Decision ID: 4500f76e-ff1c-54f4-aabe-9af27c1b26d1
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 10. Dezember 2013 unter
Hinweis auf seit April 2000 bestehende Angstzustände und Depressionen mit
versuchtem Suizid bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum
Leistungsbezug an (IV-act. 2-5). Kurz nach dem erwähnten Beginn des
Gesundheitsschadens hatte sie am 1. Juli 2000 eine Stelle als Sekretärin bei der X._
angetreten, welche sie bis Ende Mai 2007 ausgeübt hatte (IV-act. 6-3). Zuletzt hatte sie
ihren Angaben in der IV-Anmeldung zufolge vom 1. März 2010 bis 31. Oktober 2011
mit 40%- und vom 1. November 2011 bis 31. Mai 2012 mit 30%igem Arbeitspensum
als Sachbearbeiterin für die B._ AG gearbeitet (IV-act. 2-5; vgl. auch Fragebogen für
Arbeitgebende in IV-act. 16-2) und anschliessend vom 1. Juni 2012 bis 18. Dezember
2013 im Umfang von 50 % Arbeitslosenentschädigung bezogen (IV-act. 2-4; vgl. auch
Fragebogen zur Arbeitslosigkeit in IV-act. 12-2). Während dieser Zeit absolvierte sie
vom 4. März bis 30. August 2013 beim C._ ein Einsatzprogramm (IV-act. 25-5) und
im Anschluss bis 11. Dezember 2013 beim D._ (IV-act- 25-4). Hinsichtlich ihrer
medizinischen Betreuung erklärte sie, seit 2009 bei Dr. med. E._ in hausärztlicher und
von 2009 bis 2011 bei Dr. med. F._ sowie ab 2011 bei dessen Praxisnachfolger Dr.
med. G._ in psychiatrischer Behandlung zu stehen bzw. gestanden zu haben (IV-act.
2-6; vgl. auch IV-act. 34-2). Der IV-Anmeldung war ein durch Dr. G._ ausgestelltes
Zeugnis vom 23. Oktober 2013 über eine Arbeitsunfähigkeit von 60 % für die Zeit vom
6. Februar 2012 bis 23. Oktober 2013 beigelegt (IV-act. 7).
A.a.
Dr. G._ nannte mit Ärztlichem Bericht zur Eingliederung vom 20. Januar 2014 die
Diagnosen Angst und depressive Störung gemischt, Persönlichkeitsakzentuierung mit
A.b.
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selbstunsicheren und abhängigen Zügen sowie ADHS mit Beginn in der Kindheit und
erklärte, die Versicherte könnte leichte bis mittelschwere körperliche Tätigkeiten, Büro
arbeit, Aushilfsarbeiten für ca. 4 bis 6 Stunden pro Tag bewältigen. Die Arbeitsfähigkeit
werde durch mangelndes Selbstvertrauen, reduzierte Konzentrationsfähigkeit,
Belastbarkeit, Ausdauer sowie wiederholte negative Erfahrungen bei der Stellensuche
beeinträchtigt (IV-act. 17-1). Der Hausarzt Dr. E._ nannte am 13. März 2014 als
Diagnosen eine depressive Erkrankung sowie ADHS und verwies im Übrigen auf Dr.
G._ (IV-act. 24).
Am 14. März 2014 fand ein Gespräch zwischen der Versicherten und einer
Eingliederungsverantwortlichen der IV statt (vgl. Assessmentprotokoll in IV-act. 31).
Dabei erklärte die Versicherte, dass sie seit Januar 2014 über das Sozialamt für das
H._ in einem 50 %-Pensum tätig sei. Vor der Auswanderung nach I._, wo sie ihren
Angaben zufolge von Oktober 200_ bis April 200_ gelebt hatte (IV-act. 2-3), habe sie
immer 100 % gearbeitet (IV-act. 31-2 f.). Sie würde gerne wieder im Bürobereich
arbeiten, nicht im Verkauf. Die Eingliederungsverantwortliche schätzte die Versicherte
als motiviert zu arbeiten ein, wobei die Versicherte ihre Grenze bei 50 % sehe (IV-act.
31-3).
A.c.
Dr. G._ erklärte mit am 14. Mai 2014 bei der IV-Stelle eingegangenem
Verlaufsbericht, die Versicherte könnte in einfachen, adaptierten Tätigkeiten 4 Stunden
am Tag 100 % Leistung erbringen (IV-act. 34-4). Die 50%ige Arbeitsfähigkeit bestehe
seit dem 24. Oktober 2013. Als ärztlichen Befund nannte er Aufmerksamkeits- und
Konzentrationsprobleme, reduzierte psychophysische Belastbarkeit und Ausdauer,
rezidivierende depressive Einbrüche mit Antriebslosigkeit sowie soziale Ängste (IV-act.
34-3).
A.d.
Im Mai/Juni 2014 unterzeichneten die Versicherte, die IV-Stelle und die J._ AG
einen Eingliederungsplan Arbeitsvermittlung für 6 Monate mit dem Ziel einer
Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt (IV-act. 37). Am 4. Juli 2014 erliess die IV-
Stelle die entsprechende Mitteilung (IV-act. 39). Die J._ AG versuchte die Versicherte
auf Stellen in der Sachbearbeitung oder im Verkauf zu vermitteln (vgl.
Bewerbungsprotokoll in IV-act. 48) und es wurde eine Weiterbildung zur Pflegehelferin
thematisiert (vgl. Verlaufsprotokoll in IV-act. 50-4 ff.). Im Januar 2015 kamen die für die
A.e.
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Versicherte zuständigen Personen bei der J._ AG zum Schluss, dass diese sich in
den bestehenden Strukturen (Tätigkeit im geschützten Rahmen beim Y._, Betreuung
durch J._ AG) so eingerichtet habe, dass sie eigentlich gar keine Veränderung
möchte (IV-act. 50-6 f., Einträge vom 20. Januar und vom 26. Januar 2015). Im Verlauf
wurde eine Tätigkeit für die Versicherte gefunden als Hilfspflegerin mit 50 - 60%igem
Pensum. Die Umsetzung verzögerte sich jedoch wegen einer Krankschreibung auf
unbestimmte Zeit. Die J._ AG zog den Schluss, dass die Versicherte ihrer
Mitwirkungspflicht mit gutem Einsatz nachgekommen sei, konkrete und langfristige
Änderungen jedoch noch nicht umsetzen könne oder wolle (IV-act. 50-11, Eintrag vom
25. Februar 2015). Vor diesem Hintergrund schloss die IV-
Eingliederungsverantwortliche den Fall ab (IV-act. 51-5).
Dr. G._ erklärte am 12. Juni 2015, die Diagnosen seien unverändert (IV-act.
56-5). Die Versicherte habe sich von der J._ AG zunehmend unter Druck gesetzt
gefühlt, eine Tätigkeit als Hilfspflegerin anzunehmen, welche ihr absolut nicht zusage.
Schliesslich habe sie diesem Druck nicht mehr Stand gehalten und depressiv
dekompensiert, was eine vollständige Krankschreibung und für die Zeit von Januar bis
März 2015 die Erhöhung der Frequenz der psychotherapeutischen Sitzungen auf
einmal pro Woche erfordert habe (IV-act. 56-6). Versagensängste würden die
persönlichkeitsbedingte Unsicherheit verstärken und mittelfristig zu körperlichen
Symptomen führen, welche immer wieder Arbeitsausfälle nach sich zögen (IV-act.
56-7). Die Versicherte könnte mit einem 50 %-Pensum auf dem 2. Arbeitsmarkt die
volle Leistung erbringen (IV-act. 56-8). Ein niederschwelliges Beschäftigungsprogramm
zur Selbstwertsteigerung wäre sehr sinnvoll (IV-act. 56-6).
A.f.
Mit Mitteilung vom 28. August 2015 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch der
Versicherten auf weitere berufliche Massnahmen (IV-act. 61).
A.g.
Auf Nachfrage der IV-Stelle erklärte die Versicherte mit E-Mail vom 15. September
2015, wenn sie gesund wäre, würde sie ein Arbeitspensum von 100 % erfüllen (IV-act.
63).
A.h.
Vom 15. Oktober 2015 bis 22. Januar 2016 war die Versicherte in der
Psychiatrischen Klinik K._ hospitalisiert. Der Eintritt erfolgte auf Veranlassung des
A.i.
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behandelnden Psychiaters, nachdem die Versicherte nach Entfernung der Gebärmutter
im März 2015 30 von 90 Kilogramm abgenommen hatte (IV-act. 68-1). Dem
Austrittsbericht vom 5. Februar 2016 ist die Diagnose rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom vor dem
Hintergrund einer dependenten-unsicheren Persönlichkeitsstörung, zu entnehmen (IV-
act. 68-1). Die Arbeitsfähigkeit bei Austritt wurde von den berichtenden Ärzten mit 0 %
beziffert (IV-act. 68-4). Vom 8. Februar bis 6. Mai 2016 stand die Versicherte in
Behandlung in der Psychiatrischen Tagesklinik L._ und war in ein multimodales
Programm mit regelmässigen ärztlichen und bezugspflegerischen Gesprächen
eingebunden. Mit Bericht vom 3. Mai 2016 erklärten die dort für die Versicherte
zuständigen Ärzte, aktuell zeige sich eine leichte Verbesserung der depressiven
Symptomatik (IV-act. 80-1). Es bestehe weiterhin eine mangelnde Belastbarkeit mit
schneller Überforderung mit Insuffizienzgefühlen, Leistungsminderung sowie eine
leichte kognitive Störung in Form von Konzentrations-, Auffassungs- und
Gedächtnisstörungen. Diese Symptomatik sei während des Aufenthalts bemerkbar
gewesen. Zu diesem Zeitpunkt erscheine eine Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit
auf dem 1. Arbeitsmarkt aufgrund der psychopathologischen Beschwerden, des
Therapieverlaufs und der Krankheitsanamnese unwahrscheinlich. Es werde eine
schrittweise Integration in geschütztem Rahmen mit anfänglich ca. 3 bis 4 Stunden pro
Tag empfohlen (IV-act. 80-4). Dies bei der Diagnose rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode ohne somatisches Syndrom (IV-act. 80-1). Mit
Austrittsbericht vom 12. Juli 2016 wurde der Versicherten eine 20%ige Arbeitsfähigkeit
auf dem 2. Arbeitsmarkt attestiert (IV-act. 84-50).
Am 2., 4. und 5. August 2016 wurde die Versicherte im Auftrag der IV-Stelle (vgl.
IV-act. 79 sowie 81) im BEGAZ Begutachtungszentrum BL (nachfolgend: BEGAZ) in
den Disziplinen Allgemeine Innere Medizin, Psychiatrie und Neuropsychologie
abgeklärt (IV-act. 84-4). Dem Gutachten vom 12. August 2016 sind die Diagnosen
rezidivierende depressive Störung, aktuell remittiert, Verdacht auf
Persönlichkeitsstörung mit unsicheren und dependenten Zügen sowie leichte bis
mittelschwere kognitive Funktionsstörung zu entnehmen (IV-act. 84-43). Es könne
angenommen werden, dass durch die zwischenzeitliche Besserung ab
Untersuchungsdatum wieder eine teilweise Arbeitsfähigkeit von 50 % für einfach
A.j.
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strukturierte Tätigkeiten ohne Übernahme von Verantwortung möglich sein sollte.
Aufgrund der angegebenen Ängste und der Unsicherheit sei die Versicherte noch nicht
voll belastbar und benötige Erholungsphasen. Auch sei zu berücksichtigen, dass die
Versicherte schon mehrjährig keiner regelmässigen Arbeit mehr nachgehe und
entwöhnt sei. Es sei deshalb zuerst ein Arbeitstraining notwendig. In der Besorgung
des Haushaltes bestehe keine Einschränkung (IV-act. 84-46).
Am 11. August 2016 wurde die Versicherte mit einer Medikamentenintoxikation in
suizidaler Absicht notfallmässig ins Kantonsspital St. Gallen (KSSG) eingeliefert (IV-act.
105-1 f.). Am 12. August 2016 wurde sie fürsorgerisch in der Psychiatrischen Klinik
K._ untergebracht, wo sie im Anschluss bis 13. September 2016 hospitalisiert war
(IV-act. 89, 105-2). Dem Austrittsbericht vom 26. September 2016 ist die Diagnose
einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode: mit
somatischem Syndrom vor dem Hintergrund einer dependenten-unsicheren
Persönlichkeitsstörung, zu entnehmen (IV-act. 89-1). Beim Austritt wurden leichte
Konzentrationsstörungen, eine normale Schwingungsfähigkeit, ein als leicht ratlos zum
depressiven Pol hin verschobener Affekt und ein leicht reduzierter Antrieb beschrieben
(IV-act. 89-3).
A.k.
Dr. med. M._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom Regionalen
Ärztlichen Dienst (RAD) hatte zwischenzeitlich am 18. August 2016 zum Gutachten des
BEGAZ Stellung genommen und erklärt, das Gesamtgutachten und insbesondere das
psychiatrische Teilgutachten würden Mängel aufweisen. In der vorliegenden Form
könne aus versicherungsmedizinischer Sicht eine auf dieses Gutachten gestützte
Leistungsentscheidung nicht empfohlen werden (IV-act. 86-3 f.).
A.l.
Am 14. Oktober 2016 ersuchte die IV-Stelle das BEGAZ um Stellungnahme (IV-
act. 92), welche am 26. Oktober 2016 erstattet wurde. Darin wurde festgehalten, dass
die Versicherte mittlerweile einen jahrelangen Verlauf mit wiederholten intensiven
Behandlungsmassnahmen und erneutem Versuch einer Arbeit aufweise, was
regelmässig misslungen sei, da sie teilweise mit depressiven Zuständen reagiert habe.
Zudem weise sie neurokognitive Beeinträchtigungen auf. Aufgrund dieser Erfahrungen
und der Gefahr, dass sie erneut depressiv dekompensieren könnte, sei anzunehmen,
dass zurzeit keine höhere Arbeitsfähigkeit als 50 % vorliege (IV-act. 93-1 f.). Hierzu
A.m.
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nahm RAD-Arzt Dr. M._ am 15. November 2016 Stellung. Er erachtete die
Begründung der Arbeitsfähigkeit noch immer als ungenügend und empfahl die
Einholung eines psychiatrischen Gutachtens (IV-act. 96).
Am 31. Januar 2017 beauftragte die IV-Stelle Dr. med. N._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, mit der Begutachtung der Versicherten (IV-act. 99).
A.n.
Am 20. Februar 2017 berichteten die zuständigen Ärzte der Klinik O._ über einen
stationären Aufenthalt der Versicherten vom 14. Dezember 2016 bis 24. Januar 2017.
Sie nannten die Diagnosen rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode, kombinierte und andere Persönlichkeitsstörung mit emotional
instabilen und abhängigen Anteilen, einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung
sowie atypische Anorexia nervosa (IV-act. 103-1). Die Arbeitsfähigkeit betrage 0 % für
jegliche Form von Tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt, auch längerfristig. Lediglich
eine geschützte Beschäftigung sei zumutbar und auch sinnvoll. Die Versicherte habe
die stationäre Behandlung wegen verstärkter depressiver Symptomatik und latenter
Suizidalität aufgenommen. Sie habe über Kraft- und Energielosigkeit geklagt, auch
habe selbstverletzendes Verhalten vorgelegen (IV-act. 103-2). Die Psychopathologie
bei Austritt wurde unter anderem mit leichten Konzentrationsstörungen, leicht
reduziertem Antrieb, deprimierter Grundstimmung und vermehrter innerer Unruhe
beschrieben (IV-act. 103-3).
A.o.
Am 15. Mai 2017 wurde die Versicherte von Dr. N._ und in dessen Auftrag am
10. Juli 2017 von Dipl.-Psych. Dipl.-Inf.-Wiss. P._, Fachpsychologe für
Neuropsychologie FSP, untersucht (IV-act. 108 und 111). Dem neuropsychologischen
Teilgutachten vom 12. Juli 2017 ist zu entnehmen, dass aus neuropsychologischer
Sicht mittelschwere bis schwere kognitive Funktionsbeeinträchtigungen in den
Bereichen Aufmerksamkeit und Konzentration, Lernen und Gedächtnis des figuralen
Lernens, der Exekutivfunktionen und der visuellen Wahrnehmung bestünden. Die
neuropsychologischen Leistungen seien zum gegenwärtigen Zeitpunkt mittelschwer bis
schwer beeinträchtigt (IV-act. 111-12). Aufgrund der festgestellten
neuropsychologischen Störung ergebe sich ein Grad der Arbeitsunfähigkeit von 80 %.
Es könnten nur noch sehr einfache Arbeiten unter intensiver Supervision ausgeführt
werden. Die Versicherte falle in ihrem sozialen Umfeld deutlich auf. Einfache Tätigkeiten
A.p.
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seien unter Umständen in einer geschützten Werkstatt noch möglich (IV-act. 111-13).
Die Testleistungen könnten als valide betrachtet werden, da keine Hinweise auf eine
bewusstseinsferne Verdeutlichungstendenz, auf eine bewusstseinsnahe Aggravation
oder auf eine Simulation hätten festgestellt werden können (IV-act. 111-11).
Aufgrund dieses neuropsychologischen Gutachtens leitete Dr. N._ eine
Demenzabklärung über den Hausarzt der Versicherten ein (IV-act. 112). Ein MR des
Schädels vom 17. August 2017 zeigte gemäss Dr. med. Q._, Radiologie, im Vergleich
zur Voruntersuchung vom 10. August 2010 keine wesentliche morphologische
Befundänderung sowie: "Keine progrediente Atrophie, kein Anhalt eines primären
neurodegenerativen Prozesses, keine signifikante vaskuläre Enzephalopathie, keine
intrazerebrale Raumforderung, keine Hirndruckzeichen. Schädeldysplasieaspekt.
Dezenter Kleinhirntonsillentiefstand. Keine Liquorzirkulationsstörung" (IV-act. 114). Am
8. Januar 2018 wurde die Versicherte in der Memory Clinic der Geriatrischen Klinik
R._ abgeklärt (IV-act. 128-1). Dem Bericht vom 23. Januar 2018 ist zu entnehmen,
dass sich im Rahmen der Anamneseerhebung und der neuropsychologischen Testung
vereinzelt Auffälligkeiten gezeigt hätten, primär in der Aufmerksamkeitsfunktion. Im
Gespräch hätten sich Hinweise für eine depressive Verstimmung manifestiert, welche
durch eine erhöhte Punktzahl in der Depressionsskala habe bestätigt werden können.
Die Auffälligkeiten seien am ehesten im Rahmen der Depression und des ADHS zu
werten (IV-act. 128-3).
A.q.
Nachdem Dr. N._ die Versicherte am 13. Februar 2018 erneut untersucht hatte,
erstattete er am 24. Mai 2018 sein psychiatrisches Gutachten (IV-act. 137). Diesem
sind keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen. Solche
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig remittiert, sowie eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung
(IV-act. 137-88). Aufgrund der Letzteren würden Einschränkungen der Aufmerksamkeit
bestehen, diese hätten aber nie zu gravierenden Einschränkungen der
Leistungsfähigkeit geführt. Vorübergehend sei die Problematik durch die rezidivierende
depressive Störung akzentuiert gewesen, es fänden sich aber keine Hinweise dafür,
dass längere Zeit eine zumindest mittelgradige depressive Episode bestanden habe
(IV-act. 137-88 f.). Bei der Diskussion der Vorakten erklärte Dr. N._, es falle auf, dass
erst nach dem Abbruch von Eingliederungsmassnahmen, die im Wesentlichen an der
A.r.
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subjektiven Einschätzung der Versicherten gescheitert seien, eine sehr viel
gravierendere psychiatrische Erkrankung diagnostiziert und eine anhaltend 100%ige
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründet worden sei. Dies sei so nicht plausibel,
weil dies mit zwei Störungen begründet werde, die per Definition seit der Kindheit oder
dem jungen Erwachsenenalter anhaltend beständen. Im Vorgutachten werde mit einer
remittierten rezidivierenden depressiven Störung und dem Verdacht auf eine
Persönlichkeitsstörung eine 50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründet,
was sicherlich nicht plausibel sei. Mit einer Verdachtsdiagnose lasse sich formal keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen und mit einer rezidivierenden
depressiven Störung, die remittiert sei, lasse sich eine gravierende Einschränkung
ebenfalls nicht begründen. Es bestehe bei dieser Störung grundsätzlich die Gefahr,
dass auch in Zukunft eine depressive Episode auftrete, man könne insgesamt von einer
etwas verminderten emotionalen Belastbarkeit ausgehen. In den Tätigkeiten, welche für
die Versicherte in Frage kommen würden, lasse sich aber damit eine Einschränkung
nicht begründen (IV-act. 137-91). Die rezidivierende depressive Störung sei remittiert,
die einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung sei nie so stark ausgeprägt
gewesen, dass sich damit eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen lasse.
Deshalb könne medizinisch-theoretisch eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
insgesamt nicht begründet werden. Abgesehen von den Klinikaufenthalten, während
denen eine 100%ige Einschränkung der Arbeitsunfähigkeit bestanden habe, sei dies
auch früher nicht der Fall gewesen (IV-act. 137-92 f.). Dieses Gutachten wurde am 1.
Juni 2018 von RAD-Arzt Dr. med. S._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
als beweiswertig qualifiziert (IV-act. 138).
Mit Vorbescheid vom 5. Juni 2018 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie
bei einem Invaliditätsgrad von 0 % (Erwerbstätigkeit 50 %, Haushalt 50 %, je keine
Einschränkung) keinen Anspruch auf eine Invalidenrente habe (IV-act. 141).
A.s.
Am 11. Juli 2018 erhob Rechtsanwältin lic. iur. N. Ley, St. Gallen, als
Rechtsvertreterin der Versicherten Einwand gegen den Vorbescheid (IV-act. 145). Zu
diesem Einwand nahm RAD-Arzt Dr. S._ am 13. Juli 2018 Stellung (IV-act. 146). Am
16. Juli 2018 verfügte die IV-Stelle entsprechend dem Vorbescheid die Abweisung des
Rentenbegehrens (IV-act. 147).
A.t.
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B.
Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegend zu beurteilende Beschwerde
vom 14. September 2018, mit welcher die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin), vertreten durch Rechtsanwältin Ley, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge die Zusprache einer Invalidenrente beantragte. Gleichzeitig
ersuchte sie darum, ihr die unentgeltliche Rechtspflege und -verbeiständung zu
gewähren (act. G1).
B.a.
Am 29. Oktober 2018 reichte Rechtsanwältin Ley einen ausführlichen Bericht von
Dr. G._ vom 16. Oktober 2018 zu den Akten (act. G 6 und G 6.2). Darin stellte der
Psychiater die Diagnosen einer selbstunsicheren und dependenten
Persönlichkeitsstörung sowie einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung
(act. G6.2 S. 2).
B.b.
Am 7. November 2018 erstattete die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
ihre Beschwerdeantwort und beantragte Abweisung der Beschwerde (act. G8).
Gleichzeitig reichte sie eine Stellungnahme von RAD-Arzt Dr. S._ vom 18. Oktober
2018 zum Bericht von Dr. G._ vom 16. Oktober 2018 ein (act. G8.1).
B.c.
Am 16. November 2018 wurde der Beschwerdeführerin die unentgeltliche
Rechtspflege gewährt (act. G9).
B.d.
Mit Replik vom 4. März 2019 hielt die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin an
ihren Anträgen fest (act. G15).
B.e.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 27. März 2019 auf die Einreichung einer
Duplik (act. G17).
B.f.
Am 26. November 2020 teilte das Gericht den Parteien mit, dass es ein
Gerichtsgutachten als notwendig erachte (act. G20).
B.g.
Nachdem die Parteien Gelegenheit zur Stellungnahme hatten (act. G21 f.), erteilte
das Gericht der Psychiatrie T._, Z._, am 9. Dezember 2020 den
Begutachtungsauftrag (act. G23).
B.h.
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Mit Gutachten vom 26. Mai 2021 nannte Dr. med. univ. U._, Z._, als Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine ängstlich vermeidende
Persönlichkeitsstörung. Ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert. Aufgrund der
psychopathologischen Auffälligkeiten im Rahmen der Persönlichkeitsstörung sei von
einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % bezogen auf eine 100 %-Stelle sowohl für die
Tätigkeit als Verkäuferin als auch als Sekretärin auszugehen. Eine tägliche Arbeitszeit
von bis zu 4 bis 5 Stunden sollte aus psychiatrischer Sicht möglich sein, wobei auf
ausreichend Pausen geachtet werden sollte (act. G27 S. 106). Bezüglich eines
optimalen Arbeitsplatzes wären unter anderem Routinearbeit in einem kleinen Team mit
flachen Hierarchien, eine gewisse Entscheidungsfreiheit, kein Zeitdruck, die
Möglichkeit einer flexiblen Zeiteinteilung, abwechselnde Tätigkeiten, um eine
Monotonie zu vermeiden, zugleich kognitiv nicht zu komplexe Aufgaben,
Rückzugsmöglichkeiten sowie die Möglichkeit, zwischendurch kurze Pausen
einzulegen, wichtig (act. G27 S. 108).
B.i.
Am 1. Juni 2021 stellte das Gericht den Parteien das Z._-Gutachten inkl. den
vom Gutachter eingeholten Unterlagen zu und gab ihnen Gelegenheit zur
Stellungnahme (act. G28).
B.j.
Die Beschwerdegegnerin äusserte sich am 15. Juni 2021 dahingehend, dass RAD-
Arzt Dr. S._ mit Stellungnahme vom 10. Juni 2021 äusserst fundiert und überzeugend
begründe, wieso die von der Z._ gestellte Diagnose einer ängstlich vermeidenden
Persönlichkeitsstörung und auch die attestierte Arbeitsunfähigkeit von 50 % nicht
nachvollziehbar seien (act. G33 und G33.1).
B.k.
Am 30. Juni 2021 gewährte das Gericht Rechtsanwältin Ley Frist zur
Stellungnahme zur Eingabe der Beschwerdegegnerin (act. G34). Die Stellungnahme
datiert vom 14. Juli 2021 und lautet dahingehend, dass einzig Dr. N._ der Meinung
sei, bei der Beschwerdeführerin liege keine durch Gesundheitsschädigung bedingte
Arbeitsunfähigkeit vor. Die Beschwerdegegnerin bzw. deren RAD verteidige nach wie
vor diese einzige von einer ansehlichen Vielzahl von behandelnden Ärzten und
Gutachtenspersonen abweichende Beurteilung (act. G35).
B.l.
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Erwägungen
1.
Am 20. Juli 2021 ersuchte das Gericht die Z._ um Stellungnahme zur RAD-
Beurteilung vom 10. Juni 2021 (act. G37). Die Stellungnahme der Z._ datiert vom 26.
August 2021 (act. G38) und wurde den Parteien am 1. September 2021 zur Kenntnis
gebracht (act. G39). Hierzu liessen sich die Parteien mit Eingaben vom 2. September
2021 (act. G40) und vom 14. September 2021 (act. G42) im Sinne ihrer vorherigen
Eingaben vernehmen, wobei die Beschwerdegegnerin erneut RAD-Arzt Dr. S._
konsultiert hatte (vgl. Stellungnahme vom 7. September 2021 in act. G42.1). Diese
Eingaben wurden am 22. September 2021 je der Gegenpartei zur Kenntnis gebracht
(act. G43).
B.m.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
1.1.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens
40 % invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
1.3.
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besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente. Für die Bestimmung des
Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt
der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das
sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a). Bei der Würdigung der Einschätzungen der behandelnden Ärztinnen und
Ärzte ist darüber hinaus der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, wonach solche
nicht nur in der Funktion als Hausärzte und Hausärztinnen, sondern auch als
spezialärztlich behandelnde Medizinalpersonen im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen mitunter eher zugunsten ihrer Patienten aussagen
(Urteil des Bundesgerichts vom 27. September 2017, 8C_295/2017, E. 6.4.2, mit
weiteren Verweisen). Sie stehen in auftragsrechtlichem Verhältnis zur versicherten
Person. Da sie sich zudem in erster Linie auf die Behandlung zu konzentrieren haben,
verfolgen deren Berichte nicht den Zweck einer den abschliessenden Entscheid über
die Versicherungsansprüche erlaubenden objektiven Beurteilung des
Gesundheitszustandes (BGE 135 V 470, E. 4.5). Auf Berichte von versicherungsinternen
medizinischen Sachverständigen wie dem RAD kann dagegen generell abgestellt
werden, sofern nicht Zweifel an deren Überzeugungskraft bestehen, wobei jedoch
bereits geringe Zweifel genügen (BGE 135 V 471 E. 4.6). Von einem
Administrativgutachten eines versicherungsexternen medizinischen Sachverständigen
darf demgegenüber nur abgewichen werden, wenn konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3.b/bb). Und von einem
Gerichtsgutachten darf schliesslich nicht ohne zwingende Gründe abgewichen werden
(Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, Art. 43 N 64 mit Hinweisen).
1.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 14/23
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2.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung vom 16. Juli
2018 (IV-act. 147) auf das psychiatrische Gutachten von Dr. N._ vom 24. Mai 2018
(IV-act. 137) und die RAD-Stellungnahme vom 1. Juni 2018 (IV-act. 138). Daran brachte
die Beschwerdeführerin in der Beschwerdeschrift verschiedene Mängel vor und
erachtete das Gutachten des BEGAZ vom 12. August 2016 (IV-act. 84) und die
Stellungnahme von Dr. G._ vom 16. Oktober 2018 (act. G6.2) als massgeblich (act.
G1). Da sowohl das BEGAZ-Gutachten als auch jenes von Dr. N._ mangelhaft und
nicht hinreichend beweiskräftig sind (vgl. nachfolgend E. 3.1 und 3.2) und auch auf die
Stellungnahme von Dr. G._ nicht abgestellt werden kann (vgl. nachfolgend E. 3.4),
wurde ein Gerichtsgutachten bei der Z._ eingeholt (vgl. nachfolgend E. 4).
3.
Der fehlende Beweiswert des BEGAZ-Gutachtens begründet sich wie folgt:
Diesem Gutachten vom 12. August 2016 sind die Diagnosen rezidivierende depressive
Störung, aktuell remittiert, Verdacht auf Persönlichkeitsstörung mit unsicheren und
dependenten Zügen sowie leichte bis mittelschwere kognitive Funktionsstörung zu
entnehmen (IV-act. 84-43). Die Experten hielten fest, es könne angenommen werden,
dass durch die zwischenzeitliche Besserung ab dem Untersuchungsdatum wieder eine
teilweise Arbeitsfähigkeit von 50 % für einfach strukturierte Tätigkeiten ohne
Übernahme von Verantwortung möglich sein sollte. Aufgrund der angegebenen Ängste
und der Unsicherheit sei die Versicherte noch nicht voll belastbar und benötige
Erholungsphasen, auch sei zu berücksichtigen, dass sie schon mehrjährig keiner
regelmässigen Arbeit nachgehe. Es sei deshalb zuerst ein Arbeitstraining notwendig. In
der Haushalttätigkeit bestehe keine Einschränkung, diese verrichte sie auch
selbständig (IV-act. 84-46). Der psychiatrische Gutachter hielt unter dem Titel
"Untersuchungsbefunde" fest, die Beschwerdeführerin habe im Verhalten etwas
unsicher gewirkt, doch sei es problemlos möglich gewesen, ein entspanntes Gespräch
zu führen und guten affektiven Kontakt aufzunehmen. Die affektive Modulation sei gut
erhalten gewesen, ebenfalls die gestische und mimische Mitbeteiligung.
Psychomotorisch sei sie unauffällig gewesen. Insgesamt habe der objektivierbare
Befund nicht zu den subjektiven Angaben gepasst, indem sich die Beschwerdeführerin
als depressiv, kognitiv beeinträchtigt und antriebsarm geschildert habe, was in keiner
Weise zum Verhalten gepasst habe (IV-act. 84-19). Bei der Beurteilung erklärte er, in
der Untersuchung habe sich eine psychopathologisch praktisch unauffällige
Explorandin gefunden, die einzig im Verhalten leicht unsicher gewirkt habe, affektiv und
3.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 15/23
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kognitiv sowie psychomotorisch allerdings in keiner Weise beeinträchtigt gewesen sei
(IV-act. 84-20). Und unter dem Titel Ausprägung und Schwere der objektiven Befunde
hielt er fest, objektiv finde sich eine verunsicherte und leicht ängstliche Explorandin,
welche ansonsten psychopathologisch unauffällig sei (IV-act. 84-22). Die hier erwähnte
Ängstlichkeit hatte er jedoch seinen Ausführungen im Gutachten zufolge weder bei der
Befunderhebung noch bei der Beurteilung beobachtet, was sich negativ auf die
Nachvollziehbarkeit seiner Schlussfolgerungen auswirkt. Sodann lässt sein Gutachten
von ihm erhobene Befunde vermissen, welche die hälftige Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu erklären vermöchten. Auch lässt die
Formulierung "aufgrund der angegebenen Ängste und Unsicherheit sei die
Beschwerdeführerin noch nicht voll belastbar und benötige Erholungsphasen" bei der
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit darauf schliessen, dass der psychiatrische Gutachter
sich wohl auf die Angaben der Beschwerdeführerin und nicht auf die von ihm
erhobenen oder den Akten zu entnehmenden Befunde stützte (IV-act. 84-28). Die
neuropsychologischen Befunde wurden sodann entsprechend einer leichten bis
mittelschweren kognitiven Funktionsstörung festgestellt (IV-act. 84-39).
Neuropsychologische Testresultate reichen jedoch allein nicht aus, um Diagnosen zu
stellen und die Arbeitsfähigkeit zu beurteilen. Die entsprechenden
Untersuchungsergebnisse sind nach der Rechtsprechung im Rahmen einer
gesamthaften Beweiswürdigung nur insoweit bedeutsam, als sie überprüf- und
nachvollziehbar sind und sich in die übrigen medizinischen Abklärungsergebnisse
schlüssig einfügen (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 7. August 2009, 8C_261/2009; BGE
119 V 340 E. 2b/bb, vgl. auch Bundesgerichtsurteile vom 14. Oktober 2015,
8C_444/2015, und vom 8. Juni 2010, 8C_234/2010). Vorliegend führen die
Testresultate jedenfalls nicht dazu, dass die aus neuropsychologischer Warte in
Abweichung der psychiatrischerseits erhobenen Befunde bescheinigte
Arbeitsunfähigkeit in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einzuleuchten vermöchte. In der
Stellungnahme des BEGAZ vom 26. Oktober 2016 wurde die 50%ige
Arbeitsunfähigkeit begründet mit den Erfahrungen aus einem jahrelangen Verlauf mit
wiederholten intensiven Behandlungsmassnahmen und erneutem Versuch einer Arbeit,
was regelmässig misslungen sei, da die Beschwerdeführerin teilweise mit depressiven
Zuständen reagiert habe, sowie mit der Gefahr, dass die Beschwerdeführerin erneut
depressiv dekompensieren könnte (IV-act. 93-2). Dies weicht von der Begründung im
Gutachten ab und vermag die deutliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht zu
erklären. Insgesamt vermag dieses Gutachten wie gesagt den beweismässigen
Anforderungen nicht zu genügen.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 16/23
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Der Beweiswert des Gutachtens von Dr. N._ ist sodann aus den folgenden
Gründen zu verneinen: Dr. N._ vermochte im Gutachten vom 24. Mai 2018 keine
Diagnose zu stellen, welche Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hat. Keinen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit schrieb er einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
remittiert, und einer einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung zu (IV-act.
137-88). Die Diskussion und Herleitung der von Dr. N._ gestellten Diagnosen vermag
jedoch nicht zu überzeugen. Gemäss sämtlichen Berichten von behandelnden Ärzten
und Kliniken steht die Persönlichkeitsakzentuierung/Persönlichkeitsstörung der
Beschwerdeführerin im Vordergrund (vgl. vorstehend Sachverhalt). Dass die Diagnose
einer Persönlichkeitsstörung erst nach einer langen Beobachtungszeit gestellt wird, ist
entgegen der Ansicht von Dr. N._ (IV-act. 137-79 ff.) sehr wohl nachvollziehbar (vgl.
hierzu nachfolgend Dr. G._s Anmerkung). Wie Dr. U._ zu Recht bemängelt (vgl. act.
G27 S. 112 unten), wird die von Dr. N._ gestellte Diagnose der einfachen Aktivitäts-
und Aufmerksamkeitsstörung nicht anhand der Kriterien nach ICD-10 begründet,
vielmehr erschien ihm die Diagnose "insgesamt doch recht plausibel, sodass ich davon
ausgehe, dass die Kriterien einer einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung
überwiegend wahrscheinlich erfüllt sind" (IV-act. 137-83). Die - für einen medizinischen
Laien - durchaus denkbare Möglichkeit, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der
beruflichen Massnahmen der IV dekompensierte, wurde von Dr. N._ nicht einmal in
Erwägung gezogen. Vielmehr erschien es ihm auffällig, dass bei der
Beschwerdeführerin nach dem Abbruch von Eingliederungsmassnahmen nun eine sehr
viel gravierendere psychiatrische Erkrankung diagnostiziert worden sei (IV-act. 137-91).
Dr. N._ erkannte also, dass die behandelnden Ärzte im Anschluss an die
gescheiterten beruflichen Massnahmen von höheren Arbeitsunfähigkeiten ausgingen,
wertete dies jedoch als nicht plausibel, da die nunmehrige höhere Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit mit "zwei Störungen begründet wird, die per Definition seit der Kindheit
oder dem jungen Erwachsenenalter anhaltend bestehen" (IV-act. 137-91). Bei der
Diskussion der Diagnosen hielt er jedoch selber fest, dass es unklar sei, ob "die
Störung tatsächlich schon in der Kindheit bestanden hat, man kann dies aber auch
nicht ausschliessen" (IV-act. 137-83). Mit diesem Widerspruch liegen konkrete Indizien
vor, die gegen die Zuverlässigkeit des Gutachtens sprechen (vgl. vorstehend E. 1.4).
Dr. G._ merkte zum Gutachten von Dr. N._ in nachvollziehbarer Weise an, dass die
Diskussion der Aktenlage die Tendenz zeige, die Folgen und Auswirkungen der
Erkrankung zu verharmlosen und zu relativieren. Die Diagnosen seien nicht im Kontext
der chronologischen Gesamtentwicklung bzw. dem Verlauf zugeordnet, sondern als
sich gegenseitig aufhebende Argumente eingesetzt worden (act. G6.2 S. 6 unten). Die
zu Anfang der Erkrankung (2007) gestellten Diagnosen (Anpassungsstörung mit
vorwiegender Störung anderer Gefühle, akzentuierte abhängige und selbstunsichere
3.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 17/23
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Persönlichkeitszüge, Probleme in der Beziehung zum Ehepartner sowie Probleme mit
Berufstätigkeit; IV-act. 26-9) seien durchaus richtig gewesen. Zum damaligen Zeitpunkt
hätten keine tieferen Erkenntnisse gewonnen werden können. Die Diagnosen hätten
nicht stigmatisierend gewirkt und die positive Prognose in den Vordergrund gestellt
(act. G6.2 S. 7 oben). Dr. N._s Gutachten lässt sodann jegliche Diskussion und
Einordnung der wiederholten Suizidversuche und Selbstverletzungen der
Beschwerdeführerin vermissen. Damit wurde aber nicht sämtlichen von der
Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden Rechnung getragen. Dies führt dazu,
dass Zweifel an der von Dr. N._ attestierten vollständigen Arbeitsfähigkeit
aufkommen, welche an keiner Stelle im Gutachten ausgeräumt werden. Die
Auseinandersetzung von Dr. N._ mit den drei neuropsychologischen Abklärungen
mag sodann zwar ausführlich sein (vgl. act. G137-81 ff.), jedoch vermag er keine für
einen medizinischen Laien nachvollziehbare Erklärung für die unterschiedlichen
Resultate zu liefern. Diese bleiben im Raum stehen und hinterlassen mehr als nur
geringe Zweifel an der Einschätzung einer vollständigen Arbeitsfähigkeit durch Dr.
N._. Auch vermochte das Gericht das von Dr. G._ ausführlich beschriebene
Verhalten der Beschwerdeführerin bei der neuropsychologischen Testung, aber
gleichsam in Alltagssituationen und im Rahmen der Behandlung (auffällig
unselbstständig, verlangsamt, unsicher mit vielen Rückfragen verbunden, ohne
selbständige Fehleranalyse/Korrektur mit deutlichen Hinweisen auf Probleme mit der
Auffassung, Instruktion-Verständnis über komplexen Aufgaben stark beeinträchtigt,
umständlich mit vielen Rückfragen verbunden; sie wirke kindisch, naiv, stets bemüht
einen möglichst guten Eindruck zu hinterlassen; act. G6.2 S. 5 unten), nicht mit dem
von Dr. N._ beobachteten unauffälligen Verhalten (vgl. IV-act. 137-66 f.) zu
vereinbaren. Dem Gericht war es gestützt auf das Gutachten von Dr. N._ nicht
möglich, sich ein Bild über die gesundheitliche Beeinträchtigung der
Beschwerdeführerin und über deren Leistungsfähigkeit zu machen.
Die von der Beschwerdegegnerin konsultierten RAD-Ärzte Dres. M._ und S._
nahmen jeweils keine eigenen Beurteilungen vor, sondern äusserten sich lediglich zu
den eingeholten Arztberichten und Administrativgutachten (IV-act. 86-3 f., 96, 138, 146
und act. G8.1). Folglich kommt ein Abstellen auf deren Stellungnahmen von vornherein
nicht in Frage (vgl. vorstehend E. 1.4).
3.3.
Auch dem im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichten ausführlichen
Arztbericht des behandelnden Psychiaters Dr. G._ vom 16. Oktober 2018 (act. G6.2)
kommt kein Beweiswert zu, und zwar aus den folgenden Gründen: Darin werden
erstmals die Diagnosen einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung und
3.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 18/23
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4.
einer selbstunsicheren und dependenten Persönlichkeitsstörung gestellt (act. G6.2 S. 2
oben und Mitte). RAD-Arzt S._ hielt hinsichtlich der neu gestellten Diagnose der
posttraumatischen Belastungsstörung fest, diese werde nicht mit objektivierbaren
Befunden begründet, sondern anhand der Anamnese und aufgrund
psychodynamischer Hypothesen. Eine posttraumatische Belastungsstörung müsste
durch die entsprechende Symptomatik und die damit einhergehenden
Einschränkungen begründet werden. Sie müsste sich zudem gemäss ICD-10 wenige
Monate nach den belastenden Ereignissen entwickelt haben (act. G8.1). Diese
Ausführungen sind nachvollziehbar, weshalb Zweifel an der von Dr. G._ gestellten
Diagnose aufkommen. Darüber hinaus handelt es sich bei Dr. G._ um den langjährig
behandelnden Psychiater der Beschwerdeführerin, was bei der Würdigung von dessen
Einschätzungen zu berücksichtigen ist (vgl. vorstehend E. 1.4).
Vor diesem Hintergrund war das Gericht verpflichtet, ein Gerichtsgutachten
einzuholen (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, Art. 44 N 70 f. mit
Hinweisen).
3.5.
Dr. med. U._, Z._, kam mit Gutachten vom 26. Mai 2021 zum Schluss, dass
die Beschwerdeführerin an einer ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung und
an einer gegenwärtig remittierten rezidivierenden depressiven Störung leide. Aufgrund
der Persönlichkeitsstörung ergebe sich eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Neben
der ängstlich-vermeidenden Haltung und Selbstunsicherheit lägen auch narzisstische
Charakterzüge vor, welche in zwischenmenschlichen Beziehungen häufig zu
Schwierigkeiten und Konflikten führten. In den letzten Jahren habe die
Beschwerdeführerin diese Defizite zunehmend weniger kompensieren können und
habe vermeht auf dysfunktionale Verhaltensweisen mit unter anderem Vermeidung und
Angst zurückgegriffen. Hinzu komme eine geringe Introspektionsfähigkeit und
Selbstreflexion, eine geringe Fähigkeit, Konflikte zu lösen, regressives Verhalten, eine
leichte Kränkbarkeit, reduzierte Problemlösungsstrategien und schlussendlich auch
eine zunehmende Gruppenunverträglichkeit / Unverträglichkeit gegenüber
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Zusätzlich zeigten sich eine geringe
Veränderungsmotivation und eine verfestigte Vorstellung des Ausmasses ihrer
psychischen Einschränkungen, welche von aussen nur schwer korrigiert werden
könnten. Bei zunehmendem Druck von aussen zeige sich zudem schnell ein deutlicher
Widerstand sowie eine Somatisierungstendenz. Aufgrund dieser psychopathologischen
Auffälligkeiten sei von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % sowohl für die Tätigkeit als
Verkäuferin als auch als Sekretärin auszugehen (act. G27 S. 106). Dieses Gutachten
4.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 19/23
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vermag im Gegensatz zu den Vorakten ein fassbares, nachvollziehbares und
widerspruchfreies Bild der gesundheitlichen Beeinträchtigung der Beschwerdeführerin
zu vermitteln und erfüllt die beweismässigen Voraussetzungen in jeder Hinsicht. Dr.
U._ hat die Vorakten gewürdigt, die Beschwerdeführerin persönlich untersucht,
objektive klinische Befunde erhoben und festgehalten und anhand dieser objektiven
klinischen Befunde auf eine nachvollziehbare Weise Diagnosen gestellt und eine
Arbeitsfähigkeitsschätzung abgeleitet. Ein zwingender Grund, der gegen die
Zuverlässigkeit des Gutachtens sprechen würde, ist nicht ersichtlich.
Die Stellungnahmen von RAD-Arzt S._ vom 10. Juni und 7. September 2021
(act. G33.1 und 42.1) vermögen aus Sicht eines medizinischen Laien keine zwingenden
Gründe aufzuzeigen, aus welchen vom Gerichtsgutachten abzuweichen wäre. Vielmehr
handelt es sich um einen medizinischen Diskurs, über welchen sich ein medizinischer
Laie kein Bild zu machen vermag. Nachvollziehbare zwingende Gründe wären jedoch
unabdingbar für das Abweichen von einem Gerichtsgutachten (Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 4. Aufl. 2020, Art. 43 N 64 mit Hinweisen).
4.2.
In Anbetracht der vorangehenden Ausführungen vermag das Gutachten der Z._
im Gegensatz zu den Vorgutachten der BEGAZ und von Dr. N._ zu überzeugen und
es ist darauf abzustellen. Angesichts der Mängel am Gutachten von Dr. N._ kann
sodann nicht gesagt werden, dass es sich um eine andere Einschätzung desselben
medizinischen Sachverhalts handle (vgl. hierzu Urteile des Bundesgerichts vom 29. Juli
2008, 9C_830/07, E. 4.3 mit Hinweisen, publ. in: SVR 2008 IV Nr. 62 S. 203, und vom
23. Juni 2015, 9C_853/2014, E. 3.1.2). Somit liegt neben den vollständigen
Arbeitsunfähigkeiten für die Zeiten nach der Entfernung der Gebärmutter im März 2015
(IV-act. 68-1; Genaueres ist nicht aktenkundig), vom 15. Oktober 2015 bis 22. Januar
2016 (Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik K._, IV-act. 68-1), vom 8. Februar bis
6. Mai 2016 (Behandlung in der Psychiatrischen Tagesklinik L._, IV-act. 80-1), vom
11. August bis 13. September 2016 (Aufenthalt im KSSG / in der Psychiatrischen Klinik
K._, IV-act. 105-1 sowie 89-1) und vom 14. Dezember 2016 bis 24. Januar 2017
(Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik V._, IV-act. 103-1) eine gesundheitsbedingte
50%ige Einschränkung der Leistungs- und Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin
vor. Leidensangepasst ist Routinearbeit in einem kleinen Team mit flachen Hierarchien,
einer gewissen Entscheidungsfreiheit, ohne Zeitdruck, mit der Möglichkeit einer
flexiblen Zeiteinteilung, mit abwechselnden Tätigkeiten, um eine Monotonie zu
vermeiden, zugleich kognitiv nicht zu komplexen Aufgaben, mit
Rückzugsmöglichkeiten sowie der Möglichkeit, zwischendurch kurze Pausen
einzulegen (act. G27 S. 108).
4.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 20/23
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5.
Da weitere Beweismassnahmen keinen entscheidrelevanten neuen Aufschluss
erwarten lassen, ist dem Beweisantrag, einen Bericht der Ba._ einzuholen (act. G1
Ziff. 22), nicht zu folgen (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 141 I 60 E. 3.3 mit
Hinweis).
4.4.
Gestützt auf die nunmehr ausgewiesene durchgehende Arbeitsunfähigkeit von 50
% ab Ende 2012 in adaptierten Tätigkeiten und von 100 % während der stationären
Klinikaufenthalte (vgl. vorstehend E. 4.3) ist der Invaliditätsgrad zu ermitteln.
5.1.
Die Beschwerdegegnerin stufte die Beschwerdeführerin in der angefochtenen
Verfügung als zu 50 % erwerbstätig und zu 50 % im Haushalt tätig ein (IV-act. 147).
Dies mit der Begründung, dass die Beschwerdeführerin vom 1. Juni 2012 bis 19.
Dezember 2013 mit 50%igem Pensum bei der Arbeitslosenversicherung angemeldet
gewesen sei (vgl. IV-act. 139-2). Da die Beschwerdeführerin jedoch in dieser Zeit zu 60
% arbeitsunfähig geschrieben war (vgl. IV-act. 7 und 12), kann hieraus nicht auf eine
lediglich teilzeitliche Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall geschlossen werden. Hieran
vermögen die von der Beschwerdegegnerin zitierten Ausführungen von RAD-Arzt Dr.
S._ nichts zu ändern (vgl. RAD-Stellungnahme vom 13. Juli 2018 in IV-act. 146-2).
Die Beschwerdeführerin erklärte denn auch mit E-Mail vom 15. September 2015 auf die
entsprechende Frage der IV-Stelle hin, sie wäre im Gesundheitsfall voll erwerbstätig
(IV-act. 63). Die finanzielle Situation der Beschwerdeführerin lässt dies überwiegend
wahrscheinlich erscheinen, zumal sie Dr. N._ berichtete, während der Zeit in I._
ihre Pensionskassengelder aufgebraucht und hohe Schulden zu haben (vgl. IV-act.
137-87). Da sie Sozialhilfe von der Gemeinde W._ erhält (vgl. act. G6.1), ist überdies
davon auszugehen, dass sie von dieser Seite her zu einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit
verpflichtet würde. Zu Recht macht die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin
sodann geltend, dass diese keine familiären Pflichten oder Leidenschaften habe, die
gegen die Wiederaufnahme eines Vollzeitpensums wie vor der Auswanderung nach
I._ im Jahr 2007 sprechen würden (vgl. act. G1 Rz. 24 und IV-act. 144-8). Nach dem
Gesagten ist von einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin im
Gesundheitsfall auszugehen. Folglich ist für die Bestimmung des Invaliditätsgrads das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, zu
setzen (Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
5.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 21/23
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Der Beschwerdeführerin sind die angestammten Tätigkeiten als Verkäuferin und als
Sekretärin wie auch andere angepasste Tätigkeiten in einem 50 %-Pensum zumutbar.
Da der erzielbare Verdienst in den angestammten Tätigkeiten vor diesem Hintergrund
höher sein dürfte als derjenige in einer leidensangepassten Tätigkeit ohne qualifizierte
Berufserfahrung, ist im Weiteren auf den erzielbaren Verdienst in der angestammten
Tätigkeit in einem 50%-Pensum abzustellen. Weil sowohl für das Validen- wie für das
Invalideneinkommen von denselben Löhnen auszugehen ist, kann ein Prozentvergleich
erfolgen (siehe zum Prozentvergleich etwa Urteil des Bundesgerichts vom 6. April
2016, 8C_628/2015, E. 5.3.1 mit Hinweisen). Ausgehend von einer 50%igen
Restarbeitsfähigkeit beträgt der Invaliditätsgrad im Rahmen des Prozentvergleichs 50
%. Die Höhe eines Tabellenlohnabzugs (siehe hierzu Urteil des Bundesgerichts vom
20. April 2018, 9C_833/2017, E. 2.2; BGE 134 V 327 E. 5.2) kann vorliegend
offengelassen werden, denn selbst bei Gewährung eines 15%igen Tabellenlohnabzugs
würde ein Invaliditätsgrad von aufgerundet 58 % (50 % + [15 % von 50 %]) resultieren,
womit die Schwelle zur Dreiviertelsrente nicht erreicht würde. Ein 15%iger
Tabellenlohnabzug bildet vorliegend aufgrund der konkreten Umstände auf jeden Fall
das Maximum, da sämtliche gesundheitlichen Beeinträchtigungen im Gutachten der
Z._ bereits berücksichtigt wurden und bei Frauen nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung kein Teilzeitabzug vorgenommen wird.
5.3.
Bei der rückwirkenden Zusprache einer abgestuften und/oder befristeten
Invalidenrente finden gemäss Rechtsprechung die für die Rentenrevision geltenden
Normen (Art. 17 Abs. 1 ATSG in Verbindung mit Art. 88a der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]) analog Anwendung (Urteil des Bundesgerichts
vom 16. April 2013, 8C_93/2013, E. 2; BGE 121 V 275 E. 6b/dd mit Hinweis). Gemäss
Art. 88a IVV ist bei einer Verbesserung (Abs. 1) oder Verschlechterung (Abs. 2) der
Erwerbsfähigkeit die anspruchsbeeinflussende Änderung zu berücksichtigen, sobald
sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat und im Falle der
Verbesserung voraussichtlich weiterhin andauern wird. Renten werden stets für den
ganzen Kalendermonat im Voraus ausbezahlt (Art. 19 Abs. 3 ATSG). Somit hat die
Beschwerdeführerin angesichts der vorstehend festgestellten Arbeitsunfähigkeiten ab
1. Juni 2014 (Anmeldung vom Dezember 2013 [IV-act. 2]; Art. 29 Abs. 1 IVG) Anspruch
auf eine halbe Invalidenrente. Vom 1. Februar 2016 bis 30. April 2017 hat die
Beschwerdeführerin Anspruch auf eine ganze Rente. Sie befand sich vom 15. Oktober
2015 bis 22. Januar 2016 in der psychiatrischen Klinik K._ (IV-act. 68-1), was
angesichts der Dauer von über 3 Monaten eine Verschlechterung auswies. Nachdem
sie bis 6. Mai 2016 in der Psychiatrischen Tagesklinik L._ in Behandlung stand (IV-
act. 80-1), musste sie nach gut 3 Monaten am 11. August 2016 wegen einer
5.4.
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6.
Medikamentenintoxikation in suizidaler Absicht notfallmässig ins KSSG eintreten (IV-
act. 105-1). Es kann also nicht gesagt werden, dass die allfällige Verbesserung nach
Austritt aus der tagesklinischen Behandlung von Dauer war. Vom KSSG wurde die
Versicherte am 12. August 2016 in die Psychiatrische Klinik K._ verlegt, wo sie bis
zum 13. September 2016 stationär behandelt wurde (IV-act. 89-1). Drei Monate nach
Austritt erfolgte eine stationäre psychiatrische Behandlung in der Klinik O._, welche
bis 24. Januar 2017 dauerte (IV-act. 103-1). Erst nach diesem Austritt kann von einer
anhaltenden Verbesserung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ausgegangen
werden, weshalb sie ab 1. Mai 2017 wiederum Anspruch auf eine halbe Rente hat (Art.
28 Abs. 2 IVG).
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen
ist, dass die Beschwerdeführerin für die Dauer vom 1. Juni 2014 bis 31. Januar 2016
Anspruch auf eine halbe, vom 1. Februar 2016 bis 30. April 2017 auf eine ganze und ab
1. Mai 2017 wiederum auf eine halbe Rente hat. Zur Festsetzung und Ausrichtung der
Rentenleistungen sowie zur Leistungskoordination mit der Gemeinde W._ (vgl. IV-act.
139-2) ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Aufgrund der Notwendigkeit der
Einholung eines Gerichtsgutachtens und des damit verbundenen Mehraufwandes
erscheint eine Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- angemessen. Ausgangsgemäss hat die
unterliegende Beschwerdegegnerin die gesamte Gerichtsgebühr zu bezahlen (Art. 95
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).
6.2.
bis
Zu klären bleibt, wer die Kosten des Gerichtsgutachtens vom 26. Mai 2021 und der
zusätzlichen Stellungnahme der Z._ vom 26. August 2021 zu tragen hat. Nachdem
konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Gutachten des BEGAZ und von Dr.
N._ sprachen, erfüllten diese die Anforderungen an eine medizinische
Beurteilungsgrundlage nicht. In diesem Sinne mangelte es an der genügenden
Abklärung (vgl. Art. 43 ATSG) des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin durch
die Beschwerdegegnerin. Damit hat die Beschwerdegegnerin die Kosten des
Gerichtsgutachtens von Fr. 15'514.90 (act. G31) und der zusätzlichen Stellungnahme
von Fr. 2'552.-- (act. G41), insgesamt Fr. 18'066.90, in Anwendung von Art. 45 Abs. 1
ATSG (vgl. auch Art. 78 Abs. 3 IVV) zu tragen. Die entsprechenden Rechnungen waren
6.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 23/23
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St.Galler Gerichte