Decision ID: a7bb24fd-5c2e-5b80-bc14-54753c6c3e69
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführerin – eine syrische Staatsangehörige kurdischer
Ethnie aus B._ – suchte zusammen mit ihrem Ehemann am (...) das
erste Mal in der Schweiz um Asyl nach.
A.b Mit Verfügung vom 14. August 2015 stellte die Vorinstanz fest, die Be-
schwerdeführerin und ihr Ehemann – sowie der damals minderjährige
Sohn C._, dessen Asylverfahren mit jenem seiner Eltern zusam-
mengelegt worden war – erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte
ihre Asylgesuche ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ord-
nete aufgrund der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläu-
fige Aufnahme an.
A.c Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 24. August
2015 wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-5154/2015 vom
5. April 2017 ab.
B.
B.a Am 20. März 2018 reichte die Beschwerdeführerin bei der Vorinstanz
eine als "zweites Asylgesuch" bezeichnete Eingabe ein. Darin beantragte
sie, es sei festzustellen, dass seit der rechtskräftigen Ablehnung ihres Asyl-
gesuches eine massgebliche Änderung der Sachlage eingetreten sei, wel-
che einen Anspruch auf erneute Überprüfung ihrer Flüchtlingseigenschaft
begründe. Es sei eine Anhörung gemäss Art. 29 und 30 AsylG durchzufüh-
ren, es sei ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihr Asyl zu gewäh-
ren. Es seien ihr keine Verfahrenskosten aufzuerlegen und von der Erhe-
bung eines Kostenvorschusses sei abzusehen.
Am 23. Januar 2020 wurde die Beschwerdeführerin vom SEM zu ihren
Asylgründen angehört. Dabei führte sie aus, sie habe in Syrien als (Nen-
nung Tätigkeit) angefertigt. Die Aufträge dazu habe sie von ihrem Arbeits-
partner, der vermutungsweise zur D._-Partei gehört habe und an
der Organisation von Demonstrationen beteiligt gewesen sei, erhalten. Auf
Wunsch ihres Arbeitspartners habe sie (Nennung Zeitpunkt) vor ihrer Aus-
reise damit begonnen, jeweils junge, vom Militärdienst desertierte Männer
in ihrem Haus in B._ übernachten zu lassen. Anlässlich der dritten
Beherbergung – ihr Mann sei damals mit dem Sohn auf dem Land gewesen
beziehungsweise habe er sich im Dorf aufgehalten – sei sie vom (Nennung
Person), das ihr bei der Arbeit geholfen und auch bei ihr übernachtet habe,
in der Nacht geweckt worden, da vor dem Haus Lärm gewesen sei. Kaum
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habe sie die Haustüre geöffnet, seien Soldaten ins Haus eingedrungen res-
pektive seien bereits vor dem Öffnen der Türe über die Mauer gesprungen
und ins Haus gelangt. Ein Soldat habe die Waffe auf sie gerichtet und ihr
mit dem Tod gedroht, falls sie schreien oder etwas sagen sollte. Das (Nen-
nung Person) habe sich in diesem Moment aus Angst unter der Decke im
Schlafzimmer versteckt. In der Folge sei das Haus durchsucht und sowohl
der desertierte Mann als auch sie von den Soldaten verhaftet worden. Man
habe ihre Augen verbunden und zu einem draussen stehenden Auto ge-
führt. Als sie mitgenommen worden sei, habe sie dem (Nennung Person)
noch gesagt, sie solle ihren Mann benachrichtigen. In der Folge sei sie im
Gefängnis von B._ während (Nennung Dauer) verhört, bedroht, bis
zur Bewusstlosigkeit geschlagen und wiederholt vergewaltigt worden.
Nachdem ihr Mann von ihrer Verhaftung erfahren habe, sei er umgehend
aus dem Dorf zurückgekehrt und habe mit Hilfe des Dorfvorstehers und
einer Geldzahlung ihre Freilassung erwirkt. Er sei über ihre Verletzungen
schockiert gewesen und habe den Vorfall aus Gründen der Ehre – gerade
auch vor seiner Familie – verheimlicht. Deswegen habe er sie angewiesen,
mit niemandem darüber zu sprechen. (Nennung Zeitpunkt) nach ihrer Ent-
lassung seien die Behörden zu ihnen nach Hause gekommen und hätten
ihren Mann mitgenommen. Sie hätten sehr viel Geld für seine Freilassung
bezahlen müssen. Ihr Mann sei während der Haft geschlagen worden, er
sei voller Prellungen und Verletzungen gewesen. Auf ihre Nachfrage habe
er ihr nicht sagen wollen, weshalb er verhaftet worden sei. Seinem (Nen-
nung Verwandter) habe er aber erzählt, dies sei wegen der Desertion des
nach E._ geflüchteten (Nennung Verwandter) gewesen. Nachdem
ihr Mann freigelassen worden sei, habe er die Rückkehr des jüngeren Soh-
nes aus dem Dorf organisiert. Am folgenden Tag seien sie gemeinsam
nach E._ ausgereist. Sie habe diese Vorbringen bislang unerwähnt
gelassen, da ihr Mann es ihr verboten habe, darüber zu sprechen. Zudem
sei sie psychisch in einem sehr schlechten Zustand gewesen. Sie habe
sich erst in der Schweiz getraut, eine Psychotherapie zu beginnen und ei-
nen Anwalt aufzusuchen.
Als Beweismittel reichte die Beschwerdeführerin (Aufzählung Beweismit-
tel) ein.
C.
Mit Schreiben vom 28. April 2020 räumte das SEM der Beschwerdeführerin
die Möglichkeit ein, sich bis zum 12. Mai 2020 zu Widersprüchen zwischen
ihren Aussagen und denjenigen ihres Ehemannes sowie des Sohnes zu
äussern.
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D.
Mit Schreiben vom 12. Mai 2020 legte die Beschwerdeführerin ihre Stel-
lungnahme ins Recht.
E.
Mit Verfügung vom 19. Mai 2020 stellte das SEM fest, die Beschwerdefüh-
rerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihr Asylgesuch ab und
verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Ferner hielt es fest, die am
14. August 2015 angeordnete vorläufige Aufnahme bestehe weiterhin bis
zu deren Aufhebung oder Erlöschen, wies das Gesuch um Erlass der Ver-
fahrenskosten ab und erhob eine Gebühr von Fr. 600.–.
F.
Die Beschwerdeführerin erhob gegen diesen Entscheid mit Eingabe vom
19. Juni 2020 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie bean-
tragte, es sei ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihr in der
Schweiz Asyl zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung samt Verzicht auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses und um Beiordnung eines unentgeltli-
chen Rechtsbeistands in der Person ihres Rechtsvertreters.
Der Beschwerde beigelegt waren (Nennung Beweismittel).
G.
Die Instruktionsrichterin wies mit Zwischenverfügung vom 13. Juli 2020 die
Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Be-
stellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands ab und forderte die Be-
schwerdeführerin zur Bezahlung eines Kostenvorschusses von Fr. 750.–
bis zum 28. Juli 2020 auf. Der Kostenvorschuss wurde fristgerecht geleis-
tet.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft
getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige
Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG
vom 25. September 2015).
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1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerde ist
frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Beschwerdeführerin hat am
Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene
Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an de-
ren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur Einreichung
der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48
Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (BVGE 2014/26
E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf
Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwech-
sels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungs-
gericht hat. Die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in
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verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Da-
rauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verwei-
sen).
5.
5.1 Das SEM kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die Vor-
bringen der Beschwerdeführerin hielten den Anforderungen an die Glaub-
haftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand. So habe sie im ersten Asylver-
fahren anlässlich ihrer Befragung vom 31. Juli 2015 mit keinem Wort er-
wähnt, dass sie (Nennung Tätigkeit) sowie jungen Männern Unterschlupf
gewährt habe und daraufhin inhaftiert, gefoltert und vergewaltigt worden
sei. Stattdessen habe sie ausdrücklich angeführt, dass ihr persönlich in
Syrien nichts geschehen sei. Die Haft und die sexuellen Übergriffe habe
sie erstmals in ihrem Mehrfachgesuch und damit mehr als (...) Jahre nach
dem ersten Asylgesuch geltend gemacht. Es sei zwar denkbar, dass ein
verspätetes Vorbringen von sexuellen Übergriffen durch Gefühle von
Schuld und Scham sowie durch die vom Opfer entwickelten Selbstschutz-
Mechanismen erklärt werden könne. Dabei sei jedoch Voraussetzung,
dass der Sachverhalt aufgrund der übrigen Elemente der Akten bezogen
auf das neue Vorbringen insgesamt als glaubhaft erscheine. Dies sei hier
nicht der Fall. Die Beschwerdeführerin habe nicht nur die sexuellen Über-
griffe in der Befragung vom 31. Juli 2015 ausgespart, sondern sämtliche
damit in Zusammenhang stehenden Ereignisse verschwiegen wie insbe-
sondere das Beherbergen der desertierten Soldaten und ihre Verhaftung.
Darüber hinaus habe sie sogar explizit verneint, dass ihr persönlich etwas
zugestossen sei. Ein solch komplettes Verschweigen der Vorfälle lasse
sich nicht ohne weiteres mit Gefühlen der Scham, Schuld oder mit Selbst-
schutzmechanismen erklären, zumal ihre auf Vorhalt abgegebenen Erklä-
rungen nicht überzeugten und sie sich überdies in wesentlichen Punkten
ihrer Schilderungen – wie zum Aufenthaltsort von Mann und Sohn im Zeit-
punkt ihrer Verhaftung – widersprochen habe. Im Rahmen des ihr gewähr-
ten rechtlichen Gehörs habe sie diese Unstimmigkeiten nicht plausibel auf-
zulösen vermocht. Ferner würden sich die Ausführungen zur Beherber-
gung von desertierten Soldaten und zu ihrer Festnahme (teilweise) als re-
alitätsfremd erweisen. Die Beschwerdeführerin habe auf die strenge kurdi-
sche Tradition sowie auf das Verbot ihres Mannes, aus Gründen der Ehe
nicht über die Haft und die Übergriffe zu sprechen, verwiesen. Vor diesem
Hintergrund sei erstaunlich, dass sie in Syrien den Mut aufgebracht habe,
ohne vorherige Kenntnis und ohne Erlaubnis ihres Mannes desertierte Sol-
daten über Nacht bei sich aufzunehmen, zumal es sich um fremde Männer
gehandelt und sie sich damals mit dem (Nennung Person) allein im Haus
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aufgehalten habe. Zudem hätten die Behörden regelmässig bei ihr zu-
hause nach dem geflüchteten (Nennung Verwandter) gesucht und die Fa-
milie sei ihren Angaben zufolge unter einem riesigen Druck gestanden,
weshalb ihre Handlungen angesichts des damit einhergehenden hohen
Entdeckungsrisikos nicht nachvollziehbar seien. Realitätsfern sei sodann
auch, dass die Soldaten das sich ebenfalls im Haus aufhaltende (Nennung
Person) nicht auch mitgenommen und befragt hätten. Die eingereichten
Beweismittel vermöchten daran nichts zu ändern. Zwar zeige das einge-
reichte Foto die Beschwerdeführerin mit gewissen Verletzungen im Ge-
sicht. Es sage jedoch nichts darüber aus, wann und wie diese entstanden
seien. Die in den eingereichten (Nennung Beweismittel) enthaltenen Diag-
nosen vermöchten für sich allein besehen die behauptete Folter und Ver-
gewaltigung in Syrien nicht zu belegen, zumal die genaue Ursache eines
psychischen Leidens durch ein ärztliches Zeugnis gemäss der Rechtspre-
chung des Bundesverwaltungsgerichts kaum je schlüssig nachgewiesen
werden könne. Schliesslich lasse sich aus dem (Nennung Beweismittel)
kein Zusammenhang mit ihren Schilderungen erkennen.
5.2 Die Beschwerdeführerin entgegnete in der Rechtsmittelschrift, ihr be-
einträchtigter psychischer Gesundheitszustand habe sich auf ihre Aussa-
gen insbesondere im ersten Asylverfahren ausgewirkt. Ihre Erkrankung sei
ärztlich belegt und bei der Beurteilung der Glaubwürdigkeit entsprechend
zu berücksichtigen. So führe – wie in ihrem Fall – eine (Nennung Leiden)
zu Vermeidungsverhalten und Erinnerungslücken, was in der Rechtspre-
chung der Schweizer Asylbehörden anerkannt sei. Erst im zweiten Asylver-
fahren sei es ihr zumindest einigermassen möglich gewesen, sich detail-
liert zu den schrecklichen Erlebnissen wie der Folter und den Vergewalti-
gungen zu äussern. Die diesbezüglich eingereichten Beweismittel würden
ihre Aussagen stützen. Ihr Ehemann wolle nicht, dass irgendjemand von
ihrer Haft, der Folter und den Vergewaltigungen Kenntnis erhalte, weshalb
nicht darüber gesprochen werde. Dies sei zum Schutz der Ehre im syri-
schen Kontext nicht ungewöhnlich. Weiter habe es ihr Ehemann – entge-
gen der vorinstanzlichen Auffassung – schliesslich erlaubt, die desertierten
Soldaten über Nacht aufzunehmen, auch wenn er zunächst nicht damit
einverstanden gewesen sei. Seine Zustimmung zeige sich auch darin, dass
er den Deserteuren Tee und Essen gebracht habe. Zudem habe er sich
aufgrund des dem (Nennung Verwandter) widerfahrenen Schicksals mit
der Situation dieser Männer identifizieren können. Ausserdem sei sie den
Deserteuren nicht zu nahe gekommen, was durch die grosszügigen Platz-
verhältnisse im Haus begünstigt worden sei. Ferner habe sie das Entde-
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ckungsrisiko mit der Verwendung von Codewörtern und weiteren Vorsichts-
massnahmen so gering wie möglich zu halten versucht. Weiter habe sich
das (Nennung Person) rechtzeitig unter einer Decke versteckt und schla-
fend gestellt. Da es noch klein gewesen sei, hätten die Behörden auf eine
Festnahme verzichtet. Sodann überzeuge der Vorhalt untauglicher Be-
weismittel nicht, zumal sie nicht nur medizinisch belegen könne, dass man
sie geschlagen und sexuell missbraucht habe, sondern auch plausibel und
ausführlich die erlittenen Verletzungen zu erklären vermöge. Es sei davon
auszugehen, dass der Kausalzusammenhang zwischen Verletzungen und
Ursachen derselben überwiegend glaubhaft gemacht worden sei. Es liege
demnach eine geschlechtsspezifische Verfolgung, mithin ein frauenspezi-
fischer Fluchtgrund vor. Erschwerend komme hinzu, dass sie als Kurdin
illegal aus Syrien ausgereist, ihr Mann ebenfalls inhaftiert und gefoltert wor-
den und ihr (Nennung Verwandter) aus der Armee desertiert sei.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten zum
Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch der Beschwerdeführerin zu
Recht abgelehnt hat. Im Wesentlichen kann auf die Erwägungen in der an-
gefochtenen Verfügung verwiesen werden. Die Ausführungen auf Be-
schwerdeebene sind nicht geeignet, zu einer anderen Beurteilung zu ge-
langen.
6.2 Zunächst ist anzuführen, dass sich die widersprüchlichen Ausführun-
gen zum Aufenthaltsort des Ehemannes und Sohnes im Zeitpunkt der Ver-
haftung der Beschwerdeführerin mit dem blossen Hinweis, der Ehemann
wolle nicht, dass irgendjemand über die Haft, die Folter und die Vergewal-
tigung erfahre, weshalb nicht darüber geredet werde, nicht erklären lässt.
Weiter sind die Einwände, wie es der Beschwerdeführerin gelungen sein
soll, ihren Mann zu überzeugen, in die Beherbergung von desertierten Sol-
daten einzuwilligen, als nicht stichhaltig zu erachten. Diesbezüglich ergibt
sich aus dem Anhörungsprotokoll vom 23. Januar 2020 keine ausdrückli-
che Erlaubnis des Ehemannes, sondern vielmehr eine explizite Nichtzu-
stimmung desselben (vgl. SEM act. B11, F10, 6. Absatz). An dieser Ein-
schätzung vermag das Vorbringen, dass der Ehemann den Deserteuren
Essen und Tee gebracht habe, nichts zu ändern. So stellt sich diese Be-
hauptung vor dem Hintergrund, dass sich der (Nennung Verwandter) im
Haus in B._ vor der F._ versteckt gehalten habe (vgl. act.
A22, S. 8, F75 f.) und ihre Familie täglich unter einem riesigen Druck ge-
standen sei, da die Leute vom Regime zwei- bis dreimal pro Woche ge-
kommen seien und nach (Nennung Verwandter) gesucht hätten (vgl. act.
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A85, F17 ff.), als jeglicher Logik widersprechend und deshalb als klarer-
weise unglaubhaft dar. Die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann hätten
sich durch eine solche Verhaltensweise nämlich willentlich und wissentlich
dem greifbaren und sich jederzeit realisierbaren Risiko einer baldigen Fest-
nahme ausgesetzt, auch wenn sie – wie dies in der Rechtsmitteleingabe
einlässlich ausgeführt wird – versucht haben sollen, das Entdeckungsrisiko
so klein wie möglich zu halten. Zu einer anderen Schlussfolgerung führt
auch nicht das Vorbringen, die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann hät-
ten sich aufgrund des dem (Nennung Verwandter) widerfahrenen Schick-
sals mit dem Schicksal der desertierten Männer identifizieren können, zu-
mal insbesondere der Beschwerdeführerin die möglicherweise (wieder) be-
vorstehenden respektive zu erwartenden behördlichen Massnahmen be-
wusst gewesen sein müssen. Weiter sind die Entgegnungen zum Vorhalt,
warum die Soldaten das sich im Zeitpunkt der Festnahme ebenfalls im
Haus befindliche junge (Nennung Person) nicht festgenommen hätten, als
unbehelflich zu qualifizieren, zumal die Soldaten den jungen Deserteur im
Rahmen der Durchsuchung des Hauses offenbar problemlos ausfindig und
dingfest machen konnten (vgl. act. B11, S. 5, letzter Absatz) und das (Nen-
nung Person) denn auch trotz ihres jungen Alters für die Behörden als Aus-
kunftsperson zweifellos von Interesse gewesen wäre. Bezüglich dieses
Vorfalls führte die Beschwerdeführerin zudem an, sie habe, als sie mitge-
nommen worden sei, dem (Nennung Person) noch gesagt, es solle ihren
Ehemann benachrichtigen (vgl. act. B11, S. 6, 1. Absatz). Dadurch hätte
sie aber den Soldaten unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass
sich noch jemand im Haus befindet. Demgegenüber antwortete sie auf die
Frage, was gesprochen worden sei, als die Soldaten ins Haus eingedrun-
gen seien: "Sie haben nicht viel geredet. Sie fassten mich sofort und sie
sagten mir, wenn ich ein Wort sage, werde ich erschossen. Dann klebten
sie meinen Mund zu und nahmen mich mit" (vgl. act. B11, S. 14, F63). Die-
ses Vorbringen ist als im Widerspruch zur obigen Aussage stehend zu wer-
ten, zumal es der Beschwerdeführerin unter diesen Umständen kaum mög-
lich gewesen sein dürfte, dem (Nennung Person) noch etwas mitzuteilen.
In Würdigung dieser Ausführungen ist somit das von der Beschwerdefüh-
rerin angeführte, jedoch bislang unerwähnt gebliebene Ereignis als nach-
geschoben und daher als unglaubhaft zu qualifizieren.
6.3 An dieser Schlussfolgerung vermögen die bei der Vorinstanz und die
mit der Beschwerdeschrift eingereichten (Nennung Beweismittel), wonach
bei der Beschwerdeführerin eine (Nennung Diagnose) diagnostiziert wor-
den sind, nichts zu ändern. Diesbezüglich ist festzustellen, dass solche
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(Nennung Beweismittel) lediglich über einen Befund Auskunft geben kön-
nen, jedoch keinen Beweis für das geltend gemachte traumatisierende Er-
eignis bilden (vgl. BVGE 2015/11 E. 7.2.1 und 7.2.2). Gleichwohl bildet die
Einschätzung eines Facharztes in Bezug auf die Plausibilität von Vor-
kommnissen oder Ereignissen, die als Ursache für die diagnostizierte
(Nennung Leiden) in Betracht fallen, ein Indiz, welches bei der Beurteilung
der Glaubhaftigkeit von Verfolgungsvorbringen im Rahmen der Beweiswür-
digung zu berücksichtigen ist (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.1). Vorliegend ist
der Beschwerdeführerin zwar ohne Weiteres beizupflichten, dass gemäss
konstanter Rechtsprechung des Gerichts das verspätete Vorbringen einer
Vergewaltigung durch kulturell bedingte Schuld- und Schamgefühle bezie-
hungsweise einen Selbstschutzmechanismus erklärbar sein kann (vgl.
BVGE 2009/51, E. 4.2.3 mit Hinweis auf Entscheidungen und Mitteilungen
der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 17, E. 4a-
c). In einem solchen Fall darf jedoch – wie das SEM im angefochtenen
Entscheid in zutreffender Weise festhielt – der mit dem verspäteten Vor-
bringen im Zusammenhang stehende übrige Sachverhalt nicht unglaubhaft
sein. Angesichts der in E. 6.2 dargelegten Erörterungen und Schlussfolge-
rungen lässt sich indes der von der Beschwerdeführerin im Rahmen des
zweiten Asylverfahrens nachträglich vorgebrachte Vorfall (...) nicht in den
neu geltend gemachten Sachverhalt nachvollziehbar einbetten und kann
deshalb nicht als glaubhaft erachtet werden. Aus diesem Grund vermögen
die ins Recht gelegten (Nennung Beweismittel) auch keinen Hinweis für die
Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Festnahme der Beschwerdeführe-
rin und der ihr während der Haft gegenüber verübten sexuellen Gewalt zu
liefern. Es ist daher zu schliessen, dass die ärztlich belegten Beeinträchti-
gungen des psychischen Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin
auf anderen als den angegebenen Gründen beruhen, zumal nicht nur Fol-
teropfer unter (Nennung Leiden) – oder allfälligen weiteren damit im Zu-
sammenhang stehenden psychischen Störungen – leiden, sondern eine
solche bei allen Menschen auftreten kann, die einem traumatischen Stress-
symptom ausgesetzt waren. Diesbezüglich kann dem Anhörungsprotokoll
der Beschwerdeführerin im ersten Asylverfahren immerhin entnommen
werden, dass ihr der Reiseweg zu schaffen gemacht habe und sie physisch
und psychisch erschöpft gewesen sei, weshalb sie den Arzt habe aufsu-
chen müssen (vgl. act. A89/6, F3). Auch die eingereichte Fotografie der
Beschwerdeführerin, welche sie mit Verletzungen im Gesicht zeigt, vermag
hinsichtlich der geltend gemachten Folter keine Beweiskraft zu entfalten.
So wird aus diesem Foto nicht ersichtlich, wann und wo dieses entstanden
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ist. Unter diesen Umständen braucht auf (Nennung Beweismittel) in Er-
mangelung eines persönlichen Bezugs zur Beschwerdeführerin nicht wei-
ter eingegangen zu werden.
6.4 Schliesslich führt auch die blosse Tatsache der Asylgesuchstellung in
der Schweiz nicht zur Annahme, dass die Beschwerdeführerin bei einer
(hypothetischen) Rückkehr in ihr Heimatland mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit eine menschenrechtswidrige Behandlung zu befürchten hätte.
Zwar ist aufgrund der längeren Landesabwesenheit davon auszugehen,
dass bei einer Wiedereinreise nach Syrien eine Befragung durch die hei-
matlichen Behörden stattfinden würde. Da sie aber keine Vorverfolgung
erlitten hat und nicht davon auszugehen ist, dass sie vor dem Verlassen
Syriens als regimefeindliche Personen ins Blickfeld der syrischen Behör-
den geraten ist, kann mit hinreichender Wahrscheinlichkeit ausgeschlos-
sen werden, dass sie als staatsgefährdend eingestuft würde. Das Vorbrin-
gen, wonach ihr Ehemann wegen ihrer Haftstrafe ebenfalls inhaftiert und
gefoltert worden sei, erweist sich angesichts der anderslautenden Aussa-
gen im Anhörungsprotokoll als aktenwidrig (vgl. SEM act. B11, S. 17, F93).
Zudem war das Vorbringen, der (Nennung Verwandter) sei aus der Armee
desertiert und sich vor den F._ versteckt gehalten habe (vgl.
Rechtsmitteleingabe Ziff. 4.2.3), bereits Gegenstand des ersten Asylver-
fahrens. Insgesamt vermag die Beschwerdeführerin daraus keine Furcht
vor asylrelevanten Massnahmen im Falle einer Rückkehr für sich abzulei-
ten.
6.5 Die Vorinstanz hat der Beschwerdeführerin demnach zu Recht die
Flüchtlingseigenschaft nicht zuerkannt und das neuerliche Asylgesuch ent-
sprechend abgewiesen.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG). Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.2 Präzisierend ist festzuhalten, dass sich aus den vorstehenden Erwä-
gungen nicht der Schluss ergibt, die Beschwerdeführerin sei zum heutigen
Zeitpunkt in ihrem Heimatstaat nicht gefährdet. Eine solche Gefährdungs-
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lage ist jedoch auf die in Syrien herrschende Bürgerkriegssituation zurück-
zuführen. Das SEM hat dieser generellen Gefährdung Rechnung getragen
und die Beschwerdeführerin bereits in seinem ursprünglichen Asylent-
scheid vom 14. August 2015 wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs vorläufig aufgenommen.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerdefüh-
rerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und praxisgemäss auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Der am 23. Juli 2020 in der gleichen Höhe geleis-
tete Kostenvorschuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwen-
den.
(Dispositiv nächste Seite)
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