Decision ID: 31483043-c1f4-4898-a97e-cdafe9044034
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis für die Fahrzeugkategorien B, D1, BE und D1E sei dem
2. Juni 1980 und denjenigen für die Fahrzeugkategorien C und C1E seit dem 1. Juli
1986. Im Jahr 1986 erlitt sie einen Unfall und leidet seither unter Beeinträchtigungen
des Bewegungsapparats. Deshalb reichte sie dem Strassenverkehrsamt Zürich im Juni
2001 ein hausärztliches Zeugnis ein, worin bestätigt wurde, dass sie aus medizinischen
Gründen nicht mehr in der Lage sei, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, und auf ein
Auto mit Automatikgetriebe und entsprechenden technischen Anpassungen
angewiesen sei. Sie wurde daraufhin im Institut für Rechtsmedizin (IRM) der Universität
Zürich verkehrsmedizinisch untersucht. Der Gutachter hielt im Bericht vom 8.
November 2001 fest, anlässlich der Untersuchung habe X angegeben, seit dem Unfall
an einer instabilen Wirbelsäule zu leiden, was bei längerem Stehen und Laufen zu
Schmerzen führe. Die Untersuchung habe eine leicht verminderte Kraft im rechten Fuss
und eine normale Beweglichkeit der Halswirbelsäule ergeben. Beim Sitzen seien keine
Beschwerden aufgetreten. Die Fahreignung von X sei auch für die Fahrzeugkategorie C
(Motorwagen mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3‘500 kg) unter
Auflagen gegeben. Das Strassenverkehrsamt Zürich verfügte am 14. November 2001
entsprechende verkehrsmedizinische Auflagen (regelmässige ärztliche Kontrolle des
allgemeinen Gesundheitszustandes, Einnahme allfälliger Medikamente nach ärztlichem
Dafürhalten, striktes Befolgen der ärztlichen Weisungen). Seit 2004 erhält X eine volle
Invalidenrente.
B.- Im Jahr 2007 unterzog sich X am IRM der Universität Zürich einer weiteren
verkehrsmedizinischen Abklärung. Die Fahreignung für die zweite (u.a.
Führerausweiskategorie C) und dritte Gruppe (u.a. Führerausweiskategorie B) wurde
unter folgenden Auflagen weiterhin bejaht: regelmässige ärztliche Kontrolle des
allgemeinen Gesundheitszustandes und Einnahme allfälliger Medikamente nach
Ermessen des behandelnden Arztes, striktes Einhalten ärztlicher Weisungen und
ausschliessliche Einnahme ärztlich verordneter Medikamente. Nach Ablauf eines
Jahres sollte die nächste Kontrolluntersuchung stattfinden (Verfügung des
Strassenverkehrsamts Zürich vom 25. Januar 2007). Vom 13. November 2007 bis 12.
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Februar 2008 war X der Führerausweis wegen Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften entzogen.
C.- Nach der Verlegung des Wohnsitzes in den Kanton St. Gallen wurde X am 27. Mai
2008 im IRM am Kantonsspital St. Gallen erneut verkehrsmedizinisch untersucht. Im
Zeitpunkt der Erstellung des Gutachtens (1. Oktober 2008) lag der vom Hausarzt
angeforderte Bericht noch nicht vor, weshalb keine abschliessende Beurteilung
abgegeben wurde. Nach Eingang des besagten Berichts empfahl die
Rechtsmedizinerin im Aktengutachten vom 24. November 2008, mit einer
verkehrspsychologischen Untersuchung vorab auszuschliessen, dass es zu
verkehrsrelevanten Beeinträchtigungen gekommen sei – dies vor dem Hintergrund der
langjährigen Therapie mit zentral wirksamen Medikamenten, die auch bei
bestimmungsgemässem Gebrauch zu Beeinträchtigungen der kognitiven
Leistungsfähigkeit führen könnten. Abschliessend wurde dafürgehalten, dass die
Fahreignung bei altersgerechter kognitiver Leistungsfähigkeit ohne Auflagen
befürwortet werden könne. Am 20. Mai 2009 wurde X verkehrspsychologisch
untersucht. Der Gutachter verneinte mit Bericht vom 28. Juni 2009 die Fahreignung für
die Kategorie C und stellte hinsichtlich der Kategorie B fest, dass eine neue
Untersuchung zu einem anderen Zeitpunkt durchzuführen sei. Aus
verkehrspsychologischer Sicht sei die Fahreignung zurzeit auch für die Kategorie B
nicht gegeben. Gestützt auf dieses Gutachten verbot das Strassenverkehrsamt X mit
Verfügung vom 2. Juli 2009 vorsorglich das Führen von Motorfahrzeugen aller
Kategorien ab sofort. Dagegen erhob sie erfolglos Rekurs (Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission [VRKE] IV-2009/88 vom 15. Oktober 2009). Am 29.
Oktober 2009 wurde der Führerausweis auf unbestimmte Zeit entzogen. Auf eigenen
Antrag hin wurde X am 8. Januar 2010 einer weiteren verkehrspsychologischen
Untersuchung unterzogen. Im Bericht vom 12. Januar 2010 kam die Gutachterin zum
Schluss, X verfüge über ausreichende Leistungsreserven, um im Strassenverkehr mit
einem Motorfahrzeug der zweiten und dritten Gruppe angemessen schnell und richtig
reagieren zu können. Gestützt auf dieses Gutachten wurde der Führerausweis mit
Verfügung des Strassenverkehrsamtes vom 18. Januar 2010 ohne Auflagen
wiedererteilt. Am 8. April 2013 erhielt X die von ihr beantragte Parkkarte für behinderte
Personen. Das Strassenverkehrsamt teilte ihr mit, die vertrauensärztliche
Eignungsabklärung sei positiv verlaufen. Zudem seien gemäss dem Bericht der
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Motorfahrzeug-Prüfstelle Winkeln keine Fahrzeuganpassungen erforderlich. Die
Fahreignungsabklärung sei damit abgeschlossen.
D.- Am 8. August 2014 überschritt X die zulässige Höchstgeschwindigkeit in Zürich
innerorts um 16 km/h und wurde dafür mit Verfügung des Strassenverkehrsamts vom
24. Februar 2015 wegen einer leichten Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften verwarnt. Zu einer weiteren
Geschwindigkeitsüberschreitung, diesmal um 17 km/h, kam es am 6. November 2014.
X Fahrzeug wurde vom Radargerät an der Hohlstrasse in Zürich innerorts mit einer
massgebenden Geschwindigkeit von 67 km/h erfasst. Sodann lenkte X am 18.
Dezember 2014 in Zürich ein Fahrzeug im Feierabendverkehr, als sie in eine
Auffahrkollision mit zwei anderen Fahrzeugen verwickelt wurde. Gemäss Rapport der
Stadtpolizei Zürich wurde sie als Lenkerin des hintersten Fahrzeugs der fahrlässigen
Körperverletzung und mangelnder Aufmerksamkeit und Nichtbeherrschens des
Fahrzeuges beschuldigt. Eine Person wurde leicht verletzt (Schleudertrauma), und an
den drei Personenwagen entstand ein Sachschaden von insgesamt Fr. 5‘000.–. Am
4. März 2015 war X erneut zu schnell unterwegs. Sie lenkte ihr Fahrzeug auf der
Rorschacherstrasse beim Kantonsspital mit einer rechtlich relevanten Geschwindigkeit
von 81 km/h und wurde deshalb mit Strafbefehl des Untersuchungsamts St. Gallen
vom 24. April 2015 wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln zu einer bedingten
Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je Fr. 30.– und einer Busse von Fr. 300.– verurteilt.
Das Ergebnis der strafrechtlichen Beurteilung der Ereignisse vom 6. November und 18.
Dezember 2014 steht noch aus.
E.- Mit Zwischenverfügung vom 5. Mai 2015 forderte das Strassenverkehrsamt X auf,
sich verkehrspsychologisch untersuchen zu lassen. Es führte aus, wegen der drei
Geschwindigkeitsüberschreitungen innerhalb von zwei Jahren bestünden erhebliche
Zweifel an der Fahreignung. Die Verkehrspsychologin kam im Gutachten vom 3. Juli
2015 zum Schluss, es liege keine charakterliche Problematik vor, welche die
Wahrscheinlichkeit für wiederholte oder erhebliche Verkehrsregelverletzungen massiv
erhöhen könnte. Es gebe jedoch Hinweise darauf, dass sich der Gesundheitszustand
von X seit der Aufhebung der Auflagen im Jahr 2010 verschlechtert habe, weshalb aus
verkehrspsychologischer Sicht eine verkehrsmedizinische Fahreignungsabklärung
indiziert sei. Das Strassenverkehrsamt folgte der Empfehlung der Gutachterin und
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ordnete mit Zwischenverfügung vom 17. August 2015 eine verkehrsmedizinische
Untersuchung beim IRM an.
F.- Mit Eingabe vom 2. September 2015 erhob X Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission. Sie beantragte, die Zwischenverfügung vom 17. August
2015 sei aufzuheben; eventualiter sei ein Aktengutachten einzuholen oder eine
Kontrollfahrt anzuordnen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Auf die
Ausführungen zur Begründung der Anträge wird, soweit erforderlich, in den

Erwägungen eingegangen. Die Vorinstanz verzichtete mit Schreiben vom 6. Oktober
2015 auf eine Vernehmlassung.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 2. September 2015 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekurs ist umstritten, ob die Vorinstanz zu Recht eine verkehrsmedizinische
Untersuchung anordnete.
a) Ausweise und Bewilligungen sind zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die
gesetzlichen Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16
Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG). Art. 16d SVG regelt
den Führerausweisentzug wegen fehlender Fahreignung. Danach werden der Lernfahr-
oder Führerausweis einer Person unter anderem dann auf unbestimmte Zeit entzogen,
wenn ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nicht mehr ausreicht, ein
Motorfahrzeug sicher zu führen (Abs. 1 lit. a). Darunter fallen alle die Fahreignung
ausschliessenden medizinischen und psychischen Gründe. Die exakte Diagnose einer
Krankheit oder eines Gebrechens wird für den Sicherungsentzug nicht vorausgesetzt;
entscheidend ist, ob aufgrund der körperlichen oder psychischen Leistungsfähigkeit
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die Fahreignung ausgeschlossen ist (Verkehrssicherheitsrelevanz). Eine einen
Entzugsgrund begründende Leistungsunfähigkeit liegt nur dann vor, wenn das Defizit
nicht mit Auflagen oder Beschränkungen, wie z.B. der Pflicht zum Tragen einer Sehhilfe
oder eines Hörgerätes oder mittels Umbaus des Fahrzeuges, ausgeglichen werden
kann (vgl. BSK SVG-Rütsche/D’Amico, Art. 16d N 40 ff.). Weil der Sicherungsentzug
tief in den Persönlichkeitsbereich der Betroffenen eingreift, sind in jedem Fall und von
Amtes wegen die persönlichen Verhältnisse der Betroffenen genau abzuklären. Das
Ausmass der notwendigen behördlichen Nachforschungen, namentlich die Frage, ob
ein medizinisches Gutachten eingeholt werden soll, richtet sich nach den Umständen
des Einzelfalls und liegt im pflichtgemässen Ermessen der Entzugsbehörde (Philippe
Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl., Zürich/ St. Gallen 2015, Art. 16d N
3).
Gemäss Art. 15d Abs. 1 SVG wird eine Person einer Fahreignungsuntersuchung
unterzogen, wenn Zweifel an ihrer Fahreignung bestehen. Die Anordnung einer
verkehrsmedizinischen Untersuchung bei zweifelhafter Fahreignung ist in Art. 11b Abs.
1 lit. a der Verkehrszulassungsverordnung (SR 741.51, abgekürzt: VZV) geregelt. Sie
dient der Abklärung, ob die medizinischen Mindestanforderungen gemäss Art. 7 Abs. 1
VZV erfüllt sind. Danach ist für die zweite Gruppe hinsichtlich der Gliedmassen eine
genügende funktionelle Leistungsfähigkeit erforderlich. Für die dritte Gruppe wird
vorausgesetzt, dass die Lenkerin an keinen schweren Verstümmelungen, Versteifungen
oder Lähmungen leidet, die nicht durch Einrichtungen genügend korrigiert werden
können (vgl. Anhang 1 Ziff. 9 VZV).
b) aa) Die Fachpsychologin kam im Gutachten vom 3. Juli 2015 zum Schluss, aus
verkehrspsychologischer Sicht bestehe keine charakterliche Problematik, welche dazu
führe, dass sich die Rekurrentin in Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht an das
Strassenverkehrsgesetz halten werde. Ihre Erklärung, die wiederholten
Geschwindigkeitsüberschreitungen seien auf eine unzureichende Vertrautheit mit ihrem
neuen, leistungsstärkeren Auto, mit dem sie seit dem Kauf im Sommer 2013 nur wenig
gefahren sei, sei zumindest teilweise nachvollziehbar, lasse jedoch auch auf eine
reduzierte Sensibilität hinsichtlich der motorischen Einschränkungen schliessen.
Auffällig sei, dass sie nach der ersten Geschwindigkeitsüberschreitung im August 2014
zu keiner ausreichenden Verhaltensänderung imstande gewesen sei. Dies lasse auf
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eine reduzierte soziale Lernfähigkeit schliessen, die auf eine „eingeschränkte kognitive
Flexibilität in Kombination mit einem selbstwertdienlichen externalen
Attributsionsmuster“ zurückzuführen sei. Die Rekurrentin habe bisher nicht ausreichend
erkennen können, dass ihre Befähigung, sich auf geänderte Rahmenbedingungen
einzustellen, vermindert sei, wie die vergleichsweise lange Umgewöhnungsphase auf
das andere Auto gezeigt habe. Aufgrund ihres beeinträchtigten Gesundheitszustandes
sei davon auszugehen, dass ihre körperliche Befähigung, Motorfahrzeuge zu führen,
überdurchschnittlich starken Schwankungen unterworfen sei, was eine erhöhte
Anpassungsleistung erfordere, die sich unter anderem auf die Kompensation
motorischer Einschränkungen beziehe. Hinsichtlich dieser Anpassungsfähigkeit müsse
jedoch aufgrund ihrer reduzierten kognitiven Flexibilität von Einschränkungen
ausgegangen werden. Grundsätzlich erscheine die Rekurrentin ausreichend einsichtig
und änderungsbereit, und auch die Analyse der Widerhandlung ergebe keine Hinweise
auf problematische Einstellungen gegenüber dem Strassenverkehrsgesetz oder ein
unzureichendes Gefahrenbewusstsein bzw. eine Neigung zur Befriedigung von
Bedürfnissen im Strassenverkehr, die über das Mobilitätsbedürfnis hinausgingen. In
Kombination mit dem unauffälligen testpsychologischen Querschnittsbefund und der
hinreichenden kognitiven Leistungsfähigkeit sei deshalb keine charakterliche
Problematik anzunehmen, welche die Wahrscheinlichkeit für wiederholte oder
erhebliche Verkehrsregelverletzungen massiv erhöhen würde. Vielmehr sei davon
auszugehen, dass die wiederholten Verkehrsregelverletzungen auf unzureichende
kompensatorische Fähigkeiten hinsichtlich der vielfältigen somatischen Erkrankungen
und der damit verbundenen körperlichen Einschränkungen zurückzuführen seien.
Ferner gebe es Hinweise darauf, dass sich der Gesundheitszustand seit der Aufhebung
der Auflagen im Jahr 2010 verschlechtert habe, weshalb aus verkehrspsychologischer
Sicht eine verkehrsmedizinische Fahreignungsabklärung indiziert sei, um die
Notwendigkeit technischer Anpassungen zu überprüfen.
bb) Der Arzt der Rekurrentin, Dr.med. J, W-Klinik, M, hielt im Schreiben vom 24. Juli
2015 an die Assista Rechtsschutz AG, St. Gallen, fest, der Gesundheitszustand der
Rekurrentin habe sich seit 2010 stetig verschlechtert. 2014 sei sie jedoch an der
Wirbelsäule operiert worden, was zu einer deutlichen Verbesserung geführt habe. Seit
einem Jahr habe sich der Zustand mangels ausreichender Therapie wieder
verschlechtert, jedoch sei er immer noch besser als im Jahr 2010. Seit August 2014
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trage die Rekurrentin eine sogenannte Heidelberger-Feder (eine Orthese, die eingesetzt
wird, wenn die fusshebende Muskulatur zum Teil ausfällt, der Fuss sich jedoch in
neutraler Stellung befindet [vgl. www.ortotecnica.ch/d]) am rechten Fuss; nicht wegen
einer Verschlechterung des Zustands, sondern um Stürze zu verhindern und das
Laufen und Treppensteigen zu unterstützen. Um der Schiene ausreichend Platz zu
verschaffen, müsse sie MBT-Schuhe oder Plateau-Schuhe tragen. Die breiten Sohlen
gewährten die notwendige Stabilität, seien aber gewöhnungsbedürftig, auch beim
Autofahren. Die Fahreignung sei abhängig vom Tageszustand. Wenn es der
Rekurrentin schlecht gehe, fahre sie nicht.
c) Die Vorinstanz erwog in der angefochtenen Verfügung vom 17. August 2015, aus
verkehrspsychologischer Sicht könne die Fahreignung befürwortet werden. Hingegen
sei dem Gutachten zu entnehmen, dass sich der Gesundheitszustand der Rekurrentin
seit der Aufhebung der Auflagen im Jahr 2010 verschlechtert habe, weshalb eine
verkehrsmedizinische Abklärung angezeigt sei.
Die Rekurrentin hielt dem entgegen, ihr Gesundheitszustand habe sich seit der
Operation im März 2014 deutlich verbessert und sei nicht mehr vergleichbar mit
demjenigen im Jahr 2010. Dies habe ihr Arzt bestätigt. An ihrem Fahrzeug seien zudem
technische Anpassungen gemacht worden. Sie setze nun einen Tempomaten ein,
wobei ihr dies beim Fahrzeugwechsel zum Verhängnis geworden sei. Das neue Gerät
funktioniere ganz anders als das alte. Zudem sei ihr die Heidelberger-Feder erst im
August 2014 verschrieben worden, also kurz vor der ersten
Geschwindigkeitsüberschreitung vom 8. August 2014. Daran habe sie sich erst
gewöhnen müssen, wie an das neue Auto. Beim alten Ford habe sich der Tempomat
nur mit dem Gaspedal einschalten lassen. Sie habe das Pedal jeweils sehr stark
betätigen müssen, um das Fahrzeug von 20 km/h auf 60 km/h zu beschleunigen und
den Tempomaten auf 50 km/h einzustellen. Nach den
Geschwindigkeitsüberschreitungen habe sie sich die Bedienung des neuen Systems
durch eine Fachperson erklären lassen. Es sei gut und von Hand bedienbar. Hinzu
komme, dass ihr vor der Geschwindigkeitsüberschreitung vom 4. März 2015, die zur
Anordnung der verkehrspsychologischen Untersuchung geführt habe, Plateau-Schuhe
verschrieben worden seien, an die sie sich ebenfalls habe gewöhnen müssen. Aus
diesen Gründen sei nicht nachvollziehbar, weshalb sie nicht in der Lage sein solle, ein
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Fahrzeug sicher zu führen. Den Akten sei lediglich zu entnehmen, dass sich ihr
Gesundheitszustand seit 2010, insbesondere seit dem letzten Jahr, wesentlich
verbessert habe.
d) Die Anordnung der verkehrsmedizinischen Untersuchungen erfolgte gestützt auf die
Feststellung im verkehrspsychologischen Gutachten vom 3. Juli 2015, es gebe
Hinweise darauf, dass sich der Gesundheitszustand der Rekurrentin seit der
Aufhebung der Auflagen im Jahr 2010 verschlechtert habe. Weitere Ausführungen dazu
machte die Verkehrspsychologin nicht. Insbesondere legte sie nicht dar, wie sie zu
dieser Erkenntnis gelangte und wie sich die von ihr festgestellte Beeinträchtigung des
Gesundheitszustands im Rahmen der Begutachtung äusserte (act. 10/236). Das
Gutachten ist in diesem Punkt nicht nachvollziehbar, und es fehlt ihm folglich an der
notwendigen Schlüssigkeit (vgl. M. Dähler, Rechtliche Anforderungen an Gutachten zur
Fahreignung, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2009, St. Gallen 2009, S. 90;
VRKE IV-2015/15 vom 28. Mai 2015 E. 2d, unter: www.gerichte.sg.ch). Der die
Rekurrentin regelmässig behandelnde Arzt beurteilte die Situation im Schreiben vom
24. Juli 2015 wie folgt: Der Gesundheitszustand der Rekurrentin habe sich zwar seit
dem Jahr 2010 verschlechtert, nach der Operation an der Wirbelsäule im Jahr 2014 sei
jedoch eine deutliche Verbesserung eingetreten. Mangels ausreichender Therapie habe
sich der Gesundheitszustand der Rekurrentin seit einem Jahr zwar wieder
verschlechtert; er sei jedoch immer noch besser als im Jahr 2010. Somit ist nicht
dargetan, dass die Rekurrentin die medizinischen Mindestanforderungen nach Anhang
1 VZV derzeit nicht erfüllt, und es bestehen keine hinreichend konkreten Anhaltspunkte,
die ernsthafte Zweifel an der Fahreignung der Rekurrentin aufkommen liessen
(Weissenberger, a.a.O., Art. 15d N 6). Die Anordnung einer verkehrsmedizinischen
Untersuchung erscheint deshalb nicht gerechtfertigt. Hingegen bereitete es der
Rekurrentin nach eigenen Angaben Mühe, sich an ihr neues Auto und das Fahren mit
der Heidelberger-Feder und Plateauschuhen zu gewöhnen. Es ist deshalb zu prüfen,
ob der Einsatz dieser Hilfsmittel Massnahmen zur Sicherstellung der Fahrkompetenz
der Rekurrentin erfordert.
3.- a) Gemäss Art. 14 SVG müssen Motorfahrzeugführer über Fahreignung und
Fahrkompetenz verfügen (Abs. 1). Über Letztere verfügt, wer die Verkehrsregeln kennt
(Abs. 3 lit. a) und Fahrzeuge der Kategorie, für die der Ausweis gilt, sicher führen kann
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(lit. b). Bestehen Zweifel an der Fahrkompetenz einer Person, so kann diese einer
Kontrollfahrt, einer Theorieprüfung, einer praktischen Führerprüfung oder einer anderen
geeigneten Massnahme wie einer Aus- oder Weiterbildung oder einer Nachschulung
unterzogen werden (Art. 15d Abs. 5 SVG). Eine Kontrollfahrt dient der
Sachverhaltsabklärung; ihr kommt kein repressiver Charakter zu. In Bezug auf die
Erforderlichkeit einer Kontrollfahrt steht der zuständigen Behörde ein gewisser
Beurteilungsspielraum zu. Anlass zur Anordnung einer Kontrollfahrt geben in erster
Linie Vorfälle, welche Zweifel am fahrerischen Können wecken, etwa wenn ein Lenker
in einer bestimmten Verkehrssituation überfordert gewirkt hat, wie beim grundlosen
Abkommen von der Fahrbahn mit Gegenverkehr und Gefährdung anderer
Verkehrsteilnehmer oder beim Missachten des Rechtsvortritts. So dient die
Kontrollfahrt namentlich der Abklärung, ob die betroffene Person über die
erforderlichen Kenntnisse der Verkehrsregeln verfügt und ein Motorfahrzeug sicher zu
führen versteht (BSK SVG-Bickel, Art. 15d N 50 f.).
b) Nach eigenen Angaben hatte die Rekurrentin Schwierigkeiten, sich an das Fahren
mit der Heidelberger-Feder und den Plateauschuhen zu gewöhnen. Die Heidelberger-
Feder sei ihr kurz vor der Geschwindigkeitsüberschreitung im August 2014
verschrieben worden, und kurz vor dem letzten Ereignis im März 2015 habe sie die
Plateauschuhe erhalten. Sie machte damit implizit geltend, der Einsatz der Hilfsmittel
sei zumindest teilweise ursächlich gewesen für die Geschwindigkeitsüberschreitungen
und den Auffahrunfall; einen weiteren Grund erblickte sie im Fahrzeugwechsel und der
neuen Funktionsweise des Tempomats. Ob diese Unsicherheiten nun beseitigt sind
und die Rekurrentin in der Lage ist, ein Fahrzeug mit Orthese und Plateauschuhen
sicher zu führen, ist unklar. Dass sie die Heidelberger-Feder dank der Therapie kaum
mehr tragen muss, wie sie vorbrachte, ist in verkehrstechnischer Hinsicht nicht positiv
zu werten. Es besteht die Gefahr, dass der gewünschte Gewöhnungseffekt nicht eintritt
und die Rekurrentin sich mangels Routine immer wieder von neuem auf das Fahren mit
der Orthese einstellen muss. Dies erscheint angesichts der im
verkehrspsychologischen Gutachten festgestellten eingeschränkten kognitiven
Flexibilität der Rekurrentin (act. 10/236) problematisch. Hinzu kommt, dass sich der
Gesundheitszustand der Rekurrentin mangels ausreichender Therapie seit einem Jahr
wieder verschlechterte – wie ihr Arzt ausführte (act. 10/248) –, so dass nicht davon
auszugehen ist, dass sie in absehbarer Zeit vollständig auf die orthopädischen
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Hilfsmittel verzichten kann. Vor diesem Hintergrund ergeben sich Zweifel, ob die
Rekurrentin derzeit über die erforderliche Fahrkompetenz verfügt. Im Rahmen einer
Kontrollfahrt ist deshalb insbesondere zu prüfen, ob sie trotz Einsatz orthopädischer
Hilfsmittel in der Lage ist, ihr Fahrzeug im Sinne von Art. 14 Abs. 3 lit. b SVG sicher zu
führen.
4.- Der Rekurs ist somit teilweise gutzuheissen. Die Verfügung der Vorinstanz vom
17. August 2015 ist aufzuheben. Da bisher nicht geklärt wurde, ob der Einsatz der
orthopädischen Hilfsmittel die Fahrsicherheit der Rekurrentin beeinträchtigt, ist die
Angelegenheit zur Durchführung einer medizinisch begleiteten Kontrollfahrt an die
Vorinstanz zurückzuweisen.
5.- Die Rekurrentin unterliegt mit dem Hauptantrag und dringt mit dem Eventualantrag
durch. Dies entspricht einer teilweisen Gutheissung des Rekurses. Bei diesem
Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten je zur Hälfte der Rekurrentin und dem
Staat aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.–
erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist zu verrechnen und der Rekurrentin im Restbetrag
von Fr. 600.– zurückzuerstatten.
Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf Entschädigung allfälliger
ausseramtlicher Kosten.