Decision ID: 59fa4d93-5bdb-47f3-98e1-4d84bd4b4f9c
Year: 2017
Language: de
Court: BL_SG
Chamber: BL_SG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt:
1. Mit Veranlagungsverfügung der direkten Bundessteuer 2016 vom 24. April 2017 wurden
die von der Beschwerdeführerin deklarierten Fahrtkosten mit der Begründung von Fr. 3‘116.--
auf Fr. 912.-- (U-Abo) gekürzt, die öffentlichen Verkehrsmittel seien zumutbar, da der Zeitauf-
wand weniger als 2 1⁄2 Stunden betrage. Weiter wurden die vom Beschwerdeführer deklarierten
Kosten für das Fahrrad von Fr. 700.-- mit der Begründung gestrichen, die Entfernung zur Halte-
stelle betrage weniger als 1,5 Kilometer.
2. Mit Eingabe vom 18. Mai 2017 erhoben die Beschwerdeführer mit dem Antrag, die von
der Beschwerdeführerin deklarierten Fahrtkosten seien zum Abzug zuzulassen, Einsprache.
Zur Begründung machten sie geltend, durch die Benützung des Fahrzeugs werde gegenüber
den öffentlichen Verkehrsmitteln mehr als eine Stunde eingespart. Gemäss Gesetz könnten die
Kosten für Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte, ohne Einschränkung, abgezogen wer-
den. Das zusätzliche Kriterium des Zeitaufwandes von mehr als 2 1⁄2 Stunden sei unzulässig.
3. Mit Einspracheentscheid vom 6. Juli 2017 wies die Steuerverwaltung die Einsprache ab.
Zur Begründung führte sie aus, der Beschwerdeführerin würden öffentliche Verkehrsmittel zur
Verfügung stehen, mit welchen die Limite von 2 1⁄2 Stunden pro Tag nicht überschritten würde.
4. Mit Eingaben vom 7. und 16. August 2017 erhoben die Beschwerdeführer mit den Be-
gehren, 1. Die von der Beschwerdeführerin deklarierten Fahrtkosten seien zum Abzug zuzulas-
sen, 2. Auf die Erhebung von Gerichtkosten sei zu verzichten, 3. Die Portokosten seien zu er-
setzen, Beschwerde. Zur Begründung machten sie geltend, mit dem Auto sei die Beschwerde-
führerin schneller zu Hause, um die schulpflichtige Tochter zu betreuen.
5. Mit Vernehmlassung vom 20. September 2017 beantragte die Steuerverwaltung die Ab-
weisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie aus, das Bundesgericht habe lediglich
festgehalten, dass das Abstellen auf die Zeitersparnis rechtmässig sei. Dies bedeute allerdings
nicht, dass die basellandschaftliche Praxis unzulässig wäre, da die Kantone frei seien, den Be-
griff der Unzumutbarkeit zu konkretisieren.
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6. Mit Eingabe der Vertreterin vom 11. November 2017 beantragten die Beschwerdeführer
gestützt auf einen aktuellen Bundesgerichtsentscheid, wonach nebst den Kosten für die öffentli-
chen Verkehrsmittel kumulativ auch Fahrradkosten zum Abzug zuzulassen seien, dass die vom
Beschwerdeführer deklarierten Kosten für das Fahrrad von Fr. 700.-- zum Abzug zuzulassen
seien, da er aufgrund des unpraktischen Fahrplans anstelle des Busses mit dem Fahrrad zur
Tramstation fahre.
7. Anlässlich der heutigen Verhandlung halten die Parteien an ihren Begehren fest. Die
Vertreterin der Beschwerdeführer macht ergänzend geltend, die Steuerverwaltung habe den
Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt.

Der Präsident des Steuergerichts zieht in Erwägung:
1. Das Steuergericht ist gemäss Art. 140 des Bundesgesetzes über die direkte Bundes-
steuer (DBG) vom 14. Dezember 1990 zur Anhandnahme der vorliegenden Streitsache zustän-
dig, wobei gemäss § 4 der Vollzugsverordnung DBG vom 13. Dezember 1994 i.V.m. § 129
Abs. 1 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteuern (Steuergesetz) vom 7. Februar
1974 (StG) Beschwerden, deren umstrittener Steuerbetrag wie im vorliegenden Fall Fr. 2’000.--
nicht übersteigt, vom Präsidenten des Steuergerichts als Einzelrichter beurteilt werden. Da die
in formeller Hinsicht an eine Beschwerde zu stellenden Anforderungen erfüllt sind, ist ohne wei-
teres darauf einzutreten.
2. Zunächst rügt die Vertreterin der Beschwerdeführer die Verletzung des rechtlichen Ge-
hörs.
a) Im Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung
der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV) drückt sich ein zentraler Ge-
halt prozeduraler Fairness aus. Das rechtliche Gehör dient funktional einerseits der Sachver-
haltsabklärung, andererseits ist es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht. Rechtspre-
chung und Lehre haben aus dem verfassungsrechtlichen Gehörsanspruch verschiedene Teil-
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gehalte abgeleitet: den Anspruch auf vorgängige Äusserung und Mitwirkung im Verfahren, das
Recht auf Akteneinsicht, auf Entscheidbegründung und auf Rechtsbeistand (Kiener/Rütsche/
Kuhn, Öffentliches Verfahrensrecht, 2. A., N 229). Aus dem Anspruch der Parteien auf Begrün-
dung erwächst den Behörden die Pflicht, die Vorbringen tatsächlich zu hören, sorgfältig und
ernsthaft zu prüfen und bei der Entscheidfindung zu berücksichtigen. Die Behörde muss jedoch
nicht alle vorgebrachten Argumente würdigen, sondern darf sich auf die Prüfung der entscheid-
wesentlichen Argumente beschränken. Die Begründungsdichte genügt den verfassungsrechtli-
chen Standards, wenn sich der Betroffene über die Tragweite des Entscheides Rechenschaft
ablegen und diesen in voller Kenntnis der Sachlage gegebenenfalls anfechten kann (Kiener/
Rütsche/Kuhn, a.a.O., N 243 ff.). Die Konsequenz einer Verletzung des Gehörsanspruchs ist
grundsätzlich die Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Aufgrund der formellen Natur gilt
dies unabhängig davon, ob der Entscheid in einem korrekten Verfahren anders oder gleich
ausgefallen wäre (Häfelin/Haller/Keller/Thurnheer, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, N 839).
b) Die Steuerverwaltung hat der steuerpflichtigen Person gemäss Art. 135 Abs. 2
DBG ihren begründeten Entscheid schriftlich und mit einer Belehrung über die Rechtsmittel zu
eröffnen. Während es nach gängiger Praxis genügt, beim Erlass der Veranlagung die Abwei-
chungen von der Deklaration aufzuzeigen, muss der Entscheid der Steuerverwaltung eine Be-
gründung enthalten. Die Begründung hat die rechtlichen und tatsächlichen Erwägungen der
Behörde aufzuzeigen, aufgrund derer der Entscheid getroffen wurde. Sie muss es der steuer-
pflichtigen Person ermöglichen, die Erfolgschancen und die Kostenrisiken eines weiteren
Rechtsmittelverfahrens abzuschätzen (Ziegler in: Nefzger/Simonek/Wenk, Kommentar zum
Steuergesetz des Kantons Basel-Landschaft, § 123 N 10; Entscheid des Steuergerichts [StGE]
vom 21. Oktober 2016, 510 2016 41, E. 2). Die Behörde muss sich zwar wie dargetan nicht zu
allen Rechtsvorbringen einer Partei äussern, sie darf sich vielmehr auf die für den Entscheid
wesentlichen Gesichtspunkte beschränken. Aber je komplexer die Sach- und Rechtslage ist,
desto höhere Anforderungen werden an die Begründungspflicht gestellt (Urteil des Bundesge-
richts [BGE] 129 I 232, E. 3.3).
c) In ihrem Einspracheentscheid vom 6. Juli 2017 fasste die Steuerverwaltung den
Sachverhalt kurz zusammen, führte zudem Grundlegendes zur Fragestellung aus und ging an-
schliessend auf praktisch alle Argumente der Beschwerdeführer ein. Eine Verletzung des recht-
lichen Gehörs ist wie bereits dargelegt nicht bereits dann anzunehmen, wenn die Ausführungen
im Einspracheentscheid die Argumentation der Beschwerdeführer nicht „en détail“ aufnimmt.
Der Begründungspflicht ist Genüge getan, wenn klar wird, warum die Steuerverwaltung die Ein-
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sprache abweist. Die Beschwerdeführer haben in der Beschwerde ihren Standpunkt eingehend
darlegen können und zudem ausgeführt, weshalb sie mit den Argumenten der Steuerverwal-
tung nicht einverstanden sind. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ist damit nicht feststell-
bar und die Beschwerde in diesem Punkt abzuweisen.
3. In materieller Hinsicht unterliegt zunächst der Beurteilung, ob die von den Beschwerde-
führer geltend gemachten Fahrtkosten der Beschwerdeführerin zwischen Wohn- und Arbeits-
stätte von Fr. 3‘116.-- von der Steuerverwaltung zu Recht auf Fr. 912.-- (U-Abo) reduziert wur-
den.
a) Gemäss Art. 26 Abs. 1 lit. a DBG können bei unselbständiger Erwerbstätigkeit
von den steuerbaren Einkünften als Berufsunkosten die Kosten bis zu einem Maximalbetrag
von Fr. 3‘000.-- für Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte abgezogen werden.
b) Gemäss Art. 5 Abs. 2 der Verordnung des EFD über den Abzug von Berufskos-
ten der unselbständigen Erwerbstätigkeit bei der direkten Bundessteuer (Berufskostenverord-
nung) vom 10. Februar 1993 sind als Kosten abziehbar, die notwendigen Auslagen für die Be-
nützung öffentlicher Verkehrsmittel (lit. a) oder die notwendigen Kosten pro gefahrene Kilometer
für die Benützung eines privaten Fahrzeugs, sofern kein öffentliches Verkehrsmittel zur Verfü-
gung steht oder dessen Benützung objektiv nicht zumutbar ist (lit. b). Gemäss Anhang 2 zur
Berufskostenverordnung ist pro Fahrkilometer ein Abzug von Fr. 0.40 für Motorräder (mit weis-
sem Kontrollschild) und von Fr. 0.70 für Autos zulässig.
c) Die Zurückhaltung der Steuerbehörden bei der Gewährung der Fahrtkostenab-
züge beruht vor allem auf der Überlegung, dass der Verzicht auf die Benützung öffentlicher
Verkehrsmittel i.d.R. nicht auf eine arbeitsbedingte Notwendigkeit zurückzuführen ist, sondern
überwiegend dazu dient, die private Lebenshaltung bequemer und die Freizeit sinnvoller zu
gestalten. Aus diesem Grund haben die Autokosten in den überwiegenden Fällen den Charak-
ter von Lebenshaltungskosten, für die ein Steuerabzug nicht gerechtfertigt ist (Entscheid der
Steuerrekurskommission [heute Steuergericht] Nr. 121/1991 vom 30. August 1991, publ. in:
Basellandschaftliche Steuerpraxis [BlStPr], Bd. XI, S. 199 ff.).
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4. Die Beschwerdeführer machen sinngemäss geltend, die basellandschaftliche Praxis,
wonach bezüglich des Kriteriums der Unzumutbarkeit auf eine Minimalreisezeit von täglich 2 1⁄2
Stunden abgestellt werde, sei unzulässig. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung sei nur die
zeitliche Einsparung ein Kriterium für die Beurteilung, ob von einer Unzumutbarkeit der Benüt-
zung der öffentlichen Verkehrsmittel ausgegangen werden könne oder nicht. Es sei eine Zeiter-
sparnis mit dem Privatfahrzeug gegenüber den öffentlichen Verkehrsmitteln von mindestens
einer Stunde zu verlangen und nicht auf die gesamte Arbeitswegzeit abzustellen. Die Steuer-
verwaltung hält dafür, das Bundesgericht habe lediglich festgehalten, dass das Abstellen auf die
Zeitersparnis rechtmässig sei. Dies bedeute allerdings nicht, dass die basellandschaftliche Re-
gelung unzulässig wäre, da die Kantone frei seien, den Begriff der Unzumutbarkeit zu konkreti-
sieren.
a) Die basellandschaftliche Praxis hat das Kriterium der Unzumutbarkeit dahinge-
hend konkretisiert, dass die Benützung eines öffentlichen Verkehrsmittels dem Pflichtigen z.B.
bei einem täglichen Zeitaufwand von mehr als 2 1⁄2 Stunden nicht zugemutet werden kann. Die
Fahrtdauer wird als massgebendes Kriterium verwendet, um festzustellen, ob die Benützung
des öffentlichen Verkehrsmittels zumutbar ist (Schweighauser, in: Nefzger/Simonek/Wenk,
a.a.O., § 29 N 12). Dem spricht auch nicht entgegen, dass beispielsweise der Kanton Zürich
anders als der Kanton Basel-Landschaft nicht auf die gesamte Arbeitswegzeit abstellt, sondern
eine Zeitersparnis mit dem Privatfahrzeug gegenüber den öffentlichen Verkehrsmitteln von min-
destens einer Stunde verlangt. Dass das Kriterium des Kantons Zürich vom Bundesgericht im
Entscheid (BGer) 2C_343/2011 vom 25. Oktober 2011 als rechtmässig erachtet wurde,
schliesst entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer die Praxis des Kantons Basel-
Landschaft nicht aus, da die Kantone hinsichtlich der Auslegung des Begriffs der Unzumutbar-
keit autonom sind. Ein täglicher Reiseaufwand von mehr als 2 1⁄2 Stunden stellt ein sinnvolles
und geeignetes Abgrenzungskriterium zwischen abzugsfähigen notwendigen Ausgaben und
einer steuerlich nicht zu berücksichtigenden bequemeren Gestaltung der privaten Lebenshal-
tung dar. Im Gegensatz zur mit dem Privatfahrzeug realisierten Zeitersparnis werden die öffent-
lichen Verkehrsmittel nur geringfügig von äusseren Einflüssen beeinflusst. Bei der Praxis des
Kantons Basel-Landschaft handelt es sich um eine objektive, klare Regelung, welche sich an
einer leicht festzustellenden Fahrtzeit orientiert und dadurch auch Gewähr dafür bietet, dass
alle Steuerpflichtigen gleich behandelt werden (StGE vom 25. Oktober 2013, 530 13 20, E. 5c,
www.bl.ch/steuergericht). Daher sieht das Steuergericht keinen Anlass, von seiner langjährigen
Praxis (StGE vom 14. Februar 2014, 510 13 74; StGE vom 14. November 2014, 510 14 65;
StGE vom 19. Mai 2017, 510 17 24, publ. in: Der Steuerentscheid [StE] 2017, B 22.3 Nr. 118)
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abzuweichen und hält an der Regelung fest, wonach Unzumutbarkeit ab einer täglichen Fahrt-
zeit von über 2 1⁄2 Stunden angenommen wird.
b) Vorliegend beträgt der Zeitaufwand vom Wohn- zum Arbeitsort und zurück, wie
dies die Steuerverwaltung im Einspracheentscheid vom 6. Juli 2017 richtigerweise festgehalten
hat, maximal 2 Stunden und 5 Minuten, was seitens der Beschwerdeführer denn auch nicht
bestritten wird. Die Benützung des Privatautos ist demnach zur Erzielung des Erwerbseinkom-
mens nicht unbedingt erforderlich, sondern dient der effizienten Gestaltung des Privatlebens.
So führen die Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang aus, mit dem Auto sei die Be-
schwerdeführerin schneller zu Hause, um die schulpflichtige Tochter zu betreuen. Die von den
Beschwerdeführern geltend gemachten Fahrtkosten von Fr. 3‘116.-- wurden von der Steuer-
verwaltung damit zu Recht auf Fr. 912.-- (U-Abo) reduziert. Entsprechend ist die Beschwerde in
diesem Punkt abzuweisen.
5. Weiter unterliegt der Beurteilung, ob die vom Beschwerdeführer nebst den Kosten für
die öffentlichen Verkehrsmittel deklarierten Kosten für das Fahrrad von Fr. 700.-- zu Recht ge-
strichen wurden.
a) Wie bereits weiter oben dargetan, können gemäss Art. 26 Abs. 1 lit. a DBG bei
unselbständiger Erwerbstätigkeit von den steuerbaren Einkünften als Berufsunkosten die Kos-
ten bis zu einem Maximalbetrag von Fr. 3‘000.-- für Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte
abgezogen werden.
b) Wie ebenfalls bereits hiervor ausgeführt, sind gemäss Art. 5 Abs. 2 lit. b Berufs-
kostenverordnung die notwendigen Kosten pro gefahrene Kilometer für die Benützung eines
privaten Fahrzeugs, sofern kein öffentliches Verkehrsmittel zur Verfügung steht oder dessen
Benützung objektiv nicht zumutbar ist, abziehbar. Gemäss Anhang 2 zur Berufskostenverord-
nung können Unselbständigerwerbende bei Benützung eines Fahrrades, eines Motorfahrrades
oder eines Motorrades mit gelbem Kontrollschild Fr. 700.-- pro Jahr als Erwerbsunkosten ab-
ziehen.
c) Gemäss Baselbieter Steuerbuch, Bd. 1 - Einkommen 29 Nr. 1 kann der Pauscha-
labzug von Fr. 700.-- im Regelfall nicht neben dem Abzug für das öffentliche Verkehrsmittel zu
stehen kommen. Nur wenn der Fussweg bis zur nächsten Haltestelle 1,5 Kilometer übersteigt,
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ist der ausschliessliche Gebrauch des öffentlichen Verkehrsmittels als unzumutbar zu qualifizie-
ren (www.bl.ch/steuerverwaltung).
d) Auf welche Weise der Berufsweg zurückgelegt wird, lässt das Gesetz offen, zu-
mal es ohnehin nicht Sache des Steuerrechts sein kann, Vorschriften zur Gestaltung des Be-
rufswegs zu machen. Zwar ergibt sich insofern eine Präferenz für den öffentlichen Verkehr, als
die Kosten des Privatfahrzeugs nur subsidiär geltend gemacht werden können. Damit verfolgen
Verwaltung und Gerichte eine gewisse Lenkungswirkung. Bei aller Präferenz werden aber we-
der die Kosten des privaten Fahrzeugs ausgeschlossen noch ist überhaupt vorgesehen, dass
der Arbeitsweg "artrein" - entweder ausschliesslich mit privatem oder öffentlichem Verkehrsmit-
tel - zu bewältigen wäre (BGer 2C_745/2017 vom 21. September 2017, E. 2.4.1, m.w.H.). In der
Praxis, die von immer längeren Berufswegen geprägt ist, dürfte es zunehmend zu einem "Sys-
tembruch" oder "Split" kommen, indem hintereinander mehrere Verkehrsmittel benützt werden,
um ans Ziel zu gelangen. Dieser Realität will und kann sich das Verordnungsrecht nicht ver-
schliessen, zumal hierzu ohnehin keine gesetzliche Grundlage besteht. Eine derartige Ein-
schränkung der Handlungsfreiheit der steuerpflichtigen Personen bedürfte in jedem Fall einer
gesetzlichen Grundlage. Daran fehlt es, zumal eine derart künstliche Vorgabe weder volkswirt-
schaftlich noch steuerrechtlich wünschbar wäre. Gegenteils kann es die Produktivität nur positiv
beeinflussen, wenn die Werktätigen nach dem für sie kürzesten Arbeitsweg suchen. Dies
schliesst nicht aus, dass grundsätzlich nur die Kosten des öffentlichen Verkehrs abzugsfähig
sind, kommt doch hier der Lenkungsgedanke ins Spiel. Dieser bedeutet aber nicht, dass zwin-
gend nur alternativ Kosten des öffentlichen oder des privaten Verkehrs abziehbar wären (BGer
2C_745/2017, a.a.O., E. 2.4.2). Nichts an den bisherigen Ausführungen ändert, dass die Fahr-
radpauschale von Fr. 700.--, gemessen an der Kilometerpauschale für Autos von Fr. 0.70, einer
jährlichen Fahrleistung von 1'000 Kilometern entspricht. Es trifft zwar zu, dass mit dem Auto an
220 Arbeitstagen je rund 4,5 Kilometer zurückgelegt werden könnten, sodass das Fahrrad bei
einem noch kürzeren Arbeitsweg zu einem höheren Abzug führt als das Auto. Pauschalierun-
gen und Schematisierungen sind im Abgaberecht, das ein Massenfallrecht ist, ebenso verbreitet
wie zulässig. Sie sind insbesondere dann rechtsgleich und willkürfrei, wenn sie sich an einem
Durchschnittssachverhalt orientieren. Dies ist hier der Fall. Der Verordnungsgeber hat sich eine
bestimmte durchschnittliche Fahrleistung vor Augen gehalten. Allein der Umstand, dass diese
unterschritten oder übertroffen werden kann, schliesst die Zulässigkeit des Abzugs im Einzelfall
nicht aus (BGer 2C_745/2017, a.a.O., E. 2.4.3, m.w.H.).
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e) Fraglich kann sein, wie es sich mit dem Erfordernis der Unzumutbarkeit verhält.
Unzumutbarkeit besteht, wenn die steuerpflichtige Person gebrechlich oder kränklich ist, wenn
die nächste Haltestelle eines öffentlichen Verkehrsmittels weit von der Wohn- oder Arbeitsstätte
entfernt ist, wenn Arbeitsbeginn und Arbeitsschluss zu nicht fahrplanmässigen Zeiten erfolgen
oder wenn sie ganz allgemein für ihre Berufsausübung auf ein Motorfahrzeug angewiesen ist. In
den Fällen, die zu dieser Praxis führten, ging es aber durchwegs darum, ob es sich rechtfertige,
die Kosten des Autos (anstelle des öffentlichen Verkehrsmittels) zum Abzug zuzulassen. Diese
Grenzziehung folgt insofern eigenen Gesetzmässigkeiten, als wie hiervor gesehen eine Präfe-
renz für das öffentliche Verkehrsmittel besteht. Soweit es um die Abgrenzung zwischen Fuss-
marsch und Busfahrt einerseits und Fahrradfahrt anderseits geht, entfällt diese Bevorzugung
des öffentlichen Verkehrs. Entscheidend kann mit Blick auf das Gesetz nur sein, ob die Fahr-
radfahrt, die gegenüber dem Fussmarsch mit zusätzlichen Kosten verbunden ist, einen inneren,
wirtschaftlichen Bezug zur Sphäre der Einkommenserzielung aufweist (BGer 2C_745/2017,
a.a.O., E. 2.5.1, m.w.H.). Entsprechend stellt sich die Frage von vornherein in einem andern
Licht. Wenn der Fahrradabzug selbst bei einem Arbeitsweg von zwei Kilometern (ohne mittägli-
che Rückkehr) oder von lediglich einem Kilometer (wenn die Mittagspause zuhause verbracht
wird) gewährt wird, liegt es auf der Hand, dass der Verordnungsgeber nahezu jede Fahrradfahrt
zur Arbeitsstätte und zurück als "wirtschaftlich durch die Erwerbstätigkeit veranlasst" erachtet.
Kein Unterschied besteht, wenn das Fahrrad (nur) dazu dient, den öffentlichen Verkehr zu er-
reichen. Eine Differenzierung anhand dessen, ob der Berufsweg mit verschiedenartigen Ver-
kehrsmitteln bewältigt wird, findet im Gesetz keine Stütze. Dies würde im Übrigen steuerpflichti-
ge Personen, die nicht in Zentrumslage wohnen und durchgängig auf den öffentlichen Verkehr
zurückgreifen können, erheblich benachteiligen (BGer 2C_745/2017, a.a.O., E. 2.5.2). Eine
steuerpflichtige Person, welche den Bus meidet, trägt dazu bei, dass die öffentlichen Verkehrs-
mittel in den Stosszeiten nicht weiter ausgebaut werden müssen. Auch dem pauschalen Fahr-
radabzug darf eine gewisse Lenkungswirkung zugeschrieben werden. Es ist, auch mit Blick auf
den verhältnismässig geringfügigen Abzug, insgesamt eine grosszügige Praxis am Platz (BGer
2C_745/2017, a.a.O., E. 2.5.4).
f) Vorliegend hat die Steuerverwaltung den deklarierten Pauschalabzug für das
Fahrrad mit der Begründung, die Entfernung zur Haltestelle betrage weniger als 1,5 Kilometer,
in Übereinstimmung mit der von ihr im Baselbieter Steuerbuch festgelegten Veranlagungspra-
xis, gestrichen. Die Steuerverwaltung stützt sich damit auf das Kriterium der Zumutbarkeit, wel-
ches sich aus der Abgrenzung zwischen öffentlichen Verkehrsmitteln und Motorfahrzeug ablei-
tet. Eine solche Einschränkung ist hinsichtlich der Fahrradpauschale aber weder dem Wortlaut
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von Art. 26 Abs. 1 lit. a DBG i.V.m. Art. 5 Abs. 2 lit. b Berufskostenverordnung und deren An-
hang 2 zu entnehmen noch ergibt sie sich aus der hiervor zitierten Lehre und Praxis. Vielmehr
entfällt bei der Abgrenzung zwischen Fussmarsch und Fahrradfahrt die Bevorzugung des öf-
fentlichen Verkehrs und ist einzig entscheidend, ob die Fahrradfahrt einen inneren, wirtschaftli-
chen Bezug zur Sphäre der Einkommenserzielung aufweist. Für die Behauptung des Be-
schwerdeführers, er fahre aufgrund des unpraktischen Fahrplans anstelle des Busses mit dem
Fahrrad zur Tramstation, fehlt zwar ein unmittelbarer Nachweis. Einerseits hat der Beschwerde-
führer dies aber bereits, unter Verweis auf die Vorjahre, unter den Bemerkungen in der Steuer-
klärung angeführt. Andererseits ist nachvollziehbar, dass er vom Wohnort nicht einen längeren
Fussmarsch zur nächstgelegenen Bushaltestelle absolviert, alsdann eine kurze Strecke mit
dem Bus zur Tramhaltestelle fährt, um dort auf den Anschluss des Trams zu warten, wenn er
dieselbe Strecke ohne Fussmarsch, Umsteigen bzw. Wartezeit und damit bedeutend effizienter
mit dem Fahrrad bewältigen kann. In diesem Punkt ist die Beschwerde deshalb gutzuheissen
und neben den Kosten für die öffentlichen Verkehrsmittel (U-Abo) die Fahrradpauschale von
Fr. 700.-- zum Abzug zuzulassen.
Damit ist die Beschwerde insgesamt teilweise gutzuheissen.
6. Es bleibt über die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu befinden. Da wie eingangs ge-
sehen die Steuerverwaltung das rechtliche Gehör nicht verletzt hat, sind die Kosten praxisge-
mäss aufzuerlegen.
a) Ausgangsgemäss sind den Beschwerdeführern gemäss Art. 144 Abs. 1 DBG
reduzierte Verfahrenskosten aufzuerlegen. Entsprechend dem teilweisen Obsiegen im Umfang
von rund einem Drittel haben sie Verfahrenskosten von Fr. 330.-- zu bezahlen.
b) Gemäss Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 bis 3 des Bundesgesetzes
über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG) kann der ganz oder teilweise
obsiegenden Partei für den Beizug eines Vertreters eine angemessene Parteientschädigung
zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Anlässlich der heutigen Verhandlung macht
die Vertreterin der Beschwerdeführer eine Parteientschädigung für die beiden Parallelverfahren
betreffend Staats- und direkte Bundessteuer 2016 von Fr. 324.-- geltend, welche sich aus ei-
nem Honorar von 2 Stunden à Fr. 150.-- und Mehrwertsteuer (MWST) von Fr. 24.-- zusammen-
setzt. Da die Beschwerdeführer zusätzliche Portokosten geltend gemachten haben, ergibt sich
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eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 330.--. Damit ist den Beschwerdeführern entspre-
chend ihrem teilweisen Obsiegen im Umfang von rund einem Drittel eine reduzierte Parteient-
schädigung von Fr. 110.-- (inkl. Auslagen und MWST) bzw. für das vorliegende Verfahren be-
treffend direkte Bundessteuer 2016 von Fr. 55.-- (= Fr. 110.-- / 2) zulasten der Beschwerdegeg-
nerin zuzusprechen.
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