Decision ID: 8860250b-b37a-59e9-bbd7-2bb1eda2cdf0
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Simon Kehl, Poststrasse 22, Postfach 118,
9410 Heiden,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente; berufliche Massnahmen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 13. September 2006 zum Bezug einer Rente der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an. Als Art der
Behinderung gab sie „Schmerzen und Depression“, bestehend seit Februar 2005, an
(IV-act. 10).
A.b Der Hausarzt der Versicherten, Dr. med. B._, Facharzt FMH für Innere Medizin,
erstattete am 13. November 2006 einen Arztbericht. Er diagnostizierte (mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit) eine undifferenzierte Somatisierungsstörung, unklare
intermittierende Parästhesien der rechtsseitigen Extremitäten und der rechten
Gesichtshälfte (differenzialdiagnostisch rezidivierende transitorische ischämische
Attacken bei arterieller Hypertonie und kernspintomographisch Hinweisen auf eine
beginnende Marklagerischämie im Februar 2005) sowie einen Verdacht auf eine
diskrete lumbale radikuläre Reizsymptomatik mit Symptomausweitung und Status nach
Operation einer lumbalen Diskushernie L5/S1 rechts 1987. Aus somatischer Sicht sei
die Arbeitsfähigkeit zu 40 % eingeschränkt; unter Berücksichtigung der psychischen
Beschwerden bestehe gemäss Dr. med. C._, Praktischer Arzt FMH, eine volle
Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 32). Dem Bericht lagen diverse weitere Arztberichte bei.
Diesen lässt sich Folgendes entnehmen:
Anlässlich einer Hospitalisation im Spital Altstätten vom 5. bis zum 10. September
1985, die aufgrund rezidivierend auftretenden Schwindels, Palpitationen, Zittern der
Hände, Brennen hinter der Brust mit Ausstrahlung ins linke Schulterblatt, auch in Ruhe,
Schweissausbrüchen und zeitweisen Fröstelns erfolgt war, konnten keine
Anhaltspunkte für das Vorliegen einer organischen Krankheit gefunden werden,
weshalb ein depressives Syndrom mit Konversionssymptomen diagnostiziert und eine
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ambulante psychiatrische Behandlung bei Dr. med. D._, Facharzt FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie, in die Wege geleitet wurde (Bericht vom
11. September 1985; IV-act. 32).
Gemäss den Berichten des Kantonsspitals St. Gallen vom 11. Mai 1987, des Spitals
Rorschach vom 19. Mai 1987 und der Rheumaklinik Zurzach vom 30. Juni 1987 war am
30. April 1987 die operative „Entfernung einer riesigen Diskushernie L5/S1 rechts“ mit
anschliessender Rehabilitation erfolgt (IV-act. 32). Laut Bericht des Kantonsspitals
St. Gallen vom 5. Februar 1988 litt die Versicherte unter Berücksichtigung der
neurologischen Untersuchung vom 4. Februar 1988 und der Computertomographie
vom 3. Dezember 1987 lediglich noch unter Restbeschwerden im Bereich der
Nervenwurzel S1, entsprechend einer unvollständigen Erholung besagter Nervenwurzel
(IV-act. 32).
Vom 13. Januar bis zum 5. Februar 2005 befand sich die Versicherte zur stationären
Behandlung in der Klinik Gais. Im Austrittsbericht wurden eine undifferenzierte
Somatisierungsstörung, eine Hypertonie sowie anamnestisch ein Uterusmyom
diagnostiziert und eine volle Arbeitsfähigkeit ab dem 7. Februar 2005 attestiert (IV-
act. 32).
Nachdem die Versicherte während einiger Monate unter anfallsweisen Parästhesien an
der rechten Gesichtshälfte sowie einer Schwäche im rechten Arm und Bein gelitten
hatte, wurde am 11. Februar 2005 eine Kernspintomographie durchgeführt, welche
einen fünf Millimeter grossen lakunären Defekt subependymal im Bereich des linken
Seitenventrikelvorderhorns (differenzialdiagnostisch eventuell erweiterter Virchow-
Robin-Raum) ohne sicheren Krankheitswert sowie einzelne unspezifische wenige
Millimeter grosse Signalstörungen im fronto-parietalen Marklager, wahrscheinlich
einzelnen unspezifischen Glianarben entsprechend, ergab (IV-act. 32).
Die Versicherte wurde sodann am 16. März 2005 durch Dr. med. E._, Fachärztin
FMH für Neurologie, neurologisch und elektroencephalographisch untersucht. Der
klinische neurologische Befund fiel bis auf die bekannte Hypakusis links und hypertone
Blutdruckwerte regelrecht aus, ebenso die elektroencephalographische Untersuchung;
angesichts der arteriellen Hypertonie konnte Dr. E._ rezidivierende transitorische
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ischämische Attacken aber nicht vollständig ausschliessen. In Anbetracht der
Ergebnisse der Kernspintomographie vom 11. Februar 2005 und der bekannten
Hypertonie sei zudem eine diskrete, beginnende Marklagerischämie auf dem Boden
von arteriosklerotischen Veränderungen kleiner Hirngefässe möglich. Angesichts der
persönlichen Anamnese mit Status nach Diskushernienoperation L5/S1 rechts sei auch
eine diskrete lumbale radikuläre Reizsymptomatik, ausgelöst durch längeres Stehen,
möglich. Da die Versicherte seit Jahren unter diversen psychosomatischen
Beschwerden leide, falle differenzialdiagnostisch eine somatoforme Störung in
Betracht. Dr. E._ empfahl eine Dopplersonographie der grossen hirnzuführenden
Gefässe, eine weitere Kernspintomographie nach Ablauf eines Jahres sowie eine Kern
spintomographie der Lendenwirbelsäule bei Persistieren der Missempfindungen im
rechten Bein (IV-act. 32).
A.c Am 19. März 2007 erstattete Dr. C._ einen Arztbericht, in welchem er eine
mittel- bis schwergradige rezidivierende depressive Störung auf dem Boden einer
ängstlichen Persönlichkeit, eine Panikstörung sowie eine undifferenzierte
Somatisierungsstörung diagnostizierte und eine volle Arbeitsunfähigkeit ab dem
14. September 2002 attestierte (IV-act. 38).
A.d Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die ABI Ärztliche Begutachtungsinstitut GmbH
(nachfolgend: ABI) am 20. Oktober 2008 ein polydisziplinäres Gutachten mit je einem
psychiatrischen, orthopädischen und neurologischen Teilgutachten. Gesamthaft
diagnostizierten die Gutachter (mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit) ein chronisches
lumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne radikuläre Symptomatik mit/bei beginnenden
degenerativen Veränderungen der Iliosakralgelenke beidseits und Status nach
Diskushernienoperation L5/S1 rechts sowie ein Karpaltunnelsyndrom beidseits.
Aufgrund der festgestellten Befunde sei der Versicherten die angestammte Tätigkeit als
Mitarbeiterin in der Textilindustrie, welche als körperlich mittelschwere Tätigkeit mit
intermittierend schweren Anteilen zu qualifizieren sei, nicht mehr zumutbar; eine
körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit, bei der eine Hebe- und Tragelimite von
zehn Kilogramm nur ausnahmsweise überschritten werde und länger dauernde
Zwangshaltungen des Rumpfes sowie repetitive gleichförmige manuelle Bewegungen
und monotone Haltungen der Arme nicht erforderlich seien, sei hingegen zu 100 %
zumutbar (IV-act. 57).
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A.e Gestützt auf das Gutachten des ABI vom 20. Oktober 2008 teilte die IV-Stelle der
Versicherten am 5. Dezember 2008 mittels zweier Vorbescheide mit, dass sie vorsehe,
sowohl den Anspruch auf Arbeitsvermittlung als auch den Anspruch auf eine Rente zu
verneinen (IV-act. 61–65).
A.f Am 3. Februar 2009 verfügte die IV-Stelle entsprechend, nachdem innert der
gesetzten Frist keine Einwände gegen die Vorbescheide vom 5. Dezember 2008
erhoben worden waren (IV-act. 72 f.).
B.
B.a Mit Beschwerde vom 2. März 2009 beantragte die Beschwerdeführerin die
Aufhebung der Verfügungen vom 3. Februar 2009. Die Beschwerdegegnerin sei
anzuweisen, berufliche Massnahmen zu treffen und nach Abschluss derselben die
Rentenfrage erneut zu prüfen. Eventualiter sei ihr eine Rente zuzusprechen. Zur
Begründung führte sie im Wesentlichen aus, der Anspruch auf Arbeitsvermittlung sei
gemäss den einschlägigen Bestimmungen des Kreisschreibens über die
Eingliederungsmassnahmen beruflicher Art (KSBE) gegeben; da im Gutachten des ABI
vom 20. Oktober 2008 auch von einer Dekonditionierung die Rede sei, erscheine es
allenfalls angebracht, vor der eigentlichen Arbeitsvermittlung im Sinne von
Integrationsmassnahmen ein Belastbarkeits- und Arbeitstraining durchzuführen. Erst
danach könne die Rentenfrage geprüft werden. Vorsorglich werde darauf hingewiesen,
dass der Einkommensvergleich auf fiktiven Zahlen basiere, da die Ergebnisse der
Lohnstrukturerhebung 2008 (LSE 2008) noch gar nicht vorlägen; zudem sei nicht
berücksichtigt worden, dass die Beschwerdeführerin offensichtlich ein stark
unterdurchschnittliches Einkommen erzielt hätte; schliesslich sei auch ein
Leidensabzug vorzunehmen (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 27. April 2009 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, auch
wenn auf die einschlägigen Zahlen für das Jahr 2004 abgestellt würde, ergäbe sich
angesichts der zumutbaren Resterwerbsfähigkeit keine Invalidität; Validen- und
Invalideneinkommen seien gleich hoch. Ein Leidensabzug sei nicht vorzunehmen, da
der Beschwerdeführerin auch körperlich mittelschwere Tätigkeiten zumutbar seien.
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Bezüglich des Anspruchs auf Arbeitsvermittlung sei festzustellen, dass die
Beschwerdeführerin gar nicht arbeitsunfähig sei, weil gemäss den einschlägigen
Bestimmungen auch die Arbeitsfähigkeit in anderen zumutbaren Tätigkeiten zu
berücksichtigen sei, wenn die Arbeitsunfähigkeit lange angedauert habe.
Behinderungsbedingte Schwierigkeiten bei der Stellensuche seien nicht ersichtlich,
weshalb kein Anspruch auf Arbeitsvermittlung durch die Invalidenversicherung
bestehe. Was die Dekonditionierung anbelange, so sei es der Beschwerdeführerin
aufgrund ihrer Selbsteingliederungs- und Schadenminderungspflicht zumutbar, durch
eine adäquate Lebensweise die Folgen dieses Leidens zu überwinden; sie habe mithin
keinen Anspruch auf berufliche Massnahmen (act. G 4).
B.c Die Beschwerdeführerin hielt mit Replik vom 17. Juni 2009 an den gestellten
Anträgen fest. Ihre Beschwerdebegründung ergänzte sie im Wesentlichen wie folgt:
Bereits 1985 sei eine depressive Störung dokumentiert worden (Bericht des Spitals
Altstätten vom 11. September 1985); Dr. C._ behandle sie seit 2002 wegen
Depressionen; die Klinik Gais habe im März 2005 ebenfalls eine mittelgradige
depressive Symptomatik diagnostiziert; schliesslich habe auch die Klinik Teufen im
Anschluss an einen Rehabilitationsaufenthalt vom 16. März bis zum 1. Mai 2009
psychische Beeinträchtigungen attestiert. Entgegen der Einschätzung der Gutachter
des ABI könne deshalb nicht von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden.
Die Gutachter hätten sich ausschliesslich mit dem Bericht von Dr. C._
auseinandergesetzt und die Berichte des Spitals Altstätten vom 11. September 1985
und der Klinik Gais vom 7. März 2005 gänzlich unberücksichtigt gelassen. Das
Gutachten des ABI stehe zudem in krassem Widerspruch zu den kürzlichen
Feststellungen der Klinik Teufen. Die widersprüchlichen Einschätzungen erforderten
eine neuerliche psychiatrische Abklärung, beispielsweise durch die Psychiatrische
Klinik Littenheid. Was die Ausführungen der Beschwerdegegnerin zur Berechnung des
Invaliditätsgrades und zum Anspruch auf Arbeitsvermittlung anbelange, so seien diese
nicht nachvollziehbar (act. G 10). Der Replik lag der Austrittsbericht der Klinik Teufen
vom 4. Mai 2009 betreffend die stationäre Behandlung der Beschwerdeführerin vom
16. März bis zum 1. Mai 2009 bei. In diesem wurden eine rezidivierende mittelgradige
depressive Episode mit somatischem Syndrom, schwere depressive Episoden in der
Vergangenheit, eine Agoraphobie mit Panikstörung sowie eine somatoforme
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Schmerzstörung diagnostiziert; die Beschwerdeführerin sei nach Austritt zu 100 %
arbeitsunfähig (act. G 10.1.3).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 12).

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf Leistungen der
Invalidenversicherung, namentlich auf Integrationsmassnahmen, Arbeitsvermittlung
oder Rente, hat, und – damit zusammenhängend – in welchem Ausmass sie in ihrer
Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt ist.
2.
2.1 Am 1. Januar 2008 sind die im Zug der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. Der
zu beurteilende Sachverhalt beschlägt teilweise den Zeitraum vor Inkrafttreten der
5. IV-Revision. Da sich die Definition der Invalidität und die damit zusammenhängenden
Begriffe und Voraussetzungen mit dieser Revision nicht geändert haben, werden
nachfolgend die seit dem 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen wiedergegeben.
2.2 Arbeitsunfähigkeit ist die durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf
oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Art. 6 Satz 1 ATSG). Bei langer
Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich
berücksichtigt (Art. 6 Satz 2 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist demgegenüber der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Invalidität ist schliesslich die voraussichtlich
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bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs. 1 ATSG).
2.3 Um den Grad der Arbeitsunfähigkeit, der Erwerbsunfähigkeit und der Invalidität
bemessen zu können, sind Verwaltung und Gericht auf Unterlagen angewiesen, die
ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
Aufgabe der ärztlichen Sachverständigen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen
und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten
die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Der
Sachverhalt ist von Amtes wegen festzustellen und es ist demnach zu prüfen, ob die
vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strittigen
Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis
der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
2.4 Rechtsprechungsgemäss hat das Sozialversicherungsgericht auf den bis zum
Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abzustellen
(BGE 132 V 220 E. 3.1.1 mit Hinweisen). Später eingetretene Tatsachen, die zu einer
Änderung des Sachverhalts geführt haben, sind grundsätzlich nicht im Rahmen des
hängigen, sondern im Rahmen eines weiteren Verfahrens zu berücksichtigen (BGE 121
V 366 E. 1b mit Hinweisen). Sind später eingetretene, mit dem Streitgegenstand in
engem Sachzusammenhang stehende Tatsachen indes geeignet, die Beurteilung im
Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung zu beeinflussen, so sind sie im laufenden
Verfahren zu berücksichtigen (Entscheid 9C_24/2008 des Bundesgerichts vom 27. Mai
2008, E. 2.3.1 mit zahlreichen Hinweisen).
3.
Im Hinblick auf die Würdigung der medizinischen Aktenlage ist vorab zu prüfen, ob der
zusammen mit der Replik vom 17. Juni 2009 eingereichte Austrittsbericht der Klinik
Teufen vom 4. Mai 2009 betreffend den Rehabilitationsaufenthalt vom 16. März bis zum
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1. Mai 2009 (act. G 10.1.3) in diesem Verfahren überhaupt zu berücksichtigen ist,
nachdem er erst rund drei Monate nach Erlass der angefochtenen Verfügungen vom
3. Februar 2009 verfasst wurde
3.1 Die Ärzte der Klinik Teufen stellten eine deutliche Neigung zum Grübeln und zum
Gedankenkreisen fest. Im Affekt habe die Beschwerdeführerin verarmt, ratlos,
deprimiert und hoffnungslos sowie deutlich ängstlich gewirkt. Das
Explorationsgespräch habe sich etwas zähflüssig gestaltet, was durchaus den
geklagten Auffassungs-, Konzentrations- sowie Merkfähigkeitsstörungen entspreche.
Im formalen Denken sei die Beschwerdeführerin verlangsamt, gehemmt und
umständlich gewesen sowie mittelgradig eingeengt auf Sorgen sowie das Erleben des
eigenen Beschwerdebildes. Mehrmals seien während der Exploration Tränen
geflossen. Der Antrieb sei gehemmt und die Psychomotorik verlangsamt bei
gleichzeitig geklagter innerer Unruhe. Es seien zudem ein Morgentief, sozialer Rückzug,
Schlafstörungen, Appetitverminderung und Verlust der Libido beklagt worden.
Während der Behandlung seien die ausgesprochene Hartnäckigkeit der Schmerzen
sowie eine akzentuierte Ermüdbarkeit und Gedächtnisstörungen aufgefallen.
Angesichts dieser Befunde und unter Berücksichtigung der Anamnese diagnostizierten
die Ärzte der Klinik Teufen eine rezidivierende mittelgradige depressive Episode mit
somatischem Syndrom, in der Vergangenheit dokumentierte schwere depressive
Episoden, eine Agoraphobie mit Panikstörung und eine somatoforme Schmerzstörung.
3.2 Im Vergleich zu den vor Erlass der angefochtenen Verfügungen vorliegenden
medizinischen Berichten enthält der Austrittsbericht weder neue Diagnosen noch
wesentliche neue Befunde. Die Feststellungen im Austrittsbericht sind daher in Bezug
auf den Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügungen
verwirklicht hat, nicht als neu zu qualifizieren. Dem Austrittsbericht lassen sich auch
keine Hinweise darauf entnehmen, dass es nach Erlass der angefochtenen
Verfügungen zu einer erheblichen Verschlechterung des Zustands gekommen wäre.
Vielmehr ist aufgrund der Feststellungen anzunehmen, die Ärzte gingen von einem über
längere Zeit gleich gebliebenen Zustand aus. Auch in dieser Hinsicht bezieht sich der
Austrittsbericht mithin nicht auf Tatsachen, die erst nach Erlass der angefochtenen
Verfügungen eingetreten sind. Der Austrittsbericht ist daher im vorliegenden Verfahren
hinsichtlich der Würdigung der medizinischen Aktenlage mit zu berücksichtigen.
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4.
In medizinischer Hinsicht stehen eine depressive Störung (verbunden mit einer
Panikstörung), Parästhesien der rechtsseitigen Extremitäten und der rechten
Gesichtshälfte sowie eine Somatisierungsstörung (verbunden mit einem Rückenleiden)
im Vordergrund. Das Gutachten des ABI vom 20. Oktober 2008 geht auf alle drei
Beschwerdekomplexe ein und enthält eine klare Schlussfolgerung in Bezug auf
Diagnosen und Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit sowohl in der angestammten
Tätigkeit als auch in angepassten Tätigkeiten. Da gemäss ständiger höchstrichterlicher
Rechtsprechung den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens von
Sozialversicherungsträgern eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten (sofern
sie aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in
die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen
Ergebnissen gelangen) bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen ist,
solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE
125 V 353 E. 3b/bb mit Hinweisen), ist grundsätzlich auf das Gutachten des ABI vom
20. Oktober 2008 abzustellen, es sei denn, konkrete Indizien würden dessen
Zuverlässigkeit in Frage stellen. Diese Frage ist im Folgenden für alle drei
Beschwerdekomplexe separat zu prüfen.
4.1 Im Gutachten des ABI werden das Vorliegen einer krankheitswertigen
psychischen Störung und dementsprechend auch die Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit aus psychischen Gründen verneint. Es sei zwar möglich, dass zu
Beginn der Behandlung durch Dr. C._ eine depressive Störung vorgelegen habe,
anlässlich der Begutachtung durch das ABI hätte aber keine entsprechende
Symptomatik validiert werden können (IV-act. 57). Diese Beurteilung deckt sich nicht
mit den Berichten von Dr. C._ (IV-act. 38), der Klinik Gais (act. G 10.1.2) und der
Klinik Teufen (act. G 10.1.3) sowie des Spitals Altstätten (der sich allerdings auf einen
lange zurückliegenden Zeitpunkt bezieht und hier einzig insofern von Bedeutung ist, als
er belegt, dass eine depressive Störung bereits vor über 30 Jahren festgestellt und
entsprechend behandelt worden ist; IV-act. 32), wird doch in allen diesen Berichten
zumindest eine mittelgradige depressive Störung beschrieben und diagnostiziert. Da
die Beurteilung der Ärzte der Klinik Teufen gut ein halbes Jahr nach dem Gutachten
des ABI abgegeben worden ist und im Wesentlichen der Beurteilung von Dr. C._
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entspricht, der sich seinerseits auf den Verlauf in den Jahren 2002–2007 und
insbesondere auf die damals letzte Untersuchung vom 21. Februar 2007 bezog, mithin
sowohl vor der Begutachtung durch das ABI als auch danach eine relevante depressive
Störung festgestellt wurde, kann die unterschiedliche Beurteilung nicht als Ausdruck
eines schwankenden Verlaufs verstanden werden. Gegen einen schwankenden Verlauf
spricht auch, dass sowohl die Gutachter des ABI als auch Dr. C._ und die Ärzte der
Klinik Teufen von einem grundsätzlich stabilen, langfristigen Verlauf ausgehen: Im
Gutachten des ABI wird festgehalten, es liessen sich weder anamnestisch noch im
Befund depressive Merkmale objektivieren, und weiter, dass sich keine Hinweise
darauf entnehmen liessen, dass in der Vergangenheit jemals während längerer Zeit eine
wesentlich höhere Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestanden hätte; im Arztbericht
von Dr. C._ vom 19. März 2007 wird dagegen festgehalten, der Zustand habe sich
chronifiziert, und es sei durch die bisherige Therapie zu keiner Besserung des
Zustandes gekommen; im Austrittsbericht der Klinik Teufen vom 4. Mai 2009 wird
schliesslich festgehalten, die festgestellten Gesundheitsbeeinträchtigungen lägen
anamnestisch im Wesentlichen unverändert seit Jahren vor. Es handelt sich somit um
einen eigentlichen Widerspruch zwischen der Beurteilung der Gutachter des ABI und
der Beurteilung der behandelnden Fachärzte. Dieser Widerspruch spiegelt sich auch in
den stark voneinander abweichenden Schilderungen der Beschwerdeführerin wieder:
Im Gutachten des ABI wird sie als im Kontaktverhalten unkompliziert, heiter und gelöst
von ihrer Kindheit und Jugend berichtend, selbstbewusst, temperamentvoll und
psychodynamisch durchaus vital wirkend beschrieben, während Dr. C._ und die
Ärzte der Klinik Teufen in ihren Berichten die Beschwerdeführerin als im formalen
Denken langsam, gehemmt und umständlich, auf Sorgen sowie das Erleben des
eigenen Beschwerdebildes eingeschränkt, mit deutlicher Neigung zum Grübeln und
zum Gedankenkreisen, im Affekt verarmt wirkend, ratlos, deprimiert und hoffnungslos
sowie deutlich ängstlich, im Antrieb gehemmt und psychomotorisch verlangsamt
beschreiben. Auf diesen Widerspruch wird im Gutachten des ABI nicht vertieft
eingegangen; die Gutachter führen nichts an, was zur Auflösung des Widerspruchs
beitragen könnte. Insofern erwecken deshalb insbesondere die Berichte von Dr. C._
und der Klinik Teufen Zweifel an der Zuverlässigkeit der Beurteilung des ABI in Bezug
auf die depressive Störung sowie die Angst- bzw. Panikstörung. Es kann mithin anhand
der Akten nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit festgestellt werden, ob die
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Beschwerdeführerin an einer depressiven und/oder an einer Angst- oder Panikstörung
leidet, und inwiefern sie dadurch in ihrer Arbeits- und Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt
ist.
4.2 Bezüglich der Parästhesien der rechtsseitigen Extremitäten und der rechten
Gesichtshälfte wird im Gutachten des ABI darauf hingewiesen, dass die
Beschwerdeführerin eine entsprechende Sensibilitätsstörung angegeben habe, in der
neurologischen Untersuchung aber keine objektivierbaren Lateralisationszeichen
festgestellt werden konnten, ebensowenig wie Hinweise auf eine radikuläre Reiz-
beziehungsweise sensomotorische Ausfallsymptomatik oder eine Störung der langen
Bahnen; es handle sich um eine unspezifische Störung, wie sie bei Personen mit
chronischen Schmerzen oftmals beobachtet werden könne. Der mittels MRI vom
11. Februar 2005 nachgewiesene lakunäre Defekt im Bereich des linken
Seitenventrikelvorderhorns wird als Ausdruck einer zerebralen Mikroangiopathie und
als Zufallsbefund ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit qualifiziert. Die Verlaufskontrolle
im Jahr 2006 habe einen praktisch identischen Befund ergeben. Diese Beurteilung
deckt sich zwar im Wesentlichen mit dem Bericht von Dr. E._ vom 16. März 2005 (IV-
act. 32) und dem MRI-Bericht vom 11. Februar 2005 (IV-act. 32). Allerdings ergibt sich
aus der Auflistung der berücksichtigten Akten, dass dem ABI kein Bericht betreffend
die Verlaufskontrolle 2006 vorgelegen hat. Die Aussage, die Verlaufskontrolle habe
einen praktisch identischen Befund ergeben, stützt sich offensichtlich lediglich auf eine
entsprechende Bemerkung von Dr. C._ in dessen Bericht vom 19. März 2007 (IV-
act. 38), ist also nicht hinreichend abgesichert (die Wiedergabe eines Berichts, der
nicht vorgelegen hat, erweckt generell Zweifel an der Seriosität der Abklärungen). Hinzu
kommt, dass mittels MRI vom 11. Februar 2005 ein Krankheitswert des lakunären
Defekts nicht sicher ausgeschlossen werden konnte und Dr. E._ weitere Abklärungen
ausdrücklich empfohlen hatte. Ohne Kenntnis der weiteren Berichte war eine
zuverlässige Beurteilung bezüglich dieses Beschwerdekomplexes mithin nicht möglich.
Die weiteren Berichte hätten abgewartet und mitberücksichtigt werden müssen, oder
aber es hätten entsprechende Untersuchungen durch das ABI durchgeführt werden
müssen. Mangels Vorliegens weiterer Berichte ist die diesbezügliche Beurteilung des
ABI nicht hinreichend abgestützt. Auch diesbezüglich ist die Zuverlässigkeit des
Gutachtens des ABI daher anzuzweifeln.
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4.3 Was die Somatisierungsstörung und die damit in Zusammenhang stehenden
Rückenbeschwerden betrifft, so verneinen die Gutachter des ABI einerseits ein
neurologisches Korrelat der Rückenbeschwerden und andererseits aus psychiatrischer
Sicht das Vorliegen einer eigentlichen Somatisierungsstörung bzw. einer somatoformen
Schmerzstörung. Diese Beurteilung deckt sich nicht mit jener von Dr. C._, der eine
undifferenzierte Somatisierungsstörung diagnostizierte, jener der Klinik Gais, die
ebenfalls eine undifferenzierte Somatisierungsstörung diagnostizierte, und jener der
Klinik Teufen, die eine somatoforme Schmerzstörung diagnostizierte. Hinsichtlich
dieser abweichenden Beurteilung wird im Gutachten des ABI ausgeführt, die
Somatisierungsstörung werde als Beschwerdeausweitung und Selbstlimitierung
verstanden. Da weder Dr. C._ noch die Ärzte der Klinik Gais oder der Klinik Teufen
die Diagnose der undifferenzierten Somatisierungsstörung bzw. der somatoformen
Schmerzstörung näher begründen und da sich den entsprechenden Berichten auch
nicht entnehmen lässt, dass diese eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nach sich
ziehen würde, sind diese Berichte nicht geeignet, Zweifel an der Zuverlässigkeit der
entsprechenden Beurteilung des ABI zu erwecken.
4.4 Abschliessend ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass die
Beurteilung von Dr. B._ in dessen Bericht vom 13. November 2006 (IV-act. 32),
aufgrund der somatischen Beschwerden bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 40 %,
einer eigentlichen Begründung entbehrt, wie auch die Gutachter des ABI zu Recht
bemängeln, zumal in somatischer Hinsicht in besagtem Bericht lediglich unklare
intermittierende Parästhesien der rechtsseitigen Extremitäten und der rechten
Gesichtshälfte sowie der Verdacht auf eine diskrete lumbale radikuläre
Reizsymptomatik – welche anlässlich der Begutachtung durch das ABI übrigens nicht
bestätigt werden konnte – diagnostiziert werden. Bezüglich der somatischen
Beschwerden ist deshalb grundsätzlich auf das Gutachten des ABI und nicht auf den
Bericht von Dr. B._ abzustellen.
4.5 Gesamthaft bestehen also erhebliche Zweifel an der Zuverlässigkeit des
Gutachtens des ABI vom 20. Oktober 2008: In neurologischer Hinsicht wurden die
aktuellsten Berichte nicht berücksichtigt bzw. keine neuen Untersuchungen gemacht,
in psychiatrischer Hinsicht bestehen zwischen der Beurteilung des ABI und der
Beurteilung der behandelnden Ärzte erhebliche Widersprüche, die sich nicht auflösen
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lassen. Auf das Gutachten des ABI vom 20. Oktober 2008 kann für die Bemessung des
Invaliditätsgrades deshalb nicht abgestellt werden.
4.6 Es liegt angesichts dessen aber auch auf der Hand, dass auch die übrigen
Berichte die Bemessung des Invaliditätsgrades nicht erlauben. Vielmehr sind weitere
medizinische Abklärungen vorzunehmen, weshalb die Sache in diesem Sinne an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
5.
Zu prüfen ist abschliessend, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung im Sinne
von Art. 8 Abs. 3 lit. a und Art. 14a IVG und/oder Anspruch auf Massnahmen
beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung,
Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe) im Sinne von Art. 8 Abs. 3 lit. b und Art. 15 ff. IVG hat.
5.1 Zum Anspruch auf Integrationsmassnahmen:
5.1.1 Anspruch auf Integrationsmassnahmen haben gemäss Art. 14a Abs. 1 IVG
Versicherte, die seit mindestens sechs Monaten zu mindestens 50 % arbeitsunfähig im
Sinne von Art. 6 ATSG sind. Als Integrationsmassnahmen gelten gemäss Art. 14a
Abs. 2 IVG gezielte, auf die berufliche Eingliederung gerichtete Massnahmen zur sozial-
beruflichen Rehabilitation (lit. a) und Beschäftigungsmassnahmen (lit. b). Gemäss der
Botschaft des Bundesrates vom 22. Juni 2005 zur Änderung des IVG (5. IV-Revision)
sollen diese Eingliederungsinstrumente insbesondere für die Gruppe von psychisch
kranken Personen die Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung verbessern. Mit
den Integrationsmassnahmen sollen dort, wo sich dies im Rahmen eines konkreten
Eingliederungsplans als notwendig erweist, die Voraussetzungen für weitergehende
Massnahmen beruflicher Art geschaffen werden (BBl 2005 4523).
5.1.2 Gemäss den im Recht liegenden Akten wurde der Anspruch auf
Integrationsmassnahmen im Sinne von Art. 14a IVG bislang nicht geprüft, obwohl die
Beschwerdeführerin die Voraussetzungen – mindestens 50%ige Arbeitsunfähigkeit
während mindestens eines halben Jahres – grundsätzlich erfüllte. In der
Beschwerdeantwort äusserte sich die Beschwerdegegnerin erstmals zum Anspruch auf
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Integrationsmassnahmen. Ihrer Ansicht nach ist dieser nicht gegeben, da die
Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig sei. Das Erfordernis
einer mindestens 50%igen Arbeitsunfähigkeit gemäss Art. 14a Abs. 1 IVG sei nicht
erfüllt, denn für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei bei langer Dauer, welche
vorliegend ohne Weiteres zu bejahen sei, auch die Arbeitsfähigkeit in angepassten
Tätigkeiten mit zu berücksichtigen (Art. 6 Satz 2 ATSG).
5.1.3 Der Gesetzgeber formulierte die Voraussetzungen für den Anspruch auf
Integrationsmassnahmen bewusst so, dass sie rasch abgeklärt werden können – dies
mit Blick darauf, dass diese Massnahmen umso wirkungsvoller sind, je rascher sie in
die Wege geleitet werden (BBl 2005 4523). Es ist nach dem Willen des Gesetzgebers
im Einzelfall deshalb nicht vertieft zu prüfen, inwieweit die versicherte Person in der
angestammten Tätigkeit und in angepassten Tätigkeiten in ihrer Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigt ist. Vielmehr ist der grundsätzliche Anspruch auf
Integrationsmassnahmen (aus medizinischer Sicht) zumindest dann ohne Weiteres zu
bejahen, wenn in der angestammten Tätigkeit eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit
(mindestens 50 %) vorliegt und die versicherte Person nicht offensichtlich in einer
angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig ist (vgl. Entscheid 8C_303/2009 des
Bundesgerichts vom 14. Dezember 2010, E. 7.2). Nachdem im vorliegenden Fall erstellt
ist, dass der Beschwerdeführerin die angestammten Tätigkeit überhaupt nicht mehr
zugemutet werden kann, und fraglich ist, ob sie in einer angepassten Tätigkeit voll
arbeitsfähig ist, ist der Anspruch auf Integrationsmassnahmen grundsätzlich zu
bejahen. Ob und allenfalls welche konkreten Massnahmen in die Wege zu leiten sind,
hat die Beschwerdegegnerin deshalb im Rahmen eines Eingliederungsgesprächs näher
abzuklären, und zwar nicht erst nach Vorliegen der Ergebnisse der weiteren
medizinischen Abklärungen.
5.2 Zum Anspruch auf berufliche Massnahmen:
5.2.1 Die beruflichen Massnahmen umfassen Berufsberatung, erstmalige
berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung und Kapitalhilfe (Art. 8 Abs. 3
lit. b IVG). In Frage kommt vorliegend insbesondere ein Anspruch auf
Arbeitsvermittlung; die Beschwerdeführerin beantragt denn auch nur Arbeitsvermittlung
und nicht anderweitige berufliche Massnahmen. Gemäss Art. 18 Abs. 1 lit. a IVG haben
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Versicherte, die im Sinne von Art. 6 ATSG arbeitsunfähig, aber eingliederungsfähig
sind, Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche eines geeigneten
Arbeitsplatzes. Aus der Botschaft des Bundesrates vom 22. Juni 2005 zur Änderung
des IVG (5. IV-Revision) geht hervor, dass alle stellenlosen Personen, die ihre bisherige
Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können, Anspruch auf
Arbeitsvermittlung durch die Invalidenversicherung haben, somit auch Hilfsarbeiter, die
in einer angepassten Hilfstätigkeit noch voll arbeitsfähig sind (BBl 2005 4524; vgl. auch
den Entscheid IV 2009/118 des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
22. Juli 2009, E. 2.3). In diesem Zusammenhang ist auch Art. 18a Abs. 1 IVG zu
berücksichtigen, wonach während der erforderlichen Anlern- oder Einarbeitungszeit,
längstens jedoch während 180 Tagen, ein Einarbeitungszuschuss entrichtet werden
kann, wenn Versicherte im Rahmen der Arbeitsvermittlung einen Arbeitsplatz gefunden
haben. Nach der Botschaft des Bundesrats soll damit sichergestellt werden, dass die
versicherte Person und ihr Arbeitgeber gerade auch in der Anfangsphase eines neuen
Arbeitsverhältnisses auf die Unterstützung von Fachpersonen aus der IV zählen
können. Durch Einarbeitungszuschüsse soll in der konkreten Situation abgeklärt
werden, ob die versicherte Person den Anforderungen einer konkreten Arbeitsstelle
gewachsen ist (BBl 2005 4565).
5.2.2 Wie den Akten der Beschwerdegegnerin entnommen werden kann, wurde
ein allfälliger Anspruch der Beschwerdeführerin auf Arbeitsvermittlung summarisch
geprüft und anschliessend aufgrund der im Gutachten des ABI attestierten vollen
Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten bzw. mangels gesundheitsbedingter
Einschränkungen bei der Stellensuche verneint. In ihrer Beschwerdeantwort führte die
Beschwerdegegnerin sodann zusätzlich aus, auch Art. 18 Abs. 1 IVG beziehe sich auf
Art. 6 Satz 2 ATSG, weshalb angesichts der vollen Arbeitsfähigkeit in einer
angepassten Tätigkeit kein Anspruch auf Arbeitsvermittlung bestehe.
5.2.3 Diese Begründung widerspricht dem klaren Willen des Gesetzgebers, der
im Rahmen der 5. IV-Revision den Anspruch auf Arbeitsvermittlung explizit ausweiten
und auch Hilfsarbeitern, die in einer angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig sind, einen
entsprechenden Anspruch zuerkennen wollte. Nachdem vorliegend aber ohnehin den
Akten nicht mit genügender Wahrscheinlichkeit entnommen werden kann, dass die
Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig ist, ist der
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grundsätzliche Anspruch auf Arbeitsvermittlung ohne Weiteres zu bejahen. Der
Beschwerdeführerin, die in der Beschwerde und der Replik zum Ausdruck gebracht
hat, dass sie an beruflichen Massnahmen interessiert ist, ist demnach
Arbeitsvermittlung zu gewähren, eventuell – wenn sie eine Stelle findet – verbunden mit
Einarbeitungszuschüssen.
6.
6.1 Die Verfügungen vom 3. Februar 2009 sind demnach in Gutheissung der
Beschwerde aufzuheben, und die Sache ist an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit sie im Sinne der Erwägungen weitere medizinische Abklärungen
und eine eingehende Eingliederungsberatung vornehme und prüfe, ob geeignete
Integrationsmassnahmen durchzuführen seien. Parallel dazu ist Arbeitsvermittlung
angezeigt, in deren Rahmen sich die Gewährung von Einarbeitungszuschüssen als
sinnvoll erweisen könnte.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1’000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint angemessen. Die Beschwerdegegnerin unterliegt vollumfänglich, sodass ihr
als nicht von der Pflicht zur Übernahme amtlicher Kosten befreiter selbstständiger
öffentlich-rechtlicher Anstalt die ganze Gerichtsgebühr aufzuerlegen ist. Der
Beschwerdeführerin ist der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.--
zurückzuerstatten.
6.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP [sGS 951.1]). Angemessen erscheint eine
Parteientschädigung von Fr. 3’500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP