Decision ID: f9df3c1c-b403-4d2f-9652-e03010b14193
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1974 ge
borene
X._
war
vom
1.
September 1999 bis zu seiner Ent
lassung per 3
0.
April 2007 als Produktionsmitarbeiter in der
Y._
AG in
Z._
angestellt (
Urk.
15/8). Mit Formular vom 2
9.
Januar 2008 meldete sich
X._
unter Angabe von Rückenschmerzen und Ameisenlaufen in den Beinen zum Leistungsbezug
in Form von
beruflichen Mass
nahmen
bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
15/27
). Die Sozial
ver
sicherungs
anstalt
des Kantons
St. Gallen, IV-Stelle,
verneinte mit Verfügung vom 2
2.
Mai 2008 einen Anspruch auf Arbeitsvermittlung (
Urk.
15/
52)
.
Im Nachgang zur
neuerlichen
Anmeldung zum Leistungsbezug vom
2.
November 2009 (Eingangs
datum,
Urk.
15/
56)
veranlasste
die zwischenzeitlich zuständige Sozial
versiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (im Folgenden: IV-Stelle)
, eine
poly
disz
i
plinäre Begutachtung im
Zentrum A._
(Expertise vom
5.
März 2011,
Urk.
15/
88) und verneinte mit Verfügung vom 1
2.
Mai 2011 einen Leistungsanspruch des Versicherten
bei 100%iger Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit
(
Urk.
15/
93). A
uf ein
weiteres
Leistungsbegehren des Ver
sicherten vom
1
8.
Juni 2015 (Eingangsdatum
,
Urk.
15/
106) trat sie mit Verfügung vom 2
3.
O
ktober 2015
nicht ein (
Urk.
15/
117).
1.2
Vom 2
6.
Mai bis 2
9.
Juni 2016 absolvierte der Versicherte einen stationären Auf
enthalt in der Psychiatrie
B._
(
Urk.
15/127/7-9
) und vom
6.
September bis
6.
Dezember 2016
eine tagesklinische Behandlung in derselben Institution (
Urk.
15/
127/4-6).
Am 2
0.
März 2017 unter
zog er sich
einer
TLIF-Spondylodese LWK 4/5 (
Urk.
15/
127/
19
-20
).
Mit Formular vom
9.
August 2017 meldete sich der Versicherte unter Angabe chronischer Schmerzen und einer Depression wiederum zum Leistungsbezug
bei der Invaliden
versicherung
an (
Urk.
15/
124).
Die IV-S
telle tätigte
erwerbliche und medizinische Abklärungen
. Nach einem stationären Aufenthalt in der
P
sychiatri
sche
n
Klinik
C._
vom
6.
Dezember 2017 bis 1
0.
April 2018 (
Urk.
15/
145/2
-8
) unterzog sich der Versicherte auf Veranla
ssung der IV-Stelle einer bidis
ziplinären (
Orthopädie/Traumatologie und
Psychiatrie) Begutachtung im
Zentrum D._ (
Expertise vom 14.
Juni 2018,
Urk.
15/
149).
Nach Eingang des Verlaufs
gutachtens
des
D._
vom 1
4.
November 2019 (
Urk.
15/
169
)
stellte die IV-Stelle dem Versicherten mit
Vorbescheid
vom 1
0.
Januar 2020 die Zusprache einer vom
1.
Februar 2018 bis 3
0.
September 2019 befristeten halben Invalidenrente in Aussicht
(
Urk.
15/
174
). Auf Einwand des Versicherten hin (
15/
178)
nahm die IV-Stelle
weitere medizini
sche Unterlagen zu den Akten (
Urk.
15/
182
-184,
15/
192). Mit Verfügung vom 1
2.
April 2021 hielt die IV-Stelle am vorbeschiedenen Entscheid fest (Urk.
2).
2.
Dagegen liess
X._
am 1
2.
Mai 2021 Beschwerde erheben und beantragen, es sei ihm ab
1.
Februar 2018 eine unbefristete ganze Rente zuzusprechen; eventualiter sei die Sache zu ergänzenden medizinischen Abklärungen und neuerlichem Rentenentscheid an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Prozessual liess
er
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Bestellung von Rechtsanwalt lic. iur. Daniel
Christe
zum unentgeltlichen Rechts
beistand ersuchen (
Urk.
1 S. 2).
Mit Eingabe vom
2.
Juni 2021 liess er
einen ärztlichen Bericht einreichen
(
Urk.
7, 8). Die Beschwerdegegnerin schloss in der Beschwerdeantwort vom 2
0.
August 2021 in Kenntnis desselben (vgl.
Urk.
9) auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
14), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2
7.
August 2021 zur Kenntnis gebracht wurde. Gleichzeitig wurde seinem prozessualen Gesuch stattgegeben und Rechtsanwalt Daniel
Christe
zum unent
geltlichen Rechtsvertreter bestellt (
Urk.
16).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen Einspracheentscheids eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
1.2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2.3
Wie in BGE 145 V 361 dargelegt, ist in allen Fällen durch die Verwaltung beziehungsweise das Gericht zu prüfen, ob und inwieweit die ärztlichen Experten ihre Arbeitsunfähigkeitsschätzung unter Beachtung der massgebenden Indikato
ren (Beweisthemen) hinreichend und nachvollziehbar begründet haben. Dazu ist erforderlich, dass die Sachverständigen den Bogen schlagen zum vorausgehenden medizinisch-psychiatrischen Gutachtensteil (mit Aktenauszug, Anamnese, Befun
den, Diagnosen usw.), das heisst sie haben im Einzelnen Bezug zu nehmen auf die in ihre Kompetenz fallenden erhobenen medizinisch-psychiatrischen Ergebnisse fachgerechter klinischer Prüfung und Exploration. Ärztlicherseits ist also substanziiert darzulegen, aus welchen medizinisch-psychiatrischen Gründen die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungs
vermögen und die psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hinsicht zu schmälern vermögen. Der psychiatrische Sachver
ständige hat darzutun, dass, inwiefern und inwieweit wegen der von ihm erhobenen Befunde die beruflich-erwerbliche Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist, und zwar - zu Vergleichs-, Plausibilisierungs- und Kontrollzwecken - unter Miteinbezug der sonstigen persönlichen, familiären und sozialen Aktivitäten der rentenan
sprechenden Person (E. 4.3; vgl. auch das zur Publikation vorgesehene Urteil des Bundesgerichts 8C_280/2021 vom 17. November 2021 E. 6.2.1 mit Hinweis
).
1.2.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
IVG
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1
.
2.5
Für die Bejahung eines Rentenanspruchs im Rahmen einer Neuanmeldung nach vorausgegangener rechtskräftiger Verneinung wird analog zur Rentenrevision gemäss Art. 17 Abs. 1
ATSG
eine erhebliche Änderung des Invaliditätsgrades ver
langt (BGE 130 V 71, 117 V 198 E. 3a mit Hinweis; vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2 mit Hinweisen). Die Frage, ob eine solche Änderung eingetreten ist, beur
teilt sich durch Vergleich des Sachverhaltes im Zeitpunkt der letzten materiellen rentenverweigernden rechtskräftigen Verfügung mit demjenigen zur Zeit des auf die Neuanmeldung hin ergangenen Entscheids (BGE 130 V 64 E. 2 mit Hinweis, 130 V 71 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.2.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen ver
fügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2021 vom 20. April 2021 E. 3 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Zusprache der halben Invalidenrente
ab
1.
Februar 2018 und deren Befristung per 3
0.
September 2019
im angefochtenen Entscheid
damit
, der Beschwerdeführer sei gemäss den beweiskräftigen Gutachten des
D._
seit Mai 2016 in seiner Arbeitsfähigkeit
erheblich
eingeschränkt. Spätestens seit Januar 2017
sei ihm
eine
Tätigkeit medizinisch zu 50
%
zumutbar, weshalb ihm sechs Monate nach seiner Anmeldung ab Februar 2018 eine halbe Rente zustehe.
Die Ressourcenprüfung der Kundenberatung habe die medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit von 50
%
bestätigt; diesbezüglich könne der Stellungnahme des regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) nicht gefolgt werden. Bis zur
zweiten Begutachtung im S
eptember 2019 habe sich der
Ge
sund
heits
zustand des Beschwerdeführers verbessert
hin zu einer
80%ige
n
A
rbeits
fähigkeit
, wobei davon auszugehen sei, dass im Zeitpunkt der Begutachtung bereits eine
stabile Situation vorgelegen habe. Entsprechend sei ab Oktober 2019 von einem Invaliditätsgrad von 20
%
auszugehen, womit ab diesem Zeitpunkt der Anspruch auf eine Rente entfalle.
Mit den
im Zuge des
Einwandverfahrens
hinzuge
kommenen medizinischen
Unterlagen werde keine dauerhafte Ver
sc
hlechterung des Gesundheits
zustandes ausgewiesen und es lägen keine neuen
,
bisher unbe
rücksichtigten medizinischen Tatsachen vor (
Urk.
2 S. 3-5). Mit der Beschwerde
antwort sprach sie sich
zudem
gegen die zeitliche Massgeblichkeit der erstmals im gerichtlichen Verfahren vorgebrachten HWS-Beschwerden aus (Urk.
14).
2.2
Der Beschwerdeführer lässt demgegenüber geltend machen,
der Auffassung der Beschwerdegegnerin, wonach aus dem Erstgutachten des
D._
vom 1
9.
Juni 2018 lediglich eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit abgeleitet werden könne, gehe fehl. Die dannzumal attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit sei nicht nur mit der damals durchgeführten (teil-)stationären Therapie begründet und die 50%ige Arbeitsfähigkeit lediglich prognostiziert worden. Im Übrigen habe die Festsetzung der Arbeitsfähigkeit auch in Berücksichtigung der effektiv durchgeführten und indizierten Therapien zu erfolgen. Zumindest bis zum Abschluss der teilstationä
ren Behandlung in der
Psychiatrie B._
per 2
0.
Dezember 2019 sei somit von vornherein von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Sodann
vermöge die im Folge
gutachten des
D._
attestierte Verbesserung des Gesund
heitszustandes mit Wiedererlangung einer 80%igen Arbeitsfähigkeit insbesondere angesichts des überzeugenden Berichts der
Psychiatrie B._
vom
7.
April 2020 nicht zu überzeugen, welcher für eine anhaltende depressive Störung im mittelschweren bis gar schweren Bereich bei ausgeschöpften therapeutischen Ansätzen und krankheitsimmanenter Therapieresistenz spreche und von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ausgehe. Eine gutachterliche Stellungnahme zur di
ametral abweichenden Meinung der
Psychiatrie B._
wäre unabdingbar gewesen. Nicht zuletzt habe sich sein Gesundheitszustand auch in somatischer Hinsicht grundlegend geändert, nachdem die hochgradige Foramenstenose HWK 5/
6 zwischenzeitlich gar operativ behandelt worden sei.
Gestützt auf das Erstgutachten des
D._
in Verbindung mit dem überzeugenden
Bericht
der
Psychiatrie B._
vom
7.
April 2020 sei aber bereits aus psychischen Gründen von einer anhaltenden vollständigen Arbeitsunfähigkeit und entsprechend einem unbefristeten Anspruch auf eine ganze Invalidenrente auszugehen. Eventualiter sei immerhin die zweite gutachterliche Einschätzung in Frage zu stellen und es würden sich ergänzende medizinische Abklärungen aufdrängen (
Urk.
2 S. 2 ff.,
Urk.
9).
2.3
Nachdem eine rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung umfasst
(BGE 125 V 413 E. 2d),
bildet eine solche Verfügung insgesamt den Anfechtungs- und Streitgegenstand und unterliegt integral der gerichtlichen Prüfung, selbst wenn nur einzelne Punkte davon bestritten sind (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_440/2017 vom 25. Juni 2018 E. 5.1 [in BGE 144 V 153 nicht publiziert]).
E
ntsprechend ist vorliegend der Rentena
nspruch des Beschwerdeführers als solcher zu überprüfen.
Zu Recht unbestritten ist dabei, dass die Beschwerdegegnerin auf die Neuan
mel
dung des Beschwerdeführers vom
9.
August 2017 (
Urk.
15/
124) eingetreten ist und im Vergleich zum Sachverhalt, welcher der leistungs
ver
weigernden Verfü
gung vom 1
2.
Mai 2011 (
Urk.
15/
93) zugrunde lag, zumindest in psychischer Hin
sicht eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheits
zust
andes
eingetreten ist, liess doch die psychiatrische Begutachtung im
Zentrum A._
im
Januar 2011 im Gegensatz zu der
jenigen im
D._
(vgl. nachfolgende E. 4.1)
noch
auf
keine Psychopatho
logie
schliessen
(
Urk.
15/
88/42). Entsprechend ist der Renten
anspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bun
desgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen)
.
3.
3.1
3.1.1
Im Rahmen der ersten
bidis
ziplinäre
n
Begutachtung im
D._
wurde der Beschwerdeführer am
5.
Februar 2018 orthopädisch/traumatologisch und
nach Beendigung der stationären Behandlung in
der Klinik C._
am 2
2.
Mai 2018 psychiatrisch exploriert (vgl.
Urk.
15/
149/1).
Die Gutachter schlossen
in ihre
r Expertise vom 14. Juni 2018
auf folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
15/
149/
13):
-
Rezidivierende depressive Störung, zurzeit mittelschwere depressive Episode nach ICD-10 F33.1
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren nach ICD-10 F45.41.
Keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit massen die Experten unter anderem den Diagnosen akzentuierte Persönlichkeitsanteile vom impulsiven Typus nach ICD-10 Z73.0, degenerative Veränderungen der Lendenwirbelsäule
(LWS)
bei Status nach TLIF-Spondylodese L4/5 am 2
0.
März 2017 und Impingement-Syndrom des linken Schultergelenks sowie Restless
legs-Syndrom
(RLS)
bei.
3.1.2
In der orthopädisch-traumatologischen Abklärung klagte der Beschwerdeführer, das Hauptproblem liege im Rücken, wo er auch nach der Operation weiterhin an starken Schmerzen im Bereich
der LWS
leide. Darüber
hinaus
leide er an unruhi
gen Beinen
. I
n letzter
Zeit bemerke er auch starke Schmerzen im Bereich
der
Halswirbelsäule und der linken Schulter (
Urk.
15/
149/29)
.
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs
apparates, Facharzt für Chirurgie, schloss in der abschliessenden Beurteilung gestützt auf den klinischen Befund sowie in Kenntnis der Aktenlage auf ein zufriedenstellendes Operationsergebnis im Bereich der LWS ohne Hinweise auf eine Instabilität oder eine radikuläre respektive pseudoradikuläre Symptomatik. Die Beweglichkeit der LWS sei nach dem operativen Eingriff naturgemäss einge
schränkt. Die Beschwerdesymptomatik werde sehr demonstrativ, wenn auch ohne Hinweise auf eine Aggravation oder Simulation, vorgebracht und könne weitge
hend nicht objektiviert werden. Der Beschwerdeführer sei in der Lage, körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten durchzuführen. Die bisherige Tätigkeit in der Firma
Y._
sei optimal angepasst gewesen und zu 100
%
zumutbar. Im Verlauf
gelte dies
durchgehend
bis auf eine Rekonvaleszenz von drei Monaten nach dem operativen Eingriff vom 2
0.
März 2017
(Urk.
15/
149/35 f.).
3.1.3
In der psychiatrischen Exploration klagte der Beschwerdeführer über
seine
Schmerzen, er fühle sich insgesamt depressiv, es falle ihm schwer zu akzeptieren
, dass er nicht mehr in der Lage sei, sich wie früher körperlich zu belasten. Er habe Angst, seine Frau und seine
fünf
Kinder zu verlieren, weshalb er unter suizidalen Gedanken und Impulsen leide. Während de
s
letzten Jahre
s
sei es im Rahmen seiner extremen Impulsivität auch zu verbalen
Attacken
gegenüber seiner Frau gekommen, welche er natürlich immer wieder bereue (
Urk.
15/
149/42). Im Befund stellte der psychiatrische Experte
Dr.
med.
F._
eine wechselhafte Konzentra
tion und leichte Ablenkbarkeit, eine thematische Einen
gung auf
die psychische Situation und den Umgang mit Sch
merzen und
deutliche negative K
ognitio
nen
sowie
D
enkspiralen
fest. Die Willensbildung sei durch die bestehende Symptomatik beeinflusst, der Antrieb reduziert. Der Beschwerdeführer sei psychomotorisch unruhig, die Affektlage im Grundaffekt depressiv, dysphorisch, die Schwingungsfähigkeit eingeschränkt. Es bestehe ein Gefühl der Hoffnungs
losigkeit
, eine
r
innere
n
Leere und Interessenlosigkeit, suizidale Impulse würden berichtet und
es liege
eine ausgeprägte Selbstwertproblematik
vor
. Anamnestisch bestehe auch eine Störung der Impulskontrolle.
Für eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung hätte
n
sich keine hinreichenden Hinweise, weder im Rahmen der Untersuchung noch der Biographie
,
ergeben. Das Ausmass der Impulsivität reiche aber für die Diagnose einer Akzentuierung
mit impulsiven Anteilen (
Urk.
15/
149/46 f.).
Dr.
F._
führte zur
Epikrise und
Arbeitsfähigkeit aus, er stimme diagnostisch mit der Beurteilung der Psychiatrischen Klinik
C._
(vgl. dazu: Urk.
15/
145/2) überein. Problematisch zeige sich der Verdacht auf einen geneti
schen Polymorphismus vom Enzym CYP2D6 mit der Folge, dass die Medikation mit
Venlafaxin
keinen effektiven Spiegel habe aufbauen können. Dies habe sicherlich auch Einfluss auf den Therapieverlauf. Vorgesehen sei
im Anschluss an den stationären Aufenthalt
nun eine teilstationäre Behandlung über drei Monate mit begleitendem Versuch, den Beschwerdeführer in eine Arbeitstherapie in geschütztem Rahmen zu integrieren. Der Verlauf in der
Psychiatrischen
Klinik
C._
habe gezeigt, dass ein stringentes therapeutisches Programm zu Fortschritten führe, gleichzeitig
seien
auch die Grenzen der Veränderbarkeit auf
gezeigt
worden
. Die depressive Symptomatik habe während des stationären Auf
enthalts leicht verbessert werden können, jedoch
sei
in den
Bereich
en
der Stimmung, der verhaltensbezogenen Probleme, der Probleme mit A
ktivitäten, der berufsbezogenen Probleme und der Alltagsprobleme keine Rückbildung einge
treten. Aktuell sei die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sic
ht aufgehoben
, auch aufgrund des noch andauernden stationären beziehungsweise teilstationären therapeutischen Prozesses
(
Urk.
15/
149/48).
Nach dem
Aufenthalt in der
Psychiatrie B._
im Jahr 2016 sei es von Anfang 2017 bis Dezember 2017 zu einer leichten Stabili
sierung mit wohl einer 50%igen Arbeitsfähigkeit gekommen mit neuerlicher Ver
schlechterung und Aufnahme in der
Psychiatrischen
Klinik
C._
am
6.
Dezember 2017
bei 100%iger Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
15/
149/52).
Nach Auseinandersetzung mit den massgeblichen Indikatoren (vgl. E. 1.2.3) schloss
Dr.
F._
, aktuell und bis zum
Abs
chluss der
anstehenden
teilsta
tionären Behandlung bestehe eine 100%ige Ar
beitsunfähigkeit
. Wenn nach der Entlassung aus der Klinik die Symptomatik gleicher Ausprägung sei wie zum Zeitpunkt der aktuellen Begutach
t
ung, sei medizinisch-theoretisch von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen (
Urk.
15/
149/50).
Eine
Prognose sei schwer zu erstellen und davon abhängig, ob die Umstellung der Medikation von
Venlafaxin
auf
Duloxetin
gelinge, das begleitende therapeu
tische Programm in der Tagesklinik effizient sei und sich der Beschwerdeführer in geschütztem Rahmen belasten lasse
. Nach klinischer Erfahrung wäre bei einem ausreichenden antidepressiven Effekt nach Umstellung und effizientem tages
klinischem Programm eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
zu erreichen (
Urk.
15/
149/
51
).
3.1.4
In der Gesamtbeurteilung schlossen
sich
die G
utachter der
psychiatrisch festge
stellte
n
Arbeitsfähigkeit
an
(
Urk.
15/
149/25).
3.2
Der seit Februar 2016 behandelnde Psychiater
Dr.
med.
G._
stellte in seinem bei der Beschwerdegegnerin am 1
6.
Januar 2019 eingegangenen Bericht die Diagno
sen einer kombinierten Persönlichkeitsstörung gemäss ICD-10 F61.0, einer rezidivierenden depressiven S
törung mittelgradig
und eines chronischen lumba
len Schmerzsyndroms.
Den Gesundheitszustand bezeichnet
e
er als stationär bis verschlechtert, die Prognose sei ungünstig, handle es sich doch um eine chroni
sche, therapieresistente Erkrankung
.
Der Beschwerdefüh
r
er
sei für sämtliche Tätigkeiten
zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
15/
153/1
-3
).
3.3
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Orthopädi
sch
e Chirurgie und Traumatologie
des Bewegungsapparates
, des RAD
hielt in seiner Stellungnahme vom 2
9.
Mai 2019 fest, im psychiatrischen Teilgutach
t
en des
D._
sei erwartet worden, dass
bei adäquater Therapie eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 50
%
eintreten soll
t
e. Nachdem gemäss Beurteilung von
Dr.
G._
weiterhin keine Arbeitsfähigkeit vor
liege, ein Bericht des Kantonsspitals
I._
nicht zu erhalten sei und auch der Fortgang der Spondylodese nicht bekannt sei, sei ein Verlaufsgutachten ein
zuholen (
Urk.
15/
171/6 f.).
3.4
3.4
.1
Am
1
1.
u
nd 1
8.
September 2019 unterz
og sich der Beschwerdeführer
sodann
den
orthopädischen und psyc
hiatrischen Abklärung
en
im Rahmen
d
er Verlaufs
begut
achtung im
D._
. Als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit führten die Gutachter
in ihrer Expertise vom 14. November 2019
eine rezidivie
rende depressive Störung, leichte depressive Episode
(ICD-10 F30.0)
,
und eine chronische S
chmerzstörung mit so
m
a
tischen und psychischen Faktoren
(ICD-10 F45.41)
an (
Urk.
15/
169/6).
3.4.2
Gemäss dem orthopädischen
Fachgutachter habe sich keine wesentliche Ver
än
derung eingestellt, die Schmerzsymptomatik werde wie damals geschildert und auch gleichartig präsentiert. Aus orthopädischer Sicht sei die Gesund
heitsstörung stabil. Seit der letzten Begutachtung sei aktenmässig lediglich eine Dokumenta
tion
des Kantonsspitals I._
vom
3.
April 2019 hinzugekommen, welche dokumentiere, dass der Beschwerdeführer schmerzgeplagt sei, der Verdacht auf eine Anschlussdegenera
tion habe aber nicht bestätigt werden können und ein Korrelat für die geklagten Beschwerden
habe
sich nicht aufdecken
lassen
.
Es bestehe weiterhin eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in bisheriger und sonstige
r
angepasste
r
Tätigkeit (
Urk.
15/
169/23 ff.).
3.4.3
Anlässlich der psychiatrischen Begutachtung durch
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie,
führte der Beschwerde
führer im Rahmen der Anamnese aus, er bef
i
nde sich seit 2015/2016 in regel
mässiger (alle zwei Wochen) psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung bei
Dr.
G._
. Dieser habe auch wiederholt voll- und teilstationäre sowie tages
klinische Be
handlungen veranlasst. 2016 sei
er, der Beschwerdeführer,
drei Mona
te lang stationär
in der
Psychiatrie B._
wegen einer Depression behandelt worden, anschliessend noch weitere drei Monate in der dortigen Tagesklinik. Zum Jahres
wechsel 2017/2018 sei er fast ein halbes Jahr lang in der Fachklinik
C._
behandelt worden, wo auch eine Arbeitstherapie unter psychiatrischen Rahmenbedingungen erfolgt sei. Eine weitere teilstationär-tagesklinis
che Behandlung habe sich 2018 in der
Psychiatrie B._
angeschlossen. Jetzt erwäge sein Hausarzt eine erneute teilstationäre-tagesklinische Intervention, um seine Alltagsbewälti
gung zu verbessern. Seit der letzten Begutachtung habe sich seine psychische Situation nicht nennenswert gebessert, es gehe ihm eher schlechter. Unverändert bestünden extreme Stimmungsschwankungen und Impulsivität mit
Reizbarkeit
(Urk. 15/169/35)
. Medikamentös werde er mit
Venlafaxin
(150 mg/Tag) und
Quetiapin
(300 mg/Tag) behandelt
(
Urk.
15/
169/
38
).
Im Befund notierte
Dr.
J._
eine deutliche psychomotorische Unruhe. Der Beschwerdeführer wirke über weite Strecken getrieben, fast fahrig. Die Beschwer
deschilderung erfolge ausgesprochen klagsam, beschwerdefixier
t un
d drängend. Das Konzentrationsvermögen sei gegen Ende der Exploration geringfügig redu
ziert gewesen. Formalgedanklich sei der Beschwerdeführer
jedoch
keineswegs depressiv gehemmt, sondern wi
rke kohärent, wenn auch
gelegentlich leicht beschleunigt.
Er zeige keine ausserordentlichen Schuldgefühle. Die Willenskräfte seien durchaus strukturiert und zielgerichtet. Es gelinge dem B
eschwerdeführer, Entscheidungen zu fällen und diese auch argumentativ zu vertreten. Er könne intentionale Spannungsbögen aufbauen, das Durchhalte
vermögen sei allenfalls leicht reduziert, eine Antriebsminderung sei weder auf Befundebene noch anam
nestisch feststellbar. In der emotional-affektiven Schwingungsfähigkeit verfüge der Beschwerdeführer durchaus über das gesamte Ausdrucksspektrum. Es
gelinge
ihm, kurzzeitig auch zum positiven Pol mitzuschwingen. Überwiegend bewege sich der Affekt
allerdings im ernsten, gedrückten, sorgenvollen Bereich. Das Selbstwertgefühl sei reduziert, die Fähigkeit, Freude zu empfinden, wirke beein
trächtigt, aber nicht aufgehoben. Auch lasse sich kein vollständiger Interessen
verlust ausmachen (
Urk.
15/
169/38 ff.).
Zusätzlich durchgeführt worden sei eine Laboruntersuchung, wobei das
Quetiapin
oberhalb des Referenzbereichs, die übrigen Parameter im Referenzbereich gelegen seien
(
Urk.
15/
169/41).
Diagnostisch sei mit Blick auf die zahllosen psychosozialen Belastungsfaktoren und innerseelischen Konflikte in Übereinstimmung mit den behandelnden Ärzten eine chronische Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren zu diagnostizieren. Auch hielt
Dr.
J._
am im Vorgutachten postulierten Aus
schluss einer Persönlichkeitsstörung fest, bestehe doch kein rigides, sozial stören
des Verhaltensmuster, welches auf eine solche zurückschliessen
lasse
. Sodann seien auch die Symptome einer Persönlichkeitsveränderung gemäss den ICD-10-K
rite
rien nicht erfüllt. Der Ausprägungsgrad der Depression tendiere unter der laufenden Behandlung in den Bereich einer leichten depressiven Episode. Die Komorbidität mit der Schmerzstörung begründe noch eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, jedoch im Vergleich zum Vorgutachten ohne gravierenden Einfluss (
Urk.
15/
169/41). Der Beschwerdeführer sei in der Lage, eine seinem
Aus
bildungs
- und Kenntnisstand angepasste Tätigkeit einfacher geistiger Art mit geringer Verantwortung, ohne besonderen Zeitdruck und ohne besondere Anfor
derungen an die Konfliktfähigkeit zu verrichten. Dabei sei eine durch die Affekt
regulationsstörung und die chron
ische Schmerzstörung aus
gelöste
Leistungsmin
derung von etwa 20
%
zu berücksichtigen
. Diese Einschätzung gelte ab dem heutigen Untersuchungstag (
Urk.
15/
169/43 f.).
3.4.4
Der Konsens schloss auch im Verlaufsgutachten auf die psychiatrische Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit (
Urk.
15/
1
69/8).
3.5
Am
7.
April 2020 berichtete die
Psychiatrie B._
(
Urk.
15/
184/1-4)
über die tagesklinische Behandlung des Beschwerdeführers vom 2
4.
Oktober bis 2
0.
Dezember 2019, welche zur Aktivierung und Reduktion der depressiven Symptomatik erfolgt sei. Der Beschwerdeführer habe an fünf Tagen der Woche zu 50
%
am psychothera
peutischen Behandlungsprogramm teilgenommen, welches in seinem Fall milieu
therapeutische Elemente und Aktivitätsförderung beinhaltet habe. Trotz schwerer Schlafstörung und chronifizierter Schmerzstörung habe der Beschwerdeführer zuverlässig teilgenommen. Er habe, wie beim letzten Aufenthalt, vorwiegend von den milieutherapeutischen Gruppenangeboten, welche ihm kurzzeitige Ent
lastung ermöglicht hätten, profitiert. Die Entwicklung von Akzeptanz der Erkrankung gegenüber habe sich jedoch schwierig gezeigt und wiederholt zu Spannungszuständen mit massiven Selbstvorwürfen und Schamgefühlen geführt, welche sich kaum nachhaltig vermindern liessen. Insgesamt habe auch bei diesem Aufenthalt erneut keine wesentliche Verbesserung der depressiven Symptomatik erreicht werden können. Es zeigten sich anhaltend schwere Ein- und D
urchschlaf
störungen, Insuffizienzgefühle, Hoffnungslosigkeit und bedrückte Stimmung, Suizidalität, Antriebsminderung und eine dadurch stark reduzierte Belastbarkeit.
Die psychopharmakotherapeutische Behandlung sei unverändert fortgeführt worden. Die somatische Behandlung im Institut für Bewegungsapparat und Schmerz habe bislang nur eine leichte und punktuelle Verbesserung der Schmerz
symptomatik gebracht. Diagnostisch zeig
t
e
n
sich eine rezidivierende depressive St
örung mi
t einer seit Jahren bestehenden
deutlichen Chronifizierung auf dem Niveau einer mittel- bis schwergradig depressiven Symptomatik sowie eine Schmerzverarbeitungsstörung, welche
sich
in eine
r
chronische
n
Schmerz
störung niederschlage. Auffällig und überdauernd zeigten sich sodann eine emotionale Instabilität mit mangelnder Impulskontrolle und Störung der Affekt
regulation, eine massive Kränkung und Beschämung durch den Funktions- und damit Rollenverlust sowie eine dahinterstehende ausgeprägte Selbstwertproble
matik, welche therapeutisch kaum zugänglich sei. Diese strukturellen Defizite bestünden seit der Kindheit/Jugend und verunmöglichten eine adäquate Krank
heits
verarbeitung trotz der verschiedenen Therapiebemühungen offensichtlich. Gemäss ICD-10 werde dies als kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional-instabil impulsiven und narzisstischen Anteilen abgebildet
(ICD-10 F61.0)
. Während des Aufenthalts in der
Psychiatrie B._
habe keine Arbeitsfähigkeit in ange
stammter oder angepasster Tätigkeit bestanden. Aufgrund der chronifizierten depressiven Symptomatik und der chronischen Schmerzstörung auf dem Boden einer kombi
nierten Persönlichkeitsstörung mit Therapieresistenz sei die Prognose bezüglich des Erreichens einer (Teil-)Arbeitsfähigkeit sehr ungünstig. Primäres Ziel sei die Symptomreduktion zur Verbesserung der Alltagsbewältigung und falls möglich
zur
Teilnahme an einer niederschwelligen Tätigkeit im geschützten Rahmen (
Urk.
15/
184/4).
3.6
Gemäss einem im gerichtlichen Verfahren eingereichten Bericht des Zentrums für Neurologie und Neurochirurgie der Privatklinik
K._
vom 14.
April 2021 unterzog sich der Beschwerdeführer am 2
2.
März 2021 einer diagnostischen periradi
k
ulären Infiltration (PRT) C6 links mit
Lidocain
2%ig, welche nach sechsstündiger vollständiger Rückbildung der Sch
merzen keine Wirkung mehr gezeigt habe
. Bei diagnostizierter hochgradiger Foramenstenose in der Etage HWK 5/6 beidseits, linksbetont
, sowie aktivierter Osteochondrosis HWK 5/6 und HWK 6/7 sowie
anhaltenden Schmerzen erachtete
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Neurochirurgie FMH, eine O
peration für indiziert
. Der Beschwerdeführer könne sich noch definitiv entscheiden (
Urk.
3). A
m 2
7.
Mai 2021 unterzog sich
letzterer
im Spital
M._
einer ventralen Dekompression HWK 5
/6 mit Foraminotomie beidseits, Fusion mittels Cages zero-P-VA 7 mm
(
Urk.
8
).
4.
4.1
Was zunächst den Beweiswert des
Gutachtens des
D._
vom 1
4.
Juni 201
8
(E. 3.1.1)
, welches Grundlage der Renten
zusprache bildete, anbelangt, erweist sich dasselbe als für streitigen Belange umfassend, beruht
auf
den notwendigen Untersuchungen,
berücksichtigt die geklagten Beschwerde
n
und erging in Kennt
nis der Vorakten
.
Dessen
psychiatrische Diagnostik korrespondiert
sodann
nahezu vollständig sow
ohl mit der Diagnosestellung der zuständigen Fachpersonen der
Psychiatri
schen Klinik
C._
vom 1
1.
April 2018 (
Urk.
15/
145/2) als auch mit derjenigen im Bericht der
Psychiatrie B._
vom 2
4.
Januar 2017 (
Urk.
15/
127/4).
In Bezug auf
die im Raum stehende Diagnose einer Persönlichkeitsstörung schloss die
Psychiatrie B._
aufgrund der emotionalen Instabilität
des Beschwerdeführers
, der mangelnden Impulskontrolle sowie der Schwierigkeit, H
andlungen auszuführen,
die nicht unmittelbar belohnt werden,
wie das
D._
auf akzentuierte Persönlichkeits
anteile vom impulsiven Typus (
Urk.
15/
127/4-5), mass denselben mithin ebenfalls nicht die Schwere einer Persönlichkeitsstörung bei. Im Bericht der
Psychiatri
schen
Klinik
C._
findet sich zwar ebenfalls
der Hinweis auf die Schwierigkeiten in der Impulskontrolle (
Urk.
15/
145/5), diese wurden jedoch keiner Diagnose zugeführt. Entsprechend
drängen sich
denn
auch
an der Beur
teilung
von
Dr.
F._
, wonach sich nicht nur anamnestisch, sondern insbe
sondere in der
aktuellen
Untersuchung
keine hinreichenden Hinweise
auf das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung
gefunden hätten, keine Zweifel
auf
(
Urk.
15/
149/47
f.
)
, zumal sie anlässlich der Verlaufsbegutachtung am
D._
durch Dr.
J._
fachärztlich bestätigt wurde (Urk.
15/169/
40
f.
)
. Die gegentei
lige Meinung von
Dr.
G._
blieb von demselben in seinem Bericht vom 2
3.
August 2017 unbegründet (
Urk.
15/
127/1-3)
, was gleichermassen auch für
seine
späteren Berichte gilt (Urk. 15/131
,
Urk.
15/153, Urk. 15/192)
.
Was die
nachträgliche Diagnosestellung
im Bericht der
Psychiatrie B._
vom
7.
April 2020
(E. 3.5) anbelangt, wurde dieselbe im Wesentlichen mit der Chronifizierung des depressi
ven und des Schmerzgeschehens begründet
, welch beide denn
letztlich
auch die Arbeitsfähigkeit einschränken würden. Nachdem es gemäss bundesgerichtliche
r
Rechtsprechung invalidenversicherungsrechtlich nicht auf die Diagnose, sondern einzig darauf ankommt, welche Auswirkungen eine Erkrankung auf die Arbeits
fähigkeit hat (BGE 136 V 279 E. 3.2.1)
,
und die Persönlichkeitsstruktur des Beschwerdeführers auch gem
äss Beurteilung der
Psychiatrie B._
nur
mittelbare Aus
wirkungen zeitigt,
erübrigen sich Weiterungen hierzu
.
Nicht in Frage stellen liess der Beschwerdeführer sodann die Beurteilung seines somatischen Gesundheitszustandes im Gutachten des
D._
vom 1
4.
Juni 2018 (E. 3.1.2, vgl.
Urk.
1 S. 8), an welcher sich aufgrund der Akten
wie auch an der psychiatrischen Diagnostik
keine Zweifel aufdrängen.
4.2
Was die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit anbelangt,
steht aufgrund der Verlaufs
beurteilung von
Dr.
F._
(E. 3.1.3)
, welche von der Beschwerde
gegnerin zu Recht nicht in Frage gestellt wurde, fest, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns am
1.
Februar 2018 (
Art.
29
Abs.
1
und 3
IVG
) während über einem
Jahr
ununterbrochen
zu mindestens 40
%
arbeits
unfähig war
und entsprechend die Wartezeit nach
Art.
28
Abs.
1 lit. b IVG
(E. 1.2.4)
erfüllt hat.
Dr.
F._
und mit ihm der Konsens
sprachen sich
im Zeitpunkt der Begut
achtung und bis zum
Abs
chluss der anstehenden teilstationären Behandlung für das Vorliegen einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit aus, wobei
für den Fall,
dass nach der Klinikentlassung die Symptomatik gleicher Ausprägung sei wie im Zeit
punkt der aktuellen Begutachtung, medizinisch-theoretisch von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei (E. 3.1.3 und 3.1.4).
Unabhängig von der Frage nach der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit erachtete
Dr.
F._
offensichtlich den über vier Monaten dauernden stationären Aufenthalt mit anschliessender teilstationärer Behandlung als indiziert und die Beschwerde
gegnerin stellte die stationäre Behandlungsbedürftigkeit des Beschwerdeführers nicht in Frage
. Entsprechend ist
zumindest bis zum Austritt aus der
Psychiatri
schen
Klinik
C._
am 1
0.
April 2018
jedenfalls
von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit
auszugehen
.
Unter Berücksichtigung der vorangegangenen Arbeitsunfähigkeiten (E. 3.1.2
: drei Monate
Rekonvaleszenz
nach dem operativen Eingriff vom 2
0.
März 2017
, E. 3.1.3, zumindest 50
%
von Januar bis
5.
Dezember 2017
und der 100%
ige
n
Arbeitsunfähigkeit
spätestens
ab dem
stationäre
n
A
uf
enthalt per
6.
Dezember 2017) steht dem Beschwerdeführer ab
1.
Februar 2018 eine ganze Rente zu (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_618/2021 vom 1
4.
Dezember 2021 E. 4.2 mit Hinweisen).
Zuzustimmen ist dem Beschwerdeführer sodann darin, dass der Umstand, dass
Dr.
F._
auch für die Zeit der in Aussicht genommenen teilstationären Behandlung von einer noch andauernden 100%igen Arbeitsunfähigkeit ausging, dies obwohl er der B
efundlage grundsätzlich ein 50%iges Arbeitsfähigkeits
potential beimass,
darauf schliessen lässt, dass er
von einer labilen gesund
heitli
chen Situation ausging
und zumindest neben der teilstationären Behandlung keine Arbeitstätigkeit für zumutbar
er
achtete
.
Nachvollziehbar
folgerte
denn
auch
der RAD-Arzt
Dr.
H._
, wenn auch fachfremd, in seiner Stellungnahme vom
2. Juli
2018, dass bei noch instabilem Zustand weiterhin von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit seit Klinikeintritt am
6.
Dezember 2017 auszugehen sei und eine medizinische Überprüfung zu erfolgen habe (
Urk.
15/
171/5).
Dass Dr.
F._
den in der
Psychiatrischen
Klinik
C._
erreichten leicht
gradigen Verbesserungen des psychischen Gesundheitszustandes des Beschwer
de
führers (vgl. dazu:
Urk.
15/
145/6-7) im Zeitpunkt der Begutachtung noch keinen dauerhaften Charakter
beimass, den Beschwerdeführer für eine Stabili
sierung des Zustandes
offensichtlich
weiterhin
als im tagesklinischen Rahmen behandlungsbedürftig erachtete
und entsprechend noch keine Steigerung der Arbeitsfähigkeit
attestierte
, zeigt sich auch darin, dass er im Rahmen der Ver
laufsbeurteilung explizit von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ab der Auf
nahme in der Psychiatrischen Klinik
C._
bis
«
heute
» (Juni 2018)
sprach sowie davon, dass die Behandlung noch nicht abgeschlossen sei und ein Versuch mit einer Tätigkeit im geschützten Rahmen folge (
Urk.
15/
149/51).
Zu keinem anderen Schluss führt die von
Dr.
F._
vorgenommene
Arbeitsunfähigkeits
schätzung unter Beachtung der massgebenden Indikatoren, in welcher er nach
vollziehbar begründet den Bogen schl
ug
zu seinem
medizinisch-psychiatrischen G
utachtensteil.
Zwar schloss
Dr.
F._
auf eine lediglich mittelschwere Aus
prägung sowohl der depressiven
Befunde
als auch der Symptome der chronischen Schmerzstörung. Doch mass er sowohl den therapeutischen Schwierigkeiten im Zusammenhang mit dem Verdacht auf einen genetischen Polymorphismus als auch der Komorbidität und dem sozialen Rückzug des Beschwerdeführers
mit langem Hospitalismus
Bedeutung bei und stellte die Arbeitsunfähigkeit auch unter dem Gesichtspunkt der Konsistenz nicht in Frage
(
Urk.
15/
149/49-50).
Bis zur von
Dr.
H._
empfohlenen Verlaufsprüfung mittels Gutachten des
D._
vom 1
4.
November 2019 ging einzig
der
Bericht von
Dr.
G._
am 1
6.
Januar 2018 mit weiterhin attestierter 100%iger Arbeitsunfähigkeit
und Ver
schlechterungstendenz
bei der Beschwerde
gegnerin
ein
(E. 3.2). Die Beschwerde
gegnerin bat zwar gemäss Aktenlage das Institut für Anästhesiologie des Kantonsspitals
I._
um Einreichung eines Berichts (
Urk.
15/
154), nicht aber die
Psychiatrie B._
, bei welc
her gemäss Austrittsbericht
der
Psychiatrischen
Klinik
C._
vom 1
1.
April 2018 die tagesklinische Behandlung in Aussicht genommen
(Vorgespräch in der Tagesklinik der
Psychiatrie B._
am 15. Mai 2018)
und gemäss Angaben des Beschwerdeführers anlässlich der Verl
aufsbegutachtung durchgeführt w
orden sei
(
Urk.
15/
145/2,
15/
169/
35).
Wie
dem
Bericht der
Psychiatrie B._
vom
7.
April 2020
betreffend die tagesklinische Behandlung vom 24. Oktober bis 20. Dezember 2019
(E. 3.5)
zu entnehmen ist,
beurteilte die
zuständige Oberärztin
Dr.
med.
N._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
das depressive
Geschehen
als seit Jahren chronifiziert auf dem Niveau einer mittel- bis schwergra
dig depressiven Symptomatik sowie einer ebenfalls chronifizierten Schmerz
störung
und
erachtete
die Arbeitsfähigkeit mittel-
bis längerfristig als aufgeho
ben
.
Damit drängen sich keinerlei Zweifel daran auf, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auch nach der tagesklinischen Behandlung in der
Psychiatrie B._
im Jahr 2018 weiterhin zu
mindestens
50 % ein
geschränkt
war und der Rentenanspruch zumindest im zugesprochenen Umfang bestand
. Hiervon ging selbst
Dr.
J._
aus (
Urk.
15/169/44)
.
Ob und
gegebenenfalls
ab welchem Zeitpunkt sich die Reduktion der ganzen auf die zugesprochen
e
halbe Rente
im Jahr 2018
rechtfertigt, wird die Beschwerde
gegnerin durch Ergänzung der medizinischen A
ktenlage, mithin zunächst durch Einholung eines Berichts der
Psychiatrie B._
zur tagesklinischen Behandlung im Jahr 2018
, deren Dauer
wie auch Durchführung
sich aufgrund der aktuellen Aktenlage nicht
abschliessend
feststellen lässt,
abzuklären haben.
4.3
Was die Verlaufsbeurteilung des
D._
vom 1
4.
November 2019
(E. 3.4)
und gestützt darauf die
Rechtmässigkeit der
Rentenbefristung per
3
0.
September 2019
anbelangt, stützte sich
Dr.
J._
im Rahmen seiner psychiatrischen Expertise
aktenmässig einzig auf die von der Beschwerdegegnerin zur Verfügung gestellten Akten. Trotz anamnestischer Angabe des Beschwerdeführers zur teilstationären-tagesklinischen Behandlung in der
Psychiatrie B._
im Jahr 2018 und der vom Hausarzt
im Begutachtungszeitpunkt
in Aussicht genommenen erneuten teilstationären-tagesklinischen Intervention (
Urk.
15/
169/35)
, welche sodann
a
b dem
24. Okto
ber 2019
– mithin
fünf Wochen
nach der psychiatrischen Exploration vom 18. Sep
tember 2019
–
ebenfalls
in der
Psychiatrie B._
durchgeführt wurde,
verzichtete
Dr.
J._
sowohl auf das Einholen
zusätzlicher Berichte
als auch
auf fremd
anamnestische A
uskünfte
(
Urk.
15/
169/33,
15/
169/41).
Die von
Dr.
J._
als verbessert beurteilte depressive Befundlage
insbesondere im Bereich Willensbildung und Antrieb sowie Affektivität
(E. 3.4.3)
findet
sodann
weder i
n den
aktuellsten Bericht
en
von
Dr.
G._
vom Januar 2019 (E. 3
.
2)
und 18. August 2020 (Urk. 15/192)
noch in demjenigen der
Psychiatrie B._
vom
7.
April 2020 zur tagesklinischen Behandlung vom 2
4.
Oktober bis 2
0.
Dezember 2019 (E. 3.5) Bestätigung.
Gemäss Beurteilung im Bericht der
Psychiatrie B._
war der Antrieb vielmehr vermindert mit Energielosigkeit und Erschöpfung und der Beschwerdeführer im Affekt niedergeschlagen, dysphorisch und reduziert schwingungsfähig. Suizid
ge
danken und insbesondere passive Lebensmüdigke
i
t seien immer wieder vorhan
den (
Urk.
15/
184/2).
Entsprechend lässt
die medizinische Aktenlage
jedenfalls
nicht
darauf schliessen, dass die von
Dr.
J._
als verbessert beurteilte depressive
Symptomatik
hin zu einer leichtgradigen
Störung im Zeitpunkt der Verlaufsbegutachtung bereits während einiger Zeit vorgelegen hat, was ein Abweichen von
Art.
88a
Abs.
1
zweiter Satz
IVV und eine Herabsetzung der laufenden Rente auf den Zeitpunkt der Begutachtung rechtfertigen könnte (Urteil des Bundesgerichts 9C_687/2018 vom 1
6.
Mai 2019 E. 2 mit Hinweisen).
Auch
lässt die
aktuelle
Aktenlage
ange
sichts der Beurteilung der
Psychiatrie B._
im Bericht vom
7.
April 2020 (E. 3.5)
den Schluss
nicht
zu, dass die Verbesserung während mindestens drei M
onaten angedauert
hat und entsprechend eine Rentenaufhebung per Ende Dezember 2019 gere
cht
fertigt war
. Die Beschwerdegegnerin wäre vielmehr gehalten gewesen, die Akten
lage spätestens nach Eingang des Bericht
s
der
Psychiatrie B._
vom
7.
April 2020
, welcher zumindest als Indiz gegen die fortdauernde Gültigkeit der Beurteilung von
Dr.
J._
zu werten ist (vgl. E. 1.2.6),
zu ergänzen und
beim
D._
eine ergän
zende Stellungnahme
hierzu
einzuholen.
4.4
Ergänzungsbedürftig erweist sich der medizinische Sachverhalt auch in Bezug auf den somatischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers. Die bereits anläss
lich der Verlaufsbegutachtung im
D._
geklagten Nackenschmerzen mit Aus
strahlungen (
Urk.
15/
169/18) führten am 2
2.
März 2021, mithin vor Erlass des angefochtenen Entscheids, zu einer diagnostischen PRT C
6 und
Dr.
L._
sprach sich anlässlich der neurochirurgischen Sprechstunde vom
9.
April 2021 bereits für die sodann durchgeführte Operation aus (
Urk.
3
und 8
).
Inwiefern sich dieser bereits vor Verfügungserlass vorgelegene operationswürdige Befund
auf die Arbeitsfähigkeit auswirkte, lässt sich den Akten ebenfalls nicht entnehmen.
4
.5
Zusammengefasst ist der angefochtene Entscheid
a
ufzuheb
en und festzustellen
,
dass
der Beschwerdeführer ab
1.
Februar 2018
bis zumindest zum Austritt aus der tagesklinischen Behandlung in der
Psychiatrie B._
im J
ahr 2018
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente und anschliessend bis mindestens 3
1.
Dezember 2019 Anspruch auf eine halbe I
nvalidenrente
hat. Was den
Anspruch auf eine
über
die halbe
Invalidenrente
hinausgehende Rente ab Austritt aus der
Psychiatrie B._
im Jahr 2018
bis 3
1.
Dezember 2019
anbelangt,
wird die B
eschwerdegegnerin ebenso ergänzende medizinische Abklärungen vorzunehmen haben wie zur Abklärung des Gesund
heitszustandes
im Hinblick auf den Rentenanspruch
ab
1.
Januar 202
0.
Hierfür wird sie neuerlich eine bidisziplinäre Begutachtung (ortho
pädisch/psychiatrisch)
unter Beachtung des am 1. Januar 2022 in Kraft getretenen Art. 72
bis
Abs. 1
bis
und 2 IVV sowie des dort postulierten Zufallsprinzips
in die Wege zu leiten haben. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers weist in der einge
reich
ten Ko
stennote vom 3
1.
August 2021
(
Urk.
19
) für das vorliegende Verfah
ren einen Zeitaufwand von
9,3 S
tunden und Barauslagen von Fr.
43.10 aus. Diese Aufwendungen erscheinen als gerechtfertigt. Beim gerichtsüblichen Stun
den
ansatz von Fr. 220.
- resultiert daraus eine Entschädigung von Fr. 2‘249.95 (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
zu Lasten der Beschwerdegegnerin
.
Die Entschädigung
ist dem unentgeltlichen Rechtsbeistand auszuzahlen (Urteil des Bundesgerichts 5A_754/2013 vom
4.
Februar 2014 E. 5).