Decision ID: c4d80321-822e-5416-9fdc-41ad48cc2043
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Juli/August 2010 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen
zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Sie gab an, die Primar- und Realschule
absolviert und im Jahr 2003 eine Lehre als Hauswirtschafterin abgeschlossen zu haben
(Fähigkeitszeugnis, IV-act. 3). Zuletzt habe sie zu 100% als Hauswirtschafterin
gearbeitet. Seit dem 1. Juli 2009 sei sie arbeitslos. Wegen einer angeborenen
Verkrümmung der Wirbelsäule ("Buckel") sei sie seit dem 28. April 2010 voll
arbeitsunfähig.
A.a.
Am 27. April 2010 hatte sich die Versicherte wegen einer Kyphoskoliose
("Buckelbildung") unklarer Ätiologie einer dorsalen Spondylodese BWK6-BWK12
unterzogen (IV-act. 9-13 f.). Am 3. Mai 2010 waren eine Wundrevision und ein
Wunddébridement erfolgt (IV-act. 9-9). Am 2. August 2010 war eine
Verlängerungsspondylodese Th12-L2 durchgeführt worden (IV-act. 9-1 f.).
A.b.
Die B._ AG berichtete der IV-Stelle am 26. Oktober 2010 (IV-act. 22), dass sie
die Versicherte vom 1. August 2008 bis 31. Mai 2009 in einem Vollpensum als Leiterin
der Wäscherei beschäftigt habe. Das Arbeitsverhältnis sei gekündigt worden, weil die
Arbeitsleistung der Versicherten nicht den gestellten Anforderungen entsprochen habe.
Aus dem Lohnkonto war ersichtlich, dass der Monatslohn Fr. 4'494.-- (zzgl. 13.
Monatslohn) betragen hatte.
A.c.
Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeinmedizin, berichtete der IV-Stelle am
2. Januar 2011 (IV-act. 24), dass die Versicherte an einer idiopathischen Kyphose der
BWS und seit 2008 an einer intermittierenden depressiven Verstimmung leide. Wegen
einer morbiden Adipositas sei am 5. September 2006 eine lap. distale
Magenbypassoperation erfolgt, die zu einer massiven Gewichtsreduktion geführt habe.
Die bisherige Tätigkeit sei der Versicherten aufgrund chronischer Schmerzen derzeit
A.d.
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nicht zumutbar. Die Abklärung der Möglichkeit von Wiedereingliederungsmassnahmen
sei indiziert.
Anlässlich eines Assessmentgesprächs vom 9. Mai 2011 gab die Versicherte
gegenüber der Eingliederungsverantwortlichen an (IV-act. 40), dass sie seit März 2011
aushilfsmässig im Alterswohnheim D._ "bei ihrem Vater" arbeite. Zurzeit arbeite sie
dort in einem Pensum von 90%. Gemäss ihrem Vater könne jedoch nicht von einer
Leistungsfähigkeit gesprochen werden. Das Alterswohn- und Pflegeheim D._
berichtete der IV-Stelle am 14. Juli 2011 (IV-act. 43-3 ff.), dass es die Versicherte seit
dem 1. Mai 2011 in einem Pensum von 100% als Fachfrau Hauswirtschaft beschäftige.
Der Jahreslohn betrage Fr. 58'500.--. Bei einer Nachkontrolle im Kantonsspital
St. Gallen (KSSG) vom 4. Oktober 2011 gab die Versicherte an, dass es bei der Arbeit
zu einer Intervention mit einem Heiminsassen gekommen sei, welcher ihr mit den
Schuhen auf den Rücken geschlagen habe (Bericht vom 7. Oktober 2011, IV-act. 55-11
f.). Seitdem habe sie wieder zunehmende Schmerzen. Aktuell sei sie zu 50%
arbeitstätig.
A.e.
Dr. C._ berichtete der IV-Stelle am 22. Mai 2012 über einen verschlechterten
Gesundheitszustand (IV-act. 55). Die Versicherte klage trotz der Physiotherapie über
chronische Rückenschmerzen, wobei sich auf der Höhe der unteren BWS eine
störende Knocheneminenz gebildet habe. Diese solle nun abgetragen werden. Im
Übrigen leide die Versicherte an rezidivierenden Ödemen bei Hypoproteinämie in Folge
Malnutrition bei Status nach distalem Magenbypass. Seines Erachtens sei die
Versicherte in der Lage, an einer beruflichen Abklärung teilzunehmen.
A.f.
Vom 1. bis 26. Oktober 2012 fand eine berufliche Abklärung in der BEFAS
Appisberg statt (IV-act. 60). Im Schlussbericht vom 12. November 2012 (IV-act. 68)
wurde festgehalten, dass man die Versicherte einerseits als arbeitswillig und kooperativ
und andererseits als in psychisch sehr schlechter Verfassung erlebt habe. Die
Versicherte bemühe sich, möglichst bald mit einer Psychotherapie zu beginnen. Um
das weitere Vorgehen gezielt planen zu können, solle vorerst eine vertiefte,
dreimonatige Abklärung im Bürobereich durchgeführt werden. Die Abklärung als
Kauffrau im Verkauf erfolgte vom 26. November 2012 bis 22. Februar 2013 bei E._
(IV-act. 71). Wegen einer Salmonellenvergiftung fehlte die Versicherte an 17 Tagen.
A.g.
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Laut dem Schlussbericht vom 27. Februar 2013 (IV-act. 81) betrug die Präsenzzeit bis
1. Februar 2013 sechs Stunden und ab 4. Februar 7 Stunden pro Tag. In einem 85%-
Pensum wurde die Leistungsfähigkeit auf ca. 70% eingestuft. Das E._ empfahl eine
Ausbildung als Kauffrau in einem geschützten Umfeld. Vorstellbar sei, dass die
Versicherte das zweite Ausbildungsjahr in einem externen Praktikum absolvieren
könne.
Wegen rezidivierenden Hypoproteinämien sowie Diarrhöen bei Zustand nach lap.
distalem Magenbypass erfolgte am 7. März 2013 eine lap. Proximalisierung (Rückbau
des Magenbypasses; IV-act. 82).
A.h.
Am 21. Mai 2013 wurde der Versicherten eine Kostengutsprache für die
Vorbereitung auf die Umschulung zur Kauffrau EFZ bei E._ vom 8. April bis 31. Juli
2013 erteilt (IV-act. 94). Am 12. September 2013 erteilte die IV-Stelle eine
Kostengutsprache für die Umschulung zur Kauffrau EFZ bei E._ vom 1. August 2013
bis 31. Juli 2014 (IV-act. 108). Da die Versicherte seit Beginn der Massnahme
arbeitsunfähig gewesen war und lediglich an drei halben Tagen die Schule besucht
hatte (IV-act. 110), wurde die Umschulung per 30. September 2013 abgebrochen (IV-
act. 115).
A.i.
Dr. med. univ. F._, Assistenzärztin Externer Psychiatrischer Dienst (EPD) in
G._, diagnostizierte am 13. Dezember 2013 (IV-act. 122) mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit abhängigen,
vermeidenden, infantilen und borderlineähnlichen Zügen (ICD-10: F61.0), psychische
und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika: Schädlicher Gebrauch
(F13.1), eine iatrogene Opiatabhängigkeit (F11.2), Fentanylpatch, orale Opiate sowie
einen Status nach Essstörung, Adipositas permagna (Gewichtsverlust von 120 auf 60
kg). Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gab sie einen Status nach
sexuellem Missbrauch (4-12 J.), Probleme bei sexuellem Missbrauch in der Kindheit
durch eine Person innerhalb der engeren Familie (Z61.4), an. Dr. F._ erklärte, dass
sich die Versicherte ab dem 7. Februar 2013 in ihrer ambulanten Behandlung befunden
habe. Am 4. Oktober 2013 habe die Versicherte die Behandlung auf eigene Initiative
abgebrochen. Sie habe zu Beginn und zum Ende der ambulanten Behandlung einen
A.j.
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schädlichen Gebrauch von Lorazepam bis zu 6mg täglich angegeben. Die
Medikamentenabgabe sei jedoch nicht durch den EPD erfolgt.
Das Schmerzzentrum des KSSG berichtete dem Hausarzt am 17. Februar 2014
(IV-act. 134), dass die Versicherte an einem chronischen Schmerzsyndrom II nach
Gerbershagen, Schmerzqualität: Neuropathisch-nozizeptiv gemischt, Lokalisation:
LWS, Ausstrahlung in untere BWS, Oberschenkel beidseits, rechts mehr als links, leide.
Bezüglich der Psyche hielten die Ärzte fest, die Versicherte habe die Psychotherapie
beim EPD nur besucht, weil die Versicherung dies wolle; sie selber sehe nach wie vor
keinen Bedarf. Aus Angst vor der Versicherung bestehe aber der Wunsch, dass ihr eine
Psychotherapie angeboten werde.
A.k.
H._, Psychologin, Klinik für Psychosomatik, KSSG, berichtete der IV-Stelle am
13. Juni 2014 (IV-act. 139), dass die Versicherte an einer rezidivierenden depressiven
Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, seit einem halben Jahr zunehmend
verstärkt, leide (F33.1). Die Versicherte befinde sich seit dem 7. März 2014 in ihrer
Behandlung (14-tägliche psychotherapeutische Gespräche, Teilnahme am ISP-
Programm des Schmerzzentrums, Schmerzprogrammkurs April bis Juni 2014; IV-act.
147-5). Am 21. Juli 2014 reichte die Psychologin einen Bericht vom 12. März 2014
nach (IV-act. 143). Sie hatte darin angegeben, dass sich die seit längerem bestehende
depressive Symptomatik im Laufe des letzten halben Jahres verstärkt habe. Die
Versicherte sei mit ihrem Leben zunehmend unzufrieden. Besonders belastend sei die
Situation, nicht mehr arbeiten zu können.
A.l.
Am 26. August 2014 berichtete Dr. med. I._, Palliativzentrum KSSG, dass die
Versicherte infolge der Operation in ein körperliches und psychisches Tief gefallen sei,
welches zusammen mit der Psychologin bearbeitet werde. Allmählich stabilisiere sich
die Gesamtsituation. Nach der Stabilisierung sei eine deutlich bessere körperliche
Aktivität zu erwarten. Eine Tätigkeit mit leichten körperlichen Anforderungen und
häufigen Positionswechseln sei der Versicherten ca. 3-4 Stunden pro Tag zumutbar.
A.m.
Die Psychologin berichtete der IV-Stelle am 10. September 2014 (IV-act. 149),
dass die Versicherte zuverlässig wöchentlich zu psychologischen Gesprächen zu ihr
komme. Der Verlauf zeige sich aus psychologischer Sicht erfreulich. Die Versicherte
A.n.
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B.
habe ihr Selbstbewusstsein verbessern, die depressiven Einbrüche und deren
Intensität deutlich reduzieren, Strategien zur Schmerzbewältigung erlernen sowie einen
grossen Schritt bezüglich einer Tagesstruktur machen können. Trotz der positiven
Entwicklung bedürfe es aber noch längerfristig einer konsequenten
psychotherapeutischen Arbeit. Zum jetzigen Zeitpunkt bestehe aus psychologischer
Sicht eine ausreichende Belastbarkeit und Ausbildungsfähigkeit zur Weiterführung der
beruflichen Massnahmen. Ob die Massnahme erfolgreich abgeschlossen werden
könne, sei im Moment nicht absehbar. Limitierend schienen die somatischen Faktoren
zu sein.
Dr. C._ berichtete der IV-Stelle am 12. Oktober 2014 über eine Verschlechterung
des Gesundheitszustandes (IV-act. 153). Die Prognose sei schlecht, da bereits eine
Chronizität des Leidens vorliege.
A.o.
Anlässlich eines Assessmentgesprächs vom 17. November 2014 gab die
Versicherte gegenüber der Eingliederungsverantwortlichen der IV-Stelle an (IV-act.
164), aus ihrer Sicht sei alles versucht worden und sie habe sich sehr bemüht. Die
Rentenprüfung sei wohl der nächste und beste Schritt. Die
Eingliederungsverantwortliche notierte, die Versicherte habe den Eindruck gemacht,
dass sie derzeit noch keine Energie für weitere Massnahmen habe. Ihr würde es am
meisten helfen, wenn einmal ein Entscheid gefällt würde. Die finanzielle Situation
belaste sie sehr.
A.p.
RAD-Ärztin Dr. med. J._ notierte am 14. Januar 2015 (IV-act. 169), dass vom
RAD am 6. Oktober 2014 (IV-act. 161-3) eine Arbeitsfähigkeit adaptiert von ca. 50%
halbtags, steigerbar, zur Fortführung der beruflichen Massnahmen bestätigt worden
sei. Die Versicherte fühle sich jedoch nicht in der Lage, an Eingliederungsbemühungen
mitzuwirken; sie wünsche die Rentenprüfung. Die RAD-Ärztin schlug daher eine
polydisziplinäre Begutachtung in den Disziplinen Orthopädie, Innere Medizin und
Psychiatrie vor.
A.q.
Am 25. März 2015 wurde die Versicherte durch das Medizinische
Gutachtenzentrum Region St. Gallen GmbH (MGSG) begutachtet (Gutachten vom 10.
B.a.
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Juni 2015, IV-act. 177). Die Gutachter stellten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit: Eine Schmerzpersistenz nach Aufrichtespondylodese Th7-12 mit
Pedikelsubtraktionsosteotomie Th8/9, Ponte-Osteotomie Th7/8 und Th10/11 sowie
TLIF Th12/L1 2010 und Schlichten des Processus spinosus Th10 mit Mobilisation der
Fascia thoracolumbalis Juli 2012, eine rezidivierende depressive Störung mit leichten
bis mittelgradigen depressiven Episoden, bestehend seit etwa Juli 2010 (F33.0, F33.1),
sowie kombinierte Persönlichkeitsstörungen mit ängstlich vermeidenden, abhängigen,
unreifen und Borderline-Zügen (F61.0). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit gaben die Gutachter unter anderem eine Präadipositas und eine
iatrogene Opiatabhängigkeit (F11.25) an. Dr. med. K._, Spezialarzt für Innere Medizin,
hielt fest, dass sich die Versicherte aus internistischer Sicht gesund fühle und voll
leistungsfähig sei. Diese Beurteilung entspreche auch der internistischen
gutachterlichen Einschätzung. Dr. med. L._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, erklärte, dass sich aus psychiatrischer Sicht bei der Versicherten eine
ungünstige Kindheits- und Persönlichkeitsentwicklung mit Abneigung und Vorwürfen
durch die Mutter sowie einem angeblichen sexuellen Missbrauch in der Familie
zwischen dem 4. und 12. Lebensjahr habe erheben lassen. Die Versicherte habe
bereits im Kindesalter eine psychotherapeutische Behandlung erhalten. Sie habe
zunehmende Essstörungen mit morbider Adipositas entwickelt, worauf 2006 eine
Magen-Bypass Operation mit etwa 60kg Gewichtsabnahme erfolgt sei. Seit etwa 2008
lasse sich eine Verschlechterung des psychischen Zustandsbildes erheben; auf
Probleme am Arbeitsplatz mit einem angeblichen Mobbing, einem Arbeitsplatzverlust
und zunehmenden Rückenbeschwerden habe sie mit depressiven Verstimmungen
reagiert. Nach zwei operativen Behandlungen mit Spondylodese habe sich seit etwa
Juli 2010 eine rezidivierende depressive Störung mit mittelgradigen depressiven
Episoden erheben lassen, die durch eine niedergeschlagene Stimmung mit
Lustlosigkeit, Freudlosigkeit, Antriebsminderung, zunehmendem Rückzug und Meidung
sozialer Kontakte gekennzeichnet sei. Es hätten nur wenige Aktivitäten bestanden, die
Versicherte sei meist gelegen und im Denken völlig negativistisch eingeengt auf ihre
Situation, die Vergangenheit sowie die Zukunft mit vorübergehenden Suizidgedanken
gewesen. Hinzu seien Angstzustände mit Zukunftsängsten, Existenzängsten,
Verlustängsten, Erwartungsängsten mit Schreckhaftigkeit sowie Schlafstörungen mit
teils erhöhtem Schlafbedürfnis und Ein- und Durchschlafstörungen gekommen. Unter
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einer Intensivierung der psychotherapeutischen Behandlung, kombiniert mit
antidepressiver Medikation, habe eine allmähliche Besserung des psychischen
Zustandsbildes erreicht werden können: Seit etwa Januar 2015 bestehe eine leichte
depressive Episode, gekennzeichnet durch depressive Stimmungsschwankungen,
wobei sich die Lust, die Freude und der Antrieb gegenüber vorher gebessert hätten
und die Versicherte wieder mehr Motivation und mehrere Interessen entwickelt habe.
Weiterhin bestünden jedoch öfters Unruhezustände mit Herzrasen und die Versicherte
sei weiterhin nachdenklich mit vermehrtem Grübeln über ihr Leben, über ihre
Vergangenheit und die Zukunft sowie ihre gesundheitlichen Probleme. Suizidgedanken
habe sie verneint, jedoch weiterhin Ängste mit Zukunftsängsten sowie
Erwartungsängsten angegeben mit Angst, es könne ihr oder den Angehörigen etwas
passieren. Auch bestünden weiterhin Schlafstörungen mit Ein- und
Durchschlafstörungen. Daneben hätten sich bei der Versicherten seit mindestens 2010
auch Hinweise für kombinierte Persönlichkeitsstörungen mit ängstlich-vermeidenden,
abhängigen, unreifen und Borderline-Persönlichkeitszügen erheben lassen, die durch
mangelndes Selbstvertrauen, Minderwertigkeitsgefühle mit Meidung verschiedener
sozialer und beruflicher Aktivitäten sowie einer Abhängigkeit von sozialen
Unterstützungen mit mangelnder Selbständigkeit, indem Entscheidungen anderen
überlassen würden, gekennzeichnet seien. Hinzu kämen unreife Persönlichkeitszüge
sowie Borderline-Persönlichkeitszüge mit einem unklaren eigenen Selbstbild,
Schwierigkeiten, Grenzen zu setzen und mit teils selbstschädigendem Verhalten, indem
die Versicherte, wie im Bericht der Psychiatrischen Dienste M._ vom 13. Dezember
2013 beschrieben, unvollständige Informationen oder widersprüchliche Angaben
mache. Hinweise für eine somatoforme Schmerzstörung hätten sich keine gefunden,
obwohl die Schmerzen nur teilweise organisch erklärbar seien. Jedoch sei eine
psychogene Überlagerung der körperlichen Beschwerden im Zusammenhang mit der
rezidivierenden depressiven Störung bei zugrundeliegenden kombinierten
Persönlichkeitsstörungen anzunehmen. Bei der Versicherten könne trotz der
rezidivierenden depressiven Störung und trotz der kombinierten
Persönlichkeitsstörungen eine zumutbare Willensanstrengung zur Wiederaufnahme
einer beruflichen Tätigkeit mit Verwertung der Arbeitsfähigkeit angenommen werden.
Die Versicherte sei einem Arbeitsumfeld zumutbar, bedürfe jedoch vermehrter
Rücksicht und Verständnis. Aufgrund der rezidivierenden depressiven Episoden und
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der zugrundeliegenden kombinierten Persönlichkeitsstörungen seien die emotionale
Belastbarkeit, die geistige Flexibilität, der Antrieb, die Motivation, die Interessen, die
Kontaktfähigkeit und die Dauerbelastbarkeit beeinträchtigt. Es liessen sich aber auch
Ressourcen erheben. So seien die beklagten Beschwerden überwiegend konsistent;
allerdings habe die Versicherte nur unvollständige anamnestische Angaben,
insbesondere bezüglich dem angeblichen Missbrauch in der Kindheit, gemacht. Die
Schwierigkeiten im Rahmen der beruflichen Massnahmen stünden vor allem im
Zusammenhang mit den kombinierten Persönlichkeitsstörungen mit einem
Vermeidungsverhalten sowie einem regressiven unreifen Verhalten mit
Selbstlimitierung. Aus rein psychiatrischer Sicht könne für die zuletzt ausgeübte
Tätigkeit als Fachfrau Hauswirtschaft ab etwa Januar 2014 eine 40%ige
Arbeitsfähigkeit bei vollem Stundenpensum angenommen werden. Nach der
Besserung der depressiven Störung sei seit etwa Januar 2015 von einer 50%igen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen. In einer dem psychischen Leiden angepassten
Tätigkeit könne seit etwa Januar 2014 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit angenommen
werden und seit etwa Januar 2015 eine 60%ige Arbeitsfähigkeit. Dr. med. N._,
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, führte aus,
dass das Ausmass der thorakolumbalen Schmerzen und der subjektiven
Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit bei quasi unauffälligem MRI der
Wirbelsäule und nicht sehr auffälligem Untersuchungsbefund der Brust- und
Lendenwirbelsäule nur ungenügend plausibilisiert werden könne. Bei radiologisch
fehlender neuraler Kompression könne insbesondere auch die Ausstrahlung der
Schmerzen in beide Kniegelenke nicht erklärt werden. Die Arbeitsfähigkeit als
Hauswirtschafterin, einer vorwiegend stehenden und gehenden Tätigkeit mit häufig
inklinierten und rotierten Körperhaltungen betrage aufgrund des Zustandes nach
Aufrichtespondylodese Th7-L2 und verminderter Mobilität und Belastbarkeit der
Wirbelsäule seit September 2012 bei voller Stundenpräsenz 70%. Vorangehend habe
vom Zeitpunkt der ersten Operation bis zu diesem Zeitpunkt im Rahmen der
postoperativen Rehabilitation eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden.
Körperlich leichte Tätigkeiten, die abwechslungsweise sitzend und stehend ausgeführt
werden könnten, ohne häufige inklinierte, reklinierte und rotierte Körperhaltungen,
könnten seit September 2012 bei voller Stundenpräsenz zu 90% zugemutet werden. Im
Rahmen der postoperativen Rehabilitation habe auch für adaptierte Tätigkeiten von
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April 2010 bis zu diesem Zeitpunkt eine volle Arbeitsunfähigkeit bestanden. In
polydisziplinärer Hinsicht schätzten die Gutachter die Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit wie auch in adaptierten Tätigkeiten vom Zeitpunkt der ersten
Operation (April 2010) bis August 2012 auf 0%. Ab September 2012 schätzten sie die
Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auf 70%, ab Januar 2014 auf 40% und
ab Januar 2015 auf 50%. Die Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit
bezifferten sie ab September 2012 mit 90%, ab Januar 2014 mit 50% und ab Januar
2015 mit 60%.
Der RAD bezeichnete das Gutachten in seiner Stellungnahme vom 6. Juli 2015 als
schlüssig und nachvollziehbar. Vom 27. April 2010 bis August 2012 habe eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit angestammt als Fachfrau Hauswirtschaft und in einer adaptierten
Erwerbstätigkeit bestanden. Vom September 2012 bis Dezember 2013 habe die
Arbeitsunfähigkeit angestammt 30% und adaptiert 10% betragen. Vom Januar bis
Dezember 2014 sei die Versicherte angestammt 60% und adaptiert 50% arbeitsunfähig
gewesen. Seit Januar 2015 gelte angestammt eine 50%ige und adaptiert eine 40%ige
Arbeitsunfähigkeit ganztags. Die Versicherte bedürfe weiterhin einer konsequenten
psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlung kombiniert mit ausreichend
dosierter antidepressiver Medikation (IV-act. 178).
B.b.
Dr. I._ berichtete der IV-Stelle im November 2015, dass bei einer bereits derart
lang bestehenden Schmerzsymptomatik von gemischt nozizeptiv-neuropathischem
Charakter nicht von einer deutlichen Besserung der Beschwerden auszugehen sei.
Erfreulicherweise habe die Versicherte wieder vermehrt Kontakt zu ihrer Familie
aufgenommen und auch ihre Tagesstruktur deutlich verbessert. Für die zuletzt
ausgeübte Arbeitstätigkeit im Büro bestehe sicher eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit,
welche mit aktuell 30% zu sehen sei. Vor allem müssten das Tragen von schwereren
Lasten und häufige Rotationsbewegungen vermieden werden (IV-act. 188). Gestützt
darauf erachtete der RAD den Gesundheitszustand der Versicherten im Vergleich zum
polydisziplinären Gutachten vom Juni 2015 als stationär (IV-act. 190).
B.c.
Am 12. November 2015 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass das
Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen abgewiesen werde, da sie sich gemäss
B.d.
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Besprechung mit der IV-Eingliederungsberatung nicht in der Lage fühle, an
Eingliederungsbemühungen mitzuwirken (IV-act. 193).
Mit einem Vorbescheid vom 26. November 2015 stellte die IV-Stelle der
Versicherten die Abweisung des Rentenbegehrens bei einem Invaliditätsgrad von 30%
in Aussicht (IV-act. 196). Dagegen wandte die Versicherte am 7. Dezember 2015 im
Wesentlichen ein, dass die Begutachtung "nichts tauge". Es sei oberflächlich
niedergeschrieben und es grenze an einen Affront, wenn Dr. N._ behaupte, die
Schmerzen der Versicherten könnten nicht nachvollzogen werden. Die vom Psychiater
angenommene Hypothese, dass die Versicherte ab Januar 2015 wieder zu 60%
arbeitsfähig sei, sei nicht nachvollziehbar (IV-act. 200).
B.e.
Daraufhin legte die IV-Stelle die Akten erneut dem RAD sowie ihrem Rechtsdienst
zur Beurteilung vor (IV-act. 201f., 204). Am 10. März 2016 hielt RAD-Arzt Dr. med.
O._, Facharzt für Neurologie sowie für Psychiatrie und Psychotherapie, fest, mit Blick
auf die Operationen 2010 und 2012 sei die gutachterlich attestierte vollumfängliche
Arbeitsunfähigkeit von April 2010 bis August 2012 nachvollziehbar. Auch bei
zwischenzeitlich eventuell bestehenden Arbeitsverhältnissen sei wahrscheinlich, dass
ein reguläres Leistungsniveau nicht verbindlich abrufbar gewesen sei. Der danach
aufgeführte Zeitraum von September 2012 bis Dezember 2013 spiegle allerdings nur
die isolierte orthopädische Betrachtung wider. Letztlich sei eine rückblickende
Arbeitsunfähigkeitsbeurteilung meist mit verschiedenen Unwägbarkeiten behaftet.
Deshalb sei aus medizintheoretischen Überlegungen heraus eine
Längsschnittbetrachtung vorzuschlagen und das Arbeitsunfähigkeitsniveau der Periode
April bis Dezember 2014 einzusetzen, da es mit Blick auf den nachfolgenden
psychischen Verlauf unwahrscheinlich gewesen sei, dass in dieser Zeit tatsächlich ein
höheres Leistungsniveau nachhaltig habe abgerufen werden können (IV-act. 204).
B.f.
Gestützt darauf erliess die IV-Stelle am 6. April 2016 einen neuen Vorbescheid. Sie
stellte der Versicherten die Zusprache einer halben Invalidenrente ab 1. Oktober 2013
und einer Viertelsrente ab 1. April 2015 in Aussicht (IV-act. 211). Dagegen erhob die
Versicherte wiederum Einwand; sie beantragte im Wesentlichen die Zusprache einer
halben Rente (IV-act. 212). Am 26. August 2016 verfügte die IV-Stelle gemäss ihrem
Vorbescheid (IV-act. 214 ff.).
B.g.
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C.

Erwägungen
1.
Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a IVG sind in Abweichung von Art. 52 und 8 ATSG die
Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der
IV-Stelle anfechtbar. Demnach sind Beschwerden gegen Entscheide der kantonalen IV-
Dagegen erhob die Versicherte am 28. September 2016 Beschwerde mit den
Anträgen, die Verfügung vom 26. August 2016 sei aufzuheben, es sei ihr ab 1. April
2015 mindestens eine halbe Invalidenrente zuzusprechen und es sei ein neues
bidisziplinäres, eventualiter psychiatrisches Gutachten in die Wege zu leiten. Zudem
ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung. Sie machte im
Wesentlichen geltend, dass eine halbe Invalidenrente aufgrund eines neuen
Gutachtens unumgänglich sei, da das Gutachten die medizinische Situation
ungenügend bzw. parteiisch wiedergäben (act. G 1).
C.a.
Am 26. Oktober 2016 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde (act. G 6).
C.b.
Am 14. Dezember 2016 bewilligte die verfahrensleitende Richterin die
unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung; act. G 10).
C.c.
Am 13. November 2018 informierte das Versicherungsgericht die
Beschwerdeführerin darüber, dass der Entscheid des Versicherungsgerichts zu einer
reformatio in peius führen könnte. Es gab der Beschwerdeführerin die Möglichkeit, die
Beschwerde bis 3. Dezember 2018 zurückzuziehen. Es hielt fest, nach einer vorläufigen
Durchsicht der Akten bestehe die Möglichkeit, dass das Gericht einen Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine Rente ab 1. Oktober 2013 verneinen und ihr − im
schlechtesten Fall − erst ab dem 1. Januar 2015 eine Rente zusprechen könnte (act. G
12).
C.d.
Am 30. November 2018 hielt die Beschwerdeführerin unverändert an ihrer
Beschwerde und den gestellten Anträgen fest (act. G 13).
C.e.
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Stellen – unabhängig vom Wohnsitz der versicherten Person – durch das
Versicherungsgericht des entsprechenden Kantons zu behandeln (Meyer/Reichmuth,
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Aufl. 2014, Rz. 2 zu Art. 69 IVG). Die
Zuständigkeit des Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen ist damit trotz des
Wohnsitzes der Beschwerdeführerin im Kanton M._ gegeben.
2.
Streitig und vorliegend zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführerin mit der angefochtenen Verfügung vom 26. August 2016 zu Recht
ab 1. Oktober 2013 eine halbe Invalidenrente und ab 1. April 2015 eine Viertelsrente
zugesprochen hat.
2.1.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wiederherstellen, erhalten oder verbessern können, während eines Jahres ohne
wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen
sind und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1
IVG). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder
längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist
gemäss Art. 7 Abs. 1 ATSG der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichen Arbeitsmarkt. Der im Art. 28 Abs. 1 IVG
(i.V.m. Art. 8 Abs. 1 ATSG) verwendete Begriff der Invalidität definiert also, rein
versicherungstechnisch betrachtet, einen versicherten "Schaden", der die Erfüllung
einer "Schadenminderungspflicht" bedingt, bevor ein Anspruch auf
Versicherungsleistungen entstehen kann. Diese "Schadenminderungspflicht" besteht in
der möglichen und zumutbaren medizinischen Behandlung zur möglichst
weitgehenden Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit und/oder der möglichen und
zumutbaren beruflichen Eingliederung zur Überwindung der aus der (allenfalls)
verbleibenden Arbeitsunfähigkeit resultierenden Einbusse an Erwerbsmöglichkeiten.
Bei der Anwendung der Definition der Invalidität gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG in der
obligatorischen Unfallversicherung (UV) und der Militärversicherung (MV) erfolgt eine
klare Abgrenzung zwischen der Invalidenrentenberechtigung und der
Taggeldberechtigung. Der taggeldspezifische versicherte "Schaden" ist die
Arbeitsunfähigkeit i.S. von Art. 6 ATSG, der rentenspezifische "Schaden" besteht in der
Invalidität i.S. von Art. 8 Abs. 1 ATSG. (Die Übergangsrente gemäss Art. 19 Abs. 3 UVG
i.V.m. Art. 30 UVV ist keine "echte" Invalidenrente, denn ihr liegt als "Schaden" keine
2.2.
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Invalidität i.S. von Art. 8 Abs. 1 ATSG, sondern eine Arbeitsunfähigkeit gemäss Art. 6
ATSG zugrunde; ihrem Wesen nach ist die Übergangsrente also eine Sonderform des
Taggeldes.) Solange eine medizinische Eingliederung läuft und solange sich die
versicherte Person einer (bei unfallversicherten Personen i.d.R. durch die
Invalidenversicherung erbrachten) beruflichen Eingliederung unterzieht, hat diese
versicherte Person entsprechend ihrer Arbeitsunfähigkeit einen Anspruch auf ein
Taggeld. Erst wenn die medizinische oder die berufliche Eingliederung abgeschlossen
ist, ist die Definition der Invalidität gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG erfüllt, so dass erst jetzt
ein Anspruch auf eine Invalidenrente der UV oder der MV entstehen kann. Bei der
Anwendung des Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG kann das sogenannte Wartejahr (Art. 28 Abs. 1
lit. b IVG) also – der Definition der Invalidität in Art. 8 Abs. 1 ATSG entsprechend – nicht
den Zweck haben, dass mit der Erfüllung dieses Wartejahres immer sofort ein
Invalidenrentenanspruch entstehen müsste. Ein Invalidenrentenanspruch entsteht nur
dann mit dem Ablauf des Wartejahres, wenn zum Vornherein keine medizinische und/
oder berufliche Eingliederung möglich ist, wenn die medizinische und/oder berufliche
Eingliederung innert dieses Jahres hat abgeschlossen werden können oder wenn sich
bei mehr als ein Jahr dauernden medizinischen und/oder beruflichen Massnahmen
schliesslich zeigt, dass der Versuch der Eingliederung zum Vornherein objektiv zum
Scheitern verurteilt war, also zum Vornherein objektiv keinen Eingliederungserfolg
bewirken konnte. Daraus hat eine Abteilung des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen abgeleitet, dass ein Invalidenrentenanspruch in der Invalidenversicherung –
analog zur Rechtslage in der UV und der MV – immer erst dann entstehen könne, wenn
mit dem Abschluss der eingliederungsrelevanten medizinischen Behandlung und/oder
der beruflichen Eingliederung eine Invalidität gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG verbleibe. Das
kann erfahrungsgemäss im Extremfall mehrere Jahre über das sogenannte Wartejahr
hinaus dauern. Da die Invalidenversicherung, anders als die UV oder die MV, kein
Taggeld kennt, das während des sogenannten Wartejahres und darüber hinaus auf der
Grundlage einer Arbeitsunfähigkeit gemäss Art. 6 ATSG ausgerichtet würde, kann es in
jenen Fällen, in denen kein UV- oder MV-Taggeld ausgerichtet wird, zu einer
Leistungslücke kommen, so dass der Existenzbedarf der betroffenen versicherten
Person nicht gedeckt ist. Diese Leistungslücke könnte der Anlass dafür gewesen sein,
dass eine Interpretation des Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG vorgeschlagen wurde, laut der mit
dem Ablauf des Wartejahres in jedem Fall sofort ein Rentenanspruch entstehen muss,
auch wenn die Invaliditätsdefinition gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG noch nicht erfüllt ist,
wenn also noch eine medizinische und/oder eine berufliche Eingliederungsmassnahme
läuft, aber auch, wenn die Sachverhaltsabklärung (im Hinblick auf eine Eingliederung
oder aber auch im Hinblick auf eine Invalidenrente) noch nicht abgeschlossen ist. In
einem Verfahren nach Art. 54 GerG/SG (sGS 941.1) ist den drei Abteilungen des
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Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen die folgende Frage gestellt worden:
"Haben Versicherte, die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens zu 40% arbeitsunfähig gewesen sind und die nach Ablauf
dieses Jahres weiterhin zu mindestens 40% arbeitsunfähig sind, grundsätzlich
Anspruch auf eine Rente, obwohl zumutbare Eingliederungsmassnahmen, welche ihre
Arbeitsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wiederherstellen erhalten oder verbessern können, nicht abgeschlossen sind?" Diese
Frage ist mehrheitlich bejaht worden. Die Rechtsprechung des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen richtet sich demzufolge nach der entsprechenden
Formulierung, die, entweder als Ergebnis einer Interpretation des Art. 28 Abs. 1 IVG
oder als gerichtliche Ausfüllung einer Lücke im Art. 28 IVG, ihrem klaren und
eindeutigen Wortlaut entsprechend Anwendung finden muss. Im vorliegenden Fall ist
deshalb zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin unmittelbar nach dem Ablauf des
Wartejahres weiterhin i.S. von Art. 6 ATSG zu mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen
ist. Ist das der Fall gewesen, hat sie – in analoger Anwendung des Art. 28 Abs. 2 IVG -
bei einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 40% bis 49% einen Anspruch auf eine
Viertelsrente, bei einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 50% bis 59% einen Anspruch auf
eine halbe Rente usw. Ein allfälliger Rentenanspruch beruht also nicht auf einer
Invalidität i.S. von Art. 8 Abs. 1 ATSG, sondern – wie bei einem UV- oder MV-Taggeld –
auf einer Arbeitsunfähigkeit i.S. von Art. 6 ATSG.
Demnach ist zu prüfen, ob der Grad der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht. Zur Ermittlung
der Arbeitsfähigkeit hat die Beschwerdegegnerin beim MGSG ein polydisziplinäres
Gutachten in Auftrag gegeben. Gemäss dem Gutachten vom 10. Juni 2015 ist die
Beschwerdeführerin vom Zeitpunkt der ersten Operation im April 2010 bis August 2012
im Rahmen der postoperativen Rehabilitation in jeglicher Tätigkeit zu 100%
arbeitsunfähig gewesen. Nach dem Abschluss der postoperativen Heilungsphase, d.h.
ab September 2012, ist der Beschwerdeführerin eine adaptierte Tätigkeit aus rein
orthopädischer Sicht zu 90% zumutbar gewesen. In psychiatrischer Hinsicht haben die
Gutachter der Versicherten für adaptierte Tätigkeiten ab Januar 2014 eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert. Die Gutachter haben festgehalten, unter der Therapie in
der Klinik für Psychosomatik im KSSG habe sich eine Besserung des psychischen
Zustandsbildes von einer mittelgradigen zu einer leichten depressiven Episode erheben
lassen. Die Gutachter haben die Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht für
adaptierte Tätigkeiten daher ab Januar 2015 auf 40% beziffert. Entgegen dem
Vorbringen der Beschwerdeführerin vermögen die gutachterlichen Ausführungen zu
überzeugen. Die von den Gutachtern in orthopädischer Hinsicht attestierte 90%ige
2.3.
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Arbeitsfähigkeit in einer körperlich leichten, abwechslungsweise sitzend und stehend
ausgeführten Tätigkeit ohne häufige inklinierte, reklinierte und rotierte Körperhaltungen
ist mit Blick auf die erhobenen unauffälligen Befunde, namentlich das praktisch
unauffällige MRI der Wirbelsäule, die wenig auffälligen Untersuchungsbefunde der
BWS und LWS und die fehlende neurale Kompression sowie aufgrund des Umstandes,
dass auch die Ärzte des KSSG die persistierenden Rückenschmerzen der
Beschwerdeführerin nicht adäquat haben einordnen können, nachvollziehbar. Wie der
orthopädische Gutachtensteil beinhaltet auch das psychiatrische Teilgutachten eine
umfassende Darstellung der vorhandenen Akten sowie eine ausführliche Anamnese.
Der Gutachter hat sich eingehend mit den von der Beschwerdeführerin geklagten
Beschwerden auseinandergesetzt und diese bei seiner Beurteilung berücksichtigt. Er
hat überzeugend dargelegt, dass aufgrund der rezidivierenden depressiven Episoden
und der zugrundeliegenden kombinierten Persönlichkeitsstörungen die emotionale
Belastbarkeit, die geistige Flexibilität, der Antrieb, die Motivation, die Interessen, die
Kontaktfähigkeit und die Dauerbelastbarkeit der Beschwerdeführerin beeinträchtigt
seien, sich aber auch Ressourcen erheben hätten lassen. Er hat seine Diagnose in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge schlüssig begründet und er hat
nachvollziehbar dargelegt, dass der Beschwerdeführerin aufgrund der bestehenden
psychischen Einschränkungen Arbeiten ohne erhöhte emotionale Belastung, ohne
Stressbelastung, ohne erforderliche geistige Flexibilität, ohne vermehrte
Kundenkontakte und ohne überdurchschnittliche Dauerbelastung ab Januar 2014 zu
50% und ab Januar 2015 zu 60% zugemutet werden könnten. Aus den Akten ergeben
sich entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin keine Hinweise darauf, dass die
Beurteilung durch sachfremde, d.h. durch nicht-medizinische Aspekte, beeinflusst
worden wäre oder dass objektiv wesentliche Tatsachen unberücksichtigt geblieben
wären. Zusammenfassend ist gestützt auf das schlüssige MGSG-Gutachten mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die
Beschwerdeführerin vom April 2010 bis August 2012 in jeglicher Tätigkeit zu 100%
arbeitsunfähig gewesen ist. Ab September 2012 ist der Beschwerdeführerin in rein
somatischer Hinsicht in einer adaptierten Tätigkeit noch zu 10% arbeitsunfähig
gewesen. Ab Januar 2014 hat in angepassten Tätigkeiten gesamthaft eine 50%
Arbeitsunfähigkeit und ab Januar 2015 eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Da
für die Periode September 2012 bis Dezember 2013 nur der orthopädische Gutachter
eine Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben hat (10% arbeitsunfähig), vermag das
Gutachten den Arbeitsfähigkeitsgrad in diesem Zeitraum nicht mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen. Grundsätzlich wäre
das Gutachten also diesbezüglich zu ergänzen. Eine solche Ergänzung könnte aber
ihrem Wesen nach nur ein sogenanntes Aktengutachten sein, das sich zudem wohl nur
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auf den Bericht von Dr. F._ vom 13. Dezember 2013 (vgl. IV-act 122) stützen könnte,
bei der sich der Beschwerdeführerin von Februar bis Oktober 2013 in Behandlung
befunden hatte. Eine direkte Nachfrage bei Dr. F._ würde nach so langer Zeit wohl
kein brauchbares Ergebnis mehr zeitigen, so dass darauf in antizipierender
Beweiswürdigung zu verzichten ist. Eine Ergänzung des Gutachtens kann unterbleiben,
weil Dr. O._ vom RAD am 10. März 2016 mit einer überzeugenden Begründung
vorgeschlagen hat, das Arbeitsunfähigkeitsniveau der Periode Januar bis Dezember
2014 (Arbeitsunfähigkeit 50%) auch für die Zeit von September 2012 bis Dezember
2013 heranzuziehen. Er hat nämlich überzeugend ausgeführt, es sei mit Blick auf den
nachfolgenden Verlauf als Folge der Eigenart des Störungsbildes unwahrscheinlich,
dass die Beschwerdeführerin vorher ein höheres "Leistungsniveau" habe nachhaltig
abrufen können. Damit ist für September 2012 bis Dezember 2014 mit dem
(reduzierten) Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit von einem
Arbeitsunfähigkeitsgrad der Beschwerdeführerin von 50% auszugehen. Ab Januar
2015 hat der Arbeitsunfähigkeitsgrad 40% betragen. Damit ist dem (Eventual-) Antrag
der Beschwerdeführerin, die Angelegenheit sei zur erneuten bidisziplinären
Begutachtung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, nicht stattzugeben.
Da somit ab April 2010 eine Arbeitsunfähigkeit von 100% vorgelegen hat, hat das
sogenannte Wartejahr am 31. März 2011 geendet. Da sich die Beschwerdeführerin
bereits im Juli 2010 zum Bezug von IV-Leistungen – und damit auch zum Bezug einer
Invalidenrente – angemeldet hatte, war die in Art. 29 Abs. 1 IVG vorgesehene
Verzögerung von sechs Monaten seit der Anmeldung am 31. März 2011 bereits
abgelaufen gewesen. Die Beschwerdeführerin hat somit ab 1. April 2011 auf der
Grundlage einer Arbeitsunfähigkeit von 100% einen Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente. Ab September 2012 hat die Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin
noch 50% betragen. In analoger Anwendung von Art. 17 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 88a
Abs. 1 IVV besteht mit einer dreimonatigen Verzögerung ab 1. Dezember 2012 ein
Anspruch auf eine halbe Invalidenrente. Die weitere Reduktion der Arbeitsunfähigkeit
auf 40% per 1. Januar 2015 lässt – in analoger Anwendung der bereits genannten
Bestimmungen – ab 1. April 2015 einen Anspruch auf eine Viertelsrente entstehen. Da
die Beschwerdeführerin ihre Arbeitsfähigkeit gemäss den Angaben des psychiatrischen
Gutachters (vgl. IV-act. 177-41) bei einer Weiterführung der zum Zeitpunkt der
Untersuchung laufenden Therapie noch bis auf 75% steigern kann, ist die Phase der
medizinischen Eingliederung, und damit der Anspruch auf eine Rente auf der
Grundlage der Arbeitsunfähigkeit, bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung noch
nicht beendet gewesen. Die Beschwerdegegnerin wird zu prüfen haben, wann der
2.4.
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