Decision ID: a46e61fa-2174-53a0-b189-6d77203676e3
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im September 2006 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen
zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 10). Sie gab an, seit Februar 2005 wegen
Schmerzen und Depressionen arbeitsunfähig zu sein. Sie habe in B._ die
Grundschule besucht; einen Beruf habe sie nicht erlernt. Die C._ AG berichtete der
IV-Stelle am 29. September 2006 (IV-act. 19), dass sie die Versicherte von 1998 bis am
31. Oktober 2005 als Textilmitarbeiterin beschäftigt habe. Seit dem 18. Februar 2005
sei die Versicherte krankgeschrieben gewesen. Die Kündigung sei wegen des
rückläufigen Geschäftsgangs erfolgt. Ohne Gesundheitsschaden würde die Versicherte
heute Fr. 3'370.-- pro Monat verdienen (zzgl. 13. Monatslohn, siehe z.B. IV-act. 12-22).
Gemäss dem IK-Auszug hatte die Versicherte im Jahr 2003 Fr. 46'798.-- und im Jahr
2004 Fr. 43'130.-- verdient (IV-act. 17).
A.b Dr. med. D._, FMH Innere Medizin, gab in seinem Bericht vom 13. November
2006 die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an (bestehend
seit 1992, IV-act. 31-3 ff.):
• Undifferenzierte Somatisierungsstörung
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• unklare intermittierende Parästhesien der rechtsseitigen Extremitäten und der
rechten Gesichtshälfte, DD rezidivierende TIA bei arterieller Hypertonie,
kernspintomographisch Hinweise auf eine beginnende Marklagerischämie im Februar
2005
• Verdacht auf diskrete lumbale radikuläre Reizsymptomatik mit
Symptomausweitung, Status nach Operation einer lumbalen Diskushernie L5/S1 rechts
1987.
Aus somatischer Sicht sei die Versicherte zu 40 % arbeitsunfähig. Die Versicherte war
vom 13. Januar bis 5. Februar 2005 in der Klinik E._ hospitalisiert gewesen (Bericht
vom 7. März 2005, IV-act. 31-22 ff.; vollständiger Bericht s. IV-act. 95). Dr. med. F._,
Psychiatrie/Psychotherapie, hatte als psychiatrische Diagnose eine undifferenzierte
Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.1) angegeben. In der Beurteilung war zudem eine
mittelgradige depressive Störung mit somatischem Syndrom, die infolge einer privaten
und beruflichen Überlastung bei ängstlich-unsicherer Persönlichkeitsstruktur
entstanden sei, erwähnt worden. Die Klinikärzte hatten der Versicherten ab dem 7.
Februar 2005 eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert.
A.c Dr. med. G._, Psychiatrie/Psychotherapie, berichtete der IV-Stelle am 19. März
2007 (IV-act. 37), dass die Versicherte seit einigen Jahren an den folgenden Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit leide:
• Mittel- bis schwergradige rezidivierende depressive Störung (F33.11, F33.2) auf
dem Boden einer ängstlichen Persönlichkeit (F60.6)
• Panikstörung (F41.0)
• undifferenzierte Somatisierungsstörung (F45.1).
Aus psychiatrischer Sicht sei die Versicherte in ihrer bisherigen Tätigkeit wie auch in
anderen Tätigkeiten voll arbeitsunfähig. Der Zustand habe sich chronifiziert.
A.d Im September 2008 wurde die Versicherte polydisziplinär (allgemeinmedizinisch,
orthopädisch, neurologisch und psychiatrisch) durch die ABI Aerztliches
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Begutachtungsinstitut GmbH (nachfolgend: ABI) begutachtet (Gutachten vom 20.
Oktober 2008, IV-act. 56). Die Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit lauteten:
• Chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne radikuläre Symptomatik
- beginnende degenerative Veränderungen der Iliosakralgelenke beidseits
- Status nach Diskushernienoperation L5/S1 rechts vom 30. April 1987
• Karpaltunnelsyndrom beidseits.
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter ein
multilokuläres Schmerzsyndrom, weitgehend ohne klinisches Korrelat, und eine
leichtgradige hypo¬chrome mikrozytäre Anämie. Dr. med. H._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie, erklärte, dass sich im psychischen Befund keine
wesentlichen objektivierbaren Funktionsstörungen gezeigt hätten. Eine
krankheitswertige Symptomatik ergebe sich weder aus dem Beschwerdevortrag noch
aus dem dargestellten psychischen Befund. Die psychodynamischen Kriterien für eine
somatoforme Schmerzstörung seien nicht erfüllt. Auf dem psychiatrischen Fachgebiet
ergebe sich somit keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Möglicherweise habe zu
Beginn der Konsultation bei Dr. G._ eine entsprechende depressive Erkrankung
vorgelegen. Weder anamnestisch noch im Befund liessen sich jetzt derartig depressive
Merkmale objektivieren. Auch für eine Angst-/Panik¬störung bestehe kein Korrelat. Die
in den Akten beschriebene Somatisierungsstörung werde als Beschwerdeausweitung
und Selbstlimitierung verstanden. Die von Dr. G._ beschriebene Arbeitsunfähigkeit
könne somit nicht nachvollzogen werden. Der Gutachter Dr. med. I._, Orthopädische
Chirurgie, wies darauf hin, dass davon ausgegangen werden müsse, dass es auf dem
Boden einer ursprünglich leichtgradigen Problematik zunehmend zu einer
nichtorganisch bedingten Überlagerung gekommen sei, die das aktuelle
Beschwerdebild dominiere. Aufgrund der strukturellen Alterationen an der unteren
Wirbelsäule müsse für die angestammte, körperlich mittelschwere und intermittierend
schwere Tätigkeit in einer Zwirnerei von einer vollen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen
werden. Für körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten, in denen eine Hebe- und
Traglimite von 10 kg nur ausnahmsweise überschritten werde und keine länger
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dauernden Zwangshaltungen des Rumpfes vorkämen, bestehe eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit. Dr. med. J._, FMH Neurologie, hielt in seiner Beurteilung fest, dass
die Sensibilitätsstörungen durch das Karpaltunnelsyndrom beidseits erklärt werden
könnten. Das Karpaltunnelsyndrom beidseits schränke die Arbeitsfähigkeit in der
angestammte Tätigkeit in der Textilindustrie um 30 % ein, da hierbei gehäuft repetitive
gleichförmige Handbewegungen und eine monotone Haltung der Arme vorkämen.
Adaptierte Tätigkeiten seien der Versicherten jedoch uneingeschränkt zumutbar. Das
Karpaltunnelsyndrom sei grundsätzlich behandelbar, sodass nicht von einer
dauerhaften Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden müsse. In
polydisziplinärer Hinsicht kamen die Gutachter zum Schluss, dass die Versicherte in
der angestammten Tätigkeit seit Februar 2005 nicht mehr arbeitsfähig sei. In einer
körperlich angepassten Tätigkeit bestehe demgegenüber eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit. Es bestünden keine Hinweise dafür, dass in der Vergangenheit jemals
während längerer Zeit eine wesentlich höhere Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
bestanden hätte, als derzeit attestiert werden könne. RAD-Arzt Dr. med. K._
bezeichnete das Gutachten am 1. Dezember 2008 als umfassend, kohärent,
nachvollziehbar und in sich widerspruchsfrei; es könne vollumfänglich auf es abgestellt
werden (IV-act. 57).
A.e Mit je einem Vorbescheid vom 5. Dezember 2008 kündigte die IV-Stelle der
Versicherten bei einem IV-Grad von 0 % die Abweisung des Rentengesuchs (IV-act.
64) sowie die Verneinung eines Anspruchs auf Arbeitsvermittlung (IV-act. 61) an. Am 3.
Februar 2009 verfügte die IV-Stelle im Sinne der Vorbescheide (IV-act. 71, 72). Gegen
diese beiden Verfügungen liess die Versicherte Beschwerde erheben (IV-act. 81). Mit
der Replik vom 17. Juni 2009 reichte der Rechtsvertreter der Versicherten einen Bericht
der Klinik L._ vom 4. Mai 2009 über einen Rehabilitationsaufenthalt vom 16. März bis
1. Mai 2009 ein (IV-act. 96). Als psychiatrische Diagnosen hatte Dr. F._ eine
rezidivierende mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (F33.11),
schwere depressive Episoden (in der Vergangenheit dokumentiert, F33.2), eine
Agoraphobie mit Panikstörung (F40.01) und eine somatoforme Schmerzstörung (F45.4)
angegeben. Die Versicherte sei nach Austritt zu 100 % arbeitsunfähig.
A.f Mit Entscheid vom 2. März 2011 (IV-act. 103; IV 2009/77) hiess das
Versicherungsgericht die Beschwerden teilweise gut; es hob die angefochtenen
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Verfügungen auf und wies die Sache zur weiteren medizinischen Abklärung und zur
Prüfung von Eingliederungsmassnahmen im Sinne der Erwägungen an die IV-Stelle
zurück. Das Gericht erwog, dass die Berichte von Dr. G._ und der Klinik L._ Zweifel
an der Zuverlässigkeit der Beurteilung des ABI weckten. Zudem hätten dem
neurologischen Gutachter nicht alle Berichte der behandelnden Ärzte vorgelegen. Der
Rückweisungsentscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B.
B.a Am 1. September 2011 reichte der Rechtsvertreter der Versicherten weitere
medizinische Unterlagen ein (IV-act. 115). Am 25. August 2010 hatte sich die
Versicherte wegen eines symptomatischen Uterus myomatosus sowie einer
Rectorecele 3. Grades einer Hysterektomie unterzogen (IV-act. 115-11 f.). Am 22.
August 2011 war das Karpaltunnelsyndrom rechts operiert worden (IV-act. 114-41). Dr.
D._ berichtete der IV-Stelle am 12. September 2011 über einen stationären
Gesundheitszustand (IV-act. 116).
B.b Der Rechtsvertreter informierte die IV-Stelle am 10. November 2011 darüber (IV-
act. 118), dass der Zustand der rechten Hand noch nicht befriedigend sei. Sofern sich
der Zustand in absehbarer Zeit bessere, werde die linke Hand im Januar 2012 operiert.
Am 1. Dezember 2011 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit (IV-act. 122), dass ihr
Gesundheitszustand zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen ermögliche.
Der Rechtsvertreter setzte die Eingliederungsverantwortliche am 15. März 2012
darüber in Kenntnis (IV-act. 126), dass die Versicherte am 19. März 2012 in die
Integrationsstation der Klinik M._ eintreten werde. Der stationäre Aufenthalt dauerte
bis am 27. April 2012 (Bericht vom 15. Mai 2012, IV-act. 131, 134-4 ff.). Dr. med. N._,
Oberärztin, gab als psychiatrische Diagnose eine schwere depressive Episode ohne
psychotische Symptome (F32.2) an. Aufgrund der psychischen und somatischen
Einschränkungen ging sie von einer 100 %igen Arbeitsunfähigkeit aus.
B.c Dr. D._ erklärte am 9. Juni 2012, dass sich der Gesundheitszustand der
Versicherten verschlechtert habe (IV-act. 134). Als Diagnosen nannte er eine schwere
depressive Episode ohne psychotische Symptome (F32.2), eine Reizung des Plexus
Brachialis rechts mehr als links bei Karpaltunnelsyndrom links und Status nach CTS-
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Operation rechts 08/11. Der Versicherten sollten körperlich leichte Tätigkeiten ohne
Anforderungen an die Feinmotorik mit Unterbrüchen und Wechselbelastung ohne
Zeitdruck und in langsamem Arbeitstempo zwei bis drei Stunden pro Tag zumutbar
sein. Wegen der psychischen Belastbarkeit halte er eine regelmässige Arbeit jedoch für
nicht zumutbar. Dr. med. O._, Handchirurgie, hatte dem Hausarzt am 23. Dezember
2011 berichtet (IV-act. 134-8 f.), dass die Versicherte an einer Reizung des Plexus
brachialis rechts stärker als links mit reaktiver Verspannung der Schulter-/Halspartie
leide. Bezüglich der CTS-Operation rechts bestehe ein günstiger Verlauf.
B.d Dr. med. P._, Handchirurgie, berichtete der IV-Stelle am 12. September 2012
(IV-act. 140-3 ff.), dass er die Versicherte am 10. September 2012 wegen eines
Karpaltunnelsyndroms auf der linken Seite operiert habe. Eine Arbeitsunfähigkeit habe
bezüglich der linken Hand präoperativ nicht bestanden. Postoperativ habe die
Arbeitsunfähigkeit bei einer normalen körperlichen Tätigkeit etwa drei Wochen
ausgemacht. Dr. G._ berichtete der IV-Stelle am 24. September 2012 (IV-act. 141),
dass die Versicherte aus psychiatrischer Sicht seit vielen Jahren an einer
rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige bis schwergradige
Episode (F33.2), und an einer Panikstörung (F41.0) leide. Trotz der langjährigen
Behandlung hätten sich die Symptome verstärkt. Die Versicherte sei weiterhin voll
arbeitsunfähig.
B.e Im Januar 2013 wurde die Versicherte polydisziplinär (internistisch, orthopädisch,
neurologisch und psychiatrisch) durch die Medizinische Abklärungsstelle Bern
(nachfolgend: Medas Bern) begutachtet (Gutachten vom 30. Juli 2013, IV-act. 161). Die
Gutachter gaben keine Diagnosen mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit an. Die
Diagnosen ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit lauteten u.a. (vollständige
Diagnoseliste s. IV-act. 161-28):
• Persönlichkeit mit anankastischen und vermeidenden Anteilen (keine
Krankheitswertigkeit)
• psychosoziale Belastungsfaktoren mit Problemen in Bezug auf die Lebensführung
(nicht näher bezeichnet)
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• chronisch wiederkehrende Zervikodorsolumbalgien bei Wirbelsäulenfehlstatik in
Form eines Rundrückens und einer linkskonvexen Skoliose mit beginnenden
degenerativen HWS-, BWS- und LWS-Veränderungen und Status nach
Bandscheibenoperation im Segment L5/S1 rechts 1987
• multilokuläres Schmerzsyndrom (panvertebral, zervikozephal, alle Extremitäten)
• wiederkehrend polytope Arthralgien
• Zustand nach Operation eines Karpaltunnelsyndroms beidseits, rechts 08/2011
und links 09/2012
• Adipositas.
Dr. med. Q._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte aus, dass aus
allgemeinmedizinisch-internistischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in
der angestammten Tätigkeit als Näherin bzw. Mitarbeiterin in einer Texilfirma sowie in
Verweistätigkeiten bestehe. Der psychiatrische Gutachter Dr. med. R._ erklärte, dass
bei der Untersuchung schon zu Anfang Verdeutlichungstendenzen imponiert hätten.
Auch in der Folgezeit hätten die Angaben der Versicherten teilweise nicht schlüssig und
nachvollziehbar gewirkt; zudem habe sie auch ausweichende Antworten gegeben. Bei
der Erhebung des psychopathologischen Befundes hätten sich leichte Störungen im
Kontaktverhalten, nicht jedoch in der Aufmerksamkeit, der Konzentration, der
Wahrnehmung, der Sprache und des Sprechens ergeben. Es hätten sich lediglich
leichte formale Denkstörungen gefunden, die als umständlich und weitschweifig
imponiert hätten. Gedächtnisstörungen hätten nicht bestanden. Demnach hätten keine
Diagnosen einer affektiven Störung, eines kognitiven Defizits, einer psychotischen
Erkrankung oder einer versicherungsmedizinisch relevanten Persönlichkeitsstörung
erkannt bzw. nachvollzogen werden können. Die von der Versicherten beklagten
Beschwerden und ihre Äusserungen zu ihrem Zustandsbild hätten teilweise inkonstant
gewirkt; eine präzise Darstellung der Symptome habe gefehlt. Die von der Versicherten
geschilderten Einschränkungen hätten sich vornehmlich auf den Beruf beschränkt. Es
habe sich auch gezeigt, dass psychosoziale Faktoren überwögen: Die Versicherte habe
über ein Überforderungsgefühl bei den Aufgaben im Haushalt, im
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zwischenmenschlichen Umgang mit den Familienmitgliedern sowie in Bezug auf die
finanziellen Probleme berichtet. Die persönlichkeitseigenen Anteile mit anankastischen
und zugleich vermeidenden Anteilen spielten dabei eine Rolle. Aus psychiatrischer
Sicht bestünden in der angestammten Tätigkeit als Spulerin bzw. in einer angepassten,
intellektuell wenig anspruchsvollen beruflichen Tätigkeit keine
versicherungsmedizinisch relevanten Einschränkungen. Auch retrospektiv ergäben sich
keine Hin¬weise auf eine relevante depressive Symptomatik bzw. eine Panikstörung.
Die psychiatrische Bewertung des ABI aus dem Jahr 2008 sei nachvollziehbar und
decke sich mit seiner Einschätzung. Hingegen könnten die übrigen psychiatrischen
Berichte nicht hinreichend überzeugen, da die psychosozialen Aspekte und
möglicherweise auch soziokulturelle Besonderheiten eines hyperexpressiven
Beschwerderapports sehr stark mit eingeflossen seien und die Einschätzung verzerrt
hätten. Auch die aktuell erkennbaren Aggravationsverhalten erschwerten eine
Bewertung. Basierend auf diesen Berichten sei keine exakte retrospektive Beurteilung
möglich (IV-act. 161-30). Dr. med. S._, Fachärztin für Neurologie, gab an, dass die
angegebenen Beschwerden auf dem neurologischen Fachgebiet keine relevante
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit begründeten; allenfalls seien dauerhaft mit
Kraftaufwand zu erbringende Tätigkeiten der Hände beeinträchtigt. Es seien erhebliche
Verdeutlichungstendenzen aufgefallen. Die angestammte Tätigkeit als Textilarbeiterin
sei aus neurologischer Sicht auch retrospektiv als möglich zu betrachten. Der
orthopädische Gutachter Dr. med. T._ hielt fest, dass die von der Versicherten
angegebenen Schmerzen in der Wirbelsäule nur zum Teil objektiv nachvollziehbar
seien. Funktionseinschränkungen bestünden insoweit, als bei längeren statischen
Wirbelsäulenbelastungen und Belastungen der Wirbelsäule ausserhalb der
Körperachse Schmerzen zu erwarten seien. Arbeiten leichter körperlicher Natur, welche
im Wechsel zwischen Stehen, Gehen und Sitzen erbracht werden könnten, könne die
Versicherte ohne Einschränkung erbringen. In der interdisziplinären Beurteilung
schätzten die Gutachter die Arbeitsfähigkeit für die angestammte Tätigkeit als Spulerin
und für andere leidensangepasste Tätigkeiten auf 100 %. Dr. U._ vom RAD notierte
am 4. September 2013 (IV-act. 162), dass das Gutachten der Medas Bern plausibel sei.
B.f Mit Vorbescheid vom 5. November 2013 (IV-act. 165) kündigte die IV-Stelle der
Versicherten an, dass sie keinen Anspruch auf berufliche Massnahmen habe. Dagegen
liess die Versicherte am 3. Januar 2014 einen Einwand erheben (IV-act. 170). Ihr
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Rechtsvertreter merkte unter anderem an, dass sich die Versicherte derzeit in
stationärer Behandlung in der Klinik M._ befinde. Am 6. Januar 2014 verfügte die IV-
Stelle im Sinne des Vorbescheids (IV-act. 171). Gegen diese Verfügung liess die
Versicherte am 6. Februar 2014 Beschwerde erheben (IV-act. 177). Zur Begründung
machte ihr Rechtsvertreter geltend, dass nicht auf das Medas-Gutachten abgestellt
werden könne: Das Gutachten sei nicht unterzeichnet, die psychiatrische
Befunderhebung nach AMDP sowie die Auseinandersetzung mit den Befunden seien
völlig unzulänglich gewesen, die objektiven Befunde (Traurigkeit etc.) und die Aktenlage
legten Störungen der Affektivität und weitere Störungen durchaus nahe, das Vorliegen
einer Depression sei nicht anhand der wissenschaftlichen Kriterien der ICD-10
überprüft worden, es seien keine Validierungstests und auch keine standardisierten
Testverfahren durchgeführt worden, der psychiatrische Gutachter habe die
behaupteten psychosozialen Belastungsfaktoren nicht wirklich benennen können, das
psychiatrische Teilgutachten entspreche nicht den Qualitätsleitlinien, die stark
divergierenden Berichte der behandelnden Ärzte erweckten erhebliche Zweifel am
Gutachten, psychosoziale Faktoren spielten bei der Diagnose einer Depression nach
den wissenschaftlichen Kriterien der ICD-10 keine Rolle und der orthopädische
Gutachter habe die angestammte Tätigkeit aktenwidrig und zu Unrecht als leicht
bezeichnet.
B.g Dr. U._ notierte am 24. März 2013, dass die erneute Hospitalisation auf eine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit der Begutachtung durch die Medas
Bern hinweise (IV-act. 185). Am 1. April 2014 widerrief die IV-Stelle die Verfügung vom
6. Januar 2014 (IV-act. 192). Gleichentags forderte die IV-Stelle die Gutachter der
Medas Bern auf, Stellung zur Kritik des Rechtsvertreters am Gutachten zu nehmen (IV-
act. 193). Das Beschwerdeverfahren wurde in der Folge abgeschrieben (IV-act. 203).
B.h Mit Vorbescheid vom 4. April 2014 kündigte die IV-Stelle der Versicherten bei
einem IV-Grad von 0 % die Abweisung des Rentengesuchs an (IV-act. 196). Zur
Begründung führte sie an, dass gemäss dem Gutachten der Medas Bern sowohl für die
angestammte Tätigkeit als auch für eine adaptierte Tätigkeit eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit bestehe. Am 28. April 2014 ging bei der IV-Stelle ein Bericht der Klinik
M._ über eine Hospitalisation vom 25. November 2013 bis 14. März 2014 ein (Bericht
vom 17. April 2014, IV-act. 200). Als psychiatrische Diagnosen hatte Dr. N._ eine
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rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische
Symptome (F33.2), und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4)
angegeben. Aufgrund der psychischen und somatischen Einschränkungen sei
weiterhin von einer 100 %igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen.
B.i Am 16. Juli 2014 nahm der psychiatrische Gutachter Dr. R._ Stellung zur Kritik
des Rechtsvertreters (IV-act. 213). Er führte an, das ABI sei in Unkenntnis des
Arbeitsprofils davon ausgegangen, dass es sich bei der angestammten Tätigkeit um
eine mittelschwere bis schwere Tätigkeit gehandelt habe. Die schwierige psychosoziale
Belastungssituation sei nicht allein auf eine lange Krankheitsgeschichte
zurückzuführen. Die Exploration sei gemäss den geltenden Qualitätskriterien erfolgt
und die Diagnosestellung habe auf den Kriterien der ICD-10 basiert. Die meisten
psychometrischen Tests entsprächen nicht den Bedürfnissen und den
Qualitätsansprüchen für eine Begutachtung. Bei Fragebogen-Tests werde nach
subjektiven Angaben der versicherten Person gefragt. Auch bei
Fremdbeurteilungsverfahren könnten subjektive Faktoren des Beurteilers einfliessen,
welche letztlich das Ergebnis verfälschten. Der Einsatz eines Tests sei keine
unabdingbare Voraussetzung, um den Qualitätskriterien für die Erstellung von
Gutachten zu genügen. Es bleibe somit bei der gutachterlichen Einschätzung vom 30.
Juli 2013.
B.j RAD-Arzt Dr. U._ notierte am 10. November 2014 (IV-act. 222), dass er den Fall
mit RAD-Psychiater Dr. V._ besprochen habe. Der enge zeitliche Zusammenhang
zwischen dem Vorbescheid betreffend die beruflichen Massnahmen und dem
Klinikeintritt erwecke den Eindruck, dass es sich bei der geltend gemachten
Verschlechterung des Gesundheitszustandes um eine Reaktion auf den abweisenden
Vorbescheid handeln könnte. Die im Bericht vom 17. April 2014 beschriebene
Psychopathologie stelle allenfalls eine leichte bis mittelgradige depressive Episode dar,
die allenfalls eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30 % rechtfertige. Dass die
Hospitalisation so lange gedauert habe, sei angesichts der beschriebenen sprachlichen
Einschränkungen nicht verwunderlich. Insgesamt sei das Gutachten der Medas Bern in
jeder Hinsicht überzeugend. Seit November 2013 könne eine leichte bis mittelgradige
depressive Episode nachvollzogen werden, welche die Arbeitsfähigkeit in jeglicher
Tätigkeit um ca. 30 % einschränke.
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B.k Am 5. Dezember 2014 räumte die IV-Stelle dem Rechtsvertreter der Versicherten
erneut die Möglichkeit ein, zum Vorbescheid vom 4. April 2014 Stellung zu nehmen (IV-
act. 226). Sie merkte an, dass gemäss der Einschätzung des RAD seit November 2013
allenfalls eine leichte bis mittelgradige depressive Episode vorliege, welche die
Arbeitsfähigkeit höchstens um 30 % einschränke. Leichte bis mittelgradige depressive
Episoden seien grundsätzlich therapeutisch angehbar. Aber auch unter Annahme einer
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30 % würde ein rentenausschliessender IV-
Grad resultieren. Am bisherigen Entscheid werde festgehalten.
B.l Mit Verfügung vom 5. Januar 2015 (IV-act. 229) wies die IV-Stelle das
Rentengesuch wie angekündigt bei einem IV-Grad von 0 % ab. Bezüglich des
Einwandes gab sie die Stellungnahme des RAD vom 10. November 2014 wieder.
C.
C.a Gegen diese Verfügung liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am
3. Februar 2015 Beschwerde erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die
Aufhebung der Verfügung und − evtl. nach weiteren Abklärungen durch das Gericht −
die Zusprache einer Invalidenrente. Zur Begründung verwies er zunächst auf die
Beschwerdeschrift vom 6. Februar 2014 und erklärte diese zum integrierenden
Bestandteil der Beschwerde. Ergänzend machte er geltend, dass der Bericht der Klinik
M._ vom 17. April 2014 in keiner Art und Weise mit den Befunden und Diagnosen der
Medas Bern vereinbar sei. Die umfangreiche Austrittsmedikation lasse auf erhebliche
gesundheitliche Schwierigkeiten schliessen. Zudem sei der Beschwerdeführerin eine
100 %ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. Die Beschwerdeführerin sei nicht in der
Lage gewesen, Angaben zum Gewicht der Spulen zu machen. Die von den Gutachtern
angegebenen 5-6 kg seien frei erfunden und vermutlich zu tief. Die angestammte
Tätigkeit entspreche auch aus anderen Gründen nicht dem Zumutbarkeitsprofil: Die
Beschwerdeführerin habe zwischen grossen Maschinen, in extremem Lärm und starker
Zugluft gearbeitet. Zudem habe sie auf Leitern/mobilen Treppen arbeiten und die
Fadenspulen in ungünstigen Zwangshaltungen auswechseln müssen. Angesichts der
Berichte der behandelnden Ärzte sei nicht nachvollziehbar, dass die Medas Bern eine
depressive Störung weder anamnestisch noch retrospektiv habe ausmachen können.
Die Gutachter hätten der Beschwerdeführerin ohne weitere Begründung, insbesondere
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ohne Durchführung entsprechender Validierungstests, ein Verdeutlichungs- oder
Aggravationsverhalten unterstellt. Widersprüchlich sei auch, dass gemäss den
Gutachtern keine wesentlichen Einschränkungen im Alltag bestehen sollen, obwohl die
Beschwerdeführerin auf entsprechende Fragen offenbar durchwegs mit "wenn ich
kann" und "wenn es gerade möglich ist" geantwortet habe. Bezeichnend sei auch,
dass angesichts des Berichts vom 17. April 2014 nicht einmal mehr der RAD auf das
Medas-Gutachten abstellen wolle. Der Entscheid der IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) beruhe also nur noch auf einer − auf unbegründeten
Feststellungen und Mutmassungen beruhenden − Beurteilung des RAD. Dieser habe
den Bericht der Klinik M._ nur ungenau geprüft. Zudem könne es nicht angehen,
dass der RAD in einem komplexen Fall seine eigene Meinung an die Stelle der als
unrichtig erkannten gutachterlichen Einschätzung stelle. Unter Berücksichtigung der
Rechtsprechung und der sehr langen Verfahrensdauer erscheine ein Gerichtsgutachten
als angezeigt. Sollte dennoch auf die Arbeitsunfähigkeit von 30 % abgestellt werden,
wäre ein "Leidensabzug" von 25 % zu berücksichtigen. Der Beschwerde lagen unter
anderem Fotografien vom ehemaligen Arbeitsplatz der Beschwerdeführerin bei (act. G
1.1.4).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 20. März 2015 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie aus, dass das Gutachten der Medas
Bern ausführlich abgefasst und dessen Schlussfolgerungen zusammen mit der
Arbeitsfähigkeitsschätzung als begründet erschienen. Das von den Medas-Gutachtern
erwähnte Anforderungsprofil entspreche den Angaben der Beschwerdeführerin.
Welche Tätigkeit die Beschwerdeführerin früher ausgeübt habe, könne jedoch offen
bleiben, da lediglich die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit relevant sei.
Gegen die Untersuchungsinstrumente des psychiatrischen Gutachters sei nichts
einzuwenden. Sowohl die Klinik M._ als auch Dr. G._ hätten ihre
Arbeitsfähigkeitsschätzung schwergewichtig auf die Schilderungen der
Beschwerdeführerin abgestützt. Hinzu komme, dass verwaltungs- und
gerichtsnotorisch sei, dass Dr. G._ stets tiefe Arbeitsfähigkeiten attestiere.
C.c In seiner Replik vom 12. Juni 2015 machte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin ergänzend geltend (act. G 10), die Medas Bern habe sich zur
Hilfsperson der Beschwerdegegnerin gemacht, indem sie während des laufenden
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Beschwerdeverfahrens IV 2014/76 eine Stellungnahme abgegeben habe. Die Medas
Bern habe dadurch ihre institutionelle Unabhängigkeit verloren. Das
Administrativgutachten habe deshalb lediglich noch den Beweiswert einer
Parteibehauptung. Des Weiteren sei der Gutachter auf die wichtigsten Kritikpunkte der
Beschwerde gar nicht eingegangen. Insbesondere sei er nicht darauf eingegangen,
weshalb er entgegen der klaren medizinischen Aktenlage nicht einmal retrospektiv
Hinweise auf eine relevante depressive Symptomatik erkannt haben solle und dass der
von ihm erhobene psychopathologische Befund offensichtlich unvollständig sei.
Ausserdem wäre zu erwarten gewesen, dass der Bericht der Klinik M._ vom 17. April
2014 der Medas Bern zur Klärung der Widersprüche vorgelegt würde. Dr. D._ habe in
seinem Bericht vom 16. Mai 2015 bestätigt, dass die diametral divergierenden Befunde
der Medas Bern und der Klinik M._ vom 15. Mai 2012 bzw. 17. April 2014 kaum auf
einen schwankenden Verlauf oder auf eine vorübergehende Verschlechterung des
Gesundheitszustandes zurückgeführt werden könnten. Dass die gynäkologischen und
sexualmedizinischen Probleme sowie der intrauterine Fruchttod 1981 und eine
Fehlgeburt 1991 im Gutachten nicht zur Sprache gekommen seien, erwecke den
Eindruck, dass oberflächlich abgeklärt worden sei. Schliesslich hätten sich auch aus
dem zwischenzeitlich durchgeführten Arbeitsversuch weitere Anhaltspunkte dafür
ergeben, dass auf das Gutachten der Medas Bern nicht abgestellt werden könne.
Weitere Abklärungen seien somit unumgänglich. Dr. D._ hatte dem Rechtsvertreter
am 16. Mai 2015 berichtet (act. G 10.1.1), dass er bei der Beschwerdeführerin seit dem
1. Januar 2012 keine Verbesserung des psychischen Zustandes erkennen könne. Die
von ihr berichteten sexuellen Probleme hätten wohl eine somatische als auch eine
psychologische Erklärung. Er halte es für möglich, dass der Harndrang die
Beschwerdeführerin an den intrauterinen Fruchttod 1981 und an den Abort 1991
erinnere. Die fachärztlich bestätigte rezidivierende depressive Störung wirke sich
erheblich auf die Arbeitsfähigkeit aus. Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sollten
mögliche Zusammenhänge der psychischen Beschwerden und der
Beckenbodeninsuffizienz fachärztlich untersucht werden. Vom 1. Februar bis 31. März
2015 hatte die Beschwerdeführerin ein Einsatzprogramm im W._ absolviert (IV-act.
231). Das Ziel der Massnahme war es gewesen, mögliche zukünftige Tätigkeitsfelder
sowie die Teamfähigkeit der Beschwerdeführerin abzuklären. Das Einsatzprogramm
war mit einer Präsenzzeit von 50 % gestartet worden. Der Programmleiter hatte im
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Schlussbericht vom 27. März 2015 angegeben (act. G 10.1.2), dass die
Beschwerdeführerin mit körperlich leichten Aufgaben im Kunstatelier betraut worden
sei. Sie habe von Anfang an einen leidenden und müden Eindruck gemacht, den sie
visuell und verbal kundgetan habe. Das geringe Selbstwertgefühl und die leidende
Grundhaltung würden es ihr schwer machen, sich auf eine Arbeitsstelle einzulassen.
Das Durchhaltevermögen, die Deutschkenntnisse, die körperliche Fitness, die
Belastbarkeit und die Leistungsfähigkeit hätten während des Einsatzprogrammes klar
unter den Anforderungen gelegen. Da die Beschwerdeführerin wenig präsent gewesen
sei (18 Tage krank gemeldet), sei keine abschliessende Beurteilung des
Arbeitsverhaltens möglich.
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 11 f.).
C.e Am 5. Februar 2016 informierte der Rechtsvertreter das Gericht darüber, dass er
die Beschwerdeführerin nicht mehr vertrete (act. G 13). Am 7. März 2016 teilte
Rechtsanwältin R. Schmid mit, dass sie das Mandat übernommen habe (act. G 15).

Erwägungen
1.
1.1 Mit der angefochtenen Verfügung vom 5. Januar 2015 hat die
Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin bei einem IV-
Grad von 0 % verneint.
1.2 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR
830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der
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körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.3 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist der Invaliditätsgrad
grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
2.
Die Beschwerdeführerin hat sich bereits im September 2006 zum Leistungsbezug
angemeldet und eine Arbeitsunfähigkeit seit Februar 2005 geltend gemacht. Gemäss
Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht ein Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs
Monaten nach der Geltendmachung des Leistungsanspruchs. Nun ist aber nach dem
(lückenfüllend geschaffenen) Übergangsrecht der 5. IV-Revision die altrechtliche
Regelung des Rentenbeginns weiter anzuwenden, sofern das Wartejahr vor dem
Zeitpunkt des Inkrafttretens (1. Januar 2008) zu laufen begonnen hat und die
Anmeldung bis spätestens Ende Juni 2008 erfolgt ist (vgl. das vom Bundesamt für
Sozialversicherungen herausgegebene IV-Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember
2007 sowie die Modifikation in BGE 138 V 475). Nach aArt. 29 Abs. 1 lit. b IVG entsteht
der Rentenanspruch ‒ unabhängig vom Datum der Anmeldung ‒ unmittelbar mit der
Erfüllung des Wartejahres. Ein Anspruch auf Nachzahlung besteht grundsätzlich aber
nur für die zwölf der Anmeldung vorangehenden Monate (aArt. 48 Abs. 2 IVG). Gestützt
auf die Angaben der Beschwerdeführerin hätte das Wartejahr im Februar 2005 zu
laufen begonnen. Da sich die Beschwerdeführerin im September 2006 zum
Leistungsbezug angemeldet hat, würde ein allfälliger Rentenanspruch frühestens ab 1.
Februar 2006 entstehen.
3.
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3.1 Um das Invalideneinkommen ermitteln zu können, muss die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin vom 1. Februar 2005 (frühestmöglicher Beginn des Wartejahres)
bis 5. Januar 2015 (Verfügungserlass) mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststehen.
3.2 In medizinischer Hinsicht liegen insbesondere ein Bericht der Klinik E._ vom 7.
März 2005 (Dr. F._), Berichte des behandelnden Psychiaters Dr. G._ vom 19. März
2007 und 24. September 2012, ein polydisziplinäres Gutachten des ABI vom 20.
Oktober 2008, ein Bericht der Klinik L._ vom 4. Mai 2009 (Dr. F._), Berichte der
Klinik M._ (Dr. N._) vom 15. Mai 2012 und 17. April 2014, ein Bericht des
Handchirurgen Dr. P._ vom 12. September 2012, ein polydisziplinäres Gutachten der
Medas Bern vom 30. Juli 2013, eine Stellungnahme der Medas Bern vom 16. Juli 2014,
eine Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. U._ vom 10. November 2014 sowie ein
Bericht des Hausarztes Dr. D._ vom 16. Mai 2015 im Recht.
3.3 Zunächst ist auf die allgemeine Kritik des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin
am Gutachten der Medas Bern einzugehen. Der Rechtsvertreter hat moniert, dass das
Gutachten der Medas Bern von den Sachverständigen nicht unterzeichnet worden sei.
Diese Behauptung ist falsch: Alle beteiligten Sachverständigen haben das Gutachten
auf der zweiten Seite des Gutachtens (IV-act. 161-2) handschriftlich unterzeichnet. In
seiner Replik hat der Rechtsvertreter geltend gemacht, das Gutachten der Medas Bern
und deren Stellungnahme vom 16. Juli 2014 hätten lediglich den Beweiswert einer
Parteibehauptung; indem die Beschwerdegegnerin die Stellungnahme vom 16. Juli
2014 während des laufenden Beschwerdeverfahrens IV 2014 /76 eingeholt habe, habe
die Gutachterstelle ihre Unabhängigkeit eingebüsst. Im Verfahren IV 2014/76 ist es um
den Anspruch der Beschwerdeführerin auf berufliche Eingliederungsmassnahmen
gegangen. Als ordentlichem Rechtsmittel kommt der Beschwerde nach Art. 56 ff.
ATSG der Devolutiveffekt zu. Die formgültige Beschwerdeerhebung begründet
(zusammen mit der Beschwerdeantwort des Versicherungsträgers) die alleinige
Zuständigkeit des kantonalen Gerichts, über das in der angefochtenen Verfügung
geregelte Rechtsverhältnis zu entscheiden. Somit verliert der Versicherungsträger die
Herrschaft über den Streitgegenstand, und zwar insbesondere auch in Bezug auf die
tatsächlichen Verfügungs- und Entscheidungsgrundlagen. Folgerichtig ist es der
Verwaltung grundsätzlich verwehrt, nach Einreichung des Rechtsmittels weitere oder
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zusätzliche Abklärungen vorzunehmen, soweit sie den Streitgegenstand betreffen und
auf eine allfällige Änderung der angefochtenen Verfügung durch Erlass einer neuen
abzielen. Eingeschränkt wird der Devolutiveffekt indessen durch Art. 53 Abs. 3 ATSG,
welcher bestimmt, der Versicherungsträger könne eine Verfügung oder einen
Einspracheentscheid, gegen den Beschwerde erhoben wurde, so lange
wiedererwägen, bis er gegenüber der Beschwerdebehörde Stellung nimmt (vgl. BGE
136 V 2 E. 2.5). Die Beschwerdegegnerin hat die Verfügung vom 6. Januar 2014
betreffend berufliche Eingliederungsmassnahmen, gegen welche die
Beschwerdeführerin Beschwerde hat erheben lassen, vor der Eingabe einer
Beschwerdeantwort, nämlich am 1. April 2014, widerrufen. Gleichentags hat sie die
Rückfrage an die Medas Bern versendet. Durch den Widerruf der Verfügung ist das
Beschwerdeverfahren gegenstandslos geworden (vgl. UELI KIESER, ATSG-
Kommentar, 3. Auflage, Zürich 2015, N 77 zu Art. 53). Die Verfahrenshoheit ist also
nicht erst mit der (rein formellen) Abschreibungsverfügung des Gerichts vom 25. April
2014, sondern unmittelbar nachdem die Verfügung vom 6. Januar 2014 widerrufen
worden ist, d.h. am 1. April 2014, an die Beschwerdegegnerin zurückgegangen. Die
Argumentation des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin, wonach dem Gutachten
der Medas Bern sowie deren Stellungnahme vom 16. Juli 2014 lediglich der
Beweiswert einer Parteibehauptung zukomme, ist also bereits deshalb nicht stichhaltig,
weil die Verfahrenshoheit zum Zeitpunkt der Anfrage am 1. April 2014 wieder bei der
Beschwerdegegnerin gelegen hat.
3.4 Die Gutachter der Medas Bern haben die Beurteilung des ABI vom 20. Oktober
2008 im Wesentlichen bestätigt. Eine Diskrepanz besteht hinsichtlich der
Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Textilmitarbeiterin/Spulerin.
Während die ABI-Gutachter die angestammte Tätigkeit aus orthopädischer und
teilweiser auch aus neurologischer Sicht als nicht mehr zumutbar erachtet haben,
haben die Gutachter der Medas Bern der Beschwerdeführerin für die angestammte
Tätigkeit keine Arbeitsunfähigkeit attestiert. Diese Diskrepanz ist hauptsächlich darauf
zurückzuführen, dass das ABI und die Medas Bern von unterschiedlichen
Arbeitsplatzprofilen ausgegangen sind. Die ABI-Gutachter haben die angestammte
Tätigkeit als körperlich mittelschwere Tätigkeit angesehen, die intermittierend mit dem
Tragen schwerer Fadenspulen verbunden gewesen sei. Laut den Gutachtern der
Medas Bern hat es sich bei der Tätigkeit als Spulerin demgegenüber um eine körperlich
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leichte, wechselseitige Tätigkeit gehandelt (IV-act. 161-17/44, 213-3). Der
Rechtsvertreter hat zudem argumentiert, dass der Beschwerdeführerin die Ausübung
der angestammten Tätigkeit nicht nur wegen der körperlichen Belastung, sondern auch
wegen des extremen Lärms und der starken Zugluft nicht mehr möglich sei. Die
Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Textilmitarbeiterin/Spulerin ist,
wie nachfolgend aufgezeigt wird, für den Rentenentscheid nicht relevant. Diese Frage
kann daher offen gelassen werden.
3.5 In somatischer Hinsicht hat die Beschwerdeführerin insbesondere über eine
Kraftlosigkeit, eine Gefühlslosigkeit in der rechten Körperhälfte, Schwindel,
Kopfschmerzen, Beschwerden in den Beinen und Händen, Rückenschmerzen,
Bauchschmerzen, Ameisenlaufen in den Beinen beim Liegen und über
Kreislaufprobleme geklagt (IV-act. 161-24). Sie hat sich für jegliche Tätigkeiten
vollständig arbeitsunfähig gefühlt. Weder die Gutachter des ABI noch jene der Medas
Bern haben objektivierbare somatische Befunde erheben können, die das gesamte
Ausmass der geltend gemachten Beschwerden hätten erklären können. Die
Beschwerdeführerin ist vom ABI und von der Medas Bern in somatischer Hinsicht
umfassend abgeklärt worden (allgemeinmedizinisch bzw. internistisch, orthopädisch
und neurologisch). Die somatischen Gutachter der beiden Gutachterstellen sind
übereinstimmend zum Schluss gekommen, dass die Beschwerdeführerin in einer
leidensangepassten Tätigkeit vollständig arbeitsfähig ist. Aus den Akten sind keine
Hinweise dafür ersichtlich, dass die Gutachter bei ihrer Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin entscheidende Aspekte übersehen hätten.
Insbesondere hat die postoperative Arbeitsunfähigkeit nach den Karpaltunnelsyndrom-
Operationen vom 22. August 2011 und vom 10. September 2012 auch gemäss dem
Operateur Dr. P._ nicht zu einer langandauernden und somit IV-relevanten
Arbeitsunfähigkeit geführt (siehe Bericht vom 12. September 2012). Die somatische
Beurteilung der Gutachter des ABI und der Medas Bern ist demzufolge als schlüssig
und zuverlässig zu beurteilen. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die
Beschwerdeführerin in einer leidensangepassten Tätigkeit (wechselbelastend,
körperlich leicht, keine Wirbelsäulenzwangshaltungen, keine Belastungen der
Wirbelsäule ausserhalb der Körperachse, keine Nässe, Kälte und Zugluft; s. IV-act.
161-28 f.) rein körperlich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit voll arbeitsfähig ist.
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3.6 Die Hauptkritik des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin bezieht sich auf das
psychiatrische Teilgutachten der Medas Bern. Die Beschwerdeführerin hat in
psychiatrischer Hinsicht insbesondere über eine innere Unruhe, Ängste, einen
schlechten Schlaf, eine Unsicherheit unter seelischem Druck sowie über
Kontrollzwänge geklagt (IV-act. 161-22). Weder die psychiatrische Gutachterin des ABI,
Dr. H._, noch der psychiatrische Gutachter der Medas Bern, Dr. R._, haben der
Beschwerdeführerin eine psychiatrische Störung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
diagnostiziert. Die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht haben sie beide daher auf
100 % geschätzt.
3.6.1 Der Rechtsvertreter hat kritisiert, dass der psychiatrische Gutachter der Medas
Bern den psychopathologischen Befund gemäss AMDP unvollständig erhoben und
sich mit den Befunden völlig unzureichend auseinandergesetzt habe. Er habe weder
standardisierte Testverfahren noch Validierungstests durchgeführt. Die psychiatrischen
Sachverständigen sind in der Wahl der geeigneten Prüfmethoden frei (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 24. Januar 2017, 9C_715/2016 E. 3.2). Der psychiatrische
Gutachter der Medas Bern hat in der Stellungnahme vom 16. Juli 2014 eingehend
erläutert, warum er es im Fall der Beschwerdeführerin vorgezogen hat, auf
psychometrische Tests zu verzichten und eine alleinige standardisierte Befragung mit
einer Bewertung unter Berücksichtigung eines psychopathologischen Befundes
gemäss AMDP vorzunehmen. Die Begründung des psychiatrischen Gutachters der
Medas Bern, bei den Testverfahren bestünde die Gefahr, dass das Ergebnis durch
subjektive Angaben bzw. Faktoren verfälscht werde, überzeugt insbesondere vor dem
Hintergrund des von der Medas Bern festgestellten aggravatorischen Verhaltens der
Beschwerdeführerin. Dass der psychiatrische Gutachter der Medas Bern weniger
psychopathologische Befunde als die behandelnden Ärzte angegeben hat (IV-act.
161-22 f.), ist somit nicht darauf zurückzuführen, dass er den Befund unvollständig
erhoben hat, sondern darauf, dass er die rein auf subjektiven Angaben basierenden
Symptome wie beispielsweise den gedrückten Affekt oder die Traurigkeit kritisch
hinterfragt hat. Auch die Behauptung des Rechtsvertreters, dass die Gutachter der
Medas Bern ohne Begründung und ohne die Durchführung eines Validierungstests auf
ein Verdeutlichungs- oder Aggravationsverhalten geschlossen hätten, ist nicht haltbar:
Die Gutachter haben den Vorwurf des verdeutlichenden bzw. aggravatorischen
Verhaltens durch verschiedene Aussagen untermauert: Der psychiatrische Gutachter
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hat erklärt, dass die Beschwerdeführerin fast alle Fragen ausweichend beantwortet, auf
Fragen nach der Tagesaktivität stets mit "wenn ich kann" und "wenn es gerade
möglich ist" usw. geantwortet habe (IV-act. 161-20) und dass ihre Angaben teilweise
nicht schlüssig und nachvollziehbar gewirkt hätten (IV-act. 161-22). Die von der
Beschwerdeführerin beklagten Beschwerden und deren Äusserungen zum
Zustandsbild hätten teilweise inkonstant (inkonsistent?) gewirkt und es habe eine
präzise Darstellung der Symptome gefehlt. Die von ihr geschilderten Einschränkungen
seien vornehmlich auf den Beruf beschränkt gewesen (IV-act. 161-25). Zudem sei ein
hyperexpressiver Beschwerderapport aufgefallen. Die neurologische Gutachterin der
Medas Bern hat festgehalten, dass die Beschwerdeführerin während der gesamten
Untersuchungsdauer immer wieder darauf hingewiesen habe, sich an Daten nicht
erinnern zu können. Die Beschwerdeschilderung sei ausgesprochen weitschweifig und
klagsam gewesen; konkrete Ziele hätten nicht formuliert werden können. Auf
Einzelheiten befragt, habe die Beschwerdeführerin immer wieder angegeben, dies nicht
zu wissen oder keine genauen Angaben machen zu können. Beim Tagesablauf sei ein
deutliches Vorbeireden an der Frage aufgefallen; auch auf Nachfragen seien keine
konkreten Angaben zu erhalten gewesen (IV-act. 161-38). Hinweise für eine konsistente
Gedächtnisstörung, für Aphasie, Apraxie oder Agnosie bestünden jedoch keine (IV-act.
161-38). Die angegebene Sensibilitätsstörung, das demonstrierte generalisierte Zittern
der Extremitäten, das Ausschlagen des linken Beines oder des linken Armes bei der
Prüfung des Vibrationsempfinden rechts und umgekehrt hat die neurologische
Gutachterin als Verdeutlichungstendenz interpretiert (IV-act. 161-26). Die Gutachter der
Medas Bern haben den Vorwurf des Aggravationsverhaltens durch ihre präzisen
Beschreibungen somit plausibel begründet. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass
bereits bei der Begutachtung durch das ABI im September 2008 Inkonsistenzen
aufgefallen sind. So ist beispielsweise ein monologisierender, jammernder
Beschwerdevortrag aufgefallen und die Gutachter sind vom Vorliegen einer
Beschwerdeausweitung und Selbstlimitierung ausgegangen.
3.6.2 Der Rechtsvertreter hat weiter moniert, der psychiatrische Gutachter der
Medas Bern habe die angeblich vorliegenden psychosozialen Belastungsfaktoren nicht
benannt. Der psychiatrische Gutachter hat auf Seite 25 des Gutachtens (IV-act. 161-25)
als psychosoziale Faktoren ein Überforderungsgefühl bei den Aufgaben im Haushalt,
im zwischenmenschlichen Umgang mit den Familienmitgliedern und bezüglich der
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finanziellen Probleme angegeben. Bereits die Klinik E._ hatte in ihrem Bericht vom 7.
März 2005 darauf hingewiesen, dass die Arbeit infolge ungenügender
Deutschkenntnisse und mangelnder Konfliktlösungsstrategien zu einer Quelle der
permanenten psychischen Belastung für die Beschwerdeführerin geworden sei und
dass auch im privaten Bereich eine Überlastung vorgelegen habe (IV-act. 95). Auch der
eheliche Konflikt wird aus den Akten deutlich ersichtlich (vgl. z.B. Bericht der Klinik
M._ vom 15. Mai 2012, IV-act. 134-5 und Bericht der Klinik L._ vom 4. Mai 2009,
IV-act. 96-3). Die Aussage des psychiatrischen Gutachters der Medas Bern, wonach
erhebliche psychosoziale Belastungsfaktoren vorlägen, ist somit begründet. Die vom
Rechtsvertreter erwähnten sexualmedizinischen Probleme haben ebenfalls Eingang in
die Akten gefunden (vgl. IV-act. 96-3). Die gutachterliche Beurteilung ist also in
Kenntnis dieser Problematik erfolgt (vgl. IV-act. 161-10 f.). Der im neuesten Bericht von
Dr. D._ vom 16. Mai 2015 erwähnte intrauterine Fruchttod 1981 sowie der Abort 1991
sind nirgendwo sonst in den Akten erwähnt. Diese Ereignisse liegen sehr lange zurück.
Über die Frage, ob diese Erfahrungen (teil-)ursächlich für die aktuellen Probleme der
Beschwerdeführerin sind, kann lediglich spekuliert werden. Für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung entscheidend ist, welche funktionellen Einschränkungen
aufgrund einer Gesundheitsbeeinträchtigung bestehen. Diese funktionellen
Einschränkungen müssen anhand von objektivierbaren pathologischen Befunden
plausibel nachvollziehbar sein. Im vorliegenden Fall haben die psychiatrischen
Gutachter Dr. H._ und Dr. R._ keine erheblichen funktionellen Einschränkungen
feststellen können. Aus diesem Grund muss davon ausgegangen werden, dass die
Kenntnis des intrauterinen Fruchttods und des Aborts an den gutachterlichen
Beurteilungen nichts zu ändern vermöchte.
3.6.3 Der Rechtsvertreter hat ausserdem geltend gemacht, dass die Einschätzung
des psychiatrischen Gutachters der Medas Bern mit den Beurteilungen der
behandelnden Ärzte nicht vereinbar sei. Weder der psychiatrische Gutachter der
Medas Bern noch die psychiatrische Gutachterin des ABI haben der
Beschwerdeführerin eine affektive Störung diagnostiziert. Demgegenüber hat der
langjährige behandelnde Psychiater Dr. G._ in den Berichten vom 19. März 2007 und
24. September 2012 eine mittel- bis schwergradige rezidivierende depressive Störung
angegeben. Dr. F._, Klinik E._, hat im Bericht vom 7. März 2005 lediglich in der
Beurteilung, jedoch nicht in der Diagnoseliste, eine mittelgradige depressive Störung
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mit somatischem Syndrom erwähnt. Im Bericht der Klinik L._ vom 4. Mai 2009 hat Dr.
F._ dann eine rezidivierende mittelgradige depressive Episode mit somatischen
Syndrom festgehalten. Dr. N._ von der Klinik M._ hat der Beschwerdeführerin im
Bericht vom 15. Mai 2012 eine schwere depressive Episode ohne psychotische
Symptome und im Bericht vom 17. April 2014 eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome, diagnostiziert. Der
psychiatrische Gutachter der Medas Bern hat als psychopathologische Befunde
lediglich leichte Störungen im Kontaktverhalten und leicht formale Denkstörungen, die
als Umständlichkeit und Weitschweifigkeit imponiert hätten, gefunden (IV-act. 161-22).
Angesichts dieser Befunde leuchtet es ein, dass er keine affektive Störung
diagnostiziert hat. Dr. R._ hat die Diskrepanz zwischen den gutachterlichen
Beurteilungen und den Beurteilungen der behandelnden Ärzte damit begründet, dass
die behandelnden Ärzte die psychosozialen Aspekte und möglicherweise auch
soziokulturelle Besonderheiten eines hyperexpressiven Beschwerderapports wohl sehr
stark berücksichtigt hätten und dies die diagnostische Einschätzung verzerrt hätte.
Zudem erschwere das Aggravationsverhalten eine Bewertung (IV-act. 161-30). Die vom
psychiatrischen Gutachter der Medas Bern angeführte Begründung leuchtet
insbesondere vor dem Hintergrund ein, dass die behandelnden Ärzte im Rahmen des
Behandlungsverhältnisses die Richtigkeit der Angaben ihrer Patienten − was legitim ist
− grundsätzlich nicht in Frage stellen. Für die Richtigkeit der Einschätzung des
psychiatrischen Gutachters der Medas Bern spricht auch, dass diese mit der
Beurteilung der psychiatrischen Gutachterin des ABI übereinstimmt, zumal in den
Akten nichts darauf hinweist, dass sich der psychische Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin zwischenzeitlich wesentlich verschlechtert hätte. Laut dem
psychiatrischen Gutachter der Medas Bern ergeben sich auch retrospektiv keine
Hinweise auf eine relevante depressive Symptomatik. Eine exakte retrospektive
Beurteilung sei allerdings nicht möglich (IV-act. 161-30). Zwar kann nicht gänzlich
ausgeschlossen werden, dass die Beschwerdeführerin in der Vergangenheit
vorübergehend an einer depressiven Störung gelitten hat, die einen Einfluss auf ihre
Arbeitsfähigkeit gehabt hat. Da die Einschätzungen der behandelnden Ärzte jedoch
nicht zu überzeugen vermögen, ist eine allfällige vorübergehende psychisch bedingte
Arbeitsunfähigkeit nicht mehr nachweisbar. Die Beschwerdeführerin hat den Nachteil
der Beweislosigkeit zu tragen (vgl. BGE 117 V 261 E. 3b). Demnach muss davon
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ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin im Zeitraum 1. Februar 2005 bis
zum Begutachtungszeitpunkt (Januar 2013) nie an einer ihre Arbeitsfähigkeit wesentlich
beeinflussenden depressiven Erkrankung gelitten hat.
3.6.4 Dr. F._ von der Klinik E._ hat der Beschwerdeführerin im Bericht vom 7.
März 2005 eine undifferenzierte Somatisierungsstörung attestiert. Dr. G._ hat diese
Diagnose im Bericht vom 19. März 2007 bestätigt. Im Bericht der Klinik L._ vom 4.
Mai 2009 hat Dr. F._ als Diagnose eine somatoforme Schmerzstörung angegeben. In
der Folge ist erst wieder im Bericht der Klinik M._ vom 17. April 2014 eine
somatoforme Störung, namentlich eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung,
erwähnt worden. Die psychiatrische Gutachterin des ABI hat erklärt, dass die
psychodynamischen Kriterien für eine somatoforme Schmerzstörung nicht erfüllt seien.
Die Diagnose einer Somatisierungsstörung hat sie als Beschwerdeausweitung und
Selbstlimitierung verstanden (IV-act. 56-13 f.). Das Gericht hat im
Rückweisungsentscheid vom 2. März 2011 (IV 2009/77) erwogen, dass weder Dr.
G._ noch Dr. F._ die Diagnose einer somatoformen Störung näher begründet
hätten. Zudem sei den entsprechenden Berichten nicht zu entnehmen, dass diese
Störung eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nach sich ziehen würde. Die Berichte
seien daher nicht geeignet, Zweifel an der Zuverlässigkeit der entsprechenden
Beurteilung des ABI zu erwecken (Erw. 4.3). Auch Dr. N._ von der Klinik M._ hat die
Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung nicht näher begründet.
Selbst wenn davon ausgegangen würde, dass die Beschwerdeführerin an einer
somatoformen Störung leide, könnte dieser keine invalidisierende Wirkung
zugesprochen werden. Der psychiatrische Gutachter der Medas Bern hat nämlich
darauf hingewiesen, dass die Beschwerdeführerin hinsichtlich der psychischen
Fähigkeiten über genügend Ressourcen verfüge; insbesondere bestehe keine
psychiatrische Komorbidität von hinreichender Intensität, Ausprägung oder Dauer,
welche die Willenskräfte zur Überwindung der Gesundheitsbeschwerden wesentlich
beeinträchtigen würde (IV-act. 161-28). Demnach ist mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Beschwerdeführerin nicht an einer
somatoformen Störung im Sinne einer Somatisierungsstörung oder einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung leidet, die einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hat.
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3.6.5 Dr. G._ hat in seinen Berichten vom 19. März 2007 und 24. September 2012
die Diagnose einer Panikstörung angegeben. Dr. F._ hat im Bericht der Klinik L._
vom 4. Mai 2009 eine Panikstörung und zusätzlich eine Agoraphobie erwähnt. Die
psychiatrische Gutachterin des ABI hat erklärt, dass für eine Angst-/Panikstörung kein
Korrelat bestehe. Auch der psychiatrische Gutachter der Medas Bern hat (auch
retrospektiv) keine Hinweise für eine Panikstörung erkannt. Diese Einschätzung wird
durch den Bericht der Klinik M._ vom 17. April 2014 bestätigt. Dr. N._ hat darin
ausgeführt, dass während der (fast viermonatigen) stationären Behandlung keine
massiven Ängste oder Panikattacken beobachtet worden seien. Folglich ist mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin nicht an einer ihre Arbeitsfähigkeit beeinflussenden Angst- oder
Panikstörung leidet.
3.7 Zu prüfen bleibt, ob sich der psychische Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin nach der Begutachtung durch die Medas Bern im Januar 2013
verschlechtert hat. Die Beschwerdeführerin hat sich nämlich am 25. November 2013
und damit noch vor Verfügungserlass (5. Januar 2015) in stationäre Behandlung der
Klinik M._ begeben, die bis am 14. März 2014 angedauert hat. Dr. N._, die die
Beschwerdeführerin bereits bei ihrem Aufenthalt in der Klinik M._ im Jahr 2012
behandelt hat, hat die depressive Symptomatik wiederum als schwer eingeschätzt und
die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwere Episode
ohne psychotische Symptome, gestellt; die Arbeitsunfähigkeit hat sie auf 100 %
geschätzt. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat zu Recht bemängelt, dass
die Beschwerdegegnerin es versäumt hat, dem psychiatrischen Gutachter der Medas
Bern neben der Beschwerdeschrift auch den neuesten Bericht der Klinik M._ zur
Stellungnahme vorzulegen. Allerdings ist auch ohne gutachterliche Stellungnahme
ersichtlich, dass der Austrittsbericht gravierende Mängel aufweist: RAD-Arzt Dr. U._
hat in seiner Stellungnahme vom 10. November 2014 darauf hingewiesen, dass die im
Austrittsbericht beschriebene Psychopathologie nicht einer schweren, sondern
allenfalls einer leichten bis mittelgradigen depressiven Episode entspreche; diese
rechtfertige allenfalls eine leichte bis mittelgradige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
von 30 %. Aus der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. N._ geht hervor, dass diese
nicht nur die psychiatrischen, sondern auch die somatischen Einschränkungen
berücksichtigt hat (IV-act. 200-2). Aus ihrer Aussage "[...] gehen wir von einer weiteren
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100 %igen Arbeitsunfähigkeit aus" muss geschlossen werden, dass Dr. N._ keine
Kenntnis der Akten, insbesondere derbeiden psychiatrischen Teilgutachten, gehabt
hat. Also ist sie nicht über das aggravatorische Verhalten der Beschwerdeführerin
informiert gewesen. Aus dem Bericht der Klinik M._ geht nicht einmal hervor, ob die
behandelnde Ärztin Kenntnis davon gehabt hat, dass sich die Beschwerdeführerin seit
Jahren in einem Rechtsstreit um eine Invalidenrente befindet und ihr die
Beschwerdegegnerin nur kurze Zeit vor dem Klinikeintritt mitgeteilt hat, dass sie die
Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit wie auch in adaptierten Tätigkeiten
als voll arbeitsfähig erachte (s. Vorbescheid vom 5. November 2013 betreffend
berufliche Eingliederungsmassnahmen, IV-act. 165; siehe auch RAD-Stellungnahme
vom 10. November 2014, IV-act. 222-1). Beurteilungen von behandelnden Ärzten
können in Fällen wie dem vorliegenden, in denen eine Aggravation ausgewiesen ist, nur
einen geringen Beweiswert haben. Denn behandelnde Ärzte hinterfragen − was vor
dem Hintergrund ihres Behandlungsauftrags auch nachvollziehbar ist − in der Regel
nicht, ob die Angaben ihres Patienten der Wahrheit entsprechen oder nicht, das heisst
ihre Einschätzung des Gesundheitszustandes respektive der Arbeitsfähigkeit basiert −
insbesondere in psychiatrischer Hinsicht − weitgehend auf den subjektiven Angaben
des Patienten (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 7.
Juli 2017, IV 2015/104 E. 2.2). Dass sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin zwischen der Begutachtung durch die Medas Bern im Januar
2013 und dem Erlass der angefochtenen Verfügung am 5. Januar 2015 kaum
wesentlich verändert hat, geht auch aus dem vom Rechtsvertreter eingereichten
Bericht des behandelnden Hausarztes vom 16. Mai 2015 hervor (act. G 10.1.1). Der
Hausarzt hatte darin auf die Frage des Rechtsvertreters, wie der Verlauf seit 1. Januar
2012 gewesen sei, geantwortet, dass er seit dem 1. Januar 2012 keine Verbesserung
des psychischen Zustandes der Beschwerdeführerin habe erkennen können. Hätte sich
seit dem 1. Januar 2012 eine wesentliche Verschlechterung des psychischen
Gesundheitszustandes eingestellt, so hätte dies Dr. D._, der die Beschwerdeführerin
seit Jahren hausärztlich betreut, sicher angemerkt. Die Beschwerdeführerin hat denn
auch explizit darauf hinweisen lassen, dass sich der Gesundheitszustand zwischen den
beiden Aufenthalten in der Klinik M._ nicht verschlechtert habe (s. Replik Ziff. III/3.).
Nach dem Gesagten muss auch die Einschätzung des RAD-Arztes Dr. U._ als
unhaltbar qualifiziert werden. Die Beurteilung von Dr. U._ überzeugt auch deshalb
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nicht, weil er, nachdem er den Austrittsbericht der Klinik M._ als mangelhaft
bezeichnet hat (Psychopathologie entspreche nicht einer schweren Episode), gestützt
auf eben diesen mangelhaften Bericht eine eigene Diagnose gestellt und eine eigene
Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben hat, ohne die Beschwerdeführerin je selber
untersucht zu haben. Bezüglich des im Jahr 2015 erfolgten Arbeitsversuchs bleibt
anzumerken, dass die Leistung, die eine versicherte Person anlässlich eines
Arbeitsversuchs erbringt, wesentlich durch subjektive Faktoren wie die von der
versicherten Person empfundenen Schmerzen, ihre Motivation und ihre Willenskraft
mitbestimmt wird. Im vorliegenden Fall kommt hinzu, dass von einem durchgehend
aggravatorischen Verhalten der Beschwerdeführerin auszugehen ist. Das bedeutet mit
anderen Worten, dass die Beschwerdeführerin den Arbeitsversuch dazu genutzt hat zu
demonstrieren, dass sie nicht mehr in der Lage ist, zu arbeiten. Die beim
Arbeitsversuch gezeigte Leistung vermag folglich nichts darüber auszusagen, welche
Arbeitsleistung der Beschwerdeführerin aus objektiver Sicht noch zumutbar ist.
3.8 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin in einer
leidensangepassten Tätigkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit voll arbeitsfähig
ist. Da die Beschwerdeführerin den Nachteil der Beweislosigkeit zu tragen hat, ist auch
retrospektiv von einer vollen Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten auszugehen.
4.
4.1 Somit bleibt noch der Einkommensvergleich zu überprüfen. Gemäss der
ehemaligen Arbeitgeberin hätte die Beschwerdeführerin im Jahr 2006 ohne
Gesundheitsschaden ein Erwerbseinkommen von Fr. 43'810.-- erzielt (13 x Fr.
3'370.--). Bei der angestammten Tätigkeit als Textilmitarbeiterin/Spulerin hat es sich
um eine Hilfsarbeit gehandelt. Der durchschnittliche Lohn einer Hilfsarbeiterin hat
gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik im Jahr 2006,
aufgerechnet auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden, Fr.
50'278.--, betragen (Anhang 2 der IVG-Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV,
Ausgabe 2012). Die Beschwerdeführerin hat zuletzt also lediglich einen
unterdurchschnittlichen Hilfsarbeiterinnenlohn erwirtschaftet. Allerdings ist davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin nicht freiwillig zu einem
unterdurchschnittlichen Lohn gearbeitet, sondern aufgrund der Wirtschaftslage keine
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besser bezahlte Arbeitsstelle gefunden hat. Dem Valideneinkommen ist daher nicht das
zuletzt erzielte, unterdurchschnittliche Erwerbseinkommen als Textilmitarbeiterin
zugrunde zu legen, sondern der Lohn, den die Beschwerdeführerin bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage hätte erzielen können, nämlich der durchschnittliche Lohn einer
Hilfsarbeiterin. Als Invalidenkarriere kommt ebenfalls nur eine Hilfsarbeit in Frage. Da
das Validen- und das Invalideneinkommen anhand des durchschnittlichen Einkommens
einer Hilfsarbeiterin zu ermitteln sind, erübrigt sich deren ziffernmässige Festlegung, da
der Invaliditätsgrad in solchen Fällen dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter
Berücksichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn entspricht (sog.
Prozentvergleich; vgl. BGE 114 V 310 E. 3a). Da die Beschwerdeführerin in einer
leidensadaptierten Tätigkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit uneingeschränkt
arbeitsfähig ist, ist kein Abzug vom Tabellenlohn angezeigt. Bei gleich hohem Validen-
und Invalideneinkommen resultiert ein IV-Grad von 0 %. Die Beschwerdeführerin hat
somit keinen Anspruch auf eine IV-Rente.
4.2 Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.
5.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Die Gerichtsgebühr ist durch den von ihr geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.--
gedeckt. Die Beschwerdeführerin hat bei diesem Verfahrensausgang keinen Anspruch
auf eine Parteientschädigung.