Decision ID: db588b00-f1f0-4866-a8e1-776b5593c53d
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Thomas Bolt, Auerstrasse 2, Postfach 91,
9435 Heerbrugg,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 13. März 2008 wegen seit April 2007 bestehender
Rückenbeschwerden mit Status nach operativer Versteifung L4/5 am 30. Januar 2008
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons
St. Gallen an (IV-act. 1).
A.b Gemäss Auszug aus dem Individuellen Konto per 1. April 2008 hatte der
Versicherte als Selbständigerwerbender bzw. (ab 2002) als Arbeitnehmer der
Carrosserie B._ AG jeweils Beiträge auf einem Einkommen von rund Fr. 50’000.-- in
den Jahren 1990–1997, von Fr. 86’900.-- in den Jahren 1998 und 1999, von
Fr. 61’200.-- im Jahr 2000, von Fr. 128’400.-- im Jahr 2001, von Fr. 97’500.-- im Jahr
2002, von Fr. 87’222.-- im Jahr 2003, von Fr. 78’000.-- in den Jahren 2004 und 2005
bzw. von Fr. 48’000.-- im Jahr 2006 bezahlt (IV-act. 7).
A.c Im April 2008 ging der IV-Stelle der Bericht der Klinik für Orthopädische Chirurgie
des Kantonsspitals St. Gallen vom 14. März 2008 zu, in welchem ein Status nach
transforaminaler lumbaler intercorporeller Fusion L4/5 bei Discushernienrezidiv sowie
Spondylarthrose und Osteochondrose diagnostiziert und vollständige
Arbeitsunfähigkeit attestiert worden waren (IV-act. 11).
A.d Das Steueramt C._ meldete am 16. April 2008 auf Anfrage der IV-Stelle ein
steuerbares Einkommen von Fr. 68’189.-- für das Jahr 2004, von Fr. 64’810.-- für das
Jahr 2005 bzw. von Fr. 39’029.-- für das Jahr 2006 (IV-act. 21).
A.e Am 18. April 2008 erstattete die Carrosserie B._ AG einen Arbeitgeberbericht.
Darin wurde unter anderem ausgeführt, der Versicherte habe bis April 2007 zu 80 % als
Auto- und Industrielackierer und zu 20 % im Büro gearbeitet, dafür seit 1. Januar 2008
einen Lohn von Fr. 75’000.-- erhalten, der zwischenzeitlich auf Fr. 78’000.-- erhöht
worden sei, könne aber aufgrund der Rückenprobleme die Tätigkeit als Auto- und
Industrielackierer nicht mehr ausüben (IV-act. 22–1 ff.). Dem Bericht lagen unter
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anderem Abrechnungen der Krankentaggeldversicherung bei, gemäss welchen Tag
gelder entsprechend einer 80%igen Arbeitsunfähigkeit für den Zeitraum von 1. April
2007 bis 23. Januar 2008 bzw. einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit für den Zeitraum von
24. Januar bis 31. März 2008 ausgerichtet worden waren. Der Taggeldansatz betrug
gemäss diesen Abrechnungen Fr. 157.81, entsprechend einem Jahresverdienst von
Fr. 72’000.-- (= Fr. 157.81 × 365 ÷ 0.8; IV-act. 22–11 ff.).
A.f Am 25. April 2008 erstatteten die behandelnden Ärzte der Klinik für Orthopädische
Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen einen Verlaufsbericht, in welchem sie fest
hielten, die Tätigkeit als „Karosseriebauer“ sei aktuell trotz problemlosem Verlauf nicht
zumutbar (IV-act. 24–5 f.).
A.g Am 25. Juni 2008 erstattete der Hausarzt des Versicherten, Dr. med. D._,
Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, einen Arztbericht, in welchem er festhielt,
es sei geplant, die Arbeitsfähigkeit des Versicherten ab 1. Juli 2008 auf 50 % zu
steigern, und es sei mit einer weiteren Erholung zu rechnen, sodass die Arbeitsfähigkeit
auf bis zu 80 % gesteigert werden könne; der Versicherte könne sich seine Arbeit
selber einteilen, was von Vorteil sei. Abschliessend regte Dr. D._ eine Beurteilung der
Arbeitsplatzsituation und möglichen Verbesserungen am Arbeitsplatz durch die
Spezialisten der IV-Stelle an (IV-act. 31–1 ff.).
A.h Am 7. August 2008 erstatteten die behandelnden Ärzte der Klinik für
Orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen einen weiteren Arztbericht, in
welchem sie festhielten, die Tätigkeit des Versicherten sei verständlicherweise für den
operierten Rücken schlecht tolerierbar; die Wirbelsäulenintervention steigere
bekanntermassen für diese Tätigkeit die Belastbarkeit nicht. Der Versicherte müsse
sich künftig auf eine leichte Tätigkeit in wechselnd stehender oder sitzender Position
mit freier Positions-/Arbeits-haltung ausrichten (IV-act. 38). In weiteren Berichten vom
25. September (IV-act. 40), 28. November (IV-act. 42) und 5. Dezember 2008 (IV-
act. 43) wurde diese Einschätzung bestätigt; namentlich führte eine
Facettengelenksinfiltration zu keiner namhaften Besserung. Auch Dr. D._ gab in
seinem Bericht vom 16. Dezember 2008 eine im Wesentlichen gleichlautende
Einschätzung ab (IV-act. 44).
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A.i Mit Schreiben vom 26. Januar 2009 reichte der Versicherte die Buchhaltungs
unterlagen der Jahre 2003–2007 ein (IV-act. 46). Diesen lässt sich entnehmen, dass im
Jahr 2003 bei einem Umsatz von Fr. 581’949.85 und Lohnkosten von Fr. 120’000.--
für den Versicherten und seine Ehefrau plus Fr. 21’434.50 für Dritte ein Verlust
von Fr. 132’440.75 resultierte (IV-act. 47), im Jahr 2004 bei einem Umsatz von
Fr. 596’518.80 und Lohnkosten von Fr. 108’000.-- plus Fr. 45’672.85 ein Verlust von
Fr. 28’186.22 (IV-act. 48–1 ff.), im Jahr 2005 bei einem Umsatz von Fr. 592’870.50 und
Lohnkosten von Fr. 108’000.-- plus Fr. 49’785.55 ein Gewinn von Fr. 1’507.20 (IV-
act. 48–17 ff.), im Jahr 2006 bei einem Umsatz von Fr. 685’338.20 und Lohnkosten von
Fr. 72’000.-- plus Fr. 53’605.19 ein Gewinn von Fr. 123’709.76 (IV-act. 49) und im Jahr
2007 bei einem Umsatz von Fr. 733’137.30 und Lohnkosten von Fr. 106’250.-- plus
Fr. 66’194.50 ein Gewinn von Fr. 111’982.07 (IV-act. 50). Am 16. Juli 2009 reichte der
Versicherte die Buchhaltungsunterlagen für das Jahr 2008 nach. Diesen lässt sich ent
nehmen, dass bei einem Umsatz von Fr. 676’817.55 und Lohnkosten von Fr. 107’500.--
plus Fr. 80’939.45 ein Gewinn von Fr. 54’776.15 resultierte. Im Begleitschreiben wies
die Treuhandstelle darauf hin, dass die Ehefrau des Versicherten, welche die fort
laufenden Buchungen tätige, zur Verbesserung der Liquidität im Jahr 2006 die Löhne
für den Versicherten und sie selbst von sich aus reduziert habe (IV-act. 57).
A.j Am 21. April 2009 fand eine Abklärung vor Ort statt. Im entsprechenden Bericht,
den der Versicherte am 16. Juli 2009 unterzeichnete, wurde unter anderem fest
gehalten, dass sich der Versicherte aufgrund seiner Rückenbeschwerden zwei Autolifte
angeschafft und einen zusätzlichen Autolackierer eingestellt habe, dass die beiden
Waschanlagen von Pensionierten betreut würden, dass sein Sohn mittlerweile im
Betrieb mitarbeite, und dass vom Lohn von insgesamt Fr. 120’000.-- ein Anteil von
Fr. 42’000.-- auf seine Frau entfalle (IV-act. 58–1 ff.). In seiner Stellungnahme vom
18. September 2009 hielt der Abklärungsbeauftragte der IV-Stelle fest, das Unter
nehmen sei nicht ausbaubar, der Umsatz und der Gewinn seien im Garagenbereich
etwas zurückgegangen, im Bereich der Waschanlagen gesamthaft dagegen ange
stiegen; die Fremdlöhne seien deutlich angestiegen, und ohne Berücksichtigung der
Krankentaggelder sei ein deutlicher Gewinneinbruch festzustellen; ein konkreter
Einkommensvergleich sei kaum möglich, weshalb die ausserordentliche Bemessungs
methode anzuwenden sei, wobei ein Invaliditätsgrad von 60 % resultiere (IV-act. 58–
9 ff.).
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A.k Gemäss einer Telefonnotiz hat der Versicherte am 5. November 2009 mitgeteilt,
dass er seinen Betrieb habe aufgeben müssen, weil er mit den zuvor eingestellten
Lackierern kein Glück gehabt habe und einen wirklich guten Mann nicht bezahlen
könne; verkaufen könne er den Betrieb allerdings kaum, weil kaum jemand genügend
Geld von der Bank bekommen würde (IV-act. 61).
A.l Mit Vorbescheid vom 24. November 2009 teilte die IV-Stelle mit, dass die Ab
weisung des Rentengesuchs vorgesehen sei, da der Invaliditätsgrad ausgehend von
einem Valideneinkommen von Fr. 70’200.-- und einem – anhand statistischer
Lohnwerte festgelegten – Invalideneinkommen von Fr. 52’248.-- lediglich 26 % betrage
(IV-act. 64).
A.m Dagegen liess der Versicherte am 11. Januar 2010 Einwand erheben und die
Zusprache einer vollen (gemeint wohl: ganzen) Invalidenrente beantragen. Zur Be
gründung liess er ausführen, dass die effektiven Lohnentnahmen aus der Aktiengesell
schaft keine zuverlässigen Werte für die Ermittlung des Valideneinkommens darstellen
würden, da die Gewinne teilweise in der Gesellschaft belassen worden seien, dass der
Invaliditätsgrad mittels ausserordentlicher Bemessungsmethode zu ermitteln sei und
insbesondere eine Vermischung von ausserordentlicher und ordentlicher Bemessungs
methode nicht zulässig sei, dass die Betreuung der Waschanlagen dem Versicherten
entgegen der Annahmen der IV-Stelle nicht zumutbar sei, da namentlich die Reinigung
mit schwerer körperlicher Arbeit verbunden sei, dass der Versicherte seinen Betrieb
nicht aufgegeben habe und es anlässlich des Telefonats vom 5. November 2009 offen
sichtlich zu einem Missverständnis gekommen sei, dass das Valideneinkommen auf
mindestens Fr. 100’000.-- festzusetzen sei und die Buchhaltungsunterlagen belegen
würden, dass sich der Versicherte ohne Weiteres auch einen Lohn von knapp
Fr. 170’000.-- hätte auszahlen können und dass, wenn auf statistische Werte abgestellt
würde, ein Abzug von 15 % vorzunehmen sei (IV-act. 68).
A.n Am 25. Januar 2010 verfügte die IV-Stelle gemäss Vorbescheid vom
24. November 2009. Eine Vermischung der Bemessungsmethoden sei durchaus
zulässig. Was das Valideneinkommen betreffe, so sei der Versicherte auf den
deklarierten Einkommen zu behaften (IV-act. 74).
B.
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B.a Dagegen richtet sich die am 24. Februar 2010 erhobene Beschwerde, mit der die
Ausrichtung einer ganzen Rente ab 1. April 2008 sowie eventualiter die Rückweisung
zu weiteren Abklärungen und Neuverfügung beantragt werden und zur Begründung im
Wesentlichen ausgeführt wird, was bereits im Rahmen des Einwandes vom 11. Januar
2010 geltend gemacht wurde (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin schliesst auf Abweisung der Beschwerde. In ihrer
Beschwerdeantwort vom 7. Juni 2010 führte sie zur Begründung im Wesentlichen aus,
für die Ermittlung des Valideneinkommens sei auf den zuletzt erzielten Lohn bzw. auf
den vor Eintritt des Gesundheitsschadens deklarierten Lohn, auf dem Beiträge bezahlt
worden seien, abzustellen, mithin auf den Lohn für das Jahr 2006 gemäss Auszug aus
dem Individuellen Konto; bei der Festlegung des Invalideneinkommens sei bereits ein
Abzug von 15 % vom Tabellenlohn vorgenommen worden; der ermittelte
Invaliditätsgrad sei mithin korrekt (act. G 6).
B.c Mit Replik vom 12. Juli 2010 liess der Beschwerdeführer an seinen mit
Beschwerde vom 24. Februar 2010 gestellten Anträgen festhalten (act. G 11).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete sinngemäss auf eine Duplik (act. G 13).

Erwägungen:
1.
Während die gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers – leichtere
Tätigkeiten sind ihm vollumfänglich, schwerere hingegen nicht mehr zumutbar – in den
Akten ausgewiesen und unbestritten sind, ist streitig, wie sich dieselben auf die
erwerbliche Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers auswirken bzw. wie der
Invaliditätsgrad zu ermitteln ist.
2.
Was die Ermittlung des Valideneinkommens betrifft, so gehen die Parteien überein
stimmend und zu Recht davon aus, dass für die Festlegung desselben die Annahme zu
Grunde zu legen ist, der Beschwerdeführer hätte seinen Betrieb im bisherigen Rahmen
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weitergeführt. Fraglich ist hingegen, wie das entsprechende Einkommen festzusetzen
ist. Wie der Beschwerdeführer grundsätzlich zu Recht ausführen lässt, wird seine
erwerbliche Leistungsfähigkeit im Auszug aus dem Individuellen Konto und in den
Steuerveranlagungsverfügungen nicht direkt abgebildet, hat er doch – von der
Beschwerdegegnerin zu Recht anerkannt – nicht sämtliche Gewinne als solche ausge
wiesen. Ausserdem widerspiegeln selbst die „bereinigten“ Gewinne nicht zwingend die
erwerbliche Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers, denn diese sind nicht allein von
seinem Einsatz, sondern auch erheblich von weiteren Einflüssen, wie Konjunktur,
Konkurrenzsituation und dergleichen, abhängig. Hinzu kommt, dass es sich um einen
Familienbetrieb handelt, dessen Wertschöpfung zum Teil auch durch die Ehefrau und
allenfalls den Sohn des Beschwerdeführers generiert wird, ohne dass der Anteil des
Beschwerdeführers an der Wertschöpfung klar ausgeschieden werden könnte. Das
Valideneinkommen für einen ordentlichen Einkommensvergleich im Sinne von Art. 16
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) kann vor diesem Hintergrund nicht zuverlässig ermittelt werden.
3.
Was das Invalideneinkommen betrifft, so bildet grundsätzlich auch diesbezüglich eine
Prognose über die künftige Entwicklung („Invalidenkarriere“) die Grundlage. Es ist also
in erster Linie danach zu fragen, auf welche Weise der Beschwerdeführer voraus
sichtlich die verbliebene Restarbeitsfähigkeit verwerten wird. Die diesbezüglichen Aus
sagen des Beschwerdeführers wie auch die Akten – im Rahmen des Telefonats vom
5. November 2009 kam es offenbar zu einem Missverständnis (IV-act. 61), dem nach
dessen Aufklärung keine weitere Bedeutung zukommt – sind klar: Der Beschwerde
führer will seinen Betrieb weiterführen. Das Invalideneinkommen wäre daher grund
sätzlich ausgehend von dieser Prognose zu ermitteln. Wenn sich allerdings ergäbe,
dass der Beschwerdeführer durch den Wechsel in eine unselbständige, leidens
adaptierte Tätigkeit ein wesentlich höheres Einkommen erzielen könnte, stellt sich die
Frage, ob er zu verpflichten ist, einen solchen Wechsel vorzunehmen bzw. sich ein ent
sprechendes Invalideneinkommen anrechnen zu lassen. Sowohl das verfassungs
mässig statuierte Verhältnismässigkeitsprinzip als auch das Versicherungs- bzw.
Subsidiaritätsprinzip fordern nämlich, dass nur jene Leistungen ausgerichtet werden,
die unbedingt notwendig sind. Anders ausgedrückt, wird von den Versicherten
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verlangt, dass sie die Folgen der Verwirklichung eines versicherten sozialen Risikos
soweit möglich selbst tragen (so genannte Schadenminderungspflicht). Kann ein
Versicherter, der vor Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung Selbständigerwerbender
war, durch einen Wechsel in eine unselbständige Tätigkeit ein rentenausschliessendes
Einkommen erzielen, während bei Weiterführung der selbständigen Erwerbstätigkeit
eine rentenbegründende Erwerbseinbusse resultieren würde, kann er nicht ohne
Weiteres auf der Weiterführung des Betriebs beharren und die Ausrichtung einer Rente
fordern. Im Rahmen der Schadenminderungspflicht wäre er diesfalls unter Umständen
zu verpflichten, den Beruf zu wechseln bzw. sich ein entsprechend höheres Invaliden
einkommen anrechnen zu lassen. Die Grenze der Schadenminderungspflicht bildet die
Zumutbarkeit. Von den Versicherten kann nicht in jedem Fall oder generell verlangt zu
werden, in eine Tätigkeit zu wechseln, die dem Leiden besser angepasst ist. Vielmehr
ist eine Interessenabwägung vorzunehmen: Dem Interesse des Staates, verhältnis
mässige Leistungen zu erbringen, bzw. dem Interesse der Versichertengemeinschaft,
nicht über Gebühr belastet zu werden, ist das Interesse des Versicherten an seiner
Wirtschaftsfreiheit und seinem Selbstbestimmungsrecht gegenüber zu stellen. Nur
wenn ein Berufswechsel in Abwägung sämtlicher relevanter Interessen zumutbar
erscheint, kann ein solcher vom Versicherten verlangt werden. Für die
Interessenabwägung ist sämtlichen massgebenden Umständen, sowohl objektiver als
auch subjektiver Art, Rechnung zu tragen. Vorliegend fallen folgende Umstände in
Betracht: Der Beschwerdeführer führte im Zeitpunkt des Eintritts der massgebenden
Gesundheitsbeeinträchtigung im Jahr 2007 seinen Betrieb bereits seit 24 Jahren. In
dieser Zeit hatte er den Betrieb fortwährend ausgebaut, während es der Betriebserfolg
gleichzeitig erlaubte, den Beschwerdeführer und dessen Familie angemessen zu
versorgen. Auch noch im Verfügungszeitpunkt konnte der Beschwerdeführer mit
seinem Betrieb einen angemessenen Lohn bzw. Gewinn erzielen. Der längerfristige
Fortbestand des Betriebs scheint gesichert. Den Beschwerdeführer zu verpflichten,
den Betrieb aufzugeben und eine unselbständige Erwerbstätigkeit aufzunehmen, würde
bedeuten, die gesichert scheinenden Einkünfte zugunsten unsicherer Einkommen aus
unselbständiger Erwerbstätigkeit zu riskieren. Hinzu kommt, dass der
Beschwerdeführer diesfalls wohl erst umgeschult werden müsste. Angesichts der
Tatsache, dass er im Jahr 2007 bereits 52 Jahre alt war, heute 57 Jahre alt ist und eine
Umschulung wohl frühestens in drei bis vier Jahren, mithin im Alter von 60 oder 61
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Jahren, abschliessen könnte, erscheint ein Berufswechsel wenig sinnvoll und damit
unverhältnismässig. Dem Beschwerdeführer ist ein Berufswechsel daher gesamthaft
nicht zumutbar.
4.
Da die Invalidität angesichts der beiden Prognosen dem Verlust der erwerblichen
Leistungsfähigkeit im eigenen Betrieb entspricht und da die beiden Vergleichsein
kommen nicht zuverlässig ermittelt werden können, ist der Invaliditätsgrad anhand der
so genannten ausserordentlichen Methode des gewichteten Betätigungsvergleichs zu
bemessen. Die Beschwerdegegnerin hat bereits eine derartige Bemessung vorge
nommen (vgl. IV-act. 58), die allerdings nur in den Grundzügen zu überzeugen vermag.
Zu bemängeln ist zunächst, dass die verschiedenen Tätigkeitsbereiche nicht erwerblich
gewichtet wurden; der Abklärungsbeauftragte hat für alle Bereiche dasselbe
Einkommen festgesetzt, statt für administrative Tätigkeiten einen üblichen Lohn für
administrative Tätigkeiten, für Spenglerarbeiten einen üblichen Lohn für
Spenglerarbeiten usw. einzusetzen. Sodann ist der Vergleich zu undifferenziert
ausgefallen, indem lediglich zwischen „Administration“ und „Werkstattarbeiten“
unterschieden wurde und letztere pauschal als nicht mehr zumutbar qualifiziert wurden.
Immerhin hat der Beschwerdeführer mit Blick auf seine gesundheitlichen
Beeinträchtigungen zwei Autolifte angeschafft, die ihm die Ausübung gewisser Arbeiten
ermöglichen dürften. Ausserdem ist davon auszugehen, dass gewisse
„Werkstattarbeiten“ nach wie vor möglich und zumutbar sind, während andere
Tätigkeiten gesundheitsbedingt nicht mehr ausgeübt werden können. Es stellt sich
auch die Frage, ob es dem Beschwerdeführer nicht möglich wäre, vermehrt im
Zusammenhang mit den Waschanlagen Arbeiten zu übernehmen, die allenfalls leichter
sind. Keine Rechnung getragen wurde auch den effektiven Verlagerungen. Es wäre zu
prüfen gewesen, welche Tätigkeiten der Beschwerdeführer effektiv in welchem Umfang
noch ausübt; dass er gleichsam kaum mehr selber im Betrieb tätig ist, erscheint
jedenfalls unwahrscheinlich. In diesem Zusammenhang interessiert schliesslich auch,
wie viele Mitarbeiter der Beschwerdeführer seit 2007 effektiv zusätzlich für welche
Tätigkeiten angestellt bzw. deren Pensum aufgestockt hat, und welche Löhne für diese
Mitarbeiter ausgerichtet wurden. Die Beschwerdegegnerin wird diese Abklärungen
nachzuholen haben. Um besser beurteilen zu können, welche Tätigkeiten dem
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Beschwerdeführer effektiv noch zumutbar sind, sind allenfalls vorab weitere
medizinische Abklärungen durchzuführen. Anschliessend ist ein differenzierter, den
gesamten Umständen Rechnung tragender gewichteter Betätigungsvergleich zu
erstellen und gestützt darauf über den Rentenanspruch neu zu befinden.
5.
Damit ist die angefochtene Verfügung in teilweiser Gutheissung der Beschwerde aufzu
heben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zur Durchführung der ergänzenden
Abklärungen im Sinne der Erwägungen und anschliessender Neuverfügung zurückzu
weisen. Da die Rückweisung zu weiteren Abklärungen praxisgemäss hinsichtlich
Kosten- und Entschädigungsfolgen als volles Obsiegen zu qualifizieren ist, sind die ge
mäss Art. 69 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) zu verlegenden und angesichts des durchschnittlichen Aufwands auf
Fr. 600.-- festzusetzenden Gerichtskosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Dem
Beschwerdeführer wird der von ihm geleistete Kostenvorschuss zurückerstattet. Die
Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer sodann mit 3’500.-- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht