Decision ID: 5c21e478-2e4e-57e0-b564-672ddb1898d5
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A._ gelangte mit einer Eingabe vom 21. Juni 2021 in Sachen «ver-
weigerte Rezepte für B._ und andere Medikamente und Sonderbe-
willigung swissmedic/BAG/EDI» an das Bundesverwaltungsgericht. Er be-
anstandet darin einen «Nicht-Entscheid» des BAG vom 21. Mai 2021, eine
Rechtsverweigerung betreffend Strafverfahren durch das BAG und eine
Rechtsverweigerung durch das EDI (Aufsichtsbeschwerde). Er beantragt
die Feststellung einer Rechtsverweigerung und die Aufhebung der Verfü-
gung des BAG im Verfahren (...) und einen Entscheid im Sinne der Begeh-
ren. Zudem beantragt er den Ausstand von Herrn C._, die super-
provisorische Zurverfügungstellung einer Monatsmenge der in seiner Ein-
gabe genannten Medikamente sowie die vorsorgliche Suspendierung von
Dr. D._ bis zum Abschluss der Aufsichts- und Strafverfahren. Er be-
antragt, dass die folgenden – vom EDI verweigerten – Feststellungen durch
das Bundesverwaltungsgericht zu treffen seien:
1. Es sei festzustellen, dass der Kläger folgende Medikamente benötige:
B._ (...)mcg alle 48h, bezüglich A._, (...), (...), (...).
2. Es sei festzustellen, dass der Kläger durch die frei praktizierenden
Ärzte im Kt. E._ nicht und durch die Abgabe im Kantonsspital
F._ nur durch die Ärztin Dr. D._ widerrechtlich gegen Art.
26 HMG behandelt wird, boykottiert wird und für politische Zwecke er-
presst wird.
3. Es sei festzustellen, dass aufgrund Art. 41 Abs. 1 BetmKV i.V.m. Art. 8
Abs. 2 BV i.V.m. Art. 190 BV i.V.m. Art. 14 EMRK ein Bezug von Betm
bis einer Menge von 30 Tagen aufgrund vorhergehender Behandlung
ohne Verschreibung möglich sein muss.
4. Es sei festzustellen, dass es vorderhand dem Beschwerdeführer un-
möglich ist, eine Verschreibung zu erlangen (Art. 52 Abs. 1 BetmKV)
und dass eine Apotheke in diesem Falle eine Monatsmenge (Art. 47
Abs. 2 BetmKV) ohne Verschreibung abzugeben hat.
5. Verlängerung alle Monate, bis die Ärzte deren Pflicht zur Verschreibung
wieder verrichten.
C-2900/2021
Seite 3
6. Die Verweigerung und Widerrechtlichkeit der Handlung sei zu beseiti-
gen, indem ein anderer Arzt/Ärztin angewiesen wird, die benötigten Re-
zepte auszustellen; eventuell vom BAG/swissmedic/EDI selbst.
7. Feststellung einer Diskriminierung im Sinne von Art. 8 Abs. 2 BV und
Busse wegen Diskriminierung.
8. Aufforderung BAG Strafverfahren durchzuführen gegen die verzeigten
Personen.
9. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge Verzicht auf KV (Art. 63 Abs.
4 VwVG, weil Grundrecht Art. 10 Abs. 2 BV betroffen, öffentliches Inte-
resse und Art. 10 Abs. 1 BehiG), Verzicht gegenseitig auf Parteient-
schädigung (Ausklammerung finanzieller Einflüsse aufs Verfahren, Art.
29 Abs. 1 BV), Erlass Kosten generell (Art. 63 Abs. 1 VwVG, fundamen-
taler Rechtsanspruch betroffen, wo Kosten nie eine Frage spielen dür-
fen), eventuell Verrechnung mit kt./eidg. Staatshaftungsansprüchen o-
der Billigkeitsgründen.
B.
Mit Zwischenverfügung vom 29. Juni 2021 wurde auf den Antrag, das Bun-
desverwaltungsgericht habe dem Beschwerdeführer eine Monatsmenge
bestimmter Medikamente superprovisorisch zur Verfügung zu stellen, nicht
eingetreten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, soweit diese von einer
Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden und keine Aus-
nahme nach Art. 32 VGG vorliegt.
1.2 Vom Ausnahmefall der Rechtsverweigerungs- und Rechtsverzöge-
rungsbeschwerde (Art. 46a VwVG) abgesehen, werden im Verfahren vor
Bundesverwaltungsgericht nur Rechtsverhältnisse überprüft, zu denen die
zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich in Form einer Ver-
fügung Stellung genommen hat. Anfechtungsobjekt im Beschwerdeverfah-
ren ist gemäss Art. 44 VwVG eine Verfügung im Sinne von Art. 5 VwVG.
C-2900/2021
Seite 4
Das Vorliegen einer Verfügung bildet unabdingbare Sachurteilsvorausset-
zung für ein Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht
(BGE 130 V 388 E. 2.3; BVGE 2016/28 E. 1.4; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜH-
LER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, S. 29
Rz. 2.1 und 2.6). Liegt keine Verfügung vor, fehlt es an einem Beschwer-
deobjekt und damit an einer Sachurteilsvoraussetzung (vgl. FELIX UHL-
MANN, in: Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016,
N 4 zu Art. 5), weshalb auf die Beschwerde nicht einzutreten ist (vgl. Urteil
des BVGer C-520/2012 vom 10. August 2012 E. 1.2).
1.2.1 Art. 5 Abs. 1 VwVG definiert die Verfügung als Anordnung der Behör-
den im Einzelfall, die sich auf öffentliches Recht des Bundes stützt und die
Begründung, Änderung oder Aufhebung von Rechten oder Pflichten
(Bst. a), die Feststellung des Bestehens, Nichtbestehens oder des Umfan-
ges von Rechten oder Pflichten (Bst. b) oder die Abweisung von Begehren
auf Begründung, Änderung, Aufhebung oder Feststellung von Rechten
oder Pflichten, oder Nichteintreten auf solche Begehren (Bst. c) zum Ge-
genstand hat.
1.2.2 Als Verfügung zu qualifizieren ist eine hoheitliche, individuell-kon-
krete, auf Rechtswirkungen ausgerichtete und verbindliche Anordnung ei-
ner Behörde, die sich auf öffentliches Recht des Bundes stützt, oder eine
autoritative und individuell-konkrete Feststellung bestehender Rechte oder
Pflichten (Art. 5 Abs. 1 VwVG; vgl. auch HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allge-
meines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 855 ff.; TSCHANNEN/ZIM-
MERLI/MÜLLER, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 28 Rz. 17).
Verfügungen sind den Parteien schriftlich zu eröffnen (Art. 34 Abs. 1
VwVG). Sie sind, auch wenn sie in Briefform ergehen, als solche zu be-
zeichnen, zu begründen und mit einer Rechtsmittelbelehrung zu versehen
(Art. 35 Abs. 1 VwVG). Im Falle von Unklarheiten über den Verfügungscha-
rakter eines Schreibens ist nicht massgebend, ob die Verwaltungshand-
lung als Verfügung gekennzeichnet ist oder den gesetzlichen Formvor-
schriften für eine Verfügung entspricht, sondern, ob sie die vom Verfü-
gungsbegriff geforderten Strukturmerkmale aufweist (BVGE 2009/43
E. 1.1.4 ff.; Urteil des BVGer A-1672/2016 vom 25. Oktober 2016 E. 1.2.1).
Eine Verfügung muss zwingend auf die Erzeugung von Rechtswirkungen
gerichtet sein. Damit eine Verfügung vorliegt, ist entscheidend, dass das
Handlungsziel der Behörden die Regelung, d.h. die bewusste, ausdrückli-
che und verbindliche Gestaltung der Rechtsstellung des Betroffenen sein
muss (vgl. Urteile des BVGer A-2235/2017 vom 11. Juli 2017 E. 1.2 und
A-3433/2013 vom 29. Oktober 2014 E. 2.6.3; UHLMANN, in: a.a.O., N 17 ff.
C-2900/2021
Seite 5
und 94 zu Art. 5). Bei der Frage der Anfechtbarkeit von Akten ist auch dem
Rechtsschutzbedürfnis Rechnung zu tragen (vgl. BGE 138 I 6 E. 1.2; Ur-
teile des BVGer A-4699/2015 vom 11. April 2016 E. 4.1 und A-1725/2015
vom 8. Juni 2015 E. 2.1, je mit Hinweisen).
1.3 Anfechtungsobjekt einer Rechtsverweigerungsbeschwerde gemäss
Art. 46a VwVG ist nicht eine Verfügung im Sinne von Art. 5 VwVG, sondern
das unrechtmässige Verweigern einer Verfügung, was dem Erlass einer
anfechtbaren Verfügung gleichzusetzen ist (vgl. MARKUS MÜLLER/PETER BI-
ERI, in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren
[VwVG], 2. Aufl. 2019, N 20 zu Art. 46a).
1.4 Voraussetzung für eine Rechtsverweigerungs- und Rechtsverzöge-
rungsbeschwerde ist, dass der Rechtsuchende zuvor ein Begehren um Er-
lass einer anfechtbaren Verfügung bei der zuständigen Behörde gestellt
bzw. bei Verzögerung dieses wiederholt hat, bevor er eine Beschwerde
einreicht. «Anfechtbar» bedeutet in diesem Zusammenhang, dass eine
Rechtsverweigerungsbeschwerde nur dann zur Anwendung kommen soll,
wenn die verweigerte Verfügung grundsätzlich selbst anfechtbar wäre. Der
Beschwerdeführer hat im Sinne einer Eintretensvoraussetzung zumindest
glaubhaft zu machen, dass ein Anspruch auf Erlass einer solchen Verfü-
gung besteht. Ein solcher Anspruch liegt dann vor, wenn einerseits eine
Behörde nach dem anzuwendenden Recht verpflichtet ist, in Verfügungs-
form zu handeln, und wenn andererseits die gesuchstellende Person nach
Art. 6 i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG Parteistellung beanspruchen kann (vgl.
Urteil des BVGer A-4862/2014 vom 3. Juni 2015 E. 2.1 mit Hinweisen; Ur-
teil des BVGer C-4485/2019 vom 22. Januar 2021 E. 2.4; MO-
SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., S. 295 Rz. 5.20).
2.
Der Beschwerdeführer verlangt die Aufhebung der Verfügung der Vo-
rinstanz im Verfahren (...) und die Feststellung einer in diesem Zusammen-
hang begangenen Rechtsverweigerung durch das EDI als Aufsichtsbe-
hörde.
2.1 Aus den vom Beschwerdeführer eingereichten Unterlagen ergibt sich
im Wesentlichen, dass er mit Schreiben vom 22. April 2021 in Sachen «ver-
weigerte Rezepte für B._» gegen «Kantonsspital F._, Kan-
tonsregierung, Dr. D._, Dr. G._» das BAG um Erlass einer
Feststellungsverfügung (Art. 25a VwVG) ersuchte. Er beantragte, es sei
festzustellen, dass er alle 48 Stunden das Medikament B._ (...)mcg
C-2900/2021
Seite 6
benötige, sowie dass er durch die frei praktizierenden Ärzte im Kanton
E._ nicht und durch die Abgabe im Kantonsspital F._ nur
durch die Ärztin Dr. D._ widerrechtlich gegen Art. 26 HMG behan-
delt, boykottiert und für politische Zwecke erpresst werde. Die Verweige-
rung und Widerrechtlichkeit der Handlung seien zu beseitigen, indem ein
anderer Arzt bzw. eine andere Ärztin angewiesen werde, die benötigten
Rezepte auszustellen, eventuell habe das BAG dies selbst zu tun. Weiter
sei eine Diskriminierung im Sinne von Art. 8 Abs. 2 BV festzustellen und
eine Busse wegen Diskriminierung aufzuerlegen. Anlass seines Schrei-
bens sei der Boykott der frei praktizierenden Ärzte im Kanton E._
und des Kantonsspitals F._, ihm aus politischen Gründen Rezepte
für B._ auszustellen (Beilage 4 zur Beschwerde).
Mit Schreiben vom 21. Mai 2021 teilte das BAG dem Beschwerdeführer
unter der Referenz (...) mit, dass es seinem Ersuchen mangels Zuständig-
keit nicht nachkommen könne. Das BAG sei weder in der Lage noch dafür
zuständig, den Bedarf für eine bestimmte ärztliche Behandlung festzustel-
len. Ebenso wenig sei es seine Aufgabe, zu beurteilen, ob Medizinalperso-
nen gegen ihre Berufspflichten verstossen würden oder sich widerrechtlich
verhalten hätten bzw. ob damit eine Diskriminierung im Sinne von Art. 8
Abs. 2 BV verbunden sei (Beilage 13 zur Beschwerde).
Mit Eingabe vom 28. Mai 2021 erhob der Beschwerdeführer gegen den
«Nicht-Entscheid» des BAG vom 21. Mai 2021 Beschwerde beim General-
sekretariat des Eidgenössischen Departements des Innern (EDI) und be-
antragte die Aufhebung der Verfügung im Verfahren (...). Er verlangte ei-
nerseits, dass ihm superprovisorisch eine Monatsmenge der von ihm ge-
nannten Medikamente zur Verfügung zu stellen sei. Andererseits sei fest-
zustellen, dass er alle 48 Stunden das Medikament B._ (...)mcg
benötige. Weiter sei festzustellen, dass er durch die frei praktizierenden
Ärzte im Kanton E._ nicht und durch die Abgabe im Kantonsspital
F._ nur durch die Ärztin Dr. D._ widerrechtlich gegen Art. 26
HMG behandelt, boykottiert und für politische Zwecke erpresst werde, dass
aufgrund Art. 41 Abs. 1 BetmKV i.V.m. Art. 8 Abs. 2 BV i.V.m. Art. 190 BV
i.V.m. Art. 14 EMRK ein Bezug von Betm bis einer Menge von 30 Tagen
aufgrund vorhergehender Behandlung ohne Verschreibung möglich sein
müsse, dass es ihm vorderhand unmöglich sei, eine Verschreibung zu er-
langen (Art. 52 Abs. 1 BetmKV), und dass eine Apotheke in diesem Fall
eine Monatsmenge (Art. 47 Abs. 2 BetmKV) ohne Verschreibung abzuge-
ben habe, was für die anderen Medikamente analog gelte. Weiter verlangte
C-2900/2021
Seite 7
er, dass die Verweigerung und Widerrechtlichkeit der Handlung zu beseiti-
gen sei, indem ein anderer Arzt bzw. eine andere Ärztin angewiesen werde,
die benötigten Rezepte auszustellen, eventuell sei dies vom BAG/swiss-
medic/EDI selbst zu tun. Weiter sei eine Diskriminierung im Sinne von Art.
8 Abs. 2 BV festzustellen und eine Busse wegen Diskriminierung zu ertei-
len (Beilage 14 zur Beschwerde).
2.2 Den eingereichten Unterlagen ist insgesamt zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer vom BAG im Wesentlichen verlangte, dass es die Fol-
gen von aus seiner Sicht widerrechtlichen Handlungen (das heisst Verwei-
gerung der Verschreibung und Abgabe bestimmter Medikamente) beseitigt
und die aus seiner Sicht bestehende Widerrechtlichkeit von Handlungen
(seitens bestimmter Ärzte bzw. Apotheker) feststellt. Er berief sich in sei-
nem Schreiben vom 22. April 2021 an das BAG ausdrücklich auf Art. 25a
VwVG («Verfügung über Realakte»).
2.2.1 Wer ein schutzwürdiges Interesse hat, kann gemäss Art. 25a Abs. 1
VwVG von der Behörde, die für Handlungen zuständig ist, welche sich auf
öffentliches Recht des Bundes stützen und Rechte oder Pflichten berühren,
verlangen, dass sie widerrechtliche Handlungen unterlässt, einstellt oder
widerruft (Bst. a), die Folgen widerrechtlicher Handlungen beseitigt (Bst. b)
und die Widerrechtlichkeit von Handlungen feststellt (Bst. c). Die Behörde
entscheidet durch Verfügung (Art. 25a Abs. 2 VwVG). Das Gesuch um Er-
lass einer Verfügung nach Art. 25a VwVG ist an die sachlich, örtlich und
funktionell zuständige Behörde zu richten. Die Handlungen müssen sich
auf öffentliches Recht des Bundes stützen (Urteil des BGer 2C_601/2016
vom 15. Juni 2018 E. 5.1). Wenn die handelnde Behörde im betreffenden
Sachbereich gleichzeitig die Verfügungsbefugnis besitzt, ist sie auch zu-
ständig für die Beurteilung von Begehren nach Art. 25a VwVG. Wird der
beanstandete Realakt dagegen von einer Person ohne Verfügungskompe-
tenz vorgenommen, ist das Begehren auf Erlass einer Verfügung über Re-
alakte an die verantwortliche Aufsichtsbehörde zu richten (vgl. WEBER-
DÜRLER/KUNZ-NOTTER, in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Ver-
waltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, N 40 zu Art. 25a).
2.2.2 Das Schreiben des BAG vom 21. Mai 2021 (Referenz [...]) kann als
Verfügung betrachtet werden, mit der auf das Begehren des Beschwerde-
führers vom 22. April 2021 um Erlass einer Verfügung nach Art. 25a VwVG
nicht eingetreten wurde. Das BAG hat die Nichtbehandlung des Gesuchs
um Erlass einer Verfügung nach Art. 25a VwVG mit ihrer fehlenden Zustän-
digkeit begründet.
C-2900/2021
Seite 8
2.2.3 Ist eine Verfügung Anfechtungsobjekt einer Beschwerde, mit der auf
ein Begehren nicht eingetreten wurde, beschränkt sich der Streitgegen-
stand des Beschwerdeverfahrens auf die Frage, ob die Vorinstanz zu
Recht nicht auf das Begehren um Erlass einer Verfügung eingetreten ist.
Nicht Gegenstand des Schreibens des BAG vom 21. Mai 2021 und damit
nicht Streitgegenstand im vorliegenden Verfahren ist die materielle Beur-
teilung der geltend gemachten Widerrechtlichkeit der medizinischen Be-
handlung bzw. deren Beseitigung. Im Rahmen einer Beschwerde gegen
einen Nichteintretensentscheid können keine Begehren mit Bezug auf die
Sache selbst gestellt werden (MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., S. 120
Rz. 2.213). Soweit der Beschwerdeführer die Feststellung und Beseitigung
der geltend gemachten Widerrechtlichkeiten im Rahmen einer medizini-
schen Behandlung beantragt, ist auf seine Eingabe vom 21. Juni 2021 da-
her nicht einzutreten (vgl. BGE 132 V 74 E. 1.1; Urteil des BGer
9C_116/2010 vom 20. April 2010 E. 1).
2.2.4 Im Bereich des Gesundheitswesens sind grundsätzlich die Kantone
zuständig. Der Bund verfügt lediglich über punktuelle Kompetenzen (vgl.
GÄCHTER/RENOLD-BURCH, in: Basler Kommentar zur Bundesverfassung,
2015, Art. 118 Rz. 2). Zwar ist der Bund zuständig zum Erlass von Vor-
schriften über den Umgang mit Heilmitteln und Betäubungsmitteln (Art. 118
Abs. 2 Bst. a BV), für die Gesundheitspolizei sind jedoch die Kantone zu-
ständig (GÄCHTER/RÜTSCHE, Gesundheitsrecht, 4. Aufl. 2018, S. 26 f.
Rz. 107 f.). So ist denn auch gemäss Art. 4 Bst c und d des Gesetzes über
das Gesundheitswesen vom (...) des Kantons E._ folgerichtig der
Kanton (unter anderem) für die Aufsicht über Einrichtungen der Gesund-
heitsversorgung und über Berufstätigkeiten im Gesundheitswesen ein-
schliesslich des Schutzes der Patientenrechte wie auch für die Überwa-
chung des Heil- und Betäubungsmittelwesens zuständig (vgl. auch Art. 41
MedBG in Bezug auf die Aufsicht der Kantone über die universitären Me-
dizinalberufe, die in eigener fachlicher Verantwortung ausgeübt werden).
Da die Zuständigkeitsvorschriften des öffentlichen Rechts zwingender Na-
tur sind (vgl. THOMAS FLÜCKIGER, in: Praxiskommentar zum Verwaltungs-
verfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, N 5 zu Art. 7, N 49 zu Art. 7; Urteil des
BGer K 70/06 vom 30. Juli 2007 E. 2.4), ist das BAG, das als Verwaltungs-
behörde des Bundes an das Legalitätsprinzip gebunden ist, offensichtlich
weder für die Durchführung von medizinischen Behandlungen noch zur
Aufsicht über Medizinalpersonen, die solche Behandlungen durchführen,
zuständig. Entsprechende Befugnisse bzw. Pflichten des BAG ergeben
sich insbesondere weder aus der Heilmittel- noch der Betäubungsmittelge-
C-2900/2021
Seite 9
setzgebung. Die Zuständigkeit einer Verwaltungsbehörde oder eines Ge-
richts kann nicht durch die freie Wahl einer Verfahrenspartei begründet
werden (vgl. auch Art. 7 Abs. 2 VwVG). Das BAG ist daher zu Recht man-
gels Zuständigkeit auf das Begehren des Beschwerdeführers vom 22. April
2021 um Erlass einer Verfügung nach Art. 25a VwVG nicht eingetreten.
Der Antrag des Beschwerdeführers, die Verfügung des BAG im Verfahren
(...) sei aufzuheben, ist folglich als offensichtlich unbegründet abzuweisen.
2.3 Ist das BAG, wie soeben dargelegt, nicht zur Feststellung bzw. zur Be-
seitigung der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Widerrechtlich-
keiten im Rahmen einer medizinischen Behandlung zuständig, so kann
hierzu auch das Bundesverwaltungsgericht nicht zuständig sein (vgl. auch
MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungs-
gericht, 2. Aufl. 2013, S. 14 f Rz. 1.32). Das Bundesverwaltungsgericht darf
sich daher auch aus diesem Grund nicht zu den aufgeworfenen Fragen
rund um die medizinische Behandlung des Beschwerdeführers äussern.
Auf die in der Eingabe vom 21. Juni 2021 gestellten Feststellungsanträge
ist daher nicht einzutreten. Die Eingabe des Beschwerdeführers vom
21. Juni 2021 ist gestützt auf Art. 8 Abs. 1 VwVG vielmehr an das Depar-
tement Finanzen und Gesundheit des Kantons E._ weiterzuleiten.
Weiter ist darauf hinzuweisen, dass das BAG dem Beschwerdeführer zeit-
nah mitgeteilt hat, dass es nicht bereit sei, sein Begehren zu behandeln.
Ein Fall einer Rechtsverzögerung oder Rechtsverweigerung im Sinn von
Art. 46a VwVG liegt damit nicht vor (vgl. UHLMANN/WÄLLE-BÄR, in: Praxis-
kommentar zum Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, N7 zu
Art. 46a).
2.4 Soweit der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit dem Schreiben
der Vorinstanz vom 21. Mai 2021 eine Rechtsverweigerung durch das Eid-
genössische Departement des Innern (EDI) in seiner Funktion als Auf-
sichtsbehörde des BAG geltend gemacht, ist eine solche ebenfalls nicht
ersichtlich und wird auch nicht substantiiert begründet. Es ist darauf hinzu-
weisen, dass es sich bei einer Aufsichtsbeschwerde im Sinn von Art. 71
VwVG nicht um ein förmliches Rechtsmittel, sondern um einen formlosen
Rechtsbehelf handelt (vgl. OLIVER ZIBUNG, in: Praxiskommentar Verwal-
tungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, N2 zu Art. 71). Die Einreichung einer
Aufsichtsbeschwerde verleiht keine Parteirechte (Art. 71 Abs. 2 VwVG). Es
besteht kein Anspruch auf Behandlung und gegebenenfalls Erledigung (ZI-
BUNG, a.a.O., Art. 71 Rz 33). Da somit kein Rechtsanspruch auf die Eröff-
nung eines verwaltungsrechtlichen Aufsichtsverfahrens besteht, ist (auch)
C-2900/2021
Seite 10
eine Rechtsverweigerungs- oder Rechtsverzögerungsbeschwerde in die-
sem Zusammenhang ausgeschlossen (vgl. BGE 135 II 60 E. 3.1.2). Da im
vorliegenden Fall weder ersichtlich ist noch vom Beschwerdeführer glaub-
haft gemacht wird, dass er Anspruch auf eine Verfügung des BAG bzw. des
EDI als Aufsichtsbehörde betreffend die von ihm beanstandete medizini-
sche Behandlung hat, ist auf seine Rechtsverweigerungsbeschwerde nicht
einzutreten (siehe oben E. 1.4).
3.
Weiter kritisiert der Beschwerdeführer sinngemäss, dass die Vorinstanz die
von ihm eingereichten Strafanzeigen gegen eine Ärztin und die Spitalapo-
thekerin des Kantonsspitals F._ nicht an die Hand genommen habe,
womit eine Rechtsverweigerung vorliege. Er verlangt, dass die Vorinstanz
anzuweisen sei, die beantragten Strafverfahren durchzuführen.
3.1 Aus den vom Beschwerdeführer eingereichten Unterlagen ergibt sich,
dass er in einer als «Strafanzeige» bezeichneten Eingabe vom 19. Mai
2021 vom BAG die Einleitung einer Strafverfolgung gemäss Art. 90 HMG
von Dr. H._, Spitalapotheke des Kantonsspital F._, bean-
tragte (Beilage 7 zur Beschwerde). Das BAG teilte ihm daraufhin mit
Schreiben vom 28. Mai 2021 mit, dass seine Strafanzeige gegen die Spi-
talapothekerin am Kantonsspital F._ zuständigkeitshalber an die
Staatsanwaltschaft des Kantons E._ weitergeleitet werde (Beilage
8 zur Beschwerde). Es stellte ihm die Kopie des Schreibens an die kanto-
nale Staatsanwaltschaft zu (Beilage 9 zur Beschwerde). Bezugnehmend
auf das Schreiben vom 28. Mai 2021 reichte der Beschwerdeführer beim
BAG mit Brief vom 29. Mai 2021 (weitere) Unterlagen ein (Beilage 10 zur
Beschwerde). Mit Schreiben vom 2. Juni 2021 mit dem Betreff «Ihre Straf-
anzeigen vom 19. und 22. Mai 2021 gegen Frau Dr. H._ und Frau
Dr. D._ sowie Ihre Eingabe an das BAG vom 29. Mai 2021» teilte
das BAG dem Beschwerdeführer mit, dass es auch für die Behandlung der
weiteren Strafanzeige, datierend vom 22. Mai 2021, gegen Frau Dr.
D._, Ärztin am Kantonsspital F._, nicht zuständig sei. Die
Anzeige werde daher wiederum an die Staatsanwaltschaft des Kantons
E._ weitergeleitet. Das BAG führte aus, dass es im Bereich des
Heilmittelrechts über keine Zuständigkeit verfüge, selber Verwaltungs- o-
der Strafverfahren durchzuführen. Davon ausgenommen seien lediglich
die Bestimmungen über die Integrität und Transparenz gemäss den Arti-
keln 55 und 56 des Heilmittelgesetzes. Soweit ersichtlich, seien diese Best-
immungen bei den Sachverhalten, die er zur Anzeige bringen wolle, nicht
C-2900/2021
Seite 11
betroffen. Es wies ihn abschliessend darauf hin, dass weitere Schreiben in
dieser Angelegenheit nicht mehr beantwortet würden.
3.2 Wie sich aus den vorliegenden Akten ergibt, hat die Vorinstanz die bei-
den vom Beschwerdeführer bei ihr eingereichten Strafanzeigen gegen eine
Ärztin und eine Apothekerin des Kantonsspitals F._ zeitnah an die
zuständige kantonale Strafverfolgungsbehörde überwiesen. Diese Über-
weisung erfolgte formlos mittels eines Schreibens (vgl. FLÜCKIGER, a.a.O.,
N 22 zu Art. 8) und gestützt auf Art. 8 Abs. 1 VwVG. Eine Verfügung im
Sinn von Art. 5 VwVG hat die Vorinstanz in diesem Zusammenhang nicht
erlassen. Der Beschwerdeführer hat in seinem Schreiben vom 28. Mai
2021 zwar festgehalten, dass die Weiterleitung der Strafanzeige an die (...)
Staatsanwaltschaft zu nichts führen würde, er hat deren Zuständigkeit aber
nicht bestritten. Die Vorinstanz war daher nicht veranlasst, eine förmliche
Verfügung im Sinn von Art. 9 Abs. 2 VwVG zu erlassen. War die Vorinstanz
damit nicht verpflichtet, eine anfechtbare Verfügung zu erlassen, kann ihr
keine Rechtsverzögerung oder Rechtsverweigerung im Sinn von Art. 46a
VwVG vorgeworfen werden. Im Übrigen läge es ohnehin nicht in der Zu-
ständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts, eine umstrittene Zuständigkeit
im Rahmen eines Strafverfahrens zu klären. Es ist aber darauf hinzuwei-
sen, dass gemäss Art. 90 Abs. 3 HMG die Strafverfolgung im Vollzugsbe-
reich der Kantone Sache der Kantone ist (vgl. auch Art. 22 StPO). Inwiefern
im vorliegenden Fall ausnahmsweise der Bund gestützt auf Art. 90 Abs. 1
HMG für die Strafverfolgung zuständig sein soll, wird weder ansatzweise
dargelegt noch ist dies ersichtlich (vgl. dazu auch MICHAEL BURRI, Swiss-
medic, Heilmittelgesetz und Information der Öffentlichkeit, in: Das Verwal-
tungsstrafrecht im Wandel, 2017, S. 143-161). Da im vorliegenden Fall da-
mit weder ersichtlich ist noch vom Beschwerdeführer glaubhaft gemacht
wird, dass er Anspruch auf eine Verfügung des BAG betreffend der von ihm
eingereichten Strafanzeigen hatte, ist auf seine Rechtsverweigerungsbe-
schwerde auch diesbezüglich nicht einzutreten (siehe oben E. 1.4). Es be-
steht für das Bundesverwaltungsgericht kein Anlass und auch keine Hand-
habe, die Vorinstanz anzuweisen, die beiden eingereichten Strafanzeigen
selbst an die Hand zu nehmen.
C-2900/2021
Seite 12
4.
Zusammengefasst erweist sich die Beschwerde gegen das Schreiben des
BAG vom 21. Mai 2021 (...) als offensichtlich unbegründet, weshalb sie
ohne Schriftenwechsel oder andere Instruktionsmassnahmen abzuweisen
ist (vgl. Art. 57 Abs. 1 VwVG e contrario). Nicht einzutreten ist auf die
Rechtsverweigerungsbeschwerde gegen das BAG und das EDI sowie auf
die Feststellungsanträge des Beschwerdeführers. Mangels Zuständigkeit
des BAG und des Bundesverwaltungsgerichts, den Bedarf des Beschwer-
deführers nach einer medizinischen Behandlung und das Verhalten der be-
handelnden Medizinalpersonen zu beurteilen, ist auch eine diesbezügliche
Anordnung von superprovisorischen und vorsorglichen Massnahmen im
vorliegenden Verfahren ausgeschlossen. Auf den Antrag, es seien ihm eine
Monatsmenge bestimmter Medikamente superprovisorisch zur Verfügung
zu stellen, wurde daher mit Zwischenverfügung vom 29. Juni 2021 nicht
eingetreten. Ebenso wenig ist auf die Anträge, es seien ihm eine Monats-
menge bestimmter Medikamente vorsorglich zur Verfügung zu stellen und
Dr. D._ sei vorsorglich zu suspendieren, einzutreten. Auf das Aus-
standsbegehren gegen Bundesverwaltungsrichter C._ ist ebenso
nicht einzugehen, zumal er an diesem Verfahren nicht mitwirkt. Insofern
und insoweit der Beschwerdeführer das Verhalten von am Kantonsspital
F._ tätigen Medizinalpersonen als widerrechtlich beanstandet, ist
die Eingabe vom 21. Juni 2021 zuständigkeitshalber an das Departement
Finanzen und Gesundheit des Kantons E._ zu überweisen.
5.
5.1 Für das vorliegende Urteil sind keine Kosten aufzuerlegen (vgl. Art 6
Bst. a und b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE; SR
173.320.2]).
5.2 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Gesuchsteller keinen Anspruch
auf eine Parteientschädigung (Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 VGKE
e contrario).
C-2900/2021
Seite 13