Decision ID: ddfecd2d-0f8b-54fb-a983-cc3f8169c6f0
Year: 2019
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerschaft reichte am 19. November 2015 bei der Gemeinde
Saanen ein Baugesuch ein für folgendes Bauvorhaben: "Erstellung landwirtschaftlicher
Bewirtschaftungsweg mit Betonspurrinnen L = 275 m, B = 2.60 m zur Gewährleistung der
Bewirtschaftung von Parzelle Nr. J._ und Nr. K._ inkl. Abzweigung ab
L._strasse L = 25 m". Nach einer Stellungnahme des Amtes für Gemeinden und
Raumordnung (AGR) vom 7. März 2016 passte die Beschwerdegegnerschaft ihr Projekt
an. Das Bauvorhaben gemäss angepasstem Baugesuch vom 9. September 2016 lautet
wie folgt: "Erstellung roher landwirtschaftlicher Bewirtschaftungsweg L = 275 m, B = 2.60 m
zur Gewährleistung der Bewirtschaftung von Parzelle Nr. J._ und Nr. K._
inkl. Abzweigung ab L._strasse L = 25 m und Fussweg L = 78 m. B = 1.20 m". Das
Vorhaben betrifft die Parzellen Saanen Grundbuchblatt Nrn. M._, N._,
O._, K._ und J._. Die Parzelle Saanen Grundbuchblatt Nr.
M._ liegt in der Wohnzone W3a, die übrigen Parzellen befinden sich in der
Landwirtschaftszone. Gegen das Bauvorhaben erhoben die Beschwerdeführenden
Einsprache. Das AGR hielt mit Verfügung vom 13. November 2017 fest, das Bauvorhaben
"landwirtschaftlicher Bewirtschaftungsweg" sei mit Auflagen zonenkonform, das Vorhaben
"Fussweg" sei dagegen weder zonenkonform noch mittels Ausnahmebewilligung nach Art.
24 ff. RPG1 bewilligbar. Mit Gesamtentscheid vom 15. Juni 2018 erteilte die Gemeinde
Saanen die Baubewilligung für das Erstellen eines landwirtschaftlichen
Bewirtschaftungsweges mit sickerfähigem Material inkl. Abzweigung ab der
L._strasse als Belagsweg. Für das Erstellen eines Fusswegs ab Ende des
Bewirtschaftungswegs bis an die Parzellengrenze Nr. P._ erteilte sie den
Bauabschlag. Hinsichtlich des Bewirtschaftungswegs verfügte die Vorinstanz (gestützt auf
die Verfügung des AGR) folgende Auflagen:
1 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700).
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- Es darf nur eine zweite bekieste Spur (mit entsprechendem Unterbau für das Befahren mit
landwirtschaftlichen Fahrzeugen) zum bestehenden bekiesten Fuss-/Wanderweg erstellt
werden.
- Diese zweite Spur ist nach der Erstellung unverzüglich wieder zu begrünen.
- Nach Erstellung ist der neue Bewirtschaftungsweg durch die Gemeinde Saanen zwingend mit
einem strassenverkehrstechnischen "Allgemeines Fahrverbot" mit Ausnahmeregelung (für
landwirtschaftliche und Notfall-Fahrzeuge) zu belegen.
- Der Bewirtschaftungsweg darf nur für die zonenkonforme Nutzung verwendet werden. Nach
Wegfall der ursprünglichen Zweckbestimmung ist die Anlage zu beseitigen und der
ursprüngliche Zustand wiederherzustellen.
- Der Anmeldung beim Grundbuchamt ist ein Doppel der Baubewilligung und eine
Rechtskraftbescheinigung beizulegen.
2. Gegen diesen Gesamtentscheid der Gemeinde vom 15. Juni 2018 gingen mehrere
Beschwerden bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein.
Die Beschwerdeführerin 1 und die Beschwerdeführenden 2 und 3 stellen je mit
Beschwerde vom 10. Juli 2018 folgende materielle Anträge: "1. Der Bauentscheid Nr. 2015-156 vom 15. Juni 2018 sei aufzuheben.
2. Das Bau- und Ausnahmegesuch Nr. 2015-156 sei abzuweisen."
Mit Beschwerde vom 20. Juli 2018 beantragen die Beschwerdeführenden 4 bis 12
Folgendes: "Der Bauentscheid Nr. 2015-156 vom 15. Juni 2018 sei aufzuheben und die Sache sei zur
Behandlung und Beurteilung dem örtlich zuständigen Regierungsstatthalteramt zuzuleiten;
Eventuell:
1. Der Bauentscheid Nr. 2015-156 vom 15. Juni 2018 sei soweit aufzuheben, als damit die
Baubewilligung für die Erstellung eines landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsweges mit
sickerfähigem Material mit bestimmten Auflagen erteilt wurde (Ziffer III.1);
2. Dem Baugesuch der Beschwerdegegner sei insofern der Bauabschlag zu erteilen;
3. Von den Rechtsverwahrungen und den Anmeldungen von Lastenausgleichsansprüchen der
Beschwerdeführer 3 (Herr Q._) [hier: Beschwerdeführer 6], Nr. 5 (Herr R._)
[hier: Beschwerdeführer 8] und Nr. 7 (Herr S._) [hier: Beschwerdeführer 10] sei
Kenntnis zu nehmen und zu geben."
Schliesslich reichte der Beschwerdeführer 13 am 20. Juli 2018 eine Beschwerde ein. Er
stellt folgende Anträge:
RA Nr. 110/2018/94 4
"Es sei die Nichtigkeit des Gesamtbauentscheids Nr. 2015-156 der Einwohnergemeinde Saanen
vom 15. Juni 2018 festzustellen,
Eventuell: Der Gesamtbauentscheid Nr. 2015-156 der Einwohnergemeinde Saanen vom 15. Juni
2018 sei aufzuheben und die Sache sei im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an das
Regierungsstatthalteramt Obersimmental-Saanen zurückzuweisen,
Subeventuell: Der Gesamtbauentscheid Nr. 2015-156 der Einwohnergemeinde Saanen vom 15.
Juni 2018 sei aufzuheben, soweit er die Bewilligung zur Erstellung eines rohen landwirtschaftlichen
Bewirtschaftungsweges mit einer Länge von 275 m zum Gegenstand hat, und dem Vorhaben sei
auch diesbezüglich der Bauabschlag zu erteilen."
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte einen
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Die Gemeinde beantragt mit
Stellungnahme vom 31. Juli 2018 die Abweisung der Beschwerden. Den gleichen Antrag
stellt das AGR mit Eingabe vom 15. August 2018. Die Beschwerdegegnerschaft beantragt
mit Beschwerdeantwort vom 24. August 2018 die Abweisung der Beschwerden, soweit
darauf eingetreten werden kann. Die Fachstelle Hochbau und Bodenrecht des Amtes für
Landwirtschaft und Natur des Kantons Bern (LANAT) reichte schliesslich am 28. August
2018 eine Stellungnahme ein, ohne dabei Anträge zu stellen.
4. Am 13. November 2018 führte das Rechtsamt im Beisein der Verfahrensbeteiligten,
der beiden Pächter der Parzellen Saanen Grundbuchblatt Nrn. J._ und Nr.
K._ sowie einer Vertretung des LANAT einen Augenschein mit
Instruktionsverhandlung durch. Die Beteiligten erhielten Gelegenheit, sich zum Protokoll
des Augenscheins zu äussern und Schlussbemerkungen einzureichen.
5. Auf die Rechtsschriften sowie auf das Ergebnis des Augenscheins wird, soweit für
den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
RA Nr. 110/2018/94 5

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG3. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide – und
mit ihnen zusammen die Verfügungen des AGR nach Art. 24 ff. RPG – können nach
Art. 40 Abs. 1 BauG4 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei der BVE
angefochten werden. Die BVE ist zur Beurteilung der form- und fristgerecht eingereichten
Beschwerden gegen den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG
i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Sämtliche Beschwerdeführenden haben sich als
Einsprechende am vorinstanzlichen Verfahren beteiligt und sind damit formell zur
Beschwerdeführung legitimiert.
c) Neben der formellen Beschwer bedarf es auch der materiellen Beschwer: Nach
Art. 35 Abs. 2 Bst. a BauG sind nur Personen zur Einsprache befugt, welche durch das
Bauvorhaben unmittelbar in eigenen schutzwürdigen Interessen betroffen sind. Nach Lehre
und Rechtsprechung ist eine Person in schutzwürdigen Interessen berührt, wenn sie durch
ein Bauvorhaben in höherem Mass als die Allgemeinheit betroffen ist und zum
Streitgegenstand eine besondere Beziehungsnähe hat.5 Nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts muss die besondere Beziehungsnähe zum Streitgegenstand bei
Bauprojekten insbesondere in räumlicher Hinsicht gegeben sein. In einer besonders nahen
Beziehung zur Streitsache stehen naturgemäss die Nachbarn des Baugrundstücks. Unter
Nachbarn versteht die Verwaltungs- und Gerichtspraxis vorab die Eigentümer von
Nachbargrundstücken. Der Kreis der betroffenen Nachbarschaft kann nicht allgemein
3 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1). 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721). 5 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.  N. 16.
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festgelegt werden, sondern muss im Einzelfall nach den konkreten Verhältnissen bestimmt
werden. Die Einsprachebefugnis des Nachbarn ist in der Regel zu bejahen, wenn dessen
Liegenschaft unmittelbar an das Baugrundstück angrenzt oder allenfalls nur durch einen
Verkehrsträger davon getrennt wird. Es wird darauf verzichtet, auf bestimmte feste Werte
abzustellen. Nach der bundesgerichtlichen Praxis sind Nachbarn aber bis im Abstand von
etwa 100 m in der Regel zu Verwaltungsgerichtsbeschwerden gegen Bauvorhaben
legitimiert. Allerdings ergibt sich die Legitimation nicht schon allein aus der räumlichen
Nähe, sondern erst aus einer daraus herrührenden besonderen Betroffenheit. Ein
schutzwürdiges Interesse liegt vor, wenn die tatsächliche oder rechtliche Situation des
Nachbarn durch den Ausgang des Verfahrens beeinflusst werden kann.6 Eine weitere
Umschreibung des Kreises der beschwerdeberechtigten Nachbarschaft kann sich etwa
dort rechtfertigen, wo von einer Baute besonders starke Emissionen ausgehen.7
Art. 35a Abs. 1 BauG lässt sodann private Organisationen zur Erhebung von Einsprachen
auch ohne Nachweis eines besonderen Berührtseins zu, wenn sie die Rechtsform einer
juristischen Person aufweisen und rein ideelle Zwecke verfolgen (sogenannte ideelle
Verbandsbeschwerde). Nach Art. 35c Abs. 3 BauG können sie nur Rügen erheben in
Rechtsbereichen, die seit mindestens zehn Jahren Gegenstand ihres statutarischen
Zwecks bilden.
d) Gemäss ihren Statuten ist die Beschwerdeführerin 1 ein Verein im Sinne von Art. 60
ff. ZGB8, welcher am 30. April 1977 gegründet wurde. Zweck des Vereins ist gemäss Art. 2
der Statuten "der Schutz der Menschen und der Natur sowie das Gestalten und Erhalten
lebensfreundlicher Städte, Siedlungen und Landschaften". Diese Zielsetzungen sind
ideeller Natur. Gemäss Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern erfüllt
die Beschwerdeführerin mit dieser Zweckumschreibung im Bereich des Natur- und
Heimatschutzes die Voraussetzungen der Einsprache- und Beschwerdelegitimation.9 Nach
kantonalem Recht ist sie damit – entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerschaft –
vorliegend zur Beschwerdeführung legitimiert. Die bundesrechtliche Rechtsprechung,
wonach es zur Beschwerdeberechtigung einer Bundesaufgabe im Sinne von Art. 78 Abs. 2
6 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 65 N. 4, mit weiteren Hinweisen. 7 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 35-35c N. 17 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung. 8 Schweizerisches Zivilgesetzbuch vom 10. Dezember 1907 (ZGB; SR 210). 9 VGE 19441 vom 18. März 1996, E. 4b, in BVR 1997 S. 97.
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BV10 bedarf, ist vor den kantonalen Rechtsmittelinstanzen nicht von Bedeutung. Auf den
Einwand der Beschwerdegegnerschaft, es handle sich hier nicht um eine Bundesaufgabe,
muss daher nicht näher eingegangen werden. Diese Frage kann hier offen bleiben.
Auch die Beschwerdeführerin 4 ist gemäss ihren Statuten ein Verein im Sinne von Art. 60
ff. ZGB. Dieser wurde am 29. September 2000 gegründet. Art. 2 der Statuten formuliert
den Zweck des Vereins wie folgt: "Die Vereinigung bezweckt, die Gegend der
AH._ in Gstaad in ihrem derzeitigen Zustand zu bewahren. Sie widersetzt sich
insbesondere jedem Bauprojekt, welche die Gegend und die Landschaft der AH._
verunstaltet oder eine zu intensive Entwicklung nach sich ziehen könnte." Dabei handelt es
sich – entgegen der Ansicht der Vorinstanz und der Beschwerdegegnerschaft – um ideelle
Ziele. Dass der Kreis der Mitglieder im Wesentlichen Eigentümerinnen oder Eigentümer
von Grundstücken in der AH._ bzw. diesen nahe stehende Personen umfasst, ist
dabei irrelevant. Die Beschwerdeführerin 4 erfüllt die Voraussetzungen von Art. 35a Abs. 1
i.V.m. Art. 35c Abs. 3 BauG und ist daher zur Beschwerdeführung legitimiert.
e) Der Beschwerdeführer 2 ist Stockwerkeigentümer und Bewohner einer Wohnung auf
der Parzelle Saanen Grundbuchblatt Nr. AI._. Der Beschwerdeführer 3 ist im Haus
auf der Parzelle Saanen Grundbuchblatt Nr. AJ._ wohnhaft. Diese Parzellen
grenzen unmittelbar an den geplanten Bewirtschaftungsweg an, weshalb die
Beschwerdeführenden 2 und 3 als Nachbarn unmittelbar in eigenen schutzwürdigen
Interessen betroffen und daher zur Beschwerde befugt sind. Auf ihre Beschwerde ist
einzutreten.
Die Beschwerdeführenden 6, 8 und 10 sind ebenfalls allesamt
Eigentümerinnen/Eigentümer von Häusern oder Wohnungen, die unmittelbar an den
umstrittenen Weg angrenzen. Auch ihre Legitimation ist damit zu bejahen. Aufgrund deren
Legitimation sowie der Beschwerdeberechtigung der Beschwerdeführerin 4 muss sich der
Entscheid auf jeden Fall mit den Rügen der Beschwerde der Beschwerdeführenden 4 bis
12 auseinandersetzen. Die Grundstücke der Beschwerdeführenden 5, 7, 9, 11 und 12
grenzen nicht direkt an den umstrittenen Weg an. Es ist fraglich, ob sie beschwerdebefugt
sind. Dies kann aber offen bleiben. Aufgrund der Beschwerdebefugnis der
Beschwerdeführenden 4, 6, 8 und 10 kann darauf verzichtet werden, die
10 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101).
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Beschwerdebefugnis jedes einzelnen Einsprechenden abzuklären. Es ist jedoch darauf
hinzuweisen, dass die Legitimation in einem allfälligen
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren nachgewiesen werden müsste. Auf die
Beschwerde der Beschwerdeführenden 4 bis 12 ist damit einzutreten.
Der Beschwerdeführer 13 schliesslich ist Stockwerkeigentümer einer Wohnung auf der
Parzelle Saanen Grundbuchblatt Nr. T._, welche unmittelbar an den umstrittenen
Weg anschliessen. Er ist damit in eigenen schutzwürdigen Interessen betroffen und daher
zur Beschwerde befugt sind. Auf seine Beschwerde ist ebenfalls einzutreten.
2. Streitgegenstand
a) Anfechtungsobjekt ist die Verfügung der Vorinstanz. Der Streitgegenstand braucht
sich nicht mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber auch nicht über dieses
hinausgehen. Innerhalb dieses Rahmens bestimmen die Parteien den Streitgegenstand.
Sowohl für das Einleiten eines Beschwerdeverfahrens als auch für dessen Umfang und
eine allfällige vorzeitige Beendigung gilt somit die Verfügungs- oder Dispositionsmaxime
sowie das Rügeprinzip. Die Parteien können den Streitgegenstand im Verlauf des
Verfahrens nicht erweitern, sondern nur einschränken.11
b) Vorliegend erteilte die Gemeinde mit dem angefochtenen Entscheid die
Baubewilligung für das Erstellen eines landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsweges
(Abschnitt a) inkl. der Abzweigung ab der L._strasse als Belagsweg (Abschnitt c).
Für das Erstellen eines Fussweges ab Ende des Bewirtschaftungswegs bis an die
Parzellengrenze der Parzelle Saanen Grundbuchblatt Nr. P._ (Abschnitt b) erteilte
sie den Bauabschlag. Die Beschwerdeführenden fechten einzig die mit diesem
Gesamtentscheid erteilten Baubewilligungen der Abschnitte a und c an. Der Bauabschlag
des Abschnittes b wurde nicht angefochten und ist damit nicht Streitgegenstand des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens.
3. Zuständige Baubewilligungsbehörde
11 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 72 N. 6 bis 8.
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a) Die Beschwerdeführenden 4 bis 12 und der Beschwerdeführer 13 bringen vor, die
Gemeinde sei für die Beurteilung des Vorhabens nicht zuständig. Sie hätten dies während
des ganzen vorinstanzlichen Verfahrens geltend gemacht. Der strittige Weg führe teilweise
über die Parzelle Saanen Grundbuchblatt Nr. O._ im Eigentum der Gemeinde
Saanen und beanspruche zulasten dieser Parzelle eine Dienstbarkeit. Die Gemeinde habe
deshalb den Situationsplan vom 16. Oktober 2015 als Grundeigentümerin
mitunterzeichnet. Daraus folge, dass die Gemeinde am Bauvorhaben beteiligt sei und das
Ziel dieses Vorhabens mittrage. Dass nur ein kleiner Teil des Weges über die Parzelle der
Gemeinde führe, sei unbeachtlich. Durch die Überbauung von gemeindeeigenem Boden
bestehe mindestens der Anschein einer institutionellen Befangenheit der Gemeinde als
Baubewilligungsbehörde. Für eine Weiterleitung an das Regierungsstatthalteramt habe
umso mehr Anlass bestanden, als es hier um ein Vorhaben gehe, bei welchem aufgrund
seiner Vorgeschichte und der dezidierten Unterstützung der Gemeinde für dieses Projekt
generell Zweifel an der Unbefangenheit der Gemeinde bestehe. Die Beschwerdeführenden
4 bis 12 beantragen daher die Aufhebung des Entscheids und die Weiterleitung der Sache
an das zuständige Regierungsstatthalteramt. Nach Ansicht des Beschwerdeführers 13 ist
dieser Fehler unter Einbezug der Verletzung des rechtlichen Gehörs derart
schwerwiegend, dass der angefochtene Entscheid nichtig sei. Eventualiter sei der
Entscheid wegen dieser Unzuständigkeit aufzuheben und dem zuständigen
Regierungsstatthalteramt weiterzuleiten.
b) Nach Art. 8 Abs. 2 Bst. d BewD12 ist die Regierungsstatthalterin oder der
Regierungsstatthalter in jedem Fall zuständig für die Beurteilung von Bauvorhaben, die für
Zwecke der Gemeinde bestimmt sind. Der Begriff "für Zwecke der Gemeinden bestimmt"
ist weit auszulegen: Es geht darum, den Anschein zu vermeiden, die Bewilligungsbehörde
entscheide in eigener Sache. Es soll die institutionelle Unbefangenheit der Gemeinde als
Baubewilligungsbehörde gewährleistet werden. Die Bestimmung ist daher nicht nur
anwendbar, wenn es um Bauvorhaben wie Schulhäuser, Verwaltungsgebäude und
dergleichen geht, sondern stets dann, wenn die Gemeinde am Vorhaben ein so starkes
Interesse hat, dass ihre Unbefangenheit als gefährdet erscheint (BVR 1989 S. 151). Das ist
z.B. der Fall bei Bauvorhaben Dritter auf gemeindeeigenem Boden (VGE 22755 vom
30.5.2007 E. 2.3. 17754 vom 29.5.1989 E.4a; vgl. auch BVR 1989 S. 150) oder wenn die
12 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1).
RA Nr. 110/2018/94 10
Gemeinde sonst wie aus der Bewilligung direkte finanzielle Vorteile zieht
(Konzessionsgebühr: BVR 2005 S. 321 E. 2.3; vgl. auch BVR 2004 S. 489 E. 5c u. d).
Bloss indirekte Vorteile (wie der Erhalt von Arbeitsplätzen in der Gemeinde) schliesst
dagegen die Zuständigkeit der Gemeinde nicht aus (VGE 23332 vom 15.9.2008 E. 2.2)."13
c) Es ist unbestritten, dass ein Abschnitt des umstrittenen Bewirtschaftungsweges über
die Parzelle Saanen Grundbuchblatt Nr. O._ führt, welche im Eigentum der
Gemeinde Saanen steht. Sie musste daher zwar als Grundeigentümerin dem Vorhaben
mittels Unterschrift zustimmen. Dieses rein formelle Erfordernis ist bei der Beurteilung der
Frage der Befangenheit jedoch nicht relevant. Vielmehr ist zu beurteilen, ob die Gemeinde
aus dem Vorhaben einen direkten Vorteil finanzieller Art zieht oder sonst wie ein so starkes
Interesse am Vorhaben hat, dass ihre Unbefangenheit als gefährdet erscheinen lässt. Nur
weil der Weg teilweise über ein Grundstück der Gemeinde führt, bedeutet dies daher nicht
automatisch, dass die Gemeinde für das Bauvorhaben in den Ausstand treten muss. Die
oben erwähnten Entscheide des Verwaltungsgerichts betrafen Fälle, in welchen sich das
Bauvorhaben ganz auf der Parzelle der Gemeinde befand und diese aus der Erteilung der
Baubewilligung einen direkten finanziellen Vorteil erzielte. Dies ist vorliegend jedoch nicht
der Fall. Der geplante Fussweg verläuft nur auf einem sehr kurzen Abschnitt auf der
Parzelle der Gemeinde. Mit dem umstrittenen Weg werden aber in erster Linie die privaten
Grundstücke der Beschwerdegegnerschaft erschlossen. Zwar wird das Grundstück der
Gemeinde ebenfalls durch einen Pächter bewirtschaftet, so dass der beantragte Ausbau
des Bewirtschaftungsweges diesem ebenfalls dient. Dies bewirkt für die Gemeinde jedoch
keinen finanziellen Vorteil und stellt für diese – auch aufgrund der geringen Grösse ihrer
Parzelle – höchstens einen indirekten Vorteil untergeordneter Natur dar. Ansonsten sind
keine Vorteile für die Gemeinde erkennbar. Gemäss den unbestritten gebliebenen
Aussagen der Beschwerdegegnerschaft erhält die Gemeinde für die Beanspruchung ihres
Grundstücks durch das Bauvorhaben keine Entschädigung von der Bauherrschaft. Mit dem
Weg werden sodann auch keine Bauzonen erschlossen, so dass die Gemeinde aufgrund
ihrer Erschliessungspflicht von Bauzonen indirekt vom Erstellen dieses Wegs profitieren
würde. Insgesamt hat die Gemeinde kein direktes eigenes Interesse am projektierten
Fussweg, das ihre Unbefangenheit als gefährdet erscheinen lassen könnte. Das
Bauvorhaben ist damit nicht für Zwecke der Gemeinde bestimmt (Art. 8 Abs. 2 Bst. d
BewD), so dass es nicht in den Zuständigkeitsbereich des Regierungsstatthalteramts fallen
13 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 33 N. 3.
RA Nr. 110/2018/94 11
musste. Der projektierte Weg befindet sich schliesslich (mit Ausnahme der Einmündung) in
der Landwirtschaftszone, weshalb die Gemeinde an den Entscheid des AGR betreffend
Bauen ausserhalb der Bauzone gebunden war und diesbezüglich keinen
Ermessensspielraum beanspruchen konnte. Auch wenn dies letztlich nicht entscheidend ist
für die Beurteilung der Frage, ob die Voraussetzungen von Art. 8 Abs. 2 Bst. d BewD erfüllt
sind, so macht dies dennoch deutlich, dass keine Anzeichen für einen nicht objektiv
gefällten Entscheid bestehen. Dass das AGR bzw. die für diesen Fall zuständigen
Mitarbeitenden des AGR befangen wären, wird auch von den Beschwerdeführenden nicht
geltend gemacht. Auch ist zu beachten, dass das Regierungsstatthalteramt bei einer
Rückweisung ebenfalls an den Entscheid des AGR gebunden wäre und eine solche daher
auch einen prozessualen Leerlauf darstellen würde. Die Rügen der Beschwerdeführenden
4 bis 12 und des Beschwerdeführers 13 erweisen sich als unbegründet. Der angefochtene
Entscheid ist daher weder nichtig, noch ist er zuständigkeitshalber an das
Regierungsstatthalteramt weiterzuleiten.
4. Verletzung des rechtlichen Gehörs
a) Die Beschwerdeführenden 4 bis 12 und der Beschwerdeführer 13 machen geltend,
die Gemeinde habe den Sachverhalt gemäss angefochtenem Entscheid (S. 12) vor Ort
überprüft, ohne zu dieser Überprüfung bzw. zu diesem Augenschein die Parteien
beizuziehen. Dies stelle eine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar.
b) Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 21 ff. VRPG14 gibt den Parteien das
Recht, sich zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten
zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung
wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu
äussern. Gemäss Art. 22 VRPG sind Parteien berechtigt, an Instruktionsverhandlungen
und amtlichen Augenscheinen teilzunehmen. Die Beteiligten müssen grundsätzlich zu
einem Augenschein beigezogen werden, wenn dabei ein streitiger Sachverhalt festgestellt
werden soll. Eine Ortsbesichtigung darf dann ohne Beizug der Verfahrensbeteiligten
erfolgen, wenn sie bloss der informellen Orientierung der entscheidenden Behörde dient,
diese also das aus den Akten gewonnene und zur Beurteilung genügende Bild noch
14 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21).
RA Nr. 110/2018/94 12
abrunden will. Sind aber vor Ort noch zusätzliche Feststellungen über den
entscheidwesentlichen Sachverhalt zu treffen, so muss den Beteiligten die Teilnahme
ermöglicht werden.15
c) Im angefochtenen Entscheid ist Folgendes festgehalten (Ziff. 14, Bst. k, S.12): "Die
Einsprecher führen ferner an, dass bereits mehrere Zufahrtsmöglichkeiten bestünden.
Dieser Sachverhaltsschilderung widersprechen die Gesuchsteller in ihrer Stellungnahme
vom 14.11.2016: Zurzeit besteht kein Bewirtschaftungsweg, auch nicht über die Höfe
U._ und V._ (Ziff. 16 ff.). Eine Überprüfung des Sachverhalts vor Ort
durch die Bauverwaltung Saanen bestätigt die Aussage der Gesuchstellenden: In der Lage
des Bauvorhabens besteht ein schmaler Kiesweg, welcher nicht als Bewirtschaftungsweg
genügen dürfte. Es ist keine weitere allwettertaugliche Zugangs- resp. Zufahrtsmöglichkeit
ersichtlich. Eine Erschliessung von den Höfen U._ oder V._ ist – im
Gegensatz zum vorliegenden Vorhaben – zurzeit eigentumsrechtlich nicht gesichert und
würde ein Neubauprojekt erfordern, das sehr viel steiler und länger würde als das ersuchte
Vorhaben (U._) resp. über eine bewegte Topografie mit sehr starkem Quergefälle
führen würde (V._)."
Diese Ausführungen machen deutlich, dass anlässlich der Besichtigung der Bauverwaltung
Saanen ein streitiger Sachverhalt festgestellt wurde. Aufgrund dieser Besichtigung kam die
Vorinstanz zum Schluss, dass – der Ansicht der Beschwerdegegnerschaft folgend – kein
genügender Bewirtschaftungsweg zu deren Parzellen Saanen Grundbuchblatt Nrn.
K._ und J._ führe. Die Erkenntnisse vor Ort dienten damit dazu, den
entscheidwesentlichen Sachverhalt festzustellen. Den Verfahrensbeteiligten hätte die
Teilnahme an diesem Augenschein ermöglicht werden müssen. Indem die Gemeinde dies
unterliess, verstiess sie gegen Art. 21 f. VRPG und verletzte damit das rechtliche Gehör der Beschwerdeführenden.
d) Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist ein formeller Anspruch; die Verletzung des
rechtlichen Gehörs führt deshalb grundsätzlich zur Aufhebung des angefochtenen
Entscheids. Eine Gehörsverletzung kann aber dann geheilt werden, wenn die
Rechtsmittelinstanz dieselbe Kognition hat wie die Vorinstanz und der
beschwerdeführenden Person aus der Heilung kein Nachteil erwächst. Bei besonders
15 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 22 N. 3.
RA Nr. 110/2018/94 13
schwerwiegenden Gehörsverletzungen schliesst die Rechtsprechung jedoch eine Heilung
grundsätzlich aus.16 Die Heilung des rechtlichen Gehörs ist allenfalls bei der
Kostenverlegung zu berücksichtigen.17
Die Voraussetzungen für eine Heilung des Verfahrensmangels sind hier erfüllt. Gemäss
Art. 40 Abs. 3 BauG kommt der BVE als Beschwerdeinstanz die volle
Überprüfungsbefugnis zu. Die Beschwerdeführenden konnten ihre Einwände zu den
betreffenden Sachverhaltsfeststellungen der Gemeinde im Rahmen des
Beschwerdeverfahrens einbringen. Das Rechtsamt der BVE führte sodann am 13.
November 2018 einen Augenschein durch, an welchem die Beschwerdeführenden
teilnehmen konnten. Anlässlich dieses Augenscheins hatten sie ebenfalls Gelegenheit, sich
zur Eignung des bestehenden Weges als Bewirtschaftungsweg zu äussern. Die
Gehörsverletzung konnte so geheilt werden. Damit haben die Beschwerdeführenden ihre
Rechte im Beschwerdeverfahren vollumfänglich wahrnehmen können; ihnen ist durch die
Verfahrensmängel kein Nachteil entstanden. Von einer besonders schwerwiegenden
Gehörsverletzung ist entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers 13 nicht auszugehen.
Wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen, ist die angefochtene Baubewilligung aus
materiellen Gründen aufzuheben. Die Gehörsverletzung muss daher bei der
Kostenverlegung nicht berücksichtigt werden.
5. Zonenkonformität, Notwendigkeit des Bewirtschaftungsweges
a) Die Vorinstanz kam im angefochtenen Entscheid vom 15. Juni 2018 – gestützt auf
die Verfügung des AGR vom 13. November 2017 – zum Schluss, dass der
landwirtschaftliche Bewirtschaftungsweg mit Auflagen als zonenkonform bewilligt werden
kann. Als Auflage wurde u.a. verfügt, dass nur eine zweite bekieste Spur (mit
entsprechendem Unterbau für das Befahren mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen) erstellt
werden darf, diese Spur unverzüglich zu begrünen ist, der Weg mit einem allgemeinen
Fahrverbot mit Ausnahmeregelung (für landwirtschaftliche und Notfall-Fahrzeuge) zu
belegen ist und der Weg nur für die zonenkonforme Nutzung verwendet werden darf.
16 BVR 2012 S. 28 E. 2.3.5; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 21 N. 16. 17 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 108 N. 9.
RA Nr. 110/2018/94 14
b) Sämtliche Beschwerdeführenden erachten die Voraussetzungen der
Zonenkonformität als nicht erfüllt. Sie bringen in erster Linie vor, die Wegverbindung sei für
die in Frage stehende Bewirtschaftung nicht nötig. Die betreffenden Grundstücke der
Beschwerdegegnerschaft würden der Grasgewinnung bzw. als Viehweide dienen. Es gehe
also um eine eher extensive Bewirtschaftung, die keinen Einsatz von schweren Maschinen
erfordere. Die Bewirtschaftungstätigkeit beschränke sich auf wenige Tage im Jahr. Die
Grundstücke hätten sich bis jetzt in ausreichender Weise aktiv bewirtschaften lassen, ohne
dass die geplante Strasse bestehe. Beide Pächter würden die hier interessierenden
landwirtschaftlichen Grundstücke seit längerer Zeit und mit heute üblichen
Landwirtschaftsfahrzeugen bewirtschaften. Die Verbindung würde den beiden Pächtern
zwar gewisse Bequemlichkeiten bringen, sei jedoch nicht erforderlich für die
Bewirtschaftung. Auch das LANAT komme zum Schluss, dass der Weg bloss "dienlich" sei,
was nicht dasselbe sei wie "notwendig".
c) In der Landwirtschaftszone zonenkonform sind Bauten und Anlagen, die zur
landwirtschaftlichen Bewirtschaftung oder für den produzierenden Gartenbau nötig sind
(Art. 16a Abs. 1 Satz 1 RPG). Diese Anforderungen präzisiert Art. 34 RPV18. Danach sind
unter anderem Bauten und Anlagen zonenkonform, die der bodenabhängigen
Bewirtschaftung dienen, namentlich der Produktion verwertbarer Erzeugnisse aus
Pflanzenbau und Nutztierhaltung (Art. 34 Abs. 1 Bst. a RPV). Es ist unbestritten, dass es
sich bei den Tätigkeiten der beiden Pächter um eine bodenabhängige Bewirtschaftung
handelt und damit die Grundvoraussetzung für die Anwendbarkeit von Art. 16a Abs. 1 RPG
erfüllt sind.
Die Zonenkonformität eines Vorhabens kann aber nur bejaht werden, wenn die Baute oder
Anlage für die in Frage stehende Bewirtschaftung nötig ist (Art. 34 Abs. 4 Bst. a RPV), ihr
am vorgesehenen Standort keine überwiegenden Interessen entgegenstehen (Art. 34
Abs. 4 Bst. b RPV) und der Betrieb voraussichtlich längerfristig bestehen kann (Art. 34 Abs.
4 Bst. c RPV). Umstritten ist in erster Linie die Notwendigkeit des streitbetroffenen Weges
für die in Frage stehende Bewirtschaftung. Grundsätzlich müssen nicht nur
landwirtschaftliche Bauten, sondern auch landwirtschaftlich genutzte Bodenflächen für die
Bewirtschaftung erreichbar sein. Weganlagen sind in der Landwirtschaftszone dann
zonenkonform, wenn sie hinsichtlich Standort und Ausgestaltung in einer unmittelbaren
18 Raumplanungsverordnung des Bundesrates vom 28. Juni 2000 (RPV; SR 700.1).
RA Nr. 110/2018/94 15
funktionellen Beziehung zum Landwirtschaftsbetrieb stehen und falls sie in ihrer konkreten
Ausgestaltung für eine zweckmässige Bewirtschaftung des Bodens am vorgesehenen
Standort notwendig und nicht überdimensioniert sind. Die betriebliche Notwendigkeit ist
nicht nach subjektiven, sondern nach objektiven Gesichtspunkten zu beurteilen.
Bezugspunkt der Beurteilung bildet stets die in Frage stehende landwirtschaftliche
Bewirtschaftung. Es geht mit anderen Worten um eine betriebsbezogene
Betrachtungsweise.19
d) Gemäss Baugesuch der Beschwerdegegnerschaft soll der umstrittene Weg die
Bewirtschaftung der Parzellen Saanen Grundbuchblatt Nrn. J._ und K._
gewährleisten. Das LANAT kam in seinem Fachbericht zur Zonenkonformität vom 7.
Januar 2016 zu folgendem Schluss (S. 3): "Damit die Bewirtschaftung der Parzelle Nr.
J._ auch unabhängig vom jetzigen Pachtverhältnis und damit Parzelle Nr.
K._, welche bisher wegmässig unerschlossen ist, gesichert ist, könnte aus
landwirtschaftlicher Sicht eine möglichst einfache und kostengünstige Zufahrt zu diesen
zwei landwirtschaftlichen Grundstücken mittels zwei befestigten Fahrspuren als der
Landwirtschaft dienlich und somit gemäss Art. 16a RPG als zonenkonform bezeichnet
werden."
e) Gestützt auf den Fachbericht des LANAT vom 7. Januar 2016 und die Aussagen der
beiden Pächter anlässlich des Augenscheins vom 13. November 2018 lässt sich zur
Bewirtschaftungsform und den benutzten Zufahrtswegen der Parzellen Saanen
Grundbuchblatt Nrn. J._ und K._ zusammenfassend Folgendes
festhalten:
Die Parzelle Saanen Grundbuchblatt Nr. K._ im Eigentum des
Beschwerdegegners 1 und mit einer Landfläche von 44.5 Aren wird seit rund zwei Jahren
von Herrn W._ bewirtschaftet. Dieser führt einen Landwirtschaftsbetrieb in
Schönried. Neben der Parzelle Saanen Grundbuchblatt Nr. K._ bewirtschaftet Herr
W._ noch die nahegelegenen Grundstücke Saanen Grundbuchblatt X._
und Y._.20 Gemäss seinen Aussagen mäht er das Land der Parzelle Saanen
Grundbuchblatt Nr. K._ zweimal für die Futtergewinnung. Im Herbst lasse er
19 Waldmann/Hänni, Handkommentar RPG, 2006, Art. 16a N. 21 f. 20 Entgegen den Ausführungen im Bericht des LANAT ist Herr W._ nicht Pächter der Parzelle Saanen Grundbuchblatt Nr. 5897, vgl. Protokoll des Augenscheins vom 13. November 2018, S. 11 unten.
RA Nr. 110/2018/94 16
während rund zwei Wochen 9 Stück Jungvieh (Kälber/Rinder) darauf weiden. Zur
Bewirtschaftung benutze er einen Zweiachsmäher und einen Transporter zum Abtransport
des getrockneten Heus und zum Verteilen des Düngers. Das Vieh bringe er teilweise mit
einem Jeep mit Anhänger auf die Parzelle, teilweise wechsle er den Standort direkt und
komme zu Fuss mit dem Vieh von einer nahgelegenen Bewirtschaftungsparzelle. Auf die
Parzelle gelange er grundsätzlich von der östlich gelegenen L._strasse. Entweder
fahre er über Parzelle Saanen Grundbuchblatt Nr. Y._, dann zwischen den
Häusern der Parzellen Saanen Grundbuchblatt Nrn. Y._ und Z._ hindurch
auf die Parzelle Saanen Grundbuchblatt Nr. AA._ und hinunter auf die gepachtete
Parzelle; oder er gelange ab der L._strasse via Parzelle Nr. AA._ –
südlich des Hauses Nr. 106 – auf die Pachtparzelle Nr. K._. Das auf der Parzelle
gewonnene Ladefutter (5 Ladewagen) sowie 5 "Fuder" Mist führe er auf dem
beschriebenen Weg zu seinem Heimbetrieb. Im Winter brauche er nicht auf die Parzelle zu
gelangen. Bei nassen Verhältnissen und mit beladenen Fahrzeugen könne er die
skizzierten Zufahrtswege aufgrund der Hanglage nicht befahren. Bei schwierigen
Bodenverhältnissen oder bei hohem Fahrzeuggewicht – insbesondere bei voller Ladung –
nutze er als Zu- und Wegfahrt den bestehenden Weg entlang des projektierten
Bewirtschaftungsweges. Auch mit dem Vieh gelange er über diesen bestehenden Weg auf
die Parzelle. Die alte Scheune auf der Pachtparzelle diene lediglich als Unterstand für das
Vieh bei schlechtem Wetter; er benutze diese weder zum Übernachten noch als
Futterlager.21
Die Parzelle Saanen Grundbuchblatt Nr. J._ mit einer Landfläche von 134 Aren im
Grundeigentum der Beschwerdegegnerin 2 ist seit Langem an Herrn AB._
verpachtet. Dieser bewirtschaftet in diesem Gebiet neben der erwähnten Parzelle auch
noch die nördlich gelegenen Parzellen Saanen Grundbuchblatt Nrn. AC._ und
AD._, einen Teil der Parzelle Saanen Grundbuchblatt Nr. AE._, die
südlich gelegene Parzelle Saanen Grundbuchblatt Nr. AF._ und seine
angrenzende Heimparzelle Saanen Grundbuchblatt Nr. AG._. Gemäss seinen
Aussagen lässt er das Land im Frühling während etwa zwei Wochen beweiden, danach
düngt er das Land mit Gülle und Mist. Dies könne er mit seinen Fahrzeugen
bewerkstelligen, da er zum Düngen ein Güllefass mit Schleppschlauchsystem benutze. Im
Juni mähe er zum ersten Mal das Gras, der zweite Schnitt erfolge dann Mitte August.
21 Vgl. Fachbericht LANAT S. 2 unterer Teil und Protokoll des Augenscheins vom 13. November 2018, S. 7 ff.
RA Nr. 110/2018/94 17
Danach komme das Vieh im Herbst für rund drei Wochen auf die Parzelle zum Weiden.
Während der Weidedauer befänden sich rund 16 bis 17 Kühe auf der Parzelle. Auf die
Pachtparzelle gelange er hauptsächlich direkt von seiner Heimparzelle Saanen
Grundbuchblatt Nr. AG._. Dieser Weg führe in einem leichten Bogen hinauf in
Richtung des kleinen Gewässers, welches sich an der Grenze zwischen der Parzellen
Saanen Grundbuchblatt Nrn. AG._ und J._ befinde. Das Gewässer
überquere er über eine kleine Brücke. Ein Teil seines Zuganges zur Parzelle Nr.
J._ verlaufe über die Skipiste. Im Winter habe er auf der Pachtparzelle nichts zu
tun und müsse diese deshalb nicht erreichen. Für die Bewirtschaftung benutze er einen
Transporter, einen Traktor mit einer Rundballenpresse sowie einen Zweiachsmäher und
einen Einachsmäher. Das Vieh gelange auf dem umschriebenen Weg direkt von seiner
Heimparzelle auf die Pachtparzelle. Zwischen Frühling und Herbst habe er auf der
umschriebenen Route dann Probleme, wenn es nass oder rutschig sei. Bei solchen
Verhältnissen könne er die Parzelle mit seinen Fahrzeugen über diesen Weg kaum
erreichen. Den bestehenden Weg entlang des projektierten Bewirtschaftungsweges nutze
er teilweise, dies aber nur, wenn es die Verhältnisse bzw. das Gewicht der Fahrzeuge es
ihm nicht erlauben würden, über den beschriebenen Weg von seiner Heimparzelle direkt
auf die Pachtparzelle zu fahren. Den bestehenden Weg entlang des projektierten
Bewirtschaftungsweges nutze er sodann vor allem direkt nach dem Winter, wenn auf
seiner üblichen Zufahrt noch Kunstschnee der Skipiste liege. Für die aktuelle Form der
Bewirtschaftung sei dieser bestehende Weg bei normalen Verhältnissen genügend. Mit
einem landwirtschaftlichen Fahrzeug, das zehn Tonnen und mehr wiege, vor allem mit dem
Traktor in Kombination mit der Siloballenpresse, sei die Fahrt über den bestehenden Weg
bei weichem/nassem Terrain eher schwierig und anspruchsvoll. Es gehe aber. Solange
das Gewicht der Fahrzeuge auf drei oder mehr Achsen verteilt sei, könne der bestehende
Weg ohne weiteres so befahren werden.22
Die Beschwerdegegnerschaft reichte mit der Beschwerdeantwort vom 24. August 2018 ein
Foto "Bewirtschaftung Helikopter ein" und wies im Zusammenhang mit der Notwendigkeit
der Anlage darauf hin, dass Helikopterflüge wohl nicht zur ordentlichen Bewirtschaftungsart
zählen dürften.23 Anlässlich des Augenscheins vom 13. November 2018 klärte sich, dass
diese Helikopterflüge für Heizöltransporte zu den nicht mehr landwirtschaftlich genutzten
Gebäuden auf der Parzelle Saanen Grundbuchblatt Nr. P._ eingesetzt wurden und
22 Vgl. Fachbericht LANAT S. 2 oberer Teil und Protokoll des Augenscheins vom 13. November 2018, S. 15 ff. 23 Rz. 49 der Beschwerdeantwort vom 24. August 2018.
RA Nr. 110/2018/94 18
damit – obwohl dies die Beschwerdegegnerschaft im Rahmen der Beschwerdeantwort
noch suggerierte – nichts mit der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung der Pachtparzellen
Saanen Grundbuchblatt Nrn. 3324 und J._ zu tun haben.24 Dieser Einwand der
Beschwerdegegnerschaft ist daher bei der Beurteilung der Notwendigkeit eines
Bewirtschaftungsweges irrelevant.
f) Grundsätzlich lässt sich gestützt auf die Aussagen der Pächter und die
Ausführungen des LANAT (E. 5e) festhalten, dass die beiden Pachtparzellen Saanen
Grundbuchblatt Nrn. J._ und K._ extensiv bewirtschaftet werden. So
werden die Parzellen gedüngt und zweimal pro Jahr für die Futtergewinnung gemäht; im
Frühling und im Herbst dienen sie während je rund zwei Wochen (Parzelle Saanen
Grundbuchblatt Nr. J._) bzw. einmal im Herbst während rund zwei Wochen
(Parzelle Saanen Grundbuchblatt Nr. K._) als Viehweide. Im Winter werden die
Parzellen nicht bewirtschaftet. Für diese Bewirtschaftungsform zwischen Frühling und
Herbst sind keine grossen, landwirtschaftlichen Maschinen erforderlich. Im Einsatz stehen
gemäss den Angaben der Pächter ein Transporter, ein Zweiachsmäher und Jeep mit
Anhänger (Pächter W._) bzw. ein Transporter, ein Traktor mit einer
Rundballenpresse oder einem Güllefass mit Schleppschlauchsystem, ein Ein- und ein
Zweiachsmäher. Bezugspunkt für die Beurteilung der Notwendigkeit bildet stets die in
Frage stehende landwirtschaftliche Bewirtschaftung (vgl. E. 5c). Die Ausgestaltung der
Zugangswege dieser landwirtschaftlichen Parzellen und damit die Beurteilung der
Notwendigkeit des ersuchten Bewirtschaftungsweges sind daher anhand dieser extensiven
Bewirtschaftungsform und den dazu benötigten Fahrzeugen zu beurteilen. An den
Standard eines Zuganges können damit nicht die gleichen Anforderungen gestellt werden
wie etwa bei der Erschliessung einer intensiv bewirtschafteten Fläche, welche grössere
Fahrzeuge benötigt (etwa Ackerbau), oder gar eines landwirtschaftlichen Betriebes,
welcher das ganze Jahr und regelmässiger erreichbar sein muss.
Die BVE konnte sich am Augenschein vom 13. November 2018 einen eigenen Eindruck
der bestehenden Situation vor Ort und den topographischen Verhältnissen verschaffen und
die beiden Pächter direkt zur Bewirtschaftung der betreffenden Pachtparzellen und zu
deren Erreichbarkeit befragen. Aufgrund dieser Erkenntnisse lässt sich festhalten, dass –
der Ansicht des Vertreters des LANAT folgend – die von den Pächtern umschriebenen
24 Protokoll des Augenscheins vom 13. November 2018, S. 18 unten und S. 19 oben.
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Haupterschliessungsrouten über die grüne Wiese (vgl. oben, E. 5e) alleine zur
landwirtschaftlichen Bewirtschaftung der beiden Pachtparzellen nicht als genügend
bezeichnet werden können. Diese Zufahrtsrouten führen über kupiertes, teilweise sehr
steiles Gelände.25 Den glaubhaften Aussagen der Pächter folgend sind diese Routen bei
nassen Verhältnissen nur sehr schwerlich oder – bei zusätzlicher voller Beladung der
Fahrzeuge – gar nicht befahrbar. Bei trockenen Verhältnissen dagegen sind diese Routen
mit den erwähnten Fahrzeugen befahrbar und werden gemäss den Aussagen der Pächter
auch weiterhin benutzt.
g) Das LANAT beschränkte sich in seinem Fachbericht vom 7. Januar 2016 bei der
Beurteilung der bestehenden Situation auf diese Erschliessungsrouten über die grüne
Wiese. Den schon vorhandenen Zugang entlang des projektierten Bewirtschaftungsweges
liess die Fachbehörde dagegen ausser Acht. Dieser ist jedoch in die Beurteilung der
Notwendigkeit des ersuchten Ausbaus miteinzubeziehen. Der Augenschein machte
deutlich, dass dieser Zugang zu den Pachtparzellen ab der L._strasse über
ebenes Gelände führt und zu grossen Teilen bereits als bekiester Weg ausgestaltet ist.26
Die Pächter gaben anlässlich des Augenscheins zu Protokoll, dass sie diesen Zugang
entlang des projektierten Bewirtschaftungsweges in der bestehenden Form mit den für die
Bewirtschaftung benötigten Fahrzeugen schon heute benutzen, und zwar insbesondere bei
nassen und damit schwierigen Bodenverhältnissen, bei hohem Fahrzeuggewicht aufgrund
voller Ladung oder für Viehtransporte. Beide Pächter gaben gemäss den von Seite der
Beschwerdegegnerschaft unbestritten gebliebenen Aussagen zu bekennen, dass die
Pachtparzellen für die konkrete Bewirtschaftung auch bei nassen Verhältnissen oder mit
voller Beladung über diesen bestehenden Zugang mit den benötigten Fahrzeugen zu
erreichen sind, ohne dass dies grössere Probleme bereiten würde.27
Aus diesen Aussagen muss geschlossen werden, dass der bestehende Zugang entlang
des projektierten Bewirtschaftungsweges als Erschliessung für die umschriebene,
extensive Bewirtschaftungsform als ausreichend zu bezeichnen ist. Dies gilt erst Recht in
der derzeitigen Situation, in welcher dieser Weg von den Pächtern nur bei nassen
Bodenverhältnissen in Anspruch genommen werden muss und bei trockenen Verhältnissen
25 Vgl. Fotodokumentation des Augenscheins vom 13. November 2018, insb. Fotos Nrn. 14 bis 17 und 35 bis 37. 26 Vgl. Fotodokumentation des Augenscheins vom 13. November 2018,. Fotos Nrn. 5 bis 13, 16 und 26 bis 29. 27 Protokoll des Augenscheins vom 13. November 2018, Voten Herr W._ S. 11 oben, und Voten Herr AB._ S. 18 Mitte und S. 20 Mitte.
RA Nr. 110/2018/94 20
die Zufahrtsrouten über die grüne Wiese möglich sind. Selbst jedoch wenn diese
Zufahrtsrouten über die grüne Wiese dereinst nicht mehr möglich sein sollten, stellt der
bestehende Weg angesichts der extensiven Bewirtschaftungsform zwar nicht eine
komfortable, aber eine genügende Erschliessung dieser Pachtparzellen dar. Auch die
Beschwerdegegnerschaft hat im Rahmen des Beschwerdeverfahrens nicht näher
begründet, wieso der bestehende Zugang entlang des projektierten
Bewirtschaftungsweges für die Bewirtschaftung dieser Parzellen nicht ausreichen sollte.
Ihre pauschale Aussage in den Schlussbemerkungen vom 13. Dezember 2018, wonach
der Ausbau mit einer zweiten bekiesten Spurrinne nötig sei, damit die Parzellen mit
landwirtschaftlichen Fahrzeugen erreicht werden können, steht im Widerspruch zu den
Ausführungen der Pächter anlässlich des Augenscheins. Auf diese Ausführungen der
Pächter ist abzustellen, zumal diese aufgrund der Eindrücke am Augenschein plausibel
sind und von der Beschwerdegegnerschaft im Rahmen der Schlussbemerkungen nicht
bestritten wurden. Der ausgebaute Bewirtschaftungsweg in der von der Vorinstanz
bewilligten Form ist damit für die zweckmässige Bewirtschaftung der beiden Parzellen nicht
notwendig. Dies zeigt sich auch darin, dass die betreffenden Pachtparzellen mit den
eingesetzten Fahrzeugen über den vorhandenen Weg in der Vergangenheit erreichbar
waren und die Bewirtschaftung dieser Parzellen damit bis anhin und ohne den beantragten
Ausbau dieses Weges ohne weiteres möglich war. Die Erreichbarkeit dieser Flächen ist
damit gewährleistet; mehr kann nicht verlangt werden. Der beantragte und von der
Vorinstanz unter Auflagen bewilligte Bewirtschaftungsweg wäre aus landwirtschaftlicher
Sicht höchstens praktisch oder wünschenswert. Solche subjektiven Gesichtspunkte sind
jedoch bei der Beurteilung der betrieblichen Notwendigkeit nicht relevant (vgl. E. 5c). Nach
objektiven Gesichtspunkten ist dieser Ausbau für die in Frage stehende Bewirtschaftung
nicht nötig. Einen ähnlichen Schluss zog das LANAT in seinem Fachbericht vom 7. Januar
2016, indem dieses zwei befestigte Fahrspuren "als der Landwirtschaft dienlich"
bezeichnete. Die blosse Dienlichkeit aber reicht nicht aus, um von einer objektiven
Notwendigkeit im Sinne von Art. 16a Abs. 1 RPG und Art. 34 Abs. 4 Bst. a RPV ausgehen
zu können.
h) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der von der Vorinstanz bewilligte
Bewirtschaftungsweg für die in Frage stehende landwirtschaftliche Bewirtschaftung der
Parzellen Saanen Grundbuchblatt Nrn. J._ und K._ nicht notwendig ist.
Die Voraussetzungen von Art. 16 Abs. 1 RPG und Art. 34 Abs. 4 Bst. a RPV sind nicht
erfüllt, weshalb das Bauvorhaben nicht zonenkonform ist. Unter diesen Umständen erübrigt
RA Nr. 110/2018/94 21
es sich, auf die weiteren Vorbringen der Beschwerdeführenden im Zusammenhang mit der
Zonenkonformität einzugehen.
6. Zusammenfassung und Kosten
a) Zusammenfassend ist das Bauvorhaben nicht zonenkonform und verstösst damit
gegen Art. 16a RPG. Die Beschwerden sind gutzuheissen. Der vorinstanzliche Entscheid
ist – soweit den landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsweg (Abschnitte a und c) mit
sickerfähigem Material betreffend (Ziffer 1 des vorinstanzlichen Entscheides) –
aufzuheben. Dem Bauvorhaben ist der Bauabschlag zu erteilen.
b) Bei diesem Ausgang erübrigt es sich, auf die weiteren Rügen der
Beschwerdeführenden einzugehen. Auf die weiteren, von den Beschwerdeführenden
beantragten Beweismittel konnte verzichtet werden, da die massgeblichen
Sachverhaltselemente anhand der zur Verfügung stehenden Akten und Pläne sowie des
durchgeführten Augenscheins genügend überprüft bzw. festgestellt werden konnten. Die
von den Beschwerdeführenden 6, 8 und 10 verlangte Kenntnisnahme und -gabe von
Rechtsverwahrungs- und Lastenausgleichsansprüchen hat sich bei diesem Ausgang des
Verfahrens ebenfalls erledigt.
c) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr
(Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache wird eine
Pauschalgebühr von Fr. 200.00 bis Fr. 4'000.00 je Beschwerde erhoben (Art. 19 Abs. 1
i.V.m. Art. 4 Abs. 2 GebV28). Vorliegend wurden vier Beschwerden eingereicht, wobei zu
beachten ist, dass die Beschwerde der Beschwerdeführerin 1 und die Beschwerde der
Beschwerdeführenden 2 und 3 vom selben Anwalt stammen und weitgehend identisch
sind. Sie sind daher hinsichtlich der Verfahrenskosten als eine Beschwerde zu behandeln.
In Anwendung der erwähnten Bestimmungen werden die Pauschalen für die drei
Beschwerden auf je Fr. 1'800.00 festgelegt. Werden in einem einzigen Entscheid mehrere
Beschwerden beurteilt, so kann die Pauschalgebühr für die einzelnen
Beschwerdeführerinnen und Beschwerdeführer angemessen reduziert werden (Art. 21
28 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21).
RA Nr. 110/2018/94 22
Abs. 3 GebV). Dementsprechend werden die Pauschalen auf je zwei Drittel, d.h.
Fr. 1'200.00 reduziert. Für den Augenschein vom 13. November 2018 wird in Anwendung
von Art. 20 Abs. 1 GebV eine zusätzliche Gebühr von Fr. 600.00 erhoben. Insgesamt
betragen die oberinstanzlichen Verfahrenskosten somit Fr. 4'200.00.
Die Beschwerden werden gutgeheissen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die
Beschwerdegegnerschaft, weshalb ihr die Verfahrenskosten von Fr. 4’200.00 aufzuerlegen
sind (Art. 108 Abs. 1 VRPG).
d) Die amtlichen Kosten für das erstinstanzliche Baubewilligungsverfahren von
Fr. 4'389.00 hat in jedem Fall die Beschwerdegegnerschaft als Baugesuchstellerin zu
tragen (Art. 52 Abs. 1 BewD).
e) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG).
Die weitgehend identischen Beschwerden der Beschwerdeführerin 1 und der
Beschwerdeführenden 2 und 3 durch denselben Rechtsvertreter werden auch hinsichtlich
der Parteikosten wie eine Beschwerde behandelt. Der Anwalt hat im Beschwerdeverfahren
auch nur eine Kostennote eingereicht. Mit dieser macht er Parteikosten von insgesamt Fr.
22'200.00 (Honorar Fr. 21'000.00, Auslagen Fr. 1'200.00) geltend. Die Parteikosten
umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden Aufwand (Art. 104
Abs. 1 VRPG). Nach Art. 11 Abs. 1 PKV29 beträgt das Honorar in verwaltungsrechtlichen
Beschwerdeverfahren Fr. 400.00 bis Fr. 11'800.00 pro Instanz. Innerhalb des Rahmentarifs
bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sache gebotenen Zeitaufwand sowie
der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 41 Abs. 3
KAG30). Im vorliegenden Fall ist der gebotene Zeitaufwand als durchschnittlich im oberen
Bereich zu werten, da neben dem Schriftenwechsel ein Augenschein durchgeführt wurde
und die Parteien dazu Stellung zu nehmen hatten. Angesichts der Baukosten gemäss
Baugesuch von rund Fr. 135'000.00 und den umstrittenen Rechtsfragen sind die
29 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung; PKV; BSG 168.811) 30 Kantonales Anwaltsgesetz vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11)
RA Nr. 110/2018/94 23
Bedeutung der Streitsache und die Schwierigkeit des Prozesses insgesamt als
durchschnittlich im unteren/mittleren Bereich einzustufen. Daher erscheint ein Honorar von
Fr. 6'000.00 als angemessen. Die geltend gemachten Spesen von pauschal Fr. 1'200.00
erachtet die BVE als zu hoch; diese werden festgesetzt auf einen Betrag von pauschal Fr.
400.00. Die Kostennote des Anwalts der Beschwerdeführenden 1 bis 3 wird damit auf Fr.
6'400.00 (Honorar Fr. 6'000.00, Auslagen Fr. 400.00) gekürzt und ist in diesem Umfang
von der Beschwerdegegnerschaft zu tragen.
Der Anwalt der Beschwerdeführenden 4 bis 12 reichte eine Kostennote über Fr. 9'710.25
(Honorar Fr. 8'850.00, Auslagen Fr. 166.00, Mehrwertsteuer Fr. 694.25) ein. Entsprechend
dem Ausgeführten (vgl. oben) erscheint auch hier ein Honorar von Fr. 6'000.00 als
angemessen. Damit betragen die relevanten Parteikosten der Beschwerdeführenden 4 bis
12 Fr. 6'640.80 (Honorar Fr. 6'000.00, Auslagen Fr. 166.00, Mehrwertsteuer Fr. 474.80).
Diese sind ebenfalls durch die Beschwerdegegnerschaft zu tragen.
Schliesslich reichten die Anwälte des Beschwerdeführers 13 eine Kostennote über
Fr. 8'714.00 (Honorar Fr.7'700.00, Auslagen Fr. 391.00, Mehrwertsteuer Fr. 623.00) ein.
Auch bei dieser Kostennote ist das Honorar auf einen Betrag von Fr. 6'000.00 zu kürzen
(vgl. oben). Damit kürzt sich die Kostennote der Anwälte des Beschwerdeführers 13 auf
einen Betrag von Fr. 6'883.10 (Honorar Fr. 6'000.00, Auslagen Fr. 391.00, Mehrwertsteuer
Fr. 492.10). Diese Parteikosten sind ebenfalls durch die Beschwerdegegnerschaft zu
tragen.