Decision ID: dafa0f45-224b-53dc-bfa2-681588c939b4
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 12. Oktober 2013 bei der IV-Stelle zur Früherfassung (IV-
act. 1) und mit Formular vom 11. November 2013 wegen Sarkoidose zum
Leistungsbezug an (IV-act. 7). Ihr Hausarzt Dr. med. B._, Facharzt FMH für Innere
und Allgemeine Medizin, hielt im Ärztlichen Bericht vom 26. November 2013 fest, es
handle sich um eine aktive Sarkoidose mit Erstdiagnose im Juli 2011. Seit 12. August
2013 bestehe bis auf Weiteres eine Arbeitsfähigkeit von 50%. Die Versicherte leide
unter Ermüdung, Belastungsdyspnoe, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie
Arthralgie v.a. der Hände (IV-act. 15-1).
A.a.
Am 30. Januar 2014 vereinbarte die IV-Stelle mit der Versicherten einen
Eingliederungsplan mit dem Ziel des Arbeitsplatzerhalts bei der langjährigen
Arbeitgeberin, der C._ AG (nachfolgend: Arbeitgeberin; IV-act. 25).
A.b.
Prof. Dr. med. D._, Klinik für Pneumologie und Schlafmedizin, Kantonsspital St.
Gallen (KSSG), hielt im Arztbericht vom 11. März 2014 fest, mittelfristig scheine es der
Versicherten möglich, einen Arbeitsaufbau durchzuführen. Die Sarkoide Aktivität habe
nachgelassen, es sei ein progredienter Arbeitsaufbau von 50% - 60% - 80% - 100% zu
empfehlen (IV-act. 45-6).
A.c.
Im Verlaufsprotokoll vom 2. April 2014 hielt die Eingliederungsverantwortliche fest,
dass der angestammte Arbeitsplatz mit einem Pensum von 50% Präsenzzeit
(gemessen an einem vollen Arbeitspensum) mit einer vollen Arbeitsleistung während
A.d.
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dieser Präsenzzeit habe erhalten werden können. Die Beratung und Unterstützung
beim Arbeitsplatzerhalt werde in Absprache mit der Versicherten abgeschlossen (IV-
act. 32-2). In der Mitteilung vom 11. April 2014 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
das Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen werde abgewiesen, da keine
weiteren beruflichen Massnahmen notwendig seien (IV-act. 35).
Im Beiblatt zum Arztbericht vom 30. Juli 2014 befand Dr. B._, der Versicherten
sei es zumutbar, vier Stunden pro Tag max. zu 100% als Hochbautechnikerin zu
arbeiten (IV-act. 41-7). Am 28. November 2014 berichteten die Ärzte der Klinik für
Psychosomatik des KSSG, der grösste Leidensdruck bestehe bei der Versicherten
neben den Gelenkschmerzen in der Müdigkeit, die sie als bleierne Schwere in den
Extremitäten beschreibe. Sie diagnostizierten nebst der chronischen Sarkoidose eine
chronische Müdigkeit sowie eine Anpassungsstörung (ICD-10: F43.2; IV-act. 47-4f.).
Mit Bericht vom 16. Januar 2015 attestierte der Hausarzt eine Arbeitsfähigkeit von 60%
(5h pro Tag; IV 47-2). RAD-Ärztin Dr. med. E._ befand den Gesundheitszustand noch
als besserungsfähig, weshalb abzuwarten sei (Stellungnahme vom 2. Februar 2015, IV-
act. 49).
A.e.
Im Bericht vom 10. März 2015 hielt die behandelnde Psychotherapeutin des KSSG
fest, die Versicherte könne das Pensum von 50% knapp bewältigen. Ein Versuch, die
Erwerbstätigkeit auf 60% zu steigern, habe zur Überforderung geführt, wobei Freizeit-
und Haushaltsbereich sowie die sozialen Aktivitäten stark zurückgefahren worden seien
(IV-act. 54-6). Ab 28. Oktober 2015 wurde die Versicherte erneut zu 100%
arbeitsunfähig geschrieben, da sie wieder einen Krankheitsschub erlitt (IV-act. 64, 67).
In der Folge fand vom 8. Januar bis 4. Februar 2016 ein stationärer Aufenthalt im Reha
Zentrum F._ statt (IV-act. 78). Dieser habe insgesamt einen positiven Verlauf gezeigt.
Der Versicherten wurde für zwei Wochen eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert,
wobei im Verlauf eine Wiedereingliederung in den Arbeitsalltag zu evaluieren sei
(Definitiver Austrittsbericht vom 15. Februar 2016: IV-act. 81-9ff.). Am 29. Februar 2016
startete die Versicherte ihre Arbeit wieder mit einem 20%-Pensum (IV-act. 81-7).
A.f.
Gestützt auf die RAD-Empfehlung vom 24. Mai 2016 (IV-act. 95) wurde die
Versicherte am 10., 12. und 19. Oktober 2016 polydisziplinär (allgemein medizinisch,
neuropsychologisch, pneumologisch und psychiatrisch) durch Gutachter der
A.g.
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B.
medexperts AG begutachtet. Im Gutachten vom 14. November 2016 befanden sie die
Versicherte aus rein psychiatrischer Sicht aktuell zu 20% arbeitsunfähig in der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit. Aus Sicht der übrigen Disziplinen bestehe eine volle
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 104-57). RAD-Ärztin Dr. E._ befand das Gutachten als
umfassend und nachvollziehbar (IV-act. 106).
Mit Vorbescheid vom 22. November 2016 stellte die IV-Stelle in Aussicht, das
Leistungsbegehren der Versicherten abzuweisen (IV-act. 110). Dagegen liess die
Versicherte durch Rechtsanwalt Dr. iur. Th. Wyler, Basel, am 1. Februar 2017 Einwand
erheben und weitere Arztberichte einreichen (IV-act. 117).
A.h.
Gestützt auf den Einwand empfahl RAD-Ärztin Dr. E._, das Einwandschreiben
den Gutachtern zur Stellungnahme zu unterbreiten (IV-act. 124). Dem kamen Dr. med.
G._, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. H._, Facharzt
Pneumologie, mit Schreiben vom 31. März 2017 nach. Sie hielten an den bisherigen
Beurteilungen im Gutachten fest (IV-act. 126).
A.i.
Mit Schreiben vom 15. September 2017 beantragte die Versicherte im Rahmen
einer zweiten Anhörung weiterhin die Zusprache einer Invalidenrente sowie, dass nicht
auf das medexperts-Gutachten abzustellen sei. Es sei vielmehr ein Obergutachten
einzuholen (IV-act. 152).
A.j.
Am 8. November 2017 verfügte die IV-Stelle eine Abweisung des
Leistungsbegehrens gestützt auf einen IV-Grad von 20% (IV-act. 158).
A.k.
Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom
11. Dezember 2017 mit dem Antrag auf deren Aufhebung und auf Zusprache einer
halben IV-Rente ab Mai 2014 sowie einer ganzen Rente ab Juni 2016; unter Kosten-
und Entschädigungsfolgen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin macht im
Wesentlichen geltend, auf Grund von Widersprüchen und Unstimmigkeiten könne nicht
auf das Gutachten der medexperts abgestellt werden. Daher werde für den Fall, dass
das Gericht nicht auf die zahlreich vorhandenen bisherigen medizinischen Akten
abstellen wolle, die Einholung eines Obergutachtens beantragt (act. G 1).
B.a.
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Erwägungen
1.
Mit Beschwerdeantwort vom 31. Januar 2018 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Beschwerdeabweisung (act. G 4).
B.b.
Mit Replik vom 9. April 2018 hält die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest.
Des Weiteren reicht sie eine fachärztliche Beurteilung von Prof. D._ ein (vgl. act.
G 9.1), wonach gemäss einem Fachartikel bei 47% der Sarkoidose-Fälle auch die
Kriterien für das Vorliegen eines Chronic Fatigue Syndroms vorliegen würden. Zudem
sei der behandelnde Arzt davon überzeugt, dass das Chronic Fatigue Syndrome
eindeutig im Zusammenhang mit der Diagnose der Sarkoidose stehe, obwohl eine
Entzündungsaktivität derzeit nicht mehr im Vordergrund stehe. Entsprechend werde
am Antrag auf Einholung eines Obergutachtens festgehalten (act. G 9).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf die Einreichung einer Duplik (act. G 11).B.d.
Mit Schreiben vom 28. Oktober 2019 reicht der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin weitere Arztberichte ein (act. G 13).
B.e.
Vorliegend ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der
Invalidenversicherung streitig.
1.1.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.2.
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60%
invalid ist, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50% invalid ist, und auf eine
Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid ist. Der Grad der für einen allfälligen
Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
1.3.
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2.
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit die
Erwerbsunfähigkeit bzw. den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung
bzw. das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch
andere Fachleute zur Verfügung stellen. Aufgabe des Arztes bzw. der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeit die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
256 E. 4). Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz
der freien Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das Gericht
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtend ist
und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a).
1.4.
Vorab ist zu prüfen, ob die vorliegende medizinische Aktenlage für eine Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ausreichend ist und die
Beschwerdegegnerin zu Recht auf das polydisziplinäre Gutachten von medexperts
abgestellt hat.
2.1.
Gestützt auf ihre Begutachtung diagnostizierten die medexperts-Gutachter aus
polydisziplinärer Sicht mit Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit eine
Anpassungsstörung (DSM-V: 309.4). Als Nebendiagnosen, welche keine wesentliche
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bewirkten, hielten sie folgende fest: eine
Aminopenicillin-Allergie, eine Neurasthenie (ICD-10: F48.0), eine chronische
Sarkoidose, pulmonales Stadium II, ED 07/2011, mit zervikaler, mediastinaler und
retroperitonealer Lymphadenopathie, bei Status nach vier Schüben mit progredienter
zervikaler Lymphadenopathie, einmalig mit ACE-Erhöhung und Hyperkalziurie, ohne
Hinweise auf relevante Organdefizite, weder pulmonal noch in anderen Organen und
2.2.
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mit chronischer Müdigkeit, partiell mit Sarkoidose assoziiert (?), weiter einen kleinen
Leberrundherd unklarer Dignität im Segment VI (ED 07/2011), eine leichte chronische
Gastritis (ED 10/13) sowie einen latenten Eisenmangel, der immer wieder substituiert
werde (IV-act. 104-51). Zur aktuellen gesundheitlichen Situation und Begründung der
hauptgutachterlichen und polydisziplinären Diagnosefindung führten die Gutachter aus,
wenn man die chronische Müdigkeit ausklammere, welche ja höchstwahrscheinlich
multifaktoriell bedingt sei, müsse aus rein pneumologischer Optik in der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert werden. Diese
Einschätzung gelte seit der Erstdiagnose der Sarkoidose, also seit Juli 2011. Im
Gegensatz zur Tumor-assoziierten Müdigkeit bleibe der Stellenwert der Sarkoidose-
assoziierten Müdigkeit diffus. Der Gutachter wage jedenfalls nicht die Aussage, dass
die Müdigkeit der Beschwerdeführerin ausschliesslich oder hauptsächlich mit der
Sarkoidose assoziiert und deshalb die Arbeitsunfähigkeit von derzeit 80% somatisch
hinreichend zu begründen sei. Aus allgemein-internistischer Sicht hätten sich keine
Erkrankungen von Relevanz und mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gefunden.
Bezüglich des Leberherdes befinde sich die Beschwerdeführerin in regelmässigen
gastroenterologischen Kontrollen. Das Eisenmangel-Defizit werde adäquat behandelt
(IV-act. 104-52).
2.3.
Die Standardindikatoren wurden sodann folgendermassen diskutiert: Die
Beschwerdeführerin imponiere lebensgeschichtlich sowie in der Exploration als
beruflich fokussiert und grundsätzlich ehrgeizig sowie auch von Erfolg "gekrönt". So
habe sie sich stetig weiter- und ausgebildet sowie emporgearbeitet und sei zuletzt seit
2010 Geschäftsleitungsmitglied und Teilhaberin eines Architekturbüros in Zürich
gewesen. Durch die Sarkoidose-Erkrankung zeige sich hinsichtlich dieser (beruflichen)
persönlichen Werteorientierung ein Einschnitt. Aus psychiatrischer Sicht imponiere die
Beschwerdeführerin im Explorationsverlauf gesamthaft affektiv euthym ohne Zeichen
einer depressiven Symptomatik. So habe sie sowohl in der psychiatrischen Exploration
als auch der neuropsychologischen Testung gut schwingungsfähig imponiert. Ein
Anhalt für eine Dissimulation finde sich aus gutachterlicher Sicht nicht. Trotzdem zeige
sich bei der Beschwerdeführerin glaubhaft ein Leidensdruck durch ihre Situation. Dies
zeige sich teilweise in einer kurz affektiv aufflackernden Reaktion bei für sie
belastenden Themen wie aktuelle berufliche Tätigkeit in Form einiger kurzer Tränen, die
sich im Gesprächsverlauf jedoch schnell wieder gelegt hätten (IV-act. 104-53).
2.3.1.
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Auch im Rahmen der neuropsychologischen Testung durch dipl. Psych. I._
zeigten sich keine testpsychologischen Anhaltspunkte für eine depressive Störung. So
habe die Beschwerdeführerin im ersten Teil deutlichere Auffälligkeiten gezeigt als im
zweiten Teil (praktisch unauffällige Ergebnisse). Dies sei aus neuropsychologischer und
aus psychiatrischer Sicht nicht klar passend zu einem (auch von der
Beschwerdeführerin berichteten) Ermüdungsprozess. Zudem habe die
Beschwerdeführerin bei anspruchsvolleren Aufgaben teils unauffällige oder
überdurchschnittliche Ergebnisse gezeigt, so dass insgesamt das Testprofil nicht
plausibel erscheine. Aus neuropsychologischer Sicht könne anhand dieser Ergebnisse
nicht sicher davon ausgegangen werden, dass die vorliegenden Testbefunde die
eigentliche Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin wiedergegeben hätten bzw. es
könne eine teilweise verminderte Anstrengungsbereitschaft oder Verdeutlichung der
Beschwerden insgesamt nicht ausgeschlossen werden. Insgesamt habe sich in der
neuropsychologischen Testung kein konstanter Anhalt für psychiatrisch-
störungstypische bzw. spezifische Auffälligkeiten oder für eine zunehmende Müdigkeit
während der Testung gezeigt (IV-act. 104-53).
2.3.2.
Im Verlauf werde in den Berichten diagnostisch mehrfach eine
Anpassungsstörung angeführt. Im ICD-10 heisse es zu Anpassungsstörungen: "Hier
handelt es sich um Zustände von subjektivem Leiden und emotionaler
Beeinträchtigung, die soziale Funktionen und Leistungen behindern und während des
Anpassungsprozesses nach einer entscheidenden Lebensveränderung, nach einem
belastenden Lebensereignis oder bei Vorhandensein oder der drohenden Möglichkeit
von schwerer körperlicher Krankheit auftreten... Die Belastung kann dabei nur den
Einzelnen oder auch seine Gruppe oder Gemeinde betreffen. Die individuelle
Disposition oder Vulnerabilität spielt bei möglichem Auftreten und bei der Form der
Anpassungsstörung eine grössere Rolle als bei den anderen Krankheitsbildern von F43;
es ist aber dennoch davon auszugehen, dass das Krankheitsbild ohne die Belastung
nicht entstanden wäre. Die Anzeichen sind unterschiedlich und umfassen depressive
Stimmung, Angst, Besorgnis (oder eine Mischung von diesen), ein Gefühl, unmöglich
zurechtzukommen, vorausplanen oder in der gegenwärtigen Situation fortfahren zu
können, ferner eine Einschränkung bei der Bewältigung der alltäglichen Routine. Der
Betroffene kann sich so fühlen, als stehe er kurz vor dramatischem Verhalten oder
Gewaltausbrüchen, wozu es aber selten kommt... Die Störung beginnt im Allgemeinen
innerhalb eines Monats nach dem belastenden Ereignis oder der Lebensveränderung.
Die Symptome halten meist nicht länger als sechs Monate an, ausser bei der längeren
depressiven Reaktion." Grundsätzlich zeige sich diese Diagnose einer
2.3.3.
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Anpassungsstörung für die Beschwerdeführerin passend, zumal bis zur Erkrankung an
Sarkoidose keine psychiatrischen Störungen oder ausgeprägten Symptome von der
Beschwerdeführerin berichtet und auch in den Akten nicht aufgeführt worden seien.
Auch habe der Karriereverlauf der Beschwerdeführerin keine psychiatrisch
störungsspezifischen Auffälligkeiten oder Leistungseinbussen oder -knicke gezeigt.
Andererseits zeige sich aktuell ein gewisser Leidensdruck als gegeben. Hinsichtlich der
zeitlichen Kriterien gebe es jedoch aus gutachterlicher Sicht für die Diagnosestellung
gemäss ICD-10 eine Limitation, da eine Anpassungsstörung maximal sechs Monate,
eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion maximal zwei Jahre dauere.
Dies sei aus gutachterlicher Sicht bei der Beschwerdeführerin anhand der zeitlichen
Angaben überschritten, zumal als spätester Symptombeginn gemäss den Akten
10/2014 angesehen werden könne und dies mit dem Begutachtungszeitpunkt 10/2016
somit die zwei Jahre überschreite. Zudem werde symptomatisch von der
Beschwerdeführerin eine Müdigkeit und Nervosität angegeben, jedoch zeige sich keine
ausgeprägte bzw. typische depressive Symptomatik, sodass auch grundsätzlich von
einer Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialverhalten
(F43.25) ausgegangen werden könnte, jedoch dafür das Zeitkriterium mit maximal
sechs Monaten anzuwenden wäre, sodass diese Störung nach ICD-10 nicht
diagnostiziert werden könne. Benutze man hingegen das Diagnostische Manual DSM-
V, so fänden sich dort die zeitlichen diagnostischen Kriterien für eine
Anpassungsstörung anders definiert. Gemäss DSM-V sei eine Anpassungsstörung mit
einem längeren Verlauf (länger als sechs Monate) als chronische bzw. anhaltende
Anpassungsstörung diagnostisch beschrieben und ohne zeitliche Limitation von
maximal zwei Jahren definiert, sodass die Diagnose einer Anpassungsstörung (DSM-V
309.4) für die Beschwerdeführerin nach DSM-V (insbesondere der Zeitkriterien) somit
möglich sei (IV-act. 104-53f.).
Von der Persönlichkeit imponiere die Beschwerdeführerin grundsätzlich als
pflichtbewusst und leistungsorientiert. Für eine Persönlichkeitsstörung oder
akzentuierte Persönlichkeitszüge zeigten sich in der Exploration keine Anhaltspunkte,
insbesondere nicht für eine histrionische Persönlichkeitsstörung oder histrionische
Anteile oder anankastische. Ebenso habe sich bei der Beschwerdeführerin kein Anhalt
für eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4) gemäss den ICD-10 Kriterien
gezeigt. Auch für eine Angst- oder Zwangsstörung hätten sich keine
psychopathologischen Anhaltspunkte gezeigt, ebenso nicht für eine Essstörung, eine
Störung aus dem schizophrenen Formenkreis oder eine posttraumatische
Belastungsstörung. Aus psychiatrischer Sicht habe sich somit eine Neurasthenie
2.3.4.
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(ICD-10: F48.0) als wahrscheinlich gezeigt. Diese heute nur noch selten diagnostizierte
Störung definiere sich wie folgt: ..."Zwei Hauptformen unterscheiden sich dabei
weitgehend. Bei einer Form ist das Hauptcharakteristikum die Klage über vermehrte
Müdigkeit nach geistigen Anstrengungen, häufig mit einer abnehmenden
Arbeitsleistung oder Effektivität bei der Bewältigung täglicher Aufgaben. Die geistige
Ermüdbarkeit werde typischerweise als unangenehmes Eindringen ablenkender
Assoziationen oder Erinnerungen beschrieben, als Konzentrationsschwäche oder als
allgemein uneffektives Denken. Bei der anderen Form liege das Schwergewicht auf
Gefühlen körperlicher Schwäche und Erschöpfung nach nur geringer Anstrengung,
begleitet von muskulären oder anderen Schmerzen und der Unfähigkeit, sich zu
entspannen. Bei beiden Typen fänden sich eine ganze Reihe von anderen
unangenehmen körperlichen Empfindungen wie Schwindelgefühle,
Spannungskopfschmerzen, Gefühl einer allgemeinen Unsicherheit. Sorge über
abnehmendes geistiges und körperliches Wohlbefinden, Reizbarkeit, Freudlosigkeit
und unterschiedliche, leichtere Grade von Depression und Angst seien üblich. Der
Schlaf sei häufig in den anfänglichen und mittleren Phasen gestört, es könne aber auch
eine Hypersomnie im Vordergrund stehen." Aus gutachterlicher Sicht erfülle die
Beschwerdeführerin die Charakteristika der Klage über vermehrte Müdigkeit nach
geistigen Anstrengungen sowie eine abnehmende Arbeitsleistung oder Effektivität bei
der Bewältigung täglicher Aufgaben, sowie das Gefühl körperlicher Schwäche und
Erschöpfung nach nur geringer Anstrengung und die Unfähigkeit, sich zu entspannen,
bei Reizbarkeit und Hypersomnie. Dies zeige sich auch in den fremdanamnestischen
Berichten, in denen u.a. von Therapiezielen der Entspannung und der Hypersomnie
berichtet werde. Weiter erfülle die Beschwerdeführerin nach der diagnostischen
Leitlinie nach ICD-10 die Symptome der anhaltenden und quälenden Klagen über
gesteigerte Ermüdbarkeit nach geistiger Anstrengung und über körperliche Schwäche
und Erschöpfung nach geringsten Anstrengungen sowie die Schlafstörungen, die
Unfähigkeit zu entspannen und die Reizbarkeit. Zudem seien, wie in den vorherigen
Absätzen ausgeführt, keine Kriterien für eine depressive Störung gegeben.
Sodann führten die Gutachter aus, dass gemäss ICD-10 in vielen Ländern
Neurasthenie nicht mehr allgemein als diagnostische Kategorie verwendet werde.
Trotzdem gebe es eine kleine Anzahl von Fällen, die der Beschreibung mehr
entspreche als jedem anderen neurotischen Syndrom. Jedoch sollte zuerst eine
depressive Erkrankung oder eine Angststörung ausgeschlossen werden. Das
entscheidende Kennzeichen des Syndroms sei der Akzent, den der Patient auf
Ermüdbarkeit und Schwäche lege und seine Sorge über die verminderte geistige und
2.3.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/24
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körperliche Leistungsfähigkeit im Gegensatz zu den somatoformen Störungen, bei
denen körperliche Beschwerden und Beschäftigung mit körperlicher Krankheit das Bild
beherrschte. Wenn sich das neurasthenische Syndrom im Anschluss an eine
körperliche Krankheit entwickle, sei die Diagnose ebenso zu dokumentieren. Aus
gutachterlicher Sicht seien diese Überlegungen zu Differentialdiagnosen bei der
Beschwerdeführerin zur Diagnosestellung erfüllt, insbesondere da eine depressive
Störung und eine Angststörung hätten ausgeschlossen werden können (IV-act.
104-54f.).
Hinsichtlich des sozialen Kontextes befanden die Gutachter, die
Beschwerdeführerin imponiere mit einer grundsätzlich guten lebenspraktischen und
kommunikativen Kompetenz ausgestattet, auch wenn sie durch ihr Schlafverhalten dies
nicht ausgeprägt umsetze. Der berufliche Ausbildungsstand werde von ihr selbst als
gut angesehen. Sie beschreibe dadurch, auf Grund ihres aktuellen Zustandsbildes sehr
unter einem inneren Druck zu stehen. Grundsätzlich zeige sich die Beschwerdeführerin
aus psychiatrischer Sicht in der Lage, nach ihren Möglichkeiten für ihre Interessen
einzustehen und diese auch durchzusetzen. Limitierend werde dabei von ihr ihre
Müdigkeit angeführt. Hinsichtlich der komplexen Ich-Funktionen würden sich an dieser
Stelle die Aspekte Realitätsprüfung und Urteilsbildung sowie die Beziehungsfähigkeit
und Kontaktgestaltung als klar gegeben bzw. ressourcenmässig verfügbar zeigen (IV-
act. 104-56).
2.3.6.
Betreffend die Behandlungsmöglichkeiten sei insbesondere anhand des Verlaufs
nicht völlig nachvollziehbar, weswegen bisher keine antriebssteigernde
psychopharmakologische Therapie begonnen oder probiert worden sei. Prognostisch
ungünstig sei dabei aus gutachterlicher Sicht zudem, dass sich die Beschwerdeführerin
im Zuge der Begutachtung reserviert bis ablehnend hinsichtlich einer medikamentösen
Unterstützung geäussert habe. Dies stehe teils auch im Widerspruch zum geäusserten
Wunsch, wieder ihre Leistungsfähigkeit zu verbessern. Aus gutachterlicher Sicht wäre
eine solche Medikation beispielsweise in Form von antriebssteigernden Antidepressiva
wie etwa Venlafaxin oder Bupropion zu probieren und evaluieren, insbesondere nach
knapp zwei Jahren ambulanter Psychotherapie in engmaschiger Frequenz und mit
bisher nur wenigen Fortschritten. Eine solche antidepressive Medikation zusätzlich zur
Psychotherapie wäre aus gutachterlicher Sicht der Beschwerdeführerin zumutbar, auch
wenn sie keine diagnostischen Kriterien für eine depressive Störung erfülle, da
Antidepressiva trotz der Namensbezeichnung auch für eine Vielzahl anderer
psychischer Störungen eingesetzt würden (IV-act. 104-56).
2.3.7.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/24
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3.
Zur Konsistenz hielten die Gutachter fest, dass sich im rund 90-minütigen
psychiatrischen Explorationsgespräch und der neuropsychologischen Testung
Auffälligkeiten gezeigt hätten, die nicht vollkommen konsistent imponierten, so dass die
neuropsychologischen Testergebnisse nicht als valide eingeschätzt und eine teilweise
verminderte Anstrengungsbereitschaft oder Verdeutlichung der Beschwerden nicht
hätten ausgeschlossen werden können. Ein sicherer Anhalt für eine Simulation oder
eine Dissimulation bzw. für eine ausgeprägte Aggravationstendenz sei somit nicht
komplett ausgeschlossen, könne jedoch auch nicht mit absoluter Gewissheit
angenommen werden (IV-act. 104-56).
2.3.8.
Bezüglich der Handicaps und erhaltenen Funktionen/Ressourcen befanden die
Gutachter, dass die Beschwerdeführerin gemäss Mini-ICF-APP mehrheitlich nicht bzw.
leicht bis mässig beeinträchtigt sei und sich gute und erhaltene Funktionen und
Ressourcen zeigen würden. Die vorhandenen Handicaps belegten keine dauerhafte
Arbeitsunfähigkeit oder Invalidisierung. Als Fähigkeiten gemäss Mini-ICF wurde
festgestellt, dass keine Beeinträchtigungen hinsichtlich der Planung und Strukturierung
von Aufgaben, der Kompetenz- und Wissensanwendung, der Entscheidungs- und
Urteilsfähigkeit, der Selbstbehauptungsfähigkeit und der Gruppenfähigkeit, sowie der
Konversation und Kontaktfähigkeit zu Dritten und der Fähigkeit zu engen dyadischen
Beziehungen, sowie der Mobilitäts- und Verkehrsfähigkeit und der Anpassung an
Regeln und Routinen bestünden. Eine leicht bis mässig ausgeprägte Beeinträchtigung
bestehe hinsichtlich der Widerstands- und Durchhaltefähigkeit, der Selbstpflege und
Selbstversorgung, der Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, der Proaktivität und
Spontaneität (IV-act. 104-44).
2.3.9.
Insgesamt sei die Beschwerdeführerin somit aus rein psychiatrischer Sicht
zurzeit in ihrer bisherigen aber auch in einer adaptierten Tätigkeit zu 20%
arbeitsunfähig. Diese Einschätzung erfolge nicht nur diagnose- bzw. symptombasiert,
sondern anhand der erhaltenen Funktionen sowie Ressourcen bzw. anhand
vorhandener Handicaps auch unter Berücksichtigung des Mini-ICFs (IV-act. 104-56).
Aus neuropsychologischer, allgemein-internistischer und pneumologischer Sicht
bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit. Dies zumindest seit dem Begutachtungszeitpunkt
(IV-act. 104-57).
2.3.10.
Die Beschwerdeführerin rügt am Gutachten, dass trotz der gutachterlichen
Feststellung, bei 50-70% aller Sarkoidose-Patienten spiele chronische Müdigkeit eine
dominierende Rolle und könne die Lebensqualität massiv negativ beeinflussen,
3.1.
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vorliegend die chronische Müdigkeit nicht auf die Sarkoidose zurückgeführt werde.
Auch bleibe nicht nachvollziehbar, dass die Müdigkeit "multifaktoriell" bedingt sein
könne. Schliesslich werde ausgeklammert, wie und in welchem Umfang sich die
chronische Müdigkeit auf die Arbeitsfähigkeit auswirke (act. G 1 Ziff. 60ff.). Die
Beschwerdeführerin verweist zudem in der Replik auf die Stellungnahme von Prof.
D._ vom 26. Februar 2018 (act. G 9.1), worin dieser festhielt, dass bei ihr eine
dreijährige dokumentierte Entzündungsaktivität der Sarkoidose vorgelegen habe. Ab
dem 29. Juli 2014 bis dato sei keine Entzündungsaktivität mehr festgestellt worden.
Daher bestehe keine Indikation zu einer systemischen Therapie der Sarkoidose im
Sinne einer Entzündungshemmung. Die Lungenfunktion habe sich im Normbereich
befunden. Obwohl die Mechanismen nicht vollständig geklärt seien, sei sich die
wissenschaftliche Literatur einig, dass eine Assoziation zwischen einer Sarkoidose und
dem Chronic Fatigue Syndrom bestehe. Dazu legte er einen Artikel von Ingrid
Korenromp (Chest 2011) bei. In dieser Arbeit habe sich gezeigt, dass Patienten mit
stattgehabter Sarkoidose und abgeheilter Sarkoidoseentzündung ein hohes Mass von
Fatigue aufweisen würden. 47% hätten die Kriterien für das Vorliegen eines Chronic
Fatigue Syndroms erfüllt. Dabei sei auch eine Assoziation zwischen Fatigue und
Depression, Angststörung und reduziertem Gesundheitszustand festgestellt worden.
Für Dr. D._ stehe zu 100% fest, dass das Chronic Fatigue Syndrom der
Beschwerdeführerin eindeutig im Zusammenhang mit der Diagnose der Sarkoidose
stehe, obwohl die Entzündungsaktivität derzeit nicht mehr im Vordergrund sei. Die
Arbeitsunfähigkeit von derzeit 80% sei auf dieses Chronic Fatigue Syndrom in voller
Ausprägung zurückzuführen. Der psychiatrische Gutachter Dr. H._ hielt
demgegenüber fest, dass es für einen Pneumologen schwierig sei, wegen chronischer
Müdigkeit eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit zu postulieren. Es bleibe die Tatsache,
dass die chronische Müdigkeit zwar auch in der Literatur häufig mit der Sarkoidose
assoziiert werde, dass aber ein plausibles organisch begründendes Korrelat fehle (IV-
act. 104-50). Sodann hielt Dr. H._ im Ergänzungsschreiben vom 31. März 2017 fest,
dass eine Assoziation zwischen der chronischen Müdigkeit und der Sarkoidose zwar
unbestritten sei, aber eben nur eine Assoziation und keine Kausalität. Es wäre
vermessen zu behaupten, dass die Sarkoidose an dieser chronischen Müdigkeit die
Hauptschuld trage (IV-act. 126-2). Zudem würden die meisten der pneumologischen
Berichte, welche der Rechtsvertreter eingereicht habe, im Hauptgutachten zitiert. Sie
würden sich in der Diagnose stereotyp wiederholen und gegenüber den im
Hauptgutachten gemachten Aussagen nichts Neues dokumentieren. Auch der Bericht
von Prof. D._ vom 10. Januar 2017 könne nicht als Argumentarium gegenüber der im
Hauptgutachten gemachten Feststellungen gelten. Prof. D._, der zwar ein
ausgewiesener Experte für Sarkoidose sei, sage lediglich, dass die Beschwerdeführerin
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sehr an den Folgen der über drei Jahre aktiven systemischen Sarkoidose leide. Er
selbst attestiere aber zu der Zeit explizit keine Arbeitsunfähigkeit. In seinem Bericht
vom 10. Oktober 2014 habe der Arzt folgende Feststellung gemacht: Die
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei absolut normal. Insgesamt bestehe
keine somatische Ursache für eine Leistungsintoleranz oder Müdigkeit. In diesem Sinne
gehe er bei der glaubhaft persistierenden Müdigkeit am ehesten von einem Chronic
Fatigue Syndrom aus. Dieses habe an sich eine gute Prognose. Zudem habe er im
Bericht vom 18. August 2015 festgestellt, dass sich aus seiner Sicht die
Leistungseinbusse nicht auf eine aktive Sarkoidose zurückführen lasse. Somatisch
sehe er keinen wirklichen Zugang zu dieser Müdigkeit (Bericht vom 2. Dezember 2015).
Sowohl er selber, Gutachter Dr. H._, als auch Prof. D._ seien Pneumologen. Sie
würden zwar die chronische Müdigkeit mit der Sarkoidose assoziieren, seien aber auf
Grund ihrer ausgewiesenen Kompetenzen nicht in der Lage, hier eine bleibende
Arbeitsunfähigkeit abzuleiten. Die Pneumologen hätten sich in erster Linie an messbare
Grössen zu halten, und dies seien die Lungenfunktion und der Gasaustausch. Hier sei
wiederholt ein normaler Befund festgestellt worden. Auch würden sich objektiv keine
Hinweise auf eine Neurosarkoidose ergeben, welche die Müdigkeit am ehesten noch
erklären könnte (IV-act. 126-2). Diese Ausführungen erscheinen nachvollziehbar,
weshalb davon auszugehen ist, dass die Müdigkeit vorliegend nicht genau zugeordnet
werden kann und lediglich auf die durch die Gutachter nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit festgestellten Diagnosen und Arbeitsunfähigkeiten
abzustellen ist.
Sodann bemängelt die Beschwerdeführerin, dass nicht begründet werde, weshalb
die von den Gutachtern diagnostizierte Neurasthenie keine Auswirkung auf ihre
Arbeitsfähigkeit haben solle (act. G 1 Ziff. 65). Dem steht jedoch entgegen, dass die
Gutachter im Rahmen der Indikatorenprüfung zum Schluss kamen, dass trotz
diagnostizierter Anpassungsstörung und Neurasthenie auf Grund der erhaltenen
Funktionen sowie Ressourcen bzw. auch anhand vorhandener Handicaps einzig eine
Arbeitsunfähigkeit von 20% begründbar sei (vgl. IV-act. 104-56). Im Schreiben vom 31.
März 2017 ergänzte Dr. G._, dass hinsichtlich der Neurasthenie kein Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit attestiert worden sei, da es sich dabei um eine aktuell nur noch selten
verwendete Diagnose handle und diese versicherungsmedizinisch kritisch gesehen
werde, weil es sich dabei nicht selten um ein auf Krankheitsgewinn ausgerichtetes
Selbstkonzept der Betroffenen handle. Auf Grund dieser als subjektive
(Selbst-)Einschätzung zu wertenden Aspekte der Diagnose und der aktuellen
Einschätzungen im Gutachten sei auch im Rahmen der neuropsychologischen
3.2.
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Begutachtung keine abschliessende Zuordnung der Diagnose auf die Arbeitsfähigkeit
erfolgt (IV-act. 126-2).
Weiter wendet die Beschwerdeführerin ein, das Gutachten werde dem
eingereichten Fragenkatalog nicht gerecht und es beinhalte auch keine
Konsensbeurteilung über die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen
Diagnosen im Rahmen einer Gesamtbetrachtung (act. G 1 Ziff. 68). Dem kann jedoch
nicht gefolgt werden. So führten die Gutachter im Rahmen der polydisziplinären
Zusammenfassung die Herleitung der zu stellenden Diagnosen und sodann unter
Berücksichtigung des sozialen Kontextes, der vorhandenen Ressourcen und der
Einschränkungen nachvollziehbar aus, dass lediglich aus psychiatrischer Sicht in
angepassten Tätigkeiten eine Arbeitsunfähigkeit von 20% bestehe (vgl. insbesondere
IV-act. 104-56). Auch setzten sie sich mit den vorhandenen ärztlichen Berichten und
Diagnosen eingehend auseinander. So merkten sie beispielsweise an, dass im
Arztbericht von lic. phil. J._, Psychologische Psychotherapeutin, und Dr. med. K._
vom 15. Dezember 2015 neu und einmalig diagnostisch eine mittelgradige depressive
Episode (ICD-10: F32.1) angeführt, wogegen sowohl vorher als auch nachher immer
von einer Anpassungsstörung gesprochen worden sei. Eine Erklärung für die aus
gutachterlicher Sicht gewissermassen schwerer einzustufende Diagnose einer
depressiven Episode im Vergleich zu einer Anpassungsstörung konnten sie im Bericht
nicht vollständig nachvollziehbar dargestellt finden (IV-act. 104-39).
3.3.
In der Ergänzung vom 31. März 2017 erklärte Dr. G._, dass eine absolute bzw.
mit absoluter Wahrscheinlichkeit sichere Einschätzung aus gutachterlicher Sicht
anhand psychometrischer Testresultate nie erzielbar sei, sodass die Einschätzung der
Hinweise aus der Testung und der inkonsistenten Testresultate im Sinne einer
ergebnisoffenen Begutachtung beschrieben würde. Dabei unterstellte der Gutachter
mit der Erwähnung eines nicht möglichen Lügendetektortestes der Beschwerdeführerin
nicht, dass sie simuliert oder übertrieben hätte, sondern er wollte lediglich dartun, dass
eine neuropsychologische Testung naturgemäss mit Unsicherheiten behaftet ist. Eine
deswegen anzunehmende Befangenheit, wie es der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin verlangt (act. G 1 Ziff. 76), ist nicht ersichtlich. Vielmehr muss mit
dem Gutachter davon ausgegangen werden, dass eine absolut sichere Einschätzung
eben nicht möglich ist. Die festgestellten fachlichen Widersprüche der
neuropsychologischen Testung führen dazu, dass eine Einschränkung aus
neuropsychologischer Sicht nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit festgestellt
werden konnte (vgl. IV-act. 126-2). Die Folgen der Beweislosigkeit sind von der
3.4.
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Beschwerdeführerin zu tragen, welche aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt
Rechte ableiten wollte (vgl. BGE 138 V 222 E. 6).
Im Weiteren ist festzuhalten, dass insgesamt nicht zu überzeugen vermag, wenn
die Beschwerdeführerin angibt, lediglich noch zu 20% arbeitsfähig zu sein (IV-act.
104-33), sie dieses 20%-Pensum aber jeweils montags und dienstags verrichtet (vgl.
IV-act. 104-30). Weshalb die Beschwerdeführerin ihre Arbeitsfähigkeit an zwei
Halbtagen hintereinander mit 100%iger Leistung zu verwerten vermag, danach aber für
den Rest der Woche zu gar keiner Arbeit mehr fähig sein soll und auch zu Hause weder
selber Essen zubereiten, noch die Wäsche machen oder sonstige Haushaltsarbeiten
erledigen kann (vgl. 104-31), ist kaum nachvollziehbar. Dass sie sich während dieser
beiden Arbeitshalbtage derart verausgabt, dass sie sich für den Rest der Woche davon
erholen und alle Hausarbeiten von ihrem Partner sowie ihrer Mutter erledigen lassen
muss, erscheint kaum glaubhaft. Sodann zeigt sich ausserdem im Schlafbedürfnis eine
Unstimmigkeit zwischen der Aktenlage und dem Gutachten. Während die
Beschwerdeführerin gegenüber ihrer Behandlerin noch angegeben hatte, sie benötige
acht bis zehn Stunden Schlaf (vgl. Bericht vom 28. November 2014, IV-act. 47-4),
wurde im Gutachten einerseits durch Dr. med. L._, Fachärztin für Allgemeine Innere
Medizin, festgehalten, sie brauche bis zu zehn Stunden Schlaf, um den nächsten Tag
zu überstehen (IV-act. 104-31), während Dr. G._ in seinem Gutachtensteil bereits
davon ausging, die Beschwerdeführerin würde zwischen 18 Uhr und 20 Uhr zu Bett
gehen und insgesamt zwischen zehn bis zwölf Stunden pro Tag schlafen (IV-act.
104-43). Überdies ist nicht ersichtlich, weswegen ein höherer Schlafbedarf eine
Arbeitstätigkeit ausschliessen sollte.
3.5.
Schliesslich befasste sich Dr. G._ auch eingehend mit der Einschätzung der
behandelnden Psychotherapeutin betreffend einer 80%igen Arbeitsunfähigkeit, welche
er als nicht nachvollziehbar erachtete. Der Rückschluss, dass ein 50%-Pensum zur
Überforderung geführt habe und daher eine Pensumsreduktion indiziert gewesen sei,
sei aus gutachterlicher Sicht ebenfalls nicht vollständig nachvollziehbar, da an einer
Überforderungssymptomatik auch (psycho-)therapeutisch gearbeitet werden könnte
bzw. auch eine wie im Gutachten angeführte und empfohlene antriebssteigernde
Medikation mittels Antidepressiva erfolgen sollte, weil der bisherige
psychotherapeutische Verlauf keine ausgeprägte Verbesserung erzielt habe (IV-act.
126-1).
3.6.
Sodann vermisst die Beschwerdeführerin eine Stellungnahme zur Frage, ob sich
die Gutachter dem bisher bescheinigten Verlauf der Arbeitsunfähigkeit anschliessen
könnten oder aus welchen Gründen sie diese allenfalls nicht für ausgewiesen
3.7.
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erachteten. Es bilde einen offensichtlichen Mangel, dass sich das Gutachten nicht über
die Arbeitsfähigkeit rückwirkend bis zum Datum der Rentenanmeldung äussere (act.
G 1 Ziff. 63f.). Dazu befand Dr. G._ in der Stellungnahme vom 31. März 2017, dass
diese Einschätzung betreffend dem Beginn der Festlegung der Arbeitsfähigkeitshöhe
"zumindest seit dem Begutachtungszeitpunkt" auf Grund der aus der gutachterlich nur
bedingten Objektivierbarkeit der Angaben der Beschwerdeführerin sowie der nur
bedingt vollumfänglich nachvollziehbaren Aktenberichte erfolge, so dass die
Begutachtungssituation als Zeitkriterium herangezogen worden sei mit dem Zusatz
"zumindest", da für eine retrospektive Einschätzung aus gutachterlicher Sicht nicht auf
die Angaben vollumfänglich habe abgestellt werden können (IV-act. 126-2). Damit
stimmt überein, dass die Gutachter bereits im Rahmen der Zusammenfassung der
Krankheitsgeschichte eine Würdigung vorgenommen und darin jeweils bei den
einzelnen Berichten angefügt hatten, ob sie den Beurteilungen und
Arbeitsunfähigkeitsattesten folgen konnten oder ob sie die Einschätzungen der
behandelnden Ärzte als wenig nachvollziehbar erachteten (vgl. IV-act. 104-38f.). Daraus
folgt, dass sich die Gutachter gestützt auf die Aktenlage nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht zur Arbeitsfähigkeit vor der Begutachtung
äussern konnten. Infolge anderweitiger Angaben ist daher auf die
Arbeitsfähigkeitsatteste der Behandler abzustellen. Demnach ist bei der
Beschwerdeführerin abgesehen von vorherigen jeweils kürzeren Absenzen ab
12. August 2013 von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 2, 5-2, 13-1, 21-8, 41-7),
ab 28. November 2014 von einer 40%igen (IV-act. 47-4, 57-2), ab 10. März 2015
wieder von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 54-5f., 63-3) und ab
28. November 2015 von einer vollen Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 64, 67, 69-7, 78-2)
auszugehen, diese jeweils sowohl für angepasste wie auch adaptierte Tätigkeiten (vgl.
z.B. IV-Fremdakten 2-8). In der Folge wurde der Beschwerdeführerin auch während
ihres stationären Aufenthalts in der Klinik F._ vom 8. Januar bis 18. Februar 2016
durch die Klinikärzte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (IV-act. 78-1) und ab
1. März 2016 schrieb sie ihr Hausarzt zu 80% arbeitsunfähig (IV-act. 78-3, 81-5, 83,
86-2, 93). Demgegenüber ist spätestens ab dem Zeitpunkt der Begutachtung im
Oktober 2016 von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten sowie in
adaptierten Tätigkeiten auszugehen (IV-act. 104-57).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die Gutachter der medexperts
umfassend und vielschichtig mit dem Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
befasst haben und ihre Ausführungen und Folgerungen schlüssig und nachvollziehbar
sind. Folglich ist auf das Gutachten hinsichtlich der Diagnosestellung und der
Schätzung einer Arbeitsfähigkeit in der angestammten sowie einer angepassten
3.8.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/24
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4.
Tätigkeit von 80% seit der Begutachtung abzustellen. Damit ist der Eventualantrag auf
Einholung eines Obergutachtens abzuweisen.
Gestützt auf die obigen Arbeitsunfähigkeiten ist der Invaliditätsgrad anhand des
Einkommensvergleichs zu bemessen (vgl. Erwägung 1.3). Diesbezüglich rügt der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, die Beschwerdegegnerin sei nicht von den
korrekten Einkommensverhältnissen ausgegangen (act. G 1 Ziff.81ff.). Weitere Belege
dafür reicht er jedoch keine ein. Die Beschwerdeführerin arbeitet weiterhin bei der
bisherigen Arbeitgeberin, jedoch lediglich noch in einem 20%-Pensum. Gemäss ihren
eigenen Angaben sei sie seit Mitte November 2016 aus der Geschäftsleitung und als
Teilhaberin bei der Arbeitgeberin ausgeschieden (act. G 1 Ziff. 82). Dabei ist von einer
leidensadaptierten Tätigkeit auszugehen (vgl. IV-act. 104-56). In einem ersten Schritt ist
daher der Invaliditätsgrad für die Zeit des frühestmöglichen Rentenbeginns, vorliegend
ab August 2014 zu prüfen (vgl. Art. 28 Abs. 1 und Art. 29 Abs. 1 IVG).
4.1.
Für die Berechnung des Valideneinkommens verlangt die Beschwerdeführerin, es
seien auch der Nebenerwerb aus den Tätigkeiten als Kursleiterin und Prüfungsexpertin
bei den Lehrabschlussprüfungen sowie die Entschädigung für Überstunden zu
berücksichtigen (act. G 1 Ziff. 83 mit Verweis auf IV-act. 7-5). Wie hoch die
Zusatzeinkommen aus Nebenerwerb jedoch waren und seit wann sie in welcher
Regelmässigkeit zuflossen, kann die anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin weder in
der Beschwerde noch in der Replik konkret belegen. Gemäss Rechtsprechung ist
entscheidend für die Ermittlung des Einkommens, welches die versicherte Person ohne
Invalidität erzielen könnte (Valideneinkommen), was sie im Zeitpunkt des
frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte (RKUV 1993 Nr. U 168 S.
100 E. 3b). Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und
der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es
empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne
Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 129 V 224, E. 4.2.1 mit weiteren Hinweisen).
Gemäss den Angaben der Arbeitgeberin verdiente die Beschwerdeführerin im Jahr
2013 einen Grundlohn von Fr. 107'900.-- (IV-act. 21-3). Die Beschwerdeführerin selbst
gab gegenüber der IV-Stelle an, dass sie zudem jährlich einen Nebenerwerb von
ca. 6'000.-- bis Fr. 6'500.-- erzielt habe (IV-act. 5-3 und 7-5). Wie jedoch dem
Fragebogen für Arbeitgebende zu entnehmen ist (IV-act. 21-6), gab die Arbeitgeberin
der Beschwerdeführerin an, dass die Arbeiten "ÜK-Leitung" und "LAP-Expertin" zu
4.2.
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ihren betrieblichen Tätigkeiten gehörten. Daraus ergibt sich, dass die
Beschwerdeführerin diese "externen" Tätigkeiten offenbar im Rahmen ihrer Tätigkeit für
die Arbeitgeberin ausführte bzw. sie wohl während ihrer Arbeitszeit dafür freigestellt
wurde und die Arbeitgeberin demgegenüber das darauf entfallende Entgelt erhielt.
Anders wäre nicht zu erklären - und der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
äusserte sich trotz Aufbringens dieser Frage durch die Beschwerdegegnerin nicht dazu
-, weshalb dieses Entgelt gegenüber der AHV nicht zusätzlich abgerechnet und somit
im IK-Auszug nicht eingetragen worden war. Damit entfällt eine Berücksichtigung der
geltend gemachten Entschädigung für externe Kursleitung und das Abnehmen von
Lehrabschlussprüfungen beim Valideneinkommen.
Was die geltend gemachten Überstunden betrifft, so unterstehen
Überstundenentschädigungen der AHV-Beitragspflicht (Art. 5 Abs. 2 AHVG in
Verbindung mit Art. 7 lit. a AHVV) und gehören, wenn und soweit die versicherte Person
effektiv weiterhin mit solchen Einkünften hätte rechnen können, zum mutmasslichen
jährlichen Erwerbseinkommen nach Art. 16 ATSG (vgl. Art. 25 Abs. 1 IVV; Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 16. November 2004, I 381/04, E. 3.3.1 mit
Hinweisen; SVR 2002 IV Nr. 21 S. 63 E. 3b). Massgebend ist somit, ob die versicherte
Person nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 141 V 20 E. 3.1 mit Hinweisen) auf Grund ihrer
konkreten erwerblichen Situation und ihres tatsächlichen Arbeitseinsatzes
wahrscheinlich weiterhin ein Zusatzeinkommen infolge Überstundenarbeit hätte
erzielen können; die blosse Möglichkeit dazu genügt nicht (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 13. Oktober 2015, 8C_233/2015). Wie dem Fragebogen für
Arbeitgebende zu entnehmen ist, leistete die Beschwerdeführerin im Jahr 2010
Überzeit in geldwerter Höhe von Fr. 6'760.-- und im Jahr 2012 von Fr. 15'800.-- (IV-act.
21-3). Wohl da sie im Jahr 2011 auf Grund der Sarkoidose während sechs Monaten
zeitweise zu 100%, zeitweise zu 50% und zeitweise zu 20% arbeitsunfähig war (vgl. IV-
act. 21-4), fielen in jenem Jahr keine Überstunden an. Die Beschwerdegegnerin
verneinte auf Grund der lediglich zweimal angefallenen Überstunden in drei Jahren,
dass bereits eine Regelmässigkeit vorliege und diese Überstunden daher zu
berücksichtigen seien. Dass auch bereits vor dem Funktionswechsel innerhalb der
Arbeitgeberin zum Geschäftsleitungsmitglied offenbar gehäuft Überstunden angefallen
waren (vgl. IK-Auszug IV-act. 14.1, wonach im Jahr 2009 gegenüber der AHV ein
Jahreseinkommen von Fr. 106'445.-- und im Jahr 2010 ein solches von Fr. 126'295.--
abgerechnet wurden, bei einem Grundlohn von höchstens Fr. 94'900.-- [vgl. Grundlohn
von 2011, IV-act. 21-3]), liess die Beschwerdegegnerin ausser Acht. Nachdem die
4.3.
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-V-15%3Ade&number_of_ranks=0#page15
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Beschwerdeführerin diese Beförderung allerdings erst im Jahr 2010 erwirkte, ist es
schwierig, auf Grund der kurzen Dauer bis zum Krankheitsausfall einen
Durchschnittswert der hypothetisch im Gesundheitsfalle als Geschäftsleitungsmitglied
geleisteten Überstunden zu ermitteln. Zudem ist zu berücksichtigen, dass die
Schwankungen der Überstunden sehr stark sind und die Beschwerdeführerin sowohl in
den Jahren als Geschäftsleitungsmitglied als auch bereits davor jedes Jahr eine
grössere Lohnentwicklung durchmachte (vgl. IV-act. 21-3, 14). Da die Baubranche, in
welcher die Beschwerdeführerin arbeitet, jedoch sehr konjunkturabhängig ist, wären
selbst von einer Rückfrage bei der Arbeitgeberin keine dienlichen Auskünfte zu
erwarten gewesen, weil auch diese keine Prognosen über den Arbeitsanfall hätte
machen können. Dennoch ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin nur schon mit Blick auf ihre
verantwortungsvolle Position als Geschäftsleitungsmitglied als Gesunde zumindest in
kleinerem Umfang weiterhin bezahlte Überstunden gemacht hätte. Ginge man
hypothetisch von einem Mittelwert der Jahre 2010 und 2012 aus, wären das ca.
Fr. 11'280.-- ([Fr. 6'760.-- + Fr. 15'800.--] / 2). Es wird nachfolgend zu prüfen sein, ob
bereits anhand dieses ungefähren Mittelwertes das Valideneinkommen bestimmt und
somit der Rentenanspruch festgelegt werden kann (vgl. in einem ähnlichen Fall: Urteil
des Bundesgerichts vom 1. Juli 2010, 9C_159/2010, E. 6.4).
Nachdem die Beschwerdeführerin ab Mitte November 2016 auch nicht mehr
Teilhaberin bei ihrer Arbeitgeberin war, sind die Auswirkungen dieses Ausscheidens auf
das Valideneinkommen ab November 2016 ebenfalls zu prüfen. Im Fragegebogen für
Arbeitgebende gab die Arbeitgeberin an, die Beschwerdeführerin habe im Jahr 2012
eine Dividende aus dem Jahr 2011 von Fr. 30'000.-- und im Jahr 2013 eine solche aus
dem Jahr 2012 von Fr. 20'000.-- erhalten (IV-act. 21-3). Da diese Dividende infolge der
Aufgabe der Teilhaberschaft ab November 2016 wegfalle, verlangt die
Beschwerdeführerin eine Berücksichtigung beim Valideneinkommen. Dem kann jedoch
nicht gefolgt werden. Auf Grund der Teilbesteuerung ausgeschütteter Gewinne gemäss
Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer (DBG; SR 642.11)
sind unter bestimmten Voraussetzungen Dividenden und ähnliche Ausschüttungen aus
dem Reingewinn einer juristischen Person an Arbeitnehmende mit gesellschaftlichen
Beteiligungsrechten teilweise als massgebender Lohn zu betrachten. Grundsätzlich ist
von der durch die Gesellschaft vorgenommenen und von den Steuerbehörden
akzeptierten Aufteilung zwischen Dividenden und Lohn auszugehen. Davon ist nur
abzuweichen, wenn ein offensichtliches Missverhältnis zwischen Arbeitsleistung und
Entgelt bzw. eingesetztem Vermögen und Dividende besteht. Die Dividendenzahlung
ist nur dann teilweise als massgebender Lohn zu betrachten, wenn kein oder ein
4.4.
bis
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unangemessen tiefer Lohn und gleichzeitig eine offensichtlich überhöhte Dividende
ausgerichtet wird. Eine Aufrechnung ist diesfalls bis zur Höhe eines branchenüblichen
Gehalts vorzunehmen (vgl. dazu Wegleitung des BSV über den massgebenden Lohn in
der AHV, IV und EO [WML] vom 1. Januar 2019, Stand 1. Januar 2020, Rz 2012f., 2015
mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung). Vorliegend rechnete die Arbeitgeberin
den Lohn der Beschwerdeführerin ohne Hinzunahme der Dividendenauszahlungen bei
der SVA ab. Zudem ist auf Grund der Höhe der Dividenden von Fr. 0.-- im Jahr 2011,
von Fr. 30'000.-- im Jahr 2012 und von Fr. 20'000.-- im Jahr 2013 im Vergleich zur
Höhe der Löhne von Fr. 101'660.-- (2011), Fr. 102'700.-- (2012) und Fr. 123'700.--
(2013) nicht von offensichtlich überhöhten Dividenden auszugehen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 8. April 2015, 9C_837/2014, E. 2.2f.). Damit stellt die Dividende
Vermögensertrag dar und entfällt eine Aufrechnung der Dividenden zum
Valideneinkommen.
Da die Beschwerdeführerin weiterhin für die bisherige Arbeitgeberin tätig ist und es
sich bei ihrer angestammten Tätigkeit laut den Gutachtern auch um eine angepasste
Arbeit handelt (vgl. IV-act. 104-57), ist für das Invalideneinkommen das
Jahreseinkommen aus dem Jahr 2013 von Fr. 107'900.-- (Fr. 8'300.-- x 13) an die
Nominallohnentwicklung für das Jahr 2014 von 1% (vgl. Bundesamt für Statistik [BSV],
T 39 Entwicklung der Nominallöhne, Frauen) auf Fr. 108'979.-- anzupassen. Beim
Valideneinkommen ist gestützt auf die obigen Erwägungen (v.a. Erwägung 4.3) zu
prüfen, ob mit einer ungefähren Annahme einer hypothetischen regelmässigen
Überstundenentschädigung von ca. Fr. 11'280.-- ein Invaliditätsgrad resultiert, der
selbst bei leichteren Abweichungen der Anzahl Überstunden gegen oben oder unten
auf Grund seiner Klarheit immer noch zum selben Rentenanspruch führte. Damit ist als
provisorischer Wert vorerst von einem Valideneinkommen von Fr. 119'180.--
(Fr. 107'900 + ca. Fr. 11'280.--) bzw. angepasst an die Nominallohnentwicklung des
Jahres 2014 von Fr. 120'372.-- auszugehen.
4.5.
Demnach wäre unter Berücksichtigung einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit seit
12. August 2013 nach Ablauf des Wartejahres ab August 2014 von einem
Erwerbsausfall von Fr. 65'882.-- (Fr. 120'372.-- - Fr. 54'490.--) und einem
Invaliditätsgrad von aufgerundet 55% (100% : Fr. 120'372.-- x Fr. 65'882.-- = 54.73%)
auszugehen und ab 1. August 2014 ein Anspruch auf eine halbe Rente gegeben. Ab
28. November 2014 bestand eine Arbeitsunfähigkeit von 40%, sodass diese
Verbesserung nach Ablauf von drei Monaten zu berücksichtigen war (Art. 88a Abs. 1
IVV) und ab 1. März 2015 ein Erwerbsausfall von Fr. 54'985.-- (Fr. 120'372.-- -
Fr. 65'387.--) bzw. ein IV-Grad von 46% (100% : Fr. 120'372.-- x Fr. 54'985.-- =
4.6.
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5.
Gestützt auf obige Erwägungen ist auf das Gutachten der medexperts vom 14.
November 2016 und für die Zeit davor auf die von den behandelnden Ärzten
attestierten Arbeitsunfähigkeiten abzustellen. Damit hat die Beschwerdeführerin ab
1. August 2014 Anspruch auf eine halbe Rente, ab 1. März 2015 auf eine Viertelsrente,
ab 1. Juli 2015 auf eine halbe Rente und ab 1. März 2016 befristet bis 31. Januar 2017
auf eine ganze Rente.
6.
45.67%) und damit ein Anspruch auf eine Viertelsrente resultieren würde. Infolge der
Verschlechterung des Gesundheitszustands ab 10. März 2015 auf eine
Arbeitsunfähigkeit von 50% hätte wiederum unter Berücksichtigung der Dreimonatsfrist
ab Juli 2015 ein IV-Grad von 55% sowie ein Anspruch auf eine halbe Rente bestanden
(vgl. Art. 88a IVV). Auf Grund der vollen Arbeitsunfähigkeit ab 28. November 2015 und
der nachfolgenden Arbeitsunfähigkeit von 80% ab 1. März 2016 betrug der IV-Grad ab
März 2016 100% bzw. ab Juni 2016 82% (bei einem Erwerbsausfall von Fr. 98'576.--),
weshalb ab März 2016 eine ganze Rente geschuldet wäre. Nachdem ab Oktober 2016
(gutachterliche Untersuchungen am 10., 12. und 19. Oktober 2016) von einer
Arbeitsfähigkeit von 80% auszugehen ist, wäre ab diesem Zeitpunkt von einem
Erwerbsausfall von Fr. 33'189.-- und somit von einem IV-Grad von aufgerundet 28%
(100% : Fr. 120'372.-- x Fr. 33'189.-- = 27.57%) auszugehen. Damit wäre die Rente
nach der dreimonatigen Wartezeit per 31. Januar 2017 aufzuheben (vgl. Art 88a IVV).
Diese Berechnung mit resultierenden IV-Graden von 55%, 46%, 55%, 100% und
82% zeigt, dass die Beschwerdeführerin selbst bei Berücksichtigung von
durchschnittlich bis zu mehreren Tausend Franken höheren oder tieferen
regelmässigen Überstundenentschädigungen keinen anderen Rentenanspruch erhielte.
Damit kann von weiteren Abklärungen abgesehen und nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit von obigen abgestuften Rentenansprüchen
ausgegangen werden.
4.7.
Auf Grund der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde gegen die
angefochtene Verfügung vom 8. November 2017 teilweise gutzuheissen. Die Verfügung
ist aufzuheben und der Beschwerdeführerin ab 1. August 2014 eine halbe Rente, ab
1. März 2015 eine Viertelsrente, ab 1. Juli 2015 eine halbe Rente und ab 1. März 2016
befristet bis 31. Januar 2017 eine ganze Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung und
6.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/24
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St.Galler Gerichte