Decision ID: 5fddac1a-40dc-4f31-8527-979a6febd9af
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im September 2014 zum Bezug von Ergänzungsleistungen an
(Dossier 4 [act. G 3.4, EL 2020/42], act. 49). Im Juli 2014 hatte ihr die IV-Stelle
rückwirkend ab dem 1. November 2008 eine halbe IV-Rente zugesprochen (Dossier 4,
act. 41, act. 11-1). Bis und mit Juli 2010 hatte sie ein Taggeld der Unfallversicherung
bezogen (vgl. Dossier 4, act. 43–83 ff.). Die Personalvorsorge B._ hatte ihr am 8. Juli
2014 rückwirkend ab dem 1. November 2008 eine Invalidenrente ausgerichtet (Dossier
4, act. 51). Die Versicherte hatte ihrem Sohn und dessen Ehefrau am 14. März 2003 ein
zinsloses Darlehen (in Form von PK-Geld) von Fr. 120'000.-- für den Bau eines Hauses
gewährt (Dossier 4, act. 43-82). Per 1. Juli 2011 hatten die Versicherte (1/2
Miteigentum) und ihre Miteigentümer (Sohn und Schwiegertochter) ihre Liegenschaft
A.a.
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C._ in D._ verkauft (Dossier 4, act. 43–66 ff.). Der Kaufpreis war unter anderem
durch eine Banküberweisung von Fr. 120'000.-- auf ein Sperrkonto der Versicherten
(Zahlungsvermerk: Rückzahlung BVG) getilgt worden. Vom 1. Juli 2011 bis Oktober
2013 hatte die Versicherte in E._ eine Wohnung mit einem Bekannten geteilt, der der
Eigentümer jener Wohnung gewesen war. Laut einem Mietvertrag zwischen der
Versicherten (als Mieterin) und ihrem Bekannten (als Eigentümer und Vermieter) hatte
die Monatsmiete Fr. 1’100.-- betragen; der Eigenmietwert der Wohnung hatte sich auf
Fr. 18’368.-- belaufen (vgl. Dossier 4, act. 41). Ab November 2013 hatte die Versicherte
bei ihrer Schwester gewohnt, wobei sie sich nicht an den Mietkosten hatte beteiligen
müssen (vgl. Dossier 4, act. 49–3/9). Seit dem 1. November 2014 wohnte sie wieder bei
ihrem Bekannten in E._ (vgl. Dossier 4, act, 45).
Mit Verfügung vom 3. April 2015 sprach die EL-Durchführungsstelle der
Versicherten mit Wirkung ab 1. Juli 2011 eine Ergänzungsleistung zu (Dossier 4, act.
12). Sie hielt fest, der Anspruch habe nicht vor dem 1. November 2008 (Rentenbeginn)
entstehen können; für die Zeit vom 1. November 2008 bis zum 30. Juni 2011, als die
Versicherte in der eigenen Liegenschaft gelebt habe, und auch für die Zeit vom 1.
November 2013 bis zum 31. Oktober 2014, als die Versicherte kostenlos bei ihrer
Schwester gelebt habe, hätten die anrechenbaren Einnahmen die anerkannten
Ausgaben überstiegen, weshalb für diese Zeiträume kein Anspruch auf eine
Ergänzungsleistung bestehe. Für die Zeit bis und mit Juli 2010 sei das Taggeld der
Unfallversicherung als Einnahme angerechnet worden; ab August 2010 sei ein
hypothetisches Erwerbseinkommen gemäss dem Art. 14a Abs. 2 lit. b ELV als
Einnahme berücksichtigt worden (siehe auch Feststellungsblatt vom 14. November
2014, Dossier 4, act. 11). Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache wies die EL-
Durchführungsstelle am 14. August 2015 ab (Dossier 4, act. 4).
A.b.
Das Gericht hiess die gegen den Einspracheentscheid erhobene Beschwerde am
11. Oktober 2016 teilweise gut, hob den Einspracheentscheid vom 14. August 2015 auf
und wies die Sache zur weiteren Abklärung an die EL-Durchführungsstelle zurück (EL
2015/31, Dossier 3 [act. G 3.3, EL 2020/42], act. 121). Es erwog, die EL-
Durchführungsstelle sei zwar grundsätzlich zu Recht davon ausgegangen, dass der mit
dem Bekannten vereinbarte Mietzins übersetzt gewesen sei, aber die EL-
Durchführungsstelle hätte nicht einfach die Hälfte des amtlich geschätzten
A.c.
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Eigenmietwertes der Wohnung (und die Hälfte der Nebenkostenpauschale) als
Ausgabe für die Wohnkosten berücksichtigen dürfen, sondern sie hätte den Anteil, in
dem die Versicherte die Wohnung effektiv habe nutzen dürfen, ermitteln und eine
Marktmietwertschätzung zur Ermittlung des realen Wertes dieses Nutzungsrechtes an
der Wohnung des Bekannten in Auftrag geben müssen. Der Umstand, dass die
Schwester die Versicherte eine Zeit lang kostenlos bei ihr habe wohnen lassen, sei als
eine private Leistung mit einem ausgesprochenen Fürsorgecharakter zu qualifizieren,
die einer Ergänzungsleistung nicht vorgehen dürfe. Die EL-Durchführungsstelle hätte
deshalb den realen Marktwert des Nutzungsrechtes der Versicherten an der Wohnung
ihrer Schwester ermitteln und als Ausgabe berücksichtigen müssen. Für die Zeit, in der
die Versicherte zusammen mit ihrem Sohn und dessen Familie in der eigenen
Liegenschaft gewohnt habe (bis Juni 2011), gelte sinngemäss dasselbe. Die
Versicherte habe im September 2014 ein Rentenerhöhungsgesuch bei der IV-Stelle
eingereicht. Die EL-Durchführungsstelle hätte das Verwaltungsverfahren deshalb bis
zum rechtskräftigen Abschluss des IV-Rentenrevisionsverfahrens sistieren müssen, da
mehrere Berechnungspositionen vom Ausgang des IV-Rentenrevisionsverfahrens
abhingen. Von Erwägungen zum hypothetischen Erwerbseinkommen für die Zeit bis
und mit August 2014 werde abgesehen; würde sich im IV-Verfahren ergeben, dass es
über den 31. August 2014 hinaus bei der halben Rente bliebe, müsste auch das
hypothetische Erwerbseinkommen über den 31. August 2014 hinaus unverändert
bleiben, weshalb es ergänzungsleistungsrechtlich an einem Revisionsgrund fehlen
würde, der es erlauben würde, getrennt über den EL-Anspruch bis und mit August
2014 und jenen ab September 2014 zu entscheiden. Allerdings sei darauf hinzuweisen,
dass die Versicherte bis und mit Juli 2010 fast durchgehend nur ein halbes Taggeld der
Unfallversicherung bezogen habe, weil sie nur zu 50 % arbeitsunfähig gewesen sei.
Weshalb die EL-Durchführungsstelle dennoch erst ab August 2010 ein hypothetisches
Erwerbseinkommen angerechnet habe, sei vor diesem Hintergrund nicht
nachvollziehbar. Nicht nachvollziehbar sei auch, weshalb die kantonale
Durchschnittsprämie für die obligatorische Krankenpflegeversicherung (nur) für das
Jahr 2014 nicht in der Anspruchsberechnung berücksichtigt worden sei.
Zusammenfassend beruhe der angefochtene Einspracheentscheid in mehreren
Punkten auf einem nicht vollständig ermittelten Sachverhalt, weshalb er als
rechtswidrig aufzuheben sei.
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Mit Verfügung vom 19. Dezember 2016 setzte die EL-Durchführungsstelle die
Ergänzungsleistungen infolge der Erhöhung der Prämienpauschale für die
Krankenversicherung per 1. Januar 2017 neu fest (Dossier 3, act. 118, 120). Dagegen
liess die Versicherte am 31. Januar 2017 Einsprache erheben (Dossier 3, act. 116). Ihr
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der Verfügung und die Ausrichtung der
Ergänzungsleistungen ohne Berücksichtigung eines Mietzinsanteils eines
Mietbewohners, ohne die Anrechnung eines Vermögens sowie ohne die
Berücksichtigung eines hypothetischen Erwerbseinkommens ab Oktober 2016. Ein
Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Einspracheverfahren stellte er
nicht.
A.d.
Die EL-Durchführungsstelle teilte der Versicherten am 14. März 2017 mit, dass der
Ausgang des IV-Rentenrevisionsverfahrens abgewartet werden müsse, um den EL-
Betrag für die rückwirkende Zeit (vor November 2016) korrekt zu ermitteln (Dossier 3,
act. 114). Am Folgetag erliess sie eine Verfügung, in der sie festhielt, dass mit Blick auf
den Ausgang des Beschwerdeverfahrens zwar keine leistungszusprechende Verfügung
mehr existiere, dass aber trotzdem nach wie vor eine Ergänzungsleistung ausbezahlt
werde (Dossier 3, act. 111). Deshalb würden die Ergänzungsleistungen ab November
2016 (Folgemonat Erreichung 60. Altersjahr) ohne die Anrechnung eines
hypothetischen Einkommens berechnet. Für den Zeitraum 1. November 2016 bis 31.
März 2017 resultierte eine Nachzahlung von Fr. 5'255.--.
A.e.
Mit Verfügung vom 30. März 2017 korrigierte die EL-Durchführungsstelle die der
Verfügung vom 15. März 2017 zugrundeliegende Anspruchsberechnung insoweit, als
sie rückwirkend ab 1. November 2016 keinen Mitbewohneranteil mehr in Abzug
brachte (Dossier 3, act. 108). Dies hatte eine weitere Nachzahlung von Fr. 3’160.-- zur
Folge (Dossier 3, act. 108).
A.f.
Mit Verfügung vom 18. Dezember 2017 setzte die EL-Durchführungsstelle die
Ergänzungsleistungen ab 1. Januar 2018 infolge der Erhöhung der anrechenbaren
Prämienpauschale für die Krankenversicherung vorsorglich auf Fr. 2'214.-- pro Monat
fest (Dossier 3, act. 104, 106).
A.g.
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Bereits mit Verfügung vom 26. September 2017 hatte die IV-Stelle das
Rentenerhöhungsgesuch abgewiesen (Verfügung nicht bei den Akten; Dossier 3, act.
47-1). Diese Verfügung war unangefochten in formelle Rechtskraft erwachsen. Am
12. Februar 2018 forderte die EL-Durchführungsstelle die Versicherte „für die
Umsetzung des Gerichtsentscheides“ auf, die Zahlungsnachweise für die Miete in den
Monaten Januar 2017 und Januar 2018 einzureichen (Dossier 3, act. 101). Den Ende
März 2018 eingereichten Quittungen liess sich entnehmen, dass die Versicherte im
Januar 2017 und im Januar 2018 je einen Mietzins von Fr. 1’470.-- bezahlt hatte
(Dossier 3, act. 97).
A.h.
Am 25. Juni 2018 erliess die EL-Durchführungsstelle eine Verfügung, mit der sie
der Versicherten „aufgrund des Urteils vom 11. Oktober 2016“ eine Ergänzungsleistung
für die Zeit ab dem 1. Juli 2011 zusprach (Dossier 3, act. 87). Für die Zeit vom 1.
August 2010 bis 30. Juni 2011 hatte die Versicherte wegen eines
Einnahmenüberschusses keinen Anspruch auf Ergänzungsleistungen. Für die Zeit vom
1. Juli 2011 bis 31. Oktober 2016 resultierte eine Nachzahlung von insgesamt Fr.
15'682.-- und für die Zeit vom 1. November 2016 bis 30. Juni 2018 eine Rückforderung
von insgesamt Fr. 7'340.--. In der Verfügungsbegründung führte die EL-
Durchführungsstelle an, sie habe die Miete gemäss den eingereichten Mietverträgen
berücksichtigt. Für den Zeitraum, in dem die Versicherte bei ihrer Schwester gewohnt
habe, habe sie das Mietzinsmaximum von Fr. 1’100.-- pro Monat berücksichtigt. In
einem Schreiben an die Versicherte vom 11. Juli 2018 hielt die EL-Durchführungsstelle
fest (Dossier 3, act. 79), die Verfügung der IV-Stelle vom 26. September 2017, mit der
das Rentenerhöhungsgesuch abgewiesen worden sei, sei unangefochten in formelle
Rechtskraft erwachsen. Gemäss jener Verfügung sei es der Versicherten zumutbar, ein
Invalideneinkommen von Fr. 23’087.-- zu erzielen, weshalb sich die Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens von Fr. 19’210.-- resp. ab dem Jahr 2014 von Fr.
19’290.-- pro Jahr in der EL-Verfügung vom 25. Juni 2018 als rechtmässig erweise.
A.i.
Am 22. August 2018 liess die Versicherte Einsprache gegen die Verfügung vom 25.
Juni 2018 erheben (Dossier 3, act. 76). Ihr Rechtsvertreter beantragte insbesondere die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zusprache einer ohne ein
hypothetisches Erwerbseinkommen berechneten Ergänzungsleistung. Zudem stellte er
ein Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das Einspracheverfahren. Zur
A.j.
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materiellen Begründung führte er aus, die EL-Durchführungsstelle habe die vom
Versicherungsgericht geforderten Abklärungen nicht vorgenommen. Sie habe die
angefochtene Verfügung nicht begründet. Die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens sei rechtswidrig, denn die Versicherte könne ihre
Restarbeitsfähigkeit aus invaliditätsfremden Gründen nicht verwerten. Die Anrechnung
eines unter dem Maximalbetrag von Fr. 13’200.-- liegenden Mietzinses von Fr.
10’024.-- für die Zeit vom 1. Januar 2013 bis zum 31. Oktober 2013 sei nicht
nachvollziehbar. Der Betrag des für die Zeit vom 1. September 2014 bis zum
31. Oktober 2016 berücksichtigten Sparguthabens von Fr. 43’196.-- sei falsch.
Mit Verfügung vom 20. Dezember 2018 setzte die EL-Durchführungsstelle die
Ergänzungsleistungen infolge der Erhöhung der anrechenbaren Prämienpauschale für
die Krankenversicherung, der Erhöhung des anrechenbaren Betrags für den
allgemeinen Lebensbedarf sowie der Erhöhung der IV-Rente per 1. Januar 2019 auf Fr.
1'860.-- pro Monat fest (Dossier 3, act. 68, 70). Gegen diese Verfügung liess die
Versicherte am 30. Januar 2019 Einsprache erheben (Dossier 3, act. 62). In der
Einsprachebegründung vom 5. März 2019 beantragte ihr Rechtsvertreter die
Aufhebung der Verfügung und die Anrechnung eines jährlichen Mietzinses von Fr.
17'600.-- für die Zeit ab 1. Januar 2019 (Dossier 3, act. 53). Ein Gesuch um
unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Einspracheverfahren stellte er nicht.
A.k.
Eine Sachbearbeiterin der EL-Durchführungsstelle notierte im Mai 2019 (Dossier 3,
act. 47), bezüglich des hypothetischen Erwerbseinkommens sei in der IV-
Rentenrevisionsverfügung vom 26. September 2017 auf ein früheres Urteil des
Versicherungsgerichtes vom 13. Februar 2014 (IV 2011/231) verwiesen worden, laut
dem die Versicherte eine leichte, wechselbelastende Arbeit ohne wesentliche
Einschränkungen in einem Pensum von 50 % ausüben und damit ein
Erwerbseinkommen von Fr. 21’831.-- erzielen könne (angerechnetes
Invalideneinkommen). Das (ab 1. August 2010 bis 31. Oktober 2016) angerechnete
hypothetische Erwerbseinkommen sei tiefer und könnte grundsätzlich noch erhöht
werden. Die vom Versicherungsgericht geforderten Abklärungen betreffend die
Mietzinskosten seien nicht umsetzbar gewesen, denn „es wäre schlicht nicht möglich
gewesen“, den Nutzungsanteil der Versicherten zu ermitteln, da es um vergangene
Zeiträume gegangen sei und da sich die EL-Durchführungsstelle auf Parteiaussagen
A.l.
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hätte verlassen müssen. Der mit dem Bekannten vereinbarte Mietzins von Fr. 1’100.--
(für die Zeit vom 1. Juli 2011 bis 31. Oktober 2013 und vom 1. November 2014 bis 31.
Dezember 2016) sei als marktüblich zu qualifizieren. Für die Zeit ab Januar 2016
(gemeint: Januar 2017), als die Versicherte allein in der Wohnung gelebt habe, könne
auf den Mietzins gemäss Zahlungsnachweis von Fr. 1'470.-- abgestellt werden. Da der
Versicherten per Ende des Jahres 2015 keine kantonalrechtlichen, ausserordentlichen
Ergänzungsleistungen zustünden, falle sie nicht unter die Übergangsregelung des
kantonalen ELG, weshalb sie für die Zeit ab Januar 2016 keinen Anspruch auf eine
kantonalrechtliche, ausserordentliche Ergänzungsleistung haben könne. Für die Zeit, in
der die Versicherte bei ihrer Schwester gelebt habe (1. November 2013 bis 31. Oktober
2014), sei der Maximalmietzins von Fr. 1’100.-- anzurechnen, um „den Aufwand in
einem normalen Ausmass zu halten“. Für die Zeit bis zum Verkauf der Liegenschaft im
Juni 2011 seien die Hypothekarzinsen und die Nebenkostenpauschale hälftig
anzurechnen, da sich die Versicherte die Liegenschaft in jener Zeit mit der
siebenköpfigen Familie des Sohnes geteilt habe. Das Vermögen werde gestützt auf die
Steuerveranlagungen angepasst. Das bestrittene Vermögen von Fr. 43’196.-- rühre von
einer Rentennachzahlung im August 2014 her. Die Krankenkassenprämien für das Jahr
2014 seien vom Sozialamt bezahlt worden. Die individuelle Prämienverbilligung sei dem
Sozialamt bereits überwiesen worden. Das sei eine rein administrative Angelegenheit
gewesen. Nach der Verwaltungspraxis werde die kantonale Durchschnittsprämie bei
der EL-Anspruchsberechnung nicht berücksichtigt, wenn die Krankenkassenprämie
bereits durch das Sozialamt bezahlt worden sei. Nach einer Besprechung mit dem
Rechtsdienst sei eine neue Verfügung zu erlassen.
Mit Verfügung vom 20. Mai 2019 setzte die EL-Durchführungsstelle die
Ergänzungsleistungen abermals rückwirkend ab 1. November 2008 und über den 31.
Dezember 2018 hinaus neu fest (Dossier 3, act. 37). Während für die Zeit vom 1.
November 2008 bis 31. Juli 2010 weiterhin ein Einnahmenüberschuss und somit kein
EL-Anspruch resultierte, ergab sich für die Zeit vom 1. August 2010 bis 30. Juni 2011
neu ein Anspruch auf die sog. Minimalgarantie (entspricht der Prämienpauschale für die
obligatorische Krankenversicherung). Die Korrektur hatte eine weitere Nachzahlung von
Ergänzungsleistungen von Fr. 7'599.--zur Folge. Am 20. Juni 2019 liess die Versicherte
Einsprache gegen diese Verfügung erheben (Dossier 3, act. 17). In der
A.m.
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Einsprachebegründung vom 22. Juli 2019 beantragte ihr Rechtsvertreter die Aufhebung
der angefochtenen Verfügung, die Ausrichtung von Ergänzungsleistungen, die ohne ein
hypothetisches Erwerbseinkommen berechnet worden seien, den Erlass einer
allfälligen Rückforderung und die Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung für dieses und das die Verfügung vom 25. Juni 2018 betreffende
Einspracheverfahren (Dossier 3, act. 15). Zur Begründung führte er aus, die EL-
Durchführungsstelle hätte nicht eine neue Verfügung, sondern einen
Einspracheentscheid erlassen müssen. Der Umstand, dass sie sich nicht mit dem
Anspruch auf unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das erste Einspracheverfahren
befasst habe, stelle eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör dar. Die
Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens sei rechtswidrig. In der
Verfügung vom 25. Juni 2018 sei die Versicherte dazu verpflichtet worden, bereits
erhaltene Ergänzungsleistungen zurückzuerstatten. Eine Begründung für die
Rückforderung sei noch immer nicht geliefert worden. Auch sei nochmals darauf
hinzuweisen, dass der Rückerstattungsanspruch mit dem Ablauf eines Jahres erlösche,
nachdem die zuständige EL-Durchführungsstelle davon hätte Kenntnis erlangen
können. Die Prämienpauschale für das Jahr 2014 müsse bei der Anspruchsberechnung
berücksichtigt werden.
Mit Entscheid vom 27. August 2019 wies die EL-Durchführungsstelle die
Einsprache gegen die Verfügung vom 20. Mai 2019 ab; das Einspracheverfahren gegen
die Verfügung vom 25. Juni 2018 schrieb sie infolge Gegenstandslosigkeit ab (Dossier
3, act. 11). Auch das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung bezüglich der
angefochtenen Verfügungen vom 25. Juni 2018 und 20. Mai 2019 wies sie ab. Zur
Begründung führte sie an, es seien keine Gründe ersichtlich, die gegen die Ausübung
einer Erwerbstätigkeit im zumutbaren Pensum von 50 % sprechen würden. Die
Versicherte habe nicht nachgewiesen, dass sie unverschuldet arbeitslos gewesen sei.
Damit erweise sich die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens bis zur
Vollendung des 60. Altersjahres als rechtmässig. Die Prämienpauschale für das Jahr
2014 sei dem Sozialamt schon längst überwiesen worden, weshalb sie bei der
Anspruchsberechnung nicht zu berücksichtigen sei. Die Rückforderung von Fr. 39.--
habe sich aus der Anrechnung von Zinserträgen ab 2014 gestützt auf die
rechtskräftigen Steuerveranlagungen ergeben. Diese habe die EL-Durchführungsstelle
A.n.
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erst im Februar 2019 erhalten. Die Rückforderung sei somit nicht verwirkt. Das
Erlassbegehren könne erst nach dem Eintritt der formellen Rechtskraft der
Rückforderungsverfügung geprüft werden. Da sich keine schwierigen rechtlichen oder
tatsächlichen Fragen stellten, sei eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das
Einspracheverfahren nicht erforderlich gewesen, weshalb das entsprechende Gesuch
abzuweisen sei. Die Verfügung vom 20. Mai 2019 habe die Verfügung vom 25. Juni
2018 vollständig ersetzt, weshalb das Einspracheverfahren gegen die Verfügung vom
25. Juni 2018 als gegenstandslos abzuschreiben sei.
Gegen den Einspracheentscheid vom 27. August 2019 liess die Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 27. September 2019 Beschwerde erheben (act.
G 1, EL 2019/64). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheides und die Ausrichtung einer ohne ein hypothetisches
Erwerbseinkommen berechneten Ergänzungsleistung; eventualiter sei die Sache zur
Neubeurteilung an die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin)
zurückzuweisen. Schliesslich sei für das gesamte Einspracheverfahren die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu gewähren. Auch für das Beschwerdeverfahren
stellte er ein Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung. Zur Begründung führte
er aus, die Behauptung der Beschwerdegegnerin, die Verfügung vom 20. Mai 2019
habe jene vom 25. Juni 2018 vollständig ersetzt, sei unzutreffend, denn die
Beschwerdegegnerin habe die am 20. Mai 2019 verfügte Nachzahlung mit der am 25.
Juni 2018 verfügten Rückforderung verrechnet, ohne den damaligen
Rückforderungsanspruch je begründet zu haben. Die Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens sei unzulässig, zumal die Beschwerdegegnerin
die Beschwerdeführerin nie darauf hingewiesen habe, dass diese sich um eine
Arbeitsstelle bemühen müsse. Die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens hätte rechtzeitig angedroht werden müssen. Die
Beschwerdeführerin könne ihre Restarbeitsfähigkeit gar nicht verwerten. Die
Verweigerung einer unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für das Einspracheverfahren
sei rechtswidrig, da das Einspracheverfahren äusserst umfangreich, die angefochtenen
Verfügungen nicht leicht verständlich und auch die sich stellenden rechtlichen Fragen
(Anrechnung eines hypothetischen Einkommens, korrekte Anrechnung der Ausgaben
A.o.
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für Miete und Wohneigentum sowie Frage des Rückerstattungsanspruchs) nicht
einfach seien.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 21. Oktober 2019 unter Hinweis auf die
Erwägungen im angefochtenen Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde
(act. G 4, EL 2019/64).
A.p.
Am 2. Dezember 2019 wurde der Beschwerdeführerin die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung für das Beschwerdeverfahren EL 2019/64 bewilligt (act. G 10,
EL 2019/64).
A.q.
Am 10. März 2021 wies das Versicherungsgericht die Beschwerdeführerin darauf
hin (act. G 12, EL 2019/64), dass die Beschwerdegegnerin die im Urteil EL 2015/31
vom 11. Oktober 2016 angeordneten Abklärungen zu den Wohnkosten nicht
vorgenommen, sondern unbesehen den gesetzlichen Maximalbetrag berücksichtigt
habe, was vom Versicherungsgericht allenfalls als rechtswidrig qualifiziert werden
könnte. Würde das Versicherungsgericht die Beschwerdegegnerin erneut anhalten, die
Abklärungen vorzunehmen, bestünde die Möglichkeit, dass der EL-Anspruch der
Beschwerdeführerin letztlich tiefer ausfallen könnte, worin eine reformatio in peius
erblickt werden könnte. Die Beschwerdeführerin erhalte deshalb die Gelegenheit, die
Beschwerde zurückzuziehen oder Stellung zur möglichen reformatio in peius zu
nehmen. Die Beschwerdeführerin liess am 28. Mai 2021 an ihrer Beschwerde festhalten
und geltend machen, die Abklärungen hätten gar nicht mehr durchgeführt werden
können, weshalb das Vorgehen der Beschwerdegegnerin als rechtmässig zu
qualifizieren sei (act. G 19, EL 2019/64).
A.r.
Am 9. Juni 2021 stellte das Versicherungsgericht der Beschwerdeführerin in
Aussicht, das Gericht könnte möglicherweise zur Auffassung gelangen, dass ihr ein
höheres (hypothetisches) Erwerbseinkommen anzurechnen sei (act. G 21, EL 2019/64).
Zudem habe die Beschwerdegegnerin ab November 2016 kein hypothetisches
Erwerbseinkommen mehr angerechnet, da die Beschwerdeführerin im Oktober 2016 ihr
60. Altersjahr vollendet habe. Das Gericht könnte zum Schluss kommen, dass über den
31. Oktober 2016 hinaus ein hypothetisches Erwerbseinkommen hätte angerechnet
werden müssen. Darin wäre eine (weitere) mögliche reformatio in peius zu erblicken.
A.s.
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B.
Das Gericht räumte der Beschwerdeführerin die Möglichkeit ein, die Beschwerde
zurückzuziehen oder Stellung zur möglichen reformatio in peius zu nehmen. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin teilte dem Gericht am 27. September 2021
mit, dass die Beschwerdeführerin an der Beschwerde festhalte (act. G 28, EL 2019/64).
Der Meinung, dass es sich bei der Pauschale gemäss Art. 14a Abs. 2 ELV um einen
Mindestbetrag handle, könne nicht gefolgt werden. Im Weiteren beweise der
beiliegende Beleg des RAV F._, dass es der Beschwerdeführerin nicht möglich
gewesen sei, ihre Restarbeitsfähigkeit zu verwerten. Das RAV hatte am 16. Dezember
2015 bestätigt, dass es die Beschwerdeführerin wegen des bevorstehenden
medizinischen Eingriffs (23. September 2015) zurzeit als nicht vermittlungsfähig
erachte.
Bereits am 13. Oktober 2018 hatte die EL-Durchführungsstelle eine periodische
Überprüfung der Ergänzungsleistungen eingeleitet (Dossier 3, act. 74). Am 12.
Dezember 2018 war das ausgefüllte Revisionsformular samt Beilagen bei der EL-
Durchführungsstelle eingegangen (Dossier 3, act. 64). Die Versicherte hatte unter
anderem angegeben, dass sie Schulden in der Höhe von Fr. 134'000.-- habe; die
zuständige Sachbearbeiterin der AHV-Zweigstelle hatte hierzu angemerkt, dass die
Versicherte gemäss telefonischer Auskunft keine detaillierte Aufstellung ihrer Schulden
habe. Laut dem Freizügigkeitsausweis hatte das Vorsorgeguthaben bei der G._ per
1. Januar 2018 Fr. 125'774.85 betragen (Dossier 3, act. 65-3).
B.a.
Am 18. Oktober 2019 hatte die EL-Durchführungsstelle die Versicherte
aufgefordert, Nachweise der Schulden über Fr. 134'000.-- und die
Freizügigkeitsausweise ab 1. Januar 2015, 1. Januar 2016 und 1. Januar 2017
einzureichen (Dossier 2 [act. G 3.2, EL 2020/42], act. 31). Am 13. Dezember 2019 hatte
die Versicherte Belege über das Freizügigkeitsguthaben bei der Bank H._ einreichen
lassen (Dossier 2, act. 23 f.). Ihr Rechtsvertreter hatte angemerkt, dass die Versicherte
keine Buchhaltung über ihre Schulden führe. Die Schulden bestünden gegenüber der
Gemeinde I._. Der Rechtsvertreter hatte die EL-Durchführungsstelle darum gebeten,
ihn wissen zu lassen, ob diese Informationen genügten oder ob er mit der Gemeinde
Kontakt aufnehmen solle. Die zuständige EL-Sachbearbeiterin hatte am 18. Dezember
B.b.
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2019 geantwortet, dass noch die Kontoauszüge des Freizügigkeitskontos bei der G._
fehlten (Dossier 2, act. 24). Die Abklärungen bei der Gemeinde werde sie selber
vornehmen. Die Freizügigkeitsausweise der G._ waren am 7. Januar 2020 bei der EL-
Durchführungsstelle eingegangen (Dossier 2, act. 19 f.).
Mit Verfügung vom 30. Januar 2020 hatte die EL-Durchführungsstelle die
Ergänzungsleistungen ab 1. Februar 2020 neu festgesetzt (Dossier 2, act. 17). Beim
Vermögen hatte sie neu ein Sparguthaben von Fr. 1'470.-- und ein BVG-
Freizügigkeitsguthaben von Fr. 144'027.-- berücksichtigt. Der anrechenbare
Vermögensverzehr hatte sich auf Fr. 7'199.-- belaufen (Fr. 145'497.-- - Fr. 37'500.--
[Freibetrag], davon 1/15). Die Erträge aus Sparguthaben hatten neu Fr. 16.-- betragen.
Zur Begründung hatte die EL-Durchführungsstelle festgehalten, dass das Vermögen
und die entsprechenden Zinsen gemäss der Steuerveranlagung 2018 in der
Berechnung berücksichtigt worden seien. Die Guthaben der Freizügigkeitskonten bei
der Raiffeisenbank und der G._ könnten fünf Jahre vor dem ordentlichen Rentenalter
bezogen werden, weshalb sie in der EL-Berechnung berücksichtigt worden seien.
B.c.
Mit Verfügung vom 5. Februar 2020 hatte die EL-Durchführungsstelle die
Ergänzungsleistungen gestützt auf die Ergebnisse der periodischen Überprüfung
rückwirkend ab 1. November 2015 bis 31. Januar 2020 neu festgesetzt (Dossier 2, act.
11). Sie hatte festgehalten, dass die jeweiligen Freizügigkeitskonten ab November 2015
gemäss den eingereichten Kontounterlagen berücksichtigt worden seien. Die EL-
Durchführungsstelle hatte zudem Änderungen beim Sparguthaben und den Erträgen
aus dem Sparguthaben vorgenommen. Aufgrund der Neuberechnung hatte eine
Rückforderung von Fr. 27'950.-- resultiert.
B.d.
Am 25. Februar 2020 hatte die Versicherte die EL-Durchführungsstelle darüber
informiert, dass sie das Freizügigkeitsguthaben bei der Bank H._ bereits bezogen
habe (Dossier 2, act. 3). Am 25. Februar 2020 waren die entsprechenden
Steuerunterlagen bei der EL-Durchführungsstelle eingegangen (Dossier 2, act. 5). Die
Versicherte hatte das Freizügigkeitskonto am 18. April 2018 aufgelöst und einen Betrag
von Fr. 17'832.-- ausbezahlt erhalten (Dossier 2, act. 6). Die Kantons- und
Gemeindesteuer hatte sich auf Fr. 990.75 belaufen (Dossier 2, act. 7).
B.e.
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Gegen die Verfügungen 30. Januar 2020 und 5. Februar 2020 hatte die Versicherte
am 2. März 2020 Einsprache erheben lassen (Dossier 1, act. 28)
B.f.
Die zuständigen EL-Sachbearbeiter hatten im Feststellungsblatt, datierend vom
11. Oktober 2019, abgelegt am 24. März 2020, festgehalten, dass es sich bei den
angegebenen Schulden gegenüber dem Sozialamt nicht um einen tatsächlich
geschuldeten Betrag im Sinne einer offenen Rechnung handle, der innert Frist bezahlt
werden müsse (Dossier 1, act. 27). Aus diesem Grund seien diese Schulden nicht in der
EL-Berechnung zu berücksichtigen. Nach Rücksprache mit dem zuständigen
Rechtsdienstmitarbeiter sei (betreffend die Pensionskassenguthaben) keine Meldung
an das Gericht gemacht worden (falle in den vom Gericht zu beurteilenden Zeitraum).
Die Ergänzungsleistungen seien neu verfügt worden, um eine Verwirkung zu
verhindern. Der geschuldete Steuerbetrag, der bei einer Auszahlung des
Pensionskassenguthabens fällig geworden wäre, sei vom Guthaben in Abzug zu
bringen. Die Freizügigkeitsleistung werde abzüglich der Steuerschuld gemäss den
Werten im Jahr 2015 angerechnet. Somit bleibe der Betrag in allen Perioden gleich: Fr.
118'308.45 (G._) und Fr. 16'986.-- (H._). Die Versicherte habe sich das
Freizügigkeitsguthaben auf dem Konto bei der Bank H._ am 18. April 2018 auszahlen
lassen. Für das Jahr 2018 werde der Netto-Betrag weiterhin angerechnet. Ab 2019
sollte das Guthaben im "normalen" Vermögen per 31. Dezember 2018 enthalten sein.
Aufgrund des anrechenbaren Vermögens von Fr. 6'788.-- (Januar bis Dezember 2018)
und dem Abzug der Pauschale von Fr. 10'000.-- sei der Verbrauch in Ordnung.
B.g.
Mit Verfügung vom 25. März 2020 hatte die EL-Durchführungsstelle die
Ergänzungsleistungen erneut rückwirkend ab 1. November 2015 neu festgesetzt
(Dossier 1, act. 17). Hieraus war eine Nachzahlung von Fr. 3'297.-- resultiert. In der
Begründung hatte sie darauf hingewiesen, dass diese Verfügung die EL-Verfügungen
vom 5. Februar 2020 und vom 30. Januar 2020 ersetzt habe, allerdings nicht die
Abrechnung vom 4. Februar 2020. Der hypothetische Steuerbetrag sei anhand des
Steuerkalkulators ermittelt worden. Vom fiktiv bezogenen Freizügigkeitsguthaben im
Jahr 2015 von Fr. 124'681.-- seien fiktive Steuern von Fr. 7'365.80 in Abzug gebracht
worden. Von der fiktiv bezogenen Kapitalleistung von Fr. 17'800.-- seien fiktive Steuern
von Fr. 814.-- abgezogen worden. Die Versicherte habe das Freizügigkeitsguthaben bei
der Bank H._ am 18. April 2018 bezogen. Für die Berechnung im Jahr 2018 sei die
B.h.
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Fiktion (Bezug des Guthabens im Jahr 2015) aufrechterhalten worden. Ab Januar 2019
sei das Freizügigkeitsguthaben nicht mehr angerechnet worden, da es ab diesem
Zeitpunkt im Vermögen enthalten gewesen sei. Das Vermögen und die entsprechenden
Zinsen seien gemäss der jeweiligen Steuerveranlagung des Vorjahres in der
Berechnung berücksichtigt worden. Die Nachzahlung werde entgegen der Ziff. 3 des
Dispositives direkt mit der offenen Rückforderung verrechnet. Die Versicherte erhalte
dazu eine separate Abrechnung.
Gegen diese Verfügung hatte die Versicherte am 20. April 2020 Einsprache
erheben lassen (Dossier 1, act. 16). Sie hatte die Aufhebung der Verfügung und die
Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für das Einspracheverfahren
beantragt. Ihr Rechtsvertreter hatte geltend gemacht, die Einsprache gegen die
Verfügungen vom
5. Februar und 30. Januar 2020 sei hinfällig geworden, da diese Verfügungen durch die
Verfügung vom 25. März 2020 ersetzt worden seien. Die EL-Durchführungsstelle habe
ab der EL-Anmeldung im Jahr 2014 Kenntnis davon gehabt, dass die Versicherte über
Freizügigkeitsguthaben verfüge. Der Rückforderungsanspruch sei daher erloschen. Die
Komplexität der vorliegenden Angelegenheit rechtfertige die Bestellung einer
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung. Die Versicherte habe bei den diversen −
teilweise parallel laufenden − Einsprache- und Beschwerdeverfahren die Übersicht
verloren und könne aufgrund der rechtlichen Schwierigkeiten die Einsprache nicht
selbst verfassen. Die Bedürftigkeit der Versicherten sei bekannt und ausgewiesen,
weshalb die unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu bewilligen sei.
B.i.
Mit Entscheid vom 2. September 2020 hatte die EL-Durchführungsstelle das
Einspracheverfahren gegen die Verfügung vom 30. Januar 2020 infolge
Gegenstandslosigkeit abgeschrieben und die Einsprachen gegen die Verfügungen vom
5. Februar und 25. März 2020 abgewiesen; sie hatte ausserdem festgestellt, dass die
Rückforderung für den Zeitraum ab November 2015 bis Ende Januar 2020 Fr. 24'653.--
(Fr. 27'950.-- - Fr. 3'297.--) betrage. Das Gesuch (resp. die Gesuche) um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung hatte sie abgewiesen. Zur Begründung hatte sie angeführt, dass
die einjährige Verwirkungsfrist betreffend die durch die Anrechnung des
Freizügigkeitsguthabens ausgelöste Rückforderung eingehalten worden sei. Dies gelte
auch für die fünfjährige Verwirkungsfrist. Eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung im
B.j.
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Einspracheverfahren sei nur ausnahmsweise zuzusprechen. Im vorliegenden Fall sei
nicht ersichtlich, inwiefern schwierige rechtliche oder tatsächliche Problemstellungen
vorlägen. Es gehe lediglich um die Rechtsfrage, ob die EL-Durchführungsstelle die EL-
Rückforderung gegenüber der Versicherten rechtzeitig gestellt habe.
Gegen diesen Entscheid hatte die Versicherte (nachfolgend wieder:
Beschwerdeführerin) am 2. Oktober 2020 ebenfalls Beschwerde erheben lassen (act. G
1, EL 2020/42). Ihr Rechtsvertreter hatte die Aufhebung der Verfügungen vom 5.
Februar 2020 und 25. März 2020 sowie die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung für das Einspracheverfahren beantragt. Ausserdem hatte er ein
Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das Beschwerdeverfahren
gestellt. Zur Begründung hatte er geltend gemacht, der Rückforderungsanspruch sei
erloschen, da die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend wieder: Beschwerdegegnerin)
bereits im Zeitpunkt der EL-Anmeldung Kenntnis davon gehabt habe, dass die
Beschwerdeführerin über Freizügigkeitsguthaben verfüge. Die Beschwerdegegnerin
habe sich bis zum Zeitpunkt der periodischen Überprüfung der Ergänzungsleistungen
vom Dezember 2018 mehrfach mit den Ergänzungsleistungen der Beschwerdeführerin
auseinandersetzen müssen. Spätestens bei der ersten Neuberechnung der
Ergänzungsleistungen hätte sie erkennen müssen, dass ein Freizügigkeitsguthaben
vorhanden sei. Die einjährige Verwirkungsfrist sei somit vor Langem abgelaufen.
Vorliegend handle es sich sehr wohl um eine rechtlich und tatsächlich schwierige
Fragestellung. Nur schon die Unterscheidung zwischen der relativen und absoluten
Verjährungsfrist könne ein juristischer Laie, welcher zudem schlecht Deutsch verstehe,
nicht erkennen. Hinzu komme, dass die Beschwerdeführerin schon gegen diverse
Verfügungen der Beschwerdegegnerin habe Einsprache erheben und zwei
Beschwerdeverfahren habe einleiten müssen, wobei eines noch hängig sei.
Verbandsvertreter oder andere Fach- und Vertrauensleute sozialer Institutionen wären
bei einer solchen Vorgeschichte aus zeitlichen Gründen nicht bereit gewesen, die
Beschwerdeführerin unentgeltlich zu beraten.
B.k.
Die Beschwerdegegnerin hatte am 19. Oktober 2020 die Abweisung der
Beschwerde beantragt (act. G 3, EL 2020/42). Zur Begründung hatte sie auf die
Erwägungen im Einspracheentscheid verwiesen.
B.l.
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Erwägungen
1.
Am 29. Oktober 2020 hatte das Gericht das Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung für das Beschwerdeverfahren EL 2020/42 bewilligt (act. G 4, EL
2020/42).
B.m.
Am 19. Oktober 2021 gingen die bei der Beschwerdegegnerin angeforderten, in
den Vorakten fehlenden Aktenstücke ein (act. G 11). Mit der Abrechnung vom 4.
Februar 2020 hatte die Beschwerdegegnerin von der Beschwerdeführerin den Betrag
von Fr. 27'950.-- zurückgefordert (act. G 11.1). Mit der Einsprache vom 2. März 2020
hatte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin die Aufhebung der Verfügungen vom
30. Januar 2020 und vom 5. Februar 2020 und die Erteilung der aufschiebenden
Wirkung der Einsprache beantragt (act. G 11.2). Zudem hatte er ein Gesuch um
unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Einspracheverfahren gestellt.
B.n.
Anfechtungsgegenstand der vorliegenden Beschwerdeverfahren sind die
Einspracheentscheide vom 27. August 2019 (EL 2019/64) und vom 2. September 2020
(EL 2020/42). Der Einspracheentscheid vom 27. August 2019 (EL 2019/64) enthält
insgesamt vier Entscheide, nämlich die Abschreibung des Einspracheverfahrens gegen
die Verfügung vom 25. Juni 2018 zufolge Gegenstandslosigkeit, die (allerdings nicht
explizit erwähnte) Abweisung des Begehrens um eine unentgeltliche
Rechtsverbeiständung für jenes Einspracheverfahren, die Abweisung der Einsprache
gegen die Verfügung vom 20. Mai 2019 und die Abweisung des Begehrens um
unentgeltliche Rechtsverbeiständung für dieses Einspracheverfahren. Bei der
Verfügung vom 20. Mai 2019 handelt es sich um eine erstmalige
leistungszusprechende Verfügung. Mit ihr ist der EL-Anspruch der Beschwerdeführerin
ab 1. November 2008 bis zum Verfügungserlass, d.h. Mai 2019, beurteilt worden. Der
Einspracheentscheid vom 2. September 2020 (EL 2020/42) enthält sechs Entscheide,
nämlich die Abschreibung des Einspracheverfahrens gegen die Verfügung vom 30.
Januar 2020 infolge Gegenstandslosigkeit, die Abweisung der Einsprache gegen die
Verfügung vom 5. Februar 2020, die Abweisung der Einsprache gegen die Verfügung
vom 25. März 2020 und die (wiederum nicht explizit für alle Verfahren separat
erwähnte) Abweisung der Begehren um unentgeltliche Rechtsverbeiständung für alle
drei Einspracheverfahren. Mit den Verfügungen vom 5. Februar und 25. März 2020 ist
der EL-Anspruch ab 1. November 2015 neu festgelegt worden. Streitgegenstand des
1.1.
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Einspracheentscheides vom 2. September 2020 ist somit ein Zeitraum, welcher auch
Streitgegenstand des Einspracheentscheides vom 27. August 2019 ist. Um
widersprüchliche Entscheide zu vermeiden, drängt sich daher eine
Verfahrensvereinigung auf. Die Verfahren EL 2019/64 und EL 2020/42 sind somit zu
vereinigen.
Die Beschwerdegegnerin ist im Einspracheverfahren zur Auffassung gelangt, dass
die Verfügung vom 25. Juni 2018 in mehreren Punkten rechtswidrig sei. Sie hätte die
entsprechenden Korrekturen in einem Einspracheentscheid vornehmen können, hat
sich aber in lückenfüllender, analoger Anwendung des Art. 53 Abs. 3 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR
830.1) zu einem Widerruf der angefochtenen Verfügung vom 25. Juni 2018
entschieden, um der Beschwerdeführerin erneut den ganzen Rechtsmittelweg zur
Verfügung zu stellen. Dieses Vorgehen ist entgegen der Ansicht des Rechtsvertreters
der Beschwerdeführerin zulässig gewesen. Da der Widerruf zwingend zur vollständigen
Aufhebung der Verfügung vom 25. Juni 2018 geführt hat, hat das entsprechende
Einspracheverfahren seinen Gegenstand verloren, weshalb es hat abgeschrieben
werden müssen. Die gegen Ziff. 1 des Einspracheentscheides vom 27. August 2019
gerichtete Beschwerde ist folglich abzuweisen. Damit ist das Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung für das Einspracheverfahren gegen die Verfügung vom 25. Juni
2018 jedoch nicht gegenstandslos geworden, weshalb es nachfolgend noch zu prüfen
sein wird (siehe Erw. 4.1).
1.2.
Mit der Verfügung vom 20. Mai 2019 hat die Beschwerdegegnerin das im
September 2014 angestossene Verwaltungsverfahren abgeschlossen, welches die
Frage, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine Ergänzungsleistung habe,
zum Gegenstand gehabt hat. Da es sich beim entsprechenden Gesuch vom
September 2014 um eine erstmalige Anmeldung zum Leistungsbezug gehandelt hat,
haben sämtliche Anspruchsvoraussetzungen und Berechnungspositionen umfassend
geprüft werden müssen. Der allfällige EL-Anspruch hat frühestens am 1. November
2008 entstehen können, weil die IV-Stelle der Beschwerdeführerin wenige Wochen vor
der Anmeldung zum EL-Bezug rückwirkend per 1. November 2008 eine Invalidenrente
zugesprochen hatte (vgl. Art. 22 Abs. 1 ELV).
1.3.
Mit der Verfügung vom 30. Januar 2020 ist der EL-Anspruch gestützt auf die
Ergebnisse der periodischen Überprüfung der Ergänzungsleistungen ab 1. Februar
2020 neu festgesetzt worden. Mit der Verfügung vom 5. Februar 2020 hat die
Beschwerdegegnerin die Ergänzungsleistungen rückwirkend für den Zeitraum 1.
November 2015 bis und mit 31. Januar 2020 (ebenfalls als Umsetzung der
1.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 19/31
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2.
periodischen Revision) neu festgesetzt und von der Beschwerdeführerin einen Betrag
von Fr. 27'950.-- für zu viel bezogene Ergänzungsleistungen zurückgefordert. Mit der
Verfügung vom 25. März 2020 hat die Beschwerdegegnerin dann den EL-Anspruch
rückwirkend ab 1. November 2015 bis zum Verfügungserlass neu festgesetzt. Damit
hat sie die Verfügung vom 30. Januar 2020 aufgehoben und ersetzt. Die
Beschwerdegegnerin hat die Einsprache gegen die Verfügung vom 30. Januar 2020
daher zu Recht infolge Gegenstandslosigkeit abgeschrieben. Demgegenüber hat die
Beschwerdegegnerin die Verfügung vom 5. Februar 2020 nur teilweise aufgehoben, wie
sich aus der − etwas widersprüchlichen − Verfügungsbegründung vom 25. März 2020
ergibt: "Ersetzt die EL-Verfügungen vom 5. Februar 2020 und 30. Januar 2020.
Allerdings nicht die Abrechnung vom 4. Februar 2020." Der Grund hierfür ist gewesen,
dass die Beschwerdegegnerin mit der Verfügung vom 25. März 2020 zwar den EL-
Anspruch vollständig neu festgesetzt hat; der Rückforderungsteil der Verfügung ist
jedoch nicht komplett gewesen, sondern hat nur die gegenüber der Verfügung vom 5.
Februar 2020 resultierende Nachzahlung, nicht jedoch die aus der
Rückforderungsverfügung vom 5. Februar 2020 gegenüber der Verfügung vom 20. Mai
2019 resultierende Rückforderung, ausgewiesen. Bei der Abrechnung vom 4. Februar
2020 (act. G 11.1) handelt es sich lediglich um die Umsetzung bzw. Vollstreckung der
Dispositiv-Ziffer 2 der Verfügung vom 5. Februar 2020. Korrekterweise hätte die
Beschwerdegegnerin in der Verfügungsbegründung vom 25. März 2020 also festhalten
müssen, dass die Verfügung vom 25. März 2020 lediglich Ziff. 1 der Verfügung vom 5.
Februar 2020 und nicht die ganze Verfügung ersetze. Die Beschwerdegegnerin hat das
Einspracheverfahren gegen die Verfügung vom 5. Februar 2020 daher zu Recht nicht
infolge Gegenstandslosigkeit abgeschrieben; korrekt wäre gewesen, das
Einspracheverfahren in Bezug auf Ziff. 1 der Verfügung vom 5. Februar 2020
abzuschreiben. Streitgegenstand der vorliegenden vereinigten Beschwerdeverfahren ist
somit der EL-Anspruch der Beschwerdegegnerin vom 1. November 2008 bis zum
Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung vom 25. März 2020 sowie die daraus allenfalls
resultierende Rückforderung. Da der Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin bisher
noch nicht formell rechtskräftig festgesetzt worden ist, sind alle
Berechnungspositionen auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen.
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkannten
Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung, ELG, SR 831.30). Die anerkannten Ausgaben und die
2.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 20/31
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anrechenbaren Einnahmen werden nach den Art. 10 und 11 ELG sowie den Art. 11 bis
18 der Verordnung über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (ELV; SR 831.301) ermittelt.
Das Gericht hat die Beschwerdegegnerin in seinem Rückweisungsurteil vom 11.
Oktober 2016 angewiesen, eine Schätzung des marktüblichen Mietzinses der Wohnung
des Bekannten im Zeitraum vom 1. Juli 2011 bis zum 31. Oktober 2013 und für die Zeit
ab dem 1. November 2014 einzuholen und den Nutzungsanteil der Beschwerdeführerin
an der Wohnung zu ermitteln. Auch für die Zeit, in der die Beschwerdeführerin
unentgeltlich bei ihrer Schwester gewohnt hat (1. November 2013 bis 31. Oktober
2014), hätte die Beschwerdegegnerin den marktüblichen Mietzins ermitteln müssen.
Für die Zeit, in der die Beschwerdeführerin mit ihrem Sohn und dessen Familie in der
eigenen Liegenschaft gewohnt hat (bis Juni 2011), hätte sie ebenfalls in Erfahrung
bringen müssen, wie hoch der Nutzungsanteil der Beschwerdeführerin an der
Liegenschaft gewesen ist und wie hoch der marktübliche Mietzins gewesen wäre, den
der Sohn der Beschwerdeführerin dafür hätte fordern können. Die Beschwerdegegnerin
hat diese Abklärungen nicht getätigt. Eine Mitarbeiterin des Fachbereichs
Ergänzungsleistungen hat in einer Stellungnahme vom 17. Mai 2019 (Dossier 3, act.
47-3) festgehalten, dass diese Abklärungen nicht umsetzbar gewesen seien; es wäre
schlicht nicht möglich gewesen, die Nutzung der jeweiligen Wohnung oder
Liegenschaft durch die Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit abzuklären, da es sich ausschliesslich um einen rückwirkenden
Zeitraum handle. Die Beschwerdegegnerin hätte sich auf Parteiaussagen verlassen
müssen und diese hätten dem Beweiswert der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht
entsprochen. Für den Zeitraum 1. Juli 2011 bis 31. Oktober 2013 und für November
2014 bis Dezember 2016 sei der vertraglich vereinbarte Mietzins von Fr. 1'100.-- als
marktüblich zu betrachten. Für die Zeit ab Januar 2016, als der Vermieter nicht mehr
mit der Beschwerdeführerin zusammengewohnt habe, könne auf den Mietzins gemäss
Zahlungsnachweis von Fr. 1'470.-- abgestellt werden. Um den Aufwand in einem
"normalen" Ausmass zu halten, schlage sie vor, für die Zeit, in der die
Beschwerdeführerin bei ihrer Schwester gewohnt habe, von einem Mietzins von Fr.
1'100.-- auszugehen. Für die Zeit, als die Beschwerdeführerin mit dem Sohn und
dessen Familie in der eigenen Liegenschaft gewohnt habe, würden die
Hypothekarzinsen und die Nebenkostenpauschale hälftig als Ausgabe anerkannt; es
könne nicht ermittelt werden, in welchem Rahmen die Liegenschaft von der
Beschwerdeführerin und der Familie des Sohnes (sieben Personen!) genutzt worden
sei. Die Beschwerdegegnerin hat also nicht einmal versucht, die Anweisungen des
Gerichts umzusetzen und dadurch den rechtlich massgebenden Sachverhalt zu
2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 21/31
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ermitteln. Wäre das Gericht davon ausgegangen, dass weitere Abklärungen
unverhältnismässig aufwändig wären und/oder keine weiteren Erkenntnisse bringen
würden, hätte es diese weiteren Abklärungen nicht angeordnet. Ob eine Parteiaussage
glaubhaft ist oder nicht, kann erst beurteilt werden, wenn sie eingeholt worden ist.
Selbstverständlich müssen die Aussagen der beteiligten Personen kritisch gewürdigt
werden. Die Beschwerdegegnerin wird also die im Rückweisungsentscheid vom 11.
Oktober 2016 angeordneten weiteren Abklärungen (Erw. 1) noch nachholen müssen
(marktübliche Mietzinse der Wohnungen/des Hauses im massgebenden Zeitraum,
Nutzungsanteil der Beschwerdeführerin).
Bei allen Personen wird als Ausgabe ein jährlicher Pauschalbetrag für die
obligatorische Krankenpflegeversicherung anerkannt; der Pauschalbetrag hat der
kantonalen beziehungsweise regionalen Durchschnittsprämie für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung (inkl. Unfalldeckung) zu entsprechen (Art. 10 Abs. 3 lit. d
ELG). Bezüglich der kantonalen Durchschnittsprämie für das Jahr 2014 hat die
Beschwerdegegnerin sinngemäss argumentiert, sie habe den entsprechenden
Teilbetrag der Ergänzungsleistung für das Jahr 2014 schon längst dem Sozialamt
überwiesen (das die Krankenkassenprämien für das Jahr 2014 vorfinanziert hatte),
weshalb die kantonale Durchschnittsprämie in der Anspruchsberechnung für das Jahr
2014 nicht mehr als Ausgabe zu berücksichtigen sei. Gerade weil die
Beschwerdegegnerin eine entsprechende Drittauszahlung vorgenommen hat, muss die
entsprechende Ausgabenposition in der Anspruchsberechnung berücksichtigt werden,
denn nur so kann die verfügungsmässige Grundlage für die bereits erfolgte
Drittauszahlung geschaffen werden. Würde man der Argumentation der
Beschwerdegegnerin folgen, hätte sie dem Sozialamt eine Zahlung überwiesen, die
sich auf keine Verfügung stützen könnte, was augenscheinlich als gesetzwidrig
qualifiziert werden müsste. Die Ergänzungsleistung für das Jahr 2014 muss
notwendigerweise auch jenen Teil umfassen, der die kantonale Durchschnittsprämie für
die obligatorische Krankenpflegeversicherung abdeckt. Nur bezüglich des Vollzugs ist
eine Besonderheit zu beachten, nämlich die Drittauszahlung an das Sozialamt anstelle
der Drittauszahlung an die obligatorische Krankenpflegeversicherung.
2.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 22/31
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Das Gericht hat im Rückweisungsentscheid vom 11. Oktober 2016 von
Erwägungen zum hypothetischen Erwerbseinkommen abgesehen. Die
Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin für die Zeit ab 1. August 2010 bis 31.
Oktober 2016 ein hypothetisches Erwerbseinkommen gemäss dem Art. 14a Abs. 2 lit.
b ELV als Einnahme angerechnet.
2.4.
Invaliden EL-Ansprechern wird als Erwerbseinkommen grundsätzlich der Betrag,
den sie im massgebenden Zeitabschnitt tatsächlich verdient haben (Art. 14a Abs. 1
ELV i.V.m. Art. 9 Abs. 5 lit. c ELG), mindestens jedoch der in Art. 14a Abs. 2 lit. a-c ELV
angegebene Grenzbetrag, angerechnet. Wird dieser nicht erreicht, insbesondere wenn
keine Erwerbstätigkeit ausgeübt wird, gilt die Vermutung eines Verzichts auf Einkünfte
im Sinne von Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG. Diese Vermutung kann durch den Nachweis,
dass invaliditätsfremde Gründe wie Alter, mangelhafte Ausbildung und
Sprachkenntnisse, persönliche Umstände oder die Arbeitsmarktsituation die
Verwertung der Resterwerbsfähigkeit übermässig erschweren oder verunmöglichen,
widerlegt werden. Massgebend für die Berechnung der Ergänzungsleistungen ist daher
das hypothetische Einkommen, das der EL-Ansprecher tatsächlich realisieren könnte.
Auf die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens ist zu verzichten, wenn
der EL-Ansprecher trotz ausreichender Arbeitsbemühungen keine Stelle findet. Diese
Voraussetzung ist unter anderem dann erfüllt, wenn er beim RAV zur Arbeitsvermittlung
angemeldet ist sowie qualitativ und quantitativ ausreichende, aber erfolglose
Stellenbemühungen nachweist (vgl. Rz. 3424.01 ff. der Wegleitung des Bundesamtes
für Sozialversicherungen über die Ergänzungsleistungen zur AHV und IV, WEL, gültig
ab 1. April 2011, Stand 1. Januar 2019).
2.4.1.
Die IV-Stelle hatte der Beschwerdeführerin im Juli 2014 rückwirkend ab 1.
November 2008 eine halbe Rente zugesprochen. Bereits im September 2014 hatte die
Beschwerdeführerin ein Rentenerhöhungsgesuch gestellt, welches im September 2017
abgewiesen worden war. Vorliegend geht es also um die rückwirkende Anrechnung
eines hypothetischen Erwerbseinkommens. Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, dass die von der Beschwerdegegnerin
geforderten Arbeitsbemühungen im Nachhinein gar nicht mehr erbracht werden
könnten und somit nicht gerechtfertigt seien. Die Beschwerdeführerin sei frühestens
mit der EL-Verfügung vom 3. April 2015 auf ihre Bewerbungspflicht aufmerksam
gemacht worden. Die Beschwerdeführerin habe vor diesem Zeitpunkt keine Kenntnis
davon gehabt, dass sie im Rahmen ihrer Schadenminderungspflicht irgendwelche
(Bewerbungs-)Auflagen habe, welche später allenfalls für die Berechnung der
Ergänzungsleistungen relevant sein würden. Die Beschwerdegegnerin habe die
2.4.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 23/31
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Beschwerdeführerin zu keinem Zeitpunkt aufgefordert, einer entsprechenden
Hilfstätigkeit nachzugehen, da ihr ansonsten ein hypothetisches Erwerbseinkommen
angerechnet werden könnte. Ausserdem sei der definitive Invaliditätsgrad erst mit Urteil
vom 13. Februar 2014 festgesetzt worden. Die Beschwerdegegnerin habe es zudem
unterlassen, abzuklären, ob die Beschwerdeführerin in der Lage gewesen sei, die
verbliebene Restarbeitsfähigkeit tatsächlich zu verwerten. Die Beschwerdeführerin
habe immer wieder Operationen und ärztliche Behandlungen in Anspruch nehmen
müssen. Aufgrund von medizinisch bedingten Absenzen hätte sie keine Chance auf
eine unbefristete Arbeitsstelle gehabt. Ausserdem hätten die behandelnden Ärzte der
Beschwerdeführerin für die relevante Zeitperiode der Jahre 2010 bis 2016 praktisch
ununterbrochen eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Eine ernsthafte
Arbeitssuche sei unter diesen Umständen von vornherein aussichtslos gewesen. Kein
Arbeitgeber würde eine Arbeitssuchende einstellen, die eigentlich zu 100 %
arbeitsunfähig sei.
Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass die spezifische Schadenminderungspflicht
in der Form der Stellensuche nach der Praxis des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen nicht abmahnungsbedürftig ist, da es sich von selbst versteht, dass eine
(teil-)arbeitsfähige, aber arbeitslose Person, deren Einnahmen den Existenzbedarf nicht
zu decken vermögen, sich um eine Arbeitsstelle bemüht, um mit einem
Erwerbseinkommen als zusätzlicher Einnahmenquelle soweit als möglich aus eigener
Kraft ihren Existenzbedarf zu decken (Entscheid des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 29. März 2021, EL 2019/51 E. 2.3; Entscheid vom 14. Juli
2021, EL 2019/73 E. 4.4). Laut der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind die EL-
Organe an die Feststellungen zur Erwerbsfähigkeit aus dem
invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren gebunden (Urteil vom 8. Juli 2021,
9C_179/2021 E. 3.1; Urteil vom 12. April 2021, 9C_745/2020 E. 4.2.1). Massgebend sei
nur die – rückwirkende - Invaliditätsbemessung durch die Invalidenversicherung. Bei
einem laufenden IV-Verfahren könnten sich die EL-Ansprecher nicht auf ein
berechtigtes Vertrauen mit Blick auf die von den behandelnden Ärzten attestierte
Arbeitsunfähigkeit berufen. Bei einem laufenden IV-Verfahren müsse nämlich damit
gerechnet werden, dass weitere Abklärungen andere Erkenntnisse (bezüglich der
Arbeitsfähigkeit) bringen könnten (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 26. Juli 2019,
9C_653/2018 E. 5.1). Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden: Bei der
Schadenminderungspflicht handelt es sich um ein allgemeines Prinzip des
Sozialversicherungsrechts. Von einer versicherten Person können nur ihr objektiv und
subjektiv zumutbare Vorkehrungen und Unterlassungen verlangt werden
2.4.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 24/31
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(Verhältnismässigkeitsprinzip; zum Ganzen: Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Auflage
2020, Rz. 90, 99 der Vorbemerkungen). Die Erfüllung der Schadenminderungspflicht
kann also im Einzelfall unzumutbar oder unmöglich sein. Im Verzicht auf eine
Stellensuche bis zur Eröffnung der IV-Verfügung vom 3. April 2015 resp. bis zur
Eröffnung der Abweisung des Rentenerhöhungsgesuchs im September 2017 könnte
nur dann eine schuldhafte Verletzung der EL-spezifischen Schadenminderungspflicht
erblickt werden, wenn es für die Beschwerdeführerin bei einer objektiven Einschätzung
vorhersehbar gewesen wäre, dass ihr lediglich eine halbe Rente zugesprochen resp.
dass das Rentenerhöhungsgesuch abgelehnt würde (vgl. SZS Nr. 4/2021, S. 226 f.).
Die Beschwerdegegnerin wird deshalb noch abklären müssen, ob im hier
massgebenden Zeitraum (ab Anspruchsbeginn am 1. November 2008 fortlaufend)
Arbeitsfähigkeitsschätzungen von behandelnden Ärzten vorgelegen haben, die der
Beschwerdeführerin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestätigt haben und ob die
Beschwerdeführerin − unter Berücksichtigung aller Umstände − auf solche
Arbeitsunfähigkeitsschätzungen hat vertrauen dürfen und sie sich in dieser Situation
somit gar nicht ernsthaft um eine Arbeitsstelle hat bemühen können. Zudem wird die
Beschwerdegegnerin abklären müssen, ob es der Beschwerdeführerin aufgrund von
medizinisch bedingten Absenzen unmöglich gewesen wäre, eine Arbeitsstelle
anzutreten und sie sich deshalb nicht ernsthaft um eine Arbeitsstelle hat bemühen
können. Die Sache ist folglich zur weiteren Abklärung hinsichtlich der Anrechnung
eines hypothetischen Erwerbseinkommens an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Die Beschwerdegegnerin ist an die Rechtsauffassung gebunden, die
diesem Rückweisungsentscheid zugrunde liegt (Art. 56 Abs. 2 VRP).
Als Einnahmen wird bei IV-Rentnerinnen und Rentnern ein Fünfzehntel des
Reinvermögens, soweit es bei alleinstehenden Personen Fr. 37'500.-- übersteigt,
angerechnet (Art. 11 Abs. 1 lit. c ELG). Angerechnet werden auch Vermögenswerte, auf
die verzichtet worden ist (Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG). Kapitalsummen aus der 2. und 3.
Säule sind ab dem Zeitpunkt beim Vermögen anzurechnen, in dem für die versicherte
Person die Möglichkeit besteht, diese zu beziehen (Rz. 3443.03 WEL). Die
Beschwerdegegnerin hat in der Anspruchsberechnung ab 1. November 2015 die
Freizügigkeitsguthaben als Vermögen angerechnet. Die Beschwerdeführerin ist im
Oktober 2015 59 Jahre alt geworden. Altersleistungen von Freizügigkeitspolicen und
Freizügigkeitskonten dürfen frühestens fünf Jahre vor Erreichen des Rentenalters nach
Artikel 13 Absatz 1 BVG (bei Frauen 64. Altersjahr) ausbezahlt werden (Art. 16 Abs. 1
Freizügigkeitsverordnung, SR 831.425). Die Anrechnung des Freizügigkeitsguthabens
ab 1. November 2015 ist somit korrekt gewesen. Die Beschwerdegegnerin hat jedoch
nicht die fiktive Austrittsleistung der Pensionskassenguthaben per 1. November 2015
2.5.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 25/31
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ermittelt; beim G._-Freizügigkeitskonto hat sie auf das Guthaben per 1. Januar 2015
abgestellt, beim Konto der Bank H._ ergibt sich der herangezogene Stichtag nicht
aus den Akten. Hinzu kommt, dass die Beschwerdegegnerin zwar die beim Bezug des
Freizügigkeitsguthabens hypothetisch angefallen Kantons- und Gemeindesteuern,
nicht aber die hypothetischen Bundessteuern von der Austrittsleistung abgezogen hat
(vgl. Dossier 2, act. 1-1 und Dossier 1, act. 27-3). Des Weiteren hätte die
Beschwerdegegnerin die Freizügigkeitsleistungen zur Ermittlung des Steuerbetrags
zusammenrechnen müssen, da die Beschwerdeführerin die Freizügigkeitsguthaben −
rein fiktiv − im selben Jahr bezogen hat. Ausserdem hätte die Beschwerdegegnerin die
Zinsen, die angefallen wären, wenn die Beschwerdeführerin das
Freizügigkeitsguthaben am 1. November 2015 tatsächlich bezogen hätte, als
hypothetische Einnahmen anrechnen müssen (Art. 11 Abs. 1 lit. b ELG). Die
Beschwerdeführerin hat das Freizügigkeitsguthaben bei der Bank H._ im April 2018
bezogen. Da der Leistungsanspruch erstmalig zu beurteilen ist, hätte die
Beschwerdegegnerin die Ergänzungsleistungen − obwohl die Beschwerdeführerin den
Bezug der Freizügigkeitsleistung erst im Februar 2020 gemeldet hatte − per 1. Mai
2018 (und nicht per 1. Januar 2019) anpassen müssen. Zusammenfassend ist
festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin die Höhe der per 1. November 2015
anrechenbare Freizügigkeitsguthaben sowie die per 1. November 2015 daraus
hypothetisch angefallenen Zinsen noch korrekt wird ermitteln sowie die Anpassung
infolge Bezugs des Freizügigkeitsguthabens bei der Bank H._ per 1. Mai 2018 wird
vornehmen müssen.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der Verfügung vom 25. März 2020 auch
Anpassungen beim Sparguthaben sowie bei den Erträgen aus Sparguthaben
vorgenommen. Neu hat sie ab 1. November 2015 ein Sparguthaben von Fr. 380.--
(bisher Fr. 568.--) und Erträge daraus von Fr. 14.-- (bisher Fr. 12.--), ab 1. Januar 2016
ein Sparguthaben von Fr. 568.-- (bisher Fr. 704.--) und Erträge daraus von Fr. 12.--
(bisher Fr. 5.--), ab 1. Januar 2017 ein Sparguthaben von Fr. 704.-- (bisher Fr. 4'032.--)
und Erträge daraus von Fr. 5.-- (bisher Fr. 12.--), ab 1. Januar 2018 ein Sparguthaben
von Fr. 4'032.-- und Erträge daraus von Fr. 12.-- und ab 1. Januar 2019 ein
Sparguthaben von Fr. 1'470.-- (bisher Fr. 4'032.--) und Erträge daraus von Fr. 16.--
(bisher Fr. 12.--) angerechnet. Zeitlich massgebend für die Berechnung der jährlichen
Ergänzungsleistung ist in der Regel das am 1. Januar des Bezugsjahres vorhandene
Vermögen (Art. 23 Abs. 2 ELV). Bei Versicherten, deren Vermögen im Sinne des ELG
aufgrund einer Steuerveranlagung ermittelt werden kann, sind die kantonalen
Durchführungsstellen befugt, als Berechnungsperiode die der letzten
Steuerveranlagung zugrundeliegende Berechnungsperiode zu wählen, falls inzwischen
2.6.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 26/31
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3.
Gemäss Art. 25 Abs. 1 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leistungen
keine Änderung der wirtschaftlichen Verhältnisse der versicherten Person eingetreten
ist (Art. 23 Abs. 2 ELV). Das Sparguthaben der Beschwerdeführerin und die Erträge
daraus haben gemäss den entsprechenden Steuerveranlagungen per Ende 2014 Fr.
380.-- resp. Fr. 14.--, per Ende 2015 Fr. 568.-- resp. Fr. 12.--, per Ende 2016 Fr. 704.--
resp. Fr. 5.--, per Ende 2017 Fr. 4'032.-- resp. Fr. 12.-- und per Ende 2018 Fr. 1'470.--
resp. Fr. 16.-- betragen (Dossier 3, act. 5 ff.). Die Anpassungen beim Sparguthaben
und den Erträgen daraus sind somit korrekt gewesen.
Vom rohen Vermögen sind die nachgewiesenen Schulden abzuziehen (Rz. 3443.05
WEL). Die Beschwerdegegnerin hat im am 12. Dezember 2018 eingegangenen
Revisionsformular angegeben, dass sie Schulden in der Höhe von Fr. 134'000.-- habe.
Auf Nachfrage hin hat ihr Rechtsvertreter mitgeteilt, dass die Schulden gegenüber der
Gemeinde I._ bestünden (Dossier 2, act. 24-1). Die Beschwerdegegnerin hat von
weiteren Abklärungen mit der Begründung, dass es sich bei Sozialhilfeschulden nicht
um einen tatsächlich geschuldeten Betrag im Sinne einer offenen Rechnung handle,
der innert Frist bezahlt werden müsse, abgesehen. Um eine Schuld in der
Anspruchsberechnung vom Vermögen abziehen zu können, muss diese tatsächlich
entstanden sein, sie muss aber noch nicht fällig sein (vgl. Jöhl/Usinger-Egger,
Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in: Soziale Sicherheit, SBVR Bd. XIV, 3. Auflage
2016, S. 1848 Rz. 166). Wer finanzielle Sozialhilfe bezogen hat, erstattet diese zurück,
wenn sich seine finanzielle Lage gebessert hat und die Rückerstattung zumutbar ist
(Art. 18 Abs. 1 Sozialhilfegesetz, sGS 381.1). In den Erläuterungen zu den seit dem 1.
Januar 2021 gültigen SKOS-Richtlinien ist explizit festgehalten, dass ein
Vermögensanfall durch die Auszahlung von Freizügigkeitsleistungen bei der Prüfung
der Rückerstattungspflicht nicht zu berücksichtigen sei (Erläuterungen zu E.2.1/a).
Hierbei handelt es sich um eine langjährige Praxis der SKOS, die daraus abgeleitet
worden ist, dass ausgelöste Guthaben der Altersvorsorge für den aktuellen und
zukünftigen Lebensunterhalt zu verwenden sind (siehe z.B. ZESO 1/2009, S. 16,
abrufbar unter: 2009_Zeso01_Praxisbeispiel_Freizuegigkeitskonto.pdf, besucht am 9.
November 2021). Da die SKOS-Richtlinien im Kanton St. Gallen nicht verbindlich sind,
wird die Beschwerdegegnerin − falls die angegebenen Sozialhilfeschulden tatsächlich
bestehen − noch abklären müssen, ob und wenn ja, welcher Anteil am
Freizügigkeitsguthaben vom Sozialamt zurückgefordert worden wäre, wenn sich die
Beschwerdeführerin das Freizügigkeitsguthaben tatsächlich per 1. November 2015
hätte ausbezahlen lassen.
2.7.
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zurückzuerstatten. Der Rückforderungsanspruch erlischt mit dem Ablauf eines Jahres,
nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber
mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen Leistung (Art. 25
Abs. 2 Satz 1 ATSG). Bei den genannten Fristen handelt es sich um Verwirkungsfristen
(BGE 140 V 521 E. 2.1). Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat geltend
gemacht, der Rückforderungsanspruch, welcher sich aus der Anrechnung des
Freizügigkeitsguthabens ab 1. November 2015 ergeben hat, sei verwirkt, da die
Beschwerdegegnerin bereits im Zeitpunkt der EL-Anmeldung Kenntnis davon gehabt
habe, dass die Beschwerdeführerin über Freizügigkeitsguthaben verfüge. Die
Beschwerdegegnerin habe sich bis zum Zeitpunkt der periodischen Überprüfung der
Ergänzungsleistungen vom Dezember 2018 mehrfach mit den Ergänzungsleistungen
der Beschwerdeführerin auseinandersetzen müssen. Spätestens bei der ersten
Neuberechnung der Ergänzungsleistungen hätte sie erkennen müssen, dass ein
Freizügigkeitsguthaben vorhanden sei. Die Korrektur- und Rückforderungsverfügung
datiert vom 5. Februar 2020. Die absolute Verwirkungsfrist von fünf Jahren ist somit im
Zeitpunkt der Rückforderung noch nicht eingetreten gewesen. Nach der
Rechtsprechung des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen beginnt die
einjährige, relative Verwirkungsfrist erst an dem Tag zu laufen, an dem die der
Rückforderung zugrundeliegende Korrekturverfügung formell rechtskräftig geworden
ist, da der Versicherungsträger erst an dem Tag definitiv Kenntnis von allen
Einzelheiten des Rückforderungsanspruchs hat (Entscheid des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen vom 16. November 2016, IV 2014/559 E. 2.2; Entscheid vom
26. Juni 2017, EL 2016/8 E. 5.2). Da die Rückforderungsverfügung im vorliegenden Fall
bereits in der Korrekturverfügung vom 5. Februar 2020 enthalten gewesen ist, ist die
relative, einjährige Verwirkungsfrist gewahrt worden.
4.
Schliesslich bleibt noch zu prüfen, ob die Abweisung der Gesuche um
unentgeltliche Rechtspflege in den Einspracheverfahren (gegen die Verfügungen vom
25. Juni 2018, vom 20. Mai 2019, vom 30. Januar 2020, vom 5. Februar 2020 und vom
25. März 2020) zu Recht erfolgt ist. Nach Art. 37 Abs. 4 ATSG wird der
gesuchstellenden Person ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt, wo es die
Verhältnisse erfordern (vgl. Art. 29 Abs. 3 BV). Der Anspruch auf unentgeltliche
Rechtsverbeiständung setzt die Bedürftigkeit der gesuchstellenden Person, die
fehlende Aussichtslosigkeit der Rechtsbegehren sowie die sachliche Gebotenheit des
Beizugs eines Anwalts voraus (BGE 132 V 200 E. 4.1). Dabei ist das Erfordernis der
sachlichen Gebotenheit einer Rechtsverbeiständung im sozialversicherungsrechtlichen
4.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 28/31
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Verwaltungsverfahren nur in Ausnahmefällen zu bejahen. Es müssen sich schwierige
rechtliche oder tatsächliche Fragen stellen und eine Interessenwahrung durch
Verbandsvertreter, Fürsorgestellen oder andere Fach- und Vertrauensleute sozialer
Institutionen ausser Betracht fallen (BGE 132 V 200 E. 4.1). Von Bedeutung ist auch die
Fähigkeit der versicherten Person, sich im Verfahren zurecht zu finden (BGE 125 V 32
E. 4b). Mit Blick darauf, dass das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungsverfahren
vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht wird, die Versicherungsträger und
Durchführungsorgane der einzelnen Sozialversicherungen (u.a. EL-
Durchführungsstellen) also den rechtserheblichen Sachverhalt unter Mitwirkung der
Parteien zu ermitteln haben (Art. 43 ATSG), drängt sich eine Verbeiständung nur
ausnahmsweise auf (BGE 132 V 200 E. 4.1). Im vorliegenden Fall hat die
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin erstmals mit Verfügung vom 3. April
2015 rückwirkend ab 1. Juli 2011 eine Ergänzungsleistung zugesprochen. Bis heute ist
der EL-Anspruch der Beschwerdeführerin nicht rechtskräftig festgesetzt worden. Die
Beschwerdegegnerin hat mehrmals leistungszusprechende Verfügungen ersetzt, ohne
dass sie dies für einen Laien nachvollziehbar begründet hätte. Die rückwirkende
Korrektur ab Anspruchsbeginn und die Korrektur als Folge der periodischen Revision
sind für einen Laien nicht entwirrbar miteinander verwoben worden, indem sich die
Neuberechnungszeiträume teilweise überlappt haben. Die Beschwerdeführerin ist
somit aufgrund der Komplexität der Sache in verfahrensrechtlicher Hinsicht als Laiin in
allen Einspracheverfahren auf rechtlichen Beistand angewiesen gewesen. Die
Beschwerdegegnerin hat die sachliche Gebotenheit des Beizugs des Rechtsvertreters
in den Einspracheverfahren daher zu Unrecht verneint. Demzufolge ist die Sache zur
weiteren Abklärung (insbesondere zur Prüfung der Bedürftigkeit der
Beschwerdeführerin) an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Demnach ist die Beschwerde gegen Ziff. 1 des Einspracheentscheides vom 27.
August 2019 (EL 2019/64, Abschreibung des Einspracheverfahrens gegen die
Verfügung vom 25. Juni 2018) abzuweisen. Ziff. 2 des Einspracheentscheides vom 27.
August 2019 (Verfügung vom 20. Mai 2019) ist wegen der Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes nach Art. 43 Abs. 1 ATSG in teilweiser Gutheissung der
Beschwerde aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung betreffend die
anrechenbaren Mietzinsausgaben und betreffend die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die Beschwerde
gegen Ziff. 3 des Einspracheentscheides vom 27. August 2019 (Gesuche um
unentgeltliche Rechtsverbeiständung in den Einspracheverfahren gegen die
Verfügungen vom 25. Juni 2018 und 20. Mai 2019) ist dahingehend gutzuheissen, dass
die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. Im
4.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 29/31
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5.
Weiteren ist die Beschwerde gegen Ziff. 1 des Einspracheentscheides vom
2. September 2020 (EL 2020/42, Abschreibung des Einspracheverfahrens gegen die
Verfügung vom 30. Januar 2020) abzuweisen. Die Ziff. 2 und 3 des
Einspracheentscheides vom 2. September 2020 (Verfügungen vom 5. Februar 2020
und 25. März 2020, EL 2020/42) sind wegen der Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes nach Art. 43 Abs. 1 ATSG in teilweiser Gutheissung der
Beschwerde aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung betreffend die Höhe
des ab 1. November 2015 anrechenbaren Freizügigkeitsguthabens sowie der hieraus
angefallenen hypothetischen Zinsen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die
Beschwerde gegen Ziff. 4 des Einspracheentscheides vom 2. September 2020
(Gesuche um unentgeltliche Rechtsverbeiständung in den Einspracheverfahren gegen
die Verfügungen vom 30. Januar 2020, 5. Februar 2020 und 25. März 2020) ist
dahingehend gutzuheissen, dass die Sache zur weiteren Abklärung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (aArt. 61 lit. a ATSG in der bis 31. Dezember
2020 gültigen, für das vorliegende Verfahren gemäss Art. 82a ATSG noch
anwendbaren Fassung).
5.1.
Die Beschwerdeführerin obsiegt in Bezug auf beide Beschwerden (EL 2019/64 und
EL 2020/42), denn wird die angefochtene Verfügung bzw. der angefochtene
Einspracheentscheid aufgehoben, so liegt in Bezug auf die Verfahrenskosten immer ein
vollumfängliches Obsiegen vor (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 1. Juli 2010, IV 2010/256 E. 2). Die Parteientschädigung wird ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP).
In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat keine Honorarnote eingereicht. In einem
durchschnittlich aufwändigen EL-Fall hat das Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen gemäss seiner bisherigen Praxis im Falle eines vollen Obsiegens der
beschwerdeführenden Partei eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'000.--
zugesprochen. An einer Plenarsitzung vom 25. Mai 2021 haben die
Versicherungsrichterinnen und Versicherungsrichter beschlossen, die
durchschnittlichen Ansätze für die Parteientschädigungen um Fr. 500.-- zu erhöhen.
Der Rechtsvertreter hat die Beschwerdeführerin bereits im Verfahren EL 2015/31
vertreten. Sein Aufwand für das Verfahren EL 2019/64, mit welchem lediglich der
5.2.
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