Decision ID: fa25567b-833e-47de-9e7c-b0d4498aa56a
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache Vergewaltigung etc. (Rückweisung der strafrechtlichen Abteilung des Schweiz. Bundesgerichts)
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon vom 15. Oktober 2012 (DG120021)
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung - Einzelgericht, vom 19. März 2013 (GG120333)
Urteil der I. Strafkammer des Obergerichtes des Kantons Zürich vom 26. August 2013 (SB130134)
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Urteil der I. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Zürich vom 26. August 2013 (SB130221)
Urteile der strafrechtlichen Abteilung des Schweiz. Bundesgerichts vom 24. Februar 2014 (6B_983/2013 und 6B_995/2013)
Anklage:
Die Anklageschriften der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
29. Mai 2012 (Prozess Nr. SB130134, Urk. 41) und vom 14. Dezember 2012
(Prozess Nr. SB130221, Urk. 16) sind diesem Urteil beigeheftet.
Urteil des Bezirksgerichts Dietikon vom 15. Oktober 2012: (Urk. 2/83 S. 40 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist einer strafbaren Handlung nicht schuldig und wird frei-
gesprochen.
2. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die übrigen Kosten werden auf
die Gerichtskasse genommen. Über die Höhe der Kosten der amtlichen
Verteidigung wird mit separatem Beschluss entschieden.
3. Dem Beschuldigten werden Fr. 6'375.– als Schadenersatz aus der Gerichts-
kasse zugesprochen.
4. Dem Beschuldigten wird für die zu Unrecht erlittene Haft eine Genugtuung
von Fr. 38'200.– aus der Gerichtskasse zugesprochen.
5. Nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids werden die folgenden
anlässlich der Hausdurchsuchung vom 29. September 2011 sichergestellten
und bei der Bezirksgerichtskasse Dietikon lagernden Gegenstände an den
Beschuldigten herausgegeben:
− 1 Mobiltelefon, iPhone, weiss, mit Ladekabel;
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− 1 Mobiltelefon, Nokia, 6110 Navigator.
6. (Mitteilung)
7. (Rechtsmittel)"
Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 19. März 2013: (Urk. 181-C/48 S. 21 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1
StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu
Fr. 50.–, wovon bis und mit heute 22 Tagessätze als durch Haft geleistet
gelten.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
4. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin
B._ aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadener-
satzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadener-
satzanspruches wird die Privatklägerin B._ auf den Weg des Zivilpro-
zesses verwiesen.
5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ Fr. 1'000.–
zuzüglich 5 % Zins ab 20. Oktober 2012 als Genugtuung zu
bezahlen.
6. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
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Fr. 1'800.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'200.– Gebühr Strafuntersuchung
Fr. 1'412.– Untersuchungskosten
Fr. 6'581.75 amtliche Verteidigung
Fr. 4'340.95 unentgeltliche Vertretung Privatklägerin
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens sowie der
unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft werden dem Beschuldigten
auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden einstweilen auf die
Gerichtskasse genommen. Eine Nachforderung erfolgt, sobald es die wirt-
schaftlichen Verhältnisse des Beschuldigten erlauben.
8. (Mitteilung)
9. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 194 S. 1)
Die im Verfahren SB140098 erstandenen 22 Tage Untersuchungshaft sind
an die im Verfahren SB140099 auszufällende Freiheitsstrafe anzurechnen.
Unter anteilsmässigen Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der
Staatskasse.
a) Der Staatsanwaltschaft IV:
Es liegen keine Anträge vor.
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Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Zum Verfahrensgang bis und mit den obergerichtlichen Entscheiden SB130134 und SB130221 der hiesigen Kammer vom 26. August 2013 kann auf die Ausfüh-
rungen in den genannten Entscheiden (Urk. 2/117-B S. 4 f.; Urk. 181-C/81-B
S. 4 f.) sowie im bundesgerichtlichen Entscheid vom 24. Februar 2014 (Urk. 176
S. 2 f.) verwiesen werden.
Gegen die obergerichtlichen Entscheide vom 26. August 2013 erhob die Verteidi-
gung Beschwerde in Strafsachen ans Bundesgericht. Sie beantragte im Verfahren
SB130134 einen vollumfänglichen Freispruch. Im Verfahren SB130221 beantrag-
te sie, die beiden Verfahren seien zu vereinigen und die 22 Tage Haft seien an
die Freiheitsstrafe aus dem Urteil SB130134 anzurechnen. Das Bundesgericht
hiess die Beschwerde mit Urteil vom 24. Februar 2014 teilweise gut und wies die
Sache zur neuen Beurteilung an das Obergericht zurück (Urk. 176 S. 10 f.).
2. Mit Präsidialverfügung vom 10. März 2014 wurden die Verfahren SB140098 und SB140099 vereinigt und das Verfahren SB140098 als dadurch erledigt abge-
schrieben (Urk. 179). Mit Verfügung vom 20. März 2014 wurde dem Beschuldig-
ten der vorzeitige Strafantritt bewilligt und das schriftliche Verfahren angeordnet
(Urk. 187). Gleichzeitig wurde dem Beschuldigten Frist angesetzt, um seine Beru-
fung zu begründen (Urk. 187 S. 2). Mit Eingabe vom 22. April 2014 reichte die
Verteidigung innert erstreckter Frist ihre Berufungsbegründung ein (Urk. 194). Mit
Präsidialverfügung vom 23. April 2014 wurde die Eingabe der Verteidigung der
Staatsanwaltschaft zur freigestellten Stellungnahme zugestellt (Urk. 197). Die
Staatsanwaltschaft liess sich nicht vernehmen.
II. Rückweisung und Bindungswirkung; Umfang der Berufung
1. Das Bundesgericht hat die Beschwerde der Verteidigung teilweise . Das Urteil SB130134 vom 26. August 2013 wurde hinsichtlich Dispositiv-
ziffer 3 (Anrechnung der Untersuchungs- und Sicherheitshaft sowie des vorzeiti-
gen Strafvollzugs) und das Urteil SB130221 vom 26. August 2013 hinsichtlich
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Dispositivziffer 2 (Anrechnung der Haft) aufgehoben und zur neuen Beurteilung
an die Vorinstanz zurückgewiesen (Urk. 176 S. 11).
2. Prozessgegenstand bildet nach der Rückweisung durch das Bundesgericht somit einzig die Anrechnung von 22 Tagen Untersuchungshaft. Hinsichtlich der
weiteren Punkte erfolgte keine Korrektur des obergerichtlichen Entscheids.
3. Damit sind die Urteile des Obergerichts Zürich vom 26. August 2013 mit  der Anrechnung der Haft (SB130134 Disp. Ziff. 3; SB130221 Disp. Ziff. 2)
bereits in Rechtskraft erwachsen, was der Klarheit halber vorab vorzumerken ist.
III. Anrechnung der Haft
1. Die Verteidigung beantragte in ihrer Berufungsbegründung, die im Verfahren SB130221 erstandenen 22 Tage Untersuchungshaft seien an die im Verfahren
SB130134 ausgesprochene Freiheitsstrafe anzurechnen (Urk. 194 S. 2).
2. Gemäss Art. 51 StGB kann ausgestandene Untersuchungshaft in einem anderen Verfahren zur Anrechnung gelangen als jenem, in dem sie angeordnet
wurde. Zu entziehende Freiheit soll wenn immer möglich mit bereits entzogener
kompensiert werden. Die Untersuchungshaft als freiheitsentziehende Massnahme
während des Strafverfahrens ist daher immer zuerst an eine Freiheitsstrafe anzu-
rechnen (BGE 135 IV 126 E 1.3.6).
3. Der Beschuldigte hatte bis zum obergerichtlichen Entscheid vom 26. August 2013 im Verfahren SB130134 Haft im Umfang von 383 Tagen erstanden, im Ver-
fahren SB130221 im Umfang von 22 Tagen. Nach dem Gesagten ist folglich die
gesamte bis zu diesem Zeitpunkt erstandene Haft von 405 Tagen an die ausge-
sprochene Freiheitsstrafe anzurechnen. Seit dem 26. August 2013 befindet sich
der Beschuldigte sodann in Sicherheitshaft bzw. im vorzeitigen Strafvollzug. Auch
diese Dauer des Freiheitsentzugs ist in Anwendung von Art. 51 StGB an die aus-
gesprochene Freiheitsstrafe anzurechnen.
4. An die mit Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 26. August 2013 ausgefällte Freiheitsstrafe von 4 1⁄2 Jahren sind demnach 702 Tage Unter-
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suchungs- und Sicherheitshaft sowie vorzeitiger Strafvollzug bis und mit heute
anzurechnen.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Der Beschuldigte hat nicht zu vertreten, dass infolge Rückweisung des Bundes-
gerichts ein zweites Berufungsverfahren nötig wurde. Dementsprechend sind die
Kosten des vorliegenden Verfahrens, inklusive der Kosten der amtlichen Verteidi-
gung, auf die Gerichtskasse zu nehmen.