Decision ID: ce7037e7-710e-4d9a-82cb-5fdcf8e95f91
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend fahrlässige Körperverletzung etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung -
Einzelgericht, vom 21. Mai 2015 (GG150092)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 7. April 2015
(Urk. 30) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig des pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall i.S.v.
Art. 92 Abs. 1 i.V.m. Art. 51 Abs. 3 SVG.
2. Vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung wird der Beschuldigte frei-
gesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Busse von Fr. 300.–. Die Busse ist
zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an
deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.
4. Auf den Antrag der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat auf Verlängerung der
mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft-Sihl vom 27. November 2012 ange-
setzten Probezeit um ein Jahr ab Urteil wird nicht eingetreten.
5. Der Privatkläger A._ wird mit seinem Schadenersatz- und Genugtu-
ungsbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
6. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'200.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'200.– Gebühr Strafuntersuchung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten zu 1/8 auferlegt und im Übrigen auf die Staatskasse genom-
men.
8. Dem Beschuldigten wird eine reduzierte Prozessentschädigung von
Fr. 8'166.– aus der Gerichtskasse zugesprochen.
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 98 S. 17 f.)
1. Die Anträge der Berufung sowie der Anschlussberufung seien vollum-
fänglich abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann, und das
Urteil der Vorinstanz vom 21. Mai 2015 sei zu bestätigen.
2. Die Verfahrenskosten (Untersuchungskosten und die Kosten für das
gerichtliche Verfahren vor der ersten Instanz) seien zu 7/8 auf die
Staatskasse zu nehmen und zu 1/8 dem Beschuldigten aufzuerlegen.
Die Verfahrenskosten für das Berufungsverfahren seien vollumfänglich
auf die Staatskasse zu nehmen.
3. Dem Beschuldigten sei für das erstinstanzliche Verfahren eine redu-
zierte Prozessentschädigung in der Höhe von Fr. 8'166.– sowie für das
Obergericht eine volle Prozessentschädigung von Fr. 4'263.30 zuzüg-
lich einer angemessenen Entschädigung für die heutige Verhandlung
samt Weg, Vor- und Nachbereitung zuzusprechen.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat:
(Prot. II S. 22)
1. Der Beschuldigte sei schuldig zu sprechen der fahrlässigen Körperver-
letzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB sowie des vorsätzlichen
pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall im Sinne von Art. 92 Abs. 1 SVG
i.V.m. Art. 51 Abs. 3 SVG.
2. Der Beschuldigte sei zu bestrafen mit einer Geldstrafe von 30 Tagess-
ätzen zu Fr. 30.– sowie einer Busse von Fr. 300.–.
3. Die Geldstrafe sei zu bezahlen.
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4. Die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 27. Novem-
ber 2012 für eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 30.–
angesetzte Probezeit von zwei Jahren sei um ein Jahr zu verlängern,
beginnend ab Urteilszeitpunkt.
5. Die Kosten seien dem Beschuldigten aufzuerlegen.
c) Des Vertreters der Privatklägerschaft:
(Urk. 97 S. 1 f.)
1. In Aufhebung der Dispositiv-Ziffern 2 bis 4 des Urteils des Einzelge-
richts des Bezirksgerichts Zürich vom 21. Mai 2015 sei der Beschuldig-
te wegen fahrlässiger Körperverletzung im Sinne von Art. 125 StGB
zum Nachteil des Privatklägers schuldig zu sprechen und angemessen
zu bestrafen.
2. In Aufhebung der Dispositiv-Ziffer 5 sei die Haftpflicht des beschuldig-
ten gegenüber dem Privatkläger im Sinne von art. 126 Abs. 3 StPO
dem Grundsatz nach festzustellen und im Übrigen seien die Schaden-
ersatz- und Genugtuungsbegehren auf den Weg des Zivilprozesses zu
verweisen.
3. Die Kosten des Berufungsverfahren seien dem Beschuldigten aufzuer-
legen.
_
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Gegenstand der Berufung
1. Der Prozessverlauf in der Untersuchung und vor Vorinstanz, einschliesslich
der zutreffenden Feststellung, dass ein gültiger Strafantrag (vom 11. Juli 2013,
Urk. 2) vorliegt, ergibt sich aus dem angefochtenen Urteil (Urk. 62 S. 3 f.).
2. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil vom 21. Mai 2015 sprach das Be-
zirksgericht Zürich, 7. Abteilung - Einzelgericht, den Beschuldigten des pflichtwid-
rigen Verhaltens bei Unfall im Sinne von Art. 92 Abs. 1 SVG in Verbindung mit
Art. 51 Abs. 3 SVG schuldig. Vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung im
Sinne von Art. 125 StGB wurde der Beschuldigte freigesprochen. Der Beschuldig-
te wurde bestraft mit einer Busse von Fr. 300.–, unter Androhung einer Ersatzfrei-
heitsstrafe von 3 Tagen im Falle schuldhafter Nichtbezahlung. Auf den Antrag der
Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat auf Verlängerung der mit Strafbefehl der
Staatanwaltschaft Zürich-Sihl vom 27. November 2012 angesetzten Probezeit um
ein Jahr trat die Vorinstanz nicht ein. Der Privatkläger wurde mit seinem Scha-
denersatz- und Genugtuungsbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwie-
sen. Schliesslich auferlegte die Vorinstanz dem Beschuldigten die Kosten der Un-
tersuchung und des gerichtlichen Verfahrens zu 1/8 (unter Übernahme der restli-
chen Kosten auf die Gerichtskasse) und sprach ihm eine reduzierte Prozessent-
schädigung von Fr. 8'166.– aus der Gerichtskasse zu (Urk. 62 S. 20 f.).
3.1 Gegen dieses mündlich eröffnete Urteil (Prot. I S. 12) liess der Privatkläger
durch seinen Rechtsvertreter am 26. Mai 2015 rechtzeitig Berufung anmelden
(Urk. 53) und nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 57/3) am 1. Juli 2015
– ebenfalls fristgerecht – dem Obergericht die Berufungserklärung einreichen
(Urk. 63; Art. 399 Abs. 3 StPO). Mit Präsidialverfügung vom 28. Juli 2015
(Urk. 64) wurde die Berufungserklärung in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3
StPO dem Beschuldigten und der Staatsanwaltschaft übermittelt, um gegebenen-
falls Anschlussberufung zu erheben oder Nichteintreten auf die Berufung zu be-
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antragen. Gleichzeitig wurde der Beschuldigte aufgefordert, diverse Auskünfte zu
seinen finanziellen Verhältnissen zu erteilen und zu belegen. Am 4. August 2015
reichte die Verteidigerin das vom Beschuldigten ausgefüllte "Datenerfassungs-
blatt" sowie einen Beleg zu den Mietkosten ein (Urk. 66/1 und 2; Urk. 67). Die
Staatsanwaltschaft erhob am 19. August 2015 in der Frist Anschlussberufung
(Urk. 68).
3.2 Mit Präsidialverfügung vom 29. September 2015 (Urk. 72) wurde der Be-
weisantrag der Staatsanwaltschaft auf Einholung eines Gutachtens beim Forensi-
schen Institut Zürich zum Unfallhergang (vgl. Urk. 68 S. 2) einstweilen abgewie-
sen (Urk. 72 S. 3). Gleichzeitig wurde dem Privatkläger Frist angesetzt, um Na-
men und Adressen der ihn seit Juli 2013 hinsichtlich der Unfallfolgen behandeln-
den Ärzte mitzuteilen und diese vom Berufsgeheimnis zu entbinden sowie die
Schadenmeldung an die C._, seine Motorfahrzeug-Haftpflicht-versicherung,
betreffend die Kollision vom 10. Juni 2013 einzureichen, welche Dokumente am
21. Oktober 2015 rechtzeitig beim Gericht eingingen (Urk. 74; Urk. 75/1-3). Weiter
wurde die Einvernahme des Privatklägers als Auskunftsperson anlässlich der Be-
rufungsverhandlung angekündigt (Urk. 72 S. 3 f.).
3.3 Am 26. Oktober 2015 (Urk. 76) ordnete das Obergericht mit Beschluss an,
dass über den Gesundheitszustand des Privatklägers vor dem Unfall und über die
gesundheitlichen Folgen der Kollision vom 10. Juli 2013 Arztberichte bei den die-
se Folgen behandelnden Ärzten des Privatklägers eingeholt werden. Zugleich
wurde den Parteien die Gelegenheit eröffnet, sich zu den gestellten Arztfragen
(vgl. Urk. 77) zu äussern und eigene Anträge zu stellen. Der Beschuldigte liess
Ergänzungsfragen stellen (Urk. 78), während der Privatkläger darauf verzichtete
(Urk. 80). Mit separaten Schreiben vom 27. November 2015 wurden bei den zwei
behandelnden Ärzten unter Beilage des vervollständigten Fragenkataloges Be-
richte eingeholt (Urk. 82 und 83).
Der angeforderte Bericht von Dr. med. D._, Spezialärztin FMH für Rheuma-
tologie u. Innere Medizin, ging am 23. Dezember 2015 beim Gericht ein (Urk. 84).
Als Beilagen übermittelte die Ärztin nebst zwei eigenen Berichten an den Haus-
arzt des Privatklägers, Dr. med. E._, vom August 2013 und Mai 2014 (Urk.
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85/5 und 85/6) zudem ein Schreiben des Neurologen Dr. med. F._ betreffend
den Privatkläger an den erwähnten Hausarzt vom Juni 2014 (Urk. 85/2 - 85/4).
Hausarzt Dr. med. E._ beantwortete die ihm gestellten Fragen über den Ge-
sundheitszustand des Privatklägers im Schreiben vom 4. Februar 2016 (Urk. 88).
Sämtliche Arztberichte wurden den Parteien mit Präsidialverfügung vom 11. Feb-
ruar 2016 in Kopien zugestellt (Urk. 92).
4. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung, zu welcher der Beschuldig-
te, seine erbetene Verteidigerin, der Privatkläger in Begleitung seines Rechtsver-
treters und der Staatsanwalt erschienen sind, wurde der Privatkläger als Aus-
kunftsperson befragt. Die Parteien konnten sodann zum Beweisergebnis inklusive
der medizinischen Berichte betreffend den Privatkläger Stellung nehmen (Prot. II
S. 13 ff.).
5. Der Privatkläger ficht den vorinstanzlichen Freispruch vom Vorwurf der fahr-
lässigen Körperverletzung an. Er beantragt, der Beschuldigte sei wegen fahrlässi-
ger Körperverletzung im Sinne von Art. 125 StGB schuldig zu sprechen und an-
gemessen zu bestrafen. Überdies verlangt er, dass die Haftpflicht des Beschuldig-
ten ihm gegenüber dem Grundsatz nach festgestellt und bezüglich der Höhe des
Schadenersatz- und Genugtuungsbegehrens auf den Zivilweg verwiesen wird
(Urk. 63 S. 3; Urk. 97 S. 1 f.). Die Staatsanwaltschaft wendet sich ebenfalls gegen
den erfolgten Freispruch und sie beantragt wie schon vor Vorinstanz die Bestra-
fung des Beschuldigten mit einer unbedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu
Fr. 100.– sowie mit einer Busse von Fr. 300.–, zudem die Verlängerung der Pro-
bezeit um ein Jahr bezüglich der mit Strafbefehl vom 27. November 2012 ausge-
sprochenen bedingten Geldstrafe und die Kostenauflage an den Beschuldigten
(Urk. 68 S. 1 f.). Anlässlich der Berufungsverhandlung verlangte sie für die bean-
tragte Geldstrafe eine modifizierte Tagessatzhöhe von Fr. 30.– (Prot. II S. 22).
Das erstinstanzliche Urteil ist somit bezüglich des Schuldspruchs (Dispositiv-Ziffer
1) und der Kostenfestsetzung (Dispositiv-Ziffer 6) rechtskräftig geworden, was
vorzumerken ist. Im Übrigen ist das Urteil zu überprüfen.
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6. Auf die Argumente des Beschuldigten und seiner Verteidigung sowie jene
des Privatklägers und dessen Rechtsvertretung ist im Rahmen der nachstehen-
den Erwägungen einzugehen. Das rechtliche Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV ver-
langt, dass die Behörde die Vorbringen des von einem Entscheid in seiner
Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und in seiner Entschei-
dungsfindung berücksichtigt. Nicht erforderlich ist, dass sie sich mit allen Partei-
standpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen aus-
drücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen
Punkte beschränken. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt
werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Ent-
scheid stützt (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1.; BGE 139 IV 179 E. 2.2; BGE 138 IV 81
E. 2.2; je mit Hinweis).
II. Schuldpunkt – eingeklagter Sachverhalt
1. Der Anklagevorwurf ergibt sich aus der Anklageschrift vom 7. April 2015
(Urk. 30) und ist auch im angefochtenen Urteil dargestellt (Urk. 62 S. 4).
Noch Verfahrensgegenstand bildet der Vorwurf, der Beschuldigte habe mit dem
Personenwagen Mercedes (Taxi) am Bahnhofquai in Zürich, Fahrtrichtung Wal-
chebrücke, von der linken auf die rechte Fahrspur gewechselt und bei diesem
Manöver infolge mangelnder Aufmerksamkeit und ungenügender Rücksichtnah-
me auf nachfolgende Fahrzeuge eine Kollision (seitlich/seitlich) mit dem ord-
nungsgemäss auf der rechten Fahrspur bzw. der Rechtsabbiegespur fahrenden
Motorradfahrer A._ verursacht. Diese Kollision habe beim Privatkläger Ver-
letzungen und noch anhaltende gesundheitliche Einschränkungen bewirkt.
2. Der Beschuldigte und der Privatkläger schildern das Unfallgeschehen unter-
schiedlich und schieben sich gegenseitig die Schuld am Unfall zu.
Unbestritten ist, dass der Beschuldigte einen Spurwechsel von der linken auf die
rechte Fahrspur vorgenommen hat, dass es vor der Walchebrücke zu einer Kolli-
sion zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger gekommen ist und dass
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dadurch am Tankdeckel des Autos des Beschuldigten ein geringer Sachschaden,
eine Delle, entstand (Urk. 18/4, Foto).
Uneinigkeit herrscht zum eigentlichen Unfallhergang, das heisst zum genauen
Zeitpunkt des Spurwechsels durch den Beschuldigten und zur genauen Position
des Privatklägers vor der Kollision. Zudem lässt der Beschuldigte bezweifeln,
dass die geltend gemachten Beschwerden des Privatklägers auf den Unfall zu-
rückzuführen sind. Es sei nicht auszuschliessen, dass sich der Privatkläger die
Verletzungen bei anderer Gelegenheit bereits vor der Kollision zugezogen habe
(Urk. 49 S. 4-6, 10). Diese Punkte sind zu klären und es ist zu prüfen, ob sich der
eingeklagte Sachverhalt aufgrund der Akten und der an der Verhandlung gewon-
nenen Erkenntnisse erstellen lässt.
3. Im erstinstanzlichen Urteil wurden die rechtstheoretischen Grundlagen der
Beweiswürdigung und der Würdigung von Aussagen mit der Unterscheidung zwi-
schen der allgemeinen Glaubwürdigkeit der aussagenden Person und der Glaub-
haftigkeit des konkreten Inhalts der Aussagen zutreffend aufgeführt, so dass ohne
Ergänzung darauf verwiesen werden kann (Urk. 62 S. 5-7; Art. 82 Abs. 4 StPO).
Auch die Aussagen der Einvernommenen hat die Vorinstanz korrekt zusammen-
gefasst (Urk. 62 S. 7-10), sodass vorab darauf verwiesen werden kann.
4. Aussagen des Beschuldigten und Würdigung
4.1 Der Beschuldigte gab gegenüber der Polizei am 29. September 2013
(Urk. 3), mithin rund 2 1⁄2 Monate nach dem Ereignis, an, er sei auf der rechten
Fahrspur gefahren und habe nach rechts abbiegen wollen. Da sei ein Motorrad-
fahrer auf der rechten Seite auf dem Velostreifen hinten an ihm vorbeigefahren
bzw. habe ihn hinten angefahren (unklar, Urk. 3 S. 1). Den Motorradfahrer habe
er nicht gesehen, erst als er auf der rechten Seite ein Geräusch gehört habe resp.
es zur Kollision gekommen sei, habe er nach hinten geschaut und das Motorrad
erblickt (Urk. 3 S. 1 f.). Zu Beginn der Kurve habe er den Blinker gestellt, in den
Innenspiegel sowie den rechten Aussenspiegel geschaut und den Schulterblick
gemacht. Zu diesem Zeitpunkt habe er nichts gesehen (Urk. 3 S. 1). Er sei sich
sicher, dass der Motorradfahrer am Unfall schuld sei, dieser habe ihn rechts
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überholt und somit nicht den Platz auf der Strasse beibehalten, wie er es hätte
machen müssen (Urk. 3 S. 2).
4.2 In der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft vom 19. März 2015 (Urk.
11), ca. 2 3⁄4 Jahre nach dem Vorfall, hielt der Beschuldigte im Wesentlichen an
seinen Aussagen fest. Der Privatkläger sei auf dem Fahrradstreifen angefahren
gekommen und in ihn hineingefahren. Dieser Fahrradstreifen dürfe weder von
Personenwagen noch von Motorrädern befahren werden. Er trage keine Schuld
am Unfall (Urk. 11 S. 2). Was der Privatkläger aussage (vgl. Urk. 10 und nachfol-
gende Ziffer 5), sei alles Lüge. Auf Vorlage der Zeugenbefragung von G._
(vgl. Urk. 9 und nachfolgende Ziffer 6) merkte der Beschuldigte an, er habe den
Spurwechsel bereits abgeschlossen gehabt, als das Motorrad in ihn hineingefah-
ren sei. Er sei nicht schuld an dieser Kollision. Die Frage, ob er still gestanden sei,
als das Motorrad in ihn hineingefahren sei, bejahte der Beschuldigte (Urk. 11 S.
3). Auf Vorhalt der spezifischen Aussage des Zeugen G._, dass er (Beschul-
digter) den Spurwechsel vorgenommen habe als die Kollision stattgefunden habe,
erwiderte der Beschuldigte, der Zeuge habe auch gesagt, dass er (Zeuge) nicht
geschaut habe. Also habe er das vielleicht einfach so gesagt (Urk. 11 S. 3). Der
Einvernahme angefügt ist ein vom Beschuldigten eingereichtes Foto der Unfallört-
lichkeit vom Bahnhofquai (Urk. 11, Anhang).
4.3 Anlässlich der Hauptverhandlung vor Vorinstanz vom 21. Mai 2015 (Urk. 47)
führte der Beschuldigte aus, die Signalisation habe "rot" gezeigt, weshalb er vor
der Brücke als zweites Auto der Kolonne gestoppt habe. Plötzlich habe er ein
Schütteln, eine Kollision, bemerkt. Danach sei er ausgestiegen und habe einen
Mann mit einem Motorrad gesehen. Der Lenker des Motorrads habe sein Auto
hinten beim Tankdeckel touchiert. Er habe diesem die Schuld angelastet, weil er
nicht auf der rechten Strassenseite stehen dürfe (Urk. 47 S. 3). Auf entsprechen-
de Frage bestätigte er, bei der Kollision die Spur schon gewechselt zu haben und
dass sein Auto beim Touchieren durch den Privatkläger bereits still gestanden sei.
Beim Wechsel auf grün sei er weitergefahren, habe sich selbst aber plötzlich ge-
fragt, warum er kein Unfallprotokoll ausgefüllt habe. Danach habe er den Kunden
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gefragt, ob er in diesem Fall als Zeuge aussagen könne, was dieser bejaht und
ihm eine Visitenkarte übergeben habe (Urk. 47 S. 4).
4.4 An der Berufungsverhandlung gab er an, dass er als Dritter in der Reihe ge-
standen sei, als er plötzlich eine Kollision gehört habe. Es sei Rot gewesen. Er
habe gesehen, wie der Privatkläger mit dem Lenker ihn hinten rechts beim Tank-
deckel touchiert habe. Dass er (der Beschuldigte) die Spur gewechselt habe, sei
vor dem Unfall ("viel vorher") gewesen (vgl. Prot. II S. 19 ff.).
4.5 Mit der Vorinstanz ist zunächst zu sagen, dass der Beschuldigte in der Ein-
vernahme bei der Polizei das Spurwechselmanöver noch mit keinem Wort er-
wähnte. Vielmehr stellte er das Geschehen so dar, dass er selber aufgrund des
beabsichtigten Rechtsabbiegens auf der rechten Fahrspur unterwegs gewesen
und vom Privatkläger – unerlaubt innerhalb der Fahrspur – rechts überholt bzw.
von diesem rechts hinten angefahren worden sei. Seine weiteren Angaben, näm-
lich dass er vor dem Abbiegen/zu Beginn der Kurve den Blinker gestellt, in den
Innenspiegel sowie den rechten Aussenspiegel geschaut und den Schulterblick
gemacht habe (Urk. 3 S. 1), deuten indessen klar dahin, dass er einen Spurwech-
sel vorgenommen haben muss, wie er dies später auch einräumte. Den Hinweis
auf den Spurwechsel brachte der Beschuldigte in der zweiten Einvernahme bei
der Staatsanwaltschaft allerdings nicht von sich aus an, sondern führte vorerst
wiederum aus, der Privatkläger sei mit dem Motorrad verbotenerweise auf dem
Fahrradstreifen angefahren gekommen und in ihn hineingefahren (Urk. 11 S. 2).
Erst auf Vorlage der Zeugenaussage seines Taxigastes G._ (vgl. Urk. 9 S. 1
f.) nannte der Beschuldigte den Fahrspurwechsel, betonte aber zugleich, diesen
bereits abgeschlossen gehabt zu haben, als der Privatkläger in ihn hineingefahren
sei. Hier steht durchaus die Frage im Raum, ob der Beschuldigte den Fahrspur-
wechsel auf die Aufforderung der Polizei, den Unfallhergang zu schildern (Urk. 3
S. 1), bewusst unerwähnt liess oder ob er diesen nicht ansprach, weil er ihn nicht
für unfallrelevant hielt, wie die Vorinstanz erwog (Urk. 62 S. 10 f.).
Weiter fällt mit der Vorinstanz auf, dass der Beschuldigte bei der Polizei noch
nicht ausführte, sein Fahrzeug sei im Kollisionsmoment stillgestanden, sondern
diesen Standpunkt auch erst ab der Befragung bei der Staatsanwaltschaft und
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fortan einnahm (Urk. 11 S. 3; Urk. 47 S. 4; Prot. II S. 18 f.). Seine Schilderung bei
der Polizei legt indessen den Schluss nahe, dass der Zusammenstoss bei Fahrt
stattgefunden hat: "Ich bin auf der rechten Spur gefahren, ... wollte nach rechts
abbiegen da ist ein Motorradfahrer auf der rechten Seite ... an mir vorbei gefah-
ren/[hat mich] hinten angefahren" (Urk. 3 S. 1, Antwort zu Frage 6); ferner "Ich
habe unmittelbar nach der Kollision auf der Strasse angehalten" (Urk. 3 S. 2, Ant-
wort zu Frage 10). Letzteres wäre gar nicht möglich, hätte das Taxi schon im Kol-
lisionsmoment stillgestanden. Diese auffällige Ungereimtheit in den Aussagen
lässt sich – entgegen der Vorinstanz (Urk. 62 S. 11) – nicht einfach mit dem Ar-
gument auflösen, bei der Polizei seien keine dahingehenden Fragen erfolgt. Die
Darstellung des Beschuldigten bot der Polizei gerade keinen Anlass, sich nach
einem allfälligen Stillstand des Taxis im Kollisionszeitpunkt zu erkundigen. Das
Aussageverhalten des Beschuldigten erweckt den Anschein, als habe er den
Spurwechsel bewusst nicht ansprechen wollen, sich dann aber dem Ermittlungs-
stand mit einer eigenen diesbezüglichen Variante angepasst. Entgegen der sinn-
gemäss geäusserten Ansicht der Verteidigung (Urk. 98 S. 16, Prot. II S. 16) kön-
nen die widersprüchlichen Aussagen auch nicht mit mangelndem sprachlichem
Ausdruck des Beschuldigten erklärt werden. Die vorstehend zitierten Aussagen
des Beschuldigten vor der Polizei, wonach er (erst) unmittelbar nach der Kollision
angehalten habe, sind eindeutig. Seine späteren Aussagen, wonach er vor dem
Unfall bereits gestanden sei, sind ebenso eindeutig, und setzen sich zu seinen
früheren klar in Widerspruch.
Abgesehen davon übertrieb der Beschuldigte offensichtlich, als er auf entspre-
chenden Vorhalt der Einvernahme des Privatklägers dessen Aussagen pauschal
als "alles Lüge" bezeichnete, mithin auch die übereinstimmenden Elemente wie
die Geringfügigkeit des Anpralls und des Schadens, die anschliessend verbalen
Kontroversen auf der Strasse und dass der Beschuldigte gegen den Willen des
Privatklägers wegfuhr (Urk. 11 S. 2). Auch wenn die Aussagen des Beschuldigten
ansonsten im Wesentlichen konstant und detailliert und insoweit auch lebensnah
ausfielen (vgl. Urk. 62 S. 11), erscheinen sie für sich betrachtet nicht in allen Tei-
len als glaubhaft.
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5. Aussagen des Privatklägers und Würdigung
5.1 Wie sich aus dem Polizeirapport vom 19. November 2013 (Urk. 1) ergibt,
äusserte sich der Privatkläger ein erstes Mal bei der Polizei anlässlich der Anzei-
geerstattung in der Regionalwache Aussersihl noch am Unfalltag, 10. Juli 2013,
15.40 Uhr. Dabei machte er gegenüber dem Polizeibeamten die folgende, von
diesem sinngemäss niedergeschriebene Aussage: Er sei auf der rechten Spur ge-
fahren, das Taxi auf der linken Spur neben ihm vorbei. Er habe sich ca. auf der
Höhe der hinteren Achse des Taxis befunden, als dieses abrupt nach rechts auf
seine Spur gewechselt habe. Es sei zur Kollision gekommen, da er dem Taxi nicht
habe ausweichen können. Das Motorrad habe er auffangen können und habe
dann angehalten, ebenso der Taxifahrer. Beim Wegfahren des Taxis, eines silber-
farbenen Mercedes mit einem dunkelhäutigen Mann als Fahrer, habe er sich das
(gemäss dem Polizeirapport auf dem Foto klar ersichtliche) Kennzeichen ZH ...
merken können und mit seinem Mobiltelefon auch ein Foto des Taxis erstellt, be-
vor dieses den Unfallplatz verlassen habe (Urk. 1 S. 3 f.).
5.2 In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 7. Oktober 2014 (Urk. 10)
führte der Privatkläger zum Unfallhergang aus, auf der rechten Spur vor der Wal-
chebrücke gefahren zu sein. Vor ihm sei ein Taxi gefahren. Das Taxi habe plötz-
lich von der linken auf die rechte Fahrspur gewechselt. Er habe sofort eine Voll-
bremsung eingeleitet, aber die seitlich/seitliche Kollision nicht mehr verhindern
können. Die Kollision sei nicht sehr heftig gewesen, das heisst, er habe sein Mo-
torrad auffangen können. Er glaube, dass er das Motorrad bis zum Stillstand ab-
gebremst habe. Er sei sich dessen aber nicht mehr ganz sicher. Nach der Kollisi-
on habe er das Motorrad beim Geländer der Limmat abgestellt. Seine eigene Ge-
schwindigkeit vor der Kurve schätzte der Privatkläger auf maximal 40 km/h, jene
des Beschuldigten konnte er nicht sagen (Urk. 10 S. 2 f.).
5.3 Als Auskunftsperson anlässlich der Berufungsverhandlung gab der Privat-
kläger zu Protokoll, der Beschuldigte sei im Taxi auf der linken und er auf der
rechten Fahrspur gefahren. Auf einmal habe er gesehen, wie das Taxi des Be-
schuldigten ohne Blinker auf die rechte Seite gewechselt habe. Der Beschuldigte
sei ihm direkt vor das Motorrad gefahren, worauf er (der Privatkläger) versucht
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habe, eine Vollbremsung zu machen, was ihm aber nicht gelungen sei. Er sei in
den hinteren Teil des Personenwagens gefahren und es habe ihm das Motorrad
weggedrückt. Er habe das Motorrad auffangen können (vgl. Prot. II S. 14 ff.)
5.4 Die Vorinstanz erachtete die im Polizeirapport festgehaltene Aussage als (zu
Ungunsten des Beschuldigten) nicht verwertbar. Zur Begründung führte sie an,
die Zusammenfassung sei nur sinngemäss wiedergegeben, nicht unterschriftlich
bestätigt worden, eine fundierte Aussageprüfung sei kaum möglich und es sei un-
klar, wie konkret der Privatkläger auf die strafprozessualen Rechte und Pflichten
hingewiesen worden sei (Urk. 62 S. 9).
Diese Vorbringen treffen zwar zu, doch ist die geäusserte Schlussfolgerung zu re-
lativieren: Die Strafbehörden setzen zur Wahrheitsfindung alle nach dem Stand
von Wissenschaft und Erfahrung geeigneten Beweismittel ein, die rechtlich zuläs-
sig sind (Art. 139 Abs. 1 StPO). Beweismittel sind unter anderem die von den
Strafbehörden zusammengetragenen Akten (Art. 100 Abs. 1 lit. b StPO). Die Poli-
zei ist eine Strafverfolgungsbehörde (Art. 12 lit. a und Art. 15 StPO). Zu den er-
wähnten Akten gehört der Polizeirapport. Dieser ist ein zulässiges Beweismittel
(Urteil des Bundesgerichts 6B_1057/2013 Urteil vom 19. Mai 2014 E. 2.3.). Die
Polizeirapporte sind überdies taugliche Beweismittel unabhängig davon, ob die
rapportierenden beziehungsweise die an der Feststellung des rapportierten Vor-
gangs beteiligten Polizeibeamten als Zeugen befragt wurden (Urteil des Bundes-
gerichts 6B_721/2011 Urteil vom 12. November 2012 E. 9.2.1). Zwar ist wie er-
wähnt richtig, dass der Polizeirapport die Aussagen des Privatklägers am Unfall-
tag nur sinngemäss, d.h. im wesentlichen Gehalt, wiedergibt und diese vom Pri-
vatkläger nicht unterzeichnet sind. Das rechtliche Gehör und die Teilnahmerechte
des Beschuldigten (Art. 3 Abs. 2 lit. c StPO; Art. 147 StPO) wurden jedoch
dadurch gewahrt, dass der Privatkläger seine Depositionen in Gegenwart der Ver-
teidigung als Zeuge in der Untersuchung (vgl. Urk. 10) und erneut im Beisein des
Beschuldigten und seiner Verteidigung als Auskunftsperson vor Gericht (vgl.
Prot. II S. 14 ff.) bestätigte und jeweils die Gelegenheit bestand, ihm Ergänzungs-
fragen zu stellen. Darüber hinaus bilden die Aussagen des Privatklägers nicht das
einzige oder das entscheidrelevante Beweismittel, sondern sie werden durch wei-
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tere Beweismittel gestützt. Unter all diesen Umständen steht einer ergänzenden
Berücksichtigung der im Polizeirapport zusammengefassten Aussagen des Pri-
vatklägers nichts entgegen. Selbst wenn die fragliche Zusammenfassung nicht in
die Beweiswürdigung einbezogen werden könnte, würde sich angesichts der da-
nach im wesentlichen gleichlautenden und beständigen Aussagen des Privatklä-
gers nichts am Ergebnis ändern.
5.5 Zum Privatkläger hielt die Vorinstanz mit Recht fest, dass seine Darstellung
des Unfallgeschehens – Vollbremsung, nicht sehr heftige Kollision seitlich/seitlich
– plausibel erscheint (Urk. 62 S. 11), zumal auch der Beschuldigte lediglich von
einem "Touchieren" sprach, was überdies mit dem geringen Schadensbild am Ta-
xi korrespondiert (Urk. 18/4).
Die Angaben des Privatklägers erweisen sich zudem als konstant, so in der Be-
schreibung eines abrupten/plötzlichen Spurwechsels durch den Beschuldigten,
dass er (Privatkläger) die Kollision nicht habe verhindern können, es ihm aber ge-
lungen sei, sein Motorrad aufzufangen und dass er unmittelbar nach dem Unfall
keine Schmerzen verspürt habe. Widersprüche oder Überzeichnungen lassen
sich keine erkennen, der Privatkläger sagte vielmehr zurückhaltend aus, räumte
etwa ein, wenn er etwas nicht mehr mit Bestimmtheit wusste. Dass er keine Ge-
schwindigkeitsangabe zum Beschuldigten machen konnte erscheint nachvollzieh-
bar. Immerhin geht aus seinen Ausführungen hervor, dass seine eigene Ge-
schwindigkeit rund 40km/h betrug und dass das Auto des Beschuldigten in der
linken Spur neben ihm vorbeifuhr bzw. sich vor ihm befand (Urk. 10 S. 2). Nach
seiner Darstellung traf ihn der Fahrstreifenwechsel des Beschuldigten gänzlich
unvorbereitet und seitlich, und er war anlässlich seiner Vollbremsung vollauf –
und verständlicherweise – damit beschäftigt, das Gleichgewicht nicht zu verlieren
und nicht umzustürzen, was ihm auch gelang. Unzweifelhaft ergibt sich zudem
aus den Aussagen des Privatklägers, dass die beiden Fahrzeuge während der
Fahrt kollidierten.
Die Vorinstanz vermisst beim Privatkläger genauere Beschreibungen und Details
zum Ablauf der Kollision wie Position des Motorrades auf der Fahrbahn, allfällige
Schwenkmanöver infolge Vollbremsung, persönliche Reaktion und Gefühle sowie
- 16 -
Fahrweise des Beschuldigten, und sie ortet Lücken in seinen Aussagen (Urk. 62
S. 11 f.). Da es sich nach der Schilderung des Privatklägers um eine für ihn über-
raschende seitliche Streifkollision im Rahmen eines Spurwechsels durch den Be-
schuldigten handelte, konnte er zum Fahrverhalten des Beschuldigten über das
bereits Gesagte hinaus kaum nähere Angaben liefern. Wenn im angefochtenen
Urteil erwogen wird, der Privatkläger habe als von hinten kommend den Blick
nach vorne grundsätzlich frei gehabt und hätte Wahrnehmungen machen können
zur Geschwindigkeit des Taxis sowie ob und wie lange vor dem Spurwechsel der
Blinker gestellt gewesen sei, so erscheint dies als ziemlich fraglich. Die Vor-
instanz folgt bei dieser Argumentation einerseits der (bestrittenen) Unfallschilde-
rung des Beschuldigten, wonach der Privatkläger seitlich bzw. von hinten das ste-
hende Taxi angefahren habe (Urk. 62 S. 12). Stellt man jedoch auf die Sachdar-
stellung des Privatklägers ab, welche im Wesentlichen in die Anklage floss, so be-
fand er sich ungefähr auf Höhe der hinteren Achse des Taxis auf dem rechten
Fahrstreifen (Urk. 1 S. 3), damit nur leicht zurückversetzt zum Taxi und war
schwerlich in der Lage, im dynamischen Prozess die genannten Feststellungen
treffen zu können, und wenn überhaupt, dann nur kurzzeitig. Das umso mehr, als
er unvermittelt in die Kollisionssituation geraten und zwangsläufig damit befasst
war, sein Motorrad im Griff zu behalten.
Zum eigenen Verhalten infolge der Kollision führte der Privatkläger tatsächlich et-
was wortkarg aus, er habe sein Motorrad auffangen können. Nachdem aber we-
der das Motorrad umgekippt noch der Privatkläger gestürzt waren und der Privat-
kläger vor Ort noch keine Schmerzen verspürt hatte, sondern sich solche erst
später einstellten, ist nicht ersichtlich, welche Einzelheiten ausser dem brüsken
Bremsen er hätte noch schildern können, abgesehen davon, dass sich das Un-
fallgeschehen offensichtlich und wie bei derartigen Kollisionen üblich innert kür-
zester Zeit abgespielt hatte. Der Aussagenfokus beider Lenker lag denn auch klar
bei den Handlungen nach dem Zusammenprall, und da schilderte der Privatkläger
Details wie Abstellen des Motorrades, verbaler Zwist, Äusserung des Wunsches
nach Beizug der Polizei und er brachte auch Emotionen zum Ausdruck ("Ich
schrie fragend zurück, ..."; vgl. Urk. 10 S. 2 f.). Dass der Privatkläger sich in sei-
ner staatsanwaltschaftlichen Einvernahme rund 15 Monate später zum eigentli-
- 17 -
chen Unfallvorgang knapp fasste, vermag die Glaubhaftigkeit seiner Angaben
nicht herabzumindern, sondern spricht vielmehr für bedachtes Aussageverhalten,
nachdem die Kollision ja glimpflich ausgegangen war.
Die Aussagen des Privatklägers sind als glaubhaft einzustufen.
6. Aussagen des Zeugen G._ und Würdigung
6.1 G._, Fahrgast des Beschuldigten beim strittigen Vorfall, schilderte in
der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 7. Oktober 2014 (Urk. 9), er sei
mit dem Taxi über den Bahnhof aus der Stadt in Richtung Oerlikon gefahren. Vor
der Walchebrücke habe es hinten am Taxi geknallt und offensichtlich sei ein Mo-
torradfahrer in das Taxi gefahren. Sie seien auf der linken Spur gefahren und das
Taxi habe auf die rechte Spur gewechselt und dann habe es geknallt. Da er mit
verschiedenen Dingen beschäftigt gewesen sei, könne er nicht mehr sagen
(Urk. 9 S. 2). Wie schnell der Beschuldigte gefahren sei, könne er nicht sagen. Er
selbst habe nicht gross darauf geachtet. Sicher sei der Beschuldigte aber nicht zu
schnell gefahren. Nach dem Tempo des Privatklägers gefragt, äusserte der Zeu-
ge, so schnell, dass er ob dem Fahrmanöver des Taxis nicht mehr rechtzeitig ha-
be halten können (Urk. 9 S. 3).
6.2 Die Aussagen des hinten links (Urk. 1 S. 4; vgl. vorne Ziffer 5.4) im Taxi sit-
zenden Zeugen G._ sind einleuchtend, wenngleich nicht besonders ergiebig,
da er mit verschiedenen Dingen beschäftigt war, keine näheren Angaben zu den
Geschwindigkeiten der involvierten Fahrzeuge machen konnte und nicht mitbe-
kam, was die Unfallbeteiligten anschliessend auf der Strasse miteinander bespra-
chen (Urk. 9 S. 2 f.; Urk. 62 S. 10). Wenn die Vorinstanz festhält, der Zeuge kön-
ne keine sachdienlichen Angaben zum eigentlich Unfallhergang machen, so greift
das aber zu kurz. Sowohl gegenüber dem rapportierenden Polizisten (Urk. 1 S. 4)
als auch in der Zeugeneinvernahme (Urk. 9 S. 2) nannte der Zeuge auf die offene
Frage nach dem Geschehen sogleich den Wechsel des Taxis von der linken auf
die rechte Fahrspur und dass es dann knallte. Der Fahrspurwechsel war ihm of-
fenbar als zentrales Moment im Gedächtnis geblieben. Namentlich die Redewen-
dung des Zeugen, der Privatkläger habe ob dem Fahrmanöver des Taxis nicht
- 18 -
mehr rechtzeitig halten können (Urk. 9 S. 3), spricht dafür, dass sich die Kollision
nach seiner Erinnerung beim Fahrstreifenwechsel des Taxis und somit in beidsei-
tiger Dynamik ereignete. Die akustische Wahrnehmung einer Kollision hinten am
Fahrzeug ist auch für einen anderweitig vertieften Taxifahrgast mit Bestimmtheit
ein prägender Zwischenfall und riss den Zeugen fraglos zumindest vorüberge-
hend aus seiner Beschäftigung. Es ist nicht zu bezweifeln, dass ein derart aufge-
schreckter und in einen gegenwärtigen Vorfall geholter Mitfahrer in der Lage ist
korrekt zu konstatieren, ob das Auto im Kollisionsmoment am Fahren war oder
(etwa in einer Kolonne oder vor einer Ampel) still stand. Dass der Zeuge darüber
hinaus keine weitern Details nennen konnte und sich auch nicht um die an-
schliessende Diskussion der beiden Lenker kümmerte, ist verständlich, nachdem
sich der Vorfall in seinem Rücken abgespielt hatte und er über keine visuellen
Wahrnehmungen verfügte. Im Ergebnis erscheint die Aussage des Zeugen zu-
mindest als ein Indiz dafür, dass die Kollision im Zuge des Spurwechsels statt-
fand, mithin nicht bei Stillstand des Taxis, sondern während des Fahrmanövers
(Urk. 9 S. 4).
7. Fotografien
7.1 Der Fotobogen mit Übersichtsaufnahmen von der Unfallörtlichkeit und vom
Motorrad (Urk. 6) dient der Sache kaum. Im Erstellungszeitpunkt wurde fälschli-
cherweise noch davon ausgegangen, dass sich der Unfall auf der Walchebrücke
ereignet habe. Was die Fotos vom Motorrad betrifft, so können die dort erkennba-
ren diversen Kratzspuren linksseitig, die sich ungefähr auf Kniehöhe bzw. etwas
tiefer und damit ca. 40 bis 50 cm über Boden befinden, nicht vom vorliegenden
Unfall stammen, sonst müsste das Taxi analoge Kratzspuren aufweisen, was we-
der geltend gemacht wird noch aus den Versicherungsunterlagen (Urk. 18) er-
kennbar ist (so auch die Verteidigung, Urk. 49 S. 8). Der Privatkläger selber be-
hauptete auch nie, die Schäden am Motorrad würden von der hier zu beurteilen-
den Kollision stammen. Dessen Vertreter gab vor Berufungsgericht klarstellend
an, dass diese Kratzspuren nicht vom hier interessierenden Unfall herrühren
(Prot. II S. 27 f.).
- 19 -
7.2 Die Delle am Tankdeckel des Taxis (Urk. 18/4) ist mit beiden Unfallversio-
nen vereinbar, wie bereits die Vorinstanz richtig konstatierte (Urk. 62 S. 13). Der
Tankdeckel eines Personenwagens befindet sich im Bereich von 80 bis 85 cm
über Boden.
8. Arztberichte betreffend die Verletzungen des Privatklägers und Fazit
8.1 Bericht von Dr. med. E._, Hausarzt des Privatklägers
Aus dem hausärztlichen Bericht vom 4. Februar 2016 (Urk. 88) ergibt sich das
Folgende:
Dr. med. E._ kennt den Privatkläger seit Herbst 2002. Am 11. Juli 2013 sah
der Arzt den Privatkläger erstmals wegen des Unfalls vom 10. Juli 2013, danach
in unregelmässigen Abständen. Bei gutem Allgemeinzustand zeigte der Privatklä-
ger am 11. Juli 2013 eine gewisse Schonhaltung der rechten Schulter, die Beweg-
lichkeit war im Schürzengriff (an den Rücken fassen) eingeschränkt und die Rota-
tion der Schulter war nicht in vollem Umfang möglich. Der Arzt diagnostizierte ei-
ne Distorsion der rechten Schulter, eine PHS. Laut dem Arztzeugnis von Dr. med.
E._ vom 22. Januar 2014 (vgl. Urk. 5) handelt es sich bei einer PHS (Peri-
arthropathie humeroscapularis thendopathica) um eine Sehnenverletzung vom
Supraspinatustyp, d.h. den Muskel Supraspinatus betreffend. Diese am 11. Juli
2013 erhobenen Beschwerden resp. das Verletzungsbild führte Dr. med. E._
mit grösster Wahrscheinlichkeit auf das Ereignis vom 10. Juli 2013 zurück. Das
begründete er damit, dass vor dem Unfall keine diesbezüglichen Beschwerden
oder Verletzungen vorgelegen hätten, der Privatkläger in gesundheitlich guter
Verfassung gewesen sei und ihm keine körperlichen Beschwerden bekannt ge-
wesen seien. Damit verneinte der Arzt allfällige (Mit-)Ursachen für die genannten
Beschwerden und Verletzungen (Urk. 88 S. 1 f.). Ebenso wenig lagen gemäss
dem Arzt vorbestehende Gesundheitsschädigungen des Patienten vor, auch kei-
ne solchen, die die vollständige Genesung erschwert hätten. Die Behandlung des
Privatklägers bestand in Schonung und mit Schmerzmitteln vom NSAR-Typ bei
Bedarf. Laut Dr. med. E._ wurde die PHS durch eine Rheumatologin (vgl. die
- 20 -
Ziffer 8.2 hiernach) bestätigt, welche eine Infiltration mit Steroiden in den Sub-
acromialraum der rechten Schulter vorgenommen habe (Urk. 88 S. 2).
Leider kam es gemäss dem Hausarzt zu einem weiteren Unfall des Privatklägers
am 30. August 2013 mit einer Distorsion der Halswirbelsäule und krampfartigen
Zuckungen in den Armen (Urk. 88 S. 2, Antworten zu Fragen 8 und 10). Dies sei
zu einem Zeitpunkt gewesen, als die rechte Schulter noch nicht geheilt war und
das habe den weiteren Heilungsverlauf erschwert. In welchem Ausmass lässt sich
nach Dr. med. E._ kaum beziffern. Die beiden Verletzungen würden anato-
misch nahe zusammen liegen und es sei nicht immer klar, welche Beschwerden
auf welchen Unfall zurückzuführen seien. Er habe feststellen können, dass noch
immer eine leichte Bewegungseinschränkung in der rechten Schulter bestehe und
dass die Abduktion noch nicht fliessend und schmerzfrei ausgeführt werden kön-
ne. Bei Physiotherapie und Medizinisch Therapeutischem Training erachtet der
Arzt einen Zeithorizont von drei bis sechs Monaten für eine Heilung als realistisch
(Urk. 88 S. 2).
8.2 Bericht von Dr. med. D._, Spezialärztin FMH für
Rheumatologie u. Innere Medizin
Dem Bericht von Dr. med. D._ vom 20. Dezember 2015 (Urk. 84) ist zu ent-
nehmen, dass der Privatkläger seit 14. August 2013 bei ihr in Behandlung steht,
auf Zuweisung durch den Hausarzt Dr. med. E._ zur Ultraschalluntersuchung
der rechten Schulter. Es sei um die Abklärung von Schulterschmerzen rechts ge-
gangen, welche seit dem Unfall vom 10. Juli 2013 aufgetreten seien. Ihr Befund
dieser Erstkonsultation, auf welchen sie verweist, ergibt sich aus ihrem Schreiben
vom 15. August 2013 an Dr. med. E._ (Urk. 84 S. 1; Urk. 85/5): Klinisch be-
stand auch aus ihrer Sicht eine Periarthropathia humeroscapularis tendopathica
vom Supraspinatussehnentyp rechts mit deutlicher Abduktionshemmung ab 90°,
was sie aufgrund eines Belastungstests als Schmerzhemmung interpretierte. So-
nographisch konnte sie keine Sehnenruptur feststellen, jedoch eine sicher vorbe-
stehende leichte Arthrose des Schultergelenks. Sie bestätigte, dass sie am 14.
August 2013 eine Steroidinfiltration subacromial (unter das Schulterdach) vorge-
nommen habe. Eine Arbeitsunfähigkeit verneinte sie (Urk. 84 S. 1 f.; Urk. 85/5 S.
- 21 -
2). Die Beschwerden des Privatklägers führte sie auf eine Zerrung der Rotato-
renmanschette, insbesondere der Supraspinatussehne zurück, welche im Rah-
men der Kollision aufgetreten sei. Dabei habe der Patient seinen nach rechts um-
fallenden Töff vor dem Kippen aufzufangen versucht. Den allgemeinen Gesund-
heitszustand des Privatklägers bezeichnete die Ärztin als gut, und sie verneinte
vorbestehende Gesundheitsschädigungen oder Verletzungen, welche die neuen
Beschwerden resp. das Verletzungsbild mitverursacht hätten oder die Behand-
lung bzw. vollständige Genesung erschweren würden (Urk. 84 S. 1 f.).
Anlässlich der Verlaufskontrolle am 28. August 2013 sei die Schulter vom Patien-
ten kaum mehr gespürt worden. Bei der letzten Konsultation am 21. Mai 2014 hät-
ten bezüglich der Schulter, welche als Unfallfolge anzusehen sei, nur noch gerin-
ge Restbeschwerden im Schürzengriff, d.h. bei Innenrotation des rechten Armes,
bestanden, mit nicht wesentlichen Einschränkungen im Alltag (Urk. 84 S. 2;
Urk. 85/6 S. 2). Nach Dr. med. D._ ist indessen mit einer vollständigen Ge-
nesung zu rechnen (Urk. 84 S. 2).
8.3 Fazit Arztberichte
Die Diagnose der Fachpersonen ist deckungsgleich und beide führen die – heute
noch minim vorhandenen, aber in nützlicher Frist bei gezielter Therapie vollstän-
dig heilbaren – Schulterbeschwerden und das damalige Verletzungsbild des Pri-
vatklägers "mit grösster Wahrscheinlichkeit" (Dr. med. E._; Urk. 88 S. 1) auf
das vorliegend zu beurteilende Ereignis vom 10. Juli 2013 zurück. Wie die Rheu-
matologin Dr. med. D._ präzis und nachvollziehbar erläutert, trat die Zerrung
der Rotatorenmanschette, insbesondere der Supraspinatussehne, im Rahmen der
Kollision dadurch ein, dass der Privatkläger seinen nach rechts umfallenden Töff
vor dem Kippen aufzufangen versucht habe (Urk. 84 S. 1). Das stimmt mit der Un-
fallschilderung des Privatklägers überein, entspricht aufgrund der linksseitigen
Steifkollision mit dem Fahrzeug des Beschuldigten der physikalischen Logik und
es leuchtet ebenso ein, dass bei der entsprechenden Krafteinwirkung die rechte
Schulter tangiert wurde. Es besteht daher keinerlei Grund, an diesen Fachvoten
einschliesslich dem übereinstimmend gefundenen Ergebnis zu zweifeln, zumal
beide Ärzte vorbestandene Beschwerden bzw. Verletzungen plausibel verneinen
- 22 -
und spätere gesundheitsbeeinträchtigende Ursachen, namentlich den vorliegend
nicht gegenständlichen Auffahrunfall des Privatklägers vom 30. August 2013, in
ihren Berichten klar deklarieren und als nicht ursächliche Unfallfolgen ausschei-
den (Urk. 88 S. 2; Urk. 84 S. 2; Urk. 85/6).
Damit steht fest, dass die in der Anklage genannten Verletzungen des Privatklä-
gers auf das Ereignis vom 10. Juli 2013 zurückzuführen sind. Der Sachverhalt ist
insoweit erstellt (Urk. 30 S. 2).
9. Gesamtwürdigung
In gesamthafter Würdigung aller relevanten Beweismittel – namentlich der Aussa-
gen der beiden Beteiligten und jener des Zeugen G._ sowie der fachärztli-
chen Berichte von Dres. med. E._ und D._ – ergibt sich, dass die Kolli-
sion bei Fahrt beider Unfallbeteiligter und im Zuge des Spurwechsels durch den
Beschuldigten von der linken auf die rechte Fahrspur stattgefunden haben muss,
wobei der Privatkläger korrekt auf dem rechten Fahrstreifen unterwegs war und
dem Fahrzeug des Beschuldigten trotz Brems- und Ausweichmanövers nicht
mehr rechtzeitig ausweichen konnte. Das vom Beschuldigten genannte Szenario,
der Privatkläger habe auf dem Fahrradstreifen unerlaubterweise am stillstehen-
den Taxi vorbeifahren, rechts überholen wollen und es dabei touchiert, erscheint
demgegenüber abwegig. Wie vorne in Ziffer 4.5 angetönt, ist die Plausibilität sei-
ner Schilderungen dadurch beeinträchtigt, dass der Beschuldigte diese teilweise
der Beweislage anglich, so zunächst nicht den vollständigen Sachverhalt zum
Geschehensablauf offenlegte. Auch bleibt rätselhaft, woher der Beschuldigte die
Gewissheit haben will, dass der Privatkläger auf dem Fahrradstreifen bzw. der
fraglichen Markierung angefahren gekommen sei, wenn er ihn gemäss seinen
Aussagen gar nicht gesehen, sondern erstmals aufgrund der Kollision wahrge-
nommen hat. Wie aufgezeigt drängt sich aufgrund des Beweisergebnisses viel-
mehr der Schluss auf, dass der Privatkläger ordnungsgemäss die Rechtsabbie-
gespur befuhr und durch das Spurwechselmanöver des Beschuldigten an den
rechten Rand in den Bereich der Fahrradmarkierung gedrängt wurde. Die erst-
mals vor Vorinstanz in freier Rede vorgebrachte präzisierte Unfalldarstellung des
Beschuldigten, dass er als zweites Auto (bzw. vor Berufungsgericht: als drittes
- 23 -
Auto) in der Kolonne beim Rotsignal vor der Walchebrücke gestanden habe, als
plötzlich der Privatkläger mit ihm hinten kollidierte, ist als Schutzbehauptung ein-
zustufen. Damit sollte offensichtlich das ebenfalls nicht glaubhafte Argument un-
termauert werden, dass der Spurwechsel im Kollisionszeitpunkt abgeschlossen
gewesen sei, womit der Beschuldigte einen Auffahrunfall suggerierte.
Damit ist auch als erstellt anzusehen, dass sich die Kollision in Fahrt und beim
Spurwechsel des Beschuldigten von der linken in die rechte Fahrspur ereignete,
während der Privatkläger ordnungsgemäss auf der rechten Fahrspur unterwegs
war.
III. Schuldpunkt – rechtliche Würdigung
1. Allgemeines
Die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat würdigt das Verhalten des Beschuldigten in
rechtlicher Hinsicht als fahrlässige Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1
StGB (Urk. 30 S. 2; Urk. 68 S. 1). Im Folgenden ist somit der Tatbestand der fahr-
lässigen Körperverletzung zu prüfen, wobei sich dieser in die Elemente des Tater-
folges, der Tathandlung und der natürlichen Kausalität zum einen sowie die Sorg-
faltspflichtwidrigkeit und den Zurechnungszusammenhang (adäquate Kausalität)
zwischen Sorgfaltspflichtwidrigkeit und dem Deliktserfolg zum anderen aufteilt.
2. Erfolg, Handlung und natürliche Kausalität
2.1 Aus dem eingeklagten und erstellten Sachverhalt ergibt sich, dass der Tater-
folg mit den Verletzungen des Privatklägers eingetreten ist.
2.2 Die Handlung, die vorliegend am Anfang der Kausalkette stand, war der
Fahrstreifenwechsel des Beschuldigten von der linken auf die rechte Fahrspur vor
der Walchebrücke.
2.3 Diese Handlung war natürlich kausal für die anschliessende Kollision mit
dem Privatkläger als Motorradfahrer und die daraus resultierenden Verletzungen,
- 24 -
denn sie kann nicht hinweggedacht werden, ohne dass auch der Erfolg, also die
Verletzungen, entfielen.
3. Sorgfaltspflichtwidrigkeit (Normenmissachtung)
3.1 Fahrlässig handelt gemäss Art. 12 Abs. 3 StGB, wer die Folge seines Ver-
haltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder darauf nicht Rück-
sicht nimmt. Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn der Täter die Vorsicht nicht
beachtet, zu der er nach den Umständen und nach seinen persönlichen Verhält-
nissen verpflichtet ist. Die Vorsicht, welche der Täter zu beachten hat, besteht da-
rin, entweder ein Risiko für strafrechtlich geschützte Rechtsgüter überhaupt nicht
einzugehen oder aber das höchstzulässige Risiko nicht zu überschreiten (BGE
134 IV 204). Im Strassenverkehr richtet sich der Umfang der zu beachtenden
Sorgfalt nach dem Strassenverkehrsgesetz und den dazu gehörenden Verord-
nungen. Gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts stellt die Über-
tretung einer solchen Vorschrift – bei Eintritt eines entsprechenden tatbestands-
mässigen Erfolgs – regelmässig auch eine pflichtwidrige Unvorsichtigkeit im Sinne
von Art. 12 Abs. 3 StGB dar (BGE 116 IV 306 E. 1a). Als Grundregel gilt, dass
sich jede Person im Verkehr so verhalten muss, dass sie andere in der ordnungs-
gemässen Benützung der Strasse weder behindert noch gefährdet (Art. 26 Abs. 1
SVG).
3.2 Vorliegend wird dem Beschuldigten vorgeworfen, er sei aufgrund mangeln-
der Aufmerksamkeit und ungenügender Rücksichtnahme auf nachfolgende Fahr-
zeuge beim Fahrspurwechsel von der linken auf die rechte Fahrspur mit dem ord-
nungsgemäss auf der rechten Spur fahrenden Privatkläger seitlich/seitlich kolli-
diert.
3.3 Die rechtliche Grundlage bildet einerseits Art. 34 Abs. 3 SVG. Danach hat
der Fahrzeugführer, der seine Fahrrichtung ändern will, wie zum Abbiegen, Über-
holen, Einspuren und Wechseln des Fahrstreifens, auf den Gegenverkehr und auf
die ihm nachfolgenden Fahrzeuge Rücksicht zu nehmen. Gemäss Art. 44 Abs. 1
SVG darf er auf Strassen, die für den Verkehr in gleicher Richtung in mehrere
Fahrstreifen unterteilt sind, seinen Streifen nur verlassen, wenn er dadurch den
- 25 -
übrigen Verkehr nicht gefährdet. "Fahrstreifen" sind nach Art. 1 Abs. 5 VRV i.V.m.
Art. 74 Abs. 1 SSV mit Leit-, Doppel- oder Sicherheitslinien begrenzte Teile der
Fahrbahn, welche für die Fortbewegung einer Fahrzeugkolonne Raum bieten.
Art. 44 SVG ist eine Vortrittsregel. Dem seinen Streifen oder seine Kolonne bei-
behaltenden Verkehrsteilnehmer steht der Anspruch auf unbehinderte Fortset-
zung seiner Fahrt zu (Hans Giger, Kommentar Strassenverkehrsgesetz, 7. Aufl.
2008, Art. 44 N 2; Urteile des Bundesgerichts 6B_10/2011 vom 29. März 2011
E. 2.2.1 und 6B_573/2010 vom 5. November 2015 E. 3.11). Ein Fahrspurwechsel
ist nicht erst bei einer Gefährdung, sondern bereits bei einer Behinderung des üb-
rigen Verkehrs untersagt. Derjenige, der sein Fahrzeug in den Verkehr einfügen,
wenden oder rückwärts fahren will, darf andere Strassenbenützer nicht behindern;
diese haben den Vortritt (Art. 36 Abs. 4 SVG; vgl. Art. 14 Abs. 1 VRV). Entspre-
chendes gilt beim Wechseln des Fahrstreifens. Wer diesen ändern will, ist vor-
trittsbelastet (Urteile 6B_453/2012 vom 19. Februar 2013 E. 2.2.1 und
6B_10/2011 vom 29. März 2011 E. 2.2.1 mit Hinweis).
Wie das Beweisergebnis gezeigt hat, hat der Beschuldigte einen Fahrstreifen-
wechsel im Sinne von Art. 44 Abs. 1 SVG vollzogen. Bei diesem Spurwechsel
vom linken auf den rechten Fahrstreifen war er gegenüber den auf dem rechten
Fahrstreifen fahrenden Fahrzeugen vortrittsbelastet. Der Privatkläger als Benützer
des rechten Fahrstreifens hatte somit den Vortritt. Beim Fahren auf Strassen mit
mehreren Fahrstreifen in der gleichen Richtung ist das Rechtsvorbeifahren an an-
dern Fahrzeugen gestattet (Art. 44; Art. 8 Abs. 3 VRV). Einen Spurwechsel darf
ein Fahrzeuglenker erst vornehmen, wenn er alle Vorkehren getroffen hat, um
den sich daraus ergebenden Gefahren begegnen zu können. Bei einer Situation
wie der vorliegenden muss er durch aufmerksame Beobachtung des rückseitigen
Verkehrs die Gewissheit erlangen, dass er nicht mit einem andern Verkehrsteil-
nehmer kollidieren werde.
Offensichtlich infolge ungenügend ausgeführter Kontrollblicke übersah der Be-
schuldigte das auf der rechten Fahrspur fahrende vortrittsberechtigte Motorrad
des Privatklägers, so dass es zur seitlich/seitlichen Kollision der beiden Fahrzeu-
ge kam. Dies obwohl er ausführte, in den Innenspiegel und den rechten Aussen-
- 26 -
spiegel geschaut und den Schulterblick gemacht zu haben. Bei der erforderlichen
Aufmerksamkeit und genügender Rücksichtnahme auf nachfolgende Fahrzeuge
vor dem Fahrstreifenwechsel hätte der Beschuldigte den Privatkläger, der sich
etwas zurückversetzt von ihm auf der rechten Fahrspur befand, indessen zwei-
felsfrei gesehen. Bei seinem Fahrstreifenwechsel kam der Beschuldigte seiner
Pflicht, den rückseitigen Verkehr, vor allem den nicht ohne weiteres überblickba-
ren Raum seiner rechten Fahrzeugseite, mit besonderer Aufmerksamkeit zu be-
achten (Phänomen des sichttoten Winkels; BGE 127 IV 34, 107 IV 55; Urteil des Bundesgerichts 6B_443/2013 E. 3.4), aber offenbar nur ungenügend nach, an-
sonsten er den Privatkläger aufgrund seiner den toten Winkel ausleuchtenden
Spiegel sowie des Schulterblicks hätte sehen können und müssen. Dadurch ge-
fährdete er den übrigen Verkehr und schnitt namentlich dem korrekt auf der rech-
ten Fahrspur fahrenden Privatkläger den Weg ab, worauf sich die verhängnisvolle
Kollision ereignete.
Mit den Verstössen gegen Art. 34 Abs. 3 SVG und Art. 44 Abs. 1 SVG, welche
Normen der Unfallverhütung und der Verkehrssicherheit dienen, hat der Beschul-
digte als Automobilist pflichtwidrig unvorsichtig gehandelt und damit seine Sorg-
faltspflicht verletzt. Dies stellt im Sinne von Art. 12 Abs. 3 StGB eine Sorgfalts-
pflichtwidrigkeit dar, womit diese Voraussetzung des Tatbestandes erfüllt ist.
4. Zurechnungszusammenhang
4.1 Nicht jedes sorgfaltspflichtwidrige Verhalten ist der beschuldigten Person
auch tatsächlich im konkreten Fall anzulasten. Vielmehr muss ein Zusammen-
hang zwischen der objektiv gegebenen Sorgfaltspflichtwidrigkeit und dem Delikts-
erfolg bestehen. Zu prüfen sind dabei die Voraussehbarkeit, die Vermeidbarkeit
sowie der Schutzzweck der Norm, die verletzt wurde (vgl. Donatsch/Tag, Straf-
recht I, 8. Aufl., Zürich 2006, S. 338 ff.; Urteil des Bundesgerichts 6B_250/2012
vom 1. November 2012 E. 3.2.1).
- 27 -
4.2 Adäquate Kausalität und Voraussehbarkeit
4.2.1 Zunächst ist zu prüfen, ob der zum Erfolg führende Geschehensverlauf an-
gesichts der konkreten Umstände in seinen wesentlichen Zügen für den Beschul-
digten voraussehbar war, d.h. ob für ihn voraussehbar war, dass der Fahrstrei-
fenwechsel zu einer Kollision mit einem Motorradfahrer mit Verletzungsfolgen füh-
ren konnte. Dabei muss in Beachtung der massgeblichen Adäquanz das Verhal-
ten geeignet sein, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und den Erfahrungen
des Lebens den eingetretenen Erfolg herbeizuführen oder mindestens zu begüns-
tigen. Das Verhalten der beschuldigten Person braucht dabei nicht die einzige
oder unmittelbare Ursache der Schädigung zu sein. Die Voraussehbarkeit wird
nur dann verneint, wenn ganz aussergewöhnliche Umstände wie das Mitver-
schulden eines Dritten als Mitursachen hinzutreten, mit denen die beschuldigte
Person schlechthin nicht rechnen musste und die derart schwer wiegen, dass sie
als wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache des Erfolgs erscheinen und so
alle anderen mitverursachenden Faktoren – namentlich das Verhalten des jeweili-
gen Beschuldigten – in den Hintergrund drängen (vgl. Donatsch/Tag, a.a.O.,
S. 339 f.).
4.2.2 Ein Fahrmanöver, wie es der Beschuldigte vollzogen hat, ist nach dem ge-
wöhnlichen Lauf der Dinge und den allgemeinen Erfahrungen des Lebens geeig-
net, zu einem Verkehrsunfall zu führen mit den wie vom Privatkläger erlittenen
Verletzungen. Wie das Beweisergebnis zeigt, wurden die in der Anklage um-
schriebenen Verletzungen – entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 49
S. 10) – einzig durch das Verhalten des Beschuldigten verursacht. Irgendwelche
mitverursachenden Faktoren, namentlich solche, die das Verhalten des Beschul-
digten in den Hintergrund drängen (BGE 129 IV 284 f. E. 2.1) oder den adäquaten
Kausalzusammenhang unterbrechen würden, sind keine erkennbar. Der Privat-
kläger hat sich nicht verkehrsregelwidrig verhalten. Zu verneinen sind auch vor-
bestehende Schädigungen des Privatklägers. Damit war das sorgfaltswidrige
Handeln des Beschuldigten adäquat kausal für die Verletzungen des Privatklä-
gers.
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4.2.3 Bezüglich der Voraussehbarkeit lässt das Bundesgericht einen hohen Ab-
straktionsgrad zu (BGE 130 IV 58 E. 9; BGE 98 IV 11 E. 4). Danach genügt es,
dass der Beschuldigte überhaupt die Möglichkeit der Verletzung des Privatklägers
als Folge seines pflichtwidrigen Verhaltens nach den Umständen und seinen per-
sönlichen Verhältnissen voraussehen konnte. Ein Fahrspurwechsel zählt zu den
riskanten Fahrmanövern im Strassenverkehr. Es ist immer damit zu rechnen und
daher besonders darauf zu achten, dass sich auf einer parallel verlaufenden
Fahrspur ein anderes Fahrzeug befindet. Das gilt erst recht im innerstädtischen
Verkehr und in Bahnhofsnähe wie hier, wo selbst ausserhalb der eigentlichen
Stosszeiten meistens ziemlich reger Verkehr herrscht. Aufgrund seiner Kenntnis-
se und Fähigkeiten als Automobilist und insbesondere als Taxifahrer, der berufs-
mässig autofährt und regelmässig Fahrstreifenwechsel vorzunehmen hat, hätte
der Beschuldigte voraussehen können, dass er durch sein Fahrmanöver einen
Unfall verursachen und einen andern Verkehrsteilnehmer gefährden bzw. verlet-
zen könnte.
4.3 Vermeidbarkeit
Entscheidende Bedeutung für die Strafbarkeit eines Täters kommt der Frage zu,
ob der Erfolgseintritt, hier die Körperverletzung, vermeidbar gewesen wäre. Es
muss daher stets geprüft werden, wie sich der hypothetische Kausalverlauf bei
pflichtgemässem Verhalten des Täters entwickelt hätte. Da dies nicht mit absolu-
ter Sicherheit geschehen kann, ist nach Auffassung des Bundesgerichts der Er-
folg dem Täter nach der sogenannten Wahrscheinlichkeitstheorie schon dann an-
zurechnen, wenn er durch Anwendung pflichtgemässer Vorsicht mit hoher Wahr-
scheinlichkeit vermieden worden wäre (BGE 129 IV 284 f. und dort zitierte Recht-
sprechung).
Wie beschrieben, hätte sich der Beschuldigte vor dem Fahrstreifenwechsel durch
entsprechende Vorsichtsmassnahmen vergewissern können und auch müssen,
ob er sein Manöver gefahrlos, d.h. ohne andere Verkehrsteilnehmer zu gefähr-
den, durchführen könne. Dies hat er nicht oder zumindest nur ungenügend getan,
indem er dem nachfolgenden Verkehr zu wenig Aufmerksamkeit schenkte. Da er
dennoch zum Fahrspurwechsel ansetzte, ergibt eine Überprüfung des hypotheti-
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schen Kausalverlaufs, dass es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
nicht zur Kollision und zu den Verletzungen des Privatklägers gekommen wäre –
diese also vermeidbar gewesen wären – wenn sich der Beschuldigte verkehrsre-
gelkonform verhalten, d.h. den rückwärtigen Verkehr beachtet und im fraglichen
Zeitpunkt vom Spurwechsel abgesehen hätte. Es steht somit ausser Zweifel, dass
sich bei pflichtgemässem und regelkonformem Verhalten des Beschuldigten die
Kollision und damit die Verletzungen des Privatklägers vollständig hätten vermei-
den lassen.
4.4 Aus all diesen Gründen sind die Verletzungen des Privatklägers dem Be-
schuldigten strafrechtlich anzurechnen.
5. Der Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125
Abs. 1 StGB ist sowohl in objektiver als auch in subjektiver Hinsicht erfüllt. Recht-
fertigungs- und Schuldausschliessungsgründe sind keine gegeben. Der Beschul-
digte ist daher der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1
StGB schuldig zu sprechen.
IV. Sanktion
1. Strafrahmen
Wer fahrlässig einen Menschen am Körper oder an der Gesundheit schädigt,
wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe von einem
bis zu 360 Tagessätzen bestraft (Art. 125 Abs. 1 StGB; Art. 34 Abs. 1 StGB).
2. Strafzumessung
2.1 Die Grundsätze der Strafzumessung sind im angefochtenen Urteil richtig
dargestellt und es kann darauf verwiesen werden (Urk. 62 S. 18).
2.2 Tatkomponente
2.2.1 Hinsichtlich der objektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass die Sorgfalts-
pflichtverletzung des Beschuldigten zur Kollision mit einem Motorradfahrer geführt
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hat. Bei den vom Beschuldigten missachteten Vorschriften betreffend Fahrstrei-
fenwechsel handelt es sich um elementare Verkehrsregeln, welchen erhebliche
Bedeutung zukommt und deren Missachtung häufig zu Unfällen führt. Von einer
groben Missachtung kann aber nicht gesprochen werden. Der Privatkläger hat
dadurch die in der Anklage umschriebenen Verletzungen erlitten, die zum Glück
nicht allzu gravierend waren und ambulant behandelt werden konnten. Wohl
musste der Privatkläger Schmerzen und Bewegungseinschränkungen erdulden;
eine Arbeitsunfähigkeit bestand jedoch nicht und es ist mit einer vollständigen
Genesung zu rechnen (Urk. 30; vgl. auch die Arztberichte in Ziffer II. 8. hiervor).
Im Ergebnis wirkte sich der Unfall eher geringfügig auf die Berufstätigkeit und die
Lebenssituation des Privatklägers aus. Objektiv ist das Verschulden des Beschul-
digten noch als leicht zu qualifizieren.
2.2.2 Bei der subjektiven Tatschwere ist zu beachten, dass der Beschuldigte die
Gefahr der Tatbestandsverwirklichung wohl nicht bedacht und nicht etwa in be-
wusster Kenntnis der Gefahr auf das Ausbleiben des Erfolgs vertraut hat. Es ist
demnach von unbewusster Fahrlässigkeit auszugehen. Es wäre für ihn jedoch
einfach gewesen, sich vor dem Fahrspurwechsel die Gewissheit zu verschaffen,
dass er dadurch keinen andern Verkehrsteilnehmer behindere oder gefährde,
wodurch der Unfall hätte vermieden werden können.
2.2.3 Die subjektiven Tatkomponenten vermögen das objektive Tatverschulden
weder zu reduzieren noch zu erhöhen. Das Verschulden erweist sich insgesamt
noch als leicht und die Einsatzstrafe ist auf 25 Tagessätze Geldstrafe anzusetzen.
2.3 Täterkomponente
2.3.1 Hinsichtlich des Vorlebens und der persönlichen Verhältnisse des Beschul-
digten (vgl. Urk. 3 S. 3; Urk. 47 S. 1-3 und Prot. II S. 10-12) ist bekannt, dass der
heute 60-Jährige seit 1980 in der Schweiz lebt. Aus einer ersten Ehe hat er zwei
erwachsene Kinder. Er lebt in Gemeinschaft mit seiner zweiten Ehefrau und den
zwei jüngsten Kindern, die 13 und 11 Jahre als sind. Seine Ehefrau ist nicht be-
rufstätig. Als selbständiger Taxifahrer erzielt er ein monatliches (Netto-)Einkom-
men von ca. Fr. 4'000.– bzw. aktuell angeblich gar bloss Fr. 2'000.–. Davon muss
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er rund Fr. 2'800.– für Miete und Krankenkasse auslegen. Er hat weder Vermö-
gen noch Schulden. Da ausgebildeter Elektroingenieur, ist der Beschuldigte auf
Stellensuche in seinem angestammten Beruf. Aus dieser Biografie ergibt sich
nichts, was für die Strafzumessung relevant wäre. Sie ist daher neutral zu werten.
2.3.2 Der Beschuldigte ist vorbestraft. Er wurde mit Strafbefehl der Staatsanwalt-
schaft Zürich-Sihl vom 27. November 2012 wegen Fahrens in fahrunfähigem Zu-
stand, Verletzung der Verkehrsregeln sowie Übertretung der Chauffeurverord-
nung ARV1 zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 30.– bei ei-
ner Probezeit von zwei Jahren sowie zu einer Busse von Fr. 500.– verurteilt
(Urk. 94). Diese Vorstrafe sowie der Umstand, dass der heute zu beurteilende
Vorfall während der noch laufenden Probezeit erfolgte, ist straferhöhend zu ge-
wichten. Straferhöhend wirkt sich auch der getrübte automobilistische Leumund
des Beschuldigten aus (vgl. Urk. 95).
2.3.3 Da der Beschuldigte nicht geständig ist, kann das Nachtatverhalten nicht zu
seinen Gunsten gewürdigt werden. Eine besondere Strafempfindlichkeit, die vor-
liegend zu berücksichtigen wäre, ist nicht ersichtlich.
2.3.4 Im Ergebnis wirkt sich die Täterkomponente straferhöhend aus.
2.4 Auszufällende Strafe
In gesamthafter Würdigung erweist sich eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen als
dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten ange-
messen. Angesichts der eher knappen finanziellen Verhältnisse ist die Höhe des
Tagessatzes auf Fr. 30.– festzusetzen.
Die nicht beanstandete Busse von Fr. 300.– für das pflichtwidrige Verhalten bei
Unfall einschliesslich die Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen bei schuldhafter Nicht-
bezahlung (Dispositiv-Ziffer 3 der Vorinstanz) ist ohne weiteres zu bestätigen.
3. Vollzug
In Anbetracht der Vorstrafe des Beschuldigten, seines getrübten automobilisti-
schen Leumunds sowie seines erneut straffällig Werdens innert laufender Probe-
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zeit kann ihm keine günstige Legalprognose gestellt werden. Die heute auszufäl-
lende Geldstrafe ist deshalb unbedingt auszusprechen.
V. Widerruf
Der Beschuldigte hat das vorliegend zu beurteilende Delikt innerhalb der Probe-
zeit begangen (vgl. vorstehende Ziffer 2.3.2). Der Staatsanwaltschaft folgend
(Urk. 68 S. 2) und davon ausgehend, dass die heute unbedingt auszufällende
Geldstrafe ihn genügend beeindrucken wird, rechtfertigt es sich, von einem Wi-
derruf abzusehen und die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom
27. November 2012 angesetzte Probezeit von zwei Jahren um ein Jahr zu verlän-
gern, beginnend ab Urteilszeitpunkt.
VI. Zivilforderung
1. Gemäss Art. 118 Abs. 1 StPO können sich Geschädigte als Privatkläger
konstituieren, was vorliegend der Fall ist (Urk. 2; Art. 118 Abs. 2 StPO). Nach
Art. 122 Abs. 1 StPO kann die geschädigte Person zivilrechtliche Ansprüche aus
der Straftat adhäsionsweise im Strafverfahren geltend machen, wobei diese nach
Art. 123 ZPO zu beziffern und kurz zu begründen sind. Mithin müssen die Zivilfor-
derungen genügend substantiiert sein.
2.1 Wer einem anderen widerrechtlich Schaden zufügt, sei es mit Absicht, sei es
aus Fahrlässigkeit, wird ihm zum Ersatz verpflichtet (Art. 41 Abs. 1 OR). Voraus-
setzungen einer Ersatzpflicht sind: Schaden, Widerrechtlichkeit, Kausalzu-
sammenhang und Verschulden. Diese Voraussetzungen sind hier wie aufgezeigt
erfüllt.
2.2 Der Privatkläger beantragt, die Haftpflicht des Beschuldigten sei im Hinblick
auf seine Schadenersatz- und Genugtuungsansprüche dem Grundsatze nach
festzustellen, da der Schaden heute noch nicht abschliessend beziffert werden
könne (Urk. 63 S. 3 f.; Urk. 48 S. 4 f.; Urk. 97 S. 7).
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2.3 Da eine Bezifferung des Schadens derzeit nicht möglich ist und das Gericht
keine Zweifel an der grundsätzlichen Schadenersatzpflicht des Beschuldigten ge-
genüber dem Privatkläger hat, ist festzustellen, dass der Beschuldigte dem Pri-
vatkläger dem Grundsatze nach schadenersatz- und – infolge erlittener Körper-
verletzung – auch genugtuungspflichtig (Art. 47 und Art. 49 Abs. 1 OR) ist. Zur
Beurteilung des Anspruchs ist der Privatkläger auf den Weg des Zivilprozesses zu
verweisen.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Untersuchung und Vorinstanz
Ausgangsgemäss sind die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen
Gerichtsverfahrens dem Beschuldigten aufzuerlegen.
2. Berufungsverfahren
Im Rechtmittelverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres Ob-
siegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Privatkläger obsiegt mit
seinen Anträgen, weshalb die Kosten des zweitinstanzlichen Gerichtsverfahrens
dem Beschuldigten aufzuerlegen sind.
3. Prozessentschädigung
Bei diesem Verfahrensausgang bleibt kein Raum für eine Prozessentschädigung
an den Beschuldigten.
Indes hat grundsätzlich die obsiegende Privatklägerschaft gegenüber der be-
schuldigten Person Anspruch auf angemessene Entschädigung für notwendige
Aufwendungen im Verfahren (Art. 433 Abs. 1 lit. 1 StPO). Der Vertreter des Pri-
vatklägers hat aber explizit erklärt, dass im Strafverfahren keine Entschädigung
beantragt werde bzw. diese Kosten im Zivilverfahren gegenüber dem Haftpflicht-
versicherer geltend gemacht würden (Prot. II S. 22). Von einer Verpflichtung des
Beschuldigten zur Zahlung einer Prozessentschädigung an den Privatkläger ist
somit abzusehen.
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