Decision ID: 88068a2b-2640-4f19-922a-4a6840179e39
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend versuchte vorsätzliche Tötung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Affoltern vom
11. September 2013 (DG130001)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 21. März
2013 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 40).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte B._ ist schuldig
− der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122
StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und Art. 16 Abs. 1
StGB,
− des mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz
im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. a, b, d und g BetmG, sowie
− der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im
Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG.
2. Der Beschuldigte B._ ist nicht schuldig und wird freigesprochen
vom Vorwurf
− des Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs.
2 SVG,
− des Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33
Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. f und Art. 5 Abs. 2
lit. b WG, sowie
− des Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von
Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG.
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3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 24 Monaten Freiheitsstrafe, wovon
insgesamt 27 Tage durch Haft erstanden sind, und einer Busse von
Fr. 300.–.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit
auf 2 Jahre festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
5. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren
Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.
6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger Schadenersatz in
der Höhe von Fr. 105.– zu bezahlen. Im Mehrbetrag von Fr. 705.– so-
wie des verlangten Zinses wird die Schadenersatzforderung auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen.
7. Weiter wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privat-
kläger aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach im Um-
fang von 50% schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des
Umfangs des Schadenersatzanspruches wird der Privatkläger auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger Fr. 2'500.– zuzüg-
lich 5 % Zins seit 7. Januar 2012 als Genugtuung zu bezahlen. Im
Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
9. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
13. April 2012 beschlagnahmten und bei der Bezirksgerichtskasse Af-
foltern aufbewahrten Gegenstände
− Samuraischwert (ohne Markenbezeichnung, gebogen, ca. 100 cm lang, Klinge ca. 70 cm lang, Asservat Nr. A..., K..., G-Nr. ...).
− 1 Schlagrute (Metall, 40 cm lang, schwarz, Asservat Nr. A... K..., G-Nr. ...),
− 1 Reizstoffspray (Marke: CBM GAZ, Dose 13 cm hoch, ohne Drücker, Asservat Nr. A..., K..., G-Nr. ...), sowie
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− 1 Reizstoffspray (Marke: Pepper Box, Asservat Nr. A..., K..., G-Nr. ...),
werden eingezogen und vernichtet.
10. Die mit Verfügungen der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich
vom 18. Januar 2012 resp. 13. April 2012 beschlagnahmten und bei
der Bezirksgerichtskasse Affoltern resp. der Kasse der Staatsanwalt-
schaft IV des Kantons Zürich (Baseballschläger) aufbewahrten Gegen-
stände
− 1 Soft Air Gun (Marke: Walther, Modell P99),
− 1 Soft Air Gun (Military Modell, KJWorks, Nr. K...),
− 1 Springmesser (Marke: Super-Automatic, 20 cm lang, Klinge 8 cm, Asservat Nr. A..., K..., G-Nr. ...),
− 1 Küchenmesser (ohne Markenbezeichnung, 31 cm lang, Klinge 19 cm, schwarzer Kunststoffgriff, Asservat Nr. A..., K..., G-Nr. ...), sowie
− 1 linker Handschuh (Marke: Thinsulate, Wildleder, schwarz, Asservat Nr. A..., K..., G-Nr. ...),
− 1 Baseballschläger (Marke: Magic-Power), und
− 1 Baseballschläger (Marke: Easton),
werden dem Beschuldigten auf erstes Verlangen durch die Bezirksge-
richtskasse Affoltern resp. die Kasse der Staatsanwaltschaft IV des
Kantons Zürich (Baseballschläger) ausgehändigt. Wird die Aushändi-
gung nicht innert einem Jahr nach Eintritt der Rechtskraft des vorlie-
genden Entscheides verlangt, werden die Gegenstände vernichtet.
11. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
13. April 2012 beschlagnahmten und bei der Bezirksgerichtskasse Af-
foltern aufbewahrten Gegenstände
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− 1 Kapuzenjacke (Marke: Levis, grau, Grösse M, Asservat Nr. A..., K..., G-Nr. ...),
− 1 T-Shirt (grau, Asservat Nr. A..., K..., G-Nr. ...), sowie
− 1 Paar Jeanshosen (Marke: Navy Boot, blau, Asservat Nr. A... K..., G-Nr. ...),
werden dem Privatkläger auf erstes Verlangen durch die Bezirksge-
richtskasse Affoltern ausgehändigt. Wird die Aushändigung nicht innert
einem Jahr nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Entscheides
verlangt, werden die Gegenstände vernichtet.
12. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
26. Januar 2012 beschlagnahmte Barschaft in der Höhe von Fr. 140.–
wird eingezogen und zur teilweisen Deckung der Verfahrenskosten
verwendet.
13. Der Beschuldigte wird für berechtigt erklärt, den mit Verfügung der
Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 26. Januar 2012 be-
schlagnahmten und bei der Kasse der Staatsanwaltschaft IV des Kan-
tons Zürich aufbewahrten Goldbarren (10 Gramm, Zürcher Kantonal-
bank) gegen Bezahlung von Fr. 407.20 (Goldkurs/Ankaufspreis der
Zürcher Kantonalbank vom 11. September 2013) innerhalb eines Mo-
nats nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Entscheides auszu-
kaufen. Macht der Beschuldigte innert der genannten Frist von der
Auskaufsmöglichkeit nicht Gebrauch, wird der Goldbarren eingezogen,
verwertet und der Verwertungserlös zur teilweisen Deckung der Ver-
fahrenskosten verwendet.
14. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 6'000.– ; die weiteren Kosten betragen: Fr. 37'571.25 ; Untersuchungskosten
(bis und mit 9. September 2013, nach Abzug der  für die amtliche Verteidigung [vgl. nachfolgenden Betrag]),
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Fr. 4'988.– ; Kosten für die amtliche Verteidigung durch  Dr. iur. C._ für den Zeitraum vom 7.  2012 bis und mit 21. Februar 2012.
15. Die Gerichtsgebühr sowie die Kosten der Untersuchung (Fr. 37'571.25)
werden dem Beschuldigten im Umfang von 13/16 auferlegt und zu-
nächst aus der sichergestellten Barschaft und dem Verwertungserlös
resp. Auskaufsbetrag für den Goldbarren bezogen. Im Umfang von
3/16 werden die genannten Kosten auf die Staatskasse genommen.
16. Die Kosten für die amtliche Verteidigung durch Rechtsanwalt Dr. iur.
C._ für den Zeitraum vom 7. Januar 2012 bis und mit 21. Februar
2012 in der Höhe von Fr. 4'988.– (inkl. MWST) werden vollumfänglich
auf die Staatskasse genommen. Art. 135 Abs. 4 StPO (Rückforde-
rungsrecht) bleibt vorbehalten.
17. Dem Beschuldigten wird aus der Staatskasse eine Prozessentschädi-
gung für die Kosten der Wahlverteidigung in der Höhe von Fr. 6'446.20
inkl. MWST (3/16 der Gesamtkosten des Wahlverteidigers im Umfang
von Fr. 34'379.65 inkl. MWST bis und mit 9. September 2013) ausbe-
zahlt.
Im Mehrbetrag wird das Begehren um Leistung einer Prozessentschä-
digung für die Kosten der Wahlverteidigung abgewiesen.
18. Die Anträge des Beschuldigten auf Leistung einer angemessenen Um-
triebsentschädigung und Zusprechung einer Genugtuung werden ab-
gewiesen.
19. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger eine Prozessent-
schädigung von Fr. 5'840.45 (13/16 der Gesamtkosten des Verteidi-
gers des Privatklägers im Umfang von Fr. 7'188.25 inkl. MWST bis und
mit 9. September 2013) zu bezahlen.
Im Mehrbetrag wird das Begehren um Leistung einer Prozessentschä-
digung für die Kosten der Vertretung des Privatklägers abgewiesen.
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20. Der Antrag des Privatklägers auf Leistung einer Umtriebsentschädi-
gung in der Höhe von Fr. 500.– wird abgewiesen.
Berufungsanträge:
a) des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich
(Urk. 98 S. 1)
1. Der Beschuldigte sei wegen versuchter Tötung im Sinne von Art. 111
StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, sowie in Verbindung mit
Art. 16 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen (betrifft den Sachverhalt ge-
mäss Anklageziffer 1.I. Titel versuchte Tötung / Notwehrexzess).
2. In den übrigen Anklagepunkten sei das Urteil des erstinstanzlichen Ge-
richts zu bestätigen.
3. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren und einer
Busse in der Höhe von Fr. 300.-- zu bestrafen.
4. Es sei eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen bei schuldhafter Nichtbe-
zahlung der Busse anzuordnen.
5. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien - wie jene der Untersu-
chung und des erstinstanzlichen Verfahrens - dem Beschuldigten auf-
zuerlegen.
6. Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien auf die Staatskasse zu
nehmen.
b) des erbetenen Verteidigers des Beschuldigten:
(Urk. 99 S. 1)
1. Der Beschuldigte sei betreffend der versuchten schweren Körperverlet-
zung im Sinne von Art. 122 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 und Art. 16
Abs. 1 StGB und des mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungs-
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mittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. a, b, d und g BetmG von
Schuld und Strafe freizusprechen und dem Geschädigten sei weder
Schadenersatz noch Genugtuung zuzusprechen.
2. Von der Rechtskraft der von der Vorinstanz erkannten Freisprüche
gemäss Ziff. 2 des Urteils sei Vormerk zu nehmen.
3. Der Beschuldigte sei betreffend der mehrfachen Übertretung des Be-
täubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG mit einer
Busse von Fr. 300.-- zu belegen.
4. Die Untersuchungs- und Gerichtskosten seien auf die Staatskasse zu
nehmen.
5. Der Beschuldigte sei für die Kosten der erbetenen Verteidigung aus
dem gesamten Strafverfahren (Untersuchungs- und Gerichtsverfahren
beider Instanzen) angemessen zu entschädigen.
6. Der Beschuldigte sei für die zu Unrecht erlittene Untersuchungshaft
vom Staat angemessen zu entschädigen und es sei ihm eine Genugtu-
ung zuzusprechen.
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang
Das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksgerichts Affol-
tern vom 11. September 2013 wurde dem Privatkläger und der Staatsanwaltschaft
am 13. September 2013 in unbegründeter Fassung zugestellt (Prot. I S. 15 ff.;
Urk. 64 f.). Wann es dem Verteidiger schriftlich mitgeteilt wurde, geht aus den Ak-
ten nicht hervor. Mit Eingabe vom 16. September 2013 meldeten die Staatsan-
waltschaft und mit Schreiben vom 23. September 2013 die Verteidigung Berufung
gegen das Urteil an. Angesichts der Daten der Zustellung an die anderen Parteien
ist auch die Berufungsanmeldung der Verteidigung rechtzeitig erfolgt (Urk. 66;
Urk. 68; Urk. 64 f.; Art. 399 Abs. 1 StPO). Den Empfang des begründeten Urteils
quittierte die Anklagebehörde am 4. Juli 2014 und die Verteidigung am 11. Juli
2014 (Urk. 78; Urk. 80). Mit Eingabe vom 4. Juli 2014 reichte die Staatsanwalt-
schaft ihre auf den Schuldpunkt und die Bemessung der Strafe beschränkte Beru-
fungserklärung ein. Die Berufungserklärung der Verteidigung vom 17. Juli 2014
ging am 18. Juli 2014 ebenfalls rechtzeitig ein (Urk. 83 f.; Art. 399 Abs. 3 und 4
StPO). Mit Präsidialverfügung vom 4. August 2014 wurde den Parteien Frist für
jeweilige Anschlussberufung angesetzt (Urk. 87; Urk. 88/1-3). Mit Eingabe vom
8. August 2014 verzichtete die Staatsanwaltschaft auf eine Anschlussberufung
(Urk. 90). Die Verteidigung teilte mit Schreiben vom 25. August 2014 und der
Rechtsvertreter des Privatklägers mit Eingabe vom 1. September 2014 je mit,
dass weder Anschlussberufung erhoben noch ein Nichteintreten auf die Berufung
beantragt werde (Urk. 92 f.). Beweisanträge wurden keine gestellt. Die Staatsan-
waltschaft beantragte mit Schreiben vom 26. Januar 2015 den Beizug des be-
schlagnahmten Samurai-Schwertes für die Berufungsverhandlung (Urk. 96). Die-
ses, und weitere beschlagnahmte Gegenstände, wurden bereits mit Schreiben
vom 4. August 2014 an die Vorinstanz beigezogen und an der Berufungsverhand-
lung vorgehalten (Urk. 89/1; Prot. II S. 10). Mit Eingabe vom 9. Februar 2015 liess
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der Privatkläger mitteilen, auf eine Teilnahme an der Berufungsverhandlung zu
verzichten (Urk. 95).
II. Prozessuales
1. Die Staatsanwaltschaft verlangt mit ihrer Berufung wie vor Vorinstanz die
Schuldigsprechung wegen versuchter Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Ver-
bindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie in Verbindung mit Art. 15 StGB und Art. 16
Abs. 1 StGB und die Bestrafung des Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 6
Jahren sowie mit Fr. 600.– Busse (Urk. 83). Die Verteidigung ficht mit ihrer Beru-
fung, abgesehen von der Verurteilung wegen Übertretung des Betäubungsmittel-
gesetzes, den gesamten Schuldspruch (Ziff. 1, 1. und 2. Lemma), die Strafzu-
messung (Ziff. 3–5), die Zivilansprüche und die Genugtuung (Ziff. 6–8), sowie die
Kosten- und Entschädigungsfolgen (Ziff. 14 und 15, 17–19), an (Urk. 84).
2. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-
kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Nachdem
die Urteilsdispositivziffern 1, 3. Lemma (Schuldspruch betr. Übertretung des
BetmG), 2 (Freisprüche), 9–13 (Einziehung/Verwertung/Herausgabe), 16 (Ent-
schädigung amtliche Verteidigung) und 20 (keine Umtriebsentschädigung an den
Privatkläger) unangefochten blieben, ist mittels Beschluss festzustellen, dass das
vorinstanzliche Urteil in diesem Umfang in Rechtskraft erwachsen ist.
3. Als Privatklägerschaft gilt nach Art. 118 Abs. 1 StPO die geschädigte Per-
son, die ausdrücklich erklärt, sich am Strafverfahren als Straf- oder Zivilklägerin
bzw. -kläger zu beteiligen (vgl. Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO). Der Strafantrag ist die-
ser Erklärung gleichgestellt (Art. 118 Abs. 2 StPO). A._ stellte am 7. Januar
2012 Strafantrag gegen den Beschuldigten wegen Körperverletzung (Urk. 6/3).
Damit kommt ihm ohne weiteres die prozessuale Stellung eines Privatklägers zu.
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III. Sachverhalt
1. Im Berufungsverfahren wird dem Beschuldigten unter dem Titel "versuch-
te Tötung/Notwehrexzess" im Wesentlichen noch der folgende Anklagesachver-
halt zur Last gelegt (Urk. 40 S. 2 ff.):
1.1. Als sich der Privatkläger zusammen mit seinem Cousin, D._, am
Samstag, 7. Januar 2012, um ca. 04.20 Uhr, mittels mitgebrachtem Brecheisen
gewaltsam Zugang zur Scheune des Beschuldigten in E._, F._ [Dorf im
Säuliamt], verschafft hätten und in der Folge in der dortigen Indoor-Hanfplantage
daran gewesen seien, die Hanfstauden des Beschuldigten abzuschneiden und in
einen mitgebrachten Kehrrichtsack zum Abtransport zu verpacken, sei der Be-
schuldigte aufgrund des in der Indoor-Anlage zur Überwachung angebrachten
"Babyphones" und den durch dieses in sein Schlafzimmer übertragenen Geräu-
schen wach geworden, worauf er seinen eine Etage tiefer schlafenden Kollegen,
G._, aufgeweckt habe. Dieser habe in der Folge laut aus dem Fenster geru-
fen, "verschwindet, hauet ab“, während der Beschuldigte ein als Dekoration im
Erdgeschoss beim Hauseingang ausgestelltes Samurai-Schwert (jap. Lang-
Schwert) mit gebogener, scharfer Klinge von 70 cm Länge, behändigt und sich
zum gegenüberliegenden Scheuneneingang begeben habe. Zusammen mit
G._, welcher ihm in einem Abstand von ca. 5 Metern gefolgt sei und eine
Stablampe in der Hand gehalten habe, habe der Beschuldigte auf leisen Sohlen
die Scheune betreten, welche in den Vorraum zur Hanfindooranlage geführt habe
und lediglich mit einer herunterhängenden Plache von dieser getrennt gewesen
sei.
1.2. Nachdem der Beschuldigte mit dem Samurai-Schwert die Plache hoch-
gehoben und den Privatkläger im Vorraum der Anlage erblickt habe, sei er un-
vermittelt mit dem Schwert auf diesen zugetreten und habe das Schwert zum
Schlag erhoben. Als der Privatkläger den Beschuldigten mit erhobenem Samurai-
Schwert erblickt habe, habe er umgehend den mitgebrachten und auf dem Tisch
deponierten Pfefferspray behändigt und in Richtung des Beschuldigten gesprüht.
Der Beschuldigte habe sich jedoch nicht beirren lassen und sei weiter auf den
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Privatkläger zumarschiert, wobei er das Schwert nunmehr kräftig hin und her ge-
schwungen und versucht habe, dem Privatkläger den Pfefferspray aus der Hand
zu schlagen und diesen unschädlich zu machen. Der Privatkläger habe zum
Schutz vor dem Angriff mit dem Samurai-Schwert erfolglos den im Vorraum ste-
henden Holztisch umgekippt, da der Beschuldigte weiterhin auf ihn zugetreten sei,
worauf der Privatkläger versucht habe, den Schwungbewegungen des Beschul-
digten auszuweichen. Beim nachfolgenden Aufeinandertreffen habe der Beschul-
digte dem Privatkläger mit der Schwertspitze durch die Oberkörperbekleidung
hindurch mindestens zwei Mal horizontal auf den Bauch und die untere Brustpar-
tie eingeschnitten, wobei er diesem eine ca. 3-4 cm lange, horizontal über dem
Bauchnabel verlaufende Schnittverletzung und eine ca. 2 cm lange quer von oben
nach unten verlaufende Schnittverletzung linksseitig vom Brustbein auf Höhe der
Brustwarze zugefügt habe.
1.3. Dem Privatkläger sei es schliesslich gelungen, den Beschuldigten am
Schwingen des Schwertes zu hindern, wobei er sich durch das Ergreifen der
scharfen Schwertklinge diverse Schnittverletzungen an der Hand zugezogen ha-
be. Im nachfolgenden heftigen Gerangel habe der Beschuldigte dem Privatkläger
mit der scharfen Schwertklinge an der linken Halsseite zudem eine tiefe, ca. 6 cm
lange bis auf den Schädel reichende Schnittwunde zugefügt, welche sofort stark
geblutet habe. Dabei habe der Beschuldigte das Schwert aus den Händen verlo-
ren. Als G._ die stark blutende Schnittverletzung am Hals des Privatklägers
gesehen habe, habe er befürchtet, der Beschuldigte könnte den Privatkläger mit
dem Schwert noch umbringen, weshalb G._ umgehend versucht habe, die
beiden Streitenden zu trennen und immer wieder gebrüllt habe, „Friede, Friede,
Friede“. Zum Beschuldigten habe er zudem gebrüllt, "lass das, lass das, sonst
bringst du ihn noch um“. Als der Privatkläger G._ in den Ober-
arm/Schulterpartie gebissen habe, habe dieser von ihm abgelassen.
1.4. In der Zwischenzeit habe der Beschuldigte das Schwert vom Boden
aufgehoben und sei erneut auf den Privatkläger zugegangen. Beim anschliessen-
den Gerangel habe sich der Privatkläger abermals Schnittverletzungen an den
Händen und Schnittbeschädigungen an der Oberkörperbekleidung zugezogen,
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als er versucht habe, das Schwert zu ergreifen. In der Folge seien beide zu Bo-
den gestürzt, wo der Kampf weitergegangen sei. Erst als G._ ein zweites Mal
auf die beiden hinzugetreten sei und den Beschuldigten aufgefordert habe, das
Schwert liegen zu lassen und aufzuhören, habe dieser vom stark blutendenden
Privatkläger abgelassen. Dieser habe sich erhoben und sei umgehend aus der
Scheune zu seinem Fahrzeug geflüchtet.
1.5. Durch das beschriebene Einwirken mit der scharfen Schwertklinge habe
der Beschuldigte diverse Beschädigungen an der Oberkörperbekleidung des Pri-
vatklägers sowie die ca. 6 cm lange bis auf den Schädelknochen reichende
Schnittverletzung an dessen linken Halsseite hinter dem linken Ohr sowie die er-
wähnten diversen Schnittverletzungen am Bauch, an der Brust und an den Fin-
gern des Privatklägers verursacht, welche eine sofortige notfallmässige Behand-
lung im Spital sowie mehrere Nachbehandlungen beim Hausarzt erforderlich ge-
macht hätten.
1.6. Beim geschilderten Einsatz des scharfklingigen Schwertes, namentlich
dem Schnitt in die linke Halspartie und dem Schnitt in den Oberbauch des Privat-
klägers, habe der Beschuldigte um das möglicherweise Anschneiden von direkt
unterhalb der Haut sich befindenden wichtigen Blutgefässen am Hals (Hals-
schlagader) und am Bauch (Bauchaorta und grosse Hohlvene) sowie die damit
verbundenen möglichen tödlichen Folgen, welche nur durch Zufall nicht eingetre-
ten seien, gewusst. Diese Todesfolge habe der Beschuldigte gewollt oder zumin-
dest in Kauf genommen.
1.7. Da der Privatkläger und D._ gegen den Willen des berechtigten
Beschuldigten in dessen Scheune eingedrungen seien und dieser Zustand ange-
dauert habe, sei dieser berechtigt gewesen, den Angriff in einer den Umständen
angemessenen Weise abzuwehren. Durch das zuvor beschriebene Verhalten ha-
be der Beschuldigte die Grenzen der erlaubten Notwehr jedoch in krasser Weise
überschritten.
2. Unter dem Titel "Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz" wird
dem Beschuldigten ausserdem vorgeworfen (Urk. 40 S. 7 f.), in der Zeit zwischen
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ca. 1. August 2011 und 7. Januar 2012 in der von ihm gemieteten Scheune in
E._ zwei Indoor-Hanfplantagen mit einer Kapazität von je ca. 50 Hanfpflan-
zen betrieben zu haben und dabei insgesamt 2 Mal ca. 100 Jungpflanzen der
Marke „Acapulco Gold“ aufgezogen und bis zur Blüte gebracht zu haben. Davon
habe er die erste Hälfte von ca. 12 (recte: 1,2) Kilogramm Marihuana (ca. 100
Hanfstauden), welches zum Teil zum Verkauf und teilweise zum Eigenkonsum
bestimmt gewesen sei, geerntet. Den noch nicht verkauften oder konsumierten
Rest von insgesamt 1‘345 Gramm (Bruttogewicht) habe er im gemieteten Haus
nebenan verkaufsbereit in 14 verschiedenen Säcken und den anderen Teil an
verschiedenen Örtlichkeiten im Haus gelagert. Die sich noch im Wachstum befin-
denden 43 Hanfstauden, welche der Privatkläger und D._ hätten entwenden
wollen, habe der Beschuldigte zu einem späteren Zeitpunkt zu ernten und an-
schliessend zu verkaufen resp. einen Teil davon selber zu konsumieren beabsich-
tigt.
3. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Schlusseinvernahme vom
21. März 2013 machte der Beschuldigte keinerlei Aussagen zur Sache mehr
(Urk. 14/6 S. 2 ff.). Vor Vorinstanz anerkannte er dann den äusseren Ablauf der
Sachdarstellung der Anklageschrift, machte indessen wie bereits im Vorverfahren
(Urk. 14/1 S. 2; Urk. 14/2 S. 14; Urk. 14/3 S. 4) im Wesentlichen geltend, der Pri-
vatkläger habe ihn und seinen Kollegen G._ in der Scheune erwartet, da
G._ und er vorgängig relativ viel Lärm gemacht hätten, in der Hoffnung, die
Endringlinge wären dann bereits verschwunden, bevor sie die Scheune betreten
würden. Seines Erachtens habe er sich verteidigt, da er mit einem Pfefferspray
und einem Messer angegriffen worden sei. Er habe mit den Einbrechern reden
wollen. Er und G._ seien sicher nicht auf leisen Sohlen in den Scheunenvor-
raum eingetreten (Urk. 14/3 S. 6; Urk. 57 S. 14 ff.). Die Verletzungen des Privat-
klägers durch das Schwingen des Schwertes und im Gerangel zugefügt zu haben,
bestritt der Beschuldigte vor Vorinstanz dagegen nicht (Urk. 57 S. 20 f.). Er habe
nicht die Polizei alarmiert wegen der Hanfplantage. Er habe gewusst, dass man
Hanf nicht anbauen dürfe. Das Marihuana habe nur aus einer Indooranlage ge-
stammt, und es seien 43 Pflanzen gewesen. Er habe ausschliesslich für den Ei-
genkonsum produziert (Urk. 57 S. 11 ff., S. 15; Urk. 61 S. 11).
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3.1. Der Privatkläger machte demgegenüber geltend, nichts gehört zu ha-
ben, bevor der Beschuldigte den Raum betreten habe (Ur. 14/3 S. 6 f.).
3.2. Bei dieser Darstellung blieb der Beschuldigte auch im Berufungsverfah-
ren (Prot. II S. 10-13; Urk. 99 S. 5-12).
4. Die vom Beschuldigten bestrittenen Teile des der Anklage zugrunde lie-
genden Sachverhalts sind daher aufgrund der Untersuchungsakten und der vor
Gericht vorgebrachten Argumente nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu
würdigen.
4.1. Die Vorinstanz hat die rechtstheoretischen Grundlagen der Beweiswür-
digung und der Würdigung von Aussagen mit der Unterscheidung zwischen der
allgemeinen Glaubwürdigkeit der aussagenden Person und der Glaubhaftigkeit
des konkreten Inhalts der Aussagen korrekt aufgeführt (Urk. 82 S. 7 ff.) und die
konkrete Glaubwürdigkeit der einvernommenen Personen zutreffend gewürdigt.
Es kann vollumfänglich darauf verwiesen werden (Urk. 82 S. 10 ff.; Art. 82 Abs. 4
StPO).
4.2. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung bei der Würdigung von Aussagen nicht mehr wie früher Gewicht
auf die generelle Glaubwürdigkeit des Einvernommenen im Sinne einer dauerhaf-
ten personalen Eigenschaft gelegt wird, sondern diesem Gesichtspunkt kaum
mehr relevante Bedeutung zukommt. Weitaus bedeutender für die Wahrheitsfin-
dung ist die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage, welche durch methodische
Analyse ihres Inhalts darauf überprüft wird, ob die auf ein bestimmtes Geschehen
bezogenen Angaben einem tatsächlichen Erleben des Aussagenden entspringen
(BGE 133 I 33 E. 4.3).
5. Es sind daher nochmals die wesentlichen Aussagen der befragten Betei-
ligten zu den vom Beschuldigten bestrittenen Sachverhaltsteilen näher zu be-
trachten.
5.1. Der Privatkläger hat bereits zu Beginn seiner ersten polizeilichen Befra-
gung vom 7. Januar 2012, ca. vier Stunden nach dem Vorfall, und damit tatnah,
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zu Protokoll gegeben (Urk. 15/1 S. 1 ff.), er habe sich zusammen mit seinem
Cousin in einem Raum, einer Indoor-Anlage, in einer Scheune befunden. Plötzlich
hätten sich dort zwei oder drei Leute auch im Raum, bzw. im Türrahmen, befun-
den. Dies wiederholte er nochmals anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Be-
fragung als Beschuldigter am Abend des 8. Januar 2012 (Urk. 15/3 S. 2 f.). Einer
davon hätte ein "Katana"-Schwert bei sich gehabt und sei auf ihn losgegangen
(Urk. 15/3 S. 4). Gegen diesen Angreifer habe er den Pfefferspray eingesetzt, als
dieser sein Schwert gegen ihn erhoben und habe einsetzen wollen. Nach dem
Einsatz des Pfeffersprays sei es zu einem Gerangel zwischen ihm und dem An-
greifer (dem Beschuldigten) gekommen. Es seien zwei Leute gewesen, die in den
Raum eingetreten seien. Einer sei mit erhobenem Schwert geradewegs auf ihn zu
gelaufen. Er habe den Eindruck gehabt, dieser wolle ihn umbringen. Daher habe
er seinen vorher auf dem Tisch deponierten Pfefferspray behändigt und gegen
den Angreifer gesprayt (S. 6). Er habe versucht, mittels Pfefferspray den Angriff
abzuwehren und mit einem Biss habe er versucht, die Angreifer abzulenken, da-
mit er habe abhauen können. Mit einer anderen Waffe sei er nicht vorgegangen
(S. 8). Letztere Angabe wiederholte der Privatkläger in seiner zweiten polizeili-
chen Befragung am Nachmittag des Folgetages erneut mehrfach (Urk. 15/2
S. 3 f., S. 4, S. 6).
Aus den Aussagen des Privatklägers geht hervor, dass er den Beschuldig-
ten nicht unnötig belastete, indem er beispielsweise den Einsatz des Schwertes
dramatisiert hätte. Er erklärte vielmehr, nicht sagen zu können, wie es zur Verlet-
zung an seinem Kopf gekommen war (z.B. Urk. 14/4 S. 8, S. 11), auch wenn der
Einsatz des Schwertes in ihm grosse Angst ausgelöst hatte (ebenda, S. 10). Sei-
ne Schilderungen wirken glaubhaft, während sich aus den Aussagen des Be-
schuldigten ergibt, dass dieser stets bestrebt war, den Privatkläger als Angreifer
darzustellen, um seinen martialisch anmutenden Einsatz des Samurai-Schwertes
gegen Einbrecher, welche lediglich seine Hanfstauden behändigen wollten, als
Notwehrsituation darstellen zu können.
5.2. Auch der Cousin des Privatklägers, D._, sagte am 8. Januar 2012
anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Hafteinvernahme als Beschuldigter im
- 17 -
Wesentlichen aus (Urk. 16/2 S. 3 ff.), sie hätten zuerst die Blüten der Pflanzen
abgerissen. Mit einer im Raum herumliegenden Baumschere hätten sie dann die
ganze Pflanze abgeschnitten und in Abfallsäcke verpackt. Dann seien sie über-
rascht worden. Er glaube, es seien zwei Personen gewesen. Sicher sei er sich je-
doch nicht. Die beiden seien plötzlich hereingestürmt. Rufe oder Stimmen habe er
zuvor nicht gehört. Einer von den Beiden habe ein Samurai-Schwert in beiden
Händen gehabt. Das Ganze sei sehr schnell gegangen. Derjenige mit dem
Schwert sei sofort auf den Privatkläger losgerannt. Er habe sich sofort in der Plas-
tikabtrennung versteckt. Der andere habe das Schwert mit beiden Händen vor
sich auf Kopfhöhe mit dem Griff gehalten, wie wenn man mit einem Schwert aus-
hole. Weil er sich versteckt habe, habe er nicht gesehen, was der Beschuldigte
mit dem Schwert dann gemacht habe. Der Privatkläger habe den Pfefferspray da-
bei gehabt, sonst nichts. Er habe gerochen und gespürt, dass der Privatkläger
den Pfefferspray eingesetzt habe. Gesehen habe er dies nicht. Ein Messer habe
er nicht gesehen.
Anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Befragung als Auskunftsperson
vom 2. Februar 2012 bestätigte D._ seine früheren Aussagen auch in Ge-
genwart des Beschuldigten und dessen damaligen Verteidigers und ergänzte
(Urk. 16/3 S. 2 ff.), etwas schreien gehört zu haben. Einer mit einem Schwert sei
da gewesen, und er sei in Deckung gegangen. Er habe vom Ganzen optisch nicht
mehr viel mitbekommen. Er habe nur mitbekommen, dass es zwei Personen ge-
wesen seien und einer ein Schwert nach oben gehalten habe und reingerannt sei.
Auf Frage, ob er zuvor irgendwelche Rufe oder Stimmen gehört habe, bevor er
die beiden Personen gesehen habe, erklärte er (S. 3), nein, es sei gleichzeitig ge-
schehen. Der Beschuldigte habe das Schwert über dessen Kopf nach hinten ge-
halten. Der Griff sei auf der Höhe des Kopfes gewesen. Der Beschuldigte sei mit
dem Schwert in den Raum hinein marschiert, mehr oder weniger im Stechschritt.
Als er den Beschuldigten mit dem Schwert gesehen habe, habe er sich aus
Furcht vor dem Schwert sofort versteckt. Weder er noch der Privatkläger hätten
an diesem Abend ein Messer in den Händen gehalten.
- 18 -
5.3. Die Ehefrau des Beschuldigten hat als Zeugin anlässlich ihrer staatsan-
waltschaftlichen Befragung vom 21. März 2013, mithin mehr als 14 Monate nach
den anklagegegenständlichen Geschehnissen, erklärt, bei den Geräuschen, an
denen sie am 7. Januar 2012 erwacht sei, habe es sich um Stimmen von
draussen gehandelt. Erkannt habe sie die Stimme ihres Mannes. Hilfeschreie ha-
be sie nicht gehört (Urk. 18 S. 18).
5.4. Anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Befragung als Auskunftsper-
son vom 2. Februar 2012 gab G._, Kollege des Beschuldigten, in dessen
Gegenwart und von dessen Verteidiger diesbezüglich zu Protokoll (Urk. 17/3 S. 6,
S. 8), er habe nichts gerufen, bevor er in den Raum eingetreten sei. Vom Be-
schuldigten habe er auch nichts gehört. Lediglich als er (noch) im Haus drinnen
gewesen sei und das Fenster und die Läden geöffnet habe, habe er laut hinaus-
geschrien: "Haut ab!" (Urk. 17/3 S. 6).
5.5. Aus den glaubhaften Aussagen des Kollegen des Beschuldigten ergibt
sich demnach, dass er zwar beim Öffnen des Fensters zunächst laut gerufen hat-
te, vor dem Betreten der Scheune aber nicht mehr. Dies bestätigt die Darstellung
des Privatklägers und seines Cousins, wonach sie keine Schreie oder Stimmen
gehört hatten, bevor der Beschuldigte in den Raum kam. Beide hatten diese Aus-
sage unabhängig von einander bereits in ihrer ersten polizeilichen Befragung zu
Protokoll gegeben und später widerspruchsfrei bestätigt. Angesichts der zeitlichen
Verhältnisse liegen keinerlei Anhaltspunkte für eine Absprache vor, zumal der Pri-
vatkläger durch die Ambulanz ins Spital und D._ von der Polizei nach der
Tatortbesichtigungsfahrt auf den Polizeiposten gebracht worden war und sein
Mobiltelefon erst anlässlich der Hausdurchsuchung teilweise im Wohnhaus des
Beschuldigten und teilweise (rückseitige Abdeckung und Batterie) im Raum der
Hanfplantage sichergestellt worden war (Urk. 1 S. 9; Urk. 16/2 S. 4 u.; Urk. 1
S. 7). Zudem hatten beide ohne Beizug eines Rechtsvertreters, welcher sie auf
eine spätere rechtliche Relevanz dieser Angaben hätte hinweisen können, ausge-
sagt. Auch die Zeugenaussage der Ehefrau des Beschuldigten ist nicht geeignet,
diese Angaben des Privatklägers und seines Cousins in Zweifel zu ziehen. Zwar
hat sie nach dem Erwachen draussen u.a. die Stimme des Beschuldigten gehört.
- 19 -
Da sie dann die Treppe hinunter lief und in der Folge bereits vier Personen auf
dem Hof sah (Urk. 18 S. 6), beziehen sich ihre Wahrnehmungen erst auf jenen
Zeitraum, als die Beteiligten bereits im Begriffe gewesen sein mussten, die
Scheune wieder zu verlassen. Dass der Beschuldigte gleichzeitig mit dem Betre-
ten des Raumes mit erhobenem Schwert schliesslich etwas schrie, ist auch durch
die Aussagen des Beschuldigten und von D._ untermauert (Urk. 14/3 S. 3;
Urk. 15/3 S. 3; Urk. 16/2 S. 4; Urk. 16/3 S. 2 f.).
Demzufolge ist der Anklagesachverhalt, wonach G._ noch im Wohn-
haus aus dem Fenster gerufen hatte, die Einbrecher sollten verschwinden
(Urk. 40 S. 3), erstellt. Die Darstellung des Beschuldigten, wonach die Einbrecher
aufgrund von durch ihn und G._ noch vor der Scheune verursachten Lärms
vorgewarnt gewesen seien, als er den Raum betreten habe, lässt sich indessen
nicht belegen, und es kann nicht darauf abgestellt werden, zumal sein Kollege,
G._, nichts dergleichen ausgesagt hat und der Privatkläger und sein Cousin
übereinstimmend stets glaubhaft aussagten, vom Beschuldigten und von G._
überrascht worden zu sein. Ebenso wenig lässt sich der Anklagesachverhalt in-
soweit erstellen, dass der Beschuldigte und G._ sich auf leisen Sohlen in die
Scheune begeben haben sollen.
5.6. Die Darstellung des Beschuldigten mit dem angeblichen Messerangriff
des Privatklägers geht nicht auf.
5.6.1. Er beschreibt selber bloss den Einsatz des Pfeffersprays durch den
Privatkläger und macht geltend, das angebliche Messer in dessen Hand wegen
der Wirkung des Pfeffersprayeinsatzes gegen ihn nicht richtig gesehen zu haben.
Weiter macht er geltend, das Schwert erst gegen die Hände des Privatklägers
eingesetzt zu haben, nachdem er bereits besprüht worden, mithin bereits ange-
griffen worden sei. Wenn dem so wäre, müsste er, bevor er besprüht wurde,
zwangsläufig zuerst das Messer in der anderen Hand des Privatklägers gesehen
haben. So beschreibt er das Vorgefallene aber eben gerade nicht.
5.6.2. Das Ergebnis der DNA-Untersuchung des sichergestellten Messers
stützt die Darstellung des Beschuldigten ebenfalls nicht. Da nicht nur keine DNA-
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Spuren von ihm, sondern auch keine solchen des Privatklägers auf dem Messer
asserviert wurden (Urk. 13/2 S. 2), ist viel wahrscheinlicher, dass sich dieses
Messer bereits vor den anklagegegenständlichen Vorkommnissen in jenen Räum-
lichkeiten befand, wo es dann später am Morgen durch den Beschuldigten und
die Polizei offenbar am Boden aufgefunden worden war, wie dies im Übrigen auch
der Privatkläger, sein Cousin D._ und der Kollege des Beschuldigten,
G._ geltend machten (Urk. 14/3 S. 5; Urk. 16/2 S. 5; Urk. 16/3 S. 3 f.;
Urk. 17/1 S. 3 f.; Urk. 17/2 S. 4; Urk. 17/3 S. 5 f.). Heute führte der Beschuldigte
zur Erklärung, weshalb keine DNA des Privatklägers am sichergestellten Messer
habe festgestellt werden können, aus, der Privatkläger habe eventuell Handschu-
he getragen. Einen Handschuh habe man schliesslich auch am Tatort gefunden.
Dieser gehöre dem Privatkläger (Prot. II S. 13). Dies macht der Beschuldigte heu-
te zum ersten Mal geltend, weshalb dies als Schutzbehauptung zu qualifizieren
ist. Im Übrigen ist nicht nachvollziehbar, weshalb der Privatkläger zwecks Ab-
schneiden der Hanfstauden mit dem eigenen Messer Handschuhe getragen ha-
ben soll.
5.6.3. Der Beschuldigte beschreibt weiter auch keinen Angriff des Privatklä-
gers mit dem Brecheisen, welches dieser ebenfalls in seiner zweiten Hand gehal-
ten haben könnte. Er erklärte sowohl anlässlich der staatsanwaltschaftlichen
Hafteinvernahme vom 8. Januar 2012 als auch in der Konfrontationseinvernahme
mit dem Privatkläger vom 2. Februar 2012 nur, aufgrund der Wirkung des Pfeffer-
sprays nichts Genaues gesehen zu haben. Wenn es kein Messer gewesen sei,
dann müsse es halt das Brecheisen gewesen sein. Er habe aufgrund des späte-
ren Fundes des Messers angenommen, dass der Privatkläger ein Messer in der
anderen Hand gehalten gehabt habe (Urk. 14/2 S. 7 f.; Urk. 14/3 S. 4). Auch be-
reits bei der ersten polizeilichen Befragung am 7. Januar 2012 führte der Be-
schuldigte dazu aus: "Er spritzte mit dem Pfefferspray ins Gesicht. In der anderen
Hand hatte er ein Messer. Es liegt noch dort. In der linken hatte er den Spray und
in der rechten etwas anderes. Ich habe später erst gesehen, dass es ein Messer
ist."(Urk. 14/1 S. 2). Er sagt somit selber aus, er habe im ersten Moment "etwas"
in der rechten Hand des Privatklägers gesehen, sagt aber somit nicht aus, er ha-
be ein Messer gesehen. Im Weiteren ist davon auszugehen, dass der Beschuldig-
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te, hätte der Privatkläger tatsächlich das sichergestellte Messer in der Hand ge-
halten, wie dies heute von der Verteidigung ausgeführt wurde (Prot. II S. 14), die-
ses bereits im ersten Moment, noch vor dem Einsatz des Pfeffersprays und als er
noch klar sehen konnte, hätte erkennen müssen. Denn das Messer weist eine
nicht unerhebliche Länge von total 31 Zentimetern und eine Klingenlänge von 19
Zentimeter auf (Urk. 13/1; Urk. 22/18; vgl. auch Urk. 5 Foto 27). Der Beschuldigte
zieht daher bloss Schlüsse aus Erkenntnissen, welche er erst später erlangt hatte,
trifft gestützt darauf Annahmen und äussert Vermutungen, welche nichts gemein-
sam haben mit selber erlebten Wahrnehmungen, auf welche allenfalls als Be-
weismittel abgestellt werden könnte.
5.6.4. Wie bereits dargelegt, müsste der Beschuldigte jedoch genauer gese-
hen haben, was der Privatkläger in seiner zweiten Hand gehalten haben könnte,
bevor dieser – als Rechtshänder – mit der rechten Hand (z.B. Urk. 15/2 S. 6 f.)
unbestrittenermassen den Pfefferspray gegen ihn einsetzte. Der Privatkläger er-
klärte anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 2. Februar 2012, wie bereits
bei der Polizei stets übereinstimmend (Urk. 15/1 S. 4; Urk. 15/2 S. 4; Urk. 14/3
S. 5), zum Zwecke des Einbrechens ein Brecheisen mitgebracht, dieses bei der
Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten aber auf jeden Fall nicht mehr in den
Händen gehabt zu haben. Ein Messer hätten sie nicht mitgebracht. Sein Kollege
habe mit irgendetwas die Pflanzen geschnitten. Das Schnittinstrument müsse aus
der Scheune gestammt haben.
5.6.5. Gegen die Darstellung des Beschuldigten mit dem Messer spricht
ausserdem auch noch die glaubhafte Zeugenaussage seiner Ehefrau vom
21. März 2013 bei der Staatsanwaltschaft, wonach ihr jetzt noch in den Sinn ge-
kommen sei, dass der Beschuldigte nach deren Rückkehr ins Haus zu G._
(G._) gesagt habe, dass er die Waffen, welche die Einbrecher dabeigehabt
hätten, ins Haus genommen habe (Urk. 18 S. 7 f.). Nachdem das durch die Poli-
zei sichergestellte und auf DNA-Spuren untersuchte Messer erst später am Vor-
mittag im Innenraum der Scheune entdeckt worden war (Urk. 5, Foto 27;
Urk. 12/2 S. 9; Urk. 14/1 S. 5; Urk. 14/3 S. 4), weist auch dies darauf hin, dass es
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nicht vom Privatkläger und von D._ mitgebracht und gegen den Beschuldig-
ten eingesetzt worden sein dürfte.
5.6.6. Schliesslich hat auch G._, Kollege des Beschuldigten, anlässlich
seiner ersten polizeilichen Befragung ca. sechs Stunden nach den anklagegegen-
ständlichen Geschehnissen und nochmals am Folgetag als Beschuldigter auf die
Frage, welche Waffen bei dieser Auseinandersetzung im Spiel gewesen seien,
ausgesagt, das Samurai-Schwert und ein "Totschläger". Sonst habe er nichts ge-
sehen, nur das Schwert (Urk. 17/1 S. 3 f.; Urk. 17/2 S. 4). Die eigentliche Ausei-
nandersetzung mit dem Samurai-Schwert habe er nicht gesehen. Erst nach sei-
nem Gerangel mit D._ habe er sich auf den Privatkläger gestürzt und dessen
klaffende Wunde am Hals gesehen und diesen und den Beschuldigten voneinan-
der getrennt (Urk. 17/2 S. 2 ff., S. 5). Anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen
Befragung als Auskunftsperson vom 2. Februar 2012 bestätigte G._ die vor-
stehend wiedergegebenen Aussagen in Gegenwart des Beschuldigten und von
dessen Verteidiger vollumfänglich (Urk. 17/3 S. 2 ff.).
5.6.7. Obwohl der Beschuldigte dem Privatkläger vorwirft, dieser sei in sein
Haus eingebrochen und habe ihn mit einem Pfefferspray und einem "angeblichen
Brecheisen" bedroht, schilderte er abgesehen vom Einsatz des Pfeffersprays zu
keinem Zeitpunkt anschaulich und konkret eine vom Privatkläger aufgebaute
mögliche Drohkulisse mit einer Waffe oder dergleichen. Wenn es eine solche ge-
geben hätte, dann hätte der Beschuldigte, wie bereits erwogen, zunächst auch
den zweiten, angeblich vom Privatkläger in der linken Hand gehaltenen Gegen-
stand einen Moment lang sehen müssen, bevor der Privatkläger den Pfefferspray
einsetzte. Vor Vorinstanz sagte er diesbezüglich immerhin aus (Urk. 57 S. 18 u.),
im ersten Moment habe er noch gesehen. Als der Pfefferspray gekommen sei,
habe er nichts mehr gesehen. Gegenteilige Schilderungen des Beschuldigten im
Vorverfahren erweisen sich daher als Schutzbehauptung. Da er zunächst noch
uneingeschränkt hatte sehen können, kann er sich über das Vorhandensein von
Gegenständen in den Händen entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 61
S. 10) auch nicht im Sinne von Art. 13 Abs. 1 StGB geirrt haben.
- 23 -
5.6.8. Es bleibt damit ein Einsatz des Pfeffersprays als erstelltes Vorgehen
des Privatklägers gegenüber dem Beschuldigten übrig. Der Anklagesachverhalt
erweist sich mit der Vorinstanz (Urk. 82 S. 17) auch insoweit als erstellt (Urk. 40
S. 3, 2. Absatz). Bei einem Pfefferspray handelt es sich im Übrigen nicht um eine
Angriffswaffe, welche primär der Verletzung eines Kontrahenten dient, sondern
vielmehr um ein Verteidigungsinstrument, welches dazu verwendet wird, einen
Kontrahenten an einem möglichen Angriff zu hindern und bloss vorübergehend
auszuschalten.
5.6.9. Von wesentlicher Bedeutung ist schliesslich auch, wie der Beschuldig-
te den Raum, in dem sich der Privatkläger aufhielt, betrat und wie er sich bewegt
hat, zumal der Beschuldigte geltend macht, dass alles nicht passiert wäre, wenn
der Privatkläger stehengeblieben wäre. Der Privatkläger habe zuerst "auf ihn ein-
gesprayt" (Urk. 14/2 S. 14; Urk. 14/3 S. 4).
5.6.9.1. In diesem Zusammenhang ist weiter von Bedeutung, dass der Be-
schuldigte anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 2. Februar 2012 mit
dem Privatkläger auf Frage selber ausdrücklich bestätigte (Urk. 14/3 S. 7 u.), dass
es richtig sei, dass er, als er in den Raum eingetreten sei, das Schwert vor sich
gehalten habe und zwei, drei Schritte so auf den Privatkläger zu gemacht und
"Halt, stehenbleiben" gerufen habe, worauf er dann Pfeffer in die Augen gesprayt
erhalten habe und der Privatkläger mit dem Pfefferspray auf ihn zugegangen sei.
Dies hat der Beschuldigte auch in der Berufungsverhandlung so ausgeführt. Ins-
besondere sagte er auch aus, er habe mit dem Schwert die Plache hochgehoben
und dann zwei, drei Schritte in den Raum gemacht (Prot. II S. 10). Somit betrat
der Beschuldigte gemäss eigenen Angaben den Raum mit erhobenem Schwert.
Von einem Sturmlauf des Beschuldigten, wie dies die Staatsanwaltschaft schilder-
te (Urk. 98 S. 2), kann jedoch keine Rede sein. Dies ist insbesondere auch auf-
grund der engen räumlichen Verhältnisse im Vorraum der Scheune, wo der Be-
schuldigte auf den Privatkläger traf (vgl. Urk. 5 Foto 24-26), nicht realistisch und
wird im Übrigen von keinem der Beteiligten geltend gemacht.
5.6.9.2. Aus der eigenen Darstellung des Beschuldigten, welche überdies
durch die diesbezüglichen Aussagen des Privatklägers und – soweit er es über-
- 24 -
haupt hatte beobachten können – auch den diesbezüglichen Aussagen von
D._ untermauert wird (vgl. vorstehend, Erw. III. 5.1. und 5.2., und in abge-
schwächter Form auch in Urk. 57 S. 17 ff.), ergibt sich somit offenkundig, dass er
beim Betreten des Raumes das Schwert in bedrohlicher Weise hochhaltend, noch
mit uneingeschränkter Sehfähigkeit, zwei, drei Schritte auf den Privatkläger zu
gemacht hatte, worauf dieser (erst) den Pfefferspray einsetzte. Damit lag aber
auch nach eigener Darstellung des Beschuldigten und entgegen der vorinstanzli-
chen Beweiswürdigung (Urk. 82 S. 24 ff.) initial kein Angriff des Privatklägers vor,
den es im aller ersten Augenblick seines Betretens des Raumes vom Beschuldig-
ten abzuwehren gegolten hätte. Dem Einsatz des Pfeffersprays durch den Privat-
kläger waren demnach vielmehr zwei, drei Schritte des Beschuldigten mit hoch-
gehaltenem Schwert in Richtung des Privatklägers vorausgegangen, mithin eine
martialisch anmutende, unmittelbare Drohgebärde des Beschuldigten gegenüber
dem Privatkläger. Soweit der Beschuldigte geltend macht, er habe mit den Ein-
dringlingen reden wollen (z.B. Urk. 57 S. 16), ist dies unter den gegebenen Um-
ständen als nachgeschobene Schutzbehauptung zu werten, welche überdies
auch noch seiner weiteren – ebenfalls nicht erhärteten – Darstellung (vgl. vorste-
hend, Erw. III.5.5.) diametral zuwiderläuft, wonach er und G._ absichtlich
Lärm gemacht hätten, in der Hoffnung dann niemanden mehr in der Scheune an-
zutreffen.
5.7. Schliesslich sprechen nicht nur die Aussagen des Privatklägers, son-
dern auch jene des Beschuldigten anlässlich ihrer Konfrontationseinvernahme
(Urk. 14/3 S. 7 ff.), und das beim Privatkläger festgestellte Verletzungsbild
(Urk. 7/2) dafür, dass dieser in der Folge – nach dem Einsatz des Pfeffersprays –
im Wesentlichen darum bemüht war, den Einsatz des Samurai-Schwertes durch
den Beschuldigten abzuwehren ohne ein Messer oder einen anderen waffenähn-
lichen Gegenstand zu verwenden, während der Beschuldigte selber mit Ausnah-
me der vorübergehenden Beeinträchtigung seiner Sehfähigkeit und einer Schür-
fung am rechten Ellbogen (Urk. 8/1), keine erheblichen Beeinträchtigungen durch
die Auseinandersetzung mit dem Privatkläger erlitt. Zum Verletzungsbild ist in
Abweichung zur Anklageschrift (Urk. 40 S. 4) und den Ausführungen der Staats-
anwaltschaft (Urk. 98 S. 3 und 8) festzuhalten, dass es sich bei der Schnittwunde
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des Privatklägers am linken Zeigefinger "nur" um eine bis in die Unterhaut ("bis in
die Subkutis reichend") und nicht bis auf den Knochen reichende Verletzung han-
delte (Urk. 7/1 und 7/2 S. 2). Ob die Verletzungen des Privatklägers, insbesonde-
re diejenige an der linken Halsseite, während des Gerangels im Stehen oder am
Boden liegend - die Verteidigung macht geltend, der Privatkläger habe sich diese
beim Sturz auf den Boden zugezogen (Urk. 99 S. 11) - entstanden sind, kann of-
fen bleiben. Relevant ist, dass sich der Privatkläger diese im Gerangel mit dem
Beschuldigten, wie es auch in der Anklageschrift umschrieben ist (Urk. 40 S. 4),
zugezogen hat und der Beschuldigte diese dem Privatkläger nicht durch ein be-
wusstes zustechen zugefügt hat.
5.8. Nach dem Dargelegten kann auf die Aussage des Beschuldigten, wo-
nach er das Samurai-Schwert zur Abwehr des Pfeffersprayeinsatzes und einer
weiteren vom Privatkläger in der anderen Hand gehaltenen Waffe (Messer oder
Ähnliches) gegen den Privatkläger eingesetzt habe, in Übereinstimmung mit der
vorinstanzlichen Beweiswürdigung (Urk. 82 S. 24, 27) nicht abgestellt werden.
Nicht zu folgen ist der vorinstanzlichen Beweiswürdigung indessen mit deren
Schlussfolgerung, es lasse sich nicht erstellen, dass der Beschuldigte unvermittelt
auf den Privatkläger zugegangen sei und mit dem Schwert zum Schlag gegen
diesen ausgeholt habe (Urk. 82 S. 27). Wie bereits dargelegt (vorstehend,
Erw. III.5.6.9.2.), ging dem Angriff des Beschuldigten kein initialer Angriff des Pri-
vatklägers voraus, den es im aller ersten Augenblick seines Betretens des Rau-
mes abzuwehren gegolten hätte. Vielmehr war es der Beschuldigte, der das
Schwert vor sich hochhaltend den Raum betrat und zwei, drei Schritte unvermittelt
auf den Privatkläger zu machte und "Halt, stehenbleiben" rief, so wie es ihm im
Anklagesachverhalt zur Last gelegt wird (vgl. Urk. 40 S. 3, 2. Absatz), worauf der
Privatkläger – auf diese martialisch anmutende, unmittelbare Drohgebärde reagie-
rend – (erst) mit dem Pfefferspray umgehend in die Richtung des Beschuldigten
sprühte.
Somit erweist sich auch dieser vom Beschuldigten bestrittene Bestandteil
des Anklagesachverhaltes (Urk. 40 S. 3 2. Absatz) als erstellt.
- 26 -
5.9. Zum Vorwurf der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz
machte der Beschuldigte bereits in seiner staatsanwaltschaftlichen Befragung
vom 2. Februar 2012 geltend, die Hanfpflanzen seien für seine Gesundheit gewe-
sen, um ihn zu heilen (Urk. 14/4 S. 2).
5.9.1. Vor Vorinstanz sagte er auf Frage aus, er sei gesund. Ihm gehe es
gut. Angesprochen auf Gelenkschmerzen gab er zu Protokoll (Urk. 57 S. 4 f.), er
spüre Gelenkschmerzen "im linken Gelenk" und behandle es mit Tinkturen und
mit homöopathischen Arzneimitteln. Aus dem psychiatrischen Gutachten geht
hervor, dass es sich dabei um Gelenkschmerzen im linken Ellbogen handelt, wel-
che ca. 2010 oder 2011 erstmals auftraten (Urk. 19/9 S. 7, S. 14). Im Winter spüre
er es weniger, da er körperlich weniger streng arbeite. Er sei immer noch hyper-
aktiv. Er nehme homöopathische Mittel, wie Lavendel und Baldrian. Das beruhige
ihn. Er treibe auch viel Sport in den Bergen. Er bewege sich viel, gehe Spazieren,
etc. Seit Dezember 2011 (recte: 2012) habe er kein Marihuana mehr geraucht. Er
gebe regelmässig Proben ab. Dass er das von ihm produzierte Marihuana hätte
verkaufen wollen, sei eine Unterstellung. Er habe ausschliesslich für den Eigen-
konsum anbauen wollen. Auch für seine Tinkturen zur Behandlung seiner Ge-
lenkschmerzen. Die anlässlich der am 7. Januar 2012 durchgeführten Haus-
durchsuchung sichergestellten Gegenstände, eine Vakuumiermaschine, eine Pe-
sola-Waage und eine Kern-Wage hätten nicht ihm gehört, sondern seinem Kolle-
gen G._ (recte: H._), der sie danach mit nach Spanien genommen ha-
be. Er habe eine kleine Vakuumiermaschine verwendet, welche aber nicht be-
schlagnahmt worden sei. Er habe zur Qualitätserhaltung vakuumiert. Es sei ein
Raum mit zwei Lampen und mit 43, nicht 100 Hanfpflanzen gewesen (S. 11 ff.).
Er habe wegen der Hanfplantage nicht die Polizei alarmiert. Er habe gewusst,
dass man Hanf nicht anbauen dürfe. Es sei zutreffend, dass die gesamte Indoor-
Hanfanlage samt den technischen Hilfsmitteln ihm gehört habe (Urk. 57 S. 15).
5.9.2. Zum Konsumverhalten des Beschuldigten gab seine Ehefrau anläss-
lich ihrer Zeugenbefragung vom 21. März 2013 bei der Staatsanwaltschaft zu Pro-
tokoll (Urk. 18 S. 11 ff.), das ADSH-Syndrom sei nicht von einem Arzt festgestellt
worden. Sie denke, der Beschuldigte habe dies von den Symptomen her selber
- 27 -
festgestellt. Hanf habe er zur Beruhigung und gegen Gelenkschmerzen konsu-
miert. Nach der Entlassung aus der Untersuchungshaft habe der Beschuldigte
keine Drogen mehr konsumiert. Scheinbar handelt es sich bei der Diagnose
ADSH-Syndrom um eine Selbstdiagnose des Beschuldigten (vgl. Urk. 18 S. 13 f.),
welche auch keinerlei Grundlage im psychiatrischen Gutachten findet
(vgl. Urk. 19/9 S. 30 ff.).
5.9.3. Der Beschuldigte hat stets anerkannt, dass er in der von ihm gemiete-
ten Scheune eine Indoor-Hanfplantage betrieben und Hanf angebaut hat. Hin-
sichtlich der bestrittenen, ihm in der Anklageschrift zur Last gelegten Menge
(Urk. 40 S. 7), kann vollumfänglich auf die zutreffende Beweiswürdigung im vorin-
stanzlichen Urteil verwiesen werden. Die Vorinstanz kam darin unter Auflistung
der betreffenden polizeilichen Sicherstellungen zutreffend zum Schluss, dass die
vom Beschuldigten erzielte Ernte ca. 600 Gramm Marihuana beträgt und sich ihm
von den weiteren Sicherstellungen die Menge von 763 Gramm Marihuana zuord-
nen lässt (Urk. 82 S. 54 ff., S. 57; Art. 82 Abs. 4 StPO).
5.9.4. Erstellt ist demzufolge lediglich, dass der Beschuldigte zumindest ca.
600 Gramm Marihuana produziert und weitere ca. 763 Gramm besessen hat.
Dass er von diesen Drogen auch an Dritte verkaufte oder zu verkaufen beabsich-
tigte, liess sich nicht erstellen. Namentlich bestehen keinerlei Belastungen von
Dritten, welche Marihuana vom Beschuldigten erworben haben könnten. Ebenso
wenig kann seine Darstellung, das Marihuana zum Zwecke der Erhaltung des
THC-Gehalts (für den Eigenkonsum) vakuumiert zu haben, widerlegt werden,
weshalb er von der Vorinstanz bereits rechtskräftig vom Vorwurf des Verkaufs
dieser Betäubungsmittel freigesprochen wurde (vgl. vorstehend, Erw. II.2.).
IV. Rechtliche Würdigung
1. Die Staatsanwaltschaft hält im Berufungsverfahren daran fest, der Be-
schuldigte habe sich der versuchten Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Ver-
bindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und Art. 16 Abs. 1 StGB im Notwehrexzess straf-
bar gemacht (Urk. 83; Urk. 98). Die Verteidigung beantragt wegen berechtigter
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Notwehr wie vor Vorinstanz einen Freispruch von diesem Vorwurf (Urk. 84 S. 3;
Urk. 99)
2. Die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zur rechtlichen Würdigung
betreffend Versuch, objektive und subjektive Tatbestandselemente der Tötung
und Eventualvorsatz brauchen nicht wiederholt zu werden. Es kann vollumfäng-
lich darauf verwiesen werden (Urk. 82 S. 37 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2.1. Hervorzuheben ist, dass bei der Frage, ob ein Täter die Tatbestands-
verwirklichung in Kauf genommen hat, der Richter bei fehlendem Geständnis auf-
grund der äusseren Umstände zu entscheiden hat. Dazu gehören die Grösse des
dem Täter bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung, die Schwere der
Sorgfaltspflichtverletzung, die Beweggründe und die Art der Tathandlung. Je
grösser die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist und je schwerer
die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto näher liegt die Schlussfolgerung, der
Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen. Der Richter darf
vom Wissen des Täters auf den Willen schliessen, wenn sich dem Täter der Ein-
tritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufdrängt, dass die Bereitschaft, ihn als
Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolgs ausge-
legt werden kann. Eventualvorsatz kann indessen auch vorliegen, wenn der Ein-
tritt des tatbestandsmässigen Erfolges nicht sehr wahrscheinlich, sondern bloss
möglich war. Doch darf nicht allein aus dem Wissen des Täters um die Möglich-
keit des Erfolgseintritts auf dessen Inkaufnahme geschlossen werden. Vielmehr
müssen weitere Umstände hinzukommen (BGE 133 IV 16 f.).
2.2. Die Staatsanwaltschaft schliesst insbesondere aufgrund des vom Be-
schuldigten auf Frage hin eingeräumten Wissens um die Möglichkeit, dass bei ei-
nem solchen Schwerteinsatz auch lebensgefährliche oder tödliche Verletzungen
auftreten könnten (Urk. 14/2 S. 10 ff.; Urk. 14/4 S. 3), darauf, der Beschuldigte
habe die Möglichkeit eines solchen Erfolgseintritts in Kauf genommen (Urk. 58
S. 6). Dabei ist allerdings weiter in Betracht zu ziehen, dass die gravierendste, der
dem Privatkläger zugefügten Verletzungen, die ca. 6 cm lange bis auf den Schä-
delknochen reichende Schnittverletzung an dessen linker Halsseite hinter dem
linken Ohr, laut übereinstimmenden Aussagen des Beschuldigten und des Privat-
- 29 -
klägers und gemäss Anklagevorwurf im Gerangel erfolgte (vgl. Urk. 14/3 S. 8 ff.;
Urk. 40 S. 4 oben; vgl. auch vorstehend Erw. III.5.7.). Die weiteren Verletzungen
des Privatklägers deuten zudem stark darauf hin, dass die Angaben des Beschul-
digten, wonach er das Schwert nicht bis auf Kopfhöhe schwang, zutreffen.
2.2.1. Als weitere Umstände, welche für eine Inkaufnahme von tödlichen
Verletzungen sprächen, führte die Staatsanwaltschaft auf, der Beschuldigte habe
insgesamt mindestens drei Mal auf das Opfer "eingestochen" (Urk. 58 S. 7). Im
Anklagesachverhalt wird dem Beschuldigten indessen weder ein Einstechen auf
den Privatkläger vorgeworfen noch wird ihm ein Verursachen von Stichverletzun-
gen zur Last gelegt. Die Anklage spricht vielmehr von hin- und herschwingen des
Schwertes, mithin von Schwungbewegungen, von einschneiden und von Schnitt-
verletzungen auf Bauch und Brusthöhe (vgl. Urk. 40 S. 3 f.). Die Schwungbewe-
gungen werden vom Beschuldigten auch nicht bestritten (Urk. 14/1 S. 2; Urk. 14/2
S. 8f.; Urk. 14/3 S. 4). Da Stichbewegungen des Beschuldigten mit dem Schwert
nicht Gegenstand der Anklage sind, erweisen sich auch die Ausführungen der
Staatsanwaltschaft zur bundesgerichtlichen Rechtsprechung betreffend Messer-
stiche, mit welcher sie die Würdigung des angeklagten Vorfalls als versuchte vor-
sätzliche Tötung begründet, als für den vorliegenden Fall nicht relevant (Urk. 98
S. 4f.).
2.2.2. Auch aus dem Umstand, dass der Beschuldigte erst vom Privatkläger
abliess, als er von seinem Kollegen G._ zum zweiten Mal eindringlich dazu
aufgefordert worden war, lässt sich entgegen der Auffassung der Anklagebehörde
(Urk. 58 S. 7) nichts Sachdienliches zur Abgrenzung der Inkaufnahme von schwe-
ren Verletzungen von der Inkaufnahme von möglicherweise tödlichen Verletzun-
gen ableiten. Dafür, dass der Beschuldigte sich gar gedacht haben könnte, er ste-
che zu, möge der Privatkläger lebensgefährlich verletzt werden oder gar sterben
(Urk. 58 S. 8), liegen keinerlei Anhaltspunkte vor und wird dem Beschuldigten im
Anklagesachverhalt auch gar nicht vorgeworfen. Schliesslich darf auch nicht un-
berücksichtigt bleiben, dass es das primäre Handlungsziel des Beschuldigten war,
mit dem Einsatz des Schwertes die Eindringlinge zu vertreiben und zu verhindern,
- 30 -
dass ihm seine Hanfpflanzen abhanden kommen würden und er dabei keine ge-
zielten Schwerthiebe oder -stiche ausführte.
2.2.3. All diese Umstände deuten vielmehr darauf hin, dass der Beschuldigte
den Privatkläger zwar verletzen wollte und angesichts seines Vorgehens auch
gravierende Verletzungen in Kauf nahm, aber wohl kaum einkalkulierte, den Pri-
vatkläger durch sein Vorgehen möglicherweise gar zu töten.
2.3. Demzufolge hat der Beschuldigte auch den subjektiven Tatbestand der
(eventual-)vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB nicht erfüllt.
3. Der Tatbestand der schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122
StGB und die Voraussetzungen eines strafbaren Versuches im Sinne von Art. 22
Abs.1 StGB wurden durch die Vorinstanz wiederum korrekt wiedergegeben und
mit überzeugender Begründung erwogen, dass die Verletzungen des Privatklä-
gers nicht lebensgefährlich waren und einige sogar innerhalb weniger Tage bis
Wochen folgenlos und andere unter Narbenbildung abheilten, weshalb sie in ob-
jektiver Hinsicht zurecht als einfache Körperverletzungen im Sinne von Art. 123
Ziff. 1 Abs. 1 StGB qualifiziert wurden. Weiter haben die Vorderrichter mit zutref-
fender Begründung erkannt, dass dem Beschuldigten durchaus bewusst war,
dass er durch seinen Einsatz des Schwertes an den Händen und Armen, aber
auch am Körper oder gar am Hals und am Kopf des Privatklägers lebensnotwen-
dige Blutgefässe hätte durchtrennen und diesen dadurch hätte schwer verletzen
können, weshalb sie korrekt zum Schluss gelangten, dass der Beschuldigte die
nahe Möglichkeit einer schwerwiegenden Verletzung der körperlichen Integrität
des Privatklägers zumindest in Kauf nahm und der subjektive Tatbestand der
schweren Körperverletzung daher erfüllt ist. Um unnötige Wiederholungen zu
vermeiden, kann vollumfänglich auf die vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen
werden (Urk. 82 S. 42 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
4. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Vorinstanz gehen in ihrer
rechtlichen Würdigung der Geschehnisse von einem Notwehrexzess im Sinne von
Art. 16 Abs. 1 StGB aus (Urk. 58 S. 8 ff.; Urk. 98 S. 10 ). Die Verteidigung macht
entschuldbaren Notwehrexzess im Sinne von Art. 16 Abs. 2 StGB geltend und
- 31 -
verlangt gestützt darauf einen Freispruch (Urk. 61 S. 9 ff.; Urk. 84 S. 2 f.; Urk. 99
S. 12f.).
4.1. Wird jemand ohne Recht angegriffen oder unmittelbar mit einem Angriff
bedroht, so ist der Angegriffene und jeder andere berechtigt, den Angriff in einer
den Umständen angemessenen Weise abzuwehren (Art. 15 StGB). Überschreitet
der Abwehrende die Grenzen der Notwehr, so mildert das Gericht die Strafe
(Art. 16 Abs. 1 StGB). Überschreitet er die Grenzen der Notwehr in entschuldba-
rer Aufregung oder Bestürzung über den Angriff, so handelt er nicht schuldhaft
(Art. 16 Abs. 2 StGB).
4.2. Der Rechtfertigungsgrund der Notwehr geht vom Grundsatz aus, dass
derjenige, der rechtswidrig angegriffen wird, sich verteidigen darf, ohne bei der
Wahl seiner Mittel sehr stark eingeschränkt zu sein. Als Verteidigung gegen einen
menschlichen Angriff stellt er einen Spezialfall des rechtfertigenden (Defensiv-)
Notstandes dar. Notwehrfähig sind alle Individualrechtsgüter, namentlich Leib und
Leben, Vermögen, Geheim- und Privatbereich, Hausfrieden, persönliche Freiheit.
Als unmittelbar wird ein Angriff bezeichnet, sobald die Rechtsgutverletzung ent-
weder bereits im Gange, also gegenwärtig ist oder andauert (Seelmann, in: Basler
Kommentar Strafrecht I, 3. Auflage 2013, N 1, N 4 ff. zu Art. 15 StGB; Trech-
sel/Geth, in: Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2. Auflage
2013, N 4 zu Art. 15 StGB).
4.3. Der Beschuldigte lässt geltend machen, sein Einsatz des Samurai-
Schwertes gegen den Privatkläger sei verhältnismässig und entschuldbar im Sin-
ne von Art. 16 Abs. 1 und 2 StGB gewesen.
4.4. Nach der Rechtsprechung und der Lehre muss die Abwehr in einer
Notwehrsituation nach der Gesamtheit der Umstände als verhältnismässig er-
scheinen. Eine Rolle spielen vor allem die Schwere des Angriffs, die durch den
Angriff und die Abwehr bedrohten Rechtsgüter, die Art des Abwehrmittels und
dessen tatsächliche Verwendung. Die Angemessenheit der Abwehr ist aufgrund
jener Situation zu beurteilen, in der sich der rechtswidrig Angegriffene im Zeit-
punkt seiner Tat befand. Es dürfen nicht nachträglich allzu subtile Überlegungen
- 32 -
darüber angestellt werden, ob der Angegriffene sich nicht allenfalls auch mit an-
deren, weniger einschneidenden Massnahmen hätte begnügen können und sol-
len. Besondere Zurückhaltung ist bei der Verwendung von gefährlichen Werkzeu-
gen zur Abwehr (Messer, Schusswaffen etc.) geboten, da deren Einsatz stets die
Gefahr schwerer oder gar tödlicher Verletzungen mit sich bringt. Angemessen ist
die Abwehr, wenn der Angriff nicht mit weniger gefährlichen und zumutbaren Mit-
teln hätte abgewendet werden können, der Täter womöglich gewarnt worden ist
und der Abwehrende vor der Benutzung des gefährlichen Werkzeugs das Nötige
zur Vermeidung einer übermässigen Schädigung vorgekehrt hat. Auch ist eine
Abwägung der auf dem Spiel stehenden Rechtsgüter unerlässlich. Doch muss de-
ren Ergebnis für den Angegriffenen, der erfahrungsgemäss rasch handeln muss,
mühelos erkennbar sein (BGE 136 IV 49 E. 3).
4.4.1. Wie in tatsächlicher Hinsicht bereits dargelegt wurde (vorstehend,
Erw. III.5.8.), hielt der Privatkläger mit Ausnahme des Pfeffersprays keine weite-
ren Gegenstände in den Händen, als der Beschuldigte den Vorraum zur Indoor-
Hanfanlage mit erhobenem Samurai-Schwert betrat. Zudem war es entgegen der
vorinstanzlichen Würdigung (Urk. 82 S. 47 f.) der Beschuldigte, welcher beim Be-
treten des Raumes mit hochgehaltenem Schwert unvermittelt zwei, drei Schritte
so auf den Privatkläger zugegangen war und "halt, stehenbleiben" rief, dass der
Privatkläger als Reaktion auf diese martialische, unmittelbare Drohgebärde des
Beschuldigten umgehend den Pfefferspray ergriff und mit diesem in die Richtung
des Beschuldigten sprühte. Es ging dem Angriff des Beschuldigten mithin kein ini-
tialer Angriff des Privatklägers voraus, den es im aller ersten Augenblick seines
Betretens des Raumes abzuwehren gegolten hätte.
4.4.2. Der Angriff des Privatklägers auf die Individualrechtsgüter des Be-
schuldigten ist daher nicht im Einsatz des Pfeffersprays als Reaktion auf den An-
griff des Beschuldigten mit dem Samurai-Schwert zu erblicken. Der grundsätzlich
ein Notwehrrecht des Beschuldigten auslösende Angriff auf seine Individual-
rechtsgüter bestand vielmehr darin, dass der Privatkläger zusammen mit seinem
Cousin D._ in die Scheune und damit in vom Beschuldigten gemietete
Räumlichkeiten eingebrochen war. Da sich der Privatkläger und D._ nach
- 33 -
wie vor unberechtigt in den Räumlichkeiten der Scheune befanden, hielt der un-
rechtmässige Angriff auf den Besitz und das Hausrecht des Beschuldigten an, als
er die Scheune und den Vorraum zur Indoor-Hanfanlage betrat. Eine Notwehrsi-
tuation lag demnach in Übereinstimmung mit der Vorinstanz und den Parteien
grundsätzlich vor (Urk. 82 S. 45), jedoch kein Angriff gegen die körperliche Integri-
tät des Beschuldigten.
4.4.3. Sowohl die Vorderrichter als auch die Staatsanwaltschaft gehen zu-
treffend davon aus (Urk. 82 S. 45; Urk. 58 S. 9), dass die dem Beschuldigten ge-
hörenden Hanfpflanzen als Betäubungsmittel mangels Verkehrsfähigkeit nicht
notwehrberechtigt sind (vgl. Niggli/Riedo, in: Basler Kommentar Strafrecht II, 3.
Auflage 2013, N 54 ff. zu Vor Art. 137 StGB; Trechsel/Crameri, in: Schweizeri-
sches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2. Auflage 2013, N 5 zu Vor Art. 137
StGB). Der den Beschuldigten zur Abwehr berechtigende Angriff auf seine Indivi-
dualrechtsgüter richtete sich daher ausschliesslich gegen sein Hausrecht und sei-
nen Besitz, welcher beim Eindringen durch die Gebäudehülle der Scheune aus
Holz beschädigt wurde. Da die Verursachung dieser Beschädigungen beim Ein-
dringen in das Gebäude bereits abgeschlossen war, als der Beschuldigte auf den
Privatkläger traf, konnte sich sein Notwehrrecht auch nicht mehr dagegen richten.
Im Zeitpunkt des Schwerteinsatzes verblieb daher nur sein verletztes Hausrecht
(und allenfalls weitere Beschädigungen seines Mietobjektes) als beeinträchtigtes
Individualrechtsgut.
4.4.4. Angemessen im Sinne von Art. 15 StGB wäre gewesen, die Polizei zu
verständigen und die unerwünschten Eindringlinge bis zu deren Eintreffen gege-
benenfalls aus sicherer Distanz in Schach zu halten und zu beobachten oder al-
lenfalls in der Scheune festzuhalten. Indem der Beschuldigte sein Samurai-
Schwert in der anklagegegenständlichen Weise gegen den Privatkläger einsetzte,
einzig um den auf sein Hausrecht andauernden Angriff abzuwehren, hat er die
Grundsätze der Subsidiarität und Verhältnismässigkeit des Notwehrrechts, mithin
die Grenzen des ihm zustehenden Notwehrrechts, daher fraglos auf massivste
Weise überschritten, zumal – wie bereits von den Vorderrichtern zutreffend in Be-
tracht gezogen wurde (Urk. 82 S. 45 f.) – in jenem Zeitpunkt weder eine Gefahr
- 34 -
für Leib und Leben des Beschuldigten oder der weiteren Bewohner des Nachbar-
hauses noch zeitliche Dringlichkeit für eine Intervention gegen den Privatkläger
bestand und er das Rechtsgut der körperlichen Integrität des Privatklägers ganz
massiv verletzte. Es liegt somit ein Notwehrexzess im Sinne von Art. 16 Abs. 1
StGB vor. Ein entschuldbarer Notwehrexzess im Sinne von Art. 16 Abs. 2 StGB,
welcher das Verhalten des Beschuldigten als nicht schuldhaft qualifizieren würde,
liegt im Übrigen - entgegen der Verteidigung (Urk. 99 S. 13) - nicht vor. Dafür wä-
re ein Handeln in entschuldbarer Aufregung oder Bestürzung über den Angriff
notwendig, ein sogenannter asthenischer Affekt. Als rechtserheblicher astheni-
scher Affekt gilt jedoch nicht schon jedes naheliegende Angstgefühl, während
sthenische Affekte wie Wut, Zorn oder Kampfeseifer als Schuldausschliessungs-
grund nicht in Betracht kommen (Urteil des Bundesgerichts vom 1. Oktober 2010,
6B_432/2010). Es ist zu prüfen, ob auch ein rechtlich gesinnter Mensch durch den
Angriff in Aufregung und Bestürzung geraten wäre. Zudem stellt sich die Frage,
ob das Mass des Exzesses durch die Heftigkeit der Erregung gedeckt ist (Trech-
sel/Geth a.a.O., N 2 zu Art. 16 StGB). Wie vorstehend erwähnt, ging es vorlie-
gend "einzig" um einen Angriff auf das Hausrecht des Beschuldigten. Darauf mit
einem nicht unerheblichen Einsatz mit dem Samurai-Schwert zu reagieren, ist
nicht von der Aufregung über die Verletzung des Hausrechts, welche nicht derart
heftig gewesen sei kann, gedeckt.
Demzufolge ist der Beschuldigte der versuchten schweren Körperverletzung
im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und Art. 16
Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
5. Beim Vorwurf der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz ha-
ben die Vorderrichter den Anbau und die Produktion von ca. 600 Gramm Mari-
huana und den Besitz von weiteren ca. 763 Gramm dieser Betäubungsmittel
durch den Beschuldigten als mehrfaches Vergehen gegen das Betäubungsmittel-
gesetz im Sinne von dessen Art. 19 Abs. 1 lit. a, b, d und g gewürdigt und ihn
mangels an entsprechenden Beweisen vom Vorwurf des Verkaufs eines Teils
dieser Drogen freigesprochen (Urk. 82 S. 61).
- 35 -
5.1. Art. 19a Ziff. 1 BetmG hält indessen fest, dass, wer unbefugt Betäu-
bungsmittel vorsätzlich konsumiert oder zum eigenen Konsum eine Widerhand-
lung im Sinne von Artikel 19 begeht, mit Busse bestraft wird.
5.2. Da sich der Vorwurf, der Beschuldigte habe einen Teil der bei ihm si-
chergestellten Menge Marihuana verkaufen wollen, nicht aufrechterhalten liess
(vgl. vorstehend, Erw. III.5.9.4.) und er von diesem Vorwurf durch die Vorinstanz
bereits rechtskräftig freigesprochen wurde (vgl. vorstehend, Erw. II.2.), kann er
das bei ihm sichergestellte Marihuana nur noch zum eigenen Konsum im Sinne
von Art. 19a Ziff. 1 BetmG produziert, aufbewahrt und besessen haben, weshalb
er deswegen lediglich noch wegen mehrfacher Übertretung des Betäubungsmit-
telgesetzes schuldig zu sprechen und mit Busse zu bestrafen ist (Art. 19 Abs. 1
lit. a, b und d in Verbindung mit Art. 19a Ziff. 1 BetmG).
V. Strafzumessung
1. Der Beschuldigte wurde durch die erste Instanz mit 24 Monaten Freiheits-
strafe und mit Fr. 300.– Busse bestraft. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde auf-
geschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt (Urk. 82 S. 95 f.). Die
Staatsanwaltschaft verlangt mit ihrer Berufung eine Bestrafung mit 6 Jahren Frei-
heitsstrafe und Fr. 300.– Busse (Urk. 98 S. 1).
2. Infolge der rechtskräftigen vorinstanzlichen Freisprüche bilden einzig die
versuchte schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung
mit Art. 22 Abs. 1 StGB und Art. 16 Abs. 1 StGB und die verbliebenen Übertre-
tungen des Betäubungsmittelgesetzes (Produktion von ca. 600 Gramm und Besitz
weiterer ca. 763 Gramm Marihuana zum Eigenkonsum) Gegenstand der Strafzu-
messung.
3. Die schwere Körperverletzung wird mit Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren
oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen geahndet (Art. 122 StGB in Verbin-
dung mit Art. 40 StGB). Der ordentliche Strafrahmen ist trotz des Vorliegens von
Strafschärfungs- und Strafmilderungsgründen nur zu verlassen, wenn ausserge-
wöhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angeordnete Strafe
- 36 -
im konkreten Fall zu hart bzw. zu mild erscheint. Das Gericht ist indessen ver-
pflichtet, Strafschärfungsgründe zumindest straferhöhend und Strafmilderungs-
gründe strafmindernd innerhalb des ordentlichen Strafrahmens zu berücksichtigen
(BGE 121 IV 55; BGE 136 IV 55 E. 5.5 ff.).
3.1. Wie sich nachfolgend ergibt, sind trotz des Vorliegens von Strafmilde-
rungsgründen keine ausserordentlichen Umstände gegeben, welche eine Unter-
schreitung des regulären Strafrahmens als angezeigt erscheinen liessen. Straf-
schärfungsgründe liegen keine vor.
3.2. Zu beachten ist, dass das Asperationsprinzip nur bei gleichartigen Stra-
fen zum Zuge kommt. Treffen ungleichartige Strafen zusammen, wie etwa Frei-
heitsstrafe und Geldstrafe oder Geldstrafe und Busse, so sind sie nebeneinander
zu verhängen (Trechsel/Affolter-Eijsten, in: Schweizerisches Strafgesetzbuch,
Praxiskommentar, 2. Auflage 2013, N 7 zu Art. 49 StGB; BGE 137 IV 57 E. 4.3.1).
Dementsprechend ist für die mehrfache Übertretung des Betäubungsmittelgeset-
zes eine separate Busse auszusprechen.
3.3. Die allgemeinen Regeln der Strafzumessung wurden im vorinstanzli-
chen Urteil unter Hinweis auf die Lehre sowie die bundesgerichtliche Praxis kor-
rekt wiedergegeben (Urk. 82 S. 67 f.). Sie brauchen an dieser Stelle nicht wieder-
holt zu werden.
3.3.1. Bei der objektiven Tatschwere ist vorauszuschicken, dass der Tatbe-
stand der schweren Körperverletzung die körperliche (und psychische) Integrität
und damit eines der wichtigsten Rechtsgüter des Menschen schützt. Um den Pri-
vatkläger zu vertreiben, setzte der Beschuldigte sein 1 Meter langes, geschwun-
genes Samurai-Schwert mit einer geschärften Klingenlänge von 70 cm gegen
diesen ein, indem er es in unmittelbarer Nähe vor dem Privatkläger auf Bauch-
und Brusthöhe ungezielt und hin- und her schwang, während sein Sehvermögen
aufgrund des vom Privatkläger zur Abwehr anfänglich eingesetzten Pfeffersprays
beeinträchtigt und der Privatkläger auf der anderen Seite bloss zu Beginn den
Pfefferspray zur Abwehr zur Hand hatte, im Übrigen aber völlig unbewaffnet war
und den Schwerteinsatz alsdann nur mit blossen Händen abwehren konnte.
- 37 -
3.3.1.1. Durch diese ungleiche Bewaffnung und das ungezielte Herum-
schwingen des Schwertes durch den Beschuldigten schuf dieser ein grosses Risi-
ko, dem Privatkläger eine schwere Körperverletzung zuzufügen. Dieser erlitt ne-
ben unbedeutenden Hautschürfungen aus dem Gerangel mehrere leichte bis mit-
telschwere Schnittverletzungen. So reichten insbesondere die 6 Zentimeter lange
Schnittverletzung an der linken Halsseite hinter dem linken Ohr bis auf den Schä-
delknochen und jene am rechten Zeigefinger der linken Hand bis in die Unterhaut.
Die Halsschlagader als lebenswichtiges, grosses Blutgefäss lag lediglich wenige
Zentimeter entfernt von der Schnittverletzung an der linken Halsseite. Die Verlet-
zungen machten eine ambulante Notfallbehandlung, jedoch keine Hospitalisie-
rung des Privatklägers notwendig. Bleibende Verletzungen trug dieser nicht da-
von, weshalb das objektive Ausmass des Erfolges im Vergleich zu ähnlich gela-
gerten Fällen als noch nicht allzu gravierend zu bezeichnen ist. Den Vorderrich-
tern ist allerdings zuzustimmen, dass der Einsatz dieses Schwertes ohne Vorwar-
nung beim Beschuldigten auf eine gewisse Hemmungs- und Rücksichtslosigkeit
hinsichtlich der körperlichen Unversehrtheit des Privatklägers schliessen lässt
(Urk. 82 S. 69).
3.3.1.2. Vorausgesetzt, der tatbestandsmässige Erfolg der schweren Kör-
perverletzung wäre durch eine lebensgefährliche Verletzung eines wichtigen Blut-
gefässes im Bereich des Halses eingetreten, wäre insgesamt von einer erhebli-
chen objektiven Tatschwere auszugehen gewesen und hätte eine hypothetische
Einsatzstrafe von 5 Jahren Freiheitstrafe als angezeigt erscheinen lassen.
3.3.2. Bei der subjektiven Tatschwere ist zunächst verschuldensmindernd zu
gewichten, dass der Beschuldigte hinsichtlich einer schweren Körperverletzung
nicht direkt-, sondern nur eventualvorsätzlich, aus dem Augenblick heraus und
damit planlos handelte, was das objektive Tatverschulden merklich mindert.
3.3.2.1. Wie bereits erwogen wurde (vgl. vorstehend, Erw. IV.4. ff.), lag an-
lässlich der tätlichen Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und dem
Privatkläger eine das Verschulden des Beschuldigten mindernde Notwehrsituation
vor, da der Privatkläger zusammen mit seinem Cousin in die vom Beschuldigten
gemietete Scheune eingebrochen waren. Diese Notwehrsituation bestand indes-
- 38 -
sen nicht in einem Angriff des Privatklägers auf die körperliche Integrität des Be-
schuldigten, sondern lediglich in der Verletzung seines Hausrechtes und in einer
möglichen Gefahr weiterer Beschädigungen an den von ihm gemieteten Räum-
lichkeiten (vorstehend, Erw. III.4.4.1. ff.). Der enthemmte Einsatz des Samurai-
Schwertes gegen die körperliche Integrität des nur anfänglich einzig mit einem
Pfefferspray bestückten Privatklägers zur Verteidigung seines ungestörten Besit-
zes ist daher als massive Überschreitung der Grenzen seines Notwehrrechtes
und damit als Notwehrexzess im Sinne von Art. 16 Abs. 1 StGB einzustufen,
weshalb dieser Strafmilderungsgrund lediglich zu einer leichten Minderung des
objektiven Tatverschuldens führt, zumal es dem Beschuldigten ohne weiteres
möglich gewesen wäre, den Angriff auf sein Hausrecht und seinen Besitz auf le-
galem Wege durch die Alarmierung der Polizei abzuwehren, was er aufgrund der
Illegalität seiner Hanfplantage indessen verwarf.
3.3.2.2. Nachdem das psychiatrische Gutachten von I._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 12. Juni 2012 dem Beschuldigten für
den Tatzeitpunkt mit überzeugender Begründung volle Schuldfähigkeit attestierte
(Urk. 19/9 S. 47), besteht kein Anlass für die Berücksichtigung einer weiteren
Minderung des objektiven Tatverschuldens unter diesem Blickwinkel.
3.3.3. Unter Berücksichtigung der insgesamt erheblich verschuldensmin-
dernd wirkenden subjektiven Tatschwere ist das Verschulden gesamthaft als kei-
neswegs mehr leicht einzustufen. Es erscheint daher eine Reduktion der hypothe-
tischen Einsatzstrafe auf 4 Jahre Freiheitsstrafe als angemessen.
3.3.4. Ergänzend kommt hinzu, dass der Privatkläger keine im Sinne von
Art. 122 StGB schweren Verletzungen erlitt. Dass es beim Versuch einer schwe-
ren Körperverletzung geblieben ist, ist indessen dem Zufall zu verdanken und
nicht etwa dem Beschuldigten, der die Handlung aus eigenem Antrieb nicht zu
Ende geführt hätte. Vielmehr musste er von seinem Kollegen G._ mit Nach-
druck zum Innehalten bewegt werden. Angesichts der bestandenen Gefahr der
Zufügung einer lebensgefährlichen Verletzung ist die Strafe aufgrund dieses
Strafmilderungsgrundes (Art. 22 Abs. 1 StGB) innerhalb des ordentlichen Straf-
rahmens weiter spürbar zu mindern.
- 39 -
Eine weitere Reduktion auf 3 Jahre Freiheitsstrafe erweist sich daher als
angemessen.
3.4. Bei der Würdigung der Täterkomponente kann die verschuldensange-
messene Strafe aufgrund von Umständen, die mit der Tat grundsätzlich nichts zu
tun haben, erhöht oder herabgesetzt werden. Massgebend hierfür sind im We-
sentlichen täterbezogene Komponenten wie die persönlichen Verhältnisse, Vor-
strafen, Leumund, Strafempfindlichkeit und Nachtatverhalten, wie Geständnis,
Einsicht, Reue etc. (Hug, in: Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Kommentar
Schweizerisches Strafgesetzbuch, 19. Auflage, Zürich 2013, N 14 ff. zu Art. 47
StGB).
3.4.1. Der Beschuldigte ist am tt. Juni 1969 in Solothurn geboren, verbrachte
eine unbeschwerte Kindheit und hatte stets ein gutes Verhältnis zu seinen Eltern.
Er besuchte den Kindergarten und die Primarschule in J._, wobei er die
4. Klasse wiederholte. Nach Abschluss der Realschule absolvierte er eine Mau-
rerlehre und arbeitete anschliessend zunächst auf diesem Beruf. 1994 folgte eine
berufliche Neuorientierung in die Snowboardbranche, wobei der Beschuldigte sich
nach kurzer Zeit im Bereich Snowboardverkauf und -reparatur selbständig mach-
te. Dieser Tätigkeit ging er bis zu seinem 32. Lebensjahr nach. Seither ist er wäh-
rend der Wintersaison bei den Bergbahnen K._ und im Sommerhalbjahr als
Selbständig-Erwerbender auf dem Bau tätig. Der Beschuldigte lebt in geordneten
Verhältnissen, ist seit dem tt. April 2009 verheiratet und wohnt zusammen mit sei-
ner Ehefrau und dem gemeinsamen Sohn L._, geboren am tt.mm.2009, seit
Juni 2012 in K._ GR (Urk. 14/5; Urk. 57 S. 1 ff.; Urk. 19/9 S. 9 ff.).
3.4.2. Über seine wirtschaftlichen Verhältnisse war vor Vorinstanz bekannt,
dass der Beschuldigte im Rahmen seiner selbständigen Erwerbstätigkeit auf dem
Bau von April bis Dezember ein monatliches Nettoeinkommen von ca. Fr. 4'500.–
bis Fr. 5'000.– und während der Wintersaison bei den Bergbahnen K._ je-
weils Fr. 3'200.– erzielt. Er verfügt über kein Vermögen und hat Schulden bei sei-
nem Vater. Seine Ehefrau ist auf Stundenbasis teilzeiterwerbstätig. Die Wohnkos-
ten beliefen sich auf Fr. 1'250.– Monatsmiete (Urk. 14/6 S. 21 f.; Urk. 57 S. 2 ff.).
- 40 -
Zur Aktualisierung fügte er anlässlich der Berufungsverhandlung an, dass er
diesen Winter zu Hause sei als Hausmann und seine Frau arbeiten gehe. Zurzeit
würden sie bei einem Freund wohnen und einen Mietanteil von Fr. 1'000.-- pro
Monat leisten. Auf den Sommer würden sie eine eigene, grössere Wohnung su-
chen. Zuvor hätten sie in Spanien gelebt und hätten dort ein Kaffee eröffnen wol-
len. Seine Frau habe dann aber Heimweh gehabt, und sie seien in die Schweiz
zurück gekehrt. Im Sommer wolle er wieder auf dem Bau arbeiten. Seinen Führe-
rausweis habe er schon lange zurück erhalten. Er konsumiere noch etwa alle zwei
Monate einmal Marihuana, einfach wenn es sich ergebe (Prot. II S. 7-9).
3.4.3. Den Vorderrichtern ist darin beizupflichten, dass sich aus dem Wer-
degang und in den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten keine Beson-
derheiten ergeben, aus denen sich strafmassrelevante Faktoren ableiten lassen
(Urk. 82 S. 72 ).
3.4.4. Im Strafregisterauszug vom 31. Juli 2014 sind keine Vorstrafen ver-
zeichnet (Urk. 86). Eine frühere Verurteilung des Beschuldigten aus dem Jahre
2002 wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand und mehrfacher Übertretung des
Betäubungsmittelgesetzes (Urk. 26/1) wurde von der Registerbehörde gestützt
auf Art. 369 StGB inzwischen entfernt und ist somit unbeachtlich. Auch dem Leu-
mundsbericht der Kantonspolizei Zürich vom 5. April 2012 lässt sich nichts Nach-
teiliges über den Beschuldigten entnehmen (Urk. 26/6 f.). Die Vorstrafenlosigkeit
ist neutral zu behandeln (BGE 136 IV 1).
3.4.5. Umfangreiche und prozessentscheidende Geständnisse können eine
Strafreduktion von bis zu einem Drittel bewirken (BGE 121 IV 202 E. 2d/cc). Das
Geständnis, das kooperative Verhalten bei der Aufklärung von Straftaten sowie
die Einsicht und Reue wirken strafmindernd. Der Grad der Strafminderung hängt
aber insbesondere davon ab, in welchem Stadium des Verfahrens das Geständ-
nis erfolgte (Wiprächtiger/Keller, in: Basler Kommentar Strafrecht I, 3. Auflage,
2013, N 169 ff. zu Art. 47 StGB).
3.4.5.1. Die Vorderrichter haben dem Beschuldigten eine Strafreduktion "im
Bereich von einem Fünftel bis zu einem Drittel" mit der Begründung gewährt, die-
- 41 -
ser habe ein Geständnis abgelegt und "bei der Aufklärung von Straftaten ein ko-
operatives Verhalten gezeigt". Ausserdem bereue er die Tat und sei einsichtig
(Urk. 82 S. 73). Dem kann nicht unbesehen gefolgt werden.
3.4.5.2. Der Beschuldigte hat zwar den äusseren Sachverhalt, insbesondere
in objektiver Hinsicht die vom Privatkläger erlittenen Verletzungen, grundsätzlich
anerkannt. Angesichts der erdrückenden Beweislage konnte er indessen nicht
ernsthaft bestreiten, dem Privatkläger die Verletzungen zugefügt zu haben. Gleich
verhält es sich mit dem Anbau, Besitz und Konsum von Marihuana. Nachdem er
sich nach wie vor zum tatbestandsmässigen Vorgehen berechtigt hält, wesentli-
che Sachverhaltselemente bestreitet und zu Unrecht einen Angriff des Privatklä-
gers mit einem Messer oder einem anderen gefährlichen Gegenstand geltend
macht, ist das Geständnis entgegen der Vorinstanz nur leicht strafmindernd zu
berücksichtigen. Leicht strafmindernd ist ihm weiter sein Wohlverhalten seit der
Tat vom 7. Januar 2012 anzurechnen.
Unter Würdigung der Täterkomponente ist die Freiheitsstrafe daher auf 2 1⁄2
Jahre zu reduzieren. Eine Strafe im Grenzbereich von zwei Jahren, somit im Be-
reich, welche noch einen vollbedingten Strafvollzug ermöglichen würde, erscheint
vorliegend dem Verschulden, dem Vorleben und den persönlichen Verhältnissen
des Beschuldigten nicht angemessen (vgl. dazu BGE 134 IV 17 E.3.).
3.5. Für die mehrfache Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes ist
schliesslich eine Busse auszufällen. Der Strafrahmen bei Bussen erstreckt sich
bis maximal Fr. 10'000.– (Art. 106 Abs. 1 BetmG i.V.m. Art. 26 BetmG). Die Ver-
teidigung - und anlässlich der Berufungsverhandlung auch die Staatsanwaltschaft
- beantragen bezüglich der Verurteilung des Beschuldigten wegen des Konsums
von Marihuana eine Busse von Fr. 300.--. Bei der Bemessung der Busse sind in-
dessen auch noch die vom Beschuldigten zum Zwecke des Eigenkonsums pro-
duzierten ca. 600 Gramm und die weiteren von ihm aufbewahrten rund 750
Gramm Marihuana zu gewichten.
3.5.1. Das Gericht bemisst die Busse nach den Verhältnissen des Täters so,
dass dieser die Strafe erleidet, die seinem Verschulden angemessen ist (Art. 106
- 42 -
Abs. 3 StGB). Bei der Bemessung der Busse ist nebst dem Verschulden der fi-
nanziellen Leistungsfähigkeit Rechnung zu tragen. Für die Verhältnisse des Tä-
ters relevant sind namentlich sein Einkommen und sein Vermögen, sein Familien-
stand und seine Familienpflichten, sein Beruf und Erwerb, sein Alter und seine
Gesundheit (Hug, in: Donatsch [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Straf-
gesetzbuch, Zürich 2013, N 4 zu Art. 106 StGB; BGE 129 IV 21). Für den Fall,
dass die Busse schuldhaft nicht bezahlt wird, hat das Gericht eine Ersatzfreiheits-
strafe auszusprechen (Art. 106 Abs. 2 StGB).
3.5.1.1. Bei der objektiven Tatschwere fällt ins Gewicht, dass der Beschul-
digte über einen langen Zeitraum vom 1. August 2011 bis 7. Januar 2012 regel-
mässig, d.h. täglich Marihuana aus seinem eigenen Anbau durch Inhalieren und
Rauchen konsumierte. Die vom Beschuldigten behauptete angebliche medizini-
sche Indikation überzeugt in keiner Weise und ist auch nicht mit ärztlichen Unter-
lagen untermauert. So wurde er denn auch von seiner Mutter gegenüber dem
psychiatrischen Gutachter unauffällig als "lebendiges" Kind beschrieben, und aus
dem psychiatrischen Gutachten ergeben sich keinerlei Hinweise auf die vom Be-
schuldigten geltend gemachte Hyperaktivität (Urk. 19/9 S. 30 ff.; vgl. auch vorste-
hend, Erw. III.5.9.1. f.).
3.5.1.2. Hinzu kommt die beträchtliche Menge an Marihuana von insgesamt
rund 1,35 Kilogramm welche er bloss zum Eigenkonsum über den Zeitraum von
August 2011 bis anfangs Januar 2012 selber produzierte und aufbewahrte. Der
Anbau der Betäubungsmittel erforderte ein beachtliches wirtschaftliches und zeit-
liches illegales Engagement des Beschuldigten in die Gerätschaften und den An-
bau der Pflanzen.
Die objektive Schwere dieser Taten ist als keineswegs mehr leicht zu taxie-
ren.
3.5.1.3. Der Beschuldigte handelte mit direktem Vorsatz. Der Umstand, dass
er trotz des Einbruchs in die Scheune die Polizei wegen seiner Hanfplantage nicht
verständigte, zeigt, dass er dieser Tätigkeit nachging, obwohl er sich der Illegalität
- 43 -
seines Tuns durchaus bewusst war. Dies hat der Beschuldigte in der Berufungs-
verhandlung auch so bestätigt (Prot. II S. 13 und 15).
3.5.1.4. Somit erfährt das Verschulden keine Minderung durch die subjektive
Schwere seiner Tathandlungen. Es erweist sich als keineswegs mehr leicht. An-
gesichts der wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschuldigten (vgl. vorstehend,
Erw. V.3.4.2.) rechtfertigt sich daher die Festsetzung von Fr. 2'000.– Busse.
Demzufolge ist der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 2 1⁄2 Jahren
und mit Fr. 2'000.– Busse zu bestrafen.
VI. Strafvollzug
1. Für Freiheitsstrafen von mehr als zwei Jahren und höchstens drei Jahren
sieht das Gesetz den teilbedingten Vollzug vor (Art. 42 Abs. 1 und Art. 43 Abs. 1
StGB). Der Gesetzgeber geht davon aus, bei Freiheitsstrafen in dieser Höhe wie-
ge das Verschulden (siehe Art. 43 Abs. 1 StGB) so schwer, dass trotz günstiger
bzw. nicht ungünstiger Prognose ein Teil der Strafe zum Ausgleich des Verschul-
dens vollzogen werden muss (Urteil 6B_538/2007 vom 2. Juni 2008 E. 3.1.3;
BGE 134 IV 241). Dabei darf der unbedingt vollziehbare Teil die Hälfte der Strafe
nicht übersteigen (Art. 43 Abs. 2 StGB), und sowohl der aufgeschobene wie auch
der zu vollziehende Teil der Freiheitsstrafe müssen mindestens 6 Monate betra-
gen (Art. 43 Abs. 3 Satz 1 StGB). Innerhalb des gesetzlichen Rahmens liegt die
Festsetzung im pflichtgemässen Ermessen des Gerichts. Das Verhältnis der
Strafteile ist so festzusetzen, dass darin die Wahrscheinlichkeit der Legalbewäh-
rung des Täters einerseits und dessen Einzeltatschuld andererseits hinreichend
zum Ausdruck kommen. Je günstiger die Prognose und je kleiner die Vorwerfbar-
keit der Tat sind, desto grösser muss der auf Bewährung ausgesetzte Strafteil
sein. Der unbedingt vollziehbare Strafteil darf das unter Verschuldensgesichts-
punkten (Art. 47 StGB) gebotene Mass nicht unterschreiten (BGE 134 IV 97
E. 6.3.4.3; BGE 134 IV 1 E. 5.6).
2. Der Beschuldigte hat sich seit Januar 2012 wohl verhalten. Er ist sozial
und beruflich integriert, was gegen Bedenken an seiner Legalbewährung spricht.
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Im psychiatrischen Gutachten vom 12. Juni 2012 wurde die Rückfallgefahr in Be-
zug auf ein Gewaltdelikt als gering eingestuft (Urk 19/9 S. 28 f., S. 44 ff., S. 47).
Hingegen wurde sein Verschulden vorliegend als keineswegs mehr leicht taxiert
(vgl. vorstehend, Erw. V.3.3.1. ff., insbes. 3.3.3.). Unter diesem Aspekt erscheint
es angemessen zum Schuldausgleich von der ausgefällten Freiheitsstrafe von
2 1⁄2 Jahren 7 Monate zu vollziehen. Die restlichen 23 Monate sind aufzuschieben
und die Probezeit auf 2 Jahre festzusetzen (Art. 44 Abs. 1 StGB).
3. Die Busse hat der Beschuldigte zu bezahlen. Falls er diese schuldhaft
nicht bezahlt, ist in Anwendung des Umwandlungssatzes von einem Tag Ersatz-
freiheitsstrafe pro Fr. 100.– Busse eine Ersatzfreiheitsstrafe von 20 Tagen auszu-
fällen.
4. Der Anrechnung von 27 Tagen erstandener Haft auf die Freiheitsstrafe
steht nichts entgegen (Art. 51 StGB).
VII. Zivilansprüche
1. Hinsichtlich der rechtstheoretischen Voraussetzungen für die Geltendma-
chung von Schadenersatz- und Genugtuungsansprüchen kann vollumfänglich auf
die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 82 S. 79 f.,
S. 81 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2. Der Privatkläger liess ein Schadenersatzbegehren in der Höhe von insge-
samt Fr. 810.– für die zerstörte Bekleidung stellen und machte eine Umtriebsent-
schädigung von pauschal Fr. 500.– für die Wahrnehmung diverser Termine im
Zusammenhang mit dem Strafverfahren und beim Arzt geltend. Zudem sei durch
das Gericht festzustellen, dass der Beschuldigte dem Grundsatz nach für die
Schadenersatzforderungen des Privatklägers vollumfänglich hafte (Urk. 57 S. 2
und S. 6 f.). Er liess die vorinstanzlichen Anordnungen nicht anfechten (Urk. 95).
2.1. Der Beschuldigte lässt auch im Berufungsverfahren nach wie vor sämt-
liche Ansprüche des Privatklägers bestreiten (Urk. 61 S. 2 und S. 13; Urk. 84; Urk.
99 S. 14).
- 45 -
2.2. Die vom Privatkläger geltend gemachten einzelnen Schadenspositionen
wurden anlässlich der Tatbegehung vom Beschuldigten verursacht. Aufgrund des
Schuldspruches haftet er grundsätzlich gegenüber dem Privatkläger aus dem be-
urteilten Ereignis. Die Kleidung des Privatklägers wurde anlässlich der Tat be-
schädigt und blutverschmiert (Urk. 12/2 S. 14 f.; Urk. 12/4 S. 4 ff.; Urk. 12/5
S. 4 ff.).
2.2.1. Die Vorderrichter haben zutreffend erkannt (Urk. 82 S. 80), dass die
geltend gemachten Schadenspositionen mit Ausnahme von Fr. 600.– für die Ja-
cke des Privatklägers angemessen sind. Letztere erweist sich als ungewöhnlich
hoch und wurde weder hinreichend begründet noch belegt, weshalb die dafür gel-
tend gemachten Fr. 600.– abzuweisen sind. Da die weiteren Voraussetzungen
der Schadenersatzpflicht erfüllt sind (Art. 41 Abs. 1 OR), ist der Beschuldigte zu
verpflichten, dem Privatkläger für den nachgewiesenen Schaden von Fr. 210.–
Ersatz zu leisten. Mit der Vorinstanz rechtfertigt es sich, die Haftungsquote des
Beschuldigten aufgrund des dem Privatkläger vorzuwerfenden Mitverschuldens
auf 50% zu reduzieren.
2.2.2. Demzufolge ist der Beschuldigte zu verpflichten, dem Privatkläger
Schadenersatz in der Höhe von Fr. 105.– zu bezahlen.
2.3. Da hinsichtlich allfälliger weiterer medizinischer Kosten aufgrund der Ak-
ten und Vorbringen der Parteien kein sofortiger Entscheid über sämtliche Zivilan-
sprüche möglich ist und die vollständige Beurteilung unverhältnismässig aufwen-
dig wäre, erkannte die Vorinstanz zurecht darauf, allfällige weitere Zivilansprüche
des Privatklägers nur dem Grundsatze nach gutzuheissen, im Übrigen aber auf
den Weg des Zivilprozesses zu verweisen (Art. 126 Abs. 3 StPO). Weiter wurde
der Beschuldigte aufgrund des Mitverschuldens des Privatklägers lediglich im
Umfang von 50% schadenersatzpflichtig erklärt (Urk. 82 S. 81). Auch dies ist zu
bestätigen.
2.4. Der Privatkläger hat vor Vorinstanz eine Genugtuung in der Höhe von
Fr. 6'000.– zuzüglich 5% Zins seit dem 7. Januar 2012 verlangt (Urk. 57 S. 2). Im
angefochtenen Urteil wurde der Genugtuungsanspruch angesichts der vom Pri-
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vatkläger erlittenen Schnittverletzungen zurecht bejaht und unter zutreffender
Verneinung psychischer Folgen aus dem Ereignis auf Fr. 2'500.–, zuzüglich bean-
tragten Zins, festgesetzt (Urk. 82 S. 83 f.). Die Höhe der zugesprochenen Genug-
tuung erweist sich auch unter dem Blickwinkel des Verschuldens des Beschuldig-
ten und eines erheblichen Mitverschuldens des Privatklägers als angemessen.
Eine höhere Genugtuung fällt infolge fehlender Anfechtung durch den Privatkläger
ausser Betracht.
VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist das erstinstanzliche Kosten- und
Entschädigungsdispositiv (Ziff. 14, 15 und 17 bis 19), mit Ausnahme der bereits
rechtskräftigen Entschädigung des amtlichen Verteidigers des Beschuldigten im
Vorverfahren (Ziff. 16), zu bestätigen.
2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massga-
be ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Nachdem der Be-
schuldigte mit seinen Anträgen praktisch vollständig unterliegt, auf der anderen
Seite aber auch die Staatsanwaltschaft mit ihren Berufungsanträgen abgesehen
von einer moderaten Straferhöhung nicht durchdringt, rechtfertigt es sich, dem
Beschuldigten die Hälfte der Kosten des Berufungsverfahrens aufzuerlegen und
die Hälfte auf die Gerichtskasse zu nehmen.
3. Der Beschuldigte beantragte die Zusprechung einer Prozessentschädi-
gung zu Lasten der Staatskasse (Urk. 99 S. 1 und 15). Gemäss Art. 436 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO hat die beschuldigte Person, wenn sie
freigesprochen wird, Anspruch auf Entschädigung für ihre Aufwendungen für die
angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte.
3.1. Nachdem die Hälfte der Kosten des Berufungsverfahrens auf die Ge-
richtskasse zu nehmen sind, hat der Beschuldigte Anspruch auf eine reduzierte
Prozessentschädigung im entsprechenden Ausmass.
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3.2. Der Verteidiger reichte anlässlich der Berufungsverhandlung ein Daten-
blatt mit seinen Aufwendungen ein (Urk. 100; Prot. II S. 13). Er macht dabei ins-
gesamt ein Honorar von Fr. 16'647.93 (inkl. MwSt.) geltend. Unter dem aufgeführ-
ten Aufwand findet sich eine Position "Restsaldo Rechnung v. 9.9.2013", welche
wiederum unter der Position "Sonstiges" aufgeführt ist (Urk. 100 S. 1). Was diese
Aufwandposition umfasst, ergibt sich jedoch nicht aus der Aufwandzusammen-
stellung, auch nicht, ob es sich dabei um Honoraraufwand oder Barauslagen han-
delt. Für die Ausarbeitung des Plädoyers macht der Verteidiger insgesamt rund
19.5 Stunden geltend, was für das vorliegende Berufungsverfahren und das heute
vorgetragene Plädoyer etwas zu hoch erscheint. Insgesamt erscheint für das Be-
rufungsverfahren inklusive der heutigen Berufungsverhandlung ein Aufwand von
40 Stunden als angemessen. Der geltend gemachte Stundenansatz von Fr. 300.--
ist nicht zu beanstanden. Weiter sind für das vorliegende Berufungsverfahren
Barauslagen im Umfang von Fr. 300.-- als angemessen zu entschädigen. Dazu
kommt die zu entschädigende Mehrwertsteuer von 8%. Insgesamt wäre daher ei-
ne (volle) Prozessentschädigung von Fr. 14'000.-- dem vorliegenden Berufungs-
verfahren angemessen. Entsprechend ist dem Beschuldigten eine reduzierte Pro-
zessentschädigung von Fr. 7'000.-- (inkl. MwSt.) für anwaltliche Verteidigung im
Berufungsverfahren aus der Gerichtskasse zuzusprechen.
3.3. Bei diesem Ausgang des Berufungsverfahrens besteht kein Raum für
die Zusprechung einer Entschädigung wegen erlittenem Verdienstausfall und
auch kein Anspruch auf Genugtuung wegen der erlittenen Haft (Urk. 99 S. 15).