Decision ID: 0c102d65-b889-49b1-8fc5-e31ed904c70f
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend versuchte schwere Körperverletzung etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 7. Abteilung, vom 9. September 2021 (DG210082)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft l vom 18. Mai 2021 (Urk. 17) ist diesem
Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
"Es wird erkannt:
1. Das Verfahren betreffend mehrfache Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes
wird eingestellt, soweit es den Zeitraum vor dem 9. September 2018 betrifft.
2. Der Beschuldigte ist schuldig
− der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB;
− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB;
− der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von
Art. 19a Ziff. 1 BetmG.
3. Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Strafbefehl des Untersuchungsamts
St. Gallen vom 29. März 2018 ausgefällten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu
Fr. 50.– wird widerrufen. Die Geldstrafe ist zu bezahlen.
4. Der Beschuldigte wird bestraft mit 32 Monaten Freiheitsstrafe (wovon 3 Tage durch
Haft erstanden sind) sowie mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.–.
Zudem wird der Beschuldigte bestraft mit einer Busse in Höhe von Fr. 400.–.
5. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 22 Monaten aufgeschoben und
die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (10 Monate, abzüglich 3 Tage, die
durch Haft erstanden sind) wird die Freiheitsstrafe vollzogen.
6. Der Vollzug der Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.– wird aufgeschoben und
die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt.
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7. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so
tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 4 Tagen.
8. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 5 Jahre des Landes verwie-
sen.
9. Die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem wird
angeordnet.
10. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 4. Juni 2019
beschlagnahmte zerbrochene Glasflasche Chardonnay aufbewahrt beim Forensi-
schen Institut Zürich, FOR, wird eingezogen und der Lagerbehörde nach Eintritt der
Rechtskraft dieses Urteils zur Vernichtung überlassen.
11. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 4. Juni 2019
beschlagnahmte Jeans-Hose und das T-Shirt des Beschuldigten aufbewahrt beim
Forensischen Institut Zürich, FOR, werden dem Beschuldigten nach Eintritt der
Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben.
Werden diese Gegenstände vom Beschuldigten oder einer durch ihn bevollmächti-
gen Person nicht innert 60 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils her-
ausverlangt, werden sie der Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung über-
lassen.
12. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ Fr. 1'200.– zuzüglich
5 % Zins ab 1. Juni 2019 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren abgewiesen.
13. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Bemühungen als amtlicher Verteidiger
mit pauschal Fr. 17'000.– (inkl. Barauslagen und MwSt.) aus der Gerichtskasse
entschädigt.
14. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
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Fr. 4'500.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 4'500.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. 2'665.05 Gutachten/Expertisen
Fr. 39.– Zeugenentschädigung
Fr. 5'548.50 Diverse Kosten IRM
Fr. 17'000.– amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
15. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen
diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.
16. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen;
vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
17. (Mitteilungen.)
18. (Rechtsmittel.)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 63 S. 2)
1. Dispositiv-Ziffer 2, erster und zweiter Spiegelstrich des Urteils der
Vorinstanz sei aufzuheben und der Beschuldigte sei von den Vorwür-
fen der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122
StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie der einfachen
Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB freizuspre-
chen.
2. Dispositiv-Ziffer 3 des Urteils der Vorinstanz sei aufzuheben und von
einem Widerruf der mit Strafbefehl des Untersuchungsamts St. Gallen
vom 29. März 2018 ausgefällten Geldstrafe sei abzusehen.
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3. Dispositiv-Ziffern 4 bis 7 des Urteils der Vorinstanz seien insofern auf-
zuheben, als dass der Beschuldigte lediglich mit einer Busse von
CHF 200.00 zu bestrafen sei.
4. Dispositiv-Ziffern 8 und 9 des Urteils der Vorinstanz seien aufzuheben
und es sei von einer Landesverweisung im Sinne von Art. 66a StGB
sowie der Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Infor-
mationssystem abzusehen.
5. Dispositiv-Ziffer 12 des Urteils der Vorinstanz sei aufzuheben und das
Genugtuungsbegehren des Privatklägers sei abzuweisen.
6. Dispositiv-Ziffern 15 und 16 des Urteils der Vorinstanz seien aufzuhe-
ben und die Kosten der Untersuchung sowie des erstinstanzlichen Ge-
richtsverfahrens, einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung,
seien auf die Gerichtskasse zu nehmen.
7. Dem Beschuldigten sei eine angemessene Genugtuung in der Höhe
von mindestens CHF 600.00 auszurichten.
8. Die Kosten des Berufungsverfahrens, einschliesslich derjenigen der
amtlichen Verteidigung, seien auf die Gerichtskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 66 S. 1 f.)
1. Der Beschuldigte A._ sei mit einer Freiheitsstrafe von 40 Monaten, wo-
von 3 Tage durch Haft erstanden sind, und einer Geldstrafe von
100 Tagessätzen zu Fr. 50.– und einer Busse von Fr. 500.– zu bestrafen.
Die Freiheitsstrafe und die Geldstrafe seien zu vollziehen.
Bei schuldhafter Nichtbezahlung der Busse sei eine Ersatzfreiheitsstrafe von
5 Tagen festzusetzen.
2. Es sei eine Landesverweisung von 7 Jahren anzuordnen, mit Ausschreibung
derselben im Schengener Informationssystem.
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Erwägungen:
I. Verfahren
1. Mit Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung, vom
9. September 2021 wurde der Beschuldigte entsprechend dem eingangs aufge-
führten Dispositiv der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von
Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, der einfachen Körperverletzung im Sin-
ne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie der mehrfachen Übertretung des Betäu-
bungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG schuldig gesprochen
und mit einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 32 Monaten, einer bedingten Geld-
strafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 30.– sowie einer Busse von Fr. 400.– bestraft.
Ferner wurde er unter Ausschreibung im Schengener Informationssystem für die
Dauer von 5 Jahren des Landes verwiesen. Es wurde sodann über die beschlag-
nahmten Gegenstände und die Genugtuungsforderung des Privatklägers befun-
den, und dem Beschuldigten wurden – mit Ausnahme der einstweilen abge-
schriebenen Entschädigung der amtlichen Verteidigung – schliesslich die Kosten
der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens auferlegt (Urk. 39 bzw. 42 S.
39 ff.).
2. Mit Eingabe vom 25. April 2019 hat der Beschuldigte gegen das erst-
instanzliche Urteil rechtzeitig die Berufung angemeldet (Urk. 37). Nach Erstattung
der Berufungserklärung vom 9. November 2021 (Urk. 43) und anschliessender
Fristansetzung an den Privatkläger und die Staatsanwaltschaft I des Kantons
Zürich (Urk. 46) erklärte die Staatsanwaltschaft mit Schreiben vom 3. Dezember
2021 die Anschlussberufung (Urk. 48). Der Privatkläger liess sich innert Frist nicht
vernehmen, womit er implizit auf eine Anschlussberufung verzichtet hat.
3. In der Folge wurden die Parteien auf den 7. September 2022 zur Beru-
fungsverhandlung vorgeladen (Urk. 57). Zu dieser erschienen die Vertretung der
Staatsanwaltschaft sowie der Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Vertei-
digers (Prot. II S. 4).
II. Formelles
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1. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die
Rechtskraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Der
Beschuldigte verlangt mit der Berufungserklärung, er sei bis auf die Übertretung
gegen das Betäubungsmittelgesetz von den ihm vorgeworfenen Anklagepunkten
freizusprechen. In diesem Zusammenhang werden auch die Strafe, der Widerruf,
die Landesverweisung sowie die Kosten- und Entschädigungsfolgen zur
Aufhebung beantragt, während der vorinstanzliche Entscheid betreffend die
Verfahrenseinstellung, die Einziehung bzw. Herausgabe der beschlagnahmten
Gegenstände sowie die Kostenfestsetzung einschliesslich der Entschädigung der
amtlichen Verteidigung unangefochten blieb (Urk. 43 S. 2 f.). Damit ist das Urteil
des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung, vom 9. September 2021 bezüglich der
Dispositiv-Ziffern 1 (Verfahrenseinstellung), 2 Lemma 3 (Schuldspruch betreffend
die Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz), 10 und 11 (Einziehung
bzw. Herausgabe der beschlagnahmten Gegenstände) sowie 13 und 14
(Kostenfestsetzung inkl. Entschädigung der amtlichen Verteidigung) in
Rechtskraft erwachsen, was vorab mit Beschluss festzustellen ist. In den übrigen
Punkten (Dispositiv-Ziffer 2, Lemma 1 und 2 sowie Dispositiv-Ziffern 3 - 9, 12 und
15 - 16) ist der erstinstanzliche Entscheid hingegen im Sinne von Art. 398 Abs. 2
StPO umfassend zu überprüfen, zumal die Staatsanwaltschaft hinsichtlich der
Dispositiv-Ziffern 4 - 8 die Anschlussberufung erhoben hat, mit welcher sie
namentlich die Ausfällung einer höheren, vollständig unbedingten Strafe sowie die
Erhöhung der Dauer der Landesverweisung beantragt (Urk. 48 S. 2).
2. Der Beschuldigte hat im Berufungsverfahren keine Beweisanträge gestellt
(vgl. Urk. 43 S. 4; Prot. II S. 6). Die Verfahrensakten betreffend den neuen Straf-
befehl des Untersuchungsamtes St. Gallen gegen den Beschuldigten vom
16. Dezember 2021 wurden vor der Berufungsverhandlung beigezogen und den
Parteien umgehend zur Kenntnis gebracht (Urk. 60 + 61 A). Weitere Beweis-
erhebungen – abgesehen von der erneuten Befragung des Beschuldigten –
drängen sich in zweiter Instanz nicht auf.
3. Die Anklägerin hat in der Anklageschrift keinen Antrag auf Widerruf der
Vorstrafe vom 29. März 2018 gestellt. Die Vorinstanz hat in der Folge trotzdem
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den Vollzug dieser Vorstrafe angeordnet, ohne den Beschuldigten indes zuvor da-
rauf hinzuweisen, dass die Frage des Widerrufs vor Gericht zur Disposition steht,
womit sie den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt hat. Nachdem der Be-
schuldigte in zweiter Instanz die Möglichkeit hatte, sich zum angeordneten Voll-
zug der früheren Strafe zu äussern, ist jedoch von einer ausnahmsweisen Heilung
dieser Rechtsverletzung auszugehen, da ein klarer Fall eines Widerrufs vorliegt,
in welchem eine Rückweisung an die Vorinstanz zu einem formalistischen Leer-
lauf führen würde (vgl. VEST/HORBER, BSK StPO, 2. Aufl., N 6 zu Art. 107 StPO).
4. Soweit im Übrigen in prozessualer Hinsicht von der Verteidigung Einwen-
dungen zur Verwertbarkeit der im Recht liegenden Beweismittel erhoben wurden
(vgl. Urk. 63 S. 3 f.), so wird darauf im Rahmen der nachfolgenden Ausführungen
zum Sachverhalt näher eingegangen.
III. Sachverhalt
1. Die Anklageschrift vom 18. Mai 2021 wirft dem Beschuldigten im Rahmen
der in zweiter Instanz noch angefochtenen Punkte vor, am tt. Juni 2019 vor dem
Nachtclub C._ zufällig auf den Privatkläger B._ getroffen zu sein und
diesem nach einem kurzen Wortwechsel unvermittelt seine rechte Faust ins Ge-
sicht geschlagen zu haben, so dass dieser anschliessend aus der Nase geblutet
habe, was der Beschuldigte mit seinem Vorgehen zumindest in Kauf genommen
habe (Urk. 17 S. 2).
In der Folge habe der Beschuldigte die Örtlichkeit kurzzeitig verlassen, sei
dann aber zurückgekehrt und habe dem Privatkläger unvermittelt eine vorgängig
behändigte Glasflasche, mutmasslich eine Weinflasche "Chardonnay 2018", von
oben herab kraftvoll auf bzw. gegen den Kopf geschlagen, so dass die Flasche
zerbrochen sei und der Privatkläger sich durch die Glasbruchstellen an der Stirn
mehrere stark blutende Schnitt- bzw. Rissquetschwunden zugezogen habe, wel-
che notfallmässig genäht werden mussten und bis heute zu anhaltenden Kopf-
schmerzen bei Druck auf die betroffene Kopfstelle führten, wobei der Beschuldig-
te aufgrund des heftigen Schlages diesbezüglich auch lebensgefährliche Kopf-
verletzungen des Opfers in Kauf genommen habe (Urk. 17 S. 3).
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2. Aus dem vorinstanzlichen Urteil erhellt nicht ohne Weiteres, inwiefern
der Beschuldigte den ihm vorgeworfenen Sachverhalt betreffend die Auseinander-
setzung vom tt. Juni 2019 anerkennt und welche Punkte er in diesem Zusammen-
hang in Abrede stellt. Aus den Akten geht jedoch hervor, dass er die ent-
sprechenden Vorwürfe – nachdem er diesbezüglich anfänglich weitestgehend
ohne Erinnerung war (Urk. 3/1 S. 2 ff.) – letztlich komplett in Abrede stellt und
einen Kontakt mit dem Privatkläger in der besagten Nacht gänzlich verneint
(Urk. 3/3 S. 3 f.; Prot. I S. 16). Anlässlich der Berufungsverhandlung verwies der
Beschuldigte diesbezüglich auf seine bisherigen Aussagen (Urk. 62 S. 10 ff.), so
dass der Sachverhalt in zweiter Instanz in Anwendung der allgemeinen Beweis-
grundsätze gestützt auf die relevanten und verwertbaren Beweismittel nochmals
zu überprüfen ist.
3. Die Vorinstanz hat in ihrem Urteil die aus ihrer Sicht relevanten Beweise
erwähnt (Urk. 42 S. 8), hierbei jedoch ausser Acht gelassen, dass insbesondere
auch die zerbrochene Weinflasche "Chardonnay" (Urk. 11/2), mit welcher der Be-
schuldigte den Privatkläger gemäss der Anklage auf den Kopf geschlagen haben
soll, als potentielles Tatwerkzeug ein im vorliegenden Fall zu würdigendes Be-
weismittel darstellt.
Betreffend die Verwertbarkeit der im Recht liegenden Beweismittel drängen
sich keine Ergänzungen des angefochtenen Urteils auf, welches sich insbesonde-
re zur Gültigkeit der ohne Dolmetscher durchgeführten polizeilichen Einvernahme
vom 1. Juni 2019 des ausreichend deutsch verstehenden und sprechenden
Beschuldigten korrekt geäussert hat (Urk. 42 S. 6), wobei diesbezüglich ohnehin
festzuhalten ist, dass den Aussagen, welche der Beschuldigte anlässlich der frag-
lichen Einvernahme zu Protokoll gab, keine massgebende Bedeutung zukommt,
da er auch dannzumal sämtliche relevanten Vorwürfe bestritt. Weitere Aspekte,
welche gegen die Zulässigkeit der im vorliegenden Verfahren relevanten Beweise
sprechen, sind in zweiter Instanz denn auch nicht ersichtlich.
4. Im Entscheid der Vorinstanz werden die den beiden zu beurteilenden
Delikten zu Grunde liegenden Tatgeschehnisse, welche aufgrund ihres engen
Zusammenhanges vorliegend gemeinsam zu würdigen sind, nach Rezitierung der
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wesentlichen Aussagen der Verfahrensbeteiligten (Urk. 42 S. 8 ff.) als erstellt
erachtet (Urk. 42 S. 11 + 17). Diesem Befund kann in weiten Teilen beigepflichtet
werden. Entgegen der Verteidigung sind im Rahmen einer nochmaligen Betrach-
tung der massgebenden Ausführungen des Privatklägers und der Zeugen
D._, E._ und F._ keine derart bedeutenden Widersprüche
ersichtlich, dass sie das eingeklagte Tatgeschehen in seinem Kern in Frage zu
stellen vermöchten, zumal in Bezug auf deren Aussagen zu berücksichtigen ist,
dass zwischen ihren Einvernahmen bei der Polizei und der Staatsanwaltschaft
rund eineinhalb Jahre vergangen sind, was die Verblassungstendenzen, die aus
ihren Aussagen hervorgehen, ohne Weiteres zu erklären vermag. So führte die
Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung denn auch vor allem
Widersprüche – beispielsweise betreffend die genauen Umstände des
Widerstands des Privatklägers oder die Trennung der Beteiligten – ins Feld,
welche sich aus den Aussagen des Privatklägers bzw. der Zeugen unmittelbar
nach der Tat im Vergleich zu deren späteren staatsanwaltschaftlichen
Einvernahmen ergeben. Wenn sodann einzelne Angaben von
Belastungspersonen angesichts des dynamischen Tatablaufes nicht mit den
übrigen Wahrnehmungen lückenlos übereinstimmen, so vermag dies nach dem
Gesagten ebenfalls nicht zu erstaunen, zumal insbesondere der Zeuge F._,
welcher als Einziger einen Wurf der Glasflasche (in Richtung des Privatklägers)
beobachtet haben will, letztlich eingeräumt hat, dass er die konkrete Tathandlung
gar nicht gesehen hat (Urk. 5/7 S. 7: "Ich habe den Moment, wo die Flasche den
Geschädigten traf, nicht gesehen."). Entscheidend ist jedoch, dass der
Privatkläger und auch die Zeugen D._, E._ und F._ mit
ausreichender Klarheit bestätigen konnten, dass es sich beim Täter um einem
dunkelhäutigen Jugendlichen, welcher ein weisses T-Shirt trug, handelte, wobei
diese Beschreibung sehr genau mit dem Erscheinungsbild des Beschuldigten an
jenem Abend übereinstimmt, zumal der Privatkläger und der Zeuge F._ gar
noch das [...]-Logo auf dem T-Shirt zu erkennen vermochten (Urk. 4/1 S. 3;
Urk. 5/6 S. 4). Zudem sagten der Privatkläger und die Zeugen weitgehend
übereinstimmend aus, dass es dieser Jugendliche war, welcher dem Privatkläger
zunächst einen Faustschlag und dann kurz darauf einen Schlag mit einer
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Glasflasche versetzt hatte, wobei sie diesbezüglich noch weitere stimmige Details
zu Protokoll zu geben vermochten (vgl. Urk. 4/1 S. 1 ff.; Urk. 5/1 S. 2 ff.; Urk. 5/3
S. 1 ff.). Allzu spitzfindig ist in diesem Zusammenhang die Argumentation der
Verteidigung, der Zeuge D._ scheide als Belastungsperson aus, da er den
zweiten Vorfall nicht konkret gesehen, sondern lediglich das Splittern von Glas
wahrgenommen habe (Urk. 63 S. 8), da dieser Zeuge zum einen den restlichen
Geschehensablauf mit dem Privatkläger grundsätzlich identisch beschreibt und es
zum anderen die Glaubhaftigkeit von dessen Aussagen erhöht, wenn er von sich
aus einräumt, dass er gewisse Sequenzen des Tatgeschehens nicht direkt
wahrgenommen hat. Des Weiteren ist der Verteidigung zu widersprechen, wenn
sie geltend macht, dass der Zeuge D._ drei verschiedene Versionen des
Tatgeschehens deponierte (vgl. Urk. 63 S. 6). Wenn dieser nämlich die Begriffe
"Rangelei", "Kreisbildung" und "Schlägerei" verwendete, liegt auf der Hand, dass
damit Phasen derselben Auseinandersetzung beschrieben wurden, welche
fliessend ineinander übergingen. Auch in Bezug auf die Frage, ob der Privatkläger
den Beschuldigten ebenfalls geschlagen hat, verhält es sich mitnichten so, dass
der Zeuge D._ und der Privatkläger komplett widersprüchliche Angaben
gemacht hätten: Beide gaben anlässlich der polizeilichen Einvernahme
unmittelbar nach der Tat an, dass der Privatkläger bei der zweiten Auseinander-
setzung zurückgeschlagen habe, bei der ersten jedoch nicht (Urk. 4/1 S. 2;
Urk. 5/1 S. 3). Dass sich der Zeuge dann eineinhalb Jahre später bei der
Staatsanwaltschaft nicht mehr daran erinnern konnte, anlässlich welcher der
beiden kurz aufeinanderfolgenden Aufeinandertreffen der Privatkläger
zurückschlug, ist ohne Weiteres mit den bereits erwähnten
Verblassungstendenzen erklärbar. Es fällt im Übrigen auf, dass sowohl der
Privatkläger als auch der unmittelbare Tatzeuge D._ zurückhaltend
ausgesagt haben und darum bemüht waren, den Beschuldigten nicht unnötig zu
belasten (vgl. bspw. Urk. 4/2 S. 5 f.; Urk. 5/2 S. 5 betreffend den Faustschlag des
Beschuldigten und dessen Folgen), was ebenfalls ein Realitätskriterium im
Rahmen der Würdigung ihrer Ausführungen darstellt. Für den Wahrheitsgehalt
des eingeklagten Tatgeschehens spricht schliesslich auch, dass die zweite
Tatsequenz von einem unabhängigen Zeugen (E._, Urk. 5/3 + 5/5) zufällig
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beobachtet wurde, welcher trotz eines Abstandes von rund 30 - 40 Metern
zuverlässige und lebensnahe Aussagen zum Schlag mit der Glasflasche auf den
Kopf des Privatklägers zu machen vermochte (Urk. 5/5 S. 3: "Per Zufall habe ich
mich in diesem Moment umgedreht und gesehen, dass jemand eine Flasche über
den Kopf von Herrn B._ gezogen hat."), auch wenn er angesichts der Ent-
fernung verständlicherweise nicht alle Einzelheiten der Tat exakt zu beschreiben
vermochte (vgl. Urk. 5/5 S. 4 betreffend die Position der Direktbeteiligten sowie
die Position und Beschaffenheit der Flasche). Nicht zuletzt aufgrund der
Aussagen dieses Tatzeugen (vgl. Urk. 5/5 S. 5) kann mit der Vorinstanz aber
schliesslich auch festgehalten werden, dass die besagte Glasflasche beim Schlag
gegen den Kopf des Privatklägers zerbrochen sein muss. Zwar sind in dieser
Hinsicht nicht sämtliche Aussagen der Verfahrensbeteiligten übereinstimmend
(vgl. Zeuge F._, wonach der Täter eine bereits zerbrochene Flasche
benutzte [Urk. 5/6 S. 4]). Allerdings deutet in dieser Beziehung letztlich auch das
Verletzungsbild beim Opfer mit diversen Schnitten im Gesicht klar darauf hin,
dass die Flasche zumindest nicht erst im Nachhinein am Boden zerschellte,
zumal auch der Zeuge F._ von Splittern der Flasche verletzt wurde (vgl.
Urk. 5/7 S. 3). Wenn sie bereits vor dem Einsatz zerbrochen gewesen sein sollte,
so vermöchte dies an der Gefährlichkeit des Schlages im Übrigen nichts zu
ändern. Einzuräumen ist in Berücksichtigung der Ausführungen der Verteidigung
(Urk. 63 S. 12) in diesem Zusammenhang jedoch, dass – trotz augenscheinlichen
Ähnlichkeiten mit dem charakteristischen verästelten Logo einer Belvedere-
Wodkaflasche, die von den Zeugen als Tatwaffe genannt wurde (vgl. Urk. 7/1) –
letztlich nicht mit genügender Sicherheit davon ausgegangen werden kann, dass
die beim Beschuldigten sichergestellte Weinflasche "Chardonnay" auch
tatsächlich die Tatwaffe war, da diese von den Zeugen ursprünglich als
Wodkaflasche beschrieben wurde und es möglich ist, dass der Beschuldigte die
besagte Weinflasche erst auf der anschliessenden Flucht ergriffen hat, da er
nunmehr eine Retorsionshandlung der Gruppe um den Privatkläger befürchtete.
Dieser Umstand vermag am Nachweis der wesentlichen Elemente des
eingeklagten Sachverhaltes indes nichts zu ändern, da die Chardonnay-Flasche
in der Anklageschrift ohnehin nur als mutmassliche Tatwaffe genannt wird
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(Urk. 17 S. 3) und diesbezüglich jedenfalls erstellt ist, dass der Privatkläger vom
Beschuldigten mit einer grösseren Glasflasche gegen den Kopf geschlagen
wurde.
Demgegenüber fällt bei den Aussagen des Beschuldigten auf, dass er sich
anlässlich der ersten Befragung bei der Polizei praktisch an nichts mehr zu
erinnern vermochte (Urk. 3/1 S. 4: "Ich erinnere mich nicht an die vergangene
Nacht. Ich war so besoffen."), worauf dann seine Erinnerung nach und nach
schärfer wurde und anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme rund
eindreiviertel Jahre nach der Tat die schärfsten Konturen annahm (Urk. 3/3
S. 2 ff.), was höchst ungewöhnlich anmutet. Generell blendet der Beschuldigte die
Begegnung mit dem Privatkläger aber auch in dieser letzten Befragung völlig aus
und schildert lediglich eine offensichtlich kurz zuvor stattgefundene
Auseinandersetzung mit einer anderen Gruppe, bei welcher er selber verletzt
wurde. Just diese frühere Auseinandersetzung, welche auch vom Privatkläger
und dem Zeugen D._ beobachtet wurde (Urk. 4/1 S. 1; Urk. 5/1 S. 2), vermag
denn auch als plausible Erklärung für die emotional-aggressive Verfassung des
Beschuldigten zu dienen, welcher auf der Flucht vor seinen früheren
Kontrahenten offensichtlich direkt in den Privatkläger hineinlief und dessen
anschliessende Frage nach dem Grund für dieses Anrempeln als weitere
Aggression gegen ihn empfand, was ihn völlig die Kontrolle verlieren liess.
5. Es ist nach all dem Gesagten in tatsächlicher Hinsicht von einem ersten
nicht besonders heftigen Schlag des Beschuldigten mit der Faust auszugehen,
welcher den Privatkläger überraschend traf und bei ihm ein zumindest derart
starkes Nasenbluten verursachte, dass es am Brunnen gestillt werden musste
(vgl. Urk. 5/6 S. 1). Für die Folgezeit ist ein weiterer – diesmal heftigerer – Schlag
des Beschuldigten mit einer grösseren Glasflasche gegen den Privatkläger als
erstellt zu erachten, welcher von oben herab gegen den Kopf des Opfers geführt
wurde und bei diesem die in den Akten dokumentierten Schnitt- bzw.
Rissquetschwunden zur Folge hatte (vgl. Urk. 6/1, Urk. 6/3 + Urk. 6/5). Fraglich ist
indessen, inwiefern dieser zweite Schlag für den Privatkläger gänzlich unerwartet
erfolgte und er dementsprechend vom Vorgehen des Beschuldigten erneut
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überrascht wurde. Der Zeuge F._ schildert in diesem Zusammenhang eine
vorgängige Hinwendung des Privatklägers mit einem Zuruf (Urk. 5/6 S. 2; vgl.
auch Urk. 5/7 S. 3), wobei der Privatkläger zu diesem Zeitpunkt durchaus um die
Aggressivität des Beschuldigten, welcher ihm unmittelbar zuvor einen
Faustschlag versetzt hatte, wusste.
IV. Rechtliche Würdigung
1. Einfache Körperverletzung
1.1. Die rechtliche Qualifikation des unvermittelten Schlages mit der Faust ge-
gen den sensiblen Kopfbereich bietet mit Hinweis auf die von der Vorinstanz
dargelegten Grundlagen des Tatbestandes der einfachen Körperverletzung (vgl.
Urk. 42 S. 18) keine grundlegenden Probleme, da auch das einige Zeit andauern-
de Nasenbluten, welches schliesslich von den Beteiligten gestillt werden musste,
dafür spricht, dass die Auswirkungen relativ deutlich über ein der Tätlichkeit im-
manentes vorübergehendes Unwohlsein hinausgingen, zumal mit einem solchen
unvermittelten Schlag auch schlimmere Verletzungen wie insbesondere ein Na-
senbeinbruch hätten resultieren können.
1.2. Der Einwand der Verteidigung, dass beim Privatkläger bereits eine vor-
bestehende Beeinträchtigung der Nase bestand und diese deshalb derart geblutet
habe (Urk. 63 S. 13), vermag an der Qualifikation als einfache Körperverletzung
nichts zu ändern, da eine gewisse Prädisposition des Opfers nichts an der
Kausalität zwischen Einwirkung und Erfolg zu ändern vermag, so lange die Ein-
wirkung zumindest eine Mitursache des Erfolges war und der Täter aufgrund
seines Vorgehens eine solche Auswirkung zumindest in Kauf nahm. Der
Umstand, dass die Auswirkung letztlich nur unwesentlich über blosse
Tätlichkeiten hinausreichte, ist im Übrigen im Rahmen der Strafzumessung zu
berücksichtigen und ändert nichts an der rechtlichen Einordnung der Tat, zumal
das Vorgehen insgesamt derart aggressiv war, dass noch nicht von einem
leichten Fall im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 2 StGB auszugehen ist (vgl. BGE
127 IV 59, E. 2.).
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1.3. Der Beschuldigte ist demnach auch in zweiter Instanz der einfachen Kör-
perverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
2. Versuchte schwere Körperverletzung
2.1. Der Beschuldigte hat den objektiven Tatbestand der schweren Körper-
verletzung im Sinne von Art. 122 StGB nicht erfüllt. Gemäss dem ärztlichen Be-
fund vom 24. Juni 2019 erlitt der Privatkläger aufgrund des Schlages mit der Fla-
sche diverse ineinanderlaufende Schnitt- und Rissquetschwunden links frontal
supraorbital auf einer Fläche von ca. 5 x 4 cm, ohne dabei aber jemals in konkre-
ter Lebensgefahr gewesen zu sein (Urk. 6/3). Die diagnostizierten Schnitt- bzw.
Rissquetschwunden, welche mit 13 Stichen genäht werden mussten (vgl.
Urk. 6/5), ansonsten aber ausser einer Narbe keine bleibenden Folgen hinterlies-
sen, sind somit noch als einfache Körperverletzung zu qualifizieren. Kein Zweifel
besteht jedoch daran, dass der inkriminierte Schlag mit der grösseren Glasflasche
ohne Weiteres geeignet war, weitergehende lebensgefährliche Verletzungen am
Kopf des Opfers (wie insbesondere ein schweres Schädel-/Hirntrauma oder eine
Hirnblutung) oder bleibende Verstümmelungen von wichtigen Sinnesorganen des
Opfers (wie insbesondere den Augen) zu hinterlassen.
2.2. In subjektiver Hinsicht ist zu prüfen, inwiefern der Beschuldigte aufgrund
seines Vorgehens auch ernsthaft mit solchen vorerwähnten Folgen rechnen
musste und er damit den Erfolg einer schweren Körperverletzung zumindest in
Kauf nahm. Wird eine solche in Inkaufnahme des Taterfolges vom Täter nicht
ausdrücklich eingestanden, so ist deren Vorhandensein aufgrund erstellter äusse-
rer Tatumstände zu untersuchen, was in casu angesichts der Leugnung der Tat-
begehung der Fall ist. Gemäss der Praxis gehören zu solch erkennbaren äusse-
ren Umständen bei Schlag- oder Trittbewegungen gegen das Opfer einerseits auf
der Täterseite insbesondere die Heftigkeit und das Ziel der Einwirkung sowie das
dabei verwendete Werkzeug sowie andrerseits auf der Opferseite dessen (er-
kennbare) Verfassung und Überraschung im Tatzeitpunkt, welche darauf hindeu-
ten, dass der Beschuldigte im Rahmen der Tat derart ernsthaft mit schweren Ver-
letzungsfolgen rechnen musste, dass sein Handeln nicht anders als Inkaufnahme
- 16 -
solcher Verletzungen zu interpretieren ist (vgl. Urteile 6B_802/2013 vom
27. Januar 2014, E. 2.3.3. und 6B_388/2012 vom 12. November 2012, E. 2.4.).
Im Zusammenhang mit dem zu beurteilenden Fall kann zunächst klar
davon ausgegangen werden, dass es sich bei der Verwendung einer grösseren
Glasflasche im Rahmen eines Schlages gegen den Kopf um ein gefährliches
Werkzeug handelt, welches ohne Weiteres geeignet ist, beim Opfer schwere
Verletzungen zu hinterlassen, dies insbesondere dann, wenn die Flasche – wie
vorliegend auch tatsächlich geschehen – beim Schlag zerbricht. Vor dem
Hintergrund, dass dabei Glasteile splitterten, erweist sich der Einwand der
Verteidigung, dass zwischen dem Kontaktpunkt der Flasche und der sensiblen
Augenpartie einige Zentimeter lagen (Urk. 63 S. 15), als unbehelflich. Wie auch
die Vorinstanz bereits festgestellt hat, geht denn auch das Bundesgericht in
seiner diesbezüglichen Praxis konstant davon aus, dass Schläge mit
Glasgegenständen gegen den Kopf des Opfers leicht dazu führen können, ein
Opfer gravierend zu verletzen (vgl. statt vieler zuletzt Urteil 6B_996/2019 vom
27. Februar 2020, E. 4.). Im Weiteren muss der Schlag des Beschuldigten
jedenfalls mit einiger Wucht erfolgt sein, ansonsten die Flasche auch nicht auf
dem Kopf des Opfers zerbrochen wäre. Zwar kann ferner nicht davon
ausgegangen werden, dass es sich um einen sonderlich gezielten Schlag gegen
das Gesicht handelte, doch war dieser im Rahmen des einigermassen über-
sichtlichen Geschehens zumindest gegen den vorderen Kopfbereich des Opfers
gerichtet, wo naturgemäss schwerwiegende Verstümmelungen von wichtigen
Sinnesorganen um einiges wahrscheinlicher sind.
Auf der Opferseite ist sodann nicht von einer besonders schlechten Ver-
fassung des Privatklägers auszugehen und es ist auch – entgegen der Anklage –
auch nicht genügend klar, dass das Opfer vom Schlag völlig überrascht wurde,
nachdem davon auszugehen ist, dass es vor diesem zweiten Aufeinandertreffen
zu einem vorgängigen Kontakt der beiden Kontrahenten gekommen ist (vgl. vorne
Ziffer III./5.). Allerdings ist an dieser Stelle festzuhalten, dass angesichts des
gefährlichen Vorgehens des Beschuldigten mit Verwendung einer Glasflasche der
konkreten Situation des Opfers ein geringeres Gewicht beizumessen ist, als
- 17 -
beispielsweise bei einem Faustschlag, bei welchem höhere Anforderungen an die
äusseren Umstände des Tatgeschehens zu stellen sind, um von einer
Inkaufnahme einer schweren Körperverletzung ausgehen zu können. Mit anderen
Worten musste sich der Beschuldigte in casu bei seiner Tathandlung des grossen
Gesundheitsrisikos für das Opfer auch dann bewusst sein, falls dieses den Schlag
ansatzweise hat kommen sehen. Für die rechtliche Qualifikation ist die konkrete
Situation des Opfers in der vorliegenden Konstellation mithin von weniger ent-
scheidender Bedeutung, solange der Schlag genügend stark war, dass die
Flasche zerbrechen und auf diese Weise ihre volle Gefährlichkeit entfalten
konnte. Je massiver und gefährlicher eine Tatwaffe ist, umso weniger stark muss
im Übrigen auch die Heftigkeit ihrer Einwirkung sein, um beim Täter noch das
Bewusstsein um die ernsthafte Wahrscheinlichkeit von schweren Verletzungen
hervorrufen zu können.
Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist demnach zwanglos davon
auszugehen, dass die Kriterien für eine Inkaufnahme von schweren Körper-
verletzungen gegeben sind und der Beschuldigte mithin in dieser Beziehung
zumindest eventualvorsätzlich gehandelt hat. Wie die Verteidigung trotz Konzes-
sion der Gefährlichkeit eines Schlages mit einer Flasche auf den Kopf in casu
zum Schluss kommen kann, es sei maximal von einer Inkaufnahme einer einfa-
chen Körperverletzung auszugehen, ist demgegenüber nicht nachvollziehbar (vgl.
Urk. 33 S. 17; Urk. 63 S. 15).
2.3. In Ergänzung des vorinstanzlichen Entscheides bleibt schliesslich die ein-
geklagte versuchte Tatbegehung zu prüfen. Ein vollendeter Versuch liegt dabei
vor, wenn die strafbare Tätigkeit aus Sicht des Täters zu Ende geführt wird, der
tatbestandsmässige Erfolg aber nicht eintritt (Art. 22 Abs. 1 StGB). Die
Abgrenzung des vollendeten vom unvollendeten Versuch ist dabei auf der
Grundlage des konkreten Tatplans vorzunehmen, wobei danach zu fragen ist, ob
der Täter alle Voraussetzungen geschaffen hat, die nach seinem Plan zum Eintritt
des Erfolges hätten führen sollen (Urteil 6S.46/2005 vom 2. Februar 2006, E.
10.4.2.). Im vorliegenden Fall hat der Beschuldigte die subjektiven
Tatbestandsmerkmale der vorsätzlichen schweren Körperverletzung gemäss
- 18 -
Art. 122 StGB erfüllt, worauf aber der tatbestandsmässige Erfolg – wie gesehen –
ausgeblieben ist. Es ist dabei jedoch davon auszugehen, dass mit dem einen
Schlag mit der Glasflasche auf den Kopf des Geschädigten die eigentliche
Tathandlung aus Sicht des Beschuldigten zu Ende war und er somit alles
Notwendige dafür getan hat, dass der Taterfolg eintritt. Der Beschuldigte hat
damit den Tatbestand der (vollendet) versuchten schweren Körperverletzung
erfüllt.
2.4. Eine Notwehrsituation ist aufgrund des erstellten Sachverhaltes im Übrigen
nicht ersichtlich und wurde seitens der Beschuldigten auch nicht geltend gemacht,
auch wenn die Verteidigung meinte, der Beschuldigte habe sich unter dem Ein-
druck der früheren Auseinandersetzung bedroht gefühlt und sich zu verteidigen
versucht (Urk. 33 S. 17; Urk. 63 S. 15). Die vom Privatkläger eingeräumte Ohrfei-
ge gegen den Beschuldigten im Rahmen der ersten Tatsequenz ist jedenfalls als
reine Abwehrhandlung nach eigener Beeinträchtigung zu werten und erfüllt damit
auch nicht das Element einer Provokation des Beschuldigten.
2.5. Der Beschuldigte ist mithin auch in zweiter Instanz der versuchten schwe-
ren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1
StGB schuldig zu sprechen.
V. Strafe
1. Grundlagen / Strafrahmen
1.1. Was die allgemeinen Grundlagen der Strafzumessung anbelangt, so hat
sich die Vorinstanz ausführlich und korrekt mit den methodischen Grundsätzen
der Festlegung der Strafe befasst und dabei insbesondere auch die geltende Pra-
xis des Bundesgerichts betreffend die Gesamtstrafenbildung mit Anwendung der
konkreten Methode (vgl. BGE 144 IV 217, E. 2.2. + 3.3. f.) zutreffend wiederge-
geben (vgl. Urk. 42 S. 22 f.), so dass insofern vollumfänglich auf ihre Ausführun-
gen verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO).
1.2. Wenn im erstinstanzlichen Urteil sodann ausgehend von den vorgenannten
Grundsätzen der Strafrahmen für das schwerste Delikt der schweren Körper-
- 19 -
verletzung auf eine Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren festgelegt wird (Urk. 42
S. 23), so ist dies ebenfalls nicht zu beanstanden, wobei ergänzend festzuhalten
ist, dass sich ein ausnahmsweises Verlassen dieses Strafrahmens aufgrund be-
sonderer Umstände vorliegend von vornherein nicht rechtfertigt (vgl. BGE 136
IV 55, E. 5.8).
2. Strafart
2.1. Der Vorinstanz kann betreffend die Festlegung der Strafart in theoretischer
Hinsicht dahingehend gefolgt werden, dass gemäss dem Prinzip der Verhältnis-
mässigkeit bei alternativ zur Verfügung stehenden und hinsichtlich des Schuld-
ausgleichs äquivalenten Sanktionen im Regelfall diejenige gewählt werden soll,
welche weniger stark in die persönliche Freiheit des Betroffenen eingreift bzw. die
ihn am wenigsten hart trifft (vgl. Urk. 42 S. 27). Zu ergänzen ist, dass für die Wahl
der Sanktionsart im konkreten Fall als wichtigste Kriterien die Zweckmässigkeit
der Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie
ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen sind (BGE 134 IV 84 f. m.w.H.). Es ist
in dieser Hinsicht eine Prognose zu stellen, welche Sanktion für einen bestimmten
Täter aus spezialpräventiven Gesichtspunkten wirksamer erscheint. Die Lehre
erachtet in diesem Zusammenhang auch das Mass der kriminellen Energie als
valables Kriterium im Rahmen der Bestimmung der angemessenen Sanktionsart.
Ist bei Verhängung einer Geldstrafe in Berücksichtigung des Vorlebens und der
aktuellen Delinquenz keinerlei positive Entwicklung des Täters zu erwarten, so ist
es erlaubt und auch geboten, von zwei für identisches Tatverhalten zur Verfügung
stehenden Sanktionen diejenige zu wählen, welche zur Verhinderung weiterer
Straftaten in Beachtung des Verhältnismässigkeitsprinzips geeignet erscheint,
auch wenn sie den Beschuldigten im Endeffekt härter tangiert. Selbst ein Ersttäter
kann in diesem Zusammenhang mit einer kurzen Freiheitsstrafe bestraft werden,
wenn er etwa durch Äusserungen oder Verhaltensweisen zu erkennen gibt, dass
ihn eine Geldstrafe nicht beeindrucken wird (vgl. MATHYS, Leitfaden Straf-
zumessung, 2. Aufl., N 472 und 562). Im Übrigen kann eine Freiheitsstrafe stets
dann ausgefällt werden, wenn zu erwarten ist, dass eine Geldstrafe
voraussichtlich nicht vollzogen werden kann (Art. 41 Abs. 1 lit. b StGB).
- 20 -
2.2. In Beachtung dieser Grundsätze ist für den vorliegenden Fall festzuhalten,
dass auch für die vom Beschuldigten verwirkte einfache Körperverletzung unter
den Gesichtspunkten der Zweckmässigkeit und der präventiven Effizienz der
Sanktion lediglich eine Freiheitsstrafe in Betracht fällt. Bereits im Rahmen der
früheren Verurteilungen in den Jahren 2014 und 2018 wurden dem Beschuldigten
zwei Geldstrafen auferlegt, wobei die Verurteilungen jeweils einschlägige Taten
betrafen. Trotz dieser Geldstrafen liess sich der Beschuldigte in der Folge zu
keinem Umdenken hinsichtlich seiner Delinquenz bewegen und beging
stattdessen die bis anhin schwersten Delikte, in deren Zusammenhang er
überdies während laufender Probezeit straffällig wurde. Umso weniger ist mithin
zu erwarten, dass eine aktuell ausgefällte Geldstrafe beim Beschuldigten
irgendeinen Präventionseffekt zeitigen würde. Dass es sich bei den früheren
Verurteilungen lediglich um bedingte Strafen handelte, vermag im vorliegenden
Zusammenhang keine andere Sichtweise zu rechtfertigen, zumal der
Beschuldigte damals auch zu unbedingten Bussen verurteilt wurde, deren Vollzug
ihn offensichtlich ebenfalls nicht hinreichend zu beeindrucken vermochte. Hinzu
kommt, dass die einfache Körperverletzung in casu im gleichen Zusammenhang
wie das schwere Gewaltdelikt verübt wurde, für welches heute ohnehin eine
Freiheitsstrafe auszufällen ist. Es handelt sich mithin nicht um zwei isoliert zu
betrachtende Taten mit unterschiedlichem Hintergrund, was ebenfalls für die
Ausfällung einer einheitlichen Sanktion spricht (vgl. Urteil des Obergerichtes des
Kantons Zürich vom 18. Mai 2022, Geschäfts-Nr. SB210472, E. 5.1.). Es
erscheint somit angesichts der hartnäckigen Delinquenz des Beschuldigten mit
anhaltend hoher kriminellen Energie angezeigt, für sämtliche vorliegend zu
beurteilenden Vergehen und Verbrechen die schärfere Sanktion der
Freiheitsstrafe zu wählen, auch wenn der einfachen Körperverletzung ein relativ
geringes Verschulden zu Grunde liegt. Offen gelassen kann unter diesen Um-
ständen, inwiefern eine heute ausgefällte Geldstrafe im Falle des nahezu mittel-
losen und verschuldeten Beschuldigten überhaupt vollziehbar wäre.
3. Strafzumessung
3.1. Versuchte schwere Körperverletzung
- 21 -
3.1.1. Was die objektive Tatschwere anbelangt, so ist mit der Vorinstanz fest-
zuhalten, dass der heftige Schlag des Beschuldigten mit der Glasflasche gegen
eine sehr sensible Körperregion des Opfers geführt wurde, was entsprechend
verwerflich erscheint und für eine hohe kriminelle Energie spricht. Dass dieses
Vorgehen letztlich aber nur zufällig nicht zu einer schweren Körperverletzung
führte, ist Rahmen der verschuldensunabhängigen Tatkomponente des Versuchs
zu berücksichtigen, worauf die Vorinstanz an entsprechender stelle denn auch
(erneut) Bezug nimmt (Urk. 42 S. 26). Dafür ist im Rahmen des objektiven Tat-
verschuldens zusätzlich zu berücksichtigen, ob die Tat geplant oder spontan
erfolgte, wobei zu Gunsten des Beschuldigten davon auszugehen ist, dass er den
Einsatz der Flasche nicht zum vornherein beabsichtigte und sich diese Eskalation
aus dem Geschehen heraus so ergab. Auch wenn dieser Umstand mithin
tendenziell relativierend zu berücksichtigen ist, erscheint das erstinstanzlich fest-
gelegte noch knapp leichte Verschulden angesichts des hohen Gewaltpotentials
des Vorgehens etwas zu mild formuliert. Vielmehr rechtfertigt sich die Annahme
eines keinesfalls mehr leichten Verschuldens, welches durch subjektive Aspekte
nur geringfügig relativiert wird. Zwar ist in Ergänzung zum vorinstanzlichen Urteil
die eventualvorsätzliche Tatbegehung relativierend in Anschlag zu bringen und
kann dem Beschuldigten auch eine enthemmende Wirkung des Mischkonsums
von Alkoholika und Marihuana zugebilligt werden (vgl. Urk. 8/6: Einwirkung von
Trinkalkohol und Cannabis im Tatzeitpunkt), doch werden diese mindernden
Umstände aufgrund des absolut nichtigen Tatanlasses, welcher zudem durch den
Beschuldigten durch einen anfänglichen Faustschlag initiiert wurde, nahezu
aufgehoben, worauf auch die Vorinstanz – zumindest sinngemäss – zu Recht
hingewiesen hat (vgl. Urk. 42 S. 25).
3.1.2. Insgesamt bleibt es somit bei einem keineswegs mehr leichten Tatver-
schulden, wofür sich in Berücksichtigung der gesamten Skala eine Freiheitsstrafe
im Bereich von 36 Monaten rechtfertigt.
3.1.3. Im Weiteren zu berücksichtigen ist indessen die Tatsache, dass der Erfolg
der schweren Körperverletzung nicht eingetreten ist und es sich mithin um eine
versuchte Tatbegehung handelt. Letztlich war es in diesem Fall nur dem Zufall
- 22 -
überlassen, dass nicht erheblichere Folgen eingetreten sind, doch lag die
Schnitt-/Rissquetschwunde andrerseits nicht in unmittelbarer Nähe zur schweren
Körperverletzung, selbst wenn der Privatkläger heute nach Druck auf die verletzte
Kopfstelle noch gewisse Beeinträchtigungen davon verspürt. Insgesamt rechtfer-
tigt es sich mithin unter dem Aspekt der versuchten Tatbegehung, die Strafe im
Umfang von sechs Monaten zu reduzieren.
3.1.4. Es ist nach dem Gesagten die Einsatzstrafe für die versuchte schwere
Körperverletzung des Beschuldigten auf eine Freiheitsstrafe im Bereich von
30 Monaten festzulegen.
3.2. Einfache Körperverletzung
3.2.1. Betreffend die einfachen Körperverletzung ist mit der Vorinstanz in objekti-
ver und subjektiver Hinsicht von einem noch leichten Tatverschulden auszuge-
hen, auch wenn es sich um eine absolut sinnlose Tat handelte, welche lediglich
mit der Enthemmung aufgrund des vorangegangenen Drogen- und Alkoholkon-
sums (vgl. Urk. 8/6: Einwirkung von Trinkalkohol und Cannabis im Tatzeitpunkt)
bis zu einem gewissen Grad erklärt werden kann.
3.2.2. Nachdem in casu – wie bereits dargelegt (vgl. vorstehend Ziffer 2.) – auch
für dieses Delikt nur die Ausfällung eine Freiheitsstrafe in Frage kommt, rechtfer-
tigt sich im Rahmen der Tatkomponente bei einer isolierten Betrachtung ein
Strafmass von 4 Monaten und angesichts des relativ engen Zusammenhanges
mit der Haupttat in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB eine Asperation der Ein-
satzstrafe im Umfang von 2 Monaten, was insgesamt zu einer Freiheitsstrafe von
32 Monaten führt.
3.3. Täterkomponente / Beschleunigungsgebot
3.3.1. Betreffend die Täterkomponente kann hinsichtlich der persönlichen Ver-
hältnisse des Beschuldigten sowie der übrigen diesbezüglich strafzumessungs-
relevanten Faktoren grundsätzlich auf die Erwägungen im vorinstanzlichen Ent-
scheid verwiesen werden (vgl. Urk. 42 S. 27 f.). Es ergibt sich daraus
insbesondere, dass der Beschuldigte im Jahr 2011 im Alter von 16 Jahren in die
- 23 -
Schweiz gekommen ist und hier eine Schreinerlehre abgeschlossen hat, auf
welchem Beruf er später aber lediglich vorübergehend arbeitete und stattdessen
im Coiffeurgeschäft seines Bruders tätig war, wo er indes lediglich Fr. 1'000.–
bis Fr. 1'200.– pro Monat verdiente. In der heutigen Berufungsverhandlung
erklärte der Beschuldigte, dass er weiterhin bei seinem Bruder als Coiffeur
arbeite, infolge des besseren Geschäftsverlaufs nun aber ca. Fr. 3'500.– pro
Monat verdiene, wovon er ca. Fr. 500.– bis Fr. 700.– zu Hause bei seiner Mutter
abgebe (Urk. 62 S. 4). Im Übrigen hat der Beschuldigte Schulden in der Höhe
von über Fr. 10'000.– (Urk. 56/1).
3.3.2. Im Hinblick auf das Vorleben des Beschuldigten ist festzuhalten, dass er in
den Jahren 2014 und 2018 bereits zwei Mal mit Geldstrafen wegen einschlägiger
Delikte bestraft werden musste (vgl. Urk. 58), wovon er sich offensichtlich jedoch
nicht beeindrucken liess, auch wenn es sich lediglich um bedingte Strafen
handelte. Zudem delinquierte er im Rahmen der vorliegend zu beurteilenden
Delikte innerhalb der ihm mit der zweiten Vorstrafe laufenden Probezeit, was von
zusätzlicher Unbelehrbarkeit zeugt. Diese Umstände erheischen eine deutliche
Straferhöhung von rund 20 Prozent, entsprechend rund 6 Monaten. Mit Bezug auf
den während des vorliegenden Berufungsverfahrens ergangenen Strafbefehl des
Untersuchungsamtes St. Gallen vom 16. Dezember 2021 liegt aufgrund des Tat-
zeitpunkts vom 10. Oktober 2021 indessen keine strafzumessungsrelevante Vor-
strafe vor (vgl. Urk. 58).
3.3.3. Was schliesslich das Nachtatverhalten anbelangt, so verhielt sich der Be-
schuldigte im Rahmen der Untersuchung nicht sehr kooperativ und stellte den
Tatverlauf wesentlich anders dar, woran sich auch anlässlich der beiden gericht-
lichen Verhandlungen nichts änderte. Es kann dem Beschuldigten unter dem Titel
des Nachtatverhaltens somit keine Strafminderung zuerkannt werden, zumal er
auch kein Mitleid mit dem erheblich verletzten Opfer zeigte.
3.3.4. Eine gewisse Reduktion des Strafmasses rechtfertigt sich demgegenüber
entgegen der Vorinstanz (Urk. 42 S. 23 f.) für die Verletzung des
Beschleunigungsgebotes. Zwar ist korrekt, dass das Strafverfahren in Zeiten der
Pandemie mit erschwerten Bedinungen zu kämpfen hatte, doch rechtfertigt dies
- 24 -
nicht eine nahezu komplette Untätigkeit während eines gesamten Jahres, zumal
von der Anklägerin nicht geltend gemacht wird, das Geschäft habe in der
besagten Zeit aus besonderen Gründen (wie beispielsweise einer einschlägigen
Erkrankung der fallführenden Staatsanwältin) vorübergehend gänzlich ruhen
müssen. Trotzdem ist die Pandemie aber in einem gewissen Ausmass bei der
Beurteilung der Verzögerung zu berücksichtigen und es ist auch in Rechnung zu
stellen, dass das Geschäft nach dem Stillstand durchaus beförderlich zum
Abschluss geführt wurde, so dass sich letztlich eine Strafreduktion im Umfang von
rund 10 Prozent rechtfertigt, was eine Ermässigung von 3 Monaten zur Folge hat.
3.3.5. Unter Berücksichtigung der vorgenannten weiteren strafzumessungs-
relevanten Faktoren erscheint es mithin gerechtfertigt, die im Rahmen der Tat-
komponente festgesetzte Freiheitstrafe von 32 Monaten um zusätzliche 3 Monate
auf 35 Monate zu erhöhen.
3.4. Busse
3.4.1. Die vorinstanzlich festgesetzte Busse für die mehrfache Übertretung des
Betäubungsmittelgesetzes in der Höhe von Fr. 400.– erweist sich in Anbetracht
der Tatsache, dass der Konsum sowohl Kokain als auch Marihuana betrifft und
über einen längeren Zeitraum praktiziert wurde, ohne Weiteres als angemessen
und trägt auch den finanziellen Verhältnissen des erwerbstätigen Beschuldigten
genügend Rechnung. Es rechtfertigt sich im Berufungsverfahren mithin weder
eine Erhöhung noch eine Reduktion der vorinstanzlich festgelegten Übertretungs-
sanktion.
3.4.2. Das Urteil der ersten Instanz ist in diesem Punkt mithin ohne Weiteres zu
bestätigen.
4. Fazit
Der Beschuldigte ist demzufolge in zweiter Instanz in teilweiser Gutheissung
der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft mit einer Freiheitsstrafe von
35 Monaten zu bestrafen, wobei an diese Strafe die vom Beschuldigten erstande-
- 25 -
ne Untersuchungshaft von 3 Tagen anzurechnen ist. Darüber hinaus ist er in Be-
stätigung des vorinstanzlichen Urteils mit einer Busse von Fr. 400.– zu belegen.
5. Vollzug
5.1. Aufgrund der für die Freiheitsstrafe festgelegten Strafhöhe kommt
vorliegend gestützt auf Art. 43 Abs. 1 StGB die Ausfällung einer teilbedingten
Strafe in Betracht. Auch beim teilbedingten Vollzug dürfen indes keine Gründe
vorliegen, welche den bedingten Vollzug ausschliessen. Insbesondere muss eine
begründete Aussicht auf Bewährung gegeben sein (TRECHSEL/PIETH, PK StGB, N
2 zu Art. 43 StGB), wobei die persönlichen Verhältnisse zur Beurteilung der
Legalprognose bis zum Zeitpunkt des Urteils mit einzubeziehen sind (Urteil
6B_232/2010 vom 20. Mai 2010, E. 3.3.). Wenn und soweit die Legalprognose
des Täters nicht schlecht ausfällt, verlangt die Bestimmung, dass zumindest ein
Teil der Strafe auf Bewährung ausgesetzt wird. Umgekehrt gilt, dass bei einer
Schlechtprognose auch ein bloss teilweiser Aufschub der Strafe nicht
gerechtfertigt erscheint. Denn wo keinerlei Aussicht besteht, der Täter werde sich
in irgendeiner Weise durch den ganz oder teilweise gewährten Strafaufschub
beeinflussen lassen, muss die Strafe in voller Länge vollzogen werden (BGE 134
IV 1, E. 5.2.). Die Auffassung, dass die subjektiven Voraussetzungen von Art. 42
StGB auch für die Anwendung von Art. 43 StGB gelten müssen, entspricht der
überwiegenden Lehrmeinung (vgl. statt vieler STRATENWERTH, AT II, S. 144;
SCHWARZENEGGER/HUG/JOSITSCh, Strafrecht II, 8. Aufl., S. 130 ff.).
5.2. Der Beschuldigte weist nunmehr drei einschlägige rechtskräftige Ver-
urteilungen auf (vgl. Urk. 58), wobei sich deren zwei auf Körperverletzungsdelikte
und deren eine auf ein Betäubungsmitteldelikt beziehen. Zwar ist in Bezug auf die
Vorstrafen aus dem Jahr 2014 und 2018 festzuhalten, dass diese noch bedingt
ausgesprochen wurden und sich der Beschuldigte vor der vorliegend zu beur-
teilenden Tat mithin noch nie mit einer unbedingt auszufällenden Strafe
konfrontiert sah. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte im
vorliegenden Verfahren über eine längere Zeit mit der Warnwirkung einer
(teilweise) vollziehbaren Freiheitsstrafe konfrontiert war, welche ihm mit der
Eröffnung des erstinstanzlichen Urteils am 15. September 2021 in aller
- 26 -
Deutlichkeit kommuniziert wurde, wobei an dieser Warnwirkung nichts zu ändern
vermag, dass gegen das erstinstanzliche Urteil ein Rechtsmittel erhoben wurde.
Indem der Beschuldigte dann aber am 10. Oktober 2021 erneut einschlägig
delinquierte, nachdem ihm kaum mehr als drei Wochen zuvor eröffnet worden
war, dass er zur besagten Freiheitsstrafe von 32 Monaten (davon 10 Monate
unbedingt) verurteilt wird, demonstrierte er in aller Deutlichkeit, dass selbst die
Aussprechung einer teilbedingten Freiheitsstrafe ihre deliktspräventive Wirkung
offensichtlich nicht zu erzielen vermag. Nebst dieser augenscheinlichen zeitlichen
Nähe der erneuten Delinquenz zur erstinstanzlichen Verurteilung ist aber auch zu
beachten, dass der Beschuldigte den Tatbestand der Körperverletzung nunmehr
bereits zum dritten Mal verwirklichte. Weiter wirkt sich prognostisch belastend
aus, dass der Beschuldigte anlässlich der jüngsten Tat nahezu identisch vorging
wie beim vorliegend zu beurteilenden Delikt, indem erneut ein spontaner
Gewaltausbruch gegen eine fremde Person im Ausgang unter Alkoholeinfluss zu
beurteilen war (vgl. Beizugsakten des Untersuchungsamtes St. Gallen, Urk. 61 A).
Der vom Beschuldigten bereits vor Vorinstanz behauptete positive Lebenswandel
(mit Alkoholabstinenz und persönlichem Reifeprozess, vgl. Urk. 3/3 S. 16) ist
mithin vor diesem Hintergrund stark in Zweifel zu ziehen, zumal mit seinem
jüngsten Gewaltakt auch widerlegt ist, dass bereits die intensivierte
Arbeitstätigkeit eine stabilisierende Wirkung bei ihm zu erzielen vermag. Den
Eindruck einer deutlich belasteten Legalprognose vermochte der unverändert
ungeständige Beschuldigte auch anlässlich der Berufungsverhandlung nicht zu
revidieren, zumal sein stereotypes Vorbringen, er sei ein friedlicher Mensch, vor
dem Hintergrund seiner wiederholten Verurteilungen wegen Gewaltdelikten
seltsam anmutet und den Anschein aufkommen lässt, eine Auseinandersetzung
mit seinen Problemfeldern habe beim Beschuldigten nach wie vor nicht
stattgefunden. Angesichts der deutlichen Schlechtprognose, die dem
Beschuldigten insbesondere infolge seines jüngsten einschlägigen Rückfalls zu
stellen ist, vermag im Übrigen auch ein Widerruf der Vorstrafe vom 29. März 2018
nichts an besagter Einschätzung zu ändern. Ein teilweiser Aufschub des
Strafvollzugs kommt mithin nicht in Frage und der Beschuldigte ist mit einer
gänzlich vollziehbaren Freiheitsstrafe in der Höhe von 35 Monaten zu bestrafen.
- 27 -
5.3. Die Busse ist entsprechend der zwingenden gesetzlichen Regelung zu
bezahlen (Art. 105 Abs. 1 StGB), wobei im Falle von deren Nichtbezahlung eine
Ersatzfreiheitsstrafe von 4 Tagen festzusetzen ist (Art. 106 Abs. 2 StGB).
VI. Widerruf
1. Hinsichtlich des Widerrufs der Vorstrafe vom 29. März 2018 sind die for-
mellen Voraussetzungen ohne Weiteres gegeben, nachdem der Beschuldigte
innerhalb der dreijährigen Probezeit erneut ein Vergehen bzw. Verbrechen
begangen hat. Mit der Vorinstanz ist sodann in materieller Hinsicht von einer
belasteten Legalprognose des Beschuldigten mit Bezug auf die Widerrufs-
problematik auszugehen. Diese ergibt sich einerseits durch die einschlägige
Delinquenz im vorliegenden Verfahren während der Probezeit, andrerseits in aller
Deutlichkeit durch den einschlägigen Rückfall kurz nach Eröffnung des vor-
instanzlichen Urteils im vorliegenden Verfahren, wobei diesbezüglich auf die
vorstehenden Erwägungen hinsichlich des unbedingten Vollzugs der Freiheits-
strafe verwiesen werden kann (vgl. vorne Ziffer V./5.2.).
2. Es ist demzufolge der bedingte Vollzug der Geldstrafe von 60 Tagessätzen
zu Fr. 50.– gemäss Strafbefehl des Untersuchungsamtes St. Gallen vom 29. März
2018 zu widerrufen und die entsprechende Stafe zu vollziehen.
VII. Landesverweisung
1. Einleitung
1.1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten für die Dauer von 5 Jahren des
Landes verwiesen (Urk. 42 S. 35).
1.2. Der Beschuldigte beantragt demgegenüber auch im Berufungsverfahren
ein gänzliches Absehen von der Landesverweisung (Urk. 43 S. 4; Urk. 63 S. 2.),
während die Staatsanwaltschaft eine Erhöhung der Dauer der Landesverweisung
auf 7 Jahre fordert (Urk. 48 S. 2; Urk. 66 S. 2), so dass auch dieser Punkt vorlie-
gend nochmals vollumfänglich zu überprüfen ist.
- 28 -
2. Grundlagen
2.1. Hinsichtlich der rechtlichen Grundlagen der Landesverweisung kann
vorweg auf die korrekten Erwägungen im erstinstanzlichen Urteil verwiesen
werden, welche sich zutreffend zur Katalogtat und zur Härtefallklausel geäussert
und in letzterem Zusammenhang auch zu Recht auf die analoge Anwendbarkeit
der ausländerrechtlichen Rechtsprechung betreffend den schwerwiegenden
persönlichen Härtefall im Sinne von Art. 31 Abs. 1 VZAE hingewiesen hat (Urk. 42
S. 32).
2.2. Zu ergänzen ist diesbezüglich, dass das Bundesgericht auch in seiner
jüngeren Praxis immer wieder in Erinnerung gerufen hat, dass die Härtefallklausel
restriktiv anzuwenden ist (vgl. dazu statt vieler BGE 144 IV 332, E. 3.3.1. ff.). Von
der Anordnung einer Landesverweisung kann demgemäss nur ausnahmsweise
unter den kumulativen Voraussetzungen abgesehen werden, dass von einem
schweren Härtefall auszugehen ist und das entsprechende private Interesse an
einem Verbleib in der Schweiz nicht vom öffentlichen Sicherheitsinteresse über-
wogen wird, wobei in letzterem Zusammenhang insbesondere die Schwere der
Straftat und das Rückfallrisiko massgebend sind (Urteil 6B_423/2019 vom
17. März 2020, E. 2.1.2.; Urteil 6B_260/2021 vom 20. Juli 2021, E. 1.1.1.). Dabei
kann auch ein relativ geringes Rückfallrisiko genügen, sofern dieses Risiko eine
schwere Verletzung hoher Rechtsgüter wie zum Beispiel die körperliche Integrität
beschlägt (BGE 145 IV 364, E. 3.5.2.; Urteil 6B_780/2020 vom 2. Juni 2021,
E. 1.3.4.). Letztlich muss die Landesverweisung dem Verhältnismässigkeits-
grundsatz gerecht werden, wobei in diesem Zusammenhang auch die
Zumutbarkeit einer Rückkehr in das Herkunftsland mitzuberücksichtigen ist (Urteil
6B_1024/2019 vom 29. Januar 2020, E. 1.3.5.; Urteil 6B_260/2021 vom
20. Juli 2021, E. 1.1.1.). Das Sachgericht prüft dabei die rechtliche
Durchführbarkeit der Landesverweisung, soweit sie definitiv bestimmbar ist. Im
Übrigen ist dem Non-Refoulement-Gebot und anderen völkerrechtlich zwingenden
Bestimmungen auf der Ebene des Vollzugs Rechnung zu tragen (Urteil
6B_747/2019 vom 24. Juni 2020, E. 2.1.2.; Urteil 6B_423/2019 vom
- 29 -
17. März 2020, E. 2.2.2.; Urteil 6B_1270/2020 vom 10. März 2021, E. 9.1.; Urteil
6B_260/2021 vom 20. Juli 2021, E. 1.1.1.).
3. Beurteilung
3.1. Die Vorinstanz hat mit Bezug auf die schwere Körperverletzung zu Recht
das Vorliegen einer Katalogtat im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. b StGB ange-
nommen, woran auch nichts zu ändern vermag, dass es sich vorliegend um eine
versuchte Tatbegehung handelt (vgl. BGE 144 IV 168, E. 1.4.1.). Auf ihre ent-
sprechenden Ausführungen kann mithin insbesondere auch betreffend die Grund-
voraussetzung der Ausländereigenschaft des Beschuldigten verwiesen werden
(Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.2. Was die Prüfung des schweren persönlichen Härtefalles im Sinne von
Art. 66a Abs. 2 StGB anbelangt, so hat bereits die Vorinstanz zutreffend fest-
gehalten, dass der im Alter von 16 Jahren in die Schweiz eingereiste Beschuldigte
sowohl mit der Kultur und den übrigen Gegebenheiten als auch mit der Sprache
seines Heimatlandes vertraut ist und dort auch noch über einen Teil seiner Ver-
wandtschaft verfügt (Urk. 42 S. 34). Zwar muss er bei einer Rückkehr seine
Mutter und seine Geschwister hier zurücklassen, was zweifellos eine gewisse
Härte für ihn bedeutet, doch ist er als Volljähriger nicht mehr zwingend auf seine
Stammfamilie angewiesen und vermag im Übrigen via die modernen Kommunika-
tionsmittel den Kontakt noch in zumutbarer Art und Weise zu halten. Eine eigene
(Kern-) Familie besitzt der Beschuldigte demgegenüber in der Schweiz nicht und
hat hierzulande auch sonst keine weiteren besonderen Bezugspunkte, welche
eine Rückreise in sein Heimatland als unzumutbar erscheinen liessen, auch wenn
er sich bis zu einem gewissen Masse hier integrieren konnte. Insgesamt liegt
demnach im Falle des Beschuldigten kein schwerer persönlicher Härtefall vor,
was aufgrund der geltenden Rechtslage einen weiteren Verbleib in der Schweiz
verunmöglicht, zumal darüber hinaus auch seine Uneinsichtigkeit hinsichtlich der
wiederholten Delinquenz und das Ausmass der verübten Straftaten (mit negativer
Rückfallprognose) gegen einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz spricht sowie
der Umstand, dass sich die Aggression des Beschuldigten spontan in der Öffent-
lichkeit gegen fremde Personen entlud, entgegen der Ansicht der Verteidigung
- 30 -
(Urk. 63 S. 20), durchaus als relevanter Aspekt der Gefährdung der öffentlichen
Sicherheit zu sehen ist.
3.3. Daran vermag im Übrigen auch die von der Verteidigung wiederholt ins
Feld geführte angebliche Gefährdung des Beschuldigten in seinem Heimatland
nichts zu ändern (vgl. Urk. 33 S. 20 f.; Urk. 63 S. 20). Wie bereits die Vorinstanz
in diesem Zusammenhang korrekt ausgeführt hat, bedarf dieser Punkt einer
gewissen Substantiierung auf Seiten des Beschuldigten, um in die
Gesamtbetrachtung betreffend die Zumutbarkeit der Ausreise in das Heimatland
miteinbezogen werden zu können, wobei die Hypothese der Verteidigung, dass
(auch) die Angehörigen von Personen, die sich im Ausland kritisch gegen das
Regime äussern, akut gefährdet sein können, von dieser im konkreten Fall nicht
weiter belegt wird (vgl. Urk. 42 S. 34 f.; Urk. 63 S. 20) und auch der Beschuldigte
anlässlich der Berufungsverhandlung nicht näher auszuführen vermochte,
weshalb er wegen Äusserungen seiner Verwandtschaft in seinem Heimatland bei
seiner Rückkehr sofort verhaftet werden könnte (Urk. 62 S. 12). Würde sich
diesbezüglich im späteren Verlauf noch eine Individualisierung der
Gefährdungslage ergeben, könnte dieser im Übrigen immer noch im Rahmen des
Vollzuges der Landesverweisung durch die Vollzugsbehörden Rechnung
getragen werden (vgl. Art. 66d StGB).
3.4. Der Beschuldigte ist somit auch in zweiter Instanz obligatorisch des Landes
zu verweisen, wobei die Dauer der Verweisung angesichts des ausgesprochenen
Strafmasses und des keineswegs mehr leichten Verschuldens des Beschuldigten
von vornherein nicht auf die gesetzliche Minimalregelung von 5 Jahren festgesetzt
werden kann. Es rechtfertigt sich mithin angesichts dieser Aspekte einerseits und
der mit der Landesverweisung verbundenen Betroffenheit des noch jungen
Ausländers (mit Trennung von der Stammfamilie) andrersetis, die Fernhalte-
massnahme im Rahmen einer Gesamtbetrachtung auf eine Höhe von 7 Jahren
festzulegen.
3.5. Der Beschuldigte ist demzufolge in Anwendung von Art. 66a StGB für die
Dauer von 7 Jahren obligatorisch des Landes zu verweisen.
- 31 -
4. Ausschreibung im Schengener Informationssystem
Was schliesslich die Ausschreibung der Landesverweisung des Beschul-
digten im Schengener Informationssystem betrifft, so kann diesbezüglich vollum-
fänglich auf die korrekten Erwägungen des Bezirksgerichtes verwiesen werden
(vgl. Urk. 42 S. 35 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Angesichts des qualifizierten Körper-
verletzungsdelikts und des damit verbundenen Strafmasses ist klarerweise davon
auszugehen, dass der Beschuldigte eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und
Ordnung im Sinne von Art. 24 Ziff. 2 SIS-II-Verordnung darstellt (vgl. BGE 146
IV 172, E. 3.2.; Urteil 6B_1102/2020 vom 20. Mai 2021, E. 3.5.). Auch im Übrigen
sind die für eine Eintragung von Drittstaatenangehörigen erforderlichen Voraus-
setzungen ohne Weiteres gegeben, so dass im erstinstanzlichen Urteil zu Recht
die entsprechende Anordnung vorgenommen wurde.
VIII. Zivilforderung
1. Grundlagen
Zu den rechtlichen Grundlagen der Beurteilung des gestellten Genugtu-
ungsbegehrens kann vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen im
erstinstanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 42 S. 36 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2. Beurteilung
2.1. Der Privatkläger, dem vom Beschuldigten eine erhebliche Kopfverletzung
zugefügt worden ist, hat im Einklang mit der Beurteilung der Vorinstanz eine
genügend schwere Beeinträchtigung in seinen persönlichen Verhältnissen erlitten,
um mit Erfolg eine Genugtuung im Sinne von Art. 47 OR für seine Unbill geltend
machen zu können. Wenn die Erstinstanz die Höhe der Genugtuung in der Folge
auf den Betrag von Fr. 1'200.– (zuzügl. 5 % Zins seit dem 1. Juni 2019)
festgesetzt hat, so erweist sich diese Summe angesichts der längerdauernden
Beeinträchtigungen des Privatklägers, welche sich immer noch in phasenweisen
Kopfschmerzen bemerkbar machen, sicherlich nicht als zu hoch. Eine Erhöhung
dieses Betrages verbietet sich im Übrigen bereits deshalb, weil der Privatkläger
das vorinstanzliche Urteil unangefochten liess.
- 32 -
2.2. Der Entscheid der Vorinstanz ist mithin auch im Zivilpunkt ohne Weiteres
zu bestätigen.
IX. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Erstinstanzliches Verfahren
1.1. Das Berufungsverfahren bestätigt das erstinstanzliche Urteil im Schuld-
punkt vollumfänglich. Es ergibt sich insofern auch kein Anlass, die Kostenrege-
lung der Vorinstanz (vgl. Dispositiv-Ziffern 15 und 16) zu korrigieren.
1.2. Der Beschuldigte hat demnach in Bestätigung des Urteils des Bezirks-
gerichtes die Kosten für die Untersuchung und das erstinstanzliche Verfahren
vollumfänglich zu tragen (vgl. Art. 426 Abs. 1 StPO).
2. Zweitinstanzliches Verfahren
2.1. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Inwiefern eine Partei im
Sinne dieser Bestimmung obsiegt oder unterliegt, hängt davon ab, in welchem
Ausmass ihre in zweiter Instanz gestellten Anträge gutgeheissen werden (Urteil
6B_1025/2014 vom 9. Februar 2015, E. 2.4.1.).
2.2. Die Entscheidgebühr im zweitinstanzlichen Verfahren ist auf Fr. 3'500.– zu
veranschlagen (Art. 424 Abs. 1 StPO in Verbindung mit § 16 Abs. 1 und § 14
Abs. 1 lit. b GebV OG).
2.3. Der Beschuldigte vermag sich in zweiter Instanz mit seinem Antrag auf
(teilweisen) Freispruch nicht durchzusetzen und erreicht auch in den übrigen
Punkten keine Verbesserung seiner Position. Im Gegenteil ergibt sich in teilweiser
Gutheissung der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft eine leichte
Erhöhung des Strafmasses unter nunmehr (vollständig) unbedingtem Vollzug
sowie eine leichte Erhöhung der Dauer der Landesverweisung. Es erscheint
demnach ohne Weiteres geboten, den Beschuldigten auch die in diesem
Zusammenhang entstandenen Kosten vollumfänglich selber tragen zu lassen,
dies mit Ausnahme der Entschädigung der amtlichen Verteidigung, welche auch
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im Berufungsverfahren unter Rückzahlungsvorbehalt im Sinne von Art. 135 Abs. 4
StPO auf die Gerichtskasse zu nehmen ist.
2.4. Die Verteidigung des Beschuldigten macht für ihre Bemühungen und Bar-
auslagen im Berufungsverfahren den Betrag von Fr. 9'006.90 (inkl. MwSt) geltend
(Urk. 65). Diese Aufwendungen sind ausgewiesen und das geltend gemachte
Honorar steht im Einklang mit den Ansätzen der Anwaltsgebührenverordnung.
Unter Berücksichtigung des weiteren Aufwandes für die Berufungsverhandlung
(inkl. Weg und Nachbesprechung mit dem Klienten) erscheint es mithin ange-
messen, den amtlichen Verteidiger mit insgesamt Fr. 10'400.– (inkl. MwSt) aus
der Gerichtskasse zu entschädigen.