Decision ID: be536149-2bc7-407d-8396-72374f24b5f2
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1977 geborene
X._
, gelernte Verkäuferin mit kaufmännischer Wei
t
erbildung
und
vom
1. März 1998
bis 30. September 2010
mit einem
Vollzeit
pensum
in verschiedenen Funktionen bei der
Y._
angestellt gewesen (Urk.
12/17/1-10, Urk.
12/25), meldete sich am 29. Januar 2010 unter Hinweis auf einen am 1. April 2009 erlittenen nervlichen/psychischen Zusammenbruch mit nachfolgenden Angststörungen, Panikattacken und Schlaflosigkeit bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug
(Massnahmen für die berufliche Eingliederung)
an
(Urk. 12/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zü
rich, IV-Stelle, sprach ihr mit Verfügungen vom 12. Juli 2013 (Urk. 12/57-58; vgl. auch Verfügungsteil 2, Urk. 12/55)
gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 72 %
beziehungsweise
57 %
eine vom 1. August 2010 bis 31. Juli 2012 befris
tete ganze Rente und ab 1. August 2012 eine unbefristete halbe Rente zu.
An
lässlich
dieser
Leistungszusprache
auferlegte sie der Versicherten
mit Schreiben vom 27. Juni 2012 (Urk. 12/38)
eine Schadenminderungspflicht im Sinne einer störungsspezifischen psychiatrisch-verhaltenstherapeutischen Behandlung mit Expositionstraining einschliesslich adäquater
Psychopharmakatherapie
.
1.2
Nachdem
X._
am 31. Oktober 2013
(Urk. 12/62)
erneut
um Unterstüt
zung bei der beruflichen Wiedereingliederung ersucht hatte,
erteilte
die IV-Stelle Kostengutsprache für
eine
vom 6. bis 31. Januar 2014 dauernde
Poten
tialabklärung
bei der
Z._
G
mbH
(
Urk.
12/68,
Urk.
12/81)
.
Gleichenorts
ver
anlasste sie vom 3. Februar bis 30. April 2014 ein
Belastbarkeitstraining
(Urk. 12/82)
, welches
am 17. April 2014
vorzeitig
beendet
wurde
(
Urk.
12/97,
Urk.
12/99
)
.
Nach Einholung des Gutachtens von Dr. med.
A._
, Facharzt für Neurologie sowie Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 16. April 2015 (Urk. 12/122) und Durchführung des
Vorbescheidverfahren
s
(
Urk.
12/124,
Urk.
12/126
,
Urk.
12/130)
hob
die IV-Stelle
die
laufende
halbe Rente mit
Verfügung vom 19. November 2015 (Urk. 2) per 31. Dezember 2015 auf (vgl. auch
Urk.
12/144)
.
2.
Hiergegen erhob
X._
am 7. Januar 2016 Beschwerde (Urk. 1) und bean
tragte, die angefoch
t
ene Verfügung vom 19. November
2015 sei aufzuhe
ben und die
IV-Stelle
sei zu verpflichten, ihr rückwirkend ab 1. April 2014 eine ganze Rente auszurichten. Eventualiter sei zur Klärung der medizinischen Situ
ation ein psychiatrisches Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben.
In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um
Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und Bestellung
von
Fürsprecherin
Astrid
Meienberg
als unentgeltliche
Rechtsvertre
terin
.
Die IV-Stelle schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 8. Februar 2016 (Urk. 11) auf Abweisung der Beschwerde
,
was
der Beschwerdeführerin
tags da
rauf
mitgeteilt
wurde (Urk. 13).
Mit Eingabe vom 17. Januar 2017 (Urk. 18) informierte die Beschwerdeführerin
das Gericht
unter Auflage des entsprechenden Arbeitsvertrages (Urk. 19)
über ihre
teilzeitliche
Erwerbs
t
äti
gkeit bei der
B._
GmbH und
erklärte
,
die beschwerdeweise beantragte ganze Rente müsse ab 1. Januar
beziehungsweise
1. April 2017 auf eine
Dreiviertelsrente
herabgesetzt werden.
Davon
wurde der IV-Stelle am 19. Januar 2017
Kenntnis gegeben
(Urk. 20).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die den Invaliditätsgrad und dessen Bemessung betreffend
en rechtlichen Grundla
gen (Art.
28 des Bundesgesetzes über die I
nvalidenversicherung, IVG; Art.
16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungs
rechts
, ATSG) sowie die Voraussetzungen zur Herabsetzung oder Aufhe
bung ei
ner Rente (Art. 88a Abs. 1 und Art. 88
bis
Abs.
2
lit
.
a der Verordnung über
die Invalidenversicherung, IVV
) sind im angefochtenen Entscheid z
utreffend wie
dergegeben (Urk. 2
). Darauf kann, mit den nachfolgenden Ergänzungen, ver
wiesen werden.
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (A
rt.
17 Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE
130 V 343 E.
3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung
der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
R
evisi
onsgrund
im Sinne von Art. 17 Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und In
validitätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
1.
3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.
5
Für die richterliche Beurteilung eines Falles sind grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens massgebend. Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, sind jedoch insoweit zu berück
sichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang ste
hen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beeinflussen (BGE 121 V 362 E. 1b; 99 V 98).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der
angefochtene
n
Verfügung (Urk. 2)
davon aus,
gemäss dem Gutachten von Dr.
A._
vom 16. April 2015 lägen
min
destens seit dem 13. April 2015 (Untersuchungszeitpunkt) keine Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit mehr vor. Entsprechen
d
sei
der Beschwer
deführerin
die angestammte Tätigkeit vollumfänglich zumutbar
und
stehe ihr
kein
e
Invalidenr
ente
mehr
zu
.
2.2
D
ie
Beschwerdeführerin
stellte sich auf den Standpunkt
(Urk. 1 S. 9 ff.)
,
wie sie in
ihrem Einwand vom 29. Juni 2015 (Urk. 12/130) anhand konkreter Beispiele aufgezeigt habe, könne
zufolge Fehlens der notwendigen Objektivität
bezie
hungsweise
Unabhängigkeit
nicht
auf das Gutachten von Dr.
A._
abge
stellt werden. Dies gelte umso mehr, als
dieser
in den Jahren 2012 bis 2014 ins
gesamt 194 Gutachten für die Beschwerdegegnerin
verfasst und damit allein
durch deren Aufträge ein Jahreseinkommen von Fr. 260‘000.--
erzielt habe.
Das Gutachten
von Dr.
A._
stehe sodann im Widerspruch zur Einschätzung der
langjährig
behandelnden Psychiaterin und zum gescheiterten
Wiedereingliede
rungsversuch
in der
Z._
GmbH.
Demnach
stehe ihr
ab
1.
April 2014 eine ganze Rente
zu
, welche
unter Berücksichtigung ihrer
beruflichen T
ätigkeit bei der
B._
GmbH ab 1. Januar
beziehungsweise
1. April 2017 auf eine
Dreiviertelsrente
herabzusetzen
sei
(Urk. 18).
3.
3.
1
Der
abgestuften
Rentenzusprache
vom 12. Juli 2013 (Urk. 12/57-58; vgl. auch Ver
fügungsteil 2, Urk. 12/55)
mit zuletzt unbefristeter halber Rente
lag
im We
sentlichen
der Untersuchungsbericht
des regionalen ärztlichen Dienst
es
(RAD) der Beschwerdegegnerin
vom 8. Juni 2012 (Urk. 12/34) zu Grunde. Darin
schil
derte
D
r. med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
im Nachgang zur
Exploration
der Beschwerdeführerin
vom 22. Mai 2012 folgende
n
psychopathologische
n
Befund
: Ä
ngste vor Ohnmacht und Zusammenbruch in einer Menschenmenge oder in einer gewissen Entfernung von Zuhause,
Ein
schlafstörungen
, vegetative Symptome wie kalte Extremitäten, Schwindel, Wei
nen und Herzklopfen im Zusammenhang mit Angst- und Panikattacken.
Dr.
C._
diagnosti
zierte
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine Agoraphobie mit
Panikstörung (ICD-10 F40.01)
sowie akzentuierte
Persönlich
keitszüge
mit selbstunsicheren und ängstlich-vermeidenden Anteilen (
ICD-10
Z73.1
; S. 5 f. Ziff. 9
)
. Er
konstatierte
, seit der Voruntersuchung
im RAD
vom 14. (richtig: 11.) April 2011 (vgl.
dazu
Bericht von Dr. med.
D._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychothe
rapie FMH
,
vom 14. April 2011, Urk. 12/22) habe
sich der G
esundheitszustand
der Beschwerdef
ührerin signifikant verbes
sert, sodass jetzt eine Arbeitsfähigkeit für Tätigkeiten im Home Office und sol
che am Wohnort gegeben sei (S. 6 Ziff. 10).
Es lägen
nur noch leichte bis mit
t
elgradige
Angstsymptome vor
. Unter Berücksichtigung der Aktenlage seien mit überwiegender Wahrscheinlichkeit folgende
Arbeitsunfähigkeiten
(bishe
rig
e
und angepasst
e Tätigkeiten
) ausgewiesen:
April bis 19. Juni 2009 100 %, 20. Juni bis 22. Oktober 2009 30 %, 23. Oktober 2009 bis April 2010 100 %, Mai bis September 2010 100 % (bisher
ig
)
beziehungsweise
70 % (angepasst), Oktober bis Dezember 2010 100 %, Januar 2011 bis 21. Mai 2012 100 % (bisher
ig
)
be
ziehungsweise
70 % (angepasst). Ab Untersuchungsdatum vom 22. Mai 2012 bis auf
weiteres
100 %
(
bisherig
)
beziehungsweise
50 %
(
angepasst
;
Home Office Tätigkeiten und Tätigk
eiten im
kaufmännischen
Bereich am Wohnort
mit fol
gendem Profil: klar strukturierte Aufgaben, kein sehr hoher Leistungs- und Zeitdruck, wohlwollende Vorgesetzte, angenehmes Arbeitsklima, kein überwie
gender Kundenkontakt).
Dr.
C._
erachtete die b
isherige
n
therapeutische
n
Interventionen
als insuffizient und
empfahl
eine
Intensivierung der
störungs
spezifischen
psychiatrisch-verhaltenstherapeutischen Behandlung mit
Exposi
tionstraining
inkl
usive
adäquater
Psychopharmak
atherapie
im Rahmen einer teil
stationären
beziehungsweise
stationären
Behandlung. Prognostisch
könne dadurch
– so der RAD-Facharzt –
innerhalb eines Jahres
eine 100%ige Arbeits
fähigkeit in angepasster Tätigkeit erreicht werden
(S. 6 f. Ziff. 11)
.
3.2
Die ab Juni 2009 behandelnde Dr. med.
E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
schloss
seinerzeit
in diagnostischer Hinsicht
auf
eine
Pa
nikstörung
(ICD-10 F41.0) und eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.23)
res
pektive
auf
eine generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
.
Ausserdem leide die Beschwerdeführerin an Migräne und Verspannungen
beziehungsweise
Schmerzen im Hals-, Nacken- und Schulterbereich.
Mit Ausnahme der Zeit der mit einem 30 %-Pensum unternommenen (und fehlgeschlagenen)
Arbeitsversu
che
verneinte sie eine Arbeitsfähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt
bezie
hungsweise
erachtete eine solche
von höchstens 10 bis
20 % als gegeben (vgl. Berichte vom 9. April und 8. November 2010 [Urk. 12/13 und Urk. 12/15] sowie vom 31. Oktober 2011 [Urk. 12/32] und 1. Juli 2013 [Urk. 12/51]).
4.
4.
1
Zum Zeitpunkt der rentenaufhebenden Verfügung vom 19. November 2015 (Urk. 2) ergab sich folg
ender medizinischer Sachverhalt:
4.
2
Nebst Migräne und Verspannungen im Nacken- und Halsbereich diagnostizierte
Dr.
E._
in ihrem
Bericht vom
16./30. Juni 2014 (Urk. 12/103)
mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1) mit Panikstörung gemischt (ICD-10 F41.3), einen Status nach Bulimie (ICD-10
F50.2) in der Adoleszenz sowie Probleme durch negative
Kindheitser
lebnisse
(ICD-10 Z61.2).
Sie attestierte der Beschwerdeführerin eine Arbeitsfä
higkeit von 10 bis 20 % und verwies dabei auf das „Arbeitsintegrationstraining“ bei der
Z._
GmbH mit überfordernder Wochenstruktur.
4.
3
Dr.
A._
nannte
i
n seine
m
Gutachten vom
16. April 2015 (Urk. 12/122)
keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit diagnostizierte er eine
Agoraphobie mit Panikstörung (
ICD-10
F40.01),
eine
Persönlichkeitsakzentuierung mit ängstli
ch-unsicheren Anteilen (ICD-10 Z73.1) und
eine
nichtorganische Insomnie (
ICD-10
F51.0
; S. 63
).
In seiner Beurteilung (S.
55 ff.)
führte
d
er
Sachverständige
aus
, nach erfolgreich
verlaufener
Potentialabklärung sei die weitere berufliche Wiedereingliederung
der Beschwerdeführerin
an der
en
Wegefähigkeit gescheitert. Diesbezüglich sei bemerkenswert, dass sich die Beschwerdeführerin im Privaten im Quartier – auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln – ungehindert bewegen könne, während ihr dies im Beruflichen nicht gelinge. Bei der
aktuellen
Begutachtung hätten sich zahlreiche Diskrepanzen ergeben.
So habe sich die Beschwerdeführerin in der neurosenbiografischen Anamnese als von der Pflegemutter unterdrückt dar
gestellt, wogegen sie gegenüber Dr.
med.
F._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie
FMH
(
vgl. im Auftrag der Pensionskasse erstelltes
Gutach
ten vom 10. August 2010
,
Urk.
12/19/3-3-4)
,
angegeben habe, ein „lebhaftes, aufgewecktes Kind“ gewesen zu sein. Hier sei wiederum eine erhebliche
Selbst
limitierung
und Verdeutlichung augenfällig. Zudem bestehe eine deutliche Dis
krepanz der Funktionalität
im privaten und beruflichen Kontext. Die Beschwer
deführerin könne in engen Aufzügen fahren, wolle sich jedoch nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln
zur Arbeit
bewegen können. Anlässlich der Un
tersuchung habe sie
in einem relativ kleinen Untersuchungsraum
von selbst
die Tür hinter sich geschlossen, wolle jedoch an einer Agoraphobie leiden. Diese Verhaltensbeobachtungen seien mit den angegebenen Beschwerden nicht kon
gruent. Auch die Frequenz der Panikattacken mit zirka zwei- bis dreimalig im Monat und ausschliesslich in Supermärkten auftretend sei nicht limitierend für die Arbeitsfähigkeit als Bankangestellte. Während die Beschwerdeführerin an
gegeben habe, sich nur im Quartier bewegen zu können, sei es ihr
nach
der Be
gutachtung
gut möglich gewesen
,
alleine die Praxis im ihr unbekannten
G._
zu verlassen. Insgesamt komme er zum Schluss, dass beim Vorliegen einer leichten Panikstörung und Restsymptomen einer Agoraphobie (ICD-10 F40.01) sowie einer Persönlichkeitsakzentuierung mit vorwiegend ängstlich-unsicheren Anteilen (ICD-10 Z73.1)
noch
leichte Fähigkeitsstörungen vorlägen, die aus versicherungsmedizinischer Sicht durch Willensanstrengung überwind
bar seien.
D
iese Einschätzung
habe
seit dem Untersuchungszeitpunkt
, gegebe
nenfalls bereits seit dem Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr.
C._
vom 8. Juni 2012,
Gültigkeit (S. 61 f.
, vgl. auch S. 64 unten
)
.
Bei der Beantwortung der von der Beschwerdegegnerin gestellten Zusatzfragen führte Dr.
A._
unter dem Titel Rentenrevision aus, es sei von einem verbesserten psychischen Gesundheitszustand auszugehen (S. 64 Mitte).
4.
4
Dr.
E._
berichtete am
31. Dezember 2015 (Urk. 3/22)
zuhanden der
Rechts
vertreterin
der
Beschwerdeführerin
, letztere
könne sich nur in einem en
gen Umfeld alleine und frei bewegen, wobei dies nur an Tagen gelinge, an de
nen sie sich angstfreier und sicherer fühle. Für alle weiteren „Reisen“ benötige sie eine Begleitung
, so auch – was sie anfänglich aus Schamgefühl verheimlicht habe – zu den Konsultationen in ihrer Praxis in der Stadt
H._
. Des Weiteren seien a
bendliche zeitweilige Besuche einer Fitness- und einer Selbsthilfegruppe
ebenfalls
nur mit einer beglei
tenden Kollegin möglich gewesen
.
Die Erkrankung sei im Jahr 2009 manifest geworden und habe sich bei einem Erschöpfungszu
stand am Arbeitsplatz zuerst als Panikattacke (ICD-10 F41.0) gezeigt. Diese Pa
nikattacken (Zustände intensiver Angst mit Unwohlsein/Übelkeit, Herzklopfen, Schweissausbruch, Gefühl, ohnmächtig zu werden usw.; Rückzug in die eigene Wohnung, „F
lucht“ nach Hause zur Erholung)
hätten sich wiederholt und
langsam
zu einem Vermeidungsverhalten geführt
. Inzwischen habe sich neben den Panikattacken auch eine generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1) etab
liert, wobei diskutabel sei, ob die Kriterien eher für eine Agoraphobie oder eine generalisierte Angststörung sprächen. Jedenfalls bedeute es für die
Beschwer
deführerin eine massiv
einschränkende Lebenssituation mit
Invaliditätscharak
ter
. Zudem bestünden Probleme durch negative Kindheitserlebnisse (negativ veränderte Struktur der Familienbeziehungen, ICD-10 Z61.2; S. 1 f.). Es sei un
verständlich, dass nach den gescheiterten Arbeitsversuchen bei der früheren Ar
beitgeberin
beziehungsweise
bei der
Z._
GmbH im Gutachten keine dem Krankheitsbild entsprechende Arbeitsunfähigkeit attestiert worden sei (S. 3).
5.
5.1
Strittig und zu prüfen ist
die revisionsweise Aufhebung der laufenden halben
Invalidenr
ente und dabei
insbesondere
die Frage, ob auf
das von der
Beschwer
degegnerin
eingeholte
Gutachten
von Dr.
A._
vom 16. April 2015
(vgl. E. 4.3 hiervor)
abgestellt werden kann.
5.2
Vorwegzuschicken ist, dass nach gefestigter Rechtsprechung
des Bundesgerichts
der regel
mässige
Beizug
eines Gutachters
durch den Versicherungsträger, die Anzahl der bei
dem
selben
Arzt
in Auftrag gegebenen Gutachten und Berichte sowie das daraus resultierende Honorarvolumen für sich allein genommen nicht zu einer Befangenheit führen (
BGE 137 V 210 E. 1.3.3 S. 226 f., Urteil des Bun
desgerichts 8C_47/2016 vom 15. März 2016 E. 3.2.1 mit Hinweisen
).
Auch an
derweitig bestehen keine Anhaltspunkte für eine fehlende Objektivität
bezie
hungsweise
U
nabhängigkeit von Dr.
A._
.
Namentlich sind die
von der Beschwerdeführerin
mit Stellungnahme vom
29. Juni 2015 (Urk. 12/130)
im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
monierten gutachterlichen Angaben nicht als Ausdruck einer Voreingenommenheit zu werten und fallen – soweit es sich dabei tatsächlich
um Mängel handelt –
insgesamt nicht
entscheidend
ins Ge
wicht.
5.
3
Dr.
A._
diagnostizierte
in seiner Expertise vom 16. April 2015 –
nebst ei
ner
bereits im RAD-Untersuchungsbericht von Dr.
D._
vom 14. April 2011 (Urk. 12/22 S. 5 Ziff. 10) aufgeführten
nichtorganischen Insomnie
gemäss
ICD-10 F51.0
–
eine Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01) und
eine – als sogenannte Z-Kodierung der ICD-10 nicht als rechtserhebliche
Gesund
heitsschädigung
zu fassende (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_551/2015 vom 1
7.
März 2016 E. 5.1 mit Hinweisen) –
Persönlichkeitsakzentuierung mit ängst
lich-unsicheren Anteilen (ICD-10 Z73.1). Dabei handelt es sich um dieselben Di
agnosen, wie sie
fachärztlich
bereits von Dr.
C._
i
n de
m für die
ursprüng
liche
Rentenzusprache
massgebenden RAD-Untersuchungsbericht vom 8. Juni 2012 (
vgl.
E. 3.1
hiervor) erhoben worden waren, wobei
die
beiden
Einschät
zungen
im Wesentlichen
auch
hinsichtlich
der
Ausprägung
der Symptomatik
beziehungsweise
der Intensität des Leidens
übereinstimmen
.
Im Gegensatz zu
Dr.
C._
mass
Dr.
A._
diesen Diagnosen keinen
(we
sentlichen)
Einfluss auf
das berufliche Leistungsvermögen
der Beschwerdefüh
rerin
mehr bei und
sprach sich für
eine Verbesserung des psychischen Gesund
heitszustandes
aus
.
Indes
vermochte
er
in
seine
n
gutachterlichen Ausführungen
nicht darzutun, inwiefern im Vergleich mit dem früheren Befund aus der
am 22. Mai 2012 stattgehabten
Untersuchung im RAD eine
deutliche
Besserung
des
Beschwerdebildes
beziehungsweise der Arbeitsfähigkeit
eingetreten sein soll.
Eine entsprechende Begründung ist in seinem Gutachten nicht auszumachen.
Stattdessen
bemängelte er die Arbeitsfähigkeitseinschätzung des RAD-Facharz
tes (
vgl.
Gutachten S. 61 Mitte)
unter Hinweis auf die auch diesem bekannte
(intrapsychische)
Selbstlimitierung
(vgl. Untersuchungsbericht S. 5 unten)
und hielt ausdrücklich fest, seine
gutachterliche
Einschätzung
habe (gegebenenfalls)
bereits seit dem Zeitpunkt der Untersuchung durch Dr.
C._
Gültigkeit (vgl. E. 4.3 hiervor).
Insofern
handelt es sich
bei der divergierenden
Arbeitsfähig
keit
seinschätzung
von Dr.
A._
bloss um eine unterschiedliche Beurteilung
eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalt
e
s
, was
rechtsprechungs
gemäss
keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG darstellt (vgl. E. 1.2 hiervor).
Damit erweist sich die revisionsweise Aufhebung der laufenden halben
Invalidenr
ente gestützt auf
die Expertise
von Dr.
A._
nicht als ge
rechtfertigt.
Auch anderweitig liegen keine h
inreichende
n
Anhaltspunkte für das
Vorliegen
einer anspruchserhebliche
n
Verbesserung
des beruflichen Leis
tungsvermögens
vor
.
5.4
Der Beschwerdegegnerin bleibt es unbenommen, die Erfüllung der am 27. Juni 2012 (Urk. 12/38) auferlegten Schadenminderungspflicht im Rahmen eines neuen Revisionsverfahrens zu überprüfen.
6.
Die
Beschwerdeführerin
beantragte die
Zusprache
einer
ganze
n
Rente
ab 1. April 2014 (Urk. 1 2. 2 und S. 13 Ziff. 14) und eine
r
Dreiviertelsrente
ab 1. Januar
beziehungsweise
1. April 2017 (Urk. 18).
Diese
m
Begehren
kann nicht
stattgegeben
werden. Entgegen
der
beschwerdeführerischen
Auffassung
ist
an
hand der Berichte
von
Dr.
E._
eine
entscheidwesentliche
Verschlechte
rung
des Gesundheitszustandes
oder
von dessen Auswirkungen auf die Ar
beitsfähigkeit
seit der erstmaligen
Rentenzusprache
nicht erstellt.
Die behan
delnde Fachärztin bescheinigte der Beschwerdeführerin sowohl im Rahmen der erstmaligen
Leistungs
prüfung wie auch
anlässlich des
aktuellen
Revisionsver
fahren
s
bei unveränderten Diagnosen
mit Ausnahme der Zeit der unternomme
nen Arbeitsversuche
stets eine (nahezu) vollständige Arbeitsunfähigkeit
(vgl. E. 3.2, E. 4.2 und E. 4.4)
hiervor
. Insofern handelt es sich dabei um eine
vorbe
stehend
andere Beurteilung des beruflichen Leistungsvermögens,
welche unter revisionsrechtlichen Gesichtspunkten unbeachtlich ist (vgl. E. 1.2 hiervor).
An
dere (objektive) ärztliche Einschätzungen,
welche mit der
Beschwerdeführerin
die
Zusprache
eine
r
höhere
n
als eine
r
halbe
n
Rente
rechtfertigte
n
, liegen nicht vor.
Aus dem fehlgeschlagenen Eingliederungsversuch bei der
Z._
GmbH (vgl. Abschlussbericht Potenzialabklärung vom 11. Februar 2014 [Urk. 12/89] und Abschlussbericht Massnahmen vom 24. April 2014 [Urk. 12/97]) vermag die Beschwerdeführerin h
insichtlich des vorliegend strittigen Rentenanspruchs nichts zu ihren Gunsten abzuleiten
. Gleiches gilt für die
Anstellung bei der
B._
GmbH (
Urk. 18), zumal
der Erlass der angefochtenen
Rentenverfü
gung
vom 19. November 2015 (Urk. 2) die zeitliche Grenze der richterlichen
Überprüfungsbefugnis bildet und
gemäss Arbeitsvertrag (
Urk. 19)
der
Stellen
antritt
erst im Sommer 2016
erfolgte.
7.
Zusammenfassend
hat
die Beschwerdeführerin
auch nach dem 31. Dezember 2015 Anspruc
h auf die bisherige halbe
Invalidenr
ente
.
Dies führt zur teilweisen Gutheissung der Beschwerde.
8
.
8
.1
Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr. 700.-- festzu
setzen und entsprechend dem Verfahrensausgang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
8
.2
Der anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin steht
gestützt auf Art. 61
lit
.
g
ATSG und § 34 Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) eine Parteientschädigung zu, welche
unter Berücksichtigung de
s mit
Honorarnote vom 18. Februar 2016 (Urk. 17)
geltend gemachten Aufwandes (Zeitaufwand von 12 Stunden und 10 Minuten sowie Spesenpauschale von 3 %) und
bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 220.-- (zu
züglich Mehrwertsteuer) für freiberufliche Anwälte
auf Fr.
2‘978.--
(
inklusive Mehrwertsteuer) festzulegen ist.
8
.3
Das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne der Befreiung von den Gerichtskosten und der Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsvertretung (
Urk.
1 S. 2) erweist sich damit als gegenstandslos.