Decision ID: 6fb69955-de00-4d79-a240-6b94f05a5148
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend qualifizierte Hinterziehung der Steuer etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Ein-
zelgericht, vom 29. September 2015 (GA150002)
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Anklage:
Die Überweisung der Eidgenössischen Zollverwaltung (EVZ), Oberzolldirektion
vom 23. Februar 2015 (Urk. 2A), welche als Anklage gilt, sowie die Strafverfügung
der EVZ, Oberzolldirektion, vom 9. Januar 2015 (Urk. 2B) sind diesem Urteil bei-
geheftet.
Verfügung und Urteil der Vorinstanz:
Es wird verfügt:
1. Das Gesuch um Bestellung eines amtlichen Verteidigers wird abgewiesen.
2. Schriftliche Mitteilung an
− die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten; − die Eidgenössische Zollverwaltung EZV sowie − die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich.
3. Gegen diesen Entscheid kann innert 10 Tagen von der Zustellung an beim
Obergericht des Kantons Zürich, III. Strafkammer, Postfach 2401,
8021 Zürich, schriftlich und begründet Beschwerde eingereicht werden.
Sodann wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der qualifizierten Hinterziehung der Steuer im
Sinne von Art. 36 Abs. 1 und Abs. 2 lit. b AStG, der mehrfachen Gefährdung
der Steuer im Sinne von Art. 36 Abs. 1 AStG, der mehrfachen Hinterziehung
der Steuer im Sinne von Art. 85 Abs. 1 aMWSTG sowie der Hinterziehung
der Steuer im Sinne von Art. 96 Abs. 4 lit. a MWSTG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Busse von Fr. 45'000.–. Der Be-
schuldigte wird darauf hingewiesen, dass die Busse bei Uneinbringlichkeit
derselben in eine Freiheitsstrafe umgewandelt werden kann.
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3. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 3'600.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 35.00 Zeugenentschädigung.
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
4. Die Kosten gemäss vorstehender Ziffer sowie die Kosten des Verwaltungs-
strafverfahrens in der Höhe von Fr. 4'530.00 werden dem Beschuldigten
auferlegt.
Über die dem Beschuldigten von der Eidgenössischen Zollverwaltung EZV
auferlegten Kosten 'Verwaltungsstrafverfahren' stellt die Eidgenössiche Zoll-
verwaltung EZV Rechnung.
Berufungsanträge:
Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 39 S. 1)
1. Es sei der vorinstanzliche Entscheid des Bezirksgerichts Zürich vom
29. September 2015 vollumfänglich aufzuheben;
2. Der Berufungskläger sei von Schuld und Strafe freizusprechen;
3. Eventualiter sei der Berufungskläger zu einer Busse von CHF 100 zu
verurteilen;
4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Berufungs-
beklagten.
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b) Der Gesuchstellerin 1:
(Urk. 41 S. 11)
5. Der Beschuldigte sei der qualifizierten Automobilsteuerhinterziehung im
Sinne von Art. 36 Abs. 1 und 2 lit. b des Automobilsteuergesetzes vom
21. Juni 1996 (AStG; SR 641.51), der mehrfach vorsätzlich begange-
nen Automobilsteuergefährdung nach Art. 36 Abs. 1 AStG sowie der
mehrfach vorsätzlich begangenen Mehrwertsteuerhinterziehung im
Sinne von Art. 85 Abs. 1 des Mehrwertsteuergesetzes vom
2. September 1999 (aMWSTG; AS 2000 1300) und von Art. 96 Abs. 4
lit. a des Mehrwertsteuergesetzes vom 12. Juni 2009 (MWSTG; SR
641.20) schuldig zu sprechen.
6. Der Beschuldigte sei zu einer Busse von Fr. 45'000.– zu verurteilen.
7. Es seien ihm die Verfahrenskosten der Verwaltung von Fr. 4'530.– so-
wie die Gerichtskosten aufzuerlegen.
Eventualiter:
8. Der Beschuldigte sei der mehrfach fahrlässig begangenen Automobil-
steuerhinterziehung im Sinne von Art. 36 Abs. 1 des Automobilsteuer-
gesetzes vom 21. Juni 1996 (AStG; SR 641.51), der mehrfach fahrläs-
sig begangenen Automobilsteuergefährdung nach Art. 36 Abs. 1 AStG
sowie der mehrfach fahrlässig begangenen Mehrwertsteuerhinterzie-
hung im Sinne von Art. 85 Abs. 3 des Mehrwertsteuergesetzes vom
2. September 1999 (aMWSTG; AS 2000 1300) und von Art. 96 Abs. 4
lit. a des Mehrwertsteuergesetzes vom 12. Juni 2009 (MWSTG; SR
641.20) schuldig zu sprechen.
9. Der Beschuldigte sei zu einer angemessenen Busse zu verurteilen.
10. Es seien ihm die Verfahrenskosten der Verwaltung von Fr. 4'530.– so-
wie die Gerichtskosten aufzuerlegen.
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Erwägungen:
I.
a) Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, im Zeitraum vom 11. Mai 2006 bis
zum 16. Februar 2010 die Deklaration von insgesamt 95 von der Firma des Be-
schuldigten importierten Autos bei den Zollbehörden zu einem tieferen als dem
von ihm tatsächlich bezahlten Kaufpreis veranlasst zu haben. Dies habe zur Folge
gehabt, dass in 92 Fällen die Automobilsteuer um insgesamt Fr. 55'395.90 und
die Mehrwertsteuer um insgesamt Fr. 109'462.35 zu niedrig veranlagt worden sei.
Bei drei Fahrzeugen sei der tatbestandsmässige Erfolg nicht eingetreten, weil die
Zollbeamten die Falschdeklarationen bemerkt und eine Verwaltungsstrafuntersu-
chung eingeleitet hätten. In diesen Fällen seien aber immerhin Automobilsteuern
von insgesamt Fr. 1'665.85 gefährdet worden (Urk. 2a und 2b).
b) Am 6. Juni 2012 erliess die Eidgenössische Zollverwaltung einen Strafbe-
scheid, mit welchem gegen den Beschuldigten wegen mehrfacher Hinterziehung
von Mehrwertsteuern und qualifizierter Hinterziehung von Automobilsteuern eine
Busse von Fr. 55'000.– ausgefällt wurde (Urk. 3/193). Aufgrund einer Einsprache
des Beschuldigten (Urk. 3/197) erliess die Eidgenössische Zollverwaltung am
9. Januar 2015 eine Strafverfügung, worin der Beschuldigte erneut der genannten
Delikte schuldig gesprochen, die Busse aber auf Fr. 45'000.– herabgesetzt und
auch die Kostenauflage etwas reduziert wurde (Urk. 3/216 S. 17). Der Beschuldig-
te stellte daraufhin rechtzeitig (vgl. Urk. 2/217) das Begehren um gerichtliche Be-
urteilung (Urk. 3/221), worauf die Akten der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons
Zürich (Urk. 2a) und von dieser wiederum dem Bezirksgericht Zürich überwiesen
wurden (Urk. 1).
c) Der dortige Einzelrichter in Strafsachen bestätigte den Entscheid der Eid-
genössischen Zollverwaltung mit Urteil vom 29. September 2015 sowohl im
Schuld- als auch im Strafpunkt (Urk. 24 S. 48/49).
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d) Gegen das schriftlich und begründet eröffnete vorinstanzliche Urteil liess
der Beschuldigte fristgerecht (vgl. Urk. 23/3) die Berufung erklären (Urk. 25), mit
welcher er im Hauptstandpunkt einen vollumfänglichen Freispruch anstrebt und
eventualiter eine Reduktion der Busse auf Fr. 100.– beantragt, alles unter Kosten-
und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates (a.a.O., S. 2). Dem zugleich
gestellten Gesuch um Einsetzung von Rechtsanwalt lic. iur. X._ als amtlicher
Verteidiger wurde mit Präsidialverfügung vom 1. Dezember 2015 entsprochen
(Urk. 33). Die Eidgenössische Zollverwaltung und die Oberstaatsanwaltschaft des
Kantons Zürich erklärten mit Eingaben vom 19. bzw. 25. November 2015, keine
Anschlussberufung zu erheben (Urk. 29 und 30). Im Berufungsverfahren wurden
keine Beweisanträge gestellt. Nach der heutigen Berufungsverhandlung erweist
sich der Prozess als spruchreif.
II.
1. Die Vorinstanz prüfte eingehend, ob die eingeklagten Steuerdelikte be-
reits ganz oder teilweise verjährt waren, und verneinte dies mit zutreffender Be-
gründung, auf die verwiesen werden kann (Urk. 24 S. 5-9; Art. 82 Abs. 4 StPO).
Diese Feststellung ist auch heute gültig, da nach Ergehen des erstinstanzlichen
Gerichtsurteils die Verjährung nicht mehr eintreten kann (Art. 97 Abs. 3 in Verbin-
dung mit Art. 333 Abs. 1 StGB). Die Verteidigung macht denn auch vorliegend
keine Verjährung geltend, so dass sich weitere Ausführungen hierzu erübrigen.
2. Die Tatsache und das Ausmass der von der Eidgenössischen Zollverwal-
tung in 95 Fällen festgestellten Falschdeklarationen des Kaufpreises, den die
B._ GmbH (nachfolgend: B._) für die von ihr importierten Fahrzeuge
entrichtet hatte, wurde vom Beschuldigten nie bestritten und wird auch mit der
vorliegenden Berufung nicht in Frage gestellt. Davon kann somit in objektiver Hin-
sicht ausgegangen werden.
3. Der Beschuldigte macht indessen geltend, dass er immer eine Speditions-
firma – anfänglich die C._ SA (nachfolgend: C._) und später die
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D._ AG (nachfolgend: D._) – mit der Verzollung der Autos beauftragt
habe. Die Spediteure hätten teils von ihm, teils aber auch direkt von den Lieferan-
ten alle zur korrekten Zolldeklaration erforderlichen Angaben erhalten. Die Steu-
erhinterziehungen seien ohne sein Wissen und schon gar nicht auf seine Veran-
lassung erfolgt. Wie es sich damit verhält, ist nachfolgend zu prüfen. Dabei kann
vorab auf die sorgfältigen und im wesentlichen überzeugenden Erwägungen der
Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 24 S. 19-36; Art. 82 Abs. 4 StPO). Die nach-
folgenden Ausführungen sind demgemäss vorwiegend zusammenfassender und
präzisierender Natur.
4. a) Aus den Aussagen des Beschuldigten (Urk. 3/29 und 3/53, Prot. I
S. 36-58, Prot. II S. 12-19) und den bei der B._ und der C._ (bzw.
D._) sichergestellten Dossiers (Urk. 3/28/1-171) erhellt, dass die in Frage
stehenden Autoimportgeschäfte wie folgt abgewickelt wurden: Der Beschuldigte
bestellte jeweils bei Lieferanten in den Vereinigten Staaten ein Auto. Bevor dieses
nach E._ verschifft wurde, musste er eine Anzahlung in der Grössenordnung
von 30 % des Kaufpreises leisten. Nach der Ankunft des Autos im Zielhafen wur-
de die Restzahlung fällig. Erst nach deren Leistung konnte der Spediteur das
Fahrzeug abholen, verzollen und ans Domizil der B._ GmbH transportieren
lassen. Die C._ übertrug den Auftrag zum Verkehr mit den Zollbehörden je-
weils der F._ AG International (nachfolgend: F._). Der Beschuldigte
liess sich von den Lieferanten zwei separate Rechnungen für die Teilzahlungen
und mindestens teilweise zusätzlich eine Gesamtrechnung stellen. Die bei den
Spediteuren sichergestellten Akten zeigen ein uneinheitliches Bild. In einem Teil
der C._-Dossiers liegt nur eine von der B._ übermittelte Rechnung über
den höheren Teilbetrag, d.h. die vor Freigabe des Fahrzeugs aus E._ zu leis-
tende Restzahlung von ca. 70 % des Kaufpreises (so z.B. bei der C._
Urk. 3/28/14, 3/28/25 und 3/28/26). Andere Dossiers enthalten daneben Rech-
nungen und andere Unterlagen, welche die Lieferanten den Spediteuren direkt
übermittelten. Darunter befinden sich bei der C._ zumindest teilweise auch
Rechnungen, die auf den vollen Kaufpreis lauten (so etwa in Urk. 3/28/36,
3/28/56) oder etwa eine Mahnung, welche diesen Preis nennt (Urk. 3/28/22,
3/28/29). In einigen Fällen liegen in den C._-Dossiers ausschliesslich von
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den Lieferanten übermittelte Unterlagen (so etwa Urk. 3/28/37 und Urk. 3/28/38 je
die Gesamt- und die höhere Teilrechnung). Vereinzelt war bei der C._ gar
nichts vorhanden (Urk. 3/28/41). Die Dossiers der D._ (Urk. 3/28/157-171)
enthalten mit einer Ausnahme (Urk. 3/28/160: Shipping Instructions mit einer
Wertangabe, die zwischen zweiter Teilzahlung und Gesamtpreis liegt) stets nur
eine von der B._ weitergeleitete, auf den höheren Teilzahlungsbetrag lauten-
de Rechnung. Unabhängig von diesen Unterschieden in der bei den Spediteuren
vorgefundenen Aktenlage wurde regelmässig statt des vollen Kaufpreises nur der
Betrag der Restzahlung von ca. 70 % desselben als Fahrzeugwert deklariert.
b) Vorab stellt sich die Frage, weshalb die Lieferanten dem Beschuldigten
jeweils zwei Teilrechnungen und meistens zusätzlich auch noch eine Gesamt-
rechnung stellten, wobei in vielen Fällen alle Rechnungen dasselbe Datum tra-
gen. Der Beschuldigte begründete dies vor Vorinstanz und anlässlich der Beru-
fungsverhandlung damit, dass er die Teilrechnungen benötigt habe, um gegen-
über der Bank zu belegen, welchem Zweck die Zahlungen dienten. Die Gesamt-
rechnung habe er für die Buchhaltung (der B._) gebraucht, damit man später
habe nachprüfen können, wohin das Geld geflossen sei (Prot. I S. 44/47; Prot. II
S. 14). Diese Aussagen implizieren, dass die Initiative zu dieser Form der Rech-
nungstellung von ihm ausgegangen war. Dass einerseits die Lieferanten als Si-
cherheit eine Anzahlung verlangten und anderseits der Beschuldigte die Restzah-
lung erst leisten wollte, wenn er auch sicher war, das Auto zu erhalten, und das
Geld darüber hinaus zudem länger verfügbar blieb (Prot. I S. 40; Prot. II S. 14),
leuchtet ohne weiteres ein. Eine Gesamtrechnung (allenfalls verbunden mit einem
Hinweis auf die Fälligkeit des Kaufpreises in zwei Raten) hätte aber zweifellos
auch bei Leistung von zwei Teilzahlungen genügt, um gegenüber der Bank im
Hinblick auf das Geldwäschereigesetz den Rechtsgrund der Überweisungen in
die USA zu belegen. Zusammen mit den beiden Zahlungsbelegen hätte sie auch
einen sauberen Beleg für die Buchhaltung gebildet. Der vom Beschuldigten ange-
gebene Grund für die eher ungewöhnliche Art der Fakturierung erscheint deshalb
als fadenscheinig. Wenn hingegen die Zollbehörden nach der vorliegend ange-
wandten Methode hinsichtlich der Höhe des für die importierten Autos bezahlten
Kaufpreises getäuscht werden sollten, war das Vorhandensein einer "passenden"
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Teilrechnung zwingend erforderlich. Diese durfte dabei keinen Hinweis darauf
enthalten, dass es sich um eine Anzahlung bzw. Restzahlung handelte. Dies war
denn auch in aller Regel so. Dass der Beschuldigte von den Lieferanten solche
Rechnungen verlangte, bildet daher ein deutliches Indiz für seine aktive Beteili-
gung an den eingeklagten Steuerdelikten.
c) Nicht stichhaltig ist die Erklärung des Beschuldigten, der gegenüber dem
vollen Kaufpreis niedrigere zur Verzollung angemeldete Fahrzeugwert hänge
möglicherweise mit Schäden an früher gelieferten Fahrzeugen zusammen, die mit
dem Kaufpreis verrechnet worden seien (Prot. I S. 39). Der Beschuldigte brachte
nämlich anderseits vor, dass der Selbstbehalt bei der Transportversicherung mit
Fr. 1'000.– so hoch gewesen sei, dass er die Schäden praktisch immer selber ha-
be übernehmen müssen (a.a.O., S. 38). Daraus erhellt, dass die allermeisten
Schäden viel zu geringfügig waren, als dass daraus bei einem nachfolgenden Au-
tokauf eine Preisreduktion in der Grössenordnung von 30 % hätte resultieren
können. Erst recht konnte dies nicht bei einer Vielzahl von Fahrzeugimporten ge-
schehen. In diesem Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, dass der Be-
schuldigte kurz darauf behauptete, von einer Transportversicherung überhaupt
nichts gewusst zu haben (Prot. I S. 45). Auf den Vorhalt, dass ihm die C._
die entsprechende Prämie regelmässig verrechnet habe, behauptete er, dies nie
bemerkt zu haben (a.a.O., S. 46). Zuvor hatte er indessen ausgesagt, dass er die
Transportversicherung wegen des hohen Selbstbehalts nicht mehr gemacht habe
(a.a.o., S. 38). Auch dies stimmt so nicht: Auf den Rechnungen der C._ fin-
det sich die Position "Transportversicherung" bis zuletzt. Erst bei den (wenigen)
über die D._ abgewickelten Importen (act. 3/28/157-171) ist dies nicht mehr
der Fall. Auch die fast immer präzise Übereinstimmung der Differenz zwischen
dem Gesamtkaufpreis und dem verzollten Fahrzeugwert mit der geleisteten An-
zahlung belegt, dass sie nichts mit Schäden an Fahrzeugen zu tun hat, denn de-
ren Höhe wäre naturgemäss sehr unterschiedlich ausgefallen. Zwingend zum sel-
ben Schluss führt im übrigen die Tatsache, dass sich in den Dossiers aus den Ak-
tenbeständen der B._ regelmässig Belege für zwei Banküberweisungen be-
finden, die betragsmässig den beiden in Rechnung gestellten Teilbeträgen ent-
sprechen (so z:B Urk. 3/28/14, 3/28/25, 3/28/26, 3/28/27, 3 i.V.m. 3/28/29, 3/8/37,
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3/28/38, 3/28/47 und viele andere mehr). Es wurde also nichts verrechnet, son-
dern der volle Kaufpreis bezahlt. Anlässlich der Berufungsverhandlung unterliess
es der Beschuldigte denn auch, erneut mit der Verrechnung von Fahrzeugschä-
den zu argumentieren (Prot. II S. 12 ff.).
d) Von zentraler Bedeutung und zugleich streitig ist, welche Anweisungen
der Beschuldigte seinen Sekretärinnen bezüglich der Übermittlung von Lieferan-
tenrechnungen an die Spediteure erteilte.
aa) Der Beschuldigte sagte hierzu bei der Zollverwaltung aus, er habe ganz
klar die Anweisung gegeben, alle für die Verzollung nötigen Dokumente weiterzu-
leiten (Urk. 3/29 S. 8, Urk. 3/53 S. 19). Für eine korrekte Zolldeklaration brauche
der Spediteur die Lieferantenrechnung mit Angabe des Einkaufspreises des Fahr-
zeugs (Urk. 3/29 S. 8). Er, der Beschuldigte, habe nie einen Grund gehabt, daran
zu zweifeln, dass seine Mitarbeiterinnen die Rechnung mit dem Gesamtpreis an
die Spediteure übermittelt hätten (Urk. 3/53, S. 19). Die diesbezüglichen Aussa-
gen seiner Sekretärinnen seien "unglaublich" (a.a.O., S. 22/23), diejenigen von
G._ (C._) "erstunken und erlogen" (a.a.O., S. 25). Vor Bezirksgericht
gab der Beschuldigte zu Protokoll, er habe seine Mitarbeiterinnen angewiesen,
sämtliche der B._ zugestellten Rechnungen sofort zum Zwecke der Zollde-
klaration an den Spediteur weiterzuleiten (Prot. I S. 42). Man habe nichts falsch
machen wollen und deshalb alle Rechnungen übermittelt (a.a.O., S. 45). Es seien
alle Belege gesendet worden, welche im Zeitpunkt der Faxübermittlung vorhan-
den gewesen seien (Prot. I S. 49). Zu dieser letzten Aussage ist anzumerken,
dass der B._ zu diesem Zeitpunkt zumindest in den zahlreichen Fällen, in
denen die Teilrechnungen und die Gesamtrechnung vom selben Datum stamm-
ten, alle drei Rechnungen vorlagen. Demnach müssten aus diesen Dossiers auch
alle drei Rechnungen übermittelt worden sein. In der Berufungsverhandlung sagte
der Beschuldigte ebenfalls aus, er sei besorgt gewesen um eine saubere Buch-
haltung (Prot. II S. 14). Zudem betonte er jedoch wiederholt, er sei kein Buchhal-
ter gewesen, sondern habe die Zollveranlagung immer delegiert (Prot. II S. 13 f.).
Seinen Sekretärinnen habe er nach der Einarbeitung keine spezifischen Anwei-
sungen gegeben. Diese hätten genau gewusst, was zu tun wäre. Der ganz klare
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Auftrag sei gewesen, dass sofort alle Rechnungen an die Spedition gelangten, wo
die Verzollung stattgefunden habe (Prot. II S. 15). Die einvernommenen Sekretä-
rinnen hätten ihre eigene Haut retten wollen (Prot. II S. 16). Zudem frage er sich
heute noch, weshalb Frau H._, seine damalige Buchhalterin, nicht befragt
worden sei (Prot. II S. 13 und S. 17).
bb) Was die letztere Bemerkung des Beschuldigten angeht, so ist vorab zu
konstatieren, diese H._ als Buchhalterin die erfolgten Zahlungen lediglich im
Nachhinein zu verbuchen hatte. In die Deklaration der Geschäfte an die Zollbe-
hörden war sie nicht involviert und es war auch nicht ihre Aufgabe, die steuer-
rechtliche Richtigkeit der Deklarationen zu überprüfen. Die inkriminierten Hand-
lungen erfolgten jeweils, bevor die Buchhaltung ins Spiel kam. Eine Befragung
von H._ – welche im Übrigen von der Verteidigung auch nie beantragt wurde
– verspräche daher im Gegensatz zur solchen von I._ und J._, welche
für die Weiterleitung der bezahlten Rechnungen an die Spediteure zur Zwecke
der Zolldeklaration zuständig waren, keine weiteren relevanten Erkenntnisse.
cc) I._ gab an, dass der Beschuldigte ihr ausdrücklich gesagt habe,
welche Rechnung an die C._ zu faxen sei. Nach der Übermittlung habe sie
ihm diese sofort zurückgeben müssen. Die D._ habe teilweise nachgefragt,
ob dies alles sei. Der Beschuldigte habe daraufhin erklärt, er kümmere sich selber
darum. Auf Fragen von ihrer Seite habe er erwidert, sie habe sich "verdammt
nochmals" nur um das zu kümmern, was er ihr auftrage, und keine Fragen zu stel-
len (Urk. 3/50 S. 2). Der Beschuldigte habe ihr jeweils nur eine Rechnung zum
Faxen gegeben. Sie habe nicht gewusst, dass zwei Teil- und eine Gesamtrech-
nung gestellt worden seien, aber teilweise bemerkt, dass es zwei Rechnungen
gegeben habe. Der Beschuldigte habe sie aber angewiesen, nur die eine zu fa-
xen, und sei bei Rückfragen sehr wütend geworden (a.a.O., S. 5/6). In der vo-
rinstanzlichen Hauptverhandlung vermochte sich die Zeugin – 41⁄2 Jahre später
nicht erstaunlich – nicht mehr an Einzelheiten zu erinnern. Sie bestätigte, bei der
Zollbehörde die Wahrheit gesagt zu haben (Prot. I S. 75/77), und sagte weiter
aus, dass sie stets nur auf Anweisung des Beschuldigten gehandelt habe (a.a.O.,
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S. 78/79) und er ihr das Dokument, welches sie habe faxen müssen, jeweils in die
Hand gedrückt habe (a.a.O., S. 81).
dd) J._ sagte in der Untersuchung aus, dass sie alle Aufträge vom Be-
schuldigten erhalten habe und nur auf dessen Anweisung habe handeln dürfen
(Urk. 3/52 S. 3). Manchmal habe sie auch Rechnungen an die C._ senden
müssen (a.a.O., S. 2). Es habe immer drei Rechnungen gegeben, zwei Teil- und
eine Gesamtrechnung. Auf Anweisung des Beschuldigten habe sie dann eine
Rechnung gefaxt. Sie sei nicht sicher, ob sie auch mehrere Rechnungen gefaxt
habe (a.a.O., S. 3). Im weiteren Verlauf der Befragung gab J._ an, sie habe,
soweit sie sich erinnern könne, jeweils zwei Teilrechnungen an die Speditionsfir-
ma übermittelt (a.a.O., S. 5). Vor Bezirksgericht erklärte sie als Zeugin, sie habe
im Zusammenhang mit den Autoimporten das Ganze überwachen und die Teil-
rechnungen faxen müssen (Prot. I S. 84). Die entsprechenden Weisungen habe
ihr der Beschuldigte erteilt (a.a.O., S. 85). Sie nehme an, dass jeweils die beidem
Teilrechnungen gefaxt worden seien, wisse dies aber nicht mehr. Es habe jeweils
einfach geheissen, dass sie ein Dokument faxen müsse. In die Abläufe habe sie
keine Einsicht gehabt (a.a.O., S. 86/87).
ee) G._ räumte ein, gewusst zu haben, dass v.a. der Lieferant K._
manchmal Teilrechnungen gestellt habe (Urk. 3/12 S. 2). In der weiteren Befra-
gung äusserte er sich nicht explizit zur Frage, wie viele Rechnungen ihm seitens
der B._ jeweils pro Fahrzeug übermittelt worden waren. Er sprach aber wie-
derholt von "der Rechnung", die er erhalten habe, was darauf hinweist, dass ihm
von der B._ zumindest im Regelfall nur eine zugefaxt wurde. Der darin aus-
gewiesene Preis sei ihm manchmal "etwas tief" erschienen. Er habe dann bei der
Sekretärin des Beschuldigten nachgefragt, worauf ihm stets bestätigt worden sei,
dass es sich um den richtigen Preis handle (Urk. 3/12 S. 6). Im weiteren Verlauf
des Verfahrens erwähnte G._ höhere Rechnungen, die ihm mitunter von den
Lieferanten zugestellt worden seien (Urk. 3/46 S. 20/25). Diese habe er ad acta
gelegt, weil sie für ihn nicht relevant gewesen seien (Prot. I S. 17). Für die Verzol-
lung habe er die von der B._ zugestellte Rechnung verwendet (a.a.O.,
S. 20/21). Ab und zu habe er auch beim Beschuldigten nachgefragt und daraufhin
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jeweils einen entsprechenden Bankbeleg und/oder die Bestätigung erhalten, dass
der Preis korrekt sei (a.a.O., S. 21/22).
ff) Die bei der C._ bzw. D._ sichergestellten Akten (in Urk. 3/28/1-
171 auf oranges bzw. gelbes Papier kopiert) stützen die Sachdarstellung von
I._ und G._. Die Dossiers enthalten teils nur Rechnungen, welche von
den Lieferanten übermittelt wurden, teils nur solche, die offensichtlich von der
B._ an den Spediteur gefaxt wurden, und manchmal auch beides nebenei-
nander. Es findet sich darin aber, wenn überhaupt, regelmässig nur eine von der
B._ (in einzelnen Fällen doppelt) übermittelte Rechnung, und zwar diejenige
über die Restzahlung, die vor der Freigabe der in E._ angekommenen Autos
zu leisten war. Aus dem Umstand, dass es auch Fälle gab, in denen anders vor-
gegangen und z.B. beide Teilrechnungen übermittelt wurden, so dass der Ge-
samtkaufpreis für die C._ ersichtlich war (so etwa Urk. 3/28/32), kann der
Beschuldigte für sich nichts ableiten. Dies bedeutet nur, dass nicht immer falsche,
sondern manchmal auch korrekte Preise deklariert wurden. Die Zollbehörde er-
hebt denn bezüglich des erwähnten Dossiers 32 auch gar keinen Vorwurf gegen
den Beschuldigten.
gg) Der Beschuldigte liess vorbringen, dass es sich bei vielen dieser Rech-
nungen gemäss der aufgedruckten Faxübermittlungszeile nur um eine von mehre-
ren Seiten handle, die gefaxt worden seien. Dies beweise, dass bei der C._
ein Teil der von der B._ übermittelten Unterlagen nicht im Dossier abgelegt
oder daraus entfernt worden sei. Auch bei den Dossiers mit Rechnungen, die den
Vermerk "Seite 1 von 1" trügen, sei ohne weiteres möglich, dass noch weitere
Faxsendungen erfolgt seien. Zugunsten des Beschuldigten müsse deshalb davon
ausgegangen werden, dass die B._ jeweils mehr als eine Rechnung übermit-
telt habe (Urk. 25 S. 9/10, Urk. 39 S. 4/5). Dies lässt sich allein aufgrund der si-
chergestellten Akten in der Tat nicht ausschliessen, zumal ausserdem J._
diesbezüglich unsicher war und zumindest glaubte, sich an die Übermittlung von
jeweils zwei Teilrechnungen erinnern zu können.
hh) Es stellt sich indessen die Frage, welchen Sinn es haben konnte, dem
Spediteur statt der (ebenfalls vorhandenen) Gesamtrechnung zwei Teilrechnun-
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gen oder gar alle drei Rechnungen zu schicken. Damit liess sich nur Verwirrung
stiften. Dem Beschuldigten war bekannt, dass zur korrekten Verzollung die Liefe-
rantenrechnung mit Angabe des Kaufpreises erforderlich war – d.h. die Gesamt-
rechnung (Urk. 3/29 S. 8). Also lag es nahe, die mit der Übermittlung an den Spe-
diteur beauftragten Sekretärinnen entsprechend zu instruieren. Mit der zweiten
Teilrechnung hingegen, die regelmässig gefaxt wurde, konnte der Spediteur
nichts anfangen, es sei denn, es ging eben darum, gegenüber der Zollbehörde ei-
nen zu niedrigen Fahrzeugwert auszuweisen. Die Freigabe von Fahrzeugen, die
in E._ eingetroffen waren, konnte mit dieser Rechnung nicht bewirkt werden.
Dazu hätte nur der Bankbeleg über deren Bezahlung getaugt.
ii) G._ hatte zwar durchaus ein Motiv, Rechnungen aus seinen Ge-
schäftsakten zu entfernen, die einen höheren als den beim Zoll angemeldeten
Wert auswiesen und ihn hinsichtlich der Mittäterschaft bei den Steuerhinterzie-
hungen belasteten. Er hätte dann aber logischerweise auch alle derartigen Rech-
nungen verschwinden lassen müssen, welche ihm von den Lieferanten direkt zu-
geschickt worden waren. Dass diese bei der C._ in grosser Zahl sicherge-
stellt werden konnten, lässt darauf schliessen, dass G._ nicht mit einer
Durchsuchung seiner Aktenbestände rechnete. Demgemäss hatte er auch keine
Veranlassung, von mehreren Lieferantenrechnungen, die ihm die B._ über-
mittelte, systematisch nur die höhere Teilrechnung in seinen Dossiers abzulegen.
Klar gegen eine derartige Manipulation der C._-Dossiers spricht im übrigen,
dass auch in den Geschäftsakten der D._ stets nur eine von der B._
übermittelte Rechnung vorgefunden werden konnte (Urk. 3/28/157-169 und
3/28/171). Beizufügen bleibt, dass zwar in einigen wenigen Dossiers (so etwa bei
der C._ Urk. 3/28/41 und bei der D._ Urk. 3/28/170) gar keine Rech-
nungen vorhanden sind, obwohl eine Zolldeklaration erfolgte. Es mag also zutref-
fen, dass nicht immer alle Akten abgelegt wurden, sondern hie und da einzelne
Papiere in Verstoss gerieten. Dies ändert aber nichts daran, dass ein systemati-
sches Verschwindenlassen von Rechnungen seitens des Mitbeschuldigten
G._ mit Fug ausgeschlossen werden kann. Das von der Verteidigung mo-
nierte häufige Fehlen von Seiten aus ursprünglich mehrseitigen Faxsendungen
lässt sich zwanglos damit erklären, dass auch andere Informationen an den Spe-
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diteur zu übermitteln waren – etwa solche betreffend das Abholen von Autos in
E._ –, welche nach Ablieferung der Autos nicht mehr archiviert werden
mussten. Möglich und im Fall der Faxsendung vom 7. Mai 2007 betreffend die
Fahrzeuge "Infiniti G35" und "GMC Acadia" beispielhaft belegt (vgl. Urk. 3/28/57
und Urk. 3/28/58 sowie die Ausführungen des Vertreters der Eidgenössischen
Zollverwaltung EZV in Urk. 41 S. 6/7) ist auch, dass bisweilen mehrere Autoim-
porte in einer Faxsendung zusammengefasst wurden und deswegen in den ein-
zelnen Dossiers nicht alle Seiten aus der betreffenden Sendung enthalten sind.
jj) Als erstellt gelten kann daher, dass die B._ bei den in Frage stehen-
den Autoimporten jeweils nur eine Rechnung – diejenige betreffend die zweite,
nach Ankunft der Fahrzeuge in E._ fällige Teilzahlung – an die Spediteure
übermittelte. Die Regelmässigkeit, mit der so vorgegangen wurde, macht deutlich,
dass dies nicht versehentlich, sondern mit Absicht geschah.
e) Die in der Untersuchung und vor Vorinstanz befragten Sekretärinnen des
Beschuldigten gaben konstant und übereinstimmend zu Protokoll, dass sie nie
von sich aus Rechnungen an die Spediteure übermittelt hätten. Es sei stets der
Beschuldigte gewesen, der ihnen die Anweisung gegeben habe, ein bestimmtes
Dokument zu senden (I._: Urk. 3/50 S. 2, Prot. I S. 78/81; J._: Urk. 3/52
S. 2/3, Prot. I S. 85/87). Diese Aussagen sind ohne weiteres glaubhaft, da die
Mitarbeiterinnen des Beschuldigten keinerlei Nutzen davon hatten, die Spediteure
systematisch mit Rechnungen zu beliefern, die statt des tatsächlichen Kaufprei-
ses der importierten Autos nur einen Teilbetrag auswiesen. Der Beschuldigte hin-
gegen hatte ein offensichtliches Interesse, auf diese Weise eine zu niedrige Zoll-
deklaration zu bewirken, denn er war als Inhaber der B._ derjenige, der von
den Steuerhinterziehungen profitierte.
f) Zusätzlich belastet wird der Beschuldigte von den Aussagen des Mitbe-
schuldigten G._. Unverkennbar ist zwar, dass G._ zu vertuschen ver-
suchte, dass er von den Steuerhinterziehungen nicht nur gewusst, sondern diese
auch aktiv unterstützt hatte. Letzteres lässt sich zunächst daraus ableiten, dass er
auch dann, wenn er gar keine Unterlagen von der B._, sondern nur vom Lie-
feranten die Gesamt- und die höhere Teilrechnung erhielt, prompt die letztere für
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die Verzollung verwendete (so in Urk. 3/28/37, Urk. 3/28/38, vgl. Urk, 3/45/37-38
und 3/125). G._ räumte auch ein, dass ihm der (von der B._) angege-
bene Preis bisweilen "etwas tief" erschienen sei. Er bemerkte zudem, dass es
manchmal für ein Auto mehrere, auf unterschiedliche Beträge lautende Rechnun-
gen gab (Urk. 3/12 S. 5/6). Entgegen seiner Aussage in der ersten Befragung
(a.a.O., S. 6) stellte er in dieser Situation keineswegs konsequent auf die höhere
Rechnung ab, sondern leitete die von der B._ übermittelten Rechnungen an
die Zolldeklaranten weiter (Prot. I S. 17/18, S. 22). Zu seiner eigenen Entlastung
führte G._ in der Untersuchung aus, der Beschuldigte habe ihm erklärt, die
höheren Rechnungen seien für die Leasinganträge an die Bank gedacht bzw. es
seien nachträglich Rabatte ausgehandelt worden (Urk. 3/46 S. 20). Er behauptete
gar sinngemäss, bedroht worden zu sein ("Wenn unter der Ladentheke der
B._ eine geladene Pumpaction deponiert ist, dann stellen Sie keine Fragen";
a.a.O.). Soweit G._ dergestalt versuchte, sich selber herauszureden, sind
seine Aussagen nicht glaubhaft. Anders verhält es sich aber mit seiner Aussage,
dass der Beschuldigte ihn angewiesen habe, keine Fragen zu stellen und für die
Verzollung der Fahrzeuge ausschliesslich die von der B._ zur Verfügung ge-
stellten Rechnungen zu verwenden. Anders lautende, von den Lieferanten direkt
übermittelte Rechnungen solle er ignorieren bzw. vernichten (Urk. 3/46 S. 20,
Prot. I 25/26). Der Beschuldigte selber räumte, nachdem er dies in der Untersu-
chung noch als "erstunken und erlogen" bezeichnet hatte (Urk. 3/53 S. 24/25), vor
Bezirksgericht ein, G._ erklärt zu haben, er müsse vorsichtig sein und insbe-
sondere auf die von der B._ übermittelten Rechnungen abstellen. Er begrün-
dete dies zwar damit, dass Lieferanten auch schon Rechnungen an G._ ver-
sandt hätten, bevor er, der Beschuldigte, das Fahrzeug überhaupt gekauft habe
(Prot. I S. 43). Diese Erklärung ist aber nicht plausibel. Dass jemand nicht nur
Rechnung stellt, sondern überdies Rechnungskopien an eine Drittperson ver-
schickt, bevor der Vertrag, auf dem die fakturierte Forderung beruht, überhaupt
zustande gekommen ist, erscheint als lebensfremd.
g) Unterstellt man, dass der Beschuldigte von den Falschdeklarationen ge-
genüber den Zollbehörden nichts gewusst habe, so müsste G._ diese aus
eigenem Antrieb begangen haben. Als Motiv hiefür wäre zwar ein Bestreben
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G._s denkbar, die B._ als einen seiner drei grössten Kunden (Urk. 3/46
S. 25) nicht zu verlieren, sondern mittels Verschaffung eines finanziellen Vorteils
stärker an sich zu binden. Dies konnte aber logischerweise nur gelingen, wenn
der Beschuldigte von diesem Vorteil auch Kenntnis hatte. Dass dies nicht der Fall
war und G._ sich bloss gestützt auf den Glauben, der Beschuldigte werde
diesen Vorteil von sich aus erkennen und gerne annehmen, in erheblichem Aus-
mass strafbar gemacht haben soll, kann nicht ernsthaft angenommen werden.
Dies gilt um so mehr, als die Steuerhinterziehungen weitergingen, als nicht mehr
die C._, sondern die D._ als Spediteurin fungierte. Diese müsste dem-
nach spontan ebenfalls auf die Idee gekommen sein, zugunsten eines ahnungslo-
sen Kunden falsche Zolldeklarationen abzugeben. Dies erscheint ohne weiteres
als derart unwahrscheinlich, dass ein entsprechendes Szenario mit rechtsgenü-
gender Sicherheit ausgeschlossen werden kann.
h) Aufgrund der gesamten vorstehend dargelegten Umstände verbleibt viel-
mehr als einziger plausibler Tathergang, dass der Beschuldigte sich jeweils be-
wusst neben einer Gesamtrechnung zwei Teilrechnungen ausstellen liess, um die
höhere davon zum Zwecke der Hinterziehung von Importabgaben verwenden zu
können. G._ schöpfte Verdacht, weil er öfters von den Lieferanten abwei-
chende (und insbesondere auch auf höhere Beträge lautende) Rechnungen er-
hielt, und musste aufgrund der unglaubhaften Erklärungen des Beschuldigten
merken, was vorging. Wohl im Bestreben, den Beschuldigten als wichtigen Kun-
den nicht zu verlieren, machte er bei der Deliktsbegehung mit. Die bei der
D._ erhobenen Akten schliesslich weisen darauf hin, dass es dem Beschul-
digten mit dem Wechsel des Spediteurs gelang, die direkte Zustellung von Liefe-
rantenrechnungen an die Speditionsfirma zu unterbinden. So konnte die delikti-
sche Tätigkeit auch ohne deren Mitwisserschaft und Unterstützung fortgesetzt
werden, bis schliesslich die Zollbehörden auf Unregelmässigkeiten stiessen und
eine Untersuchung einleiteten.
5. Die rechtliche Würdigung des solchermassen erstellten Sachverhalts sei-
tens der Vorinstanz ist zutreffend und als solche auch nicht bestritten. Darauf
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kann verwiesen werden (Urk. 24 S. 36-41; Art. 82 Abs. 4 StPO). Das vorinstanzli-
che Urteil ist somit im Schuldpunkt zu bestätigen.
III.
1. a) Die qualifizierte Hinterziehung der Automobilsteuer als schwerstes der
vorliegend zu ahndenden Delikte wird mit Busse bis zum Siebeneinhalbfachen
der hinterzogenen Steuer bestraft. Das Bussenmaximum beläuft sich somit inso-
weit auf etwas mehr als 415'000 Franken. Es kann auch auf eine Freiheitsstrafe
bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe erkannt werden (Art. 36 Abs. 2 AStG, Art.
333 Abs. 2 lit. b StGB). Für die Hinterziehung der Mehrwertsteuer nach dem bis
Ende 2009 in Kraft gewesenen Recht (Art. 85 Abs. 1 aMWStG) und die Gefähr-
dung der Automobilsteuer (Art. 36 Abs. 1 AStG) ist als Sanktion eine Busse bis
zum Fünffachen der Deliktssumme (von ca. Fr. 111'000.–) vorgesehen. Seit 2010
wird die Hinterziehung der Mehrwertsteuer im Sinne von Art. 96 Abs. 4 lit. a
MWStG mit Busse bis Fr. 800'000.– bestraft.
b) Nachdem weder die Eidgenössische Zollverwaltung noch die Oberstaats-
anwaltschaft eine Anschlussberufung erhoben haben, kommt als Strafe nur noch
eine Busse von höchstens Fr. 45'000.– in Betracht (Art. 391 Abs. 2 StPO).
c) Bussen sind im allgemeinen so zuzumessen, dass der Beschuldigte die
Strafe erleidet, die seinem Verschulden angemessen ist (Art. 106 Abs. 3 StGB).
Da vorliegend ein Vergehen zu sanktionieren ist, sind auch die weiteren in Art. 47
StGB genannten Strafzumessungskriterien, d.h. das Vorleben und die persönli-
chen Verhältnisse des Beschuldigten sowie die Wirkung der Strafe auf sein Le-
ben, zu berücksichtigen.
d) Der Beschuldigte hinterzog mit den inkriminierten Handlungen jeweils
zwei Arten von Steuern und erfüllte deshalb immer zwei Straftatbestände. In An-
betracht des engen Sachzusammenhangs erscheint es aber als angezeigt, die
Strafzumessung nicht gesondert vorzunehmen, sondern die Delikte des Beschul-
digten als Ganzes zu beurteilen.
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2. a) Der Beschuldigte hinterzog über fast vier Jahre hinweg in mehr als 90
Einzelfällen systematisch Einfuhrabgaben für Autos und erlangte damit insgesamt
einen unrechtmässigen Vermögensvorteil von mehr als Fr. 150'000.–. Sein Vor-
gehen war nicht besonders raffiniert, setzte aber doch einige wohlgeplante Vor-
kehrungen voraus. So veranlasste der Beschuldigte, dass ihm die Lieferanten je-
weils (neben einer Gesamtrechnung) zwei Teilrechnungen stellten, womit er über
eine aktenmässige Grundlage für die nachfolgenden Steuerdelikte verfügte. Er
sorgte sodann dafür, dass seine Angestellten den Spediteuren niedrigere als die
tatsächlich bezahlten Kaufpreise meldeten. Auf Rückfragen seitens der Spediti-
onsfirmen bestätigte er diese Preise als richtig bzw. wies er den Spediteur an, für
die Zolldeklaration die von der B._ übermittelten und nicht die auf einen hö-
heren Betrag lautenden, direkt von den Lieferanten zugestellten Rechnungen zu
verwenden. Der vorinstanzlichen Einschätzung, dass die Taten des Beschuldigten
"am oberen Rand möglicher erschwerender Umstände" anzusiedeln seien, kann
indessen nicht gefolgt werden. Sowohl bezüglich der Deliktssumme als auch hin-
sichtlich des Ausmasses der zur Steuerverkürzung ausgeführten kriminellen Ma-
chenschaften sind sehr viel schwerere Fälle denkbar. Im Rahmen des qualifizier-
ten Tatbestandes von Art. 36 Abs. 2 AStG erscheint die objektive Tatschwere
noch als leicht. Die daneben begangenen einfachen Steuerdelikte wiegen inner-
halb der davon erfassten Straftatbestände nicht mehr leicht.
b) Aus den vorstehenden Erwägungen zur Sachverhaltserstellung erhellt,
dass die Initiative zur Begehung der Straftaten vom Beschuldigten ausging. Er
sorgte dafür, dass für die Falschdeklarationen gegenüber den Zollbehörden die
geeigneten Belege vorhanden waren und auch verwendet wurden. Er war über
die von ihm kontrollierte B._ GmbH auch der Nutzniesser der strafbaren
Handlungen. Es besteht kein Zweifel daran, dass er die Verminderung der Steu-
ern nicht nur gerne akzeptierte, sondern dass er sie bewusst und systema-tisch
anstrebte. In subjektiver Hinsicht ist daher entgegen dem vorinstanzlichen Urteil
nicht von Eventual-, sondern von direktem Vorsatz auszugehen und ergibt sich
keine Minderung des Verschuldens.
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3. a) A._ wurde 1965 in Zürich geboren. Er wuchs in .../ZH und .../ZH
auf. Nach der Volksschule absolvierte er eine kaufmännische Lehre. Von 1990 bis
2003 arbeitete der Beschuldigte (mit Unterbrüchen) bei der L._ als Verkaufs-
berater. 2005 machte er sich mit der B._ GmbH selbständig und leitete diese
Gesellschaft, bis sie 2011 in Konkurs ging. Der Beschuldigte betätigte sich auch
danach im Autoverkauf. 2013 kam es zum Privatkonkurs. Im März 2015 erlitt der
Beschuldigte einen schweren Hirnschlag, der ihn zu 100 % arbeitsunfähig mach-
te. In der Folge lebte er bis November 2015 von Krankentaggeldern von ca. Fr.
9'000.– pro Monat. Mittlerweile erhält der Beschuldigte von der Invalidenversiche-
rung aufgrund 100%-iger Invalidität eine monatliche Rente von Fr. 1'350.– sowie
zusätzlich monatlich Fr. 4'000.– aus der beruflichen Vorsorge. Der Beschuldigte
ist verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn (geb. 1993). Seine Ehefrau ver-
dient im Stundenlohn Fr. 1'600.– bis Fr. 1'800.– hinzu. Der Beschuldigte hat kein
Vermögen, aber ca. Fr. 600'000.– Schulden, hauptsächlich aus Verlustscheinen.
Die Schulden bezahlt der Beschuldigte monatlich mit rund Fr. 1'500.– ab. Für die
Wohnung müssen die Eheleute A._ monatlich Fr. 2'554.– bezahlen, für die
Krankenversicherung ca. Fr. 650.– pro Monat. Die laufenden Steuern betragen
ca. Fr. 9'500.– pro Jahr (Urk. 3/29 S.1/2, SHAB vom 18.5.2012, Prot. I S. 6-11,
Prot. II S. 7-12).
b) Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft (Prot. I S. 9, Prot. II S. 12).
4. a) Neben der bereits berücksichtigten (Erw. III/1d) Deliktsmehrheit liegen
keine weiteren Straferhöhungsgründe vor.
b) Leicht strafmindernd ist zu gewichten, dass der Beschuldigte den objekti-
ven Sachverhalt, welcher dem vorliegenden Strafverfahren zugrunde liegt, mit
Ausnahme seiner aktiven Beteiligung daran stets anerkannt hat. Zu einer deutli-
chen Strafminderung führt die lange Dauer des Verfahrens.
5. a) Die von der Vorinstanz ausgesprochene Busse liegt einerseits im un-
tersten Bereich des Strafrahmens. Sie ist aber anderseits im Vergleich zu den
Geldstrafen, die im Bereich des Strafgesetzbuchs für Vergehen von ähnlicher
Schwere bei vergleichbaren persönlichen Verhältnissen üblicherweise ausgefällt
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werden, als sehr hoch zu bezeichnen. In Anbetracht der voraussichtlich bleiben-
den und schweren gesundheitlichen Beeinträchtigung des Beschuldigten, die sich
auch auf seine wirtschaftliche Situation nachhaltig auswirken wird, erscheint eine
Reduktion der Busse auf Fr. 30'000.– als gerechtfertigt.
b) Mit der Vorinstanz ist der Beschuldigte darauf hinzuweisen, dass die Bus-
se gemäss den Vorschriften des Verwaltungsstrafrechts bei Uneinbringlichkeit in
einem Nachverfahren in eine Freiheitsstrafe umgewandelt werden kann (Art. 10
VStrR).
IV.
a) Mit dem vorinstanzlichen Schuldspruch ist auch das bezirksgerichtliche
Kostendispositiv zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO).
b) Der Beschuldigte unterliegt im Berufungsverfahren mit seinem Hauptan-
trag auf Freispruch, erreicht aber immerhin eine substantielle Herabsetzung des
Bussenbetrags. Bei diesem Ausgang sind die Kosten des Berufungsverfahrens zu
vier Fünfteln dem Beschuldigten aufzuerlegen und zu einem Fünftel auf die Ge-
richtskasse zu nehmen (Art. 428 Abs. 1 StPO).
c) Der Beschuldigte ersuchte schon am 7. Juli 2015 das Bezirksgericht um
die Bestellung von Rechtsanwalt lic. iur. X._ als amtlichem Verteidiger
(Prot. I S. 92 ff.). Gegen den abweisenden Entscheid der Vorinstanz erhob er eine
Beschwerde (Proz. Nr. UP150043), die mit Beschluss der III. Strafkammer des
Obergerichts vom 26. November 2015 zur weiteren Behandlung an die heute er-
kennende Berufungskammer überwiesen wurde. Mit Präsidialverfügung vom
1. Dezember 2015 wurde das mit der Berufungserklärung am 26. Oktober 2015
(Urk. 25 S. 2 und S. 24 ff.) erneut gestellte Gesuch um Bestellung eines amtlichen
Verteidigers gutgeheissen (Urk. 33). Die dortigen Erwägungen gelten auch für die
Zeit vom 7. Juli 2015 bis zur Einreichung der Berufungserklärung. In Gutheissung
der Beschwerde ist deshalb Rechtsanwalt lic. iur. X._ auch für diese Zeit-
spanne als amtlicher Verteidiger einzusetzen.
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d) In Anbetracht der finanziellen Lage des Beschuldigten, mit deren Besse-
rung aus Alters- und Gesundheitsgründen kaum mehr zu rechnen ist (Erw. III/3a),
rechtfertigt es sich, die gesamten Kosten der amtlichen Verteidigung definitiv auf
die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 425 StPO).