Decision ID: 44781b42-5184-4f41-acef-59596129578d
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Bernhard Reeb, Hauptstrasse 11a,
8280 Kreuzlingen,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Ergänzungsleistung zur IV
Sachverhalt:
A.
A.a A._ (Jahrgang 1961) wurde mit Verfügung vom 8. März 2007 ab 1. Juli 2004 auf
Grund eines Invaliditätsgrads von 55% eine halbe Invalidenrente zugesprochen (EL-
act. 3). Am 14. November 2007 meldete sich die Versicherte zum Bezug von
Ergänzungsleistungen (EL) an. Sie gab an, sie habe seit Ende Oktober 2007 kein
Erwerbseinkommen mehr, weshalb sie Taggelder der Arbeitslosenversicherung (ALV)
erhalte. Eventuell stünden ihr Unterhaltsbeiträge ihres Ehemannes zu. Die
Trennungsvereinbarung sei beim Kreisgericht pendent (EL-act. 1). Gemäss der
beiliegenden Kündigung vom 28. September 2007 ist der Versicherten aus
wirtschaftlichen Gründen gekündigt worden (EL-act. 3). Auf Verlangen der EL-
Durchführungsstelle reichte die Versicherte den Entscheid des Kreisgerichts B._ vom
29. November 2007 sowie den Nachweis der persönlichen Arbeitsbemühungen für
Oktober bis Dezember 2007 ein. Aus dem Gerichtsentscheid geht hervor, dass die
Eheleute seit 1. September 2007 getrennt wohnen und der Ehemann ab 1. September
2007 an den Unterhalt des gemeinsamen Sohnes Fr. 650.-- und an den Unterhalt der
Versicherten Fr. 475.-- zu bezahlen hat (EL-act. 6). Mit Verfügung vom 21. Februar
2008 sprach die EL-Durchführungsstelle der Versicherten ab November 2007
ordentliche EL in der Höhe von Fr. 320.-- zu. Gleichentags verfügte sie die Zusprache
von EL in der Höhe von 327.-- ab 1. Januar 2008. Dabei verzichtete sie auf die
Anrechnung eines hypothetischen Einkommens (EL-act. 12).
A.b Die Versicherte reichte der EL-Durchführungsstelle mit Posteingang vom 10. April
2008 weitere Nachweise persönlicher Arbeitsbemühungen von Januar bis März 2008
sowie die Mitteilung des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) vom 1. April
2008 ein, wonach die Versicherte am 1. April 2008 von der Arbeitsvermittlung
abgemeldet worden sei (EL-act. 13).
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A.c Mit Verfügung vom 6. Mai 2008 stellte die EL-Durchführungsstelle mit Wirkung ab
1. Mai 2008 die EL ein. Sie führte aus, gemäss ihrer Berechnung würden die
Einnahmen von Fr. 43'804.-- die Ausgaben von Fr. 42'584.-- um Fr. 1'220.--
übersteigen, weshalb sie keinen Anspruch auf EL mehr habe. Ihr sei ein hypothetisches
Einkommen von Fr 18'140.-- gemäss ihrer Erwerbsfähigkeit angerechnet worden (EL-
act. 14). Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte am 21. Mai 2008 Einsprache.
Sie gab an, sie habe bis 31. März 2008 ordnungsgemäss gestempelt und
Arbeitslosengeld erhalten. Da sie ausgesteuert sei, habe sie sich auf Grund des
Gesprächs beim RAV abgemeldet. Sie suche nach wie vor eine 50%ige Arbeit. Ihre
Arbeitsbemühungen für den Monat April und Mai 2008 seien in der Beilage. Sie habe
sich wieder beim RAV angemeldet. Aus diesem Grund bitte sie, das hypothetische
Einkommen in der Berechnung nicht hinzuzurechnen (EL-act. 18).
A.d Die Versicherte reichte mit Posteingang vom 14. Juli 2008 weitere Nachweise für
Arbeitsbemühungen für April bis Juni sowie Absageschreiben ein (EL-act. 22 und 23).
Weiter liess sie mit Posteingang vom 30. Juli 2008 der EL-Durchführungsstelle einen
befristeten Arbeitsvertrag für den Zeitraum 22. Juli bis 16. August 2008 zukommen (EL-
act. 24).
A.e Am 9. Oktober 2008 stellten die Sozialen Dienste C._ der EL-Durchführungsstelle
das Gesuch um Revision infolge veränderter wirtschaftlicher Verhältnisse. Sie führte
aus, bisher seien die Unterhaltsbeiträge für die Versicherte und ihren Sohn direkt von
der Arbeitslosenkasse an die Inkassostelle C._ überwiesen worden. Auf Ende Juli sei
der Unterhaltspflichtige bei der Arbeitslosenversicherung ausgesteuert worden. Seither
sei er seinen Unterhaltspflichten nicht mehr nachgekommen. Die Versicherte habe
deshalb mit Gesuch vom 25. Juli 2008 die Bevorschussung von Unterhaltsbeiträgen für
ihren Sohn beantragt. Seit 1. September 2008 werde die Versicherte mit Fr. 650.-- pro
Monat bevorschusst. Zudem werde um Berücksichtigung des Umstands ersucht, dass
die Versicherte infolge Aussteuerung ihres Ehemannes bei der
Arbeitslosenversicherung ab September 2008 eine Einkommenseinbusse von Fr. 645.--
hinnehmen müsse, was in der Berechnung der EL zu berücksichtigen sei. Aus den
beiliegenden Unterlagen sei ersichtlich, dass es der Versicherten trotz intensiver Suche
nicht gelungen sei, einen Arbeitsplatz zu finden, der ihren Einschränkungen gerecht
werde. So sei sie letzte Woche zum Probeputzen gewesen. Die Stelle sei jedoch an
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eine gesundheitlich weniger eingeschränkte Bewerberin vergeben worden. Diese
Gründe seien bei der Anrechnung eines hypothetischen Einkommens zu wenig
berücksichtigt worden (EL-act. 25).
A.f Mit Posteingang vom 29. Oktober 2008 erhielt die EL-Durchführungsstelle weitere
Nachweise für Stellenbewerbungen für den Monat September und Oktober 2008.
Ebenfalls lagen die Lohnabrechnungen für Juli und August 2008 über Fr. 449.75 und
Fr. 644.55 bei (EL-act. 28 und 29). Die Versicherte stellte mit Posteingang vom
3. Dezember 2008 die Nachweise für Bewerbungsbemühungen für den Monat
November 2008 sowie die Lohnabrechnung September 2008 über Fr. 279.80 zu (EL-
act. 30).
A.g Die EL-Durchführungsstelle wies mit Einspracheentscheid vom 19. Juni 2009 die
Einsprache der Versicherten ab. Sie gab an, die angefochtene Verfügung regle die
Verhältnisse ab 1. Mai 2008, indem sie die EL an die Veränderung durch das Erlöschen
des ALV-Anspruchs anpasse. Seit Erlass dieser Verfügung seien nicht nur neue
Beweise beigebracht worden, sondern es seien auch weitere Veränderungen,
insbesondere die verschärfte Problematik um die ausbleibenden Unterhaltsbeiträge
geltend gemacht worden. Zudem werde gegenwärtig der IV-Anspruch der Versicherten
überprüft. Über diese Veränderungen sei noch nicht verfügt worden, weshalb sie nicht
Gegenstand des vorliegenden Verfahrens seien. Dies würde sonst eine Verkürzung des
Rechtsmittelweges bedeuten. Die Versicherte habe bis April 2008 nur Belege für
mündliche Blindbewerbungen eingereicht, die überdies auch zahlenmässig
ungenügend seien. Im Oktober 2007 habe sich die Versicherte sechs mal, im
November 2007 sieben mal und im Dezember 2007 acht mal beworben. Im Januar
2008 lägen Belege für neun, im Februar 2008 für sechs, im März 2008 für sechs und im
April 2008 für acht Bewerbungen vor. Erstmals im Mai und Juni 2008 fänden sich
schriftliche Bewerbungen und eine Verbesserung lasse sich auch bei der Anzahl der
Bemühungen erkennen: Im Mai 2008 neun schriftliche und neun mündliche
Bewerbungen, im Juni 2008 fünf schriftliche und acht mündliche Bewerbungen. Da
sich die Versicherte nur dreimal auf Inserate hin beworben habe und sich die
Verbesserung auf die genannten beiden Monate beschränkt habe, könne die
Vermutung der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit nicht umgestossen werden. Ohne
Weiteres seien in diesem Zeitpunkt genügend Stellenangebote vorhanden gewesen.
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Insbesondere in den Online-Portalen seien zahlreiche zumutbare Arbeitsstellen
angeboten worden. Es wäre von der Versicherten zu erwarten gewesen, dass sie auch
diesen Kanal benütze, um Arbeit zu finden. Damit sei die angefochtene Verfügung unter
Abweisung der Einsprache zu bestätigen. Über die späteren Veränderungen werde
separat verfügt (EL-act. 36). Auf diesem Entscheid ist als interne Notiz vermerkt, dass
die Eingabe vom 8. Oktober 2008 als Neuanmeldung zu behandeln sei.
B.
B.a Gegen diesen Entscheid lässt die Versicherte am 17. Juli 2009 Beschwerde führen.
Sie beantragt die Aufhebung des Einspracheentscheids vom 19. Juni 2009 und die
Neuberechnung des EL-Anspruchs ohne Berücksichtigung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens beziehungsweise die Rückweisung an die Beschwerdegegnerin
zur Neuberechnung. Weiter ersucht sie um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung. Sie führt aus, das im November 2008 eröffnete IV-
Revisionsverfahren sei am 18. Februar 2009 mit der Mitteilung beendet worden, der
Rentenanspruch bestehe unverändert weiter (G act. 1.4). Weiter gibt sie an, sie habe
sich seit Eintritt der Arbeitslosigkeit im November 2007 durchgehend um Arbeit
bemüht. Bei der EL-Zusprache vom 21. Februar 2008 rückwirkend auf 1. November
2007 habe die Beschwerdegegnerin auf die Anrechnung eines hypothetischen
Einkommens verzichtet; sie habe die Arbeitsbemühungen der Beschwerdeführerin also
quantitativ und qualitativ als ausreichend betrachtet. Ohne dass sich das
Bewerbungsverhalten der Beschwerdeführerin geändert habe, habe die
Beschwerdegegnerin ihr nach der Aussteuerung bei der Arbeitslosenversicherung ab
1. Mai 2008 ohne Vorwarnung und vorgängige Abmahnung ein hypothetisches
Einkommen angerechnet und die EL eingestellt. Mit diesem Vorgehen habe die
Beschwerdegegnerin gegen Art. 21. Abs. 4 ATSG verstossen. Sodann seien die
Arbeitsbemühungen zu Unrecht als unzureichend qualifiziert worden. Die
Arbeitsbemühungen hätten nämlich teilweise zum Erfolg geführt, indem die
Beschwerdeführerin am 22. Juli 2008 einen befristeten Arbeitsvertrag habe
abschliessen können, der sogar verlängert worden sei. Das spreche für eine motivierte
und gut arbeitende Beschwerdeführerin. Für die Monate Juli, August und September
2008 sei das effektiv erzielte Einkommen anzurechnen. Die Beschwerdeführerin habe
bereits im September 2008 wieder intensiv mit der Arbeitssuche begonnen. Die je acht
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schriftlichen Bewerbungen für Oktober und November 2008 seien ausreichend. Die
Beschwerdeführerin könne sich nicht häufiger auf Inserate bewerben, weil Hilfsarbeiten
praktisch nie per Inserat ausgeschrieben würden. Die Beschwerdeführerin sei deshalb
ihrer Schadenminderungspflicht ausreichend nachgekommen. Selbst wenn dies nicht
ausreichend gewesen wäre, hätte dies von der Beschwerdegegnerin abgemahnt
werden müssen. Die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens ab Mai 2008 sei
deshalb klar rechtswidrig. Sodann habe es die Beschwerdegegnerin unterlassen, für
den Monat April 2008 den EL-Anspruch neu zu berechnen, obwohl die ALV-Taggelder
weggefallen seien (G act. 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in ihrer Beschwerdeantwort vom 29. Oktober
2009 die Abweisung der Beschwerde. Sie führt aus, weil das hypothetische
Einkommen einer EL-Bezügerin zur Diskussion stehe sei nicht Art. 21 ATSG, sondern
Art. 14a ELV anwendbar. Sie verweist dazu auf einen kürzlich ergangenen Entscheid
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 13. August 2009 (EL 2008/47).
Letztere Bestimmung stelle die gesetzliche Vermutung auf, dass Teilinvalide in der
Lage seien, ein definiertes minimales Einkommen zu erzielen. Eine EL-spezifische
Schadenminderungspflicht müsse daher nicht abgemahnt werden. Die Bewerbungen
vom Mai und Juni 2008 seien nicht geeignet gewesen, die Arbeitslosigkeit auf den
1. Mai 2008 zu beeinflussen. Folglich könne auch die Vermutung nicht umgestossen
werden, die Arbeitslosigkeit zum damaligen Zeitpunkt sei selbstverschuldet gewesen.
Die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens auf den 1. Mai 2008 sei somit
rechtens. Schliesslich würde eine Neuberechnung für April 2008 bewirken, dass die EL
bereits ab April 2008 hätte eingestellt werden müssen (G act. 3).
B.c In der Replik vom 12. November 2009 hält die Beschwerdeführerin an ihren
Anträgen fest. Sie ergänzt, dass der erwähnte Entscheid (noch) nicht im Internet
publiziert sei und in einem früheren Entscheid eine andere Praxis vertreten worden sei
(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 28. Mai 2009 [EL
2008/55]). Ob das Gericht eine Praxisänderung vorgenommen habe, könne noch nicht
abgeschätzt werden. Selbst wenn man davon ausgehen würde, das Mahn- und
Bedenkzeitverfahren des Art. 21 Abs. 4 ATSG gelange vorliegend nicht zur
Anwendung, sei die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens für die
Beschwerdeführerin nicht rechtens. Die Akten belegten, dass die Beschwerdeführerin
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ihrer grundsätzlichen Pflicht zur Stellensuche sehr wohl nachgekommen sei und sie
sich ausreichend um Arbeit bemüht habe. Entgegen der Darstellung der
Beschwerdegegnerin habe sie sich auch nach Abmeldung vom RAV auf 1. April 2008
weiter beworben: Für April 2008 habe sie bereits in der Einsprache vom 21. Mai 2008
acht Arbeitsbemühungen belegt. Im Mai 2008 seien 16 Bewerbungen erfolgt. Dies sei
ohne Zweifel ausreichend. Bereits das in Art. 29 Abs. 2 BV verankerte rechtliche Gehör
hätte es notwendig gemacht, der Beschwerdeführerin vor der Einstellung der EL infolge
Anrechnung eines hypothetischen Einkommens mitzuteilen, dass man ihre
Arbeitsbemühungen nicht als ausreichend erachtet habe. Obwohl ausgesteuert sei die
Beschwerdeführerin weiterhin beim RAV angemeldet. Das RAV erachte ihre
Stellenbemühungen als genügend. Dass die Beschwerdegegnerin höhere
Anforderungen stellen wolle, sei weder verständlich noch gerechtfertigt (G act. 5).
B.d Am 19. November 2009 verzichtet die Beschwerdegegnerin sinngemäss auf eine
Duplik (G act. 7).

Erwägungen:
1.
1.1 Auf 1. Januar 2008 ist das neue Bundesgesetz über Ergänzungsleistungen zur
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG; SR 831.30) in Kraft getreten.
Das neue ELG ersetzt dasjenige Gesetz vom 19. März 1965 in der bis 31. Dezember
2007 gültig gewesenen Fassung. In Bezug auf die vorliegend umstrittene Frage der
Anrechnung eines hypothetischen Einkommens hat sich die Rechtslage materiell nicht
geändert.
1.2 Die jährliche EL entspricht dem Betrag, um den die anerkannten Ausgaben die
anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 ELG; Art. 3a Abs. 1 aELG). Die
anerkannten Ausgaben und die anrechenbaren Einnahmen, worin in bestimmtem
Umfang auch das Vermögen einbezogen ist, werden nach den in Art. 10 und 11 ELG
(Art. 3b und 3c aELG) sowie Art. 11 bis 18 der Verordnung über die
Ergänzungsleistungen zur AHV und IV (ELV; SR 831.301) festgelegten Bestimmungen
ermittelt. Als Einnahmen anzurechnen sind nach Art. 11 Abs. 1 ELG (Art. 3c Abs. 1
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aELG) unter anderem Einkünfte, auf die verzichtet worden ist (lit. g). Eine
Verzichtshandlung liegt vor, wenn die versicherte Person ohne rechtliche Verpflichtung
auf Vermögen verzichtet hat, wenn sie einen Rechtsanspruch auf bestimmte Einkünfte
und Vermögenswerte hat, davon aber faktisch nicht Gebrauch macht bzw. ihre Rechte
nicht durchsetzt oder wenn sie aus von ihr zu verantwortenden Gründen von der
Ausübung einer möglichen und zumutbaren Erwerbstätigkeit absieht (Urteil des
Bundesgerichts vom 9. Juli 2002 [P 18/02]; BGE 121 V 205 E. 4a; AHI 2001 S. 133
E. 1b).
1.3 Art. 14a Abs. 2 lit. b ELV bestimmt, dass bei Teilinvaliden das Einkommen aus
einer zumutbaren Erwerbstätigkeit als Erwerbseinkommen anzurechnen ist, wobei als
anrechenbares Mindesteinkommen für noch nicht sechzigjährige Versicherte bei einem
Invaliditätsgrad von 50 bis unter 60% der Höchstbetrag für den Lebensbedarf von
Alleinstehenden nach Art. 10 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 ELG gilt. Nach der Rechtsprechung
kann grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass es dem teilinvaliden Versicherten
vermutungsweise möglich und zumutbar ist, im Rahmen seines von den Organen der
Invalidenversicherung festgestellten verbliebenen Leistungsvermögens die in Art. 14a
ELV festgelegten Grenzbeträge zu erreichen. Dies hat eine Umkehr der Beweislast zur
Folge, indem bei unbewiesen gebliebener Unmöglichkeit, dieses Arbeitsvermögen zu
verwerten, das dem Invaliditätsgrad des Versicherten entsprechende
Erwerbseinkommen angerechnet wird (ZAK 1989 S. 568 E. 3c). Die gesetzliche
Vermutung kann durch den Beweis des Gegenteils umgestossen werden, indem der
Ansprecher auch Umstände geltend machen kann, die bei der Bemessung der
Invalidität ohne Bedeutung waren, ihm jedoch verunmöglichen, seine theoretische
Restarbeitsfähigkeit wirtschaftlich zu nutzen (BGE 117 V 153 E. 2c mit Hinweisen).
Ernsthafte, aber erfolglose Bewerbungen sind nicht nur Indizien, die die natürliche
Vermutung für die Verwertbarkeit der Erwerbsfähigkeit widerlegen, sondern sie sind
auch Ausdruck der (insbesondere in Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG zum Ausdruck
kommenden) Pflicht, soweit als möglich aus eigener Kraft den Existenzbedarf zu
bestreiten. Die nicht widerlegte Vermutung für die Verwertbarkeit der Erwerbsfähigkeit
bewirkt auf der anderen Seite eine Vermutung für die Verletzung der Pflicht zur
selbstverantwortlichen Finanzierung des Existenzbedarfs und damit für den gemäss
Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG relevanten Verzicht auf die Erzielung eines
Erwerbseinkommens (vgl. die Entscheide des Versicherungsgerichts des Kantons
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St. Gallen EL 2007/14 vom 14. Juni 2007, E. 3 f., und EL 2007/21 vom 8. November
2007, E. 2).
1.4 Im Weiteren ist nach Art. 25 Abs. 1 lit. c in Verbindung mit Abs. 2 lit. b ELV die
jährliche EL bei jeder Erhöhung oder Verminderung der vom ELG anerkannten
Ausgaben und anrechenbaren Einnahmen zu erhöhen, herabzusetzen oder
aufzuheben. Bei Herabsetzung einer laufenden EL infolge Anwendung eines
Mindesteinkommens nach Art. 14a Abs. 2 und 14b ELV wird diese nach Art. 25 Abs. 4
ELV erst sechs Monate nach der Zustellung der entsprechenden Verfügung wirksam.
2.
2.1 Im vorliegenden Fall hat die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 6. Mai 2008
mit Wirkung ab 1. Mai 2008 die EL aufgehoben, weil der Beschwerdeführerin ein
hypothetisches Einkommen angerechnet worden war. In zeitlicher Hinsicht ist dabei
der Sachverhalt relevant, wie er sich bis zum Erlass des angefochtenen
Einspracheentscheids vom 19. Juni 2009 zugetragen hat (BGE 129 V 167 E. 1). Die
Sachverhaltsveränderung ab September 2008 wird die Beschwerdegegnerin
unabhängig vom Gerichtsurteil zu prüfen haben. Wie aus dem Berechnungsblatt zur
Verfügung vom 6. Mai 2008 hervorgeht, ist jedoch auch der Wegfall der ALV-
Leistungen als Ersatzeinkommen auf Ende März 2008 berücksichtigt worden, was
unstreitig ist. Damit liegen zwei verschiedene Revisionstatbestände vor. Dies ist aus
der Begründung der Verfügung nicht ersichtlich, weshalb die Verfügung diesbezüglich
mangelhaft ist (vgl. zur Begründungspflicht: Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 5. Auflage, Rz 1706). Die Verletzung kann im vorliegenden Verfahren
jedoch geheilt werden.
2.2 Der Wegfall der ALV-Taggelder verlangt eine Anpassung nach Art. 25 Abs. 2 lit. b
ELV auf den Beginn des Monats, indem die Änderung gemeldet wurde, frühestens aber
des Monats, indem diese eingetreten ist. Die Beschwerdeführerin hat den Wegfall der
Arbeitslosenversicherungsleistung am 10. April 2008 gemeldet (EL-act. 13).
Demgemäss ist der EL-Anspruch ab 1. April 2008 (Revisionszeitpunkt) neu zu
berechnen, weshalb die Verfügung vom 6. Mai 2008 diesbezüglich abzuändern ist.
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2.3 Anders verhält es sich hingegen gemäss Wortlaut von Art. 25 Abs. 4 ELV mit der
Anrechnung eines hypothetischen Einkommens bei laufender EL. Hier wird eine
Einstellung erst sechs Monate nach Zustellung der Verfügung wirksam (vgl. auch Rz.
2084.6 der Wegleitung über die EL zu AHV und IV [WEL]). Anwendungsfälle dieser
Bestimmung sind insbesondere IV-Rentenkürzungen, die neu die Möglichkeit einer
Verwertung der Teilerwerbsfähigkeit bieten (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom
25. Oktober 2006 i/S. G. [P 43/05], vom 2. Mai 2007 i/S. S. und M. [P 3/07] sowie vom
8. Juni 2009 i/S. R. [8C_574/2009]). Mit der sechsmonatigen Frist vor Eintreten der
Wirksamkeit der Kürzungsverfügung soll dem Versicherten ermöglicht werden, sich auf
die neue Situation einzustellen und nach einer Erwerbstätigkeit Umschau zu halten.
(ZAK 1987 S. 546). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung regelt Art. 25 Abs. 4
den Zeitraum abschliessend, innerhalb dessen von der versicherten Person verlangt
werden kann, dass sie ihr verbliebenes Arbeitsvermögen verwertet. Eine versicherte
Person kann sich deshalb nicht darauf berufen, dass ihr während eines hängigen IV-
Revisionsverfahrens der Nachweis ausreichender Arbeitsbemühungen nicht zumutbar
wäre, weil damit dem Grundsatz der Schadenminderungspflicht der versicherten
Person widersprochen würde (vgl. oben genanntes Urteil vom 2. Mai 2007 [P3/07] E.
4.2.3). Daraus folgt, dass die Frist längstens sechs Monate dauert. Nach wörtlicher
Auslegung von Art. 25 Abs. 4 ELV hätte die Beschwerdegegnerin die Einstellung der EL
also erst nach Ablauf der sechs Monate nach Eingang der Verfügung vom 6. Mai 2008
auf 1. Dezember 2008 wirksam werden lassen können. Indessen passt der
Regelungsgehalt von Art. 25 Abs. 4 ELV auf den vorliegenden Fall nicht wirklich zu. Die
Beschwerdeführerin war bereits auf Grund des Bezugs von ALV-Taggeldern mit dem
Nachweis ausreichender Arbeitsbemühungen besorgt. An ihrer Arbeitslosigkeit hat sich
im April 2008 nichts geändert, so dass sie sich betreffend EL auch nicht auf eine neue
Situation hätte einstellen müssen, die eine Anpassungsfrist von sechs Monaten bedürft
hätte. In diesem Fall könnte die Frage gestellt werden, ob in Anwendung einer
teleologischen Reduktion auf diese Frist nicht verzichtet werden könnte. Diese Frage
kann jedoch offen bleiben, weil die Verfügung vom 6. Mai 2008 auch aus materiellen
Gründen aufzuheben ist.
3.
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3.1 Aus den Akten ist ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin auf Verlangen der
Beschwerdegegnerin ihre persönlichen Arbeitsbemühungen für Oktober bis Dezember
2007 eingereicht hat. Diese Bewerbungen umfassen sechs mündliche
Blindbewerbungen im Oktober 2007, sieben im November 2007 und acht mündliche
Blindbewerbungen im Dezember 2007 (EL-act. 6). Gestützt auf diese Unterlagen hat
die Beschwerdegegnerin kein hypothetisches Einkommen angerechnet und der
Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 21. Februar 2008 EL ab November 2007
zugesprochen. Gemäss der Verwaltungspraxis in der Arbeitslosenversicherung werden
regelmässig zehn bis zwölf Bewerbungen pro Monat verlangt, wobei es jedoch auf die
Umstände des Einzelfalles ankommt (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts vom
22. Februar 2007 i/S. G [C 16/07] E. 2 mit Hinweis). Grundsätzlich könnten in Kenntnis
dieser Praxis die Arbeitsbemühungen der Beschwerdeführerin als nicht ausreichend
bezeichnet werden. Das zuständige RAV hat die Bemühungen der Beschwerdeführerin
hingegen als ausreichend betrachtet und ihr ALV-Taggelder zugesprochen (EL-act. 3).
Ebenso ist der Beschwerdeführerin in Kenntnis dieser Anzahl und der Art von
Bewerbungen eine EL ab November 2007 zugesprochen worden (EL-act. 12). Unter
diesen Umständen durfte die Beschwerdeführerin darauf vertrauen, dass ihre
Arbeitsbemühungen für die Erhaltung ihres weiteren EL-Anspruchs ausreichend seien.
Sie hat gemäss ihrer Schadenminderungspflicht im bisherigen Umfang
Bewerbungsbemühungen nachgewiesen, auch nachdem sie ab April 2008 keine
weiteren ALV-Taggelder mehr erhalten hat (EL-act. 13, 18, 23 und 23). Es ist nicht
einsehbar, weshalb, was vorher gegolten hat, nicht weiter gelten sollte. Die
Arbeitsbemühungen sind somit als ausreichend zu betrachten. Bis zum Erlass des
Einspracheentscheids ist ihr deshalb kein hypothetisches Einkommen anzurechnen.
3.2 Was die Beschwerdegegnerin dagegen vorbringt, überzeugt nicht. Zwar können
Anforderungen an Arbeitsbemühungen ändern. Wie aus dem Einspracheentscheid vom
19. Juni 2009 hervorgeht, verlangt die Beschwerdegegnerin neu mehr als zehn
Bewerbungen und insbesondere schriftliche Bewerbungen gestützt auf Inserate.
Solche Bewerbungen hat die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen bis Ende April
2008 nicht in einer grossen Zahl ausgewiesen. Ohne vorgängige Gewährung des
rechtlichen Gehörs ist eine solche Abweichung von den bisherig gestellten
Anforderungen nicht zulässig (BGE 117 V 153 E. 3b; ebenso bei
Rückforderungsverfügungen von EL vgl. etwa Urteil des Bundesgericht vom 4. Mai
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2004 i/S. R [P 38/02]). Sodann ist der von der Beschwerdegegnerin zitierte Entscheid
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 13. August 2009 (EL 2008/47)
vorliegend nicht massgebend. Der zitierte Entscheid betraf die Prüfung ausreichender
Arbeitsbemühungen VOR Zusprache einer EL. Hier ist der Beschwerdeführerin jedoch
bereits EL zugesprochen worden, bevor man sich auf Art. 14a Abs. 2 ELV berufen hat.
Die Einstellung der EL hat deshalb eine Belastung der Beschwerdeführerin zur Folge.
Deshalb ist ihr in einem solchen Fall vorgängig das rechtliche Gehör in Form der
Abmahnung der Schadenminderungspflicht zu gewähren. Wenn noch kein Anspruch
auf EL entstanden ist, hat die Abweisung eines EL-Gesuchs dagegen keine Belastung
zur Folge. Deshalb können diese Fälle nicht analog behandelt werden, weshalb auch
keine Praxisänderung des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen betreffend die
Abmahnungspflicht vorliegt.
3.3 Daraus folgt, dass die Beschwerdegegnerin das rechtliche Gehör verletzt hat,
indem sie ihre Abmahnungspflicht nach Art. 21 Abs. 4 ATSG verletzt hat. Weil die
Beschwerdeführerin auf die Durchführung eines formell korrekten Verfahrens verzichtet
und die Rückweisung zur Neuberechnung beantragt hat, kann die Verletzung des
rechtlichen Gehörs ausnahmsweise geheilt werden. Indessen hat die Verletzung die
Nichtanrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens bis zum Erlass des
Einspracheentscheids zur Folge, was - wie die vorstehenden Erwägungen zeigen -
auch nach materieller Prüfung gerechtfertigt ist.
4.
Erst ab Erhalt des Einspracheentscheids erlangte die Beschwerdeführerin Kenntnis von
den (neuen) Anforderungen an ihre Arbeitsbemühungen. Es steht der
Beschwerdegegnerin frei, die Bewerbungen ab jenem Zeitpunkt erneut zu überprüfen
und bei mangelhafter Quantität und Qualität derselben die Anrechnung eines
hypothetischen Einkommens zu erwägen.
5.
5.1 Die Beschwerde ist unter Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids
vom 19. Juni 2009 in dem Sinn gutzuheissen, dass der EL-Anspruch der
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Beschwerdeführerin ab 1. April 2008 ohne Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens zu erfolgen hat. Die Sache ist zur entsprechenden
Neuberechnung und Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Dabei
ist für den EL-Anspruch Juli bis August 2008 das erzielte Einkommen zu
berücksichtigen (EL-act. 28, 29 und 30). Ab September 2008 ist sodann die veränderte
Unterhaltssituation zu prüfen (EL-act 25).
5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
5.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Angemessen erscheint
eine Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer). Bei diesem Verfahrensausgang wird das Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung gegenstandslos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53