Decision ID: a0a4f4cb-ca46-532f-9fda-f9dfde7b0e8b
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 19
26, meldete sich am 2
4.
November 2009
, vertre
ten durch
Z._
,
zum Bezug von Zusatzleistungen zu ihrer Altersrente
an (
Urk.
20/1
,
Urk.
20/6
)
. Nach Eingang der Steuerausweise für die Jahre 2001
bis 2009 teilte die
Gemeinde Y._
der Versicherten mit, dass ein Vermögensverzicht anzurechnen sei (
Urk.
20/4-5) und wies mit Verfügung vom 3
1.
März 2011 das Gesuch um Ausrichtung von Zusatzleistungen ab, wobei sie einen Vermögensverzicht von
Fr.
261‘000.--
anrechnete (
Urk.
20/10).
1.2
Am
3.
September 2014 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungs
bezug an (
Urk.
20/13).
Nach Eingang der Steuerunterlagen (
Urk.
20/15-18) for
derte die
Gemeinde Y._
die Versicherte mit Schreiben vom
5.
Septem
ber 2014 und vom
3.
November 2014 auf, den Vermögensschwund zu belegen, ansonsten ihr Gesuch wiederum abzuweisen sein werde (
Urk.
20/19-20).
Mit Verfügung vom 1
7.
November 2014 verneinte sie einen Leistungsanspruch unter Berücksichtigung eines Vermögensverzichts von
Fr.
23
1
‘
000
.-- (
Urk.
20/21).
Ein weiteres Gesuch stellte der
am 1
5.
Oktober 2014
bestellte
Beistand der Versicherten am
5.
November 2014 (
Urk.
20/23)
, welches mit Verfügung vom 2
0.
Januar 2015 ebenfalls
unter Anrechnung eines Vermögensverzichts von Fr. 231‘000.--
abgewiesen wurde (
Urk.
20/27). Die dagegen erho
bene Ein
sprache vom 1
3.
Februar 2015 (
Urk. 20/34)
wies die
Gemeinde Y._
mit
Einspracheentscheid
vom
8.
April 2015 (
Urk.
20/36 =
Urk.
2) ab.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
8.
April 2015 (
Urk.
2) erhob die Versi
cherte am
8.
Mai 2015 Beschwerde und beantragte, dieser sei aufzuheben, und es sei die Sache zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen.
Mit
Gerichtsverfügung vom 2
8.
August 2015 wurden antrags
ge
mäss (vgl.
Urk.
1 S. 2) das Verfahren
bis zur rechtskräftigen Erledigung der
gegen
Z._
hängigen Straf- und Betreibungsv
erfahren
sistiert un
d
die unentgeltliche Rechtsvertretung bewilligt (
Urk.
12). Am
3
0.
Novem
ber 2016
wurde die Sistierung
antragsgemäss (
Urk.
15)
aufgeho
ben (
Urk.
17). Die
am 1
9.
Januar
2017 erstattete Beschwerdeantwort (
Urk.
19) wurde am 3
1.
Janu
ar 2017 der Beschwerdeführerin zur Kenntnisnahme zu
gestellt (
Urk.
21
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Bund und die Kantone gewähren Personen, welche die gesetzlichen Vor
aus
setzungen nach Art. 4-6 des Bundesgesetzes über die Ergänzungs
leis
tung
en zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) er
füllen, Zusatzleis
tungen zur Deckung ihres Existenzbedarfs (Art. 2 Abs. 1 ELG; §§ 1, 13, 15 und 20 Abs. 1 des Gesetzes des Kantons Zürich über die Zusatzleis
tungen zur
eidgenössischen
Al
ters
, Hinterlassenen- und Invali
denver
siche
rung, ZLG).
1.2
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die aner
kann
ten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 ELG).
1.3
Die anrechenbaren Einnahmen werden nach Art. 11 ELG ermittelt. Als Ein
kom
men anzurechnen sind danach unter anderem auch Einkünfte und Ver
mögens
werte, auf die verzichtet worden ist (Art. 11 Abs. 1
lit
. g ELG).
Eine Verzichtshandlung liegt vor, wenn die leistungsansprechende Person ohne
rechtliche Verpflichtung oder ohne adäquate Gegenleistung auf Ein
künfte oder Vermögen verzichtet hat (BGE 131 V 329 E. 4.2 ff. mit Hin
weisen). Wenn diese Voraussetzungen für die Annahme eines Verzichts nicht vor
liegen, hat
eine Vermögensanrechnung selbst dann nicht zu erfolgen, wenn die leistungsanspre
chende Person vor der Anmeldung zum Bezug der Ergänzungsleistungen über ihre Verhältnisse gelebt haben könnte. Das Er
gänzungsleistungssystem bietet keine gesetzliche Handhabe dafür, eine wie auch immer geartete „Lebensfüh
rungskontrolle" vorzunehmen und danach zu fragen, ob ein Gesuchsteller in der Vergangenheit im Rahmen einer „Norma
li
tätsgrenze" gelebt hat, die im Übrigen erst noch näher umschrieben werden müsste. Vielmehr haben die Ergänzungs
leistungsbehörden von den tatsächli
chen Verhältnissen auszugehen, dass ein Gesuchsteller nicht über die not
wendigen Mittel zur angemessenen Deckung des Existenzbedarfs verfügt, und nicht danach zu fragen, warum dem so ist (BGE 121 V 204 E. 4b mit Hinweisen).
1.4
Dass eine Vermögenshingabe gegen eine adäquate Gegenleistung oder auf
grund einer Rechtspflicht erfolgt ist, ist als anspruchsbegründende Tatsache von der leistungsansprechenden Person zu beweisen, wobei der Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit massgebend ist und sie die Folgen allfälliger Be
weislosigkeit zu tragen hat, und zwar in dem Sinne, dass sie sich das angeblich entäusserte Vermögen sowie den darauf entfallenden Ertrag (vgl. Art. 11 Abs. 1
lit
. b ELG) anrechnen lassen muss (BGE 121 V 204 E. 6a; AHI 1995 S. 167 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts P 38/06 vom 11. Oktober 2007 E. 3.3.1).
1.5
Gemäss Art. 17a der Verordnung über die Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELV) wird der anzurechnende Be
trag von Vermögenswerten, auf die verzichtet worden ist (Art. 11 Abs. 1
lit
. g ELG), jährlich um Fr. 10'000.-- vermindert (Abs. 1). Der Wert des Ver
mögens im Zeitpunkt des Verzichts ist unverändert auf den 1. Januar des Jahres, das auf den Verzicht folgt, zu übertragen und dann jeweils nach einem Jahr zu vermin
dern (Abs. 2). Für die Berechnung der jährlichen
Er
gänz
ungsleistung ist der verminderte Betrag am 1. Januar des Bezugsjahres mass
gebend (Abs. 3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging aufgrund der Akten davon aus, dass trotz entsprechender Aufforderung keinerlei plausible Begründungen zum Ver
mögens
verzicht beigebracht worden seien, weshalb dieser in der Höhe von
Fr.
231‘000.-- anzurechnen sei.
Auch
seien keine Belege über die
Unein
bring
lichkeit
des Darlehens beigebracht worden (
Urk.
2).
Weitere Abklärun
gen seien nicht erforderlich. Zudem sei vor rechtskräftiger Erledigung des Strafverfahrens nicht auf den Entscheid zurückzukommen (
Urk.
19).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte geltend, dass der hier in Frage stehende Ver
mögensschwund darauf zurückzuführen sei, dass vorab in den Jahren 2006 und 2007 Vermögenswerte
ohne ihre Kenntnis
an
Z._
gegangen seien. Der Grund für die Geldhingaben und Bezüge seitens
Z._
sei unklar. Ungeklärt sei auch, in welchem Ausmass er die ihm so zugeflos
se
nen Gelder zu ihren Gunsten verwendet habe. Es bestehe die Vermutung, dass ihm gegenüber jedenfalls eine noch
Fr.
100‘000
.--
übersteigende For
de
rung bestehe. Im Einzelnen sei ihr aus dem Testament ihres verstorbenen Lebenspartners
A._
, mit dem sie etwa 30 Jahre zusammengelebt habe, ein Betrag von etwa
Fr.
300‘000
.--
zugeflossen.
Z._
- bei ihm
handle
es sich um den im Testament nicht erwähnten Adoptivsohn des Erblassers - sei im Jahre 2006 wieder aufgetaucht und habe ihr erklärt,
dass
er
Fr.
100‘000
.--
für seine Scheidung
benötige
und dass er sie liebe. Er habe sich dann um alle
ihre
Bankkonti
gekümmert, und sie habe ihm
laufend ihre
Rechnungen geschickt
(
Urk.
1).
Die Beschwerdeführerin
legte
nach Aufhebung der Sistierung
dar
, dass die Betreibung gegen
Z._
aus dem Darlehen zu einem Erlös von
Fr.
6‘744.70 geführt
habe. Im Restbetrag des Darlehens einschliesslich Ver
zugszinsen von
Fr.
168‘149.60 sei ein Verlustschein ausgestellt worden
.
M
it Blick auf das Gesamteinkommen
von
Z._
und den Betreibungs
registerauszug
sei an
zunehmen, dass
das Darlehen
in diesem Ausmass
uneinbringlich
sei
. Basie
rend auf den zur Verfügung gestellten Akten liessen sich die
Z._
vorgeworfenen Vermögensdelikte nicht rechtsge
nü
gend belegen; der drin
gende Tatverdacht der Begehung derartiger Delikte zum Nachteil diverser Geschädigter bestehe jedoch nach wie vor.
Die
a
n
Z._
übergebe
nen Gelder, welche er gegen
ihren
Willen deliktisch erlangt haben dürfte, seien damit nicht einbringlich
,
und
s
ie habe diese auch nicht leichtfertig mit dem hohen Risiko eines vollen Wertverlustes über
lassen. Aufgrund seiner
beruflichen
Stellung, seines hohen Einkommens wie auch generell aufgrund der gegebenen Vertrauensbeziehung habe sie
viel
mehr
davon ausgehen dür
fen, dass er ihr die Gelder wieder ordnungsgemäss erstatten würde
(
Urk.
15)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit
, ob die Beschwerdegegnerin de
r
Beschwerde
führer
in
bei der Berechnung der Zusatzleistungen zu Recht ein Ver
zichts
ver
mögen in der Höhe von Fr. 231‘000.-- angerechnet hat.
Die einzelnen Positionen der Berechnung der Zusatzleistungen stellen Begrün
dungselemente der Verfügung und allenfalls des
Einspracheentschei
des
(Teil
aspekte des verfügungsweise festgelegten Rechtsverhältnisses) dar. Nicht bean
standete Berechnungspositionen prüft das kantonale Versiche
rungsgericht nur
, wenn
hiezu
aufgrund der Vorbringen in der Beschwerde oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (BGE 125 V
413 E. 2b und 2c).
3.
3.1
3.1.1
Dem umstrittenen Vermögensverzicht liegt laut Angaben der Beschwerde
führerin
und ihrer Begleiterin
im Anhörungsprotokoll der Kindes- und Er
wachsenenschutzbehörde Uster vom 2
3.
September 2014 (
Urk.
3/14) zusam
mengefasst folgender Sachverhalt zu Grunde:
W
ährend rund 30 Jahren
habe die Beschwerdeführerin
mit ihrem Lebens
partner
A._
zusammen
gelebt
, welcher 1976 verst
o
rb
en sei
(S. 2
Ziff.
3)
.
Dessen Adoptivsohn
Z._
, den sie seit dem
4.
Altersjahr kenne,
sei
im Jahr 2006 auf
getaucht
und habe der
Beschwerdeführerin
erklärt
, dass er sie liebe. In der Folge
habe
er sich um alle ihre
Bankkonti
gekümmert
und für sie die
Zahlungen erledigt
, und er sei sie auch nach Zürich besuchen gekommen
. Bis im Winter 2013/2014 seien alle
Rechnungen
be
zahlt worden
.
Die Beschwerdeführerin habe
ihm
Fr.
100‘000.-- für seine Scheidung
gegeben
, wobei man nicht diskutiert habe, ob dies eine Schen
kung oder ein Darlehen gewesen sei
. Eine Schenkung sei jedoch nie beab
sichtigt gewesen. Einzig für diesen Bezug habe sie ihn auf die Bank begleitet, von den weiteren Geldbezügen habe sie nichts gewusst.
Eine Vollmacht datiere aus dem Jahr 2010, es gebe aber noch eine andere, da auch Bezüge in den Jahren 2007 bis 2009 getätigt worden seien. Der letzte Kontakt habe am 2
2.
Juni 2014 stattgefunden,
Z._
habe angerufen und ihr gesagt, dass er alles bezahlt und damit alles retourniert habe, was sie ihm gegeben habe.
Vor zwei Jahren habe er eine Kollision mit dem Motorrad gehabt, und seit diesem Zeitpunkt sehe sie ihn nicht mehr (S.
3 f.
Ziff.
13-14
, S.
5
Ziff.
16,
Ziff.
18
).
3.
1.
2
Aktenkundig ist sodann
Folgendes
:
D
er 1976 verstorbene Lebenspartner
A._
hinterliess der Beschwer
deführerin
testamentarisch
Fr.
267‘712.80
,
woraus nach Abzug der Steuern ein Netto-Erbteil von
Fr.
184‘756.80 resultierte (
Urk.
3/12-13
,
Urk.
20/26
)
.
Den Steuerausweisen
der Beschwerdeführerin
(
Urk.
20/4/a,
Urk.
20/16/a,
Urk.
20/
18)
ist
sodann
folgende Vermögensentwicklung zu entnehmen:
Steuerperiode
satzbestimmendes Vermögen in Fr.
2001
318‘000
2002
341‘000
2003
326‘000
2004
315‘000
2005
299‘000
2006
183‘000
2007
224‘000
2008
20‘000
2009
18‘000
2010
14‘000
2011
10‘000
2012
7‘000
2013
1‘000
Aus den
Steuererklärung
en gehen
weiter
Schenkungen an
Z._
in der Höhe von
Fr.
100‘000.--
im Jahre 2006 und
von
Fr.
92‘000.--
im Jahre 2007
hervor (
Urk.
3/7-8). Aktenkundig sind
auch die
von
Z._
unterzeichnete
n
Bestätigungen über den Empfang eines Darlehens
im
Betrag von
Fr.
100‘000.-- im Jahr 2006 (
Urk.
3/9-10) sowie über den Empfang eines Darlehens im Betrag von
Fr.
118‘000.-- im Jahr 2007 (
Urk.
3/11
=
Urk.
20/14/l
).
Den Beilagen zur Steuererklärung 2007 (
Urk.
3/8) sind sodann folgende Zah
lungsaufträge der
Beschwerdeführerin zu Gunsten von
Z._
zu entnehmen, welche einen
Gesamtbetrag von
Fr.
118‘000.--
ergeben
:
Ausführungsdatum
Betrag in Fr.
4.1.2007
34‘000
7.2.2007
16‘000
19.3.2007
14‘000
30.3.2007
10‘000
19.04.2007
11‘000
9.5.2007
10‘000
24.5.2007
5‘000
1.6.2007
4‘000
18.6.2007
3‘000
4.7.2007
6‘000
24.7.2007
5‘000
Ein Zahlungszweck wurde nicht angegeben, vermerkt
wurde
lediglich verein
zelt
„
S
alutation
X._
“
.
Laut Schreiben der Zürcher Kantonalbank vom
5.
November 2014
(
Urk.
3/17)
verfügte
Z._
seit 2
5.
Juni 2010 über eine Unterschriftsberechti
gung auf das Privatkonto der Beschwerdeführerin.
3.1.3
Am
9.
Februar 2015 kündigte der Beistand der Beschwerdeführerin das Dar
le
hen im Betrag von
Fr.
118‘000
.--
und forderte dieses sowie die ausste
hen
den Zinsen ab 3
1.
März 2009 inklusive Verzugszinsen von 5
%
bis Ende Februar 2015 zurück (
Urk.
3/19
/1), wofür er am
1.
April 2015 das Betrei
bungsbegehren stellte (
Urk.
3/19/2).
Aus der Betreibung
der Darlehensfor
derung von
Fr.
118‘000.-- zuzüglich Verzugszinsen resultierte ein Erlös von
Fr.
6‘744.70 und ein Verlustschein im Restbetrag von
Fr.
168‘149.60 (
Urk.
16
/1).
Aus den gegen
Z._
geführten
und noch nicht abgeschlossenen
Strafverfahren des
Ministère
public
de
l’arrondissement
de Lausanne ergibt sich, dass er zur Vermögensverwaltung Vollmachten auf
Konti
verschiedener Personen erhalten hatte
und
anerkannte
, von ihnen Gelder
zu persönlichen Zwecken verwendet zu haben
(
Urk.
16/2-3)
. Zur Beschwerdeführerin im vor
liegenden Verfahren befragt, antwortete er, dass er
sich an Vollmachten auf ihr Konto nicht erinnere und diese
nie benutzt habe (
Urk.
16/3 S. 9 f.).
3.
2
Das Bundesgericht hat sich
im Entscheid
9C_180/2010 vom 1
5.
Juni 2010 mit der Thematik des Vermögensverzichts
, insbesondere im Zusammenhang mit Darlehen, befasst
und dabei
auch
auf verschiedene frühere Entscheide verwiesen (E. 5.2 mit Hinweisen):
D
ie Gewährung eines Darlehens
ist
für sich allein nicht eine Verzichtshandlung, da ein Anspruch auf Rückzahlung be
steht. Ein Ver
zichtstatbestand ist jedoch anzunehmen, wenn bei einer Geld
anlage oder einem Darlehen unter den konkreten Umständen von Anfang an damit gerechnet wer
den muss, dass das Geld nicht zurückbezahlt wird. So wurde ein Vermögensver
zicht bejaht, als eine EL-
Ansprecherin
ohne Rechts
pflicht, ohne jede Sicherheit und ohne adäquate Gegenleistung einer Privat
person ein grösseres Darlehen (
Fr.
240'000.
--
) gewährt hatte und dabei voll
umfänglich zu Verlust kam; dies wurde namentlich mit Rücksicht auf die Tatsache, dass der Hauptbetrag des Darlehens zu einem Zeitpunkt ausgehän
digt wurde, als der Rückzahlungstermin für den ersten Teil des Darlehens bereits verflo
ssen war, als reines V
abanque-Spiel qualifiziert (Urteil P 17/97 vom 3
0.
November 1998 E.
3). Ebenso wurde ein Vermögensverzicht bejaht, als der Geschäftsführer und faktische Alleinei
gentümer einer Gesellschaft dieser kurz vor der Niederlegung der Geschäftsak
tivitäten ein Darlehen ge
währt hatte, um den Geschäftsverlust zu decken; denn dem über die Finan
zen informierten Versicherten musste klar gewesen
sein, dass die Darlehens
gewährung einem Vabanque-Spiel gleichkam (Urteil P 16/05 vom 2
6.
April 200
6 E. 4). Dasselbe wurde angenom
men, als eine Rentnerin un
ter mehreren Malen insgesamt rund
Fr.
115'000.
-
- an eine Privatperson in Sri Lanka an
geblich zwecks Kaufs einer Teeplantage bezahlte, und Zahlungen auch noch tätigte, nachdem der Empfänger absprachewidrig das Geld weder verein
barungsgemäss verwendet noch zurückbezahlt hatte (Urteil P 37/06 vom 2
2.
Februar 2007 E. 3). Ebenso wurde ein Vermögensverzicht bejaht, als eine Vollmacht erteilt wurde, das Vermögen ohne jede Einschränkung zu verwal
ten, und der Bevollmächtigte gestützt darauf das ganze Vermögen in Schuld
ver
schreibungen einer einzigen auf den British Virgin Islands registrierten, nicht börsenkotierten Gesellschaft investiert hatte, welche einen Zins von 12
%
ver
sprach. Insbesondere aus diesem hohen Zins (angesichts des dama
ligen niedri
gen Zinsniveaus) wurde geschlossen, dass das massiv erhöhte Risiko eines Verlusts bewusst gewesen sein musste, so dass von einem grob
fahrlässigen Ver
halten auszugehen sei (Urteil P 12/06 vom
2.
Februar 2007 E. 3.1 und 3.4). Ebenso lag eine Verzichtshandlung vor in einem Fall, in wel
chem der An
spruchsteller auf das Konto verschiedener Personen Geld einbe
zahlt hatte, um als Gegenleistung illegal einen Anteil an den Hinterlassen
schaften von Perso
nen ohne bekannte Erben zu erhalten (Urteil P 55/05 vom 2
6.
Januar 2007 E. 4 und 5).
Kein Vermögensverzicht liegt demgegenüber vor, wenn eine erhaltene Erb
schaft in die Einzelunternehmung des Ehemannes investiert und in der Folge auf diese Forderung verzichtet wird, soweit dies erforderlich ist, um die
Firma zu sanieren (Urteil P 43/03 vom 25. Juni 2004 E.
3).
Ebensowenig
ka
nn eine auf strafbare Handlungen (z.B. Betrug) zurückzuführende Vermö
gensver
min
derung als Vermögensverzicht qualifiziert werden; denn einer solchen Ver
mögensver
minderung ist gerade eigen, dass sich das Opfer der
strafbaren Handlung des Ausmasses des Risikos der getätigten In
vestition nicht bewusst
ist beziehungs
weise darüber arglistig getäuscht wird (Urteil 8C_567/2007 vo
m
2.
Juli 2008 E.
6.5).
Der Vermögensverzicht muss auf Sachverhalte beschränkt bleiben, in denen
bewusst ein Vermögen weggegeben oder zumindest in fahrlässiger Weise eine risikoreiche Investition getätigt wurde, bei welcher ein (erheblicher) Ver
lust im Zeitpunkt der Investition sehr wahrscheinlich und damit absehbar war
(
Urteil
9C_180/2010 vom 1
5.
Juni 2010
E. 6).
Das mit einer Investition verbundene Risiko hängt in erster Linie von der Bonität des Schuldners und der Möglichkeit ab, den Anspruch auf Rückzahlung des angelegten Betrags und Leistung von Zinsen gegebenenfalls durchzusetzen
(Urteil des Bundes
gerichts 9C_186/2011 vom 14. April 2011 E. 3.3)
.
3.
3
Vorab ist zu bemerken, dass
es sich
beim Betrag von
Fr.
100‘000.--, welchen die Beschwerdeführerin im Jahr 2006 an
Z._
ausbezahlte,
um
ein Darlehen
handelt
. Auch wenn der Zweck der Vermögensübertragung un
ter den Parteien offenbar nicht diskutiert
und diese in der Steuererklärung 2006 als Schenkung deklariert
wurde, so ist mangels
einer
Schenkungs
absicht
(vorstehend E. 3.1.1)
und angesichts der Bestätigung des Empfangs dieses Betrages als Darlehen (vorstehend E. 3.
1.
2) ein Darlehen a
nzunehmen
.
Was den im Jahre 2007 gemäss Darlehensbestätigung erhaltenen Betrag von insgesamt
Fr.
118‘000.-- angeht, so ist davon auszugehen, dass dieser
sich aus den im gleichen Jahr getätigten Einzelzahlun
gen (vorstehend E.
3.1.2) zusammensetzt und diesen
entspricht.
3.
4
Zu prüfen ist zunächst die
Uneinbringlichkeit
der beiden Darlehen von
Fr.
100‘000
.--
(
Urk.
3/9-10) und von
Fr.
118‘000
.--
(
Urk.
3/11) sowie von all
fälligen weiteren
Werten, die
Z._
mittels
der eingeräumten
Voll
macht
en
bezog
.
Aktenkundig ist
, dass aus der Betreibung der Darlehensforderung von
Fr.
118‘000
.--
zuzüglich Verzugszinsen ein Erlös von
Fr.
6‘744.70 und im Restbetrag von
Fr.
168‘149.60 ein Verlustschein resultierte (
Urk.
16/1). Aus der im Betreibungsverfahren erstellten Berechnung des Existenzminimums
von
Z._
vom
2.
Juni 2016 (
Urk.
16
/4) geht hervor, dass bei einem Monatseinkommen von
Fr.
4‘055.50
nach Abzug des Existenz
mini
mums ein Überschuss von
Fr.
1‘935.50 besteht
. Dem stehen mon
atliche und aktuell
unbezahlte Unter
haltsbeiträge an die geschiedene Ehefrau von
Fr.
2
‘
500.--
gegenüber. Dem Betreibungsregisterauszug vom
9.
August 2016
des Betreibungsamtes
O._
(
Urk.
16/5) ist sodann zu entnehmen, dass
gegen
Z._
seit November 2013
zahlreiche
Betreibungsverfahren im Gesamtbetrag von
Fr.
1‘045‘202.30 durchgeführt wurden und dass gegen ihn Verlustscheine in der Höhe von insgesamt
Fr.
488‘405.05 bestehen.
Unter
diese
n
Um
stände
n
ist die
Uneinbringlichkeit
der Darlehensforderung
en
und allfälliger weiterer Bezüge
zu bejahen.
3.
5
Damit ist zu prüfen, ob die
Gewährung der
Darlehen
von
Fr.
100‘000.-- und
Fr.
118‘000.-- (vorstehend E. 3.
1.
2
)
Verzichtshandlung
en
darstellen.
Unbestrittenermassen
traf die Beschwerdeführerin -
unabhäng
ig vom
be
haup
teten Verwandtschaftsverhältnis
von
Z._
und
A._
-
keine
Unterstützungs
-
und damit keine
Rechtspflicht zur
Gewährung
der
Dar
lehen
.
Beide Darlehen wurden sodann ohne jegliche Sicherheit
geleistet
, was ange
sichts der hohen Beträge ein beträchtliches Risiko darstellte
,
nicht zuletzt auch deshalb
, weil das zweite Darlehen nur ein Jahr nach der Gewährung des ersten Darlehens erfolgte und dieses
zu diesem Zeitpunkt
nicht einmal teil
weise
zurückbezahlt worden war
. Mit Ausnahme des vereinbarten
, erst rund eineinhalb Jahre nach Ausbezahlung des Betrags zu leistenden
, tiefen
Zinses
von 1.5
%
erhielt die Beschwerdeführerin auch
keine
Gegenleistung
en
.
Zwar
erledigte
Z._
den Ausführungen der Beschwerdeführerin zufolge
f
ür sie die lau
fenden Rechnungen
, doch ist nicht ersichtlich
und wurde auch nicht be
hauptet
, dass dies
als
Gegenleistung für die Gewährung des Dar
lehens
ver
einbart worden wäre.
Ferner
wurde
nur
für das Darlehen über
Fr.
118‘000
.--
eine Tilgung von mindestens
Fr.
1‘500.-- monatlich
verein
bart
. Demgegenüber ist das Darlehen über
Fr.
100‘000
.--
unbefristet, womit der Beschwerdeführerin jegliche Handhabe fehlte, den Betrag wieder erhältlich zu machen.
Auch die damal
ige -
offenbar
hohe
-
berufliche Position von
Z._
vermag nichts daran zu ändern, dass die Gewährung der Darlehen unter diesen Um
ständen
als risikoreich zu werten ist.
Zudem hätte
der Zweck der Darlehens
gabe
,
die
angebliche
Finanzierung der Scheidung von
Z._
,
die Beschwerdeführerin
zur Prüfung des Darlehens
zweckes, zumindest aber zu weiteren Fragen
veranlassen müssen.
Im Übrigen
fällt auf, dass die
Darlehensb
estätigung
en
nur von
Z._
als Darlehensnehmer
unterschrieben wurde
n
(
Urk.
3/9-11).
Angesichts dessen
, dass
die
Beschwerdeführerin
von der
Übertragung von
Fr.
118‘000.--
im Jahr 2007
offenbar
keine Kenntnis hatte,
und
dass
sie
in der
Steuer
er
klärung
2007 eine
Schenkung
von
Fr.
92‘000
.--
deklariert
e
, stellt sich die Frage, in
wieweit es sich
bei der Vermögenshingabe von
Fr.
118‘000.
--
tat
sächlich um
ein
Darlehen
und nicht
eine
Schenkung
handelt
e
.
3.
6
Vorausgesetzt ist weiter eine bewusste oder zumindest fahrlässige Vermö
gens
hingabe.
Eine solche ist von vorneherein ausgeschlossen, wenn die Darlehensgabe
oder die
anderweitige
Übertragung von Vermögenswerten
, beispielsweise mittels
Vollmacht,
durch strafrecht
liche Handlungen bewirkt wurden
(vorste
hend E.
3.
2
)
. Aus dem
Einvernahmeprotokoll
vom
8.
Juli 2014 (
Urk.
16/3)
und der Übersicht über die Untersuchungshandlungen vom 1
1.
November 201
6 (
Urk.
16/2) in den gegen
Z._
geführten Strafverfahren des
Ministère
public
de
l’arrondissement
de Lausanne ergibt sich, dass
Z._
zur Vermögensverwaltung Vollmachten auf
Konti
verschiedener allein
stehender älterer Frauen er
langte
.
B._
und
di
e 103-jäh
rige Grosstante
von
Z._
,
C._
,
erstatteten in der Folge
Strafan
zeige, wobei
Z._
anerkannte,
Fr.
294‘900.--
von
B._
(
Urk.
16/2 S. 2,
Urk.
16/3 S. 3 ff.) und
Fr.
946‘327.22 von
C._
(
Urk.
16/3 S. 6 ff.) zu persönlichen Zwecken –
nämlich
zur eigenen Lebens
führung und zum Unterhalt seiner Freundin
D._
–
ver
wen
det zu haben. Zur Beschwerdeführerin befragt, antwortete er, dass er nicht glaube
, dass er
auf ihr Konto eine Vollmacht habe. Auf den Vorhalt, dass er laut
E._
zwischen Juni 2010 und April 2014 eine Vollmacht auf ihr Konto gehabt habe, antwortete er, dass er sich dessen nicht erinnere und diese nie benutzt habe (
Urk.
16/3 S. 9 f.). Zu weiteren Darlehen
an andere Personen
gab er an, Probleme vorgetäuscht zu haben, um diese zu erhalten (
Urk.
16/3 S. 10 Zei
len 353-357).
Unter diesen Umständen besteht – wie die Beschwerdeführerin im Übrigen zutreffend selber ausführte (
Urk.
15 S. 2
Ziff.
3) –
wohl
ein dringender Tat
verdacht der Begehung derartiger Delikte zum Nachteil diverser Geschädigter, doch lassen sich die
Z._
vorgeworfenen Vermögensdelikte nicht rechtsgenügend belegen. Insbesondere lässt sich den eingereichten Akten kaum etwas bezüglich des von der Beschwerdeführerin eingeleiteten Straf
ver
fahrens entnehmen. Die Beschwerdeführerin vermag somit aus dem straf
rechtlichen Verfahren, das ihren Ausführungen zufolge noch Jahre dauern werde (
Urk.
15 S. 2
Ziff.
2), nichts zu ihren Gunsten abzuleiten.
Ferner
fehlen
genügende Anhaltspunkte dafür, dass das Urteilsvermögen
der Beschwerdeführerin
im damaligen Zeitpunkt in irgendeiner Weise beein
trächtigt gewesen sein könnte. Allein
aus dem
Umstand, dass über sie im
Jahre 2014 eine
Vertretungsb
eistandschaft
mit Einkommens- und Vermö
ge
ns
verwaltung nach
Art.
394
Abs.
1 in Verbindung mit
Art.
395
Abs.
1 und 2
des Schweizerischen Zivilgesetzbuches
errichtet wurde
(
Urk.
3/3)
,
lässt sich nicht auf eine Beeinträchtigung der Urteilsfähigkeit im fraglichen Zeitraum schliessen.
Unter Berücksichtigung der unter E.
3.
5
beschriebenen Umstände der Dar
lehens
übertragung
ist damit zumindest von einer fahrlässigen Vermögens
hin
gabe auszugehen.
3.
7
Wie unter Erwägung 1.5 dargelegt, wird das Verzichtsvermögen jährlich um Fr. 10'000.-- vermindert.
Verzichtshandlungen liegen für
die
Jahr
e
20
06
und 2007 vor, als die Beschwerdeführerin Darlehen von
Fr.
100‘000.-- und
Fr.
118‘000.-- ausrichtete
.
Eine weitere, erhebliche Vermögensverminderung ist im Jahr 2008 zu verzeichnen, in welchem das Vermögen gemäss Steuerer
klärung im Vergleich zum Vorjahr um
Fr.
204‘000.-- auf
Fr.
20‘000.-
-
sank
(
Urk.
20/4/
f
-h
,
Urk.
3/9-11
)
.
Eine Erklärung für den das Darlehen von
Fr.
118
‘
000.
--
übersteigenden fehlenden Betrag findet sich nichts.
Für die vorliegend strittige Berechnung der Zusatzleistungen ab
dem
1.
Novem
ber 2014
ist das Vermögen am 1. Januar 20
14
massgebend.
A
us
gehend von einem Vermögen von
Fr.
299‘000.-- per Ende 2005
gemäss Steuer
ausweis (
Urk.
20/4)
und einer ersten Verzichtshandlung im Laufe des Jahres 2006
ergibt sich somit eine Verminderung des Ver
zichtsvermögens um ins
gesamt Fr.
70‘000
.--
ab dem Jahre 2008 (vorstehend E.
1.5)
.
I
n die Be
rech
nung der Zusatzleis
tungen für das Jahr 201
4
ist
damit
ein Verzichts
vermö
gen von Fr.
229‘000
.-- einzusetz
en.
Auch unter Berücksichtigung der jährlichen Vermögensminderung resultiert damit klarerweise ein Einnahmenüberschuss, ist doch gemäss
Art. 11 Abs. 1
lit
. c ELG
bei Altersrentnern ein Zehntel des Reinvermögens als Einnahmen an
zurechnen, sow
eit es Fr. 37'500.-- übersteigt
. Somit ist der angefochtene
Einspracheentscheid
im Ergeb
nis nicht zu beanstanden. Dies führt zur Ab
weisung der Beschwerde.
4.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist der unentgeltliche Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin, Beistand Rechtsanwalt Thomas Schütz, aus der Ge
rich
ts
kasse zu entschädigen.
Nach § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass
des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Mit Verfügung vom
3
1.
Januar 2017
wurde der
unentgeltliche Rechtsvertret
er auf die Möglichkeit der Einreichung einer Honorarnote vor Fällung des Endentscheids hingewie
sen sowie darauf, dass im Unterlassungsfall das Gericht die Entschädigung nach Ermessen festsetze (Urk.
21
). Mangels Honorarnote und in Anwendung der genannten Kriterien sowie des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist die Entschädigung auf Fr. 2‘
2
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen
.