Decision ID: 465833a1-7cb1-5e0c-80e6-fbea4e00b31e
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X überschritt am 1. Februar 2009 in L./A die zulässige Höchstgeschwindigkeit von
70 km/h um 53 km/h. Unter Berücksichtigung der von den österreichischen Behörden
verfügten Aberkennung des Rechts, in Österreich vom schweizerischen Führerausweis
Gebrauch zu machen, entzog ihm das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des
Kantons St. Gallen mit Verfügung vom 25. September 2009 den Führerausweis für die
Dauer von 14 Tagen. Die Massnahme wurde vom 27. Oktober bis 10. November 2009
vollzogen.
B.- Am Mittwoch, 4. November 2009, um 11.20 Uhr, lenkte X den Personenwagen
"Opel Zafira" mit dem amtlichen Kennzeichen SG 000000 von D./A kommend nach M/
CH. Anlässlich der Kontrolle durch die Grenzwacht beim Strassenzollamt M wurde
festgestellt, dass ihm der Führerausweis entzogen war. Mit Verfügung vom
18. Dezember 2009 entzog das Strassenverkehrsamt X den Führerausweis wegen
Lenkens eines Motorfahrzeuges trotz Entzugs des Führerausweises für die Dauer von
zwölf Monaten.
C.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Schreiben vom 22. Dezember 2009 (Stempel
der österreichischen Post: -7.-1.10; Eingang: 11. Januar 2010) Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem sinngemässen Antrag, es sei von einem Entzug
des Führerausweises abzusehen oder die Entzugsdauer herabzusetzen. Auf die
Ausführungen zur Begründung wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen. Die Vorinstanz verzichtete am 16. Februar 2010 auf eine
Vernehmlassung.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 11. Januar 2010 (Eingang) ist unter
Berücksichtigung der vom 18. Dezember 2009 bis 2. Januar 2010 dauernden
Gerichtsferien rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher
Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 , 45, 47 und 48 des Gesetzes über
die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP; Art. 90 lit. b des
Gerichtsgesetzes, SR 941.1). Auf den Rekurs ist daher einzutreten.
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2.- Gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. f des Strassenverkehrsgesetztes (SR 741.01, abgekürzt:
SVG) in Verbindung mit Art. 16c Abs. 2 SVG ist einem Fahrzeugführer, der während der
Dauer eines rechtmässigen Ausweisentzugs ein Motorfahrzeug führt, der
Führerausweis zwingend zu entziehen. Der Rekurrent bestreitet angesichts der
Feststellungen im Polizeirapport vom 11. November 2009 und seiner Auskünfte in der
polizeilichen Befragung vom 4. November 2009 zu Recht nicht, am 4. November 2009
vorsätzlich den Personenwagen mit dem amtlichen Kennzeichen SG 320217 gelenkt zu
haben, obwohl ihm der Führerausweis für die Dauer vom 27. Oktober bis 10. November
2009 rechtmässig entzogen war. Dementsprechend steht fest, dass der Rekurrent den
Tatbestand von Art. 16c Abs. 1 lit. f SVG erfüllt hat.
3.- Gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. f in Verbindung mit Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG wird der
Führerausweis beim Fahren trotz Ausweisentzugs mindestens für drei Monate
entzogen. Eine Sonderbestimmung zur Dauer des Ausweisentzugs bei Führen eines
Motorfahrzeugs trotz Entzugs enthält Art. 16c Abs. 3 SVG. Danach tritt die Dauer des
für diese Widerhandlung ausgesprochenen Ausweisentzugs an die Stelle der noch
verbleibenden Dauer des laufenden Entzugs. Entsprechend den Materialien ist daraus
in Verbindung mit den Bestimmungen zur Bemessung im Rückfall gemäss Art. 16c
Abs. 2 lit. b und c SVG abzuleiten, dass die Mindestentzugsdauer 6 oder 12 Monate
beträgt, je nach dem, ob der Führerausweisentzug, gegen den der Betroffene
verstossen hat, wegen einer mittelschweren oder wegen einer schweren
Widerhandlung ausgesprochen wurde (vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4491; Urteile des
Bundesgerichts 6A.113/2006 vom 30. April 2007, E. 3, und 1C_275/2007 vom 16. Mai
2008, E. 4.3). Dementsprechend sind Art. 16c Abs. 2 lit. b und c SVG im
Zusammenhang mit der Bemessung der Entzugsdauer beim Fahren trotz Entzugs nicht
nur als Rückfallbestimmungen zu verstehen. Insbesondere ist für die Verschärfung der
Entzugsdauer nicht erforderlich, dass bereits ein entsprechender Warnungsentzug
vollständig vollzogen wurde (vgl. GVP 2007 Nr. 19). Im Übrigen sind bei der
Festsetzung der Dauer des Führerausweisentzugs gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG die
Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich die Gefährdung der
Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als Motorfahrzeugführer sowie die
berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen. Die Mindestentzugsdauer darf
jedoch nicht unterschritten werden.
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Dem Rekurrenten war der Führerausweis gemäss Verfügung vom 25. September 2009
ab dem 27. Oktober 2009 wegen einer schweren Widerhandlung gestützt auf Art. 16c
Abs. 2 lit. a SVG in Verbindung mit Art. 16c Abs. 2 SVG und damit unter
Berücksichtigung des ausländischen Fahrverbots für die Dauer von 14 Tagen
entzogen. Mit der Fahrt vom 4. November 2009 verstiess er gegen diesen Entzug. Zwar
lag die verfügte Entzugsdauer von 14 Tagen deutlich unterhalb der bei schweren
Widerhandlungen vom schweizerischen Recht in Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG
vorgesehenen Mindestentzugsdauer von 3 Monaten. Diese kurze Dauer ergab sich aus
der in Art. 16c Abs. 2 Satz 3 SVG bei nicht im Administrativmassnahmenregister
verzeichneten Personen vorgeschriebenen Beschränkung der schweizerischen
Massnahme auf die im Ausland angeordnete Dauer des Fahrverbotes. Sie ändert
jedoch nichts daran, dass mit der Verfügung vom 25. September 2009 eine
Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h ausserorts um 53
km/h zu sanktionieren war. Wer ausserorts die zulässige Höchstgeschwindigkeit von
80 km/h um 30 km/h oder mehr überschreitet, begeht nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung unabhängig von den konkreten Umständen eine schwere
Widerhandlung gegen die Verkehrsregeln im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG (vgl.
BGE 123 II 106 E. 2c, 124 II 259 E. 2b/bb). Darauf, dass die im Ausland begangene
Verkehrsregelverletzung nach schweizerischem Recht als schwere Widerhandlung zu
behandeln war, wurde der Rekurrent von der Vorinstanz sowohl bei der Gewährung
des rechtlichen Gehörs im Schreiben vom 30. Juni 2009 (act. 12/20) als auch in der
Entzugsverfügung vom 25. September 2009 (act. 12/3) ausdrücklich hingewiesen.
Schliesslich wurde er in der Verfügung auch auf die Folgen des Fahrens trotz Entzugs
und insbesondere auf die damit verbundene Verlängerung der Massnahmedauer
aufmerksam gemacht. Die Widerhandlung gegen einen wegen einer schweren
Widerhandlung gegen die Verkehrsregeln verfügten Entzug des Führerausweises zieht
eine Mindestentzugsdauer von zwölf Monaten nach sich.
Der Rekurrent hat vorsätzlich gehandelt. Am vorsätzlichen Handeln ändert nichts, dass
er auf schweizerischem Hoheitsgebiet bis zum Zollamt M., wo er kontrolliert wurde,
lediglich eine sehr kurze Strecke zurücklegte (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts
6B_25/2009 vom 20. Mai 2009, E. 2 und 3). Damit besteht kein Raum, die für
bestimmte Fälle der fahrlässigen Begehung entwickelte Rechtsprechung des
"besonders leichten Falls" anzuwenden (vgl. GVP 2007 Nr. 20, E. 2b/bb).
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Da das Gesetz im Übrigen eine Unterschreitung der Mindestentzugsdauer ausschliesst
(Art. 16 Abs. 3 SVG), erübrigt es sich, massnahmemindernde Umstände wie
insbesondere die geltend gemachte Angewiesenheit des Rekurrenten auf das Führen
eines Motorfahrzeuges für die Ausübung seines Berufs zu prüfen. Angesichts der
zwingenden Natur der gesetzlichen Mindestentzugsdauer verbleibt der
rechtsanwendenden Behörde auch kein Ermessensspielraum, innerhalb dessen sie
Überlegungen zur Verhältnismässigkeit der Massnahme im Sinn der Erforderlichkeit zur
Besserung des Betroffenen anstellen könnte (vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4486).
Daraus folgt, dass die Mindestentzugsdauer selbst in Ausnahmesituationen im Sinn der
bisherigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. BGE 120 Ib 504 ff., 115 Ib 159 ff.,
118 Ib 233 f.) nicht mehr unterschritten werden kann (vgl. bezüglich eines selbständig
erwerbenden Taxichauffeurs BGE 132 II 234 E. 2.3 mit Hinweisen auf die
parlamentarischen Beratungen).
4.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- ist
angemessen (vgl. Art. 13 Ziff. 522 des Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- ist zu verrechnen.