Decision ID: 1ba6ef9b-b353-4081-a0df-c10f8c0cd490
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend strafbarer Schwangerschaftsabbruch etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Meilen, Abteilung, vom 3. April 2019 (DG180014)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 7. Novem-
ber 2018 (Urk. 20) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 112 S. 84 ff.)
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig - des strafbaren Schwangerschaftsabbruchs im Sinne von Art. 118 Abs. 2 StGB, - der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2
Abs. 1 und 4 StGB,
- der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 und Abs. 2 lit. b StGB, - der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB, - der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB, - der versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB.
2. Vom Vorwurf der Drohung (Anklageziffer 1.3, Vorfall vom 20. März 2018) wird der Beschul-
digte freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 3 Jahren und 5 Monaten Freiheitsstrafe (wovon bis und
mit heute 379 Tage durch Haft erstanden sind) und einer Busse von CHF 1'200.–.
4. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an
deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 12 Tagen.
5. Der Beschuldigte A._ wird im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. a und b StGB für 6 Jahre
des Landes verwiesen.
6. Nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids werden die von der Kantonspolizei Zürich
erstellten Datensicherungen der Mobiltelefone (A011864167; A011864214), der SIM-Karten
(A011864189; A011864236) und der Speicherkarte (A011864203) der Kantonspolizei Zü-
rich, TEU AssTri, Zeughausstrasse 11, 8021 Zürich, zur Vernichtung überlassen.
7. Nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids werden die von der Kantonspolizei Zürich
sichergestellten Mobiltelefone der Marken Huawei (A011491251) und Wiko (A011491273),
die SIM-Karten (A011864178; A011864225) sowie die Speicherkarte (A011864190) dem
Beschuldigten durch die Kantonspolizei Zürich auf Verlangen herausgegeben.
Dem Beschuldigten wird eine Frist von 30 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft dieses Ent-
scheids angesetzt, um die herauszugebenden Gegenstände selbst (oder durch eine be-
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vollmächtigte Person) unter Vorlage dieses Entscheids und eines amtlichen Ausweises,
nach telefonischer Voranmeldung unter ... [Telefonnummer], bei der Lagerbehörde Kan-
tonspolizei Zürich, TEU AssTri, Zeughausstrasse 11, 8021 Zürich, herauszuverlangen.
Werden die herauszugebenden Gegenstände nicht innert Frist herausverlangt, werden sie
vernichtet. Die Lagerbehörde wird angewiesen, diese Anordnung innert 30 Tagen zu voll-
ziehen und zu dokumentieren.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin eine Genugtuung von CHF 10'000.–
zzgl. Zins zu 5 % seit 1. Januar 2018 zu bezahlen.
9. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
CHF 4'800.00 ; die weiteren Kosten betragen:
CHF 3'500.00 Gebühr für das Vorverfahren
CHF 4'031.50 Auslagen (Gutachten)
CHF 867.00 Auslagen Polizei
CHF 250.00 Zeugenentschädigung
CHF 787.50 Barauslagen (Übersetzungskosten Privatklägerin)
CHF 17'325.00 Entschädigung unentgeltliche Rechtsbeiständin
CHF 4'510.55 Entschädigung amtliche Verteidigung Vorverfahren
CHF G
18'842.10 Entschädigung amtliche Verteidigung
CHF 54'913.65 Kosten total
10. Die Kosten und Auslagen des Vorverfahrens sowie des gerichtlichen Verfahrens – mit
Ausnahme der Entschädigungen für die amtliche Verteidigung und die unentgeltliche
Rechtsvertretung – werden dem Beschuldigten auferlegt.
11. Die Entschädigungen für die amtliche Verteidigung und die unentgeltliche Rechtsvertretung
der Privatklägerin werden einstweilen auf die Staatskasse genommen. Vorbehalten bleibt
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO die Verpflichtung des Beschuldigten, dem Kanton Zürich die-
se Entschädigungen zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlau-
ben.
12. Rechtsanwalt lic. iur. X1._ wird für seine Bemühungen als amtlicher Verteidiger des
Beschuldigten mit total CHF 18'842.10 (inkl. MwSt. und Barauslagen) entschädigt. Die Kas-
se des Bezirksgerichts Meilen wird angewiesen, diesen Betrag an Rechtsanwalt lic. iur.
X1._ auszubezahlen.
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13. Rechtsanwältin lic. iur. Y._ wird für ihre Bemühungen als unentgeltliche Rechtsvertrete-
rin der Privatklägerin mit CHF 17'325.– (inkl. MwSt. und Barauslagen sowie Dolmetscher-
kosten von CHF 2'325.–) entschädigt. Die Kasse des Bezirksgerichts Meilen wird angewie-
sen, diesen Betrag an Rechtsanwältin lic. iur. Y._ auszubezahlen.
14. (Mitteilung)
15. (Rechtsmittel).
Berufungsanträge:
a) Der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 176 S. 3; Prot. II S. 17)
1. Es sei der Beschuldigte von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Es sei der Beschuldigte für die bis heute zu Unrecht erlittene Haft und
Strafvollzug entsprechend zu entschädigen und es sei ihm entsprechend der
Haftdauer und Dauer des Strafvollzugs eine angemessene Genugtuung
zuzusprechen.
3. Es seien entsprechende Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen
abzuweisen.
4. Es seien die Kosten des Verfahrens, inklusive die Kosten der amtlichen
Verteidigung auf die Staatskasse zu nehmen.
5. Eventualiter sei der Beschuldigte im Falle eines Schuldspruchs mit 6 Mona-
ten Freiheitsentzug zu bestrafen und den Anträgen der erbetenen Verteidi-
gung zu folgen.
b) Der erbetenen Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 178 S. 2)
1. Der Beschuldigte sei von den Vorwürfen
- des strafbaren Schwangerschaftsabbruchs im Sinne von Art. 118 Abs.
2 StGB, sowie
- der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB
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freizusprechen.
2. Der Beschuldigte sei, unter Anrechnung der erstandenen Haft, mit einer
Freiheitsstrafe von höchstens 24 Monaten zu bestrafen.
3. Von einer Landesverweisung sei abzusehen.
4. Die Zivilforderungen seien abzuweisen.
5. Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens
seien mit Ausnahme derjenigen für die amtliche Verteidigung zur Hälfte dem
Beschuldigten aufzuerlegen. Die Hälfte der Kosten der amtlichen Verteidi-
gung sei definitiv abzuschreiben. Für die andere Hälfte sei die Nachzah-
lungspflicht vorzusehen.
Die Kosten des Berufungsverfahrens einschliesslich derjenigen für die
amtliche Verteidigung seien auf die Staatskasse zu nehmen.
6. Dem Beschuldigten sei für allfällig erlittene Überhaft eine angemessene und
vom Gericht festzusetzende Genugtuung zuzusprechen.
c) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 120)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
d) Der Vertretung der Privatklägerin:
(Prot. II S. 19)
Das Urteil der Vorinstanz sei zu bestätigen und die Kosten, insbesondere
auch diejenigen der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung, seien aus-
gangsgemäss dem Beschuldigten aufzuerlegen.
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Erwägungen:
I. Einleitung
1. Ausgangslage/Prozessgeschichte
1.1. Der Beschuldigte wurde in Italien geboren, wo er auch aufwuchs und lebte,
bis er 2014 in die Schweiz zog. Er ist italienischer Staatsangehöriger, seine Eltern
stammen jedoch aus Mazedonien. Die Privatklägerin ist Mazedonierin und wuchs
in Mazedonien auf. 2015 lernten sich der Beschuldigte und die Privatklägerin
kennen und verliebten sich, worauf die Privatklägerin 2016 erstmals für drei Mo-
nate in die Schweiz zum Beschuldigten kam. Im November des gleichen Jahres
fand ihre standesamtliche Trauung statt. Die erste gemeinsame Zeit in der
Schweiz wohnten sie bei der Schwester des Beschuldigten in B._ [Ort]. Im
April 2017 zogen sie in ein kleines Einzimmerstudio in C._ [Ort] um. Am
tt. August 2017 folgte ein grosses Hochzeitsfest in Mazedonien (Prot. I S. 14, S.
60, S. 62).
1.2. Am 21. März 2018 erstattete die Privatklägerin zunächst telefonisch Anzeige
bei der Einsatzzentrale der Kantonspolizei Zürich wegen angeblicher Gewalttätig-
keiten des Beschuldigten. Es begann eine Strafuntersuchung, in welcher neben
dem Beschuldigten und der Privatklägerin unter anderen die Schwester des
Beschuldigten und Nachbarn in C._ befragt sowie ärztliche Unterlagen erho-
ben wurden.
1.3. Der Beschuldigte wurde am 21. März 2018 verhaftet; bereits anlässlich sei-
ner Hafteinvernahme war er amtlich verteidigt, und zwar zunächst durch Rechts-
anwältin Dr. iur. X2._. Nach ca. einem Monat verlangte er, durch Rechtsan-
walt lic. iur. X1._ verteidigt zu werden, worauf die amtliche Verteidigung
durch Rechtsanwältin Dr. X2._ widerrufen und später Rechtsanwalt lic. iur.
X1._ zum amtlichen Verteidiger bestellt wurde (vgl. Urk. 15).
1.4. Am 7. November 2018 erhob die Anklagebehörde Anklage gegen den
Beschuldigten am Bezirksgericht Meilen (Urk. 20). Was den folgenden Ablauf des
erstinstanzlichen Verfahrens anbelangt, kann auf die entsprechenden Ausführ-
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ungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 112 S. 4 ff.). Nach
Durchführung der vorinstanzlichen Hauptverhandlung am 27. März 2019 wurde
das Urteil am 3. April 2019 durch die Vorinstanz beraten und gefällt sowie am
5. April 2019 mündlich eröffnet. Die Verteidigung meldete noch vor Schranken
mündlich die Berufung an (Prot. I S. 99 ff.).
1.5. Am 19. September 2019 versandte die Vorinstanz die begründete Aus-
fertigung ihres Urteils (Urk. 111), worauf die Verteidigung am 7. Oktober 2019 ihre
Berufungserklärung erstattete (Urk. 116). Auf entsprechende Fristansetzung hin
erklärte die Anklagebehörde ihren Verzicht auf eine Anschlussberufung (Urk.
120). Mit Eingabe vom 12. Dezember 2019 teilte der Beschuldigte mit, er wün-
sche nicht mehr durch Rechtsanwalt lic. iur. X1._, sondern (wieder) durch
Rechtsanwältin Dr. X2._ amtlich verteidigt zu werden (Urk. 121; vgl. auch
Urk. 126 und Urk. 128). Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs (vgl. Urk. 129)
wurde dieses Gesuch um Wechsel der amtlichen Verteidigung am 19. Dezember
2019 abgewiesen (Urk. 131). Am 10. Januar 2020 wurde auf den 23. März 2020
zur Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 133). Mit Eingabe vom 16. Januar
2020 reichte Rechtsanwältin Dr. X2._ eine Vollmacht des Beschuldigten ein
und legitimierte sich so als dessen erbetene Verteidigerin (Urk. 135 und Urk. 137).
1.6. Mit Eingabe vom 16. März 2020 stellte die erbetene Verteidigerin den Be-
weisantrag, die Privatklägerin sei anlässlich der Hauptverhandlung noch einmal
zu befragen (Urk. 141 und Urk. 142). Fast gleichzeitig musste die Ladung zur
Berufungsverhandlung wegen der Ausbreitung des Corona-Virus abgenommen
werden (Urk. 139). Nach Fristansetzung für eine Stellungnahme zum erwähnten
Beweisantrag an die Anklagebehörde sowie die Privatklägerin und entsprechen-
den Stellungnahmen (Urk. 151; Urk. 161) wurde dieser mit Präsidialverfügung
vom 1. April 2020 abgewiesen (Urk. 171). Ein am 23. März 2020 gestelltes Ge-
such des Beschuldigten um Entlassung aus dem vorzeitigen Strafvollzug (Urk.
147) wurde nach Einholung einer Stellungnahme der Anklagebehörde vom 24.
März 2020 (Art. 152) mit Verfügung vom 31. März 2020 unter Anordnung eines
Verbots, mit der Privatklägerin Kontakt aufzunehmen, gutgeheissen und der Be-
schuldigte wurde gleichentags aus dem Vollzug entlassen (Urk. 164; Urk. 166).
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Weiter ging ein erneutes Gesuch um Wechsel der amtlichen Verteidigung des
Beschuldigten ein (Urk. 153), welches nach einer obligatorischen Stellungnahme
von Rechtsanwalt lic. iur. X1._ vom 27. März 2020 (Urk. 157) mit Verfügung
vom 1. April 2020 wiederum abgewiesen wurde (Urk. 169). Am 23. Juli 2020 wur-
de neu auf den 12. Oktober 2020 zur Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk.
173).
1.7. Zur Berufungsverhandlung vom 12. Oktober 2020 erschienen der Beschul-
digte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers lic. iur. X1._ und seiner
erbetenen Verteidigerin Dr. X2._ sowie die unentgeltliche Rechtsvertreterin
der Pivatklägerin lic. iur. Y._ (Prot. II S. 13). Es wurden weder Vorfragen auf-
geworfen noch Beweisanträge gestellt (Prot. II S. 15 f.).
1.8. Das Urteil wurde am 15. Oktober 2020 gefällt und den Parteien in Form ei-
nes Dispositivs (Urk. 182) schriftlich zugestellt, nachdem diese auf mündliche Er-
öffnung und Erläuterung verzichtet hatten (Prot. II S. 21).
2. Umfang der Berufung
Der Beschuldigte beantragt grundsätzlich einen vollumfänglichen Freispruch,
respektive einen Freispruch von den Vorwürfen des strafbaren Schwanger-
schaftsabbruchs und der Gefährdung des Lebens (Urk. 176 S. 3, Urk. 178 S. 2).
Nicht angefochten und damit in Rechtskraft erwachsen sind der Schuldspruch be-
treffend Sachbeschädigung (Dispositiv-Ziffer 1/5. Spiegelstrich), der Freispruch
vom Vorwurf der Drohung (Dispositiv-Ziffer 2), die Vernichtung von Datensiche-
rungen und die Herausgabe von Gegenständen an den Beschuldigten (Dispositiv-
Ziffern 6 und 7), die Kostenfestsetzung (Dispositiv-Ziffer 9) sowie die Regelung
der Entschädigungen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertre-
tung der Privatklägerin (Dispositiv-Ziffern 12 und 13; Prot. II S. 15 f.). Die übrigen
Dispositiv-Ziffern stehen demgegenüber unter dem Vorbehalt des Verschlechte-
rungsverbots zur Disposition.
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II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Anklagevorwürfe und Standpunkt des Beschuldigten
1.1. Der Anklagevorwurf wurde im angefochtenen Entscheid zutreffend zusam-
mengefasst (Urk. 112 S. 7). Es ist daher nur rekapitulierend festzuhalten, dass
dem Beschuldigten in Zusammenhang mit drei Vorfällen Vorwürfe gemacht wer-
den (Urk. 20): Ganz kurz zusammengefasst soll er Anfang Oktober 2017 mittels
Faustschlägen in den Bauch der schwangeren Privatklägerin einen Abort verur-
sacht (Anklagevorwurf 1.1), sie am 8./9. März 2019 mehrfach geschlagen, an den
Haaren und am Hals gepackt und mit dem Auto am Bein angefahren (Anklage-
vorwurf 1.2), sowie am 20. März 2019 abermals mit Faustschlägen und Ohrfeigen
geschlagen, gewürgt, an den Haaren gerissen sowie sie bedroht und ihr Mobilte-
lefon zerstört haben (Anklagevorwurf 1.3).
1.2. Ausser der Beschädigung des Mobiltelefons der Privatklägerin am 20. März
2019 bestreitet der Beschuldigte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe durchwegs.
Was den angeklagten Vorfall von Anfang Oktober 2017 anbelangt, erklärte er in
seinen ersten Einvernahmen noch, es sei zwar richtig, dass die Privatklägerin
damals schwanger gewesen sei und das ungeborene Kind verloren habe, dies je-
doch ohne sein Zutun (Urk. 7/1 S. 7 ff.; Urk. 7/2 S. 3). Später erklärte er indes, gar
nicht mehr zu glauben, dass sie damals schwanger gewesen sei (Urk. 7/3 S. 2;
Urk. 7/6 S. 3; Prot. I S. 60; Urk. 175 S. 8 f.). Im Weiteren räumt er zwar ein, dass
es am 8./9. März 2019 sowie am 20. März 2019 zu Auseinandersetzungen
zwischen ihm und der Privatklägerin gekommen sei, stellt jedoch Gewalttätigkei-
ten seinerseits in Abrede und den Ablauf der Vorfälle anders dar (Urk. 7/1 S. 2 ff,
S. 10 ff.; Urk. 7/2 S. 2 f., S. 4 ff., S. 7 ff., Urk. 7/3 S. 2 f., Urk. 175 S. 12 ff.). Im
Folgenden ist daher zu prüfen, ob der dem Beschuldigten zur Last gelegte Sach-
verhalt rechtsgenügend erstellt werden kann.
2. Vorbemerkungen zur Sachverhaltserstellung
2.1. Im angefochtenen Entscheid wurde vollständig aufgelistet, auf welche
Beweismittel sich die Anklage stützt (Urk. 112 S. 8 f.). Darauf und hinsichtlich der
bei der Sachverhaltserstellung zu beachtenden Grundsätze kann auf die Erwä-
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gungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 112 S. 9 ff; Art. 82
Abs. 4 StPO). An dieser Stelle ist lediglich zusammenfassend zu wiederholen,
dass es Sache des Staates ist, den Nachweis für die Schuld des Beschuldigten
zu erbringen, und zwar so, dass keine vernünftigen Zweifel daran verbleiben.
Scheitert dieses Unterfangen, ist der Beschuldigte freizusprechen. Soweit keine
unmittelbaren Sachbeweise erhoben werden und keine Drittpersonen die angebli-
chen Straftaten direkt beobachten und dazu aussagen konnten, kommt der Wür-
digung der Aussagen der beiden direkt involvierten Personen ausschlaggebende
Bedeutung zu. Die Glaubhaftigkeit ihrer Schilderungen hängt dabei zunächst da-
von ab, ob die Aussagen grundsätzlich überprüfbar sind (formelle Validität), ob sie
mit anderweitig im Verfahren erhobenen Fakten übereinstimmen bzw. in Einklang
zu bringen sind (externe Validität) und ob sie in sich konsistent sind (interne Vali-
dität). Davon abgesehen vermag auch die im angefochtenen Entscheid propagier-
te inhaltliche Analyse der jeweiligen Darstellung ausgehend von einer Nullhypo-
these unter Ermittlung von Realitätskriterien bzw. Lügensignalen Anhaltspunkte
für oder gegen deren Glaubhaftigkeit zu liefern (vgl. Urk. 112 S. 11 f.).
2.2. Die Privatklägerin wurde im Vorverfahren dreimal befragt. Die beiden letzten
Einvernahmen wurden aufgezeichnet und die Aufnahmen in die Akten gelegt
(Urk. 8). Ferner wurde sie durch die Vorinstanz als Auskunftsperson einvernom-
men (Prot. I S. 9 ff.). Aufgrund der Protokolle und namentlich der Videoaufzeich-
nungen dieser Einvernahmen besteht hinreichend Gelegenheit, sich einen unmit-
telbaren Eindruck des Aussageverhaltens der Privatklägerin zu verschaffen.
Kommt hinzu, dass die Privatklägerin zuletzt vor Vorinstanz von Versuchen, sie
unter Druck zu setzen, berichtete (Prot. I S. 18 ff.). Im Vorverfahren wurden Auf-
zeichnungen solcher telefonischer Kontaktaufnahmen samt Übersetzungen vor-
gelegt (Urk. 16/11), wodurch diese Behauptungen der Privatklägerin gestützt wer-
den. Inhaltliche Diskrepanzen zwischen ihren in den verschiedenen Einvernah-
men gemachten Aussagen, welche im Rahmen einer erneuten Befragung unbe-
dingt ausgeräumt werden müssten bzw. könnten, bestehen soweit für den vorlie-
genden Entscheid erforderlich nicht (vgl. dazu BGE 140 IV 196 E. 4.2.2), und
neue oder klarere Erkenntnisse aus einer weiteren Befragung sind nach nunmehr
zweieinhalb bis drei Jahren seit den fraglichen Vorfällen nicht zu erwarten. Ergän-
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zend ist auf die Erwägungen in der Verfügung vom 1. April 2020 (Urk. 171) zu
verweisen. Im Ergebnis ist es gerechtfertigt, auf eine erneute Befragung der Pri-
vatklägerin zu verzichten.
2.3. Mit Blick auf die allgemeine Glaubwürdigkeit der Privatklägerin und des
Beschuldigten erscheinen beide unauffällig. Die einzige Besonderheit besteht
darin, dass beide dem mazedonischen Kulturkreis angehören, wenn auch der
Beschuldigte im Gegensatz zur Privatklägerin seit seiner Geburt in Italien lebt und
italienischer Staatsangehöriger ist. Der Beschuldigte sagte zwar auf der einen
Seite aus, er habe keine mazedonische Mentalität und sei anders erzogen (Urk.
7/2 S. 8, Urk. 175 S. 15), erklärte auf der anderen jedoch, er habe die Privatkläge-
rin geheiratet, weil die Tradition in Mazedonien anders sei und man heiraten müs-
se, wenn man sich mit einer Frau einlasse, ansonsten es Schläge gebe (Prot. I S.
61). Auch bei der Beschreibung des riesigen Hochzeitsfests und des für Gold
ausgegebenen Geldes verwies er auf die Tradition (Prot. I S. 61). Ferner leitete
der Beschuldigte in Mazedonien, wo er selbst nie gelebt hat, das Verfahren be-
treffend Scheidung der Ehe mit der Privatklägerin ein (Prot. I S. 22, S. 72, S. 74;
Urk. 175 S. 7). Auch andere Aspekte, so zum Beispiel die Interventionen ihrer
Familien und das Auftreten von Friedensstiftern, lassen auf eine beidseits starke
Bindung an die Heimatkultur schliessen. Dass sich die Privatklägerin und der Be-
schuldigte hinsichtlich ihres kulturellen Hintergrundes wesentlich unterscheiden
würden, lässt sich jedenfalls nicht feststellen. Daraus sind keine unmittelbaren
Rückschlüsse auf ihre Glaubwürdigkeit zu ziehen.
2.4. Die Aussagen der Privatklägerin und des Beschuldigten zu den einzelnen
Vorwürfen wurden im angefochtenen Urteil korrekt und vollständig dargestellt
(Urk. 112 S. 14 ff., S. 24 f., S. 36 ff.). Auf diese Zusammenstellung kann wiede-
rum verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
3. Anklageziffer 1.1: Vorwurf des strafbaren Schwangerschaftsabbruchs, der einfachen Körperverletzung und Nötigung im Oktober 2017
3.1. Strafbarer Schwangerschaftsabbruch
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3.1.1. Wesentliches Sachverhaltselement eines strafbaren Schwangerschafts-
abbruches ist selbstverständlich das Bestehen einer Schwangerschaft. Die Vor-
instanz legt zunächst zutreffend dar, dass weder für eine Schwangerschaft noch
für einen Abort der Privatklägerin objektive Beweismittel, namentlich entspre-
chende ärztliche Feststellungen, existieren (Urk. 112 S. 21). Vorauszuschicken
ist, dass sowohl der Beschuldigte als auch die Privatklägerin übereinstimmend
ausführten, die Privatklägerin habe in Zusammenhang mit der heute interessie-
renden vermeintlichen Schwangerschaft nie einen Arzt aufgesucht, und zwar we-
der vor noch nach den starken Blutungen, welche die Privatklägerin im Oktober
2017 erlitten haben will. Die einzige Ausnahme bestand in einer gynäkologischen
Untersuchung am 9. August 2017 in Mazedonien, bei welcher eine Schwanger-
schaft allerdings nicht bestätigt wurde. Über diese unbestrittene Tatsache bzw.
die Gründe, weshalb auf eine ärztliche Konsultation verzichtet wurde, muss daher
nicht weiter spekuliert werden, wenn sich auch die Auffassungen der Privatkläge-
rin und des Beschuldigten dazu scheiden. Den weiteren Erwägungen im ange-
fochtenen Entscheid ist insofern beizupflichten, als es durchaus Hinweise für eine
im Herbst 2017 bestehende Schwangerschaft der Privatklägerin gibt, so die da-
maligen Angaben der Privatklägerin gegenüber ihrem Umfeld (Schwägerin, Mut-
ter, Nachbarn), ihre Schilderungen im Strafverfahren sowie Äusserungen gegen-
über und von den Nachbarn D._ bzw. E._ betreffend Mitteilungen der
Privatklägerin über einen positiv ausgefallenen Schwangerschaftstest der Privat-
klägerin im August 2017 und über den Verlust des ungeborenen Kindes (Urk. 112
S. 22). Nicht zuletzt glaubte der Beschuldigte damals selbst an eine Schwanger-
schaft und an eine Fehlgeburt seiner Partnerin ("Ja, sie war einmal schwanger. (...) Sie hat das Kind verloren. (...) Sie hat während der ganzen Schwangerschaft keinen Arzt aufgesucht. (...) Das war gegen September/Oktober letztes Jahr." [Urk. 7/1 S. 8]; [Auf Frage, ob die  schon einmal schwanger gewesen sei:] "Ja und zwar aus eigener Schuld hat sie das Kind verloren." [Auf Frage wann die Privatklägerin das Kind verloren habe:] "Entweder im September  Oktober 2017. Ich weiss nicht mehr ganz genau, wann das war [Urk. 7/2 S. 3 f.] "Sie hat nie auf mich gehört, sie hat unser Kind – das ich sehr liebte – weil ich Kinder sehr liebe, verloren [Urk. 7/2 S. 8]). Dies bestätigte der Beschuldigte auch an der Berufungsverhandlung,
anlässlich welcher er erklärte, dass er und seine Familie sich sehr über die
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Schwangerschaft gefreut hätten (Urk. 175 S. 9). Weiter gab der Beschuldigte an,
keinen Anlass gehabt zu haben, der Privatklägerin nicht zu glauben (Urk. 175 S.
8). Von dieser subjektiven Überzeugung des Beschuldigten ist im Folgenden aus-
zugehen. Dass er die Schwangerschaft danach in Abrede stellte und die Privat-
klägerin auf sehr widersprüchliche Weise einer Inszenierung bezichtigte (Urk. 7/3
S. 2; Prot. I S. 77 ff.; vgl. auch hinten Ziff. 3.1.7), vermag daran nichts zu ändern.
3.1.2. Wie gerade erwähnt, konnte anlässlich der Untersuchung am 9. August
2017 in Mazedonien keine Schwangerschaft bestätigt werden (Urk. 16/10 An-
hang), was durchaus daran gelegen haben könnte, dass sich die Schwanger-
schaft in einem derart frühen Stadium befand, dass sie weder im Ultraschall noch
durch eine Untersuchung des Urins nachzuweisen war (Urk. 16/10 Anhang; Urk.
112 S. 21 f.). Üblicherweise sollte eine Schwangerschaft aber bereits ca. einen
Monat nach dem Beginn der letzten Menstruation (vgl. act. 16/10 Anhang) im Urin
bzw. mit einem Schwangerschaftstest nachweisbar sein. Zudem mutet die Aus-
sage der Privatklägerin, es habe damals – anscheinend trotz dieses Befunds –
geheissen, sie sei vermutlich schwanger (Urk. 8/1 S. 7), eigenartig an. Die
Schwester des Beschuldigten sagte aus, sie selbst sei am 9. August 2017 in der
11. Woche schwanger gewesen und zusammen mit der Privatklägerin in Maze-
donien zur Frauenärztin gegangen. Die Privatklägerin sei wegen unregelmässiger
Periode zur Ärztin gegangen. Nach der Untersuchung habe die Privatklägerin ihr
gesagt, sie sei nicht schwanger (Urk. 9/1 S. 3). Ungeachtet dieser Zeugenaussa-
ge ist der damalige Befund der Frauenärztin in Mazedonien im Rahmen der vor-
liegenden Sachverhaltserstellung trotz seiner Erklärbarkeit als Indiz gegen das
Bestehen einer Schwangerschaft zu werten. Die Privatklägerin erklärte sodann
wiederholt, sie habe – anscheinend (noch) im August 2017 – in der Schweiz einen
Schwangerschaftstest gemacht (Urk. 8/1 S. 7; Urk. 8/2 S. 5, S. 14; Urk. 16/12 An-
hang bzw. Beilage 10; Prot. S. 37). Im Juni 2018 erwähnte sie, den betreffenden
Schwangerschaftstest noch zu Hause zu haben und erklärte sich auch bereit, die-
sen einzureichen (Urk. 8/4 S. 6). Stattdessen wurde ein Foto eines Schwanger-
schaftstests aus dem Chat mit der Mutter der Privatklägerin ins Recht gereicht
(Urk. 16/12 Anhang bzw. Beilage 10). Auf das Einreichen des Schwangerschafts-
tests wurde gemäss der Vertretung der Privatklägerin verzichtet (Prot. II S. 20).
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Entgegen der Ansicht der Verteidigung, welche den Schwangerschaftstest als
einziges objektives Beweismittel erachtet (Urk. 178 S. 4), hätte ein solcher man-
gels Zuordenbarkeit aber keinen Beweis für eine Schwangerschaft der Privatklä-
gerin liefern können. Ebenso wenig kann aus dem erwähnten, bei den Akten lie-
genden Foto eines Schwangerschaftstests auf das Bestehen einer Schwanger-
schaft der Privatklägerin geschlossen werden. Aus dem Ausbleiben folgender
ärztlicher Untersuchungen kann wie gesagt weder etwas für noch gegen die An-
nahme einer Schwangerschaft abgeleitet werden, zumal sowohl der Beschuldigte
als auch die Privatklägerin erklärten, es habe keine solche Untersuchung gege-
ben. Zu denken gibt ferner aber, dass auch nach den Blutungen, in welchen die
Privatklägerin den Abort sah, keine ärztliche Konsultation stattfand. Eine solche
ist zur Entfernung allfälliger Reste des Fötus oder der Plazenta aus der Gebär-
mutter jedoch häufig unumgänglich, erst recht nachdem die Schwangerschaft
nach dem Dafürhalten der Privatklägerin bereits bis in den dritten oder gar vierten
Monat fortgeschritten war und sie überdies gemeint hatte, mindestens mit Zwillin-
gen schwanger zu sein (Urk. 16/12 Anhang; Urk. 11/6 S. 2; vgl. auch Prot. I S.
57). Anscheinend hatte die Privatklägerin über die von ihr geschilderten Blutun-
gen und Schmerzen hinaus, auf welche zurückzukommen sein wird, in der Folge
keine weiteren Beschwerden und Komplikationen. Dies kann einerseits damit er-
klärt werden, dass keinerlei Reste der Schwangerschaft in ihrer Gebärmutter zu-
rückblieben; andererseits kann dieser Umstand ebenso gut darauf zurückgeführt
werden, dass gar keine Schwangerschaft bestand.
3.1.3. Weiter ist zu berücksichtigen, dass gewisse Parallelen zwischen der Situa-
tion der Privatklägerin am 20./21. März 2018 und im Oktober 2017 festzustellen
sind. So zog die Beschuldigte anlässlich ihrer ersten polizeilichen Befragung am
21. März 2018 wiederum in Erwägung, schwanger zu sein ("Eventuell bin ich . Meine Periode ist seit 8 Tagen überfällig.", Urk. 8/1 S. 2; "Dieses Gespräch fand statt, als ich zum zweiten Mal schwanger war, nicht beim ersten Mal. Ich ging vom Frauenhaus ins Spital, weil ich stark blute, deswegen fand das Gespräch statt. (...) Ob ich das zweite Mal schwanger war, weiss ich nicht, weil ich noch kein Resultat des Spitals erhalten habe (...) Im März 2018, nach  Vorfall wurde ich vom Frauenhaus ins Spital gebracht, weil ich blutete. Ob ich da schwanger war, weiss ich noch nicht", Urk. 8/2 S. 17). Mit der Aufzeichnung eines Telefonge-
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sprächs konfrontiert, das von der Verteidigung vorgelegt wurde und auf welchem
offenkundig ein Gespräch zwischen den Vätern der Privatklägerin und des Be-
schuldigten zu hören ist, erklärte die Privatklägerin, dieses habe stattgefunden,
nachdem sie im März 2018 die Anzeige gemacht habe und im Frauenhaus gewe-
sen sei (Urk. 7/4; Urk. 8/2 S.17; Urk. 8/4 S. 5). Auf den Vorhalt, dass sie gemäss
Aussage ihres Vaters in diesem Gespräch nicht schwanger gewesen sei, sondern
Zysten gehabt habe, führte die Privatklägerin aus, dies habe mit "dem zweiten
Mal" zu tun, nicht mit dem Oktober 2017, als sie das erste Mal schwanger gewe-
sen sei (Urk. 8/4 S. 5). Mit dem "zweiten Mal" meinte die Privatklägerin augen-
scheinlich ihre Vermutung am 21. März 2018, eventuell (wieder) schwanger zu
sein. Konkret ist im fraglichen Telefongespräch zu hören, dass der eine Teilneh-
mer – offensichtlich der Vater des Beschuldigten – fragt, ob die Tochter des ande-
ren wirklich schwanger sei. Hierauf antwortet der andere Teilnehmer – augen-
scheinlich der Vater der Privatklägerin –, sie sei es nicht. Sie habe zwar gedacht,
sie sei schwanger, aber es seien Zysten gewesen, jeweils sieben Zysten. Etwa
drei seien geplatzt (...), seine Tochter sei in Lebensgefahr (Urk. 7/4). Aufgrund
dieser Konversation muss davon ausgegangen werden, dass die Privatklägerin im
März 2018 aufgrund ihrer ausbleibenden Menstruation erneut glaubte, schwanger
zu sein, wobei sie auf ihre Erfahrungen mit ihrer vermeintlichen Schwangerschaft
2017 zurückgreifen konnte. Wiederum scheint sie unter Blutungen und Schmer-
zen gelitten zu haben, die das Frauenhaus veranlasste, sie ins Krankenhaus zu
bringen. Im Vorverfahren erklärte die Privatklägerin, sie sei sich nicht ganz sicher,
wann bzw. ob sie zum zweiten Mal schwanger gewesen sei, da sie die Resultate
des Spitals, in das sie vom Frauenhaus gebracht worden sei, nicht bekommen
habe (Urk. 8/4 S. 6). Gemäss den Aussagen des Vaters der Privatklägerin in be-
sagtem Telefongespräch, welche von der Privatklägerin zunächst nicht weiter
kommentiert wurden (Urk. 8/4 S. 4 f.), war sie im März 2018 jedoch nicht schwan-
ger, sondern litt unter Zysten. Explizit dazu befragt, woher ihr Vater denn von den
Zysten gewusst habe, meinte die Privatklägerin, nicht zu wissen, wie er das ge-
meint habe; sie habe aber im Spital Schmerztropfen wegen Schmerzen im Unter-
leib gekommen. Auf die weitere Frage, ob sie jemals Zysten gehabt habe, stellte
sie die Gegenfrage, von was für Zysten die Rede sei, ob es um solche im Bauch
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gehe. Nochmals auf die Aussage ihres Vaters im Telefongespräch betreffend Zys-
ten angesprochen, erklärte sie, schon vorhin gesagt zu haben, dass sie Schmer-
zen gehabt und Tropfen bekommen habe (Urk. 8/4 S. 7). Auf weitere Fragen, wie
denn der Vater von Zysten erfahren habe, antwortete die Privatklägerin, sie habe
zwei Tage, nachdem sie das Frauenhaus verlassen habe, mit ihm "darüber" ge-
sprochen. Es seien keine Zysten gewesen; sie habe ihren Eltern gesagt, dass sie
niemanden "davon" erzählen sollten, sie habe Schmerzen gehabt und deswegen
Tabletten bekommen (Urk. 8/4 S. 6 f., S. 8). Anlässlich der Hauptverhandlung vor
Vorinstanz bejahte die Privatklägerin dann die Frage, ob sie am 20. März 2018
schwanger gewesen sei, zunächst wieder ausdrücklich und erklärte, damals im
Stress gewesen zu sein. In der Nacht, nachdem sie ins Frauenhaus gebracht
worden sei, habe sie Blutungen bekommen und sei den ganzen Tag im Kranken-
haus gewesen. Die Untersuchungsergebnisse oder eine schriftliche Mitteilung ha-
be sie nicht erhalten; sie "wisse es nicht". In welchem Monat sie gewesen sei,
wisse sie mangels Ergebnissen ebenfalls nicht. Auf Frage, woher sie gewusst ha-
be, dass sie schwanger sei, antwortete sie, dass ihre Periode überfällig gewesen
sei, wobei sie nicht wisse, ob dies aufgrund der Schwangerschaft oder des Stres-
ses passiert sei. Dazu wie lange die Periode ausgeblieben war, konnte die Privat-
klägerin nichts sagen (Prot. S. 54 f.). Einmal abgesehen davon, dass trotz der in
diesem Punkt reichlich konfusen Antworten der Privatklägerin aufgrund der tele-
fonisch getätigten Äusserungen ihres Vaters Anhaltspunkte für das Vorhanden-
sein von Zysten im März 2018 bestehen, ist festzuhalten, dass der in der gynäko-
logischen Untersuchung in Mazedonien im August 2017 erhobene Befund unauf-
fällig war, also keine Schwangerschaft, aber auch keine Zysten zeigte. Allerdings
kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich solche später, namentlich bis Ok-
tober 2017 entwickelt haben könnten. Kommt hinzu, dass Zysten ein Grund für
(zwar seltene) falsche positive Schwangerschaftstests sein können (https://de.
clearblue.com/ schwangerschaftstests/falsch-positive, besucht am 6. März 2020).
Ungeachtet dessen berichtete die Privatklägerin, dass es auch im März 2018 zu
(vaginalen) Blutungen gekommen sei, die einen Krankenhausbesuch erfordert
hätten, und ebenso zu Schmerzen, die mit Tropfen behandelt worden seien.
Obschon auch dazu gesicherte Informationen fehlen, kann gesagt werden, dass
- 17 -
diese Blutungen und Schmerzen ebenso eine Parallele zum Zustand der Privat-
klägerin im Oktober 2017 darstellten wie ihre Vermutung, schwanger zu sein.
Dass nicht nur ein Schwangerschaftsabbruch, sondern auch Unterleibserkran-
kungen wie Zysten starke Blutungen und Schmerzen verursachen können, ist als
allgemein bekannt vorauszusetzen. Diese Parallelen zwischen der Situation der
Privatklägerin im Herbst 2017 und im März 2018 sowie die aktenkundig wider-
sprüchlichen Informationen zu Zysten der Privatklägerin sind jedenfalls bereits
geeignet, die Hypothese einer im Oktober 2017 bestehenden Schwangerschaft
der Privatklägerin zu Gunsten des Beschuldigten zu erschüttern.
3.1.4. Weitere, allenfalls genügende Rückschlüsse auf eine damalige Schwanger-
schaft könnten sich aber noch aus den Schilderungen der Privatklägerin betref-
fend den von ihr vermeintlich erlittenen Abort im Oktober 2017 ziehen lassen. In
ihrer ersten Einvernahme erklärte die Privatklägerin hierzu, damals die ganze
Nacht starke Bauchschmerzen gehabt zu haben, so dass sie nicht habe schlafen
können. Am Morgen habe sie dann Krämpfe und starke Blutungen bekommen
und das Kind verloren. Die Familie des Beschuldigten habe ihr nur alte Tücher
gegen die Blutungen gegeben und ihr ein aus Italien mitgebrachtes Medikament
gegen ihre grossen Schmerzen im Unterleib verabreicht (Urk. 8/1 S 7 f.). In der
zweiten Befragung führte sie aus, damals also schwanger gewesen zu sein und
mit dem Beschuldigten Streit gehabt zu haben. Weil sie (bereits) Blut verloren ha-
be, sei sie duschen gegangen. Sie habe Schmerzen gehabt und den Beschuldig-
ten gebeten, sie ins Spital zu bringen. Sie hätten dann diskutiert, er sei wütend
geworden und habe ihr Faustschläge und Fusstritte gegen den Bauch gegeben.
Auf Frage, was dann passiert sei, erklärte die Privatklägerin, sie habe am nächs-
ten Morgen um etwa neun Uhr starken Blutverlust gehabt, wobei sie gemerkt ha-
be, dass sie das Kind verloren habe (Urk. 8/2 S. 4). In der dritten Einvernahme
führte sie auf Frage aus, bei den von ihr erwähnten Blutungen habe es sich um
vaginale Blutungen gehandelt (Urk. 8/4 S. 4). Vor Vorinstanz erzählte die Privat-
klägerin, nach den Schlägen die ganze Nacht Bauchschmerzen bzw. starke
Schmerzen gehabt zu haben, auch noch als der Beschuldigte arbeiten gegangen
sei. Sie sei auf die Toilette gegangen und habe sehr stark geblutet. Am kommen-
den Tag seien dessen Eltern vorbei gekommen und hätten Medikamente, wohl
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Schmerzmittel, aus Italien gebracht. Sie habe weiterhin geblutet und ihre Schwie-
germutter habe ihr alte Kleidung gegeben, um diese als Binde zu verwenden
(Prot. I S. 39). Der Abort habe gegen neun Uhr morgens am Tag nach der Ausei-
nandersetzung mit dem Beschuldigten stattgefunden. Schon vor dem Streit mit
ihm sei sie sehr müde gewesen und habe beim Duschen bemerkt, dass sie ein
oder zwei Tropfen Blut verloren habe (Prot. I S. 40, S. 48). Auf ausdrückliche Fra-
ge nach dem Unterschied zwischen den Blutungen und Schmerzen vor und nach
den Schlägen erklärte sie, die Schmerzen, die sie nach den Schlägen bekommen
habe, seien unbeschreiblich gewesen. Diese Schmerzen könne man nicht mit den
Schmerzen von davor vergleichen. Sie habe dauernd einen Brechreiz gespürt.
Die Blutungen nach den Schlägen seien stark gewesen. Es sei unvergleichbar
gewesen. Sie habe keine Erfahrung gehabt und nicht gewusst, was zu tun sei,
sich machtlos gefühlt und den Eindruck gehabt, dass sie jeden Moment in Ohn-
macht falle (Prot. I S. 48 f.). Auf Aufforderung, die Blutungen nach den Schlägen
zu beschreiben, antwortete die Privatklägerin, sie habe während der ganzen
Nacht und auch am kommenden Tag nach dem Aufstehen starke Schmerzen ge-
spürt. Als sie ins Badezimmer gegangen sei, um die Notdurft zu verrichten, hätten
die starken Blutungen angefangen. Als der Befragende auf eine nähere Beschrei-
bung einschliesslich Konsistenz, Form und Grösse insistierte, erklärte sie, sich
wie in einem Schockzustand gefühlt zu haben. Ihr Bauch hätte sich sehr leicht
angefühlt und ausserdem habe sie starke Schmerzen gehabt. Sie wisse nicht, ob
sie diese Blutung als schwarze Blutung beschreiben dürfe. Sie sei sehr stark ge-
wesen (Prot. S. 49). Die weitere ausdrückliche Nachfrage, ob das was ausgetre-
ten sei, eine feste Form gehabt habe, bejahte sie und erklärte auf die Frage nach
dem Aussehen, es habe wie ein kleiner Embryo ausgesehen, sie wisse es nicht
so genau. Sie könne es nicht näher beschreiben. Sodann wiederholte sie, viel
Blut verloren zu haben und meinte, sie habe, ehrlich gesagt, nicht sehr viele In-
formationen über einen Fötus und wisse gar nicht wie ein solcher in diesem Alter
aussehe (Prot. I S. 50). Aufgrund dieser Aussagen der Privatklägerin bestehen
zwar durchaus starke Anhaltspunkte, dass sie im Oktober 2017 mindestens zwei
Tage an Unterleibsschmerzen und vaginalen Blutungen gelitten hat. Dass sie je-
doch nicht besser in der Lage war, vor allem in der spontanen Erzählung des Er-
- 19 -
eignisses ihre Schmerzen und die Art ihrer Blutung so zu beschreiben, dass prak-
tisch nichts Anderes als ein Abort in Frage käme, gibt Anlass zur Skepsis. Viel-
mehr berichtete die Privatklägerin weitgehend eindimensional von (starken)
Schmerzen und (starken) Blutungen, ohne eine individuelle und subjektiv gefärbte
Beschreibung von beidem abgeben zu können. Erst als die Fragen immer ge-
schlossener wurden, kam es durch die bejahenden Antworten der Privatklägerin
zu einem genaueren Bild. Erstaunlich ist insbesondere, wie inhaltsleer der Mo-
ment beschrieben wurde, in welchem sie das ungeborene Kind verloren zu haben
glaubte und wie dürftig und ausweichend sie sich zur Konsistenz der bei der
Blutung ausgetretenen Substanz äusserte. Dieses Aussageverhalten kann zwar
ebenso auf eine kulturbedingte Zurückhaltung oder auf generell vorhandene
Hemmungen, möglicherweise aber auch auf den Umstand zurückgeführt werden,
dass es nichts Besonderes zur Art der Blutung zu sagen gab. Wie dem auch sein
mag, enthalten die Schilderungen der Privatklägerin kaum genügend präzise An-
haltspunkte, aufgrund derer im Rahmen eines Strafverfahrens mit der erforderli-
chen Zuverlässigkeit auf einen tatsächlich erlittenen Abort und somit auf eine vor-
bestandene Schwangerschaft geschlossen werden könnte.
3.1.5. Insgesamt verbleiben trotz der im angefochtenen Entscheid aufgeführten,
durchaus plausiblen Anhaltspunkte, die für eine damalige Schwangerschaft der
Privatklägerin sprechen, unüberwindbare Zweifel, dass eine solche objektiv tat-
sächlich bestand.
3.1.6. Davon, dass die Privatklägerin im Herbst 2017 wider besseren Wissens
behauptet hätte, ein Kind zu erwarten, kann dennoch nicht ausgegangen werden.
Aufgrund ihrer Schilderungen ist zumindest anzunehmen, dass sie persönlich da-
von überzeugt war und uneingeschränkt an eine Schwangerschaft glaubte. Im-
merhin hatte sie verschiedene Personen aus ihrem Umfeld, einschliesslich den
Beschuldigten und ihre Nachbarn, in die vermeintliche Schwangerschaft einge-
weiht und freute sich auf das Kind. Soweit aufgrund des Zweifelssatzes eine
Schwangerschaft als objektiv nicht erstellbar zu betrachten ist, muss daher zu-
mindest angenommen werden, die Privatklägerin, die sich offenbar stark ein Kind
wünschte, sei irrig der Meinung gewesen, in Erwartung zu sein.
- 20 -
3.1.7. Daher können – entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 178 S. 6) –
auch die übrigen Angaben der Privatklägerin zum Vorfall im Oktober 2017 nicht
einfach mit Verweis auf die nicht genügend erstellbare Schwangerschaft als
unglaubhaft abgetan werden. Vielmehr schilderte sie spontan und im Kern
konstant, dass der Beschuldigte sie damals nach einem verbalen Streit mehrfach
stark mit der Faust in den Bauch geschlagen habe (8/1 S. 7; 8/2 S. 4, S. 5; Prot. I
S. 39). Mitunter war dabei auch von Fusstritten oder Schlägen des Beschuldigten
mit dem Knie die Rede. Die Privatklägerin korrigierte jedoch auf Nachfrage unver-
züglich, es habe bei diesem Vorfall keine Fusstritte gegeben, und seine Knie habe
der Beschuldigte insofern benutzt, als er sich auf sie gekniet habe, nachdem er
sie rücklings auf die Matte am Boden gestossen habe (Urk. 8/2 S. 5). Auch die
Ursache ihres Streites konnte die Privatklägerin im Grundsatz noch benennen
(Urk. 8/1 S. 7; Prot. I S. 38). Zu Recht hebt die Vorinstanz hervor, wie der Be-
schuldigte – mit diesem Vorwurf erstmals konfrontiert – vorab betonte, wie er und
seine Mutter die Privatklägerin in Schutz genommen und ihr gesagt hätten, sie
solle nichts Schweres tragen, sie jedoch nicht habe hören wollen und sich nicht
genügend geschont habe, so dass sie am Verlust des Kindes selber schuld sei
(Urk. 7/2 S. 9). Stillschweigend davon ausgehend, dass die Privatklägerin damals
tatsächlich ein Kind erwartete, war er augenscheinlich bemüht, die Verantwortung
für den vermeintlichen Abort der Privatklägerin selbst zuzuschieben. Diese Hal-
tung des Beschuldigten änderte sich in der Folge jedoch drastisch, bis er anläss-
lich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung gar explizit verneinte, je von einer
Schwangerschaft der Privatklägerin ausgegangen zu sein, um eine Frage später
zu erklären, im siebten Himmel gewesen zu sein, als die Privatklägerin ihn betref-
fend die Schwangerschaft angelogen habe, und anschliessend wieder zu sagen,
nie an die Schwangerschaft geglaubt zu haben (Prot. I S. 79). Dieser enorm wi-
dersprüchliche Versuch des Beschuldigten, das Thema auf den fraglichen Be-
stand einer Schwangerschaft zu konzentrieren, ist als Manöver zur Ablenkung
von den ihm vorgeworfenen gewalttätigen Handlungen zu sehen. Zu Recht be-
zeichnete die Vorinstanz ferner das Bemühen des Beschuldigten, sich selbst und
seine Familie in einem ausschliesslich guten und die Privatklägerin und ihre Fami-
lie in einem ausschliesslich schlechten Licht darzustellen, in der Folge aber den-
- 21 -
noch wieder sein Interesse an ihr zu bekunden, als auffällig (Urk. 112 S. 23).
Auch an der Berufungsverhandlung legte der Beschuldigte ein exemplarisch aus-
weichendes Aussageverhalten an den Tag (vgl. Urk. 175 S. 8 ff.). Er beantwortete
für ihn heikle Fragen nie direkt, sondern verlor sich in ausschweifenden Erklärun-
gen ohne Bezug auf die gestellten Fragen. Der Beschuldigte stellt die Behauptung
betreffend die Schwangerschaft und die gegen ihn erhobenen Vorwürfe als Ver-
schwörung seitens der Familie der Privatklägerin dar. So soll beispielsweise die
Ärztin in Mazedonien von der Familie der Privatklägerin bedroht worden sein (Urk.
175 S. 8). Für eine Verschwörung bestehen jedoch keinerlei Anhaltspunkte. Fer-
ner ist zu bedenken zu geben, dass bereits kein vernünftiger Grund ersichtlich ist,
weshalb die Privatklägerin, nur um dem Beschuldigten damit später zu schaden,
ab August bis Herbst 2017 und damit kurz nach dem Hochzeitsfest, bewusst eine
nicht vorhandene Schwangerschaft hätte inszenieren sollen. Die Bemerkung des
Beschuldigten, in Mazedonien sage man, man sei schwanger, wenn die Sache
nicht funktioniere, damit das Paar zusammenbleibe (Prot. I S. 79), ist jedenfalls
äusserst fadenscheinig und wiederum vom Bemühen getragen, der Privatklägerin
unlautere Motive zu unterstellen. Folgt man der Argumentation des Beschuldig-
ten, hätte es bei dieser vorgetäuschten Schwangerschaft aber nicht einmal sein
Bewenden gehabt; vielmehr müsste die Privatklägerin dieses angeblich erlogene
Fundament Monate später bei der Polizei spontan wieder aufgegriffen und dazu
benutzt haben, erfundene Gewalttätigkeiten des Beklagten darin einzuflechten.
Von einer derartigen Raffinesse ist die Privatklägerin jedoch offenkundig nicht. Sie
ist keine berechnende Strategin. Im Gegenteil macht sie den Eindruck einer ein-
fach denkenden Person, die sich überdies leicht verwirren lässt. Die Version der
Privatklägerin wird zu guter Letzt durch den Umstand gestützt, dass der Beschul-
digte ihr unmittelbar danach ihr Mobiltelefon wegnahm, um sie dem Einflussbe-
reich ihrer Mutter und ihres Zwillingsbruders zu entziehen, wie er in seiner ersten
Einvernahme einräumte (Urk. 7/1 S. 10). Hätte die Privatklägerin ohne Zutun des
Beschuldigten vaginale Blutungen erlitten und gemeint, ihr Kind einfach so verlo-
ren zu haben, hätte es nicht den geringsten Grund für ein derartiges Vorgehen
des Beschuldigten gegeben.
- 22 -
3.1.8. Im Ergebnis ist der erste Abschnitt der Anklageziffer 1.1. mit der gerade
dargelegten Präzisierung, d.h. mit Ausnahme der objektiv nicht genügend nach-
gewiesenen Schwangerschaft der Privatklägerin und des Aborts, als erstellt zu
betrachten.
3.1.9. Auf den Tatbestand des (vollendeten) strafbaren Schwangerschaftsab-
bruchs im Sinne von Art. 118 Abs. 2 StGB muss bei diesem Ergebnis nicht näher
eingegangen werden, zumal ein entscheidendes Sachverhaltselement, genauer
das Bestehen einer Schwangerschaft, nicht nachgewiesen werden konnte. Nimmt
ein Täter jedoch irrig an, er führe einen Abbruch an einer Schwangeren aus, die in
Wahrheit gar nicht schwanger ist, so liegt ein absolut untauglicher Versuch vor
(Art. 22 Abs. 1 StGB). In Anwendung der Regel "in dubio pro reo" ist insbesonde-
re, wenn der Beweis der Schwangerschaft nicht möglich ist, von einem untaugli-
chen Versuch dieses Delikts auszugehen (BSK StGB-Schwarzenegger/Heimgart-
ner, N 2 Vor Art 118 mit Hinweisen; BGE 76 IV 153; Urteil des Obergerichts des
Kantons Zürich SB110601 vom 19. Juli 2012, E 3.4.3 und 4.3, SB110514 E.
4.2.1).
3.1.10. Wie vorne dargelegt, war der Beschuldigte im Herbst 2017 überzeugt,
dass die Privatklägerin ein Kind erwartet. Zumal er sich auf das Kind freute und
bereits eine Zuneigung zu diesem verspürte (vgl. Prot. I S. 37, S. 79), kann ihm
nicht unterstellt werden, dass das direkte Ziel seiner Gewalttätigkeiten im Abbruch
der vermeintlichen Schwangerschaft bestand. Jedoch musste er davon ausgehen
und nahm er daher in Kauf, dass er mit seinen Faustschlägen in den Bauch der
Privatklägerin nicht nur dieser Schmerzen und Verletzungen verursachen, son-
dern ihr und dem vermeintlich ungeborenen Kind derart Schaden zufügen würde,
dass es zu einem Abort kommen würde. Damit ist der Beschuldigte des (untaugli-
chen) Versuchs des strafbaren Schwangerschaftsabbruches im Sinne von Art.
118 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. Der Voll-
ständigkeit halber ist klarzustellen, dass keinerlei Anhaltspunkte für das Vorliegen
eines groben Unverstands des Beschuldigten im Sinne von Art. 22 Abs. 2 StGB
bestehen.
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3.1.11. Weiter ist in rechtlicher Hinsicht von Bedeutung, dass der Beschuldigte mit
Faustschlägen gewaltsam auf den Körper, genauer gesagt den Bauch der Privat-
klägerin einwirkte. Die Vorinstanz tat zweifellos richtig daran, eine solche Serie
von heftigen Faustschlägen, die der Beschuldigte, ein ca. 180 bis 183 cm grosser
und ca. 80 bis 90 kg schwerer Mann, der ca. 160 cm grossen und 50 bis 55 kg
schweren, und vermeintlich schwangeren Privatklägerin verabreichte (Urk. 7/2 S.
6; Urk. 7/3 S. 3; Gutachten IRM), als einfache Körperverletzung zu taxieren (Urk.
112 S. 50). Er tat ihr damit körperlich sehr weh, demütigte sie und fügte ihr neben
den tagelangen körperlichen auch seelische Schmerzen zu.
3.1.12. Die Faustschläge erfolgten soweit ersichtlich in einem sehr engen Zeit-
fenster, weshalb von einem einheitlichen Tatgeschehen auszugehen ist. Die
Vorinstanz ging gestützt auf zutreffend zitierte Literaturstellen davon aus, dass
Art. 123 StGB von Art. 118 StGB konsumiert wird. Dabei ist insbesondere auf die
im angefochtenen Entscheid angeführte, überzeugende Literaturstelle zu verwei-
sen, wonach insoweit unechte Konkurrenz zwischen einfacher Körperverletzung
einer Schwangeren und einem strafbaren Schwangerschaftsabbruch bestehe, als
üblicherweise mit einem Schwangerschaftsabbruch verbundene Beeinträchtigun-
gen stattgefunden hätten. Hingegen stünden darüber hinausgehende Verletzun-
gen in echter Konkurrenz zu Art. 118 Abs. 2 StGB (Urk. 112 S. 51; Aebi-Müller/
Fellmann/Gächter/Rütsche/Tag, Arztrecht, Bern 2016, S. 400). Dies ist so zu
verstehen, dass alle Körperverletzungen darstellenden Handlungen, die darauf
gerichtet sind, einen Schwangerschaftsabbruch herbeizuführen, von Art. 118
StGB als konsumiert gelten. Die Literatur dürfte dabei offensichtlich medizinische
Eingriffe im Auge haben, welche ohne Einwilligung des Patienten immer eine
Körperverletzung darstellen. Die Frage, ob nicht auf eine die übliche Beeinträchti-
gung hinausgehende Handlung bzw. Verletzung zu schliessen wäre und echte
Konkurrenz zwischen den beiden Tatbeständen anzunehmen wäre, wenn eine
schwangere Frau "sinnlos" geschlagen und verletzt wird, worauf sie auch noch
das ungeborene Kind verliert, kann vorliegend indessen offen bleiben, da eine zu-
sätzliche Verurteilung wegen einfacher Körperverletzung angesichts des Ver-
schlechterungsverbots ohnehin nicht in Betracht kommt.
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3.2. Vorwurf der Nötigung durch Wegnahme des Mobiltelefons
3.2.1. Die Vorinstanz kam gestützt auf die Aussagen der Privatklägerin und des
Beschuldigten nachvollziehbar und überzeugend zum Schluss, es sei erstellt,
dass der Beschuldigte der Privatklägerin (nach dem vermeintlichen Abort) das
Mobiltelefon wegnahm, um zu verhindern, dass sie in Kontakt zu ihrer Familie tre-
ten würde (Urk. 112 S. 25). Seine diesbezüglichen Aussagen in der ersten Befra-
gung waren tatsächlich von nicht zu überbietender Klarheit (vgl. Urk. 7/1 S. 10).
Dass diese Angaben des Beschuldigten auf Probleme mit der Verständigung mit
der damaligen Dolmetscherin – respektive dem damaligen Dolmetscher F._
(Urk. 7/1 S. 1) – zurückzuführen sein sollen, ist bereits aus den von der Vor-
instanz angeführten Gründen (Urk. 112 S. 25 f.; vgl. Prot. I S. 86, S. 8) abwegig.
Der Beschuldigte gab an der Berufungsverhandlung zwar zu Protokoll, erst im
Gefängnis gut Albanisch gelernt zu haben, jedoch bestätigte er, nicht nur mit sei-
nen Eltern neben Italienisch zur Hälfte auf Albanisch zu sprechen, sondern auch
mit der Privatklägerin in besagter Sprache kommuniziert zu haben (Urk. 175
S. 12, S. 17). Dass es aufgrund blosser Verständigungsschwierigkeiten aus rei-
nem Zufall zu solchen, mit der Darstellung der Privatklägerin weitgehend überein-
stimmenden Aussagen gekommen wäre, ist auszuschliessen. Kommt hinzu, dass
sich in den Akten tatsächlich eine SMS des Beschuldigten an die Familie der Pri-
vatklägerin mit folgendem übersetzten Wortlaut findet: "Guten Morgen, ich bin
A'._, ab heute, wenn ihr mit G._ sprechen wollt, ruft mich an, denn
G._ hat kein Telefon mehr. Ciao, mach's gut. (Urk. 16/12/13). Diese SMS da-
tiert allerdings von Mitte September 2017, weshalb unklar ist, ob bzw. wie sie mit
dem hier zu beurteilenden Vorfall, welcher sich anfangs Oktober 2017 zugetragen
haben soll, in Zusammenhang steht (vgl. auch Prot. I S. 50 f.). Immerhin ergibt
sich daraus aber, dass der Beschuldigte in der zitierten Weise mit der Familie der
Privatklägerin kommunizierte, was auch die Privatklägerin so beschrieb (Prot. I S.
40).
3.2.2. In rechtlicher Hinsicht hält die Vorinstanz zutreffend fest, dass sich einer
Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB schuldig macht, wer jemanden durch Ge-
walt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere Beschränkung sei-
- 25 -
ner Handlungsfähigkeit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu dulden. Er-
gänzend ist zu bemerken, dass es sich um ein Erfolgsdelikt handelt; die Anwen-
dung des Nötigungsmittels muss den Betroffenen in seiner Handlungsfreiheit be-
einträchtigen (Urteil des Bundesgerichts 6B_819/2010 vom 3. Mai 2011 E. 5.1.).
Was das in der Bestimmung genannte Zwangsmittel der "anderen Beschränkung
der Handlungsfreiheit" anbelangt, muss eine solche Beschränkung, um tatbe-
standsmässig zu sein, derart ausfallen, dass das üblicherweise geduldete Mass
an Beeinflussung in ähnlicher Weise eindeutig überschritten wird, wie es für die
im Gesetz ausdrücklich genannten Zwangsmittel der Gewalt und der Androhung
ernstlicher Nachteile gilt (vgl. zum Ganzen BGE 134 IV 216 E. 4.1 mit weiteren
Hinweisen). Der Beschränkung muss mithin eine den gesetzlich genannten Mit-
teln vergleichbare Zwangswirkung hinsichtlich Intensität bzw. Wirkung zukommen
(BGE 119 IV 301 E. 2a. mit weiterem Hinweis). Folglich führt nicht jeder noch so
geringfügige Druck auf die Entscheidungsfreiheit eines andern zu einer Bestra-
fung nach Art. 181 StGB (BGE 129 IV 262 E. 2.1).
3.2.3. Die Vorinstanz vertritt die Auffassung, zwar seien sowohl das Mittel in Form
der Wegnahme des Mobiltelefons als auch der Zweck der Handlung des Beschul-
digten, nämlich die Unterbindung des Kontakts zwischen der Privatklägerin und
ihrer Familie unerlaubt, weshalb die Rechtswidrigkeit der Nötigung zu bejahen sei.
Jedoch hätte sich die Privatklägerin jederzeit ein neues Mobiltelefon besorgen
können, wie sie das später auch getan habe. Damit sei lediglich der Versuch einer
Nötigung anzunehmen (Urk. 112 S. 51). Die von der Vorinstanz berechtigterweise
in den Raum gestellte Alternative, welche der Privatklägerin zur Verfügung ge-
standen hätte, um trotz der Wegnahme des Mobiltelefons mit ihrer Familie in Kon-
takt zu treten, betrifft indes nicht nur die Frage des Erfolgseintritts, sondern auch
diejenige der Intensität der Nötigungshandlung des Beschuldigten. Tatsächlich
stehen heutzutage nebst einem Mobiltelefon diverse Kanäle zur Verfügung, um
Kontakt mit anderen Personen herzustellen. Auch hätte die Privatklägerin ihre
Familie wohl von ihren Nachbarn aus kontaktieren können. Dass die Privatkläge-
rin keine dieser Möglichkeiten hätte in Anspruch nehmen können, geht weder aus
der Anklageschrift noch aus den Akten genügend hervor. Im Übrigen fehlen in der
Anklageschrift Angaben, über welchen Zeitraum der Beschuldigte der Privatkläge-
- 26 -
rin das Mobiltelefon vorenthalten haben soll. Unter diesen Umständen fällt die in
der Anklage beschriebene Beschränkung der Handlungsfreiheit der Privatklägerin
zu geringfügig aus, um von einer strafbaren Nötigungshandlung ausgehen zu
können. Gestützt auf den in der Anklageschrift umschriebenen Sachverhalt ist der
Tatbestand der Nötigung vielmehr als nicht erfüllt zu betrachten.
3.3. Zwischenergebnis
Hinsichtlich der Anklageziffer 1.1 ist der Beschuldigte demzufolge wegen (untaug-
lichen) Versuchs eines strafbaren Schwangerschaftsabbruches im Sinne von
Art. 118 Abs. 2 StGB schuldig und vom Vorwurf der Nötigung im Sinne von Art.
181 StGB frei zu sprechen.
4. Anklageziffer 1.2: Vorwurf der mehrfachen (einfachen) Körperverletzung am 8./9. März 2018
4.1. Vorgeworfener Sachverhalt und Standpunkt des Beschuldigten und der
Vorinstanz
4.1.1. Zunächst kann auf die grundsätzlich zutreffende Wiedergabe des Vorwur-
fes und des Standpunktes des Beschuldigten im angefochtenen Entscheid ver-
wiesen werden (Urk. 112 S. 26). In der gebotenen Kürze ist daher festzuhalten,
dass der Beschuldigte die Privatklägerin am Abend des 8. März 2018 an den
Haaren und am Hals gepackt, ihr wiederum mehrere Faustschläge gegen den
Körper versetzt und sie am nächsten Morgen mit seinem Auto angefahren bzw.
damit am Bein touchiert haben soll (Urk. 19 S. 3; Urk. 112 S. 26).
4.1.2. Der Beschuldigte erinnerte sich zwar an eine Auseinandersetzung und die
dabei von der Privatklägerin erwähnten Begleitumstände an den beiden fraglichen
Tagen, schilderte den Ablauf jedoch anders. Er bestritt namentlich, die Privatklä-
gerin gepackt oder geschlagen zu haben und stellte den Vorfall mit dem Auto so
dar, dass es die Privatklägerin gewesen sei, welche sich vor das Auto gelegt habe
und ihm anschliessend auf die Motorhaube gesprungen sei, als sie ihn habe am
Wegfahren hindern wollen. Das sei alles gewesen (Urk. 7/1 S. 11 ff.; Urk. 7/2 S. 7
f.; Urk. 7/3 S. 2 f.; Urk. 7/5 S. 4; Prot. I S. 81 f., S. 89). An der Berufungsverhand-
- 27 -
lung stellte er den diesbezüglichen Vorwurf generell in Abrede. Die Privatklägerin
könne aussagen, was sie wolle (Urk. 175 S. 12).
4.1.3. Die Vorinstanz gab die Aussagen der Privatklägerin zu diesen Vorfällen
ausführlich wieder (Urk. 112 S. 27 ff.), worauf wiederum verwiesen werden kann.
Betreffend die Auseinandersetzung vom 8. März 2018 hielt sie fest, die Ausfüh-
rungen der Privatklägerin würden glaubhaft erscheinen, zumal eine Auseinander-
setzung wegen des Besuchs der Eltern des Beschuldigten von beiden Seiten
geschildert worden sei und der Beschuldigte die Privatklägerin bei Auseinander-
setzungen wiederholt geschlagen habe. Die Aussagen der Privatklägerin über
den Vorfall vom 9. März 2018 hielt die Vorinstanz für realistisch und glaubhaft,
währenddem der Beschuldigte offensichtlich bemüht sei, sich in bestem Licht
darzustellen. Den angeklagten Sachverhalt betrachtet sie als erstellt (Urk. 112
S. 33).
4.2. Auseinandersetzung vom 8. März 2018
4.2.1. Am Ende ihrer ersten Befragung vom 21. März 2018 berichtete die Privat-
klägerin zwar spontan vom Vorfall mit dem Auto am 9. März 2018, welcher in
Zusammenhang mit ihrem Wunsch gestanden habe, nach Mazedonien zu reisen,
was jedoch plötzlich mit einem Besuch ihrer Schwiegereltern kollidiert habe. Von
Gewalttätigkeiten am Vorabend erwähnte die Privatklägerin damals jedoch (noch)
nichts (Urk. 8/1 S. 8). Bereits in der nächsten Einvernahme schilderte sie nach
Darlegung der Umstände der annullierten Flugreise nach Mazedonien jedoch,
dass es deswegen einen Streit gegeben habe, bei welchem der Beschuldigte sie
geschlagen habe, bevor sie mit der Erzählung des Vorfalls mit dem Auto am
nächsten Morgen fortfuhr (Urk. 8/2 S. 6 f.). Auf Nachfrage bestätigte sie sodann,
am Vorabend im Rahmen eines Streites geschlagen worden zu sein, und führte
auf entsprechende Aufforderung näher aus, der Beschuldigte habe sie an den
Haaren gezogen, am Hals gepackt und ihr Faustschläge gegen den ganzen Kör-
per gegeben, welche zu vielen Flecken am ganzen Körper geführt hätten (Urk. 8/2
S. 7). Gegenüber der Vorinstanz schilderte sie den Konflikt wegen ihrer Reise
nach Mazedonien nochmals ausführlich und machte geltend, der Beschuldigte
habe ihr nicht erlaubt zu reisen und sie dafür geschlagen. Er habe sie an den
- 28 -
Haaren gepackt und ihr Faustschläge verpasst. Anschliessend berichtete sie vom
Vorfall am nächsten Morgen (Prot. I S. 41). Es sei so gewesen, dass er sie so-
wohl am Vorabend als auch am kommenden Morgen in dieser Weise geschlagen
habe (Prot. I S. 43 f.). In der Folge wurde die Privatklägerin aufgefordert, die
Schläge in Bezug auf diesen Vorfall – d.h. offensichtlich denjenigen vom 9. März
2018 – genauer zu schildern (Prot. I S. 44).
4.2.2. Die Schilderung dieser Handgreiflichkeiten des Beschuldigten durch die
Privatklägerin war eingewoben in eine von beiden Parteien zwar im Kern über-
einstimmend, in den Details jedoch etwas unterschiedlich wiedergegebene Aus-
einandersetzung betreffend einen von der Privatklägerin geplanten Familienbe-
such in Mazedonien sowie die Herausgabe von Geld hierfür einerseits und betref-
fend einen mit diesen Reiseplänen der Privatklägerin kollidierenden Besuch ihrer
Schwiegereltern oder ihrer Schwiegermutter in der Schweiz anderseits
(vgl. Urk. 7/1 S. 10; Urk. 7/2 S. 7 f.; Urk. 7/3 S. 2; Prot. I S. 41 und S. 81). Dass
der Beschuldigte an der Berufungsverhandlung einen Streit wegen der geplanten
Reise der Privatklägerin nach Mazedonien mit der Begründung in Abrede stellte,
sein Vater habe sie ja am darauf folgenden Montag zum Flughafen gefahren (Urk.
175 S. 11), zeigt exemplarisch dessen folgewidriges Aussageverhalten. Entgegen
der Überlegung des Beschuldigten ist mit der Tatsache, dass der Vater die Privat-
klägerin zum Flughafen fuhr, ein vorangehender Streit betreffend diese Reise
keineswegs ausgeschlossen. Immerhin erklärte der Beschuldigte auch an der
Berufungsverhandlung, dass und aus welchem Grund er der Privatklägerin deren
erstes selbstverdientes Geld vor der besagten Reise nach Mazedonien nicht hatte
herausgeben wollen (vgl. Urk. 175 S. 11 f.). Damit steht hinter der Darstellung der
Privatklägerin ein realer Hintergrund, an welchen diese anknüpfen konnte, was für
ihre Glaubwürdigkeit spricht. Das Ganze spielte sich zudem nur knapp zwei
Wochen vor der Anzeige der Privatklägerin ab, weshalb die Erinnerung an diesen
Vorfall noch recht frisch gewesen sein muss. Insofern ist der Privatklägerin im
Grundsatz durchaus zu glauben, dass sie am 8. März 2018 vom Beschuldigten
geschlagen wurde. Über Details der an diesem Abend angeblich ausgeübten
Gewalttätigkeiten, die eine genaue Einschätzung des Vorfalls erlauben würden,
berichtete die Privatklägerin jedoch nur dürftig. Sie sprach zwar mehrmals von
- 29 -
Faustschlägen, nur einmal erwähnte sie jedoch, dass diese gegen ihren Körper
versetzt worden seien und zu blauen Flecken geführt hätten (Urk. 8/2 A. 40 f.);
ebenfalls nur einmal sprach sie davon, am Hals gepackt worden zu sein (Urk. 8/2
A. 40 f.), und zweimal erklärte sie, der Beschuldigte habe sie an den Haaren ge-
zogen (Urk. 8/2 A. 40 f.) bzw. gepackt (Prot. I S. 41 und S. 44). Angaben zur In-
tensität und Anzahl dieser Handlungen fehlen dagegen ebenso wie die Erwäh-
nung von Schmerzen oder anderer Empfindungen ihrerseits in der damaligen Si-
tuation.
4.2.3. Damit lässt sich in Präzisierung der Anklageschrift (lediglich) genügend
erstellen, dass die Privatklägerin am Abend des 8. März 2018 vom Beschuldigten
"geschlagen" wurde, d.h. an den Haaren gezogen wurde und Faustschläge in
unklarer Anzahl und Intensität gegen den Körper versetzt erhielt, welche zu
Hämatomen in unklarer Anzahl und Intensität führten. Im darüber hinausgehen-
den Ausmass reichen die vorhandenen Beweismittel zur Erstellung der in der An-
klageschrift umschriebenen Gewalttätigkeiten nicht aus.
4.2.4. Der Vorinstanz ist unter diesen Umständen darin beizupflichten, dass keine
genügenden Anhaltspunkte für eine einfache Körperverletzung im Sinne von
Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB vorliegen und das erstellte Verhalten des Beschuldig-
ten daher als Tätlichkeit nach Art. 126 StGB zu würdigen ist. Auf die entspre-
chenden Erwägungen im angefochtenen Entscheid kann verwiesen werden (Urk.
112 S. 52).
4.3. Auseinandersetzung vom 9. März 2018
4.3.1. Auch diesem Vorfall liegt der gerade erwähnte Streit der Parteien um die
Reise der Privatklägerin nach Mazedonien zu Grunde. Die Privatklägerin und der
Beschuldigte schilderten den Ablauf und die Hintergründe dieses Ereignisses bis
auf diametrale Abweichungen betreffend ihr jeweiliges Verhalten beim Versuch
des Beschuldigten, mit dem Auto den Parkplatz des Wohnortes zu verlassen,
denn auch sehr ähnlich. Beide warteten mit einer über mehrere Befragungen hin-
weg gleichbleibenden und eigentümlichen Darstellung dieser von ihnen unter-
schiedlich wiedergegebenen Sequenz auf. Der Beschuldigte bestritt durchwegs
- 30 -
die Aussage der Privatklägerin, er habe sie beim Versuch, vom Parkplatz wegzu-
fahren, am Bein touchiert. Bemerkenswert ist andererseits, dass die Privatklägerin
nie explizit mit den durchaus plastisch vorgetragenen Behauptungen des Be-
schuldigten konfrontiert wurde, sie habe den hinteren Scheibenwischer des Autos
abgebrochen, sich auf die Fahrbahn gelegt und danach auf seine Motorhaube ge-
setzt, um ihn an der Wegfahrt zu hindern. Damit ist unklar, wie sie sich dazu stellt.
Ungeachtet dessen schilderte die Privatklägerin über sämtliche Befragungen hin-
weg nachvollziehbar, konsequent, authentisch und echt, wie sie verhindern wollte,
dass der Beschuldigte sich an diesem Morgen zur Arbeit begeben würde, ohne ihr
Geld für die Reise nach Mazedonien zu geben, was der Beschuldigte grundsätz-
lich bestätigte. Dass sie sich ihm in den Weg stellte, um ihr Ziel zu erreichen, ist
daher mehr als naheliegend. Aus ihren Bemerkungen, der Beschuldigte sei nicht
so schnell auf sie zu gefahren (Urk. 8/1 S. 9) und sie sei (nur) ein wenig am Bein
verletzt worden (Urk. 8/2 S. 7), ist sodann zu schliessen, dass sie von einer in
diesen Punkten leicht zu bewerkstelligenden, übermässigen Belastung des Be-
schuldigten absah. Erlebt und realistisch wirkt ihr Bericht ferner dort, wo sie er-
klärte, sie habe nicht damit gerechnet, dass der Beschuldigte tatsächlich losfah-
ren würde, vielmehr habe sie gedacht, er wolle ihr nur Angst einjagen, weshalb
sie (zunächst) nicht aus dem Weg gegangen sei (Urk. 8/2 S. 7 und S. 8; Prot. I S.
41). Nicht zuletzt passt das von beiden Parteien geschilderte Hochheben und
Hochtragen der Privatklägerin durch den Beschuldigten am Schluss viel besser zu
der von der Privatklägerin behaupteten Streifkollision und ihrem Sturz als zur mit-
unter vom Beschuldigten vorgetragenen Version, sich wegen des Aufzugs bzw.
des Verhaltens der Privatklägerin geschämt und diese deswegen nach Hause ge-
tragen zu haben (Urk. 7/2 S. 8; Prot. I S. 81). Zwar ist nicht auszuschliessen, dass
auch die immer gleichbleibende Schilderung des Verhaltens der Privatklägerin
durch den Beschuldigten, wonach sie den hinteren Scheibenwischer des Autos
abgebrochen, sich auf die Fahrbahn gelegt und danach auf seine Motorhaube ge-
setzt habe, den Tatsachen entspricht. In vielen Nuancen äusserte er sich aller-
dings von Einvernahme zu Einvernahme negativer bzw. abfälliger über die Privat-
klägerin, währenddem er sich selber in einem immer besseren Licht präsentierte.
So stellte er seine anfängliche Vermutung, die Privatklägerin könnte das Foto, das
- 31 -
er von ihr auf der Motorhaube geschossen habe, gelöscht haben, plötzlich als
Tatsache dar oder fand, er habe sich für den Aufzug und das Verhalten der Pri-
vatklägerin schämen müssen, bezeichnete sie schliesslich gar als Psychopatin,
die ihn dazu gebracht habe, sich als Sklave zu fühlen. Ferner erklärte er zu-
nächst, der Privatklägerin an diesem Morgen Fr. 300.– bzw. Fr. 200.– gegeben zu
haben, um dann vor Vorinstanz zu sagen, er habe ihr Fr. 600.– hingeworfen. Die
Art und Weise der Aussage des Beschuldigten hinterlässt nicht den Eindruck,
dass er alle Aspekte dieses Vorfalles, insbesondere sein eigenes Verhalten, voll-
ständig und den Tatsachen entsprechend geschildert hat. Insgesamt ist der Pri-
vatklägerin daher zu glauben, dass der Beschuldigte in der in der Anklageschrift
geschilderten Art überraschend auf sie losfuhr und sie mit dem Fahrzeug am Un-
terschenkel touchierte, wodurch sie einen Bluterguss in der Grösse eines Hand-
tellers erlitt.
4.3.2. Auch hier ist der Vorinstanz darin zuzustimmen, dass gestützt auf die
vorhandenen Angaben und Sachverhaltsumschreibung der Nachweis für das
Vorliegen einer einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1
StGB statt lediglich einer Tätlichkeit nach Art. 126 StGB nicht geführt werden
kann. Auf die entsprechenden Erwägungen im angefochtenen Entscheid kann
abermals verwiesen werden (Urk. 112 S. 52).
4.4. Zwischenergebnis
Insgesamt ist der Beschuldigte mit Bezug auf die ihm unter Anklageziffer 1.2.
gemachten Vorwürfe der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 StGB
schuldig zu sprechen.
5. Anklageziffer 1.3: Vorwurf der Gefährdung des Lebens, der , einfachen Körperverletzung und mehrfachen Tätlichkeiten und  am 20. März 2018
5.1. Vorgeworfener Sachverhalt und Standpunkt des Beschuldigten sowie der
Vorinstanz
5.1.1. Der dem Beschuldigten in der Anklageschrift gemachte Vorwurf wurde im
angefochtenen Entscheid ausführlich wiedergegeben, worauf abermals verwiesen
- 32 -
werden kann. Kurz gesagt geht es um die Auseinandersetzung zwischen dem
Beschuldigten und der Privatklägerin vom 20. März 2018, welche schliesslich zur
Anzeige führte. Der Beschuldigte soll dabei die auf dem Sofa liegende Privat-
klägerin mit seinem in deren Bauch gedrückten Knie fixiert und sie mit einer Hand
gewürgt haben, bis sie ihn gebissen habe, ihr Mobiltelefon an sich genommen
und zerstört haben und die Privatklägerin sodann mit Faustschlägen gegen Kör-
per und Kopf und mehreren Ohrfeigen traktiert haben. Als sie ihm in Aussicht ge-
stellt habe, die Polizei zu verständigen, habe er gedroht, er würde dafür jemanden
in Mazedonien bezahlen lassen und insbesondere ihren Brüdern etwas antun
(Urk. 112 S. 34; Urk. 30 S. 3 f.).
5.1.2. Der Beschuldigte räumte zwar ein, das Mobiltelefon der Privatklägerin
zerstört zu haben, bestritt jedoch, ihr gegenüber gewalttätig geworden zu sein
(so auch an der Berufungsverhandlung; Urk. 175 S. 13 f.).
5.1.3. Die Vorinstanz hielt den Sachverhalt mit Bezug auf die Gewalthandlungen
dagegen für erstellt (Urk. 112 S. 46). Vom Vorwurf der Drohung sprach sie den
Beschuldigten frei (Urk. 112 S. 48), was rechtskräftig geworden und vorliegend
nicht mehr zu überprüfen ist.
5.2. Gewalthandlungen des Beschuldigten am 20. März 2018
5.2.1. Wiederum kann vorab auf die im angefochtenen Entscheid ausführlich
wiedergegebenen Aussagen des Beschuldigten und der Privatklägerin verwiesen
werden (Urk. 112 S. 36).
5.2.2. Wie erwähnt handelte es sich beim Vorfall vom 20. März 2018 um diejenige
Auseinandersetzung, welche dazu führte, dass die ansonsten recht unbedarft
wirkende, mit den Schweizer Verhältnissen und Institutionen schlecht vertraute
und der deutschen Sprache nicht mächtige Privatklägerin sich an die Polizei
wandte. Allein dass sie sich zu diesem Schritt überwinden konnte, lässt bereits
auf eine gewisse Tragweite des Ereignisses schliessen. Sie wurde denn auch als
erstes zu diesem Vorfall befragt, und ihre entsprechenden Schilderungen wiesen
über die verschiedenen Befragungen hinweg eine hohe Konstanz auf. Dabei un-
- 33 -
terliess es die Privatklägerin auch nicht, über ihre eigene Rolle und Reaktion zu
sprechen. So erzählte sie, dass es zu dem Streit gekommen war, weil sie eine
App auf ihrem Mobiltelefon installiert gehabt habe, welche ihre mündliche Kom-
munikation aufzeichne, worüber der Beschuldigte sich geärgert habe, insbeson-
dere als er das leuchtende rote Zeichen für das eingeschaltete Mikrofon auf ihrem
Display gesehen habe (Urk. 8/1 S. 2, S. 4 f.; Urk. 8/2 S. 8; Prot. I S. 30). Dieses
eigentümliche Detail lässt die Erklärung der Privatklägerin, wie der Streit ange-
fangen habe, sehr glaubhaft erscheinen; dies umso mehr, als der Beschuldigte in
Übereinstimmung mit der Privatklägerin zugab, das Mobiltelefon der Privatkläge-
rin zerstört zu haben, indem er es zuerst auf den Boden geworfen habe, so dass
es krumm geworden und das Display zersprungen sei, worauf er es noch in die
Toilette geworfen, herausgenommen und in seine Hosentasche gesteckt habe
(Urk. 7/1 S. 5; Prot. I S. 31, S. 33). In einer anderen Einvernahme widersprach er
sich allerdings insofern, als er erklärte, sein eigenes Handy in die WC-Schüssel
getan zu haben (Urk. 7/2 S. 5), was angesichts seiner Zugaben aber offenbar
nicht stimmt – unabhängig von den vom Beschuldigten mit dieser Aussage mög-
licherweise angesprochenen Eigentumsverhältnissen. Zudem betrachtete der Be-
schuldigte ohnehin alle Mobiltelefone der Parteien als ihm gehörend. Vor Vo-
rinstanz erklärte der Beschuldigte sodann, das Mobiltelefon sei kaputt gegangen,
als die Privatklägerin ihn gebissen habe (Prot. I S. 83), ohne näher zu erläutern,
wie es dazu kommen konnte. An der Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte
demgegenüber zu, das Handy zerstört zu haben, nachdem ihn die Privatklägerin
gebissen habe (Urk. 175 S. 13 ff.). Die verharmlosenden Darstellungen sind dem
Beschuldigten nicht zu glauben, sondern es ist auf die Darstellung der Privatklä-
gerin, die der Beschuldigte anfangs selbst bestätigte, abzustellen. Für die Weg-
nahme des Mobiltelefons und seinen Wutausbruch vermochte der Beschuldigte
keinen anderen als den von der Privatklägerin behaupteten nachvollziehbaren
Grund anzuführen (Urk. 7/1 S. 2; Urk. 7/2 S. 2). Wenn er an der Berufungsver-
handlung ausführte, er habe der Privatklägerin das Handy weggenommen, weil
sie ihm den ganzen Tag Stress gemacht und ihn angerufen habe (Urk. 175 S. 13
f.), überzeugt dies nicht und änderte in der Sache wenig. Die Art, wie er mit dem
Handy verfuhr, sagt zudem einiges über seine damalige Stimmung aus. Immer
- 34 -
gleichbleibend beschrieb die Privatklägerin sodann, wie der Beschuldigte sie zu-
vor im Streit um das Telefon mit der rechten Hand einige Sekunden gewürgt ha-
be, als sie auf dem Rücken auf dem Sofa gelegen habe und dabei sein Knie an
ihrem Bauch gehabt habe. Ebenso beschrieb sie mehrmals in gleicher Weise, wie
der Beschuldigte sie mit der Faust geschlagen habe, ihr Ohrfeigen verpasst, sie
gestossen und an den Haaren gerissen habe und wie sie beide sich in diesem
Kampf durch die enge Wohnung bewegt hätten (Urk. 8/1 S. 2, S. 4 f.; Urk. 8/2
S. 9; Prot. I S. 30, S. 32 f., S. 47). Nicht zuletzt spricht für den Wahrheitsgehalt ih-
rer Aussage, dass die Privatklägerin sich nicht nur als passives Opfer darstellte,
sondern erwähnte, den Beschuldigten zweimal gebissen zu haben, als er sie ge-
würgt bzw. geschlagen habe (Urk. 8/1 S. 2, S. 5; Urk. 8/2 S. 8, S. 9; Prot. I S. 32,
S. 34, S. 47). Dieses zugestandene Beissen deckt sich im Übrigen mit einer
gleichlautenden Behauptung des Beschuldigten (Urk. 7/1 S. 3; Urk. 7/2 S. 2; Urk.
7/5 S. 4; Prot. I S. 84; Urk. 175 S. 13 f.).
5.2.3. Zutreffend hält die Vorinstanz sodann fest, dass die Darstellung der Privat-
klägerin durch andere Beweismittel gestützt wird, bestätigen doch beispielsweise
die Nachbarn von oben, D._ und E._, Geräusche eines langen Streites
der Parteien gehört zu haben, wobei die Privatklägerin gar lauter als der Beschul-
digte gewesen sei. Sie schilderten, wie die Privatklägerin sie in der Folge weinend
und mit einer Beule an der Stirn aufgesucht habe – was auch die Privatklägerin so
ausgeführt hatte (Urk. 8/2 S. 8) – und ihnen mit Gesten zu verstehen gegeben
habe, dass sie geschlagen worden sei; sie habe einen Tee bei ihnen getrunken
und sei wieder nach unten gegangen (Urk. 112 S. 44 f.; vgl. auch Prot. I S. 31).
Schliesslich wird die Aussage der Privatklägerin, wie die Vorinstanz ebenfalls rich-
tig bemerkt, durch ihre fotografierten und dokumentierten Verletzungen unter-
mauert, welche im Rahmen eines Gutachtens des IRM medizinisch gewertet wur-
den (Urk. 11/6; Urk. 112 S. 44 f.).
5.2.4. Die Darstellung des Beschuldigten, es sei ausschliesslich die Privatklägerin
gewesen, die sich ihm gegenüber gewalttätig gezeigt habe, weil er sie habe ver-
lassen wollen (Urk. 7/2 S. 3, S. 5); er habe sie nicht einmal berührt bzw. sie hätten
sich gegenseitig einfach gestossen (Prot. I S. 84) bzw. er habe sie immer von sich
- 35 -
weggestossen (Urk. 175 S. 14), überzeugt dagegen nicht, entlarven doch bereits
die gerade erwähnten Verletzungen, welche bei der Privatklägerin viel erheblicher
ausfielen als beim Beschuldigten, diese Behauptung als Lüge. Zudem konnte die
Privatklägerin, die im damaligen Zeitpunkt wiederum vermutete, schwanger zu
sein, nicht das geringste Interesse daran gehabt haben, handgreiflich gegenüber
dem ihr körperlich klar überlegenen Beschuldigten zu werden und ihn so zu einer
Gegenreaktion zu provozieren. Gegen die Glaubhaftigkeit der Darstellung des
Beschuldigten spricht weiter, dass er die ganze Vorgeschichte und den Vorfall vor
allem in der Hauptverhandlung vor erster Instanz plötzlich komplett anders
darstellte als sonst im Vorverfahren (Prot. I S. 82). Die Aussagen des Beschuldig-
ten, er habe die Privatklägerin nicht berührt, seine Hand sei aber möglicherweise
beim Wegstossen "abgerutscht" bzw. weil er verschwitzt gewesen sei nach oben
"geglitten", wodurch er die Privatklägerin am Hals berührt habe, und die Privat-
klägern habe "sich selber Schläge verpasst", sie sei "wie ein Killer" gewesen und
habe sich "wie ein Mann verhalten", er habe Angst vor ihr, er sei ein "Angsthase"
(Urk. 7/2 S. 4 f., S. 6 f.; vgl. auch Prot. I S. 83), sind als schon fast typische und
obendrein stereotype Schutzbehauptungen zu werten. Dass es aufgrund gewalt-
samer Aggressionen der Privatklägerin in Form einer Messerattacke oder Schlä-
gen mit einem Glas oder Bilderrahmen gegen den Kopf des Beschuldigten zu die-
ser Auseinandersetzung gekommen sei, wie der Beschuldigte behauptete und an
der Berufungsverhandlung auf Vorhalt erneut bestätigte (Urk. 175 S. 14), hat be-
reits die Vorinstanz mit zutreffender Begründung entkräftet (Urk. 112 S. 45 f.).
Auch wenn der Beschuldigte zuletzt vorbrachte, es habe sich dabei um ein billiges
chinesisches Messer zum Brot oder Fleisch schneiden gehandelt (Urk. 175 S.
15), wäre nicht plausibel, weshalb er nach dem Ergreifen der Messeklinge keiner-
lei Verletzungsspuren an der Hand aufwies. Der diesbezüglichen Behauptung des
Beschuldigten kann mit der Vorinstanz daher keinen Glauben geschenkt werden.
5.2.5. Unter diesen Umständen ist der Anklagesachverhalt mit Bezug auf die dem
Beschuldigten vorgeworfenen Gewalthandlungen in Übereinstimmung mit dem
angefochtenen Entscheid als erstellt zu betrachten.
- 36 -
5.2.6. In rechtlicher Hinsicht erkannte die Vorinstanz in Zusammenhang mit dem
Würgen auf eine Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB. Gemäss
dieser Bestimmung wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe
bestraft, wer einen Menschen in skrupelloser Weise in unmittelbare Lebensgefahr
bringt. Objektiv ist eine konkrete, unmittelbare Lebensgefahr erforderlich. Eine
solche liegt vor, wenn sich aus dem Verhalten des Täters nach dem gewöhnli-
chen Lauf der Dinge direkt die Wahrscheinlichkeit oder nahe Möglichkeit der To-
desfolge ergibt (BGE 133 IV 1 E. 5.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_794/2015
vom 9. Februar 2015, E. 3.2.2.). Subjektiv setzt der Tatbestand einen direkten
Vorsatz in Bezug auf die unmittelbare Lebensgefahr voraus; Eventualvorsatz ge-
nügt nicht (BGE 133 IV 1 E. 5.1). Eine konkrete unmittelbare Lebensgefahr bejah-
te die Vorinstanz gestützt auf das Gutachten des IRM vom 11. April 2018 und die
Aussagen der Privatklägerin gegenüber dem Gutachter (Urk. 112 S. 53 f.)
5.2.7. Was die Intensität und Folgen des einhändigen Würgens anbelangt, ist der
Klarheit halber zu betonen, dass dieses gemäss Anklageschrift einige Sekunden
lang andauerte, so dass die Privatklägerin Atemnot und später Schluckweh ge-
habt sowie Hautverfärbungen am Hals und an der Bindehaut des linken Augenun-
terlides eine (einzige) ca. 0.2 cm grosse Punktblutung erlitten habe (Urk. 20 S. 3).
5.2.8. In ihren Einvernahmen machte die Privatklägerin folgende näheren Anga-
ben zum einhändigen Würgen durch den Beschuldigten: In der ersten recht kur-
zen polizeilichen Befragung sagte sie, sie wisse wirklich nicht, wie lange er sie
gewürgt habe. Sie vermute, es habe ein paar Sekunden gedauert. Sie habe kei-
nen Urinabgang gehabt und sei auch nicht bewusstlos geworden (Urk. 8/1 S. 5).
In der zweiten Einvernahme sagte sie, er habe sie für einige Sekunden gewürgt.
Die ausdrückliche Frage, ob ihr dabei schwarz vor Augen geworden sei, bejahte
sie unter Hinweis, er habe auch sein Knie auf ihrem Bauch gehabt. Ebenfalls be-
jahte sie die Frage, ob sie Atemnot gehabt habe, verneinte jedoch Urinabgang
und Bewusstlosigkeit (Urk. 8/2 S. 9). Anlässlich der Hauptverhandlung schilderte
die Privatklägerin teilweise unter Tränen, dass ihr, als der Beschuldigte sie am
Hals gepackt habe, für ein paar Sekunden schwarz vor Augen worden sei. Sie
habe nicht gut atmen können, fast keine Luft mehr gekriegt und ihn nicht mehr
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sehr klar vor sich sehen können (Prot. I S. 30). Auf Nachfragen erklärte sie, der
Beschuldigte habe sie gewisse Sekunden am Hals gepackt, und zwar bis sie ihn
gebissen habe. Sie bestätigte, dass ihr dabei schwarz vor Augen geworden sei
und sie nicht mehr habe atmen können. Ebenfalls bejahte sie, Todesangst gehabt
zu haben. Der Beschuldigte habe sehr fest am Hals zugedrückt, was man an den
Spuren gesehen habe. Ausserdem habe sie lange Zeit, ca. zwei Wochen Hals-
schmerzen gehabt, wobei es sich so angefühlt habe, als hätte sie Fieber (Prot. I
S. 32, S. 47).
5.2.9. Im Gutachten des IRM wird – wie die Vorinstanz richtig feststellt – erwogen,
es sei möglich, dass die einzelne punktförmige Einblutung, die sich an der Binde-
haut des linken Augenunterlids der Privatklägerin befunden habe, auf einen An-
griff gegen ihren Hals zurückzuführen sei. Das Vorhandensein solcher Petechien
bestätige die hämodynamische Relevanz eines solchen Angriffs und werde als
objektiver Beleg einer Lebensgefahr gewertet. Klassischerweise führe ein Ab-
drücken der am Hals oberflächlich verlaufenden venösen Blutgefässe und die
dadurch bewirkte Behinderung des Abflusses von Blut aus dem Kopfbereich,
welche zu einem Druck führe, jedoch nicht nur zum Auftreten einer einzigen
Punktblutung. Damit sei ein kausaler Zusammenhang mit dem berichteten Angriff
gegen den Hals zwar denkbar, aber andere Erklärungen könnten nicht mit rechts-
genügender Sicherheit ausgeschlossen werden. Möglich sei aber auch, dass sich
andere Petechien in den ca. 24 Stunden zwischen dem Ereignis und der Untersu-
chung bereits wieder zurückgebildet gehabt hätten. Folge man zusätzlich den An-
gaben der Privatklägerin, wonach es im Rahmen des Würgens zu einem
Schwarzwerden vor Augen und zu Schwindel gekommen sei, würden jedenfalls
Symptome einer sauerstoffmangelbedingten Hirnfunktionsstörung vorliegen, wel-
che schlüssig auf einen Angriff gegen den Hals zurückgeführt werden könne. Auf-
grund der von der Privatklägerin geschilderten Symptome sei das Vorliegen einer
Lebensgefahr zu bejahen (Urk. 11/6 S. 5; Urk. 112 S. 53). Da sich das Gutachten
bei seinem Fazit, es habe Lebensgefahr bestanden, absolut überwiegend auf die
von der Privatklägerin im Rahmen der Erhebung des Befundes beschriebenen
Symptome abstützt (vgl. Urk. 11/6 S. 2), sind dessen entsprechenden Aussagen
mit der gebotenen Vorsicht zu würdigen. Dabei springt als erstes ins Auge, dass
- 38 -
sich die von der Privatklägerin gegenüber dem Gutachter gemachten Angaben
nur zum Teil mit ihren Schilderungen im Strafverfahren decken, sagte sie doch in
ihren Befragungen namentlich nie etwas davon, dass ihr schwindlig geworden sei.
Da eine solche Äusserung in ihren verwertbaren strafprozessualen Einvernahmen
nicht fiel, darf nicht zu Lasten des Beschuldigten darauf abgestellt werden. Damit
müsste das Bestehen einer Lebensgefahr letztlich auf die für die Einschätzung
des Gutachters relevante Aussage der Privatklägerin, ihr sei schwarz vor Augen
geworden, abgestützt werden. Dabei hat man sich zu vergegenwärtigen, dass die
erste Schilderung in diesem Sinne nicht in Form einer spontanen Erklärung der
Privatklägerin, mithin in ihren eigenen Worten erfolgte. Vielmehr wurde ihr eine
Frage mit diesem Wortlaut gestellt, welche sie nur zu bejahen brauchte. Obwohl
sie den entsprechenden Ausdruck anlässlich der Hauptverhandlung dann spontan
verwendete, erscheint ein solches Beweisfundament insgesamt zu dürftig, um da-
rauf das entscheidende objektive Sachverhaltselement der nahen Lebensgefahr
im Sinne von Art. 129 StGB abstellen zu können. Ferner fehlen vor diesem Hin-
tergrund Anhaltspunkte, um dem Beschuldigten mit genügender Sicherheit einen
direkten Vorsatz hinsichtlich der Schaffung einer Lebensgefahr unterstellen zu
können.
5.2.10. Ein Würgen, das zu Abdrücken auf der Haut am Hals, zu Atemnot und
fortdauernden Schmerzen im Halsbereich führt, ist aber dennoch zu sanktionie-
ren. Diese Handlung geschah bei gleicher Gelegenheit wie die folgenden Faust-
schläge gegen die Privatklägerin, das Packen an den Haaren und die Ohrfeigen.
Die Vorinstanz ging von verschiedenen einzelnen Handlungseinheiten aus und
wertete die Ohrfeigen zusätzlich als mehrfache Tätlichkeiten im Sinne von
Art. 126 StGB (Urk. 112 S. 57). Angesichts des gesamten Ablaufs und des engen
zeitlichen Zusammenhanges erscheint dies nicht situationsgerecht. Vielmehr sind
alle vom Beschuldigten am 20. März 2018 gegen die Privatklägerin gerichteten
Gewalthandlungen zusammengenommen als ein einziger Vorgang zu betrachten,
der darauf ausgerichtet war, ihr im Rahmen eines Handgemenges Verletzungen
und Demütigungen zuzufügen. Vor diesem Hintergrund und angesichts der von
der Privatklägerin erlittenen Blessuren ist der gesamte in Anklagevorwurf 1.3.
dargestellte Gewaltvorgang, soweit erstellt, als einfache Körperverletzung im Sin-
- 39 -
ne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 Abs. 1 und 4 StGB zu werten. Vom Vor-
wurf der Gefährdung des Lebens ist der Beschuldigte dagegen freizusprechen.
5.3. Sachbeschädigung
Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass der Beschuldigte jeweils
anerkannte, das Mobiltelefon der Privatklägerin beschädigt zu haben, was von der
Vorinstanz zutreffend als Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB
gewertet wurde. Dieser Schuldspruch ist, wie unter Ziffer I./2. erwähnt, bereits in
Rechtskraft erwachsen.
5.4. Gesamtfazit im Schuldpunkt
Demzufolge ist der Beschuldigte weiter des (untauglichen) Versuchs eines straf-
baren Schwangerschaftsabbruchs im Sinne von Art. 118 Abs. 2 StGB in Verbin-
dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 1.1), der einfachen Körperverletzung
im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 Abs. 1 und 4 StGB (Anklageziffer
1.3) sowie der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 StGB (Anklagezif-
fer 1.2) schuldig zu sprechen. Vom Vorwurf der Gefährdung des Lebens (Ankla-
geziffer 1.3) sowie vom Vorwurf der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB (Ankla-
geziffer 1.1) ist er hingegen freizusprechen.
III. Sanktion
1. Ausgangslage
1.1. Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten des vollendeten strafbaren
Schwangerschaftsabbruchs, der Gefährdung des Lebens, der einfachen Körper-
verletzung, der mehrfachen Tätlichkeiten, der Sachbeschädigung und der ver-
suchten Nötigung schuldig und bestrafte ihn mit einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren
und 5 Monaten sowie einer Busse von Fr. 1'200.– (Urk. 112 S. 84).
- 40 -
1.2. Die Verteidigung beantragte vor erster Instanz für den Eventualfall eines
Schuldspruches eine Freiheitsstrafe von 2 Jahren (Urk. 82; Prot. I. S. 96). Im
Berufungsverfahren wurde von der amtlichen Verteidigung eventualiter eine
Bestrafung von 6 Monaten Freiheitsstrafe (Prot. II S. 17), respektive von der
erbetenen Verteidigung eine Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von höchstens
24 Monaten beantragt (Urk. 178 S. 2).
1.3. Dass der Schuldpunkt im Vergleich zum Urteil der Vorinstanz teilweise an-
ders ausfällt, macht eine entsprechend neue Strafzumessung notwendig.
2. Strafzumessung
2.1. Vorbemerkung
2.1.1. Die relevanten Strafzumessungsregeln – insbesondere diejenigen bei Tat-
bzw. Deliktsmehrheit – wurden im angefochtenen Entscheid grundsätzlich korrekt
aufgeführt; zutreffend wurde auch festgehalten, dass zwischen Tat- und Täter-
komponente zu unterscheiden ist (vgl. Urk. 112 S. 58 ff.). Auf die entsprechenden
Ausführungen ist zu verweisen.
2.1.2. Der Tatbestand des versuchten strafbaren Schwangerschaftsabbruchs
wurde vom Beschuldigten noch 2017 erfüllt, also bevor am 1. Januar 2018
revidierte Bestimmungen des allgemeinen Teils des Strafgesetzbuches, das neue
Sanktionenrecht, in Kraft traten. Die weiteren Delikte geschahen hingegen im
Jahr 2018. Gemäss Art. 2 StGB wird ein Straftäter grundsätzlich nach demjenigen
Recht beurteilt, das bei Begehung der Tat in Kraft war, es sei denn, das neue
Recht sei das mildere. Der durch die Gesetzesrevision bewirkte Hauptunterschied
besteht darin, dass Geldstrafen im Gegensatz zu früher nicht mehr bis 360 Ta-
gessätze, sondern nur noch bis 180 Tagessätze zulässig sind, dafür aber anders
als vorher auch kurze Freiheitsstrafen ausgefällt werden können. Da der 2017
begangene versuchte strafbare Schwangerschaftsabbruch einzig eine Freiheits-
strafe vorsieht, wirkt sich die Revision insoweit nicht aus. Es ist hier daher – wie
bezüglich der im Jahr 2018 begangenen Delikte – ohne weiteres neues Recht an-
zuwenden.
- 41 -
2.1.3. Zu betonen ist, dass – wie die Vorinstanz richtig erkannte – die Bildung ei-
ner Gesamtstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB nur im Falle gleichartiger
Strafen für verschiedene Delikte möglich ist und Freiheits- und Geldstrafe nach
der Rechtsprechung des Bundesgerichts nicht als gleichartig gelten. Folglich sind
in einem ersten Schritt die Einzelstrafen für die verschiedenen erfüllten Tatbe-
stände konkret festzulegen, und anschliessend ist zu prüfen, aus welchen dieser
Einzelstrafen zufolge Gleichartigkeit Gesamtstrafen zu bilden sind. Dies entspricht
auch dem Vorgehen im angefochtenen Entscheid (Urk. 112 S. 65 ff.). Erweist sich
unter Beachtung des Verhältnismässigkeitsprinzips eine Geldstrafe für einzelne
der Delikte nicht mehr als schuldangemessen und zweckmässig, ist es im Übrigen
auch zulässig, auf Einzelfreiheitsstrafen von weniger als sechs Monaten zu er-
kennen, wenn die daraus zu bildende Gesamtstrafe sechs Monate übersteigt. Die
Gründe für die Wahl der Sanktionsart sind jedoch offen zu legen (BGE 144 IV 217
E. 4.3; Urteil 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.4).
2.2. Strafbarer Schwangerschaftsabbruch gemäss Anklageziffer 1.1
2.2.1. Ausgangspunkt für die Strafzumessung ist auch im Fall eines Versuchs das
vollendete Delikt. Das Gesetz sieht für das gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung als Ausgangspunkt der Strafzumessung zu nehmende schwerste
Delikt, den (vollendeten) strafbaren Schwangerschaftsabbruch im Sinne von
Art. 118 Abs. 2 StGB, eine Bestrafung ausschliesslich mit Freiheitsstrafe von ei-
nem bis zu zehn Jahren vor (vgl. auch Urk. 112 S. 62). Die versuchte Tatbege-
hung wird strafmindernd zu berücksichtigen sein, vermag angesichts der konkre-
ten Umstände, auf welche noch einzugehen sein wird, die Unterschreitung dieses
Strafrahmens jedoch nicht zu rechtfertigen. Weitere Gründe für ein Über- oder
Unterschreiten des ordentlichen Strafrahmens liegen nicht vor (BGE 136 IV 55
E. 58).
2.2.2. Mit Blick auf die objektive Tatschwere – d.h. die Auswirkungen der mut-
masslich vollendeten Tat in objektiver Hinsicht – ist in Übereinstimmung mit der
Vorinstanz, welche vom vollendeten Delikt ausging, auf das nicht zu unterschät-
zende Ausmass der Gewaltanwendung durch den Beschuldigten, jedoch auch
das frühe Stadium der vermeintlichen Schwangerschaft der Privatklägerin hinzu-
- 42 -
weisen. Auf die entsprechenden Überlegungen im angefochtenen Entscheid ist zu
verweisen (Urk. 112 S. 65). Das der Privatklägerin vom Beschuldigten zugefügte
körperliche und seelische Leid ist dennoch als gravierend zu taxieren. Die
Vorinstanz qualifizierte das objektive Verschulden daher zu Recht als nicht mehr
leicht. Von einem solchen Verschulden ausgehend fällt die im angefochtenen
Entscheid auf 24 Monate festgesetzte Einsatzstrafe, die noch weit im untersten
Drittel des Strafrahmens liegt, aber deutlich zu wohlwollend aus. Die Einsatzstrafe
müsste vielmehr im Bereich eines Viertels des Strafrahmens und mithin bei
ca. 39 Monaten liegen.
2.2.3. In subjektiver Hinsicht tat die Vorinstanz richtig daran, auf der einen Seite
zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte lediglich mit Eventualvorsatz gehandelt
hat, andererseits aber ein skrupelloses und brutales Vorgehen an den Tag legte
(Urk. 112 S. 65). Tatsächlich ist es schwierig, die subjektive Tatschwere adäquat
zu erfassen, steht doch die unbeherrschte Gewaltanwendung gegen die Privat-
klägerin im Kontrast zur Tatsache, dass der Beschuldigte sich damit insofern
selbst strafte, als er das Leben seines vermeintlich ungeborenen Kindes aufs
Spiel setzte, auf welches er sich eigentlich freute. Dass das Vorgehen des Be-
schuldigten nicht primär darauf gerichtet war, das ungeborene Leben zu vernich-
ten, verdient stärkere Berücksichtigung. Sodann ist – trotz wenig ausgeprägter
Einsicht – gewissen Aussagen des Beschuldigten zu entnehmen, wie sehr er sich
von verschiedener Seite unter Druck gesetzt sah (z.B. Prot. I S. 61 f., S. 66 f., S.
78). Er genügte offenbar in finanzieller Hinsicht weder seinen eigenen Vorstellun-
gen noch den Erwartungen der Privatklägerin. Das Paar lebte denn auch unter
äusserst beengten räumlichen Verhältnissen, und es wurde offenbar beständig
mit Anliegen und Meinungen ihrer beiden Familien konfrontiert. In dieser Situation
kam es zu einer Tat, die alles andere als geplant war, sondern einem jähzornigen
Ausbruch geschuldet war. Eine besonders ausgeprägte kriminelle Energie ist da-
rin nicht zu sehen. Vor diesem Hintergrund relativiert das subjektive Tatverschul-
den das objektive doch merklich, was dazu führt, dass das Tatverschulden insge-
samt als noch eher leicht zu qualifizieren ist. Im gesamten Spektrum des als
strafbarer Schwangerschaftsabbruch vorstellbaren, erscheint eine Einsatzstrafe
von noch 33 Monaten für das mutmasslich vollendete Delikt als angemessen.
- 43 -
2.2.4. Der blosse Versuch einer Straftat ist als verschuldensunabhängige Tat-
komponente unter Berücksichtigung der Nähe des im Tatbestand vorausgesetz-
ten Erfolges bzw. des tatsächlich eingetretenen Erfolges strafmindernd zu würdi-
gen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_281/2014 E. 3.6 vom 11. November
2014). Letztlich fällt hier ins Gewicht, dass der Beschuldigte aus seiner subjekti-
ven Sicht annahm, die Privatklägerin sei schwanger, und mit seinem Gewaltaus-
bruch ein Vorgehen zeigte, das aus seiner damaligen Perspektive ohne Weiteres
zu einer Fehlgeburt führen könnte. Dennoch kann nicht schlechthin unberücksich-
tigt gelassen werden, dass der Nachweis einer Schwangerschaft – und damit des-
jenigen Tatbestandsmerkmals, das vorliegend die Handlung des Beschuldigten
erst zu einem Kapitalverbrechen macht – nicht rechtsgenügend erbracht werden
konnte. Die Tatsache, dass nur ein untauglicher Versuch gegeben ist, muss daher
zu einer deutlichen Strafminderung führen. Angemessen erscheint eine Reduktion
um rund einen Viertel, was zu einer Einsatzstrafe von ca. 25 Monaten führt.
2.3. Einfache Körperverletzung und Sachbeschädigung gemäss Anklagezif-
fer 1.3
2.3.1. Mit Bezug auf die objektive Tatschwere ist darauf hinzuweisen, dass im
Gegensatz zum angefochtenen Entscheid die hier zu bewertende einfache Kör-
perverletzung auch das Würgen der Privatklägerin durch den Beschuldigten um-
fasst. Bei der Einordnung der objektiven Tatschwere fällt ins Gewicht, dass die
Privatklägerin anlässlich eines eigentlichen Handgemenges vom klar überlegenen
Beschuldigten gewürgt, gegen den Kopf und Körper geboxt, an den Haaren geris-
sen und mit Ohrfeigen geschlagen wurde. Es bildeten sich sofort Hämatome bzw.
Beulen am Kopf sowie verschiedenen anderen Körperteilen und sogar Verletzun-
gen der Haut am Hals, was auf die Heftigkeit der Einwirkungen durch den Be-
schuldigten schliessen lässt. Kommt hinzu, dass es bei einer derart dynamischen
Gewaltausübung in einem engen Raum leicht zu gravierenden Verletzungen
wegen Stürzen kommen kann. Wie bereits thematisiert kann sich ein Würgen, das
hier durch den Biss der Privatklägerin in die Hand des Beschuldigten beendet
wurde, unversehens lebensgefährlich auswirken. Vor diesem Hintergrund ist das
objektive Verschulden als keinesfalls mehr leicht zu sehen. Die Einsatzstrafe für
- 44 -
dieses Delikt müsste bei separater Beurteilung somit zu einer Strafe in der
Grössenordnung von ca. 9 Monaten führen.
2.3.2. In subjektiver Hinsicht ist zu bemerken, dass das Vorgehen des Beschul-
digten insofern verwerflich erscheint, als er es nicht zuwege brachte, den wieder-
kehrenden Konflikten mit der Privatklägerin in einer zivilisierten Form Einhalt
zu gebieten, sondern sich einmal mehr – und dieses Mal aus anscheinend eher
nichtigem Grund – unter Ausnutzung seiner körperlichen Überlegenheit zu einem
Gewaltexzess hinreissen liess. Zu Recht wies die Vorinstanz auf sein direktvor-
sätzliches Handeln hin und bezeichnete sein Tun als rücksichtslose und brutale
Machtdemonstration. Die subjektive Tatschwere relativiert die objektive nicht,
weshalb es bei separater Betrachtung bei einer Einsatzstrafe von 9 Monaten blie-
be.
2.3.3. Dass die Vorinstanz sodann die objektive Tatschwere der Beschädigung
des Mobiltelefons der Privatklägerin durch den Beschuldigten als leicht wertete,
ist angesichts des Spektrums aller denkbaren Sachbeschädigungen nicht zu be-
anstanden. Insbesondere fehlen Anhaltspunkte dafür, dass die Privatklägerin we-
sentlich mehr als das Gerät selbst verlor, was angesichts der auf Mobiltelefonen
häufig gespeicherten Daten grundsätzlich möglich wäre.
2.3.4. Unter dem subjektiven Verschulden berücksichtigte die Vorinstanz zutref-
fend den direkten Vorsatz, mit welchem der Beschuldigte handelte, sowie die Tat-
sache, dass er mit seinem Handeln bezweckte, allfällige "Beweismittel" zu zerstö-
ren, welche die Privatklägerin durch das automatisierte Aufzeichnen der geführten
Gespräche via eine Applikation gegen ihn gesammelt haben will. Immerhin ist in
gewisser Weise nachvollziehbar, dass er sich dadurch provoziert fühlte. Dass die
Vorinstanz dafür die Einsatzstrafe bei 60 Strafeinheiten sieht, erweist sich damit
als eher hart aber gerade noch angemessen.
2.4. Gesamtstrafenbildung
2.4.1. Es zeigt sich, dass eine der vorher festgesetzten Einsatzstrafen bei separa-
ter Betrachtung in Form einer Geldstrafe ausgefällt werden könnte, und zwar auch
- 45 -
bei Anwendung des revidierten Sanktionenrechts. Es handelt sich um die 60
Strafeinheiten für die Sachbeschädigung gemäss Anklageziffer 1.3. Diese Strafart
gilt als für den Beschuldigten grundsätzlich weniger einschneidend, weshalb sie
üblicherweise den Vorrang vor der Freiheitsstrafe verdient. Gegen die Bestrafung
sowohl mit einer asperierten Freiheitsstrafe als auch einer Geldstrafe spricht im
vorliegenden Fall, dass der untauglich versuchte Schwangerschaftsabbruch, wie
erwähnt, zwingend mit einer Freiheitsstrafe zu ahnden ist und dass es während
eines halben Jahres drei- bzw. viermal zu zum Teil gravierenden Vorfällen ge-
kommen war, wobei die einzelnen Taten des Beschuldigten ausnahmslos gegen
die Privatklägerin gerichtet waren. Nicht einmal der vermeintliche Verlust seines
ungeborenen Kindes anlässlich des ersten Vorfalles vermochte beim Beschuldig-
ten einen nachhaltigen Sinneswandel und eine Fokussierung auf andere Prob-
lemlösungsstrategien zu bewirken. Vielmehr legte er weiterhin eine nicht unerheb-
liche Geringschätzung der körperlichen Integrität seiner Partnerin an den Tag. Der
Vorinstanz ist vor diesem Hintergrund darin beizupflichten, dass trotz fehlender
Vorstrafen für alle Delikte nur eine Freiheitsstrafe als eingriffsintensivere Sanktion
den Strafzweck erfüllt (Urk. 112 S. 62 f.).
2.4.2. Das rechnerische Total der Einzelstrafen ohne Asperation führt zu einer
Freiheitsstrafe in Höhe von 37 Monaten. Nachdem die Einsatzstrafe der schwers-
ten Tat bereits bei 25 Monaten liegt, zusätzlich begangene Delikte gemäss Art. 49
StGB aber nur straferhöhend zu berücksichtigen sind, also keine Kumulation der
Strafen erfolgen darf, und weil die erfüllten Straftatbestände vorliegend in sehr
engem zeitlichen und sachlichem Zusammenhang stehen (vgl. auch Urk. 112
S. 69), erweist es sich als angemessen, im Weiteren von einer Einsatzstrafe für
die gesamte Tatschwere aller Delikte von 30 Monaten auszugehen.
2.5. Übertretungen in Form von Tätlichkeiten gemäss Anklageziffer 1.2
2.5.1. Richtig ist der Hinweis der Vorinstanz, dass für die vom Beschuldigten
begangenen Tätlichkeiten zwingend Bussen auszusprechen sind. Welche Punkte
dabei zu beachten sind, wurde im angefochtenen Entscheid korrekt zusammen-
gestellt (Urk. 112 S. 74); es sind dies neben dem Verschulden die persönlichen,
insbesondere finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten.
- 46 -
2.5.2. Die vorsätzlich ausgeführten Handgreiflichkeiten des Beschuldigten –
Faustschläge, Ohrfeigen, Haarereissen und gegen das Schienbein fahren – wa-
ren schmerzhaft und liegen im Spektrum möglicher Tätlichkeiten an der oberen
Grenze. Sie geschahen zudem aus nichtigem Anlass bzw. nachdem die Privat-
klägerin mit Recht an ihrer mit dem Beschuldigten abgesprochenen Reise nach
Mazedonien festhielt und hierfür etwas von ihrem selbst verdienten Geld heraus-
verlangte. Insofern wiegt das Verschulden des Beschuldigten erheblich.
2.6. Täterkomponenten
2.6.1. Die bisherige Lebensgeschichte und die persönlichen Verhältnisse wurden
im angefochtenen Entscheid zutreffend und umfassend dargestellt (Urk. 112 S.
70). Ergänzend ist festzuhalten, dass der Beschuldigte nach seiner Haftentlas-
sung am 31. März 2020 wieder bei der H._ GmbH als Fahrer zu arbeiten be-
gonnen hat. Dies ändert nichts am von der Vorinstanz gezogenen Fazit, dass die
Lebensumstände des Beschuldigten sowie das Fehlen von Vorstrafen strafzu-
messungsneutral zu werten sind.
2.6.2. Voll und ganz kann sodann auf die Erwägungen der Vorinstanz hinsichtlich
Nachtatverhalten, Strafempfindlichkeit und Verfahrensdauer verwiesen werden
(Urk. 112 S. 71 ff.). Unter diesen Titeln ist ebenfalls nichts zu berücksichtigen,
was sich im Rahmen der Bemessung der Strafe zu Gunsten des Beschuldigten
auswirken müsste.
2.6.3. Die Täterkomponenten führen somit nicht zu einer Veränderung der als
angemessen zu erachtenden Freiheitsstrafe von 30 Monaten, respektive zwei
Jahren und sechs Monaten.
2.6.4. Was die für die Festsetzung der Busse relevanten persönlichen bzw.
finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten anbelangt, kann auch hier auf die
Zusammenstellung im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 112
S. 70), wo insbesondere festgehalten wurde, dass der Beschuldigte vor seiner
Verhaftung knapp Fr. 4'000.– verdiente, was ein eher tiefes Einkommen darstellt,
und sich danach rund zwei Jahre in Haft befand. Auch an der Berufungsverhand-
- 47 -
lung gab der Beschuldigte an, aktuell Fr. 3'900.– netto zu verdienen (Urk. 175 S.
3). Was die Höhe der Busse anbelangt, ist zu bemerken, dass der angefochtene
Entscheid einen Widerspruch enthält, sieht das Urteilsdispositiv doch eine Busse
in Höhe von Fr. 1'200.– vor, während in der Begründung von Fr. 1'000.– die Rede
ist. Zu Gunsten des Beschuldigten ist von einer Busse von Fr. 1'000.– auszuge-
hen, welche Höhe angemessen erscheint.
2.7. Ergebnis
Nach dem Gesagten erscheinen unter den gesamten Gesichtspunkten für die
Delikte des Beschuldigten eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs
Monaten, wovon 742 Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft sowie vor-
zeitigen Strafvollzug erstanden sind, sowie eine Busse in der Höhe von Fr.
1'000.– als angemessen.
IV. Vollzug
1. Freiheitsstrafe
1.1. Eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten kann nicht voll-
ständig bedingt aufgeschoben werden (Art. 42 Abs. 1 StGB). Hingegen kommt ein
teilbedingter Aufschub des Vollzugs gemäss Art. 43 Abs. 1 StGB in Frage. Dabei
darf der unbedingt vollziehbare Teil die Hälfte der Strafe nicht übersteigen und
muss sowohl der aufgeschobene wie auch der zu vollziehende Teil mindestens
sechs Monate betragen (Art. 43 Abs. 2 und 3 StGB).
1.2. Grundvoraussetzung für eine teilbedingte Strafe im Sinne von Art. 43 StGB
ist, dass begründete Aussicht auf Bewährung besteht. Zwar fehlt ein entspre-
chender Verweis auf Art. 42 StGB, doch ergibt sich dies aus Sinn und Zweck von
Art. 43 StGB. Wenn und soweit die Legalprognose des Täters nicht schlecht aus-
fällt, verlangt die Bestimmung, dass zumindest ein Teil der Strafe auf Bewährung
ausgesetzt wird. Umgekehrt gilt, dass bei einer Schlechtprognose auch ein bloss
teilweiser Aufschub der Strafe nicht gerechtfertigt ist. Denn wo keinerlei Aussicht
- 48 -
besteht, der Täter werde sich in irgendeiner Weise durch den – ganz oder teilwei-
se – gewährten Strafaufschub beeinflussen lassen, muss die Strafe in voller Län-
ge vollzogen werden. Die Auffassung, dass die subjektiven Voraussetzungen von
Art. 42 StGB auch für die Anwendung von Art. 43 StGB gelten müssen, entspricht
der überwiegenden Lehrmeinung (BGE 134 IV 1 E. 5.3.1 mit div. Verweisen). Das
(unklare) Element des Verschuldens im Wortlaut von Art. 43 Abs. 1 StGB ist ge-
mäss Bundesgericht mit der – verschuldensmässig ermittelten – Strafhöhe ver-
knüpft: Die Notwendigkeit einer teilbedingten Freiheitsstrafe ergibt sich demzufol-
ge – wie vorliegend – als Folge der Schwere des Verschuldens, das sich in einer
Strafhöhe zwischen zwei und drei Jahren niederschlägt (BGE 134 IV 1 E. 5.3.3).
Das Verhältnis zwischen aufgeschobenem und zu vollziehendem Strafteil ist nach
pflichtgemässem Ermessen so festzusetzen, dass darin die Wahrscheinlichkeit
der Legalbewährung des Täters einerseits und dessen Einzeltatschuld anderseits
hinreichend zum Ausdruck kommen. Je günstiger die Prognose und je kleiner die
Vorwerfbarkeit der Tat, desto grösser muss der auf Bewährung ausgesetzte Straf-
teil sein. Der unbedingte Strafteil darf dabei das unter Verschuldensgesichtspunk-
ten (Art. 47 StGB) gebotene Mass nicht unterschreiten (BGE 134 IV 1 E. 5.6).
1.3. Der Beschuldigte weist keine im Strafregister verzeichnete Vorstrafen auf
(Urk. 114; Urk. 175 S. 6). Zudem kann davon ausgegangen werden, dass das
ganze vorliegende Strafverfahren, in dessen Rahmen der Beschuldigte bereits
über zwei Jahre in Haft und vorzeitigem Strafvollzug verbracht hat, genügend
Eindruck bei ihm hinterlassen hat, so dass zu erwarten ist, er werde sich bewäh-
ren. Somit sind die Voraussetzungen für die Gewährung des teilbedingten Straf-
vollzugs zu bejahen.
1.4. Es ist dem Beschuldigten deshalb der teilweise Aufschub der Strafe zu ge-
währen. Mit Blick auf das unter Ziffer III./2.2.2 ff. und III./2.3 erörterte Verschulden
des Beschuldigten sowie seine gute Legalprognose ist es gerechtfertigt, den
vollziehbaren Teil der Strafe bei 12 Monaten anzusetzen. Von der auszufällenden
Freiheitsstrafe von 30 Monaten sind damit 12 Monate für vollziehbar zu erklären.
1.5. Der Vollzug der Freiheitsstrafe ist damit im Umfang von 18 Monaten bedingt
aufzuschieben und im übrigen Umfang (12 Monate) zu vollziehen. Dabei ist vor-
- 49 -
zumerken, dass der vollziehbare Strafanteil von 12 Monaten durch Untersu-
chungs- und Sicherheitshaft sowie vorzeitigen Strafvollzug vollständig erstanden
ist. Die Probezeit für den bedingten Teil der Strafe ist auf 2 Jahre anzusetzen (Art.
44 Abs. 1 StGB).
2. Busse
Die Busse ist zu bezahlen (Art. 105 Abs. 1 StGB). Für den Fall einer schuldhaften
Nichtbezahlung ist vom gerichtsüblichen Umwandlungssatz von Fr. 100.-- pro Tag
auszugehen, woraus eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen resultiert.
V. Landesverweisung
1. Katalogtat
Zwar fällt die Verurteilung des Beschuldigten wegen Gefährdung des Lebens
weg, doch bleibt es beim Schuldspruch wegen eines nunmehr versuchten strafba-
ren Schwangerschaftsabbruchs gemäss Art. 118 Abs. 2 StGB. Da die Landesver-
weisung unabhängig davon anzuordnen ist, ob es beim Versuch einer Straftat
geblieben ist oder nicht (Urteil des Bundesgerichts 6B_1024/219 vom 29. Januar
2020, E. 1.3.1), liegt nach wie vor eine Katalogtat gemäss Art. 66a Abs. 1 lit. a
StGB vor. Da es sich beim Beschuldigten zudem um keinen Schweizer, sondern
um einen italienischen Staatsangehörigen handelt, ist er grundsätzlich zwingend
des Landes zu verweisen.
2. Gesetzliche Ausnahmen von der Anordnung einer obligatorischen 
Darin, dass der Beschuldigte sich vor seiner Verhaftung nur ca. vier Jahre in der
Schweiz aufhielt, hier nicht verwurzelt ist und er mit seinen beiden hier lebenden
Verwandten, seiner Schwester und einem Cousin, auch Kontakt pflegen kann,
wenn er des Landes verwiesen wird (Urk. 112 S. 76 f.), ist der Vorinstanz unein-
geschränkt zu folgen. Kommt hinzu, dass der grösste Teil seiner Kernfamilie in
Italien lebt. Zu seinen in Italien lebenden Eltern hat der Beschuldigte offensichtlich
ein sehr enges Verhältnis. Diese wohnten auch der Berufungsverhandlung bei,
- 50 -
anlässlich welcher der Beschuldigte den Wunsch äusserte, seine Eltern könnten
"hierher kommen" und mit ihm leben (Urk. 175 S. 5). Der Beschuldigte hat die
Möglichkeit, in ein Land zurückzukehren, in dem er 19 Jahre lang gelebt hat und
dessen Sprache er bestens beherrscht. Die von ihm durch eine Landesverwei-
sung zu erduldende Härte ist somit verhältnismässig gering. Ein Härtefall ist klar
zu verneinen. Damit ist eine Abwägung zwischen öffentlichen Interessen an einer
Ausweisung des Beschuldigten und dessen privaten Interessen am Verbleib im
Land obsolet.
3. Vereinbarkeit der Landesverweisung mit dem Freizügigkeitsabkommen
3.1. In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob die aufgrund Art. 66a StGB zu
bejahende Landesverweisung mit dem Freizügigkeitsabkommen vereinbar ist, da
der Beschuldigte Angehöriger eines Mitgliedstaates ist.
3.2. Das Bundesgericht hat sich unlängst ausführlich zum Verhältnis zwischen
Art. 66a des StGB und den Bestimmungen des Freizügigkeitsabkommens (fortan
FZA; SR 0.142.112.681) geäussert (so BGE 145 IV 364 E. 3 und E. 4 oder Urteil
6B_48/2019 vom 9. August 2019 E. 2). Es hielt fest, dass in der Rechtsanwen-
dung neben der integralen Verfassung auch das Bundesgesetz, insbesondere Art.
66a ff. StGB, und das FZA massgebend seien. Die Parteien des FZA hätten
(zwar) ausdrücklich die Berücksichtigung der Rechtsprechung des EuGH, aber
keinen völkerrechtlichen Vorrang des FZA vor dem Schweizer Landesrecht, na-
mentlich dem Strafrecht, vereinbart. Soweit divergierende massgebende Normen
vorlägen, sei unter Berücksichtigung der Wertungen des Gesetzgebers eine Ab-
wägung erforderlich. Durch das Abkommen, welches die Schweiz in der Gestal-
tung des Strafrechts nicht binde, werde den Staatsangehörigen der EU-
Mitgliedstaaten ein weitgehendes und reziprokes Recht auf Erwerbstätigkeit in der
Schweiz eingeräumt. Dieses Recht stehe allerdings unter der Voraussetzung ei-
nes rechtmässigen Aufenthalts und eines rechtskonformen Verhaltens des Betref-
fenden. Ein schuldig gesprochener Straftäter habe sich offensichtlich nicht an die-
se Konformitätsbedingungen gehalten und sein Recht auf Gleichbehandlung mit
den Inländern, was den Zugang zu einer Erwerbstätigkeit etc. anbelange, ver-
wirkt. Soweit im Interesse der Allgemeinheit zwingend und verhältnismässig, dürf-
- 51 -
ten gegenüber einer solchen Person gemäss Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA die im
Abkommen eingeräumten Rechte eingeschränkt werden. Insbesondere sei dies
aus Gründen der öffentlichen Ordnung, worunter eine Störung der sozialen Ord-
nung und Sicherheit zu verstehen sei, zulässig. Jedoch sei Art. 5 Abs. 1 Anhang I
FZA für die Schweiz in strafrechtlicher Hinsicht nicht in einer ihren Normgehalt
entleerenden Weise auszulegen. Dass in der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung zum Ausländerrecht die Einschränkungen des Aufenthaltsrechts gemäss
Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA regelmässig restriktiv interpretiert bzw. eng ausgelegt
würden, sei auf die in diesem Bereich zu berücksichtigende Rechtsanwendung
des EuGH zurückzuführen, welche sich auf das Primärrecht stütze und integrativ
wirkenden Überlegungen folge. Für das Strafrecht sei diese Nuance – d.h. die
ausserordentlich restriktive Interpretation von Art. 5 Abs. 2 Anhang I FZA durch
den EuGH – nach aktueller Rechtslage nicht zu berücksichtigen. Andererseits
könne eine strafrechtliche Verurteilung gemäss Rechtsprechung des EuGH nicht
automatisch eine Landesverweisung begründen, weshalb einzelfallweise zu prü-
fen sei, ob Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA der im StGB vorgesehenen strafrechtlichen
Landesverweisung, welche weder eine wirtschaftliche noch eine migrationsrecht-
liche Komponente aufweise, entgegenstehe. Vorausgesetzt werde eine hinrei-
chend schwere und gegenwärtige Gefährdung der öffentlichen Ordnung durch die
betreffende Person. Eine solche könne sich insbesondere aus den Umständen,
welche der strafrechtlichen Verurteilung zugrunde lägen, aber auch aus vergan-
genem Verhalten erkennen lassen. Über das künftige Wohlverhalten sei eine
Prognose zu stellen, wobei eine hinreichende Wahrscheinlichkeit, dass der Straf-
täter künftig die öffentliche Sicherheit und Ordnung (wieder) stören wird, zu ver-
langen sei. Je schwerer die Verletzung sei, die zu befürchten stehe, und je höher
die Rechtsgüter seien, die davon vermutlich betroffen wären, desto geringer müs-
se das Rückfallrisiko ausfallen.
3.3. Der Beschuldigte verfügt über eine gültige Aufenthaltsbewilligung B, wes-
halb er sich rechtmässig im Land aufhält (Prot. I S. 74; Urk. 175 S. 3). Vom 21.
März 2018 bis zum 31. März 2020 befand er sich in Haft. Heute arbeitet der Be-
schuldigte als Fahrer bei der H._ GmbH und wohnt bei einem Kollegen (Urk.
175 S. 2).
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3.4. Der Meinung der Vorinstanz, es sei aufgrund des bisherigen Verhaltens des
Beschuldigten nicht auszuschliessen, dass – insbesondere im Rahmen einer
Beziehung – die Verletzung hoher Rechtsgüter droht (Urk. 112 S. 79), ist ein-
schränkungslos beizupflichten. Angesichts der Mehrheit seiner zudem tendenziell
immer gröber werdenden Taten, die sich in der noch jungen Beziehung über ei-
nen Zeitraum von ungefähr einem halben Jahr zutrugen und nun zu einer Frei-
heitsstrafe von immerhin zweieinhalb Jahren führten, sowie seiner von einer er-
schreckenden Geringschätzung seiner Partnerin und von einer kompletten Unein-
sichtigkeit zeugenden Äusserungen, ist tatsächlich stark damit zu rechnen, dass
es insbesondere gegenüber einer künftigen Partnerin wieder zu solchen Übergrif-
fen, mithin gravierenden Eingriffen in die körperliche und psychische Integrität,
kommen wird. Die gemäss Bundesgericht für eine Landesverweisung erforderli-
che Schwere der Störung der öffentlichen, hier sozialen Ordnung ist daher zu be-
jahen. Damit bietet das FZA dem Beschuldigten keinen Schutz vor der Landes-
verweisung.
4. Dauer der Landesverweisung
Nachdem im Gegensatz zum angefochtenen Entscheid nur noch von einer statt
zwei Katalogtaten auszugehen ist sowie in Anbetracht des noch jungen Alters des
Beschuldigten und der Tatsache, dass gewisse seiner Familienmitglieder in der
Schweiz leben, rechtfertigt es sich jedoch, ihn nicht sechs, sondern lediglich für
die Minimaldauer von fünf Jahren des Landes zu verweisen.
5. Ergebnis
Da die Voraussetzungen für eine Landesverweisung des Beschuldigten gestützt
auf Art. 66a StGB zu bejahen sind und deren Anordnung mit dem FZA vereinbar
ist, ist die im angefochtenen Entscheid angeordnete Landesverweisung für die
Dauer von fünf Jahren zu bestätigen.
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VI. Zivilforderungen
1. Vorbemerkungen
1.1. Auf die Schadenersatzforderung der Privatklägerin trat die Vorinstanz nicht
ein (Urk. 112 S. 80), was von dieser nicht angefochten wurde. Weitere Bemer-
kungen hierzu erübrigen sich somit.
1.2. Hingegen ist auf die von der Privatklägerin beantragte Genugtuung von
Fr. 20'000.–, welche die Vorinstanz im Betrag von Fr. 10'000.– guthiess (Urk. 112
S. 80 f.), einzugehen.
2. Genugtuung
2.1. Im angefochtenen Entscheid wurden die Voraussetzungen, unter welchen
eine Genugtuung geschuldet ist, und die Aspekte, die bei der Bemessung zu
beachten sind, korrekt wiedergegeben (Urk. 112 S. 80 f.), weshalb darauf zu ver-
weisen ist.
2.2. Die Privatklägerin liess vor erster Instanz zur Begründung ihrer Genugtuung
ausführen, bis heute den Verlust des Fötus nicht überwunden zu haben. Ihre von
aussen nicht sichtbaren psychischen Verletzungen würden schwer wiegen (Urk.
81 S. 11 f.).
2.3. Die Vorinstanz hielt eine Genugtuung von Fr. 10'000.– als der Intensität der
erlittenen Unbill der Privatklägerin und dem Verschulden des Beschuldigten an-
gemessen. Sie erwog, der Beschuldigte habe sich offenbar wie selbstverständlich
ein Züchtigungsrecht gegenüber seiner Ehefrau angemasst und dabei widerrecht-
lich und schuldhaft in deren psychische Integrität eingegriffen. Die dabei erlittene
erhebliche seelische Unbill sei von dieser nachvollziehbar als schwer bezeichnet
worden. Andererseits seien keine bleibenden Verletzungen, insbesondere andau-
ernde psychische Behandlungen dokumentiert (Urk. 112 S. 81).
2.4. Wie vorne dargetan, glaubte nicht nur die Privatklägerin, sondern auch der
Beschuldigte im Oktober 2017 an eine Schwangerschaft und an einen Abort.
Dadurch, dass die Schwangerschaft der Privatklägerin im Strafprozess als nicht
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erstellbar betrachtet wird, ändert sich daher grundsätzlich nichts an der Einschät-
zung, dass die damaligen Gewalttätigkeiten des Beschuldigten die Privatklägerin
seelisch erheblich verletzten. Kommt hinzu, dass es bei drei weiteren Gelegenhei-
ten zu heftigen und äusserst demütigenden Gewalttätigkeiten des Beschuldigten
ihr gegenüber kam. Äussere Verletzungen, die langwierige Behandlungen zur
Heilung erfordert hätten, erlitt die Privatklägerin jedoch nicht. Diese Aspekte
müssen zusammen mit der letztlich nicht beweisbaren Schwangerschaft zu einer
gewissen Anpassung der Genugtuungssumme führen. Vor diesem Hintergrund ist
es angemessen, den der Privatklägerin zuzusprechenden Betrag auf Fr. 5‘000.–
zu reduzieren. Die Genugtuungssumme ist seit dem Schadensereignis zu verzin-
sen, wie die Vorinstanz zutreffend festhält (Urk. 112 S. 81). Den hierfür relevanten
Zeitpunkt, wie von der Vertreterin der Privatklägerin beantragt, auf den 1. Januar
2018 festzulegen, erscheint angesichts der Daten, an denen die Delikte stattfan-
den (Oktober 2017 und März 2018), angemessen.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Erstinstanzliches Verfahren
Angesichts des Ausgangs des vorliegenden Berufungsverfahrens erweist sich die
im angefochtenen Entscheid getroffene Kostenauflage zu Lasten des Beschuldig-
ten als nach wie vor gerechtfertigt, weshalb es dabei sein Bewenden hat.
2. Berufungsverfahren
2.1. Die Gebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'500.– festzusetzen.
2.2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte
erreicht zwar einen Freispruch vom Vorwurf der Gefährdung des Lebens und der
Nötigung und eine Korrektur der Genugtuungssumme. Zudem wird er nur des
versuchten und nicht des vollendeten strafbaren Schwangerschaftsabbruches
schuldig gesprochen. Die Strafe erfuhr dadurch eine deutliche Reduktion. Im
Übrigen unterliegt er mit seinen Anträgen jedoch klar. Es rechtfertigt sich daher,
dem Beschuldigten die Kosten des Berufungsverfahrens zu zwei Dritteln aufzuer-
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legen und sie zu einem Drittel auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der
amtlichen Verteidigung des Beschuldigten und der unentgeltlichen Rechtsvertre-
terin der Privatklägerin sind zu zwei Dritteln einstweilen und zu einem Drittel defi-
nitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen. Im Umfang von zwei Dritteln bleibt die
Rückzahlungspflicht des Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO und
Art. 138 StPO vorbehalten.
2.3. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt lic. iur. X1._,
bezifferte seinen Aufwand für das Berufungsverfahren mit Fr. 9'987.00 (inkl.
Mehrwertsteuer, Urk. 177). Das geltend gemachte Honorar erweist sich jedoch als
übersetzt, brachte der Verteidiger doch auf nur gerade sechs Seiten Plädoyer im
Wesentlichen dieselben, eher oberflächlich gehaltenen Argumente vor wie vor Vo-
rinstanz, was aber sicherlich auch damit zu tun hatte, dass er spätestens ab Ja-
nuar 2020 keinen Kontakt mit dem Beschuldigten mehr hatte. Wofür er aber den-
noch insgesamt knapp zehn Stunden als "Vorbereitung Verhandlung" in Rech-
nung stellte und weshalb er beispielsweise unter dem Titel "Verfügung Oberge-
richt an Klient" 60 Minuten veranschlagte, nur um die Verfügung betreffend Zu-
stellung der Berufungserklärung und Fristansetzung an die Privatklägerin und die
Staatsanwaltschaft vom 18. März 2020 an den Beschuldigten weiterzuleiten, ist
nicht nachvollziehbar. Vor diesem Hintergrund ist das geltend gemachte Honorar
zu kürzen und eine Pauschale vorzusehen. Vorliegend rechtfertigt sich eine Kür-
zung auf pauschal Fr. 7'000.–.
2.4. Die unentgeltliche Rechtsvertreterin der Privatklägerin, lic. iur. Y._,
reichte ihre Honorarnote am 14. Oktober 2020 ein (Urk. 181). Die darin aufgeführ-
ten Aufwendungen und Auslagen sind ausgewiesen und erweisen sich als ange-
messen. Dementsprechend ist Rechtsanwältin lic. iur. Y._ mit Fr. 4'754.– aus
der Gerichtskasse zu entschädigen.