Decision ID: 08799ae1-23ff-49c0-9eeb-d6d9362e40bc
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1962 geborene X._ reiste 1988 als Asylbewerber aus dem Iran in die Schweiz ein, erhielt die Aufenthaltsbewilligung und besitzt seit 2002 das Schweizer Bürgerrecht. Im Jahre 2004 kehrte er in den Iran zurück, wo er bis 2010 lebte und arbeitete. Seit 2010 war er als Taxifahrer in der Stadt Zürich tätig, seit Oktober 2013 als Selbständigerwerbender. Am 15. Januar 2015 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf eine schwere Depression und damit zusammen
hängenden Leiden bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 8/1). In der Folge tätigte die IV-Stelle medi
zinische und erwerbliche Abklärungen. Mit Mitteilung vom 24. Juni 2015 wurden die Eingliederungsmassnahmen abgeschlossen, nachdem X._ per Mitte Juni 2015 beim früheren Arbeitgeber wieder teilzeitlich als Taxifahrer zu arbeiten begonnen hatte und selbständig eine Stelle als Supporter im IT-Bereich suchen wollte (Urk. 8/20). Daraufhin liess die IV-Stelle den Versicherten durch die Medas Y._ polydisziplinär (psychiatrisch, allgemein-internis
tisch, neurologisch) begutachten (Medas-Gutachten vom 19. Juli 2016, Urk. 8/38). Die fallführende Medas-Gutachterin Dr. Z._, Fachärztin FMH für Allgemeine Innere Medizin und zertifizierte Gutachterin SIM, beantwor
tete am 9. August 2016 die vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) gestellten Rückfragen (Urk. 8/39-42). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 8/45, Urk. 8/48 und Urk. 8/54) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 27. März 2017 einen Anspruch auf eine Invalidenrente (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob X._ am 15. Mai 2017 Beschwerde und beantragte, es sei ihm unter Aufhebung der Verfügung vom 27. März 2017 eine Invaliden
rente zuzusprechen, eventuell sei die Sache zur Abklärung und Vornahme von beruflichen Massnahmen zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfol
gen zu Lasten der Beschwerdegegnerin. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um die Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels (Urk. 1). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 25. Juli 2017 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6, unter Beilage ihrer Akten, Urk. 7/1-2 und Urk. 8/1-64). Mit Verfügung vom 27. Juli 2017 wurde die Beschwerdeantwort dem Beschwerdeführer zuge
stellt.
Gleichzeitig erklärte das Gericht, dass es die Anordnung eines weiteren
Schriftenwechsel
s nicht als erforderlich erachte. Den Parteien bleibe es jedoch unbenommen, sich nochmals zur Sache zu äussern und weitere sachbezogene Unterlagen einzureichen (Urk. 9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird - soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen,
ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (
vgl.
BGE
139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
Die Annahme
eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt
eine psychiatrische,
lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (
vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2,
141 V 281 E. 2.1
, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6
). Eine fachärztlich
einwandfrei
festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die
nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende
Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arb
eitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7,
139 V 547 E. 5.2
, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.5
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtge
mäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozial
versicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stam
men, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestat
ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizi
nische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allsei
tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der ent
scheidrelevante Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom 27. März 2017 (Urk. 2) gestützt auf das polydisziplinäre Medas-Gutachten vom 19. Juli 2016 davon aus, dass dem Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit als Taxifahrer seit Januar 2012 nicht mehr möglich, ihm hingegen eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit zu 50 % zumutbar sei. Die Invaliditätsbemes
sung - ohne Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzuges - ergebe einen Invaliditätsgrad von 0 %. Als Valideneinkommen wurde der Durchschnitts-Ver
dienst der Jahre 2012 und 2013 als Taxifahrer zugrunde gelegt.
2.2
Der Beschwerdeführer macht demgegenüber geltend, dass er gemäss Medas-Gut
achten bereits seit 2010 in der bisherigen und in einer angepassten Tätigkeit zu 50 % arbeitsunfähig und dann seit 2012 in der bisherigen Tätigkeit zu 100 % und in einer angepassten Tätigkeit zu 50 % arbeitsunfähig sei. Folglich sei das für die Invaliditätsbemessung verwendete Valideneinkommen zu niedrig veranschlagt worden, da er bereits 2012 und 2013 gesundheitlich nicht in der Lage gewesen sei, ein volles Einkommen zu erzielen. Es seien beide Vergleichseinkommen anhand statistischen Angaben zu ermitteln. Zudem sei ihm ein leidensbedingter Abzug von 20 % zu gewähren. Daraus resultiere ein rentenbegründender Invali
ditätsgrad (Urk. 1).
3.
3.1
Dr. A._, Neurologie FMH, verwies in seinem Bericht (undatiert, eingegangen am 5. März 2015, Urk. 8/8 S. 1-5) zuhanden der Beschwerdegegnerin auf seine beigelegten Berichte (S. 6-10). In seinem zeitlich letzten Bericht vom 23. Februar 2015 zuhanden des behandelnden Hausarztes Dr. B._, FMH Allgemeine Medizin, führte er folgende Diagno
sen auf:
-
Rezidivierende Episoden einer linksseitigen sensomotorischen Hemi
symptomatik unklarer Ätiologie
-
differentialdiagnostisch: funktionell
-
MR-tomografisch keine Zunahme der vorbekannten MR-
Veränderungen
-
Verdacht auf entzündlich demyelisierende Zentralnervensystems (ZNS)-
Erkrankung,
differentialdiagnostisch: primär progrediente Multiple
Sklerose
-
MR-tomografisch: 3 von 4 Barkhoff-Kriterien
-
Liquor: positive oligoklonale Banden
-
klinisch: Fatigue-Symptomatik, neuropsychologische
Veränderungen
-
keine Schübe eruierbar
Die Ursache der seit Kurzem bestehenden, bislang fast täglich aufgetretenen Symptomatik, mit durch emotionale Ereignisse auslösbarer linksseitiger Sensibi
litätsstörung von elektrisierendem Charakter, teils mit einer subjektiven Schwä
che vergesellschaftet, habe abschliessend nicht eindeutig geklärt werden können. Am ehesten sei eine funktionelle Ursache zu postulieren. Die Zusatzuntersuchun
gen mit EEG und neurovaskulärem Ultraschall hätten keinen wegweisenden Befund ergeben. In der MRI-Schädel-Untersuchung habe sich im Vergleich zu 2012 ein stationärer Befund gefunden (vgl. S. 9), sodass aktuell vorläufig der wei
tere Verlauf abgewartet werden könne.
3.2
Dr. B._, welcher den Beschwerdeführer seit April 2010 hausärztlich behandelt, nannte in seinem Bericht (undatiert, eingegangen am 19. März 2015, Urk. 8/12) zuhanden der Beschwerdegegnerin folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Spinalkanalstenose L4/L5 durch Diskusprotrusion (bestehend seit 2010)
-
Rezidivierende Refluxbeschwerden bei axialer Hiatushernie
-
Verdacht auf terminale Ileitis im Rahmen eines Morbus Crohn
-
Verdacht auf Multiple Sklerose (Erstdiagnose März 2012)
-
Chronisches Fatigue-Syndrom
-
Status nach Opium-Abhängigkeit (Iran), zurzeit im Methadonprogramm
-
Mittelschwere Depression, medikamentös behandelt (bestehend seit 2010)
Der Beschwerdeführer sei in seiner bisherigen Tätigkeit als Taxichauffeur wieder
holt zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. So sei wegen ständigen Arbeitsunterbrü
chen keine kontinuierliche Tätigkeit möglich. Er sei nicht belastbar, müde, ängst
lich und sei im stressigen Taxigewebe überfordert. Die bisherige Tätigkeit sei ihm noch zu 50 % zumutbar. Eine angepasste Tätigkeit ohne körperlich und psychisch belastende Arbeiten könne er ab sofort zu 100 % ausüben.
3.3
C._, welche den Beschwerdeführer seit dem 16. April 2010 psychologisch behandelt, führte in ihrem Bericht vom 27. Mai 2015 (Urk. 8/18) zuhanden der Beschwerdegegnerin als psychiatrische Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F 33.2) auf. Die weiteren internistischen Diagnosen - anamnestisch bekannte Diskushernie, inflammatorisch demyelisierende Erkrankung und Spinalkanalstenose L4/5 durch eine flachbogige Diskusprotrusion und Hypertrophie der Ligamenta flava - wür
den aus psychologischer Sicht nicht beurteilt, doch berichte der Beschwerdeführer von Schmerzen im Zusammenhang mit diesen Erkrankungen, welche massge
blich Einfluss auf das Wohlbefinden des Beschwerdeführers hätten. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit verblieben psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide: Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlich über
wachten Ersatzdrogenprogramm (ICD-10: F 11.22). Im Zusammenhang mit der massiven Belastung des hohen Arbeitspensums als Taxifahrer (10-12 Stun
den/Tag) komme es immer wieder zu schweren depressiven Episoden mit soma
tischen Symptomen wie Übelkeit und Erbrechen sowie starken Einschränkungen der Konzentration und Aufmerksamkeit. Dies führe zu Arbeitsausfällen mit ent
sprechenden Lohneinbussen. Die resultierende unsichere finanzielle Situation begünstige weitere Ängste des Beschwerdeführers, welche in neuen depressiven Episoden mündeten. Hinzu kämen die mit den internistischen Diagnosen im Zusammenhang stehenden Schmerzen, welche zur Belastung würden. Die bishe
rige Tätigkeit als Taxichauffeur sei dem Beschwerdeführer trotz medikamentöser und künftig gesprächstherapeutischer Behandlung seit dem 19. Februar 2015 nicht mehr zumutbar. Bei klar strukturierter Tätigkeit in geschütztem Rahmen wäre es ihm sehr gut möglich, circa 4-5 Stunden/Tag einer geregelten Arbeit nachzugehen, was sich der Beschwerdeführer auch wünschen würde. Mit Hilfe einer medikamentösen und psychiatrisch-psychologischen Therapie könne eine Stabilisierung oder gar Besserung des Zustandsbildes erreicht werden. Ob das prämorbide Leistungsniveau erreicht werden könne, sei allerdings fraglich.
3.4
Dr. D._, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, welche den Beschwerdeführer seit dem 29. April 2013 psychiatrisch behandelt, stellte in ihrem Bericht (undatiert, eingegangen am 12. Juni 2015, Urk. 8/19) zuhanden der Beschwerdegegnerin folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden sowie
emotional-instabilen Persönlichkeitsanteilen (impulsiver Typ, ICD-10:
F 60.8)
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit
somatischem Syndrom (ICD-10: F 33.11)
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit verblieben psychische und Verhaltensstö
rungen durch Opioide, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlich überwachten Ersatzdrogenprogramm (ICD-10: F 11.22), seit 2008. Der Beschwerdeführer zeige eine starke Anspannung aufgrund von Ängsten mit Magenschmerzen, Übelkeit und Ekelgefühlen sowie Erschöpfung nach circa 4-5 Stunden Arbeitszeit. Die Symptomatik werde verstärkt durch Angst vor schwie
rigen Fahrgästen, Überforderung und Kränkung, Angst vor eigenen aggressiven Ausbrüchen und Kontrollverlust seiner psychischen und körperlichen Impulse sowie Nervosität. Seit dem 1. Oktober 2015 sei dem Beschwerdeführer die bishe
rige Tätigkeit als Taxifahrer noch 2-3 Tage in der Woche, jeweils nicht mehr als 6 Stunden pro Tag, insgesamt nicht mehr als eine 50%ige Arbeitsfähigkeit pro Woche zumutbar. Mit einer Erhöhung der Einsatzfähigkeit sei nicht zu rechnen.
3.5
Das polydisziplinäre (psychiatrische, allgemein-internistische und neurologische) Medas-Gutachten vom 19. Juli 2016 (Urk. 8/38) nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Verdacht auf entzündlich-demyelisierende ZNS-Erkrankung, diffe
rentialdiagnostisch primär progrediente multiple Sklerose
-
MR-tomografisch: 3 von 4 Barkhoff-Kriterien
-
Liquor: positive oligoklonale Banden
-
klinisch: Fatigue-Symptomatik, neuropsychologische
Veränderungen
-
keine Schübe eruierbar
-
Rezidivierende depressive Störung, zum Untersuchungszeitpunkt mit
telgradig ausgeprägt (ICD-10: F 33.11)
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit vorrangig emotional instabilen
(impulsiven) selbstunsicheren und ängstlich-vermeidenden Anteilen
(ICD-10: F 61.0)
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit verblieben ein Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlich überwachten Ersatzdrogenprogramm (ICD-10: F 11.22), eine Spinalkanalstenose L4/5 durch Diskusprotrusion (Erstdi
agnose 2010) sowie Magenschmerzen unklarer Ätiologie, differentialdiagnostisch funktionell (S. 26).
Aus dem internistischen Formenkreis könn
t
en keine Krankheiten formuliert wer
den.
Es zeige
sich ein normotoner, cardiopulmonal kompensierter
Beschwerde
führer.
Klinisch
dokumentiere
sich bis auf eine Druckdolenz über der Magenge
gend ein unauffällige
r Status. Eine Gastroskopie von Februar 2015
und die Kolonoskopie
von März 2015
seien
unauffällig
gewesen
, sodass von einer funk
t
ionellen Genese der Beschwer
den ausgegangen werden
müsse
. A
us internisti
scher Sicht bestehe
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
(S. 22)
.
Im Rahmen der neurologischen Untersuchung zeige d
er
Beschwerdeführer
aktuell als Hauptprobleme eine rezidivierende, vorwiegend abdominale Schmerzsympto
matik, auftretend morgens mit oftmals 2- bis 3-tägigem Erbrechen ohne zusätz
liche vegeta
tive Anzeichen, sowie eine deut
liche Fatigue, zusätzlichen neuropsy
chologisch
en Defiziten in Form von Konzent
rationsstörungen und Störungen des Kurzzeitgedächtnisses. Aus neurologischer
Sicht bestehe
ein Verdacht auf eine demyelinisierende Grundkrankheit mit einer radiologisch stabilen Läsionslast seit Erstinvestigation
im März 2012
bis zum MRT
des
Schädel
s
am 6. Februar 2015, im Bereich des Gehirns -
bei objektivierter zusätzlicher Läsion im MRT der HWS vom
9. Februar 2012 mit ventro-zentraler Myelonläsion auf Höhe HWK 6 -
am ehesten einer entzündlichen Läsion
entsprechend. Die Liquoruntersuchung zeige
positive oligoklonale Banden. Bei
Verdacht auf
eine
primär progressive Form einer demyelinisierenden Grunderkrankung
sei
kein
e
Basistherapie
zu beginnen. Die neurologische Untersuchung zeige
aktuell eine Tetraspas
tizität, mit prädomi
nanter Para
parese, linksbetont, jedoch guter Mobilität b
ei Stand und Gang ohne Gleichge
wichts- oder Koordinationsstörungen
-
abgesehen
von einem minimalen Fingerzei
getremor
beim
Ende der Strecke, bei erschöpfbarem
Endstellnystagmus ohne zusätzlic
he neurologische Defizite. Es
sei
davon auszugehen, dass die per
sistierende Fatigue zumindest teilweise auf das neurologische Zustandsbild zurückzuführen
sei. Diesbezüglich erscheine
der
Beschwerdeführer
aktuell zu 50
% arbeitsfähig.
Die Einhaltung dieses
Arbeitspensums
sei zur Limitierung der Stressbelast
ung und Limitierung der Möglichkeit der Triggerung
eines weiteren
Fortschreiten
s
der demyelinisierenden Grunderkrankung notwendig
.
Z
udem
bestehe
bei
einer primär progressiven Form
bisher keine Möglichkeit zu einer Basisbehandlu
ng
. Eine Verstärkung der Fatigue im Rah
men des psychopatholo
gischen Zu
standsbildes
sei
anzunehmen,
wobei
diesbezüglich
auf das psychiatri
sche
Gutachten
verwiesen werde
. Dem
Beschwerdeführer
seien
leichte physische Tätigke
iten in Wechselbelastung zuzumuten mit einer
Gewichtslimit
e
von 2-3 Kilogramm bei
einer
max
imalen
Zahl der
täglichen Arbeitsstunden von
4-5 (ohne Pausen: 2
Arbeitsstunden), was ein maximales
Arbeitspensum
von
50
%
ergebe. Zu vermeiden seien r
ein sitzende
oder rein stehende
Tätigkeiten, vorwiegend im Gehen ausgeübte Tätigkeiten, Tätigkeiten mit Notwendigkeit von Bücke
n, Ü
ber
kopfarbeiten,
Kauern, Knien, Rotation im Sit
zen/Stehen
, Heben/Tragen körpernah oder -
fern
und jeweils nur
unter d
en angegebenen Gewichtslimiten. Ebenfalls zu vermeiden seien
Tätigkeiten mit
der
Notwendigkeit von Besteigung von Leitern oder Gerüsten. Bei zu starken motorischen Belastungen m
üsse
mit einem Tonus
anstieg vor allem in den unteren Extremitäten bei manifester Tetraspas
tik/prädominante
r
Paraparese, linksbetont gerechnet werden. Diesbezüglich
seien äußere Umstände wie Expositi
on bezüglich Kälte, zu starker Wärme, Feuchtigkeit und Nässe zu vermeiden. Hinsichtlich der vorherig durchgeführten Tätigkeit
als Taxifahrer erscheine der Beschwerdeführer
aus neurologischer Sicht nicht arbeitsfähig.
Aus neurologischer Sicht bestehe
also eine Arbeitsfähigkeit von 50
% in einem diesbezüglich angepassten Tätigkeitsfeld
(S. 23 f.)
.
Auf der psychisch-geistigen Ebene
werde
die Lei
stungsfähigkeit durch die darge
stellten affektiven, psychomotorischen, kognitiv
en, formalgedanklichen und vege
tativen Symptome erheblich beeinträchtigt. Auf der psychiatrisch-körperl
i
chen Ebene bestehe
eine ausgeprägte Störung der Vitalgefühle, die die psycho
physische Leistungsfähigkeit des
Beschwerdeführers
zum Un
tersuchungszeit
punkt einschränke
. Im Hinblick auf die soziale Interaktion
sei
der
Beschwerde
führer durch die Antriebsminde
rung, den sozialen Rückzug, die deutliche
Ir
ritier
barkeit und Impulsivität aber auch durch seine Entscheidungsschwäche (depres
sionsbedingt) deutlich eingeschränkt.
Auf der Fähigkeitsebene (ICF) zeigten sich Beeinträchtigungen bei der Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen, der Fähig
keit zur Planung und Strukturie
rung von Aufgaben, der Flexibilitäts- und Umstellf
ähigkeit, Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, Durchhalt
efähigkeit, Kontaktfähigkei
t zu Dritten, Selbstbehauptungs
fähigkeit, Gruppenfähigkeit und
Fähigkeit zu Spont
anaktivi
t
äten.
Zum Untersuchungszeitpunkt liege
in einer ruhigen, stressarmen, nicht monotonen und den körperlichen Möglichkeiten des
Beschwerdeführers
angepassten Tätigkeit unter den Bedingunge
n der freien Wirt
schaft eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit
aufgrund des vorliegend mittelgradig depres
siven Zustandsbildes vor dem Hintergrund einer kombinierten Persönlichkeits
störung vor. Um die aus psychiatrischer Sicht bestehende Res
tarbeitsfähigkeit überhaupt aus
schöpfen zu können, wäre eine vorgeschalte
te Belastbarkeitserpro
bung respektive ein
Arbeitstraining angezeigt. Eine Tä
tigkeit als Taxifahrer erscheine
angesichts der erheblichen Stressbelastung dieser Tätigkeit nicht mehr zumutbar. Zudem
sei
angesichts der Methadon-substituierten Opiatabhängigkeit die Eignung z
um Füh
ren von Motorfahrzeugen höherer Kategorien
(
Personenbe
förderung) nicht gege
ben. Berufliche Massnahmen
seien
im Anschluss an das A
rbeitstraining sinnvoll (Hilfe-
Stellung bei der Stellensuche)
. Invaliditätsfremde Faktoren (u
ngewisse berufliche Zukunft
, ungünstiges Wieder
eingliederungsalter, subjektive Insuffizienz
überzeugung, laufendes versicherungs
rechtliches Verfah
ren)
seien
dabei berücksichtigt u
nd von invaliditätsbedingten Be
funden abge
grenzt worden und nicht in die Beurteilung der medizinisch-theoretischen Zumutba
rkeit einer Tätigkeit miteingefl
ossen.
In der polydisziplinären Zusammenschau der erhobenen Befunde ergebe sich in der angestammten Tätigkeit als Taxichauffeur eine 0%ige Arbeitsfähigkeit. In einer Verweistätigkeit eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Hinweise für eine Aggrava
tion fänden sich nicht. Das Abhängigkeitssyndrom habe zu keiner irreversiblen Gesundheitsstörung geführt. Die vorhandenen beziehungsweise mobilisierbaren Ressourcen seien minim (schlechtes soziales Umfeld/sozialer Rückzug, fehlende Tagesstruktur, mangelndes Selbstvertrauen, Antriebsminderung, Irritierbarkeit, Impulsivität, Entscheidungsschwäche etc.). Die ungünstige Wechselwirkung zwi
schen der rezidivierenden depressiven Störung, der kombinierten Persönlichkeits
störung und der sekundären Suchterkrankung führe immer wieder zu Dekompen
sationen der Problembewältigungsmöglichkeiten des Beschwerdeführers mit kon
sekutiven depressiven Einbrüchen. Dies führe zu einem prolongierten Behand
lungs-/Heilungsverlauf mit reservierter Prognose. Die bisherige Therapie sei sowohl auf psychiatrischer als auch auf neurologischer Ebene lege artis und krankheitsadäquat gewesen. Um die bestehende Restarbeitsfähigkeit überhaupt ausschöpfen zu können, wäre eine vorgeschaltete Belastbarkeitserprobung res
pektive ein Arbeitstraining angezeigt, wobei anschliessend berufliche Massnah
men sinnvoll wären. Angesichts der sicherlich nicht adäquaten Tagesstruktur wäre eine teilstationäre Therapie in einer psychiatrischen Tagesklinik als zumut
bare Behandlungsform zu erwägen. So könnte durch eine verbesserte Tagesstruk
turierung und Verminderung des sozialen Rückzugs die Wiedergewinnung von Motivation, Selbstkontrollenüberzeugung und Selbstvertrauen gefördert werden. Arbeitsrehabilitative Massnahmen seien allenfalls zunächst im geschützten Rah
men realistisch und zumutbar. Es zeigten sich überdies keine Diskrepanzen (S. 29 ff.).
3.6
Am 9. August 2016 (Urk. 8/41-42) beantwortete die fallführende Medas-Gutach
terin Dr. Z._ die vom RAD gestellte Rückfrage. So bestehe seit 2010 in der bisherigen und in einer angepassten Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Seit 2012 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit als Taxifahrer und eine um 50 % eingeschränkte Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit (ruhige, stress
arme, nicht monotone Tätigkeiten, leichte physische Tätigkeiten in Wechselbe
lastung, Gewichtslimite 2-3 Kilogramm, maximale 4-5 tägliche Arbeitsstunden (ohne Pausen nur 2 Arbeitsstunden), keine rein sitzenden oder rein stehenden Tätigkeiten, keine vorwiegend im Gehen ausgeübte Tätigkeiten, keine Tätigkeiten mit Bücken, Überkopfarbeiten, Kauern, Knien, Rotation im Sitzen/Stehen, Heben/Tragen körpernah oder -fern jeweils nur unter den angegebenen Gewichts
limiten. Zu vermeiden seien ebenfalls Tätigkeiten mit Besteigung von Leitern oder Gerüsten. Zudem sollte eine Exposition bezüglich Kälte, zu starker Wärme, Feuch
tigkeit und Nässe vermieden werden.
4.
4.1
Das polydisziplinäre Medas-Gutachten vom 19. Juli 2016 (Urk. 8/38) basiert auf einer umfassenden psychiatrischen, allgemein-internistischen und neulogischen Untersuchung und wurde in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den Vorak
ten (Anamnese) abgegeben. Die Gutachter haben detaillierte und nachvollzieh
bare Befunde und Diagnosen erhoben und sich mit den vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden auseinandergesetzt. Zudem wurden die medizinischen Zusammenhänge und die medizinische Situation einleuchtend dargelegt und die Schlussfolgerung nachvollziehbar begründet. Dem polydisziplinären Gutachten kommt demnach grundsätzlich volle Beweiskraft zu (vgl. E. 1.5).
4.2
Die Medas-Gutachter stellten schlüssig fest, dass aus psychiatrischer und neuro
logischer Sicht ein Gesundheitsschaden, welcher sich auf die Arbeits- bezie
hungsweise Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers auswirkt, mit den darge
legten Diagnosen ausgewiesen ist. So besteht ausgewiesener- und unbestrittener
massen
seit 2010 in der bisherigen und in einer angepassten Tätigkeit eine 50%ige Arb
eitsfähigkeit. Seit 2012 besteht
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit als Taxifahrer und eine um 50 % eingeschränkte Arbeitsfähigkeit in einer angepass
ten Tätigkeit
mit einem besonderen Anforderungsprofil, welches auf die geklag
ten Beschwerden abgestimmt ist (vgl. hierzu E. 3.5 und E. 3.6).
Strittig ist hingegen insbesondere die Höhe des
V
alideneinkommens des Beschwerdeführers, namentlich ob auf
den zuletzt erzielten Verdienst oder auf die
Tabellenlöhne abzustellen ist (vorstehend E. 2.1-2.2).
4.3
4.3.1
Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des Validen
einkommens entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139
V
28 E. 3.3.2; BGE 135 V 58 E. 3.1; BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
Ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versicherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das Valideneinkommen auf Grundlage der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) berechnet werden, wobei die für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenenfalls relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berücksichtigen sind (BGE 139 V 28
E. 3.3.2; BGE 128 V 29 E. 4e; Urteil des Bundesgerichts 9C_887/2015 vom 12. April 2016 E. 4.2).
4.3.2
Dem Valideneinkommen legte die Beschwerdegegnerin das zuletzt vor Eintritt des Ges
und
heitsschadens
als angestellter Taxifahrer
erzielte Einkommen zugr
unde
, welches sie der Lohnentwicklung anpasste
. Dabei stützte sie sich auf den Durch
schnitts-Verdienst aus den Jahren 2012 und 2013
(Einkommensvergleich vom
23. Dezember 2016
, Urk.
8/43
).
Dabei verkennt die Beschwerdegegnerin aber, dass der Beschwerdeführer bereits seit 2010 in seiner bisherigen Tätigkeit als Taxichauffeur nur noch zu 50 % arbeitsfähig und ab 2012 sogar gänzlich arbeits
unfähig war (vgl. E. 4.2).
Da es ihm demnach bereits damals aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich war, ein volles Einkommen zu erwirtschaften, kann nicht auf diesen tatsächlich erzielten Verdienst von durchschnittlich Fr. 24‘817.60 abgestellt werden.
Den Akten kann kein Einkommen entnommen werden, das der Beschwerdeführer vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielt hat, da aus dem von der Beschwer
degegnerin eingeholten IK-Auszug vom 6. Februar 2015 (Urk. 8/6) lediglich für die Jahre 2010 bis 2015 Einträge verzeichnet
sind. Indessen weilte der Beschwer
deführer ausweislich der Akten bereits einmal von 1988 bis 2003 in der Schweiz und ging dabei verschiedenen Erwerbstätigkeiten nach (vgl. Lebenslauf, Urk. 8/9). Es ist demnach davon auszugehen, dass der in den Akten liegende IK-Auszug unvollständig ist, welcher allerdings zusätzliche Aufschlüsse über das noch zu bestimmende Valideneinkommen geben könnte.
4.4
Die Beschwerde ist daher in dem Sinne gutzuheissen, dass die angefochtene Ver
fügung aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese nach ergänzender Abklärung im Sinne der Erwägungen über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers neu verfüge.
5.
Hinsichtlich des Eventualantrags zur Vornahme von beruflichen Massnahmen (Antrag 2 von Urk. 1 S. 1) ist der Beschwerdeführer darauf hinzuweisen, dass er bei der Beschwerdegegnerin jederzeit ein neues Gesuch um berufliche Massnah
men stellen kann.
6
.
6.1
Die Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand
und
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.--
und
Fr. 1‘000.-- festzusetzen sind (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), sind auf Fr. 6
00.-- anzusetzen
und
der unterliegenden Beschwer
degegnerin aufzuerlegen.
6.2
Entsprechend ist die Beschwe
rdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer
eine volle Prozessentschädigung zu bezahlen, die gemäss Art. 61 lit. g ATSG in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) - ohne Rücksicht auf den Streitwert - nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses
und
dem Mass des Obsiegens zu bemessen ist, wobei ein Betrag von Fr. 1‘900.-- (inklusive Barauslagen
und
Mehrwertsteuer) angemessen erscheint.