Decision ID: 6747803c-dbd2-4ce2-a852-bb502d593c00
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Juni 2011 unter Hinweis auf Schmerzen im Hüft- und
rechten Kniegelenk bei der Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von beruflichen resp.
Rentenleistungen an (IV-act. 53). Dr. med. B._, Orthopädie am Z._, berichtete am
28. Juni 2011 über die Diagnose einer Hüftdysplasie mit degenerativ verändertem
Limbus und zunehmenden Hüftschmerzen rechts (IV-act. 72-3). Am 15. September
2011 fand ein Assessment mit einer IV-Eingliederungsberaterin statt (IV-act. 80). Am
30. September 2011 besichtigte diese den Arbeitsplatz der Versicherten bei der Y._
AG, (IV-act. 74), wo diese im Vollzeitpensum als Lageristin Logistik tätig war (IV-act.
67-2). Am 8. Dezember 2011 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass ihr Beratung
und Unterstützung beim Erhalt dieses Arbeitsplatzes gewährt würden (IV-act 81; vgl.
Verlaufsprotokoll in IV-act. 101).
A.a.
Am 16. März 2012 wurde die Versicherte wegen ihrer progredienten
Hüftschmerzen rechts in der Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates am Kantonsspital St. Gallen (nachfolgend: KSSG) untersucht.
Gestützt auf diese Untersuchung wurde erstmals die Diagnose einer Coxa vara
beidseits, Antetorsion des Schenkelhalses rechts erhoben (IV-act. 86-1) und der
Versicherten empfohlen, eine Arbeitsstelle mit wechselnden Tätigkeiten (stehend/
sitzend) zu suchen (IV-act. 86-2). Am 22. März 2012 informierte der Hausarzt der
Versicherten, Dr. med. C._, Facharzt für Innere Medizin, die zuständige IV-
Eingliederungsberaterin, dass die Versicherte in ihrer jetzigen Tätigkeit zu 50%
arbeitsunfähig sei (IV-act. 83). Ab dem 18. Juni 2012 schrieb der Hausarzt die
Versicherte wegen der generalisierten Schmerzen, des [....] mit Gelenkdysplasien
A.b.
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sowie der Hüftdysplasie rechts zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 102-2). Am 10. August
2012 wurde die Versicherte bei Dr. med. D._, Rheumatologie im X._, vorstellig.
Diese äusserte den Verdacht auf ein Turner-Syndrom bei [...] und Skelettdysplasien
und meldete die Versicherte zur Abklärung im Muskelzentrum des KSSG an (IV-act.
102-14 f.). Dort wurde die Versicherte am 30. August 2012 untersucht, wobei mittels
neurophysiologischer Untersuchung keine Hinweise für eine Polyneuropathie, für ein
CTS beidseits, für eine Myopathie oder für eine Schädigung der Pyramidenbahn
beidseits gefunden wurden (IV-act. 102-11 und 102-13). Die untersuchenden
Neurologen erhoben die Diagnose Verspannungen sowie wechselnde Gelenk- und
Muskelansatzschmerzen unklarer Genese und erwähnten den dringenden Verdacht auf
Fibromyalgie (IV-act. 102-8). Am 5. November 2012 und 22. Januar 2013 besuchte die
Versicherte die Schmerzsprechstunde im Palliativzentrum des KSSG mit der Frage
nach Teilnahme an einem Schmerzmanagementprogramm. Der Leitende Arzt
informierte am 5. Dezember 2012 über eine schwierig fassbare Krankheitssituation und
stellte die Diagnosen eines chronifizierten Schmerzsyndroms und einer Ichthyosis
vulgaris (IV-act. 102-6 f.).
Die IV-Stelle eröffnete der Versicherten am 29. Januar resp. 4. April 2013
insbesondere gestützt auf ein Gespräch vom 17. Oktober 2012 zwischen unter
anderem der IV-Eingliederungsberaterin und der Versicherten (vgl. Verlaufsprotokoll in
IV-act. 101-4 f.), dass kein Anspruch auf berufliche Massnahmen bestehe (IV-act. 105
und 112; vgl. auch Telefonnotizen in IV-act. 110 und 111). Dr. C._ erklärte mit
Verlaufsbericht vom 11. Juni 2013, dass die Versicherte seit Dezember 2012 immer
über die gleichen Beschwerden klage. Im Verlauf sei ein Versuch mit Saroten und
Cymbalta unternommen worden und später mit Magnesium und Tramadol, die
Symptome hätten sich jedoch nicht gebessert (IV-act. 116-2). Am 4. Juli 2013
berichtete der Leitende Arzt des Palliativzentrums des KSSG, dass die Versicherte das
Schmerzmanagementprogramm mit tiefer Aktivität nur zwei Mal habe mitmachen
können, da das Programm zu streng gewesen sei (IV-act. 118-2).
A.c.
Im Auftrag der IV wurde die Versicherte im Oktober und November 2013 in der
SMAB AG, Swiss Medical Assessment- and Business-Center (nachfolgend: SMAB), St.
Gallen, in den Disziplinen Rheumatologie und Psychiatrie abgeklärt (IV-act. 122-1 und
124). Dem Gutachten sind die Diagnosen Hüftdysplasie mit rechtsbetonter Coxa vara,
A.d.
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anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4), Status nach Operation einer
madelungschen Deformität Handgelenk rechts 2005 sowie Status nach Oligoarthritis
bei Parovirus-B19-Infekt 2006 zu entnehmen, wobei nur der ersten Diagnose Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit zugebilligt wurde (IV-act. 125-21 f.). Die Gutachter gelangten
zum Schluss, dass der Versicherten eine wechselbelastende, körperlich leichte
Tätigkeit, die vorwiegend im Sitzen ausgeübt werden könne und nicht mit dem
repetitiven Hantieren von Lasten über 10 bis 15 kg einhergehe, zu 100% zumutbar sei.
In der bisherigen Tätigkeit als Lageristin Logistik sahen sie noch eine Arbeitsfähigkeit in
der Grössenordnung von 50% (IV-act. 125-22 f.). Gestützt auf dieses Gutachten stellte
die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom 22. Januar 2014 die Verneinung
eines Rentenanspruchs in Aussicht (IV-act. 131). In Vertretung der Versicherten reichte
die Procap am 21. Februar 2014 einen Einwand ein (IV-act. 135). Am 25./27. Februar
2014 lösten die Y._ AG und die Versicherte das zwischen ihnen bestehende
Arbeitsverhältnis per 31. März 2014 auf, da keine Verbesserung des
Gesundheitszustandes absehbar war und die Leistungen der
Krankentaggeldversicherung Mitte März 2014 ausgeschöpft waren (IV-act. 161-19). Am
11. März 2014 verfügte die IV-Stelle entsprechend dem Vorbescheid die
Rentenablehnung bei einem Invaliditätsgrad von 31% (IV-act. 140).
Am 23. März 2016 machte die Procap in Vertretung der Versicherten eine
Verschlechterung von deren Gesundheitszustand geltend. Sie verwies dabei auf
Berichte des Psychiatrischen Zentrums W._ vom 25. November 2015 und der Klinik
für Rheumatologie und internistische Rehabilitation der Kliniken V._, vom 25. Januar
2016 (IV-act. 147). Der erste Bericht stützte sich auf ambulante psychiatrische
Behandlungen ab dem 19. August 2015 und enthielt die Diagnosen mittelgradige
depressive Episode (ICD-10: F32.1) und chronische Schmerzstörung mit somatischen
und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41; IV-act. 149-1). Die berichtenden Ärzte
nannten eine Arbeitsfähigkeit von 20 - 30% auf dem 2. Arbeitsmarkt und von 0% auf
dem 1. Arbeitsmarkt. Sie stellten teils ausgeprägte Versagensängste, einen sozialen
Rückzug, eine Antriebsminderung sowie eine reduzierte Stressregulation fest (IV-act.
149-2). Der zweite Bericht stützte sich auf einen stationären Rehabilitationsaufenthalt
der Versicherten vom 26. Mai bis 24. Juni 2015 und beschrieb die Diagnosen
Hüftdysplasie rechts mit Präarthrosezeichen, chronische generalisierte myofasziale
A.e.
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Schmerzsymptomatik sowie eine langdauernde mittelgradige depressive Episode mit
somatischem Syndrom. Die generalisierte Schmerzsymptomatik konnte der
berichterstattenden Ärztin zufolge während des Aufenthalts kaum beeinflusst werden.
Medizinisch theoretisch schätzte sie die Arbeitsfähigkeit beim Austritt aus
rheumatologischer Sicht als zu 50% gegeben ein. Dies unter Berücksichtigung von
klinisch objektivierbaren Beschwerden mit mangelnder Kraft in der
Quadrizepsmuskulatur mit erschwertem Treppensteigen und verminderter Gehstrecke
(IV-act. 150-1; vgl. auch Austrittsberichte der Kliniken V._ vom 23. Juni 2015
betreffend Physiotherapie in IV-act. 169 und vom 7. Juli 2015 in IV-act. 168). Am 10.
April 2016 füllte die Versicherte unter Hinweis auf eine Hüftdysplasie und eine
Fibromyalgie das Anmeldeformular für Leistungen der IV aus (IV-act. 153).
Dr. med. E._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, und ab dem 3. Juni
2016 behandelnde Psychiaterin der Versicherten, diagnostizierte am 26. November
2016 eine langdauernde reaktive mittelgradige bis aktuell schwere depressive Störung
seit 2014 (IV-act. 174-1) und hielt fest, die Versicherte könnte maximal eine Stunde pro
Tag in wechselnder Körperhaltung ohne Gewicht arbeiten. Es bestehe eine rasche
Ermüdbarkeit (IV-act. 174-3).
A.f.
Am 13. Februar 2017 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass eine
bidisziplinäre (orthopädische und psychiatrische inkl. neuropsychologische)
Begutachtung notwendig sei (IV-act. 179). Das Gutachten wurde am 8. April 2017
durch die IME - Interdisziplinäre Medizinische Expertisen (nachfolgend: IME), St.
Gallen, erstattet (IV-act. 183). In diesem wird den Diagnosen multidirektionale
Bewegungseinschränkung des rechten Hüftgelenks bei Coxa valga und
anlagebedingter Hüftdysplasie, links betonte madelungsche Deformität bei rechtsseitig
im Jahr 2005 erfolgter Korrekturosteotomie und anhaltende somatoforme
Schmerzstörung mit teilweiser Erfüllung der Standardindikatoren Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit zugesprochen (IV-act. 183-87; zu den detaillierten Diagnosen und zu
den Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vgl. dasselbe Aktorum). Die
Arbeitsfähigkeit wurde aus orthopädisch-psychiatrischer Sicht sowohl in der zuletzt
ausgeübten wie auch in angepassten Tätigkeiten seit dem Jahr 2013 als zu 50%
eingeschränkt befunden (IV-act. 183-90). Dies bei einem umfangreichen negativen
A.g.
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B.
Leistungskatalog, jedoch vollständiger Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten aus
orthopädischer Sicht (vgl. IV-act. 183-148 ff.).
Der zuständige Arzt vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) nahm am 3. Juli 2017
Stellung zum Gutachten der IME und hielt fest, aus psychiatrischer Sicht sei festgestellt
worden, dass die Versicherte aufgrund einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung zu 50% auch in einer angepassten Tätigkeit eingeschränkt sei. Die
Einschränkung werde mit der teilweisen Erfüllung der sog. Standardindikatoren
begründet. Der psychiatrische Gutachter gehe davon aus, dass die Belastbarkeit der
Versicherten seit der letzten Begutachtung erheblich abgenommen habe (IV-act. 184).
A.h.
Am 8. August 2017 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie keinen
Anspruch auf berufliche Massnahmen habe (IV-act. 188).
A.i.
Mit Vorbescheid vom 31. Oktober 2017 verneinte die IV-Stelle bei einem
Invaliditätsgrad von 32% auch einen Rentenanspruch. Zur Begründung führte sie im
Wesentlichen an, bei der Beurteilung der 50%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
im Gutachten der IME handle es sich um eine andere Einschätzung desselben
medizinischen Sachverhalts im Vergleich zum Vorgutachten des SMAB. Auch werde
keiner der Indikatoren erfüllt. Es werde deshalb nach wie vor von einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten ausgegangen (IV-act. 194). Am 4. Januar
2018 verfügte die IV-Stelle unter Beantwortung des durch die Procap am 4. Dezember
2017 für die Versicherte eingelegten Einwands (IV-act. 195) im Sinne des Vorbescheids
(IV-act. 196 = act. G 1.2).
A.j.
Gegen die Verfügung vom 4. Januar 2018 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 5. Februar 2018. Die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
beantragte darin durch ihre Rechtsvertretung unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
die Aufhebung der Verfügung, die Zusprache einer Invalidenrente, die Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung und eventualiter die Anordnung eines Obergutachtens.
Sie machte geltend, dass auf das IME-Gutachten abzustellen und von der darin
festgelegten 50%igen Arbeitsunfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten auszugehen sei. Die
Annahme, dass auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt Stellen vorhanden sein sollen,
B.a.
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Erwägungen
1.
Aktenkundig und unbestritten ist, dass es sich bei der vorliegend zu beurteilenden
Anmeldung vom März 2016 um eine sogenannte Neuanmeldung handelt, auf welche
die Beschwerdegegnerin zu Recht eingetreten ist. Strittig und zu prüfen ist, ob die
Beschwerdeführerin im Rahmen dieser Anmeldung Anspruch auf eine Rente der IV hat.
bei denen ihre Verhaltensstörung toleriert werde, sei illusorisch. Sollte sich ein
entsprechend sozial eingestellter Arbeitgeber finden lassen, wäre mit einer starken
Lohneinbusse zu rechnen. Aufgrund der aussergewöhnlichen Umstände sei der
Höchstabzug von 25% zuzulassen. Das Valideneinkommen sei bei Fr. 80'517.-- im
Jahr 2010 festzusetzen (act. G 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 4. April 2018 beantragte die IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde. Sie führte an, der
psychiatrische Gutachter der IME begründe die Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit
durch die teilweise Erfüllung der Standardindikatoren. Die nähere Betrachtung zeige,
dass keiner der Indikatoren erfüllt sei. Ein soziales Entgegenkommen des
durchschnittlichen Arbeitgebers erscheine im Hinblick auf die Verhaltensstörung der
Beschwerdeführerin nicht derart unrealistisch, dass das Finden einer passenden Stelle
von vornherein als ausgeschlossen gelten müsse. [....] genüge nicht für einen
Höchstabzug von 25%. Selbst wenn das Zumutbarkeitsprofil der Beschwerdeführerin
einen Leidensabzug von 10% rechtfertigen würde, würde kein rentenbegründender
Invaliditätsgrad resultieren. Die Festsetzung des Valideneinkommens bei Fr. 79'153.--
sei bereits zu Gunsten der Beschwerdeführerin erfolgt (act. G 5).
B.b.
Am 5. April 2018 entsprach das Gericht dem Gesuch der Beschwerdeführerin um
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (act. G 6).
B.c.
Mit Replik vom 8. Mai 2018 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Rechtsbegehren
fest (act. G 8).
B.d.
Am 5. Juni 2018 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die Einreichung einer
Duplik (act. G 10).
B.e.
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2.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.1.
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60%, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40% invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
2.2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4 mit Hinweisen).
2.3.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der
2.4.
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3.
Die Parteien sind sich darin einig, dass das Gutachten des IME den beweisrechtlichen
Anforderungen genügt, weshalb darauf abgestellt werden könne (vgl. beispielsweise
IV-act. 191-2 sowie act. G 1). Aus rheumatologischer Sicht gehen die Parteien deshalb
ab Ende 2013 von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten aus.
Die dabei berücksichtigten Leistungseinschränkungen in qualitativer Hinsicht umfassen
mehr als leichte körperliche Arbeiten, Heben und Tragen von Lasten körperfern über 5
kg sowie körpernah über 10 kg, jeweils ohne technische Hilfsmittel, repetitive
stereotype Bewegungsabläufe, Tätigkeiten mit repetitivem Bücken, Kauern und
Hocken, das mehr als gelegentliche Arbeiten in Zwangshaltungen, das Gehen auf
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Im Sinne einer Richtlinie ist den
im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen
sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde
zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E.
1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). In beweisrechtlicher Hinsicht gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die urteilenden Instanzen
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen
Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit
eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht
hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen
Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b, 125 V
195 E. 2, je mit Hinweisen).
2.5.
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unebenem Gelände, das Besteigen von Leitern, Gerüsten oder schrägen Ebenen, das
mehr als gelegentliche Treppensteigen, Tätigkeiten mit längerwährender Einnahme nur
einer Körperposition, Tätigkeiten mit erhöhter feinmotorischer Anforderung an die
rechte wie die linke Hand, Tätigkeiten im Freien, ohne Schutz vor Kälte, Zugluft, Nässe
sowie Tätigkeiten auf regen- und eisglattem Untergrund, Tätigkeiten unter Zeitdruck
und Akkordarbeit (IV-act. 183-88 ff.). Diese Einschätzung lässt sich aufgrund der
medizinischen Aktenlage ohne weiteres nachvollziehen (vgl. insbesondere IV-
act. 183-97 bis 183-159) und ist nicht zu beanstanden. Zu prüfen gilt es hingegen, ob
auf die im psychiatrischen Teil-Gutachten der IME attestierte 50%ige
Arbeitsunfähigkeit auch in angepassten Tätigkeiten abgestellt werden kann - wie dies
die Beschwerdeführerin beantragt (vgl. act. G 1). Die Beschwerdegegnerin nimmt den
Standpunkt ein, es handle sich bei dieser Einschätzung im Vergleich zum Gutachten
des SMAB nur um eine andere Beurteilung desselben Sachverhalts, weshalb auch aus
psychiatrischer Sicht nach wie vor von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in
adaptierten Tätigkeiten auszugehen sei (vgl. IV-act. 191-1 f. sowie act. G 1.2). Ob ein
solcher Sachverhaltsvergleich überhaupt erforderlich ist (vgl. dazu die Kritik an der
bundesgerichtlichen Praxis im Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St.
Gallen vom 20. Juni 2019, IV 2016/377 E. 1 mit Hinweisen), kann dahingestellt bleiben,
da vorliegend eine Veränderung des Gesundheitszustandes ohnehin rechtsgenüglich
ausgewiesen ist (vgl. nachfolgende Erwägung 4.1).
4.
Das psychiatrische Teilgutachten wurde von Prof. Dr. med. habil. F._, Facharzt
für Neurologie und für Psychiatrie und Psychotherapie, SSIPM Interventionelle
Schmerztherapie, SGV Vertrauensarzt und SIM Zertifizierter Medizinischer Gutachter,
erstattet. Er stellte in Übereinstimmung mit dem Vorgutachter des SMAB die Diagnose
einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10: F45.4). Er kam jedoch in
Abweichung vom Vorgutachten wegen der teilweisen Erfüllung der sog.
Standardindikatoren zum Schluss, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
angesichts der fehlenden vollumfänglichen Zumutbarkeit der Überwindbarkeit der
Schmerzen zu 50% eingeschränkt sei (IV-act. 183-83). Bei der Frage einer allfälligen
Veränderung des Gesundheitszustandes ist die Diagnosestellung allein nicht
massgebend, so kann trotz gleicher Diagnosen von einem verschlechterten
Gesundheitszustand ausgegangen werden, wenn sich die Befunde ausgeprägter
darstellen mit entsprechender Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit (Urteil des
Bundesgerichts vom 3. November 2010, 8C_166/2010, E. 3.3). Die Beschwerdeführerin
gab bei der aktuellen Begutachtung am 31. März 2017 an, der Schmerz habe sich seit
4.1.
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dem ersten Antrag bei der IV im Verlauf in seiner Intensität geändert. Die Schmerzen
seien stärker geworden (IV-act. 183-66). Auch hat sich die Beschwerdeführerin erst im
Nachgang zur Begutachtung durch das SMAB im Jahr 2014 in psychiatrische
Behandlung begeben (vgl. IV-act. 149 sowie 174-1). Die behandelnde Psychiaterin
erklärte am 26. November 2016, sowohl der psychische als auch der körperliche
Zustand der Beschwerdeführerin hätten sich seit der letzten Begutachtung um einiges
verschlechtert (IV-act. 174-2). Der zuständige Arzt vom RAD hielt in diesem
Zusammenhang am 3. Juli 2017 fest, Prof. Dr. F._ gehe davon aus, dass die
Belastbarkeit der Beschwerdeführerin seit der letzten Begutachtung im Rahmen der
somatoformen Schmerzstörung erheblich abgenommen habe (IV-act. 184-1). Die
Verhaltensauffälligkeit [....] bestand zum Zeitpunkt der Begutachtung durch den
zuständigen psychiatrischen Facharzt des SMAB am 11. November 2013 seit etwa
sechs Monaten (IV-act. 125-25), währenddem dies im Zeitpunkt der vorliegend
relevanten Begutachtung am 31. März 2017 (IV-act. 183-1) seit fast vier Jahren der Fall
war. Damit kam dieser unterdessen erheblich verfestigten Verhaltensauffälligkeit
unweigerlich eine grössere Bedeutung zu. Bereits die Gutachter des SMAB hatten
festgestellt, dass sich das vorliegende somatoforme Schmerzsyndrom über mehrere
Jahre progredient entwickelt habe (IV-act. 125-25), was dafür spricht, dass es sich
auch nach deren Begutachtung noch weiterentwickelt hat. Insgesamt ist in
Übereinstimmung mit dem zuständigen Arzt vom RAD (vgl. IV-act. 184) und der
Beschwerdeführerin (vgl. act. G 1 S. 7 zweiter Absatz) mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit von einem veränderten Sachverhalt im Sinne einer Progredienz der
somatoformen Schmerzstörung und damit einhergehend einer Abnahme der
Belastbarkeit der Beschwerdeführerin sowie einer Intensivierung der die somatoforme
Schmerzstörung begleitenden Verhaltensauffälligkeit auszugehen.
Vor diesem Hintergrund hat die Beschwerdegegnerin zu Recht die sogenannte
Indikatorenprüfung vorgenommen (vgl. IV-act. 191-2 f. sowie act. G 5 Ziff. 2 der
Begründung), um abzuklären, ob die unbestrittene Diagnose der somatoformen
Schmerzstörung nunmehr im Gegensatz zur Begutachtung durch das SMAB als
relevant für die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu berücksichtigen ist. Dies ist
nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts vom 3. Juni 2015 gemäss BGE 141 V
281 zu beurteilen. Mit diesem Entscheid hat das Bundesgericht das vorherige Regel-/
Ausnahmemodell, welches zur Zeit der SMAB-Begutachtung noch anwendbar war,
durch ein strukturiertes, normatives Prüfungsraster ersetzt. Anhand eines Katalogs von
Indikatoren erfolgt nunmehr eine ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des - unter
Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von
Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits - tatsächlich erreichbaren
4.2.
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Leistungsvermögens (E. 3.6). Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erwähnten
Indikatoren hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 297 f. E. 4.1.3):
Kategorie "funktioneller Schweregrad" (E. 4.3) mit den Komplexen
"Gesundheitsschädigung" (Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und
Symptome; Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz; Komorbiditäten [E.
4.3.1]), "Persönlichkeit" (Persönlichkeitsentwicklung und -struktur, grundlegende
psychische Funktionen [E. 4.3.2]) und "sozialer Kontext" (E. 4.3.3) sowie Kategorie
"Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens [E. 4.4]) mit den Faktoren gleichmässige
Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen (E.
4.4.1) und behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Leidensdruck (E. 4.4.2). Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Handhabung des
Indikatorenkatalogs den Umständen des Einzelfalls gerecht werden muss. Es handelt
sich nicht um eine "abhakbare Checkliste" (BGE 141 V 297 E. 4.1).
Prof. Dr. F._ erklärte, er sei in der ergebnisoffenen Überprüfung der
Standardindikatoren zu einem deutlich kritischeren Ergebnis gelangt als sein
Vorgutachter des SMAB in der Beurteilung der damals noch zu beachtenden sog.
"Förster-Kriterien". Seines Erachtens könnte nicht mit Sicherheit angenommen werden,
dass der Beschwerdeführerin die Überwindbarkeit der Schmerzen zumutbar sei (IV-act.
183-81). Die Handicapierungen der Beschwerdeführerin würden sich im beruflichen
und im privaten Umfeld auswirken, sie sei deutlich weniger belastungsfähig und habe
eine eingeschränkte Durchhaltefähigkeit (IV-act. 183-82). Der durch Prof. Dr. F._
veranlasste neuropsychologische Zusatzuntersuch durch dipl. psych. FSP G._, vom
3. April 2017 ergab zwar keine validen Ergebnisse. Die Psychologin stellte jedoch
zumindest fest, dass die psychophysische Belastbarkeit erheblich reduziert erscheine;
die Beschwerdeführerin habe nach der zweieinhalbstündigen Untersuchung deutlich
erschöpft gewirkt (IV-act. 183-91 und 183-96). Dies wiederum stimmt mit der
Beobachtung der behandelnden Psychiaterin überein, welche sowohl das
Konzentrationsvermögen als auch die Belastbarkeit der Beschwerdeführerin als durch
Ermüdung eingeschränkt beschrieb (IV-act. 174-5). Prof. Dr. F._ nahm sodann unter
dem Titel Konsistenz, Persönlichkeit und sozialer Kontakt, Behandlung und
Eingliederung Bezug zu den vorerwähnten Indikatoren. Er führte an, er gehe von einem
Malingering aus mit den auffälligen Verhaltensabnormitäten mit [....], welches regressiv
anmute. Versorgungswünsche würden erkennbar, indem die Beschwerdeführerin ein
Rentenbegehren äussere. Es bleibe in Bezug auf die Ich-Strukturen der
Beschwerdeführerin unklar, was zu der beschriebenen Regression geführt habe. Eine
nachvollziehbare Psychodynamik habe bisher von keinem Behandler oder Gutachter
dargelegt werden können. Es seien jedoch vordergründig bei der Beschwerdeführerin
4.3.
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keine Störungen der Realitätsbeurteilung und der Impulskontrolle wahrnehmbar. Die
Schmerzen und die mit dem sozialen Abstieg einhergegangen Folgen würden jedoch
zu einer Störung der affektiven Kontrolle führen (IV-act. 183-80). Er blendete sodann
seinen eigenen Angaben zufolge "die IV-fremden Belastungsfaktoren und die
psychopathologischen Reaktionen hierauf" bei seiner Einschätzung korrekterweise aus
(IV-act. 183-79), denn der bio-psycho-soziale Krankheitsbegriff ist rechtlich im Rahmen
der Arbeitsunfähigkeit nach Art. 6 ATSG nicht massgebend (BGE 143 V 426 f. E. 6). Die
Anwendung eines solchen kann folglich ausgeschlossen werden und auch nicht zu der
in Abweichung vom Vorgutachten des SMAB reduzierteren Arbeitsfähigkeitsschätzung
geführt haben. Prof. Dr. F._ stellte auch fest, dass die Verhaltensveränderung [....] als
bizarr einzustufen sei, und warf gar die Frage auf, ob diese Verhaltensveränderung
einem Arbeitgeber überhaupt zumutbar sei. Er gewann sodann den Eindruck, dass
mehr ein primärer denn ein sekundärer Krankheitsgewinn vorliege (IV-act. 183-81). Die
Krankheitsfolgen seien bisher mit deutlichen negativen sozialen Konsequenzen
verbunden, was einen sekundären Krankheitsgewinn nicht wahrscheinlich mache. Die
bisherige Biographie der Beschwerdeführerin spreche eindeutig gegen eine
Selbstlimitierung. Sie sei mit den erheblichen Störungen im Stütz- und
Bewegungsapparat trotz aller Widrigkeiten bisher zu 100% bis zur Krankschreibung
berufstätig gewesen. Sie habe im Jahr 2005 eine Operation erduldet, um weiterhin
berufstätig bleiben zu können. Die geäusserten Versorgungswünsche und die
Auffälligkeiten im neuropsychologischen Untersuch wertete der Gutachter nicht als
bewusstes Vorgehen der Beschwerdeführerin, sondern als Hilferufe (IV-act. 183-82). Er
komme aus medizinischer Sicht zu dem Schluss, dass nicht anzunehmen sei, dass der
Versicherten die Überwindbarkeit der Schmerzen vollumfänglich zumutbar sei, weshalb
er von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in zuletzt ausgeübter und in adaptierter Tätigkeit
infolge der Belastbarkeitsminderung ausgehe (IV-act. 183-83).
Der Ansicht der Beschwerdegegnerin, bei näherer Betrachtung der Indikatoren
zeige sich, dass die Beschwerdeführerin wegen der Schmerzstörung mit Blick auf die
objektive Zumutbarkeit nicht übermässig in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei, und
es fehle an der Erfüllung auch nur eines Indikators, so dass die Schwere der
Erkrankung nicht ausgewiesen sei (vgl. u.a. act. G 5 Ziff. 2 der Begründung), kann nicht
gefolgt werden. Vielmehr hat der psychiatrische Gutachter Prof. Dr. F._ die
Herleitung seiner Diagnosen nachvollziehbar begründet und deren funktionelle
Auswirkungen schlüssig dargelegt. Die gutachterliche Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit erscheint in sich stimmig und ist unter Berücksichtigung der gesamten
medizinischen Aktenlage nachvollziehbar. So hat auch die Beschwerdegegnerin selber
das Gutachten als beweiskräftig eingestuft (vgl. IV-act. 191-2) und es somit
4.4.
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5.
Zu bestimmen bleibt der Invaliditätsgrad im Rahmen eines Einkommensvergleichs (vgl.
vorstehende Erwägung 2.2).
zwangsläufig auch als schlüssig und nachvollziehbar erachtet. Der beratende Arzt vom
RAD empfahl der IV-Stelle gestützt auf dieses Gutachten, seit mindestens 2013 von
einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit auch in angepassten Tätigkeiten auszugehen (IV-act.
184-2). Die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Indikatorenprüfung überzeugt
vor diesem Hintergrund nicht, da sie auf eine juristische Parallelüberprüfung des
medizinischen Sachverhaltes hinausläuft (vgl. IV-act. 191-2 f. sowie act. G 5 Ziff. 2 der
Begründung). Das strukturierte Beweisverfahren soll aber gerade keine von den
medizinischen Einschätzungen losgelöste juristische Parallelüberprüfung ermöglichen.
Kommt der Rechtsanwender nach der Beweiswürdigung zum Schluss, ein Gutachten
erfülle sowohl die mit BGE 141 V 281 definierten versicherungsmedizinischen
Massstäbe als auch die allgemeinen rechtlichen Beweisanforderungen, ist es
grundsätzlich als beweiskräftig anzusehen und die darin enthaltene Schätzung der
Arbeitsfähigkeit somit zu übernehmen (Urteil des Bundesgerichts vom 4. Juni 2018,
9C_194/2018, E. 4.1 mit Hinweisen). Wie bereits dargelegt, hat Prof. Dr. F._ in seiner
Beurteilung auf einschlägige Standardindikatoren Bezug genommen. Auch leuchtet
seine Arbeitsfähigkeitsschätzung in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge ein. Auf die gutachterliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ist
deshalb abzustellen und für eine von der medizinischen Beurteilung abweichende
rechtliche Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit besteht kein Grund. Somit bestand im
vorliegend relevanten Zeitraum sowohl in einer angepassten wie auch in der
angestammten Tätigkeit eine invalidenversicherungsrechtlich relevante 50%ige
Arbeitsunfähigkeit.
Zu klären ist allerdings vorweg, ob anzunehmen sei, der Beschwerdeführerin
stünden realistischerweise noch Arbeitsmöglichkeiten offen. Dabei ist für die
Invaliditätsbemessung nicht der tatsächliche, sondern ein ausgeglichener Arbeitsmarkt
relevant. Dieser theoretische und abstrakte Markt (vgl. BGE 134 V 64, BGE 129 V 480
E. 4.2.2) hat rein hypothetischen Charakter und dient dazu, die Risiken von
Arbeitslosigkeit und Invalidität voneinander abzugrenzen (vgl. Entscheide des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [seit 1. Januar 2007: Bundesgericht] vom
10. Juli 2006, I 186/05 E. 2.3, vom 3. Juni 2004, I 252/03 E. 2.2.3, und vom 16. Juli
2003, I 758/2002; BGE 110 V 276 E. 4b). Für die Bestimmung des
Invalideneinkommens kommt es demnach nicht darauf an, ob eine invalide Person
5.1.
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unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen tatsächlich vermittelt werden kann,
sondern einzig darauf, ob und in welchem Rahmen sie die ihr verbliebene Arbeitskraft
noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot
an Arbeitskräften entsprächen (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 4. Mai 2018,
9C_294/2017 E. 5.4.2., AHI 1998 S. 287 E. 3b). Ein ausgeglichener Arbeitsmarkt weist,
was die verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch den
körperlichen Einsatz angeht, einen Fächer verschiedenster Tätigkeiten auf (vgl.
Bundesgerichtsentscheide vom 9. Januar 2015, 8C_652/2014, und vom 10. April 2019,
8C_811/2018 E. 4.4.1). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts umfasst er
selbst sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei
welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers
rechnen können (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 8. Oktober 2015, 8C_582/2015, vom
28. November 2014, 9C_485/2014, und vom 29. August 2013, 8C_514/2013).
Realitätsfremde Einsatzmöglichkeiten dürfen bei der Invaliditätsbemessung aber nicht
berücksichtigt werden. Von einer zumutbaren Tätigkeit im Sinn von Art. 16 ATSG kann
insbesondere dort nicht gesprochen werden, wo sie nur in so eingeschränkter Form
möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt, oder dass sie
nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers
möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle deshalb von vornherein als
ausgeschlossen erscheint (vgl. Bundesgerichtsurteile vom 8. Oktober 2015,
8C_582/2015, und vom 28. April 2010, 8C_1050/2009; ZAK 1991 S. 318 E. 3b). Von
solchen Verhältnissen ist allerdings vorliegend nicht auszugehen, obwohl für eine
angepasste Tätigkeit wie vorstehend in Erwägung 3 erwähnt aus somatischer Sicht
einige einschränkende Kriterien zu erfüllen sind. Aus psychiatrischer Sicht kommt die
vielerorts beschriebene Verhaltensauffälligkeit der Beschwerdeführerin hinzu, welche
an eine Tätigkeit ohne Kundenkontakte denken lässt. Es kann angenommen werden,
dass auf einem hypothetischen ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit verschiedensten
Anforderungsprofilen angepasste Tätigkeiten für die Beschwerdeführerin in
ausreichender Zahl vorhanden sind und das Finden einer Anstellung nicht geradezu
realitätsfremd ist. Die Verwertbarkeit ist an den Arbeitsmöglichkeiten auf dem
Arbeitsmarkt für Tätigkeiten auf der Stufe des untersten Kompetenzniveaus aller
Wirtschaftszweige zu messen. Folglich ist von der Verwertbarkeit der attestierten
Restarbeitsfähigkeit auszugehen.
Der Beschwerdeführerin sind die angestammte wie auch eine angepasste Tätigkeit
in einem 50%-Pensum zumutbar. Sie erzielte bei der Y._ AG in den Jahren vor
Eintritt des Gesundheitsschadens einen Lohn im Bereich von Fr. 60'000.-- bis 80'000.--
(vgl. IV-act. 152-1 f.). Da der erzielbare Verdienst in der angestammten Tätigkeit vor
5.2.
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6.
diesem Hintergrund deutlich höher sein dürfte als derjenige in einer
leidensangepassten Tätigkeit ohne qualifizierte Berufserfahrung, ist im Weiteren auf
den erzielbaren Verdienst in der angestammten Tätigkeit in einem 50%-Pensum
abzustellen.
Der Invaliditätsgrad ist folglich im Rahmen eines Prozentvergleichs zu ermitteln
(siehe zum Prozentvergleich etwa Urteil des Bundesgerichts vom 6. April 2016,
8C_628/2015, E. 5.3.1 mit Hinweisen). Ausgehend von einer 50%igen
Restarbeitsfähigkeit beträgt der Invaliditätsgrad im Rahmen des Prozentvergleichs
50%. Die Höhe eines Tabellenlohnabzugs kann vorliegend offengelassen werden, denn
selbst bei Gewährung eines 15%igen Tabellenlohnabzugs würde ein Invaliditätsgrad
von aufgerundet 58% (50% + [50% x 15%]) resultieren, womit die Schwelle zur
Dreiviertelsrente nicht erreicht würde. Ein 15%iger Tabellenlohnabzug bildet vorliegend
aufgrund der konkreten Umstände auf jeden Fall das Maximum, ist doch der Umstand
der in den Akten einheitlich geschilderten und gemäss psychiatrischem Gutachter [....]
(vgl. IV-act. 183-83) bereits bei der Festlegung der 50%igen Arbeitsfähigkeit
eingeflossen. Damit hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine halbe Rente (Art. 28
Abs. 2 IVG).
5.3.
Aktenmässig belegt ist eine Arbeitsunfähigkeit in angestammter Tätigkeit ab Ende
März 2012 (vgl. IV-act. 83). Im Zeitpunkt der Wiederanmeldung im März 2016 (IV-
act. 147) war somit das Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG längst abgelaufen
und die gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG erforderliche mindestens 40%ige
Arbeitsunfähigkeit gegeben. Somit besteht der Rentenanspruch ab dem 1. September
2016 (Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG).
5.4.
Nach dem Gesagten ist in Gutheissung der Beschwerde die Verfügung vom 4.
Januar 2018 aufzuheben und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. September
2016 eine halbe Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung der Rentenhöhe ist die Sache
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2.
bis
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7.
Da die Gerichtsschreiberin verhindert ist, wird der Entscheid für diese stellvertretend
von einer mitwirkenden Richterin unterzeichnet (Art. 39 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).