Decision ID: 68ad4925-38eb-451a-a276-a4435d8dcede
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer, ein turkmenischer Staatsangehöriger mit gül-
tiger Aufenthaltsbewilligung in der Ukraine, am (...) April 2022 in die
Schweiz einreiste und gleichentags das SEM um Gewährung vorüberge-
henden Schutzes ersuchte,
dass er zur Untermauerung seines Gesuchs einen turkmenischen Pass
(gültig von [...] bis [...]) sowie eine ukrainische Aufenthaltsbewilligung (gül-
tig von [...] bis [...]) einreichte,
dass er seinen Angaben zufolge seit dem Jahr 2018 in der Ukraine lebe
sowie studiere und sein – kurz vor der Beendigung stehendes – Studium
dort abschliessen wolle,
dass der Beschwerdeführer anlässlich seiner Kurzbefragung vom 8. April
2022 zu Protokoll gab, er befürchte, im Falle einer Rückkehr in seinen Hei-
matstaat Turkmenistan auch nach Ende des Kriegs in der Ukraine nicht
mehr in dieses Land ausreisen und sein Studium dort abschliessen zu
können, weshalb er aktuell nicht in den Heimatstaat zurückkehren wolle,
dass das SEM das Gesuch des Beschwerdeführers um vorübergehende
Schutzgewährung in der Schweiz mit Verfügung vom 20. April 2022 – er-
öffnet am 25. April 2022 – ablehnte sowie die Wegweisung aus der
Schweiz und den Vollzug anordnete,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe an das SEM vom 26. April 2022
(am 3. Mai 2022 an das Bundesverwaltungsgericht übermittelt) gegen
diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und
dabei sinngemäss erneut um Gewährung vorübergehenden Schutzes in
der Schweiz ersuchte,
dass die vorinstanzlichen Akten dem Bundesverwaltungsgericht am 3. Mai
2022 in elektronischer Form vorlagen (vgl. Art. 72 i.V.m. Art. 109 Abs. 6
AsylG),
dass dem Beschwerdeführer am 4. Mai 2022 der Eingang seiner Be-
schwerde bestätigt wurde,
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und das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung,
dass es gemäss Art. 31 VGG zur Beurteilung von Beschwerden gegen Ver-
fügungen nach Art. 5 VwVG zuständig ist und auf dem Gebiet des Asyls in
der Regel – und auch vorliegend – endgültig entscheidet (Art. 83 Bst. d
Ziff. 1 BGG; Art. 72 i.V.m. Art. 105 AsylG),
dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 72 i.V.m. Art. 108 Abs. 6 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass die Beschwerdeeingabe eindeutig als abschliessend zu verstehen
und der Sachverhalt vollständig festgestellt ist, weshalb über das Rechts-
mittel praxisgemäss vor Ablauf der Beschwerdefrist entschieden werden
kann (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der vormaligen Schweizeri-
schen Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 13 E. 1 und 1996 Nr. 19
E. 3 m.w.H.),
dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen
Rügen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (i.V.m. Art. 72 AsylG)
richten, im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE
2014/26 E. 5),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 72 i.V.m. Art. 111 Bst. e AsylG)
und es sich, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb
das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 72 i.V.m. Art. 111a Abs. 2
AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG (i.V.m. Art. 72 AsylG) auf einen
Schriftenwechsel verzichtet wurde,
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dass der Bundesrat am 11. März 2022 gestützt auf Art. 66 Abs. 1 AsylG
eine Allgemeinverfügung zur Gewährung des vorübergehenden Schutzes
im Zusammenhang mit der Situation in der Ukraine erlassen hat (BBl 2022
586),
dass gemäss dieser Allgemeinverfügung vorübergehender Schutz in der
Schweiz gewährt wird
a) schutzsuchenden ukrainischen Staatsbürgerinnen und -bürger und
ihren Familienangehörigen, welche vor dem 24. Februar in der Uk-
raine wohnhaft waren,
b) schutzsuchenden Personen anderer Nationalitäten und Staatenlo-
sen sowie deren Familienangehörigen, welche vor dem 24. Februar
2022 einen internationalen oder nationalen Schutzstatus in der Uk-
raine hatten,
c) Schutzsuchenden anderer Nationalität und Staatenlosen sowie ihre
Familienangehörigen, welche mit einer gültigen Kurzaufenthalts-
oder Aufenthaltsbewilligung belegen können, dass sie über eine
gültige Aufenthaltsberechtigung in der Ukraine verfügen und nicht in
Sicherheit und dauerhaft in ihre Heimatländer zurückkehren können,
dass das SEM zur Begründung der angefochtenen Verfügung vom 20. Ap-
ril 2022 ausführte, Abklärungen hätten ergeben, dass der Beschwerde-
führer in Sicherheit und dauerhaft in seinen Heimatstaat zurückkehren
könne und damit nicht zu der vom Bundesrat mit Beschluss vom 11. März
2022 definierten Gruppe der schutzberechtigen Personen gehöre,
dass sodann keine Gründe ersichtlich seien, die gegen die Zulässigkeit
oder Zumutbarkeit seiner Rückführung in den Heimatstaat sprechen wür-
den, zumal er dort über ein Beziehungsnetz und Arbeitserfahrung verfüge
und seinen Aussagen keine weiteren Vollzugshindernisse zu entnehmen
seien,
dass weder das Stellen des vorliegend zu behandelnden Gesuchs noch
allfällige Schwierigkeiten bei einer zukünftigen Ausreise aus dem Heimat-
staat einer Rückkehr nach Turkmenistan entgegenstünden,
dass der Beschwerdeführer zur Begründung seiner Beschwerde wiederum
angab, er beabsichtige sein Studium in der Ukraine zu beenden, wozu er
nach dem Krieg (aus der Schweiz) dorthin zurückzukehren müsse,
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dass zudem aufgrund der Covid-19-Pandemie die Ein- und Ausreiserouten
nach Turkmenistan gesperrt seien, weshalb er gar nicht dorthin zurück-
kehren könnte,
dass die vorinstanzliche Verfügung zu überzeugen vermag und die Be-
schwerdeschrift keine neuen Vorbringen enthält,
dass der Beschwerdeführer einerseits nicht ukrainischer Staatsangehöri-
ger ist und andererseits nicht über einen Schutzstatus dieses Staats
verfügt, womit die Anwendung von Buchstaben a und b der Allgemein-
verfügung vom 11. März 2022 ausser Betracht fällt,
dass eine Anwendung von Buchstabe c der Allgemeinverfügung unter an-
derem voraussetzen würde, dass der Beschwerdeführer nicht in Sicherheit
und dauerhaft nach Turkmenistan zurückkehren könnte,
dass seinen Ausführungen anlässlich der Befragung vom 8. April 2022 zu
entnehmen ist, dass eine dauerhafte Rückkehr in den Heimatstaat unter
dem Aspekt der Sicherheit grundsätzlich problemlos möglich wäre (vgl.
Protokoll ad F13 f.),
dass an dieser Feststellung der nachvollziehbare Wunsch des Beschwer-
deführers, nicht "[s]eine Träume [vom Abschluss der Ausbildung in der
Ukraine] kaputt[zu]machen" (vgl. a.a.O. ad F13), nichts zu ändern vermag,
dass das SEM damit zu Recht das Gesuch um Gewährung des vorüber-
gehenden Schutzes abgelehnt hat,
dass die Ablehnung des Gesuchs um Gewährung des vorübergehenden
Schutzes in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat
(Art. 69 Abs. 4 AsylG), vorliegend insbesondere kein Kanton eine Aufent-
haltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung einer
solchen besteht (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.), wes-
halb die verfügte Wegweisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestim-
mungen steht und demnach vom Staatssekretariat ebenfalls zu Recht an-
geordnet wurde,
dass das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestim-
mungen über die vorläufige Aufnahme regelt, wenn der Vollzug der Weg-
weisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 69 Abs. 4
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]),
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dass Wegweisungsvollzugshindernisse gemäss Praxis des Bundesverwal-
tungsgerichts zu beweisen sind, wenn der strikte Beweis möglich ist, und
andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen sind (vgl. BVGE 2011/24
E. 10.2 m.w.H.),
dass der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig ist, wenn völkerrechtliche
Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des
Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AIG),
dass der Beschwerdeführer in der Schweiz kein Asylgesuch gestellt hat
und den Akten demnach keine Hinweise auf eine Verletzung des flücht-
lingsrechtlichen Refoulement-Verbots (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso
Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung
der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]) zu entnehmen sind,
dass auch keine Anhaltspunkte für eine im Heimat- oder Herkunftsstaat
drohende menschenrechtswidrige Behandlung im Sinn von Art. 25 Abs. 3
BV, von Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter
und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung
oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK ersichtlich sind,
womit der Vollzug sich als zulässig erweist,
dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar
erweist, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen
wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage kon-
kret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AIG),
dass weder die allgemeine Lage im Heimatstaat des Beschwerdeführers
noch individuelle Gründe auf eine konkrete Gefährdung im Falle einer
Rückkehr schliessen lassen, weshalb der Vollzug der Wegweisung nach
Turkmenistan zumutbar ist,
dass insbesondere auch die aktuellen Massnahmen im Zusammenhang
mit der COVID-19-Pandemie nicht geeignet sind, die vorinstanzlichen Fol-
gerungen in Frage zu stellen, da praxisgemäss davon auszugehen ist, es
handle sich dabei – wenn überhaupt – bloss um ein temporäres Hindernis,
welchem im Rahmen der Vollzugsmodalitäten durch die kantonalen Behör-
den Rechnung zu tragen ist (vgl. bereits EMARK 1995 Nr. 14 E. 8d f. sowie
statt vieler Urteil des BVGer D-4796/2019 vom 27. April 2020 E. 8.9),
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dass der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers in den Heimat-
staat schliesslich möglich ist, da keine Vollzugshindernisse bestehen
(Art. 83 Abs. 2 AIG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei der Be-
schaffung gültiger Reisepapiere mitzuwirken (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und
dazu auch BVGE 2008/34 E. 12),
dass nach dem Gesagten auch der vom Staatssekretariat verfügte Vollzug
der Wegweisung zu bestätigen ist,
dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechts-
erheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1
AsylG) und – soweit überprüfbar – angemessen ist, weshalb die Be-
schwerde abzuweisen ist,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2])
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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