Decision ID: 52de01ef-e30a-4cdc-98b3-becc2bae62b9
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1956 geborene
X._
absolvierte
keine Berufslehre (Urk. 8/12
S.
5
und
Urk.
8/17) und war seit 1974 in unterschiedlichen
Arbeits
pensen
für verschiedene Arbeitgeber tätig,
zuletzt
von Juni bis Dezember 2007
für
Y._
, im April 2008
für den
Z._
, von August 2008 bis April 2009 als Reinigungsfachfrau in der
A._
und
von September bis November 2009 für die
B._
AG (
Urk.
8/1-9 und 8/20)
.
V
on 2007 bis 2014
war sie
zum dritten Mal verheiratet (
Urk.
8/12 S. 1 f. und
Urk.
3/5
).
Am 2
3.
September 2011
hatte
sich die Versicherte unter Hinweis auf Arthrose, Rheuma,
einen
Bandscheibenvorfall und seit 2004 wiederholte Schübe einer
schi
zomanischen
Erkrankung
bei der Invalidenversicherung
zum
Leistungs
be
zug
an
gemeldet
(
Urk.
8/12
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen
und führte eine Abklärung im Haushalt durch (Bericht vom 2
4.
Januar 2012;
Urk.
8/26).
Nach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(
Urk.
8/
30
) sprach sie d
er Versicherten m
it Verfügung vom
9.
November 2012
ab März 2012 g
estützt auf eine
100%ige Einschränkung im Erwerbsbereich (hypothetische Erwerbstätigkeit 60
%
) und eine Einschränkung von 1
%
im Haushalt (Anteil 40
%
) eine
Dreiviertelsrente
zu (
Gesamti
nvalidi
tätsgrad
61
%
;
Urk.
8/
55
und Urk. 8/50
).
Eine dagegen erhobene Beschwerde zog die Versi
cherte wieder zurück, worauf das hiesige Gericht das Verfahren als erledigt ab
schrieb (
Urk.
8/
67
; Prozess Nr. IV.2012.01306
).
Im Ju
n
i 2014 leitete die
IV-Stelle
auf
Gesuch des Departe
ment
es
Soziales, Zusatzleistungen zur AHV/IV, (
Urk.
8/84)
e
in
Rentenre
visions
verfahren
ein. Nach
entsprechenden Abklärungen
und
durchgeführtem
Vor
be
scheidverfahren
(
Urk.
8/98
) sprach sie der Versicherten mit Verfügung vom 1
9.
März
2015
ge
stützt auf einen unveränderten Gesamtinvaliditätsgrad von 61
%
weiterhin eine
Dreiviertelsrente
zu (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am
7.
Mai 2015 unter Auflage
unter anderem
ihre
r
Eheschutz- und Ehescheidungsurteil
e
Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte,
die Verfügung vom 1
9.
März 2015 sei aufzuheben und ihr sei ab
1.
Juli 2014 eine ganze Rente zu gewähren. Zudem sei ihr die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und ein unentgeltlicher Rechtsbeistand für das
Beschwerde
ver
fahren
zu bestel
len.
Am 1
5.
Juni 2015 (
Urk.
7) beantragte die
IV-Stelle
die Abweisung der Be
schwerde, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 1
8.
Juni 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen
oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai
2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. August
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Aus
wirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszu
stan
des auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurtei
lung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die
letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheent
scheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditätsbe
messung
beruht (BGE 133 V
108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.
3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erz
ielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach
Art.
16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufga
benbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unent
geltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG; gemischte Methode der Invaliditätsbemessung).
Nach der Gerichts- und Verwaltungspraxis
wird
zunächst der Anteil der Erwerbs
tätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufgabenbereich (so unter an
derem im Haushalt) ermittelt
.
Im Rahmen der gemischten Methode bestimmt sich die
Invalidität dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufga
ben
bereich ein Betätigungsvergleich vorgenommen wird, wobei sich die
Gesamt
invalidität
aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittelten und ge
wichteten
Teilinvaliditäten
ergibt (BGE 130 V 393 E.
3.3 mit Hinweisen; vgl. BGE 134 V 9).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung vom 19.
März
2015
(Urk. 2) damit, dass
bei der Überprüfung des Invaliditätsgrades keine Än
de
rungen, welche sich auf die Rente auswirken würden, festgestellt worden seien. Es besteh
e
deshalb weiterhin Anspruch auf die bisherige Invalidenrente.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber in ihrer Beschwerde vom 7. Mai 2015 (Urk. 1) auf den Standpunkt,
die Beschwerdegegnerin gehe zwar zu Recht davon aus, dass die gesundheitlichen Verhältnisse unverändert seien und weiterhin eine volle Arbeitsunfähigkeit im Erwerbsbereich bestehe (S. 4). Hinge
gen sei die Beschwerdeführerin seit Mai 2014 geschieden und erhalte seit Juli 2014 keine Unterhaltszahlungen mehr. Das Scheidungsgericht sei mit der Be
fristung der Rente davon ausgegangen, dass sie nunmehr wieder alleine für sich aufzukommen habe. Mit einer Erwerbstätigkeit von
lediglich
60
%
sei ihr dies jedoch nicht möglich, müsste sie dafür doch umgerechnet auf eine 100%ige Er
werbstätigkeit einen monatlichen Nettolohn von mindestens
Fr.
5‘800.-- erzie
l
en. Sie habe keine berufliche Ausbildung, auch bei guter Gesundheit würde es ihr nicht möglich sein, ein solches Einkommen zu erzielen. Ohne
Gesundheits
schaden
hätte sie deshalb spätestens seit Wegfall der Unterhaltszahlungen voll
gearbeitet.
Sie habe bereits im Berentungszeitpunkt als verheiratete Person von einem Pensum von 50-70
%
gesprochen, obwohl sie dannzumal wegen Beglei
tung des sprachunkundigen Ehemannes
(
zu
Arztkonsultationen, Therapien
,
RAV-
Be
suche
n
)
zeitlich eingeschränkt gewesen sei. Es sei deshalb mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sie nach der Scheidung mindestens zu 70
%
erwerbstätig gewesen wäre. Es bestehe damit Anspruch auf eine ganze Rente (S. 5 f.).
3.
3.1
Im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung
vom
9.
November 2012 (Urk. 8/55) lebte die Beschwerdeführerin zwar getrennt von ihrem damaligen Ehemann, war jedoch noch immer mit diesem verheiratet
. Ihr Ehemann war während der Dauer des Getrenntlebens verpflichtet, ihr ab
1.
August 2012 mo
natliche Unterhaltsbeiträge von
Fr.
300.-- beziehungsweise ab
1.
Januar 2013 solche von
Fr.
400.-- zu bezahlen
(
Urk.
3/6). Seit dem 2
6.
Mai 2014 ist die Be
schwerdeführerin rechtskräftig von ihrem Ehemann geschieden.
Dieser
hatte ihr
noch
während eines Monats einen
nachehelichen Unterhaltsbeitrag von Fr.
400.-- zu
entrichten
. Seit Juli 2014 sind keine Unterhaltsbeiträge mehr ge
schuldet (Urk. 3/5).
Mit der Scheidung von ihrem Ehemann trat
somit
eine we
sentliche Änderung in den
familiär
en Verhältnissen ein, die geeignet ist
,
eine Änderung der Bemessungsmethode respektive der zahlenmässigen Bereiche bei der gemischten Methode nach sich
zu
ziehen und
den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin
zu be
einflussen
. Ein
Revisions
grund
liegt damit vor.
3.2
Steht das Vorliegen eines Revisionsgrundes fest, ist
der Rentenanspruch in tat
sächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend ("allseitig") zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht. Es ist nicht erforderlich, dass gerade die geänderte Tatsache zu einer Neufestsetzung der Invalidenrente führt; vielmehr kann sich bei der allseitigen Prüfung des Rentenanspruchs ergeben, dass ein anderes Anspruchselement zu einer Herauf-, Herabsetzung oder Aufhe
bung der Invalidenrente führt (Urteil des Bundesgerichts 8C_510/2014 vom 1
8.
November 2014 E. 4.2 mit Hinweisen).
4
.
4
.1
Vorliegend ist ausgewiesen und unbestritten, dass der Beschwerdeführerin auf
grund ihrer gesundheitlichen Beschwerden keine Erwerbstätigkeit mehr zumut
bar ist.
So bestätigte Dr. med.
C._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, am 16. August 2014 (Urk. 8/96/5
)
ein Anhalten der seit Jahren bestehenden
wahnhaften Störung mitsamt einer vollumfänglichen Arbeitsun
fähig
keit.
Weiter ist erstellt und aufgrund der Akten ausgewiesen, dass sie im
Haushalt zu
2.58
% eingeschränkt ist
(Urk. 8/49/3-4; keine Veränderung ersich
t
lich)
. Umstritten ist hingegen die Qualifikation der Beschwerdeführerin.
4.2
Sowohl im Rahmen einer erstmaligen Prüfung des Rentenanspruches als auch anlässlich einer Rentenrevision (
Art.
17
Abs.
1 ATSG) stellt sich unter dem Ge
sichtspunkt des
Art.
28a
Abs.
3 IVG in Verbindung mit
Art.
16 und 7
Abs.
2 ATSG die Frage nach der anwendbaren Invaliditätsbemessungsmethode.
Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, führt je zur Anwendung einer anderen Me
thode der Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich, Betätigungsvergleich, gemischte Methode) und ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im
Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträc
h
ti
gung bestünde. Entscheidend ist nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch, das
heisst ohne Gesundheitsschaden, aber bei sonst gleichen Verhältnissen, erwerbstätig wäre (
Art.
27
bis
der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV). Die gemischte Methode bezweckt damit eine möglichst wirklichkeitsgerechte Bemessung des Invaliditätsgrades (BGE 133 V 504 E. 3.3
mit Hinweisen).
Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben. Dabei sind die kon
krete Situation und die Vorbringen der versicherten Person nach Massgabe der allgemeinen Lebenserfahrung zu würdigen. Für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit ist der im
Sozial
versi
cherungsrecht
übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erfor
derlich (
BGE 137 V 334
E. 3.2,
130 V 393
E. 3.3,
125 V 146
E. 2c, je mit Hin
weisen).
Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen (vgl.
Art.
27 IVV) sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie all
fällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigun
gen und Begabungen zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts 9C_915/2012 vom 1
5.
Mai 2013 mit Hinweisen auf BGE 133 V 504 E. 3.3).
Die gemischte Methode findet auch Anwendung, wenn der (in einem Aufgaben
bereich tätigen) versicherten Person ohne gesundheitliche Beeinträchtigung eine vollzeitliche Erwerbstätigkeit zumutbar wäre, sie aber trotzdem eine solche nicht ausüben würde (vgl. BGE 133 V 504 E. 3.3 in
fine
).
Bei der Bestimmung der im konkreten Fall anwendbaren
Invaliditätsbe
mess
un
gs
methode
und damit der Beantwortung der entscheidenden Statusfrage handelt es sich um eine hypothetische Beurteilung, die auch hypothetische
Wil
lens
ent
scheidungen
der versicherten Person berücksichtigen muss. Dies gilt auch für die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person ohne gesund
heitliche Be
einträchtigung erwerbstätig wäre. Diese inneren Tatsachen sind in
dessen einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in aller Re
gel aus äusse
ren Indizien erschlossen werden. Die Beurteilung hypothetischer
Geschehensab
läufe
ist eine Tatfrage, soweit sie auf Beweiswürdigung beruht, selbst wenn darin
auch Schlussfolgerungen aus der allgemeinen Lebenserfah
rung mitbe
rück
sich
tigt werden. Rechtsfragen sind hingegen Folgerungen, die ausschliess
lich – los
gelöst vom konkreten Sachverhalt – auf die allgemeine Le
benserfahrung gestützt
werden oder die Frage, ob aus festgestellten In
dizien mit Recht auf bestimmte
Rechtsfolgen geschlossen worden ist (vgl. Ur
teile des Bun
desgerichts 9C_287/2013
vom 8.
November
2013 E.
3.5
und 8C_511/2013 vom 3
0.
Dezem
ber 2013, je
mit Hinweisen).
4
.3
4.3.1
Anlässlich der Haushaltabklärung vom 2
4.
Januar 2012 (
Urk.
8/26) gab die Be
schwerdeführerin zu Protokoll,
früher während vielen Jahren mehrere
Teil
zeiterwerbstätigkeiten
gleichzeitig ausgeübt zu haben, so dass sie oftmals über 100
%
gearbeitet habe (S. 2). Den Unterlagen lässt sich jedoch nicht
nachvoll
ziehbar
entnehmen, wann die Beschwerdeführerin in welchem Pensum
arbeits
tätig
war. Aus ihrer Erwerbsbiografie
können
keine
verlässlichen
Schlüsse auf ein mutmassliches Arbeitspensum
im Gesundheitsfall
im
Juli 2014
gezogen werden
.
So war die Beschwerdeführerin denn in den letzten Jahren fast durch
gängig verheiratet und erzielte einzig in den Jahren 2000 bis 2003 Einkommen um Fr. 40’000.-- (Urk. 8/7/2-3).
4
.3.2
Weiter gab die Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltabklärung an,
dass sie
bei guter Gesundheit
zu
50-70
%
erwerbstätig
wäre
. Dies um finanziell selb
ständig und nicht weiter vom Sozialamt abhängig zu sein.
Einer 100%igen Er
werbstätigkeit würde sie jedoch nicht mehr nachgehen, da sie zu viele andere Aufgaben zu bewältigen habe. So habe sie ne
bst der Haushalt
arbeit noch zwei Hunde, mit denen
sie mehrmals täglich raus müsse. Zudem betreue sie
gele
gentlich ihre Enkelkinder
und begleite ihren Ehemann wegen dessen Sprach
schwierigkeiten
zu
verschiedenen Terminen
, so
unter anderem
zu
Arztkonsulta
tion
en
, Therapien und zum
RAV
. Der Abklärungsperson erschie
n dies glaubhaft und nachvollziehbar, weshalb
sie
die Beschwerdeführerin als zu
6
0
%
im Er
werb und zu
4
0
%
im Haushalt tätig qualifiziert
e (
Urk.
8/26
S. 2 f.).
Seit ihrer Scheidung hat die Beschwerdeführerin ihren
vormaligen
Ehemann nicht mehr zu dessen Terminen zu begleiten. An der Betreuung ihrer
mittler
weile drei
Hunde
(
Urk.
8/82 S.
2)
und Enkelkinder
(Urk. 8/26/6)
und der anfall
enden
Haus
haltsarbeit
hat sich hingegen nichts
Wesentliches
geändert.
Eine Ausweitung der Erwerbstätigkeit wäre nach der Scheidung damit durchaus in Frage gekom
men. Mit Blick auf ihre privaten Verpflichtungen ist jedoch nicht davon auszu
gehen, dass die Beschwerdeführerin seither bei guter Gesundheit wieder
vollzei
tig
erwerbstätig wäre.
4.
3.3
Die Beschwerdeführerin machte geltend, das Scheidungsgericht sei mit der Be
fristung der Unterhaltszahlungen davon ausgegangen,
dass sie wieder alleine für sich aufzukommen habe.
Dem Scheidungsurteil liegt jedoch eine Vereinba
rung der Beschwerdeführerin und ihres
damaligen
Ehemannes zugrunde, welche vom Gericht genehmigt wurde. Aus welchen Gründen sie diese Vereinbarung
getroffen hatten
, ist nicht bekannt. Aus der Befristung der Unterhaltszahlungen lässt sich damit
nichts ableiten
in Bezug auf den Umfang
der Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall (
Urk.
3/5).
4.
3.4
Die Beschwerdegegnerin
ging
davon aus, dass die Beschwerdeführerin bei guter Gesundheit
auch nach ihrer Scheidung weiterhin
zu 60
%
erwerbstätig wäre.
Hätte
die Beschwerdeführerin bei einer Arbeitstätigkeit in diesem Umfang
nach Wegfall der Unterhaltszahlungen
einen Antrag auf Sozialhilfe
gestellt
, so
hätte
sich ihr SKOS
-
Budget mutmasslich wie folgt
zusammengesetzt
(vgl.
§
17
Abs.
1 der Verordnung zum Sozialhilfegesetz, SHV
,
i.V.m
. den Richtlinien
der SKOS
für
die Ausgestaltung und Bemessung der Sozialhilfe ab 2016 <
http://skos.ch/skos-richtlinien/richtlinien-konsultieren/
>
i.V.m
. den
i
nternen
Unterstützungsrichtlinien der Sozialen Dienste der
Stadt Winterthur vom 1.
April
201
6
<
http://soziales.winterthur.ch/fileadmin/user_upload/Departement
Soziales/Dateien/SoDi/SB/Interne_Unterst%C3%BCtzungsrichtlinie_20160401.pdf
>; behelfsmässig wird auf die Beträge per 2016 abgestellt
[Grundbetrag unver
ändert seit 20
1
3]
)
:
Grundbetrag
(Richtlinien SKOS B.2.2)
Fr.
986
.--
Miete
(Richtlinien Winterthur S. 3)
Fr.
1‘000.--
Hausrat- und Haftpflichtversicherung
(Richtlinien SKOS C.1.8)
Fr.
29.--
Krankenkasse KVG
(
Urk.
3/8)
Fr.
414.--
Selbstbehalt und Franchise 1/12
(
Art.
103
Abs.
1 und 2 KVV)
Fr.
84.--
Individuelle Prämienverbilligung
(Amtsblatt ZH Nr. 39/2015)
Fr.
-
59
.--
Fahrkosten Monatsabonnement Zone Winterthur
(www.sbb.ch)
Fr.
63.--
Einkommensfreibetrag
(Richtlinien Winterthur S. 9)
Fr.
240.--
Total
Fr.
2
‘757.--
Die Beschwerdeführerin müsste folglich mit ihrer 60%igen Erwerbstätigkeit ein monatliches Nettoeinkommen von mehr als
Fr.
2‘757.-- erzielen,
damit die Unterstützungspflicht der Fürsorgebehörde entfiele.
Die Beschwerdeführerin
absolvierte
keine Berufslehre und war vor ihrer Erkran
kung in verschiedenen
Hilfs
arbei
ten
teilzeit
erwerbstätig, so
im Gastgewerbe (
Urk.
8/19/13), in der Reinigung (
Urk.
8/26 S. 2),
als
Hauswartin (
Urk.
8/11 S. 1)
,
bei der
D._
AG
und bei
Y._
(
Urk.
8/7 f.)
.
Das dabei
erzielte Einkommen
bei einem 100
%
-Pensum
lässt sich den Unterlagen nicht schlüssig entnehmen
. Zur Berechnung des mutmasslichen Einkommens bei guter Gesundheit sind des
halb
hilfsweise
die
Tabellenlöhne
des Bundesamtes für Statistik heranzuzie
hen. Gemäss jenen erzielt eine Erwerbstätige im
Durchschnitt über alle Bran
chen (Niveau 4)
einen statistischen
Monatsl
ohn von
Fr.
4‘225.--. Dies entspricht
auf
gerechnet auf die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.
7
Stun
den
(
Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen [NOGA 2008] in Stunden
pro Woche 1990-2015,
Betriebsübliche Wochenarbeitszeit der vollzeit
erwerbstätigen
Arbeitnehmenden
, Total
201
4
: 41.7
www.bfs.admin.ch,
Arbeit und Erwerb, Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit, detaillierte Daten, Statistik der betriebsüblichen Arbeitszeit [BUA])
und unter
Berücksichtigung der
Nominal
lohnentwicklung
(
Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne
1939-2015, Schweizerischer Lohnindex insgesamt
[
1939 = 100
]
,
Frauen
, Stand 201
0
:
2
579
, Stand
201
4
:
26
73
; www.bfs.admin.ch, Arbeit und
Erwerb, Löhne/Erwerbseinkommen, detaillierte Daten, Lohnentwicklung)
bei ei
n
er
Arbeits
tätigk
eit von 60
%
ein
em
monatliche
n
Bruttoeinkommen von Fr.
2‘7
39
.
1
0
per 201
4
(
Fr.
4‘225
.--
/ 40 x 41.7 / 2579 x 26
73
x 0.6)
.
Der Bruttolohn per 2014 bei einer 60%igen Erwerbstätigkeit hätte damit knapp dem SKOS-Budget der Beschwerdeführerin entsprochen.
Mit dem entsprechen
den Nettoeinkommen hätte sie dieses folglich bei Weitem nicht decken können, s
elbst wenn
das SKOS-Budget
im Jahre 2014 geringfügig tiefer gewesen sein dürfte.
Angesichts dieser finanziellen Verhältnisse ist es
offensichtlich, dass
die Fürsorgebehörde
der
Beschwerdeführerin
bei guter Gesundheit die Auflage ge
macht
hätte
,
ihr Erwerbspensum
zu steigern
.
Bei Nichterfüllung dieser Auflage wäre ihr Unter
stützungsbetrag gekürzt worden (
§
23 und 24 SHV; vgl. dazu auch Urk.
8/42 S. 2 f.).
Aus finanziellen Gründen
wäre die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall folglich seit dem Wegfall der Unterhaltszahlungen ihres dritten Ehemannes auf eine Erwerbstätigkeit im Umfang von mindestens 70
%
zwingend angewiesen gewesen.
Zur Aufnahme
einer vollzeitigen Erwerbstätig
keit hätte sie hingegen
von der Fürsorgebehörde
nicht verpflichtet werden können,
wäre
deren
Unterstützungspflicht doch bereits bei einer
(min
destens 70%igen)
Teilerwerbstätigkeit
entfallen.
4.3.5
Zusammenfassend legen die
erwerblichen und privaten Umstände der Beschwer
de
führerin
nahe, dass sie bei intakter Gesundheit
seit Wegfall der Un
terhalts
zahlungen
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit einer ausserhäuslichen Er
werbs
tätigkeit von mindestens
7
0 % nachgegangen wäre. Ausschlaggebend
sind dabei ihre äusserst knappen finanziellen Verhältnisse
. Angesichts der An
nahme einer hypothetischen
6
0%igen Arbeitstätigkeit anlässlich der ursprüngli
chen
Rentenzusprache
mit dannzumal
noch notwendigen zeitlichen Aufwen
dungen für die
administrativen Belange ihres Ehemannes
erscheint eine Stei
gerung um
10 %
bei
vollständigem Wegfall dieser Aufgabe
auch als nachvoll
ziehbar
, wel
cher Wert einem Lohnzuwachs in der Höhe der nun weg
ge
fallenen Unter
haltsbeiträge entspricht
.
Die Beschwerdeführerin ist
damit
seit
1.
Juli 2014
als zu
7
0 % erwerbs- und zu
3
0 % im Haushalt tätig zu qualifizieren. Ob
sie
bei guter Gesundheit ei
nem noch höheren Erwerbspensum nachgehen würde, kann mit Blick auf den Verfahrensausgang (vgl. E.
5
) offen bleiben.
5
.
Die Beschwerdeführerin ist in ihrer Erwerbstätigkeit zu 100 % eingeschränkt, was bei einer Gewichtung zu
7
0 % einen Teilinvaliditätsgrad von
7
0 % ergibt. In ihrem Aufgabenbereich ist sie zudem gemäss Abklärungen der
Beschwerde
gegnerin
zu
2.58
% eingeschränkt
(
Urk.
8/49 S. 3)
, was bei einer Gewichtung zu
3
0 % einen Teilinvaliditätsgrad von
0.774
% ergibt. Insgesamt beträgt der
Inva
lidi
tätsgrad
damit 7
1
%. Die Beschwerdeführerin hat folglich ab
1.
Juli
2014
(
Weg
fall der Unterhaltszahlungen
) Anspruch auf eine ganze Rente. Die Be
schwer
de ist damit gutzuheissen
.
6
.
6
.1
Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 700.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der un
terliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6
.2
Der Beschwerdeführerin steht eine Prozessentschädigung zu (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Der
Rechtsvertreter
machte mit Honorarnote vom
24. November
2016 (
Urk. 10
) einen Aufwand von
10,65
Stunden
und Barauslagen von pauschal 3 %
geltend.
In der Honorarnote wurden dabei mehrere Leistungen aufgeführt, welche vor dem Zeitpunkt des
Erlasses der angefochtenen Verfügung vom 19.
März
2015 angefallen und damit
in vorliegendem Beschwerdeverfahren nicht zu
entschädigen
sind. Der geltend gemachte Aufwand ist entsprechend um 3,83 Stunden zu kürzen und es ist von
einem Aufwand von
6,82
Stunden auszugehen.
Unter Berücksichtigung eines
praxisgemässen
Stundenansatzes von Fr. 220.
-- (für einen höheren Ansatz be
steht keine Veranlassung)
ist die Beschwerdegegnerin daher zu verpflichten,
der Beschwerdeführerin
eine Prozessentschädigung von Fr.
1‘669.05
(inkl.
der gel
tend gemachten
Barauslagen
von pauschal 3 %
und
MWSt
)
zu bezahlen
.
6
.3
Das Gesuch um unentgeltliche
Prozessführung
und Bestellung eines
unentgeltli
che
n
Rechtsbeistand
es ist damit gegenstandslos.