Decision ID: 40e58066-08bb-561e-b1f7-dbb9b65b7fbf
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Gesuchsteller gelangte am 15. Oktober 2014 in die Schweiz und
suchte am Tag darauf um Asyl nach.
B.
Nachdem der Gesuchsteller sein Asylgesuch zurückgezogen hatte, schrieb
das Bundesamt für Migration (BFM; heute: SEM) das Asylgesuch als ge-
genstandslos geworden ab.
C.
Am 10. Dezember 2014 reichte der Gesuchsteller ein neues Asylgesuch
ein.
D.
Er begründete sein Asylgesuch unter anderem damit, dass er ab Frühjahr
2011 wiederholt an Demonstrationen teilgenommen habe und deswegen
im April oder Mai 2011 dreimal von Sicherheitsbeamten verhört worden sei.
Nachdem viele seiner Kollegen verhaftet worden seien, sei er im Juli 2011
erstmals in die Schweiz gereist.
E.
Mit Verfügung vom 21. August 2015 stellte das SEM fest, dass der Gesuch-
steller die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, lehnte sein Asylgesuch ab
und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Gleichzeitig wurde wegen
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs eine vorläufige Aufnahme an-
geordnet.
F.
Eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wurde mit Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts D-5870/2015 vom 26. November 2015 abge-
wiesen, soweit darauf eingetreten wurde.
G.
Mit Eingabe vom 12. Juli 2016 gelangte der Gesuchsteller ans SEM. Die
Eingabe wurde zuständigkeitshalber ans Bundesverwaltungsgericht wei-
tergeleitet und als Revisionsgesuch entgegengenommen.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 21. Juli 2016 wurde der Beschwerdeführer zur
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Verbesserung des Revisionsgesuchs aufgefordert. Diese wurde am 5. Au-
gust 2016 nachgereicht.
I.
Mit Urteil D-4449/2016 vom 24. August 2016 trat das Bundesverwaltungs-
gericht auf das Revisionsgesuch nicht ein, da es mangels hinreichender
Begründung die gesetzlichen Anforderungen nicht erfüllte.
J.
Mit einer als neues Asylgesuch eventualiter Wiedererwägungsgesuch be-
zeichneten Eingabe gelangte der Gesuchsteller am 28. September 2018
abermals ans SEM. Am 9. Oktober 2018 bestätigte das SEM dessen Ein-
gang.
K.
Mit Schreiben vom 12. März 2020 überwies das SEM die Eingabe vom
28. September 2018 zuständigkeitshalber ans Bundesverwaltungsgericht
zur revisionsweisen Prüfung.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet gemäss Art. 105 AsylG
(SR 142.31) auf dem Gebiet des Asyls in der Regel endgültig über Be-
schwerden gegen Verfügungen des SEM (vgl. zur Ausnahme Art. 83 Bst. d
Ziff. 1 BGG). Es ist ausserdem zuständig für die Revision von Urteilen, die
es in seiner Funktion als Beschwerdeinstanz gefällt hat (vgl. BVGE
2007/21 E. 2.1).
1.2 Der Gesuchsteller bezeichnete seine Eingabe als "neues Asylgesuch"
respektive als "Wiedererwägungsgesuch". Eine Eingabe ist jedoch nicht
nach ihrer Bezeichnung, sondern nach ihrem Inhalt zu qualifizieren. Der
Gesuchsteller macht geltend, dass er Beweismittel (ein Auszug aus dem
Strafregister und eine beglaubigte Kopie eines Urteils) habe erhältlich ma-
chen können, welche belegen würden, dass er aufgrund seiner Demonst-
rationsteilnahmen behördlich gesucht werde. Er beruft sich somit auf
(neue) Beweismittel im Sinne von Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG respektive
Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG.
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1.3 Revisionsgründe können zwar Gegenstand eines Wiedererwägungs-
verfahrens bilden. Voraussetzung hierfür ist aber, dass sich diese Revisi-
onsgründe auf eine in materielle Rechtskraft erwachsene Verfügung bezie-
hen, die entweder unangefochten geblieben oder deren Beschwerdever-
fahren mit einem bloss formellen Prozessurteil abgeschlossen worden ist
(zum sogenannten "qualifizierten Wiedererwägungsgesuch" vgl. BVGE
2013/22 E. 5.4 m.w.H.). Vorliegend wurden die Verfügungen des SEM vom
21. August 2015 angefochten und das Beschwerdeverfahren am 26. No-
vember 2015 mit einem materiellen Urteil abgeschlossen. Das Begehren
des Gesuchstellers ist folglich grundsätzlich als Revisionsgesuch gegen
das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 26. November 2015 zu be-
handeln. Allerdings scheiden hierbei diejenigen Beweismittel als Revisi-
onsgründe aus, welche erst nach dem mit Revision angefochtenen Be-
schwerdeentscheid entstanden sind (vgl. BVGE 2013/22 E. 13.1). Die ein-
gereichte Urteilszusammenfassung vom 29. September 2014 ist vor dem
am 26. November 2015 ergangenen Beschwerdeentscheid entstanden,
weshalb sie ein Beweismittel darstellt, welches revisionsweise zu prüfen
ist. Anders verhält es sich mit dem Auszug aus dem Strafregister, welcher
auf den 17. Juli 2018 datiert ist und somit nach dem revisionsweise ange-
fochtenen Urteil entstanden ist. Auf eine Überweisung dieses Beweismit-
tels an das SEM zur Prüfung als Wiedererwägungsgrund wird jedoch ver-
zichtet, zumal eine indirekte Prüfung der Erheblichkeit dieses Beweismit-
tels bereits im Rahmen der vorliegenden Revision erfolgt. Es bleibt dem
Gesuchsteller jedoch unbenommen, ein entsprechendes Wiedererwä-
gungsgesuch einzureichen.
1.4 Gemäss Art. 45 VGG gelten für die Revision von Urteilen des Bundes-
verwaltungsgerichts die Art. 121–128 BGG sinngemäss. Nach Art. 47 VGG
findet auf Inhalt, Form und Ergänzung des Revisionsgesuches Art. 67
Abs. 3 VwVG Anwendung.
1.5 Das Revisionsgesuch ist ein ausserordentliches Rechtsmittel, das sich
gegen einen rechtskräftigen Beschwerdeentscheid richtet. Wird das Ge-
such gutgeheissen, beseitigt dies die Rechtkraft des angefochtenen Ur-
teils, und die bereits entschiedene Streitsache ist neu zu beurteilen (vgl.
MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungs-
gericht, 2. Aufl. 2013, S. 303 Rz. 5.36).
1.6 Das Bundesverwaltungsgericht zieht auf Gesuch hin seine Urteile aus
den in Art. 121–123 BGG aufgeführten Gründen in Revision (Art. 45 VGG).
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Nicht als Revisionsgründe gelten Gründe, welche die Partei, die um Revi-
sion nachsucht, bereits im ordentlichen Beschwerdeverfahren hätte gel-
tend machen können (sinngemäss Art. 46 VGG).
2.
2.1 Im Revisionsgesuch ist insbesondere der angerufene Revisionsgrund
anzugeben und die Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens im Sinne von
Art. 124 BGG darzutun.
2.2 Der Gesuchsteller macht sinngemäss den Revisionsgrund der nach-
träglichen entscheidenden Beweismittel (Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG) gel-
tend und zeigt ausserdem die Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens auf.
Auf das frist- und formgerecht eingereichte Revisionsgesuch ist deshalb
einzutreten.
3.
3.1 Gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG muss es sich beim im Revisions-
begehren geltend gemachten Beweismittel um ein "entscheidendes Be-
weismittel" handeln. Diese Erheblichkeit ist zu bejahen, wenn das neu an-
gerufene Beweismittel dazu geeignet ist, die tatbeständliche Grundlage
des Entscheides zu ändern und bei zutreffender rechtlicher Würdigung zu
einem anderen, für den Gesuchsteller günstigeren Ergebnis zu führen (vgl.
MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., S. 307 f. Rz. 5.51).
3.2 Dies ist vorliegend zu verneinen. Im Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts D-5870/2015 vom 26. November 2015 wurde das Vorbringen des
Gesuchstellers, er werde wegen Teilnahmen an Demonstrationen verfolgt,
für unglaubhaft befunden. An dieser Einschätzung vermögen die nunmehr
eingereichten Dokumente nichts zu ändern.
Zunächst geht das Bundesverwaltungsgericht davon aus, dass in Syrien
zum heutigen Zeitpunkt nahezu jedes amtliche Dokument gegen Bezah-
lung erhältlich gemacht werden kann. Aufgrund der grassierenden Korrup-
tion sind dabei nicht nur Fälschungen unterschiedlichster Qualität erhält-
lich, sondern es können in Syrien mittlerweile gegen Bezahlung auch for-
mell echte amtliche Dokumente beschafft werden (vgl. Urteil des BVGer
D-4666/2019 vom 26. November 2019 E. 7.1). Den eingereichten Doku-
menten kommt bereits deshalb ein eingeschränkter Beweiswert zu.
Die beiden Dokumente weisen ferner inhaltliche Unstimmigkeiten auf. Bei
der Urteilszusammenfassung ist das Feld, in welchem die gesetzlichen
Bestimmungen aufgeführt werden, welchen die Verurteilung zugrunde
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liegt, leer, was bei einem authentischen Dokument nicht zu erwarten wäre.
Die Zusammenfassung nennt als Urteilsdatum ferner den (...) 2014, wäh-
rend der Strafregisterauszug den (...) 2016 als Urteilszeitpunkt aufführt.
Darüber hinaus korrespondiert die Urteilsnummer des Registerauszugs mit
keiner der Nummern auf der Urteilszusammenfassung. Schliesslich ent-
sprechen sich auch die in den beiden Dokumenten namentlich erwähnten
Delikte nicht. Gemäss Strafregisterauszug erfolgte die Verurteilung wegen
"Teilnahme an Demonstrationen" und "Beschimpfung und Fluchen des
Präsidenten", während die Urteilszusammenfassung "Demonstrieren, Zer-
störung des Standbildes des Präsidenten, Untergrabung des Ansehens
des Staates, versuchte Landesteilung und einem ausländischen Staat an-
hängen wollen" als Delikte nennt.
3.3 Folglich ist die Erheblichkeit der neu angerufenen Beweismittel zu ver-
neinen.
3.4 Die eingereichten Dokumente (Auszug aus dem Strafregister [Revisi-
onsbeilage 1] und beglaubigte Kopie eines Urteils [Revisionsbeilage 2])
sind für gefälscht zu erachten und gestützt auf Art. 10 Abs. 4 AsylG einzu-
ziehen.
4.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass keine revisionsrechtlich relevan-
ten Gründe dargetan sind. Das Gesuch vom 28. September 2018 um Re-
vision des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts vom D-5870/2015 vom
26. November 2015 ist demzufolge abzuweisen.
5.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind aufgrund der Aussichtslosigkeit
die Kosten von Fr. 1'500.– dem Gesuchsteller aufzuerlegen (Art. 37 VGG
i.V.m. Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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