Decision ID: a78e3997-17d5-48e0-8fb5-bec4e5361a63
Year: 2006
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren am 8. April 1941, Projektleiter bei der
Y._ AG (Urk. 7/7)
, ersuchte die Invalidenversicherung erstmals am 28. Februar 1989 um Versorgung mit einem Hörgerät als Hilfsmittel (Urk. 7/48). Mit Schreiben des damals zuständigen IV-Sekreta
r
iates vom 13. Juli 1990 wurde dem Versicherten die leihweise Abgabe eines Hörgerätes HdO
Widex
Q 8 mit Fernbedienung und einem
Ohrstück
im Gesamtbetrag zu Fr. 2'761.-- gemäss Kostenvoranschlag vom 8. März 1990 nach Anordnung des Experten zugespro
chen (Urk. 7/16). Gestützt auf ein erneutes Gesuch vom 3. Februar 1997 ge
währte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, dem Versi
cherten mit Verfügung vom 1. September 1997 (Urk. 7/14) die leihweise Abgabe eines Hörgerätes Marke
Widex
Senso C8 inklusive 1
Ohrmulde
im Betrag von Fr. 3'411.-- gemäss Kostenvoranschlag vom 7. Juli 1997 (Urk. 7/14). Ebenso hiess die IV-Stelle das Gesuch des Versicherten vom 24. August 1999 gut und sprach ihm mit Verfügung vom 25. Oktober 1999 (Urk. 7/13) die leihweise Ab
gabe eines Hörgerätes rechts gemäss Indikationsstufe 3, HdO WIDEX Senso C-8, inklusive
Ohrmulde
gemäss Rechnung vom 24. August 1999 im Gesamtbetrage von Fr. 3'411.-- zu.
1.2
Mit Eingabe vom 28. Januar 2004 beziehungsweise 2. Februar 2004 (Urk. 10) liess der Versicherte durch die
Z._ AG
eine Neuversorgung mit Hörgeräten beantragen und machte eine Verschlechterung seines Gehörs gel
tend. Insbeson
dere habe der Versicherte Schwierigkeiten in Gesprächen mit Personen. In der Folge holte die IV-Stelle den ärztlichen Expertenbericht von Dr. med.
A._
, Facharzt FMH für Hals-Nasen-Ohrenku
nde, Hals & Ge
sichtschirurgie
, vom 13. April 2004 (Urk. 7/18) ein. Nach Eingang des ärztlichen Schlussberichts betreffend Hörgeräteabgabe von Dr.
A._
vom 23. Juni 2004 (Urk. 13/17) sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Ver
fügung vom 10. August 2004 für die binaurale Versorgung mit den Hörgeräten der Indikati
onsstufe 3
Oticon
Adapto
P (Nr. 16730
re
und 16732 li) den tariflich vorgesehe
nen Gesamtbetrag von Fr. 4'922.70 zu (Urk. 7/6). Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 31. August 2004 (Urk. 7/5) Einsprache. Nachdem die IV-Stelle in d
er Folge eine Stellungnahme des
Bundesamt
s
für Sozialversi
cherung (BSV; Schreiben vom 9. September 2004, Urk. 7/24) eingeholt hatte, wies die IV-Stelle mit
Einspracheentscheid
vom 23. September 2004 (Urk. 7/2 = Urk. 2) die Ein
sprache ab.
2.
2.1
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 21. Oktober 2004 (Urk. 1) Be
schwerde und stellte sinngemäss den Antrag, die IV-Stelle sei zu verpflichten, auch die Mehrkosten von Fr. 2'154.35 für zwei Hörgeräte der Stufe 4 zu über
nehmen.
2.2
In der Beschwerdeantwort vom 29. November 2004 (Urk. 6) beantragte die IV
Stelle die Abweisung der Beschwerde, worauf der Schriftenwechsel mit Ge
richtsverfügung vom 1. Dezember 2004 (Urk. 8) geschlossen wurde.

Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert Fr. 20'000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der Be
schwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
GSG
).
2.
2.1
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 des Bundesgesetztes über den Allge
mei
nen Teil des Sozialversicherungsrechts ATSG
) unmittelbar bedrohte Versi
cherte haben Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese not
wendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Auf
gaben
bereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Dabei ist die gesamte noch zu erwartende Arbeitsdauer zu berücksichtigen. Nach Massgabe der Arti
kel 13, 19 und 21 besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Art. 8 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetz über die Invalidenversicherung
IVG
).
2.2
Gemäss Art. 21 Abs. 1 IVG hat die versicherte Person im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste Anspruch auf jene Hilfsmittel, deren sie für die Ausübung der Erwerbstätigkeit oder der Tätigkeit im Aufgabenbereich, zur Er
haltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit, für die Schulung, die Aus- und Weiterbildung oder zum Zwecke der funktionellen Angewöhnung bedarf. Ferner bestimmt Art. 21 Abs. 2 IVG, dass Versicherte, die infolge ihrer Invalidität für die Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte bedürfen, im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste ohne Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit Anspruch auf solche Hilfsmittel haben.
Die Befugnis zur Aufstellung der Hilfsmittelliste und zum Erlass ergänzender Vorschriften im Sinne von Art. 21 Abs. 4 IVG hat der Bundesrat in Art. 14 Ver
ordnung über die Invalidenversicherung (IVV) an das Eidgenössische Departe
ment des Innern übertragen, welches die Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI) mit anhangsweise aufge
führter Hilfsmittelliste erlassen hat. Laut Art. 2 HVI besteht im Rahmen der im Anhang aufgeführten Liste Anspruch auf Hilfsmittel, soweit diese für die Fort
bewegung, die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbst
sorge notwendig sind (Abs. 1). Anspruch auf die in dieser Liste mit * bezeich
neten Hilfsmittel besteht nur, soweit diese für die Ausübung einer Erwerbstätig
keit oder die Tätigkeit im Aufgabenbereich, für die Schulung, die Ausbildung, die funktionelle Angewöhnung oder für die in der zutreffenden Ziffer des An
hangs ausdrücklich genannte Tätigkeit notwendig sind (Abs. 2; BGE 122 V 214
Erw
. 2a).
2.3
Es besteht nur Anspruch auf Hilfsmittel in einfacher und
zweckmässiger
Ausfüh
rung. Durch eine andere Ausführung bedingte zusätzliche Kosten hat der Versicherte selbst zu tragen. Beim Fehlen von vertraglich vereinbarten Tarifen können vom BSV angemessene Höchstbeiträge im Sinne von Artikel 27 IVG festgelegt werden (Art. 2 Abs. 4 HVI).
2.4
Gemäss
Ziff. 5.07 HVI Anhang steht den Versicherten der Anspruch auf Abgabe von Hörgeräten bei Schwerhörigkeit zu, sofern das Hörvermögen durch ein sol
ches Gerät namhaft verbessert wird und sie sich wesentlich besser mit der Um
welt verständigen können.
2.5
Nach Art. 27 IVG ist der Bundesrat befugt, mit der Ärzteschaft, den Berufsver
bän
den den
Medizinalpersonen
und den medizinischen Hilfspersonen, den An
stalten und Werkstätten, die
Eingliederungsmassnahmen
durchführen, sowie den Abgabestellen für Hilfsmittel Verträge zu
schliessen
, um die Zusam
men
ar
beit mit den Organen der Versicherung zu regeln und die Tarife festzule
gen (Abs. 1). Soweit kein Vertrag besteht, kann der Bundesrat die Höchstbeträge festsetzen, bis zu denen den Versicherten die Kosten der
Eingliederungsmass
nahmen
vergütet werden (Abs. 3). Die Kompetenz zum Abschluss von Verträgen
gemäss
Art. 27 Abs. 1 IVG hat der Bundesrat in Art. 24 Abs. 2 IVV an das BSV delegiert.
2.6
Der geltende auf den 1. April 1999 in Kraft getretene neue Hörgeräte-Tarif ist ein Tarifvertrag, welchen das BSV für die Invaliden- und Alters- und Hinter
lassenenversicherung mit den auf der Lieferantenliste (= Anhang 7 zum Tarif
vertrag für Hörgeräte) figurierenden Akustik-Geschäften abgeschlossen hat. Der Tarifvertrag hat sieben Anhänge: 1. Voraussetzungen für die Aufnahme in die Lieferantenliste, 2. Die vergleichende Anpassung, 3. Die Tarifpositionen IV und AHV,
4. Das Ablaufschema der Hörgeräteanpassung, 5. Die Definitionen von Anpassung, Service/Unterhalt und Nachbetreuung, 6. Die Hörgeräteliste und 7. Die Lieferantenliste. Die Tarifgestaltung beruht auf einem Indikationenmodell mit drei Indikationsstufen, wobei das Erreichen der Indikationsstufe 1 zu einer einfachen Versorgung, der Indikationsstufe 2 zu einer komplexeren Versorgung und der Indikationsstufe 3 zu einer sehr komplexen Versorgung mit Hörgeräten berechtigt. Wesentlich ist Art. 4 des Vertrages, wonach Art und Umfang der Leistungen durch die medizinische Indikation im Sinne des Anhanges 3 be
stimmt werden (Art. 4.1 Tarifvertrag). Die Abgabe von Hörgeräten muss medizi
nisch indiziert sein, von einem Expertenarzt oder einer Expertenärztin verordnet (Expertise 1) und
abschliessend
von diesem oder dieser überprüft werden (Schlussexpertise oder Expertise 2). Für die Invalidenversicherung gilt die Ab
gabe erst nach Eintreffen der Schlussexpertise bei der IV-Stelle als abgeschlos
sen (Art. 4.2 Tarifvertrag). Für die Versicherungen dürfen nur Geräte angepasst und verrechnet werden, welche auf der Hörgeräteliste des BSV (= Anhang 6) aufgeführt sind und für welche ein einwandfreier Informations-, Kunden- und Reparaturdienst durch eine Vertretung oder Niederlassung in der Schweiz ge
währleistet ist (Art. 4.3 Tarifvertrag). Der Hörgeräte-Tarif bezweckt einerseits, die Invalidenversicherung von der Übernahme unnötiger Hörgerätekosten zu bewahren, und andererseits, der versicherten Person eine genügende Versor
gung mit Hörgeräten zu gewährleisten. Aus diesem Grunde sieht der Hörgerä
tetarif
gemäss
Anhang 3
Preislimiten
vor (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versi
cherungsgerichts, EVG, in Sachen L. vom 9. Januar 2004, I 281/02, veröffent
licht in BGE 130 V 163 ff.,
Erw
. 3.2.2).
2.7
Das Bundesamt hat für eine einheitliche Anwendung des Gesetzes zu sorgen (Art. 64 Abs. 2 Satz 2 IVG). Die Aufsicht
gemäss
Art. 64 IVG wird durch das Departement oder in dessen Auftrag durch das BSV ausgeübt. Das BSV erteilt den mit der Durchführung der Versicherung betrauten Stellen für den einheitli
chen Vollzug im Allgemeinen und im Einzelfall Weisungen (Art. 92 Abs. 1 IVV). Das BSV hat die Abgabe von Hörgeräten
gemäss
den eben aufgeführten Bestimmungen im Kreisschreiben über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (KHMI) konkretisiert, worin der am 1. April 1999 in Kraft getretene Hörgeräte-Tarifvertrag mitsamt Anhängen und fachärztlichen Emp
fehlungen auf Weisungsstufe verankert wurde (
Rz
5.07.01 ff. KHMI; vgl. BGE 130 V 163 ff.,
Erw
. 3.2.3). Danach richtet sich das formelle Abgabeverfahren in der Regel nach dem Ablaufschema im Anhang (4) des Hörgerätetarifvertrages (
Rz
5.07.01 KHMI). In jedem Fall ist durch einen zugelassenen Spezialarzt eine audiologische Abklärung durchzuführen (
Rz
5.07.02 KHMI).
2.8
Bei den vom BSV abgeschlossenen Tarifverträgen handelt es sich um Vorgaben an die Vollzugsorgane der Versicherung über die Art und Weise, wie diese ihre Befugnisse auszuüben haben. Als solche dienen Tarifverträge wie die Verwal
tungsweisungen im Rahmen der fachlichen Aufsicht des BSV einer einheitlichen Rechtsanwendung mit dem Ziel, eine Gleichbehandlung der Versicherten und um die
verwaltungsmässige
Praktikabilität zu gewährleisten (BGE 129 V 204
Erw
. 3 mit Hinweisen, ZAK 1987 S. 581, ZAK 1986 S. 235). Deshalb richten sich solche Ausführungsvorschriften
rechtsprechungsgemäss
nur an die Durchfüh
rungsstellen; für d
as
Sozialversicherungsgericht sind sie nicht verbindlich (BGE 129 V 205
Erw
. 3.2 mit Hinweisen). Dies
heisst
indessen nicht, dass Tarifvertrag und Verwaltungsweisungen für das Sozialversicherungsgericht unbeachtlich sind. Vielmehr soll das Gericht sie berücksichtigen, soweit sie eine dem Einzel
fall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen (BGE 129 V 205
Erw
. 3.2, 127 V 61
Erw
. 3a, 126 V 68
Erw
. 4b, 427
Erw
. 5a, je mit Hinweisen). Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von einem Tarifvertrag oder von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der gesetzlichen und
verord
nungsmässigen
Leistungsvoraussetzungen darstellen. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesan
wendung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 130 V 163 ff.,
Erw
. 4.3.1). Nach der Rechtsprechung des EVG können deshalb
Preislimiten
, welche in Ver
waltungsweisungen und Tarifverträgen des BSV enthalten sind, den Anspruch der versicherten Person auf Hilfsmittel nicht rechtswirksam einschränken (BGE 123 V 18, 114 V 90, ZAK 1992 S. 208, BGE 130 V 163 ff.,
Erw
. 4.3.2).
2.9
In BGE 130 V 163 ff.,
Erw
. 4.3.4, hat das EVG erkannt, dass im Sinne einer Ver
mutung davon auszugehen ist, dass eine den Ansätzen des ab 1. April 1999 gültigen Hörgeräte-Tarifvertrags entsprechende Leistungszuerkennung in der Regel den invaliditätsbedingten Eingliederungsbedürfnissen im Einzelfall Rech
nung trägt und in einfacher wie
zweckmässiger
Weise zum Eingliederungserfolg im Sinne einer adäquaten Verständigung führt. Der Einwand, dass es sich aus
nahmsweise gegenteilig verhält, dass also im Einzelfall aus besonderen invali
ditätsbedingten Gründen eine die tarifvertraglichen Ansätze übersteigende Hör
geräteversorgung notwendig sei, bleibt indessen nach geltendem Recht zulässig. Denn letztlich ist stets das konkrete Eingliederungsbedürfnis der Versicherten
massgebend
.
Jedoch trägt die versicherte Person die Beweislast für die von ihr behauptete Ausnahmesituation. Sie muss substantiiert begründen, weshalb die ihr - gestützt auf den vermutungsweise eine ausreichende Eingliederung zulassenden Tarif
vertrag - zugesprochene Hörgeräteversorgung in ihrem Fall dem Eingliede
rungsziel der
adäquaten Verständigung nicht zu genügen vermag. Der Beweis ist erbracht, wenn auf Grund der Aktenlage, insbesondere einer schlüssigen spe
zialärztlichen und/oder fachaudiologischen Beurteilung, dargetan ist, dass die Abgabe eines Hörgerätes auf der Grundlage der
massgeblichen
Indikationsstufe
gemäss
Tarif der versicherten Person keine genügende Verständigung erlaubt und so dem invaliditätsbedingten Eingliederungsbedürfnis nicht hinreichend Rechnung trägt.
Ein solches gesteigertes Eingliederungsbedürfnis, das einer über die tarifarisch vorgesehenen
Preislimiten
hinausgehenden Versorgung bedarf, kann sich so
wohl aus der speziellen gesundheitlichen Situation wie auch mit Blick auf den Tätigkeitsbereich der versicherten Person ergeben. Komplexe Hörsituationen und entsprechende fallspezifische Besonderheiten liegen beispielsweise vor, wenn die
versicherte Person an einer besonders schweren oder komplexen Hör
schädigung leidet, eine nur noch kleine Resthörigkeit aufweist oder aber durch zusätzliche Erschwernisse, die Hörsituation komplizierende Beschwerden wie Tinnitus, extreme Hörschwankungen oder Verhaltensstörungen beeinträch
tigt ist. Denkbar ist auch, dass ein gesteigertes Eingliederungsbedürfnis auf Grund des Tätigkeitsbereiches besteht, beispielsweise bei erwerbstätigen Versi
cherten in einem beruflichen Umfeld mit spezieller Arbeitssituation, die eine komplexe und wechselnde Geräuschkulisse oder besondere berufliche Anforde
rungen auf
weist, welche erhöhte Anforderungen an die Kommunikation und das Hör
ver
ständnis der Versicherten stellen.
3.
3.1.
Im vorliegenden Fall erfolgte die Zusprechung eines Kostenbeitrages an die bi
naurale Hörgerätversorgung des Beschwerdeführers über Fr. 4'922.70 in An
wendung des dargestellten Tarifvertrages. Zu prüfen ist, ob diese Anwendung des Tarifs, insbesondere die Begrenzung des Anspruchs auf den Höchstbetrag der Indikationsstufe 3
gemäss
Tarifvertrag in der Höhe von Fr. 4'922.70
recht
mässig
ist.
3.2
Die Beschwerdegegnerin geht in der Verfügung vom 10. August 2004 (Urk. 7/6) und im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 23. September 2004 (Urk. 2) davon aus, dass ein Anspruch auf eine beidseitige (binaurale) Versorgung mit Hörgeräten der Indikationsstufe 3 im Umfang eines Gesamtbetrages nach Tarif
vertrag von Fr. 4'922.70 bestehe. Eine
überpreisige
Hörgerätversorgung sei we
der
zweckmässig
noch notwendig.
3.3.
Demgegenüber macht der Beschwerdeführer geltend (Urk. 1), er benötige aus beruflichen Gründen ein kostspieligeres Hörgerät der Stufe 4. Wie oben (
Erw
. 2.6)
erwähnt, beruht der ab 1. April 1999 gültige Hörgeräte-Tarif auf ei
nem In
dikationsmodell mit drei Indikationsstufen. Eine vierte Indikationsstufe ist im Tarifvertrag hingegen nicht enthalten. Zudem sind allfällige technische Eintei
lungen der Hörgeräte invalidenversicherungsrechtlich nicht bedeutsam (vgl. Urteil EVG in Sachen T. vom 4. März 2004, I 87/02,
Erw
. 5.3). Da aus den Be
schwerdeunterlagen ersichtlich ist, dass der Beschwerdeführer im Sommer 2003 zwei Hörgeräte der Marke
Oticon
Adapto
Power der Stufe 4 getestet und er sich in der Folge für diese Geräte entschieden hat (Urk. 3/6) und der Be
schwerde
führer in der Beschwerde erwähnt, dass es ihm nur mit den Geräten der Stufe 4 gelinge, seinen Arbeitsalltag zu bewältigen (Urk. 1), ist davon aus
zugehen, dass der Beschwerdeführer die Übernahme der Kosten der binauralen Hörgerätever
sorgung mit den Geräten
Oticon
Adapto
Power (Nr. 16730 rechts und Nr. 16732 links) beantragen will. Das
beschwer
de
führerische
Rechtsbegeh
ren ist daher in diesem Sinn zu verstehen.
4.
4.1
Dr.
A._
stellte in seinem Expertenbericht vom 13. April 2004 (Urk. 7/18) fest, dass eine binaurale Versorgung mit Hörgeräten der Indikationsstufe 3 an
gezeigt sei.
4.2
Im ärztlichen Schlussbericht betreffend Hörgerätabgabe vom 23. Juni 2004 (Urk. 7/17) stellte Dr.
A._
fest, dass die Hörgeräte
Oticon
Adapto
Power beidseits angepasst worden seien und die Schlussexpertise mit 19 von 20 Punk
ten bestanden sei.
5.
5.1
Der Beschwerdeführer bringt in der Beschwerde (Urk. 1) vor, er
sei aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit darauf angewiesen, sich an Sitzungen, am Telefon und im persönlichen Gespräch einwandfrei mit seinen Arbeitskollegen sowie seinen Kunden verständigen zu können. Mit den Hörgeräten der Stufe 3 sei dies auch nach versuchten Anpassungen und Verstärkungen bei der Fachberatung nicht mehr möglich gewesen. Erst mit Geräten der Stufe 4 habe sich das Hör
verständnis wieder eingestellt. Dies werde in der von Dr.
A._
erstellten Expertise sowie im Schreiben der
Z._
AG vom 1. Oktober 2004 bestätigt. Nur mit Geräten der Stufe 4 gelinge es ihm, seinen Alltag zu bewältigen, was für ihn im Alter von 63 Jahren wirtschaftlich und sozial entscheidend sei.
5.2
Aus dem Schreiben der
Y._
AG vom 17. August 2004 (Urk. 3/4) geht hervor, sie seien als Arbeitgeber darauf angewiesen, dass ihre Mitarbeiter ihre Aufgaben zu 100 % erfüllen könnten. Der Beschwerdeführer sei seit vielen Jahre bei ihnen als Projektleiter beschäftigt. In dieser Funktion sei er verant
wortlich für die Abwicklung von Kundenaufträgen. Er stehe im
regen
telefoni
schen Kontakt und halte Sitzungen mit den betroffenen Personen ab. Zudem mache er mit Kunden und Montageleitern Abklärungen auf der Baustelle und vor Ort. Diese verantwortungsvolle Stelle bedinge eine einwandfreie Verständi
gung mit Hilfe der Sinne.
5.3
Gemäss dem Schreiben der
Z._
AG vom 24. August 2004 (Urk. 3/6) habe der Beschwerdeführer im letzten Sommer bei Gesprächen mit mehreren Perso
nen Probleme mit seinen bestehenden Hörgeräten der Stufe 3 (
Widex
Senso C8 binaural) gehabt. Daraufhin habe der Beschwerdeführer zwei Hörgeräte
Oticon
Adapto
Power getestet und schon nach einer kurzen Probezeit habe er von einer deutlichen Verbesserung berichtet, so dass er sich auch für diese Geräte ent
schieden habe.
5.4
Hinsichtlich Feststellung in der Stellungnahme des BSV vom 9. September 2004 (Urk. 7/
24
) und im
Einspracheentscheid
(Urk. 2), wonach der Beschwerdeführer die Beweislast dafür trage, dass einzig die gewählte Versorgung als zweckmäs
sig und notwendig zu betrachten sei und ihm diese Beweisführung nicht gelun
gen sei, gilt es Folgendes zu sagen:
Wie bereits erwähnt (
Erw
. 2.9), trägt bezüg
lich der Frage, ob die
tarifische
Hörgerätversorgung dem invaliditätsbedingten Eingliederungsbedürfnis ausnahmsweise nicht genügt, der Beschwerdeführer die Beweislast. Weil der Sozialversicherungsprozess vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht wird, wonach das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen hat, han
delt es sich dabei zwar nicht um die subjektive Beweisführungslast nach Art. 8 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) in dem Sinne, dass die versicherte Person den Beweis für ein gesteigertes Eingliederungsbedürfnis gestützt auf eine fachärztliche oder fachaudiologische Beurteilung selbst erbringen muss, viel
mehr trägt sie die objektive Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislo
sigkeit der Entscheid zu ihren Ungunsten ausfällt (BGE 117 V 264). Indes hat die versicherte Person aufgrund der Vermutung, die tarifliche Hörgeräteversor
gung führe zu einer den gesetzlichen Vorgaben genügenden Eingliederung im Einzelfall, jedenfalls in substantiierter Weise darzutun, weshalb die gestützt auf den Tarifvertrag abgegebenen Hörgeräte ausnahmsweise nicht genügen sollten. Nur wenn die versicherte Person namhafte Gründe vorbringt, die klar für ein gesteigertes Eingliederungsbedürfnis im konkreten Fall (nicht
bloss
für einen gesteigerten Hörkomfort) sprechen, besteht für die Verwaltung und im Be
schwerdefall Anlass für eine nähere Prüfung von Amtes wegen (Urteil des EVG in Sachen T. vom 4. März 2004, I 87/02).
Es ergibt sich weder aus den ärztlichen Berichten (Urk. 7/18 und Urk. 7/17) noch demjenigen der Hörakustikerin, dass dem Eingliederungsbedürfnis des Beschwerdeführers nur mit den beantragten Hörgeräten hinreichend Rechnung getragen werden kann. Vielmehr ergibt sich aus dem Schreiben der
Z._
AG vom 24. Mai 2004 (Urk. 3/7), dass der Beschwerdeführer, da er bereits zuvor Hörgeräte der Stufe 3 gehabt habe, keine weiteren Geräte dieser Stufe habe tes
ten wollen. Daraus könnte der Schluss gezogen werden, dass der Beschwerde
führer sich für die bestmögliche Versorgung entschieden hat, auf welche er aber keinen Anspruch hätte (Kreisschreiben des BSV über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (KHMI), gültig ab 1. Januar 2004,
Rz
5.07.10). Trotzdem hat der Beschwerdeführer - bestätigt durch seine Arbeit
geberin - vorliegend namhafte Gründe dargetan, die für ein erhöhtes invalidi
tätsbedingtes Eingliederungsbedürfnis sprechen. So erscheint es nicht ausge
schlossen, dass aufgrund seiner Tätigkeit als Projektleiter und der damit ver
bundenen hohen Kommunikationstätigkeit anlässlich von Telefongesprächen sowie an Sitzungen mit Geschäftspartnern und Arbeitskollegen, welche teilweise auch auf Baustellen stattfinden, speziell erhöhte sprachliche Anforderungen be
stehen, denen mit Blick auf eine ausreichende Verständigung die Kostengut
sprache der Beschwerdegegnerin allenfalls nicht genügen könnte, was nach der Aktenlage nicht klar ist. Zur
abschliessenden
Beantwortung der Frage, ob nur eine die tarifvertraglichen Höchstansätze übersteigende Hörgerätversorgung den beruflichen Anforderungen des Beschwerdeführers entspricht und damit mit Blick auf das Eingliederungsziel noch als einfach und
zweckmässig
im Sinne des Gesetzes zu qualifizieren wäre, oder ob zur genügenden Verständigung im beruflichen Umfeld auch ein Modell ausgereicht
hätte, welches den tariflichen Kostenrahmen der Indikationsstufe 3 wahrt, ist die Sache an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen, welche die notwendigen Abklärungen durch Rückfra
gen bei Dr.
A._
und bei der Hörgeräteakustikerin vorzunehmen hat.
Aufgrund des Gesagten erweist sich die Sache nicht als spruchreif und bedarf der erneuten Abklärung. Die Beschwerde ist daher in dem Sinne
gutzuheissen
, dass der angefochtene
Einspracheentscheid
vom 23. September 2004 (Urk. 2) aufzuheben und die Sache zur erneuten Abklärung des Sachverhalts an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen ist, und diese
anschliessend
über den Hilfs
mittelanspruch des Beschwerdeführers neu zu verfügen hat.
6.
Dem Beschwerdeführer ist keine Prozessentschädigung zuzusprechen, da sein Arbeitsaufwand und seine Umtriebe im vorliegenden Verfahren nicht den Rah
men dessen überschritten, was der Einzelne
zumutbarerweise
nebenbei zur Be
sorgung seiner persönlichen Angelegenheiten auf sich zu nehmen hat.