Decision ID: ddf17a2d-2e1e-58bf-821a-0441ec8f7334
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführenden verliessen ihren Heimatstaat gemäss eige-
nen Angaben am 17. Februar 2020 auf dem Luftweg Richtung Mailand und
gelangten am selben Tag mit dem Zug in die Schweiz, wo sie sogleich um
Asyl nachsuchten. Am 20. Februar 2020 wurden ihre Personalien aufge-
nommen (PA). Am 6. März 2020 hörte die Vorinstanz die Beschwerdefüh-
renden einlässlich zu ihren Asylgründen an.
A.b Dabei führte der Beschwerdeführer aus, er stamme aus C._
und habe dort seit seiner Geburt in der gleichen Eigentumswohnung, zu-
erst mit seinen Eltern und seiner Schwester, mittlerweile jedoch mit seiner
Ehefrau (Beschwerdeführerin) und den beiden Kindern (Jahrgang 2001
und 2007) gelebt. Er sei Ingenieur und habe bis zu seiner Ausreise in der
Möbelwerkstatt des Patenonkels seiner Tochter gearbeitet.
Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er geltend, dass er Krebs
([...]) im dritten Stadium habe und auf Hilfe angewiesen sei. Da die Medizin
in Georgien auf einem tiefen Niveau sei, werde er sonst sterben. Die Ärzte
hätten bereits Metastasen im ganzen Körper gefunden, da das Lymphsys-
tem mitbetroffen sei. Er habe bereits 16 Chemotherapien gemacht. Nach
der letzten Chemotherapie und der anschliessenden Computertomografie
(MRI) habe man ihm mitgeteilt, dass sich seine Situation verschlechtert
habe. Sein Arzt in D._ habe ihm mitgeteilt, dass es ein teures Me-
dikament gebe, welches noch eingesetzt werden könnte; allerdings sei
fraglich, ob dieses Medikament etwas bewirken könne oder ihm vielleicht
sogar schade. Sein Arzt habe ihm daher geraten, in die Schweiz zu reisen,
da die Schweiz das einzige Land sei, welches ihm die Hilfe leisten und vor
allem finanzieren könne. Er verfüge über eine staatliche Krankenkasse in
Georgien, diese würde aber die von ihm benötigten Medikamente nicht fi-
nanzieren.
A.c Die Beschwerdeführerin führte aus, dass sie während ihrer Kindheit
drei Jahre in E._ verbracht habe und anschliessend in F._,
Georgien, aufgewachsen sei. Ihr Rechtsstudium habe sie an der Universi-
tät in C._ 2006/2007 abgeschlossen. Sie sei Juristin, gehe jedoch
keiner Erwerbstätigkeit nach, da sie sich um die Kinder kümmere.
Zur Begründung ihres Asylgesuchs führte sie aus, dass sie ausschliesslich
wegen der Krankheit ihres Ehemannes in die Schweiz eingereist sei. Ihr
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Ehemann sei nur minimal versichert und sie hätten sich die teure Behand-
lung nicht leisten können, da der georgische Staat ihrem Ehemann die be-
nötigten Medikamente nicht bezahlt habe. Sie selbst sei gesund.
A.d Als Beweismittel reichten die Beschwerdeführenden ihre Reisepässe,
ihre Identitätskarten, die Ehebescheinigung, ihre Geburtsscheine, den
Führerausweis der Beschwerdeführerin, drei Arztberichte des (...), Geor-
gien, in Englisch, Georgisch und Deutsch, ein.
B.
Am 21. Februar 2020 bevollmächtigten die Beschwerdeführenden die
ihnen zugewiesene Rechtsvertretung im Bundesasylzentrum.
C.
Mit Schreiben vom 11. März 2021 beantragte der Rechtsvertreter der Be-
schwerdeführenden bei der Vorinstanz das Zuwarten des Asylentscheids,
bis die Ergebnisse der Untersuchungen im (...) vorlägen, der medizinische
Sachverhalt sachgemäss erstellt sei und berücksichtigt werden könne.
D.
Am 18. März 2020 stellte die Vorinstanz den Beschwerdeführenden den
Entscheidentwurf zu und gewährte ihnen das rechtliche Gehör. Mit Schrei-
ben vom 19. März 2020 nahmen die Beschwerdeführenden Stellung und
machten geltend, dass der medizinische Sachverhalt noch nicht vollständig
abgeklärt sei, weshalb das SEM das Risiko einer Wegweisung ins Heimat-
land noch nicht einschätzen könne. Sie wiesen zudem nochmals darauf
hin, dass sie in Georgien sämtliche Behandlungsmöglichkeiten ausge-
schöpft hätten, und machten zudem neu geltend, dass der Beschwerde-
führer im Hinblick auf die aktuelle Covid-19 Situation als speziell gefährdete
Person gelte und alleine deswegen bereits ein erhöhtes Risiko bestehe.
E.
Mit Zuweisungsentscheid in das erweiterte Verfahren vom 20. März 2020
wurden die Beschwerdeführenden dem Kanton G._ zugewiesen.
F.
Am 30. März 2021 ersuchte die Vorinstanz die Schweizer Botschaft in Tiflis
um Abklärung der Behandlungsmöglichkeiten in Georgien und gewährte
den Beschwerdeführenden mit Schreiben vom 17. Mai 2021 das rechtliche
Gehör zu den Ergebnissen der Botschaftsabklärung. Mit Schreiben vom
7. Juni 2021 nahmen die Beschwerdeführenden diesbezüglich Stellung
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und führten aus, dass sich die Behandlungskosten gemäss Internet auf
etwa 8 500.– EUR pro Monat beliefen; es sei somit klar, dass der Be-
schwerdeführer diese Behandlungskosten nicht selbst finanzieren könne.
Die Beschwerdeführenden würden lediglich über ein Auto mit aktuellem
Wert von 2 000.– USD und eine Eigentumswohnung, welche momentan
nur von den Kindern bewohnt werde, mit einem aktuellen – aufgrund der
Krisenzeit – Veräusserungswert von 20 000.– USD, verfügen. Damit drohe
dem Beschwerdeführer im Falle einer Wegweisung eine baldige und we-
sentliche Verschlechterung seines Gesundheitszustands, welche zu star-
kem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Lebensdauer führe,
weshalb von einem «Real Risk» ausgegangen werden müsse. Des Weite-
ren ersuchten die Beschwerdeführenden um Verfügung der vorläufigen
Aufnahme.
G.
Im Verlaufe des Verfahrens reichten die Beschwerdeführenden diverse
Arztberichte des (...) ein.
H.
Mit Verfügung vom 30. Juni 2021, welche noch gleichentags den Be-
schwerdeführenden eröffnet wurde, trat die Vorinstanz in Anwendung von
Art. 31a Abs. 3 AsylG (SR 142.31) auf die Asylgesuche der Beschwerde-
führenden nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie
den Vollzug an. Ferner wurden die editionspflichtigen Akten gemäss Akten-
verzeichnis ausgehändigt.
I.
Mit Eingabe vom 7. Juli 2021 erhoben die Beschwerdeführenden beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Sie beantragten, die angefoch-
tene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihnen die vorläufige Aufnahme
zu gewähren. Eventualiter sei die Sache zur vollständigen Sachverhalts-
abklärung sowie zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Prozessual beantragten sie die unentgeltliche Prozessführung, inklusive
Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses.
J.
Mit Schreiben vom 8. Juli 2021 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht
den Beschwerdeführenden den Eingang ihrer Beschwerde.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet einzig die
Frage der vorläufigen Aufnahme beziehungsweise der Vollzug der Weg-
weisung. Die Ziffern 1 (Nichteintreten auf ein Asylgesuch) und 2 (Wegwei-
sung aus der Schweiz) der Verfügung vom 30. Juni 2021 sind mangels
Anfechtung in Rechtskraft erwachsen.
4.
4.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, wes-
halb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a
Abs. 2 AsylG).
4.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet.
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5.
Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht
möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetz-
lichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83
Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
6.
6.1 Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, dass der
Beschwerdeführer gemäss eigenen Aussagen, den medizinischen Unter-
lagen aus Georgien und einem von ihr in Auftrag gegebenen Arztbericht
vom 13. März 2020 an einem (...), sowie an einer (...) leide. Der Beschwer-
deführer sei infolge seines Krebsleidens in Georgien operiert worden und
habe sich diversen Chemotherapien unterzogen. Aus einem weiteren ein-
geholten Bericht vom 9. September 2020 gehe hervor, dass sich der Be-
schwerdeführer seit dem 4. September 2020 einer Immuntherapie mit den
Medikamenten (...) unterziehe, zudem sei eine stereotaktische (bildge-
steuerte/computerassistierte) Radiotherapie oder die operative Entfernung
(Resektion) der Hirnmetastase evaluiert worden. Weiter stelle der Bericht
fest, dass der Beschwerdeführer ohne die angeordnete Behandlung mit ei-
nem raschen Versterben zu rechnen hätte. Hingegen könnten Patienten
mit einer palliativen Immuntherapie über Jahre hinweg einen stabilen
Krankheitsverlauf aufzeigen. Ein am 17. November 2020 erstellter Arztbe-
richt führe unter anderem die Resektion einer Hirnmetastase vom 16. Sep-
tember 2020 an und attestiere ein gutes Ansprechen auf die verordnete
palliative Immuntherapie mit den Medikamenten (...). Ein Arztbericht vom
1. März 2021 stelle fest, dass der Beschwerdeführer aktuell eine Monothe-
rapie mit dem Medikament (...) mache und dass diese unverändert in ei-
nem Abstand von zwei Wochen weitergeführt werden müsse. Der Bericht
attestiere ihm einen guten und beschwerdefreien Allgemeinzustand.
Weiter führte die Vorinstanz aus, dass sie mit Schreiben vom 30. März
2021 die Schweizer Botschaft in Tiflis darum ersucht habe abzuklären, ob
die palliative Immuntherapie des Beschwerdeführers mit dem Medikament
(...) in Georgien möglich und ob dieses Medikament durch die staatliche
Krankenkasse gedeckt sei. Weiter habe sie sich danach erkundigt, ob in
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Georgien Alternativen zur Behandlung mit (...) bestehen würden. Gemäss
Botschaftsbericht vom 4. Mai 2021 (recte: 22. April 2021) seien laut geor-
gischem Gesundheitsministerium Behandlungen von Krebserkrankungen
im Rahmen des staatlichen Gesundheitsprogramms in Georgien möglich,
insbesondere Chemotherapien, Hormontherapien, Strahlentherapien und
die Behandlung mit Krebsmedikamenten (monoklonale Antikörper, Proto-
einkinaseninhibitoren, Bisphosphonate). Das Medikament (...) sei jedoch
nicht auf der Liste der im Rahmen des öffentlichen Gesundheitsprogramms
verfügbaren kostenlosen Krebsmedikamente. (...) sei bis jetzt auf dem ge-
orgischen Markt nicht registriert, die Behandlung mit dem Medikament sei
jedoch im (...) Oncology Center (...) möglich. Der Import von Medikamen-
ten könne gemäss des Erlasses N01-31/N des georgischen Gesundheits-
ministeriums von führenden Pharmafirmen gemäss den individuellen Be-
dürfnissen der Patienten erfolgen. Allerdings müssten die Kosten für die
Behandlung mit (...) vom Patienten selbst getragen werden.
6.1.1 Das SEM anerkenne, dass es sich beim Beschwerdeführer aufgrund
der Krebserkrankung um eine schwerkranke Person handle, welche sich
in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium befinde. Gemäss Arztberich-
ten bestehe jedoch keine Aussicht auf Genesung, gleichzeitig sei aufgrund
dieser Arztberichte nicht davon auszugehen, dass er sich bereits in einem
terminalen Krankheitsstadium beziehungsweise in Todesnähe im Sinne
der Rechtsprechung zu Art. 3 EMRK befinde. Der letzte Arztbericht attes-
tiere ihm vielmehr einen guten und beschwerdefreien Allgemeinzustand.
Es sei nicht davon auszugehen, dass sich der ohnehin schlechte Gesund-
heitszustand des Beschwerdeführers bei einer Rückkehr unwiederbringlich
verschlechtere und er deshalb intensivem Leiden ausgesetzt sei. Gemäss
Kenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts bestehe in Georgien die
Möglichkeit einer Krebsbehandlung und es stünden alle Arten von Medika-
menten des westeuropäischen Marktes als Originalpräparate oder Gene-
rika zur Verfügung (unter Verweis auf das Urteil des BVGer D-5673/2018
vom 11. Oktober 2018 E. 6.2.4). Anlässlich des rechtlichen Gehörs vom
17. Mai 2021 sei den Beschwerdeführenden zudem mitgeteilt worden,
dass auch das georgische Gesundheitsministerium bestätigt habe, dass
Behandlungen von Krebserkrankungen im Rahmen des staatlichen Ge-
sundheitsprogramms in Georgien möglich seien. Somit sei davon auszu-
gehen, dass das gute georgische Gesundheits- und Krankenversiche-
rungssystem dem Beschwerdeführer im Rahmen des dort Möglichen eine
adäquate Behandlung seiner Krebserkrankung gewährleisten könne,
wodurch er keiner Gefahr einer menschenunwürdigen Existenz oder inten-
sivem Leiden ausgesetzt sei. Dass die Behandlung in Georgien nicht dem
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Standard der Schweiz entspreche, vermöge an dieser Einschätzung nichts
zu ändern.
Die Vorinstanz führte weiter aus, dass, auch wenn das Medikament (...)
nicht auf der Liste der im Rahmen des öffentlichen Gesundheitsprogramms
verfügbaren, kostenlosen Krebsmedikamente sei, dem Beschwerdeführer
gestützt auf die Botschaftsantwort eine Weiterführung der Behandlung mit
diesem Medikament in C._ möglich sei. Das SEM verkenne nicht,
dass eine solche Behandlung für die Beschwerdeführenden in Georgien
nicht kostenlos und über eine längere Zeit mit erheblichen finanziellen Auf-
wänden verbunden sei. Aufgrund der Akten sei aber davon auszugehen,
dass es den Beschwerdeführenden zumutbar und möglich sei, aufgrund
der staatlichen Hilfen, ihres sozialen Umfelds und Eigentums, diese finan-
ziellen Aufwände zu decken. Des Weiteren existiere in Georgien seit dem
Jahr 2006 ein Sozialhilfeprogramm für Personen unter der Armutsgrenze,
das eine kostenlose Krankenversicherung einschliesse (unter Verweis auf
Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH], Géorgie: accès à des soins médi-
caux, 28. August 2018, S. 48; Urteil des BVGer D-5433/2014 vom 25. No-
vember 2014 E. 9.2.1). Ferner gebe es in
Georgien ein staatliches «Programm für palliative Pflege für unheilbare
Patienten», dessen Leistung ambulante und stationäre Behandlung
umfasse, wobei erstere für Georgier mit Wohnsitz in C._ sogar kos-
tenlos sei (unter Verweis auf Staatssekretariat für Migration, 21. März 2018:
Focus Georgien. Reform im Gesundheitswesen. Staatliche Gesundheits-
programme und Krankenversicherung, S. 20, https://www.sem.
admin.ch/dam/data/sem/internationales/herkunftslaender/europa-
gus/geo/GEO-reformgesundheitswesen-d.pdf). Der Beschwerdeführer
verfüge in Georgien über ein stabiles soziales Netzwerk, welches ihn be-
reits in der Vergangenheit unterstützt habe und auch weiterhin unterstützen
könne. Er sei von seiner Ehefrau, der Beschwerdeführerin, in die Schweiz
begleitet worden, damit diese mit ihm zusammen ein Asylgesuch einrei-
chen und ihn unterstützen könne. Aus den genannten Gründen sei bei ei-
ner Rückkehr nach Georgien nicht davon auszugehen, dass der Beschwer-
deführer mit einem realen Risiko konfrontiert werde, einer ernsten, raschen
und unwiederbringlichen Verschlechterung seines Gesundheitszustands
ausgesetzt zu werden, welche zu einem starken Leiden und einer erhebli-
chen Verkürzung der Lebensdauer führe. Dementsprechend werde die
hohe Schwelle von Art. 3 EMRK nicht überschritten und der Wegweisungs-
vollzug nach Georgien erweise sich als zulässig.
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6.1.2 Zur allfälligen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aus medi-
zinischen Gründen führte die Vorinstanz aus, dass vorliegend entschei-
dend sei, dass in Georgien die medizinische Behandlung von Krebserkran-
kungen und ein Sozialhilfeprogramm zur Verfügung stehen würden, womit
eine menschenwürdige Existenz gewährleistet sei. An dieser Einschätzung
würden auch die medizinischen Unterlagen aus der Schweiz und Georgien
nichts ändern. Diese zeigten vielmehr, dass der Beschwerdeführer in Ge-
orgien Zugang zu medizinischen Behandlungen habe und diese auch in
der Vergangenheit bereits in Anspruch genommen habe. In C._
gebe es zudem seit dem Jahr 2015 ein modernes Onkologie-Zentrum, an
welches sich der Beschwerdeführer zwecks Behandlung wenden könne.
Weiter stellte die Vorinstanz fest, dass die beiden Beschwerdeführenden
je ein Hochschulstudium absolviert hätten. Der Beschwerdeführer sei zu-
dem bis zu seiner Ausreise berufstätig gewesen. Der Beschwerdeführerin
sei es aufgrund ihrer Ausbildung als Juristin sicherlich möglich, eine Ar-
beitsstelle in Georgien zu finden. Des Weiteren seien die Beschwerdefüh-
renden Besitzer einer Eigentumswohnung sowie eines Autos, würden über
ein tragfähiges Netz von Verwandten und Freunden verfügen, welche sie
bis anhin unterstützt habe und sicherlich – trotz Corona-Krise – auch künf-
tig unterstützen werde. Der Beschwerdeführer verfüge über eine staatliche
Krankenversicherung, welche bisher einen beträchtlichen Teil der Behand-
lungskosten übernommen habe. Im Jahr 2013 sei das Universal Health
Care (UHC) Programm geschaffen worden; eine staatliche Krankenversi-
cherung, die den Zugang zur medizinischen Grundversorgung für alle Ge-
orgier sicherstelle. Abhängig von Alter und Einkommen erhalte der Be-
schwerdeführer bestimmte medizinische Leistungen der Notfall-, ambulan-
ten- und stationären Versorgung sowie einzelne Medikamente kostenlos.
Sollte der Beschwerdeführer mittellos werden oder unter der Armutsgrenze
leben – wovon nicht auszugehen sei –, würden die Kosten für onkologische
Behandlungen (chirurgische Eingriffe, Chemo-, Hormontherapie und Be-
strahlung) durch die UHC zu 100 % übernommen werden (unter Verweis
auf Staatssekretariat für Migration, 21. März 2018: Focus Georgien. Re-
form im Gesundheitswesen. Staatliche Gesundheitsprogramme und Kran-
kenversicherung, S. 23 f. https://www.sem.admin.ch/dam/data/sem/inter-
nationales/herkunftslaendeMeuropagus/geo/GEO-reformgesundheitswe-
sen-d.pdf, aufgerufen am 16. Juni 2021). Somit sei eine menschenwürdige
Versorgung und Behandlung durch die staatliche Krankenkasse in Geor-
gien sichergestellt und dem Beschwerdeführer zugänglich. Dementspre-
chend beständen keine individuellen Wegweisungsvollzugshindernisse.
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Zum Risiko einer Infizierung mit SARS-CoV-2 führte die Vorinstanz aus,
dass die blosse Möglichkeit einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 für sich al-
leine der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nicht entgegenzustehen
vermöge. Vielmehr müssten im Einzelfall konkrete Hinweise bestehen, im
Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat in eine medizinische Notlage oder
in eine existenzbedrohende Situation zu geraten. Solche konkreten Hin-
weise würden sich indessen vorliegend weder aus den Ausführungen der
Beschwerdeführenden noch aus den Akten ergeben. Somit erweise sich
der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar.
Schliesslich stehe es den Beschwerdeführenden frei, medizinische Rück-
kehrhilfe sowie finanzielle und materielle Zusatzhilfe zu beantragen.
6.2 Die Beschwerdeführenden legen beschwerdeweise einen neuen, aktu-
ellen Arztbericht vom 6. Juli 2021 des (...) ins Recht. Gemäss diesem habe
sich der Beschwerdeführer gut von der durchgeführten Metastasenresek-
tion der (...) erholt. Bei raschen Kopfbewegungen würde er an bewegungs-
abhängigem Schwindel leiden, das MRI habe aber keine neuen Hirnmeta-
stasen aufgezeigt. Zusammenfassend sei die palliative Systemtherapie mit
(...) sehr erfreulich, wobei diese in zweiwöchigen Gaben fortzuführen sei.
Weiter würde der Oberarzt in seinem Bericht darauf verweisen, dass auch
Personen in der Schweiz dieses teure Medikament kaum über längere Zeit
selbst finanzieren könnten. Die Beschwerdeführenden wenden weiter ein,
dass die Angaben zur Erhältlichkeit von (...) in Georgien divergierend
seien. Das SEM erwähne mit Hinweis auf die Botschaftsabklärung, dass
das Medikament auf eigene Kosten importiert werden könne, während ein
georgischer Onkologe gegenüber dem behandelnden Arzt in der Schweiz
erklärt habe, dass diese Therapieform nicht verfügbar sei. Aktuelle Quellen
würden überdies nahelegen, dass (...) zwar einmal in Georgien verfügbar
gewesen sei, dass dies infolge der Pandemiesituation jedoch nicht mehr
der Fall sei (unter Verweis auf einen Artikel der deutschen Tageszeitung
vom 13. April 2020 über Corona in der Ukraine). Die Wegweisung sei somit
im Lichte von Art. 3 EMRK als unzulässig zu erachten, weil davon ausge-
gangen werden müsse, dass der Beschwerdeführer keinen Zugang zu (...)
haben werde und dadurch die tödlich verlaufende Krebserkrankung man-
gels der (...) gestützten Immuntherapie nicht in eine chronische Krankheit
transformiert werden könne.
Darüber hinaus sei die Wegweisung auch unzumutbar, da der Beschwer-
deführer in Georgien die absolut notwendige medizinische Versorgung
nicht beziehungsweise aufgrund seines beschränkten Budgets nur für sehr
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kurze Zeit erhalten dürfte, weshalb eine adäquate Behandlung für ihn aus
persönlichen (finanziellen) Gründen nicht erreichbar wäre und diesem in-
folgedessen im Falle der vollzogenen Wegweisung ein baldiges Versterben
drohe.
Die Beschwerdeführenden stellten unter ihrem Eventualbegehren zudem
einen Antrag auf Einsicht in die Botschaftsabklärung mit der Begründung,
es sei nicht nachvollziehbar, worin das an der Geheimhaltung überwie-
gende öffentliche Interesse der Botschaftsabklärung liegen solle, würden
sich daraus doch allenfalls weitere Aufschlüsse über die tatsächliche Er-
hältlichkeit und Durchführbarkeit der benötigten medizinischen Behand-
lung ergeben können.
7.
7.1 Als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs gewährt das Recht auf Aktenein-
sicht (Art. 26 VwVG) die Möglichkeit, die relevanten Unterlagen einzuse-
hen, auf welche die Behörde ihren Entscheid stützt. Soweit das Recht ein-
geschränkt werden kann, so insbesondere wenn ein überwiegendes öffent-
liches oder privates Interesse an der Geheimhaltung besteht (Art. 27
VwVG), muss die Behörde vom wesentlichen Inhalt der Unterlagen Kennt-
nis sowie die Gelegenheit geben, sich dazu zu äussern und Gegenbeweis-
mittel zu bezeichnen (Art. 28 VwVG; vgl. BVGE 2015/10 E. 3.3).
Praxisgemäss unterstehen die Akten betreffend Botschaftsabklärungen
dem Akteneinsichtsrecht. Dieses Recht kann aufgrund von Geheimhal-
tungsinteressen eingeschränkt werden. Eine Zusammenfassung der Bot-
schaftsanfrage und -antwort ging mit Schreiben des SEM vom 17. Mai
2021 an die Beschwerdeführenden. Soweit im Beschwerdeverfahren wei-
tergehende Einsicht beantragt wird, ist festzuhalten, dass die Erstellung
einer Zusammenfassung eine Möglichkeit für die Behörde darstellt, ihrer
Pflicht zur Gewährung der Einsicht in Akten bei gleichzeitiger Wahrung öf-
fentlicher oder privater Interessen an deren Geheimhaltung nachzukom-
men. Das SEM ist bei Geheimhaltungsinteressen gehalten, den wesentli-
chen Inhalt wiederzugeben und zwar in einer Weise, die es der betroffenen
Person ermöglicht, sich dazu zu äussern und Gegenbeweismittel zu be-
zeichnen (vgl. Urteile des BVGer D-36/2018 vom 12. Oktober 2020 E. 3.2
und E-6502/2019 vom 19. März 2020 E. 5.3.). Dem ist das SEM vorliegend
hinreichend nachgekommen. Da der Botschaftsantwort Angaben zu Aus-
kunft gewährenden Personen, weiteren Behandlungsmöglichkeiten sowie
Erhältlichkeit von Medikamenten in Georgien zu entnehmen sind, die den
Rahmen des Einzelfallspezifischen überschreiten, hat das SEM zu Recht
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nicht die gesamten Ausführungen der Botschaft offengelegt. Den Be-
schwerdeführenden war es möglich, sich zu dem sie persönlich betreffen-
den Inhalt der Botschaftsantwort zu äussern und sie hätten auch weitere
Beweismittel bezeichnen und/oder einreichen können beziehungsweise
haben dies beschwerdeweise denn auch getan. Eine Verletzung des Ak-
teneinsichtsrechts ist nicht ersichtlich. Der Antrag auf weitergehende Ak-
teneinsicht ist abzuweisen.
8.
8.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
8.2 Vorliegend wurde rechtskräftig festgestellt, dass die Beschwerdefüh-
renden kein Asylgesuch im Sinne von Art. 18 AsylG gestellte haben. Dem-
entsprechend sind das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlings-
rechtlichen Non-Refoulement und das flüchtlingsrechtliche Rückschie-
bungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) nicht anwendbar. So-
dann sind den Akten keinerlei Anhaltspunkte für eine in Georgien drohende
menschenrechtswidrige Behandlung im Sinne von Art. 25 Abs. 3 BV, von
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe (FoK, SR 0.105) ersichtlich.
8.2.1 Soweit die Beschwerdeführenden sich auf den Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers berufen, könnte die Bestimmung von Art. 3 EMRK
– soweit das Verbot der unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung
betreffend – der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs entgegenstehen.
Eine zwangsweise Wegweisung von Personen mit gesundheitlichen Prob-
lemen kann allerdings nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen
Art. 3 EMRK darstellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die be-
troffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheits-
stadium und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit
dem sicheren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstüt-
zung erwarten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die dama-
lige Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]).
Eine weitere vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die
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durch die Abschiebung – mangels angemessener medizinischer Behand-
lung im Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer erns-
ten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesund-
heitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer
erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des
EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer
41738/10, §§ 180–193 m.w.H., und zum Ganzen auch BVGE 2017 VI/7
E. 6).
8.2.2 Gemäss den Arztberichten aus Georgien sowie den zahlreichen Arzt-
berichten des (...) wurde beim Beschwerdeführer im April 2019 ein metas-
tasiertes (...) diagnostiziert. In Georgien wurden anschliessend eine Ope-
ration und zahlreiche Chemotherapien durchgeführt. Die schweizerischen
Ärzte führten sodann im ärztlichen Bericht vom 9. September 2020 zuhan-
den des SEM aus, dass beim Beschwerdeführer ein sogenanntes heredi-
täres (erbliches) Krebssyndrom (Lynch-Syndrom) vorliege, was eine palli-
ative Immuntherapie mit (...) erfordere. Im Übrigen kann betreffend Krank-
heitsverlauf auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl.
vorhergehend E. 7.1). Der mit Beschwerdeschrift eingereichte Arztbericht
vom 6. Juli 2021 hält denn auch ausdrücklich fest, dass sich der Beschwer-
deführer von der Operation vor zwei Wochen gut erholt habe und sich in
einem guten Allgemeinzustand befinde. Der behandelnde Arzt führt darin
lediglich aus, dass die palliative Immuntherapie des Beschwerdeführers
auf einer klinischen Studie basieren würde und in dieser kein Stopp der
Behandlung mit (...) vorgesehen sei, da gemäss Studie die Therapie bis
zum Tumorprogress oder einer Unverträglichkeit des Medikaments fortge-
führt worden sei. Beim Abbruch der Behandlung sei, wie schon im Arztbe-
richt vom 1. März 2021 – welcher der Vorinstanz vorlag – mitgeteilt wurde,
mit einem Versterben des Patienten, im schlechtesten Fall innert Monaten,
zu rechnen.
8.2.3 Nach Durchsicht der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht
zum Schluss, dass die vorinstanzlichen Erwägungen zur Zulässigkeit des
Wegweisungsvollzugs nicht zu beanstanden sind. In der angefochtenen
Verfügung wird einlässlich dargelegt, weshalb der Wegweisungsvollzug
nach Georgien für die Beschwerdeführenden zulässig ist (vgl. vorherge-
hend E. 7.1.1). Der neu eingereichte Arztbericht vom 6. Juli 2021 vermag
daran nichts zu ändern, da er keine neuen Tatsachen enthält, aufgrund de-
rer die Situation anders zu beurteilen wäre. Die Vorbringen der Beschwer-
deführenden betreffend die Verfügbarkeit von (...) vermögen insofern nicht
zu überzeugen, da sich der angeführte Artikel der Tageszeitung (TAZ) auf
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die Lage in der Ukraine bezieht. Anzumerken ist jedoch, dass sich dem
Bericht entnehmen lässt, dass – entgegen den früheren Behauptungen der
Beschwerdeführenden sowie des georgischen Arztes – das Medikament
(...) in Georgien grundsätzlich erhältlich ist. Dies belegt denn auch die Bot-
schaftsantwort vom 22. April 2021.
8.3
8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.3.2 In Georgien herrscht keine Situation allgemeiner Gewalt. Wie das
SEM in der angefochtenen Verfügung zutreffend festgehalten hat, ist auf-
grund der dort herrschenden allgemeinen politischen Lage nicht von der
generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs auszugehen.
8.3.3 Auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aus medizinischen
Gründen ist nach Lehre und konstanter Praxis nur dann zu schliessen,
wenn eine notwendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur
Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährden-
den Beeinträchtigung des Gesundheitszustands der betroffenen Person
führen würde. Dabei wird als wesentlich die allgemeine und dringende me-
dizinische Behandlung erachtet, welche zur Gewährleistung einer men-
schenwürdigen Existenz absolut notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jeden-
falls dann noch nicht vor, wenn im Heimat- oder Herkunftsstaat eine nicht
dem schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behandlung
möglich ist (vgl. etwa BVGE 2011/50 E. 8.3 und 2009/2 E. 9.3.1 je mit wei-
teren Hinweisen).
8.3.4 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung zu Recht festge-
stellt, dass der Zugang zu medizinischer Versorgung gewährleistet ist, zu-
mal dort auch schon Behandlungen stattgefunden haben (vgl. vorherge-
hend E. 7.1.2).
Soweit die Beschwerdeführenden geltend machen, sie könnten die Be-
handlung mit (...) nicht finanzieren, kann auf die Ausführungen der Vor-
instanz betreffend das Sozialhilfeprogramm aus dem Jahre 2006, das
staatlich finanzierte allgemeine Gesundheitsprogramm Universal Health
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Care Program (UHC) sowie das «Programm für palliative Pflege für unheil-
bare Patienten», verwiesen werden (vgl. vorhergehend E. 7.1.1
und 7.1.2). Der Beschwerdeführer hat gemäss eigenen Angaben, welche
durch die Aussagen der Beschwerdeführerin bestätigt wurden, bis zu sei-
ner Ausreise stets gearbeitet (vgl. Anhörung des Beschwerdeführers F16,
F20 und F21; Anhörung der Beschwerdeführerin F71). Angesichts der Tat-
sache, dass sich der Beschwerdeführer zum jetzigen Zeitpunkt in einem
wesentlich besseren Gesundheitszustand befindet als noch bei seiner Aus-
reise, ist davon auszugehen, dass er in seinem Heimatland auch künftig
wieder wird arbeiten können. Die Beschwerdeführerin ist ausgebildete Ju-
ristin und hat bis anhin aufgrund der Kinderbetreuung nicht gearbeitet (vgl.
Anhörung Beschwerdeführerin F19). In Anbetracht der Tatsache, dass das
älteste Kind bereits volljährig und auch das Jüngere bereits 14jährig ist, ist
es der Beschwerdeführerin zumutbar, sich ebenfalls um eine Arbeitsstelle
zu bemühen und so einen Beitrag an die Kosten der Behandlung des Be-
schwerdeführers zu leisten. Anzumerken ist zudem, dass die Behandlung
gemäss Botschaftsabklärung am Wohnort des Beschwerdeführers in
C._ durchgeführt werden kann und dieser – nicht wie bis anhin –
nach D._ (vgl. Anhörung des Beschwerdeführers F60; Anhörung
der Beschwerdeführerin F69) reisen muss, was ebenfalls eine Erleichte-
rung darstellt. Im Übrigen kann auf die Ausführungen der Vorinstanz ver-
wiesen werden (vgl. vorhergehend E. 7.1.2).
8.3.5 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich für die Beschwerdeführen-
den somit als zumutbar. Betreffend Coronasituation kann im Übrigen auf
die Ausführungen des SEM verwiesen werden.
8.4 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, welche über gültige
Reisepässe verfügen, sich bei der zuständigen Vertretung ihres Heimat-
staates die für eine Rückkehr allenfalls zusätzlich benötigten Reisedoku-
mente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-
lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
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Seite 16
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und auch sonst nicht zu
beanstanden ist. Für eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz be-
steht nach dem Gesagten somit kein Anlass. Die Beschwerde ist abzuwei-
sen.
10.
Mit vorliegendem Urteil wird der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses gegenstandslos.
11.
Die Anträge auf Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne
von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, weil sich die Rechtsbegehren
nach dem Gesagten als aussichtslos erwiesen haben. Folglich sind die
Kosten den unterliegenden Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63
Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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