Decision ID: 785ed2fd-db8f-5ece-a124-37231f89cf29
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Bruno Bauer, LL.M., SwissLegal asg.advocati,
Kreuzackerstrasse 9, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
berufliche Massnahmen und Rente
Sachverhalt:
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A.
A.a A._ meldete sich am 8. Juni 2006 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (act. G 8.1/1). Mit Schreiben vom 10. Juli 2006 überwies die
IV-Stelle des Kantons St. Gallen (IV-Stelle) das Verfahren zur Erstprüfung an die
liechtensteinische Invalidenversicherung, weil die Versicherte im Fürstentum
Liechtenstein Beiträge abgerechnet habe (act. G 8.1/12).
A.b Gemäss eingereichtem Bericht über die CT-Untersuchung des Schädels und MR-
Untersuchung der Halswirbelsäule hatten die behandelnden Ärzte des Spitals Grabs
am 18. April und 2. Mai 2005 festgestellt, dass nach einem Arbeitsunfall vom 16. März
2005 (Metallgegenstand gegen Kopf) weder intracranielle Traumafolgen, noch
Frakturnachweise erkennbar seien. Es lägen ein medialer und links mediolateraler
Bandscheibenvorfall HWK5/6 sowie geringfügige Retrospondylosen beiderseits in
diesem Fach mit minimaler knöcherner Einengung der Neuroforamina vor (act G
8.1/32-17 f.). Dr. med. B._, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie FMH,
diagnostizierte mit Bericht vom 28. Juli 2005 ein posttraumatisches
Atlantooccipitalsyndrom mit cervicogenem Kopfschmerz und Schwindelsymptomatik
sowie eine leichtgradige Commotio cerebri (act. G 8.1/38-8 f.).
A.c Anlässlich einer ambulanten Untersuchung vom 10. Januar 2006 im Kantonsspital
St. Gallen klagte die Versicherte über seit dem Arbeitsunfall im Mai 2005 bestehende,
linkseitige Kopfschmerzen. Damit verbunden seien Übelkeit, Schwindel und
Augensehstörungen (act. 8.1/32-12 f.). Gemäss Bericht der interdisziplinären
arbeitsspezifischen Abklärung vom 27. April 2006 in der Klinik Valens diagnostizierte
Dr. med. C._, Facharzt FMH Innere Medizin und Rheumatologie, ein zervikophales
und zervikobrachiales Syndrom links (ICD-10 M53.0, M53.1), ein lumbospondylogenes
Syndrom links (ICD-10 M54.4) und einen Verdacht auf einen atypischen
Gesichtsschmerz links (ICD-10 G50.1). Als Ursache der Beschwerden seien
hauptsächlich myofasziale Befunde bei allgemeiner schonungsbedingter
Dekonditionierung anzusehen. Ein gewisses organisches Korrelat könne aufgrund der
degenerativen Diskopathien der unteren Halswirbelsäule nicht ganz von der Hand
gewiesen werden. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit sei die allgemeine verminderte
Belastbarkeit des Gesamtorganismus auffällig, die am ehesten durch die allgemeine
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schonungsbedingte Dekonditionierung zu erklären sei. Die Leistungsfähigkeit in der
zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Fabrikmitarbeiterin liege bei 60 bis 65%. Für eine
leichte und wechselbelastende Arbeit, mit seltenen Gewichtsbelastungen von 12,5 kg
bestehe eine leicht verminderte Arbeitsfähigkeit. Aufgrund der notwendigen
zusätzlichen Pausen sei von einer 25%igen Einschränkung auszugehen. Aufgrund der
vorgeschlagenen Therapien sollte sich die arbeitsbezogene Belastbarkeit so
verbessern, dass künftig keine zusätzlichen Pausen mehr nötig seien (act. G 8.1/31).
A.d Die D._ AG löste das Arbeitsverhältnis, das seit dem 7. Januar 1992 bestanden
hatte, per 31. August 2006 wegen der gesundheitlichen Probleme der Versicherten auf
(act. G 8.1/30). Nach stationärem Aufenthalt in der Klinik Valens vom 13. Juli bis 1.
August 2006 bestand gemäss Austrittsbericht vom 7. August 2006 für eine leichte,
wechselbelastende Tätigkeit unverändert eine Arbeitsfähigkeit von sicher 50%. Aus
psychiatrischer Sicht könne keine eigentliche Diagnose gestellt werden, ausser dass
sich psychologische und Verhaltensfaktoren pathomorph auswirkten (act. G 8.1/31-5
f.). Dr. med. E._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, gab im Bericht vom
23. August 2006 an, die bisherige Tätigkeit sei der Versicherten wegen verminderter
Belastbarkeit, subjektiver Schmerzbeeinträchtigung sowie vegetativer Labilität nicht
zumutbar. Leichte und wechselbelastende Tätigkeiten mit seltenen
Gewichtsbelastungen von bis zu 12,5 kg seien ihr in einem mindestens 50% Pensum
zumutbar (act. G 8.1/31-1 ff.).
A.e Nachdem die Versicherte vom 4. Dezember 2006 bis am 2. Februar 2007 an
einem IIZ-Verzahnungsprogramm in der Klinik St. Pirminsberg, mit dem Ziel der
beruflichen Abklärung, teilgenommen hatte, wurde ihre zumutbare Leistungsfähigkeit
auf 50% geschätzt (act. G 8.1/35-4). Dr. med. F._, Facharzt für Arbeitsmedizin FMH,
vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) Ostschweiz, hatte der Projektleitung des
Verzahnungsprogramms am 7. Dezember 2006 mitgeteilt, er könne sich der
Beurteilung der Klinik Valens vom 27. April 2006, die eine vollständige Arbeitsfähigkeit
mit anfänglich noch erhöhtem 25%igen Pausenbedarf als zumutbar erachtete,
anschliessen (act. G 8.1/35-2 f.). Im Bericht vom 2. Mai 2007 erklärte Dr. G._,
Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsautomats
FMH, des ärztlichen Diensts der liechtensteinischen Invalidenversicherung, es sei auf
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den Bericht der Klinik Valens vom 27. April 2006 abzustellen. Die medizinische
Sachlage sei genügend abgeklärt worden (act. G 8.1/41).
A.f Auf Vorstellung des Rechtsvertreters der Versicherten hin ordnete die
liechtensteinische IV-Stelle weitere Abklärungen an (vgl. act. G 8.2/8). Im Gutachten
vom 31. Januar 2008 diagnostizierte Dr. med. H._, Facharzt für Innere Medizin und
Rheumatologie, Krankenhaus Dornbirn, folgende chronische regionale
Schmerzsyndrome: 1. Cervicocephal und cervikobrachial links bei mediolinkslateraler
Diskusprotrusion C5/6, Hypermobilität C3/4 und C4/5, Fehlhaltung der HWS;
2. Lumbospondy-logenes Syndrom links bei Fehlform und Fehlhaltung der Wirbelsäule
sowie muskulärer Dysbalance; 3. Anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz links;
4. Zustand nach craniocervikalem Contusionstrauma im März 2005. Die Tätigkeit als
Fabrikmitarbeiterin sei der Versicherten nur unter gewissen Auflagen für 4 bis 5
Stunden pro Tag möglich. In einer adaptierten, d. h. leichten bis höchstens
mittelschweren Tätigkeit, mit Gewichtsbelastungen bis maximal 12,5 kg, sei eine
Leistungsfähigkeit von 75% vorhanden, wobei Überkopf- und haltungsmonotone
Arbeiten sowie Arbeiten unter strengem Zeitdruck zu vermeiden seien. Die Verhältnisse
hätten sich seit April 2006 nicht grundlegend verändert. Dr. H._ regte eine
neurologisch-psychiatrische Abklärung an (act. G 8.2/8-79 ff.).
A.g In der Folge erstellte Dr. med. I._, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, am
28. Juli 2008 ein fachärztliches Gutachten und zusammenfassendes Obergutachten.
Dabei führte er aus, nachdem der Versicherten am 16. März 2005 bei
Reinigungsarbeiten ein Schlauch mit Metallkappe rechtsseitig auf den Kopf gefallen
(nur gestreift) sei, seien am Tag darauf Beschwerden wie Schwindel und Übelkeit
aufgetreten. Die Versicherte habe zunehmend an Schmerzen im Nacken-Kopf-Bereich
gelitten. Dr. I._ hielt unter anderem einen Zustand nach craniocervikalem
Kontusionstrauma mit posttraumatischen Kopfschmerzen und Schwindel fest, wobei
die Symptomatik möglicherweise durch eine leichte Commotio cerebri bedingt
gewesen sein dürfte. Es würden auch neuralgieforme Beschwerden vom Nacken aus
über den Hinterkopf und über die Schultern auftreten. Die Versicherte weite die
körperliche Beschwerdesymptomatik vermutlich im Sinn einer psychogenen
Verdeutlichung (Somatisierung) aus. Auch bestehe der Verdacht auf eine mittlerweile
anhaltende somatoforme Schmerzstörung bezüglich des atypischen
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Gesichtsschmerzes. Neurologische Ausfallerscheinungen seien zu verneinen. Ein
Fibromyalgiesyndrom liege sicherlich nicht vor. Die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit liege bei 75% seit zumindest August 2006. Die gemäss Bericht der Klinik
Valens vom April 2006 erwartete Verbesserung der arbeitsbezogenen Belastbarkeit sei
nicht eingetreten und könne auch kaum mehr erwartet werden. Die psychischen
Auswirkungen seien bereits in der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. H._
berücksichtigt beziehungsweise gingen darin auf. Die Verhältnisse hätten sich seit dem
Bericht der Klinik Valens nicht grundlegend geändert. Das Einholen eines weiteren
Gutachtens sei nicht erforderlich (act. G 8.2/8-25 ff.).
A.h Mit Verfügung vom 2. Juli 2009 wies die liechtensteinische Invalidenversicherung
den Antrag auf eine Umschulung ab (act. G 8.1/52). Am 1. Oktober 2009 teilte die IV-
Stelle der Versicherten mit, dass bei einem Invaliditätsgrad von 29% die Abweisung
des Rentengesuchs vorgesehen sei (act. G 8.1/59). Mit Vorbescheid vom 2. Oktober
2010 stellte die IV-Stelle der Versicherten in Aussicht, den Anspruch auf berufliche
Massnahmen zu verneinen (act. G 8.1/61).
A.i Gegen diese Vorbescheide erhob der Rechtsvertreter der Versicherten am 2.
November 2009 Einwände (Ergänzung der Einwände am 4. Dezember 2009). Es seien
die gesetzlichen Leistungen, insbesondere beruflichen Massnahmen, zu erbringen.
Eventualiter sei der Versicherten eine Invalidenrente zuzusprechen. Es sei zu prüfen, ob
eine zumindest teilweise Eingliederung möglich wäre. Zudem sei die Versicherte von
einem Schleudertraumaspezialisten zu untersuchen (act. G 8.1/66 und 69). Auf Anfrage
der IV-Stelle gab Dr. E._ im Verlaufsbericht vom 13. Januar 2010 an, die bisherige
Tätigkeit sei aufgrund der verminderten Belastbarkeit des Nackens resp. des Armes
links nicht mehr zumutbar. Leichte wechselbelastende Tätigkeiten mit Heben von
maximal 10 kg seien der Versicherten im Rahmen von 4 bis 5 Stunden pro Tag
zumutbar. Seit der Abklärung der Klinik Valens vom 27. April 2006 habe sich der
Gesundheitszustand nicht verändert (act. G 8.1/72). Gemäss Stellungnahme des RAD-
Arztes Dr. J._, Facharzt für physikalische Medizin und Rehabilitation, Rheumatologie
und Allgemeine Innere Medizin FMH, vom 25. Januar 2010 sei die von Dr. E._
geschätzte Arbeitsfähigkeit eine andere Beurteilung des gleichen Sachverhalts (act. G
8.1/73).
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A.j Mit Verfügung vom 26. Januar 2010 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
betreffend berufliche Massnahmen ab. Durch berufliche Massnahmen lasse sich die
Erwerbsfähigkeit nicht verbessern. Da die Versicherte keinen Beruf erlernt habe, be
stehe kein Anspruch auf eine Umschulung (act. G 8.1/74). Am 27. Januar 2010 erliess
die IV-Stelle eine abweisende Rentenverfügung. Der Invaliditätsgrad liege bei 29% (act.
G 8.1/75).
B.
B.a Gegen die Verfügungen vom 26. und 27. Januar 2010 richtet sich die vom
Rechtsvertreter der Versicherten erhobene Beschwerde vom 26. Februar 2010 mit dem
Antrag, die Verfügungen seien aufzuheben und der Beschwerdeführerin die
gesetzlichen Leistungen auszurichten; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Es
werde eine Untersuchung durch einen Traumaspezialisten beantragt. Da die Leiden der
Beschwerdeführererin auf eine "Kontusion" zurückzuführen seien, liege eine dem
Schleudertrauma ähnliche Situation vor. Ausserdem habe sich der Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin verschlechtert (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 21. Juni 2010 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Der medizinische Sachverhalt sei umfassend
abgeklärt worden (act. G 8). Die Beschwerdegegnerin stützt sich dabei auf eine
Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. J._ vom 9. Juni 2010. Dieser führt darin aus, dass
die Gutachten von Dr. H._ und Dr. I._ umfassend, kohärent und widerspruchsfrei
seien. Dr. I._ habe eine somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert, ohne jedoch
Hinweise auf weitere Umstände anzugeben, die eine Überwindung der
Schmerzsymptomatik durch Willensanstrengung verunmöglichen würden (act. G
8.2/10).
B.c In der Replik vom 15. September 2010 hält der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin an den Ausführungen in der Beschwerde fest (act. G 12).
B.d Mit Schreiben vom 29. September 2010 verzichtet die Beschwerdegegnerin auf
eine Duplik (act. G 14).

Erwägungen:
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1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Rente und auf
berufliche Massnahmen der Invalidenversicherung hat.
2.
2.1 Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. Der
zu beurteilende Sachverhalt beschlägt teilweise den Zeitraum vor Inkrafttreten der
5. IV-Revision. Da sich die Definition der Invalidität und die damit zusammenhängenden
Begriffe mit dieser Revision nicht geändert haben, werden nachfolgend die seit dem
1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen wiedergegeben.
2.2 Unter Invalidität wird bei als Gesunden voll erwerbstätigen Personen die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist dabei der
durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch
massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente. Für die Bestimmung des
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Invaliditätsgrads wird gemäss Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich
des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
3.
Vorliegend ist zunächst die medizinische Aktenlage zu würdigen.
3.1 Aufgrund der medizinischen Unterlagen ist erstellt, dass sich die gesundheitlichen
Beschwerden einschränkend auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
auswirken. Gemäss interdisziplinärer arbeitsspezifischer Abklärung vom 27. April 2006
kann sie ihrer früheren Tätigkeit als Fabrikmitarbeiterin nur noch zu 60 bis 65%
nachgehen. In einer adaptierten Tätigkeit wurde von einer Restarbeitsfähigkeit von
vorerst 75% ausgegangen (act. G 8.1/31-11 ff.). Dieser Beurteilung schlossen sich
auch die Gutachter Dres. I._ und H._ grundsätzlich an. Sie verwiesen darauf, dass
aufgrund der eingetretenen Chronifizierung der Beschwerden keine Verbesserung der
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Restarbeitsfähigkeit mehr zu erwarten sei. Die Gutachten vom 31. Januar und 28. Juli
2008 erscheinen schlüssig und nachvollziehbar begründet; sie setzen sich ausreichend
mit der Schmerzproblematik der Beschwerdeführerin als auch mit den Vorakten
auseinander (act. 8.2/8-79 ff. und 24 ff.). Weder der Austrittsbericht über den
stationären Aufenthalt in der Klinik Valens vom 7. August 2006 noch der Bericht von Dr.
E._ vom 23. August 2006 noch der Abklärungsbericht des Verzahnungsprogramms
der Klinik St. Pirminsberg vom 2. Februar 2007 lassen Zweifel an der gutachterlich
festgestellten Arbeitsfähigkeit von 75% in einer adaptierten Tätigkeit aufkommen. Im
Austrittsbericht vom 7. August 2006 wurde eine Arbeitsfähigkeit "von sicher 50%" in
einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit angenommen. Damit ist ein höherer
Arbeitsfähigkeitsgrad nicht ausgeschlossen (act. G 8.1/31-5 f.). Dr. E._ geht in einer
adaptierten Tätigkeit von einer mindestens 50%igen Arbeitsfähigkeit aus und verweist
auf den Austrittsbericht vom 7. August 2006 (act. G 8.1/31-3). Dr. E._ hat sich
demnach an der Arbeitsfähigkeitsschätzung gemäss Bericht der Klinik Valens orientiert.
Wie aufgezeigt, widerspricht dieser nicht der gutachterlich attestierten Arbeitsfähigkeit,
sondern lässt den Schluss auf eine höhere Arbeitsfähigkeit offen. Der
Abklärungsbericht des Verzahnungsprogramms vom 2. Februar 2007 erachtet eine
medizinische Leistungsfähigkeit von 50% als zumutbar (act. G 8.1/35-4). Dagegen
wurde im Bericht des RAD-Arztes Dr. F._ nachvollziehbar aufgezeigt, dass aufgrund
der vorhandenen Arztberichte von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei. Bei
der Beschwerdeführerin stehe eine Selbstlimitierung und fragliche
Leistungsbereitschaft sowie Dekonditionierung im Vordergrund (act. G 8.1/17; vgl.
auch Gutachten Dr. I._ S. 45, act. G 8.2/8-68). Andere konkrete Indizien, aufgrund
derer die Zuverlässigkeit der Arbeitsfähigkeitsschätzung von 75% anzuzweifeln wäre,
lassen sich den medizinischen Akten nicht entnehmen. Schliesslich erklärt Dr. E._ im
Verlaufsbericht vom 13. Januar 2010, dass sich der Gesundheitszustand seit der
arbeitsspezifischen Abklärung vom 27. April 2006 nicht verändert habe (act. G 8.1/72).
Dass er annimmt, die Beschwerdeführerin könne in einer adaptierten Tätigkeit lediglich
4 bis 5 Stunden pro Tag arbeiten, vermag die übereinstimmenden Einschätzungen der
oben erwähnten Berichte und Gutachten nicht in Zweifel zu ziehen.
3.2 Der Sachverhalt ist als ausreichend abgeklärt zu betrachten. Entgegen der
Ansicht des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin ist aufgrund der medizinischen
Akten die Notwendigkeit einer Untersuchung durch einen Schleudertraumaspezialisten
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nicht ersichtlich, zumal Dr. I._ im Gutachten vom 28. Juli 2008, in Kenntnis des
Antrags der Beschwerdeführerin auf eine Untersuchung durch einen
Traumaspezialisten, ein weiteres Gutachten nicht für erforderlich betrachtet (act. G
8.2/8-59 und 8-74). Eine verlässlichere Arbeitsfähigkeitsschätzung wäre somit auch
von weiteren medizinischen Abklärungen nicht zu erwarten, weshalb darauf zu
verzichten ist (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 122 V 157 E. 1d).
3.3 Folglich ist gesamthaft davon auszugehen, dass es der Beschwerdeführerin
zumutbar ist, in einer angepassten Tätigkeit eine Leistung von 75% zu erbringen.
4.
4.1 Gestützt auf die ermittelte Arbeitsfähigkeit von 75% sind nachfolgend die
erwerblichen Auswirkungen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu bestimmen.
4.2 Die Beschwerdegegnerin hat dem Einkommensvergleich ein Valideneinkommen
2006 von Fr. 52'813.-- und ein Invalideneinkommen von Fr. 37'709.-- zugrunde gelegt.
Beim Valideneinkommen stützte sie sich auf die Angaben gemäss IK-Auszug des
Jahres 2004 und rechnete dieses Einkommen auf das Jahr 2006 hoch (act. G 8.1/76).
Das ist nicht zu beanstanden. Für die Berechnung des Invalideneinkommens ging sie
von einem Einkommen gemäss LSE 2006 TA 1, Anforderungsniveau 4 von Fr. 48'228.--
(12 x Fr. 4'019.--) aus. Unter Berücksichtigung einer wöchentlichen Arbeitszeit von
betriebsüblichen 41.7 Stunden und einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 75%
resultierte ein Wert von Fr. 37'709.--. Auch diese Berechnung ist nicht zu beanstanden
und wird von der Beschwerdeführerin zu Recht nicht bemängelt.
4.3 Nach der Rechtsprechung können die statistischen Löhne um bis zu 25% gekürzt
werden, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit einer
gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht
erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412 E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichen Erfolg zu
verwerten in der Lage sind. Dabei handelt es sich um einen allgemeinen
behinderungsbedingten Abzug (BGE 126 V 78 E. 5a/bb). Nach der Rechtsprechung
hängen die Fragen, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind,
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von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen, insbesondere auch von
invaliditätsfremden Faktoren des konkreten Einzelfalls ab (etwa leidensbedingte
Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und
Beschäftigungsgrad), die nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen
sind, wobei der maximal zulässige Abzug auf 25% festzusetzen ist. Eine schematische
Vornahme des Leidensabzugs ist unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b, bestätigt etwa in AHI
2002 S. 62 und BGE 129 V 481 E. 4.2.3 mit Hinweisen).
Die Beschwerdegegnerin hat bei der Berechnung des Invalideneinkommens keinen
Leidensabzug gewährt. Angesichts des Umstands, dass die Beschwerdeführerin nur
noch leichte bis maximal mittelschwere Tätigkeiten verrichten kann, mit
Gewichtsbelastungen bis maximal 12,5 kg, und zudem Überkopf- und
haltungsmonotone Arbeiten sowie Arbeiten unter strengem Zeitdruck vermeiden sollte
(vgl. act. G 8.2/8-79 ff.), erscheint ein Leidensabzug von 5 bis 10% als angemessen.
Dieser würde indessen keinen Rentenanspruch begründen, wie sich aus der
nachfolgenden Erwägung ergibt, weshalb die genaue Festlegung des Leidensabzugs
offen gelassen werden kann.
4.4 Dem Valideneinkommen von Fr. 52'813.-- steht ein Invalideneinkommen von
Fr. 37'709.-- gegenüber, woraus sich ein Invaliditätsgrad von 29% ergibt. Bei einem
Leidensabzug von höchstens 10% würde der Invaliditätsgrad bei 36% liegen. Da erst
ab 40% ein Rentenanspruch besteht (Art. 28 Abs. 2 IVG), hat die Beschwerdegegnerin
das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin zu Recht abgewiesen.
5.
Angefochten ist auch die Verfügung vom 26. Januar 2010, mit der ein Anspruch auf
berufliche Massnahmen verneint wurde.
5.1 Invalide oder von Invalidität bedrohte Versicherte haben Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder
herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern und die Voraussetzungen für den
Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (Art. 8 Abs. 1 IVG). Die
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Eingliederungsmassnahmen umfassen unter anderem Massnahmen beruflicher Art
(Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung
und Kapitalhilfe [Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG]). Anspruch auf Umschulung haben Versicherte,
wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die
Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (Art. 17 Abs. 1
IVG), wobei die leistungsspezifische Invalidität rechtsprechungsgemäss dann als
eingetreten gilt, wenn eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von
etwa 20% vorliegt (vgl. SVR 2006 IV Nr. 15 S. 53 E. 2 mit zahlreichen Hinweisen).
5.2 Die Beschwerdeführerin ist vom 7. Januar 1992 bis 31. August 2006 bei der D._
AG als Mitarbeiterin in der Produktion mit einem Bruttolohn gemäss eigenen Angaben
in der Höhe von Fr. 3'550.-- tätig gewesen (vgl. act. G 8.1/1 S. 5). Vorliegend gibt es
keine Hinweise darauf, dass die Beschwerdeführerin im Lauf ihrer Tätigkeit jene
Berufskenntnisse erworben hätte, die sie de facto zur Berufsfrau mit abgeschlossener
Berufsausbildung in der Lebensmittelbranche machen würden. Die Beschwerdeführerin
ist also bis zum letzten Arbeitstag als Hilfsarbeiterin in der Produktion tätig gewesen.
Es steht ihr eine qualitativ und lohnmässig gleichwertige Invalidenkarriere offen, denn
sie kann grundsätzlich jederzeit eine leidensangepasste Hilfsarbeit antreten.
Hilfsarbeiten erfordern nämlich definitionsgemäss keine über eine kurze Einarbeitung
hinausgehende Ausbildung. Ein Wechsel in eine neue, leidensangepasste Hilfsarbeit ist
ihr somit zumutbar, obwohl sie lange Zeit in der Lebensmittelbranche und sogar lange
Zeit am selben Arbeitsplatz als Hilfsarbeiterin in der Produktion tätig gewesen ist. Die
Möglichkeit des sofortigen Wechsels in eine neue, leidensangepasste Hilfsarbeit lässt
vorliegend also keinen Umschulungsbedarf entstehen.
5.3 Die Beschwerdegegnerin hat demnach den Anspruch auf berufliche Massnahmen
zu Recht verneint. Immerhin steht es der Beschwerdeführerin offen, bei der
Beschwerdegegnerin ein Gesuch um Arbeitsvermittlung zu stellen.
6.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Das
Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
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1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Der von ihr geleistete Kostenvorschuss von
Fr. 600.-- ist daran anzurechnen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP