Decision ID: aee3cddf-9594-5ac3-92a7-e02e90715bac
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im November 2008 zur Früherfassung bei der IV-Stelle an (IV-
act. 1). Diese teilte ihr nach einem persönlichen Gespräch mit, dass eine „formale“
Anmeldung zum Leistungsbezug noch nicht angezeigt sei (IV-act. 3 f.). Im März 2009
meldete sich die Versicherte dann „formal“ zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 5). Nach einem Gespräch mit dem Hausarzt, der auf
eine Fibromyalgie und auf eine selbstunsichere Persönlichkeit hingewiesen hatte (IV-
act. 15), notierte Dr. med. B._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD),
unter Berücksichtigung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sei von einer
uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte Tätigkeiten auszugehen (IV-
act. 13). Die Arbeitgeberin der Versicherten berichtete (IV-act. 20), sie beschäftige diese
seit dem 1. Juli 2001. Der Lohn belaufe sich seit dem 1. November 2008 auf 3'950
Franken pro Monat beziehungsweise auf 51'350 Franken pro Jahr. Das
Arbeitsverhältnis sei ungekündigt. Im Juli 2009 teilte sie der IV-Stelle mit, dass sie die
Versicherte intern umplatzieren werde (IV-act. 31). Im Oktober 2009 reichte die
Versicherte einen entsprechenden neuen Arbeitsvertrag ein (IV-act. 33). Mit einer
Verfügung vom 7. Dezember 2009 schloss die IV-Stelle die berufliche Eingliederung ab
(IV-act. 39). Bereits am 18. Oktober 2009 hatte der Hausarzt Dr. med. C._ berichtet
(IV-act. 36), die Versicherte leide an einem unspezifischen weichteilrheumatischen
Beschwerdebild bei psychologischen Faktoren, namentlich negativen
Kindheitserlebnissen, selbstunsicheren Persönlichkeitszügen und einer
Anpassungsstörung depressiver Natur. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit hatte er auf einen
Bericht der Klinik Valens betreffend eine ambulante Untersuchung im September 2009
verwiesen. Darin war ausgeführt worden (IV-act. 36–14 ff.), aus ergonomischer Sicht sei
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das relevante beeinträchtigende Gesundheitsproblem am ehesten mit einer mässigen
bis starken Dekonditionierung zu erklären. Die Versicherte habe in den Tests eine
zuverlässige Leistungsbereitschaft gezeigt. Angesichts der Testergebnisse bezüglich
der körperlichen Belastbarkeit könne ihr ein sechsstündiges Arbeitspensum zugemutet
werden. Im Verlauf eines Arbeitstages müssten aber zusätzliche Kurzpausen im
Umfang von insgesamt einer Stunde zugestanden werden. Aus psychiatrischer Sicht
erscheine das Vorliegen einer selbstunsicheren Persönlichkeit durchaus als zutreffend.
Sicher seien auch immer wieder depressive Episoden vorgekommen. Aktuell könne
aber keine wesentliche Psychopathologie erfasst werden. Der Psychiater Dr. med.
D._ hatte am 9. Januar 2009 berichtet (IV-act. 36–11 ff.), die Versicherte habe ihre
Mutter früh verloren und sei in der Folge wiederholt physischer und psychischer Gewalt
ausgesetzt gewesen. Ihr Bruder leide an einer Schizophrenie und an Depressionen. Sie
habe sich in der Pubertät regelmässig geritzt und geschnitten. Die seit über zehn
Jahren bestehenden Rückenschmerzen seien möglicherweise auf die schweren
psychischen Belastungen zurückzuführen und als psychosomatische Beschwerden zu
interpretieren. Zurzeit liege aus psychiatrischer Sicht aber keine Arbeitsunfähigkeit vor.
Der RAD-Arzt Dr. med. E._ notierte am 16. Dezember 2009, die angestammte
Tätigkeit könne der Versicherten aus versicherungsmedizinischer Sicht
uneingeschränkt zugemutet werden; die von der Klinik Valens attestierte
Leistungsbeeinträchtigung sei auf eine invalidenversicherungsrechtlich irrelevante
Dekonditionierung zurückzuführen (IV-act. 41). Mit einem Vorbescheid vom 4. Januar
2010 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie vorsehe, das Leistungsbegehren
abzuweisen (IV-act. 46). Am 27. Januar 2010 wandte die Versicherte ein, sie sei nicht
einmal mehr zu 40 Prozent arbeitsfähig; sie ersuchte die IV-Stelle, einen Arztbericht
beim Psychiater Dr. med. F._ einzuholen (IV-act. 47). Mit einer Verfügung vom 5.
März 2010 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab (IV-act. 49).
A.b Nachdem Dr. F._ der IV-Stelle am 10. März 2010 eine Stellungnahme in Aussicht
gestellt hatte (IV-act. 50), entschied die Sachbearbeiterin der IV-Stelle, dass der Fall
„wiederbelebt“ werden müsse (IV-act. 51). Der RAD-Arzt Dr. E._ empfahl, einen
formalisierten Bericht bei Dr. F._ einzuholen (IV-act. 52). Im Juni 2010 liess Dr. F._
der IV-Stelle seinen Bericht vom 18. Februar 2010 zuhanden der
Krankentaggeldversicherung zugehen (IV-act. 54 und 57). Darin hatte er ausgeführt, die
Ergebnisse der Untersuchung in Valens würden nicht (mehr) die Tragweite der
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gesundheitlichen Problematik widerspiegeln. Die Versicherte leide an einer
rezidivierenden depressiven Störung mit einer mittelschweren depressiven Episode. Es
handle sich um eine somatisierte (larvierte) Depression. Die Versicherte überschreite
mit dem aktuellen Arbeitspensum die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Ihr könne nur noch
ein Pensum von 40 Prozent zugemutet werden.Im Auftrag der IV-Stelle führte der
Psychiater Dr. med. G._ von der Klinik H._ Ende August/Anfang September 2010
eine dreitägige stationäre Begutachtung durch (IV-act. 63). Er berichtete in seinem
Gutachten vom 5. Oktober 2010, die Versicherte leide an einer mittelgradigen
depressiven Episode und an einer seit der Jugend bestehenden ängstlich
vermeidenden Persönlichkeitsstörung. Hinsichtlich der depressiven Episode sei die
Prognose recht gut. Der Versicherten seien die angestammte und leidensadaptierte
Tätigkeiten im Umfang von sechs Stunden pro Tag zumutbar. Dabei bestehe eine
Leistungsfähigkeit von etwa 80 Prozent. Der RAD-Arzt Dr. E._ erachtete dieses
Gutachten als überzeugend, wies aber darauf hin, dass der Gesundheitszustand der
Versicherten noch nicht stabil sei (IV-act. 64). Er hielt fest, dass die Arbeitsfähigkeit der
Versicherten mittels einer geeigneten psychotherapeutischen und
psychopharmakologischen Behandlung wesentlich verbessert werden könne. Am 26.
Oktober 2010 forderte die IV-Stelle die Versicherte auf, sich psychiatrisch und
psychopharmakologisch behandeln zu lassen (IV-act. 65).
A.c Am 12. Dezember 2011 berichtete Dr. F._ (IV-act. 79), in der Zwischenzeit seien
mehrere Behandlungsversuche mit antidepressiv und antriebssteigernd wirkenden
Substanzen gemacht worden. Keiner dieser Versuche habe zu einer wesentlichen
Verbesserung des Gesundheitszustandes geführt. Im Rahmen der Behandlung habe
sich ein höchst auffälliges Müdigkeitssymptom mit einer starken Tagesmüdigkeit, einer
erkennbaren Einschlafneigung, sehr langen Schlafenszeiten und einem qualvollen
nervösen Mischzustand von Übermüdung, schlafen wollen und keine Ruhe finden
gezeigt. Deshalb seien Untersuchungen im interdisziplinären Zentrum für Schlafmedizin
am Kantonsspital St. Gallen durchgeführt worden. Dabei habe sich gezeigt, dass die
Beeinträchtigungen der Versicherten neu nicht mehr in erster Linie der Ausdruck einer
depressiven Störung seien. Die rezidivierende depressive Störung sei gegenwärtig
remittiert. Die Versicherte leide in erster Linie an einer Hypersomnie,
differenzialdiagnostisch an einer Narkolepsie ohne Kataplexie. Sie sei nur noch
während drei Stunden pro Tag beziehungsweise 15 Stunden pro Woche arbeitsfähig.
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Am 11. Juni 2012 berichtete das interdisziplinäre Zentrum für Schlafmedizin des
Kantonsspitals St. Gallen (IV-act. 86), eine Therapie sei schwierig, da zwei Interessen
der Versicherten kollidierten: Zum einen wünsche sie, am Tag wacher zu sein und im
Grunde weniger Schlaf zu brauchen, zum andern leide sie an einer Fibromyalgie, die
einen erhöhten Bedarf nach körperlicher Ruhe und Erholung mit sich bringe.
Differenzialdiagnostisch müsse auch an eine atypische Depression gedacht werden,
wobei die Versicherte allerdings immer wieder kohärent angegeben habe, sie kenne
depressive Episoden und habe den Eindruck, das vermehrte Einschlafen sei
unabhängig davon. Zusammenfassend sei die Versicherte höchstwahrscheinlich nur
noch zu 50 Prozent arbeitsfähig, wobei die psychiatrischen und neurologischen
Ursachen für diese Leistungsbeeinträchtigung eng miteinander verknüpft seien.
A.d Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die medizinische Abklärungsstelle (MEDAS)
Ostschweiz am 21. Februar 2013 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 94). Die
Sachverständigen führten aus, es bestehe der Verdacht auf eine multifaktorielle
Schlafstörung, differenzialdiagnostisch auf eine primäre Hypersomnie mit einer
exzessiven Schläfrigkeit tagsüber und vereinzelten hypnagogischen Halluzinationen.
Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Die
Versicherte habe selbst mehrfach betont, sie wisse, was es bedeute, depressiv zu sein,
weshalb sie mit Bestimmtheit sagen könne, dass sie aktuell keine psychischen
Probleme habe. Sie sei körperlich krank und befinde sich nur deshalb bei Dr. F._ in
Behandlung, weil die ganze Situation für sie so belastend sei. Der psychiatrische
Sachverständige hielt fest, dass die Aufmerksamkeit und die Konzentration der
Versicherten im Verlauf der 70 Minuten dauernden Untersuchung abgenommen hätten
und dass die Versicherte insgesamt „nicht sehr wach“ gewirkt habe. In seiner
Beurteilung führte er allerdings aus, die erhöhte Müdigkeit, die erhöhte
Einschlafneigung und auch das erhöhte Schlafbedürfnis hätten keine psychische
Ursache, weshalb aus psychiatrischer Sicht keine Erkrankung mit einer Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit vorliege. Auch der internistische Sachverständige hielt fest, dass
der Versicherten die Verrichtung eines vollzeitigen Pensums zugemutet werden könne.
Der neurologische Sachverständige führte aus, die Versicherte leide an einer
hypersomnischen Störung, die multifaktorieller Genese sei. Die nichtorganische
Hypersomnie zähle zu den sogenannten pathogenetisch-ätiologisch unklaren
syndromalen Beschwerdebildern ohne eine nachweisbare organische Genese
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(„Päusbonog“). Angesichts der psychiatrischen Comorbidität in der Form einer
rezidivierenden depressiven Störung und der unbefriedigenden
Behandlungsergebnisse trotz konsequent durchgeführter Behandlungsmassnahmen
seien die sogenannten Foerster’schen Kriterien teilweise erfüllt. Aus neurologischer
Sicht könne die Hypersomnie aber ohnehin nicht mit einer zumutbaren
Willensanstrengung überwunden werden. Angesichts der Angaben der
Beschwerdeführerin, dass sie tagsüber jeweils eine bis dreieinhalb Stunden schlafe, sei
von einer Leistungseinbusse von 25–30 Prozent auszugehen. Zusammenfassend seien
der Versicherten also aus polydisziplinärer Sicht sowohl die angestammte als auch eine
leidensadaptierte Tätigkeit mit einer Leistungseinbusse von 25–30 Prozent vollschichtig
zumutbar. Der RAD-Arzt Dr. med. I._ erachtete das Gutachten als überzeugend (IV-
act. 95). Mit einem Vorbescheid vom 19. März 2013 teilte die IV-Stelle der Versicherten
mit, dass sie ihr Rentengesuch abweisen werde (IV-act. 98). Am 21. Mai 2013 verfügte
sie gemäss diesem Vorbescheid (IV-act. 102), obwohl die Versicherte am 19. April 2013
um die Zustellung der Akten und um die Gewährung einer angemessenen Frist zur
Stellungnahme ersucht hatte (IV-act. 99). Am 22. Mai 2013 nahm die Versicherte
Stellung zum Vorbescheid (IV-act. 104). Sie machte geltend, Dr. F._ habe am 21. Mai
2013 eine 20 Seiten umfassende Stellungnahme zum MEDAS-Gutachten verfasst (vgl.
IV-act. 106). Er habe überzeugend dargelegt, dass der psychiatrische Sachverständige
med. pract. J._ die Vordiagnose einer Persönlichkeitsstörung aus falschen Gründen
verworfen habe, dass die ärztliche Zumutbarkeitsbeurteilung aus
versicherungspsychiatrischer Sicht methodisch nicht mehr zeitgemäss gewesen sei,
dass die Sachverständigen wesentliche Aspekte ausser Acht gelassen hätten und dass
sie im Ergebnis die Leistungsfähigkeit der Versicherten überschätzt hätten. Die
Versicherte schöpfe ihre zumutbare Resterwerbsfähigkeit vollständig aus. Das effektiv
erzielte Einkommen entspreche dem zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommen.
A.e Am 23. Mai 2013 widerrief die IV-Stelle „aufgrund der Einsprache“ ihre Verfügung
vom 21. Mai 2013 (IV-act 109). Auf eine Empfehlung des RAD-Arztes Dr. I._ hin
ersuchte die IV-Stelle die Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz um eine
Stellungnahme zu den Ausführungen von Dr. F._ (IV-act. 110 f.). Am 13. Juni 2013
teilte die MEDAS Ostschweiz mit, dass sie eine „genaue Fragestellung“ benötige, weil
ansonsten ein grosser Aufwand für die Stellungnahme „zum Einwand inkl.
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Zerpflückung des durch den Rechtsvertreter erstellten Gegengutachtens durch Dr.
F._“ anfallen werde (IV-act. 112). Der RAD-Arzt Dr. I._ notierte am 25. Juli 2013 (IV-
act. 114), die klare Fragestellung ergebe sich aus dem Auftrag, „die vom Psychiater
F._ verfasste Stellungnahme Punkt für Punkt [zu] widerlegen“. Ausnahmsweise
könne dafür ein Kostendach im von der MEDAS Ostschweiz beantragten Rahmen von
maximal 2'000 Franken eingeräumt werden. Am 8. August 2013 teilte die MEDAS
Ostschweiz mit, dass sie keine detaillierte Stellungnahme abgeben könne (IV-act. 115).
Ihre Stellungnahme beschränkte sich auf den Hinweis, dass der psychiatrische
Sachverständige sich nicht zur neurologischen Fragestellung hätte äussern dürfen und
dass das neurologische Teilgutachten entgegen der Behauptung von Dr. F._ eine
begründete Arbeitsfähigkeitsschätzung enthalte (IV-act. 116). Am 21. Oktober 2013
notierte die RAD-Ärztin Dr. med. K._ (IV-act. 121), die teilweise sehr akademisch
gestalteten Abhandlungen von Dr. F._ bezögen sich im Grunde auf die Frage, ob die
von diesem diagnostizierte und auch in früheren Berichten dokumentierte Diagnose
einer Persönlichkeitsstörung vom Sachverständigen J._ zu Recht als nicht (mehr)
vorhanden beschrieben worden sei. Der neurologische Sachverständige habe Stellung
zum Schreiben von Dr. F._ genommen. Eigentlich sei geplant gewesen, dass auch
der psychiatrische Sachverständige J._ nochmals Stellung nehme. Nach einem
gründlichen Studium des Gutachtens und der Vorwürfe von Dr. F._ sei sie, Dr. K._,
aber zur Erkenntnis gelangt, dass weitere Rückfragen nicht zielführend seien. Der
Sachverständige J._ habe seine Ausführungen sehr nachvollziehbar begründet. Auch
der Chefarzt der MEDAS, der selbst ein Facharzt für Psychiatrie sei, habe diese
Einschätzung nachvollzogen. Es sei grundsätzlich nicht ungewöhnlich, dass der
behandelnde Arzt, der noch dazu im Auftrag des Rechtsvertreters einen Bericht
verfasse, zu einer anderen Einschätzung der Schwere der Problematik gelange. Auch
komme es nicht selten vor, dass gerade die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung im
gutachterlichen Kontext umstritten sei. Bei der Bewertung der Auswirkungen von
psychischen Konstellationen handle es sich auch um eine Ermessensfrage. Die
Begutachtung müsse sich aber an objektivierbaren Daten, Fakten und Symptomen
orientieren. Die Leistungsbeeinträchtigung müsse ausgewiesen sei. Letztlich sei der
Streit nur akademischer Natur. Ein schwerwiegender psychischer Gesundheitsschaden
sei jedenfalls nicht ausgewiesen. Mit einer Verfügung vom 11. November 2013 wies die
IV-Stelle das Renten¬begehren der Versicherten ab (IV-act. 125).
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B.
B.a Am 12. Dezember 2013 erhob die Versicherte (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) eine Beschwerde (act. G 1). Sie beantragte die Aufhebung der
Verfügung vom 11. November 2013 und die Zusprache mindestens einer halben Rente
ab September 2009 und mindestens einer Viertelsrente ab März 2012. Zur Begründung
führte sie aus, die Beschwerdegegnerin habe zunächst versucht, das Rentenbegehren
ohne medizinische Abklärungen abzuweisen. Nachdem dieser Versuch gescheitert sei,
habe sie versucht, auf die Begutachtung Einfluss zu nehmen. Sie habe die MEDAS
Ostschweiz aufgefordert, das Gegengutachten von Dr. F._ zu „zerpflücken“ oder
zumindest „Punkt für Punkt“ zu widerlegen. Die Leiterin des RAD Ostschweiz habe
offenbar ein persönliches Gespräch mit dem Chefarzt der MEDAS geführt, aber keine
Aktennotiz erstellt. Die Verfahrensführung der Beschwerdegegnerin verletze die
Vorschriften eines fairen Verfahrens. Indem sich die Beschwerdegegnerin nicht vertieft
mit den Einwänden von Dr. F._ auseinandergesetzt habe, habe sie zudem ihre
Abklärungspflicht und den Grundsatz der freien Beweiswürdigung verletzt. Angesichts
der Beurteilung von Dr. F._ bestünden unüberwindliche Zweifel an der
Vollständigkeit, an der Richtigkeit und an der Schlüssigkeit des Gutachtens der MEDAS
Ostschweiz. Die Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz hätten eingeräumt, dass in
der Zeit zwischen dem September 2009 und der Begutachtung im Dezember 2011 eine
höhere Arbeitsunfähigkeit vorgelegen habe, was sich mit der Beurteilung im Gutachten
der Klinik Valens decke. Somit habe die Beschwerdeführerin ab September 2009 einen
Anspruch auf eine halbe Rente. Bei einem aktuellen Invaliditätsgrad von 40 Prozent
habe sie einen Anspruch auf eine Viertelsrente. Es scheine aber unumgänglich, dass
das Versicherungsgericht ein polydisziplinäres Obergutachten anordne.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 24. Februar 2014 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie an, die verfahrensrechtlichen Mängel
seien noch vor dem Erlass der angefochtenen Verfügung behoben worden. Der
Sachverhalt sei medizinisch umfassend abgeklärt worden. Gemäss dem
überzeugenden Gutachten der MEDAS Ostschweiz bestehe nur der Verdacht auf eine
Hypersomnie. Bei diesem Beschwerdebild handle es sich zudem um ein „syndromales
Leiden“, das keine Invalidität begründe. Die Foerster’schen Kriterien seien nicht erfüllt.
Die Beschwerdeführerin sei folglich in der Lage, ihre Beschwerden mittels einer
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zumutbaren Willensanstrengung zu überwinden und trotz der Beschwerden einer
vollzeitigen Erwerbstätigkeit nachzugehen. In Bezug auf die Persönlichkeitsstörung sei
darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin jahrelang uneingeschränkt
arbeitsfähig gewesen sei.
B.c Die Beschwerdeführerin hielt am 3. April 2014 an ihren Beschwerdeanträgen fest
(act. G 8). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 10).
B.d Am 3. März 2016 teilte das Versicherungsgericht den Parteien mit (act. G 20), dass
es die Einholung eines Gerichtsgutachtens bei der Academy of Swiss Insurance
Medicine (asim) beabsichtige. Die Begutachtung werde die Disziplinen Innere Medizin,
Psychiatrie, Rheumatologie und Neurologie umfassen und eine Untersuchung im
Schlaflabor beinhalten. Die Beschwerdegegnerin erklärte am 8. März 2016, dass sie
keine Einwände gegen die vorgesehene Begutachtung habe (act. G 21). Die
Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Stellungnahme. Am 18. Mai 2016 erteilte das
Versicherungsgericht der asim den Auftrag zur Erstellung eines Gerichtsgutachtens
(act. G 25). Am 1. Juni 2016 gab die asim die Namen der Sachverständigen bekannt
(act. G 26). Keine der Parteien machte Ausstandsgründe geltend (vgl. act. G 30).
B.e Am 20. Februar 2017 liess die Beschwerdeführerin die Vergütung ihrer Spesen und
die Ausrichtung eines Taggeldes im Zusammenhang mit der Begutachtung beantragen
(act. G 34). Dieses Begehren wurde vom Versicherungsgericht mit einem
verfahrensleitenden Entscheid vom 24. Februar 2017 abgewiesen (act. G 35). In seiner
Begründung wies das Versicherungsgericht darauf hin, dass die (mittlerweile offenbar
aufgegebene; vgl. BGE 143 V 269) Praxis des Bundesgerichtes, wonach die Einholung
eines Gerichtsgutachtens als eine blosse Fortsetzung der Sachverhaltsabklärung zu
qualifizieren sei, nicht überzeuge. Das Versicherungsgericht habe eine völlig andere
Funktion als die Verwaltung zu erfüllen. Wenn es im (kantonalrechtlichen)
Rekursverfahren das Verwaltungsverfahren fortführen und den Sachverhalt „in
Vertretung“ des rekursbeklagten Sozialversicherungsträgers weiter abklären würde,
würde das Rekursverfahren künstlich um ein „verlängertes“ Verwaltungsverfahren
erweitert, was eine erhebliche Schlechterstellung der versicherten Person hinsichtlich
ihrer Parteirechte bewirken würde. Der entsprechend teuer erkaufte Vorteil einer
Beschleunigung des Verfahrens entpuppe sich in der Praxis regelmässig als ein
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Scheinvorteil, da ein umständliches „erweitertes“ Rekursverfahren meist mindestens so
viel Zeit wie ein zweites Verwaltungsverfahren nach einer Rückweisung in Anspruch
nehme. Aus diesen Gründen könne das Gerichtsgutachten nicht als eine
Abklärungsmassnahme im Sinne des Art. 45 ATSG qualifiziert werden, was eine
Vergütung der Spesen und die Ausrichtung eines Taggeldes gestützt auf den Art. 45
ATSG oder die Art. 17, 78 und 90 IVV ausschliesse. Bei den entsprechenden Auslagen
handle es sich um ausseramtliche Kosten im Sinne des Art. 98 Abs. 2 VRP, die die
Beschwerdeführerin für die Dauer des Verfahrens einstweilen selbst zu tragen habe.
Beim Verfahrensabschluss respektive bei der Verlegung der Kosten werde diesen
Auslagen aber selbstverständlich Rechnung getragen werden.
B.f Am 9. Oktober 2017 erstattete die asim das Gerichtsgutachten (act. G 36). Die
Sachverständigen führten aus, die Beschwerdeführerin leide an einer Hypersomnie
unklarer Ätiologie (am ehesten organischer Genese; im Rahmen von
Entwicklungsstörungen bei einem Status nach einem Opiat- und Alkoholentzug im
Neugeborenenalter bei einer Polytoxikomanie der Mutter oder im Rahmen einer
idiopathischen, durch ein chronisches generalisiertes Schmerzsyndrom akzentuierten
Hypersomnie), an einer objektivierbaren mittelschweren neuropsychologischen
Funktionsstörung, an einem chronifizierten generalisierten Schmerzsyndrom des
Bewegungsapparates, an einer Kleinwüchsigkeit, an einer Adipositas, an einer
biographisch begründeten Bindungsstörung mit traumatisierenden
Beziehungserfahrungen, an einer derzeit subsyndromal bis leichtgradig ausgeprägten
rezidivierenden depressiven Störung sowie – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
– an einem episodischen Spannungskopfschmerz, (verdachtsweise) an einer leichten,
abklingenden Rotatorenmanschettentendopathie der rechten Schulter, an einer
beginnenden Rhizarthrose-Symptomatik rechts und an Stuhlgangunregelmässigkeiten
funktioneller Natur. Diagnostisch bestehe bezüglich der pneumologisch-neurologisch
festgestellten Hypersomnie eine gute Übereinstimmung zum Gutachten der MEDAS
Ostschweiz vom Februar 2013. Neuropsychologisch sei eine mittelschwere kognitive
Störung objektiviert worden, die sowohl im Rahmen der Schlafstörung als auch im
Rahmen der Schmerzsymptomatik interpretiert werden könne. Zusammenfassend
stehe überwiegend wahrscheinlich fest, dass bei der Beschwerdeführerin aufgrund
einer Polytoxikomanie der Mutter eine frühe, möglicherweise bereits embryopathische
Entwicklungsverzögerung mit Störungen der intellektuellen und schulischen
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Fertigkeiten eingetreten sei. Auch die Schlafstörung sei auf diesem Hintergrund zu
interpretieren, wobei eine idiopathische Genese allerdings nicht gänzlich
ausgeschlossen werden könne. Überlagert werde die Schlafstörung durch das
ausgeprägte Schmerzsyndrom. Die Entwicklung dieses Schmerzsyndroms sei durch
ungünstige Entwicklungsbedingungen in der Kindheit begünstigt worden. Der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich seit der Begutachtung durch
die MEDAS Ostschweiz nicht wesentlich verändert. Es sei jedoch davon auszugehen,
dass die funktionellen Einschränkungen der Beschwerdeführerin in der
polydisziplinären Gesamtsicht zum damaligen Zeitpunkt nicht ausreichend gewürdigt
worden seien. Diese funktionellen Auswirkungen seien erheblich. Die ausgeprägte
Tagesmüdigkeit und die Schläfrigkeit der Beschwerdeführerin seien als am ehesten
somatisch bedingt zu qualifizieren, in sich konsistent und gut nachvollziehbar. Die
Beschwerdeführerin leide medizinisch objektivierbar unter einem erhöhten
Schlafbedürfnis und unter einer erhöhten Tagesmüdigkeit und sei darüber hinaus durch
die Schmerzsymptomatik am Bewegungsapparat funktionell eingeschränkt. Funktionell
bestünden insbesondere ausgeprägte Einschränkungen der Durchhaltefähigkeit. Die
Beschwerdeführerin benötige nach wenigen Stunden Belastung längere
Erholungspausen. Die Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben, die
Flexibilität, die Umstellungsfähigkeit und die Fähigkeit zur Anwendung fachlicher
Kompetenzen seien deutlich eingeschränkt. Persönlichkeitsbedingt bestünden zudem
ausgeprägte soziale Ängste. Die kognitiven Fähigkeiten seien eingeschränkt.
Insbesondere im Bereich Aufmerksamkeit und Gedächtnis sowie im Bereich des
Arbeitstempos bestünden deutliche Defizite. Als wesentliche Ressource könne die sehr
hohe Motivation der Beschwerdeführerin genannt werden, ihre Arbeitsfähigkeit aufrecht
zu erhalten und trotz deutlicher Einschränkungen ihre berufliche Leistungsfähigkeit
beizubehalten. Die Beschwerdeführerin schränke sich insbesondere im Bereich ihrer
Freizeitgestaltung deutlich ein und nutze grosse Teile ihrer Freizeit zur Erholung, um
anschliessend wieder beruflich tätig sein zu können. Als positiv könne auch die stabile
Beziehung zum Ehegatten gewertet werden. Weder bei den somatischen noch bei der
psychiatrischen Untersuchung hätten sich Hinweise für Inkonsistenzen ergeben.
Insbesondere habe das von der Beschwerdeführerin geschilderte Funktionsniveau den
Ergebnissen der aktuellen Untersuchungen entsprochen. Die Beschwerdeführerin sei
bezüglich der beruflichen Leistungsfähigkeit und der Freizeitgestaltung gleichermassen
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eingeschränkt. Sie neige nicht zur Übertreibung. Hinweise für eine verdeutlichende
Beschwerdepräsentation oder für eine Aggravation hätten nicht bestanden. Die
Beschwerdeführerin sei retrospektiv bereits ab dem Jahr 2008 in ihrer Arbeitsfähigkeit
wesentlich eingeschränkt gewesen. Die Reduktion des Arbeitspensums auf 40 Prozent
in jenem Jahr habe dem damaligen tatsächlichen Leistungslimit entsprochen. Seither,
aktuell und auch in absehbarer Zukunft sei die Beschwerdeführerin in ihrer
angestammten Tätigkeit nur zu 40 Prozent arbeitsfähig. Die Arbeitsfähigkeit müsse
vorwiegend morgens verwertet werden. Die aktuelle Tätigkeit sei ideal auf die
Bedürfnisse der Beschwerdeführerin zugeschnitten. Auch in einer anderen ideal
leidensadaptierten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin nur zu 40 Prozent arbeitsfähig.
Von medizinischen Massnahmen könne keine wesentliche Verbesserung der
Arbeitsfähigkeit erwartet werden, Die Fahreignung der Beschwerdeführerin müsse
spezifisch abgeklärt werden.
B.g Die Beschwerdegegnerin machte am 13. November 2017 geltend (act. G 40), das
Versicherungsgericht habe bislang noch nicht erklärt, weshalb das Gutachten der
MEDAS Ostschweiz den beweisrechtlichen Anforderungen nicht genügen sollte. Die
Sachverständigen der asim seien im Wesentlichen zum selben Ergebnis wie jene der
MEDAS Ostschweiz gelangt. Nur die Arbeitsfähigkeitsschätzung sei anders
ausgefallen, aber das sei die Folge des „in der Natur der Sache“ liegenden
„Ermessensspielraums“. Zudem sei die „Schmerzrechtsprechung“ des
Bundesgerichtes zu berücksichtigen.
B.h Die Beschwerdeführerin liess am 29. November 2017 festhalten (act. G 43), das
Gutachten der asim sei in jeder Hinsicht überzeugend. Unter Berücksichtigung der von
den Sachverständigen erhobenen Restarbeitsfähigkeit von 40 Prozent ergebe sich ein
Invaliditätsgrad von 67 Prozent, weshalb die Beschwerdeführerin ab dem 1. September
2009 einen Anspruch auf eine Dreiviertelsrente der Invalidenversicherung habe. Am 8.
Januar 2018 liess die Beschwerdeführerin eine Aufstellung ihrer Unkosten für die
anwaltliche Vertretung und für die im Zusammenhang mit der Begutachtung
angefallenen Spesen einreichen (act. G 46). Die Beschwerdegegnerin nahm dazu keine
Stellung.

Erwägungen
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1.
Die Beschwerdegegnerin hat das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin bereits
mit einer Verfügung vom 5. März 2010 abgewiesen. Noch während der laufenden
Rechtsmittelfrist, nämlich am 15. März 2010 (vgl. IV-act. 55), hat sie allerdings den
behandelnden Psychiater Dr. F._ aufgefordert, einen Arztbericht zuhanden der
Beschwerdegegnerin zu erstellen. Diese Aufforderung ist die Folge eines gemäss einer
internen Notiz am 11. März 2010 gefällten Entscheides der Beschwerdegegnerin
gewesen, das Verfahren „wiederzubeleben“. Bei diesem Entscheid hat es sich um
einen zulässigen Widerruf einer Verfügung während der laufenden Rechtsmittelfrist (Art.
53 Abs. 3 ATSG) gehandelt. Dieser Widerruf hätte an sich in der Form einer
anfechtbaren Verfügung eröffnet werden müssen. Das ist aber nicht geschehen. Die
Beschwerdegegnerin hat den Widerruf der Verfügung vom 5. März 2010 nicht einmal in
einer anderen Form eröffnet, sondern ihren Entscheid der Beschwerdeführerin nur
durch ihr weiteres Handeln – die Fortführung der Sachverhaltsabklärung – zur Kenntnis
gebracht. Dieses Vorgehen hat sich zwar an der äussersten Grenze der Formwidrigkeit
bewegt. Aber angesichts des Umstandes, dass die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführerin ihren Entscheid trotzdem zur Kenntnis gebracht hat, muss der
Widerruf der Verfügung vom 5. März 2010 als eröffnet qualifiziert werden. Er ist also
wirksam geworden, weshalb die Verfügung vom 5. März 2010 für das vorliegende
Verfahren ohne jede Bedeutung ist.
2.
2.1 Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, die
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat gemäss dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der Invalidität
wird gemäss dem Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
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Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu
jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund wäre.
2.2 Die Beschwerdeführerin hat keine berufliche Ausbildung absolviert. Gemäss ihren
eigenen Angaben hat zwar offenbar die von ihrem Vater vertretene Auffassung, sie
benötige keine Berufsausbildung, einen wesentlichen Beitrag zu ihrem Entschluss
geleistet, keine Berufslehre zu absolvieren. Aus den Akten geht aber auch hervor, dass
die Beschwerdeführerin wegen einer Entwicklungsstörung nicht einmal in der Lage
gewesen war, ihre schulische Ausbildung in einer Regelklasse zu absolvieren. Diese
Entwicklungsstörung war zumindest teilweise durch eine Schädigung vor
beziehungsweise unmittelbar nach der Geburt verursacht gewesen. Die Mutter der
Beschwerdeführerin hatte nämlich während der Schwangerschaft Alkohol, Nikotin und
Opiate konsumiert; die Beschwerdeführerin war verfrüht zur Welt gekommen, hatte
offenbar gleich bei der Geburt einen Drogenentzug infolge der Durchtrennung der
Nabelschnur durchgemacht (und hatte möglicherweise wegen einer Intervention der
Mutter gegen den ärztlichen Rat nach der Geburt nicht jene Behandlung erhalten, die
medizinisch indiziert gewesen wäre). Die zerrütteten familiären Verhältnisse und die
mehrfachen Umplatzierungen der Beschwerdeführerin in Heimen, Pflegefamilien und
bei Verwandten dürften die Entwicklungsstörung zumindest begünstigt haben.
Jedenfalls kann angesichts der diesbezüglich übereinstimmenden Angaben in den
medizinischen Akten und insbesondere in den beiden Gutachten der asim und der
MEDAS Ostschweiz kein ernsthafter Zweifel daran bestehen, dass die
Beschwerdeführerin bereits vor dem Abschluss der schulischen Ausbildung an einer
relevanten Gesundheitsbeeinträchtigung gelitten hat, die die schulische Ausbildung
behindert und den Entscheid, keine berufliche Ausbildung zu absolvieren, mit
beeinflusst hat. Da die berufliche Karriere der Beschwerdeführerin also von Beginn weg
durch eine Gesundheitsbeeinträchtigung beeinträchtigt gewesen ist, fehlt jeglicher
Anhaltspunkt für die Bestimmung der Validenkarriere. Bezüglich des
Valideneinkommens liegt mit anderen Worten eine objektive Beweislosigkeit vor. Wenn
es keine spezifischere gesetzliche Grundlage gäbe, müsste sich diese Beweislosigkeit
in einer lückenfüllenden analogen Anwendung des Art. 8 ZGB zuungunsten der
Beschwerdeführerin auswirken, das heisst sie könnte nie einen Rentenanspruch haben,
weil sich ihr Invaliditätsgrad nicht bestimmen liesse. Da ein solches Ergebnis im
höchsten Mass stossend wäre, hat der Verordnungsgeber im Art. 26 Abs. 1 IVV für
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Fälle wie den vorliegenden eine Fiktion aufgestellt, wonach das Valideneinkommen
einer sogenannt frühinvaliden Person einem nach dem Alter abgestuften Prozentsatz
des jährlich aktualisierten Medianwertes gemäss der Schweizer Lohnstrukturerhebung
entspricht. Diese Verordnungsbestimmung kann sich zwar nicht auf eine hinreichende
gesetzliche Grundlage stützen. Sie löst aber ein offenkundiges Beweisproblem, für das
weder das ATSG noch das IVG eine akzeptable Lösung bieten, das heisst sie füllt eine
(echte) Gesetzeslücke. Die Verordnungslösung gewährleistet eine rechtsgleiche und
verhältnismässige Lösung des auf der Gesetzesstufe ungelösten Beweisproblems und
ist deshalb vom Vollzugsauftrag des Art. 86 Abs. 2 IVG gedeckt. Das
Valideneinkommen der Beschwerdeführerin muss folglich fiktiv festgesetzt werden. Die
genaue Höhe hängt vom Zeitpunkt des Eintrittes der Invalidität ab, auf den in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird.
2.3 Das zumutbarerweise erzielbare Invalideneinkommen hängt massgebend von der
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ab. Den beiden Gutachten der asim und der
MEDAS Ostschweiz lässt sich diesbezüglich übereinstimmend entnehmen, dass die
Beschwerdeführerin hauptsächlich an einer Hypersomnie leidet. Die Sachverständigen
der asim haben in ihrem Gutachten mehrfach erwähnt, dass sowohl bezüglich der
erhobenen Befunde als auch hinsichtlich der Diagnosen im Wesentlichen eine
weitgehende Übereinstimmung zwischen ihrem Gutachten und jenem der MEDAS
Ostschweiz bestehe. Trotzdem weicht die Arbeitsfähigkeitsschätzung der
Sachverständigen der asim wesentlich von jener der Sachverständigen der MEDAS
Ostschweiz ab. Die Beschwerdegegnerin hat dies als eine Folge eines „in der Natur der
Sache“ liegenden Ermessens gewertet, das unterschiedlich ausgeübt worden sei. Eine
vertiefte Auseinandersetzung mit den beiden Gutachten zeigt allerdings, dass die
Arbeitsfähigkeitsschätzungen auf völlig unterschiedlichen Grundlagen beruhen. Beim
Studium des Gutachtens der MEDAS Ostschweiz fällt zunächst auf, dass die
Sachverständigen keine interdisziplinäre Konsensbeurteilung vorgenommen haben.
Jeder Sachverständige hat sich auf eine Würdigung der Befunde aus der Sicht seines
Fachgebietes beschränkt. Das zeigt sich besonders deutlich beim psychiatrischen
Teilgutachten: Der psychiatrische Sachverständige J._ hat zwar objektive klinische
Befunde – namentlich eine deutliche Abnahme der Konzentration und der
Aufmerksamkeit in der nur 70 Minuten dauernden Exploration – erhoben, die sich auf
die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin hätten auswirken können, aber trotzdem
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keine Arbeitsunfähigkeit attestiert, weil er der Überzeugung gewesen ist, die
Beschwerdeführerin leide ausschliesslich an einer somatischen Erkrankung. Zwar ist
eine solche Beschränkung auf das jeweilige Fachgebiet für einen ersten Schritt,
nämlich für die Erstellung des Teilgutachtens, notwendig und deshalb als lege artis zu
bezeichnen. In einem zweiten Schritt hätten die entsprechenden Ergebnisse aber
zusammengeführt und interdisziplinär diskutiert werden müssen. Das ist bei der
Begutachtung durch die MEDAS Ostschweiz nicht geschehen. Die Konsensbeurteilung
besteht im Wesentlichen bloss aus einer Aneinanderreihung der Fachbeurteilungen,
einer alle in den Teilgutachten erwähnten Diagnosen umfassenden Liste und einer
Definition einer leidensadaptierten Tätigkeit, die lediglich sämtliche Einschränkungen
beinhaltet, die in den Teilgutachten erwähnt worden waren. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung für eine solche leidensadaptierte Tätigkeit entspricht jener
des neurologischen Sachverständigen, der als einziger eine Arbeitsunfähigkeit für ideal
leidensadaptierte Tätigkeiten attestiert hatte. Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung beruht
aber nicht etwa auf den erhobenen objektiven klinischen Befunden, sondern nur auf
der Selbstangabe der Beschwerdeführerin, sie benötige zusätzlich zum Nachtschlaf
pro Tag eine bis dreieinhalb Stunden Schlaf. Der neurologische Sachverständige hat
festgehalten, dass diese für den Tagschlaf benötigte Zeit einem Anteil von etwa 25–30
Prozent eines Vollpensums entspreche, weshalb sich daraus eine entsprechende
Arbeitsunfähigkeit ableite. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung im neurologischen
Teilgutachten und im Hauptgutachten beruht also nicht auf den objektiven klinischen
Befunden, sondern auf einer rein subjektiven Angabe der Beschwerdeführerin. Schon
aus diesem Grund kann sie nicht überzeugend sein. Die Sachverständigen der MEDAS
Ostschweiz haben damit aber auch die Frage völlig offen gelassen, wie sich die von
ihnen erhobenen objektiven klinischen Befunde auf die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin auswirken. Zudem haben sie es versäumt, die für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung relevanten Befunde eingehend zu beschreiben. Die
Sachverständigen der asim haben die objektiven klinischen Befunde dagegen
wesentlich eingehender und detaillierter dargestellt. Die Befundschilderungen in den
einzelnen Teilgutachten sind viel ausführlicher und anschaulicher als jene in den
entsprechenden Teilgutachten der MEDAS Ostschweiz. Zudem scheinen die Befunde
aus der Sicht eines medizinischen Laien strukturierter und planmässiger erhoben
worden zu sein als bei der Begutachtung durch die MEDAS Ostschweiz. Da alle
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Sachverständigen der asim wesentliche neurokognitive Einschränkungen festgestellt
hatten, ist eine zusätzliche neuropsychologische Begutachtung durchgeführt worden.
Im Rahmen der entsprechenden Tests sind relevante Funktionsdefizite erhoben und
objektiviert worden. Das war im Rahmen der Begutachtung durch die MEDAS
Ostschweiz nicht möglich gewesen, weil gar keine neuropsychologische Untersuchung
durchgeführt worden war. Die Ergebnisse der neuropsychologischen Testung sowie die
in den übrigen Untersuchungen gewonnenen Erkenntnisse sind von den
Sachverständigen der asim im Rahmen einer „echten“ interdisziplinären Beurteilung
eingehend diskutiert worden. Erst dadurch hat der gesamte – komplexe – objektive
klinische Befund umfassend erstellt und hinsichtlich seiner für die Arbeitsfähigkeit
relevanten Auswirkungen gewürdigt werden können. Die so gewonnenen Erkenntnisse
sind im Gutachten der asim für einen medizinischen Laien verständlich, nachvollziehbar
und überzeugend hergeleitet festgehalten worden. Anders als das Gutachten der
MEDAS Ostschweiz enthält das Gutachten der asim eine überzeugend begründete
Verknüpfung zwischen den objektiven klinischen Befunden und der
Arbeitsfähigkeitsschätzung. In ihrem Gerichtsgutachten haben auch die
Sachverständigen der asim mit einer durchgehend überzeugenden Begründung
bestätigt, dass die Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz den
Gesundheitsbeeinträchtigungen der Beschwerdeführerin bei der
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht genügend Rechnung getragen haben. Die
unterschiedliche Arbeitsfähigkeitsschätzung in den Gutachten der MEDAS Ostschweiz
und der asim sind also nicht etwa das Resultat einer unterschiedlichen
Ermessensausübung, wie die Beschwerdegegnerin behauptet hat, sondern die Folge
davon, dass die Sachverständigen der asim – anders als jene der MEDAS Ostschweiz –
den objektiven klinischen Befund eingehend erhoben, die Wechselwirkungen der
Gesundheitsbeeinträchtigungen im interdisziplinären Konsens umfassend
berücksichtigt und die konkreten objektiven Auswirkungen der
Gesundheitsbeeinträchtigungen auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
objektiv und detailliert gewürdigt haben. Das Gerichtsgutachten der asim enthält eine
ausführliche und anschauliche Befundschilderung, eine ausgewogene und
überzeugende Würdigung der in den persönlichen Untersuchungen erhobenen
Befunde und der Angaben in den Vorakten sowie eine nachvollziehbare, verständliche
und überzeugend begründete Herleitung der Diagnosen und der
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Arbeitsfähigkeitsschätzung. Im direkten Vergleich weist das Gutachten der MEDAS
Ostschweiz eine wesentlich geringere Überzeugungskraft auf. Nebenbei ist darauf
hinzuweisen, dass das Bundesgericht (vgl. BGE 143 V 269 E. 6.2.3.2 S. 282 mit
Hinweisen) Gerichtsgutachten generell einen höheren Beweiswert als
Administrativgutachten zuerkennt (was sich allerdings mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung kaum vereinbaren lässt). Jedenfalls finden sich weder im Gutachten
der asim selbst noch in den übrigen medizinischen Berichte Indizien, die ernsthafte
Zweifel an der Überzeugungskraft des Gerichtsgutachtens wecken würden. Folglich
steht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest,
dass die Beschwerdeführerin ab dem Jahr 2008 sowohl in der angestammten als auch
in einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit zu 60 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist.
2.4 Wegen den von den Sachverständigen der asim erwähnten Beeinträchtigungen der
Durchhaltefähigkeit, der Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben, der
Flexibilität, der Umstellungsfähigkeit und der Fähigkeit zur Anwendung von fachlichen
Kompetenzen sowie der Defizite im Bereich der Aufmerksamkeit und des
Gedächtnisses sowie im Bereich des Arbeitstempos ist die Beschwerdeführerin
augenscheinlich nicht in der Lage, eine Umschulung zu absolvieren (eine erstmalige
berufliche Ausbildung kommt nicht in Frage, weil die Beschwerdeführerin bereits
mehrere Jahre erwerbstätig gewesen ist). Das bedeutet, dass der Beschwerdeführerin
nur ideal leidensadaptierte Hilfsarbeiten zugemutet werden können. Der Ausgangswert
des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens entspricht folglich einem
durchschnittlichen Hilfsarbeiterinnenlohn beziehungsweise dem statistischen
Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne in der Schweiz. Die Beschwerdeführerin ist auf
feste, gleichbleibende Arbeitszeiten angewiesen. Sie kann nur im geringsten Umfang
Überstunden leisten. Ihre Arbeit muss sie vormittags erledigen können. Sie ist also sehr
unflexibel, was den Wert ihrer Arbeitskraft strikt betriebswirtschaftlich-ökonomisch
betrachtet wesentlich mindert. Diesem Umstand ist mit einem Tabellenlohnabzug von
zehn Prozent Rechnung zu tragen. Das zumutbarerweise erzielbare
Invalideneinkommen entspricht folglich 36 Prozent (40 Prozent von 90 Prozent) des
statistischen Zentralwertes der Hilfsarbeiterinnenlöhne.
3.
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3.1 Die Beschwerdeführerin hat sich im November 2008 zur Früherfassung bei der
Beschwerdegegnerin gemeldet. Überwiegend wahrscheinlich hat sie sich bereits mit
diesem Formular zum Leistungsbezug anmelden wollen, denn obwohl ihr eine
Sachbearbeiterin der Beschwerdegegnerin in der Folge mitgeteilt hat, dass eine
Anmeldung zum Leistungsbezug nicht angezeigt sei, hat sie sich im März 2009 –
dieses Mal direkt mittels des dafür vorgesehenen Formulars – zum Leistungsbezug
angemeldet. Die Beschwerdeführerin muss also davon ausgegangen sein, dass die
Prüfung eines Rentenbegehrens zuerst eine Meldung zur Früherfassung und
anschliessend eine Anmeldung zum Leistungsbezug voraussetze. Da dieses Vorgehen
nicht zum gewünschten Erfolg geführt hat, hat sie wenige Monate später nochmals
(nun aber direkt) versucht, eine Prüfung ihres Leistungsbegehrens zu bewirken.
Gemäss dem Art. 29 Abs. 3 ATSG schadet eine nicht formgerechte Anmeldung in
Bezug auf die damit verbundenen Rechtswirkungen nicht, was bedeutet, dass die
(insofern „formwidrige“) Anmeldung zur Früherfassung im November 2008 als eine
Anmeldung zum Leistungsbezug qualifiziert werden muss. Der Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin kann folglich gemäss dem Art. 29 Abs. 1 IVG nicht erst frühestens
am 1. September 2009, sondern bereits (frühestens) am 1. Mai 2009 entstanden sein
(vgl. E. 3.2).
3.2 In ihrer Anmeldung vom März 2009 hat die Beschwerdegegnerin darauf
hingewiesen, dass im August 2008 akute Schmerzen aufgetreten seien. Eine
Arbeitsunfähigkeit war ihr allerdings erst ab dem 22. September 2008 bescheinigt
worden. Obwohl die Beschwerdeführerin angegeben hat, dass sie schon lange davor
unter Beschwerden gelitten habe, und obwohl gestützt auf das Gutachten der asim
feststeht, dass sich die Gesundheitsbeeinträchtigungen bereits im Kindes- und
Jugendalter auf die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin ausgewirkt haben
müssen, ist eine länger dauernde Arbeitsunfähigkeit für die Zeit vor dem 22. September
2008 nicht ausgewiesen. Bis zu jenem Datum hat die Beschwerdeführerin (abgesehen
von vereinzelten Krankheitstagen im üblichen Rahmen) ein volles Arbeitspensum
geleistet. Bei dieser Aktenlage kann das Wartejahr nicht vor dem 22. September 2008
zu laufen begonnen haben. Es hat folglich am 1. September 2009 geendet. Die
Beschwerdeführerin kann deshalb frühestens ab dem 1. September 2009 einen
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben.
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3.3 Im September 2009 ist die Beschwerdeführerin _ Jahre alt gewesen. Gemäss
dem Art. 26 Abs. 1 IVV entspricht das (fiktive) Valideneinkommen deshalb 90 Prozent
des damaligen Medianwertes. Dieser hat sich laut den Angaben in der von der
Informationsstelle AHV/IV herausgegebenen Textausgabe des IVG auf 75'000 Franken
belaufen. Das Valideneinkommen beträgt somit 67'500 Franken. Der statistische
Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne und damit auch der Ausgangswert des
zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens haben sich im Jahr 2009 auf 51'368
Franken belaufen (Anh. 2 der erwähnten Textausgabe des IVG). Unter Berücksichtigung
der Arbeitsunfähigkeit von 60 Prozent ergibt sich ein zumutbarerweise erzielbares
Invalideneinkommen von 18'492 Franken. Die invaliditätsbedingte Erwerbseinbusse
beläuft sich folglich auf 49'008 Franken, was einen Invaliditätsgrad von 72,6 Prozent
ergibt. Ohne einen Tabellenlohnabzug würde der Invaliditätsgrad 69,56 Prozent
betragen, was praxisgemäss auf 70 Prozent aufzurunden wäre. So oder anders hat die
Beschwerdeführerin also gestützt auf den Art. 28 Abs. 2 IVG einen Anspruch auf eine
ganze Rente der Invalidenversicherung. Die angefochtene Verfügung erweist sich damit
als rechtswidrig, weshalb sie aufzuheben und durch die Feststellung zu ersetzen ist,
dass die Beschwerdeführerin mit Wirkung ab dem 1. September 2009 einen Anspruch
auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat. Die Sache ist zur Festsetzung der
Rentenbeträge und eines allfälligen Verzugszinses an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
4.
4.1 Hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen ist von einem vollständigen
Obsiegen der Beschwerdeführerin auszugehen. Das bedeutet, dass die
Beschwerdegegnerin sowohl die Gerichtskosten von 600 Franken als auch die Kosten
für das Gutachten der asim von 21'562.55 Franken (vgl. act. G 39) zu bezahlen hat. Der
Beschwerdeführerin wird der von ihr geleistete Kostenvorschuss von 600 Franken
zurückerstattet. Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin einen
Anspruch auf einen Ersatz ihrer ausseramtlichen Kosten. Da diese hier nicht nur die
Kosten für den erforderlichen Vertretungsaufwand des Rechtsvertreters, sondern auch
Auslagen und einen Erwerbsausfall im Zusammenhang mit der Begutachtung
beinhalten, ist nachfolgend detailliert auf die Parteientschädigung einzugehen:
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4.2 In der gestützt auf den Art. 100 Abs. 1 VRP erlassenen Verordnung über Kosten
und Entschädigungen im Verwaltungsverfahren (VGV; sGS 821.1) sind keine
Vorschriften betreffend die ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP) enthalten. Der Art. 61
ATSG enthält keine Minimalanforderung, die zu einer Abweichung von der
kantonalrechtlichen Kostenregelung zwingen würde. Folglich ist über den Antrag der
Beschwerdeführerin auf Spesenvergütung und Erwerbsausfallsentschädigung in
Anwendung des Art. 98 Abs. 2 VRP zu entscheiden. Die erforderlichen Ausgaben für
die Hin- und Rückfahrten zwischen dem Wohnort der Beschwerdeführerin und dem Ort
der Begutachtungsstelle, für die Verpflegung an den Abklärungstagen und für die
Übernachtungen stellen zweifelsohne notwendige und angemessene ausseramtliche
Kosten im Sinne des Art. 98 Abs. 2 VRP dar. Da die Beschwerdeführerin am 15., am
16., am 17., am 28. und am 29. März 2017 untersucht worden und entsprechend an
mehreren Tagen mit Reise-, Verpflegungs- und Übernachtungsspesen konfrontiert
gewesen ist, erscheinen die von ihr geltend gemachten Ausgaben von total 800.20
Franken als angemessen. Sie hat folglich einen Anspruch auf einen Ersatz dieser
Kosten.
4.3 Die Beschwerdeführerin hat darüber hinaus einen Lohnausfall für die Zeit während
der Begutachtung geltend gemacht. Tatsächlich hat sie die Begutachtung an diesen
fünf Tagen an der Ausübung ihrer Arbeit gehindert. Gemäss den Angaben in den Akten
hätte die Beschwerdeführerin an jedem dieser fünf Tage während je fünf Stunden
gearbeitet. Sie hat nun aber geltend gemacht, sie sei während sieben Tagen jeweils 8,5
Stunden an der Arbeit verhindert gewesen. Diese Angabe ist eindeutig aktenwidrig,
weshalb nicht darauf abgestellt werden kann. Bei einem geltend gemachten und den
Angaben in den Akten entsprechenden Stundenlohn von 20.80 Franken ergibt sich ein
Lohnausfall von 5 × 5 × 20.80 = 520 Franken. Die Beschwerdegegnerin hat die
Beschwerdeführerin entsprechend zu entschädigen.
4.4 Der Rechtsvertreter hat angegeben, dass er insgesamt einen Aufwand von knapp
25 Stunden gehabt habe. Das erscheint angesichts des deutlich überdurchschnittlichen
erforderlichen Vertretungsaufwandes, der unter anderem das Studium und die
Würdigung des äusserst umfangreichen Gerichtsgutachtens beinhaltet hat, als
angemessen. Der diesbezügliche Entschädigungsanspruch der Beschwerdeführerin
beläuft sich auf 6'197.50 Franken (Honorar) plus vier Prozent für Barauslagen (247.90
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Franken) plus Mehrwertsteuer. Deren Satz hat ab dem 1. Januar 2018 nur noch 7,7
Prozent betragen. Für den entsprechenden Zeitraum hat der Rechtsvertreter ein
Honorar von 812.50 Franken geltend gemacht. Zusammen mit der
Barauslagenpauschale hat das Mehrwertsteuersubstrat 1'060.40 Franken betragen,
womit sich eine Mehrwertsteuer von 81.65 Franken ergibt. Für das übrige Honorar gilt
der alte Satz von acht Prozent, was eine Mehrwertsteuer von acht Prozent von
6'197.50 – 812.50 = 5'385 Franken, also von 430.80 Franken ergibt.
4.5 Zusammenfassend beläuft sich der Entschädigungsanspruch der
Beschwerdeführerin also auf 800.20 + 520 + 6'197.50 + 247.90 + 81.65 + 430.80 =
8'278.05 Franken.