Decision ID: 9e4a0472-9b9f-4d83-af52-eadb764b1378
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ war seit dem 15. Januar 1982 bei der B._ AG als Sortiererin angestellt und
dadurch bei der Helsana Zusatzversicherungen AG (nachfolgend: Helsana)
krankentaggeldversichert. In der Krankmeldung vom 10. März 2011 gab die
Arbeitgeberin an, die Versicherte sei seit 18. Februar 2011 krankheitsbedingt
arbeitsunfähig (act. G 5.3). Der behandelnde Dr. med. C._, Arzt für Allgemeine
Medizin FMH, diagnostizierte ein cervikobrachiales Schmerzsyndrom rechts bei
Wirbelsäulenfehlstatik und vertebralem Syndrom C4/C5 sowie eine
Erschöpfungsdepression. Er bescheinigte der Versicherten eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit (Bericht vom 24. März 2011, siehe hierzu sowie zum von Dr. C._
bei Dr. med. D._, Facharzt für Rheumatologie FMH, eingeholten Bericht vom 15.
März 2011 act. G 5.4). Der im Psychiatrischen Zentrum E._ behandelnde Oberarzt
F._ berichtete am 19. Juli 2011, die Versicherte leide an einer Somatisierungsstörung
(ICD-10: F45.0). Er bescheinigte mit Wirkung ab 1. April 2011 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit. Eine Arbeitsaufnahme sei für den 15. September 2011 vorgesehen
(act. G 5.6).
A.b Im Auftrag der Helsana wurde die Versicherte am 3. Oktober 2011 von med. pract.
G._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, begutachtet. Die
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Gutachterin diagnostizierte eine undifferenzierte Somatisierungsstörung (ICD-10:
F45.1). Gegenwärtig bestünden allenfalls noch leichte Einschränkungen der Arbeits-
und Leistungsfähigkeit. Diese seien bedingt durch eine Einschränkung der Stress- und
Frustrationstoleranz sowie durch eine Einschränkung der emotionalen Belastbarkeit.
Für die angestammte sowie für andere leidensangepasste Tätigkeiten bestehe eine
Arbeitsunfähigkeit von höchstens 40%. Eine schrittweise Verminderung der
Arbeitsunfähigkeit sei bei adäquater psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung
in den nächsten ein bis zwei Monaten zu erwarten. Die Versicherte habe angegeben,
dass sie sich nicht arbeitsfähig fühle. Diese Selbsteinschätzung habe sie mit
unspezifischen Beschwerden an den Händen begründet. Diese tiefe
Selbsteinschätzung sei nicht nachvollziehbar (Gutachten vom 7. Oktober 2011, act. G
5.9).
A.c Nachdem die Helsana Kenntnis von der Kündigung des Arbeitsverhältnisses durch
die Arbeitgeberin erhalten hatte (vgl. hierzu den Bericht des Schadensinspektors vom
8. November 2011, act. G 5.12), forderte sie die Versicherte unter Hinweis auf die
Schadenminderungspflicht auf, eine leidensangepasste Tätigkeit zu suchen und
aufzunehmen. Die Helsana gewährte eine Anpassungszeit bis 31. Januar 2012 und
sicherte ihr bis zu diesem Zeitpunkt das volle Taggeld zu. Ab dem 1. Februar 2012
würden keine Taggeldleistungen mehr ausgerichtet (Schreiben vom 18. November
2011, act. G 5.13).
A.d Im Verlaufsbericht vom 5. Dezember 2011 führte die in der Tagesklinik des
Psychiatrischen Zentrums E._ behandelnde Oberärztin H._, aus, es habe sich im
Behandlungsverlauf eine deutliche Besserung der depressiven Symptomatik gezeigt.
Durch die ausgeprägte Schmerzsymptomatik in beiden Handgelenken sowie ihre
extreme Müdigkeit sei die Versicherte in der bisherigen Tätigkeit deutlich
eingeschränkt. Eine an das Leiden angepasste Tätigkeit sei vorstellbar. Die
Zumutbarkeitsbeurteilung sei durch einen somatischen Experten zu beantworten. Bei
stabilem Zustand sei die Versicherte am 29. November 2011 aus der Tagesklinik
entlassen worden (IV-act. 22). Die seit 2. Februar 2011 ambulant im Rahmen von
"Gesprächspsychotherapie" behandelnde Dr. med. I._, Praktische Ärztin,
diagnostizierte ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine leichte depressive
Episode (ICD-10: F32.0). Sie verneinte das Bestehen von geistigen und psychischen
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Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit (Bericht vom 9. März 2012, IV-act. 31). Die
Hausärztin J._, berichtete am 20. April 2012, die Versicherte leide seit ungefähr April
2011 an einer mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10: F32.11) und einem diffusen
cervicobrachialen Schmerzsyndrom rechts bei Wirbelsäulenfehlstatik. Eine leichte
leidensangepasste Arbeit, die den rechten Arm möglichst nicht belaste, sei der
Versicherten zumutbar (IV-act. 37). Dr. med. K._, Facharzt für Neurologie,
diagnostizierte ein klinisch eindeutiges Karpaltunnel- und Sulcus ulnaris-Syndrom
rechts, elektroneurographisch mit leichter Kompression und sensomotorischer
axonaler Störung vor allem im Vergleich zur linken Seite, in erster Linie durch die
langjährige schwere Erwerbsarbeit verursacht. Nennenswerte psychische
Auffälligkeiten hätten nicht bestanden. Die Versicherte könne ihren rechten Arm und
ihre rechte Hand überhaupt nicht richtig gebrauchen und einsetzen, da deutliche
Gefühlsstörungen und auch eine muskuläre Schwäche im Bereich des Nervi mediani
und ulnaris vorhanden seien. So lange dieses klinische Bild weiter bestehe, sei die
Versicherte für jegliche Tätigkeiten in der freien Wirtschaft in grossem Prozentsatz
arbeitsunfähig (Bericht vom 9. Juli 2012, IV-act. 47). Nach Rücksprache mit Dr. med.
L._, Facharzt für Chirurgie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) Ostschweiz, gelangte
RAD-Ärztin Dr. med. M._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin FMH, zur
Auffassung, die subjektiv beklagten Beschwerden seien mit den objektivierbaren
Befunden nicht vereinbar. Aus chirurgischer Sicht verfüge die Versicherte in einer die
Hände nicht belastenden Tätigkeit über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Als adaptierte
Tätigkeit könne eine leichte Tätigkeit ohne Heben von Gewichten (Sortieren, Prüfen) in
vollem Pensum zugemutet werden. Die depressive Verstimmung habe sich gebessert
und begründe keine Arbeitsunfähigkeit (Stellungnahme vom 21. August 2013, IV-act.
82). Aufgrund der Diagnose eines Sulcus ulnaris Syndroms am rechten Ellbogen
unterzog sich die Versicherte einem von Dr. med. N._, Spezialarzt für Handchirurgie
FMH, am 19. November 2013 durchgeführten operativen Eingriff (Neurolyse N. ulnaris
rechts mit Ventralverlagerung durch Osteotomie Epikondylus humeri ulnaris; act. G
1.11).
A.e Im Schreiben vom 28. Januar 2014 brachte die Versicherte vor, die Beurteilung der
Gutachterin F._ leide an schweren Mängeln. Die somatischen Ursachen für ihr Leiden
seien erst durch Dr. K._ festgestellt worden. Sie reichte verschiedene medizinische
Berichte ein und ersuchte die Helsana um eine neue Beurteilung ihrer Leistungspflicht
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über den 31. Januar 2012 hinaus (act. G 1.6; zu den eingereichten Berichten, siehe act.
G 1.7 ff.; vgl. auch das Schreiben der Versicherten vom 25. April 2014 mit weiteren
ärztlichen Berichten, act. G 1.16 ff.). Die Helsana holte darauf hin bei Prof. Dr. med.
O._, Facharzt für Neurologie FMH, und Dr. med. P._, Fachärztin für Neurologie
FMH, Zentrum Q._, eine neurologische Aktenbeurteilung ein. Die neurologischen
Experten gelangten zur Auffassung, die beklagten Symptome seien wenig spezifisch
und sowohl für ein Karpaltunnelsyndrom als auch für ein Sulcus ulnaris-Syndrom eher
untypisch. Die Diagnose eines Karpaltunnelsyndroms könne zum Zeitpunkt der
Erstuntersuchung vom 28. Juni 2012 nicht gestellt werden. Die Frage, ob die
Versicherte vor diesem Zeitpunkt an einem Karpaltunnelsyndrom rechts gelitten habe,
könne anhand der zur Verfügung stehenden Akten nicht beantwortet werden.
Angesichts der blanden elektrophysiologischen Befunde und des Fehlens der
typischen Beschwerden erscheine dies als wenig wahrscheinlich. Die Fragen zur
Arbeits- und Leistungsfähigkeit, zu den Einschränkungen bei der zuletzt ausgeübten
Tätigkeit und zur leidensangepassten Tätigkeit könnten anhand der zur Verfügung
stehenden Akten nicht beantwortet werden. In Bezug auf das Sulcus ulnaris-Syndrom
scheine die chirurgische Behandlung erfolgreich gewesen zu sein (neurologische
Aktenbeurteilung vom 2. Juni 2014, act. G 5.36). Die Hausärztin J._ gab im Bericht
vom 15. Juli 2014 an, eine leidensangepasste Tätigkeit könne der Versicherten
zugemutet werden. Im beigelegten Bericht vom 14. Juli 2014 führte Dr. N._ aus, die
Situation sei so gut, dass bezüglich leidensangepasste Tätigkeiten eine volle
Arbeitsfähigkeit bestehe (act. G 5.42). RAD-Ärztin Dr. M._ hielt die Beurteilung von
Dr. N._ für nachvollziehbar (Stellungnahme vom 13. August 2014, IV-act. 116-4). Im
Bericht vom 9. September 2014 erwähnte Dr. K._ als Diagnose eine langsame
Erholung des Sulcus ulnaris-Syndroms rechts mit weiterhin mittelgradigen
sensomotorischen axonalen Störungen bei Status nach Neurolyse des Nervi ulnaris
rechts mit Ventralverlagerung durch Osteotomie des Epikondylus humeri ulnaris am 19.
November 2013. Die rechte Hand sei immer noch nur für die nötigen Alltagsaktivitäten,
aber nicht für erwerbsmässige Tätigkeiten belastbar. Die Versicherte sei
selbstverständlich für die Aktivitäten, die nur mit der linken Hand ausgeübt werden
könnten, voll arbeitsfähig. Falls eine solche Tätigkeit zu finden wäre, wäre sie der
Versicherten nicht zumutbar, weil sie ihre linke Hand überbelasten müsste. Eine solche
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Überlastung könnte auch im Laufe der Zeit gewisse gesundheitliche Probleme
hervorrufen (act. G 1.23).
B.
B.a In der am 8. Oktober 2014 erhobenen Klage beantragt die Klägerin, die Beklagte
sei zu verpflichten, ihr in Ergänzung der Leistungen der Arbeitslosenkasse für die Zeit
vom 1. Februar 2012 bis 16. Februar 2013 den Betrag von Fr. 25'928.13 nebst Zins zu
5% seit 28. Januar 2014 zu bezahlen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur
Begründung führte sie im Wesentlichen an, die Beurteilung der Gutachterin F._ vom
7. Oktober 2011 dürfe im vorliegenden Fall nicht als Grundlage für die Schätzung der
Arbeitsunfähigkeit genommen werden, da sie an schweren Mängeln leide (fehlende
Übersetzung, unberechtigter Vorwurf der Aggravation) und somit keine Aussagekraft
habe. Die Ursachen für die Beschwerden der Klägerin - ein Karpaltunnel- und Sulcus
ulnaris-Syndrom - seien erst bei Beizug des Neurologen Dr. K._ erkannt worden (act.
G 1).
B.b Mit Klageantwort vom 16. Dezember 2014 beantragt die Beklagte die
vollumfängliche Abweisung der Klage; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Sie
bringt vor, dem psychiatrischen Gutachten komme voller Beweiswert zu. Allfällige nach
dem 31. Januar 2012 behandelte psychische Beschwerden begründeten keinen
Taggeldanspruch, da keine psychische Störung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
bei der Klägerin festgestellt worden sei. Eine vor dem 1. Februar 2012 aufgrund der
Diagnosen eines sensomotorischen Karpaltunnel- und Sulcus ulnaris-Syndroms rechts
eingetretene Arbeitsunfähigkeit sei nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit dargetan. Der Versicherungsschutz sei mit der Beendigung des
Arbeitsverhältnisses am 31. Januar 2012 infolge Kündigung erloschen. Eine
Nachleistung für den laufenden Fall sei nicht geschuldet, da die Klägerin spätestens
per 1. Dezember 2011 die vollständige Arbeitsfähigkeit in Bezug auf ihre psychischen
Beschwerden wiedererlangt habe (act. G 5).
B.c Die Parteien verzichteten auf die Durchführung einer mündlichen Verhandlung (act.
G 9f.).
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B.d Die Klägerin hielt in der Replik vom 13. Mai 2015 unverändert an den
Rechtsbegehren fest und führte ergänzend aus, ihr seien nicht alle Akten zur Kenntnis
gebracht worden (act. G 16). Zudem legte sie ein Arztzeugnis von Dr. I._ vom 1.
Januar 2012 (act. G 16.1) und eine Kostennote des Rechtsvertreters (act. G 16.2) bei.
B.e Mit Duplik vom 12. Juni 2015 (act. G 18) hielt die Beklagte an ihren bisherigen
Anträgen vollumfänglich fest.
B.f Am 30. August 2016 wurden die Parteien über den Beizug der IV-Akten des
Beschwerdeverfahrens IV 2014/543 orientiert (act. G 20). Die Klägerin äusserte sich am
2. September 2016 zu den erfolgten Eingliederungsbemühungen der IV-Stelle (act. G
21). Die Beklagte nahm am 14. September 2016 und die Klägerin am 28. September
2016 nochmals Stellung (act. G 24 und G 26).

Erwägungen
1.
Mit der Klage beantragt die Klägerin Leistungen aus einer kollektiven
Krankentaggeldversicherung.
1.1 Gemäss Ziff. 38 der vorliegend unbestrittenermassen anwendbaren Allgemeinen
Versicherungsbedingungen der Beklagten (AVB), Ausgabe 1. Januar 2006 (act. G 5.1),
kann die anspruchsberechtigte Person bei Streitigkeiten aus dem Versicherungsvertrag
wahlweise an ihrem schweizerischen Wohnort, ihrem schweizerischen Arbeitsort oder
am Hauptsitz der Beklagten Klage erheben. Die Klägerin hat das Gericht an ihrem
Wohnort angerufen. Die örtliche Zuständigkeit des Versicherungsgerichts ist damit
gegeben.
1.2 Das Versicherungsgericht entscheidet gemäss Art. 9 des Einführungsgesetzes zur
Schweizerischen Zivilprozessordnung (EGZPO; sGS 961.2) in Verbindung mit Art. 7 der
Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO; SR 272) als einzige kantonale Instanz über
Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung nach dem
Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG; SR 832.10). Darunter werden
praxisgemäss auch Zusatzversicherungen wie die vorliegend zu beurteilende
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Kollektivtaggeldversicherung subsumiert, auf die das Bundesgesetz über den
Versicherungsvertrag (VVG; SR 221.229.1) zur Anwendung gelangt (vgl. etwa BGE 138
III 2 E. 1.1). Damit sind vorliegend auch die Voraussetzungen der sachlichen und
funktionellen Zuständigkeit erfüllt.
1.3 Vor der Klageanhebung beim Versicherungsgericht ist kein Schlichtungsverfahren
gemäss Art. 197 ff. ZPO durchzuführen (vgl. BGE 138 III 564 E. 4.6).
2.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der von der Klägerin
gegenüber der Beklagten geltend gemachte Anspruch auf Taggeldleistungen über den
31. Januar 2012 hinaus.
2.1 Klagen aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung sind gemäss
Art. 243 Abs. 2 lit. f ZPO ohne Rücksicht auf den Streitwert im vereinfachten Verfahren
zu behandeln, wobei gemäss Art. 219 ZPO die Bestimmungen über das ordentliche
Ver-fahren sinngemäss gelten (vgl. CHRISTOPH LEUENBERGER/BEATRICE UFFER-
TOBLER, Schweizerisches Zivilprozessrecht, Bern 2010, N 11.154, N 11.157). Art. 247
Abs. 2 ZPO sieht vor, dass das Gericht in solchen Streitigkeiten den Sachverhalt von
Amtes wegen feststellt. Diese sogenannte abgeschwächte oder soziale
Untersuchungsmaxime gebietet es dem Gericht zwar, den Sachverhalt mit eigenen
Mitteln abzuklären und mit vertretbarem Aufwand zu einem hinreichend sicheren
Beweisergebnis zu gelangen. Es ist dabei aber nicht an die Beweisanträge gebunden
und kann von sich aus Beweis erheben. Die Parteien werden dadurch auch nicht von
der Mitwirkung an der Erhebung der Beweise und der Erstellung des Sachverhalts
entbunden. Sie bleiben mitverantwortlich für die Beweisführung und haben
insbesondere die Beweismittel zu benennen und beizubringen (vgl. BSK ZPO [2. Aufl.] -
PETER GUYAN, Art. 153 N 3 ff., insbesondere N 9; FRANZ HASENBÖHLER in:
SUTTER-SOMM/HASENBÖHLER/LEUENBERGER [Hrsg.], ZPO Kommentar, 2. Aufl.
Zürich/Basel/Genf 2013 [nachfolgend zitiert mit ZPO Kommentar], Art. 153 N 5 ff.;
BERND HAUCK in: ZPO Kommentar, Art. 247 N 33; sowie BGE 130 III 107 E. 2.2, BGE
125 III 238 f. E. 4a und BGE 107 II 236 E. 2c mit weiteren Hinweisen).
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2.2 Im Zivilprozess gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 157 ZPO). Das
Gericht hat bei der Bewertung der erhobenen Beweise unabhängig von abstrakten
Regeln nach seiner eigenen Überzeugung darüber zu befinden, ob es eine behauptete
Tatsache als wahr oder unwahr einstuft. Dabei bleibt es dem Gericht überlassen, die
Kraft eines Beweismittels nach seiner Überzeugung festzulegen (Urteil des
Versicherungsgerichts vom 10. Februar 2015, KV-Z 2013/16, E. 2.2 mit Hinweis auf
HASENBÖHLER, ZPO Kommentar, Art. 157 N 8 f.).
2.3 Nach Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs (ZGB; SR 210) hat, wo es das
Gesetz nicht anders bestimmt, derjenige das Vorhandensein einer behaupteten
Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet. Demgemäss hat die Partei, die
einen Anspruch geltend macht, die rechtsbegründenden Tatsachen zu beweisen,
während die Beweislast für die rechtsaufhebenden bzw. rechtsvernichtenden oder
rechtshindernden Tatsachen bei der Partei liegt, die den Untergang des Anspruchs
behauptet oder dessen Entstehung oder Durchsetzbarkeit bestreitet. Der Eintritt des
Versicherungsfalls ist nach diesen Grundsätzen vom Anspruchsberechtigten zu
beweisen (BGE 141 III 241 E. 3.1). Da der Nachweis rechtsbegründender Tatsachen im
Bereich des Versicherungsvertrags regelmässig mit Schwierigkeiten verbunden ist,
geniesst die anspruchsberechtigte Person insofern eine Beweiserleichterung, als sie
nur eine überwiegende Wahrscheinlichkeit für das Bestehen des geltend gemachten
Versicherungsanspruchs darzutun hat. Beim Beweismass der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit ist verlangt, dass die Möglichkeit, es könnte sich auch anders
verhalten, zwar nicht ausgeschlossen ist, sie aber für die betreffende Tatsache weder
eine massgebende Rolle spielen noch vernünftigerweise in Betracht fallen darf (Urteil
des Bundesgerichts vom 11. März 2015, 4A_516/2014, E. 4.1 mit Hinweis u.a. auf BGE
130 III 325 E. 3.3).
2.4 An der Beweislast der anspruchsberechtigten Person ändert nichts, dass die
Versicherung zunächst Taggelder ausbezahlt hat; macht sie geltend, die Umstände
hätten sich geändert oder die Leistungen seien von vornherein zu Unrecht erbracht
worden und die versicherte Person sei (wieder) arbeitsfähig, so hat die
anspruchsberechtigte Person zu beweisen, dass sie (weiterhin) arbeitsunfähig ist und
daher Anspruch auf Taggelder hat. Im Falle der Beweislosigkeit trägt mithin nicht die
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Versicherung, sondern die anspruchsberechtigte Person die Beweislast (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 17. August 2015, 4A_246/2015, E. 2.2 mit Hinweis).
2.5 Das grundsätzlich anwendbare VVG enthält mit Ausnahme von Art. 87 VVG, der
das selbstständige Forderungsrecht des Begünstigten in der kollektiven Unfall- oder
Krankenversicherung normiert, keine spezifischen Bestimmungen zum Krankentaggeld.
Es sind deshalb vorab die vertraglichen Vereinbarungen der Parteien massgebend,
vorliegend also die AVB der Beklagten.
3.
Zu bestimmen ist zunächst, welche Schadensgrösse für die Beurteilung eines
Taggeldanspruchs ab 1. Februar 2012 massgebend ist.
3.1 Gemäss Ziff. 3.1 der AVB ist Krankheit jede Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalls ist und die eine
medizinische Untersuchung oder Behandlung erfordert oder eine Arbeitsunfähigkeit zur
Folge hat. Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte volle oder teilweise Unfähigkeit, im
bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer
wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich
berücksichtigt (Ziff. 3.4 der AVB). Das Taggeld wird bei nachgewiesener
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 25% anteilsmässig entsprechend dem Grad der
Arbeitsunfähigkeit ausgerichtet (Ziff. 12.1 der AVB). Die versicherte Person, die in ihrem
angestammten Beruf voraussichtlich dauernd voll oder teilweise arbeitsunfähig bleibt,
ist verpflichtet, ihre allenfalls verbleibende Erwerbsunfähigkeit zu verwerten, auch wenn
dies einen Berufswechsel erfordert. Der Versicherer fordert die versicherte Person zum
Berufswechsel auf und macht sie auf die Folgen gemäss Ziff. 14 (Verletzung der
Obliegenheiten) aufmerksam (Ziff. 13.5 der AVB).
3.2 Die Definition der Arbeitsunfähigkeit in den AVB entspricht wörtlich Art. 6 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1). Deshalb und mangels erkennbarer gegenteiliger Gesichtspunkte rechtfertigt es
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sich, bei der Auslegung von Ziff. 3.4 der AVB auf die im Sozialversicherungsrecht
herrschende Interpretation abzustellen.
3.2.1 Die Taggeldversicherung entschädigt nur solange Berufsunfähigkeit, als nicht
eine berufliche Neueingliederung notwendig geworden ist. Die Umstellung ist mit der
Natur der Taggeldversicherung vereinbar, da hier die Bezugnahme auf den vor Eintritt
des Gesundheitsschadens ausgeübten Beruf nicht Wesensmerkmal des versicherten
Risikos darstellt. Taggeldleistungen erfolgen (zunächst) unter der Vorgabe einer bloss
vorübergehenden Unfähigkeit, die angestammte Tätigkeit zu versehen; diese
tätigkeitsspezifische Über¬rückungsfunktion entfällt, wenn feststeht, dass eine
Rückkehr in die bisherige Arbeit nicht mehr möglich sein wird (Urteil des
Bundesgerichts vom 29. März 2007, K 224/05, E. 3.1.2 mit Hinweisen). Solange noch
die Prognose gestellt werden kann, die versicherte Person werde die Arbeitsfähigkeit
im angestammten Beruf mit überwiegender Wahrscheinlichkeit soweit zurückgewinnen,
dass weitere Leistungen entfallen, ist die dort gegebene funktionelle Einschränkung
massgebend. Die Bezugsgrösse für die Ermittlung der Arbeitsunfähigkeit wird aber auf
alle zumutbaren, das heisst nach den gesundheitlichen und weiteren persönlichen
Verhältnissen in Frage kommenden Beschäftigungen ausgeweitet, sobald feststeht,
dass die Wiederaufnahme der bisher ausgeübten Tätigkeit aufgrund des - stabilisierten
- Gesundheitszustandes nicht mehr in Frage kommt (oder definitiv nur noch in
geringerem Umfang als in einer leidensangepassten Arbeit) und die versicherte Person
eingliederungsfähig ist (Urteil des Bundesgerichts vom 29. März 2007, K 224/05 E. 3.2
mit Hinweisen).
3.2.2 Ist ein Berufswechsel angezeigt, so gesteht die Rechtsprechung der
versicherten Person zur Anpassung an die veränderten Verhältnisse und zur
Stellensuche eine Übergangsfrist zu, während welcher das bisherige Krankentaggeld
geschuldet bleibt. In der Regel wird eine Frist von drei bis fünf Monaten als
angemessen betrachtet. Die Anpassungszeit beginnt mit der Aufforderung des
Taggeldversicherers zum Berufswechsel (Urteil des Bundesgerichts vom 29. März
2007, K 224/05, E. 3.3). Von der versicherten Person kann nur eine berufliche
Umstellung verlangt werden, die ihr unter Berücksichtigung der gesamten objektiven
(Arbeitsmarktsituation) und subjektiven (wie etwa verbliebene Leistungsfähigkeit, Alter,
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berufliche Stellung, familiäre Verhältnisse) Gegebenheiten des Einzelfalls zumutbar ist
(Urteil des Bundesgerichts vom 29. März 2007, K 224/05, E. 4.1).
3.2.3 Sobald die Arbeitsunfähigkeit nicht mehr mit krankheitsbedingten funktionellen
Ausfällen allein gleichgesetzt, sondern aufgrund der leidensangepassten
Einsatzmöglichkeiten im allgemeinen Arbeitsmarkt bemessen wird, ist zur Ermittlung
der Erwerbseinbusse ein Einkommensvergleich anzustellen, indem das aus der
angestammten Tätigkeit im Gesundheitsfall hypothetisch erzielbare Einkommen
demjenigen gegenübergestellt wird, das aus der Ausübung einer anderen zumutbaren
Beschäftigung (Verweisungstätigkeit) mutmasslich zu erreichen ist (Urteil des
Bundesgerichts vom 29. März 2007, K 224/05, E. 3.1.1 mit Hinweisen).
3.3 Die Beklagte teilte der Klägerin im Schreiben vom 18. November 2011 mit, gemäss
der Einschätzung der psychiatrischen Gutachterin werde sie im angestammten Beruf
keine 100%ige Arbeitsfähigkeit mehr erlangen. Es sei ihr jedoch im Rahmen einer
leidensangepassten Tätigkeit zumutbar, eine 100%ige Arbeitsleistung zu erbringen.
Der von der Beklagten vorgenommene Vergleich des bisherigen Einkommens mit
einem Verdienst aus einer leidensangepassten Tätigkeit ergab keine Erwerbseinbusse.
Unter Hinweis auf die Besprechung mit dem Schadeninspektor vom 26. Oktober 2011
(siehe hierzu act. G 5.12) gewährte sie der Klägerin eine Anpassungszeit bis 31. Januar
2012 (act. G 5.13). Zu prüfen ist nachfolgend die Rechtmässigkeit dieses Vorgehens.
3.3.1 In medizinischer Hinsicht gilt es zu berücksichtigen, dass die psychiatrische
Gutachterin in der Expertise vom 7. Oktober 2011 zum Schluss gelangte, die
diagnostizierte undifferenzierte Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.1) werde in ein bis
zwei Monaten zu keiner Einschränkung für leidensangepasste Tätigkeiten mehr führen
(act. G 5.9, S. 12). Die gutachterliche Beurteilung erfolgte in Kenntnis der relevanten
Vorakten und beruhte auf einer eigenen persönlichen Untersuchung der Klägerin. Die
darin gezogenen Schlüsse und die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung für leidensangepasste
Tätigkeiten sind nachvollziehbar begründet. Entgegen der nicht näher substanziierten
Rüge der Klägerin (act. G 1, Rz 5 und Rz 8) ergeben sich aus dem Gutachten keine
Gesichtspunkte, dass allenfalls schlechte Deutschkenntnisse zu einer mangelhaften
Beurteilung geführt hätten. Vielmehr enthält das psychiatrische Gutachten ausführliche
Angaben der Klägerin zur Anamnese und zum jetzigen Leiden (act. G 5.9, S. 4 ff.). Die
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Klägerin benennt denn auch nicht konkret, welche relevanten Gesichtspunkte aufgrund
mangelnder Kommunikation falsch oder gar nicht berücksichtigt worden wären. Die
Gutachterin hat sodann den "knapp ausreichenden" Deutschkenntnissen Rechnung
getragen (act. G 5.9, S. 8). Die seit 1980 in der Deutschschweiz tätige Klägerin schätzt
ihre Deutschkenntnisse ferner "in Wort" als "gut" ein (siehe Lebenslauf, IV-act. 78-1 f.).
Ins Gewicht fällt sodann, dass die gutachterliche Einschätzung zu einer
leidensangepassten Tätigkeit von der in der Tagesklinik im Psychiatrischen Zentrum
E._ behandelnden Oberärztin am 5. Dezember 2011 bezogen auf eine
leidensangepasste Tätigkeit bestätigt wurde. Diese bejahte aus psychiatrischer Sicht
die Zumutbarkeit einer leidensangepassten Tätigkeit. Auf die Frage, ob eine
verminderte Leistungsfähigkeit bestehe, antwortete sie mit "entfällt" (IV-act. 22-3 f.).
Der Vorwurf der Klägerin, die Gutachterin habe zu Unrecht Verdeutlichungstendenzen
bis hin zur Aggravation beschrieben und damit offensichtlich "über ihr Fachgebiet
Psychiatrie hinaus gegriffen" (act. G 1, Rz 5), erweist sich als unbegründet. Die
Gutachterin legte hinsichtlich des gerügten Eindrucks plausibel und in mit den Angaben
der Versicherten zu den Alltagsaktivitäten (siehe hierzu act. G 5.9, S. 7) zu
vereinbarender Weise dar, die Ausführungen der Klägerin zu den körperlichen
Beschwerden seien in Widerspruch zu den geschilderten Aktivitäten gestanden. Zudem
hätte sich eine Diskrepanz zwischen den geschilderten Beschwerden und dem
weitestgehend blanden psychopathologischen Befund ergeben (act. G 5.9, S. 9). Des
Weiteren lässt die Beklagte unberücksichtigt, dass gerade auch die Beurteilung
psychosomatischer Leiden ins Fachgebiet der Psychiatrie fällt. Ausserdem hatte die
Gutachterin Kenntnis von der rheumatologischen Beurteilung von Dr. D._ vom 15.
März 2011 (act. G 5.9, S. 2). Dieser vermochte keine entzündliche Erkrankung,
insbesondere auch kein klinisch relevantes Karpaltunnelsyndrom, zu objektivieren. Er
ging ebenfalls von einem psychosomatischen Beschwerdebild bei psychosozial schwer
belasteter Patientin aus (act. G 5.4). Oberarzt F._ wies ebenfalls auf eine deutliche
Psychosomatisierung hin und führte aus, dass eine neurologisch-psychiatrische
Befunderhebung keine signifikanten Auffälligkeiten ergeben habe (Bericht vom 19. Juli
2011, act. G 5.6). Im Übrigen wurde auch in der Zeit nach der Einstellung der
Taggeldleistungen aus psychiatrischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten bescheinigt. Dr. I._ bemerkte im Bericht vom 9. März
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2012, nachdem sie die Klägerin zuletzt am 6. Februar 2012 gesehen hatte, "keine
geistigen, psychischen Einschränkungen!" (IV-act. 31).
3.3.2 Aus somatischer Sicht findet sich in den Akten keine Einschätzung von damals
behandelnden medizinischen Fachpersonen, die für die Zeit ab Oktober 2011 bis 31.
Januar 2012 sowie die unmittelbar folgenden Monate eine Arbeitsunfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten wegen körperlicher Leiden ausweist. Die Hausärztin hielt
eine leidensangepasste Tätigkeit, bei welcher der rechte Arm möglichst nicht belastet
werde, für zumutbar. Quantitative Einschränkungen benannte sie keine. Ihre Angaben
hätten seit Februar 2011 Gültigkeit (Bericht vom 20. April 2012, IV-act. 37). Dr. I._
verwies im Bericht vom 9. März 2012 bezüglich körperlicher Einschränkungen auf den
"Hausarzt" (IV-act. 31-2). Zu beachten ist des Weiteren, dass sich bereits aus dem
Bericht von Dr. D._ vom 15. März 2011 keine objektivierbare körperlich bedingte
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten ergibt (act. G 5.4;
vgl. auch die in vorstehender E. 3.3.1 wiedergegebenen Aussagen von Oberarzt F._
zur deutlichen Psychosomatisierung und zu den fehlenden neurologischen
Auffälligkeiten). Eine Arbeitsunfähigkeit für leidensangepasste, die Hände nicht stark
belastende Tätigkeiten ist damit zumindest in der Zeit vom Oktober 2011 bis und mit
Februar 2012 nicht ausgewiesen. Daran ändern die in diesem Zeitraum ausgestellten,
nicht begründeten Arbeitsunfähigkeitsatteste von Dr. I._ (siehe etwa act. G 1.12 und
act. G 16.1) und der Hausärztin (act. G 1.14) allein schon deshalb nichts, weil darin kein
Bezug zu einer leidensangepassten Tätigkeit erkennbar ist. Würde dieser im Übrigen
bejaht, ständen sie ohnehin in Widerspruch zu den vorgenannten, zu Handen der IV-
Stelle erstatteten Berichten. Soweit sich Dr. K._ überhaupt mit der Arbeitsfähigkeit
für leidensangepasste Tätigkeiten auseinandersetzt, fehlt der von ihm geschätzten
vollständigen Arbeitsunfähigkeit eine nachvollziehbare Begründung, weshalb offen
bleiben kann, ob diese überhaupt retrospektiv Geltung beanspruchen könnte. Die
Unzumutbarkeit jeglicher Tätigkeiten in der freien Wirtschaft begründete er im Bericht
vom 23. März 2014 ferner allein mit den Einschränkungen an der rechten Hand (act. G
5.42). Im Bericht vom 9. September 2014 anerkannte er denn auch immerhin, dass die
Klägerin "selbstverständlich" für Aktivitäten, die nur mit der linken Hand ausgeübt
werden können, voll arbeitsfähig sei. Ergänzend brachte er allerdings ohne
nachvollziehbare Begründung einen prognostisch-vagen Vorbehalt an, dass mit der
linken Hand auszuübende Aktivitäten der Klägerin nicht zumutbar seien, weil sie
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schlussendlich ihre linke Hand überbelasten müssten. Eine solche Überlastung könnte
auch im Laufe der Zeit gewisse gesundheitliche Probleme hervorrufen (act. G 1.23).
Abgesehen davon, dass Dr. K._ seine Einschätzung nicht plausibel erklärt, lässt sie
unberücksichtigt, dass in der freien Wirtschaft etwa Kontrolltätigkeiten bestehen, die
keine erhöhten Anforderungen an die Hände stellen. Sie lässt sich ausserdem nicht mit
der gegenteiligen Auffassung von Dr. N._ vereinbaren, der bezogen auf
leidensangepasste Tätigkeiten - abgesehen von einer postoperativen Phase - keine
quantitativen Einschränkungen beschrieben, sondern vielmehr auf psychosoziale
Hindernisse hingewiesen hat (Bericht vom 14. Juli 2014, act. G 5.42). Der
Vollständigkeit halber ist schliesslich darauf hinzuweisen, dass die Beurteilung von Dr.
K._ von den neurologischen Experten des Zentrum Q._ in Zweifel gezogen wurde
(Aktenbeurteilung vom 2. Juni 2014, act. G 5.36).
3.3.3 Im Licht dieser medizinischen Aktenlage ist zumindest bezogen auf den
Zeitraum von Oktober 2011 bis Ende Februar 2012 nicht zu beanstanden, dass die
Beklagte von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
ausgegangen ist.
3.3.4 Aus dem Protokoll vom Gespräch zwischen dem Schadeninspektor der
Beklagten und der Klägerin vom 26. Oktober 2011 (act. G 5.12) geht nicht hervor, dass
ein Berufswechsel in eine andere Tätigkeit oder eine Befristung der Leistungen im Sinn
von Art. 3.4 und Ziff. 13.5 der AVB thematisiert worden wären (vgl. auch die
Ausführungen der Klägerin in der E-Mail vom 14. Dezember 2011, act. G 5.14). Die
Beklagte forderte von der Klägerin erstmals im Schreiben vom 18. November 2011
einen Berufswechsel in eine leidensangepasste Tätigkeit. Erst in diesem Schreiben
wurde der Klägerin die Terminierung der Leistungen bis 31. Januar 2012 zur Kenntnis
gebracht (act. G 5.13). Aus den Akten geht nicht hervor, an welchem Datum die
Aufforderung vom 18. November 2011 der Klägerin zugestellt wurde. Angesichts
dessen, dass der 18. November 2011 ein Freitag war, dürfte die Zustellung nicht vor
dem 21. November 2011 und gegen Ende des Monats November 2011 erfolgt sein. Die
der Klägerin damit eingeräumte Anpassungszeit beträgt damit weniger als zweieinhalb
Monate und erweist sich als zu kurz (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 29. März 2007,
K 224/05, E. 3.3). Es bestehen vorliegend keine Gründe, die ein Unterschreiten der
drei- bis fünfmonatigen Anpassungsfrist rechtfertigen. Vielmehr ist mit Blick auf die
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lange Betriebszugehörigkeit (30 Jahre, act. G 5.12), die dadurch und aufgrund des
Alters eingeschränkte Umstellungsfähigkeit der Klägerin sowie die im Dezember
regelmässig feiertagsbedingt erschwerte Stellensuche eine Anpassungsfrist bis zum
29. Februar 2012 zu gewähren. Die Klägerin war seit 18. Februar 2011 arbeitsunfähig
(act. G 5.2; siehe auch act. G 1.2), womit die Voraussetzung der längeren Dauer
gemäss Ziff. 3.4 der AVB spätestens per 29. Februar 2012 als erfüllt betrachtet werden
kann. Bei der Anwendung von Art. 6 ATSG wird bereits bei einem Zeitraum von mehr
als sechs Monaten eine lange Dauer der Arbeitsunfähigkeit angenommen (UELI
KIESER, ATSG Kommentar, 3. Auflage, Zürich 2015, Rz 74 zu Art. 6). Die 19_
geborene Klägerin (act. G 5.3) war durchgehend seit 1980 als Hilfsarbeiterin in der
Schweiz erwerbstätig (IV-act. 78) und im Arbeitsmarkt integriert. Die letzte Anstellung
wurde ihr per 31. Januar 2012 gekündigt (act. G 5.44). Es bestehen demnach keine
Gründe, die gegen die Zumutbarkeit eines Berufswechsel in eine leidensangepasste
Tätigkeit sprechen, zumal die Klägerin hierfür über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
verfügt hatte. Aus der mehr als zwei Jahre später ergangenen beruflichen Abklärung
(vgl. hierzu Abklärungsbericht vom 21. März 2013, IV-act. 71), die hauptsächlich unter
dem Eindruck der medizinischen Beurteilung durch Dr. K._ stand, lassen sich keine
davon abweichenden retrospektiven Schlüsse ziehen, womit dessen echtzeitliche
Aussagekraft offen bleiben kann.
3.3.5 Nach dem Gesagten hat die Klägerin einen Anspruch auf Taggeldleistungen
über den 31. Januar 2012 hinaus bis zum 29. Februar 2012. Bei einem im Jahr 2012
massgebenden Taggeld à Fr. 115.41 (vgl. act. G 1.2k) resultiert für den Monat Februar
2012 ein Betrag von Fr. 3'346.90 (Fr. 115.41 x 29). Das Zusammentreffen mit
Leistungen von Sozialversicherern darf nicht zu einer Überentschädigung der
versicherten Person führen. Die Überentschädigungsgrenze liegt bei der Höhe der
versicherten Leistungen gemäss Ziff. 6.1 bzw. 6.2. Die Taggeldleistungen werden im
Nachgang zu den Leistungen von Sozialversicherungen und Versicherungen gemäss
BVG erbracht. In der Folge beschränkt sich die Leistungspflicht des Versicherers auf
die Differenz zwischen den Leistungen von Sozialversicherungen - einschliesslich
freiwillige Taggeldversicherungen nach KVG - und Versicherungen gemäss BVG und
der vorerwähnten Überentschädigungsgrenze (siehe zum Ganzen Ziff. 23.1 der AVB).
Die Überentschädigungsgrenze ist der in der Police aufgeführte Prozentsatz (vorliegend
80%) des versicherten Erwerbseinkommens (Ziff. 23.1 i.V.m. Ziff. 6.1 der AVB i.V.m.
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Police, act. G 5.2, S. 2), für den Monat Februar 2012 daher Fr. 3'346.90. Da die
Beklagte den Bruttolohn einschliesslich der sozialversicherungsrechtlichen Beiträge der
Arbeitnehmenden mitversichert (siehe Ziff. 6.1 der AVB und Ziff. 990 der Police, act. G
5.2, S. 3), mithin das von ihr ausgerichtete Taggeld die Entschädigung dieser Beiträge
berücksichtigt, ist entgegen der Sichtweise der Klägerin nicht bloss die
Nettoarbeitslosenentschädigung (act. G 1, Rz 9) im Rahmen der
Überentschädigungsbestimmung gemäss Ziff. 23.1 der AVB anzurechnen. Im Februar
2012 bezog die Klägerin eine Bruttoarbeitslosenentschädigung von Fr. 2'281.60 (act. G
1.5b), womit gegenüber der Beklagten ein Anspruch von Fr. 1'065.30 (Fr. 3'346.90 - Fr.
2'281.60) verbleibt.
4.
Zu prüfen bleibt, ob nach der Leistungseinstellung per 29. Februar 2012 in der
Folgezeit eine leistungsrelevante Arbeitsunfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
aufgetreten ist, die zu einem Taggeldanspruch gegenüber der Beklagten führt.
4.1 Der Versicherungsschutz erlischt für die einzelne versicherte Person u.a. mit ihrem
Ausscheiden aus dem versicherten Personenkreis bzw. aus dem Dienste des
Versicherungsnehmers (Ziff. 9.3 lit. a). Für versicherte Personen, die bei Ende der
Versicherung arbeitsunfähig bzw. erwerbsunfähig sind, bleibt der Leistungsanspruch
für den laufenden Fall im Rahmen der Vertragsbestimmungen gewahrt (Nachleistung).
Mit Wiedererlangen der vollständigen Arbeitsfähigkeit erlischt der Anspruch auf
Nachleistung. Rückfälle gemäss Ziff. 17.2 der AVB geben keinen Anspruch auf weitere
Leistungen (Ziff. 9.4 der AVB).
4.2 Weder machen die Parteien geltend noch ergibt sich aus den Akten, dass die
Klägerin nach dem Ausscheiden aus dem versicherten Personenkreis in die
Einzelversicherung übergetreten ist. Da im Zeitpunkt der Einstellung der
Taggeldleistungen per 29. Februar 2012 und in den unmittelbaren Folgemonaten keine
Einschränkung der für weitere Leistungen massgeblichen Arbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten ausgewiesen sind (vgl. vorstehende E. 3), entfiel der
Anspruch auf Nachleistung per 29. Februar 2012 (Ziff. 9.4 der AVB). Deshalb und da ein
allfälliger Rückfall nach dem Ende des Versicherungsschutzes keinen
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Leistungsanspruch gegenüber der Beklagten entstehen lässt (Ziff. 9.4 der AVB), kann
letztlich offen bleiben, wie sich der spätere gesundheitliche Verlauf gestaltet hat.
4.3 Die Klägerin beantragt einen Verzugszins für die ausstehenden Taggelder.
4.3.1 Gemäss Art. 102 des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht, OR; SR 220) setzt
der Schuldnerverzug die Fälligkeit der Forderung und eine Mahnung oder einen
bestimmten Verfalltag voraus. Lehnt die Versicherung zu Unrecht ihre Leistungspflicht
definitiv ab, bedarf es keiner Mahnung der versicherten Person. Fälligkeit und Verzug
treten dann sofort ein, und eine Deliberationsfrist wird überflüssig. Denn diesfalls erklärt
der Schuldner unmissverständlich, dass er nicht leisten werde, weshalb sich eine
Mahnung als überflüssig erweisen würde. Der Gläubiger kann daher analog Art. 108
Ziff. 1 OR auf sie verzichten. Dies gilt auch dann, wenn die eindeutige und definitive
Verweigerungserklärung schon vor Fälligkeit der Forderung abgegeben wurde
(antizipierter Vertragsbruch; siehe zum Ganzen den Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 23. Juni 2015, KV-Z 2015/3, E.
4.2.1 mit Hinweisen auf die Literatur).
4.3.2 Nach den vorstehenden Ausführungen geriet die Beklagte mit der definitiven
Ablehnung ihrer Leistungspflicht mit den einzelnen Taggeldern jeweils am Tag der
Fälligkeit in Verzug. Eine ausdrückliche Mahnung der Taggeldleistungen durch die
Klägerin war nicht erforderlich. Aus praktischen Gründen rechtfertigt es sich, von einem
mittleren Verfall am 15. Februar 2012 auszugehen (vgl. den Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 23. Juni 2015, KV-Z 2015/3, E.
4.2.2 mit Hinweis auf die Literatur).
4.3.3 Gemäss Art. 100 VVG i.V.m. Art. 104 Abs. 1 OR hat die Beklagte
Verzugszinsen zu 5% pro Jahr zu bezahlen.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin den Betrag von
Fr. 1'065.30 zuzüglich 5% Verzugszins seit 15. Februar 2012 zu bezahlen. In diesem
Umfang ist die Klage gutzuheissen.
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5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 114 lit. e ZPO).
5.3 Die teilweise obsiegende Klägerin hat einen Anspruch auf eine
Parteientschädigung (Art. 106 Abs. 1 und Abs. 2 ZPO).
5.3.1 Die Parteientschädigung spricht das Gericht nach den kantonalen Tarifen zu
(Art. 105 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 96 ZPO). Nach Art. 14 Abs. 1 lit. c der st.
gallischen Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO; sGS 963.75)
beläuft sich das mittlere Honorar bei einem Streitwert über Fr. 20'000.-- bis Fr.
50'000.-- auf Fr. 1'850.-- zuzüglich 12.3% des Streitwerts, vorliegend also auf Fr.
5'039.16 (Fr. 1'850.-- + [Fr. 25'928.13 x 12.3%]). Aufgrund der besonderen Umstände,
insbesondere der Schwierigkeit des Falles und des notwendigen Zeitaufwands für die
Vertretung ist eine Erhöhung des mittleren Honorars um einen Viertel angezeigt (Art. 17
HonO; Fr. 6'298.95). Ein Zuschlag zum Grundhonorar in der Höhe von 40% ist
aufgrund des gerichtlichen Beizugs der IV-Akten und des dadurch der Klägerin
angefallenen Mehraufwands für die Stellungnahme (act. G 21 und G 26) vorzunehmen
(Art. 18 Abs. 1 lit. b HonO), wodurch ein Honorar von Fr. 8'818.53 resultiert. Unter
Berücksichtigung des teilweisen Obsiegens im Betrag von Fr. 1'065.30 (entsprechend
einem Obsiegen von 4.11% [{Fr. 1'065.30 / Fr. 25'928.13} x 100]) beläuft sich die
Parteientschädigung auf Fr. 362.44 (4.11% von Fr. 8'818.53). Zuzüglich Barauslagen
von Fr. 14.50 (4% pauschal gemäss Art. 28bis Abs. 1 HonO) und Mehrwertsteuer von
Fr. 30.16 (8% von Fr. 376.94) ist die Klägerin mit insgesamt Fr. 407.10 zu
entschädigen.
5.3.2 Des Weiteren beantragt die Klägerin die Entschädigung für das Arztzeugnis
von Dr. K._ vom 19. Februar 2014 (act. G 16.2; zum Arztzeugnis siehe act. G 1.17).
Als Parteientschädigung gilt u.a. der Ersatz der notwendigen Auslagen (Art. 95 Abs. 3
lit. a ZPO). Das von der Klägerin ins Feld geführte Arztzeugnis von Dr. K._ war für
den vorliegenden Entscheid nicht massgeblich. Eine Entschädigung der
entsprechenden Kosten durch die Beklagte fällt daher ausser Betracht.
5.4 Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts hat im Bereich der
Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung der obsiegende
Versicherungsträger Anspruch auf eine Parteientschädigung, falls er durch einen
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externen Anwalt vertreten ist (Urteil des Bundesgerichtes vom 17. November 2010,
4A_194/2010, E. 2.2.1, nicht publiziert in: BGE 137 III 47; Urteil des Bundesgerichts
vom 9. Januar 2001, 5C.244/2000, E. 5 mit Hinweisen). Dies ist vorliegend nicht der
Fall, weshalb die Beklagte keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung hat.