Decision ID: 49e4c311-bb83-4a52-b21b-312f8bc4448e
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1986,
gelernte Haustechnikplanerin, schloss im Jahr 2011 erfolgreich ihr Stu
dium im Bereich Gebäudetechnik
an der Fachhochschule Y._
ab (Urk. 1 S. 4
Rn
II.A.1.
, Urk. 30/6
).
Vom
16. August 2012 bis am 30. Juni 2014
war
sie
bei der
Z._
AG
in einem 80 %-Pensum angestellt und im
Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses
bei der Pensionskasse der Technischen Verbände SIA STV BSA FSAI USIC berufsvorsorgeversichert (Urk. 48 S. 2
Rn
3, Urk. 49/1,
Urk.
49/20).
Vom 1. August 2014 bis am 31. März 2015
arbeitete
die Versicherte
in einem 80 %-Pensum
bei der
A._
AG und
war währenddessen
bei der
Spida
Personalvorsorgestiftung berufsvorsorgeversichert (Urk. 21 S. 2
Rn
1, Urk. 22/5-8).
Als
sie
hernach vom
23. April bis am 30. September 2015
Taggelder der Arbeitslosenversicherung bezog, unterstand sie hinsichtlich der beruflichen Vorsorge der Versicherungs
deckung bei der
Stiftung Auffangeinrichtung BVG (Urk. 19 S. 2
Rn
II.a.1
, Urk. 20
).
Am 31. Mai 2015 trat
X._
per fürsorgerischer Unterbringung in die Klinik
B._
in
C._
ein
.
Der Austritt erfolgte am 3. Juni 2015 (Urk. 30/62).
V
om 1. Oktober bis am 6. November 2015
war die Ver
sicherte
bei der
D._
AG angestellt und während
dessen
erneut
bei der Pensionskasse der Technischen Verbände SIA STV BSA FSAI USIC berufsvor
sorgeversichert (Urk.
48 S. 2
Rn
3, Urk. 49/25, Urk. 49/32
).
Ab Dezember 2015 arbeitete
sie
bei der
E._
GmbH, vorerst im Stundenlohn und ab dem
1. Februar 2016
in einem 80 %-Pensum (Urk. 1 S. 5
Rn
II.A.
3)
. Im Rahmen
ihrer
Anstellung
im 80 %-Pensum
war
die Versicherte
bei der BVG-Sammelstiftung Swiss Life berufsvorsorgeversichert (Urk. 24 S. 2
Rn
III.1
, Urk. 25/1
).
Vom 14. März bis am 15. April 2016 durchlief
sie
eine stationäre Behandlung im Psychiatriezentrum
F._
in
G._
(Urk. 30/63).
Am 27. Mai 2016 meldete
sie sich
bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zur Früherfassung (Urk. 30/1-2) und am 28. Juni 2016
(Eingangsdatum IV-Stelle)
zum Leistungsbezug an (Urk. 30/7).
Die
E._
G
mbH
kündigte das Arbeitsver
hältnis auf den 30. September 2016 (Urk. 2/2).
Mit Verfügung vom 26. November 2018 sprach die IV-Stelle der Versicherten ab dem 1. April 2017 eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu (Urk. 2/3).
Das von
X._
gegenüber der BVG-Sammelstiftung Swiss Life gestellte Leistungsgesuch wies diese mit Schreiben vom 13. Juni 2019 ab (Urk. 49/51). Daraufhin ersuchte die Versicherte die
Pensionskasse der Techni
schen Verbände SIA STV BSA FSAI USIC um Ausrichtung einer Invalidenrente der beruflichen Vorsorge
(Urk. 49/43)
, was diese mit Schreiben vom 12. Dezember 2019
ebenfalls
ablehnte
(Urk. 49/55).
Mit Schreiben vom 25. Februar 2020 wandte sich die Versicherte erneut an die BVG-Sammelstiftung Swiss Life (Urk. 2/4), welche an ihrem ablehnenden Entscheid festhielt (Urk. 2/5).
2.
Am 2. Juli 2020 erhob
X._
vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
Kurt Pfau
beim hiesigen Gericht
Klage und stellte folgendes Rechtsbegehren (Urk. 1 S. 2
f.
):
«1.
Es sei die BVG-Sammelstiftung Swiss Life zu verpflichten, die gesetzlichen
und reglementarischen Leistungen aus der beruflichen Vorsorge,
insbesondere eine Invalidenrente auf Basis eines Invaliditätsgrades von
100% mit Wirkung ab 1. April 2017 zuzüglich Verzugszins zu 5% auf jede
fällig gewordene Rente ab Zeitpunkt der Fälligkeit auszurichten und die
reglementarischen Altersgutschriften vorzunehmen, je zuzüglich 5% Zins
ab Zeitpunkt der Fälligkeit.
2.
Eventualiter sei die Stiftung Auffangeinrichtung BVG zu verpflichten, die
gesetzlichen
und reglementarischen Leistungen aus der beruflichen
Vorsorge, insbesondere eine Invalidenrente auf Basis eines
Invaliditätsgrades von 100% mit Wirkung ab 1. April 2017 zuzüglich
Verzugszins zu 5% auf jede fällig gewordene Rente ab Zeitpunkt der
Fälligkeit auszurichten und die reglementarischen Altersgutschriften
vorzunehmen, je zuzüglich 5% Zins ab Zeitpunkt der Fälligkeit.
3.
Subeventualiter
sei die
Spida
Sozialversicherungen zu verpflichten, die
gesetzlichen
und reglementarischen Leistungen aus der beruflichen
Vorsorge, insbesondere eine Invalidenrente auf Basis eines
Invaliditätsgrades von 100% mit Wirkung ab 1. April 2017 zuzüglich
Verzugszins zu 5% auf jede fällig gewordene Rente ab Zeitpunkt der
Fälligkeit auszurichten und die reglementarischen Altersgutschriften
vorzunehmen, je zuzüglich 5% Zins ab Zeitpunkt der Fälligkeit.
4.
Subsubeventualiter
sei die Pensionskasse der Technischen Verbände SIA
STV BSA FSAI USIC zu verpflichten, die gesetzlichen
und
reglementarischen Leistungen aus der beruflichen Vorsorge, insbesondere
eine Invalidenrente auf Basis eines Invaliditätsgrades von 100% mit
Wirkung ab 1. April 2017 zuzüglich Verzugszins zu 5% auf jede fällig
gewordene Rente ab Zeitpunkt der Fälligkeit auszurichten und die
reglementarischen Altersgutschriften vorzunehmen, je zuzüglich 5% Zins
ab Zeitpunkt der Fälligkeit.
5.
Es sei ein Gerichtsgutachten zur Frage, seit wann die psychischen
Beschwerden zu einer durchgehenden Arbeitsunfähigkeit von mindestens
20% geführt haben, bei einem unabhängigen Psychiater einzuholen
.
6.
Der
Beschwerdeführerin
sei für
das
Beschwerdeverfahren die
unentgeltliche Prozessführung und eine unentgeltliche Rechtsvertretung
in meiner Person zu bewilligen.
7.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 7.7% MWST) zu
Lasten der leistungspflichtigen
Beschwerdegegnerin
.»
In verfahrensrechtlicher Hinsicht
stellte die
Klägerin
ferner
den Antrag, es seien alle weiteren in Frage kommenden allfällig leistungspflichtigen Pensionskassen zum vorliegenden Verfahren beizuladen (Urk. 1 S. 3).
Während die Beklagten
1 bis 3
in ihren Klageantworten
jeweils
die Abweisung der gegen sie gerichteten Klage beantragten (
Klageantwort Beklagte 2 vom 16. September 2020 [Urk. 19],
Klageantwort
Beklagte 3
vom 1. Oktober 2020
[
Urk. 21
], Klageantwort
Beklagte 1
vom
11. November 2020
[
Urk. 24
]
),
erstattete die
Beklagte 4 keine Klageantwort
(vgl. Urk. 27)
. Mit Verfügung vom 24. November 2020 wurden die Akten der Eid
genössischen Invalidenversicherung in Sachen der Klägerin beigezogen (Urk. 27)
und am
4.
Dezember 2020 ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (Urk. 31)
. Mit Replik vom 25. Januar 2021 hielt die Klägerin an ihren bisherigen Anträgen fest (Urk. 33). Mit Verfügung vom 26. Januar 2021 wurde das Gesuch der Klägerin um unentgeltliche Rechtsvertretung bewilli
gt und ihr Rechtsanwalt Dr. Kurt
Pfau, Winterthur, als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren bestellt (Urk. 38).
Mit
Stellungnahme
vom 26. Februar 2021 schloss die Beklagte 4 auf Abweisung der gegen sie gerichteten Klage
(Urk. 48). Die Beklag
ten 1 bis
3 hielten im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels jeweils an ihren bisherigen Anträgen fest (Duplik Beklagte 3 vom 25. Februar 2021 [Urk. 47], Duplik Beklagte 1 vom 3. März 2021 [Urk. 52], Duplik Beklagte 2 vom 24. März 2021 [Urk. 54]).
Die betreffenden Eingaben wurden mit
Verfügung vom 29. März 2021
jeweils den anderen Parteien zugestellt (Urk. 55).
Mit Verfügung vom 7. Oktober 2021 wurde die Beklagte 1 aufgefordert, dem Gericht die in den Jahren 2016 bis 2018 gültigen
Vorsorgereglemente
und Vorsorgepläne einzureichen (Urk. 56). Mit Eingabe vom 18. Oktober 2021 reichte die Beklagte 1 einen Vor
sorgeausweis der Klägerin sowie das ab dem 1. Januar 2016 gültige Vorsorge
reglement ein (Urk. 58-59). Die Zustellung der
betreffenden
Dokumente an die weiteren Verfahrensparteien erfolgt mit dem vorliegenden Endentscheid.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art.
24 Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die berufliche Alters-, Hinter
lasse
nen- und Invalidenvorsorge (BVG)
hat der Versicherte Anspruch auf eine volle Invalidenrente, wenn er im Sinne der Invalidenversicherung mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn er mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zur Hälfte und auf eine
Viertelsrente
, wenn er mindestens z
u 40 % invalid ist. Gemäss Abs. 1 von Art.
26 BVG gelten für den Beginn des Anspruchs auf Invalidenleistungen sinngemäss die entsprechenden Bestimmungen des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (Art.
29
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung [
IVG
]
). Die Invalidenleistungen nach BVG werden von derjenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, welcher die den Anspruch erhebende Person bei Eintritt des versicherten Ereignisses ange
schlossen war. Im Bereich der obligatorischen beruflichen Vorsorge fällt dieser Zeitpunkt nicht mit dem Eintritt der Invalidität nach IVG, sondern mit dem Ein
tritt der Arbeitsunfähigkeit zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat (vgl.
Art.
23 BVG). Auf diese Weise wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die versicherte Person meistens erst nach einer längeren Zeit der Arbeitsunfähig
keit (nach einer Warte
zeit von einem Jahr gemäss Art. 28 Abs.
1
lit
.
b
IVG
in Verbindung mit
Art.
26 BVG) invalid wird. Damit nämlich der durch die zweite Säule bezweckte Schutz zum Tragen kommt, muss das Invaliditätsrisiko auch dann gedeckt sein, wenn es rechtlich gesehen erst nach einer langen Krankheit eintritt, während welcher die Person unter Umständen aus dem Arbeitsverhältnis ausgeschieden ist und daher nicht mehr dem
Obligatorium
unterstanden hat (BGE
123 V 262 E. 1b, 121 V 97 E. 2a, 120 V 112 E. 2b, je mit Hinweisen).
1.2
Für den Eintritt einer Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 23
lit
. a BVG ist die Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf massgeblich. Sie ist relevant, wenn sie mindestens 20 % beträ
gt – was auch für die Eröffnung
der Wartezeit nach Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG gilt (vgl. BGE 144 V 58 E. 4.4 mit weiteren Hinweisen). Die Arb
eitsunfähigkeit muss sich zudem
auf das Arbeits
ver
hältnis sinnfällig auswirken oder ausgewirkt haben. Es muss also
arbeitsrechtlich in Erscheinung treten, dass die versicherte Person im bisherigen Beruf an Leistungsvermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entsprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch gehäufte, gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle. Der Zeitpunkt des Eintritts der berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit muss mit dem im Sozial
versicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit grundsätzlich echtzeitlich nachgewiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch
nachträgliche Annahmen und spekulative Überlegungen ersetzt werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_91/2013 vom 17. Juni 2013 E. 4.1.2 mit Hinweisen).
Der
rechtsgenügliche
Nachweis einer berufsvorsorgerechtlich relevanten Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen erfordert jedoch nicht zwingend eine echt
zeitlich ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit. Nachträgliche Annahmen und spekulative Überlegungen, wie etwa eine erst nach Jahren rückwirkend festge
legte medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit, reichen
aber nicht aus
(Urteil des Bundesgerichts 9C_61/2014 vom 23. Juli 201
4 E. 5.1 mit Hinweisen). Um der
retrospektiven ärztlichen Attestierung der Arbeitsunfähigkeit zu folgen und auf ein echtzeitliches Arztzeugnis verzichten zu können, müssten die negativen Aus
wirkungen der Krankheit auf die Arbeitsfähigkeit indessen echtzeitlich dokumen
tiert sein (SZS 2015 S. 469 [Urteil des Bundesgerichts 9C_851/2014 vom 29. Juni 2015]).
1.3
Art.
23 BVG kommt auch die Funktion zu, die Haftung mehrerer Vorsorge
ein
richtungen gegeneinander abzugrenzen, wenn eine in ihrer Arbeitsfähigkeit bereits beeinträchtigte versicherte Person ihre Arbeitsstelle (und damit auch die Vorsorgeeinrichtung) wechselt und ihr später eine Rente der Invaliden
versiche
rung zugesprochen wird. Der Anspruch auf Invalidenleistungen nach Art.
23 BVG entsteht in diesem Fall nicht gegenüber der neuen Vorsorge
einrichtung, sondern gegenüber derjenigen, welcher die Person im Zeitpunkt des Eintritts der invalidi
sierende
n Arbeitsunfähigkeit angehörte.
Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach Been
digung des Vorsorgeverhältnisses eingetretene Invaliditätsrisiko aufzu
kommen hat, ist indes erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität ein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 130 V 270 E. 4.1). In sachlicher Hinsicht liegt ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Invali
dität zu Grunde liegende Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Sodann setzt die Annahme eines engen zeit
lichen Zusammenhangs voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig wurde. Die frühere Vorsorgeeinrichtung hat nicht für Rückfälle oder Spätfolgen einer Krank
heit einzustehen, die erst Jahre nach Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit eintreten.
Bei der Prüfung dieser Frage sind die gesamten Umstände des konkre
ten Einzelfalles zu berücksichtigen, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen prognostische Beurteilung durch den Arzt sowie die Beweggründe, welche die versicherte Person zur Wiederaufnahme oder
Nichtwiederaufnahme der Arbeit
veranlasst haben. Zu den für die Beurteilung des zeitlichen Konnexes relevanten
Umständen zählen a
uch die in der Arbeitswelt nach aussen
in Ers
cheinung tretenden Verhältnisse
(BGE
13
4 V 20 E. 3.2.1 mit Hinweisen).
Eine Unter
brechung des zeitlichen Konnexes ist grundsätzlich dann anzunehmen, wenn während mehr als dreier Monate eine Arbeitsfähigkeit von über 80 % in einer angepassten Erwerbstätigkeit gegeben ist (BGE 144 V 58 E. 4.5), sofern sich eine dauerhafte Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit als objektiv wahrscheinlich dar
stellt (BGE 134 V 20 E. 3.2.1). Anders verhält es sich, wenn die fragliche, allenfalls mehr als dreimonatige Tätigkeit als Eingliederungs
versuch zu werten ist oder
massgeblich
auf sozialen Erwägungen des Arbeitgebers beruhte und eine dauer
hafte Wiedereingliederung unwahr
scheinlich war (BGE 134 V 20 E. 3.2.1; 123 V 262 E. 1c; zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 9C_271/202
0 vom 6. November 2020 E. 2.2).
1.4
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invaliden
ver
sicherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V 106 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (
Art.
6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126 V 309 E. 1 in
fine
). Diese Konzeption fusst auf der Überlegung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Abklärungen freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beur
teilun
gen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE
132 V 1 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leistungs
bezug bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die freie Überprüf
barkeit des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die Vorsorge
einrichtung beziehungsweise das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bundesgerichts 9C_49/2010 vom 2
3.
Februar 2010 E. 2.1).
Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung (spätestens) ins
Vorbescheidverfahren
(
Art.
73
ter
der
Verordnung
über die Invaliden
ver
siche
rung [IVV]
) einbezogen und ihr die Rentenverfügung formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bundesgerichts 9C_81/2010 vom 1
6.
Juni 2010 E. 3.1, mit Hinweisen). Dem BVG-Versicherer steht ein selbständiges Beschwerderecht im Verfahren nach IVG zu. Unterbleibt ein solches Einbeziehen der Vorsorgeeinrichtungen, ist die
IV-rechtliche Festsetzung des Invaliditätsgrades (grundsätzlich,
masslich
und zeitlich) berufsvorsorgerechtlich nicht verbindlich (BGE 130 V 270 E. 3.1).
Stellt die Vorsorgeeinrichtung auf die invalidenversicherungsrechtliche Betrach
tungsweise ab, muss sich die versicherte Person diese entgegenhalten lassen, soweit diese für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entschei
dend war, und zwar ungeachtet dessen, ob der Vorsorgeversicherer im Verfahren der Invalidenversicherung beteiligt war oder nicht. Vorbehalten sind jene Fälle, in denen eine gesamthafte Prüfung der Aktenlage ergibt, dass die Invaliditätsbe
messung der Invalidenversicherung offensichtlich unhaltbar war (BGE 130 V 270 E. 3.1).
2.
2.1
Die Klägerin erklärte zur Begründung ihrer Klage im Wesentlichen,
bei ihr
seien
erstmals
im März 2016 über eine längere Zeit schwere psychische Störungen mit einer ausgewiesenen Arbeitsunfähigkeit auf
getreten (Urk. 1 S. 5
Rn
II.A.
3).
Vom
14. März bis
am
15. April 2016
habe eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit bestanden.
Nach der
Hospitalisation
im Psychiatriezentrum
F._
sei es
ihr
nicht mehr möglich gewesen,
eine Arbeitsstelle
im ersten Arbeitsmarkt an
zu
nehmen
. Es hätten mehrere Untersuchungen
stattgefunden
, welche alle zum Schluss gekommen seien
,
dass
seit Frühling 2016
eine
an
dauernd
e
1
00
%
ige
A
rbeitsunfähig
keit bestehe
. Da sie derzeit bei der
E._
GmbH gearbeitet
habe
und bei der BVG-Sammelstiftung Swiss Life versichert gewesen sei, sei
l
etztere zu verpflichten, die Leistungen aus der beruflichen Vorsorge auszurichten
(Urk. 1 S. 7 f.
Rn
II.C.
11 ff.)
.
Alle Arztberichte, die von einer dauernden Arbeitsun
fähig
keit der Klägerin berichteten, seien während oder nach dem Arbeits
verhältnis
mit
der
E._
GmbH erstellt worden. Ärztlichen Berichten, welche eine retrospektive Arbeitsunfähigkeit
attestierten
, komme recht
sprechungs
gemäss nur eine geringe Beweiskraft zu (Urk. 33 S. 4
Rn
II
.
B.4).
Ein Arbeits
pensum von 80 % aufgrund eines subjektiven Krankheitsgefühls genüge für den Beweis einer funktionellen Leistungseinbusse nicht. Dass zu diesem Zeitpunkt nicht bereits eine IV
Anmeldung vorgenommen worden sei
,
zeige deutlich, dass die damaligen Beschwerden offensichtlich zu keiner dauernden Arbeitsun
fähigkeit geführt hätten (Urk. 33 S. 5
Rn
II.B.5). Eine durch Migräne/Kopf
schmerzen verursachte dauernde Arbeitsunfähigkeit sei nie von einem Arzt echtzeitlich attestiert worden (Urk. 33 S. 7
Rn
II.B.11).
Weil die Möglichkeit bestehe, dass das Gericht zur Über
zeugung gelange, dass eine andere Berufsvorsorgeversicherung leistungspflichtig sei, würden auch die weiteren Berufsvorsorgeversicherungen eingeklagt (Urk. 1
S.
8
Rn
II.C.
14).
So könnte eventuell davon ausgegangen werden, dass die
Hospitalisation
Ende März 2015 zu einer dauernden Arbeitsunfähigkeit von 20 % geführt habe,
mithin
eine Leistungspflicht der Beklagten 2 zu bejahen wäre (Urk. 33 S. 10
Rn
II.F.
31). Auch könnte man zur Überzeugung gelangen, dass bereits während des Arbeitsverhältnisses mit der
A._
AG eine verminderte Leistungsfähigkeit von mindestens 20 % eingetreten sei
, womit die Beklagte 3 leistungspflichtig wäre (Urk. 33 S. 10
Rn
II.F.
32). Würde man auf das retrospektive Arztzeugnis von Dr.
H._
abstellen, so wäre es allenfalls auch möglich, dass die dauerhafte Arbeitsunfähigkeit von 20 % bereits kurz nach dem Studium aufgetreten und deshalb die Beklagte 4 leistungspflichtig
sei
(Urk. 33 S. 10
Rn
II.F.
33).
2.2
Die Beklagte 2
hielt
zur Begründung ihres Antrages auf Abweisung der gegen sie gerichteten Klage
fest
,
die Klägerin habe bei ihr kein
Leistungsgesuch
gestellt und zudem sei sie auch nicht in das IV-Verfahren miteinbezogen worden (Urk. 19 S. 5
Rn
II.a.8). Mit Ausnahme eines dokumentierten viertägigen Klinikaufenthaltes im Zusammenhang mit der Trennung vom langjährigen Partner würden keine echt
zeitlichen oder retrospektiven Zeugnisse vorliegen, welche eine Arbeitsunfähig
keit für das Jahr 2015 attestierten (Urk. 19 S. 7
Rn
II.c.1).
D
ie viertägige
Hospita
lisation
vom 31. Mai bis am 3. Juni 2015
im Zusammenhang mit der Trennung vom Partner
sei
vorliegend nicht relevant. So sei im Austrittsbericht festgehalten worden, dass sich der Zustand innerhalb kurzer Zeit stabilisiert habe
,
und
f
ür die Zeit nach dem Austritt sei keine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden
. Dr.
H._
habe
sogar festgehalten, der Klägerin
sei es
im Sommer 2015 sehr gut gegangen. Die Einbusse respektive Arbeitsunfähigkeit müsste ohnehin von dauerhafte
r Natur sein, wobei wiederholte
kurzfristige krankheitsbedingte Absenzen von wenigen Tagen oder Wochen dieses Erfordernis in der Regel nicht erfüllten. Ebenso wäre der sachliche Konnex nicht gegeben, da die
Rentenzusprache
auf
grund einer Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typ erfolgt, bei der
Hospita
lisation
im Juni 2015 hingegen eine Anpassungsstörung im Zusammenhang mit der Trennung genannt worden
sei. Eine Arbeitsunfähigkeit mit dauerhaftem Charakter sei erstmals ab März 2016 mit Beginn der stationären Behandlung aus
gewiesen worden
(Urk. 19 S. 7
Rn
II.c.2)
.
Dass
die 80 %-
Pensen
aus gesundheit
lichen Gründen gewählt worden seien, könne in keiner Weise mit echtzeitlichen Dokumenten belegt werden (Urk. 19 S.
8
Rn
II.c.3,
Urk. 54
).
2.3
Die Beklagte 3
führte aus
,
es
sei ihr weder der Vorbescheid noch die Verfügung der Invalidenversicherung zugestellt worden. Gemäss den Angaben der Arbeitge
berin
A._
AG sei die Klägerin sowohl bei
m
Eintritt wie auch beim Austritt voll arbeitsfähig gewesen
. Die Befragung der Arbeitgebe
rin habe auch ergeben, dass
die Klägerin einzig einmalig vier Tage krankge
schrieben gewesen sei.
Bei einem einmaligen gesundheitsbedingten Fehlen von einzelnen Tagen würden keine gehäuften, wiederkehrenden und gesundheitsbe
dingten Arbeitsausfälle vorliegen.
D
ie Klägerin
habe gemäss Arbeitgeberauskunft
eine volle Arbeitsleistung erbracht,
ihre Leistung sei
einzig in Bezug auf ihre per
sönliche Ausbildung
ungenügend gewesen
. Allfällige bereits zu diesem Zeitpunkt bestehende gesundheitliche Probleme hätten keine Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit der Klägerin gehabt; auch
eine Verschlechterung des Gesundheitszu
standes
sei während der Versicherungszeit
nicht
eingetreten. Aus den nachträg
lich erstellten Arztzeugnissen von Dr.
H._
vom 18. September 2018 und von Dr.
I._
vom 24. September 2018
könne mangels Echtzeitlichkeit nichts zu Gunsten der Klägerin abgeleitet werden
. Damit sei erstellt, dass während der Ver
sicherungszeit bei der Beklagten 3 keine
dauerhafte Beeinträchtigung der Arbeits
fähigkeit eingetreten sei, welche eine Leistungspflicht zu begründen vermöchte
.
Die anspruchsbegründende Arbeitsunfähigkeit sei mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit erst im März 2016 eingetreten.
Selbst wenn das Gericht zum Schluss komme
n sollte
, dass die Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache später zur vollen Invalidität geführt habe, bereits im Jahr 2012 eingetreten sei, sei eine Leistungspflicht der Beklagten 3 abzulehnen, da die Arbeitsunfähigkeit
dies
falls
vor der Versicherungszeit bei ihr
eingetreten sei
(Urk. 21 S.
3 ff., Urk. 47
).
2.4
Die Beklagte 1
führte zur Begründung ihres
Antrag
es
auf
Verneinung
einer Leistungspflicht
aus
,
die Klägerin
habe
nach
Abschluss ihrer
Berufsausbildung während eines Jahres im Vollzeitpensum gearbeitet. Danach habe sie während des Studiums
2008 bis
2012 während 1.5 Jahren in einem 40 %-Pensum
und n
ach dem Studium nur noch zu 80 % gearbeitet.
Begründet habe sie dies damit,
dass sie ab 2012 nicht mehr «richtig funktioniert»
und
sich als zu instabil erlebt
habe
, um überhaupt arbeiten zu können. Dr.
J._
habe in seinem Gutachten festgehalten, dass bezüglich Fähigkeiten, Ressourcen und Belastungen der Selbst
einschätzung der Klägerin gefolgt werden könne. Dr.
H._
, welche die Klägerin seit 2008 behandle, habe
in
ihrer Stellungnahme vom 18. September 2018 fest
gehalten,
die Klägerin habe
ab 2012 selbst bei reduziertem Arbeitspensum von 80 % schon m
assive gesundheitliche Probleme
gehabt. Die Invalidenversicherung habe anerkannt, dass die Klägerin im Gesundheitsfall
zu
100 % arbeiten würde.
A
b dem Jahr 2012
habe sie
wegen ihrer psychischen Erkrankung, welche schliess
lich zur Invalidität geführt habe, nur noch in 80
%
P
ensen
gearbeitet. Folglich habe
bereits lange vor Eintritt bei der Beklagten 1 per 1. Februar 2016 eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20 % wegen ihrer psychischen Erkrankung bestanden, welche schliesslich zu
r
Invalidisierung geführt habe
(Urk. 24 S. 5 f.
Rn
IV.3.).
Die Klägerin verhalt
e
sich rechtsmissbräuchlich, wenn sie im IV
Verfahren Einspruc
h gegen den IV
Entscheid eingelegt
und
gestützt auf die Bestätigungen von Dr.
H._
und Dr.
I._
geltend
gemacht habe
, seit Jahren aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr 100 % arbeiten
zu
können
,
und nun geltend mache, dies stimme alles nicht und die Bestätigungen seien blosse Gefälligkeitszeugnisse gewesen. Wenn die Klägerin aus gesundheitlichen Grün
den nur 80 % gearbeitet habe, dann sei die Arbeitsunfähigkeit arbeitsrechtlich in Erscheinung getreten, was nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung als Beweis genüge (Urk. 52 S. 3 f.).
2.5
Die Beklagte 4
führte in ihrer
Stellungnahme
aus,
es sei unbestritten, dass die Klägerin seit geraumer Zeit gesundheitliche Probleme gehabt habe. Daraus könne aber nicht bereits eine Arbeitsunfähigkeit abgeleitet werden. Die gesundheitlichen Probleme müssten sich
konkret
auf das Arbeitsverhältnis ausgewirkt haben.
Während der
Anstellungs
zeit bei der
Z._
AG
gebe es keine Hinweise auf eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Die Klägerin sei die ganze Zeit
zu
80 % angestellt gewesen und der Stellenwechsel sei aufgrund der Neuanstellung bei der
A._
AG erfolgt. Sollte aufgrund des nicht vollen Beschäftigungsgrades von einer eingeschränkten Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden, so müsste diese als bei Eintritt bei der Beklagten 4 im August 2012 bereits vorbestehend angenom
men werden. Soweit bezüglich des
Eintritt
s
einer relevan
ten Arbeitsunfähigkeit im Jahr 2018 allgemein auf das Jahr 2012 verwiesen werde,
sei dies zum einen sehr unbestimmt und auch von der Begründung her nicht stringent.
Bei der zweiten Versicherungszeit im Jahr 2015 gebe es Hinweise auf gesundheitliche Probleme, wobei unklar sei, ob diese für die von der Invali
denversicherung ab 2016 festgestellte Arbeitsunfähigkeit relevant seien. Die Gründe für die sehr rasche Auflösung des Anstellungsverhältnisses bei der
D._
AG noch in der Probezeit seien nicht bekannt. Immerhin habe die Klägerin anschliessend ab Dezember 2015 bei der
E._
GmbH
gearbeitet, welche das Anstellungsverhältnis auf Februar 2016 in eine Festanstellung umge
wandelt habe. Entscheidend sei, dass auch für diese sehr kurze zweite Versiche
rungszeit keine Hinweise auf eine sich verschlechternde Arbeitsfähigkeit bestehen würden, so dass eine relevante Arbeitsunfähigkeit nicht in diesem Zeitraum habe eintreten können. Soweit eine relevante Arbeitsunfähigkeit bereits vor dem für die Invalidenversicherung entscheidenden März 2016 anzunehmen sein sollte, müsste diese bereits vor Oktober 2015 eingetreten sein
(Urk. 48
S. 3 f.
Rn
4-6
).
3.
3.1
Die
Klägerin
absolvierte
vom
31. Mai bis am 3. Juni 2015
einen stationären Auf
enthalt in der Klinik
B._
in
C._
. Dr. med. K._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Oberarzt
an
der Klinik
B._
,
stellte
in seine
m Bericht vom 18. Juni 2015
die Diagnose
Anpassungsstörung
en
(ICD
10 F43.2).
Die Klägerin sei per fürsorgerischer Unterbringung eingetreten. Im Rahmen der Trennung von ihrem derzeitigen Partner sei die Situation zu Hause eskaliert und sie habe Suizidgedanken mit konkreten Plänen geäussert, woraufhin der Partner die Polizei informiert habe. Bei Eintritt sei die Klägerin zunächst abweisend und wenig auskunftsbereit gewesen, habe wenig Krankheits- oder Behandlungseinsicht und kein Verständnis für den Beschluss der fürsorgerischen Unterbringung gezeigt. Während des stationären Aufenthaltes habe sich der Zustand der Klägerin innerhalb kurzer Zeit stabilisiert. Sie habe sich im Verlauf in mehreren Visiten- und Einzelgesprächen glaubhaft von Suizidalität distan
zieren können und sich im Kontakt kooperativer und angepasst im Verhalten gezeigt
. Vom 31. Mai bis am 3. Juni 2015 habe eine Arbeitsu
nfähigkeit von 100 % bestanden
(Urk. 30/62).
3.
2
Vom 14. März bis am 15. April 2016 befand sich die
Klägerin
in stationärer Behandlung im Psychiatriezentraum
F._
in
G._
. Dr. med
. L._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, sowie die Psycholo
gin M. Sc. M._
stellten in ihrem Austrittsbericht vom 10. Mai 2016 folgende
«
behandlungsrelevanten Diagnosen
»
(Urk. 30/63/1):
-
Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0)
-
Akzentuierte Persönlichkeitszüge mit emotional-instabilen Zügen (ICD-10 Z73.1)
Vom
14. März bis am 1. Mai 2016
habe
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestan
den. Die Klägerin leide seit Jahren unter chronischem Kopfschmerz und habe sich nach erneutem Negativbefund (MRI-Befund des Schädels) wegen
passiver
Suizidgedanken nun für eine psychiatrische Behandlung entschieden.
Zu
Beginn der
Hospitalisation
habe sie
ein tendenziell emotional-instabiles Zustandsbild mit schnell wechselnden Affekten von Wut und Trauer, Gefühlen von Einsamkeit und innerer Leere, geringem Selbstwertgefühl, schlechter Selbstakzeptanz sowie Spannungszuständen, die sich in autodestruktivem Verhalten geäussert hätten, gezeigt. Im Verlauf
seien
von der Klägerin zunehmend multiple, wiederholt auf
tretende und wechselnde körperliche Symptome geäussert worden.
Sie
habe sich durch den stationären Aufenthalt sichtlich entlastet gezeigt und aus dem inter
disziplinären Therapieprogramm, dem gruppentherapeutischen Setting sowie dem
strukturierten Alltag der Station insgesamt einen Nutzen ziehen können.
Es sei ihr
jedoch während des gesamten
Aufenthaltes wiederholt schwer
gefallen, sich ausreichend in die Gruppe der Mitpatienten einzufügen und Entscheidungen des Behandlungsteams zu akzeptieren. Es
hätten einzelne, gut verlaufen
e Arbeitsver
suche am Arbeitsplatz stattgefunden, wo die Klägerin aber gespürt habe, nach wie vor nicht
voll
belastbar zu sein.
Aufgrund der etwas bunt gemischten, nicht stabil w
irkenden Symptomatologie und des
klaren zeitlichen Zusammenhang
es
mit den fortbestehenden psychosozialen Belastungsfaktoren werde zum jetzigen Zeitpunkt von einer Persönlichkeitsdiagnose abgesehen (Urk. 30/63/1-3).
3.3
Dr.
med. N._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, hielt in seinem Bericht
vom 1
2. Juli 2016
fest, die Klägerin leide an chronischen Kopf
schmerzen, welche sich als sehr hartnäckig erweisen würden. Ebenso leide sie immer wieder an depressiven Episoden. Die Prognose bezüglich der Kopfschmer
zen sei schwierig, da bisher noch keine Therapie wirklich erfolgreich gewesen sei. In der bisherigen Tätigkeit als Heizungsplanerin bestehe eine 40%ige Arbeitsun
fähigkeit vom 1.
bis
am 30. Juni 201
6.
Die Belastbarkeit sei von den Kopfschmer
zen und der psychischen Befindlichkeit abhängig, die Arbeitsunfähigkeit variiere. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit wäre pro Tag circa 5 Stunden möglich. Eine wechselnde Belastung (Büroarbeit aber auch körperlich) wäre durchaus sinn
voll. Eine ambulante psychiatrische Therapie sowie eine neurologische Mitbe
handlung würde
n
sich stabilisierend auswirken
(Urk. 30/22
/1-4
)
.
3.4
Dr. med. O._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie, stellte in
s
einem undatierten Bericht (Datum der letzten Kontrolle: 15. Juli 2016) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit (Urk. 30/24/1):
-
Anhaltende
Cephalgie
unklarer Genese
-
Double-Depression (Rezidivierende depressive Störung, ICD-10 F33 /
Dysthymia
, ICD-10 F34.1)
-
Akzentuierte Persönlichkeitszüge mit
negativistischen
und
histrionischen
Zügen (ICD-10 Z73.1)
Wegen der Komplexität der Symptomatik müsse mit einer mittelfristigen Behand
lungsdauer gerechnet werden. Die Behandlung sei inzwischen von der Klägerin wegen Unzufriedenheit abgebrochen worden. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Heizungstechnikerin bestehe bis am 30. Juni 2016 eine Arbeitsunfähigkeit von 40 % sowie vom 1. bis am 31. Juli 2016 eine
solche von 50 %.
Als leistungs
reduzierende Einschränkungen würden überwiegend ein fehlender Antrieb, Kon
zentrationsprobleme sowie eine emotionale Instabilität bestehen. Medikation und
Psychotherapie würden sich konzentrations- und leistungssteige
rnd auswirken (Urk. 30/24/2
-3).
3.5
In seinem Bericht vom 28. September 2016 führte
Dr.
med. P._
, Fach
arzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, aus, vor dem Hintergrund einer manifesten, schweren Persönlichkeitspathologie mit hochgradig pathologischen infantil-egozentrischen Verhaltensmodalitäten im Sinne einer
Borderline
-Per
sönlichkeitsstörung mit passiv-aggressiven Anteilen, verminderter Impuls-, Kontroll- und Steuerungsfähigkeit, Emotionsregulationsstörung, emotionaler Instabilität und narzisstisch-ichschwacher, sensitiver Kränkbarkeit sei die Explo
ration erschwert gewesen. Es sei eine konversionsneurotische Affektverschiebung in eine «Somatisierung» festzustellen (pseudoneurologische Schmerzproblematik). Durch die situative Überforderung sei die Klägerin latent suizidal. Störungsbe
dingt sei sie keinem Arbeitgeber zumutbar und es bestehe eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit
. Art und Ausmass des Störungsbil
des mit unklarem therapeutischem
Setting (störungstypisch) implizierten die Frage nach einer stationär-psychothe
rapeutischen Behandlung
(Urk. 30/
70
)
.
3.6
Dr.
med.
H._
, Fachärztin FMH für Allgemeine Innere Medizin, hielt in ihrem Bericht
vom 31. Januar 2017
fest, sie kenne die Klägerin seit dem Jahr 200
8.
Es würden verschiedene Kopfschmer
zarten bestehen. Die Psyche sei
laut der Klägerin «komisch». Dr.
P._
habe im September 2016 die komplexe psychiatrische Erkrankung bestätigt. Sie könne
die von ihm genannten
Befunde/Begriffe seit 2008 bestätigen, wenn auch noch nie eine solch
e psychiatri
sche Diagnose im Rau
m
gestanden habe und sie sich als Nicht-Psychiaterin auch nie anmuten würde, so etwas zu nennen. Eine tragbare länger
dauernde Arzt
-
/Therapeuten-Patient
-
Beziehung sei aufgrund dieser Diagnosen genauso schwierig wie beim Arbeitgeber, weshalb die Klägerin einem
solchen
nicht zumutbar sei.
Es gehe ihr
ganz klar am besten, wenn sie in der
Natur
bzw. hand
werklich (leichte Arbeiten) arbeiten könne und möglichst wenig Druck ausgesetzt sei. Im freien Arbeitsmarkt habe sie tatsächlich keine Chance zu überle
b
en. Die Klägerin sei dringend auf einen geschützten Arb
eitsplatz mit Rente angewiesen
(Urk. 30/4
7).
3.7
Dr.
med.
I._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, bei welcher die Klägerin
ab
dem 11. Oktober 2016 in ambulanter Behandlung stand, führte in ihrem Bericht vom
14. Februar 2017
aus,
sie stelle
trotz der aus
geprägten und seit Jahren bestehenden Symptomatik mittel- bis langfristig eine gute Prognose, da die
Klägerin
aufgrund ihres hohen Leidensdrucks sehr an einer Therapie interessiert sei, Termine zuverlässig wahrnehme und gut kooperiere. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Gebäudetechnikerin be
stehe seit Sommer 2016 bis auf W
eiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Bei der Klägerin würden eine extreme
Selbstunsicherheit und Misstrauen im Kontakt mit anderen, Hoffnungs- und Antriebslosigkeit sowie starke Gefühlsschwankungen bestehen. Dies wirke sich stark einschränkend im Arbeitsablauf und in der Kommunikation mit Dritten aus. Seit November 2016 habe sich die Klägerin in Eigeninitiative eine Hilfstätigkeit in einer
Gemüsecooperative
organisiert, der sie – soweit es ihr kör
perlich-psychischer Zustand zulasse – ein
bis
drei Mal pro Woche für ein
bis
drei
Stunden nachgehe. Mit der Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit in einem 20 %-Pensum könn
e frühestens in ein
bis
zwei Jahren gerechnet werden
(Urk. 30/4
3
/1-3
).
3.8
Dr.
med.
J._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie,
erstattete am
12. Juni 2018
ein
bidisziplinäres
Gutachten.
Er diagnostizierte
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine hochgradig aus
geprägte emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typ (ICD-10 F60.31; Urk. 30/91/76).
A
ufgrund der schweren Persönlichkeitsstörung sei die Klägerin nicht in der Lage, sich zumindest längerfristig an Absprachen zu halten.
Wegen
der beeinträchtigten Fähigkeit zur Strukturierung von Aufgaben könnten die Tagesstrukturen ohne entsprechendes therapeutisches Setting nicht länger
fristig aufrechterhalten werden. Durch die hohe Beeinträchtigung der Flexibilität und Umstellungsfähigkeit reagiere die Klägerin im Verhalten, Denken und Fühlen mit ausgeprägter Rigidi
t
ät. Ihre Arbeitsleistung sei für den Arbeit
geber weitge
hend wertlos. Aufgrund der nahezu aufgehobenen Durchhalte
fähigkeit erbringe die Klägerin (trotz gegebener Kompetenz) nicht annähernd die erwartete Leistungsmenge in der verfügbaren Zeit. Auch die Selbstbehauptungs- und Durchsetzungsfähigkeit sei beeinträchtigt. Die Klägerin verfüge über eine mass
geblich reduzierte soziale Kompetenz.
Basierend auf einer
reduzierten
Inter
aktions
- und Kommunikationsfähigkeit, darüber hinaus
einer
hochgradig beein
trächtigten bis nahezu aufgehobenen Gruppenfähigkeit
,
beständen Schwierig
keiten beim Aufbau und der Aufrechterhaltung von Beziehungen. Die Klägerin sei aufgrund ihres Verhaltens keinem Arbeitgeber zuzumuten, nicht einmal im geschützten Rahmen. Mit Verweis auf die Dokumentation in der Versicherungs
akte müssten alle bis dato durchgeführten Behandlungs
massnahmen als geschei
tert angesehen werden
(
Urk. 30/91/57-58
,
Urk. 30/
91
/
77
)
.
Zweifellos bestehe ein erheblicher Leidensdruck. Eine Persönlichkeitsstörung führe nicht per se zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Alltagsaktivitätsniveaus.
Dieses
sei bei der Klägerin aufgrund der ausge
prägten emotionalen Instabilität fluktuierend und insbesondere in depressiven Phasen im Rahmen einer rezidivierend
en
depressiven Störung beeinträchtigt.
D
ie diagnostizierte rezidivierende depressive Störung
sei gegen
wärtig
remittiert (Urk. 30/91/59). Die Beurteilung der Leistungsfähigkeit der
behandelnden Fachärztin (100%ige Arbeitsunfähigkeit für alle Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt, keine Wiedereingliederungsmassnahmen) sei ange
messen und nachvollziehbar. Trotz der vorhandenen guten familiären Ressourcen und Ressourcen aufgrund der Ausbildung der Klägerin, darüber hinaus der aus
reichenden Inspektionsfähigkeit
,
sei es krankheitsbedingt nicht gelungen, den Gesundheitszustand zu stabilisieren. Die dokumentierten Therapie
abbrüche seien nicht auf eine mangelnde Kooperationsbereitschaft der Klägerin zurückzuführen, sondern
angesichts
der schweren Persönlichkeits
störung als stö
rungsbedingt zu interpretieren (Urk. 30/91/60).
Aus neurologischer Sicht
seien
bei der Klägerin weder in der
zuletzt ausgeübten Tätigkeit noch in allen anderen Tätigkeiten Einschränkungen festgestellt
worden
.
Präzise Angaben im Hinblick auf den zeitlichen Verlauf der Arbeitsunfähigkeit, bedingt durch die Migränekopfschmerzen, könnten aufgrund der diffusen Anga
ben auf neurologischem Fachgebiet nicht gemacht werden. Die Angaben würden ab dem Zeitpunkt der aktuellen Abklärung gelten. Die Klägerin werde insbeson
dere durch ihre psychiatrische Erkrankung beeinträchtigt (Urk. 30/91/71-72).
3.9
In ihrem Bericht vom 18. September 2018 hielt
Dr.
H._
auf die Frage, ob
der Klägerin
zwischen 2012 und 2016 ein 100 %-Pensum möglich gewesen wäre, fest, die Klägerin habe auch bei
einem reduzierten
Arbeitspensum von 80 % schon massive gesundheitliche Probleme gehabt (Psyche, Kopfweh). Bereits früher sei sie schon am Limit ihrer Kräfte gewesen, im Jahr 2012 habe sich das aber massiv verschlimmert, so dass sie freiwillig nur noch
zu
80 % gearbeitet habe. Als Einschränkungen hätten massive Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel und Übelkeit bestanden, die bei Belastung inklusive Arbeit sofort schlimmer geworden seien
(Urk. 30/
122
)
.
3.10
Danach gefragt, ob der Klägerin von 2012 bis 2016 aufgrund ihrer gesund
heitlichen Verfassung eine 100%ige Arbeitstätigkeit möglich gewesen wäre, führte
Dr.
I._
in
ihrem
Bericht vom
24. September 2018
aus, die Klägerin
befinde sich
erst seit dem 11. Oktober 2016 bei ihr in ambulanter psychiatrischer Behandlung, weshalb die Frage nur theoretisch beantwortet werden könne
. Per
sönlichkeitsstörungen würden sich grundsätzlich ab der Kindheit entwickeln
. Bei der Klägerin sei davon auszugehen, dass die Persönlichkeitsentwicklung unter anderem wesentlich durch die seit dem Primarschulalter bestehenden Kopf
schmerzen sowie die angeborene
Amelogenesis
imperfecta
beeinträchtigt worden
sei. Gemäss
eigenen
Angaben hätte
die Klägerin gerne zu 100 % gearbeitet. Da ihre Energie nicht ausgereicht habe, um ihre alltäglichen Angelegenheiten (Haus
halt, persönliche Administration) nebenbei ausführen zu können, habe sie jedoch einen freien Tag gebraucht. Die Einschränkungen hätten vermutlich aus einer
erhöhten
Erschöpflichkeit
durch vermehrte Anstrengung
,
die Anforderungen zu bewältigen, sowie Stimmungsschwankungen bestanden.
Detaillierte Auskünfte seien bei der Klägerin und den damaligen Behandlern direkt zu erfragen
(Urk. 30/
123
).
4.
Strittig
ist
, wann die Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität führte, eingetreten ist
. Dabei ist vorweg zu prüfen,
ob der rentenzusprechenden Verfü
gung der IV-Stelle vom 26. November 2018 (Urk. 2/3)
in diesem Zusammenhang Bindungswirkung
zukommt
.
Da lediglich die Beklagte 1 von der IV-Stelle ins
Vorbescheidverfahren
miteinbezogen wurde (Urk. 30/103/3), fällt eine B
indungs
wirkung
gegenüber den Beklagten 2 bis
4 von vornherein ausser Betracht (E. 1.4).
Wie einleitend erwähnt, erstreckt sich die Verbindlichkeitswirkung nur auf dieje
nigen Feststellungen und Beurteilungen im IV-Verfahren, welche dort für die Festlegung des Anspruchs auf eine Rente der Invalidenversicherung entscheidend waren und über die demnach effektiv zu befinden war; andernfalls haben die Organe der beruflichen Vorsorge die Anspruchsvoraussetzungen ihrerseits frei zu prüfen. Die Festsetzung des Beginns des Rentenanspruches durch die Invaliden
versicherung schliesst nicht aus, dass die den Anspruch auf Invalidenleistungen nach BVG begründende Arbeitsunfähigkeit (in geringerem Ausmass) schon mehr als ein Jahr zuvor eingetreten ist (Urteil
e
des Bundesgerichts
9C_651/2015 vom 11. Februar 2016 E. 4.1 und
9C_414/2007 vom 25. Juli 2008 E. 2.3
, jeweils
mit Hinweisen; vgl. E. 1.4).
Die IV-Stelle hielt in ihrer Verfügung einerseits fest, die Klägerin sei gestützt auf die gutachterliche Untersuchung seit Mitte März 2016 in ihrer Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt. Andererseits lässt sich der Ver
fügung entnehmen, dass die IV-Stelle bei
der
Qualifikation der Klägerin als zu 100 % erwerbstätig insofern eine bereits zuvor eingetretene 20%ige Arbeitsunfä
higkeit berücksichtigte, als sie – dem erhobenen Einwand stattgebend – festhielt, die Klägerin habe aus gesundheitlichen Gründen lediglich ein 80 %-Pensum
ver
richtet
(Urk. 2/3).
Aufgrund der Anmeldung der
Klägerin
vom
28. Juni 2016
(
Datum Eingang IV-Stelle,
Urk. 30/7)
kam eine
Rentenzusprache
– bei erfülltem Wartejahr im Sinne von Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG – frühestens per 1. Dezember 2016 in Frage (Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG
). B
ei ihrem Entscheid über den Renten
anspruch
war für die IV-Stelle folglich
erst der medizinische Sachverhalt ab Dezember 2015 von Relevanz
.
Ob bei der Klägerin bereits
zuvor
eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit bestand, war
auch
in Bezug auf die
Rentenhöhe
nicht ent
scheidend
, zumal bei einer Arbeitsunfähigkeit von 100 %
ungeachtet der Quali
fikation der Klägerin als im Gesundheitsfall zu
80 %
oder zu
100 % im Erwerbs
bereich Tätige
ein Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente
resultierte
(Art. 28
Abs. 2 IVG
, vgl. Urk. 2/3
).
Dementsprechend
kommt
der Verfügung der IV-Stelle vom
26. November 2018 in Bezug auf den Eintritt der invalidisierenden Arbeits
unfähigkeit keine Bindungswirkung zu
und
ist
der leistungserhebliche Sachver
halt durch das Gericht frei überprüfbar
(E. 1.4).
5.
5.1
Die Klage richtet sich primär gegen die Beklagte 1
(vgl. Urk. 1 S. 8
Rn
II.C.14
, Urk. 33 S. 4
Rn
II.A.
3
, S. 8
Rn
II.C.21
und S. 10
Rn
II.F.
30)
, bei der die K
lägerin vom 1. Februar
2016 (Urk. 25/1)
bis am 31
.
Oktober
2016
(Urk. 2/2, Nach
deckungsfrist gemäss Art. 10 Abs. 3 BVG)
berufsvorsorgeversichert
war.
In Anbetracht
der Tatsache
, dass die Versicherungszeiten bei den
weiteren
einge
klagten Vorsorgestiftungen dem zeitlich vorg
elagert sind (vgl. Sachverhalt Ziff
. 1), fällt eine
Leistungspflicht der Bek
lagten 2 bis
4
nur in Betracht,
f
alls
bereits
vor dem 1. Februar 2016
eine
relevante Arbeitsunfähigkeit, mithin diejenige, welche die Invalidität verursacht hat,
eingetreten ist (vgl. E. 1.1-1.2).
Die Beklagte 1
beruft sich zur Verweigerung ihrer Leistungspflicht denn auch insbesondere auf eine vorbestehende
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20 %, welche schliesslich zur Invalidisierung geführt habe (E. 2.4).
5.2
5.2.1
Zur Begründung ihres Standpunktes, wonach bereits vor Versicherungsunter
stellung eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20 % bestanden habe, stützt sich d
ie Beklagte 1 insbesondere darauf, dass die Klägerin nach Abschluss ihres Studiums im Jahr 2012 aus gesundheitlichen Gründen nur
noch
ein 80 %-Pen
sum
verrichtet
habe (E. 2.4).
Praxisgemäss kann eine
Reduktion des Arbeitspensums aus gesundheitlichen Gründen ein gewichtiges Indiz für das Vorliegen einer berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit
sein
, genügt allein in der Regel jedoch nicht für den Nachweis einer
gesundheitlich bedingten
funktionellen Leistungseinbusse. Dies gilt insbesondere, wenn die Reduktion aus einem subjektiven Krank
heits
gefühl heraus erfolgt
oder
wenn konk
urrierende Gründe bestehen (zum Beispiel
der Wunsch nach mehr Zeit für bestimmte [Freizeit-]Aktivitäten oder für eine berufsbegleitende Weiterbildung). Es braucht grundsätzlich eine echt
zeitliche ärztli
che Bestätigung, dass die
Pensums
reduktion
gesundheitlich bedingt not
wendig ist, weil zum Beispiel die weitere Verrichtung der Berufsarbeit nur unter der Gefahr der Verschlimmerung des Gesundheitszustands möglich wäre. Von einer echtzeitlichen Bestätigung kann abgesehen werden, wenn andere Umstände (krankheitsbedingte Absenzen vor der Arbeitszeitreduktion et
c
etera
) den Schluss
nahelegen, dass die Reduktion des Arbeitspensums auch objektiv betrachtet aus gesundheitlichen Gründen erfolgt und insoweit eine arbeits
rechtlich in Erschei
nung getretene (sinnfällige) Leistungseinbusse zu bejahen ist (Urteil
des Bundes
gerichts
9C_517/2020 vom 28. Januar 2021 E. 3.2
mit weiteren Hinw
eisen).
Nach Abschluss ihres Studiums im Jahr 201
1
übte die Klägerin kein Arbeits
pensum von über 8
0 % mehr aus (vgl. Sachverhalt Ziff
. 1). Eine echtzeitliche ärztliche Bestätigung, dass
der Klägerin
gesundheitlich bedingt
nur noch maxi
mal ein 80 %-Pensum möglich
war
, lässt sich den Akten
indessen
nicht ent
nehmen. Soweit die Beklagte 1 diesbezüglich
ausführt, die Klägerin
habe
ab 2012 nicht mehr «richtig funktioniert» (E. 2.4)
,
stützt sie sich auf deren
Selbst
ein
schätzung,
was für
den Beweis eine
r
berufsvorsorgerechtlich relevante
n
Arbeits
unfähigkeit
nicht genügt
. Daran vermag auch
die Aussage von Dr.
J._
nichts zu ändern
, wonach der Selbsteinschätzung der Klägerin
einer 100%igen Arbeits
unfähigkeit für alle Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt
aufgrund der
im Rahmen der aktuellen Exploration und psychiatrischen Untersuchung erhobenen medizinischen Befunde mit Verweis auf die Dokumentation in der Versicherungs
akte gefolgt werden könne
(
Urk. 30/91/60 Ziffer 5.4
, vgl. Urk. 23 S. 5
Rn
3)
, zumal
die betreffenden
U
ntersuchungen
am
19. April sowie am 24. Mai 2018 stattfanden (Urk. 30/91/2) und nicht nachzuvollziehen ist, inwiefern diese dazu geeignet sein sollen, die Selbsteinschätzung der Klägerin
nach Abschluss ihres Studiums im Jahr 2011
medizinisch zu untermauern.
D
er älteste
von Dr.
J._
in seinem Aktenauszug aufgeführte Bericht
datiert sodann
vom 18
. Juni 2015 (Urk. 30/91/4-23
[«kurze Auszüge aus den in den Akten enthaltenen und für die Beurteilung relevanten Berichten»])
, womit auch sein Verweis auf die Versiche
rungsakten keine Schlüsse auf die medizinischen Gegebenheiten
nach Abschluss
des
Studiums im Jahr 2011
zulässt
.
Da sie
die Klägerin erst seit dem 11. Oktober 2016 behandelt und sie sich bei ihrer Einschätzung im Wesentlichen auf die Selbsteinschätzung der Klägerin zu stützen scheint
, kann auch der Einschätzung von Dr.
I._
im Bericht
vom 24. Sep
tember 2018, wonach die Klägerin infolge einer erhöhten Erschöpfbarkeit nur zu 80 % gearbeitet habe, nicht gefolgt werden
. Dr.
I._
hielt sodann selber fest, dass sie die Frage der Arbeitsfähigkeit lediglich theoretisch beantworten könne
–
für detailliertere Auskünfte
verwies sie auf die
damaligen Behandler
(
E. 3.10
).
Als
ebenfalls
retrospektive E
inschätzung vermag
auch
der Bericht von Dr.
H._
vom 18. September 2018
(E. 3.9)
nur schon deshalb keine im Jahr 2012 aufgetretene massgebende funktionelle Beein
trächtigung zu belegen, weil es an
echtzeitlich dokumentierten negativen Aus
wirkungen
des allfällig bereits damals bestehenden
Gesundheitsschadens
fehlt (
vgl.
vorerwähntes
Urteil des Bundes
gerichts 9C_517/2020 vom 28. Januar 2021
E. 3.2 mit weiteren Hinweisen).
In ihrem
Bericht vom
31. Januar 2017
führte Dr.
H._
selber relativierend aus, dass sie sich als
Nicht-Psychiaterin
nie an
m
assen
würde, eine psychiatrische Diagnose zu nennen
(
E. 3.6
, vgl. zum Beweis
wert von nicht-fachärztlichen Berichten Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 10. Juni 2021 E. 3.2 mit Hinweisen
).
Gegen eine
dannzumal
bestehende funktionelle Leistungseinbusse sprechen auch die von der Klägerin während ihres
Studium
s
(in einem Pensum von zeitweise bis zu
40 %
) ausgeübte
n
Tätigkeit
en
(
Urk. 30/3/2,
Urk.
30/91/25
, vgl. Urk. 1 S. 4
Rn
II.A.1.
)
sowie das Fehlen von Anhaltspunkten dafür, dass
sie
ihr Studium nicht in der dafür vorgesehenen Zeit
absolvieren
konnte
.
Aus
den
dargelegten Gründen (E. 4) und e
ntgegen dem Dafürhalten der Beklag
ten 1 (E. 2.4) kann aus der
im IV-Entscheid festgehaltene
n
Qualifikation der
Klägerin
als im Gesundheitsfall zu
100 % Erwerbstätige
kaum etwas
für das vor
liegende
Verfahren
abgeleitet werden
.
Aus der Tatsache, dass die Klägerin ab dem Jahr 2012 jeweils nur noch
maximal
ein 80 %-Pensum verrichtet hat, kann dementsprechend nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf eine bereits damals eingetretene berufsvorsorgerechtlich massgebende Arbeitsunfähigkeit geschlossen werden.
5.2.2
Eine massgebliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit während
der Versiche
rungszeit
bei den Beklagten 2
bis
4
ist
a
uch mit Blick auf die weitere
n
medizini
sche
n Akten
nicht erstell
t
.
Eine vor
Februar
2016 echtzeitlich attestierte Arbeits
unfähigkeit findet sich einzig
im Bericht von Dr.
K._
vom 18. Juni 2015, wo er der Klägerin für die Zeit ihres stationären Aufenthaltes
in der Klinik
B._
vom 31. Mai bis am 3. Juni 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigte (E. 3.1). Unter Berücksichtigung, dass
die
Arbeitsunfähigkeit lediglich
für
vier
Tage
ausgestellt
wurde, sich der Zustand der Klägerin
während des stationä
ren Aufenthaltes innerhalb kurzer Zeit stabilisierte
und
ihr beim Austritt keine Arbeitsunfähigkeit mehr attestiert wurde (E. 3.1), lässt sich gestützt
darauf
nicht auf eine massgebende Arbeitsunfähigkeit
, sondern auf eine blosse kurzfristige krankheitsbedingte Absenz
schliessen (vgl. Urteil
des Bundesgerichts B
157/06 vom 25. Oktober 2007 E. 2.2 mit Hinweisen).
Dies stimmt auch damit überein, dass
sich
weder
im Rahmen
der
zuvor bis am 31. März 2015 ausgeübte
n
Erwerbs
tätigkeit, noch
während des Bezug
s
von
Arbeitslosentaggelder
n
vom 23. April bis am 30. September 2015
Anzeichen für
sich sinnfällig auswirkende
Einbussen an funktionellem Leistungsvermögen
ergeben haben
. S
o
ist die Bestätigung der damaligen
Arbeitgeber
in
,
der
A._
AG,
so zu verste
hen, dass
die Klägerin
ihre Arbeitsleis
tung grundsätzlich erbrachte
. Dass die Arbeitgeberin der Klägerin eine
ungenügende Leistung
in Bezug auf ihre
Ausbil
dung konstatierte und ferner festhielt,
sie
sei nicht teamfähig gewesen (Urk. 22/11), bildet keinen hinreichend klaren Nachweis für
den Eintritt einer berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit. Im Rahmen des Bezuges
von
Arbeitslosentaggelder
n
vom 23. April bis am 30. September 2015
war die Klägerin
sodann
mit einem Vermittlungsgrad von 80 % bei der Arbeitslosenkasse angemeldet (Urk. 20
, Urk. 19 S. 2
Rn
II.a.1
), was dem zuvor ausgeübten Arbeits
pensum entspricht
und den Schluss auf eine massgeblich eingeschränkte Leistungsfähigkeit
vorliegend
ebenfalls nicht zulässt
(vgl. dazu E. 5.2
.1
).
5.2.3
Damit ist eine
massgebliche Arbeitsunfähigkeit der Klägerin
vor Februar 2016
nicht ausgewiesen und fällt eine Leistungspflicht
der
Beklagten 2
bis 4
sowie die Beiladung von weiteren allfällig leistungspflichten Pensionskassen (Urk. 1 S. 3)
ausser Betracht.
5.3
5.3.1
Am 14. März 2016 trat die Klägerin in das Psychiatriezentrum
F._
ein, wo sie bis am 15. April 2016 eine stationäre Behandlung
mit einer währenddessen attestierten 100%igen Arbeitsunfähigkeit
durchlief.
Auch wenn die Klägerin durch den stationären Aufenthalt eine Entlastung erfuhr und
insgesamt profi
tieren konnte,
wurde ihr bei Austritt stets noch eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
bis am 1. Mai 2016
attestiert. Aufgrund der etwas bunt gemischten, nicht stabil w
irkenden Symptomatologie und des
klaren zeitlichen Zusammenhang
es
mit den fortbestehenden psychosozialen Belastungsfaktoren wurde derzeit noch von einer Persönlichkeitsdiagnose abgesehen
. Neben akzentuierten Persönlichkeitszügen
mit emotional-instabilen Zügen
wurde eine Somatisierungsstörung diagnostiziert
(
E. 3.2
). Im Juni 2016 bescheinigte
Dr.
O._
(wie auch
Dr.
N._
[E. 3.3])
eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit
und
im Juli 2016
eine solche von 50 %
(E. 3.4)
.
Er begründete dies
insbesondere mit einem fehlenden Antrieb, Konzentrations
problemen sowie einer emotionalen Instabilität.
Als psychiatrische Diagnosen
nannte
Dr.
O._
neben einer rezidivierenden depressiven Störung auch akzentuierte Persönlichkeitszüge mit
negativistischen
und
histrionischen
Zügen.
Dr.
O._
ging von einer mittelfristigen Behandlungsdauer aus (E. 3.4
). Dr.
P._
bestätigte in seinem Bericht vom 28. September 2016 das Vorliegen einer schweren
Persönlichkeitspathologie
im
Sinne einer
Borderline
-Persönlich
keitsstörung
und attestierte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
Die
Klägerin
sei störungsbedingt
keinem Arbeitgeber zumutbar (
E. 3.5
).
Die seit dem 11. Oktober 2016 behandelnde Psychiaterin, Dr.
I._
,
diagnostizierte eine rezidivierende depressive Störung sowie eine emotional-instabile Persönlichkeitsstörung und
erachtete die Klägerin
seit Sommer 2016 bis auf Weiteres
als zu 100 % arbeits
unfähig.
Mit der
Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit in einem 20 %-Pensum könne
frühestens in ein
bis
zwei
Jahren
gerechnet werden
(E. 3.7)
.
5.3.2
Die Rente der Invalidenversicherung wurde der Klägerin
gestützt auf das
bidis
ziplinäre
Gutachten von Dr.
J._
vom 12. Juni 2018 zugesprochen (
vgl.
Urk. 30/
126-
127).
Dr.
J._
begründete die eingetretene Erwerbsunfähigkeit ins
besondere mit der seit März 2016 bestehenden hochgradig ausgeprägten emo
tional instabilen Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typ. Die depressive Störung
erachtete er als
derzeit remittiert (
E. 3.8
).
5.3.3
Damit ist der Gesundheitsschaden, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat
(E. 5.3.1)
, von der Art her im Wesentlichen derselbe, wie der, welcher der Erwerbsunfähigkeit zugrunde liegt
(E. 5.3.2)
, weshalb ein sachlicher Zusammen
hang zwischen der während der Dauer des Vorsorgeverhältnisses
bestandenen Arbeitsunfähigkeit und der später eingetretenen Invalid
ität zu bejahen ist (
E. 1.3
).
5.4
Da es bei der Klägerin seit Eintritt der Arbeitsunfähigkeit im März 2016
un
bestrittenermassen (vgl. Urk. 24
und Urk. 52)
zu keiner berufs
vorsor
ge
rechtlich massgeblichen Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit mehr gekommen ist
(vgl. auch Urk. 30/45, Urk. 30/49, Urk. 30/60, Urk. 30/67), ist auch der zeitliche Zusammenhang zwischen der Arbeitsunfähigkeit und der einge
tre
tenen Invalidität gegeben
(E. 1.3)
.
5.5
Nach dem Dargelegten ist mit dem massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die leistungsauslösende Arbeitsunfähigkeit der Klägerin eintrat, als sie bei der Beklagten
1 berufsvorsorgeversichert war
.
Da sowohl die sachliche als auch die zeitliche
Konnexität
zwischen der Arbeitsunfä
higkeit und der eingetretenen Invalidität zu bejahen sind,
ist die Beklagte 1 zur Ausrichtung der gesetzlichen und reglementarischen Invaliden
leistungen ver
pflichtet.
6.
6.1
6.1.1
Für den Beginn des Anspruchs auf Invalidenleistungen aus beruflicher Vorsorge gelten sinngemäss die entsp
rechenden Bestimmungen des Art. 29 IVG (Art. 26 Abs.
1 BVG). Die Vorsorgeeinrichtung kann in ihren reglementarischen Bestimmungen vorsehen, dass der Anspruch aufgeschoben wird, solange die ver
sicherte Person den vollen Lohn erhält (Ar
t. 26 Abs.
2 BVG).
Die Beklagte 1 hat in ihrem Reglement einen entsprechenden Vorbehalt ange
bracht: Nach Art.
19 Ziff. 1
des
seit dem 1. Januar 2016 gültigen Vorsorge
regle
ments (Urk. 59/1)
entsteht der Anspruch auf die gesetzlichen Mindest
leistungen gemäss den Bestimmungen der Eidgenössischen Invaliden
versicherung. Die gesetzlichen Mindestleistungen werden ausbezahlt, sobald die Leistungen aus der bestehenden gesetzeskonformen Krankengeldversicherung erschöpft sind (
Abs
. 1). Der Anspruch auf die überobligatorischen Invaliditäts
leistungen ent
steht, sobald die Leistungen aus der bestehenden gesetzes
konformen Kranken
geldversicherung erschöpft sind, frühestens aber nach Ablauf der Wartefrist (Abs. 2).
Für die Berechnung einer Wartefrist werden Perioden der Arbeitsunfähigkeit zusammengezählt, soweit sie nicht vor einer Periode der vollen Arbeitsfähigkeit von mehr a
ls zwölf Monaten liegen (Art. 18
Ziff. 5 Abs. 1 Satz 1 des Reglements). Die anwendbaren Wartefristen sind im Vorsorgeplan festgelegt (
Art. 18
Ziff. 5 Abs. 2
des
R
eglements). Gemäss dem persönlichen Vorsorgeausweis der Klägerin, ausgestellt am 3. Februar 2016, gültig ab 1. Februar 2016 (Urk.
59/2
), beträgt die Wartefrist
für eine Invalidenrente
24 Monate.
6.1.2
Die Klägerin verrichtete bei der
E._
GmbH ein 80 %-Pensum und war dem
entsprechend lediglich in diesem Umfang bei der Beklagten 1 berufs
vorsorge
ver
sichert (Urteil des Bundesgerichts 9C_25/2018 vom 12. März 2018 E. 3.1, vgl.
auch BGE 144 V 72 E. 4.2, je mit Hinweisen).
Gemäss
Art. 18
Ziff.
2
des Vorsorgereglements der Beklagten 1 (Urk.
59/1 S. 7
)
besteht bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % Anspruch auf die vollen gesetzlichen und reglementarischen Leistungen
. Bezüglich Teilzeiterwerbs
tätig
keit findet sich keine spezielle Regelung im Vorsorgereglement.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bemisst sich der vorsorgerechtlich relevante Invaliditätsgrad aufgrund eines
Valideneinkommens
entsprechend dem Grad der Teilerwerbstätigkeit und nicht im Verhältnis zu einer (hypothetischen
) Vollzeiterwerbstätigkeit (BGE 144 V 63 E.
6.2). F
ür den Fall, dass die Invaliden
versicherung den Invaliditätsgrad bezogen auf ein Vollzeitpensum ermittelt hat, bietet sich als klarster und einfachster Bere
chnungsvorgang an, dass die Vor
sor
geeinrichtung das von der Invalidenversi
cherung festgesetzte
Validenein
kommen
, an das sie grundsätzlich gebunden ist, auf das ausgeübte Teilzeitpen
sum herunterrechnet und gestützt darauf (sowie au
f die übrigen grundsätzlich bin
denden Parameter) einen neuerlichen Einkommensvergleich durchführt (
BGE 144 V 63 E.
6.3.2).
Die Invalidenversicherung
qualifizierte die Klägerin
in ihrer rentenzusprechenden Verfügung vom
26. November 2018 (Urk. 2/3
)
als im Gesundheitsfall mutmass
lich Vollerwerbstätige und schloss – angesichts der gutachterlich attestierten voll
ständigen Arbeitsunfähigkeit – ohne Durchführung eines Einkommensvergleichs auf einen Invaliditätsgrad von 100 %. Unter Berücksichtigung der dargelegten bundesgerichtlichen Rechtsprechung beträgt der vorsorgerechtlich relevante Invaliditätsgrad 80 %. In Anbetracht der Tatsache, dass gemäss dem Vorsorge
reglement der Beklagten 1
– sowohl gesetzlich (Art. 24 Abs. 1
lit
. a BVG) als auch reglementarisch (Art. 18 Ziff. 1 und 2 des
R
eglements [Urk. 59/1 S. 7
]
) –
jeder
Invaliditätsgrad
ab
70 %
zu
eine
r
vollen
Invalidenrente
berechtigt
,
steht
der Klägerin
gegenüber der Beklagten 1 trotz des ausgeübten Teilzeitpensums ein Anspruch auf eine
volle
Invalidenrente zu.
E
ntsprechend den reglementarischen Bestimmungen (Erschöpfung des Anspruchs auf Krankentaggelder per 18. März 2018 gemäss Urk. 30/132 S. 2 und 4 sowie Ablauf der 24monatigen Wartefrist)
hat die Klägerin
gegenüber der Beklagten 1
ab dem 1. April 2018 Anspruch auf die vollen reglem
entarischen Invaliden
leistungen.
6.1.3
Die Festsetzung des gesetzlichen und reglementarischen Leistungsanspruches in
masslicher
Hinsicht bleibt praxis- und antragsgemäss (Urk. 1 S. 2 f., Urk. 33 S. 2 f.) einstweilen der Beklagten 1 überlassen; in einem allfälligen sich diesbe
züglich ergebenden Streitfall stünde der Klägerin erneut der Klageweg offen (vgl.
BGE 129 V 450).
6.2
Auf Invalidenleistungen sind Verzugszinsen geschuldet, wobei grundsätzlich Art. 105 Abs. 1 des Obligationenrechts
anwendbar ist (BGE 119 V 131 E.
4). Danach ist der Verzugszins vom Tag der Anhebung der Betreibung oder der gerichtlichen Klage an geschuldet. Der Zinssatz beträgt 5 %, sofern das Reglement der Vorsorgeeinrichtung keine andere Regelung kennt (BGE 119 V 131 E. 4c).
Die Klägerin erhob am 2. Juli 2020 Klage.
Gemäss Art. 33 Abs. 1 des
aktuellen
Vorsorgereglements der Beklagten 1 (gültig ab 1. J
anuar 2021
[
www.swiss
life.ch/de/unternehmen/services/downloads/reglemente.html
]
, e
nt
spricht Art. 32 Abs. 1 des
davor
gültigen Vorsorgereglements) wird Verzugszins in Höhe des BVG-Mindestzinssatzes ausgerichtet.
Der BVG-Mindestzinssatz liegt seit dem 1. Januar 2017 bei 1 % (Art. 12
lit
. j der
Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invaliden
vorsorge [BVV 2]).
Entsprechend sind
Verzugs
zinsen von
1
% pro Jahr für die bis
zum
Zeitpunkt
der Klageerhebung
fällig gewordenen
Betreffnisse
und für die übrigen ab dem jeweiligen Fällig
keitsdatum zuzusprechen.
6.
3
Die Beklagte 1 ist somit zu verpflichten, der Klägerin mit Wirkung ab
dem 1. April 2018
eine
volle Invalidenrente zuzüglich Verzugszinsen von 1 % seit dem 2. Juli 2020 für die bis dahin fällig gewordenen
Rentenbetreffnisse
sowie für die übrigen ab dem jeweiligen Fälligkeitsdatum auszurichten.
7.
Das klägerische Begehren, es seien die reglementarischen Altersgutschriften vor
zunehmen (Urk. 1 S. 2, Urk. 33 S. 2), beschlägt die Frage der Beitragsbefreiung (vgl. dazu BGE 142 V 466 E. 4.1 und 6.3.1 mit Hinweisen auf Urteil des Bundes
gerichts 9C_115/2008 vom 23. Juli 2008 E. 7.3.3)
.
Art. 21
Abs. 1 des Reglements der Beklagten 1
in der ab dem 1. Januar 2016 gül
tigen Fassung
sieht für den Invaliditätsfall vor, dass die versicherte Person nach Ablauf der Wartefrist (vgl. dazu wiederum
Art. 18
Ziff. 5 des Reglements sowie den Vorsorgeausweis der Klägerin vom 3. Februar 2016 [Urk.
59/2 S. 2
], wonach die Wartefrist drei Monate beträgt) Anspruch auf Beitragsbefreiung hat. Mit der Beitragsbefreiung entfallen die ordentlichen Beiträge. Davon ausge
nommen sind die Beiträge an den gesetzlichen Sicherheitsfonds
(Urk. 59/1 S. 8)
.
Infolgedessen ist die Beklagte 1 zu verpflichten, der Klägerin die Beitrags
befrei
ung nach
Art. 21 Abs. 1
ihres
ab dem 1. Januar 2016 gültigen
Reglements ab dem Zeitpunkt des Ablaufs der dreimonatigen Wartefrist zu gewähren, mithin die Altersgutschriften entsprechend zu
äufnen
.
8
.
8.1
Ausgangsgemäss
ist die Beklagte
1
gestützt auf § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgerich
t (
GSVGer
) zu verpflichten, dem unent
geltli
chen Rechtsvertreter der Klägerin
eine Prozessentschädigung zu entrichten.
Diese ist unter
Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr. 2'7
00.--
(inklusive Barauslagen und Mehr
wertsteuer) fest
zusetzen.
8.2
Den Beklagten 2, 3 und 4 stehen in ihrer Funktion als Trägerinnen der beruflichen Vorsorge trotz ihres Obsiegens keine Prozessentschädigungen zu (§ 34 Abs. 2
GSVGer
; vgl. statt vieler: BGE 128 V 124 E. 5b).