Decision ID: 2d78493a-f856-4f90-95d3-2c92e3f0d0e0
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Susanne Friedauer, Kieser Senn Partner,
Ulrichstrasse 14, 8032 Zürich,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 19. August 2011 (Eingang SVA) zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung an (IV-act. 2). Dabei gab sie u.a. an, dass sie die
Oberstufenschule besucht, jedoch keinen Beruf erlernt habe. Im Jahr 1969 habe sie
geheiratet. Der Ehe entstammen drei Söhne (Jg. 197_, Jg. 198_ und Jg. 198_). Die Ehe
sei im Jahr 2000 geschieden worden. Seither arbeite sie als Reinigungsangestellte
stundenweise in privaten Haushalten und in Unternehmungen. Seit ca. sechs Jahren
habe sie gesundheitliche Beeinträchtigungen (IV-act. 1 und 2).
A.b Die Abklärungen der IV-Stelle und von Dr. med. B._ vom Regionalen Ärztlichen
Dienst Ostschweiz (RAD) ergaben, dass die Versicherte in den Jahren 2006 und 2007 in
ärztlicher Behandlung war bei Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH. Diagnostiziert wurden depressive Episoden und eine Dysthymia.
Verschrieben wurden antidepressiv wirkende Medikamente (IV-act. 7, 8, 10, 29, 35, 38
und 45). Im Februar 2011 trat die Versicherte bei Dr. med. D._, Arzt für Allgemeine
Medizin FMH, in Behandlung. Dieser hielt gegenüber Dr. B._ auf telefonische Anfrage
vom 23. August 2011 fest, die Versicherte leide unter einer die Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigenden bipolaren Störung (ICD-10: F31). Die Arbeitsfähigkeit in
angestammter und adaptierter Tätigkeit betrage 40% (IV-act. 10).
A.c Der Krankentaggeldversicherer Z._ stellte der IV-Stelle am 30. August 2011
(Eingang SVA) seine Akten zur Verfügung, darunter insbesondere ärztliche Zeugnisse
von Dr. D._, welche eine Arbeitsunfähigkeit der Versicherten von 60% ab 1. April
2011 bescheinigen (act. G 4.2).
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A.d Die IV-Stelle informierte die Versicherte mit Schreiben vom 22. Dezember 2011,
dass zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien und deshalb
der Anspruch auf eine Rentenleistung geprüft werde (IV-act. 33). Mit Schreiben vom
6. Juni 2012 erfolgte die Mitteilung an die Versicherte, dass sie keinen Anspruch auf
berufliche Massnahmen habe (IV-act. 44).
A.e Am 29. August 2012 wurde eine psychiatrische Abklärung durch Dr. med. E._,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH und zertifizierte Gutachterin SIM,
vom RAD durchgeführt (IV-act. 49). Diagnostiziert wurde bei der Versicherten eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10: F33.0), DD:
anhaltende ängstliche Depression (Dysthymia, ICD-10: F34.1) sowie Verdacht auf
akzentuierte Persönlichkeitsstruktur mit ängstlich-vermeidenden und abhängigen
Zügen (ICD-10: Z73.1). Geschätzt wurde eine Arbeitsfähigkeit in der bisherigen
Tätigkeit von ca. 4 bis 5 Stunden und in einer angepassten Tätigkeit von ca. 5 bis 6
Stunden pro Tag an 5 Tagen pro Woche (IV-act. 49 S. 4 f.). Am 22. Januar 2013 wurde
eine Haushaltabklärung durchgeführt. Es wurden keine Einschränkungen im
Haushaltsbereich festgestellt (IV-act. 62).
A.f Mit Vorbescheid vom 7. März 2013 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass
sie keinen Anspruch auf eine Invalidenrente habe (IV-act. 64 f.). Mit Schreiben vom
29. März 2013 wandte die Versicherte insbesondere ein, dass das angenommene
Invalideneinkommen zu hoch sei. Sie wies darauf hin, dass der behandelnde Arzt sie
immer zu 60% arbeitsunfähig geschrieben habe. Aufgrund des Gesundheitszustandes
(Gelenkschmerzen, psychische Probleme) könne sie zurzeit nur noch ca. 13 Stunden
pro Woche arbeiten (IV-act. 70).
A.g Mit Verfügung vom 4. April 2013 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab (IV-
act. 72). Sie begründete dies mit einem Invaliditätsgrad von 26%. Der Invaliditätsgrad
sei mit der gemischten Methode ermittelt worden (Anteil Erwerbsbereich: 80%, Anteil
Haushalts-/Aufgabenbereich: 20%). Die Einschränkung im Erwerbsbereich betrage
32.5%. Im Aufgabenbereich bestehe keine Einschränkung.
B.
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B.a Die Versicherte liess am 3. Mai 2013 Beschwerde erheben (act. G 1). Die
Rechtsvertreterin stellte folgende Rechtsbegehren: Die Verfügung vom 4. April 2013 sei
aufzuheben, und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der
Beschwerdeführerin die gesetzlich geschuldeten Leistungen zu erbringen;
insbesondere sei ihr eine Invalidenrente auszurichten unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Nicht einverstanden sei
man mit dem Entscheid, dass der Invaliditätsgrad nach der gemischten Methode
ermittelt werde, denn die Beschwerdeführerin verwende die durch die Reduktion des
Arbeitspensums resultierende freie Zeit nicht für eine Tätigkeit im Aufgabenbereich,
sondern insbesondere für ihr Hobby (Englischsprachkurs). Zudem lebe die
Beschwerdeführerin alleine und habe keinerlei Betreuungspflichten mehr
wahrzunehmen. Im Weiteren wurden die angenommene Arbeitsfähigkeit und die Höhe
der Vergleichseinkommen bestritten. Die ermittelte Arbeitsfähigkeit sei nicht
ausreichend begründet und decke sich nicht mit den Zeugnissen bzw. Berichten der
behandelnden Ärzte. Es sei deshalb von einer Arbeitsfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit von 40% und in einer angepassten Tätigkeit von 50% auszugehen. Der
Beschwerdeführerin stehe folglich eine halbe Invalidenrente, zumindest aber eine
Viertelsrente zu.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 18. Juni 2013 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Es bestehe kein Rentenanspruch, da höchstens ein IV-Grad von
30% vorliege. Der IV-Grad sei nach der gemischte Methode zu errechnen, denn die
Beschwerdeführerin habe erklärt, dass sie als Gesunde an vier von fünf Tagen die
Woche arbeiten würde. Die Beschwerdeführerin bewohne alleine eine 3.5-
Zimmerwohnung, was auf einen gewissen Aufwand für die Verrichtung des Haushalts
hindeute. Das Erwerbspensum habe die Beschwerdeführerin denn auch nicht wegen
des Englischsprachkurses reduziert. Beim Validenlohn sei von Fr. 49‘071.--
auszugehen (80%-Pensum). Das von der Beschwerdeführerin geltend gemachte
Valideneinkommen sei unrealistisch, denn es liege deutlich über dem anwendbaren
Tabellenlohn und dem Verdienst der Beschwerdeführerin in den letzten Jahren.
Aufgrund der Arbeitsfähigkeitseinschätzung des RAD und in Nachachtung des Alters
und der Ausbildung der Beschwerdeführerin sei davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin die angestammte Tätigkeit noch zu 54% ausüben könne (22.5
Stunden pro Woche).
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B.c In der Replik vom 19. September 2013 (act. G 8) wandte die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin sinngemäss ein, dass bezüglich der Anwendbarkeit bzw.
Nichtanwendbarkeit der gemischten Methode einzig relevant sei, wie eine versicherte
Person die restliche Zeit (nebst der Erwerbstätigkeit) verbringe. Die Beschwerdeführerin
verwende einen grossen Teil ihrer freien Zeit für den Englischkurs. Dabei handle es sich
klar nicht um eine Tätigkeit im Aufgabenbereich, weshalb diese bei der Ermittlung des
Invaliditätsgrades keine Berücksichtigung finden dürfe. Der Invaliditätsgrad sei folglich
nicht nach der gemischten Methode, sondern ausschliesslich nach der
Einkommensvergleichsmethode zu bestimmen. Bei der Bestimmung des
Valideneinkommens sei von den zuletzt ausgeübten Tätigkeiten auszugehen.
B.d Mit Schreiben vom 1. Oktober 2013 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine
Duplik (act. G 10).

Erwägungen:
1.
Materiell umstritten ist zunächst, ob die Invalidität mittels Einkommensvergleichs oder
nach der gemischten Methode zu bestimmen ist.
1.1
1.1.1 Die Bestimmung des Invaliditätsgrades von erwerbstätigen Versicherten
erfolgt nach der Einkommensvergleichsmethode. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 28a Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.2) i.V.m. Art. 16 des
Bundesgesetzes über den allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR830.1)).
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1.1.2 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind, wird für diesen Teil die
Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich
tätig, so wird bei der Bemessung der Invalidität für diesen Teil darauf abgestellt, in
welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (vgl. Art. 28a
Abs. 2 und 3 IVG). Die Gesamtinvalidität ergibt sich aus der Addierung der in beiden
Bereichen ermittelten und gewichteten Teilinvaliditäten (BGE 130 V 393 E. 3.3; vgl.
BGE 134 V 9). Die Invalidität bei einer hypothetisch (im Gesundheitsfall) lediglich
teilerwerbstätigen versicherten Person ohne einen Aufgabenbereich bestimmt sich
nach der allgemeinen Methode des Einkommensvergleichs oder einer Untervariante
davon (Schätzungs- oder Prozentvergleich, ausserordentliches Bemessungsverfahren),
denn es betrifft nicht die Invalidenversicherung, wenn eine versicherte Person ihr
gesundheitlich zumutbares Arbeitspensum aus freien Stücken reduziert, insbesondere
um mehr Freizeit (für Hobby etc.) zu haben (BGE 131 V 51 E. 5.1.2 und 5.2; Urteil des
Bundesgerichts vom 4. Januar 2008, 9C_265/2007, E. 5.4).
1.1.3 Bei der Bestimmung der im konkreten Fall anwendbaren
Bemessungsmethode und damit der Beantwortung der entscheidenden Statusfrage
handelt es sich um eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetische
Willensentscheidung der versicherten Person berücksichtigen muss. Dies gilt auch für
die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person ohne gesundheitliche
Beeinträchtigung erwerbstätig wäre. Diese inneren Tatsachen sind indessen einer
direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren
Indizien erschlossen werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. November 2013,
9C_287/2013, E. 3.5). Zu klären ist folglich, ob Versicherte die durch das reduzierte
Arbeitspensum gewonnene freie Zeit für Tätigkeiten im Aufgabenbereich oder
anderweitig verwenden. Als Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen Versicherten
gelten gemäss Art. 27 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201)
insbesondere die übliche Tätigkeit im Haushalt, die Erziehung der Kinder sowie
gemeinnützige oder künstlerische Tätigkeiten (vgl. BGE 130 V 360 E. 3.3.2).
1.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass sie die durch das reduzierte
Arbeitspensum im Umfang von 20% zur Verfügung stehende freie Zeit für ihre Hobbies,
insbesondere das Erlernen der englischen Sprache, verwende (Englischkurs inkl.
Hausaufgaben). Sie benötige diese freie Zeit nicht für den Aufgabenbereich, da sie
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alleine lebe und keine Betreuungsaufgaben mehr wahrzunehmen habe, da ihre drei
Kinder alle erwachsen seien und ihr Leben eigenständig meisterten (IV-act. 49 S. 2 f.
und act. G 8 S. 4). Die Beschwerdegegnerin vertritt dagegen den Standpunkt, dass die
Beschwerdeführerin das Erwerbspensum nicht wegen der Hobbies reduziert habe,
weshalb es rechtens sei, die Beschwerdeführerin als zu 20% im Haushalt Tätige zu
qualifizieren. Es sei zwar zutreffend, dass die Beschwerdeführerin alleine lebe, jedoch
bedinge eine 31⁄2-Zimmerwohnung einen erheblichen Arbeitsaufwand, was dazu führe,
dass die freie Zeit im Umfang des reduzierten Pensums als im Aufgabenbereich
eingesetzt zu qualifizieren sei. Für die Anwendung der gemischten Methode spreche
zudem, dass die Beschwerdeführerin soweit ersichtlich nie vollzeitlich gearbeitet habe.
Dies aufgrund der Betreuung ihrer drei Söhne, später dann aus gesundheitlichen
Gründen. Selbst nach der Scheidung habe die Beschwerdeführerin ihr Pensum nicht
erhöht (act. G 4).
1.3 Wie zuvor aufgezeigt, hat die Beurteilung danach zu erfolgen, wie sich die
Situation zukünftig darstellen würde, wenn die Beschwerdeführerin (hypothetisch)
gesund wäre (vgl. E. 1.1). Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin im
Gesundheitsfalle einer Erwerbstätigkeit im Umfang eines 80%-Pensums nachgehen
würde (act. G 1 und G 4). Es sind auch keine objektiven Anhaltspunkte dafür gegeben,
dass die im Rahmen der ersten Abklärungen der IV-Stelle vom 22. August 2011 (IV-
act. 8) sowie in der Haushaltsabklärung gemachte Aussage (IV-act. 55), wonach sie
ohne gesundheitliche Beeinträchtigung zu 80% erwerbstätig wäre, nicht weiterhin
Gültigkeit haben sollte. Die Aufnahme eines Vollpensums erscheint deshalb nicht als
überwiegend wahrscheinlich.
1.4 Hinsichtlich der Verwendung der freien Zeit im Umfang des reduzierten Pensums
von 20% und damit der Qualifikation dieser Zeit bestehen unterschiedliche Ansichten.
Die Beschwerdeführerin lässt nachvollziehbar ausführen, dass sie diese Zeit
insbesondere für ihr Hobby, das Erlernen der englischen Sprache, verwende und nicht
etwa für Tätigkeiten im Aufgabenbereich einsetzen müsse (vgl. act. G 1 S. 5 f. und
G 8 S. 3 f.). Zudem hat sie darauf hingewiesen, dass der Besuch des Englischkurses ihr
ein wichtiges Anliegen sei (IV-act. 49 S. 3, 52 S. 5 und 62 S. 6 und 8). Die
Beschwerdegegnerin macht dagegen gestützt auf Angaben in der Haushaltsabklärung
geltend, dass die Beschwerdeführerin die freie Zeit nicht in erster Linie für das Hobby
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einsetze (vgl. act. G 4). Den Ausführungen der Beschwerdegegnerin kann entnommen
werden, dass sie den Zeitbedarf für das Hobby im Verhältnis zur freien Zeit (20%-
Pensum) als zu gering betrachtet bzw. das Hobby nicht der wahre Grund der
Reduktion des Arbeitspensums sei, so dass die freie Zeit als insgesamt im
Aufgabenbereich eingesetzt zu betrachten sei. Die Beschwerdegegnerin geht
dementsprechend davon aus, dass die Beschwerdeführerin im (hypothetischen)
Gesundheitsfalle stets den in der Haushaltabklärung genannten aktuellen Zeitaufwand
von 10 bis 12 Stunden monatlich für den Sprachkurs aufwenden würde. Dieser Ansicht
kann nicht unbesehen gefolgt werden, denn verlangt ist, von der Situation auszugehen,
wie sie sich im Gesundheitsfalle darstellen würde. Bei der Beurteilung ist die
hypothetische Willensentscheidung der versicherten Person zu berücksichtigen,
welche insbesondere aus äusseren Indizien erschlossen werden muss (vgl. E. 1.1.3).
Der geltend gemachte Zeitbedarf im Umfang eines 20%-Pensums erscheint als
realistisch und nachvollziehbar und ist daher anzuerkennen, zumal die
Beschwerdeführerin bereits seit mehreren Jahren einen Teil der Zeit, welche sie früher
für die Betreuung der Kinder und die Haushaltführung benötigte, für das Erlernen der
englischen Sprache einsetzt. Hinzu kommt, dass der Zeitbedarf beim Erlernen einer
Sprache tendenziell zunimmt, je höher das erreichte bzw. angestrebte Sprachniveau
ist. Der Annahme der Beschwerdegegnerin, dass selbst bei alleinstehenden Personen
ohne Betreuungspflichten bereits das Bewohnen einer 31⁄2-Zimmerwohnung dazu führt,
dass die durch eine Reduktion des Arbeitspensums frei gewordene Zeit stets der
Haushaltsführung diene und folglich dem Aufgabenbereich zuzuordnen sei, kann nicht
unbesehen gefolgt werden. Vorliegend hat die Beschwerdeführerin nachvollziehbar
darlegt, wofür sie die frei gewordene Zeit verwendet bzw. im Gesundheitsfall
verwenden würde. Es bedarf daher Indizien, welche mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit widerlegen, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall nicht
die Zeit im Umfang des reduzierten Pensums für ihre Hobbies, sondern für den
Aufgabenbereich aufwenden würde. Die Darlegungen, dass die Beschwerdeführerin
noch nie vollzeitlich gearbeitet und nach der Scheidung im Jahre 2000 ihr
Arbeitspensum nicht erhöht habe, vermögen die Erklärung der Beschwerdeführerin
nicht zu entkräften und stehen teilweise im Widerspruch zur Aussage in der
Beschwerdeantwort, dass das Einkommen der Beschwerdeführerin vor dem Jahr 2006
wesentlich geringer gewesen sei (act. G 4 E. III.3: Fr. 9'000.-- (2005), Fr. 16'300.--
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(2004), Fr. 17'600.-- usw.; IV-act. 62 S. 2: Die Einkommen der Jahre 2007 bis 2010
lagen zwischen Fr. 34'297.-- und Fr. 36'787.--).
1.5 Angesicht der gesamten Umstände ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall die freie Zeit im
geltend gemachten Umfang eines 20%-Pensums für ihre Freizeitaktivitäten wie den
Englischsprachkurs inkl. Hausaufgaben und nicht für den Aufgabenbereich einsetzen
würde. Folglich ist die Invalidität, weil die freie Zeit im Umfang des reduzierten
Pensums von 20% im Gesundheitsfall nicht für Tätigkeiten im Aufgabenbereich i.S.v.
Art. 27 IVV verwendet wird, mittels Einkommensvergleichs und nicht nach der
gemischten Methode zu bestimmen.
2.
Im Weiteren ist die Höhe des Valideneinkommens umstritten. Nicht bestritten ist in
diesem Zusammenhang, dass wegen des Alters der Beschwerdeführerin (Jahrgang
19_) und der fehlenden Berufsausbildung weiterhin von einer Arbeitstätigkeit als
Raum- und Haushaltspflegerin auszugehen ist.
2.1 Das Valideneinkommen ist dasjenige Einkommen, das die versicherte Person
erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). Nach der
Rechtsprechung kann das Valideneinkommen auf Grund der IK-Einträge bestimmt
werden. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der
realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da
erfahrungsgemäss die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt
worden wäre (BGE 135 V 58 E. 3.1; BGE 134 V 322 E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts
vom 29. Januar 2007, I 551/05, E. 7.1). Weist das bis zum Eintritt des
Gesundheitsschadens erzielte Einkommen starke und verhältnismässig kurzfristig in
Erscheinung tretende Schwankungen auf, ist dabei auf den während einer längeren
Zeitspanne erzielten Durchschnittsverdienst abzustellen (Urteil des Bundesgerichts
vom 10. November 2009, 8C_9/2009, E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts vom 10.
Februar 2009, 8C_576/2008, E. 6.2).
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2.2 Die Beschwerdegegnerin ermittelte ein Valideneinkommen von Fr. 49'071.--
bezogen auf ein 80%-Pensum und ein Invalideneinkommen von Fr. 33'123.-- (IV-
act. 51 und 72). Basis der Berechnungen war die Einkommens- bzw.
Beschäftigungssituation des Jahres 2010. Im Jahr 2010 arbeitete die
Beschwerdeführerin für vier Arbeitgeber (IV-act. 9 S. 1 und IV-act. 12). Drei
Arbeitsverhältnisse bestanden während des ganzen Jahres (F._ in G._, H._ in
I._ und J._ Rechtsanwälte in K._) und ein Arbeitsverhältnis bestand erst ab dem
September (Metzgerei L._ AG in M._). Die Beschwerdeführerin verdiente gemäss
IK-Auszug insgesamt Fr. 36'439.-- (IV-act. 9 S. 1: F._: Fr. 6'357.--, H._:
Fr. 6'974.--; J._ Rechtsanwälte: Fr. 19'479.--; Metzgerei L._ AG: Fr. 3'629.--). Die
Beschwerdegegnerin ging bei der Berechnung des Valideneinkommens davon aus,
dass das Jahreseinkommen 2010 im Rahmen eines 60%-Pensum erzielt worden sei,
und rechnete dieses auf ein 80%-Pensum hoch (IV-act. 51). Die Beschwerdeführerin
bestreitet das von der Beschwerdegegnerin ermittelte Valideneinkommen. Das
Valideneinkommen für ein 80%-Pensum betrage nicht Fr. 49'071.--, sondern
Fr. 66'485.-- (act. G 1 S. 5). Zur Begründung wird angeführt, dass das viermonatige
Einkommen bei der Metzgerei L._ AG auf ein Jahr hochzurechnen sei und das
Einkommen gemäss IK-Auszug im Rahmen eines 53%-Pensums und nicht wie von der
Beschwerdegegnerin angenommen eines 60%-Pensums erzielt worden sei (22
Stunden pro Woche im Verhältnis zu 41.7 Stunden pro Woche; act. G 1).
2.3 Hinsichtlich des Valideneinkommens kann auf die Einkommenssituation des
Jahres 2010 abgestellt werden, denn einerseits beziehen sich beide Parteien stets auf
dieses Jahr vor dem invaliditätsbegründenden Ereignis und andererseits bewegen sich
die Einkommen der Vorjahre in etwa auf dem gleichen Niveau (act. 62 S. 2). Gemäss
den Akten arbeitete die Beschwerdeführerin (IV-act. 12, 13 S. 2, 22 S. 6 und 23 S. 2) im
Jahr 2010 pro Woche 4 Stunden bei F._, 4 Stunden bei H._ und 81⁄2 Stunden bei
J._ Rechtsanwälte sowie im Zeitraum September bis Dezember 2010 pro Woche 51⁄2
Stunden bei der Metzgerei L._ AG. Folglich arbeitete die Beschwerdeführerin in den
Monaten Januar bis August 2010 161⁄2 Stunden pro Woche und in den Monaten
September bis Dezember 2010 22 Stunden pro Woche. Im Vergleich mit der
durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 41.6 Stunden resultiert für die Monate
Januar bis August 2010 ein Arbeitspensum von ca. 40% und für die Monate
September bis Dezember ein Arbeitspensum von ca. 53%. Das Einkommen des Jahres
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2010 wurde folglich im Rahmen eines Arbeitspensums von ca. 44% erzielt ((8 x 0,40 +
4 x 0,53) / 12). Hochgerechnet auf ein 80%-Pensum ergibt dies ein Valideneinkommen
für das Jahr 2010 von Fr. 66'253.-- (Fr. 36'439.-- / 44 x 80). Die Diskrepanz zum von
der Beschwerdegegnerin ermittelten Valideneinkommen ergibt sich aus dem Umstand,
dass die Beschwerdegegnerin davon ausging, das Einkommen des Jahres 2010
resultiere aus einem 60% und nicht wie dargelegt aus einem 44%-Pensum. Die
Beschwerdegegnerin brachte zudem vor, dass das von der Beschwerdeführerin
geltend gemachte Valideneinkommen deutlich über den anwendbaren Tabellenlohn
liege (act. G 4). Da gemäss Rechtsprechung bei gleichbleibender Tätigkeit in der Regel
am zuletzt erzielten Verdienst vor dem invaliditätsauslösenden Ereignis anzuknüpfen ist
und die Beschwerdeführerin regelmässig Stundenlöhne in der gleichen
Grössenordnung bei verschiedenen Arbeitgebern erzielt hatte, gibt es jedoch keine
Veranlassung, nicht die Beschäftigungs-/Einkommenssituation des Jahres 2010 als
Basis für die Vergleichsrechnungen zu nehmen.
3.
Im Weiteren sind umstritten die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin und als Folge
davon das Invalideneinkommen.
3.1 Die Beschwerdegegnerin stützt sich hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit im
Erwerbsbereich von 54% (22.5 Stunden im Verhältnis zu 41.6 Stunden pro Woche)
insbesondere auf die psychiatrischen Abklärungen von Dr. E._ vom RAD am
29. August 2012 ab. Der Bericht weist eine Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit
von ca. 4 bis 5 Stunden pro Tag an 5 Tagen pro Woche aus (IV-act. 49 S. 4 f.). Die
Beschwerdeführerin geht dagegen von einer Arbeitsfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit von 40% und in einer angepassten Tätigkeit von 50% aus. Beanstandet wird,
dass die festgelegte Arbeitsfähigkeit weder ausreichend begründet sei, noch mit den
Zeugnissen bzw. Berichten der behandelnden Ärzte übereinstimme (act. G 1).
3.2 Die Beschwerdegegnerin hat unter Verweis auf die und in Würdigung der
medizinischen Akten überzeugend dargelegt, weshalb der Gesundheitszustand der
Versicherten eine Tätigkeit im bisherigen Bereich zu 54% zulässt (4.5 Stunden pro
Tag). Der ärztliche Bericht von 29. August 2012 von Dr. E._ vom RAD beruht auf einer
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persönlichen Untersuchung der Beschwerdeführerin, setzt sich mit den Befunden der
behandelnden Ärzte auseinander und kommt aufgrund eigener Feststellungen zu einer
differenzierten Arbeitsfähigkeitsbeurteilung (IV-act. 49). So wird u.a. darauf
hingewiesen, dass sich bei der Versicherten keine Hinweise auf eine bipolare Störung
finden liessen und gegenwärtig eher die Kriterien für das Ausmass einer leichten
Depression und nicht eine chronische depressive Verstimmung vorlägen. Bestehende
psychosoziale Belastungsfaktoren (Alleinleben, finanzielle Sorgen) und die
Persönlichkeitsakzentuierung sowie das Schmerzerleben begünstigten die
Aufrechterhaltung der depressiven Reaktion. Massgeblich sei, dass neben der
Schmerzen/Fibromyalgie eine Komorbidität im Sinne einer anhaltenden depressiven
Störung und einer Persönlichkeitsakzentuierung vorliege, welche die
arbeitsleistungsbezogene Überwindbarkeit des Schmerzsyndroms allenfalls
beeinträchtige. Aus versicherungspsychiatrischer Sicht kann es der Versicherten
zugemutet werden, trotz der geklagten Beschwerden die Willensanstrengung
aufzubringen, um einer beruflichen Tätigkeit zumindest teilweise nachzugehen. Was die
Beschwerdeführerin dagegen vorbringt, lässt diese Sachverhaltsfeststellung weder als
unrichtig noch in anderer Weise als rechtswidrig erscheinen. Das gilt namentlich auch,
soweit auf die ärztlichen Berichte bzw. Zeugnisse des behandelnden Arztes Dr. D._
Bezug genommen wird, in denen eine geringere Arbeitsfähigkeit attestiert wird. Diese
Ausführungen bzw. Arbeitsunfähigkeitszeugnisse sind aufgrund der auftragsrechtlichen
Vertrauensstellung zur Patientin sowie des Behandlungsauftrages mit entsprechend
unterschiedlichem Blickwinkel zurückhaltend zu gewichten (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5;
BGE 125 V 351 E. 3b/cc; Urteil des Bundesgerichts vom 16. April 2013, 8C_156/2013,
E. 4.2). Sie sind aber namentlich auch zu wenig konkret, um die medizinischen
Abklärungen des RAD hinsichtlich der Restarbeitsfähigkeit in Frage zu stellen. Seit dem
25. März 2013 besteht gemäss dem behandelndem Arzt Dr. D._ eine Arbeitsfähigkeit
von 50% (IV-act. 67 f.). In Würdigung aller Umstände ist nicht zu beanstanden, dass die
IV-Stelle von einer Arbeitsfähigkeit von 54% zum Verfügungszeitpunkt ausgeht. Damit
ergibt sich auf der Basis des Einkommens von 2010 (80% Pensum) ein
entsprechendes Invalideneinkommen von Fr. 35‘777.-- (Fr. 66'253.-- / 100 x 54).
4.
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Der Invaliditätsgrad entspricht der Erwerbseinbusse als Folge der Invalidität im
Vergleich zum Valideneinkommen. Bei einer Invalidität ab 40% besteht Anspruch auf
eine Viertelsrente, ab 50% auf eine halbe Rente, ab 60% auf eine Dreiviertelsrente und
ab 70% auf eine ganze Rente (Art. 28 IVG). Vorliegend resultiert ein Invaliditätsgrad von
46% ((Fr. 66‘253.-- - Fr. 35‘777.--) / Fr. 66‘253.--). Die Beschwerdeführerin hat folglich
Anspruch auf eine Viertelsrente der Invalidenversicherung.
5.
Zusammenfassend ist die Beschwerde insofern gutzuheissen, als dass ein Anspruch
auf eine Viertelsrente besteht. Die Höhe der Viertelsrente und der Zeitpunkt des
Anspruchsbeginns sind durch die IV-Stelle festzulegen, wofür die Sache an diese
zurückzuweisen ist.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP