Decision ID: e3f48e9c-7354-4d04-8d19-a84352a000a9
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Advokat lic. iur. Martin Boltshauser, c/o procap, Froburgstrasse 4,
Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rentenrevision
Sachverhalt:
A.
A.a A._, geboren 1967, erlitt am 13. Januar 2004 einen Pkw-Selbstunfall. Die
behandelnden Ärzte des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) diagnostizierten eine
instabile Beckenfraktur rechts mit nicht dislozierter Sacrumlängsfraktur beidseits,
vorderer Beckenringfraktur beidseits sowie Acetabulum-Trümmerfrakur links; eine
erstgradige offene Calcaneus-Trümmerfraktur rechts; eine geschlossene Calcaneus-
Trümmerfraktur links; eine drittgradige offene Olecranon-Defektfraktur links; eine
komplexe Unterkieferfraktur und diverse Rissquetschwunden im Gesicht und am
Schädel; eine Thoraxkontusion mit Rippenfrakturen rechts und eine zentrale
Leberruptur. Die Versicherte war vom 13. Januar bis 24. März 2004 im KSSG
hospitalisiert (act. G 6.1/23.38). Vom 24. März bis 27. Mai 2004 befand sie sich in einer
stationären Rehabilitationsbehandlung in der Klinik Valens (act. G 6.1/23.40). Vom
10. Januar bis 21. Januar 2005 sowie vom 26. Oktober bis 3. November 2005 war die
Versicherte wegen diverser operativer Eingriffe erneut im KSSG hospitalisiert (act.
G 6.1/23.26 und 23.14).
A.b Am 21. November 2006 meldete sich die Versicherte zum Bezug von IV-Leistungen
an (act. G 6.1/1). Wegen eines erneuten operativen Eingriffes befand sie sich vom
11. bis 18. Dezember 2006 in Hospitalisation beim KSSG (act. G 6.1/23.6). Der
behandelnde Arzt Dr. med. B._, Facharzt FMH für Innere Medizin, attestierte der
Versicherten seit 13. Januar 2004 bis auf weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für
den zuletzt ausgeübten Beruf als Polizistin im Aussendienst. In einer leidensadaptierten
Tätigkeit sei mit einer 50%igen Leistung zu rechnen. Die Versicherte habe nach 2
Stunden im Sitzen ebenfalls sehr starke Schmerzen und könne deswegen kaum mehr
gehen (act. G 6.1/23.1 ff.). Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) kam gestützt auf den
Verlaufsbericht der Klinik für Orthopädische Chirurgie des KSSG vom 29. März 2007
(act. G 6.1/27.5) in seiner Stellungnahme vom 18. April 2007 zum Schluss, dass die
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Versicherte ab März 2007 in wechselnd belastenden Tätigkeiten über eine
Arbeitsfähigkeit von mindestens 50% verfüge (act. G 6.1/28).
A.c Am 19. Juni 2007 wurde bei der Versicherten eine Haushaltsabklärung
durchgeführt. Sie gab an, dass sie im Gesundheitsfall spätestens seit Sommer 2005
einer 50%igen Erwerbstätigkeit nachgegangen wäre. Die Abklärungsperson hielt fest,
dass die Versicherte im Gesundheitsfall als Verwaltungsangestellte bei der Polizei
arbeiten würde und ermittelte für den Haushaltsbereich eine Einschränkung von
insgesamt 43% (act. G 6.1/38.2 ff.).
B.
B.a Mit Vorbescheid vom 10. August 2007 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, für die Dauer vom 1. November 2005 bis 31. März 2007 befristet eine ganze
Rente zuzusprechen. Seit dem 1. April 2007 liege kein rentenbegründender
Invaliditätsgrad mehr vor (act. G 6.1/43).
B.b Am 4. September 2007 erhob die Versicherte Einwand und teilte mit, dass sie mit
dem Vorbescheid vom 10. August 2007 nicht einverstanden sei. Sie beantragte die
Ausrichtung einer Rente auch über den 31. März 2007 hinaus (act. G 6.1/46.1).
B.c Die IV-Stelle verfügte am 5. Dezember 2007 entsprechend dem Vorbescheid vom
10. August 2007 (act. G 6.1/58 und 59).
C.
C.a Dagegen erhebt die Beschwerdeführerin am 21. Januar 2008 Beschwerde und
beantragt unter Kosten- und Entschädigungsfolge, es seien ihr auch über den 1. April
2007 hinaus Rentenleistungen zu gewähren. Eventualiter sei die Angelegenheit zu
weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Unbestritten seien
die Statusfrage sowie an sich die ab 1. März 2007 in einer leidensadaptierten Tätigkeit
zu 50% bestehende Arbeitsfähigkeit. Zu Unrecht nicht berücksichtigt worden sei die
Wechselwirkung zwischen Teilzeiterwerb und Haushaltstätigkeit. Sodann rügt die
Beschwerdeführerin die bundesgerichtliche Praxis zur Anwendung der sogenannten
gemischten Methode. Diese führe aufgrund der doppelten Gewichtung des
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Teilzeitpensums im Erwerbsbereich regelmässig zu einem tieferen oder gar
rentenausschliessenden Invaliditätsgrad. Durch eine verfassungskonforme Auslegung
der massgebenden gesetzlichen Bestimmung könne diese diskriminierende
Benachteiligung beseitigt werden. Die Ungerechtigkeit der vom Bundesgericht
angewandten gemischten Methode zeige sich im vorliegend zu beurteilenden Fall
dadurch, dass die Beschwerdeführerin, wäre sie voll erwerbstätig, bei einem
Invaliditätsgrad von über 50% eine halbe Rente beanspruchen könnte, wäre sie
hingegen voll als Hausfrau eingestuft, aufgrund der Ergebnisse des
Betätigungsvergleichs eine Viertelsrente zugesprochen erhielte. Warum das vom
Bundesgericht praktizierte Zusammenzählen dieser beiden Einschränkungen im
Resultat einen Invaliditätsgrad von weit unter 40% erbringen solle, sei weder aus
mathematischen noch praktischen Überlegungen nachvollziehbar. Eine derart
angewandte gemischte Methode verletze überdies die in der Europäischen
Menschenrechtskonvention verbürgten Rechte des Diskriminierungsverbotes aufgrund
des Geschlechts (Art. 14 EMRK) und auf Achtung des Privat- und Familienlebens (Art. 8
EMRK). Dabei sei die Benachteiligung von Teilzeiterwerbstätigen, wie sie die
Beschwerdeführerin in diesem Fall erfahre, kein Einzel- sondern der Regelfall. Es sei
sogar eine stetig wachsende Minderheit der Schweizer Bevölkerung (im Jahr 2001:
33%) davon betroffen und somit faktisch trotz dem gesetzlichen Obligatorium nicht
IVG-versichert, nämlich immer dann, wenn z.B. die Familien- bzw. Berufsarbeit
zwischen zwei gleichberechtigten Partnern aufgeteilt werde (rund 40% der
Teilerwerbstätigen). Abschliessend weist die Beschwerdeführerin darauf hin, dass der
Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die höchstrichterliche Praxis bezüglich
der Beweisbeibringung und -würdigung im Zusammenhang mit der spezifischen
Methode des Betätigungsvergleichs bereits unter dem Gesichtspunkt von Art. 6 Abs. 1
EMRK (Anspruch auf faires Verfahren) als EMRK-widrig bezeichnet habe, weil
gewichtige Gründe für die Ungleichbehandlung einer (dort) nicht erwerbstätigen
Hausfrau im Vergleich einer voll erwerbstätigen gefehlt hätten (EGMR-Urteil vom
24. Juni 1993 i.S. Schuler-Zgraggen v. Schweiz, Serie A Nr. 263; act. G 1).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 20. März 2008
die Beschwerdeabweisung. Sie hält fest, dass die ermittelte Einschränkung im
Erwerbsbereich sowie der vorgenommene Einkommensvergleich unbestritten
geblieben seien. Was die gerügte EMRK-Verletzung anbelangt, verweist die
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Beschwerdegegnerin auf die Rechtsprechung der Luzerner Bundesrichter, wo die
Anwendbarkeit der Art. 8 und 14 EMRK im Zusammenhang mit der gemischten
Methode verneint worden sei. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin seien
keine Wechselwirkungen im Sinn der neueren bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu
berücksichtigen. Zwar seien durch die Betreuung ihrer zwei schulpflichtigen Kinder im
Alter von 9 und 10 Jahren für die Beschwerdeführerin im Haushaltsbereich vermehrt
Aufgaben angefallen. Allerdings erscheine die Möglichkeit einer gegenseitigen
Beeinflussung zwischen Haushalts- und Erwerbsbereich gering, da der eher körperlich
belastenden Haushaltstätigkeit eine aus medizinischer Sicht zu 50% zumutbare,
körperlich wenig belastende (intellektuelle) Büroarbeit gegenüberstehe. Dadurch wirke
sich die Belastung im Haushalt nicht offenkundig und unvermeidbar auf die aus
medizinischer Sicht in Frage kommende Erwerbsarbeit aus. Deshalb könnten keine
Wechselwirkungen vom Haushalts- in den Erwerbsbereich anerkannt werden. Selbst
unter Berücksichtigung einer wechselwirkungsbedingten Reduktion der erwerblichen
Arbeitsfähigkeit um 15% ergäbe sich immer noch ein rentenausschliessender
Gesamtinvaliditätsgrad von 34%. Ferner sei die 43%ige Einschränkung im
Haushaltsbereich korrekt ermittelt worden (act. G 6).
C.c In der Replik vom 17. Juni 2008 rügt die Beschwerdeführerin die Ermittlung der
Einschränkungen im Haushaltsbereich. Sie fordert, dass die Abklärung im Haushalt
durch eine ärztliche Arbeitsfähigkeitseinschätzung, bezogen auf den hypothetischen
Haushalt, der in der Hälfte der Zeit zu erledigen wäre, zu ersetzen sei. In diesem Sinne
sei die Beschwerde gutzuheissen und die Sache zur ergänzenden Abklärung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (act. G 12).
C.d Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer begründeten Duplik
verzichtet (act. G 14).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
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in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 E. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
der streitigen Verfügung (vorliegend 5. Dezember 2007; act. G 6.1/58) eingetretenen
Sachverhalt abzustellen ist (BGE 121 V 366 E. 1b), sind vorliegend die bis zum
31. Dezember 2007 geltenden materiellen Bestimmungen anzuwenden.
2.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist die Frage, ob die revisionsweise Verneinung eines
Rentenanspruchs per 1. April 2007 zulässig gewesen ist. Dabei stellt sich die
Beschwerdeführerin auf den Standpunkt, dass die von der Beschwerdegegnerin
vorgenommene Bemessungsmethode nicht statthaft sei und namentlich das
Diskriminierungsverbot verletze (act. G 1).
2.1 Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit, es sei denn, eine versicherte Person sei vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht erwerbstätig gewesen, und es habe ihr auch nicht
zugemutet werden können, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. In diesem Fall gilt
gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG die Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
als Invalidität. Die Invalidität gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG wird durch einen
Einkommensvergleich ermittelt (Art. 16 ATSG). Die Methode zur Bemessung der
konkreten Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wird vom ATSG nicht
geregelt. Diese Lücke füllt aArt. 28 Abs. 2 IVG (Fassung bis 31. Dezember 2007): Es
ist darauf abzustellen, in welchem Mass die betreffende Person behindert ist, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen. Als Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen Person
gelten insbesondere die übliche Tätigkeit im Haushalt, die Erziehung der Kinder sowie
gemeinnützige und künstlerische Tätigkeiten (Art. 27 der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). aArt. 28 Abs. 2 IVG regelt die so genannte
gemischte Methode der Invaliditätsbemessung bei Personen, die zum Teil erwerbstätig
und zum Teil im Aufgabenbereich tätig sind. In einem solchen "gemischten" Fall sind
bis
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der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich
festzulegen und der Invaliditätsgrad ist entsprechend der Behinderung in beiden
Bereichen zu bemessen. Ist bei einer Person, die nur zum Teil erwerbstätig ist,
anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruchs ohne den
Gesundheitsschaden vollzeitlich erwerbstätig wäre, so ist die Invaliditätsbemessung
ausschliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstätige zu bemessen (Art. 27 IVV).
2.2 Die Rentenabstufungen des aArt. 28 Abs. 2 IVG geben bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 40% Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 50% Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 60% Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 70% Anspruch auf eine ganze Rente.
2.3 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer rentenbeziehenden Person erheblich, so wird
die Rente gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die
Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben. Anlass zu einer
Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die
geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Ob
eine solche Änderung eingetreten ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhaltes,
wie er im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung bestanden hat, mit
demjenigen zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung (vgl. BGE 125 V 369 E. 2 mit
Hinweis).
3.
Aus den Akten ergibt sich nichts Gegenteiliges und es ist unbestritten, dass die
Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall spätestens ab Sommer 2005 im Rahmen eines
50%-Pensums einer Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Bevor die Frage der
Bemessungsmethode zu prüfen ist, sind zuerst die Einschränkungen der
Beschwerdeführerin im Haushalts- und Erwerbsbereich abzuklären.
4.
Für den Haushaltsbereich ermittelte die Beschwerdegegnerin eine Einschränkung von
43% (act. G 6.1/38.9). Dies ergibt einen gewichteten Teilinvaliditätsgrad von gerundet
bis
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22% (vgl. act. G 6, S. 9). Die Bestimmung der Einschränkungen im Haushaltsbereich
wurde von der Beschwerdeführerin grundsätzlich nicht beanstandet und es ergibt sich
aus den Akten auch nichts Gegenteiliges, weshalb darauf abzustellen ist. Was die Rüge
der Beschwerdeführerin anbelangt, der ermittelte Zeitaufwand für die Haushaltsführung
sei realitätsfremd, hat die Beschwerdegegnerin zutreffend ausgeführt, dass der
Zeitaufwand von einer kompetenten Abklärungsbeauftragten gemeinsam mit der
Beschwerdeführerin sowie gestützt auf deren Angaben ermittelt und von dieser
anerkannt worden sei (act. G 6, S. 8). Ein Mangel, der geeignet ist, Zweifel an der
Zuverlässigkeit des Abklärungsberichts vom 31. Juli 2007 (act. G 6.1/38.2 ff.) entstehen
zu lassen, kann mit Rücksicht auf die dazu ergangene bundesgerichtliche
Rechtsprechung nicht erblickt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28. Juli
2008 i.S. T., 9C_49/08).
5.
5.1 Was die der Beschwerdeführerin verbliebene Leistungsfähigkeit in einer
leidensadaptierten Tätigkeit anbelangt, hat die Beschwerdegegnerin auf eine
Restarbeitsfähigkeit von 50% abgestellt, und zwar per Ende März 2007. Für die Zeit
davor ist unbestritten von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit - sei es angestammt oder
adaptiert - auszugehen. Die Beschwerdeführerin musste sich nämlich im Dezember
2006 einer weiteren Korrekturoperation unterziehen und in der Folge drei Monate eine
Gipsschiene tragen (vgl. act. G 6.1/24 und 26). Selbst wenn per Ende März tatsächlich
stabile Gesundheitsverhältnisse gegeben waren, wäre die Rentenrevision per Ende
März 2007 jedenfalls um drei Monate verfrüht (Art. 88a IVV). Wie es sich damit verhält,
kann aber offen bleiben, wie nachfolgend zu zeigen ist.
5.2 Gemäss Art. 16 ATSG setzt der Einkommensvergleich zur Ermittlung der für den
Rentenanspruch massgebenden Invalidität den Abschluss allfälliger
Eingliederungsmassnahmen bzw. die Feststellung voraus, dass keine Eingliederung
möglich ist. Diese Bedingung der Rentenzusprache wird als Grundsatz der
"Eingliederung vor Rente" bezeichnet (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar Rz 15 zu Art. 16,
Rz 11 zu Art. 7). Es handelt sich hierbei um eine Komponente der allgemeinen
Schadenminderungspflicht (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, Vorbemerkungen Rz
33). Nach diesem Grundsatz soll keine Invalidenrente ausgerichtet werden, bevor nicht
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alles Mögliche und Zumutbare versucht worden ist, um die behinderungsbedingte
Erwerbseinbusse zu beseitigen oder zumindest zu reduzieren. Dies geschieht in der
Regel mittels beruflicher Eingliederungsmassnahmen (vgl. unveröffentlichtes Urteil des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 12. Dezember 2006, IV 2005/127,
E. 3a).
5.3 Ist eine versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch zu
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen, entsteht ein
Rentenanspruch (aArt. 29 Abs. 1 lit. b IVG). Das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen geht in ständiger Praxis davon aus, dass ein (vorläufiger) Rentenanspruch
auch für jene Fälle besteht, in denen die Eingliederung bei Ablauf des sogenannten
Wartejahres noch nicht abgeschlossen ist bzw. in denen die Eingliederungsfähigkeit bei
Ablauf des Wartejahres noch nicht definitiv verneint werden kann (vgl. auf dem Internet
publiziertes Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 22. Januar
2007, IV 2006/58, E. 1a mit Hinweisen auf die kantonale Rechtsprechung).
5.4 Auch die einen vorläufigen Rentenanspruch begründende Invalidität ist durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln. Dieser Einkommensvergleich stützt sich aber – in
Abweichung von Art. 16 ATSG – auf die Arbeitsfähigkeit im bisherigen Beruf (Art. 6
Satz 1 ATSG), es sei denn, der versicherten Person wäre zumutbar, durch die ohne
jede Eingliederung mögliche Ausübung eines anderen Berufes den Eintritt einer
rentenbegründenden vorläufigen Invalidität zu verhindern oder zumindest den
Invaliditätsgrad zu reduzieren (Art. 6 Satz 2 ATSG). Objektiv möglich ist dieses
"eingliederungslose" Ausweichen auf einen anderen Beruf, in dem der
Arbeitsfähigkeitsgrad höher ist, wenn der Arbeitsmarkt entsprechende Stellen bereit
hält und wenn zwischen der Schadenminderungspflicht in der Form des Wechsels in
den anderen Beruf und der damit erreichten Einsparung der Invalidenversicherung kein
Missverhältnis besteht (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, Rz 12 zu Art. 6 ATSG). Ist
ein Berufswechsel gemäss Art. 6 Satz 2 ATSG objektiv möglich, so ist weiter zu prüfen,
ob er auch subjektiv möglich ist. Diese Voraussetzung ist erfüllt, wenn mit dem
Berufswechsel kein unzumutbarer sozialer Abstieg verbunden ist, wenn die
persönlichen Verhältnisse der versicherten Person nicht in unzumutbarer Weise tangiert
sind und wenn die Ausübung des anderen Berufes nicht mit einer
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Eingliederungsmassnahme in Konflikt tritt (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, Rz 12 zu
Art. 6 ATSG).
5.5 Die Frage, ob die Beschwerdeführerin objektiv in der Lage gewesen wäre, eine
angepasste Arbeit auszuüben, kann vorliegend offen gelassen werden, da die
subjektive Zumutbarkeit einer Arbeitsaufnahme vor Abschluss der
Eingliederungsmassnahmen zu verneinen ist. Denn die Beschwerdeführerin hat von
Anfang an aufgrund ihrer definitiven vollständigen Arbeitsunfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit als Polizeibeamtin (vgl. act. G 6.1/23.4, 27.5 und 28) einen
Anspruch auf eine Umschulung in einen qualifizierten Beruf. Eine Umschulung ist im
vorliegenden Fall umso wichtiger, als die Beschwerdeführerin ab Januar 2009
(Zeitpunkt Reduktion Alimente) ihr Erwerbspensum im Gesundheitsfall mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit erheblich ausgeweitet hätte (vgl. act. G 6.1/38.5).
Aufgrund der familiären Verhältnisse, insbesondere mit Blick auf das Teilzeitpensum im
Haushaltsbereich, wäre die Ausübung einer teilzeitlichen Erwerbstätigkeit mit einer
berufsberaterischen Planung und Vorbereitung zur Umschulung jedoch kaum zu
vereinbaren gewesen.
5.6 Da der Beschwerdeführerin somit vor dem Abschluss der beruflichen
Eingliederung die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zuzumuten ist, hat sich der
Einkommensvergleich auf die in der bisherigen Tätigkeit als Polizeibeamtin bestehende
Arbeitsunfähigkeit zu stützen. Aus den medizinischen Akten hervor, dass in der
bisherigen Tätigkeit eine vollständige Arbeitsunfähigkeit besteht (act. G 6.1/23.4, 27.5
und 28). Der Invaliditätsgrad im Erwerbsbereich beträgt somit 100%. Daraus resultiert
ein Gesamtinvaliditätsgrad von 71,5% (100% x 0,5 + 43% x 0,5), was zu einem über
den 1. April 2007 (Datum der Rentenaufhebung; act. G 6.1/50) fortdauernden Anspruch
auf eine ganze Rente führt. Bei diesem Ergebnis kann offen gelassen, welche
Bemessungsmethode Anwendung findet, insbesondere ob und wie allfällige
Wechselwirkungen zwischen dem Erwerbs- und Haushaltsbereich zu berücksichtigen
sind.
6.
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6.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen und die angefochtene
Verfügung vom 5. Dezember 2007 dahingehend abzuändern, als die
Beschwerdeführerin ab dem 1. April 2007 weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente hat.
Die Sache wird im Sinn der Erwägungen zur Fortführung der beruflichen Eingliederung
an die Beschwerdegegnerin sowie zur Festsetzung und Ausrichtung der geschuldeten
Leistungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.
6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Beschwerdegegnerin unterliegt vollumfänglich. Sie hat
deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet.
6.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.--
bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin verzichtete auf das
Einreichen einer Kostennote. Im vorliegenden Fall erscheint eine Parteientschädigung
von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht