Decision ID: 509ab16d-8f26-49e5-99a3-851ada20e2b5
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 3. Abteilung - Einzelgericht, vom 26. April 2016 (GG160010)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 22. Januar 2016
(Urk. 18) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der Gewalt und Drohung gegen Behörden und
Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf
− des geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 in Verbin-
dung mit Art. 172ter StGB,
− der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu
je Fr. 10.–, wovon bis und mit heute 19 Tagessätze als durch Haft geleistet
gelten.
4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre
festgesetzt.
5. Auf den Widerruf der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat
vom 3. Juli 2015 bedingt ausgefällten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je
Fr. 30.– (abzüglich 1 Tagessatz erstandener Haft) wird verzichtet.
6. Die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 3. Juli 2015
für die bedingt aufgeschobene Geldstrafe angesetzte zweijährige Probezeit
wird um 1 Jahr verlängert.
7. Der Privatkläger B._ wird mit seinem Genugtuungsbegehren auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen.
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8. Der Privatkläger C._ wird mit seinem Genugtuungsbegehren auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen.
9. Die Privatklägerin Stadtpolizei Zürich wird mit ihrem Schadenersatzbegeh-
ren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
10. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'200.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. Kosten Kantonspolizei;
Fr. 1'100.– Gebühr Anklagebehörde;
Fr. Kanzleikosten;
Fr. 2'255.85 Auslagen Untersuchung;
Fr. 8'919.– amtliche Verteidigung.
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten zu einem Drittel auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidi-
gung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine
Nachforderung im Umfang von einem Drittel gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
12. Der amtliche Verteidiger Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird mit Fr. 8'919.–
(inkl. 8 % MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt.
Berufungsanträge:
a) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat:
(Urk. 40 und Urk. 53 S. 1 und S. 11, sinngemäss betreffend den Beschuldig-
ten A._)
1. Es sei das erstinstanzliche Urteil bezüglich des Schuldspruchs zu bestätigen und es seien die Ziffern 3 und 4 des Urteils vom 26. April 2016 abzuändern. Es sei die Strafe neu festzusetzen und zwar bei
- A._ eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten.
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2. Es sei die Strafe zu vollziehen unter Anrechnung der erstandenen Haft von je 19 Tagen.
3. Es sei der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 3.7.2015 für eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je Fr. 30.00 unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren  bedingte Strafvollzug zu widerrufen.
4. Kostenfolge zu Lasten des Beschuldigten.
b) Der Verteidigung des Beschuldigten A._ :
(Urk. 54 S. 1)
" 1. Es seien die Ziffern 1., 3., 4., 6. und 11. des vorinstanzlichen  aufzuheben.
2. Stattdessen sei der Anschlussberufungskläger vom Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte .
Der Anschlussberufungskläger sei stattdessen wegen  gegen Art. 4 APV mit einer Busse von Fr. 200.-- zu .
Ev. sei der Anschlussberufungskläger wegen Hinderung einer  schuldig zu sprechen.
Hierfür sei er mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je Fr. 10.-- zu bestrafen, unter Anrechnung der erstandenen Haft.
Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben und die Probezeit auf zwei Jahre festzusetzen.
3. Es sei auf den Widerruf der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 3. Juli 2015 ausgesprochenen bedingt  Geldstrafe, sowie auf den Widerruf der bedingt  Strafe vom 21. November 2015 zu verzichten.
Ebenso sei auf eine Verlängerung der Probezeit zu verzichten.
4. Der Anschlussberufungskläger sei für die erstandene Haft  zu entschädigen.
5. Die Kosten (inkl. der amtlichen Verteidigung) seien auf die Staatskasse zu nehmen bzw., sofern im Sinne des  zu entscheiden ist, ausgangsgemäss zu verteilen."
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Prozessuales
1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 3. Abteilung – Einzelgericht, vom
26. April 2016 wurde der Beschuldigte wegen Gewalt und Drohung gegen Behör-
den und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB zu einer Geldstrafe von
90 Tagessätzen zu Fr. 10.– verurteilt. Der Vollzug der Geldstrafe wurde unter An-
setzung einer Probezeit von drei Jahren aufgeschoben. Von den Vorwürfen des
geringfügigen Diebstahls und der Sachbeschädigung sprach das Einzelgericht
den Beschuldigten frei. Ferner verzichtete es auf den Widerruf der mit Strafbefehl
der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 3. Juli 2015 bedingt ausgefällten
Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je Fr. 30.– und verlängerte die dafür angesetz-
te zweijährige Probezeit um ein Jahr. Schliesslich entschied es über die geltend
gemachten Zivilforderungen und die Kosten- und Entschädigungsfolgen (Urk. 38).
2. Gegen dieses Urteil meldeten die Privatklägerin 3 und die Staatsanwalt-
schaft am 4. und 9. Mai 2016 Berufung an (Urk. 33 f.; vgl. Prot. I S. 44 und
Urk. 32/1). Die Privatklägerin 3 zog ihre Berufung mit Eingabe vom 1. September
2016 zurück (Urk. 39; vgl. Urk. 32/4). Hiervon ist Vormerk zu nehmen. Die Beru-
fungserklärung der Staatsanwaltschaft vom 2. September 2016 ging beim hiesi-
gen Gericht am 5. September 2016 ein (Urk. 40; vgl. Urk. 37/1). Die Privatklägerin
3 verzichtete nach Erhalt dieser Berufungserklärung auf eine Anschlussberufung
(Urk. 41 - 43). Der Beschuldigte erhob mit Eingabe vom 12. Oktober 2016 (Datum
des Poststempels) Anschlussberufung (Urk. 45; vgl. Urk. 42/6). Die Privatkläger 1
und 2 sowie die Privatklägerin 4 liessen sich innert Frist nicht vernehmen.
3. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung
(Art. 402 StPO). E contrario erwachsen die nicht von der Berufung erfassten
Punkte in Rechtskraft (SCHMID, StPO-Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2013,
N 1 zu Art. 402; vgl. auch Art. 437 StPO). Das Berufungsgericht überprüft somit
das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1
StPO).
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Die Staatsanwaltschaft beschränkte ihre Berufung auf die vorinstanzlichen
Entscheide betreffend Strafe, Vollzug und Widerruf (Urk. 40). Anlässlich der Beru-
fungsverhandlung forderte sie den Widerruf der Vorstrafe zwar nicht mehr aus-
drücklich unter dem Titel "Anträge". Aus ihrem Parteivortrag geht aber unmissver-
ständlich hervor, dass ihrer Ansicht nach entweder die Vorstrafe zu widerrufen
oder die noch auszufällende Strafe zu vollziehen sei (Urk. 53 S. 1 und 11). Inso-
fern gilt die vorinstanzliche Erkenntnis betreffend Widerruf entgegen der Auffas-
sung der Verteidigung weiterhin als angefochten (vgl. Urk. 54 S. 2 und 12).
Der Beschuldigte beantragte einen Freispruch vom Vorwurf der Gewalt und
Drohung gegen Behörden und Beamte; stattdessen sei er wegen Übertretung ge-
gen Art. 4 APV mit einer Busse von Fr. 200.– zu bestrafen, eventualiter wegen
Hinderung einer Amtshandlung mit einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessät-
zen zu Fr. 10.–. In jedem Fall sei auf den Widerruf der mit Strafbefehl der Staats-
anwaltschaft Zürich-Limmat vom 3. Juli 2015 ausgesprochenen Geldstrafe zu
verzichten; ebenso sei von einer Verlängerung der diesbezüglichen Probezeit ab-
zusehen. Im Hauptantrag verlangte der Beschuldigte ferner, dass er für die er-
standene Haft zu entschädigen sei. Schliesslich seien die Kosten des Verfahrens
auf die Gerichtskasse zu nehmen, eventualiter ausgangsgemäss zu verteilen
(Urk. 45 S. 2; Urk. 54 S. 1 f.).
Unangefochten blieben die Freisprüche der Vorinstanz (Dispositivziffer 2),
ihre Entscheide betreffend Zivilforderungen (Dispositivziffern 7 - 9) und die Kos-
tenfestsetzung (Dispositivziffern 10 und 12). Damit ist vorab festzustellen, dass
das vorinstanzliche Urteil in diesen Punkten in Rechtskraft erwachsen ist.
4. Mit Eingabe vom 24. Oktober 2016 liess der Beschuldigte unter Hinweis auf
Art. 382 StPO beantragen, die Eingabe der Privatklägerin 3 vom 22. September
2016 (Urk. 43) aus den Akten zu entfernen, weil sich diese darin unberechtigter-
weise zum Strafpunkt äussere. Darüber hinaus habe die Privatklägerin nur im Zu-
sammenhang mit dem Vorwurf der Sachbeschädigung Parteistellung, nicht aber
mit Bezug auf die übrigen Vorwürfe. Dennoch äussere sie sich auch zur Sanktion
dieser Tatbestände (Urk. 48).
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Diesen Einwänden der Verteidigung ist zuzustimmen. Da die Privatklägerin
3 allerdings mit dem Rückzug ihrer Berufung endgültig auf ihre Parteirechte im
Berufungsverfahren verzichtete, sind ihre Ausführungen in der genannten Einga-
be ohnehin nicht zu beachten.
II. Sachverhalt
1. Die Anklage geht beim Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen Behörden
und Beamte zusammenfassend von folgendem Sachverhalt aus: Am 15. Oktober
2015 sollen der Beschuldigte und der Mitbeschuldigte D._ zwecks Perso-
nenkontrolle polizeilich angehalten worden sein. Als D._ sich nicht habe
ausweisen können, hätten die Polizeibeamten den Beschuldigten mitgeteilt, dass
D._ zwecks Identitätsfeststellung auf den Polizeiposten mitgenommen wer-
den müsse, der Beschuldigte aber den Kontrollort verlassen könne. Dies habe der
Beschuldigte aber nicht getan und den Polizeibeamten gesagt, dass er ohne
D._ nicht weggehen werde und sie ihn nicht auf den Posten nehmen dürften.
Der darauffolgenden, mehrmaligen Aufforderung, sich vom Kontrollort zu entfer-
nen, soll der Beschuldigte nicht nachgekommen sein. Als die Polizeibeamten ihn
schliesslich an den Armen gefasst und versucht hätten, ihn so vom Kontrollort zu
entfernen, soll der Beschuldigte Schläge und Fusstritte gegen diese ausgeteilt
haben. Nunmehr soll auch der Mitbeschuldigte D._ begonnen haben, wild
um sich und gegen die Polizeibeamten zu schlagen. Dabei soll er den Polizeibe-
amten E._ und F._ Verletzungen zugefügt haben. Schliesslich hätten
die Polizeibeamten die sich immer noch heftig wehrenden und um sich schlagen-
den Beschuldigten in das Transportfahrzeug laden können (Urk. 18 S. 2 f.).
1.1. Die Vorinstanz hielt diesen Anklagesachverhalt für erstellt (Urk. 38 S. 20).
Dabei stützte sie sich hauptsächlich auf die Aussagen der Polizeibeamten
C._ (D1 Urk. 8/4), B._ (D1 Urk. 8/5) sowie F._ (D1 Urk. 8/6). Diese
Aussagen und das Wenige, was der Beschuldigte und der Mitbeschuldigte
D._ aussagten, gab sie korrekt und vollständig wieder (Urk. 38 S. 14 - 18),
weshalb auf die entsprechende Darstellung verwiesen werden kann (Art. 82
Abs. 4 StPO).
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1.2. Die Verteidigung des Beschuldigten anerkennt die eingeklagten Gescheh-
nisse bis zum Zeitpunkt, als es mit den Polizeibeamten zu einem ersten physi-
schen Kontakt kam. Unstrittig ist damit insbesondere die mehrmalige Aufforde-
rung an den Beschuldigten, sich zu entfernen, und sein konstantes Nichtbefolgen
dieser Aufforderung.
In Bezug auf den weiteren Verlauf der eingeklagten Geschehnisse macht die
Verteidigung jedoch geltend, dass der Beschuldigte ohne vorgängige Androhung
von den Polizeibeamten gepackt worden sei. Er habe sich lediglich gegen einen
widerrechtlichen Angriff bzw. eine unrechtmässige Festnahme gewehrt. Weiter
wird bestritten, dass gezielte Faustschläge und Fusstritte erfolgt seien. Der Be-
schuldigte habe nur um sich gefuchtelt, sich weggedreht und seine Hände unter
dem Körper versteckt (Urk. 29 S. 5 f., 8 - 14).
2. Die Vorinstanz hat die Beweislage eingehend und sorgfältig gewürdigt. Sie
legte die allgemeinen Beweiswürdigungsregeln korrekt dar (Urk. 38 S. 11 f.) und
beurteilte gestützt darauf die Glaubwürdigkeit der einvernommenen Personen und
die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen schlüssig und zutreffend (Urk. 38 S. 12 - 14).
Folgerichtig ging sie im Ergebnis davon aus, dass die Aussagen der Privatkläger
C._ und B._ sowie des Zeugen F._ glaubhaft seien. Die Aussagen
der beiden Beschuldigten qualifizierte sie demgegenüber mit nachvollziehbarer
Begründung als wenig glaubhaft und kam zum Schluss, dass uneingeschränkt auf
die Ersteren abgestellt werden könne. Der Sachverhalt sei somit ohne Verbleib
von Restzweifeln erstellt. Die vorinstanzliche Beweiswürdigung überzeugt. Es
kann zur Vermeidung von Wiederholungen vollumfänglich darauf verwiesen wer-
den (Urk. 38 S. 18 - 20; Art. 82 Abs. 4 StPO). Die nachfolgenden Erwägungen
verstehen sich lediglich als deren Zusammenfassung bzw. Präzisierung.
Die beiden Polizeibeamten C._ und B._ waren offensichtlich dieje-
nigen, welche sich im Sinne einer personellen Aufgabenteilung in erster Linie um
den Beschuldigten zu kümmern hatten. Die Polizeibeamten F._ und E._
konzentrierten sich derweil auf den Mitbeschuldigten D._. Insofern verwun-
dert es nicht, wenn C._ und B._ das Verhalten des Beschuldigten detail-
reicher zu schildern vermochten als die anderen beiden Polizeibeamten. Ihren
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Aussagen kommt bei der Beweiswürdigung somit besondere Bedeutung zu.
C._ und B._ sagten klar und konstant aus. Sie bezogen sowohl Emotio-
nen als auch Nebensächlichkeiten (wie z.B. die Versammlung von unbeteiligten
Personen am Tatort) in ihre Schilderungen mit ein. Ihre Aussagen wirken tatsäch-
lich erlebt. Widersprüche in sich sind keine erkennbar. Entgegen den Einwänden
der Verteidigung sind die jeweiligen Aussagen ferner auch untereinander stimmig
(Urk. 54 S. 4), ohne jedoch stereotyp zu wirken. Die geltend gemachten Abwei-
chungen gründen nämlich zum einen darauf, dass B._ und C._ die Situ-
ation so schilderten, wie sie es jeweils aus ihrem eigenen Blickwinkel heraus er-
lebten, wobei C._ weitgehend allgemein gehaltene und B._ auf sich be-
zogene Angaben bezüglich der gegen sie gerichteten Gewalt machten. Zum an-
deren lässt sich dieses Aussageverhalten ohne Weiteres mit der plötzlichen Eska-
lation einer zunächst harmlosen Kontrolle, der zeitlichen Verhältnisse, der Anzahl
beteiligter Personen und der Dynamik der Situation erklären. Entscheidend ist
einzig, dass beide ausdrücklich von gegen sie gerichteten Fusstritten und Faust-
schlägen sprachen. Entgegen den Ausführungen der Verteidigung gilt dies auch
für die Aussagen von B._, ist doch ein Tritt gegen die Genitalien nichts ande-
res als ein gezielter Fusstritt.
Hinzu kommt, dass ihre Aussagen vom Zeugen F._ bestätigt werden.
Dies gilt entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 29 S. 10; Urk. 54 S. 4 f.)
auch in Bezug auf die gezielten Faustschläge des Beschuldigten, welche von
C._ und B._ beschrieben wurden. Der Zeuge F._ verwies nämlich
zu Beginn seiner Zeugeneinvernahme vom 2. November 2015 ausdrücklich auf
den von ihm am 15. Oktober 2015 erstellten Wahrnehmungsbericht (D1 Urk. 8/6
S. 3). Darin schilderte er, dass die Polizeibeamten C._ und B._ den Be-
schuldigten an den Armen gefasst hätten, um ihn wegzugeleiten. Der Beschuldig-
te habe sich daraufhin mit fuchtelnden Bewegungen und Schlägen zur Wehr ge-
setzt (D1 Urk. 3). Die Formulierung "Zur-Wehr-Setzen mit Schlägen" deutet klar
auf eine gegen die Polizisten gerichtete Gewaltausübung mittels Schlägen hin.
Zusammenfassend liegen glaubhafte Aussagen dreier, unmittelbar in das
Geschehen involvierter Personen vor. Demgegenüber beschränkte sich der Be-
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schuldigte weitgehend auf die Geltendmachung seines Aussageverweigerungs-
rechts. Damit vermochte er der überzeugenden Sachdarstellung der drei Polizei-
beamten keinen schlüssigeren Sachverhalt gegenüberzustellen, welcher Zweifel
aufzubringen vermöchte. Dasselbe gilt auch in Bezug auf die Aussagen des Mit-
beschuldigten D._, soweit er überhaupt welche machte.
Bei dieser klaren Beweislage ist der strittige Anklagesachverhalt in Überein-
stimmung mit der Vorinstanz als rechtsgenügend erstellt zu betrachten.
III. Rechtliche Würdigung
1. Die Vorinstanz erkannte auf Gewalt und Drohung gegen Behörden und Be-
amte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB.
Die Verteidigung machte in rechtlicher Hinsicht zusammenfassend geltend,
dass der Beschuldigte sich nur gegen eine gesetzwidrige, nichtige Amtshandlung
und in angemessener Weise gewehrt habe bzw. eventualiter hiervon irrtümlicher-
weise ausgegangen sei (Urk. 29 S. 8 - 14; Urk. 54 S. 5 ff.).
2. Gemäss Art. 285 Ziff. 1 StGB macht sich strafbar, wer eine Behörde, ein
Mitglied einer Behörde oder einen Beamten durch Gewalt oder Drohung an einer
Handlung, die innerhalb ihrer Amtsbefugnisse liegt, hindert, zu einer Amtshand-
lung nötigt oder während einer Amtshandlung tätlich angreift.
Die Vorinstanz legte die objektiven und subjektiven Voraussetzungen von
Art. 285 Ziff. 1 StGB unter Berücksichtigung von Lehre und Rechtsprechung zu-
treffend dar. Hierauf kann zwecks Vermeidung von Wiederholungen verwiesen
werden (Urk. 38 S. 25 [E.3.1, E. 3.1.5] und S. 28 f. [E. 3.2], Art. 82 Abs. 4 StPO).
3. Zunächst ist zu prüfen, ob die Polizeibeamten Amtshandlungen im Sinne
von Art. 285 Ziff. 1 StGB vornahmen. Dabei gilt es zu beachten, dass selbst eine
rechtswidrige Amtshandlung vom Schutz von Art. 285 Ziff. 1 StGB erfasst ist, so-
fern die Widerrechtlichkeit nicht offensichtlich ist. Von einer rechtswidrigen Amts-
handlung ist auszugehen, wenn der Beamte zur Vornahme der Amtshandlung
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sachlich oder örtlich unzuständig ist, wenn wesentliche Formvorschriften nicht be-
achtet werden oder wenn bei Ermessensentscheidungen das Ermessen miss-
braucht oder überschritten wird, also beispielsweise wenn der Grundsatz der Ver-
hältnismässigkeit polizeilicher Eingriffe missachtet wird (BGE 94 IV 41 E. 4b).
3.1. Gemäss Sachverhalt wurden die Beschuldigten von Polizeibeamten der
Stadtpolizei Zürich einer Personenkontrolle unterzogen. Da sich D._ im Ge-
gensatz zum Beschuldigten nicht ausweisen konnte bzw. dessen Angaben zu
seinen Personalien vor Ort nicht bestätigt werden konnten, wurde den Beschul-
digten mitgeteilt, dass D._ zwecks Identitätsfeststellung auf den Polizeipos-
ten mitkommen müsse, der Beschuldigte aber aus der Kontrolle entlassen sei.
Der Beschuldigte verliess den Kontrollort nicht. In der Folge forderten die Polizei-
beamten den Beschuldigten mehrmals explizit und unter Androhung von Konse-
quenzen in Form einer Verzeigung auf, den Kontrollort zu verlassen.
Dieses polizeiliche Vorgehen steht im Einklang mit § 33 lit. c PolG, welcher
u.a. besagt, dass die Polizei eine Person von einem Ort wegweisen darf, wenn
Einsatzkräfte wie Polizei, Feuerwehr oder Rettungskräfte behindert oder gefähr-
det sind. Bei den erfolgten polizeilichen Aufforderungen handelte es sich dem-
nach um eine Wegweisung. Sie lag innerhalb der Amtsbefugnisse der Polizeibe-
amten und erfolgte weder unter Verletzung von Formvorschriften noch infolge von
fehlerhaften Ermessensentscheiden. Sie ist insofern als rechtmässige Amtshand-
lung im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB zu qualifizieren.
3.2. Gemäss erstelltem Sachverhalt kam der Beschuldigte dieser Wegweisung
nicht nach. In der Folge fassten ihn die Polizeibeamten C._ und B._ an
den Armen und versuchten, ihn vom Kontrollort wegzuführen. Den glaubhaften
Aussagen von C._ zufolge diente dieses Vorgehen dazu, der mündlichen
Aufforderung Nachdruck zu verleihen (D1 Urk. 8/4 S. 4).
3.3.1. Die Verteidigung sieht in diesem Vorgehen der Polizeibeamten die Anwen-
dung von unmittelbarem Zwang. Ihrer Ansicht nach hätten die Polizeibeamten den
Beschuldigten deshalb vorgängig darauf hinweisen müssen, dass sie ihn physisch
vom Kontrollort entfernen würden, sollte er ihrer entsprechenden Aufforderung
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nicht nachkommen. Dies hätten sie aber nicht getan. Deshalb hätten sie geset-
zeswidrig gehandelt. Hieraus scheint die Verteidigung abzuleiten, dass Art. 285
Ziff. 1 StGB infolge Gesetzeswidrigkeit bzw. offensichtlicher Nichtigkeit der Amts-
handlung nicht anwendbar sei (Urk. 29 S. 12; Urk. 54 S. 5 f.).
3.3.2. Die Vorinstanz gab der Verteidigung unter Hinweis auf § 14 Abs. 1 PolG in-
sofern Recht, als auch sie die physische Wegweisung des Beschuldigten als eine
unrechtmässige Amtshandlung qualifizierte. Sie kam dann aber zum Schluss,
dass Art. 285 Ziff. 1 StGB dennoch anwendbar sei, weil die Amtshandlung nicht
offensichtlich widerrechtlich und damit nicht nichtig sei. Die fehlende Vorankündi-
gung stelle weder einen offensichtlichen bzw. leicht erkennbaren noch einen
schweren Mangel dar (Urk. 38 S. 27 f.).
3.3.3. Diesen Erwägungen kann nicht gefolgt werden. Zwar sieht der von der Vor-
instanz zitierte § 14 Abs. 1 PolG vor, dass dem Betroffenen die Anwendung von
unmittelbarem Zwang vor deren Vornahme angedroht werden muss. Dieser
Grundsatz gilt aber nicht absolut. Gemäss Abs. 2 lit. a und b dieser Bestimmung
kann nämlich von einer vorgängigen Androhung abgesehen werden, wenn die
Gefahr nur durch sofortigen Einsatz unmittelbaren Zwangs abgewendet werden
kann oder wenn es offensichtlich ist, dass der Einsatz unmittelbaren Zwangs be-
vorsteht. Bei § 14 PolG handelt es sich offensichtlich um eine Konkretisierung des
Gebots der Verhältnismässigkeit polizeilichen Handelns. Insofern ist auch zu be-
rücksichtigen, dass sich die Frage nach der Verhältnismässigkeit gemäss bun-
desgerichtlicher Rechtsprechung nicht allgemein entscheidet, sondern nach den
Umständen des Einzelfalles, namentlich nach dem Grund und der Art der Mass-
nahme, den Mitteln und der Zeit, die dem Handelnden zur Verfügung stehe
(BGE 94 IV 5 E. 2a; vgl. zur Verhältnismässigkeit im Polizeirecht auch BGE 136 I
87 E. 3.2).
Gemäss erstelltem Sachverhalt und den übereinstimmenden Aussagen der
Polizeibeamten C._ (D1 Urk. 8/4 S. 4), B._ (D1 Urk. 8/5 S. 4) und
F._ (D1 Urk. 3 S. 2 und Urk. 8/6 S. 4) hatten sich während der Personenkon-
trolle in der unmittelbaren Nähe des Kontrollortes inzwischen mehrere Personen
aus dem ...-Areal eingefunden, welche sich mit den Beschuldigten solidarisierten.
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Es mussten weitere Einsatzkräfte aufgeboten werden. Die Lage verschärfte sich
offensichtlich zunehmend. Trotz mehrmaliger Aufforderung verliess der Beschul-
digte den Kontrollort nicht und trug so zu weiterer Unruhe bei. Vor diesem Hinter-
grund war es offensichtlich, dass den Beamten nach mehrmaliger mündlicher Auf-
forderung und der Androhung von Konsequenzen in Form einer Verzeigung nichts
anderes übrig blieb, als den Beschuldigten so schnell wie möglich durch physi-
schen Kontakt zum Verlassen des Kontrollortes zu bewegen. Berücksichtigt man
schliesslich, dass sich die physische Einwirkung auf den Beschuldigten lediglich
im Anfassen an den Armen erschöpfte, sie also auch unter Hinweis auf § 10 PolG
absolut verhältnismässig war, so kann von den Polizeibeamten in der konkreten
Situation nicht ernsthaft verlangt werden, das Anfassen an den Armen vorgängig
anzukündigen (vgl. zur erforderlichen Beachtung des in § 10 PolG statuierten Verhältnismässigkeitsgrundsatzes bei Anwendung polizeilicher Gewalt: Urteil
BGer vom 20. Februar 2016 [6B_816/2016], E. 2.3). Bei einem derart geringen
Eingriff in die physische Integrität des Beschuldigten sind keine allzu hohen An-
forderungen an die Verhältnismässigkeit zu stellen (vgl. BGE 94 IV 5 E. 2a; Urteil
BGer vom 2. Mai 2013 [6B_569/2012], E. 2.3.3; vgl. zur Verhältnismässigkeit im
Polizeirecht auch BGE 136 I 87 E. 3.2).
Somit war die physische Wegweisung entgegen der Auffassung der Vor-
instanz nicht unrechtmässig. Es handelt sich dabei um eine von Art. 285 Ziff. 1
StGB erfasste gesetzeskonforme Amtshandlung. Damit liegt im Unterschied zu
den vorinstanzlichen Erwägungen kein Strafminderungsgrund vor (Urk. 38
S. 27 f.).
4. Im Folgenden ist die Frage zu beantworten, ob der Beschuldigte diese
rechtmässige Amtshandlung gewaltsam behindert hat.
Der Beschuldigte führte gezielte Faustschläge und Fusstritte gegen den
Oberkörper, Kopf und Genitalbereich der Polizeibeamten C._ und B._
aus, als diese versuchten, ihn durch Anfassen an den Armen vom Kontrollort zu
entfernen. Damit erschwerte er gewaltsam die Amtshandlung der Wegweisung.
Die Polizeibeamten konnten den Beschuldigten – wie beabsichtigt – nicht einfach
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vom Kontrollort entfernen, sondern mussten ihn aufgrund seines gewaltsamen
Verhaltens fesseln und verhaften. Bei dieser Intensität der Gegenwehr kann –
entgegen der Auffassung der Verteidigung – von einer bloss straflosen Selbstbe-
günstigung keine Rede mehr sein (vgl. Urk. 29 S. 14; Urk. 54 S. 7).
5. In subjektiver Hinsicht verlangt Art. 285 Ziff. 1 StGB mindestens ein eventu-
alvorsätzliches Handeln. Der Täter muss wissen bzw. für möglich halten, dass er
mit seinem Verhalten die Funktionäre an einer Amtshandlung hindert, und dies
auch wollen bzw. in Kauf nehmen (Art. 12 Abs. 2 StGB).
5.1. Die Verteidigung berief sich darauf, dass der Beschuldigte einem Sachver-
haltsirrtum im Sinne von Art. 13 StGB unterlegen sei. Die Polizeibeamten hätten
dem Beschuldigten nur angedroht, ihn zu verzeigen, sollte er ihrer Aufforderung,
den Kontrollort zu verlassen, nicht nachkommen. Dann hätten sie ihn physisch
angegangen. Dies sei ihm vorgängig nicht angekündigt worden. In der Folge sei
er irrtümlicherweise von einem gesetzeswidrigen Angriff ihm gegenüber bzw.
einer unrechtmässigen Festnahme ausgegangen, also von einer eindeutig geset-
zeswidrigen bzw. nichtigen Amtshandlung (Urk. 29 S. 12 f.; Urk. 54 S. 8 ff.).
5.2. Diese Einwände der Verteidigung zielen ins Leere. Aus den Akten ergeben
sich keinerlei Hinweise auf eine entsprechende irrige Vorstellung. Dem Beschul-
digten war bewusst, dass er und D._ von den uniformierten Polizeibeamten
eines Diebstahls verdächtigt wurden, wurde er doch von den Polizeibeamten ent-
sprechend informiert (D1 Urk. 3 S. 2 und Urk. 8/4 S. 4). Nachdem sich der Be-
schuldigte ausweisen konnte, wurde ihm ausdrücklich mitgeteilt, dass er aus der
Kontrolle entlassen sei. Weil der Beschuldigte nicht wegging, wurde er schliess-
lich mehrmals aufgefordert, den Kontrollort zu verlassen, wobei ihm auch mit
einer Verzeigung gedroht wurde. Somit war ihm klar, dass er eben nicht festge-
nommen werden sollte, es sich also bei der Wegweisung um eine rechtmässige
Amtshandlung handelte. Nach mehrmaliger erfolgloser Aufforderung, den Kon-
trollort zu verlassen, und angesichts der inzwischen verschärften Situation vor Ort
(vgl. oben 3.3.3) musste es dem Beschuldigten klar gewesen sein, dass die Poli-
zeibeamten zur Durchsetzung der Wegweisung auch zu anderen Mitteln greifen
würden. Der Beschuldigte wurde von den Polizeibeamten denn auch nur an den
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Armen gefasst. Vor diesem Hintergrund erweist sich die geltend gemachte irrige
Vorstellung über einen gesetzeswidrigen Angriff bzw. eine unrechtmässige Fest-
nahme als Schutzbehauptung.
5.3. Der Beschuldigte handelte somit direktvorsätzlich. Der subjektive Tatbe-
stand ist erfüllt.
6. Der vorinstanzliche Schuldspruch wegen Gewalt und Drohung gegen Be-
hörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB ist folglich zu bestätigen.
IV. Strafe
1. Die Vorinstanz hat die allgemeinen Regeln und Grundsätze der Strafzumes-
sung richtig wiedergegeben (Urk. 38 E. IV. 1., 2.1 und 3.1). Dies braucht nicht
wiederholt zu werden.
2. In Anbetracht des aktuellsten Strafregisterauszuges (Urk. 51, 2. und 3. Ein-
trag) stellt sich zunächst die Frage, ob Fälle von retrospektiver Konkurrenz im
Sinne von Art. 49 Abs. 2 StGB vorliegen.
2.1. Hat das Gericht eine Tat zu beurteilen, die der Täter begangen hat, bevor er
wegen einer andern Tat verurteilt worden ist, so bestimmt es die Zusatzstrafe in
der Weise, dass der Täter nicht schwerer bestraft wird, als wenn die strafbaren
Handlungen gleichzeitig beurteilt worden wären (Art. 49 Abs. 2 StGB). Diese Be-
stimmung gelangt zur Anwendung, wenn das Gericht Delikte beurteilen muss, die
der Täter begangen hat, bevor er wegen anderer Straftaten verurteilt wurde (BGE
138 IV 113, 115 E. 3.4.1; vgl. BGE 129 IV 113, 115 E. 1.1). Die Bestimmung will
im Wesentlichen das Asperationsprinzip auch bei retrospektiver Konkurrenz ge-
währleisten. Der Täter, der mehrere Freiheitsstrafen verwirkt hat, soll nach einem
einheitlichen, für ihn relativ günstigen Prinzip der Strafschärfung beurteilt werden,
unabhängig davon, ob die Verfahren getrennt durchgeführt werden oder nicht. Er
soll damit trotz Aufteilung der Strafverfolgung in mehrere Verfahren gegenüber je-
nem Täter, dessen Taten gleichzeitig beurteilt wurden, nicht benachteiligt und so
weit als möglich auch nicht bessergestellt werden (BGE 132 IV 102, 104 f. E. 8.2
- 17 -
mit Hinweisen). Ein Fall von retrospektiver Konkurrenz liegt allerdings nur dann
vor, wenn in beiden Urteilen auf die gleiche Strafart zu erkennen ist, andernfalls
ist auf eine neue Strafe zu erkennen (HUG, in: DONATSCH/FLACHSMANN/
HUG/WEDER [Hrsg.], StGB, Kommentar, 19. Aufl., Zürich 2013, Art. 49 N 10a).
Ungleichartige Strafen sind kumulativ zu verhängen, da das Asperationsprinzip
nur greift, wenn mehrere gleichartige Strafen ausgesprochen werden (BGE 137 IV
58, E. 4.3.1; BGE 138 IV 120, 122 E. 5.2).
2.2. Der Beschuldigte wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 12. No-
vember 2015 wegen Sachbeschädigung und mehrfachen Hausfriedensbruchs zu
gemeinnütziger Arbeit von 240 Stunden verurteilt (vgl. Urk. 51; 2. Eintrag). Die
vorliegend zu beurteilende Tat beging der Beschuldigte am 15. Oktober 2015,
somit vor dem genannten Urteil. Für das aktuelle Delikt erweist sich allerdings
eine Bestrafung mit gemeinnütziger Arbeit unzweckmässig, da der Beschuldigte
am 8. Juni 2016, also ca. sechs Monate nach Ausfällung einer entsprechenden
Strafe, erneut delinquierte (vgl. Urk. 51, 3. Eintrag). Wie im Folgenden noch auf-
zuzeigen sein wird, kommt angesichts der Strafhöhe und des Verschuldens nur
eine Geldstrafe für das neue Delikt in Frage (Art. 40 und 41 Abs. 1 StGB; nachfol-
gend E. 4). Aufgrund Ungleichartigkeit dieser Erststrafe mit derjenigen Strafe,
welche heute auszufällen ist, ist Art. 49 Abs. 2 StGB somit nicht anwendbar.
Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 31. August 2016
wurde der Beschuldigte wegen Verstosses gegen Art. 95 Ziff. 1 SVG zu einer
Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 30.– verurteilt. Die vorliegend zu beurtei-
lende Tat beging der Beschuldigte ebenfalls vor dem Erlass dieses Strafbefehls.
Die für das neue Delikt auszufällende Strafe ist sodann gleichartig. Somit ist
Art. 49 Abs. 2 StGB anwendbar und es ist im Folgenden zum genannten Strafbe-
fehl eine Zusatzstrafe zu bilden.
3. Im Folgenden ist für das schwerste Delikt unter Berücksichtigung der Tat-
und Täterkomponenten gedanklich eine Einsatzstrafe festzusetzen. Diese ist un-
ter Einbezug der Schwere des milderen Delikts angemessen zu erhöhen und es
ist eine Gesamtstrafe für alle Delikte zu bilden, wobei ebenfalls den jeweiligen
Umständen Rechnung zu tragen ist (Urteil BGer vom 23. Juni 2010
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[6B_323/2010], E. 2.2 m.H.). Von dieser hypothetischen Gesamtstrafe ist die im
früheren Urteil ausgesprochene Strafe abzuziehen, woraus sich die Zusatzstrafe
ergibt (Urteil BGer vom 31. März 2009 [6B_882/2008], E. 1.2 m.H.).
4. Als schwerstes Delikt ist hier der Tatbestand der Gewalt und Drohung gegen
Behörden und Beamte anzusehen. Dafür sieht der Gesetzgeber einen ordent-
lichen Strafrahmen von einem Tagessatz Geldstrafe bis zu drei Jahren Freiheits-
strafe vor (Art. 285 Ziff. 1 StGB). Trotz Deliktsmehrheit, also des Vorliegens eines
Strafschärfungsgrundes, ist dieser Strafrahmen unter Hinweis auf BGE 136 IV 55
E. 5.8 einzuhalten. Es sind keine aussergewöhnlichen Umstände ersichtlich, wel-
che diesen Strafrahmen als zu mild erscheinen liessen. Die Deliktsmehrheit ist
aber straferhöhend innerhalb dieses Strafrahmens zu berücksichtigen.
4.1. Bei der Beurteilung des objektiven Tatverschuldens ist erschwerend zu ge-
wichten, dass der Beschuldigte das Funktionieren staatlicher Organe erheblich
beeinträchtigte. Mehrmals schlug er gegen die Polizeibeamten, um seine Weg-
weisung zu behindern. Dies zeugt von einer grossen Respektlosigkeit gegenüber
der staatlichen Autorität. Erschwerend kommt ferner hinzu, dass die Amtshand-
lung zu Beginn des Widerstandes nur einen kurzfristigen, vorübergehenden Ein-
griff in die Freiheitsrechte des Beschuldigten zur Folge haben sollte (Wegwei-
sung). Dies wurde dem Beschuldigten so auch explizit eröffnet. Zu seinen Guns-
ten ist zu bewerten, dass sein Tatvorgehen nicht im Voraus geplant war. Das ge-
waltsame Widersetzen erfolgte vielmehr spontan. Gesamthaft wiegt das objektive
Tatverschulden nicht mehr leicht (vgl. Urk. 38 S. 32).
4.2. In subjektiver Hinsicht ist zu beachten, dass der Beschuldigte direktvorsätz-
lich handelte. Die subjektive Schwere der Tat wirkt sich neutral aus. Insgesamt ist
die Strafe im mittleren Bereich des ersten Drittels des ordentlichen Strafrahmens
anzusiedeln. Eine Einsatzstrafe von 150 Tagessätzen Geldstrafe erweist sich als
angemessen.
4.3. Diese hypothetische Einsatzstrafe ist im Folgenden unter Einbezug der Tä-
terkomponenten gegebenenfalls anzupassen.
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4.3.1. Der Beschuldigte ist gemäss eigenen Angaben in Zollikon geboren. Er
schloss die Sek B-Schule ab, fing eine Lehre als Koch an, welche er aber nicht
abschloss, und absolvierte einen einjährigen Vorkurs für gestalterische Kunst. Er
wohnt bei seiner Mutter und erhält von seinem Vater einen monatlichen Unter-
haltsbeitrag von ca. Fr. 500.–. Gemäss dem Datenerfassungsblatt vom
29. September 2016 ging er teilweise einer Gelegenheits- bzw. Nebenbeschäfti-
gung nach und verdiente damit Fr. 300.– pro Monat. Aktuell hat er weder Schul-
den noch Vermögen (D1 Urk. 7/6 S. 4; Urk. 18 S. 1; Urk. 44/1; Prot. I S. 9, 12 f.;
Prot. II S. 8 - 10). Aus dem Werdegang und aus den aktuellen Lebensverhältnis-
sen ergeben sich somit keine strafzumessungsrelevanten Faktoren.
4.3.2. Der Beschuldigte war schon vor der Tat vom 15. Oktober 2015 vorbestraft
(Urk. 51). Von der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat war er am 3. Juli 2015 we-
gen Hausfriedensbruchs und Hinderung einer Amtshandlung verurteilt worden.
Diese Vorstrafe ist teilweise einschlägig, sodass sie straferhöhend zu veranschla-
gen ist.
4.3.3. Das neue Delikt beging der Beschuldigte während der mit oberwähntem
Strafbefehl angesetzten zweijährigen Probezeit. Auch dieser Umstand fällt straf-
erhöhend ins Gewicht.
4.3.4. Der Beschuldigte war weder geständig noch verhielt er sich gegenüber den
Strafverfolgungsbehörden kooperativ. Einsicht und Reue sind auch nicht erkenn-
bar. Aus dem Nachtatverhalten ergeben sich somit keine strafzumessungsrele-
vanten Faktoren.
4.3.5. Unter Berücksichtigung sämtlicher strafzumessungsrelevanter Kriterien er-
weist sich eine Einsatzstrafe von 180 Tagessätzen Geldstrafe als angemessen.
5. Der ordentliche Strafrahmen für einen Verstoss gegen Art. 95 Abs. 1 lit. a
SVG reicht von einem Tagessatz Geldstrafe bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe. Die
Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat befand eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu
Fr. 30.– für angemessen. Dem kann gefolgt werden.
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6. Die für das schwerste Delikt ermittelte Einsatzstrafe wäre somit in Anwen-
dung des Asperationsprinzips um etwa 10 Tagessätze zu erhöhen. Die hypothe-
tische Gesamtstrafe läge damit bei 190 Tagessätzen Geldstrafe, wären die bei-
den Delikte gemeinsam beurteilt worden. Zieht man von dieser Gesamtstrafe die
rechtskräftige Erststrafe ab, so verbleiben 160 Tagessätze Geldstrafe, welche als
Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 31. Au-
gust 2016 auszusprechen sind.
7. Die Höhe eines Tagessatzes ist gestützt auf Art. 34 Abs. 2 StGB und unter
Hinweis auf die finanziell schwierige Lage des Beschuldigten (vgl. oben E. 4.3.1)
wie von der Vorinstanz auf Fr. 10.– festzusetzen.
8. Der Beschuldigte ist somit mit einer Geldstrafe von 160 Tagessätzen zu
Fr. 10.– als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat
vom 31. August 2016 zu bestrafen. Einer Anrechnung der bereits erstandenen
19 Tage Haft an diese Strafe steht nichts entgegen (Art. 51 StGB, vgl. Urk. 38
S. 34).
V. Vollzug und Widerruf
1. Die Vorinstanz hat die rechtlichen Voraussetzungen für die Gewährung des
bedingten Strafvollzugs und für den Widerruf einer früher bedingt ausgefällten
Strafe bereits zutreffend dargelegt (Urk. 38 E. V.1 und 2 sowie E. VI.2 und 3).
Dies braucht nicht wiederholt zu werden.
2. Sodann gelangte die Vorinstanz zu Recht zum Schluss, dass die objektiven
Voraussetzungen von Art. 42 Abs. 1 StGB erfüllt seien. Es ist vorliegend eine
Geldstrafe auszufällen. Auch richtig erkannte sie, dass die Gewährung des Auf-
schubs im Falle des Beschuldigten keine besonders günstigen Umstände im Sin-
ne von Art. 42 Abs. 2 StGB erfordert (Urk. 38 S. 35 f.). Insofern ist grundsätzlich
von einer günstigen Prognose auszugehen und zu prüfen, ob Anhaltspunkte für
eine Rückfallgefahr vorliegen (TRECHSEL/PIETH, in: TRECHSEL/PIETH [Hrsg.], StGB
PK, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013, Art. 42 N 7).
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Der Beschuldigte ist im Strafregister inzwischen mit drei Verurteilungen ein-
getragen (Urk. 51). Diese Einträge und die Delinquenz während laufender Probe-
zeit deuten auf eine gewisse Rückfallgefahr hin. Eine der Vorstrafen ist wie er-
wähnt einschlägig. Im Rahmen des vorliegenden Verfahrens verblieb der Be-
schuldigte 19 Tage in Untersuchungshaft, was eine gewisse positive Wirkung er-
hoffen lässt, zumal er noch nie so lange inhaftiert war (Urk. 51). In die Prognose-
beurteilung ist ferner die Aussicht auf den drohenden Vollzug der neu auszufäl-
lenden Geldstrafe miteinzubeziehen. Berücksichtigt man schliesslich die gesamte
Wirkung des Urteils, insbesondere den noch im Folgenden zu begründenden Wi-
derruf des bedingten Strafvollzugs der mit Strafbefehl vom 3. Juli 2015 ausgefäll-
ten Geldstrafe (vgl. unten E. 3 sowie BGE 134 IV 140 E. 4.5. m.w.H. und TRECH-
SEL/PIETH, in: TRECHSEL/PIETH [Hrsg.], a.a.O., Art. 42 N 14), kann dem Beschul-
digten gerade noch eine günstige Prognose gestellt werden. Gesamthaft ist des-
halb davon auszugehen, dass sich der Beschuldigte durch die genannten Um-
stände genügend beeindrucken lässt, um in Zukunft nicht mehr straffällig zu wer-
den. Um verbleibenden Restbedenken zu begegnen, ist die Probezeit in Anwen-
dung von Art. 44 Abs. 1 StGB auf drei Jahre festzusetzen.
3. Der Vorinstanz kann in Bezug auf den Verzicht auf einen Widerruf der mit
Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 3. Juli 2015 bedingt ausge-
fällten Geldstrafe nicht gefolgt werden. Insbesondere die erneute einschlägige
Delinquenz während laufender Probezeit weist auf eine gewisse Rückfallgefahr
hin. Dem Beschuldigten muss deshalb klar gemacht werden, dass ihm nicht stets
aufs Neue eine Chance zur Besserung eingeräumt werden kann. Zur Steigerung
seiner Bewährungsaussichten bedarf er somit eines Denkzettels. Der bedingte
Vollzug der mit genanntem Strafbefehl ausgesprochenen Geldstrafe ist folglich
gestützt auf Art. 46 Abs. 1 StGB zu widerrufen.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesem Verfahrensausgang ist die erstinstanzliche Kostenauflage zu be-
stätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO).
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2. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ih-
res Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Staatsanwaltschaft
obsiegt teilweise in Bezug auf die Strafhöhe und den Widerruf. Sie unterliegt je-
doch im Vollzugspunkt. Der Beschuldigte scheitert im Schuld- und im Strafpunkt
sowohl mit seinem Haupt- als auch mit seinem Eventualantrag. Dies gilt auch in
Bezug auf den beantragten Verzicht auf einen Widerruf. Im Vollzugspunkt obsiegt
er mit seinem Eventualantrag. Im Ergebnis sind die Kosten des Berufungsverfah-
rens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung, zu drei Viertel dem
Beschuldigten aufzuerlegen und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind auf die Gerichtskasse zu neh-
men. Vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO im
Umfang von drei Viertel.