Decision ID: 6480df0b-5549-513c-b70e-ab4d86ede4e4
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ bezog wegen einer Retinitis pigmentosa gestützt auf eine Verfügung vom 31.
Juli 1997 ab dem 1. März 1996 eine Entschädigung der Invalidenversicherung bei einer
Hilflosigkeit leichten Grades (IV-act. 24). Mit einer Verfügung vom 20. Januar 2005
sprach ihm die IV-Stelle nach dem Abschluss von beruflichen
Eingliederungsmassnahmen bei einem Invaliditätsgrad von 75 Prozent mit Wirkung ab
dem 1. Februar 2004 eine ganze Rente zu (IV-act. 105 f.). Am 26. Oktober 2005 teilte
die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass er die Voraussetzungen für eine Teilnahme
beim Projekt Assistenzbudget erfülle (IV-act. 114). Sie forderte ihn auf, einen
Fragebogen bezüglich seines Assistenzbedarfs auszufüllen. Der Versicherte gab in der
Folge mittels dieses Fragebogens an (IV-act. 116), er benötige eine Hilfe bei der
optischen Kontrolle seiner Kleidung auf Sauberkeit und Unversehrtheit (5 min pro Tag),
beim Einschenken und Schöpfen (5 min pro Tag), beim Rasieren und bei der Pflege der
Fingernägel (10 min pro Tag), bei Reinigungsarbeiten in der Küche (5 min pro Tag), bei
der Wohnungsreinigung (10 min pro Tag), beim Einkaufen (10 min pro Tag), bei der
Wäsche (10 min pro Tag), beim Besuch von Sportveranstaltungen, Anlässen und
Ferienreisen (30 min pro Tag). Zudem benötige er Rücken- und Kniemassagen (10 min
pro Tag) und jemanden, der ihm vorlese und Dinge beschreibe (15 min pro Tag). Mit
einer Verfügung vom 29. Dezember 2005 sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit
Wirkung ab dem 1. Januar 2006 ein Assistenzgeld zu, das sich aus einer Pauschale
von 300 Franken pro Monat und einem Assistenzbudget von 975 Franken pro Monat
zusammensetzte (IV-act. 121). Mit einer weiteren Verfügung vom 29. Dezember 2005
sistierte die IV-Stelle die Hilflosenentschädigung für die Zeit ab dem 1. Januar 2006 (IV-
act. 122).
A.b Im November 2011 führte die IV-Stelle eine Abklärung in der Wohnung des
Versicherten durch, um den massgebenden Assistenzbedarf für den per 1. Januar 2012
das Assistenzgeld ablösenden Assistenzbeitrag zu ermitteln (IV-act. 253). Anstatt einen
Abklärungsbericht zu verfassen, gab die Abklärungsbeauftragte der IV-Stelle
ausgehend von den Angaben des Versicherten Schlüsselwerte im vom Bundesamt für
Sozialversicherungen zwecks Erfassung des Assistenzbedarfs zur Verfügung gestellten
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Computerprogramm „FAKT2“ ein (IV-act. 256 ff.). Sie berücksichtigte keinen
Assistenzbedarf für das An- und Auskleiden, keinen Assistenzbedarf für das Aufstehen,
Absitzen und Abliegen, keinen Assistenzbedarf für das Essen und Trinken, keinen
Assistenzbedarf für die Körperpflege, keinen Assistenzbedarf für die Verrichtung der
Notdurft, keinen Zusatzaufwand für die alltäglichen Lebensverrichtungen, einen
Assistenzbedarf von einer Minute pro Tag für die Administration des Haushaltes, einen
Assistenzbedarf von vier Minuten pro Tag für die Küchenreinigung, wovon sie
allerdings eine Minute wegen eines „Erwachsenen im selben Haushalt“ abzog, einen
Assistenzbedarf von fünf Minuten pro Tag für die Wohnungspflege, wovon sie zwei
Minuten wegen eines „Erwachsenen im selben Haushalt“ abzog, einen Assistenzbedarf
von zwei Minuten pro Tag für Besorgungen, wovon sie eine Minute wegen eines
„Erwachsenen im selben Haushalt“ abzog, einen Assistenzbedarf von zwei Minuten pro
Tag für die Wäsche und die Kleiderpflege, wovon sie eine Minute wegen eines
„Erwachsenen im selben Haushalt“ abzog, einen Assistenzbedarf von zwei Minuten pro
Tag für Freizeitaktivitäten, einen Assistenzbedarf von einer Minute pro Tag für
gesellschaftliche Kontakte, einen Assistenzbedarf von fünf Minuten pro Tag für die
Mobilität „draussen“, einen Assistenzbedarf von fünf Minuten pro Tag für Ferien und
Reisen, keinen Assistenzbedarf im Zusammenhang mit gemeinnützigen oder
ehrenamtlichen Tätigkeiten (Sehberatung des OBV, Vorstandsmitglied des
Blindenverbandes Sektion B._), aber einen Assistenzbedarf von einer Minute pro Tag
für die Mobilität im Zusammenhang mit diesen gemeinnützigen oder ehrenamtlichen
Tätigkeiten (Vermerk: „hin und wieder ist der Versicherte in unbekannter Umgebung
unterwegs, wo er dann Hilfe benötigt“), wovon sie unter Berücksichtigung des
Pensums von viereinhalb Stunden pro Woche einen Anteil von elf Prozent – also 0,11
Minuten – anrechnete. Insgesamt ergab sich ein Hilfebedarf von 11,57 Stunden pro
Monat. Davon zog die Abklärungsbeauftragte den durch den Stundenansatz für eine
Assistenzperson dividierten Gegenwert der Hilflosenentschädigung von 464 Franken
pro Monat – 14,28 Stunden pro Monat – ab, weshalb kein zum Bezug eines
Assistenzbeitrages (zur Hilflosenentschädigung) berechtigender Assistenzbedarf
verblieb.
A.c Mit einem Vorbescheid vom 10. April 2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten
mit, dass sie die Abweisung des Begehrens um einen Assistenzbeitrag vorsehe (IV-act.
261). Dagegen liess dieser am 18. Mai 2012 einwenden (IV-act. 272), der für die
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gesellschaftliche Teilhabe und Freizeitgestaltung berücksichtigte Assistenzbedarf sei
viel zu tief. Zudem sei nicht nachvollziehbar, weshalb ein sporadisch benötigter
Hilfebedarf nicht berücksichtigt werde. Der Wegfall des Assistenzbudgets von 1’275
Franken pro Monat treffe den Versicherten trotz der wieder ausgerichteten
Hilflosenentschädigung von 464 Franken pro Monat stark, denn letztlich bedeute dies
eine Kürzung des Budgets um gut 800 Franken. Der Versicherte akzeptiere zwar die
Abzüge beim Assistenzbedarf wegen der Mithilfe seiner (offenbar ebenfalls
sehbehinderten) Lebenspartnerin, weil diese beruflich weniger belastet sei und ihm
tatsächlich diverse Arbeiten abnehme, aber es sei ungerechtfertigt, bei deren
Assistenzbedarfsberechnung Abzüge für eine Mithilfe durch ihn zu machen, da er ihr
keine Hilfe leisten könne. Mit einer Verfügung vom 7. Juni 2012 wies die IV-Stelle das
„Leistungsbegehren für die Ausrichtung eines Assistenzbeitrages“ ab; sie ordnete mit
Wirkung ab dem 1. Juli 2012 die Wiederausrichtung der Hilflosenentschädigung an und
sie hob die Verfügung vom 29. Dezember 2005 mit Wirkung per 1. Juli 2012 auf (IV-act.
274). Gleichentags erliess sie eine weitere Verfügung, mit der sie dem Versicherten für
die Zeit ab dem 1. Juli 2012 (wieder) eine Entschädigung bei einer Hilflosigkeit leichten
Grades zusprach (IV-act. 276).
A.d Am 9. Dezember 2016 liess der Versicherte unter Hinweis auf eine deutliche
Visusverschlechterung erneut um die Zusprache eines Assistenzbeitrages ersuchen (IV-
act. 310). Am 21. Dezember 2016 forderte die IV-Stelle den Versicherten auf, eine
wesentliche Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse seit dem 7. Juni 2012
glaubhaft zu machen (IV-act. 311). Am 22. Januar 2017 machte der Versicherte
geltend, dass sich seine Sehfähigkeit wesentlich verschlechtert habe und dass er nun
praktisch vollständig erblindet sei (IV-act. 312). Seiner Eingabe legte er einen Bericht
der Augenklinik des Kantonsspitals St. Gallen vom 19. Januar 2017 bei (IV-act. 313),
laut dem ihm nur noch eine schwache Lichtwahrnehmung möglich war. Am 1. Februar
2017 notierte Dr. med. C._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD), die
Sehfähigkeit des Versicherten habe sich tatsächlich deutlich verschlechtert, womit sich
seine Selbständigkeit in Bezug auf die alltäglichen Lebensverrichtungen sicherlich
verringert haben dürfte (IV-act. 314). Im März 2017 führte die IV-Stelle eine Abklärung
bezüglich des Assistenzbedarfs in der Wohnung des Versicherten durch. Wiederum
wurden die Angaben des Versicherten mittels des Abklärungssystems „FAKT2“ erfasst
(IV-act. 319 ff.). Die Abklärungsbeauftragte der IV-Stelle berücksichtigte einen
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Assistenzbedarf von einer Minute pro Tag für das An- und Auskleiden, keinen
Assistenzbedarf für das Aufstehen, Absitzen und Abliegen, keinen Assistenzbedarf für
das Essen und Trinken, einen Assistenzbedarf von einer Minute pro Tag für die
Körperpflege, einen Assistenzbedarf von vier Minuten pro Tag für die Verrichtung der
Notdurft, keinen Zusatzaufwand für die alltäglichen Lebensverrichtungen, einen
Assistenzbedarf von zwei Minuten pro Tag für die Administration des Haushaltes, einen
Assistenzbedarf von zehn Minuten pro Tag im Zusammenhang mit der Ernährung,
wovon sie allerdings drei Minuten wegen eines „Erwachsenen im selben Haushalt“
abzog, einen Assistenzbedarf von fünf Minuten pro Tag für die Wohnungspflege,
wovon sie zwei Minuten wegen eines „Erwachsenen im selben Haushalt“ abzog, einen
Assistenzbedarf von sieben Minuten pro Tag für Besorgungen, wovon sie zwei Minuten
wegen eines „Erwachsenen im selben Haushalt“ abzog, einen Assistenzbedarf von
zwei Minuten pro Tag für die Wäsche und die Kleiderpflege, wovon sie eine Minute
wegen eines „Erwachsenen im selben Haushalt“ abzog, einen Assistenzbedarf von
zwei Minuten pro Tag für Freizeitaktivitäten, einen Assistenzbedarf von einer Minute pro
Tag für gesellschaftliche Kontakte, einen Assistenzbedarf von einer Minute pro Tag für
die Mobilität „draussen“, einen Assistenzbedarf von fünf Minuten pro Tag für Ferien
und Reisen und keinen Assistenzbedarf im Zusammenhang mit gemeinnützigen oder
ehrenamtlichen Tätigkeiten. Das ergab einen Hilfebedarf von 16,77 Stunden pro Monat.
Davon zog die Abklärungsbeauftragte den durch den Stundenansatz für eine
Assistenzperson dividierten Gegenwert der Hilflosenentschädigung von 470 Franken
pro Monat – 14,29 Stunden pro Monat – ab. Das ergab einen Assistenzbedarf von 2,48
Stunden beziehungsweise 81.60 Franken pro Monat respektive von 979.20 Franken
pro Jahr. Ein Sachbearbeiter der IV-Stelle notierte am 30. März 2017, der Versicherte
habe zudem einen Anspruch auf maximal 1’500 Franken für die Beratung und
Unterstützung während den ersten 18 Monaten des Bezuges des Assistenzbeitrages
(IV-act. 318).
A.e Mit einem Vorbescheid vom 3. April 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
dass sie beabsichtige, ihm mit Wirkung ab dem 1. Dezember 2016 einen
Assistenzbeitrag von durchschnittlich 81.60 Franken pro Monat beziehungsweise
979.20 Franken pro Jahr zuzusprechen (IV-act. 325). Am 20. April 2017 teilte der
Versicherte der IV-Stelle telefonisch mit, dass er mit dem vorgesehenen Entscheid
nicht einverstanden sei (IV-act. 326). Der nun vertretene Versicherte liess am 19. Mai
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2017 erneut sein Nichteinverständnis erklären (IV-act. 330). Am 20. Juni 2017 liess er
einwenden (IV-act. 334), er benötige beim An- und Auskleiden, beim Essen und
Trinken, bei der Körperpflege, bei der Verrichtung der Notdurft, in administrativen
Angelegenheiten, bei der Ernährung, bei der Wohnungspflege, beim Einkaufen, bei der
Wäsche, bei Freizeitaktivitäten und bei der Mobilität im Zusammenhang mit seinen
ehrenamtlichen beziehungsweise gemeinnützigen Tätigkeiten mehr Hilfe, als die IV-
Stelle annehme. Zudem seien die Abzüge für die Mithilfe seiner Lebenspartnerin
unzulässig, denn diese sei vollständig erblindet und könne ihm deshalb keine Hilfe
leisten. Ein Sachbearbeiter der IV-Stelle notierte am 27. Juni 2017 (IV-act. 335), einige
Punkte seien nachvollziehbar. Andere Punkte könnten „gemäss vorgesehener
Stufeneinteilung für Sehbehinderte nicht berücksichtigt“ werden. Diese
Stufeneinteilung sei „für alle Versicherten gleich anzuwenden“. Mit einer Verfügung
vom 28. Juni 2017 sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Wirkung ab dem 1.
Dezember 2016 einen Assistenzbeitrag von 81.60 Franken pro Monat beziehungsweise
von 979.20 Franken pro Jahr zu. Unmittelbar nach der Eröffnung der Verfügung
bemerkte sie, dass sie es versehentlich versäumt hatte, den Frankenbetrag des
Assistenzbeitrages dem erhöhten Bedarf anzupassen. Sie widerrief deshalb ihre
Verfügung vom 28. Juni 2017 und eröffnete am 4. Juli 2017 eine neue Verfügung, mit
der sie dem Versicherten mit Wirkung ab dem 1. Dezember 2016 einen
Assistenzbeitrag von 159.90 Franken pro Monat beziehungsweise von 1’918.80
Franken pro Jahr sowie einen Beitrag von maximal 1’500 Franken für die Beratung und
Unterstützung in den ersten 18 Monaten zusprach (IV-act. 336). Bezugnehmend auf die
Einwände des Versicherten hielt sie fest, sie habe einen höheren Assistenzbedarf für
die Vorbereitung der Nahrungsaufnahme, für den Transfer, für den Wochenkehr, für die
Einkaufsplanung, für andere Besorgungen, für Reisen und Ferien sowie für die Mobilität
im Zusammenhang mit ehrenamtlichen Tätigkeiten berücksichtigt. Bezüglich der
übrigen Punkte könne kein höherer Bedarf angerechnet werden.
B.
B.a Am 1. September 2017 erhob der Versicherte (nachfolgend: der
Beschwerdeführer) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 4. Juli 2017 (act. G 1).
Er beantragte die Zusprache eines „wesentlich“ höheren Assistenzbeitrages,
eventualiter die Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle
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(nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) und subeventualiter die Abklärung des
Assistenzbedarfs durch eine vom Gericht bestimmte Person. Zur Begründung führte er
an, er sei mittlerweile praktisch blind. Die Beschwerdegegnerin habe seinen
Assistenzbedarf falsch ermittelt. Sie habe bei praktisch allen Positionen entweder gar
keinen Assistenzbedarf oder dann nur einen solchen gemäss Stufe 1 oder 2
berücksichtigt. Diese Einstufung werde seinem umfangreichen Bedarf an
Unterstützung nicht gerecht. Die Beschwerdegegnerin habe ihr Ermessen grob verletzt.
Andere IV-Stellen gewährten bei einer Sehbehinderung und bei einer Entschädigung
wegen einer Hilflosigkeit leichten Grades einen Assistenzbeitrag entsprechend einem
Bedarf von etwa 45 Stunden pro Monat. Konkret sei der Assistenzbedarf bezüglich der
folgenden Punkte zu tief geschätzt worden: Beim An- und Auskleiden, beim Essen und
Trinken, bei der Zahnpflege, beim Zusatzaufwand betreffend die alltäglichen
Lebensverrichtungen (Augentropfen), bei den Verwaltungsarbeiten, bei der Zubereitung
der täglichen Mahlzeiten, beim Einkaufen, bei den anderen Besorgungen, beim
Transport sowie bei Reisen und Ferien. Die Berücksichtigung eines Abzuges für die
Mithilfe der Lebenspartnerin sei unzulässig, da diese ebenfalls blind sei und dem
Beschwerdeführer nicht helfen könne.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 27. Oktober 2017 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung führte sie aus, sie habe den massgebenden
Assistenzbedarf gemäss den Verwaltungsweisungen anhand eines Augenscheins
„individuell und zuverlässig ermittelt“. Beim An- und Ausziehen benötige der
Beschwerdeführer nur eine indirekte Hilfe, weshalb er diesbezüglich nur einen
„punktuellen Hilfebedarf“ habe. Beim Essen und Trinken habe die Beschwerdegegnerin
bereits die höchstzulässige Stufe gemäss den Verwaltungsweisungen berücksichtigt.
Für das Zähneputzen könne sich der Beschwerdeführer eine elektrische Zahnbürste
anschaffen. Bei den alltäglichen Lebensverrichtungen seien alle vom Beschwerdeführer
erwähnten Hilfeleistungen bereits berücksichtigt. Weshalb der Beschwerdeführer die
Augentropfen nicht selbständig sollte anwenden können, sei nicht nachvollziehbar.
Bezüglich der Administration sehe der „FAKT2“ für Sehbehinderte keine höhere als die
Stufe 1 vor. Auch für die Zubereitung der Mahlzeiten könne höchstens die Stufe 1
berücksichtigt werden, denn Sehbehinderte und Blinde könnten das Kochen in
spezifischen Kursen erlernen. Die Reduktion wegen der Mithilfe der Lebenspartnerin sei
ebenfalls rechtmässig, denn auch in einem Haushalt mit zwei Sehbehinderten könne
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eine Aufgabenteilung vorgenommen werden, die beiden Partnern zugutekomme. Auch
bezüglich der Mobilität und des Hilfebedarfs bei Reisen stimme die jeweils
angewendete Stufe mit den Angaben des Beschwerdeführers überein.
B.c Der Beschwerdeführer hielt am 5. Dezember 2017 an seinen Anträgen fest (act. G
7). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 9).

Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin hat ihre Verfügung vom 28. Juni 2017 widerrufen. Ein solcher
Widerruf während der laufenden Beschwerdefrist ist gemäss dem Art. 53 Abs. 3 ATSG
voraussetzungslos zulässig. Die zweite Verfügung vom 4. Juli 2017 hat die erste,
widerrufene Verfügung vom 28. Juni 2017 integral ersetzt, was bedeutet, dass das
Verwaltungsverfahren erst mit dieser Verfügung vom 4. Juli 2017 abgeschlossen
worden ist. Folglich hat die Beschwerdefrist auch erst (neu) mit der Zustellung dieser
Verfügung vom 4. Juli 2017 zu laufen begonnen, was bedeutet, dass der
Beschwerdeführer seine Beschwerde rechtzeitig erhoben hat. Da auch die übrigen
Eintretensvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.
2.
Den Auslöser des mit der angefochtenen Verfügung vom 4. Juli 2017 abgeschlossenen
Verwaltungsverfahrens hat eine sogenannte Neuanmeldung gebildet. Auf eine solche
Neuanmeldung darf gemäss dem Art. 87 Abs. 3 IVV nur eingetreten werden, wenn eine
wesentliche Veränderung des massgebenden Sachverhaltes glaubhaft gemacht
worden ist. Der Beschwerdeführer hat mit medizinischen Berichten eine wesentliche
Verschlechterung seiner Sehfähigkeit und damit eine erhebliche Zunahme seines
Hilfebedarfs im Alltag glaubhaft gemacht, wie die RAD-Ärztin Dr. C._ in einer
überzeugenden Aktenwürdigung festgehalten hat. Die Beschwerdegegnerin ist also zu
Recht auf die Neuanmeldung eingetreten. Das in der Folge eröffnete
Verwaltungsverfahren hat die umfassende Prüfung des Leistungsbegehrens zum Inhalt
gehabt. Da das vorliegende Beschwerdeverfahren eine Überprüfung der
Rechtmässigkeit jener Verfügung bezweckt, mit der dieses Verwaltungsverfahren
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abgeschlossen worden ist, muss sein Gegenstand jenem des Verwaltungsverfahrens
entsprechen. Folglich ist vorliegend umfassend zu prüfen, ob und allenfalls in welchem
Umfang der Beschwerdeführer einen Anspruch auf einen Assistenzbeitrag hat.
3.
3.1 Gemäss dem Art. 42quater IVG haben Versicherte einen Anspruch auf einen
Assistenzbeitrag, wenn sie eine Hilflosenentschädigung beziehen, wenn sie zuhause
leben und wenn sie volljährig sind. Der Assistenzbeitrag wird laut dem Art. 42quinquies
IVG für Hilfeleistungen gewährt, die von der versicherten Person benötigt und
regelmässig von einer natürlichen Person (Assistenzperson) erbracht werden. Die
Grundlage für die Berechnung des Assistenzbeitrages bildet gemäss dem Art. 42sexies
Abs. 1 IVG die für die Hilfeleistungen benötigte Zeit. Der Assistenzbeitrag soll also jene
Zeit entschädigen, die eine Assistenzperson im konkreten Einzelfall aufwenden muss.
In der Praxis wird der Assistenzbedarf minutengenau ermittelt und entsprechend auf
fünf Rappen genau festgesetzt. Darin unterscheidet sich der Assistenzbeitrag
wesentlich von der Hilflosenentschädigung, bei der nur zwischen drei Stufen einer
Hilflosigkeit unterschieden wird. Weil bei der Festsetzung der Hilflosenentschädigung
nur danach gefragt wird, ob eine Hilflosigkeit leichten, mittleren oder schweren Grades
vorliegt, kann der Hilfebedarf weitgehend pauschaliert ermittelt werden. Für das
schematische, pauschalierte Ergebnis spielt es mit anderen Worten keine Rolle, wie
hoch der für die notwendigen Hilfeleistungen erforderliche zeitliche Aufwand genau ist.
Das ist beim Assistenzbeitrag anders, denn entscheidend für dessen Höhe ist, wie viel
Zeit genau eine Assistenzperson aufwenden muss, um die notwendige Hilfeleistung zu
erbringen. Die Frage nach dem individuellkonkreten Zeitaufwand lässt sich aber nur
beantworten, wenn ganz genau feststeht, wie hoch der einzelfallspezifische
Assistenzbedarf ist. Mit jeder Pauschalierung oder Schematisierung wird die
Beantwortung der Frage nach dem individuell-konkreten Zeitaufwand erschwert, denn
bei einer Pauschalierung oder Schematisierung wird auf einen – nicht massgebenden –
gewöhnlichen Durchschnittsfall statt auf den – allein massgebenden – konkreten
Einzelfall abgestellt. Für die Festsetzung eines Assistenzbedarfs darf deshalb gemäss
der Rechtsprechung des St. Galler Versicherungsgerichtes (vgl. die Entscheide IV
2012/133 vom 8. Mai 2013 und IV 2014/101 vom 19. Januar 2016) und des
Bundesgerichtes (Urteil 8C_161/2016 vom 26. August 2016, E. 3.1.2) nicht auf
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standardisierte beziehungsweise pauschalierte Vorgaben abgestellt werden. Vielmehr
müssen sämtliche Umstände des konkreten Einzelfalls ermittelt werden. Ob die
Ergebnisse der Sachverhaltsabklärung, die in aller Regel einen Augenschein beinhalten
muss, in einem „gewöhnlichen“ Abklärungsbericht oder im „FAKT2“ erfasst werden, ist
dabei nicht entscheidend. Das „FAKT2“-Formular erleichtert eine umfassende und
systematische Befragung, weil es die entscheidenden Fragen thematisch gegliedert
vorgibt, aber gleichzeitig verführt es zu einer rudimentären, letztlich ungenügenden
Protokollierung, weil es auch typische Standardantworten vorgibt, die von der
Abklärungsperson anstelle einer wortwörtlichen Wiedergabe der Aussagen der
versicherten Person verwendet werden können. Das „FAKT2“ dürfte allerdings auch
eine wortwörtliche Wiedergabe der Aussagen der versicherten Person und eine
ausführliche Protokollierung der Ergebnisse eines Augenscheins erlauben. Richtig
verwendet kann das „FAKT2“ also ein durchaus hilfreiches Abklärungsinstrument sein.
Entscheidend ist jedenfalls, dass jede Punktvergabe im „FAKT2“ sorgfältig mit den
Ergebnissen des Augenscheins und den Aussagen der versicherten Person begründet
werden muss. Das bedingt eine Abklärung an Ort und Stelle, die mit der gleichen
Sorgfalt wie jene für die Festsetzung eines Intensivpflegezuschlages zu einer
Hilflosenentschädigung für einen Minderjährigen durchgeführt wird.
3.2 Die Beschwerdegegnerin hat zur Ermittlung des Hilfebedarfs des
Beschwerdeführers vorliegend eine Abklärung in dessen Wohnung durchgeführt. Dabei
hat es sich aber offensichtlich nicht um einen Augenschein, sondern nur um eine
Befragung des Beschwerdeführers gehandelt, wobei sich die Fragestellung sehr
weitgehend an den Vorgaben des „FAKT2“ orientiert hat. Die Antworten des
Beschwerdeführers sind teilweise in den dafür vorgesehenen Textfeldern
(„Bemerkungen“) notiert worden; der Abklärungsbeauftragte hat diese aber nicht
wortwörtlich, sondern nur sinngemäss festgehalten. Bei den meisten Bemerkungen hat
er anstatt einer eigenen Formulierung die passendste Standardformulierung des
„FAKT2“ verwendet, die er teilweise leicht ergänzt hat. So sieht das „FAKT2“
beispielsweise für einen Hilfebedarf „Stufe 1“ beim Zusammenstellen der Kleider oder
beim Wäschewechsel sechs „Standardfälle“ vor: „A – einzelne Kleidungsstücke
müssen gereicht werden (...); B – versicherte Person kann sich Kleider selbst nehmen,
Anleitung oder Kontrolle aber notwendig; (...) F – muss auf Flecken aufmerksam
gemacht werden; Hilfe bei Farbzusammenstellung (trotz Hilfsmittel)“ (vgl. IV-act. 322–
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1). Das Textfeld „Bemerkungen“ zu dieser Kategorie enthält die Angabe: „F – muss auf
Flecken aufmerksam gemacht werden; Hilfe bei Farbzusammenstellung; versicherte
Person hat ein altes Farberkennungsgerät, ist jedoch nicht glücklich damit“ (vgl. IV-act.
322–1). Der Abklärungsbericht enthält damit nur einen Teil jener Angaben, die
erforderlich sind, um den berücksichtigten Zeitaufwand nachvollziehen zu können. Bei
mehreren Positionen fehlt dagegen eine sorgfältige Begründung für die Punktevergabe:
Der Bericht enthält weder Hinweise auf die Ergebnisse eines (wohl nicht
durchgeführten) Augenscheins noch wortgetreu wiedergegebene Angaben des
Beschwerdeführers, anhand derer nachvollzogen werden könnte, wie der
berücksichtigte Zeitaufwand festgesetzt worden ist. So besteht beispielsweise der
Verdacht, dass der für das Zusammenstellen der Kleider berücksichtigte Hilfebedarf zu
tief sein dürfte, weil der Beschwerdeführer ja seine Kleidung nicht farblich stimmig
auswählen kann und weil er die gerade aktuelle Witterung nicht so wahrnehmen kann,
dass er seine Kleidung zuverlässig witterungsadaptiert auswählen kann. Schwer
vorstellbar ist auch, dass der Beschwerdeführer sein Essen soll selbständig schöpfen
können. Auch der Einwand des Beschwerdeführers, er sei auf eine Hilfe bei der
Anwendung von Augentropfen angewiesen, kann ausgehend von der allgemeinen
Lebenserfahrung nicht ohne Weiteres von der Hand gewiesen werden. Diese nicht
abschliessend angeführten Beispiele zeigen, dass der von der Beschwerdegegnerin
berücksichtigte Assistenzbedarf insgesamt wohl zu tief ausgefallen sein dürfte, dass
der tatsächliche Assistenzbedarf aber mangels hinreichender Angaben im
Abklärungsbericht nicht bemessen werden kann. Mit anderen Worten erweist sich der
Sachverhalt als ungenügend abgeklärt. Die angefochtene Verfügung ist folglich in
Verletzung der Untersuchungspflicht ergangen (Art. 43 Abs. 1 ATSG), weshalb sie als
rechtswidrig aufgehoben werden muss. Die Beschwerdegegnerin wird eine erneute
Abklärung an Ort und Stelle durchführen, das heisst sie wird einen Augenschein
vornehmen und den Beschwerdeführer eingehend zu seinem Assistenzbedarf
befragen. Sie wird die Ergebnisse des Augenscheins detailliert festhalten und die
Angaben des Beschwerdeführers wortgetreu protokollieren (was natürlich nicht
ausschliesst, dass sie sich zur Überzeugungskraft dieser Angaben äussert).
Anschliessend wird sie den Assistenzbedarf neu bemessen, wobei sie jede einzelne
Punktvergabe sorgfältig mit den Ergebnissen der Abklärung an Ort und Stelle
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begründen wird. Sie wird darauf bedacht sein, Pauschalierungen und
Schematisierungen zu vermeiden.
3.3 Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die Berücksichtigung eines Abzuges für
allfällige Hilfeleistungen durch die Lebenspartnerin des Beschwerdeführers
rechtswidrig ist. Der Art. 42sexies IVG sieht nämlich keine Reduktionen des
Assistenzbeitrages wegen der Mithilfe eines Familienangehörigen oder eines
Mitbewohners vor; in Abzug gebracht werden darf nur jene Zeit, die der
Hilflosenentschädigung, den Beiträgen für Dienstleistungen Dritter anstelle eines
Hilfsmittels und dem für die Grundpflege ausgerichteten Beitrag der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung an Pflegeleistungen entspricht. Der Gesetzgeber hat also
bewusst die Berücksichtigung einer „Schadenminderungspflicht“ in der Form der
Mithilfe von Familienangehörigen ausgeschlossen. Die Berücksichtigung eines Abzugs
wegen einer möglichen Mithilfe durch eine der versicherten Person nahestehende
Drittperson dürfte also gegen die klare gesetzliche Regelung verstossen. Hinzu kommt,
dass die Idee, eine vollständig blinde Drittperson könne einen Teil jener Hilfestellungen
leisten, die eine versicherte Person wegen ihrer Sehbehinderung benötigt, absurd ist.
Die entsprechenden „Reduktionen“ müssen folglich aus der Berechnung des
massgebenden Assistenzbedarfs entfernt werden.
4.
Die angefochtene Verfügung ist also in teilweiser Gutheissung der Beschwerde
aufzuheben und die Sache ist zur weiteren Abklärung und zur anschliessenden neuen
Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Praxisgemäss gilt dieser
Verfahrensausgang hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen als ein
vollständiges Obsiegen der beschwerdeführenden Partei. Die Gerichtskosten von 600
Franken sind folglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Dem Beschwerdeführer
wird der von ihm geleistete Kostenvorschuss zurückerstattet. Der nicht anwaltlich
vertretene Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.