Decision ID: 8f672082-1496-4524-a309-47cc333029f5
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Die X AG wurde am 30. November 2010 ins Handelsregister des Kantons St. Gallen
eingetragen. Ihr Zweck besteht im An-, Verkauf und Halten von Kraftwagen und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Fahrzeugen aller Art, insbesondere von Gelände-, Strassen-, Luft-, Wasser- und
Schienenfahrzeugen, Erbringung von Dienstleistungen für die Abwicklung derartiger
Geschäfte sowie Arrangierung der Finanzierung von Fahrzeugkäufen, einschliesslich
Leasinggeschäfte. Mit Verfügung des Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamtes vom
14. Oktober 2011 wurden der X AG ein Kollektiv-Fahrzeugausweis und Händlerschilder
für Motorwagen erteilt. Gleichzeitig wurde sie darauf hingewiesen, dass pro Jahr
mindestens an 40 Motorfahrzeugen entgeltliche Reparaturarbeiten ausgeführt werden
müssten, die Probe- oder Überführungsfahrten notwendig machten. Dieser Umfang sei
in den folgenden zwei Jahren nachzuweisen, weshalb die X AG aufgefordert wurde, per
Ende April 2012 und per Ende April 2013 den Umfang der Tätigkeit ihres Betriebs in
den Jahren 2011 und 2012 anhand von Verkaufsvertragskopien zu belegen.
B.- Am 6. Dezember 2012 reichte die X AG dem Strassenverkehrsamt einen
Umsatznachweis über das Jahr 2011 in Form des Kontoauszuges "Erträge aus
Autoverkäufen" ein. Am 11. Dezember 2012 erklärte das Strassenverkehrsamt, dass
der Umsatz mit 13 Fahrzeugen ungenügend sei. Es verfügte, dass der Kollektiv-
Fahrzeugausweis und die Händlerschilder SG 00000 U auf Zusehen belassen würden
und der Umsatz 2012 erneut geprüft werde. Mit Schreiben vom 10. Mai 2013 erinnerte
das Strassenverkehrsamt die X AG daran, den Umsatznachweis 2012 zu erbringen. Die
X AG teilte dem Strassenverkehrsamt mit Schreiben vom 3. Juni 2013 mit, dass sie
überrascht sei, dass der Betriebsaufwand von 2011 nicht ausreichend gewesen sei, um
die Voraussetzungen für die Erteilung des Kollektiv-Fahrzeugausweises zu erfüllen. Sie
habe auf die am 6. Dezember 2012 eingesandten Unterlagen kein Feedback erhalten
und sei davon ausgegangen, dass der Umsatznachweis ausreichend gewesen sei. Für
die Einreichung des Nachweises 2012 bat sie um eine monatige Fristerstreckung. Am
16. Oktober 2013 teilte das Strassenverkehrsamt der X AG mit, dass sie nach wie vor
keinen Nachweis über das Jahr 2012 erhalten habe. Falls dieser nicht bis am 31.
Oktober 2013 eingehe, werde eine Verfügung auf Entzug des Kollektiv-
Fahrzeugausweises und des Händlerschildes SG 00000 U ergehen müssen. Im Übrigen
sei die Fachperson nicht mehr im Betrieb anwesend. Mit Schreiben vom 28. Oktober
2013 reichte die X AG Unterlagen ein und erklärte gleichzeitig, dass ihr bewusst sei,
dass sie das Soll der Fahrzeuganzahl für die Jahre 2010/2011 sowie 2012 nicht erfüllt
habe. Dies sei auf die Fahrzeugart zurückzuführen. Würde sie mit Kleinwagen mit
Verkaufspreisen von Fr. 25'000.– handeln, so müssten 44 Fahrzeuge verkauft werden,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
um den von ihr erzielten Umsatz zu erreichen. Ein Fahrzeugverkauf könne durch die X
AG nur mit entsprechender Kundenbetreuung erzielt werden. Dies bedeute, dass die
Fahrzeuge unter anderem zum Kunden gebracht werden müssten und nicht der Kunde
für eine Präsentation vorbeikomme. Die X AG befinde sich in einem aktiven
Handelsbetrieb, der ohne Garagennummer nicht aufrechterhalten werden könne. Im
Übrigen sei Y nach wie vor Mitglied des Verwaltungsrates und stehe der X AG beratend
zur Seite.
C.- Mit Verfügung vom 7. November 2013 entzog das Strassenverkehrsamt der X AG
den Kollektiv-Fahrzeugausweis und die Händlerschilder für Motorwagen SG 00000 U
(Ziff. 1) und verfügte, dass der Kollektiv-Fahrzeugausweis und die Händlerschilder bis
spätestens am 31. Dezember 2013 auf dem Strassenverkehrsamt zu deponieren seien
(Ziff. 2).
D.- Gegen diese Verfügung erhob die X AG am 21. November 2013 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission. Sie beantragte, die Verfügung des
Strassenverkehrsamtes vom 7. November 2013 sei aufzuheben und auf den Entzug
des Kollektiv-Fahrzeugausweises und des Händlerschildes für Motorwagen SG 00000
U sei zu verzichten; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Das
Strassenverkehrsamt verzichtete auf eine Vernehmlassung.

Auf die Ausführungen der Rekurrentin wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 21. November 2013 ist rechtzeitig
eingereicht worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Er hat aufschiebende Wirkung
(Art. 51 Abs. 1 VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.- Als die Vorinstanz der Rekurrentin den Kollektiv-Fahrzeugausweis und die
Händlerschilder für Motorwagen erteilte, wies sie in Ziffer 2 der Verfügung vom 14.
Oktober 2011 darauf hin, dass gemäss Ziffer 3 im Anhang 4 zur
Verkehrsversicherungsverordnung (SR 741.31, abgekürzt: VVV) an mindestens 40
Motorfahrzeugen pro Jahr eigentliche Reparaturarbeiten ausgeführt werden müssen,
die Probe- oder Überführungsfahrten notwendig machen. Dieser Umfang sei in den
folgenden zwei Jahren nachzuweisen. Bei diesem Hinweis handelte es sich um ein
offensichtliches Versehen. Die Rekurrentin ist kein Unternehmen mit einer
Reparaturwerkstätte. Vielmehr betreibt sie Fahrzeughandel. Dies geht aus dem
Handelsregisterauszug ohne Weiteres hervor. Entsprechend ist eine der
Mindestanforderungen im Fahrzeughandel der Verkauf von mindestens 40 leichten
Motorwagen pro Jahr (vgl. Anhang 4 zur VVV Ziff. 3.21). Es ist davon auszugehen, dass
der X AG die Voraussetzungen für den Erhalt eines Händlerschildes bekannt waren und
dieses Versehen dementsprechend auch für sie offensichtlich war. Dies ergibt sich
zweifelsfrei aus der Korrespondenz zwischen der Vorinstanz und der Rekurrentin.
3.- Im Rekurs ist umstritten, ob die Vorinstanz der Rekurrentin zu Recht den auf sie
ausgestellten Kollektiv-Fahrzeugausweis und das Händlerschild SG 00000 U entzogen
hat.
a) Gemäss Art. 10 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
dürfen Motorfahrzeuge und ihre Anhänger nur mit Fahrzeugausweis und
Kontrollschildern in Verkehr gebracht werden. Nach Art. 25 Abs. 2 lit. d SVG erlässt der
Bundesrat Vorschriften über Ausweise und Kontrollschilder, inbegriffen kurzfristig
gültige für geprüfte und nicht geprüfte Motorfahrzeuge und Anhänger sowie für
Unternehmen des Motorfahrzeuggewerbes. Gestützt unter anderem auf diese
Bestimmung hat der Bundesrat die Verkehrsversicherungsverordnung (SR 741.31,
abgekürzt: VVV) erlassen, welche in den Art. 22 bis 26 die Abgabe von Kollektiv-
Fahrzeugausweisen und Händlerschildern regelt.
Gemäss Art. 23 Abs. 1 VVV werden Kollektiv-Fahrzeugausweise an Betriebe
abgegeben, welche die im Anhang 4 zur Verordnung aufgeführten Voraussetzungen
erfüllen und über die für die Art des Betriebes erforderlichen Bewilligungen verfügen (lit.
a), Gewähr für eine einwandfreie Verwendung des Kollektiv-Fahrzeugausweises bieten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(lit. b) und, soweit es sich um Unternehmen des Motorfahrzeuggewerbes handelt, die in
Art. 71 Abs. 2 SVG vorgeschriebene Versicherung abgeschlossen haben (lit. c). Die im
Anhang 4 genannten Voraussetzungen betreffen Fachkenntnisse und Erfahrungen des
Gesuchstellers oder einer andern im Betrieb verantwortlichen Person, den minimalen
Umfang des Betriebes sowie dessen Räumlichkeiten und Einrichtungen. Die kantonale
Behörde kann von den Voraussetzungen des Anhangs 4 zugunsten des Bewerbers
oder Inhabers ausnahmsweise abweichen, wenn die Gesamtbeurteilung des Betriebes
ergibt, dass die Händlerschilder ohne Gefahr für die Verkehrssicherheit und die Umwelt
abgegeben werden können (Art. 23 Abs. 2 VVV). Kollektiv-Fahrzeugausweise sind zu
entziehen, wenn die Voraussetzungen für die Erteilung nicht mehr erfüllt sind (Art. 23a
Abs. 1 VVV).
Der Gesetzgeber hat die Umschreibung der Voraussetzungen für die Erteilung eines
Kollektiv-Fahrzeugausweises in Art. 25 Abs. 2 lit. d SVG an den Verordnungsgeber
delegiert, was rechtsstaatlich nicht zu beanstanden ist. Der Verordnungsgeber hat die
Voraussetzungen für die Erteilung in Art. 23 Abs. 1 VVV einerseits und im Anhang 4 der
Verordnung anderseits umschrieben. Art. 23 Abs. 2 VVV beschränkt die
ausnahmsweisen Abweichungen zugunsten des Bewerbers oder Inhabers auf die in
Anhang 4 genannten Voraussetzungen. Ausschlaggebend ist eine Gesamtbeurteilung
des Betriebes, welche ergibt, dass die Händlerschilder ohne Gefahr für die
Verkehrssicherheit und die Umwelt abgegeben werden können. Die minimalen
Voraussetzungen nach Anhang 4 der Verordnung dienen grundsätzlich nur noch als
Richtlinien (BGE 2A.406/2005 vom 7. November 2005; Philippe Weissenberger,
Kommentar Strassenverkehrsgesetz, Zürich/St.Gallen 2011, N 4 zu Art. 25).
Ausnahmen von den in Art. 23 Abs. 1 VVV aufgezählten Voraussetzungen sind nicht
vorgesehen. Der Kollektiv-Fahrzeugausweis (und das damit verbundene Händlerschild)
stellt eine Bewilligung eigener Art dar, die sich von den übrigen Ausweisarten dadurch
grundlegend unterscheidet, als der Ausweis nicht auf ein bestimmtes Fahrzeug
ausgestellt wird, sondern es dem Betrieb erlaubt, mit beliebigen Fahrzeugen der
entsprechenden Kategorien zu fahren. Dieser Ausnahmesituation entsprechend gelten
besondere Zulassungs- und Betriebsvorschriften, die verhindern sollen, dass solche
besonderen Ausweise über das erforderliche Mass abgegeben und verwendet werden
(René Schaffhauser, Grundriss des Schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band I,
2. Auflage 2002, N 276).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
b) Die Vorinstanz begründete den Entzug des Kollektiv-Fahrzeugausweises und des
Händlerschildes nicht damit, dass die Voraussetzungen nach Art. 23 Abs. 1 VVV nicht
mehr gegeben seien. Aufgrund der Akten war das Vorliegen dieser Voraussetzungen
vor der Erteilung des Kollektiv-Fahrzeugausweises und des Händlerschildes durch die
Vorinstanz geprüft worden. Hinweise darauf, dass die entsprechenden
Voraussetzungen in der Zwischenzeit nicht mehr gegeben wären, liegen nicht vor. Der
Entzug erfolgte sinngemäss aufgrund der zu geringen Anzahl verkaufter Fahrzeuge
sowie des Umstandes, dass die verantwortliche Person mit Fachausbildung nicht zu
100% im Betrieb tätig und vor Ort sei. Dabei handelt es sich um Voraussetzungen nach
Anhang 4 der VVV, von denen abgewichen werden kann, wenn keine Gefahr für die
Verkehrssicherheit und die Umwelt gegeben ist (vgl. voranstehende Ausführungen). Die
Rekurrentin betreibt gemäss ihrem im Handelsregister eingetragenen Zweck
hauptsächlich einen Fahrzeughandel. Demnach müsste sie pro Jahr mindestens 40
leichte oder 10 schwere Motorwagen verkaufen (Anhang 4 Ziff. 3.21 VVV). Bis zu einem
Gesamtgewicht von 3500 Kilogramm gelten Motorwagen als "leicht" (Art. 10 Abs. 2 der
Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge, SR 741.41,
abgekürzt: VTS). Auch wenn die Rekurrentin geltend macht, dass es sich bei den von
ihr verkauften Autos um exklusivere Modelle handelt, ist mit Bezug auf die
eingereichten Unterlagen davon auszugehen, dass es sich dabei vollumfänglich um
Personenwagen handelt, welche das Gesamtgewicht von 3500 Kilogramm nicht
überschreiten. Etwas anderes macht der Rechtsvertreter der Rekurrentin denn auch
nicht geltend und bestreitet nicht, dass die erforderliche Anzahl von 40 verkauften
Motorwagen noch nicht erreicht werden konnte. Er erklärt jedoch, dass es sich um
einen jungen Betrieb handle, der sich noch in der Aufbauphase befinde. Zudem
verlange die Art der verkauften Fahrzeuge eine intensive Kundenbetreuung, was dazu
führe, dass mit dem gleichen Aufwand weniger Fahrzeuge verkauft werden könnten als
beim Handel mit billigen Kleinwagen. Der durch die Rekurrentin erwirtschaftete Umsatz
sei überdies wesentlich höher als wenn 40 Kleinwagen zu einem Preis von je Fr.
20'000.– verkauft worden wären. Für die Präsentationen am Geschäftssitz in A und für
Fahrten zu Kunden seien der Kollektiv-Fahrzeugausweis und das Händlerschild
unabdingbar. Zudem sei das Händlerschild auch für Fahrten zu Fachwerkstätten der
entsprechenden Marken-Vertreter erforderlich. Die Rekurrentin macht ferner geltend,
ohne den Kollektiv-Fahrzeugausweis und das Händlerschild den Autoverkauf nicht
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
mehr aufrecht erhalten zu können und den Betrieb schliessen zu müssen. Eine
Einlösung sämtlicher Fahrzeuge sei wirtschaftlich nicht tragbar.
Die von der Rekurrentin aufgezählten Nutzungen des Händlerschildes liegen innerhalb
des Verwendungszwecks von Händlerschildern zum Überführen und Erproben von
Fahrzeugen im Zusammenhang mit dem Fahrzeughandel oder mit Reparaturen oder
Umbauten am Fahrzeug (Art. 24 Abs. 3 lit. b VVV). Allerdings wurde die Voraussetzung
von mindestens 40 Verkäufen von leichten Motorfahrzeugen pro Jahr mit 16 Verkäufen
vom 1. Januar 2011 bis 31. Dezember 2011 bei weitem verfehlt. Vom 1. Januar 2012
bis am 31. Dezember 2012 wurden 14 Fahrzeuge verkauft. Dabei handelt es sich
keineswegs nur um Verkäufe von Motorfahrzeugen der Mittelklasse und Sportwagen,
sondern eine bunt gemischte Zusammenstellung von Fahrzeugen unterschiedlicher
Marken und Standards. Weiteres wie Alter, Fahrkilometer und Zustand der Fahrzeuge
ist aus den bei den Akten befindlichen Unterlagen nicht ersichtlich. Dass die
Motorfahrzeuge für eine Vorführung zu den Kunden gebracht werden müssen, ist
überdies ungewöhnlich. Nach der allgemeinen Erfahrung sucht in aller Regel der
Kunde, der ein Motorfahrzeug kaufen will – egal, ob es sich dabei um einen Neuwagen
oder ein Occasionsmodell, einen Luxuswagen oder einen Kleinwagen handelt – das
Fahrzeughandel-Geschäft auf, wo er die Fahrzeuge vor Ort besichtigen kann und
beraten wird. Schliesslich steht auch nicht fest, dass die Verkaufsbemühungen
aufwändiger sind, wenn es um den Absatz von Fahrzeugen höherer Preisklassen geht.
Dass Y die geforderte Fachkompetenz besitzt, ist unbestritten. Ungewiss und nicht
belegt ist jedoch, ob er der Rekurrentin tatsächlich weiterhin zur Verfügung steht. Nach
der Praxis des Strassenverkehrsamtes ist eine 100%-ige Tätigkeit des Fachmannes im
Betrieb erforderlich (www.stva.sg.ch). Es kann offengelassen werden, ob dies
zwingend nötig ist. Eine Beschäftigung von 40% bis 50% – wie sie von der Rekurrentin
behauptet wird – reicht jedenfalls nicht aus, um die Verantwortung für den Gebrauch
des Händlerschildes angemessen wahrnehmen zu können. Regelmässig und kurzfristig
muss festgestellt werden können, ob die Fahrzeuge verkehrssicher sind oder nicht. Es
wurde auch nicht ausgeführt, wo Y während der übrigen Zeit tätig ist und wie gut er
dort abkömmlich ist. Dementsprechend ist weder glaubhaft belegt, dass er die
Verantwortung im Betrieb tatsächlich wahrnimmt, noch, dass er überhaupt in der Lage
dazu ist. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung genügt auch die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Zusammenarbeit mit einem Nachbarsbetrieb nicht, um die Fachkompetenz im eigenen
Betrieb sicherzustellen, da auch diese nicht immer verfügbar ist (BGE 2A.406/2005
vom 7. November 2005).
Klar ist, dass der Aufbau eines Geschäfts eine gewisse Dauer in Anspruch nimmt,
wobei Umsatz und Gewinn meist erst mit der Zeit ansteigen. Dementsprechend ist
nachvollziehbar, dass die Vorinstanz die Ansprüche an ein Start-Up-Unternehmen
etwas lockert, um den Einstieg ins Geschäft zu erleichtern. Die vom Gesetz
aufgestellten Anforderungen an Umsatz und Fachkenntnisse haben jedoch den Zweck,
die Missbrauchsgefahr einzudämmen. Auch eine gute finanzielle Grundlage sorgt mit
dafür, dass diese Gefahr tief gehalten werden kann. Selbst wenn diese
Voraussetzungen in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nur noch als Richtlinien
bezeichnet werden, so erfüllen sie dementsprechend nach wie vor eine wichtige Rolle.
So schreibt das Gesetz vor, dass Gewähr für eine einwandfreie Verwendung des
Kollektiv-Fahrzeugausweises gegeben sein muss, was dann nicht mehr der Fall sei,
wenn der Inhaber des Ausweises eine missbräuchliche Verwendung des Ausweises
veranlasst oder geduldet hat, beispielsweise durch Unterlassen der erforderlichen
Aufsicht oder dadurch, dass ein nicht betriebssicheres Fahrzeug in Verkehr gesetzt
wurde. Vorliegend wirft die Vorinstanz der Rekurrentin keine missbräuchliche
Verwendung des Ausweises vor. Eine solche ergibt sich auch nicht aus den Akten. Es
fällt jedoch auf, dass nichts darauf hinweist, dass die notwendigen Umsatzzahlen
demnächst erreicht werden könnten. So ist die Anzahl verkaufter Fahrzeuge von 16 im
Jahr 2011 gar auf 14 im Jahr 2012 zurückgegangen. Auch der Umsatz selbst hat sich
von Fr. 1'403'425.92 im Jahr 2011 auf Fr. 1'108'148.15 im Jahr 2012 reduziert. Das
Geschäft kann mit etwas mehr als einem Autoverkauf pro Monat kaum rentieren.
Gemäss Ausführungen der Rekurrentin werden durch sie selbst keine Arbeiten an den
Motorfahrzeugen ausgeführt, sondern diese werden dafür zu den Markenvertretern
gebracht. Dementsprechend gibt es diesbezüglich keine zusätzliche Einnahmequelle.
Die geschäftliche Aktivität ist relativ gering. Sodann ist auch kein Geschäftskonzept
ersichtlich, das eine positive Geschäftsentwicklung erahnen lassen würde. Im Übrigen
wurde das Händlerschild bei seiner Erteilung im Oktober 2011 auch hinsichtlich der
Voraussetzungen für die Betriebseinrichtungen nur deshalb gewährt, weil eine
Vereinbarung mit dem Nachbarbetrieb, der Reparaturwerkstätte Z AG, abgeschlossen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
wurde, der der Rekurrentin den Zugang zur dortigen Hebebühne gewährt. Auch über
diese Einrichtungen verfügt die Rekurrentin dementsprechend nicht selbst.
c) Zusammengefasst bestehen vor dem Hintergrund des Arbeitspensums des
Verwaltungsratspräsidenten der Rekurrentin und gleichzeitig Fachmannes im Sinn von
Ziff. 3.1 des Anhangs 4 zur VVV Zweifel an der zeitlich genügend verfügbaren
Fachkompetenz innerhalb des Betriebs der Rekurrentin, an der Rentabilität des
Geschäfts und damit auch am finanziellen Fundament der Rekurrentin. Das Konzept ist
unklar und eine Tendenz zur Steigerung des Umsatzes ist nicht ersichtlich. Solche
Umstände können eine Missbrauchsgefahr nähren und somit das Risiko einer
Gefährdung der Verkehrssicherheit erhöhen. Folglich muss das Interesse an der
Verkehrssicherheit höher gewichtet werden als das Interesse der Rekurrentin am Besitz
des Kollektiv-Fahrzeugausweises und dem Händlerschild. Gesamthaft betrachtet lässt
sich damit eine Abweichung von den Voraussetzungen des Anhangs 4 der VVV nicht
rechtfertigen. Der Rekurs vom 21. November 2013 erweist sich als unbegründet und ist
abzuweisen.
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten von der
Rekurrentin zu bezahlen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– ist
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist zu verrechnen. Bei dieser Kostenverlegung hat die
Rekurrentin keinen Anspruch auf Entschädigung ausseramtlicher Kosten (Art. 98
VRP).