Decision ID: 99fe41bf-a5e5-4c66-95ec-77e50e14798d
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1971
,
absolvierte eine
Anlehre
als
Coiffeuse
(
Urk.
10/9/5, 10/37/2
, 10/38/4
und
war zuletzt
ab
Dezember 2014
temporär
als Produktions
mitarbeiterin bei
der
Y._
in
Z._
in einem 100%-Pensum
tätig
;
ihren letzten Arbeitstag
hatte sie
am 1
9.
Februar 2016
(
Urk.
10/4/2). Nach einer
Meldung zur
Früherfassung am
2
0.
April 2016
aufgrund von chronischen Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in die Beine (
Urk.
10/4/1 und
Urk.
10/5) meldete
sie
sich
am
6.
Mai 2016
zum Leistungsbezug b
ei der Invalidenversiche
rung an
(
Urk.
10/
9
).
1.2
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte in der Folge die medizinische und erwerbliche Situation ab
.
Am 1
6.
Mai 2017 wurde
X._
Kostengutsprache für eine Arbeitsvermittlung plus in Form eines Assess
ments und der Suche nach einem Trainingsarbeitsplatz
gewährt
(
Urk.
10/41). Mit Mitteilung vom 2
0.
Juli 2017 wurde die Arbeitsvermittlung aufgrund der Verschlechterung des Gesundheitszustandes per sofort abgebrochen (
Urk.
10/49 sowie Schlussbericht
der
Arbeitsintegration
A._
vom 2
9.
August 2017
,
Urk.
10/58).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren (Urk.
10/80
, 10/84
-
85
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
3
1.
Oktober
2018 einen
Leistungs
anspruch (Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
3.
Dezember
2
018 Beschwerde gegen die renten
ab
wei
sende Verfügung und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr
eine Invali
denrente auszurichten, deren Invaliditätsgrad noch zu bestimmen sein werde, eventualiter sei die Angelegenheit
zwecks Durchführung weiterer Abklärungen an die
IV-Stelle
zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle ersuchte mit Beschwerdeantwort vom
2
2.
Januar 2019 um Abwei
sung der Beschwerde
(Urk. 9
).
Mit Verfügung vom
3
0.
Januar 2019 wurde
n
der Beschwerde
führerin antragsgemäss (Urk. 1 S. 2) die unentgeltliche Rec
htspflege zugesprochen und ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (Urk. 11
).
D
ie Beschwerdeführerin
hielt mit
Replik vom 2
1.
Mai 2019 an ihren
Rechtsbegehren
fest (
Urk.
15). In der Folge verzichtete die Beschwerdegegnerin auf das Einreichen einer Duplik (
Urk.
17), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 1
3.
Juni 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
18).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
;
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG
in der seit 1. Januar 2004 geltenden Fassung
).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom
3
1.
Oktober
2018 erwog
die Beschwerde
geg
nerin
,
d
ie
Beschwerdeführerin sei
in der bisherigen Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig,
eine körperlich angepasste Tätigkeit
sei ihr
weiterhin zu 100
% zumutbar
.
D
er Einkommensvergleich gestützt auf
die
statistische
n
Werte erg
e
be einen Invaliditätsgrad von 0
%
. Die im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
eingereichten neuen Unterlagen würden ausserdem keine neuen medizinischen Erkenntnisse
enthalten
(
Urk.
2).
2.2
Dagegen brachte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerdeschrift vom
3.
Dezember
2018 vor,
dass sie sowohl an rheumatologischen wie auch psychischen Beschwerden mit Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit leide und es die Beschwerdegegnerin dennoch nicht für angezeigt
gehalten habe
, die weiteren, nötigen Abklärungen zwecks Festlegung des Invaliditätsgrades durchzuführen
. Vielmehr habe sie den Arztberich
ten widersprochen und eine 100%
ige Arbeits
fähigkeit im angestammten Beruf behauptet
(
Urk.
1 S. 3).
Insbesondere mit Blick auf die psychische Erkrankung erscheine eine
bi
disziplinäre
gutachterliche Klärung der Arbeitsfähigkeit als unabdingbar (
Urk.
1 S. 4).
Die Begründung, wonach
ihr
trotz Rückenleidens eine rein sitzende oder stehende Tätigkeit noch zumutbar sein soll, sei nicht nachvollziehbar; ebenso
wenig
der Hinweis, dass bei einer
Borderline
-Erkrankung keine Arbeitsunfähigkeit bestehen könne, da diese bereits seit Kindheit bestehen müsse.
Es weise einiges darauf hin, dass
ihr
ein höheres Pensum als 50
%
in
angepasste
n
Tätigkeiten nicht mehr zugemutet werden könne (
Urk.
1 S. 5).
2.3
Strittig und zu prüfen ist damit
die rechtsgenügende Abklärung des Sachverhaltes durch die Beschwerdegegnerin sowie der Anspruch auf eine Invalidenrente
.
3
.
3
.1
Die Beschwerdeführerin
befand sich
nach interner Zuweisung
vom 2
9.
März bis 2
2.
April 2016 in stationärer Behandlung auf der Akut-Rheumatologie der
B._
(
Urk.
10/13/6
, 10/13/10
). Dem Austrittsbericht vom 1
0.
Juni 2016 von
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin sowie Oberarzt Rheumatologie, sind folgende
- teilweise gekürzt wiedergegebene -
Diagnosen zu entnehmen
(
Urk.
10/13/8
, vgl. auch den Austrittsbericht an die Hausärztin in
Urk.
10/14/11-15
)
:
-
Chronisches
lumbospondylogenes
Syndrom beidseits
seit
etwa
2006 bei
-
Defizit der Rumpfstabilität
-
Ausweitungstendenz
-
Osteochondrose
Typ I nach
Modic
L4/5 und L5/S1
-
asymptomatische
r
foraminale
r
Enge der L5-Wurzel beidseits
, Diskus
-
protrusion
L5/S1 mit Kontakt zur S1-Wurzel
links parazentral
-
RF, CCP-
Ak
, HLA B27, ANA im Normbereich
-
nicht erfüllten
Anamnesekriterien für entzündlichen Rückenschmerz
-
Mehrere
n
Infiltrationen
(
periradikuläre
Infiltrationen L5 rechts,
Facettengelenk L5/S1 beidseits
;
vgl.
Urk.
10/14/20
-23 sowie Radiof
requenzablation L4/5, L5/S1 beidseits
)
-
Cervicobrachiales
Syndrom links
bei
Osteochondrose
C5/C6
-
Leicht erhöhte Entzündungsparameter
-
Vitamin D-Mangel
Dr.
C._
führte aus, dass sich klinisch keine Hinweise auf ein
radikuläres
Ausfallsyndrom zeigen würden. Es hätten sich insbesondere eine
Druckdolenz
über paravertebraler tieflumbaler Muskulatur und
Sacrumbasis
gezeigt sowie
myofasziale
Druckpunkte
,
insbesondere ausgeprägt über
Muskulus
tensor
fasciae
latae
, rechts mehr als links und über der
Glutealmuskulatur
sowie über dem Trochanter
major
, rechts mehr als links. Eine rheumatologische Grunderkrankung konnte ausgeschlossen werde
n (vgl. Bericht der Rheumatologie-Sprechstunde vom
4.
März 2016 der
B._
in
Urk.
10/
14/
16-18)
.
Dr.
C._
interpretierte die Beschwerden im Rahmen von
Myogelosen
, welche durch ein Defizit der Rumpfstabilität unterhalten w
ü
rden. Unter etablierter Therapie (Physiotherapie, medizinische Trainingstherapie, Thermotherapie und Massage) konnte eine
Schmerzregredienz
mit Steigerung der Belastbarkeit und eine Verbesserung der muskulären
Dysbalance
erzielt werden (
Urk.
10/13/10). Gemäss
Dr.
C._
sei
im Verlauf
für die Beschwerdeführerin eine leichte Tätig
keit mit Wechselbelastung in einer 50%-Anstellung
möglich. Gegebenenfalls sei eine stufenweise Erhöhung der Arbeitsfähigkeit um jeweils 20
% nach zwei Wochen vollständiger Arbeitsunfähigkeit sinnvoll (
Urk.
10/13/11).
3.2
Die Hausärztin der Beschwerdeführerin,
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, ergänzte in ihrem Bericht vom 1
4.
Juni 2016 die
Diagnoseliste
von
Dr.
C._
um die Diagnose einer
Borderline
-Störung, erst
mals diagnostiziert im November 2013
, ohne dieser Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zuzuschreiben
(
Urk.
10/14/6).
Der Beschwerdeführerin gehe es aufgrund der ständigen Schmerzen
psychisch nicht gut. Eine körperlich belas
tende Arbeit werde wahrscheinlich nicht mehr möglich sein. Gemäss
Dr.
D._
sei die Beschwerdeführerin seit dem 2
1.
September 2015 bis zum
1.
Juni 2016 vollständig arbeitsunfähig (
Urk.
10/14/7). Eine wechselbelastende Tätigkeit
mit
maximal eine
r
Stunde sitzen oder stehen,
ohne
Heben über 5
kg und
ohne
kniende Tätigkeit
sei möglich
. Ab dem
1.
Juni 2016 könne mit einer Arbeits
fähigkeit von 50
%
gerechnet werden (
Urk.
10/14/
7-
8).
3.3
Nach einem Jobcoaching im Februar/März 2017 (
Urk.
10/38)
und einer im Mai 2017 aufgenommenen Arbeitsvermittlung (
Urk.
10/58)
verschlechterte sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin
massiv (
Urk.
10/50
/4
), weswegen
sie
sich vom 1
7.
bis 2
8.
Juli 2017 in stationärer Behandlung in der
E._
in
F._
befand
(
Urk.
10/52). Dem Austrittsbericht vom 1
6.
August 2017 sind folgende Diagnosen zu entnehmen:
-
Emotional instabile Persönlichkeitsstörung:
Borderline
Typ (ICD-10 F60.31)
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2)
-
Lumbago L4/L5, L5/S1
Die Beschwerdeführerin sei aufgrund einer Krise mit erhöhtem Selbstverletzungs
drang und Überforderung bei der Alltagsbewältigung durch ihren ambulanten Psychotherapeuten zugewiesen worden (
Urk.
10/52/1). Die Beschwerdeführerin habe berichtet, dass die Diagnose einer
Borderline
-Persönlichkeitsstörung erst
mals 2001 gestellt worden sei, damals sei auch selbstverletzendes Verhalten in Form von Schneiden an den Unterarmen aufgetreten. Eine längerfristige statio
näre störungsspezifische Therapie sei, abgesehen von einigen notfallmässigen Vorstellungen im
G._
bei psychischer Dekompensation, nie erfolgt. Aktuell bestünden mehrere, hauptsäc
hlich psychosoziale Belastungen, mit denen die Beschwerdeführerin zunehmend überfordert sei. Vor etwa zwei Wochen sei daher der Drang nach Selbstverletzung wieder stärker geworden; einen Suizid
versuch mit Rasierklingen habe sie wegen ihres Freundes schliesslich nicht gemacht. Seit anderthalb Jahren konsumiere sie drei bis vier Joints (THC) pro Tag (
Urk.
10/52/2).
Die Experten der
E._
schilderten in ihrem Bericht, die Beschwerdefüh
rerin sei bei
ihrem
Eintritt wach, bewusstseinsklar und allseits orientiert gewesen. Es hätten leichte Konzentrationsstörungen und leichte Gedächtnisstörungen bestanden, formalgedanklich sei schweres Grübeln und Gedankenkreisen um aktuelle psychosoziale Belastung
en
beschrieben worden. Die Beschwerdeführerin habe
Verlustängste und Angst vor dem Alleinsein gezeigt. Der Antrieb sei redu
ziert gewesen, möglicherweise bestünde ein sozialer Rückzug.
Zwänge, Wahn, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen
hätten
nicht vorgelegen; die Beschwer
deführerin habe sich überdies glaubhaft von Suizidalität distanziert (
Urk.
10/52/3).
Die Beschwerdeführerin absolvierte in der
E._
ein multimodales Behandlungsprogramm. Sie trat vor regulärem Therapieabschluss auf eigenen Wunsch, aber in gegenseitigem Einvernehmen, aus der Klinik aus, da sie aufgrund finanzieller Sorgen zu abgelenkt für eine intensive stationäre Therapie gewesen sei und sie ihre laufenden Kosten nicht habe unterhalten können (
Urk.
10/52/4
, vgl. auch
Urk.
10/64
).
3.4
Am 2
5.
September 2017
berichtete
die Hausärztin
Dr.
D._
, dass aktuell erneut zunehmende/persistierende lumbale Rückenschmerzen sowie Schmerzen im Bereich der Finger beidseits, der beiden Handgelenke mehr rechts als links sowie der Schultern bestehen würden und die psychischen Beschwerden im Rahmen einer depressiven Störung
zu einer Therapie geführt hätten
(vgl.
nachfolgend
)
. In körperlicher Hinsicht sei eine angepasste wechselbelastende Tätigkeit ohne Heben grösserer Lasten im Umfang von 50
%
zumutbar, eventuell sei eine Steigerung bis 100
%
im Verlauf möglich
. In wieweit sich die depressive Erkrankung auf die Leistungsfähigkeit sowie die Rückenschmerzen auswirke, könne sie nicht beurteilen
(
Urk.
10/63/4
-6
).
Dem Bericht von
Dr.
med.
H._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
I._
vom
4.
Okto
b
er 2017 ist zu entnehmen, dass sich die Beschwerdeführerin
dort
seit Juni 2017
aufgrund der Diagnosen einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung,
Borderline
-Typ (ICD-10 F60.31) sowie einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2)
,
in ambulanter Behandlung bef
and
(
Urk.
10/63/9).
Die Beschwerdeführerin sei im Affekt deutlich bedrückt durch die aktuelle soziale und finanzielle Situation und es bestünden Zukunfts- und Existenzängste sowie Antriebsverlust. Wahn und Zwänge wurden verneint, ebenso eine akute Selbst- oder Fremdgefährdung (
Urk.
10/63/10). Zur Reduktion von Spannung und Stress konsumiere die Beschwerdeführerin drei- bis viermal täglich Cannabis. Sie nehme ein- bis zwei
mal pro Woche an Einzelgesprächen Teil und werde zudem medikamentös behandelt (
Urk.
10/63/11).
3.5
Die Ärzte der Wirbelsäulen-Sprechstunde der
B._
empfah
len am 1
0.
Oktober 2017 betreffend die starken lumbalen Schmerzen eine
neuer
liche Radiofrequenzmodulation und eine Nervenwurzelinfiltration (Urk.
10/76/7-8).
Gemäss d
em Bericht von
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Rheumatologie, der
K._
vom 2
0.
Dezember 2017 liege
n
bei der Beschwerdeführeri
n
neu
zusätzlich zu der bisherigen Diagnose eines
chronifizierten
lumbospondylogenen
Schmerzsyndroms
ein
cervicoradikuläres
Schmerzsyndrom C7/C8 mit/bei
breit
basiger
Diskusprotrusion
C5/C7 mit schwerer
Foramenstenose
links und konse
kutiver
Kompression
W
urzel C7 links gemäss MRI vom 1
4.
Dezember 2017 vor (
Urk.
10/76/9 sowie
Urk.
10/
76/11
).
D
ie HWS-Beweglichkeit in der klinischen Untersuchung
sei
unauffällig und bei der Testung hätten sich inadäquate Schmer
zäusserungen gezeigt. Eine entzündliche rheumatische Erkrankung sei nicht nachweisbar
gewesen (vgl.
Urk.
10/76/12-13)
.
Dr.
J._
empfahl eine physio
therapeutische Intervention des Nackens und hinsichtlich der Lendenwirbelsäule eine medizinische Trainingstherapie, da sich diesbezüglich eine
geringgradige
Verbesserung nachweisen lasse (
Urk.
10/76/10).
In Kenntnis dieses Verlaufs bescheinigte
Dr.
D._
am 3
0.
Januar 2018 eine
A
rbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit
von
40-50
%
(
Urk.
10/76/5).
3.6
Dem Formular
bericht
von
Dr.
H._
vom
I._
vom 1
9.
Februar 2018 ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin weiterhin ein- bis zweimal pro Woche zum Einzelgespräch erscheine und ihr seit dem 1
7.
Juli 2017 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten attestiert wurde
(
Urk.
10/77/2). Die
Borderline
-Symptomatik zeige s
ich
aktuell mit Verlustängsten, instabilen zwischenmenschlichen Beziehungen mit Wechsel zwischen Idealisierung und Entwertung, einer Identitätsstörung, wiederholtem Selbstverletzungsverhalten, affektiver Instabilität, chronischen Gefühlen von Leere sowie unangemessener und heftiger Wut. Daneben bestehe weiterhin eine depressive Symptomatik mit Niedergeschlagenheit, Antriebsverlust, Verlust von Interesse und Freude, einem verminderten Selbstwertgefühl, Schul
d
gefühlen und pessimistischen Zukunfts
perspektiven (
Urk.
10/77/3-4). Zwischen den psychischen und somatischen Beschwerden bestehe eine Wechselwirkung, welche in Verbindung mit der prekären finanziellen Situation sowie des nicht bestehenden Kontaktes zu wichtigen Familienmitgliedern die schlechte allgemeine psychische Verfassung aufrechterhalte. Aufgrund dessen sei mit der Wiedererlangung der Arbeitsfähig
keit nicht zu rechnen (
Urk.
10/77/4). Mit der Fortführung der psychotherapeu
tischen und medikamentösen Therapie werde gehofft, mittelfristig eine weitere Verschlechterung zu verhindern und im besten Fall eine leichte Verbesserung zu erzielen (
Urk.
10/77/11).
3.7
Der
Regionale Ärztliche Dienst (RAD) nahm im Verlauf der Abklärungen mehr
mals Stellung.
Am 1
1.
Juli 2016
führte
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Allgemein-Chirurgie,
aus
,
unter Berücksichtigung der somatischen Diagnosen gemäss dem Bericht der Hausärztin
vom 1
4.
Juni 2016 (E. 3.2)
liege bis auf weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
für angepasste Tätigkeiten vor.
Diese sei gegebe
nenfalls
steigerbar
um jeweils 20
%
nach zwei Wochen bis auf 100
%
.
Er empfahl
eine medizinische Neubeurteilung in 12 Monaten bei unstabilem, besserungs
fähigem Gesundheitszustand und der Beschwerdeführerin zudem eine Gewich
ts
reduktion nahe zu legen
(
Urk.
10/79/4).
Nach der Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes
im
Früh
sommer 2017
hielt
Dr.
L._
am 2
8.
Februar 2018 fest, dass auf die psychiat
rischen Berichte
des
I._
und der
E._
F._
nicht abgestellt werden könne
(
Urk.
10/79/7). Weiter hielt
Dr.
L._
fest, dass der Drogenkonsum überwiegend wahrscheinlich nicht zur Selbstmedikation der Rückenschmerzen gedacht sei. Die
Borderline
-Störung bestehe schon seit min
destens 2001, die depressive Symptomatik habe im Sommer 2017 eine Verschlechterung erfahren, trotz oder wegen des Cannabis-Konsums. Auf die psychiatrischen Berichte könne mangels Schlüssigkeit keinesfalls abgestellt werden
.
Dr.
L._
empfahl an seiner letzten Einschätzung festzuhalten (10/79/7-8)
.
3.8
Nach Erlass des Vorbescheids reichte
Dr.
H._
am 2
9.
Mai 2018 eine Stellung
nahme ein und hielt fest, dass die
emotional instabile
Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typ als zeitlich überdauernd gelte, eine vollständige Remission werde als unwahrscheinlich eingestuft.
Die Beschwerdeführerin sei dadurch in ihrer Alltagsfunktionalität sowie Arbeitsfähigkeit deutlich und langfristig einge
schränkt (
Urk.
10/84/1).
Dr.
J._
erwähnte
im Schreiben an die Beschwerdegegnerin vo
m 2
5.
Mai 2018
eine gesundheitliche Verschlechterung in der Zeit von Januar 2017 bis Mai 201
8.
Aus rheumatologischer Sicht könne auch eine angepasste, leichte Tätigkeit nur zu maximal 50
%
ausgeübt werden. Eine körperliche Untersuchung
im Sinne eines Gutachtens sei bei der komplexen medizinischen Problematik
notwendig, zumal eine Abklärung der thorakalen Wirbelsäule noch am Laufen sei. Aus rheumatologischer Sicht könne eine leichte Tätigkeit zu maximal 50
%
ausgeübt werden (
Urk.
10/85/1).
Am
9.
August 2018
erging nach Abschluss der
angesprochenen
Abklärung (MRI vom
4.
Mai 2018,
Urk.
10/93/15
; CT BWS vom 2
4.
Mai 2018,
Urk.
3/5
) ein Bericht von
Dr.
med.
M._
, Assistenzarzt Orthopädie der
B._
.
Aus diesem geht hervor
,
dass bei der chronischen
Thorakalgie
kein klares morpholo
gisches Korrelat habe erkannt werden können und es sich am ehesten um eine muskuläre
Dysbalance
handle (
Urk.
10/93/7). Es bestehe weiterhin eine Arbeits
fähigkeit von 50
%
für leichte Tätigkeiten (nicht länger als zweieinhalb Stunden
s
itzen, nicht mehr als eine Stunde
s
tehen), wobei aufgrund des chronischen Schmerzsyndroms eine vollständige Arbeitsfähigkeit nicht
eruierbar
sei (
Urk.
10/93/11, vgl. auch Bericht vom
4.
Mai 2018 in
Urk.
10/93/20-21 sowie 2
8.
März 2018 in
Urk.
10/93/22-23).
3.9
Im Vorbescheidverfahren nahm
Dr.
L._
am 1
6.
August 2018
nochmals
Stellung und hielt fest, dass
mit d
en neuen Berichten gemäss E. 3.8
keinerlei neue medizinische Erkenntnisse vorgebracht w
o
rden
seien
. Der Bericht von
Dr.
M._
sei nicht valide, da dieser nicht von einem Oberarzt gegensigniert worden sei.
Laut
Bericht der
B._
vom
4.
Mai 2018
(
Urk.
10/93/20) würden
die Schmerzen auf einer muskulären
Dysbalance
beruhen
. H
insichtlich des Band
scheibenvorfalls
werde
eine operative Intervention nicht ernsthaft diskutiert und die leichten
Foraminalstenosen
als radiologische Beschreibung
hätten
klinisch keinerlei Relevanz und
könnten
die geklagten Symptome nicht erklären. Zu den psychiatrischen Diagnosen hielt
Dr.
L._
fest, dass sich die ersten Symptome im Jahre 2001 unter psychosozialem Stress manifestiert hätten und dass
Border
line-Störungen
immer in der frühen Jugend manifest würden oder sich in der Jugend durch auffälliges Verhalten zeigen würden. Die Leberverfettung sei über
dies nicht
invaliditäts
relevant (
Urk.
10/95/3-4).
4
.
4
.1
Die Beschwerdegegnerin stützte ihren leistungsabweisenden Entscheid auf die Stellungnahmen des RAD-Arztes
sowie
auf
eine
eigene
Ressourcenprüfung hinsichtlich der psychiatrischen Diagnosen
. Sie gelangte zum Schluss
, der Beschwerdeführerin
würden
genügend
positive
Ressourcen
für die Ausübung einer den somatischen Beschwerden angepassten
leichten
Tätigkeit
in einem Voll
zeitpensum
zur Verfügung stehen
. Sie habe
einen
unterstützenden Partner. Die gesundheitliche Verschlechterung infolge unklarer Wohnsituation kumuliere mit finanziellen Ängsten und beruflicher Ungewissheit und sei
invaliditäts
fremd
(
Urk.
10/79/8-9).
4.2
In psychiatrischer Hinsicht sind mit den Diagnosen einer rezidivierenden depres
siven Störung sowie einer Persönlichkeitsstörung vom Typ
Borderline
zwei massgebende
Diagnosen genannt. Der für diesen Bereich fachfremde RAD-Arzt
Dr.
L._
hielt dafür, dass auf die psychiatrischen Berichte nicht abgestellt werden könne. Zur Frage, zu welcher Konsequenz dies führe, etwa ob damit aus psychiatrischer Sicht von gar keinen relevanten Diagnosen auszugehen sei, äusserte sich
Dr.
L._
indes nicht. Aufgrund seiner Fachfremdheit kann überdies allein aufgrund seiner Aussage, dass sich
Borderline
-Störungen immer in der frühen Jugend manifestieren (Stellungnahme vom 1
6.
August 2018), ein krankhaftes psychiatrisches Geschehen nicht ohne Weiteres in Abrede gestellt werden. Immerhin ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin nach dem Besuch der Oberschule offenbar keine Lehre zu absolvieren vermochte und nach eigener Darstellung im Berufsleben «nicht
s
Gescheites fertiggebracht hat» (
Urk.
10/38/2). Ihre Erwerbsbiografie ist geprägt von zahlreichen Stellenwechseln und wieder
holter Arbeitslosigkeit (vgl. dazu den IK-Auszug,
Urk.
10/44) und zumindest die letzte Anstellung war lediglich temporär. Diese berufliche Entwicklung hat der RAD-Arzt nicht in seine Betrachtung miteinbezogen
, obschon sie Anhaltspunkte für ein psychiatrisches Krankheitsbild geben
können
.
Die
behandelnden
Ärzte
diagnostizier
t
en eine
psychiatrische Erkrankung der Beschwerdeführerin mit Selbstverletzungen und einer Hospitalisation und
attes
tier
t
en
- nicht zuletzt infolge der massgebenden Wechselwirkung zwischen den somatischen und den psychischen Beschwerden - eine vollständige Arbeitsun
fähigkeit für alle Tätigkeiten sei
t
Juli 2017 (
Urk.
10/77/4). Die Berichte von behandelnden Arztpersonen sind jedoch rechtsprechungsgemäss mit Zurückhal
tung zu würdigen, da diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Allerdings schilderten die Fachpersonen zu Beginn der Behandlung im Juni 2017 auch eine schwierige psychosoziale Situation mit finanziellen Belastungen, Schwierigkeiten in Beziehungen zu Mutter und Partner und fehlendem Kontakt mit den in Italien beim Vater lebenden Söhnen. Daneben war von einem erheb
lichen Cannabiskonsum die Rede (
Urk.
10/63/10-11). Inwieweit dieses allfällige Suchtverhalten beziehungsweise die
invaliditäts
fremden Umstände bei der Zumutbarkeitsbeurteilung ausgeklammert worden sind, ist den Berichten des
I._
nicht zu entnehmen. Entsprechend kann auf die Aussage einer vollständi
gen Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten gemäss
Dr.
H._
nicht abge
stellt werden.
Die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Ressourcenprüfung bezeichnet zwar einige ressourcenhemmende und -fördernde Faktoren (
Urk.
10/79/8). Doch hat sie
nicht sämtliche der rechtsprechungsgemäss massgeblichen Indikatoren (BGE 141 V 281 E. 4.3.1) berücksichtigt. Die Prüfung erschöpft sich zur Haupt
sache
in der Darlegung von
sozialen
Umständen
, während sowohl der funktio
nelle Schweregrad der Störungen wie auch der wesentliche Gesichtspunkt der Konsistenz ausser Acht gelassen wurden
. Es kann deshalb
nicht von einer gesicherten Beurteilung des tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom
1.
März 2016 E. 2.2.1). Dies gilt umso mehr, als die
Indikatorenprüfung
nicht auf einer verlässlichen versicherungsmedizi
nischen Einschätzung basiert. Der Einfluss von psychosozialen Belastungsfakto
ren, welche als
invaliditäts
fremde Faktoren in der Beurteilung einer Invalidität auszuklammern sind, wurde von der Beschwerdegegnerin – mangels Vorliegen aussagekräftiger medizinischer Beurteilungsgrundlagen - ebenfalls ungenügend herausgeschält. Entsprechend genügen die vorhandenen Berichte für eine abschliessende Prüfung der
Leistungsfähigkeit
nach den neuesten Grundsätzen der Rechtsprechung (Standardindikatoren) nicht.
4.3
RAD
Dr.
L._
ging in Bezug auf die
orthopädisch-rheumatologischen Beein
trächtigungen der Beschwerdeführerin
in Ü
bereinstimmung mit den
behandeln
den Ärzte
davon aus
,
dass der Beschwerdeführerin eine leidensangepasste
, leichte und wechselbelastende
Tätigkeit im Umfang von
rund
50
%
resp
ektive
vier Stunden täglich
bis auf weiteres
zumutbar sei
(vgl. etwa
Urk.
10/14/8 und
Urk.
10/93/11)
.
Die Erwägung der Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung, wonach eine
solche körperlich
leichte Tätigkeit in einem 100
%
-
Pensum zumutbar sei, findet in de
n
medizinischen Akten
keine Stütz
e.
Dr.
L._
übernahm
in seiner ersten Stellungnahme vom 1
1.
Juli 2016
die
von der Hausärztin festgelegte
50%ige Arbeitsfähigkeit
wie auch ihre Aussage, dass diese gegebenenfalls
steigerbar
sei.
Dazu
hielt
er fest, dass
es sich um einen instabilen, aber besse
rungsfähigen Gesundheitszustand handle
, weshalb er eine Neubeurteilung
in
einem Jahr
empfahl
. In seinen weiteren Stellungnahmen verwies
Dr.
L._
auf
diese
erste Einschätzung
,
konkretisierte die Arbeitsfähigkeit
in somatischer Hinsicht
nicht weiter
und ging auch nicht auf seine ursprüngliche Aussage einer potentiellen Besserungsfähigkeit ein
.
Entgegen der Darstellung der Beschwerde
gegner
i
n kann vor diesem Hintergrund nicht gesagt werden, dass die Beschwer
deführerin aus somatischer Sicht in einer Verweistätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig wäre. Zwar wird
dies
inskünftig allenfalls
als möglich erachtet, doch ist
damit entgegen der Darstellung der Beschwerdegegnerin
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen.
Obschon
die befassten Ärzte
aus somatischer Sicht
übereinstimmend von einer Arbeitsfähigkeit von 50 %
in einer leidensangepassten Tätigkeit ausg
ingen
, rechtfertigt sich
nicht nur eine psychiatrische, sondern auch eine somatische Begutachtung,
mithin
eine umfassende
medizinische
Gesamtbeurteilung
, wie sie auch
Dr.
J._
am 2
9.
Mai 2018
unter Hinweis auf die
Wechselwirkung der psychischen und somatischen
Beschwerden empfahl
(Urk. 10/84/1).
4.4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die medizinische Aktenlage für eine abschliessende Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
und damit des Invaliditätsgrades als unzureichend erweist
.
In Anbetracht des geltenden Untersuchungsgrundsatzes (
Art.
43
Abs.
1 ATSG)
kann nicht von der Einho
lung
ein
es
Gutachten
s
, das sämtliche Beschwerden (rheumatolo
gisch
/
orthopädisch und psychiatrisch)
der Beschwerdeführerin abklärt
und im Zeitverlauf dokumentiert
,
abgesehen werden
.
Zentral ist
in diesem Zusammen
hang auch die
von de
n behandelnden Fachpersonen
wiederholt
angesprochene
Frage der potentiellen
Wechselwirkung
beziehungsweise
die möglicherweise
gegenseitige
Bee
influss
ung
der somatischen und psychischen Beschwerden.
Auch dies wird
– nebst der Frage nach psychosozialen Belastungsfaktoren
sowie
allen
falls des Suchtmittelkonsums
-
gutachterlich im Rahmen der Konsensbe
sprechung zu klären sein.
Folglich ist
die angefochtene Verfügung vom 3
1.
Oktober 2018 (
Urk.
2) in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Angelegenheit ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
(
§
26 des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht [GSVGer])
, damit diese nach ergänzender Abklärung im Sinne der obigen Erwägungen eine neue Beurteilung vornehme und sodan
n über den Leistungsanspruch der
Beschwer
deführerin
neu verfüge.
5.
5.1
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen
ist
, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rensaufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und ermessensweise auf
Fr.
700.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen
Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
5.2
Der zum
unentgeltlichen Rechts
vertreter
bestellte
Rechtsanwalt Silvan Meier Rhein, Zürich,
reichte keine Kostennote ein, weshalb die Entschädigung ermes
sensweise festzusetzen
ist (vgl. Verfügung vom 1
3.
Juni
2019, Dispositiv Ziffer 2;
Urk.
18
).
Die
se
wird
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemes
sen (
§
34
Abs.
3 GSVGer).
Unter Berücksichtigung
dieser
Kriterien hat die Beschwerdegegnerin eine P
rozess
entschädigung in der Höhe von
Fr.
2’
3
00
.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu
bezahlen, wobei diese direkt
dem
unentgeltlichen Rechtsvertreter
der obsiegenden Beschwerdeführerin
zuzu
sprechen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_170/2018 vom 2
0.
Juni 2018
E. 1.3 mit Hinweisen).
Das Gericht erkennt
:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vo
m 3
1.
Oktober 2018 aufge
hoben und die Sache an diese zurückgewiesen wird, damit sie nach ergänzenden Abklärungen im Sinne der Erwägungen über den Leistungsanspruch der Beschwerde
führerin neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet, de
m
unentgeltliche
n
Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin, Rechtsanwalt Silvan Meier Rhein, Zürich,
eine Prozessentschädi
gung von
Fr.
2’
3
00
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
)
zu bezahlen
.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt
Silvan Meier Rhein
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.