Decision ID: 1207a414-974f-4e95-af85-8670b053e630
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._ (Jahrgang 1962) erlitt am 11. November 2004 bei einem Unfall
eine Knieverletzung in Form einer Meniskusläsion mit Knorpelschaden am
medialen Femurkondylus links. Damals war er als Bauvorarbeiter tätig. Am
31. August 2005 erfolgte eine Arthroskopie (Teilmeniskektomie medial,
Knorpeldebridement, Mikrofrakturierung medialer Kondylus Knie links).
Am 6. Mai 2010 wurde eine diagnostische Kniearthroskopie links und
Knorpelglättung am medialen Femurkondylus, medial aufklappende Tibia-
valgisationsosteotomie und Osteosynthese mit Tomofixplatte
durchgeführt. Im Rahmen dieser Operation kam es zu einer akzidentellen
Durchtrennung der Arteria poplitea pars III links. Am 7. Mai 2010 erfolgte
eine partielle Resektion der Popliteal-Gefässstümpfe und Interponat
mittels reversed VSM links. Postoperativ bestanden ausgeprägte
Dysästhesien im Versorgungsgebiet des Nervus plantaris medialis.
Zudem wurde eine Läsion des Nervus ischiadicus festgestellt. Da
belastungsabhängige Schmerzen im Bereich des linken Kniegelenks
persistierten, wurde am 15. Juni 2011 das Osteosynthesematerial am
linken Tibiakopf entfernt. Danach konnte eine deutliche
Beschwerderegredienz festgestellt werden.
2. Am 1. Dezember 2011 meldete sich A._ bei der IV-Stelle des Kantons
Graubünden (nachfolgend IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Nach einem
stationären Aufenthalt in der Rehaklinik B._ im April 2012, aus
welchem er vorzeitig austrat, fand insbesondere eine berufliche Abklärung
im Kompetenzzentrum C._ vom 28. Januar 2013 bis zum 20. Februar
2013 statt.
3. Bereits mit Verfügung vom 16. November 2012 hatte die SUVA auf der
Grundlage einer ganztags zumutbaren Verweistätigkeit und einem
Leidensabzug von 10 % A._ unter anderem eine Invalidenrente der
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Unfallversicherung bei einem Erwerbsunfähigkeitsgrad von 31 % zu
gesprochen.
4. Seit Oktober 2012 prüfte die IV-Stelle berufliche Massnahmen und sprach
A._ insbesondere mit Verfügungen vom 19. Juli 2013 und 14. August
2013 eine Umschulung (Erwerb Führerausweis Kategorie
C/Lastwagenchauffeur [1. Phase]) und ein Arbeitspraktikum im
Baugewerbe zu. Mit Mitteilung vom 11. Juni 2014 wurde die beruflichen
(Umschulungs-)Massnahme nach Bestehen der praktischen
Führerprüfung abgeschlossen.
5. Bei diagnostizierter posttraumatischer Gonarthrose wurde am 6. Juni 2014
eine Knietotalprothese links implantiert, welche für A._ keine
wesentliche Verbesserung brachte. Anlässlich einer kreisärztlichen
Untersuchung am 27. Januar 2015 wurde ausserdem eine
Beinlängendifferenz festgestellt. Vom 17. Februar 2015 bis zum 24. März
2015 befand sich A._ erneut zur stationären Rehabilitation in der
Rehaklinik B._, welche ebenfalls zu keiner namhaften Besserung
führte. Die gegen die Verfügung der SUVA vom 25. Juni 2015 – mit
welcher insbesondere die bisherige Rentenleistung bestätigt wurde –
erhobene Einsprache, wies diese mit Einspracheentscheid vom 20. April
2016 ab, soweit darauf eingetreten wurde. Auch das dagegen beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden erhobene Rechtsmittel blieb
erfolglos (siehe Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden
[VGU] S 16 64 vom 28. März 2017).
6. Die IV-Stelle sprach A._ mit Verfügungen vom 11. Juni 2018 eine
halbe Invalidenrente vom 1. Juni 2012 bis zum 31. Januar 2013 und eine
ganze Invalidenrente vom 1. Juni 2014 bis zum 30. Juni 2015 zu. Dabei
ging sie gemäss versicherungsmedizinischer Beurteilung von einer seit
dem 1. Juli 2015 bestehenden 100%igen Arbeitsfähigkeit in
leidensangepasster Tätigkeit aus. Als solche erachtete sie leichte bis
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mittelschwere, wechselbelastende Arbeiten ohne längeres Gehen am
Stück bzw. auf unebenem Boden, ohne längeres Stehen, ohne
kniebelastende Tätigkeiten sowie ohne Arbeiten auf Leitern oder
Gerüsten. Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
7. Bereits zuvor hatte A._ mit Schreiben vom 11. April 2018 eine
Verschlechterung seines Gesundheitszustands geltend machen lassen,
nachdem er am 14. Dezember 2017 erneut verunfallt war (Treppensturz).
Daraufhin tätigte die IV-Stelle erwerbliche und medizinische Abklärungen,
zog die SUVA-Akten bei und veranlasste insbesondere eine
polydisziplinäre Begutachtung durch die estimed AG (nachfolgend
estimed-Gutachten) in den Fachrichtungen orthopädische Chirurgie,
Allgemeine Innere Medizin, Neurologie sowie Psychiatrie und
Psychotherapie, einschliesslich einer Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit (EFL). In dem am 31. Oktober 2020 erstatteten
Gutachten wurden folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit gestellt: schmerzhafte Belastungsinsuffizienz der unteren
Extremitäten links unter anderem mit/bei Status nach symptomatischer,
medial betonter Gonarthrose links (ICD: M17.0) und persistierenden
Sensibilitätsstörungen im Versorgungsgebiet des Nervus plantaris
medialis und Nervus saphenus; Läsion des Nervus tibialis links seit der
Knieoperation am 6. Mai 2010 (ICD-10: G57.4); Läsion des Nervus
peroneus links seit der Knieoperation am 6. Mai 2010 (ICD-10: G57.3);
neuropathischer Schmerz am medialen Unterschenkel links, dem Nervus
saphenus links entsprechend, anamnestisch seit der Knieoperation am
6. Mai 2020. Während die Gutachter die angestammte Tätigkeit im
Baugewerbe als nicht mehr zumutbar erachteten, attestierten sie A._
in einer Verweistätigkeit (mit Zumutbarkeitsprofil gemäss orthopädischem
Teilgutachten) eine Arbeitsfähigkeit von 60 %.
8. Bereits zuvor beschied die SUVA mit Einspracheentscheid vom 16. Juli
2020, A._ sei eine Invalidenrente der Unfallversicherung basierend
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auf einem Invaliditätsgrad von nunmehr 49 % ab dem 1. August 2019 –
anstelle des mit Verfügung vom 21. August 2019 noch attestierten
Invaliditätsgrades von 36 % – auszurichten. Dabei ging sie in adaptierter
Tätigkeit von einer Gesamtleistungsfähigkeit von 80 % (vollzeitliches
Arbeitspensum mit um 20 % reduziertem Rendement) aus und gewährte
einen leidensbedingten Abzug von 10 %.
9. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren sprach die IV-Stelle A._
mit Verfügung vom 16. Juni 2021 ab dem 1. Dezember 2018 eine halbe
Invalidenrente gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 57 % zu.
10. Mit dagegen am 19. August 2021 beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden erhobener Beschwerde liess A._ (nachfolgend
Beschwerdeführer) neben der Aufhebung der Verfügung vom 16. Juni
2021 beantragen, ihm sei ab dem 1. Dezember 2018 eine ganze
Invalidenrente, eventuell eine Dreiviertelsrente auszurichten. Er bestritt im
Wesentlichen die wirtschaftliche Verwertbarkeit der ihm attestierten
Restarbeitsfähigkeit von 60 % in adaptierter Tätigkeit aufgrund seines
fortgeschrittenen Alters. Zudem machte er aufgrund seiner
gesundheitlichen Einschränkungen, den spezifischen Anforderungen an
einen adaptierten Arbeitsplatz, seines fortgeschrittenen Alters und
aufgrund seiner langen Absenz vom Arbeitsmarkt geltend, ihm sei ein
Leidensabzug von 25 %, mindestens aber von 10 % zu gewähren.
Schliesslich kritisierte er die in der LSE ausgewiesenen
Durchschnittslöhne als massiv zu hoch.
11. Mit Vernehmlassung vom 9. September 2021 schloss die IV-Stelle
(nachfolgend Beschwerdegegnerin) auf Abweisung der Beschwerde und
ergänzte die in der angefochtenen Verfügung angeführte Begründung.
12. Der Beschwerdeführer hielt in der Replik vom 22. September 2021 an
seinen Rechtsbegehren fest und vertiefte seine Argumentation punktuell.
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Mit Eingabe vom 30. September 2021 verzichtete die
Beschwerdegegnerin auf die Einreichung einer Duplik.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien in den Rechtsschriften, die
angefochtene Verfügung vom 16. Juni 2021 sowie die weiteren Akten
wird, sofern erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-
Stelle des Kantons Graubünden vom 16. Juni 2021. Eine solche
Anordnung, die laut Bundesrecht der Beschwerde an das
Versicherungsgericht am Ort der verfügenden IV-Stelle unterliegt, kann
beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden als das örtlich und
sachlich zuständige Versicherungsgericht angefochten werden (vgl.
Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG;
BR 370.100] i.V.m. Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20] sowie Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Als formeller und
materieller Verfügungsadressat ist der Beschwerdeführer von der
angefochtenen Verfügung unmittelbar betroffen und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung. Er ist somit
zur Beschwerdeerhebung legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59
ATSG). Die Beschwerde wurde zudem frist- und formgerecht eingereicht
(Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 Abs. 1 und 2 ATSG, Art. 38 f. sowie Art. 61
lit. b ATSG). Darauf ist somit einzutreten.
2. Vorliegend ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers ab dem
1. Dezember 2018 strittig. Unstreitig sind dabei das gestützt auf die
bisherige Tätigkeit des Beschwerdeführers ermittelte Valideneinkommen
per 2020 von CHF 96'077.15 und die im estimed-Gutachten vom
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31. Oktober 2020 attestierte Arbeitsfähigkeit von 60 % in einer
leidensadaptierten Tätigkeit. Uneinigkeiten zwischen den Parteien besteht
hinsichtlich der Bemessung des Invalideneinkommens. Dabei ist im
Wesentlichen die wirtschaftliche Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
infolge der gesundheitlichen Beeinträchtigungen und des
fortgeschrittenen Alters des Beschwerdeführers strittig (siehe
nachstehende Erwägungen 3.1 ff.). Ausserdem bemängelt der
Beschwerdeführer die unterbliebene Vornahme eines Leidensabzugs vom
massgebenden Tabellenlohn gemäss Lohnstrukturerhebung (LSE) des
Bundesamtes für Statistik (BfS) sowie generell das Abstellen auf die
massiv zu hohen, in der LSE ausgewiesenen Durchschnittslöhne für die
Bemessung des Invalideneinkommens. Kritisiert wird dabei, dass die LSE
nicht zwischen Löhnen für gesunde Personen und für solche mit
gesundheitlichen Beeinträchtigungen differenziere (siehe nachstehende
Erwägungen 4.1 ff.).
3. Wie vom Beschwerdeführer im Grundsatz korrekt vorgebracht, anerkennt
die Rechtsprechung, dass das (vorgerückte) Alter zusammen mit weiteren
persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die
einer versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt
wird. Massgebend sind die Umstände des konkreten Falles, etwa die Art
und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der
absehbare Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand und in diesem
Zusammenhang auch Persönlichkeitsstruktur, vorhandene Begabungen
und Fertigkeiten, Ausbildung, beruflicher Werdegang oder Anwendbarkeit
von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich. Massgebend für
die Frage der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ist der hypothetisch
ausgeglichene Arbeitsmarkt (vgl. Art. 7 Abs. 1 und Art. 16 ATSG; Urteile
des Bundesgerichts 8C_811/2018 vom 10. April 2019 E.4.4.1 f.,
8C_611/2018 vom 7. Januar 2019 E.4.3 und 8C_187/2018 vom
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10. September 2018 E.2). Für den Zeitpunkt, in welchem die Frage nach
der Verwertbarkeit der (Rest-)Arbeitsfähigkeit bei vorgerücktem Alter
beantwortet wird, ist auf das Feststehen der medizinischen Zumutbarkeit
einer (Teil-)Erwerbstätigkeit abzustellen (siehe zum Ganzen BGE 146 V
16 E.7.1, 145 V 2 E.5.3.1, 138 V 457 E.3, 134 V 64 E.4.2.1 je mit
Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts 8C_170/2021 vom 23. September
2021 E.5.1.1, 8C_109/2021 vom 6. September 2021 E.5.2.1 und
9C_693/2019 vom 18. Dezember 2019 E.3).
3.1. Im hier zu beurteilenden Fall stand die medizinische Zumutbarkeit einer
Teilerwerbstätigkeit (spätestens) mit der Erstattung des estimed-
Gutachtens vom 31. Oktober 2020 fest (siehe IV-act. 246). Im
massgebenden Zeitpunkt war der Beschwerdeführer 58 Jahre und sieben
Monate alt (vgl. IV-act. 2 S. 1 und IV-act. 8). Bis zum Erreichen des
ordentlichen AHV-Pensionsalter verblieb ihm somit eine Aktivitätsdauer
von über sechs Jahren.
3.2. Gemäss estimed-Gutachten vom 31. Oktober 2020, auf welches die
Beschwerdegegnerin abstellt und dessen Beweiswert vom
Beschwerdeführer nicht in Abrede gestellt wird, ist der Beschwerdeführer
in der angestammten Tätigkeit im Baugewerbe zu 100 % arbeitsunfähig.
In einer leidensangepassten Tätigkeit attestierten die Gutachter dem
Beschwerdeführer eine Arbeitsfähigkeit von 60 %, wobei sie für das
Fähigkeitsprofil auf das orthopädische Teilgutachten verwiesen (siehe IV-
act. 246 S. 16). Daraus geht hervor, dass eine Arbeitstätigkeit
ausschliesslich im Sitzen verrichtet werden sollte. Sie sollte nicht über
Brust-, Schulter- oder Kopfhöhe, in gebückter oder vorübergebeugter
Haltung im Sitzen oder Stehen, mit häufiger Rumpfrotation nach
rechts/links im Sitzen oder Stehen, in kauernder bzw. kniender Stellung,
auf Dächern, Gerüsten, Leitern oder Podesten, mit häufigem
Treppengehen (repetitiv), in unebenem Gelände oder mit längerem
Abwärtsgehen verrichtet werden. Ebenso wenig sollte die Arbeitstätigkeit
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mit relevanter Lasteneinwirkung, mit Heben, Tragen oder Bewegen von
Lasten (körpernah/-fern, bis Taillen-/Brusthöhe, Gewichte von maximal 3
kg, beidhändig, repetitiv, nur gelegentlich) oder Zwangshaltungen des
Fusses (z.B. Pedalbedienung) einhergehen. Ausserdem sollten keine
gefährlichen, schweren und vibrierenden Maschinen bedient werden. Der
orthopädische Teilgutachter empfahl aus arbeitsorganisatorischer Sicht
die Verwendung verstellbarer Arbeitsstühle und -tische (ergonomisch und
behinderungsgerecht). Insgesamt kam er zum Schluss, dass dem
Beschwerdeführer nur eine sehr leichte Tätigkeit in sitzender
Arbeitsposition zumutbar sei (siehe IV-act. 246 S. 112).
3.3. Zwar haben die estimed-Gutachter hinsichtlich der verbliebenen
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ein detailliertes
Anforderungsprofil definiert. Dieses Belastungsprofil, wonach
zusammengefasst sehr leichte Tätigkeiten in sitzender Position zumutbar
sind, erscheint aber nicht derart eingeschränkt, dass der ausgeglichene
Arbeitsmarkt eine entsprechende Stelle praktisch nicht kennt (vgl. Urteile
des Bundesgerichts 8C_170/2021 vom 23. September 2021 E.5.1.1,
9C_644/2019 vom 20. Januar 2020 E.4.2, 8C_143/2019 vom 21. August
2019 E.5.2, 8C_458/2018 vom 23. Oktober 2018 E.4.1 ff. und
9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E.2.2.1). Vielmehr umfasst mit Blick auf
den massgebenden, ausgeglichenen Arbeitsmarkt das vorliegend
anwendbare Kompetenzniveau 1 (einfache Tätigkeiten körperlicher oder
handwerklicher Art) auch dem Beschwerdeführer zumutbare Tätigkeiten,
welche körperlich sehr leicht sind und in sitzender Arbeitsposition mit
ergonomischen Körperhaltungen ausgeführt werden können (vgl. etwa
Urteile des Bundesgerichts 8C_143/2021 vom 7. Juni 2021 E.4.3.2,
8C_139/2020 vom 30. Juli 2020 E.6.3.3, 8C_495/2019 vom 11. Dezember
2019 E.4.2.1 f. und 8C_528/2019 vom 12. November 2019 E.4.1 und
4.2.2). Zudem umfasst der massgebende ausgeglichene Arbeitsmarkt
auch Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen mit einem sozialen
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Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers (Nischenarbeitsplätze)
gerechnet werden kann (siehe Urteile des Bundesgerichts 9C_693/2019
vom 18. Dezember 2019 E.4.1.3, 8C_117/2018 vom 31. August 2018
E.2.2.2, 8C_133/2018 vom 26. Juni 2018 E.2.2.1 und 9C_253/2017 vom
6. Juli 2017 E.2.2.1). Als unbehelflich erweist sich der Hinweis des
Beschwerdeführers, wonach er im Rahmen der Arbeitslosenversicherung
nie habe vermittelt werden können, ist der ausgeglichene Arbeitsmarkt
doch ein theoretischer und abstrakter Begriff, weshalb nicht darauf
abzustellen ist, ob eine invalide Person unter den konkreten
Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann (siehe BGE 134 V 64
E.4.2.1; Urteile des Bundesgerichts 8C_803/2018 vom 6. Juni 2019 E.5.3,
8C_77/2019 vom 8. März 2019 E.3.2.3, 8C_36/2018 vom 6. Juni 2018
E.5.2 und 9C_302/2017 vom 6. Juli 2017 E.3.3). Dass der für den
Beschwerdeführer nötige Betreuungsaufwand bei einer Arbeitsstelle im
ersten Arbeitsmarkt derart gross wäre, dass das entsprechende
Entgegenkommen realistischerweise von einem durchschnittlichen
Arbeitgeber auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht mehr erwartet werden kann
(vgl. ähnlich den Urteilen des Bundesgerichts 9C_321/2018 vom
16. Oktober 2018 E.5 und 9C_277/2016 vom 15. März 2017 E.4.3), ist
auch mit Blick auf die gesundheitlichen Einschränkungen nicht ersichtlich.
Soweit der Beschwerdeführer in der Replik insbesondere darauf hinweist,
dass er über keine abgeschlossene Berufslehre verfüge und eine seit Mai
2010 dauernde ständige Absenz vom Arbeitsmarkt aufweise, übersieht er,
dass für Hilfsarbeiten rechtsprechungsgemäss weder eine
Berufsausbildung noch Erfahrungen oder sonstige Vorkenntnisse
vorausgesetzt werden (siehe Urteile des Bundesgerichts 8C_170/2021
vom 23. September 2021 E.5.1.2.1 und 8C_55/2021 vom 9. Juni 2021
E.5.2.1). Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer eine durchaus gute
schulische Grundausbildung (Gymnasium) aufweist (vgl. IV-act. 2 S. 3, IV-
act. 64 S. 4 und IV-act. 74 S. 3). Entgegen seiner Auffassung verfügt er
aufgrund seiner bisherigen beruflichen Laufbahn mit verschiedenen
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Anstellungen im Baugewerbe als Maurer, Maurervorarbeiter und
Bauvorarbeiter (mit später überwiegend kontrollierender, Arbeit
vorbereitender Tätigkeit und Organisation), der von der
Beschwerdegegnerin unterstützen Umschulung zum LKW-Chauffeur
sowie Arbeitseinsätzen im mechanisch-technischen Bereich bzw. in der
Elektronik und in einer Holzwerkstatt (vgl. dazu die Ausführungen im
estimed-Gutachten vom 31. Oktober 2020 [IV-act. 246 S. 95, 128 und
183]; Mitteilungen der Beschwerdegegnerin vom 1. Dezember 2014 [IV-
act. 101], 11. Oktober 2013 [IV-act. 90], 14. August 2013 [IV-act. 84] und
19. Juli 2013 [IV-act. 81]; Schlussbericht des Kompetenzzentrums
C._ vom 7. März 2013 [IV-act. 74 S. 3 ff.]; SUVA-Bericht zur
Besprechung mit dem Beschwerdeführer vom 15. März 2018 [VI-act. 178
S. 21]; Lebensläufe vom 31. Oktober 2017 [IV-act. 208 S. 21], 31. Oktober
2012 [IV-act. 53] und vom 28. November 2011 [IV-act. 3]; IK-Auszüge [IV-
act. 17, 44, 134, 144, 200, 250]; Fragebogen für Arbeitgebende vom
15. Dezember 2011 [IV-act. 10]) über Fertigkeiten, die er durchaus in einer
geeigneten Verweistätigkeit nutzbar machen könnte. So bestätigten denn
auch die beruflichen Abklärungspersonen, dass der Beschwerdeführer
über gute feinmanuelle Fähigkeiten verfüge, weshalb sich insbesondere
(in sitzender Position ausführbare) Tätigkeiten der Kleingerätemontage
oder andere serielle Industriearbeiten (z.B. an Stanzmaschinen) sowie das
Verpacken und Kontrollieren von Kleinteilen als zumutbar erwiesen (siehe
Schlussbericht des Kompetenzzentrums C._ vom 7. März 2013 [IV-
act. 74 S. 10]; Verlaufsprotokoll Berufliche Eingliederung, Eintrag vom
20. Februar 2013 [IV-act. 79 S. 2]). Aufgrund der bisher ausgeübten
praktischen und auch überwachenden Tätigkeiten sowie seinen
feinmanuellen Fähigkeiten, dürfte sich auch der Umstellungs- und
Einarbeitungsaufwand in eine Verweistätigkeit in Grenzen halten. Dies ist
mit Blick auf die kürzere Aktivitätsdauer positiv zu werten, genauso wie
seine Persönlichkeitsstruktur als grundsätzlich leistungsorientierte und
lernwillige Person hinsichtlich ihn interessierende Tätigkeiten (vgl.
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Arbeitszeugnis D._ vom 31. Oktober 2012 [IV-act. 56 und IV-act. 164
S. 10]; Schreiben des ehemaligen Arbeitgebers D._ vom 26. Oktober
2012 [IV-act. 52]; Schlussbericht des Kompetenzzentrums C._ vom
7. März 2013 [IV-act. 74 S. 5]; Verlaufsprotokoll Berufliche Eingliederung,
Einträge vom 12. September 2013 [IV-act. 87 S. 2] und vom 20. Februar
2013 [IV-act. 79 S. 2], Gesprächsprotokoll Berufliche Eingliederung vom
23. Dezember 2012 [IV-act. 64 S. 2]). Es fehlen somit jegliche
Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer aufgrund seines Alters
sowie den weiteren personenbezogenen und beruflichen Merkmalen seine
verbliebene Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
nicht verwerten könnte. Angesichts der relativ hohen Hürden, welche das
Bundesgericht für die Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit älterer
Menschen annimmt (siehe Urteile des Bundesgerichts 8C_55/2021 vom
9. Juni 2021 E.5.2.1, 9C_755/2020 vom 8. März 2021 E.5.4.3 und
9C_797/2019 vom 6. Januar 2020 E.5), vermag auch der generelle
Hinweis des Beschwerdeführers, wonach ein fortgeschrittenes Alter ab 55
Jahren bereits bei herkömmlicher, wirtschaftlich bedingter Arbeitslosigkeit
als hemmender Faktor anerkannt werde, keine solche Unverwertbarkeit
zu begründen. Vielmehr stehen dem Beschwerdeführer – wie aufgezeigt –
trotz seines Alters auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt genügend
Einsatzmöglichkeiten in einer leidensadaptierten Tätigkeit offen.
4. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung können persönliche und
berufliche Merkmale der versicherten Person wie Art und Ausmass der
Behinderung, Lebensalter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität
oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad je nach Ausprägung
Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben, weshalb ein auf höchstens 25 %
begrenzter Leidensabzug von dem nach den LSE-Tabellenlöhnen zu
ermittelnden Invalideneinkommen vorgenommen werden kann, soweit
anzunehmen ist, dass die trotz des Gesundheitsschadens verbleibende
Leistungsfähigkeit infolge eines oder mehrerer dieser Merkmale auf dem
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ausgeglichenen Arbeitsmarkt (vgl. dazu BGE 134 V 64 E.4.2.1) nur mit
unterdurchschnittlichem Einkommen verwertet werden kann (siehe
BGE 146 V 16 E.4.1, 135 V 297 E.5.2 und 126 V 75 E.5a/bb ff.; Urteile des
Bundesgerichts 8C_115/2021 vom 10. August 2021 E.3.2.1,
8C_330/2021 vom 8. Juni 2021 E.5.1 und 9C_283/2020 vom 17. August
2020 E.7.1.1). Bei der Bestimmung der Höhe des Abzugs ist der Einfluss
aller in Betracht fallender Merkmale auf das Invalideneinkommen unter
Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen
gesamthaft zu schätzen und insgesamt, wie erwähnt, auf höchstens 25 %
des Tabellenlohnes zu begrenzen (siehe BGE 146 V 16 E.4.1, 135 V 297
E.5.2, 134 V 322 E.5.2, 126 V 75 E.5b/aa ff.; Urteile des Bundesgerichts
8C_115/2021 vom 10. August 2021 E.3.2.1, 9C_283/2020 vom 17. August
2020 E.7.1.1, 9C_787/2018 und 9C_795/2018 vom 19. Juli 2019 E.6.2).
Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem
Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen
einer körperlich leichten Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit
eingeschränkt ist (siehe BGE 126 V 75 E.5a/bb; Urteile des
Bundesgerichts 8C_115/2021 vom 10. August 2021 E.3.2.1 und
9C_283/2020 vom 17. August 2020 E.7.1.1). Zu beachten ist jedoch, dass
allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit
enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die
Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer
doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (siehe
BGE 146 V 16 E. 4.1; Urteile des Bundesgerichts 8C_115/2021 vom
10. August 2021 E.3.2.1 und 9C_283/2020 vom 17. August 2020 E.7.1.1).
4.1. Soweit der Beschwerdeführer einen Abzug mit dem Verweis auf seine
gesundheitlichen Einschränkungen geltend macht, ist ihm
entgegenzuhalten, dass die sich aus medizinischer Sicht auf die
Arbeitsfähigkeit auswirkenden Limitierungen, welche bereits in qualitativer
Hinsicht bei der gutachterlichen Festlegung des Belastungsprofils bzw. in
- 14 -
quantitativer Hinsicht im Sinne einer reduzierten Arbeitsfähigkeit
berücksichtigt worden sind, nicht nochmals – als abzugsrelevant –
herangezogen werden dürfen. Dies käme einer unzulässigen doppelten
Anrechnung derselben Gesichtspunkte gleich (vgl. BGE 146 V 16 E.4.1;
Urteile des Bundesgerichts 8C_48/2021 vom 20. Mai 2021 E.4.3.3 f.,
8C_390/2020 vom 25. November 2020 E.4.3, 8C_393/2020 vom
21. September 2020 E.3.1, 9C_283/2020 vom 17. August 2020 E.7.1.1
und 8C_586/2019 vom 24. Januar 2020 E.4.1, 8C_94/2018 vom 2. August
2018 E.7.2. und 9C_771/2017 vom 29. Mai 2018 E.3.5.1). Es bestehen
denn auch keine Anhaltspunkte dafür, dass die gesundheitlichen
Einschränkungen nicht bereits vollumfänglich in der Beurteilung der
medizinischen Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierter Tätigkeit enthalten
sind. Welche Limitierungen der Arbeitsfähigkeit – abgesehen von den
bereits in der Arbeitsfähigkeitsschätzung berücksichtigten – hier zusätzlich
vorliegen sollten, zeigt der Beschwerdeführer denn auch nicht auf.
4.2. Des Weiteren kann angesichts des vorerwähnten Belastungsprofils
entgegen seiner Auffassung nicht gesagt werden, dass die darin
aufgeführten Anforderungen auch im Rahmen einer adaptierten Tätigkeit
eine Verwertung der Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg
erlauben würden. Vielmehr lassen sich seine Einschränkungen mit den
gewöhnlichen betrieblichen Abläufen im Rahmen von körperlich leichten
Hilfsarbeitertätigkeiten vereinbaren. Der hier anwendbare Tabellenlohn im
Kompetenzniveau 1 umfasst – wie bereits dargelegt – ein genügend
breites Spektrum an zumutbaren sehr leichten, sitzenden
Verweisungstätigkeiten (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_143/2021
vom 7. Juni 2021 E.4.3.2, 8C_139/2020 vom 30. Juli 2020 E.6.3.3,
8C_495/2019 vom 11. Dezember 2019 E.4.2.1 f. und 8C_528/2019 vom
12. November 2019 E.4.1 und 4.2.2). Die Beschwerdegegnerin brachte
dazu in der angefochtenen Verfügung vom 16. Juni 2021 namentlich vor,
- 15 -
dass beispielsweise Überwachungsfunktionen in Frage kämen. Dies
stimmt überein mit den bereits anlässlich der beruflichen Abklärung
aufgrund der guten feinmanuellen Fähigkeiten des Beschwerdeführers als
zumutbar erachteten, in sitzender Position ausführbaren Tätigkeiten im
Bereich der Kleingerätemontage oder andere serielle Industriearbeiten
(z.B. an Stanzmaschinen) sowie das Verpacken und Kontrollieren von
Kleinteilen (siehe Schlussbericht des Kompetenzzentrums C._ vom
7. März 2013 [IV-act. 74 S. 10] und auch estimed-Gutachten vom
31. Oktober 2020 [IV-act. 246 S. 14, 45 ff. und 108 sowie IV-act. 247]).
Das gutachterlich definierte Anforderungsprofil wirkt sich in
leidensangepassten Tätigkeiten somit mit Blick auf die zu beachtenden
Rahmenbedingungen nicht einschränkend aus. Das in der Beschwerde
angeführte Urteil des Bundesgerichts 9C_728/2009 vom 21. September
2010 vermag daran nichts zu ändern. Denn dem dortigen Versicherten
waren aufgrund seines Asthma bronchiale nur Arbeitsplätze in einer reiz-
und allergenfreien Umgebung ohne Rauch-, Staub-, Hitze-, Kälte- oder
Lösungsmittelkontakte und Chemikalien zumutbar, welche sich mit den
Anforderungen an eine leidensangepasste Tätigkeit im vorliegenden Fall
nicht vergleichen lassen (vgl. etwa das Urteil des Bundesgerichts
8C_495/2019 vom 11. Dezember 2019 E.4.2.1 f.: Dem dortigen
Versicherten, welchem nur noch eine sehr leichte, überwiegend sitzende
Tätigkeit in einem Pensum von 50 % ohne besondere Beanspruchung der
rechten Hand hinsichtlich Kraft, Feinmotorik und Sensibilität zumutbar war,
erkannte das Bundesgericht keinen Leidensabzug zu).
4.3. Entgegen dem Beschwerdeführer stellt sein Alter keinen Grund dar, der
einen leidensbedingten Abzug zu rechtfertigen vermöchte. Denn
insbesondere im Bereich der Hilfsarbeiten muss sich ein fortgeschrittenes
Alter auf dem hypothetischen ausgeglichenen Arbeitsmarkt (vgl. Art. 16
ATSG; BGE 134 V 64 E.4.2.1) praxisgemäss nicht zwingend lohnsenkend
auswirken. Gerade Hilfsarbeiten werden auf dem massgebenden
- 16 -
ausgeglichenen Stellenmarkt altersunabhängig nachgefragt (siehe
BGE 146 V 16 E.7.2.1 mit Hinweisen; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts
8C_176/2021 vom 18. Mai 2021 E.6.2.2 und 8C_393/2020 vom 21.
September 2020 E.4.2). Bei Männern im Alterssegment von 50 bis 64/65
wirkt sich das Alter gemäss der LSE bei Stellen ohne Kaderfunktion sogar
eher lohnerhöhend aus (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_206/2021
vom 10. Juni 2021 E.4.4.5 und 9C_702/2020 vom 1. Februar 2021
E.6.3.2; siehe auch LSE 2018, Tabelle TA9 sowie die dem
Kompetenzniveau 1 zuzuordnende Berufshauptgruppe 9
"Hilfsarbeitskräfte" in der Tabelle T17). Des Weiteren kann hinsichtlich der
konkreten Umstände des vorliegenden Falls auf das zur Verwertbarkeit
der Restarbeitsfähigkeit bei fortgeschrittenem Alter bereits Ausgeführte
verwiesen werden (siehe vorstehende Erwägung 3.3). Dabei wird der
Beschwerdeführer namentlich von seinen bisher gewonnenen
Arbeitserfahrungen und praktischen Kenntnisse in verschiedenen
Bereichen sowie seinen feinmotorischen Fähigkeiten auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt profitieren können, indem sie ihm mit Blick
auf die kürzere Aktivitätsdauer nicht nur die Umstellung und Einarbeitung
in eine Verweistätigkeit erleichtern, sondern sich insbesondere bei der
Ausübung einer solchen als nützlich erweisen. Es sind somit keine
Hinweise dafür ersichtlich, dass der Beschwerdeführer auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt aufgrund seines Alters verglichen mit anderen
Beschäftigten seiner Alterskategorie mit einem geringeren Lohn rechnen
müsste. Ein anderer Schluss drängt sich auch nicht mit Blick auf das vom
Beschwerdeführer angeführte Urteil I 620/06 vom 6. Juli 2007 auf, hat sich
das Bundesgericht darin doch im Rahmen des Leidensabzugs nur zu dem
einkommensbeeinflussenden Merkmal der Dienstjahre eingehend
geäussert (E.6.2 des Urteils). Mit den von der dortigen Vorinstanz im Sinne
lohnmindernder Faktoren berücksichtigten behinderungsbedingten
Limitierungen (haltungs- und gewichtsspezifische Restriktionen,
Einsetzbarkeits-/Flexibilitätserschwernisse), das fortgeschrittene Alter
- 17 -
(Jahrgang 1954) und der beschränkte Arbeits-/Leistungsumfang (von
mind. 70 %) hat es sich bis auf die Feststellung einer fehlenden
rechtsfehlerhaften Ermessensausübung nicht näher befasst (vgl. Urteil
des Bundesgerichts I 620/06 vom 6. Juli 2007 E.6.2.2). Auch lassen sich
dem erwähnten Urteil keine Hinweise auf die vorerwähnten
personenbezogenen und beruflichen Merkmale entnehmen, weshalb sich
die jenem Entscheid zugrundeliegenden Umstände nicht mit dem
vorliegenden Fall vergleichen lassen.
4.4. Mit Blick auf die Art der zumutbaren Tätigkeiten wirkt sich die lange
Abwesenheit vom Arbeitsmarkt praxisgemäss nicht (zwingend)
lohnsenkend aus (siehe Urteile des Bundesgerichts 8C_267/2020 vom
9. September 2020 E.6.3, 9C_225/2019 vom 11. September 2019 E.4.4.2,
9C_418/2017 vom 30. Oktober 2017 E.4.5.2 sowie 8C_805/2016 vom
22. März 2017 E.3.3 und 3.4.3). Das Bundesgericht hat denn auch in
Konstellationen, wie der vorliegenden, in welchen Hilfstätigkeiten im
untersten Kompetenzniveau als Verweistätigkeiten in Frage kommen, die
Vornahme eines Abzugs vom Tabellenlohn verneint (siehe etwa Urteil des
Bundesgerichts 9C_223/2020 vom 25. Mai 2020 E.4.3.5 mit Hinweisen).
Im hier zu beurteilenden Fall kommt hinzu, dass vor dem neuerlichen
Unfall am 14. Dezember 2017 (siehe IV-act. 172 und IV-act. 178 S. 19 ff.)
bis auf die Zeiträume vom 1. Juni 2012 bis zum 31. Januar 2013 sowie
vom 1. Juni 2014 bis zum 30. Juni 2015, für welche der Beschwerdeführer
gemäss rechtskräftiger Verfügungen vom 11. Juni 2018 der
Beschwerdegegnerin Rentenleistungen beanspruchen konnte, keine – in
Bezug auf die Invalidenversicherung – rentenrelevante Arbeitsunfähigkeit
ausgewiesen war. Vielmehr galt der Beschwerdeführer aus
versicherungsmedizinischer Sicht ab dem 31. Oktober 2012 bzw. ab dem
1. Juli 2015 in adaptierter Tätigkeit als (teil-)arbeitsfähig (vgl. die
rechtskräftigen Verfügungen der Beschwerdegegnerin vom 11. Juni 2018
[IV-act. 162 und 184 ff.] sowie die Verfügung der SUVA vom
- 18 -
16. November 2012 [IV-act. 63]; vgl. auch estimed-Gutachten vom
31. Oktober 2020 [IV-act. 246 S. 17 und 113]). Mithin ist die seitherige,
vollständige Abwesenheit vom Arbeitsmarkt nicht auf gesundheitliche
Gründe zurückzuführen. Der freiwillige Verzicht auf die Verwertung der
Arbeitsfähigkeit stellt jedoch als invaliditätsfremder Faktor keinen Grund
für die Vornahme eines Leidensabzugs dar (siehe Urteil des
Bundesgerichts 8C_390/2020 vom 25. November 2020 E.4.5.1).
4.5. Zwar wird der Untersuchungsgrundsatz rechtsprechungsgemäss durch
die Mitwirkungspflicht der Parteien begrenzt (siehe Art. 61 lit. c ATSG;
Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2020 vom 15. April 2020 E.2.3).
Dementsprechend ist es nicht Aufgabe des kantonalen Gerichts, von sich
aus nach Gründen zu forschen, die einen leidensbedingten Abzug vom
Tabellenlohn rechtfertigen, wenn entsprechende Anhaltspunkte weder
vom Versicherten dargetan noch aus den Akten ersichtlich sind (siehe
Urteil des Bundesgerichts 9C_303/2020 vom 6. August 2020 E.4.2).
Vorliegend ergibt sich jedoch aus dem estimed-Gutachten vom
31. Oktober 2020, dass die auf 60 % geschätzte Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers in adaptierter Tätigkeit vom orthopädischen Gutachter
dahingehend präzisiert wird, als die maximale Präsenz in einer solchen
Tätigkeit fünf Stunden pro Tag betrage, ohne Leistungsminderung
während dieser Anwesenheit (siehe IV-act. 246 S. 112 f.). Damit liegt
nahe, dass der Beschwerdeführer in leidensangepasster Tätigkeit nur
noch teilzeitlich erwerbstätig sein kann. Rechtsprechungsgemäss wird bei
Männern, die behinderungsbedingt nur mehr einer Teilzeitarbeit
nachgehen können, unter dem Titel Beschäftigungsgrad allenfalls ein
Abzug vom Tabellenlohn anerkannt (siehe Urteile des Bundesgerichts
9C_782/2019 vom 15. April 2020 E.3.2, 8C_712/2019 vom 12. Februar
2020 E.5.2.2, 8C_610/2019 vom 20. November 2019 E.4.2.3,
9C_232/2019 vom 26. Juni 2019 E.2 und 3.1, 8C_211/2018 vom 8. Mai
2018 E.4.4 und 8C_344/2012 vom 16. August 2012 E.3.2). Ob ein Abzug
- 19 -
vom Tabellenlohn vorzunehmen ist, wenn eine versicherte Person ihre
Arbeitsfähigkeit nicht vollschichtig umsetzen kann, muss stets mit Blick auf
den konkreten Beschäftigungsgrad und die jeweils aktuellen
Tabellenwerte ermittelt werden. Gemäss der hier anwendbaren LSE-
Tabelle T18 für das Jahr 2018 verdienten zwar statistisch Männer ohne
Kaderfunktion mit einem Beschäftigungsgrad von 50 - 74 % gut 4 %
weniger als solche mit einem Beschäftigungsgrad von 90 % und mehr.
Dies stellt aber rechtsprechungsgemäss keine überproportionale
Lohneinbusse dar (siehe Urteile des Bundesgerichts 8C_329/2021 vom
27. Oktober 2021 E.8.6, 8C_139/2020 vom 30. Juli 2020 E.6.3.2,
8C_151/2020 vom 15. Juli 2020 E.6.3.2, 9C_223/2020 vom 25. Mai 2020
E.4.3.2). Diese statistische Lohndifferenz ist somit nicht zu
berücksichtigen.
4.6. Der Beschwerdeführer bringt schliesslich gestützt auf das Gutachten vom
8. Januar 2021 des Büros für Arbeits- und Sozialpolitische Studien Bass
AG mit dem Titel "Nutzung Tabellenmedianlöhne LSE zur Bestimmung der
Vergleichslöhne bei der IV-Rentenbemessung" vor, die Tabellen-
Medianlöhne der LSE würden weitgehend die Löhne von gesunden und
voll leistungsfähigen Personen widerspiegeln. Das Lohnniveau von
Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen sei im Vergleich dazu
viel tiefer. Nur rund einer von drei erwerbstätigen Rentenbezügern erziele
auf dem ersten Arbeitsmarkt einen Lohn, der mindestens so hoch sei, wie
der ausgewiesene LSE-Medianlohn. Seien somit die Medianlöhne der
LSE gerade für den hier vorliegenden Fall eines arg gesundheitlich
angeschlagenen Rentenbezügers wesentlich zu hoch, rechtfertige es sich
umso mehr, davon einen Abzug von 25 %, mindestens aber von 10 %
vorzunehmen. Mit dieser Argumentation verkennt der Beschwerdeführer,
dass ein Leidensabzug rechtsprechungsgemäss nicht generell und in
jedem Fall zur Anwendung gelangt. Ein Abzug soll nicht automatisch,
sondern dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen,
- 20 -
dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer
einkommensbeeinflussender Merkmale ihre gesundheitlich bedingte
Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit
unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann (siehe
BGE 146 V 16 E.4.1, 126 V 75 E.5a/bb und E.5b/aa; Urteile des
Bundesgerichts 8C_276/2021 vom 2. November 2021 E.5.1,
8C_115/2021 vom 10. August 2021 E.3.2.1, 9C_18/2020 vom 19. Mai
2020, E.6.1.1, 9C_323/2019 vom 2. September 2019 E.4.2 und
9C_549/2018 vom 20. Februar 2019 E.4.1). Dass vorliegend solche
Anhaltspunkte beim Beschwerdeführer vorliegen, ist aufgrund der hiervor
eingehend diskutierten Merkmale – einschliesslich der gesundheitlichen
Einschränkungen – zu verneinen (siehe vorstehende Erwägungen 4.1 ff.).
Darüber hinausgehende einkommensbeeinflussende Faktoren, aufgrund
derer der Beschwerdeführer negative Auswirkungen auf die Lohnhöhe zu
gewärtigen hätte, macht er nicht geltend. Der Verweis auf die statistischen
Auswertungen des erwähnten Gutachtens erweist sich somit als
unbehilflich.
Hinsichtlich des erwähnten Gutachtens ist ausserdem festzuhalten, dass
nach dessen eigener Feststellung die Idee von "fallspezifischen"
Lohntabellen nicht neu sei (siehe
GUGGISBERG/SCHÄRRER/GERBER/BISCHOF, Nutzung Tabellenmedianlöhne
LSE zur Bestimmung der Vergleichslöhne bei der IV-Rentenbemessung,
Fakten oder Fiktion – Was sagen die Zahlen?, Gutachten vom 8. Januar
2021 im Auftrag der Coop Rechtsschutz AG [nachfolgend BASS-
Gutachten LSE], S. 2 und 38). Eine Änderung der Rechtsprechung müsste
sich aber auf ersthafte sachliche Gründe stützen, die – vor allem im
Hinblick auf das Gebot der Rechtssicherheit – umso gewichtiger sein
müssen, je länger eine als falsch oder nicht mehr zeitgemäss erkannte
Rechtsanwendung als zutreffend erkannt worden ist. Eine Praxisänderung
lässt sich grundsätzlich nur dann begründen, wenn die neue Lösung
- 21 -
besserer Erkenntnis des Gesetzeszwecks, veränderten äusseren
Verhältnissen oder einer gewandelten Rechtsanschauung entspräche
(siehe BGE 145 V 50 E.4.3.1, 143 V 269 E.4, 140 V 538 E.4.5 und 138 III
359 E.6.1). "Fallspezifische" Lohntabellen wurden aber – wie im
Gutachten erwähnt – etwa bereits in einer Publikation aus dem Jahre 2013
thematisiert (siehe FROIDEVAUX, La mesure du revenu d’invalidité: une
construction subjective base sur des statistiques [ESS]? in: Kieser [Hrsg.],
Validen- und Invalideneinkommen: Ecksteine, Kriterien und Elemente -
Überlegungen zur Bestimmung des Invaliditätsgrades, St. Gallen 2013,
S. 71 ff.), ohne dass sich das Bundesgericht zu einer Praxisänderung
betreffend LSE-Tabellenlöhne und/oder der Handhabung des
Leidensabzuges veranlasst sah (vgl. BGE 146 V 16 E.4.1 und 142 V 178
E.2.5.7 f.). Ausserdem halten die Autoren des Gutachtens vom 8. Januar
2021 selber fest, dass es betreffend die dem Kompetenzniveau 1
(einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art) zugeordneten
Tätigkeiten bzw. Hilfsarbeitskräfte aus der Berufshauptgruppe 9 gemäss
ISCO-Nomenklatur lediglich (erste) Hinweise gebe, wonach das
Lohnniveau für körperlich anstrengende Tätigkeiten innerhalb des
Kompetenzniveaus 1 eher höher als für körperlich weniger anstrengende
sei, wobei mengenmässig Berufe mit eher anstrengenden körperlichen
Tätigkeiten wohl (aber nicht nachgewiesenermassen) dominieren dürften.
Eine exakte Bestimmung oder Überprüfung dieser Vermutung oder
Hypothese sei aber im Rahmen des Gutachtensmandates nicht möglich
gewesen (vgl. BASS-Gutachten LSE, S. IV, V und VI, 35 und 38).
4.7. Nach dem Gesagten rechtfertigt es sich vorliegend bei einer gesamthaften
Betrachtungsweise nicht, einen Leidensabzug vorzunehmen. Dass die
SUVA in ihren Entscheiden jeweils einen Abzug von 10 % gewährte,
vermag daran nichts zu ändern. Denn abgesehen von der fehlenden
Bindungswirkung der Invaliditätsschätzung der Unfallversicherung für die
Invalidenversicherung (vgl. BGE 133 V 549 E.6.1 und 131 V 362 E.2.2;
- 22 -
Urteile des Bundesgerichts 8C_719/2020 vom 7. April 2021 E.4,
8C_581/2020, 8C_585/2020 vom 3. Februar 2021 E.6.5.1, 8C_785/2016
vom 10. Februar 2017 E.7.3 und 9C_594/2016 vom 18. November 2016
E.2.4), begründete sie diesen Abzug entgegen der Behauptung des
Beschwerdeführers nicht näher und geht im Vergleich zur
Beschwerdegegnerin – namentlich gestützt auf die interdisziplinäre
Beurteilung durch Dr. med. E._ und PD Dr. med. F._ von 27. Mai
2020 – von einer Gesamtarbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von 80 %
(vollzeitliche Präsenz mit eingeschränktem Rendement von 20 %) aus
(vgl. Einspracheentscheid der SUVA vom 16. Juli 2020 [IV-act. 242 S. 7
f.], Verfügungen der SUVA vom 21. August 2019 [IV-act. 216 S. 2], vom
25. Juni 2015 [IV-act. 140 S. 2] und vom 16. November 2012 [IV-act. 63
S. 2]). Ein Abzug vom (Medianwert des) Tabellenlohns ist angesichts der
obigen, in Würdigung der konkreten Umstände des Einzelfalls und in
Berücksichtigung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gemachten
Ausführungen denn auch nicht ausgewiesen.
4.8. Soweit der Beschwerdeführer mit Blick auf das Invalideneinkommen
schliesslich noch geltend macht, dass das von der IV-Stelle gestützt auf
den Totalwert der Tabelle TA1 der LSE 2018 für Tätigkeiten auf dem
Kompetenzniveau 1 im privaten Sektor für Männer bei einer
Arbeitsfähigkeit von 60 % korrekt errechnete Einkommen von
CHF 41'067.60 (= CHF 5'417.-- x 12 : 40 x 41.7 x 1.005 x 1.005 x 0.6;
umgerechnet auf die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7
Stunden und aufindexiert auf das Jahr 2020; siehe IV-act. 248) massiv zu
hoch sei, kann ihm nicht gefolgt werden. Denn gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist bei versicherten Personen, die
nach Eintritt eines Gesundheitsschadens – wie vorliegend – lediglich noch
leichte und intellektuell nicht anspruchsvolle Arbeiten verrichten können,
in der Regel vom Totalwert im niedrigsten (und am schlechtesten
bezahlten) Kompetenzniveau 1 auszugehen. Dass hiervon abzuweichen
- 23 -
wäre, vermag der Beschwerdeführer mit Verweisen auf die Literatur nicht
geltend zu machen und ist auch nicht ersichtlich (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_411/2019 vom 16. Oktober 2019 E.7.2, 8C_695/2015
vom 19. November 2015 E.4.2, 8C_187/2015 vom 20. Mai 2015 E.3.2.3.1
und 9C_633/2013 vom 23. Oktober 2013 E.4.2). Es mag zwar zutreffen,
dass der ehemalige Präsident des Bundesgerichts in einem Interview sich
dahingehend geäussert hat, dass die statistischen Löhne im Fall der
Invalidität um 15 bis 25 % einheitlich und linear gesenkt werden müssten
(siehe Plädoyer, Heft 4/2021, S. 12). Ein solcher Automatismus hat bisher
aber weder in die Rechtsprechung der ersten noch der zweiten
sozialrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts Einzug gefunden (siehe
BGE 146 V 16 E.4.1; Urteile des Bundegerichts 8C_239/2021 vom
4. November 2021 E.5.1.1, 8C_276/2021 vom 2. November 2021 E.5.1,
9C_447/2019 vom 8. Oktober 2019 E.3.1 und 9C_323/2019 vom
2. September 2019 E.4.2). Weitere vom Beschwerdeführer angeführte
Publikationen basieren wie das BASS-Gutachten LSE auf einem
Gutachtensauftrag der Coop Rechtsschutz AG (siehe
EGLI/FILIPPO/GÄCHTER/MEIER, Grundprobleme der Invaliditätsbemessung
in der Invalidenversicherung, Zürich 2021, S. VII;
MEIER/EGLI/FILIPO/GÄCHTER, «So konkret wie möglich», Invaliditätsgrade
in der IV, Fiktion und die Herausforderungen der «Weiterentwicklung der
Invalidenversicherung», in SZS 2/2021, S. 55). Im Wesentlichen kritisieren
die genannten Autoren eine zu starke (und mit der "Weiterentwicklung der
Invalidenversicherung" sogar noch verstärkte) Abstrahierung von den
tatsächlichen Gegebenheiten des Einzelfalles im Rahmen der
Invaliditätsbemessung (vgl. EGLI/FILIPPO/GÄCHTER/MEIER, Grundprobleme
der Invaliditätsbemessung in der Invalidenversicherung, Zürich 2021,
S. 291 ff.; MEIER/EGLI/FILIPO/GÄCHTER, «So konkret wie möglich»,
Invaliditätsgrade in der IV, Fiktion und die Herausforderungen der
«Weiterentwicklung der Invalidenversicherung», in SZS 2/2021, S. 55 und
72 f.). Auch die zitierte Publikation von RIEMER-KAFKA ET AL. plädiert im
- 24 -
Wesentlichen für eine "realitätskonformere Berechnung" der
Invaliditätsgrade (siehe RIEMER-KAFKA ET AL., Invalidenkonforme
Tabellenlöhne, Ausgangslage, Problemstellung und Lösungsvorschläge,
in: Jusletter vom 22. März 2021, S. 22 f.). Wie in der vorstehenden
Erwägung 4.6 aber bereits erwähnt, setzt eine Praxisänderung – als
zentralen Voraussetzung – eine bessere Erkenntnis des Gesetzeszwecks
oder veränderte äussere Verhältnisse voraus (siehe BGE 143 V 269 E.4,
140 V 538 E.4.5 und 138 III 359 E.6.1). Angesichts der seit langer Zeit
bestehenden bundesgerichtlichen Rechtsprechung hinsichtlich der
Anwendbarkeit von LSE-Tabellenlöhnen sowie eines im Einzelfall nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzenden
(leidensbedingten) Abzuges vom Tabellenlohn wären für eine
Praxisänderung eher hohe Anforderungen an den Nachweis einer
besseren Erkenntnis des Gesetzeszwecks bzw. veränderter äusserer
Verhältnisse zu stellen. Aufgrund der in Aussicht stehenden, auch den
Einkommensvergleich im Sinne von Art. 16 ATSG betreffenden
Änderungen im Rahmen der Revision des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (Weiterentwicklung der Invalidenversicherung) ist
durch das streitberufene Gericht – jedenfalls im jetzigen Zeitpunkt – nicht
voreilig die vom Beschwerdeführer im Ergebnis anbegehrte
Praxisänderung vorzunehmen. Im Rahmen der Weiterentwicklung der IV
wird insbesondere Art. 28a Abs. 1 Satz 2 IVG dergestalt geändert, dass
der Bundesrat die zur Bemessung der Invaliditätsgrades massgebenden
Erwerbseinkommen und die anwendbaren Korrekturfaktoren umschreibt
(siehe BBl 2020 5535). Dabei wird in der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) im dritten Abschnitt das Kapitel
A.I "Bemessung des Invaliditätsgrades" umfassend geändert (siehe
AS 2021 706). Gemäss dem per 1. Januar 2022 in Kraft tretenden
Art. 26bis Abs. 2 IVV bestimmt sich bei Versicherten ohne anrechenbares
Erwerbseinkommen (nach Eintritt der Invalidität) das Einkommen mit
Invalidität nach den statistischen Werten gemäss Art. 25 Abs. 3 IVV (in
- 25 -
Kraft ab dem 1. Januar 2022). Danach sind für die Bestimmung der
massgebenden Erwerbseinkommen primär die altersunabhängigen und
geschlechtsspezifischen Zentralwerte (Mediane) der LSE, angepasst an
die betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen und die
Nominallohnentwicklung (vgl. Art. 25 Abs. 4 IVV in der ab dem 1. Januar
2022 gültigen Fassung), massgebend. Andere statistische Werte können
(nur) beigezogen werden, sofern das Einkommen im Einzelfall nicht in der
LSE abgebildet ist. Als Aspekt, der bereits heute einen Abzug vom
Tabellenlohn rechtfertigen könnte, wird nunmehr nur noch ein solcher für
eine funktionelle Leistungsfähigkeit (siehe dazu Art. 49 Abs. 1bis IVV in der
ab dem 1. Januar 2022 gültigen Fassung) von 50 % oder weniger
vorgesehen (siehe Art. 26bis Abs. 3 IVV in der ab dem 1. Januar 2022
gültigen Fassung; Teilzeitabzug). Insofern erachtet der Verordnungsgeber
die Zentralwerte der LSE weiterhin als (primär) massgebend (siehe
Medienmitteilung des Bundesrates "Weiterentwicklung der IV tritt am
1.1.2022 in Kraft: Verstärkte Unterstützung Betroffener" vom 3. November
2021, abrufbar unter:
https://www.bsv.admin.ch/bsv/de/home/publikationen-und-
service/medieninformationen/nsb-anzeigeseite.msg-id-85521.html). Mit
der entsprechenden Gesetzes- und Verordnungsänderung wurde
ausserdem beabsichtigt, die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu
kodifizieren (vgl. Botschaft zur Änderung des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [Weiterentwicklung der IV] vom 15. Februar 2017,
BBl 2017 2535 ff. 2668; Erläuternder Bericht des Bundesamtes für
Sozialversicherungen [BSV] zu den Ausführungsbestimmungen zur
Änderung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
[Weiterentwicklung der IV], S. 14, 47 und 52 ff.; vgl. auch Amtliches
Bulletin des Nationalrates, Frühjahressession 2019, Fünfte Sitzung vom
7. März 2019 [AB 2019 N 125] sowie Amtliches Bulletin des Ständerates,
Herbstsession 2019, Achte Sitzung vom 19. September 2019 [AB 2019 S
801]). Immerhin hat der Bundesrat in der Medienmitteilung vom
- 26 -
3. November 2021 festgehalten, dass das BSV den Auftrag erhalten habe
zu prüfen, ob die Entwicklung von spezifisch auf die Invalidenversicherung
zugeschnittenen Berechnungsgrundlagen möglich sei (siehe wiederum
die erwähnte Medienmitteilung des Bundesrates vom 3. November 2021,
Abschnitt "Klarere Regelung für die Bemessung des IV-Grads").
4.9. Bei einer Gegenüberstellung des Invalideneinkommens von
CHF 41'067.60 und des unbestrittenen Valideneinkommens von
CHF 96'077.15 ergibt sich ein Invaliditätsgrad von gerundet 57 %, welcher
– wie bereits in der angefochtenen Verfügung vom 16. Juni 2021
festgehalten – einen Anspruch auf eine halbe Invalidenrente vermittelt.
5. Die Beschwerde erweist sich somit als unbegründet und ist abzuweisen.
Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um Leistungen aus der
Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.--
festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein
durchschnittlicher Aufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Kosten in
Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens auf CHF 700.--
fest. Diese sind vom unterliegenden Beschwerdeführer zu tragen. Der
obsiegenden Beschwerdegegnerin steht kein Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG e contrario).
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