Decision ID: 9ae37320-0f91-5299-9e99-ab1c73f4326e
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
C._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Duri Poltera, Hadwigstrasse 6a, 9000 St. Gallen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Urs Glaus, Marktplatz 4, 9004 St. Gallen,
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betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a C._, geboren 1967, war im Zwischenverdienst als Reinigerin mit einem
Arbeitspensum von 40% bei A._ tätig und dadurch obligatorisch bei der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen Unfälle versichert. Am
11. April 2006 lenkte sie ihren Personenwagen auf der Autobahn. Beim Überholen
eines Tanklastwagens kam sie auf der schneebedeckten Fahrbahn ins Schleudern,
worauf die vordere rechte Ecke ihres Autos mit dem Tankfahrzeug kollidierte. Ihr
Personenwagen drehte sich nach links, stiess gegen die Mittelleitplanke und kam auf
der Überholspur zum Stillstand (vgl. UV-act. 1, 3 und 12f.). Am Tag nach dem Unfall
konsultierte sie ihren Hausarzt, Dr. med. B._, Facharzt FMH für Innere Medizin.
Dieser diagnostizierte eine "erhebliche HWS-Distorsion mit anhaltend starken
Beschwerden" (HWS = Halswirbelsäule) und attestierte volle Arbeitsunfähigkeit seit
11. April 2006. Im Zeugnis vom 24. Mai 2006 hielt er weiter fest, die Versicherte sei
bereits vor dem Unfall wegen lumbaler Rückenschmerzen und anamnestisch
chronischen Unterbauchschmerzen in Behandlung gewesen. Er verschrieb
Physiotherapie und hochdosiert Schmerzmittel neben Psychopharmaka (Diclofenac
150mg/Tag, Zaldiar bis 3x1, Paceum 10mg und Citalopram; UV-act. 11). Das in der
Klinik Stephanshorn, St. Gallen, am 4. Mai 2006 durchgeführte cervico-vertebrale
Kernspintomogramm hatte keine discoligamentären oder ossären Läsionen gezeigt
(UV-act. 5). Die Suva erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilungskosten und
Taggelder).
A.b Vom 14. August bis 7. September 2006 weilte die Versicherte zur stationären
Rehabilitation in der Klinik Valens (UV-act. 31.1). Beim Austritt wurde ihr eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf als Raumpflegerin attestiert, unter der
Voraussetzung, dass sie für ihre Arbeit eigenverantwortlich mehr Zeit beanspruchen
könne (z.B. sechs Stunden für eine Arbeit von vier Stunden). Im Austrittsbericht vom
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2. Oktober 2006 vermerkten die Ärzte und Therapeuten der Klinik Valens insgesamt
eine Tendenz der Patientin zur Symptomausweitung und hielten fest, dass sie sich in
spielerisch unbeobachteten Situationen deutlich aktiver und beschwerdearm zeigte
(UV-act. 34).
A.c Da die Beschwerden anhielten, wurde die Versicherte am 27. Oktober 2006 durch
Dr. med. D._, Facharzt FMH für Ohren-, Nasen-, Halsheilkunde, wegen Tinnitus und
Schwindel abgeklärt und behandelt. Er stellte ausgeprägte Verspannungen der
Nacken-, Kau- und Sprechmuskulatur aber keine Schädigung der Hör- und
Gleichgewichtsorgane fest (UV-act. 46 und 53). - Dr. med. E._, Fachärztin FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie, hatte die Versicherte ebenfalls im Herbst 2006
behandelt. Im Bericht vom 15. Januar 2007 diagnostizierte sie eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) mit einem massiven sekundären
Krankheitsgewinn und hielt fest, dass der Patientin die Einsicht in die
psychosomatischen Ursachen ihrer Beschwerden fehle und die ambulante
psychiatrische Behandlung nach acht Konsultationen abgebrochen worden sei (UV-act.
56). - Am 23. Januar 2007 berichtete Dr. B._ der Suva, dass die Versicherte trotz aller
Behandlungsmassnahmen subjektiv kaum eine wesentliche Besserung verspüre. Die
initial hochdosierte Schmerztherapie habe zugunsten einer psychiatrisch
stabilisierenden Therapie mit Antidepressiva etwas umgelagert werden können.
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) würden kaum mehr benötigt, Benzodiazepine
gar nicht mehr (UV-act. 57). Im Zwischenbericht vom 11. April 2007 (UV-act. 70) hielt
der Hausarzt zum bisherigen Verlauf und gegenwärtigen Zustand fest: "Leider subjektiv
nach wie vor massiv reduzierte Selbsteinschätzung der gesundheitlichen Situation mit
chronischen Kopf/Nackenschmerzen, Unverträglichkeit von Lärm sowie hellem Licht,
Durchschlafstörungen, Schwindel." Als mögliche unfallfremde Faktoren führte er an:
"Bereits früher Verdacht auf Somatisierung mit Bauchschmerzen, Rückenschmerzen." -
Dr. med. F._, Fachärztin FMH für Neurologie, erhob bei der Untersuchung vom
15. Juni 2007 keinen objektivierbaren pathologischen Befund, insbesondere keine
organisch bedingten Ursachen für den Schwindel und die Gleichgewichtsstörungen der
Versicherten. Als auffallend verzeichnete sie "die fast demonstrativ wirkende
Präsentation von Schwindel und Gangunsicherheit im Rahmen der komplizierten
Gangproben und die ausgeprägte Reaktion auf Reize, die normalerweise als nicht
unangenehm wahrgenommen werden". Aus rein neurologischer Sicht ging Dr. F._
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von einer mindestens 60%igen Arbeitsfähigkeit als Raumpflegerin aus und hielt fest,
der Wiederaufnahme einer Tätigkeit würden vor allem psychologische Faktoren im Weg
stehen (UV-act. 77).
A.d Die Experten der Arbeitsgruppe für Unfallmechanik, Zürich, hatten in der
zwischenzeitlich erstellten biomechanischen Kurzbeurteilung vom 16. November 2006
(Triage; UV-act. 44) auf die degenerativen Vorzustände an der Halswirbelsäule der
Versicherten hingewiesen und festgehalten, dass deshalb eine Abweichung vom
Normalfall vorliege. Wörtlich hatten sie unter anderem ausgeführt (a.a.O. S. 3): "Das
komplexe Ereignis hat Charakteristiken einerseits einer Frontkollision und einer
Heckkollision. Der Frontschaden lässt auf eine Geschwindigkeitsänderung von
unterhalb des Bereichs von 20-30 km/h schliessen, der Heckschaden auf eine
Geschwindigkeitsänderung von unterhalb oder innerhalb des Bereichs von 10-15 km/h.
Lenkerin und Mitfahrende bewegten sich nach dem Frontstoss dabei nach vorne,
vermutlich nach vorne rechts und nach dem Heckstoss nach rechts, vermutlich schräg
nach hinten rechts."
A.e Arbeitsversuche am 23. Oktober 2006 und vom 13. bis 16. November 2006
scheiterten (UV-act. 40 und 62). Am 20. März 2007 wurde das Arbeitsverhältnis durch
die Arbeitgeberin per 31. Mai 2007 gekündigt (UV-act. 65). Ab 1. Juli 2007 wurde der
Versicherten vom Hausarzt eine Arbeitsfähigkeit von 50% attestiert (UV-act. 82 und
87). - Laut mündlichen Angaben vom 21. November 2007 gegenüber der Suva hatte
sich die Beschwerdeführerin im August 2006 auch wieder bei der
Arbeitslosenversicherung bzw. dem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zum
Leistungsbezug angemeldet (vgl. UV-act. 104).
A.f Kreisarzt Dr. med. G._, Facharzt FMH für Chirurgie, speziell Allgemein- und
Unfallchirurgie, nahm am 28. September 2007 eine Aktenbeurteilung vor (UV-act. 90)
und veranlasste eine cervicale vertebrospinale Kernspintomographie, vergleichend zur
Voruntersuchung vom 4. Mai 2006 (= UV-act. 5). Im Bericht vom 9. Oktober 2007 (UV-
act. 95) hielt Dr. med. H._, Facharzt FMH für Radiologie, die leichten degenerativen
Veränderungen der Halswirbelsäule weiterhin fest und vermerkte lediglich leichte
Progredienzen vor allem der Discusprotrusionen jedoch weiterhin ohne
Myelonkompression. Dr. G._ liess darauf die Versicherte zur kreisärztlichen
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Untersuchung am 21. November 2007 aufbieten. Im Bericht vom 22. November 2007
(UV-act. 103) schilderte er eine depressiv verstimmte Versicherte, die in abgelenkten
Situationen eine gute Kopfbeweglichkeit zeige, bei der gezielten Untersuchung jedoch
eine schlechte. Auch die ausgeprägten Druckdolenzen seien in diesem Ausmass nicht
mit den objektivierbaren Befunden zu korrelieren. Er hielt einen symmetrischen
Hartspann im Trapeziusbereich aber ohne palpierbare Myogelosen fest und vermerkte,
die Untersuchung sei durch die Schmerzempfindung eingeschränkt gewesen. Die
neurologischen Missempfindungen seien nicht objektivierbar. Insgesamt auch nicht im
gezeigten Mass erklärbar seien die schlechte Greiffunktion der linken Hand und die
geltend gemachten Einschränkungen. Strukturelle Läsionen als Folge des Unfalls seien
nicht ausgewiesen und eine richtungsgebende Verschlimmerung der degenerativen
Veränderungen könne nicht objektiviert werden (a.a.O. S. 4).
A.g Gestützt auf ihre Abklärungen verneinte die Suva die Adäquanz der geklagten
Beschwerden zum Unfall vom 11. April 2006 und stellte mit Verfügung vom
4. Dezember 2007 an den zwischenzeitlich beauftragten Rechtsvertreter der
Versicherten, Rechtsanwalt Dr. Duri Poltera, St. Gallen, ihre Leistungen per
15. Dezember 2007 ein (UV-act. 107).
B.
Die SWICA Krankenversicherung zog am 24. Januar 2008 ihre vorsorgliche Einsprache
vom 15. Januar 2008 gegen die Verfügung vom 4. Dezember 2007 zurück (UV-
act. 116). Die Einsprache der Versicherten vom 15. Januar 2008 (UV-act. 115) wies die
Unfallversicherung mit Entscheid vom 30. April 2009 ab.
C.
Die Versicherte hatte sich zwischenzeitlich zum Bezug einer Rente der
Invalidenversicherung (IV) bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen
(SVA bzw. deren IV-Stelle) angemeldet. Mit Vorbescheid vom 14. April 2008 (UV-act.
120) hatte die SVA einen Rentenanspruch abgelehnt und die Ablehnung in der
Verfügung vom 11. August 2008 (UV-act. 124) formell festgehalten.
D.
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D.a Gegen den Einspracheentscheid der Suva vom 30. April 2009 richtet sich die
Beschwerde vom 20. Mai 2009 mit den Anträgen auf Aufhebung des
Einspracheentscheids, auf weitere Ausrichtung der Unfallversicherungsleistungen an
die Beschwerdeführerin sowie eventualiter die Anordnung einer medizinischen
Begutachtung, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Weiter beantragte der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin den Beizug der Prozessakten aus dem damals
gerichtshängigen Verfahren gegen die Verfügung der IV (IV 2008/365). Zur Begründung
wurde angeführt, trotz entsprechendem Anspruch der Beschwerdeführerin sei keine
neutrale externe Begutachtung durchgeführt worden. Die Sache sei daher medizinisch
noch nicht entscheidungsreif und in Zusammenarbeit mit der IV-Stelle sei ein
(Ergänzungs-) Gutachten zu demjenigen des Ärztlichen Begutachtungsinstituts GmbH
(ABI) in Auftrag zu geben. Mit der Adäquanzprüfung im angefochtenen
Einspracheentscheid erklärte sich die Beschwerdeführerin nicht einverstanden. Da eine
Mehrfachkollision vorliege, müsse von einem mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu
den schweren ausgegangen werden. Es sei nicht zwischen physischen und
psychischen Unfallfolgen zu differenzieren und von den Adäquanzkriterien gemäss
BGE 117 V 359 seien die Schwere der erlittenen Verletzungen, die lange Dauer der
ärztlichen Behandlung, Dauerbeschwerden sowie Grad und Dauer der Arbeitsun
fähigkeit erfüllt. Die Adäquanz sei daher zu bejahen und die Suva weiterhin
leistungspflichtig.
D.b Am 20. August 2009 reichte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin dem
Gericht Kopien der Berichte von Dr. B._ vom 14. August 2009, der Klinik Gais für
kardiale und psychosomatische Rehabilitation vom 15. Juni 2009 über ihren
stationären Aufenthalt vom 12. März bis 8. April 2009, von PD Dr. med. I._, Facharzt
FMH für Gynäkologie und Geburtshilfe, vom 11. Juni 2009, sowie von Dr. H._ über
die Computertomographie von Abdomen und Becken vom 4. Juni 2009 ein (act. G 5.1
bis 5.5) zur Berücksichtigung in den beiden hängigen Verfahren (IV 2008/365 und
UV 2009/55). Der Suva wurden diese Unterlagen vom Gericht am 26. August 2009 zur
Kenntnisnahme zugestellt (act. G 6).
D.c Die Beschwerdegegnerin hatte zwischenzeitlich Rechtsanwalt Dr. iur. Urs Glaus,
St. Gallen, mit der Wahrung ihrer Interessen beauftragt. Mit Beschwerdeantwort vom
25. August 2009 beantragte er die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte
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der Rechtsvertreter an, die gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin seien
nicht adäquat kausal zum Unfall vom 11. April 2006. Dieser sei als mittelschwer an der
Grenze zu den leichten Unfällen einzustufen. Alle vier Adäquanzkriterien, von denen
geltend gemacht werde, sie seien erfüllt, seien dies nach der Rechtsprechung nicht.
Deshalb erweise sich die Beschwerde als unbegründet und sei abzuweisen.
D.d Die Beschwerdeführerin liess die Frist für die Einreichung einer Replik unbenutzt
verstreichen, worauf der Schriftenwechsel am 8. Oktober 2009 abgeschlossen wurde
(act. G 9).
D.e Mit Schreiben vom 26. Januar 2010 (act. G 10) reichte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin dem Gericht Kopien weiterer medizinischer Unterlagen ein,
wiederum zur Berücksichtigung in den beiden hängigen Verfahren IV 2008/365 und
UV 2009/55. Es handelt sich dabei um die konsiliarische Beurteilung vom 29. Oktober
2009 durch Dr. med. J._, Fachärztin FMH für Neurologie, den Bericht über die
cervicale Kernspintomographie vom 27. Oktober 2009, den Bericht von Dr. med. K._,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats,
vom 16. November 2009, das Überweisungsschreiben von Dr. B._ vom 8. September
2009 an Dr. med. L._, Augenarzt FMH, und dessen Bericht vom 14. September 2009
sowie die Übersicht über die von Dr. B._ erhobenen Laborwerte (Erhebungszeitraum
23. August 1999 bis 4. Dezember 2009; act. G 10.1 bis 10.6). Diese Unterlagen wurden
dem Rechtsvertreter der Beschwerdegegnerin am 27. Januar 2010 zur Kenntnisnahme
zugestellt.
E.
Mit Entscheid vom 30. März 2010 wies die Abteilung II des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen die Beschwerde vom 5. September 2008 gegen die Verfügung der
IV-Stelle vom 11. August 2008, mit der ein Anspruch auf eine IV-Rente verneint worden
war, ab (Verfahren IV 2008/365). Dieser Entscheid ist rechtskräftig.
F.
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Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie die Ausführungen in den
übrigen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.
1.1 Streitig und zu prüfen ist, ob die Suva zu Recht ihre Leistungspflicht nach dem
15. Dezember 2007 für die Folgen des Unfalls vom 11. April 2006 verneint hat.
1.2 Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Einspracheentscheid zutreffend
dargelegt, nach welchen Bestimmungen sich die Leistungspflicht des
Unfallversicherers richtet und dass ein natürlicher und adäquater
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und dem Gesundheitsschaden
vorausgesetzt ist (Erwägung 1). Ebenfalls zutreffend sind die Ausführungen zu
psychischen bzw. nicht organisch nachweisbaren Beschwerden und die Anwend
barkeit der sogenannten Schleudertrauma-Praxis gemäss BGE 134 V 109 (Erwägungen
3.a und 3.b). Darauf kann verwiesen werden.
1.3 Zu ergänzen ist die Gerichtspraxis zur Schwere von (Verkehrs-)Unfällen: Als
Rechtsfrage ist diese durch das rechtsanwendende Organ (Unfallversicherer oder
Sozialversicherungsgericht) allein aufgrund des augenfälligen Geschehensablaufs mit
den sich dabei entwickelnden Kräften zu beurteilen (SVR 2010 UV Nr. 3 S. 11
[8C_283/2009] E. 9.1 und SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26 [U 2/07] E. 5.3.1). Folgen des
Unfalls oder Begleitumstände, die nicht direkt dem Unfallgeschehen zugeordnet
werden können, sind dabei nicht zu berücksichtigen. Diesen wird gegebenenfalls bei
den Adäquanzkriterien Rechnung getragen. Entsprechend seiner Praxis und mit
Verweis auf eine Zusammenstellung von Autounfällen, die mit vergleichbarer oder
jedenfalls nicht mit geringerer Krafteinwirkung verbunden gewesen seien (Urteil
8C_915/2008 vom 11. September 2009 E. 5.1; vgl. auch Urteil 8C_786/2009 vom
4. Januar 2010 E. 4.6.2), hatte das Bundesgericht im Urteil 8C_933/2009 vom 28. April
2010 (E. 4.3.1) den Selbstunfall einer Lieferwagen-Chauffeurin als mittelschwer im
engeren Sinn qualifiziert, die auf der Autobahn bei einer Geschwindigkeit von 100 -
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120 km/h bei starkem Regen die Kontrolle über das Fahrzeug verlor, welches gegen
die Mittel- und Seitenleitplanke prallte und seitlich liegend auf dem rechten
Pannenstreifen zum Stillstand kam. Als mittelschweres an der Grenze zu den schweren
liegendes Ereignis qualifizierte es demgegenüber einen Selbstunfall auf der Autobahn
bei mindestens 120 km/h, bei dem ein Personenwagen mit der Mittelleitplanke
kollidierte, sich überschlug und auf der Gegenfahrbahn zum Stillstand kam (Urteil
8C_817/2009 vom 26. März 2010 E. 4.1; Wobei die Aussage des verunfallten
Fahrzeuglenkers gegenüber der Unfallversicherung, seine beiden Kinder seien beim
Unfall aus dem Wagen geschleudert worden, obwohl sie die Sicherheitsgurten
getragen hätten, vom Bundesgericht nicht [ausdrücklich] als überwiegend
wahrscheinlicher Bestandteil des Sachverhalts mitberücksichtigt worden war.).
2.
2.1 Im Einstellungszeitpunkt (per 15. Dezember 2007) litt die Beschwerdeführerin laut
Bericht von Dr. G._ vom 22. November 2007 (UV-act. 103; soweit objektivier- bzw.
klinisch fassbar) an symmetrischem Hartspann im Trapeziusbereich ohne Myogelosen
und war depressiv verstimmt. Diese Befunde sind psychischer Natur oder stellen, wie
der Hartspann, praxisgemäss kein klar fassbares organisches Substrat des
Beschwerdebildes dar (Urteil des Bundesgerichts 8C_623/2009 vom 2. März 2010 E. 3
mit Hinweisen). Radiologisch nachgewiesen waren degenerative Veränderungen der
Halswirbelsäule, die vorbestanden hatten und für die eine richtungsgebende
Verschlimmerung durch den Unfall vom 11. April 2006 nicht hatte (überwiegend
wahrscheinlich) nachgewiesen werden können (vgl. UV-act. 95). Strukturelle
Veränderungen konnten keine auf den Unfall zurückgeführt werden. Subjektiv hatte die
Beschwerdeführerin bei der kreisärztlichen Untersuchung vom 21. November 2007
ausser über die linksseitigen Nackenschmerzen, über Kopfschmerzen, Schwindel
sowie Gefühlsstörungen bis ins linke Bein und tiefsitzende Rückenschmerzen, wie
schon vor dem Unfall vom 11. April 2006 bekannt, geklagt. Besonders für die
neurologischen Missempfindungen und die Schwindelbeschwerden waren für den
Hals-Nasen-Ohrenarzt und die Neurologin keine organischen Korrelate objektivierbar
und die schlechte Greiffunktion der linken Hand war dem Kreisarzt nicht im gezeigten
Ausmass erklärbar (vgl. UV-act. 46, 77 und 103). - Für die klinisch fassbaren Befunde
ist somit kein organisches Substrat im Sinn struktureller Veränderungen nachgewiesen.
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2.2 Zwar hatte die Beschwerdegegnerin keine unabhängige inter- oder
polydisziplinäre Begutachtung der Beschwerdeführerin durchführen lassen, wie sie das
Bundesgericht mit BGE 134 V 109 (E. 9.4 und 9.5 S.124ff.; Urteil vom 19. Februar 2008)
für unabdingbar erachtet. Entgegen den Ausführungen in der Beschwerde vom 20. Mai
2009 war der vorliegende Fall im Einstellungszeitpunkt medizinisch jedoch
entscheidungsreif: Die Beschwerdegegnerin hatte ihre Verfügung vom 4. Dezember
2007 bzw. ihren Einspracheentscheid vom 30. April 2009 nicht allein auf den Bericht
von Kreisarzt Dr. G._ vom 22. November 2007 abgestellt. Vielmehr war die
Beschwerdeführerin durch verschiedene Fachspezialistinnen und Fachspezialisten
(Rheumatologie und Psychiatrie in Valens, Hals-Nasen-Ohrenarzt Dr. D._, Neurologin
Dr. F._, Psychiaterin Dr. E._ sowie anlässlich mehrerer Kernspintomographien)
umfassend abgeklärt worden. Dr. G._ verfügte über diese medizinischen Vorakten
und bezog sie in seine Beurteilung mit ein (vgl. "Anamnese/Aktenlage" und
"Beurteilung" in UV-act. 103). Die einzelnen medizinischen Berichte ergeben ein
gebührend abgerundetes Bild und stehen nicht in Widerspruch zueinander. Auch die
ärztlichen Rapporte, die der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin dem Gericht am
20. August 2009 und am 26. Januar 2010 einreichte (act. G 5 und G 10), enthalten
keine Unstimmigkeiten zu den bisherigen medizinischen Akten der Unfallversicherung.
Auf weitere medizinische Abklärungen (sei es als Gutachten oder in anderer Form) kann
auch verzichtet werden, weil nicht anzunehmen ist, dass sie für die Beurteilung des
vorliegend relevanten Sachverhalts neue Erkenntnisse bringen (antizipierte
Beweiswürdigung; vgl. BGE 131 I 153 E. 3 S. 157 und Urteil des Bundesgerichts
8C_956/2009 vom 9. März 2010 E. 4.2 je mit Hinweisen).
2.3 Die Beschwerdegegnerin hatte im Einspracheentscheid vom 30. April 2009 die
Frage, ob die geltend gemachten Beschwerden in einem natürlich kausalen
Zusammenhang mit dem Unfall vom 11. April 2006 stehen, offen gelassen, da sie die
Adäquanz des Kausalzusammenhangs verneinte. Dieses Vorgehen wurde vom
Bundesgericht wiederholt geschützt (vgl. BGE 135 V 465 E. 5.1 S. 472 mit Hinweisen)
und erfolgte auch im vorliegenden Fall zu Recht. Wie in den nachstehenden
Erwägungen zu zeigen sein wird, fehlt die Adäquanz des allfälligen natürlichen
Kausalzusammenhangs, und es muss der medizinische Sachverhalt auch daher nicht
weiter abgeklärt werden.
3.
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3.1 Die Beschwerdegegnerin hat die Adäquanz nach der sogenannten Schleuder
trauma-Praxis von BGE 134 V 109 geprüft und (neben den physischen) die
psychischen Unfallfolgen mitberücksichtigt. Die Beschwerdeführerin wurde bereits laut
dem ersten Zeugnis des Hausarztes vom 24. Mai 2006 (UV-act. 11; somit spätestens
sechs Wochen nach dem Unfall) auch mit Psychopharmaka behandelt. Im
Überweisungsschein vom 6. Juni 2006 an die Klinik Valens (UV-act. 18.2) berichtete
Dr. B._ über eine Stagnation der Besserung trotz intensiver medizinischer Therapie
und Physiotherapie, erwähnte im Zwischenbericht vom 14. August 2006 (UV-act. 22)
die Tendenz zur Symptomausweitung als möglich und vermerkte eine hohe
Chronifizierungsgefahr als bleibenden Nachteil. Dr. med. M._, Facharzt FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie an der Klinik Valens, stellte bei der interdisziplinären
Abklärung während des stationären Aufenthalts (14. August bis 7. September 2006)
"psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren bei anderseits klassifizierten
Krankheiten (cervicocephales Beschleunigungstrauma) mit deutlichen Hinweisen auf
eine vor der Erkrankung subjektiv gestresste und objektiv wahrscheinlich durch
langjährige Überlastung geprägte Lebenssituation" fest, diagnostizierte aber keine
eigentliche depressive Symptomatik. Dennoch empfahl er die Beibehaltung der
antidepressiven Medikation mit Citalopram und zusätzlich eine Kombinationstherapie
mit dem schlafanstossenden Trittico. Auch eine Psychotherapie in der Muttersprache
der Patientin wurde "aufgrund der belasteten psychologischen Faktoren" für sehr
wünschenswert erachtet (Austrittsbericht Klinik Valens vom 2. Oktober 2006, UV-act.
34). Dr. E._, der die Beschwerdeführerin "aufgrund von generalisierten Schmerzen,
bei einem für diese Schmerzintensität fehlenden organischen Korrelat, zu einer
integrierten psychiatrischen Behandlung zugewiesen" worden war, diagnostizierte
aufgrund der Abklärung und Psychotherapie im Herbst 2006 im Bericht vom 15. Januar
2007 eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) mit einem
massiven sekundären Krankheitsgewinn (UV-act. 56). Ob die Adäquanzprüfung
angesichts dieser Fakten statt nach der Schleudertrauma-Praxis nach derjenigen bei
psychischer Fehlentwicklung mit Krankheitswert gemäss BGE 115 V 133
durchzuführen wäre, bei der nur die physischen, nicht die psychischen
Gesundheitsbeeinträchtigungen zu berücksichtigen sind, kann letztlich offen bleiben,
da die Adäquanz auch nach der für die Beschwerdeführerin günstigeren
Schleudertrauma-Praxis zu verneinen ist, wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen.
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3.2
3.2.1 Bei der Beschwerdeführerin wurde anlässlich der Erstbehandlung durch
Dr. B._ (und in der Folge durch alle Ärztinnen und Ärzte) eine HWS-Distorsion
diagnostiziert (UV-act. 11). Schmerzen im Kopf und am Nacken sowie an beiden Armen
hatten sie veranlasst, am Tag nach dem Unfall den Hausarzt aufzusuchen. Die
Voraussetzungen für die Anwendung der Schleudertrauma-Praxis sind somit bezüglich
Diagnose und bei Auftreten von mehreren Elementen des sogenannten typischen
Beschwerdebilds innerhalb von 24 bis höchstens 72 Stunden nach dem Unfall erfüllt
(vgl. BGE 134 V 109 E. 6.2.1 S. 116f. sowie SVR 2007 UV Nr. 23 S. 75 [U 215/05] E. 5
und Urteil des Bundesgerichts 8C_574/2009 vom 9. Dezember 2009 mit Hinweisen).
3.2.2 Die Einstellung der vorübergehenden Versicherungsleistungen per
15. Dezember 2007 ist nicht zu beanstanden. Zu diesem Zeitpunkt stand fest, dass von
einer weiteren ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des
Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin mehr zu erwarten war (vgl. UV-act. 103).
Nach der Rechtsprechung zu Recht nahm die Beschwerdegegnerin auf diesen
Zeitpunkt hin die Adäquanzprüfung vor (vgl. BGE 134 V 109 E. 3.2 und ganze E. 4
S. 113ff.).
3.3 Wie in Erwägung 1.3 ausgeführt, wird die Unfallschwere nach dem augenfälligen
Geschehensablauf beurteilt. Am Morgen des 11. April 2005 kam der Personenwagen
der Beschwerdeführerin beim Wechsel auf die Überholspur der Autobahn ins
Rutschen. Er schleuderte und kollidierte seitlich mit dem Tanklastwagen, der auf der
Normalspur weitergefahren war, wurde nach links abgedrängt und kollidierte frontal mit
der Mittelleitplanke, neben der er zum Stillstand kam. (Vgl. Polizeirapport UV-act. 12;
Exkurs zur Unfallendlage des verunfallten Personenwagens: Das Zum-Stillstand-
Kommen entgegen der Fahrtrichtung lässt sich dem Befragungsprotokoll der
Unfallverursacherin sowie dem Polizeirapport selbst entnehmen und ist auch in der
Unfallskizze der Beschwerdeführerin [UV-act. 3.4] dokumentiert. Die Unfallfotos zeigen
ihr Fahrzeug jedoch in Fahrtrichtung und der rapportierende Polizist führte aus, er habe
die angetroffene Situation [= unveränderte Unfallendsituation] dokumentiert.
Diesbezüglich blieben die Akten widersprüchlich. Übereinstimmung herrscht
demgegenüber hinsichtlich der Tatsache, dass kurz nacheinander zwei Kollisionen
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stattfanden und damit für den Sachverhalt, der für die Beurteilung der Unfallkausalität
massgebend ist.) Entsprechend der angeführten Kasuistik (vgl. Erwägung 1.3 mit
Zitaten) ist der Selbstunfall der Beschwerdeführerin im mittleren Bereich, dort jedoch
nicht an der Grenze zu den schweren Unfällen, einzuordnen. Ob es sich um ein
mittelschweres Ereignis im engeren Sinn oder an der Grenze zu den leichten Unfällen -
wie von der Beschwerdegegnerin angenommen - handelt, kann letztlich offen gelassen
werden. Im ersten Fall müssen nach der Rechtsprechung entweder ein
Adäquanzkriterium in besonders ausgeprägter Weise oder mindestens drei in einfacher
Weise erfüllt sein, während das Bundesgericht bei mittelschweren Ereignissen an der
Grenze zu den leichten mindestens vier in einfacher Weise erfüllte Adäquanzkriterien
verlangt (oder eines in besonders ausgeprägter Weise; vgl. Urteile 8C_879/2009 vom
29. Januar 2010 E. 5.1 [publiziert in Plädoyer 2/2010 S. 53f.] und 8C_487/2009 vom
7. Dezember 2009 E. 5). Wie nachfolgend darzustellen ist, sind die Adäquanzkriterien
für keinen der in Frage kommenden Unfall-Schweregrade in genügendem Ausmass
erfüllt.
3.4 Von der Beschwerdeführerin bzw. ihrem Rechtsvertreter in der Beschwerde vom
20. Mai 2009 nicht geltend gemacht und damit implizit als nicht erfüllt angenommen,
werden die drei Adäquanzkriterien besonders dramatische Begleitumstände oder
besondere Eindrücklichkeit des Unfalls, ärztliche Fehlbehandlung, welche die
Unfallfolgen erheblich verschlimmert, sowie schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche
Komplikationen. Die Akten enthalten keine Hinweise, wonach eines dieser drei
Adäquanzkriterien erfüllt wäre. Deshalb können sie ohne eingehende Prüfung verneint
werden.
3.5 Die Beschwerdeführerin lässt die vier Adäquanzkriterien Schwere der erlittenen
Verletzungen, lange Dauer der ärztlichen Behandlung, Dauerbeschwerden sowie Grad
und Dauer der Arbeitsunfähigkeit als erfüllt darstellen. Darauf ist nachfolgend im
Einzelnen einzugehen. Mit BGE 134 V 109 (E. 10 S. 126ff.) hatte das Bundesgericht für
die Schleudertrauma-Praxis drei dieser vier Adäquanzkriterien gegenüber BGE 117 V
359 bzw. BGE 117 V 369 modifiziert. Seither ist zu prüfen, ob eine fortgesetzt
spezifische, belastende ärztliche Behandlung (statt einer solchen von langer Dauer; vgl.
BGE 134 V 109 E. 10.2.3 S. 128), ob erhebliche Beschwerden (statt
Dauerbeschwerden; vgl. BGE 134 V 109 E. 10.2.4 S. 128) und ob (statt Grad und Dauer
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der Arbeitsunfähigkeit) trotz ausgewiesener Anstrengungen eine erhebliche Arbeits
unfähigkeit (vgl. BGE 134 V 109 E. 10.2.7 S. 129f.) vorliegt.
3.5.1 Die Schwere (oder besondere Art) der erlittenen Verletzungen lässt die
Beschwerdeführerin aus der ärztlichen Feststellung herleiten, sie habe beim Unfall vom
11. April 2006 eine "schwere" bzw. "erhebliche HWS-Distorsion" erlitten (vgl. UV-act. 5,
10.1 und 11) und auch die Ärzte der Klinik Valens hätten von einem schweren
craniocervicalen Beschleunigungstrauma gesprochen (UV-act. 34.3). Obwohl dies nicht
ausdrücklich vermerkt ist, dürfte die Bezeichnung der HWS-Distorsion als "schwer"
bzw. "erheblich" in allen genannten Aktenstücken direkt oder indirekt von Dr. B._
stammen (direkt = Zeugnis UV-act. 11 und Überweisungsschreiben UV-act. 10.1;
indirekt = Zitate Überweisungsschreiben im Austrittsbericht der Klinik Valens UV-act.
34.3 und im Bericht über die cervico-vertebrale Kernspintomographie UV-act. 5).
Demgegenüber konnten sich die Experten der Arbeitsgruppe für Unfallmedizin in der
biomechanischen Kurzbeurteilung vom 16. November 2006 (UV-act. 44) die
Beschwerden und Befunde an der Halswirbelsäule der Versicherten vor allem deshalb
erklären, weil neben den beiden Kollisionen mit kollisionsbedingten
Geschwindigkeitsänderungen (Delta-v) innerhalb oder unterhalb der kritischen Grenzen
ein Vorzustand dokumentiert war, der zur Folge hatte, dass nicht vom Normalfall
ausgegangen werden konnte. Mit nachvollziehbarer Begründung warnten sie davor, auf
Aussagen von technischen Laien zur Unfallheftigkeit abzustellen (S. 3 letzter Aschnitt
bzw. UV-act. 44.4). Weiter wiesen sie, wissenschaftlich abgestützt, auf die Wichtigkeit
von angemessener Information der Betroffenen über die Schädigungen hin, die aus
biomechanischer Sicht zu erwarten seien (S. 5 erster Abschnitt bzw. UV-act. 44.6). -
Die Diagnose einer HWS-Distorsion genügt nach der Rechtsprechung für sich allein
nicht zur Bejahung des Kriteriums der Schwere und besonderen Art der erlittenen
Verletzung. Es bedarf hierzu einer besonderen Schwere der für das Schleudertrauma
typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild
beeinflussen können, wie eine besondere Körperhaltung, die beim Unfall eingenommen
worden war, oder erhebliche weitere Verletzungen (vgl. BGE 134 V 109 E. 10.2.2
S. 127f. mit Hinweisen und Urteile des Bundesgerichts 8C_735/2009 vom 2. November
2009 E. 7.3 sowie 8C_421/2009 vom 2. Oktober 2009 mit Hinweisen). Solche
Umstände sind vorliegend nicht dokumentiert. Die erlittene HWS-Distorsion kann daher
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zusammenfassend nicht als schwere Verletzung im Sinn der Schleudertrauma-
Rechtsprechung bezeichnet werden und dieses Adäquanzkriterium ist zu verneinen.
3.5.2 Die Beschwerdeführerin wurde schon vor dem Unfall vom 11. April 2006
wegen eines rezidivierenden lumbovertebralen Schmerzsyndroms therapiert (vgl. UV-
act. 11 Ziffer 3.b sowie UV-act. 105). Den Ärzten der Klinik Valens berichtete sie zudem
über einen Sturz auf den Hinterkopf, der sich etwa zehn Tage vor dem Autounfall
ereignet hatte (UV-act. 34.3). Ob sie deswegen (haus)ärztlich behandelt wurde, ist den
vorliegenden Akten nicht eindeutig zu entnehmen. - Nach dem Ereignis wurde die
Beschwerdeführerin zunächst ambulant durch Hausarzt Dr. B._ therapiert (UV-act. 11
und 18.2). Dessen Behandlung erschöpfte sich bald einmal in ärztlichen Kontrollen und
Verschreibung von Physiotherapie sowie von Medikamenten. Vom 14. August bis
7. September 2006 weilte sie zur stationären Rehabilitation in der Klinik Valens (UV-
act. 34). Bei Dr. D._ wurde sie abgeklärt und anlässlich von zwei Konsultationen
behandelt (UV-act. 46 und 53). Die ambulante psychiatrische Therapie bei Dr. E._
wurde nach acht Sitzungen abgebrochen (UV-act. 56). Die verschiedenen
Magnetresonanztomographien (UV-act. 5, 76 und 95) sowie die Untersuchungen bei
Dr. F._ und Kreisarzt Dr. G._ (UV-act. 77 und 103) dienten der Abklärung und
gelten nicht als ärztliche Behandlung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_747/2009 vom
2. Dezember 2009 E. 6.2 mit Hinweisen). Bis zum Einstellungszeitpunkt vom
15. Dezember 2007 liegt keine ununterbrochene, konsequent fortgeführte
Behandlungsfolge vor und kann damit objektiv nicht von einer spezifischen, die
Beschwerdeführerin speziell belastenden ärztlichen Behandlung nach dem Sinngehalt
dieses Adäquanzkriteriums ausgegangen werden (vgl. BGE 134 V 109 E. 10.2.3 S. 128
sowie Urteile des Bundesgerichts 8C_879/2009 vom 29. Januar 2010 E. 5.2,
8C_747/2009 vom 2. Dezember 2009 E. 6.2 mit Hinweisen und 8C_299/2009 vom
30. September 2009 E. 4.3.3). Selbst wenn die weitere ärztliche Behandlung bis zum
Erlass des Einspracheentscheids am 30. April 2009 bei der Prüfung dieses
Adäquanzkriteriums ebenfalls gewürdigt würde, ist dieses nicht erfüllt. Nach den
Unterlagen, die der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin dem Versicherungsgericht
am 20. August 2009 einreichte, dauerten beim Hausarzt die Verlaufskontrollen an und
weilte die Beschwerdeführerin vom 12. März bis 8. April 2009 zur stationären
psychosomatischen Rehabilitation in der Klinik Gais (act. G 5.1 und 5.2f.), was
insgesamt ebenfalls keine ununterbrochene, konsequent fortgeführte
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Behandlungsfolge ergibt bzw. zu keiner speziellen Belastung der Beschwerdeführerin
führte. Das Adäquanzkriterium fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung
ist daher vorliegend nicht erfüllt.
3.5.3 Die Beschwerdeführerin lässt weiter erhebliche Beschwerden geltend
machen. Zu beurteilen sind diese in der Zeit vom Unfall bis zum Fallabschluss, wobei
sich deren Erheblichkeit nach den glaubhaften Schmerzen und nach der
Beeinträchtigung beurteilt, die die verunfallte Person durch die Beschwerden im
Lebensalltag erfährt (BGE 134 V 109 E. 10.2.4 S. 128 sowie einschlägige Urteile des
Bundesgerichts 8C_897/2009 vom 29. Januar 2010 E. 4.2, 8C_488/2009 vom
30. Oktober 2009 E. 5.2.2 und 8C_172/2009 vom 31. Juli 2009 E. 5.3.3). Subjektiv
machte die Beschwerdeführerin durchgehend starke Nacken- und Kopfschmerzen
sowie Schwindel und Schlafstörungen geltend; objektiv konnten diese nicht im
gezeigten Ausmass erklärt werden (vgl. UV-act. 34, 46, 56 [massiver sekundärer
Krankheitsgewinn], 77 und 103). Ausgewiesen ist die ärztliche Verordnung und parallele
Einnahme von mindestens zwei Schmerzmitteln neben magenschützenden und
Psychopharmaka (vgl. UV-act. 11, 18.2, 34, 57, 70, 77 und 103). Sie berichtete auch
über eine eingeschränkte Einsatzfähigkeit bei der Haushaltführung (UV-act. 40.3 103).
Selbst wenn aufgrund der nachvollziehbaren Beeinträchtigungen der
Beschwerdeführerin zu ihren Gunsten von erheblichen Beschwerden ausgegangen
wird, ist dieses Adäquanzkriterium höchstens in einfacher Weise erfüllt.
3.5.4 Das Adäquanzkriterium Arbeitsunfähigkeit ist seit BGE 134 V 109 E. 10.2.7
S. 129f. erfüllt, wenn diese erheblich ist, obwohl die versicherte Person ausgewiesene
Anstrengungen unternommen hat, sie zu überwinden. Der Beschwerdeführerin war seit
dem Unfall volle Arbeitsunfähigkeit attestiert worden (vgl. UV-act. 11 und 45). Unter der
Voraussetzung, dass sie für ihre Arbeit eigenverantwortlich mehr Zeit beanspruchen
könne (z.B. sechs Stunden für eine Arbeit von vier Stunden), wurde sie beim Austritt
aus der Klinik Valens im September 2006 für 50% arbeitsfähig im angestammten Beruf
als Raumpflegerin gehalten (UV-act. 34). Anlässlich der Besprechung vom
10. November 2006, die unter Beizug einer Übersetzerin zwischen der
Beschwerdeführerin, ihrer direkten Vorgesetzten und des Abteilungsleiters der
Arbeitgeberin sowie der zuständigen Aussendienstmitarbeiterin der Suva stattfand,
wurde eine angepasste Arbeitstätigkeit zu 30% ab 13. November 2006 und bis dahin
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volle Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin vereinbart (UV-act. 40). Bei einer
weiteren Besprechung der gleichen Teilnehmenden am 5. März 2007 wurde
festgestellt, dass die Beschwerdeführerin die angepasste Arbeitstätigkeit nur während
vier Tagen ausgeübt hatte (UV-act. 62). Die Arbeitsstelle wurde ihr darauf per 31. Mai
2007 gekündigt (UV-act. 65). Ab 1. Juli 2007 attestierte auch der Hausarzt eine
Arbeitsfähigkeit von 50% (UV-act. 82 und 87). Die Arbeitsunfähigkeit von zunächst
100%, ab 13. November 2006 70% und spätestens ab 1. Juli 2007 50% muss als
erheblich bezeichnet werden. Ernsthafte Anstrengungen der Beschwerdeführerin, (ihre
Arbeitsfähigkeit zu verwirklichen und) ihre Arbeitsunfähigkeit zu überwinden, sind
jedoch nicht zu erkennen. Daher muss dieses Adäquanzkriterium ebenfalls verneint
werden (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_357/2009 vom 14. Dezember 2009 E. 9.7
und 8C_735/2009 vom 2. November 2009 E. 7.7).
3.6 Zusammenfassend ist damit höchstens das Adäquanzkriterium erhebliche
Beschwerden in einfacher Weise erfüllt. Das genügt nach der Rechtsprechung nicht,
um die Adäquanz der Gesundheitsbeeinträchtigungen der Beschwerdeführerin zu
bejahen, die über den Einstellungszeitpunkt per 15. Dezember 2007 hinaus geltend
gemacht werden.
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen fehlt der adäquate Kausalzusammenhang
und ist daher eine weitere
Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin über den Einstellungszeitpunkt per
15. Dezember 2007 hinaus zu verneinen. Die Beschwerde vom 20. Mai 2009 ist daher
abzuweisen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 51 lit. a des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG