Decision ID: b63abc5d-1e0a-5196-96ec-e16ed5663a6a
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden, sri-lankische Staatsbürger tamilischer Ethnie
aus dem Distrikt Jaffna (Nordprovinz), verliessen ihren Heimatstaat ge-
mäss eigenen Angaben im März 2013 beziehungsweise im Mai 2015 und
flogen nach Indien. Am 27. August 2015 verliessen sie Indien und flogen
gemeinsam mit einem Schlepper via Katar in die Schweiz. Am 30. August
2015 suchten sie am Flughafen D._ um Asyl nach.
B.
Mit Verfügung vom 30. August 2015 verweigerte das SEM den Beschwer-
deführenden vorläufig die Einreise in die Schweiz und wies ihnen für die
Dauer von maximal 60 Tagen den Transitbereich des Flughafens
D._ als Aufenthaltsort zu.
C.
Am 3. September 2015 erhob das SEM im Empfangs- und Verfahrenszen-
trum (EVZ) (...) die Personalien der Beschwerdeführenden und befragte
sie zum Reiseweg und summarisch zu den Gründen für das Verlassen ih-
res Heimatlandes (Befragung zur Person [BzP]).
D.
Mit Verfügung vom 14. September 2015 bewilligte das SEM den Beschwer-
deführenden die Einreise in die Schweiz.
E.
Am (...) kam der Sohn der Beschwerdeführenden auf die Welt.
F.
Am 21. März 2017 wurden die Beschwerdeführenden einlässlich zu den
Asylgründen angehört.
F.a Der Beschwerdeführer führte zur Begründung seines Asylgesuches
aus, im August 1996 sei er den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE)
beigetreten. Er sei bei den Sea Tigers gewesen und habe als (...) gearbei-
tet. Während der Zeit des Waffenstillstands sei er vorübergehend im politi-
schen Wesen tätig gewesen. Sein Onkel väterlicherseits, E._, sei
ein hochrangiges Mitglied der LTTE gewesen, und auch sein Vater,
F._, sei bei der Bewegung gewesen. Sein Onkel sei bei einem Luft-
waffenangriff getötet worden. Am 17. Mai 2009 habe er sich der sri-lanki-
schen Armee (SLA) ergeben. Er sei sechs Monate in G._ im (...)
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inhaftiert gewesen und danach für sechs Monate in Rehabilitationshaft in
H._ gekommen. Danach sei er von der Terrorist lnvestigation Divi-
sion (TID) nach G._ verlegt worden. Nach vier Monaten sei er ins
Gefängnis (...) gebracht worden, wo er eineinhalb Jahre lang inhaftiert ge-
wesen sei. Er sei ohnmächtig geschlagen und gefoltert worden. Er habe
unterschriftlich bestätigen müssen, dass er bei der Festnahme eine Waffe
getragen habe, was aber nicht der Wahrheit entsprochen habe. Als er sich
geweigert habe, sei er geschlagen worden und es sei ihm gedroht worden,
dass er längere Zeit in Haft bleiben müsse. Aus Angst habe er das Formular
unterschrieben. Danach sei er für weitere acht Monate ins CRP-Gefängnis
in Colombo gebracht worden. Sein Onkel väterlicherseits in Kanada habe
sodann eine Anwältin organisiert, welche für ihn ein Gerichtsverfahren (fun-
damental rights violation petition) eingeleitet habe. Danach sei er erneut in
Rehabilitationshaft in H._ gebracht und am 10. Januar 2013
schliesslich freigelassen worden. Danach habe er während zwei bis drei
Monaten in I._ bei seiner Grossmutter gelebt. Unmittelbar nach sei-
ner Freilassung habe ihn der Geheimdienstmitarbeiter J._ regis-
triert und befragt. Er habe Angst bekommen und sein Onkel in Kanada
habe eine Person organisiert, mit welcher er in Colombo über einen
Schnell-Service einen Pass habe beantragen können, den er sofort erhal-
ten habe. In I._ habe er alle zwei Wochen im Armeecamp Unter-
schrift leisten müssen. Der Geheimdienstmitarbeiter J._ habe ihn
jeweils befragt und ihm gedroht, ihn wieder festzunehmen; es habe ihm
nicht gepasst, dass er ein Gerichtsverfahren angestrebt hatte. Er habe ein
Visum für Indien beantragt, wo seine Eltern seit 2010, nach der Entlassung
seines Vaters aus der Rehabilitationshaft, gelebt hätten. Ungefähr im März
2013 sei er legal mit seinem Pass von Sri Lanka nach Indien gereist. In
Indien habe er als Chauffeur gearbeitet und Fotoalben gemacht. Da mehr-
mals Mitglieder des indischen Geheimdienstes Research and Analysis
Wing (RAW) gekommen seien und ihn befragt hätten, habe er Angst ge-
habt, wegen seiner LTTE-Vergangenheit inhaftiert zu werden.
F.b Die Beschwerdeführerin gab als Ausreisegrund aus Sri Lanka an, sie
sei am 25. Januar 2015 im Besitz ihres Reisepasses nach Indien gereist,
um am 30. Januar 2015 den Beschwerdeführer zu heiraten. Sie habe in Sri
Lanka keine Probleme gehabt, möchte aber bei ihrem Mann sein.
F.c Die Beschwerdeführenden reichten ihre Identitätskarten und Geburts-
urkunden sowie ihre Heiratsurkunde aus Indien zu den Akten. Das SEM
nahm zudem Kopien der Hochzeitseinladungen, Fotos ihrer Trauung sowie
Kopien eines Zeitungsartikels aus Indien zu den Akten. Zur Untermauerung
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ihrer Vorbringen reichten sie Haftbefehle und Haftverlängerungsbefehle in
Kopie vom 15. Juli 2010, 14. August 2010, 12. November 2010, 10. Feb-
ruar 2011, 11. Mai 2011, 9. August 2011 und 7. November 2011, Besuchs-
bestätigungen der Grossmutter, der Mutter und des Onkels, beglaubigte
Kopie eines Gerichtsdokuments vom 1. Oktober 2012 aus dem Verfahren
(...) inkl. Begleitschreiben der damaligen Anwältin, zwei Dokumente be-
züglich der Freilassung des Beschwerdeführers vom 10. Januar 2013 so-
wie eine Haftbestätigung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz
(IKRK) vom 15. Januar 2013, ein.
G.
Mit Verfügung vom 18. Mai 2018 – eröffnet am 23. Mai 2018 – stellte das
SEM fest, die Beschwerdeführenden würden die Flüchtlingseigenschaft
nicht erfüllen, und lehnte ihre Asylgesuche vom 30. August 2015 ab.
Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung der Beschwerdeführenden aus
der Schweiz und ordnete den Vollzug der Wegweisung an.
H.
Mit Eingabe vom 6. Juni 2018 liessen die Beschwerdeführenden durch ih-
ren Rechtsvertreter gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerde erheben und beantragen, der Entscheid des SEM sei
aufzuheben und es sei Asyl zu gewähren oder jedenfalls die Flüchtlingsei-
genschaft festzustellen. Eventualiter sei die Unzulässigkeit des Wegwei-
sungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In
verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde beantragt, auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses sei zu verzichten, es sei die unentgeltliche Prozess-
führung zu bewilligen und in der Person des Unterzeichnenden ein unent-
geltlicher Rechtsbeistand zu gewähren.
Mit der Beschwerde reichten sie eine Fürsorgebestätigung vom 29. Mai
2018 ein.
I.
Mit Verfügung vom 29. Juni 2018 stellte der zuständige Instruktionsrichter
des Bundesverwaltungsgerichts fest, die Beschwerdeführenden dürften
den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung hiess er gut und verzich-
tete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig hiess er auch
das Gesuch um amtliche Verbeiständung gut und ordnete den Beschwer-
deführenden den rubrizierten Rechtsvertreter als amtlichen Rechtsbei-
stand bei.
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Seite 5
J.
Mit Verfügung vom 10. Juli 2019 lud die Instruktionsrichterin das SEM zur
Einreichung einer Vernehmlassung ein.
K.
In der Vernehmlassung vom 16. Juli 2019 hielt das SEM an den Erwägun-
gen in der angefochtenen Verfügung fest und beantragte die Abweisung
der Beschwerde. Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am
19. Juli 2019 zur Kenntnisnahme zugestellt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [142.31], Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde
ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
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3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
3.3 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-
chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile
von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, welche ihr
gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Hei-
matstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind bezie-
hungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Auf-
grund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Zuer-
kennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die be-
troffene Person in ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz finden
kann (vgl. BVGE 2011/51 E. 7; 2008/12 E. 7.2.6.2; 2008/4 E. 5.2). Aus-
gangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage
nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begrün-
deten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylent-
scheides ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfol-
gungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation
im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zuguns-
ten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen
(vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4, WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi
Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2009, Rz. 11.17 und 11.18).
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4.
4.1 Das SEM führt in der Verfügung aus, der Beschwerdeführer mache gel-
tend, er habe nach seiner Haftentlassung alle zwei Wochen im Armeecamp
Unterschrift leisten müssen und sei durch den Geheimdienstmitarbeiter
J._ befragt worden. Zwar mache er geltend, J._ sei aggres-
siv gewesen, habe so getan, als würde er ihn schlagen, und ihm damit
gedroht, ihn wieder festzunehmen. Es sei ihm jedoch offensichtlich weder
körperliche Gewalt angetan worden, noch sonst etwas zugestossen. Die
Befragungen hätten lediglich rund eine halbe Stunde gedauert und aus den
immer gleichen Fragen dazu bestanden, wo er sich aufgehalten und mit
wem er Kontakt gehabt habe, sowie der Aufforderung, jederzeit präsent zu
sein (vgl. Akte A34/19 F64-F68). Es handle sich somit um die üblichen bei
rehabilitierten Personen angewandten Überwachungs- und Kontrollmass-
nahmen, welche gemäss Rechtsprechung des BVGer nicht die Intensität
von Art. 3 AsylG erreichen würden (statt vieler BVGer Urteile E-4901/2015
vom 4. April 2016 E. 3.2 und D-4516/2015 vom 2. Juni 2016 E. 6.1). Es
solle nicht in Abrede gestellt werden, dass die vorgebrachte Meldepflicht
und Befragungen sowie die Drohung von J._, ihn festzunehmen,
bei ihm aufgrund des nach dem Bürgerkrieg Erlebten eine subjektive
Furcht hätten auslösen können. Trotzdem vermöchten diese Massnahmen
keine asylrechtlich relevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG respek-
tive eine unmittelbare und konkrete Gefährdung zu begründen.
Der Beschwerdeführer mache geltend, er sei wegen seiner LTTE-Vergan-
genheit annähernd vier Jahre in (Rehabilitations-)Haft gewesen. Grund-
sätzlich sei davon auszugehen, dass der sri-lankische Staat kein weiteres
(Verfolgungs-)Interesse an einer aus der Rehabilitationshaft entlassenen
Person habe (statt vieler BVGer Urteil E-5654/2013 vom 28. Februar 2014
E. 4.2.1). Wie dargelegt handle es sich bei der geltend gemachten Unter-
schriftspflicht und den Befragungen nach seiner Entlassung aus der Reha-
bilitationshaft nicht um intensive Verfolgungsmassnahmen im Sinne des
Asylgesetzes. Die (Rehabilitations-)Haft an und für sich stelle zudem eine
abgeschlossene und damit asyl- und flüchtlingsrechtlich irrelevante Verfol-
gungsmassnahme dar.
Gemäss bundesverwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung sei die Prüfung,
ob der Beschwerdeführer im Falle der Rückkehr nach Sri Lanka dennoch
begründete Furcht vor Verfolgungsmassnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG
habe, anhand sogenannter Risikofaktoren vorzunehmen (Referenzurteil
des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8, 9.1). Er habe in Sri Lanka
ein Rehabilitationsprogramm durchlaufen. Das Ziel der Rehabilitationshaft
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sei gemäss offiziellen Angaben sicherzustellen, dass ehemals LTTE-nahe
Personen nicht weiter separatistisches Gedankengut verbreiten und in die
Gesellschaft reintegriert würden. Mit der Entlassung aus der Rehabilitati-
onshaft hätten die betroffenen Personen in den Augen der sri-lankischen
Behörden ihre Strafe wegen Unterstützung der LTTE verbüsst. So würden
mit Abschluss der Rehabilitationshaft denn auch sämtliche Reiserestriktio-
nen aufgehoben. Allerdings würden sie von den Sicherheitsbehörden noch
immer überwacht, etwa durch Melde- und/oder Unterschriftspflichten, Auf-
enthaltskontrollen sowie Befragungen (Staatssekretariat für Migration:
Focus Sri Lanka, Lagebild, Version vom 16. August 2016, Bern). Diese
Überwachungsmassnahmen und die damit verbundenen Beeinträchtigun-
gen würden jedoch in der Regel kein asylrelevantes Ausmass erreichen
(statt vieler BVGer Urteile E-4901/2015 vom 4. April 2016 E. 3.2 und
D-4516/2015 vom 2. Juni 2016 E. 6.1). Auch im Fall des Beschwerdefüh-
rers lägen keine asylrelevanten Massnahmen nach der Entlassung aus der
Rehabilitationshaft vor. So habe er nicht geltend gemacht, nach der Reha-
bilitation Opfer von Verfolgungsmassnahmen asylrelevanten Ausmasses
geworden zu sein. Allfällige im Zeitpunkt seiner Ausreise bestehende Risi-
kofaktoren vermöchten folglich kein Verfolgungsinteresse seitens der sri-
lankischen Behörden auszulösen. Auch lägen keine konkreten Anhalts-
punkte dafür vor, dass sich dies seit seiner Ausreise aus Sri Lanka geän-
dert habe. Er mache geltend, der Geheimdienstmitarbeiter J._ habe
ihm jeweils damit gedroht, ihn wieder festzunehmen, weil es ihm nicht ge-
passt habe, dass er ein Gerichtsverfahren angestrebt habe. Dem einge-
reichten Gerichtsdokument sei jedoch zu entnehmen, dass seine Klage ab-
gewiesen worden sei, nachdem er erneut in Rehabilitationshaft in
H._ gebracht worden sei. Dass ihm aber zugesichert worden sei,
dass er nach vier Monaten entlassen werde und er sich damit einverstan-
den erklärt habe. Er habe somit die von seinen heimatlichen Behörden als
angebracht erachtete Strafe abgesessen und sich mit dieser Strafe einver-
standen erklärt. Bei der Drohung von J._, ihn wieder festzunehmen,
handle es sich offensichtlich um eine blosse Einschüchterungsmass-
nahme, hätte er anlässlich seiner Vorsprachen im Armeecamp doch reich-
lich Möglichkeit gehabt, ihn festzunehmen, wäre dies tatsächlich seine Ab-
sicht gewesen. Zudem habe er angegeben, er habe in Haft die Wahrheit
über seine LTTE Tätigkeiten gesagt beziehungsweise alles offengelegt
(A34/19 F90 und F133). Er sei auch über seinen Onkel E._ sowie
seinen Vater, F._, befragt worden; er habe zugegeben, dass es sich
dabei um seinen Onkel respektive Vater handle (A34/19 F107-109). Je-
doch habe er angegeben, dass sein Vater bereits 1996 bei den LTTE aus-
getreten sei, obwohl er bis am Schluss dabei gewesen sei, dies, weil sein
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Vater selbst dies so angegeben habe (A34/19 F132). Da sein Vater gemäss
seinen Aussagen jedoch auch in Rehabilitationshaft gewesen, aber dann
entlassen worden sei, weil er über 50 Jahre alt gewesen sei (A34/19 F129),
sei nicht davon auszugehen, dass ihm deswegen bei einer Rückkehr Nach-
teile erwachsen würden. Schliesslich habe er seit seiner Haftentlassung
keinerlei politische Tätigkeiten geltend gemacht (A34/19 F134-135). Somit
lägen keine konkreten Anhaltspunkte vor, die auf eine Bedrohung seiner
Person schliessen lassen würden. Somit bestehe kein begründeter Anlass
zur Annahme, dass er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka wegen der gel-
tend gemachten Verbindungen zu den LTTE mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit und in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmassnah-
men ausgesetzt sein werde. Nach dem Gesagten würden die Vorbringen
der Beschwerdeführenden den Anforderungen an die Flüchtlingseigen-
schaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten. Demzufolge würden sie die
Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, so dass ihre Asylgesuche abzulehnen
seien.
4.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, im Grundsatzurteil BVGE
2011/24 habe das Bundesverwaltungsgericht Risikogruppen definiert und
erwogen, einer erhöhten Verfolgungsgefahr sähen sich Personen ausge-
setzt, die diesen Risikogruppen angehören würden. Unter anderem wür-
den Rückkehrer aus der Schweiz dazu gehören, denen nahe Kontakte zu
den LTTE unterstellt würden. Der Beschwerdeführer habe von 1996 bis
zum Kriegsende für die LTTE gearbeitet. Zudem sei sein Vater Mitglied der
LTTE und sein Onkel sogar ein ranghohes Mitglied gewesen. Der Be-
schwerdeführer habe kurz nach der langen Rehabilitationshaft seine Hei-
mat verlassen, in einem Zeitpunkt, als er der Meldepflicht unterstellt gewe-
sen sei. Er habe vor beinahe drei Jahren in der Schweiz ein Asylgesuch
gestellt. Es müsse davon ausgegangen werden, dass die sri-lankischen
Behörden ihn verdächtigen würden, nahe Kontakte zu ehemaligen LTTE-
Anhängern zu pflegen. Er sei alleine schon aufgrund seines Profils asylre-
levant gefährdet.
Der Asylsuchende im Verfahren E-4901/2015 vom 4. April 2016, auf wel-
ches das SEM verweise, sei im Februar 2009 von den LTTE zwangsrekru-
tiert worden und habe ein 15-tägiges Waffentraining absolviert. Der Krieg
habe am 18. Mai 2009 geendet. Somit habe er die LTTE nur drei Monate
unterstützt. Mitglied sei er nicht gewesen. Gemäss Urteil sei er offenbar
innerhalb Sri Lankas selbst nach wiederholtem Nichtbefolgen seiner Mel-
depflichten nie in seiner Bewegungsfreiheit oder seinen Rechten einge-
schränkt gewesen. Er habe auch gemäss Bundesverwaltungsgericht zu
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Seite 10
keiner der Risikogruppen gehört, die heute noch einer erheblichen Verfol-
gungsgefahr ausgesetzt seien. Im Gegensatz dazu habe der Beschwerde-
führer ungefähr 13 Jahre lang für die LTTE gearbeitet, sei langjähriges Mit-
glied bei der Bewegung und habe nahe Angehörige, welche sich ebenfalls
für die LTTE engagiert hätten. Er sei während der langen Rehabilitations-
haft gefoltert und im Zuge der Meldepflicht psychisch unter Druck gesetzt
und bedroht worden. Er habe seine Meldepflicht bis zum Zeitpunkt der Aus-
reise wahrgenommen. Auch wenn die Meldepflicht für sich separat be-
trachtet nicht zwingend zu Asyl führen müsse, sei klar, dass hier die Um-
stände in ihrer Gesamtheit berücksichtigt werden müssten. Die vorliegende
Angelegenheit sei zwar jener von E-4901/2015 irgendwie ähnlich, aber nie-
mals vergleichbar. Weiter verweise das SEM auf D-4516/2015 vom 2. Juni
2016. In jenem Verfahren sei bereits am 15. November 2010 auf einer
Schweizer Botschaft das Asylgesuch gestellt worden. In diesem Zeitpunkt
habe sich derjenige Gesuchsteller noch in Rehabilitationshaft befunden.
Am 31. Januar 2011 habe auch dessen Ehefrau für sich und die gemein-
samen Kinder um Einreise in die Schweiz für die Durchführung eines Asyl-
verfahrens ersucht. Sie habe geltend gemacht, im Zusammenhang mit der
Verfolgung ihres Ehemannes geschlagen und misshandelt worden zu sein.
Der Gesuchsteller sei drei Jahre nach Gesuchstellung, am 1. September
2013, endlich aus der Haft entlassen worden. Die Gesuchsteller seien dann
Ende 2014, also vier Jahre nach Gesuchstellung, auf der Schweizer Bot-
schaft befragt worden. Mit Verfügung vom 15. Mai 2015 habe das SEM das
Gesuch um Bewilligung der Einreise abgelehnt, welches viereinhalb Jahre
zuvor gestellt worden sei. Das Bundesverwaltungsgericht habe sich in der
Folge ein Jahr Zeit gelassen, um über die erhobene Beschwerde ein Urteil
zu fällen. Der vorsitzende Richter habe sehr knapp begründet und sei den
Ausführungen des SEM gefolgt. Auch er habe sich auf den Standpunkt ge-
stellt, nach der Entlassung des Gesuchstellers sei er nicht mehr inhaftiert
worden. Die vorgebrachten Kontrollbesuche und Befragungen sowie die
Meldepflicht habe der Richter zwar als für die Beschwerdeführenden be-
lastend, nicht aber asylrelevant empfunden. Es liege auf der Hand, dass
die Schweizer Asylbehörden ein im Jahr 2010 gestelltes Auslandgesuch im
Jahr 2016 nicht mehr hätten gutheissen können. Aus diesen Gründen sei
es problematisch, für das vorliegende Verfahren das Urteil D-4516/2015
zum Vergleich heranziehen. Das SEM hätte tunlichst davon absehen sol-
len, das Resultat und die Begründung von D-4516/2015 hier zum Vergleich
heranzuziehen. Vergleichbar sei die vorliegende Angelegenheit aber mit
D-5655/2016 vom 13. April 2018. Jener Beschwerdeführer habe ebenfalls
lange Zeit in Rehabilitationshaft verbracht, wo er gefoltert worden sei. Auch
er sei regulär aus der Rehabilitation entlassen, in der Folge aber weiter von
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den Behörden belangt und eingeschüchtert worden. Jenem Beschwerde-
führer sei offenbar ein sri-lankischer Reisepass ausgestellt worden und er
habe legal ausreisen können. In der Folge habe er hier um Asyl ersucht.
Das SEM habe jenes Asylgesuch abgelehnt, wogegen Beschwerde erho-
ben worden sei. Das Bundesverwaltungsgericht habe die vorinstanzliche
Verfügung aufgehoben und das SEM angewiesen, dem Beschwerdeführer
Asyl zu erteilen. Begründend sei ausgeführt worden, es gebe in objektiver
Hinsicht genügend Anhaltspunkte zur Annahme, dass der Beschwerdefüh-
rer durch die sri-lankischen Behörden in naher Zukunft und mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit verfolgt worden wäre respektive werde.
Der Beschwerdeführer habe Sri Lanka nur kurz nach der Entlassung aus
der Rehabilitationshaft im Januar 2013 verlassen. Dies habe er getan, weil
er sich durch die Überwachungsmassnahmen nach der Rehabilitationshaft
verfolgt und bedroht gefühlt habe. Die Überwachungsmassnahmen und die
Rehabilitationshaft könnten nicht separat betrachtet und auf die Asylrele-
vanz hin überprüft werden. Die vierjährige Rehabilitationshaft könne nicht
als abgeschlossene Verfolgungsmassnahme erachtet werden, nur, weil der
Beschwerdeführer entlassen worden sei. Sie liege zeitlich nicht lange zu-
rück und habe mit den Überwachungsmassnahmen quasi ihre Fortführung
gefunden. Sie sei im Zuge der Überwachungsmassnahmen auch benutzt
worden, um den Beschwerdeführer einzuschüchtern und zu bedrohen. Das
SEM habe nicht berücksichtigt, dass der Beschwerdeführer vier Jahre in
Rehabilitationshaft verbracht habe und regelmässig schikaniert und auch
schwer gefoltert worden sei. Es liege auf der Hand, dass er gegenüber den
heimatlichen Behörden Eingeständnisse gemacht und sich nur mit der Ab-
sicht einverstanden erklärte habe, der Haft zu entkommen. Die Argumen-
tation des SEM, er habe sich mit dieser Strafe einverstanden erklärt und
daraus zu schliessen, es handle sich um eine abgeschlossene Verfol-
gungsmassnahme, sei als sehr unangemessen zu erachten. Besonders
auch deshalb, weil er gefoltert worden sei. Niemand würde sich damit ein-
verstanden erklären, gefoltert zu werden. Vermutlich hätte der Beschwer-
deführer hier gar nie ein Asylgesuch gestellt, wäre er mit der Vorgehens-
weise den sri-lankischen Behörden und der Bestrafung tatsächlich einver-
standen gewesen. Der Beschwerdeführer sei Mitglied bei den LTTE gewe-
sen und habe 13 Jahre lang für die Bewegung gearbeitet. Er sei über vier
Jahre lang in Rehabilitationshaft gewesen, wo er gefoltert worden sei. Er
habe seine Heimat in einem Zeitpunkt verlassen, als er der Meldepflicht
unterstellt gewesen sei. Er habe hier vor beinahe drei Jahren ein Asylge-
such gestellt. Es sei davon auszugehen, dass er im Visier der sri-lanki-
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Seite 12
schen Behörden sei und bei der Einreise verhaftet würde. Seine Vorbrin-
gen seien im Sinne von Art. 3 AsylG fluchtrelevant. Es sei ihm daher in der
Schweiz Asyl zu gewähren.
5.
5.1 Das SEM lehnte das Asylgesuch der Beschwerdeführenden aufgrund
fehlender asylrechtlicher Relevanz der Vorbringen ab. Die Glaubhaftigkeit
derselben wurde vom SEM hingegen nicht in Frage gestellt. Auch das Bun-
desverwaltungsgericht sieht vor dem Hintergrund der damaligen Situation
in Sri Lanka und aufgrund der Schilderungen des Beschwerdeführers an-
lässlich der Anhörung sowie der eingereichten Beweismittel keine Gründe,
weshalb die Vorbringen nicht glaubhaft sein könnten.
5.2 Das SEM spricht den Vorbringen die asylrechtliche Relevanz ab, indem
es einerseits die Meldepflicht als zu wenig intensive Verfolgungsmass-
nahme erachtet und andererseits aufgrund der Freilassung aus der Reha-
bilitationshaft das Verfolgungsinteresse der sri-lankischen Behörden ver-
neint. Es beruft sich in diesem Zusammenhang auf die – so die Vorinstanz
– geltende Rechtsprechung und verweist auf die Urteile des Bundesver-
waltungsgerichts E-4901/2015 vom 4. April 2016, D-4516/2015 vom
2. Juni 2016 und E-5654/2013 vom 28. Februar 2014. In der Beschwerde
wird jedoch zu Recht geltend gemacht, dass diesbezüglich die Umstände
im Einzelfall berücksichtigt werden müssten. Dass die Feststellung des
SEM, eine aus der Rehabilitationshaft entlassene Person habe von den sri-
lankischen Behörden nichts mehr zu befürchten, nicht zutreffend ist, geht
zudem bereits aus einem Urteil des High Court of Vavuniya vom Juli 2017
hervor, mit dem offenbar ein rehabilitiertes, ehemaliges LTTE-Mitglied we-
gen Rekrutierung von Kindersoldaten zu lebenslanger Haft verurteilt wor-
den ist, welches das SEM in seinem Bericht: Focus Sri Lanka: Lage ehe-
maliger Mitglieder der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) vom
15. März 2019 selbst zitiert. Zwar ist der Vorinstanz insofern beizupflichten,
als eine Meldepflicht für sich alleine eine zu wenig intensive Massnahme
ist, um asylrechtlich relevant zu sein. Vorliegend ist jedoch zu berücksich-
tigen, dass der Meldepflicht eine mehrjährige Haft und Rehabilitationshaft
mit Misshandlungen voranging. Der Beschwerdeführer musste sodann im
Zusammenhang mit der Meldepflicht nicht nur Unterschrift leisten, sondern
er wurde jeweils auch halbstündigen Befragungen unterzogen, während
deren ihm unterstellt worden ist, er sei nur aufgrund von Bestechungsgel-
dern entlassen worden, und ihm gedroht worden ist, er könne jederzeit wie-
der festgenommen werden (vgl. Akte A34/19 F63 und F71 f.). Das Über-
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wachungsinteresse der sri-lankischen Behörden betreffend den Beschwer-
deführer bestand somit nach der Haftentlassung nach wie vor. Der Be-
schwerdeführer hatte aufgrund der erlebten Misshandlungen während der
vierjährigen Haft und der erfolgten Drohungen im Zusammenhang mit den
Befragungen unmittelbar nach der Haftentlassung in nachvollziehbarer
Weise eine erhebliche subjektive Furcht vor künftigen behördlichen Verfol-
gungsmassnahmen, was vom SEM zu Recht nicht bestritten worden ist.
Ob jedoch im Zeitpunkt der Ausreise auch in objektiver Hinsicht Grund zur
Annahme bestand, dass er durch die sri-lankischen Sicherheitskräfte in na-
her Zukunft und mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit verfolgt worden wäre,
kann vorliegend letztlich aber offen bleiben. Unbesehen von der Frage
nach der Verfolgungsfurcht vor der Ausreise ist nämlich beim Beschwerde-
führer im heutigen Zeitpunkt von einer begründeten Furcht vor zukünftiger
Verfolgung auszugehen.
5.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 eine aktuelle Analyse der Situation von Rückkehrenden nach
Sri Lanka vorgenommen (vgl. dort E. 8) und festgestellt, dass aus Europa
respektive der Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht ge-
nerell einer ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausge-
setzt seien (vgl. a.a.O., E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurtei-
lung des Risikos von Rückkehrern, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von
Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei
handelt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeint-
lichen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, um Teil-
nahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen, und um Vorliegen
früherer Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden, üblicherweise im
Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu
den LTTE (sog. stark risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.1-
8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden,
unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspa-
piere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise nach Sri Lanka
zurückgeführt werden oder die über die Internationale Organisation für Mig-
ration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sicht-
baren Narben (sog. schwach risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O.,
E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaub-
haft gemachten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der
betreffenden Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbeson-
dere jene Rückkehrer eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen
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im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Behör-
den zugeschrieben wird, dass sie bestrebt sind, den tamilischen Separa-
tismus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O. E. 8.5.1).
5.4 Der Beschwerdeführer ist tamilischer Ethnie, stammt aus dem Norden,
war 13 Jahre LTTE Mitglied bei den Sea Tigers, bis er sich am 17. Mai 2009
der SLA ergab. Sein Onkel war ein hochrangiges LTTE-Mitglied und auch
sein Vater war ein bekanntes LTTE-Mitglied. Danach war er mehrere Jahre
in Haft und Rehabilitationshaft, wo er zu seiner LTTE-Vergangenheit be-
fragt und dabei misshandelt worden ist. Aufgrund eines angestrebten Ge-
richtsverfahrens durch seine Anwältin wurde er schliesslich früher aus der
Rehabilitationshaft entlassen. Aufgrund der eingereichten Beweismittel ist
er in diesem Verfahren nicht freigesprochen worden. Kurz nach seiner Haft-
entlassung entzog er sich durch seine Ausreise aus Sri Lanka den weiter-
hin bestehenden Überwachungsmassnahmen. Demnach sprechen gleich
mehrere starke Risikofaktoren dafür, dass der Beschwerdeführer bei einer
allfälligen Rückkehr nach Sri Lanka genauestens überprüft und befragt
würde und ihm dabei höchstwahrscheinlich ernsthafte Nachteile im Sinne
des Asylgesetzes drohen würden. Die Voraussetzungen zur Anerkennung
der Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 und Art. 7 AsylG sind somit erfüllt.
5.5 Die Beschwerdeführerin machte selber keine persönliche Verfolgung in
Sri Lanka geltend. Sie reiste aus Sri Lanka aus, um den Beschwerdeführer
zu heiraten. Angesichts dessen, war die Beschwerdeführerin im Ausreise-
zeitpunkt keinen ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausge-
setzt oder hatte begründete Furcht solchen Nachteilen ausgesetzt zu wer-
den.
6.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass der Beschwerdeführer die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllt. Da den Akten
keine Hinweise zu entnehmen sind, die auf das Vorliegen von Ausschluss-
gründen (Art. 53 AsylG) hindeuten, ist ihm in der Schweiz Asyl zu gewäh-
ren (vgl. Art. 49 AsylG). Der Beschwerdeführerin und dem gemeinsamen
Kind ist gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG die Flüchtlingseigenschaft zuzu-
erkennen und ihnen ist Asyl zu gewähren, zumal sich aus den Akten keine
besonderen Umstände ergeben, die der Anwendung von Art. 51 Abs. 1
AsylG entgegenstehen könnten. Die Beschwerde ist demnach gutzuheis-
sen, die angefochtene Verfügung vom 18. Mai 2018 aufzuheben und das
SEM anzuweisen, den Beschwerdeführenden Asyl zu gewähren.
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7.
7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 1 VwVG).
7.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens
in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 VGKE eine Entschädi-
gung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzuspre-
chen. Seitens des Rechtsvertreters wurde keine Kostennote eingereicht,
weshalb das Honorar aufgrund der Akten festzulegen ist (Art. 14 Abs. 2 in
fine VGKE). Die von der Vorinstanz zu entrichtende Parteientschädigung
ist in Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl.
Art. 8 ff. VGKE) auf Fr. 750.– (inkl. Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von
Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) festzusetzen. Eine öffentlich-rechtliche Entschä-
digung des mit Verfügung vom 29. Juni 2018 eingesetzten Rechtsbeistan-
des fällt vor diesem Hintergrund ausser Betracht.
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