Decision ID: 049fe062-ebcc-521a-910a-4991fc66e122
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 17. September 2020 in der Schweiz um
Asyl nach. Anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 24. September 2020
wurde ihm das rechtliche Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit Italiens
sowie zu seinem Gesundheitszustand gewährt. Hierbei machte er geltend,
die Schweiz sei sein Ziel gewesen, er wolle nicht in Italien leben. Dort habe
er kein Asylgesuch gestellt, sondern sei zur Abgabe seiner Fingerabdrücke
gezwungen worden, obwohl seine Hände geschmerzt hätten. Gesundheit-
lich gehe es ihm gut. Seine Verletzungen an der Hand seien inzwischen
verheilt. Jedoch sei sein (...) und sein (...) am linken (...) früher einmal
gebrochen gewesen, weshalb er auch heute noch Schmerzen habe. Er sei
deshalb bereits in seinem Heimatland in medizinischer Behandlung gewe-
sen, habe dann aber fliehen müssen. In den 25 Tagen in Italien sei er me-
dizinisch nicht behandelt worden, sondern man habe ihm lediglich eine
Salbe verabreicht, ihn in einem Camp untergebracht und ihm Essen gege-
ben.
B.
Gemäss der Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit Eurodac) ist der Be-
schwerdeführer am 19. August 2020 in Italien illegal in das Hoheitsgebiet
der Dublin-Staaten eingereist. Gestützt hierauf ersuchte das SEM am
25. September 2020 die italienischen Behörden um Übernahme des Be-
schwerdeführers. Die italienischen Behörden nahmen innert Frist zum
Übernahmeersuchen keine Stellung.
C.
Mit Verfügung vom 2. Dezember 2020 (eröffnet am 8. Dezember 2020) trat
das SEM auf das Asylgesuch nicht ein, verfügte die Wegweisung nach Ita-
lien, setzte eine Ausreisefrist an, beauftragte den zuständigen Kanton mit
dem Vollzug der Wegweisung, händigte die editionspflichtigen Akten aus
und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde gegen diese Verfügung
komme keine aufschiebende Wirkung zu.
D.
Mit Schreiben vom 9. Dezember 2020 erklärte die damalige Rechtsvertre-
tung des Beschwerdeführers, sie habe den Beschwerdeführer über die
Aussichtslosigkeit einer Beschwerde informiert und das Mandat niederge-
legt.
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E.
Mit Eingabe vom 14. Dezember 2020 reichte der Beschwerdeführer unter
Beilage einer Zuweisung zur medizinischen Abklärung mit den Behand-
lungseinträgen vom 21. und 28. Oktober 2020 (Beschwerdebeilage F)
beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, es sei
die Verfügung des SEM vom 2. Dezember 2020 aufzuheben und auf das
Asylgesuch in der Schweiz einzutreten. Eventualiter sei die Sache zur Neu-
beurteilung an das SEM zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht sei der
Vollzug der Wegweisung bis zum Entscheid über die vorliegende Be-
schwerde auszusetzen und die kantonale Behörde entsprechend anzuwei-
sen. Die vollziehenden Behörden seien zudem anzuweisen, den Vollzug
der angefochtenen Verfügung bis zur Entscheidung über die aufschie-
bende Wirkung der Beschwerde auszusetzen. Es sei die Möglichkeit zu
gewähren, nach Einsicht in die Akten der Vorinstanz eine Beschwerdeer-
gänzung einzureichen. Es sei auf die Erhebung von Verfahrenskosten so-
wie eines Kostenvorschusses zu verzichten.
F.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
15. Dezember 2020 in elektronischer Form vor.
G.
Mit einer als «Nachtrag zur Beschwerde vom 14. Dezember 2020» be-
zeichneten Eingabe vom 16. Dezember 2020 (Poststempel) reichte der Be-
schwerdeführer ein Foto seiner ärztlichen Behandlung ein und beantragte
in Ergänzung zu seiner Eingabe vom 14. Dezember 2020, es sei festzu-
stellen, dass der Vollzug der Wegweisung unzulässig, unzumutbar und un-
möglich sei und es sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessu-
aler Hinsicht sei ein amtlicher Rechtsbeistand einzusetzen. Eventuell sei
die aufschiebende Wirkung wiederherzustellen.
H.
Mit Eingabe vom 17. Dezember 2020 reichte der Beschwerdeführer einen
ambulanten Bericht des Spitals B._ vom (...) sowie ein Einsatzpro-
tokoll des Rettungsdienstes gleichen Datums zu den Akten.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der
Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung le-
gitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist – unter Vorbehalt von E. 2.2 – einzutreten (Art. 108 Abs. 3
AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1,
2012/4 E. 2.2).
Die Fragen der Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft, der Gewährung
von Asyl sowie einer vorläufigen Aufnahme bilden nicht Gegenstand des
vorliegenden Verfahrens. Insoweit ist auf die Beschwerde nicht einzutreten
(vgl. BVGE 2011/9 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin beziehungsweise ei-
nes zweiten Richters entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend
aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb das Urteil
nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
Die Vorinstanz hat dem Beschwerdeführer zusammen mit der angefochte-
nen Verfügung die editionspflichtigen Akten ausgehändigt. In der Rechts-
mitteleingabe wird nicht ansatzweise begründet, in welche Aktenstücke
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keine Einsicht gewährt worden sein soll. Die Ausführungen in der Be-
schwerde lassen vielmehr darauf schliessen, dass diese dem Beschwer-
deführer beziehungsweise seiner Rechtsvertretung vollständig vorliegen.
Zudem weist die vorliegende Beschwerdesache keinen aussergewöhnli-
chen Umfang oder keine besondere Schwierigkeit auf; eine erneute Zustel-
lung der vorinstanzlichen Akten sowie die Gewährung einer Nachfrist zur
Beschwerdeergänzung ist mithin auch nach Art. 53 VwVG nicht angezeigt.
Die Gesuche um Akteneinsicht und Beschwerdeergänzung sind deshalb
abzuweisen.
5.
5.1 Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht, die Vorinstanz habe
insbesondere ihre Untersuchungspflicht verletzt, indem sie den Arztbericht
(Behandlungseintrag) vom 28. Oktober 2020, der zudem eine neue Diag-
nose beinhalte, nicht gewürdigt habe. Darüber hinaus sei in Bezug auf die
medizinischen Akten das rechtliche Gehör nicht gewährt worden.
5.2 Es trifft zu, dass die Vorinstanz einzig den ersten ärztlichen Behand-
lungseintrag vom 21. Oktober 2020 in der angefochtenen Verfügung expli-
zit erwähnte. Es trifft indessen nicht zu, dass mit dem Eintrag vom 28. Ok-
tober 2020 ein neuer medizinischer Sachverhalt festgestellt wurde; inso-
weit vermag dieser Eintrag am Beweisergebnis nichts zu ändern. So wurde
bereits am 21. Oktober 2020 sowohl die (...) als auch das (...) geröntgt und
die Ärzte kamen sowohl im Eintrag vom 21. Oktober 2020 als auch in dem-
jenigen vom 28. Oktober 2020 zum Schluss, dass weder betreffend (...)
noch betreffend (...) ein operativer Eingriff notwendig sei. Diese Beschwer-
den werden medikamentös behandelt. Am 21. Oktober 2020 wurde Ibu-
profen sowie Olfen Gel und am 28. Oktober 2020 nur noch Flectoparin
Tissugel verschrieben. Die Vorinstanz konnte sich folglich aufgrund des
Eintrags vom 21. Oktober 2020 – der im Übrigen auf derselben Seite auf-
geführt ist, wie derjenige vom 28. Oktober 2020 (vgl. Beschwerdebeilage
F) – ein ausreichend klares Bild von der gesundheitlichen Situation des
Beschwerdeführers machen, soweit diese im Hinblick auf eine Überstel-
lung nach Italien relevant ist. Den vorinstanzlichen Akten sind sodann auch
keine weiteren Hinweise auf allenfalls vollzugshindernde medizinischen
Beeinträchtigungen zu entnehmen, die zusätzliche Abklärungen erforder-
lich gemacht hätten. Mithin ist das Vorgehen der Vorinstanz nicht zu bean-
standen. Der Untersuchungsgrundsatz wurde nicht verletzt, der rechtser-
hebliche Sachverhalt ist ausreichend abgeklärt. Eine Gehörsverletzung ist
ebenfalls nicht ersichtlich, zumal kein Anlass bestand, dem Beschwerde-
führer aufgrund dieser ärztlichen Befunde – welche lediglich die von ihm
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im rechtlichen Gehör aufgeführten und von der Vorinstanz nicht angezwei-
felten gesundheitlichen Beschwerden bestätigen – erneut das rechtliche
Gehör zu gewähren. Schliesslich ist die angefochtene Verfügung auch aus-
reichend begründet, da sich die Vorinstanz nicht mit jedem Argument aus-
einanderzusetzen hat; dass eine sachgerechte Anfechtung möglich war,
zeigt die Beschwerde selbst. Die entsprechenden formellen Rügen sind
unbegründet, weshalb dem Rückweisungsbegehren zwecks vollständiger
Abklärung und Neubeurteilung nicht stattzugeben ist.
6.
6.1 Mit seinen weiteren Beschwerdeausführungen fordert der Beschwer-
deführer zusammengefasst die Anwendung von Art. 17 Abs. 1 der Verord-
nung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung
des Mitgliedstaates, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsange-
hörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf in-
ternationalen Schutz zuständig ist (Neufassung), ABl. L 180/31 vom
29. Juni 2013 (nachfolgend Dublin-III-VO) respektive Art. 29a Abs. 3 der
Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311).
6.2 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien nach Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat – oder bei fingierter Zustimmung – auf das Asylgesuch grundsätzlich
nicht ein (vgl. BVGE 2015/41 E. 3.1).
6.3 Die Vorinstanz hat anhand der Zentraleinheit Eurodac zu Recht die Zu-
ständigkeit Italiens erkannt und die italienischen Behörden – gestützt auf
Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO – um Übernahme ersucht. Diese liessen das
Ersuchen innert der in Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehenen Frist un-
beantwortet, womit sie ihre Zuständigkeit implizit anerkannten (Art. 22
Abs. 7 Dublin-III-VO). Die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens ist somit
gegeben. Die Beschwerdeausführungen sind nicht geeignet, eine Verlet-
zung der Zuständigkeitsbestimmungen darzutun. Namentlich ist nicht von
Belang, dass der Beschwerdeführer in Italien kein Asylgesuch gestellt hat,
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zumal die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den
Antrag prüfenden Staat auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3).
6.4 Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist zu prüfen, ob es – wie in
der Beschwerde behauptet – wesentliche Gründe für die Annahme gibt,
das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Ita-
lien würden systemische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer
unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4
der EU-Grundrechtecharta mit sich bringen würden.
Italien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezem-
ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder ernied-
rigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens
vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-
kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-
linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom
26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-
kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie
2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie) ergeben. Unter diesen Umständen ist die Anwendung von
Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt, selbst wenn zutreffen
würde, dass der Beschwerdeführer seine Fingerabdrücke nicht freiwillig,
sondern unter Zwang abgegeben hat. Aus einem solchen Vorkommnis
lässt sich nämlich nicht ableiten, dass systemische Schwachstellen beste-
hen, welche nahelegen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr
nach Italien mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit wiederum einer Art. 3
EMRK widersprechenden Behandlung ausgesetzt wäre.
6.5 Der Beschwerdeführer hat kein konkretes und ernsthaftes Risiko dar-
getan, die italienischen Behörden würden sich weigern, ihn aufzunehmen
und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln
der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind denn auch keine Gründe
für die Annahme zu entnehmen, Italien werde in seinem Fall den Grundsatz
des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwin-
gen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. Ausserdem sind
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keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass die bei einer Rückführung zu
erwartenden Bedingungen in Italien derart schlecht sind, dass sie zu einer
Verletzung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3
FoK führen könnten.
6.6 Der Beschwerdeführer hat weiter keine konkreten Hinweise für die An-
nahme dargelegt, Italien würde ihm dauerhaft die ihm gemäss Aufnahme-
richtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten. So
war er beispielsweise eigenen Angaben zufolge in Italien in einem Camp
untergebracht, hat Essen sowie eine Salbe erhalten. Bei einer allfälligen
vorübergehenden Einschränkung kann er sich nötigenfalls an die italieni-
schen Behörden wenden und die ihm zustehenden Aufnahmebedingungen
auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Das italie-
nische Fürsorgesystem für Asylsuchende und Personen mit Schutzstatus
steht zwar in der Kritik, das Bundesverwaltungsgericht ist aber in dem in
der Beschwerde zitierten Referenzurteil E-962/2019 vom 17. Dezember
2019 zum Schluss gelangt, auch nach Erlass und Umsetzung des «Salvini-
Dekrets» sei gegenwärtig das Vorliegen systemischer Schwachstellen im
Sinne von Art. 3 Abs. 2 Satz 2 Dublin-III-VO, welche die staatliche Unter-
stützung Italiens und dessen Einrichtungen für Asylsuchende betreffen, zu
verneinen (vgl. ausführlich E. 6.1–6.4). Diese Einschätzung gilt auch, ob-
wohl die dortigen Lebensumstände von Asylsuchenden, anerkannten
Flüchtlingen und Personen mit einem subsidiären Schutzstatus mit gewis-
sen Mängeln behaftet sind, und sich demgegenüber mehrere private Hilfs-
organisationen der Betreuung von Asylsuchenden und Flüchtlingen anneh-
men (vgl. bspw. Urteile des BVGer F-2009/2020 vom 24. April 2020 E. 8.3
oder F-762/2020 vom 18. Februar 2020 S. 5).
6.7 Was den medizinischen Sachverhalt anbelangt, stellt eine zwangs-
weise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen nur
ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK dar. Dies ist ins-
besondere dann der Fall, wenn die betroffene Person sich in einem fortge-
schrittenen oder terminalen Krankheitsstadium und bereits in Todesnähe
befindet, nach einer Überstellung mit dem sicheren Tod rechnen müsste
und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwarten könnte (vgl.
BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis des Europäi-
schen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]). Eine weitere vom
EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch die Ab-
schiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im Ziel-
staat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, raschen
und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands
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ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen
Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR
P. gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer, 41738/10,
§§ 180–193 m.w.H.).
Eine solche Situation ist vorliegend aufgrund der gesundheitlichen Beein-
trächtigungen des Beschwerdeführers nicht gegeben. Die Verletzungen
am (...) oder am (...) vermögen eine Unzulässigkeit der Überstellung nach
Italien im Sinne der dargelegten Rechtsprechung – ungeachtet des Verlet-
zungsgrades – nicht zu rechtfertigen. Hieran vermögen auch das auf Be-
schwerdeebene nachgereichte Foto und der ambulante Bericht des Spitals
B._, der erneut eine vor einigen Jahren erlittene (...) bestätigt,
nichts zu ändern (ambulanter Bericht S. 2 f.). Was die erst auf Beschwer-
deebene erwähnte Epilepsie anbelangt ist festzustellen, dass der Be-
schwerdeführer diese weder im rechtlichen Gehör zu seinen Gesundheits-
problemen erwähnte noch auf Beschwerdeebene belegt. Er behauptet
zwar, er sei aufgrund eines epileptischen Anfalls ins Spital B._ ein-
gewiesen worden. Der ambulante Bericht des Spitals bestätigt jedoch,
dass es sich beim Beschwerdeführer um einen jungen Mann in gutem ge-
sundheitlichen Allgemeinzustand handelt, der nach einem kurzen Spitalau-
fenthalt in gutem Zustand entlassen werden konnte (ambulanter Bericht S.
1 f.). Zudem wurde eine Panikattacke diagnostiziert, deren Ursache das
Erfahren des Todes der Mutter des Beschwerdeführers war; mithin han-
delte es sich nicht um einen epileptischen Anfall (ebd. S. 1). Im Übrigen
wäre eine angemessene medikamentöse Behandlung von Epilepsie und
Panikattacken zweifelsfrei auch in Italien möglich.
Der Beschwerdeführer konnte nach dem Gesagten nicht nachweisen, dass
eine Überstellung seine Gesundheit ernsthaft gefährden würde. Sein Ge-
sundheitszustand vermag eine Unzulässigkeit im Sinne der restriktiven
Rechtsprechung nicht zu rechtfertigen. Die medizinischen Probleme sind
auch nicht von einer derartigen Schwere, dass aus humanitären Gründen
von einer Überstellung abgesehen werden müsste. Vor diesem Hinter-
grund gilt der Beschwerdeführer – anders als in der Beschwerde behauptet
– nicht als vulnerable Person im Sinne des Referenzurteils E-962/2019
vom 17. Dezember 2019 E. 7.4.3 (vgl. diesbzgl. auch das Urteil
F-1268/2020 vom 12. März 2020 S. 6), sodass bei ihm keine individuelle
Garantieerklärung der italienischen Behörden hinsichtlich Unterbringung
und medizinischer Behandlung einzuholen ist (vgl. zitiertes Referenzurteil
E-962/2019 E. 7.4 und E. 8).
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Die Mitgliedstaaten sind ferner verpflichtet, den Antragstellern die erforder-
liche medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die
unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und schweren psy-
chischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Auf-
nahmerichtlinie); den Antragstellern mit besonderen Bedürfnissen ist die
erforderliche medizinische oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls
einer geeigneten psychologischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2
Aufnahmerichtlinie). Es gilt darauf hinzuweisen, dass Italien grundsätzlich
über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt (vgl. Urteil des
BVGer F-2009/2020 vom 24. April 2020 E. 8.7 m.H.). Es liegen keine An-
haltspunkte vor, wonach dem Beschwerdeführer dort eine adäquate medi-
zinische Behandlung verweigert würde. So bestätigte er selbst, in Italien –
trotz seines kurzen Aufenthalts von nur 25 Tagen – bereits eine Salbe er-
halten zu haben. Zudem ist der Zugang für asylsuchende Personen zum
italienischen Gesundheitssystem über die Notversorgung hinaus derzeit
grundsätzlich gewährleistet, auch wenn es in der Praxis zu zeitlichen Ver-
zögerungen kommen kann (Urteil des BVGer E-962/2019 vom 17. Dezem-
ber 2019 E. 6.2.7). Vor diesem Hintergrund gehen auch die Beschwerde-
ausführungen zu den Medikamentenkosten in Italien ins Leere (insb. Be-
schwerde S. 6).
Im Weiteren ist hervorzuheben, dass die mit der Überstellung beauftragten
Behörden die besonderen Bedürfnisse des Beschwerdeführers – ein-
schliesslich die der notwendigen medizinischen Versorgung, auch in Be-
zug auf die Corona-Problematik – berücksichtigen würden, falls dies erfor-
derlich sein sollte (vgl. Art. 31 Abs. 2 Dublin-III-VO). Die Vorinstanz hat in
der angefochtenen Verfügung festgehalten, die Reisefähigkeit werde erst
kurz vor der Überstellung definitiv beurteilt und die italienischen Behörden
würden vor der Überstellung über den Gesundheitszustand des Beschwer-
deführers sowie eine eventuelle notwendige medizinische Behandlung in-
formiert.
6.8 Allfällige Verzögerungen aufgrund der herrschenden Situation im Zu-
sammenhang mit der COVID-19-Pandemie stellen lediglich temporäre
Vollzugshindernisse dar und vermögen am Ausgang des vorliegenden Ver-
fahrens nichts zu ändern (vgl. Urteil des BVGer F-1829/2020 vom 9. April
2020 E. 5.2). Der Beschwerdeführer wird – sofern notwendig – bis zu sei-
ner Überstellung nach Italien in der Schweiz medizinisch versorgt, womit
seine hiermit verbundene Befürchtung in Bezug auf eine durch COVID-19
verursachte Verzögerung der Überstellung nach Italien ebenfalls unbe-
gründet ist.
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Seite 11
6.9 Mithin liegen keine Umstände vor, die einen – nach Ermessen zu beur-
teilenden – Selbsteintritt aus humanitären Gründen im Rahmen der Sou-
veränitätsklausel (Art. 29a Abs. 3 AsylV1 i.V.m. Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO)
rechtfertigen würden. Um Wiederholungen zu vermeiden, ist auf die zutref-
fenden Ausführungen der Vorinstanz zu verweisen, die folgerichtig einen
Selbsteintritt ausgeschlossen hat und zu Recht auf das Asylgesuch nicht
eingetreten ist. Da der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Auf-
enthalts- oder Niederlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach
Italien in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet
(Art. 32 Bst. a AsylV 1).
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit
darauf einzutreten ist.
Damit sind die Anträge betreffend Vollzugsaussetzung und aufschiebende
Wirkung mit entsprechender Anweisung an die kantonalen Vollzugsbehör-
den gegenstandslos geworden.
8.
8.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Aufgrund der vorstehenden
Erwägungen ergibt sich, dass seine Begehren als aussichtslos zu gelten
haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht
gegeben, weshalb dem Gesuch nicht stattzugeben ist. Aus demselben
Grund kann auch dem Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung
nicht stattgegeben werden.
8.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2)
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Mit vorliegendem Urteil ist der An-
trag auf Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandslos
geworden.
(Dispositiv nächste Seite)
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