Decision ID: ecd1a293-3479-42db-a82a-14b46a78c701
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. Am 21. Dezember 2012 bewilligte die damalige Gemeinde D._ (am 1.
Januar 2013 in der fusionierten Gemeinde C._ aufgegangen) A._
und B._ den Neubau eines Mehrfamilienhauses mit Einstellhalle auf
Parzelle (neu) E._, D._.
2. Am 7., mitgeteilt am 15. April 2020, verfügte der Gemeindevorstand
C._ nach erfolgter Bauabnahme vom 9. November 2018, anlässlich
welcher festgestellt wurde, dass verschiedene Arbeiten nicht gemäss
Baubewilligung ausgeführt worden waren, die Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustandes. Die Beschwerdeführer wurden einerseits zum
Rückbau von Installationen, Plombierung von Leitungen unter Putz und zur
Entfernung der Duschanlage im 1. Untergeschoss verpflichtet. Der Einbau
der Installationen und die beabsichtigte Nutzung sei im Bewusstsein
umgesetzt worden, dass keine Baubewilligung dafür vorlag. Das
Verschulden der Bauherrschaft sei deshalb als vorsätzlich zu beurteilen.
Herr B._ sei Bauherr und Projektverfasser, er verfüge über
entsprechende Berufserfahrung im Bauwesen. Dieser Umstand sei sowohl
beim Entscheid betreffend die Wiederherstellung als auch bei der
Bemessung der Höhe der Busse zu berücksichtigen, weshalb der
Gemeindevorstand unter Dispositivziff. 4 A._ und B._ wegen
Verletzung formellen und materiellen Baurechts mit einer Busse in der
Höhe von CHF 10'000.-- belegte.
3. Dagegen erhoben A._ und B._ am 18. Mai 2020 Beschwerde an
das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden (Verfahren R 20 47) und
beantragten, es sei die Dispositivziff. 4 der Bussen- und
Wiederherstellungsverfügung vom 7. April 2020 aufzuheben, dies unter
Kosten- und Entschädigungsfolge inkl. 7.7 % MWST zulasten der
Staatskasse, eventualiter zulasten der Beschwerdegegnerin. Im
Wesentlichen wurde zur Busse ausgeführt, dass die vom
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Gemeindevorstand ausgefällte Busse von 10'000.-- aufzuheben sei, weil
Bussen höchstpersönlicher Natur seien und nicht als Gesamtbusse
ausgefällt werden dürften. Hinzu komme, dass die Beschwerdeführer vor
der Ausfällung der Strafe nicht im Sinne von Art. 116 Abs. 3 Baugesetz
F._ angehört worden seien, womit deren rechtliches Gehör verletzt
worden sei. Bei Verletzung von Formvorschriften sei der angefochtene
Entscheid ungeachtet der materiellen Rechtslage aufzuheben. Überdies
sei die Beschwerdegegnerin den Vorgaben der Strafzumessung nach Art.
47 StGB nicht nachgekommen. Die Beschwerdegegnerin habe die
Beschwerdeführer nicht separat beurteilt, sondern sei pauschal von einem
nicht leichten Vergehen sowie von offenbar identischen persönlichen
Verhältnissen ausgegangen. Dabei habe der Gemeindevorstand nicht die
aktuellen Personendaten bzw. deren aktuelle Adressen in Erfahrung
gebracht. Diese Art und Weise der Strafzumessung sei offenkundig
willkürlich. Auch das Unterlassen einer nachvollziehbaren Begründung
bedeute eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Herr B._ sei zwar
Bauherr und Projektverfasser gewesen und habe über Berufserfahrung im
Bauwesen verfügt. Dies ändere jedoch nichts an der Tatsache, dass von
Herrn B._ keine Rechtsverletzung begangen worden sei. Selbst wenn
eine solche Rechtsverletzung vorliegen würde, hätte er nicht mit Vorsatz
gehandelt. Dabei käme aufgrund der unklaren Ausgangslage mit den
verschiedenen kommunalen und kantonalen Baugesetzen sowie der
widersprüchlichen Auskünfte und des widersprüchlichen Verhaltens der
Beschwerdegegnerin jedoch einzig eine leichte Fahrlässigkeit in Betracht.
Frau B._ sei von der Beschwerdegegnerin in der angefochtenen
Verfügung mit keinem Wort erwähnt worden. Es sei bei der Ausfällung der
Busse damit nicht berücksichtigt worden, dass sie über keinerlei Erfahrung
im Baubereich verfüge und sie mit dem Bauvorhaben auch nicht direkt
etwas zu tun gehabt hätte. Daher könne ihr nicht vorgeworfen werden, sie
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hätte um irgendwelche baurechtlichen Vorschriften wissen müssen,
weshalb bei ihr keine Pflichtwidrigkeit vorläge.
Mangels Nennung und nachvollziehbarer Begründung der angeblich
verletzten Bestimmungen durch die Gemeinde sei bereits der objektive
Tatbestand nicht erfüllt. Würde dennoch von einer Verletzung von
formellem und/oder materiellem Baurecht ausgegangen, müsse bei der
Strafzumessung zwischen Herr und Frau B._ unterschieden werden.
Dabei wäre zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführer durch den
angeordneten Rückbau und die erheblichen Umtriebe in dieser
Angelegenheit bereits erhebliche Nachteile erlitten hätten. Ein zusätzliches
Strafbedürfnis wäre aus diesem Grund ohnehin nicht mehr gegeben.
Um den Beschluss der Beschwerdegegnerin unter dem Gesichtspunkt der
Rechtsgleichheit und der Willkür prüfen zu können, seien sämtliche von der
Beschwerdegegnerin erlassenen Bussen- und
Wiederherstellungsverfügungen der letzten 20 Jahre zu edieren.
Die vorliegende Busse sei ausserordentlich hoch bemessen. Angesichts
der Tatsache, dass selbst die Beschwerdegegnerin die angebliche
Rechtsverletzung nicht substantiiert zu begründen vermocht hätte und die
Beschwerdeführer zu keinem Zeitpunkt etwas Unrechtmässiges hätten tun
wollen, sei die Höhe der Busse nur dadurch erklärbar, dass die
Beschwerdegegnerin im Umgang mit den Beschwerdeführern befangen
sei, und an diesen ein Exempel statuieren wolle. In anderen Fällen sei im
Kanton Graubünden bei deutlich schwerwiegenderen Fällen deutlich
geringere Bussen ausgefällt worden.
4. Mit Vernehmlassung vom 5. Juni 2020 hielt die Beschwerdegegnerin am
Beschluss vom 7. April 2020 sowie am Beschluss vom 17. September 2019
und am Schreiben vom 6. Februar 2020 fest. Des Weiteren stütze sie sich
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auf das Einschreiben vom 6. Mai 2019 und sehe deshalb von einer
Vernehmlassung ab.
5. Am 10., mitgeteilt am 16. November 2020, verfügte der Gemeindevorstand
C._ bezüglich derselben Verletzung formellen und materiellen
Baurechts erneut und erklärte u.A. unter Dispositivziff. 2, an dem gegen
A._ und B._ eingeleiteten Bussverfahren werde festgehalten. Er
belegte unter Dispositivziff. 3 A._ und B._ wegen Verletzung
formellen und materiellen Baurechts mit einer Busse von CHF 7'500.--.
6. Dagegen erhoben A._ und B._ am 24. November 2020 erneut
Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
(Verfahren R 20 111) und beantragten, es seien die Dispositivziff. 2 und 3
des Beschlusses des Gemeindevorstandes C._ vom 10. November
2020 aufzuheben. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu
erteilen. A._ und B._ wiesen u.A. darauf hin, dass in exakt
derselben Sache bereits ein Beschwerdeverfahren (R 20 47) beim
Verwaltungsgericht hängig sei.
7. Am 20., mitgeteilt am 21. Januar 2021, hob der Gemeindevorstand
C._ die Bussverfügung vom 10./16. November 2020 gegen A._
und B._ auf. Am 21. Januar 2021 (Poststempel) beantragte die
Gemeinde C._ unter Beilage der Verfügung vom 20./21. Januar 2021
dem Gericht, das Verfahren R 20 111 sei abzuschreiben, unter Kostenfolge
gemäss Gesetz.
8. Mit Verfügung vom 8. Februar 2021 schrieb das Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden die Beschwerde R 20 111 infolge Anerkennung ab.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und
Verfügungen sowie die im Recht liegenden Beweismittel wird, soweit
rechtserheblich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
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II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1. Anfechtungsobjekt im vorliegenden Verfahren bildet die
Wiederherstellungs- und Bussverfügung der Beschwerdegegnerin vom 7.,
mitgeteilt dem vormaligen Rechtsvertreter der Beschwerdeführer am 15.
April und mitgeteilt dem aktuellen Rechtsvertreter der Beschwerdeführer
am 16. April 2020. Da es sich um einen Endentscheid der Gemeinde
handelt, der bei keiner anderen Instanz mehr angefochten werden kann, ist
das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden aufgrund von Art. 49
Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR
370.100) vorliegend zur Beurteilung der Beschwerde zuständig. Die
Beschwerdeführer sind als Verfügungsadressaten beschwert und folglich
zur Erhebung der Beschwerde legitimiert (Art. 50 VRG). Gemäss Art. 52
Abs. 1 VRG ist die Beschwerde schriftlich innert 30 Tagen seit Mitteilung
des angefochtenen Entscheids beim Verwaltungsgericht einzureichen. Die
am 18. Mai 2020 der Schweizerischen Post übergebene Beschwerde
wurde demzufolge frist- und formgerecht eingereicht, weshalb darauf
einzutreten ist.
1.2. Die Beschwerdeführer beantragen, es sei eine Übersicht über sämtliche, in
den letzten 20 Jahren in der Gemeinde C._ ausgesprochenen
Baubussen zu edieren. Da in den Augen des Gerichts eine solche Edition
keinen Sinn macht, weil jeder Einzelfall für sich gesondert zu betrachten ist
und es nicht genügt, einfach die Baubussenhöhe zu vergleichen, ist dieser
Antrag abzuweisen.
2.1. Streitig und zu klären ist im Folgenden, ob die Dispositivziff. 4 in der
Bussen- und Wiederherstellungsverfügung vom 7. April 2020 aufzuheben
ist, da die Bussenhöhe zu hoch ist. Gegenstand jenes Verfahrens bildet die
Frage, ob die Gemeinde C._ den Beschwerdeführern A._ und
B._ zu Recht oder zu Unrecht eine Busse von CHF 10'000.-- auferlegt
hat. Obwohl die angeordnete Wiederherstellung von den
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Beschwerdeführern ebenfalls als falsch und ungerecht erachtet wird, wird
diese vorliegend nicht angefochten, zumal diesbezüglich bereits ein
rechtskräftiger Entscheid vorliegt. Es bleibt somit lediglich die
Rechtmässigkeit der mit der angefochtenen Verfügung ausgesprochenen
Busse in Höhe von CHF 10'000.-- zu prüfen. Zunächst ist jedoch
abzuklären, ob die Gemeinde C._ anstatt einer Gesamtbusse den
Beschwerdeführern je einzeln eine Busse hätte aussprechen müssen.
2.2. Gemäss Art. 4 und Art. 44 des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen
Strafprozessordnung (EGzStPO; BR 350.100) richtet sich das Verfahren
zur Verfolgung und Beurteilung von Straftaten des kommunalen Rechts
nach dem VRG (vgl. dazu auch Urteil des Bundesgerichts
6B_844/2013/6B_890/2013/6B_891/2013 vom 20. Februar 2014, E.2.2.1;
weiter Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU] R
11 36 vom 15. November 2011 E.2b, bestätigt in Urteil des Bundesgerichts
1C_4/2012 vom 19. April 2012 E.2 und R 14 61 vom 17. November 2014
E.2a). In der Botschaft der Regierung wird dazu ausdrücklich ergänzt, dass
das Gleiche auch gelte, wenn die Gemeinden durch Gesetz zur Verfolgung
und Beurteilung von kantonalen Straftatbeständen ermächtigt werden (vgl.
Botschaft der Regierung an den Grossen Rat, Heft Nr. 13/2009-2010,
Umsetzung Schweizerische Straf- und Zivilprozessordnung auf
Gesetzesstufe, S. 830). Das Raumplanungsgesetz für den Kanton
Graubünden (KRG; BR 801.100) bestimmt in Art. 95 Abs. 3, dass die
kommunale Baubehörde zuständig für die Bestrafung durch Baubussen ist.
Die Zuständigkeit der Gemeinde C._ für die Bestrafung durch
Baubussen bei Verletzung von Baurecht wird vorliegend denn auch nicht
bestritten.
2.3. Art. 95 KRG sieht vor, dass, wer dieses Gesetz oder darauf beruhende
Erlasse und Verfügungen des Kantons oder der Gemeinden verletzt, mit
Busse zwischen CHF 200.-- und CHF 40'000.-- bestraft wird. Weiter ist
vorgesehen, dass die vorsätzliche oder fahrlässige Widerhandlung,
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begangen durch die nach Art. 93 KRG verantwortlichen Personen, strafbar
ist. Strafen, worunter die Bussen des Kernstrafrechts wie auch des
Verwaltungsrechts fallen, haben höchstpersönlichen Charakter (vgl. BGE
134 III 59 E.2.3.2, 116 V 4 E.3a). Dies folgt aus dem Verschuldensprinzip
und der Unschuldsvermutung. So besagt Art. 47 Abs. 1 StGB, dass das
Gericht die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu bemessen hat. Es
berücksichtigt dabei das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie
die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters.
Die Beschwerdegegnerin hat es in pflichtwidriger Weise unterlassen,
zwischen den Beschwerdeführern zu differenzieren. Die
Beschwerdegegnerin hat somit zu Unrecht nur eine anstatt zwei Bussen
ausgesprochen. Die Gemeinde C._ hat demzufolge die Höhe des
Verschuldens bezüglich beider Personen je einzeln zu prüfen. Auch
hinsichtlich der Vermögensverhältnisse der einzelnen Beschwerdeführer
wird die Beschwerdegegnerin zu unterscheiden haben. Dabei hat sie den
nachstehend aufgeführten Punkten zu folgen.
2.4. Stellt die Gemeinde C._ fest, dass die Beschwerdeführerin zum
massgeblichen Zeitpunkt noch mit ihrem Ehegatten zusammenlebte, ist in
Bezug zu den finanziellen Verhältnissen des Ehegatten, der zu Hause
arbeitet, Nachfolgendes zu beachten. Die Lehre äussert sich wie folgt zur
Bussenbemessung des haushaltführenden Ehegatten: Beim
einkommenslosen haushaltführenden Ehegatten ist auf den ihm tatsächlich
zufliessenden oder zustehenden Unterhalt abzustellen. Massgebend ist,
was der haushaltsführende Ehegatte aus dem Familieneinkommen für sich
persönlich erhält. Nach Auffassung der Lehre soll bei ungetrennter
Gemeinschaft für den haushaltführenden Partner grundsätzlich von den
Regelansätzen ausgegangen werden, welche im umgekehrten Fall als
Unterhaltsabzüge zur Anwendung gelangen. Das bedeutet, dass dem
straffälligen haushaltführenden Ehegatten als Naturallohn in der Regel
40 % (ohne Kinder) beziehungsweise 25 % (mit Kindern) des
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Nettoeinkommens des verdienenden Ehepartners angerechnet werden.
Soweit er eigene Einkünfte erzielt, kann sich eine reduzierte Anrechnung
des Naturallohnes rechtfertigen. Lediglich auf den Beitrag zur freien
Verfügung nach Art. 164 ZGB abzustellen, ist angesichts der mit der
Geldstrafenbemessung verbundenen Lebensstandarderfassung nicht
angebracht (DOLGE, in: NIGGLI/WIPRÄCHTIGER [Hrsg.] Basler Kommentar
zum Strafrecht, 4. Aufl., Basel 2019, Art. 34 StGB Rz. 57).
Das Bundesgericht entwickelte im Entscheid BGE 116 IV 4 vom 27. April
1990 Grundsätze, nach denen die Bussenbemessung gegenüber dem haushaltführenden Ehegatten zu erfolgen hat. Danach ist bei der
Bussenbemessung gegenüber dem Hausgatten allein sein Einkommen
und Vermögen in Rechnung zu stellen, nicht jenes seines erwerbstätigen
Partners. Dies ergebe sich aus dem höchstpersönlichen Charakter der
Strafe, wonach bei der Festsetzung der Bussenhöhe auf das Einkommen
und Vermögen des Täters abzustellen ist. Es spielt danach keine Rolle, aus
welcher Quelle die Einkünfte des Täters stammen; entscheidend ist seine
tatsächliche finanzielle Leistungsfähigkeit. Als Einkommen des
haushaltführenden Ehegatten ist danach zunächst ein allfälliger
Nebenerwerb zu berücksichtigen. Fehlt ein solcher, so ist allein auf jene
Einkünfte abzustellen, die dem Hausgatten aus Eherecht zufliessen bzw.
zustehen. Solche Einkünfte können sich je nach Einzelfall aus dem
Taschengeld, dem Betrag zur freien Verfügung nach Art. 164 ZGB und
allenfalls auch aus Entschädigungen nach Art. 165 ZGB zusammensetzen
(BGE 116 IV 4 E.3 m.w.H.).
Zur Berechnung des Freibetrags nach Art. 164 Abs. 2 ZGB (Teil des
ehelichen Unterhalts) sind unter anderem die eigenen Einkünfte der
Ehefrau, die gewählte Lebensführung und die familiäre und berufliche
Vorsorge beizuziehen. Der freie Betrag soll der Ehefrau den gleichen
Lebensstandard wie derjenige des Ehemannes ermöglichen
(ISENRING/KESSLER, in: GEISER/FOUNTOULAKIS (Hrsg.), Basler Kommentar
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Zivilgesetzbuch I, Art. 1-456, 6. Aufl., Basel 2018, Art. 164 Rz. 14 ff. ZGB).
Bei der Bussenbemessung darf es sich nicht zu Gunsten des Hausgatten
auswirken, wenn dieser den Betrag zur freien Verfügung gemäss Art. 164
ZGB gegenüber seinem erwerbstätigen Partner nicht geltend macht. Sollte
dies der Fall sein, so ist vom potentiellen Einkommen auszugehen (BGE
116 IV 4 E.4).
In einem neueren Entscheid betreffend eine Geldstrafe u.a. wegen
versuchten Diebstahls, äussert sich das Bundesgericht zum Vermögen des
haushaltführenden Ehegatten als Bemessungskriterium. Gemeint ist die
Substanz des Vermögens, da dessen Ertrag bereits Einkommen darstellt.
Wer seinen Lebensunterhalt aus dem laufenden Einkommen bestreitet, soll
die Geldstrafe daraus bezahlen und sich in seiner gewohnten
Lebensführung einschränken müssen, gleichviel, ob es sich um Arbeits-,
Vermögens- oder Rentenertrag handelt. Fehlendes Vermögen stellt
insoweit keinen Grund dar, die Höhe des Tagessatzes zu senken, ebenso
wenig wie vorhandenes Vermögen zu einer Erhöhung führen soll. Das
Vermögen ist bei der Bemessung des Tagessatzes daher nur (subsidiär)
zu berücksichtigen, wenn besondere Vermögensverhältnisse einem
vergleichsweise geringen Einkommen gegenüberstehen (BGE 134 IV 60
E.6.2).
3. Zu prüfen bleibt, ob die Bussenhöhe gegenüber den Beschwerdeführern
zu Recht verfügt worden ist. Ob ein hohes oder niedriges Einkommen
und/oder Vermögen bei den Beschwerdeführern vorhanden ist, lässt sich
den eingelegten Akten nicht entnehmen. Dennoch bleibt festzuhalten, dass
das Gericht eine Busse in Höhe von 10'000.-- in Relation zu den
vorgeworfenen materiellen und formellen Baurechtsverletzungen als zu
hoch erachtet. Eine Kürzung der Busse rechtfertigt sich auch aus dem
Umstand, dass es die Beschwerdegegnerin unterlassen hat, ein
nachträgliches Baubewilligungsverfahren durchzuführen, wonach sie
gestützt auf Art. 41 ff KRVO gehalten gewesen wäre. Wie bereits dargelegt
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hat die Beschwerdegegnerin hinsichtlich des Verschuldens in einem
nachfolgenden Verfahren die finanziellen Verhältnisse der
Beschwerdeführer im Einzelnen abzuklären, und gestützt darauf eine
angemessene Busse festzulegen. Die von der Beschwerdegegnerin
erwähnte Strapazierung der im Baugesetz vorgesehenen Baufristen ist
weder für die Frage des Verschuldens, noch für die Höhe der Busse
relevant (Bf-act. 2). Auch die von der Beschwerdegegnerin bemängelte
Markierung der Parkplätze im Mehrfamilienhaus ist dabei unbeachtlich.
Hinsichtlich des Verschuldens ist einem allfälligen guten Leumund
Rechnung zu tragen.
4. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich das Begehren der
Beschwerdeführer, die Bussenverfügung vom 7., mitgeteilt am 15. April
2020, sei aufzuheben, als begründet erweist, was zu dessen Gutheissung
führt. Der Bussenentscheid ist aufzuheben und im Sinne der Erwägungen
zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die
Beschwerdegegnerin wird abzuklären haben, welcher Betrag der
Beschwerdeführerin zur freien Verfügung gemäss Art. 164 ZGB zusteht.
Bei der Ermittlung dieses Betrages wird sie zunächst den Nettoüberschuss
des Gesamteinkommens der beiden Ehegatten zu ermitteln haben.
Sodann wird sie sich mit der Frage auseinanderzusetzen haben, ob sich
eine Abweichung von der hälftigen Teilung rechtfertigt, weil das
vorhandene Einkommen mehr ausmacht, als es die Wahrung der von den
Beschwerdeführern gewählten angemessenen Lebenshaltung erfordert
(BGE 114 II 32 E.8). Die so errechnete Grösse ist als Einkommen der
Beschwerdeführerin der Bussenbemessung zugrunde zu legen. Sollte sich
der Beweisaufwand als unverhältnismässig erweisen, steht es der
Gemeinde frei, von Schätzungen und vereinfachten Prozentansätzen
auszugehen (BGE 116 IV 4 E.5 f.).
5. Bei diesem Ausgang des vorliegenden Beschwerdeverfahrens sind
ermessensweise die Gerichtskosten nach Art. 73 Abs. 1 VRG der
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unterliegenden Beschwerdegegnerin Gemeinde C._ zu auferlegen.
Das Gericht erachtet hier ermessensweise eine Staatsgebühr von
insgesamt CHF 2'500.-- (zzgl. Kanzleiauslagen) als angemessen.
6. Aussergerichtlich hat bei diesem Verfahrensausgang die Gemeinde
C._ den anwaltlich vertretenen Beschwerdeführern gemäss Art. 78
Abs. 1 VRG Ersatz für die durch den Rechtsstreit verursachten
notwendigen Kosten zu leisten. Eine aussergerichtliche Entschädigung
wird der Beschwerdegegnerin nicht gewährt, da diese lediglich in ihrem
amtlichen Wirkungskreis obsiegte (vgl. Art. 78 Abs. 2 VRG).
7.1. Gemäss Art. 4 der Verordnung über die Bemessung des Honorars der
Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (Honorarverordnung, HV; BR
310.250) haben die Parteien zu Beginn des Verfahrens eine vollständige,
unterschriebene Honorarvereinbarung einzureichen. Unterlassen sie dies,
kann die urteilende Instanz davon absehen, für die Festsetzung der
Parteientschädigung die Anwaltsrechnung beizuziehen.
7.2. Gemäss der Praxis des Verwaltungsgerichts (vgl. auch das Urteil des
Verwaltungsgerichts R 17 64 vom 28. August 2018 E.3.1 mit Hinweis auf
das Urteil U 16 92 vom 25. Oktober 2017 E.13.b; für die Praxis des
Kantonsgerichts vgl. unter vielen das Urteil ZK1 10 27 vom 17. Dezember
2010 E.4 und 7 sowie das aktuellere Urteil ZK1 18 87 vom 30. August 2018
E.2) gilt betreffend Festsetzung der aussergerichtlichen Entschädigung
Folgendes:
Bei Einreichung einer Honorarvereinbarung
 bei in der Kostennote geltend gemachtem Stundenansatz über
CHF 270.-- wird dieser auf CHF 270.-- gekürzt,
 bei in der Kostennote geltend gemachtem Stundenansatz bis und mit
CHF 270.-- wird der Stundenansatz entsprechend der
Honorarvereinbarung übernommen.
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Bei Nichteinreichung einer Honorarvereinbarung:
 es wird der in der Kostennote geltend gemachte Stundenansatz,
höchstens aber der Stundenansatz CHF 240.--, übernommen.
Geltend gemachte Pauschalspesen werden maximal im Umfang von 3 %
des festgelegten Honorars nach Zeitaufwand zugesprochen.
7.3. Vorliegend wurde vom Rechtsvertreter von A._ und B._
aktenkundig keine Honorarvereinbarung eingereicht. Somit ist gestützt auf
die oben gemachten Ausführungen von einem Stundenansatz von CHF
240.-- und von Pauschalspesen von 3 % des festgelegten Honorars
auszugehen. Es ergibt sich somit im massgeblichen Zeitraum vom 13. Mai
2020 bis zum 18. Mai 2020 ein Honorar nach Zeitaufwand von
CHF 3'057.60 (12.74 h x CHF 240.--) und eine Spesenpauschale von
CHF 91.75 (CHF 3'057.60: 100 % x 3 %) zuzüglich MWST von CHF 242.50
(CHF 3'149.35 : 100 % x 7.7 %). Dabei erscheint ein Arbeits-/Zeitaufwand
von insgesamt 12.74 Stunden als angemessen und gerechtfertigt.
Zugesprochen wird folglich der Betrag von total CHF 3'391.85 (inkl.
MWST).
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