Decision ID: 242606d2-6b18-55fa-b952-43086106d53d
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die am (...) 1967 geborene A._ (Beschwerdeführerin), schweizeri-
sche Staatsangehörige, war ab Januar 1985 in der Schweiz als Malerin
und Allrounderin erwerbstätig. Im Dezember 1996 verlegte sie ihren Wohn-
sitz nach Frankreich und war ab diesem Zeitpunkt bis im November 1999
als Grenzgängerin in der Schweiz arbeitstätig. Sie leistete von Januar 1985
bis November 1999 Beiträge an die Schweizerische Alters-, Hinterlasse-
nen- und Invalidenversicherung. Die Beschwerdeführerin ist verheiratet
und Mutter zweier Kinder, geboren in den Jahren 1998 und 2000 (IV-Akten
der Vorinstanz [act.] 5 S. 2; 12).
B.
B.a Am 20. Juni 2002 verunfallte die Beschwerdeführerin schwer, als sie
beim Kirschenpflücken von einer Leiter stürzte (act. 9). Dabei erlitt sie eine
posttraumatische Paraplegie (act. 18; 22; 23). Vom 21. Juni bis 20. Dezem-
ber 2002 befand sich die Beschwerdeführerin in stationärer Rehabilitation
im Zentrum B._.
B.b Am 15. August 2002 meldete sich die Beschwerdeführerin für den Be-
zug von Leistungen bei der schweizerischen Invalidenversicherung an (act.
49). Im Schreiben vom 10. Dezember 2002 machte sie geltend, es gehe
ihr nicht um Rentenleistungen, sondern um weitere Leistungen der IV, für
welche die einjährige Wartezeit nicht Voraussetzung sei (act. 40).
B.c Mit Verfügung vom 6. Januar 2003 der Invalidenversicherungs-Stelle
für Versicherte im Ausland (IVSTA oder Vorinstanz) hielt diese fest, dass
das Leistungsbegehren abgewiesen werde. Nach Ablauf der einjährigen
Wartefrist bestehe die Möglichkeit, ein neues Gesuch einzureichen, wenn
immer noch eine durchschnittlich ausreichende Erwerbsunfähigkeit vor-
handen sei (act. 46; 49). Mit Schreiben vom selben Tag lehnte die Vo-
rinstanz die Gewährung von Eingliederungsmassnahmen ab, da die Be-
schwerdeführerin in Frankreich wohne, der freiwilligen Versicherung nicht
beigetreten und darum nicht versichert sei (act. 48).
C.
C.a Am 12. Juni 2003 meldete sich die Beschwerdeführerin erneut für den
Bezug von Leistungen der schweizerischen Invalidenversicherung an (act.
47; 52).
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C.b Im Arztbericht vom 29. September 2003 hält Dr. med. C._,
Chefarzt des Zentrums B._, fest, dass bei Austritt am 20. Dezember
2002 eine komplette Paraplegie persistiert habe und die Beschwerdefüh-
rerin an konsekutiven neurogenen Blasen-, Darm- und Sexualfunktionsstö-
rungen leide (act. 58).
C.c Mit Verfügung vom 30. Januar 2004 der Vorinstanz wurden der Be-
schwerdeführerin aufgrund eines IV-Grades von 83% rückwirkend ab
1. Juni 2003 (nach Ablauf der Wartefrist) eine ganze Rente sowie zwei or-
dentliche Kinderrenten zugesprochen (act. 71; 113)
D.
Im Rahmen einer ersten Rentenrevision und mit Mitteilung vom 9. Februar
2009 hielt die Vorinstanz fest, dass die Überprüfung des Invaliditätsgrades
keine anspruchsbeeinflussende Änderung ergeben habe. Es bestehe wei-
terhin Anspruch auf die bisherigen Geldleistungen (act. 98, 99).
E.
E.a Im Rahmen der zweiten Rentenrevision teilte die Beschwerdeführerin
am 30. Dezember 2012 der Vorinstanz mit, dass sie seit 1. August 2012
als Mitarbeiterin Peer Consulting im Zentrum D._ in einem 20-30%
Pensum tätig sei (act. 101; 110). Mit Schreiben vom 27. Dezember 2013
übermittelte die Vorinstanz die Akten an die IV-Stelle E._ (IV-Stelle)
zur weiteren Bearbeitung der Revision (act. 114). Am 9. Januar 2015 kün-
digte die Beschwerdeführerin das Arbeitsverhältnis per 30. April 2015 (act.
121).
E.b Mit Vorbescheid vom 23. Februar 2015 hielt die IV-Stelle aufgrund der
Anwendung der gemischten Methode einen IV-Grad von 57% fest und
stellte der Beschwerdeführerin in der Folge eine halbe Rente in Aussicht
(act. 122). Dagegen erhob die Beschwerdeführerin Einwand mit der Be-
gründung, sie könne höchstens einer 25%-igen Arbeitstätigkeit nachgehen.
Sie habe die Stelle wegen des langen Arbeitsweges zum Zentrum
D._, der ihr gesundheitlich zugesetzt habe, aufgeben müssen. Als
Malerin könne sie nicht mehr tätig sein und sie sei auch nicht umgeschult
worden. Es sei ihr ein Leidensabzug von 25% zu gewähren (act. 128).
E.c Mit Schreiben vom 16. Januar 2017 wurde das Dossier zuständigkeits-
halber von der IV-Stelle an die Vorinstanz übergeben (act. 136). Die
Vorinstanz tätigte daraufhin weitere Abklärungen. Mit Vorbescheid vom 16.
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Februar 2018 annullierte und ersetzte sie den Vorbescheid vom 23. Feb-
ruar 2015 und stellte der Beschwerdeführerin eine halbe anstatt einer gan-
zen Rente in Aussicht (act. 170). Dr. F._ des medizinischen Diens-
tes der IVSTA hält mit Stellungnahme vom 3. August 2018 fest, dass bei
einer perfekt angepassten beruflichen Tätigkeit kein medizinischer Grund
bestehe, die Aktivitätsrate auf 30% zu begrenzen. In der bisherigen Tätig-
keit betrage die Arbeitsfähigkeit 0%. Für eine angepasste Tätigkeit bestehe
eine 70%-ige Arbeitsfähigkeit. Aufgrund der Blasenentleerungsstörung be-
stehe eine Einschränkung von 30%. Das Problem im vorliegenden Fall sei
nicht der Gesundheitszustand, sondern die Einschätzung der Arbeitsfähig-
keit und die Änderung der Bemessungsmethode (act. 192).
E.d Mit Verfügung vom 18. Oktober 2018, eröffnet am 24. Oktober 2018,
stellte die Vorinstanz fest, dass sich der Gesundheitszustand der Be-
schwerdeführerin seit 1. August 2012 verbessert habe. Ab diesem Zeit-
punkt habe die Beschwerdeführerin eine Tätigkeit beim Zentrum
D._ ausgeübt und sie könne ab diesem Datum eine sitzende Ver-
weistätigkeit zu 70% ausüben. Der Arbeitsplatz müsse sich in der Nähe
von Parkplätzen finden, mit einem Rollstuhl erreichbar sein und ebenso
müssten sich Toiletten in der Nähe befinden. Die bisherige Tätigkeit als
Landschaftsgärtnerin könne zu höchstens 50% ausgeübt werden. Der In-
validitätsgrad betrage gemäss Einkommensvergleich nach der allgemei-
nen Methode 51%. Die Beschwerdeführerin habe Anspruch auf eine halbe
Invalidenrente ab 1. Dezember 2018 (act. 197; 200; B-act. 1 Beilage 1 in-
fine).
F.
F.a Dagegen erhob die Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt
Markus Schmid, am 15. November 2018 Beschwerde beim Bundesverwal-
tungsgericht. Dabei beantragte sie, die angefochtene Verfügung sei aufzu-
heben und der Beschwerdeführerin sei über das Datum des 30. Novem-
bers 2018 hinaus eine ganze Invalidenrente zuzusprechen, eventualiter sei
die Verfügung aufzuheben und ein gerichtlich medizinisches Gutachten
einzuholen, subeventualiter sei die Vorinstanz zu verpflichten, ein medizi-
nisches Gutachten einzuholen und neu über den Leistungsanspruch zu
verfügen (Beschwerdeakten [B-act.] 1).
F.b Der mit Zwischenverfügung vom 18. Dezember 2018 auf Fr. 800.– fest-
gesetzte Kostenvorschuss ging innert Frist am 11. Januar 2019 in der Ge-
richtskasse ein (B-act. 2; 4).
C-6490/2018
Seite 5
F.c Am 15. Februar 2019 hielt die Vorinstanz in ihrer Stellungnahme fest,
dass der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin stabil und genü-
gend abgeklärt sei. Ab August 2012 könne von einer 70%-igen Arbeitsfä-
higkeit in einer angepassten Tätigkeit ausgegangen werden. Trotz langer
Bezugsdauer der Invalidenrente gebe es im vorliegenden Fall konkrete An-
haltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin ihre Arbeitsfähigkeit tat-
sächlich verwerten könne und Verweisungstätigkeiten zumutbar seien. Der
Einstieg in die Arbeitswelt sei der Beschwerdeführerin aus eigener Initiative
gelungen. Die Invaliditätsbemessung ergebe einen IV-Grad von 53,79%
(B-act. 6).
F.d Mit Replik vom 1. April 2019 hielt die Beschwerdeführerin an ihrer Be-
schwerde fest und macht geltend, dass bezüglich der Arbeitsfähigkeit nicht
plötzlich von einem viel höheren Wert ausgegangen werden könne. Die
Vorinstanz verletze ihre Abklärungs- und Untersuchungspflicht. Eine 20-
30%-ige Arbeitstätigkeit in einer angepassten Tätigkeit sei nur möglich ge-
wesen, weil die Tätigkeit im Zentrum D._ ein Glücksfall gewesen
sei, da dieses selbst Para- und Tetraplegiker behandle und die entspre-
chenden Bedürfnisse kenne. Beim Valideneinkommen sei auf den Total-
wert der LSE-Tabelle TA1 und beim Invalideneinkommen sei auf den sta-
tistischen Wert der LSE Tabelle TA1 Kompetenzniveau 1, der dem zuvor
ausgeübten Pensum von max. 30% entspreche, abzustellen (B-act. 10).
F.e Mit Duplik der Vorinstanz vom 14. Mai 2019 hielt diese an der Abwei-
sung der Beschwerde fest und stützte sich dabei auf die Ausführungen in
der angefochtenen Verfügung (B-act. 12).
F.f Mit Verfügung vom 20. Mai 2019 schloss der Instruktionsrichter den
Schriftenwechsel ab (B-act. 13).
G.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird,
soweit für die Entscheidfindung erforderlich, im Rahmen der nachfolgen-
den Erwägungen eingegangen.
C-6490/2018
Seite 6

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG (SR 173.32) in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG
und Art. 69 Abs. 1 Bst. b IVG (SR 831.20) ist das Bundesverwaltungsge-
richt zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig.
1.1 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich grund-
sätzlich nach dem VwVG (SR 172.021 [Art. 37 VGG]). Vorbehalten bleiben
gemäss Art. 3 Bst. dbis VwVG die besonderen Bestimmungen des ATSG
(SR 830.1).
1.2 Als direkte Adressatin ist die Beschwerdeführerin von der angefochte-
nen Verfügung berührt und kann sich auf ein schutzwürdiges Interesse an
deren Aufhebung oder Änderung berufen (vgl. Art. 59 ATSG, Art. 48 Abs. 1
VwVG). Auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde (vgl. Art. 52,
Art. 38 ff. und Art. 60 ATSG) ist, nachdem auch der Kostenvorschuss be-
zahlt worden ist (Art. 63 Abs. 4 VwVG), einzutreten.
2. Vorweg ist von Amtes wegen darüber zu befinden, ob die IV-Stelle für
Versicherte im Ausland (IVSTA) zum Erlass der angefochtenen Verfügung
zuständig war.
2.1 Gemäss Art. 55 Abs. 1 IVG ist in der Regel die IV-Stelle zuständig, in
deren Kantonsgebiet der Versicherte im Zeitpunkt der Anmeldung seinen
Wohnsitz hat. Der Bundesrat ordnet die Zuständigkeit in Sonderfällen.
Nach Art. 88 Abs. 1 der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invali-
denversicherung (IVV, SR 831.201) werden die Revisionsverfahren von je-
ner IV-Stelle durchgeführt, die bei Eingang des Revisionsgesuches oder
bei der Wiederaufnahme des Verfahrens von Amtes wegen nach Art. 40
IVV für den Fall zuständig ist. Nach Art. 40 Abs. 1 Bst. a IVV ist die IV-Stelle
zuständig zur Entgegennahme und Prüfung der Anmeldungen, in deren
Tätigkeitsgebiet die Versicherten ihren Wohnsitz haben. Für im Ausland
wohnende Versicherte ist nach Art. 40 Abs. 1 Bst. b IVV – unter Vorbehalt
der speziellen Regelung für Grenzgänger – die IV-Stelle für Versicherte im
Ausland zuständig. Laut Art. 40 Abs. 3 IVV bleibt die einmal begründete
Zuständigkeit der IV-Stelle unter Vorbehalt der Absätze 2bis bis 2quater im
Verlauf des Verfahrens erhalten. Verlegt eine versicherte Person, die ihren
Wohnsitz im Ausland hat, während des Verfahrens ihren gewöhnlichen Auf-
enthalt oder ihren Wohnsitz in die Schweiz, so geht die Zuständigkeit nach
Art. 40 Abs. 2ter IVV auf die IV-Stelle über, in deren Tätigkeitsbereich die
versicherte Person ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder ihren Wohnsitz hat.
C-6490/2018
Seite 7
2.2 Im vorliegenden Fall wurde das zweite Revisionsverfahren anfänglich
von der IV-Stelle E._ geführt. Zu diesem Zeitpunkt war die Be-
schwerdeführerin Grenzgängerin und arbeitete in (...), Kanton E._.
Damit war die IV-Stelle E._ zuständig. Die Beschwerdeführerin gab
ihre Arbeitstätigkeit beim Zentrum D._ per 30. April 2015 auf. Mit
Schreiben vom 16. Januar 2017 wurde das Dossier gemäss Art. 40 Abs. 1
Bst. b IVV zuständigkeitshalber wieder an die Vorinstanz abgetreten, wel-
che nach zusätzlichen Abklärungen zu Recht die angefochtene Verfügung
erliess (act. 136). Die Beschwerdeführerin rügt sodann im vorliegenden
Verfahren die fehlende Zuständigkeit der IVSTA auch nicht.
3.
Streitig ist die revisionsweise Herabsetzung der IV-Rente. Zunächst sind
die für die Beurteilung massgebenden gesetzlichen Bestimmungen und die
von der Rechtsprechung entwickelten Grundsätze darzulegen.
3.1 Die Beschwerdeführerin ist schweizerische Staatsangehörige und
wohnt in Frankreich. Es besteht daher in räumlicher Hinsicht ein internati-
onaler Sachverhalt mit Bezug zur EU, weshalb das am 1. Juni 2002 in Kraft
getretene Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen
Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ih-
ren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (FZA; SR
0.142.112.681) und die Regelwerke der Gemeinschaft zur Koordinierung
der Systeme der sozialen Sicherheit gemäss Anhang II des FZA, insbe-
sondere die für die Schweiz am 1. April 2012 in Kraft getretenen Verord-
nungen (EG) Nr. 883/ 2004 (SR 0.831.109.268.1) und Nr. 987/2009 (SR
0.831.109.268.11), zu beachten sind. Seit dem 1. Januar 2015 sind auch
die durch die Verordnungen (EU) Nr. 1244/2010, Nr. 465/2012 und Nr.
1224/2012 erfolgten Änderungen in den Beziehungen zwischen der
Schweiz und den EU-Mitgliedstaaten anwendbar. Das Vorliegen einer an-
spruchserheblichen Invalidität beurteilt sich indes auch im Anwendungsbe-
reich des FZA und der Koordinierungsvorschriften nach schweizerischem
Recht (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4; Urteil des BGer 9C_573/2012 vom 16.
Januar 2013 E. 4).
3.2 In zeitlicher Hinsicht sind – vorbehältlich besonderer übergangsrecht-
licher Regelungen – grundsätzlich diejenigen materiellen Rechtssätze
massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tat-
bestandes Geltung haben (BGE 132 V 215 E. 3.1.1; 138 V 475 E. 3.1). Ein
allfälliger Leistungsanspruch ist für die Zeit vor einem Rechtswechsel
aufgrund der bisherigen und ab diesem Zeitpunkt nach den neuen Normen
C-6490/2018
Seite 8
zu prüfen (vgl. BGE 130 V 445). Vorliegend sind demnach auch die am
1. Januar 2012 in Kraft getretenen Vorschriften gemäss IV-Revision 6a zu
beachten.
3.3 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verwaltungsverfügung (hier: 18. Oktober 2018) eingetretenen Sachverhalt
ab (BGE 132 V 215 E. 3.1.1; 130 V 445 E. 1.2). Tatsachen, die jenen Sach-
verhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer
neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b). Berichte, die
sich über den vorliegend massgebenden Zeitraum aussprechen, hat das
Gericht auch dann zu berücksichtigen, wenn sie nach dem Verfügungs-
erlass datieren (Urteil BGer 9C_175/2018 vom 16. April 2018 E. 3.3.2
m.w.H.).
3.4 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG; vgl. auch BGE 135 V 215 E. 7.3; 141 V 281, insb.
E. 2.2.1 und 3.7.2).
Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Un-
fähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu
leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem ande-
ren Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG).
3.5 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgaben-
bereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (Bst. a), während eines
Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 %
C-6490/2018
Seite 9
arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (Bst. b) und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (Bst. c).
3.6 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Ren-
tenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Ge-
such hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgeho-
ben (Art. 17 Abs. 1 ATSG).
3.6.1 Eine Rentenherabsetzung oder Aufhebung gestützt auf Art. 17 Abs. 1
ATSG setzt eine anspruchserhebliche Änderung der tatsächlichen Verhält-
nisse voraus, welche entweder in einer objektiven Verbesserung des Ge-
sundheitszustandes mit entsprechend gesteigerter Arbeitsfähigkeit oder in
geänderten erwerblichen Auswirkungen einer im Wesentlichen gleich ge-
bliebenen Gesundheitsbeeinträchtigung liegen kann. Demgegenüber stellt
eine bloss abweichende Beurteilung eines im Wesentlichen gleich geblie-
benen Sachverhaltes keine revisionsrechtlich relevante Änderung dar
(BGE 112 V 371E. 2b; Urteil BGer 8C_32/2017 vom 12. April 2017 E. 2.2;
Urteil BGer 9C_418/2010 vom 29. August 2011 E. 4.1, mit Hinweisen).
3.6.2 Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Ab-
schluss des aktuellen Verwaltungsverfahrens eine anspruchserhebliche
Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist, dient die letzte rechtskräf-
tige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs
mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durch-
führung eines Einkommensvergleichs beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch
SVR 2010 IV Nr. 54 [9C_899/ 2009] E. 2.1). Ist eine anspruchserhebliche
Änderung des Sachverhalts nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
erstellt, bleibt es nach dem Grundsatz der materiellen Beweislast beim bis-
herigen Rechtszustand (vgl. SVR 2010 IV Nr. 30 [9C_961/2008] E. 6.3;
zum Ganzen: Urteil BGer 9C_418/2010 vom 29. August 2011 E. 3.1).
3.6.3 Nach Art. 88a Abs. 1 IVV ist bei einer Verbesserung der Erwerbsfä-
higkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, die an-
spruchsbeeinflussende Änderung für die Herabsetzung oder Aufhebung
der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenom-
men werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit andauern wird; sie
ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unter-
brechung drei Monate angedauert hat und voraussichtlich weiterhin andau-
ern wird. Eine Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit,
sich im Aufgabenbereich zu betätigen, ist zu berücksichtigen, sobald sie
C-6490/2018
Seite 10
ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat (Art. 88a Abs. 2
IVV).
3.6.4 Die Herabsetzung oder Aufhebung einer Rente erfolgt gemäss
Art. 88bis Abs. 2 Bst. a IVV frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zu-
stellung der Verfügung folgenden Monats an. Rückwirkend ab Eintritt der
für den Anspruch erheblichen Änderung kann die Herabsetzung oder Auf-
hebung jedoch erfolgen, wenn der Bezüger die Leistung zu Unrecht erwirkt
hat oder der ihm nach Art. 77 IVV zumutbaren Meldepflicht nicht nachge-
kommen ist (Art. 88bis Abs. 2 Bst. b IVV).
3.6.5 Bei einer in Aussicht genommenen Einstellung bzw. Herabsetzung
einer bisher ausgerichteten Leistung trägt diejenige Partei die Beweislast,
welche daraus Rechte ableiten will. Dies ist in der Regel der Versiche-
rungsträger (UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Auflage, Zürich 2015, Art.
43 Rz. 61; vgl. auch BGE 121 V 208 E. 6a). Ergibt die Beweiswürdigung,
dass eine rentenaufhebende Tatsachenänderung nicht (mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit) bewiesen ist, trägt daher der Versicherungsträger die
Folgen der Beweislosigkeit (URS MÜLLER, Das Verwaltungsverfahren in der
Invalidenversicherung, Bern 2010, § 25, Rz. 1538).
3.7 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und
im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand
zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und be-
züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Be-
urteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person
noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4, BGE 125 V 256 E. 4).
3.8 Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu
würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren
gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versiche-
rungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, das heisst
ohne förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu wür-
digen.
Bezüglich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
C-6490/2018
Seite 11
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begrün-
det sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit we-
der die Herkunft des Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereich-
ten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder als Gutach-
ten (vgl. dazu das Urteil des BGer I 268/2005 vom 26. Januar 2006 E. 1.2,
mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3.a).
Gleichwohl erachtet es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung als vereinbar, Richtlinien für die Beweiswürdigung in Be-
zug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten aufzu-
stellen (vgl. hierzu BGE 125 V 351 E. 3b; AHI 2001 S. 114 E. 3b; Urteil des
BGer I 128/98 vom 24. Januar 2000 E. 3b). So ist den im Rahmen des Ver-
waltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärzte, welche
aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach
Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde
zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Be-
weiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuver-
lässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb, mit weiteren
Hinweisen). Berichte der behandelnden Ärzte schliesslich sind aufgrund
deren auftragsrechtlicher Vertrauensstellung zum Patienten mit Vorbehalt
zu würdigen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Dies gilt für den allgemein prakti-
zierenden Hausarzt wie auch für den behandelnden Spezialarzt (Urteil des
BGer I 655/05 vom 20. März 2006 E. 5.4 mit Hinweisen; vgl. aber Urteil des
BGer 9C_24/2008 vom 27. Mai 2008 E. 2.3.2). In diesem Zusammenhang
gilt es allerdings zu beachten, dass auch die Einschätzungen von behan-
delnden Hausärzten und Spezialisten nicht von vornherein unbeachtlich
sind; vielmehr sind diese im Rahmen der freien Beweiswürdigung zu be-
rücksichtigen, zumal die Behörde und das Gericht auch auf die speziellen,
etwa dank der langjährigen medizinischen Betreuung nur einem Hausarzt
zugänglichen Erkenntnisse des Gesundheitszustandes eines Versicherten
abstellen können (vgl. dazu die Urteile des BGer 4A_526/2014 vom 17. De-
zember 2014 E. 2.4 und 9C_468/2009 vom 9. September 2009 E. 3.3).
Die Stellungnahmen des RAD oder des medizinischen Dienstes der IVSTA,
welche nicht auf eigenen Untersuchungen beruhen, können wie Aktengut-
achten beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im
Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich festste-
C-6490/2018
Seite 12
henden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Be-
fassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (vgl. Urteile
des BGer 9C_524/2017 vom 21. März 2018 E. 5.1; 9C_28/2015 vom
8. Juni 2015 E. 3.2; 9C_196/2014 vom 18. Juni 2014 E. 5.1.1, je mit Hin-
weisen). Die Aufgabe der versicherungsinternen Fachpersonen besteht
insbesondere darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfe-
stellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche
in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den me-
dizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und versicherungsmedizi-
nisch zu würdigen (vgl. SVR 2009 IV Nr. 50 [Urteil 8C_756/2008] E. 4.4 mit
Hinweis; Urteil des BGer 9C_692/2014 vom 22. Januar 2015 E. 3.3). Sie
haben die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht zu würdigen,
wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten
eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die an-
dere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu-
nehmen ist (BGE 142 V 58 E. 5.1). Enthalten die Akten für die streitigen
Belange keine beweistauglichen Unterlagen, kann die Stellungnahme ei-
ner versicherungsinternen Fachperson in der Regel keine abschliessende
Beurteilungsgrundlage bilden, sondern nur zu weitergehenden Abklärun-
gen Anlass geben (vgl. Urteil des BGer 9C_58/2011 vom 25. März 2011
E. 3.3).
4.
Die Vorinstanz hat im Rahmen der zweiten Rentenrevision eine Steigerung
des Leistungsvermögens bei unverändertem Gesundheitszustand festge-
stellt und die Rentenherabsetzung gestützt auf Art. 17 Abs. 1 ATSG vorge-
nommen.
4.1 Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Ab-
schluss des aktuellen Verwaltungsverfahrens eine anspruchserhebliche
Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist, dient die erste Verfügung
der IVSTA vom 30. Januar 2004 (vgl. E. 3.6.2 und Bst. C.c), da die Über-
prüfung im Rahmen der ersten Revision nicht umfassend war i. S. der
Rechtsprechung.
4.1.1 Der Beschwerdeführerin wurden mit Verfügung vom 30. Januar 2004
eine ganze Invalidenrente sowie zwei ordentliche Kinderrenten ab 1. Juni
2003 aufgrund eines Invaliditätsgrades von 83% zugesprochen (act. 70;
71;113). Die Verfügung stützt sich auf den Arztbericht von Dr. med.
C._, Chefarzt Zentrum B._, vom 29. September 2003. Darin
C-6490/2018
Seite 13
wird festgestellt, dass die Beschwerdeführerin bei Austritt aus dem Zent-
rum B._ an einer kompletten Paraplegie persistierend, mit konse-
kutiven neurogenen Blasen-, Darm- und Sexualfunktionsstörungen leide
(act. 58).
4.1.2 Im Rahmen der zweiten Rentenrevision und mit Verfügung vom 18.
Oktober 2018 wurde festgehalten, dass bei der Beschwerdeführerin seit 1.
August 2012 in einer angepassten Tätigkeit eine 70%-ige Arbeitsfähigkeit
bestehe (act. 200). Diese Verfügung stützt sich auf die Stellungnahmen
von Dr. F._ des medizinischen Dienstes der Vorinstanz vom 27. Juni
2017 und 3. August 2018. Sie hält in ihrer Stellungnahme vom 27. Juni
2017 fest, dass bei der Beschwerdeführerin aufgrund eines Brustwirbelbru-
ches (Th9) eine Paraplegie vorliege. Es bestünden Rückenmarksprobleme
und Blasenentleerungsstörungen. Der Gesundheitszustand sei unverän-
dert (act. 150). In ihrer Stellungnahme vom 3. August 2018 hält sie ausser-
dem fest, dass bei der Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit
eine 70%-ige Arbeitsfähigkeit bestehe. Dazu führt sie aus: «le problème
dans ce cas n'est pas l'état de santé, mais l'évaluation de la capacité de
travail, et les changements de la méthode d'évaluation. Dans ce contexte
une expertise médicale n'apporterait pas d'élément pertinent. Une obser-
vation professionnelle pourrait par contre être envisagée» (act. 192).
4.2 Zu prüfen ist nachfolgend, ob der Gesundheitszustand der Beschwer-
deführerin gleichgeblieben ist (E. 4.2.1 ff.) und die Arbeitsfähigkeit dennoch
gesteigert werden konnte (E. 4.3).
4.2.1 Gemäss Arztbericht von Dr. med. C._, Zentrum B._,
vom 10. September 2002 lagen seit 20. Juni 2002 (Unfall) folgende Diag-
nosen vor:
Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
- Posttraumatische Paraplegie nach Sturz am 20. Juni 2002
- inkomplett unterhalb Th7 (Brustwirbel 7) rechts, Th8 (Brustwirbel 8)
links, komplett unterhalb Th9 (Brustwirbel 9)
- Sturz aus 4 Metern Höhe mit BWK10 (Brustwirbelkörper 10) - Trüm-
merfraktur
- Commotio cerebri (Gehirnerschütterung)
- Retrograde Amnesie für Ereignis, da kurze Bewusstlosigkeit
C-6490/2018
Seite 14
Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
- St.n. Appendektomie (Blinddarmentfernung)
- St.n. Stirnhöhlenoperation
- St.n. Inguinalhernienoperation (Leistenbruch-Operation)
- Ovarialzysten rechts (act. 18; 22; 23)
In seinem Arztbericht vom 23. Dezember 2002 nennt Dr. med. C._,
Zentrum B._, des Weiteren eine neurogene Blasen-, Darm- und Se-
xualfunktionsstörung, eine Cholezystoliathiasis (Gallensteinleiden), ein
dyshydrotisches Ekzem (Hauterkrankung) und eine Follikulitis des Capilli-
tiums (Haarwurzelentzündung der Kopfhaut) seit Oktober 2002, eine
Thrombozytopenie (verminderte Anzahl Blutplättchen) und einen Status
nach Pneumonie und Pleuritis (Lungen- und Brustfellentzündung) (act. 44;
45; 58; 111). Im Arztbericht vom 29. September 2003 hält er ausserdem
fest, dass bei Austritt nach paraplegiologischer Rehabilitation eine kom-
plette Paraplegie persistiere mit nachfolgenden neurogenen Blasen-,
Darm- und Sexualfunktionsstörungen (act. 58). Dr. med. G._ hält
im Formular «Versicherte im Haushalt» vom 22. Dezember 2003 fest, dass
ein Invaliditätsgrad von 83% bestehe (act. 62; 63).
4.2.2 Die Diagnosen, auf welche sich die Vorinstanz in ihrer Verfügung vom
18. Oktober 2018 stützt, ergeben sich aus den Stellungnahmen von Dr.
F._ vom 27. Juni 2017 und 3. August 2018. Darin hält sie fest, dass
der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin unverändert sei: «II s'agit
d'une assurée actuellement agée de 50 ans, qui présente une paraplégie
suite à une fracture de D9, avec atteinte médullaire et troubles sphincté-
riens» (act. 150; 192). Sie geht in ihrer Einschätzung davon aus, dass trotz
gleichbleibendem Gesundheitszustand eine Steigerung der Arbeitsfähig-
keit auf 70% vorliege. Die Einschränkung von 30% sei aufgrund der Bla-
senentleerungsstörung gegeben.
Aus den Akten ergibt sich, dass weitere Diagnosen seit der Rentenzuspra-
che im Jahr 2004 hinzugekommen sind. So wird im Bericht der Hausärztin,
Dr. H._, vom 30. März 2017 eine Spondylarthrose Th9/Th11 aufge-
führt (act. 143) und Dr. I._, Neurologie, stellt in ihrem Arztbericht
vom 5. Juni 2018 fest, dass die Beschwerdeführerin seit drei Jahren zu-
nehmend an migräneartigem Kopfweh leide, dieses bis drei Tage dauern
könne und begleitet sei von Müdigkeit und Konzentrationsproblemen (act.
182).
C-6490/2018
Seite 15
4.2.3 Im Rahmen der ersten Rentenrevision wurde festgestellt, dass der
Gesundheitszustand unverändert sei (act. 96). Dr. J._ des medizi-
nischen Dienstes der Vorinstanz hält auch im Rahmen der zweiten Ren-
tenrevision mit Stellungnahme vom 15. April 2017 fest, dass ein unverän-
derter Gesundheitszustand vorliege (act. 146). Im medizinischen Bericht
von Dr. K._ des Zentrums B._ vom 2. Juli 2018 wird anläss-
lich der Jahreskontrolle vom 19. Juni 2018 ebenfalls festgestellt, dass sich
eine stabile paraplegiologische und allgemein rehabilitative Situation zeige.
Das neurologische Niveau (bei kompletter Paraplegie unterhalb Th9) zeige
sich klinisch stabil. Bei der Untersuchung bestehe eine gute Beweglichkeit
im Bereich der unteren Extremitäten mit Ausnahme einer beidseits deutlich
eingeschränkten Hüftextension. Die Kraftgrade an der oberen Extremität
zeigten "5er-Werte" (5 von 5) und eine klinisch gute Schulterfunktion. Be-
züglich des Blasen- und Darmmanagements bestehe aktuell kein Modifi-
kationsbedarf. Die Migräne, an welcher die Beschwerdeführerin mehrmals
pro Monat leide, habe sie mithilfe eines Notfallmedikaments gut im Griff
(act. 189).
4.2.4 Aufgrund der Stellungnahmen des medizinischen Dienstes und des
Arztberichtes "über die ambulante paraplegiologische Standortbestim-
mung – Jahreskontrolle nach ICF" des Zentrums B._ vom 2. Juli
2018 ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz von einem im Wesentli-
chen unveränderten Gesundheitszustand auszugehen: So hält Dr.
J._ in seiner Stellungnahme vom 15. April 2017 einen unveränder-
ten Gesundheitszustand fest. Die Versicherte sei voll rollstuhlabhängig, sei
dies nun bei einer leichten Arbeit am Bürotisch oder im Bereich des Haus-
haltes. Die Belastung des Körpers für beide Tätigkeitsbereiche sei iden-
tisch [...] (act. 146). Auch im Bericht von Dr. K._ vom 2. Juli 2018
wird anlässlich der Jahreskontrolle festgehalten, dass sich eine stabile pa-
raplegiologische und allgemein rehabilitative Situation zeige (act. 189).
An dieser Beurteilung ändern die neu hinzugekommenen Diagnosen Spon-
dylarthrose und Migräne nichts, denn im Bericht von Dr. K._ vom 2.
Juli 2018 wird weder aus den Befunden noch der Beurteilung ersichtlich,
dass diese einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben könnten, erwähnt
er doch keine Auswirkungen einer Spondylarthrose auf die Funktionalität
des Rumpfes/Bewegungsapparates. Auch bezüglich der Migräne geht Dr.
K._ davon aus, dass diese mithilfe eines Notfallmedikaments gut
behandelt werden kann ("ist eine Notfallmedikation installiert, welche gut
funktioniert"). Dagegen spricht auch nicht, dass Dr. I._, Neurologie,
im Arztbericht vom 5. Juni 2018 festhält, dass die Beschwerdeführerin seit
C-6490/2018
Seite 16
drei Jahren vermehrt an Migräne leide, da sie die medikamentöse Behand-
lung nicht erwähnt und der Bericht somit unvollständig ist (act. 182). Es
kann somit trotz der zusätzlich diagnostizierten Spondylarthrose und Mig-
räne davon ausgegangen werden, dass der Gesundheitszustand mit dem-
jenigen im Zeitpunkt der Rentenzusprache identisch ist.
4.3
4.3.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, es sei nicht nachvollziehbar,
weshalb Dr. F._ eine 70%-ige Arbeitsfähigkeit annehme, ohne die
Diskrepanz zur früheren Beurteilung zu begründen. Die Vorinstanz komme
so ihrer Untersuchungspflicht keinesfalls nach. Die Beschwerdegegnerin
widerspreche sich selbst, wenn sie davon ausgehe, die Beschwerdeführe-
rin könne den Haushalt selbst erledigen und andererseits anführe, die Be-
schwerdeführerin erhalte von der Familie Hilfe bei der Haushaltsarbeit. Die
Haushaltstätigkeit könne mit Sicherheit nicht zur Begründung einer höhe-
ren Arbeitsfähigkeit ins Feld geführt werden. Man könne aufgrund der Frei-
zeittätigkeiten (Curling, Sprachen lernen, Protokolle schreiben) nicht eine
höhere Arbeitsfähigkeit herleiten. Es sei auch nicht abgeklärt worden, wie
gross der Aufwand dafür sei (B-act. 1).
4.3.2 Die Vorinstanz stützt sich bezüglich der wiedergewonnen Arbeitsfä-
higkeit von 70% ausschliesslich auf die Stellungnahmen von Dr. F._
vom 27. Juni 2017 und 3. August 2018. Diese geht darin von einem gleich-
bleibenden Gesundheitszustand und einer besseren Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin aus. Bezüglich der verbesserten Arbeitsfähigkeit ver-
weist Dr. F._ auf den «questionnaire économique» vom 15. Dezem-
ber 2017, dies jedoch ohne weitere Begründung. Aus dem Fragenbogen
ist nicht ersichtlich, weshalb sie von einer Steigerung der Leistungsfähig-
keit von 30% auf 70% ausgeht. Beschrieben werden im Fragebogen unter
anderem Freizeitaktivitäten, welche in einem moderaten Zeitrahmen statt-
finden (4 Stunden pro Woche für das elektronische Handbike, Curling und
Lesen und eine halbe Stunde für die Protokollführung im Rollstuhlclub).
Aus den Akten ergibt sich des Weiteren, dass die Beschwerdeführerin im
Zentrum D._ im Jahr 2013 55 Arbeitstage (444.15/8.4) gearbeitet
hat, was bei 251 Arbeitstagen im 2013 einem Arbeitspensum von 22% ent-
spricht. Im Jahre 2014 sind 52 Arbeitstage aufgeführt (434.25/8.4), was bei
247 Arbeitstagen einem Pensum von 21% entspricht. Im Jahr 2015 sind
schliesslich 15 Arbeitstage (129.45/8.4) von Januar bis April vermerkt, was
C-6490/2018
Seite 17
bei 81 Arbeitstagen einem Pensum von 18% entspricht (act. 140 S.9 ff.;
www.arbeitstage.ch abgerufen am 16. Juni 2020). Die Arbeitstätigkeit der
Beschwerdeführerin im Zentrum D._ bewegt sich damit grundsätz-
lich im Rahmen der bereits bei Rentenzusprache (Restarbeits- und Res-
terwerbsfähigkeit: 17%, vgl. act. 68 S. 2; 63 S.1) und erster Revision im
2009 ("Incapacité de travail inchangé" [act. 97)) angenommenen Arbeits-
fähigkeit und stellt keinen Hinweis auf eine Verbesserung der Leistungsfä-
higkeit dar. Die IV-Stelle E._ ging in einem Schreiben vom 27. Feb-
ruar 2014 an die IVSTA von einem Beschäftigungsgrad im Zentrum
D._ von 20-30% aus (act. 118). Dr. F._ macht geltend, die
Beschränkung der Arbeitstätigkeit im Zentrum D._ sei nicht auf die
beschränkte Arbeitsfähigkeit zurückzuführen, es müsse auch der Arbeits-
weg von drei Stunden pro Tag angeschaut werden; dies wird jedoch nicht
weiter erläutert. Die Kündigung wurde zwar seitens der Beschwerdeführe-
rin aufgrund wirtschaftlicher Gründe ausgesprochen (act. 140 S.9 ff.), den
Akten ist jedoch auch der Hinweis zu entnehmen, dass der Arbeitsweg von
insgesamt drei Stunden eine physische Belastung gewesen sei (act. 166
S. 5 f.). Dr. F._ erwähnt ausserdem in ihrer Stellungnahme vom 3.
August 2018 zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit selbst, « Une observation
professionnelle pourrait par contre être envisagée » (act. 192). Schliesslich
steht die Einschätzung einer 70%-igen Arbeitsfähigkeit im Widerspruch zur
Einschätzung einer Arbeitsfähigkeit von 30% von Dr. H._. Diese Di-
vergenz wird von Dr. F._ nicht näher diskutiert, sondern lediglich mit
der Annahme untermauert, dass Dr. H._ wohl von einer 30% Ar-
beitsfähigkeit ausgegangen sei, weil die Beschwerdeführerin im selben
Rahmen arbeitstätig gewesen sei.
5.
5.1 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die gestellten Diagnosen
Migräne und Spondylarthrose Th9/Th11 seit Rentenzusprache zwar hinzu-
gekommen sind. Es gibt jedoch keine Anhaltspunkte dafür, dass diese Di-
agnosen zusätzliche Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit haben. Mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit kann vorliegend davon ausgegangen
werden, dass der Gesundheitszustand sich seit Rentenzusprache nicht in
rentenrelevanter Weise verändert hat. Des Weiteren fehlt eine nachvoll-
ziehbare Erklärung, weshalb eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit von 30%
auf 70% vorliege. Aufgrund der kompletten Paraplegie persistierend mit
konsekutiven neurogenen Blasen-, Darm- und Sexualfunktionsstörungen
wurde im Zeitpunkt der Rentenzusprache von einem Invaliditätsgrad von
83% ausgegangen (act. 71; 113). Im Rahmen der ersten Rentenrevision
http://www.arbeitstage.ch/
C-6490/2018
Seite 18
2009 wurde von einer unveränderten Invalidität ausgegangen (act. 98; 99).
Dr. F._ erläutert nicht, weshalb ab August 2012 von einer 70%-igen
Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden könne, ausser dass sie auf den
«questionnaire économique» vom 15. Dezember 2017 verweist und fest-
hält, dass die Beschwerdeführerin sich gut angepasst habe. Auch mit der
Aufnahme einer Arbeitstätigkeit am Zentrum D._ ist eine Steigerung
der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit auf 70% – wie oben anhand der pro-
zentualen Arbeitsbelastung dargelegt wurde – nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit ausgewiesen. Auch Dr. H._ hält in ihrem medi-
zinischen Bericht vom 30. März 2017 fest, dass die Beschwerdeführerin
seit 2013 (nur) zu 20% - 30% arbeitsfähig sei (act. 143). Die Einschätzung
der 70%-igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit ist somit nicht
nachvollziehbar. Es liegt damit eine seit Rentenzusprache (blosse) andere
Einschätzung der erwerblichen Auswirkungen der Invalidität vor, ohne dass
konkrete Anhaltspunkte in den Akten diesen Schluss bestätigen. Insgesamt
kann somit festgestellt werden, dass es vorliegend an einem Revisions-
grund mangelt, da weder der Gesundheitszustand geändert hat noch eine
Verbesserung der Leistungsfähigkeit, auch nicht in einer ausserhäuslichen
Erwerbstätigkeit (vgl. act. 192) plausibel gemacht worden ist. Eine bloss
abweichende Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sach-
verhaltes stellt jedoch keine revisionsrechtlich relevante Änderung dar (vgl.
E. 3.6.1).
6.
6.1 Aus dem Dargelegten folgt, dass eine anspruchsrelevante Verbesse-
rung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin im massgebli-
chen Zeitraum von Januar 2004 bis 2018 nicht mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit erstellt ist. Auch eine tatsächliche Erhöhung der Leistungs-
fähigkeit der Beschwerdeführerin ist nicht ausgewiesen. Vielmehr ist aus
den Akten eine unterschiedliche Beurteilung desselben Sachverhaltes zu
entnehmen, welche aber keinen Anlass zur Rentenrevision gibt. Auch eine
berufliche Massnahme, wie sie Dr. F._ am 3. August 2018 noch er-
wog (act. 192), fand in keiner Weise statt. Damit bleibt das Vorliegen einer
wesentlichen Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen im Sinne von
Art. 17 Abs. 1 ATSG unbewiesen. Die Vorinstanz hat die Folgen dieser Be-
weislosigkeit zu tragen (vgl. vorne E. 3.6.5). Die revisionsweise Herabset-
zung der ganzen Invalidenrente auf eine halbe ist demnach zu Unrecht er-
folgt.
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Seite 19
6.2 Damit steht fest, dass die angefochtene Verfügung vom 18. Oktober
2018 nicht rechtmässig und daher in Gutheissung der Beschwerde vom
15. November 2018 aufzuheben ist. Der Beschwerdeführerin ist über den
30. November 2018 hinaus eine ganze Invalidenrente auszurichten.
7.
Schliesslich ist über die Verfahrenskosten sowie eine allfällige Parteient-
schädigung zu befinden.
7.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis und 2
IVG), wobei die Verfahrenskosten gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG in der Re-
gel der unterliegenden Partei auferlegt werden. Der obsiegenden Be-
schwerdeführerin sind keine Kosten aufzuerlegen und der geleistete Kos-
tenvorschuss von Fr. 800.- ist ihr nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils
zurückzuerstatten. Der Vorinstanz sind ebenfalls keine Verfahrenskosten
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
7.2 Die obsiegende Beschwerdeführerin hat gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG
in Verbindung mit Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE,
SR 173.320.2) Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der Ver-
waltung. Da keine Kostennote eingereicht wurde, ist die Entschädigung
aufgrund der Akten festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 Satz 2 VGKE). Unter Be-
rücksichtigung des Verfahrensausgangs, des gebotenen und aktenkundi-
gen Aufwands, der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des
vorliegend zu beurteilenden Verfahrens sowie in Anbetracht der in ver-
gleichbaren Fällen gesprochenen Entschädigungen ist eine Parteientschä-
digung von Fr. 2'800.- (inkl. Auslagen, ohne Mehrwertsteuer; Art. 9 Abs. 1
i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE) gerechtfertigt.