Decision ID: 6c551734-3908-4e4b-a725-cd72412172f7
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1956, meldete sich am
6.
Januar 2009
unter Hinweis auf
Knie
beschwerden
bei der Invalidenversicherung zum
Bezug von Massnahmen für die berufliche Eingliederung
an (Urk. 7/3/1-11).
Nachdem das Leistungsbe
gehren abgewiesen worden war (
Urk.
7/11), erfolgte am 1
2.
März 2009 eine Anmeldung zum Rentenbezug (
Urk.
7/14).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
verneinte
mit Verfügung vom
3
0.
September 2009
einen Anspruch auf eine Invalidenrente (Urk. 7/28
).
1.2
Die Versicherte meldete sich am
2.
November 2015
unter Hinweis auf
eine Poly
arthritis, Kiefergelenksschmerzen, Knie- und Fussbeschwerden, Schlafstörungen und psychische Beschwerden
erneut bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungs
bezug an (
Urk.
7/33 und
Urk.
7/
37
).
Mit Vorbescheid vom
4.
April 2016 (
Urk.
7/45) trat die IV-Stelle nicht auf das neue Leistungsbegehren ein. Nach Einwänden der Ver
sicherten (
Urk.
7/48;
Urk.
7/52
)
holte
die IV-Stelle
einen
medi
zi
nische
n
Bericht
ein
(
Urk.
7/57)
und klärte die
Beeinträchtigung der
Arbeits
fähigkeit in Beruf und Haushalt ab
(
v
gl. Urk.
7/62
).
Nach durchgeführtem
Vor
bescheidverfahren
(Urk. 7
/76;
Urk.
7/84;
Urk.
7/99; Urk.
7/121
)
wies
die IV-Stelle
das Leistungsbegehren
mit Verfügung vom
2
4.
Januar 2019 ab
(Urk.
7/125
= Urk. 2
).
2.
Die Versicherte erhob am
2
0.
Februar 2019
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
2
4.
Januar 2019
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und
ihr Anspruch sei im Sinne der Ausführungen neu zu prüfen. Eventuell seien weitere Abklä
rungen zu veranlassen
(
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2
0.
März 2019
(
Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
2.
Mai 2019
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
9
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung
(
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung
über die Invalidenversicherung, IVV
), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
1.4
Am 1. Januar 2018 sind die geänderten Bestimmungen der IVV vom 1. Dezember 2017 in Kraft getreten. Mit dieser Änderung wurde für die Festlegung des Inva
liditätsgrades von teilerwerbstätigen Versicherten nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) in Art. 27
bis
Absatz 2–4 IVV ein neues Berechnungsmodell eingeführt.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die galten, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 130 V 445 E. 1.2.1, 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen).
Die
angefochtene Verfügung ist am
2
4.
Januar 2019
und somit nach Inkrafttreten der Verordnungsänderung ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Verordnungsbestimmungen am 1. Januar
2018 begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauer
leistung betrifft, über welche noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist ent
sprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2017 auf die damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die revidierten Verordnungsbestimmungen abzustellen (vgl. BGE 130 V 445 E. 1.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts I 428/04 vom 7. Juni 2006 E. 1).
1.5
Gemäss dem in Art. 27
bis
Abs. 2–4 IVV per 1. Januar 2018 eingeführten neuen Berechnungsmodell für die Festlegung des Invaliditätsgrads von teilerwerbs
täti
gen Versicherten nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) werden der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich – weiterhin – summiert (
Art.
27
bis
Abs. 2 IVV). Die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbstätig
keit richtet sich nach
Art.
16 ATSG, wobei das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. a IVV) und die prozentuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäftigungsgrads,
den
die versicherte Person hätte, wenn sie nicht invalid ge
worden wäre, gewichtet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. b IVV). Für die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich wird der pro
zentuale Anteil der Einschränkungen bei der Betätigung im Aufgabenbereich im Vergleich zur Situation, wenn die versicherte Person nicht invalid geworden wäre, ermittelt. Der Anteil wird anhand der Differenz zwischen dem Beschäfti
gungsgrad nach Absatz 3
lit
. b und einer Vollerwerbstätigkeit gewichtet (
Art.
27
bis
Abs. 4 IVV).
1.6
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren
einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 28
1
E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409
E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesund
heit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig
und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell be
weis
belastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Janu
ar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist, ob seit der Verneinung des Anspruchs auf eine Inva
lidenrente vom
September 2009
eine relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist.
Neben der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ist auch
d
ie Quali
fikation der Beschwerdeführerin
strittig
.
2.2
Die Beschwerdegegnerin qualifizierte die Beschwerdeführerin im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) als zu 50 %
erwerb
stätig und zu 50 % im Haushalt tätig
(S. 1)
.
Sie habe damals bei ihrem
Ehem
ann im Lebensmittelgeschäft in einem 100%-Pensum angefangen und wenige Monate später auf ein 50%-Pensum reduziert. Eine höhere Erwerbstätigkeit sei nicht nachvollziehbar (S. 3 oben).
Seit August 2016 sei der Beschwerdeführerin die bisherige Tätigkeit wieder zu 30 % zumut
bar. In einer angepassten, körperlich leichten Tätigkeit ohne repetitive Bewe
gungen der Hände bestehe eine 40%ige Arbeitsfähigkeit
(S. 1).
Die Beschwer
de
geg
nerin führte in der angefochtenen Verfügung je eine Berechnung nach alter
und eine nach neuer Methode
zur Ermittlung des Invaliditätsgrades für Teiler
werbs
tätige
durch
(S.
2 f.
; vgl. E.
1.4
f.
)
.
Gemäss neuer Methode
stellte
die Beschwerdegegnerin ein
em
«
Einkommen ohne gesundheitliche Einschränkung
»
von
Fr.
55'018.
65
ein «Einkommen mit gesundheitlicher Einschränkung» von Fr. 22'007.45 gegenüber und errechnete eine Erwerbseinbusse von
Fr.
33'011.20, entsprechend einem Invaliditätsgrad von 60 %. Für den mit 50 % bewerteten Erwerbsbereich ergab sich somit ein Teilinvaliditätsgrad von 30 %
. Betreffend den Haushaltsbereich ging die Beschwerdegegnerin von einer Einschränkung von 5.5 % aus.
Angesichts
der Gewichtung des Haushaltsbereiches mit
50
%
ergab
sich damit ein Teilinvaliditätsgrad von
2.75
%. Durch Addition der Teilinva
li
ditätsgrade im Erwerbs- und im Haushaltsbereich resultiert
e
ein rentenaus
schlies
sender Gesamtinvaliditätsgrad von
32.75
%
(S. 3 Mitte)
.
2.3
Die Beschwerdeführerin machte in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
dass sie bei guter Gesundheit mit einem Pensum von 100 % erwerbstätig wäre (S. 3 Mitte). Der Ehemann erziele kein Einkommen mehr, die noch jungen erwachsenen Kinder seien nicht in der Lage, für den Unterhalt der ganzen Familie aufzukommen, und das jüngste Kind sei noch schulpflichtig. Es sei offensichtlich, dass sie mit einem vollen Pensum arbeiten müsste (S. 3 unten).
Die Beschwerdegegnerin habe ledig
lich auf die somatischen Einschränkungen abgestellt (S. 4 Mitte).
Da eine erheb
liche Beeinträchtigung aus psychiatrischer Sicht vorliege, sei von einer weiter
gehenden Einschränkung der Erwerbsfähigkeit auszugehen
als von der Beschwer
de
gegnerin angenommen
(S. 5).
3.
3.1
Dr.
med.
Z._
,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin
,
nann
te im Bericht vom
2.
Februar 2009
zuhanden der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
7/7/1
-
5)
folgende Diagnosen (
Ziff.
1.1):
-
Knieschmerzen beidseits linksbetont
-
Chondromalazie
femoral
und
tibial
links
-
Status nach K
niearthroskopie
mit medialer
Teilmeniskektomie
8/08
-
Status nach Infiltration eines
Osteoidosteoms
links 11/07
Dr.
Z._
führte aus, die
Beschwerdeführerin
leide an chronischen belas
tungsabhängigen
Knieschmerzen
initial links, dann auch rechts (
Ziff.
1.4).
Er atte
stierte ihr ab dem
9.
September 2008 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit als
Mitarbeiterin
in einem
Lebensmittelladen
(
Ziff.
1.6). Die Beschwerdeführerin be
nö
tige regelmässige Ruhepausen. Längere Gehstrecken seien nicht möglich (
Ziff.
1.7). Die Restarbeitsfähigkeit sei schwierig zu beurteilen, da sie im Fami
lien
geschäft mitarbeite (
Ziff.
1.4).
3.2
Dr.
med.
A._
,
B._
, Klinik für Orthopä
dische Chirurgie
,
diagnostizierte im
Bericht vom 3
0.
Januar 2009
zuhanden der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
7/9
/1-5
)
eine
mediale Gonarthrose links
(
Ziff.
1.1).
Er führte aus,
dass die Beschwerdeführerin unter kontinuierlichen, dauernden Knie
schmerzen beidseits leide. Infiltrationen hätten keinerlei respektive kaum eine Linderung der Beschwerden gebracht.
Bei persistierenden Beschwerden komme nur die Implantation einer
Teilprothese
in Frage (
Ziff.
1.4)
.
Er attestierte der Be
schwerdeführerin eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit. Als Einschränkungen nannte er langes Stehen, Knien und das Heben und Tragen von schweren Lasten (
Ziff.
1.7).
R
ein sitzend
e Tätigkeiten seien noch ganztags möglich. R
ein stehend
e Tätigkeiten seien noch im Umfang von
20
%
(2
Stunden pro Tag) zumutbar,
Heben/Tragen
im Umfang von 25
%
(2 Stunden) und
Treppen steigen
im Umfang von 10
%
(1 Stunde). Dies gelte seit Februar
2009
(S. 5).
3.3
Im Bericht vom 2
1.
April 2009 (
Urk.
7/18/7)
führte
Dr.
A._
aus, die Be
schwerdeführerin habe sich bei persistierenden Schmerzen erneut zu einer Ver
laufskontrolle gemeldet. Sie arbeite nach wie vor
mit einem Pensum von
50 %.
Mit konservativen Massnahmen seien die Beschwerden im Bereich des medialen Kniegelenksspaltes am linken Knie nicht in den Griff zu bekommen. Klinisch bestün
den
deutliche Hinweise auf eine mediale Arthrose.
Es bestehe weiterhin eine 50
%
ige Arbeitsunfähigkeit.
3.4
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie,
R
egio
naler
ärztliche
r Dienst
(RAD)
der Beschwerdegegnerin, führte mit Stellungnahme vom
4.
Juni 2009 (
Urk.
7/25/4-5) aus, dass ab Februar 2009 von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in ange
passten Tätigkeit
en
auszugehen sei.
Bei den angepassten Tätigkeiten handle es sich um wechselbelastende leicht
e
bis mittelschwere körperliche Tätigkeiten in überwiegend sitzender Körperhaltung (ohne Knien, Kauern, Hocken und Bestei
gen von Leitern und Gerüsten).
3.5
Gestützt auf die Beurteilung ihres RAD-Arztes
Dr.
C._
ging die Be
schwer
degegnerin
mit Verfügung vom
3
0.
September 2009
(
Urk.
7/28)
von einer vollen
Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
aus
und
verneinte
bei einem Inva
liditätsgrad von 9 %
einen A
nspruch
der Beschwerdeführerin auf eine Inva
liden
rente.
4.
4.1
Die seither ergangenen Berichte
ergeben über den Gesundheitszustand der Be
schwerdeführerin folgendes Bild:
4.2
Dr.
med.
D._
,
Oberarzt am
B._
,
Klinik für Rheumatologie und
muskuloskelettale
Rehabilitation, nannte im
Be
richt vom
9.
Oktober
2015 (Urk. 7/42/1-3) folgende Hauptdiagnosen (S. 1 f.):
-
Polysinovitis
(Entzü
ndungen der Gelenkschleimhäute)
-
Hallux
rigidus
rechts
-
Status
nach subakutem
zervikoradikulärem
Reizsynd
rom C7/8 beidseits
-
Verdacht auf distale sensorische Polyne
uropathie Füsse/Hände beidseits
-
Hypothyreose
,
substituiert
-
juckendes Exanthem Fussrücken und Unterschenkelregion beidseits
-
Status
nach Kiefergelenkstoilette
links
Dr.
D._
führte aus,
die Polyarthritis sei nun zunehmend ungünstig schmerz
haft. Letzthin habe sich ein leicht entzündlicher Kniegelenkserguss rechts gezeigt, ohne dass Kristalle hätten nachgewiesen werden können. Aktuell zeige sich die Beschwerdeführerin sehr leidend. Es sei eine
Behandlung mit
Remicade
vorge
sehen (
S. 2 unten; vgl.
auch Bericht vom
4.
November 2015; Urk. 7/42/4-5
).
4.3
Die Ärzte des
E._
diagnostizierten im
Bericht vom 3
0.
Oktober 2015 (
Urk.
7/42/6-8)
- neben somatischen Diagnosen -
aus psychiatrischer Sicht eine
leichte depressive Episode (S. 1 Mitte)
.
Sie atte
stierten der Beschwerdeführerin eine
voll
e Arbeitsunfähigkeit
seit
1.
Januar 2012
(S. 2 unten).
4.4
RAD
-Ärztin
Dr.
med.
F._
,
Fachärztin für
Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates, führte mit
Stellungnahme vom 1
5.
März
2016 (
Urk.
7/44/3)
aus, dass
durch
die
neu aufgetretene Polyarthritis
eine Änderung
des Gesundheitszustandes
eingetreten sei. Die Symptome
sollte
n
unter
einer Therapie mit
Remicade
indessen
sistierbar
s
ein,
w
eshalb kein dauer
hafter Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
ausgewiesen sei
.
4.5
Dr.
D._
führte im Bericht vom
1
3.
Mai 2016 zuhanden der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin (
Urk.
7/51) aus, dass die
chronische Krankheit der Polyar
thritis bei der Beschwerdeführerin äusserst
schlecht
medikamentös kontrollierbar
beziehungsweise antientzündlich
supprimierbar
gewesen sei. Es sei rein hypothe
tisch, dass der Einsatz von
Remicade
zu einem sicheren Sistieren der Symptome führe. Bei der Beschwerdeführerin liege eine entzündungsbedingte schwerwie
gende Beeinträchtigung seitens des Bewegungsapparates, insbesondere seitens der kleinen und mittelgrossen Gelenke vor, so dass eine Arbeitsunfähigkeit aus
gewiesen werden könne. Diese schätzte er aktuell auf
mindestens 70
%
. Dane
ben bestünden rezidivierende depressive Episoden.
4.6
Die Ärzte des
E._
berichteten am
8.
Juli 2016 (
Urk.
7/54) über eine
Ver
schlech
terung seit 200
9.
Aktuell bestünden HWS-Schmerzen, Parästhesien der Hände, Schmerzen an den Füssen sowie Depressionen mit Schlafstörungen, Müdigkeit,
Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Gedankenkreisen, ständiger Traurigkeit
, ständigem Weinen, Lust- und Interesselosigkeit, Antriebslosigkeit und Rückzug (S. 1 Mitte). Sie diagnostizierten eine rezid
ivierende depressive Störung
gegen
wärtig mittelgradiger depressiver Episode (S. 2 Mitte).
Die Beschwerdeführerin könne etwa 60 Minuten sitzen, kaum 500 Meter gehen, etwa 5 Minuten Stehen, nur langsam Treppen steigen, nur wenig im Haushalt mithelfen und keine schwe
ren, keine längeren und keine einseitigen Arbeiten ausführen.
Aufgrund der (somatischen und psychiatrischen)
Diagnosen
, des positiven und des negativen Leistungsbildes sowie der Fremdanamnese sei die Beschwerdeführerin
auch
in
angepasst
en Tätigkeiten 100 % arbeitsunfähig (S. 2 unten).
4.7
Dr.
D._
hielt im Bericht vom 1
0.
August 2016
zuhanden der Beschwerde
gegnerin
(
Urk.
7/57/1-5) fest, die
Therapiemöglichkeiten
seien
ausgeschöpft
(
Ziff.
1.8)
.
In der bisherigen Tätigkeit bestehe eine anhaltende und dauerhafte Arbeitsunfähigkeit von 70 % (
Ziff.
1.6).
Es bestehe eine Arbeitsfähigkeit von
30-40
%
ab sofort (
Ziff.
1.9).
4.8
RAD-Ärztin
Dr.
F._
führte in der Stellungnahme
vom 2
6.
August 2016 (Urk. 7/75/
3-
4) aus,
dass auf den Bericht von
Dr.
D._
abgestellt werden könne.
Die rezidivierenden depressiven Störungen würden sich nicht dauerhaft auf die Arbeitsfähigkeit auswirken.
In der bisherigen Tätigkeit als Lebens
mittel
verkäuferin sei seit dem 1
0.
August 2016 von einer 70%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. In einer angepassten Tätigkeit - körperlich leichte Tätigkeiten ohne repetitive Belastungen der Hände -
bestehe eine 60%ige Arbeitsunfähigkeit seit dem 1
0.
August 201
6.
Angesichts der sehr geringen Einkünfte im individuellen Konto sei noch zu klären, ob die Beschwerdeführerin tatsächlich als zu 100 % erwerbstätig zu qualifizieren sei.
4.
9
Am
7.
Dezember 2016
wurde eine Haushaltabklärung durchgeführt. Die Abklä
rungsperson führte im Abklärungsbericht vom
8.
Dezember 2016
(Urk.
7/62
) aus,
die Beschwerdeführerin
wohne zusammen mit ihrem Lebenspartner - im Irak
seien sie verheiratet –, der ersten Ehefrau des Lebenspartners, deren Sohn (ge
bo
ren 1991) sowie der drei eigenen Kinder (geboren 1997, 1998 und 2007) in einem Geschäfts- und Wohnhaus (S. 6
Ziff.
4 und 5).
Die Angaben der Beschwerde
führerin, dass sie heute bei guter Gesundheit
100 % arbeiten würde, wobei der «Ehemann» die jüngste, mittlerweile 9jährige Tochter betreuen könnte (S.
5
Ziff.
2.5),
wurden seitens der Abklärungsperson als
nicht realistisch
beurteilt (S.
5
Ziff.
2.6.1).
Da der Betrieb dem «Ehemann» gehört habe und die Angaben nicht übereinstimmen würden, sei schwierig zu sagen, mit welchem Pensum die Be
schwerdeführerin tatsächlich gearbeitet habe beziehungsweise hätte. Nach 2013, als das Geschäft verkauft worden sei, sei sie keiner Erwerbstätigkeit mehr nach
gegangen und es lägen auch keine Arbeitsbemühungen vor. Das 50%-Pensum könne hauptsächlich mit einer gewissen finanziellen Bedürftigkeit begründet werden. Auch spreche die familiäre Situation gegen ein höheres Pensum, da die Beschwerdeführerin Mutter einer schulpflichtigen Tochter sei und angenommen werden könne, dass die Sicherung des Lebensunterhalts nicht primär in ihre Ver
antwortung gefallen wäre (S. 6).
Entsprechend den Angaben der Abklärungsperson betrug die Einschränkung
im mit 3
5
%
gewichteten Bereich
«
Ernährung
»
1
0
%
und im mit 20
%
gewichteten Bereich
«
Wohnungspflege
»
10
%. Im mit
4
% gewichteten Bereich
«
Haushalts
führung
»
, im mit
8
% gewichteten Bereich
«
Einkauf und weitere Besorgungen
»
, im mit
20
% gewichteten Bereich
«
Wäsche und Kleiderpflege
»
,
im mit
8
% gewichteten Bereich
«
Betreuung von Kindern oder anderen Familienangehörigen
»
sowie im mit 5
% gewichteten Bereich
«
Verschiedenes
»
wurden keine Einschrän
kungen festgestellt (vgl. S.
8
ff.
Ziff.
6.1 - 6.
7
). Die entsprechend gewichteten einzelnen Einschränkungen ergaben eine Einschränkung von insgesamt
5.5
%
(S.
11
Ziff.
6.8).
Bei den Einschränkungen in den einzelnen Bereichen wurde die Mitwirkungspflicht des
«
Ehemannes
»
berücksichtigt (S.
8 oben
).
4.10
Die
Ärzte des
G._
nannten im Bericht
vom
1.
Februar 2017
(
Urk.
7/68/14-21)
folgende Hauptdiagnosen (S. 1 f.):
-
Polysinovitis
unklarer Genese
-
Verdacht auf distale sensorische Polyneuropathie Füsse/Hände beidseits
-
zervikoradikuläres
Reizsyndrom C7/8 beidseits
-
Kieferschmerzen
-
lumbovertebrales
Syndrom
-
Knieschmerzen beidseits
-
Hyperthyreose
, substituiert
-
juckendes Exanthem Fussrücken und Unterschenkelregion beidseits
-
SD-Dysfunktion DD M Hashimoto?
-
Status nach Darmoperation September 2016
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode
Im Rahmen der somatischen und psychiatrischen Konsensbeurteilung führten die Ärzte des
G._
aus,
dass die frühere Arbeit als
Verkäuferin
aus somatischer Sicht nicht mehr zumutbar sei. Eine Tätigkeit in geschütztem Rahmen mit wechselnd
em Stehen und S
itzen und ohne relevante Gewichtsbelastung der Gelenke könnte aber ohne Berücksichtigung von Psyche und Persönlichkeit der Beschwerde
füh
rerin noch halbtags zugemutet werden (S. 7 unten). Aus rein psychiatrischer Sicht sei die Beschwerdeführerin aufgrund der depressiven Störung (Konzen
tra
tion, Vergesslichkeit, Schlafstörungen, Müdigkeit) auch in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig (S. 8 oben).
4.11
Die Ärzte des
B._
führten am 2
7.
Juli
2017 (
Urk.
7/82) aus,
bei der Beschwer
deführerin liege eine entzündungsbedingte
schwerwiegende Beeinträchtigung seitens
des
Bewegungsapparat
es vor, welche kleine aber auch grosse Gelenke sowie Sehnen betreffe (S. 1 unten)
.
Die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätig
keit als Verkäuferin könne nicht über 30 % angehoben werden.
Die ange
passte Tätigkeit sehe eine Arbeit mit kurzen Gehstrecken, mit der Möglichkeit eines regelmässigen Wechsels der Körperposition, dem Heben und Tragen von Lasten von maximal einem Kilogramm und mit genügend Pausen vor und könne mit einem Pensum von 30 % ausgeführt werden, entsprechend 2.4 Stunden pro Tag bei einem 8-Stunden-Tag (S. 2
; vgl. auch Bericht vom 1
7.
August 2017,
Urk.
7/86/3-6
).
4.12
Aus dem Bericht der Ärzte des
B._
(undatiert,
Urk.
7/96) ergibt sich
, dass die Arbeitsunfähigkeit infolge der neuen Diagnose der akuten Stressfraktur der proximalen Metaphyse des OS
metatarsale
V rechts
seit dem 2
9.
August 2017 100 % betrage (
Ziff.
2.1). In Bezug auf die akute Stressfraktur werde nach Abhei
lung derselben
wieder
eine 30
%
ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätig
keit als Verkäuferin
zu erwarten
sein (
Ziff.
4.1).
4.13
Die Ärzte des
E._
attestierten der Beschwerdeführerin im Bericht vom 1
4.
Juni 2018
zuhanden der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
7/112/7-8)
seit 2012 bis heute eine
voll
e
Arbeitsunfähigkeit (S.
1 Mitte). Die Prognose sei bei deutlicher
Chronifi
zierung
des Schmerzgeschehens und der Depression schlecht (S. 2 unten).
4.14
Dr.
D._
, nun in der
(eigenen)
Rheumapraxis
H._
tätig,
führte im Bericht vom 3
1.
Juli 2018
zuhanden der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
7/117) aus,
die rheumatoide Arthritis werde weiterhin sehr erfolgreich behandelt. Seitens der vormaligen Stressfrakturen in den
Metatarsalia
am rechten Fuss finde sich eine
residuumfreie
Ausheilung. Die Belastbarkeit für diesen Fuss und dieses Bein sei nun wieder seitengleich gut möglich (
Ziff.
2.4).
Er nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
2.5):
-
Polyarthritis unklarer Zuordnung, am ehesten einer Autoantikörper-negativen rheumatoiden Arthritis entsprechend
-
bekanntes bilateral leichtgradiges bis mittelschweres Karpaltunnel
syn
drom, rechts akzentuiert
-
Verdacht auf distale sensorische Polyneuropathie Füsse/Hände beidseits
-
substituierte Hypothyreose
-
Status nach
zervikoradikulärem
Reizsyndrom C7/8
Dr.
D._
führte aus, dass auf Dauer eine Leistungsminderung und Belas
tungs
fähigkeitsreduktion bestehe. Es spielten somatische und psychische Faktoren mit hinein (
Ziff.
2.6). Die depressive Entwicklung stehe einer Eingliederung im Wege. Seines Erachtens liege gar eine
tieferliegende Problematik vor, eventuell eine
posttraumatisch
e Belastungsstörung
(
Ziff.
4.4).
Dr.
D._
attestierte der Be
schwe
r
deführerin a
us rheumato
logischer Sicht
eine Arbeitsunfähigkeit von circa 40-50
%
(
Ziff.
1.3)
.
Fragen zur beruflichen Situation könne er nicht beantworten (
Ziff.
3).
Zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit äusserte sich
Dr.
D._
nicht (
Ziff.
4.2).
Die Beurteilung des Potenzia
ls für die Wiederein
gliederung sei im Rahmen eines Assessments vorzunehmen (Ziff. 4.3).
4.15
A
m 2
8.
September 2018
nahmen die RAD-Ärztinnen
Dr.
F._
und
Dr.
med.
I._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
eine
Aktenbeur
tei
lung
vor (
Urk.
7/124 S.
8 ff.)
.
Dr.
F._
führte aus, dass sie an ihrer
früheren
Beurteilung
vom 2
6.
August 2016 (vgl. E. 4.8) festhalte
.
Die Arbeitsunfähigkeit infolge der Fraktur des MT V sei plausibel und könne vom 2
9.
August bis 2
9.
November 2017 nachvollzogen werden (S. 9 oben).
Dr.
I._
nahm insbeson
dere Stellung zu den Berichten der Ärzte des
E._
vom
8.
Juli 2016 (vgl. E. 4.6) und 1
4.
Juni 2018 (vgl. E. 4.13).
Zum Bericht vom Juli 2016 gab sie an, dass eine mittelgradige depressive Symptomatik nicht klar nachvollzogen werden könne. Auch sei unklar, wie die kognitiven Einschränkungen eruiert worden seien; mög
licherweise gründeten sie auf Aussagen der Beschwerdeführerin (S. 9 Mitte). Die Befunde gemäss Bericht vom Juni 2018 sei
e
n im Vergleich zu 2016 milder. Auch hier könne keine mittelgradige depressive Symptomatik erkannt werden und es sei unklar, wie die kognitiven Einschränkungen eruiert worden seien. Eine psy
chopharmakologische Medikation habe immer noch nicht bestanden (S. 9 unten).
Insgesamt könne eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit absolut nicht nachvollzogen werden, ebenso wenig wie die Aussage einer schlechten Prognose (S. 10 oben).
5
.
5
.1
Vorab stellt sich die Frage, ob die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin
in der angefochtenen Verfügung
zu Recht als zu 50 %
erwerb
stätig und zu 50 % im Haushalt tätig qualifiziert hat.
5.2
In der ersten Anmeldung vom
März
2009 gab die Beschwerdeführerin an, dass sie seit November 2007 in einem Pensum von 100 % als Mitarbeiterin
im
J._
tätig sei (
Urk.
7/
14
E. 5.4).
Aus dem Arbeitgeberbericht (
Urk.
7/16) ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin
seit November 2007
während 44 Stunden pro Woche im Geschäft des
«
Ehemannes
»
tätig war,
nach Eintritt des Gesundheitsschadens
(
August 2008
)
noch während 22 Stunden.
In den ärztlichen Zeugnissen
wurde ihr
vom 2
4.
Juli bis
8.
September 2008 eine 100%ige sowie ab dem
9.
September 2008 (bis Ende Februar 2009
)
eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (vgl.
Urk.
7/
3/12 ff.
).
Dem Auszug aus dem individuellen Konto
der Beschwerdeführerin
(
Urk.
7/
35
) ist
für das
Jahr 2007 ein Einkommen von Fr.
2'400.--, für 2008 ein solches von Fr. 20'800.--, für
2009 von
Fr.
38'400.--,
für 2010 von
Fr.
19'987.--, für 2011 von Fr. 38'400.--, für 2012 von
Fr.
21'904.--
und für 2013 (Januar bis Juni) von
Fr.
19'200.-- zu entnehmen.
5.3
Betreffend Qualifikation ist festzuhalten, dass
diese anlässlich der Abweisung des Rentenbegehrens im Jahr 2009 nicht thematisiert wurde (obwohl das jüngste Kind damals erst zweijährig war). D
ie Beschwerdegegnerin
ging
von einer vollen Erwerbstätigkeit der Beschwerde
führerin im Gesundheitsfall aus
(
Urk.
7/25/2).
Entsprechend berechnete sie den Invaliditätsgrad in der Verfügung vom
3
0.
September 2009 nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs
für Erwerbstätige
(vgl.
Urk.
7/28 S. 2 oben).
Demgegenüber qualifizierte
die Beschwerdegegnerin
die Beschwerdeführerin
in der angefochtenen Verfügung
neu
nur noch
als zu 50 % erwerbstätig. Zur Be
gründung gab
sie
lediglich
an, dass
die Beschwerdeführerin ihr Pensum wenige Monate nach Arbeitsbeginn auf ein 50 %-Pensum reduziert habe
(
Urk.
2 S.
2 oben)
.
5.4
Die objektive Beweislast dafür, dass in einem konkreten Fall die Regel der An
knüpfung an den zuletzt erzielten Verdienst nicht greift, trifft die IV-Stelle, wenn sich ein Abweichen davon zu ihren Gunsten (niedrigeres
Validenein
kommen
) auswirkt (
Art.
8 ZGB, Urteil
des Bundesgerichts
9C_796/2018 vom 1
0.
Januar 2019 E. 2.1; Urteil 9C_38/2019 vom
9.
Mai 2019 E. 3.2.2).
Dies ist vorliegend der Fall.
Dementsprechend ist die Beschwerdegegnerin beweispflichtig für die Annah
me, die Beschwerdeführerin würde nun überwiegend wahrscheinlich in einem Pensum von 50
%
statt 100
%
erwerbstätig sein. Die Folgen einer Beweislosigkeit hat die IV-Stelle zu tragen (Urteil 9C_129/2019 vom
5.
Juni 2019 E. 6.3).
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung in keiner Weise auf den begründeten Einwand (vgl.
Urk.
7/68/1)
der Beschwerdeführerin, sie hätte
im Gesundheitsfall zu 100
%
gearbeitet, ein. Ob Beweislosigkeit vorliegt, kann des
halb noch nicht beurteilt werden. I
n Nachachtung
des doppelten Instanzen
zuges und aufgrund des Umstands, dass, wie nachfolgend darzulegen ist, auch aus me
di
zinischen Gründen eine Rückweisung notwendig ist, ist die entspre
chen
de ge
nauere Abklärung einer allfälligen Änderung der Statusfrage
von der Beschwer
degegnerin
nachzuholen.
6.
6.1
Aufgrund der vorliegenden Berichte
steht fest
, dass eine Verschlechterung des Ge
sundheitszustandes eingetreten ist.
Während im Jahr 2009 einzig über Knie
be
schwerden berichtet wurde,
steht nun eine Polyarthritis im Vordergrund.
Ausser
dem
wird über psychische Beschwerden berichtet
. Betreffend Arbeitsfähigkeit wurde in der Verfügung vom September 2009 von einer 100%igen Arbeits
fähig
keit in einer (den Kniebeschwerden) angepassten Tätigkeit ausgegangen
. Demge
genüber wird
in der vorliegend angefochtenen Verfügung
lediglich noch
von einer 40%igen Arbeitsfähigkeit
in einer angepassten Tätigkeit ausgegangen.
Bei dieser Beurteilung wurden keine Einschränkungen aus psychiatrischer Sicht berücksichtigt.
6.2
D
ie Beschwerdegegnerin
stützte sich in der angefochtenen Verfügung
au
f die
Stellungnahme
n ihrer RAD-Ärztinnen.
In somatischer Hinsicht ging RAD-Ärztin
Dr.
F._
aufgrund der
Beurteilung des Rheumatologen
Dr.
D._
vom August 2016
von einer 40%igen Arbeits
fähigkeit
in einer angepassten, körperlich leichten Tätigkeit ohne repetitive Be
wegungen der Hände
aus
.
Dr.
D._
äusserte sich
i
m späteren Bericht vom Juli 2018
nicht zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit und empfahl ein Assessment zur Beurteilung des Wiedereingliederungspotenzials.
Des Weiteren
ging
er
- allerdings fachfremd -
von einer zusätzlichen Einschränkung aus psy
chiatrischer Sicht aus.
RAD-Ärztin Dr.
F._
hielt mit Stellungnahme vom September 2018 weiter an i
hrer früheren Einschätzung fest.
Aus psychiatrischer Sicht liegen die Beurteilungen der
behandelnden
Ärzte der
E._
und
G._
vor.
Diese gingen aufgrund einer rezidivierenden depressiven Störung von einer vollen Arbeitsunfähigkeit aus.
RAD-Ärztin
Dr.
F._
hielt im August 2016
fest, dass sich die rezidi
vierende depressive Störung nicht dauerhaft auf die Arbeitsfähigkeit auswirke
. RAD-Ärztin
Dr.
I._
führte im September 2018 aus,
dass eine mittelgradige depressive Symptomatik nicht nachvollziehbar sei.
6.
3
Vor diesem Hintergrund kann nicht auf die Stellungnahmen der RAD-Ärztinnen abgestellt werden. Diese
Aktenbeurteil
ungen erscheinen zu wenig begründet, RAD-Untersuch
ungen
fand
en
nicht statt. In somatischer Hinsicht basiert die RAD-Einschätzung auf einem 2.5 Jahre zurückliegende
n Bericht von
Dr.
D._
, obwohl
sich
Dr.
D._
im aktuellsten Bericht nicht zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit äusserte und ein Assessment zur Beurteilung empfahl.
In psychiatrischer Hinsicht
führte
Dr.
I._
aus, dass
eine mittelgradige depres
sive Symptomatik nicht klar nachvollzogen werden
und eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit absolut nicht nachvollzogen werden könne.
Gestützt auf diese Beur
teilung
durch
Dr.
I._
ging die Beschwerdegegnerin davon aus, dass keine psy
chiatrische Diagnose mit Auswirkung a
uf die Arbeitsfähigkeit vorliege
. Dies vermag angesichts der Unklarheiten bezüglich einer psychiatrischen Diagnose
und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
nicht zu überzeugen.
Es stellt sich die Frage
, ob eine
(
tiefere
)
Arbeitsunfähigkeit vorliegt
, da
Dr.
I._
lediglich eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit als
«
nicht nachvollziehbar
»
beurteilte
.
Auf die
Beurteilungen der behandelnden
Ärzte der
E._
und
G._
kann
ebenfalls
nicht abgestellt werden, zumal
sie auch
den Anfor
derungen der heute massgebenden Rechtsprechung (vgl. E. 1.
6
) nicht zu genügen
vermögen
; eine
Indikatorenprüfung
ist nicht möglich
.
Somit sind aus psychia
tri
scher Sicht weitere Abklärungen erforderlich.
Insgesamt lassen
die vorhandenen Berichte keine fundierte und objektive Beur
teilung der aktuellen Arbeitsfähigkeit de
r Beschwerdeführerin
zu.
Schliesslich fehlt eine
bidisziplinäre
Beurteilung.
6.
4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu
treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
rele
vante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
6.
5
Vorliegend ergibt sich, dass ein abschliessender materieller Entscheid gestützt auf die vorhandenen medizinischen Akten nicht möglich ist, da der
entscheidrele
vante
Sachverhalt nicht hinreichend abgeklärt wurde. Die vorhandenen medizi
nis
chen Unterlagen erlauben keine verlässlich
e Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
und der Frage, ob und in welchem Umfang diese sich seit Erlass der Verfügung vom 3
0.
September 2009 verändert hat
, weshalb die Be
schwer
degegnerin weitere Abklärungen vorzunehmen hat.
Die angefochtene Verfügung (
Urk.
2) ist folglich aufzuheben und die Sache
zur rechtsgenügenden
(
bidisziplinären
)
Abklärung des medizinischen Sachverhalts
- unter Berücksichtigung des
nunmehr anzuwendenden strukturierten Beweisver
fahrens nach BGE 141 V 281
-
, zur genauen Klärung der Frage einer Veränderung des Status seit 2009
und zu erneutem Entscheid über den Rentenanspruch an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzu
heissen.
7.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
8
00
.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuer
legen.
8.
8.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
8.2
Die Prozessentschädigung wird vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
). Beim praxisgemässen Stunden
ansatz von
Fr.
185
.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist vorliegend eine Entschä
digung von Fr.
1’600
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen, welche entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unterliegenden Beschwer
degegnerin aufzuerlegen ist.