Decision ID: 4c172e61-768d-4ce9-b482-de289abfb6fd
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 21.08.2012 Art. 4 und 5 MVG: Haftung der Militärversicherung für ein vordienstlich bestehendes Sacraldermoid, das während des Militärdienstes platzt (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 21. August 2012, MV 2011/2).Präsident Martin Rutishauser, Versicherungsrichter Joachim Huber, Versicherungsrichterin Lisbeth Mattle Frei; a.o. Gerichtsschreiberin Karin KastEntscheid vom 21. August 2012in SachenA._,Beschwerdeführer,vertreten durch Fürsprecher Marco Büchel, LL.M., c/o K & B Rechtsanwälte,Freudenbergstrasse 24, Postfach 213, 9240 Uzwil,gegenSuva Militärversicherung, Schermenwaldstrasse 10, Postfach 8715, 3001 Bern,Beschwerdegegnerin,betreffendLeistungspflichtSachverhalt:
A.
A.a A._ rückte am 5. Juli 2010 in die Rekrutenschule (nachfolgend: RS) ein und
wurde am 7. Juli wegen eines am 6. Juli 2010 – beim Besuch von Gefängniszellen –
unverhofft aufgeplatzten Sacraldermoids vorzeitig aus dem Dienst entlassen (MV-act.
4, 16.2 und San Akten). Der Versicherte gab am 5. August 2010 (MV-act. 16.2) zu
Protokoll, er habe sich nach dem Aufplatzen des Sacraldermoids beim Truppenarzt
vorgestellt, der die Stelle desinfiziert und ihm eine Untersuchung im Spital empfohlen
habe. Der Arzt des Spitals B._ habe ihn informiert, dass der Abszess wohl
aufgeschnitten werden könnte. Damit die Schmerzen weggehen würden, bedürfe es
jedoch einer Operation. Der Hausarzt des Versicherten, Dr. med. C._ habe sich den
Abszess angeschaut und festgehalten, es sei ein sofortiger operativer Eingriff nötig. Es
sei daraufhin die Überweisung an das Kantonsspital St. Gallen erfolgt, wo er am 29.
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Juli 2010 untersucht worden sei. Am 10. August 2010 finde eine Voruntersuchung im
Spital D._ (Labor, Narkosebesprechung etc.) statt. Er sei seit dem 8. Juli 2010 voll
arbeitsunfähig (MV-act. 16.2).
A.b Am 12. August 2010 fand sich der Versicherte im Spital D._ ein, wo er
gleichentags operiert und bis zum 17. August 2010 hospitalisiert wurde. Am 17. August
2010 wurde er beschwerdearm und in gutem Allgemeinzustand nach Hause entlassen
(MV-act. 23 und 24). Der Hausarzt meldete den Versicherten am 16. Juli 2010 bei der
Militärversicherung (nachfolgend: MV) an, ohne eine Arbeitsunfähigkeit auf dem
Meldeformular zu vermerken (MV-act. 4). Gemäss ärztlichem Zeugnis des Hausarztes
vom 13. September 2010 war der Versicherte vom 8. Juli 2010 bis 12. September 2010
100 % arbeitsunfähig (MV-act. 36).
A.c Mit Schreiben vom 26. Juli 2010 (MV-act. 7) teilte die MV dem Versicherten mit,
aufgrund der gegenwärtigen Sachlage stünden ihm die gesetzlichen Leistungen zu,
wobei die Leistungspflicht je nach Verlauf der Gesundheitsschädigung überprüft
werde. Sie richtete bis Ende Juli 2010 ein Taggeld aus (MV-act. 25).
A.d Mit Schreiben vom 1. September 2010 (MV-act. 26) teilte die MV dem
Versicherten mit, dass sie aufgrund der Beurteilung von Kreisarzt Dr. med. E._,
Facharzt FMH für Chirurgie, eine Haftung und Leistungspflicht für die Operation vom
12. August 2010 und deren Folgen (inkl. Taggeld) ablehne. Denn die nach Art. 5 des
Bundesgesetzes über die Militärversicherung (MVG; SR 833.1) vorausgesetzte
Verschlimmerung des Leidens durch den Militärdienst sei mit medizinisch praktischer
Sicherheit behoben und der Vorzustand wieder erreicht. Mit Schreiben vom 30.
September 2010 (MV-act. 38) teilte die MV dem Versicherten mit, dass sowohl für die
Spitalbehandlung vom 10. August 2010 als auch für die Hospitalisation vom 12. -
17. August 2010 keine Haftung bzw. Leistungspflicht der MV bestehe. Die vom
Versicherten beauftragte DAS Rechtschutz-Versicherungs-AG (nachfolgend:
Rechtsschutzversicherung) bat die MV mit Schreiben vom 18. Oktober 2010 (MV-
act. 39), die Angelegenheit noch einmal zu prüfen und dem Versicherten die ihm
zustehenden Versicherungsleistungen vollumfänglich auszurichten. Mit Vorbescheid
vom 5. November 2010 (MV-act. 41) lehnte die MV die Haftung und Leistungspflicht für
die Operation vom 12. August 2010 gestützt auf die erneute Beurteilung des
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Kreisarztes vom 26. Oktober 2010 (MV-act. 40.1) ab. Die Rechtsschutzversicherung
nahm mit Schreiben vom 19. November 2010 (MV-act. 43) dazu Stellung und hielt im
Wesentlichen fest, die MV habe den Beweis gemäss Art. 5 Abs. 2 MVG nicht erbracht,
weshalb sie für die Operationskosten und die daran anschliessende Regenerationszeit
haftbar sei.
A.e Mit Verfügung vom 1. Dezember 2010 (act. G 1.2) lehnte die MV die Haftung und
Leistungspflicht für die Operation vom 12. August 2010 und deren Folgen gestützt auf
die kreisärztliche Stellungnahme vom 23. November 2010 (MV-act. 44) ab.
B.
Die von der Rechtsschutzversicherung für den Versicherten eingereichte Einsprache
vom 20. Dezember 2010 (MV-act. 48) wies die MV mit Entscheid vom 2. November
2011 ab (act. G 1.1).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von Fürsprecher Marco
Büchel, LL.M., Uzwil, für den Beschwerdeführer eingereichte Beschwerde vom
5. Dezember 2011 (act. G 1) mit den Anträgen die Verfügung vom 1. Dezember 2010
sowie der Einspracheentscheid vom 2. November 2011 seien aufzuheben, es sei die
Beschwerdegegnerin zu verpflichten, die Haftung und die Leistungspflicht für die
Operation vom 12. August 2010 sowie deren Folgen (Taggeld) anzuerkennen bzw. zu
übernehmen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
C.b In der Beschwerdeantwort vom 6. Januar 2012 (act. G 3) beantragte die
Beschwerdegegnerin die kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde.
C.c In der Replik vom 30. Januar 2012 (act. G 5) hielt der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers an seinen Anträgen unverändert fest. In der Duplik vom 2. Februar
2012 (act. G 7) hielt die Beschwerdegegnerin an ihren Anträgen unverändert fest.

Erwägungen
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1.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist die Haftung und die damit zusammenhängende
Leistungspflicht der MV für die Operation vom 12. August 2010 und deren Folgen.
2.
Nach Massgabe von Art. 4 MVG haftet die MV für alle Schädigungen der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit des Versicherten und für die unmittelbaren
wirtschaftlichen Folgen solcher Schädigungen. Die Haftungsgrundsätze sind in den Art.
5 - 7 MVG geregelt. Die MV haftet nach Art. 5 Abs. 1 MVG für jede
Gesundheitsschädigung, die während des Dienstes in Erscheinung tritt und gemeldet
oder sonst wie festgestellt wird. Sie haftet allerdings gemäss Abs. 2 dann nicht, wenn
sie den Beweis erbringt, dass die Gesundheitsschädigung sicher vordienstlich ist oder
nicht während des Dienstes verursacht werden konnte (lit. a) und dass diese
Gesundheitsschädigung sicher während des Dienstes weder verschlimmert noch in
ihrem Ablauf beschleunigt worden ist (lit. b). Kann die MV lediglich den nach lit. a
geforderten Beweis erbringen, nicht jedoch jenen nach lit. b, haftet sie für die
Verschlimmerung der Gesundheitsschädigung (Art. 5 Abs. 3 MVG). Von der Haftung
befreit ist sie, wenn sie beide Beweise erbringen kann (Jürg Maeschi, Kommentar zum
Bundesgesetz über die Militärversicherung (MVG) vom 19. Juni 1992, Bern 2000,
Rz. 18 zu Art. 5 MVG). Art. 5 Abs. 1 MVG setzt nicht voraus, dass die
Gesundheitsschädigung erstmals während des Dienstes in Erscheinung getreten oder
während des Dienstes entstanden ist. Der Zeitpunkt des erstmaligen In-Erscheinung-
Tretens bzw. des Krankheitsbeginns ist jedoch für das Haftungsmass (Art. 5 Abs. 2 und
3 MVG) bedeutend, d.h. für die Frage nach der Vordienstlichkeit der
Gesundheitsschädigung (Maeschi, a.a.O., Rz. 7 zu Art. 5 MVG). Der Entlastungsbeweis
in Art. 5 Abs. 2 MVG beruht auf medizinischen, einer exakten Beweisführung
unzulänglichen Tatsachen. Der Begriff Sicherheit in Art. 5 MVG ist deshalb nicht
absolut, sondern relativ zu verstehen. Es ist mehr als eine hohe Wahrscheinlichkeit
verlangt, nicht aber völlige Gewissheit. Der Begriff der Sicherheit bewegt sich im
Rahmen einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit, wie dies auch im Zivilrecht
gilt, wenn eine völlige Sicherheit nicht zu erlangen ist (Maeschi, a.a.O., Rz. 21 zu Art. 5
MVG). Rechtsprechungsgemäss genügt eine empirische, d.h. medizinisch-praktische
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Sicherheit (BGE 111 V 146 E. 4; 105 V 230 E. 4a mit Hinweisen). Der Sicherheitsbeweis
gilt dann als geleistet, wenn feststeht, dass nach der medizinischen Erfahrung eine
Einwirkung ursächlicher Faktoren während des Dienstes praktisch ausgeschlossen ist
(BGE 111 V 146 E. 4; 105 V 230 E. 4a mit Hinweis). Vordienstlich i.S.v. Art. 5 Abs. 2
lit. a MVG ist eine Gesundheitsschädigung (Krankheit oder Unfall bzw. Unfallfolgen), die
bereits vor Beginn des Dienstes bestanden hat und in irgendeiner Form (Symptome
oder Beschwerden) in Erscheinung getreten oder ärztlich festgestellt worden ist. Nicht
vorausgesetzt ist hingegen eine Behandlungsbedürftigkeit oder eine Arbeits- bzw.
Erwerbsunfähigkeit (Maeschi, a.a.O., Rz. 25 zu Art. 5 MVG mit Hinweisen). Die
Gesundheitsschädigung muss in der Zeit vor dem Dienst entstanden sein, wobei der
Krankheitsbeginn massgebend ist, d.h. der Zeitpunkt, in welchem sämtliche Ursachen
gegeben sind und der pathologische Prozess seinen Anfang genommen hat. Es ist
hingegen nicht erforderlich, dass der Versicherte die Krankheit wahrgenommen hat
(subjektive Symptome). Es genügt, wenn aufgrund der vom Arzt festgestellten
Krankheitszeichen (objektive Symptome) auf einen mit der gemeldeten
Gesundheitsschädigung in Zusammenhang stehenden pathologischen Prozess aus der
Zeit vor dem Dienst geschlossen werden muss (Maeschi, a.a.O., Rz. 26 zu Art. 5 MVG
mit Hinweis). Die praktische Bedeutung des zweiten Halbsatzes von Art. 5 Abs. 2 lit. a
MVG kommt jenen Fällen zu, in welchen der konkrete Vordienstlichkeitsbeweis
mangels entsprechender ärztlicher Angaben aus der Zeit vor dem Dienst oder aus
andern Gründen nicht erbracht werden kann. Dann kann der auf allgemeinen
medizinischen Erfahrungen (z.B. aufgrund von Inkubationszeiten) beruhende Beweis
erbracht werden, dass die Gesundheitsschädigung sicher nicht während des Dienstes
verursacht werden konnte. Beweisgegenstand bildet auch in diesen Fällen die
Vordienstlichkeit der Gesundheitsschädigung (Maeschi, a.a.O., Rz. 34 zu Art. 5 MVG).
Die Verschlimmerung i.S.v. Art. 5 Abs. 3 MVG kann vorübergehender oder dauernder
Natur sein. Die Verschlimmerungshaftung beruht auf zwei Parametern. Zum einen
bestimmt sie sich nach der mutmasslichen Entwicklung der Gesundheitsschädigung
ohne den Dienst und zum anderen nach der Art und Dauer der durch die Einwirkungen
während des Dienstes verursachten Verschlimmerungen. Ist die Verschlimmerung
dauernd, haftet die MV auf unbestimmte Zeit, ist sie vorübergehend, kann die Haftung
befristet werden, wenn die Verschlimmerung als behoben gilt. Als behoben gilt sie,
wenn der "Status quo ante" (Gesundheitszustand, indem sich der Versicherte vor dem
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Dienstantritt befunden hat) oder der "Status quo sine" (Gesundheitszustand, in
welchem sich der Versicherte befinden würde, wenn er den Einwirkungen während des
Dienstes nicht ausgesetzt gewesen wäre) erreicht ist (Maeschi, a.a.O., Rz. 40 f. zu Art.
5 MVG). Die Frage, ob der "Status quo ante" bzw. der "Status quo sine" erreicht ist,
beurteilt sich rechtsprechungsgemäss auch nach den Kriterien der
Behandlungsbedürftigkeit und der Arbeitsfähigkeit. Von einer sicheren Behebung der
Verschlimmerung kann solange nicht gesprochen werden, als die wegen der
Verschlimmerung erforderliche Behandlung noch nicht abgeschlossen und die Arbeits-
bzw. Erwerbsfähigkeit nicht im vordienstlichen Ausmass wiederhergestellt ist (Maeschi,
a.a.O., Rz. 43 zu Art. 5 MVG mit Hinweis).
3.
3.1 Zunächst ist zu prüfen, ob es sich beim Sacraldermoid des Beschwerdeführers
um eine vordienstliche oder während des Dienstes in Erscheinung getretene
Gesundheitsschädigung handelt. Bei Vorliegen einer vordienstlichen
Gesundheitsschädigung ist des Weiteren zu prüfen, ob sie sich während des Dienstes
verschlimmert hat.
3.1.1 Sacraldermoid-Erkrankungen treten gewöhnlich bei jungen Männern mit
starkem Haarwuchs auf. Es bilden sich in der Haut der Sakralregion eine oder mehrere
Einsenkungen oder Fisteln, die Hohlräume (Zysten) bilden und Haare enthalten können.
Ein nicht entzündetes Sacraldermoid äussert sich als ca. haselnussgrosser, eher
weicher, wenig druckempfindlicher Knoten in der Mittelinie direkt oberhalb der
Gesässspalte. Die Veränderungen sind lange asymptomatisch und können sogar
unerkannt bleiben. Durch den Druck im Inneren und von aussen (Sitzen), durch
Schwitzen und Reiben kann sich die Zyste entzünden. Hat sich das Sacraldermoid
entzündet, führt dies meistens zu einer Eiteransammlung (Abszess), die mit massiven
Schmerzen, häufig auch Fieber verbunden ist. Gelegentlich kommt es zu einer
spontanen Entleerung des Abszesses nach aussen, wobei meistens eine kleine
Fistelöffnung zurückbleibt. Es kann sich jederzeit wieder ein Abszess bilden. In der
Regel ist eine chirurgische Entfernung des Herdes möglichst in einem
entzündungsfreien Moment erforderlich. Liegt bereits ein Abszess vor, muss dieser
durch einen Schnitt eröffnet werden. Sind die entzündlichen Veränderungen abgeheilt,
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sollte möglichst umgehend die definitive chirurgische Sanierung erfolgen. (Das MSD
Manual der Diagnostik und Therapie, 6. Aufl. München 2000, S. 411
[Pilondialerkrankungen]; Ute Hopp / Jürg Baltensweiler, Sacraldermoid,
Steissbeinfistel, Pilonidalzyste, Pilonidalsinus,
<https://www.css.ch/de/home/privatpersonen/medizinische_beratung/
gesundheits_lexikon/s/pri-ges-abc-Sacraldermoid_steissbeinfistel.html>, abgerufen am
6. Juni 2012).
3.1.2 Der Beschwerdeführer hat unbestrittenermassen 2 - 3 Wochen vor dem
Einrücken in die RS neben dem Steissbein eine Art "Pickel" entdeckt. Diesen drückte
er selbst aus. Beim Einrücken in die RS fühlte er sich gemäss eigenen Angaben
beschwerdefrei und spürte von diesem "Pickel" nichts, weshalb auch keine Meldung
bei der sanitarischen Eintrittsmusterung erfolgte (MV-act. 16.2). Nicht mit Sicherheit
feststeht, ob der Beschwerdeführer wegen des Pickels einen Arzt aufgesucht hat. So
gibt er im AD-Bericht vom 5. August 2008 (MV-act. 16.2) zur Auskunft, er habe seines
Wissens deswegen keinen Arzt aufgesucht. Sein Hausarzt bestätigt (MV-act. 39.1),
dass er ihn wegen des Sacraldermoids nicht behandelt habe, was sich im Übrigen
auch aus der Krankengeschichte des Beschwerdeführers ergibt (MV-act. 39.2). In den
San Akten hält der Truppenarzt demgegenüber in französischer Sprache fest, der
Beschwerdeführer habe ca. 3 Wochen vor Dienstantritt seinen behandelnden Arzt
aufgesucht, der ihm zu einer Operation geraten habe. Diese habe der
Beschwerdeführer abgelehnt, da er bereits den Marschbefehl erhalten habe und
unbedingt den Militärdienst leisten wollte. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass
zwischen dem Beschwerdeführer und dem Militärarzt Verständigungsprobleme
aufgrund der unterschiedlichen Muttersprachen bestanden. Aufgrund der
Ausführungen des Beschwerdeführers und seines Hausarztes sowie der
Krankengeschichte des Beschwerdeführers und unter Berücksichtigung allfälliger
Sprachprobleme zwischen dem Beschwerdeführer und dem Militärarzt kann nicht mit
dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit (BGE 123 V 138 E. 3a; 111 V 372 E. 1b) festgestellt werden, ob der
Beschwerdeführer vor dem Einrücken in die RS bezüglich des Sacraldermoids
tatsächlich in ärztlicher Behandlung stand oder nicht. Der konkrete
Vordienstlichkeitsbeweis kann demnach nicht mit ärztlichen Angaben aus der Zeit vor
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dem Dienst erbracht werden. In diesem Fall kann der auf allgemeinen medizinischen
Erfahrungen beruhende Beweis erbracht werden, dass die Gesundheitsschädigung
vordienstlich war, wie nachfolgend zu zeigen ist.
3.1.3 Der Kreisarzt der MV, Dr. E._, führt denn in seiner Beurteilung vom 26.
Oktober 2010 aus, ein Sacraldermoid könne nicht über Nacht entstehen. Diese
Aussage deckt sich mit den Ausführungen in E. 3.1.1 zu den Sacraldermoid-
Erkrankungen und bedeutet, dass der Krankheitsbeginn mit medizinisch praktischer
Sicherheit in der Zeit vor dem Dienst liegt, die Gesundheitsschädigung des
Beschwerdeführers mit anderen Worten vordienstlich ist. Daran vermag auch der
Umstand nichts zu ändern, dass der Beschwerdeführer sich vor Dienstantritt
beschwerdefrei fühlte und vom "Pickel" nichts spürte. Die MV hat den Beweis nach Art.
5 Abs. 2 lit. a MVG erbracht. Nicht erbracht hat sie hingegen den Beweis nach Art. 5
Abs. 2 lit. b MVG, d.h. den Beweis, dass sich die Gesundheitsschädigung während des
Militärdienstes nicht verschlimmert hat, kam es doch während des Militärdienstes zum
Aufplatzen des Sacraldermoids.
3.2 Strittig und zu prüfen ist sodann, ob die Verschlimmerung der
Gesundheitsschädigung im Zeitpunkt der Operation bereits behoben bzw. m.a.W. der
"Status quo ante" bzw. der "Status quo sine" erreicht war.
3.2.1 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers bringt vor, die
Verschlimmerung sei im Zeitpunkt der Operation noch nicht behoben und der
Vorzustand nicht wieder erreicht gewesen. Der Vorzustand hätte erst durch eine
Operation erreicht werden können. Gestützt auf einen Auszug der Internetseite der
Praxis Dr. med. F._ (act. G 1.4) führt der Rechtsvertreter aus, die
Beschwerdegegnerin könne aus dem Umstand, dass die Operation nicht sofort,
sondern rund einen Monat später erfolgt sei, nichts zu ihren Gunsten ableiten, denn
eine Operation bei einem Sacraldermoid könne nicht sofort erfolgen. Das
Sacraldermoid erfordere in der Regel eine chirurgische Entfernung des Herdes
möglichst in einem entzündungsfreien Moment. Falls ein Abszess vorliege, müsse
dieser durch einen Schnitt eröffnet werden. Nach Abheilung der entzündlichen
Veränderung hätte möglichst umgehend die definitive chirurgische Sanierung zu
erfolgen. Zudem sei der Beschwerdeführer vor Diensteintritt voll arbeitsfähig gewesen,
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was er einen Tag vor der Operation nicht gewesen sei. Des Weiteren sei die
medizinische Behandlung noch nicht abgeschlossen gewesen.
3.2.2 Die Beschwerdegegnerin bringt mit Hinweis auf das Urteil des
Bundesgerichts vom 15. Mai 2008, 8C_210/2007 vor, es handle sich vorliegend um ein
Krankheitsgeschehen, bei dem sich die Frage des (weiterhin vorhandenen)
Kausalzusammenhangs stelle. Dieser sei zu verneinen, da der "Status quo sine" rasch
erreicht gewesen sei. Die Zyste und die teilweise weiterhin bestehende mögliche
Entzündung nach dem Dienst seien auf das vordienstliche Krankheitsgeschehen
zurückzuführen. Sie stützt sich
dabei auf die Stellungnahmen des Kreisarztes Dr. E._ vom 23. November 2010
(MV-act. 44), vom 26. Oktober 2010 (MV-act. 40.1) und vom 31. August 2010
(MV-act. 25). Darin führt Dr. E._ aus, mit Aufplatzen des Abszesses am
Einrückungstag (effektiv: am Tag nach dem Einrücken) und der anschliessenden
Entlassung unter Antibiotika habe sich die Situation bereits gebessert, als sich der
Beschwerdeführer wieder beim Hausarzt meldete, welcher ihn dem Kantonsspital St.
Gallen zuwies. Zum Zeitpunkt der Operation am 12. August 2010 sei die eventuell
mögliche Verschlimmerung durch den Militärdienst mit medizinisch praktischer
Sicherheit behoben und der Vorzustand, wie er beim Einrücken vorlag, wieder erreicht
gewesen. Er führt zudem an, die vorübergehende Verschlimmerung mit
Abszesseröffnung habe den gebildeten Abszess entleert, denn sonst hätte man den
Patienten sofort operiert und nicht erst gut einen Monat später. Durch die Entleerung
des Abszesses hätte der sowieso notwendig werdende operative Eingriff auf später
verlegt werden können.
3.3 Gemäss den Ausführungen von Dr. E._ war der "status quo sine" zum
Zeitpunkt der Operation am 12. August 2010 bereits erreicht. Er begründet dies vor
allem mit dem Umstand, dass die zu operierende Zyste schon vor Antritt des
Militärdienstes bestanden hatte und auch ohne das Platzen des Abszesses während
des Militärdienstes hätte operiert werden müssen. Aus den Ausführungen von Dr. E._
in Verbindung mit dem in E. 3.1.1 Gesagten geht zudem hervor, dass ein Scraldermoid
und ein damit einhergehender Abszess nicht über Nacht entsteht, im Gegenteil, eine
bestehende Zyste kann lange asymptomatisch und unerkannt bleiben. Wie bereits
gesagt kann es durch den Druck im Inneren und von aussen, durch Schwitzen und
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Reiben zu einer Entzündung der Zyste und der anschliessenden Abszessbildung
kommen. Beim Beschwerdeführer platzte ein solcher Abszess am zweiten Tag der RS.
Der Beschwerdeführer (bzw. dessen Rechtsvertreter) legt nicht dar und es geht auch
aus den Akten nicht hervor, inwieweit er während dieser kurzen Zeit einer grossen
Belastung durch den Militärdienst ausgesetzt gewesen wäre. Vielmehr platzte der
Abszess während eines Besuches von Gefängniszellen, der mit keiner besonders
grossen Anstrengung verbunden war. Die knapp 2 Tage Militärdienst können demnach
nicht wesentlich zur Verschlimmerung des Sacraldermoids beigetragen haben. Nach
dem Aufplatzen des Abszesses wurde der Beschwerdeführer mit Antibiotika behandelt,
wodurch es zu einer Verbesserung seines Gesundheitszustands kam. Dies ergibt sich
aus der Tatsache, dass am 12. August 2010 die Operation durchgeführt werden
konnte, was – wie selbst der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers bemerkt –
voraussetzt, dass die Entzündung abgeklungen war. Die von Dr. E._ gemachten
Ausführungen fallen zwar eher spärlich aus, sind jedoch mit Blick auf die zur
Sacraldermoid-Erkrankung gemachten Ausführungen in E. 3.1.1 nachvollziehbar und
schlüssig. Die als Folge der Operation bestehende Arbeitsunfähigkeit ist somit
ebenfalls nicht unmittelbare Folge der Verschlimmerung der Gesundheitsschädigung
während des Militärdienstes, sondern Folge einer Operation die früher oder später
aufgrund der vordienstlich bestehenden Zyste hätte durchgeführt werden müssen.
Zudem ist hier anzumerken, dass der Hausarzt des Beschwerdeführers in der Meldung
an die MV letzterem zunächst keine Arbeitsunfähigkeit attestierte. Erst im Arztzeugnis
vom 13. September 2010 ist retrospektiv eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit vom 8. Juli
2010 bis 12. September 2010 ausgewiesen. Es ist fragwürdig, weshalb der Hausarzt
dem Beschwerdeführer erst rückwirkend eine Arbeitsunfähigkeit attestierte. Da sich
aus den Akten bezüglich Arbeitsunfähigkeit nicht mehr entnehmen lässt, kann nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer solchen ab 8. Juli 2010 ausgegangen
werden.
3.4 Damit ist der gemäss Urteil des Bundesgerichts vom 15. Mai 2008, 8C_210/2007
E. 4.2, vorausgesetzte Kausalzusammenhang zwischen der Verschlimmerung der
Gesundheitsschädigung und der am 12. August 2010 durchgeführten Operation nicht
gegeben und die MV somit nicht leistungspflichtig.
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3.5 Die Beschwerde ist im Sinne der vorstehenden Erwägungen abzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht