Decision ID: a67e324b-7290-404d-8249-4d0b01faa698
Year: 2010
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Begründung wurde ausgeführt, dass einerseits der Sachverhalt bezüglich des
hypothetischen Erwerbsanteils der Versicherten falsch festgestellt worden
sei. Diese hätte ihr Arbeitspensum per 1. August 2008 auf 100% aufgestockt,
da ihr jüngster Sohn dann die 4. Klasse erreicht habe. Die Versicherte habe
bereits früher zu 100% gearbeitet. Sie habe ihren Arbeitgeber schon vor dem
Unfall ersucht, die Anzahl Arbeitsstunden erhöhen zu können. Dies habe auch
die finanzielle Situation der Familie erfordert. Einzig der Unfall habe die
Aufnahme einer Vollzeitstelle verhindert. Es werde bestritten, dass sie der IV-
Stelle anlässlich eines Telefongesprächs angegeben habe, sie hätte ihr
Pensum erst mit Erreichen des 15. Lebensjahres ihres Sohnes erhöht.
Anderseits wurde gerügt, die IV-Stelle habe den Invaliditätsgrad für den
Zeitraum ab dem 1. August 2008 falsch berechnet. So sei der Leidensabzug
von 10% auf 25% zu erhöhen. Wegen ihrer Behinderung sei die Versicherte
nicht voll einsatzfähig und könne kein normales Einkommen erzielen. In ihrer
derzeitigen Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiterin könne sie einzig die leichten
Arbeiten übernehmen. Ausserdem seien ihre Bildung und die
Sprachkenntnisse sehr beschränkt. Ausgehend von einem
Invalideneinkommen von Fr. 19'186.95 und einem Valideneinkommen bei
einer 100%-Stelle von Fr. 56'721.60 resultiere ein Invaliditätsgrad von
66.17%, weshalb ab dem 1. August 2008 ein Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente gegeben sei. Werde ihr einzig ein Pensum von 65%
zuerkannt, sei von einem Valideneinkommen von Fr. 36'869.05 auszugehen,
woraus ein Invaliditätsgrad von 44.35% resultiere und ihr zumindest eine
Viertelsrente zuzusprechen sei. Am 28. September 2009 reichte die
Versicherte diverse Unterlagen zum Nachweis ihrer Bedürftigkeit ein.
9. Mit Vernehmlassung vom 24. September 2009 beantragte die IV-Stelle die
Abweisung der Beschwerde. Für die Bemessung der Invalidität sei von der
gemischten Methode mit Gewichtung des Erwerbsbereichs von 40% bis Ende
Juli 2008 und ab dem 1. August 2008 von 70% auszugehen. Dies ergebe sich
aus den Angaben der Versicherten anlässlich der Abklärung vor Ort vom 13.
März 2008 sowie einer telefonischen Rücksprache mit ihr vom 9. April 2008.
Die Versicherte habe zwar ausgeführt, wieder 100% arbeiten zu wollen.
Aufgrund der Tatsachen, dass sie das bisherige Arbeitspensum ihren
Angaben zufolge lediglich um zwei Stunden pro Tag erhöht hätte und sie auch
zuvor nie vollerwerbstätig gewesen sei, sei davon auszugehen, dass sie ihr
Arbeitspensum ab dem 1. August 2008 von 18 auf 30 Stunden pro Woche
(1440 pro Jahr; ca. 70%-Pensum) erhöht hätte und es dabei geblieben wäre.
Dies ergebe ein Valideneinkommen von Fr. 37'814.40 (Stundenlohn Fr. 26.00,
Lohnentwicklung 2008 1%). Das Invalideneinkommen betrage Fr. 23'024.35.
Ein Leidensabzug sei eigentlich gar nicht gerechtfertigt, er sei jedoch
keinesfalls zu erhöhen. Bei einer Einschränkung im Erwerbsbereich von
39.11%, im Haushaltsbereich von 7.35%, einem Erwerbsanteil von 70%
(Teilinvaliditätsgrad: 27.38%) und einem Haushaltsanteil von 30%
(Teilinvaliditätsgrad: 2.21%) ergebe sich ab dem 1. August 2008 ein nicht
rentenbegründender Gesamtinvaliditätsgrad von 29.59%.
10. In der Replik vom 7. Oktober 2009 wurde neu der Antrag gestellt, dass die
Sache der IV-Stelle zur erneuten Abklärung der Arbeitseinschränkung
zurückzuweisen sei. Begründend erfolgte der Hinweis, es habe sich kürzlich
herausgestellt, dass die Versicherte an einer erheblichen Sehbehinderung
leide, welche in den ärztlichen Untersuchungen nicht berücksichtigt worden
sei. Mit Duplik vom 14. Oktober 2009 wurde diesbezüglich ausgeführt, bei der
geltend gemachten Sehbehinderung handle es sich um einen Umstand, der
mittels Neuanmeldung geltend zu machen sei.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt ist die Verfügung der IV-Stelle vom 3. Juli 2009, in welcher
das Begehren um Ausrichtung einer IV-Rente abgewiesen wurde. Die
Beschwerdeführerin rügt, dass der Sachverhalt bezüglich ihres
hypothetischen Erwerbsanteils falsch festgestellt und dass der
Invaliditätsgrad falsch berechnet worden sei.
2. Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(IVG; SR 831.20) hat eine Versicherte bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% Anspruch auf eine Viertelsrente, bei mindestens 50% auf
eine halbe Rente, bei mindestens 60% auf eine Dreiviertelsrente und ab 70%
auf eine ganze Rente. Bei Erwerbstätigen errechnet sich der Invaliditätsgrad
nach der Methode des Einkommensvergleichs vor und nach der Behinderung
(Art. 28a Abs. 1 IVG, Art. 16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Versicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Bei nicht erwerbstätigen
Versicherten stellt Art. 28a Abs. 2 IVG darauf ab, in welchem Ausmass diese
eingeschränkt sind, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen
(Betätigungsvergleich mit spezifischer Methode). Bei Versicherten, die
teilweise erwerbstätig und teilweise im Haushalt tätig sind, kommt die sog.
gemischte Methode zur Anwendung. Im Rahmen derselben bestimmt sich die
Invalidität dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im
Aufgabenbereich ein Betätigungsvergleich vorgenommen wird (Art. 28a Abs.
1 und 2 IVG) und eine Addierung der in beiden Bereichen ermittelten und
gewichteten Teilinvaliditäten erfolgt (Art. 28a Abs. 3 IVG; Urteil des
Bundesgerichts 9C_686/2008 vom 4. November 2008 E. 3.2; BGE 130 V 396
E. 3.3 S. 396).
3. a) Zu prüfen ist zunächst, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht die gemischte
Methode angewendet hat. Die Anwendbarkeit derselben wird für den Zeitraum
ab dem 1. August 2008 bestritten. Ob eine versicherte Person als ganztägig
oder zeitweilig erwerbstätig oder als nicht erwerbstätig einzustufen ist, ergibt
sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen täte,
wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist
somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der Versicherten im
Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie
hypothetisch erwerbstätig wäre (BGE 133 V 504 E. 3.3; Urteil des
Bundesgerichts 9C_650/2008 vom 25. November 2008 E. 3.1 m.w.H.). Es ist
zu prüfen, ob die Versicherte ohne Gesundheitsschaden mit Rücksicht auf die
gesamten Umstände (dazu gehören die persönlichen, familiären, sozialen und
erwerblichen Verhältnisse) überhaupt – und wenn ja mit welchem Anteil –
erwerbstätig oder im Haushalt beschäftigt wäre (BGE 117 V 194 E. 3b
m.w.H.). Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen,
wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung (vorliegend bis zum 3.
Juli 2009) entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im
Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im
Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_650/2008
vom 25. November 2008 E. 3.1; BGE 130 V 393 E. 3.3; 125 V 146 E. 2c).
b) Gemäss den im Abklärungsbericht Haushalt vom 20. März/11. April 2008
festgehaltenen Ausführungen gab die Beschwerdeführerin einer Mitarbeiterin
des IV-Abklärungsdienstes am 13. März 2008 an, sie wolle ab dem 1. August
2008 wieder zu 100% arbeiten, da ihr jüngster Sohn dann in die vierte Klasse
komme. Sie habe schon vor dem Unfall bei ihrer damaligen Arbeitgeberin
Frau ... angefragt, ob sie ab Herbst 2008 mehr arbeiten könne oder ob sie ihr
eine andere Arbeitsstelle vermitteln würde. Frau ... sei der Meinung gewesen,
dass sie eventuell zusätzlich in der Wäscherei arbeiten könne. Es sei für sie
immer klar gewesen, dass sie später wieder zu 100% arbeiten würde. Im
Bericht wird festgehalten, dass am 9. April 2008 eine telefonische
Rücksprache mit der Beschwerdeführerin erfolgte und diese präzisierend
ausgeführt habe, sie habe zusätzlich zum damaligen Pensum zwei Stunden
nachmittags arbeiten wollen. Diese Stunden hätte sie bei Frau ... in der
Lingerie arbeiten können. Sie werde zu 100% arbeiten, sobald ihr jüngster
Sohn das 15. Lebensjahr erreicht habe. Der Bericht wurde von der
Beschwerdeführerin nicht unterzeichnet. Im Hinblick auf die erhebliche
Bedeutung, welche den Abklärungsberichten für die Beurteilung der
Leistungsansprüche zukommt, ist es angezeigt, dass die an Ort und Stelle
erfassten Angaben der versicherten Person zur Durchsicht und Bestätigung
vorgelegt werden. Dass dies in der Praxis nicht gemacht wird, wurde seitens
des Bundes- und des Verwaltungsgerichts verschiedentlich kritisiert. Eine
Rechtspflicht zu diesem Vorgehen lässt sich aus dem Anspruch auf
rechtliches Gehör und den Mitwirkungsrechten im Verwaltungsverfahren
indes nicht ableiten (Urteile des Eidg. Versicherungsgerichts I 485/06 vom 27.
September 2006 E. 5.2 und I 572/01 vom 29. November 2002 E. 3.2.1; vgl.
auch BGE 128 V 93 E. 4). Dass die Beschwerdegegnerin den Inhalt eines
Telefongesprächs im Bericht festhält, ohne diesen der Versicherten zur
Bestätigung vorzulegen, führt jedoch zu Beweisschwierigkeiten, wenn – wie
im vorliegenden Fall – dessen korrekte Wiedergabe bestritten wird (vgl. zum
Beweiswert VGU S 09 60).
c) Die Beschwerdeführerin bestreitet die protokollierte Aussage, dass sie ihr
Arbeitspensum erst erhöht hätte, wenn ihr jüngster Sohn das 15. Altersjahr
erreicht habe. Die Beschwerdegegnerin hat bezüglich des Zeitpunkts, in
welchem die Beschwerdeführerin in gesundem Zustand eine Erhöhung des
Arbeitspensums vorgenommen hätte, auf deren erste, von ihr bestätigte
Aussage abgestellt und geht davon aus, dass eine solche per August 2008
erfolgt wäre. Abweichend von den Aussagen der Beschwerdeführerin geht die
Beschwerdegegnerin jedoch davon aus, dass nicht eine Erhöhung auf 100%,
sondern lediglich auf 70% erfolgt wäre. Die übrigen Aussagen, welche die
Beschwerdeführerin der Mitarbeiterin der IV-Stelle gegenüber gemacht haben
soll, werden nicht bestritten. Die Frage, ob die fehlende unterschriftliche
Bestätigung der Richtigkeit der Ausführungen deren Beweiswert schmälert,
kann vorliegend – wie nachfolgend gezeigt wird – offen gelassen werden. Zu
prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht davon ausgeht, dass eine
Erhöhung des Arbeitspensums auf 70% erfolgt wäre.
d) Die von der Beschwerdeführerin gemachten Ausführungen werfen die Frage
auf, was diese nach ihrer subjektiven Auffassung unter einem Arbeitspensum
von 100% versteht. Dem von Dr. med. ..., FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie, verfassten Bericht vom 18. September 2008 lässt sich
entnehmen, dass die Beschwerdeführerin ihm gegenüber angegeben hat, vor
dem Unfallereignis vom 21. Dezember 2005 über vier Jahre im
Vollzeitpensum als Reinigungskraft tätig gewesen zu sein. Ausgewiesen ist
jedoch, dass sie seit Oktober 2002 mit einem Arbeitspensum von etwa 40%
im Hotel Garni ... angestellt war. Weiter führt sie in der Beschwerdeschrift
aus, bereits früher einer Vollzeiterwerbstätigkeit nachgegangen zu sein. Dem
Auszug aus dem individuellen Konto der Sozialversicherungsanstalt des
Kantons Graubünden lässt sich indes entnehmen, dass sie unter anderem
von Dezember 1996 bis Juni 2000 sowie von Januar 2001 bis März 2002 gar
nicht gearbeitet hat. Dies lässt sich damit erklären, dass im Jahre 1997 ihr
jüngster Sohn zur Welt kam. Auch vor dem Jahre 1996 erzielte sie
durchschnittlich kein Einkommen, welches das ab dem Jahre 2002 erzielte
überstieg. Diese Tatsache lässt den Schluss zu, dass die Beschwerdeführerin
auch früher keine Vollzeiterwerbstätigkeit ausgeübt hat. Ihr zweiter Sohn
(Jahrgang 1979) kam etwa im Jahre 1989 in die vierte Klasse, womit sie in
derselben Situation war wie gegenwärtig mit ihrem jüngsten Sohn. Trotzdem
übte sie auch damals keine volle Erwerbstätigkeit aus. Wenn die
Beschwerdeführerin nun angibt, dass sie ihre Arbeitstätigkeit „wieder“ auf ein
Vollzeitpensum ausgedehnt hätte, wenn sie keine
Gesundheitsbeeinträchtigung erlitten hätte, ist davon auszugehen, dass ihre
subjektive Auffassung dieses Begriffs davon abweicht, was nach objektiver
Betrachtung darunter zu verstehen ist. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
ist davon auszugehen, dass sie kein 100%-Pensum wahrgenommen hätte. In
diesem Sinne geht auch aus den von der Beschwerdeführerin nicht
bestrittenen Aussagen hervor, dass sie ihre damalige Arbeitgeberin angefragt
hatte, ob sie ihr Pensum erhöhen könne und dass diese ihr angeboten hatte,
zusätzlich zwei Stunden nachmittags zu arbeiten, d.h. 12 Stunden zusätzlich
pro Woche. Es kann davon ausgegangen werden, dass die
Beschwerdeführerin dieses Angebot angenommen hätte. Auch wenn ihr Sohn
im August 2008 in die vierte Klasse kam, benötigte er weiterhin eine gewisse
Betreuung, welche einer Vollzeiterwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin
ausser Haus entgegengestanden hätte. Dass diese nicht beabsichtigte, ein
Arbeitspensum von 100% wahrzunehmen, zeigt weiter auch ihre Aussage,
dass sie während der Schulferien (rund 14 Wochen jährlich) ihres Sohnes
eine Stellvertretung organisiert hätte. Eine Gesamtwürdigung der von der
Beschwerdeführerin gemachten Aussagen lässt unter Berücksichtigung der
zur Verfügung stehenden Akten den Schluss zu, dass sie ihr Arbeitspensum
überwiegend wahrscheinlich auf 70% (30 Stunden pro Woche, 1440 Stunden
pro Jahr) erhöht hätte, wenn sie keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen
erlitten hätte. Dass die Beschwerdegegnerin die gemischte Methode
angewandt hat, ist daher nicht zu beanstanden.
4. a) Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, dass der Invaliditätsgrad für
den Zeitraum ab dem 1. August 2008 falsch berechnet worden sei. Bis zum
31. Juli 2008 kann auf die von der Beschwerdegegnerin gemachten
Berechnungen abgestellt und von einem Gesamtinvaliditätsgrad von 11.93%
(in der Verfügung aufgerundet auf 12%) ausgegangen werden. Bezüglich der
Einschränkungen der Beschwerdeführerin im Haushalt kann auf die gemäss
Abklärungsbericht vom 20. März/11. April 2008 ermittelte Behinderung von
insgesamt 7.35% abgestellt werden. Einerseits hat die Beschwerdeführerin
keine Einwendungen dagegen vorgebracht, anderseits erfüllt der
Abklärungsbericht die rechtsprechungsgemäss erforderlichen
Voraussetzungen für eine zuverlässige Entscheidgrundlage (vgl. BGE 130 V
61 E. 6.2). Der Haushaltsanteil ist ab dem 1. August 2008 mit 30%
(Teilinvaliditätsgrad: 2.21%) zu bemessen. Nicht umstritten ist weiter die
Diagnose der gesundheitlichen Beschwerden, von welchen bei der
Beschwerdeführerin auszugehen ist. Diesbezüglich stellt auch diese auf den
Bericht des Zentrums für Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene AG (AEH)
vom 18. Oktober 2006 ab, der den beweisrechtlichen Anforderungen eines
Gutachtens genügt (vgl. BGE 125 V 351 E. 3a). Ebenfalls nicht umstritten ist
die daraus resultierende medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit. Sowohl
im AEH-Gutachten als auch in der Abschlussbeurteilung des RAD vom 30.
Oktober 2008 wird festgehalten, dass die Beschwerdeführerin in der
angestammten Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiterin zu 100% arbeitsunfähig
und in einer leidensangepassten Tätigkeit (wechselbelastend, ohne
Einnahme von länger währenden statischen Haltungen im Stehen und Sitzen,
ohne langwährende vornübergeneigte Haltungen und ohne Überkopfarbeiten)
zu 50% arbeitsfähig ist.
b) In der Replik wurde geltend gemacht, dass die Beschwerdeführerin zusätzlich
an einer erheblichen Sehbehinderung leide, welche bei der Beurteilung ihrer
Arbeitsfähigkeit zu berücksichtigen sei. Zum Beweis wurde eine
Bescheinigung von Dr. med. ... vom 1. Oktober 2009 eingereicht. Bei der
Beurteilung eines Falles ist grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des
Erlasses der streitigen Verfügung (vorliegend: 3. Juli 2009) eingetretenen
Sachverhalt abzustellen (BGE 121 V 362 E. 1b m.H.; 129 V 167 E. 1; RKUV
2001 Nr. U 419 S. 101). Im Beschwerdeverfahren erstmals vorgebrachte
Tatsachenbehauptungen und Beweismittel (vgl. Art. 51 Abs. 3 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]) sind daher nur zu
berücksichtigen, wenn sie sich auf diesen relevanten Zeitpunkt beziehen. Die
Beschwerdeführerin gibt an, dass sich erst kürzlich herausgestellt habe, dass
sie an dieser Sehbehinderung leide. Damit übereinstimmend wurde eine
Beeinträchtigung ihres Sehvermögens in keinem Arztbericht erwähnt und
insbesondere auch nicht im Rahmen der umfassenden interdisziplinären
Untersuchung der Beschwerdeführerin festgestellt (vgl. AEH-Gutachten vom
16. Oktober 2008). Es ist daher davon auszugehen, dass die Sehbehinderung
im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung noch nicht vorlag und daher
vorliegend keine Berücksichtigung finden kann.
c) Für den Zeitraum ab dem 1. August 2008 ist für ein etwa 70%-Pensum von
einem Valideneinkommen von Fr. 37'814.40 (30 Stunden pro Woche, Fr.
26.00 pro Stunde, 48 Wochen pro Jahr, 1% Lohnentwicklung) auszugehen.
Bezüglich des Invalideneinkommens stellt die Beschwerdeführerin
grundsätzlich auf die von der Beschwerdegegnerin gemachte Berechnung ab
(Fr. 23'024.35). Sie macht jedoch geltend, der Leidensabzug sei von 10% auf
25% zu erhöhen, weshalb von einem Invalideneinkommen in Höhe von Fr.
19'186.95 (Fr. 23'024.35/90*75) auszugehen sei. Für die Bestimmung des
trotz Gesundheitsschädigung zumutbarerweise noch realisierbaren
Einkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen,
in welcher die Versicherte konkret steht. Hat die Versicherte – wie vorliegend
– nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an
sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können nach der
Rechtsprechung die Tabellenlöhne gemäss der vom Bundesamt für Statistik
herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden
(BGE 129 V 475 E. 4.2.1; 126 V 76 E. 3b/aa f.). Dabei gilt es zu
berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Personen, die selbst bei
leichten Hilfsarbeitstätigkeiten behindert sind, im Vergleich zu voll
leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeitnehmern lohnmässig
benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unterdurchschnittlichen
Lohnansätzen rechnen müssen. Diesem Umstand ist mit einem Abzug vom
Tabellenlohn Rechnung zu tragen (BGE 124 V 323 E. 3b/bb). Ob und in
welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen
persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalls ab
(leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre,
Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad). Der Einfluss
sämtlicher Merkmale auf das Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem
Ermessen gesamthaft zu schätzen, wobei der Abzug auf insgesamt
höchstens 25% zu begrenzen ist (BGE 129 V 472 E. 4.2.3; 126 V 75 E. 5b/bb
je m.H.). Da der Abzug eine Schätzung darstellt, darf das kontrollierende
Gericht sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der
Verwaltung setzen. Es muss sich auf Gegebenheiten stützen können, welche
eine abweichende Ermessensausübung als nahe liegender erscheinen
lassen (BGE 126 V 75 E. 6; 123 V 150 E. 2).
d) Zu berücksichtigen ist, dass die Beschwerdeführerin bereits aufgrund ihrer
fehlenden Ausbildung, der mangelnden Deutschkenntnisse und ihres Alters
mit gewissen Einschränkungen im Arbeitsmarkt zu rechnen hat, welche zu
einem unterdurchschnittlichen Lohn führen können. Zu beachten ist jedoch
auch, dass für die Bemessung des Valideneinkommens vom
Anforderungsniveau 4 („Einfache und repetitive Tätigkeiten“) ausgegangen
wurde, welches zumindest der mangelnden Berufsbildung und den
eingeschränkten Verständigungsmöglichkeiten Rechnung trägt. Weiter hat
die Beschwerdeführerin glaubhaft dargelegt, dass sie im Rahmen ihrer
aktuellen Tätigkeit als Reinigungskraft einzig leichte Arbeiten ausführen kann.
Diese leidensbedingte Einschränkung kann sich durchaus auf die Lohnhöhe
auswirken und einen Leidensabzug rechtfertigen. Dass dieser mit 10%
geschätzt wurde, liegt im Rahmen des Ermessens und ist nicht zu
beanstanden. Das Gericht sieht jedoch keine Veranlassung, den Abzug zu
erhöhen. Einerseits ist darauf hinzuweisen, dass im AEH-Gutachten
festgehalten wird, dass aufgrund des Schonungs- und Schmerzverhaltens der
Beschwerdeführerin einzig eine minimale Belastbarkeit habe ermittelt werden
können und dass sie bei gutem Effort mehr leisten könnte. Anderseits gab die
Gemeindeverwaltung ... an, dass die Beschwerdeführerin in der Ausführung
ihrer aktuellen und angepassten Tätigkeit als Reinigungskraft nicht
eingeschränkt sei und sie den Lohn erziele, den sie auch ohne
Gesundheitsschaden verdienen würde.
e) Zusammengefasst ist ab dem 1. August 2008 von einem Invalideneinkommen
in Höhe von Fr. 23'024.35 und einem Valideneinkommen von Fr. 37'814.40
auszugehen, was einer Einschränkung im Erwerbsbereich von 39.11%
entspricht (Erwerbseinbusse: Fr. 14'790.05). Wird die Einschränkung im
Haushaltsbereich von 7.35% hinzugezogen und das Verhältnis zwischen
Erwerbs- und Haushaltsanteil von 70% (Teilinvaliditätsgrad: 27.38%) zu 30%
(Teilinvaliditätsgrad: 2.21%) berücksichtigt, ergibt sich ab dem 1. August 2008
ein Gesamtinvaliditätsgrad von 29.59%. Dieser ist nicht rentenbegründend,
weshalb das Begehren der Beschwerdeführerin um Ausrichtung einer IV-
Rente abgewiesen wird.
5. a) Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren - in Abweichung
von Art. 61 lit. a ATSG - bei Streitigkeiten um die Bewilligung von IV-
Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die
Kosten werden unabhängig vom Streitwert nach dem Verfahrensaufwand im
Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgelegt. Vorliegend setzt das
Gericht die von der unterliegenden Beschwerdeführerin zu tragenden Kosten
auf Fr. 700.00 fest. Die Beschwerdeführerin beantragt die Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege und -verbeiständung. Einer Partei, die nicht
über die erforderlichen Mittel verfügt, kann auf Antrag die unentgeltliche
Prozessführung bewilligt werden, sofern ihr Rechtsstreit nicht offensichtlich
mutwillig oder von vornherein aussichtslos ist (Art. 29 Abs. 3
Bundesverfassung [BV; SR 101], Art. 76 Abs. 1 VRG; BGE 125 V 202 E. 4a
m.H.). Die finanzielle Situation der Beschwerdeführerin wurde mit
Akteneinlage vom 29. September 2009 nachgewiesen. Werden die
monatlichen Einnahmen den Ausgaben gegenübergestellt ergibt sich – auch
ohne Berücksichtigung der Leasingrate für das Fahrzeug des Ehemannes –,
dass für die Bezahlung von Gerichts- und Anwaltskosten innert
angemessener Frist Mittel zu beanspruchen wären, die zur Deckung des
Grundbedarfs für sie und ihre Familie notwendig sind (BGE 128 I 225 E. 2.5.1
m.H.), womit die Bedürftigkeit erstellt ist. Da das Beschwerdeverfahren
gestützt auf die vorstehenden Ausführungen nicht als aussichtslos gelten
kann (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl., Zürich 2009, Art. 61 N 102
ff.; BGE 122 I 267 E. 2b m.w.H.), sind die Voraussetzungen der
unentgeltlichen Prozessführung gegeben.
b) Wo es die Verhältnisse rechtfertigen, wird der beschwerdeführenden,
bedürftigen Person ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt (Art. 29 Abs. 3
BV, Art. 76 Abs. 3 VRG, Art. 61 lit. f ATSG). Aufgrund der sich vorliegend
stellenden Sach- und Rechtsfragen und in Anbetracht der fehlenden Deutsch-
und Rechtskenntnisse der Beschwerdeführerin scheint der Beizug eines
Rechtsvertreters geboten. Der Beschwerdeführerin wird in der Person von lic.
iur. ... ein Rechtsvertreter auf Kosten des Staates bestellt. Als
Rechtspraktikant steht diesem für den in der Kostennote vom 20. Oktober
2009 ausgewiesenen und vom Gericht als berechtigt beurteilten Aufwand ein
Honorar von Fr. 150.00 (75% von Fr. 200.00; Art. 5 Abs. 1 i.V.m. Art. 6
Honorarverordnung [HV; BR 310.250]) pro Stunde zuzüglich notwendige
Barauslagen und Mehrwertsteuer und damit eine Entschädigung von
insgesamt Fr. 1'762.15 (Honorar: Fr. 1'590.00 [für 10.6 Stunden];
Barauslagen: Fr. 47.70 [3% des Honorars]; MWST: Fr. 124.45 [7.6% von
Fr. 1'637.70]) zu. Diese sowie die Gerichtskosten sind unter Vorbehalt einer
Rückerstattung (Art. 77 VRG) auf die Gerichtskasse zu nehmen.