Decision ID: 572155b9-f8d9-4e3c-b071-d7ba585a7747
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Angriff etc. und Widerruf
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Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung, vom
22. Oktober 2014 (DG140161)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 19. Mai
2014 (Urk. 45) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
- des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB
- der versuchten einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123
Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 StGB
- der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB
- der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2
SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 VRV
- des Nichtmitführens des Führerausweises im Sinne von Art. 99 Ziff. 3
SVG in Verbindung mit Art. 10 Abs. 4 SVG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 11 Monaten Freiheitsstrafe, teilweise als
Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom
19. August 2013, wovon 23 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer
Busse von Fr. 20.00.
3. Die Freiheitsstrafe ist zu vollziehen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von einem Tag.
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5. Der bedingte Strafvollzug bezüglich folgender Strafe wird widerrufen:
- Urteil des Appellationsgerichts Basel-Stadt vom 14. Dezember 2012, 18 Monate Freiheitsstrafe.
6. Vom Widerruf des bedingten Strafvollzugs bezüglich folgender Strafen wird
abgesehen:
- Urteil des Bezirksgerichts Uster vom 5. Dezember 2012, 45  Geldstrafe zu CHF 70.00
- Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 19. August 2013, 15 Tagessätze Geldstrafe zu CHF 110.00.
7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger C._ als Genugtu-
ung Fr. 2'000.00 nebst Zins zu 5% seit dem 7. April 2013 zu bezahlen.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ AG Schaden-
ersatz von Fr. 85'771.35 zu bezahlen.
9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger D._ Fr. 1'500.00
Genugtuung nebst Zins zu 5% seit dem 22. März 2013 zu bezahlen.
Das Schadenersatzbegehren des Privatklägers D._ wird auf den Weg
des Zivilprozesses verwiesen.
10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger E._ eine Prozess-
entschädigung im Umfang von Fr. 891.00 zu bezahlen.
11. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 4'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 3'550.95 amtliche Verteidigung Untersuchung RA X2._
Fr. 450.00 Kosten Kantonspolizei Zürich
Fr. 3'000.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. 46.65 Auslagen Untersuchung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
12. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt.
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13. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 101 S. 1 f.)
1. Der Beschuldigte sei von den Vorwürfen des Angriffs, der versuchten
Körperverletzung und der Drohung freizusprechen.
2. Der Beschuldigte sei der groben Verletzung der Verkehrsregeln und
des Nichtmitführens des Führerausweises schuldig zu sprechen und
unter Anrechnung von 23 Tagen Haft mit einer unbedingten Geldstrafe
von 30 Tagessätzen und einer Busse von CHF 20 zu bestrafen.
3. Die Zivilansprüche der Privatkläger seien abzuweisen, eventualiter auf
den Zivilweg zu verweisen.
4.1. Dem Beschuldigten sei für die erlittene Haft von 23 Tagen eine Genug-
tuung von CHF 4'600 zuzüglich 5 % Zins ab mittlerem Verfalltag zuzu-
sprechen.
4.2. Dem Beschuldigten sei für die vormalige Wahlverteidigung eine Pro-
zessentschädigung von insgesamt mindestens CHF 13'740.40 zuzu-
sprechen.
5. Die Verfahrenskosten seien dem Beschuldigten im Umfang von maxi-
mal 20 % aufzuerlegen.
Eventualanträge
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1. Der Beschuldigte sei unter Anrechnung von 23 Tagen Haft mit einer
unbedingten Freiheitsstrafe von maximal 8 Monaten und einer Busse
von CHF 20 zu bestrafen.
2. Die Schadenersatzforderungen der B._ und von D._ seien
abzuweisen, eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen. D._ sei
eine Genugtuung von maximal CHF 500 zuzusprechen. E._ seine
eine Prozessentschädigung von CHF 891 zuzusprechen.
3. Die Probezeiten aus den Urteilen des Bezirksgerichts Uster vom 5. De-
zember 2012, dem Urteil des Appellationsgerichts Basel-Stadt vom 14.
Dezember 2012 und dem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Limmattal/Albis vom 19. August 2013 seien zu verlängern und der Ver-
urteilte sei zu verwarnen.
b) Der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 79, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
c) Des Vertreters der Privatklägerschaft:
(Urk. 72 S. 2, schriftlich)
1. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, CHF 105'560.75 an die Privatklä-
gerin, B._, zu bezahlen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschuldigten.
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte/Prozessuales
1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung, vom 22. Oktober 2014 wur-
de der Beschuldigte A._ des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB, der ver-
suchten einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB in Verbin-
dung mit Art. 22 StGB, der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB, der gro-
ben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbin-
dung mit Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 VRV sowie des Nichtmitführens
des Führerausweises im Sinne von Art. 99 Ziff. 3 SVG in Verbindung mit Art. 10
Abs. 4 SVG schuldig gesprochen. Er wurde mit 11 Monaten Freiheitsstrafe, teil-
weise als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis
vom 19. August 2013, unter Anrechnung von 23 Tagen erstandener Haft, sowie
mit einer Busse von Fr. 20.– bestraft. Die Freiheitsstrafe wurde für vollziehbar er-
klärt und die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse auf einen Tag festgelegt. Sodann
wurde der bedingte Strafvollzug des Urteils des Appellationsgerichts Basel-Stadt
vom 14. Dezember 2012 von 18 Monaten Freiheitsstrafe widerrufen. Vom Wider-
ruf zweier bedingt ausgefällter Geldstrafen wurde abgesehen. Der Beschuldigte
wurde sodann noch verpflichtet, dem Privatkläger C._ als Genugtuung
Fr. 2'000.– nebst Zins zu 5% seit dem 7. April 2013 sowie der Privatklägerin
B._ AG Schadenersatz von Fr. 85'771.35 zu bezahlen. Weiter wurde er zur
Bezahlung einer Genugtuung gegenüber dem Privatkläger D._ von Fr.
1'500.– nebst Zins zu 5% seit dem 22. März 2013 verpflichtet, wobei im Übrigen
das Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen wurde.
Dem Privatkläger E._ muss er sodann eine Prozessentschädigung von Fr.
891.– bezahlen (Urk. 65).
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Dagegen liess der Beschuldigte durch seinen Vertreter rechtzeitig Berufung an-
melden (Urk. 60) und reichte innert Frist sodann die Berufungserklärung ein
(Urk. 66). Die Privatklägerin B._ AG erklärte innert Frist Anschlussberufung
(Urk. 72), wohingegen die Staatsanwaltschaft darauf verzichtete und Bestätigung
des vorinstanzlichen Urteils beantragte (Urk. 79).
2. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung (Art. 402
StPO). Die nicht von der Berufung erfassten Punkte erwachsen in Rechtskraft
(SCHMID, StPO Praxiskommentar, Art. 402 N 1; Art. 437 StPO). Der Beschuldigte
A._ ficht das Urteil betreffend der Dispositivziffern 1 - 5, 7 - 10 und 12-13
vollumfänglich an (Urk. 66). Damit erwachsen nur Dispositivziffern 6 (Verzicht Wi-
derruf Geldstrafen) und 11 (Kostenfestsetzung) in Rechtskraft, was vorab mit Be-
schluss festzustellen ist.
3. Mit Präsidialverfügung vom 19. August 2015 wurde sodann der bisherige erbe-
tene Verteidiger RA Dr. X._ als neuer amtlicher Verteidiger des Beschuldig-
ten bestellt.
4.1. Mit Eingabe vom 5. Oktober 2015 stellte der Verteidiger den Beweisantrag,
betreffend Anklageziffer 2 sei die Zeugin F._ einzuvernehmen (Urk. 86). Die-
sem Antrag wurde stattgegeben und die Zeugin anlässlich der Berufungsverhand-
lung einvernommen (Urk. 100; Prot. II S. 10).
4.2. Mit der nämlichen Eingabe beantragte der Verteidiger sodann die Aufhebung
des angefochtenen Urteils und Rückweisung des Verfahrens an die Vorinstanz in-
folge Ungültigkeit des Verfahrensprotokolls (Urk. 86). Diesem Antrag, der an der
Berufungsverhandlung wiederholt wurde (Urk. 97), wurde nicht stattgegeben. In-
dessen wurde der Verfahrensleiter des vorinstanzlichen Verfahrens als Zeuge
vorgeladen und anlässlich der Berufungsverhandlung einvernommen (Urk. 99;
Prot. II S. 10). Während die fehlende Unterschrift nicht nachträglich angebracht
werden kann, konnte der Zeuge auf diese Weise bestätigen, dass die erstinstanz-
liche Verhandlung so ablief, wie es im Protokoll festgehalten worden war (Urk. 99
S. 4-6). Dass das Protokoll unrichtig sei, wurde vom Beschuldigten ohnehin nie
behauptet. Er machte in seiner Eingabe und in seinem Plädoyer zu den Vorfragen
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nur formelle Mängel geltend (Urk. 86 und 97), die allerdings vorliegend nicht zu
einer Beschwerde des Beschuldigten führen. Von einer Rückweisung ist daher
abzusehen.
5. Ebenso wenig kann der Umstand, dass der Verteidiger nicht ausdrücklich zum
Stellen von Beweisanträgen beim Abschluss des Beweisverfahrens (Art. 345
StPO) aufgefordert wurde (Urk. 99 S. 6), Grund für eine Rückweisung sein. Er
hätte ohne weiteres auch noch später Beweisanträge stellen können, welche
dann von Amtes wegen zu berücksichtigen gewesen wären. Da er dies nicht ge-
tan hat, liegt keine Beschwer vor. Die vom Verteidiger angeführten Entscheide
des Obergerichts des Kantons Zürich SB140255 und SB140568 (Urk. 97 S. 2)
führten zudem nicht wegen einer fehlenden Unterschrift oder eines nicht formell
abgeschlossenen Beweisverfahren, sondern wegen anderer Mängel zu Rückwei-
sungen und sind daher auf den vorliegenden Fall nicht übertragbar.
6. Die vom Verteidiger vor erster Instanz erhobenen prozessualen Einwände (Ver-
letzung des Anklageprinzips und Mängel anlässlich der Einvernahmen) werden
jeweils bei den einzelnen Tatvorwürfen abgehandelt.
6.1. Der Verteidiger liess zudem vor erster Instanz vorbringen, dass es sich bei
der Anklageziffern 1 bis 3 um Konstellationen "Aussage gegen Aussage" bzw. um
sogenannte Vier-Augen-Delikte handle. Gemäss aussagepsychologischen Er-
kenntnissen werde das Lügen unverfänglich, wenn ein Geschädigter der einzige
Tatzeuge sei. Je geringer nämlich die Gefahr sei, dass die Lüge aufgedeckt wer-
de, desto leichter falle das Lügen (mit Hinweis auf Bender et.al.). Diese Erkennt-
nis sei bei den obgenannten Vorfällen (Anklageziffern 1 - 3) in der Beweiswürdi-
gung zusätzlich gebührend zugunsten des Beschuldigten zu berücksichtigen. Bei
den erwähnten Vorfällen stelle die Anklage ausnahmslos und allein auf die Aus-
sagen der Privatkläger ab. Weil diese, wie dargelegt, qualitativ mangelhaft seien
und es auch aussagepsychologisch an einem sog. Kontrollkriterium fehle, könne
auf diese unglaubhaften Aussagen beweismässig nicht abgestellt werden. Insbe-
sondere wegen der dargestellten Widersprüche in den Aussagen der Privatkläger
und weil es zudem an Zeugen und Sachbeweisen fehle, liege keine für eine Ver-
urteilung hinreichende Tatsachengrundlage vor. Der Verteidiger wies deshalb vor
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Vorinstanz daraufhin, dass in einer solchen "Aussage gegen Aussage"-Situation
grundsätzlich die unmittelbare Wahrnehmung durch das Gericht erforderlich sei
und ohne Wiederholung der im Vorverfahren erhobenen Einvernahmen durch das
Gericht gemäss Art. 343 Abs. 3 StPO eine Verurteilung ausser Betracht falle
(Urk. 56 S. 18f.). Auch im Berufungsverfahren machte er geltend, in solchen Fäl-
len seien die Hauptbelastungszeugen durch das Gericht einzuvernehmen
(Urk. 101 S. 10). Die Vorinstanz verzichtete auf eine erneute Einvernahmen der
Privatkläger C._ (Anklageziffer 1), D._ (Anklageziffer 2) und E._
(Anklageziffer 3).
6.2. Dazu ist festzuhalten, dass das Rechtsmittelverfahren grundsätzlich auf den
bereits erhobenen Beweisen beruht (Art. 389 Abs. 1 StPO). Das Berufungsgericht
erhebt Beweise erneut, wenn die unmittelbare Kenntnis des Beweismittels für die
Urteilsfällung notwendig erscheint (vgl. Art. 343 Abs. 3 i.V.m. Art. 405 Abs. 1
StPO). Die Abnahme eines Beweismittels ist notwendig, wenn sie den Ausgang
des Verfahrens beeinflussen kann. Dies ist namentlich der Fall, wenn die Kraft
des Beweismittels in entscheidender Weise vom Eindruck abhängt, der bei seiner
Präsentation entsteht, beispielsweise wenn es in besonderem Masse auf den
unmittelbaren Eindruck einer Zeugenaussage ankommt, so wenn die Aussage
das einzige direkte Beweismittel (Aussage gegen Aussage) darstellt. Alleine der
Inhalt der Aussage einer Person (was sie sagt), lässt eine erneute Beweisabnah-
me nicht notwendig erscheinen. Massgebend ist, ob das Urteil in entscheidender
Weise von deren Aussageverhalten (wie sie es sagt) abhängt. Das Gericht verfügt
bei der Frage, ob eine erneute Beweisabnahme erforderlich ist, über einen Er-
messensspielraum (BGE 6B-1251/2014, Urteil vom 1. Juni 2015; mit Hinweisen
auf BGE 140 IV 196 E. 4.4.2 S. 199 f. mit Hinweisen).
6.3. Im Rahmen der Beweiswürdigung wird jeweils zu prüfen sein, ob sich ein
Vorgehen nach Art. 343 Abs. 3 i.V.m. Art. 405 Abs. 1 StPO als notwendig erweist.
Bereits hier ist aber darauf hinzuweisen, dass es sich vorliegend nicht um eigent-
liche Vier-Augen-Delikte handelt, da zahlreiche andere Personen bei den Vorfäl-
len zugegen waren, mithin als weitere Zeugen hätten in Frage kommen können.
Ein Zeuge, der belastende oder entlastende Aussagen macht, muss somit damit
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rechnen, dass seine Aussagen anhand von weiteren Zeugenaussagen überprüft
werden könnten.
7. Entgegen der Ansicht des Verteidigers (Urk. 101 S. 2) ist die B._ Privat-
klägerin im vorliegenden Verfahren, da sie durch Subrogation in die Ansprüche
der Geschädigten eintrat (Urk. 51; vgl. Dolge in: BSK StPO, 2. Auflage, Basel
2014, Art. 122 N 55).
8. Zur Rüge, die Vorinstanz habe ihre Begründungspflicht verletzt, weil sie nicht
auf alle Einwände der Verteidigung eingegangen sei (Urk. 101 S. 5 f.), ist auszu-
führen, dass gemäss bundesgerichtlicher Praxis nur auf wesentliche Einwände
einzugehen ist.
II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
A. Anklageziffer 1 /HD
1. In den frühen Morgenstunden des 7. Aprils 2013 fand vor dem Club "G._"
an der H._-Strasse in Zürich zwischen C._, I._ und A._ eine
tätliche Auseinandersetzung statt. Zunächst soll dabei C._ dem I._ drei
Faustschläge ins Gesicht verpasst haben (Anklage im Verfahren Proz.Nr.
SB150084). Danach flüchtete C._. I._ (Proz.Nr. SB150085) und der Be-
schuldigte A._ sowie I._ sollen danach die Verfolgung aufgenommen
und C._ in einem Hinterhof gestellt haben, wo sie ihn mit Fäusten und
Fusstritten traktierten haben sollen. I._ wurde deswegen inzwischen rechts-
kräftig wegen einfacher Körperverletzung zu einer bedingt aufgeschobenen Geld-
strafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 50.– verurteilt (Urk. 70 in Prozess-Nr.
SB150085).
2. Prozessuale Einwände
2.1. In prozessualer Hinsicht liess der Verteidiger betreffend Anklageziffer 1 gel-
tend machen, es fehle an einem gültigen Strafantrag betreffend der einfachen
Körperverletzung. So habe der Bruder des Privatklägers C._ Strafanzeige
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erstattet, obwohl nur der Privatkläger selbst Träger des unmittelbar angegriffenen
Rechtsgutes sei (Urk. 55 S. 1 f.). Die Strafantragsfrist beginnt mit dem Tag, an
welchem der antragsberechtigen Person der Täter bekannt wird (Art. 31 Satz 2).
Die Untersuchungsbehörde erhielt vom Privatkläger anlässlich der Einvernahme
vom 17. April 2013 ein Bild des Beschuldigten, welcher gemäss Aktennotiz vom
5. Juni 2013 mit Namen (A._) identifiziert werden konnte (Urk. HD 17/2).
Damit hat der Privatkläger mit seiner Konstituierung am 17. Juli 2013 (Urk. HD
36/2) die Frist gewahrt, worauf die Vorinstanz zu Recht hingewiesen hat. Wie
noch zu zeigen sein wird, kann im Übrigen diese Frage offen bleiben, da der Be-
schuldigte wegen Angriffs verurteilt wird (vgl. nachstehend Erw. III.).
Mit Erklärung vom 2. Oktober 2015 (hierorts eingegangen am 5. Oktober 2015
(Urk. 87) zog sodann der Privatkläger C._ den Strafantrag betreffend die ein-
fache Körperverletzung zurück und erklärte ein Desinteresse betr. Strafverfahren
gegen den Beschuldigten und dessen Bestrafung wegen des Vorwurfs des An-
griffs i.S. von Art. 134 StGB.
2.2.1. Die Verteidigung macht sodann geltend, alle Einvernahmen betreffend An-
klagepunkt 1/HD seien zufolge Verletzung gesetzlicher Prozessformen im Vorver-
fahren unverwertbar. Entgegen den gesetzlichen Erfordernissen von Art. 158 Abs.
1 lit. a StPO seien dem Beschuldigten zu Beginn der ersten und auch der weite-
ren Einvernahmen kein umfassender und detaillierter Tatvorhalt gemacht worden.
Zu Beginn der ersten polizeilichen Einvernahme des Beschuldigten (Urk. HD
16/1) sei ihm bezüglich Anklageziffer 1/HD unter Angabe von Ort, Zeit und Name
des Geschädigten der Vorwurf der Körperverletzung eröffnet worden. Danach sei
er gefragt worden, ob er von sich aus etwas zur genannten Angelegenheit aussa-
gen wolle und sei weiter zur Sache ausgefragt worden (Urk. HD 16/1 Ziffer 6 ff.).
Damit sei ihm jedoch zu Beginn der Einvernahme prozessrechtswidrig nur gerade
der noch unvollständige Tatbestand bzw. die strafrechtliche Marginale mitgeteilt,
jedoch keine konkrete Tathandlung, also kein Lebenssachverhalt vorgehalten
worden. Auch über die Art der angeblich verursachten Verletzung sei er nicht ori-
entiert worden. Erst ab Ziffer 27 der Befragung seien dem Beschuldigten erstmals
konkretere Tatvorwürfe gemacht worden. Ein vollständiger Tatvorhalt habe jedoch
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zwingend zu Beginn der Einvernahme zu erfolgen und nicht zu irgendeinem spä-
teren Zeitpunkt. Auch bei den weiteren Einvernahmen (Urk. HD 16/2 und 16/3)
seien ihm ausser den gesetzlichen Tatbeständen keine eigentliche Tathandlung
im Sinne eines Lebenssachverhalts vorgehalten, mithin kein Tatvorwurf gemacht
worden. Die Schlusseinvernahme mit dem (erstmaligen) Tatvorhalt sei ebenfalls
nicht verwertbar. Durch den Wegfall dieser Einvernahmen und wegen der fehlen-
den korrekten Orientierung über den Tatvorwurf seien Art. 143 Abs. 4, Art. 157
Abs. 1 und Art. 158 Abs. 1 lit. a StPO sowie in fundamentaler Weise auch der
Gehörsanspruch, das Recht auf Verteidigung und das Fairnessgebot verletzt
(Urk. 56 S. 3 f.).
2.2.2. Nach Art. 158 Abs. 1 StPO weisen Polizei oder Staatsanwaltschaft die be-
schuldigte Person zu Beginn der ersten Einvernahme in einer ihr verständlichen
Sprache u.a. darauf hin, dass gegen sie ein Vorverfahren eingeleitet worden ist
und welche Straftaten Gegenstand des Verfahrens bilden (lit. a; vgl. auch Art. 143
Abs. 1 lit. b und c StPO). Der Beschuldigte muss in allgemeiner Weise und nach
dem aktuellen Verfahrensstand darüber aufgeklärt werden, welches Delikt ihm zur
Last gelegt wird. Dabei geht es nicht in erster Linie um den Vorhalt strafrechtlicher
Begriffe oder Bestimmungen, sondern um denjenigen der konkreten äusseren
Umstände der Straftat (Schmid, Handbuch, N 860; ders., Praxiskommentar, Art.
158 N 8; Niklaus Ruckstuhl, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozess-
ordnung, 2011, Art. 158 StPO N 22; Gunhild Godenzi, in: Kommentar zur Schwei-
zerischen Strafprozessordnung, hrsg. von Donatsch et al., 2. Aufl. 2014, Art. 158
N 20; vgl. auch Jean-Marc Verniory, in: Commentaire romand CPP, 2011, Art.
158 N 13). Die Information über den Gegenstand der Strafuntersuchung ist
Voraussetzung dafür, dass sich der Beschuldigte zu den Tatvorwürfen äussern
kann (vgl. Art. 143 Abs. 4 StPO). Einvernahmen ohne diese Hinweise sind nicht
verwertbar (Art. 158 Abs. 2 StPO). Die Belehrung ist im Protokoll zu vermerken
(Art. 143 Abs. 2 StPO; BGE 6B_912/2013, Urteil vom 4. November 2014).
2.2.3. Der Beschuldigte wurde in der polizeilichen Einvernahme vom 11. Juni
2013 vom einvernehmenden Polizeibeamten darüber informiert, dass gegen ihn
ein Strafverfahren wegen Körperverletzung zum Nachteil von C._, begangen
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am 7. April, zwischen 03.15 Uhr und 03:47 Uhr, in Zürich an der H._-Strasse
eingeleitet worden sei und er als beschuldigte Person einvernommen würde (Urk.
HD 16/1 S. 1). Der Beschuldigte wurde im Weiteren über seine Rechte belehrt.
Dann wurde er zunächst zu seinen Personalien und zum PIN-Code der zwei bei
ihm vorläufig sichergestellten Mobiltelefone befragt. Anschliessend daran wurde
die Einvernahme zur Sache mit der Frage eingeleitet, ob der Beschuldigte von
sich aus etwas zur genannten Gelegenheit aussagen wolle (Urk. HD 16/1 Frage
6). Im weiteren Verlauf der Einvernahme wurde dem Beschuldigten dann die Ver-
letzungen und sodann die Aussagen des Privatklägers C._ vorgehalten, wo-
nach er von beiden Angreifern geschlagen worden sei: einer der beiden Angreifer
habe ihn zuerst auf den Boden gezogen und dann mit den Fäusten auf seinen
Kopf eingeschlagen, der zweite Angreifer habe nur mit den Schuhen in Richtung
seines Kopfes getreten, als er am Boden gelegen sei (Urk. HD 16/1 Fragen 34
ff.).
Zwar wurde dem Beschuldigten in der ersten Einvernahme bei der Information
über den Verfahrensgegenstand das behauptete Vorgehen bei der Körperverlet-
zung und die Verletzung an sich nicht genannt. Indes wurde ihm nicht bloss pau-
schal vorgeworfen, er habe den Privatkläger C._ verletzt. Vielmehr wurden
Tatzeitpunkt und Tatort präzise umrissen, so dass sich der Beschuldigte entspre-
chend verteidigen konnte. Die Einvernahme erfolgte somit nicht prozessrechts-
widrig. Damit erübrigt es sich, auf die Frage einzugehen, ob bei fehlender Infor-
mation über den Verfahrensgegenstand in der ersten Einvernahme sämtliche
nachfolgenden Vernehmungen nichtig sind (vgl. BGE 141 IV 20 E. 1.3.4).
2.3.1. Der Verteidiger bringt weiter vor, in den Konfrontationseinvernahmen mit
den Beschuldigten I._, A._ und C._ seien sie zu Beginn aufgefor-
dert worden, die Wahrheit zu sagen. Eine solche Aufforderung zur Wahrheit sei
indes klar prozessrechtswidrig, denn beschuldigte Personen seien selbstverständ-
lich nicht zur Wahrheit verpflichtet und dürften demnach auch nicht dazu aufge-
fordert werden. Im Anschluss an diese Ermahnung zur Wahrheit seien die Be-
schuldigten auf die Strafbarkeit der Rechtspflegedelikte hingewiesen. Dies seien
indessen zwei unterschiedliche Belehrungen, was sich etwa deutlich aus § 149b
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Abs. 2 der alten ZH-StPO ergebe und selbstverständlich auch gemäss Art. 181
Abs. 2 StPO. Dass es sich um zwei verschiedene Belehrungen handle, zeige sich
auch an den Einvernahmeprotokollen durch das Wort "und" zwischen den beiden
Belehrungen. Beim Hinweis auf die Straffolge der Rechtspflegedelikte, welcher im
Übrigen für Beschuldigte im Gesetz überhaupt nicht vorgesehen sei (Art. 143 Abs.
1, Art. 158 Abs. 1, Art. 180 Abs. 1 StPO), gehe es nicht um die Aufforderung zur
Wahrheit, sondern nur darum, über die Straffolgen dieser Tatbestände zu infor-
mieren. Wegen der erfolgten Mahnung zur Wahrheit seien die Einvernahmen pro-
zessrechtswidrig durchgeführt worden, was deren Nichtigkeit zur Folge habe.
Durch den Wegfall dieser gemäss EMRK eminent wichtigen Einvernahmen mit
"Belastungszeugen" sei bezüglich des Vorwurfs gemäss Anklageziffer 1 der
staatsanwaltschaftlichen Beweisführung die Substanz entzogen, was zwingend
den Freispruch zur Folge habe (Urk. 56 S. 6).
2.3.2. Der Beschuldigte A._, I._ und C._ wurden bei den Konfronta-
tionseinvernahmen vom 3. Juli 2013 und vom 10. Februar 2014 als beschuldigte
Personen befragt. Sie wurden zu Beginn der Einvernahmen u.a. auf ihr Aussage-
verweigerungsrecht hingewiesen. Im Anschluss daran wurden sie aufgefordert,
die Wahrheit zu sagen und auf die Straffolgen der falschen Anschuldigung, der Ir-
reführung der Rechtspflege und der Begünstigung gemäss Art. 303-305 StGB
aufmerksam gemacht. Wie das Bundesgericht bereits mit Urteil vom 16. März
2015 (6B_1011/2014 Erw. 1.3.) festgehalten hat, sei es nicht ersichtlich, inwiefern
diese Belehrung unzulässig gewesen sein soll. Zwar treffe zu, dass das Aussage-
verweigerungsrecht der beschuldigten Person unbesehen darum, ob sie allein
oder im Rahmen einer Konfrontationseinvernahme mit Mittätern, Teilnehmern
oder Zeugen zu der ihr zur Last gelegten Straftat befragt werde und dass sie nicht
nur keine Aussage-, sondern auch keine Wahrheitspflicht treffe (Urteil des Bun-
desgerichts 6B_336/2013 vom 14. Februar 2014 E. 2.1). Doch sei im zu beurtei-
lenden Fall, wie die kantonalen Instanzen zutreffend annähmen, die Ermahnung
zur Wahrheit im Kontext mit dem Hinweis auf die Rechtspflegedelikte zu sehen.
An dieser Einschätzung ändert sich nichts, auch wenn sich der zitierte Entscheid
(BGE 6B_1011/2014) noch auf (altes) kantonales Recht stützt. Unbehilflich ist die
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an sich zutreffende Feststellung der Verteidigung, wonach die Bestimmungen der
(neuen) StPO (Art. 143 Abs. 1, Art. 158 Abs. 1, Art. 180 Abs. 1 StPO) keinen
Hinweis auf die Straffolge der Rechtspflegedelikte für Beschuldigte vorsähen.
Diese führt aber nicht zu einer Ungültigkeit der Einvernahmen, wenn eine ent-
sprechende Belehrung des Beschuldigten in Anlehnung an die Regelung über die
Einvernahme von Auskunftspersonen erfolgt (bisher: § 149b Abs. 2 StPO/ZH,
neu: Art. 181 Abs. 2 StPO; zum bisherigen Recht: HANS BAUMGARTNER, Zur
Durchführung von Konfrontationseinvernahmen, SJZ 90/1994, S. 63). Gegenteils
gehen die Meinungen vielmehr auseinander, ob eine solche Belehrung ein Gültig-
keitserfordernis darstellt (Schmid, StPO Praxiskommentar, 2. Aufl., Art. 181 N 8
bzw. Donatsch, in : Donatsch/Hansjakob/Lieber, StPO Komm., 2. Aufl., Art. 181 N
20 ff.). Diese Frage stellt sich hier aber gar nicht. Damit erweist sich dieser Ein-
wand als unbegründet.
2.4. Die Verteidigung rügt sodann eine Verletzung des Anklageprinzips in zweifa-
cher Hinsicht. Zum einen sei die Umschreibung des Anklagevorwurfs unter An-
klageziffer 1/HD äusserst unbestimmt und die Verletzungen des Privatklägers
C._ würden den beiden angeblichen Tätern (dem Beschuldigten A._
und Mitbeschuldigten I._) nicht zugeordnet (nachfolgend Ziff. 2.4.1.ff.). Zum
zweiten macht sie geltend, die vorinstanzliche Subsumierung des Sachverhalts
unter den Tatbestand des Angriffs verletze ebenfalls das Anklageprinzip (nachfol-
gend 2.4.2.).
2.4.1.1. Im ersten Absatz des Anklagesachverhaltes heisse es, dass der Beschul-
digte den Privatkläger angreife, indem er ihn gepackt, festgehalten und ihm
Faustschläge gegen den Kopf versetzt habe. Dabei werde allerdings nicht ange-
geben, womit, wie und wo dieser angegriffen, gepackt und festgehalten worden
sein soll. Danach werde geschildert, dass der Beschuldigte dem Privatkläger drei
bis vier Faustschläge gegen den rechten Kopfbereich versetzt habe. Dabei werde
jedoch nicht genannt, mit welcher Hand diese Schläge erfolgt sein sollen. Zudem
besagten Faustschläge gegen den "rechten Kopfbereich" nichts Konkretes. Es
werde nämlich nicht dargetan, ob das Gesicht, das Ohr, der Schädel oder der
Hinterkopf getroffen worden sein sollen. Schliesslich würden auch keine Verlet-
- 16 -
zungen genannt, welche durch diese angeblichen Schläge des Beschuldigten
verursacht worden sein sollen. Unklar sei auch, wie der Beschuldigte den Ge-
schädigten gleichzeitig am Boden festgehalten und ihm mehrere Faustschläge
versetzt haben soll. Eine derart unbestimmte Sachverhaltsumschreibung verletze
eindeutig den Anklagegrundsatz. Im zweiten Absatz des ersten Anklagesachver-
haltes werde weiter erwähnt, dass I._ dem Privatkläger Faustschläge und
Fusstritte versetzt hätte. Ein Tritt sei gegen die Beine erfolgt. Gegen welche Kör-
perteile die weiteren Schläge und Tritte ausgeteilt worden sein sollen, sei laut An-
klage unklar geblieben. Daraus entstandene Verletzungen seien ebenfalls nicht
genannt worden. Im dritten Absatz des Anklagesachverhalts würden die durch
das gewaltsame Vorgehen von A._ und I._ angeblich entstandenen Ver-
letzungen beschrieben (Gehirnerschütterung, eine Rissquetschwunde beim rech-
ten Ohr und eine solche oberhalb der Nase), ohne Zuordnung der Verursachung
der einzelnen Verletzungen auf die jeweiligen Beschuldigten. Damit aber könne
die Verursachung dieser Verletzungen den beiden angeblichen Tätern überhaupt
nicht zugeordnet werden. Da vorliegend weder eine mittäterschaftliche Bege-
hungsweise noch der Straftatbestand des Angriffs i.S. von Art. 134 StGB einge-
klagt worden sei, verletzte die unterlassene Zuordnung der körperlichen Verlet-
zungen wegen der fehlenden Bestimmtheit den Anklagegrundsatz. Demzufolge
könne keine Verurteilung wegen einfacher Körperverletzung erfolgen (Urk. 56 S. 6
f.).
2.4.1.2. Der Verteidiger lässt sodann bezüglich Anklageziffer 1 vorbringen, dass
die Vorinstanz mit der rechtlichen Subsumption des Anklagesachverhalts unter
den Tatbestand des Angriffs das Anklageprinzip verletze. Es sei fraglich, ob der
gemeinschaftliche Angriffsvorsatz aus dem angeklagten Sachverhalt und aus dem
Lebenssachverhalt entnommen werden könne, insbesondere unter Berücksichti-
gung der Aussagen des Beschuldigten, des I._s und des Privatklägers.
Selbst dieser habe nicht behauptet, dass ein koordinierter Angriff auf ihn durchge-
führt worden sei (Prot. I S. 7). Vorliegend sei weder ein koordiniertes noch ein
einseitiges Vorgehen seitens der Beschuldigten erstellt (Urk. 101 S. 11 und S. 18
f.).
- 17 -
2.4.1.3. Nach dem aus Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV sowie aus Art. 6 Ziff.
1 und 3 lit. a und b EMRK abgeleiteten und nunmehr in Art. 9 Abs. 1 StPO festge-
schriebenen Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand des
Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion). Die Anklage hat die der beschuldig-
ten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu um-
schreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hinsicht genügend
konkretisiert sind. Zugleich bezweckt das Anklageprinzip den Schutz der Verteidi-
gungsrechte der angeschuldigten Person und garantiert den Anspruch auf rechtli-
ches Gehör (Informationsfunktion; BGE 133 IV 235 E. 6.2 f.; 126 I 19 E. 2a; je mit
Hinweisen). Gemäss Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO bezeichnet die Anklageschrift
möglichst kurz, aber genau die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten
mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung (BGE
6B_518/2014, Erw. 6.2., Urteil vom 4. Dezember 2014).
2.4.1.4. Die dem Beschuldigten vorgeworfene Tat ist in der Anklageschrift genü-
gend präzise umschrieben. So wird im ersten Abschnitt das Vorgehen des Be-
schuldigten gegen den Privatkläger C._ klar umschrieben (Packen und Nie-
derreissen des Privatklägers, Festhalten und Versetzen von drei bis vier Faust-
schlägen gegen den rechten Kopfbereich). Für den tatbestandlichen Vorwurf ist
dabei unerheblich, wie er ihn gehalten haben soll und mit welcher Faust er die
Schläge ausgeteilt hat. Zu hören ist die Verteidigung allerdings mit dem Einwand,
dass die täterbezogene Verursachung der Verletzungen in der Anklageschrift
nicht ausdrücklich Erwähnung findet und somit eine Verurteilung wegen einfacher
Körperverletzung entfalle.
2.4.1.5. Das Gericht ist indessen an den in der Anklage umschriebenen Sachver-
halt, nicht aber an die darin vorgenommene rechtliche Würdigung durch die An-
klagebehörde gebunden (Art. 350 Abs. 1 StPO; BGE 126 I 19 E. 2a mit Hinwei-
sen). Ob der in der Anklageschrift umschriebene Sachverhalt als einfache Kör-
perverletzung oder als Angriff zu qualifizieren ist, ist eine Rechtsfrage. Das Ge-
richt ist in der rechtlichen Würdigung des Tatvorwurfs frei. Die Staatsanwaltschaft
klagte den Beschuldigten wegen einfacher Körperverletzung ein. Die Vorinstanz
kam zum Schluss, der Beschuldigte A._ habe sich des Angriffs schuldig ge-
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- 18 -
macht. Vorab verwarf die Vorinstanz die Möglichkeit einer mittäterschaftlichen
Tatverübung. Der Beschuldigte habe sich zwar am gewalttätigen Vorgehen
I._s gegen C._ beteiligt, doch habe er sich dabei nicht dessen Verlet-
zungsvorsatz zu eigen gemacht, sondern habe seinem Kollegen vielmehr unter-
stützend zu Seite stehen wollen, indem er C._ ebenfalls geschlagen habe.
Dies komme auch darin zum Ausdruck, dass er nach den übereinstimmenden
Angaben aller Beteiligten die Auseinandersetzung beendet habe, indem er
I._ von weiteren Handlungen abgehalten habe. Deshalb lasse sich nicht sa-
gen, er habe sich den Vorsatz von I._ vollständig zu eigen gemacht und sei
mit dessen Vorgehen jederzeit einverstanden gewesen (Urk. 65 S.. 21 f.).
2.4.2. Der Verteidiger bestreitet, dass der gemeinschaftliche Angriffsvorsatz dem
angeklagten Sachverhalt und aus dem Lebenssachverhalt entnommen werden
könne. Der Privatkläger C._ habe selbst nie behauptet, dass ein koordinierter
Angriff auf ihn durchgeführt worden sei (Prot. I S. 7). Er führte dazu anlässlich der
Berufungsverhandlung aus, der Beschuldigte habe gemäss Anklage zeitlich vor
I._ zugeschlagen. Dass er auch dann noch weiter geschlagen habe, als
I._ tätlich geworden sei, könne ihm nicht nachgewiesen werden. Ein gemein-
samer Tatentschluss liege nicht vor (Urk. 101 S. 18 f.). Zudem habe C._ ge-
mäss den Aussagen von I._ selbst auch Schläge ausgeteilt, so dass keine
einseitige Auseinandersetzung im Sinne eines Angriffs gegeben sei (Urk. 101 S.
11).
2.4.2.1. Gemäss Art. 134 StGB ist der Angriff die einseitige, von feinseligen Ab-
sichten getragene, gewaltsame Einwirkung von mindestens zwei Personen auf
den Körper eines oder mehrerer Menschen. Eine Beteiligung kann dabei auf jede
Art erfolgen; sie kann eine sachlich unterstützende, psychische oder verbale Mit-
wirkung zugunsten der angreifenden Partei sein (z.B. durch Zustecken von
Kampfinstrumenten, Anfeuerungen, Ratschläge, Warnung vor Gefahren). Ver-
langt wird sodann Vorsatz bezüglich der Teilnahme an einem Angriff; der Vorsatz
bezieht sich nicht auf die Verletzungs- oder Todesfolge, welche eine objektive
Strafbarkeitsbestimmung darstellt (BSK StGB-Stefan Maeder, Art. 134 N 6 ff.).
- 19 -
2.4.2.2. Die Anklage beschreibt zunächst die körperliche Attacke von zwei Perso-
nen auf ein Opfer. Die Körperverletzung (als objektive Strafbarkeitsbedingung)
beschreibt sie als Folge des gewaltsamen Vorgehens des Beschuldigten und
I._. Das gemeinsame Vorgehen und mithin der Angriffsvorsatz ergibt sich
nicht nur aus der Beschreibung, wonach der Beschuldigte als Folge seines ge-
waltsamen Angriffs bzw. Vorgehens gegen C._ die Verletzungen in Kauf ge-
nommen habe, sondern auch aus der Schilderung, wie der Beschuldigte gemein-
sam mit I._ den Geschädigten C._ verfolgt hatten. Die Vorsatzum-
schreibung umfasst zwar auch die (konkreten) Verletzungsfolgen, geht somit über
das vom Tatbestand geschützte Rechtsgut der abstrakten Gefährdung der körper-
lichen Integrität hinaus. Darin enthalten ist aber begrifflich der Vorsatz an der Be-
teiligung am Angriff. Entgegen dem Verteidiger genügt somit die Anklageschrift
den Erfordernissen von Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO. Dem Beschuldigten bzw. sei-
nem Verteidiger wurde sodann im Rahmen der erstinstanzlichen Verhandlung
vom Gericht das rechtliche Gehör im Hinblick auf eine mögliche Subsumption des
Anklagesachverhalts unter den Tatbestand des Angriffs gewährt (Prot. I S. 7).
Auch unter diesem Aspekt ist keine Verletzung des Anklageprinzips auszu-
machen.
3. Sachverhalt betr. Anklageziffer 1/HD
3.1. Der Beschuldigte gibt zu, zusammen mit I._, dem Privatkläger C._
gefolgt zu sein. Er bestreitet hingegen, ihn geschlagen zu haben. Vielmehr habe
er I._, welcher mit Fäusten und Fusstritten auf den Privatkläger eingeschla-
gen habe, von diesem getrennt (Urk. HD 16/1 A 22; Urk. HD 16/2 S. 5 f.; Urk. HD
19/3 S. 7; Urk. 58 S. 4 f.; Prot. II S. 16). Belastet wird der Beschuldigte vom Pri-
vatkläger C._; der zwischenzeitlich rechtskräftig verurteilte I._, ein
Freund des Beschuldigten (Urk. 58 S. 5), stellte eine Beteiligung des Beschuldig-
ten an den Tätlichkeiten in Abrede ("A._ hat nichts gemacht. Er stand nur
daneben und hat zugeschaut"; Urk. HD 19/1 S. 25). Allerdings bestritt er gleich-
zeitig, dass seine eigenen "schwachen Schläge" den Privatkläger so stark hätten
verletzen können (Urk. HD 19/1 S. 32).
- 20 -
3.2. Die Vorinstanz hat die Aussagen des Privatklägers C._, des Mitbeschul-
digten I._ und des Beschuldigten sowie die medizinischen Akten über den
Privatkläger zutreffend wiedergegeben (Urk. 65 S. 7-12; Art. 82 Abs. 4. StPO).
Ebenso hat die Vorinstanz in richtiger Anwendung der Beweisregeln die Aussa-
gen gewürdigt und auf ihre Glaubhaftigkeit überprüft. Um Wiederholungen zu
vermeiden ist vorab darauf zu verweisen (Urk. 65 S. 12-14; Art. 82 Abs. 4 StPO).
Folgende Erwägungen heben nochmals die wesentlichen Punkte hervor.
3.3. Was die Glaubwürdigkeit angeht, war der Privatkläger vor dem Club G._
-wie bereits eingangs erwähnt (Erw. II.A.1.) - in eine tätliche Auseinandersetzung
mit I._ verwickelt. Er hat in jenem Verfahren betreffend des Vorwurfs der ein-
fachen Körperverletzung (SB150084) die Rolle als Beschuldigter und I._ jene
als Privatkläger inne. Dieser unterschiedlichen Rollenverteilung und der damit
verbundenen Interessenlage ist bei der Aussagenwürdigung Rechnung zu tragen.
Der Privatkläger C._ wurde sodann von Seiten des Beschuldigten A._s
aufgefordert (Urk. HD 16/1 A. 58), er solle die Anzeige zurückziehen. Offensicht-
lich hat er vor ihm Angst (Urk. HD 19/1 S. 28 ff. insbes. S. 30; Urk. HD 17/4 A 3).
Mit Eingabe vom 2. Oktober 2015 hat er sie dann tatsächlich zurückgezogen.
Was die Beziehung zwischen dem Beschuldigten A._ und dem Mitbeschul-
digten I._ anbelangt, die sich als Freunde bezeichnen (Urk. HD 58 S. 5), so
fällt die asymmetrische Belastung auf: I._ versucht A._ möglichst zu ent-
lasten, während A._ ihn stark belastet. So stritt I._ anfänglich eine Betei-
ligung des Beschuldigten völlig ab und gab ab an, den Privatkläger alleine verfolgt
und vor dem J._ in einer 1:1-Situation gestellt zu haben (Urk. HD 18/1 A 26).
Er verneinte sodann ausdrücklich, dass der Beschuldigte auch dabei gewesen
sein soll (Urk. HD 18/1 A 27, A 87). Im weiteren Untersuchungsverlauf verneinte
er die Gegenwart des Beschuldigten nicht mehr, blieb aber dabei, dass der Be-
schuldigte den Privatkläger nicht geschlagen habe. Der Beschuldigte A._
hinwiederum belastete I._ massiv ("Er schlug einfach wild auf ihn ein. Der
unbekannte Typ ist schliesslich zu Boden gegangen. Als er am Boden lag, trat
I._ mit dem Fuss einmal gegen den Typen. Als ich das sah, hielt ich I._
fest und sagte zu ihm, dass er aufhören soll"; Urk. HD 16/1 A 22). Diese Aussa-
- 21 -
gen machen den Anschein, als wollten die beiden klarerweise eine Beteiligung
von A._ ausschliessen. Mit Blick auf die vom Privatkläger erlittenen Verlet-
zungen geht indessen diese Strategie nicht auf, da I._ nicht bereit war, für
die Verletzungsfolgen alleine verantwortlich zu sein (Urk. HD 19/1 S. 32). Die auf
vorliegendes Ereignis bezogene (spezielle) Glaubwürdigkeit der beiden ist zufolge
dieses taktischen Einschlags erheblich getrübt. Entgegen der Ansicht der Vertei-
digung (Urk. 101 S. 11) führt diese Relativierung der selbstbelastenden Aussagen
von I._ dazu, dass auch deren Glaubhaftigkeit entsprechend beeinträchtigt
wird.
3.4. Was nun die Aussagen im Einzelnen geht, so hat der Privatkläger C._
zunächst in seinen Aussagen klar die beiden Mitbeschuldigten als Angreifer iden-
tifiziert. Diese bestreiten ihre Anwesenheit am Tatort denn auch nicht. Sie seien
alleine mit dem Privatkläger dort gewesen (Urk. HD 19/1 S. 27). Gemäss Privat-
kläger sei zunächst der Beschuldigte A._ über die Mauer geklettert, als er
(der Privatkläger) am Telefonieren gewesen sei; er habe ihm angedeutet, ruhig zu
sein. Er habe gedacht, der Beschuldigte wolle nur mit ihm reden (Urk. HD 17/1 A
13; Urk. HD 17/5 S. 4; Urk. 19/1 S. 16 f.). Dann sei auch der Mitbeschuldigte
I._ über die Mauer geklettert, worauf der Beschuldigte ihn auf den Boden ge-
zogen und ihn mehrmals mit den Fäusten auf den rechten Kopfbereich geschla-
gen habe. Danach habe ihn der Mitbeschuldigte I._ mit den Schuhen in den
Bereich des rechten Ohrs geschlagen (Urk. HD 16/5 S.5).
Diese Angaben, die durch ihre Originalität (Andeutung zum Ruhigsein) und auch
Realitätsverknüpfung (durch das Telefongespräch ["Ich vergass, dass ich nicht
hätte laut sein sollen (Urk. HD 19/1 S. 16)] wurde wohl der Beschuldigte auf ihn
aufmerksam) auffallen, werden vom Beschuldigten insoweit bestätigt, dass er
ebenfalls den Privatkläger C._ beim Telefonieren betroffen hat und mit ihm
nur habe sprechen wollen (Urk. HD 16/1 A 7; 19/1 S. 23; Urk. 58 S. 5). Die Aus-
sage des Beschuldigten, er sei nicht wegen der Stimme auf ihn aufmerksam ge-
worden, sondern sie hätten ihn - wohl zufällig - auf dem Rückweg zum Club
"G._" gesehen ["Ich sagte ihm (I._), lass uns rüber (i.e. über die Mauer)
gehen, damit wir zum G._ zurückfinden (Urk. HD 19/1 S. 22 f.)] ist nicht
- 22 -
überzeugend: die beiden verfolgten - wie sich aus Zugaben des Beschuldigten
ergibt (Urk. HD 16/1 A 7, 52) - den Privatkläger C._ (A._: "Aber I._
war aufgebracht, er wurde geschlagen, er hat geblutet, er wollte zu C._. Er
wusste nicht wo er war. Ich habe ihn gefragt. Er sagte zu mir, er könnte in dieser
Strasse sein. Wir waren noch nicht bei dieser Mauer." Urk. HD 19/ S. 22 f.); so-
dann erweist sich die Mauer als relativ hoch, so dass sich der Beschuldigte beim
Überqueren sogar am Knie verletzte (vgl. Urk. HD 16/4 Foto Nr. 9; Urk. HD 16/1 A
56). Diese Zugaben zeigen klar, dass der Beschuldigte und I._ gezielt auf
der Suche nach dem Privatkläger C._ waren und sie nicht zufällig in diesem
Hinterhof gelandet waren und über die Mauer zum G._-Club zurückwollten.
3.5. Der Beschuldigte A._ will sodann erst nach I._ dazugekommen sein
und letzteren vom Privatkläger getrennt haben (Urk. 58 S. 5). Diese an der
Hauptverhandlung vorgetragene Version vermag nicht zu überzeugen. In den ers-
ten beiden Einvernahmen rund zwei Monate nach dem Vorfall glaubte er auf Vor-
halt nicht, dass er als erstes den Privatkläger erblickt habe. Er sei über die Mauer
gegangen und I._ auch. Er könne sich nicht mehr genau erinnern. Aber er
habe zuerst mit dem Privatkläger gesprochen (Urk. 16/1 A 54; 16/2 S. 4). Anläss-
lich der Konfrontationseinvernahme rund drei Wochen später sollen sie beide
gleichzeitig über die Mauer geklettert sein (Urk. HD 19/1 S. 23). Dieses Aussage-
verhalten des Beschuldigten widerspiegelt den Versuch, seinen Anteil am Vorfall
möglichst klein zu halten und keine aktive Rolle einzunehmen. Demgegenüber
sind die Angaben des Privatklägers C._ nachvollziehbar, insbesondere was
sein Auffinden angeht. Auf die Angaben von I._ kann nicht abgestellt werden,
da er - wie bereits erwähnt - offensichtlich den Beschuldigten entlasten will und
aus diesem Grund nicht davor zurückscheut, zu lügen.
3.6. Was nun den eigentlichen Vorgang im Hinterhof angeht, so führt der Privat-
kläger C._ detailliert und in den verschiedenen Einvernahmen gleichbleibend
aus, dass er im Hinterhof vermutlich wegen des Telefongesprächs vom Beschul-
digten und I._ entdeckt worden sei. Zuerst sei ein Mann über die Mauer ge-
klettert und zu ihm hingekommen, danach sei dieser "Hammer" (gemeint I._)
darüber geklettert. Der erste Mann, ein Arabertyp sei sofort auf ihn zugekommen,
- 23 -
habe ihn auf den Boden gezogen und mit den Fäusten auf den Kopf geschlagen
(Urk. HD 1/1 S. 6) bzw. mit der Faust seitlich rechts im Bereich des Halses (Urk.
HD 17/5 S. 6). Dieser "Hammer" habe ihn nur mit den Schuhen Richtung Kopf
geschlagen. Er habe danach am rechten Ohr geblutet und habe auch auf der Na-
se eine Verletzung gehabt. Sie hätten dann von ihm abgelassen und hätten wie-
der über die Mauer zurück klettern wollen. Einer der beiden sei aber zurückge-
kommen und habe ihm mit dem Schuh in die rechte Körperseite geschlagen, weil
er sich vermutlich aufzurichten versucht habe (Urk. HD17/1 A. 13; Urk. HD 17/5 S.
4 ff.; Urk. HD19/1 S. 16 ff.). Auf Vorhalt der Aussage des Beschuldigten, dieser
habe I._ zurückgehalten, erklärt er, er habe nichts gesehen aber gehört: "Es
ist genug" (Urk. HD 17/5 S. 7). Gerade Letzteres zeigt auf, dass er die Darstellung
des Beschuldigten nicht völlig in Abrede stellt und auch Aussagen zu dessen
Gunsten bestätigt. Abweichungen in der Darstellung des Kerngeschehens halten
sich in engen Grenzen (der Beschuldigte habe ihn auf den Boden gezogen und
mit den Fäusten auf den Kopf geschlagen [Urk. HD 17/1 A 13] bzw. der Beschul-
digte habe ihn am Hemd gepackt und er sei schwach geworden und zu Boden ge-
fallen; der Beschuldigte habe ihn als erster geschlagen, wobei er ihm das Knie auf
den Körper gestützt habe und I._ ihn dann mit Fusstritten traktiert habe [Urk.
HD 17/5 S. 4 ff.] bzw. der Beschuldigte habe ihn nur ein bisschen am Kragen ge-
packt, dann habe er sich auf den Boden gelegt [Urk. HD 19/1 S. 17], wobei er ihn
geschlagen habe, bis I._ gekommen sei). Praktisch gleichbleibend schildert
er auch die ihm vom Beschuldigten verabreichten Faustschläge (gegen den Kopf,
[Urk. HD 17/1 A 13], mit der Faust seitlich rechts im Bereich meines Halses [Urk.
HD 17/5 S. 6] bzw. gegen den rechten Kopfbereich [Urk. HD 19/1 S. 17]). Entge-
gen der Verteidigung sind diese verschiedenen Darstellungen nicht "unheilbare
Lügensignale" (Urk. 56 S. 12 und Urk. 101 S. 11 f.), sondern sie machen deutlich,
dass er den Beschuldigten nicht übermässig belasten will. Unterschiedlich schil-
dert er, wie er vom Beschuldigten am Boden festgehalten worden sei (mit dem
Knie fixiert [Urk. HD 17/5 S. 5] bzw. mit der Hand festgehalten [Urk. HD 19/1 S.
5]). Dieser Umstand vermag indessen die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen nicht
wesentlich zu entkräften, insbesondere auch unter Berücksichtigung der Dynamik
der Auseinandersetzung mit wechselnden Positionen. Dass er unter den genann-
- 24 -
ten Umständen nicht sagen konnte, ob der Beschuldigte mit einer oder beiden
Händen zugeschlagen habe, und ob und wann genau er am Hals oder am Kopf
getroffen wurde, hat entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 101 S. 12)
ebenfalls keine Auswirkungen auf die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen. Seine
Aussagen sind auch zurückhaltend, indem er die erhaltenden Schläge nicht den
einzelnen Tätern zu ordnen kann (Urk. HD 19/1 S. 18). Diese Aussage bezieht
sich aber auf die zweite Phase mit der Beteiligung von I._, da er klarerweise
daran festhielt, dass der Beschuldigte zuerst geschlagen habe (Urk. HD19/1 S.
19). Insoweit ist der Sachverhalt erstellt.
3.7. Die Motivation des Beschuldigten für die Beteiligung erklärt sich aus den Be-
gleitumständen und seinen Aussagen. Er bezeichnet den Mitbeschuldigten
I._ als Freund, dem er habe helfen wollen, nachdem er gesehen habe, dass
er voller Blut gewesen sei (Urk HD 16/1 A 7, 14). I._ sei "voll hässig" gewe-
sen, da ihm der Privatkläger die Nase gebrochen habe (Urk. HD 16/1 A 22). Bei
der Beantwortung der Frage, weshalb er dem Mitbeschuldigten gefolgt sei und
sich eingemischt habe, zeigt sich sein Erklärungsnotstand [weil er es einfach nicht
habe über das Herz bringen können. Er kenne ihn ja, er habe ihn blutüberströmt
gesehen. Er habe ihm leid getan, er habe ihm irgendwie helfen wollen. Er sei hin-
terher gegangen, nicht um zu helfen, sondern um zu sehen, was der Mitbeschul-
digte mache] (Urk. HD 16/2 S. 3). Dass er schlichtend eingreifen und nur mit dem
Privatkläger C._ reden wollte, als er sich der Verfolgung des Privatklägers
anschloss, erweist sich vor diesem Hintergrund als wenig glaubhaft. Es hätte un-
ter diesen Umständen keinen Grund für C._ gegeben, ihn zu Unrecht zu be-
lasten. Der Beschuldigte erklärte denn auch, dass er nach einer Sekunde, nach-
dem der Mitbeschuldigte den Privatkläger geschlagen hatte, er habe gehen wol-
len. Er habe sich ca. 1 Meter entfernt. Als er dann aber gesehen habe, dass der
Privatkläger zu Boden gegangen sei, sei er zurückgegangen und habe den Mitbe-
schuldigten zurückgehalten (Urk. HD 16/2 S. 6). Er führte auch aus, er habe
schon gesehen, dass der Mitbeschuldigte den Privatkläger geschlagen habe und
dieser die Hände auch bewegt habe. Er habe Angst gehabt, er habe ständig nach
hinten geschaut, ob noch weitere Leue kommen würden bzw. er habe sich wegen
der Anwohner und des von den Beiden verursachen Lärms sorgen gemacht
- 25 -
(Urk. HD19/1 S. 25). Diese Angaben zeugen nicht von einem wirklichen Schlich-
tungswillen des Beschuldigten, sondern von einem Gewährenlassen, und belegt,
dass auch aus seiner Sicht der Mitbeschuldigte Revanche für die vom Privatklä-
ger erlittene Unbill nehmen durfte. Insgesamt war für den Beschuldigten klar, dass
der Mitbeschuldigte sich am Privatkläger rächen wollte und er, indem er sich der
Verfolgung anschloss, ihn dabei unterstütze. Die Aussage, er habe schlichten
wollen, erweist sich als Schutzbehauptung.
3.8. Eine nochmalige Einvernahme im Sinne von Art. 343 Abs. 3 StPO erübrigt
sich. Ein eigentliches Vier-Augen-Delikt liegt nicht vor, da auch der Mitbeteiligte
I._ anwesend war und - wenn auch unglaubhaft - ausgesagt hat. Sodann
liegt als Sachbeweis ein Arztbericht zu den vom Privatkläger erlittenen Verletzun-
gen vor. Es ist nicht ersichtlich und auch der Verteidiger hat keine entsprechen-
den Angaben gemacht, inwiefern das Aussageverhalten (wie er es sagt) des Pri-
vatklägers C._ für den Entscheid massgeblich sein könnte, die über die in-
haltliche Analyse hinausgeht.
3.9. Zusammenfassend ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass der Sachverhalt
gemäss Anklageziffer 1/HD erstellt ist.
4. Rechtliche Würdigung
4.1. Die Vorinstanz hat mit zutreffender Würdigung des Sachverhalts auf Angriff
und nicht auf einfache Körperverletzung - wie von der Anklagebehörde beantragt -
erkannt (Urk. 65 S. 21 - 24; Art. 82 Abs. 4 StPO). Gemäss Art. 134 StGB macht
sich schuldig, wer sich an einem Angriff auf einen oder mehrere Menschen betei-
ligt, der den Tod oder die Körperverletzung eines Angegriffenen oder eines Dritten
zur Folge hat. Angriff ist die einseitige, von feindseligen Absichten getragene, ge-
waltsame Einwirkung auf den Körper eines Menschen. Der körperliche Angriff
muss von mehreren, mindestens zwei Personen ausgehen, wobei es aber ge-
nügt, wenn sich eine Person dem bereits gestarteten Angriff einer anderen Per-
son anschliesst. Eine Beteiligung kann in jeder Art erfolgen, solange die Beteilig-
ten an Ort und Stelle in das Geschehen eingreifen. In subjektiver Hinsicht wird
Vorsatz bezüglich der Teilnahme an einem Angriff verlangt, wobei Eventualvor-
- 26 -
satz genügt. Als objektive Strafbarkeitsbestimmung muss der Angriff den Tod
oder eine Körperverletzung des Angegriffenen zur Folge haben (BSK II-Maeder,
Art. 134 N 5 ff.).
4.2. Vorab ist festzuhalten, dass die objektive Strafbarkeitsbedingung der (einfa-
che) Körperverletzung i.S. von Art. 123 StGB vorliegend gegeben ist (Urk. HD
22/3 und 22/4). Sie wird auch nicht vom Verteidiger angezweifelt (Prot. S. 7).
4.3. Wie bereits die Vorinstanz herausgearbeitet hat, ist der Beschuldigte mit sei-
nem Eingreifen dem Mitbeschuldigten bei seinem Vergeltungswunsch unterstüt-
zend zur Seite gestanden. Indem er den Privatkläger zunächst selber festhielt und
ihn mit Faustschlägen traktierte, wurde dieser eingeschüchtert und wehrlos ge-
macht, damit der Mitbeschuldigte ihn schlagen konnte. Wie sich den Aussagen
des Privatklägers entnehmen lässt, leistete dieser beim Erscheinen des Beschul-
digten kaum körperlichen Widerstand ("A._ hat mich nur ein bisschen am
Kragen gepackt, dann habe ich mich auf den Boden gelegt ", Urk. HD 19/1 S. 17).
In subjektiver Hinsicht handelte der Beschuldigte vorsätzlich, da er wusste, dass
der Mitbeschuldigte ebenfalls am Angriff auf den Privatkläger teilnehmen würde.
Auch während des Angriffs des Mitbeschuldigten stand er daneben und unter-
stützte diesen mit seiner Anwesenheit in seinem Vorhaben, indem er nach allfälli-
gen Zeugen Ausschau hielt, anstelle sich zu entfernen. Erst sein Eingreifen ("Jetzt
ist genug") beendete den Angriff. Wie bereits ausgeführt wurde, verfolgte der Be-
schuldigte gemeinsam mit I._ C._. Die Ansicht der Verteidigung, es hät-
ten zwei zeitlich getrennte Auseinandersetzungen, an denen jeweils nur einer der
beiden beteiligt war, stattgefunden, weshalb kein Angriff vorliege (Ur. 101 S. 18
f.), ist nicht haltbar.
Der Beschuldigte hat somit den objektiven wie den subjektiven Tatbestand des
Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB erfüllt. Rechtfertigungs- oder Schuldaus-
schlussgründe liegen keine vor. Entsprechend ist der Beschuldigte schuldig zu
sprechen.
- 27 -
B. Anklageziffer 2 /ND 1
5. Am 22. März 2013, ca.02.36 Uhr, soll der Beschuldigte im Club "K._" beim
... in Zürich dem Geschädigten D._ eine heftige Ohrfeige gegen die rechte
Gesichtshälfte versetzt haben, worauf das rechte Ohr des Geschädigten "dumpf"
geworden sei, er ein lautes Pfeifen im Ohr habe und ihm schwindlig geworden sei.
Der Beschuldigte habe ihm anschliessend noch zwei weitere Ohrfeigen versetzt.
Der Geschädigte habe deswegen eine Trommelfellperforation rechts erlitten.
6. Prozessuale Einwände
6.1.1. In prozessualer Hinsicht lässt der Verteidiger auch hier vorbringen, die Ein-
vernahmen des Beschuldigten seien prozessrechtswidrig und unverwertbar, da
der vollständige Tatvorhalt nicht zu Beginn der Einvernahmen bei der Polizei
(Urk. ND 1/6/1) und er Staatsanwaltschaft (Urk. ND 1/6/2) erfolgt sei (Urk. 56
S. 5 f. und Urk. 101 S. 7 f.). Was die diesbezügliche Rechtsprechung anbelangt,
so kann auf vorstehende Ausführungen (II.A.2.2.2.) verwiesen werden.
6.1.2. Der Beschuldigte wurde in der polizeilichen Einvernahme vom 30. April
2013 vom einvernehmenden Polizeibeamten darüber informiert, dass gegen ihn
ein Strafverfahren wegen Körperverletzung, begangen am Freitag, 22. März 2013,
02:36 und 02:43 in 8001 Zürich, L._-Strasse ..., eingeleitet worden sei und er
als beschuldigte Person einvernommen würde. Der Beschuldigte wurde im Weite-
ren über seine Rechte belehrt (Urk. ND 1/6/1 S. 1). Dann wurde er zunächst zu
seinem Aufenthalt zum fraglichen Zeitpunkt und zu seiner Begleitung befragt.
Dann wurde er im Vorhalt (Ziff. 5) darüber informiert, dass es zu einem Zwischen-
fall zwischen ihm, seinen Begleiter und dem Anzeigeerstatter gekommen sei. In
Ziff. 7 wurde der Beschuldigte aufgefordert, den vorerwähnten Zwischenfall zu
schildern. In Ziff. 10 und 12 - 17 wurde ihm die Version des Anzeigeerstatters
vorgehalten. In Ziff. 25 wurde ihm dann die Verletzungen des Geschädigten vor-
gehalten (Trommelfellriss u.a.). Zwar wurde dem Beschuldigten in der ersten Ein-
vernahme bei der Information über den Verfahrensgegenstand das behauptete
Vorgehen bei der Körperverletzung, die Verletzung und der Anzeigeerstatter nicht
genannt. Entscheidend ist, dass ihm der Tatzeitpunkt und Tatort präzise be-
- 28 -
schrieben wurde, so dass sich der Beschuldigte entsprechend verteidigen konnte.
Bereits zu Beginn (Ziff. 5) erklärt der Beschuldigte auf entsprechende Frage, er
könne sich an den entsprechenden Vorfall erinnern. In Ziff. 12 gibt er sodann an,
den Geschädigten am letzten Donnerstag (d.h. fünf Tage vor der Einvernahme)
im K._ getroffen und mit ihm gesprochen und von der Verletzung ("es war
etwas mit seinen Ohren") erfahren zu haben. Der Beschuldigte war, gestützt auf
die eingangs erhalten Informationen somit über den vorgeworfenen Sachverhalt
im Bilde. Die polizeiliche Einvernahme erfolgte somit nicht prozessrechtswidrig.
Damit erübrigt es sich, auf die Frage einzugehen, ob bei fehlender Information
über den Verfahrensgegenstand in der ersten Einvernahme sämtliche nachfol-
genden Vernehmungen nichtig wären. Entgegen der Ansicht der Verteidigung trifft
dies im übrigen auch nicht für die staatsanwaltschaftliche Einvernahme zu. Der
Tatvorhalt erfolgte vollständig (Urk. ND 1/6/2 S. 4). Der Vorhalt "mehrere Ohrfei-
gen" ist genügend präzis, da damit mehr als eine gemeint ist. Dass die Verlet-
zungsfolge in diesem Verfahren erstmals überhaupt auf Seite 6 erwähnt worden
sei, trifft nicht zu; bereits in der (verwertbaren) polizeilichen Einvernahme wurde
ihm die Verletzung in Ziff. 15 vorgehalten.
7. Sachverhalt
7.1. Der Beschuldigte bestreitet nicht, den Privatkläger D._ zwei Mal auf sei-
ne rechte Kopfseite mit der flachen Hand geschlagen zu haben. Er habe dabei
nicht das Ohr, sondern die Wange getroffen. Er habe ihn nicht mit der vollen Hand
getroffen, sondern nur mit seiner halben Handfläche. Er habe weder auf seine
Ohren noch mit Stärke geschlagen. Er anerkenne die Körperverletzung nicht (Urk.
ND 1/6/2 S. 5). Auf Anraten seines Anwaltes wollte er sich anlässlich der erstin-
stanzlichen Hauptverhandlung nicht mehr dazu äussern (Urk. 58 S. 6). Anlässlich
der Berufungsverhandlung anerkannte er, dem Privatkläger eine Ohrfeige respek-
tive "Anstandsohrfeigen" verpasst zu haben und brachte gleichzeitig vor, der Pri-
vatkläger sei einige Sekunden darauf, als die bereits anwesenden Securitys sich
auf den Beschuldigten konzentriert hätten, von einem Jungen namens "M._"
geschlagen worden, was niemandem aufgefallen sei. Er behauptete, er habe dies
- 29 -
bereits früher erwähnt, konnte sich aber nicht mehr erinnern, wann und wem ge-
genüber (Prot. II S. 17 ff.).
7.2.1. Die anlässlich der Berufungsverhandlung einvernommene Zeugin F._,
die den Beschuldigten am fraglichen Abend im Club K._ begleitet hatte, führ-
te aus, dass sie vom Privatkläger, der sturzbetrunken gewesen sei, angeflucht
und geschubst worden sei, worauf sie den Beschuldigten geholt habe. Dieser ha-
be dem Privatkläger eine Ohrfeige verpasst. Die Security sei sofort erschienen
und habe die beiden zum Hinterausgang geführt. Was die beiden zueinander ge-
sagt hätten, habe sie aber nicht verstehen können, da es zu laut gewesen sei. Mit
welcher Hand der Beschuldigte zugeschlagen habe, konnte sie nicht angeben,
erklärte aber, es sei kein Faustschlag sondern eher eine Ohrfeige gewesen. Sie
sei sich sicher, dass der Privatkläger im Gesicht respektive auf Gesichtshöhe ge-
troffen worden war. Daran, dass eine andere Person den Privatkläger geschlagen
habe, könne sie sich nicht erinnern (Urk. 100 S. 4-8).
7.2.2. Die Zeugin schilderte den Vorfall, soweit sie sich noch daran erinnern konn-
te, detailliert und lebensnah und damit glaubhaft. Ihre Aussagen werden auch
durch die Zugaben des Beschuldigten, er habe dem Privatkläger eine Ohrfeige
versetzt, bestätigt.
7.3. Die Vorinstanz ist nach Würdigung der Aussagen des Privatklägers D._
sowie der medizinischen Akten zum Schluss gekommen, der Sachverhalt gemäss
Anklageschrift sei - mit Ausnahme der Zurechenbarkeit der beim Privatkläger
festgestellten Verletzungen - erstellt (Urk. 65 S. 15-17). Darauf kann - mit Aus-
nahme der mangelnden Zurechenbarkeit der Verletzungen - zunächst verwiesen
werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Zu Recht hat die Vorinstanz den Privatkläger als
glaubwürdig und seine Aussagen als glaubhaft qualifiziert. Insbesondere weist sie
auch auf den Umstand hin, dass seine Schilderungen der Schmerzen nach dem
ersten Schlag ["Ich verspürte sofort ein Schmerz und ein Pfeifen im Ohr" (Urk. ND
1/7/1 A 11); "Beim ersten Schlag traf er mich auf mein rechtes Ohr. Ich habe so-
fort gespürt, dass es ein lautes Geräusch gab. Ich hatte dann sofort einen Pieps-
ton im Ohr, so wie ein Tinitus. Es war ein lautes Pfeifen. Durch den ersten Schlag
wurde mir schwindlig. Mein Ohr wurde auch sofort dumpf." (Urk. ND 1/7/2 S. 4)
- 30 -
zum geplatzten Trommelfell passten. Der Privatkläger verweist auch noch darauf,
dass er nach den Schlägen durch den Beschuldigten Druckausgleich mit Nasen-
zuhalten probiert und gespürt habe, dass Luft durch das Trommelfell geströmt sei
(Urk. ND 1/7/2 S. 7). Dazu kommt, wie auch die Vor-instanz richtigerweise er-
wähnt hat, dass der Arztbericht festgehalten hat, dass traumatische Trommelfell-
perforationen häufig aufgrund eines Schlages auf das Ohr entstünden. Dem Arzt
erscheint ein unfallkausaler Zusammenhang plausibel (Urk. ND 1/9/6). Die Aus-
führungen der Verteidigung, wonach eine Ohrfeige mit der rechten Hand, von
links nach rechts, keine ausreichende Kraft entwickeln könne, um eine solche
Verletzung zu verursachen (Urk. 101 S. 13), überzeugen demgegenüber nicht.
7.4. Der Einwand der Verteidigung der mangelnden Glaubhaftigkeit der Aussagen
des Privatklägers ist nicht stichhaltig. Die Kritik betreffend die Beschreibung der
Ohrfeige ("Die Beschreibung der Ohrfeige(n) durch die Anklage bzw. durch den
Privatkläger liest sich beinahe wie eine Zirkusnummer mit akrobatischer Einlage",
Urk. 56 S. 13) geht letztlich an der Sache vorbei, nachdem der Privatkläger derart
glaubhaft den ersten Schlag und seine Folgen geschildert hat und zudem auch
der Beschuldigte mindestens einen Schlag - wenn auch nicht aufs Ohr sondern
auf die Wange - zugegeben hat (Urk. ND 1/6/1 A 16: "Ich habe ihm sicherlich zwei
Ohrfeigen oder auch mehr gegeben, dass kann schon sein"; auch Urk. ND 1/6/2
S. 5, wo er noch zwei Ohrfeigen eingesteht) und dies zudem von der Zeugin
F._ bestätigt wurde (Urk. 100 S. 4). Der Verteidiger lässt sodann vortragen,
der Privatkläger sei stark betrunken gewesen, weshalb seine Angaben nicht zu-
verlässig seien. Er habe kaum erfassen können, durch welche Schläge er welche
Verletzungen erlitten habe. Bekanntlich führe die Trunkenheit, je nach Grad, zu
Wahrnehmungsverzerrungen, zu einem verzerrten Zeitgefühl und zu einem beein-
trächtigten Schmerzempfinden. Deshalb sei nicht nachweisbar, dass die Verlet-
zungen am Ohr durch den Beschuldigten verursacht worden seien (Urk. 56 S. 14
f. und Urk. 101 S. 14 f.). Diese Einwendung trifft vorliegendenfalls nicht zu. Selbst
wenn von einer gewissen Angetrunkenheit des Privatklägers D._ auszuge-
hen ist [Beschuldigter: "total besoffen" (Urk. ND 1/6/1 A 12) bzw. M._: "sehr,
sehr, sehr betrunken" (Urk. ND 1/8/1 A 14) und F._ "megabetrunken" und
"wirklich betrunken" (Urk 100 S. 4 und S. 6)], so lässt sich aufgrund seiner Aussa-
- 31 -
gen feststellen, dass sein Erinnerungsvermögen noch soweit intakt war, dass er
den ganzen Vorfall in einer logischen Abfolge ohne Erinnerungslücken detailliert
wiedergeben konnte ["..Die Frau ging zu hinderst und schaute N._ abschät-
zig verwerflich an, sagte aber nichts. Ich sah dies ebenfalls und sagte zu der
Frau, sie solle sich nicht weiter drum kümmern, easy. Dann tanzten wir weiter."
[Urk. ND1/7/1 A 10]). Das erhaltene Erinnerungsvermögen zeigt sich auch daran,
dass seine Aussagen mit den Angaben des Beschuldigten - mit Ausnahme des
inkriminierten Schlages auf das Ohr (Privatkläger) bzw. Wange (Beschuldigter) -
und den medizinischen Akten weitgehend übereinstimmen. Er vermochte sodann
noch anhand der Videoaufzeichnung den ihm damals völlig unbekannten Be-
schuldigten zu identifizieren (Urk. ND 7/1 A 27 und 28). Entgegen der Verteidi-
gung (Urk. 56 S. 14) haben deshalb diese Aussagen einen hinreichenden Be-
weiswert, auch wenn sie den Aussagen der Zeugin F._ hinsichtlich des Aus-
lösers für den Vorfall widersprechen. Im eigentlichen Kerngeschehen stimmen sie
darin überein, dass der Privatkläger vom Beschuldigten geohrfeigt worden war.
7.5. Eine nochmalige Einvernahme im Sinne von Art. 343 Abs. 3 StPO erübrigt
sich auch bei diesem Anklagevorwurf. Hier kann ebenfalls nicht von einem Vier-
Augen-Delikt gesprochen werden. Der Vorfall fand im äusserst belebten Club
K._ statt. Der Privatkläger wusste bei der Deposition seiner Angaben nicht,
ob noch weitere Zeugen oder Auskunftspersonen einvernommen würden. Diese
Möglichkeit ist durchaus geeignet, Lügengeschichten zu verhindern. Zudem liegt
auch hier ein Arztbericht zu den Verletzungen als des Privatklägers vor. Es ist im
Übrigen auch hier nicht ersichtlich und auch der Verteidiger hat keine entspre-
chenden Angaben gemacht, inwiefern das Aussageverhalten (wie er es sagt) des
Privatklägers D._ für den Entscheid massgeblich sein könnte, die über die
inhaltliche Analyse hinausgeht. Sodann wurde anlässlich der Berufungsverhand-
lung noch eine Zeugin einvernommen. Diese konnte die Behauptung des Be-
schuldigten, ein Junge namens "M._" habe den Privatkläger geschlagen,
während die Securitys sich auf den Beschuldigten konzentriert hätten, ausdrück-
lich nicht bestätigen, obschon sie beim Vorfall direkt zugegen war (Urk. 100 S. 8).
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7.6. Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Sachverhalt gemäss Anklage-
ziffer 2/ND 1 erstellt ist. Entgegen der Vorinstanz ist damit auch erstellt, dass der
Beschuldigte mit seiner ersten Ohrfeige die Trommelfellperforation verursacht hat.
Ob dieser noch eine oder zwei weitere folgten, ist damit irrelevant.
8. Rechtliche Würdigung
8.1. Den Tatbestand der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1
Abs. 1 StGB erfüllt in objektiver Hinsicht, wer jemandem auf beliebige Weise eine
Schädigung an Körper oder Gesundheit zufügt, die weder im Sinne von Art. 122
StGB (schwere Körperverletzung) als schwer, noch als blosse Tätlichkeit im Sinne
von Art. 126 StGB zu beurteilen ist, so namentlich "das Zufügen äusserer oder in-
nerer Verletzungen, wie unkomplizierter, verhältnismässig rasch und problemlos
völlig ausheilender Knochenbrüche oder Hirnerschütterungen, durch Schläge,
Stösse und dergleichen hervorgerufene Quetschungen, Schürfungen, Kratzwun-
den, ausser wenn sie keine weitere Folgen haben als eine vorübergehende harm-
lose Störung des Wohlbefindens. Wo indessen die auch bloss vorübergehende
Störung einem krankhaften Zustand gleichkommt (z.B. Zufügen von erheblichen
Schmerzen, Herbeiführen eines Nervenschocks, Versetzen in einen Rausch- oder
Betäubungszustand), ist eine einfache Körperverletzung gegeben" (vgl. Zitate in
Trechsel/Fingerhuth, StGB PK, Zürich/St. Gallen 2008, N 2 zu Art. 123). In sub-
jektiver Hinsicht wird Vorsatz verlangt, wobei Eventualvorsatz genügt (vgl. Do-
natsch, Strafrecht III, 9. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2008, S. 46).
8.2. Die von den Ärzten festgestellte Verletzung der Trommelfellperforation
(Urk. ND 1/9/6) ist vor dem Hintergrund der zitierten Rechtsprechung mehr als nur
eine Tätlichkeit, da die körperliche Schädigung nicht nur ein vorübergehendes
Unwohlbefinden mit sich brachte, sondern sogar für rund einen Monat eine beruf-
liche Einschränkung als Linienpilot (Fluguntauglichkeit; Urk. ND 1/11/9) mit sich
brachte. Diese körperliche Schädigung wiederum ist allerdings nicht derart, dass
von einer schweren Körperverletzung auszugehen wäre. Damit liegt objektiv eine
leichte Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Abs. 1 StGB vor. Der Beschuldigte
hat dem Privatkläger sodann vorsätzlich Ohrfeigen verabreicht. Der Beschuldigte
führt zwar aus, es sei ihm nicht bewusst gewesen, dass eine Ohrfeige eine solche
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Verletzung verursachen könne (Urk. ND 1/6/2 S. 6). Mit der Vorinstanz ist erstellt,
dass es sich um eine heftige Ohrfeige gehandelt hat (Urk. 65 S. 16). Wer jeman-
dem einen Schlag dieser Intensität in den Kopfbereich bzw. ans Ohr verpasst,
muss sich bewusst sein, dass er damit vorerwähnte Verletzung verursachen
kann. Damit hat er zumindest eventualvorsätzlich gehandelt.
8.3. Die Vorinstanz hat - wie bereits erwähnt - nur auf versuchte Tatbegehung er-
kannt, da gemäss ihrer Ansicht nach die Verletzungsfolge nicht dem Beschuldig-
ten zugerechnet werden könne, mithin es am Erfolgseintritt fehlt (Urk. 65 S. 24 f.).
8.3.1. Damit stellt sich bei der Schuldigsprechung für das vollendete Delikt die
Frage des Verbots der reformatio in peius nach Art. 391 Abs. 2 StPO. Gemäss
Bundesgericht (BGE 6B_712/2012 vom 26.09.2013) liegt eine Verletzung des
Verschlechterungsverbots nicht nur bei einer Verschärfung der Sanktion, sondern
auch bei einer härteren rechtlichen Qualifikation der Tat vor. Dies ist der Fall,
wenn der neue Straftatbestand eine höhere Strafdrohung (Ziegler, a.a.O., N 3 zu
Art. 391 StPO; a.M. Calame, a.a.O., N 8 und 9 zu Art. 391 StPO, wonach mit dem
neuen Schuldspruch auch eine Verschärfung der früheren Qualifikation als Über-
tretung bzw. als Vergehen einhergehen muss) vorsieht, d.h. einen höheren obe-
ren Strafrahmen oder eine (höhere) Mindeststrafe, sowie bei zusätzlichen
Schuldsprüchen. Gleich verhält es sich, wenn der Verurteilte im Berufungsverfah-
ren für die vollendete Tat statt wegen Versuchs (Mathys, a.a.O., S. 141; Calame,
a.a.O., N 8 zu Art. 391 StPO) oder als Mittäter anstatt als Gehilfe verurteilt wird,
da ein fakultativer bzw. obligatorischer Strafmilderungsgrund wegfällt.
8.3.2. Massgeblich für die Frage, ob eine unzulässige reformatio in peius vorliegt,
ist das Dispositiv (Urteil 6B_199/2011 vom 10. April 2012 E. 8.3.2). Der Rechts-
mittelinstanz ist es hingegen nicht untersagt, sich in ihren Erwägungen zur rechtli-
chen Qualifikation zu äussern, wenn das erstinstanzliche Gericht von einer ab-
weichenden Sachverhaltswürdigung oder falschen rechtlichen Überlegungen
ausging (vgl. Calame, a.a.O., N 9 zu Art. 391 StPO; Wehrle, a.a.O., S. 624 f.).
Entscheidend ist, dass sich dies im Dispositiv nicht in einem schärferen Schuld-
spruch niederschlägt und auch nicht zu einer härteren Strafe führt, wenn aus-
schliesslich die beschuldigte oder verurteilte Person ein Rechtsmittel ergriff.
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8.3.3. Damit hat es beim vorinstanzlichen Schuldspruch zu bleiben, obwohl nach
Auffassung der Berufungsinstanz ein vollendetes Delikt vorliegt. Der Beschuldigte
ist somit der versuchten einfachen Körperlverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1
StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
C. Anklageziffer 3/ND 2
9. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, am 22. September 2013, zwischen
02.00 und 03.00 Uhr vor dem Club "G._" in Zürich 1 laut ausgerufen zu ha-
ben, dass er E._ "kaputt machen" und dessen "Geschäft kaputt machen"
werde. E._, der im Club am Fenster stand, habe dies gehört und sei in gros-
se Angst versetzt worden (Drohung).
10. Sachverhalt
10.1. Der Beschuldigte bestreitet, diese Drohungen ausgestossen zu haben. Er
sei an diesem Abend mit einem Kollegen im Club gewesen. Die Security habe ihn
auch hineingelassen. Er habe an der Bar während ca. 10 bis 15 Minuten etwas
getrunken und sei von selber wieder rausgegangen. Dann sei der Albaner
O._ gekommen und habe ihm gesagt, dass er eigentlich nicht in den Club
hinein dürfe. P._ (Q._) sei auch draussen vor dem Club gestanden Urk.
ND 2 7/1 A 10). E._ habe er gar nicht gesehen. Er habe keine Probleme mit
ihm. Die Probleme würde die Albaner-Security machen, die jetzt bei ihm arbeite-
ten. In der damaligen Zeit, als dies passiert sein sollte, habe eine andere Security-
Firma für E._ gearbeitet. Danach seien die Albaner gekommen und hätten
dieses Geschehen provoziert. Sie hätten E._ Angst gemacht und hätten jetzt
die Security-Arbeit übernommen. Dieser Albaner habe das ganze vorgespielt,
damit er den Job bekomme. Er habe das behauptet und mit dem Kaputtmachen
gesagt (Urk. ND 2/7/2 S. 2; Urk. 58 S. 56). Anlässlich der Berufungsverhandlung
hielt er daran fest, dass er keine Drohung ausgestossen habe, sondern nur, aber
laut, gefragt habe, weshalb er ein Hausverbot erhalten habe (Prot. II S. 20 f.).
10.2. Die Vorinstanz ist nach Würdigung der Aussagen des Privatklägers E._
und der Aussagen des Beschuldigten zum Schluss gekommen, der Sachverhalt
- 35 -
gemäss Anklageschrift sei erstellt (Urk. 65 S. 17 - 20). Darauf kann zunächst - mit
einer Ausnahme - verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Zu Recht hat die Vo-
rinstanz den Privatkläger als glaubwürdig und seine Aussagen als glaubhaft quali-
fiziert. Insbesondere die Einbettung der Geschehnisse durch den Privatkläger in
die vorausgegangene Auseinandersetzung mit dem langjährigen Kollegen
(P._) des Beschuldigten. Der Beschuldigte führte diesbezüglich anlässlich
der Berufungsverhandlung selbst aus, der Privatkläger habe Probleme mit einer
Person, die mit dem Beschuldigten befreundet sei (Prot II S. 19). Auch zutreffend
verweist die Vorinstanz auf den Widerspruch, zwischen dem vom Beschuldigten
behaupteten guten Verhältnis zum Privatkläger und seiner Entlassung als Securi-
ty durch Letzteren. Entgegen der Vorinstanz kann indessen nicht einfach offen
gelassen werden, ob der Privatkläger die Drohung selbst gehört hat oder ihm
durch einen Mitarbeitenden seines Security-Teams mitgeteilt wurde (Urk. 65 S.
19/20). Der Privatkläger E._ schildert überzeugend und mit vielen Details,
wie er am Fenster seines Büros stehend, den Beschuldigten beobachtet und ver-
standen hat ("Er sagte dies alles auf Deutsch, also so, dass ich es verstehen
konnte", Urk. ND 2/8/1 A 8). Im Übrigen spricht er nirgends davon, er sei von ei-
nem Sicherheitsmitarbeiter darüber informiert worden. Diesbezüglich sind die vo-
rinstanzlichen Erwägungen nicht zu hören.
10.3. Der Verteidiger brachte vor Vorinstanz und in der Berufungsverhandlung
sodann noch vor, der Privatkläger sei unglaubhaft, weil er bei der Polizei gesagt
habe, der Beschuldigte habe unter anderem gerufen, ihn kaputt zu machen, und
er erst sechs Monate später bei der Staatsanwaltschaft erwähnt habe, der Be-
schuldigte habe gedroht, ihn kaputt zu machen und umzubringen. Dies seien in-
dessen zwei verschiedene Dinge. Wer Opfer einer eigentlichen Morddrohung
werde, dürfte gerichtsnotorisch gerade zu Verfahrensbeginn und mit zeitlicher
Nähe zum Vorfall sehr genaue Erinnerungen an diese charakteristische Wortwahl
des Tötens haben und diese nicht erst bei der zweiten Befragung ins Spiel brin-
gen. Eine derartige Inkonstanz in den Aussagen und die nachträgliche Dramati-
sierung mit der eigentlichen Todesdrohung seien deutliche Hinweise darauf, dass
der Geschädigte dies nicht so wie dargestellt erlebt habe. Diese Lügensignale
machten seine Darstellung unglaubhaft (Urk. 56 S. 15 und Urk. 101 S. 16). Dieser
- 36 -
Ansicht kann bei sorgfältigem Studium der Einvernahmen nicht gefolgt werden. In
der polizeilichen Einvernahme erläutert der Privatkläger, dass er die Drohung "ka-
putt machen" als "töten" verstehe. Die Frage des einvernehmenden Polizeibeam-
ten, ob er vom Beschuldigten persönlich oder über Dritte damit bedroht worden
sei, dass er (der Beschuldigte) ihn umbringen würde, bejahte der Privatkläger. Auf
der Strasse habe er gesagt: "Ich mache Euch alle kaputt und E._ auch". Mit
alle habe er alle Sicherheitsleute gemeint (Urk. ND 2/8/1 A 15 f.). Beim Staatsan-
walt wiederholte er die Äusserung des Beschuldigten, dass er sie alle kaputt ma-
chen würde, niemand könne ihm den Zutritt zum Club verweigern (Urk. ND 2/8/3
S. 4). Auf Frage des Staatsanwaltes nach dem genauen Wortlaut der Äusserung,
gab der Privatkläger an, der Beschuldigte habe geschrien von kaputt machen und
umbringen und dass niemand dagegen halten könne (Urk. ND 2/8/3 S. 5). So-
dann bestätigte er seine Angabe bei der Polizei, dass der Beschuldigte geschrien
habe, dass er ihn kaputt machen und sein Geschäft kaputt machen würde
(Urk. ND 2/8/3 S. 5). Ein inhaltlicher Vergleich der Einvernahmen bei der Polizei
und der Staatsanwaltschaft bringt nun nicht die vom Verteidiger bemühte "nach-
trägliche Dramatisierung" zum Vorschein; der Privatkläger hat das Wort "kaputt
machen" von Anbeginn als Todesdrohung aufgefasst. Dass sodann der Kollege
"P._" des Beschuldigten diese Drohung, obwohl danebenstehend, nicht ge-
hört habe (ND 2/9/1 A 22), vermag angesichts der Interessenlage von P._ -
entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 56 S. 15) - an der Glaubhaftigkeit der
Aussagen des Privatklägers nichts zu ändern. Die vom Verteidiger vorgetragene
Erklärung des Beschuldigten, der Privatkläger habe ihn allenfalls falsch verstan-
den, da beide nicht deutscher Muttersprache seien, ist unbehelflich (Urk. 56 S.
16). Der Wortlaut "kaputt machen" ist einfach. Im Übrigen wurden der Beschuldig-
te und Privatkläger zunächst in deutscher Sprache befragt; eigentliche Verständ-
nisschwierigkeiten sind keine ersichtlich. Auch vermag der Einwand, um diese
Nachtzeit (die beste Feierzeit um 2 Uhr früh; ununterbrochener Lärm der vielen
Vergnügungswilligen vor dem Club, Dröhnen der basslastigen Musik, Urk. 58
S. 16) sei es höchst zweifelhaft, wenn gar unmöglich, dass der Privatkläger in
unmittelbarer Clubnähe bzw. sogar im gleichen Gebäude in seinem Büro über
dem Club am Fenster stehe und den genauen Wortlaut verstehen wolle, der von
- 37 -
einer einzigen Person herrühre, die mitten unter den vielen ausgelassenen Par-
tygästen vor dem Club stehe. Auch hier ist wiederum festzuhalten, dass der Be-
schuldigte seine Drohung mit einfachen, prägnanten Worten zum Ausdruck brach-
te ("kaputt machen"), und es nicht unmöglich ist, dass der Privatkläger, der den
Beschuldigten kannte und nur ihn und nicht die anderen allfällig sich draussen
aufhaltenden Leute beachtete, dessen geschriene Drohung am offenen Fenster
seines Büros stehend verstehen konnte. Abgesehen davon würde in der vom Ver-
teidiger geschilderten Konstellation die vor dem Club befindlichen Partygänger er-
fahrungsgemäss wohl in ihren Gesprächen innehalten und sich dem Schreienden
zuwenden. Der weitere Einwand, es sei unverständlich, weshalb sich der Privat-
kläger sich von solchen Rufen in Angst und Schrecken versetzen liesse (Urk. 56
S. 16) sticht nicht, da der Beschuldigte nicht ein - unbekannter - betrunkener oder
übermüdeter Clubbesucher war, sondern ihm hinlänglich bekannt war und er in
einem Spannungsverhältnis zu ihm stand , wie sich seinen detaillierten Aussagen
entnehmen lässt (Urk. ND 2/8/1 S. 3).
10.3. Es erübrigt sich auch hier eine nochmalige Einvernahme im Sinne von
Art. 343 Abs. 3 StPO. Es liegt kein Vier-Augen-Delikt, sondern vielmehr ein
Vielaugendelikt vor, wobei indessen nur Aussagen der Kontrahenten vorliegen.
Auch hier konnte der Privatkläger E._ nicht damit rechnen, dass nicht noch
weitere sachdienliche Zeugen oder Auskunftspersonen befragt würden. Eine wei-
tere (polizeiliche) Aussage von "P._" liegt denn auch vor. Aus den erwähnten
Gründen ist ihr Erkenntniswert jedoch als gering einzuschätzen. Es ist sodann
auch hier nicht ersichtlich und auch der Verteidiger hat keine entsprechenden An-
gaben gemacht, inwiefern das Aussageverhalten (wie er es sagt) des Privatklä-
gers E._ für den Entscheid massgeblich sein könnte, das über die inhaltliche
Analyse hinausgeht.
10.4. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Anklagesachverhalt erstellt ist.
11. Rechtliche Würdigung
11.1. Wer jemanden durch schwere Drohung in Schrecken oder Angst versetzt,
wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.
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Die Vorinstanz hat zu Recht den Tatbestand als erfüllt erachtet. In objektiver Hin-
sicht hat der Beschuldigte dem Privatkläger gedroht, ihn kaputt zu machen und
sein Geschäft kaputt zu machen. Vor dem Hintergrund der seit längerem ange-
spannten Beziehung zwischen den Beiden erweist sich die Äusserung als geeig-
net, den Privatkläger in Angst und Schrecken zu versetzen. So kannte der Privat-
kläger den Beschuldigten und wusste um seine Impulsivität. Sein Auftreten vor
der geäusserten Drohung, insbesondere der Clubbesuch trotz Hausverbots und
sogar die Angst der Sicherheitsleute, ihn vom Eintreten abzuhalten, zeigen, dass
er nur schwer von seinen Vorhaben abzuhalten war. Zu Recht weist die Vorin-
stanz darauf hin, dass der Beschuldigte diese Drohung mit dem Hinweis verband,
selbst eine Ausweisung nach Tunesien würde ihn von seinem angedrohten Vor-
haben nicht abhalten, was die Ernsthaftigkeit dieser Drohung in den Augen des
Privatklägers verstärken musste. Auch in subjektiver Hinsicht musste der Be-
schuldigte, dem die ganzen Umstände auch bekannt waren, zumindest damit
rechnen, dass er den Privatkläger mit dieser Drohung in Angst und Schrecken
versetzen wollte. Er handelte allerdings nicht mit direktem Vorsatz, da er den Pri-
vatkläger selbst ja nicht gesehen hatte, sondern nur mit Eventualvorsatz, indem er
in Kauf nahm, dass der Privatkläger seine Drohung hören könnte.
11.2. Der Beschuldigte ist somit der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB
schuldig zu sprechen.
D. Anklageziffer 4/ND 3
12. In dieser Anklageziffer wird dem Beschuldigten vorgeworfen, am Samstag,
den 14. Dezember 2013, um 20.59 Uhr, auf der Hardbrücke in Zürich 5 die er-
laubte Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h um 32 km/h überschritten zu haben.
Er habe ausserdem seinen Führerausweis nicht mit dabei gehabt (grobe Verlet-
zung der Verkehrsregeln, Nichtmitführen des Führerausweises).
13. In der Schlusseinvernahme und anlässlich der vorinstanzlichen Hauptver-
handlung anerkannte der Beschuldigte diesen Sachverhalt (Urk. ND 1/6/2 S. 8 f.;
Urk. 58 S. 7). Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung wiederholte er sein
Geständnis (Prot. II. S. 21; Urk. 101 S. 1 und S. 21). Das Geständnis wird durch
- 39 -
die Akten weiterhin gestützt. Insbesondere liegen nun auch das zunächst fehlen-
de und gemäss UVEK-Weisungen notwendige Eichzertifikat und das Messproto-
koll des vor jedem Einsatz vorschriftsgemäss durchzuführenden Gerätetests vor
(Urk. 92 und 93). Der Sacherhalt gemäss Anklageschrift ist somit erstellt.
14. Rechtliche Würdigung
Die Vorinstanz hat die Tempofahrt des Beschuldigten als grobe Verkehrsregelver-
letzung im Sinne vorn Art. 90 Abs. 2 SVG qualifiziert (Urk. 65 S. 26 f.). Nachdem
dies auch von der Verteidigung nicht bestritten wurde (Urk. 101 S. 1 und S. 20),
kann vollumfänglich darauf verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Demnach ist
der Beschuldigte der Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2
SVG schuldig zu sprechen. Ebenfalls zutreffend und zu bestätigen ist der Schuld-
spruch betreffend Nichtmitführen des Führerausweises i.S. von Art. 10 Abs. 4
SVG i.V.m. Art. 99 Ziff. 3 SVG.
III. Strafzumessung
1. Die Vorinstanz hat die Strafzumessungsregeln im Sinne von Art. 47 ff. StGB
grundsätzlich zutreffend dargestellt. Danach misst das Gericht die Strafe nach
dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben, die persönlichen
Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters. Nach Art. 47
Abs. 2 StGB bestimmt sich die Bewertung des Verschuldens nach der Schwere
der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerf-
lichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach,
wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war,
die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden.
2.1. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für
mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe der
schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass
der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen und ist an das ge-
setzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Bei der Bil-
dung der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB hat der Richter in einem ersten
- 40 -
Schritt den Strafrahmen für die schwerste Straftat zu bestimmen und alsdann die
Einsatzstrafe für diese Tat, unter Einbezug aller straferhöhenden und strafmin-
dernden Umstände, innerhalb dieses Strafrahmens festzusetzen. In einem zwei-
ten Schritt hat er diese Einsatzstrafe unter Einbezug der anderen Straftaten in
Anwendung des Asperationsprinzips angemessen zu einer Gesamtstrafe zu er-
höhen, wobei er ebenfalls den jeweiligen Umständen Rechnung zu tragen hat
(BGE 127 IV 101 E. 2b mit Hinweis; Urteil 6B_460/2010 vom 4. Februar 2011
E. 3.3.4 mit Hinweis, nicht publ. in: BGE 137 IV 57).
2.2. Als schwerste Tat gilt grundsätzlich jene, die mit dem schärfsten Strafrahmen
bedroht ist, und nicht jene, die nach den konkreten Umständen verschuldensmäs-
sig am schwersten wiegt (BSK Strafrecht I- Ackermann, 3. Aufl., Basel 2013,
Art. 49 N 116 mit weiteren Hinweisen). Angriff wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf
Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Damit ist von diesem Delikt als schwerste Tat
auszugehen. Der Strafrahmen beträgt demnach Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahre
oder Geldstrafe.
3.1. Was die objektive Tatkomponente angeht, so ist zu beachten, dass die
Schwere der Verletzung bei der Strafzumessung für das Strafmass nicht relevant
sein kann. Das Erfolgserfordernis (Verletzungs- oder Todesfolge) soll die Straf-
barkeit auf ernstzunehmende Schlägereien bzw. Angriffe beschränken (BSK II-
Maeder, Art. 134 N 10 i.V.m. Art. 133 N 22). Verpönt ist dagegen bereits die Be-
teiligung am Angriff, welcher grundsätzlich geeignet ist, für das Leben oder die
körperliche Integrität des Angegriffenen eine konkrete Gefahr herbeizuführen
(a.a.O. Art. 134 N 4). Der Beschuldigte hat nicht nur den Angriff ausgelöst, er hat
sich auch aktiv daran beteiligt, indem er den Privatkläger zu Fall gebracht hat und
dann auf den wehrlos am Boden liegenden Privatkläger auf den Kopfbereich ein-
geschlagen hat. Damit offenbarte er eine erschreckende Gleichgültigkeit gegen-
über der körperlichen Integrität von Menschen. Dies lässt eine erhebliche krimi-
nelle Energie aufscheinen. Zwar können die einzelnen Tathandlungen - entspre-
chend der Natur des Tatbestandes - nicht den einzelnen Tatbeteiligten zugeord-
net werden; es gehört aber zum Allgemeinwissen, dass solche von einer weiteren
Person ausgeführten unkontrollierten Schläge und Prügelattacken auf einen wehr-
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- 41 -
los am Boden Liegenden schwerwiegende Folgen für ihn haben können. Etwas
gemildert wird das Verschulden dadurch, dass der Vorgang nur kurze Zeit gedau-
ert hat. Insgesamt ist die objektive Tatschwere im weiten Strafrahmen von fünf
Jahren knapp im unteren Drittel als noch leicht zu werten.
3.2. In subjektiver Hinsicht ist leicht zugunsten des Beschuldigten zu werten, dass
er ungeplant in den Konflikt hineingeraten war und sich - angesichts der Verlet-
zungen des Mitbeschuldigten C._, die jener - wie erwähnt - vom Privatkläger
zugefügt erhalten haben soll, wohl aus falsch verstandener Freundschaft der Ver-
geltungshandlung des Mitbeschuldigten I._ anschloss. Er unterstützte ihn mit
diesem Angriff aktiv, indem er den Privatkläger praktisch ausser Gefecht setzte
und ihn dann dem Mitbeschuldigten überliess. Zu seinen Gunsten ist immerhin zu
berücksichtigen, dass er den Gewaltexzess des Mitbeschuldigten I._ been-
dete, indem er ihn vom Privatkläger wegzog. Dies vermag indessen nur geringfü-
gig die objektive Tatschwere zu relativieren.
Insgesamt erweist sich eine hypothetische Einsatzstrafe von 150 Tagen als an-
gemessen. Anzumerken bleibt, dass die Strafempfehlungen der Staatsanwalt-
schaft, wie sie von der Vorinstanz und dem Verteidiger zitiert wurden (Urk. 101
S. 22), für die Strafzumessung nicht alleine massgeblich sind.
3.4. Die ermittelte verschuldensangemessene Strafe kann alsdann aufgrund von
Umständen, die grundsätzlich nichts mit der Tat zu tun haben, erhöht oder herab-
gesetzt werden (Täterkomponente). Hierfür sind im wesentlichen täterbezogene
Komponenten wie persönliche Verhältnisse, Vorstrafen, Leumund, besondere
Strafempfindlichkeit oder Nachtatverhalten massgebend. Dabei dürfen auch im
Ausland verhängte Vorstrafen bei der Strafzumessung mitberücksichtigt werden
(BSK Strafrecht I-WIPRÄCHTIGER, 2. Aufl., Basel 2007, Art. 47 StGB N 102).
3.4.1. Die Vorinstanz hat das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse zutref-
fend wiedergegeben (Urk. 65 S. 31 f.). Der Beschuldigte ist in Tunesien geboren
Er ging dort ca. 12 Jahre in die Schule und machte eine Ausbildung als Koch
(Prot. II S. 12). Er kam im Alter von rund 20 Jahren, d.h. im Jahre 2007 in die
Schweiz und ist seit über 8 Jahren mit einer Schweizerin verheiratet. Seine Fami-
- 42 -
lie lebt in Tunesien. Er unterstützt sie mit Fr. 300.– monatlich. Er arbeitet an der
Kasse im R._ in Dübendorf und verdient im Stundenlohn rund Fr. 4'000.– bis
Fr. 4'500.– netto. Seine Ehefrau verdient gleich viel wie der Beschuldigte (Urk. 58
S. 1 f.). An der heutigen Berufungsverhandlung ergänzte er, dass er aus einem
Autokauf Kreditschulden in der Höhe von Fr. 38'000.– habe, nicht mehr in psychi-
atrischer Behandlung sei und plane, ein orientalisches Restaurant zu eröffnen
(Prot. II S. 12-15). Aus der Lebensgeschichte und den persönlichen Verhältnissen
sind keine strafzumessungsrelevanten Faktoren ersichtlich. Insbesondere lässt
sich keine besondere Strafempfindlichkeit im Sinne von Art. 47 Abs. 1 StGB ablei-
ten.
3.4.2. Der Beschuldigte weist für die Zeit von 2009 bis 2013 fünf, teilweise ein-
schlägige Vorstrafen auf (Urk. 49 bzw. Urk. 88). Am 21. September 2009 wurde er
vom Bezirksamt Rheinfelden mit Strafbefehl wegen grober Verletzung der Ver-
kehrsregeln zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu
Fr. 80.–, bei einer Probezeit von 2 Jahren und einer Busse von Fr. 1'000.– verur-
teilt. Am 11. Dezember 2009 erhielt er ein Strafmandat wegen Vergehen gegen
das Waffengesetz, Verletzung von Verkehrsregeln und Übertretung der Verkehrs-
regelverordnung und wurde von der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis zu einer
bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 60.– bei einer Probe-
zeit von 2 Jahren und einer Busse von Fr. 300.– verurteilt. Am 5. Dezember 2012
verurteilte ihn der Einzelrichter am Bezirksgericht Uster wegen Vergehens gegen
das Waffengesetz und dessen Übertretung sowie einer Verletzung von Verkehrs-
regeln zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu Fr. 70.–,
bei einer Probezeit von 4 Jahren und einer Busse von Fr. 300.–. Zugleich wider-
rief der Einzelrichter den bedingten Vollzug der beiden im Jahre 2009 ausgefällten
Geldstrafen. Am 14. Dezember 2012 erwirkte er beim Appellationsgericht Basel-
Stadt wegen Angriffs, mehrfacher einfacher Körperverletzung und sexueller Be-
lästigung eine bedingt zu vollziehende Freiheitstrafe von 18 Monaten, bei einer
Probezeit von 3 Jahren und einer Busse von Fr. 200.–. Sodann wurde er am
19. August 2013 von der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis wegen einer groben
Verletzung der Verkehrsregeln mit einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 15
Tagessätzen zu Fr. 110.– bei einer Probezeit von zwei Jahren und einer Busse
- 43 -
von Fr. 300.– bestraft (Urk. 49, Urk. 88). Diese Vorstrafen (mit Ausnahme jener
vom 19. August 2013) wirken sich deutlich straferhöhend aus. Vor allem der Um-
stand, dass der Beschuldigte nur 4 Monate nach seiner Verurteilung in Basel-
Stadt erneut einschlägig delinquierte, ist stark erschwerend zu gewichten. Dazu
kommt die Delinquenz während zweier laufender Probezeiten. Der Beschuldigte
bestritt bis zum Schluss den Tatbestand des Angriffs.
3.4.3. Insgesamt erweist sich eine Einsatzstrafe von 210 Tagen als angemessen.
3.4.3. Die Verteidigung lässt unter Hinweis auf die Desinteresseerklärung des Pri-
vatklägers C._ (Urk. 87) geltend machen, diese sei bei der Urteilsfindung ge-
bührend zu berücksichtigen bzw. den Beschuldigten nicht mehr zu bestrafen.
C._ begründe sein Desinteresse damit, dass der Beschuldigte A._ und
er selber inzwischen Frieden geschlossen hätten und sich auch privat als Kolle-
gen begegneten. Eine Verurteilung oder Bestrafung A._s wäre daher für
C._ persönlich und auch für die Kollegialität zwischen den drei erwähnten
Personen eine Belastung (Urk. 86 S. 2). Indessen ist zu beachten, dass der Be-
schuldigte wegen Angriffs verurteilt wurde, welches ein Offizialdelikt darstellt, bei
welchem das öffentliche Interesse - und nicht etwa jene des Opfers - an der Straf-
verfolgung im Zentrum steht (Urteil 6B_849/2013 vom 19. Juni 2014). Diese Des-
interessenerklärung ist deshalb nur leicht zugunsten des Beschuldigten zu be-
rücksichtigen.
3.4.4. Insgesamt erweist sich eine Einsatzstrafe von 210 Tagen als angemessen.
3.5. Wie bereits erwähnt, ist in einem zweiten Schritt diese Einsatzstrafe unter
Einbezug der anderen Straftaten in Anwendung des Asperationsprinzips ange-
messen zu einer Gesamtstrafe zu erhöhen, wobei ebenfalls den jeweiligen Um-
ständen Rechnung zu tragen ist.
3.5.1. Bei der objektiven Tatschwere für die einfache Körperverletzung (ND 1) ist
von Bedeutung, dass der Beschuldigte dem Privatkläger D._ derart heftig ei-
ne Ohrfeige gegen die rechte Gesichtshälfte verpasste, dass dem Privatkläger
nebst dem Schmerz (Urk. ND 1/7/1 A 11) fast schwindlig wurde. Diese aus nichti-
- 44 -
gem Anlass verabreichte Ohrfeige (aus Sicht des Beschuldigten ging es wieder
um Ehrbegriffe, bezeichnete er diese doch als "Anstandsohrfeige"; ND1/6/1 A 7;
Prot. II S. 17) belegen eine nicht unerhebliche Gewaltbereitschaft des Beschuldig-
ten. Eine hypothetische Einsatzstrafe für ein eher leichtes Verschulden von 120
Tagessätzen erschiene angebracht. Dass es dabei - aus prozessualen Gründen
wegen des Verschlechterungsverbotes (vgl. vorstehend Erw. II.B.7.2.) - beim Ver-
such geblieben ist, wirkt sich leicht strafmindernd gemäss Art. 22 Abs. 1 StGB
aus, da das Verletzungsrisiko mit einem solchen heftigen Schlag auf das Ohr rela-
tiv hoch ist (vgl. BSK StGB I-Wiprächtiger/Keller N 24 zu Art. 48a mit weiteren
Hinweisen: Das Ausmass der Strafreduktion hängt dabei von der Nähe des tatbe-
standsmässigen Erfolgs und von der Schwere der tatsächlichen Folgen der Tat
ab). Insgesamt ist von 60 Tagessätzen auszugehen.
3.5.2. Die objektive und subjektive Tatschwere bei der Drohung (ND 2) wiegt
leicht. Die Äusserung erfolgte rein verbal und spontan nach einem Hinauswurf
aus dem Club. Das Unterstreichen der Drohung mit dem Hinweis, selbst eine
Ausweisung nach Tunesien würde ihn nicht davon abhalten, machte dem Privat-
kläger zwar zusätzlich Angst. Indessen war die bisherige Beziehung zwischen
dem Privatkläger und dem Beschuldigten und seinem Umfeld bereits sehr ange-
spannt, was nicht dem Beschuldigten anzulasten ist. Der Beschuldigte kannte in-
dessen die Situation und nahm damit zumindest in Kauf, den Privatkläger ernst-
haft zu ängstigen. Eine hypothetische Strafe von 60 Tagen erscheint angemes-
sen.
3.5.3. Für die grobe Verkehrsregelverletzung (ND 3) ist das objektive und subjek-
tive Tatverschulden als nicht mehr leicht zu bewerten. Das Verkehrsaufkommen
auf der Hardbrücke war um diese Abendzeit erheblich (wie sich der Videoauf-
zeichnung entnehmen lässt; Urk. ND 3/5). Eine hypothetische Strafe von 60 Ta-
gen erscheint angemessen.
3.6. Was die Täterkomponente (vgl. Erw.III.3.4.1.und 3.4.2.), angeht, so fallen
auch hier die Vorstrafen und das Delinquieren während der Probezeit ins Ge-
wicht. Betreffend ND 2 (Drohung vom 22. September 2013) und ND 3 (grobe Ver-
kehrsregelverletzung vom 14. Dezember 2013) kommt noch das Delinquieren
- 45 -
während laufender Strafuntersuchung (betr. Vorfälle HD und ND 1) und die teil-
weise einschlägige Vorstrafe vom 19. August 2013 wegen einer groben Verkehrs-
regelverletzung hinzu. Vor allem bei der Drohung fällt zudem ins Gewicht, dass er
vom 11. Juni 2013 bis 3. Juli 2013 in Untersuchungshaft war. Diese damit zum
Ausdruck gebrachte Uneinsichtigkeit wirkt sich ebenfalls stark straferhöhend aus.
Leicht zu seinen Gunsten ist das Geständnis bezüglich der groben Verkehrsre-
gelverletzung (ND 3) zu gewichten. Insgesamt wäre für diese Tatkomplexe (ND 1-
3), ebenfalls unter Beachtung der Asperation, eine Strafe von 180 Tagen ange-
messen.
3.7.1. Wie bereits erwähnt, ist die Einsatzstrafe (für den Angriff) unter Einbezug
der anderen Straftaten in Anwendung des Asperationsprinzips in einer Gesamt-
würdigung angemessen zu einer Gesamtstrafe zu erhöhen, wobei ebenfalls den
jeweiligen Umständen Rechnung zu tragen ist (BGE 6B_323/2010 vom 23. Juni
2010 Erw. 3.2.; BGE 118 IV 119 E. 2b; 127 IV 101 E. 2c.; Ackermann, a.a.O.,
Art. 49 N 49). Zu beachten ist dabei das Verhältnis der einzelnen Taten unterei-
nander, ihr Zusammenhang, ihre grössere oder geringere Selbständigkeit sowie
die Gleichheit oder Verschiedenheit der verletzten Rechtsgüter und Begehungs-
weisen. Der Gesamtschuldbeitrag des einzelnen Delikts wird dabei geringer zu
veranschlagen sein, wenn die Delikte zeitlich, sachlich oder situativ in einem en-
gen Zusammenhang stehen (BGer 6B_323/2010, Urteil vom 23. Juni 2010).
3.7.2. Auszugehen ist von der Einsatzstrafe für Angriff von 210 Tagen. Die weite-
ren Delikte weisen keinen näheren Zusammenhang auf, sind indessen im Ge-
samtkontext betrachtet verschuldensanteilig als geringfügiger zu werten. Zu be-
achten ist sodann, dass bei der Einzelbewertung der verschiedenen Delikte in un-
terschiedlichem Umfang die zahlreichen Vorstrafen und das Delinquieren wäh-
rend der Probezeit und laufender Strafuntersuchung berücksichtigt worden sind.
Diesem Umstand ist bei der Asperation besonders Rechnung zu tragen, um eine
Doppelverwertung zu vermeiden.
Insgesamt erwiese sich in Anwendung des Asperationsprinzips eine Strafe von
mehr als 360 Tagen als gerechtfertigt. Zufolge des Verschlechterungsverbotes
hat es indessen bei der Strafhöhe von 330 Tagen sein bewenden. Die für das
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- 46 -
Nichtmitführen des Führerausweises ausgefällte Busse von Fr. 20.– ist angemes-
sen.
3.8. Was die Wahl der Sanktionsart angeht, so ist mit der Vorinstanz (Urk. 65
S. 32) die Frage der präventiven Effizienz in den Vordergrund zu stellen. Die zahl-
reichen Geldstrafen, aber auch eine relativ hohe Freiheitsstrafe von 18 Monaten
haben den Beschuldigten bisher nicht davon abgehalten, weiter und v.a. auch
einschlägig, d.h. gewaltbereit, zu deliniquieren. Entgegen der Verteidigung ver-
möchte eine empfindliche unbedingte Geldstrafe kaum noch einen präventiven
Zweck erfüllen. Selbst die 23tägige U-Haft konnte ihn nicht vom Delinquieren
(ND 2 Drohung) abhalten. Deshalb ist eine Freiheitsstrafe auszufällen.
3.9. Entgegen der Vorinstanz ist hingegen von der Ausfällung einer Zusatzstrafe
abzusehen, da eine solche nur bei gleichartigen Strafen möglich ist (BGE
6B_460/2011, Entscheid vom 15. März 2011).
4. Der Beschuldigte ist somit mit einer Freiheitstrafe von 11 Monaten und einer
Busse von Fr. 20.– zu bestrafen. Anzurechnen ist die Untersuchungshaft von 23
Tagen. Für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung der Busse ist die Ersatzfrei-
heitsstrafe auf einen Tag festzusetzen.
IV. Vollzug und Widerruf
1. Das Gericht schiebt den Vollzug einer Freiheitsstrafe von höchstens 2 Jahren
oder einer Geldstrafe in der Regel auf, wenn eine unbedingt vollziehbare Strafe
nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen
oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Erscheinen die Bewährungs-
aussichten des Täters nur dann nicht als schlecht, wenn wenigstens ein Teil der
Strafe vollzogen wird, so fällt der teilbedingte Strafvollzug in Betracht (Art. 43 Abs.
2 StGB; BGE 134 IV 14 f.).
2. In objektiver Hinsicht sind die Voraussetzungen zur Gewährung des beding-
ten Strafvollzugs erfüllt, da der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 11 Mo-
naten zu bestrafen ist.
- 47 -
3. Der Beschuldigte wurde mit Urteil des Appellationsgerichtes Basel-Stadt
vom 14. Dezember 2012 zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt
(Urk. 49). Folglich müssen in subjektiver Hinsicht besonders günstige Umstände
im Sinne von Art. 42 Abs. 2 StGB vorliegen, damit der bedingte Vollzug gewährt
werden kann. Wie die Vorinstanz unter Hinweis auf die bundesgerichtliche Recht-
sprechung zutreffend ausführte, kann selbst beim Vorliegen einer einschlägigen
Vorstrafe eine besonders günstige Prognose gestellt werden, wenn sich die Le-
bensumstände des Täters nach der Tat entscheidend positiv verändert haben
(Urk. 65 S. 33 f., BGE 134 IV 1 Erw. 4.2.3).
Vorliegend delinquierte der Beschuldigte bereits rund 4 Monate nach seiner Ver-
urteilung erneut und einschlägig. Ebenso liess ihn die 23tägige Untersuchungs-
haft unbeeindruckt und er beging während laufendem Verfahren drei weitere De-
likte (unter Berücksichtigung des Strafbefehls vom 19. August 2013). Insofern
zeigte sich der Beschuldigte uneinsichtig und unbeeindruckt.
4.1. Das zur Beurteilung des neuen Verbrechens oder Vergehens zuständige Ge-
richt entscheidet auch über den Widerruf (Art. 46 Abs. 3 StGB). Begeht der Verur-
teilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu
erwarten, dass er weitere Straftaten verüben wird, so widerruft das Gericht die
bedingte Strafe oder den bedingten Teil der Strafe.
4.2. Ein Vergehen oder Verbrechen während der Probezeit führt indessen - unab-
hängig von der Tragweite des neuen Delikts und der Dauer der Strafe für die
neue Tat - nicht zwingend zum Widerruf. Entscheidend ist nach wie vor, ob eine
günstige Prognose gestellt werden kann. Es ist eine Gesamtwürdigung vorzu-
nehmen (BGE 140 IV 143) und mit einzubeziehen, ob die neue Strafe bedingt
oder unbedingt ausgesprochen wird. Sowohl die neue wie auch die vorhergehen-
de Strafe können bedingt oder unbedingt ausgesprochen werden (HUG, StGB
Kommentar, 19. Aufl., Zürich 2013, Art. 46 N 14 f.). Allerdings steht es nicht in al-
len Fällen im Ermessen des Gerichts, die neu auszusprechende oder die Vorstra-
fe vollziehen zu lassen. Bei Vorstrafen grösserer Tragweite setzt der bedingte
Strafvollzug für die neue Strafe besonders günstige Umstände voraus (Art. 42
Abs. 2 StGB). Der Verzicht auf den Widerruf ist dagegen auch ohne besonders
- 48 -
günstige Umstände möglich, wenn das Gericht davon ausgeht, der Vollzug der
neuen Strafe werde den Beschuldigten von weiteren Straftaten abhalten (BGE
134 IV 140 E. 4.5, S. 144 f.).
4.3. Diese von der Vorinstanz zutreffend aufgeführten Erwägungen führen im vor-
liegenden Fall zu folgendem Ergebnis:
Der Beschuldigte ist verheiratet und erzielt seit Jahren ein gutes Einkommen
(HD act. 41/3 S. 2). Das sind eigentlich prognostisch günstige Umstände. Wie die
Vorinstanz zu Recht erwogen hat, bestanden diese jedoch bereits, als der Be-
schuldigte die nun zu beurteilenden Straftaten beging und teilweise auch, als er
die rechtskräftigen Vorstrafen erwirkte. Deshalb sei nicht davon auszugehen, ein
geregeltes Einkommen oder eine stabile Beziehungssituation würden den Be-
schuldigen von weiteren Straftaten abhalten.
Zu seinen Gunsten ist jedoch zu werten, dass er nicht mehr nachts als Sicher-
heitsmann im R._ in Dübendorf tätig ist, sondern nun tagsüber an der Kasse
des Clubs arbeitet, was das Risiko, beruflich in eine tätliche Auseinandersetzung
verwickelt zu werden, deutlich vermindert (Prot. II S. 12 f.).
Gegen eine günstige Prognose sprechen allerdings die Vorstrafen und die Delin-
quenz trotz laufender Probezeit und hängigem Strafverfahren, sogar nach Entlas-
sung aus der Untersuchungshaft. Prognostisch ungünstig ist ebenfalls, dass der
Beschuldigte kaum Verantwortung für seine Taten übernimmt. Er anerkannte nur
die grobe Verkehrsregelverletzung auf der Hardbrücke, wo ihn die Polizei an Ort
und Stelle anhielt und Videoaufnahmen zu einer erdrückenden Beweislage füh-
ren.
4.4. Indessen ist zu beachten, dass der Beschuldigte bisher noch nie eine längere
Strafe absitzen musste. Es ist deshalb zu erwarten, dass der Vollzug der neuen
Strafe den Beschuldigten von weiteren Straftaten abhalten wird. Der Hinweis der
Vorinstanz, wonach den Beschuldigten auch drei Wochen Untersuchungshaft
nicht von neuen Straftaten abgehalten haben, ist mit der Wirkung einer länger-
dauernden Strafe nicht unbedingt vergleichbar.
- 49 -
4.5. Es erscheint deshalb gerechtfertigt, den Vollzug der neuen Strafe anzuord-
nen, hingegen auf den Widerruf des bedingten Vollzugs der Freiheitsstrafe des
Appellationsgerichts Basel-Stadt zu verzichten und dafür die Probezeit von 3 Jah-
ren um die Hälfte zu verlängern.
V. Schadenersatzforderung
A. B._ (HD, anstelle von C._)
1.1. Die geschädigte Person kann zivilrechtliche Ansprüche aus der Straftat als
Privatklägerschaft adhäsionsweise im Strafverfahren geltend machen (Art. 122
Abs. 1 StPO). Das Gericht entscheidet über die anhängige Zivilklage, wenn es die
beschuldigte Person schuldig spricht (Art. 126 Abs. 1 lit. a StPO). Die Zivilklage
wird auf den Zivilweg verwiesen, wenn die Privatklägerschaft ihre Klage nicht hin-
reichend begründet oder beziffert hat (Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO). Wäre die voll-
ständige Beurteilung des Zivilanspruchs unverhältnismässig aufwendig, so kann
das Gericht die Zivilklage nur dem Grundsatz nach entscheiden und sie im Übri-
gen auf den Zivilweg verweisen (Art. 126 Abs. 3 StPO).
1.2. Wer einem andern widerrechtlich Schaden zufügt, sei es mit Absicht, sei es
aus Fahrlässigkeit, wird ihm zum Ersatz verpflichtet (Art. 41 Abs. 1 OR). Voraus-
setzungen einer Ersatzpflicht sind: Schaden, Widerrechtlichkeit, Kausalzusam-
menhang und Verschulden. Körperverletzung im Besonderen gibt dem Verletzten
Anspruch auf Ersatz der Kosten sowie auf Entschädigung für die Nachteile gänz-
licher oder teilweiser Arbeitsunfähigkeit, unter Berücksichtigung der Erschwerung
des wirtschaftlichen Fortkommens (Art. 46 Abs. 1 OR).
1.3. Haben mehrere den Schaden gemeinsam verschuldet, sei es als Anstifter,
Urheber oder Gehilfen, so haften sie dem Geschädigten solidarisch (Art. 50
Abs. 1 OR). Unter Hinweis auf die diesbezüglichen Ausführungen der Vorinstanz
(Urk. 65 S. 37 f.) ist diese zu Recht davon ausgegangen, dass beim Angriff eine
gemeinsame Verursachung des Schadens und ein gemeinsames Verschulden
des Beschuldigten und des Mittäters vorlag. So wirkte der Beschuldigte mit dem
Mittäter bei der tätlichen Auseinandersetzung zusammen, wobei jeder vom
- 50 -
pflichtwidrigen Verhalten des anderen wusste und mit der Möglichkeit rechnen
musste, dass daraus Körperverletzungen resultieren könnten – und dies somit in
Kauf nahm. Dementsprechend haften alle Beteiligten des Angriffs, unabhängig
davon, wer nun die Verletzungen tatsächlich verursacht hat. Damit können sich
die Privatkläger ohne Weiteres an den Beschuldigten halten, auch wenn ihm nur
bezüglich einer Verletzung nachgewiesen werden kann, dass diese von ihm direkt
verursacht wurde.
1.4. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten verpflichtet, der Privatklägerin B._
AG (anstelle des Privatklägers C._) Schadenersatz von Fr. 85'771.35 zu be-
zahlen. Diese macht die Forderung gestützt auf Art. 72 ATSG adhäsionsweise
geltend. Als Anschlussberufungsklägerin macht sie nunmehr geltend, der Be-
schuldigte sei zu verpflichten, Fr. 105'560.75 an die Privatklägerin zu bezahlen.
Dies sei nunmehr die Gesamtschadensumme (Urk. 72). Den eingereichten Unter-
lagen der B._ lässt sich entnehmen, dass Heilungskosten im Umfang von Fr.
38'685.75 und Taggeldleistungen von Fr. 66'875.– angefallen seien (Urk. 51 und
72).
Hinzuweisen ist noch auf den Umstand, dass der Rückzug des Strafantrags bzw.
die Desinteresseerklärung des Privatklägers C._ keinen Einfluss auf die Stel-
lung der B._ als subrogierte Privatklägerin hat, da diese Erklärungen erst er-
folgten, als die Regressforderung bereits auf die B._ übergegangen war.
1.5. Der Beschuldigte liess vor Vorinstanz vorbringen, die Zivilansprüche seien
ausgangsgemäss dem Grundsatze nach gutzuheissen, jedoch bezüglich der nicht
ausgewiesenen Schadenshöhe auf den Zivilweg zu verweisen. Er (der Verteidi-
ger), äussere sich nicht weiter dazu (Urk. 56 S. 23). Anlässlich der heutigen Beru-
fungsverhandlung liess der Verteidiger vorbringen, die Vorinstanz habe zu Recht
angenommen, dass es am Nachweis fehle, dass der Beschuldigte die bei
C._ festgestellten Verletzungen verursacht habe (Urk. 65 S. 37), womit haft-
rechtlich keine Kausalität gegeben sei (Urk. 101 S. 23). Dieser Ansicht ist zuzu-
stimmen. Dies umso mehr, als die Privatklägerin auch Heilungskosten für den er-
littenen Leberschaden geltend macht, obwohl diese Verletzung nicht Gegenstand
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der vorliegenden Anklage ist. Die Privatklägerin B._ ist demnach mit ihrer
Forderung auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen.
B. D._ (ND 1)
Der Privatkläger D._ stellte ein Schadenersatzbegehren. Dieses wurde auf
den Zivilweg verwiesen. Darüber ist – unter Beachtung des Verbotes der reforma-
tio in peius – nicht erneut zu befinden, da dies von keiner Partei angefochten wur-
de.
VI. Genugtuung
1. Bei Tötung eines Menschen oder Körperverletzung kann das Gericht unter
Würdigung der besonderen Umstände dem Verletzten oder den Angehörigen des
Getöteten eine angemessene Geldsumme als Genugtuung zusprechen (Art. 47
OR). Die Körperverletzung muss beim Verletzten zu einer immateriellen Unbill (zu
einem Schmerz) geführt haben. Darüber hinaus muss der erlittene körperliche
bzw. seelische Schmerz von einer gewissen Schwere sei (BGE 110 II 166 = Pra
1984, 486). Zu den besonderen Umständen eines Falles kann sodann das Ver-
schulden des Haftpflichtigen eine bedeutende Rolle spielen (BGE 104 II 264 =
Pra 1979, 192). Zu den Umständen, die das Gericht zu berücksichtigen hat, ge-
hört auch ein Mitverschulden des Verletzten. Ausgeschlossen wird ein Genugtu-
ungsanspruch aber höchstens bei Vorliegen eines überwiegenden, groben
Selbstverschuldens. In seiner neueren Rechtsprechung hat das Bundesgericht
generell Zurückhaltung signalisiert, was die Mitberücksichtigung des Selbstver-
schuldens betrifft (BGE 117 II 50 ff., 60 ff.). Auch das konkrete Verhältnis zwi-
schen Verletztem und Schädiger ist zu berücksichtigen. Bei der Bezifferung der
Genugtuung kommt dem Gericht erheblicher Ermessensspielraum zu. Es kommt
vor allem auf die Art und Schwere der Verletzung, die Intensität und die Dauer der
Auswirkungen auf die Persönlichkeit des Betroffenen sowie auf den Grad des
Verschuldens an (vgl. BSK OR I-Heierli/Schnyder, 5. Auflage 2011, Art. 47 N 20
f.).
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2. Die Vorinstanz sprach dem Privatkläger C._ eine Genugtuung von
Fr. 2'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 7. April 2013 zu. Mit der Desinteresseerklärung
entfällt dieser Anspruch. Entsprechend ist auf das Genugtuungsbegehren nicht
einzutreten.
3.1. Die Vorinstanz sprach dem Privatkläger D._ eine Genugtuung von Fr.
1'500.– zuzüglich 5 % Zins ab 22. März 2013 zu. Sie führte aus, dass die Ohrfei-
ge beim Beschuldigten eine seelische Unbill verursacht habe, weil der Geschädig-
te auch wegen der Straftat des Beschuldigten während einiger Wochen im Unge-
wissen darüber gewesen sei, ober er weiter als Pilot werde arbeiten können. Dies
habe nicht nur, aber auch mit den Ohrfeigen des Beschuldigten zu tun (Urk. 65 S.
38).
3.2. Die Verteidigung brachte dazu vor, die zugesprochene Genugtuung sei deut-
lich überhöht; angemessen sei eine Genugtuung von maximal Fr. 500.– (Urk. 101
S. 23).
3.3. Gemäss erstelltem Sachverhalt ist die erlittene Körperverletzung des Privat-
klägers (Trommelperforation) auf die Ohrfeige des Beschuldigten zurückzuführen.
Angesichts der erlittenen Schmerzen und des Umstandes, dass der Privatkläger
während Wochen befürchten musste, nicht mehr in seinem Beruf als Pilot arbei-
ten zu können, was zu grosser seelischer Unbill führte, erweist sich die Genugtu-
ung von Fr. 1'500.– zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 22. März 2013 als angemes-
sen und ist zu bestätigen.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss ist die erstinstanzliche Kostenverlegung (Ziffer 12 und 13) zu
bestätigen.
2. In Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt
mit seinen Anträgen auf Freispruch vollumfänglich, obsiegt hingegen bei der Fra-
ge des Widerrufs und der Zivilansprüche der B._, welche mit ihrer An-
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schlussberufung vollumfänglich unterliegt. Dementsprechend sind dem Beschul-
digten deshalb die Kosten des Berufungsverfahrens zu vier Fünfteln und der Pri-
vatklägerin zu einem Zehntel aufzuerlegen. Im Umfang von einem Zehntel sind
sie auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind gestützt auf Art. 426 Abs. 1 StPO auf
die Gerichtskasse zu nehmen; entsprechend ist der amtliche Verteidiger, Rechts-
anwalt Dr. X._, mit Fr. (inkl. 8 % MwSt.) aus der Gerichtskasse zu entschädi-
gen. Der Beschuldigte ist zu verpflichten, diese Entschädigung zu vier Fünfteln an
den Staat zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben
(vgl. Art. 135 Abs. 4 StPO).
3. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten sodann verpflichtet, dem Privatkläger
E._ eine Prozessentschädigung im Umfang von Fr. 891.00 zu bezahlen.
Gemäss Art. 426 lit. a StPO hat die Privatklägerschaft gegenüber dem Beschul-
digten Anspruch auf angemessene Entschädigung für notwendige Aufwendungen
im Verfahren, wenn sie obsiegt. Hierzu zählen auch Kosten für eine anwaltliche
Vertretung. Die Verteidigung akzeptierte diese Forderung in ihrem Eventualantrag
(Urk. 101 S. 2 und S. 23). Entsprechend ist der Beschuldigte zu verpflichten, dem
Privatkläger E._ eine Prozessentschädigung im Umfang von Fr. 891.– zu be-
zahlen.