Decision ID: 82c9e490-c560-5ebb-ba01-a6f9818faa92
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Markus Roos, Postgasse 5, Postfach,
9620 Lichtensteig,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ erlitt am 2. Juli 2004 auf der Autobahn einen Auffahrunfall, als ein Fahrer ihr
Auto, mit dem sie mit ca. 120 km/h unterwegs war, von hinten rammte (Unfallmeldung
vom 26. Juli 2004, act. G 4.2). Der behandelnde Dr. med. B._, Facharzt FMH für
Allgemeinmedizin, diagnostizierte am 5. August 2004 ein traumatisches
Zervikovertebralsyndrom bei Status nach Beschleunigungstrauma der Halswirbelsäule
(Arztzeugnis vom 5. August 2004, act. G 4.2). Für die Dauer vom 2. Juli bis
14. November 2004 bescheinigte er der Versicherten eine 100%ige, ab 15. November
2004 eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit (Bericht vom 23. Mai 2005, act. G 4.1.142). Am
6. Mai 2005 meldete sich die Versicherte zum Bezug von IV-Leistungen
(Berufsberatung) an (act. G 4.1.154).
A.b Im Gutachten der Klinik Valens vom 9. Januar 2007, dem fachärztliche
rheumatologische und psychiatrische Untersuchungen sowie eine Evaluation der
funktionellen Leistungsfähigkeit zugrunde lagen, wurden folgende Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt: ein chronisches zervikozephales und
zervikospondylogenes Syndrom (ICD-10: M53.0) bei Status nach Heckauffahrkollision
vom 2. Juli 2004; ein Fibromyalgiesyndrom mit chronischem Panvertebralsyndrom
(ICD-10: M79.0) und eine Dysthymie (ICD-10: F34.1). Die zuletzt vor dem Unfall
ausgeübte Tätigkeit als kaufmännische Angestellte in einem Sportartikelgeschäft sei
der Versicherten nicht mehr zumutbar. Zumutbar sei ihr aber die angepasste Tätigkeit
als Rezeptionistin. Diese seit März 2006 ausgeübte Tätigkeit (vgl. zum Beginn act.
G 4.1.115-6 unten) sei ihr in einem Pensum von 50% zumutbar (act. G 4.1.115-28). Für
eine andere leidensangepasste Tätigkeit bestehe ebenfalls eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit (act. G 4.1.115-31).
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A.c Der Regionale Ärztliche Dienst der Invalidenversicherung (RAD) kam in der
Stellungnahme vom 16. Februar 2007 zum Schluss, dass das Gutachten der Klinik
Valens in Ausführlichkeit und Untersuchungsqualität durchaus überzeuge, die daraus
gezogenen Schlüsse aber einer versicherungsmedizinischen Überprüfung nicht stand
hielten. Deshalb werde der Versicherten aufgrund der vorliegenden
Untersuchungsbefunde eine vollzeitige Arbeitsfähigkeit in einer dem Leiden adaptierten
Tätigkeit zugemutet. Medizinisch theoretisch sei die Versicherte demnach ab
Dezember 2006 wieder für leichte Tätigkeiten voll arbeitsfähig (act. G 4.1.112).
A.d Nach vorgängig durchgeführtem Vorbescheidverfahren verfügte die IV-Stelle am
22. Mai 2007, dass die Versicherte keinen Anspruch auf berufliche Massnahmen habe
(act. G 4.1.99). Diese Verfügung erwuchs in Rechtskraft (vgl. zum infolge Rückzugs
abgeschriebenen Beschwerdeverfahren die Verfügung des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 12. Februar 2009, IV 2007/426, act. G 4.1.77).
A.e Unter Hinweis auf die Rentenverfügung des Unfallversicherers ersuchte die Ver
sicherte die IV-Stelle um die Zusprache einer Rente der Invalidenversicherung
(Schreiben vom 17. April 2009; act. G 4.1.76). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren verfügte die IV-Stelle am 1. September 2009 die Abweisung des
Rentengesuchs. Zur Begründung führte sie aus, dass sich der Gesundheitszustand der
Versicherten seit der Verfügung vom 22. Mai 2007 aus medizinischer Sicht nicht
verändert habe. Es bestehe demnach sowohl in der angestammten als auch sämtlichen
den Leiden angepassten Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (act. G 4.1.64). Das
Versicherungsgericht hiess die dagegen gerichtete Beschwerde vom 2. Oktober 2009
mit Entscheid vom 20. August 2010, IV 2009/354, teilweise gut und wies die Sache zur
Einholung eines Obergutachtens an die IV-Stelle zurück (act. G 4.1.38).
A.f Am 21. und 23. März 2011 fand eine polydisziplinäre (rheumatologisch-
psychiatrische) Oberbegutachtung in der MEDAS statt. Im Gesamtgutachten vom
23. Juni 2011 diagnostizierten die Experten mit Einschränkung der zumutbaren
Arbeitsfähigkeit: eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leicht- bis
mittelgradige depressive Episode mit beginnender Chronifizierung, ängstlich gefärbt
(ICD-10: F33.8), eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4), ein
chronifiziertes cervicospondylogenes und cervicocephales Syndrom (ICD-10: M54.2),
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ein thorakolumbospondylogenes Syndrom (ICD-10: M54.5) sowie eine reaktive
Brachialgie links (ICD-10: M65.8). Betreffend alle bisherigen Tätigkeiten einschliesslich
der aktuellen Arbeit als angelernte Französischlehrerin bestätigte der psychiatrische
Obergutachter eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit, spätestens ab gutachterlicher
Untersuchung. Eine exakte Rückdatierung sei nicht möglich, eine über 2 - 3 Jahre
schleichende Verschlechterung des psychischen Zustands sei anzunehmen. Aus rein
somatischer Sicht bestehe für die ausgeübte Tätigkeit als angelernte
Französischlehrerin wegen der mit dieser Tätigkeit zum Teil auch verbundenen
stereotypen Körperhaltungen am PC und Belastung des Schultergürtels und der HWS
im Unterricht zusätzlich eine Verminderung des Rendements von etwa 20% (vermehrte
Pausen), so dass polydisziplinär eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt werde. Für
eine leidensangepasste Tätigkeit bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 30% aus
psychischen Gründen. Aus rheuma-orthopädischer Sicht bestünde für solche
Tätigkeiten keine zusätzliche Verminderung des Rendements (act. G 4.1.30-44). Der
RAD hielt die obergutachterliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit für beweiskräftig
(Stellungnahme vom 11. Juli 2011, act. G 4.1.28).
A.g Auf Nachfrage der IV-Stelle hin (act. G 4.1.23) gab die Versicherte am 13. Juli
2011 Auskunft zu ihrer Erwerbsbiographie (act. G 4.1.24). Gestützt auf das
Obergutachten vom 23. Juni 2011 stellte die IV-Stelle der Versicherten in Aussicht, bei
dem von ihr ermittelten Invaliditätsgrad von 27% einen Rentenanspruch zu verneinen
(Vorbescheid vom 20. Juli 2011, act. G 4.1.22). Dagegen erhob die Versicherte am
31. August 2011 Einwand. Sie rügte in formeller Hinsicht die Verletzung ihres
Anspruchs auf rechtliches Gehör und ihrer Mitwirkungsrechte. Das Obergutachten hielt
sie für nicht beweiskräftig (act. G 4.1.17). Mit Schreiben vom 12. Oktober 2011
ersuchte die IV-Stelle den psychiatrischen Obergutachter um eine Begründung,
weshalb zwischen Juli 2004 und Mai 2011 nicht von einer psychiatrisch bedingten
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50% auszugehen sei (act. G 4.1.15). Dieser äusserte
sich am 30. November 2011 hierzu und hielt daran fest, dass erst seit 2 bis 3 Jahren
zunehmend eine andauernde Arbeitsunfähigkeit von 30% aus psychiatrischer Sicht
bestehe. Vorher sei die Arbeitsunfähigkeit eindeutig geringer gewesen. Allenfalls habe
sie kurzzeitig und vorübergehend, aber nicht andauernd 50% oder mehr betragen (act.
G 4.1.12). Am 9. Dezember 2011 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des
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Rentengesuchs (act. G 4.1.11; vgl. auch die RAD-Stellungnahme vom 9. Dezember
2011, act. G 4.1.10).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 9. Dezember 2011 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 23. Januar 2012. Die Beschwerdeführerin beantragt darin unter
Kosten- und Entschädigungsfolge deren Aufhebung und die Zusprache einer ganzen
Rente mit Wirkung ab Mai 2006. Eventualiter sei eine neue Begutachtung anzuordnen.
Vorab rügt die Beschwerdeführerin eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Sie
bemängelt des Weiteren die Höhe der von der Beschwerdegegnerin berücksichtigten
Vergleichseinkommen und hält das Obergutachten für nicht beweiskräftig, zumal es
den Einschätzungen der behandelnden medizinischen Fachpersonen widerspreche
(vgl. die der Beschwerde beigelegten Berichte von Dr. med. C._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, vom 16. Januar 2012 [act. G 1.15], und von Dr. B._
vom 19. Januar 2012 [act. G 1.16]) und der psychiatrische Experte befangen sei.
Schliesslich sei ihr nicht zumutbar, die somatoforme Schmerzstörung mit einer
Willensanstrengung zu überwinden (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 28. März
2012 die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung bringt sie vor, dass keine
Gehörsverletzung vorliege, das Obergutachten gemäss RAD-Stellungnahme vom
5. März 2012 (act. G 4.1.2) beweiskräftig sei und die Leiden der Beschwerdeführerin
keine invalidisierende Wirkung hätten. Auf die Vorbringen zu den Vergleichseinkommen
müsse nicht eingegangen werden, da bei einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten ohnehin kein rentenbegründender Invaliditätsgrad
resultiere (act. G 4).
B.c In der Replik vom 13. Juni 2012 hält die Beschwerdeführerin unverändert an ihren
Anträgen fest (act. G 10).
B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (vgl. act. G 12).

Erwägungen:
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1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin. Zu den Voraussetzungen für einen Rentenanspruch kann auf
die bereits im Entscheid vom 20. August 2010, IV 2009/354, gemachten Ausführungen
(vgl. E. 2.1 ff.; act. G 4.1.38-5 ff.) verwiesen werden.
2.
In formeller Hinsicht ist die Frage zu beantworten, ob die Beschwerdegegnerin den
Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör verletzt hat.
2.1 Dabei ist festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin weder ihre
Ergänzungsfrage an den psychiatrischen Obergutachter vom 12. Oktober 2011 (act.
G 4.1.15) noch dessen Antwort vom 30. November 2011 (Posteingang IV-Stelle am
6. Dezember 2011, act. G 4.1.12) der Beschwerdeführerin vor Verfügungserlass
zustellte.
2.2 Dies stellt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar, da grundsätzlich in Er
füllung des Akteneinsichtsrechts (als Teil des Anspruchs auf rechtliches Gehör, vgl.
Art. 29 der Bundesverfassung [BV; SR 101] und Art. 42 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]) den Beteiligten
sämtliche beweiserheblichen Akten gezeigt werden müssen. Die Beschwerdegegnerin
hat dabei von sich aus den versicherten Personen die von ihr eingeholten relevanten
Unterlagen zur Kenntnis zu bringen verbunden mit der Möglichkeit zur Stellungnahme.
Weil bereits aus diesem Grund eine Verletzung des rechtlichen Gehörs vorliegt, kann
offen bleiben, ob auch die weiteren Gehörsrügen der Beschwerdeführerin zutreffend
sind (vgl. hierzu act. G 1, Rz 16 ff.). Die Beschwerdeführerin beantragt in der
Beschwerde vom 1. Dezember 2010 jedoch nicht die Rückweisung der Streitsache an
die Beschwerdegegnerin zur formgerechten Durchführung des Beweisverfahrens,
sondern einzig einen Entscheid in der Sache. Die Heilung einer Verletzung der nach Art.
42 ATSG geltenden Verfahrensregeln soll die Ausnahme bleiben. Richtet sich das
Interesse der betroffenen Person nicht auf eine möglichst beförderliche Beurteilung
ihres Anspruchs, sondern auf die Durchsetzung eines in formeller Hinsicht korrekten
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Verfahrens, sind die Verfügungen aufzuheben, ohne dass es darauf ankäme, ob
Aussicht besteht, dass nach einem richtig durchgeführten Beweisverfahren anders
entschieden würde (BGE 119 V 208 E. 6). Eine Abweichung von dieser Praxis erscheint
jedenfalls dann als gerechtfertigt und sinnvoll, wenn die versicherte Person einer
materiellen Beurteilung vor einer Zurückweisung den Vorzug gibt (Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 29. Mai 2009, IV 2007/396, E. 1.2),
wie das hier der Fall ist. Die Heilung ist aber - abhängig vom Verfahrensausgang - bei
den Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin zu
berücksichtigen. Demnach ist nachfolgend der materielle Streitpunkt zu prüfen.
3.
Bezüglich des umstrittenen Rentenanspruchs stellt sich zunächst die Frage, ob der
medizinische Sachverhalt rechtsgenüglich abgeklärt worden ist. Die
Beschwerdegegnerin legte der angefochtenen Verfügung das Obergutachten vom
23. Juni 2011 zugrunde (act. G 4.1.30). Die Beschwerdeführerin bringt gegen dessen
Beweiskraft verschiedene Einwände vor (vgl. act. G 1 und G 9).
3.1 Der Beschwerdeführerin ist hinsichtlich der gerügten Verletzung von
Mitwirkungsrechten bei der Oberbegutachtung (act. G 1, Rz 21 ff.) Folgendes zu
entgegnen: Die in BGE 137 V 210 definierten Anforderungen an die Einholung von
MEDAS-Gutachten durch die Invalidenversicherung gelten grundsätzlich auch in
laufenden Verfahren. Das Obergutachten wurde bereits vor diesem (am 28. Juni 2011
ergangenen) Urteil am 23. Juni 2011 erstellt; die Mitwirkungsrechte der versicherten
Person nach neuer Rechtsprechung (vgl. BGE 137 V 256 ff. E. 3.4.2.6 und E. 3.4.2.9)
konnten demnach noch nicht zum Tragen kommen. Dieser Umstand führt indes nicht
zwangsläufig zu einer neuen Begutachtung. Es wäre nicht verhältnismässig, wenn nach
den alten Regeln eingeholte Gutachten ungeachtet ihrer jeweiligen Überzeugungskraft
den Beweiswert einbüssten (BGE 137 V 266 E. 6). Allerdings ist dem Umstand, dass
ein nach altem Standard in Auftrag gegebenes Gutachten eine massgebende
Entscheidungsgrundlage bildet, unter Umständen bei der Beweiswürdigung Rechnung
zu tragen. In dieser speziellen Übergangssituation lässt sich die beweisrechtliche
Situation der versicherten Person mit derjenigen bei versicherungsinternen
medizinischen Entscheidungsgrundlagen vergleichen. In solchen Fällen genügen schon
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relativ geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen
Feststellungen, um eine (neue) Begutachtung anzuordnen (Urteil des Bundesgerichts
vom 17. September 2012, 9C_148/2012, E. 1.3 f. mit Hinweisen).
3.2 Nach der Auffassung der Beschwerdeführerin ist es widersprüchlich, dass sie
nach der Intensität ihrer Schmerzen und der Leistungsfähigkeit befragt worden sei, die
Obergutachter es aber dann für nicht nachweisbar erklärt hätten, wenn sie stärker
leide, als dies von ihnen "erwünscht ist". Es sei aufgrund der obergutachterlichen
Ausführungen nicht nachvollziehbar, weshalb medizinisch gesehen aufgrund der
diagnostizierten körperlichen Beeinträchtigungen an manchen Tagen nicht sehr starke
Schmerzen auftreten könnten und ihre Leistungsfähigkeit höher sein soll, als sie
tatsächlich sei (act. G 1, Rz 40).
3.2.1 Es entspricht einer sorgfältigen Begutachtung, wenn von den
medizinischen Experten der Krankheitsverlauf sowie die aktuellen Beschwerden
umfassend erhoben werden (vgl. Leitlinien der Schweizerischen Ärztegesellschaft für
Rheumatologie für die Begutachtung rheumatologischer Krankheiten und Unfallfolgen,
in: Schweizerische Ärztezeitung, 2007;88: 17, S. 738 f.). Die Schmerzangaben einer
versicherten Person bilden indessen lediglich einen Aspekt der medizinischen
Untersuchung.
3.2.2 Bei ihrer Kritik übersieht die Beschwerdeführerin, dass in Anbetracht der
sich mit Bezug auf Schmerzen naturgemäss ergebenden Beweisschwierigkeiten die
subjektiven Schmerzangaben der versicherten Person für die Begründung einer
(teilweisen) Invalidität für sich allein nicht genügen; vielmehr muss im Rahmen der
sozialversicherungsrechtlichen Leistungsprüfung verlangt werden, dass die
Schmerzangaben durch damit korrelierende, fachärztlich schlüssig feststellbare
Befunde hinreichend erklärbar sind (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
[EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom
9. Oktober 2001, I 382/00, E. 2b). Die Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit hat gestützt
auf umfassende Untersuchungen und in kritischer Auseinandersetzung sowie
Würdigung der von der versicherten Person geklagten Leiden zu erfolgen. Es kann
daher keine Rede davon sein, das Verhalten der Obergutachter sei widersprüchlich
gewesen, zumal die Beurteilung der subjektiven Schmerzangaben unter
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Berücksichtigung der eigenen umfassenden Untersuchungen erfolgte (act.
G 4.1.30-43).
3.2.3 Schliesslich schlossen die Obergutachter nicht aus, dass das
Schmerzerleben der Beschwerdeführerin variieren kann, mithin auch an manchen
Tagen vergleichsweise erhöht ist. Für die vorliegende Frage nach der rentenrelevanten
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sind jedoch nicht kurzzeitige und vorübergehende
Schmerzschwankungen von Interesse, sondern einzig die objektive Einschätzung der
dauerhaften Gesundheitsbeeinträchtigungen und deren Auswirkung auf die
Leistungsfähigkeit.
3.3 Die Beschwerdeführerin bemängelt weiter die Aussagen der Obergutachter,
wonach die Erfolglosigkeit der durchgeführten Behandlungen auf ein nichtorganisches
Krankheitsverhalten hinweise (act. G 1, Rz 41 f.), die Behandlungsmethoden noch nicht
ausgeschöpft seien und sie (die Beschwerdeführerin) über eine eingeschränkte
Krankheitseinsicht verfüge (act. G 1, Rz 43).
3.3.1 Der psychiatrische Obergutachter begründete plausibel, es bestehe in
Bezug auf die geschilderte Schmerzsymptomatik über eine somatische Erklärung
hinaus eine Generalisierung der Schmerzsymptomatik und ein diffuser Schmerz fast im
gesamten Körper, die Lokalisation wechselnd. Dieser von der Beschwerdeführerin
geschilderte Schmerz und die dadurch bedingten Einschränkungen in ihrer
Lebensführung seien durch den Nachweis eines physiologischen Prozesses oder einer
körperlichen Störung nicht vollständig erklärt (act. G 4.1.30-56). Die subjektive
Einschätzung sei nach objektiv-gutachterlicher Sicht so nicht vollständig
nachvollziehbar. Es bestünden Hinweise auf eine Verdeutlichungstendenz und einen
sekundären Krankheitsgewinn, da die Beschwerdeführerin nun auch im Haushalt
entlastet sei und das Schon- sowie Vermeidungsverhalten von ihrem Ehemann
akzeptiert werde (act. G 4.1.30-58). Diese Einschätzung entspricht den vom
somatischen Obergutachter gemachten Ausführungen, dass die sehr tiefe
Selbsteinschätzung der körperlichen Fähigkeiten rein somatisch nicht erklärbar und
nicht mit den angegebenen Restaktivitäten vereinbar sei (act. G 4.1.30-26). Die von den
Obergutachtern genannten erfolglosen bisherigen Behandlungen (act. G 4.1.30-43)
stellen lediglich einen Aspekt bei der Begründung des nichtorganischen
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Krankheitsverhaltens dar. Es kann deshalb offen bleiben, ob dieser Aspekt zutrifft oder
nicht. Und selbst wenn der Erfolg der bisherigen Behandlungen nicht als einschlägige
Grundlage für die Beantwortung der Frage nach dem Bestehen nichtorganischen
Krankheitsverhaltens angesehen würde, erscheint die Bemerkung schlüssig, dass
"auch Zeichen für ein nichtorganisches Krankheitsverhalten" (act. G 4.1.30-43)
bestünden. Dies umso mehr, als das Versicherungsgericht im
unfallversicherungsrechtlichen Verfahren ergangenen Entscheid vom 17. April 2007,
UV 2006/12, ebenfalls feststellte, die angegebenen Beschwerden liessen sich nicht auf
eine objektivierbare organische Schädigung zurückführen (E. 4c, act. G 4.1.54-30).
3.3.2 Was die von den Obergutachtern genannten noch nicht vollständig
ausgeschöpften Behandlungsmöglichkeiten anbelangt, ist zu bemerken, dass sie
konkrete Behandlungsvorschläge machten (vgl. etwa act. G 4.1.30-44: Fortsetzung der
psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung inklusive Optimierung der
antidepressiven Medikation; Versuch einer gezielten physiotherapeutischen
Behandlung des craniocervicalen Übergangs [Mobilisation, gezielte muskuläre
Dekontraktion], Triggerpunktbehandlung des Infraspinatus links mit Mobilisation
scapulothorakal und Triggerpunktbehandlung des proximalen Vorderarms links), auch
wenn sie sich - durchaus der Sache angemessen - skeptisch zu einem möglichen
Behandlungsverlauf äusserten ("Ob durch diese [psychiatrische] Behandlung eine
wesentliche weitere Verbesserung der Arbeitsfähigkeit erreicht werden kann, scheint
derzeit eher in Frage zu stehen, aber nicht völlig ausgeschlossen, act. G 4.1.30-58).
Hinzu kommt, dass auch die behandelnden Ärzte weitere Therapiemöglichkeiten
nannten bzw. durchführten (nach der Begutachtung begonnene konsequente Therapie
mit Cipralex, act. G 1.16; Linderung versprechende medikamentöse
Behandlungsversuche, act. G 10.23, S. 2). Ein Mangel am Obergutachten ist daher zu
verneinen.
3.3.3 Hinsichtlich der Krankheitseinsicht ist zu präzisieren, dass der
psychiatrische Obergutachter lediglich von einer leichten Einschränkung sprach (act.
G 4.1.30-53) und weder naheliegend noch dargetan ist, dass diese Äusserung für die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit von Relevanz wäre, weshalb sich Weiterungen
erübrigen.
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3.4 Völlig haltlos erachtet die Beschwerdeführerin auch die Einschätzung des
psychiatrischen Obergutachters, die andauernde schleichende Verschlechterung des
psychischen Zustands und Chronifizierung könne entstanden sein, weil sie in den
letzten 2 bis 3 Jahren keine ausreichend konsequente psychiatrische Behandlung
inklusive optimierter Psychopharmakotherapie mehr in Anspruch genommen habe (act.
G 1, Rz 48 ff.; vgl. zur beanstandeten Äusserung act. G 4.1.12).
3.4.1 Vorab ist darauf hinzuweisen, dass im psychiatrischen Teilgutachten der
Klinik Valens vom 28. Dezember 2006 keine psychiatrischen Diagnosen mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit gestellt wurden. Die damals diagnostizierte Dysthymie (ICD-10:
F34.1) habe keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (act. G 4.1.116-30). Die
obergutachterliche Sichtweise, wonach sich der psychische Zustand in den letzten
zwei bis drei Jahren verschlechtert habe, wird ferner gestützt durch die Ausführungen
von Dr. C._, wonach der Krankheitsverlauf wegen der somatischen Komorbiditäten
chronifiziert und progredient sei (Arztzeugnis vom 16. Januar 2012, act. G 1.15). Des
Weiteren ergeben sich daraus keine Gesichtspunkte, die der psychiatrische
Obergutachter bei seiner Einschätzung ausser Acht gelassen hätte. Gleiches gilt für
das Arztzeugnis vom 16. Mai 2012, das sich im Übrigen primär auf die Wiedergabe der
Angaben der Beschwerdeführerin stützt und vor allem keine retrospektive Beurteilung
enthält (act. G 10.22). Damit geht einher, dass auch Dr. B._ von einem chronifiziertem
Krankheitsverlauf mit reaktiv-depressiver Erkrankung sprach (Arztzeugnis vom 7. Mai
2012, act. G 10.25).
3.4.2 Vor diesem Hintergrund ist die Schlussfolgerung des psychiatrischen
Obergutachters nicht zu beanstanden, dass sich der psychische Gesundheitszustand
vor der Begutachtung vermutlich schleichend über einen längeren Zeitraum von zwei
bis drei Jahren verschlechtert habe (act. G 4.1.30-57), zumal diese Annahme mit der
bei Dr. C._ begonnenen Psychotherapie (etwa vor 2 Jahren, act. G 4.1.30-50) und
der übrigen vom Experten berücksichtigten sowie plausibel gewürdigten medizinischen
Voraktenlage (act. G 4.1.30-55 f.) zu vereinbaren ist. Ferner vertritt auch der
behandelnde Dr. med. D._, Facharzt für Innere Medizin / Rheumatologie, die
Auffassung, dass die Depression mit der Chronifizierung eingetreten sei (act. G 10.23).
Zumindest erscheint es als nicht überwiegend wahrscheinlich, dass der psychische
Gesundheitszustand vor der Oberbegutachtung andauernd stärker beeinträchtigt war
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als im Zeitpunkt der Untersuchung vom 23. März 2011. Ob der Grund für die
Verschlechterung im Fehlen einer ausreichend konsequenten psychiatrischen
Behandlung inklusive optimierter Psychopharmakotherapie lag, ist vorliegend nicht von
Belang. Im Übrigen handelte es sich bei dieser Aussage lediglich um eine Hypothese
("kann", act. G 4.1.12-2), die weder als aktenwidrig noch unsorgfältig bezeichnet
werden kann. Schliesslich wurde auch im Gutachten der Klinik Valens vom 9. Januar
2007 erwähnt, "Die aktuelle Medikation erscheint aus psychiatrischer Sicht
unzureichend wirksam." (act. G 4.1.53-23).
3.5 Als unzutreffend bezeichnet die Beschwerdeführerin weiter, dass die depressive
Symptomatik bestimmend für das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit sei (act. G 1,
Rz 51 ff.). Sie verneint auch das Vorliegen von Verdeutlichungstendenzen sowie
psychosozialen Belastungsfaktoren (act. G 1, Rz 56). Die Verwendung des Begriffs
"Migrationshintergrund" sei als tendenziös einzustufen (act. G 1, Rz 57).
3.5.1 Die obergutachterliche Einschätzung, wonach die depressive Symptomatik
für das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit bestimmend sei (act. G 4.1.30-29), erfolgte
gestützt auf eine umfassende Untersuchung der Beschwerdeführerin und ist
angesichts des bestehenden, teilweise nicht organischen Krankheitsbilds schlüssig
begründet. Zudem wurde sie anlässlich der Gesamteinschätzung auch vom
somatischen Obergutachter mitgetragen (act. G 4.1.30-43 f.) und deckt sich mit den
von Dr. C._ genannten Gründen für die Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit (grosse
Ermüdbarkeit, Aufmerksamkeitsstörung, verminderte Konzentration,
Gedächtnisprobleme, Grübeln, Schlafstörungen und Erschöpfung; Arztzeugnis vom
16. Januar 2012, act. G 10.24; vgl. ferner auch die Ausführungen von Dr. D._, der auf
das Hinzukommen von Symptomen hinweist, die nicht primär als schmerzassoziiert zu
erkennen seien; Arztzeugnis vom 4. Juni 2012, act. G 10.23).
3.5.2 Hinsichtlich der gerügten vom psychiatrischen Obergutachter angemerkten
Verdeutlichungstendenzen (act. G 4.1.30-29) ist zunächst klarzustellen, dass darin kein
Vorwurf von Aggravation oder Simulation erblickt werden kann.
Verdeutlichungstendenzen sind der Begutachtungssituation durchaus angemessen und
dürfen gerade nicht mit Simulation oder Aggravation gleichgesetzt werden. Es handelt
sich hierbei um den mehr oder weniger bewussten Versuch, den Gutachter vom
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Vorhandensein der Schmerzen und damit einhergehender Funktions- und
Leistungseinschränkungen zu überzeugen (so Leitlinie für die ärztliche Begutachtung
von Menschen mit chronischen Schmerzen, AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/102,
S. 12, <http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/
030_102k_S2k_Begutachtung_von_Schmerzen_052012-122016_01.pdf>, abgerufen
am 25. März 2013). Aus den obergutachterlichen Ausführungen ergibt sich denn auch
nicht, dass der Experte die Beschwerdeführerin mit dem Hinweis auf
Verdeutlichungstendenzen in ein für sie ungünstiges Licht rücken wollte. Vielmehr
würdigte er damit pflichtgemäss die von ihr vorgenommene Schmerzschilderung (vgl.
zu den aktuellen Beschwerden und subjektiven Angaben act. G 4.1.30-50 sowie die
Würdigung der Schmerzschilderung in act. G 4.1.30-56), ohne dass sich dadurch
Zweifel an seiner Beurteilung ergeben.
3.6 ln der Erwähnung psychosozialer Belastungsfaktoren (abgebrochene Schulaus
bildung, keine Berufsausbildung, erschwerte Bedingungen auf dem freien Arbeitsmarkt,
Migrationshintergrund, partnerschaftliche Schwierigkeiten und finanzielle Engpässe,
act. G 4.1.30-57) kann ebenfalls kein Mangel am Obergutachten erblickt werden. Denn
bereits Dr. phil. E._ wies im Kurzbericht vom 28. Mai 2008 auf eine "konfliktgeprägte"
bzw. belastete Lebensgeschichte der Beschwerdeführerin und deren unverarbeiteten
intrapsychischen Konflikte hin, welche die Unfallverarbeitung zusätzlich erschwerten
(vgl. act. G 4.1.55-8). Des Weiteren dringt der Einwand nicht durch, die Verwendung
des Begriffs "Migrationshintergrund" sei im vorliegenden Zusammenhang als
tendenziös einzustufen (act. G 1, Rz 57), zumal er mit Blick auf die Biographie der
Beschwerdeführerin (vgl. etwa act. G 4.1.116-14) zumindest nicht unangebracht
erscheint. Was die "finanziellen Probleme" anbelangt, so finden sich entsprechende
Anhaltspunkte bereits im psychiatrischen Teilgutachten vom 28. Dezember 2006 (act.
G 4.1.116-21 f.)
3.7 Entgegen der anderslautenden Einschätzung der Beschwerdeführerin (act. G 1,
Rz 54) ist die Rechtsprechung des Bundesgerichts zur zumutbaren Willensanstrengung
bei somatoformen Schmerzstörungen (BGE 130 V 352) auch auf ein HWS-
Schleudertrauma anwendbar (BGE 136 V 279), weshalb ihre entsprechende Kritik ins
Leere zielt.
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3.8 Gegen die obergutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bringt die
Beschwerdeführerin ferner vor, dass die Obergutachter für die bisherigen sowie die
aktuell ausgeübte Tätigkeit als angelernte Französischlehrerin polydisziplinär eine
50%ige Arbeitsunfähigkeit (30% psychiatrisch plus 20% somatisch) bescheinigten. Für
adaptierte Tätigkeiten bestehe jedoch aus somatischer Sicht zusätzlich zur
psychiatrisch begründeten keine weitergehende quantitative Arbeitsunfähigkeit. Dies
sei nicht schlüssig, entspreche doch die Tätigkeit als Französischlehrerin in optimaler
Weise dem für leidensangepasste Tätigkeiten formulierten Anforderungsprofil. Daher
sei auch bei leidensangepassten Tätigkeiten von einer zusätzlichen 20%igen
Arbeitsunfähigkeit und damit insgesamt von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit
auszugehen (act. G 1, Rz 59 ff.).
3.8.1 In der Tat ist die Äusserung des somatischen Obergutachters nicht
nachvollziehbar, dass für die seit November 2009 (act. G 4.1.25-3) ausgeübte Tätigkeit
als Französischlehrerin zusätzlich zur psychiatrisch bescheinigten 30%igen
Beeinträchtigung eine quantitative Einschränkung von etwa 20% "(vermehrt Pausen)"
bestehe. Die 20%ige Leistungseinbusse wurde nur knapp begründet ("mit dieser
Tätigkeit zum Teil auch verbundenen stereotypen Körperhaltungen am PC und
Belastung des Schultergürtels und der HWS im Unterricht", act. G 4.1.30-44). Es
erscheint indessen nicht naheliegend, dass die Tätigkeit als Französischlehrerin mit
den genannten Belastungen verbunden ist.
3.8.2 Die Beschwerdeführerin legt denn auch ausführlich und nachvollziehbar
dar, dass die von ihr ausgeübte Tätigkeit "in optimaler Weise" den von den
Obergutachtern aufgeführten Anforderungen an eine leidensangepasste Tätigkeit
entspreche und insbesondere kein längerdauerndes Arbeiten am PC erfordere (act.
G 1, Rz 61). Mit der Lehrtätigkeit komme sie denn auch "doch insgesamt gut
zurecht" (act. G 4.1.30-51). Schliesslich verfügt die Beschwerdeführerin bei dieser
Tätigkeit auch über die Möglichkeit, Erholungspausen einzuschalten (act. G 1, Rz 61
am Schluss).
3.8.3 Nicht gefolgt werden kann der Auffassung der Beschwerdeführerin, auf
dem freien Arbeitsmarkt bestehe keine den Anforderungen an eine leidensangepasste
Tätigkeit ("Wegen der HWS-Probleme und des Schultergürtels keine Tätigkeiten mit
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weitgehend freier HWS-Beweglichkeit oder Belastungen der Nacken-/
Schultergürtelmuskulatur [Extensionsstellung des Kopfes, Tätigkeiten über
Schultergürtelhöhe], zusammen mit dem lumbospondylogenen Syndrom keine
körperlich schweren Arbeiten mit Heben und Tragen schwerer Gewichte sowie wegen
des linken Armes keine stereotypen Belastungen der Hand- und Fingerflexoren und -
extensoren sowie repetitiven Belastungen des Vorderarms inkl. Umwendbewegungen",
act. G 4.1.30-44) entsprechende Arbeitsmöglichkeit (act. G 1, Rz 62). Denn die
genannten Anforderungen sind nicht derart einschränkend formuliert, dass im Bereich
der leichten Tätigkeiten geradezu nur noch Nischenmöglichkeiten bestünden. Im
Übrigen bringt die Beschwerdeführerin selbst vor, eine Lehrtätigkeit entspreche optimal
den zu beachtenden qualitativen Einschränkungen (act. G 1, Rz 61).
3.8.4 Vor diesem Hintergrund erscheint es überwiegend wahrscheinlich, dass
insbesondere die ausgeübte Tätigkeit als Französischlehrerin den Anforderungen an
eine leidensangepasste Tätigkeit entspricht. Diese Korrektur vermag indessen die
Beweiskraft des ansonsten in allen Teilen den rechtsprechungsgemässen
Anforderungen an eine gutachterliche Expertise entsprechenden Obergutachtens nicht
zu erschüttern (BGE 125 V 351 E. 3b/bb), weshalb kein Anlass für weitere medizinische
Abklärungen besteht.
3.9 Gemäss der Beschwerdeführerin sei des Weiteren zu beachten, dass der
psychiatrische Obergutachter befangen wirke (act. G 1, Rz 71, und G 10, Rz 37 ff.) und
er implizit bestätigt habe, dass sie nicht mehr in der Lage sei, den Haushalt zu führen
(act. G 10, Rz 38). Aus dem psychiatrischen Obergutachten ergeben sich keine
Hinweise für das von der Beschwerdeführerin wahrgenommene "arrogante" Verhalten
des Experten. Es bestehen auch sonst keine Anhaltspunkte dafür, dass sich dieser
sachfremd verhalten hätte. Der Vorwurf, der psychiatrische Obergutachter habe die
Beschwerdeführerin "kaum einmal angeschaut" bzw. nicht richtig
"wahrgenommen" (act. G 10, Rz 37), lässt sich mit der umfassenden Wiedergabe der
Leidensschilderung der Beschwerdeführerin (act. G 4.1.30-50 f.) sowie der
ausführlichen Befunderhebung (act. G 4.1.30-52 f.) nicht vereinbaren. Schliesslich
benennt die Beschwerdeführerin auch keine wesentlichen Aspekte, die der
psychiatrische Experte ausser Acht gelassen hätte. Des Weiteren kann keine Rede
davon sein, der psychiatrische Obergutachter habe "implizit" bestätigt, dass die
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Beschwerdeführerin nicht mehr in der Lage sei, den Haushalt zu führen, äusserte er
sich doch im Obergutachten nicht zur Restleistungsfähigkeit im Haushalt. Des Weiteren
ist aufgrund der aus psychiatrischer Sicht bestehenden qualitativen Anforderungen an
eine leidensangepasste Tätigkeit (Tätigkeit, die keine besonders erhöhten
Anforderungen an die Stress- und Frustrationstoleranz, die emotionale Belastbarkeit,
die Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit stellen, act. G 4.1.30-57) nicht
nachvollziehbar, dass aus psychiatrischer Sicht eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
bezogen auf den Haushalt bestehen soll.
3.10 Die Beschwerdeführerin rügt weiter, dass die Beweiskraft des Obergutachtens
durch die Berichte der behandelnden medizinischen Fachpersonen und die Zusprache
einer Invalidenrente durch die Suva entsprechend einer 70%igen Invalidität erschüttert
wird (act. G 1, Rz 65 ff., und G 10 Rz 6 f.).
3.10.1 Das Obergutachten erfolgte in Kenntnis und schlüssiger Würdigung der re
levanten Voraktenlage. Was die nach dem Obergutachten erfolgten Stellungnahmen
der behandelnden medizinischen Fachpersonen anbelangt (Arztzeugnisse von
Dr. C._ vom 16. Januar 2012 [act. G 1.15] und vom 16. Mai 2012 [act. G 10.22], von
Dr. B._ vom 19. Januar 2012 [act. G 1.16] und vom 7. Mai 2012 [act. G 10.25] sowie
von Dr. D._ vom 4. Juni 2012 [act. G 10.23]), so ergeben sich daraus zunächst keine
objektiv feststellbaren Gesichtspunkte, welche die Obergutachter ausser Acht gelassen
hätten. Insbesondere hält Dr. B._ in seinen beiden, grundsätzlich gleich lautenden
Arztzeugnissen lediglich an seiner früher - vor dem Obergutachten - geäusserten
Auffassung fest (act. G 1.16 und G 10.25). Gleiches gilt für die Arztzeugnisse von
Dr. C._ (act. G 1.15 und G 10.22, worin lediglich von einer leichten Verschlechterung
ab Januar 2012 die Rede war). Dr. D._ schliesslich macht im Wesentlichen
therapeutische Ausführungen, ohne sich zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
zu äussern (act. G 10.23). Im Licht dieser Umstände vermögen die Einschätzungen der
behandelnden medizinischen Fachpersonen keine Zweifel am Obergutachten
entstehen zu lassen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 29. September 2009,
9C_661/2009, E. 3.2).
3.10.2 Die am 7. Januar 2009 verfügte Rentenzusprache durch die Suva erfolgte
auf der Grundlage des Gutachtens der Klinik Valens vom 9. Januar 2007, worin der
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Beschwerdeführerin eine Restarbeitsfähigkeit von 50% bescheinigt wurde (act. G 4.2).
Diese medizinische Beurteilung hielt das Versicherungsgericht im Entscheid vom
20. August 2010, IV 2009/354, für nicht beweiskräftig (act. G 4.1.38). Allein schon
deshalb vermag die Beschwerdeführerin aus der Rentenzusprache der Suva nichts zu
ihren Gunsten abzuleiten, zumal sich die Obergutachter schlüssig und begründet mit
der Einschätzung der Klinik Valens auseinandersetzten (act. G 4.1.30-45).
3.11 Nach dem Gesagten ist gestützt auf das Obergutachten vom 23. Juni 2011 mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin für
eine Tätigkeit als Französischlehrerin sowie andere leidensangepasste Tätigkeiten über
eine 70%ige Restarbeitsfähigkeit verfügt. Der von der Beschwerdegegnerin
vorgebrachte Einwand, die medizinisch bescheinigte Arbeitsunfähigkeit sei nicht
invalidisierend (act. G 4, S. 3 f.), ist vorliegend nicht stichhaltig. Denn der psychiatrische
Obergutachter legte schlüssig dar, dass die depressive Symptomatik für das im
Obergutachten bescheinigte Ausmass der Arbeitsunfähigkeit bestimmend sei. Die
Schmerzproblematik hielt er für überwindbar und mass ihr keinen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten zu (act. G 4.1.30-29). Diese
Einschätzung deckt sich im Übrigen mit den Einschätzungen der behandelnden Ärzte
(vgl. vorstehende E. 3.5.1). Nach dem Gesagten ist das depressive Leiden nicht bloss
eine Begleiterkrankung zu einer Schmerzkrankheit, sondern ihr kommt das
Hauptgewicht bei der bescheinigten Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit zu (vgl. Urteil
des Bundesgerichts vom 8. April 2013, 8C_651/2012, E. 5.2 f.). Es besteht kein Anlass,
von der obergutachterlichen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit abzuweichen und
insbesondere die Frage nach der Erheblichkeit des depressiven Leidens davon
abweichend zu beantworten.
4.
Ausgehend von einer 70%igen Restarbeitsfähigkeit bleiben die erwerblichen
Auswirkungen im Rahmen eines Einkommensvergleichs zu bestimmen.
4.1 Die Suva ermittelte für das Jahr 2007 gestützt auf den vor dem Unfall von der
Beschwerdeführerin erzielten Lohn ein Valideneinkommen von Fr. 78'000.-- (vgl.
Zusammenfassung der Entscheidungsgrundlagen für die Rentenfestsetzung vom
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6. Januar 2009 sowie Rentenverfügung vom 7. Januar 2009, act. G 4.2). Auf diese
schlüssige Berechnung kann abgestellt werden, zumal sich keine Berechnungsfehler
ergeben und solche von der Beschwerdegegnerin nicht vorgebracht wurden.
4.2 Bei der Bestimmung des Invalideneinkommens gilt es zu beachten, dass primär
von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen ist, in der die versicherte Person
konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben,
namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine
oder jedenfalls keine an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so ist
auf Erwerbstätigkeiten abzustellen, die der versicherten Person (nach zumutbarer
Behandlung und allfälliger Eingliederung) angesichts ihrer Ausbildung und ihrer
physischen, psychischen und intellektuellen Eignung zugänglich wären.
Rechtsprechungsgemäss werden hierzu die Tabellenlöhne gemäss den vom
Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE)
herangezogen (vgl. zum Ganzen BGE 129 V 475 f. E. 4.2.1).
4.2.1 Die Beschwerdeführerin verwertet ihre obergutachterlich bescheinigte
70%ige Arbeitsfähigkeit nicht vollständig, weshalb zur Bestimmung des
Invalideneinkommens auf die LSE-Tabellenlöhne abzustellen ist. Mit Blick auf die
erwerbliche Biographie der Beschwerdeführerin, ihre Zweisprachigkeit und den zu
beachtenden medizinischen Anforderungen an eine leidensangepasste Tätigkeit (vgl.
hierzu act. G 4.1.30-44) erscheint es sachgerecht, bei der Bestimmung des
Invalideneinkommens auf den Durchschnittslohn im Dienstleistungsbereich
abzustellen. Der entsprechende Monatslohn beträgt für Frauen, Anforderungsniveau 3,
im Jahr 2006 Fr. 4'901.-- bzw. angepasst an die betriebsübliche wöchentliche
Arbeitszeit Fr. 5'073.-- ([Fr. 4'901.-- / 40] x 41.4), woraus ein Jahresverdienst von
Fr. 60'876.-- (Fr. 5'073.-- x 12) resultiert. Angepasst an die bis im Jahr 2007
eingetretene Nominallohnentwicklung von + 1.5% und die 70%ige Restarbeitsfähigkeit
ergibt sich ein Einkommen von Fr. 43'252.-- (Fr. 60'876.-- x 1.015 x 0.7).
4.2.2 Vorliegend bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass die
Beschwerdeführerin über die medizinisch ausgewiesene Leistungsbeeinträchtigung
zusätzlich lohnwirksame Nachteile zu gewärtigen hat, weshalb die Vornahme eines
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Tabellenlohnabzugs nicht gerechtfertigt erscheint. Das Invalideneinkommen beträgt
damit auf der Grundlage des Jahres 2007 Fr. 43'252.--.
4.3 Aus den vorstehend ermittelten Vergleichseinkommen resultiert eine
Erwerbseinbusse von Fr. 34'748.-- (Fr. 78'000.-- - Fr. 43'252.--) und ein Invaliditätsgrad
von aufgerundet 45% ([Fr. 34'748.-- / Fr. 78'000.--] x 100). Die Beschwerdeführerin hat
damit einen Anspruch auf eine Viertelsrente. Gestützt auf die obergutachterliche
Einschätzung, wonach die aus psychiatrischer Sicht festgestellte Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit spätestens ab dem Zeitpunkt der Untersuchung gelte, eine exakte
Rückdatierung nicht möglich und eine über 2 bis 3 Jahre schleichende
Verschlechterung des psychischen Zustands anzunehmen sei (act. G 4.1.30-43 f.), ist
der Beginn der aus psychiatrischer Sicht bescheinigten 30%igen Arbeitsunfähigkeit
und der gestützt darauf ermittelten 45%igen Invalidität auf März 2011 (act. G 4.1.30-1)
festzusetzen. In diesem Sinn äusserte sich auch der RAD (der allerdings aus Versehen
bei der Bestimmung des Untersuchungsdatums nicht auf den Zeitpunkt der
Untersuchung, sondern auf das Datum des Obergutachtens "Juni 2011" abstellte;
Stellungnahme vom 11. Juli 2011, act. G 4.1.28-2). Da für die vor dem Unfall ausgeübte
Tätigkeit eine ununterbrochene 50%ige Arbeitsunfähigkeit seit längerem ausgewiesen
ist (vgl. act. G 4.1.30-43), mithin das Wartejahr im Sinn von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG
schon ein Jahr nach dem Unfall vom 2. Juli 2004 (act. G 4.2) erfüllt wurde, hat die
Beschwerdeführerin ab 1. März 2011 Anspruch auf eine Viertelsrente (Art. 28 Abs. 1
lit. c IVG).
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist in teilweiser Gutheissung der Beschwerde die Verfügung
vom 9. Dezember 2011 aufzuheben und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab
1. März 2011 eine Viertelsrente zuzusprechen. Zur Festsetzung der Rentenhöhe ist die
Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
bis
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Ausgang des Verfahrens entsprechend sind sie vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (vgl. betreffend Überklagung Urteil des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 19. Dezember 2011, IV 2009/459,
E. 5.2 f.). Der von der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist
ihr zurückzuerstatten.
5.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.--
bis Fr. 12'000.--. Im hier zu beurteilenden Fall erscheint mit Blick auf vergleichbare
Fälle (vgl. etwa Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15. Juni
2012, IV 2010/158) eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen
und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP