Decision ID: 1939fd0a-989c-4fa1-9703-9cabaaed155d
Year: 2018
Language: de
Court: BL_KG
Chamber: BL_KG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Folgender Sachverhalt liegt dieser Einstellungsverfügung zu Grunde:
Am 19. Juli 2017, um 17:05 Uhr, wurde C._, geboren am 4. Januar 1962, tot in seiner Woh-
nung in X._, aufgefunden. +C._, der seit 1999 für die D._ AG, in Y._, als Informa-
tiker tätig war, hatte an diesem Tag, also am 19. Juli 2017, um 14:30 Uhr, eine Verabredung mit
einigen Mitarbeitern der D._ AG, namentlich mit E._, F._ und G._. Als er nicht zu
dieser Sitzung erschien und auch sonst nicht erreicht werden konnte, informierte G._ die
Polizei. Zwei Vertreter der Polizei Basel-Landschaft, nämlich B._ und H._, begaben sich
daraufhin nach X._ zur Wohnung von +C._, betraten diese mit Hilfe des Schlüsseldiens-
tes und fanden +C._ im oberen Stock auf seinem Bett liegend. Die beigezogenen medizini-
schen Fachleute bestätigten seinen Tod, der gemäss Bericht der Polizei Basel-Landschaft, Fo-
rensik, vom 11. Oktober 2017 sowie des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Basel vom
25. Januar 2018 nicht auf eine Dritteinwirkung, sondern auf eine Vorerkrankung (Herzprobleme)
und mithin auf ein „inneres Geschehen“ zurückzuführen sei. Der Pikett-Staatsanwalt K._
ordnete die Überführung des Leichnams zwecks Identifikation ins Institut für Rechtsmedizin der
Universität Basel an. Der Schlüssel zur Wohnung von +C._ wurde dem Polizeibeamten
B._ ausgehändigt, mit dem Hinweis, dass dieser nach abgeschlossener Identifikation an das
Erbschaftsamt zu übergeben sei. Am 20. Juli 2017, nachmittags, ging B._ nochmals zur
Wohnung des Verstorbenen, öffnete die Haustüre mit dem mitgebrachten Schlüssel und betrat
zusammen mit I._, Inhaber der D._ AG, E._ , Geschäftsleiter der D._ AG, sowie
den beiden Mitarbeitern der besagten Firma, F._ und G._, die Wohnung von +C._.
F._ ging dann zu einem der Computer des Verstorbenen und kopierte darauf befindliche
Dateien der D._ AG, insbesondere den „Quellcode“ auf einen externen Datenträger. Nach
etwa 15 - 30 Minuten verliessen die vier Vertreter der D._ AG sowie der Polizist B._ die
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Wohnung von +C._ (vgl. dazu Strafverfahrensakten, namentlich die Berichte der Polizei
Basel-Landschaft vom 28. Juli 2017 betreffend „Aussergewöhnlicher Todesfall“, act. 189 ff., der
Polizei Basel-Landschaft, Forensik, vom 11. Oktober 2017, act. 209 ff., des Polizeibeamten
B._ vom 3. November 2017, act. 245 ff., und des Instituts für Rechtsmedizin der Universität
Basel vom 25. Januar 2018, act. 249 ff., sowie die Einvernahmen von G._ vom 19. Septem-
ber 2017, act. 255 ff., von I._ vom 19. Oktober 2017, act. 265 ff., von F._ vom 19. Okto-
ber 2017, act. 291 ff., von E._ vom 21. Dezember 2017, act. 311, sowie von B._ vom 4.
Januar 2018, act. 335 ff., und vom 31. Januar 2018, act. 349 ff.).
Am 29. August 2017 reichte A._, die Mutter von +C._, Strafanzeige gegen I._,
E._, F._ sowie gegen B._ ein und beantragte die Eröffnung einer Strafuntersuchung
wegen unbefugter Datenbeschaffung gemäss Art. 143 StGB, unbefugten Eindringens in ein
Datenverarbeitungssystem gemäss Art. 143bis StGB, Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186
StGB sowie wegen Amtsmissbrauchs gemäss Art. 312 StGB (act. 161 ff.). Die Staatsanwalt-
schaft leitete in der Folge gegen alle Beschuldigten ein separates Strafverfahren ein (BM1 17
147 i.S. I._, BM1 17 148 i.S. E._ und BM1 17 149 i.S. F._).
B. Gegen die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft vom 1. März 2018 im Strafver-
fahren BM1 17 150 erhob A._ mit Eingabe vom 12. März 2018 Beschwerde. Die Beschwer-
deführerin stellt folgende Rechtsbegehren:
„1. Die angefochtene und dieser Beschwerde beigefügte Einstellungsverfügung vom
1. März (2018) im staatsanwaltlichen Verfahren mit der Nummer BM1.17.150 sei aufzu-
heben.
2. Die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, das Strafverfahren gegen den Beschuldigten
B._ fortzusetzen und Anklage gemäss Art. 324 ff. StPO zu erheben.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin.“
In ihrer Stellungnahme vom 23. März 2018 beantragte die Staatsanwaltschaft die Abweisung
der Beschwerde unter entsprechender Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdeführerin.
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Der Beschuldigte beantragte seinerseits mit Eingabe vom 4. April 2018, die Beschwerde, sofern
darauf einzutreten sei, kostenfällig abzuweisen und die Einstellungsverfügung der Staatsan-
waltschaft vom 1. März 2018 zu bestätigen.
C. Mit Verfügung des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom
12. April 2018 wurde der Schriftenwechsel geschlossen und der Fall an die Beschwerdeinstanz
zum Entscheid weitergeleitet.
Die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde erfolgt zusammen mit den Beschwerden, die
auch gegen die in den Parallel-Strafverfahren (BM1 17 147 i.S. I._, BM1 17 148 i.S. E._
und BM1 17 149 i.S. F._) ergangenen Einstellungsverfügungen der Staatsanwaltschaft ein-
gereicht wurden.

Erwägungen
I. Formelles
1. Die Beschwerde ist gemäss Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO zulässig gegen Verfügungen und
Verfahrenshandlungen von Polizei, Staatsanwaltschaft und Übertretungsstrafbehörden. Ge-
mäss Art. 393 Abs. 2 StPO können Rechtsverletzungen, die falsche Feststellung des Sachver-
halts sowie Unangemessenheit gerügt werden. Da mit der Beschwerde alle Mängel des ange-
fochtenen Entscheides geltend gemacht werden können, verfügt die Rechtsmittel-instanz über
volle Kognition (PATRICK GUIDON, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 393 N 15). Die
Beschwerdefrist gegen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide beträgt zehn Tage, wobei
die Beschwerde schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen ist (Art. 322
Abs. 2 i.V.m. Art. 396 Abs. 1 StPO). Zur Beschwerde berechtigt ist jede Partei, die ein rechtlich
geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Abänderung der angefochtenen Verfügung hat
(Art. 382 Abs. 1 StPO).
2. Die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft vom 1. März 2018 stellt ein taugliches
Anfechtungsobjekt dar. Sie ist der Beschwerdeführerin am 2. März 2018 zugestellt worden. Mit
ihrer Eingabe vom 12. März 2018, die auch gleichentags bei der Post zum Versand aufgegeben
worden ist, hat die Beschwerdeführerin die 10-tägige Beschwerdefrist gewahrt. Die Zuständig-
keit der Dreierkammer des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, als Be-
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schwerdeinstanz ist gemäss § 15 Abs. 2 EG StPO i.V.m. Art. 20 Abs. 1 lit. b und Art. 20 Abs. 2
StPO ebenfalls gegeben. Die Legitimation zur Beschwerdeerhebung liegt schliesslich auch vor.
Die Beschwerdeführerin ist die Mutter von +C._, der mutmasslich am 19. Juli 2017 verstor-
ben ist (vgl. dazu die Erbbescheinigung des Erbschaftsamtes Arlesheim vom 8. November
2017; Beschwerdebeilage 4). Die im nunmehr eingestellten Strafverfahren zur Diskussion ste-
henden Straftatbestände, also die unbefugte Datenbeschaffung, das unbefugte Eindringen in
ein Datenverarbeitungssystem, der Hausfriedensbruch wie auch der Amtsmissbrauch, sind zum
Nachteil von +C._ resp. kurz nach seinem Tod, nämlich am 20. Juli 2017, und damit zum
Nachteil der Erbengemeinschaft erfolgt. Bei strafbaren Handlungen zum Nachteil einer Erben-
gemeinschaft gelten die einzelnen Erben als Geschädigte nach Art. 115 Abs. 1 StPO. Das
Strafantragsrecht im Sinne von Art. 30 Abs. 1 StGB steht dabei jedem einzelnen Erben persön-
lich zu. Macht einer der geschädigten Erben von seinem Strafantragsrecht Gebrauch, kann er
sich dadurch im Strafpunkt gültig als Privatkläger (Strafkläger) konstituieren. Als Partei im Sinne
von Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO ist er in der Folge auch ohne die Mitwirkung der übrigen Erben
namentlich zur Beschwerde gegen eine im Zusammenhang mit der Strafuntersuchung ergan-
genen Verfügung, wie z.B. einer Einstellung oder einer Nichtanhandnahme des Verfahrens,
legitimiert (BGE 141 IV 380 E. 2.3.3 ff.). Die Beschwerdeführerin hat sich im vorliegenden Fall
mit ihrer am 29. August 2017 bei der Staatsanwaltschaft eingereichten Strafanzeige als Privat-
klägerin konstituiert (act. 161). Durch die angefochtene Einstellungsverfügung ist sie offensicht-
lich beschwert und mithin zur Beschwerde berechtigt. Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
II. Materielles
1.1 Gemäss Art. 319 Abs. 1 StPO stellt die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren vollständig
oder teilweise ein, wenn sich kein Tatverdacht erhärtet, der eine Anklage rechtfertigt (lit. a), kein
Straftatbestand erfüllt ist (lit. b), Rechtfertigungsgründe einen Straftatbestand unanwendbar
machen (lit. c), Prozessvoraussetzungen definitiv nicht erfüllt werden können oder Prozesshin-
dernisse aufgetreten sind (lit. d) oder nach gesetzlicher Vorschrift auf Strafverfolgung oder Be-
strafung verzichtet werden kann (lit. e). Ein Verfahren ist etwa dann teilweise einzustellen, wenn
die Einstellungsgründe nur auf einen Teil der untersuchten Straftaten zutreffen (ROLF
GRÄDEL/MATTHIAS HEINIGER, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 319 N 4).
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1.2 Die Staatsanwaltschaft stützt ihre Einstellungsverfügung vom 1. März 2018 auf Art. 319
Abs. 1 lit. b StPO. In der Begründung dieser Verfügung führt sie aus, gemäss den Schilderun-
gen der Verantwortlichen der D._ AG sei der sogenannte „Quellcode“ für die Aufrechterhal-
tung des Betriebes der D._ AG von zentraler Bedeutung und müsse deshalb permanent
aktuell gehalten werden, weil ansonsten die gesamte bestehende Informatikplattform der
D._ AG ersetzt werden müsste, was zu Ausgaben in Millionenhöhe und erheblichen zeitli-
chen Ausfällen zulasten der Kundschaft führen würde. Aufgrund dieser Darstellung habe der
Beschuldigte die Sachlage als derart dramatisch beurteilt, dass er den Verantwortlichen der
D._ AG erlaubt habe, sich in die Wohnung von +C._ zu begeben, um diesen „Quellcode“
sicherzustellen. Das Vorgehen des Beschuldigten erscheine nachvollziehbar, weil er angesichts
der zahlreichen eingeschalteten Informatikgeräte darüber hinaus von einer Gefahr ausgegan-
gen sei, die eine rasche Intervention nahegelegt habe. Vorsätzliches Handeln hinsichtlich eines
Hausfriedensbruchs, einer unbefugten Datenbeschaffung und eines unbefugten Eindringens in
ein Datenverarbeitungssystem sei, wie auch eine allfällige Gehilfenschaft dazu, nicht erkennbar.
Mit Bezug auf den Vorwurf des Amtsmissbrauchs hält die Staatsanwaltschaft fest, es gebe in
den Akten keinerlei Hinweise dafür, dass der Beschuldigte seine Amtsgewalt vorsätzlich miss-
braucht habe, um sich oder einem anderen einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen oder
einem anderen einen Nachteil zuzufügen. Selbst wenn dem Beschuldigten bezüglich seiner
damaligen Beurteilung der Lage ein pflichtwidriges Vorgehen zur Last gelegt würde und er sei-
nen Irrtum hätte vermeiden können, müssten sämtliche Vorwürfe fallengelassen werden, da die
vorgeworfenen Tatbestände bei fahrlässiger Begehung nicht strafbar seien.
1.3 Die Beschwerdeführerin weist in ihrer Beschwerde vom 12. März 2018 darauf hin, dass
die D._ AG selbst bei Bejahung eines vertraglichen Anspruchs auf die Arbeitsergebnisse
von +C._ resp. auf den aktuellsten „Quellcode“ nicht dazu berechtigt gewesen sei, diese
Daten eigenhändig zu beschaffen. Es sei auch von einer Bereicherungsabsicht auszugehen,
zumal selbst die Staatsanwaltschaft in ihrer Einstellungsverfügung von einem Schaden in Milli-
onenhöhe spreche, der entstanden wäre, wenn die Verantwortlichen der D._ AG den
„Quellcode“ nicht erhalten hätten.
Bezüglich des Hausfriedensbruchs macht die Beschwerdeführerin geltend, dass es nicht, wie
nachträglich vom Beschuldigten behauptet, um die Abwehr einer allfälligen, ohnehin nur diffus
angedeuteten Gefahr, sondern ausschliesslich um die Beschaffung resp. die Sicherung von
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geschäftlichen Daten gegangen sei. Der Beschuldigte habe sehr wohl gewusst, dass er den
Verantwortlichen der D._ AG keinen Zutritt zur Wohnung des Verstorbenen hätte gewähren
dürfen und dass sein Vorgehen auch den Anweisungen seines Vorgesetzten widersprochen
habe. Es liege daher kein Fall von Verbotsirrtum vor.
1.4 In ihrer Stellungnahme vom 23. März 2018 führt die Staatsanwaltschaft aus, dass die
subjektiven Tatbestandsmerkmale der in Frage stehenden Straftaten nicht erfüllt seien. Der
Beschuldigte sowie die bei der D._ AG angestellten Mitarbeiter hätten kein Interesse daran
gehabt, private Daten von +C._ zu behändigen. Mit Bezug auf das Vorgehen des Beschul-
digten räumt die Staatsanwaltschaft sodann ein, dass dieser zwar ungeschickt agiert und dabei
möglicherweise auch Dienstvorschriften verletzt habe. Dies rechtfertige aber weder eine Ankla-
ge noch einen Strafbefehl. Der Polizeibeamte habe aufgrund seiner Ausbildung und seines
Wissensstandes nicht abschätzen können, ob die als notwendig geschilderte Überprüfung des
„Quellcodes“ resp. das Kopieren desselben tatsächlich eine umgehend zu neutralisierende Ge-
fahrensituation darstellt habe, die ohne Intervention zu einem finanziellen Schaden von mehre-
ren tausend Franken bei der D._ AG geführt hätte. Tatsache sei, dass der Beschuldigte ge-
rade aufgrund der dramatischen Schilderungen durch die Mitarbeiter der D._ AG von einer
solch imminenten Gefahrenlage ausgegangen sei. Dass diese sich im Nachhinein als nicht der-
art gross herausgestellt habe, da der „Quellcode“ der D._ AG von +C._ gar nicht abge-
ändert worden war, vermöge ihm nicht zum Nachteil zu gereichen.
1.5 Der Beschuldigte stellt sich in seiner Eingabe vom 4. April 2018 auf den Standpunkt,
dass ihm kein Vorwurf gemacht werden könne, weil er als Laie beim Anblick all der Elektronik in
der Wohnung von +C._ von einer diesbezüglichen Gefahr ausgegangen sei. Im Übrigen
dürfe er gemäss § 31 Abs. 1 des basellandschaftlichen Polizeigesetzes private Räumlichkeiten
zur Abwehr einer unmittelbaren Gefahr betreten. Schliesslich weist der Beschuldigte auch auf
§ 3 Abs. 2 lit. a - c des basellandschaftlichen Polizeigesetzes hin, wonach die Polizei zum
Schutz privater Interessen, in casu zur Sicherstellung des „Quellcodes“, tätig werden dürfe. Er
habe also in Erfüllung seiner polizeilichen Aufgaben und damit rechtmässig gehandelt.
2.1 Eine Einstellung gemäss Art. 319 Abs. 1 lit. b StPO ist dann zu verfügen, wenn kein
Straftatbestand erfüllt ist, wenn also das inkriminierte Verhalten, selbst wenn es nachgewiesen
wäre, den objektiven und subjektiven Tatbestand einer Strafnorm nicht erfüllt und deshalb nach
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der gesamten Aktenlage ein Freispruch zu erwarten ist. Die Einstellung kann namentlich auch
dann erfolgen, wenn bloss ein Tatbestandselement ganz offensichtlich nicht gegeben ist. Bei
der Prüfung dieser Voraussetzungen hat die Staatsanwaltschaft den Grundsatz „in dubio pro
duriore“ zu beachten, d.h. sie muss im Zweifelsfalle, insbesondere bei Ermessensfragen und
bei rechtlich nicht klar gelösten Streitfragen, Anklage erheben. Gleich verhält es sich, wenn
Auslegungs- oder Wertungsfragen zu beurteilen sind. Solche Fragen sind vom Strafgericht zu
entscheiden (NATHAN LANDSHUT/THOMAS BOSSHARD, Zürcher Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014,
Art. 319 N 19 f.; ROLF GRÄDEL/MATTHIAS HEINIGER, a.a.O., Art. 319 N 9).
Im vorliegenden Fall ist also zu prüfen, ob tatsächlich keiner der beanzeigten Straftatbestände
erfüllt resp. ob zumindest ein Tatbestandselement der in Frage kommenden Strafnormen ganz
offensichtlich nicht gegeben ist.
2.2 Unbefugte Datenbeschaffung gemäss Art. 143 Abs. 1 StGB begeht, wer in der Absicht,
sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, sich oder einem andern elektronisch oder
in vergleichbarer Weise gespeicherte oder übermittelte Daten beschafft, die nicht für ihn be-
stimmt und gegen seinen unbefugten Zugriff besonders gesichert sind.
Mit dieser Bestimmung werden einerseits das Vermögen, andererseits aber auch Geheimhal-
tungsinteressen geschützt. Es geht um das ungestörte Verfügungsrecht über Computerdaten
und zwar um solche Daten, die nicht für den Täter bestimmt sind resp. über die er nicht verfü-
gen darf. Die Daten müssen gegen Zugriffe durch Unbefugte besonders gesichert sein, wobei
diese Sicherung physisch, z.B. durch Verschliessen des Computerraums, oder elektronisch,
z.B. durch Verwendung von Passwörtern, erfolgen kann. Straflos bleibt indessen, wer in einem
unverschlossenen Büro auf einem nicht passwortgeschützten Computer eine Datei öffnet, ab-
speichert und die Kopie an sich nimmt. Mit der „Datenbeschaffung“ ist sodann gemeint, dass
der Täter nicht nur die Hindernisse überwinden muss, die ihm den Zugang zu den Daten ver-
wehren sollten, sondern dass er überdies in der Lage ist, mit den beschafften Daten zu arbei-
ten, dass er sie also jederzeit konsultieren, ausdrucken oder abändern kann. Es genügt, wenn
der Täter die Möglichkeit hat, an der Datenverarbeitungsanlage der berechtigten Person mit
den Daten nach eigenem Belieben zu verfügen. Blosse Kenntnisnahme von Daten genügt hin-
gegen nicht. In subjektiver Hinsicht wird Vorsatz bezüglich der Beschaffung von Daten für sich
oder eine andere Person verlangt, wobei Eventualvorsatz genügt. Im Weiteren bedarf es einer
ungerechtfertigten Bereicherungsabsicht. Diese kann darin bestehen, dass der Täter die Ausla-
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gen für die rechtmässige Beschaffung der Daten einsparen kann (vgl. STEFAN TRECHSEL/DEAN
CRAMERI, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, Art. 143 N 2 ff.).
2.3 Unbefugtes Eindringen in ein Datenverarbeitungssystem liegt dann vor, wenn jemand
auf dem Wege von Datenübertragungseinrichtungen unbefugterweise in ein fremdes, gegen
seinen Zugriff besonders gesichertes Datenverarbeitungssystem eindringt (Art. 143bis Abs. 1
StGB). Ebenfalls strafbar macht sich derjenige, der Passwörter, Programme oder andere Daten,
von denen er weiss oder annehmen muss, dass sie zur Begehung einer strafbaren Handlung
gemäss Absatz 1 verwendet werden sollen, in Verkehr bringt oder zugänglich macht (Art. 143bis
Abs. 2 StGB).
Art. 143bis StGB schützt Daten vor „Hackern“, also vor Tätern, die Sicherungen knacken
bzw. in gesicherte Datensysteme eindringen, ohne damit weitere, insbesondere wirtschaftliche
Zwecke zu verfolgen. Die Tathandlung ist eine Vorstufe des Datendiebstahls gemäss Art. 143
StGB. Angriffsobjekt bildet ein fremdes Datenverarbeitungssystem, das gegen Zugriffe durch
Unbefugte besonders gesichert ist. Tathandlung ist das Eindringen, wobei nur das für Hacker
typische Eindringen auf dem Wege von Datenübertragungseinrichtungen den Tatbestand von
Art. 143bis StGB erfüllt. Der Täter muss also über das Kabel-, über das Telefonnetz oder draht-
los an die Sicherungsschranke herangekommen sein. Wenn er hingegen die Türe zum Compu-
terraum aufbricht und sich direkt über die Tastatur Zugang zum System verschafft, ist er nicht
nach Art. 143bis StGB strafbar. In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz erforderlich, wobei Eventual-
vorsatz genügt. Der Tatbestand erfasst Verhalten mit oder ohne Bereicherungsabsicht. Straflos
bleibt indessen, wer zufällig und ungewollt, z.B. weil er sich vertippt hat, in ein fremdes Daten-
verarbeitungssystem gelangt (vgl. STEFAN TRECHSEL/DEAN CRAMERI, a.a.O., Art. 143bis N 1 ff.).
3.1 I._, Inhaber der D._ AG und Delegierter des Verwaltungsrates dieser Firma,
machte anlässlich seiner Einvernahme vom 19. Oktober 2017 folgende Angaben: Nachdem er
am 19. Juli 2017 von seinem Mitarbeiter G._ telefonisch über den Tod von +C._ unter-
richtet worden sei, habe er zunächst die Mutter des Verstorbenen ausfindig gemacht und ihr
diese Information weitergeleitet. Danach habe er mit dem Polizeibeamten B._ Kontakt auf-
genommen. In diesem Telefonat sei es unter anderem auch um die zahlreichen elektronischen
Geräte in der Wohnung des Verstorbenen gegangen, wobei seitens des Polizisten grösste Si-
cherheitsbedenken geäussert worden seien. Gemäss Darstellung von I._ habe er sich daher
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bereit erklärt, zusammen mit seinen EDV-Leuten die elektronischen Installationen in der Woh-
nung von +C._ zu prüfen und gleichzeitig in geschäftlicher Hinsicht Massnahmen (Trennung
des D._ AG-Homeoffices vom privaten Homeoffice von +C._) sowie gewisse Kontrollen
vorzunehmen. Am 20. Juli 2017, um 14:00 Uhr, habe B._ dann die Wohnung von +C._
aufgeschlossen. Nach entsprechendem Hinweis von G._, der die Wohnung des Verstorbe-
nen gekannt habe, sei F._, ein Mitarbeiter der D._ AG, zum Computer mit dem Home-
office der D._ AG gegangen und habe den „Quellcode“ heruntergeladen. Die Wohnung ha-
be sich so präsentiert, als ob noch gearbeitet worden sei, d.h. man habe sich nur an den Com-
puter setzen und gleich auf der Arbeitsoberfläche der D._ AG weiterarbeiten können (Ein-
vernahme von I._ vom 19. Oktober 2017, act. 265 ff.).
3.2 F._, der als Informatiker und Software-Entwickler für die D._ AG tätig ist, bestä-
tigte diese Darstellung im Wesentlichen. Er habe entweder von I._ oder allenfalls von
E._, dem Geschäftsführer der D._ AG, erfahren, dass man in die Wohnung von +C._
gehen dürfe, um den „Quellcode“ sicherzustellen. Gleichzeitig sei es darum gegangen, die
Elektronik in der Wohnung anzuschauen. Es habe dort ausgesehen wie in einem Raumschiff,
überall Kabel und Lämpchen. Die Polizei sei wohl nicht sicher gewesen, ob das alles in Ord-
nung gewesen sei. Nachdem G._ ihm gezeigt habe, wo bzw. auf welchem Computer die
Arbeitsstation der D._ AG war, habe er im Auftrag von I._ den „Quellcode“ vom betref-
fenden Computer auf eine externe Festplatte kopiert. Es sei nichts dabei gewesen, was die
D._ AG nicht bereits gehabt habe. Es sei nur darum gegangen, den von +C._ erstellten
resp. verwendeten „Quellcode“ mit demjenigen der D._ AG zu vergleichen. Dies sei existen-
tiell für die Firma gewesen, weil ohne übereinstimmenden „Quellcode“ eine Anpassung der
Software unter Umständen nicht mehr möglich gewesen wäre und dies den Untergang der Fir-
ma bedeutet hätte. Es seien jedoch keine Daten mitgenommen, geändert oder gelöscht wor-
den, die nicht ohnehin der D._ AG gehört hätten. Er habe kein Passwort eingeben müssen,
es sei alles offen gewesen und mithin sei kein System gehackt worden. Es habe sich ja um die
Arbeitsstation der D._ AG gehandelt. Gemäss F._ habe der ganze Vorgang ca. 15 - 30
Minuten gedauert, wobei nur er allein am Computer gesessen sei, weil er als einziger über das
Knowhow verfüge. Wer sich um die Frage der Sicherheit gekümmert habe, wisse er nicht. Er
selber habe sich das Ganze jedenfalls nicht näher angesehen oder etwas daran gemacht. Er
wisse auch nicht, wer diesen Hausbesuch organisiert habe, ob die Initiative aus Sicherheits-
gründen von der Polizei ausgegangen oder von I._ wegen dem „Quellcode“ aufgegleist
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worden sei. Er habe jedenfalls geglaubt, dass alles rechtens sei. Es habe für ihn keinen An-
haltspunkt gegeben, dass sein Vorgehen nicht in Ordnung sein könnte, zumal ja auch die Poli-
zei dabei gewesen sei. Emotional habe es sich aber schon ein wenig komisch angefühlt, weil er
den Verstorbenen gekannt habe und dieser erst gerade vor kurzem gestorben sei (Einvernah-
me von F._ vom 19. Oktober 2017, act. 291 ff.).
3.3 E._, der Geschäftsführer der D._ AG, gab seinerseits zu Protokoll, dass es beim
Besuch in der Wohnung von +C._ zum einen um die Frage nach allfälligen von den Elektro-
installationen ausgehenden Sicherheitsrisiken und zum anderen um die Sicherstellung des ak-
tuellsten „Quellcodes“ gegangen sei. Wer die Initiative dazu ergriffen habe, konnte E._ nicht
mehr genau sagen. Er bestätigte jedoch, dass G._ vor Ort gezeigt habe, wo sich die von
+C._ für die D._ AG verwendete Arbeitsstation befand. G._ und F._ seien dann
zusammen in dem kleinen Raum gewesen, in dem der Computer resp. die Arbeitsstation der
D._ AG stand. Er könne nicht sagen, was sie genau gemacht hätten. Er gehe aber davon
aus, dass sie - dem Auftrag entsprechend - lediglich den neusten „Quellcode“ kopiert hätten. An
etwas anderem sei die D._ AG auch gar nicht interessiert gewesen. Schliesslich wies
E._ darauf hin, dass der fragliche Computer - gemäss Auskunft von F._ - nicht mit einem
Passwort geschützt gewesen sei (Einvernahme von E._ vom 21. Dezember 2017, act. 311
ff.).
3.4 G._, der als selbständiger Informatiker seit ca. 2010 oder 2011 zusammen mit
+C._ für die D._ AG tätig war, erklärte zunächst auf die Frage nach den Konsequenzen
dieses Todesfalles für die D._ AG, dass die gesundheitlichen Probleme von +C._ be-
kannt gewesen seien. F._, der bereits seit etwa 3 Jahren an der Entwicklung einer neuen
Software für die Firma arbeite, könne das Projekt weiterführen. Man sei also eigentlich darauf
vorbereitet gewesen. Zur Frage nach dem Grund für den Besuch der Wohnung des Verstorbe-
nen gab G._ an, dass er dies zwar nicht genau wisse, aber glaube, dass es um den „Quell-
code“ resp. um die letzte Version desselben gegangen sei. G._ bestätigte sodann, dass er
F._ zur richtigen Arbeitsstation geführt habe und diese nicht passwortgeschützt gewesen
sei. Soweit er gesehen habe, sei alles frei zugänglich gewesen. F._ habe die gesuchten
Daten, die er mutmasslich schnell gefunden habe, auf einen mobilen Datenträger kopiert und so
mitgenommen. Schliesslich erwähnte G._, dass der Besuch der Wohnung von +C._
nicht seine „Intention“ gewesen sei. Er habe gewusst, dass dies falsch gewesen sei. Da er nun
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aber die Wohnung aufgrund von früheren geschäftlich bedingten Besuchen bereits gekannt
habe und das Treffen so oder so stattfinden sollte, sei er mitgegangen, um sicherzustellen,
dass nur das mitgenommen wurde, worauf auch ein Anspruch bestand (Einvernahme von
G._ vom 19. September 2017, act. 255 ff.).
3.5 Der Beschuldigte gab zu Protokoll, dass er am 19. Juli 2017 mit Hilfe des Schlüssel-
dienstes als erste Person die Wohnung von +C._ betreten habe. Überall seien
Computer und Batterien gestanden resp. Kabel herumgelegen und sogar an der Decke habe es
Computer gehabt. Ihm als Laie sei dies alles wie ein „Gebastel“ vorgekommen. Aus diesem
Grund habe er am darauffolgenden Tag nochmals in die Wohnung gehen wollen. Er habe ge-
meint, dass es als polizeilicher Sachbearbeiter zu seinen Aufgaben gehöre, eine allfällige Ge-
fahr zu bannen. Er habe ein ungutes Gefühl gehabt, die Computer und sonstigen Gerätschaften
einfach so dort zu lassen. Es hätte einen Kurzschluss geben können. Ausserdem habe I._
angerufen und ihm mitgeteilt, dass er Daten sichern müsse. Am 20. Juli 2017 habe er diesem
und drei weiteren Mitarbeitern der D._ AG Zutritt zur Wohnung des Verstorbenen gewährt,
wobei nur F._ und G._ an den Computern gewesen seien, während er selber, I._
und E._ im Eingangsbereich geblieben seien. Damals habe er gedacht, er müsse eine Ge-
fahr abwenden. Aus heutiger Sicht würde er in einem solchen Fall zunächst den zuständigen
Staatsanwalt anrufen (Einvernahmen von B._ vom 4. Januar 2018, act. 335 ff., und vom
31. Januar 2018, act. 349 ff.).
3.6 Aufgrund der übereinstimmenden Angaben der Mitarbeiter der D._ AG, namentlich
von G._ und F._, ist zunächst davon auszugehen, dass die Computer in der Wohnung
des Verstorbenen am 20. Juli 2017 immer noch in Betrieb waren und dass weder die darauf
installierten Datenverarbeitungssysteme noch die Daten darauf gegen Zugriffe durch Unbefugte
besonders gesichert waren (vgl. dazu insbesondere die Aussage von F._, der mehrfach
erklärte, dass er kein Passwort gebraucht, sondern ohne weiteres Zugriff auf die Arbeitsoberflä-
che der D._ AG gehabt habe und dass der Computer auch nicht durch ein Antiviruspro-
gramm geschützt gewesen sei, act. 295 RZ 103 ff. und act. 301 RZ 213 ff.). Damit ist aber be-
reits ein objektives Tatbestandsmerkmal, das sowohl gemäss Art. 143 StGB als auch nach Art.
143bis StGB verlangt wird, eindeutig nicht erfüllt. Es erscheint sodann äusserst fraglich, ob in
casu die weitere Voraussetzung, dass die in Frage stehenden Daten nicht für den Täter be-
stimmt sind, vorliegt. In diesem Zusammenhang ist nämlich auf den zwischen +C._ und der
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D._ AG abgeschlossenen Vertrag vom 25. Juli 2016 hinzuweisen. Gemäss Ziffer 2.2 lit. d)
dieser Vereinbarung übergibt der Auftragnehmer der Auftraggeberin alle Arbeitsergebnisse lau-
fend, insbesondere auch den jeweils neusten und vollständigen „Quellcode“. In Ziffer 5.1 dieses
Vertrags ist sodann festgehalten, dass die vom Auftragnehmer im Rahmen des Vertragsver-
hältnisses für die Auftraggeberin erstellte Software, das Web-Design und die damit verbunde-
nen gewerblichen Schutzrechte auf die Auftraggeberin übertragen werden (vgl. IT-Software
Wartungs- und Supportvertrag mit zugesicherter Reaktionszeit vom 25. Juli 2016; Beschwer-
debeilage 5). Da es aufgrund der Aussagen der Mitarbeiter der D._ AG keine Hinweise da-
für gibt, dass beim Besuch der Wohnung des Verstorbenen etwas anderes als der „Quellcode“,
der gemäss vertraglicher Übereinkunft explizit für die D._ AG als Auftraggeberin bestimmt
ist, kopiert und mitgenommen wurde, kann weder von einer unbefugten Datenbeschaffung noch
von einem unbefugten Eindringen in ein Datenverarbeitungssystem ausgegangen werden.
Überdies bestehen überhaupt keine Anhaltspunkte, dass mit Hilfe einer Datenübertragungsein-
richtung, also über ein Kabel- oder Telefonnetz oder drahtlos, in ein fremdes Datenverarbei-
tungssystem eingedrungen wurde. Schliesslich fehlt es auch am subjektiven Tatbestand, da die
Verantwortlichen der D._ AG nach ihrer glaubhaften Darstellung nicht die Absicht hatten,
sich in unrechtmässiger Weise Daten zu beschaffen und sich dadurch zu bereichern resp. in ein
fremdes Datenverarbeitungssystem einzudringen, sondern nur einen allfälligen Schaden ab-
wenden wollten. Dies gilt umso mehr für den Beschuldigten, der überhaupt kein konkretes Inte-
resse an den Daten der D._ AG hatte. Die Staatsanwaltschaft ist somit zu Recht davon
ausgegangen, dass die beiden in Art. 143 StGB und Art. 143bis StGB geregelten Straftatbestän-
de nicht erfüllt sind. Eine allfällige Beteiligung des Beschuldigten an diesen Delikten fällt dem-
nach ausser Betracht. Die Beschwerde ist in diesem Punkt somit abzuweisen.
4.1 Dem Beschuldigten wird des Weiteren Amtsmissbrauch vorgeworfen. Dieser Tatbestand
liegt gemäss Art. 312 StGB dann vor, wenn Mitglieder einer Behörde oder Beamte ihre Amts-
gewalt missbrauchen, um sich oder einem anderen einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaf-
fen oder einem anderen einen Nachteil zuzufügen.
Ein Missbrauch der Amtsgewalt liegt vor, wenn der Täter seine Machtbefugnisse unrechtmässig
anwendet, indem er z.B. hoheitliche Verfügungen trifft oder auf andere Art Zwang ausübt, oder
wenn er seine Amtsbefugnisse überschreitet. Der Amtsträger greift in Grundfreiheiten anderer
ein, ohne dass die dazu gesetzlich notwendigen Voraussetzungen gegeben sind. Allerdings ist
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nicht bei jeder Verfügung, die sich im Nachhinein wegen Fehlens der gesetzlichen Vorausset-
zungen als unzulässig erweist, sogleich Amtsmissbrauch anzunehmen. Es besteht nämlich ein
gewisser Ermessensspielraum, weshalb der Tatbestand gemäss Art. 312 StGB erst bei einem
eigentlichen Missbrauch dieses Ermessens als erfüllt zu betrachten ist. In subjektiver Hinsicht
ist Vorsatz erforderlich. Der Amtsträger muss in der Absicht handeln, sich oder einem Dritten
einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen oder einem anderen einen ebenfalls unrechtmäs-
sigen Nachteil zuzufügen. Der Täter muss demnach bewusst Amtsgewalt missbrauchen. An
dieser Voraussetzung fehlt es, wenn er glaubt, pflichtgemäss zu handeln (STEFAN TRECHSEL/
HANS VEST, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, Art. 312 N 3 ff.;
STEFAN HEIMGARTNER, Basler Kommentar StGB II, 3. Aufl. 2013, Art. 312 N 7 ff.).
4.2 Im vorliegenden Fall erwähnten nicht nur der Beschuldigte, sondern auch mehrere Mit-
arbeiter der D._ AG, dass es in der Wohnung des Verstorbenen wegen den zahlreichen
elektronischen Installationen wie in einem „Raumschiff“ ausgesehen habe und dies einem Laien
als „Gebastel“ vorgekommen sei. Dass deswegen Sicherheitsbedenken aufkommen können,
erscheint daher keineswegs abwegig. Es ist deshalb fraglich, ob das Vorgehen des Beschuldig-
ten bereits als Ermessensmissbrauch im Sinne von Art. 312 StGB anzusehen ist. Unabhängig
davon ist aufgrund der übereinstimmenden Angaben der Beteiligten jedenfalls davon auszuge-
hen, dass der Beschuldigte tatsächlich gemeint hat, pflichtgemäss zu handeln, als er einen Tag
nach dem Auffinden von +C._ dessen Wohnung mit dem ihm anvertrauten Schlüssel auf-
schloss und so den Mitarbeitern der D._ AG Zugang dazu verschaffte. Es fehlt damit ein-
deutig am subjektiven Tatbestand. Dies gilt auch dann, wenn angenommen wird, dass es dem
Beschuldigten resp. den Mitarbeitern der D._ AG am 20. Juli 2017 überhaupt nicht um Si-
cherheitsaspekte, sondern ausschliesslich um die Beschaffung des „Quellcodes“ ging, zumal
dieser ja - wie zuvor unter Ziff. 3.6 bereits dargelegt - gemäss vertraglicher Vereinbarung ohne-
hin vom verstorbenen Auftragnehmer an die D._ AG als Auftraggeberin übertragen werden
musste. Es gibt daher keine Hinweise dafür, dass der Beschuldigte sich oder der D._ AG
einen unrechtmässigen Vorteil verschaffen, geschweige denn +C._ resp. seinen Rechts-
nachfolgern einen Nachteil zufügen wollte.
Damit bleibt zu prüfen, ob der Tatbestand des Hausfriedensbruchs gegeben ist.
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5.1 Wer gegen den Willen des Berechtigten in ein Haus, in eine Wohnung, in einen abge-
schlossenen Raum eines Hauses oder in einen unmittelbar zu einem Hause gehörenden um-
friedeten Platz, Hof oder Garten oder in einen Werkplatz unrechtmässig eindringt oder, trotz der
Aufforderung eines Berechtigten, sich zu entfernen, darin verweilt, begeht Hausfriedensbruch.
Art. 186 StGB schützt die Freiheit des Berechtigten, darüber zu entscheiden, wer bestimmte
Räume betreten und sich darin aufhalten darf. Geschütztes Rechtsgut ist also das Hausrecht
bzw. die Befugnis, über einen bestimmten Raum ungestört zu herrschen. Der Berechtigte ist
derjenige, dem aufgrund eines dinglichen oder obligatorischen Rechts die Verfügungsgewalt
über die Räume zusteht. Auch ein soeben Verstorbener kann nach bundesgerichtlicher Recht-
sprechung Opfer eines Hausfriedensbruchs sein (vgl. BGE 118 IV 319 E. 3). Als Tathandlung
wird zunächst das Eindringen genannt, also das Betreten eines Hauses oder eines anderen
nach Art. 186 StGB geschützten Bereichs gegen den Willen des Berechtigten. Es genügt dafür,
dass der Täter mit dem Fuss über die Schwelle tritt oder auch, wenn er diesen zwischen Türe
und Schwelle lässt, um so den Berechtigten am Schliessen der Türe zu hindern. Die Art und
Weise des Eindringens, ob diese heimlich, offenkundig oder gewaltsam erfolgt, spielt keine Rol-
le. Der Wille des Hausherrn muss deutlich geäussert werden, wobei eine allfällige Einwilligung
des Berechtigten mündlich, schriftlich oder durch Gesten erfolgen oder sich auch aus den ge-
samten Umständen ergeben kann. In diesem Fall ist zu prüfen, ob der Wille des Berechtigten
aufgrund der Umstände hinreichend erkennbar war. Die zweite Tatbestandsvariante wird voll-
endet, wenn der Täter zwar nicht gegen den Willen des Berechtigten in eine Räumlichkeit ein-
gedrungen ist, diese jedoch trotz entsprechender Aufforderung nicht verlässt. Die beiden er-
wähnten Tathandlungen, das Eindringen und das Verweilen trotz Wegweisung, müssen un-
rechtmässig sein, wobei namentlich auch dann Unrechtmässigkeit anzunehmen ist, wenn je-
mand etwa mit dem Ziel, ein legitimes Anliegen vorzutragen oder gar in Begleitung eines Poli-
zisten, aber gegen den Willen des Berechtigten in einen geschützten Raum eindringt oder darin
verweilt. Das Betreten eines Hauses gegen den Willen des Berechtigten ist hingegen dann nicht
unrechtmässig, wenn dies im Rahmen einer Amtspflicht und unter Beachtung der Grenzen die-
ser amtlichen Befugnisse geschieht. In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz oder Eventualvorsatz
erforderlich. Der Täter muss den Willen haben, das Hausrecht des Berechtigten zu verletzen,
und sich bewusst sein, dass sein Verhalten diese Wirkung hervorruft oder dies zumindest in
Kauf nehmen. Ausserdem muss der Täter um die Unrechtrechtmässigkeit des Eindringens oder
Verbleibens wissen, dies auch wollen oder in Kauf nehmen (VERA DELNON/BERNHARD RÜDY,
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Basler Kommentar StGB II, 3. Aufl. 2013, Art. 186 N 5, 12 und 19 ff.; vgl. auch STEFAN
TRECHSEL/MARTINO MONA, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018,
Art. 186 N 1 ff.).
5.2 Im vorliegenden Fall betrat der Beschuldigte, der im Besitz des Wohnungsschlüssels
war, am 20. Juli 2017, nachmittags, zusammen mit den Verantwortlichen der D._ AG die
Wohnung des kurze Zeit zuvor verstorbenen Mitarbeiters dieser Firma. Da weder der Beschul-
digte noch die Verantwortlichen der D._ AG vor dem Betreten der Wohnung um entspre-
chende Erlaubnis ersucht hatten oder davon ausgehen durften, dass ihnen diese stillschwei-
gend erteilt worden wäre, drangen sie gegen den Willen des Hausrechtsinhabers in die Woh-
nung ein. Zwar steht einem frisch Verstorbenen kein Hausrecht mehr zu, wohl aber seinen Er-
ben, weshalb die letzteren zum Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs legitimiert sind (vgl. zum
Ganzen VERA DELNON/BERNHARD RÜDY, a.a.O., Art. 186 N 21). Das Eindringen erfolgte also
heimlich, zumal keine klare mündliche oder schriftliche Einwilligung einer am Hausrecht berech-
tigten Person vorlag, wonach das Betreten der Wohnung erlaubt gewesen wäre. Damit erweist
sich eines der Tatbestandsmerkmale, nämlich das Eindringen in ein geschütztes Objekt, als
erfüllt. Fraglich ist in diesem Zusammenhang höchstens, ob allenfalls aufgrund der gesamten
Umstände des konkreten Falles, namentlich aufgrund der vertraglichen Vereinbarung zwischen
+C._ und der D._ AG, von einer generellen, konkludenten Erlaubnis des Verstorbenen
ausgegangen werden durfte.
Zu prüfen ist demnach, ob der Zutritt zur Wohnung unrechtmässig erfolgt ist. Der Beschuldigte
macht nämlich geltend, dass er in erster Linie wegen den elektronischen Installationen und sei-
nen diesbezüglichen Bedenken nochmals in die Wohnung von +C._ gehen wollte. Es stellt
sich daher die Frage, ob der Beschuldigte zur Begründung seines Vorgehens eine insbesonde-
re im basellandschaftlichen Polizeigesetz vom 28. November 1996 (PolG; SGS 700) normierte
Amtspflicht anrufen kann.
5.3 Gemäss § 31 PolG darf die Polizei nicht-öffentliche Grundstücke und Räume ohne Ein-
willigung der berechtigten Person betreten und durchsuchen, soweit es zur Abwehr einer unmit-
telbar drohenden Gefahr erforderlich ist (Abs. 1). § 30 Abs. 2 gilt dabei sinngemäss (Abs. 2).
Nach § 30 Abs. 2 PolG wird eine Durchsuchung soweit möglich in Anwesenheit derjenigen Per-
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son durchgeführt, welche die Sachherrschaft ausübt. Ist sie abwesend, so muss ein Vertreter
oder eine Vertreterin oder ein Zeuge oder eine Zeugin beigezogen werden.
Wie zuvor bereits unter Ziff. 4.2 dargelegt, ist aufgrund der Aussagen des Beschuldigten und
der Mitarbeiter der D._ AG davon auszugehen, dass es in der Wohnung des Verstorbenen
zahlreiche elektronische Installationen hatte, die für einen Laien wie ein „Gebastel“ wirkten.
Dass deswegen Sicherheitsbedenken aufkommen können, erscheint daher nicht ganz abwegig.
Wenn der Beschuldigte indessen ernsthaft von einer unmittelbar drohenden Gefahr ausgegan-
gen wäre, kann nicht nachvollzogen werden, warum er nicht sofort nach dem Auffinden von
+C._, also noch am 19. Juli 2017, geeignete Massnahmen gegen die mutmasslich drohende
Gefahr in die Wege leitete. Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass wenigstens am darauffol-
genden Tag den Sicherheitsbedenken Rechnung getragen wurde. Aus den Angaben des Be-
schuldigten sowie der Mitarbeiter der D._ AG kann jedenfalls nicht geschlossen werden,
dass am 20. Juli 2017 diesbezüglich irgendwelche Vorkehrungen getroffen wurden (vgl. dazu
insbesondere die Einvernahme von I._ vom 19. Oktober 2017, act. 271 RZ 147 ff., sowie die
Einvernahme von F._ vom 19. Oktober 2017, act. 295 RZ 111 ff.). Deshalb muss zumindest
aus heutiger Sicht und angesichts der bisher vorhandenen Verfahrensakten eine unmittelbar
drohende Gefahr verneint werden. Die Überprüfung resp. Sicherstellung des von der D._
AG benötigten „Quellcodes“ stellt jedenfalls keine dringend zu behebende Gefahr im Sinne von
§ 31 Abs. 1 PolG dar. Im Übrigen hätte gemäss § 31 Abs. 2 i.V.m. § 30 Abs. 2 PolG selbst
wenn es tatsächlich um die Abwendung einer drohenden Gefahr gegangen wäre, ein Vertreter
des Hausberechtigten oder ein Zeuge beigezogen werden müssen. Es gab also prima vista
keinen offensichtlichen und dringenden Grund für das Betreten der Wohnung von +C._. Der
Beschuldigte kann sich schliesslich auch nicht auf § 3 Abs. 2 PolG berufen. Nach dieser Be-
stimmung obliegt der Schutz privater Rechte der Polizei nur dann, wenn kumulativ deren Be-
stand glaubhaft gemacht wird (lit. a), gerichtlicher Schutz nicht rechtzeitig zu erlangen ist (lit. b)
und ohne polizeiliche Hilfe die Verwirklichung des Rechts vereitelt oder wesentlich erschwert
werden könnte (lit. c). Diese Voraussetzungen sind vorliegend nicht oder zumindest nicht voll-
ständig erfüllt. Es gab nämlich weder zum damaligen Zeitpunkt noch gibt es heute irgendwelche
konkrete Anhaltspunkte dafür, dass die polizeiliche Hilfe für die Beschaffung des „Quellcodes“
derart unabdingbar war. Gemäss Angaben des Firmeninhabers I._ hätte die D._ AG
vielmehr sogar selber den „Quellcode“ über ein besonderes Passwort abrufen können. Die Fir-
ma war damit für den Fall, dass eine Schlüsselperson ausfallen sollte, offenbar gewappnet (vgl.
Seite 18 http://www.bl.ch/kantonsgericht
Einvernahme von I._ vom 19. Oktober 2017, act. 269 RZ 99 ff.). Überdies ist die Darstellung
von I._, wonach es ohne den „Quellcode“ zu irreparablen Schäden in Millionenhöhe ge-
kommen wäre, nicht weiter belegt. Es kann daher nicht davon ausgegangen werden, dass der
Schutz gewichtiger privater Rechte auf dem Spiel stand, deren Verwirklichung ohne polizeiliche
Hilfe vereitelt oder wesentlich erschwert worden wäre. Es macht vielmehr den Anschein, dass
es damals bloss um die geschäftlichen Interessen der D._ AG ging. Im vorliegenden Fall
können sich also weder der Beschuldigte noch die Mitarbeiter der D._ AG auf eine gesetzli-
che Bestimmung abstützen, die das Betreten der Wohnung des Verstorbenen rechtfertigen
würde. Der Beschuldigte hatte schliesslich sein Vorhaben vorher auch nicht von der Staatsan-
waltschaft genehmigen lassen. Er war damit weder aufgrund einer gesetzlich normierten Amts-
pflicht noch einer besonderen Ermächtigung durch die Staatsanwaltschaft dazu berechtigt, die
Wohnung von +C._ zu betreten. Die Staatsanwaltschaft hält in der Einstellungsverfügung
vom 1. März 2018 denn auch explizit fest, dass der Beschuldigte nicht befugt gewesen sei, in
die Wohnung des Verstorbenen einzudringen und dass er damit möglicherweise Dienstvor-
schriften verletzt habe.
Es bleibt zu prüfen, ob sich der Beschuldigte auf Verbotsirrtum gemäss Art. 21 StGB berufen
kann, wie dies von der Staatsanwaltschaft in ihrer Einstellungsverfügung angenommen wird.
5.4 Ein Irrtum über die Rechtswidrigkeit nach Art. 21 StGB liegt dann vor, wenn der Täter
bei Begehung der Tat nicht weiss und nicht wissen kann, dass er sich rechtswidrig verhält.
Praktische Bedeutung hat der Verbotsirrtum vor allem im Nebenstrafrecht. Im Kernbereich des
Strafrechts ist er hingegen äusserst selten und weitestgehend auf den Fall beschränkt, dass
sich der Täter, etwa aufgrund seiner Herkunft oder im Rahmen von geschäftlichen Beziehun-
gen, an einem fremden Rechts- oder Kulturkreis orientiert und deshalb gar nicht auf die Idee
kommt, dass er sich rechtswidrig verhalten könnte. Gegenstand des Irrtums ist die Verbotenheit
eines bestimmten Verhaltens. Der Irrtum muss unvermeidbar sein, wobei das Bundesgericht
diesbezüglich hohe Anforderungen stellt. So begründet die Unkenntnis der rechtlichen Normie-
rungen grundsätzlich keine Unvermeidbarkeit. Der Rechtsirrtum muss vielmehr auf Tatsachen
beruhen, durch die sich „... auch ein gewissenhafter Mensch hätte in die Irre führen lassen“
(vgl. BGE 99 IV 185 f. und 6B_430/2007 E. 5.5). Aus dieser Formel ergibt sich, dass der Mass-
stab der Vermeidbarkeit nicht nach dem stärkeren oder schwächeren Rechtsbewusstsein des
Einzelnen variieren kann. Vielmehr ist jedermann gehalten, das eigene Verhalten auf seine
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Rechtmässigkeit hin zu überprüfen, insbesondere wenn der Täter selbst Zweifel hinsichtlich der
Rechtmässigkeit seines Verhaltens hat oder hätte haben müssen. Dies ist z.B. dann der Fall,
wenn der Täter zwar weiss, dass sein Verhalten rechtlichen Regelungen unterliegt, sich aber
nicht näher über deren Inhalt und Reichweite informiert. Kein Verbotsirrtum liegt insbesondere
vor, wenn der Täter wegen seinen Zweifeln das unbestimmte Empfinden hat, etwas Unrechtes
zu tun. Wer sich im Zweifel bewusst für das Nichtwissen entscheidet, also trotz seiner Zweifel
keinerlei Abklärungen vornimmt, der befindet sich nicht in einem vermeidbaren Verbotsirrtum,
sondern irrt sich überhaupt nicht. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung gilt der Verbotsirr-
tum auch dann als vermeidbar, wenn der Täter sich bewusst ist bzw. sein müsste, dass sein
Verhalten in schwerwiegender Weise gegen allgemein übliche Verhaltenssitten verstösst (vgl.
BGE 99 IV 185 f. und BGE 128 IV 201 E. 2). Die ständige und systematische Duldung eines an
sich vorschriftswidrigen Verhaltens durch die zuständige Behörde kann derweilen einen verfas-
sungsmässigen Vertrauensschutz auslösen und damit ein zureichender Grund für die Annahme
eines Verbotsirrtums werden. Blosses Nichteinschreiten der Behörde trotz Kenntnis des Sach-
verhalts bildet demgegenüber noch keinen hinreichenden Anlass für einen Verbotsirrum
(MARCEL ALEXANDER NIGGLI/STEFAN MAEDER, Basler Kommentar StGB I, 3. Aufl. 2013, Art. 21
N 10 ff.; vgl. auch STEFAN TRECHSEL/MARC JEAN-RICHARD, Schweizerisches Strafgesetzbuch,
Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, Art. 21 N 6 f.).
Im vorliegenden Fall gibt es klare Hinweise darauf, dass eine Berufung auf Verbotsirrtum nicht
in Frage kommt. So erklärte G._ anlässlich seiner Einvernahme nicht nur, dass der Besuch
der Wohnung von +C._ nicht seine „Intention“ gewesen sei, sondern gab überdies zu Proto-
koll, er habe gewusst, dass dies falsch gewesen sei. F._ gegenüber habe er auch gesagt,
„no way“, das gehe nicht, weil es sich um die Wohnung eines Verstorbenen handle. Er habe
deshalb auch verlangt, dass E._ , zu dem er Vertrauen habe, ebenfalls zum besagten Tref-
fen vom 20. Juli 2017 in der Wohnung von +C._ erscheinen solle (Einvernahme von G._
vom 19. September 2017 RZ 60 ff, 77 ff., 88 ff., 117 ff., act. 255 ff.). Es ist davon auszugehen,
dass der Beschuldigte von der Haltung dieses Mitarbeiters der D._ AG Kenntnis hatte. Un-
abhängig davon kann ohnehin erwartet werden, dass eine durchschnittlich intelligente Person
weiss oder wissen müsste, dass sie eine fremde Wohnung nicht einfach so betreten darf resp.
dass sie damit zumindest gegen allgemein übliche Verhaltenssitten verstösst. Gerade vom Be-
schuldigten, der als Polizist über eine entsprechende Ausbildung verfügt, kann erwartet werden,
dass er die gesetzlichen Vorschriften kennt und sich daran hält. Im aktuellen Stadium des Ver-
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fahrens kann dieses deshalb nicht mit Berufung auf Rechtsirrtum eingestellt werden. Schliess-
lich ist an dieser Stelle nochmals darauf hinzuweisen, dass die Praxis ohnehin nur sehr selten
einen Verbotsirrtum annimmt. Daher erscheint es nicht angezeigt, ein Strafverfahren mit der
Begründung einzustellen, dass zwar mutmasslich ein Straftatbestand vorliege, die beschuldigte
Person sich aber auf Verbotsirrtum berufen könne. Die Beschwerde ist folglich mit Bezug auf
den Straftatbestand des Hausfriedensbruchs und damit teilweise gutzuheissen.
6.1 Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfah-
rens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Im vorliegenden Fall ist das Strafver-
fahren gegen den Beschuldigten mit Bezug auf die unbefugte Datenbeschaffung gemäss Art.
143 Abs. 1 StGB, das unbefugte Eindringen in ein Datenverarbeitungssystem gemäss Art.
143bis StGB und den Amtsmissbrauch gemäss Art. 312 StGB zu Recht eingestellt worden. Be-
züglich dieser drei Straftatbestände dringt die Beschwerdeführerin also nicht durch. Es er-
scheint daher angebracht, die ordentlichen Kosten, bestehend aus einer Gebühr von Fr. 900.--
zuzüglich Auslagen von Fr. 60.--, total Fr. 960.--, - wie bereits in den Parallel-Verfahren Nr. 470
18 116 i.S. I._, Nr. 470 18 117 i.S. E._ und Nr. 470 18 118 i.S. F._ - im Verhältnis 2/3
zu Lasten der Beschwerdeführerin und 1/3 zu Lasten des Staates aufzuerlegen. Die von der
Beschwerdeführerin bezahlte Sicherheitsleistung im Umfang von Fr. 500.-- wird auf den von ihr
geschuldeten Betrag angerechnet.
6.2 Mit Bezug auf die ausserordentlichen Kosten ist zunächst darauf hinzuweisen, dass
dass der Vertreter der Beschwerdeführerin keine Kostennote ins Recht gelegt hat, weshalb die
Parteientschädigung gemäss § 18 Abs. 1 der Tarifordnung für die Anwältinnen und Anwälte
vom 17. November 2003 (TO; SGS 178.112) nach dem Ermessen der Beschwerdeinstanz fest-
gesetzt wird. Die Beschwerde vom 12. März 2018 umfasst nicht weniger als 40 Seiten, wobei
auf etwa 10 Seiten nur die Vorgeschichte dargelegt wird, die sich auch aus den Akten ergibt.
Der für die Beschwerdebegründung betriebene Aufwand erscheint daher übermässig. Zu be-
achten ist sodann, dass die im vorliegenden Verfahren zur Diskussion stehende Rechtsschrift in
einer nahezu identischen Version auch in den drei Parallel-Verfahren (Nr. 470 18 116 i.S.
I._, Nr. 470 18 117 i.S. E._ und Nr. 470 18 118 i.S. F._) eingereicht wurde. Die fest-
zusetzende Parteientschädigung ist daher auf alle vier Verfahren zu verteilen. Nach Ansicht des
Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, wäre bei angemessenem Aufwand
eine Parteientschädigung von Fr. 2‘000.-- zuzüglich Auslagen von Fr. 100.--, total Fr. 2‘100.--,
Seite 21 http://www.bl.ch/kantonsgericht
angebracht. Analog zum Entscheid mit Bezug auf die ordentlichen Kosten ist diese Entschädi-
gung wiederum im Verhältnis 2/3 zu Lasten der Beschwerdeführerin resp. 1/3 zu Lasten Staa-
tes aufzuteilen. Der Beschwerdeführerin ist somit eine Parteientschädigung von pauschal Fr.
700.-- resp. aufgeteilt auf das vorliegende Beschwerdeverfahren von pauschal Fr. 175.-- zuzüg-
lich Mehrwertsteuer von 7.7% resp. Fr. 13.50, total Fr. 188.50, zu Lasten des Staates auszu-
richten.
Im Gegenzug hat die Beschwerdeführerin ihrerseits den anwaltlich vertretenen Beschuldigten
im Umfang, in dem sie mit ihrer Beschwerde nicht durchgedrungen ist, zu entschädigen. Das
Kantonsgericht erachtet für die Beschwerdeschrift der Vertreterin des Beschuldigten eine Par-
teientschädigung von pauschal Fr. 400.-- inklusive Auslagen zuzüglich Mehrwertsteuer von
7.7% als angemessen, die wiederum im Umfang von 2/3 zu Lasten der Beschwerdeführerin
geht. Die Beschwerdeführerin hat dem Beschuldigten also für das vorliegende Beschwerdever-
fahren eine reduzierte Parteientschädigung von Fr. 266.70 zuzüglich Mehrwertsteuer von 7.7%
resp. Fr. 20.50, total Fr. 287.20, zu bezahlen.
Seite 22 http://www.bl.ch/kantonsgericht