Decision ID: 21a5596c-2d59-41c5-a96a-5db9ede47318
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1963
und damals als
Bauarbeiter (
Schaler
)
tätig
, mel
dete sich am
22. November
2004 ein erstes Mal zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an unter Hinweis auf Schmerzen an den Füssen und
im Rücken
nach
mehreren Unfällen
(
Urk.
9/2)
. Die
Sozialversicherungs
anstalt
des Kantons Züri
ch, IV-Stelle, traf erwerbliche
und gesundheitliche Abklärungen und zog die Akten der
S
uva
bei
. Mit Verfügung vom 24. April 2008 wies sie das Leistungsbegehren
um Ausrichtung
eine
r
Invalidenrente
ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 18
%
ab (
Urk.
9/
34
).
1.2
Nach einem am 1. April 2009 erlittenen Arbeitsunfall
(
Urk.
9/66/64)
meldete sich
X._
am
1. Februar 2010 erneut zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (
Urk.
9/55 und
Urk.
9/56
, vgl. auch das mit ergän
zenden Angaben versehene Anmeldungsformular vom 14. Februar 2010
Urk.
9/64
). Die IV-Stelle holte einen
Auszug aus dem individuellen Konto des Versicherten (
IK-Auszug;
Urk.
9/54 und
Urk.
9/62)
sowie einen
Arbeitgeber
bericht
(
Urk.
9/69) ein und
zog
die Akten der
S
uva
bei (
Urk.
9/63
und
Urk.
9/66
).
Am 28. Mai 2010 teilte sie dem Versicherten mit, dass aktuell keine berufliche
n
Eingliederungsmassnahmen möglich seien und dass die medizinische Beurteilung noch abgewartet werde (
Urk.
9/73). Die IV-Stelle holte
in der Folge
einen Bericht beim
behandelnden Psychiater
vom
Y._
ein (
Urk.
9/75; vgl. auch
Urk.
9/97) und ver
anlasste eine polydisziplinäre Begutachtung in der Abklärungsstelle
Z._
(
Z._
; vgl. das Gutachten vom 27
. September 2011
in den Fachdisziplinen Psychiatrie,
Dr.
med.
A._
,
FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Neurologie,
Dr.
med.
B._
, Neurologie FMH, und Innere Medizin,
Dr.
med.
C._
, FMH Innere Medizin
,
Urk.
9/99/1-28
).
Mit Eingabe vom 13. Dezember 2011 (
Urk.
9/104) liess der Versicherte seinen Rechtsvertreter weitere Arztberichte einreichen (Urk. 9/103
/1-15
), welche die IV-Stelle den
Z._
-Gutachtern zur Stellungnahme vorlegte (vgl. die Stellungnahme vom 30. April 2012,
Urk.
9/109).
1.3
Mit
Einspracheentscheid
vom 25. Juli 2012 bestätigte die
S
uva
die Verfü
gung vom 20. Mai 2011, mit welcher
sie
die Versicherungsleistungen per
31. Mai 2011 wegen fehlender Adäquanz zwischen dem Unfall vom 1. April 2009 und
den
im damaligen
Zeitpunkt
noch
geltend gemachten gesundheitli
chen Beschwerden eingestellt hatte (
Urk.
9/112).
1.
4
Der Rechtsvertreter von
X._
legte
in der Folge ein von ihm veranlass
tes Gutachten
von
Dr.
med.
D._
, Neurologie FMH,
Physikal
.
Med. +
Rehabilitation FMH,
vom 18. Juli 2012 (
Urk.
9/114)
,
weitere
Stel
lungnahme
n
aus dem
Y._
vom 29.
Januar
2012
(
Urk.
9/118)
und 23. April 201
3
(
Urk.
9/127) sowie
einen Bericht des Sanatoriums
E._
betreffend einen Aufenthalt vom 15. Februar bis
28. März 2013 (
Urk.
9/126)
auf
.
Die IV-Stelle holte
zuerst
bei der
Z._
eine Stel
lungnahme
(
Urk.
9/129) und hernach
bei den am
Z._
-Gutachten beteiligten Experten ein
bidi
s
ziplinäre
s
Verlaufsgutachten
ein
(vgl. das neurologische und psychiatrische Gutachten vom 25. November 2013,
Urk.
9/135
/1-40
).
Mit Vorbescheid vom 9. September 2014 stellte
sie
die Abweisung des
Leis
tungsbegehrens
in Aussicht (
Urk.
9/150). Am
4. März 2015 brachte
der Rechtsvertreter des Versicherten
der IV-Stelle ein von ihm veranlasstes
psy
chiatrisches Gutachten von
pract
. med.
F._
, FMH Psychiatrie & Psy
chotherapie,
vom
2.
Februar 2015 (
Urk.
9/161) zur Kenntnis (
Urk.
9/162
)
.
Nach Rücksprache mit dem regionalen ärztlichen Dienst (
RAD,
Urk.
9/163 S.
2 f.) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren m
it Verfü
gung vom 23. Juni 2015
wie angekündigt ab
(
Urk.
2)
.
2.
Gegen die Verfügung vom 23. Juni 2015 (
Urk.
1) liess der Beschwerdeführer am 17. Juli 2015 Beschwerde erheben und beantragen (S. 2), diese sei aufzu
heben und es sei ihm eine Rente nach Gesetz auszurichten. Im Weiteren sei
er,
der Beschwerdeführer
,
mittels gerichtlicher Expertise
polydisziplinär zu begutachten. Zudem sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, die Kosten für die Expertise von
pract
. med.
F._
in der Höhe von Fr. 4‘500.-- zu übernehmen.
Zusammen mit der Beschwerde legte der Beschwerdeführer ei
nen Bericht
zur
verkehrsmedizinischen Untersuchung des Instituts für Rechtsmedizin der
G._
vom 16. Oktober 2014 (
Urk.
3/
4
) sowie einen Bericht
zur
verkehrspsychologischen Abklärung
der kognitiven
Fahr
eignung
vom 6. Oktober 2014 (
Urk.
3/
3
) auf. Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Vernehmlassung vom 6. Oktober 2015 auf Abweisung der Be
schwerde (
Urk.
8) unter Beilage einer erneuten Stellungnahme des RAD (
Urk.
10). Mit Verfügung vom 19. Oktober 2015 (
Urk.
11) wurden diese dem Beschwerdeführer zur Kenntnisnahme zugestellt.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgeset
zes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Be
tracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
telsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaub
haft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat
demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräfti
gen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Verän
derung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu beja
hen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche ma
terielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.
4
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsge
mäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Lei
den
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Auf
bietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Er
werbseinkommen
zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18.
No
-
vember
2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer
Restarbeits
fähigkeit
auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.
5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und ge
gebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätig
keiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Be
urteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medi
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Was Parteigutachtachten anbelangt, rechtfertigt der Umstand allein, dass eine ärztliche Stellungnahme von einer Partei eingeholt und in das Verfahren eingebracht wird, keine Zweifel an ihrem Beweiswert. Auch Parteigutachten enthalten Äusserungen eines Sachverständigen, die zur Feststellung eines medizinischen Sachverhaltes beweismässig beitragen können. Daraus folgt indessen nicht, dass eine solche Expertise den gleichen Rang besitzt wie ein vom Gericht oder von der Verwaltung im Rahmen des Abklärungsverfahrens eingeholtes Gutachten. Trotz dieser beschränkten Bedeutung verpflichtet es, wie jede substantiiert vorgetragene Einwendung gegen eine solche Expertise, das Gericht, den von der Rechtsprechung aufgestellten Richtlinien für die Beweiswürdigung folgend zu prüfen, ob das Parteigutachten in rechtserhebli
chen Fragen die Auffassungen und Schlussfolgerungen des vom Gericht oder von der Verwaltung förmlich bestellten Gutachters derart zu erschüttern vermag, dass davon abzuweichen ist (BGE 125 V 351 E. 3b/
dd
und c sowie Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 750/05 vom 7. April 2006 E. 1.3).
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete
die das Leistungsbegehren abweisende Verfügung vom 23. Juni 2015 (
Urk.
2)
damit
, dass sich seit der Abweisung des
Renten
begehrens
mit Verfügung vom 24. April 2008 keine rententangierende Ver
schlechterung ergeben habe. Es habe aufgrund des Unfalls vom 1.
April 2009 nur eine vorübergehende Arbeitsunfähigkeit
bestanden
. Der im
Z._
-Gut
achten vom 26.
(richtig: 25)
November
2013
erhobene psychiatrische Befund, der laut den Gutachtern eine Arbeitsunfähigkeit von 20
%
begründe, habe nach der Rechtsprechung nicht die erforderliche Intensität,
um als invalidi
sierend gelten zu
könne
n
. In einer behinderungsangepassten Tätigkeit liege somit weiterhin ei
ne 100%ige Arbeitsfähigkeit vor
. Die i
m
Parteigutachten von
pract
.
med.
F._
vom
2.
Februar 2015
vertretene Meinung, wonach die
Beschwerden Folge des Schädelhirnt
raumas seien, sei nicht nachvollzieh
bar.
Es handle sich zudem um eine andere Beurteilung des im Wesentlichen gleich gebliebenen Gesundheitszustandes.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 6. Oktober 2015 ergänzte die Beschwerde
-
geg
nerin
, es bestehe kein Grund
,
am
Z._
-Gutachten vom 27.
September 2011 sowie der
bidi
s
ziplinären
Verlaufsbegutachtung durch Dr.
B._
und
Dr.
A._
vom 25. November 2013 zu zweifeln. Die ab
weichenden ärztlichen Bericht
e
und Gutachten seien in Anbetracht der von allen drei an der
Z._
-Begutachtung beteiligten Gutachtern festgestellten Aggravationstendenzen und der auffälligen Testresultate mit Vorbehalt zu würdigen. Der Umstand, dass dem Beschwerdeführer der Führerausweis ent
zogen worde
n sei, vermöge
vorliegend nichts an der Sachlage zu ändern. So habe im Rahmen der verkehrsmedizinischen Untersuchung keine
Symptom
validierung
stattgefunden, womit eine Beeinflussung der Befunde durch Ag
gravation nicht aus
geschlossen werde
könne. Richtig sei, dass die Begrün
dung im psychiatrischen Verlaufsgutachten vom 25. November 2013, wo
nach die Försterkriterien
mehrheitlich
erfüllt seien, so dass die Diagnose ei
ner anhaltend
en
somatoformen
Schmerzstörung gestellt werden könne, nicht nachvollziehbar sei. Dieser Umstand vermöge jedoch ebenfalls nichts an der Sachlage oder am Beweiswert der entsprechenden Gutachten zu ändern.
2.
2
Der Beschwerdeführer liess zur Beschwerdegründung
im Wesentlichen
vorbrin
gen
(
Urk.
1)
,
das
Z._
-Gutachten
tauge in Anbetracht der aktuellen bundesgerichtlichen Schmerzrechtsprechung nicht als verbindliche Grund
lage für die Prüfung des Leistungsanspruchs (
Ziff.
16 ff.). Es fehlten insbe
sondere Angaben zur tatsächlichen Ausprägung der diagnoserelevanten Be
funde, zum Eingliederungserfolg und zu d
en persönlichen Ressourcen.
Der Unfall des Beschwerdeführers vom 1. April 2009 habe sodann zu einer mehrstündigen Bewusstlosigkeit bei einem
Glasgow
Coma
Scale
(
GSC
)
von 7 geführt.
Der ICD-10 Diagnose-Code verlange
nicht, dass für die Annahme ei
nes organischen Psychosyndroms strukturelle Hirnveränderungen im MRI oder CT sichtbar sein müssten. Vielmehr folge das Syndro
m in der Regel ei
nem Schädel
trauma, das schwer genug
gewesen sei
, um zur Bewusstlosigkeit zu führen. Die Kritik am Gutachten von
pract
. med.
F._
sei somit voll
umfänglich unbegründet (
Ziff.
2
0
ff. S. 9 f.).
Pract
. med.
F._
habe in seinem Gutachten differenziert nachgewiesen, weshalb nicht auf
die Exper
tise des
Z._
-Gutachters
Dr.
A._
abgestellt werden könne. So habe dieser
etwa
nicht ausgeführt, weshalb die Langsamkeit willentlich gesteuert sei
,
und nicht einmal angedacht, dass dieses Verhalten eine Folge des Unfalls im Jahr 2009 sein könnte
. Es werde im Gutachten sehr oft wiederholt, wie ungehalten der Beschwerdeführer gegenüber dem Arzt gewesen und dass die Situation angespannt gewesen sei. Es dränge sich der Verdacht auf, dass dem Gutachter eine ausreichende Neutralität
gefehlt habe
. Im Weiteren werde die Diagnose einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung gestellt und dann unter den Diagnosen lediglich als Verdachtsdiagnose aufgeführt. Es bleibe offen, was nun gelte, was ein fachlich schwerer Mangel sei (
Ziff.
22 S. 10 ff.).
Zur Kritik am Gutachten von
Dr.
B._
sei
im Wesentlichen
auf die Ausführungen im Gutachten von
Dr.
D._
verwiesen (
Ziff.
23 S. 13).
Der Beschwerdeführer lies
s
weiter geltend machten, es
könne anlässlich der zweiten Begutachtung durch die
Dres
.
B._
und
A._
nicht mehr von einer neutralen, unbefangenen Atmosphäre gesprochen werden, weshalb auf
die
Z._
-
Gutachten nicht abgestellt w
erden könne (
Ziff.
26). Zudem sei auf die massiv
unterschiedliche
n
Beurteilungen de
r behandelnden Fachärzte und der
Gutachter der
Z._
hinzuweisen
(
Ziff.
27).
In diesem Zusammenhang sei auch auf
die frem
d
anamnestischen Auskünfte der Ehefrau und den Umstand, dass dem Beschwerdeführer aufgrund der starken kognitiven Einschränkun
gen die Fahreignung aberkannt worden sei
, zu verweisen
.
Auch gehe das
Z._
-Gutachten nicht darauf ein, dass der Beschwerdeführer am Ende des psychiatrischen Gesprächs bei
Dr.
A._
auf der Couch innert weniger Minuten eingeschlafen sei (
Ziff.
29). Eine volle Arbeitsfähigkeit sei aufgrund sämtlicher Umstände schlichtweg nicht nachvollziehbar. Das
Verlaufsgut
achten
sei auch aus versicherungsmedizinischen Überlegungen zu kritisieren.
Dr.
A._
komme zum Schluss, dass die F
ö
rste
r
kriterien mehrheitlich er
füllte seien, weshalb die Diagno
se einer
somatoformen
Schmerzs
törung ge
stellt werden könne. Ein solches Vorgehen sei medizinisch – auch unter der alten Rechtslage – schlichtweg nicht haltbar, seien doch die F
ö
rsterkriterien kein Instrument zur Diagnosestellung, sondern dienten lediglich der Frage nach der
rechtlichen
Überwindbarkeit der Beschwerden. Bemerkenswert sei auch,
dass die (strengen) F
ö
rsterkriterien erfüllt sein
,
aber
gleichwohl nur geringe Einschränkungen vorliegen sollen und am Ende doch nur ein Ver
dacht auf
Vorliegen
dieser Störung gestellt werde (
Ziff.
30).
3
.
Der
Verfügung vom 24. April 2008, mit welcher die IV-Stelle das Begehren um Ausrichtung einer Invalidenrente ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 18
%
ab
gewiesen hat
te
(
Urk.
9/
34
), lag im Wesentlichen der Bericht
von Dr.
med.
H._
, Facharzt für Chirurgie FMH,
vom 3. August 2005 zur
kreis
ärztlichen
Untersuchung
vom 28. Juli 20
0
5
(
Urk.
9/16/4-1
0)
zugrunde.
Der Bericht erging, nachdem d
er Versicherte am 6.
Mai 2004 bei einem Sturz in ein
Loch am rechten oberen Sprunggelenk (OSG) eine
Malleolarfraktur
Typ Weber C mit Ruptur des Ligamentum
deltoideum
rechts erlitten
hatte
, die operativ versorgt
worden war
.
Dr.
H._
wies
im Bericht zudem
auf eine im Jahr 1999
stattgehabte
Bandruptur am linken
oberen
OSG hin, die operativ mit Bandplastik versorgt worden sei. Nach längerer Rehabilitationsphase sei die Behandlung damals im Jahr 2001 abgeschlossen worden. Im Zusammen
hang mit dem neu
en Unfallereignis am 6. Mai 2004 bestünden plötzlich wie
der Beschwerden im gesamten oberen Sprunggelenk. Der klinische Befund sei
bland
und bildgebend seien keine degenerativen Veränderungen nachgewie
sen, insbesondere im Szintigramm au
ch keine entzündlichen oder
arth
roti
schen
Veränderungen (S. 4).
Dr.
H._
gab an, die klinische Untersuchung
vom
28. Juli 2005 habe keine fassbaren Befunde
ausser eine
r leichten
Druckdolenz
über der Fibula und
der
medialen
Malleolarspitze
und im Bereich de
s ventralen
rechten
OSG ergeben. Bildgeb
end
seien
keine posttraumatischen degenerativen Veränderungen und gute Stellungsverhältnisse nach Rekonstruktion der Weber C-Fraktur
doku
mentiert
. Es gebe keine Erklärung für die anhaltenden Schmerzen. Zusätzlich klage der Versicherte über vegetativ-ähnliche Beschwerden mit Hitze- und Kältegefühl in beiden Füssen bis gegen die Knie reichend, die entweder bei Kälte warme oder bei Wärme kalte Fussbäder bedingten. Eine Erklärung für diese subjektive Empfindung gebe es nicht. Ein CRPS (Morbus
Sudeck
) sei
szintigraphisch
und röntgenologisch ausgeschlossen worden. Klinische Be
funde bestünden nicht
. Der Versicherte mache einen eher depressiven Ein
druck. Ob allenfalls die gesamte Situation psychosozial überlagert sei, könne er nicht beurteilen
(S. 5)
.
Zumutbar seien dem Versicherten vollschichtig und vollzeitlich mindestens leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkei
ten mit
Zusatzbelastun
gen
von 10 bis 15 Kilogramm, vereinzelt statisch. Gehenderweise seien
10 Kilogramm für kurze Strecken von 10 bis 20 Meter zumutbar.
Dr.
H._
formulierte zudem differenzierte Angaben zur Zumutbarkeit einzelner Tätig
keiten und betonte an dieser Stelle, dass es sich um minimale Anforderungen handle. Aufgrund der somatischen Befunde an beiden Sprunggelenken, die nur diskr
ete
Unfallresudien
zeigten, sei
eine eindeutig grösser
e
Belastungsfä
higkeit
vorstellbar (S. 6).
Im Austrittsbericht vom 13. Dezember 2004 der Rehaklinik
I._
wurde angegeben, dass eine manifeste psychische Störung von Krankheitswert in einem psychosomatischen Konsilium nicht habe eruiert werden können (
Urk.
9/10/7-1
3
S. 2
).
4
.
4
.1
Im vom Amt für Baubewilligung
en
der Stadt Zürich, Abteilung Baukontrolle,
am 6. April 2009
aufgenommenen Unfallbefund wurde der Hergang des vom Beschwerdeführer am 1. April 2009 erlittenen Unfalls wie folgt beschrieben (
Urk.
9/66/63): Es sei während den Reinigungsarbeiten der
Transportbeton
leitung
zu einem plötzlichen Druckaufbau gekommen. Die daraus resultie
rende ruckartige Bewegung des Übergabeschlauchs habe den Verunfallten erschreckt, so dass davon auszugehen sei, dass er dadurch gestürzt sei. Er habe einen Helm getragen.
Es habe keine beteiligte Unfallperson gegeben, die den Unfallhergang gesehen habe.
Im Austrittsbericht
des Spitals
J._
vom 17. April 2009
nach stationä
rem Aufenthalt bis zum 3. April 2009
(
Urk.
9/66/12-13) nannte Dr.
med.
K._
, Stationsarzt Chirurgie, di
e Diagnose
einer
Commotio cerebri mit/
bei
z
wischenzeitlich GCS 7 und aktuell GCS 15 sowie die
Neben
diagnosen
eine
Kontusion Wange und Kiefer links,
eine
minimale Kontusion der Lendenwirbelsäule,
eine
Kontusion
Tibiakante
rechts und
ein
bekanntes
Restless
-
Legs
-Syndrom.
Dr.
K._
gab an, der Beschwerdeführer sei bei der Arbeit in einer Baugrube von einem Zementschlauch an
der
linke Kopfseite getroffen worden, daraufhin gestürzt und in der Folge bewusstlos gewesen. Beim Eintreffen der Sanität sei ein GCS von 11 feststellbar gewesen bei Spontanatmung und
hämodynamisch
stabilem Patient
en
. Es sei eine Einweisung ins Stadtspital
L._
via Schockraum erfolgt. Dort sei bei zwi
schenzeitlich
em
GCS 7 eine Intubation vorgenommen und der Beschwerde
führer auf die
Intensivpflegestation (
IPS
)
ver
legt worden
(vgl.
Urk.
9/66/59)
. Nach 3 Stunden sei
eine
problemlose
Extubation
erfolgt
, danach habe der GCS
stets
14 betragen, im Verlauf 15. Der Beschwerdeführer sei der
Notfall
station
des Spitals
J._
zur weiteren GCS-Überwachung überwiesen worden. Auf der Notfallstation habe er leichte Übelkeit und keine Kopf
schmerzen angegeben. Die Überwachung sei unauffällig verlaufen und der Beschwerdeführer habe in gutem Allgemeinzustand am 3. April 2009 in die Obhut der Ehefrau nach Hause entlassen werden können.
E
s
werde eine neuro-psychologische Begutachtung nach zwei bis drei Monaten aufgrund der Schwere der Commotio empfohlen.
4.2
Im
Bericht
zuhanden der
S
uva
vom 3. Juni 2009
(
Urk.
9/66/58)
nannten die Hausärzte
Dres
. med.
M._
und
N._
die Diagnose
einer
Commotio cerebri. Sie gaben an, dass der bisherige Verlauf und der gegenwärtige Zustand nicht gut seien. Der Beschwerdeführer klage über Schwindel, Konzentra
t
ionsstö
rungen, Müdigkeit und schwarz werden vor den Augen. Es fänden ein bis dreimal im Monat Konsultationen statt. Der
S
uva
-Arzt solle den Beschwer
deführer zur Untersuchung aufbieten. Es sei eine Anmeldung bei
Dr.
O._
erfolgt.
Im Bericht vom 5. Juni 2009
(
Urk.
9/
66
/50-51)
zuhanden des Hausarztes Dr.
N._
diagnostizierte
Dr.
med.
P._
, Spezialarzt FMH für Neurolo
gie
,
eine Polyneuropathie
. Der Beschwerdeführer gab an, seit etwa 10 Jahren unter heissen Füssen zu leiden.
4
.
3
Die Gutachter der
Z._
stellten
in ihrer Expertise vom 27. September 2011
(
Urk.
9/99/1-28)
nach Untersuchungen
unter
Beizug
einer Dolmetscherin
am 28. Juni 2011
(S. 9)
die folgenden Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfä
higkeit
(S. 20)
:
Zustand nach
Malleolarfraktur
Typ Weber C recht
s
mit Ruptur der vorderen und hinteren
Syndesmose
sowie
Talusshift
bei Ruptur des Ligamentum
deltoideum
am 6. Mai 2004
Leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0)
Verdacht auf
Dyst
hymie
(ICD-10 F34.1)
Verdacht auf anhaltend
e
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
Akzentuierte Persönlichkeitszüge vom passiv-aggressiven Typ (ICD-10 Z73.1)
Sie gaben zudem die folgenden Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähig
keit an:
Zustand nach Commotio cerebri am 1. April 2009
Kognitive Störungen, organisch nicht zuordenbar
Leicht ausgeprägtes
Cervicalsyndrom
Leicht ausgeprägtes
Lumbovertebralsyndrom
bei degenerativen Wirbelsäulen
-
ver
änderungen
Leicht ausgeprägte Po
l
yneuropathie
Dr.
med.
C._
stellte keine internistischen Diagnosen. Er beschrieb ei
nen 48-jährigen freundlichen und ruhig wirkenden Exploranden in gutem Allgemeinzustand (S. 23).
Der Neurologe
Dr.
B._
führte im Rahmen seines Teilgutachtens eine kli
nisch-neurologische, eine verhaltensneurologische / neuropsychologische sowie eine
elektroencephalographische
Untersuchung durch. Er gab an, dass die Anamnese vom Umstand geprägt gewesen sei, dass
der Beschwerdeführer
angegeben habe, sich an viele Einzelheiten nicht mehr erinnern zu können bis hin zum Namen des Dorfes, in dem er aufgewachsen sei und auch den Namen seiner Kinder, die er nur nach Zögern aufgezählt habe. Klinisch-neurologisch fänden sich bei wiederholtem Klagen, unter starken Schmerzen zu leiden, keine zu erwartenden vegetativen Begleitreaktionen
,
wie ein ver
mehrtes Schwitzen oder Erblassen
(S. 23 f.)
. Es fielen zusätzlich multiple In
konsistenzen auf, so zu
m Beispiel wiederholte
Fehlinnervationen
beim Prüfen der Kraft
,
ein
zielsicheres
Danebengreifen beim Finger-Nasen-Versuch
an die Nasenwurzel oder eine
Steifhaltung des Kopfes und
die
Angabe während der Untersuchung, diesen nicht drehen zu können, bei diskrepant dazu be
obachtbarer guter Beweglichkeit während des An- und Entkleidens oder der Anamnese
. Auch im Bereich der unteren Extremitäten könne die Kraft bei Fehlinnervation nicht beurteilt werden. Der Beschwerdeführer habe angege
ben, Geruchsstoffe nicht wahrzunehmen. Zur Objektivierung einer
Geruchs
sinnstörung
sei zusätzlich eine
elektroencephalographische
Untersuchung durchgeführt worden, die bei Exposition mit eine
m
starken Geruch
s
stoff eine
n
symmetrischen
,
guten Blockierungseffekt der
Alpha-Aktivität gezeigt habe, was eine organisch begründete Geruchssinnstörung de facto ausschliesse. Die
elektroencephalographische
Untersuchung sei, wie bereits auch eine Voruntersuchung, unauffällig, ergebe keine Anhaltspunkte für einen Herdbefund oder
eine
cerebrale
Über
er
regbarkeit und zeige eine normale Grundaktivität. Die zusätzlich durchgeführte verhaltensneurologische / neuropsychologische Untersuchung sei nicht valide, die Kooperation sei stark beeinträchtigt
gewesen
.
Der neurologische Referent gehe davon aus, dass der Beschwerdeführer kogni
tive Störungen vortäusche. Die erreichten Resultate der einzelnen Un
tersuchungen seien derart auffällig, dass auch ein Patient bei Zustand nach schwerster Hirnverletzung mit hoher Wahrscheinlichkeit besser abgeschnitten
hätte. Zum Beispiel seien
dem Beschwerdeführer
beim Zahlennachsprechen vorwärts inkonstant nur drei Zahlen erinnerlich. Auch im Rey-
Auditory
-Ver
bal-Learning-Test wolle er sich nach fünf Durchgängen nur an drei Begriffe erinnern können. Im Spätabruf sei
ihm
kein Begriff mehr geläufig. Bei Un
tersuchungen, die ein
forced-choices
Element beinhalteten, zum Beispiel bei der Links-Rechts-Unterscheidung, komme es zu einer „
Unterstatistigkeit
“. Weitere durchgeführte Konzentrationstests seien derart auffällig und wiesen
solch
massive Fehlleistungen auf, dass bei einem derartigen Befund insbe
sondere die Fähigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen, absolut verunmöglicht wäre.
Aus
den
Akten
, aber auch den Angaben des Beschwerdeführers, ergebe sich aber, dass dieser „kurze“ Strecken fahre beziehungsweise eine halbe Stunde mit dem Auto unterwegs sei – ein Umstand, der mit den erzielten Er
gebnissen in keiner Weise vereinbar sei. Es sei auch anlässlich der
Hospitali
sierung
in der
Rehaklink
Q._
im Februar 2010 eine Pseudodemenz in Erwägung gezogen und die Anstrengungsbereitschaft während der neuropsy
chologischen Untersuchung als reduziert angesehen worden
(vgl.
Urk.
9/68
S. 5 und S. 7)
. Sowohl die Resultate der klinisch-neurologischen als auch der verhaltensneurologischen / neuropsychologischen Untersuchung ergäben klare Hinweise auf eine erhebliche Aggravation von Beschwerden. Die aktu
elle Anmeldung sei bereits die zweite Anmeldung bei der Invalidenversiche
rung, wobei
in den
Unterlagen
betreffend das
erste
Verfahren
von Untersu
chern ebenfalls
wiederholt
ein äusser
s
t auffälliges Verhalten beschrieben
worden sei
.
Die Beurteilung der Ärzte des
Y._
vom
6. Juni 2011, die auf eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeit schliesse
(vgl.
Urk.
9/97)
, sei für den neurologischen Referenten nicht nach
vollziehbar. Er gehe davon aus, dass diese das Untersuchungsverhalten und die zu erwartende und zumutbare Willensanstrengung zur Überwindung der Beschwerden nicht berücksichtigt
hätten
.
Dr.
B._
gab an
, dass es bei einer derartigen Verhaltensweise selbstverständlich ausgesprochen schwierig sei, eine allfällige leichte bis höchstens mässige Beeinträchtigung der höheren Hirnfunktion als Folge der
erlittenen Commotio cerebri am
1. April 2009 aus
zuschliessen oder zu bestätigen.
Gegen
eine derartige Beein
trächtigung
spreche
das normale ab
geleitete
Elektroencephalogramm
. Zudem sei der
U
mstand in Erwägung zu ziehen
, dass der Beschwerdeführer
offen
sichtlich in der Lage sei, ein Motorfahrzeug zu benutzen – so dass, wenn überhaupt, allerhöchstens eine
leichtgradige
Beeinträchtigung als Unfallfolge denkbar wäre (S. 23 ff.).
Der psychiatrische Gutachter gab in seinem Fachgutachten (
Urk.
9/99/40-49) an, es müsse aufgrund der bei der Untersuchung erhobenen Befunde, d
er
Angaben des Exploranden und der Aktenlage festgestellt werden, dass beim Beschwerdeführer eine Aggravationstendenz vorliege. Seine Angaben könn
ten mit den subjektiven Beschwerden schwer in Zusammenhang gebracht werden. Sein Verhalten sei auffällig. Er imitiere eine schwere Demenz, eine Gedächtnisstörung bis weit in die Vergangenheit zurückreichend. Seine Ges
tik und Mimik, seine ganze Körperbewegung seien verlangsamt. Ebenso seien seine Angaben nur langsam zu erhalten, blieben vage und unbestimmt. Der Beschwerdeführer schildere sein Leben nur rudimentär und gebe erhebliche Erinnerungslücken an, die aus psychiatrischer Sicht nicht nachvollzogen werden könnten.
Diese passiv-aggressive Haltung müsse auch im Rahmen einer Aggravationstendenz verstanden werden. Daneben bestehe eine leichte depressive Gestimmtheit. Der Beschwerdeführer sei etwas gedrückter Stim
mung. Er zeige einen Interessensverlust und eine Freudlosigkeit, verstärke aber auch die Antriebsminderung und die erhöhte Müdigkeit durch ein de
monstratives Verhalten. So habe er sich nach der Untersuchung hinlegen müssen und sei fast eingeschlafen. Dies könne aus gutachterlicher Sicht in Anbetracht der Situation nicht nachvollzogen werden. Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprobleme hätten während der ganzen Untersuchung keine bestanden. Der Beschwerdeführer habe weder zerstreut, noch fahrig oder er
innerungslos gewirkt. Er habe nicht
konfabuliert
oder perseveriert
(S. 7)
. Die ganze
Angabegestaltung
sei dem Diktat der Zurückhaltung, der analen pas
siv-aggressiven Verhaltensweise untergeordnet gewesen. Angaben über In
suffiz
i
enz- und Schuldgefühle oder Suizidgedanken könne der Beschwerde
führer definitiv nicht beantworten. Er bestehe auf eine
r
negative
n
pessimis
tische
n
Zukunftsperspektive, insbesondere auf den Schlafstörungen und der wie bereits in einer früheren Untersuchung festgestellten Pseudohalluzination oder allenfalls im Rahmen eines hypnagogen Zustandes
auftretende
n
Er
scheinung
seines Grossvaters. Der Beschwerdeführer habe dies aber ohne Ängste berichtet und zeige auch keine psychovegetativen Symptome. Die gesamte Schilderung des Exploranden könne aus objektiver Sicht nur als leichte depressiv
e Gestimmtheit beurteilt werden. Dies
insbesondere auch
deshalb,
weil der Blick und die Konzentration
sowie
die
Aufmerksamkeit der optischen Kontaktaufnahme durchaus gegeben sei
en
. Es sei dabei aber auf
gefallen, dass der Beschwerdeführer mit dem Referenten praktisch nie Kon
takt aufgenommen habe, ansonsten aber seinen Blick aufmerksam und be
hände im Zimmer auf- und abgeschickt und sich auch auf die Übersetzerin gut konzentrierte habe (S.
8
).
Neben der depressiven Symptomatik müssten Verdachtsdiagnosen gestellt werden
. Eine definitive Beurteilung sei aufgrund der Aggravationstendenz des Beschwerdeführers ausgesprochen schwierig. Es sei aber möglich, dass der Beschwerdeführer grundsätzlich unter einer
dysthymen
Gestimmtheit leide, das heisse
,
dass er an einer chronischen, seit
Jahren bestehenden de
pressiven
Missgestimmtheit
leide, erst aber in der Vergangenheit an einer de
pressiven Episode erkrankt sei, wie sie aktenkundig sei.
Im Weiteren müssten die Schmerzen des Exploranden aus psychiatrischer Sicht
differenzialdiag
nostisch
einer anhaltend
en
somatoformen
Schmerzstörung zugeordnet wer
den
. Die Schmerzen seien mit einem physiologischen Prozess und einer kör
perlichen Schädigung alleine nicht erklärbar, und träten in Verbindung mit einer Tendenz zur psychosomatischen Abwehr von affektiven Spannungszu
ständen ins Körperliche
auf
. Es bestehe auch eine emotionale affektive Er
krankung. Ein eigentlicher emotionaler Konflikt könne nicht ausgemacht werden, ausser dem Konflikt zwischen dem Wunsch nach Versorgung und gleichzeitig dem Wunsch nach Passivität und
den
Anf
orderungen, die das Leben an den
Exploranden stelle. Differenzialdiagnostisch komme auch eine Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen im Sinne
der
Aggravationstendenz in Frage. Diese Frage könne aber nicht abschliessend beurteilt werden. Im Weiteren müssten beim Beschwerdeführer passiv-ag
gressive Persönlichkeitszüge festgestellt werden, ohne dass gemäss ICD-10 die Kriterien für eine Persönlichkeitsstörung erfüllt würden (S. 8).
Zur Arbeitsfähigk
eit in der angestammten Tätigkeit als Bauarbeiter führten die Gutachter aus (
Urk.
9/99/1-28 S. 26), dass aus internistischer Sicht keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit bestehe. Der psychiatrische Referent gehe von einer maximal 20%igen Beeinträchtigung in einer den körperlichen Beschwerden angepassten Tätigkeit aus. Es könne dem Beschwerdeführer zu
gemutet werden, seine Beschwerden zu überwinden
und aus seiner passiven-aggressiven Verweigerungshaltung hervorzutreten und seinen Lebensweg aktiver zu gestalten. Der neurologische Referent sehe es bei auffälliger
Ver
deutlichungstendenz
, Aggravation bis hin zur Simulation als sehr schwierig an, eine Arbeitsfähigkeit gestützt auf objektive Befunde zu definieren. Unter Berücksichtigung der erlittenen Vorverletzungen, insbesondere im
Sprung
gelenksbereich
beidseits, auch der Kniegelenksverletzung und des
Cervical
- und
Lumbovertebr
alsyndroms
, übernehme er die vom
S
uva
-Kreisarzt
am
30.
(richtig: 3.)
August 2005 definierte Arbeitsfähigkeit und das entsprechende Zumutbarkeitsprofil
. Er gehe somit
von einer vollschichtigen Arbeitsfähigkeit für eine zumindest leichte bis mittelschwer
wechselbelastende Tätigkeit ohne vermehrte Anforderungen an die Gehfähigkeit und ohne längere
,
dauernde axiale Belastung im Stehen, mit der Möglichkeit, die Körperlage
zu wechseln
, aus. Dies bedeute
, dass
in der angestammten Tätigkeit als Schaler kei
ne Ar
beitsfähigkeit mehr bestehe
und in einer angepassten Tätigkeit, wie sie vor
gehend definiert
worden sei
, wegen der
psychiatrischerseits
diskutierten Be
einträchtigung von einer Einschränkung von 20
%
ausgegangen werden müsse (S. 26). Der Beginn der Arbeitsunfähigkeit sei auf den Zeitpunkt des
letzten Unfallereignisses, den
1. April 2009, anzusetzen (S. 27).
4
.
4
Am 3. Mai 2011 (
Urk.
9/103/6-8) diagnostizierte
Dr.
med.
R._
, Facharzt FMH für Neurologie, ein chronisches, posttraumatisches,
cervico-cephales
Schmerzsyndrom bei Status nach Arbeitsunfall am 1. April 2009 mit Com
motio cerebri sowie ein schweres, depressiv-
mutistisches
Zustandsbild. Er gab an, es bestehe bei einem Status nach Commotio cerebri am 1. April 2009 einerseits ein
cervico-cephales
Beschwerdebild, das aufgrund der Schilderun
gen durch die Ehefrau sehr intensiv sein müsse. Auffälliger sei die deutlich depressiv-
mutistische
Stimmungslage, die einer intensiven psychiatrischen Behandlung bedürfe. Sollte auf ambulantem Weg keine Besserung erreicht werden können, müsse eine stationäre Behandlung erwogen werden. Im so
matischen Bereich bestehe eine eingeschränkte Beweglichkeit der
Halswir
belsäule
, mit
palpatorisch
verdickter und
druckdolenter
Nacken- und
Schul
termuskulatur
. Neurologische Ausfälle bestünden keine. Eine relevante Ver
letzung am Nervensystem s
ei
somit nicht anzunehmen.
4.5
Im Austrittsbericht des Sanatorium
s
E._
zuhanden des Hausarztes Dr.
N._
,
wurden
nach einer stationär
-psychiatrischen Behandlung (
Krisen
intervention
) vom 15. September bis 3.
Oktober 2011 (
Urk.
9/103/1-4)
in psychiatrischer Hinsicht die
Diagnosen
einer
schwergradige
n
depressive
n
Episode mit
synthymer
psychotischer Symptomatik (ICD-10 F32.30) sowie Schädelhirnverletzung mit organischer, effektiver, kognitiver und emotiona
ler Störung (ICD-10 F06.3, F06.7 und F06.8) genannt.
4
.
6
Am 30. April 2012 nahmen die
Z._
-Gutachter zu den neuen Arztberichten
und den Vorhalten des Rechtsvertreters (
Urk.
9/104)
Stellung (
Urk.
9/109). Sie referierten die in de
r psychiatrischen Begutachtung
vom 28. Juni 2011 gestellten Diagnosen leichte depressive Episode, Verdacht auf eine
Dysthy
mie
, Ve
rdacht auf eine a
nhaltend
e
somatoforme
Schmerzstörung und ak
zentuierte Persönlichkeitszüge vom passiv aggressiven Typ und gaben an, es sei nicht ausgeschlossen, dass es zu Schwankungen komme, wie dies bei af
fektiven Störungen häufig der Fall sei. Deswegen stehe die stationäre Be
handlung des Beschwerdeführers vom 15. September bis 3. Oktober 2011 im Sanatorium
E._
im Rahmen einer damals angeblich
schwergradigen
depressiven Episode mit
synthymer
und psychotischer Symptomatik und akuter
Suizidalität
nur
(richtig wohl: nicht)
in einem absoluten Widerspruch zu den gestellten Diagnosen. Es könne bei affektiven Störungen unter nicht vorhersehbaren Belastungen zu Dekompensationen kommen, die meisten be
handelbar seien und wieder abklingen oder zumindest in ihrer Intensität nachlassen würden
.
Es müsse zudem darauf hingewiesen werden, dass der Beschwerdeführer, so sei es in der Konsensbesprechung zum Ausdruck gekommen, in allen soma
tischen und auch der verhaltensneurologischen und neuropsychologischen Untersuchung eine deutliche Aggravation gezeigt habe. D
eren
Erwähnung sei somit nicht aus der Luft gegriffen und könne
bei
der Beurteilung der Konsis
tenz der Angaben nicht ausser Acht gelassen werden.
Die
Z._
-Gutachter hielten abschliessend auch unter Berücksichtigung der zusätzlich zur Verfügung gestellten Unterlagen an ihrer im Rahmen der Konsensbesprechung erarbeiteten Beurteilung im Zeitpunkt des Gutachtens fest.
4.7
Am 26. Januar 2012 kritisierten
Dr.
med.
S._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
und
Dr.
phil.
T._
vom
Y._
das
Z._
-Gutachten und gaben an, vor allem das psychiatri
sche Teilgutachten habe keinen Beweiswert (
Urk.
9/118). Sie bemängelten Schreibfehler, fehlende oder falsche Angaben im Lebenslauf (etwa, dass die Eltern nur bis zum Jahr 2009 in
U._
gewohnt hätten und dann nach
V._
umgezogen seien) und die Kompetenz des neurologischen Gutachters betreffend die durchgeführten psychologischen Tests. Sie gaben an, die Be
schwerden seien nur oberflächlich aufgenommen und eine Fremdanamnese sei nicht erhoben worden. Die Depression habe sich im Vergleich zum Juni 2011 wieder verstärkt. Die Behandler diagnostizierten in psychiatrischer Hinsicht aktuell eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symp
tome (ICD-10 F32.2) sowie eine Schädelhirnverletzung mit organisch affekti
ver, kognitiver und emotionaler Störung (ICD-10 F06.3, F06.7 und F06.8) bei
einem
Status nach Unfall am 1. April 2009. Der Beschwerdeführer sei auch für angepasste Tätigkeiten zu 100
%
arbeitsunfähig. Er könne noch zirka
60 bis 90 Minuten gehen, zirka 45 Minuten stehen sowie 1,5 bis 2 Stunden sit
zen. Zuhause könne er fast nichts machen. Einzig Autofahren sei an guten Tagen noch möglich, aber nur kurze Strecken mit Pausen.
4
.
8
Im vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers veranlassten neurologischen Gutachten vom 18. Juli 2012 nannte
der Neurologe
Dr.
med.
D._
(Urk.
9/114)
die folgenden Diagnosen
(S. 8)
:
Status nach (mittelschwerer) traumatischer Hirnverletzung am
2.
April 2009
(richtig: 1. April 2009)
Mit heute im Vordergrund schwerer posttraumatischer Depression mit Wahnvor
stellungen und Panikattacken und wahrscheinlich
zentralvestibulären
Gleichge
wichtsstörungen
Mit ausgeprägten diffusen kognitiven Störungen, primär im Rahmen der posttrau
matischen psychischen Störung
Status nach im Jahr 2004 durchgemachter Diskushernie mit Wurzelreizung L5/S1 links
Unter
der Überschrift
„prov. Beurteilung“
(
S. 8 ff.)
gab
Dr.
D._
an, der
Beschwerdeführer habe bei seinem Arbeitsunfall mit einem heftigen Schlag gegen den Kopf und sekundärem Sturz vor gut drei Jahren
sicher eine
trau
matische Hirnverletzung durchgemacht mit kurzer retrograder Amnesie und einer in den ersten Berichten
festgehaltenen Bewusstlosigkeit. Der
Rettungs
dienst habe nach dem Unfall einen G
CS
-Wert von 11 festgestellt, der sich im Spital vorübergehend auf 7 verschlechtert habe. Damit müsse die durchge
machte Hirnverletzung klinisch mindestens als mittelschwer taxiert werden.
Es seien mit grosser Wahrscheinlichkeit organische Hi
rnläsionen vorhanden.
B
eim am Unfalltag durchgeführte
m
einfache
m
CT bestehe erfahrungsgemäss eine schlechte Chance, kleinere aber klinisch relevante Läsionen zu sehen
.
Im Weiteren führte er aus, die heutige detaillierte neurologische Untersu
chung sei zum Teil schwierig zu interpretieren
, weil es sicher einige Überla
gerungen gebe mit Funktionsstörungen, die rein organisch nicht zu erklären seien, besonders bei der Armmotorik. Im Vordergrund stehe klinisch weiter
hin die mehrfach berichtete noch heute erhebliche depressive Symptomatik. Es handle sich hier wahrscheinlich um eine zeitweise schwere posttraumati
sche depressive Störung mit Panikattacken und Wahnvorstellungen. Insge
samt
imponiere ein Mischbild
mit wahrscheinlich
er
organisch
er,
leichter Störung, hauptsächlich aber verstärkt durch die psychische Überlagerung im Rahmen der Depression mit Panikattacken sowie Wahnvorstellungen
(Stim
men des Grossvaters)
und vergesellschaft
e
t mit einer deutlichen Tendenz zur Symptomverstärkung insbesondere im Bereich der Armfeinmotorik. Verwert
bare klare Hinweise für eine eigentliche Simulation, wie sie von den Gut
achtern
der
Z._
vorgeworfen werde, könne er keine finden (S. 9).
Es sei für ihn
schleierhaft und nicht verständlich, wie die
Z._
-Gutachter dazu kämen, einerseits die durchgemachte traumatische Hirnverletzung als einfache
C
ommotio
zu verniedlichen
und
andererseits von einer „leichten de
pressiven Episode“ zu sprechen, wenn offensichtlich auch für ihn als Neuro
logen mit „nur“
einem
Jahr psychiatrischer Zusatzausbildung ein schweres Störungsbild vorhanden sei, das sich nach allen Informationen nicht erst nach der
Z._
-Untersuchung entwickelt habe. In den vergangenen Monaten habe diese schwere Symptomatik zweimal eine st
ationäre psychiatrische Therapie
in einer renommierten Klinik notwendig gemacht (September 2011 und Januar 2012
; S. 10
).
Die Arbeitsfähigkeit betrage seit dem Unfall
im Jahr
2009 bis heute für jede denkbare Tätigkeit unfallbedingt 0
%
(S. 11).
4
.
9
Am 28. Mai 2013 nahm
Dr.
B._
Stellung zum Gutachten von
Dr.
D._
(
Urk.
9/129).
Er stellte in Frage, dass
Dr.
D._
sämtliche Akten zur Verfü
gung gestanden hätten. Zudem
gab
er
zu bedenken, dass
der Neurologe
Dr.
D._
als Folgen des Unfalls vom
2.
April 2009 (richtig 1. April 2009) faktisch ausschliesslich psychiatrische Diagnosen
gestellt habe
, die aus
serhalb seines Fachgebietes liegen.
Dr.
B._
führte weiter aus, dass ihm die von
Dr.
D._
postulierte traumatische Gehirnverletzung in ihrer Defini
tion sehr wohl bekannt sei. Es sei aber unmöglich, bei sich widersprechenden Angaben des Beschwerdeführers und immer wieder auch vorgängig anläss
lich von Voruntersuchungen im Zusammenhang mit anderen Unfällen be
schriebener Aggravation und auch klarer Aggravation bei d
en Untersuchun
gen in der
Z._
, die anamnestischen Angaben des Beschwerdeführers 1:1 zu übernehmen. Es gelte zu unterstreichen, dass – auch wenn eine entspre
chende Verletzung stattgefunden hätte –, es sich hierbei um einen
Verlet
zungsmechanismus
handle, der noch keine Rückschlüsse auf allfällige, Jahre nach dem Ereignis bestehende Verletzungsfolgen zulasse, insbesondere nicht
auf
psychiatrische Folgen.
Nach erneuter Untersuchung am 5. September 2013 erstatteten die
Dres
.
B._
und
A._
am
25.
November 2013
ein neurologisch-psychiatri
sches Verlaufsgutachten
(
Urk.
9/135
/1-40
).
Die Gutachter
nannten dieselbe
n
Diagnose
n
wie im Vorgutachten vom
27. September 2011
(S. 26 und S. 33
; E. 4.3
)
mit der Ergänzung
akzentuierter
Persönlichkeitszüge
vom
kränkbaren und
dysphorischen
Typ
und gaben an, aus psychiatrischer Sicht habe sich beim Beschwerdeführer keine wesentliche Verschlechterung und ebenso we
nig eine Verbesserung eingestellt. Die Situation sei widersprüchlich. Einer
seits werde die Beurteilung des psychiatrischen Referenten im Bericht aus
dem
Y._
vom 26. Januar 2012
(vgl. E. 4.7)
kritisiert und der Zustand des Beschwerdeführers als wesentlich schlechter dargestellt. Im Jahr 2013 werde dann aber über eine Verbesserung berichtet, obwohl es kurz zuvor zu einer schweren depressiven Episode und einer ein paar Tage dauernden
Hospitalisierung
gekommen sei, aus
welcher
der Be
schwerdeführer auf eigenes Drängen wieder entlassen worden sei. Diese Wi
dersprüchlichkeit in der Beurteilung und in der Darstellung der Symptomatik wiederspiegle sich auch während der Untersuchung. Beim Beschwerdeführer liege aus rein psychiatrischer Sicht derzeit eine leichte depressive Episode bei einer zugrundeliegenden
Dysthymie
, in K
ombination mit einer anhaltend
en
somatoformen
Scherzstörung vor. Der Beschwerdeführer sei aus rein psychi
atrischer Sicht deswegen in seiner Arbeits- und Leistungsfähigkeit zu 20
%
beeinträchtigt. Es sei durchaus möglich, dass es zwischenzeitlich, im Rahmen der Verschlechterung der affektiven Störung des Beschwerdeführers
,
zu einer höheren Arbeitsunfähigkeit komme. Der
Referent
habe die Arbeitsunfähigkeit deswegen gemittelt. Bei der Beurteilung müsse auch die Aggravationstendenz mitberücksichtigt werden (S. 39).
Der Neurologe Dr.
B._
gab an, es hätten sich anlässlich der aktuellen kli
nisch-neurologischen Untersuchung im Vergleich zur Voruntersuchung teils unterschiedliche Befunde gefunden
. So falle etwa auf, dass im Juni 2011 eine Geruchssinnstörung moniert worden und der Geruchssinn aktuell intakt sei
(S. 27). Es habe sich nur eine leichte Verdeutlichungstendenz manifestiert.
Im Rahmen der
verhaltensneurologischen Untersuchung
habe der Beschwerde
führer aber in gleichem Masse ein stark auffälliges Untersuchungsverhalten gezeigt, mit Vortäuschen kognitiver Beeinträchtigungen in stark ausgepräg
tem Masse mit in diesem Rahmen divergierenden, inkonsistenten Befunden (S. 39). Es hätten sich selbst in einfachsten Verfahren deutlich verminderte Leistungen, die weder zum allgemeinen klinischen Ausdruck, zur
differen
zierten Ausdrucksweise noch
zur
selbständigen Lebensführung und insbe
sondere
auch
nicht zur vom Beschwerdeführer angegebenen Fähigkeit, ein Motorfahrzeug führen zu können, passten. Es sei von nicht authentischen kognitiven Defiziten auszugehen im Sinne einer Vortäuschung von Ein
schränkungen höherer Hirnfunktionen mit massivsten Fehlleistungen (S. 28). Es sei erstaunlich, dass Voruntersucher schwere kognitive Defizite beschrie
ben
hätten
, ihnen aber anscheinend nicht bewusst
gewesen
zu sein scheine, dass der Beschwerdeführer trotz dieser Defizite ein Motorfahrzeug führe. Es würden betreffend die Arbeitsfähigkeit die gleichen Bedingungen gelten, wie anlässlich der Vorbegutachtung (S. 39).
Im Rah
men der Konsensbesprechung kamen die Referenten zum Schluss, dass die auffällige Aggravation es ausgesprochen erschwere, die Arbeitsfä
higkeit gestützt auf die erhobenen Befunde festzusetzen. Es gelte
,
die im neurologischen Teilgutachten beschriebenen Einschränkungen zu berück
sichtigen. Eine derartige Tätigkeit sei durch die vom psychiatrischen Refe
renten definierte Beeinträchtigung mit einer Belastung von 80
%
möglich. Demzufolge bestehe beim Exploranden unter Berücksichtigung der zumut
baren Willensanstrengung eine 20%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit
(S. 39 f.).
4
.10
Pract
. med.
F._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
stellte im
vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers in Auftrag gegebenen
psychiatrischen Gutachten
vom
2.
Februar 2015 nach einer Exploration am 17. November 2014
(
Urk.
9/161)
die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit
(S. 30)
: leic
hte kognitive Störung (ICD-10 F
06.1), organisches
Psy
chosyndrom
na
ch Schädelhirntrauma (ICD-10 F07.
2), organische depressive Störung (ICD-10 F0
6
.32), organische
Halluzinose
(ICD-10 F06.0).
Pract
. med.
F._
gab an, es habe sich ein 51-jähriger Explorand gezeigt, der offen wirkend über sich, sein Leben und seine Beschwerden berichtet habe. Im Rahmen der Exploration sei klar die affektive Komponente im Vordergrund gestanden
.
Das depressive Syndrom nach AMDP sei deutlich ausgeprägt. Im klinischen Eindruck sei der Beschwerdeführer depressiv, aber nicht schwer depressiv wirkend. Die im Rahmen des ausführlichen Psychostatus gestellten Fragen
seien differenziert wirkend beantwortet worden. Der Beschwerdefüh
rer gebe nicht alles, was für eine Depression sprechen würde, positiv an. Die Angaben wirkten glaubhaft und schlüssig mit dem klinischen Eindruck. Im Abgleich mit den im ICD-10 angegebenen Kriterien für eine depressive Epi
sode ergebe sich als Diagnose eine mittelgradige depressive Episode. Diese habe Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
,
sei jedoch nicht als ICD-10
F3-Diag
nose
aufrecht zu erhalten.
Pract
. med.
F._
diskutierte die Angaben zu Depressionen in den bisherige Arztberichten (S. 31 f.). Zusammenfassend lasse sich nach Aktenlage festhalten, dass eine depressive Entwicklung mög
licherweise bereits ab September 2009, überwiegend wahrscheinlich jedoch spätestens
ab
März 2010 vorgelegen habe. Diese habe zwischen 2010 und dem Untersuchungszeitpunkt zwischen mittel- und
schwergradig
ge
schwankt. Allerdings sei festzuhalten, dass der Schweregrad nicht wirklich ausreichend durch die Befundlage belegt sei. Dennoch seien Schwankungen zwischen diesen beiden Bereichen möglich, eine mittelgradige Depression sei jedoch jeweils mindestens im genannten Zeitfenster anzunehmen.
Wegen der
engen Zeitnähe der depressiven Entwicklung zum Unfall im Jahr 2009 und der anzunehmenden organischen Hirnschädigung durch diesen Unfall sei gemäss der ICD-10-Kriterien eine organische depressive Störung (zurzeit mittelgradig)
„
zu geben
“ (richtig wohl: gegeben)
. Die Ursache für diese Schä
digung vermöge auch
mitzubegründen
, weshalb es bisher nicht zu relevanten Verbesserungen der Symptomatik gekommen sei.
Dennoch schienen gewisse Verbesserungen möglich zu sein, denn offenbar sei der Beschwerdeführer in schwer depressivem Zustand ins Sanatorium
E._
eingetreten und unter der sehr intensiven
,
aber als adäquat zu bezeichnenden Psychopharmako
therapie so gut
anbehandelt
worden
, dass er bereits nach knapp zwei Wo
chen in einem besseren Zustand gewesen sei. Dies heisse nicht in einem gu
ten Zustand, sondern nur, dass es von einem wegen fehlendem Psychostatus vom 25. November 2014 nicht näher differenzierbaren schwer depressiven Status eine Entwicklung zu einem mittelgradigen
gegeben habe
. Im Rahmen intensiver Behandlungsmassnahmen scheine es jeweils zu erkennbaren
,
aber kaum im Alltag umsetzbaren Verbesserungen zu kommen, was immer wieder bei ähnlich gelagerten Fällen im klinischen Alltag zu beobachten sei (S. 33).
Pract
. med
.
F._
gab weiter zu bedenken, dass durchgehend von 2009 bis heute kognitive Leis
tungseinbussen oder zumindest Leistungs
a
uffälligkeiten beschrieben worden seien. Es sei von einer leichten kognitiven Störung aus
zugehen, die wie die organische affektive Störung einen relevanten Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe
(S. 35)
.
Zum Vorwurf der Aggravation führte er schliesslich aus: „A
ufgrund der Kon
sistenz der vom
Exploranden
gemachten Angaben (auch der in sich nicht schlüssig wirkenden) in allen vorliegenden Berichte
n bis auf d
ie
Gutachten und
Berichte von
Dr.
med.
A._
und des
Z._
und auch auf Basis
mei
ner
eigenen Beobachtungen über die im Psychostatus genannte
Beobach
tungszeit
im Rahmen der Exploration
kann ich
zwar eine manchmal über
steigert wirkende Darstellung der Symptome, die vordergr
ündig wie eine Ag
gravation wirkt
, bestätigen, dieses Verhaltensmuster
kann
jedoch auch eine Folge der angeführten Störungen sein,
da
der Explorand
deswegen zumindest nicht stabil Situationen erfassen, einschätzen und sich sinn- und zielführend reaktiv äussern
kann
, was keiner Aggravation entsprechen würde und nach
meiner
Einschätzung als überwiegend wahrscheinlich einzustufen
ist.“
Eine Simulation sei zu keiner Zeit erkennbar gewesen
(S. 36 unten)
.
Pract
. med.
F._
kam zum Schluss, dass der Beschwerdeführer in der bisherigen Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig sei. Für einfach
e
, sich wiederho
lende Tätigkeiten ohne besondere Eigenverantwortung
,
aber unter ständiger
Leistungskontrolle eines Vorgesetzten erachte er versicherungsmedizinisch-theoretisch eine Arbeitsfähigkeit von 40
%
für möglich. Aus praktisch-klini
scher Erfahrung werde dies angesichts des gesamten Störungsbildes kaum re
alistisch umsetzbar sein, vor allem erscheine die Zumutbarkeit des Exploran
den für einen Arbeitgeber eher nicht gegeben (S. 37).
5
.
5
.1
Die Beschwerdegegnerin veranlasste nach der unter Hinweis auf den Arbeits
unfall vom 1. April 2009 ergangenen Neuanmeldung ein
polydisziplinäres
Administrativgutachten
bei der
Z._
(vgl. Gutachten vom 27. September 2011, E. 4.
3
) mit nachfolgenden Stellungnahmen (E.
4.6 und E. 4.9)
sowie
–
nach Eingang weiterer Arztberichte
–
bei den am
Z._
-Gut
achten beteiligten Experten ein
neurologisch-psychiatrisches
Verlaufsgutachten
(vom 25. No
vember 2013 E. 4.9)
. Diese
Expertisen
ergingen
in Kenntnis
und Auseinan
dersetzung
mit
der medizinischen Aktenlage. Die Gutachter beantworten die Frage nach medizinisch begründeten Einschränkungen in der Arbeitsfähig
keit umfassend, berücksichtigen die geklagten Beschwerden und stützen sich auf eigene Untersuchungen
unter
Beizug
einer Dolmetscherin (vgl. auch
Urk.
9/129 S. 2
Mitte
)
.
Sie
schlossen auf
eine leichte depressive Episode
bei einer dieser
allenfalls zugrundeliegenden
Dysthymie
und auf
akzentuierte Persönlichkeitszüge
vom passiv aggressiven, kränkbaren,
dysphorischen
Typ
sowie auf einen
Verdacht auf eine anhaltend
e
somatoforme
Schmerzs
törung. Sie attestierten eine
psychiatrisch begründete
20%
ige
-
Einschränkung
in der Arbeitsfähigkeit
seit dem Unfallereignis vom 1. April 2009 und übernahmen das bereits der Verfügung vom 24. April 2008 zugrunde gelegene
,
vom
S
uva-Kreisarzt am
3. August 2005 formulierte
somatische
Belastungsprofil.
Zudem kamen sie zum Schluss, dass das beim Unfall erlittene
Schädelhirn
trauma
keine für die Arbeitsfähigkeit relevanten Folgen nach sich gezogen habe. Auch den organisch nicht zuordenbaren kognitiven Störungen massen sie keinen massgebenden Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu.
Bei der plausiblen Begründung
dieser
Einschätzung
kam dem Umstand, dass die Gutachter
der
Z._
von einer
teilweisen Verdeutlichung
und mitunter
auffälligen
Aggravation bis hin zu
einer
Simulation ausgingen, eine ent
scheidende Bedeutung zu.
Darin liegt auch ein wesentlicher Grund für die Abweichungen
zu
den
Beurteilungen der
behandelnden Ärzte des
Y._
und den Parteigutachtern. Die
Z._
-Gutachter
konnten den vom
Beschwerdeführer angegebenen und in der
Untersu
chungssituation
präse
ntierten, organisch nicht zuord
enbaren
kognitiven
und psychischen
Defiziten über weite Strecken keinen Glauben schenken.
Diese
Einschätzung
begründeten
sie
nachvollziehbar
mit dem Testverhalten in den verhaltensneurologischen Untersuchungen mit Vortäuschen kognitiver Be
einträchtigungen in stark ausgeprägtem Masse, mit widersprüchlichen Anga
ben und diskrepantem Verhalten in der Untersuchungssituation
sowie
mit
de
r bisherigen medizinischen Akten
lage.
5
.2
5.2.1
Auf die zahlr
eichen vom Beschwerdeführer, von den beiden Privatgutachter
n
und
von den behandelnden Ärzten erhobenen Einwände gegen die Zuverläs
sigkeit
dieser
Expertise
n
wird – soweit diese sich als wesentlich erweisen – im Folgenden eingegangen.
5
.
2.
2
Zentral erscheint dabei der Hinweis, dass der Wahrnehmung
der
Z._
-G
utach
ter betreffend Aggravation,
deutliche
r
Verstärkung der Beschwerden
und wi
dersprüchlichem
Verhalten
kein
singulärer
Charakter zukommt. Anga
ben betreffend mangelnde Kooperation, Diskrepanzen zwischen Befund und Beschwerden sowie Selbstlimitierung bis hin zur
Differenzialdiagnose
Pseu
dodemenz
(vgl.
die Diagnoseliste im
Austrittsbericht der Rehaklinik
Q._
vom 8. März 2010
Urk.
9/68/5-8
) ziehen sich
wie ein roter Faden
durch die medizinische Aktenlage. Bereits im Bericht vom 13. Dezember 2004 der Rehaklinik
I._
nach dem Unfall vom 6. Mai 2004 mit
Malleo
larfraktur
Typ Weber C bei
m
rechten OSG sowie Ruptur des Ligamentum
deltoideum
rechts (
Urk.
9/10
/7-1
3
) wurde darauf hingewiesen, dass der Auf
enthalt von einem maladaptiven Umgang des Beschwerdeführers mit Schmerzen und einer diesbezüglichen Selbstlimitierung in den Therapien ge
prägt gewesen sei. Es bestehe eine Diskrepanz zwischen den geringen klini
schen Befunden und den angegebenen ausgeprägten Beschwerden. Mangels Kooperation lasse sich das genaue Belastungsniveau nicht beobachten. Eine manifeste psychische Störung von Krankheitswert habe in einem psychoso
matischen Konsilium jedoch nicht eruiert werden können (S.
1
und
3
). Im Abschlussbericht des
S
uva
-Kreisarztes
Dr.
H._
vom 3.
August 2005 wer
den groteske Haltungen beschrieben (
Urk.
9/16
/4-10
S. 3). Der vom Hausarzt hinzugezogene Neurologe
Dr.
med.
W._
, Neurologie FMH, berichtete am 30
. Oktober 2009 (Urk. 9/103/11-13
) von einer insgesamt reduzierten Ko
operation mit verzögerter, verlangsamter, manchmal inkorrekter oder nur partieller Durchführung der Anforderungen während der Untersuchung. Un
ter Berücksichtigung dieses Aspektes, der die gesamte Untersuchung geprägt
habe, fänden sich im engeren Sinn keine erwähnenswerten Auffälligkeiten der Hirnnerven, des Tonus, der Motorik, der Koordination und der Sensibili
tät.
Die eher umständlich formulierte Erklärung des vom Rechtsvertreter des Be
schwerdeführers hinzugezogenen
psychiatrischen
Gutachters
pract
. med.
F._
, wonach dieses Verhaltensmuster auch eine Folge der
schädelhirn
traumabedingten
Störungen sein könne, was keiner Aggravation entsprechen würde und als überwiegend wahrscheinlich einzustufen sei (
E.
4.10
), über
zeugt nicht, weil entsprechende Hinweise schon vor dem Unfall vom 1. April 2009
–
namentlich in den vorstehend
erwähnt
en
Bericht
en
– aktenkundig geworden sind.
5.
2.3
Die
–
von den
Z._
-Gutachtern abweichende
–
Einschätzung von
pract
. med.
F._
, der die Ursache für die
von ihm
attestierten psychiatrischen Stö
rungen in einem
schädelhirntraumabedingten
Gesundheitsschaden
sah
, ist dementsprechend nicht geeignet
,
das
Z._
-Gutachten in Frage zu stellen. Wie
dipl.
med.
AB._
, Facharzt für Neur
ologie und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
, vom
RAD
in seiner Stellungnahme vom 25. September 2015 überzeugend darlegte, wies der Beschwerdeführer auch schon in
I._
auf eine Vergesslichkeit seit Jahren hin (
Urk.
9/10/7-13 S. 5
). Sowohl
die
neurologische
Untersuchung
im Juni 2009 bei
Dr.
P._
(E.
4.2
)
als auch die Untersuchung
im
Oktober 2009 bei Dr.
W._
brachte
mit Bezug auf das Vorliegen
schädelhirntraumabedingte
r
Beschwerden
kein sicheres neurolo
gisches Substrat zu Tage
(
Urk.
9/103/11-13). Das MRI des Gehirns
vom
No
vember 2009 zeigte keine strukturellen Veränderungen beziehungsweise morphologische Residuen des am 1. April 2009 erlittenen
Schädelhirntrau
mas
(
Urk.
10 und
Urk.
9/97 S. 4
).
Von einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustands seit der Untersuchung durch die
Z._
-Gutachter geht
pract
. med.
F._
nicht aus.
Bei dieser Sachlage überzeugt die Erklärung der
Z._
-Gutachter, die gestützt auf ihre Wahrnehmungen in der gutachterlichen Un
tersuchung und den be
kannten Wi
dersprüchen in der Vergangenheit von einer auffälligen Aggra
vation ausgingen.
5
.
2.4
Die
– ohne
Beizug
einer Dolmetscherin oder
eines Dolmetschers
erstellte
– als provisorische Beurteilung bezeichnete
Expertise von
Dr.
D._
vom 18. Juli 2012 (E. 4.8)
ist
ebenfalls
nicht geeignet,
die Einschätzungen der
Z._
-Gutachter
in Frage zu stellen.
Augenfällig ist namentlich, dass der Neurologe
D._
,
der
ein Mischbild mit
nur
wahrscheinlich
en
organisch
en
leichte
n
Störungen
feststellte,
die Defizite hauptsächlich mit fachfremden psychiatrischen Diagnosen begründete
(so bereits
der Neurologe
Dr.
R._
im Jahr 2011
, der
eine deutlich depressive-
mutistische
Stimmungslage ins Zentrum
rückte
, nachdem der Versicherte praktisch nur mit
der
Ehefrau ge
sprochen und diese gegenüber dem Neurologen Auskunft gegeben hatte,
Urk.
9/103/6-8)
. Zudem sah er diese
mit einer
zumindest
deutlichen
Tendenz zur Symptomv
erstärkung vergesellschaft
e
t
.
5
.
2.
5
Sowohl der
psychiatrische Gutachter
pract
. med.
F._
(
Urk.
9/161 S. 41) als auch der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
(
Urk.
1
Ziff.
24 ff.)
hielten dafür, dass sich der Verdacht aufdränge, dass
Dr.
A._
bei der
Verlaufs
begutachtung
eine ausreichende Neutralität gefehlt habe.
Aktenkundig ist
, dass sich die
damalige
Untersuchungssituation schwierig gestaltete. Dr.
A._
legte dies offen und schilderte den Gesprächsablauf detailliert. Der Versicherte war – in Kenntnis des Umstandes, dass die Gutachter im Vorgutachten von einer a
uffälligen
Aggravation
ausgegangen waren
– sehr misstrauisch und wollte nicht kooperieren.
Allein diese
schwierige
Untersu
chungssituation
ist
jedoch
nicht geeignet
,
eine fehlende Neutralität des Gut
achters zu begründen.
5.
2.
6
Es trifft zu, dass
es im psychiatrischen Verlaufsgutachten vom 2
5.
November 2013 an einer Stelle Angaben mit Bezug auf die Frage, ob die Diagnose einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung gestellt werden könne, gibt,
die
nicht nachvollzogen werden
können
. Der Psychiater bejahte dies mit dem wenig plausiblen Hinweis, die Försterkriterien seien mehrheitlich erfüllt (
Urk.
9/135/1-40 S. 37 oben), veränderte die ursprüngliche Diagnoseliste, die lediglich einen Verdacht auf anhaltend
e
som
atoforme
Schmerzstörung ent
hält
, indessen nicht.
In der Gesamtschau
stellen diese kontroversen Angaben
die Beweiswertigkeit allerdings nicht in Frage.
Der psychiatrische
Experte
begründete im ersten
Z._
-Gutachten vom 2
7.
September 2011
nachvoll
ziehbar, dass die Diagnose
somatoforme
Schmerzstörung aufgrund der
Ag
gravationstendenz
des Beschwerdeführers nicht abschliessend beurteilt wer
den könne und stellte die entsprechende Diagnose lediglich als
Verdachtsdi
agnose
, wobei er auch keinen eigentlichen inneren Konflikt ausmachen konnte. Aus dem Verlaufsgutachten geht hervor, dass die
Aggravationsten
denzen
weiterhin klar feststellbar waren und sich aus psychiatrischer Sicht weder eine wesentliche Verschlechterung noch eine Verbesserung eingestellt hat.
5.
2.
7
Auch die Ergebnisse der verkehrsmedizinischen
Untersuchung
und
verkehrspsy
chologischen
Abklärungen im Jahr 2014 (
Urk.
3/
3
und
Urk.
3/
4
),
die zu einem Entzug des Führerausweise
s
geführt hatten
(
Urk.
3/5)
,
sind nicht geeignet, die
Beurteilung
der
Z._
-Experten
in Zweifel ziehen, da im Rahmen dieser – während
hängigem
IV-Verfahren
ergangenen
– Abklärungen keine Symptomvalidierung stattfand.
Im Übrigen war bei der
verkehrspsychologi
schen
Abklärung kein Dolmetscher dabei (vgl.
Urk.
3/3) und anlässlich der verkehrsmedizinischen Begutachtung hat die Ehefrau gewisse
Übersetzungs
funktionen
übernommen (
Urk.
3/4 S 1). In sozialversicherungsrechtlichen Belangen ist der
Beizug
von
Angehörige
n als Dolmetscher geeignet, den
Be
weiswert
der betreffenden Expertise erheblich herabzusetzen (BGE 140 V 260 E. 3.3.2). Letztere vermag daher von vornherein nicht gegen das formgültig zu Stande gekommene
Z._
-Gutachten aufzukommen.
5.3
5.3.1
Zu diskutieren ist die sozialversicherungsrechtliche Relevanz und Tragweite
der gutachterlichen – namentlich psychiatrischer Diagnosen
, wie dies bereits die Beschwerdegegnerin
in der angefochtenen Verfügung
tat (Urk.
2
). Den medizinischen Experten kommt bei der Beurteilung, wie sich die erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen auf die Arbeitsfähigkeit auswirken, keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu (BGE 140 V 193 E. 3.2). Es kann von einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit aus rechtlicher Sicht ab
gewichen werden, ohne dass ein
wie vorliegend grund
sätzlich
beweiskräftiges (vgl. E. 1.
5
)
Gutachten dadurch seinen Beweiswert verlöre (Urteil des Bundesgerichts 9C_106/2015 vom 1. April 2015 E. 6.3).
5
.
3
.
2
An der bundesgerichtlichen Praxis, wonach leichte bis höchstens mittel
schwere Störungen aus dem depressiven Formenkreis in der Regel
therapier
bar
sind und invalidenversicherungsrechtlich zu keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen (vgl. Urteile des Bund
esgerichtes 9C_836/2014 vom 23. März 2015 E. 3.1, 9C_474/2013 vom 20.
Februar 2014 E. 5.4, 9C_696/2012 vom 19.
Juni 2013 E.
4.3.2.1, 9C_250/201
2 vom 29. November 2012 E.
5, 9C_736/2011 vom 7.
Februar 2012 E. 4.2.2.1 sowie 9C_917/2012 E. 3.2 vom 14.
August 2013) hat
BGE 141 V 281
nichts geändert (vgl. Urteile des Bundesgerichtes 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E.
7.2.1 und 9C_168/2015 vom 13.
April 2016 E. 4.2 mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes fallen leichte bis mittelgradige depressive Störungen, seien sie im Auftreten rezidivierend oder episodisch, einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie
erwiese
nermassen
therapieresistent sind (statt vieler:
BGE 140 V 193
E.
3.3 mit Hin
weis). Nur in einer solchen - seltenen, da nach gesicherter psychiatrischer Erfahrung Depressionen im Allgemeinen therapeutisch gut
angehbar
sind - gesetzlich verlangten Konstellation ist den no
rmativen Anforderungen des Art. 7 Abs.
2 zweiter Satz ATSG für eine objektivierende Betrachtungs- und Prüfungsweise Genüge getan (
BGE 141 V 281
E. 3.7.1 bis 3.7.3
). Ein solcher Sachverhalt muss überwiegend wahrscheinlich und darf nicht lediglich nicht
auszuschliessen
sein. Es kommt dazu, dass die Therapie in dem Sinne konse
quent gewesen sein muss, dass die aus fachärztlicher Sicht indizierten zu
mutbaren (ambulanten und stationären) Behandlungsmöglichkeiten in ko
operativer Weise optimal und nachhaltig ausgeschöpft wurden (
BGE 140
V 193
E. 3.3
;
BGE
137 V 64
E.
5.2 mit Hinweis; vgl. Urteile des Bun
desgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2 und 9C_89/2016 vom 12. Mai 2016 E.
4.1).
Der Umstand, dass die Gutachter wegen der aggravationsbedingt hohen
Selbst
limitierung
un
d Fixierung auf die Problematik sowie
fehlender
Inspek
tionsfähigkeit
und Motivation vermuteten, dass der Beschwerdeführer von einer psychotherapeutischen Behandlung im Hinblick auf eine Verbesserung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit nicht werde profitieren können (vgl.
Urk.
9/99/
1-28
S. 9 und
Urk.
9/135
/1-40 S. 38
)
,
bedeutet nicht, dass
die gut
achterlich festgestellte leichte depressive
Episode
aus
invalidenversiche
rungsrechtlich
er
Sicht
ausnahmsweise zu einer
Einschränkung der
Arbeitsfä
higkeit
führen
könnte.
Aktuell besucht der Beschwerdeführer die Therapie nach eigener Angabe gegenüber
pract
. med.
F._
infolge
Führerschein
entzugs
nur noch einmal im Monat. Früher, als er noch selber habe fahren können, sei er einmal die Woche in die Therapie gegangen (
Urk.
9/161 S. 26).
Mit der leichten depressiven Episode lässt sich die im Gutachten postulierte 20%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit aus
invalidenversicherungsrechtli
cher
Sicht nicht begründen.
Insoweit
Dr.
S._
vom
Y._
am 2
6.
Januar 2012 eine schwere depressive Episode (E. 4.7
hievor
) erwähnte, kann ihm nicht gefolgt werden, denn sogar
pract
. med.
F._
sprach lediglich von einer mittelgradigen depressiven Episode (E. 4.10
hievor
). Auch darauf kann jedoch nicht abgestellt werden, legte der Privatgutachter doch selbst dar, dass der Schweregrad durch die Befundlage nicht belegt sei, weshalb er letzt
lich einfach eine mittelgradige Depression annahm. Eine solche spekulative Annahme allein genügt nicht, um die von den
Z._
-Gutachtern fachgerecht erhobene leichte depressive Störung anzuzweifeln.
5
.
3.3
Die
im Gutachten
zudem
diagnostizierten akzentuierten Persönlichkeitszüge vom passiv-aggressiven, kränkbaren,
dysphorischen
Typ
(ICD-10 Z73.1)
ver
mögen
keinen rechtserheblichen Gesundheitsschaden zu begründen (Urteil des Bundesgerichts 8C_558/2015 vom 22. Dezember 2015 E. 4.2.4 mit Hin
weis auf 9C_537/2011 vom 28. Juni 2012 E. 3.1). Dazu bedürfte es zumindest einer Persönlichkeitsstörung (Urteil des Bundesgerichts 8C_880/2015 vom 30. März 2016 E. 4.2.5 mit Hinweisen)
.
5
.
3.
4
Betreffend die
im Wesentlichen
als Verdachtsdiagnose
im Raum stehende
anhaltend
e
somatoforme
Schmerzstörung
ist auf die
in
BGE 141 V 281
ge
nannten
Voraussetzungen
zu verweisen, unter denen
anhaltende
somato
forme
Schmerzstörungen und damit vergleichbare psychosomatische Leiden eine allenfalls rentenbegründende Invalidität zu bewirken vermögen. Danach liegt regelmässig keine versicherte gesundheitliche Beeinträchtigung vor, so
weit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation beruht, die eindeutig über die blosse (unbewusste) Tendenz zur Schmerzausweitung und -verdeutlichung hinausgeht
(vgl. Urteil des Bundes
gerichts 9C_602/2016 vom 1
4.
Dezember 2016 E. 5.2.2.1), weshalb eine in
validisierende Wirkung aufgrund der festgestellten
auffälligen
Aggravation zu verneinen wäre
.
5.4
Da nach dem Gesagten in einer behinderungsangepassten Tätigkeit
–
entsprechend dem im Jahr 200
5
vom
S
uva-Kreisarzt formulierten Belastungsprofil
–
aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht
weiterhin eine 100%ige Arbeits
f
ähigkeit
besteht
, ist
seit der letzten rentenanspruchsverneinenden Verfügung vom 2
4.
April 2008 (
Urk.
9/34)
keine rententangierend
e Verschlechterung eingetreten.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6
.
6
.1
Der Beschwerdeführer beantragt
e
, es seien der Beschwerdegegnerin die Kos
ten für das Privatgutachten von
pract
. med.
F._
vom
2.
Februar 2015 aufzuerlegen (Urk. 1 S.
1
7).
6
.2
Vorliegend war der medizinische Sachverhalt in Bezug auf die psychischen Einschränkungen aufgrund des
Z._
-Gutachtens und
des neu
rologischen und psychiatrischen
Verlauf
s
gutachtens bereits genügend geklärt
. Der
Expertise von
pract
. med.
F._
kommt
k
eine massgebende Bedeutung zu, d
enn sie war weder für die
Entscheidfindung
notwendig, noch stellte das
hiesige Ge
richt darauf ab. Dementsprechend besteht kein Anspruch auf die Vergütung der Kosten des Gutachtens von
pract
. med.
F._
(BGE 115 V 62 E. 5 so
wie Urteil des Bundesgerichts 8C_231/2013 vom 18. Juli 2013 mit weiterem Hinweis).
6
.
3
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
1‘0
00.-- festzulegen und
ausgangsge
mäss
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).