Decision ID: 4acc4964-a1c2-4bf4-a09f-0e16d77737f8
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1964, ist
geschieden
und Vater von zwei Kindern
(gebo
ren 1997 und 1999; Urk. 7/1, 7/2
, 7/142/11
).
Er ist gelernter technischer Kauf
mann sowie eidgenössisch diplomierter Elektromonteur und war in verschie
denen Branchen im Bereich Administration/Verkauf tätig (Urk. 7/14, 7/52, 7/142/11 f.). Zuletzt war er
von
April bis
Juli
2014 als
Regulator
y
-
Affairs
-Spezialist
bei der
Z._
AG
angestellt (Urk.
7/18/1,
7/52/8
).
Am 30. Oktober 2014 meldete er sich
bei der Sozialversicherungsanstalt Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 7/5
, 7/12/46 ff.
). Zur Klärung der aktuellen Situation fand erstmals am
14. November 2014 bei der IV-Stelle ein persönliches Gespräch statt (Urk. 7/15).
Nebst
Auszügen
aus dem individuellen Konto
(IK-Auszug, Urk. 7/3, 7/14
) und einem Arbeitgeberfragebogen (Urk. 7/18) zog die IV-Stelle die Akten des Krankentaggeldversicherers A
XA Winterthur bei (Urk. 7/12
).
Mit Schreiben vom 27. Februar 2015 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen
möglich seien (Urk. 7/24). In der Folge holte die IV-Stelle
die Berichte der behandelnden Ärzte der
A._
AG ein (Urk. 7/30, 7/40, 7/46).
Anschliessend bemühte sie sich
, den Versicherten mit beruflichen M
assnahmen einzugliedern
.
Zunächst auferlegte sie
ihm
mit Schreiben vom 21. Januar 2016 die Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht zur Alkoholabstinenz, welche neun Monate später - aufgrund eines fehlenden Verdachts beziehungsweise Hinweises auf eine Alkoholerkrankung - wieder erlassen wurde (Urk. 7/47). Sie
übernahm die Kosten für eine vom 7. März 2016 bis 31. Mai 2016 dauernde
berufliche Abklärung
, welche
vom Arbeitszentrum
B._
des Vereins
C._
durchgeführt wurde
(Urk. 7/
56
) und
ordnete an
schliessend
ein vom 1. Juni 2016 bis 31. August 2016 dauerndes berufliches Aufbautraining
an (Urk. 7/70), welches schliesslich
m
it Schreiben vom 18. August 2016 vom 1. September bis 30. November 2016
verlängert wurde
(Urk. 7/87).
In der Folge gewährte sie dem Versicherten Kostengutsprache für ein Arbeitstraining
bei der Firma
D._
AG
vom 1. Dezember 2016 bis 28. Februar 2017, welches im Rahmen eines Job Coachings begleitet
durch
C._
stattfand
und mit Schreiben vom 16. Februar 2017 ab dem 1. bis 19. März 2017 verlängert wurde
(Urk. 7/102
, 7/116
).
Am 15. März 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass die beruflichen Massnahmen erfolgreich abgeschlossen worden seien und betreffend Rente später eine separate Verfügung erlassen werde (Urk. 7/123).
Nachdem sie erneut Akten des Krankentaggeldversicherers AXA
Winterthur
bei
gezogen hatte
(Urk. 7/127)
,
gab sie
ein psychiatrisches Gutachten bei Dr.
med.
E._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
, in Auftrag (Urk. 7/142
). Sodann veranlasste die IV-Stelle die Beantwortung von Rückfragen zum psychiatrischen Gutachten von Dr.
E._
vom 12. Juli 2017 (Urk. 7/144).
Nach Einholung einer Stellungnahme von
pract
.
med.
F._
, Facharzt
für Arbeitsmedizin, Regionalärztlicher Dienst (RAD), vom 9. August 2017 (Urk. 7/146/6) und einer Ressourcenprüfung (Urk. 7/146/6 ff.)
,
erliess die IV-Stelle am 24. August 2017 einen Vorbescheid und stellte dem Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 7/147).
Dagegen erhob der Versicherte am 29. August 2017 (Urk. 7/149) sowie ergänzend am 2
8
. September 2017 (Urk. 7/155)
Einwand
.
Mit Verfügung vom 20. November 2017 wies die
IV-Stelle das Leistungsbegehren ab (Urk. 7/158
= Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob
X._
am 14. Dezember 2017 Beschwerde und bean
tragte, die angefochtene Verfügung vom 20. November 201
7 sei aufzuheben und es sei ihm mindestens eine hal
be Invalidenrente zuzusprechen (Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle schloss m
it Beschwe
rdeantwort vom 8. Februar 2018
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6).
Mit Verfügung vom 14. Februar 2018 wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (Urk. 8). Mit Replik vom 21. März 2018 hielt der
Versicherte unter Beilage eines
Berichte
s
seines behandelnden Arztes Dr. med.
I._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
an
seinen Anträgen gemäss Beschwerdeschrift fest (Urk. 9
-
10), worauf die IV-Stelle mit Schreiben vom 17. April 2018 auf das Einreichen einer Duplik verzichtete (Urk. 12). Hier
über wurde der Versicherte mit Verfügung vom 18. April 2018 in Kenntnis gesetzt (Urk. 13). Mit Schreiben vom 11. Juni 2018 informierte der Rechtsvertreter des
Versicherten
die IV-Stelle
darüber, dass dieser einen stationären Aufenthalt in der
A._
Privatklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
angetreten
habe
(Urk. 14-15), was in der Folge der IV-Stelle zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 16). Am 19. September 2018 informierte der Rechtsvertreter des Versicher
ten schliesslich über
die Beendigung des Klinikaufenthalts des Versicherten und reichte den Austrittsbericht
ein
(Urk. 17-18), was der
Beschwerdegegnerin
wiede
rum
zur Ken
ntnis gebracht wurde (Urk. 19).
Auf
die Vorbringen
der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetztes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung;
IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
1.3.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015
vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte
Indika
toren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belas
tungs
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktio
nellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grund
lage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchs
frei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.3.3
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen einer anhaltenden soma
toformen Schmerzstörung oder eines damit vergleichbaren psychosomatischen Leidens (BGE 141 V 281 E. 4.2) sind Indikatoren beachtlich, die das Bundesgericht wie folgt systematisier
t hat (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Ressourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
Beweisrechtlich entscheidend ist der Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4):
Der Indikator einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen zielt auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgaben
bereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (z.B. Freizeitgestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist. Dabei ist das bisherige Kriterium des sozialen Rückzugs (wiederum) so zu fassen, dass neben Hinweisen auf Einschränkungen auch Ressourcen erschlossen werden; umgekehrt kann ein krankheitsbedingter Rückzug aber auch Ressourcen zusätzlich vermindern. Soweit
erhebbar
, empfiehlt sich auch ein Vergleich mit dem Niveau sozialer Aktivität vor Eintritt der Gesundheitsschädigung. Das Aktivitätsniveau der versicherten Person ist stets im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Die Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das heisst das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden, weist (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder
-resistenz unter dem Komplex «Gesundheitsschädigung») auf den tatsächlichen Leidensdruck hin. Dies gilt allerdings nur, solange das betreffende Verhalten nicht durch das laufende Versicherungsverfahren beeinflusst ist. Nicht auf fehlenden
Leidensdruck zu schliessen ist, wenn die Nichtinanspruchnahme einer empfohle
nen und zugänglichen Therapie oder die schlechte Compliance klarerweise auf eine (unabwendbare) Unfähigkeit zur Krankheitseinsicht zurückzuführen ist. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Eingliederung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Einschränkung sei anders begründet als durch eine versicherte Gesundheitsbeeinträchtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.5
Für die richterliche Beurteilung eines Falles sind grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens massgebend. Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, sind jedoch insoweit zu berücksich
tigen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beeinflussen (BGE 121 V 362 E. 1b; 99 V 98).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin vertrat in der angefochtenen V
erfügung vom 20. November 2017
zusammengefasst den Standpunkt, das von ihr in Au
ftrag gegebene psychiatrische
Gutachten
von Dr.
E._
diene als Entscheidungs
grundlage. Der Gutachter habe
im Wesentlichen eine Depression
mit
gegenwärtig leichte
r bis mittelgradiger Ausprägung
diagnostiziert. Aus dem Untersuchungs
bericht gehe ausserdem hervor, dass die depressiven Krisen jeweils von schwieri
gen Lebensumständen wie beispielsweise Stellenverlust oder Todesfällen im näheren Umfeld hervorgerufen worden seien. Solche äusseren Faktoren könne die Invalidenversicherung nicht berücksichtigen. Eine leichte oder mittelgradige depressive Erkrankung vermöge die Arbeitsfähigkeit grundsätzlich nicht in erheblichem Ausmass einzuschränken und sei in der Regel medikamentös und therapeutisch gut behandelbar. Beim Versicherten sei zudem nicht von einer Behandlungsresistenz auszugehen.
Vor allem die medikamentöse Therapie habe in der Vergangenheit eine
B
esserung der depressiven Symptomatik
be
wirkt. Unte
r konsequenter und langfristiger
Einnahme der antidepressiven Medikation sei von
einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit auszugehen.
Deshalb könne
sich die IV-Stelle nicht auf die gutachterlich attestierte Arbeitsunfähigkeit von 50 % stützen. Zusammenfassend sei keine Diagnose mit dauerhafter und erheblicher Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit ausgewiesen, weshalb kein Anspruch auf Leistun
gen der Invalidenversic
herung bestehe (Urk. 2 S. 2).
In Bezug auf die vom Beschwerdeführer im
Vorbescheidverfahren
geltend gemachten Einwände merkte die IV-Stelle sodann an, dass die depressiven Einbrüche durch die erwähnten Schicksalsschläge ausgelöst worden se
ien und die anhaltende Belastung
durch die schwierigen Lebensumstände
auch dazu führe, dass sich diese depressiven Krisen in die Länge
zögen
und zwischen diesen Einbrüchen keine vollständige Heilung eingetreten sei. Zusammenfassend sei unter Wegfall der belastenden Lebensumstände und unter adäquater antidepres
siver Behandlung inklusive Medikation nicht mehr von einer relevanten Einschränkung auszugehen. Selbst wenn noch eine
Dysthymie
zurückbliebe, sei dieser keine erhebliche Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zuzuschreiben
(Urk. 2 S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer lie
ss in seiner Beschwerdeschrift
gegen diese Beurteilung im Wesentlichen einwenden,
dem Gutachten von Dr.
E._
sei zu entnehmen, dass
, er,
der Versicherte
, sich
einmal wöchentlich
in
Psychotherapie
zu
Dr.
I._
begebe
sowie zusätzlich alle zwei Wochen an der Selbsthilfegruppe Equilibrium teilnehme. Ergänzend komme die Spitex einmal
pro
Woche und unterstütze
ihn
, damit eine optimal auf seine Einschränkung angepasste Therapie realisiert wer
den könne. Er habe
sodann
vom 23. März bis 8. Mai 2015 eine stationäre Psychotherapie wahrgenommen, weshalb auch objektiv ein erheblicher Leidens
druck ausgewiesen sei.
Entsprechend seien die attestierten Diagnosen ergangen. Insbesondere die Diagnose der
Dysthymie
erkläre aus medizinischer Sicht die
Chronifizierung
der Einschränkung bei «nur» leicht
-
bis knapp mittelgradiger Episode, was eine
r
Überwindbarkeit d
er Einschränkung entgegenstehe (Urk. 1
S. 5 f.).
Dr.
E._
gehe in seinem Gutachten von einer Einsc
hränkung der Belastbarkeit und der Durchhaltefähigkeit aus, wobei die Einschätzung unter Abstraktion der multiplen psychosozialen Faktoren erfolgt sei. Eine auf diese psychosozialen Belastungsfaktoren zurück
zu
führende Einschränkung sei demnach bei der atte
s
tierten Restarbeitsfähigkeit von
50 % vom Gutachter bereits abgezogen worden. Die Beschwerdegegnerin gehe demgegenüber davon aus, dass die depressiven Einbrüche durch Schicksalsschläge ausgelöst worden seien und setze sich damit über die medizinische Würdigung der Belastungsfaktoren durch Dr.
E._
hin
weg.
Damit
überschreite sie ihre
Kompetenz als Rechtsanwenderin, denn
es handle
sich
dabei
um eine
Frage d
er Einschätzung der Krankheit
(Urk. 1 S. 6).
Sodann sei darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdegegnerin am 26. Juli 2017
ohne Orientierung des Beschwerdeführers und nach Erstellung des Gutachtens Ergänzungsfragen an den Gutachter gestellt habe. Der Beschwerdeführer habe weder die Möglichkeit gehabt
,
sich vor der Beantwortung durch den Gutachter zu diesen nachträglichen Fragen zu äussern, noch sei ihm die Möglichkeit einge
räumt worden, Anschlussergänzungsfragen zu stellen. Entsprechend sei eine Ver
letzung des rechtlichen Gehörs zu rügen, weshalb die Ergänzungsfragen und die gestützt darauf ergangenen Antworten des Gutachters vom 4. August 2017 nicht zu beachten seien (Urk. 1 S. 7).
Soweit die
beantworteten Rückfragen
des Gutachters vom 4. August 2017 trotz
dem zu beachten seien, sei zu berücksichtigen,
dass die
Ausführungen von Dr.
E._
sein
e
bisherigen Ausführungen zur Arbeitsunfähigkeit von 50 % unter Abstraktion
von
de
n
psychosozialen Belastungsfaktoren nicht
zu widerrufen vermögen
. Dr.
E._
erkläre damit, dass neben der psychiatrischen Einschrän
kung mit invalidisierendem Charakter be
lastungsabhängige Faktoren bestü
nden, die zur
Chronifizierung
der psychiatrischen Grunderkrankung beigetragen hätten und auch geeignet seien
,
Selbstwertkrisen des Beschwerdeführers auszulösen.
Die Krankheit sei weder durch psychosoziale Faktoren ausgelöst worden, noch hätten allein psychosoziale Faktoren für die
Chronifizierung
der psychiatrischen
Erkran
kung gesorgt (Urk. 1 S. 7
).
Auch in der anonymen Konsistenzprüfung gemäss Feststellungsblatt vom 24. August 2017 (Urk. 7/146/6 ff.)
werde ohne entsprechende medizinische Anhaltspunkte die Behauptung aufgestellt, bei Wegfall der psychosozialen Belas
tungsfaktoren sei möglicherweise auch die depressive Symptomatik verringert oder ganz weg. Der Gutachter hingegen habe durch die bereits mehrfach erwähnte Abstraktion
von den
psychosozialen Faktoren zum Ausdruck gebracht, dass die gesundheitliche Einschränkung unabhängig davon bestehe.
Sodann bezeichne er die therapeutischen Optionen als durch den Beschwerdeführer wahrgenommen.
Es sei zudem darauf hinzuweisen, dass selbst eine
Dysthymie
(mit-)invalidisierend sein könne, wenn wie vorliegend eine akzentuierte Persönlichkeit zu diagnos
tizieren sei und im Intervall zur
Dysthymie
eine Double Depression diagnos
tiziert werde (Urk. 1 S. 8 f.).
Schliesslich sei die Angelegenheit dem RAD-Arzt
pract
. med.
F._
vorgelegt worden, welchem der erforderliche Facharzttitel sowie die erforderliche Tätig
keitsbewilligung für die Schweiz fehle, weshalb seine Ausführungen nicht zu beachten seien. Weiter sei dem Feststellungsblatt eine Konsistenzprüfung
mit
unbekannte
r
Urheberschaft zu entnehmen, welcher sämtliche Kompetenz abge
sprochen werde, zumal
die
medizinische
n
Würdigungen vermutungsweise durch einen medizinischen Laien angestel
l
t worden seien.
Hierzu sei zusätzlich Willkür sowie die Verletzung des Anspruchs auf
ein faires Verfahren zu rügen (Urk. 1 S. 9).
Zusammenfassend sei festzuhalten, dass dem Beschwerdeführer gestützt auf die medizinische Beurteilung von Dr.
E._
und in Gesamtbetrachtung der medizi
nisch aufgestellten Indizien der Nachweis gelinge, dass er dauerhaft zu mindes
tens 50 % e
rwerbsunfähig sei
und deshalb mindestens Anspruch auf eine halbe Invalidenrente habe. Sodann werde zusätzlich die Gewährung eines leidensbe
dingten Abzuges beantragt, namentlich aufgrund von Müdigkeit und fortge
schrittenem Alter (Urk. 1 S. 10).
2.3
Mit Beschwerdeantwort vom 8. Februar 2018 verwies die IV-Stelle auf ihre Verfügung vom 20. November 2017 und hielt zudem fest, dass der Beschwerde
führer über mobilis
ierende Ressourcen verfüge und sein
Tagesablauf eine gewisse Struktur und einige Aktivitäten ausweise. Bei nicht ausgeschöpften therapeu
tischen Möglichkeiten sei zudem von keinem grossen Leidensdruck auszugehen. Mit dem Kontaktabbruch durch seine Söhne, der Arbeitslosigkeit, den finanziellen Problemen sowie den erfolglosen und frustrierenden Bewerbungsbemühungen
würden des Weiteren verschiedene psychosoziale Belastungsfaktoren vorliegen, welche bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auszuklammern seien (Urk. 6 S.
2
).
2.4
In
der Replik vom 21. März 2018 hielt der Beschwerdeführer an seiner Argumen
tation fest und führte zudem aus,
aufgrund
seines
sozialen Rückzugs sei eine Minderung der persönlichen Ressourcen belegt.
Die Leistungsfähigkeit sei im
Verhältnis zur geltend gemachten Erwerbsunfähigkeit
von
50 % zu beachten, da er nicht geltend mache, dass e
r gar nicht leistungsfähig sei
.
Seine
Leistungs
be
reitschaft und die Erkenntnis
, dass ihm ein strukturierter Tagesablauf nicht guttue, dürfe aufgrund der gesundheitlich bedingten Selbstüberforderungsten
denz nicht leichtfertig als Ressource angenommen werden
.
Auch sei durch die
regelmässige Teilnahme an Therapiesitzungen
und
an einer Selbsthilfegruppe sowie
der medikamentösen Therapie
ein grosser Leidensdruck
ausgewiesen (Urk. 9 S. 3 f.
).
3.
3.1
Zunächst ist
- da formeller Natur (vgl. BGE 132 V 387 E. 5.1, 127 V 431 E. 3d/
aa
;
)
-
auf die Rüge des Beschwerdeführers
betreffend Verletzung des rechtlichen Gehörs einzugehen.
Der Beschwerdeführer
rügt, er
habe weder die Möglichkeit gehabt sich vor der Beantwortung der Rückfragen
an
den Gutachter zu diesen zu äussern, noch sei ihm die Möglichkeit eingeräumt worden, Anschlussergänzungs
fragen zu stellen (Urk. 1 S. 7).
3.2
Gemäss
Art.
29
Abs.
2
der Bundesverfassung (
BV
)
haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass des in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1 mit Hinweisen).
Gemäss Art. 57a Abs. 1 IVG teilt die IV-Stelle der versicherten Person den vorgesehenen
Endentscheid über ein Leistungsbegehren oder den Entzug oder die Herabsetzung einer bisher gewährten Leistung mittels Vorbescheid mit (Satz 1). Die versicherte Person hat Anspruch auf
rechtliches
Gehör im Sinne von Art
.
42 Satz 2 ATSG. Die Parteien können innerhalb einer Frist von 30 Tagen Einwände zum Vorbescheid vorbringen (Art. 73
ter
Abs. 1
der Verordnung über die Invalidenversicherung;
IVV). Der Sinn und Zweck des
Vorbescheidverfahrens
besteht darin, eine unkomplizierte Diskussion des Sachverhalts zu ermöglichen und dadurch die Akzeptanz des Entscheids bei den Versicherten zu verbessern (BGE 134 V 106 E. 2.7). Das
Vorbescheidverfahren
geht über den verfassungs
rechtlichen Mindestanspruch auf
rechtliches
Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) hinaus, indem es Gelegenheit gibt, sich nicht nur zur Sache, sondern auch zum vorge
sehenen Endentscheid zu äussern (Urteil des Bundesgerichts 9C_617/2009 vom 15. Januar 2010 E. 2.1).
3.3
Nach Eingang des psychiatrischen Gutachtens von Dr.
E._
vom 12. Juli 2017 (Urk. 7/142)
sowie der von der IV-Stelle veranlassten Beantwortung von Rück
fragen (Urk.
7/144),
der anschliessenden Stellungnahme des RAD
-Arztes
pract
. med.
F._
vom
9. August 2017 (Urk. 7/146/6)
sowie der anschliessenden Ressourcenprüfung
durch die IV-Stelle
(Urk. 7/146/6 ff.)
,
erliess die
se
am 24. August 2017 den Vorbescheid unter einer Fristansetzung von 30 Tagen
,
um dazu Stellung zu nehmen (Urk. 7/147). Am 29. August 2017 liess der Versicherte die Zustellung des Gutachtens, der vollständigen Akten und eine Fristerstreckung zur Stellungnahme beantragen (
Urk.
7/149). Nach
Eingang der Akten beim Rechtsvertreter des Versicherten nahm dieser mit Schreiben vom 28. September 2017 zum Vorbescheid Stellung (Urk. 7/155). Es ist demnach nicht ersichtlich, weshalb es dem Beschwerdeführer nicht hätte möglich sein sollen, sich im Rah
men des
Vorbescheidverfahrens
zu den Rückfragen zu äussern beziehungsweise zu beantragen, es seien Anschlussergänzungsfragen zu stellen.
Er hat auch keine Fragen formuliert, die er dem Gutachter hätte unterbreiten wollen.
Von einer Verletzung des rechtlichen Gehörs ist deshalb nicht auszugehen.
4.
4
.1
V
om 23. Mär
z
bis 8. Mai 2015
hielt sich der Versicherte
in
stationär
er
psychiat
rischer
Behandlung
in der
A._
Privatklinik für
Psychiatrie und Psychotherapie auf (Urk. 7/46/10 ff.). Die behandelnden Arztpersonen stellten im Austrittsbericht vom 11. Mai 2015 die Diagnose einer rezidivierenden depres
siven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1
; Urk. 7/46/10
).
Aus
serdem hätten sich Hinweise auf eine Persönlichkeitsakzentuierung mit ve
rmin
derter Frustrationstoleranz, Kränkungserleben und unterschwellig forderndem Verhalten gezeigt (Urk. 7/46/12). Zur Arbeitsfähigkeit äusserten sich die behan
delnden Arztpersonen nicht und empfahlen die Fortsetzung der
medikamentösen Therapie für mindestens neun Monate sowie eine weiterführende
ambulante Behandlun
g (Urk. 7/46/12).
4.2
Med.
pract
.
G._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie und Oberarzt am Psychiatriezentrum
H._
, berichtete der Beschwerdegegnerin am 4. Januar 2016 über die psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung des Versicherten.
Diese
sei in ambulanter Form im F
ebruar 2013
aufgenommen wor
den (Urk. 7/46/3
).
Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führte er
eine rezidivie
rende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1)
,
sowie eine Familienzerrüttung durch Trennung/Scheidung (ICD-10: Z63.5) auf (Urk. 7/46/2). In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als technischer Kaufmann
attestierte er eine andauernde 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit Juni 201
4.
In einer leidensangepassten Tätigkeit
empfahl
er eine angepasste und stets adaptionsmög
liche Belastungsprofilierung,
zum Beispiel
zu
Beginn
mit
circa zwei Stunden pro Tag.
Hinsichtlich möglicher Ei
ngliederungsmassnahmen führte med.
pract
.
G._
aus, dass sich diese positiv auswirken würden. Er rechne mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit beziehungsweise Erhöhung der Ein
satzfähigkeit ab Januar/Februar 2
016 im Umfang von 20 %
(Urk. 7/46/5 f.).
4.3
In der Folge
bemühte sich die IV-Stelle
,
den Versicherten mit beruflichen Mass
nahmen einzugliedern. Aus dem Abschlussbericht
von
C._
vom 30. März 2017 geht hervor, dass der Versicherte
im ersten Arbeitsmarkt zwischenzeitlich eine maximale Präsenzzeit von
sechseinhalb bis sieben
Stunden täglich
habe realisie
ren können
.
Zusammenfassend gehe man allerdings von einer 50%igen Leis
tungsfähigkeit in einer einfachen, ang
epassten Hilfstätigkeit aus (Urk. 7/126/2).
4.4
Dr.
E._
erstattete sein von der IV-Stelle in Auftrag gegebenes Gutachten am 12. Juli 2017 und nannte folgende Diagnosen (Urk. 7/142/17 f., 7/142/20 f.):
-
double Depression mit rezidivierender depressiver Störung, gegenwärtig leichte bis knapp mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F33.0/1) mit
Dysthymie
im Intervall (ICD-10: F34.1)
-
akzentuierte Persönlichkeit mit narzisstischen und neurasthenischen Anteilen (ICD-10: Z73.1)
-
anamnestisch kurzzeitiger Alkoholabusus, gegenwärtig glaubhaft bis auf einen minimen Restkonsum abstinent
Er
führte aus, der Versicherte habe Mühe gehabt, seine Beschwerde
n
zu beschrei
ben und sei immer wieder auf die multiplen Belastungen der letzten Jahre ausge
wichen
(Urk. 7/142/12)
.
Die Kontaktaufnahme sei freundlich und zugewandt erfolgt. Die Grundstimmung sei leicht bis knapp mittelgradig niedergeschlagen und die affektive Modulation zum depressiven Pol hin verschoben. Der Ver
sicherte habe über Freud- und Interesseverminderung, Konzentrationsbeeinträch
tigungen und
gesteigerte
Ermüdbarkeit geklagt.
Die Aufmerksamkeit und die Konzentration seien klinisch jedoch nicht beeinträchtigt
(Urk. 7/142/14)
.
Es bestehe
hingegen
eine Einschränkung der Belastbarkeit un
d
der Durchhaltefähig
keit
. Im Rahmen der narzisstischen Persönlichkeitskomponente und des sozialen Rückzugs sei eine leichte Einschränkung der Gruppenfähigkeit anzunehmen (Urk. 7/142/18).
Seit einer Medikationsumstellung vor ungefähr drei Wochen würden wieder verstärkt Ein- und Durchschlafstörungen auftreten.
Ausserdem habe der Versicherte eine morgendliche Antriebsstörung beschrieben. Obwohl Suizidideen geschildert worden seien, sei eine akute Suizidalität zu verneinen.
Ebenfalls zu verneinen seien
Wahninhalte oder
produktiv-psychotische Symp
tome
.
Es
bestünden keine Hinweise auf Ich-Störungen oder Zwänge.
Beim Erhe
ben der Berufsanamnese sei eine ehrgeizige, leistungsorientierte und narzisstische Persönlichkeitskomponente feststellbar. Der Versicherte sei am Schluss der Untersuchung erschöpft gewesen. Ansonsten sei er bewusstseinsklar, wach sowie allseits orientiert. Schuld- und Insuffizienzgefühle seien von ihm nicht beschrie
ben worden. Hinweise auf Aggravation würden keine vorliegen (Urk. 7/142
/14).
Es bestehe aber eine Diskrepanz zwischen der Selbst- und der Fremdeinschätzung.
Klinisch sei eine leichte bis knapp mittelgradige depressive Symptomatik fest
stellbar, wobei der Versicherte zwischen den depressiven Phasen
dysthyme
Züge sowie neurasthenische Komponenten aufweise.
Durch die wiederholten und seit mindestens 2013 andauernden psychosozialen Belastungen sowie die aktuelle, schwierige Gesamtsituation sei die Belastbarkeit vermindert. Das wiederholte Scheitern in verschiedenen Berufsber
ei
chen sei zumindest teilweise auch durch die Selbstüberforderungstendenz bei narzisstischer Selbstüberschätzung bedingt.
Für eine Tätigkeit im Bereich Telekommunikation/Bürotätigkeit
gehe er von einer Teilarbeitsfähig
k
eit
von
50 % ab Ende 2014/
Anfang
2015 aus,
wobei die
leistungsmässige und zeitliche Einbusse integriert beurteilt
worden sei.
Ab Mai 2014 habe im Rahmen der massiven Belastungssituation kurzfristig eine vollstän
dige Arbeitsunfähigkeit während ungefähr drei bis sechs Monaten bestanden. Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sei medizinisch-theoretisch unter Abstraktion von IV-fremden psychosozialen Belastungsfaktoren erfolgt, welche den Verlauf jedoch zusätzlich negativ moduliert hätten.
Mittel- bis langfristig, in ein bis zwei Jahren,
gehe er von einer weiteren Stabilisierung der Funktionsbeeinträchtigun
gen aus, so dass eine höhere Arbeitsfähigkeit erreicht werde
n könne
(Urk. 7/142/17
f., 7/142/23).
4.5
Am 4. August 2017 nahm Dr.
E._
zu Rückfragen Stellung (Urk. 7/144). Er hielt fest, dass die verminderte Belastbarkeit, die rasche Erschöpfbarkeit, die im Verlauf des Arbeitstrainings beschriebene Verlangsamung sowie die anhaltende depres
sive Verstimmung mit Grübeln bezüglich der Lebensentwicklung und der multip
len psychosozialen Belastungen
die von ihm attestierte 50%ige Arbeitsfähigkeit
bewirke
(Urk. 7/144/1).
Aufgrund der narzisstischen Persönlichkeitsstruktur und der erhöhten Kränkbarkeit sowie der Leistungsorientierung mit Tendenz zur Selbstüberforderung gerate der Versicherte immer wieder in Selbstwertkrisen.
Auslöser seien jeweils psychosoziale Belastungen und deren Anhalten trage zur
Chronifizierung
der depressiven Symptomatik bei (Urk. 7/144/3).
Er schätze die Arbeitsfähigkeit des Versiche
rten nach wie vor auf 50 % ein, da keine wesentliche oder anhaltende Verschlechterung eingetreten sei (Urk. 7/144/3 f.).
5
.
5
.1
Die IV-Stelle hielt das psychiatrische Gutachten von Dr.
E._
vom 1
2. Juli 2017
und dessen ergänzende Ausführungen vom
4.
August 2017
für beweiskräftig.
Während die im Gutachten dokumentierten Diagnosen zwischen den Parteien grundsätzlich unbestritten sind,
besteht Uneinigkeit bezüglich der Frage, ob die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in seiner bisherigen Tätigkeit aus psy
chischen Gründen
invalidisierend
ist
.
Während die Beschwerdegegnerin die von Dr.
E._
attestierte Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit auf der Grundlage einer von ihr durchgeführten Ressourcenprüfung nicht anerkennt (Urk. 2 S. 2, 7/146/6 ff.), vertritt der Beschwerdeführer den Standpunkt, auf die Beurteilung des psychiatrischen Gutachtens kön
ne abgestellt werden (Urk. 1 S.
9).
Strittig und zu prüfen ist
demnach
,
ob die Beschwerdegegnerin zu Recht
bezüglich der Arbeitsfähigkeit
vom psychiatrischen Gutachten von Dr.
E._
(Urk. 7/142) abw
eicht.
Dr.
E._
ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, so dass er zur Beur
teilung des psychischen Leidens des Beschwerdeführers grundsätzlich befähigt ist. Sein
Gutachten
basiert
auf umfassenden
psychiatrischen Abklärungen un
d wurde in Kenntnis der
Vorakten
erstellt (Urk. 7/142/2 ff.). Der Versicherte konnte dem Gutachter seine aktuellen Beschwerden schildern und wurde von diesem eingehend befragt (Urk. 7/142/11 ff.). Die geklagten Leiden wurden im Rahmen der Feststellung der Diagnosen berücksichtigt, wobei sowohl diese als auch die aus medizinischer Sicht resultierenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit überzeugend dargelegt und erläutert wurden (Urk. 7/142/15 ff., 7/142
/23
f.). Soweit möglich setzte sich der
Gutachter ausserdem mit vorangegangenen ärzt
lichen Beurteilungen auseinander
(Urk. 7/142/16 f., 7/142/20 f.). Insgesamt erfüllt das Gutachten die formalen Kriterien für eine beweiswerte medizinische Expertise (vgl. E.
1.4).
5.2
Das psychiatrische Gutachten von Dr.
E._
vom 12. Juli 2017 wurde vor der Rechtsprechungsänderung zum strukturierten Beweisverfahren für nunmehr sämtliche psychische Erkrankungen erstellt.
Übergangsrechtlich ist bedeutsam, dass die vor der Rechtsprechungsänderung eingeholten Gutachten nicht einfach ihren Beweiswert verlieren. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweis
grundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 141 V 281 E. 8 unter Hinweis auf BGE 137 V 210 E. 6). Mithin ist im konkreten Fall zu klären, ob die beigezogenen Gutachten – allenfalls zusammen mit weiteren fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurteilung anhand der massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Umständen eine
punktuelle Ergänzung genügen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 5.2.2 und 8C_300/2017 vom 1. Februar 2018 E. 4.2).
5.3
5.3
.1
Zunächst ist auf den funktionellen Schweregrad der Erkrankung einzugehen und damit im Zusammenhang auf die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome des Krankheitsgeschehens (BGE 141 V
281 E.
4.3.1.1). Dr.
E._
hat eine Einschränkung der Belastbarkeit und der Durchhaltefähigkeit sowie im Rahmen der narzisstischen Persönlichkeitskomponente und des sozialen Rück
zugs eine leichte Einschränkung der
Gruppenfähigkeit festgestellt (Urk. 7/142/18
, 7/144/1
). Daneben besteht weitgehend
eine
Freud- und Interesseverminderung
(Urk. 7/142/14)
.
Zudem leidet der Beschwerdeführer, wie in der Anamnese und in den Akten konsistent beschrieben, an Ein- und Durchschlafstörungen (Urk.
7/30/2,
7/46/3,
7/142/13). Aufgefallen ist Dr.
E._
auch die rasche Erschöpfbarkeit
(Urk. 7/142/14).
Der Beschwerdeführer schilderte einen
mehrheit
lich
strukturierten Alltag (Urk. 7/142/14).
Während der Dauer der Exploration sass er ruhig auf seinem Stuhl und wirkte bewusstseinsklar, wach und allseits orientiert (Urk.
7/142/14).
Er
präsentierte sich im Zeitpunkt der Begutachtung in einer leicht
-
bis knapp mittelgradig depr
essiven Episode (Urk. 7/142/18).
Im Zuge der Begründung der von ihm gestellten Diagnose – namentlich der rezidivieren
den depressiven Störung, gegenwärtig leichte bis knapp mittelgradige depressive Episode – verwies Dr.
E._
ausführlich auf die belastenden Lebensereignisse des Versicherten, welche als psychosoziale Belastungsfaktoren jeweils Auslöser der
immer wiederkehrenden Selbstwertkrisen
gewesen seien (Urk. 7/144/3
).
Im Intervall zwischen den depressiven Phasen weise
der Beschwerdeführer zudem
dysthyme
Züge sowie neurasthenische Komponenten auf. Ausserdem bestehe eine Diskrepanz zwischen der Selbst- und der Fremdeinschätzung
(Urk. 7/142/17).
Die von Dr.
E._
gestellten Diagnosen vermögen in Anbetracht der erhobenen Befunde zu überzeugen. Es ist nachvollziehbar, dass er auf eine rezidivierende depressive Störung schloss, da der Versicherte in den letzten Jahren bereits mehr
fach depressive Episoden durchlebt und in diesem Zusammenhang ärztliche Hilfe in Anspruch genommen hat
te
, darunter befand sich im Jahr 2015
auch
ein knapp zweimonatiger stationärer Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik (vgl. Urk. 7/46/10 ff.).
Schlüssig ist im Weiteren auch die Einschätzung von Dr.
E._
, dass die psychosozialen Belastungsfaktoren
,
wie etwa die Trennung von der Ehe
frau
, der Kontaktabbruch zu seinen Kindern
, der berufliche Misserfolg
, die Kündigung der Arbeitsstelle oder die finanziellen Sorgen
,
zur
Chronifizierung
der depressiven Symptomatik beigetragen haben
(Urk.
7/142/17
f.
,
7/
144/3)
. Gemäss ICD-10 zur rezidivierenden depressiven Störung werden einzelne depressive
Episoden denn auch häufig durch belastende Lebensereignisse ausg
elöst
(
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.], ICD-10,
Internationale
Klassifikation
psychi
scher Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), Klinisch-diagnostische Leitlinien, 10. Auf
lage, S. 177).
Allerdings kann
nicht gesagt werden,
dass sich das depressive Geschehen in psychosozialen Umständen beziehungsweise nicht versicherten äusseren Umständen erschöpft. Der Gutachter stellte seine Diagnose - wie gesagt - aufgrund der erhobenen Befunde und beschrieb in diesem Sinne durchaus eine verselbständigte psychische Störung. Diesbezüglich legte er aus
drücklich dar, dass diese durch die IV-fremden Umstände jeweils ausgelöst wurde, dass deren Anhalten jedoch nur zur depressiven Symptomatik beitrage, diese aber nicht allein unterhalte. Zudem klammerte er im Rahmen der Zumutbar
keitsbeurteilung die psychosozialen Belastungen ausdrücklich aus (vorstehend
E. 4.4-5).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigent
lichen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen verselbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar
durchaus
invaliditätsbegrün
dend auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012
E. 3.2 mit Hinweisen)
. Davon ist hier auszugehen.
Der Gutachter erachtete die Befunde als knapp mittelgradig ausgeprägt (Urk. 7/144/18), was mit der gestellten Diagnose zu vereinbaren ist.
Entscheidend und zusätzlich zu prüfen ist rechtsprechungsgemäss allerdings, ob nach den übrigen Standardindikatoren
auf einen funktionellen Schweregrad der psychischen Störung zu schliessen ist, der sich nach dessen konkreten Auswir
kungen und insbesondere danach beurteilt, wie stark die versicherte Person in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen dadurch beein
trächtigt ist (BGE 143 V 418 E. 5.2.3).
5.3
.2
In Bezug auf den Indikator Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder
–
resis
tenz
(Verlauf und Ausgang von Therapien; BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2) ergibt sich aus dem G
utachten von Dr.
E._
, dass bereits verschiedene antidepressive medikamentöse Behandlungsversuche erfolgten
und zumindest phasenweise von einer adäquaten Behandlung ausgegangen
wird
. Dr.
E._
interpretiert die depressive Restsymptomatik im Sinne einer
Dysthymie
bei Double Depression. Die Frage in wie weit die narzisstischen Persönlichkeitskomponenten beziehungs
weise die Eigenanteile des Beschwerdeführers in der Psychotherapie angegangen werden können, k
onnte
Dr.
E._
im Rahmen der Begutachtung nicht beurtei
len. Hinsichtlich der aktuellen Situation des Beschwerdeführers hält
er
fest, dass die
fehlende Tagesstruktur und der Rückzug in die Wohnung ungünstig und depressionsfördernd seien und sich eine Aktivierung mit externer Tagesstruktur, idealerweise durch eine Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt, therapeutisch günstig auswirken würde. Die Teilnahme
am Programm einer
Selbsthilfegruppe wirke sich
zudem
günstig aus.
In Bezug auf die Prognose durch die medizinischen Massnah
men hielt Dr.
E._
fest, dass u
nter
konsequenter und langfristiger Weiterfüh
rung der antidepressiven Medikation mittel- bis langf
ristig
wahrscheinlich wieder eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit erreichbar
sei
(Urk. 7/142/21
). So konnte
der Beschwerdeführer
bereits in der Vergangenheit von einer medikamentösen Therapie
profitieren (Urk. 7/
46/12
).
Eine massgebliche Behandlungsresistenz im Sinne des Scheiterns einer indizierten und lege
artis
durchgeführten Therapie ist daher nicht erwiesen.
5.3
.3
Als rechtlich bedeutsame Komorbiditäten
fallen – nebst Begleiterkrankungen mit eigenständiger invalidisierender Bedeutung (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3) – Beschwerden in Betracht, welchen im konkreten Fall ressourcenhemmende Wirkung beizume
ssen ist (vgl. BGE 143 V 418 E.
8.1).
Hinsichtlich der diagnos
tizierten
Dys
t
hymie
bleibt anzumerken, dass diese gemäss Rechtsprechung die Arbeitsfähigkeit nur erheblich zu beeinträchtigen vermag, wenn sie beispielsweise zusammen mit einer ernsthaften Persönlichkeitsstörung auftritt (vgl. BGE 143 V 418 E. 8.1 mit Hinweisen). Diagnosen aus der Z-Kategorie – wie akzentuierte Persönlichkeitszüge – stellen demgegenüber keinen rechtserheblichen Gesund
heitsschaden dar
(Urteil des Bundesgerichts 9C_894/2015 vom 25. April 2016
E. 5.1 mit Hinweis auf 9C_537/2011 vom 28. Juni 2012
E. 3.1 mit weiteren Hinwei
sen)
und f
a
llen daher als
Komorbiditä
r
es
ausser Acht
.
5.3
.4
In Bezug auf die im Komplex Persönlichkeit
(BGE 141 V 281 E. 4.3.2) zu prüfen
den Merkmale (Persönlichkeitsentwicklung und –
struktur
, grundlegende psychi
sche Funktion) ist dem Gutachten von Dr.
E._
zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer in der Kontaktaufnahme freundlich und zugewandt gewesen sei. Die Grundstimmung sei zwar leicht bis knapp mittelgradig niedergeschlagen, die Aufmerksamkeit und die Konzentration seien klinisch aber nicht beeinträch
tigt (Urk. 7/142/
14).
Der Versicherte weise seit der Schulzeit leistungsorientierte und ehrgeizige Persönlichkeitszüge auf. Ausserdem seien im Rahmen der Unter
suchung narzisstische und neurasthenische Züge mit Selbstüberforderungsten
denz deutlich geworden. Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung liessen sich jedoch nicht eruieren (Urk. 7/142/19)
, so dass insoweit keine ressourcenhem
mende Faktoren ersichtlich sind
.
Wie der Beschwerdeführer geschildert habe, stehe er morgens zwischen 6:00 und 7:00 Uhr auf. Weil ihm das Aufstehen Mühe bereite, benötige er dafür ungefähr
30 Minuten. Danach dusche
er,
ziehe sich an und trinke einen Kaffee.
Anschlies
send
gehe er einkaufen oder setze
sich an den Computer und schreibe während circa zwei bis drei Stunden Bewerbungen beziehungsweise suche nach einer geeigneten Arbeitsstelle.
Am Mittag esse er kalt, da er nur ungefähr zweimal wöchentlich etwas koche
. Nachmittags schlafe er für ein bis zwei Stunden und schaue anschliesse
nd TV oder lasse sich durch Mus
ik berieseln. Eventuell verrichte er noch Haushaltsarbeiten. Da er sich nicht aufraffen könne, bleibe vieles liegen. Zwischen 18:00 und 19:00 Uhr esse er etwas und schaue danach wieder TV. Lesen könne er nicht, da er sich nicht konzentrieren könne. In der Regel gehe er schliesslich zwischen 22:00 und 23:00 Uhr ins Bett und benötige 30 bis 60 Minuten um einschlafen zu können. Ungefähr dreimal wöchentlich schlafe er unruhig, träume schlecht und wache alle
eineinhalb bis zwei
Stunden auf (Urk. 7/142/14).
Schliesslich ist dem Gutachten von Dr.
E._
zu entnehmen,
dass
die Leistungsbereitschaft und die Erkenntnis des Beschwerdeführers, dass ihm der unstrukturierte Tagesablauf ohne Beschäftigung nicht guttue, als Ressourcen
einzustufen
seien (Urk. 7/142/19).
5.3
.5
Hinsichtlich des sozialen Kontextes
(BGE 141 V 281 E. 4.3.2) ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer
seit 2016
geschieden ist und zwei Kinder hat.
Seit der Trennung von seiner Ehef
rau 2013 habe er keinen Kontakt mehr zu seinen Söhnen, obwohl er sich um die Aufrechterhaltung der Beziehung bemüht habe. Sein Vater, seine Mutter und seine Schwester seien verstorben
(Urk. 7/142/11)
.
Er habe praktisch mit niemandem Kontakt ausser seinem Therapeuten und ziehe sich sozial zurück. Er gehe zweimal wöchentlich einkaufen und verbringe die übrige Zeit in seiner Wohnung. Alle zwei Wochen besuche er eine Selbsthilfe
gruppe bezüglich
seiner D
epression. Sonntags besuche er -
wenn er sich aufraffen könn
e -
den Gottesdienst, habe allerdings
bisher ka
um privaten Anschluss gefunden (Urk. 7/142/13).
Insgesamt zeigt sich, dass der Beschwerdeführer praktisch über kein soziales Netzwerk verfügt, welches potentiell mobilisierende Ressourcen enthalten würde. Zu berücksichtigen ist aber auch, dass
der Kontakt
abbruch zu seinen Söhnen
nach der Trennung seiner Ehefrau unfreiwillig geschah. Diesbe
züglich gab der Beschwerdeführer selber an, er habe sich um die Aufrechterhal
tung der Beziehung bemüht (Urk. 7/142/11).
Weiter spricht der Umstand, dass der Beschwerdeführer davon spricht, in der Kirche noch keinen privaten Anschluss gefunden zu haben (vgl. Urk. 7/142/13), für seine Motivation einem sozialen Rückzug entgegenzuwirken.
Im Übrigen ist der Beschwerdeführer in der Lage, seinen Alltag selbständig zu bewältigen
(vgl. Urk. 7/142/14).
5.4
5.4
.1
Zur
gleichmässigen Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in all
en Lebensbe
reichen
beim Thema Konsistenz
(BGE 141 V 281 E. 4.4.1)
geht
aus dem Gutachten hervor, dass die erhobenen Untersuchungsbefunde mit den anamnestischen Angaben
zum
Aktivitätsniveau des
Beschwerdeführers übereinstimmen
(Urk. 7/142/22).
So gab der Beschwerdeführer an, er
besuche den Turnverein nicht mehr, könne sich
beim
Lesen
nicht mehr
konzentrieren und sei nicht mehr so leistungsfähig wie früher (Urk. 7/142/14, 7/142/23). Wenngleich der Beschwerde
führer in seinen privaten Aktivitäten eine Einschränkung schildert, ist festzuhalten, dass er im Tagesverlauf einigen
Aktivitäten – wie etwa in die Kirche gehen, zweimal wöchentlich kochen, Haushaltarbeiten erledigen und einkaufen gehen – nachgeht
(Urk. 7/142/14)
. Von einer gleichmässigen Reduktion des Aktivitätsniveaus in allen Lebensbelangen (berufliche und persönliche Aktivitä
ten) kann daher nicht ausgegang
en werden.
5.
4
.2
Was den
behandlungs- und eingliederungsanamnest
isch ausgewiesenen Leidens
druck
(BGE 141 V 281 E. 4.4.2) angeht, ist nicht von der Hand zu weisen, dass
beim Beschwerdeführer bereits verschiedene antidepressive medikamentöse Behandlungsversuche erfolgten, Dr.
E._
allerdings lediglich phasenweise von einer adäquaten Behandlung ausgeht (Urk. 7/142/
21). Des Weiteren
ist der Beschwerdeführer seit 2013 immer wieder in psychiatrischer Behandlung
, wobei er zum Gutachtenszeitpunkt einmal wö
chentlich seinen Psychiater Dr.
I._
konsultiert
e
(Urk. 7/142/13). Darüber hinaus war er
vom 23. März bis 8. Mai 2015 in stationärer psychiatrischer Behandlung (Urk.
7/46/10 ff.). Ausserdem besucht er seit Juli 2017 eine Selbsthilfegruppe bezüglich Depressionen (Urk. 7/142/13). Angesichts der Umstände ist ein gewisser Leidensdruck nachvollziehbar.
5.5
Dr.
E._
erachtete in der angestammten Tätigkeit im Bereich Telekommunika
tion/Bürotäti
gkeit ab circa Ende 2014/Anfang
2015
eine Arbeitsfähigkeit von 50 % als zumutbar, wobei diese Einschätzung medizinisch-theoretisch unter Abstraktion der IV-fremden psychosozialen Belastungsfaktoren erfolgt sei (Urk. 7/142/23 f.).
In Würdigung der Standardindikatoren hat er zu Recht darauf geschlossen, dass die ressourcenhemmenden Faktoren überwiegen, und hat ent
sprechend zu Recht auf eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund der sich aus der psychischen Störung ergebenden Einschränkungen der verminderten Belastbarkeit und der schnellen Erschöpfung geschlossen (vgl. Urk.
7/142/18, 7/144/1).
Was das Ausmass und den Verlauf der psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeit anbelangt, erschei
n
t die attestierte 50%ige Arbeits
unfähigkeit rückwirkend ab
Ende 2014/Anfang 2015
als
nachvollziehbar
.
Gleichzeitig wies
Dr.
E._
prognostisch darauf hin, bei konsequent fortgeführ
ter Behandlung sei mittel- bis längerfristig mit einer Steigerung der Arbeitsfähig
keit zu rechnen (Urk. 7/142/21,
Urk.
7/144/3). Auch diese Beurteilung erweist sich vor
dem Hintergrund der gestellten Diagnosen und der verschiedenen vorhande
nen Ressourcen als nachvollziehbar. Die abweichende Beurteilung gemäss dem eingereichten Bericht von
Dr.
I._
vom 2
0.
März 2018, wonach mit keiner Arbeitsfähigkeit über 50
%
mehr gerechnet werden könne (Urk. 10), vermag nicht zu überzeugen.
Dr.
I._
begründete diese Einschätzung denn auch nicht näher. Der prognostizierte günstige Verlauf wird im weiteren Verlauf revisionsweise zu überprüfen sein.
Zusammenfassend ergibt sich, dass das Gutachten von
Dr.
E._
vom 1
2.
Juli 2017 und dessen Ergänzung vom
4.
August 2017 eine hinreichende Beurteilung der Standardindikatoren erlauben. Gestützt auf diese ist davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer im Beurteilungszeitpunkt die bisher ausgeübte und auch jede andere in Frage kommende Tätigkeit im Umfang von 50
%
zumutbar gewesen ist.
6
.
6
.1
Es bleibt damit die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen vorzunehmen, wobei der Beschwerdeführer unbestrittenermassen als zu 100 % Erwerbstätiger zu qualifizieren ist (vgl. Urk. 7/146/8).
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
6
.2
Aktuell geht der Beschwerdeführer keiner Erwerbstätigkeit nach. Er
ist
t
ech
nischer Kaufmann
sowie
eidgenössisch diplomierter Elektromonteur und
war in verschiedenen Branchen im Bereic
h Administration/Verkauf tätig (Urk. 7/14, 7/52, 7/142/11 f.). Gemäss der beweiskräftigen medizinischen Beurteilung ist
nach wie vor auch diese Tätigkeit im Bereich Telekommunikation/Bürotätigkeit
in einem Pensum von 50 % zumutbar. Da im genannten Umfang auch die bishe
rige Tätigkeit zumutbar ist, sind sowohl das Validen- als auch das Invalidenein
kommen ausgehend von denselben Lohnansätzen zu berechnen
(Urteil des Bun
desgerichts 9C_675/2016 vom 1
8.
April 2017 E. 3.1, 3.2.1)
.
6.3
6.3.1
Zu prüfen bleibt, inwiew
eit ein leidensbedingter Abzug vorzunehmen ist.
Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnitt
lichem erwerblichem Erfolg verwerten (BGE 126 V 75 E. 5b/
aa
). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Ein
zelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25
%
nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
bb
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Inva
lideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurtei
lung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschrän
kungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einflies
sen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (Urteil
des Bundesgerichts
9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1 mit Hinweisen; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.1).
6.3.2
Der Beschwerdeführer machte einen leidensbedingten Abzug wegen seiner Müdigkeit sowie seines Alters geltend (Urk. 1 S. 10).
Die Müdigkeit wurde
bereits bei der Beurteilung der attestierten Arbeitsfähigk
eit berücksichtigt, weshalb sie nicht
zusätzlich in die Bemessung des leidensbedi
ngten Abzugs einzufliessen hat.
Im Übrigen spricht auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer gemäss Abschlussbericht
von
C._
vom 30. März 2017 zwischenzeitlich eine maximale Präsenzzeit von 6,5 bis 7 Stunden täglich realisieren konnte dafür
(vgl. Urk. 7/126/2)
, dass ihm eine 50%ige Arbeitsfähigkeit oh
ne zusätzliche Gewährung eines leidensbedingten Abzuges aufgrund seiner Müdigkeit möglich ist.
Hinsichtlich des Alters
ist zu bemerken, dass der bei Erstattung des Gutachtens erst 53 Jahre alte Beschwerdeführer bis 2014 stets gearbeitet hat und insbeson
dere für die ihm nach wie vor mögliche Tätigkeit
im Bereich Telekommunika
tion/Bürotätigkeit über beträchtliche Berufserfahrung verfügt (vgl. Urk. 7/52).
Folglich rechtfertig sich unter den vom Beschwerdeführer genannten Gesichts
punkten kein leidensbedingter
Abzug
.
6
.4
Die
50%ige Arbeitsunfähigkeit bestand laut dem psychiatrischen Gutachter Dr.
E._
– unter Berücksichtigung der
kurzfristigen vollständigen Arbeitsun
fähigkeit während ungefähr drei bis sechs Monaten -
ab
Mai 2014
(Urk. 7/142/23).
Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach
Art.
29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 1
8. Alters
jahres folgt (Abs. 1).
Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (Abs. 3).
Die Anmeldung des Beschwerdeführers ging am 30. Oktober 2014 bei der IV-Stelle ein (Urk. 7/5/1), weshalb unter Berücksichtigung der sechsmonatigen Karenzfrist ein Rentenanspruch ab dem 1. April 2015 in Frage kommt. Der Beschwerdeführer ist seit Mai 2014
zu
50 % arbeitsunfähig, weshalb er Anspruch auf eine halbe Invalidenrente ab 1. Mai 2015 hat. Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
7.
7
.
1
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung. Das Verfahren ist daher kostenpflich
tig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf
Fr. 800.--
anzusetzen.
Ausgangsgemäss
sind die Gerichtskosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Überdi
es
hat der
obsiegende
Be
schwerdeführer
Anspruch auf
den Ersatz der Parteikosten (
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
in Verbindung mit
Art.
61
lit
. g ATSG). Die Höhe der gerichtlich festzu
setzenden Entschädigung wird ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass
des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Vorliegend ist
eine
Prozessentschädi
gung von Fr.
2‘20
0
.-- (inkl
.
Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.