Decision ID: 6a777984-b9bd-4e63-b499-a6509ee5100c
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1962 geborene
X._
absolvierte ab dem 12. Juli 1982 die
Rekruten
schule
(RS; Urk. 7/5). Am
31. August
1982
erlitt er eine Luxation der
(
vor
dienstlich
schon einmal luxierten
und in der Folge unter Kurznarkose reponier
ten
[
Urk. 7/6 S. 2,
Urk. 7/14
, Urk. 7/18 f.
]) linken Schulter (Urk. 7/
4
),
deretwe
gen
er am 6. September 1982 vorzeitig aus der RS entlassen (Urk. 7/6)
und am 21. Oktober 1982 bis 31. Dezember 1983 vom Dienst dispensiert wurde (Urk. 7/17). Die Militärversicherung anerkannte in der Folge mit Schreiben vom 28. Oktober 1982 (Urk. 7/16) „auf Zusehen hin“ ihre Leistungspflicht im Zu
sammenhang mit
der
Schulterverletzung vom 31. August 198
2.
Nachdem es am 20. November 1982 zu einer erneuten linksseitigen Schulterluxation gekommen war (Urk. 7/23), wurde am 2. Februar 1983
operativ
eine Kapselstraffung na
c
h
Putti
-Platt durchgeführt (Urk. 7/25 f.
, Urk. 7/31
).
Für die Kosten dieses Eingriffs kam – auf entsprechendes Ersuchen der
Militärversicherung
(Urk. 7/28) – der
für die erste Luxation zuständige Unfallversicherer
auf (Urk. 7/34).
1.2
Am 23. Februar 2011 meldete
X._
der Militärversicherung einen Rückfall betreffend die Schulterluxation (Urk. 7/40). Die Militärversicherung holte da
raufhin am 14. April 2011 eine Stellungnahme
ihres Kreisarztes
Dr. med.
Y._
, Facharzt FMH für
Ch
irugie
, speziell Allgemein- und Unfallchirurgie
, ein (Urk. 7/43)
. In der Folge anerkannte sie mit Schreiben vom 29. April 2011
(Urk. 7/44) die Deformierung
und die
Omarthrose
im Bereich der
linken
Schulter als Teil-Spätfolge der
dienstlichen Verletzung vom 31. August 1982 und stellte dem Versicherten in Aussicht, bis auf Weiteres die gesetzlichen Leistungen zu erbringen,
behielt sich
indes
vor, nach weiteren Abklärungen
allenfalls eine Teilhaftung festzusetzen beziehungsweise eine Kostenteilung mit dem privaten Unfallversicherer anzustreben.
In der Folge schlug sie dem Unfallversicherer am 12. Mai 2012 vor,
die Kosten der kurzfristigen Leistungen
ab der Wiederauf
nahme der ärztlichen
Behandlung am 24. Januar 2011
im Verhältnis 25 % (
Mi
litärversicherung
) zu 75 % (Unfallversicherer; Urk. 7/46)
aufzuteilen
. Der
Un
fallversicherer
lehnte es daraufhin
mit Schreiben vom 27. Juni 2011 (Urk. 7/47) ab, Leistungen für die Schulterbeschwerden zu erbringen.
Am 2. Februar 2012 beantrag
t
e der Versicherte eine 25%ige Integritäts
-
entschädi
gung
der Militärversicherung und die Anerkennung der vollen Haftung für die linksseitigen Schulterbeschwerden (Urk. 7/53). In Bestä
tigung ihres Vorbescheids vom 29. Februar 2012 (Urk. 7/57) verfügte die
Mili
tärversicherung
in der Folge – unter Hinweis darauf, dass die Leistungskürzung
ausschliess
lich
die
Barleistungen betreffe
–
eine Haftung im Umfang von 33
1
/
3
% für die Schädigung des linken Schultergelenks.
Im Hinblick auf eine Abklärung des Integritätsschadens liess sie den Versicherten daraufhin am 19. September 2012
von ihrem Kreisarzt Dr.
Y._
untersuchen (vgl. Beur
teilung vom 1. Oktober 2012, Urk. 7/65).
Nach Erlass eines entsprechenden Vorbescheids (Urk. 7/67) verfügte sie am 13. November 2012 mit Wirkung ab 1. Januar 2011
eine
Integritätsschaden
rente von 2,5 %
,
die sie von Amtes we
gen
per 1. November 2012
auskaufte
(Urk. 7/74)
.
Die vom Versicherten am 10. Dezember 2012 gegen diesen Entscheid erhobene Einsprache (Urk. 7/75) wies sie am 24. April 2015 ab (Urk. 2).
2
.
Gegen diesen
Einspracheentscheid
(Urk. 2) liess
X._
am 22. Mai 2015
mit folgenden Anträgen Beschwerde erheben (Urk. 1 S. 2):
„1.
Der
Einspracheentscheid
vom
24.04.15 sei aufzuheben und es seien dem Beschwerdeführer die gesetzmässigen Leistungen der Militärver
sicherung, insbesondere eine Integritätss
chadenrente nach einem
In
tegritätsschaden
von 25 %, eventualiter von mehr als 2,5 %, ab dem 13.06.1983 zu gewähren.
2.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der
Beschwer
degegnerin
.“
In prozessualer Hinsicht stellte er nachstehende Anträge:
„3.
Die Beschwerdegegnerin habe die im
Einspracheentscheid
v. 24.04.15, Erwägungen, 4
lit
. c.,
genannten
Vergleichsfälle zu edieren.
4.
Im Anschluss an dieser Edition sei ein 2. Schriftenwechsel anzuord
nen, damit zum Editionsergebnis Stellung genommen werden kann.“
Die
Militärversicherung schloss am 29. Juni 2015 auf Abweisung der Be
schwerde (vgl. Beschwerdeantwort, Urk. 6).
Nach Kenntnisnahme der von der Militärversicherun
g eingereichten Vergleichsfälle
(Urk. 8/1-3) hielt der Be
schwerdeführer m
it Eingabe vom 1. September 2015 (Urk. 12)
an seinen Anträ
gen fest, was der Militärversicherung am 2. September 2015 zur Kenntnis ge
bracht wurde (Urk. 13).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen ein
zugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Mit – in der Folge unangefochten in Rechtskraft erwachsener – Verfügung vom 21. März 2012 (Urk. 7/59) hat die Militärversi
cherung ihre grundsätzliche
Lei
s
t
ungspflicht
für
d
i
e linksseitige Schultersch
ädigung
anerkannt und das
Ausmass ihrer
diesbezüglichen
Haftung auf
33
1
/
3
%
festgesetzt.
Anfechtungsgegenstand bildet vorliegend der
Einspracheentscheid
vom 24. April 2015 betreffend (aus
schliesslich) Integritätsschadenrente für die linksseitige Schulterschädigung nach dreimaliger Luxation und
Putti
-Platt Operation (Urk. 2). Soweit mit der Beschwerde ein Anspruch auf anderweitige Leistungen geltend gemacht wird (Urk. 1 S. 2), ist daher nicht darauf einzutreten (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125
V 413 E. 1a).
1.2
Strittig
und vorliegend zu prüfen
sind
demnach
die Schwere des
Integritätsscha
dens
und der Beginn des Anspruchs auf eine Integritätsschadenrente
. Bei der Beurteilung des dies
be
züglichen Leistungsanspruchs ist zu beachten, dass nach
Art. 109 des
per 1. Janu
ar 1994 in Kraft gesetzten Bundesgesetzes über die
Mi
litärversicherung
vom 19. Juni 1992 (MVG)
Versicherungsfälle, die im Zeitpunkt des Inkrafttre
tens
dieses Gesetzes noch hängig waren, in jenen Teilen nach dem neuen Recht be
urteilt werden, die nicht anerkannt sind oder über die nicht verfügt wurde.
Die dienstliche Schulterluxation
hat sich zwar
unter der Herr
schaft des bis Ende 1993 gelten
den
alten Rechts ereignet. Da über den daraus resultierenden Integritätsschaden inde
s erst nach dessen Inkrafttreten verfügt wurde, sind ausschliesslich die Art. 48 ff.
MVG, die auch nach Inkrafttreten des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG) am 1. Januar 2003 unver
ändert Geltung
haben, massgebend (vgl. Urteil des da
maligen Eidge
nössischen Versiche
rungsgerichts
M 4/04
vom 24. Januar 2005 E. 1).
1.3
Nach Art. 48 MVG hat der Versicherte Anspruch auf eine
Integritätsschaden
rente
, wenn er eine dauernde erhebliche Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Integrität erleidet (Abs. 1). Die Integritätsschadenrente ist von dem
Zeitpunkt an geschuldet, in dem die ärztliche Behandlung abgeschlossen ist oder
von ihrer Fortsetzung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes des Versicherten mehr erwartet werden kann (Abs. 2).
Laut Art. 49 MVG wird die Schwere des Integritätsschadens in Würdigung aller Um
stände nach billigem Er
mes
sen ermittelt (Abs. 1). Sie wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens in Prozenten des Jahresrentenansatzes ge
mäss
Abs.
4 festgesetzt. Beim vollständigen Verlust einer Lebensfunktion wie des
Ge
hörs oder des Sehvermögens wird in der Regel eine Integritätsschadenrente von 50 Prozent zugesprochen (Abs. 2). Die Zusprechung erfolgt auf unbe
stim
mt
e Zeit und wird in der Regel ausgekauft (Abs. 3). Der Bundesrat legt durch Ver
ordnung den für alle Versicherten geltenden Jahresrentenansatz fest. Er geht da
bei vom Ansatz aus, der beim Inkrafttreten dieses Gesetzes gilt, und passt ihn periodisch den veränderten Verhältnissen, namentlich der Preisent
wicklung, an (Abs. 4).
Bei nachträglicher erheblicher Zunahme des Integritätsschadens kann der Versi
cherte laut Art. 50 MVG verlangen, dass ihm eine zusätzliche
Integritätsscha
denrente
zugesprochen wird.
Gemäss Art. 25 der Verordnung über die Militärversicherung (MVV) liegt eine
er
hebliche Beeinträchtigung vor, wenn sie mindestens einem Zwanzigstel des vol
l
ständigen Verlustes einer Lebensfunktion wie des Gehörs oder des Sehver
mö
gens entspricht (Abs. 1). Die Integritätsschadenrenten für Beeinträchtigungen einzelner Lebensfunktionen werden nach der Schwere der Integritätsschäden in Abstufungen von 2,5 Prozent zwischen 2,5 und 50 % des Jahresrentenansatzes
fest
gesetzt (Abs. 2). Liegen mehrere erhebliche Integritätsschäden vor, so wer
de
n die Prozentsätze der einzelnen Integritätsschäden für die Festsetzung der
In
te
gritätsschadenrente
zusammen gezählt. Der Höchstwert für
Integritätsscha
den
renten
beträgt 100 % des Jahresrentenansatzes (Abs. 3).
Nach der vom damaligen Eidgenössischen Versicherungsgericht in ständiger Rech
t
sprechung verwendeten Formel wird der Integritätsschaden ermittelt „auf
grund vergleichender Betrachtung des funktionell-anatomischen Zustandes vor und nach Eintritt des versicherten Gesundheitsschadens". Dabei wurde von An
fang an klargestellt, dass nicht die vergleichende medizinisch-theoretische Be
urteilung für die Bemessung des Integritätsschadens entscheidend ist, sondern das Ausmass, in welchem der Versicherte in den Lebensfunktionen und der all
gemeinen Lebensgestaltung eingeschränkt ist. Die Einschränkung kann je nach den Umständen geringfügiger oder schwerwiegender sein als die rein aus medi
zinischer Sicht beurteilte Beeinträchtigung der Integrität (vgl.
Maeschi
, Kom
me
n
tar zum Bundesgesetz über die Militärversicherung vom 19. Juni 1992, Bern 2000
, N 18 zu Art. 49).
2.
2.1
Die Militärversicherung begründete
den angefochtenen
Einspracheentscheid
(Urk. 2)
–
unter Hinweis auf die Beurteilung ihres Kreisarztes Dr.
Y._
vom 1. Oktober 2012 (Urk. 7/65)
– damit, dass
der Versicherte aufgrund der mittel
schweren
Omarthrose
im linken Schultergelenk bei Status nach dreimaliger Schulterluxation links und
Putti
-Platt
Operation eine belastungsabhängige
Schmerzstörung der linken Schulter bei erhal
tener Gelenksfunktion aufweise
.
Die vorhandenen Behinderungen und Benachteiligungen in der allgemeinen
Le
bensgestaltung
seien knapp erheblich im Sinne des Gesetzes, weshalb der
In
tegritätsschaden
mit 2,5 % zu bemessen sei (Urk. 2 S. 4 f.
, Urk. 6 S. 2
).
Ange
sichts der Tatsache, dass der Versicherte
, nachdem der
1983 erfolgte operative Eingriff
wieder zu einer subjektiven Beschwerdefreiheit und guten Funktionali
tät der Schulter geführt habe, erst
im Januar beziehungsweise Februar 2011 wieder wegen einer infolge einer vermehrten Belastung der linken Schulter ein
getretenen vorübergehenden Verschlimmerung der Beschwerden
in Behandlung gestanden habe
, sei der Beginn der Integritätsschadenrente zu Recht auf den 1. Januar 2011 festgesetzt worden (Urk. 2 S. 6
, Urk. 6 S. 4
f.
).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
unter
Be
rücksichtigung nicht nur des medizinischen Befunds, sondern auch der weiteren relevanten Umstände, namentlich der belastungsabhängigen Schmerzen und der ausgeprägten Wetterfühligke
it, sowie unter Einbezug
vergleichbarer Fälle
seien
die Schädigung des
Glenohumeralgelenks
und die mindestens mittelschwere
Omarthrose
als
Integritätsschaden von 25 %
zu werten
(Urk. 1 S. 5 f., Urk. 12). Da nach dem operativen Eingriff im Februar 1983 keine namhafte Verbesserung mehr zu erwarten gewesen
sei
und die Behandlung
– auch wenn noch erhebli
che Beschwerden persistiert hätten –
am 13.
Juni 1983 habe abgeschlossen wer
den können, sei
ihm die Integritätsschadenrente mit Wirkung ab diesem Datum zuzusprechen (Urk. 1 S. 7).
3.
3.1
3.1.1
Betreffend den Zustand der linken Schulter
nach
dem operativen Eingriff
vom 2.
Februar 1983
(vgl. Operationsbericht
Z._
, Chirurgische Klinik B;
Urk. 7/25)
geht aus den medizinischen und weiteren Akten Folgendes hervor:
Am 13. Mai 1983
berichteten die Ärzte des
Z._
, Chirurgi
sche Poliklinik B, über einen komplikationslosen postoperativen Verlauf. Nach der Entfernung des
Desaultverbands
am 25. Februar 1983 sei eine sukzessive steigernde Mobilisation der linken Schulter erfolgt. Bei der letzten Kontrolle am 25. April 1983 habe der Beschwerdeführer angegeben, beschwerdefrei zu sein. Im Rahmen der Untersuchung habe sich eine
praktisch volle Vorwärts- und Seitwärtsbeweglichkeit gezeigt.
Während die
Aussenrotation
infolge der Opera
tion in Neutralstellung eingeschränkt
sei
,
sei
die Innenrotation frei möglich. Die Muskulatur sei gut und die Narbe ohne Befund; neurologische Ausfälle bestün
den nicht (Urk. 7/31).
3.
1.
2
Am 3. August 1983
stellten die Ärzte des
Z._
, Chirurgi
sche Klinik B, nachstehende Diagnosen (Urk. 7/35):
Posttraumatische rezidivierende Schulterluxation links
Status nach Operation der Schulterluxation nach
Putti
-Platt
Nach einem komplikationslosen weiteren Verlauf sei am 13. Juni 1983 die
Ab
schlusskontrolle
erfolgt. Es seien eine sehr gute Beweglichkeit des linken Schultergelenks, eine freie Seitwärts- und
Vorwärts
elevatation
, eine freie
In
nenrotation
und eine operationsbedingt nur bis zur Neutralstellung mögliche Aussenrotation
gegeben
. Die Narbe sei reizlos, und der Nackengriff sowie das Daumenheben erwiesen sich als unauffällig. Als Student sei der Beschwerde
führer seit 20. April 1983 wieder voll arbeitsfähig.
3.2
3.2.1
Dr. med.
A._
, Facharzt FMH für Chirurgie, hielt, nachdem er den Beschwerde
führer am 24. Januar 2011 untersucht hatte, in seinem tags darauf verfassten Bericht (Urk. 7/42)
fest
, der Verlauf betreffend das rechte Schultergelenk sei sehr gut. Zwei Jahre nach der Cup-
Resurfacing
-
Arthroplastik
zeige der Beschwerde
führer eine volle Bewegung und Kraft in allen Richtungen und verspüre keine Schmerzen mehr. Allerdings
bestünden gemäss dem Beschwerdeführer in letzter Zeit mehr Beschwerden in der linken, vor über zwanzig Jahren operierten Schulter. Radiologisch zeige sich ein Zustand nach
Putti
-Platt
Operation mit Deformierung der kaudalen
Glenoidstruktur
und Ausbildung einer kaudalen
Oma
rthrose
. Dabei handle es sich um eine Spätfolge der Instabilitätsoperation. Die durchgeführten Physiotherapiesitzungen hätten eine deutliche Besserung gebracht, weshalb die Weiterführung dieser Behandlung indiziert sei.
3.2.2
Am 8. Februar 2011 teilte der Beschwerdeführer der Militärversicherung telefo
nisch mit, er leide an linksseitigen Schulterschmerzen, die er auf die militärver
sicherte Schulteroperation zurückführe (Urk. 7/38).
3.2.3
Am 14. Februar 2011 gab der Beschwerdeführer
gegenüber der zuständigen Sach
bearbeiterin der Militärversicherung
telefonisch an,
seit 1984 „keine wei
teren Unfälle oder Ereignisse mit der linken Schulter“ gehabt zu haben. Diese habe einfach
gelegentlich
geschmerzt.
Nach
dem
er sich an der
rechte
n Schulter
eine Prothese aus
Titan
habe einsetzen lassen und ihm dadurch
bewusst gewor
den sei
,
wie gut sich eine gesunde Schulter an sich anfühlen sollte, habe er auch
betreffend die linke Schulter endlich einmal etwas unternehmen wollen. Sein Arzt habe
diese deshalb radiologisch untersucht
und dabei festgestellt, dass sich langsam eine Arthrose bilde. Da er – der Beschwerdeführer – mit einem operati
ven Eingriff noch möglichst lange zuwarten wolle, unterziehe er sich nun einer Physiotherapie (Urk. 7/39).
3.2.
4
Auf dem Formular „Anmeldung
MVG“ hielt
der Beschwe
rdeführer am 23. Februar 2011 fest
,
nachdem die (linke) Schulter nach der Entlassung aus der RS operiert worden sei, hätten noch zirka fünf Jahre lang erhebliche Beschwer
den bestanden, daraufhin „20 Jahre ok, dann Zunahme der Beschwerden“. Am 24. Januar 2011 habe
er
deswegen erstmals einen Arzt konsultiert (Urk. 7/40).
3.2.5
Gegenüber dem Aussendienstmitarbeiter der Militärversicherung gab der Be
schwerdeführer am 6. Mai 2011 an, er habe
sich im Zusammenhang mit einer
vor Jahren erlittenen rechtsseitigen Schul
terverletzung jedes Jahr eine
r
Kon
trolluntersuchung
bei Dr.
A._
unterzogen. Da er in der letzten Zeit zuneh
mende Schmerzen in der linken Schulter verspürt habe, habe Dr.
A._
anlässlich der Untersuchung vom 24. Januar 2011 auch diese untersucht und dabei eine Arthrose festgestellt (Urk. 7/45.1 S. 1). Vorübergehend sei daraufhin eine medi
kamentöse Behandlung mit
Zomex
erfolgt; nun
finde
noch alle zwei Wochen
eine
Physiotherapie
statt
.
Er gehe noch zweimal pro Woche klettern, mache je
doch wegen der linksseitigen
Arthroseschmerzen
Ausweichbewegungen, die je
weils zu Verhärtungen beziehungsweise „
Verhockungen
“ des Knochens führten (S. 2).
3.2.6
Gestützt auf die Ergebnisse der Jahreskontrolluntersuchung vom 11. Juni 2012 hielt Dr.
A._
in seinem Bericht vom nämlichen Datum (Urk. 7/61) fest,
betref
fend das rechte Schultergelenk zeige der Beschwerdeführer eine tadellose Funk
tion und eine sehr gute Kraft in allen Richtungen. Er sei mit der rechten Schul
ter wieder in der Lage, alle sportlichen Betätigungen auszuführen; vor allem klettere er bereits wieder im sehr schwierigen Rahmen (7 B). Dies entspreche ei
ner Extrembelastung der Schulter und des Arms. Betreffend die linke Schulter
seien nach wie vor eine endphasige Einschränkung vor allem der Elevation und Aussenrotation sowie eine leichte Krepitation feststellbar. Zeitweise bestünden auch – mit der beginnenden
Omarthrose
zu erklärende – Schmerzen. Die radio
logische Kontrolle habe keine wesentliche Veränderung der
Omarthrose
mit den kaudalen
Osteophyten
gegenüber den Voraufnahmen vor anderthalb Jahren er
geben.
3.2.7
Nachdem er den Beschwerdeführer am 19. September
2012 untersucht hatte, gelangte
der Kreisarzt Dr.
Y._
in seinem Bericht vom 1.
Oktober 2012 zum
Schluss, dass betreffend die linke Schulter von einem stabilen und dauerhaften Zustandsbild auszugehen sei, das sich durch weitere medizinische Massnahmen nicht mehr namhaft bessern lasse. Die Beschwerden bestünden hauptsächlich in belastungsabhängigen Schmerzen beim Tragen von Gewichten, bei manuellen Arbeiten mit Kraftanstrengung sowie bei sportlicher Betätigung, insbesondere beim Klettern, und auch in Form einer ausgeprägten Wetterfühligkeit. Behindert sei der Beschwerdeführer beim Heben und Tragen von Lasten sowie beim Ge
brauch des linken Arms unter Kraftanstrengung.
Wegen der schmerzbedingten Minderbelastungsfähigkeit der linken Schulter fühle er sich bei sportlichen Ak
tivitäten (Klettern) und bei den Oberkörper belastenden manuellen Tätigkeiten beeinträchtigt.
Diese Benachteiligung erreiche den Schweregrad 1 (keine Not
wendigkeit von Hilfsmitteln und von Dritthilfe
)
.
Die aus der
belastungsabhängi
gen
Schmerzstörung der rechten [
richtig: linken
]
Schulter bei erhaltener
Ge
lenksfunktion
resultierenden Behinderungen und Benachteiligungen in der all
gemeinen Lebensgestaltung kämen einer Integritätseinbusse von 2,5 % gleich (Urk. 7/65 S. 7 f.).
3.2.8
Der Chirurg Dr.
A._
hielt in seinem Bericht vom 15. Juni 2015 (Urk. 7/89) fest, während der Zustand des rechten Schultergelenks ausgezeichnet sei, mache sich auf der linken Seite eine zunehmende
Omarthrose
bemerkbar. Der radiologische Befund zeige auch dort einen
Exostosenkranz
und eine Abflachung des
Hume
ruskopfs
. Früher oder später werde dort ebenfalls eine
Cup-Resurfacing-Arthro
plastik
erforderlich sein. Da der Leidensdruck noch nicht gross sei, bestehe indes noch keine entsprechende Indikation.
4.
4.1
4.1.1
Aufgrund der zitierten medizinischen Berichte steht fest, dass der Beschwerdefüh
rer als Folge der dreimaligen linksseitigen Schu
lterluxation
im Jahr 1982 (vgl. Urk. 7/65 S. 1)
beziehungsweise
der
deretwegen
am 2. Februar 1983
durchgeführten Operation nach
Putti
-Platt
(Urk. 7/25)
eine Deformierung der kaudalen
Glenoidstruktur
und eine beginnende
Omarthrose
aufweist (Urk. 7/42, Urk. 7/61, Urk. 7/65
S. 7
).
Während die Gelenksfunktion – abgese
hen von einer endphasigen Einschränkung vor allem der Elevation und der Aussenrotation – erhalten ist (Urk. 7/61, Urk. 7/65 S. 7), bestehen
belastungsab
hängige
Schmerzen beziehungsweise eine schmerzbedingte Minderbelastbarkeit der linken Schulter (Urk. 7/65 S. 7) und – gemäss Angaben des Beschwerde
führers (ausschliesslich) anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung durch
Dr.
Y._
vom 19. September 2012 – eine ausgeprägte Wetterfühligkeit (Urk. 7/65 S.
4 und S.
7).
Im Alltag ist der Beschwerdeführer da
durch
beim
(links- und beidseitigen)
Tragen von Lasten
sowie
bei anderen körperlichen Ar
beiten
mit Kraftanstrengung des linken Arms (etwa beim Zerkleinern von Holz
und
bei Gartenarbeiten
[Urk. 1 S. 6
, Urk. 7/65 S. 4
]
)
und insbesondere beim Klettern (Urk. 1 S. 6, Urk. 7/65 S. 4) eingeschränkt.
Den Leidensdruck bezeich
nete der behandelnde Chirurg Dr.
A._
als insgesamt nicht gross (Urk. 7/89).
4.1.2
Entscheidend für die Bemessung der Integ
ritätsentschädigung ist, wie bereits dargelegt (E.
1.3
in
fine
), die aus der fraglichen Gesundheitsstörung resultie
rende Einschränkung
in den Lebensfunktionen und der allgemeinen
Lebensge
staltung
, einschliesslich des Lebensgenusses
.
Die allgemeine Le
bensgestaltung umfass
t
dabei das gesa
m
te soziale und persönliche Umfeld des Versicherten
. Dazu gehören gesellschaftliche Aktivitäten (Mitwirkung in Vereinen, kulturellen Organisationen, politischen Parteien usw.) und Freizeitaktivitäten (Sport, Tätig
keit im handwerklichen oder musischen Bereich usw.). Beeinträchtigungen in der allgemeinen Lebensgestaltung und im Lebensgenuss sind
indes
nur zu be
rücksichtigen, wenn sie erheblich sind. An der Erheblichkeit der
Integritätsein
busse
fehlt es auch dann, wenn die Benachteiligung in einer Aktivität (Freizeit
beschäftigung, Ausübung einer Sportart) durch eine gleichwertige andere Tätig
keit kompensiert werden kann. Weil der Integritätsschaden (im Rahmen der in
dividuell-konkreten Betrachtungsweise) nach der objektiverweise bestehenden Einschränkung im Lebensgenuss zu bemessen ist
(BGE 117 V 76 E. 3a/
bb
/
aaa
)
, kann subjektiven Präferenzen des Versicherten nicht Rechnung getragen wer
den. So kann beispielsweise der als Nachteil empfundene Umstand, dass eine subjektiv höher bewertete Sportart (z.B. Skifahren) nicht mehr ausgeübt werden kann und stattdessen zu einer persönlich weniger geschätzten Sportart (z.B. Schwimmen) gewechselt werden muss, nicht abgegolten werden
(nicht publi
ziertes Urteil
Streiff
vom 12. Juli 1988, M 5/88)
. Zwar lässt das neue Recht eine Entschädigung auch für Beeinträchtigungen in der sportlichen Betätigung zu
; bei der Frage nach der Erheblichkeit des Integritätsschadens ist indes zu be
rücksichtigen, dass die Beeinträchtigung in der sportlichen Betätigung in der Regel Folge von Funktionsausfällen ist, die für sich abgegolten werden und ge
g
e
nüber denen sie nicht ins Gewicht fallen. Eine selbständige Abgeltung fällt in Betracht, wenn d
er Sport im Leben des Versicher
ten eine bedeutende Rolle spielte (regelmässige, intensive Ausübung eines Sports, Wettkampfsport) und er zufolge der versicherten gesundheitlichen Beeinträchtigung von den meisten sportlichen Betätigungen ausgeschlossen ist
(vgl.
Maeschi
, a.a.O., N 13-15 zu Art. 49).
4.1.3
Der Beschwerdeführer ist trotz der link
s
seitigen Schulterbeschwerden noch in der Lage,
den meisten Alltagsbeschäftigungen nachzugehen und
sportliche Ak
tivitäten, wie etwa Schwimmen oder Velofahren (Urk. 7/65 S. 5), auszuüben. Auch auf die – aktenkundig leidenschaftlich ausgeübte – Sportart Klettern muss er nicht verzichten (vgl.
hiezu
Schlauri
in:
Meyer
[
Hrsg.
]
,
Schweizerisches Bun
desverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale Si
cherheit, 2. Auflage, Basel 2007, S. 1123 N 155 f., insbesondere auch Fussnote 249)
; eingeschränkt ist er diesbe
züglich lediglich insofern, als er nicht mehr auf ganz so hohem Niveau wie frü
her und nur noch an anderthalb statt an zwei bis drei Tagen pro Woche klettern kann (vgl.
Urk. 7/45.1 S. 2, Urk. 7/61,
Urk. 7/65 S. 4).
4.1.4
Angesichts d
er konkreten Auswirkungen der fraglichen – nur bei Belastung Schmerzen verursachenden – Gesundheitsstörung im Alltagsleben des Be
schwerdeführers
und unter Berücksichtigung
der von der Militärversicherung in anderen Fällen einseitiger Schulterschädigungen zugesprochenen
Integritäts
schadenrenten
(vgl. Urk. 8/1-3)
erscheint die Festsetzung der
Integritätsscha
denrente
auf 2,5 % als durchaus angemessen.
4.2
4.2.1
Was den Anspruchsbeginn betrifft, geht aus den echtzeitlichen medizinischen Berichten hervor, dass der Beschwerdeführer schon bald nach der – komplikati
onslos verlaufenen – Operation vom 2. Februar 1983
(Urk. 7/25)
wieder be
schwerdefrei war. Abgesehen von einer Einschränkung der Aussenrotation in Neutralstellung bestand spätestens ab 25. April 1983 wieder eine volle Funkti
onsfähigkeit der linken Schulter (vgl. Berichte
Z._
, Chirur
gische Klinik B, vom 13. Mai 1983 [Urk. 7/31] und vom 3. August 1983 [Urk. 7/42]).
Nach dem Behandlungsabschluss am 13. Juni 1983 (vgl. Urk. 7/35)
stand der Beschwerdefü
hrer im Zusammenhang mit der linken Schulter wäh
rend über 27 Jahren in keiner ärztlichen Behandlung mehr. Erst im Januar 2011 erwähnte er geg
enüber Dr.
A._
anlässlich
d
er die
rechte (aus dienstfremden Gründen geschädigte) Schulter betreffenden
jährlichen
Kontrolluntersuchung, in letzter Zeit vermehrt an linksseitigen Schulterbeschwerden gelitten zu haben (vgl. Bericht Dr.
A._
vom 24. Januar 2011, Urk. 7/42).
4.2.2
Angesichts des dokumentierten Verlaufs beziehungsweise des
behandlungs
freien
Intervalls
zwischen Mitte 1983 und Anfang 2011
und der Tatsache, dass die im Januar 2011 angegebenen Beschwerden in der linken Schulter
gemäss den übereinstimmenden medizinischen Berichten
(Urk. 7/42, Urk. 7/61, Urk. 7/65, Urk. 7/89)
mit
der
– von Dr.
A._
explizit als
Spät
folge des operati
ven Eingriffs vom 2. Februar 1983 bezeichneten
–
beginnenden
Omarthrose
zu
erklären sind,
bestehen keine Anhaltspunkte für eine schon vor Anfang 2011 bestehende (anspruchsrelevante) Integritätseinbusse aufgrund der
linksseitigen Schulterverletzung
. Der Beschwerdeführer hatte denn in der Rückfallmeldung vom 23. Februar 2011 (Urk. 7/40)
auch
selbst an
gegeben
,
(
erst
)
nach während zwanzig Jahren
anhaltender
zufriedenstellende
r
Situation am 24. Januar 2011 wegen zunehmender Beschwerden erstmals wieder einen Arzt konsultiert
zu ha
ben
(zum Beweiswert der „Aussagen der ersten Stunde“ vgl. BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis).
Eine dauernde erhebliche Beeinträchtigung der Integrität im Sinne von Art. 48 Abs. 1 MVG
in Verbindung mit Art. 25 MVV
bestand bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht, insofern konnte
– entgegen den einschlägigen Ausführungen des Beschwerdeführers (Urk. 1 S. 6 f.) – mit dem ursprünglichen Behandlungsabschluss am 13. Juni 1983 (Urk. 7/35) auch noch kein Integritätsschadenrentenanspruch entstehen.
D
ie Festsetzung des Beginns
der Integritätsschadenrente auf den 1. Januar 2011
ist folglich
nicht zu beanstanden.
4.3
Nach dem Gesagten erweist sich die
Zusprache
der auf einer Integritätseinbusse von 2,5 % beruhende Rente mit Wirkung ab 1. Januar 2011 als rechtens. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen
, soweit darauf einzutreten ist
.