Decision ID: 1f8ff41f-6fb5-49cd-b752-a55c2af85841
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Die Staatsanwaltschaft Hamburg führt ein Strafverfahren gegen A. wegen
Verdachts der Insolvenzverschleppung und Bankrotts in zwei Fällen, ge-
mäss §§ 15a Abs. 1 Satz 1 und Abs. 4 Nr. 1 der deutschen Insolvenzord-
nung, 283 Abs. 1 Nr. 8 des deutschen Strafgesetzbuches (KSTA
RE.2020.130, Reg. 1, pag. 1 ff.).
In diesem Zusammenhang ersuchten die deutschen Behörden die Schweiz
mit vorab per E-Mail vom 13. November 2020 übermitteltem Rechtshilfeer-
suchen vom 5. November 2020 um Bankenermittlung bei der Bank B. hin-
sichtlich des Kontos 1, Ermittlungen der Aktionäre der C. AG und Ermittlung
von weiteren Bankkonti von A. oder der C. AG in der Schweiz.
Zur Begründung führten sie aus, dass sie Abklärungen zu den finanziellen
Verhältnissen von A. benötigen zur Überprüfung, ob auf die Haft von A. zu
Gunsten einer Sicherheitsleistung verzichtet werden könne und zur Bestim-
mung der angemessenen Strafe. A. verfüge über ein Konto bei einer deut-
schen Bank, worauf am 29. Oktober 2020 von Bankkonto 1 bei der Bank B.
eine Gutschrift mit der Bezeichnung «Übertrag A.» geleistet worden sei. A.
sei einziges Verwaltungsratsmitglied der C. AG, wobei sie vermuten, dass er
auch deren Aktionär sei (KSTA RE.2020.130, Reg. 1, pag. 1 ff.).
B. In der Folge ersuchte das Bundesamt für Justiz (nachfolgend «BJ») die deut-
schen Behörden per E-Mail um zusätzliche Informationen (lediglich partiell
in den Akten, s. KSTA RE.2020.130, Reg. 1, pag. 7, und Reg. 3, pag. 30).
Mit E-Mail vom 16. November 2020 übermittelten die deutschen Behörden
dem BJ die zusätzlichen Informationen (KSTA RE.2020.130, Reg. 1, pag. 7).
C. Mit Schreiben vom 17. November 2021 übermittelte das BJ das Rechtshil-
feersuchen vom 5. November 2020 der Kantonalen Staatsanwaltschaft
(nachfolgend «Staatsanwaltschaft») in Aarau mit der Bitte, rasch über die
Zulässigkeit der Rechtshilfe zu entscheiden und gegebenenfalls den Vollzug
des Ersuchens zu veranlassen (KSTA RE.2020.130, Reg. 3, pag. 30 f.).
Mit einem zweiten Schreiben vom 17. November 2021 hielt das BJ fest, dass
die Ausführung des Ersuchens Erhebungen in den Kantonen Aargau und
Schwyz erfordere, wobei der Kanton Aargau als Leitkanton für den Vollzug
bezeichnet werde (KSTA RE.2020.130, Reg. 3, pag. 32 ff.).
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Mit Schreiben vom 23. November 2020 übermittelte das BJ der Staatsan-
waltschaft das deutsche Rechtshilfeersuchen im Original (KSTA
RE.2020.130, Reg. 3, pag. 35.).
D. Auch die Staatsanwaltschaft ersuchte die deutschen Behörden mit E-Mails
vom 23. und 24. November 2020 um Klärung diverser Punkte im Rechtshil-
feersuchen, welche mit E-Mails vom 24. November 2020 beantwortet wur-
den (KSTA RE.2020.130, Reg. 4, pag. 37 ff.).
E. Mit Eintretensverfügung vom 26. November 2020 trat die Staatsanwaltschaft
auf das deutsche Rechtshilfeersuchen ein und hielt unter anderem fest, dass
die Bank B. mit separater Editionsverfügung zur Herausgabe von Unterlagen
aufgefordert werde (KSTA RE.2020.130, Reg. 3, pag. 32 ff.).
Anschliessend ordnete die Staatsanwaltschaft mit Verfügung vom 26. No-
vember 2020 an, dass die Bank B. ihr namentlich Auskünfte über das Konto
1 und allfällige Konti von A. oder die C. AG zu erteilen und Bankunterlagen
zum vorgenannten Konto herauszugeben habe (KSTA RE.2020.130, Reg.
7, pag. 57 f.).
F. Mit Schreiben vom 11. Dezember 2020 kam die Bank D. als Nachfolgerin
der Bank B. der Verfügung der Staatsanwaltschaft nach. Sie erteilte die an-
geforderten Auskünfte und reichte diverse Bankunterlagen ein (KSTA
RE.2020.130, Reg. 7, pag. 59 ff.).
G. Die Staatsanwaltschaft ordnete mit ergänzender Editionsverfügung vom
17. Dezember 2020 weiter an, dass die Bank D. ihr diverse Detailbelege her-
auszugeben habe (KSTA RE.2020.130, Reg. 7, pag. 105 f.). Dem kam die
Bank D. mit Schreiben vom 5. Januar 2021 nach und übermittelte der Staats-
anwaltschaft die angeforderten Bankunterlagen (KSTA RE.2020.130, Reg.
7, pag. 59 ff.).
H. Mit «Teilschlussverfügung I» vom 7. Januar 2021 verfügte die Staatsanwalt-
schaft die rechtshilfeweise Herausgabe diverser Bankunterlagen betreffend
die auf A. lautenden Konti Nr. 2 und Nr. 3 bei der Bank D. an die deutschen
Behörden (KSTA RE.2020.130, Reg. 11, pag. 229 ff.).
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I. Dagegen gelangte A. mit Beschwerde vom 8. Februar 2021 an die Be-
schwerdekammer des Bundesstrafgerichts und beantragte die Aufhebung
der Teilschlussverfügung I (act. 1). Im Einzelnen stellte er folgende Anträge
(act. 1 S. 2):
«1. Es sei die Teilschlussverfügung I der Beschwerdegegnerin vom 7. Januar
2021 vollumfänglich aufzuheben und es sei die Rechtshilfe an die Staatsan-
waltschaft Hamburg (Bundesrepublik Deutschland) zu verweigern sowie die
Beschwerdegegnerin zu verpflichten, sämtliche von der Bank D. in diesem Ver-
fahren erhaltenen Unterlagen und allfällige Kopien vollumfänglich zu vernich-
ten.
2. Eventualiter sei die Rechtshilfe in Bezug auf die in Beilagen 15, 18 und 19
angefügten Unterlagen zu verweigern sowie die Beschwerdegegnerin zu ver-
pflichten, diese Unterlagen und allfällige Kopien vollumfänglich zu vernichten.
3. Subeventualiter sei von den deutschen Behörden vorgängig eine schriftliche
Zusicherung einzuholen, dass die Unterlagen nicht als Beweismittel in Verfah-
ren der direkten oder indirekten Steuern, wie Einkommenssteuern, Vermögens-
steuern, Körperschaftssteuern, Umsatzsteuern usw., verwendet werden.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin.
5. Es seien über das Bundesamt für Justiz folgende weiteren, ergänzenden In-
formationen bei der ersuchenden Behörde (Staatsanwaltschaft Hamburg) bzw.
beim zuständigen Landgericht Hamburg einzuholen:
a) Kommt die Entlassung von Herrn A. aus der mit Haftbefehl vom 22. Oktober
2020 angeordneten Hauptverhandlungshaft gegen Leistung einer Sicherheits-
leistung (Kaution) zufolge des kurz bevorstehenden oder bereits erfolgten Ab-
schlusses der Hauptverhandlung überhaupt noch in Betracht?
b) Wurde gegen den Haftbefehl vom 22. Oktober 2020 Beschwerde eingelegt
oder ist ein entsprechendes Haftprüfungsgesuch hängig?
c) Wann ist mit dem Abschluss der Hauptverhandlung zu rechnen?
d) Wurde die ersuchende Staatsanwaltschaft Hamburg vom zuständigen Land-
gericht Hamburg dazu ermächtigt und beauftragt, das Rechtshilfeersuchen vom
5. November 2020 an die zuständigen Schweizer Behörden zu richten? Falls
ja, bitte um Zusendung einer Kopie der entsprechenden Verfügung.
6. Es sei das Verfahren zu sistieren, bis die ergänzenden Informationen gemäss
Ziff. 5 hievor vorliegen.»
- 5 -
J. Mit Schreiben vom 1. März 2021 machte der Beschwerdeführer geltend,
dass im Strafverfahren vor dem Landgericht Hamburg am 12. Februar 2021
unter anderem gegen ihn das Urteil ergangen sei. Er sei zu einer unbeding-
ten Haftstrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt worden (act. 9).
Mit diesem Urteil werde der im Rechtshilfeersuchen behauptete Verwen-
dungszweck definitiv gegenstandslos. Damit sei das Rechtshilfeersuchen
hinfällig, die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Rechtshilfe zu
verweigern (act. 9 S. 2).
K. Das BJ beantragte mit Vernehmlassung vom 5. März 2021 die kostenfällige
Abweisung der Beschwerde (act. 11). Mit Beschwerdeantwort vom 8. März
2021 stellte die Staatsanwaltschaft denselben Antrag (act. 12). Diese Einga-
ben wurden allen Parteien mit Schreiben vom 10. März 2021 zur Kenntnis
gebracht (act. 13).
L. Mit «Replik» vom 22. März 2021 hielt der Beschwerdeführer an den mit Be-
schwerde gestellten Anträgen fest und beantragte sodann, dass über das BJ
diverse ergänzende Informationen bei den deutschen Behörden einzuholen
seien (act. 14).
M. Die Staatsanwaltschaft informierte mit Schreiben vom 31. Mai 2021, dass
die Staatsanwaltschaft Hamburg ihr per beigelegtem E-Mail vom 31. Mai
2021 mitgeteilt habe, dass der Beschwerdeführer erstinstanzlich verurteilt
worden sei und dass die Rechtshilfeersuchen vom 5. November 2020 sowie
vom 14. Dezember 2020 nicht mehr eilbedürftig seien. Die deutschen Behör-
den würden sie um «Ruhigstellung» der Ersuchen erbeten. Sie führte weiter
aus, dass die Staatsanwaltschaft Hamburg demnach keinen Bedarf mehr an
den streitigen Unterlagen habe. Die Staatsanwaltschaft hielt abschliessend
fest, dass sie keine Absicht habe, das Rechtshilfeverfahren für einen allfälli-
gen späteren Prozess offen zu halten (act. 16, 16.1).
N. Mit Schreiben vom 31. Mai 2021 übermittelte das BJ eine Kopie der E-Mail
vom 31. Mai 2021, welche die ersuchende Behörde an es gerichtet habe
(act. 17, 17.1).
- 6 -
O. Mit Schreiben vom 8. Juni 2021 wurde unter Hinweis auf die vorstehenden
Eingaben allen Parteien Frist eingeräumt, um sich zur Frage der Sistierung
zu äussern (act. 18).
P. Mit Schreiben vom 10. Juni 2021 teilte das BJ mit, dass gemäss seiner Auf-
fassung eine Sistierung des Verfahrens eine sachgerechte Lösung wäre
(act. 19).
Q. Die Staatsanwaltschaft erklärte mit Schreiben vom 21. Juni 2021, dass sie
einen Abschluss des Verfahrens einer Sistierung vorziehe (act. 20).
R. Der Beschwerdeführer erklärte mit Schreiben vom 21. Juni 2021, aus diver-
sen Gründen mit einer Verfahrenssistierung nicht einverstanden zu sein
(act. 21).
S. Mit Schreiben vom 25. Juni 2021 übermittelte zunächst der Beschwerdefüh-
rer das Schreiben der Staatsanwaltschaft Hamburg vom 24. Juni 2021 an
das BJ, mit welchem diese den Rückzug des Rechtshilfeersuchens erklärt
habe, und die Honorarnote seines Rechtsvertreters (act. 22, 22.1, 22.2).
T. Mit Schreiben vom 28. Juni 2021 reichte sodann das BJ eine Kopie des per
E-Mail übermittelten Schreibens der deutschen Behörden vom 24. Juni 2021
ein, in dem diese den Rückzug der Rechtshilfeersuchen vom 5. November
und 14. Dezember 2020 erklären (act. 23).
U. Die Beschwerdekammer liess mit Schreiben vom 1. Juli 2021 allen Parteien
die vorgenannten Eingaben zukommen und teilte ihnen mit, dass sie beab-
sichtige, das vorliegende Beschwerdeverfahren durch Rückzug des Rechts-
hilfeersuchens als gegenstandslos geworden abzuschreiben. Sie lud gleich-
zeitig alle Parteien ein, zu den Kosten- und Entschädigungsfolgen bei Rück-
zug des Rechtshilfeersuchens Stellung zu nehmen (act. 24).
V. Mit Schreiben vom 8. Juli 2021 reichte die Staatsanwaltschaft ihre Stellung-
nahme ein, wonach die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen seien
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und ihm keine Entschädigung auszurichten sei (act. 25). Auch das BJ bean-
tragte mit Schreiben vom 13. Juli 2021, dass die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen seien (act. 26). Der Beschwerdeführer beantragte dem-
gegenüber, die Kosten seien der Staatsanwaltschaft aufzuerlegen und sie
sei zu verpflichten, ihm eine Parteientschädigung über Fr. 8'051.-- zu bezah-
len (act. 28). Mit Schreiben vom 29. Juli 2021 wurden die Parteien über die
vorstehenden Eingaben orientiert (act. 29).
Mit Schreiben vom 9. August 2021 reichte der Beschwerdeführer seine
«Replik» zu den Eingaben des BJ und der Staatsanwaltschaft ein (act. 30),
was der Gegenseite mit Schreiben vom 10. August 2021 zur Kenntnis ge-
bracht wurde (act. 31).
W. Auf die Ausführungen der Parteien wird, soweit erforderlich, in den nachfol-
genden Erwägungen Bezug genommen.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Für die Rechtshilfe zwischen der Schweiz und Deutschland sind primär das
Europäische Übereinkommen vom 20. April 1959 über die Rechtshilfe in
Strafsachen (EUeR; SR 0.351.1), das hierzu ergangene zweite Zusatzproto-
koll vom 8. November 2001 (SR 0.351.12) sowie der Vertrag vom 13. No-
vember 1969 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der
Bundesrepublik Deutschland über die Ergänzung des EUeR und die Erleich-
terung seiner Anwendung (SR 0.351.913.61) massgebend. Ausserdem ge-
langen die Bestimmungen der Art. 48 ff. des Übereinkommens vom 19. Juni
1990 zur Durchführung des Übereinkommens von Schengen vom 14. Juni
1985 (Schengener Durchführungsübereinkommen [SDÜ]; CELEX-
Nr. 42000A0922(02); Abl. L 239 vom 22. September 2000, S. 19–62; Text
nicht publiziert in der SR, jedoch abrufbar auf der Website der Schweizeri-
schen Eidgenossenschaft unter «Rechtssammlung zu den bilateralen Ab-
kommen», 8.1 Anhang A; https://www.admin.ch/opc/de/european-union/in-
ternational-agreements/008.html) zur Anwendung (TPF 2009 111 E. 1.2
S. 113). Günstigere Bestimmungen bilateraler oder multilateraler Überein-
künfte zwischen den Vertragsparteien bleiben unberührt (Art. 48 Abs. 2 SDÜ;
Art. 26 Abs. 2 und 3 EUeR).
- 8 -
1.2 Soweit diese Staatsverträge bestimmte Fragen nicht abschliessend regeln,
gelangen das Bundesgesetz vom 20. März 1981 (Rechtshilfegesetz, IRSG;
SR 351.1) und die Verordnung vom 24. Februar 1982 über internationale
Rechtshilfe in Strafsachen (Rechtshilfeverordnung, IRSV; SR 351.11) zur
Anwendung (Art. 1 Abs. 1 lit. b IRSG). Das innerstaatliche Recht gelangt
nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann zur Anwendung, wenn dieses ge-
ringere Anforderungen an die Rechtshilfe stellt (BGE 145 IV 294 E. 2.1
S. 297; 142 IV 250 E. 3; 140 IV 123 E. 2 S. 126; jeweils m.w.H.). Vorbehalten
bleibt die Wahrung der Menschenrechte (BGE 145 IV 294 E. 2.1 S. 297; 123
II 595 E. 7c S. 617; TPF 2016 65 E. 1.2).
1.3 Auf Beschwerdeverfahren in internationalen Rechtshilfeangelegenheiten
sind zudem die Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 20. Dezember
1968 über das Verwaltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensgesetz,
VwVG; SR 172.021) anwendbar (Art. 39 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37 Abs. 2
lit. a Ziff. 1 StBOG), wenn das IRSG nichts anderes bestimmt (siehe Art. 12
Abs. 1 IRSG).
2. Der Beschwerdeführer macht wiederholt geltend, die Beschwerdegegnerin
habe die angefochtene Teilschlussverfügung in Wiedererwägung gezogen
und widerrufen (act. 21, 28). Seine Argumentation widerspricht den Akten.
Mit Schreiben vom 24. Juni 2021 haben die deutschen Behörden ihr Rechts-
hilfeersuchen samt Ergänzung zurückgezogen, womit die Grundlage für die
Gewährung der Rechtshilfe weggefallen ist. Halten die deutschen Strafver-
folgungsbehörden nicht mehr an ihren Rechtshilfeersuchen fest, werden die
edierten Bankunterlagen gemäss Ziffer 2 der angefochtenen Teilschlussver-
fügung nicht nach Deutschland übermittelt. Bei dieser Sachlage hat der Be-
schwerdeführer unstreitig kein Interesse mehr an der Behandlung seiner Be-
schwerde. Das Beschwerdeverfahren RR.2021.25 ist daher aufgrund des
Rückzugs des Rechtshilfeersuchens und dessen Ergänzung als gegen-
standslos vom Geschäftsverzeichnis abzuschreiben (vgl. Urteile des Bun-
desgerichts 1C_122/2008 vom 30. Mai 2008 E. 1; 1A.240/2006 vom 11. Sep-
tember 2007; Entscheide des Bundesstrafgerichts RR.2015.299 vom 2. Au-
gust 2016 E. 2.1; RR.2009.32 vom 16. November 2009 E. 1).
3.
3.1 Für den Entscheid über die Kosten- und Entschädigungsfolgen gelangt nach
konstanter Praxis Art. 72 BZP im Verwaltungsverfahren sinngemäss zur An-
wendung (TPF 2011 118 E. 2.2.2; Entscheide des Bundesstrafgerichts
RR.2015.299 vom 2. August 2016 m.w.H.). Gemäss Art. 72 BZP entscheidet
- 9 -
das Gericht mit summarischer Begründung über die Prozesskosten auf
Grund der Sachlage vor Eintritt des Erledigungsgrundes.
3.2 Bei der Beurteilung der Kosten- und Entschädigungsfolgen ist somit in erster
Linie auf den mutmasslichen Ausgang des Prozesses abzustellen. Die Re-
gelung bezweckt, denjenigen, der in guten Treuen Beschwerde erhoben hat,
nicht im Kostenpunkt dafür zu bestrafen, dass die Beschwerde infolge nach-
träglicher Änderung der Umstände abzuschreiben ist, ohne dass ihm dies
anzulasten wäre. Bei der summarischen Prüfung des mutmasslichen Pro-
zessausgangs ist nicht auf alle Rügen einzeln und detailliert einzugehen
(BGE 118 Ia 488 E. 4a S. 494 f.). Soweit der Beschwerdeführer vorliegend
Art. 4b VGKE angewendet wissen will (act. 28), ist er darauf hinzuweisen,
dass sich selbst auf dieser Grundlage bei der Beurteilung der Kosten- und
Entschädigungsfolgen nichts ändern würde. So sind auch nach dessen
Abs. 2 die Kosten auf Grund der Sachlage vor Eintritt des Erledigungsgrunds
festzulegen, wenn das Verfahren ohne Zutun der Parteien gegenstandslos
geworden ist, was aufgrund des Rückzug des Rechtshilfeersuchens durch
die ersuchende Behörde vorliegend gerade der Fall ist.
4. Beim angefochtenen Entscheid handelte es sich um eine Schlussverfügung
der ausführenden kantonalen Behörde in internationalen Rechtshilfeangele-
genheiten, gegen welche innert 30 Tagen ab der schriftlichen Mitteilung bei
der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde geführt wer-
den kann (Art. 80e Abs. 1 i.V.m. Art. 80k IRSG; Art. 37 Abs. 2 lit. a Ziff. 1
StBOG). Zur Beschwerde ist berechtigt, wer persönlich und direkt von der
Rechtshilfemassnahme betroffen ist und ein schutzwürdiges Interesse an
deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 80h lit. b IRSG). Als persönlich
und direkt betroffen in diesem Sinne gilt namentlich der Kontoinhaber bei
Erhebung von Kontoinformationen (Art. 9a lit. a IRSV). Die von der
Teilschlussverfügung betroffenen und zur Herausgabe an die deutschen Be-
hörden bestimmten Unterlagen beziehen sich auf Bankkonten, welche auf
den Beschwerdeführer lauten. Damit wäre auch die Beschwerdelegitimation
des Beschwerdeführers zu bejahen gewesen. Auf die fristgerecht erhobene
Beschwerde wäre einzutreten gewesen.
5.
5.1 Der Beschwerdeführer rügte die fehlende beidseitige Strafbarkeit. Die ihm
vorgeworfene Verletzung von § 15a der deutschen Insolvenzordnung erfülle
keinen Straftatbestand nach schweizerischem Recht. Die sog. Konkursver-
schleppung sei weder von Art. 164 StGB noch von Art. 165 StGB erfasst.
- 10 -
Sodann sei auch der Tatbestand der «Firmenbestattung» dem schweizeri-
schen Recht völlig fremd. Ob der Straftatbestand des «Bankrotts» nach
§ 283 D-StGB ein Straftatbestand nach schweizerischem Recht erfülle,
könne offen bleiben mangels rechtsgenüglicher Schilderung des Sachver-
halts (act. 1 S. 20 f.).
5.2 Gemäss Art. 14 EUeR müssen die Rechtshilfeersuchen insbesondere Anga-
ben über den Gegenstand und den Grund des Ersuchens enthalten (Ziff. 1
lit. b). Ausserdem müssen sie in Fällen wie vorliegend die strafbare Handlung
bezeichnen und eine kurze Darstellung des Sachverhalts enthalten (Ziff. 2).
Art. 28 Abs. 2 und 3 IRSG und Art. 10 Abs. 2 IRSV stellen entsprechende
Voraussetzungen an das Rechtshilfeersuchen. Diese Angaben müssen der
ersuchten Behörde die Prüfung erlauben, ob die doppelte Strafbarkeit gege-
ben ist (Art. 5 Ziff. 1 lit. a EUeR), ob die Handlungen, wegen denen um
Rechtshilfe ersucht wird, nicht ein politisches oder fiskalisches Delikt darstel-
len (Art. 2 lit. a EUeR) und ob der Grundsatz der Verhältnismässigkeit ge-
wahrt wird (BGE 129 II 97 E. 3.1; TPF 2011 194 E. 2.1 S. 195 f.).
Die Rechtsprechung stellt an die Schilderung des Sachverhalts im Rechts-
hilfeersuchen keine hohen Anforderungen. Der Rechtshilferichter hat weder
Tat- noch Schuldfragen zu prüfen und grundsätzlich auch keine Beweiswür-
digung vorzunehmen, sondern ist vielmehr an die Sachdarstellung im Ersu-
chen gebunden, soweit sie nicht durch offensichtliche Fehler, Lücken oder
Widersprüche sofort entkräftet wird (vgl. BGE 132 II 81 E. 2.1 S. 85 m.w.H.;
Urteil des Bundesgerichts 1A.90/2006 und weitere vom 30. August 2006
E.2.1; TPF 2007 150 E.3.2.4).
5.3 Für die Frage der beidseitigen Strafbarkeit nach schweizerischem Recht ist
der im Rechtshilfeersuchen dargelegte Sachverhalt so zu subsumieren, wie
wenn die Schweiz wegen des analogen Sachverhalts ein Strafverfahren ein-
geleitet hätte (BGE 132 II 81 E. 2.7.2 S. 90; 129 II 462 E. 4.4). Zu prüfen ist
mithin, ob der im Ausland verübte inkriminierte Sachverhalt, sofern er – ana-
log – in der Schweiz begangen worden wäre, die Tatbestandsmerkmale ei-
ner schweizerischen Strafnorm erfüllen würde. Die Strafnormen brauchen
nach den Rechtssystemen der Schweiz und des ersuchenden Staates nicht
identisch zu sein (BGE 132 II 81 E. 2.1 S. 84; 129 II 462 E. 4.6; 124 II 184
E. 4b/cc; TPF 2011 194 E. 2.1 S. 196). Dabei genügt es, wenn der im Rechts-
hilfeersuchen geschilderte Sachverhalt unter einen einzigen Straftatbestand
des schweizerischen Rechts subsumiert werden kann. Es braucht dann nicht
weiter geprüft zu werden, ob darüber hinaus auch noch weitere Tatbestände
erfüllt sein könnten (BGE 129 II 462 E. 4.6).
- 11 -
5.4 Dem Rechtshilfeersuchen und seinen Ergänzungen ist im Wesentlichen die
folgende Sachverhaltsdarstellung zu entnehmen:
Gemäss den deutschen Strafverfolgungsbehörden soll der angeklagte Be-
schwerdeführer vom Angeklagten E. dessen Anteile an der F. GmbH erwor-
ben haben. Damit sei der Beschwerdeführer alleiniger Gesellschafter der G.
GmbH und der H. GmbH geworden. Wie mit E. zuvor verabredet, habe der
Beschwerdeführer am 13. Oktober 2011 E. und den Angeklagten I. als Ge-
schäftsführer der G. GmbH sowie E. und den Angeklagten J. als Geschäfts-
führer der K. GmbH abberufen und sich selbst zum neuen Geschäftsführer
für beide Gesellschaften bestellt. Aufgrund einer zuvor mit E. getroffenen
Absprache habe der Beschwerdeführer jedoch lediglich die Funktion eines
formalen “Strohgeschäftsführers“ eingenommen, während E. als faktischer
Geschäftsführer weiterhin die massgeblichen Entscheidungen für die Gesell-
schaften getroffen habe. E. und der Beschwerdeführer sollen vereinbart ha-
ben, dass dieser die Funktion des “Firmenbestatters“ übernehmen solle. E.
und der Beschwerdeführer sollen Geschäftspartnern und Gläubigern den
Eindruck vermittelt haben, dass die Gesellschaft weiterhin ihrer regulären
Geschäftstätigkeit nachgehe, obwohl die Gesellschaft gezielt auf das ange-
strebte Insolvenzverfahren vorbereitet worden sei. Der Beschwerdeführer
habe gewusst, dass im Zeitpunkt der Veräusserung der Geschäftsanteile
und Auswechslung der Geschäftsführung bei beiden Gesellschaften bereits
der Insolvenzgrund der Zahlungsunfähigkeit vorgelegen habe. Obwohl er be-
reits damals verpflichtet gewesen wäre, zeitgerecht Insolvenzanträge für die
Gesellschaften zu stellen, habe er dies absprachegemäss gemeinsam mit
dem weiterhin als faktischen Geschäftsführer agierenden E. in Umsetzung
des vom Angeklagten L. entwickelten Plans absichtlich unterlassen. Der Be-
schwerdeführer habe für die G. GmbH erst am 1. Dezember 2011 und für
die K. GmbH erst am 12. Dezember 2011 jeweils nach Rücksprache mit E.
und L. einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermö-
gen der betreffenden Gesellschaft gestellt. Der plangemäss zum Insolvenz-
verwalter bestellte Angeklagte M. habe die gegen die G. GmbH. und die K.
GmbH festgestellte Hauptforderung auf je über EUR 2 Mio. beziffert. Mit die-
ser Vorgehensweise habe E. den von L. entwickelten und mit M. abgestimm-
ten Plan zur «Firmenbestattung» der G. GmbH und der K. GmbH umgesetzt.
Dieser Plan habe zum einen vorgesehen, dass für die Gesellschaften nach
der Verlegung ihrer Geschäftssitze, der Veräusserung der Geschäftsanteile
und der Auswechslung der Geschäftsführung durch den neuen, eingeweih-
ten Geschäftsführer zu gegebener Zeit gezielt und kontrolliert entsprechende
Insolvenzanträge gestellt werden sollten. Auf diese Weise hätten E., I. und
J. aus den erwarteten Insolvenzverfahren herausgehalten werden sollen.
Ferner hätte es den Gläubigern der Gesellschaft erschwert werden sollen,
- 12 -
ihre Forderungen geltend zu machen. Zum anderen habe der Plan beinhal-
tet, dass E. das teilweise profitable Geschäft der H. GmbH durch Übertra-
gung auf eine eigens zu diesem Zweck errichtete, namensgleiche KG (H.
KG) hätte fortführen sollen (KSTA RE.2020.130, Reg. 1, pag. 1 ff.).
5.5 Der vorstehend wiedergegebenen Sachverhaltsdarstellung der ersuchenden
Behörde sind keine offensichtlichen Fehler, Lücken oder Widersprüche zu
entnehmen. Bei einer prima facie Beurteilung fällt das inkriminierte Verhalten
nach schweizerischem Recht namentlich unter den Tatbestand der Gläubi-
gerschädigung durch Dritte (Art. 164 Ziff. 2 StGB). Danach wird der Dritte,
der zum Schaden der Gläubiger einer natürlichen oder juristischen Person
das Schuldnervermögen vermindert (namentlich durch Veräusserung ohne
Gegenleistung oder unter Wert), mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder
Geldstrafe bestraft. Objektive Strafbarkeitsbedingung ist, dass über den
Schuldner (nachträglich) der Konkurs eröffnet wird (vgl. Art. 164 Ziff. 1
Abs. 5 i.V.m. Ziff. 2 StGB). Die Betreibungs- und Konkursdelikte schützen
primär den Anspruch der Gläubiger auf Befriedigung aus dem verbleibenden
Vermögen des Schuldners. Dritter im Sinne von Art. 164 Ziff. 2 StGB ist je-
der, der nicht mit dem Schuldner identisch ist; in Frage kommen auch Ge-
sellschaftsorgane (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1A.112/2014 vom 17. Sep-
tember 2004 E. 2.5 m.w.H.). Nach dem Gesagten ist die Rechtshilfevoraus-
setzung der beidseitigen Strafbarkeit grundsätzlich erfüllt. Es braucht nicht
weiter geprüft zu werden, ob neben dem Tatbestand der Gläubigerschädi-
gung noch weitere Delikte des schweizerischen Rechts in Frage kämen. Die
Beschwerde hätte sich in diesem Punkt als unbegründet erwiesen.
6.
6.1 Der Beschwerdeführer kritisierte, dass die Staatsanwaltschaft Hamburg zum
massgeblichen Zeitpunkt für die Einleitung eines Rechtshilfeverfahrens nicht
mehr zuständig gewesen sei, weshalb das Ersuchen mangels Zuständigkeit
der ersuchenden Behörde abzuweisen und die angefochtene Verfügung voll-
umgänglich aufzuheben sei (act. 1 S. 19).
6.2 Wie das BJ zutreffend ausführt (act. 11), sind die Erklärungen Deutschlands
zum EUeR und zweiten Zusatzprotokoll massgeblich, wonach die deutschen
Staatsanwaltschaften Justizbehörden im Sinne des EUeR sind. Stellt dem-
nach eine deutsche Staatanwaltschaft ein Rechtshilfeersuchen, wie vorlie-
gend geschehen, ist die Schweiz staatsvertraglich zur Rechtshilfe verpflich-
tet, wenn die weiteren Rechtshilfevoraussetzungen erfüllt sind. Nach der
Rechtsprechung darf die Rechtshilfe nur verweigert werden, wenn der ersu-
chende Staat offensichtlich unzuständig ist, d.h. dessen Justizbehörden ihre
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Zuständigkeit in willkürlicher Weise bejaht haben (BGE 142 IV 250 E. 6.2
S. 257 mit Hinweisen). Auch daraus folgt, dass für die Gewährung der
Rechtshilfe an Deutschland a maiore minus die Frage der Zuständigkeit in-
nerhalb des ersuchenden Staates ohne Bedeutung ist, solange es sich bei
der ersuchenden Behörde um eine Justizbehörde im Sinne von Art. 1 EUeR
handelt. Die Rüge des Beschwerdeführers hätte sich demnach auch in die-
sem Punkt als unbegründet erwiesen.
7.
7.1 Sodann brachte der Beschwerdeführer vor, der angegebene Verwendungs-
zweck der Rechtshilfe sei vorgeschoben. Das Rechtshilfeersuchen diene tat-
sächlich der Suche nach belastendem Material gegen ihn und/oder die C.
AG und erfolge im Interesse einer steuerrechtlichen Untersuchung. Das Er-
suchen sei auch zufolge unzulässiger Beweisausforschung abzuweisen und
dementsprechend die angefochtene Verfügung vollumfänglich aufzuheben.
Weiter machte der Beschwerdeführer geltend, es bestünden aufgrund wider-
sprüchlicher, falscher oder irreführender Ausführungen Zweifel an der Sach-
verhaltsdarstellung und der Erklärung bezüglich des behaupteten Verwen-
dungszwecks, weshalb die Übermittlung nach Treu und Glauben sowie auf-
grund des Vorbehalts des Ordre Public unterbleiben müsse. Die Berufung
auf das völkerrechtliche Vertrauensprinzip rechtfertige sich in casu nicht (act.
1 S. 19 ff.).
7.2 Rechtshilfemassnahmen haben generell dem Prinzip der Verhältnismässig-
keit zu genügen (ZIMMERMANN, La coopération judiciaire internationale en
matière pénale, 5. Aufl. 2019, N. 717 ff., mit Verweisen auf die Rechtspre-
chung; DONATSCH/HEIMGARTNER/MEYER/SIMONEK, Internationale Rechts-
hilfe, 2. Aufl. 2015, S. 92 ff.; POPP, Grundzüge der internationalen Rechts-
hilfe in Strafsachen, 2001, N. 404; siehe statt vieler den Entscheid des Bun-
desstrafgerichts RR.2011.193 vom 9. Juli 2012 E. 8.2). Die internationale
Zusammenarbeit kann nur abgelehnt werden, wenn die verlangten Unterla-
gen mit der verfolgten Straftat in keinem Zusammenhang stehen und offen-
sichtlich ungeeignet sind, die Untersuchung voranzutreiben, so dass das Er-
suchen nur als Vorwand für eine unzulässige Beweisausforschung (fishing
expedition) erscheint (BGE 142 II 161 E. 2.1.2 S. 166 f.; 139 II 404 E. 7.2.2
S. 424; 136 IV 82 E. 4.1 S. 85).
7.3 Mit seinen Bestreitungen des Verwendungszwecks, welchen die deutschen
Behörden in ihrem Rechtshilfeersuchen angegeben haben (s. supra lit. A),
hat der Beschwerdeführer keine offensichtlichen Fehler, Lücken oder Wider-
sprüche aufgezeigt, welche deren Sachdarstellung sofort entkräften würde.
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Vielmehr ist von einem konkreten Sachzusammenhang zwischen den bean-
tragten Kontenunterlagen und dem deutschen Strafverfahren auszugehen.
Von einer fishing expedition kann keine Rede sein. Auch aus dem Umstand,
dass die ersuchende Behörde später zunächst um Sistierung des Rechtshil-
feverfahrens ersuchte und sodann ihr Rechtshilfeersuchen zurückzog, kann
der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten ableiten. Zusammenfas-
send wäre eine Verletzung des Verhältnismässigkeitsprinzips nicht auszu-
machen gewesen.
7.4 Soweit der Beschwerdeführer vorbrachte, die herauszugebenden Unterla-
gen in Deutschland für ein fiskalisches Verfahren gegen den Beschwerde-
führer verwendet worden wären, ist er auf das in Art. 2 EUeR geregelte Spe-
zialitätsprinzip zu verweisen. Danach kann die Rechtshilfe u.a. verweigert
werden, wenn sich das Ersuchen auf strafbare Handlungen bezieht, die vom
ersuchten Staat als politische, als mit solchen zusammenhängende oder als
fiskalische strafbare Handlungen angesehen werden (Art. 2 lit. a EUeR). Die
Schweiz hat sich das Recht vorbehalten, Rechtshilfe auf Grund des EUeR
nur unter der ausdrücklichen Bedingung zu leisten, dass die Ergebnisse der
in der Schweiz durchgeführten Erhebungen und die in herausgegebenen Ak-
ten oder Schriftstücken enthaltenen Auskünfte ausschliesslich für die Aufklä-
rung und Beurteilung derjenigen strafbaren Handlungen verwendet werden
dürfen, für die Rechtshilfe bewilligt wird (Vorbehalt zu Art. 2 EUeR lit. b).
Diese Regelung korrespondiert denn auch mit jener von Art. 67 i.V.m. Art. 63
IRSG. In der Schlussverfügung der angefochtenen Teilschlussverfügung der
Staatsanwaltschaft wurde der in Fällen der vorliegenden Art übliche Spezia-
litätsvorbehalt angebracht. Die Einhaltung dieses Spezialitätsgrundsatzes
durch Staaten, welche mit der Schweiz durch einen Rechtshilfevertrag ver-
bunden sind, wird nach dem völkerrechtlichen Vertrauensprinzip als selbst-
verständlich vorausgesetzt, ohne dass die Einholung einer ausdrücklichen
Zusicherung notwendig wäre (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1A.105/2001
vom 8. August 2001 E. 2e; BGE 117 Ib 64 E. 5f, je m.w.H.). Vorliegend be-
stehen sodann keine Anhaltspunkte dafür, dass die deutschen Behörden das
Spezialitätsprinzip bereits verletzt hätten oder sich künftig über einen sol-
chen Vorbehalt hinwegsetzen würden. Jedenfalls erhellt weder aus den Ak-
ten noch wird vom Beschwerdeführer konkret dargelegt, inwiefern die deut-
schen Behörden die fraglichen Auskünfte aus den Bankunterlagen in Ver-
fahren für Ermittlungen in fiskalischen Belangen, welche dem Spezialitäts-
vorbehalt widersprechen, benützen oder als Beweismittel gegen den Be-
schwerdeführer verwenden würden. Die diesbezüglichen Vorbringen des
Beschwerdeführers hätten sich daher als unbegründet erwiesen.
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8. Nach dem Gesagten wäre die Beschwerde gestützt auf diese summarische
Prüfung der Rügen des Beschwerdeführers als unbegründet abzuweisen ge-
wesen. Es rechtfertigt sich daher, dem Beschwerdeführer in analoger An-
wendung von Art. 72 BZP die Kosten des gegenstandslos gewordenen Be-
schwerdeverfahrens aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Unter Berück-
sichtigung aller massgeblichen Umstände ist die Gerichtsgebühr auf
Fr. 3‘000.-- festzusetzen (Art. 63 Abs. 5 VwVG i.V.m. Art. 73 StBOG und
Art. 5 und 8 Abs. 3 lit. a BStrKR), unter Anrechnung des geleisteten Kosten-
vorschusses in der Höhe von Fr. 4‘000.77. Die Bundesstrafgerichtskasse ist
anzuweisen, dem Beschwerdeführer den Restbetrag von Fr. 1‘000.77 zu-
rückzuerstatten.
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