Decision ID: fac62272-b314-4c49-91d1-72910e5b7ac2
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1961,
war vom 6. November 2009 bis 31. Oktober 2011 vollzeitlich als Servicemitarbeiter beim Restaurant
Y._
tätig (
Urk.
6/4/49-50). Am
10. Oktober 2011
meldete er sich
zur Arbeitsvermittlung an und
stellte
am 9. November 2011
einen Antrag auf
Ausrichtung von Arbeitslosenentschä
digung ab 1. November 2011
, wobei er sich für eine
V
ollzeit
b
eschäftigung
der Arbeitsvermittlung zur Verfügung stellte
(
Urk.
6
/4/60-65). In der Folge richtete ihm die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich (nachfolgend: Kasse) während der vom 1. November 2011 bis 31. Oktober 2013 dauernden Rahmenfrist für den Leistungsbezug Arbeitslosentaggelder aus; das Einkommen aus der
vom Versi
cherten
am 16. April 2012 aufgenommenen
T
ätigkeit
als Servicemitarbeiter
bei der
Firma
Z._
mit einer vereinbarten d
u
r
chschnit
tlichen wöchentlichen Arbeitsze
i
t von 25.2 Stunden
bei einem Bruttolohn von
Fr.
24.80 pro Stunde
(
vgl
.
Teilzeit
-A
rbeitsvertrag vom 10. Feb
ruar 2012,
Urk.
6/4/45-46)
wurd
e dabei als Zwischenverdienst an
gerechnet
(
vgl.
Urk.
6/5/29
sowie
die
aktenkundige
n
Zwischenverdienstbescheinigungen
ab April 2012
)
.
1.2
Am 9. Dezember 2013
beantragte der Versicherte die
Ausrichtung von
Arbeitslo
senentschädigung
f
ür eine Folgerahmenfrist ab
1. November 2013
(
Urk.
6/5/72-75)
.
M
it
Verfügung vom 17. Dezember 2013 (
Urk.
6/5/55-57)
verneinte die Kasse
einen Anspruch
auf Arbeitslosenentschädigung mit der
Begründung, dass
der Versicherte keinen anrechenbaren Arbeits- und Verdienstausfall erleide.
Hierge
gen erhob der Versicherte am 23. Januar 2014
Einsprache (
Urk.
6/5/53)
welche
die Kasse mit Entscheid vom 19. März 2014
(
Urk.
6/5/22-27 =
Urk.
2) abwies.
2
.
Gegen den Einspracheentscheid vom 19. März 2014 (
Urk.
2) erhob der Versi
cherte am
2.
Mai 2014 Beschwerde und beantragte sinngemäss dessen Aufhe
bung
und
die Ausrichtung von Arbeitslosenentschädigung
ab
1. November 2013
(
Urk.
1)
.
Mit Beschwerdeantwort vom 20. Mai 2014 (
Urk.
5) beantragte die Kasse die Abweisung der Beschwerde, was dem Versicherten am 21. Mai 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 9
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversiche
rung und die Insolvenzentschädigu
ng
(AVIG) gelten für den Leistungsbezug und für die Beitragszeit, sofern das Gesetz nichts anderes vorsieht, zweijährige Rah
menfristen (
Abs.
1). Die Rahmenfrist für den Leistungsbezug beginnt mit dem ersten Tag, für den sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind (
Abs.
2). Ist die Rahmenfrist für den Leistungsbezug abgelaufen und beansprucht der Versicherte wieder Arbeitslosenentschädigung, so gelten, sofern das
Gesetz
nichts anderes vorsieht, erneut zweijährige Rahmenfristen (
Abs.
4). Die Bedeu
tung des Aufeinanderfolgens von Rahmenfristen liegt darin, dass eine Neuüber
prüfung aller Anspruchsvoraussetzungen stattfindet (
Thomas Nussbaumer, Ar
beitslosenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, SBVR, Band XIV, Soziale Sicherheit,
2.
Auflage, Basel/Genf/München 2007, S.
2218
Rz 127
).
1.2
Art. 8
Abs.
1 AVIG
zählt die für die Arbeitslosenentschädigung massgeblichen Anspruchsvoraussetzungen auf.
Danach ist unter anderem erforderlich
dass die versicherte Person ganz oder teilweis
e arbeitslos ist (
Art. 8
Abs.
1
lit. a
AVIG
), wobei als ganz arbeitslos gilt, wer in keinem Arbeitsverhältnis steht und eine Vollzeitbeschäftigung sucht (Art. 10
Abs.
1 AVIG), während teilweise Arbeits
losigkeit unter anderem dann vorliegt, wenn die versicherte Person eine Teil
zeitbeschäftigung hat und eine Vollzeit- oder weitere Teilzeitbeschäftigung such
t (Art. 10
Abs.
2 lit. b AVIG).
Weiter ist vorausgesetzt, dass die versicherte Person einen anrechenbaren Arbeits
ausfall erlitten hat (Art. 8
Abs.
1 lit. b AVIG).
Arbeitsausfall heisst Aus
fall an normaler Arbeitszeit. Dieser ist nach der Rechtsprechung in der Regel aufgrund der im Beruf oder Erwerbszweig
des Versicherten allgemein ü
blichen Arbeitszeit zu ermitteln (Thomas Nussbaumer, a.a.O., S. 2224 Rz 151). Nach
Art. 11
Abs.
1 AVIG
ist der Arbeitsausfall
anrechenbar, wenn er einen Verdienst
ausfall zur
Folge hat und mindestens zwei aufeinander folgende volle Arbeits
tage dauert.
Kumulativ erforderlich ist damit ein Verdienstausfall und ein Min
destarbeitsausfall (Thomas Nussbaumer, a.a.O., S. 2225 Rz 153).
Als voller Ar
beitstag gilt der fünfte Teil der wöchentlichen Arbeitszeit, die der Versicherte normalerweise während seines letzten Arbeitsverhältnisses geleistet hat (Art. 4
Abs.
1
der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung,
AVIV).
Gemäss Art. 5 AVIV ist der Arbeitsausfall von teilweise Arbeitslosen (Art. 10
Abs.
2 lit. b AVIG) anrechenbar, wenn er innerhalb von zwei Wochen mindes
tens zwei volle Arbeitstage ausmacht.
Dabei genügt es, wenn der Arbeitsausfall in zwei aufeinanderfolgenden Wochen den Stundenwert von zwei vollen Ar
beitstagen ausmacht (
Rz B
91
des Kreisschreibens des seco über die Arbeits
losenentschädigung in der ab Januar 2007 gültigen Fassung, KS-ALE; ab 1. Ja
nuar 2014: AVIG-Praxis ALE
).
Bei Versicherten, die zwar eine Teilzeitbeschäfti
gung ausüben, aber eine Ganztagesstelle suchen
,
beurteilt sich die Frage, ob ein anrechenbarer Arbeitsausfall vorliegt,
nicht an den Verhältnissen der Vergan
genheit, sondern prospektiv im Hinblick auf die von ihnen angestrebte Beschäf
tigung (
BG
E 121 V 336 E 3 mit Hinweisen).
Der anrechenbare Arbeitsausfall erfüllt eine doppelte Funktion. Als allgemeine Anspruchsvoraussetzung bedeutet er ein gewisses Mindestmass an ausgefalle
nen Arbeitstagen. Zum anderen bildet er eine zentrale Bemessungsregel, weil sich der Entschädigungsanspruch in masslicher Hinsicht grundsätzlich nach dem anrechenbaren Arbeitsausfall während einer Kontrollperiode richtet (Thomas
Nussbaumer, a.a.O., S. 2225 Rz 154).
1.3
Das Taggeld beträgt 70 beziehungsweise 80 % des versicherten Verdienstes (Art. 22
Abs.
1 und
Abs.
2 AVIG). Ein Verdienstausfall liegt nur
vor, wenn der Ein
kommensverlust mehr als 20 beziehungsweise 30 % des versicherten Verdiens
tes beträgt (Rz B92
KS-ALE).
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Arbeits
losenentschädigung ab 1. November 2013.
2.2
Die Beschwerdegegnerin
ging
im
angefoch
tenen
Einspracheentscheid (
Urk.
2)
davon aus,
dass ab 1. November 2013 keine neue Rahmenfrist für den Leis
tungsbezug eröffnet werden könne. Der
versicherte Verdienst des Beschwerde
führers für die
allfällige
neue Rahmenfrist
ab 1. November 2013 sei anhand des von ihm in den letzten sechs Beitragsmonaten (1. Mai bis 31. Oktober 2013) bei der
Firma Z._
bei einem durchsch
n
itt
lichen wöchentlichen
Arbeitspensum von 25.
2
Stunden maximal erzielbaren
Verdienstes
zu ermitteln und belaufe sich auf rund
Fr.
2‘458.--. Da der Beschwerdeführer nach dem 1. November 2013 wei
terhin in einem Pensum von 25.2 Stunden in einem Arbeitsverhältnis mit der
Z._
stehe und der von ihm im Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses erzielte Lohn mit dem im Beobachtungszeitraum für den versicherten Verdienst mass
gebenden Lohn übereinstimme,
erleide
er keinen anreche
nbaren Verdienstaus
fall mehr
(
Ziff.
1-3). Auch wenn das Arbeitsverhältnis des
Beschwerdeführers mit der
Z._
als Abrufstätigkeit qualifiziert würde, resultierte kein anre
chenbarer
Arbeits- und
Verdienstausfall (
Ziff.
4).
2.3
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber g
eltend, der von der Beschwer
-
degeg
nerin ermittelte versicherte Verdienst von
Fr.
2‘458.-- sei zu tief, da die Beschwerdegegnerin die von ihm
zusätzlich zur durchschnittlichen wö
chentlichen Arbeitszeit von 25.2 Stunden
geleist
eten
Arbeitsstunden, welche vertragliche Arbeitszeit darstellten,
zu Unrecht nicht als massgebenden Lohn berücksichtigt habe.
Er sei nach wie vor teilweise arbeitslos, da er eine Teilzeit
beschäftigung ausübe und eine Vollzeitbeschäftigung suche. Sein versicherter Verdienst sei neu zu berechnen und sein Verdienstausfall in der künftigen Kon
trollperiode weiterhin zu entschädigen
(
Urk.
1).
3.
3.
1
Ob ein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung in einer bestimmten Kon
-
trollpe
riode besteht, beurteilt sich primär nach Art. 8
Abs.
1 lit. a-g in Ver
bin
-
dung mit Art. 9 ff. AVIG. Sind diese Anspruchsvoraussetzungen gegeben, kommt es zur Zusprechung einer Arbeitslosenentschädigung, die in betraglicher Hinsicht nach den Art. 18 ff. AVIG festgelegt wird (BGE 121 V 336 E. 2 lit. b mit Hinweisen).
3.2
Die Beschwerdegegneri
n verneinte einen
Anspruch des Beschwerdeführers
auf Arbeitslosenentschädigung
ab 1. November 2013
mit der Begründung, dass die Anspruchsvoraussetzung des anrechenbaren Arbeitsausfalls im Sinne von Art. 8
Abs.
1 lit. b AVIG in Verbindung mit Art. 11 AVIG nicht erfüllt sei.
Gegenstand des angefochtenen Entscheids und damit auch des vorliegenden Verfahrens ist
somit die Frage
der Anspruchsberechtigung,
namentlich
unter dem
Blickwinkel
der Arbeitslosigkeit und
des anrechenbaren Arbeitsausfall
s. Soweit die Beschwerdegegnerin zur Beurteilung d
er
Frage
des anrechenbaren Arbeitsausfalls
mit dem versicherten Verdienst argumentierte, handelt es sich dabei nur
um einen
der Begründung der Verfügung dienenden
Teilaspe
kt des verfügungsweise festgelegten Rechtsverhältnisses, welcher nicht selbständig anfechtbar ist (vgl.
BGE
125
V 413 E. 2b
mit
Hinweisen)
.
Insofern ist im vorlie
genden Verfahren nicht über die Höhe des
für die Festsetzung der Arbeitslo
senentschädigung massgebenden versicherten Verdienst
es
zu entscheiden
.
4.
4.1
Per 31. Oktober 2013 ist die
für den Beschwerdeführer
am 1. November 2011 eröffnete Rahmenfrist für den Leistungsbezug
abgelaufen
.
Voraussetzung für die Eröffnung einer Folgerahmenfrist beziehungsweise einen Anspruch auf Ar
beitslosenentschädigung ab 1. November 2013 ist, dass der Beschwerdeführer in diesem Zeitpunkt (erneut) sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt (vgl. vorstehend E. 1.1).
4.2
Der Beschwerdeführer ist seit 16. April 2012
teilzeitlich
als Servicemitarbeiter
bei der
Z._
tätig, wobei im Teilzeit-Arbeitsvertrag vom 10. Februar 2012 eine
wöchentliche Arbeitszeit von d
u
r
chschnittlich 25.2 Stunden vereinbart wurde (
Urk.
6/4/45-46,
Urk.
6/5/73
Ziff.
1
5)
. Die
wöchentliche Normalarbeitszeit im Betrieb
beträgt
gemäss den Angaben der Arbeitgeberin in den Zwischenver
dienstbescheinigungen
(vgl. etwa
Urk.
6/4/131
Ziff.
4)
42 Stunden, womit d
as durchschnittliche wöchentliche Arbeitspensum des Beschwerdeführers einer durchschnittlich 60%igen (Teilzeit
-)B
eschäftigung
entspricht
.
Im Antrag auf Arbeitslosenentschädigung vom 4. Dezembe
r 2013 gab der Beschwerdefüh
rer
an, er sei bereit und in der Lage, eine Vollzeitbeschäftigung anzunehmen (
Urk.
6/5/72
Ziff.
3).
Da
d
er Beschwerdeführer
somit
eine Teilzeitbeschäftigung aus
übt
und
eine Voll
zeitbes
chäftigung
sucht, ist
er vom Zeitpunkt, ab welchem er sich beim Arbeits
amt zur Vermittlung meldet (Art. 10
Abs.
3 AVIG), als teilarbeitslos zu betrach
ten
(vgl. BGE 121 V 336 E. 2 lit. e)
.
4.3
Der Beschwerdeführer
ist im Umfang von durchschnittlich 60
%
arbeitstäti
g
, strebt indes
eine Vollzeitbeschäftigung an.
Aus den aktenkundigen Zwischen
verdienstabrechnungen ergibt sich, dass er den geforderten Mindest
arbeits
aus
fall von zwei vollen Tagen innerh
alb zweier Wochen (Art. 5 AVIV
, vgl. vorste
hend E. 1.2
), vorliegend 16.8 Stunden (42 Stunden pro Woche : 5
Arbeitstage
x 2),
erlitten hat
(vgl. etwa Zwischenverdienstbescheinigung für den Monat Okto
ber 2013,
Urk.
6/4/2-3)
.
Da d
er
Beschwerdeführer
durchschnittlich 60
%
arbeitet, jedoch vollzeitlich arbei
ten will, erleidet er sodann einen Verdienstausfall von durchsch
nittlich 40
%
.
4.4
Mit Bezug auf die
vom Beschwerdeführer
gewünschte Erweiterung der Er
-
werbstä
tigkeit auf
100
%
liegt
nach dem Gesagten
auch
ein anrechenbarer Arbeitsausfall vor (vgl.
auch
BGE 1
21 V 336 E. 3). Damit erfüllt der Beschwer
deführer die Anspruchsvoraussetzung von
Art.
8
Abs.
1 lit. b in Verbindung mit
Art.
11 AVIG.
In diesem Sinne
und mit dieser Feststellung ist
daher
der angefochtene Ent
scheid aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die übrigen Anspruchsvoraussetzungen prüfe
und eine allfällige
Ar
beitslosenentschädigung
festlege.