Decision ID: a654d7d7-0028-5ed6-b536-98137b2574d7
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im September 2004 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen
zum Bezug von IV-Leistungen an. Sie gab an, an der Augenkrankheit RP (Retinitis
pigmentosa) zu leiden. Die Versicherte hatte keine Ausbildung absolviert und war in
verschiedenen Produktionsbetrieben als Hilfsarbeiterin und zuletzt als
Reinigungsangestellte tätig gewesen (IV-act. 1, vgl. IV-act. 48). Die Ärzte der
Augenklinik des Universitätsspitals Zürich berichteten der IV-Stelle im Dezember 2004
und im Januar 2005, dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten bei der
Diagnose einer Retinitis pigmentosa sino pigmento verschlechternd darstelle. Die
Versicherte sei in allen Tätigkeiten stark eingeschränkt; zumutbar seien Tätigkeiten mit
wenig Anspruch an die Sehfähigkeit (IV-act. 18, 24). Der Augenarzt der Versicherten,
Dr. med. B._, berichtete der IV-Stelle am 10. November 2005, dass die Sehschärfe
bei der letztmaligen Untersuchung im Juli 2005 bei 0.4 bis 0.5 beidseits gelegen habe.
Mit einer Verschlechterung sei zu rechnen (IV-act. 58).
A.b Im Rahmen der Prüfung von Eingliederungsmassnahmen wurde die Versicherte
beruflich abgeklärt (vgl. IV-act. 48, 51, 63 f.). Gestützt auf die entsprechenden
Abklärungsergebnisse erteilte die IV-Stelle der Versicherten am 28. Februar 2006 eine
Kostengutsprache für die Umschulung zur kaufmännischen Mitarbeiterin in Form einer
sehbehindertentechnischen Grundschulung von Februar 2006 bis Juli 2007 (IV-act. 68,
vgl. IV-act. 102, 105). Im März 2006 berichtete Dr. B._ der IV-Stelle, dass die
Sehschärfe der Versicherten nunmehr bei 0.2 liege. Im Gesichtsfeld erkenne sie keine
Optotypen (Sehzeichen) mehr und es liege eine Einschränkung auf 10° Abstand vom
Zentrum beidseits vor (IV-act. 71). Auf Empfehlung von Dr. B._ wurde die Versicherte
am 19. Juni 2006 zusätzlich in der Augenklinik des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG)
untersucht (vgl. IV-act. 75). Im entsprechenden Bericht vom 17. August 2006 hielten die
Ärzte bei einem Fernvisus von rechts 0.08 und links 0.1 einen verschlechterten
Gesundheitszustand fest (IV-act. 81). Mit Verfügung vom 24. Mai 2007 sprach die IV-
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Stelle der Versicherten eine Hilflosenentschädigung entsprechend einer Hilflosigkeit
leichten Grades mit Wirkung ab dem 1. März 2007 zu (IV-act. 127).
A.c Im August 2007 begann die Versicherte ein berufliches Vorbereitungsjahr im
kaufmännischen Bereich mit einem sehbehindertentechnischen Training und einer
Ausbildung zur Kauffrau im B-Profil (IV-act. 123, 133). Im August 2008 teilte der neue
Augenarzt der Versicherten, Dr. med. C._, der IV-Stelle mit, dass nur noch ein
Fernvisus von rechts 0.05 und links 0.08 bestehe. Aufgrund der sehr geringen visuellen
Funktionen müsse die Versicherte nun als faktisch blind bezeichnet werden. Eine
Ausbildungs- oder Lerntätigkeit, bei welcher visuelle Funktionen erforderlich seien, sei
höchstens während eines halben Tages möglich (IV-act. 135). Gestützt auf die
Beurteilung von Dr. C._ kam der zuständige Berufsberater der IV-Stelle zum Schluss,
dass das angestrebte Ausbildungsziel einer Kauffrau zu hoch sei. Die Versicherte
werde aufgrund der Verschlechterung der Sehkraft in einem halbgeschützten
Arbeitsplatz als kaufmännische Hilfskraft kein „rententangierendes“ Einkommen
erwirtschaften können (vgl. IV-act. 138, 149). Mit Verfügung vom 2. Februar 2009 hob
die IV-Stelle die beruflichen Massnahmen per 31. Januar 2009 auf (IV-act. 159).
A.d Im Rahmen der Rentenprüfung notierte der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) am
25. August bzw. 21. September 2009, dass eine nur im geschützten Rahmen
vorliegende Arbeitsfähigkeit aus medizinischer Sicht nicht bestätigt werden könne. Es
bestehe ausschliesslich ein Augenleiden als Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit. Grundsätzlich bestehe aus somatischer Sicht in einer der praktischen
Erblindung der Versicherten optimal angepassten Tätigkeit eine bis zu 100%ige
Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt. Die genaue Höhe der Arbeitsfähigkeit richte
sich stark nach den Anforderungen, welche durch die konkrete Tätigkeit an die
Versicherte gestellt würden (IV-act. 184, 187). Im März 2010 berichtete Dr. C._ der
IV-Stelle, dass sowohl links als auch rechts kein Tafelvisus mehr erhebbar und dass
das Gesichtsfeld beidseits auf 10° Grad reduziert sei. In der Zwischenzeit sei die
Krankheit so weit fortgeschritten, dass die Beurteilung einer Rentenauszahlung zu
prüfen sei (IV-act. 204).
A.e Von März bis Juli 2010 absolvierte die Versicherte ein kaufmännisches Praktikum,
welches von der IV-Stelle als weitere berufliche Abklärungsmassnahme unterstützt
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wurde (vgl. IV-act. 198 f., 201). Auf Nachfrage der IV-Stelle gab die Arbeitgeberin der
Versicherten im Mai 2010 an, dass diese praktisch keine verwertbare Arbeitsleistung
erbringe (vgl. IV-act. 211). In der Folge fand am 1. Juli 2010 eine interne Triage statt,
anlässlich welcher festgehalten wurde, dass unter Berücksichtigung der IV-fremden
Faktoren wie insbesondere der mangelnden Sprachkenntnisse und der fehlenden
Ausbildung eine Restarbeitsfähigkeit von maximal 50% gegeben sei (IV-act. 218). Am
14. Juli 2010 schloss die IV-Stelle die beruflichen Massnahmen erneut ab (IV-act. 224).
Mit Verfügung vom 24. Februar 2011 sprach die IV-Stelle der Versicherten eine halbe
Invalidenrente mit Wirkung ab dem 1. Februar 2009 (mit Ausnahme der Monate April,
Mai und Juni 2010 wegen Taggeldbezuges) bei einem Invaliditätsgrad von 50% zu (IV-
act. 243 f.).
B.
B.a Im Januar 2013 wurde die Versicherte Mutter (IV-act. 280). Daraufhin stellte die IV-
Stelle der Versicherten einen Fragebogen zur Revision der Invalidenrente/
Hilflosenentschädigung zu (IV-act. 285). Ausserdem holte sie beim Hausarzt der
Versicherten, Dr. med. D._, einen Verlaufsbericht ein (vgl. IV-act. 287). Nachdem Dr.
D._ die IV-Stelle an Dr. C._ weiterverwiesen hatte (vgl. IV-act. 287-5), berichtete
dieser der IV-Stelle am 2. Dezember 2013, dass eine weitere Visus-Verschlechterung
auf Fingerzählen in 20cm rechts und 30cm links sowie eine weitere
Gesichtsfeldeinschränkung mit einem zentralen Restgesichtsfeld von weniger als 5°
eingetreten seien. Die Versicherte könne infolge „legaler“ Erblindung keine
Erwerbstätigkeit mehr ausführen (IV-act. 295). Nach einer Abklärung im Haushalt kam
die IV-Stelle zum Schluss, dass sich die erwerbliche Qualifikation der Versicherten
durch die Geburt nicht verändert habe, d.h. dass sie im fiktiven Gesundheitsfall
weiterhin zu 100% erwerbstätig wäre (IV-act. 300-8 f.). Mit Mitteilung vom 13. Februar
2014 bestätigte die IV-Stelle den Anspruch der Versicherten auf eine halbe
Invalidenrente (IV-act. 302).
B.b Im Jahr 2015 wurde die Versicherte ein weiteres Mal Mutter. Die IV-Stelle stellte
der Versicherten daraufhin erneut einen Revisionsfragebogen sowie einen Fragebogen
zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt zu (vgl. IV-act. 313 ff.). In
den entsprechenden Fragebögen gab die Versicherte einen gleichbleibenden
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Gesundheitszustand an. Zudem erklärte sie, dass sie als Gesunde weiterhin zu 100%
einer Erwerbstätigkeit nachginge, da sie die Kinder betreuen lassen würde (IV-act.
313-1, 315-2, 320). Am 11. Juni 2015 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass bei
der Überprüfung des Invaliditätsgrades keine Änderung habe festgestellt werden
können, welche sich auf die Rente auswirke. Deshalb bestehe weiterhin ein Anspruch
auf die bisherige halbe Invalidenrente (IV-act. 329).
B.c Im Rahmen der Abklärungen zur Revision der Hilflosenentschädigung hatte Dr.
D._ der IV-Stelle am 21. April 2015 einen Verlaufsbericht erstattet, in welchem er
einen seit 2013 stationären Gesundheitszustand festhielt. Er führte aus, dass die
Versicherte zu 100% arbeitsunfähig sei, da sie im Sinne des Gesetzes blind sei. Rein
theoretisch könnte sie jedoch einer leichten adaptierten Tätigkeit nachgehen (IV-act.
317). Dr. C._ berichtete der IV-Stelle am 17. Juli 2015, dass sich der
Gesundheitszustand der Versicherten verschlechtert habe und eine Blindheit nach
WHO Grad 4 bestehe. Dies entspreche einer praktisch totalen Erblindung (IV-act. 332).
Daraufhin liess die Versicherte hinsichtlich der Mitteilung vom 11. Juni 2015 eine
beschwerdefähige Verfügung verlangen (vgl. IV-act. 343). Am 30. November 2015
verfügte die IV-Stelle, dass unverändert ein Anspruch auf die bisherige halbe
Invalidenrente bestehe, da bei der Überprüfung des Invaliditätsgrades keine Änderung
habe festgestellt werden können, welche sich auf die Rente auswirke (IV-act. 344).
C.
C.a Dagegen erhob die Versicherte am 17. Dezember 2015 Beschwerde. Sie
beantragte die Zusprache einer ganzen Rente, eventualiter einer Dreiviertelsrente, ab 1.
Februar 2015. Subeventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um die
Gewährung der unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung. Zur
Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, dass die Beschwerdegegnerin das
Vorliegen eines Revisionsgrundes zu Unrecht verneint habe. Sie setze sich ohne
weitere Abklärungen darüber hinweg, dass die Beschwerdeführerin als blind gelte.
Weiter sei die zumutbare Arbeitstätigkeit nicht genügend abgeklärt worden. Eine
theoretisch denkbare adaptierte Tätigkeit sei derart hypothetischer Natur, dass sie
nicht ernsthaft als zumutbare Erwerbstätigkeit bezeichnet werden könne. Auch sei
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nicht nachvollziehbar, wie die Beschwerdeführerin bei einem 50%-Pensum ein genau
gleich hohes Invalideneinkommen wie das massgebliche Valideneinkommen sollte
erzielen können. Selbst wenn der Beschwerdeführerin eine 50%ige Arbeitstätigkeit
zumutbar wäre, wäre also ein Tabellenlohnabzug von 25% zu gewähren. Auch habe
sich die Beschwerdegegnerin mit den Angaben der Beschwerdeführerin und mit der
Beurteilung des Augenarztes überhaupt nicht auseinandergesetzt. Damit sei nicht nur
die Offizialmaxime, sondern auch der Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt worden.
Somit sei auf die Angaben der Beschwerdeführerin sowie des Augenarztes abzustellen
und ein Invaliditätsgrad von 100% anzuerkennen (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 3. Februar 2016 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, dass
bereits bei der ursprünglichen Rentenzusprache von einer praktisch vollständigen
Erblindung ausgegangen worden sei und dass keine weiteren Diagnosen
hinzugekommen seien. Damit sei keine wesentliche Verschlechterung des
Gesundheitszustandes, welche sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken würde,
eingetreten. Somit liege kein Revisionsgrund nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vor. Bezüglich
der gerügten Gehörsverletzung sei festzuhalten, dass die knappe Begründung in der
angefochtenen Verfügung rechtsgenüglich sei, weshalb keine Verletzung der
Begründungspflicht vorliege. Selbst wenn eine solche gegeben wäre, würde diese nicht
derart schwer wiegen, dass im Beschwerdeverfahren keine Heilung erfolgen könnte
(act. G 3).
C.c Am 12. April 2016 teilte das Gericht der Beschwerdeführerin mit, dass dem Gesuch
um unentgeltliche Rechtspflege mangels Prozessarmut nicht entsprochen werden
könne. Ohne einen ausdrücklichen Gegenbericht bis 26. April 2016 werde es davon
ausgehen, dass die Beschwerdeführerin mit der formlosen Erledigung des Gesuchs um
unentgeltliche Rechtspflege einverstanden sei (act. G 5). Die Beschwerdeführerin liess
sich nicht vernehmen.
C.d Mit Replik vom 25. April 2016 hielt die Beschwerdeführerin an den in der
Beschwerdeschrift gestellten Rechtsbegehren fest. Ergänzend machte sie geltend,
dass auch eine Veränderung der massgebenden Vergleichseinkommen einen
Revisionsgrund darstellen könne. Selbst wenn keine Änderung des Sachverhalts
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vorliege, hätte sich die Beschwerdegegnerin materiell mit dem Revisionsgesuch
auseinandersetzen müssen (act. G 6).
C.e Am 10. Mai 2016 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die Einreichung einer
Duplik (vgl. act. G 9).

Erwägungen
1.
Gemäss Art. 49 Abs. 3 ATSG sind Verfügungen, wenn sie den Begehren der Parteien
nicht voll entsprechen, zu begründen. Die Begründungspflicht folgt aus dem Grundsatz
des rechtlichen Gehörs nach Art. 42 ATSG. Sinn und Zweck der Begründungspflicht ist
es, dem Adressaten der Verfügung offen zu legen, welche Überlegungen im
Wesentlichen zum getroffenen Entscheid geführt haben. Der Verfügungsadressat soll
anhand der Begründung entscheiden können, ob er ein Rechtsmittel gegen die
Verfügung einlegen will oder nicht. Dazu muss ihm bekannt sein, von welchen
Überlegungen sich die verfügende Behörde hat leiten lassen und worauf sie ihren
Entscheid stützt. Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen
Verfügung ausgeführt, dass bei der Überprüfung des Invaliditätsgrades keine Änderung
habe festgestellt werden können, welche sich auf die Rente auswirke. Deshalb bestehe
weiterhin ein Anspruch auf die bisherige halbe Invalidenrente (IV-act. 344). Damit hat
die Beschwerdeführerin trotz der eher knappen Begründung erkennen können,
aufgrund welcher Überlegungen die Beschwerdegegnerin entschieden hat. Die
Beschwerdeführerin hat die Verfügung aufgrund der vorliegenden Begründung
sachgerecht anfechten können, was sie in der Folge denn auch getan hat. Eine
Verletzung der Begründungspflicht ist damit zu verneinen.
2.
2.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur
Rentenrevision gibt eine wesentliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse, welche
geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Der
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Sinn und Zweck des Art. 17 Abs. 1 ATSG besteht also darin, eine aufgrund einer
nachträglichen Sachverhaltsveränderung unrichtig gewordene Rente für die Zukunft
abzuändern, sodass sie dem nun aktuellen Sachverhalt entspricht. Die revisionsweise
Korrektur einer formell rechtskräftig zugesprochenen Rente beschränkt sich deshalb
typischerweise auf das Auswechseln jener Sachverhaltselemente, die sich
zwischenzeitlich verändert haben (vgl. RALPH JÖHL, Die Revision nach Art. 17 ATSG,
in: JaSo 2012, S. 153 ff.; vgl. auch den Entscheid des Versicherungsgerichtes des
Kantons St. Gallen vom 22. August 2017, IV 2016/208, E. 1).
2.2 Gemäss dem Wortlaut des Art. 17 Abs. 1 ATSG wird ein Rentenrevisionsverfahren
„von Amtes wegen oder auf Gesuch hin“ eröffnet. Beantragt ein Rentenbezüger ein
Revisionsverfahren, muss er jedoch zuerst glaubhaft machen, dass sich der
Sachverhalt seit der Rentenzusprache bzw. seit der letzten Rentenrevision relevant
verändert hat (vgl. Art. 87 Abs. 2 IVV). Erst wenn der Rentenbezüger eine wesentliche
Sachverhaltsänderung glaubhaft gemacht hat, wird ein Revisionsverfahren im Sinne
von Art. 17 Abs. 1 ATSG eröffnet. Ebenso wie die Eröffnung auf ein entsprechendes
Gesuch hin setzt die Eröffnung eines Revisionsverfahrens von Amtes wegen
Anhaltspunkte dafür voraus, dass sich der massgebende Sachverhalt in einer für den
Anspruch relevanten Weise verändert haben könnte. Entsprechend wird ein
Revisionsverfahren von Amtes wegen in der Regel erst eröffnet, wenn die IV-Stelle
Kenntnis von einer relevanten Sachverhaltsveränderung erhalten hat (Art. 87 Abs. 1 lit.
b IVV). Da allerdings die Möglichkeit besteht, dass sie nicht über jede
Sachverhaltsveränderung in Kenntnis gesetzt wird, kann sie gemäss Art. 87 Abs. 1 lit. a
IVV auch periodische Revisionen „im Hinblick auf eine mögliche erhebliche Änderung“
durchführen. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie stets zu einem im Voraus
bestimmten Zeitpunkt unabhängig von der Verwirklichung einer allfälligen
Sachverhaltsveränderung ein Revisionsverfahren eröffnen würde. Vielmehr wird damit
zum Ausdruck gebracht, dass sich die IV-Stelle periodisch bei der versicherten Person
nach allfälligen Sachverhaltsveränderungen erkundigt und auf diese Weise periodisch
prüft, ob allenfalls ein Revisionsverfahren zu eröffnen ist. Ergibt eine solche
„Vorprüfung“, dass sich aller Wahrscheinlichkeit nach nichts geändert hat, wird kein
Revisionsverfahren eröffnet (vgl. Art. 58 IVG i.V.m. Art. 74ter lit. f IVV). Führt das
Ergebnis der Vorprüfung aber zur Annahme, dass ein Revisionsgrund vorliegen könnte,
muss zwingend ein Revisionsverfahren eröffnet werden (Art. 87 Abs. 1 lit. b IVV).
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2.3 Von ihrem Wesen her ist diese Vorprüfung somit mit dem Vorverfahren zur Prüfung
des Eintretens auf ein Revisionsgesuch vergleichbar. In der Praxis geht die IV-Stelle
dabei in der Regel wie folgt vor: Zuerst fordert sie die versicherte Person auf, einen
sog. Revisionsfragebogen auszufüllen, in welchem sie sich nach einem möglichen
Revisionsgrund erkundigt. Dabei ist der Fragebogen inhaltlich nicht auf eine mögliche
Veränderung des Gesundheitszustandes beschränkt. Auch die Frage danach, ob und
bejahendenfalls in welchem Ausmass eine versicherte Person ohne Behinderung eine
Erwerbstätigkeit ausüben würde, kann einen Anhaltspunkt dafür liefern, dass sich der
massgebende Sachverhalt in einer anspruchserheblichen Weise verändert hat. Nach
Eingang des ausgefüllten Revisionsfragebogens fordert die IV-Stelle gegebenenfalls
den Hausarzt und bei Bedarf den behandelnden Facharzt dazu auf, einen formalisierten
Verlaufsbericht zu erstatten. Diesen Bericht lässt sie vom Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD) dahingehend würdigen, ob in medizinischer Hinsicht ausreichende Indizien für
eine versicherungsrechtlich relevante Veränderung vorliegen. Gestützt auf die
Ergebnisse dieser Vorprüfung eröffnet die IV-Stelle daraufhin entweder von Amtes
wegen ein Revisionsverfahren oder sie entscheidet, kein Revisionsverfahren zu
eröffnen. Im zweitgenannten Fall kann der Gegenstand eines anschliessenden
Beschwerdeverfahrens nur die Frage sein, ob die Beschwerdegegnerin von Amtes
wegen ein Rentenrevisionsverfahren hätte eröffnen müssen. Entsprechend könnte auf
ein materielles Beschwerdebegehren um Rentenerhöhung zum Vornherein nicht
eingetreten werden (vgl. zum Ganzen auch den Entscheid des Versicherungsgerichtes
des Kantons St. Gallen vom 15. Februar 2017, IV 2014/256, E. 1).
3.
3.1 Der Beschwerdeführerin ist im Jahr 2011 eine halbe Invalidenrente zugesprochen
worden. Im Jahr 2013 ist die Beschwerdeführerin das erste Mal Mutter geworden.
Nachdem die Beschwerdegegnerin davon Kenntnis erhalten hatte, hat sie der
Beschwerdeführerin einen Revisionsfragebogen zugestellt. Darin hat sie sich
insbesondere nach einer möglichen Verschlechterung des Gesundheitszustandes
erkundigt. Zudem hat sie beim Hausarzt sowie beim behandelnden Augenarzt jeweils
einen Verlaufsbericht eingeholt. Da sich aufgrund der Geburt des Kindes Hinweise
darauf ergeben haben, dass sich die Qualifikation der Beschwerdeführerin als
Vollerwerbstätige geändert haben könnte, hat sie in der Folge eine Haushaltsabklärung
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durchgeführt und damit ein Revisionsverfahren eröffnet. Erst nachdem die
Beschwerdegegnerin aufgrund der Ergebnisse der Haushaltabklärung auch in
erwerblicher Hinsicht keine wesentliche, den Invaliditätsgrad bzw. den Rentenanspruch
beeinflussende Veränderung hat feststellen können, hat sie am 13. Februar 2014 einen
unveränderten Rentenanspruch bestätigt.
3.2
3.2.1 Nach der Geburt des zweiten Kindes im Jahr 2015 hat die Beschwerdegegnerin
erneut bei der Beschwerdeführerin hinsichtlich eines möglichen Revisionsgrundes
nachgefragt, wobei diese im entsprechenden Fragebogen einen unveränderten
Gesundheitszustand angegeben hat (IV-act. 315-2). Zudem hat die
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin einen Fragebogen betreffend
Erwerbstätigkeit/Haushalt zugestellt, da sich die Frage gestellt hat, ob die
Beschwerdeführerin als Mutter nun zweier Kinder ohne gesundheitliche Einschränkung
immer noch zu 100% erwerbstätig wäre. Aufgrund der plausiblen Darstellung der
Beschwerdeführerin, dass sie ihre beiden Kinder im fiktiven „Gesundheitsfall“ betreuen
liesse und weiterhin vollerwerbstätig wäre (IV-act. 313-1, 320), ist die
Beschwerdegegnerin in nachvollziehbarer Weise davon ausgegangen, dass der Status
der Beschwerdeführerin als Vollerwerbstätige seit der ursprünglichen Rentenzusprache
keine relevante Änderung erfahren habe. Damit hat sie zu Recht keine Veranlassung
gesehen, erneut eine Haushaltsabklärung durchzuführen. Da die Beschwerdeführerin
im Fragebogen auch eine Veränderung ihres Gesundheitszustandes verneint hat, ist die
Beschwerdegegnerin darüber hinaus auch nicht veranlasst gewesen, medizinische
Verlaufsberichte einzuholen. Vor diesem Hintergrund steht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit fest, dass die Beschwerdegegnerin im Gegensatz zum Jahr 2013 im
Jahr 2015 kein Revisionsverfahren eröffnet bzw. nach der bundesgerichtlichen
Terminologie keine „umfassende materielle Prüfung“ durchgeführt hat. Vielmehr hat sie
ihre Prüfung, ob möglicherweise ein Revisionsverfahren durchzuführen ist, mit einer
Mitteilung gemäss Art. 58 IVG i.V.m. Art. 74ter lit. f IVV formlos abgeschlossen (vgl. E.
2.2 u. 2.3).
3.2.2 Daran ändert auch der Umstand nichts, dass die Beschwerdegegnerin nach der
Mitteilung vom 11. Juni 2015 zwei Verlaufsberichte eingeholt hat. Die zusätzlichen
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Abklärungen sind im Rahmen der zeitgleich stattfindenden Revision der
Hilflosenentschädigung erfolgt. Wäre die Beschwerdegegnerin aufgrund der nach der
Mitteilung ergangenen Verlaufsberichte zum Schluss gekommen, dass sich daraus
Anhaltspunkte für das Vorliegen eines Revisionsgrundes ergeben könnten, hätte sie die
Mitteilung aufgehoben und ein Revisionsverfahren eröffnet. Stattdessen hat sie an der
Mitteilung vom 11. Juni 2015 festgehalten und lediglich auf Begehren der
Beschwerdeführerin hin eine anfechtbare Verfügung mit demselben Inhalt wie die
Mitteilung erlassen (vgl. dazu Art. 74quater Abs. 1 IVV). Damit steht fest, dass im Jahr
2015 kein Revisionsverfahren mit einer umfassenden materiellen Prüfung erfolgt ist.
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung deshalb nicht zu
beanstanden. Die Beschwerde ist abzuweisen. Auf die materiell-rechtlichen Anträge ist
nicht einzutreten (vgl. vorstehende E. 2.3). Somit hat die Beschwerdegegnerin zu Recht
nicht von Amtes wegen ein Rentenrevisionsverfahren eröffnet.
4.2 Im Sinne eines obiter dictums bleibt darauf hinzuweisen, dass die
Beschwerdegegnerin – oder an ihrer Stelle die Aufsichtsbehörde, d.h. das Bundesamt
für Sozialversicherungen (BSV) – in einem gegen die ursprüngliche Verfügung vom 24.
Februar 2011 gerichteten Wiedererwägungsverfahren nach Art. 53 Abs. 2 ATSG wohl
deren zweifellose Unrichtigkeit feststellen müsste. Die Beschwerdegegnerin hat
nämlich in der der damaligen Rentenzusprache zugrunde liegenden
Arbeitsfähigkeitsschätzung verschiedene IV-fremde Faktoren (insb. mangelnde
Sprachkenntnisse und eine fehlende Ausbildung) mitberücksichtigt (vgl. IV-act. IV-act.
218), was einer Überprüfung nicht standhalten würde.
5.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen;
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der von ihr geleistete Kostenvorschuss von Fr. 400.-- ist ihr daran anzurechnen.
Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.