Decision ID: b3b43d79-738b-445b-8725-626bc6964c42
Year: 2015
Language: de
Court: VS_TC
Chamber: VS_TC_001
Canton: VS
Region: Région lémanique
Law Area: 

in Sachen
X_, Beschwerdeführer, vertreten durch Fürsprecher M_
und
SCHWEIZERISCHE UNFALLVERSICHERUNG (SUVA), Beschwerdegegnerin
(Taggeld / Kürzung)
Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 29. Oktober 2014
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Verfahren und Sachverhalt
A. Der am xxx 1967 geborene X_ ist über seine Arbeitgeberin bei der
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von
Berufs- und Nichtberufsunfällen sowie Berufskrankheiten versichert. Am 3. Januar
2014 meldete er der SUVA einen Unfall. Er sei am 31. Dezember 2013 um 18.00 Uhr
vor dem Hotel A_ in B_ unbeabsichtigt in eine Massenschlägerei
verwickelt worden. Betroffen durch die Verletzungen des Typs „Ecrasement“ seien
„plusieurs secteurs extrémités supér. droit“. Zufolge des Unfalls bestehe seit dem
1. Januar 2014 eine Arbeitsunfähigkeit von voraussichtlich mehr als einem Monat
([SUVA] act. 1). Am 6. Januar 2014 attestierte der erstbehandelnde Arzt
Dr. C_ eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 31. Dezember 2013 bis 27. Ja-
nuar 2014 (act. 5). Am 16. Januar 2014 verwies der Versicherte im Fragebogen der
SUVA für Einzelheiten auf den Polizeirapport (act. 6). Dr. C_ attestierte am
27. Januar 2014 eine weiterhin bestehende vollständige Arbeitsunfähigkeit bis zum
16. Februar 2014 (act. 11). Zuhanden der SUVA berichtete er, die Erstbehandlung sei
am 2. Januar 2014 ausserhalb der Sprechstunde erfolgt. Der Versicherte sei auf einer
fröhlichen Sylvesterparty vom Vater des Kindes seiner Tochter und einer dreiköpfigen
Equipe zusammengeschlagen worden mit nachstehenden Folgen (act. 12):
Multiple Prellungsverletzungen am Ober und Unterarm Rücken BWS Thorax vorne Schmerzhaftigkeit
vo RB rechts und hinten Rücken
RXThorax dv seitlich LWS seitlich: keine AP für eine ossäre Läsion
Fissur RB re und 8 RB hinten thorakal möglich Sono
Danach stellte Dr. C_ weitere Arbeitsunfähigkeitszeugnisse aus, zuletzt am
23. April 2014 für die Zeit vom 1. bis 30. April 2014 zu 50% mit dem Vermerk, der Fall
könne auf letzteres Datum hin abgeschlossen werden (act. 27).
B. Mit Verfügung vom 23. Mai 2014 anerkannte die SUVA den Anspruch des Versi-
cherten auf Heilkosten und Taggeldleistungen, wobei sie Letztere gestützt auf Art. 39
UVG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 UVV infolge Rauferei um 50% kürzte (act. 30).
Dagegen liess der Versicherte am 23. Juni 2014 Einsprache erheben mit der Begrün-
dung, er habe sich nicht an einer Rauferei beteiligt, sondern lediglich versucht, sich
gegen die Attacke von D_ zu wehren, um sich vor Verletzungen zu schützen
(act. 33), an welcher Darstellung er nach Einsicht in die Strafakten festhielt (act. 35).
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Am 29. Oktober 2014 wies die SUVA die Einsprache ab. Beim Ereignis handle es sich
um einen Nichtberufsunfall. Laut Strafakten habe sich der Versicherte an einer Schlä-
gerei bzw. Rauferei beteiligt. Die vorgenommene Kürzung der Taggelder sei demnach
gesetzmässig.
C. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der Versicherte am 18. November 2014
Beschwerde beim Kantonsgericht mit dem Rechtsbegehren, jener sei unter Entschädi-
gungsfolge aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, aus dem Ereignis
vom 31. Dezember 2013 die gesetzlichen Leistungen zu erbringen.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 3. Februar 2015 verlangte die SUVA die Abweisung
der Beschwerde und die Bestätigung des angefochtenen Entscheids. Der Beschwerde-
führer replizierte am 18. Februar 2015, die SUVA duplizierte am 24. Februar 2015.
Zentraler Streitpunkt bildet die Frage, ob sich der Beschwerdeführer an einer Rauferei
beteiligt hat. Der in diesem Zusammenhang wesentliche Sachverhalt wird zusammen
mit dem jeweiligen Standpunkt der Parteien in den nachstehenden rechtlichen Erwä-
gungen dargelegt.

Erwägungen
1.
1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung vom
20. März 1981 (UVG) sind die Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemei-
nen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG) auf das UVG
anwendbar, soweit dieses nicht ausdrücklich etwas anderes bestimmt.
Nach Art. 56 Abs. 1 ATSG kann gegen Einspracheentscheide innerhalb von 30 Tagen
nach deren Eröffnung Beschwerde bei einem vom Kanton bestellten Versicherungsge-
richt eingereicht werden (Art. 57 ATSG und Art. 60 ATSG). Die am 18. November 2014
eingereichte Beschwerde erfolgte innert Frist.
1.2 Der Versicherte hat seinen Wohnsitz im Wallis, weshalb die Sozialversicherungs-
rechtliche Abteilung des Kantonsgerichts gestützt auf Art. 7 Abs. 2 des Gesetzes über
die Rechtspflege vom 11. Februar 2009 (RPflG), Art. 58 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 1 Abs.
2 des Verfahrensreglements vom 2. Oktober 2001 (RVG) und Art. 81bis des Gesetzes
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über das Verwaltungsverfahren und die Verwaltungsrechtspflege vom 6. Oktober 1976
(VVRG) als kantonales Versicherungsgericht für die Behandlung von Beschwerden auf
dem Gebiet des Sozialversicherungsrechts zuständig ist (vgl. BGE 127 V 176 E. 2). Er
ist durch den strittigen Einspracheentscheid berührt (Art. 59 ATSG) und hat ein
schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung. Er ist somit zur Be-
schwerde legitimiert.
1.3 Auf die fristgerecht eingereichte und den formalen Anforderungen genügende Be-
schwerde ist somit einzutreten. Dabei hat die Beschwerdeinstanz nicht zu prüfen, ob
sich der angefochtene Entscheid unter schlechthin allen in Frage kommenden Aspek-
ten als korrekt erweist, sondern im Prinzip nur die vorgebrachten Beanstandungen zu
untersuchen (Rügeprinzip). Von den Verfahrensbeteiligten nicht aufgeworfene Rechts-
fragen werden von der Beschwerdeinstanz nur geprüft, wenn hierzu aufgrund der Par-
teivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichend
Anlass besteht (BGE 119 V 347 E. 1a).
2. Das Ereignis vom 31. Dezember 2013 ist unstreitig als Nichtberufsunfall zu qualifi-
zieren und begründet als solcher grundsätzlich einen Anspruch auf Leistungen der
obligatorischen Unfallversicherung (Art. 6 Abs. 1 und Art. 8 Abs. 1 UVG in Verbindung
mit Art. 4 ATSG). Streitig und zu prüfen ist, ob die Geldleistungen zu Recht um die
Hälfte gekürzt wurden.
2.1 Gemäss Art. 39 UVG kann der Bundesrat aussergewöhnliche Gefahren und Wag-
nisse bezeichnen, die in der Versicherung der Nichtberufsunfälle zur Verweigerung
sämtlicher Leistungen oder zur Kürzung der Geldleistungen führen. Die Verweigerung
oder Kürzung kann er in Abweichung von Art. 21 Abs. 1-3 ATSG ordnen. Von dieser
Kompetenzdelegation hat der Bundesrat in Art. 49 (betreffend aussergewöhnliche Ge-
fahren) und 50 UVV (betreffend Wagnisse) Gebrauch gemacht. Gemäss dem hier inte-
ressierenden Art. 49 Abs. 2 UVV werden die Geldleistungen mindestens um die Hälfte
gekürzt für Nichtberufsunfälle, die sich ereignen u.a. bei: a. Beteiligung an Raufereien
und Schlägereien, es sei denn, der Versicherte sei als Unbeteiligter oder bei Hilfeleis-
tung für einen Wehrlosen durch die Streitenden verletzt worden; b. Gefahren, denen
sich der Versicherte dadurch aussetzt, dass er andere stark provoziert (Bundesge-
richtsurteil 8C_579/2010 vom 10. März 2011 E. 2.1 mit Hinweisen).
2.2 Der Tatbestand der Beteiligung an Raufereien oder Schlägereien im Sinne von
Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV ist grundsätzlich verschuldensunabhängig konzipiert und wei-
ter gefasst als der Straftatbestand der Beteiligung an einem Raufhandel gemäss
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Art. 133 StGB. Es genügt, dass das zu sanktionierende Verhalten objektiv gesehen die
Gefahr einschliesst, in Tätlichkeiten überzugehen oder solche nach sich zu ziehen, und
die versicherte Person dies erkannt hat oder erkennen musste (BGE 134 V 315 E.
4.5.1.2; Bundesgerichtsurteil U 325/05 vom 5. Januar 2006 E. 1.1 mit Hinweisen, nicht
publ. in: BGE 132 V 27, aber in: SVR 2006 UV Nr. 13 S. 45). Der Tatbestand des Art.
49 Abs. 2 lit. a UVV ist daher nicht nur bei der Teilnahme an einer eigentlichen tätli-
chen Auseinandersetzung gegeben. Es ist auch nicht notwendig, dass der Versicherte
selbst tätlich geworden ist. Unerheblich ist zudem, aus welchen Motiven er sich betei-
ligt hat, wer mit einem Wortwechsel oder Tätlichkeiten begonnen hat und welche Wen-
dung die Ereignisse in der Folge genommen haben. Entscheidend ist allein, ob die
versicherte Person die Gefahr einer tätlichen Auseinandersetzung erkannt hat oder
erkennen musste (Bundesgerichtsurteil 8C_579/2010 vom 10. März 2011 E. 2.2.1 mit
Hinweisen). Eine Beteiligung an einer Rauferei oder Schlägerei liegt demnach schon
vor, wenn sich jemand in einen Wortwechsel eingelassen hat, der - gesamthaft be-
trachtet - das Risiko in sich schliesst, dass es zu Tätlichkeiten kommen könnte (BGE
107 V 235 E. 2a). Eine Beteiligung ist in diesem Sinne jedes Verhalten, das - objektiv -
bereits das Risiko einschliesst, in Tätlichkeiten überzugehen oder solche nach sich zu
ziehen. Eine Leistungskürzung nach Art. 49 Abs. 2 lit. a UVV setzt sodann voraus,
dass zwischen dem als Beteiligung an einer Rauferei oder Schlägerei zu qualifizieren-
den Verhalten und dem Unfall bei retrospektiver Betrachtung ein natürlicher und adä-
quater Kausalzusammenhang besteht. Dabei ist auch ein gewisser zeitlicher Konnex
notwendig (Bundesgerichtsurteile 8C_932/2012 vom 22. März 2013 E. 2.2 und
8C_579/2010 vom 10. März 2011 E. 2.2.1 mit Hinweisen; siehe auch BGE 134 V 315
E. 4.5.1.2; Alexandra Rumo-Jungo, Die Leistungskürzung oder -verweigerung gemäss
Art. 37-39 UVG, Diss. Freiburg 1993, S. 278 ff.).
Nach der Rechtsprechung kann der Begriff der starken Provokation im Sinne von Art.
49 Abs. 2 lit. b UVV nicht abstrakt definiert werden. Es gilt vielmehr in jedem Einzelfall
unter Berücksichtigung der konkret gegebenen Verhältnisse zu prüfen, ob das bean-
standete Verhalten ernsthaft geeignet erscheint, eine gewaltsame Reaktion anderer
hervorzurufen. Eine solche Provokation kann in Worten, Gebärden oder Tätlichkeiten
bestehen. Es kommt dabei nicht darauf an, ob die Reaktion unverhältnismässig ist. Die
Provokation muss aber natürlich und adäquat kausal für diese sein. Die Annahme einer
starken Provokation setzt zudem eine gewisse Unmittelbarkeit der Reaktion des Pro-
vozierten voraus (Bundesgerichtsurteil 8C_579/2010 vom 10. März 2011 E. 2.2.2).
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=soz&query_words=Rauferei&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F107-V-234%3Ade&number_of_ranks=0#page235 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=soz&query_words=Rauferei&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F107-V-234%3Ade&number_of_ranks=0#page235
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Die Kürzung von Versicherungsleistungen ist eine verwaltungsrechtliche Sanktion. Sie
bezweckt den Schutz der Versicherung vor ungerechtfertigter Inanspruchnahme und
hat nicht pönalen Charakter. Die Versicherung soll nicht über Gebühr mit Schäden be-
lastet werden, welche die betroffene Person bei Anwendung der ihr zumutbaren Sorg-
falt hätte vermeiden können. Es ist aufgrund der gesamten Umstände des konkreten
Falles zu beurteilen, ob ihr diesbezüglich ein Vorwurf gemacht werden kann (BGE 134
V 315 E. 4.5.1).
2.3 Der Beschwerdeführer hielt sich am Abend des 31. Dezember 2013 im Restaurant
A_ in B_ auf, um gemeinsam mit seiner Gattin sowie seinen Eltern
und Schwiegereltern Sylvester zu feiern. Nachdem er den Beschwerdeführer vorgängig
telefonisch kontaktiert hatte, tauchte gegen 22.30 Uhr D_, gefolgt von mehre-
ren Kollegen, vor dem A_ auf. Bei diesem handelt es sich um den Freund
von E_, der Tochter des Beschwerdeführers, mit welcher jener allerdings
nicht zusammen lebt, aber seit dem 25. Juli 2013 einen von ihm (noch) nicht anerkann-
ten Sohn hat. Nach seiner Ankunft sprach D_ vor dem Restaurant zuerst
kurz mit F_, verlangte aber nach dem Beschwerdeführer. Dieser begab sich
nach draussen. Im Gespräch ging es wie im vorausgegangenen Telefonat um den ak-
tuellen Aufenthaltsort von E_. Nach Meinung des Beschwerdeführers hatte
sie sich nach G_ begeben, nach jener von D_ nach H_.
Letzterer verlangte vom Ersten, dass sie die Tochter bzw. Freundin gemeinsam zu-
rückholen sollten, ansonsten werde er dies alleine tun. Er packte den Beschwerdefüh-
rer am Kragen, worauf dieser jenen zurückstiess. In der Folge kam es zu einer tätli-
chen Auseinandersetzung zwischen D_, unterstützt von seinen Kollegen,
und einer Gruppe um den Beschwerdeführer, d.h. ihm aus dem Restaurant zu Hilfe
eilenden Bekannten. Strittig ist das Verhalten des Beschwerdeführers im Rahmen die-
ser Schlägerei.
2.3.1 Der Beschwerdeführer sagte aus, er habe D_ mit Rücksicht auf die
Gäste gebeten, den Eingangsbereich zum Hotel zu verlassen und mit ihm auf die
Strasse zu kommen, um die Sache zu bereden. Dort habe ihn dieser wie schon zuvor
angeschrien, er solle mit ihm nach H_ fahren, um E_ abzuholen,
wozu er nicht bereit gewesen sei. Gleichzeitig habe ihn D_ an der
Brust/Kleidung gepackt. Er habe jenen aufgefordert, ihn unverzüglich loszulassen. Da-
raufhin habe D_ versucht, sich auf ihn zu stürzen, worauf er jenen mit aus-
gestreckten Armen von sich weggestossen habe. In diesem Moment seien die Beglei-
ter von D_ eingeschritten, I_ habe versucht, ihn und D_
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zu trennen, während die anderen drei Begleiter auf ihn losgegangen seien und mit
Fäusten und Füssen auf ihn eingeschlagen hätten, als er kurz darauf mit D_
auf dem Boden gelegen habe. Es sei ihm gelungen, wieder auf die Beine zu kommen
und sich zu verteidigen, d.h. die Angriffe abzuwehren. J_, K_ und
sogar seine Eltern und Schwiegereltern sowie die herbeigeeilte Mutter von
D_ hätten ebenfalls versucht, die Streitenden auseinanderzuhalten und die
Auseinandersetzung zu beenden. Er selbst habe weder geschlagen noch sei er tätlich
geworden; er habe lediglich versucht, die Angriffe, welchen er ausgesetzt gewesen sei,
abzuwehren. Das Verhalten von D_ sei aggressiv und unberechenbar gewe-
sen. Er habe nach Alkohol gerochen, einen starren Tunnelblick gehabt und am ganzen
Körper gezittert (act. 41/2-3).
F_, die Ehefrau des Beschwerdeführers, wollte die wesentlichen Fragen zum
Vorfall nicht beantworten, weil es sich bei einer der in die Sache involvierten Person
um den Vater ihres Enkels handle und sie das Bezugsverhältnis nicht negativ beein-
flussen wollte (act. 41/35-36). L_, Vater des Beschwerdeführers, sagte aus,
da es ein „Chaos“ gegeben habe, sei er mit seiner Frau ebenfalls nach draussen ge-
gangen. Er habe mitansehen müssen, wie drei bis vier Jugendliche, unter ihnen
D_, von allen Seiten auf seinen Sohn eingeschlagen hätten. D_
habe N_ angesprungen, wobei N_ zu Boden gegangen sei und
D_ auf ihm gelegen habe. D_ habe nun mit Fäusten, dessen Be-
gleiter mit Füssen auf N_ eingeschlagen. Dank der Hilfe von K_
habe N_ aufstehen können, worauf D_ erneut auf ihn losgegangen
sei, indem er ihn mit beiden Händen am Hals gewürgt und gegen ein Auto gedrückt
habe. Das Verhalten von D_ und dessen Kollegen sei sehr aggressiv gewe-
sen, während sich N_, K_ und J_ darauf beschränkt hät-
ten, zu helfen bzw. die Angriffe abzuwehren (act. 41/11-13).
J_, Schwager des Beschwerdeführers und Hotelier im A_, erklärte,
seine Tochter habe ihn auf die Schlägerei aufmerksam gemacht. Er sei hinausgeeilt
und habe gesehen, wie der Beschwerdeführer von mehreren Personen - frontal vor
ihm D_ - bedrängt, hin- und hergestossen und mit Fusstritten traktiert worden
sei. Er sei dazwischen gegangen, um N_ und D_ zu trennen, sei
jedoch zu Fall gebracht worden. Wieder auf den Füssen habe er beobachtet, wie meh-
rere Angreifer N_ festgehalten und auf ihn eingeschlagen hätten. Erst das
Eingreifen von K_ habe allmählich zu einer Beruhigung der Situation geführt.
Das Verhalten der Angreifer sei sehr aggressiv gewesen (act. 39/52-53). O_,
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Koch im A_, führte aus, er sei von der Tochter von J_ benachrich-
tigt diesem zu Hilfe geeilt. Er habe gesehen, wie ein junger Mann den Beschwerdefüh-
rer an einen silberfarbenen Audi gedrückt habe. Er habe sich dazwischen gedrängt und
den jungen Mann mit seinem Ellbogen weggedrückt. Dieser habe ihm am Kehlkopf
gepackt, worauf er jenen am Pullover ergriffen und vors Auto gedrückt habe. Die Be-
gleiter des jungen Mannes hätten versucht, diesen zu beruhigen. Er selbst sei zurück
in die Küche gegangen. Die vier Jugendlichen seien sehr aggressiv gewesen
(act. 41/19-20).
K_, Kellner im A_, sagte aus, er habe durch das Fenster gesehen,
dass drei junge Männer den Beschwerdeführer auf der Strasse umzingelt und bedrängt
hätten. Sie hätten ihn an den Kleidern gepackt und umhergestossen. Er sei nach
draussen geeilt, um dem Beschwerdeführer, welcher von D_ im „Schwitzkas-
ten“ gehalten und geschlagen worden sei, zu Hilfe zu kommen. Er habe auch seinem
Boss J_ helfen müssen. Er habe zwei jungen Männern wohl zwei- bis drei-
mal mit der flachen, rechten Hand eine Ohrfeige gegeben. Er habe dem Beschwerde-
führer, der von D_ und P_ an ein Auto gedrückt und geschlagen
worden sei, erneut helfen müssen. Er habe drauf hingewirkt, die Auseinandersetzung
aufzulösen. Die vier Personen seien äusserst aggressiv gewesen. Ohne die Hilfe von
ihm und seinem Chef wäre es für den Beschwerdeführer wohl weniger glimpflich aus-
gegangen (act. 39/21-23).
2.3.2 D_ gab zu Protokoll, es sei um E_ gegangen, die sich statt in
G_ in H_ aufgehalten habe und die er habe holen wollen. Nach
einem vorgängigen Telefonat mit dem Beschwerdeführer sei er zum A_ ge-
fahren. F_, die vor dem Hotel gewesen sei, habe er erklärt, er wolle mit dem
Beschwerdeführer sprechen. Dieser sei kurz darauf alleine aus dem Hotel gekommen.
Diesem habe er gesagt, es reiche ihm jetzt. Er solle mit ihm nach H_ kom-
men, um E_ zu holen. Ansonsten würde er alleine gehen. Dabei habe er den
Beschwerdeführer mit der rechten Hand am Hemd ergriffen. Dann seien Familienmit-
glieder des Beschwerdeführers aus dem Hotel gekommen und auf ihn losgegangen.
Seine Kollegen seien dann dazugekommen und ihrerseits, ohne schlichten zu wollen,
auf die Angreifer losgegangen. Er wisse nicht, wer wen geschlagen habe, mit Ausnah-
me von K_, welcher den auf dem Boden liegenden Q_ mit Fusstrit-
ten geschlagen habe. Es sei „Gugus“, dass seine Begleiter auf den Beschwerdeführer
losgegangen und auf diesen, als er am Boden gelegen habe, eingeschlagen hätten.
Die seien ganz sicher nicht auf den Beschwerdeführer losgegangen, da dieser ja nicht
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auf ihn - D_ - losgegangen sei. Dass er selbst den Beschwerdeführer atta-
ckiert hätte, bestritt er. Es könne sein, dass er wegen der Aufregung „sehr aggressiv,
emotional kaputt“ gewesen sei und einen „Tunnelblick“ gehabt habe. Er sei zum
A_ gefahren, nur um mit dem Beschwerdeführer zu reden. Er sei weder tät-
lich geworden noch habe er jemanden geschlagen. Er habe nur den Beschwerdeführer
am Kragen gepackt (act. 39/40-43).
P_ sagte aus, er sei zusammen mit Q_ und R_ im Auto
von I_ D_ zum A_ nachgefahren, da ihn seine Mutter
angerufen und nach dem Verbleib von D_ gefragt habe. Dort angekommen
habe er D_, welcher mit F_ vor dem Hotel gesprochen habe, auf-
gefordert, mit ihm zu kommen. Dieser habe erwidert, er wolle mit dem Beschwerdefüh-
rer reden. Letzterer sei alsdann aus dem Restaurant gekommen und habe mit
D_ auf der Strasse gesprochen, wobei beide begonnen hätten, einander an-
zuschreien. D_ habe dann den Beschwerdeführer an seiner Jacke ergriffen
und gegen sich gezogen. Sie hätten die beiden auseinanderbringen wollen, doch plötz-
lich sei Q_ auf dem Boden gewesen und es seien viele Angestellte und Gäs-
te aus dem Hotel gekommen. Ein Italiener habe sie aufgefordert, heim zu gehen, und
mehrere Faustschläge ausgeteilt. Schliesslich sei es ihnen gelungen, den Ort zu ver-
lassen. Er selbst habe niemanden geschlagen oder getreten. D_ sei schon
sehr aggressiv gewesen (act. 39/13-15).
R_ bestätigte, dass sie zu viert im Wagen von I_ D_ zum
A_ nachgefahren seien, weil sie hätten annehmen müssen, dass es Proble-
me geben könnte. D_ habe vor Ort Frau F_ gesagt, dass er mit
ihrem Mann reden wollte. Der Beschwerdeführer sei daraufhin nach draussen gekom-
men. Die beiden hätten auf der Strasse miteinander gesprochen. Plötzlich habe es ein
Geschrei gegeben. Einige Personen seien aus dem Restaurant gekommen. Alles sei
sehr schnell gegangen. Er selbst habe überhaupt nichts getan. Er habe lediglich
D_ nach Hause nehmen wollen. Alsdann habe der italienische Kellner inter-
veniert, gestossen und geschlagen. D_ sei normal gewesen (act. 3/32-33).
Q_ führte aus, aufgrund eines Anrufes von P_ bzw. D_
Mutter, hätten sie diesen gesucht. Fünf Personen, unter ihnen der Beschwerdeführer
und dessen Vater, hätten D_ vor dem A_ geschlagen. Er habe
diesen gesagt, das Problem könne man sicher mit Reden lösen. Sie hätten jedoch wei-
ter mit Fäusten und Füssen geschlagen. Sie seien ihm zu Hilfe geeilt. D_
habe den Beschwerdeführer aufgefordert, mit ihm nach H_ zu fahren; dieser
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habe ihm jedoch nicht geglaubt und auch nicht nach H_ fahren wollen
(act. 39/60-63).
I_ wiederholte seinerseits, sie seien D_ zum A_ nachge-
fahren, weil er sich habe denken können, dass dies zwangsläufig zu einer Auseinan-
dersetzung führen würde. D_ habe F_ „mit einer gewissen Ent-
schlossenheit“ gesagt, dass er mit ihrem Mann reden wolle. Keine Minute später sei
dieser aus dem Hotel ins Freie gekommen. Es sei dann zu einem Wortgefecht ge-
kommen, da der Beschwerdeführer geglaubt habe, seine Tochter sei in G_
am „sylvestern“ und D_ gewusst habe, dass E_ in H_
war. D_ habe dem Beschwerdeführer mitgeteilt, entweder er komme jetzt
mit, oder er - D_ - gehe alleine. Der Beschwerdeführer habe erwidert, er solle
normal reden, er sei kein Schulbub, worauf D_ zu weinen begonnen, den
Beschwerdeführer am Kragen des Vestons ergriffen und gemeint habe, er wolle doch
nur mit ihm reden. Der Beschwerdeführer habe D_ von sich weggestossen
und es sei ein Gerangel entstanden. Er habe versucht, D_ wegzureissen.
Dieser sei jedoch erneut auf den Beschwerdeführer losgegangen. Es sei dann recht
chaotisch gewesen, da sich mehrere Personen an der Auseinandersetzung beteiligt
hätten und auf D_ losgegangen seien. In der Folge sei es zu einer Schläge-
rei gekommen, wobei er nicht sagen könne, wer wen wie oft geschlagen habe. Er
selbst habe sich ins Auto gesetzt und sei weggefahren. D_ sei „emotional
kaputt“ gewesen, er habe einen „Austicker“ gehabt (act. 41/39-41).
S_, die Mutter von D_, sagte aus, ihr Sohn habe am Telefon mit
dem Beschwerdeführer gestritten. Es sei um E_ gegangen, wobei sie den
Inhalt des Gespräches mangels genügender Deutschkenntnisse nicht habe verstehen
können. Vor Ort habe sie nur gesehen, dass K_ und der Patron des
A_s auf den am Boden liegenden Q_ mit Füssen eingetreten hät-
ten. Ihr Sohn sei aufgeregt und nervös, jedoch nicht aggressiv gewesen (act. 42/4-6).
T_, Mutter von R_, erklärte gegenüber der Polizei, sie habe sich
mit der Mutter von D_ in dessen Wohnung aufgehalten. Dieser sei wegen
Meinungsverschiedenheiten mit den Eltern seiner Freundin E_ nervös gewe-
sen. R_ habe sie angerufen und erzählt, dass D_ beim
A_ sei und ein riesiges Chaos herrsche. Als sie beim A_ eingetrof-
fen sei, habe Q_ zusammengekauert auf dem Boden gelegen und ein Italie-
ner habe mit der Faust diesen in die Rippengegend geschlagen. Zwei weitere Männer,
wahrscheinlich Familienangehörige von D_ Freundin, wohl deren Vater und
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Grossvater, welche sie allerdings nicht kenne, hätten mit Füssen zugeschlagen. Ihr
Sohn R_ sei kreidebleich gewesen und habe ihr geschildert, dass ihm der
Italiener vier Schläge ins Gesicht verabreicht habe. Der aggressivste Beteiligte sei der
Italiener gewesen. D_ sei nervös und ängstlich gewesen (act. 41/24-26).
2.3.3 Die verschiedenen Aussagen stimmen darin überein, dass D_ wegen
des Aufenthalts seiner Freundin E_ in H_ völlig „aus dem Häus-
chen“ war, wobei sein Zustand mehrheitlich als aggressiv, vereinzelt als ängstlich und
nervös beschrieben wurde. Zu dieser aufgewühlten Stimmung passt, dass er sich nach
Auskunft mehrerer Personen (D_, act. 39/41-42; seine Mutter, act. 42/4;
I_, act. 41/41) zuvor seine Hand zuhause an einer Glastür verletzt hatte. Der
genaue Hintergrund dazu - eine Drittbeziehung? Eifersucht? - ergibt sich nicht aus den
Akten. In dieser Situation suchte er Unterstützung beim Vater von E_, vorerst
telefonisch und alsdann persönlich, welcher sich zwar auf sein Verlangen hin mit ihm
vor dem A_ zu einem Gespräch traf, jedoch nicht dazu bereit war, am Syl-
vesterabend seine zweifellos volljährige Tochter, die sich aus freien Stücken aus-
serhalb des Kantons aufhielt, nach B_ „heimzuholen“. Als D_ das
erhoffte Verständnis und die gewünschte Unterstützung nicht erhielt, packte er den
Beschwerdeführer und dieser stiess ihn, nach einer mündlichen Warnung, zurück. Es
entwickelte sich eine Schlägerei zwischen D_ einerseits und dem Umfeld des
Beschwerdeführers anderseits.
Der Beschwerdeführer behauptet, er habe nur versucht, sich zu verteidigen, ohne sei-
nerseits tätlich zu werden. Diese Darstellung wird von seinem Vater L_, sei-
nem Schwager J_, dem Koch O_ und dem Kellner K_
insoweit bestätigt, als dass sie alle den Beschwerdeführer als in die Defensive ge-
drängt und auf Dritthilfe angewiesen beschrieben. Es ist nicht zu übersehen, dass die-
se Personen aufgrund von Verwandtschaft, als Gastgeber und Angestellte im
A_ sowie als Helfer auf der Seite des Beschwerdeführers standen, was sich
auf ihre Aussage ausgewirkt haben könnte. Immerhin ist K_ gutzuhalten,
dass er letztlich als einziger eingeräumt hat, mehrere Schläge ausgeteilt zu haben, was
für den Wahrheitsgehalt seiner gesamten Aussage spricht. Aber auch D_,
P_ und R_ erwähnen mit keinem Wort, dass der Beschwerdeführer
Gewalt angewendet hätte. T_ vermutet zwar, dass der Beschwerdeführer
und dessen Vater bei ihrem Eintreffen vor Ort auf Q_ mit den Füssen einge-
schlagen haben könnten. Diese Aussage wird jedoch durch ihr Eingeständnis, diese
beiden nicht zu kennen, relativiert und durch die Aussage von S_, die den
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Beschwerdeführer kennt, entkräftet, indem sie ausführte, es seien K_ und
der Patron des A_ gewesen, welche auf Q_ mit den Füssen getre-
ten hätten. Q_ bleibt damit der Einzige, der dem Beschwerdeführer vorwirft,
zusammen mit weiteren vier Personen auf D_ eingeschlagen zu haben. Da-
mit stellt er sich in Widerspruch zu D_, der solches gerade nicht ausgesagt
hat, und zu all jenen Personen, welche dem Beschwerdeführer zu Hilfe geeilt sind, weil
sich dieser selbst nicht zu helfen vermochte. Die Aussage Q_s erscheint
damit unglaubhaft, umso mehr als er seinen eigenen aktiven Tatbeitrag unterschlägt,
obwohl er von verschiedenen Leuten, im Ergebnis auch von seinem Kollegen
I_ sowie von D_, belastet wird, welcher Letzterer unumwunden
einräumte, dass seine Begleiter nicht schlichten wollten, sondern auf die übrigen Per-
sonen losgegangen sind. Jedenfalls reicht diese einzelne Aussage nicht als Beweis
aus, nicht einmal für eine überwiegende Wahrscheinlichkeit, dass der Beschwerdefüh-
rer seinerseits Schläge oder Tritte ausgeteilt hätte.
2.4
2.4.1 Die Beschwerdegegnerin macht zu Recht nicht geltend, dass der Beschwerde-
führer den D_ auf irgendeine Weise provoziert hätte. Dass er dessen
Wunsch, mit ihm zusammen die Tochter zurück zu holen, nicht entsprach, reicht dafür
nicht aus, zumal es für das Kantonsgericht durchaus verständlich und normal ist, dass
ein Vater seiner volljährigen Tochter in Bezug auf ihren Aufenthaltsort am Sylvester-
abend keine Vorschriften macht und ihr einen solchen auch nicht aufzwingt.
2.4.2 Näher zu prüfen ist, ob dem Beschwerdeführer aufgrund der gesamten Umstän-
de des Vorfalls der Vorwurf gemacht werden kann, er habe ein Verhalten gezeigt, wel-
ches bei objektiver Betrachtung für ihn erkennbar mit der Gefahr verbunden gewesen
sei, in Tätlichkeiten überzugehen oder solche nach sich zu ziehen (vgl. E. 2.2).
Der Beschwerdeführer sass mit seinen Eltern und Schwiegereltern in einem Restau-
rant, als er von D_ vorerst telefonisch kontaktiert wurde. Dass er dessen An-
ruf entgegennahm und dabei auf den Wunsch des Anrufers, die Tochter heimzuholen,
nicht einging, gereicht ihm nicht zum Vorwurf. Als D_ später vor dem
A_ erschien und „mit einer gewissen Entschlossenheit“ (so I_) ver-
langte, dass der Beschwerdeführer herauskomme, hatte dieser letztlich keine andere
Wahl, als sich zu jenem nach draussen zu begeben. Andernfalls hätte er riskiert, dass
D_ zu ihm ins Restaurant kommt und sich die Diskussionen dort vor all den
übrigen Gästen abgespielt hätten. Aufgrund des vorangegangenen Telefonats war für
den Beschwerdeführer voraussehbar, weshalb ihn D_ aufsuchte, auch dass
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es wegen seiner Weigerung, mit diesem zur Tochter nach H_ zu fahren, zu
möglicherweise lauten Diskussionen kommen könnte. Für ihn nicht erkennbar war hin-
gegen, dass dies eine tätliche Auseinandersetzung nach sich ziehen würde. Denn eine
selbst erregt geführte Diskussion führt nicht zwangsläufig zur Anwendung von Gewalt.
Hier fand das Gespräch sodann nicht zwischen Fremden statt, sondern zwischen
„Schwiegersohn“ und „Schwiegervater“ oder zumindest zwischen Vater und Grossvater
des (Enkel-)Kindes. Trotz sichtlicher Erregung durfte hier vom „Vater“ eine gewisse
Hemmschwelle gegenüber dem „Grossvater“ erwartet werden. Als der Beschwerdefüh-
rer sich nach draussen begab und auch noch zu Beginn des Gespräches war für die-
sen daher nicht voraussehbar, dass das Ganze in eine Schlägerei ausarten könnte.
Der einzige Tatbeitrag des Beschwerdeführers bestand darin, dass er D_
nach dessen ersten Angriff zurückstiess, was unter den gegebenen Umständen eine
spontane, reflexartige, rein defensive und im Ergebnis verständliche Reaktion darstell-
te, welche für sich allein für eine Leistungskürzung nicht ausreicht, zumal sie nicht die
wesentliche Ursache für die von ihm danach erlittene gesundheitliche Beeinträchtigung
darstellt (Bundesgerichtsurteil 8C_341/2013 vom 15. April 2014 E. 5).
Treu und Glauben (Art. 2 ZGB) bildet ein wesentlicher Grundsatz im schweizerischen
Rechtssystem. Er ist auch hier beachtlich, indem eine Leistungskürzung nur dann
statthaft erscheint, wenn ein vernünftig und nach guten Treuen redlich handelnder Drit-
ter unter den nämlichen Umständen die Rauferei vermieden hätte. In casu hätte sich
ein jeder (Grossvater) aus dem Restaurant hinausbegeben, um dort auf dessen
Wunsch hin mit dem Vater seines Enkelkindes zu sprechen. Auch ein objektiver, ver-
nünftiger Dritter hätte sich davon durch den ihm aufgrund des Telefongespräches be-
kannten labilen Gemütszustandes des Vaters seines Enkelkindes nicht abhalten las-
sen. Vielmehr hätte er darauf vertraut, diesen im persönlichen Gespräche beruhigen zu
können. Eine Verweigerung des Gespräches stellte augenscheinlich die schlechtere
Lösung dar, musste doch der Dritte befürchten, dass der Vater des Kindes in diesem
Fall in das Restaurant eindringt und dass die Situation eskaliert. Blieb dem Beschwer-
deführer aber bei objektiver Betrachtung kein anderer Ausweg, als sich dem Gespräch
zu stellen, so darf ihm auch kein Vorwurf gemacht werden, dass er sich darauf einliess.
Es gab für den Beschwerdeführer schlichtweg kein Entrinnen aus der sich zuspitzen-
den Situation. Dabei bildete die zunehmend lauter werdende Unterredung zwischen
Vater und Grossvater zwar den Ausgangspunkt für die anschliessende Schlägerei;
deren eigentliche Ursache war aber das unbedachte, gewalttätige Eingreifen der Kolle-
gen von D_, deren Absicht nicht das Schlichten war, sondern deren Handeln
vielmehr auf eine tätliche Auseinandersetzung abzielte, welche sich in dieser Form
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höchstwahrscheinlich hätte vermeiden lassen, wenn sie D_ nicht gefolgt wä-
ren. Damit wäre es mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auch nicht zu den Verlet-
zungen des Beschwerdeführers gekommen, welche seine temporäre Arbeitsunfähig-
keit zur Folge hatten. Das Verhalten des Beschwerdeführers, d.h. seine Gesprächsbe-
reitschaft und das Zurückstossen von D_, war insoweit nicht kausal für den
erlittenen Gesundheitsschaden und die sich daraus ergebende Arbeitsunfähigkeit.
Mithin sind die Voraussetzungen für eine Leistungskürzung nicht gegeben, weshalb die
Beschwerde gutzuheissen und der Einspracheentscheid aufzuheben ist.
3. Das Verfahren ist, von hier nicht massgebenden Ausnahmen abgesehen, kostenlos
(Art. 61 lit. a ATSG).
Da der Beschwerdeführer obsiegt, hat er Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese
werden vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert
nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses be-
messen (Art. 61 lit. g ATSG). Bei Verfahren vor der Sozialversicherungsrechtlichen
Abteilung des Kantonsgerichts wird das Pauschalhonorar festgesetzt auf 550 bis
11'000 Franken (Art. 40 Abs. 1 GTar).
Vorliegend drohte dem Beschwerdeführer, wenn auch für eine relativ kurze Zeit, eine
hälftige und damit nicht unbedeutende Kürzung des Taggeldes. Sein für eine Rechts-
schutzversicherung tätige Rechtsvertreter hat in der Beschwerde den Standpunkt des
Beschwerdeführers und die sich stellenden Rechtsfragen konzis, jedoch umfassend
dargetan. Auf die mehrseitige Beschwerdeantwort der Beschwerdegegnerin hat er
nochmals kurz repliziert. Unter Berücksichtigung der Bedeutung und der Schwierigkeit
des Verfahrens sowie des für eine gehörige Vertretung angezeigten Aufwands erachtet
das Kantonsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 1‘250.-- (Auslagen
und MwSt. inkl.) für angemessen (vgl. BGE 120 IA 169 E. 3a).
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