Decision ID: 4cb443e6-4b5f-5dac-96e6-3e44577d2357
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1975,
bezieht eine Invalidenrente und von der
Stadt
Y._
, Zusatzleistungen zur AHV/IV der Stadt
Y._
(nachfolgend: Durchführungsstelle)
,
seit dem
1.
Juni 2006 Zusat
zleistungen. Er lebt mit seiner
1978 geborenen Ehefrau
Z._
sowie den drei gemeinsamen Kindern (geboren 2000, 2002 und 2006) zusammen (
vgl.
Urk.
2 S. 2,
Urk.
8/32).
Mit Verfügung
en
vom 1
7.
Juli
sowie vom
4.
August 2017
wurde der Anspruch
des Versicherten
auf Ergänzungsleistungen unter Berücksichtigung eines hypo
thetischen Erwerbseinkommens für die nicht
invalide Ehefrau in der Höhe von monatlich
Fr.
1'500.--
respektive von jährlich
Fr.
18'000.--
neu berechnet und per August
2017 auf
Fr.
3'761.--
respektive per September 2017 auf
Fr.
3'257.--
pro Mo
nat
(inklusive Prämienverbilligung)
festgelegt (
Urk.
8/29
-31).
Mit Verfügung vom 2
0.
Februar 2018 erhöhte die Durchführungsstelle wie ange
kündigt
(vgl. Schreiben vom
4.
August 2017,
Urk.
8/30)
das hypothetische Ein
kommen der nicht invaliden Ehefrau
,
berücksichtigte nunmehr ein monat
liches
hypothetisches
Einkommen von
Fr.
2'000.-- respektive von jährlich
Fr.
24'000.
und legte den Anspruch auf Ergänzungsleistungen per März 2018 auf
Fr.
1’833.-- (exklusive Prämienverbilligung) fest (
Urk.
8/26-27).
Mit Ver
fügungen vom
1
0.
August 2018
(
betreffend Anspruch ab August 2018,
Urk.
8/24)
,
1
0.
Dezember 2018
(
betreffend Anspruch ab Januar 2019,
Urk.
8/23)
und vom 1
1.
November 2019 (
betreffend Anspruch ab August 2019,
Urk.
8/13)
wurde der Anspruch auf Ergänzungsleistungen unter Anrechnung eines entsprechenden hypo
thetischen Erwerbseinkommens der Ehefrau jeweils
auf
grund
anderer
veränderter Grundlagen
neu berechnet und festgelegt.
Mit Verfügung vom
9.
Dezember 2019 (
Urk.
8/10) wurde der Anspruch auf
Zusatz
leistungen
neu berechnet und per Januar 2020 auf
Fr.
1'436.
—
festgelegt, wobei
noch immer
ein hypothetisches Erwerbseinkommen der Ehefrau von jährlich
Fr.
24'000.-- einge
setzt wurde.
Die
gegen die Verfügungen vom 1
1.
November und
9.
Dezember 2019
erhobenen Einsprachen vom
1
3.
Dezember 2019 (
Urk.
8/9) und
6.
Januar 2020 (
Urk.
8/3) wies die Durchführungsstelle mit
Einspracheentscheid
vom
2
7.
März 2020 (
Urk.
8/1 =
Urk.
2) ab.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 2
7.
März 2020 erhob der Versicherte
, ver
treten durch Rechtsanwalt
Daniel
Christe
, mit Eingabe vom
1
8.
Mai 2020 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, dieser sei aufzuheben und es seien die
Zusatzleistungen ab Juni 2019, spätestens ab August 2019 ohne Berücksich
tigung eines hypothetischen Einkommens der Ehefrau zu berechnen und festzu
legen (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 2
9.
Juni 2020 beantragte die Durchfüh
rungsstelle die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was dem Beschwerdeführer am
1.
Juli 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am
1.
Januar 2021 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) und der Verordnung über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlas
senen- und Invalidenversicherung (ELV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den
materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Da der Leistungs
anspruch ab Januar 2019 Gegenstand des Verfahrens bildet, finden die bis 3
1.
Dezember 2020 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwen
dung und werden in dieser Fassung zitiert.
1.2
Gemäss
Art.
9
Abs.
1 des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters
,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) entspricht die jährliche Ergän
zungsleistung im Sinne von
Art.
3
Abs.
1
lit
. a ELG dem Betrag, um den die an
erkannten Ausgaben (
Art.
10 ELG)
die anrechenbaren Einnahmen (
Art.
11 ELG) übersteigen. Die anerkannten Ausgaben sowie die anrechenbaren Einnahmen von Ehegatten werden zusammengerechnet (
Art.
9
Abs.
2 ELG).
Als Einnahmen angerechnet werden zwei Drittel der Erwerbseinkünfte in Geld oder Naturalien, soweit sie bei Ehepaaren
Fr.
1'500.-
-
übersteigen (
Art.
11
Abs.
1
lit
. a ELG).
Angerechnet werden ferner Einkünfte und Vermögenswerte, auf die verzichtet worden ist (
Art.
11
Abs.
1
lit
. g ELG). Sie werden in gleicher Weise in die EL-Berechnung einbezogen wie Einkünfte und Vermögenswerte, auf die nicht ver
zichtet worden ist (BGE 142 V 12 E. 3.1; vgl. auch
Rz
3482.04 der Wegleitung des Bundesamtes für Sozialversicherungen über die Ergänzungsleistungen zur AHV und IV [WEL], Stand
1.
Januar 2019).
1.3
Unter dem Titel des Verzichtseinkommens (
Art.
11
Abs.
1
lit
. a und g ELG) ist auch ein hypothetisches Einkommen des Ehegatten eines EL-Ansprechers anzu
rechnen, sofern auf eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder deren zumutbare Aus
dehnung verzichtet wird. Bei der Ermittlung einer allfälligen zumutbaren Erwerbs
tätigkeit der Ehefrau oder des Ehemannes ist der konkrete Einzelfall unter Anwendung familienrechtlicher Grundsätze (vgl.
Art.
163 des Zivilgesetzbuches) zu berücksichtigen. Dementsprechend ist auf das Alter, den Gesundheitszustand, die Sprachkenntnisse, die Ausbildung, die bisherige Tätigkeit, die konkrete Arbeitsmarktlage sowie gegebenenfalls auf die Dauer der Abwesenheit vom Berufsleben abzustellen (BGE 142 V 12 E. 3.
2.
mit weiteren Hinweisen).
1.4
Unter dem Blickwinkel der allgemeinen Schadenminderungspflicht (vgl. BGE 129 V 460 E. 4.2 mit Hinweis) darf vom nicht invaliden und nicht im AHV-Rentenalter stehenden sowie im gemeinsamen ehelichen Hau
shalt lebenden Ehegatten des EL
Ansprechers mit Blick auf die gemeinsame eheliche Unterhaltspflicht ohne Weiteres erwartet werden, dass er sämtliche
Einkunftsmöglichkeiten
, über die er verfügt, auch tatsächlich realisiert (Urteil des Bundesgerichts 8C_589/2007 vom 1
4.
April 2008
E. 6.1 mit weiteren Hinweisen).
1.
5
Mit Bezug auf die invaliditätsbedingte Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit haben sich EL-Organe und Sozialversicherungsgerichte grundsätzlich an die Invaliditätsbemessung durch die Invalidenversicherung zu halten. Sofern und soweit sich die Invalidenversicherung mit dem Ehegatten eines EL-Ansprechers, der sich auf eine dauerhafte teilweise oder vollständige Arbeitsunfähigkeit beruft, noch nicht befasst hat, haben die EL-Organe bei der Frage nach der Anrechnung eines hypothetischen Einkommens den Gesundheitszustand im Rahmen des Beweisgrades der überwiegenden Wahrscheinlichkeit selbständig zu prüfen (vgl.
das Urteil des Bundesgerichts 8C_172/2007 vom
6.
Februar 2008 E. 7.1-2 sowie
8).
1.6
Der nicht invalide Ehegatte kann die Vermutung, dass er seine zumutbare Arbeitsfähigkeit verwerten kann, durch den Beweis des Gegenteils umstossen, indem er etwa nachweist, dass er trotz ausreichender Arbeitsbemühungen keine Arbeitsstelle findet (
Carigiet
/Koch, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV,
2.
Auf
lage, Zürich 2009, S. 159). Gemäss Randziffer 3483.03 der WEL ist dafür erfor
derlich, dass die versicherte Person beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zur Arbeitsvermittlung angemeldet ist sowie qualitativ und quantitativ ausreichende Stellenbemühungen nachweist (so auch das Urteil des Bundes
gerichts 9C_759/2017 vom 2
9.
November 2017 E. 2.2 mit Hinweis). Bemüht sich der Ehegatte trotz
zumutbarerweise
verwertbarer Arbeitsfähigkeit nicht um eine Stelle, verletzt er dadurch die ihm obliegende Schadenminderungspflicht (Urteile
des Bundesgerichts 9C_103/2015 vom
8.
April 2015 E. 2.2 und 9C_916/2011 vom
3.
Februar 2012 E. 3.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Anrechnung eines hypothetischen Ein
kommens der Ehefrau des Beschwerdeführers bei der Berechnung des Anspruchs auf Zusatzleistungen im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 2
7.
März 2020
damit,
dass
es ihr aufgrund ihres Alters und der nicht mehr notwendigen unmit
telbaren und zeitintensiven Betreuung der Kinder zumutbar sei
,
eine Arbeitsstelle anzutreten. Die eingereichten Arbeitsbemühungen seien sowohl qualitativ als auch quantitativ nicht genügend und sie sei mehrmals aufgefordert worden
,
diese zu verbessern.
Aus den ärztlichen Zeugnissen und dem separaten Fragebogen sei zudem das konkrete Krankheitsbild und das Ausmass der damit verbundenen gesundheitlichen Einschränkungen nicht bekannt. Eine IV-Anmeldung werde nicht in Betracht gezogen. Von einer dauerhaften gesundheitlichen Einschrän
kung könne in Anbetracht des Gesagten nicht ausgegangen werden. Das ange
rechnete hypothetische Einkommen von
Fr.
24'000.-- jährlich beziehe sich auf eine Teilzeitstelle im tieferen Lohnbereich, womit der invaliditätsfremden Ein
schränkung (längere Abwesenheit im Berufsleben, fehlende Berufslehre) Rech
nung getragen werde. Von einer Anrechnung eines hypothetischen Erwerbs
einkommens könne auch im vorübergehenden Krankheitsfall nicht abgesehen werden. Der Ehefrau des Beschwerdeführers sei es aufgrund ihrer Schadenmin
derungspflicht zuzumuten, sich trotz beziehungsweise auch bei vorübergehender Arbeitsunfähigkeit um eine Anstellung zu bemühen, umso
mehr, als sie di
e
Not
wendigkeit einer IV-Anmeldung verneint und der Hausarzt den Gesundheits
zustand als besserungsfähig beurteilt habe. Die Akten würden auch zeigen, dass der Ehefrau im Jahr 2019 keine übermässig hohen Krankheits- und Behinde
rungskosten entstanden seien. Zusammenfassend ergebe sich, dass an der Anrechnung eines hypothetischen Einkommens festzuhalten sei (
Urk.
2 S. 3 f.).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt
(
Urk.
1)
,
er habe die Beschwerdegegnerin frühzeitig über die seit dem
1.
Juni 2019 beste
hende Arbeitsunfähigkeit seiner Ehefrau und die geplante Operation am
Spital
A.
_
vom
4.
September 2019 informiert. Die Beschwerde
gegnerin habe sich dafür nicht interessiert und auch keine weiteren Abklärungen getroffen. Stattdessen habe sie mit den Verfügungen vom 1
1.
November und
9.
Dezember 2019 das bisherige hypothetische Erwerbs
einkommen der Ehefrau von
Fr.
24'000.-- ohne Veränderungen übernommen (S. 4 Mitte).
Aufgrund der in den
Berichten des
Spitals A._
nachgewiesenen Handbe
schwerden der Ehefrau,
die operiert worden seien
, erweise sich die Anrechnung eines hypothetischen Ein
kommens als unzulässig. Gemäss den Arztzeugnissen und den Berichten des
Spitals A._
bestehe seit dem
1.
Juni 2019 bis mindestens Mitte April 2020 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit, welche Arbeitsbemühungen als unzumutbar erscheine
n
lasse
. Entsprechend sei seine Ehefrau bereits am 2
5.
Juni 2019 als nicht vermittlungs
fähig von der Arbeitsvermittlung im RAV abgemeldet worden. Sie habe damit gar keine Möglichkeit mehr gehabt, genügende Arbeits
bemühungen nachzuweisen und auf diesem Weg die Anrechnung eines hypo
thetischen Erwerbseinkommens zu vermeiden. Zu diesem Zweck sei ihr aus
schliesslich der Nachweis der Arbeits
unfähigkeit geblieben. Dieser Nachweis
sei
für die Dauer vom
1.
Juni 2019 bis Mitte April 2020
gelungen
. Die Beschwerde
gegnerin sei deshalb anzuweisen, für die genannte Zeitdauer auf die Berück
sichtigung eines hypothetischen Einkom
mens der Ehefrau zu verzichten. Ab Mitte April 2020 sei die Beschwerde
gegnerin zudem zu verpflichten, die Frage der Berücksichtigung eines hypothe
tischen Erwerbseinkommens unter den Aspekten der Arbeitsfähigkeit und der genügen
den Stellenbemühungen neu zu beurteilen (S. 5).
2.3
Soweit die Beschwerdegegnerin für die Zeit vom
1.
Januar bis 3
1.
Mai 2019 ein hypothetisches Einkommen anrechnete und
dabei
die eingereichten Arbeits
bemühungen der Ehefrau des Beschwerdeführers in dieser Zeitspanne als quali
tativ und quantitativ ungenügend ansah (vgl.
Urk.
2 S. 3 Mitte),
wurde dies
vom Beschwerdeführer
weder in den im Verwaltungsverfahren erhobenen Einsprachen noch
beschwerdeweise bestritten
.
Dieser versuchte den Nachweis für die Unmög
lichkeit der Erzielung eines Erwerbseinkommens
durch seine Ehefrau
vielmehr durch die Beibringung von medizinischen Akten zu erbringen (vgl.
Urk.
1 S. 5). Dies betrifft den Zeitraum ab Juni 201
9.
Verfügt wurde jedoch in der angefoch
tenen Verfügung vom 1
1.
November 2019 der Anspruch ab August 2019, so dass erst dieser Zeitraum Gegenstand des vorliegenden Verfahrens sein kann.
Streitig und zu prüfen ist
somit
,
ob der Ehefrau des Beschwerdeführers
bei der Berechnung unter dem Titel des Verzichtseinkommens (
Art.
11
Abs.
1
lit
. g ELG)
ab
August
2019 weiterhin
ein hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen ist.
3.
3.1
Zum Gesundheitszustand
der Ehefrau des Beschwerdeführers
ist dem
Formular der Beschwerdegegnerin «D
etaillierte
s
Arztzeugnis
», ausgefüllt durch die
Haus
ärztin
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
vom 2
1.
Dezember 2019 zu entnehmen, dass
diese von ihr seit Jahren betreut werde und aufgrund der 100%igen Arbeitsunfähigkeit vom
1.
Juni 2019 bis 1
3.
Januar 2020
keine Tätigkeit ausüben könne
. Weiter
hielt
Dr.
B._
fest, dass der Gesundheitszustand
besserungsfähig und die Beurteilung der Arbeits
unfähigkeit gestützt auf objektiv festgestellte Befunde und Angaben der Ehefrau des Beschwerdeführers erfolgt sei (
Urk.
3/8
=
Urk.
8/4
)
.
Der Beschwerdegegnerin ist beizupflichten, dass dieses Zeugnis keine abschlies
sende Beurteilung der aus medizinischer Sicht zumutbaren Arbeitsfähigkeit zulässt. Es sind dem Zeugnis zwar
gewisse
Anhaltspunkte auf gesundheitliche Beeinträchtigungen zu entnehmen, doch entbehrt das Attest jeder nachvollzieh
baren Begründung und insbesondere einer genauen
ärztlichen
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, so dass nicht darauf abgestellt werden kann.
3.2
Allerdings verkennt die Beschwerdegegnerin, dass sie diese Beweislage
zusammen
mit den Hinweisen auf
die
Bindung an die
(fehlende)
Invaliditäts
bemessung der Invalidenversicherung
nicht einfach zu Lasten
des Beschwerde
führers und seiner Ehefrau
würdigen darf
(vgl.
Urk.
2 S. 4)
.
Art.
43
Abs.
1 ATSG statuiert die Sachverhaltsabklärung von Amtes wegen. Gestützt auf den Unter
suchungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leis
tungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit entschieden werden kann. Das Sozialversicherungsverfahren ist vom Unter
suchungsgrundsatz beherrscht, weshalb der Versicherungsträger von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen hat. Dieser Grundsatz gilt zwar nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 122 V 158 E.
1a, 121 V 210 E. 6c, je mit Hinweisen).
Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne einer Beweisführungspflicht begriffsnotwendig aus.
Die Beschwerdegegnerin verkennt Sinn und Zweck des Untersuchungsgrund
satzes,
wenn sie
ohne weitere Abklärungen
gestützt auf die vorliegenden Unter
lagen eine
dauerhafte gesundheitliche Einschränkung
einzig mit dem Hinweis auf fehlende Erkenntnisse aus einem
invalidenversicherungsrechtlichen
Verfahren
sowie
die für eine selbständige Beurteilung der Invalidität
fehlenden fachlichen Voraussetzungen der Durchführungsorgane
verneinte
und
folglich
die Aufnahme einer Tätigkeit für zumutbar erachtete.
Die Berufung der Beschwerdegegnerin auf mangelnde
Fachkenntnisse
für die selbständige Beurteilung der
Arbeits
(
un
)
fähig
keit
einer Person
ist
unbehelflich
. So kann aus der Rechtspre
chung, wonach sich
die EL-Organe grundsätzlich an die Invaliditätsbemessung der Invalidenversi
cherung zu halten haben, nicht geschlossen werden, dass die EL-Organe in Fällen, in denen sich ein nicht bei der I
nvalidenversicherung
ange
meldeter Ehegatte eines EL-
Ansprechers
bei der Frage nach der Anrechnung eines hypothetischen Einkommens auf eine dauerhafte teilweise oder vollständige Arbeitsunfähigkeit beruft, diesen Punkt nicht selbständig medizinisch abzu
klären. Vielmehr sind die EL-Organe in solchen Fällen
gehalten
, den Gesundheits
zustand der Ehefrau des Beschwerdeführers gestützt auf die medizinischen Unterlagen selber zu prüfen (vgl.
vorstehend E. 1.5
).
Der Beschwerdeführer
hat
im Verwaltungsverfahren
hinreichende
Beleg
e
beigebracht, welcher begründete Zweifel an der Arbeits
fähigkeit
seiner Ehefrau
im Zeitraum vom
1.
Juni bis 1
3.
Januar 2020
(vgl. vor
stehend E. 3.1)
zu wecken vermögen
(vgl. zahlreiche Arztzeugnisse sowie Termin
bestätigung der Operation
am
4.
September 2019
im
Spital A._
,
Urk.
8/4,
Urk.
8/14 sowie
Urk.
8/16).
Angesichts der nicht nachvoll
ziehbaren und abschliessenden Beurteilung durch die Haus
ärztin
Dr.
B._
wäre
die Beschwerdegegnerin
vor dem Hintergrund
der anste
henden Operation
gehalten gewesen,
weitere Abklärungen
zu
tätigen
.
So
dann
deuten
auch
die im Beschwerdeverfahren eingereichten Berichte des
Spitals A._
auf -
zumindest im genannten Zeitraum
vorhandene
- gesundheitliche Einschrän
kung
en
der rechten Hand
hin, welche nicht
ohne weitere Abklä
rungen
/Rück
fragen
unberücksichtigt bleiben
können
. So berichteten die Ärzte des
Spitals A._
am
9.
August 2019 von einem elektrophysiologisch bestätigten fortgeschrit
t
enen Karpaltunnelsyndrom rechts mit
einer ausgeprägten Symptomatik und einer Indikation zur operativen Karpaldachspaltung (
Urk.
3/9)
, welche s
chliesslich am
4.
September 2019
erfolgte (Operationsbericht,
Urk.
3/10).
Dr.
med.
C._
, Facharzt für p
lastische,
r
ekonstruktive
und
ä
sthetische Chirurgie
, Leitender Arzt
Stv
. im
Spital A._
,
berichtete
am 1
0.
März 2020 von einer anhaltenden Beschwerde
symptomatik und vermutete eine Ten
dovaginitis im rechten Unter
arm, welche er jedoch nicht als besonders ausgeprägt einschätzte (
Urk.
3/11).
Angaben zur Arbeits
fähigkeit
der Ehefrau des Beschwerdeführers
oder zur zu erwartenden Rekon
valeszenz nach der Operation
machte
Dr.
C._
in seinen Berichten aus fachärztlicher Sicht keine
, verordnete indes eine konsequente Scho
nung
.
Die anhaltende Beschwerdesymptomatik konnte er
sodann
nicht sicher ein
schätzen und schlug weitere Abklärungen vor (
Urk.
3/11)
, wobei diesbezüglich keine weiteren Berichte
mehr
vorliegen
. Angesichts
dessen, dass die Ehegattin des Beschwerdeführers keine
Anmeldung
bei der Invalidenversicherung vorge
nommen hat,
ist
davon auszugehen, dass sie
selbst
die Arbeitsunfähigkeit als lediglich vorübergehend
und nicht andauernd
erachtete.
So gab sie im Frage
bogen zur Ausbildung an, dass sie «noch nicht» in der Lage sei eine angemessene Erwerbstätigkeit auszuüben
(vgl.
Urk.
8/5 S.
2)
.
3.3
Zusammenfassend geben w
eder das Zeugnis von
Dr.
B._
noch die Berichte von
Dr.
C._
des
Spitals A._
detailliert
und nachvollziehbar
über die Arbeitsfähigkeit der Ehegattin des Beschwerdeführers
im genannten Zeitraum
Auskunft.
Die Beschwerdegegnerin hat daher
für den genannten Zeitraum und gegebenenfalls auch darüber hinaus
abzuklären, welcher Beschäftigungsumfang und welche Tätigkeiten
der Ehefrau des
Beschwerdeführer
s
aus medizinischer Sicht zumutbar sind, und hernach davon ausgehend
allenfalls
das zumutbare Erwerbseinkommen
neu
festzulegen (
Carigiet
/Koch, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV,
2.
überar
beitete und ergänzte Auflage, Zürich 2009, S. 15
8-
9).
Hierfür ist die Sache
in Gutheissung der Beschwerde
an sie zurückzuweisen.
4.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens
hat der
Beschwerdeführe
r
Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese ist nach
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des
Prozesses und dem Zeitaufwand festzusetzen. Unter Berücksichtigung dieser
Grundsätze ist
dem
Beschwerdeführe
r
eine Prozessentschädigung von
Fr.
1'
5
00.
(inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) zuzusprechen.