Decision ID: 6a926c1e-7c54-4a45-9ea2-10084ed3ea5b
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch B._,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 10. Dezember 1998 wegen seit 1985 bestehender
chronischer Rückenbeschwerden infolge berufsbedingter Abnützung zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung – Berufsberatung, Umschulung, Rente – bei der
IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1).
A.b Am 21. Dezember 1998 erstattete Dr. med. C._, Facharzt FMH für
Allgemeinmedizin, einen Arztbericht. Er diagnostizierte ein rezidivierendes lumbo-
vertebrales Syndrom bei Hyperlordose und leichten degenerativen Veränderungen,
führte aus, die Arbeitsfähigkeit könne nicht sicher beurteilt werden, und empfahl eine
berufliche Beratung bezüglich eines weniger körperbelastenden Arbeitseinsatzes; sollte
keine geeignete berufliche Perspektive bestehen, sei eventuell eine 50%ige Berentung
vorzunehmen (IV-act. 7).
A.c Mit Verfügung vom 25. Februar 2000 sprach die IV-Stelle dem Versicherten
berufliche Massnahmen (Einarbeitung zum Magaziner) für die Dauer vom 1. Februar bis
31. Juli 2000 zu (IV-act. 18).
A.d Nach erfolgreichem Abschluss der beruflichen Massnahmen stellte die IV-Stelle
mit Verfügung vom 15. August 2000 fest, dass der Versicherte rentenausschliessend –
Invaliditätsgrad: 34 % (vgl. IV-act. 22) – eingegliedert sei (IV-act. 24).
B.
B.a Am 9. Mai 2005 ersuchte der Versicherte wiederum um Leistungen der
Invalidenversicherung – Berufsberatung, Umschulung, Arbeitsvermittlung –, nachdem
es in den zwei bis drei Jahren davor zu einer massiven Verschlechterung des Zustands
gekommen sei und seit April 2005 eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe (IV-act. 25).
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B.b Am 20. Mai 2005 erstattete Dr. med. D._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin,
einen Arztbericht. Er diagnostizierte ein chronisches, invalidisierendes
lumbovertebrales Syndrom, zunehmend seit 1994, attestierte eine 70%ige
Arbeitsunfähigkeit ab 28. Februar 2005, wies aber darauf hin, dass der Versicherte seit
dem 10. Juli 2003 faktisch nur eingeschränkt einsetzbar sei, und führte aus, die 30%ige
Arbeitsfähigkeit sei lediglich bei bereits erfolgter Anpassung der Tätigkeit gegeben (IV-
act. 30).
B.c Am 26. Mai 2005 erstattete die Arbeitgeberin des Versicherten einen
Arbeitgeberbericht. Sie führte unter anderem aus, der Versicherte werde seit dem
28. Februar 2005 ausschliesslich für Wartungsarbeiten eingesetzt, der der effektiven
Arbeitsleistung entsprechende Lohn liege bei Fr. 2’300.-- pro Monat (seit circa
September 2003), ausgerichtet werde aber ein Lohn von Fr. 4’650.-- pro Monat; der
Versicherte habe sich trotz seiner gesundheitlichen Einschränkungen stets sehr bemüht
und werde aufgrund seiner Zuverlässigkeit sehr geschätzt (IV-act. 31).
B.d Im Auftrag der IV-Stelle erstattete Dr. med. E._, Facharzt FMH für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, am 7. Januar
2006 ein fachärztliches Gutachten. Er diagnostizierte im Wesentlichen eine
Diskusprotrusion L5/S1 mit Kontakt der Bandscheibe zur Nervenwurzel S1 links und
leichter Spondylarthrose, eine Spondylarthrose L4/5 mit minimer Diskusprotrusion und
Kontakt der Bandscheibe zur Nervenwurzel L5 recessal, eine
Acromioclaviculargelenksarthrose links mit fraglichem Impingement und eine mediale
Meniskusläsion links und attestierte eine 70%ige Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte
Tätigkeiten (IV-act. 41).
B.e Gestützt auf das Gutachten von Dr. E._ stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid
vom 16. November 2006 die Ausrichtung einer halben Invalidenrente mit Wirkung ab
1. Februar 2006 in Aussicht (IV-act. 61).
B.f Dagegen erhob die Pensionskasse F._ am 6. Dezember 2006 Einwand. Sie
beantragte die Feststellung, dass der Versicherte seit spätestens 1996 in seiner
Erwerbsfähigkeit zu mindestens 35 % eingeschränkt sei; zudem sei bezüglich der
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Verschlechterung des Gesundheitszustandes ab 28. Februar 2005 keine neue
Wartefrist zu eröffnen (IV-act. 66).
B.g Am 26. Januar 2007 erhob auch der Versicherte Einwände gegen den
Vorbescheid vom 16. November 2007. Er beantragte die Ausrichtung einer ganzen
Rente ab 1. September 2003, einer Dreiviertelsrente ab 1. Januar 2004 und einer
ganzen Rente ab 1. Februar 2005 (IV-act. 75–1 ff.). Der Eingabe legte er eine
Stellungnahme der Arbeitgeberin vom 19. Januar 2007 bei, in der unter anderem
festgehalten wurde, die Möglichkeiten betriebsinterner Arbeitsplatzanpassungen seien
mittlerweile ausgeschöpft; der Versicherte übe eine vergleichsweise leichte Tätigkeit
aus. Der Versicherte sei ein motivierter, wertvoller Mitarbeiter, der sich nicht schone
und in letzter Konsequenz wenig Rücksicht auf die eigene Gesundheit nehme, sich alle
erdenkliche Mühe gebe, aber aufgrund seiner Erkrankung einfach nicht mehr leisten
könne. Ein Arbeitsversuch (Erhöhung des Pensums von 30 % auf 50 %) habe nach
anderthalb Monaten wieder abgebrochen werden müssen (IV-act. 75–5).
B.h In einer internen Stellungnahme vom 22. Mai 2007 führte Dr. med. G._ vom IV-
internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) aus, da eine erhebliche Diskrepanz
zwischen den Beurteilungen von Dr. D._ und Dr. E._ bestehe, und da die im
Gutachten von Dr. E._ beschriebenen Schmerzausstrahlungen bis in den rechten
Knöchel mit einem radikulären Syndrom vereinbar seien, weshalb eine zusätzliche
neurologische oder neurochirurgische Untersuchung indiziert sei, empfehle er eine
Oberbegutachtung durch eine Medizinische Abklärungsstelle (MEDAS; IV-act. 81).
B.i Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die ABI Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH
(nachfolgend: ABI GmbH) am 16. Juni 2008 ein Gutachten mit psychiatrischem und
rheumatologischem Teilgutachten. Die Gutachter diagnostizierten im Wesentlichen ein
chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom mit mässigen degenerativen
Veränderungen und anamnestisch und klinisch fehlenden Hinweisen für eine
neurologische Komplikation, eine beginnende Coxarthrose links, eine mediale
Meniskusläsion im linken Kniegelenk sowie ein Impingement-Syndrom der linken
Schulter Grad II–III, im Untersuchungszeitpunkt asymptomatisch, und attestierten eine
80%ige Arbeitsfähigkeit in einer körperlich leichten, wechselbelastenden, adaptierten
Tätigkeit (IV-act. 89).
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B.j Mit Vorbescheid vom 20. Oktober 2008 stellte die IV-Stelle wiederum die
Ausrichtung einer halben Invalidenrente ab 1. Februar 2006 in Aussicht (IV-act. 97).
B.k Dagegen erhob der Versicherte am 20. November 2008 diverse Einwände. Er
beantragte wiederum die Ausrichtung einer ganzen Rente ab 1. September 2003, einer
Dreiviertelsrente ab 1. Januar 2004 und einer ganzen Rente ab 1. Februar 2005 (IV-
act. 103–1 ff.). Der Eingabe legte er eine weitere Stellungnahme von Dr. D._ vom
19. November 2008 bei, in welcher unter anderem ausgeführt wurde, es bestünden
ganz klare psychosoziale und somatische Hintergründe, welche im Gutachten der ABI
GmbH nicht berücksichtigt worden seien bzw. gar nicht hätten berücksichtigt werden
können (IV-act. 103–4).
B.l Am 12. Dezember 2008 nahm Dr. D._ ausführlicher Stellung. Er führte unter
anderem aus, der Versicherte lebe seit Jahren getrennt von seiner Ehefrau, lasse sich
aber aus finanziellen Gründen nicht scheiden; depressive Entgleisungen würde der
Versicherte mit phasenweise unkontrollierbarem Alkoholmissbrauch „behandeln“ (IV-
act. 107).
B.m In einer internen Stellungnahme führte der RAD-Arzt Dr. H._ aus, aus der vom
Gutachten der ABI GmbH abweichenden Bewertung des Hausarztes werde ersichtlich,
welche Bedeutung der fachärztlichen Beurteilung und der Schwierigkeit zur Abstraktion
von psychosozialen Belastungen bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zukomme; es
würden keine neuen medizinischen Aspekte vorgebracht (IV-act. 108).
B.n Mit Verfügung vom 28. Mai 2009 wurden dem Versicherten eine Viertelsrente ab
1. Juni 2005 und eine halbe Rente ab 1. September 2005 zugesprochen (IV-act. 115 f.).
C.
C.a Am 25. Juni 2009 erhob der Beschwerdeführer, vertreten durch den Verband
„B._“, vorsorglich Beschwerde gegen die Verfügung vom 28. Mai 2009 (act. G 3).
Diese vorsorgliche Beschwerde ergänzte der Beschwerdeführer am 31. Juli 2009. Er
beantragte die Zusprache einer ganzen Rente ab 1. September 2003, einer
Dreiviertelsrente ab 1. Januar 2004 und einer ganzen Rente ab 1. Februar 2005. Zur
Begründung führte er im Wesentlichen aus, gemäss dem Arztbericht von Dr. D._ vom
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20. Mai 2005 und den Ausführungen im Arbeitgeberbericht vom 26. Mai 2005 sei er seit
28. Februar 2005 bzw. seit September 2003 zu 70 % arbeitsunfähig. Der
Invaliditätsgrad betrage daher 67 %, womit gemäss der damaligen Rechtslage ab
September 2003 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente ab 1. September 2003
bestehe. Infolge der Änderung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(IVG; SR 831.20) im Rahmen der 4. IV-Revision bestehe ab 1. Januar 2004 lediglich
noch Anspruch auf eine Dreiviertelsrente; infolge der Verschlechterung des Zustandes
Ende Februar 2005 bestehe seit 1. Februar 2005 wiederum Anspruch auf eine ganze
Rente (act. G 5).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 22. Oktober 2009 beantragte die
Beschwerdegegnerin, es sei festzustellen, dass der Beschwerdeführer ab Februar 2005
Anspruch auf eine halbe Rente habe; im Übrigen sei die Beschwerde abzuweisen. Zur
Begründung führte sie im Wesentlichen aus, die Verfügung stütze sich in medizinischer
Hinsicht zu Recht auf das Gutachten der ABI GmbH; da die Gutachter über eine weit
umfassendere Beurteilungsgrundlage verfügt hätten als der Hausarzt des
Beschwerdeführers, ändere daran auch der Hinweis auf schwere psychosoziale
Belastungssituationen nichts. Da die rentenbegründende Invalidität ab 28. Februar
2005 ausgewiesen sei, bestehe ab Februar 2005 Anspruch auf eine halbe
Invalidenrente (act. G9).
C.c Mit Replik vom 28. Oktober 2009 hielt der Beschwerdeführer an den in der
Beschwerde gestellten Anträgen fest (act. G 11).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 13).

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen sind in erster Linie der Invaliditätsgrad und der Rentenbeginn,
nachdem die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer ab 1. Juni 2005 eine
Viertelsrente und ab 1. September 2005 eine halbe Rente zugesprochen hat und dieser
beschwerdeweise die Zusprache einer ganzen Rente ab 1. September 2003, einer
Dreiviertelsrente ab 1. Januar 2004 und einer ganzen Rente ab 1. Februar 2005
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verlangt. Gemäss dem im Sozialversicherungsrecht allgemein gültigen Grundsatz
„Eingliederung vor Rente“ ist ebenfalls zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin die
berufliche Eingliederung zuverlässig geprüft hat.
2.
2.1 Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. Der
zu beurteilende Sachverhalt beschlägt teilweise den Zeitraum vor Inkrafttreten der
5. IV-Revision. Gemäss den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln ist für die Zeit
bis 31. Dezember 2007 auf die damals geltenden Bestimmungen und ab 1. Januar
2008 auf die neuen Normen abzustellen. Da sich die Definition der Invalidität und die
damit zusammenhängenden Begriffe mit der 5. IV-Revision nicht geändert haben,
werden diesbezüglich nachfolgend die am 1. Januar 2008 in Kraft getretenen
Bestimmungen wiedergegeben. Für die Frage des Rentenbeginns kommen vorliegend
die bis 31. Dezember 2007 geltenden Vorschriften zur Anwendung.
2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG), das heisst der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach ärztlicher Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG).
2.3 Die Feststellung des Gesundheitsschadens, das heisst die Befunderhebung und
die gestützt darauf gestellte Diagnose, aber auch die Prognose und die Ätiologie, die
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durch den festgestellten Gesundheitsschaden verursachte Arbeitsunfähigkeit sowie
das noch vorhandene funktionelle Leistungsvermögen oder das Vorhandensein und die
Verfügbarkeit von Ressourcen sind Tatfragen (BGE 132 V 398 E. 3.2), deren
Beantwortung entsprechendes Fachwissen voraussetzt. Im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) hat die IV-Stelle daher in aller Regel
ärztliche Sachverständige zur Beantwortung dieser Fragen beizuziehen (vgl. Art. 43
Abs. 2 ATSG und Art. 69 Abs. 2 und 4 IVV), so etwa jene des IV-internen regionalen
ärztlichen Dienstes (RAD; vgl. Art. 49 Abs. 1 IVV) oder solche einer MEDAS. Aufgabe
der IV-Stelle und des Versicherungsgerichts ist es, diese Tatsachen rechtlich zu
würdigen, das heisst zu beurteilen, ob die ärztlichen Aussagen und Schätzungen die
zuverlässige Beurteilung des Leistungsanspruchs erlauben und, falls dies der Fall ist,
gestützt auf diese Feststellungen sowie die Feststellungen zu den beiden
Vergleichseinkommen den Invaliditätsgrad zu bemessen (vgl. BGE 132 V 398 f.
E. 3.2 f.).
3.
3.1 Den medizinischen Akten lässt sich übereinstimmend entnehmen, dass der
Beschwerdeführer vor allem durch Rückenbeschwerden in seiner Arbeitsfähigkeit
eingeschränkt ist (vgl. IV-act. 7, 30, 41 und 89). Zudem liegen eine Hüftgelenksarthrose
links, eine Meniskusläsion im linken Kniegelenk sowie eine Funktionsbeeinträchtigung
der Gelenksbeweglichkeit der linken Schulter vor (vgl. IV-act. 41 und 89). Das Ausmass
der Auswirkungen dieser Beeinträchtigungen auf die Arbeitsfähigkeit wird in den
verschiedenen Berichten indessen unterschiedlich geschätzt. So attestierte Dr. D._
zunächst in seinem Bericht vom 20. Mai 2005 (IV-act. 30) eine 70%ige
Arbeitsunfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten; allerdings ist aufgrund seiner
Ausführungen in der Stellungnahme vom 12. Dezember 2008 (IV-act. 107; vgl. auch IV-
act. 103–4) davon auszugehen, dass diese Arbeitsfähigkeitsschätzung zu einem
wesentlichen Teil auch den übrigen nicht somatischen Gesundheitsbeeinträchtigungen
Rechnung trägt. Jedenfalls kann angesichts der späteren Ausführungen von Dr. D._
nicht davon ausgegangen werden, die von ihm attestierte 70%ige Arbeitsunfähigkeit
sei rein somatisch begründet. Im Gegensatz dazu lässt sich dem Gutachten von
Dr. E._ (IV-act. 41) klar entnehmen, dass die von ihm attestierte Arbeitsunfähigkeit
von 30 % einzig den somatischen Beeinträchtigungen Rechnung trägt. Auch dem
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Gutachten der ABI GmbH (IV-act. 89) lässt sich klar entnehmen, dass die attestierte
Arbeitsunfähigkeit von 20 % einzig den somatischen Beeinträchtigungen Rechnung
trägt. Auch wenn zwischen den beiden gutachterlichen Einschätzungen mithin
weitgehende Übereinstimmung vorliegt und davon ausgegangen werden kann, die von
Dr. D._ aus rein somatischer Sicht attestierte Arbeitsunfähigkeit in einer
leidensadaptierten Tätigkeit liege nicht wesentlich höher, besteht doch immerhin eine
Diskrepanz von 10 % zwischen den Einschätzungen von Dr. E._ und den Gutachtern
der ABI GmbH, obwohl die im Rahmen der Begutachtungen erhobenen Befunde und
gestellten Diagnosen weitgehend dieselben sind. Dem späteren Gutachten der ABI
GmbH fehlt es an einer Begründung für diese unterschiedliche Beurteilung. Ob mithin
von einer 20%igen oder einer 30%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in
leidensadaptierten Tätigkeiten auszugehen ist, kann aufgrund der vorliegenden Akten
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit festgestellt werden.
3.2 Hinzu kommt, dass angesichts der von Dr. E._ erhobenen Befunde,
insbesondere der Schmerzausstrahlungen in den rechten Knöchel, gemäss den
insofern nachvollziehbaren Ausführungen des RAD-Arztes Dr. G._ allenfalls ein
radikuläres Syndrom vorliegen könnte, weshalb Dr. G._ auch eine polydisziplinäre
Begutachtung mit Einschluss einer neurologischen oder neurochirurgischen
Untersuchung empfahl (IV-act. 81). Nachdem die Gutachter der ABI GmbH den
Beschwerdeführer weder neurologisch noch neurochirurgisch untersucht haben und
auch anderweitig keine neurologische Untersuchung stattgefunden hat, verbleibt
diesbezüglich eine Ungewissheit. Die Ausführungen der Gutachter der ABI GmbH, es
lägen weder anamnestisch noch klinisch Hinweise für eine neurologische Komplikation
vor, überzeugen nicht, waren im Zeitpunkt der Begutachtung doch anamnestisch
Hinweise auf neurologische Komplikationen, wie dargelegt, ausgewiesen (vgl. IV-
act. 41 und 81). Die fehlende neurologische Untersuchung ist deshalb als erheblicher
Mangel zu qualifizieren; der Sachverhalt erweist sich diesbezüglich als nicht genügend
abgeklärt.
3.3 Schliesslich lassen die Hinweise von Dr. D._ in dessen Stellungnahme vom
12. Dezember 2008 (IV-act. 107) den Verdacht auf eine zusätzliche psychische
Problematik aufkommen. Zwar wurde der Beschwerdeführer im Rahmen der
Begutachtung durch die ABI GmbH unter anderem auch psychiatrisch untersucht,
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ohne dass dabei wesentliche psychische Beeinträchtigungen festgestellt wurden, doch
lässt sich dem Gutachten der ABI GmbH entnehmen, dass der Beschwerdeführer im
Rahmen der Begutachtung unter anderem angegeben hatte, in intakter und
harmonischer Beziehung zu seiner Ehefrau zu leben und nicht regelmässig Alkohol zu
konsumieren, geschweige denn Alkoholmissbrauch zu betreiben. Diese Aussagen
stehen nicht nur im Widerspruch zur (nachträglichen) Stellungnahme von Dr. D._,
sondern auch zu früheren Akten: Dem nicht genauer datierten „Arbeitsprotokoll“ aus
den Jahren 1999/2000 lässt sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer offensichtlich
bereits damals getrennt von seiner Ehefrau lebte (IV-act. 21–1); im Gutachten von
Dr. E._ wird festgehalten, dass der Beschwerdeführer täglich zwei Flaschen Bier
konsumiere (IV-act. 41–2). Dass der psychiatrische Konsiliargutachter der ABI GmbH
bei der Beurteilung auf die aktenwidrigen Angaben des Beschwerdeführers abgestellt
hat, ohne diese kritisch zu hinterfragen oder zu würdigen, wirft Zweifel an der
Zuverlässigkeit der psychiatrischen Beurteilung auf. Es kann zumindest nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, es läge keine relevante
psychische Problematik vor. Auch diesbezüglich erweist sich der Sachverhalt deshalb
als ungenügend abgeklärt.
3.4 Die festgestellten Unklarheiten sind durch ein neuerliches polydisziplinäres
Gutachten mit Einschluss von zumindest rheumatologischer, neurologischer und
psychiatrischer Untersuchung, vorteilsweise nach Einholung fremdanamnestischer
Angaben insbesondere zu allfälligen psychischen Auffälligkeiten, zu beseitigen. Die
Sache ist in diesem Sinne an die Beschwerdegegnerin zur Durchführung weiterer
Abklärungen und anschliessender Neuverfügung zurückzuweisen.
4.
4.1 Demnach ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen.
4.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um
die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor
dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1’000.-- festgelegt. Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die
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Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden. Da sich
der Beschwerdeführer veranlasst sah, die Verfügung vom 28. Mai 2009 als rechtswidrig
zu beanstanden und ihre Aufhebung zu beantragen, und er insofern mit seinem Antrag
vollumfänglich durchgedrungen ist, ist bei der Verlegung der Gerichtskosten – in
Analogie zur Rechtsprechung zur Verlegung der Parteientschädigungen – dem
„Überklagen“ nicht (wie etwa in einem zivilprozessualen Klageverfahren) Rechnung zu
tragen bzw. nicht auf das Ausmass des Obsiegens abzustellen (vgl. den Entscheid IV
2007/359 des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 6. Januar 2009, E. 5,
mit Hinweisen). Angesichts des in diesem Sinne vollen Unterliegens der
Beschwerdegegnerin rechtfertigt es sich, ihr die Gerichtskosten gesamthaft
aufzuerlegen. Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint angemessen. Dem
Beschwerdeführer ist der in selbiger Höhe geleistete Kostenvorschuss
zurückzuerstatten.
4.3 Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten, die vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den
Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen werden (Art. 61 lit. g ATSG). Gemäss Art. 10 Abs. 1 des
Anwaltsgesetzes des Kantons St. Gallen (AnwG; sGS 963.70) ist die berufsmässige
Vertretung vor st. gallischen Gerichten zwar grundsätzlich den in einem kantonalen
Anwaltsregister eingetragenen Rechtsanwälten vorbehalten, doch sind daneben
gemäss Art. 12 Abs. 1 lit. b AnwG auch Vertreter von Selbsthilfe- und gemeinnützigen
Organisationen zur berufsmässigen Vertretung vor Versicherungsgericht befugt. Die
Regelung von Art. 12 Abs. 1 lit. b AnwG steht in Einklang mit der ursprünglich zu
Art. 85 Abs. 2 lit. f AHVG entwickelten (vgl. etwa ZAK 1980, S. 123, mit Hinweisen) und
nach Inkrafttreten des ATSG bezogen auf Art. 61 lit. g ATSG weitergeführten
Rechtsprechung (vgl. BGE 135 V 473), wonach die bundesrechtlichen
Minimalvorschriften des Art. 61 ATSG nicht nur dann eine Parteientschädigung
vorsehen, wenn die betroffene Partei durch einen in einem kantonalen Anwaltsregister
eingetragenen Anwalt vertreten wird, sondern auch dann, wenn die Vertretung durch
eine andere besonders qualifizierte Person erfolgt (vgl. BGE 108 V 270). Vorliegend
erfolgte die Vertretung durch eine beim Verband „B._“ angestellte Juristin, die nicht
im Besitz eines Anwaltspatents ist (vgl. act. G 3 und G 5). Da dieser Verband als
Selbsthilfeorganisation im Sinne von Art. 12 Abs. 1 lit. b AnwG zu qualifizieren ist, steht
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dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung zu, die sich allerdings nicht am
Anwaltstarif zu orientieren hat (Art. 30 Abs. 1 lit. b Ziff. 1 AnwG i.V.m. Art. 1 Abs. 1 der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten des Kantons St. Gallen [HonO;
sGS 963.75] e contrario). Die Parteientschädigung wird ermessensweise auf Fr. 700.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP