Decision ID: c6312d85-567b-40ca-93d1-d2427412c088
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1958,
ausgebildete
Primarlehrerin und
PR-Beraterin/Werbeleiterin,
war vom 19. März 2007 bis zum 31. März 2011 als Head of Marketing und Office Supervisor bei Vier Pfoten – Stiftung für Y._ angestellt (Urk. 8/32/5 und Urk. 8/32/14-15). Am
2
2.
Januar 2011
wurde die Ver
sicherte
von der Krankentaggeldversicherung Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG wegen einer depressiven Episode bei der Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zur Frühe
rfassung gemeldet (Urk. 8/4). Im Rahmen eines Telefongesprächs vom
2.
März 2011
erklärte
d
ie Versicherte der IV-Stelle
, dass sie wieder
voll arbeitsfähig sei und
im bisherigen Pensum arbeite
(
Urk.
8/8). Mit Schreiben vom
2.
März 2011
teilte
di
e IV-Stelle mit
, dass eine Anmeldung nicht angezeigt sei (
Urk.
8/10).
Vom 6. August 2012 bis zum 30. April 2013 war die Versicherte als Mitglied der Geschäftsleitung beim Verein Z._ angestellt (Urk. 8/60).
1.2
Am 1
4.
April 2014 wurde die Versicherte von der PKRück Lebensversicherungs
gesellschaft unter Hinweis auf eine bipolare
affektive
Störung bei der IV-Stelle zur Früherfassung gemeldet (
Urk.
8/18). Die IV-Stelle stellte der Versicherten das Anmeldeformular zu, welches diese am
2.
Juni 2014 (Eingangsdatum) ausgefüllt retournierte (
Urk.
8/28).
Daraufhin holte die IV-Stelle den Bericht von Dr. med. A._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 23. Juli 2014 ein (Urk. 8/37). Am 21. Oktober 2014 erteilte sie Kostengutsprache für ein Aufbau
training bei B._ Arbeitsintegration vom 20. Oktober 2014 bis zum 19. April 2015 (Urk. 8/44). Mit Mitteilung vom 28. Oktober 2014 hielt die
IV-Stelle fest, dass sich die Versicherte entschieden habe, das Aufbautraining nach einem Tag abzubrechen. Die Mitteilung vom 21. Oktober 2014 werde somit auf
gehoben (Urk. 8/48). Am 22. Januar 2015 teilte die IV-Stelle mit, dass keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien, da sich die Versicherte zurzeit aus gesundheitlichen Gründen nicht dazu in der Lage fühle (Urk. 8/54). In der Folge holte die IV-Stelle den Bericht von Dr. A._ vom 13. März 2015 (Urk. 8/56), den Arbeitgeberbericht des Vereins Z._ vom 18. Juni 2015 (Eingangsdatum, Urk. 8/60) und den Verlaufsbericht von Dr. A._ vom 18. Juli 2015 (Urk. 8/61) ein. Im Weiteren gab sie bei Dr. med. C._, FMH Psy
chiatrie und Psychotherapie, ein Gutachten in Auftrag, das dieser am 29. Februar 2016 erstattete (Urk. 8/71).
Mit Schreiben
vom 29. Juni 2016
erklärte die
IV-Stelle der Versicherten, dass ihr Gesundheitszustand
mit der Fortsetzung der psy
chiatrischen medikamentösen und psychotherapeutischen Behandlung wesent
lich verbessert werden könne. Der Behandlungsrhythmus sei im Ermessen des Facharztes für Psychiatrie und Psychotherapie anzusetzen und über mindestens ein Jahr durchzuführen.
Im Sinne ihrer Mitwirkungspflicht s
ei die Versicherte aufgefordert, sich dieser
Behandlung zu unterziehen (Urk. 8/73
).
Mit Vorbescheid vom 29. Juni 2016 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung des Leis
tungsbegehrens in Aussicht (Urk. 8/74), wogegen diese am 29. August 2016 Ein
wand erhob (Urk. 8/81; vgl. auch ergänzende Einwandbegründung vom 3. Okto
ber 2016, Urk. 8/84). Nachdem die IV-Stelle den Austrittsbericht der D._ vom 15. August 2016 (Urk. 8/92) und den Bericht von Dr. med. E._, Facharzt für Innere Medizin, vom 22. Dezem
ber 2016 (Urk. 8/94/6) beigezogen hatte, verneinte sie mit Verfügung vom 28. Februar 2017 (Urk. 2) einen Anspruch auf IV-Leistungen, da kein invalidisie
render psychischer Gesundheitsschaden vorliege.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 22. März 2017 Beschwerde mit folgendem Rechtsbegehren (Urk. 1 S. 2):
1.
Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 2
8.
Februar 2017 sei aufzuheben.
2.
Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, der Beschwerdeführerin Ren
te
n
leistungen ab dem frühestmöglichen Zeitpunkt auszurichten.
3.
Der Beschwerdeführerin sei die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und sie
sei von allfälligen Vorschuss- und Sicherheitsleistungen zu befreien. Zudem sei ihr
die unentgeltliche Rechtsverbeiständung durch die Unterzeichnende zu gewähren.
4.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich der gesetzlichen Mehr
wertsteuer) zulasten der Beschwerdegegnerin.
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom
5.
Mai 2017 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7). Mit Eingabe vom
7.
Juni 2017 (
Urk.
10) reichte die Beschwe
rdeführerin die Berichte von Dr. med. F._, FMH Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, vom 31. Mai 2017 und der Klinik für Nuklearmedizin des G._ vom 28. März 2017
(
Urk.
11
/1-2
)
ein. Hierzu nahm die Beschwerdegegnerin am 3. Juli 2017 Stellung (Urk. 13). Diese Stellungnahme wurde der Beschwerdeführerin am 4. Juli 2017 zur Kennt
nis gebracht (Urk. 14).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden aus
geglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlie
gens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitli
chen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkom
men zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme
eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie aus
gewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indi
katoren,
die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belas
tungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) ande
rerseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1).
Die Anerkennung eines ren
tenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. zur Publikation in der Amtlichen Sammlung bestimmtes Urteil des Bundesgerichts 8C_409/2017 vom 2
1.
März 2018 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.2.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
-
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich
entscheidend
ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2
017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
ditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.
6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass sie insbesondere Berichte des behandelnden Dr. A._ eingeholt und das Gutachten von Dr. C._ vom 29. Februar 2016 veranlasst habe. Nach Einsicht und Prü
fung aller Unterlagen komme sie zum Schluss, dass bei der Beschwerdeführerin zwar psychische Einschränkungen vorgelegen hätten. Diese würden sich jedoch nicht mehr auf die Arbeitsfähigkeit auswirken. Aus medizinischer Sicht sei ihr eine leichte Tätigkeit möglich. Im Zusammenhang mit der freiwilligen Behand
lung in der D._ vom 1. bis zum 5. Juli 2016 hätten im Übrigen psychosoziale Belastungsfaktoren (Konflikt mit dem Sohn) im Vordergrund gestanden und beim darauffolgenden Kuraufenthalt im H._ seien keine relevanten medizinischen Behandlungen erfolgt (Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte in der Beschwerde vom 22. März 2017 demge
genüber geltend, dass Dr. C._ im von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebenen Gutachten vom 29. Februar 2016 als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine bipolare affektive Störung, gegenwärtig remittiert, angeführt habe. Dr. C._ sei zum Schluss gekommen, dass aufgrund des lang
jährigen chronifizierten Verlaufs bei schwieriger Medikation in der angestamm
ten Tätigkeit als Geschäftsführerin und in leitender verantwortungsvoller Funk
tion keine Arbeitsfähigkeit mehr bestehe. In einer angepassten Tätigkeit (zum Beispiel als Verkäuferin) sei eine Arbeitsfähigkeit von vier Stunden pro Tag gegeben. Der Regionale Ärztliche Dienst habe empfohlen, auf das Gutachten von Dr. C._ abzustellen. Dennoch sei die Beschwerdegegnerin ohne nachvollzieh
bare Begründung von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer leichten Tätigkeit ausgegangen. Soweit sich die Beschwerdegegnerin darauf berufe, dass das Krankheitsbild aktuell remittiert sei, verkenne sie den phasischen bzw. schubförmigen Charakter der hier in Frage stehenden Krankheit sowie den erschwerend hinzukommenden chronischen Verlauf. Zudem sei auch zu berücksichtigen, dass sich ihr Gesundheitszustand mittlerweile verschlechtert habe. Da die Beschwerdeführerin unter starkem Zittern und starken Muskel- und Gelenkschmerzen leide, sei sie wegen des Verdachts auf Parkinson abgeklärt wor
den. Dieser Verdacht habe sich inzwischen erhärtet (Urk. 1 S. 3 ff.).
In der Eingabe vom 7. Juni 2017 ergänzte die Beschwerdeführerin, dass die wei
teren Abklärungen bezüglich Parkinsonerkrankung die Diagnose bestätigt hätten. Im Übrigen befinde sie sich seit dem 1. Mai 2017 in der I._ in stationärer psychiatrischer Behandlung (Urk. 10).
2.3
Die Beschwerdegegnerin erklärte in der Stellungnahme vom 3. Juli 2017, dass mit dem idiopathischen Parkinson-Syndrom zwar neu eine neurodegenerative Erkrankung ausgewiesen sei. Eine Arbeitsunfähigkeit aufgrund des idiopathi
schen Parkinson-Syndroms werde in den Arztberichten vom 1. Dezember und 31. Mai 2017 aber nicht attestiert. Überdies seien aus diesen Berichten auch keine entsprechenden Symptome, welche sich bereits vor Erlass der Verfügung vom 28. Februar 2017 auf die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt hätten, ersichtlich. Damit sei nicht zu beanstanden, dass zum Verfügungszeitpunkt von keinem invalidi
sierenden Gesundheitsschaden ausgegangen worden sei (Urk. 13).
3.
3.1
Dr. A._ führte im Bericht vom 23. Juli 2014 als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine bipolare affektive Störung (ICD-10 F31.7), bestehend seit 2000, an. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er ein myelodysplastisches Syndrom, bestehend seit Jahren. Die Beschwerdeführerin sei seit dem 23. August 2010 bei ihm in Behandlung. Es fänden ambulante Behandlungstermine statt, angepasst an den gegenwärtigen psychopathologi
schen Zustand alle ein bis drei Wochen. Die Beschwerdeführerin sei in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Marketing-/Kommunikationsspezialistin bzw. Geschäftsführerin einer NGO wie folgt arbeitsunfähig gewesen (Urk. 8/37/2-3):
100
%
vom
4.
Oktober bis zum 1
7.
November 2010
50
%
vom 1
8.
November 2010 bis zum 3
1.
Januar 2011
100
%
vom 1
0.
Januar bis zum 1
6.
Juni 2013
100
%
vom 2
7.
Juni 2013 bis aktuell
Dr. A._ erklärte, dass eine verminderte psychische Belastbarkeit und Flexibi
lität bestehe. Die Beschwerdeführerin müsse auch in remittierten Phasen verstärkt darauf achten, nicht in Stress-/Überlastungssituationen hineinzukommen, weil sie sonst unweigerlich in die Spirale
„hypomanisches Überengagement mit über
mässiger Fokussierung auf die Arbeitsaufgaben - psychophysische Überlas
tung/Erschöpfung - Abgleiten in depressive Episode“ hineingerate. In der bishe
rigen Tätigkeit sei sie unter den beschriebenen angepassten Bedingungen zu 50 bis 70 % arbeitsfähig. Die Leistungsfähigkeit in der angepassten Teilzeitarbeits
tätigkeit betrage maximal 80 %
(Urk. 8/37/3).
3.2
Im Bericht vom 13. März 2015 hielt Dr. A._ fest, dass die zwischenzeitliche Entwicklung seit dem letzten Bericht den für die Erkrankung der Beschwerdefüh
rerin typischerweise auftretenden chronischen Verlaufscharakter leider bestätigt habe. Das Risiko des Auftretens von erneuten akuten Krankheitsepisoden sei erhöht bzw. weiterhin hoch. Angepasst an den gegenwärtigen psychopathologi
schen Zustand fänden nach wie vor alle ein bis drei Wochen ambulante Behand
lungstermine statt (Urk. 8/56/3).
3.3
Dr. C._ stellte im Gutachten vom 29. Februar 2016 als Diagnose mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit eine bipolare affektive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F31.7). Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er keine. Dr. C._ gab an, dass für die angestammte Tätigkeit eine voll
ständige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Dies sei durch die medikamentös schwer beherrschbare bipolare Störung bedingt, bei der es im Zusammenhang mit der letzten Tätigkeit immer wieder zu Phasen gekommen sei, in welchen die Beschwerdeführerin wenig abgegrenzt, gegenüber Mitarbeitern möglicherweise fachlich übergriffig aufgetreten sei und sich deshalb in Konflikte verstrickt habe. In schwerem Ausmass reduziert seien insbesondere die Durchhaltefähigkeit, die Flexibilität und die Umstellungsfähigkeit. Eine angepasste Tätigkeit – die Beschwerdeführerin selbst habe eine Tätigkeit als Verkäuferin aufgeführt – wäre ihr zu vier Stunden pro Tag zumutbar. Die hier gemachten Angaben könnten seit Mai 2013 angenommen werden. Es würden sich keine Hinweise finden, dass zwi
schenzeitlich eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit eingetreten sei (Urk. 8/71/22-25).
3.4
Die Beschwerdegegnerin kam im Rahmen der Ressourcenprüfung (nach den Standardindikatoren) vom 13. Mai 2016 zum Schluss, dass diagnostisch kein Zweifel am Vorliegen einer bipolaren Störung bestehe. Diese sei jedoch gegen
wärtig remittiert. In der Vergangenheit sei es zu mehreren stark depressiven Schwankungen und hypomanischen Zuständen gekommen, welche sich vor allem während der Berufstätigkeit als Geschäftsführerin innerhalb der letzten Jahre gezeigt hätten. Die Beschwerdeführerin verfüge über gute persönliche Res
sourcen. Aufgrund der momentanen medizinischen Aktenlage und vor allem der remittierten Erkrankung sei aktuell kein IV-relevanter Gesundheitsschaden aus
gewiesen (Urk. 8/72/6-7).
3.5
Die Ärzte des Zentrums für Integrative Psychiatrie und Impulskontrollstörungen der D._ gaben im Austrittsbericht vom 15. August 2016 an, dass die Beschwer
deführerin vom 1. bis zum 5. Juli 2016 in ihrer Klinik hospitalisiert gewesen sei. Der Grund des Eintritts sei eine extreme Stresssituation mit ihrem Sohn gewesen, der an einer Psychose leide und aktuell in psychisch labiler Verfassung sei. Die Beschwerdeführerin sei zur Krisenintervention im Rahmen einer depressiven Epi
sode bei ihnen aufgenommen worden. Im Verlauf des Wochenendes habe sie jedoch festgestellt, dass sie lieber eine Behandlung im H._ wahrnehmen möchte (Urk. 8/92).
3.6
Dr. E._ erklärte im Bericht vom 22. Dezember 2016, dass die Beschwerdefüh
rerin vom 7. bis zum 21. Juli 2016 zur Erholung im Kurzentrum H._, gewesen sei. IV-relevante Untersuchungen und Beurteilungen seien ärztli
cherseits nicht durchgeführt worden (Urk. 8/94/6).
3.7
Dr. F._ stellte im an die Beschwerdeführerin gerichteten Konsultationsbericht vom 1. Dezember 2016 folgende Diagnosen (Urk. 3):
(1)
ein wahrscheinliches i
diopathisches Parkinson-Syndrom
(2)
l
eichte kognitive Defizite mit attentionalen und mnestischen Defiziten (ICD-10
F06.9)
–
MRI Schädel (September
2015): unspezifische Erweiterung der äusseren
Liquorräume entlang der fronto-parietalen Konvexität, keine vaskuläre
Enzephalopathie, keine
Hippokampus-Atrophie
-
Differentialdiagnose
im Rahmen des wahrscheinlichen Parkinson-Syndroms, der
bipolaren Störung bzw. Affektlage, allenfalls im Rahmen eines möglichen
Schlaf-Apnoe-Syndroms
(3)
anamnestisch Schlaf-Apnoe-Syndrom
Dr. F._ legte dar, dass er die Beschwerdeführerin vor
ei
nem Jahr
auf Zuwei
sung von
Dr. A._
abgeklärt
habe und
damals der Meinung
gewesen sei
, dass der Tremor medikamen
tös bedingt sei
und
kein Parkinson-Syndrom vorliege
. Nach einem Jahr
habe sich die Beschwerdeführerin
wegen einer Verschlechterung des Zitterns und Krämpfen im rechten Bein
bei ihm gemeldet
. Neu
habe sich
klinisch ein rechtsbetontes Parkinson-Syndrom mit Hypokinese und Rigor
gefunden
.
Er
habe deshalb eine probatorische
Behandlung mit Madopar begon
nen. Darunter sei
der Tremor besser
geworden
und der Rigor
habe
remittiert, so dass
er
nun doch von einem zusätzlichen idiopathis
chen Parkinson-Syndrom ausgehe (Urk. 3).
3.8
Im Kurzbericht vom 31. Mai 2017 erklärte Dr. F._, dass im SPECT eine dopa
minerge Degeneration habe nachgewiesen werden können und die Diagnose eines idiopathischen Parkinson-Syndroms somit gesichert sei. Da es sich um eine progrediente neurodegenerative Erkrankung handle, bitte er darum, dies bei den Abklärungen bezüglich Berentung und Erwerbsfähigkeit mitzuberücksichtigen (Urk. 11/1).
4.
4.1
Der angefochtenen Verfügung vom 2
8.
Februar 2017 (Urk. 2) liegt in medizini
scher Hinsicht im Wesentlichen das p
sychiatrische Gutachten von Dr. C._ vom 29. Februar 2016 (Urk. 8/71
)
zugrunde. Anders als Dr. C._, der von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten und von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ausging, erachtete die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin
– nach Prüfung der Standardindi
katoren – als in einer leichten Tätigkeit jedoch zu 100 % arbeitsfähig (vgl. E. 2.1).
4.2
Zu dieser Beurteilung ist zunächst zu bemerken, dass nach der jüngsten Recht
sprechung des Bundesgerichts nunmehr
grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach B
GE 141 V 281 zu unterziehen sind (vgl. E. 1.2.2).
Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit
sodann
je aus ihrer Sicht (BGE 141 V 281 E. 5.2.1; BGE 140 V 193 E. 3; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_342/2015 vom 10. November 2015 E. 1.2). Aus rechtlicher Sicht kann von einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
daher
grundsätzlich
abgewichen werden, ohne dass sie ihren Beweiswert
verliert
(vgl. statt vieler: BGE 142 V 342 E. 6.1 mit Hinweisen).
4.3
Mit Blick auf die bei der Beschwerdeführerin diagnostizierte bipolare affektive Störung ist für
die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
somit eine Prüfung der Stan
dardindikatoren vorzunehmen. Eine solche hat Dr. C._ aufgrund der damals noch geltenden Rechtsprechung nicht durchgeführt. Was die vorliegend von der Beschwerdegegnerin am 13. Mai 2016 bzw. 23. Januar 2017 (in den Feststel
lungsblättern) bereits vorgenommene Prüfung der Standardindikatoren anbe
langt, fällt allerdings auf, dass sie bezüglich Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde im Wesentlichen lediglich erklärt hat, dass sich in der Begutachtungssi
tuation bei Dr. C._ ein insgesamt unauffälliger Psychostatus und keine depressiven Symptome gezeigt hätten. Zudem ergänzte sie, dass die mehreren stark depressiven und hypomanischen Zustände vor allem während ihrer Berufs
tätigkeit als Geschäftsführerin innerhalb der letzten Jahre aufgetreten seien (Urk. 8/72/6 und Urk. 8/98/2). Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei ihrer Beurteilung also in erster Linie auf die Ergebnisse der Untersuchung von Dr. C._ vom 15. Januar 2016 bzw. die damalige Momentaufnahme. Einge
hendere Erörterungen zum Umstand, dass die damals vorübergehend remittierte psychische Erkrankung der Beschwerdeführerin typischerweise einen schwan
kenden Verlauf zeigt und Dr. A._ in den Berichten vom 23. Juli 2014 (Urk. 8/37/3) und vom 13. März 2015 (Urk. 8/56/3) etwa von rezidivierenden depressiven Episoden mit niedergestimmtem Affekt, Deprimiertheit, verstärkter psychischer Labilität, eingeengtem Denken mit grüblerischem, negativem Gedan
kenkreisen sowie Antriebs- und Konzentrationsminderung sprach, finden sich – wie die Beschwerdeführerin zu Recht bemängelte (vgl. E. 2.2) – indes nicht. Ins
besondere auch vor dem Hintergrund, dass die Beschwerdegegnerin erheblich von der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit von Dr. C._ abwich, wäre eine ver
tiefte Auseinandersetzung damit jedoch erforderlich gewesen.
4.4
Im Weiteren gab die Beschwerdeführerin bereits im Rahmen der Begutachtung bei Dr. C._ vom 15. Januar 2016 an, dass zu den bereits bestehenden Beschwerden neu auch ein Zittern hinzugekommen sei. Dies war gemäss Gutach
ten von Dr. C._ der Hauptgrund dafür, dass die Beschwerdeführerin ihre Arbeitsfähigkeit selbst als sehr schlecht beurteilte (Urk. 8/71/14 und Urk. 8/71/16). Zwischenzeitlich wurde nun ein idiopathisches Parkinson-Syn
drom nachgewiesen (Urk. 11/1) und die Ursache des Zitterns ist offenbar geklärt. Unter diesen Umständen sind Anhaltspunkte dafür gegeben, dass diese neurode
generative Erkrankung bereits vor Erlass der angefochtenen Verfügung vom 28. Februar 2017 Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hatte. Eine Abklärung in neurologischer Hinsicht ist daher notwendig.
4.5
Es
ist somit festzuhalten, dass eine zuverlässige Beurteilung des Gesundheitszu
stands der Beschwerdeführerin und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit aufgrund der vorliegenden Akten nicht möglich ist und sich der medizinische Sachverhalt als ergänzungsbedürftig erweist.
4.6
Die Sache ist deshalb in Aufhebung der angefochtenen Verfügung an die Besch
werdegegnerin zurückzuweisen
, damit diese
den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin in neurologischer Hinsicht gutachterlich abklären lässt und ein psychiatrisches Verlaufsgutachten einholt. Die oder der psychiatrische Gut
achterin/Gutachter hat sich dabei insbesondere eingehend zum Verlauf der Arbeits(un)fähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Kommunikationsberaterin in leitender Funktion und in einer allfälligen Verweistätigkeit sowie zu den Stan
dardindikatoren zu äussern. Danach hat die Beschwerdegegnerin
über das Leis
tungsbegehren der Beschwerdeführerin neu zu entscheiden.
In diesem Sinne
ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von
IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG)
, auf Fr. 600.-- anzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerde
gegnerin aufzuerlegen.
Das Gesuch der Beschwerdeführerin
um Gewährung der unentgeltlichen Prozess
führung (Urk. 1
S. 2
) erweist sich damit als gegenstandslos.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb dievertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG in Ver
bindung mit § 34 Abs. 1 und 3 GSVGer unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses – und nach Einsicht in d
ie Honorarnote von Procap Schweiz vom 19. Juni 2018 (Urk. 16) - auf Fr. 2‘021.--
(inkl. Barauslagen und MWSt) festzusetzen.
Das Gesuch der Beschwerdeführerin
um Bestellung einer unentgeltlichen Rechts
vertretung (Urk. 1
S. 2
) ist deshalb ebenfalls gegenstandslos.