Decision ID: a7b0c1e0-bf63-41a3-bfcd-24348e3c6c5e
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch B._,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Hilfsmittel (Unterschenkel-Orthesen)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ wurde am 4. Dezember 1990 zum Bezug von IV-Leistungen für Erwachsene
angemeldet (IV-act. 71), nachdem ihm zuvor Pflegebeiträge ausgerichtet worden
waren. Er litt (IV-act. 2) an den Geburtsgebrechen Nr. 183 (Luxatio coxae congenita
und Dysplasia coxae congenita), Nr. 387 (angeborene Epilepsie) und Nr. 387
(angeborene cerebrale Lähmungen, spastisch, athetotisch und ataktisch). Der
Berufsberater hielt am 3. Januar 1991 fest (IV-act. 70), es bestehe eine schwere zere
brale Schädigung mit Tetraspastizität und massiver Einschränkung der Hirnleistungs
fähigkeit. Der Versicherte könne sich nicht verbal verständigen. Das Sprachverständnis
sei sehr begrenzt. Er brauche für alles Hilfe und Pflege. Seit Herbst 1990 lebe er in der
Stiftung C._. Die D._ AG, Orthopädie-Technik-Rehabilitation, reichte am 20.
Februar 1998 einen Kostenvoranschlag für eine Unterschenkelorthese links ein (IV-act.
193-3). Die IV-Stelle verfügte am 27. Februar 1998 eine Kostengutsprache (IV-act. 142).
Diese Verfügung enthielt folgenden Passus: "Hilfsmittel vom 01.02.1998 bis 31.01.2008
(Revision)". Die Hilfsmittellieferantin reichte am 14. Juni 2001 wieder einen
Kostenvoranschlag für eine Unterschenkelorthese ein. Die Kostengutsprache wurde
gestützt auf die Verfügung vom 27. Februar 1998 ohne weiteres erteilt (IV-act. 161).
A.b Die IV-Stelle forderte beim Kinderspital Zürich am 8. Juli 2009 einen Bericht an,
da sie eine Rechnung für einen Spezialschuh zur Unterschenkelorthese erhalten hatte
(IV-act. 188-2 ff.). Dr. med. E._, Leitender Arzt, teilte ihr am 21. September 2009 mit
(IV-act. 188-1), der Versicherte leide an einer Tetraspastik bei CP. Im Rahmen dieser
Erkrankung zeige sich eine Fussdeformierung im Sinn einer
Valgusabduktionsdeformität bds. Deshalb benötige der Versicherte eine Versorgung
mit Orthesen und passenden Schuhen. Dies diene der Erhaltung der Streck- und
Gehfähigkeit. Dr. med. F._ vom RAD notierte am 23. Oktober 2009 (IV-act. 189),
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Spezialschuhe für Personen mit Unterschenkelorthesen seien i.d.R. ausgewiesen. Die
IV-Stelle verfügte am 26. Oktober 2009 die Übernahme der Kosten für die
orthopädischen Spezialschuhe für den Zeitraum vom 30. Juni 2009 bis 29. Juni 2011
(Revision). Mit einem Voranschlag vom 31. Dezember 2010 (IV-act. 196) wurden auch
die Kosten einer abnützungsbedingten Reparatur an der Unterschenkelorthese
beantragt. Die Sachbearbeiterin der IV-Stelle notierte am 17. Januar 2011 (IV-act. 198),
da es sich beim Versicherten um eine schwerst behinderte Person handle, frage sie
sich, ob die Unterschenkelorthese lediglich als Behandlungsgerät eingesetzt werde. Sie
erkundigte sich beim zuständigen Arzt des RAD, ob noch eine gewisse Gehfähigkeit
bestehe, so dass die Unterschenkelorthese nicht als Behandlungsgerät zu werten sei
und deshalb eine Kostengutsprache erfolgen könne. Dr. F._ vom RAD empfahl, mit
der Beantwortung dieser Frage bis zur Neu-/Folgeverordnung zuzuwarten.
A.c Die D._ AG stellte am 23. Mai 2011 zwei neue Unterschenkelorthesen in
Rechnung (IV-act. 201). Dr. E._ berichtete am 19. Juli 2011 (IV-act. 202-4), es
bestehe eine ausgeprägte Streckhaltung der Hüft- und Kniegelenke, die passiv nur
schwer zu korrigieren sei. Der Versicherte brauche deshalb eine regelmässige
Physiotherapie zur Durchbiegung der Gelenke. Daneben trage er
Unterschenkelorthesen, um in diesen die ausgeprägt deformierten Füsse in einer
möglichst normalen Haltung einstellen und damit auch im Rollstuhl stabil positionieren
zu können. Die zuständige Sachbearbeiterin der IV-Stelle notierte am 23. August 2011,
dass der Versicherte mit und ohne Orthese weder geh- noch stehfähig sei. Wenn die
Unterschenkelorthesen als Behandlungsgerät zu werten seien, dienten sie nicht der
Fortbewegung, so dass die Übernahme der Kosten ausgeschlossen sei. Dr. med. F._
vom RAD führte dazu aus, bei einer nicht steh- und gehfähigen Person diene die
Unterschenkelorthese nicht der Fortbewegung. Dafür benötige die versicherte Person
einen Rollstuhl. Der Bedarf für die Fortbewegung sei aber Voraussetzung für einen
Anspruch auf das Hilfsmittel. Die Sachbearbeiterin hielt am 1. September 2011 fest,
Orthesen gälten nur als Hilfsmittel, wenn sie unmittelbar der Fortbewegung
(Gehfähigkeit) dienten. Hier stehe aber aus medizinischer Sicht der
Behandlungscharakter im Vordergrund. Behandlungsgeräte gingen nicht zu Lasten der
Invalidenversicherung. Mit einem Vorbescheid vom 21. September 2011 kündigte die
IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung des Gesuchs um die Abgabe von
Unterschenkelorthesen als Hilfsmittel an, weil diese unmittelbar der Fortbewegung
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dienen müssten, um als Hilfsmittel zu geltend (IV-act. 205). Dr. E._ wandte am 10.
Oktober 2011 ein (IV-act. 207-2), der Versicherte benötige die Unterschenkelorthesen
zur korrekten Positionierung der Füsse auf dem Rollstuhl mit dem Ziel einer stabilen
Sitzposition. Er sei aber auch für den Transfer auf die Unterschenkelorthese
angewiesen, denn ohne sie könne er bei einem Transfer keine Gewichtsübernahme
ausführen. Der Vater des Versicherten machte am 17. Oktober 2011 geltend (IV-act.
209), dieser benötige die Unterschenkelorthesen, um im Stehbrett aufrecht arbeiten zu
können, für den Transport mit dem Rollstuhl und für den Transfer vom Rollstuhl ins
Bett. Ohne einen ausgeglichenen Druck sitze der Versicherte unbequem im Rollstuhl.
Der unterschiedliche Druck auf das Gesäss erzeuge Druckstellen und längerfristig
offene Stellen am Gesäss. Der Transfer ins Bett bestehe in einem Aufstehen vom
Rollstuhl, damit der Versicherte stehend gut gefasst und ins Bett gelegt werden könne.
Dr. med. Z._ vom RAD notierte dazu am 30. November 2011 (IV-act. 211), die
Massnahme im Stehbrett diene der Behandlung (Muskelaktivierung) und nicht der
Fortbewegung. Die Transferhilfe sei keine Fortbewegung, da es sonst keinen
Unterschied zwischen Behandlungsgerät und Hilfsmittel mehr geben würde. Die IV-
Stelle wies das Begehren des Versicherten am 1. Dezember 2011 mit der Begründung
ab, der Behandlungscharakter der Unterschenkelorthesen stehe klar im Vordergrund
(IV-act. 212).
B.
B.a Der Vater des Versicherten erhob am 23. (richtig: 21.) Dezember 2011
Beschwerde (act. G 1). Er machte geltend, bei den Unterschenkelorthesen handle es
sich um ein Fortbewegungsgerät bei der Arbeit. Am Abend würden sie helfen, die paar
Schritte bis zum Bett zu gehen. Im Rollstuhl sei der Versicherte durch die Orthesen
richtig positioniert, damit das Gesäss nicht eine einzige offene Wunde sei.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 7. März 2012 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 8). Sie machte geltend, der Beschwerdeführer sei nicht
erwerbstätig. Die aufrechte Position im Stehbrett diene in erster Linie der Behandlung
(Aktivierung der Muskeln) und nicht der Fortbewegung. Mit dem Stehbett und der
Transferhilfe sei keine eigentliche Fortbewegung begründet.
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B.c Die Gerichtsleitung bewilligte am 19. März 2012 die unentgeltliche Rechtspflege
(G 9).

Erwägungen:
1.
Das Dispositiv der Verfügung vom 27. Februar 1998 lautet: "Hilfsmittel vom 01.02.1998
bis 31.01.2008 (Revision) - Unterschenkel Orthese nach ärztlicher Verordnung". Mit der
angefochtenen Verfügung vom 1. Dezember 2011 hat die Beschwerdegegnerin einen
Anspruch des Beschwerdeführers auf den Ersatz der am 27. Februar 1998 bewilligten
Unterschenkelorthese verneint. Begründet hat sie dies damit, dass die
Anspruchsvoraussetzungen nicht erfüllt seien. Sie ist also davon ausgegangen, dass
sie befugt sei, den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Unterschenkel-Orthese
umfassend zu prüfen. Im Ergebnis hat die Beschwerdegegnerin also vorausgesetzt,
dass die Wirksamkeit der Verfügung vom 27. Februar 1998 auf die Zeit bis 31. Januar
2008 beschränkt gewesen sei, dass es sich also um eine Leistungszusprache auf eine
beschränkte Zeit, nämlich bis 31. Januar 2008 gehandelt habe. Trifft diese
Interpretation der Verfügung vom 27. Februar 1998 zu, so ist es tatsächlich zulässig
(und notwendig) gewesen, das Gesuch um den Ersatz der 1998 abgegebenen
Unterschenkel-Orthese ohne jede Bindung an jene Verfügung zu prüfen. Der Wortlaut
des Dispositivs der Verfügung vom 27. Februar 1998 deutet allerdings eher darauf hin,
dass die Unterschenkel-Orthese damals auf unbestimmte Zeit zugesprochen worden
sein könnte, also bereits einen allfälligen Anspruch auf Ersatz für den Fall des
Verbrauchs der ursprünglichen Unterschenkel-Orthese enthalten hätte. Diese zeitliche
unbeschränkte Hilfsmittelzusprache hätte allerdings unter dem Revisionsvorbehalt
gestanden, worauf der in Klammern gesetzte Hinweis "Revision" hinweisen kann. Die
Verfügung vom 27. Februar 1998 könnte also auch so verstanden werden, dass die
Zusprache einer Unterschenkel-Orthese auf unbestimmte Zeit erfolgt sei und dass am
30. Januar 2008 von Amtes wegen ein Revisionsverfahren nach Art. 17 Abs. 2 ATSG
hätte eröffnet werden müssen. Bei dieser Interpretation der Verfügung vom 27. Februar
1998 könnte es sich bei dem mit der hier angefochtenen Abweisungsverfügung
beendeten Verwaltungsverfahren nur um ein Revisionsverfahren gehandelt haben. Die
Einstellung der Versorgung mit einer Unterschenkel-Orthese wäre also nur damit zu
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rechtfertigen gewesen, dass sich der anspruchsbegründende Sachverhalt so verändert
hätte, dass kein Bedarf nach diesem Hilfsmittel mehr bestanden hätte. Das ist nicht der
Fall gewesen, denn der Beschwerdeführer trägt nach wie vor eine Unterschenkel-
Orthese. Es hätte also eine neue Unterschenkel-Orthese abgegeben werden müssen.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist es - zumindest im Hilfsmittelbereich
- der IV-Stelle erlaubt, unabhängig von der prognostizierten Dauer des
Leistungsbedarfs die Wirksamkeit der Leistungsverfügung zeitlich zu begrenzen und
damit die Möglichkeit zu eröffnen, den Leistungsanspruch periodisch von Grund auf
neu zu prüfen (vgl. etwa das Bundesgerichtsurteil vom 24. Mai 2005, I 88/04, Erw. 3.1,
in dem zwar die Praxis zur Zeitrentenzusprache erwähnt, aber nicht darauf hingewiesen
worden ist, dass die dort bestehenden Einschränkungen auch auf die
Hilfsmittelzusprache anwendbar wären; da es also keine solchen Einschränkungen
gibt, kann die zeitliche Begrenzung der Hilfsmittelversorgung, wie der vorliegenden Fall
zeigt, de facto ohne Bindung an irgendwelche Regeln, d.h. willkürlich festgesetzt
werden). Die Vorgehensweise der Beschwerdegegnerin zwingt zum Schluss, dass die
richtige Interpretation der Verfügung vom 27. Februar 1998 nur die zeitliche
Begrenzung der Zusprache der Unterschenkel-Orthese bis 31. Januar 2008 gewesen
sein kann, dass das Anfügen des Wortes "Revision" also nur versehentlich erfolgt ist.
Mit dem Ende der Wirksamkeit der Verfügung vom 27. Februar 1998 am 31. Januar
2008 hat demnach wieder ein verfügungsloser Zustand vorgelegen, d.h. die
Beschwerdegegnerin hat ohne jede Bindung an die Verfügung vom 27. Februar 1998
umfassend neu prüfen können, ob ein Anspruch auf eine Unterschenkel-Orthese
bestehe. Das lässt sich zwar weder mit dem System bestehend aus Art. 49 Abs. 1 und
Art. 17 Abs. 2 ATSG, das eine willkürliche zeitliche Stückelung der Leistungszusprache
bei einem erkennbar auf unbestimmte Dauer bestehenden Leistungsbedarf eigentlich
ausschliessen würde, noch mit den Grundsätzen der Rechtssicherheit, der
Gleichbehandlung und des Vertrauensschutzes in Übereinstimmung bringen, ist aber
verbindlich, da die Verfügung vom 27. Februar 1998 unangefochten in Rechtskraft
erwachsen ist.
2.
Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Personen haben einen Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die
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Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder
herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern, und soweit die Voraussetzungen für den
Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (Art. 8 Abs. 1 IVG). Zu den
Eingliederungsmassnahmen gehören auch die Hilfsmittel (Art. 8 Abs. 3 lit. d IVG). In Art.
21 Abs. 2 IVG ist die Anspruchsberechtigung abweichend von Art. 8 Abs. 1 IVG auch
auf Versicherte ausgedehnt worden, die infolge ihrer Invalidität für die Fortbewegung,
für die Herstellung des Kontakts mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kostspieliger
Geräte bedürfen. Diese Versicherten haben ohne Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit
einen Anspruch auf solche Hilfsmittel. Diese Ausdehnung der Anspruchsberechtigung
ist mit der 1. IV-Revision vom 5. Oktober 1967 erfolgt. In seiner Botschaft vom 6. April
1967 zu dieser Revision hat der Bundesrat sinngemäss ausgeführt, bei Invaliden, die
behinderungsbedingt von einer Erwerbstätigkeit oder einer Betätigung im
Aufgabenbereich ausgeschlossen seien, "bedeuten [...] Behelfe, die der Förderung der
Selbständigkeit oder des Kontakts mit der Umwelt dienen, eine sehr wertvolle
Hilfe" (BBl 1967 I S. 676). Allerdings sollten nur kostspielige Geräte abgegeben werden
(vgl. BBl 1967 I S. 677). Die im Hinblick auf die Verhältnismässigkeit notwendige
Beschränkung der Hilfsmittelabgabe bei Versicherten, denen damit weder eine
Erwerbstätigkeit noch eine Betätigung im Aufgabenbereich ermöglicht werden kann,
soll also nach dem Willen des historischen Gesetzgebers nicht durch eine
Beschränkung auf jene Fälle erfolgen, in denen ein grosser Erfolg des Hilfsmittels in
Bezug auf die Fortbewegung, den Kontakt mit der Umwelt oder die Selbstsorge
erreicht werden kann, sondern die Kosten sollen massgebend sein. Hilfsmittel, die
geringe Kosten verursachen, sollen weiterhin von den Versicherten selbst angeschafft
werden. Ein kostspieliges Hilfsmittel soll aber bereits dann abgegeben werden können,
wenn damit ein Fortschritt in der Fortbewegung, beim Kontakt mit der Umwelt oder bei
der Selbstsorge erreicht werden kann. Ein Anspruch auf ein der Fortbewegung
dienendes kostspieliges Hilfsmittel besteht also nicht nur dann, wenn damit eine
selbständige und uneingeschränkte Fortbewegung ermöglicht wird. Es genügt, wenn
die Fortbewegung überhaupt ermöglicht oder wenigstens erleichtert wird und wenn der
Gewinn an Fortbewegungsmöglichkeit den Kosten des Hilfsmittels entspricht. Es ist
also entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin nicht notwendig, dass wieder
eine Fortbewegung im Sinn des Gebrauchs der Beine ermöglicht wird. Vielmehr genügt
eine erhebliche Erleichterung der Fortbewegung mittels eines Rollstuhls, denn die Art
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der Fortbewegung ist irrelevant, weil nur eine Verbesserung der Bewegungsfreiheit und
nicht die Ermöglichung des selbständigen Gehens das Ziel der Hilfsmittelversorgung
gemäss Art. 21 Abs. 2 IVG sein kann. Es ist deshalb auch gar nicht notwendig, dass die
Bedienung des Rollstuhls selbständig erfolgen kann. Dies erklärt, weshalb dem
Beschwerdeführer mit Selbstverständlichkeit ein Rollstuhl abgegeben worden ist,
obwohl er damit nicht selbständig umgehen kann und obwohl damit offensichtlich
keine Gehfähigkeit erreicht werden kann. Diese Kriterien müssen auch für die
Unterschenkel-Orthesen gelten. Es ist nicht einzusehen, weshalb die
Beschwerdegegnerin den Anspruch des Beschwerdeführers auf die Abgabe von
Unterschenkel-Orthesen davon abhängig machen will, dass damit die Gehfähigkeit
verbessert werden kann. Es muss genügen, wenn die Unterschenkel-Orthesen die
Fortbewegung des Beschwerdeführers im Rollstuhl ermöglicht oder erheblich
erleichtern. Diese Bedingung ist erfüllt, denn Dr. E._ hat überzeugend dargelegt, dass
der Beschwerdeführer die Unterschenkel-Orthesen benötige, um seine deformierten
Füsse beim Sitzen im Rollstuhl in einer möglichst normalen Haltung einstellen und
damit im Rollstuhl stabil positionieren zu können. Der Vater des Beschwerdeführers hat
- ebenfalls überzeugend - angegeben, dieser sitze ohne Unterschenkel-Orthese
unbequem im Rollstuhl, so dass es zu Druckstellen und längerfristig sogar zu offenen
Stellen am Gesäss komme. Damit steht mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer zur Fortbewegung
nicht nur auf einen Rollstuhl, sondern auch auf Unterschenkel-Orthesen angewiesen
ist, da er ersteren nur in zumutbarer Weise nutzen kann, wenn er letztere trägt. Bei den
Unterschenkel-Orthesen handelt es sich also um ein zur Fortbewegung notwendiges
Hilfsmittel, das im Übrigen auch als kostspielig zu qualifizieren ist. Damit kann offen
bleiben, ob es sich bei den Unterschenkel-Orthesen im Zusammenhang mit dem
Transfer vom Rollstuhl ins Bett um ein Hilfsmittel (Fortbewegung) oder nur um ein
Behandlungsgerät (Erleichterung der Pflegearbeit) handelt. Es genügt, wenn die
Fortbewegung im Rollstuhl zumutbarerweise nur zusammen mit dem Tragen von
Unterschenkel-Orthesen möglich ist. Die Beschwerdegegnerin hat demnach zu
Unrecht die Abgabe von Unterschenkel-Orthesen verweigert.
3.
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Die angefochtene Verfügung vom 1. Dezember 2011 ist deshalb aufzuheben und der
Anspruch des Beschwerdeführers auf die Abgabe von Unterschenkel-Orthesen ist zu
bejahen. Die Sache ist zur Prüfung der von der Firma D._ AG erstellten
Unterschenkel-Orthesen sowie der entsprechenden Rechnung Nr. 625624 vom 23. Mai
2011 (vgl. IV-act. 201) an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Dieser Ausgang
des Verfahrens ist als vollständiges Obsiegen des Beschwerdeführers zu qualifizieren,
so dass die Beschwerdegegnerin für die Gerichtskosten aufzukommen hat. Damit
erweist sich die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege als gegenstandslos. Da
der Beurteilungsaufwand leicht unterdurchschnittlich gewesen ist, wird die
Gerichtsgebühr auf Fr. 500.-- festgesetzt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP