Decision ID: a4b4e384-9d2d-4286-bbd6-9b4b5290dc46
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Am 16. Februar 2017 richtete die zuständige österreichische Steuer-
behörde, das Central Liaison Office for International Cooperation, Bundes-
ministerium für Finanzen, Brehmstrasse 14, 1110 Wien (nachfolgend: CLO
oder ersuchende Behörde), gestützt auf Art. 26 des Abkommens vom
30. Januar 1974 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und
der Republik Österreich zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem
Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen
(SR 0.672.916.31, nachfolgend: DBA CH-AT) ein Amtshilfeersuchen an die
Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV; nachfolgend auch: Vorinstanz).
Als vom Ersuchen betroffene Personen nannte das CLO mutmasslich in
Österreich steuerpflichtige Personen, die anhand von Kundenstammnum-
mern gemäss einer dem Ersuchen beigelegten Liste identifizierbar seien.
Als Informationsinhaberin in der Schweiz wurde die UBS Switzerland AG
(nachfolgend: UBS) genannt. Die Informationen würden für die Erhebung
der Einkommenssteuer, die Kapitalertragssteuer und die Körperschafts-
steuer für die Steuerjahre 2012 bis 2015 benötigt.
A.b Gemäss der ersuchenden Behörde basiert das Ersuchen auf einer
Auflistung von Bankverbindungen mit Vermögensdaten, die anlässlich ei-
ner Hausdurchsuchung bei einer deutschen Niederlassung der UBS si-
chergestellt und den österreichischen Behörden von Deutschland gestützt
auf die europäische Richtlinie 2011/2016/EU als Spontaninformation zur
Verfügung gestellt worden sei. Die deutschen Behörden hätten dabei einer
Weiterverwendung der betroffenen Informationen gegenüber der Schweiz
zugestimmt. Aus der (elektronisch verfügbaren) Aufstellung gehe hervor,
dass diese Bankverbindungen und Vermögensdaten Personen zuzuord-
nen seien, welche einen steuerlichen Bezug zu Österreich hätten (Domizil-
code 12400 -12409). Die Aufstellung enthalte das Vermögen im Jahr 2006
und 2008 sowie [mehrere tausend] eindeutig zuordenbare Kundennum-
mern, jedoch keine Namen oder sonstigen Daten der betroffenen Perso-
nen. Damit sei eine weitere Ermittlungstätigkeit gegenüber den betroffenen
Personen ohne Mithilfe der Schweiz nicht möglich.
Durch das Abkommen zwischen der Republik Österreich und der Schwei-
zerischen Eidgenossenschaft über die Zusammenarbeit in den Bereichen
Steuern und Finanzmarkt sollte die (Nach-)versteuerung von Kontobezie-
hungen für in Österreich ansässige Personen garantiert werden. Bekannt-
lich seien jedoch insbesondere im Jahr 2012 etliche Bankbeziehungen in
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der Schweiz vor Inkrafttreten des Abkommens beendet worden. Auch
könne es andere Gründe geben, warum das Abkommen für bestimmte
Konten nicht greife. Bei solchen Kontobeziehungen bestehe ein verstärkter
begründeter Verdacht, dass diese Bankbeziehungen der Abgabenhinter-
ziehung dienen könnten. Im Zuge der Kontrolltätigkeit der österreichischen
Finanzverwaltung sei es daher unbedingt notwendig, die Inhaber gerade
solcher Konten bzw. die Deklaration von im Zusammenhang mit diesen
Konten entstandenen steuerpflichtigen Erträgen überprüfen zu können.
Aus oben genannten Gründen seien die angefragten Informationen zu
Konten, welche nicht unter obgenanntes Abkommen fallen, voraussichtlich
erheblich für die Einkommens-, Körperschaft- und Kapitalertragsbesteue-
rung in Österreich.
Die Guthaben, welche auf dieser Liste verzeichnet seien, würden sich auf
[mehrere] Milliarden Schweizer Franken belaufen, was möglicherweise ei-
nen Ausfall an Steuergeldern bis zu (...) Milliarden Euro für den österrei-
chischen Fiskus bedeuten könnte.
Ein Abgleich der auf der Liste enthaltenen Kundenstammnummern auf Ba-
sis des Abkommens zwischen der Republik Österreich und der Schweize-
rischen Eidgenossenschaft über die Zusammenarbeit in den Bereichen
Steuern und Finanzmarkt sowie des EU-Zinsbesteuerungsabkommens
habe zur Zuordnung und Aussonderung von [mehreren hundert] Konten
geführt.
A.c Konkret ersucht das CLO die ESTV für jedes im Anhang des Ersu-
chens aufgeführte Bankkonto um die Übermittlung der folgenden Informa-
tionen für den Zeitraum vom 1. Januar 2012 bis 31. Dezember 2015:
a) Name(n)/Vorname(n), Geburtsdaten und letzte bekannte Domi-
ziladresse gemäss den Bankunterlagen der Kontoinhaber und der wirt-
schaftlich berechtigten Personen bzw. von deren Rechtsnachfolgern.
b) Die Kontosalden jeweils per 1. Januar der Jahre 2012 bis 2015 und per
31. Dezember 2015.
c) Davon ausgenommen sind Bankkonten, die gemäss entsprechenden
Abkommen der Abgeltungssteuer unterlagen bzw. als «technische
Konten» gelten.
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B.
B.a Mit Editionsverfügung vom 28. April 2017 forderte die Vorinstanz die
UBS auf, die ersuchten Informationen einzureichen. Zudem bat sie, die be-
troffenen bzw. beschwerdeberechtigten Personen mit noch aktiven Ge-
schäftsbeziehungen über das Amtshilfeverfahren zu informieren.
B.b Darüber hinaus informierte die ESTV die betroffenen/beschwerdebe-
rechtigten Personen mittels Publikation im Bundesblatt vom 13. Juni 2017
(BBl 2017 3964) über das laufende Amtshilfeverfahren und forderte diese
auf, in der Schweiz ein Zustelldomizil zu bezeichnen. Gleichzeitig wies sie
auf die Möglichkeit der Teilnahme im sog. vereinfachten Verfahren hin, an-
sonsten das Verfahren mittels Schlussverfügung abgeschlossen werde.
B.c Mit Schreiben vom 28. Juni 2017 präzisierte die ESTV die Editionsver-
fügung gegenüber der UBS dahingehend, dass vor dem Hintergrund des
im Amtshilfeverfahren geltenden Subsidiaritätsprinzips diejenigen Konto-
nummern zu kennzeichnen seien, bei denen eine Meldung gegenüber Ös-
terreich bereits im Rahmen des (ehemaligen) EU-Zinsbesteuerungsab-
kommens (heute: Abkommen über den automatischen Informationsaus-
tausch über Finanzkonten zur Förderung der Steuerehrlichkeit bei interna-
tionalen Sachverhalten [AIA, SR 0.641.926.81]) erfolgt sei.
B.d Am 28. Juli 2017 gab die UBS die von ihr einverlangten Daten fristge-
recht an die ESTV heraus.
C.
Mit Schreiben vom 27. September 2017 teilte die ESTV dem CLO mit, wel-
che der im Ersuchen erwähnten Kontobeziehungen bei der UBS per 1. Ja-
nuar 2012 bereits saldiert waren.
D.
Nachdem A._ (nachfolgend: betroffene Person), vertreten durch die
im Rubrum genannten Rechtsvertreter, am 7. August 2017 als vom Amts-
hilfeersuchen betroffene Person seine Verfahrensteilnahme erklärt hatten,
gewährte die ESTV ihm mit Schreiben vom 3. Oktober 2017 antragsge-
mäss Akteneinsicht. Weiter wies die ESTV darauf hin, dass sie über den
weiteren Verlauf des Verfahrens zu gegebener Zeit informieren werde und
– sollte sie zum Schluss kommen, dass Amtshilfe zu leisten sei – Gelegen-
heit zur Stellungnahme einräumen werde.
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E.
Am 7. November 2017 leistete die ESTV für einen Teil der Fälle, bei denen
eine Zustimmung zur Informationsübermittlung erfolgt war, Amtshilfe im
vereinfachten Verfahren.
F.
Mit drei separaten Schreiben vom 16. März 2018 bezeichnete die ESTV
gegenüber dem CLO jene Konten, für die infolge bereits erfolgter Offenle-
gung im Rahmen des (ehemaligen) EU-Zinsbesteuerungsabkommens und
des (ehemaligen) Quellensteuerabkommens mit Österreich (beide heute:
AIA) bzw. wegen einer bereits erhobenen Abgeltungssteuer keine Amts-
hilfe geleistet werden könne.
G.
In Erwartung eines Grundsatzurteils des Bundesgerichts bezüglich eines
ähnlichen Amtshilfeersuchens der französischen Behörden, welches auf
Daten derselben Quelle basierte, setzte die ESTV die Bearbeitung der auf
dem Amtshilfeersuchen des CLO vom 16. Februar 2017 basierenden Ver-
fahren vorübergehend aus.
H.
Mit Urteil vom 26. Juli 2019 erkannte das Bundesgericht im Amtshilfever-
fahren betreffend das französische Ersuchen, dass Amtshilfe zu leisten sei
(Urteil des BGer 2C_653/2018 vom 26. Juli 2019 [teilweise publiziert in:
BGE 146 II 150]). Die schriftliche Urteilsbegründung wurde im Dezember
2019 veröffentlicht.
I.
Mit Schreiben vom 16. Januar 2020 informierte die ESTV die ersuchende
Behörde über die neusten Entwicklungen in der Rechtsprechung und über
ihre Auffassung, wonach der vom CLO zum Ausdruck gebrachte Verdacht,
dass die Mehrheit der vom Gesuch betroffenen Konten den österreichi-
schen Behörden nicht gemeldet worden seien (Globalverdacht der Steuer-
hinterziehung) nach der neusten Rechtsprechung eine «fishing expedition»
ausschliesse. Schliesslich wies sie darauf hin, dass allfällige bereits im
Rahmen des AIA übermittelten Daten vom vorliegenden Austausch ausge-
schlossen seien, und bat um Klärung der in Österreich geltenden Verjäh-
rungsfristen.
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J.
Mit Schreiben vom 24. Januar 2020 bestätigte das CLO das Vorliegen des
Globalverdachts der Steuerhinterziehung und wies auf die innerstaatliche
Verjährungsfrist von 10 Jahren für die Abgabefestsetzung hin. Allerdings
sei eine Verlängerung dieser Festsetzungsverjährung gewährleistet, wenn
die Abgabefestsetzung von der Erledigung einer Beschwerde abhänge.
K.
Mit Schreiben vom 28. September 2020 gewährte die Vorinstanz dem Be-
schwerdeführer erneut Akteneinsicht und informierte über die zur Übermitt-
lung beabsichtigten Informationen.
L.
Mit Schlussverfügung vom 29. März 2021 qualifizierte die ESTV das Amts-
hilfeersuchen Österreichs als zulässig und ordnete die Amtshilfeleistung in
Bezug auf die vom CLO erfragten und von der CH-Bank edierten Bankkun-
deninformationen betreffend die betroffene Person an.
M.
Dagegen liess die betroffene Person (nachfolgend: Beschwerdeführer) am
29. April 2021 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben. Er
lässt beantragen, die Schlussverfügung der ESTV (nachfolgend: Vo-
rinstanz) vom 29. März 2021 sei vollumfänglich aufzuheben. Die von der
UBS bis zum Abschluss dieses Beschwerdeverfahrens an die Vorinstanz
gelieferten Bankunterlagen und Informationen seien von der Vorinstanz un-
verzüglich an die diese zurückzugeben. Alles unter Kosten- und Entschä-
digungsfolgen zu Lasten der ESTV. Dem Beschwerdeführer sei zudem
eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen.
N.
Mit Vernehmlassung vom 16. Februar 2022 schliesst die Vorinstanz auf
kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde.
Auf die detaillierten Vorbringen in den Eingaben der Parteien wird – sofern
sie entscheidwesentlich sind – im Rahmen der Erwägungen eingegangen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Dem vorliegenden Verfahren liegt ein Amtshilfeersuchen des österrei-
chischen CLO gestützt auf Art. 26 des DBA CH-AT zugrunde. Die Durch-
führung dieser Abkommensbestimmung richtet sich – unter Vorbehalt ab-
weichender Regelungen im DBA CH-AT – nach dem Steueramtshilfege-
setz vom 28. September 2012 (StAhiG, SR 651.1; vgl. Art. 1 StAhiG).
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Beurteilung von Beschwerden
gegen Schlussverfügungen der ESTV betreffend die internationale Amts-
hilfe in Steuersachen zuständig (vgl. Art. 19 Abs. 5 StAhiG i.V.m. Art. 31 ff.
des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]).
Das Verfahren vor diesem Gericht richtet sich nach dem Verwaltungsver-
fahrensgesetz vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), soweit das
VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). Der Beschwerdeführer hat
am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen und ist als Adressat der an-
gefochtenen Schlussverfügung und Person, die vom Amtshilfeersuchen
betroffen ist bzw. über welche Daten übermittelt werden sollen, zur Be-
schwerdeführung legitimiert (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG, Art. 19 Abs. 2 StA-
hiG). Auf die frist- und formgerecht (vgl. Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1
VwVG) eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
1.3 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in
vollem Umfang überprüfen. Der Beschwerdeführer kann neben der Verlet-
zung von Bundesrecht und der unrichtigen oder unvollständigen Feststel-
lung des rechtserheblichen Sachverhalts auch die Unangemessenheit rü-
gen (Art. 49 Bst. a bis c VwVG).
2.
2.1 Die Amtshilfeklausel von Art. 26 DBA CH-AT entspricht in ihrem heute
geltenden Wortlaut weitgehend demjenigen von Art. 26 des Musterabkom-
mens der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwick-
lung (nachfolgend: OECD-MA; siehe Fassung gemäss Art. II des Protokolls
vom 3. September 2009 zur Abänderung des DBA CH-AT, in Kraft getreten
am 1. März 2011 [AS 2011 823, nachfolgend: Änderungsprotokoll] und Bot-
schaft vom 20. Januar 2010 zur Genehmigung eines Protokolls zur Ände-
rung des DBA CH-AT [BBl 2010 1303, 1307]). Diese (revidierte) Bestim-
mung zum Informationsaustausch findet Anwendung auf Veranlagungs-
jahre, die ab dem 1. Januar 2012 beginnen (vgl. Art. IV Ziff. 2 des Ände-
rungsprotokolls [AS 2011 823]).
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2.2
2.2.1 Gemäss Art. 26 Abs. 1 DBA CH-AT tauschen die zuständigen Behör-
den der Vertragsstaaten unter sich diejenigen Informationen aus, «die zur
Durchführung dieses Abkommens oder zur Anwendung oder Durchset-
zung des innerstaatlichen Rechts betreffend die unter das Abkommen fal-
lenden Steuern voraussichtlich erheblich sind, soweit die diesem Recht
entsprechende Besteuerung nicht dem Abkommen widerspricht». Dabei ist
der Informationsaustausch nicht durch Art. 1 DBA CH-AT (persönlicher An-
wendungsbereich), wonach das Abkommen (nur) für in einem Vertrags-
staat oder in beiden Vertragsstaaten ansässige Personen gilt, beschränkt.
Zu den unter das Abkommen fallenden Steuern zählt namentlich die Ein-
kommenssteuer (einschliesslich der Steuern vom Gewinn aus der Ver-
äusserung beweglichen oder unbeweglichen Vermögens) und die Körper-
schaftssteuer in Österreich (vgl. Art. 2 DBA CH-AT, insbesondere Abs. 3
Ziff. 1 Bst. a und b sowie Abs. 2).
2.2.2 Art. 26 Abs. 2 DBA CH-AT enthält das sog. Spezialitätsprinzip, wo-
nach die im Rahmen des Informationsaustauschs erhaltenen Daten im
Grundsatz ebenso geheim zu halten sind wie die aufgrund des innerstaat-
lichen Rechts beschafften Informationen und regelt unter welchen Voraus-
setzungen diese Daten dennoch zugänglich gemacht und weiterverwendet
werden dürfen.
2.2.3 Nach Art. 26 Abs. 3 DBA CH-AT sind die Absätze 1 und 2 nicht so
auszulegen, als verpflichteten sie einen Vertragsstaat, von den Gesetzen
oder der Verwaltungspraxis des einen oder des anderen Vertragsstaates
abzuweichen (Bst. a), oder Informationen zu erteilen, welche nach den Ge-
setzen oder im üblichen Verwaltungsverfahren eines der beiden Vertrags-
staaten nicht beschafft werden können (Bst. b). Schliesslich besteht auch
keine Verpflichtung zur Erteilung von Informationen, die ein Handels-, Ge-
schäfts-, Industrie-, Gewerbe- oder Berufsgeheimnis oder ein Geschäfts-
verfahren preisgeben würden oder deren Erteilung dem Ordre Public wi-
derspräche (Bst. c).
2.2.4 Art. 26 Abs. 5 DBA CH-AT enthält insofern eine Gegenausnahme, als
er bestimmt, dass Absatz 3 nicht so auszulegen sei, als könne ein Vertrags-
staat die Erteilung von Informationen nur deshalb ablehnen, weil sich die
Informationen bei einer Bank, einem sonstigen Finanzinstitut, einem Be-
vollmächtigten, Beauftragten oder Treuhänder befinden oder weil sie sich
auf das Eigentum einer Person beziehen. Ungeachtet des Abs. 3 oder ent-
gegenstehender Bestimmungen des innerstaatlichen Rechts verfügen die
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Steuerbehörden des ersuchten Vertragsstaats über die Befugnis, die Of-
fenlegung der in diesem Absatz genannten Informationen durchzusetzen.
2.3 Im Zusammenhang mit Art. 26 DBA CH-AT ist weiter das zugehörige
Schlussprotokoll (eingefügt durch Art. VIII des Protokolls vom 21. März
2006 zur Abänderung des DBA CH-AT [AS 2007 1253], von der Bundes-
versammlung genehmigt am 6. Oktober 2006 [AS 2007 1251]; ebenfalls
unter SR 0.672.916.31) zu beachten.
2.3.1 Gemäss Ziff. 2 Bst. a des Schlussprotokolls zum DBA CH-AT besteht
zwischen den Vertragsparteien Einigkeit darüber, dass der ersuchende
Vertragsstaat ein Begehren um Austausch von Informationen erst dann
stellt, wenn er alle in seinem innerstaatlichen Steuerverfahren vorgesehe-
nen üblichen Mittel zur Beschaffung der Informationen ausgeschöpft hat
(sog. Subsidiaritätsprinzip).
2.3.2 Nach Ziff. 2 Bst. b des Schlussprotokolls zum DBA CH-AT besteht
der Zweck der Verweisung auf Informationen, die voraussichtlich erheblich
sind, darin, einen möglichst weitgehenden Informationsaustausch in Steu-
erbelangen zu gewährleisten, ohne den Vertragsstaaten zu erlauben,
«fishing expeditions» zu betreiben oder um Informationen zu ersuchen, de-
ren Erheblichkeit hinsichtlich der Steuerbelange einer bestimmten steuer-
pflichtigen Person unwahrscheinlich ist. Die im Amtshilfeersuchen zu lie-
fernden Angaben sind gemäss dieser Bestimmung zwar wichtige verfah-
renstechnische Voraussetzungen für die Vermeidung von «fishing expedi-
tions»; sie sind jedoch nicht so auszulegen, dass sie einen wirksamen In-
formationsaustausch behindern würden.
2.3.2.1 Als zur Anwendung oder Durchsetzung des innerstaatlichen Rechts
voraussichtlich erheblich gelten Informationen, die für den ersuchenden
Staat notwendig sind, um eine in diesem Staat steuerpflichtige Person dort
korrekt zu besteuern (vgl. BGE 143 II 185 E. 3.3.1, 141 II 436 E. 4.4.3). Die
Voraussetzung der voraussichtlichen Erheblichkeit ist erfüllt, wenn im Zeit-
punkt der Einreichung des Amtshilfeersuchens eine vernünftige Möglich-
keit besteht, dass sich die verlangten Informationen als erheblich erweisen
werden (BGE 143 II 185 E. 3.3.2). Keine Rolle spielt, ob sich diese Infor-
mationen nach deren Übermittlung für die ersuchende Behörde als nicht
erheblich herausstellen. Ob eine Information erheblich ist, kann in der Re-
gel nur der ersuchende Staat abschliessend feststellen (BGE 145 II 112
E. 2.2.1, 142 II 161 E. 2.1.1).
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2.3.2.2 Um bei Amtshilfeersuchen, welche die betroffenen Personen nicht
namentlich identifizieren, unzulässige Beweisausforschungen, d.h.
«fishing expeditions», auszuschliessen, ist nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung verlangt (BGE 143 II 136 E. 6.1.2), dass die ersuchende
Behörde in ihrem Ersuchen
(i) eine detaillierte Beschreibung der Gruppe geben, welche die spezifischen Tat-
sachen und Umstände beschreibt, die zum Ersuchen geführt haben;
(ii) das anwendbare (Steuer-)Recht erläutern und aufzeigen, weshalb Gründe vor-
liegen, welche annehmen lassen, die Steuerpflichtigen in der Gruppe hätten ihre
Verpflichtungen nicht erfüllt, d.h. das Steuerrecht verletzt; und
(iii) aufzeigen, dass die eingeforderten Informationen zur Erfüllung der Verpflich-
tungen der Steuerpflichtigen der Gruppe führen können.
Diese Kriterien gelten aus Kohärenzgründen nicht nur für die ursprünglich
ins Auge gefassten Gruppenersuchen nach Art. 3 Bst. c StAhiG, sondern
finden nach der Rechtsprechung ebenfalls auf sog. Listenersuchen Anwen-
dung (vgl. BGE 146 II 150 E. 6.1.3, 143 II 628 E. 5.1).
2.3.3 Gemäss Ziff. 2 Bst. c des Schlussprotokolls zum DBA CH-AT (in der
am 14. November 2012 in Kraft getretenen Fassung; vgl. AS 2012 6941)
besteht zwischen den Vertragsparteien sodann Einigkeit darüber, dass die
Steuerbehörden des ersuchenden Staates bei der Stellung eines Amtshil-
febegehrens nach Art. 26 des Abkommens den Steuerbehörden des er-
suchten Staates die nachstehenden Angaben zu liefern haben:
i) die Identifikation der steuerpflichtigen Person, wobei diese Identifikation auch
auf andere Weise als durch Angabe des Namens und der Adresse erfolgen
kann;
ii) die Zeitperiode, für welche die Informationen verlangt werden;
iii) eine Beschreibung der verlangten Informationen sowie Angaben hinsichtlich
der Form, in der der ersuchende Staat diese Informationen vom ersuchten
Staat zu erhalten wünscht;
iv) den Steuerzweck, für den die Informationen verlangt werden;
v) den Namen und die Adresse des mutmasslichen Informationsinhabers, soweit
sie bekannt sind.
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Seite 11
2.4
2.4.1 Auf ein Ersuchen ist nach Art. 7 Bst. c StAhiG nicht einzutreten, wenn
es den Grundsatz von Treu und Glauben verletzt, «insbesondere wenn es
auf Informationen beruht, die durch nach schweizerischem Recht strafbare
Handlungen erlangt worden sind». Letzteres bedeutet, dass die objektiven
Tatbestandsmerkmale eines Straftatbestandes des Schweizerischen Straf-
gesetzbuches vom 21. Dezember 1937 (StGB, SR 311.0) erfüllt sein müs-
sen und die Delikte unter die schweizerische Straf- bzw. Gerichtshoheit ge-
mäss Art. 3 bis 8 StGB fallen (BGE 143 II 202 E. 8.5.6).
2.4.2 Sofern eine Partei behauptet, ein Amtshilfeersuchen beruhe auf straf-
baren Handlungen, ist jeweils zu prüfen, ob das Ersuchen dem im interna-
tionalen öffentlichen Recht geltenden Grundsatz von Treu und Glauben
entspricht. Gegen diesen Grundsatz wird etwa verstossen, wenn der ersu-
chende Staat versichert hatte, dass keine auf schweizerischem Territorium
geheime Bankdaten für ein Amtshilfeersuchen verwendet werden, und er
dennoch ein Ersuchen stellt, das direkt oder indirekt kausal mit solchen
geheimen Daten zusammenhängt (vgl. BGE 143 II 224 E. 6.4; statt vieler:
Urteil des BVGer A-1534/2018 vom 3. August 2020 E. 6.2). Ein treuwidri-
ges Verhalten ist in der Regel auch ohne vorgängige ausdrückliche Zusi-
cherung anzunehmen, wenn der ersuchende Staat illegal erworbene Daten
kauft und ein darauf abgestütztes Amtshilfeersuchen stellt (vgl. Urteil des
BGer 2C_648/2017 vom 17. Juli 2018 E. 2.3.4). Das blosse Verwenden
illegal erworbener Daten durch den ersuchenden Staat, welche dieser im
Rahmen der (spontanen) Amtshilfe durch einen anderen Staat erhalten
hat, stellt rechtssprechungsgemäss jedoch noch kein treuwidriges Verhal-
ten dar (Urteil des BGer 2C_619/2018 vom 21. Dezember 2018 E. 2.3.5
mit Hinweisen; Urteile des BVGer A-3186/2019 vom 20. August 2020
E. 2.8.3, A-1534/2018 vom 3. August 2020 E. 6.2).
2.5 Ein wichtiges Element der internationalen Behördenzusammenarbeit
bildet der Grundsatz, wonach – ausser bei offenbarem Rechtsmissbrauch
oder bei berechtigten Fragen im Zusammenhang mit dem Schutz des
schweizerischen oder internationalen Ordre public (vgl. Art. 7 StAhiG) –
prinzipiell kein Anlass besteht, an Sachverhaltsdarstellungen und Erklärun-
gen anderer Staaten zu zweifeln (sog. völkerrechtliches Vertrauensprinzip;
BGE 144 II 206 E. 4.4, 142 II 218 E. 3.3). Auf diesem Vertrauen gründet
letztlich das ganze Amtshilfeverfahren. Dementsprechend ist die ESTV an
die Darstellung des Sachverhalts im Ersuchen insoweit gebunden, als
diese nicht wegen offensichtlicher Fehler, Lücken oder Widersprüche so-
fort entkräftet werden kann (BGE 142 II 161 E. 2.1.1 und 2.1.3, 139 II 451
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E. 2.2.1; statt vieler: Urteil des BVGer A-2258/2020 vom 19. Februar 2021
E. 2.2).
3.
Das vorliegende Verfahren hat – worauf die Vorinstanz in ihrer Vernehm-
lassung zur Recht hinweist – einen engen inhaltlichen Bezug zum rechts-
kräftigen Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021, welchem
dasselbe Amtshilfeersuchen des CLO wie in casu zu Grunde lag. Dem Ur-
teil des BVGer A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021 kommt somit für das
vorliegende Verfahren Pilotcharakter zu (nachfolgend auch: Pilotfall bzw.
Piloturteil). Das Bundesverwaltungsgericht kam in diesem Urteil zum
Schluss, dass hinreichend konkrete Anhaltspunkte für ein steuerrechtswid-
riges Verhalten der vom österreichischen Ersuchen betroffenen Personen
gegeben seien und eine verbotene «fishing expedition» daher nicht vor-
liege (E. 4.4.3 f.). Im Folgenden sind die wesentlichen konkreten Rügen
des Beschwerdeführers im Lichte des Urteils des BVGer A-6532/2020 vom
21. Dezember 2021 zu beurteilen.
Vorliegend ist der Beschwerdeführer aus verschiedenen Gründen der An-
sicht, das österreichische Amtshilfeersuchen enthalte keine Anhaltspunkte
für die Annahme, dass die betroffenen Personen und er selber ihre bzw.
seine Steuerpflichten verletzt hätten. Das Ersuchen stelle deshalb eine un-
zulässige «fishing expedition» dar. Streitig und im Folgenden zu prüfen
sind daher im Wesentlichen die Eintretensvoraussetzungen (E. 3.1 und
3.2) sowie des Weiteren die Frage, ob die zur Übermittlung vorgesehenen
Informationen für die Steuerpflicht des Beschwerdeführers in Österreich
voraussichtlich erheblich sind (E. 4).
3.1 Zunächst ist auf die Frage der Rechtmässigkeit der Amtshilfeleistung
einzugehen und in diesem Zusammenhang insbesondere darauf, ob das
vorliegende Listenersuchen den erhöhten Anforderungen genügt, um eine
verbotene Beweisausforschung (sog. «fishing expedition») auszuschlies-
sen. Das Bundesverwaltungsgericht hat diese Fragen im Pilotfall ausführ-
lich geprüft und dabei in seinem Urteil A-6532/2020 vom 21. Dezember
2021 Folgendes erwogen:
3.1.1
3.1.1.1 Zur Frage, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Amtshilfeersuchen
des CLO vom 16. Februar 2017 eingetreten ist, hielt das Bundesverwal-
tungsgericht dafür, das vorliegend zu beurteilende Amtshilfeersuchen
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stütze sich auf eine Liste mit ursprünglich über 8000 eindeutig zuordenba-
ren Kundenstammnummern, mithilfe derer die ESTV und die zur Edition
aufgeforderte Bank die betroffenen Personen in der Folge identifizieren
und die ersuchten Informationen hätten zusammenstellen können. Nebst
den erwähnten Banknummern enthalte das Ersuchen weder Namen noch
Adressen der betroffenen Personen. Ein solches «Listenersuchen» stelle
nach der gefestigten Rechtsprechung eine nach innerstaatlichem Recht
grundsätzlich zulässige Sammlung von Einzelersuchen dar, welche nicht
mit einem Gruppenersuchen im Sinn von Art. 3 Bst. c StAhiG zu verwech-
seln sei (Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021 E. 4.2.1).
Des Weiteren enthalte das Amtshilfeersuchen auch die weiteren erforder-
lichen Angaben gemäss Ziff. 2 Bst. c des Schlussprotokolls zum DBA CH-
AT (Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021 E. 4.2.3).
3.1.1.2 In Bezug auf das Subsidiaritätsprinzips nach Ziff. 2 Bst. a des
Schlussprotokolls zum DBA CH-AT habe die ersuchende Behörde im Amts-
hilfeersuchen bestätigt, dass alle üblichen Informationsquellen ausge-
schöpft worden seien, auf die sie in diesem Fall hätte zugreifen können,
um die erforderlichen Informationen einzuholen, ohne das Risiko einzuge-
hen, das Ergebnis der Ermittlungen zu gefährden. Nach dem völkerrechtli-
chen Vertrauensprinzip bestehe grundsätzlich kein Anlass, an Erklärungen
anderer Staaten zu zweifeln. Mangels gegenteiliger, konkreter Anhalts-
punkte sei damit von der Einhaltung des Subsidiaritätsprinzips auszugehen
(Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021 E. 4.3).
3.1.2 Zur Frage, ob das vorliegende Listenersuchen, den erhöhten Anfor-
derungen genügt, um eine verbotene Beweisausforschung (sog. «fishing
expedition») auszuschliessen, äusserte sich das Bundesverwaltungsge-
richt im Piloturteil wie folgt:
3.1.2.1 Erforderlich sei erstens, dass das Ersuchen eine detaillierte Be-
schreibung der Gruppe enthalte, welche die Tatsachen und speziellen Um-
stände nennt, die zum Ersuchen geführt hätten. Das vorliegende Ersuchen
[des CLO] identifiziere die betroffenen Personen mittels eindeutig zuorden-
baren Kundenstammnummern. Eine hinreichend detaillierte Beschreibung
der Gruppe sei damit vorliegend zu bejahen (Urteil des BVGer
A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021 E. 4.4.1).
3.1.2.2 Gemäss der dritten Voraussetzung habe die ersuchende Behörde
aufzuzeigen, dass die verlangten Informationen geeignet seien, für die Er-
füllung der steuerlichen Verpflichtungen der Steuerpflichtigen zu sorgen.
A-2064/2021
Seite 14
Auch dieses Kriterium sei vorliegend erfüllt. Mit der Aufdeckung eines bis-
her im Rahmen der Steuererklärung nicht deklarierten Kontos – sofern ein
solches bestehe – erhalte der ersuchende Staat die Möglichkeit, allfällige
von Steuerpflichtigen zu Unrecht nicht entrichtete Steuern nachzufordern
(Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021 E. 4.4.2).
3.1.3 Was die verbleibende zweite Voraussetzung betreffe, so müsse das
Amtshilfeersuchen das anwendbare Steuerrecht und die Motive darlegen,
die es erlauben würden, davon auszugehen, dass die vom Ersuchen be-
troffenen Steuerpflichtigen ihre steuerlichen Verpflichtungen nicht erfüllt
hätten. Das hier streitbetroffene Amtshilfeersuchen Österreichs bezeichne
unbestrittenermassen das anwendbare Steuerrecht. Fraglich und zu prü-
fen bleibe, ob auch hinreichende Motive für die Annahme von Steuerpflicht-
verletzungen genannt werden (Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. De-
zember 2021 E. 4.4.3).
Die einschlägige bundesgerichtliche Rechtsprechung hat das Bundesver-
waltungsgericht im Pilotfall wie folgt dargelegt:
3.1.3.1 Gemäss der Rechtsprechung müssten für die Annahme einer Miss-
achtung steuerrechtlicher Verpflichtungen konkrete Anhaltspunkte bzw.
Verdachtsmomente vorliegen, wobei sich diese nicht auf die einzelnen In-
dividuen bezögen, wohl aber in allgemeiner Weise auf die Personen in die-
ser Gruppe. Je nach den Umständen könne auch die Art und Weise, wie
der ersuchende Staat Kenntnis von der Liste erlangt habe, ein Indiz dafür
sein, dass die Kontoinhaber ihre steuerrechtlichen Verpflichtungen nicht
eingehalten hätten (Urteil des BGer 2C_695/2017 vom 29. Oktober 2018
E. 5.2; Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021 E. 4.4.3.1).
Solche hinreichenden Anhaltspunkte habe das Bundesgericht namentlich
in folgenden zwei Fallkonstellationen bejaht:
Im einen Fall habe das Amtshilfeverfahren auf einem Listenersuchen
Frankreichs basiert. Dabei seien die dem Ersuchen zugrundeliegenden
Daten (im Urteil bezeichnet als Listen A, B und C) anlässlich einer von der
Staatsanwaltschaft Bochum durchgeführten Hausdurchsuchung bei einer
deutschen Gruppengesellschaft der UBS im Mai 2012 und im Juli 2013
gefunden worden. Das Bundesgericht habe erwogen, dass erste Überprü-
fungen der ersuchenden Behörde hinsichtlich der Liste A, welche die Na-
men von 1'130 Personen auswies, gezeigt hätten, dass die betroffenen
Steuerpflichtigen ihr Konto entweder nicht deklariert oder bereits zu einem
früheren Zeitpunkt regularisiert gehabt hätten. Es habe eine Verbindung
A-2064/2021
Seite 15
zwischen der Liste A und den Listen B (betreffend Jahr 2006) und C (be-
treffend Jahr 2008) als gegeben erachtet, wobei die Listen B und C zwar
keine Namen enthalten hätten aber einen Domizilcode, der auf eine Ansäs-
sigkeit in Frankreich hingedeutet habe. Das Gericht habe hervorgehoben,
dass gegen die Bank ein Strafverfahren in Frankreich eingeleitet worden
sei und ihr der Aufbau eines Steuerfluchtsystems zur Last gelegt werde. Es
sei zum Schluss gekommen, dass diese Anhaltspunkte zusammen be-
trachtet einen hinreichenden Verdacht auf steuerrechtswidriges Verhalten
der mittels Banknummern identifizierten Personen der Listen B und C be-
gründet hätten. Weiter habe es den Umstand, dass die Listen B und C bei
einer Hausdurchsuchung im Rahmen einer Steuerstrafuntersuchung in
Deutschland gefunden worden seien, als zusätzliches Indiz für ein steuer-
rechtswidriges Verhalten gewertet (vgl. BGE 146 II 150 E. 6.2.5 f.; zum
Ganzen: Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021
E. 4.4.3.2).
Im anderen Fall habe dem Verfahren ein Amtshilfeersuchen aus Deutsch-
land zugrunde gelegen, welches die betroffene Person mittels einer Kon-
tonummer identifiziert habe. Das Bundesgericht habe die Tatsache, dass
die ersuchende Behörde die Kontonummer kenne und wisse, dass darauf
ein hoher Geldbetrag liegt, für sich allein genommen noch nicht als Indiz
dafür gewertet, dass dieser Geldbetrag nicht oder nicht ordnungsgemäss
versteuert worden sei. Als ausschlaggebend habe es vielmehr erachtet,
dass gemäss der Schilderung der ersuchenden Behörde durch einen Zu-
fallsfund (anlässlich einer Durchsuchung der Geschäftsräume einer Bank
mit Sitz in Frankfurt) Listen mit Kundendaten in Form von Kundenstamm-
nummern, Alter, Domizil und Einlagehöhe in einer verborgenen Datei auf
dem Personal Computer einer Mitarbeiterin habe gesichert werden kön-
nen. Der Umstand, dass diese Daten nicht regulär im Systembackup der
Bank vorhanden gewesen seien, habe es als Indiz dafür gewertet, dass die
betreffenden Konten möglicherweise verdeckt hätten geführt werden sollen
und allenfalls nicht gesetzeskonform deklariert worden seien. Dieses Indiz
in Kombination mit den übrigen Umständen (Ermittlungsverfahren bei der
Bank mit anschliessender Beschlagnahmung der Daten sowie hohe
Summe auf dem betreffenden Konto) stelle gemäss Bundesgericht einen
konkreten Hinweis auf Unregelmässigkeiten dar. Das Bundesgericht habe
im Ergebnis eine unzulässige Beweisausforschung verneint (Urteil des
BGer 2C_695/2017 vom 29. Oktober 2018 E. 5, insbes. E. 5.3.1; zum Gan-
zen: Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021 E. 4.4.3.2).
A-2064/2021
Seite 16
3.1.3.2 Wie im oben erwähnten, bereits gerichtlich beurteilten Listenersu-
chen Frankreichs stütze sich auch das vorliegende Amtshilfeersuchen auf
(von den deutschen Behörden zur Verfügung gestellte) Listen mit Bank-
nummern und Vermögensdaten der Jahre 2006 und 2008, die anlässlich
einer Hausdurchsuchung der deutschen Strafverfolgungsbehörden bei ei-
ner Niederlassung der UBS in Frankfurt aufgefunden worden seien. Mit an-
deren Worten würde das vorliegende Listenersuchen Österreichs und das
erwähnte Listenersuchen Frankreichs auf Daten derselben Quelle basie-
ren. Es sei zwischenzeitlich gerichtsnotorisch, dass sich diese «Listen» –
wie betreffend das oben zitierte Urteil 2C_695/2017 vom 29. Oktober 2018
ausgeführt – mutmasslich auf einer verborgenen Datei auf dem PC einer
Bankmitarbeiterin befunden hätten (siehe Urteil des BVGer A-1534/2018
vom 3. August 2020 E. 3.6; Beschlüsse des Bundesstrafgerichts
BB.2019.61 und BB.2019.63 vom 20. November 2019). Weiter habe die
spontane Übermittlung der erwähnten «Listen» von Deutschland nach Ös-
terreich – wie sich aus dem Ersuchen ergebe – gestützt auf die europäi-
sche Richtlinie 2011/16 vom 15. Februar 2011 über die Zusammenarbeit
der Verwaltungsbehörden im Bereich der Besteuerung und zur Aufhebung
der Richtlinie 77/799/EWG (ABl. L 64/1 vom 11. März 2011) stattgefunden.
Ein solch spontaner Informationsaustausch sei u. a. vorgesehen, wenn die
zuständige Behörde eines Mitgliedstaats Gründe für die Vermutung einer
Steuerverkürzung im anderen Mitgliedstaat hat (s. Abschn. II Art. 9 Abs. 1
Bst. a der Richtlinie 2011/16; zum Ganzen: Urteil des BVGer A-6532/2020
vom 21. Dezember 2021 E. 4.4.3.2).
Der Bezug zu Österreich werde vorliegend über die in der Liste erwähnten
Domizilcodes hergestellt. Gemäss Amtshilfeersuchen habe sodann ein Ab-
gleich der auf der Liste enthaltenen Kundenstammnummern auf Basis von
zwei Abkommen mit der Schweiz (Sachverhalt Bst. A.b in fine) zur Zuord-
nung und Aussonderung von über [mehreren Hundert] Konten geführt.
Dies zeige, dass sich zumindest in diesen Fällen der Domizilcode als kor-
rekt erwiesen habe. Sodann sei der Domizilcode auch bereits beim franzö-
sischen Listenersuchen, das auf Daten derselben Quelle beruht habe, als
genügend erachtet worden (vgl. BGE 146 II 150 E. 6.2.6 f.; Urteil des
BVGer A-1562/2018 vom 3. August 2020 E. 4.2). Gemäss Angaben der
ersuchenden Behörde würden sich die in der «Liste» ausgewiesenen Ver-
mögenswerte auf [mehrere] Milliarden Schweizer Franken belaufen und
damit eine erhebliche Summe darstellen (Urteil des BVGer A-6532/2020
vom 21. Dezember 2021 E. 4.4.3.2).
A-2064/2021
Seite 17
Wie bereits erwähnt, genüge es nach der höchstrichterlichen Rechtspre-
chung für die Vermutung von Steuerpflichtverletzungen, dass die dem
Amtshilfeersuchen zugrundeliegenden Daten nicht regulär im Systemba-
ckup der Bank vorhanden gewesen seien, ein Ermittlungsverfahren bei der
Bank mit anschliessender Beschlagnahmung der Daten sowie eine hohe
Summe von Vermögenswerten betroffen seien. Dies decke sich mit der
Ausgangslage im Pilotfall und es komme hinzu, dass die den Pilotfall be-
treffenden Daten aus derselben Quelle stammen würden, die auch dem
vom Bundesgericht als zulässig qualifizierten Listenersuchen Frankreichs
zugrunde gelegen habe. Vor diesem Hintergrund sei hinsichtlich des Pilot-
falls das Vorliegen hinreichend konkreter Anhaltspunkte für ein steuer-
rechtswidriges Verhalten der betroffenen Personen – und damit der (dorti-
gen) Beschwerdeführenden – im dort streitbetroffenen Amtshilfeersuchen
des CLO zu bejahen. Eine verbotene «fishing expedition», welche ein
Nichteintreten auf das Amtshilfeersuchen nach sich ziehen müsste, liege
daher nicht vor (Urteil des BVGer A-6532/2020 vom 21. Dezember 2021
E. 4.4.3.2).
3.2 An diesen Erwägungen ist für den vorliegenden Fall vollumfänglich
festzuhalten. Die diesbezüglichen nachfolgenden Vorbringen des Be-
schwerdeführers vermögen an dieser Rechtsprechung nichts zu ändern.
3.3 Laut Beschwerdeführer liegen aus verschiedenen Gründen nicht ein-
mal genügende Anhaltspunkte vor für ein steuerrechtswidriges Verhalten
der durch die dem Ersuchen beiliegende Liste identifizierbaren Personen
– und insbesondere des Beschwerdeführers – im Sinne eines Globalver-
dachts, d.h. in allgemeiner Weise für die Personen der Gruppe.
3.3.1 So hält der Beschwerdeführer die Anhaltspunkte, welche im bundes-
gerichtlich beurteilten französischen Amtshilfeersuchen zusammen be-
trachtet einen hinreichenden Verdacht auf steuerrechtswidriges Verhalten
der betroffenen Personen begründeten, für das österreichische Amtshilfe-
verfahren für nicht relevant. Es lägen auch keine anderen Tatsachen vor,
die auf gesetzeswidriges Verhalten seinerseits sowie der übrigen vom vor-
liegend zu beurteilenden Ersuchen betroffenen Personen hindeuten wür-
den. Sofern die Tatsache, dass in Frankreich ein Strafverfahren gegen die
UBS geführt werde, überhaupt als hinreichend konkretes Verdachtsmo-
ment für ein steuerrechtswidriges Verhalten der vom französischen Amts-
hilfeersuchen betroffenen Personen angesehen werden könne, treffe dies
– so der Beschwerdeführer – für Österreich jedenfalls nicht zu.
A-2064/2021
Seite 18
Für den Beschwerdeführer ist ferner die Auffassung der ESTV nicht nach-
vollziehbar, wonach die Übermittlung der Bankdaten im Rahmen der Spon-
taninformation einen Globalverdacht auf Steuerunehrlichkeit der von der
Amtshilfe betroffenen Personen (mit-)begründen solle. Diese Ansicht sei
im Rahmen des französischen Amtshilfeverfahrens weder vom Bundesge-
richt noch vom Bundesverwaltungsgericht vertreten worden.
Die Domizilcodes für Österreich in den Listen sind laut Beschwerdeführer
sodann, wenn überhaupt, nur ein Hinweis darauf, dass die betroffenen Per-
sonen in der Zeit, aus welcher die Listen stammen, d.h. im Jahr 2006 oder
2008, in Österreich ansässig gewesen seien, was noch nicht bedeute, dass
diese Personen ihre steuerlichen Pflichten verletzt hätten. Eine Liste A von
Konten mit genauer Identifikation der damit verbundenen Steuerpflichtigen
mit einem Domizilcode für Österreich werde vom CLO anders als von den
französischen Behörden nicht geltend gemacht. Das CLO bringe damit
nicht einmal statistische Hinweise auf eine Steuerunehrlichkeit der vom
Amtshilfeersuchen betroffenen Personen vor.
3.3.2 Der Beschwerdeführer bestreitet zu Recht nicht, dass auch im An-
wendungsbereich des DBA CH-AT ein («Listenersuchen») grundsätzlich
zulässig ist (E. 3.1.1.1). Des Weiteren enthält das Amtshilfeersuchen auch
die weiteren erforderlichen Angaben gemäss Ziff. 2 Bst. c des Schlusspro-
tokolls zum DBA CH-AT (Sachverhalt, Bst. A.b und A.c; E. 2.3.3 und
3.1.1.1). Auch vorliegend ist mangels gegenteiliger, konkreter Anhalts-
punkte von der Einhaltung des Subsidiaritätsprinzips (E. 2.3.1) auszuge-
hen.
Das Bundesverwaltungsgericht hat im Pilotfall bereits entschieden, dass
sich wie im bundesgerichtlich beurteilten Listenersuchen Frankreichs
(E. 3.1.3.2) auch das vorliegende Amtshilfeersuchen des CLO auf Daten
derselben Quelle («Listen») basieren. Entgegen der Ansicht des Be-
schwerdeführers ist es vorliegend zudem unerheblich, ob allenfalls in Ös-
terreich im Gegensatz zu Frankreich ein Strafverfahren gegen die UBS
hängig ist oder nicht. Wie ebenfalls erwähnt begründet die Kombination der
Tatsache, dass Listen mit Kundendaten nicht regulär im Systembackup der
Bank vorhanden gewesen sind mit den übrigen Umständen (Ermittlungs-
verfahren bei der Bank mit anschliessender Beschlagnahmung der Daten
sowie hohe Summe auf dem betreffenden Konto) einen konkreten Hinweis
auf Unregelmässigkeiten (E. 3.1.3.1). Die Übermittlung der in E. 3.1.3.1
und E. 3.1.3.2 erwähnten «Listen» von Deutschland nach Österreich fand
zudem auf legalem Weg der spontanen Amtshilfe von Deutschland statt
A-2064/2021
Seite 19
(E. 3.1.3.2). Demnach können diese Daten sehr wohl Basis für das vorlie-
gend zu beurteilende Amtshilfeersuchen des CLO bilden.
Gemäss Pilotfall wird der relevante Bezug zu Österreich über die in der
Liste erwähnten Domizilcodes hergestellt. Damit seien hinreichende (sta-
tistische) Hinweise auf eine Steuerunehrlichkeit der vom Amtshilfeersu-
chen betroffenen Personen gegeben, zumal für die Zulässigkeit eines Lis-
tenersuchens ein globaler Verdacht für eine Steuerhinterziehung ausrei-
chend sei. Sodann seien der Domizilcode auch bereits beim französischen
Listenersuchen, das auf Daten derselben Quelle beruht habe, als genü-
gend erachtet worden. Gemäss Angaben der ersuchenden Behörde belau-
fen sich die in der «Liste» ausgewiesenen Vermögenswerte auf über [...]
Milliarden Schweizer Franken, mithin auf eine erhebliche Summe
(E. 3.1.3.2). Daran ist festzuhalten.
3.4
3.4.1 Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, das österreichische Amtshil-
feersuchen entspreche im Ergebnis dem in Ziff. 8.1 Bst. a des OECD-Kom-
mentars illustrierten Musterfall einer unzulässigen «fishing expedition».
3.4.2 Die vorliegende Situation ist nicht identisch mit dem erwähnten Mus-
terfall. Ziff. 8.1 Bst. a des OECD-Kommentars zu Art. 26 des OECD-Mus-
terabkommens, S. 9 (< https://www.oecd-ilibrary.org > taxation > Catalogue
Books > Annuals & Outlooks > Model Tax Convention on Income and on
Capital (Full Version) > Table of Contents Commentaries on the Articles of
the Model > Convention Commentary on Article 26: Concerning the Ex-
change of Information >, abgerufen am 12. Mai 2022) betrifft ein Ersuchen,
worin es lediglich heisst, die Bank im ersuchten Staat sei dafür bekannt,
über eine grosse Gruppe ausländischer Kontoinhaber zu verfügen, jedoch
keine weiteren Informationen enthält («The request states that Bank B is
known to have a large group of foreign account holders but does not con-
tain any additional information.»). Das vorliegend zu beurteilende Amtshil-
feersuchen enthält demgegenüber wie schon festgestellt sämtliche erfor-
derlichen Angaben gemäss Ziff. 2 Bst. c des Schlussprotokolls zum DBA
CH-AT (E. 2.3.3 und 3.1.1.1).
3.5
3.5.1 Der Beschwerdeführer moniert schliesslich, die Staatsanwaltschaft
Bochum habe zusammen mit deutschen Steuerfahndern am Sitz der UBS
in Frankfurt im Zusammenhang mit einer Steuerstrafuntersuchung gegen
deutsche Steuerpflichtige eine Hausdurchsuchung durchgeführt und sei
A-2064/2021
Seite 20
dabei (nur) «rein zufällig» auch in den Besitz der besagten Listen gelangt.
Die Rechtsprechung des Bundesgerichts in seinem Urteil 2C_695/2017
vom 29. Oktober 2018, wonach Listen mit Kundendaten in einer
verborgenen Datei auf dem Personal Computer einer Mitarbeiterin bzw.
nicht regulär im Systembackup der Bank vorhanden gewesen seien und
dies ein Indiz dafür sei, dass die betreffenden Konten möglicherweise
verdeckt geführt bzw. allenfalls nicht gesetzeskonform deklariert worden
seien, sei «offensichtlich falsch und unhaltbar».
3.5.2 Soweit der Beschwerdeführer geltend machen wollte, es handle sich
bei den gefundenen Listen um sog. personelle Zufallsfunde, die nicht ver-
wertbar seien, geht sein Einwand fehl. Die Listen B und C wurden im Rah-
men eines deutschen Strafverfahrens, mithin im Rahmen einer Hausdurch-
suchung bei einer Bank in Deutschland gefunden. Ob diese Informationen
im Rahmen eines österreichischen Steuererhebungs- oder eines Steuer-
strafverfahrens nach österreichischem Recht verwertbar wären, ist grund-
sätzlich im österreichischen Verfahren zu prüfen (vgl. betreffend ein ver-
gleichbares niederländisches Amtshilfeverfahren Urteil des BVGer
A-1883/2021 vom 22. Februar 2022 E. 4.8.2).
3.6 Zusammenfassend zeichnet sich vorliegend – wie auch im Pilotfall –
das folgende Bild: Es genügt nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung
für die Vermutung von Steuerpflichtverletzungen, dass die dem Amtshil-
feersuchen zugrundeliegenden Daten nicht regulär im Systembackup der
Bank vorhanden waren, ein Ermittlungsverfahren bei der Bank mit an-
schliessender Beschlagnahmung der Daten sowie eine hohe Summe von
Vermögenswerten betroffen sind. Dies deckt sich mit der vorliegenden Aus-
gangslage. Es kommt hinzu, dass die vorliegenden Daten aus derselben
Quelle stammen, die auch dem vom Bundesgericht als zulässig qualifizier-
ten Listenersuchen Frankreichs zugrunde lag (E. 3.1.3.2). Vor diesem Hin-
tergrund ist in casu das Vorliegen hinreichend konkreter Anhaltspunkte für
ein steuerrechtswidriges Verhalten der betroffenen Personen – und damit
des Beschwerdeführers – im hier streitbetroffenen Amtshilfeersuchen des
CLO zu bejahen. Eine verbotene «fishing expedition», welche ein Nichtein-
treten auf das Amtshilfeersuchen nach sich ziehen müsste, liegt daher nicht
vor.
4.
Im Weiteren ist auf die voraussichtliche Erheblichkeit der zur Übermittlung
vorgesehenen Informationen einzugehen.
A-2064/2021
Seite 21
4.1 Gemäss Beschwerdeführer hatten die österreichischen Steuerpflichti-
gen unter dem (mittlerweile aufgehobenen) Quellensteuerabkommen zwi-
schen der Schweiz und Österreich die Wahl, entweder eine direkt auf ihren
Konten erhobene und den österreichischen Behörden anonym übermittelte
Quellensteuer zu entrichten oder freiwillig Meldung zu erstatten. Vor die-
sem Hintergrund werde deutlich, dass die vom CLO ersuchten Informatio-
nen zu Konten, welche vom Abkommen erfasst gewesen und damit entwe-
der versteuert oder bereits offengelegt worden seien, offensichtlich nicht
erheblich seien.
4.2 Soweit der Beschwerdeführer damit implizit vorbringt, das CLO würde
allenfalls Informationen verlangen, in deren Besitz es schon ist, kann er
daraus nichts zu seinen Gunsten ableiten. Informationen können nämlich
auch dann als voraussichtlich erheblich zur Anwendung oder Durchset-
zung des innerstaatlichen Rechts qualifiziert werden, wenn sie zwecks
Überprüfung schon vorhandener, aber nicht völlig zweifelsfreier Erkennt-
nisse der Behörden des ersuchenden Staates verlangt werden (vgl. zu die-
sem sog. Verifikationszweck Urteile des BVGer A-5447/2020 vom 6. Okto-
ber 2021 E. 3.2.2.3, A-4811/2019 vom 26. April 2021 E. 5.1 und A-765/2019
vom 20. September 2019 E. 3.3.2.3 m.w.H. [bestätigt durch Urteil des BGer
2C_864/2019 vom 17. August 2020]).
4.3 Für die Bejahung der voraussichtlichen Erheblichkeit genügt wie er-
wähnt eine vernünftige Möglichkeit im Zeitpunkt der Einreichung des Amts-
hilfeersuchens, dass sich die verlangten Informationen als erheblich erwei-
sen werden (E. 2.3.2.1). Weil vorliegend wie gezeigt hinreichend konkrete
Hinweise für Unregelmässigkeiten in der Steuerabwicklung bestehen, sind
die ersuchten Informationen geeignet, für die Erfüllung der steuerlichen
Verpflichtungen des Beschwerdeführers zu sorgen (E. 3.1.2.2). Damit ist
von der voraussichtlichen Erheblichkeit der vorliegend zur Übermittlung
vorgesehenen Informationen betreffend den Beschwerdeführer auszuge-
hen.
5.
Zusammenfassend ist das Vorliegen hinreichend konkreter Anhaltspunkte
für ein steuerrechtswidriges Verhalten der betroffenen Personen – und da-
mit des Beschwerdeführers – im hier streitbetroffenen Amtshilfeersuchen
des CLO zu bejahen. Eine verbotene «fishing expedition», welche ein
Nichteintreten auf das Amtshilfeersuchen nach sich ziehen müsste, liegt
A-2064/2021
Seite 22
daher nicht vor. Die vom CLO ersuchten Informationen sind zudem als vo-
raussichtlich erheblich zur Besteuerung des Beschwerdeführers zu qualifi-
zieren und dementsprechend zu übermitteln.
6.
Nach dem Gesagten sind die Voraussetzungen für die in der Schlussver-
fügung vorgesehene Amtshilfeleistung erfüllt. Die Beschwerde erweist sich
als unbegründet und ist vollumfänglich abzuweisen.
7.
7.1 Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer die auf Fr. 5'000.-- festzu-
setzenden Verfahrenskosten zu tragen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG und Art. 2
Abs. 1 in Verbindung mit Art. 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher
Höhe ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden.
7.2 Dem unterliegenden Beschwerdeführer ist keine Parteientschädigung
zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario und Art. 7 Abs. 1 VGKE
e contrario).
8.
Dieser Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Amtshilfe in Steuer-
sachen kann gemäss Art. 83 Bst. h des Bundesgerichtsgesetzes vom
17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) innerhalb von 10 Tagen nur dann mit
Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesge-
richt weitergezogen werden, wenn sich eine Rechtsfrage von grundsätzli-
cher Bedeutung stellt oder wenn es sich aus anderen Gründen um einen
besonders bedeutenden Fall im Sinn von Art. 84 Abs. 2 BGG handelt (Art.
84a und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Ob dies der Fall ist, entscheidet das
Bundesgericht.
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