Decision ID: 7b072d38-c2d7-52df-b810-9783f6e22650
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Regula Schmid, Engelgasse 2, 9004 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
medizinische Abklärung
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 26. Oktober 2010 unter Hinweis auf „Blut im Hirn“ und
Rückenbeschwerden zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung bei der IV-
Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1).
A.b Am 16. September 2011 ging der IV-Stelle ein im Auftrag der Krankentaggeldver
sicherung erstellter Bericht über eine interdisziplinäre arbeitsspezifische Abklärung der
Klinik Valens vom 29. August 2011 zu. Die Ärzte hatten ein lumbospondylogenes bis
residuelles sensibles lumboradiculäres Syndrom L5 links, eine Anpassungsstörung,
aktenanamnestisch eine unklare gliotische Signalstörung des Cerebellums ohne
Anhaltspunkte für klinische Manifestation oder Progredienz sowie einen Status nach
vasovagaler Synkope im März 2010 diagnostiziert und ausgeführt, aufgrund der
pathologischen Veränderungen und den Operationsfolgen an der Wirbelsäule sei die
angestammte Tätigkeit als Gipser definitiv nicht mehr zumutbar. Aktuell könnte der
Versicherte dagegen eine leichte wechselbelastende Tätigkeit in einem Pensum von 50
Prozent ausüben. Die Arbeitsunfähigkeit sei aus rheumatologischer Sicht ausgewiesen.
Neurologisch und psychiatrisch bestehe keine relevante Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 37).
A.c Am 19. Dezember 2011 erstattete Dr. med. B._, Facharzt FMH für
Neurochirurgie, einen Arztbericht. Er hielt dafür, der Versicherte sei sowohl als Gipser
als auch in einer anderen körperlich leichten Tätigkeit bis auf weiteres nicht
arbeitsfähig, weshalb seines Erachtens die Zusprache einer ganzen Invalidenrente mit
Neubeurteilung nach einem Jahr angezeigt sei (IV-act. 49).
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A.d Auf Anfrage der IV-Stelle hin hielt Dr. med. C._ vom IV-internen regionalen
ärztlichen Dienst (RAD) in einer Aktenbeurteilung vom 9. Februar 2012 fest, dass
hinsichtlich beruflicher Massnahmen nach wie vor von einer hälftigen Arbeitsunfähigkeit
auszugehen sei, dass aber für die Rentenprüfung eine polydisziplinäre Begutachtung
erforderlich sein werde, da die in Valens diagnostizierte Anpassungsstörung
definitionsgemäss keinen dauerhaften Gesundheitsschaden darstelle (IV-act. 59).
Nachdem der Versicherte der IV-Stelle mitgeteilt hatte, er sei vollständig arbeitsunfähig
und wünsche keine beruflichen Massnahmen, sondern die Rentenprüfung, teilte die IV-
Stelle am 4. April 2012 der neu beauftragten Rechtsvertreterin des Versicherten mit,
dass eine medizinische Untersuchung vorgesehen sei. Die Wahl der Gutachterstelle
erfolge nach dem Zufallsprinzip. Der Versicherte könne innerhalb von zehn Tagen
Einwand gegen die Begutachtung erheben oder Zusatzfragen stellen (IV-act. 68).
A.e Am 23. April 2012 erteilte die IV-Stelle der Ärztliches Begutachtungsinstitut (ABI)
GmbH den Auftrag für eine polydisziplinäre Begutachtung. Dem Fragebogen legte die
IV-Stelle eine Zusammenfassung der Rechtsprechung des Bundesgerichts zu
somatoformen Schmerzstörungen und sonstigen vergleichbaren syndromalen
Zuständen bei (IV-act. 71).
A.f Gleichentags liess der Versicherte Einwand gegen die Begutachtung erheben. Er
sei im August 2011 bereits durch die Klinik Valens begutachtet worden. Das Verfahren
solle sich nicht länger verzögern, zumal ein Anspruch auf mindestens eine halbe Rente
ausgewiesen sei. Sodann liess der Versicherte folgende Zusatzfrage stellen: „Wie hat
sich die gesundheitliche Situation des Versicherten im Vergleich zum Gutachten der
Klinik Valens vom 19. August 2011 verändert?“ (IV-act. 72). Die IV-Stelle nahm am
25. April 2012 Stellung zum Schreiben, wobei sie insbesondere festhielt, eine weitere
Begutachtung sei unumgänglich, und teilte mit, dass die Zusatzfrage weitergeleitet
werde (IV-act. 73). Am 30. April 2012 beanstandete die Rechtsvertreterin des
Versicherten den Fragekatalog. Es handle sich bei der Frage nach der Überwindbarkeit
um eine Rechtsfrage, die entsprechend nicht von den Gutachtern zu beantworten sei.
Ausserdem seien die zitierten Bundesgerichtsurteile unvollständig und die Auswahl
irreführend (IV-act. 75). Am 24. Mai 2012 antwortete die IV-Stelle mit Hinweisen auf die
Rechtsprechung, eine fachärztliche Einschätzung bezüglich Komorbidität und
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Willensanstrengung sei unabdingbare Voraussetzung für die Leistungsbeurteilung (IV-
act. 79).
A.g Ebenfalls am 24. Mai 2012 ging der IV-Stelle eine Kopie des Aufgebots der ABI
GmbH vom 22. Mai 2012 an den Versicherten zu (IV-act. 81). Da nicht mit Sicherheit
bekannt sei, ob der Versicherte vertreten sei, stelle man die Kopie der IV-Stelle zu, die
dieselbe gegebenenfalls an die Rechtsvertretung weiterleiten solle (IV-act. 81 Beilage).
Am 5. Juni 2012 informierte die IV-Stelle die Rechtsvertreterin über die geplanten
Untersuchungen (Datum, Uhrzeit, Gutachter). Die ersten Untersuchungen waren auf
den 11. Juni 2012 angesetzt (IV-act. 84). Ebenfalls am 5. Juni 2012 ging der IV-Stelle
eine Stellungnahme der Rechtsvertreterin des Versicherten zum Schreiben der IV-Stelle
vom 24. Mai 2012 zu, mit der für den Fall des Festhaltens an der Übermittlung der
genannten Präjudizienauswahl an die Gutacherstelle um Zustellung einer anfechtbaren
Verfügung ersucht wurde (IV-act. 85). Am 12. Juni 2012 nahm die Rechtsvertreterin des
Versicherten per E-Mail Kontakt mit der Sachbearbeiterin der IV-Stelle auf. Beim
Schreiben vom 5. Juni 2012, das ihr erst am 11. Juni 2012 zugegangen sei, müsse es
sich um ein Versehen handeln, da die Frist bis zur ersten Untersuchung viel zu kurz
angesetzt worden sei (IV-act. 86).
A.h Am 18. Juni 2012 erhob die Rechtsvertreterin des Versicherten Einwand gegen
die Begutachtung. Das direkte Aufgebot des Versicherten stelle eine Verletzung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör dar. Es werde sodann weder die Gutachterstelle noch
die Fragestellung akzeptiert. Die Einwände hätten nicht rechtzeitig geltend gemacht
werden können, weil der Versicherte bei Eingang des Schreibens vom 5. Juni 2012
ohne ihre Kenntnis bereits in D._ geweilt habe. Auch dadurch sei der Anspruch auf
rechtliches Gehör verletzt worden. Der vorgeschlagene psychiatrische Consiliarius der
ABI GmbH sei bekannt dafür, Textbausteine in seinen Gutachten zu verwenden. Das
Verfahren nach Zufallsprinzip begünstige schliesslich grosse Gutachterstellen wie die
ABI GmbH (IV-act. 88). Am 2. Juli 2012 antwortete die IV-Stelle, das Aufgebot sei der
Rechtsvertreterin versehentlich nicht zugestellt worden. Da sie jedoch in ihrem
Schreiben vom 18. Juni 2012 keine objektiven Gründe gegen die Gutachter
vorgebracht habe, habe dieser Mangel keinen weiteren Einfluss auf das Verfahren. Die
IV-Stelle habe keinen Einfluss auf die Wahl der Gutachterstelle, weshalb diesbezüglich
auf den Einwand nicht eingegangen werden könne. Dem Versicherten bzw. seiner
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Rechtsvertreterin werde bis zum 9. bzw. 16. Juli 2012 die Möglichkeit eingeräumt,
objektive Gründe gegen die ABI GmbH bzw. deren Gutachter vorzubringen (IV-act. 90
und 92). Innert Frist nahm die Rechtsvertreterin Stellung. Sie beanstandete
insbesondere die Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör sowie die
Fragestellung und die Wahl der Gutachterstelle und beantragte die Zustellung einer
verfahrensleitenden Verfügung für den Fall, dass die Begutachtung bei der ABI GmbH
durchgeführt und verwertet werden sollte (IV-act. 93).
A.i Am 3. August 2012 erliess die IV-Stelle eine Zwischenverfügung, mit welcher sie
an der Begutachtung durch die ABI GmbH festhielt (IV-act. 98).
B.
B.a Dagegen richtet sich die am 13. September 2012 erhobene Beschwerde, mit der
die Erteilung eines Auftrages zur Begutachtung an eine andere Gutachterstelle sowie
eventualiter das Stellen von Zusatzfragen an die Klinik Valens, beides ohne „suggestive
Fragestellung unter einseitigen Hinweisen auf (die) Rechtsprechung des
Bundesgerichts zur Überwindbarkeitsfrage“ und unter Gewährung des rechtlichen
Gehörs, beantragt werden (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin schliesst auf Abweisung der Beschwerde. In ihrer
Beschwerdeantwort vom 15. November 2012 führte sie zur Begründung unter anderem
aus, aufgrund des mittlerweile vorliegenden Gutachtens der ABI GmbH sowie der
übrigen medizinischen Akten sei die Beurteilung des Rentenanspruchs möglich, ohne
dass sich die gerügten Verfahrensmängel auswirken würden (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 26. November 2012 liess der Beschwerdeführer an seinen
Anträgen festhalten (act. G 6).
B.d Am 7. Januar 2013 liess der Beschwerdeführer darauf hinweisen, dass im
weiteren Verfahren bereits auf das Gutachten der ABI GmbH abgestellt werde, weshalb
die rasche Behandlung der Beschwerde beantragt werde (act. G 8).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine weitere Stellungnahme bzw. auf
eine Duplik (act. G 10).
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Erwägungen:
1.
1.1 Anfechtungsgegenstand der vorliegend zu behandelnden Beschwerde bildet die
Verfügung vom 3. August 2012, mit der die Beschwerdegegnerin an der (mittlerweile
bereits erfolgten) Begutachtung durch die ABI GmbH festgehalten hat.
Streitgegenstand bilden die Wahl der Gutachterstelle und die den Gutachtern gestellten
Fragen. Der Beschwerdeführer lässt sodann verschiedene Verletzungen des Anspruchs
auf rechtliches Gehör rügen. Da die Verfügung vom 3. August 2012 das vorinstanzliche
Verfahren nicht abschliesst, ist sie als Zwischenverfügung zu qualifizieren.
1.2 Gegen solche verfahrensleitende Verfügungen kann grundsätzlich gemäss Art. 56
Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG; SR 830.1) Beschwerde geführt werden. Obwohl in dieser Bestimmung nicht
erwähnt, ist Eintretensvoraussetzung ein nicht wieder gutzumachender Nachteil (vgl.
Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl. 2009, Art. 56 N 9). Die Mitwirkungsrechte
müssen nach der Rechtsprechung durchsetzbar sein, bevor präjudizierende Effekte
eintreten. Es genügt nicht, sie erst bei der Beweiswürdigung im Verwaltungs- und
Beschwerdeverfahren einzuräumen. Für die Annahme eines drohenden nicht
wiedergutzumachenden Nachteils spricht auch, dass die mit medizinischen
Untersuchungen einhergehenden Belastungen zuweilen einen erheblichen Eingriff in
die physische oder psychische Integrität bedeuten. Die nicht sachgerechte
Begutachtung bewirkt in der Regel einen rechtlichen und nicht nur tatsächlichen
Nachteil (BGE 138 V 271 E. 1.2.2 f. S. 276). Diese Voraussetzungen sind vorliegend
erfüllt, weshalb auf die Beschwerde einzutreten ist.
2.
2.1 In materieller Hinsicht ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass es im Ermessen
des Versicherungsträgers liegt, darüber zu befinden, mit welchen Mitteln die
Sachverhaltsabklärung gemäss Art. 43 Abs. 1 ATSG zu erfolgen hat, und dass ihm im
Rahmen der Verfahrensleitung ein grosser Ermessensspielraum bezüglich
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Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen
zukommt (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_1037/2010 vom 10. Oktober 2011
E. 5.1). Bei der Beurteilung von Fragen, die in diesen Ermessensspielraum fallen,
auferlegt sich das Gericht Zurückhaltung. Anderes gilt selbstverständlich, wenn das
Ermessen rechtsfehlerhaft betätigt, also insbesondere der Ermessensspielraum
unterschritten, überschritten oder missbraucht wird. Letzteres ist etwa der Fall, wenn
einem Gutachter (unzulässige) Suggestivfragen gestellt werden (vgl. zu Suggestivfragen
im Allgemeinen etwa Roger Groner, Beweisrecht – Beweise und Beweisverfahren im
Zivil- und Strafrecht, 2011, S. 246 f.; BGE 136 II 551 E. 3.2.2 S. 555 mit Hinweisen;
BGE 106 Ia 20 E. 3 S. 27; BGE 98 Ia 250 E. 1c S. 253).
2.2 Bezüglich der Wahl der Gutachterstelle ist darauf hinzuweisen, dass diese in erster
Linie einvernehmlich erfolgen soll. Wie das Bundesgericht in seinem Leitentscheid
betreffend medizinische Abklärungen im Verfahren der Invalidenversicherung
ausgeführt hat, können damit einerseits Verfahrensweiterungen vermieden und
andererseits die Akzeptanz des Gutachtens im Einzelfall erhöht werden, weshalb in
jedem Fall primär eine Einigung bezüglich der Wahl der Gutachterstelle anzustreben ist
(BGE 137 V 210 E. 3.4.2.6 S. 256; vgl. auch die Entscheide IV 2011/153 und IV 2012/39
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 4. Februar 2013 bzw. 7. März
2013, E. 5 bzw. E. 2.3). Die Wahl der Gutachterstelle nach dem Zufallsprinzip ist im
Lichte der erwähnten Ausführungen des Bundesgerichts im Leitentscheid BGE 137 V
210 als eine Art Notbehelf, insbesondere für Fälle, in denen sich die versicherte Person
nur mit pauschalen Argumenten gegen mehrere Vorschläge des
Sozialversicherungsträgers wendet, zu qualifizieren. Zu berücksichtigen ist in diesem
Zusammenhang, dass die Versicherten bereits insofern zu einem Kompromiss
angehalten sind, als für eine polydisziplinäre Begutachtung gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung eine der spezifischen Medizinischen
Abklärungsstellen (MEDAS) beauftragt werden muss. Den Versicherten steht insofern
nur eine beschränkte Auswahl zur Verfügung. Mit Blick auf die anzustrebende Einigung
soll sich die IV-Stelle quasi im Gegenzug nicht ohne triftige Gründe, wie insbesondere
Kapazitätsprobleme oder fehlende Fachärzte, gegen einen Vorschlag der versicherten
Person wenden können. Ebenso ist den Versicherten das Recht einzuräumen, einen
Vorschlag der IV-Stelle auch grundlos abzulehnen und einen Gegenvorschlag zu
unterbreiten. Wenn allerdings aufgrund der gesamten Umstände ersichtlich wird, dass
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die versicherte Person an einer Einigung betreffend Wahl der Gutachterstelle nicht
interessiert ist, ist die Gutachterstelle nach dem Zufallsprinzip auszuwählen und
darüber allenfalls eine Verfügung zu erlassen.
2.3 Es ist vorliegend nicht einzusehen, weshalb die Beschwerdegegnerin weder
versucht hat, bezüglich der Wahl der Gutachterstelle eine einvernehmliche Lösung mit
dem Beschwerdeführer zu finden, noch bereit war, auf seinen Vorschlag, die Klinik
Valens – die ihn nicht behandelt, sondern bereits begutachtet hatte – mit der Erstellung
eines Verlaufsgutachtens zu beauftragen, einzugehen. Mit den Verfahrensrechten,
welche den Versicherten nach bundesgerichtlicher Auslegung im Rahmen einer
administrativ angeordneten Begutachtung zustehen, lässt sich das Vorgehen der
Beschwerdegegnerin jedenfalls nicht vereinbaren.
3.
3.1 Was den Fragenkatalog bzw. die Zustellung einer „Rechtsprechungsübersicht“
betrifft, so ist auf folgendes hinzuweisen. Gemäss den Qualitätsleitlinien für
psychiatrische Gutachten in der Eidgenössischen Invalidenversicherung der
Schweizerischen Gesellschaft für Versicherungspsychiatrie (Stand Februar 2012) hat
ein Gutachten in erster Linie die Frage, ob und in welchem Umfang bzw. mit welchen
Einschränkungen der versicherten Person das Ausüben der bisherigen Tätigkeit aus
medizinischer Sicht möglich ist oder sein sollte, und die Frage, welche (dem Leiden
besser angepasste) Tätigkeiten mit welchen Einschränkungen und gegebenenfalls in
welchem Umfang aus medizinischer Sicht von der versicherten Person ausgeübt
werden könnten, zu beantworten. Der weitere Umgang mit diesen Angaben ist Sache
des Rechtsanwenders und soll von den Medizinern diesem überlassen werden (S. 4
und 17). Diese Abgrenzung steht im Einklang mit der höchstrichterlichen
Rechtsprechung (vgl. BGE 132 V 393 E. 3.2 S. 398). Mit Blick auf diese
Aufgabenteilung erscheint die Zustellung einer „Rechtsprechungsübersicht“ an
medizinische Gutachter nicht zielführend. Im Gegenteil könnten Gutachter dadurch
tendenziell dazu verleitet werden, ihren Kompetenzbereich zu verlassen und
medizinische Feststellungen mit juristischen Wertungen zu ergänzen bzw. zu ver
mischen, was der Rechtsanwendung nicht dienlich ist.
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3.2 Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat zu Recht darauf hingewiesen,
dass die „Rechtsprechungsübersicht“ zudem unvollständig und einseitig ist. In den von
ihr erwähnten – und weiteren – Entscheiden (etwa Urteile des Bundesgerichts
9C_1041/2010 vom 30. März 2011 und 8C_958/2010, 8C_1039/2010 vom 25. Februar
2011) hat das Bundesgericht das Vorliegen einer relevanten Erkrankung ohne
vollständige Überwindbarkeit im Fall von leichten und mittelschweren depressiven
Episoden bejaht. Die Beschwerdegegnerin hat allerdings keine entsprechenden
Entscheide in ihre „Rechtsprechungsübersicht“ aufgenommen, sondern lediglich eine
Auswahl von Entscheiden zusammengestellt, in denen ausnahmslos die
Überwindbarkeit festgestellter psychiatrischer Erkrankungen bejaht worden war. Damit
hat sie die Gutachterstelle in unzulässiger Weise beeinflusst. Anstelle des einseitigen
Hinweises auf Präjudizien könnte die IV-Stelle die Gutachter etwa auf die an Mediziner
gerichteten, oben zitierten relevanten Passagen der Qualitätsleitlinien für psychiatrische
Gutachten hinweisen.
4.
4.1 Wäre die Begutachtung nicht erfolgt, wäre der Gutachtensauftrag zu widerrufen
und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, eine neue Begutachtung unter Wahrung
der Verfahrensrechte des Beschwerdeführers in Auftrag zu geben. Nun ist der
Beschwerdeführer aber zur Begutachtung erschienen, womit sich die Frage stellt, ob
aufgrund dieses Umstandes von einer erneuten Begutachtung abzusehen und das
Gutachten der ABI GmbH entsprechend nicht aus dem Recht zu weisen ist.
4.2 Es ist davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer der Tragweite seines
Handelns nicht vollumfänglich bewusst war und ihm nicht bekannt gewesen ist, dass er
seine Mitwirkung hätte verweigern dürfen. Es lässt sich nicht von der Hand weisen,
dass die fehlerhafte direkte Zustellung des Aufgebots durch die ABI GmbH ursächlich
dafür war, dass der Beschwerdeführer sich hat begutachten lassen, obwohl ihm seine
Rechtsvertreterin bei rechtzeitiger Kenntnis des Aufgebots davon abgeraten hätte.
Jedenfalls darf der betroffenen Person aus einer fehlerhaften Zustellung kein Nachteil
erwachsen (vgl. Art. 49 Abs. 3 Satz 3 ATSG). Würde vorliegend dem Erscheinen des
Beschwerdeführers zur Begutachtung entscheidende Bedeutung zugemessen, würde
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ihm aber ein solcher Nachteil erwachsen, weshalb er so zu stellen ist, als wäre er nicht
zur Begutachtung erschienen.
4.3 Das bedeutet, dass das Gutachten der ABI GmbH aus dem Recht zu weisen und
entsprechend aus den Akten zu entfernen ist. Die Beschwerdegegnerin hat ein neues
Gutachten in Auftrag zu geben, wobei aus Sicht des Gerichts nichts dagegen spricht,
die Klinik Valens mit einer Verlaufsbegutachtung zu beauftragen. Jedenfalls hat die
Beschwerdegegnerin eine Einigung mit dem Beschwerdeführer betreffend Wahl der
Gutachterstelle anzustreben. Auf die Zustellung einer „Rechtsprechungsübersicht“ ist
zu verzichten.
5.
Die angefochtene Verfügung ist zusammenfassend in Gutheissung der Beschwerde
aufzuheben und die Angelegenheit zur Weiterführung des Verwaltungsverfahrens im
Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die
Beschwerdegegnerin hat entsprechend die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen
und den Beschwerdeführer mit Fr. 3’500.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) zu entschädigen. Dem Beschwerdeführer wird der von ihm geleistete
Kostenvorschuss zurückerstattet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht