Decision ID: 5de22a54-eb87-59b7-86cf-2ab0fbb4f0c7
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a B._ wurde am 7. Juni 2012 vom Standort seines abgestellten Autos (Alp C._)
mit dem Helikopter zu seiner Hütte in D._, Kanton Glarus, geflogen. Sein Neffe
besuchte ihn am 8. Juni 2012 auf der Hütte. Aufgrund der schlechten Witterung
beabsichtigte B._, am 8. Juni 2012 um 12:00 Uhr nach Hause aufzubrechen, und
verabschiedete sich vom Neffen. Als der Neffe am Morgen des 9. Juni 2012 den
Rückweg antrat, sah er auf der Alp C._, dass das Fahrzeug von B._ noch am
gleichen Ort parkiert war. Deshalb alarmierte er via die Kantonspolizei Glarus die
Schweizerische Rettungsflugwacht (Rega; Alarm um 7:53 Uhr). Zu diesem Zeitpunkt
herrschte wechselhaftes Wetter mit Regen, Nebel und schwachem Wind. Der Suchflug
der Rega entlang des Aufstiegswegs blieb ergebnislos. Da die Witterungsbedingungen
im Suchgebiet keinen weiteren Suchflug mehr zuliessen, wurde die Rettungsstation
E._ zu einer Suchaktion aufgeboten. Um 12:17 Uhr des gleichen Tages wurde B._
tot aufgefunden. Der Rettungssanitäter traf um 12:48 Uhr am Fundort ein
(Einsatzbericht des Einsatzleiters der Alpinen Rettung Schweiz vom 9. Juni 2012, act. G
5.1). Zur Todeszeit wurde im Zivilstandsregister „aufgefunden um 12:30“ Uhr
eingetragen (act. G 1.2).
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A.b Mit Verfügung vom 1. April 2015 wies die Helsana Versicherungen AG, bei welcher
B._ obligatorisch krankenversichert gewesen war, eine Leistungspflicht bezüglich der
bei der Rega und Alpinen Rettung Schweiz entstandenen Kosten von Fr. 17'448.15 (Fr.
4'074.-- + Fr. 13'374.15; siehe hierzu die Rechnungen in act. G 5.1 und die Eingabe der
Erben des B._ sel. vom 4. Dezember 2012 in act. G 5.4) ab (act. G 5.8). Die dagegen
von den Erben erhobene Einsprache vom 12. Mai 2015 (act. G 5.9) wies die Helsana
Versicherungen AG mit Einspracheentscheid vom 2. September 2015 ab (act. G 5.11).
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 2. September 2015 richtet sich die
vorliegende Beschwerde vom 12. Oktober 2015. Die Beschwerdeführer beantragen
darin dessen Aufhebung, und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihnen Fr.
5'000.-- für die Rettung von B._ vom 9. Juni 2012 zu bezahlen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Im Wesentlichen bringen sie vor, die Suche einer Person, die mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit in akuter Gefahr für Leib und Leben schwebe, sei
als Teil der Rettung zu betrachten. Im Zeitpunkt der Alarmierung der Rettungskräfte
habe mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden müssen, dass
sich B._ in akuter Gefahr befunden habe, die eine Rettung erforderlich gemacht
habe. Wie sich nachträglich ergeben habe, habe der Versicherte einen Herzinfarkt
erlitten und sei als Folge davon abgestürzt. Unklar sei, ob er aufgrund des Herzinfarkts
oder an den Absturzfolgen verstorben sei (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 23. Dezember
2015 die Abweisung der Beschwerde. Hätten Rettungskräfte im Zeitpunkt der
Vermisstmeldung keine Hinweise, dass sich die betroffene Person in einer
gesundheitsbedrohlichen Situation befinden könnte und daher medizinische Hilfe
notwendig sei, dürfe nicht mit dem Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit von
einer Rettung im Sinn von Art. 25 Abs. 2 lit. g KVG ausgegangen werden. Eine solche
Situation habe beim Versicherten bestanden. Dessen Auto sei auf der Alp C._ einen
Tag nach dessen Abstieg aufgefunden worden. Aus diesem Umstand lasse sich aber
keine überwiegend wahrscheinliche Notsituation ableiten, die zudem keinen Bezug zu
Elementen des Unfallbegriffs aufweise. Ob zudem eine gesundheitliche
Beeinträchtigung eingetreten sei, habe ex ante lediglich möglicherweise angenommen
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werden können. Vorliegend hätten die Einsatzkräfte ausschliesslich eine
Vermisstensuche vorgenommen (act. G 5).
B.c In der Replik vom 20. April 2016 halten die Beschwerdeführer unverändert an den
Beschwerdeanträgen fest (act. G 15).
B.d Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Duplik vom 19. Mai 2016 unverändert
die Abweisung der Beschwerde (act. G 17).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Anspruch auf
einen Beitrag an die Rettungskosten aus der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung.
1.1 Die obligatorische Krankenpflegeversicherung gewährt gemäss Art. 1a Abs. 2 des
Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG; SR 832.10) Leistungen bei
Krankheit (lit. a), bei Unfall, soweit dafür keine Unfallversicherung aufkommt (lit. b), und
bei Mutterschaft (lit. c). Vorliegend ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass der
Versicherte im Juni 2012 obligatorisch oder freiwillig UVG-versichert war (siehe hierzu
Art. 1a bzw. Art. 4 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]),
weshalb offen bleiben kann, ob sich ein UVG-versichertes Ereignis verwirklicht hat, da
sich die Leistungspflicht vorliegend in jedem Fall nach KVG richtet (vgl. BBl 1992 I 153
zur subsidiären Leistungspflicht).
1.2 Die Leistungen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung umfassen auch
einen Beitrag an die medizinisch notwendigen Transportkosten sowie an die
Rettungskosten (Art. 25 Abs. 2 lit. g KVG). Die Krankenversicherung übernimmt für
Rettungen in der Schweiz 50% der Rettungskosten. Pro Kalenderjahr wird maximal ein
Betrag von Fr. 5'000.-- übernommen (Art. 27 der Verordnung des EDI über Leistungen
der obligatorischen Krankenpflegeversicherung [KLV; SR 832.112.31] i.V.m. Art. 33 lit.
g der Verordnung über die Krankenversicherung [KVV; SR 832.102]).
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1.3 Rettung im Sinn von Art. 25 Abs. 2 lit. g KVG bedeutet nicht bloss Behandlung,
sondern umfassende Hilfe, wenn eine versicherte Person sich in einer Lage befindet,
die für ihre Gesundheit oder ihr Leben eine ernsthafte Gefahr bedeutet, selbst wenn
eine Gesundheitsschädigung noch gar nicht eingetreten ist (vgl. ALFRED MAURER,
Transport- und Rettungskosten in der Krankenversicherung und anderen Zweigen der
Sozialversicherung, in: Institut de recherches sur le droit de la responsabilité civile et
des assurances [Hrsg.], Mélanges en l'honneur de Jean-Louis Duc, Lausanne 2001, S.
185; vgl. auch UELI KIESER, Bemerkungen zu BGE 130 V 424 ff., in: AJP 5/2005, S.
627 mit Hinweis, sowie GEBHARD EUGSTER, Krankenversicherung, in: SBVR Band
XIV, 3. Auflage Basel 2016, Rz 473). Sinn und Zweck der in den Leistungskatalog des
KVG aufgenommenen Rettung ist die Schadensvermeidung und -verringerung, die sich
gerade auch zugunsten des für die (allfällige spätere) Behandlung leistungspflichtigen
Krankenversicherers auswirkt. Durch die Rettung soll vermieden werden, dass einer
Person, die sich bereits in einer für die Gesundheit unmittelbaren Gefahrensituation
befindet, (noch) Schlimmeres zustösst. Dies geschieht einerseits dadurch, dass sich
die Gefahrensituation nicht bzw. nicht noch weiter auf die Gesundheit auswirkt, und
andererseits, dass allenfalls bereits eingetretene Schädigungen psychischer oder
physischer Natur schnellstmöglich behandelt werden können.
1.4 Diese Betrachtungsweise wird durch den Wortlaut von Art. 25 Abs. 2 lit. g KVG
bestätigt. Dieser bezieht das Abgrenzungskriterium der medizinischen Notwendigkeit
nur auf die Transportkosten, nicht aber auf die Rettungskosten. Damit gilt bezüglich
leistungspflichtiger Rettungsmassnahmen eine offenere Umschreibung, was sich
daraus erklärt, dass Rettungsmassnahmen sehr oft mit Blick auf die Vermeidung der
Beeinträchtigung der physischen oder psychischen Gesundheit - also einer Krankheit
bzw. eines Unfalls - erfolgen. Keine Leistungsvoraussetzung ist deshalb etwa, dass im
Anschluss an die Rettungsmassnahme eine medizinische Behandlung vorgenommen
wird (KIESER, a.a.O., S. 628 f. mit Hinweisen). Mit anderen Worten besteht eine
Leistungspflicht auch für rein präventive Rettungsmassnahmen, die zur Verhinderung
einer ansonsten unabwendbaren Gesundheitsschädigung erforderlich sind (vgl. BGE
135 V 93 E. 3.3 = Praxis 99 [2010] Nr. 13: „[...] l'existence d'un risque d'atteinte à la
santé qui se serait sans aucun doute réalisé dans le sens d'une exception restrictive en
cas de danger accru pour la santé de l'assuré [...]). Deshalb kann es zum Beispiel bei
Bergunfällen für die Rettung und die vorgängige Suche notwendig sein, Helikopter
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einzusetzen (vgl. ALFRED MAURER, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2.
Auflage, Bern 1989, S. 318). Geradezu als absurd mutet es an und mit dem
Kerncharakter der in den KVG-Leistungskatalog aufgenommenen Rettung, nämlich der
Schadensbegrenzung (siehe hierzu vorstehende E. 1.2), nicht zu vereinbaren ist, wenn
für eine leistungsbegründende Rettungshandlung stets der Eintritt eines
Gesundheitsschadens im Zeitpunkt der Alarmierung der Rettungskräfte verlangt würde
(so allerdings Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2010, 9C_858/2009, E. 3.2.2 ohne
nähere Begründung). Denn dadurch würde von den Versicherten, die sich in einer
Gefahrensituation mit unabwendbaren Folgen für die physische oder psychische
Gesundheit befinden, als Leistungserfordernis verlangt, solange mit dem Rettungsruf
zuzuwarten, bis der ohne Rettungshandlung unabwendbare, versicherte
Gesundheitsschaden zumindest einzutreten beginnt bzw. erste Anzeichen für einen
Gesundheitsschaden auftreten. Eine solche Voraussetzung für die Leistungspflicht
steht im klaren Widerspruch zu den sozialversicherungsrechtlichen, insbesondere
krankenversicherungsrechtlichen Interessen und ist mit dem Grundsatz der
Verhältnismässigkeit nicht zu vereinbaren. Im Übrigen führte dies zu erheblichen
grundrechtlichen Konflikten (siehe etwa Art. 7 [Menschenwürde] und Art. 10 Abs. 2
[Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit] der Schweizerischen
Bundesverfassung [BV; SR 101]). Abgesehen davon ist es unter Umständen für die
Versicherten oder Dritte, welche die Rettungskräfte alarmieren, schwierig bzw. häufig
unmöglich zu beurteilen, ob aufgrund der Notsituation bereits ein Schaden mit
Krankheitswert eingetreten ist. Solche Schwierigkeiten dürften etwa bei
Krankheitsbildern, die unter ICD-10: F43 erfasst sind, oder bei Erschöpfungs-,
Erfrierungs-, Hitze-, Krampf-, Schwindel- oder Durstzustände sowie Atem- oder
Kreislaufbeschwerden bestehen.
1.5 Da die Leistungspflicht bereits durch den Höchstbetrag von Fr. 5'000.-- jährlich
begrenzt wird, besteht kein Anlass für eine restriktive Auslegung des Tatbestands der
Rettung, die deren Semantik (Befreiung aus einer gefährlichen Situation) nicht gerecht
wird. In Bezug auf die Leistungspflicht des KVG kann deshalb lediglich vorausgesetzt
sein, dass sich die gefährliche Situation auf das KVG versicherte Gut (Gesundheit)
bezieht. Die Rettung bildet die Voraussetzung für jede weitere Massnahme zugunsten
der verunglückten Person (vgl. BBl 1976 III 189). Rettung ist mehr als medizinischer
Notfalltransport; der Begriff der Rettungskosten erschöpft sich daher nicht in den
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Kosten für Rettungstransporte, sondern umfasst alle Massnahmen, die zur Rettung der
betroffenen Person bzw. von dessen Gesundheit aus einer unmittelbaren Gefahr
notwendig sind (BGE 130 V 431 E. 3.3).
1.6 Die Notwendigkeit von Rettungsmassnahmen beurteilt sich ex ante nach den
konkreten Umständen zum Zeitpunkt, in dem die Rettungskräfte kontaktiert werden
oder in dem der Rettungseinsatz angeordnet wird. Eine bloss vermeintliche Gefahr des
Gesundheitszustands ist leistungsbegründend, wenn das scheinbare Opfer oder
Drittpersonen anhand der Umstände eine tatsächliche Gefahr (siehe hierzu
vorstehende E. 1.3 ff.) annehmen durften, was ebenfalls ex ante zu beurteilen ist (siehe
zum Ganzen EUGSTER, a.a.O., Rz 474 mit Hinweisen).
1.7 Die Transportkosten setzen bei Rettungen spätestens mit dem Beginn der Anfahrt
ein. Sie sind auch dann leistungsbegründend, wenn sich bei der Ankunft herausstellt,
dass keine medizinische Behandlung und kein Lebendtransport mehr möglich sind,
weil die versicherte Person in der Zwischenzeit verstorben ist (EUGSTER, a.a.O., Rz
474).
2.
Aus den Akten ergibt sich und ist zwischen den Parteien unbestritten, dass sich der
Versicherte am Mittag des 8. Juni 2012 von seinem Neffen verabschiedete und nach
Hause aufbrach. Am frühen Vormittag des 9. Juni 2012 entdeckte der Neffe bei seiner
Rückkehr ins Tal, dass das Fahrzeug des Versicherten auf der Alp C._ noch „am
selben Ort parkiert“ war, weshalb er die Rettungskräfte alarmierte (Einsatzbericht, vom
9. Juli 2012, act. G 5.1).
2.1 Aus der Tatsache, dass der Neffe auf seinem Rückweg das Fahrzeug des
Versicherten in unveränderter Position antraf, musste er schliessen, dass es seit
Donnerstag, 7. Juni 2012, nicht benutzt worden war. Da der Versicherte am Mittag des
8. Juni 2012 eindeutig kundgetan hatte, die Heimkehr anzutreten, und seit der
Verabschiedung unterdessen knapp 20 Stunden vergangen waren, ist der Schluss des
Neffen plausibel, dass dem Versicherten etwas Ernsthaftes zugestossen sein musste,
er sich in einer akuten Notsituation befand und sofortiger medizinischer Hilfe bedurfte.
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Zumindest musste er davon ausgehen, dass sich der Versicherte in einer
unabwendbaren Gefahrensituation für Leib und Leben befand (vgl. BGE 135 V 93 E. 3.3
= Praxis 99 [2010] Nr. 13). Dies gilt umso mehr, als keine Anhaltspunkte ersichtlich
waren (und solche gehen auch nicht aus den Akten oder den Ausführungen der
Beschwerdegegnerin hervor), dass der Versicherte spontan irgendwo auf der Strecke
von der Hütte in D._ bis zum Fahrzeug (unbeschadet) übernachtet hätte. Weil der
Neffe erst am Samstagvormittag die Hütte verliess, konnte er zudem ausschliessen,
dass der Versicherte am Freitag spontan zur Hütte zurückgekehrt wäre. Von Bedeutung
ist ausserdem, dass ungünstige Witterungsverhältnisse herrschten und aufgrund des
vorgerückten Alters des im Juni 2012 knapp 8_-jährigen Versicherten ein gewisses
erhöhtes Gesundheitsrisiko bestand, das bei Einritt einer wie auch immer gearteten
Unpässlichkeit gerade im Berggebiet stets zu einer ernsthaften Notlage führen kann.
Dies gilt umso mehr, als der Versicherte alleine unterwegs war und aufgrund der
ungünstigen Witterungsverhältnisse auch nicht mit allenfalls Hilfe leistenden anderen
Wanderern auf dem Abstiegsweg gerechnet werden konnte.
2.2 Zu beachten ist ausserdem, dass am 8./9. Juni 2012 keine derart lebensfeindlichen
Witterungsverhältnisse herrschten oder andere ernsthafte Todesgefahren für den
Versicherten bestanden, die im Alarmierungszeitpunkt auf dessen Tod hindeuteten. Die
Beschwerdegegnerin bringt denn auch keine substanziierten gegenteiligen
Gesichtspunkte vor. Deshalb kann offen bleiben, ob für die Annahme des Todes einer
versicherten Person die zivilrechtlichen Beweisregeln (insbesondere Art. 34 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuchs [ZGB; SR 210]) im Sozialversicherungsrecht analoge
Anwendung finden. Im Rahmen der erforderlichen Beurteilung ex ante (siehe hierzu
vorstehende E. 1.6) kann die leistungsbegründende Annahme, eine vermisste
versicherte Person sei noch am Leben, nicht ohne eindeutige und gewichtige Indizien
umgestossen werden.
2.3 Im Licht der dargestellten Verhältnisse war zum Zeitpunkt der Alarmierung der
Rega am 9. Juni 2012 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit (noch) davon auszugehen,
dass dem Versicherten beim Abstieg etwas Ernsthaftes zugestossen war und er in eine
verhängnisvolle Situation bzw. in eine Notlage mit zumindest akuter, unabwendbarer
Gefährdung von Leib und Leben geraten war, aus der er sich ohne Rettung nicht zu
befreien vermochte (vgl. BGE 135 V 93 E. 3.3 = Praxis 99 [2010] Nr. 13). Damit ist der
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Tatbestand von Art. 25 Abs. 2 lit. g KVG erfüllt. Die Kenntnis des genauen Aufenthalts
einer Person und der konkreten Umstände der Notsituation sind zwingende
Voraussetzungen für jede Rettungshandlung. An der als überwiegend wahrscheinlich
anzunehmenden Notlage mit Rettungsbedürftigkeit des Versicherten und dem
hauptsächlich darauf ausgerichteten Einsatz der Rettungskräfte vermag vorliegend
deshalb nichts zu ändern, dass weder der genaue Verbleib des Versicherten auf der
Abstiegsroute noch die konkreten Umstände der mutmasslichen Notsituation im
Zeitpunkt der Alarmierung bekannt waren, und sich die Rettungskräfte im Rahmen des
mutmasslichen Rettungsauftrags zunächst über den genauen Einsatzort Erkenntnisse
zu verschaffen hatten. Weder den Akten noch den Ausführungen der
Beschwerdegegnerin kann denn auch entnommen werden, dass bereits im Zeitpunkt
der Alarmierung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen war, die
anzunehmende akute Notsituation würde sich durch das blosse Auffinden des
Versicherten auflösen und der Einsatz der Rettungskräfte würde bereits dadurch erfüllt
werden.
2.4 Nach dem Gesagten sind die Voraussetzungen für eine Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin gemäss Art. 25 Abs. 2 lit. g KVG i.V.m. Art. 33 lit. g KVV i.V.m.
Art. 27 KLV erfüllt. Da die von den Beschwerdeführern geltend gemachten
Rettungskosten im Gesamtbetrag von Fr. 17'448.15 an sich nicht bestritten sind (act. G
1.6), haben sie Anspruch auf einen Beitrag an die Rettungskosten von Fr. 5'000.-- (Art.
27 KLV).
3.
3.1 In Gutheissung der Beschwerde ist der Einspracheentscheid vom 2. September
2015 aufzuheben und den Beschwerdeführern ein Beitrag an die Rettungskosten von
Fr. 5'000.-- zuzusprechen.
3.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
3.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
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Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier zu
beurteilenden Fall erscheint mit Blick auf vergleichbare Fälle eine Parteientschädigung
von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen (vgl.
Entscheid des Versicherungsgerichts vom 31. August 2016, KV 2015/6).