Decision ID: 272a16d4-3d67-4d08-9ce3-f4d065ffee03
Year: 2005
Language: de
Court: GR_KG
Chamber: GR_KG_999
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

hat sich ergeben:
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A. Auf Veranlassung von Z. (geb. 1991, Sohn von X.) stellte der Bezirksgerichtspräsident Maloja am 22. März 2005 je einen Arrestbefehl gegen X. und Y. (Konkubinatspartnerin von X.) wie folgt aus:
1. gegen X.:
Arrestforderung (Grund) : Unterhaltsvertrag Verlustschein vom 21.10.2003 Eheschutzverfügung vom 18.2.1999
Arrestforderung (Höhe) : Fr. 55'000.—
Arrestgrund : Art. 271 Abs. 1 Ziff. 2 und 5 SchKG
Arrestgegenstände : Restforderung gegenüber der A. in Höhe von Fr. 21'000.—
Lohnforderung gegenüber seiner Arbeitgeberin, wobei mindestens von einem Lohn in Höhe von monatlich netto Fr. 4'400.— zuzüglich Kinderzulagen auszugehen ist
elektronische Geräte wie Fotoausrüstungen, Computer, Musikanlagen und dergleichen
2. gegen Y.:
Arrestforderung (Grund) : Unterhaltsvertrag Verlustschein vom 21.10.2003 Eheschutzverfügung vom 18.2.1999
Arrestforderung (Höhe) : Fr. 55'000.—
Arrestgrund : Art. 271 Abs. 1 Ziff. 2 und 5 SchKG
Arrestgegenstände : Restforderung gegenüber der A. in Höhe von Fr. 21'000.—
Konto Nr. CK 099.806.000 und weitere Konten oder Wertschriften bei der Graubündner Kantonalbank in 7002 Chur (Zweigstelle 7505 Celerina), lautend auf den Namen der Gesuchsgegnerin
elektronische Geräte wie Fotoausrüstungen, Computer, Musikanlagen und dergleichen
Landrover Freelander 1,8 i mit dem Kontrollschild GR D.
Subaru Justy mit dem Kontrollschild GR C.
Inventar der V. Bar an der Via in Sz.
B. Die Arrestbefehle wurden durch das Betreibungsamt Oberengadin gleichentags, und wie richterlich angeordnet, vollzogen. Die Arrestvollzugsurkunden Nr. 205198 (X.) und 205197 (Y.) stellte das Betreibungsamt Oberengadin den Arrestschuldnern am 29. März 2005 zu, unter Beilage einer Kopie des entsprechenden Arrestbefehls des Bezirksgerichtspräsidenten Maloja.
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C. Gegen den Arrestvollzug durch das Betreibungsamt Oberengadin führten X. und Y. am 11. April 2005 "vorsorglich" Beschwerde im Sinne von Art. 17 SchKG, welche der Kantonsgerichtsausschuss als Aufsichtsbehörde in Schuldbetreibungs- und Konkurssachen mit Entscheid unter dem heutigem Datum teilweise guthiess, soweit er darauf eintrat.
D.1. Gegen die Arrestbefehle vom 22. März 2005 erhoben sowohl X. als auch Y. mit Eingaben vom 07. April 2005 Arresteinsprache an den Bezirksgerichtspräsidenten Maloja, mit den folgenden Rechtsbegehren:
a. X.:
"1. Der Arrest sei, soweit er den Betrag von Fr. 6'626.25 übersteigt, aufzuheben.
2. Falls der Arrest bestätigt wird, muss der Gläubiger -solidarisch mit dem gesetzlichen Vertreter- dazu verpflichtet werden, 25 % der Forderung als Sicherheit i.S. von Art. 278 Abs. 1 SchKG zu hinterlegen, andernfalls der Arrest hinfällig wird.
3. (..... Antrag auf unentgeltliche Rechtspflege).
4. Unter solidarischer Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Gesuchstellers und dessen gesetzlicher Vertreterin, Frau W.".
b. Y.:
"1. Die verarrestierten Gegenstände, nämlich
- Restforderung gegenüber der A. in der Höhe von Fr. 21'000.00
- Konto CK 099.806.000 und weitere Konti oder Wertschriftendepots bei der Graubündner Kantonalbank in 7002 Chur (Zweigstelle 7505 Celerina) lautend auf den Namen der Einsprecherin
- Elektrogeräte wie Fotoausrüstungen, Computer, Musikanlagen und dergleichen
- Landrover Freelander 1,8i, Kontrollschild GR C.
- Inventar der V. Bar an der via in Sz.
seien vom Arrestbeschlag zu befreien und der Einsprecherin zu unbeschwertem Eigentum und zur Nutzung zu überlassen.
2. Der Gesuchsteller und Arrestgläubiger Z., geb. 1991, gesetzlich vertreten durch die Mutter, W., Hauensteinstr. 136, 4059 Basel, sei zusammen mit seiner Mutter solidarisch zu verpflichten, eine Sicherstellung i.S. von Art. 273 Abs. 1 SchKG von Fr. 13'750.00 (25 % der behaupteten Forderung) zu hinterlegen, falls der Arrest nicht aufgehoben wird.
3. Sollte die Sicherheit nicht geleistet werden, ist der Arrest ebenfalls aufzuheben.
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4. Der Arrestgläubiger und dessen gesetzliche Vertreterin seien solidarisch zu verpflichten, der Einsprecherin Fr. 5'000.— als Schadenersatz zu bezahlen, nebst 5 % Verzugszins seit 23. März 2005 (Arrestbeschlag).
5. Unter solidarischer Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Arrestgläubigers und dessen gesetzlicher Vertreterin".
2. Mit Entscheiden vom 28. April 2005 und 29. April 2005 trat der Bezirksgerichtspräsident Maloja auf die Arresteinsprachen nicht ein und überband den Einsprechern eine Gerichtsgebühr von je Fr. 300.— sowie eine Prozessentschädigung an den Arrestgläubiger von je Fr. 400.—.
Zur Begründung erwog der Bezirksgerichtspräsident im Wesentlichen, die 10-tägige Einsprachefrist nach Art. 278 Abs. 1 SchKG laufe nach ausdrücklicher gesetzlicher Vorschrift ab Kenntnis der Anordnung des Arrestes. Die subjektive Umschreibung des massgebenden Zeitpunkts entspreche jener bei der betreibungsrechtlichen Beschwerde von Art. 17 Abs. 2 SchKG. Sei der Arrestschuldner beim Arrestvollzug anwesend, beginne daher die Einsprachefrist bereits ab dem Datum des Vollzugs zu laufen, respektive gemäss Art. 31 Abs. 1 SchKG mit dem darauf folgenden Tag. Vorliegend seien die Arrestschuldner beim Arrestvollzug am frühen Morgen des 23. März 2005 in deren Wohnung persönlich anwesend gewesen, sodass die Einsprachefrist am 24. März 2005 begonnen und am 02. April 2005 beziehungsweise aufgrund von Art. 31 Abs. 3 SchKG am 04. April 2005 geendet habe. Durch die Osterbetreibungsferien gemäss Art. 56 Ziff. 2 SchKG werde keine Verlängerung der Einsprachefrist von Art. 278 SchKG im Sinne von Art. 63 (2. Satz) SchKG bewirkt, da Anordnung und Vollzug eines Arrests keine Betreibungshandlungen darstellten und daher in den Betreibungsferien erfolgen könnten. Damit seien die am 07. April 2005 erfolgen Arresteinsprachen verspätet erfolgt.
E.1. Gegen die am 04. Mai 2005 mitgeteilten Nichteintretensentscheide erhoben sowohl X. als auch Y. mit separaten Eingaben vom 12. Mai 2005 Beschwerde an den Kantonsgerichtsausschuss. Sie beantragen übereinstimmend die Aufhebung der angefochtenen Entscheide und je die vollumfängliche Gutheissung ihrer Einsprache gegen den sie betreffenden Arrestbefehl, unter solidarischer Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Beschwerdegegners und dessen gesetzlicher Vertreterin.
2. Der Bezirksgerichtspräsident Maloja liess sich nicht vernehmen.
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3. Der Beschwerdegegner Z. verzichtete auf eine Stellungnahme.
4. Mit Verfügungen vom 08. Juni 2005 wurden dem Beschwerdegegner Z. zu Lasten des Kantons Graubünden (Verfahren SKG 05 22, act. 09; Verfahren SKG 05 23, act. 10) und dem Beschwerdeführer X. zu Lasten der Gemeinde St. Moritz (Verfahren PZ 05 110, act. 04) die unentgeltliche Rechtspflege erteilt und Rechtsanwalt Dr. iur. Thomas Schütt respektive Rechtsanwalt lic. iur. Marco Pool zu deren Rechtsbeiständen ernannt.
5. Auf die Begründungen der Beschwerdeanträge, die Erwägungen in den angefochtenen Entscheidungen und die Akten ist, soweit sachdienlich, nachfolgend einzugehen.

Der Kantonsgerichtsausschuss zieht in Erwägung :
1.a. Gemäss Art. 278 Abs. 3 SchKG kann der Arresteinspracheentscheid innert zehn Tagen an die obere Gerichtsinstanz weitergezogen werden. Vor dieser können neue Tatsachen geltend gemacht werden. Als Arresteinspracheentscheid gilt auch eine Entscheidung, mit welcher auf eine Arresteinsprache nicht eingetreten wird. Rechtsmittelinstanz ist der Kantonsgerichtsausschuss. Beide Einspracheentscheide wurden am 04. Mai 2005 schriftlich mitgeteilt. Aus den vorinstanzlichen Akten geht nicht hervor, wann die Einsprecher die Nichteintretensentscheide in Empfang genommen haben. Das schadet nicht. Ihre Beschwerden vom 12. Mai 2005 sind in jedem Fall fristgemäss. Im Übrigen sind sie bei der zuständigen Instanz und formgerecht, das heisst die Abänderungsanträge und eine Begründung enthaltend (Art. 25 Abs. 1 GVVSchKG), eingelegt worden, sodass auf sie einzutreten ist.
b. Die Beschwerden richten sich zwar gegen zwei verschiedene Arresteinspracheentscheide. Indessen handelt es sich um den gleichen Arrestgläubiger, der gegen beide Arrestschuldner dieselbe Arrestforderung aus gleichem Arrestgrund erhebt. Strittig ist in beiden Fällen sodann vorab die Rechtsfrage, ob die Arresteinsprachefrist gemäss Art. 278 SchKG eingehalten worden ist. In diesem Punkt sind die für die Entscheidfindung massgeblichen Tatsachen in beiden Fällen dieselben. Die Ausführungen in den beiden Beschwerden zur Frage der Fristwahrung sind denn auch praktisch identisch. Unter diesen Umständen drängt sich auf, beide Beschwerden in einem einzigen Urteil zu behandeln.
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2. Wer durch einen Arrest in seinen Rechten betroffen ist, kann gemäss Art. 278 Abs. 1 SchKG innert zehn Tagen, nachdem er von dessen Anordnung Kenntnis erhalten hat, beim Arrestrichter Einsprache erheben. Umstritten ist vorab die Bedeutung des in dieser Vorschrift enthaltenen unbestimmten Rechtsbegriffs "von dessen Anordnung Kenntnis erhalten". Der Vorderrichter hat dazu erwogen, der Lauf der Rechtsmittefrist werde bereits dann ausgelöst, wenn der den Arrest vollziehende Betreibungsbeamte dem anwesenden Arrestschuldner mündlich eröffne, dass gegen ihn ein Arrest erwirkt worden sei. Er stützt sich dabei auf Reiser (Basler Kommentar, N 29 f. zu Art. 278 SchKG), welcher dazu ausgeführt hat, die subjektive Umschreibung des massgebenden Zeitpunkts in Art. 278 Abs. 1 SchKG entspreche jener bei der betreibungsrechtlichen Beschwerde von Art. 17 Abs. 2 SchKG. Sei der Arrestschuldner beim Arrestvollzug anwesend oder vertreten, laufe die Einsprachefrist ab dem Datum des Vollzugs. Bei Abwesenheit sei hingegen auf den Zeitpunkt der Zustellung der Arresturkunde abzustellen.
3. In tatsächlicher Hinsicht machen die Beschwerdeführer geltend, beim Besuch des Betreibungsbeamten am 23. März 2005 sei ihnen zwar der Arrestbefehl gezeigt jedoch nicht erklärt worden, was genau geschehe. Der Beamte sei durch die Wohnung gegangen und habe nur erklärt, er müsse eine richterliche Anordnung ausführen. Sie würden später eine schriftliche Ausfertigung der Arresturkunde erhalten, worauf sie oder ihr Anwalt ihre Rechte wahren könnten. Diese Sachverhaltsdarstellung ist nicht bestritten.