Decision ID: 7344d310-dab4-552a-b29b-9fd34c954f1c
Year: 2019
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführenden und Beschwerdegegner sind Eigentümer von
angrenzenden Stockwerkeinheiten des Mehrfamilienhauses auf der Parzelle Muri b. Bern
Gbbl. Nr. G._. Die Stockwerkeinheit der Beschwerdegegner (Nr. G._-8)
erstreckt sich über zwei Geschosse (Obergeschoss und Attika): Die Wohnung liegt im
Obergeschoss; eine interne Treppe führt auf das Attikageschoss, wo sich ihre Terrasse
und ein als "Reduit" bezeichneter Raum befinden. Dieses Reduit grenzt auf der einen Seite
an die Attikawohnung der Beschwerdeführenden (Stockwerkeinheit Nr. G._-9), auf
der anderen Seite an deren Reduit an.
2. Im Frühling 2018 informierten die Beschwerdeführenden die Gemeinde telefonisch,
dass das Reduit der Beschwerdegegner nicht gemäss der Baubewilligung genutzt werde.
Der Bauinspektor der Gemeinde nahm am 24. Mai 2018 eine Begehung des Reduits vor
und stellte fest, dass der Raum heute als Büro/Hobbyraum mit Netzanschluss dient und
über eine Dusche und einen Heizkörper verfügt. Die Beschwerdeführenden machten
geltend, dass die neue Nutzung Elektrosmog verursache, welcher das Schlafen im
angrenzenden Zimmer verunmögliche, dass das Reduit sehr ringhörige Wände habe und
sie sich in ihrer Privatsphäre gestört fühlten. Zudem beanstandeten sie, dass mit dieser
Umnutzung die Wertquoten des Stockwerkeigentums und der Heizkostenschlüssel nicht
mehr korrekt seien.1 Die Beschwerdegegner erklärten, beim Kauf der Stockwerkeinheit im
Jahr 1999 seien die Täferdecke, Dusche und der Heizkörper bereits vorhanden gewesen.
Zudem sei eine Sauna eingebaut gewesen. Sie hätten die Sauna entfernt und eine neue
Täferdecke auf den bestehenden Lattenrost montiert. Die an die Wohnung der
Beschwerdeführenden angrenzenden zwei Wände seien gedämmt worden. Der Raum
werde als Abstell-/Hobby- und Büroraum mit Netzanschluss (Glasfaser- und Ethernetkabel)
genutzt. Lärmemissionen seien mit dieser Nutzung nicht verbunden.2
Mit verfahrensleitender Verfügung vom 14. August 2018 teilte die Bauverwaltung den
Verfahrensbeteiligten mit, die Anliegen der Anzeigenden seien zivilrechtlicher Natur und
verwies sie dafür an das Regionalgericht Bern-Mittelland (Ziffer 4 der Verfügung). Die
Baukommission habe beschlossen, wegen fehlenden öffentlichen Interessen nicht auf die
1 Vorakten der Gemeinde pag. 11 ff. 2 Vorakten der Gemeinde pag. 6 f.; 13 f.
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Anzeige einzutreten (Ziffer 5). Die Bauverwaltung empfahl, die Situation bei der
Zwischenwand mit einer entsprechenden Schalldämmung zu verbessern (Ziffer 6). Gegen
diese Verfügung wehrten sich die Beschwerdeführenden am 31. August 2018 mit einer als
"Einsprache" bezeichneten Eingabe.
Am 7. Januar 2019 erliess die Gemeinde Muri bei Bern die mit "Verzicht auf
Wiederherstellungsmassnahmen, Feststellungsverfügung" bezeichnete Verfügung mit
folgendem Inhalt:
1. «Die Nutzung des Reduits als Abstellraum und Büroarbeitsplatz ist im Sinne von Art. 1b
Abs. 1 BauG i.V.m. Art. 6 Abs. 1 Bst. c und d BewD baubewilligungsfrei.
2. Auf den Erlass von Wiederherstellungsmassnahmen bzw. auf die Aufforderung zur
Einreichung eines nachträglichen Baugesuchs wird verzichtet.»
3. Gegen diese Verfügung reichten die Beschwerdeführenden am 6. Februar 2019
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
stellen folgende Rechtsbegehren:
«Der Entscheid (...) vom 7. Januar 2019 betreffend Verzicht auf
Wiederherstellungsmassnahmen und Feststellungsverfügung sowie Ziffer 5 der
verfahrensleitenden Verfügung vom 14. August 2018 seien vollumfänglich aufzuheben
und es sei die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes zu verfügen durch
Anordnung des Rückbaus der baulichen Änderungen (Heizkörper, Dusche, Dämmung,
Netzanschluss) sowie Anordnung der Nutzung als Reduit.
Eventualiter:
Der Entscheid (...) vom 7. Januar 2019 betreffend Verzicht auf
Wiederherstellungsmassnahmen und Feststellungsverfügung sowie Ziffer 5 der
verfahrensleitenden Verfügung (...) vom 14. August 2018 seien vollumfänglich
aufzuheben und die Sache sei zur Durchführung des Verfahrens zur Wiederherstellung
des rechtmässigen Zustandes an die Vorinstanz zurückzuweisen.»
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4. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet3, holte die Vorakten
ein und führte den Schriftenwechsel durch. Die Gemeinde beantragt mit Stellungnahme
vom 8. März 2019 die Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdegegner beantragen mit
Beschwerdeantwort vom 28. März 2019, die Beschwerde sei abzuweisen und der
angefochtene Entscheid sei zu bestätigen.
5. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG4 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis
48 BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden.
Die Beschwerdeführenden sind als Eigentümer der angrenzenden Stockwerkeinheit
besonders berührt und haben als Anzeiger am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen
(vgl. Art. 46 Abs. 2 BauG, Art. 65 VRPG5). Sie sind durch die angefochtene Verfügung
beschwert und daher zur Beschwerde legitimiert. Die Beschwerde wurde form- und
fristgerecht eingereicht.
b) Die Beschwerdeführenden beantragen die Aufhebung von Ziffer 5 der
verfahrensleitenden Verfügung der Gemeinde vom 14. August 2018. Sie bringen dazu vor,
die Gemeinde müsse auf eine baupolizeiliche Anzeige eintreten und mindestens prüfen, ob
ein unrechtmässiger Zustand bestehe und ob die Wiederherstellung zu verfügen sei. Mit
dem Nichteintreten habe die Gemeinde ihre Pflicht zur Einleitung eines
Wiederherstellungsverfahrens verletzt.
3 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191) 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 5 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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Die Beschwerde setzt ein zulässiges Anfechtungsobjekt, das heisst eine anfechtbare
Verfügung voraus (vgl. Art. 60 VRPG). Anfechtbar sind nur Anordnungen, mit denen die
Behörde im Einzelfall ein Rechtsverhältnis verbindlich geregelt hat. Behördliche
Äusserungen wie das Bekanntgeben einer generellen behördlichen Haltung oder
organisatorische respektive verfahrensleitende Anordnungen fallen nicht darunter.6
Nach Eingang der telefonischen Anzeige besichtigte der Bauinspektor der Gemeinde das
betreffende Reduit und eröffnete ein baupolizeiliches Verfahren, in dem beide Parteien
Gelegenheit zur Stellungnahme erhielten.7 Der Vorwurf, die Gemeinde habe die
baupolizeiliche Anzeige nicht behandelt, ist unbegründet. Am 14. August 2018 erliess die
Gemeinde eine "verfahrensleitende Verfügung", in der sie in Ziffer 5 folgendes festhielt:
"Die Baukommission hat an der Sitzung vom 13. August 2018 beschlossen, wegen
fehlenden öffentlichen Interessen nicht auf die Anzeige einzutreten." Es kann offen bleiben,
ob die Bauverwaltung damit den Parteien den voraussichtlichen Verfahrensausgang
bekanntgab oder ob sie damit das Verfahren gleich abschliessen wollte. Zu letzterem wäre
sie jedoch nicht zuständig gewesen, da die Baukommission für baupolizeiliche Entscheide
zuständig ist (vgl. Art. 83 GBR8). Die Beschwerdeführenden wehrten sich gegen diese
verfahrensleitende Verfügung, die Gemeinde setzte das baupolizeiliche Verfahren fort und
schloss es mit Verfügung vom 7. Januar 2019 ab. Nur diese Endverfügung stellt vorliegend
ein zulässiges Anfechtungsobjekt dar. Soweit die Beschwerdeführenden auch die
Aufhebung von Ziffer 5 der verfahrensleitenden Verfügung vom 14. August 2018
verlangen, ist nicht auf die Beschwerde einzutreten.
c) Im Übrigen ist auf die Beschwerde einzutreten.
2. Reduit
a) Der Erlass einer Wiederherstellungsverfügung setzt voraus, dass ein
unrechtmässiger Zustand besteht. Dies ist der Fall, wenn ohne oder in Überschreitung der
Baubewilligung gebaut wurde oder wenn bei der Bauausführung Vorschriften missachtet
6 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 49 N. 19, 30, 34 7 Vgl. Vorakten der Gemeinde pag. 6 f. und 8 f. 8 Baureglement 1994 der Gemeinde Muri, mit Änderungen bis 18.09.2017, vom Amt für Gemeinden und Raumordnung am 20. Juli 1994 genehmigt
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werden (Art. 46 Abs. 1 BauG). Nicht genannte, aber selbstverständliche Voraussetzung ist,
dass das Vorhaben baubewilligungspflichtig ist. Dies ist vorliegend umstritten.
b) Die Beschwerdeführenden bringen insbesondere vor, der Raum sei auf dem
bewilligten Grundrissplan explizit als Reduit bezeichnet und als unbeheizter Raum bewilligt
worden. Eine Projektänderung sei nie erfolgt. Es sei nicht nachgewiesen, dass der Raum
von Anfang an mit Heizkörper und Dusche ausgerüstet gewesen sei. Diese Installationen
dürften bei der Frage der Bewilligungspflicht nicht ausgeklammert werden. Die Umnutzung
sei mit baulichen Änderungen verbunden, welche auch die Brandsicherheit betreffen
würden. Heute handle es sich objektiv betrachtet um einen Wohnraum, der auch zum
Übernachten geeignet sei. Räume, in denen ein Hobby ausgeübt werde oder
Arbeitsprozesse stattfänden, gälten nicht als unbewohnt. Der Umstand, dass die
erforderliche Fensterfläche nach Art. 64 Abs. 1 BauV9 nicht eingehalten sei, zeige, dass die
Umnutzung bau- und umweltrechtliche Auswirkungen habe. Die Umnutzung sei zudem mit
umweltrechtlichen Immissionen verbunden. Durch die intensivere Nutzung entstünden
Lärmimmissionen. Das umgenutzte Reduit grenze an ihr Schlafzimmer an; die Wände
seien "ringhörig". Der Netzanschluss verursache Elektrosmog, der ihren Schlaf
beeinträchtige. Die Umnutzung des Reduits zu einem beheizten Abstell-/Hobby-/Büroraum
mit Netzanschluss, Dusche und gedämmten Aussenwänden sei somit eine
baubewilligungspflichtige Nutzungsänderung. Die Gemeinde habe nicht nachvollziehbar
begründet, inwiefern die in der gesamten ZÜO Eichholz zulässige Wohnfläche auch mit
Anrechnung des Reduits nicht überschritten werde. Sie habe damit das rechtliche Gehör
verletzt.
Die Beschwerdegegner weisen darauf hin, dass das Reduit bei der Berechnung der
Nutzfläche berücksichtigt worden sei. Es handle sich daher um bewilligten Wohnraum. Der
Heizkörper sei an das Heizsystem angeschlossen. Auch die Wasserleitungen seien nicht
nachträglich installiert worden, weil sie innerhalb des Mauerwerkes lägen. Sie hätten
lediglich die beim Kauf vorhandene Sauna und die Täferdecke ausbauen lassen,
gegenüber der Wohnung der Beschwerdegegner eine gedämmte Gipswand erstellt, die der
Geräuschdämmung diene, und wieder eine Täferdecke eingezogen. Das Glasfaserkabel
sei durch einen geprüften Elektriker der Firma H._ in bestehende Rohre
eingezogen worden.
9 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1)
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Die Gemeinde macht geltend, aus dem bewilligten Grundrissplan könne nicht auf eine
unbeheizte Ausführung des Reduits geschlossen werden, zumal der Raum über das
beheizte Treppenhaus erschlossen werde. In der Nutzflächenberechnung, die 1968 in
Zusammenhang mit dem damaligen Baugesuch eingereicht worden sei und Grundlage für
die Baubewilligung von 1969 bilde, seien die beiden Reduits und das Treppenhaus
vollumfänglich an die Wohnfläche angerechnet worden. Dies bedeute jedoch nicht, dass
die deklarierte Nutzung "Reduit" so geändert werden dürfe, dass ein Wohn- oder
Arbeitsraum zum dauernden Aufenthalt entstehe. Solches sei vorliegend jedoch nicht
erfolgt. Anhand der Ausführung und dem Modell des bestehenden Heizkörpers sei
unschwer zu erkennen, dass die fragliche Installation mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit
von Anfang an bestanden habe. Die Installation der Dusche und des Heizkörpers hätten
auch nach damaligem Recht keiner Baubewilligung bedurft. Die Gemeinde erachte die
früher erfolgten baulichen Massnahmen (Einbau Heizkörper und Dusche) als nicht
unrechtmässig und längstens abgenommen. Die Nutzung des Reduits als Abstellraum und
Büroarbeitsplatz (Computer mit Netzanschluss) liege im baubewilligungsfreien Rahmen
nach Art. 1b Abs. 1 BauG i.V.m. Art. 6 Abs. 1 Bst. c und d BewD10. Die Brandsicherheit sei
vorliegend nicht betroffen. Die Bauherrschaft sei selber für die Einhaltung der
Minimalanforderungen an der Energienutzung verantwortlich (Art. 63 Abs. 1 KEnG11). Bei
Netzanschlüssen in Privathaushalten seien die Grenzwerte für die Strahlenbelastung nach
NISV12 gut eingehalten und daher unproblematisch. Die Problematik der Lärm- und
Strahlenimmissionen zwischen zwei Wohnungen im Stockwerkeigentum seien öffentlich-
rechtlich nicht relevant, sondern zivilrechtlich zu lösen. Eine 1970 erstellte Liegenschaft
halte in den meisten Fällen die heutigen Anforderungen an den Schallschutz im Gebäude
nicht ein, was aber nicht bedeute, dass sie öffentlich-rechtlich anpassungspflichtig sei.
c) Das Mehrfamilienhaus ("Haus 10") ist eine Flachdachbaute, die am 4. Februar 1969
bewilligt wurde. Das Reduit der Beschwerdegegner liegt auf der Attika und wird
wohnungsintern über die Treppe vom Obergeschoss her erschlossen. Der ungefähr 10 m2
grosse Raum liegt zwischen der Aussenmauer der Wohnung der Beschwerdeführenden
10 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 11 Kantonales Energiegesetz vom 15. Mai 2011 (KEnG; BSG 741.1) 12 Verordnung des Bundesrats vom 23. Dezember 1999 über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV; SR 814.710)
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und deren Reduit. Die beiden Reduits bilden eine bauliche Trennung zwischen den
Terrassen der Beschwerdegegner und der Beschwerdeführenden.
Auf dem bewilligten Grundrissplan "Dachgeschoss" ist der umstrittene Raum als "Reduit"
bezeichnet. Ein "Reduit" ist bereits begrifflich kein eigentlicher Wohnraum im Sinne eines
Zimmers, sondern ein Nebenraum, der im Dienst der Wohnnutzung steht. Vorliegend
handelt es sich um einen fensterlosen Raum, der damit auch nicht den Voraussetzungen
an einen Wohnraum genügt, der zum dauernden Aufenthalt von Menschen bestimmt ist
wie Wohn- und Esszimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer und Zimmer für häusliche
Arbeiten (vgl. Art. 64 i.V.m. Art. 63 BauV). Vergleichbare gesundheitspolizeiliche
Anforderungen galten bereits im Zeitpunkt der Baubewilligung von 1969.13 Wäre das Reduit
als eigentliches Zimmer vorgesehen gewesen, hätte es weitere Anforderungen einhalten
müssen.
d) Das Mehrfamilienhaus Nr. 10 liegt in der Überbauungsordnung Eichholz (ZÜO
Eichholz14), die insgesamt 18 Wohngebäude umfasst. Art. 4 SBV15 bestimmt: "Die gesamte
Wohnfläche aller Geschosse, inkl. oberirdische Laden- und Geschäftsnutzungsfläche soll
25'300 m2 nicht übersteigen. Die Ausnützungsziffer beträgt somit 0,65." Auf dem
Überbauungsplan sind die einzelnen Gebäude noch nicht abparzelliert. Die Einhaltung der
Ausnützungsziffer beurteilt sich laut Art. 4 SBV über die Gesamtfläche des ZÜO-
Perimeters. Gemäss den Bauakten von 1969 wurde die Fläche der beiden Reduits in die
Berechnung der "Nutzflächenberechnung" einbezogen (3,65 x 4,15 m). Die gesamte
Nutzfläche von "Haus 10" (total 1'602,93 m2) wurde zur bereits ausgeschöpften Fläche
gerechnet. Die Gemeinde stellte im damaligen Baubewilligungsverfahren fest: "Das
Baugesuch entspricht dem Baulinienplan, die Wohnfläche ist gegenüber diesem um 220
m2 kleiner." Die "nach BLP für [die] 2. Etappe bewilligte" Fläche wurde noch nicht
ausgeschöpft.16
e) Das Wohnen ist in der ZÜO Eichholz zonenkonform. Zum Wohnen gehört auch die
Nutzung von Nebenräumen wie Waschküchen, Estrich- und Kellerräumen, Abstellräumen
etc. Solche Räume werden heute als Nebennutzflächen bezeichnet (vgl. SIA-Norm
13 Vgl. Art. 62 des Baureglements der Einwohnergemeinde Muri bei Bern von 1994 14 Baulinienplan mit Bebauungsplan und Sonderbauvorschriften Eichholz (ZÜO), vom Regierungsrat genehmigt am 14. August 1964 15 Sonderbauvorschriften der ZÜO Eichholz (SBV) 16 Archivakten der Gemeinde 1968/012, vgl. grünes Formular, Antrag des Hochbauinspektors an die Bau- und Verkehrskommission
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416:2003 / SN 504 416 Ziffer 2.1.1.2). Bei der Berechnung der Nutzfläche des
vorliegenden Mehrfamilienhauses "Haus 10" wurde nicht unterschieden zwischen der
Hauptnutzfläche, die dem eigentlichen Wohnen dient, der Nebennutzfläche und den
Verkehrsflächen (Treppen, Eingangshallen etc.); alle diese Flächen wurden berücksichtigt.
Entgegen der Meinung der Beschwerdegegner bedeutet die Berücksichtigung des Reduits
als Nutzfläche daher nicht, dass es als Wohnraum, das heisst als Zimmer oder
Arbeitsraum für den dauernden Aufenthalt von Personen bewilligt wurde oder genutzt
werden dürfte. Dafür müsste das Reduit wie gesagt weiteren Anforderungen genügen,
insbesondere über eine genügende natürliche Belichtung verfügen (vgl. Art. 62 ff. BauV).
Zusammenfassend ist ein Reduit bewilligt, das heisst ein Nebenraum der Wohnung. Als
solcher dient das Reduit auch der Wohnnutzung.
f) Der 1969 bewilligte Grundrissplan enthält nur rudimentäre Darstellungen der
Standorte für die Sanitärapparate in den WCs und Badezimmern. Weil beim Reduit aber
eine leere Fläche dargestellt ist, ist denkbar, dass die Dusche erst später eingebaut wurde.
Ob das Reduit von Anfang an beheizt war, lässt sich dem bewilligten Plan nicht
entnehmen, da auf dem Grundrissplan nirgends Heizkörper eingezeichnet sind. Es stellt
sich daher die Frage, ob der allenfalls später erfolgte Einbau des Heizkörpers und die
Installation der Dusche baubewilligungspflichtig waren. Dies beurteilt sich grundsätzlich
nach der Rechtslage, die im Zeitpunkt der Vornahme der baulichen Massnahmen bestand.
Späteres Recht ist anzuwenden, wenn es für die Bauherrschaft günstiger ist oder wenn die
Bauherrschaft späterem strengerem Recht zuvorkommen wollte.17
g) Das Gebäude wurde ungefähr 1970 erbaut. Im Jahr 1996 wurde Stockwerkeigentum
begründet.18 Die Beschwerdegegner erwarben ihre Stockwerkeinheit 1999.19 Sie machen
geltend, dass sowohl der Heizkörper als auch die Dusche damals vorhanden waren.
Anlässlich der Besichtigung vom 24. Mai 2018 hielt der Bauinspektor der Gemeinde fest,
dass der Heizkörper aufgrund des Modells anfangs der 1970er Jahre und möglicherweise
bereits bei der Bauausführung eingebaut worden sei. Auch bei der Dusche befand er, dass
sie "unzweifelhaft vor 1999" installiert worden sei.20 Es besteht kein Anlass, an dieser
17 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 14a 18 Beschwerdebeilage Nr. 3 19 Vgl. Grundstückdaten-Informationssystem Grudis 20 Aktennotiz vom 29.05.2018 zur Begehung, Vorakten der Gemeinde pag. 6 f.
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Einschätzung zu zweifeln, zumal auch die Beschwerdeführenden nie bestritten, dass die
Dusche und der Heizkörper im Jahr 1999 bereits bestanden. Unbestritten ist weiter, dass
die Installation des Netzanschlusses, der Dämmung und die Nutzung des Raums als
Hobby-/Büroraum erst ungefähr im Jahre 2012 durch die Beschwerdegegner erfolgte.21 Es
kann somit als erstellt gelten, dass Dusche und Heizkörper vor 1999 installiert wurden und
dass die Nutzung als Hobby-/Büroraum erst ab 2012 einsetzte. Der Einbau der Dusche
und des Heizkörpers wurden somit nicht im Hinblick auf die Nutzung als Hobby-/Büroraum
vorgenommen, diese Vorhaben haben keinen Zusammenhang. Die Frage der
Baubewilligungspflicht ist daher für den Einbau von Dusche und Heizkörper und für die
Nutzung als Hobby-/Büroraum mit den dafür vorgenommenen Massnahmen
(Netzanschluss, Dämmung von zwei Wänden) separat zu beurteilen.
3. Baubewilligungspflicht
a) Gemäss Art. 22 Abs. 1 RPG22 dürfen Bauten und Anlagen nur mit behördlicher
Bewilligung errichtet werden. Baubewilligungspflichtig sind alle künstlich geschaffenen und
auf Dauer angelegten Bauten, Anlagen und Einrichtungen (Bauvorhaben), die in fester
Beziehung zum Erdboden stehen und geeignet sind, die Nutzungsordnung zu
beeinflussen, indem sie zum Beispiel den Raum äusserlich erheblich verändern, die
Erschliessung belasten oder die Umwelt beeinträchtigen (Art. 1a Abs. 1 BauG). Diese
Definition der Baubewilligungspflicht gilt erst seit dem Inkrafttreten des RPG am 1. Januar
1980. Vorher ermächtigte das kantonale Bauvorschriftengesetz von 1958 die Gemeinden
unter anderem, Vorschriften im Interesse der Gesundheit, der Feuersicherheit, der soliden
Erstellung und Instandhaltung von Bauten sowie zur Verhütung von übermässigem Lärm
zu erlassen.23 Davon machte die Gemeinde Muri mit dem Baureglement von 1964
Gebrauch. Das Bauvorschriftengesetz wurde 1970 durch das aBauG24 abgelöst. Dieses
bestimmte, dass unter anderem die Erstellung, wesentliche Änderung und der Abbruch von
Gebäuden, Gebäudeteilen und sonstigen Anlagen baubewilligungspflichtig ist (Art. 1 Abs. 1
21 Vgl. Stellungnahme vom 26.06.2018, Vorakten der Gemeinde pag. 11 ff. 22 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700) 23 Aldo Zaugg, Kommentar zum Baugesetz des Kanton Bern vom 7. Juni 1970, Bern 1971, Einleitung N. 1 ff.; Art. 5 Bauvorschriftengesetz vom 26.01.1958 (GS 1958 S. 12 ff.) 24 Baugesetz vom 7. Juni 1970 (aBauG; GS 1970 S. 163 ff.)
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Bst. a aBauG). Gemäss Art. 5 Bst. c aBewD 197025 stellte auch die innere Umgestaltung
von Bauten und Anlagen eine baubewilligungspflichtige wesentliche Änderung dar. Diese
Bestimmung des aBewD 1970 wurde allerdings 1994 beim Erlass des BewD vom 22. März
1994 ersatzlos gestrichen. Umbauten im Inneren von Gebäuden (ausser Baudenkmälern)
waren nicht mehr baubewilligungspflichtig, ausser wenn sie mit einer
baubewilligungspflichtigen Nutzungsänderung verbunden waren oder eine
baubewilligungspflichtige Änderung der äusseren Gestaltung des Baus bewirkten (aArt. 5
Abs. 1 Bst. g BewD). Eine solche Änderung der Zweckbestimmung lag vor, wenn durch die
Änderung baurechtlich relevante Tatbestände betroffen wurden wie bei Änderungen an
Bauten, welche über eine Baulinie hinausragen, welche die Zonenvorschriften, die
Umweltschutzgesetzgebung oder die Abstandsvorschriften berühren oder zu einer
wesentlichen Mehrbelastung der Erschliessungsanlagen führen (aArt. 4 Abs .2 Bst. b
BewD). Diese Regelung war bis am 31. August 2009 in Kraft.
b) Der Einbau einer Dusche und eines Heizkörpers stellten keine innere Umgestaltung
dar, weil Art. 5 aBewD 1970 eine wesentliche Änderung voraussetzte. Bei der inneren
Umgestaltung bezweckte die Bewilligungspflicht des aBewD 1970, dass beim Umbau die
sicherheits- und gesundheitspolizeilichen Vorschriften eingehalten werden.26 Solche
wurden weder durch den Einbau der Dusche noch des Heizradiators betroffen. Der
Heizkörper wurde an die Zentralheizung angeschlossen; es handelt sich nicht um eine
"Feuerstelle" (Cheminée, Holz- oder Ölofen etc.), einen Kamin oder Heizöltank, die
baubewilligungspflichtig waren (Art. 5 Abs. 2 Bst. e aBewD 1970). Der Ausbau oder die
Nutzungserweiterung in einem Dachgeschoss kann zwar die Brandsicherheit betreffen,27
wie die Beschwerdeführenden geltend machen. Damit ist jedoch ein Dachgeschoss mit
Holzkonstruktion gemeint, wie sie bei Schrägdächern vorkommen, nicht die Attika einer
Flachdachbaute, wie sie vorliegend besteht. Der Anschluss des Heizkörpers an die
Zentralheizung tangierte die Brandsicherheit daher nicht. Nach der am 1. Januar 1995 in
Kraft getretenen Fassung des BewD 1994 waren Änderungen im Innern grundsätzlich
baubewilligungsfrei. Die Dusche führte nicht zu einer Mehrbelastung der
Erschliessungsanlage. Die Zonenkonformität, die Abstands- und Umweltvorschriften
wurden nicht berührt. Der Einbau des Heizkörpers und der Dusche war weder unter der
Geltung des aBewD 1970 noch nach dem revidierten BewD 1994 für sich allein
25 Dekret vom 10. Februar 1970 über das Baubewilligungsverfahren (aBewD; GS 1970 S. 19 ff.) 26 Vgl. Aldo Zaugg, Kommentar zum Baugesetz des Kanton Bern vom 7. Juni 1970, Bern 1971, Art. 1 N. 12 27 BSIG-Information "Baubewilligungsfreie Bauten und Anlagen nach Artikel 1b BauG, BSIG Nr. 7/725.1/1.1
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baubewilligungspflichtig. Eine Dusche kann auch unter geltendem Recht grundsätzlich
baubewilligungsfrei eingebaut werden. Die Befreiung von der Baubewilligungspflicht
entbindet aber nicht von der Einhaltung der anwendbaren Vorschriften und der Einholung
anderer Bewilligungen (vgl. Art. 1b Abs. 2 BauG), wie beispielsweise einer
gewässerschutzrechtlichen Bewilligung (vgl. Art. 26 Abs. 2 Bst. a KGV28). Bei der
(baubewilligungsfreien) Installation eines Heizkörpers in einen bislang unbeheizten Raum
sind die energierechtlichen Anforderungen zu beachten, was Sache der Bauherrschaft ist
(vgl. Art. 63 KEnG, Art. 14 KEnV29).
c) Die Beschwerdegegner nutzen das Reduit seit 2012 als Hobby- und Büroraum und
haben in diesem Zusammenhang zwei Wände gedämmt und einen Computerarbeitsplatz
mit Netzanschluss erstellt.
Geringfügige Bauvorhaben wie der Unterhalt und das Ändern (einschliesslich Umnutzen)
von Bauten und Anlagen bedürfen keiner Baubewilligung, wenn keine bau- und
umweltrechtlich relevanten Tatbestände betroffen sind (vgl. Art. 1b Abs. 1 BauG und Art. 6
Abs. 1 Bst. c BewD). Ebenfalls baubewilligungsfrei sind bauliche Änderungen im
Gebäudeinnern, die nicht mit einer baubewilligungspflichtigen Nutzungsänderung
verbunden sind und nicht die Brandsicherheit betreffen (Art. 6 Abs. 1 Bst. d BewD). Es trifft
zu, dass ein Raum, der zur Ausübung eines Hobbys genutzt wird, als bewohnt gilt. Dies
bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass eine baubewilligungspflichtige Umnutzung besteht.
Die Umnutzung eines bislang unbewohnten Raums zu einem bewohnten Raum ist
insbesondere dann baubewilligungspflichtig, wenn die Zonenkonformität betroffen wird
(z.B. bei Gebäuden in der Landwirtschaftszone), wenn eine Nutzungsbeschränkung auf der
Liegenschaft lastet, wenn ein Raum, der bei der Berechnung der Ausnützungsziffer nicht
berücksichtigt werden musste, nach der Umnutzung neu angerechnet werden muss oder
wenn die Grenz- und Gebäudeabstände betroffen sind, weil eine unbewohnte An- und
Nebenbaute häufig von einem privilegierten Grenzabstand profitiert.
d) Das Wohnen ist in der ZÜO zonenkonform. Wie oben unter Erwägung 2 Bst. d
gezeigt, wurde das Reduit bei der Berechnung der zulässigen Ausnützung angerechnet.
Die Nutzung des Reduits im Rahmen der erweiterten Wohnnutzung ist daher durch die
Baubewilligung gedeckt. In diesem Fall darf das Reduit auch zur Ausübung eines Hobbys
28 Kantonale Gewässerschutzverordnung vom 24. März 1999 (KGV; BSG 821.1) 29 Kantonale Energieverordnung vom 26. Oktober 2011 (KEnV; BSG 741.111)
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oder zur Erledigung von privaten "Büroarbeiten" genutzt werden. Ein Hobby wird zeitlich
begrenzt ausgeübt, auch wenn dies im Einzelfall von Person zu Person variieren mag.
e) Die Beschwerdeführenden rügen, dass die Umnutzung des Reduits Lärm- und
Strahlenimmissionen verursache. Sie begründen aber nicht, welche Art und Intensität von
Lärm durch die Nutzung als Abstell-/Hobby- und Büroraum entsteht. Offenbar wird im
Reduit vor allem der Computer genutzt. Es ist davon auszugehen, dass damit nur
Geräusche im üblichen Rahmen einer Wohnnutzung verbunden sind. Immissionen, die mit
der zonengemässen Nutzung verbunden sind, müssen geduldet werden (vgl. Art. 89 Abs. 2
BauV). Lärmstörungen zwischen Nachbarn sind im Übrigen mit den Rechtsbehelfen des
Zivilrechts zu lösen (vgl. Art. 684 und 679 ZGB30). Auf der Nordseite grenzt das Reduit an
die Aussenmauer der Wohnung der Beschwerdeführenden. Offenbar stören sich die
Beschwerdeführenden vor allem daran, dass die Wände und Mauern "ringhörig" sind und
Gespräche mitgehört werden können.31 Diese Aussenmauer weist die gleiche Stärke auf
wie die übrigen Aussenmauern des Mehrfamilienhauses. Die Ringhörigkeit ist auf die
Bauweise des inzwischen 50-jährigen Gebäudes zurückzuführen und spielt keine Rolle für
die vorliegende Frage der Baubewilligungspflicht. Das Installieren eines Netzschlusses für
den Computer ist nicht bewilligungspflichtig. Die Installation erfolgte durch eine
spezialisierte Firma (H._). Es besteht kein Grund zur Annahme, dass sie nicht
fachgerecht, nach dem Stand der Technik ausgeführt wurde und deshalb unzulässige
Strahlenemissionen verursachen würde. Allfällige Mängel wären ohnehin nicht relevant für
die Frage der Baubewilligungspflicht. Das Dämmen der Wände ist baubewilligungsfrei,
zumal vorliegend kein Baudenkmal betroffen ist.
f) Damit ergibt sich, dass die vorliegende Nutzung des Reduits als Hobby-/Büroraum
keine bau- und umweltrechtlichen Auswirkungen hat und daher keine
baubewilligungspflichtige Zweckänderung darstellt. Auch bei baubewilligungsfreien Bauten
und Anlagen sind baupolizeiliche Massnahmen möglich, insbesondere im Interesse der
Sicherheit und Gesundheit sowie des Ortsbild-, Landschafts- oder Umweltschutzes.
Voraussetzung ist, dass diese Bauten und Anlagen die öffentliche Ordnung stören (Art. 1b
Abs. 3 BauG). Dies ist vorliegend nicht der Fall. Die Nutzung des Reduits als Hobby-
/Büroraum steht in Zusammenhang mit dem Wohnen und ist zonenkonform. Allfällig damit
verbundene Lärmimmissionen betreffen keine öffentlichen Interessen. Ein
30 Schweizerisches Zivilgesetzbuch vom 10. Dezember 1907 (ZGB; SR 210) 31 Vgl. Stellungnahme vom 26.06.2018, Vorakten der Gemeinde pag. 11 ff.; Beschwerde S. 8
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Computernetzanschluss mit geprüften Geräten und Leitungen verursacht keine
unzulässigen Strahlenimmissionen. Es besteht somit kein unrechtmässiger Zustand,
welcher Hauptvoraussetzung für die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes ist.
Damit erübrigt sich die Prüfung von Wiederherstellungsmassnahmen. Auch die Gemeinde
hatte bei diesem Ergebnis keinen Anlass, den "Verzicht" auf
Wiederherstellungsmassnahmen weiter zu begründen. Eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs (Art. 29 BV32) liegt nicht vor.
g) Die Gemeinde begründete ihren Entscheid ausführlich. Sie führte darin auch aus,
dass die in der ZÜO Eichholz geltende Ausnützungsziffer nicht überschritten sei. Eine
Verletzung der Begründungspflicht (Art. 52 Abs. 1 VRPG) ist darin nicht zu erkennen, auch
wenn zum besseren Verständnis auf die Baubewilligungsakten 1968/102 zurückgegriffen
werden muss. Im Übrigen wäre eine allfällige Gehörsverletzung im vorliegenden Verfahren
durch die BVE geheilt.33 Der entscheidrelevante Sachverhalt ergibt sich vorliegend aus den
Akten, weitere Abklärungen waren nicht erforderlich. Die entsprechenden Beweisanträge
(Augenschein, Parteibefragung, Schall- und Strahlenmessungen) werden abgewiesen.34
h) Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf eingetreten
werden kann.
4. Kosten
a) Die Verfahrenskosten werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 1'400.–
(Art. 103 Abs. 2 VRPG35 i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV36). Bei diesem Ausgang des
Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden. Sie haben die Verfahrenskosten von
Fr. 1'400.‒ zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG).
32 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) 33 BVR 2012 S. 28 E. 2.3.5; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 21 N. 16 34 BVR 2012 S. 252 E. 3.3.3, mit Hinweisen 35 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 36 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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b) Die Beschwerdeführenden haben zudem den Beschwerdegegnern die Parteikosten
zu ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Kostennote des Rechtsvertreters der
Beschwerdegegner gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. Die Beschwerdeführenden haben
somit den Beschwerdegegnern eine Parteientschädigung von Fr. 3'808.65 (inkl. Auslagen
und MWSt) zu leisten.