Decision ID: a17a21f5-14a7-51cd-8185-b4961be6701e
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_BRK
Chamber: ZH_BRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A.
Mit Verfügung vom 24. April 2017 erliess die Baudirektion Kanton Zürich
die Verordnung zum Schutz der Limmataltläufe in Dietikon, Geroldswil und
Oetwil a.d.L. (Naturschutzgebiete mit überkommunaler Bedeutung). Die
Publikation im Amtsblatt erfolgte am 19. Mai 2017.
B.
Hiergegen erhoben der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz und
BirdLife Zürich mit gemeinsamer Eingabe vom 15. Juni 2017 fristgerecht
Rekurs an das Baurekursgericht des Kantons Zürich und beantragten Fol-
gendes:
"1. Es sei die Verordnung zum Schutz der Limmataltläufe in Dietikon,  und Oetwil an der Limmat vom 24. April 2017 ( mit überkommunaler Bedeutung) mit Ausnahme der Art. 1, 7, 8, 10, 11 und 13 aufzuheben und die Angelegenheit zur Neubearbeitung gemäss der nachfolgenden Begründung an die Rekursgegnerin .
2. Die Rekursgegnerin sei anzuweisen, bei der Überarbeitung und  der Verordnung zum Schutz der Limmataltläufe in Dietikon, Geroldswil und Oetwil a.d.L. die Vorgaben der Verordnung der  von nationaler Bedeutung, die Vorgaben der Verordnung zum Schutz der Auen von nationaler Bedeutung und die Vorgaben des - und Heimatschutzgesetzes umzusetzen sowie den mit diesen  verfolgten öffentlichen Interessen Rechnung zu tragen.
Insbesondere sei zum Schutz des Flachmoors Nr. 865 des Anhangs 1 der Verordnung über den Schutz von Flachmooren von nationaler  vom 7. September 1994 und des Auenobjektes Nr. 400 in der Schutzverordnung vorzusehen, dass
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2.1 die Zone II A (Naturschutzumgebungszone) um das Antoniloch zwischen Reppisch und Kanalstrasse bis an die Heimstrasse erweitert wird.
2.2 im Bereich zwischen Reppisch und Grünaustrasse/Kanalstrasse sowie zwischen Heimstrasse und den Geleisen der SBB die maximale Gebäudegesamthöhe auf 22m begrenzt ist;
2.3 im gesamten Perimeter zwischen Schutzgebietsgrenze und Lerzenstrasse zwischen Fahrstrasse und Reservatsstrasse die Bebauungsmöglichkeiten hinsichtlich Gebäudehöhen, Grenzab- ständen, Ausnützungsziffern maximal im heutigen Bestand zuge- lassen und Untergeschosse verboten werden;
2.4 die Zone IIS1 (Naturschutzumgebungszone) ab Lerzenstrasse bis an die Silbernstrasse, ab Höhe Binzstrasse bis an die Mut- schellenstrasse zu erweitern ist mit einer maximalen Bauhöhe von 25m;
2.5 die Zone IIV1 (Naturschutzumgebungszone) als Landschafts- schutzzone auszuscheiden ist, in der Neubauten und Anlagen untersagt sind und der Bestandesschutz auf Unterhalt und Er- neuerung beschränkt ist;
2.6 die hydrologischen Pufferzonen gemäss dem "Gutachten zur Ausscheidung von hydrologischen Pufferzonen für das nationale Flachmoor "Schachen", Dietikon – unter Berücksichtigung von künftigen baulichen Entwicklungen (Gestaltungsplan SLS)" von Naturplan und Dr. Heinrich Jäckli AG vom 18. April 2013 ausge- schieden werden, wofür zunächst die Grundwasserströme zu er- heben sind;
2.7 die Fischerei in der Zone 1 (Naturschutzzone), in der Zone IVA (Waldschutzzone) sowie in der Zone IXB (Fluss- und Uferzone) verboten ist,
2.8 die Vogeljagd innerhalb sämtlicher Zonen der Schutzverordnung verboten ist,
2.9 auch die aus den Nutzungen der öffentlichen Hand (ARA, KVA, EKZ und ewz) im Schutzperimeter und den Pufferzonen resultie- renden Beeinträchtigungen bei jeder sich bietenden Gelegenheit soweit möglich zu beseitigen bzw. rückgängig zu machen sind. Der Bestandesschutz für diese Anlagen ist auf Unterhalt be- schränkt. Der für diese Bauten ausgeschiedene Perimeter ist der Zone I (Naturschutzzone) zuzuweisen und für den Zeitpunkt der Aufgabe der heutigen Nutzung durch ARA und KVA die Renatu- rierung festzulegen.
3. Es sei dem Rekurs die aufschiebende Wirkung insoweit zu erteilen, als damit eine Ausdehnung der Pufferzonen und eine Verschärfung der Schutzanordnungen verlangt wird und es sei als vorsorgliche  zu verbieten, dass in den gemäss Rekursanträgen und  umstrittenen Bereichen bis zur rechtskräftigen Erledigung
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des Rekursverfahrens Bauten, Anlagen oder sonstige Veränderungen realisiert oder Einwirkungen vorgenommen bzw. zugelassen werden, die die im Rekurs gestellten Anträge negativ präjudizieren oder  den damit angestrebten Schutz tangieren könnten.
4. Es sei ein zweiter Schriftenwechsel unter Ansetzung einer der  und dem Umfang der Angelegenheit angemessenen Frist zu .
5. Es sei ein Augenschein durchzuführen.
6. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der ."
C.
Vom Rekurseingang wurde mit Verfügung vom 19. Juni 2017 unter der Ge-
schäftsnummer R1L.2017.00018 Vormerk genommen. Weiter wurden auf
ihre Beiladungsgesuche hin die L. und die B. AG – nebst den drei von Am-
tes aufzunehmenden betroffenen Gemeinden bzw. Gemeinderäten – als
Mitbeteiligte in das Rekursverfahren aufgenommen. Gleichzeitig wurde das
dreissigtägige Vernehmlassungsverfahren eröffnet sowie der Baudirektion
und den fünf Mitbeteiligten eine zwanzigtägige Frist angesetzt, zu dem die
aufschiebende Wirkung und die vorsorglichen Massnahmen betreffenden
Antrag Nr. 3 der Rekurrenten Stellung zu nehmen.
D.
Mit separaten Rekursschriften je vom 19. Juni 2017 gelangten auch die P.
Immobilien AG, die G. Personalvorsorgestiftung, die H. E. AG sowie die B.
AG an das Baurekursgericht. Von diesen Rekurseingängen wurde unter
den Geschäftsnummern R1L.2017.00019 (P. Immobilien AG),
R1L.2017.00020 (G. Personalvorsorgestiftung), R1L.2017.00021 (H. E.
AG) und R1L.2017.00022 (B. AG) Vormerk genommen und je das Ver-
nehmlassungsverfahren eröffnet.
E.
Die Rekursanträge der Rekurrentinnen P. Immobilien AG, G. Personalvor-
sorgestiftung und H. E. AG lauten – mit den nachfolgend dargestellten Ab-
weichungen in Ziff. 9 und, soweit vorhanden, Ziff. 10 – wie folgt:
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"1. Die Verordnung zum Schutz der Limmataltläufe sei aufzuheben und unter Beilage sämtlicher für diese Verordnung erstellten Gutachten  öffentlich aufzulegen.
Eventualiter:
2. Die Umschreibung des Schutzzieles für die Zone IIS1 in Ziffer 3 der Verordnung sei aufzuheben, bzw. mindestens insoweit anzupassen, als sie über die Formulierung der allgemeinen Schutzziele in Ziffer 3 hinausgeht.
3. Das Verbot, "Bauten, Installationen und Gehölze im Abstand von 10 m von der Grenze, die mit irgendeinem Teil höher sind als 10 m über der Höhe des angrenzenden Moors (...). Die maximale Höhe von 10 m über der genannten Kote nimmt ab 10 m vom Moorperimeter mit  Abstand in einem Winkel von 26,6o zu. Ab dem Abstand von 40 m vom Moorperimeter sind Bauten höher als 25 m , wenn dadurch im Sommerhalbjahr (...) nachweislich keine  ökologisch relevante Beschattung des Moors entsteht" sei aufzuheben.
4. Das Verbot von vogelunverträglichen Fassaden sei grundsätzlich auf neue Fassaden zu beschränken.
5. Das Gebot, in einem Abstand bis zu 100 m von der Moorgrenze nachts zwischen März und Oktober keine vom Moor aus sichtbaren, fest  Lichter brennen zu lassen, sei aufzuheben.
Das Gebot, in einem Abstand von mehr als 100 m ab Moorgrenze die fest installierten Lichtquellen quantitativ und qualitativ so zu optimieren, dass die Anlockwirkung auf die Fauna minimal ist, sei aufzuheben.
6. Das Gebot, die Gestaltung der Nutzungen so vorzunehmen, dass in  Abstand von bis zu 150 m zur Moorgrenze Personen von keinem Punkt des Moors aus störend in Erscheinung treten, sei aufzuheben.
7. Das Gebot, die Nutzung zusätzlicher Bauten, Anlagen und Nutzungen so zu gestalten, dass am Moorrand keine moorrelevante  entsteht, sei aufzuheben.
8. Die vorliegende Abgrenzung der hydrogeologischen Pufferzonen sei (zumindest vorläufig) aufzuheben.
9. Rekurrentinnen P. Immobilien AG und G. Personalvorsorgestiftung:
Die vorliegende Umschreibung des Bestandesschutzes (Ziffer 6 der Verordnung) sei aufzuheben und es sei sicherzustellen, dass in der Zone IIS1 die erweiterte Besitzstandsgarantie Gültigkeit hat.
Rekurrentin H. E. AG:
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Die Liegenschaften der Rekurrentin seien aus der Zone IIS1 zu .
10. Rekurrentin P. Immobilien AG:
Das Verbot der Versiegelung von Flächen sei aufzuheben.
Rekurrentin H. E. AG:
Die vorliegende Umschreibung des Bestandesschutzes (Ziffer 6 der Verordnung) sei aufzuheben und es sei sicherzustellen, dass in der Zone IIS1 die erweiterte Besitzstandsgarantie Gültigkeit hat.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen."
F.
Die Rekursanträge der Rekurrentin B. AG lauten:
"1. Lemma 8 von Ziff. 4.3 der Verordnung zum Schutz der Limmataltläufe in Dietikon, Geroldswil und Oetwil a.d.L. (Naturschutzgebiete mit  Bedeutung) vom 24. April 2017, nachfolgend  genannt, sei zu streichen, eventualiter durch eine an die  Nutzung angepasste Vorschrift zu ersetzen, jedenfalls mit Bezug auf die Parzellen 11857, 11858 und 12125.
2. Lemma 11 von Ziff. 4.3 der Schutzverordnung sei zu streichen,  mit Bezug auf die Parzellen 11857, 11858 und 12125. Eventualiter sei das Verbot so zu formulieren, dass die Nutzungsreserven auf den Grundstücken der Rekurrentin ohne Einschränkung zonenkonform  werden können.
3. Lemma 1 von Ziff. 4.5 der Schutzverordnung sei jedenfalls mit Bezug auf die Parzellen Nrn. 11857, 11858 und 12125 zu streichen,  durch eine Bestimmung über Mindestabstände von Kellerbauten zu ersetzen.
4. Lemma 4 von Ziff. 4.5 der Schutzverordnung sei zumindest mit Bezug auf die Parzellen Nrn. 11857, 11858 und 12125 derart abzuändern, dass das Niederschlagswasser nur dann lokal zur Versickerung zu bringen ist, wenn dies technisch möglich und wirtschaftlich tragbar ist.
5. Falls ein Dritter gegen diese Verordnung Rekurs einreicht, in welchem eine Verschärfung der Vorschriften zu Lasten der Rekurrentin  wird, sei die Rekurrentin als Partei in dieses Verfahren .
6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen."
R1L.2017.00018 Seite 7
G.
Im Rekursverfahren der Rekurrenten Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife
Schweiz und BirdLife Zürich erklärten zunächst die zwei mitbeteiligten Ge-
meinderäte Geroldswil (mit Schreiben vom 28. Juni 2017 ausdrücklich) und
Oetwil a.d.L. (stillschweigend) ihren Verzicht auf jegliche Vernehmlassung.
Mit Eingaben zwischen dem 11. Juli 2017 und dem 17. Juli 2017 schlossen
sodann die B. AG (hier als Mitbeteiligte), die Baudirektion, die mitbeteiligte
L. und der mitbeteiligte Stadtrat Dietikon auf Abweisung des Antrags Nr. 3
betreffend die aufschiebende Wirkung und vorsorgliche Massnahmen.
Mit Eingaben zwischen dem 11. Juli 2017 und dem 26. Juli 2017 folgten
sodann die Vernehmlassungen der Ebengenannten, welche allesamt auf
Abweisung des Rekurses – teilweise: soweit darauf einzutreten sei – laute-
ten, unter Kostenfolge zu Lasten der Rekurrenten. Die mitbeteiligte B. AG,
die mitbeteiligte L. und der mitbeteiligte Stadtrat Dietikon stellten überdies
je ein Gesuch um Parteientschädigung.
Am 7. September 2017 erklärten die Rekurrenten den Rückzug ihres Ge-
suchs betreffend aufschiebende Wirkung und vorsorgliche Massnahmen.
Hiervon wurde mit Verfügung vom 18. September 2017 Vormerk genom-
men und das Gesuch als gegenstandslos geworden abgeschrieben.
In dem am 19. September 2017 abgeschlossenen zweiten Schriftenwech-
sel hielten alle Parteien an ihren jeweiligen Anträgen fest. Auf die Anset-
zung eines dritten Schriftenwechsels – so ein Antrag der Rekurrenten in der
Replik – war praxisgemäss zu verzichten.
H.
In den Rekursverfahren der Rekurrentinnen P. Immobilien AG, G. Perso-
nalvorsorgestiftung und H. E. AG lauteten die Vernehmlassungen der sich
einzig äussernden Baudirektion je vom 21. Juli 2017 auf Abweisung der
Rekurse unter Kostenfolge zulasten der jeweiligen Rekurrentin.
In den am 25. September 2017 abgeschlossenen zweiten Schriftenwech-
seln in diesen Verfahren hielten die Rekurrentinnen und die Baudirektion an
ihren jeweiligen Anträgen fest.
R1L.2017.00018 Seite 8
I.
Auch im Rekursverfahren der Rekurrentin B. AG äusserte sich einzig die
Baudirektion und beantragte die Abweisung (auch) dieses Rekurses unter
Kostenfolge zulasten der Rekurrentin.
In dem am 18. September 2017 abgeschlossenen zweiten Schriftenwech-
sel in diesem Verfahren hielten die Rekurrentin und die Baudirektion an ih-
ren jeweiligen Anträgen fest.
J.
Am 7. Februar 2018 führte das Baurekursgericht im Beisein aller Rekurs-
parteien, der Baudirektion, des mitbeteiligten Stadtrats Dietikon und der
mitbeteiligten L. einen Abteilungsaugenschein vor Ort durch.
K.
Auf die Ausführungen der Parteien und die Erkenntnisse des Augenscheins
ist nachfolgend insoweit einzugehen, als dies für die Begründung des Ent-
scheides erforderlich ist.

Es kommt in Betracht:
1.
Die Rekurse betreffen dieselbe Schutzverordnung, weshalb die Verfahren
G.-Nrn. R1L.2017.00018, R1L.2017.00019, R1L.2017.00020,
R1L.2017.00021 und R1L.2017.00022 zu vereinigen sind.
2.1.
Der Rekurrent Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz ist eine sich
dem Naturschutz widmende, gesamtschweizerisch tätige und rein ideelle
Zwecke verfolgende Naturschutzorganisation. Dementsprechend ist er im
Sinne von Art. 12 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über den Natur- und
Heimatschutz (NHG) zur Anfechtung von den Naturschutz betreffenden
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Verfügungen kantonaler Behörden legitimiert (Art. 1 bzw. Anhang der Ver-
ordnung über die Bezeichnung der im Bereich des Umweltschutzes sowie
des Natur- und Heimatschutzes beschwerdeberechtigten Organisationen
[VBO]). Der Rekurrent BirdLife Zürich (früher: Zürcher Vogelschutz) ist ge-
stützt auf das kantonale Verbandsbeschwerderecht rekurslegitimiert
(§ 338b Abs. 1 lit. a des Planungs- und Baugesetzes [PBG]; vgl.
VB 89/0158 in RB 1990 Nr. 12).
2.2.
Die Rekurrentinnen P. Immobilien AG, G. Personalvorsorgestiftung, H. E.
AG und B. AG sind allesamt Eigentümerinnen von Grundstücken im Indust-
riegebiet Silbern-Lerzen-Stierenmatt, die vom Perimeter der Schutzverord-
nung überlagert und dergestalt aufgrund verschiedener Einschränkungen
tangiert werden. Sie sind demnach in Bezug auf ihre Grundstücke durch die
angefochtene Anordnung mehr als die Allgemeinheit betroffen und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Änderung im Sinne der jeweiligen
Rekursanträge. Demnach sind auch diese vier Rekurrentinnen rekurslegi-
miert (§ 338a PBG).
2.3.
Weil auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Re-
kurse grundsätzlich einzutreten. Soweit dies in Bezug auf einzelne Rügen
nicht der Fall ist, wird dies nachfolgend im Einzelnen dargetan.
3.1.
Mit der Limmatkorrektion um 1880 veränderte sich der Flussraum der
Limmat im Raum Dietikon – Geroldswil – Oetwil a.d.L. einschneidend. Das
Flussbett wurde eingeengt, abgesenkt, kanalisiert und vom umliegenden
Auengebiet abgetrennt. Verschiedene im Laufe der Jahrzehnte erstellte
Bauten (unter anderem die Abwasserreinigungsanlage Limmattal, die Keh-
richtverbrennungsanlage, das bereits erwähnte Industriegebiet Silbern-
Lerzen-Stierenmatt und die Autobahn A1) schnürten das Auengebiet, ins-
besondere auf der linken Limmatseite, weiter ein. Dennoch sind im Raum
Dietikon – Geroldswil – Oetwil a.d.L. Reste der ursprünglichen Aue erhalten
geblieben, die als letzte Zeugen des ursprünglichen Limmattals mit ihren
Riedwiesen, Altwässern, lockeren Baum- und Gebüschgruppen und den
angrenzenden Altbeständen eine der bedeutendsten Altwasserlandschaf-
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ten im Kanton Zürich darstellen. Teile des Gebietes wurden bereits 1930
als eines der ersten Naturreservate im Kanton Zürich erstmals unter Schutz
gestellt. Die Limmataltläufe weisen auch heute noch eine grosse Biotopviel-
falt auf und bieten vielen geschützten und/oder gefährdeten Tier- und
Pflanzenarten Lebensraum, worunter etwa eine grosse Zahl von Orchide-
engattungen. Seit 1980 konnten sodann weit über 100 verschiedene Vo-
gelarten (etwa Pirol, Grauspecht oder Nachtigall) beobachtet werden, wo-
von rund 40 Arten regelmässig im Reservat brüten. Neben verschiedenen
Säugetierarten existiert auch eine reichhaltige Kleintierwelt und Flora mit
zahlreichen Amphibien-, Reptilien- und Lilienarten.
Die grosse naturkundliche Bedeutung des Limmataltlaufgebiets bei Dietikon
wurde sodann durch die Aufnahme des Gebiets in das Inventar der Natur-
und Landschaftsschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung im Jahr
1980 und durch die Festlegung als Naturschutzgebiet von kantonaler Be-
deutung im kantonalen Richtplan (genehmigt vom Bundesrat im Jahr 2015)
dokumentiert. Die zentralen Teile mit Moorflächen sind sodann seit 1994
als Objekt Nr. 865 (Schachen) Bestandteil des Bundesinventars der Flach-
moore von nationaler Bedeutung.
3.2.
Mit der hier angefochtenen Schutzverordnung soll der in den letzten Jahr-
zehnten gestiegene Nutzungsdruck auf das Gebiet – auch und gerade als
Naherholungsgebiet – mit den Anforderungen eines zeitgemässen Natur-
schutzes koordiniert und abgestimmt werden. Da zentrale Teile der Limma-
taltläufe wie erwähnt nicht nur kantonal, sondern als Flachmoor von natio-
naler Bedeutung auch auf Bundesebene inventarisiert sind, haben die fest-
zulegenden Schutzmassnahmen insoweit auch den Anforderungen der
Verordnung über den Schutz der Flachmoore von nationaler Bedeutung
(Flachmoorverordnung) zu genügen. Dies bedingt insbesondere die Aus-
scheidung von ökologisch ausreichenden Pufferzonen, die den unge-
schmälerten Erhalt der Lebensräume und der moortypischen Tier- und
Pflanzenwelt gewährleisten.
3.3.
Zusammenfassend stellt Art. 1 der Schutzverordnung folgende zwei im In-
ventar der Natur- und Landschaftsschutzobjekte von überkommunaler Be-
deutung verzeichneten Objekte unter Naturschutz: erstens das Objekt
"Limmataltläufe, Antoniloch, Schachen und Werd" (Naturschutzobjekt von
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kantonaler Bedeutung) und zweitens das Objekt "Auenwaldstreifen Binzerli"
(Naturschutzobjekt von regionaler Bedeutung). Bei der Unterschutzstellung
des ersterwähnten Naturschutzobjekts trägt die Verordnung sodann dem
Umstand Rechnung, dass das Gebiet Schachen auch als Flachmoor von
nationaler Bedeutung inventarisiert ist.
Dementsprechend werden die Schutzgebiete – unter besonderer Beach-
tung des nationalen Schutzobjekts – in Zonen gegliedert (Art. 2). Es werden
zonenspezifischen Schutzziele (Art. 3) und Einschränkungen (Art. 4) defi-
niert; weiter wird der Unterhalt von bestehenden Bauten und Anlagen
(Art. 6), die Pflege der Naturschutzgebiete (Art. 7) und die Abgeltung von
Leistungen (Art. 8) festgelegt.
Rekursverfahren G.-Nr. R1L.2017.00018 der Rekurrenten Schweizer
Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz und BirdLife Zürich:
4.
Vom Rückzug des Antrags Nr. 3 betreffend aufschiebende Wirkung und
vorsorgliche Massnahmen wurde bereits Vormerk genommen (vorstehende
Erwägung G).
5.1.
Die Rekurrenten machen zusammengefasst geltend, dass die Schutzver-
ordnung den Interessen, welche erstens mit der Flachmoorverordnung,
zweitens mit der Verordnung zum Schutz der Auengebiete von nationaler
Bedeutung (Auenverordnung) sowie drittens – allgemein – mit dem NHG
verfolgt werden, nicht ausreichend Rechnung trage.
Aus diesem Grund sei die Schutzverordnung aufzuheben und zur Neube-
arbeitung an die Baudirektion zurückweisen. Die Baudirektion sei anzuwei-
sen, im Rahmen einer neuen Schutzverordnung insbesondere zum Schutz
des Flachmoors Schachen und zum Schutz des Auenobjekts Nr. 400 (Diet-
ikon-Geroldswil) diverse Verschärfungen (siehe die Anträge Ziff. 2.1 - 2.9 in
vorstehender Erwägung B) zu statuieren.
R1L.2017.00018 Seite 12
5.2.
Gegenstand des Rekursverfahrens kann nur sein, was auch Gegenstand
der erstinstanzlichen Verfügung war bzw. nach richtiger Rechtsanwendung
hätte sein sollen. Gegenstände, über welche die Vorinstanz zu Recht nicht
entschieden hat, fallen nicht in den Kompetenzbereich der Rekursinstanz,
ansonsten in die funktionelle Zuständigkeit der erstinstanzlich verfügenden
Behörde eingegriffen würde (Martin Bertschi, in: Kommentar VRG, 3. Aufl.,
Zürich/Basel/Genf 2014, Vorbemerkungen zu §§ 19 - 28a Rz. 45).
Das von den Rekurrenten erwähnte Auenobjekt Nr. 400 (Dietlikon-
Geroldswil) ist nicht Gegenstand der hier angefochtenen Schutzverordnung
und hätte dies im Zeitpunkt ihres Erlasses (April 2017) auch nicht sein
müssen. Das Auenobjekt Nr. 400 wurde erst per 1. November 2017 in An-
hang 2 der Auenverordnung aufgenommen, welcher die nicht definitiv be-
reinigten Objekte aufzählt (Art. 11a Abs. 1 Auenverordnung; vgl. auch Prot.
S. 6). Erst seit 1. November 2017 kommt für das Auenobjekt Nr. 400 des-
halb auch Art. 11a Abs. 2 der Auenverordnung zur Anwendung, gemäss
welcher Bestimmung sich der Schutz der nicht definitiv bereinigten Objekte
nach Art. 29 der Verordnung über den Natur- und Heimatschutz (NHV) und
nach Art. 7 der Auenverordnung richtet; beide Bestimmungen regeln den
sogenannten vorsorglichen Schutz. Mithin ist es in rechtlicher Hinsicht ein-
zig korrekt, dass sich die im April 2017 erlassene Schutzverordnung nicht
auch bereits explizit mit vorsorglichen Schutzmassnahmen betreffend das
erst später in den Anhang 2 der Auenverordnung aufgenommene Auenob-
jekt Nr. 400 beschäftigt. Hieran ändert nichts, dass nach Auffassung der
Rekurrenten "in materieller Hinsicht" der Wert des Auenobjekts Nr. 400 be-
reits vor dem 1. November 2017 erstellt gewesen sei (Rekursschrift [act. 2],
Ziff. 40). Auch ist der Umstand, dass mit dem Erlass der hier angefochte-
nen Schutzverordnung nicht zugewartet wurde, um auch noch vorsorgliche
Schutzmassnahmen für das Auenobjekt Nr. 400 in Betracht zu ziehen, kei-
neswegs unsinnig (Rekursschrift [act. 2], Ziff. 56). Ob überhaupt und in
welchem Umfang das Auenobjekt Nr. 400 expliziter, vorsorglicher Schutz-
massnahmen nach Massgabe von Art. 29 NHV und Art. 7 der Auenverord-
nung bedarf, wird allenfalls Gegenstand umfangreicher Abklärungen sein.
Ein zusätzlich zu beachtender auenrechtlicher Schutzperimeter hätte offen-
kundig zu einer weiteren Verzögerung der gerade nach Auffassung der Re-
kurrenten längst überfälligen Schutzverordnung für das national inventari-
sierte Flachmoor Schachen geführt (vgl. die insoweit ohne weiteres nach-
vollziehbare Argumentation des Regierungsrates im Rahmen der Anhörung
R1L.2017.00018 Seite 13
zur Änderung der Verordnungen über den Schutz der Biotope und Moor-
landschaften von nationaler Bedeutung [act. 5.20, S. 3]). Schliesslich ist in
der nicht gleichzeitigen Behandlung aller inventarisierter Schutzobjekte ei-
ner bestimmten Region in einer einzigen Schutzverordnung auch kein
Verstoss gegen das Koordinationsgebot gemäss Art. 25a des Raumpla-
nungsgesetzes (RPG) zu erkennen. Die Festlegung einer oder mehrerer
Schutzverordnungen gemäss § 205 lit. b PBG ist mitnichten "materiell be-
trachtet ein Nutzungsplanverfahren" – so die Rekurrenten in der Replik –
auf welches die Grundsätze der Koordination "sinngemäss" anzuwenden
wären.
5.3.