Decision ID: a24726c3-a329-491b-bc65-4fd1f79c04f6
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1952, Mutter von dr
ei erwachsenen Kindern, war zuletzt als Sachbearbeiterin in der Verkaufsadministration bei der
Y._
AG tätig, als sie sich unter Hin
weis auf eine körperliche und ps
y
chische
Erschöpfung am 21. Oktober 2013 bei der Invalidenversicherung zum
Leis
tungsbezug
anmeldete (Urk. 7/3 Ziff. 1.
3
, Ziff. 3.1, Ziff. 6, Ziff. 11; Urk. 7/10 Ziff. 2).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische (Urk. 7/14) und erwerbliche
(Urk. 7/11)
Situation ab und zog
die
Akten der Krankentaggeldversicherung der Versicherten (Urk. 7/12) bei.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/17, Urk. 7/19, Urk. 7/24) ver
neinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 15. April 2014
einen
Leistungsan
spruch
(Urk. 7/26 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 26. Mai 2014 Beschwerde gegen die Verfügung vom 15. April 2014 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr eine ganze Rente auszurichten, eventuell sei
d
ie
Beschwerdegegnerin
zur Durchfüh
rung geeigneter Ein
gliederungsmassnahmen zu verpflichten (Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2. Juli 2014 (Urk. 6) die Ab
weisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 12. August 2014
zur Kenntnis gebracht (Urk. 8).
Am 3. September 2014 (Urk. 12) machte die Beschwerdeführerin eine weitere Ein
gabe und reichte medizinische Berichte (Urk. 13/1-2) ein. Die
Beschwerde
geg
ne
rin
verzichtete auf eine Stellungnahme (Urk. 16), was der Beschwerde
führerin am
30. September 2014 mitgeteilt wurde (Urk. 17).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
men
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
2
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwer
defall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen
(BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.
3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
di
ger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung - da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert - abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den
Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine
Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Be
gehren über
haupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abge
lehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheid
rele
vante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. SVR 1995 ALV Nr. 27 S. 69).
Be
i
ungenügenden Abklärungen
durch den Versicherungsträger holt
die Be
schwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im
Ver
waltungsverfahren
anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt
für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine
Administrativ
expertise
in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Be
weis
erhebung erfolgt alsdann vor der -
anschliessend
reformatorisch entschei
den
den - Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung.
Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen möglich, wenn sie
allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten
Frage
begründet ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der
Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn ledig
lich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausfüh
rung
en erforderlich ist (B
GE 137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hinweisen; Urteil des Bundes
gerichts
8C_815/2012 vom 21. Oktober 2013 E. 3.4, publiziert in SVR 1/2014 UV
Nr. 2 S.
3)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren Entscheid damit, dass die gestellten psychiatrischen Diagnosen behandelbar seien und die Arbeitsfähigkeit der Be
schwerdeführerin nicht dauerhaft einschränken würden, mithin liege kein inva
lidisierender Gesundheitsschaden vor (Urk. 2 S.
1 f.
).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt, es liege eine verselbständigte psychiatrische Störung mit Auswirkungen auf die Ar
beits
fähigkeit vor, nämlich eine mit einer Persönlichkeitsstörung zusammen
häng
en
de andauernde Depression,
deren
Überwindbarkeit zu verneinen sei (Urk. 1 S.
4 ff.)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob ein psychischer Gesundheitsschaden ausgewiesen ist, welcher Anspruch auf eine Invalidenrente verleiht.
3.
3.1
Dr. med.
Z._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
bei welchem die Beschwerdeführerin seit 28. März 2012 in Behandlung steht
(vgl. Urk. 1 S. 5 f. Ziff. 6.4)
,
diagnostizierte in seinem Bericht vom 27. August 2013 zuhanden der Taggeldversicherung der Beschwerdeführerin (Urk. 7/1/2-3 = Urk. 7/12/3-4)
eine mittelgradige depressive Episode (F32.1) sowie ein Erschöpfungssyndrom
und
beschrieb Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen (S. 1).
Er attestierte
ihr
eine vollständige Ar
beitsunfähigkeit in der bisherigen Erwerbstätigkeit (S. 2 Ziff. 7) und hielt dies
bezüglich fest, dass die Beschwerdeführerin eine hohe
Leis
tungsorientierung
und einen hohen Grad an Perfektionismus aufweise. Das
Er
schöpfungssyndrom
bestehe seit mehreren Jahren,
die Beschwerdeführerin
sei in
eine
n
Teufelskreis geraten. Aufgrund der bereits seit längerer
Zeit
chronifizier
ten
Symptomatik und der Primärpersönlichkeit der Beschwerdeführerin sei eher von
einer sch
lechten Prognose auszugehen (S.
2 Ziff. 4).
Es
bestehe auch keine Ar
beits
fähigkeit in einer
leichte
n
,
andersartigen
Tätigkeit (S. 2 Ziff.
9
).
3.2
Am 9. Januar 20
14 berichtete Dr.
Z._
zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk. 7/14). Dabei wiederholte er mehrheitlich die Angaben aus seinem Bericht
vom 27. August 2013
(vgl. vorstehend E. 3.1)
. Als Diagnose
n
mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit nannte er eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
und ein Erschö
pfungssyndrom (ICD-10 Z73.0). Er führte aus,
bereits
seit
meh
reren Jahren bestehe ein chronischer psychophysischer Erschöpfungszu
stand
mit ausgeprägten Ein- und Durchschlafstörungen, den die Beschwerde
führerin bis
im Frühjahr 2013 jedoch noch
habe
kompensieren
können
(S. 1 Ziff. 1.4). Die
Be
schwerdeführerin leide an mittelgradigen bis starken
Konzent
rations
- und
Auf
merksamkeitsstörungen
sowie an starken
Stimmungsschwan
kungen
mit zum Teil
stark ausgep
rägter gedrückter Stimmungslage,
Zu
kunftsängsten und Perspektiv
losig
keit (S. 3 Ziff. 1.7). Seit dem 24. April 2013 bestehe eine vollständige Ar
beitsunfähigkeit als kaufmännische Angestellte (S. 1 Ziff. 1.6)
. Eine
Wiederauf
nahme der Arbeit sei aufgrund des bisherigen
Be
handlungsverlaufs
, der Art und Schwere der Erkrankung und der
Primärpersön
lichkeit
auch auf Dauer nicht absehbar (S. 3 Ziff. 1.9).
3.3
Am 20. März 2014
(Urk. 7/22)
beziehungsweise am 8. April 2014
nahm Dr.
Z._
Stellung zum ergangenen Vorbescheid (
Urk. 7/24)
. Er kritisierte die Feststellung
der
Be
schwerdegegnerin
, wonach die diagnostizierten Beschwerden der Be
schwer
de
führerin behandelbar seien und die Arbeitsfähigkeit nicht längerfristig bezie
hungsweise dauerhaft einschränken würden. Die Beschwerdeführerin habe sich stets regelmässig der Behandlung unterzogen, sei ihrer Mitwirkungspflicht voll
umfänglich nachgekommen, wobei sich bei den Behandlungen eine hohe Un
verträglichkeit gegenüber diversen Psychopharmaka gezeigt
habe
, weshalb die aktuell etablierte Medikation nicht
habe
erhöht werden
können
. Trotz dieser Be
handlung sei es zu keiner Verbesserung des Zustandsbildes gekommen (S.
1
Ad
1). Ferner
wies er darauf hin, dass sehr wohl ein sozialer Rückzug ausge
wie
sen
sei (S. 2 Ad 3)
.
Schliesslich führte er aus, dass die bei der Beschwerde
führerin bestehenden Einschränkungen we
der auf die aktuelle Arbeitssituation zurückzuführen seien, noch dass sie durch die Veränderung des Kontextes über
wunden werden könnten (S. 2 Ad 5).
3.4
Nachdem die Beschwerdegegnerin den Anspruch mittels Verfügung vom 15. Apri
l
2014 verneint hatte, berichtete Dr.
Z._
a
m 16. Mai 2014 der Be
schwerdeführerin (Urk. 3). Er wies auf bestehende andauernde Schemata von innerem Erlebten und Verhalten hin, die sich im Denken, der Affektivität und der Beziehungsgestaltung auswirken würden, sich sowohl in persönlichen als auch in sozialen Situationen unflexibel und tiefgreifend gestalten und in erheb
licher Weise zu Beeinträchtigungen in sozialen und beruflichen Kontexten füh
ren würden. Vor allem auf Grundlage dieser sehr frühen Erfahrungen in exis
tenziell wichtigen Beziehungen würden bei der Beschwerdeführerin
hochauto
matisierte
, dysfunktionale emotionale Schemata resultieren, die in der Bezie
hun
g zum Exmann bestätigt worden seien. Diese Schemata könnten nicht kon
trolliert werden. So bestehe eine – näher ausgeführte - starke
Leistungsorien
tierung
. Aus
Angst vor Kritik
und
Zurückweisung seien engere zwischen
menschliche Kontakte
in den vergang
enen Jahren vermieden worden. Aufgrund dieser dargestellten über die Lebensspanne der Patientin vorliegenden stabilen
Persönlichkeits
merk
male
seien die Kriterien für die Diagnose einer vermeidend-selbstunsicheren
Per
sön
lichkeitsstörung
(ICD-10 F60.6) vollumfänglich erfüllt. Diese
Persönlichkeits
merkmale
hätten
zu f
unktionellen Beeinträchtigungen ge
führt.
Das emotionale
System sei äusserst veränderungsresistent und für die Beschwerdeführerin un
über
windbar (S. 1 f.).
3.5
Nach Verfügungserlass reichte die Beschwerdeführerin
zudem
ein im Auftrag d
er
Kran
kentaggeldversicherung
der Beschwerdeführerin erstelltes Gutachten von
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2. Juli 2014 ein (Urk. 13/1).
Der Gutachter stützte sich dabei auf die ihm über
lassenen Akten der Taggeldversicherung, auf aussenanamnestische telefo
ni
sche Angaben seitens des behandelnden Psychiaters
Dr.
Z._
sowie auf die am 2
3
. Juni 2014 durchgeführte gutachterliche psychiatrische Exploration der Be
schwerdeführerin (S. 2). Er diagnostizierte eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1), welche wahrscheinlich zeitweise das Ausm
a
ss einer schweren de
pressiven Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2)
angenommen
habe und annehmen könne (S.
9
f.)
.
Er führte aus, die depressive Verstim
mung müsse
wahrscheinlich vor dem Hintergrund einer zu Anpassung und Aufopfe
rung neigenden Persönlichkeitsentwicklung gesehen werden. Die Le
bensge
schich
te der Beschwerdeführerin zeige bereits seit der Kindheit und Ju
gendzeit Hin
wei
se auf Belastungsmomente, die sich einerseits hemmend und verunsichernd, andererseits mit einem Zwang zu perfektionistischer Anpassung
auswirken wür
den
. Im weiteren Verlauf der lebensgeschichtlichen Entwicklung sei es mehrfach
zu verstärkenden Erfahrungen und zu übermässigen Herausfor
derungen
gekom
men
,
die die Beschwerdeführerin im Sinne einer Doppelbelastung als al
leiner
zieh
ende Mutter und erwerbstätige Familienernährerin
auf sich
habe
nehmen
m
ü
sse
n
. Parallel dazu
sei die Beschwerdeführerin
somatisch-ge
sundheitlich mehr
fach
erkrankt und habe sich operieren lassen müssen
.
Ferner
sei durchaus eine
er
schwerte Persönlichkeitsentwicklung mit Hang zu perfektio
nistischer Anpass
ung
zu erkennen
. Die
früher wohl auch vorhandenen Ressour
cen der Beschwer
de
führerin
seien imstande gewesen, diese
während vieler Jahre zu
kompe
nsie
ren
. Heute seien solche Ressourcen
kaum
mehr auszu
machen
(S.
10)
.
Psycho
soziale Faktoren würden seines Erachtens derzeit keine Rolle spielen (S. 12).
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit sei die depressive Psychopathologie nach wie vor so stark ausgeprägt, dass die von
der Beschwerdeführerin
früher ausgeübte Tätigkeit als Sachbe
arbeiterin nicht mehr möglich erscheine und
dass
auch für
eine allfällige
lei
densangepasste
Tätigkeit zum heutigen Zeitpunkt keine Leis
tungs
fähigkeit vor
liege (S. 11).
4.
4.1
Aus den oben erwähnten medizinischen Berichten von Dr.
Z._
ist ersichtlich, dass
die Beschwerdeführerin
gemäss seiner Beurteilung
an
einer
mittelgradigen
depressiven Episode (ICD-10 F32.1), an einem Erschöpfungssyndrom sowie an einer
vermeidend-selbst
unsicheren
Persönlichkeitsstörung
(ICD-10 F.60.6)
leidet
(vgl. vorstehend E. 3.1-2, E. 3.4).
Es stellt sich die Frage
, ob vom Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung, wie von Dr.
Z._
im Mai 2014 diagnostiziert, ausgegangen werden kann. Denn die
beiden anderen gestellten Diagnosen sind nicht
ohne weiteres
invalidisierend.
So
ist
zur
depressiven Störung festzuhalten, dass nach der Rechtsprechung mittel
gradige depressive Episoden
im Zusammenhang mit Schmerzerkrankungen
grund
sätzlich keine von depressiven
Verstim
mungszuständen
klar unterscheid
bare andauernde Depression im Sinne eines verselbstständigten
Gesundheits
scha
dens
darstellen (Urteil des Bundesgerichts 9C_736/2011 vom 7. Februar 2012
E. 4.2.2.1 mit Hinweisen
, vgl. aber auch Urteile des Bundesgerichts 9C_707/2013
vom 12. Februar 2014
E. 3.2 u
nd 8C_242/2014 vom 27. Mai 2014
E.
5.3
)
. Auch
das von Dr.
Z._
diagnostizierte Erschöpfungssyndrom in sogenannter
ICD-
10–Z-Ko
dierung stellt rechtsprechungsgemäss keine invaliditätsrechtlich er
heb
liche
Ge
sundheitsbeeinträchtigung
dar (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011
vom 28. Juni 2012 E. 3.1).
4.2
Die Diagnose der vermeidend-selbstunsichere
n
Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F.60.6)
wurde von Dr.
Z._
erstmalig in seinem Bericht vom 1
6
.
Mai
2014 ge
stellt (vgl. vorstehend E. 3.4). Eine solche müsste mit der Beschwerdegegnerin ein
hergehend (vgl. Urk. 6 S. 1) spätestens in der Jugend manifest geworden
sein
und
sich auf Dauer im Erwachsenenalter manifestieren
;
dies im Gegensatz
zu
Per
sönlichkeits
veränderungen
, welche im Erwachsenenalter erworben wer
den (
Dilling
,
Mom
bour
, Schmidt [
Hrsg.
]
,
Internationale
Klassifikation psychischer
Stö
rungen, ICD-10 Kapitel V [
F
]
, 9. Aufl., 2014, S. 274 f.)
.
Ob dies vorliegt, ist hier fraglich, da sich die Beschwerdeführerin gemäss ihren Aussagen (erst) seit März
2012 in psychiatrischer Behandlung befindet und bis dahin stets arbeits
fähig gewesen war, auch wenn eine solche Störung nicht stets mit deutlichen Ein
s
chränkungen der beruflichen Leistungsfähigkeit verbunden
sein muss
. Ausser
dem stellt sich die Frage, weshalb Dr.
Z._
die Persönlichkeitsstörung
erst nach
Verfügungs
erlass
diagnostiziert
e
. Andererseits legt
e
er aber ausführ
lich
dar, warum bei der Beschwerdeführerin eine Persönlichkeitsstörung vorliege
.
Ferner bestätigte Dr.
A._
indirekt die Diagnose,
in
dem
er die depressive Verstimmung vor dem Hintergrund einer zu Anpassung und Aufop
ferung nei
genden Persönlichkeitsentwicklung mit Belastungsmomenten bereits seit der Kindheit und Jugendzeit
sah
und eine erschwerte Persönlichkeitsent
wicklung feststellte
,
hingegen
als Diagnose eine mittelgradige depressive Epi
sode
nannte
(vgl. vorstehend E.
3.5).
Bei dieser Sachlage erscheint es zumindest
fraglich, ob die Beschwerdegegnerin das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung ohne Weite
rungen einfach verneinen durfte, zumal sie hierzu auch keine weiteren Abklä
rung
en veranlasste.
Soweit die Beschwerdegegnerin auf psychosoziale Faktoren
(Arbeitssituation mi
t
Mehrarbeit und Zeitdruck)
hinwies (vgl. Urk. 2
S. 2)
,
ist festzuhalten,
dass
soweit
psychosoziale Faktoren für sich allein
direkte Ursachen der Einschränkung der Arbeitsunfähigkeit sind, keine Krankheit im Sinne der Invalidenversiche
rung vor
liegt
. Wenn und soweit solche Umstände zu einer eigentlichen Beeinträch
ti
gung der psychischen Integrität führen, indem sie einen verselbständigten
Ge
sundheitsschaden
aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unab
hängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgern ver
schlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des Bundes
ge
richts 9C_1040/2010 vom 6. Juni 2011 E. 3.2).
Vorliegend legte Dr.
Z._
aber
bereits in seinem Bericht zuhanden der Taggeldversicherung vom 27. August 2013 dar
, dass
auch
aufgrund
der Primärpersönlichkeit der Be
schwerdeführerin
mit einer
hohe
n
Leistungsorientie
rung und einem
hohen Grad an Perfektionis
mus
eher von einer schlechten Prognose auszugehen sei
(vgl. vorstehend E. 3.1) und
führte in seinem Bericht vom 20. März 2014 noch deutlicher aus, dass die bei der
Beschwerdeführerin bestehenden Einschränkungen nicht auf die aktuelle
Arbeits
platzsituation
zurückzuführen seien (vgl.
vorstehend
E.
3.3).
Auch
Dr.
A._
verneinte
in seinem Gut
achten
einen Zusammenhang zwischen psychosozialen Faktoren und der attes
tierten Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin und wies darauf hin, dass die gestellten psychiatrischen Diagnosen ursächlich für die Arbeitsunfähigkeit seien (
Urk. 13
/1 S. 12 Ziff. 10
).
Hinzu
kommt,
dass
die
medizinischen Berichte
von Dr.
Z._
dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin nicht
zur Stellungnahme
vor
gelegt wurden
(vgl. Urk. 7/15 und Urk. 7/25).
Ebenfalls sind keine Hinweise da
für vor
handen, dass die Beschwerdegegnerin anderweitige Abklärungen getätigt hätte.
Schliess
lich lässt
sich
auch
gestützt auf
das Gutachten
von Dr.
A._
,
wel
che
s
zwar nach Erlass der streitigen Verfügung, welche die zeitliche Grenze der Überprüfungsbefugnis bildet (BGE 121 V 366 E. 1b),
erstellt
wurde und
ak
tuell
eine
mittelgradige depressive Episode
- zeitweise gar schwere Episode ohne psy
chotische Symptome - ausweist
(vgl. vorstehend E. 3.5)
, der
beschwerdegegne
rische
Standpunkt nicht
einfach
aufrecht erhalten, wonach kein invalidisie
ren
der Gesundheitsschaden ausgewiesen
sei
.
Es liesse
sich
vielmehr
der Schluss ziehen, dass es sich bei der diagnostizierten mittelgradigen depressiven Episode um einen länger andauernden Zustand hand
le
(seit März 2012)
,
welcher gege
benenfalls entgegen der eingangs dargelegten Rechtsprechung invalidisierend im
Sinne ei
nes verselbständigten Gesundheitsschadens sein könnte (vgl. vor
stehend E. 4.1), weshalb es
einer eingehende
n
Abklärung bedarf
.
4.3
Vo
r diesem Hintergrund lässt sich nicht mit dem Grad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit sagen, dass bei der B
eschwerdeführerin
kein
i
nvalidenversi
che
rungsrechtlich
relevante
r Gesundheitsschaden vorliegt.
Ob
ein solcher vor
liegt und wie er sich
leistungsbegründend auswirkt, wird die
Beschwerdegegne
rin
zu prüfen haben
, die ihren Abklärungspflichten gemäss Art 43 ATSG nicht
rechts
genüglich
nachgekommen ist
.
Die Beschwerde ist in dem Sinne gutzuheissen, dass d
ie
angefochtene
Verfü
gung
vom
15. April 2014 aufzuheben und die Sache an die
Sozialversi
cherungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückzuweisen ist, damit diese
, nach er
folgten
Ab
klärung
en
im Sinne der Erwägungen, neu verfüge.
5.
5.1
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
600.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
5.2
Praxisgemäss wird die Rückweisung einem Obsiegen gleichgestellt, womit der an
waltlich vertretenen Beschwerdeführerin eine Prozessentschädigung zusteht,
die beim praxisgemässen Ansatz von Fr. 200.-- pro Stunde (zuzüglich Mehr
wert
steuer) ermessensweise auf Fr.
2‘
9
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwert
steuer) festzusetzen ist.
Dieser Betrag errechnet sich angesichts der Instruktion, der zu studierenden Akten der Beschwerdegegnerin (Urk. 7/1-27), der etwa fünfzehn-
und siebenseitigen Rechtsschriften sowie der in ähnlichen Fällen zugespro
che
nen
Beträgen.
Der von Rechtsanwältin Silvia Bucher mit Eingabe vom 3. September 2014 gel
tend gemachte Aufwand von 29.30 Stunden und Fr. 263.70 Barauslagen (Urk. 14
) ist hingegen der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses nicht angemessen. Namentlich erscheint der Aufwand von 14.80 Stunden für die Beschwerdeschrift und 6.50 Stunden für die Replik als überhöht.