Decision ID: 16295d78-f1d1-46c6-9cd5-d12f9752ed06
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1972, bezog seit Mitte Februar 2015 Tag
gelder der Arbeitslosenversicherung und war bei der Suva gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er am 16. März 2015 eine «kleine Treppe» übersah und stürzte. Dabei verletzte er sich gemäss Unfallmeldung am linken Knie und an der linken Schulter (Urk. 12/2).
Die ärztliche Erstversorgung fand in der
Y._
statt (vgl. Urk. 12/3)
, wo der Versicherte in der Folge auch behandelt wurde (vgl. etwa Urk. 12/8).
Assistenzarzt
Dr.
Z._
und Oberarzt
Dr.
A._
von der
Klinik B._
erstatteten am 8. April 2015 Bericht (Urk. 12/17).
Am 15. Mai 2015 wurde
d
er
Versicherte
am
Institut C._
un
tersucht (Urk. 12/13; MRI HWS nativ).
Dr.
D._
, Facharzt FMH für All
gemeine Medizin
,
berichtete am 8. September 2015 über die Situation des Versi
cherten (Urk. 12/52).
Eine weitere MRI-Untersuchung fand am 24. November 2015 im Zentrum
E._
des
I
nstituts
F._
statt (Urk. 12/52).
Kreisärztin
Dr.
G._
, Fachärztin FMH für Chirurgie, untersuchte den
V
ersicherten am 15. Dezember 2015 (Urk. 12/56; vgl. auch Urk. 12/78). Oberärztin
Dr.
H._
von der
Klinik B._
reichte ihren Bericht am 12. Januar 2016 zu den Akten (Urk. 12/59); es folgten weitere Untersuchung
en
an der
Klinik B._
(vgl. Urk. 12/64-65)
sowie eine kreis
ärztliche Beurteilung von
Dr.
G._
(
Urk.
12/67)
.
1.2
Mit Schreiben vom 17. März 2016 (Urk. 12/68) teilte die Suva dem Versicherten mit, dass sie die Taggeld- und Heilbehandlungsleistungen per 1. März 2016 ein
stellen werde, weil gemäss kreisärztlicher Beurteilung die noch bestehenden Be
schwerden nicht mehr unfallbedingt seien.
Nachdem der Versicherte um Erlass einer anfechtbaren Verfügung hatte ersuchen lassen (vgl. Urk. 12/83), verfügte die Suva am 5. April 2017 wie angekündigt (Urk. 12/84; Leistungseinstellung per 1. März 2016). Die dagegen erhobene Einsprache vom 22. Mai 2017 (Urk. 12/85) wies die Suva mit Entscheid vom 31. August 2018 (Urk. 2) ab.
2.
Dagegen liess der Versicherte mit Eingabe vom 3. Oktober 2018 (Urk. 1) Be
schwerde erheben mit folgenden Anträgen:
1.
Es sei der Einsprache-Entscheid vom 31.8.2018 aufzuheben.
2.
Es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerde
führer die gesetzlichen Leistungen gemäss UVG, namentlich Tag
geldleistungen sowie Heilbehandlung auch über den 28.2.2018
hinaus, eventualiter eine Invalidenrente sowie Integritätsentschä
digung, zu gewähren.
3.
Es sei ein Gerichtsgutachten, eventualiter ein verwaltungsexter
nes Gutachten betreffend den Beschwerdeführer einzuholen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwer
degegnerin.
Zudem liess der Versicherte um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistan
des ersuchen.
Die Suva schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 1
5.
Januar 2019 (Urk. 11) auf Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom 17. Januar 2019 (Urk. 14) wurde dem Versicherten antragsgemäss Rechtsanwalt Samuel
Teindel
als unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt.
Replicando
liess der Versicherte an seinen Anträgen festhalten und beantragen, es
sei
ihm der Wechsel des unent
geltlichen Rechtsbeistandes zu bewilligen und neu
Rechtsanwalt
Soluna
Girón
zu bestel
len (Urk. 16). Die Suva hielt
du
plicando
an ihrem Abweisungsantrag fest (Urk. 21).
Auf die
Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforder
lich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 10 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Un
fall
folgen. Den gesetzlich umschriebenen Anspruch auf Heilbehandlung hat die ver
sicherte Person so lange, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung eine namhafte Verbesserung ihres Gesundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) noch nicht abgeschlossen sind (Art. 19 Abs. 1
UVG
e
contrario
).
Ist sie infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalls zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Erleidet sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität, so ha
t sie Anspruch auf eine angemes
sene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität,
Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des na
türlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Ent
sprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adä
quate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Er
folg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete
im angefochtenen
Einspracheentscheid
(Urk. 2)
die Einstellung der Versicherungsleistungen per 1. März 2016
im We
sentlichen damit, dass sich für die seit Anfang 2016
geklagten
Nacken- und Schulterbeschwerden
mit Ausstrahlungen
in den linken Arm keine ursächliche Verbindung zum relativ
bagatellären
Ereignis vom 16. März 2015 mehr
bestehe
. Dabei könne man sich vollumfänglich auf die Einschätzung von Kreisärztin
Dr.
G._
abstützen. Gutachterliche medizinische Abklärungen erschienen ent
behrlich.
Im vorliegenden Prozess
hielt die Beschwerdegegnerin an dieser Sichtweise fest. Der dokumentierte Unfallhergang sei gemäss den überzeugenden kreisärztlichen Feststellungen nicht geeignet, eine
Rotatorenmanschettenruptur
zu verursachen. Der vorliegende Beschwerdeverlauf entspreche zudem nicht dem Verlauf, der nach einer
Rotatorenmanschettenruptur
zu erwarten sei. Die Beschwerde
n
seien überwiegend wahrscheinlich degenerativer Natur (Urk. 11; vgl. auch Urk. 21).
2.2
Demgegenüber
liess der Beschwerdeführer im Wesentlichen vortragen, dass die Entscheidung in der vorliegenden Streitsache entgegen der Auffassung der Be
schwerdegegnerin nicht allein gestützt auf die Beurteilung von
Dr.
G._
getroffen werden könne. Die Beschwerdegegnerin hätte den Sachverhalt vielmehr durch ein unabhängiges Gutachten abklären lassen müssen. Die Kreisärztin sei nicht einmal richtig auf die Schulterpathologie eingegangen. Sie habe ohne jeg
liche Begründung die Teilkausalität zwischen dem versicherten Unfall und der Ruptur der
Supraspinatussehne
verneint. Es bleibe im Dunkeln, weshalb der erlittene Unfall nicht geeignet sein sollte, zu einer Verletzung der
Rotatorenman
schette
zu führen. Überdies würden andere Ärzte die Auffassung vertreten, dass derartige Unfälle durchaus zu einer Schädigung der
Rotatorenmanschette
führen könnten
. Angesichts der vorhandenen Zweifel könne nicht auf die kreisärztliche Beurteilung abgestellt werden (Urk. 1).
In der Replik vom 11. Februar 2019 (Urk. 16) liess der Beschwerdeführer weiter vortragen, dass die Kreisärztin offenbar von einem unzutreffenden Unfallhergang aus
gegangen sei
. Sie sei von einem «Sturz nach vorne» ausgegangen, während sich der Sturz folgendermassen zugetragen habe: Der Beschwerdeführer habe auf der Treppe das Gleichgewicht verloren und sei dann rückwärts gestürzt. Dabei sei er mit dem ganzen Körpergewicht gegen hinten aufgeprallt und habe den reflex
haft
nach
hinten, in Sturzrichtung ausgestreckten Arm belastet.
Für einen statt
gefundenen «Sturz nach hinten» spreche auch die Verletzung der Innenseite des Knies, was bei einem «Sturz nach vorne» nicht möglich sei. Somit könne auf die Einschätzung von
Dr.
G._
auch deshalb nicht abgestellt werden; sie sei von
einem falschen Unfallhergang ausgegangen
(S. 4)
. Im Übrigen stehe die Auffas
sung der Kreisärztin, selbst wenn von einem «Sturz nach vorne» auszugehen wäre, nicht im Einklang mit der neueren wissenschaftlichen Literatur (S. 5 ff.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Versicherungsleistun
gen zu Recht per 1. März 2016 eingestellt hat, weil die ab diesem Zeitpunkt weiter geklagten Beschwerden in keinem kausalen Zusammenhang mit dem Unfaller
eignis vom 16. März 2015 (mehr) gestanden haben.
3.
3.1
Der erstbehandelnde Arzt,
Dr.
I._
, Facharzt FMH für Allgemeine I
nnere Medizin, von der
Y._
führte in seinem Bericht vom 15. Juni 2015 (Urk. 12/19; Eingangsdatum) aus, der Beschwerdeführer habe an
gegeben, er sei auf den linken Arm und das linke Knie gefallen. Im Verlauf habe er über Nackenschmerzen links mit eingeschränkter Kopfrotation und Schmerzausstrahlung in den linken Arm geklagt.
Dr.
I._
diagnostizierte ein
cervicoradikuläres
Reizsyndrom C7 links, eine mediolaterale Diskushernie C6/7 links mit Kontakt zur Nervenwurzel C7 und degenerative Veränderungen bei C5/6 und C6/
7.
Es lägen ausschliesslich Unfallfolgen vor.
3.2
Dr.
J._
, Fachärztin FMH für Radiologie und diagnostische Neuroradiolo
gie, hielt in ihrem Bericht vom 24. November 2015 (Urk. 12/52/2-3) über die MRI- Untersuchung der Halswirbelsäule und der Schulter links fest, dass eine ausge
dehnte Ruptur der
Supraspinatussehne
vorliege. Zudem ergebe sich - soweit im MRI der Schulter nativ erkennbar - der Verdacht auf Ablösung des
anterioren
inferioren
Glenoids
, möglicherweise mit Knorpelbeteiligung.
3.3
Dr.
G._
stellte in ihrem Bericht vom 15. Dezember 2015 (Urk. 12/56) folgende Diagnosen:
-
Persistierende Schmerzen, Kribbelparästhesien im Bereich des Na
ckens, linker Schulter, Arm/Hand links unklarer Genese
-
Multisegmentale Degeneration C4-C7 mit zum Teil
osteodiskalen
Einengungen des
Neuroforamens
und Kompression/Irritation der Wurzel C6/7
-
Asymptomatische gelenkseitige Ruptur der
Supraspinatussehne
-
Persistierende Schmerzen im Bereich des medialen
Malleolus
oberes Sprunggelenk links bei
N.
tibialis
-Reizsyndrom
i
m Bereich des
Tarsaltunnels
bei Status nach Osteosynthese medialer
Malleo
larfraktur
April 2011 und Metallentfernung Mai 2014
Vor einer abschliessenden «unfallkausalen Gesamtbeurteilung» der Beschwerden im Bereich der Halswirbelsäule, der linken Schulter und des Arms empfehle sie eine neurologische Standortbestimmung der angegebenen Kribbelparästhesien im Bereich des linken Arms.
3.4
Oberärztin
Dr.
H._
von der
Klinik
B._
führte in ihrem Bericht vom 12. Januar 2016 (Urk. 12/59) aus, der Beschwerdeführer
klage
über ein Nacken-Schulter-Armsyndrom links mit intermittierenden Kribbelparästhesien in allen fünf Fingern. Klinisch zeigten sich ein klar positiver
Spurling
-Test, vereinbar mit einem
radikulären
Reizsyndrom C7 links sowie eine hohe
myofasciale
Kompo
nente. Zusätzlich sei ein positives
Tinel
-Zeichen über dem
Sulcus
ulnaris
vorhan
den. Die Elek
t
r
o
physiologie habe keine eindeutige
Ulnari
spathologie
ergeben (vgl. auch die Berichte über die weiteren Untersuchungen in der
Klinik
B._
vom 1
0.
und 2
4.
Februar 2016;
Urk. 12/64-65).
3.5
Dr.
G._
äusserte sich in ihrem Bericht vom 1. März 2016 (Urk. 12/67) dahin
gehend, dass die im Anschluss an die kreisärztliche Untersuchung
vom 15. De
zember 2015 eingeleitete neurologische Standortbestimmung und bildgebende Diagnostik keinen pathologischen Befund ergeben hätten, der die subjektiven Be
schwerden des Beschwerdeführers erklären könnte.
Elf Monate nach dem Sturz, ohne nachweisbare strukturelle Verletzung und ohne nachweisbaren pathologi
schen Befund, der die geklagten Beschwerden erklären könne, sollten die Prel
lungen folgenlos abgeheilt sein. Die
fortbestehenden Beschwerden im Bereich der Halswirbelsäule seien vor allem auf die multisegmentalen degenerativen Verän
derungen zurückzuführen und nicht mehr mit der geforderten überwiegenden Wahrscheinlichkeit mit dem Sturz in Verbindung zu bringen. Es lägen keine Un
fallfolgen mehr vor.
3.6
Am 6. Dezember 2017 erklärte
Dr.
G._
(Urk. 12/89), die Unfallschilderung «AD 21.7.2017»
(richtig wohl: 2015)
und die Telefonnotiz vom 21. Dezember 2017
(richtig wohl: 2015 [Urk. 12/58; allerdings keine Telefonnotiz])
seien «nicht geeignet zu einer Verletzung der
Rotatorenmanschette
zu führen».
3.7
Dr.
D._
wies in seinem Bericht vom 1. Oktober 2018 (Urk. 3) darauf hin, dass eine Schädigung der
Rotatorenmanschette
durch ein Unfallereignis nicht ausge
schlossen werden könne. Es
seien Einzelfälle von jungen Patienten bekannt, bei denen die Sehnen der Schulter durch ein Stauchungstrauma praktisch durchge
quetscht worden seien, was im Rahmen eines Sturzmechanismus durchaus mög
lich sei. Es müsse stets der konkrete Einzelfall beurteilt werden.
3.8
Dr.
G._
führte in ihrem Bericht vom 18. Dezember 2018 (Urk. 13) aus, dass der Beschwerdeführer am 16. März 2015, als er einen Tritt übersehen habe, auf die
Strasse gestürzt sei und sich mit der linken Handfläche auf dem Boden auf
gefangen habe (
Aussendie
n
st
bericht). Gemäss wissenschaftlicher Literaturrecher
che seien nur folgende Mechanismen geeignet, eine
Rotatorenmanschettenruptur
zu verursachen:
1.
Passive Traktion nach kaudal ventral oder medial (etwa Auffangen eines schweren Gegenstands).
2.
Starke Zugbelastung bei Abduktion des Arms.
3.
Passive forcierte Aussen-/Innenrotation (etwa beim Sturz von einem Gerüst; Versuch, sich mit der Hand festzuhalten).
4.
Schulterluxation (typische Verletzung im Bereich des
Rotatoreninter
valls
, auch im Bereich der
Subscapularis
- und
Supraspinatussehne
).
Keiner dieser
Hergangsschilderungen
entspreche dem dokumentierten Unfallher
gang in der Aussendienstbefragung, so dass
man
mit überwiegender
Wahrschein
lichkeit davon ausgehen könne, dass die beschriebenen bildmorphologischen Veränderungen (MRI der linken Schulter) degenerativer Natur seien und nicht auf das Ereignis vom 16. März 2015 zurückzuführen seien. Zudem entspreche auch der vorliegende Verlauf nicht dem zu erwartenden Beschwerdeverlauf nach un
fallbedingter Ruptur der
Rotatorenmanschette
. Im vorliegenden Fall habe erst gut fünf Wochen nach dem Unfall eine ärztliche Untersuchung mit einem dezidierten Schulterstatus stattgefunden. Dabei sei
en
keine Bewegungseinschränkung und keine Kraftlosigkeit der linken Schulter/des linken Arms dokumentiert worden (bei unauffälligen
Rotatorenmanschettentests
).
4.
4.1
Betreffend Ablauf des Unfalls vom 16. März 2015 lassen sich den Akten im We
sentlichen zwei Sachverhaltsschilderungen entnehmen. Soweit d
iese
Zuordnung wegen der unkorrekten Bezeichnungen/Datierungen durch
Dr.
G._
überhaupt möglich ist (vgl. oben E. 3.6), hat sich auch die Kreisärztin bei ihrer Beurteilung der Unfallkausalität auf die beiden nachfolgenden Aktenstücke bezogen:
I
m Aussendienst-Protokoll vom 21. Jul
i 2015 (Urk. 12/25) wird der Unfallher
gang folgendermassen geschildert: «Am 16.3.2015 stürzte ich auf dem Weg in den RAV-Kurs. Ich sah den Tritt von ca. 10 cm nicht, stellte den Fuss wahrschein
lich auf die Treppenkante, da ich Probleme mit meinem linken Fuss habe, verlor ich das Gleichgewicht, schlug mit meinem linken Knie, Innenseite, heftig auf der Strasse auf und fing mich mit der linken Handfläche auf dem Boden unterhalb des Trittes auf. Mein ganzes Körpergewicht stürzte heftig auf meine Handfläche und den leicht angewinkelten linken
Arm.»
In seinem Schreiben vom 21. Dezember 2015 (Urk. 12/58; mög
licherweise von
Dr.
G._
unzutreffenderweise
als
«Telefonnotiz» bezeichnet [vgl. oben E. 3.6]) führte der Beschwerdeführer Folgendes aus: «Am 16. März 2015 bin ich auf der Treppe gestürzt. Dabei bin ich nicht nach vorne gefallen, sondern mein linkes Bein schnellte nach vorne. Und gleichzeitig habe ich mich mit der linken Hand seitlich abgestützt, um einen schlimmeren Fall zu
verhindern.»
Zu beachten ist, dass Kreisärztin
Dr.
G._
offenbar von einem erheblich ande
ren Unfallhergang ausging. In ihrem Bericht vom 15. Dezember 2015 hielt sie nämlich folgenden Sachverhalt fest (Urk. 12/56 S. 7): Der Beschwerdeführer «stürzte am 16.03.2015, als er eine kleine Treppenstufe übersah, auch nach vorne auf den ausgestreckten linken Arm und beide
Kniegelenke.»
4.2
Nach der Rechtsprechung kommt dem Unfallhergang bei der Beurteilung der Un
fallkausalität von Gesundheitsbeeinträchtigungen an der
Rotatorenmanschette
eine herausragende Bedeutung zu. Das Bundesgericht hat diese Praxis dieser Tage in seinem Urteil 8C_446/2019 vom 22. Oktober 2019 bestätigt. Das Bundesgericht erwog
unter Hinweis auf die herrschende medizinische Lehre
unter anderem
,
eine
Rotatorenmanschettenschädigung
setze
voraus, dass das Schultergelenk unter Einsatz der
Rotatorenmanschette
unmittelbar vor der Einwirkung muskulär fixiert gewesen sein und eine plötzliche passive Bewegung
hinzukommen mü
ss
e
, die überfallartig eine Zugbelastung der Sehnen
der
Rotatorenmanschette
bewirke (E. 5.2.3). Weiter hielt das Bundesgericht fest, dass der Mechanismus, der am häu
figsten zu einer traumatischen
Rotatorenmanschettenläsion
führe, der Sturz auf den ausgestreckten Arm sei (E. 5.2.2).
4.3
Wie bereits erwähnt wurde, ging die Kreisärztin in ihrem Bericht vom 15. Dezem
ber 2015 (Urk. 12/56 S. 7) von einem Sturz nach vorne aus. Ob sie bei ihren späteren Kausalitätsbeurteilungen, b
ei denen der ihres Erachtens
ungeeignete Un
fallhergang eine zentrale Rolle spielte, weiter von einem Sturz nach vorne aus
ging oder die späteren Schilderungen des Beschwerdeführers (Stur
z
nach hinten) zur Grundlage ihrer Einschätzung machte, ist nicht ersichtlich. Es ist im
Übrigen auch nicht klar, ob die Sturzrichtung (nach vorne oder nach hinten)
im vorlie
genden Fall
aus medizinischer Sicht
für die Kausalitätsbeurteilung überhaupt relevant ist.
Ebenfalls nicht nachvollziehbar ist der Umstand, dass
Dr.
G._
in ihrem Bericht vom 18. Dezember 2018 (Urk. 13) die ihres Erachtens vier einzigen Mechanismen, die geeignet sein sollen, eine
Rotatorenmanschettenruptur
zu verursachen, auf
führte (vgl. oben E. 3.8: passive Traktion, Zugbelastung, passive forcierte Aussen-
/Innenrotation und Schulterluxation), aber dem vom Bundesgericht als «häufigs
ten Fall» anerkannten Mechanismus, nämlich de
n
«Sturz auf den ausgestreckten Arm» (Urteil 8C_446/2019 vom 22. Oktober 2019 E. 5.2.2) mit keinem Wort er
wähnte.
Aus dem Gesagten folgt ohne Weiteres, dass die kreisärztlichen Kausalitätsbeur
teilungen nicht zu überzeugen vermögen. Es ist zum einen unklar, von welchem Unfallhergang die Kreisärztin ausging
; zum anderen ist nicht nachvollziehbar, weshalb
Dr.
G._
den Sturz auf den Arm als einen ungeeigneten Mechanismus qualifizierte, wenn es sich dabei
- zumindest bei ausgestrecktem Arm -
doch nach der Auffassung des Bundesgerichts um den häufigsten Fall handeln soll.
4.4
Die Sache erweist sich als nicht spruchreif
zumal die übrigen medizinischen Ak
ten keine genügende Entscheidungsgrundlage bilden
. Der medizinische Sachver
halt bedarf weiterer Abklärung. Angesichts der Umstände (Festlegung und Vor
befassung der Kreisärztin) erscheint es angezeigt, die medizinische Streitfrage, ob beziehungsweise inwieweit die vom Beschwerdeführer noch nach dem 1. März 2016 geklagten Beschwerden auf das Unfallereignis vom 16. März 2015 zurück
zuführen sind, durch ein verwaltungsunabhängiges Gutachten beantworten zu lassen.
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers besteht kein Anlass, im vorliegenden Fall ein Gerichtsgutachten einzuholen. In erster Linie ist es Aufgabe der Beschwerdegegnerin, den relevanten Sachverhalt abzuklären.
Demzufolge ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, dass der
Einsprache
entscheid
vom 31. August 2018 (Urk. 2) aufzuheben und die Sache an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese nach erfolgten Abklärungen im Sinne der Erwägungen über ihre Leistungen ab 1. März 2016 neu verfüge.
5.
5.1
Nach
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person An
spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Nach ständiger Recht
sprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Ab
klärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädi
gung hat.
5.2
Mit Honorarnote vom 11. März 2019 (Urk. 23) liess
Rechtsanwalt
Soluna
Girón
einen Aufwand von 18,9 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 220
.
, Bar
auslagen von Fr. 124.74 und
Kosten für den Bericht von
Dr.
D._
(Urk.
3) von Fr. 200.
(jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer), mithin insgesamt (gerundet) Fr. 4'827.90 geltend machen. Der geltend gemachte Stundenaufwand sowie die geforderten Auslagen (inklusive Kosten des Arztberichts
, da relevant für den Ver
fahrensausgang
) sind angemessen.
Demzufolge ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung von Fr. 4'827.90 (inklusive Barauslagen und Mehr
wertsteuer) zu bezahlen.