Decision ID: 66868091-d69c-4b95-9000-e2e115f8ed18
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache Schändung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 8. Abteilung, vom
4. Juli 2014 (DG140110)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 31. März 2014
(Urk. 23) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 53 S. 39 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig der Schändung zum Nachteil der
Privatklägerin C._ im Sinne von Art. 191 StGB.
2. Vom Vorwurf der Schändung zum Nachteil der Privatklägerin B._ wird
der Beschuldigte A._ freigesprochen.
3. Der Beschuldigte A._ wird bestraft mit 15 Monaten Freiheitsstrafe, wo-
von bis und mit heute 36 Tage durch Haft erstanden sind.
4. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
5. Folgende einzig als Beweismittel sichergestellten, beim Forensischen Institut
Zürich lagernden Gegenstände werden der Privatklägerin B._ nach Ein-
tritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen herausgegeben oder nach
unbenutztem Ablauf einer dreimonatigen Frist von der Lagerbehörde
vernichtet:
− 1 Schlafsack "Jokkmokk", in blauer Hülle (Asservat-Nr. ...);
− 1 Damenkleid, türkis mit rosa Blumenmuster (Asservat-Nr. ...); − 1 Fixleintuch, weiss (Asservat-Nr. ...); − 1 BH, schwarz (Asservat-Nr. ...).
6. Der Beschuldigte A._ wird verpflichtet, der Privatklägerin C._ eine
Genugtuung von Fr. 2'500.– zzgl. Zins zu 5% seit 24. August 2013 zu
bezahlen. Im Mehrbetrag wird die Genugtuungsforderung abgewiesen.
7. Die Genugtuungsforderung der Privatklägerin B._ wird abgewiesen.
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8. Der amtliche Verteidiger wird mit Fr. 7'968.80 (inkl. Mehrwertsteuer und
Barauslagen) aus der Gerichtskasse entschädigt.
9. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 4'500.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 3'784.60 Auslagen Vorverfahren,
Fr. 2'000.00 Gebühr Untersuchung,
Fr. 589.00 Kosten Kantonspolizei Zürich.
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden zur
Hälfte auf die Staatskasse genommen und zur Hälfte dem Beschuldigten
auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichts-
kasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung der Kosten der
amtlichen Verteidigung im Umfang von 50% gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
11. Der Beschuldigte A._ wird verpflichtet, der Privatklägerin C._ für
das gesamte Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 5'334.90 zu be-
zahlen.
12. (Mitteilung)
13. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 8 f.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 80 S. 2):
1. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der mehrfachen Schändung freizu-
sprechen.
2. Es sei dem Beschuldigten eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 10'000.--
zuzusprechen.
3. Die Zivilforderungen seien abzuweisen.
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4. Die Kosten des Verfahrens sowie der amtlichen Verteidigung seien auf die
Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 81 S. 1):
1. Ziffer 2 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 4. Juli 2014 sei aufzu-
heben und der Beschuldigte sei der Schädigung zum Nachteil von B._
schuldig zu sprechen.
2. Ziffer 3 des genannten Urteils sei aufzuheben und der Beschuldigte sei mit
einer Freiheitsstrafe von 4 1⁄2 Jahren zu bestrafen.
3. Unter entsprechender Kostenfolge.
c) Der Privatklägerin 1 (Urk. 82 S. 3):
Es sei Dispositiv Ziffer 7 des vorinstanzlichen Urteils aufzuheben und der
Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin B._ eine Genugtuung von
Fr. 15'000.-- zuzüglich 5 % Zins ab 24. August 2013 zu bezahlen.
Zudem sei der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin B._ für
das vorinstanzliche Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 4'895.35 zu
bezahlen;
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 8 % MWSt.) für Berufungsverfah-
ren zu Lasten des Beschuldigten.
d) Der Privatklägerin 2 (Urk. 82 S. 2):
Es seien Dispositiv Ziffer 6 und Dispositiv Ziffer 11 des vorinstanzlichen Urteils zu
bestätigen, mithin der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin C._ ei-
ne Genugtuung von Fr. 2'500.-- zzgl. Zins zu 5 % seit 24. August 2013 sowie eine
Prozessentschädigung für das vorinstanzliche Verfahren von Fr. 5'334.90 zu be-
zahlen.
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 8 % MWSt.) für Berufungs-
verfahren zu Lasten des Beschuldigten.
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Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zur Vermeidung
von Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen im angefochtenen Ent-
scheid verwiesen werden (Urk. 53 S. 5 f.).
1.2. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 8. Abteilung, vom 4. Juli 2014 wurde
der Beschuldigte A._ im Sinne des eingangs wiedergegebenen Dispositivs
schuldig bzw. freigesprochen und mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 15
Monaten bestraft. Der Privatklägerin C._ wurde eine Genugtuung von
Fr. 2'500.-- zzgl. Zins zu 5 % seit 24. August 2013 zugesprochen, die Genugtu-
ungsforderung der Privatklägerin B._ wurde abgewiesen. Schliesslich wur-
den dem Beschuldigten die Kosten hälftig auferlegt und er wurde zur Zahlung ei-
ner Prozessentschädigung an die Privatklägerin C._ verpflichtet (Urk. 53
S. 39 ff.).
1.3. Gegen dieses Urteil meldeten sowohl die Verteidigung als auch die Staats-
anwaltschaft innert Frist Berufung an (Urk. 46 und 47). Ebenso fristgerecht gingen
die Berufungserklärungen ein (Urk. 54 und 56). Mit Präsidialverfügung vom
3. Dezember 2014 wurde den Parteien Frist angesetzt, Anschlussberufung zu
erklären oder begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen
(Urk. 59). Die Anschlussberufung der Privatklägerin B._ ging am
23. Dezember 2014 ein (Urk. 62). Mit Verfügung vom 20. Januar 2015 wurde
sodann die Publikumsöffentlichkeit von der Berufungsverhandlung ausge-
schlossen sowie die Gerichtsberichterstatter unter Auflagen zugelassen (Urk. 66).
Mit Verfügung vom 9. April 2015 wurde die Einvernahme von D._ und
E._ als Zeugen angeordnet und die Zeugen wurden zur Berufungsverhand-
lung vorgeladen (Urk. 71 und 73).
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1.4. Zur Berufungsverhandlung vom 4. Mai 2015 sind der Beschuldigte in
Begleitung seines amtlichen Verteidigers lic. iur. X._, der Staatsanwalt
lic. iur. D. Regenass als Vertreter der Anklägerin sowie Rechtsanwältin lic. iur.
Y._ als Vertreterin der Privatklägerinnen erschienen (Prot. II S. 8). Anlässlich
der Berufungsverhandlungen fanden zudem die Zeugeneinvernahmen von
D._ und E._ statt (Prot. II S. 10; Urk. 77 und 78).
2. Umfang der Berufung
2.1. Die Staatsanwaltschaft ficht mit ihrer Berufung den vorinstanzlichen Frei-
spruch (Dispositiv Ziffer 2) sowie damit zusammenhängend die Bemessung der
Strafe (Dispositiv Ziffer 3) an (Urk. 54). Die Verteidigung verlangt mit ihrer Beru-
fung einen vollumfänglichen Freispruch und ficht somit Dispositiv Ziffern 1, 3, 4, 6,
10 und 11 an (Urk. 56). Die Privatklägerin B._ beantragt mit ihrer Anschluss-
berufung die Aufhebung von Dispositiv Ziffer 7 betreffend ihre Genugtuungs-
forderung (Urk. 62).
2.2. Damit sind einzig Dispositiv Ziffer 5 (Herausgabe von Gegenständen an die
Privatklägerin B._), Ziffer 8 (Festsetzung Honorar amtliche Verteidigung) so-
wie Ziffer 9 (Kostenfestsetzung) nicht angefochten. Das vorinstanzliche Urteil ist
in diesem Umfang in Rechtskraft erwachsen, was vorab festzustellen ist.
II. Sachverhalt
1. Schändung zum Nachteil der Privatklägerin 1
1.1. Ausgangslage
1.1.1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten vom Vorwurf der Schändung zum
Nachteil der Privatklägerin 1 freigesprochen. Sie hat sich zur Erstellung des
Sachverhalts hauptsächlich auf die Ausführungen der Privatklägerin 1, aber auch
auf diejenigen des Beschuldigten und der Privatklägerin 2 gestützt. Die wesentli-
chen Aussagen der genannten Personen hat die Vorinstanz in ihrem Urteil
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zutreffend wiedergegeben (vgl. Urk. 53 S. 7 ff.). Darauf kann zur Vermeidung von
Wiederholungen verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
1.1.2. Der Beschuldigte lässt die Bestätigung des Freispruchs beantragen und
dazu ausführen, die Privatklägerin 1 versuche die Schuld auf ihn zu schieben, um
nicht als Ehebetrügerin dazustehen. Die Aussagen der Privatklägerin 1 seien
nicht stimmig, sie verstricke sich in eklatante Widersprüche. Einerseits zähle sie
detailliert auf, was sie getrunken habe, andererseits mache sie Erinnerungslücken
wegen des Alkoholkonsums geltend. Einmal wolle sie sich auf den Schlafsack ge-
legt habe, dann wieder hinein. Es sei weiter unglaubhaft, dass man mehrere Mi-
nuten brauche, um zu realisieren, dass jemand Geschlechtsverkehr mit einem
habe. Auch dass sie mit den Kleidern unter die Dusche gestanden sei, sei un-
glaubhaft. Ausserdem erstaune es, dass sie sich im Badezimmer noch mit dem
Beschuldigten unterhalten habe. Hier liege ein klassischer One-night-stand vor,
der später bedauert worden sei (Urk. 80 N 1 ff.).
1.1.3. Die Staatsanwaltschaft hingegen verlangt, der Beschuldigte sei anklage-
gemäss schuldig zu sprechen. Zur Begründung führte sie aus, es sei gerichts-
notorisch, dass zeitlich auseinanderliegende Aussagen der gleichen Person
widersprüchliche Angaben enthalten müssten, anderes wäre vielmehr ein Indiz für
eine Falschaussage. Dass die Privatklägerin 1 in ihrem Schockzustand nicht alles
detailliert habe schildern können, sei verständlich. Nicht abwegig sei, dass die
Privatklägerin 1 zu müde gewesen sei, um ihr Kleid zum Schlafen auszuziehen.
Es sei sodann kein Widerspruch, dass die Privatklägerin 1 bevor sie geduscht
habe, noch mit dem Beschuldigten gesprochen habe. Auch dass sich die Privat-
klägerin 1 nicht erinnere, ob sie neben dem Bruder der Privatklägerin 2 eingenickt
sei, sei kein Widerspruch. Es sei hinlänglich bekannt, dass Opfer von Sexual- und
Gewalttaten die Dauer der täterischen Einwirkung als zu lange angeben würden.
Die Aussagen der Privatklägerin 1 seien voller Realitätskriterien und überzeu-
gend. Zudem sei kein Motiv für eine Falschaussage ersichtlich (Urk. 81 S. 2 ff.).
1.2. Beweiswürdigung
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1.2.1. Die Vorinstanz hat zur Theorie der Beweiswürdigung sowie zur Verwertbar-
keit der Beweismittel das Notwendige ausgeführt. Darauf kann grundsätzlich ver-
wiesen werden (Urk. 53 S. 11 ff.). Anzumerken ist jedoch, dass im Falle eines
Vier-Augen-Delikts keinesfalls erhöhte Ansprüche an die Glaubwürdigkeit der
Privatklägerinnen und die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen zu stellen sind. Es ist
vielmehr so, dass der allgemeinen Glaubwürdigkeit einer einvernommenen
Person im Sinne einer dauerhaften personalen Eigenschaft kaum mehr relevante
Bedeutung zukommt. Weitaus bedeutender für die Wahrheitsfindung als die all-
gemeine Glaubwürdigkeit ist die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussagen (BGE
133 I 33 E. 4.3, Urteil des Bundesgerichts 6B_692/2011 vom 9. Februar 2012
E. 1.4, je mit Hinweisen). Vorliegend ist daher insgesamt festzuhalten, dass die
allgemeine Glaubwürdigkeit des Beschuldigten und der Privatklägerinnen auf der
gleichen Stufe anzusiedeln sind. Im Folgenden ist somit die Glaubhaftigkeit der
konkreten Aussagen zum Tatvorwurf zu analysieren.
1.2.2. Im Rahmen der Berufungsverhandlung wurden sodann D._ sowie
E._ als Zeugen einvernommen (Prot. II S. 10; Urk. 77 und 78).
1.2.2.1. D._ führte aus, sie könne sich an den Samstagvormittag, 24. August
2013, erinnern, an einiges genauer, an anderes weniger. Sie habe die Privatklä-
gerin 1 in deren Wohnung abgeholt, wohin sie dann gefahren seien,
wisse sie nicht mehr. Die Privatklägerin 1 sei wie immer sehr ruhig gewesen, jetzt
wisse sie, dass diese unter Schock gestanden sei. Sie habe zu ihr gesagt, sie sei
vergewaltigt worden. Die Privatklägerin 1 habe erzählt, als sie erwacht sei, sei der
Beschuldigte auf ihr gelegen und habe einen sexuellen Akt gemacht. Sie habe
nicht realisiert, was gewesen sei, sie habe den Beschuldigten weggestossen und
nicht verstanden, was das solle. Dann sei sie in die Dusche gegangen. Sie habe
nicht verstehen können, weshalb die Privatklägerin 1 den Beschuldigten nicht
weggeschickt habe, ihm sei ja auch nie ein Schlafplatz zugeteilt gewesen. Die
Privatklägerin 1 habe gesagt, sie sei zu müde und zu betrunken gewesen, habe
sich dann einfach hingelegt, in der Annahme, der Beschuldigte würde gehen. Sie
selbst habe an diesem Morgen eine schlafende Person auf dem Sofa gesehen
und eine junge Frau. Sie könne sich nicht erinnern, dass die Privatklägerinnen
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sich unterhalten hätten, es könne aber sein, dass eine Unterhaltung stattgefunden
habe. Sie erinnere sich, dass die Privatklägerin 1 gesagt habe, sie habe Angst,
vom Beschuldigten ein Kind zu bekommen, offenbar habe die Privatklägerin 1 zu
diesem Zeitpunkt schon nicht mehr verhütet. AIDS sei ebenfalls ein Thema
ge-wesen, die Privatklägerin 1 habe wohl gedacht, es sei nicht verhütet worden,
der Beschuldigte habe aber zu ihr gesagt, er habe ein Kondom benützt. Im Atelier
habe sie nie Kondome gesehen, sie wisse über jede Dose in diesem Atelier
Bescheid und könne mit gutem Gewissen sagen, dass es dort nie Kondome
gehabt habe (Urk. 77 S. 3 ff.).
1.2.2.2. E._ gab zu Protokoll, er könne sich an die Nacht auf den 24. August
2013 erinnern, bis er irgendwann eingeschlafen sei. Er sei wohl etwas ange-
schwipst gewesen, nicht aber betrunken. Zwischen ihm und der Privat-klägerin 1
hätten zuvor im Club Annäherungen stattgefunden. Sie hätten sich
geküsst und geschmust. Es sei nur schnell gewesen und es habe nicht mehr
daraus werden sollen. Ob sie auch in der Wohnung rumgemacht hätten, wisse er
nicht mehr genau. Er habe keine sexuellen Aktivitäten zwischen dem Beschuldig-
ten und der Privatklägerin 1 bemerkt, da er geschlafen habe. Seine Schwester
– die Privatklägerin 2 – habe ihm später erzählt, dass der Beschuldigte es zwei-
mal bei ihr probiert habe und scheinbar auch bei der Privatklägerin 1. Etwas
Konkretes habe sie dazu nicht gesagt. Sie habe erzählt, dass sie zweimal erwacht
sei und der Beschuldigte oberhalb von ihr gewesen sei. Ob andere sexuelle
Handlungen auf dem Sofa stattgefunden hätten, könne er nicht sagen, er habe
einen sehr tiefen Schlaf (Urk. 78 S. 3 ff.).
1.2.3. Die Vorinstanz hat in den Aussagen der Privatklägerin 1 einige Widersprü-
che und Ungereimtheiten ausgemacht. So sei nicht klar, ob die Privatklägerin 1 im
oder auf dem Schlafsack geschlafen habe und weshalb sie zum Schlafen nicht ihr
Kleid ausgezogen habe. Weiter sei seltsam, dass die Privatklägerin 1 nicht mehr
wisse, ob sie beim Bruder der Privatklägerin 2 – dem Zeugen C._ – auf dem
Sofa eingeschlafen sei, sie habe nicht derart viel Alkohol konsumiert, dass diese
Erinnerungslücken zu erklären wären. Es leuchte auch nicht ein, dass die Privat-
klägerin 1 durch das Treiben des Beschuldigten nicht erwacht sei bzw. dass sie
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mehrere Minuten gebraucht habe, um zu realisieren, was vor sich gehe (Urk. 53
S. 14 f.). Im wesentlichen beziehen sich diese Widersprüche jedoch nicht auf das
Kerngeschehen, sondern auf Nebenumstände. Insbesondere ist wenig relevant,
ob die Privatklägerin 1 bereits auf dem Sofa kurz eingenickt war oder nicht. Eben-
falls nicht ausschlaggebend ist, ob die Privatklägerin 1 auf oder im Schlafsack
geschlafen hatte. Dass die Privatklägerin 1 ihr Kleid zum Schlafen nicht ausge-
zogen hatte, ist nicht weiter ungewöhnlich, war sie doch nicht alleine zuhause und
wollte sich deswegen möglicherweise nicht entkleiden. Sodann sind Zeitangaben
in Aussagen erfahrungsgemäss mit Vorsicht zu geniessen. Die Privatklägerin 1
sagte zwar aus, es sei "ein paar Minuten" gegangen, bis sie richtig da gewesen
sei, im gleichen Satz sagte sie aber auch, es sei "ein paar Stösse" gegangen, was
auf eine wesentlich kürzere Zeitdauer hindeutet.
In den Ausführungen der Privatklägerin 1 sind vielmehr zahlreiche Realitäts-
kriterien auszumachen, welche für eine glaubhafte Darstellung sprechen. So gab
sie detailliert an, wie sie sich gefühlt habe, als sie realisiert habe, was vor sich
gehe. Sie habe den Beschuldigten weggestossen und gesagt "was machst du",
dann sei sie aufgestanden. Es habe sie "mega gegrust". Der Beschuldigte habe
zu ihr gesagt: "Es bliebt unter uns, gell." Sie sei in die Dusche gegangen und ha-
be den Beschuldigten gefragt, ob er jetzt einfach so Sex mit ihr gehabt habe,
dieser habe gesagt, er habe ein Kondom gebraucht, welches er ihr gezeigt und
daraufhin ins WC geworfen habe (Urk. 6/1 S. 2; Urk. 6/3 S. 5). Sie beschrieb
sodann anschaulich, wie der Beschuldigte auf ihr gelegen sei. Er sei "wie weiter
oben" gelegen (Urk. 6/1 S. 2), sie habe nur seinen Hinterkopf gesehen (Urk. 6/2
S. 5). Dass die Privatklägerin 1 einerseits ausführte, sofort in die Dusche gerannt
zu sein, andererseits auch darlegte, sie habe noch mit dem Beschuldigten
geredet und er habe ihr das Kondom gezeigt, ist nicht als Widerspruch zu sehen,
zumal die Privatklägerin 1 nie angab, sie habe die Badezimmertüre hinter sich
geschlossen. Es kann also durchaus so gewesen sein, dass der Beschuldigte der
Privatklägerin 1 ins Bad gefolgt war. Weiter ist mit der Staatsanwaltschaft davon
auszugehen, dass die Privatklägerin 1, welche eben erst erwacht war, immer
noch darum bemüht war zu realisieren, was passiert war. Bemerkenswert ist
sodann, dass die Privatklägerin 1 ausführte, sie sei mit ihrem Kleid unter die
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Dusche gegangen (Urk. 6/1 S. 2; Urk. 6/2 S. 5), welche Aussage durch die Foto-
dokumentation gestützt wird. Dort findet sich nämlich ein Bild mit der Beschrei-
bung "Kleider von B._ (noch feucht)" (Urk. 12 S. 14). Dass die Privat-
klägerin 1 mit ihrem Kleid duschte, passt zur Aussage, dass sie sich geekelt habe
und überstürzt in die Dusche gerannt sei. Hätte die Privatklägerin 1 einvernehm-
lich Geschlechtsverkehr mit dem Beschuldigten gehabt, hätte sie wohl kaum
danach wieder ihr Kleid angezogen, um mit diesem zu duschen. Ebenfalls
aussergewöhnlich erscheint, dass die Unterhose der Privatklägerin 1 nicht wieder
aufgetaucht war (Urk. 6/2 S. 5 f.). Schliesslich erklärte die Privatklägerin 1 nach-
vollziehbar, sie habe keine Kondome zuhause, da sie einen Ehemann habe und
sie sich entschieden hätten, Kinder zu haben (Urk. 6/2 S. 10). Ebenso schlüssig
erklärte die Privatklägerin 1, weshalb sie den Beschuldigten nicht gleich
weg-geschickt hatte. Sie sei nach dem Vorfall zu schockiert gewesen, um den
Beschuldigten rauszuschmeissen (Urk. 6/1 S. 3); sie sei völlig weg gewesen und
habe dann wohl falsch reagiert (Urk. 6/2 S. 5). Letztlich ist auch kein Motiv
der Privatklägerin 1 ersichtlich, den Beschuldigten zu Unrecht zu belasten. Hätte
die Privatklägerin 1 tatsächlich einvernehmlich einen One-night-stand mit dem
Beschuldigten gehabt, wie dies die Verteidigung darstellt, und hätte sie nicht
gewollt, dass ihr Ehemann von der Geschichte erfährt, so hätte sie einfach nichts
erzählen können. Es ist anzunehmen, dass der ebenfalls verheiratete Beschuldig-
te auch geschwiegen hätte. Die Privatklägerin 1 hatte keinen Grund, von sich
aus von den Ereignissen zu erzählen. Dass es sich bei der Anzeige der
Privatklägerin 1 um einen Versuch handelt, sich selbst in einem besseren Licht
darzustellen, ist eine Behauptung der Verteidigung, die in den Akten keine Stütze
findet.
Zusammengefasst kann festgehalten werden, dass die Aussagen der Privat-
klägerin 1 trotz der wenigen Widersprüche insgesamt glaubhaft und überzeugend
sind. Auf diese kann zur Erstellung des Anklagesachverhalts abgestellt werden.
1.2.4. Der Beschuldigte gab eine ganz andere Version der Geschehnisse zu
Protokoll (vgl. Urk. 5/1). Diese bestätigte er in den folgenden Einvernahmen mit
der Vorinstanz mehrheitlich konstant (Urk. 5/2; Urk. 5/3; Urk. 36). Auffallend im
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Aussageverhalten des Beschuldigten ist jedoch, dass er sogleich, als er mit dem
Tatvorwurf konfrontiert worden war, ausführte: "Dieses Mädchen ist eine Lügne-
rin" (Urk. 5/1 S. 5). Dies wiederholte er mehrfach (Urk. 5/1 S. 6; Urk. 36 S. 8),
zudem bezeichnete er die Aussagen der Privatklägerin 1 als "Bullshit" (Urk. 5/3
S. 3). Die Aussagen des Beschuldigten zeichnen sich sodann dadurch aus, dass
sie sehr vage gehalten sind und keine Details enthalten. Auffallend ist zudem ein
Widerspruch in den Aussagen des Beschuldigten. Während er bei der Polizei
noch ausführte, er und die Privatklägerin 1 seien beim Geschlechtsverkehr völlig
nackt gewesen (Urk. 5/1 S. 7), erklärte er an der Berufungsverhandlung, die
Privatklägerin 1 habe beim Sex ihr Kleid angehabt und raufgezogen (Urk. 79
S. 9). Ausserdem erscheint es reichlich seltsam, dass die Privatklägerin 1, nach-
dem alle Parteien bereits geschlafen bzw. gedöst hatten, den Beschuldigten aus
heiterem Himmel um Geschlechtsverkehr bitten würde (Urk. 36 S. 5), nachdem
sie zuvor gemäss Aussage des Beschuldigten mit dem Zeugen C._ habe
schlafen wollen (Urk. 36 S. 5). Letztlich vermögen die vagen und teilweise wider-
sprüchlichen Schilderungen des Beschuldigten keine Zweifel an der detaillierten
und überzeugenden Darstellung der Privatklägerin 1 zu wecken.
1.2.5. Die Zeugin D._ konnte die Ereignisse des Morgens vom 24. August
2013 relativ detailliert wiedergeben. Sie gab jedoch auch immer wieder
unumwunden zu, sich nicht an sämtliche Details zu erinnern, was aufgrund des
Zeit-ablaufs nicht erstaunt und für die Glaubhaftigkeit ihrer Schilderungen spricht.
Ihre Darstellung deckt sich sodann mit der Darstellung der Privatklägerin 1, ohne
dass sie einstudiert oder abgesprochen wirkt, da die Zeugin immer wieder auch
eigene Beobachtungen oder Gedanken zu Protokoll gab. So habe sie die Privat-
klägerin als sehr ruhig erlebt, sie schliesse aus den Erzählungen, dass alles kurz
bevor sie in die Wohnung gekommen sei passiert sei, da die Privatklägerin 1 noch
in der Dusche bzw. erst kurz draussen gewesen sei (Urk. 77 S. 4). Sie könne
sodann nicht verstehen, weshalb die Privatklägerin 1 den Beschuldigten nicht
weg-geschickt habe, sei ihm doch nie ein Platz zum Schlafen zugeteilt gewesen
(Urk. 77 S. 4 f.). Sie sei selbst auch unter Schock gestanden, es sei alles wie eine
Story gewesen, ihr sei erst im Verlauf des Tages bewusst geworden, was
gewesen sei. Bei der Privatklägerin 1 sei dies noch viel stärker gewesen, bei ihr
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sei wie eine Schicht vorne dran gewesen (Urk. 77 S. 5). Sie erinnere sich, dass
das Thema AIDS vorgekommen sei, sie denke, die Privatklägerin 1 habe gedacht,
dass nicht verhütet worden sei, der Beschuldigte habe ihr aber gesagt, dass er
ein Kondom benützt habe (Urk. 77 S. 7). Insgesamt wirken die Aussagen der
Zeugin D._ sehr glaubhaft, sie stützen zudem die Version der Privatkläge-
rin 1.
1.2.6. Der Zeuge C._ vermag zur Erstellung des Sachverhalts nicht viel bei-
zutragen. Er schlief offenbar ein, bevor sich die eingeklagten Ereignisse abge-
spielt hatten. Dass der Zeuge C._ und die Privatklägerin 1 im Club und allen-
falls auch später noch miteinander rumachten, bedeutet entgegen der Verteidi-
gung (Urk. 80 letzte Seite) in keiner Weise, dass die Privatklägerin 1 bereit war für
ein sexuelles Abenteuer mit dem Beschuldigten.
1.2.7. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass aufgrund der glaub-
haften Schilderungen der Privatklägerin 1 sowie der Zeugin D._ der einge-
klagte Sachverhalt umfassend erstellt ist.
2. Schändung zum Nachteil der Privatklägerin 2
2.1. Ausgangslage
2.1.1. Betreffend Schändung zum Nachteil der Privatklägerin 2 hat die Vorinstanz
den Beschuldigten schuldig gesprochen. Zur Erstellung des Sachverhalts hat sie
wiederum im Wesentlichen die Aussagen der Privatklägerin 2 sowie diejenigen
des Beschuldigten aber auch der Privatklägerin 1 heran gezogen und die
entsprechenden Aussagen korrekt zusammengefasst (Urk. 53 S. 17 ff.). Darauf ist
zu verweisen.
2.1.2. Der Beschuldigte verlangt mit seiner Berufung einen Freispruch und
lässt dazu ausführen, es sei schon merkwürdig, dass sich jemand nach einer
Schändung "tip top" fühle. Dass sich die Privatklägerin 2 schmuddelig gefühlt
habe, sei nicht verwunderlich, es sei Hochsommer gewesen, man habe die Nacht
durchgetanzt, sei verschwitzt und lange wach gewesen. Die Privatklägerin 2 habe
sich freiwillig nur in Unterwäsche mit dem Beschuldigten ins gleiche Bett gelegt.
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Der Privatklägerin 2 sei es wohl plötzlich zu weit gegangen und so werde aus
einer einvernehmlichen Fummelei eine Anzeige wegen Schändung. Sodann sei
es nicht ersichtlich, wie der Beschuldigte, der hinter der Privatklägerin 2 gelegen
sei, dieser die Zunge in den Mund rammen könne, ohne dass diese den Kopf
drehe. Die Aussagen der Privatklägerin 2 seien weder stimmig noch wider-
spruchsfrei. Die Aussagen seien sehr vage und nur auf Nachfrage hin konkret.
Die Privatklägerin 2 könne sodann in der kurzen Zeit, als der Beschuldigte weg
gewesen sei, nicht in den Tiefschlaf und schon gar nicht in die Traumphase
gefallen sein, weshalb ihre Darstellung mit dem feuchten Traum auch nicht
stimmen könne. Weiter könnten bei der Übersetzung der Aussagen des Beschul-
digten Unstimmigkeiten entstanden sein. Es entstehe auch der Eindruck, als ob
die Privatklägerin 2 es im Nachhinein bereut habe, dem Beschuldigten ihren
Körper angeboten zu haben, sie enttäuscht gewesen sei, dass der Beschuldigte
sich zwischendurch mit ihrer Freundin vergnügt habe und sie sich habe rächen
wollen. Schliesslich sei die Privatklägerin 2 bei der Polizei sehr suggestiv befragt
worden (Urk. 80 N 9 ff.).
2.1.3. Die Staatsanwaltschaft beantragte in diesem Anklagepunkt die Bestätigung
des vorinstanzlichen Urteils. Die Vorinstanz habe sich eingehend geäussert und
die richtigen Schlüsse gezogen (Urk. 81 S. 6).
2.2. Beweiswürdigung
2.2.1. Die Vorinstanz hat die Aussagen der Privatklägerin 2 zurecht als glaubhaft
eingestuft. Die Aussagen seien in sich stimmig, differenziert und widerspruchsfrei.
Diese Erwägungen der Vorinstanz zur Würdigung der Aussagen der Privatkläge-
rin 2 sind nachvollziehbar und so zu übernehmen (Urk. 53 S. 22 ff.). Ergänzend
kann angeführt werden, dass die Privatklägerin 2 vor allem in der polizeilichen
Einvernahme am Tag des Tatgeschehens viele Details zu Protokoll gab. So führte
sie aus, der Beschuldigte habe "chum jetzt" und solche Dinge gemurmelt, als
er sie gestreichelt habe. Als sie ihn getreten habe, sei er zickig aufgestanden,
habe gejammert und sei aus dem Zimmer gegangen. Um an ihre Scheide
ranzukommen, habe er ihre Unterhosen verschoben. Der Beschuldigte habe wie
ertappt ausgesehen und er habe gesagt "chills, chills". Sodann habe ihr Höschen
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komisch geschmeckt (Urk. 7/1 S. 3 f.). Ebenfalls auffallend ist das zurückhaltende
Aussageverhalten der Privatklägerin 2. Der Beschuldigte habe versucht, sie zu
küssen, auf den Mund habe er es nur einmal geschafft. Sie wisse nicht, ob er zu
Beginn bereits einen Finger habe einführen können, er sei nicht weit gekommen,
da sie sich umgedreht habe. Auf die Frage, ob sie den Penis des Beschuldigten
gespürt habe, antwortete die Privatklägerin 2, sie wolle nichts Falsches sagen,
weil sie noch im Schlaf gewesen sei und geträumt habe (Urk. 7/1 S. 3 f.). Dass
die Privatklägerin 2 in der ersten Befragung angab, sie fühle sich "tip top", kann
weder entlastend noch belastend für den Beschuldigten wirken, diese Aussage ist
mehr vor dem Hintergrund zu sehen, dass die Privatklägerin 2 wohl nach dem
Untersuch im Spital erleichtert war. Sodann vertauscht die Verteidigung (Urk. 80
N 12) die Opfer- und Täterrolle. Dass sich die Privatklägerin 2 nur leicht bekleidet
mit dem Beschuldigten ins gleiche Bett gelegt hatte, mag leichtsinnig sein, ist aber
noch lange kein Freipass für den Beschuldigten, sich der Privatklägerin 2 sexuell
anzunähern, zumal diese zu verstehen gab, dass sie das nicht wolle. Es sei
gemäss Verteidigung nicht nachvollziehbar, weshalb die Privatklägerin 2 nicht
ihren Bruder um Hilfe gerufen hatte. Dem ist zu entgegnen, dass die Privat-
klägerin 2 wohl ebenfalls erst realisieren musste, was geschehen war, zudem war
sie selbst in der Lage, den Beschuldigten wegzuschicken. Später habe sie ge-
mäss Aussage des Bruders und Zeugen C._ ihm die Ereignisse geschildert.
Weiter sei es nicht möglich, dass die Privatklägerin 2 in der kurzen Phase, in der
der Beschuldigte weg gewesen sei, in den Tiefschlaf gefallen sei. Dazu ist festzu-
halten, dass der Beschuldigte gemäss seiner Darstellung und der Darstellung der
Verteidigung sich aufs Sofa zur Privatklägerin 1 begeben hatte, dort mit dieser
rummachte, dann zusammen mit ihr ins Bad ging, dann musste ein Kondom ge-
holt werden, dann hätten die beiden Sex gehabt und sich anschliessend im Bad
unterhalten. Dass jemand, der derart übernächtigt war wie die Privatklägerin 2 in
dieser Zeitspanne, in der der Beschuldigte abwesend war, in einen tiefen Schlaf
fallen kann, ist sehr gut vorstellbar, auch wenn betreffend den Ablauf der Ereig-
nisse während seiner Abwesenheit nicht auf die Darstellung des Beschuldigten
abzustellen ist. Schliesslich sei auffallend, dass die Privatklägerin 2 zwar detail-
liert aussage, nicht jedoch den angeblichen sexuellen Akt betreffend. Dies ist aber
- 16 -
nur konsequent, gab die Privatklägerin 2 doch an, geschlafen zu haben und erst
durch die Berührung des Beschuldigten aufgewacht zu sein. Da sie geschlafen
hatte bzw. erst gerade erwacht war, ist es nur folgerichtig, dass sie zum eigentli-
chen Übergriff wenig detaillierte Aussagen zu Protokoll gab. Letztlich wandte die
Verteidigung ein, die Privatklägerin 2 sei durch die polizeiliche Sachbearbeiterin
sehr suggestiv befragt worden, machte aber nicht die Unverwertbarkeit der
Einvernahme geltend (Urk. 80 N 38). Dies zu Recht, denn die Befragung durch
die Polizistin kann nicht als suggestiv bezeichnet werden. Die Privatklägerin 2
sagte eher zurückhaltend aus, was sicher mit einer gewissen Scham zu erklären
ist. Die Polizistin stellte jeweils nur Fragen, die zur Verdeutlichung dieser zurück-
haltenden Antworten der Privatklägerin 2 führen sollten. Es kann keineswegs
gesagt werden, dass die Polizistin die Privatklägerin 2 durch gezieltes Befragen
zur erwünschten Antwort führte. Insgesamt wirken die Schilderungen der Privat-
klägerin 2 lebensnah und erlebt. Es besteht kein Zweifel an der Glaubhaftigkeit
ihrer Depositionen, auch – wie die Vorinstanz bereits zutreffend darlegte (Urk. 53
S. 23) – aufgrund des Verhaltens der Privatklägerin 2 nach dem Tatgeschehen.
Es ist in der Tat nicht ersichtlich, weshalb die Privatklägerin 2 sich einer gynäko-
logischen Untersuchung im Krankenhaus hätte unterziehen sollen, wenn sie
genau mitbekommen hätte, was sich zuvor ereignet hatte. Die Theorie der Ver-
teidigung, wonach die Privatklägerin 2 den Beschuldigten anfänglich gern gehabt
und dann plötzlich gehasst und deshalb Anzeige erstattet haben soll, ist als reine
Spekulation zu qualifizieren und lässt sich durch nichts stützen. Es ist somit kein
Motiv der Privatklägerin 2 erkennbar, den Beschuldigten zu Unrecht zu belasten.
Nicht ausschlaggebend ist letztlich, ob sich die Privatklägerin 2 mit oder ohne BH
ins Bett gelegt hatte.
2.2.2. Die Aussagen des Beschuldigten sind ebenfalls weitestgehend konstant
und grundsätzlich nachvollziehbar, jedoch vage und ausweichend, was schon die
Vorinstanz zutreffend festhielt (Urk. 53 S. 24 f.). Im Kernpunkt des Sachverhalts,
nämlich der Frage, ob der Beschuldigte mit einem Finger in die Vagina der Privat-
klägerin 2 eingedrungen sei, liegen jedoch klar widersprüchliche Aussagen des
Beschuldigten vor. Anfänglich führte der Beschuldigte noch aus, er könne nicht
genau sagen, ob er mit dem Finger eingedrungen sei oder wenn ja, wie tief. Es
- 17 -
sei aber so gewesen, dass sie sich beide berührt hätten und nichts gegen
den Willen der Privatklägerin geschehen sei (Urk. 5/1 S. 8). Später bestätigte er
beim Staatsanwalt, dass dies vorgefallen sei, die Privatklägerin 2 habe es aber
gewusst. Sie hätten es zusammen getan und es sei einvernehmlich gewesen, sie
habe sein Glied auch berührt (Urk. 5/2 S. 2 f.). An der vorinstanzlichen Haupt-
verhandlung bestritt der Beschuldigte sodann nachdrücklich, der Privatklägerin 2
einen Finger in die Vagina gesteckt zu haben (Urk. 36 S. 9). Dieser Widerspruch
ist entgegen der Vorinstanz nicht allein mit der Art der Befragung sowie der Über-
setzung zu erklären, zumal der Vorhalt in der Hafteinvernahme vom 29. August
2013 auch nicht derart lang und komplex war, dass Missverständnisse nahe-
liegend wären. Es scheint vielmehr so, als habe der Beschuldigte seine eigenen
Handlungen im Verlaufe des Verfahrens abschwächen wollen. Dazu passt auch,
dass der Beschuldigte erst vor Vorinstanz ein vermeintliches Motiv der Privat-
klägerin 2 erwähnte. Er habe bislang nämlich nicht erzählt, dass er zu Beginn des
Vorfalls beleidigende Worte verwendet habe. Zudem habe er der Privatklägerin 2
versprochen, dass er sie und ihren Bruder nach ... fahren würde, was er in der
Folge jedoch nicht getan habe. Insbesondere habe er die Privatklägerin 2
beleidigt, nachdem diese ihn angeschrien und aufgefordert hatte, sie in Ruhe zu
lassen (Urk. 36 S. 8). Dass jemand wegen einer Beleidigung und wegen eines
zwar versprochenen, aber nicht durchgeführten Fahrdienstes den Vorwurf eines
Sexualdelikts erhebt, erscheint doch reichlich weit hergeholt. Ebenfalls wenig
nachvollziehbar ist, dass die Privatklägerin 2, die nach der Darstellung des
Beschuldigten gerade mitbekommen haben soll, wie dieser mit der Privatklägerin
1 Sex gehabt habe und darüber enttäuscht gewesen sei und sich nicht mehr für
den Beschuldigten interessiert habe, diesen dennoch gebeten haben soll, sie
nach Hause zu fahren (vgl. Urk. 5/1 S. 7). Schliesslich stellt der Beschuldigte
die beiden Privatklägerinnen pauschal als Lügnerinnen dar, diese hätten sich
arrangiert und würden ihr eigenes Ding durchziehen. Dass sie mit den sexuellen
Handlungen nicht einverstanden gewesen seien, seien bloss Worte, er habe
miterlebt, wie sich die beiden Privatklägerinnen im Club verhalten hätten, sie
hätten vor ihm getanzt und dabei immer wieder lasziv mit dem Hindern gewackelt
(Urk. 36 S. 7 f.). Insgesamt wirken die Schilderungen des Beschuldigten wenig
- 18 -
glaubhaft und sie vermögen keine Zweifel an der überzeugenden Darstellung der
Privatklägerin 2 zu wecken.
2.2.3. Im Übrigen passt auch die Aussage der Privatklägerin 1 zur Darstellung der
Privatklägerin 2, wobei nicht der Eindruck entsteht, die Privatklägerinnen hätten
sich abgesprochen. Die Privatklägerin 1 führte aus, die Privatklägerin 2 habe,
nachdem der Beschuldigte die Wohnung verlassen hätte, erwähnt, als sie auf-
gewacht sei, sei der Beschuldigte auf ihr gelegen, sie sei nicht sicher, was
geschehen sei, woraufhin sie ihn weggestossen habe (Urk. 6/1 S. 3). Nachdem
der Beschuldigte gegangen sei, habe ihr die Privatklägerin 2 erzählt, dass er ihr
"den Finger gesteckt" habe (Urk. 6/2 S. 6).
2.2.4. Das Gutachten des IRM zur körperlichen Untersuchung der Privatklägerin 2
(Urk. 10/2) kann sowohl mit der Darstellung des Beschuldigten als auch
derjenigen der Privatklägerin 2 in Einklang gebracht werden, trägt demnach nichts
zur Erstellung des Sachverhalts bei.
2.2.5. Mit der Vorinstanz kann festgehalten werden, dass der eingeklagte
Sachverhalt bezüglich der Schändung zum Nachteil der Privatklägerin 2 sowohl in
objektiver als auch in subjektiver Hinsicht vollständig erstellt ist (Urk. 53 S. 25).
III. Rechtliche Würdigung
1. Ausgangslage
1.1. Die Staatsanwaltschaft und die Vorinstanz (bzgl. der Privatklägerin 2)
haben das Verhalten des Beschuldigten als Schändung im Sinne von Art. 191
StGB gewürdigt (Urk. 53 S. 25). Die Verteidigung bestreitet diese rechtliche
Würdigung nach wie vor mit der Begründung, die Privatklägerinnen seien im Tat-
zeitpunkt nicht widerstandsunfähig gewesen. Gewöhnliche Betrunkenheit reiche
nicht, zudem seien die Privatklägerinnen wohl nicht mehr betrunken gewesen.
Sodann habe der Beschuldigte davon ausgehen dürfen, dass die Geschädigten
entweder aufwachen oder ihn wegschicken oder gewähren lassen würden, womit
er von ihrem Einverständnis habe ausgehen dürfen (Urk. 42 Ziff. 42 f.). Der
- 19 -
Beschuldigte sei davon ausgegangen, dass die Privatklägerin 2 wach gewesen
sei. Der Beschuldigte habe nach seiner Vorstellung niemanden ausgenutzt. Ihm
könne nicht vorgeworfen werden, dass er von einer Widerstandsunfähigkeit der
Privatklägerinnen Kenntnis gehabt habe, weil eine solche gar nicht bestanden
hätte (Urk. 80 N 43).
1.2. Der Schändung im Sinne von Art. 191 StGB macht sich schuldig, wer eine
urteilsunfähige oder eine zum Widerstand unfähige Person in Kenntnis ihres
Zustands zum Beischlaf, zu beischlafähnlichen oder zu einer anderen sexuellen
Handlung missbraucht. In subjektiver Hinsicht erfordert der Tatbestand der
Schändung, dass der Täter in Kenntnis der Widerstandsunfähigkeit des Opfers
handelt.
1.3. Die Vorinstanz hat sich bereits einlässlich mit der Theorie und der bundes-
gerichtlichen Rechtsprechung zur Widerstandsunfähigkeit im Sinne von Art. 191
StGB sowie den übrigen objektiven Tatbestandsmerkmalen auseinander gesetzt.
Darauf kann verwiesen werden (Urk. 53 S. 26 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Ergänzend
kann angeführt werden, dass es auch genügt, dass das Opfer nur vorübergehend
zum Widerstand unfähig ist, es muss aber eine vollständige Widerstandsunfähig-
keit vorliegen. Bewusstlosigkeit bewirkt Widerstandsunfähigkeit, wobei auch
der Schlafende bewusstlos ist. Gewöhnliche Betrunkenheit bewirkt keine
Widerstandsunfähigkeit (Trechsel/Bertossa in Trechsel/Pieth [Hrsg.], StGB PK,
2. Auflage, Zürich/St. Gallen 2013, N 4 zu Art. 191 StGB mit Hinweisen). Bei
blosser – z.B. alkoholbedingter – Herabsetzung der Hemmschwelle ist keine
Widerstandsunfähigkeit gegeben (BGE 133 IV 49 E. 7.2 mit Hinweisen). Wider-
standsunfähigkeit wird namentlich bejaht, wenn es dem Opfer unmöglich ist, den
Angriff auf seine geschlechtliche Integrität abzuwehren, weil er von ihm nicht
wahrgenommen wird (BGE 133 IV 49 E. 7.4; vgl. auch Urteil 6B_140/2007
vom 30. Juli 2007 E. 5.2). Widerstandsunfähig ist namentlich auch eine schlafen-
de Person, eine eigentliche Alkoholintoxikation oder ein grösserer Schlafmangel
ist nicht zwingend (Urteil 6B_128/2012 vom 21. Juni 2012 E. 1.4). Das zunächst
tief schlafende Opfer bleibt nach der Rechtsprechung zum Widerstand unfähig,
wenn es nach Beginn des sexuellen Übergriffs zwar erwacht, sich danach aber
- 20 -
aus körperlichen Gründen nicht zur Wehr setzen kann (Urteil 6S.217/2002 vom
3. April 2003 E. 4). Das Gesetz bezeichnet die Tathandlung der Schändung als
Missbrauch. Ein solcher liegt vor, wenn die Widerstands- oder Urteilsunfähigkeit
des Opfers die Tat ermöglicht und der Täter sich dies bewusst zunutze macht
(Urteil 6S.359/2002 vom 7. August 2003 E. 4.2). Strafbar ist nur, wer die
Widerstands- oder Urteilsunfähigkeit eines Menschen zu sexuellen Handlungen
ausnützt und ihn damit als Sexualobjekt missbraucht (Urteil 6S.448/2004 vom
3. Oktober 2005 E. 1.3).
2. Schändung zum Nachteil der Privatklägerin 1
2.1. Gemäss erstelltem Sachverhalt machte sich der Beschuldigte an den
Kleidern der Privatklägerin 1 so weit zu schaffen, dass er mit seinem Penis in die
Vagina der schlafenden Privatklägerin 1 eindringen konnte, worauf er den
Geschlechtsverkehr vollzog, bis die Privatklägerin 1 erwachte und den Beschul-
digten wegstossen konnte (Urk. 23 S. 2).
2.2. Dadurch, dass der Beschuldigte mit der Privatklägerin 1 den Beischlaf
vollzog, als diese schlief und damit im Sinne der Rechtsprechung des Bundes-
gerichts zu Art. 191 StGB zum Widerstand unfähig war, hat er den objektiven
Tatbestand von Art. 191 StGB erfüllt. Damit erübrigt es sich auch, Diskussionen
über den Grad der Alkoholisierung der Privatklägerin 1 zu führen, da diese als
Schlafende per se als widerstandsunfähig anzusehen ist und gemäss Bundes-
gericht dabei kein alkoholbedingter Tiefschlaf vorausgesetzt wird.
2.3. Wer ein offensichtlich schlafendes Opfer missbraucht, weiss sodann
klarerweise um dessen Widerstandsunfähigkeit und erfüllt den subjektiven
Tatbestand fraglos. Der Beschuldigte durfte keinesfalls davon ausgehen, dass die
Privatklägerin 1 mit seinen Handlungen einverstanden sei.
3. Schändung zum Nachteil der Privatklägerin 2
3.1. Der Beschuldigte führte mindestens einen seiner Finger in die Vagina der
schlafenden Privatklägerin 2 ein und nahm diesen erst wieder heraus, als diese
erwachte und sich zur Wehr setzte (Urk. 23 S. 2).
- 21 -
3.2. Die Handlungen des Beschuldigten zum Nachteil der Privatklägerin 2 sind
klar als sexuelle Handlungen zu qualifizieren, zudem schlief die Privatklägerin 2,
als der Beschuldigte diese Handlungen vornahm und war somit zum Widerstand
unfähig. Der objektive Tatbestand ist erfüllt.
3.3. Auch den subjektiven Tatbestand erfüllt der Beschuldigte. Er erkannte,
dass die Privatklägerin 2 schlief und nutzte diese Situation aus.
4. Fazit
Da keine Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe vorliegen, ist der
Beschuldigte der mehrfachen Schändung im Sinne von Art. 191 StGB schuldig zu
sprechen.
IV. Strafzumessung
1. Strafrahmen
1.1. Für Schändung sieht das Gesetz die Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe
von bis zu zehn Jahren oder mit einer Geldstrafe von bis zu 360 Tagessätzen
zu höchstens Fr. 3'000.-- vor (Art. 191 StGB; Art. 34 StGB). Die mehrfache
Tatbegehung ist innerhalb des ordentlichen Strafrahmens straferhöhend zu
berücksichtigen. Der ordentliche Strafrahmen ist nur zu verlassen, wenn ausser-
gewöhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte
Strafe im konkreten Fall zu hart bzw. zu milde erscheint (BGE 136 IV 55 E 5.8). In
diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass die schweizerische Praxis bei
nicht besonders schwerem Verschulden die Strafen im unteren bis mittleren Teil
des vorgegebenen Rahmen ansiedelt. Strafen im oberen Bereich, insbesondere
Höchststrafen sind bloss ausnahmsweise und bei sehr schwerem Verschulden
des Täters auszusprechen (BSK StGB I-Wiprächtiger, Art. 47 N 15).
1.2. Zur Theorie der Strafzumessung hat die Vorinstanz das Notwendige
ausgeführt, darauf kann verwiesen werden (Urk. 53 S. 28).
- 22 -
2. Schändung zum Nachteil der Privatklägerin 1
2.1. Zur objektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass sich der Beschuldigte
zur schlafenden Privatklägerin 1, welche sich in ihr Gästezimmer zurückgezogen
hatte begab, diese soweit entkleidete, dass er mit seinem Penis in sie eindringen
konnte und den Geschlechtsverkehr vollzog. Dabei nutzte er die Widerstands-
unfähigkeit der Privatklägerin 1 schamlos aus und verletzte das Vertrauen und die
Intimsphäre der Privatklägerin 1, welche den Beschuldigten bei sich zu Hause
beherbergte, in gravierender Art und Weise. Dem Beschuldigten kann zwar nicht
vorgehalten werden, er habe planmässig gehandelt, dennoch nutzte er die sich
ihm bietende Gelegenheit ohne zu zögern aus. Als die Privatklägerin erwachte,
liess der Beschuldigte von ihr ab. Die objektive Tatschwere ist als erheblich zu
bezeichnen.
2.2. Der Beschuldigte handelte direkt vorsätzlich. Es ist nicht davon auszu-
gehen, dass der Beschuldigte derart alkoholisiert war, dass er seine Handlungen
nicht mehr kontrollieren konnte, zumal er sich offenbar noch in der Lage sah, kurz
nach den Vorfällen mit seinem Auto nach Hause zu fahren. Daher ist auch eine
Verminderung der Schuldfähigkeit zu verneinen. Der Beschuldigte handelte aus
rein egoistischen Motiven und zur Triebbefriedigung. Die subjektive Tatschwere
ist wie die objektive als erheblich einzustufen.
2.3. Das Verschulden ist insgesamt als erheblich zu qualifizieren, die Einsatz-
strafe ist auf 30 Monate zu veranschlagen.
3. Schändung zum Nachteil der Privatklägerin 2
3.1. Mit der Vorinstanz kann festgehalten werden, dass die Tathandlung
des Beschuldigten gegenüber der Privatklägerin 2 im Rahmen aller möglichen
Tathandlungen im Sinne von Art. 191 StGB im unteren Bereich anzusiedeln ist.
Der Beschuldigte machte sich den schlafenden Zustand der Privatklägerin 2
zu Nutze, er ging nicht planmässig vor und der Übergriff dürfte nicht sehr lange
gedauert haben (Urk. 53 S. 28). Auch hier nutzte der Beschuldigte das Vertrauen
der Privatklägerin 2, welche den Beschuldigten im gleichen Bett schliefen liess,
- 23 -
schamlos aus und verging sich an der Privatklägerin 2. Die objektive Tatschwere
kann als noch leicht bezeichnet werden.
3.2. Die subjektive Tatschwere vermag die objektive keinesfalls zu relativieren,
sie wirkt sogar noch leicht erschwerend. Der Beschuldigte handelte direktvorsätz-
lich und aus rein egoistischen Motiven. Er setzte sich bewusst über den Willen der
Privatklägerin 2 hinweg, welche ihm zuvor deutlich zu verstehen gegeben hatte,
dass sie mit sexuellen Handlungen nicht einverstanden sei. Dies zeugt von
einer grossen Geringschätzung des Willens und des Selbstbestimmungsrechts
der Privatklägerin 2. Es liegt beim Beschuldigten keine Beeinträchtigung der
Schuldfähigkeit vor.
3.3. Nach dem Gesagten ist von einem gerade noch leichten Verschulden
auszugehen. Die Einsatzstrafe ist in Beachtung des Asperationsprinzips auf
40 Monate zu erhöhen.
4. Täterkomponente
4.1. Die Vorinstanz hat den Lebenslauf des Beschuldigten korrekt zusammen-
gefasst, darauf kann verwiesen werden (Urk. 53 S. 29 f.). Ergänzend führte der
Beschuldigte an der Berufungsverhandlung aus, er lebe von seiner Ehefrau
getrennt, habe aber eine neue Freundin, mit der er ein Kind erwarte. Er sei zur
Zeit nicht erwerbstätig, die Freundin komme finanziell für ihn auf. Seine Freundin
wisse nichts von diesem Verfahren, er habe sie nicht belasten wollen, da
sie schwanger sei (Urk. 79 S. 1 ff.). Aus den persönlichen Verhältnissen des
Beschuldigten ergibt sich nichts, was bei der Strafzumessung in massgeblicher
Weise zu beachten wäre. Auch ist keine erhöhte Strafempfindlichkeit erkennbar.
4.2. Der Beschuldigte weist fünf Vorstrafen aus (Urk. 58), die zwar nicht
einschlägig sind, aber sich dennoch merklich straferhöhend auswirken.
4.3. Sodann ist der Beschuldigte weder geständig, noch kann er Reue oder
Einsicht für sich reklamieren, weshalb das Nachtatverhalten mit der Vorinstanz
neutral zu würdigen ist (Urk. 53 S. 30).
- 24 -
4.4. Die Täterkomponente wirkt sich auf die nach der Tatkomponente festge-
setzte Einsatzstrafe straferhöhend aus. Der Beschuldigte ist mit einer Freiheits-
strafe von 46 Monaten zu bestrafen. Diese Strafe ist zu vollziehen (vgl. Art. 42
und 43 StGB). Der Anrechnung der im vorliegenden Verfahren erstandenen
36 Tage Untersuchungshaft steht nichts entgegen (Art. 51 StGB)
V. Zivilforderungen
1. Ausgangslage
1.1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten verpflichtet, der Privatklägerin 2
eine Genugtuung von Fr. 2'500.-- zuzüglich Zins zu 5 % seit 24. August 2013
zugesprochen, im Mehrbetrag hat sie das Genugtuungsbegehren abgewiesen
(Urk. 53 S. 40).
1.2. Die Genugtuungsforderung der Privatklägerin 1 hat die Vorinstanz infolge
Freispruchs des Beschuldigten vom Vorwurf der Schändung zum Nachteil der
Privatklägerin 1 abgewiesen (Urk. 53 S. 40).
1.3. Die Vorinstanz hat die Voraussetzungen zur Anmeldung von Zivil-
ansprüchen sowie zur Zusprechung einer Genugtuung treffend dargelegt, darauf
kann verwiesen werden (Urk. 53 S. 33 und 34).
2. Privatklägerin 1
2.1. Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung sowie mit Anschluss-
berufung beantragte die Privatklägerinnenvertreterin, es sei der Beschuldigte
zu verpflichten, eine Genugtuungssumme von Fr. 15'000.-- zuzüglich 5% Zins
seit dem 24. August 2013 an die Privatklägerin 1 zu bezahlen (Urk. 38 S. 1;
Urk. 62 S. 2).
2.2. Zur Begründung brachte sie zusammengefasst vor, die Privatklägerin 1
habe den sexuellen Übergriff durch den Beschuldigten als sehr belastend
empfunden. Im Erstgespräch mit der Opferberatungsstelle "..." elf Tage nach dem
Vorfall habe sie dabei Ängste, Selbstvorwürfe und Schuldgefühle geäussert und
- 25 -
sich insbesondere Sorgen gemacht, wie sich das Ereignis auf ihre Ehe auswirken
würde. Auch ein halbes Jahr nach dem sexuellen Übergriff hätten sich bei der Pri-
vatklägerin 1 sodann Symptome gezeigt, welche aus der Psycho-Traumatologie
als Folgeerscheinungen von Gewalttaten bekannt seien, indem sich die Privatklä-
gerin 1 selbst als viel reizbarer, zurück-gezogener sowie entkräftet erlebe und zu-
dem über Schwierigkeiten mit ihrem Mann im sexuellen Bereich berichtet habe.
Vor diesem Hintergrund und aufgrund des schweren Verschuldens des Beschul-
digten rechtfertige sich eine Genugtuungssumme von Fr. 15'000.-- (Urk. 38 S. 6
ff.; Urk. 82 S. 4)
2.3. Der Beschuldigte vollzog mit der schlafenden Privatklägerin 1 den
Geschlechtsverkehr, was einen massiven Eingriff in deren sexuelle Integrität
darstellt. Die Privatklägerin 1 sei gemäss Ausführungen der Frauenberatung auch
knapp ein Jahr nach dem Ereignis noch nachhaltig psychisch beeinträchtigt. Die
Privatklägerin 1 sei zwar von ihrer Persönlichkeit her widerstandsfähig, dennoch
würden sich in ihrer psychischen Verfassung und in ihren nahen sozialen
Beziehungen deutliche und schwerwiegende Folgen der erlebten Gewalt zeigen
(Urk. 39). Vor diesem Hintergrund, unter Berücksichtigung der gesamten
Umstände, insbesondere der deutlichen Beeinträchtigung der Privatklägerin 1 und
des Verschuldens des Beschuldigten, sowie unter Einbezug von Genugtuungs-
zahlungen in ähnlich gelagerten Fällen erscheint eine Genugtuung in der Höhe
von Fr. 8'000.-- zuzüglich 5 % Zins seit 24. August 2013 angemessen.
3. Privatklägerin 2
3.1. Vor Vorinstanz beantragte die Privatklägerinnenvertreterin noch, es sei der
Beschuldigte zu verpflichten, eine Genugtuungssumme von Fr. 8'000.-- zuzüglich
5% Zins seit dem 24. August 2013 an die Privatklägerin 2 zu bezahlen (Urk. 38
S. 2). Gegen das vorinstanzliche Urteil, mit welchem der Privatklägerin 2 eine
Genugtuung von Fr. 2'500.-- zzgl. 5 % Zins seit 24. August 2013 zugesprochen
wurde, hat die Privatklägerin 2 keine Berufung bzw. Anschlussberufung erhoben.
3.2. Die Vorinstanz hat der Privatklägerin 2 mit zutreffender Begründung, auf
welche vollumfänglich zu verweisen ist (Urk. 53 S. 34 f.), eine Genugtuung von
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Fr. 2'500.-- zzgl. 5 % Zins seit 24. August 2013 zugesprochen. Diese vorinstanzli-
chen Erwägungen bedürfen grundsätzlich keiner Ergänzung. Festzuhalten ist,
dass die Genugtuungssumme keinesfalls zu hoch ist, wird doch vorliegend das
Verschulden des Beschuldigten leicht schwerer bewertet. Einer Erhöhung
der Genugtuung steht jedoch aufgrund der fehlenden Berufung durch die Privat-
klägerin 2 das Verschlechterungsverbot entgegen (Art. 391 Abs. 2 StPO).
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens
1.1. Ausgangsgemäss sind dem Beschuldigten die gesamten Kosten des
vorinstanzlichen Verfahrens aufzuerlegen (Art. 426 Abs. 1 StPO). Ausgenommen
sind die Kosten der amtlichen Verteidigung, welche einstweilen auf die Gerichts-
kasse zu nehmen sind. Die Rückforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt
vorbehalten.
2. Kosten des Berufungsverfahrens
2.1. Im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).
2.2. Der Beschuldigte unterliegt im Rechtsmittelverfahren mit seinem Antrag auf
einen Freispruch vollumfänglich. Die Staatsanwaltschaft unterliegt betreffend
Strafhöhe unwesentlich. Die Privatklägerin 1 unterliegt mit ihrer Anschlussberu-
fung ebenfalls nur in vernachlässigbarer Weise betreffend Höhe der Genugtuung.
Insgesamt rechtfertigt es sich, dem Beschuldigten die Kosten zu 9/10
aufzuerlegen und zu 1/10 auf die Gerichtskasse zu nehmen.
2.3. Die Kosten der amtlichen Verteidigung im Betrag von Fr. 5'327.-- sind
einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei die Rückforderung für 9/10
der Kosten vorbehalten bleibt (Art. 135 Abs. 4 StPO).
3. Prozessentschädigungen
3.1. Zudem ist der Beschuldigte ausgangsgemäss zu verpflichten, beide Privat-
klägerinnen im Sinne von Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO für ihr Aufwendungen im Ver-
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fahren zu entschädigen. Die Rechtsvertreterin der Privatklägerinnen beantragte
im vorinstanzlichen Verfahren für die Privatklägerin 1 eine Prozessentschädigung
von Fr. 4'895.35 (Urk. 40/1) und für die Privatklägerin 2 eine solche von
Fr. 5'334.90 (Urk. 41/1). Diese Entschädigungen sind begründet und belegt und
den Privatklägerinnen so zuzusprechen. Der Beschuldigte ist weiter zu verpflich-
ten, für das Berufungsverfahren der Privatklägerin 1 eine Prozessentschädigung
von Fr. 2'904.-- (Urk. 75) und der Privatklägerin 2 von Fr. 1'769.60 (Urk. 75) zu
bezahlen.
3.2. Für das gesamte Verfahren ist der Beschuldigte damit zu verpflichten, an
die Privatklägerin 1 eine Prozessentschädigung von Fr. 7'800.-- (inkl. MwSt.) und
an die Privatklägerin 2 von Fr. 7'105.-- (inkl. MwSt.) zu bezahlen.