Decision ID: b897b342-db64-4642-a409-34668b3cb97f
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) war seit 11. Dezember 2017 bei der B._ AG in
einem Vollpensum tätig und dadurch bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von Berufs- und
Nichtberufsunfällen sowie Berufskrankheiten versichert. Am 29. Januar 2019 meldete
die Arbeitgeberin, dass die Versicherte am 25. Januar 2019 zuhause ausgerutscht und
auf den Rücken gefallen sei (Suva-act. 1). Bei diesem Sturz zog sich diese gemäss
Bericht des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG), Klinik für Hand-, Plastische- und
Wiederherstellungschirurgie, vom 29. Januar 2019 eine distale intraartikuläre
Radiusfraktur rechts sowie eine Fraktur des Os coccygis zu. Die Radiusfraktur war am
26. Januar 2019 mittels ORIF (Open Reduction and Internal Fixation) versorgt worden
(Suva-act. 6-2 f., 7). Mit Schreiben vom 31. Januar 2019 sprach die Suva
Versicherungsleistungen (Taggelder und Heilbehandlung) zu (Suva-act. 2).
A.a.
Anlässlich der Kontrolluntersuchung vom 27. März 2019 berichtete die Versicherte
von einer fehlenden Besserung bei immer noch persistierenden Handschmerzen,
Schwellung und zunehmender Einsteifung der Finger. Dr. med. C._, Arzt der Klinik für
Hand-, Plastische- und Wiederherstellungschirurgie des KSSG beschrieb mit Bericht
vom 25. April 2019 einen typischen Befund eines CRPS (komplexes regionales
Schmerzsyndrom; Suva-act. 15). Am 15. Mai 2019 führte die Versicherte gegenüber
A.b.
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der Suva aus, dass sie auf einer öligen Stelle am Fussboden ihrer Wohnung
ausgerutscht und nach hinten gestürzt sei. Sie sei mit dem Gesäss am Boden
aufgeprallt und habe versucht, den Sturz mit der rechten Hand neben dem Körper
abzufangen. Nach Röntgenabklärungen von Steissbein und Handgelenk sei sie am
nächsten Morgen im KSSG am Handgelenk operiert worden. Zuletzt sei es zu einer
Besserung des CRPS-Befunds gekommen. Sie könne die Finger der rechten Hand
aber nach wie vor nicht strecken oder zur Faust ballen. Auch würden weiterhin
Schwellungen im Handgelenk auftreten. Die Verletzung am Steissbein sei teilweise
immer noch störend. Es werde jedoch keine Therapie durchgeführt, da dies nicht
möglich und Geduld gefragt sei (Suva-act. 18).
Mit Bericht vom 3. Juni 2019 führte Dr. C._ aus, dass sich bei doch recht
ausgeprägtem CRPS eine leichte Symptomregredienz zeige. Es sei trotzdem mit
weiteren Monaten Therapie und weitgehender Gebrauchsunfähigkeit der Hand zu
rechnen (Suva-act. 21-1 f.). Anlässlich der Abschlussuntersuchung bei Dr. C._ vom 2.
Juli 2019 berichtete die Versicherte über eine weitere deutliche Besserung bezüglich
der rechten Hand. Die Brennschmerzen würden nur noch selten auftreten. Ab und an,
vor allem bei Belastung, verspüre sie auch Schmerzen im Handgelenksbereich. Im
Weiteren berichtete die Versicherte über immer noch erhebliche Schmerzen im
Lendenwirbelsäulen- und Sakralbereich. Sie werde selbständig einen Termin bei den
Wirbelsäulenchirurgen vereinbaren (Suva-act. 41-2 f.).
A.c.
Am 27. August 2019 wurde die Versicherte in der Klinik für Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates des KSSG untersucht. Der
behandelnde Arzt, Dr. med. D._, Oberarzt i.V., diagnostizierte eine Coccygodynie bei
Status nach Kontusion, differentialdiagnostisch nach nicht dislozierter Fraktur im
Rahmen eines Sturzes am 25. Januar 2019. Die klinisch erhobene Coccygodynie
schränke die Versicherte im alltäglichen Leben stark ein. Eine chirurgische
Therapieoption bestehe nicht (Suva-act. 54-2 f.). Am 7. Oktober 2019 wurden beide
Hände und das rechte Handgelenk geröngt sowie eine Computertomographie der
Iliosakralgelenke resp. des Os sacrum durchgeführt (Suva-act. 67).
A.d.
Am 4. November 2019 wurde die Versicherte von Dr. med. E._, Facharzt für
Chirurgie, spez. Unfallchirurgie, kreisärztlich untersucht. In der Beurteilung vom 7.
A.e.
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November 2019 führte dieser aus, dass sich bei der kreisärztlichen Untersuchung als
verbleibende Unfallfolgen der klinische Befund einer dauerhaften, leichten
Funktionsstörung der rechten Hand und des rechten Handgelenks – mit chronisch
verbleibenden Residuen des abgelaufenen, komplexen regionalen Schmerzsyndroms
mit leichter Allodynie der rechten Hand, – mit leichter Muskelminderung am rechten
Unterarm und an der rechten Hand (trotz Rechtsdominanz) und dadurch verminderter
Kraftübertragung bei manuellen Tätigkeiten rechts und – mit leichter Minderung der
Handflächenbeschwielung rechts (trotz Rechtsdominanz) gezeigt habe. Dadurch seien
aus medizinischer Sicht die belastungseinschränkenden Restbeschwerden der
Versicherten für die rechte Hand und das rechte Handgelenk durch die klinischen
Befunde objektivierbar begründet. Dagegen habe die computertomographische
Abklärung keine unfallkausale Ursache der Rücken- und Steissbeinbeschwerden der
Versicherten gezeigt, da das Unfallereignis bildgebend beweisend dort keine
strukturelle Schädigung verursacht habe. Es sei am 25. Januar 2019 lediglich zu einer
Kontusion, allenfalls zu einer vorübergehenden Verschlimmerung gekommen, deren
Status quo sine/ante spätestens bei Erstellung der Computertomographie am 7.
Oktober 2019 als erreicht zu beurteilen sei. Die hier fortbestehenden Beschwerden
könnten aus medizinischer Sicht überwiegend wahrscheinlich am ehesten auf eine
symptomatische Beckenbodeninsuffizienz im Rahmen der altersentsprechenden
Veränderungen des Hormonstoffwechsels der Versicherten zurückgeführt werden,
erfahrungsgemäss verstärkt durch die anlagebedingte vermehrte Ventralverkrümmung
des Steissbeins. Die diesbezüglich korrekte Therapieempfehlung der
Wirbelsäulenspezialisten des KSSG mit Beckenbodentraining unter
physiotherapeutischer Anleitung sei rein medizinisch sinnvoll und erfolgsversprechend,
allerdings nicht unfallkausal zu übernehmen. Zusammengefasst resultierten aus dem
Ereignis vom 25. Januar 2019 einzig dauerhaft verbleibende Unfallfolgen im Bereich
des rechten Handgelenks und der rechten Hand. Bei den klinischen und radiologischen
Befunden handle es sich um einen stabilen medizinischen Gesundheitszustand im
Bereich des rechten Handgelenks und der rechten Hand. Über den Fallabschluss
hinaus seien unfallkausal die rezeptierten Schmerzmedikamente zu übernehmen. Für
die manuell belastende, angestammte Tätigkeit sei eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit
von 100 % ausgewiesen. Auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt sei der Versicherten eine
zeitlich unlimitierte Tätigkeit mit einem Pensum von 100 % für leichte manuelle
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Tätigkeiten rechts, ohne Belastung schwerer als fünf Kilogramm, ohne erhöhten
Kraftaufwand für die rechte Hand, ohne repetitive manuelle Tätigkeiten rechts und ohne
Schläge oder Vibrationen, zumutbar (Suva-act. 72). Mit Beurteilung vom 4. November
2019 schätzte Dr. E._ den Integritätsschaden auf 5 % (Suva-act. 73).
Mit formlosem Schreiben vom 8. November 2019 an die Versicherte stellte die
Suva die Taggeldleistungen per 1. Dezember 2019 ein (Suva-act. 77). Am 3. Dezember
2019 verfügte sie eine Integritätsentschädigung von Fr. 7'410.--, basierend auf einem
Integritätsschaden von 5 % (Suva-act. 81).
A.f.
Am 16. Januar 2020 erhob die Orion Rechtsschutz-Versicherung AG im Namen
der Versicherten vorsorglich Einsprache. Es sei die Verfügung vom 3. Dezember 2019
aufzuheben und es seien die gesetzlichen Leistungen auszurichten (Suva-act. 89). Am
31. März 2020 ersuchte die Orion Rechtsschutz-Versicherung AG um Erlass einer
Verfügung bezüglich Einstellung der Taggeldleistungen (Suva-act. 93). Mit begründeter
Einsprache vom 30. November 2020 beantragte die neu mandatierte Rechtsanwältin
lic. iur. Linda Keller, St. Gallen, dass die Verfügung vom 3. Dezember 2019 insofern
aufzuheben sei, als eine Integritätsentschädigung von mehr als 5 % abgewiesen
werde. Der Versicherten sei eine Integritätsentschädigung von 10 % zuzusprechen.
Eventualiter sei ein medizinisches Gutachten in Bezug auf das Vorliegen einer
traumatischen Coccygodynie in Auftrag zu geben. Zusammen mit der
Einsprachebegründung reichte die Rechtsvertreterin eine Stellungnahme von Dr. D._
zuhanden der Orion Rechtsschutz-Versicherung AG vom 10. Februar 2020 ein (Suva-
act. 115, act. G 1.9).
A.g.
Mit Schreiben vom 4. Januar 2021 wies die IV-Stelle des Kantons St. Gallen einen
(weiteren) Anspruch auf berufliche Massnahmen ab (Suva-act. 119).
A.h.
Mit Schreiben vom 2. Februar 2021 zog die Suva die Verfügung vom 3. Dezember
2019 zurück und stellte eine Verfügung in Aussicht, in welcher neben der
Integritätsentschädigung auch die Rentenfrage geprüft werde (Suva-act. 123).
A.i.
Mit Stellungnahme vom 2. Februar 2021 hielt Dr. E._ in Würdigung der
Einsprachebegründung an seiner Beurteilung vom 7. November 2020 fest (Suva-act.
122).
A.j.
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B.
Gegen die Verfügung vom 23. Februar 2021 erhob Rechtsanwältin Keller am 26. März
2021 vorsorglich Einsprache (Suva-act. 130). Am 14. Juni 2021 reichte sie die
Einsprachebegründung mit den Anträgen ein, die Verfügung sei aufzuheben, der
Versicherten sei eine Rente basierend auf einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
und eine Integritätsentschädigung basierend auf einer Integritätseinbusse von 10 %
auszurichten. Eventualiter sei ein aktueller Arztbericht bei Frau Dr. med. F._ und ein
aktueller Bericht beim RAV-Eingliederungsberater einzuholen. Alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge (Suva-act. 141). Mit Entscheid vom 14. Oktober 2021 wies die
Suva die Einsprache ab (Suva-act. 151).
C.
Mit Verfügung vom 23. Februar 2021 sprach die Suva der Versicherten erneut eine
Integritätsentschädigung von Fr. 7'410.-- basierend auf einem Integritätsschaden von 5
% zu und lehnte zudem einen Rentenanspruch ab (Suva-act. 129).
A.k.
Gegen den Einspracheentscheid vom 14. Oktober 2021 liess die Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführerin), neu vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Andrea
Steiner Lettoriello, Zürich, am 15. November 2021 Beschwerde erheben mit folgenden
Anträgen. 1. Es sei der Einspracheentscheid vom 14. Oktober 2021 (sowie die damit
bestätigte und zu Grunde liegende Verfügung vom 23. Februar 2021) aufzuheben. 2. Es
seien der Beschwerdeführerin Leistungen der Unfallversicherung auszurichten. 3. Es
sei der Beschwerdeführerin eine Integritätsentschädigung von mindestens 10 %
auszurichten. 4. Es sei der Beschwerdeführerin eine (Invaliden-)Rente der
Unfallversicherung von mindestens 40 % auszurichten. 5. Eventualiter sei der
Beschwerdeführerin eine Rente der Unfallversicherung von mindestens 10 %
auszurichten. 6. Subeventualiter seien ergänzende Abklärungen vorzunehmen bzw. zu
veranlassen. 7. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) gemäss dem
Ausgang des Verfahrens. In prozessualer Hinsicht beantragte sie, es seien die Akten
der Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beizuziehen, ein zweiter
Schriftenwechsel durchzuführen und die aufschiebende Wirkung der Beschwerde
wiederherzustellen bzw. die aufschiebende Wirkung anzuordnen (act. G 1).
C.a.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist ein Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin sowie die Höhe ihrer Integritätsentschädigung.
In der Beschwerdeantwort vom 10. Dezember 2021 beantragte die
Beschwerdegegnerin, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Christian Leupi, Luzern, die
Beschwerde vom 15. November 2021 sei vollumfänglich abzuweisen und der
Einspracheentscheid vom 14. Oktober 2021 zu bestätigen. Die Kosten seien bei
Kostenlosigkeit des Verfahrens wettzuschlagen (act. G 3)
C.b.
Mit Replik vom 19. Mai 2022 (act. G 12) und Duplik vom 14. Juli 2022 (act. G 16)
liessen die Parteien unverändert an ihren Anträgen festhalten.
C.c.
Mit Entscheid vom 21. Juli 2022 wurde die aufschiebende Wirkung der
Beschwerde wiederhergestellt und die Beschwerdegegnerin verpflichtet, der
Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von Fr. 500.-- zu bezahlen (act. G 18).
Dieser Zwischenentscheid blieb unangefochten.
C.d.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie die Ausführungen in
den (medizinischen) Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
C.e.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls mindestens zu 10 % invalid, so hat
sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der
Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des
Gesundheitszustands der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige
Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit
dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19
Abs. 1 UVG).
1.1.
Ist von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des
Gesundheitszustands der versicherten Person mehr zu erwarten, wird jedoch der
Entscheid der IV über die berufliche Eingliederung erst später gefällt, so wird vom
Abschluss der ärztlichen Behandlung an vorübergehend eine Rente ausgerichtet; diese
1.2.
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wird aufgrund der in diesem Zeitpunkt bestehenden Erwerbsunfähigkeit festgesetzt.
Der Anspruch erlischt: a. beim Beginn des Anspruchs auf ein Taggeld der IV; b. mit
dem negativen Entscheid der IV über die berufliche Eingliederung; c. mit der
Festsetzung der definitiven Rente (Art. 30 Abs. 1 der Verordnung über die
Unfallversicherung [UVV; SR 832.20]).
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen; Art. 16 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR
830.1]).
1.3.
Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche
Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie
Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG). Die
Integritätsentschädigung wird mit der Invalidenrente festgesetzt oder, falls kein
Rentenanspruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art.
24 Abs. 2 UVG). Ein Integritätsschaden gilt als dauernd, wenn er voraussichtlich
während des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang besteht. Er ist erheblich,
wenn die körperliche, geistige oder psychische Integrität, unabhängig von der
Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird (Art. 36 Abs. 1 UVV).
Voraussehbare Verschlimmerungen des Integritätsschadens werden angemessen
berücksichtigt. Revisionen sind nur im Ausnahmefall möglich, wenn die
Verschlimmerung von grosser Tragweite ist und nicht voraussehbar war (Art. 36 Abs. 4
UVV).
1.4.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61
lit. c ATSG). Danach haben die urteilenden Instanzen die Beweise frei, das heisst ohne
Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen
und alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen
1.5.
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2.
Vorab ist festzuhalten, dass der Zeitpunkt der Einstellung der während der medizinisch
instabilen Schadensphase vorübergehend erbrachten Leistungen (Heilbehandlung und
Taggelder) bezüglich des Unfalls vom 25. Januar 2019 per 1. Dezember 2019 nicht
substantiiert bestritten und medizinisch hinlänglich ausgewiesen ist. Hinsichtlich der
Problematik an der rechten Hand kam es bereits am 2. Juli 2019 zur
Abschlusskontrolle ohne Erwähnung weiterer Therapien (Suva-act. 41-2 f.), womit von
einem stabilen medizinischen Zustand und keiner Erwartung einer namhaften
Besserung des Gesundheitszustands mehr auszugehen war (vgl. dazu nebst vielen
Urteil des Bundesgerichts vom 22. September 2016, 8C_306/2016, E. 5.3). Ob auch
bezüglich der zur Diskussion stehenden Rücken- und Steissbeinbeschwerden von
einem stabilen Gesundheitszustand auszugehen war, bedarf keiner abschliessenden
Klärung, nachdem diese, wie sich nachfolgend zeigt (vgl. E. 3), spätestens per 1.
Dezember 2019 nicht mehr dem Unfall vom 25. Januar 2019 anzulasten waren.
Entsprechend stellte die Beschwerdegegnerin per 1. Dezember 2019 zu Recht die
Taggeldleistungen ein (Suva-act. 77) und hatte ab dem 1. Dezember 2019 bis zum
Abschluss des Anspruchs auf berufliche Eingliederungsmassnahmen der IV per 4.
und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Bezüglich Beweiswert eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben worden ist, in
der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der medizinischen
Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
Berichte und Gutachten, welche die Versicherungen während des
Administrativverfahrens von ihren eigenen Ärzten und Ärztinnen einholen, können
beweistauglich sein. An deren Beweiswürdigung sind indes strenge Anforderungen zu
stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen
vorzunehmen (BGE 135 V 470 f. E. 4.4 mit Hinweis; bestätigt im Urteil des
Bundesgerichts vom 23. November 2012, 8C_592/2012, E. 5.3). Erachtet das
Sozialversicherungsgericht die rechtserheblichen tatsächlichen Entscheidgrundlagen
bei pflichtgemässer Beweiswürdigung als schlüssig, darf es den Prozess ohne
Weiterungen abschliessen (vgl. BGE 135 V 469 E. 4.3.2 mit Hinweisen). Diesfalls
besteht kein Anspruch auf Beizug versicherungsexterner medizinischer Gutachten
(BGE 122 V 157).
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Januar 2021 (Suva-act. 119) resp. bis Ende Januar 2021 einen Anspruch auf eine
Übergangsrente nach Art. 30 Abs. 1 UVV, ab dem 1. Februar 2021 einen Anspruch auf
eine definitive Rente (vgl. Art. 19 Abs. 1 UVG) sowie den Anspruch auf eine
Integritätsentschädigung zu prüfen (vgl. Art. 24 Abs. 2 UVG).
3.
Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der Unfallversicherung bildet die
Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht demnach nur für
Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit einem versicherten
Unfallereignis zusammenhängen (André Nabold, N 48 ff. zu Art. 6, in: Marc Hürzeler/
Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Kommentar zum
schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018 [nachfolgend zitiert: KOSS UVG];
Irene Hofer, N 63 ff. zu Art. 6, in: Ghislaine Frésard-Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli
[Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019 [nachfolgend zitiert: BSK
UVG]; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 53 ff.). Der Beweis des
natürlichen Kausalzusammenhangs wird in erster Linie mittels der Angaben
medizinischer Fachpersonen geführt. Die Frage nach dem adäquaten
Kausalzusammenhang obliegt dem Rechtsanwender (KOSS UVG-Nabold, N 53 zu Art.
6; BSK UVG-Hofer, N 66 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55, 58; Urteil des
Bundesgerichts vom 12. Mai 2021, 8C_15/2021, E. 7.3). Für die Annahme
unfallkausaler somatischer Restfolgen wird im Regelfall eine strukturelle Läsion bzw.
eine schlecht verheilte strukturelle Läsion als objektivierbares Korrelat verlangt. Von
organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen kann erst gesprochen werden, wenn
die erhobenen Befunde mit – wissenschaftlich anerkannten (BGE 134 V 231) –
apparativen/bildgebenden Abklärungen (wie Röntgen, Computertomographie,
Magnetresonanztomographie, Arthroskopie) bestätigt werden (Urteil des
Bundesgerichts vom 28. Oktober 2009, 8C_216/2009, E. 2). Im Bereich dieser klar
ausgewiesenen organischen Unfallfolgen spielt die Adäquanz als rechtliche
Eingrenzung der aus dem natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung
des Unfallversicherers praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit
der natürlichen Kausalität deckt (vgl. BGE 117 V 365 E. 5d/bb mit Hinweisen auf Lehre
und Rechtsprechung; BGE 118 V 291 f. E. 3a). Wenn die Unfallkausalität einmal mit der
erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist, entfällt die Leistungspflicht des
Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate
Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und
3.1.
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ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder
der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat
(Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem
schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher
oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (vgl. Rumo-Jungo/ Holzer,
a.a.O., S. 54).
Es ist unbestritten und medizinisch erstellt, dass die Beschwerdeführerin im
Zeitpunkt der Rentenprüfung an unfallkausalen funktionseinschränkenden
Restbeschwerden an der rechten Hand und am rechten Handgelenk litt und diese
Beschwerden in die Leistungsbeurteilung (Rente und Integritätsentschädigung)
miteinzubeziehen sind. Im Weiteren beklagt die Beschwerdeführerin Rücken- und
Steissbeinbeschwerden. Diesbezüglich besteht Uneinigkeit bezüglich des vorliegenden
Gesundheitsschadens resp. der Unfallkausalität im Zeitpunkt der Rentenprüfung.
3.2.
Die Beschwerdeführerin prallte beim Unfall vom 25. Januar 2019 unter anderem
auf das Gesäss und klagt seither durchgehend über Beschwerden in dieser Region
(Suva-act. 6, 12, 18, 41). Initial wurde seitens des KSSG eine Fraktur des Os coccygis
diagnostiziert (Suva-act. 6). Am 27. August 2019 suchte die Beschwerdeführerin
aufgrund der anhaltenden Beschwerden erstmals die Klinik für Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates des KSSG auf. Der behandelnde Arzt Dr.
D._ diagnostizierte eine Coccygodynie bei Status nach Kontusion,
differentialdiagnostisch bei Status nach nicht dislozierter Fraktur, und empfahl die
Durchführung eines physiotherapeutisch begleiteten Beckenboden-Trainings sowie die
Erarbeitung einer Becken- und Rumpfstabilität (Suva-act. 54-2 f.). Eine am 7. Oktober
2019 veranlasste Computertomographie zeigte eine normale Darstellung der ossären
Strukturen im Os sacrum, ohne Hinweis auf eine durchgemachte oder aktuelle Fraktur
in der Region, ein normales Os coccygis sowie normale und symmetrische
Iliosakralgelenke (Suva-act. 67). Gestützt auf diese Bildgebung, welche keine
(durchgemachte) strukturelle Schädigung zeigte, kam Dr. E._ in seiner Beurteilung
vom 7. November 2019 medizinisch nachvollziehbar zum Schluss, dass die
Beschwerdeführerin beim Unfall vom 25. Januar 2019 lediglich eine Kontusion, und
nicht eine Fraktur, wie es initial diagnostiziert worden war, erlitten hat (Suva-act. 72-5).
Diese Beurteilung deckt sich auch mit dem vorerwähnten Arztbericht von Dr. D._, der
bereits vor der Bildgebung vom 7. Oktober 2019 lediglich von Kontusionsbeschwerden
und nur differentialdiagnostisch von einer Fraktur ausgegangen war. Damit ist
hinlänglich erstellt, dass die Beschwerdeführerin, entgegen ihren Ausführungen,
anlässlich des Unfallereignisses vom 25. Januar 2019 keine Fraktur des Os coccygis
3.3.
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erlitten hat. Daran ändert die ursprüngliche Diagnosestellung, welche auf konventionell
radiologischer Bildgebung beruhte, nichts, zumal diese Methode, wie es Dr. D._ im
Schreiben vom 10. Februar 2020 ausführte (act. G 1.9), anders als eine
Computertomographie oder allenfalls eine Magnetresonanztomographie, kein
genügend zuverlässiges Ergebnis liefert. Schliesslich zielt auch der Einwand der
fehlenden Abklärung mangels Durchführung einer Magnetresonanztomographie ins
Leere. Für die Verifizierung einer Steissbeinfraktur erscheint die Computertomographie
eine geeignete und aussagekräftige Untersuchungsmethode https://www.sro.ch/
sroinfo/detail/beitrag/bildgebende-verfahren-roentgen-mri-co; eingesehen am 21.
Dezember 2022).
Da gestützt auf das Gesagte zuverlässig feststeht, dass es anlässlich des
Ereignisses vom 25. Januar 2019 lediglich zu einer Steissbeinkontusion gekommen ist,
hat der Unfallversicherer auch nur Leistungen für das unmittelbar im Zusammenhang
mit dem Unfall stehende kontusionsbedingte Schmerzsyndrom zu erbringen. Dabei ist
zu beachten, dass es bei einer klinisch nachweisbaren Wirbelsäulenprellung einer
medizinischen Erfahrungstatsache entspricht, dass selbst im Falle vorbestehender
degenerativer, das heisst abnutzungsbedingter Erkrankungen, eine traumatische
Verschlimmerung in der Regel nach sechs bis neun Monaten, spätestens aber nach
einem Jahr abgeschlossen ist und länger dauernde Beschwerden bei einer einfachen
Kontusion degenerativer Genese sind oder auf eine psychische Anpassungsstörung
oder Fehlentwicklung zurückgehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar
2009, 8C_1051/2008, E. 3.2). Entsprechend leuchtet es ein, dass Dr. E._ den Status
quo sine per 7. Oktober 2019 festlegte resp. die Beschwerdegegnerin eine Kausalität
über den 1. Dezember 2019 (gut zehn Monate nach der Kontusion) verneinte, zumal
keine Anhaltspunkte vorliegen, dass – entgegen der allgemeinen Erfahrungstatsache –
die durch den Sturz vom 25. Januar 2019 verursachte Steissbeinprellung eine über
diesen Zeitpunkt hinaus andauernde Schädigung resp. Schmerzsymptomatik
verursacht hätte. Namentlich liegen auch keine relevanten Vorzustände vor, welche
eine längere Heilungsdauer von bis zu einem Jahr rechtfertigen könnten. Soweit die
Beschwerdeführerin resp. der behandelnde Arzt Dr. D._ geltend macht, eine
Teilkausalität der Coccygodynie sei mangels dokumentiertem krankhaftem Vorzustand
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gegeben (act. G 1.9), läuft dies auf einen "post
hoc ergo propter hoc"-Schluss hinaus (BGE 119 V 341 f. E. 2b/bb), welcher für sich
allein nicht ergiebig ist und die schlüssige Beurteilung von Dr. E._ nicht in Zweifel zu
ziehen vermag. Nachdem von zusätzlichen Abklärungen bezüglich Kausalität der über
das Einstellungsdatum hinaus geklagten Steissbeinbeschwerden keine neuen
3.4.
https://www.sro.ch/sroinfo/detail/beitrag/bildgebende-verfahren-roentgen-mri-co https://www.sro.ch/sroinfo/detail/beitrag/bildgebende-verfahren-roentgen-mri-co
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4.
Erkenntnisse zu erwarten sind, ist in antizipierter Beweiswürdigung darauf zu verzichten
(BGE 144 V 368 f. E. 6.5).
Nach dem Gesagten (vgl. vorstehende E. 3) sind einzig die unfallkausalen
funktionseinschränkenden Restbeschwerden an der rechten Hand und am rechten
Handgelenk in die Rentenbeurteilung resp. die Ermittlung des Invaliditätsgrads sowie
die Beurteilung der Integritätsentschädigung resp. die Ermittlung des
Integritätsschadens einzubeziehen. In Bezug auf erstere besteht Uneinigkeit
hinsichtlich der zumutbaren Arbeitsfähigkeit aufgrund der Einschränkungen. Während
die Beschwerdegegnerin gestützt auf die kreisärztliche Beurteilung vom 7. November
2019 (Suva-act. 72) trotz Unfallfolgen von einer vollen Leistungsfähigkeit in
angepassten Tätigkeiten ausgeht, erachtet die Beschwerdeführerin das Abstellen auf
diese Beurteilung als nicht ausreichend. Vielmehr sei auf die im Rahmen der
Arbeitsintegrationsmassnahmen ermittelte Arbeitsfähigkeit von 60 % in
leidensangepassten Tätigkeiten abzustellen.
4.1.
Dr. E._ hat die Beschwerdeführerin am 4. November 2019 persönlich und
umfassend untersucht (Suva-act. 72). Er legte seiner Beurteilung die klinisch erhobenen
Befunde und die Bildgebung zugrunde (Suva-act. 72-3 f.), würdigte die geklagten
Beschwerden (Suva-act. 72-2 f.) sowie die medizinischen Vorakten (Suva-act. 72-1 f.)
und kam zu einer medizinisch nachvollziehbaren Einschätzung der zumutbaren
unfallkausalen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin (Suva-act. 72-4 ff.). Es sind
keine Anhaltspunkte dafür erkennbar – und solche werden auch nicht substantiiert
geltend gemacht –, dass Dr. E._ objektiv wesentliche Tatsachen nicht berücksichtigt
hätte und es leuchtet ein, dass bei Einhaltung des Zumutbarkeitsprofils, welches den
unfallkausalen funktionseinschränkenden Restbeschwerden an der rechten Hand und
am rechten Handgelenk umfassend Rechnung trägt (leichte manuelle Tätigkeiten
rechts, ohne Belastung schwerer als fünf Kilogramm, ohne erhöhten Kraftaufwand für
die rechte Hand, ohne repetitive manuelle Tätigkeiten rechts und ohne Schläge oder
Vibrationen; Suva-act. 72-6), medizinisch-theoretisch eine volle Arbeitsfähigkeit
zumutbar sein sollte. Anderslautende begründete medizinisch-theoretische
Arbeitsfähigkeitsschätzungen, welche (geringe) Zweifel an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der kreisärztlichen Beurteilung wecken könnten, liegen nicht im Recht.
Daran ändert nichts, dass die Beschwerdeführerin, wie es ihre Rechtsvertreterin
ausführt, anlässlich von Arbeitsintegrationsmassnahmen lediglich eine Arbeitsfähigkeit
von 60 % in angepasster Tätigkeit erreicht habe, führt sie doch selbst aus, dass dies
auch den Beschwerden im Rücken- resp. Steissbein geschuldet gewesen sei (act. G 1
4.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 14/20
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5.
S. 8 Ziff. 24), welche – wie erwähnt – mangels Kausalität unberücksichtigt zu bleiben
haben. Damit besteht aber keine Diskrepanz zwischen der Schätzung von Dr. E._
und der im Rahmen der Arbeitsintegrationsmassnahmen ermittelten Arbeitsfähigkeit
einzig in Bezug auf die Unfallfolgen.
Zusammengefasst ist gestützt auf das Gesagte damit mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt
der Leistungseinstellung per 1. Dezember 2019, aber auch nach Abschluss der
Eingliederungsmassnahmen der IV per 4. Januar 2021 in adaptierter Tätigkeit ein
Vollpensum zumutbar war. Der Sachverhalt wurde in Bezug auf die unfallkausale
quantitative und qualitative Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin spruchreif
abgeklärt, womit sich weitere Abklärungen in antizipierter Beweiswürdigung erübrigen
(vgl. BGE 144 V 368 f. E. 6.5).
4.3.
Ausgehend von einer 100%-igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit ist
im Rahmen eines Einkommensvergleichs der Invaliditätsgrad zu ermitteln (vgl.
vorstehende E. 1.3).
5.1.
Für die Bemessung des hypothetischen Verdienstes ohne Gesundheitsschaden
(Valideneinkommen) ist grundsätzlich entscheidend, was die versicherte Person im
massgebenden Zeitpunkt des Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen könnte bzw.
verdient hätte (vgl. Art. 16 Abs. 1 ATSG). Bei der Bestimmung des Valideneinkommens
wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer
Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden
fortgesetzt worden wäre (BGE 134 V 325 E. 4.1). Bei ihrer letzten Tätigkeit bei der B._
AG hätte die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Beginns einer allfälligen
Übergangsrente im Jahr 2019 und einer allfälligen definitiven Rente im Jahr 2021 ein
Einkommen von jährlich Fr. 52'000.-- (Fr. 4'000.-- x 13) erzielt (Suva-act. 80, 124).
5.2.
5.3.
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in der die versicherte Person konkret steht. Ist kein
solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich, weil die
versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine
5.3.1.
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ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der
Rechtsprechung die LSE-Tabellenlöhne oder die DAP-Zahlen (DAP: Dokumentation
von Arbeitsplätzen) herangezogen werden (BGE 135 V 297 E. 5.2 mit Hinweisen). Da
die Suva seit 1. Januar 2019 keine DAP mehr führt (Urteil des Bundesgerichts vom 24.
September 2020, 8C_315/2020, E. 3.2) und die Beschwerdeführerin – soweit ersichtlich
– keiner Erwerbstätigkeit nachgeht, ist, entgegen dem Einwand der
Beschwerdeführerin (act. G 1 S. 8 Ziff. 26), nicht zu beanstanden, dass die
Beschwerdegegnerin zur Festsetzung des Invalidenlohns die LSE-Tabellenlöhne
beigezogen hat. Der LSE-Hilfsarbeiterinnenlohn, auf welchen vorliegend abzustellen ist,
hat im Jahr 2021 nominallohnindexiert (-0.2 %; vgl https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/
home/statistiken/kataloge-datenbanken.assetdetail. 22484185.html; eingesehen am
21. Dezember 2022) Fr. 53'386.-- betragen (Fr. 4'276.-- x 12 / 40 x 41.7 / 1.002.; vgl.
LSE-Tabellenlöhne 2020, Tabelle TA1_tirage_skill_level, Total, Kompetenzniveau 1,
Frauen). Im Jahr 2019 hat er nominallohnindexiert (+0.9 %; vgl. https://
www.bfs.admin.ch/asset/de/12947513#:~:text=29.06.2020%20-%20 Der
%20Nominallohnindex%20stieg,(Basis%202015%20%3D%20100); eingesehen am
21. Dezember 2022) Fr. 55'173.-- betragen (Fr. 4'371.-- x 12 / 40 x 41.7 x 1.009.; vgl.
LSE-Tabellenlöhne 2018, Tabelle TA1_tirage_skill_level, Total, Kompetenzniveau 1,
Frauen). Bei den LSE-Daten handelt es sich lediglich um statistische
Durchschnittswerte, was sich daran zeigt, dass die Beschwerdeführerin im
vorliegenden Fall als Gesunde in einem Pensum von 100 % ein unter dem LSE-Wert
liegendes Einkommen erzielt hat (vgl. vorstehende E. 5.2). Da die Akten keinerlei
Anhaltspunkte dafür liefern, dass die Beschwerdeführerin freiwillig auf ein höheres
Einkommen verzichtet hat, ist anzunehmen, dass die Unterdurchschnittlichkeit ihres
Validenlohns auf die für die Invaliditätsbemessung nicht zu berücksichtigenden Zwänge
des realen Arbeitsmarkts zurückzuführen ist. Aus diesem Grund ist das
Valideneinkommen auf den LSE-Lohn anzuheben. Da demnach im vorliegenden Fall
sowohl hinsichtlich des hypothetischen Valideneinkommens als auch bezüglich des
Invalideneinkommens derselbe Lohn für ein Pensum von 100 % zugrunde zu legen ist,
kann der Einkommensvergleich anhand eines sogenannten Prozentvergleichs
vorgenommen werden. Dabei entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der
Arbeitsunfähigkeit, allenfalls unter Berücksichtigung eines Abzugs vom Tabellenlohn
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27. Januar, 9C_734/2016, E. 4.1, mit Hinweis).
Mit dem Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich
beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten beschränkt
sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren
5.3.2.
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6.
arbeitnehmenden Personen lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit
unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Sodann wird dem Umstand
Rechnung getragen, dass weitere persönliche und berufliche Merkmale einer
versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben
können (BGE 129 V 481 E. 4.2.3). Der Abzug darf 25 % nicht übersteigen (BGE 135 V
301 E. 5.2). Wie ausgeführt, hat die Beschwerdeführerin gewisse qualitative
Einschränkungen, welche einen Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigen. Diese
Einschränkungen sind indes, obwohl sie die dominante Seite betreffen, nicht derart,
dass der von der Beschwerdegegnerin im Einspracheentscheid vom 14. Oktober 2021
gewährte Abzug von 10 % (Suva-act. 151 S. 9) nicht ausreichend erschiene.
Vorausgesetzte triftige Gründe (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 14. Mai 2018,
8C_744/2017, E. 3.3), vom gewährten Abzug von 10 % abzuweichen, liegen auf jeden
Fall nicht vor. Hinzuweisen ist darauf, dass vorliegend insbesondere das Alter und die
Dienstjahre bei niedrigem Anforderungsprofil in Beachtung der Rechtsprechung keinen
höheren Abzug als zwingend erscheinen lassen (vgl. dazu unter anderem die Urteile
des Bundesgerichts vom 14. Juni 2018, 8C_227/2018, E. 4.2.3.4, und vom 14. August
2014, 8C_351/2014, E. 5.2.4.2). Entsprechend hat es beim von der
Beschwerdegegnerin gewährten Abzug vom Tabellenlohn von 10 % sein Bewenden.
Gestützt auf das Gesagte resultiert ein Invaliditätsgrad von 10 % (0 + [100 x 0.1])
resp. ein Rentenanspruch in dieser Höhe. In diesem Umfang ist die Beschwerde
gutzuheissen. Dies führt dazu, dass per 1. Dezember 2019 bis 31. Januar 2021 ein
grundsätzlicher Anspruch auf eine Übergangsrente der Unfallversicherung in dieser
Höhe besteht, soweit die Beschwerdeführerin in diesem Zeitraum nicht ein Taggeld der
IV bezogen hat (vgl. Art. 30 Abs. 1 lit. a UVV). Zur Klärung dieser Frage und Ausrichtung
der Übergangsrente wird die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen. Ab
dem 1. Februar 2021 besteht zudem ein definitiver Rentenanspruch basierend auf
einem Invaliditätsgrad von 10 %.
5.4.
Zu beurteilen bleibt die Höhe des Anspruchs auf eine Integritätsentschädigung. Die
Beschwerdegegnerin sprach der Beschwerdeführerin gestützt auf die kreisärztliche
Beurteilung von Dr. E._ vom 4. November 2019 (Suva-act. 73) eine solche basierend
auf einem Integritätsschaden von 5 % zu. Die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin beantragt deren Erhöhung auf mindestens 10 %.
6.1.
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Die Integritätsentschädigung wird entsprechend der Schwere des
Integritätsschadens abgestuft. Bei gleichem medizinischem Befund ist der
Integritätsschaden für alle Versicherten gleich; er wird abstrakt und egalitär bemessen.
Spezielle Behinderungen der betroffenen Person bleiben dabei unberücksichtigt. Die
Bemessung des Integritätsschadens hängt somit nicht von den besonderen
Umständen des Einzelfalls ab; es geht vielmehr um die medizinisch-theoretische
Ermittlung der Beeinträchtigung der körperlichen und/oder geistigen Integrität, wobei
subjektive Faktoren ausser Acht zu lassen sind (vgl. die Urteile des Bundesgerichts
vom 14. Januar 2021, 8C_658/2020, E. 2.2, und vom 23. April 2014, 8C_49/2014, E.
4.3, je mit Hinweisen).
6.2.
Nach Art. 36 Abs. 2 UVV wird die Integritätsentschädigung gemäss den Richtlinien
des Anhangs 3 zur UVV bemessen. Dieser Anhang enthält eine als gesetzmässig und
nicht abschliessend anerkannte Skala. Die medizinische Abteilung der Suva hat in
Weiterentwicklung der bundesrätlichen Skala zusätzliche Bemessungsgrundlagen in
tabellarischer Form (sogenannte Feinraster) erarbeitet. Diese Tabellen enthalten
Richtwerte, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewährleistet werden
soll; sie sind mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 32 E. 1c mit Hinweis).
Trotz des Feinrasters der Suva-Tabellen gibt es Integritätsschäden, die sich nicht direkt
einer Position der Skala von Anhang 3 zur UVV oder der Suva-Tabellen zuordnen
lassen. In diesen Fällen ist in direkter oder analoger Anwendung von Ziff. 1 Abs. 2 von
Anhang 3 zur UVV der Grad der Schwere für spezielle oder nicht aufgeführte
Integritätsschäden vom Skalenwert bzw. von Positionen der Suva-Tabellen abzuleiten.
Zuerst ist mithin zu prüfen, ob ein Integritätsschaden in der Skala von Anhang 3 zur
UVV figuriert. Falls dies nicht zutrifft, ist in den Suva-Tabellen eine passende Position
zu suchen. Bei negativem Ausgang der Suche ist schliesslich die Schwere des
Integritätsschadens mittels Vergleichs zu den Werten in der Skala von Anhang 3 zur
UVV oder der Suva-Tabellen abzuleiten (KOSS UVG-Frei, N 17 f. zu Art. 25).
Insbesondere die Einordnung von Nichtlisten- und kombinierten Fällen öffnet dem Arzt
oder der Ärztin einen grossen Ermessensspielraum, in welchen die Verwaltung bzw.
das Sozialversicherungsgericht nicht ohne Not bzw. nur dann eingreifen soll, wenn die
unfallmedizinische Beurteilung im Hinblick auf die Liste im Anhang 3 UVV sachlich nicht
gerechtfertigt ist und zu stossenden Ungleichheiten führen würde (Urteil des
Bundesgerichts vom 14. August 2008, 8C_660/2007, E. 4.2).
6.3.
Kreisarzt Dr. E._ führte mit Beurteilung vom 4. November 2019 aus, dass der
klinische Befund der dauerhaft verbleibenden Unfallfolgen mit residuell verbliebener
leichter Funktionsstörung im Bereich des rechten Handgelenks und der rechten Hand
6.4.
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im Quervergleich zu Tabelle 1 "Integritätsschaden bei Funktionsstörungen an den
oberen Extremitäten" mit 5 % zu veranschlagen sei. Aus medizinischer Erfahrung sei
diesbezüglich auch im Langzeitverlauf mit keiner Verschlimmerung zu rechnen. Der
radiologische Befund vom 7. Oktober 2019 dokumentiere keine unfallkausalen
Arthrosezeichen bei anatomisch regelrecht verheilter distaler Radiusfraktur mit
identischem radiologischem Befund im Vergleich zur ungeschädigten Gegenseite,
sodass unfallkausal zum Ereignis vom 25. Januar 2019 im Quervergleich zu Tabelle 5
"Integritätsschaden bei Arthrosen" kein zusätzlicher Integritätsschaden des rechten
Handgelenks resultiere. Aufgrund der vollständig anatomischen Rekonstruktion und
dauerhaften Ausheilung sei aus medizinischer Erfahrung auch zukünftig im
Langzeitverlauf eine unfallkausale Arthrose-Entwicklung unwahrscheinlich. Sollte sich
entgegen dieser Annahme doch eine Verschlimmerung oder unfallkausale
Handgelenksarthrose entwickeln, sei dies zu berücksichtigen (Suva-act. 73).
Die Darlegungen bzw. Einschätzungen des Kreisarztes leuchten sowohl bezüglich
Herleitung als auch Höhe des Integritätsschadens vollumfänglich ein, zumal sie auch
auf einer persönlichen Befunderhebung beruhen, die Funktionseinschränkungen
berücksichtigen und anderslautende medizinische Einschätzungen nicht im Recht
liegen. Triftige Gründe, nicht auf dessen Beurteilung abzustellen, sind auf jeden Fall
nicht ersichtlich, nachdem die Rücken-/Steissbeinproblematik resp. die diagnostizierte
Coccygodynie mangels Kausalzusammenhangs auch bei der Bemessung der
Integritätsentschädigung nicht zu berücksichtigen sind. Der nicht substantiierte
Einwand der Beschwerdeführerin, der Integritätsschaden aufgrund der
Handproblematik rechts sei zu erhöhen (act. G 1 S. 9 Ziff. 29), vermag die
Einschätzung von Dr. E._ nicht in Zweifel zu ziehen. Damit erübrigen sich weitere
Abklärungen auch in Bezug auf die Höhe der Integritätsentschädigung. Nicht zu hören
ist der Einwand, die Beschwerdegegnerin hätte gemäss Beschwerdeantwort vom 10.
Dezember 2021 eine Integritätsentschädigung von 10 % anerkannt (act. G 3 S. 3 Ziff.
12, act. G 12 S. 5 Ziff. 16). Dabei handelte es sich, wie der Rechtsvertreter in der Duplik
vom 14. Juli 2022 ausführte (act. G 16 Ziff. 3), offenkundig um ein Versehen, woraus
die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten ableiten kann. Schliesslich ist
entgegen dem Gesuch der Beschwerdeführerin (act. G 1 S. 6 f. Ziff. 18 und S. 9 f. Ziff.
33, act. G 12 Ziff. 18) im Dispositiv nicht ausdrücklich festzuhalten, dass ein sich im
Verlauf entwickelnder unfallkausaler Integritätsschaden, namentlich eine Arthrose, in
der Schätzung des Integritätsschadens nicht berücksichtigt ist. Die korrekte
Nichtberücksichtigung dieser nicht vorhersehbaren Verschlimmerung (vgl. dazu Art. 36
Abs. 4 Satz 1 UVV) ergibt sich zweifelfrei aus der medizinisch schlüssigen Beurteilung
von Dr. E._ (Suva-act. 73). Anhaltspunkte, dass die Beschwerdegegnerin trotz dieser
6.5.
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