Decision ID: b712dd2f-a3df-42de-a5d4-fbe89ee2bdb3
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_007
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1.
Der 1981 geborene Beschwerdeführer ist als Automobildiagnostiker ange-
stellt und in dieser Eigenschaft bei der Beschwerdegegnerin obligatorisch
unfallversichert. Mit Schadenmeldung vom 17. März 2020 meldete die Ar-
beitgeberin ein Unfallereignis vom 6. März 2020, bei dem der Beschwerde-
führer in der Werkstatt ausgerutscht sei und sich dabei das rechte Knie
leicht verdreht habe. Mit Verfügung vom 12. Mai 2021 stellte die Beschwer-
degegnerin ihre Versicherungsleistungen (Taggelder und Heilbehand-
lungsleistungen) per 23. Dezember 2020 ein. Mit Einspracheentscheid vom
23. August 2021 wies sie die dagegen gerichtete Einsprache des Be-
schwerdeführers ab.
2.
2.1.
Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 20. September
2021 fristgerecht Beschwerde und stellte folgende Rechtsbegehren:
"1. Die Beschwerde sei gutzuheissen.
2. Der Einsprache-Entscheid vom 23.08.2021 sei aufzuheben, und es seien dem Beschwerdeführer stattdessen weiterhin die gesetzlich  Versicherungsleistungen zu gewähren.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der ."
2.2.
Mit Vernehmlassung vom 15. Oktober 2021 beantragte die Beschwerde-
gegnerin die Abweisung der Beschwerde.

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1.
Die Beschwerdegegnerin ging in ihrem Einspracheentscheid vom 23. Au-
gust 2021 zusammengefasst davon aus, dass der Unfall vom 6. März 2020
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nur zu einer vorübergehenden Ver-
schlimmerung eines degenerativen Vorzustandes am rechten Knie geführt
habe und nach vier Wochen die Unfallfolgen im Beschwerdebild keine Rolle
mehr gespielt hätten (vgl. Vernehmlassungsbeilage [VB] 56).
1.2.
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin mit ihrem Einsprache-
entscheid vom 23. August 2021 zu Recht den Fallabschluss per 23. De-
zember 2020 vorgenommen und einen Anspruch des Beschwerdeführers
- 3 -
auf weitergehende Leistungen der Unfallversicherung für das Ereignis vom
6. März 2020 verneint hat.
2.
2.1.
Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG werden die Versicherungsleistungen, soweit
das Gesetz nichts anderes bestimmt, bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfäl-
len sowie Berufskrankheiten gewährt. Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die ver-
sicherte Person Anspruch auf eine zweckmässige Behandlung der Unfall-
folgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat
sie gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Wird sie infolge
des Unfalles zu mindestens 10 % invalid, so hat sie nach Art. 18 Abs. 1
UVG Anspruch auf eine Invalidenrente.
2.2.
2.2.1.
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst
voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden
(Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht.
Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Um-
stände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als einge-
treten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit ein-
getreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für
die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich,
dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher
Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit
anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicher-
ten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht wegge-
dacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Stö-
rung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen; vgl. auch BGE
134 V 109 E. 2.1 S. 111 f. und 129 V 402 E. 4.3.1 S. 406).
2.2.2.
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen
Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage,
worüber die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen
der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungs-
recht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
(vgl. (BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125 mit Hinweis auf BGE 129 V 177 E. 3.1
S. 181) zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs ge-
nügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 177
E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen). Die Sozialversicherungsorgane und das Ge-
richt haben vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die sie von
allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen
(BGE 126 V 353 E. 5b S. 360). Der Beweis des natürlichen Kausalzusam-
menhangs ist in erster Linie mittels Angaben medizinischer Fachpersonen
- 4 -
zu führen (Urteil des Bundesgerichts 8C_331/2015 vom 21. August 2015
E. 2.2.3.1; vgl. auch RUMO-JUNGO/HOLZER, Rechtsprechung des Bundes-
gerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallver-
sicherung, 4. Aufl. 2012, S. 55).
2.3.
Die Anerkennung der Leistungspflicht durch den Unfallversicherer ist in
rechtlicher Hinsicht von Belang. Ist die Unfallkausalität einmal mit der erfor-
derlichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, entfällt die deswegen aner-
kannte Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht
die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt,
wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursa-
chen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesund-
heitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (status quo
ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässi-
gen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder
später eingestellt hätte (status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leis-
tungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfal-
len jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Ge-
sundheitsschadens mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein-
lichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich feh-
lender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hier-
bei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die entspre-
chende Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründen-
der natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht beim Versicher-
ten, sondern beim Unfallversicherer. Diese Beweisgrundsätze gelten so-
wohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämt-
liche Leistungsarten massgebend. Diese Rechtsprechung beschlägt dabei
einzig die rechtlichen Folgen der Abklärung, insofern als dem Unfallversi-
cherer die Beweislast zugewiesen wird für den Fall, dass ungeklärt bleibt,
ob dem Unfall (noch) eine kausale Bedeutung für den andauernden Ge-
sundheitsschaden zukommt. Bevor sich aber überhaupt die Frage der Be-
weislast stellt, ist der Sachverhalt im Rahmen des Untersuchungsgrundsat-
zes richtig und vollständig zu klären (SVR 2009 UV Nr. 3 S. 9, Urteil des
Bundesgerichts 8C_354/2007 vom 4. August 2008 E. 2.2 mit Hinweisen).
3.
Den (v.a. medizinischen) Akten kann im Wesentlichen Folgendes entnom-
men werden:
3.1.
Gemäss Bagatellunfallmeldung vom 17. März 2020 rutschte der Beschwer-
deführer am 6. März 2020 in der Werkstatt seiner Arbeitgeberin aus und
verdrehte sich dabei "leicht" das rechte Knie. Er habe ein Knacken und ei-
nen Stich auf der Knieinnenseite verspürt und am Abend sei das Knie an-
geschwollen (vgl. VB 1).
- 5 -
3.2.
Der radiologische Befund anlässlich einer Aufnahme des rechten Knies in
der Abteilung Radiologie des Spitals B. vom 20. März 2020 ergab – bei im
Übrigen intakten Bändern, Sehnen und Aussenmeniskus – eine komplexe
Innenmeniskusläsion mit dislozierten Fragmenten, deutliche Knorpelde-
fekte medial mit Verdacht auf freies Knorpelfragment dorsomedial sowie
eine Innenbandzerrung (vgl. VB 9). Eine weitere radiologische Aufnahme
des ganzen rechten Beines vom 14. April 2020 (ebenfalls im Spital B.)
zeigte eine medialseits betonte Gelenkspaltverschmälerung mit allenfalls
diskreter subchondraler Sklerosierung am medialen Tibiaplateau bei ach-
sengerechten Stellungsverhältnissen (vgl. VB 11).
3.3.
In einem Sprechstundenbericht vom 14. April 2020 stellte Dr. med. C.,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs-
apparates, Interdisziplinäres Zentrum, Spital B., die (Haupt-) Diagnose ei-
ner ausgedehnten medialen Meniskusläsion mit ausgeprägtem Knorpel-
schaden am rechten Knie. Die klinische Untersuchung zeigte als Befunde
keinen Erguss, keinen Patellaverschiebe- oder Anpressschmerz und keine
Druckdolenzen am medialen oder lateralen Patellapol, an Quadriceps- und
Patellarsehneninsertion, an proximaler und distaler Insertion von MCL und
LCL sowie am medialen oder lateralen Gelenkspalt. Da der Beschwerde-
führer momentan "absolut beschwerdefrei" sei, drängten sich zurzeit keine
weiteren Massnahmen auf. Es wurde vereinbart, dass sich der Beschwer-
deführer bei Wiederauftreten von Beschwerden erneut melde (vgl. VB 33
S. 2 f.).
3.4.
Am 18. Dezember 2020 empfahl Dr. med. C. dem Beschwerdeführer auf-
grund von dessen Angabe persistierender Beschwerden eine mediale Teil-
meniskektomie sowie eine hohe tibiale Osteotomie. Zu Letzterer konnte
sich der Beschwerdeführer anlässlich der Konsultation nicht entschliessen
(vgl. Sprechstundenbericht vom 18. Dezember 2020; VB 2 S. 2).
3.5.
Der Hausarzt Dr. med. D., Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Q., hielt
in einem "Arztzeugnis UVG" vom 4. Januar 2021 zuhanden der Beschwer-
degegnerin fest, der Beschwerdeführer habe anlässlich der Erstbehand-
lung vom "06.03.2020" (gemäss Arztbericht vom 31. März 2021: Erstkon-
sultation am 16. März 2020 [vgl. VB 38 S. 2]) geschildert, dass er am
6. März 2020 bei der Arbeit beim Aufstehen ausgerutscht sei, sich dabei
das rechte Knie verdreht und einen "Zwick" auf der Knieinnenseite verspürt
habe. Im Verlauf des Tages sei das Knie zunehmend angeschwollen und
schmerzhaft geworden. Die Schwellung sei nach Einnahme eines entzün-
dungshemmenden Schmerzmittels abgeklungen. Er habe seither beim
Laufen je nach Belastung stechende Schmerzen in der Knieinnenseite,
- 6 -
ohne dass das Knie blockiere. Die klinische Untersuchung habe keinen Er-
guss und keine Überwärmung, leichte Schmerzen bei maximaler Flexion,
eine "ungeschränkt[e]" Flexion sowie eine Druckdolenz im medialen Ge-
lenkspalt vorne bis intermedial ergeben. Diagnostisch handle es sich um
eine ausgedehnte mediale Meniskusläsion mit ausgeprägtem Knorpel-
schaden am rechten Knie, welche am 13. Januar 2021 operiert werde
(vgl. VB 7).
3.6.
In einer Kurzbeurteilung vom 5. Januar 2021 vertrat Kreisarzt
Dr. med. univ. E., Praktischer Arzt, die Auffassung, dass der Unfall vom
6. März 2020 beim Beschwerdeführer zu einer "mögliche[n] Innenbandzer-
rung" geführt habe. Der "Schaden", welcher operiert werden solle, sei nicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis zurückzufüh-
ren, lägen doch ausschliesslich vorbestehende degenerative Veränderun-
gen des medialen Kompartiments vor. Die Unfallfolgen hätten "unter An-
nahme einer geringgradigen Innenbandzerrung und/oder Aktivierung der
vorbestehenden Arthrose" einige Tage bis vier Wochen nach dem Ereignis
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im Beschwerdebild keine Rolle mehr
gespielt (vgl. VB 12 S. 1).
3.7.
Am 13. Januar 2021 wurde beim Beschwerdeführer im Interdisziplinären
Zentrum des Spitals B. eine Kniearthroskopie mit medialer Teilmeniskekto-
mie rechts durchgeführt. Intraoperativ zeigten sich sowohl femoral als auch
auf der Rückseite der Patella chondropathische Veränderungen nach Ou-
terbridge Grad I-II. Der mediale Meniskus sei in der Hinterhornbasis in sich
rupturiert und es seien sowohl tibial als auch femoral Chondropathien Grad
III-IV ersichtlich. Am lateralen Meniskus fänden sich ebenfalls sowohl tibial
als auch femoral Chondropathien Grad I (vgl. Operationsbericht von
Dr. med. C. vom 13. Januar 2021; VB 29 S. 2).
3.8.
In einem Schreiben vom 27. Januar 2021 legte Dr. med. D. gegenüber der
Beschwerdegegnerin dar, die ausgedehnte mediale Meniskusläsion mit
ausgeprägtem Knorpelschaden könne nur durch den Unfall vom 6. März
2020 entstanden sein, habe der Beschwerdeführer doch zuvor am rechten
Knie nie Beschwerden gehabt. Dies gelte umso mehr, als der Radiologe
auch noch eine Zerrung des Innenbandes beschrieben habe, welche nur
durch eine "aussergewöhnliche unfallartige Belastung" entstehen könne
(vgl. VB 27 S. 2).
3.9.
In einem weiteren Schreiben vom 31. März 2021 führte Dr. med. D. gegen-
über der Beschwerdegegnerin ergänzend aus, dass der Beschwerdeführer
- 7 -
wegen zunehmender Beschwerden Dr. med. C. am 18. Dezember 2020 er-
neut konsultiert habe, worauf ihm dieser einen operativen Eingriff empfoh-
len habe. Zu einem solchen habe sich der Beschwerdeführer jedoch "trotz
Beschwerden nicht durchringen [können]". Aktuell seien die Beschwerden
erträglich, so dass der Beschwerdeführer keine Operation wünsche. Seiner
Auffassung nach handle es sich klar um Unfallfolgen, entstehe doch eine
komplexe Meniskusläsion im Alter des Beschwerdeführers nicht durch
Krankheit (vgl. VB 38 S. 2).
3.10.
Am 7. April 2021 erstattete Kreisarzt Dr. med. univ. E. eine ausführliche Ak-
tenbeurteilung. Dabei gab er an, dass der geschilderte Hergang des Ereig-
nisses vom 6. März 2020 mit Ausrutschen nicht geeignet gewesen sei, eine
Meniskusläsion zu verursachen. Ausserdem sei die Beurteilung des Radio-
logen vom 20. März 2020 bezüglich des Vorliegens einer Innenbandzer-
rung aufgrund der vorliegenden Dokumentation nicht nachvollziehbar. Es
liege eine Signalanhebung des medialen Seitenbandes vor; diese resul-
tiere jedoch nicht aus einer unfallbedingten Zerrung, sondern sei eine typi-
sche Folge der Extrusion des Innenmeniskus über die Tibiakante mit
dadurch vermehrter Anspannung des Seitenbandes (vgl. VB 40 S. 2 f.).
In der Zusammenschau aller (insbesondere radiologischen und intraopera-
tiven) Befunde fänden sich typische degenerative Veränderungen aufgrund
einer chronischen medialen Mehrbelastung des rechten Kniegelenks mit
Verschmälerung des Kniegelenkspalts mit daraus resultierenden Knorpel-
schäden Grad III-IV sowohl am medialen Tibiaplateau als auch am Femur-
kondylus und eine Mehrfragmentierung des Meniskus durch die ständige
Druckbelastung im Bereich des geschädigten Knorpels. Daraus wiederum
resultiere eine Extrusion des Innenmeniskus mit Signalanhebung des me-
dialen Seitenbandes. Im Bereich der Mehrbelastung sei es zu einer Osteo-
phytenbildung am lateralen Tibiaplateau als Ausdruck des chronischen
Reizzustandes gekommen. Es sei anlässlich des geltend gemachten Er-
eignisses mithin zu einer vorübergehenden Beschwerdeauslösung infolge
der Aktivierung der vorbestehenden Arthrose gekommen. Die daraufhin am
20. März 2020 veranlasste MRI-Abklärung zeige vollumfänglich das Aus-
mass des bis dahin (gemäss Angaben des Beschwerdeführers) stummen,
ausschliesslich degenerativen Vorzustandes. Dass es sich um eine bloss
kurzfristige vorübergehende Beschwerdeauslösung aufgrund der ausge-
prägten degenerativen Befunde gehandelt habe, beweise auch der Sprech-
stundenbericht des Spitals B. vom 14. April 2020, gemäss welchem der
Beschwerdeführer vier Wochen nach dem Unfallereignis wieder absolut be-
schwerdefrei gewesen sei (vgl. VB 40 S. 5).
3.11.
In einer am 21. April 2021 vom Beschwerdeführer nachgereichten Stellung-
nahme vom 29. März 2021 vertrat Dr. med. C. die Auffassung, dass die von
- 8 -
Dr. med. univ. E. am 5. Januar 2021 festgestellten degenerativen Verän-
derungen des medialen Kompartiments ein Jahr nach erlittenem Trauma
mit bekannter Varusachse "keine echte Überraschung [seien]", sondern
dem typischen Fortschreiten der Verletzung entsprächen. "Bekanntermas-
sen" seien mediale Meniskusläsionen bei Varusachse ein Argument für
eine Umstellungsosteotomie, um das mediale Kompartiment zu entlasten.
Die degenerativen Veränderungen hätten auf traumatischer Basis stattge-
funden und der Unfall vom 6. März 2020 habe zu diesen zusätzlichen struk-
turellen Läsionen geführt (vgl. VB 41 S. 1 f.).
3.12.
Mit ergänzender Stellungnahme vom 26. April 2021 hielt Dr. med. univ. E.
an seiner Beurteilung vom 7. April 2021 fest. Die Argumentation von
Dr. med. C., wonach die Schäden im Laufe eines Jahres nach erlittenem
Trauma entstanden seien, sei nicht nachvollziehbar, denn das MRI des
rechten Kniegelenks sei bereits zwei Wochen nach dem Unfallereignis
durchgeführt worden und Osteophytenbildungen innert dieser kurzen Zeit-
spanne seien mit Sicherheit auszuschliessen, da sich diese üblicherweise
im Verlauf von Jahren ausbildeten. Die ausgeprägten degenerativen Ver-
änderungen seien mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausschliesslich
vorbestehender Natur. Es handle sich vorliegend um eine diffuse Fragmen-
tierung des Hinterhorns des medialen Meniskus aufgrund einer chroni-
schen Druckbelastung als Folge der varischen Beinachse. Wäre entspre-
chend der Annahme von Dr. med. C. und Dr. med. D. von einer Zerrung
des medialen Seitenbandes auszugehen, hätte es sich um ein Valgisati-
onstrauma gehandelt mit einer Entlastung und nicht mit einer vermehrten,
zu einer Meniskusläsion führenden Belastung des medialen Komparti-
ments. Abgesehen davon sei der geschilderte Pathomechanismus (Ausrut-
schen) gemäss der einschlägigen Fachliteratur nicht dazu geeignet, eine
Meniskusläsion zu verursachen (vgl. VB 43).
4.
4.1.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-
ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-
zinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet
und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 V
231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).
4.2.
Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-
dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen
praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder ei-
nem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag
- 9 -
gegebenen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c
S. 160 ff.). Zwar lässt das Anstellungsverhältnis der versicherungsinternen
Fachperson zum Versicherungsträger alleine nicht schon auf mangelnde
Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 125 V 351 E. 3b/ee
S. 353 ff.). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen
Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge
Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zu-
verlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Fest-
stellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V
225 E. 5.2 S. 229; 135 V 465 E. 4.4 S. 469 mit Hinweisen; Urteil des Bun-
desgerichts 8C_348/2016 vom 9. Dezember 2016 E. 2.4).
4.3.
Auch eine reine Aktenbeurteilung kann voll beweistauglich sein, wenn es
im Wesentlichen um die Beurteilung eines feststehenden medizinischen
Sachverhalts geht und sich neue Untersuchungen erübrigen (Urteil des
Bundesgerichts 8C_674/2015 vom 2. Februar 2016 E. 2.2.1 mit Hinwei-
sen). Eine medizinische Aktenbeurteilung ist als Entscheidungsgrundlage
zulässig, wenn genügend Unterlagen aufgrund anderer persönlicher Unter-
suchungen vorliegen, die ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf
und gegenwärtigen Status ergeben. Der medizinische Sachverständige
muss sich insgesamt aufgrund der vorhandenen Unterlagen ein lückenlo-
ses Bild machen können (Urteile des Bundesgerichts 8C_833/2009 vom
26. Januar 2010 E. 5.1 mit Hinweis auf RKUV 1993 Nr. U 167 S. 95 E. 5d;
8C_653/2009 vom 28. Oktober 2009 E. 5.2).
5.
Der Beschwerdeführer macht geltend, dass die am rechten Knie nach dem
23. Dezember 2020 und aktuell bestehenden Beschwerden weiterhin un-
fallkausal seien. Die Ausführungen von Kreisarzt Dr. med. univ. E. die an-
geblichen degenerativen Vorschäden betreffend seien insbesondere mit
Blick auf das Alter des Beschwerdeführers als "unglaubwürdig" zu qualifi-
zieren. Dr. med. C. habe in seinem Bericht vom 29. März 2021 "klar" fest-
gehalten, dass der Unfall zu den zusätzlichen strukturellen Läsionen ge-
führt habe, und auch Dr. med. D. sei in seinem Bericht vom 31. März 2021
der "dezidierten Ansicht", dass eine komplexe Meniskusläsion in diesem
Alter nicht durch eine Krankheit entstehe, sondern Folge eines Unfalls sei
(vgl. Beschwerde S. 3).
5.1.
Dr. med. univ. E., welcher als SUVA-Kreisarzt über besonders ausge-
prägte traumatologische Kenntnisse und Erfahrungen verfügt (vgl. Urteile
des Bundesgerichts 8C_316/2019 vom 24. Oktober 2019 E. 5.4;
8C_510/2007 vom 3. Oktober 2008 E. 7.5.4), begründete in seiner Akten-
beurteilung vom 7. April 2021 nachvollziehbar und schlüssig, weshalb die
nach dem Unfallereignis vom 6. März 2020 beim Beschwerdeführer dia-
- 10 -
gnostizierte Meniskusläsion mit Knorpelschaden degenerativer und nicht
traumatischer Genese gewesen sei und der Unfall lediglich zu einer vor-
übergehenden Beschwerdeauslösung durch Aktivierung einer vorbeste-
henden Arthrose geführt habe. So führte er seine Einschätzung überzeu-
gend und in Übereinstimmung mit den vorhandenen (medizinischen) Akten
auf gewichtige Anhaltspunkte (radiologisch und intraoperativ dokumen-
tierte typische degenerative Veränderungen am rechten Kniegelenk auf-
grund einer chronischen medialen Mehrbelastung mit Verschmälerung des
Kniegelenkspalts und daraus resultierenden Knorpelschäden Grad III-IV
sowie Mehrfragmentierung des Meniskus; absolute Beschwerdefreiheit et-
was mehr als fünf Wochen nach dem Unfallereignis; ferner für eine trauma-
tische Meniskusschädigung ungeeigneter Pathomechanismus) zurück
(vgl. VB 40 S. 2 ff.).
5.2.
An dieser durchwegs einleuchtenden Beurteilung vermögen auch die Ein-
schätzungen der behandelnden Ärzte keine Zweifel zu wecken:
5.2.1.
Der Operateur Dr. med. C. bezeichnete in seinem Schreiben vom 29. März
2021 – als ihm bloss die Kurzbeurteilung des Kreisarztes vom 5. Januar
2021 vorlag – die degenerativen Veränderungen im medialen Komparti-
ment ein Jahr nach erlittenem Trauma bei bekannter Varusachse als "typi-
sche[s] Fortschreiten" der erlittenen Verletzung (vgl. VB 41 S. 2), obwohl
diese – in Widerspruch zu dessen Ausführungen – bereits in der MRI-Un-
tersuchung des rechten Knies vom 20. März 2020, mithin zwei Wochen
nach dem Unfallereignis, erstmals dokumentiert worden waren (vgl. VB 9).
Ausserdem begründete er nicht näher, weshalb der Unfall zu zusätzlichen
strukturellen Läsionen geführt habe (vgl. VB 41 S. 2). Kreisarzt
Dr. med. univ. E. legte demgegenüber in seiner ergänzenden Stellung-
nahme vom 26. April 2021 (erneut) überzeugend dar, dass – entgegen der
Auffassung von Dr. med. C. – die Veränderungen mit Osteophytenbildung,
Fragmentierung des Hinterhorns des medialen Meniskus mit Extrusion und
in der Folge entsprechender Signalanhebung des medialen Seitenbandes
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausschliesslich vorbestehend und
degenerativ seien (vgl. VB 43 S. 2 f.).
5.2.2.
Soweit der Hausarzt, welcher (ausschliesslich) über einen Facharzttitel für
Allgemeine Innere Medizin verfügt und damit zur Beurteilung von Menis-
kusschäden fachlich nicht speziell qualifiziert ist, in seinen beiden Schrei-
ben vom 27. Januar 2021 sowie vom 31. März 2021 zur Begründung einer
traumatischen, nicht krankheitsbedingten Ursache auf das Alter des Be-
schwerdeführers sowie auf dessen bisherige Beschwerdefreiheit hinwies
(vgl. VB 27 S. 2, VB 38 S. 2), bediente er sich einerseits einer beweisrecht-
lich unzulässigen "post hoc, ergo propter hoc"-Argumentation, gilt doch
- 11 -
eine gesundheitliche Schädigung nicht bereits dann als durch ein Ereignis
verursacht, weil sie nach diesem aufgetreten ist (BGE 142 V 325 E. 2.3.2.2
S. 330 und 119 V 335 E. 2b/bb S. 341 f.). Andererseits zeigte
Dr. med. univ. E. mit Verweis auf die einschlägige Fachliteratur einlässlich
begründet und überzeugend auf, dass sich degenerative Veränderungen
des Meniskus unbemerkt entwickeln könnten und – unabhängig von Be-
schwerden – kernspintomographisch auffällige Befunde der Menisken bei
Personen "mittleren und höheren Alters" (d.h. auch beim Beschwerdeführer
mit Jahrgang 1981) häufig seien (vgl. VB 40 S. 4 f.). Ohnehin erweist sich
die Beurteilung von Dr. med. D. – wie die Beschwerdegegnerin zu Recht
geltend macht (vgl. Vernehmlassung, S. 4) – als widersprüchlich und un-
vollständig, wies dieser doch im "Arztzeugnis UVG" vom 4. Januar 2021
(vgl. VB 7 S. 1) sowie im Schreiben vom 31. März 2021 (vgl. VB 38 S. 2)
teilweise divergierende Erstbefunde aus ("Kein Erguss" und "F[lexion] un-
geschränkt" versus "Fraglicher Erguss" und "Flexion eingeschränkt"). Dar-
über hinaus führte er noch am 31. März 2021 aus, dass ein operativer Ein-
griff am rechten Knie vom Beschwerdeführer nicht gewünscht werde
(vgl. VB 38 S. 2), obwohl ein solcher zu diesem Zeitpunkt bereits längst
durchgeführt worden war.
6.
Zusammenfassend bestehen mithin keine auch nur geringen Zweifel an der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen Aktenbeurtei-
lungen. Diese erfüllen die Anforderungen der Rechtsprechung an eine be-
weiskräftige medizinische Stellungnahme (vgl. E. 4.1. hiervor), weshalb
sich die Beschwerdegegnerin darauf stützen durfte. Der medizinische
Sachverhalt erscheint vor diesem Hintergrund hinreichend abgeklärt und
es kann in antizipierter Beweiswürdigung auf die Vornahme weiterer Abklä-
rungen verzichtet werden (vgl. SVR 2001 IV Nr. 10 S. 27 E. 4 sowie BGE
124 V 90 E. 4b S. 94 und 122 V 157 E. 1d S. 162, je mit Hinweisen;
vgl. auch BGE 127 V 491 E. 1b S. 494).
7.
Nach dem Dargelegten hat die Beschwerdegegnerin demnach zu Recht
eine Leistungspflicht ihrerseits für die über den 23. Dezember 2020 hinaus
vom Beschwerdeführer beklagten rechtsseitigen Kniebeschwerden ver-
neint. Die gegen den Einspracheentscheid vom 23. August 2021 erhobene
Beschwerde ist folglich abzuweisen.
8.
8.1.
Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG).
8.2.
Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61
lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als So-
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zialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch
auf Parteientschädigung zu.