neuen strukturellen Gesundheitsschaden
verursacht, kann dieser nur im Rahmen eines degenerativen Prozesses entstanden
sein. In diesem Fall können unfallkausale Verletzungsfolgen und damit eine
Leistungspflicht des Unfallversicherers nur bejaht werden, wenn es durch den Unfall zu
einer richtungsgebenden oder vorübergehenden Verschlimmerung des vorbestehenden
4.3.
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Gesundheitsschadens gekommen ist. Eine richtungsgebende Verschlimmerung liegt
nach der Rechtsprechung vor, wenn medizinischerseits feststeht, dass weder der
Status quo ante noch der Status quo sine je wieder erreicht werden können. Genauso
wie ein neuer unfallbedingter struktureller Gesundheitsschaden nur dann als
objektiviert gilt, wenn er durch einen entsprechenden apparativen/bildgebenden
Untersuchungsbefund erhoben wird, gilt dies grundsätzlich auch für eine
richtungsgebende Verschlimmerung eines bereits vorbestehenden degenerativen
Gesundheitsschadens, etwa in Form einer zeitlich beschleunigten Entwicklung oder
einer Ausdehnung des Ausmasses der vorbestehenden Gesundheitsschädigung. Die
Dauer der Leistungspflicht entspricht in einem solchen Fall derjenigen bei einem neuen
unfallbedingten Gesundheitsschaden. Die Annahme, ein Unfall habe lediglich, aber
immerhin, eine vorübergehende Verschlimmerung eines Vorzustandes bewirkt, basiert
auf dem Wissen, dass es im Unfallversicherungsrecht Fälle gibt, bei denen die
Unfallfolgen bzw. deren Anteil an einer Gesundheitsschädigung im Rahmen des
posttraumatischen Verlaufs mitunter nicht konkret beschrieben werden können.
Dennoch wird bei einem geeigneten bzw. adäquaten Ereignis in einer ersten Phase von
einer schädigenden Einwirkung des Ereignisses (Unfall) auf den Körper ausgegangen.
Die in der Folge aufgetretenen bzw. ausgelösten Beschwerden werden aber nach einer
gewissen Zeit – obwohl sie möglicherweise fortdauern – aufgrund medizinischer
Erfahrung nicht mehr dem Unfall angelastet. Die Unfallversicherung übernimmt in
diesen Fällen nur den durch das Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub, d.h. sie
hat bis zum Erreichen des Status quo sine vel ante Leistungen für die unmittelbar im
Zusammenhang mit dem Unfall stehenden Beeinträchtigungen zu erbringen (UVG
Kommentar-Nabold, a.a.O., N 53 f. zu Art. 6; Art. 6 N 54; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O.,
S. 54).
In den MRT-Bildern ist unbestrittenermassen ein erheblicher degenerativer
Vorzustand an der HWS sichtbar (multisegmentale degenerative Veränderungen,
Osteochondrose; UV-act. M22 S. 41, M35 S. 7), wobei diesbezüglich streitig ist, ob es
anlässlich des Unfalls vom 18. Oktober zu einer vorübergehenden oder zu einer
richtungsgebenden Verschlimmerung gekommen ist. Dr. R._ bejaht eine
richtungsgebende Verschlimmerung unter Hinweis auf die seit dem Unfall zeitlich
beschleunigte Entwicklung der vorbestehenden Gesundheitsschädigung. Aus dem
stationären, stabilen Verlauf sei durch das Trauma ein progredienter Verlauf geworden.
Neu sei gestützt auf die MRT vom 29. Juni 2017 auch das Segment C2/3 angegriffen.
Eine weitere Progredienz sei anzunehmen und zu befürchten (UV-act. M35 S. ff.). Die
Dres. N._ und M._, auf deren Einschätzung die Beschwerdegegnerin abstellt,
führen demgegenüber aus, dass degenerative Veränderungen naturgemäss über den
4.4.
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Lauf der Zeit stetig progredient seien. Die angetroffene Progredienz entspreche der zu
erwartenden Norm und sei per se kein Zeichen für eine richtungsgebende
Verschlimmerung. Eine solche müsste bildgebend ausgewiesen sein und sich von der
altersüblichen Progression abheben. Dies sei bei der Beschwerdeführerin explizit nicht
der Fall (UV-act. M36 S. 6). Auch fände sich entgegen den Ausführungen von Dr. R._
kein Wirbelkörperödem im HWK 2, sondern lediglich ein feiner hyperintenser Streifen
parallel zur Bandscheibe. Dieser Streifen entspreche einem Partialvolumeneffekt, somit
einem Artefakt (Abbildungsfehler, der nicht der Realität entspreche) und explizit keinem
realen Befund (UV-act. M32 S. 13).
Die unterschiedlichen Einschätzungen der involvierten Fachärzte beruhen letztlich
auf einer unterschiedlichen Interpretation der bildgebenden Untersuchungsbefunde,
namentlich der MRT-Bilder vom 29. Juni 2017 im Vergleich zu den früheren
bildgebenden Befunden. Dr. R._ benennt keine Aspekte, welche anlässlich der
Beurteilung der Dres. N._ und M._ unberücksichtigt bzw. ungewürdigt geblieben
wären. Gegenteils begründen die Administrativgutachter, weshalb es sich nicht um
eine altersunübliche Degeneration handle, welche eine richtungsgebende
Verschlimmerung voraussetzen würde. Auch legen sie dar, weshalb retrospektiv nicht
von einem unfallkausalen bone bruise in den HWK 3, 4, 6 und 7 auszugehen sei,
sondern von degenerativen Bandscheiben-assoziierten Wirbelkörperveränderungen
vom ödematösen Typ (Modic I; UV-act. M32 S. 10 f., 26 f.). Es leuchtet ein, dass
posttraumatische Knochenmarködeme (bone bruise) im Verlauf rückläufig sein
müssten, was bei der Beschwerdeführerin gestützt auf die MRT unbestrittenermassen
aber gerade nicht beobachtet werden konnte. Die degenerativen Prozesse waren im
Verlauf gleichbleibend, allenfalls gar leicht progredient (UV-act. M32 S. 10 ff.), indes
nicht in einem unüblichen Rahmen. Auch widerlegen die Administrativgutachter
begründet, weshalb es sich basisnah im 2. Halswirbel nicht um ein zusätzliches
Knochenmarködem handle (UV-act. M32 S. 12 f.), welches auf eine übermässige
Degeneration bzw. altersunübliche Progression hindeuten und damit allenfalls für eine
richtungsgebende Verschlimmerung sprechen könnte. Die Beurteilungen der Dres.
N._ und M._ überzeugen und Dr. R._ vermag keine konkreten Indizien gegen die
auf umfassenden Abklärungen beruhenden und schlüssigen Beurteilungen zu
begründen. Seiner Beurteilung mangelt es im Übrigen an einer umfassenden
persönlichen, gesundheitlichen, beruflichen und sozialen Anamnese. Auch fand keine
klinische Untersuchung statt und die MRT-Bilder bzw. ihre verschiedenen
Interpretationsmöglichkeiten wurden seitens Dr. R._s nicht kritisch diskutiert.
4.5.
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5.
Zusammengefasst ist festzuhalten, dass auf die Beurteilungen der Dres. N._ und
M._ abzustellen und überwiegend wahrscheinlich nicht von einer richtungsgebenden
Verschlimmerung des vorbestehenden Gesundheitsschadens im Bereich der HWS
auszugehen ist, sondern lediglich von einer vorübergehenden. Damit hat die
Beschwerdegegnerin für den durch das Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub
Leistungen zu erbringen (vgl. vorstehende E. 4.3). Gemäss einer medizinischen
Erfahrungstatsache im Bereich des Unfallversicherungsrechts kann das Erreichen des
Status quo sine bei einer traumatischen Verschlimmerung eines klinisch stummen
degenerativen Vorzustands an der Wirbelsäule, wovon hier auszugehen ist, nach sechs
bis neun Monaten, spätestens aber nach einem Jahr angenommen werden (vgl. nebst
vielen Urteil des Bundesgerichts vom 19. November 2010, 8C_726/2010, E. 3.4).
Gestützt darauf erweist sich die Leistungseinstellung zwölf Monate nach dem Ereignis
vom 18. Oktober 2016 als rechtens.
4.6.
Nach dem Gesagten liegt für die nach der Leistungseinstellung noch geklagte
Symptomatik überwiegend wahrscheinlich kein organisches Korrelat vor. Trotzdem ist
in der Regel ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen einem Unfall und der
danach eingetretenen Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit anzunehmen, wenn ein
Schleudertrauma oder eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung (vgl. dazu
RKUV 1999 Nr. U 341 S. 408 E. 3b) diagnostiziert ist und ein für diese Verletzung
typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse
Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit,
rasche Ermüdbarkeit und Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression,
Wesensveränderung usw. vorliegt (BGE 117 V 360 E. 4b; Bestätigung in BGE 134 V
116 E. 6.2.1). Dieses Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden muss nicht
in seiner umfassenden Ausprägung innerhalb von 24 bis höchstens 72 Stunden nach
dem Unfall auftreten. Vielmehr genügt es, wenn sich in diesem Zeitraum Beschwerden
in der Halsregion oder an der HWS manifestieren. Die anderen im Rahmen eines
Schleudertraumas oder einer äquivalenten Verletzung typischerweise auftretenden
Beschwerden müssen sich jedoch immerhin in einem Zeitraum manifestieren, der es
erlaubt, vom Vorhandensein eines natürlichen Kausalzusammenhangs auszugehen
(Urteil des Bundesgerichts vom 15. März 2007, U 258/06, E. 4.3; RKUV 2000 Nr. 359 S.
29 E. 5e).
5.1.
Obwohl im Bericht des KSSG vom 28. Oktober 2016 eine HWS-Distorsion
diagnostiziert wurde (UV-act. M1), ist vorliegend nicht weiter zu prüfen, ob bei der
Beschwerdeführerin von einem solchen Geschehen auszugehen ist. Eine HWS-
5.2.
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Distorsion wurde im Folgenden nie mehr diskutiert und seitens der Fachärzte
ausgeschlossen (UV-act. M22 [Radiologische Stellungnahme durch Dr. M._], S. 4;
UV-act. M35 S. 11) Im Raum stand höchstens ein axiales Stauchungstrauma (UV-act.
M22 [Radiologische Stellungnahme durch Dr. M._], S. 4; UV-act. M35 S. 11). Ein bei
einer HWS-Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden
konnte bei der Beschwerdeführerin auch nie fassbar gemacht werden. Zwar machte
die Beschwerdeführerin gegenüber den behandelnden Ärzten bereits einen Tag nach
dem Unfall Nackenbeschwerden geltend (vgl. UV-act. M1 f.). Zusätzliche typische
Beschwerden wie Schwindel und Übelkeit oder andere Beschwerden wurden jedoch
nicht oder erst zu einem derart späten Zeitpunkt geltend gemacht, dass nicht mehr
vom Vorhandensein eines Kausalzusammenhangs auszugehen ist (eine MRT des
Neurocraniums wurde im Februar 2017 durchgeführt [UV-act. M17] und ein Schwindel
wurde erstmals anlässlich der Exploration bei Dr. N._ am 13. März 2017 erwähnt
[UV-act. M22 S. 2 und 52 ff.]). Entsprechend ist die natürliche Kausalität der geklagten
Beschwerden bezogen auf eine schleudertraumaähnliche Verletzung zu verneinen.
Am 1. Dezember 2016 berichtete dipl. med. D._ von massivsten psychischen
Problemen der Beschwerdeführerin mangels Verarbeitung des Unfalls und der dabei
erlittenen Verletzungen (UV-act. M4). Während der Vertrauensarzt Dr. J._ den
natürlichen Kausalzusammenhang der psychischen Problematik verneint (UV-act. M10
und M16), geht der behandelnde Dr. G._ von einem überwiegend wahrscheinlich
bestehenden natürlichen Kausalzusammenhang aus (UV-act. 15). Welcher Beurteilung
zu folgen ist, kann letztlich offenbleiben, nachdem ein adäquater
Kausalzusammenhang zu verneinen ist (vgl. dazu BGE 135 V 472 E. 5.1 und Urteil des
Bundesgerichts vom 5. September 2017, 8C_303/2017, E. 6.1).
5.3.
Die Adäquanzbeurteilung hat anhand der entwickelten Grundsätze für psychische
Fehlentwicklungen nach einem Unfall bzw. nach der sogenannten "Psycho-Praxis" zu
erfolgen (BGE 115 V 133).
5.4.
Ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen den Beschwerden und dem Unfall
besteht, wenn dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der
Beschwerden zukommt. In objektivierter Betrachtungsweise werden die Unfälle nach
ihrer erfahrungsgemässen Eignung, psychische Beschwerden zu bewirken, eingeteilt in
banale und leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle andererseits und in einen
dazwischen liegenden Bereich der mittelschweren Unfälle. Bei banalen Unfällen kann
der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und psychischen
Gesundheitsstörungen in der Regel ohne weiteres verneint werden, weil auf Grund der
allgemeinen Lebenserfahrung davon ausgegangen werden kann, dass ein solcher
5.5.
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Unfall nicht geeignet ist, einen invalidisierenden psychischen Gesundheitsschaden zu
verursachen. Bei schweren Unfällen dagegen ist der adäquate Kausalzusammenhang
in der Regel zu bejahen, denn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der
allgemeinen Lebenserfahrung sind solche Unfälle geeignet, invalidisierende psychische
Gesundheitsschäden zu bewirken (BGE 115 V 139 ff. E. 6a f.).
Bei Unfällen im mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen dem Unfall und
der psychisch bedingten Erwerbsunfähigkeit ein adäquater Kausalzusammenhang
besteht, nicht aufgrund des Unfalls allein schlüssig beantworten. Vielmehr sind weitere,
objektiv fassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang
stehen oder als direkte bzw. indirekte Folge davon erscheinen, in eine
Gesamtwürdigung einzubeziehen. Die wichtigsten Kriterien sind dabei besonders
dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; die
Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung, insbesondere ihre
erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen; eine
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; körperliche Dauerschmerzen;
eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; ein
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen sowie der Grad und die
Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit. Im gesamten mittleren Bereich kann
ein einziges Kriterium zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs genügen,
wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist. Ansonsten bedarf es zur Erfüllung
mehrerer Kriterien (BGE 115 V 140 f. E. 6b). Mit Urteil vom 29. Januar 2010
(8C_897/2009 E. 4.5) hat das Bundesgericht die Rechtsprechung zur Anzahl der zu
erfüllenden Adäquanzkriterien bei mittelschweren Unfällen insofern präzisiert, als bei
mittelschweren Unfällen im engeren Sinn drei Adäquanzkriterien genügen, auch wenn
sie nicht in besonders ausgeprägter oder auffallender Weise vorliegen. Bei Unfällen im
mittleren Bereich an der Grenze zu den leichten Unfällen sind hingegen vier
Adäquanzkriterien zu erfüllen. Im Falle eines mittelschweren Unfalls im Grenzbereich zu
den schweren Unfällen genügt es, wenn ein einziges Kriterium erfüllt ist, ohne dass
dieses eine Kriterium notwendigerweise in besonders ausgeprägter Weise erfüllt zu
sein braucht (Urteil des Bundesgerichts vom 3. September 2008, 8C_484/2007, E. 6.3;
Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 67). Bei der Prüfung der Kriterien nach der Psycho-
Praxis sind psychische Aspekte ausser Acht zu lassen bzw. nur die organisch
ausgewiesenen Unfallfolgen zu berücksichtigen (BGE 115 V 140 E. 6c/aa).
5.6.
Die Beschwerdeführerin ist mit ihrem Motorroller bei nasser Fahrbahn mit einer
Geschwindigkeit von rund 50 km/h gestürzt. Hierbei ist höchstens von einem
mittelschweren Ereignis im engeren Sinne auszugehen (vgl. dazu auch die
5.7.
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6.
Mit der Beschwerde beantragte die Beschwerdeführerin eine Entschädigung der von
ihr in Auftrag gegebenen Arztberichte. Gemeint sind wohl insbesondere die
Stellungnahmen von Dr. R._ (UV-act. M28 und M35). Nachdem diese für die
Entscheidfindung nicht von Relevanz waren bzw. keine konkreten Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Beurteilungen der Administrativgutachter Dres. N._ und M._
begründen konnten, können die Kosten nicht der Beschwerdegegnerin, welche ihrer
Abklärungspflicht vollumfänglich nachgekommen ist, auferlegt werden (vgl. dazu Ueli
Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, Art. 45 N 20).
7.
Rechtsprechung in Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 63 ff.). Folglich müssen für die
Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs mindestens drei der relevanten
Kriterien oder ein einzelnes Kriterium in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sein.
Besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit
des Unfalls können ohne weiteres verneint werden. Es handelte sich um einen
einfachen Rutschunfall auf nasser Fahrbahn mit seitlichem Sturz ohne Kollision. Die
Geschwindigkeit von 50 km/h war nicht derart hoch, dass anders zu entscheiden wäre.
Auch das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzung,
insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen
auszulösen, ist nicht erfüllt. Zwar ist verständlich, wenn die Diagnose von frischen
Flexions-, Impressionsfrakturen an der HWS Ängste schürt. Letztlich stellte sich indes
heraus, dass es sich dabei um eine falsche Diagnose handelte. Eine ärztliche
Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte, ist nicht
ersichtlich. Bei der Prüfung der übrigen Kriterien – ungewöhnlich lange Dauer der
ärztlichen Behandlung, körperliche Dauerschmerzen, schwieriger Heilungsverlauf und
erhebliche Komplikationen sowie Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit – ist von
Relevanz, dass diese mit Blick auf die organisch ausgewiesenen Unfallfolgen bzw.
deren Heilung spätestens nach einem Jahr bereits aufgrund der zeitlichen Komponente
nicht erfüllt sind (vgl. dazu auch E. 5.6).
5.8.
Nach dem Gesagten ist kein Kriterium, auch nicht in einfacher Form, erfüllt. Damit
hat die Beschwerdegegnerin mangels adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen
dem Unfall vom 18. Oktober 2016 und den über den 18. Oktober 2017 hinaus
beklagten psychischen Beschwerden eine Leistungspflicht zu Recht verneint bzw. ihre
Leistungen insgesamt eingestellt.
5.9.
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Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist der Einspracheentscheid vom 18. Mai 2018
nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen, soweit
darauf einzutreten ist. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.