Decision ID: dde4040c-6071-5cc4-9faf-3a6255f8b123
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X ist unselbständig erwerbstätig und wohnt in A. Er ist geschieden und Vater zweier
Töchter. In der Steuererklärung 2009 vermerkte er in der Rubrik "Kinder, für deren
Unterhalt Sie zur Hauptsache aufkommen" seine ältere, 1987 geborene Tochter S.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/6
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Diese studiert an der Universität Bern. X deklarierte ein steuerbares Einkommen von
Fr. 33'945.-- und ein steuerbares Vermögen von Fr. 0.--. In der Steuererklärung brachte
er Unterhaltsbeiträge für die jüngere, 1993 geborene Tochter T von Fr. 13'000.-- zum
Abzug (Ziff. 12.2 der Steuererklärung). Ausserdem beanspruchte er einen Kinderabzug
von Fr. 6'800.-- für ein in Ausbildung stehendes Kind (Ziff. 25.2) sowie
Ausbildungskosten für Kinder in Schule oder Ausbildung von Fr. 5'200.-- (Ziff. 25.3).
Die Veranlagungsbehörde liess die Abzüge in Ziff. 25.2 und 25.3 der Steuererklärung
nicht zum Abzug zu und veranlagte X für die Kantons- und Gemeindesteuern 2009 mit
einem steuerbaren Einkommen von Fr. 43'200.-- zum Satz von Fr. 48'000.--. Sie hielt
fest, der Steuerpflichtige komme für den Unterhalt des Kindes nicht zur Hauptsache
auf, weshalb der Kinderabzug nicht beansprucht werden könne. Sodann könnten die
Ausbildungskosten nur für Kinder, für welche der Abzug gemäss Ziff. 25.2 gewährt
werde, in Abzug gebracht werden.
Gegen diese Veranlagung erhob X mit Eingabe vom 9. April 2010 Einsprache und
verlangte, die Steuerveranlagung sei unter Ziff. 25.4 anzupassen und die
ausgewiesenen Unterstützungsbeiträge von Fr. 7'200.-- seien zu berücksichtigen.
Gemäss Ziff. 25.4 gelte der Abzug für jede unterstützte Person. Die Unterstützung sei
mehrfach ausgewiesen und müsse darum auch als Abzug berücksichtigt werden.
Wenn der Abzug gemäss Ziff. 25.3 für Kinder in Ausbildung nicht anerkannt werde,
obwohl dieser ausgewiesen sei, könne der Betrag nicht einfach unberücksichtigt
bleiben. In der Folge orientierte der zuständige Steuerkommissär den Einsprecher über
die rechtlichen Grundlagen der streitigen Abzüge. Der Einsprecher hielt mit Schreiben
vom 22. Juli 2011 an seinem Antrag fest. Mit Entscheid vom 25. August 2011 wies das
kantonale Steueramt die Einsprache ab. Es erwog, der streitige Abzug stehe nur jenen
Steuerpflichtigen zu, die für den Unterhalt des Kindes zur Hauptsache aufkommen und
keinen Abzug für geleistete Unterhaltsbeiträge beanspruchten. Gemäss Monatsbudget
leiste der Einsprecher Zahlungen von Fr. 600.-- von total Fr. 2'150.--. Damit komme er
nicht zur Hauptsache für den Unterhalt auf und es könne der Kinderabzug nicht
gewährt werden.
B.- Mit Eingabe vom 24. September 2011 (Postaufgabe: 26.09.11) erhob X Rekurs bei
der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, die Veranlagung 2009 sei gemäss
den kantonalen Vorlagen für Ausbildungsbeiträge richtigzustellen und anzupassen;
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/6
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sollte wider Erwarten diesem Anspruch nicht stattgegeben werden, müsse der
ausgewiesene Ausbildungsbetrag als Unterstützungsbeitrag berücksichtigt werden. Zur
Begründung macht der Rekurrent geltend, im Einspracheentscheid werde von falschen
Zahlen ausgegangen. Der ausgewiesene Betrag pro Jahr betrage nicht wie
fälschlicherweise vom Steuerkommissär angenommen Fr. 2'150.--, sondern
Fr. 7'200.--. Wie er bereits in der Einsprache geltend gemacht habe, handle es sich bei
den geleisteten Zahlungen um Ausbildungskosten an seine mündige Tochter. Daher
müssten diese ausgewiesenen Ausbildungskosten voll abzugsfähig sein. Wenn der
Abzug gemäss Ziff. 25.3 der Steuererklärung wider Erwarten nicht anerkannt werde,
müsse er zumindest als Unterstützungsabzug akzeptiert werden. Diese Argumentation
sei im Einspracheentscheid nicht berücksichtigt worden. Ohne diese
Ausbildungsunterstützung wäre seine Tochter nicht in der Lage, ihr Studium ohne
weitere fremde Hilfe zu finanzieren.
Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 31. Oktober 2011 unter Hinweis
auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids die kostenfällige Abweisung des
Rekurses. Der Rekurrent verzichtete auf eine Einsicht in die Akten, hielt aber mit
Eingabe vom 12. November 2011 an seinem Begehren fest. Die Vorinstanz ging darauf
in der Eingabe vom 1. Dezember 2011 ein. Der Rekurrent antwortete am 23. Dezember
2011.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 24. September 2011 (Postaufgabe:
26.09.11) wurde unter Berücksichtigung des Fristenlaufs am Wochenende rechtzeitig
eingereicht. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 48
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP; Art. 30
Abs. 1 und Art. 58 Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 142 Abs. 3 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung, SR 272). Auf den Rekurs ist einzutreten.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/6
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.- Art. 48 Abs. 1 lit. a Ziff. 2 StG bestimmt, dass der Steuerpflichtige, der für den
Unterhalt des Kindes zur Hauptsache aufkommt und keinen Abzug nach Art. 45 Abs. 1
lit. c StG beansprucht, Fr. 6'800.-- für jedes unter seiner elterlichen Sorge oder Obhut
stehende oder volljährige, in der schulischen oder beruflichen Ausbildung stehende
Kind, abziehen kann. Art. 48 Abs. 1 lit. a Ziff. 3 StG bestimmt, dass der
Steuerpflichtige, der für den Unterhalt zur Hauptsache aufkommt und keinen Abzug
nach Art. 45 Abs. 1 lit. c StG beansprucht, höchstens weitere Fr. 13'000.-- als
Ausbildungskosten für jedes unter der elterlichen Sorge oder Obhut stehende oder
volljährige in der schulischen oder beruflichen Ausbildung stehende Kind abziehen
kann, soweit sie der Steuerpflichtige selbst trägt und sie Fr. 2'000.-- übersteigen.
Dem Steuerpflichtigen steht somit für jedes volljährige, in der beruflichen Ausbildung
stehende Kind ein Kinderabzug zu, wenn er für den Unterhalt des Kindes zur
Hauptsache aufkommt. Weiter wird vorausgesetzt, dass der Pflichtige seine
Unterhaltsaufwendungen – für minderjährige Kinder – nicht als Unterhaltsbeiträge nach
Art. 45 Abs. 1 lit. c StG, d.h. im Rahmen sogenannter Alimente, in Abzug bringen kann.
Nach dem Wortlaut des Gesetzes wird verlangt, dass der Pflichtige "zur Hauptsache"
für den Unterhalt des Kindes aufkommt. Dies muss nicht notwendigerweise mehr als
50% sein. Wenn ein Pflichtiger 40% des Unterhalts übernimmt und die restlichen 60%
je zur Hälfte von eigenem Erwerbseinkommen und von weiteren Leistungen bestritten
werden, rechtfertigt sich die Annahme, der Pflichtige komme zur Hauptsache für den
Unterhalt auf (VerwGE vom 9. Mai 2007, in: SGE 2007 Nr. 9 und www.gerichte.sg.ch).
Zu Unrecht bemängelt der Rekurrent, die Vorinstanz sei davon ausgegangen, er leiste
jährlich nur Fr. 2'150.-- für seine Tochter S. Im Einspracheentscheid wird festgehalten,
der Pflichtige leiste gemäss Monatsbudget Zahlungen über Fr. 600.-- von total
Fr. 2'150.--. Damit brachte die Vorinstanz zum Ausdruck, dass von den monatlichen
Aufwendungen von Fr. 2'150.-- der Rekurrent lediglich Fr. 600.-- trägt und damit nicht
zur Hauptsache für den Unterhalt der Tochter aufkommt. Die Vorinstanz anerkannte
aber, dass die jährliche Leistung Fr. 7'200.-- entspricht, wie dies im Rekurs bekräftigt
wird. Der Begriff "zur Hauptsache" ist wie erwähnt im üblichen Sprachgebrauch
dahingehend auszulegen, dass damit nicht exakt mehr als die rechnerische Hälfte
gemeint ist. Erforderlich ist aber, dass der Unterhalt des Kindes im Wesentlichen oder
in erster Linie vom betreffenden Steuerpflichtigen erbracht wird. Ein Anteil von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/6
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Fr. 600.-- an den Kosten von Fr. 2'150.-- beträgt 28% bzw. knapp einen Drittel. Damit
kann nicht gesagt werden, der Pflichtige komme zur Hauptsache für seine Tochter S
auf.
Zuzugestehen ist dem Rekurrenten, dass das Formular 10 der Steuererklärung
missverständlich ist. Dort fehlt der Vermerk, wonach der Pflichtige zur Hauptsache für
das Kind in der beruflichen Ausbildung aufkommen muss. Aus der Wegleitung der
Steuererklärung geht dies aber unmissverständlich hervor (vgl. S. 21 der Wegleitung
zur Steuererklärung 2009, Ziff. 25 Einleitung Absatz 2). In dem vom Rekurrenten
zusammen mit seiner Eingabe vom 23. Dezember 2011 eingereichten Artikel aus der
Zeitschrift "KGeld" wird die Frage des Kinderabzugs bejaht, wenn der Steuerpflichtige
für den Lebensunterhalt des volljährigen Kindes aufkommt; davon, dass der
Steuerpflichtige nur teilweise, insbesondere nicht zur Hauptsache für den
Lebensunterhalt aufkommt, ist nicht die Rede (vgl. act. 16/1).
Weiter macht der Rekurrent geltend, der Abzug sei als Unterstützungsabzug zu
akzeptieren. Dieser Antrag ist unbegründet. Der sogenannte Unterstützungsabzug ist
auf die direkte Bundessteuer beschränkt (Art. 213 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes
über die direkte Bundessteuer, SR 642.11). Darauf wird in Ziff. 25.4 der Steuererklärung
ausdrücklich hingewiesen. Auch die Vorinstanz hat im Einspracheverfahren im
Schreiben vom 26. Mai 2011 den Rekurrenten ausdrücklich auf diesen Umstand
aufmerksam gemacht. Unbegründet ist daher die Rüge des Rekurrenten, dieser
Argumentationspunkt sei beim Einspracheentscheid unberücksichtigt geblieben.
In der Stellungnahme zur vorinstanzlichen Rekursvernehmlassung beruft sich der
Rekurrent auf die Veranlagungen 2006 bis 2008, in denen ein Abzug für Ausbildung
bzw. der Kinderabzug akzeptiert worden sei. Dies scheint aufgrund der eingereichten
Unterlagen zuzutreffen. Allerdings wurde in der Veranlagung 2008 der Abzug gemäss
Ziff. 25.2 der Steuererklärung nicht gewährt und der geltend gemachte
Ausbildungskostenabzug wurde gekürzt, wobei der Rekurrent die zweite Seite der
Veranlagungsberechnung nicht eingereicht hat. Die Veranlagungen der Vorjahre
vermögen jedoch keinen Anspruch zu begründen, dass auch künftige Veranlagungen
fehlerhaft vorgenommen werden. Ein Anspruch auf eine vom Gesetz abweichende
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/6
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Behandlung besteht nicht (vgl. statt vieler Entscheid VRKE I/1-2010/240 vom
20. Oktober 2011 E. 3d, in: www.gerichte.sg.ch).
Zusammenfassend ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen, dass der Rekurs
abzuweisen ist.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom Rekurrenten
zu bezahlen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- ist angemessen
(vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss
von Fr. 600.-- ist zu verrechnen.