Decision ID: 9179b8ad-e51e-5494-a902-3a6fff7c61e6
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1961 geborene
X._
war vom
1.
Februar 2011 bis 3
0.
November
2012 als Senior Consultant bei der
Y._
AG (
ab
2
2.
Mai 2019
Z._
AG [
Auszug aus dem Handels
register;
Urk.
47
],
nachfolgend:
Y._
AG) angestellt und im Rahmen dieses Ar
beitsverhältnisses bei der
Sammelstiftung BVG der Allianz Suisse
Lebensversi
cherungs
-Gesellschaft (nachfolgend: Allianz) berufsvorsorgeversichert
. Vom 1
5.
Januar 2013 bis 6. August 2014 bezog er -
auf einer Vermittelbarkeit von 100 % basierende –
Taggelder der Arbeitslosenversicherung (
Urk.
14/20/1). Ab Januar 2013
wurde
infolge einer seit
spätestens
200
4
bestehenden Multiplen Sklerose, einem
Fatigue
-Syndrom und einer kognitiven Störung
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
in der angestammten Tätigkeit
attestiert
(vgl. etwa
Urk.
14/12 und
Urk.
14/
48/5).
Während der Dauer der kontrollierten Arbeitslosigkeit war
er bei der Stiftung Auffangeinrichtung BVG berufsvorsorgeversichert (vgl. Urk. 14/130).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle, b
ei der sich der
Versicherte am
2.
Juli 2014 unter Hinweis auf Lähmungserscheinungen im Bein,
Nachziehen des rechten Beines, teilweise Inkontinenz (Harndrang),
Konzentra
tions
- und Gedächtnisprobleme, Probleme mit der Auffassungsgabe und Depres
sion
zum Leistungsbezug angemeldet hatte (Urk.
14/3
)
, sprach ihm mit Verfügung vom
3.
Juli 2015 – unter Hinweis auf die per Januar 2013
eröffnete Wartezeit – eine ganze Rente mit Wirkung ab
1.
Januar 2015
zu (Urk.
14/61 und
Urk.
14/57/1).
Der Versicherte war daraufhin
vom
1.
Juli 2015 bis 2
9.
Februar 2016 in einem 100
%
-Pensum bei der
A._
AG tätig (
Urk.
14/80-83 und
Urk.
14/116). Mit Verfügung vom 1
8.
Dezember 2015
wurde die Rente auf Ende des der Zustel
lung der Verfügung folgenden Monats aufgehoben (
Urk.
14/94). Ab
1.
März 2016 wurde dem Versicherten erneut eine ganze Rente der Invalidenversicherung
aus
gerichtet (Verfügung vom 2
3.
September 2016,
Urk.
14/138).
Auf entsprechendes Gesuch des Versicherten hin lehnte die
Allianz
die Ausrich
tung von Invalidenleistungen ab (Urk.
2/5
).
2.
Mit Eingabe vom 1
8.
Oktober 2017
erhob d
er Versicherte Klage gegen die Allianz
mit folgende
m
Rechtsbegehren (Urk. 1 S. 2):
„1.
Es sei die beklagte Partei zu verpflichten, dem Kläger ab 0
1.
Dezember 2012 eine volle (ungekürzte) BVG-Rente auszurichten.
2.
Es sei die beklagte Partei zu verpflichten, der klagenden Partei für die gemäss Ziffer
1.
vorstehend bereits geschuldeten Rentenguthaben einen Zins ab 01. Dezember 2012 in der Höhe von 5
%
bei mittlerem Verfall (Hälfte des Zeitraumes vom 0
1.
Dezember 2012 bis zum Urteilszeitpunkt), eventualiter was rechtens, zu bezahlen.
3.
Alles unter ordentlicher und ausserordentlicher Kostenfolge zulasten der be
klagten Partei.
“
Am 1
2.
Januar 2018 beantragte die Allianz, die Klage sei abzuweisen (Urk. 8). Nachdem mit Gerichtsverfügung vom 1
6.
Januar 2018 (Urk. 10) die Akten der Invalidenversicherung beigezogen worden waren (Urk. 14/1-157), hielten die Parteien im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels an den gestellten Anträgen fest (Urk. 16 und
Urk.
19).
Mit Verfügung vom
8.
März 2019 (
Urk.
25) wurde die
Y._
AG vom hiesigen Gericht aufgefordert, einen Arbeitgeberbericht sowie das Personaldossier des Klägers einzureichen.
Der Bericht (
Urk.
38) samt Beilagen (
Urk.
39/1-4)
wurde am
5.
September 2019
aufgelegt
. Die dazu eingeholten Stel
lungnahmen der Parteien (
Urk.
43 und
Urk.
45) wurden der jeweils anderen Partei mit Schreiben vom
4.
Oktober 2019 zugestellt (
Urk.
46).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
24
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die berufliche Alters-, Hinterlasse
nen- und Invalidenvorsorge (BVG)
hat der Versicherte Anspruch auf eine volle Invalidenrente, wenn er im Sinne der Invalidenversicherung mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn er mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zur Hälfte und auf eine
Viertelsrente
, wenn er mindestens zu 40 % invalid ist. Gemäss
Abs.
1 von
Art.
26 BVG gelten für den Beginn des An
spruchs auf Invalidenleistungen sinngemäss die entsprechenden Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
Art.
29
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung, IVG
). Die Invalidenleistungen nach BVG werden von derjenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, welcher die den Anspruch erhe
bende Person bei Eintritt des versicherten Ereignisses angeschlossen war. Im Be
reich der obligatorischen beruflichen Vorsorge fällt dieser Zeitpunkt nicht mit dem Eintritt der Invalidität nach IVG, sondern mit dem Eintritt der Arbeitsunfä
higkeit zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat (vgl.
Art.
23 BVG). Auf diese Weise wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die versicherte Per
son meistens erst nach einer längeren Zeit der Arbeitsunfähigkeit (nach einer Wartezeit von einem Jahr gemäss
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG in Verbindung mit
Art.
26 BVG) invalid wird. Damit nämlich der durch die zweite Säule bezweckte Schutz zum Tragen kommt, muss das Invaliditätsrisiko auch dann gedeckt sein, wenn es rechtlich gesehen erst nach einer langen Krankheit eintritt, während welcher die Person unter Umständen aus dem Arbeitsverhältnis ausgeschieden ist und daher nicht mehr dem
Obligatorium
unterstanden hat (BGE 123 V 262 E. 1b, 121 V 97 E. 2a, 120 V 112 E. 2b, je mit Hinweisen).
1.2
Die Versicherteneigenschaft muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Verschlimmerung der Invalidität. Diese wörtliche Auslegung steht in Einklang mit Sinn und Zweck der Bestimmung, nämlich denjenigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Versicherungsschutz angedeihen zu lassen, welche nach einer längeren Krankheit aus dem Arbeitsverhältnis ausscheiden und erst später invalid werden. Für eine einmal aus
während der Versicherungsdauer aufgetrete
ne
Arbeitsunfähigkeit geschuldete Invalidenleistung bleibt die Vorsorgeeinrich
tung somit leistungspflichtig, selbst wenn sich nach Beendigung des Vorsorge
verhältnisses der Invaliditätsgrad ändert. Entsprechend bildet denn auch der Wegfall der Versicherteneigenschaft kein Erlöschungsgrund (
Art.
26
Abs.
3 BVG e
contrario
; BGE 123 V 262 E. 1a, 118 V 35 E. 5).
1.3
Art.
23 BVG kommt auch die Funktion zu, die Haftung mehrerer Vorsorgeein
richtungen gegeneinander abzugrenzen, wenn eine in ihrer Arbeitsfähigkeit be
reits beeinträchtigte versicherte Person ihre Arbeitsstelle (und damit auch die Vorsorgeeinrichtung) wechselt und ihr später eine Rente der Invalidenversiche
rung zugesprochen wird. Der Anspruch auf Invalidenleistungen nach
Art.
23 BVG entsteht in diesem Fall nicht gegenüber der neuen Vorsorgeeinrichtung, sondern gegenüber derjenigen, welcher die Person im Zeitpunkt des Eintritts der invalidi
sierenden Arbeitsunfähigkeit angehörte.
Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach Been
digung des Vorsorgeverhältnisses eingetretene Invaliditätsrisiko aufzukommen hat, ist indes erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität ein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 130 V 270 E. 4.1). In sachlicher Hinsicht liegt ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Invali
dität zu Grunde liegende Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Sodann setzt die Annahme eines engen zeit
lichen Zusammenhangs voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Ar
beitsunfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig wurde. Die
frühere Vorsorgeeinrichtung hat nicht für Rückfälle oder Spätfolgen einer Krank
heit einzustehen, die erst Jahre nach Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit eintreten.
1.4
Die Arbeitsunfähigkeit ist relevant, wenn sie mindestens 20 % beträgt und sich
auf das Arbeitsverhältnis sinnfällig auswirkt oder ausgewirkt hat. Es muss ar
beits
rechtlich in Erscheinung treten, dass die versicherte Person im bisherigen
Beruf an Leistungsvermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leis
tungen mit entsprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitge
bers oder durch gehäufte, gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle. Der Zeitpunkt des
Eintritts der berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit muss mit dem
im Sozialver
sicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit grundsätzlich echtzeitlich nachgewiesen sein. Dieser Nach
weis darf nicht durch nachträgliche Annahmen und spekulative Überlegungen ersetzt werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_91/2013 vom 17. Juni 2013 E. 4.1.2 mit Hinweisen).
1.5
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invalidenver
sicherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V 106 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (
Art.
6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126 V 309 E. 1 in
fine
). Diese Konzeption fusst auf der Überlegung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Ab
klärungen freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurteilungen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 1 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die freie Überprüfbarkeit des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die Vorsorgeeinrichtung bezie
hungsweise das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bundesgerichts 9C_49/2010 vom 2
3.
Februar 2010 E. 2.1).
2.
2.1
Der Kläger führte zur Klagebegründung aus, 2012 habe sich zunehmend gezeigt, dass er mit der Bewältigung der ihm aufgetragenen Aufgaben
ge
- und überfordert gewesen sei. Diesbezügliche Beanstandungen der Arbeitgeberin seien allerdings nicht dokumentiert. Das Arbeitsverhältnis sei per 3
0.
November 2012 seitens der Arbeitgeberin gekündigt worden. Er sei zu diesem Zeitpunkt gewillt gewesen, eine neue Arbeitsstelle im Vollzeitpensum zu finden, weshalb er seine seit spätestens August 2004 bestehende chronische Erkrankung nicht habe offenlegen wollen. Seine Dissimulationshaltung habe sich hier offensichtlich gezeigt. Zudem habe er befürchtet, dass er bei einer eingeschränkten Vermittlungsfähigkeit keine Leis
tungen der Arbeitslosenkasse erhalten würde. Die Einschränkungen im funktio
nellen Leistungsvermögen seien jedoch bereits während des Arbeitsverhältnisses mit der
Y._
AG vorhanden gewesen (
Urk.
1 S. 5 und S. 8-9). Aus neurologischer Sicht sei eine konstante Verschlechterung des Gesundheitszustandes und somit des funktionellen Leistungsvermögens in den Jahren 2010 bis 2012 zu verzeich
nen. Sämtliche behandelnden Ärzte würden davon ausgehen, dass die Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes vor 2013 eingetreten sei. Die Arbeitsun
fähigkeit, welche in der vollen Berentung gemündet habe, sei folglich während des Arbeitsverhältnisses mit der
Y._
AG eingetreten. Die Beklagte sei deshalb zu verpflichten, ihm ab
1.
Dezember 2012 eine volle Rente zuzüglich Zins zu 5
%
ab mittlerem Verfall auszurichten (S. 12-13).
Im Laufe des Verfahrens
ergänzte der Kläger
(
Urk.
27)
, er habe gegenüber seinen Arbeitgebern nie über seine Krankheit
gesprochen
. Die funktionellen Einschrän
kungen in der Arbeitsfähigkeit könnten insofern wenn überhaupt nur aufgrund des höheren Zeitbedarfs zur Erledigung der aufgetragenen Arbeiten aufgefallen sein.
Auch sein Gruppenleiter habe einer Arbeitskollegin gesagt, dass er zu lang
sam sei. Die Auswirkungen seiner Krankheit seien damit bereits vor der Kündi
gung arbeitsrechtlich in Erscheinung getreten.
Weiter machte er geltend (
Urk.
43), formell sei ihm aus betrieblichen Gründen gekündigt worden, tatsächlich jedoch, weil sein Leistungsvermögen nicht den er
wünschten Erwartungen entsprochen habe. Er sei ab
1.
Januar 2013, einen Tag nach Ablauf der Versicherungsdeckung, als zu 100
%
arbeitsunfähig erachtet worden. Bei einer MS-Problematik seien die Grenzen zwischen formeller und tat
sächlicher Arbeitsunfähigkeit nicht immer klar. Bei ihm seien besonders deutliche Defizite in der Konzentrationsfähigkeit und deutliche Defizite in der Dauerauf
merksamkeit
vorhanden
gewesen, dies besonders ab dem Jahr 2012, so dass schliesslich die Auflösung des Arbeitsverhältnisses in die Wege geleitet worden
sei. Der Verlauf der Erkrankung werde von vier medizinischen Gutachten ge
stützt.
Darin werde
einheitlich
die
Auffassung
vertreten
, dass bereits im Dezember 2012 eine mindestens 20%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden haben müsse. Be
trachte man den Verlauf der progredienten Krankheit seit dem Jahr 2004, könne im Langzeitschnitt gesehen werden, dass im Dezember 2012 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine nahezu 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen haben müsse (S. 1-3).
2.2
Die Beklagte begründete die Leistungsverweigerung damit, dass
unbelegt sei
, dass die Beendigung des Arbeitsverhältnisses per 3
0.
November 2012 aus anderen als betrieblichen Gründen erfolgt sei. Dem Kläger se
ien 2012 eine Abfindung von Fr.
31'500.-- sowie ein Bonus von
Fr.
22'366.65 ausgerichtet worden. Eine Baisse in der Performance für das Jahr 2012 sei
demnach
gerade nicht
plausibilisierbar
. Er sei vom 2
1.
bis 2
3.
Februar 2012 arbeitsunfähig gewesen und ansonsten ganz regulär seiner Tätigkeit nachgegangen. Der Vorsorgeschutz bei
ihr habe vom 1.
Februar 2011 bis 3
0.
Dezember 2012 gedau
ert. Vom 15. Januar 2013 bis 6.
Au
gust 2014 seien dem Kläger bei einer Vermittlungsfähigkeit von 100
%
Taggeld
leistungen der Arbeitslosenversicherung ausgerichtet worden. Die IV-Stelle gehe von einer seit Januar 2013 beziehungsweise seit dem Jahr 2013 eingeschränkten Arbeitsfähigkeit aus und habe ihm - aufgrund einer verspäteten Anmeldung - gestützt auf einen IV-Grad von 82
%
ab
1.
Januar 2015 eine ganze Rente ausge
richtet. Die entsprechende Verfügung sei für die Beklagte nicht bindend (
Urk.
8 S. 5-11). Die retrospektiven Spekulationen der behandelnden Ärzte, wonach der Kläger ab Sommer beziehungsweise Herbst 2012 in seiner Leistung massgeblich eingeschränkt gewesen sei, würden einer gerichtlichen Prüfung nicht standhalten (S. 11-12). Vom
1.
Juli 2015 bis Ende Februar 2016 sei
er
in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis zu 100
%
angestellt gewesen. Die Invalidenrente sei
während
diesen Monaten eingestellt worden. Durch die Arbeitsvermittlungsfähigkeit von 100
%
während 19 Monaten und die achtmonatige Anstellung
in einem 100
%-Pensum sei der zeitliche Zusammenhang gleich zwei
m
al vollständig unterbro
chen worden (S. 8-12). Sollte wider Erwarten ein Anspruch auf Leistungen beste
hen, so sei zu beachten, dass sich die umhüllende IV-Rente auf 50
%
des versi
cherten Lohnes belaufe. Der blosse Verweis auf den Vorsorgeausweis sei nicht hinreichend.
Ein
Verzugszins sei erst ab Klageeinreichung gesc
huldet und betrage im Übrigen 1
%. Ein Rentenbeginn ab
1.
Dezember 2012 entbehr
e zudem jegli
cher Grundlage (S.
13-16).
3.
3.1
Am 1
5.
August 2012 wurde eine
craniale
Kernspintomographie durchgeführt (
Urk.
14/28).
Der zuständige Arzt führte aus, e
s
würden sich typische Verände
rungen einer Multiplen Sklerose
(MS)
mit Zunahme der
cerebralen
Läsionslast seit 2003 zeigen. Es bestehe kein aktuell aktiver Herd. Das weitere Vorgehen sei abhängig vom klinischen Verlauf.
3.2
Gemäss Beurteilung des MRTs Schädel vom 1
1.
Oktober 2013 (
Urk.
14/27) be
st
a
nden bei bekannter
Encephalomyelitis
disseminata
(MS)
bekannte
Entmar
kungsherde
, aktuell ohne Anhalt für eine pathologische Kontrastmittel-Auf
nahme.
3.3
Dr.
B._
, Ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in ihrem Be
richt vom 1
7.
April 2014 (
Urk.
14/8/6-7) folgende Diagnosen:
-
teilremittierte mittelgradige depressive Episode
-
MS
Dazu führte sie aus, die Stimmung des Klägers habe sich im Laufe des letzten Jahres zunehmend verschlechtert. Zuletzt sei er für 1.5 Jahre im Bereich Soft
ware-Projektmanagement tätig gewesen, von der Arbeitgeberin jedoch Anfang 2013 aus betrieblichen Gründen gekündigt worden. Er sei 2004 mit Sensibilitäts
störungen erkrankt, in der Universität Freiburg sei die Diagnose MS gestellt wor
den. Nach einer anfänglichen Cortison-Therapie habe er keine Schübe mehr ge
habt, es handle sich eher um einen schleichenden, milden Verlauf.
Zur Zeit
be
stehe eine leichte Blasenschwäche, ausserdem hänge sein rechtes Bein leicht nach, so dass er nicht rennen könne, beispielsweise beim Fussballspielen mit seinem Sohn. Seit drei Wochen sei er auf ein
Fumarsäure
-Präparat eingestellt. Die unter antidepressiver Medikation aktuell teilremittierte depressive Symptomatik sei durch den Verlust des Arbeitsplatzes ausgelöst worden. Inwieweit eventuell auch hirnorganische Faktoren im Zusammenhang mit der neurologischen Erkrankung eine Rolle spielen würden, könne nicht beurteilt werden. Ob eine Psychotherapie im engeren Sinne indiziert sei, erscheine aktuell noch offen (S. 1-2).
3.4
Im Formularbericht vom
1.
August 2014 zu Händen der IV-Stelle (
Urk.
14/8/1-3) hielt
Dr.
B._
fest, der Kläger stehe seit 1
5.
April 2014 in ihrer Behandlung, die teilremittierte depressive Episode bestehe seit ungefähr Mitte 201
3.
Zur Frage, ob in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Software-Produkt-Manager eine Arbeits
unfähigkeit von mindestens 20
%
bestehe, führte sie aus, das Ausmass der sicher vorhandenen Einschränkungen und Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sei von ihr nicht beurteilbar. Die Einschätzung aus neurologischer/nervenärztlicher Sicht erscheine in diesem Fall eher relevant (S. 1-3).
3.5
Dr.
C._
, Innere Medizin und Allgemeinmedizin, führte in seinem Bericht vom
2.
September 2014 zu Händen der IV-Stelle (
Urk.
14/10/1-5) folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf:
-
MS
mit schubförmigem Verlauf, bislang 1 Schub
Dazu hielt er fest, vom 2
1.
bis 2
3.
Februar 2012 sei der Kläger zu 100
%
arbeits
unfähig gewesen, ansonsten habe seit Februar 2012 keine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20
%
für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit bestanden (S. 1-2).
3.6
Dr.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Neourologie, stellte in seinem Be
richt vom 1
1.
November 2014 zu Händen der IV-Stelle (
Urk.
14/12) folgende Diagnosen:
-
MS
, fortbestehend seit 2003
-
Fatigue
-Syndrom und kognitive Störung
Dazu hielt er folgende Anamnese fest: «Beginn der Symptomatik mit einer Trige
minusneuralgie
re
. im Jahr 2003, Diagnose eines
cerebralen
Herdes in der Cella Media li. 2009, zusätzlich spinaler Herd in der Höhe thorakal 1
1.
2001 [wohl: 2011] Verschlechterung der Erkrankung, Einschränkungen der Gehfähigkeit und der Koordination, zunehmend neurokognitive Störungen, Konzentrationsstörun
gen, Merkfähigkeitsstörungen, Umstellungserschwernis, reaktiv Entwicklung einer
Fatigue
.»
In seinem Beruf als Diplomkaufmann sei er von Januar 2013 bis aktuell zu 100
%
arbeitsunfähig. In einer angepassten Tätigkeit sei er während 3 Stunden pro Tag arbeitsfähig (S. 1-3). Der Verlauf der Erkrankung sei chronisch-progredient. Eine Kernspintomographie im August 2012 habe bereits zahlreiche Entzündungsherde und die Kontrolluntersuchung im Oktober 2013 eine Progre
dienz der Symptomatik gezeigt. Der Beginn der Leistungseinschränkung dürfte rückblickend im Herbst 2012 oder im Frühjahr 2013 entstanden sein. Die Proble
matik sei eine neurokognitive Störung, eine organische Hirnerkrankung, die sich therapeutisch leider nicht beeinflussen lasse (S. 5).
3.7
E._
, Facharzt für Neurologie FMH, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD)
der Invalidenversicherung
führte in seiner Stellungnahme vom
4.
Mai 2015 (
Urk.
14/48/4-5) aus, die angestammte Arbeit des Klägers sei mit obligatem Reisen sowie Tätigkeiten im Gehen oder Stehen (Präsentationen, Mee
tings) verbunden. Durch die Gangstörung sei er nachvollziehbar eingeschränkt. Weiter erfordere die überwiegende Tätigkeit im Testmanagement eine hohe kog
nitive Leistungsfähigkeit (Konzeptplanung, Testanalyse und Weiteres). Die Kern
spintomographie-Befunde aus 2012 würden eine deutliche Progredienz der Lä
sionslast zeigen. Da der Schweregrad der kognitiven Störungen mit der Läsions
last korreliere, sei auch hier eine
höhergradige
Einschränkung anzunehmen. Die Arbeitsunfähigkeit von 100
%
ab Anfang 2013 sei somit gesamthaft für die letzte
Tätigkeit als Testentwickler plausibel. Allenfalls bestehe ein geringes Restleis
tungsvermögen in dieser Tätigkeit. In einer angepassten wechselhaft
en
, überwie
gend sitzenden Tätigkeit ohne erhöhte Anforderungen an das kognitive Leis
tungsvermögen werde eine Arbeitsfähigkeit von 3 Stunden pro Tag attestiert, was plausibel sei. Weitere medizinische Massnahmen seien nicht erforderlich. Eine Verbesserung des Gesundheitszustandes sei nicht absehbar (
Urk.
14/48/5).
3.8
Im ärztlichen Attest zur Vorlage bei der Rechtsanwältin (
Urk.
2/8) führte Dr.
D._
am
1.
Juli 2016 aus, der Kläger habe sich am 2
2.
Dezember 2010 bei ihm in Behandlung befunden, dabei habe sich eine Verschlechterung der Koordi
nation und Gehfähigkeit gezeigt, kernspintomographisch hätten bereits im Au
gust 2009 Kontrastmittel aufnehmende
periventrikuläre
Herde bestanden. Im Jahr 2011 habe eine Behandlung am 2
6.
Januar 2011 stattgefunden aufgrund einer Schwindelsymptomatik im Rahmen der Grunderkrankung, am
1.
August 2011 zur Überprüfung der Therapieoptionen, am 2
1.
November 2011 bei Verschlechterung des Gesundheitszustandes und Antrag auf Schwerbehinderung. Im Jahr 2012 sei am
1.
August 2012 eine Behandlung durchgeführt worden aufgrund einer erneu
ten Verschlechterung der Gangstörung, einer Bewegungsstörung des rechten Bei
nes und einer verminderten emotionalen Belastbarkeit und Ausdauerleistung. Kernspintomographisch seien am 1
5.
August 2012 verglichen mit der Vorunter
suchung vom August 2003 mehr als 10 neue T2
intense
Herde paraventrikulär sowie Herde im Kleinhirnschenkel links und im Bereich des
Pedunculus
cerebri rechts dargestellt worden. Im Jahr 2013 habe er sich am 3
0.
September 2013 auf
grund einer erneuten Verschlechterung der Spastik des rechten Beines vorgestellt (S. 1). Rückblickend sei es schwierig, den Beginn der Invalidität des Klägers exakt zu definieren. Unter Berücksichtigung der kernspintomographischen Befunde und der dokumentierten klinischen Einschränkungen müsse aber davon ausgegangen werden, dass bereits im Sommer 2012 eine teilweise Arbeitsunfähigkeit bestanden habe (S. 2).
3.9
Im ärztlichen Attest zur Vorlage bei der Rechtsanwältin vom 2
0.
Oktober 2016 (
Urk.
2/9) hielt
Dr.
B._
fest, in ihrem ersten Arztbrief vom 1
7.
April 2014 sei sie zunächst von einer reaktiven depressiven Entwicklung bei schwerer neurolo
gischer Grunderkrankung ausgegangen. Differentialdiagnostisch habe sie aber bereits zu Beginn eine organisch bedingte, neuro-kognitive Störung diskutiert. Der behandelnde Neurologe habe ihr von kernspintomographisch nachgewiese
nen Herdbefunden berichtet, die die neurokognitiven Ausfälle des Klägers erklä
ren könnten. Als typisch für organisch bedingte psychische Leistungsbeeinträch
tigungen könne die Dissimulationsneigung des Patienten bezüglich seiner Defi
zite betrachtet werden, die auch beim Kläger sehr deutlich gewesen sei. So habe
er an seinem Ziel festgehalten, wieder eine vollschichtige Management-Tätigkeit aufnehmen zu können, obwohl die kognitiven Defizite offensichtlich gewesen seien (S. 1).
Er
habe ihr berichtet, dass er bereits einige Jahre vor der Vorstellung bei ihr psychotherapeutische Hilfe gesucht habe. Ab 2000 sei er in mehreren Fir
men jeweils nur kurz beschäftigt gewesen, dies zuletzt für 1.5 Jahre in einer
Un
ternehmung
im Bereich Software-Projektmanagement, wo ihm aus betrieblichen Gründen für Anfang 2013 gekündigt worden sei. Es sei sehr wahrscheinlich, dass auch gesundheitliche, also die geschilderten neurokognitiven Defizite eine Rolle gespielt haben könnten bei den raschen Arbeitsplatzwechseln und beim Verlust des letzten Arbeitsplatzes. Da sie
ihn
erst seit April 2014 kenne, könne sie keine Aussage über die Arbeitsfähigkeit beziehungsweise berufliche Leistungsfähigkeit im Jahr 2012 machen. In der Betrachtung des Gesamtverlaufs gehe sie allerdings davon aus, dass sich die geschilderte Symptomatik über Jahre entwickelt und bereits im Jahr 2012 Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit gehabt habe und diese sicher um mindestens 20
%
eingeschränkt gewesen sei (S. 2).
3.10
Dr.
F._
, Neurochirurgie, Orthopädie, Physikalische und Rehabilitative Medi
zin, hielt in seinem auf
Auftrag
des Klägers hin erstellten Gutachten auf neuro
logisch-neurochirurgischem, orthopädischem und physikalisch-rehabilitativem Fachgebiet vom 1
8.
September 2017 (
Urk.
2/11) fest,
er
habe 2012 bei anhalten
den sensiblen Defiziten im Stirn- und Gesichtsbereich auch Probleme bei der Ar
beit mit Pausenbedarf alle 2 Stunden für 5-10 Minuten Dauer mit verlangsamtem und oft auch fehlerbehaftetem Arbeiten und mit Schwierigkeiten bei Mehrfach
aufgaben gehabt. Er sei 2012 am Arbeitsplatz wiederholt zu besserer Leistung angehalten worden und habe schliesslich im November 2012 die Arbeitsstelle verloren (S. 1). Die MS habe durch ihre Effekte auf die Markscheiden des Gehirns offenbar zu Leitungs- und Leistungseinbussen der Hirnbahnen, somit auch der kurzen und mittleren Verbindungen zwischen primären und assoziierten Unter
zentren der Hirnrindenareale geführt. Solche Störungen seien als ausschlagge
bend für das berufliche und soziale Scheitern anzusehen, somit letztlich auch für Anstellungsverlust und Invalidität zum Zeitpunkt des Jahresüberganges 2012-201
3.
Medizinisch sei völlig unerheblich, zu welch exaktem Datum solche Defi
zite eingetreten sein mögen, wenn es kein datiertes Ereignis beziehungsweise kei
nen weiteren datierten
Testgang
gebe. Allenfalls könnten Arbeitsergebnisse aus 2012 von der ehemaligen Arbeitgeberin beigezogen werden, deren Ergebnis dann auszuwerten sei. Zu hinterfragen bleibe, weswegen bei der bekannten neurologi
schen Systemkrankheit einer MS seit 2004 bei bereits deutlichen Zeichen der mentalen Überforderung im Jahre 2012 mit beruflichem Scheitern nicht einmal
der Ansatz einer neurologischen und neuropsychologischen Rehabilitation unter
nommen worden sei, ehe die berufliche Existenz in Gefahr geraten sei (S. 5). Es werde schwierig, zum mentalen Leistungsvermögen und zur Belastbarkeit des Klägers Stellung zu nehmen, wenn es keine bezogenen ärztlichen und/oder neu
ropsychologischen Testergebnisse aus dem Zeitraum des zweiten Halbjahres 2012 gebe. Es könne nur der Schluss zu ziehen sei
n
, dass eine gesicherte Vollinvalidität aus Januar 2013 begründet auf Folgen der seit 2004 gesicherten
MS
mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch im Jahre 2012 bereits vorgelegen habe. Immerhin hätten sich aus einer subjektiven mentalen Leistungsminderung manifeste Probleme am Arbeitsplatz ergeben, die sogar zu einer Ermahnung durch den Arbeitgeber
und
im Weiteren auch zur Beendigung des Arbeitsverhält
nisses zum 3
0.
November 2012 geführt hätten (S. 6).
4.
G._
, Einzelzeichnungsberechtigter der
Z._
AG (vormals
Y._
AG
, vgl.
Urk.
47
),
hielt
im
auf Auftrag des hiesigen Gerichts hin erstellten Arbeitgeberbericht vom
5.
September 2019 (
Urk.
38) fest, der Kläger sei während der Dauer des Arbeitsverhältnisses vo
m 1
0.
bis 1
4.
März 2011, vom 4.
bis
7.
Oktober 2011 sowie vom 2
0.
bis 2
3.
Februar 2012 krank ge
wesen. Der Krankheitsgrund gehe aus den Krankmeldungen nicht hervor. Weder das Probezeitendgespräch, das Arbeitszeugnis noch der Grad der Zielerreichung aus den Jahren 2011 und 2012 (beide 100
%
) würden auf eine Leistungsein
schränkung während der Dauer des Arbeitsverhältnisses schliessen lassen (S. 1). Durch die Übernahme des Klägers nach der Probezeit sowie die Bemessung der variablen Vergütung seiner Leistungen könne nur festgestellt werden, dass die Arbeitgeberin mit seinen Arbeitsergebnissen zufrieden gewesen sei. Der ausge
richtete Lohn habe vollumfänglich der Arbeitsleistung entsprochen. Die Arbeits
leistung sei weder von Kunden der
Y._
AG noch von der Arbeitgeberin bean
standet worden, er sei lediglich darauf hingewiesen worden, dass ein proaktiverer Umgang mit dem Kunden wünschenswert wäre. Der Bonus sei Bestandteil des vertraglichen Salärs gewesen. Die Auszahlung
des Bonus (seit
1.
Januar 2012 20
%
des Jahresgehalts von Fr. 122'000.--) werde durch den Grad der Zielerrei
chung des Mitarbeiters bestimmt. Durch die Aufhebungsvereinbarung sei für den Kläger eine Zielerreichung von 100
%
festgelegt und aufgrund der Beendigung des Arbeitsverhältnisses per 3
0.
November 201
2
ein Bonus von Fr.
22'366.66 (122'000 x 0.2 / 12 x 11) ausbezahlt worden. Das Arbeitsverhältnis sei aus wirt
schaftlichen Gründen aufgrund mangelnder Auftragslage aufgelöst worden (S. 2).
5
.
5
.1
Die Invalidenrente wurde dem Kläger aufgrund seiner durch die MS bedingten Beschwerden zugesprochen. Umstritten ist, ob die dadurch verursachte Arbeits
unfähigkeit i
n der Zeit eintrat, während der er bei der Beklagten vor
sorgeversi
chert war, mithin
im Zeitraum
vom
1.
Februar 2011 bis 3
0.
Dezember 2012
.
Der Kläger meldete sich am
2.
Juli 2014
bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (
Urk.
14/3).
Diese setzte den Beginn des Wartejahres auf Januar 2013
fest (Urk.
14/57/1).
Die verspätete Anmeldung bei der Invalidenversicherung hat
rechtsprechungsgemäss
die freie Überprüfbarkeit des leistungserheblichen Sach
verhaltes im vorliegenden berufsvorsorgerechtlichen Verfahren zur Folge (E. 1.5
hievor
).
5.2
5.2.1
Beim Kläger wurde im Jahre 2004 eine MS diagnostiziert. Trotz seiner Erkrankung war er in der Folge während vielen Jahren zu 100
%
arbeitstätig, so auch w
ährend der Vorsorgedauer bei der Beklagten. Vom 1
0.
bis 14. März 2011, vom 4.
bis 7.
Oktober 2011 sowie vom 2
0.
bis 2
3.
Februar 2012 war er krankgeschrieben (
Urk.
39/3).
Weitere echtzeitliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen
für
den massgeblichen
Zeitraum
liegen keine bei den Akten.
Im Zeitpunkt des Dienstaus
tritts war
der Kläger
zu 100
%
arbeitsfähig (
Urk.
9/7) und während der Dauer des Bezugs von Arbeitslosentaggeldern vom 1
5.
Januar
2013 bis 6.
August 2014 zu 100
%
vermittlungsfähig (
Urk.
14/20/1).
Nach
dem gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bereits b
ei einem Bezug von Taggeldern der Arbeitslosenversi
cherung während einer dreivierteljährigen Pe
riode
grundsätzlich
nicht von einer Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden kann, wenn keine entsprechende echt
zeitliche medizinische Aussage vorliegt (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 9C_100/2018 vom 21. Juni 2018 E. 4.1.2 mit Hinweisen), hat dies bei einem wie vorliegend doppelt so langen Taggeldbezug ohne echtzeitliche fachärztliche Ar
beitsunfähigkeitsbescheinigung umso mehr zu gelten.
5.2.2
Erst am
2.
Juli 2014 - mithin eineinhalb Jahre nach Endes des Vorsorgeschutzes bei der Beklagten -
meldete sich der Kläger erstmals bei der IV-Stelle zum Leis
tungsbezug an.
Diese
holte bei den behandelnden Ärzten verschiedene Berichte ein (E. 3.
3
bis 3.
6
hievor
).
Darin
verneinte der behandelnde Hausarzt
Dr.
C._
am
2.
September 2014 (E. 3.5
hievor
) das Bestehen einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20
%
nach Februar 201
2.
Eine Arbeitsunfähigkeit wurde
erstmals
im Bericht vom
11.
November 2014 (E. 3.6
hievor
)
- mithin zwei Jahre nach dem vorliegend massgebenden Zeitraum -
von
Dr.
D._
bescheinigt, d
ies rückwir
kend seit Januar 201
3.
Dr.
D._
wies dabei auf die im August 2012 durchge
führte Kernspintomographie hin. Wohl zeigte diese eine Zunahme der
cerebralen
Läsionslast seit 2003, doch bestand kein aktuell aktiver Herd. Offenbar bestanden auch keine Beschwerden, wären doch sonst konkrete Massnahmen für das weitere Vorgehen vorgeschlagen statt der weitere klinische Verlauf abgewartet worden. Eine Progredienz der Symptomatik ist erst durch die Kontrolluntersuchung im Oktober 2013 dokumentiert. Dr.
D._
erachtete in seinem Bericht vom 1
1.
No
vember 2014 den Beginn der Leistungseinschränkung im Frühjahr 2013 als ebenso wahrscheinlich wie im Herbst 2012 (E. 3.6
hievor
). Damit ist
jedoch
eine bereits vor 3
1.
Dezember 2012 eingetretene Leistungseinbusse nicht mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit erstellt. Auf entsprechende Anfrage des Klägers hin ergänzte
Dr.
D._
am 1. Juli 2016 (E. 3.8
hievor
), es sei schwierig den Beginn der Invalidität zu definieren
,
es müsse
aber
davon ausgegangen werden, dass be
reits im Sommer 2012 eine teilweise Arbeitsunfähigkeit bestanden ha
t
.
Weshalb er davon ausging, dass der
Kläger
bereits ab Sommer 2012 teilweise
und ab Ja
nuar 2013 zu 100
%
arbeitsunfähig war,
aber
dennoch noch während mehreren Monaten einer 100%igen Erwerbstätigkeit nachgehen und sich anschliessend
rund
1.5 Jahre lang
als
zu 100
%
vermittlungsfähig einschätzen
konnte
,
wurde von ihm nicht
schlüssig
begründet.
Dies hätte umso mehr einer Erklärung bedurft, nachdem der Kläger sich trotz einer angeblich ab Herbst 2012 bestehenden Leis
tungseinschränkung
mit 100%iger Arbeitsunfähigkeit ab Januar 2013
erst im Oktober 2013 einer Kontrolluntersuchung unterzog und weitere 8 Monate zuwar
tete, ehe er sich bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug anmeldete.
Letzteres lässt auch eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bereits ab Januar 2013 als fraglich erschei
nen,
zumal die Leistungseinbusse gemäss
Dr.
D._
möglicherweise erst im Frühjahr 2013 begonnen hat.
W
ann
genau der Kläger im Jahre 2013
zu 100
%
arbeitsunfähig
wurde
, kann vorliegend letztlich offenbleiben und musste im Übrigen infolge der verspäteten Anmeldung auch von der IV-Stelle nicht weiter abgeklärt werden. Festzuhalten ist jedoch, dass entgegen der Ansicht des Klägers nicht erstellt ist, dass er bereits am
1.
Januar 2013 zu 100
%
arbeitsunfähig war, weshalb
daraus
auch nicht gefolgert werden muss,
dass eine Arbeitsunfähigkeit in
diesem
Umfang bereits zwei Tage zuvor
- also während der Vorsorgedauer bei der Beklagten - mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vorgelegen hat.
Dass bis zum Ende des Vorsorgeschutzes bei der Beklagten nicht einmal der Ansatz einer neurologischen und neuropsychologischen Rehabilitation unternommen wurde
(vgl. dazu auch E. 3.10
hievor
)
, lässt darauf schliessen, dass
eine solche zu jenem Zeitpunkt nicht als erforderlich erachtet wurde, entsprechend dann auch keine massgeblichen Leistungseinbussen vorhanden waren.
Bei fehlender
diesbezügli
cher
Begründung kann die durch die MS verursachte Arbeitsunfähigkeit ebenso
wahrscheinlich nach wie auch während des vorliegend massgebe
nden Zeitraums eingetreten sein, was für eine Leistungspflicht der Beklagten nicht ausreicht.
5.2.3
Die behandelnde Psychiaterin ging in einem im Auftrag des Klägers verfassten Attest
(E.
3.9
hievor
) davon aus, dass seine Leistungsfähigkeit aufgrund der or
ganisch bedingten neurokognitiven Defizite bereits im Jahr 2012 zu mindestens 20
%
eingeschränkt war. Nachdem
d
er
Kläger
bei
Dr.
B._
aber erst seit April 2014 in Behandlung steht und sie diese Einschätzung überdies fachfremd abgab, kann darauf nicht abgestellt werden.
Auch das im Auftrag des Klägers erstellte Gutachten von
Dr.
F._
vom 1
8.
September 2017 (E. 3.10
hievor
) vermag zu keinem anderen Schluss zu führen, gab doch auch dieser an, dass es schwierig ist, zum mentalen Leistungsvermögen und zur Belastbarkeit Stellung zu nehmen, wenn es keine ärztlichen und/oder neuropsychologischen Testergebnisse aus dem zweiten Halbjahr 2012 gibt. Seine Schlussfolgerung, beim Kläger habe bereits im Jahr 2012 eine Vollinvalidität bestanden, ist mit Blick auf den Umstand, dass dieser bis am 3
0.
November 2012 zu 100
%
erwerbstätig und anschliessend voll vermittelbar war, nicht nachvollziehbar, zumal
die von
Dr.
F._
angenommene Vollinvalidität im Januar 2013
wie bereits dargelegt
nicht gesichert ist, sondern auf der
rückwirkenden Einschätzung von Dr.
D._
beruht.
Von weiteren dies
bezüglichen Ab
klärungen - wie vom Kläger beantragt - sind keine zusätz
lichen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf in antizipierter Beweiswürdi
gung (
vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen)
ver
zichtet wird.
Zusammenfassend
ist eine vor dem 31.
Dezember 2012
aufgrund der MS-Erkrankung
eingetretene Arbeitsunfähigkeit
von mindestens 20
%
gestützt auf die fachärztlichen Berichte
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt.
5.3
Der Kläger machte
jedoch
geltend,
das Arbeitsverhältnis sei von der
Y._
AG auf
grund seiner Erkrankung
per 3
0.
November 2012
gekündigt worden.
Einschrän
kungen im funktionellen Leistungsvermögen seien
also
bereits während
der Dauer des Vorsorgeschutzes bei der Beklagten vorhanden gewesen
.
Dazu ist fest
zuhalten, dass das Arbeitsverhältnis nicht von der Arbeitgeberin gekündigt, son
dern im gegenseitigen Einvernehmen
aufgelöst
wurde (
vgl.
Urk.
12/14).
Nebst
der Abfindung von
Fr.
31'500.-- wurde dem Kläger auch eine Erfolgsvergütung von
Fr.
22'366.66 ausgerichtet. Der Betrag entspricht gemäss
G._
, Einzelzeichnungsberechtigter der ehemaligen Arbeitgeberin,
einem Bonus für 11 Monate, welcher in diesem Umfang nur ausgerichtet wird, wenn - wie vorliegend - der Mitarbeiter die Ziele zu 100
%
erreicht hat (E. 5
hievor
).
Eine Zielerreichung von 100
%
lässt nicht auf eine Leistungseinschränkung während der Dauer des Arbeitsverhältnisses schliessen.
G._
hielt denn auch fest, dass die Arbeitgeberin mit den Arbeitsergebnissen des Klägers zufrieden war und seine Arbeitsleistung
weder von ihr noch von ihren Kunden beanstandet wurde. Das Arbeitsverhältnis wurde nach seinen Ausführungen aus wirtschaftlichen Gründen
wegen
mangelnder Auftragslage aufgelöst.
Auch den Berichten
der behandelnden
Dr.
B._
ist zu entnehmen, dass
dem Kläger
aus betrieblichen Gründen gekün
digt wurde (E. 3.3 und E. 3.9
hievor
).
Aus den
Akten
ergeben sich
keine gehäuften gesundheitlich bedingten Arbeitsausfälle oder
eine
Ermahnung der Arbeitgeberin, welche auf eine Einbusse an Leistungsvermögen während der Arbeitsdauer wür
de
n
schliessen lassen
, weshalb eine Kündigung aus gesundheitlichen Gründen nicht erstellt ist
.
Vielmehr ist davon auszugehen, dass
d
er
Kläger
die Anforderun
gen an eine vollzeitliche Tätigkeit als Senior Consultant bei der
Y._
AG auch im Jahr 2012 vollumfänglich erfüllt hat und somit arbeitsfähig im Sinne des Gesetzes war.
Nachdem der Kläger nach eigenen Angaben
bei der Arbeit nie über seine MS-Diagnose gesprochen und
die Erkrankung auch
stets verborgen hat
und er weiter festhielt, seitens der Arbeitgeberin seien keine Beanstandungen dokumen
tiert
worden
(
Urk.
27 S. 1 und
Urk.
1 S. 8)
- was mit Blick auf die von
G._
eingereichten Unterlagen
(
Urk.
39/1-4
)
zu bestätigen ist -
, sind von einer Befragung seines ehemaligen Vorgesetzten diesbezüglich keine weiteren Er
kenntnisse zu erwarten, weshalb darauf verzichtet wird.
Die Umstände der Auf
lösung des Arbeitsverhältnisses lassen zusammenfassend nicht auf eine vor dem 3
1.
Dezember 2012 eingetretene Einschränkung der Arbeitsfähigkeit schliessen.
Die Beklagte trifft
nach dem Gesagten
keine Leistungspflicht und die Klage ist abzuweisen.