Decision ID: 816c6693-d9c8-49fa-b8bb-ee74fc9c592b
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1965, war seit Februar 2000 bei der Y._ als Mitarbeiterin Milchprodukte in einem Pensum von rund 85 % tätig (Urk. 8/18 Ziff. 2.1, Ziff. 2.7-9
). Unter Hinweis auf
eine Bandscheibenoperation
meldete sich die Versicherte am
4. November 2013
bei der Invalidenversiche
rung zum Leistungsbezug an (
Urk. 8/4 Ziff. 6.2
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbl
iche Situation ab, zog Akten des Krankentaggeldversicherers (Urk. 8/14, Urk. 8/19, Urk. 8/22, Urk. 8/45, Urk. 8/54, Urk. 8/58
)
bei
und
sprach der Versicherten n
ach durchge
führtem Vorbes
cheidverfahren (Urk. 8/62; Urk. 8/64, Urk. 8/72)
mit
Verfügung vom 12. August 2015 eine vom
1.
Juli 2014 bis 31
.
März 2015
befristet
e ganze Invalidenrente zu
(Urk. 8/75 = Urk. 2)
.
2.
Die Versicherte erhob am 10. September 2015
Beschwerde
gegen die Verfügung vom 12. August 2015 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien ihr über den 31. März 2015 hinaus Rentenleistungen zuzusprechen. Eventuell seien zusätzliche Abklärungen durchzuführen (Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 19. Oktober 2015 (Urk. 7) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom 11. November 2015 wurde das Gesuch um un-entgeltli
che Prozessführung (vgl. Urk. 1 S. 1) mangels Bedürftigkeit abge
wiesen und der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zugestellt (Urk. 9).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Ge
sundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkun
gen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätig
keit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen Beein
trächti
gung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versicherten Person so
zial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
cherung (IVG)
aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Einglie
derungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Ar
beitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid gewor
den wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG.
1.5
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung. Letztere setzt voraus, dass Revisionsgründe (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen) vorliegen, wobei der Zeitpunkt der Aufhebung oder Herabsetzung nach Massgabe des analog anwendbaren (AHI 1998 S. 121 E. 1b mit Hinweisen) Art. 88a
der Ver
ordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
festzusetzen ist (vgl. BGE 121 V 264 E. 6b/dd mit Hinweis). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Ände
rung des Invaliditätsgrades eingetreten und damit der für die Befristung oder Abstufung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Ver
gleich des Sachverhalts im Zeitpunkt der Rentenzusprechung oder des Renten
beginns mit demjenigen zur Zeit der Aufhebung beziehungsweise Herabsetzung der Rente (BGE 125 V 413 E. 2d am Ende, 369 E. 2, 113 V 273 E. 1a, 109 V 262 E. 4a, je mit Hinweisen; vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5). Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert blei
ben (BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen). Die gerichtliche Prüfung hat viel
mehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise geregelten Zeit
raum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Aufhebung der Rente zu erfassen (Urteil des Bundesgerichts I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete in ihrer Verfügung (Urk. 2) die bis 31. März 2015 befristete Zusprache einer ganzen Invalidenrente damit, dass der Be
schwerdeführerin zum Zeitpunkt des Ablaufes der einjährigen Wartezeit keine Tätigkeit zumutbar gewesen sei, weshalb der Invaliditätsgrad 100 % betrage. Spätestens ab 9. Dezember 2014 sei ihr eine angepasste Tätigkeit wieder zu 100 % zumutbar gewesen. Ausgehend von einer 100%igen Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall und unter Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzuges von 10 % resultiere ab 1. April 2015 ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 25 % (Begründung S. 2 f.).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (Urk. 1) geltend, per Dezember 2014 sei keine Verbesserung ihres Gesundheitszustandes einge
treten und sie leide nach wie vor unter Beschwerden am Rücken und an der Schulter und sei nicht zu 100 % arbeitsfähig. Schmerzbedingt müsse sie täglich elf Medikamente einnehmen, was sich ebenfalls negativ auf ihre Leistungsfä
higkeit auswirke. Trotz der Einnahme von Psychopharmaka liege eine mittel
gradige depressive Episode vor, was die Beschwerdegegnerin zu Unrecht nicht beachtet habe. Die vom Krankentaggeldversicherer in Auftrag gegebenen Gut
achten seien ungenügend. So sei die Verständigung mit dem psychiatrischen Gutachter schwierig gewesen und diesem hätten nicht sämtliche Akten vorgele
gen. Ihre Schmerzproblematik sei ungenügend abgeklärt worden. Das in der Verfügung genannte Belastungsprofil entspreche nicht ihrem effektiven Leis
tungsvermögen (S.1 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin über den 31. März 2015 hinaus einen Anspruch auf eine Invalidenrente hat
und in diesem Zusammen
hang auch die Frage
, ob die medizinische Aktenlage
eine abschliessende Beur
teilung zulässt.
3.
3.1
Dr. med. Z._, Leitender Oberarzt, Wirbelsäulenchirurgie, Klinik A._, stellte in seinem Bericht vom 14. November 2013 (Urk. 8/14) folgende Diagnose (S. 1):
Status nach transforaminaler lumbaler intersomatischer Fusion mono-por
tal links durch bilateralen Mini-open Zugang auf Höhe L4/5 am 22. Juli 2013 bei:
Osteochondrose L4/5
Bandscheibendegeneration L2 bis 4
Dr. Z._ führte aus, die Beschwerdeführerin komme drei Monate postoperativ planmässig zur Verlaufskontrolle. Seit der letzten Konsultation habe sich die Schmerzsituation nicht gebessert, sie habe sogar im Rahmen der Wetterfühlig
keit eher eine leichte Zunahme der Lumbalgien bemerkt. Vor allem nach klei
neren Belastungen zu Hause verspüre sie stärkere Rückenschmerzen. Haushalts
arbeiten habe sie ebenfalls schmerzbedingt noch nicht aufnehmen können und die Schmerzmedikamente noch nicht reduziert (S. 1).
Dr. Z._ führte aus, die noch bestehenden belastungsabhängigen Beschwerden seien im Rahmen des zu Erwartenden. Bei radiologisch unauffälligem Verlauf sei noch weiterhin Schonung zu empfehlen, und es sei ein Arbeitsunfähigkeits
zeugnis zu 100 % für zwei weitere Monate ausgestellt worden (S. 2).
3.2
Dr. med. B._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie
und Trauma
tologie des Bewegungsapparates
, führte in seinem Bericht vom 24. De
zember 2013 (Urk. 8/22/2-3) aus, die Beschwerdeführerin leide an therapiere
sistenten Kreuzschmerzen, die auf die Bandscheibe L4/5 zurückgeführt würden. Dr. Z._ habe am 22. Juli 2013 eine Diskektomie und Spondylodese L4/5 durchgeführt (S. 1 Ziff. 1).
Dr. B._ führte aus, im Verlauf nach der Spondylodese habe sich der Zustand der Beschwerdeführerin deutlich gebessert. Es bestünden noch Restbe
schwerden, die zur Zeit mit Novalgin behandelt würden. Am 23. Dezember 2013 sei das Facettengelenk L5/S1 diagnostisch getestet worden. Möglicherweise be
stehe hier nach der Spondylodese L4/5 eine Überlastung des Gelenks (S. 1 Ziff. 4).
Bis zum Operationstermin am 22. Juli 2013 hätten keine länger anhaltenden Arbeitsunfähigkeiten vorgelegen. Die Beschwerdeführerin sei seither während der Rekonvaleszenz zu 100 % arbeitsunfähig. Es sei aufgrund des Belastungs
profils von einer anhaltenden 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Die Patientin müsse im Rahmen ihrer Tätigkeiten mehr oder weniger ständig schwere Gewichte anheben und tragen. Zusätzlich werde ihre Arbeitsfähigkeit derzeit noch durch eine Rotatorenmanschettenruptur der rechten Schulter be
einträchtigt, die ebenfalls in Behandlung sei. Gegebenenfalls sei hier eine Ope
ration vorgesehen (S. 2 Ziff. 6).
Dr. B._ führte aus, in einer angepassten Tätigkeit sei von dem Wiederer
langen einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Die Art der Be
handlung der rechten Schulter werde diesen Zeitpunkt wohl hauptsächlich be
stimmen. Von Seiten des Rückens sehe er ab Januar 2014 für sechs Wochen eine 50%ige Arbeitsfähigkeit und anschliessend eine Steigerung auf 100 %. Von Seiten der Schulter her seien sicherlich einseitige Tätigkeiten wie ständige Com
puterarbeiten sowie das Heben und Tragen nicht zuzumuten.
Bezüglich der Lendenwirbelsäule (LWS) müsse festgelegt werden, dass nach ei
ner Spondylodese eine körperlich belastende Arbeit nicht zumutbar sei. Das exakte Belastungsprofil müsse jedoch individuell eruiert werden (S. 2 Ziff. 7). Die Patientin werde bezüglich der Schulterpathologie am 9. Januar 2014 in der Klinik A._ untersucht. Bis dahin bestehe sicherlich eine 100%ige Ar
beitsunfähigkeit bezüglich der Schulter (S. 2 Ziff. 9).
3.3
Dr. med. C._, stellvertretender Oberarzt, Obere Extremitäten, Kli
nik A._, nannte in seinem Bericht vom
1
2.
Mai 2014
(
Urk. 8/29/1-2
)
als Diagnose einen Status nach Arthroskopie, subacromialer Dekompression,
Akromioklavi
kular
(AC) -Gelenksteilresektion, Supraspinatussehnen-Rekonstruktion mittels Speed-Bridge rechts vom 12. Februar 2014 durch Dr. C._. Als Nebendiagnosen nannte er einen Status nach intersomatischer Fusion L4/5 links durch Dr. Z._ im Juli 2013, einen Status nach Hallux-Operation 1995 und einen Status nach Nikotinabusus bis vor drei Monaten (S. 1).
Dr. C._ führte aus, es habe am 12. Mai 2014 die zweite postoperative Kontrolle inklusive Sonographie stattgefunden.
Die Beschwerdeführerin mache eine schwere Zeit durch.
Sie gebe multiple Beschwerden seitens der Wirbelsäule, Schulter sowie einer bestehenden Reizblasensymptomatik an.
Dies habe zu de
pressiven Verstimmungen geführt. Sie fühle sich im Alltag erheblich durch die Gesamtsituation eingeschränkt. Sie nehme stetig an Gewicht zu und fühle sich insgesamt alles andere als wohl. Seitens der Schulter sei der Verlauf zwar zeit
gerecht
,
jedoch bestünden hier auch noch Einschränkungen
(S. 1).
Dr. C._ hielt fest, nach wie vor gestalte sich der Verlauf an der Schulter rechts zeitgerecht. Sonographisch klinisch zeige sich keine Auffälligkeit, hingegen sei die Gesamtsituation unbefriedigend. Die Patientin befinde sich ganz offensicht
lich in einem Stimmungstief, welches durch die multifaktoriellen medizinischen Beschwerden verursacht sei.
Im ausführlichen Gespräch sei festgestellt worden, dass die stationäre medizinische Rehabilitation sinnvoll wäre. Ein entsprechen
der Antrag werde gestellt. Aus schulterchirurgischer Sicht bleibe die Patientin bis auf weiteres zu 100
%
arbeitsunfähig
(S. 2).
3.4
Die Ärzte der D._
stellten in ihrem Bericht vom 20. Au
gust 2014 (8/39/6-9
)
nach stationärem Aufenthalt der Beschwerdeführerin vom 2. Juli bis 3. August 2014 folgende Diagnosen (S. 1):
Rotatorenmanschettenruptur (Supraspinatus), AC-Gelenksarthrose und Outlet-Impingement der Schulter rechts
Arthroskopie, subacromiale Dekompression, AC-Gelenksteilresektion, Supraspinatussehnen-Rekonstruktion mittels Speed-Bridge rechts 12. Februar 2014 (Dr. C._, Klinik A._)
chronisches Lumbovertebralsyndrom mit/bei
klinisch muskulärer Instabilität und Dysbalance
Status nach intersomatischer Wirbelkörperfusion L4/5 links am 22. Juli 2013
Schlaflosigkeit mit allgemeiner körperlicher Erschöpfung nach oben ge
nannten Eingriffen
Status nach Halluxoperation 1995
Status nach Nikotinabusus bis von drei Monaten
ausgeprägte Reizblasensymptomatik ohne Inkontinenz
urologische Abklärung am 11. März 2014 erfolgt
seit 1. Juli 2014 Absetzten der Medikation aufgrund von Nebenwirkun
gen
Die Ärzte führten aus, die Zuweisung sei zur muskuloskelettalen Rehabilitation mit Schwerpunkt der rechten Schulter und der Wirbelsäule sowie zur begleiten
den psychosomatischen Betreuung erfolgt (S. 1). Der Beruf der Beschwerdefüh
rerin in der Molkerei, welchen sie seit 15 Jahren innehabe, beinhalte viel Heben und Tragen in der Kälte. Sie könne nach eigener Einschätzung zehn Minuten sitzen, wenig laufen (am Besten in der Ebene) und nicht lange stehen. In der Erlebnisgruppe habe sie sich zwischen 60 und 70 Minuten outdoor mobil ge
zeigt und habe gute Kontakte gehabt und sich hilfsbereit gegenüber anderen Mitpatienten gezeigt.
Die Ärzte führten aus
, Arbeiten, welche schweres Heben und Tragen erforderten, seien aktuell nicht ausführbar
. Die Arbeitsweise der Beschwerdeführerin sei ge
richtet und geordnet und nicht von äusseren Stimulatoren abhängig. Sie könne sich während 1.5 Stunden kontinuierlich einer Arbeit zuwenden und selbständig und adäquat Pausen machen.
Tätigkeiten im Sitzen seien problemlos möglich
. Eine wechselbelastende Tätigkeit scheine erforderlich. Arbeiten, welche eine Vorneigung oder das Aufheben von Gegenständen vom Boden erforderten, seien nur bedingt ausführbar (S. 3 Mitte).
Die Ärzte führten aus, die Beschwerdeführerin habe am 27. Juli 2014 in ge-besser
tem Allgemeinzustand sowie bei verbesserter Belastbarkeit in die ge
wohnte häusliche Umgebung entlassen werden können (S. 3 unten). Der Reha
bilitationsverlauf sei erfreulich gewesen mit deutlicher psychophysischer Re
konditionierung. Empfohlen würden die Fortführung der ambulanten Physio
therapie sowie zur weiteren Stabilisierung und Begleitung dringend die Auf
nahme einer ambulanten Psychotherapie (S. 4 oben).
3.5
Dr. Z._, Klinik A._, stellte in seinem Bericht vom 8. August 2014 (Urk. 8/45/8-9) folgende Diagnose (S. 1):
persistierende Lumbalgien mit/bei:
Status nach transforaminaler lumbaler intersomatischer Fusion mono
portal links durch bilateralen Mini-open Zugang auf Höhe L4/5 am 22. Juli 2013 bei Osteochondrose L4/5 und Bandscheibendegene
ration L2 bis 4
Als Nebendiagnosen nannte Dr. Z._ einen Status nach Nikotinabusus, einen Status nach Schulteroperation rechts am 12. Februar 2014, durch Dr. C._, ei
nen Status nach stationärer Rehabilitation vom 2. bis 27. Juli 2014 in der D._, einen Status nach Halluxoperation 1995 und eine aus
geprägte Reizblasensymptomatik ohne Inkontinenz (urologische Abklärung März 2014). Dr. Z._ führte aus, seit der letzten Konsultation vor einem hal
ben Jahr habe sich die Situation nicht gebessert. Es bestünden weiterhin belas
tungsabhängige Lumbalgien und auch Schmerzen im Rippenthorax links, Schulterschmerzen und ein allenfalls medikamentös indizierter Hustenreiz (S. 1). Aufgrund der immer noch bestehenden Beschwerden werde eine CT- und eine MRI-Untersuchung der LWS organisiert, um die Implantatlage und die Spon
dylodese zu beurteilen. Zusätzlich werde noch eine MRI-Untersuchung der Brustwirbelsäule (BWS) in die Wege geleitet mit der Frage nach einer Nerven
wurzelkompression auf Höhe Th7, 8 oder 9 links dominant. Ein
Arbeitsunfähig
keitszeugnis zu 100
% werde zugestellt (S. 2).
3.6
Dr. C._, Klinik A._, nannte in seinem Bericht vom 12. August 20
14 (
Urk.
8/36/1-2)
die gleichen Diagnosen und Nebendiagnosen wie in seinem Be
richt vom 12. Mai 2014 (vgl. vorstehend E. 3.3).
Er führte aus, hinsichtlich der
Schulter bestehe nun objektiv wie auch subjektiv ein klar positiver Verlauf.
Es werde empfohlen, die funktionellen Übungen wei
ter auszubauen. Vor allem die aktive Beweglichkeit könne nun uneingeschränkt trainiert werden (S. 1).
3.7
Dr. med. E._, Oberarzt F._, G._, stellte in seinem Bericht vom 8. Dezember 2014 (Urk. 8/56/2-6) folgende Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
Anpassungsstörung mit vorwiegend Störung von anderen Gefühlen (ICD-10 F43.34), bestehend seit dem 25. August 2014
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1), bestehend seit dem
4. De
zember 2014
Dr. E._ führte aus, die Beschwerdeführerin sei seit dem 25. August 2014 bei ihnen in Behandlung und die letzte Kontrolle sei am 4. Dezember 2014 erfolgt (Ziff. 1.2). In der angestammten Tätigkeit bestehe eine verminderte Konzentrati
onsfähigkeit und eine verminderte Belastbarkeit. Die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar (Ziff. 1.7). Die depressive Symptomatik werde vom weite
ren Ansprechen der Patientin auf die antidepressive Therapie sowie dem Aus
mass des Weiterbestehens von Schmerzen abhängen (Ziff. 1.4).
3.8
Dr. med. H._, Facharzt für Rheumatologie und für Allgemeine Innere Medizin, erstattete am 31. Dezember 2014 das vom Krankentaggeldversicherer veranlasste rheumatologische Gutachten (Urk. 8/58/12-22). Er stellte folgende rheumatologische und internistische Diagnosen (S. 8 Ziff. 3.4.1-2):
lumbovertebrales bis lumbospondylogenes Syndrom beidseits bei Status nach Spondylodese L4/5 vom 22. Juli 2013 und degenerativen Verän
derungen L2/3 und L3/4
residuelle Schulterbeschwerden rechts bei Status nach Supraspinatusseh
nen-Rekonstruktion am 12. Februar 2014
Verdacht auf arterielle Hypertonie
abgeklärte Reizblasensymptomatik
leichtgradiger Vitamin D-Mangel
Dr. H._ führte aus, bei einem Status nach Spondylodese L4/5 und zumin
dest mässiggradigen degenerativen Veränderungen L3/4 und beginnend auch L2/3 sei
in der angestammten Tätigkeit als Molkereimitarbeiterin bei der
Y._
aktuell und vermutlich dauerhaft keine Arbeitsfähigkeit mehr gegeben
. Dies sowohl anhand der Arbeitsplatzbeschreibung der Versicherten wie auch des beiliegenden Arbeitsplatzprofils. Es sei äusserst unwahrscheinlich, dass auch bei Erfolg von weiteren medizinischen Behandlungen mittel- oder langfristig auch eine Teilarbeitsfähigkeit in dieser Tätigkeit wieder erlangt werden könne (S. 10 Ziff. 7).
Die Versicherte sei in ihrer Arbeitsfähigkeit in erster Linie aufgrund ihrer chroni
schen Wirbelsäulenbeschwerden eingeschränkt, zusätzlich auch von Sei
ten der rechten Schulter nach Rekonstruktion der Supraspinatussehne. Nicht mehr zumutbar seien ihr länger dauernde Zwangshaltungen der Wirbelsäule, insbesondere rein oder vorwiegende sitzende Tätigkeiten oder Tätigkeiten mit häufigem und längerem Stehen an Ort, insbesondere nach vorne geneigt. Repe
titives Heben oder Tragen von Lasten bis Taillenhöhe seien ihr bis 7.5 kg, ver
einzelt bis 12.5 kg zumutbar. Heben bis Brusthöhe sollte nur vereinzelt bis ma
ximal 5 kg erfolgen. Zusätzlich seien von Seiten der rechten Schulter belasten
dende Arbeiten über Kopf mit dem rechten Arm ebenfalls nur noch selten zu
mutbar. In einer wechselbelastenden Tätigkeit unter Berücksichtigung der ge
nannten Gewichtslimiten und ohne häufige Tätigkeiten mit dem rechten Arm über Kopf bestehe aus rheumatologischer Sicht keine Einschränkung der Ar
beitsfähigkeit. Eine solche Tätigkeit wäre der Versicherten medizinisch-theore
tisch auch in einem vollen Pensum ohne zusätzliche Leistungseinschränkungen zumutbar. Nachdem bereits eine IV-Anmeldung erfolgt sei, sei nun eine rasche Abklärung betreffend beruflicher Massnahmen und Reintegration in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit vordringlich (S. 11 Ziff. 8).
3.9
Dr. med. I._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete am 5. März 2015 das vom Krankentaggeldversicherer veranlasste psy
chiatrische Gutachten (Urk. 8/58/4-11). Dr. I._ nannte keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnose ohne Einfluss auf die Ar
beitsfähigkeit nannte er einen Zustand nach Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion (S. 6 Ziff. 3). Er habe die Versicherte am 29. November 2014 begut
achtet (S. 1). Die Versicherte sei in der Heredität hinsichtlich psychischer Stö
rungen nicht vorbelastet; sie sei in problematischer emotionaler Umwelt aufge
wachsen. Zudem schildere sie die Beziehung zu ihrer Mutter als instabil und habe die Kindheit gesamthaft in keiner guten Erinnerung. Der weitere nennens
werte Faktor sei die angebliche Persistenz und Schmerzbeschwerden, wobei die Versicherte in den letzten 15 Jahren eine körperlich anspruchsvolle Tätigkeit in der Molkerei verrichtet habe. Nachdem sie infolge von Schmerzen bereits hier versorgt worden sei, habe sie einen psychophysischen Erschöpfungszustand entwickelt und sei einer rehabilitiven Behandlung zugeführt worden. Diese sei ein Erfolg und die Rolle der Psyche im Fortbestehen der Beschwerden sei inso
fern beachtet, als der Versicherten empfohlen worden sei, im Anschluss an die Rehabilitationsbehandlung eine fachpsychologische beziehungsweise psychiat
rische Behandlung in Anspruch zu nehmen. Seit August 2014 befinde sich die Versicherte in psychiatrischer Behandlung im F._. Ihr Zu
stand sei dort als Anpassungsstörung qualifiziert und es sei eine kombinierte Psychopharmakatherapie etabliert worden, welche gute Erfolge gezeigt habe
(S. 6 unten). Auf dem psychiatrischen Fachgebiet präsentiere die Versicherte zu
sammenfassend keine relevanten Defizite und ihre Arbeitsfähigkeit sei nicht eingeschränkt (S. 7 oben).
Zum psychopathologischen Befund führte Dr. I._ aus, die Beschwerdefüh
rerin sei wach und zu allen Qualitäten orientiert gewesen, for
mal-gedanklich kohärent und nicht verlangsamt und eingeengt. Kognitiv mnes
tisch sei sie subjektiv nicht relevant defizitär. Bei detaillierter Prüfung seien die Fähigkeit zum abstrakten Denken, die Auffassungsgabe, die Mnestik sowie die Konzentrations- und Merkfähigkeit allesamt intakt. Die Grundstimmung werde als nicht wesentlich beeinträchtigt angegeben, affektiv erscheine sie allenfalls leichtgradig affektarm/affektstarr. Die Beschwerdeführerin sei leichtgradig klagsam aber nicht deprimiert. Sie habe Zukunftssorgen aber keine Phobien und keine paroxysmale Angst. Es bestehe keine innere Unruhe, kein Wahn und keine Sinnestäuschungen und auch keine Ich-Störungen. Die Vitalgefühle wür
den in Abhängigkeit von den Schmerzen als reduziert angegeben. Das Selbst
wertgefühl sei nicht beeinträchtigt, die Hedonie intakt. Die Beschwerdeführerin habe Einschlafstörungen bei problematischer Schlafhygiene angegeben. Durch
schlafstörungen bestünden keine und der Appetit sei intakt. Es bestehe keine Suizidalität und keine Fremdgefährdung (S. 6 Mitte).
3.10
Dr. med. J._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
hielt in sei
nem Bericht vom 30. März 20
15 (
Urk.
8/59/3)
fest, er betreue die Beschwerde
führerin seit Juni 2008 hausärztlich. Zu den Gutachten des Krankentaggeldver
sicherers führte er aus, die volle und dauerhafte Arbeitsunfähigkeit in der an
gestammten Tätigkeit sehe er aus hausärztlicher Sicht deckungsgleich mit der rheumatologischen Beurteilung. Ebenfalls erachte er berufliche Massnahmen und eine Reintegration in eine der Behinderung angepasste Tätigkeit vordring
lich. Hingegen sei dies aus hausärztlicher Sicht höchstens in einem Teilzeit
pensum, aktuell und beginnend mit zwei Stunden pro Tag denkbar. Inwiefern und in welchem Mass dieses Pensum erhöht werden könne, müsse abgewartet werden. Als die Arbeitsfähigkeit einschränkend müsse das derzeitige psychische Befinden beurteilt werden. Die Beschwerdeführerin werde psychiatrisch betreut, und die dortige Beurteilung aus psychiatrischer Sicht entspreche nicht derjeni
gen, wie sie der psychiatrische Gutachter vorgebe. Seiner Ansicht nach bestehe derzeit ebenfalls eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht.
3.11
Dr. E._, F._, G._, nannte in seinem Ver
laufsbericht vom 27. Mai 2015 (Urk. 8/71/1-2) als Diagnose eine mittelgra
dige depressive Episode bei Persönlichkeitsakzentuierung und Verdacht auf ein
Aufmerksamkeits-Defizit/Hyperaktivitäts-Syndrom
(ADHS) mit Persistenz ins Erwachsenenalter (S. 2).
Dr. E._ führte aus, bei Erstkonsultation am 25. August 2014 habe eine Anpas
sungsstörung mit vorwiegender Störung von anderen Gefühlen, bei Schlafstö
rungen, Schmerzen, Arbeitsunfähigkeit und verminderter Adaptionsfähigkeit unter Belastung bestanden. Trotz initial partieller Remission der psychopatholo
gischen Symptomatik unter integrierter Psychiatrie inklusive Psychopharmako
logie hätten sie am 4. Dezember 2014
eine leichte bis mittelgradige depressive Episode diagnostiziert
(S. 1 f.). Unter integrierter Psychiatrie und Psychophar
makotherapie sei die beschriebene Psychopathologie wieder partiell remittiert. Ein am 15. April 2015 durchgeführter Test habe ein ADHS im Kindesalter be
stätigt, und ein weiterer durchgeführter Test habe auf eine Persönlichkeitsak
zentuierung mit anankastischen und schizoiden Zügen hingewiesen. Ein am 7. Mai 2015 erhobener Hamilton Depression Scale (HAMD) Test habe auf eine mit-telgradige depressive Episode hingewiesen (S. 2).
3.12
Dr. B._ stellte in seinem Bericht vom 16. Juni 2015
(
Urk.
8/71/3-4)
folgende Diagnosen (S. 1):
persistierende, therapieresistente Lumbalgien bei Spondylodese L4/5 (22. Juli 2013) sowie Diskopathien L2/3 und L3/4
persistierende Schulterbeschwerden rechts nach Supraspinatussehnen-Re
konstruktion am 12. Februar 2014
chronische Depression und ADHS
Dr. B._ führte aus, die Patientin sei derzeit medikamentös eingestellt mit Tramadol 300 mg am Tag sowie einem Antidepressivum plus Schlafmittel. Allein aus dieser aktuellen Medikamentierung heraus ergebe sich schon eine Einschränkung ihrer Arbeitsfähigkeit, insbesondere bei Tätigkeiten, die ihre kognitive Leistungsfähigkeit uneingeschränkt voraussetzten. Auch bei wechsel
belastenden Tätigkeiten könnten Grenzsituationen erreicht werden. So benötige sie bei der Haushaltarbeit nahezu ausnahmslos die Unterstützung der Familien
angehörigen. Auch wenn rein von der Bildgebung der LWS her eine unauffäl
lige postoperative Situation vorliege, bedeute dies nicht, dass die Patientin nicht unter erheblichen Beschwerden leide (S. 1). Hinzu komme die Komplexität der Diagnosen. Sie sei zusätzlich durch die Schulterbeschwerden eingeschränkt und auch die psychischen Diagnosen, welche behandlungsbedürftig seien, müssten berücksichtigt werden. Angesichts der Vielschichtigkeit ihrer Probleme, welche die Patientin glaubhaft schildere, sei es schon erfreulich, wenn sie in einer an
gepassten Tätigkeit
zu 50
%
arbeitsfähig
bleibe. Dr. B._ führte aus, aufgrund der Schulterbeschwerden und der Wirbelsäulenproblematik sollte die Beschwerdeführerin nicht mehr als 5 kg Tragen oder Heben bis Taillenhöhe
(S. 2).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin ging gestützt auf die vom Krankentaggeldversicherer eingeholten Gutachten von
Dr. H._
v
om Dezember 2014
(vorstehend
E. 3
.8
) und
Dr. I._
vom März 2015 (vorstehend E.
3.9
) davon aus, dass im rentenanspruchsrelevanten Zeitraum nach Ablauf des Wartejahres im Juli 2014 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit auch in angepasster Tätigkeit bestanden habe. Betreffend die Zumutbarkeit einer angepassten Tätigkeit stützte sie sich auf das von Dr.
H._
im Dezember 2014 festgelegte Zumutbarkeitsprofil und ging ab diesem Zeitpunkt von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in behinde
rungsangepasster Tätigkeit aus (vgl. vorstehend E. 2.1).
4.2
Die Gutachten von
Dr. H._
vom Dezember 2014 und
von Dr. I._
vom März 2015 berücksichtigen die von der Beschwerdeführerin geklagten Be
schwerden und setzen sich mit diesen umfassend auseinander. Die Gutachten wurden sodann in Kenntnis der wesentlichen Vorakten abgegeben, leuchten in der Darlegung der medizinischen Situation ein, und die Schlussfolgerungen sind in nachvollziehbarer Weise begründet. Die Gutachten erfüllen daher die Anfor
derungen an eine beweiskräftige Expertise (vorstehend E. 1.
6
), weshalb darauf abgestellt werden kann.
Insbesondere stimmt das von
Dr. H._
formulierte Belastbarkeitsprofil im Wesentlichen mit den Ausführungen der Ärzte der
D._
vom August 2014 (vgl. vorstehend E. 3.
4
) überein, welche überdies festhielten, dass Tätigkeiten im Sitzen problemlos möglich seien, eine wechselbelastende Tätigkeit jedoch erforderlich scheine.
Auch Dr. B._ hielt in seinem rund fünf Monate nach der Rückenoperation verfassten Bericht vom Dezember 2013 (vgl. vorstehend E. 3.2) fest, dass von Seiten des Rückens in angepasster Tätigkeit von der Wiedererlangung einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei. Bereits ab Januar 2014 erachtete er ein Pensum von 50 % mit im Verlauf Steigerung auf ein Pensum von 100 % für zumutbar und führte den weiteren Verlauf der Arbeitsunfähigkeit auf die Schulterbeschwerden zurück. Im Rahmen seiner Ausführungen vom Juni 2015 (vorstehend E. 3.12) schien Dr. B._ dann fachfremde Diagnosen in die Einschätzung der Arbeitsfä
higkeit mit einzubeziehen, indem er auch die psychischen Beschwerden thema
tisierte und weiter auf die Schulterbeschwerden verwies. Hinsichtlich der Schulterbeschwerden ist jedoch beachten, dass Dr. C._ bereits in seinem Be
richt vom August 2014 (vgl. vorstehend E. 3.6) von einem sowohl objektiv wie auch subjektiv klar positiven
Verlauf
sprach
.
Hinsichtlich der psychischen Beschwerden vermögen insbesondere die Ausfüh-run
gen von Dr. E._ vom Dezember 2014 und vom Mai 2015 (vorste
hend
E. 3.7 und E. 3.11) nichts a
n der Verwertbarkeit des psychiatrischen Gut
achten
s
von
Dr. I._
vom März 2015 zu ändern.
Abgesehen davon, dass Dr. E._ im Mai 2015 eine zwischenzeitliche Remission der depressiven Prob
lematik vor Dezember 2014 bestätigte und die Untersuchung bei Dr. I._ Ende November 2014 stattfand,
handelt es sich weder bei der im Dezember 2014 diagnostizierten
Anpassungsstörung
(
ICD-10 F43.34) noch bei der mittel
gradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.1) um Leiden, denen rechtspre
chungsgemäss invalidisierende Wirkung zuerkannt wird.
Eine Anpassungsstörung stellt definitionsgemäss ein ledig
lich vorübergehendes Leiden dar
beziehungsweise bildet sie keine hinreichend ausgeprägte Psycho
pathologie. Vielmehr liegt sie im Grenzbereich dessen, was überhaupt noch als krankheitswertig im Sinne des Gesetzes und potenziell invalidisierendes Leiden gelten kann (vgl. Urteil 9C_636/2007 vom 28. Juli 2008, E. 3.2.2). Gleiches gilt hinsichtlich der
mittelgradigen depressiven Episode
ICD-10 F32.1
(
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_80/2011 vom 14. Juni 2011 E. 6.3.2 mit Hinweis auf Urteil I 152/05 vom 23. Mai 2006 E. 3.3, Urteil I 510/2006 vom 26. Januar 2007).
Weiter
handelt es bei dem
von Dr. E._ im Mai 2015
diagnostizierten ADHS mit Persistenz ins Erwachsenenalter lediglich um eine Verdachtsdiagnose und selbst wenn sich diese Diagnose bestätigen würde, wäre ihr in Anbetracht der langjährigen problemlosen Erwerbsbiographie der Beschwerdeführerin eine invalidisierende Auswirkung abzusprechen.
Abschliessend ist hinsichtlich der
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch
Dr. J._
vom
März
2015 (vorstehend E.
3.10)
zu beachten, dass das Gericht in Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen hat, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrecht
liche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
4.3
Aufgrund des Gesagten ist der medizinische Sachverhalt als dahingehend er
stellt zu erachten, dass gestützt auf die Gutachten von
Dr. H._
vom De
zember 2014 und von
Dr. I._
vom März 2015 davon auszugehen ist, dass in der angestammten Tätigkeit als Molkereimitarb
eiterin
keine Arbeitsfä
higkeit mehr gegeben ist, jedoch eine de
n
Behinderung
en
angepasste Tätigkeit seit Dezember 2014 wieder vollumfänglich zumutbar ist.
5.
5.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des Validen
-
ein
kommens entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkom
mensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfah
rung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortge
setzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweisen).
5.2
Für den Einkommensvergleich ist grundsätzlich auf die Gegebenheiten im Zeit
punkt des (hypothetischen) Re
ntenbeginns - hier das Jahr 2014
- abzustellen (BGE 128 V 174, BGE 129 V 222).
Im Arbeitgeberbericht vom 20. Dezember 2013 wurde ausgeführt, dass die Be
schwerdeführerin ohne den Gesundheitsschaden heute Fr. 53‘261.-- verdienen würde (Urk. 8/18 Ziff. 2.11). Dies ergibt aufgerechnet auf ein Pensum von 100 % (vgl. Urk. 8/18 Ziff. 2.9, vorstehend E. 2.1) und unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung von 0.5 %
im Jahr 2014 (
www.bfs.admin.ch
, Anga
ben für den Detailhandel) im Jahr 2014
ein Valideneinkommen von rund Fr. 62‘708.-- (Fr. 53‘261.-- : 85.36 x 100 x 1.005).
5.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-er
werblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, na
mentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebun
gen (LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 E. 3b/aa und bb, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472
E. 4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom sogenannten Zentralwert (Median) aus
zugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zu
grunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende be
triebsübliche Wochenarbeitszeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 E. 3b/bb, 124 V 321 E. 3b/aa; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
Für die Bemessung des Invalideneinkommens ist auf den standardisierten Durch
schnittslohn für einfache und repetitive Tätigkeiten in sämtlichen Wirt
schaftszweigen des privaten Sektors abzustellen. Das im Jahr
2012
von Frauen im Durchschnitt aller einfachen und repetitiven Tätigkeiten erzielte Einkommen betrug Fr. 4‘112.-- (
LSE
2012
, S. 35, Tabelle TA1, Total, Niveau 1). Dies ergibt umgerechnet auf ein Jahr bei einer durchschnittlichen Woche
narbeitszeit von 41.7 Stunden (www.
bfs.admin.ch) und unter der Berücksichtigung der Nomi
nallohnentwicklung von 0.7 % im Jahr 2013
und 0.8 % im Jahr 2014
(
www.
bfs.admin.ch) ein In
valideneinkommen von rund Fr. 52‘216.-- im Jahr 2014
(Fr. 4'112.-- x 12 : 40 x 41.7 x 1.007
x 1.008
).
5.5
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
-
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten nurmehr beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ur
sprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). Dabei ist zu beachten, dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der Vergleichsein
kommen mitverantwortliche invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des soge
nannten Leidensabzuges nicht nochmals berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 322 E. 5.2).
Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen. Es ist nicht von dem von der IV-Stelle vorgenommenen Abzug auszugehen und dieser ange
messen zu erhöhen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_796/2013 vom 28. Januar 2014 E.
3
.
2 mit Hinweis auf
SVR 2011 IV Nr. 31 S. 90, 9C_728/2009 E. 4.1.2).
Nach der Rechtsprechung ist selbst bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit kein leidensbedingter Abzug vom Tabellenlohn gerechtfertigt, wenn leichte bis mit
telschwere Arbeiten zumutbar sind. Dies ergibt sich daraus, dass der Tabellen
lohn im Anforderungsniveau 4 (ab
2012
: Kompetenzniveau 1) bereits eine Viel
zahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesge
richts 9C_72/2009 vom 30. März 2009 E. 3.4 mit Hinweisen).
Der von der Be
schwerdegegnerin gewährte leidensbedingte Abzug von 10 % trägt den Um
ständen der Beschwerdeführerin genügend Rechnung.
5.6
Zum
Zeitpunkt
des Ablaufes des Wartejahres im Juli 2014 war die Beschwerde
führerin auch in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig
.
Erst ab dem Gutachten von Dr. H._ vom Dezember 2014 ist ein verbesserter Gesundheitszustand und eine Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit von 100 % ausgewiesen. Demnach rechtfertigt
sich
die
befristete
Zusprache einer ganzen Rente von 1.
Juli 2014 bis 31
.
März 2015
(
31. Dezember 2014
zuzüglich drei Monate; vgl. Art. 88a Abs. 1 IVV).
Danach resultiert b
ei einem Valideneinkommen von
rund
Fr. 62‘
708
.--
und ei
nem unter
Berücksichtigung eines Abzuges von 10 %
festgesetzten
Invaliden
einkommen in der Höhe von rund Fr. 46‘994.-- (Fr. 52‘216.--
x 0.9)
eine Ein
kommenseinbusse von Fr. 15‘
714
.--, was einem Invaliditätsgrad von rund 25 % entspricht, bei welchem Ergebnis der Beschwerdeführerin keine Rente der Inva
lidenversicherung mehr zusteht.
Demzufolge erweist sich die angefochtene Verfügung als rechtens, was zur Ab
weisung der Beschwerde führt.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang
des Verfahrens sind sie der
unterliegenden Be
schwerdeführer
in aufzuerlegen.