Decision ID: d73c90bf-14a0-4c23-8a4c-5faf831addb0
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1960, arbeitete seit April 1995 in einem Pensum von 50 % als Reinigungskraft (Urk. 7/3 Ziff. 5.4), als sie sich am 3. November 2015 unter Hinweis auf grosse Schmerzen in den Schultern bei der Invalidenversicherung
zum Leistungsbezug anmeldete (Urk. 7/3 Ziff. 6.2).
D
ie Sozialversiche
rungsan
st
alt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinisch
e
und erwerbliche Situa
tion ab und zog die Akten des Krankentaggeldversicherers bei (Urk. 7/16, Urk. 7/22, Urk. 7/25). Mit Schreiben vom 15. November 2016 teilte die IV-Stelle der Ver
sicherten mit, aufgrund des Gesundheitszustandes seien derzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich (Urk. 7/18).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/33
, Urk. 7/36, Urk. 7/44-
45, Urk. 7/57
)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 11. Juli 2019
auch
einen
Rentena
nspruch der Versicherten (Urk. 7/60 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
5. September 2019 Beschwerde gegen die Verfügung vom 11. Juli 2019
(Urk. 2) und beantragte die Rückweisung der Sache an die IV-Stelle zu weiteren Abklärungen (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 9. Oktober 2019 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 5. November
2019
mitgeteilt wurde (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG)
. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenver
siche
rung (IVG)
aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und
nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede
rung
s
massnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeits
markt
lage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffern
mässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. all
gemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 11. Juli 2019 (Urk. 2) ging die Beschwer
degegnerin davon aus, dass bei der Beschwerdeführerin vorübergehend eine Ar
beits
unfähigkeit vorgelegen habe, welche nicht länger als ein Jahr und auch nicht weiterhin andauere. Seit April 2017 liege keine ärztlich attestierte Arbeits
un
fähig
keit mehr vor. Gemäss den aktuellsten medizinischen Berichten werde wei
ter
hin keine Arbeitsunfähigkeit attestiert, die gestellten Diagnosen hätten gemäss medizinischer Einschätzung keinen Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1). Bei der Verdachtsdiagnose Bandscheibenvorfall handle es sich um einen Zufallsbe
fund bei der radiologischen Abklärung. Da diesbezüglich bisher keine gesund
heitlichen Beschwerden aufgetreten seien, seien keine weiteren Untersuchungen angezeigt. Falls die vorgesehene Schulteroperation zu einer Verschlechterung der gesundheitlichen Problematik führe, könne ein neues Gesuch eingereicht werden. Gemäss der medizinischen Einschätzung könne die Beschwerdeführerin
einer angepassten
Tätigkeit im vollen Pensum nachgehen und ein Einkommen erwirt
schaften, welches keinen Anspruch auf eine Invalidenrente begründe (S. 2).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend
(Urk.
1
)
,
sie habe sich im Oktober 2016 bei der Beschwerdegegnerin angemeldet, nachdem sie seit Septem
ber 2014 aus krankheitsbedingten Gründen zumindest teilweise arbeitsunfähig
gewesen sei (S. 3 Ziff. III.1). A
m
13. Mai 2016 habe sie sich eine
r
Schulter
a
rth
ro
s
kopie unterziehen müssen, was zwar eine Verbesserung der rechten Seite be
wirkt habe, nun
müsse
jedoch
auch
die linke Seite abgeklärt werden. Eine Ope
ration könne jedoch erst durchgeführt werden, wenn die rechte Schulter aus
kuriert sei (S. 3 Ziff. III.2). Sie leide weiterhin unter einer beidseitig einge
schränkten Mobi
lität (S. 4 Ziff. 3). Im Mai 2019 seien Verdachtsdiagnosen sowohl eines Band
scheibenvorfalls
C
5-6 als auch einer
Osteochondrose
C5-7 diagnostiziert worden. Bevor weitere Abklärungen stattfinden könnten, müsse nun aber zuerst die Schul
teroperation links durchgeführt werden (S. 5 oben). Die Beschwerdegegnerin habe nicht einmal einen Verlaufsbericht eingeholt, obwohl aufgezeigt worden sei, dass sich die Schulterproblematik links wie auch die Halswirbelsäulenbeschwerden auf den Gesundheitszustand auswirkten und weitere medizinische Massnahmen notwendig seien (S. 5 Ziff. 5).
Auch die RAD-Beurteilung sei nicht schlüssig. Die Beschwerdegegnerin müsse prüfen, inwiefern und ab welchem Zeitpunkt eine angepasste Tätigkeit
möglich
sei (S. 5 Ziff. 6). Schliesslich sei auch zu berück
sichtigen, dass im Verfügungszeitpunkt kein definitiver Gesundheitszustand vor
gelegen habe (S. 6 Ziff. 7).
2.3
Strittig und zu prüfen ist demnach die Frage, ob die Beschwerdegegnerin den medizinischen Sachverhalt genügend abgeklärt hat.
3.
3.1
Dr.
med. Y._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabili
tation, diagnostizierte in seinem Bericht vom 6. Februar 2015 eine ausgedehnte Teilruptur der
Supraspinatussehne
rechts, eine massivste Entzündung der
Bizeps
sehne
sowie einen Erguss des Schultergelenks (Urk. 7/16/11 Ziff. 1
; vgl. auch Be
richt des
Z._
, vom 30. Oktober 2014, Urk. 7/16/13
).
Mit Schreiben vom 20. März 2015 wies Dr.
Y._
darauf hin, dass die operative Versorgung noch nicht erfolgt sei. Die Indikation zur Operation sei jedoch korrekt gestellt worden (Urk. 7/16/12).
Am 10. April 2015 hielt Dr.
Y._
fest, bei der Beschwerdeführerin sei eine
massivst
ausgeprägte Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert worden, was eine
Kontraindikation für eine Operation darstelle. Die Behandlung der Schilddrüse werde seit Anfang März durchgeführt, die Schulteroperation folge nach der Stabi
lisierung im Mai (Urk. 7/16/14).
3.2
Nach einer
Hospitalisation
vom 1
2.
bis 15. Mai 2016
diagnostizierten die Ärzte des
A._
, Orthopädie, in ihrem Austrittsbericht vom 17. Mai 2016 eine subtotale Ruptur der
Supraspinatussehne
bei
Impingement
Schulter rechts. Es seien eine diagnostische Schulter-Arthroskopie rechts, ein
suba
c
romiales
Débri
dement
und
A
c
romioplastik
sowie ein
Suture
Bridge-
Repair
der
Supraspi
natussehne
durchgeführt worden. Die stationäre postoperative Behandlung sei komplikationsfrei verlaufen und die Beschwerdeführerin sei in gutem Allge
mein
zustand und mit reizlosen Wundverhältnissen nach Hause entlassen worden (Urk. 7/16/34).
3.3
Dr.
med. B._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, speziell Schul
ter
chirurgie
, nannte in seinem Bericht vom 15. November 2016 (Urk. 7/22/2-3) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Status nach Schulterarthroskopie rechts und
Suture
bridge-
Repair
der oberflächlichen Ruptur der
Supraspinatussehne
und
Acromioplastik
am 13. Mai 2016
-
Rotatorenmanschetten
-Ruptur Schulter links bei
Impingement
Sechs Monate postoperativ habe sich die Mobilität weiter verbessert, es bestünden jedoch nach wie vor Schmerzen im lateralen Deltabereich (S. 1). Die linke Schulter zeige weiterhin eine
n
Oberflächendefekt der
Supraspinatussehne
ähnlich wie zu
vor auf der rechten Seite. Die
arthroskopische
Rekonstruktion links sollte bald in Angriff genommen werden (S.
2).
3.4
Zwei Wochen nach einer
subacromialen
Steroidinjektion führte Dr.
B._
am 2. Dezember 2016 aus, es zeige sich eine
Symptomregredienz
im Bereich der rechten Schulter um 50 %. Es sei nochmals eine Injektion vorgenommen worden. Die Operation der linken Schulter werde erst geplant, wenn die rechte Schulter funktionell wieder gut belastbar sei (Urk. 7/22/4).
In seinem Bericht vom 17. Januar 2017 hielt Dr.
B._
weiter fest, sechs Wochen nach intraartikulärer Steroid-Injektion zeige sich ein erfreulicher Verlauf mit nochmaliger guter
Symptomregredienz
und verbesserter Mobilität und Funk
tionalität. Die linke Schulter sei weiterhin recht einschränkend und ausgeprägt schmerzhaft (Urk. 7/22/6).
3.5
Dr.
med. C._
, beratender Arzt der Krankentaggeldversicherung, hielt am 22. Februar 2017 fest, eine 100%ige krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit seit
dem 1. Oktober
2014 sei ausgewiesen, der medizinische Endzustand sei
jedoch
noch
nicht erreicht (Urk. 7/22/9).
3.6
In seinem Bericht vom 18. April 2017 führte Dr.
B._
bei bekannten Diag
nosen aus, elf Monate postoperativ zeige sich eine gute Mobilität der rechten Schulter mit noch etwas Schwäche der Schultergürtelmuskulatur.
Unter physio
the
rapeutischer
Beübung
sei sie besser mobil und funktionell einsetzbar.
Aktuell sei die linke Schulter weiterhin noch recht symptomarm und könne im Alltag gut gebraucht werden.
Die konservative Therapie laufe weiter, in acht Wochen erfolge eine Verlaufskontrolle, dann werde auch eine Reduktion der Arbeitsunfähigkeit evaluiert (Urk. 7/25/13).
3.7
Am 4. Mai 2017 berichtete Dr.
B._
, die Beschwerdeführerin habe sich not
fallmässig vorgestellt. Sie habe in der Physiotherapie und zu Hause mehr trainiert sowie im Haushalt mehr gearbeitet. Dies habe zu schmerzhaften
Myogelosen
im Bereich beider Schultergürtel geführt. Ebenso seien beide Schultern wieder etwas mehr symptomatisch (Urk. 7/25/11).
3.8
In seinem Bericht vom 13. Juni 2017 (Urk. 7/25/8-9) hielt Dr.
B._
fest, die erneute
subacromiale
Steroid-Injektion habe eine recht gute Besserung der akuten Schmerzen gebracht, in der Physiotherapie solle weiterhin vorsichtig die Kraft trainiert werden (S. 1).
3.9
Am 12. September 2017 beschrieb Dr.
B._
bei unveränderten Diagnosen eine
weiterhin eingeschränkte Mobilität beider Schultern, wobei die linke Schulter aktuell führend sei bei Schmerzsymptomatik und Bewegungseinschränkung. Die rechte Schulter gehe unter fortlaufender Physiotherapie recht gut, es störten je
doch ausgeprägte
Myogelosen
im Bereich der
periscapulären
Muskulatur beidseits (Urk. 7/25/3-4 S. 1). Die Schmerzen im Bereich der PIP-Gelenke der Langfinger beider Hände seien ebenfalls sehr einschränkend, er empfehle die Vorstellung bei einem Rheumatologen, auch um die persistierenden Schulterschmerzen in der vor
operierten rechten Schulter abzuklären
(S. 2).
3.10
Dr.
med. D._
, Facharzt für Rheumatologie und für Allgemeine Innere Medizin, hielt in seinem Bericht vom 10. Januar 2018 fest, aus seinem Fachgebiet
bestehe eine inkomplette Fibromyalgie, welche ohne Einfluss auf die Arbeits
fäh
ig
keit sei, verbunden mit unspezifischen Arthralgien an den PIP III-V beid
seits. Eine Arthritis sei noch nicht bestätigt, es bestünde eine leichte Entzündungsakti
vie
rung. Weitere Abklärungen seien noch im Gange (Urk.
7/28/1).
3.11
In ihrem Bericht vom 18. April 2018 (Urk. 7/29
/7-10
) nannten die Ärzte der
E._
, Orthopädie, folgende Diagnosen (S. 1):
-
bursaseitige
Supraspinatussehnen
-Ruptur,
subacromiales
Impingement
Schulter links
-
Status nach Schulterarthroskopie rechts und
Suture
bridge-
Repair
der oberflächlichen Ruptur der
Supraspinatussehne
und
Ac
r
omioplastik
am 13. Mai 2016
-
Verdacht auf Bouchard-Fingergelenksarthrose beidseits
-
unklare Raumforderung
axillär
rechts
Die Beschwerdeführerin
berichte
über jahrelange Schulterschmerzen beidseits. Durch die Schulteroperation rechts hätten dort die Kraft und die Schmerzsituation verbessert werden können. Aktuell dominierten linksseitige Schulterschmerzen, welche die Beschwerdeführerin im Alltag einschränkten (Ziff. 2.1). Die bisherige Tätigkeit als Raumpflegerin sei körperlich streng, wechselbelastend und repetitiv (Ziff. 3.3). Die eingeschränkte Beweglichkeit und Belastbarkeit der linken Schulter wirke sich auf die Tätigkeit aus (Ziff.
3.4), es sei jedoch von ihrer Seite her keine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden (Ziff. 4.1-5).
3.12
Dr.
med. F._
, Praktischer Arzt, attestierte am 6. Juli 2018 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vom 1. April bis 31. Juli 2018 (Urk. 7/35/1), teilte jedoch am 21. September 2018 mit, er könne die Situation nicht beurteilen, und verwies auf Dr.
B._
(Urk. 7/42/1).
3.13
In seinem Bericht vom 6. September
2018 (Urk. 7/41) führte Dr.
B._
bei unveränderten Diagnosen (Ziff. 2.5)
und einer attestierten 100%igen Arbeitsun
fähigkeit vom 2
1.
April 2016 bis 3
1.
März 2018 (
Ziff.
1.3)
aus, das in der
E._
durchgeführte MRI zeige eine gering ausgeprägte Oberflä
chen
läsion der
Supraspinatussehne
der linken Schulter. Aufgrund des schlechten Verlaufs im Bereich der rechten Schulter werde eine Indikation links nicht ge
stellt. Aktuell würden mehr muskuläre Verspannungen im
periscapulären
Bereich stören. Die Funktion beider Schultern sei relativ gut, wenn auch permanent schmerz
haft. Aus diesem Grund sei von einem weiteren chirurgischen Vorgehen abzusehen und die Vorstellung bei einem Schmerztherapeuten zu empfehlen
(Ziff. 2.2). Die Behandlung sei am 20. März 2018 abgeschlossen worden (Ziff.
1.1).
3.14
Dr.
med. G._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie
des Bewegungsapparates, RAD, nannte am 4. Oktober 2018 folgende Diagnosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/43 S. 2):
-
persistierende bewegungs- und belastungsabhängige Schmerzen beider Schultern
-
Status nach Schulterarthroskopie rechts und
Suture
bridge-
Repair
der oberflächlichen Ruptur der
Supraspinatussehne
und
Acromioplastik
am 13. Mai 2016
-
Rotatorenmanschetten
-Ruptur links bei
Impingement
-
Verdacht auf Bouchard-Fingergelenksarthrose
In der bisherigen Tätigkeit als Raumpflegerin bestehe eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit seit dem 21. April 201
6.
In einer körperlich leichten Tätigkeit, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne die Schultern belastende Zwangshal
tungen und Tätigkeiten (längeres Arbeiten in weiter Armvorhalte, Überkopfarbeit, repetitive Rotationsbewegungen) und ohne kraftvolles Greifen sei die Beschwer
deführerin vollständig arbeitsfähig. Eine wesentliche Veränderung des Gesund
heits
zustandes sei nicht zu erwarten. Die degenerativen Veränderungen würden im Laufe des Lebens zunehmen. Es sei nicht davon auszugehen, dass weitere medizinische Massnahmen zu einer relevanten Reduktion der Arbeitsunfähigkeit führten (S. 3).
3.15
In seinem Bericht vom 26. März 2019 (Urk. 7/56
/1-2
) nannte
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs
apparates, folgende Diagnosen die linke Schulter betreffend (S. 1):
-
Impingementsymptomatik
-
LBS Symptomatik
-
AC Symptomatik
Seit ungefähr drei bis vier Jahren bestünden Schmerzen im Bereich der linken Schulter, welche erstmals seit einer ungewohnten Mehrbelastung im Rahmen einer Schulteroperation rechts aufgetreten seien.
Unter anhaltender konservativer Therapie habe keine Verbesserung erreicht werden können (S. 1). Aufgrund der zeitlichen Dauer der Beschwerden sei eine
arthroskopische
Dekompression sowie Rekonstruktion der
Rotatorenmanschette
sicherlich indiziert. Da die Beschwerde
füh
rerin jedoch auf der rechten Seite nach einem entsprechenden Verfahren ein schlechtes klinisches Resultat habe, bestünden verständlicherweise Vorbehalte (S. 2).
3.16
Am 21. Mai 2019
hielt
Dr.
H._
zusätzlich einen Verdacht auf Bandscheiben
vorfall C5-6 rechts sowie
eine
Osteochondrose
C5-7
fest
(Urk. 7/56/3-4). Es sei davon
auszugehen, dass die Schulter hier nicht das Problem sei und dass in erster Linie ein Schmerzbefund
radikulärer
Natur vorliege. Dies zeige sich insbesondere darin, dass bei einer Rotation und Seitneigung C5/6 links ein einschiessender Schmerz in den Oberarm
provozierbar
sei. Eine weitere Bildgebung scheine sinnvoll (S. 2).
3.17
RAD-Arzt
Dr.
G._
führte am 11. Juli 2019 auf telefonische Nachfrage der Beschwerdegegnerin hin aus, mit dem Bandscheibenvorfall werde ein reiner Zufallsbefund bei der radiologischen Abklärung vermutet. Es handle sich um eine Verdachtsdiagnose, welche keinen Einfluss auf den Entscheid habe. Die mögliche Operation im September 2019 begründe ebenfalls keine neuen Abklärungen (Urk. 7/59 S. 2).
4.
4.1
Den vor
liegenden Akten lässt sich eine (zumindest gewisse) anhaltende
Arbeits
unfähigkeit der Beschwerdeführerin in der bisherigen Tätigkeit als Raumpflegerin
entnehmen
(vgl. insbesondere E. 3.5, E. 3.13-14)
.
IV-rechtlich relevant und z
u prüfen
bleibt
damit insbesondere die Arbeitsfähigkeit in einer behinderungs
a
n
ge
passten Tätigkeit.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich
da
bei insbesondere auf die Würdigung der vorliegenden medizinischen Akten durch Dr.
G._
und ging von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit aus (vgl. vorstehend E. 2.1, E. 3.14, E. 3.17). Diese Beurteilung vermag jedoch nicht zu überzeugen.
4.2
Bei den Akten finden sich medizinische Berichte des
früheren sowie des aktuellen
Hausarztes
, des behandelnden Facharzt Dr.
B._
, der Ärzte des
A._
und der
E._
, des Rheumatologen Dr.
D._
sowie von Dr.
H._
.
Der frühere Hausarzt Dr.
Y._
machte keine Aussagen zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit (E. 3.1). Ebenso
wenig
äusserten sich auch die Ärzte des
A._
zur Arbeitsfähigkeit (E. 3.2
).
Auch der für eine Zweit
meinung hinzugezogene Dr.
H._
gab keine Beurteilung der Arbeitsfähig
keit ab (E. 3.15-16)
.
Was sodann Dr.
C._
, beratender Arzt der Krankentaggeldversicherung, betrifft, so hielt dieser am 22. Februar 2017 eine 100%ige krankheitsbedingte Arbeits
unfähigkeit seit dem 1. Oktober 2014
für
nachvollziehbar, wobei sich diese Aus
sage auf die bisherige Tätigkeit bezog (E. 3.5).
Der Rheumatologe Dr.
D._
äusserte sich
einzig dahingehend, dass
die von ihm diagnostizierte inkomplette Fibromyalgie keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
habe
(E. 3.10).
Die Ärzte der
E._
verwiesen in ihrem Bericht vom 18. April 2018 zwar ausdrücklich darauf, dass von ihrer Seite keine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden sei.
Diese Formulierung lässt aber nicht den Schluss zu, dass keine solche vorliegt. So hielten die Ärzte denn auch
fest, dass sich die einge
schränkte Beweglichkeit und Belastbarkeit auf die Tätigkeit auswirke (E. 3.11).
Der aktuelle Hausarzt Dr.
F._
hatte zunächst eine vollständige Arbeits
un
fähigkeit vom 1. April bis 31. Juli 2018 attestiert, am 21. September 2018 jedoch mitgeteilt, dass er die Situation nicht beurteilen könne (E. 3.12).
Auch der behandelnde Facharzt Dr.
B._
äusserte sich nicht ausdrücklich zur verbliebenen Restarbeitsfähigkeit. Aus seinem Bericht vom 17. Januar 2017 ergibt sich immerhin, dass
bei der rechten Schulter eine verbesserte Mobilität und Funktionalität vorlag,
die linke Schulter
jedoch
weiterhin recht einschränkend und ausgeprägt schmerzhaft
war
(E. 3.4).
Im Frühling 2017 beurteilte Dr.
B._
die Situation als sehr erfreulich, mit einer funktionell einsetzbaren rechten Schulter sowie einer symptomarmen linken Schulter, welche im Alltag gut ge
braucht werden konnte (E. 3.6). Bereits im Mai 2017 stellte sich die Beschwerde
führerin jedoch
erneut
notfallmässig vor und Dr.
B._
beschrieb beide Schultern als wieder etwas mehr symptomatisch (E. 3.7). In seinem Bericht vom 12. September 2017 hielt Dr.
B._
sodann
eine weiterhin eingeschränkte Mobilität beider Schultern fest und verwies auch auf die Einschränkung aufgrund der Schmerzen im Bereich der PIP-Gelenke der Langfinger beider Hände (E. 3.9).
Nach Behandlungsabschluss am 20. März 2018 beschrieb Dr.
B._
die Funktion beider Schultern als relativ gut, wenn auch permanent schmerzhaft. Aus diesem Grund empfahl er denn auch die Vorstellung bei einem Schmerzthe
ra
peuten (E. 3.13).
4.3
Zusammenfassend liegen damit keine Beurteilungen der Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit vor, welche alle bestehenden gesundheit
li
chen Beschwerden der Beschwerdeführerin - mithin auch de
n
von Dr.
H._
ge
äusserte
n
Verdacht auf eine
radikuläre
Symptomatik (E. 3.16)
–
mitberücksich
tigen. Gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung haben Ärzte den Gesundheits
zustand einer versicherten Person zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeit diese noch arbeitsfähig ist (vgl. vorstehend E. 1.4). Es
ist nicht Aufgabe einer Behörde beziehungsweise eines be
hördeninternen Arztes, lediglich aufgrund der in den Akten beschriebenen Be
funde festzulegen, welche Tätigkeiten
der versicherten Person
in welchem Um
fang noch zugemutet werden können, zumal in aller Regel - wie auch im vorlie
genden Fall - keine eigenen Untersuchungen durchgeführt werden.
Nachdem sich die für die Berechnung des Invaliditätsgrades der Beschwerde
füh
rerin notwendigen Angaben aus den vorliegenden Akten nicht ergeben und weder die von der Beschwerdegegnerin auf 100 % festgelegte Arbeitsfähigkeit in ange
passter Tätigkeit noch das von Dr.
G._
beschrieben
e
Belastungsprofil in den Akten eine Stütze finden, sind weitere geeignete Abklärungen notwendig. Zu diesem Zweck ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Diese wird gestützt auf die weiteren Abklärungen beziehungsweise Nachfragen über den
Leistungs
anspruch der Beschwerdeführerin neu zu befinden haben.
Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach § 34 Abs. 1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person An
spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Vorliegend erscheint eine Prozessentschädigung von Fr.
1’900
.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Baraus
lagen) als angemessen.