Decision ID: 178bfcc5-f666-456e-bb67-9f017aed6827
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1987, erlitt am 2
3.
Oktober 2008 einen Auffahr
unfall (
Urk.
7
/
170
S. 1). Am 1
1.
Dezember 2009 meldete sie sich bei der Invali
denversicherung zu
m Leistungsbezug an (
Urk.
7
/107 =
Urk.
7
/136
). Mit Verfü
gung
vom
3.
Februar 2011 (
Urk.
7
/185
) verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, einen Rentenanspruch. Eine dagegen
erhobene Beschwerde (
Urk.
7
/190
) wies das hiesige Gericht mit Urteil vom 1
8.
September 2012 (Verfahren-Nr
. IV.2011.00261) ab (
Urk.
7
/241
S. 10 Dispositiv
Ziff.
1). Mit Urteil vom 1
5.
April 2013 hiess das Bundesgericht eine
dagegen
erhobene Beschwerde
teilweise gut (
Urk.
7
/280
S. 9 Dispositiv
Ziff.
1).
Mit Verfügungen vom 2
9.
November und
7.
Dezember 2017 (
Urk.
7
/592,
Urk.
7
/594
) sprach die neu zuständige IV-Stelle Luzern der Versicherten ab dem
1.
April 2015 eine ganze Rente zu.
1.2
Die Versicherte
ersuchte am
6.
Januar 2018 um Gewährung eines Assistenzbei
trages (
Urk.
7/619). Am 1
5.
März 2018 beantragte sie eine Hilflosenentschädi
gung (
Urk.
7/633/1
-
8). Mit Verfügung vom
2.
Mai 2018 (
Urk.
7/642
) verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, einen Anspruch auf einen Assistenzbeitrag.
Mit Verfügung
vom 1
7.
Januar 2019 (
Urk.
7
/689
=
Urk.
2
) verneinte sie
auch
einen Anspruch auf Hilflosenentschädigung.
2.
2.1
Mit Poststempel vom 1
6.
Dezember 2018 erhob die Versicherte Rechtsverweige
rungsbeschwerde bezüglich Leistungen der
Invalidenversicherung (
vgl.
Urk.
11 S.
2
).
2.2
Am 2
1.
Januar 2019
(
Urk.
1 =
Urk.
4/1)
erhob
sie
Beschwerde gegen die Verfü
gung vom 1
7.
Januar 2019 (
Urk.
2) bet
reffend Hilflosenentschädigung. Gleich
zeitig stellte
sie
ein
Ausstandsbegehren
gegen Sozialversicherungsrichterin Romero-Käser und Gerichtsschreiber Brugger, das mit Beschluss des hiesigen Gerichts vom 2
1.
Oktober 2019 abgewiesen wurde
(
Urk.
4/12).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
7.
Februar
2020
(
Urk.
6
) die Abweisung
der Beschwerde
vom 2
1.
Januar 2019
,
was der Beschwerdeführerin am
6.
April 2020
zur Kenntnis gebracht
wurde (
Urk.
9).
Am
2
9.
April 2020
beantragte
die Beschwerdeführerin
als vorsorgliche Mass
nahme
die Bestellung eines Rechtsvertreters (
Urk.
10).
2.3
Mit Urteil vom 1
4.
April 2020 (Verfahren-Nr. IV.2018.01090) wies das hiesige Gericht die Beschwerde betreffend Rechtsverweigerung ab (
Urk.
11 S. 6 Dispositiv
Ziff.
1).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
42
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13
des Bun
desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG) in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine Hilflosenentschä
digung. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtun
gen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (
Art.
9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (
Art.
42
Abs.
3 Satz 1 IVG;
Art.
38
der Verordnung über die Invalidenversicherung,
IVV). Praxisgemäss (BGE
121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs alltäglichen Lebensver
richtungen massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
-
Ankleiden, Auskleiden;
-
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
-
Essen;
-
Körperpflege;
-
Verrichtung der Notdurft;
-
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1.2
Art. 37 IVV sieht drei Hilflosigkeitsgrade vor. Gemäss Abs. 3 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf;
c.
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf;
d.
wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann; oder
e.
dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewie
sen ist.
1.3
Gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als mittelschwer, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf; oder
c.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter und überdies dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewiesen ist.
Nach der Rechtsprechung setzt Hilflosigkeit mittelschweren Grades nach Art. 37 Abs. 2
lit
. a IVV eine Hilfsbedürftigkeit in mindestens vier alltäglichen Lebens
verrichtungen voraus (BGE 121 V 88 E. 3b, 107 V 145 E. 2).
1.4
Nach
Art.
38
Abs.
1 IVV liegt ein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung im Sinne von
Art.
42
Abs.
3 IVG vor, wenn eine volljährige versicherte Person aus
serhalb eines Heimes lebt und infolge Beeinträchtigung der Gesundheit:
a.
ohne Begleitung einer Drittperson nicht selbständig wohnen kann;
b.
für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf Begleitung einer Drittperson angewiesen ist; oder
c.
ernsthaft gefährdet ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren.
Ist lediglich die psychische Gesundheit beeinträchtigt, so muss für die Annahme einer Hilflosigkeit gleichzeitig ein Anspruch auf mindestens eine
Viertelsrente
bestehen (
Art.
38
Abs.
2 IVV).
Zu berücksichtigen ist nur diejenige lebenspraktische Begleitung, die regelmässig und im Zusammenhang mit den in Absatz 1 erwähnten Situationen erforderlich ist. Nicht darunter fallen insbesondere Vertretungs- und Verwaltungstätigkeiten im Rahmen von Massnahmen des Erwachsenenschutzes nach den Artikeln 390-398 des Zivilgesetzbuches (
Art.
38
Abs.
3 IVV).
Der Anspruch auf Berücksichtigung des Bedarfs an lebenspraktischer Begleitung ist nicht auf Menschen mit Beeinträchtigung der psychischen oder geistigen
Gesundheit beschränkt. Es ist durchaus möglich, dass auch andere Behinderte einen Bedarf an lebenspraktischer Begleitung geltend machen können. Zu denken ist insbesondere an hirnverletzte Menschen (BGE 133 V 450 E. 2.2.3).
Unerheblich ist, in welcher Umgebung sich die versicherte Person – abgesehen davon, dass sie ausserhalb des Heims wohnen muss – aufhält und ob sie auf die Hilfe des Ehegatten, der Kinder oder der Elter
n zählen kann (BGE 133 V 450 E.
2.2.3 und 5).
Als regelmässig im Sinne von
Art.
38
Abs.
3 Satz 1 IVV gilt die lebenspraktische Begleitung, wenn sie über eine Periode von drei Monaten gerechnet im Durch
schnitt mindestens 2 Stunden pro Woche
benötigt wird (BGE 133 V 450 E.
6.2).
Die lebenspraktische Begleitung beinhaltet weder die (direkte oder indirekte) Dritthilfe bei den sechs alltäglichen Lebensverrichtungen noch die Pflege noch die Überwachung. Sie stellt vielmehr ein zusätzliches und eigenständiges Institut der Hilfe dar (BGE 133 V 450 E. 9).
Das Gesetz macht den Anspruch auf Hilflosenentschädigung nicht davon abhän
gig, ob die lebenspraktische Begleitung kostenlo
s erfolgt oder nicht (BGE 133 V
472 E. 5.3.2).
1.5
Gemäss Art. 69 Abs. 2 IVV kann die IV-Stelle zur Prüfung eines Leistungsan
spruchs unter anderem Abklärungen an Ort und Stelle vornehmen
(vgl. auch
Rz
8131 ff. des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der IV, KSIH, gültig ab 1. Januar 2015).
Nach der Rechtsprechung hat ein Abklärungsbericht unter dem Aspekt der Hilflosigkeit (Art. 9 ATSG) oder des Pflegebedarfs folgen
den Anforderungen zu genügen: Als Berichterstatterin oder Berichterstatter wirkt eine qualifizierte Person, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhält
nisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergeben
den Beeinträchtigungen und
Hilfsbedürftigkeiten
hat. Bei Unklarheiten über phy
sische oder psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen Lebensverrichtungen sowie der tatbestandsmässigen Erfordernisse der dauernden Pflege und der persönlichen Überwachung und der lebenspraktischen Begleitung sein. Schliesslich hat er in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigen
den
Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsper
son näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (
BGE
133 V 450 E. 11.1.1, 130 V 61 E. 6.1 f.
). Diese Grundsätze gelten entsprechend auch für die Abklärung der Hilflosigkeit unter dem Gesichtspunkt der lebenspraktischen Begleitung (BGE 133 V 450 E. 11.1.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_464/2015 vom 14. September 2015 E. 4) sowie unter dem Aspekt des Intensivpflegezuschlags (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_
573/2018 vom 8. Januar 2019 E. 3.2
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte einen Anspruch auf eine Hilflosenentschädi
gung
mit der Begründung
, nach
der erfolgten Abklärung
benötige die Beschwer
deführerin keine Hilfeleistungen in den
alltäglichen
Lebensverrichtungen. Eine lebenspraktische Begleitung sei ebenfalls nicht ausgewiesen.
Der für die lebens
praktische Begleitung erforderliche Mindestaufwand von zwei Stunden pro Woche werde nicht erreicht. Es sei ein zeitlicher Unterstützungsbedarf von einer Stunde und 30 Minuten pro Woche eruiert worden (
Urk.
2 S. 2 oben).
2.2
Die Beschwerdeführerin hielt
beschwerdeweise
sinngemäss
am Antrag auf e
ine H
ilflosenentschädigung fest und beanstandete die von der Beschwerdegegnerin
d
urchgeführte Abklärung vor Ort
als unnötig und destabilisierend
(
Urk.
1 unten).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob ein Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung besteht.
3.
3.1
Die Ärzte des Sanatoriums
Y._
stellten im Austrittsbericht vom 2
8.
Februar 2018 (
Urk.
7/641/2-
4) nach einer
erneuten
stationären Behandlung
der Beschwer
deführerin
vom
3.
bis 1
2.
Februar 2018 (S. 1) folgende Hauptdiagnose (S. 1):
rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.8)
-
im Rahmen anhaltender psychosozialer Belastung
-
im Rahmen der Persönlichkeitsproblematik
Zudem
stellten sie folgende
Nebendiagnosen (S. 1):
-
kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen (ICD-10 F61)
-
emotional-instabil und histrionisch
-
einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0)
-
Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (ICD-10 Z73)
-
Harnweginfektion, Lokalisation nicht näher bezeichnet
Die Ärzte des Sanatoriums
Y._
gaben zur Anamnese an
, die Patientin lebe allein und erhalte Unterstützung durch die Spitex. Finanziell werde sie durch das Sozi
alamt unterstützt (S. 2 Mitte).
3.2
3.2.1
Die Beschwerdegegnerin veranlasste eine Abklärung vor Ort, die am
9.
Oktober 2018 im Beisein der damaligen Beiständin der Beschwerdeführer
in
stattfand
(
Urk.
7/679 S. 1). Die Abklärungsperson führte im Bericht vom
2
0.
Oktober
2018 (
Urk.
7/679) aus, das Gespräch habe
auf dem
Sitzplatz stattgefunden. Die Woh
nung der Beschwerdeführerin
hätten sie nicht
betreten dürfen (S. 1 Mitte).
Als Diagnosen bestünden ein chronisches thorakolumbal betontes panvertebrales Schmerzsyndrom, eine rezidivierende depressive Störung im Rahmen einer anhaltenden psychosozialen Belastung und im Rahmen der Persönlichkeitsprob
lematik sowie eine kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen - emotio
nal-instabil, histrionisch (S. 1 unten).
Die Beschwerdeführerin habe über ihre Augenproblem
e berichtet und angegeben, dass sie auf verschiedene Versorgun
gen mit Kontaktlinsen angewiesen sei
. Da sich das Sozialamt und das Amt für Ergänzungsleistungen weigerten
,
eine
Kostengutsprache für Kontaktlinsen zu leisten, leide sie häufig unter einer stark verminderten Sehkraft, welche sie im Alltag massiv einschränke.
Ihre
psychischen Einschränkungen
seien
schwer fass
bar. Es könne fast keine sichere Diagnose gestellt werden. Auch gebe es für die Behandlung keine Spezialisten
(S. 2 oben).
Sie habe Vorwürfe
gegen das Sozial
amt
erhoben
, welches massgeblich für ihre Probleme und die prekäre Situation verantwortlich sei
. Am neuen Wohnort gehe es ihr besser
(S. 2 Mitte).
3.2.2
Der Bereich
«An-/Auskleiden» sei selbständig möglich.
Eine Unterstützung sei nicht nötig.
Infolge Schmerzen in den Hüften sei
die Verrichtung
aber teilweise erschwert (S. 2 unten).
Der
Bereich
«Aufstehen/Absitzen/Abliegen» sei selbständig möglich. Je nach Verfassung habe die Beschwerdeführerin
aber
Anlaufschwierig
keiten
(nicht täglich)
und benötige dann etwas länger zum Aufstehen. «Essen» sei selbständig möglich
. Die «Körperpflege» könne sie ebenfalls selbständig durch
führen. Eine Aufforderung dazu benötige
die Beschwerdeführerin
nicht (S. 3 oben).
Der Bereich «Reinigung nach Verrichtung der Notdurft» sei
auch
selbstän
dig möglich
(S. 3 Mitte)
.
Im
Bereich «Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte»
sei
funktionell keine Einschränkung ausgewiesen. Die Beschwerdeführerin habe jedoch erklärt, dass sie aufgrund ihrer Sehprobleme Mühe habe, sich ausser Haus fortzubewegen. Das Ausmass sei jedoch sehr unterschiedlich und von der im Moment vorliegen
den Einschränkung der Sehfähigkeit abhängig. Gesellschaftliche Kontakte pflege sie
eigentlich keine. Dies wäre ihr jedoch grundsätzlich möglich. Sie verbringe ihre Zeit mehrheitlich zu Hause.
Kontakt habe sie mit einem
Kollegen und einer weiteren Person. Mit ihrer Beiständin stehe sie mehrheitlich in telefonischem Kontakt. Die Abklärungsperson bemerkte dazu, die in diesem Bereich geschilder
ten
Probleme im Zusammenhang mit ausserhäuslichen Besorgungen und Kontakten seien nicht auf funktionelle Einschränkungen zurückzuführen. Diese stünden im Zusammenhang mit psychischen Einschränkungen, welche sich offenbar auch körperlich manifestierten. Ein allfälliger Hilfsbedarf könne dem
entsprechend nicht
bei der
«Fortbewegung/Pflege gesellschaftlicher Kontakte» angerechnet werden (S. 3 unten).
3.2.3
Eine
Sinnesschädigung oder ein
körperliches Gebrechen,
welche
die rechtlichen Kriterien zur Anerkennung einer Hilfslosenentsc
hä
digung im Sonderfall begrün
de
ten,
lägen nicht
vor.
Ein Bedarf für eine
lebenspraktische Begleitung im Sinne der Invalidenversicherung sei nicht ausgewiesen. Der Mindestaufwand von zwei Stunden pro Woche zur Anerkennung einer lebenspraktischen Begleitung werde nicht erreicht. Es sei ein zeitlicher Unterstützungsaufwand von 1 Stunde und 30 Minuten eruiert worden (S. 4 oben).
Betreffend
«Hilfeleistungen, die das selbständige Wohnen ermöglichen»
wurde angegeben,
die Beschwerdeführerin habe
bereits früher alleine gewohnt und wohne auch am neuen Wohnort alleine
.
Eine regelmässige professionelle Unter
stützung bestehe seit längerem nicht
. Im Haushalt der Beschwerdeführerin lebe eine Katze, welche sie selber versorge. Das einzige Problem sei, dass sie aus finanzielle
n
Gründen Mühe habe, genug Futter zu kaufen und die nötigen Tier
arztbesuche zu finanzieren. Die Beschwerdeführerin «haushalte» selber.
Sie wasche und unternehme die Wohnungspflege etc. Probleme bekunde sie im Zusammenhang mit dem Einkaufen. Sie habe dazu angefügt, dass es vor allem
schwere
Dinge seien, wie zum Beispiel Wasser und Milch (S. 4 Mitte). Hilfe erhalte sie von einem Kollegen.
Er
begleite sie auch ausser Hause oder man treffe sich irgendwo unterwegs. Sie schätze den Zeitaufwand des Kollegen grob auf zirka acht Stunden pro Woche, sowohl in der Wohnung wie auch ausser Haus. Er helfe einfach dort, wo es nötig sei. Er komme zirka zwei bis drei Mal pro Woche vorbei und unterstütze sie.
So habe er ihr
gerade beim Einbau
des Geschirrspülers geholfen. Wegen der unterschiedlichen Einschränkung
en
ihrer Sehfähigkeit sei sie auch ausser Haus immer wieder auf eine Begleitung angewiesen
. Die Beschwerdeführerin habe erklärt, dass es ihr ohne
die Unterstützung
nicht mög
li
ch wäre, selbständig zu wohnen und ein
e
Klinikeinweisung unumgänglich
wäre
(S. 4 unten). Eine Begleitung durch die psychiatrische Spitex
sei
keine Option, da sie dieser nicht trauen könne.
Die Abklärungsperson bemerkte
hierzu
, unbestritten bestehe ein gewisser Bedarf an Unterstützung im Alltag. Eine regelmässige Begleitung über einen längeren Zeitraum lasse die Beschwerdeführerin aber nicht zu. Obwohl sie selber
ebenfalls
der Meinung sei, dass sie - um selbständig wohnen zu können - auf Unterstützung angewiesen sei, habe sie eine professionelle kontinuierliche Hilfe nicht zugelas
sen. Mehrere Anläufe dazu seien bereits gescheitert. Im Gespräch habe ein kon
kreter Hilfebedarf nicht eruiert werden können. Die Angaben der Beschwerdefüh
rerin seien vage. Weiter seien keine konkreten Zielsetzungen erkennbar. Die nötige Hilfe werde von einem Kollegen geleistet, wel
cher jedoch nicht genannt werde. Mangels konkreter Angaben und mangels eines konkreten zu beziffernden und fassbaren Hilfebedarfs werde auf Zeitwerte abgestellt, die zur Sicherstellung einer minimalen Grundversorgung eines 1-Personenhaushaltes angerechnet wer
den könnten.
Die Abklärungsperson
stütze sich dabei
auf Erfahrungen anhand konkreter Fälle, die durch Fachkräfte bestätigt worden seien (S. 5 oben). Es handle sich um eine Erkrankung im psychischen Formenkreis.
Den Schilderungen
der Beschwerdeführerin
sei zu entnehmen, dass
sie
auf Unterstützung im Alltag angewiesen wäre. Im welchem Rahmen sie konkret Hilfe benötige, könne jedoch nicht angegeben werden.
Die Abklärungsperson rechnete für die Hilfe bei der Tagesstrukturierung, der Wochenplanung und der Organisation des Haushaltes inklusive Freizeit 15 Minuten pro Woche an. Für Hilfe bei der Wohnungspflege
sowie
bei der Wäsche der Kleide
r rechnete sie je (zweimal)
15 Minuten an. Für Hilfe im Bereich Ernäh
rung, Kochen usw. (inklusive Einkaufsplanung)
und zusätzlich f
ür die Alltagsbe
wältigung und Fragen zur Gesundheit und Administration
wurden
wiederum
je
(zweimal)
15 Minuten pro Woche angerechnet. An Hilfestellungen für das selb
ständige Wohnen wurde damit ein zeitlicher Aufwand von 1 Stunde und 15 Minuten pro Woche angerechnet (S. 5 unten).
Betreffend
«Begleitung bei ausserhäuslichen Verrichtungen und Kontakten» wurde ausgeführt, die Beschwerdeführerin könne die Wohnung
grundsätzlich
selbständig verlassen. Aufgrund der wechselnden
Visuswerte
und der damit ver
bundenen Sehbeschränkung sei es ihr aber oft nicht möglich, die Wohnung ohne Begleitung zu verlassen. Sie verbri
nge deshalb viel Zeit zu Hause (S. 6 oben).
Die Abklärungsperson bemerkte dazu
, auch in diesem Bereich bestünden wenig fass
bare Angaben der Beschwerdeführerin. Offenbar vermöge sie jedoch auch längere Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewältigen, zum Beispiel nach Aarau. Auch Einkäufe tätige sie alleine.
Hilfe benötige sie bei schwereren
Waren wie Wasser, Milch etc. Dabei leiste ihr der Kollege die nötige Hilfe.
Die genannten Zeitwerte würden daher auch
in diesem Bereich angewandt
. Für einen 1-Perso
nenhaushalt
werde
für einen
begleiteten Grosseinkauf pro Monat und für weitere Besorgungen ein Zeitaufwand von jeweils 60 Minuten pro Monat angerechnet. Dies führte zu einem wöchentlichen anrechenbaren Aufwand von 15 Minuten.
Zu beachten sei, dass die Beschwerdeführerin offenbar nur Unterstützung bei schweren Waren benötige. Für die «Begleitung bei ausserhäuslichen Verrichtun
gen
und Kontakten» könnten an Hilfeleistungen somit zusätzlich 15 Minuten pro Woche angerechnet werden.
Betreffend
«regelmässige Anwesenheit einer Drittperson zur Verhinderung einer dauernden Isolation von der Aussenwelt» wurde ausgeführt, die Beschwerdefüh
rerin pflege offenbar wenig Kontakte. Sie habe jedoch regelmässig Kontakt mit einem Kollegen und einer Frau. Eine Isolation habe sich somit nicht manifestiert (S. 6 Mitte). Die Beschwerdeführerin könne die Medikamente selber einnehmen.
Eine
persönliche
Überwachung im Sinne des Gesetzes
sei sodann
ebenfalls
nicht ausgewiesen (S. 6 unten).
3.2.4
Zusammenfassend sei eine lebenspraktische Begleitung im Sinne der Invaliden
versicherung nicht ausgewiesen. Der erforderliche Mindestaufwand von zwei Stunden pro Woche zur Anerkennung einer lebenspraktische
n Begleitung werde nicht erreicht, da ein zeitlicher Unterstützungsbedarf von 1 Stunde 30 Minuten pro Woche eruiert worden
sei
(S. 7).
3.3
D
ipl. Arzt
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, prakti
scher Arzt, gab in einer Bescheinigung vom 2
1.
November 2018 (
Urk.
7/673) an, er bestätige, dass aufgrund von orthostatischen Synkopen eine Betreuung durch eine Assistenz (Begleitperson) von täglich zwei Stunden notwendig sei, auch ausserhalb des häuslichen Umfeldes, inklusive Schwimmstunden, Sport.
3.4
Die Abklärungsperson
gab
in einer ergänzenden Stellungnahme vom 1
4.
Janu
ar 2019 (
Urk.
6/688 S. 2 f.) an
, wie im Abklärungsbericht vermerkt, seien die Anga
ben der Beschwerdeführerin vor Ort allesamt wenig konkret gewesen. Gezielte Hilfeleistungen, welche das Ziel einer schweren Verwahrlosung und/oder die Vermeidung eines Heimeintrittes verfolgten, seien nicht festgestellt worden. Im Einwand gegen den Vorbescheid
würden keine
konkreten H
ilfeleistungen
ange
führt
, welche klar dem Sinn und Zweck der lebenspraktischen Begleitung zuge
rechnet werden könnten.
Die von
Dr.
Z._
angegebene
Begleitung von zwei Stunden pro Tag ändere daran nichts, da keinerlei Zielsetzungen oder Massnahmen zur Ermöglichung eines selbständigen Wohnens aufgeführt
worden seien
. Die nötige Begleitung werde mit orthostatischen Synkopen (Schwindel, Ohnmacht) begründet. Eine Zuordnung im Bereich der lebenspraktischen Beglei
tung sei nicht möglich. Die Beschwerdeführerin selber führe im Einwand ebenfalls keine Tatsachen auf, die im Bereich der lebenspraktischen Begleitung berücksich
tigt werden könnten.
4.
4.1
Die Ärzte des Sanatoriums
Y._
nannten
im Bericht vom 2
8.
Februar 2018
als psychiatrische Diagnosen im Wesentlichen eine rezidivierende depressive Stö
rung, kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen und eine einfache
Akti
vitäts
- und Aufmerksamkeitsstörung (vorstehend E. 3.1
). Somatisch besteht zudem
ein chronisches thorakolumbal betontes panvertebrales Schmerzsyndrom (E. 3.2.1).
Die Beschwerdegegnerin
klärte den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Hilflosenentschädigung
mittels einer Abklärung an Ort und Stelle ab
.
4.2
Die Abklärung
vom
9.
Oktober 2018
erfolgte durch eine qualifizierte Fachperson. Der Vorwurf der Beschwerdeführerin,
wonach sie
durch die Abklärung
noch wei
ter destabilisiert worden
sei
(
Urk.
1 unten), lässt sich nicht nachvollziehen. Die Abklärung
erfolgte korrekt
und
die Abklärungsperson und die Beiständin
haben
auf Wunsch die Wohnung der Beschwerdeführerin
nicht betreten
(vorstehend E.
3.2.1). Den Verhältnissen
vor Ort
wurde sodann angemessen Rechnung getragen. Der Bericht erfüllt
somit
die Anforderungen an den Beweiswert eines Abklärungs
berichtes (E. 1.5).
Die Abkläru
ng ergab, dass die Beschwerdeführerin
keine Hilfe
hinsichtlich
der sechs
alltäglichen Lebensverr
ichtungen benötigt (E. 3.2.2).
Bei der Prüfung
einer
lebenspraktischen Begleitung stellte die Abklärungsperson auf
einen durch
schnittlichen zeitlichen Bedarf
ab.
Die Abklärungsperson
gab
dazu
an, dass
zwar ein gewisser Unterstützungsbedarf
der Beschwerdeführerin
im Alltag bestehe,
diese sei
in ihren
Angaben
vor Ort
aber
eher vage geblieben.
Weiter
habe
kein
konkreter Hilfsbedarf ermittelt werden
können
(vorstehen
d
E. 3.2.3).
Die Abklä
rungsperson ging daher von einem
durchschnittlichen zeitlichen Aufwand für einen 1-Personenhaushalt
aus
, was nicht zu beanstanden ist
. Dabei ermittelte sie
für die Hilfe bei der Wohnungspflege, der Wäsche der Kleider, der Ernährung etc. einen Aufwand
von 1 Stunde und 15 Minuten pro Woche. Für die «Begleitung von ausserhäuslichen Verrichtungen und Kontakten» wurde zusätzlich ein Auf
wand von 15 Minuten
pro Woche
angerechnet
(vorstehend E. 3.2.3)
.
Für
den Bedarf an lebenspraktischer
Begleitung ergi
bt sich damit ein Aufwand von 1
Stunde und 30 Minuten pro Woche. Die Beschwerdeführerin beanstandete
den so ermittelten
zeitlichen
Aufwand
in der Beschwerde
nicht. Der Bedarf liegt
damit
unter dem erforderlichen W
ert von zwei Stunde
n pro Woche (vgl. vorstehend E.
1.4).
Die Bescheinigung
des praktischen Arztes
Z._
, wonach die Beschwerde
führerin täglich eine Begleitung von zwei Stunden benötige (E. 3.3),
führt zu keinem anderen
Ergebnis
. Die
nicht weiter begründete
Bescheinigung vermag den von der Abklärungsperson
ermittelten
zeitlichen Wert im Bereich «Begleitung bei ausserhäuslichen Verrichtungen und Kontakten» von 15 Minuten pro Woche nicht zu widerlegen
und scheint
auch
eher
zu hoch angesetzt
. Wie die Abklä
rungsperson in der Stellungnahme vom 1
4.
Januar 2019 ergänzend angab, lässt sich die
ärztlicherseits
angegebene
Begleitung nicht dem Bereich der lebensprak
tischen Begleitung zuordnen (vorstehend E. 3.4).
4.3
Gestützt auf den Abklärungsbericht vom
9.
Oktober 2018 ist ein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung im Sinn
e von
Art.
38 IVV
zu verneinen und es besteht keine Hilflosigkeit.
Die Beschwerdegegnerin hat einen Anspruch auf Hilflosenentschädigung im angefochtenen Entscheid somit zu Recht verneint. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
5.
5.1
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig
und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Die unentgeltliche Rechtspflege kann nur gewährt werden, wenn die Rechtsvor
kehr nicht aussichtslos ist. Als aussichtslos sind nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Prozessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten (ex ante betrachtet) beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Dagegen gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Ge
winnaussichten und Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde; eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb anstrengen können, weil er sie nichts kostet (BGE 133 III 614 E. 5 mit Hinweisen).
5.2
Soweit
die
Beschwerdeführerin
in der Eingabe
vom 2
9.
April 2020
(
vorsorgliche Massnahmen
)
um
unentgeltliche Rechtsvertretung
ersuchte
(
Urk.
10)
, ist das Gesuch infolge Aussichtslosigkeit
der Beschwerde
abzuweisen
,
nachdem
dem Bericht über die Abklärung vor Ort vom
9.
Oktober 2018 voller Beweiswert beizumessen ist, was die Beschwerdeführerin nicht beanstandete
.
Zum Gesuch
um Bestellung
eines unentgeltlichen Rechtsvertreters
ist anzufügen, dass bis vo
r Kurzem
eine Beistandschaft bestand
(vgl.
Urk.
3/3), die
zwischenzeit
lich
beendet wurde
(vgl.
Urk.
12/1-2 und
Urk.
13)
.
5.3
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Vor
liegend sind die Kosten auf Fr.
5
00.-- festzusetzen und
der
unterliegenden Be
schwerdeführer
in
aufzuerlegen.