Decision ID: 509738c8-ff0d-57ef-97ed-ef0f92819983
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der aus der Türkei stammende Beschwerdeführer (geb. [...]) wurde am
4. Juni 2019 in der Stadt Zürich kontrolliert und von der Kantonspolizei Zü-
rich wegen des Verdachts auf Widerhandlungen gegen ausländerrechtli-
che Bestimmungen gleichentags einvernommen. Hierbei gab er an, für ei-
nen Geschäftstermin ungefähr fünfzehn Tage zuvor von Stuttgart her mit
der Bahn in die Schweiz eingereist zu sein. Ein gültiges Visum habe er
damals nicht besessen, habe jedoch erwartet, am 11. Juni 2019 ein Visum
für die Schweiz ausgestellt zu erhalten, welches auch seine jetzige Anwe-
senheit hierzulande beinhalte. Zu Fragen nach Aufenthalten in Deutsch-
land wollte er keine Aussagen machen. Den Einträgen in seinem Reise-
pass konnte entnommen werden, dass er letztmals am 20. Januar 2017
über den Flughafen Stuttgart mit einem bis zum 19. Juni 2017 gültigen Vi-
sum in den Schengen-Raum gelangt war (vgl. Akten der Vorinstanz [SEM
act.] 3, pag. 18 - 23).
Im Anschluss an die polizeiliche Einvernahme wurde dem Beschwerdefüh-
rer das rechtliche Gehör bezüglich einer Entfernungs- und Fernhaltemass-
nahme gewährt (SEM act. 3, pag. 13/14).
B.
Mit Strafbefehl vom 5. Juni 2019 verurteilte die Staatsanwaltschaft Zürich -
Sihl den Beschwerdeführer wegen rechtswidriger Einreise und illegalen
Aufenthalts zu einer bedingten Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je Fr. 30.-
(wovon zwei Tagessätze durch Haft erstanden, bei einer Probezeit von
zwei Jahren) sowie einer Busse von Fr. 300.- (SEM act. 3, pag. 33 - 36).
Dieser Strafbefehl erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
C.
Am 6. Juni 2019 ordnete das Migrationsamt des Kantons Zürich die Weg-
weisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz an und forderte ihn auf,
das Land unverzüglich zu verlassen (SEM act. 5, pag. 45 - 48).
D.
Aufgrund dieses Sachverhalts erliess die Vorinstanz, ebenfalls am 6. Juni
2019, gegenüber dem Beschwerdeführer ein Einreiseverbot für die Dauer
von zwei Jahren. Gleichzeit ordnete sie die Ausschreibung dieser Mass-
nahme im Schengener Informationssystem (SIS) an und entzog einer all-
fälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung. Zur Begründung führte
das SEM aus, bei einer Kontrolle am 4. Juni 2019 sei festgestellt worden,
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dass der Betroffene illegal in die Schweiz eingereist sei und sich wider-
rechtlich hierzulande aufgehalten habe. Konkrete Anzeichen wiesen darauf
hin, dass er sich einer Ausschaffung entziehen werde (Art. 67 Abs. 1 Bst. a
i.V.m. Art. 64d Abs. 2 Bst. b des Ausländer- und Integrationsgesetzes [AIG,
SR 142.20]). Somit liege ein Verstoss gegen die Einreisevoraussetzungen
des Ausländerrechts und, damit einhergehend, eine ernsthafte Gefährdung
der öffentlichen Sicherheit und Ordnung vor (Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG). Der
Erlass einer Fernhaltemassnahme erscheine daher angezeigt. Sie erweise
sich auch unter Berücksichtigung der im Rahmen der Gehörsgewährung
abgegebenen Stellungnahme als verhältnismässig und gerechtfertigt
(SEM act. 4).
E.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 5. Juli 2019 an das Bundesverwaltungsge-
richt beantragt der Beschwerdeführer die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung. Er macht geltend, als Gesellschafter und Verwaltungsratsmit-
glied einer aktiven Aktiengesellschaft in der Schweiz müsse er regelmässig
in die Schweiz einreisen können. Die laufenden Geschäfte und die Leitung
des Unternehmens erforderten zumindest kurzzeitige Aufenthalte mit ei-
nem Visum in der Schweiz. Zudem sei er international tätig und reise be-
ruflich im gesamten Schengen-Raum umher. Die verhängte Massnahme
würde ihn unverhältnismässig einschränken (BVGer act. 1).
Dem Rechtsmittel lagen ein Aktienkaufvertrag vom 31. Mai 2019 mit dem
Beschwerdeführer als Käufer von Inhaberaktien und ein Protokoll über eine
Gesellschafterversammlung der «X._ AG» gleichen Datums bei.
F.
In ihrer Vernehmlassung vom 2. September 2019 schliesst die Vorinstanz
auf Abweisung der Beschwerde (BVGer act. 6).
G.
Von dem ihm am 4. September 2019 eingeräumten Replikrecht machte der
Beschwerdeführer keinen Gebrauch (BVGer act. 7 und 8).
H.
Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-
gen eingegangen.
F-3444/2019
Seite 4

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen im Sinne von Art. 5 VwVG, sofern keine
Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33
VGG genannten Behörden. Dazu gehört auch das SEM, das mit der An-
ordnung eines Einreiseverbotes eine Verfügung im erwähnten Sinne und
daher ein zulässiges Anfechtungsobjekt erlassen hat. Eine Ausnahme
nach Art. 32 VGG liegt nicht vor.
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde le-
gitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG)
1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Sache
endgültig (vgl. Art. 83 Bst. c Ziff. c Ziff. 1 BGG).
2.
Mit Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht kann vorliegend die Ver-
letzung von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch
des Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhalts sowie die Unangemessenheit gerügt werden
(vgl. Art. 49 VwVG). Das BVGer wendet das Bundesrecht von Amtes we-
gen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der
Begehren gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den
geltend gemachten Gründen gutheissen oder abweisen. Massgeblich ist
grundsätzlich die Sachlage zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE
2014/1 E. 2 m.H.).
3.
In der Rechtsmitteleingabe vom 5. Juli 2019 regt der Parteivertreter, im
Sinne einer Beweisofferte, eine Parteibefragung seines Mandanten sowie
die Einvernahme von dessen Schweizer Geschäftspartner als Zeugen an.
Über die Beweisanträge wurde bislang nicht befunden. Bei nicht anfecht-
baren Entscheiden bzw. Verfügungen kann der Entscheid über die Beweis-
anträge aber ohnehin im Endurteil erfolgen (vgl. WALDMANN/BICKEL, in:
Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, Art. 33 N. 38).
F-3444/2019
Seite 5
3.1 Im Verwaltungsverfahren gilt das Untersuchungsprinzip (Art. 12 ff.
VwVG i.V.m. Art. 37 VGG). Die Behörden sorgen – unter Vorbehalt der Mit-
wirkungspflichten der Parteien – hierbei für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts (BGE 132 II 113 E. 3.2).
Das Verwaltungsrechtspflegeverfahren ist vom Grundsatz der Schriftlich-
keit geprägt (MOSER ET AL., Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsge-
richt, 2. Aufl. 2013, Rz. 3.86 S. 183 m.H.) und ein Anspruch auf eine münd-
liche Anhörung besteht nicht (BGE 134 I 140 E. 5.3). Sodann gilt in der
Bundesverwaltungsrechtspflege der Grundsatz der freien Beweiswürdi-
gung (Art. 19 VwVG i.V.m. Art. 40 BZP [SR 273]). Die Beweiswürdigung ist
vor allem insofern frei, als sie nicht an bestimmte starre Beweisregeln ge-
bunden ist, die dem Richter genau vorschreiben, wie ein gültiger Beweis
zustande komme und welchen Beweiswert die einzelnen Beweismittel im
Verhältnis zueinander hätten (BGE 130 II 482 E. 3.2 m.H.). Die Einver-
nahme von Zeuginnen und Zeugen ist nach Art. 14 VwVG nur unter der
einschränkenden Voraussetzung anzuordnen, dass sich der Sachverhalt
auf andere Weise nicht hinreichend abklären lässt, es handelt sich mit an-
deren Worten um ein subsidiäres Beweismittel (BGE 130 II 169 E. 2.3.3
und 2.3.4).
3.2 Von den Parteien angebotene Beweise sind abzunehmen, sofern diese
geeignet sind, den rechtserheblichen Sachverhalt zu erhellen (Art. 33
VwVG). Kommt die Behörde indes zur Überzeugung, die Akten erlaubten
die richtige und vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts oder die behauptete Tatsache sei für die Entscheidung der Streitsa-
che nicht von Bedeutung, kann sie auf die Erhebung weiterer Beweise ver-
zichten, ohne durch diese antizipierte Beweiswürdigung den Anspruch auf
rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV zu verletzen (vgl. zum Ganzen
BGE 141 I 60 E. 3.3 m.H.).
3.3 Vorliegend erschliesst sich der entscheidrelevante Sachverhalt in hin-
reichender Weise aus den Akten. So erhielt der Beschwerdeführer bereits
vor Erlass der angefochtenen Verfügung und während des Rechtsmittel-
verfahrens Gelegenheit, sich zur Angelegenheit zu äussern. Auch die Ge-
schäftsbeziehung zur Schweiz ist, soweit von Relevanz, dokumentiert
(siehe BVGer act. 1). Wesentlich Neues wäre bei einem Parteiverhör bzw.
einer Zeugeneinvernahme nicht zu erwarten. Von den beantragten Beweis-
vorkehren kann deshalb in antizipierter Beweiswürdigung ohne Verletzung
des rechtlichen Gehörs abgesehen werden (BGE 141 I 60 E. 3.3 m.H.).
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Seite 6
4.
4.1 Das SEM verfügt Einreiseverbote gegenüber weggewiesenen Auslän-
derinnen und Ausländern, wenn die Wegweisung nach Art. 64d Abs. 2
Bst. a – c AIG sofort vollstreckt wird (Art. 67 Abs. 1 Bst. a AIG) oder die
betroffene Person der Ausreiseverpflichtung nicht innert Frist nachgekom-
men ist (Art. 67 Abs. 1 Bst. b AIG). Es kann sodann nach Art. 67 Abs. 2 AIG
Einreiseverbote gegen ausländische Personen erlassen, die gegen die öf-
fentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstos-
sen haben oder diese gefährden (Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG). Das Einreise-
verbot wird grundsätzlich für eine Dauer von höchstens fünf Jahren ver-
hängt. Es kann für eine längere Dauer verfügt werden, wenn die betroffene
Person eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung darstellt (Art. 67 Abs. 3 AIG). Die verfügende Behörde kann aus hu-
manitären oder anderen wichtigen Gründen von der Verhängung eines Ein-
reiseverbots absehen oder ein Einreiseverbot vollständig oder vorüberge-
hend aufheben (Art. 67 Abs. 5 AIG).
4.2 Das Einreiseverbot ist keine Sanktion für vergangenes Fehlverhalten,
sondern eine Massnahme zur Abwendung einer künftigen Störung der öf-
fentlichen Sicherheit und Ordnung (siehe Botschaft zum Bundesgesetz
über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 2002 [im Folgenden:
Botschaft] BBl 2002 3813, welche in Bezug auf die Regelungen zum Ein-
reiseverbot weiterhin massgeblich ist). Die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung im Sinne von Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG bildet den Oberbegriff für die
Gesamtheit der polizeilichen Schutzgüter. Sie umfasst unter anderem die
Unverletzlichkeit der objektiven Rechtsordnung und der Rechtsgüter Ein-
zelner (vgl. Botschaft, a.a.O. S. 3809). In diesem Sinne liegt ein Verstoss
gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung unter anderem dann vor,
wenn gesetzliche Vorschriften oder behördliche Verfügungen missachtet
werden (Art. 77a Abs. 1 Bst. a VZAE). Widerhandlungen gegen Normen
des Ausländerrechts fallen ohne weiteres unter diese Begriffsbestimmung
und können ein Einreiseverbot nach sich ziehen (vgl. Botschaft, a.a.O.,
S. 3813). Dabei genügt es, wenn der ausländischen Person eine Sorgfalts-
pflichtverletzung zugerechnet werden kann (vgl. anstelle vieler: Urteil des
BVGer F-3163/2017 vom 12. März 2019 E. 6.2).
4.3 Wird gegen eine Person, die nicht die Staatsangehörigkeit eines Mit-
gliedstaats der Europäischen Union oder der Europäischen Freihandelsas-
soziation besitzt, ein Einreiseverbot verhängt, so wird sie nach Massgabe
der Bedeutung des Falles im Schengener Informationssystem (SIS) zur
Einreiseverweigerung ausgeschrieben (vgl. Art. 21 und 24 der Verordnung
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[EG] Nr. 1987/2006 vom 20. Dezember 2006 über die Einrichtung, den Be-
trieb und die Nutzung des Schengener Informationssystems der zweiten
Generation [SIS-II], Abl. L 381/4 vom 28.12.2006 [nachfolgend: SIS-II-VO];
Art. 21 der N-SIS-Verordnung vom 8. März 2013 [SR 362.0]).
5.
5.1 Die Vorinstanz wirft dem Beschwerdeführer rechtswidrige Einreise und
illegalen Aufenthalt vor. In der angefochtenen Verfügung figuriert sodann
der Fernhaltegrund von Art. 67 Abs. 1 Bst. a AIG i.V.m. Art. 64d Abs. 2
Bst. b AIG (sofort vollstreckbare Wegweisung aufgrund konkreter Anzei-
chen dafür, dass sich die betroffene Person einer Ausschaffung entziehen
werde).
5.2 Der Beschwerdeführer wurde wegen rechtswidriger Einreise und ille-
galen Aufenthalts strafrechtlich belangt. Der entsprechende Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl vom 5. Juni 2019 blieb unangefochten
(SEM act. 3, pag. 33 - 36). Von den dortigen Feststellungen und Erkennt-
nissen abzuweichen, besteht aufgrund der Aussagen der betreffenden Per-
son gegenüber der Kantonspolizei Zürich kein Anlass (zur Bindungswir-
kung strafrechtlicher Erkenntnisse auf das ausländerrechtliche Administra-
tivverfahren vgl. etwa BGE 139 II 95 E. 3.2 und BGE 137 I 363 E. 2.3.2
oder BVGE 2013/33 E. 4.3 je m.H.). Dass der Beschwerdeführer an einer
Firma in der Schweiz beteiligt ist, entbindet ihn selbstredend nicht von der
Einhaltung der einschlägigen Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen.
5.3 Während der Beschwerdeführer nicht in Abrede stellt, ohne gültiges Vi-
sum in die Schweiz eingereist zu sein (SEM act. 3, pag. 21), geht weder
aus seinen Ausführungen noch dem Strafbefehl hervor, von welcher Dauer
sein illegaler Aufenthalt hierzulande war (laut Staatsanwaltschaft «Unbe-
kannt, bis 04.06.2019, 12:30 Uhr»). Der Beschwerdeführer behauptete bei
seiner Anhaltung, sich fünfzehn Tage zuvor von Deutschland her auf dem
Landweg in die Schweiz begeben zu haben und erwähnte in diesem Zu-
sammenhang ein offenes Gesuch um Ausstellung eines Visums, das ihm
am 11. Juni 2019 ausgestellt werde. Gemäss den Abklärungen des SEM
in der elektronischen Datenbank war zur fraglichen Zeit allerdings kein Ge-
such pendent (SEM act. 3, pag. 37). Der Betroffene wies sich am 4. Juni
2019, als er in Zürich einer Personenkontrolle unterzogen und verhaftet
wurde, mit einem türkischen Reisepass aus, worin eine Reihe von Ein- und
Ausreisestempeln sowie mehrere Schengen-Visa figurierten. Der letzte
Einreisestempel dokumentiert, dass er am 20. Januar 2017 mit einem vom
22. Dezember 2016 bis 19. Juni 2017 gültigen Schengen-Visum über den
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Flughafen Stuttgart letztmals in das Hoheitsgebiet der Schengen-Staaten
gelangt war (SEM act. 3, pag. 24 - 32). Das Schengen-Recht schreibt in
Art. 10 Abs. 1 der Verordnung (EU) Nr. 2016/399 des Europäischen Parla-
ments und des Rates vom 9. März 2016 über einen Gemeinschaftskodex
für das Überschreiten der Grenzen durch Personen (Schengener Grenz-
kodex, SGK) verbindlich vor, dass Reisedokumente von Drittstaatenange-
hörigen bei der Ein- und Ausreise über die Schengen-Aussengrenze sys-
tematisch abgestempelt werden müssen. Aus der Stempelpflicht und ihrer
Funktion als primäres Kontrollinstrument ergeben sich gewisse Vermutun-
gen. So können die zuständigen nationalen Behörden, falls das Reisedo-
kument mit einem Einreise-, aber keinem dazugehörigen Ausreisestempel
versehen ist, von einem ununterbrochenen Aufenthalt seit dem Datum der
Einreise gemäss Einreisestempel ausgehen. Der Inhaber des Reisedoku-
ments hat die Möglichkeit, besagte Annahme durch einen glaubhaften
Nachweis zu widerlegen (zum Ganzen vgl. Urteil des BVGer F-4557/2018
vom 14. Februar 2019 E. 7.1). Wohl bestritt der Beschwerdeführer, sich
seit dem Ablaufdatum des letzten Visums (19. Juni 2017) ununterbrochen
im Schengen-Raum aufgehalten zu haben, er war jedoch nicht bereit, dazu
konkrete Aussagen zu machen (SEM act. 3, pag. 20/21). Auch auf Be-
schwerdeebene äusserte er sich hierzu nicht. Dementsprechend berechtigt
die Aktenlage zur Annahme, dass er den Schengen-Raum bis zu seiner
Anhaltung nicht wieder verlassen hat. Den Fernhaltegrund von Art. 67
Abs. 2 Bst. a AIG hat er indes unabhängig von der Dauer des illegalen Auf-
enthalts erfüllt.
5.4 Das Migrationsamt des Kantons Zürich hat am 6. Juni 2019 gestützt
auf Art. 64d Abs. 2 AIG ausserdem eine sofort vollstreckbare Wegweisung
verfügt (SEM act. 5, pag. 45 - 48). Diese Verfügung ist ebenfalls rechts-
kräftig. Wird die Wegweisung nach Art. 64d Abs. 2 AIG – wie in casu –
sofort vollzogen, so ist gemäss Art. 67 Abs. 1 Bst. a AIG grundsätzlich ein
Einreiseverbot zu erlassen. Der Vorinstanz kommt dabei lediglich ein stark
eingeschränktes Entschliessungsermessen zu (vgl. BBl 2009 8896 ad Art.
67 Abs. 1). Vor diesem Hintergrund hat das SEM gegen den Beschwerde-
führer zu Recht auch ein Einreiseverbot gestützt auf Art. 67 Abs. 1 Bst. a
AIG verhängt.
5.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass mehrere Gründe vorliegen,
welche die Verhängung einer Fernhaltemassnahme rechtfertigen (vgl.
Art. 67 Abs. 1 Bst. a AIG und Art. 67 Abs. 2 Bst. a AIG).
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Seite 9
6.
6.1 Den Entscheid darüber, ob ein Einreiseverbot anzuordnen und wie es
zeitlich auszugestalten ist, legt Art. 67 Abs. 2 AIG in das pflichtgemässe
Ermessen der Behörde. Zentrale Bedeutung kommt dabei dem Grundsatz
der Verhältnismässigkeit zu, der eine wertende Abwägung zwischen den
berührten privaten und öffentlichen Interessen verlangt. Ausgangspunkt
der Überlegungen bilden die Stellung der verletzten oder gefährdeten
Rechtsgüter, die Besonderheiten des ordnungswidrigen Verhaltens und die
persönlichen Verhältnisse der betroffenen ausländischen Person (Art. 96
AIG; ferner statt vieler HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwal-
tungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 555 ff.).
6.2 Der Beschwerdeführer hat sich während eines beachtlichen Zeitraums
über den bewilligungsfreien Aufenthalt hinaus im Schengen-Raum aufge-
halten und ist zu einem unbekannten Datum im Frühsommer 2019
schliesslich rechtswidrig in die Schweiz eingereist. Aufgrund dieses objek-
tiv nicht mehr leichten Fehlverhaltens, das eine sofort vollstreckbare Weg-
weisung sowie eine strafrechtliche Verurteilung zur Folge hatte, ist auf eine
Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu schliessen. An der
Einhaltung der Rechtsordnung im Allgemeinen und den Vorschriften über
Einreise und Aufenthalt im Besonderen besteht denn ein gewichtiges öf-
fentliches Interesse. Zum einen liegt eine spezialpräventive Zielsetzung
der Massnahme darin, den Beschwerdeführer zu ermahnen, bei einer all-
fälligen künftigen Wiedereinreise nach Ablauf des Einreiseverbots die für
ihn geltenden Regeln einzuhalten. Gewichtig ist aber auch das generalprä-
ventiv motivierte Interesse, die öffentliche Ordnung durch eine konse-
quente Massnahmenpraxis zu schützen (zur Zulässigkeit der Berücksich-
tigung generalpräventiver Aspekte in Konstellationen, in denen wie hier
kein sogenannter Vertragsausländer betroffen ist, vgl. Urteil des BGer
2C_282/2012 vom 31. Juli 2012 E. 2.5 m.H.).
6.3 Den öffentlichen Interessen sind die privaten Interessen des Beschwer-
deführers gegenüberzustellen. Diese beziehen sich ausschliesslich auf
dessen berufliche Tätigkeit. Die vorübergehende Einschränkung seiner
Geschäftstätigkeit hat er jedoch selbst zu verantworten. Im Übrigen ist die
Fernhaltemassnahme nicht als absolutes Einreiseverbot ausgestaltet. Sie
stellt vielmehr ein Einreiseverbot mit Bewilligungsvorbehalt dar. Dem Be-
schwerdeführer bleibt es freigestellt, aus wichtigen Gründen mittels Ge-
suchs die zeitweilige Suspension der angeordneten Fernhaltemassnahme
zu beantragen (vgl. Art. 67 Abs. 5 AIG), wobei eine solche praxisgemäss
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Seite 10
nur für eine kurze und klar begrenzte Zeit gewährt wird (vgl. BVGE 2013/4
E. 7.4.3 m.H.).
6.4 Eine wertende Gewichtung der sich gegenüberstehenden Interessen
führt das Bundesverwaltungsgericht zum Ergebnis, dass das auf zwei
Jahre befristete Einreiseverbot dem Grundsatz nach und in Bezug auf sei-
ne Dauer eine verhältnismässige und angemessene Massnahme zum
Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung darstellt.
6.5 Nicht zu beanstanden ist schliesslich, dass dem Beschwerdeführer die
Einreise in das Hoheitsgebiet sämtlicher Schengen-Staaten verboten wur-
de (vgl. Art. 21. i.V.m. art. 14 SIS-II-Verordnung). Die Schweiz ist als Folge
des Grundsatzes der loyalen Zusammenarbeit bei der Administration des
gemeinsamen Raums der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts, auf dem
das Schengen-System beruht, zur getreuen Wahrung der Interessen der
Gesamtheit der Schengen-Staaten verpflichtet (vgl. BVGE 2011/48 E. 6.1).
Hinzu tritt, dass wegen des Wegfalls systematischer Personenkontrollen
an den Schengen-Innengrenzen Einreiseverbote und ähnliche Massnah-
men ihre volle Wirksamkeit nur entfalten können, wenn sich ihre Geltung
und die Durchsetzbarkeit nicht auf einzelne Schengen-Staaten beschrän-
ken. Angesichts der festgestellten, vom Beschwerdeführer ausgehenden
Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung, die sich nicht von vorn-
herein auf das Territorium der Schweiz beschränkt, liegt die Ausschreibung
des Einreiseverbots im zwingenden gemeinsamen Interesse der Schweiz
und der übrigen Schengen-Staaten. Eine mit der Ausschreibung des Ein-
reiseverbots einhergehende zusätzliche Beeinträchtigung seiner persönli-
chen Bewegungsfreiheit hat der Beschwerdeführer in Kauf zu nehmen.
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung im
Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde ist so-
mit abzuweisen.
8.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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