Decision ID: 3bc527ad-7f13-5db0-89fd-613cccf1d4c3
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Der A-weg in B zweigt von der Hauptstrasse in südöstlicher Richtung ab. Nach
rund 80 Metern verzweigt er sich und führt zu den Grundstücken Nr. 0000 und Nr.
0000. Insgesamt weist er eine Länge von rund 320 Meter auf und erschliesst einen
Gewerbebetrieb, Wohn- und Ferienhäuser, landwirtschaftliche Liegenschaften und
Alpen. Er ist als Gemeindestrasse dritter Klasse eingeteilt. Mit Beschluss vom 30. März
2017 bestellte Y eine Schätzungskommission zur Ausarbeitung eines Beitragsplans für
den Unterhalt des A-wegs. Am 28. August 2017 verabschiedete die
Schätzungskommission einen Unterhaltsperimeter, welcher mit Beschluss des Y vom
21. September 2017 genehmigt wurde. Am 16. Oktober 2017 wurden die
Grundeigentümer persönlich mit Eröffnung einer Einsprachefrist von dreissig Tagen
vom Beitragsplan in Kenntnis gesetzt. Während der Einsprachefrist wurde der
Beitragsplan öffentlich aufgelegt. X, welcher aufgrund eines Dienstbarkeitsvertrags aus
dem Jahr 1930 ein Durchleitungsrecht für den C-bach durch das Grundstück Nr. 0000
hat und für das in diesem Abschnitt eingedolte Gewässer unterhaltpflichtig ist, wurde
im Beitragsplan mit 3'200 Punkten, was 1.89% entspricht, erfasst.
B.- Am 18. November 2017 erhob X Einsprache gegen den Beitragsplan mit dem
Antrag, X sei aus dem Beitragsplan zu entlassen. Mit Entscheid vom 18. Januar 2018
wies Y die Einsprache ab.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
C.- Gegen diesen Entscheid erhob X am 16. Februar 2018 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, der angefochtene Einspracheentscheid
sei aufzuheben und das Grundstück Nr. 0000 sei aus dem Beitragsplan zu entlassen. Y
liess sich am 23. April 2018 vernehmen und beantragte die Abweisung des Rekurses.
Mit Eingabe vom 7. Februar 2019 nahm die Schätzungskommission zum Verfahren
Stellung.
Auf die von den Beteiligten zur Begründung ihrer Anträge gemachten Ausführungen
und die Akten wird, soweit notwendig, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 16. Februar 2018 ist rechtzeitig
eingereicht worden und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 29. März 2018 in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 81 Abs. 3 des
Strassengesetzes, sGS 732.1, abgekürzt: StrG; Art. 41 lit. e Ziff. 1, 45, 47 und 48 VRP).
Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Vorab sind der Beitragsplan und das vorinstanzliche Verfahren von Amtes wegen
auf ihre formelle Rechtmässigkeit hin zu überprüfen.
Mit Beschluss vom 30. März 2017 wurde die Schätzungskommission vom Y ernannt
(Art. 79 Abs. 3 StrG). Diese erliess für den Unterhalt des A-wegs in der Gemeinde B
einen Beitragsplan. Der Beitragsplan enthält einen Kostenvoranschlag, die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
beitragspflichtigen Grundstücke, den Anteil der politischen Gemeinde sowie die Anteile
der Grundeigentümer (Art. 79 Abs. 2 StrG). Der Beitragsplan wurde den
Beitragspflichtigen mit persönlicher Anzeige eröffnet (Art. 80 StrG). Die Einsprache des
Rekurrenten wurde vom zuständigen Y abgewiesen (Art. 81 Abs. 2 StrG). Erstellung
und Eröffnung des Beitragsplans sowie das Einspracheverfahren entsprechen damit
den formellgesetzlichen Vorschriften.
3.- Zu prüfen ist sodann die materielle Richtigkeit des Beitragsplans, insbesondere im
Hinblick auf den Einbezug des Rekurrenten in den Beitragsplan aufgrund des
Dienstbarkeitsvertrages aus dem Jahr 1930.
a) Die Vorinstanz macht geltend, dass der Rekurrent den A-weg für den Unterhalt und
eine allfällige Erneuerung der Eindolung des Gewässers, für welches er
unterhaltspflichtig sei, benützen könne. Am 31. Mai 2017 seien am Kanal
Unterhaltsarbeiten vorgenommen worden, wobei der A-weg befahren worden sei. Ein
Anteil des Rekurrenten am Unterhalt des A-wegs von 1,89% sei deshalb angemessen
und verhältnismässig.
Der Rekurrent hält dem entgegen, dass für die Ausführung der Unterhaltsarbeiten an
der Eindolung des Baches keine Strasse erforderlich sei. Es sei problemlos möglich,
über die Wiese zu fahren, um den notwendigen Unterhalt am Gewässer auszuführen.
Wenn jedoch eine Strasse vorhanden sei, sei klar, dass diese befahren werde, um das
Landwirtschaftsland nicht zu beeinträchtigen. Es sei deshalb nicht nachvollziehbar,
weshalb er an den Unterhalt des A-wegs einen Beitrag leisten soll, zumal ihm aufgrund
des A-wegs kein Sondervorteil erwachse. Für den Unterhalt des Gewässers entstehe
durch die Sanierung des A-wegs in keinerlei Hinsicht ein Sondervorteil, weshalb die
Beitragspflicht nicht gerechtfertigt sei. Schliesslich sei der Rekurrent auch nicht
Eigentümer des Grundstücks Nr. 0000, weshalb er aufgrund der gesetzlichen
Bestimmung gar nicht beitragspflichtig sein könne.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Schätzungskommission nahm am 7. Februar 2019 Stellung und führte aus, dass
nicht nur Eigentümern von Grundstücken ein Sondervorteil entstehen könne, sondern
dass gemäss Art. 78 Abs. 2 StrG auch von Dritten Beiträge erhoben werden könnten,
soweit diesen ein Sondervorteil entstehe. Dies treffe für den Unterhalt am fraglichen
Gewässer zu. Vergleichbar seien Materialtransportbahnen, Skilifte und
Seilbahnanlagen, bei denen in den meisten Fällen nur die Tal- und Bergstationen auf
eigenen Grundstücken stehen und die Masten und Seilanlagen aufgrund von
Baurechten bestehen würden, Transformatorenstationen, die ebenfalls oft im Baurecht
erstellt seien, Anlagen der Armee, Kanalisationsanlagen der Gemeinde und anderen
Körperschaften, Hochspannungsleitungsanlagen und Leitungsmasten, für die in der
Regel eine Personaldienstbarkeit abgeschlossen werde sowie
Wasserversorgungsanlagen (Quellfassungen, Brunnenstuben, Wasserleitungsanlagen
und Wasserreservoire). Alle diese Anlagen hätten eine Sondernutzung an der Strasse
für den Bau, Kontrollen und den Unterhalt. Würde die Beitragspflicht nur für
Grundstücke gelten, entstünden unhaltbare Situationen, indem beispielsweise eine
Trafostation auf eigenem Boden beitragspflichtig wäre, eine im Baurecht erstellte
jedoch nicht.
b) Nach Art. 55 Abs. 1 StrG werden Gemeindestrassen 3. Klasse von den
anstossenden Grundeigentümern unterhalten, wenn diese nicht von der politischen
Gemeinde, einer anderen öffentlich-rechtlichen Körperschaft oder Dritten unterhalten
werden. Für den Unterhalt von Gemeindestrassen 3. Klasse wird nach Art. 56 Abs. 1
StrG ein Perimeter errichtet oder geändert, wenn der zweckmässige Unterhalt es
erfordert (lit. a) oder die Belastung einzelner Grundeigentümer in einem Missverhältnis
zu ihren Sondervorteilen steht (lit. b). Beim Unterhaltsperimeter ist nicht zwingend das
Anstösserprinzip massgebend, sondern es gilt der Sondervorteil. Daher können in
einen Unterhaltsperimeter auch hinterliegende Grundstücke einbezogen werden. (G.
Germann, Kurzkommentar zum st. gallischen Strassengesetz, St. Gallen 1989, N 1 ff.
zu Art. 55 StrG).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Grundeigentümer tragen nach Art. 73 Abs. 1 StrG die Kosten für den Unterhalt der
Gemeindestrassen 3. Klasse, soweit keine Beiträge zur Verfügung stehen. Die
politische Gemeinde leistet gestützt auf Art. 73 Abs. 2 StrG Beiträge an die
Unterhaltskosten nach der Bedeutung der Strasse (lit. a), der Belastung der
Unterhaltspflichtigen (lit. b) und dem öffentlichen Interesse (lit. c). Gemäss Art. 74 StrG
leistet die politische Gemeinde Beiträge an den Unterhalt der Gemeindestrassen,
soweit den Grundeigentümern durch den Gemeingebrauch verursachte Kosten
entstehen.
Im Kostenverlegungsverfahren werden die Baukosten nach Art. 77 Abs.1 StrG durch
Errichtung eines Perimeters aufgeteilt. Das Kostenverlegungsverfahren wird
sinngemäss durchgeführt für Unterhaltsperimeter an Gemeindestrassen 3. Klasse (Art.
77 Abs. 2 lit. a StrG). Beitragspflichtig sind gemäss Art. 78 Abs. 1 StrG in Verbindung
mit Art. 77 Abs. 2 lit. a StrG Eigentümer von Grundstücken, denen ein Sondervorteil
entsteht. Der Begriff "Sondervorteil" ist unbestimmt und deshalb auszulegen. Er kann
etwa als "besonderer Nutzen" bezeichnet werden, der durch den Bau, Ausbau oder
Unterhalt einer Strasse für das Grundeigentum im Bereich dieser Strasse bewirkt wird.
Der Sondervorteil erwächst dem Grundstück des Pflichtigen als solchem; die
subjektiven Verhältnisse des Eigentümers sind nicht zu berücksichtigen (Imboden/
Rhinow, Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, 5. Aufl. 1976, Nr. 111, S. 786;
GVP 1971 Nr. 9). Der Sondervorteil muss wirtschaftlichen Charakter haben, was nach
der Rechtsprechung bedeutet, dass er realisierbar ist. Die verbesserte wirtschaftliche
Nutzung bedeutet gemäss verwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung indessen nicht
per se, dass sich durch den Sondervorteil ein höherer Verkehrswert des fraglichen
Grundstücks erzielen lässt. Die Umsetzbarkeit des wirtschaftlichen Sondervorteils in
Geld ist kein entscheidendes Kriterium. Der Sondervorteil, der durch die
Beitragsleistung abgegolten wird, liegt somit in der besseren Nutzbarkeit des
Grundstücks. Realisierbarkeit im Sinne des Abgaberechts bedeutet einen
Nutzungsmehrwert, der sich nicht auf die Veräusserbarkeit bezieht (VerwGE B
2011/130 vom 20. März 2012 E. 2.4.3; GVP 2003 Nr. 22 E. 3.a.aa mit weiteren
Hinweisen).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
c) Unbestritten ist, dass der Rekurrent aufgrund eines Dienstbarkeitsvertrags aus dem
Jahr 1930 für das eingedolte Gewässer auf dem Grundstück Nr. 0000
unterhaltspflichtig ist. Deswegen wurde er in den angefochtenen Perimeter
aufgenommen. Er ist jedoch nicht Eigentümer des Grundstücks Nr. 0000. Das
Grundstück Nr. 0000 bzw. dessen Eigentümer wurden nicht in den Perimeter
aufgenommen.
Gemäss Art. 78 Abs. 2 StrG können auch Beiträge von Dritten erhoben werden, soweit
diesen ein Sondervorteil entsteht. Unterhaltsarbeiten an einer Strasse gehören zu den
typischen Vorkehren, welche einen wirtschaftlichen Sondervorteil bewirken, der zur
Erhebung eines Beitrages bzw. zur Auferlegung einer Vorzugslast berechtigt (Vallender,
Grundzüge des Kausalabgabenrechts, Bern 1976, S. 102 f.). Der Sondervorteil besteht
darin, dass die Zugänglichkeit für Personen und/oder Fahrzeuge durch den Bau,
Ausbau und fortwährenden Unterhalt einer Gemeindestrasse verbessert bzw.
erleichtert wird.
Zur Erfüllung der Unterhaltspflicht benötigt der Rekurrent Zugang zum Gewässer.
Indem er dafür den A-weg befahren kann, entsteht ihm ein Sondervorteil. Er hat das
Recht, den A-weg zu befahren; hingegen hat er nicht ohne Weiteres das Recht, über
die Wiese zu fahren. Durch die Benützung der Strasse hat er einen einfacheren Zugang
zum Gewässer und kann dieses günstiger unterhalten, indem keine Baupiste erstellt
und das Wiesland nicht beschädigt wird und wiederhergestellt werden muss. Dass der
Sondervorteil einem Grundstück erwachsen muss, gilt bei Art. 78 Abs. 2 StrG nicht.
Dem Rekurrenten kann daher auch ein Sondervorteil entstehen, obwohl er nicht
Eigentümer des betroffenen Grundstücks ist. Er wurde damit zu Recht in den
Beitragsplan zum Unterhalt des A-wegs aufgenommen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gegen die konkrete Bemessung bringt der Rekurrent keine Einwände vor. Er wurde im
Beitragsplan mit 3'200 Punkten, was 1.89% entspricht, erfasst. Aus den Akten ist nicht
ersichtlich, inwiefern eine abweichende Erfassung angezeigt wäre.
4.- Der Rekurs ist somit abzuweisen. Auf die Erhebung amtlicher Kosten wird verzichtet
(Art. 97 Abs. 1 VRP).