Decision ID: 849f1be1-3935-4378-b97b-d68f55e657b6
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._ meldete sich am 27. Januar 2015 bei der IV-Stelle des Kantons
Graubünden zum Bezug von Leistungen an. Er hatte rund einen Monat
zuvor eine Knieverletzung erlitten und war zum Zeitpunkt der Anmeldung
bei der IV in seiner angestammten Tätigkeit als Bäcker-Konditor
vollständig arbeitsunfähig. Zusätzlich zur Knieverletzung bestanden
weitere gesundheitliche Probleme an Herz, Lunge sowie rechtem Fuss
und starkes Übergewicht.
2. Am 23. April 2015 wurde A._ am linken Knie ein künstliches Gelenk
eingesetzt. Am 24. November 2015 wurde ihm am rechten Fuss das
untere Sprunggelenk versteift. Während die Operation am Knie gut
ausheilte, gab es am rechten Fuss Komplikationen, so dass am 13. Juni
2017 eine Revisionsoperation notwendig wurde.
3. Die IV-Stelle gewährte am 25. Mai 2015 Berufsberatung, schloss diese
Massnahme aber am 27. Februar 2017 ab, weil A._ infolge der
Komplikationen am rechten Fuss nicht vermittelbar war.
4. Am 11. Juni 2018 trat A._ eine befristete 60%-Stelle als Bäcker-
Konditor beim Restaurant B._ in C._ an. Danach scheiterte ein
Arbeitsversuch bei D._ in E._ und ab dem 1. Dezember 2018
arbeitete A._ zu 60 % bei der Bäckerei F._ in G._.
5. Im Auftrag der IV-Stelle wurde A._ im Herbst 2018 durch die «PMEDA
Polydisziplinäre Medizinische Abklärungen» (nachfolgend: PMEDA) in
den Fachgebieten Allgemeine Innere Medizin, Dermatologie, Kardiologie
sowie Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparats untersucht. Mit Gutachten vom 9. November 2018
hielt die PMEDA fest, Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten die
subtalare Arthrodese am rechten Fuss, Knick-Plattfüsse beidseits, eine
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leichtgradige Plantarfasziitis links (Reizung der Faszienplatte an der linken
Fusssohle), die Kniegelenksendoprothese links, die koronare, valvuläre
und hypertensive Herzkrankheit mit Status nach Aortokoronarer Bypass
Operation und Mitralklappenrekonstruktion im Jahr 2005 sowie Asthma
bronchiale und eine mittelschwere obstruktive Ventilationsstörung. Die
Arbeitsfähigkeit wurde für die Zeit nach dem Ausheilen der zweiten
Operation am rechten Fuss in der angestammten Tätigkeit als Bäcker-
Konditor auf 60 % festgelegt, in einer angepassten Tätigkeit auf 100%. Als
angepasst wurde eine körperlich überwiegend leichte, wechselbelastend
oder überwiegend sitzend ausgeübte Tätigkeit umschrieben.
6. Gestützt auf das Gutachten der PMDEA sprach die IV-Stelle A._ mit
Verfügung vom 11. März 2019 eine ganze Rente vom 1. Dezember 2015
bis am 31. Mai 2018 zu. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
7. Am 4. Januar 2021 meldete sich A._ erneut bei der IV-Stelle zum
Bezug einer Rente an. Er machte geltend, er habe seit November 2019
bei sitzender Tätigkeit starke Schmerzen im Rücken und im Gesäss. Bei
körperlicher Belastung zwängen ihn seine Atemprobleme immer wieder zu
Pausen und seit einem Unfall bestünden auch Probleme an der Schulter
und im Nacken. A._ stützte sich dabei auf den Bericht des Diagnose
Zentrums L._ vom 15. Dezember 2020, in welchem
Facettengelenksarthrosen im Segment LWK 4/5 und 3/4 sowie
Diskopathien bei LWK 1/2 und 2/3 festgehalten waren.
8. Mit Vorbescheid vom 25. Januar 2021 teilte die IV-Stelle mit, sie werde
nicht auf das neue Leistungsbegehren eintreten. Hiergegen erhob
A._ am 19. Februar 2021 Einwand und stellte die Einreichung eines
Berichtes seines Hausarztes Dipl. med. H._ in Aussicht.
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9. Mit E-Mail vom 17. März 2021 schickte Dipl. med. H._ die Ergebnisse
eines Tests der Lungenfunktion vom 4. März 2021, welche eine schwere
Obstruktion anzeigten. Er führte dazu aus, A._ leide unter einem
Asthma-COPD-Overlap. Mit dieser pneumologischen Einschränkung liege
die Arbeitsfähigkeit bei 50 %. Dipl. med. H._ reichte zudem den
Bericht des Pneumolgen Dr. med. I._ vom 12. Januar 2021 ein. In
diesem Bericht wurden eine COPD Gold II-III und ein allergisches Asthma
bronchiale diagnostiziert.
10. Auf Veranlassung von Dipl. med. H._ reichte der Rheumatologe
J._ einen Bericht vom 23. März 2021 ein. Darin diagnostizierte er zur
Hauptsache ein lumbospondylogenes Schmerzsyndrom, ein Status nach
Schulter- und Nackenkontusion im November 2019 und chronische
rezidivierende Mittelfussschmerzen rechts bei Status nach wiederholten
operativen Veränderungen.
11. Die IV-Stelle unterbreitete diese Unterlagen dem RAD, welcher mit
Beurteilung vom 13. April 2021 angab, eine wesentliche Verschlechterung
gegenüber dem Zustand bei der Begutachtung durch die PMEDA sei nicht
erkennbar und weitere Abklärungen seien nicht angezeigt.
12. Mit Verfügung vom 14. April 2021 trat die IV-Stelle auf das
Leistungsbegehren nicht ein. Eine Veränderung der Verhältnisse sei nicht
glaubhaft gemacht, die Prüfung der Aktenlage zeige keine Veränderung.
13. Gegen diese Verfügung erhob A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer)
am 26. April 2021 Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden. Er beantragte sinngemäss die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung und die Zurückweisung der Angelegenheit an
die IV-Stelle zur materiellen Prüfung seines Leistungsbegehrens. Zur
Begründung machte er geltend, er habe in den letzten Jahren wegen der
körperlichen Belastung verschiedene Arbeitsstellen aufgeben müssen.
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Bei sitzender Tätigkeit habe er nach kurzer Zeit starke Rücken- und
Gesässschmerzen, beim Gehen seien jeweils nur kurze Distanzen
möglich. Das grösste Problem sei aber, dass schon bei geringer
körperlicher Belastung extreme Atemprobleme bestünden. Es sei deshalb
durch einen Vertrauensarzt eine pneumologische Untersuchung in Auftrag
zu geben.
14. Die IV-Stelle beantragte mit Vernehmlassung vom 11. Mai 2021 die
Abweisung der Beschwerde. Sie verwies auf die Begründung der
angefochtenen Verfügung und ergänzte, die beantragte pneumologische
Untersuchung sei abzulehnen, sie würde die Eintretensfrage
präjudizieren.
15. Mit Schreiben vom 19. Mai 2021 beantragte der Beschwerdeführer eine
Sistierung des Verfahrens. Am Kantonsspital würden aktuell
pneumologische Untersuchungen gemacht, deren Ergebnisse für das
vorliegende Verfahren relevant seien.
16. Die IV-Stelle lehnte mit Schreiben vom 27. Mai 2021 eine Sistierung ab.
Massgeblich sei der Sachverhalt bis zum Erlass der angefochtenen
Verfügung am 14. April 2021. Der vom Beschwerdeführer in Aussicht
gestellte Bericht des Kantonsspitals könne im vorliegenden Verfahren
nicht berücksichtigt werden. Dieser Bericht könne allenfalls Grund für eine
erneute Anmeldung sein.
17. Am 31. Mai 2021 lehnte die Instruktionsrichterin das Sistierungsgesuch
ab.
18. Mit Replik vom 3. Juni 2021 reichte der Beschwerdeführer den Bericht des
Pneumologen Dr. med. K._ vom Kantonsspital vom 17. Mai 2021 ein,
in welchem eine schwergradige obstruktive Ventilationsstörung
diagnostiziert wurde.
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19. Mit Duplik vom 14. Juni 2021 wies die IV-Stelle erneut darauf hin, dass der
Bericht von Dr. med. K._ zur Beantwortung der relevanten Frage
nicht herangezogen werden könne. Weiter führte die IV-Stelle aus, der
Bericht von Dr. med. I._ zeige ein vergleichbares Ergebnis wie die
Spirometrie vom 29. August 2018.
Auf die weiteren Ausführungen in der angefochtenen Verfügung und in
den Rechtsschriften sowie auf die im Recht liegenden Beweismittel wird,
soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen
IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
anfechtbar. Die im vorliegenden Fall angefochtene Verfügung der IV-Stelle
des Kantons Graubünden (nachfolgend: IV-Stelle) vom 14. April 2021 stellt
folglich ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden (nachfolgend:
Verwaltungsgericht) dar. Die sachliche Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts als Versicherungsgericht ergibt sich aus Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Verbindung mit Art. 49
Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR
370.100). Sodann ist auch die Legitimation gegeben: Als formeller und
materieller Adressat der angefochtenen Verfügung weist der
Beschwerdeführer ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder
Änderung auf (Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 60 und Art. 61 ATSG).
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2. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle mit Verfügung vom 14. April 2021
auf die Neuanmeldung vom 4. Januar 2021 zu Recht nicht eingetreten ist,
nachdem sie dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 11. März 2019
für die Zeit ab dem 1. Juni 2018 keine Rente mehr zugesprochen hatte.
3. Die relevanten rechtlichen Grundlagen präsentieren sich wie folgt:
3.1. Wurde ein Rentenanspruch wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verneint, so wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn damit glaubhaft
gemacht wird, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch
erheblichen Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 87
Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]).
Damit soll verhindert werden, dass sich die Verwaltung nach
vorangegangener rechtskräftiger Anspruchsprüfung immer wieder mit
gleichlautenden und nicht näher begründeten Gesuchen befassen muss
(BGE 130 V 64 E.5.2.3). Voraussetzung für das Eintreten auf eine
Neuanmeldung ist nach der Rechtsprechung eine erhebliche Veränderung
der tatsächlichen Verhältnisse (BGE 130 V 71 E.2.2). Ob eine solche
Veränderung eingetreten ist, beurteilt sich durch Vergleich der
Verhältnisse im Zeitpunkt der Neuanmeldung mit den Verhältnissen bei
Erlass der letzten Verfügung, die auf einer materiellen Prüfung des
Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung,
Beweiswürdigung und Ermittlung des Invaliditätsgrades beruht (BGE 133
V 108 E.5.4, Urteile des Bundesgerichts 9C_733/2019 vom 2. Dezember
2019 E.2.1 und E.3, 8C_663/2018 vom 18. März 2019 E.3.1.2). Erheblich
ist eine Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse, wenn angenommen
werden kann, der Anspruch auf eine Invalidenrente sei begründet, falls
sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil
des Bundesgerichts 8C_175/2019 vom 30. Juli 2019 E.1.1). Ist die
anspruchserhebliche Änderung glaubhaft gemacht, so ist die Verwaltung
verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren einzutreten und es in
tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend zu prüfen. Ist die
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anspruchserhebliche Änderung nicht glaubhaft gemacht, so wird auf die
Neuanmeldung nicht eingetreten (Urteil des Bundesgerichts 9C_19/2021
vom 29. März 2021 E.2.2.1).
3.2. Art. 87 Abs. 2 IVV knüpft das Eintreten auf eine Neuanmeldung an
dieselben Voraussetzungen, wie sie im Falle eines Revisionsgesuches
gelten. Neuanmeldung und Revision sind ähnliche Rechtsinstitute,
insoweit beide auf eine erneute Prüfung eines Leistungsanspruchs
aufgrund veränderter Verhältnisse zielen. Nach der Rechtsprechung
bestehen deshalb bei der Neuanmeldung und bei der Revision im
Wesentlichen dieselben Beweisanforderungen, Abklärungs- und
Prüfpflichten, sowohl in Bezug auf die Glaubhaftmachung einer
anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades als auch bei der
materiell-rechtlichen Anspruchsprüfung (BGE 133 V 108 E.5.2).
3.3. Gründe für eine Revision beziehungsweise eine Neuanmeldung liegen
nach der Rechtsprechung vor, wenn sich der Gesundheitszustand
erheblich verändert hat, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an
sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert
haben, wenn eine andere Art der Bemessung der Invalidität zur
Anwendung gelangt oder wenn eine Wandlung des Aufgabenbereichs
eingetreten ist (BGE 130 V 343 E.3.5, Urteile des Bundesgerichts
8C_541/2019 vom 23. Dezember 2019 E.3.1, 8C_643/2018 vom 4. Juli
2019 E.3.2). Geht es – wie im vorliegenden Fall – um die Frage, ob die
gesundheitliche Verfassung der versicherten Person eine
anspruchserhebliche Änderung erfahren hat, so ist zu beachten, dass auf
eine Neuanmeldung nicht einzutreten ist, wenn der Gesundheitszustand
unverändert geblieben ist und lediglich die Arbeitsfähigkeit abweichend
beurteilt wird. Gegenstand des Beweises ist das Vorhandensein einer
entscheidungserheblichen, in den medizinischen Unterlagen
dokumentierten, tatsächlichen gesundheitlichen Veränderung, welche
durch die Gegenüberstellung des vergangenen und des aktuellen
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Zustands aufzuzeigen ist. Wegen des vergleichenden Charakters des
Beweisthemas und des Erfordernisses, erhebliche faktische
Veränderungen von bloss abweichenden Bewertungen abzugrenzen,
muss deutlich werden, dass die Fakten, mit denen die Veränderung
begründet wird, neu sind oder dass sich vorbestandene Tatsachen in ihrer
Beschaffenheit oder ihrem Ausmass substantiell verändert haben (Urteil
des Bundesgerichts 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E.6.1.3).
3.4. Unter Glaubhaftmachen im Sinne von Art. 87 Abs. 2 IVV ist nach der
Rechtsprechung kein Beweis nach dem im Sozialversicherungsrecht
allgemein massgebenden Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu verstehen. Die Beweisanforderungen sind vielmehr
herabgesetzt, indem nicht im Sinne eines vollen Beweises die Verwaltung
überzeugt werden muss, dass seit der letzten, rechtskräftigen
Entscheidung tatsächlich eine relevante Änderung der tatsächlichen
Verhältnisse eingetreten ist. Vielmehr genügt es, dass für die geltend
gemachte Veränderung wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen,
auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei
eingehender Abklärung werde sich die behauptete Sachverhaltsänderung
nicht erstellen lassen (Urteil des Bundesgerichts 8C_664/2017 vom 25.
Januar 2018 E.2.2).
3.5. Im Verfahren der Neuanmeldung spielt der Untersuchungsgrundsatz
(Art. 43 Abs. 1 ATSG), wonach das Gericht von Amtes wegen für die
richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu
sorgen hat, insoweit nicht, als die versicherte Person in Bezug auf das
Vorliegen einer glaubhaften Änderung der tatsächlichen Verhältnisse seit
der letzten rechtskräftigen Leistungsverweigerung eine
Beweisführungslast trifft (BGE 130 V 64 E.5.2.5, Urteil des Bundesgerichts
8C_541/2019 vom 23. Dezember 2019 E.3.2). Bieten die einer
Neuanmeldung zu Grunde liegenden Aktenstücke keinen klaren Hinweis
für einen Eintretenstatbestand, ist es nicht Sache der Verwaltung oder des
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Gerichts, von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen oder den Gesuchsteller
beziehungsweise die Beschwerdeführerin aufzufordern, entsprechende
Belege beizubringen (Urteil des Bundesgerichts 8C_315/2016 vom 20.
Juni 2016 E.4.2). Das Gericht hat der beschwerdeweisen Überprüfung
daher die Aktenlage zu Grunde zugrunde zu legen, die sich der
Verwaltung bei Erlass der Nichteintretensverfügung bot (BGE 130 V 64
E.5.2.5, Urteil des Bundesgerichts 8C_647/2019 vom 31. Januar 2020
E.2.3).
Vorliegend kann demnach der vom Beschwerdeführer mit der Replik
eingereichte Bericht von Dr. med. K._, Facharzt FMH für
Pneumologie und Allgemeine Innere Medizin, vom 17. Mai 2021 nicht
berücksichtigt werden (Beilagen des Beschwerdeführers B2). Dieser
Bericht stand der IV-Stelle am 14. April 2021 bei Erlass der angefochtenen
Verfügung nicht zur Verfügung. Abzuweisen ist aus demselben Grund
auch der Antrag des Beschwerdeführers auf Anordnung einer
pneumologischen Untersuchung und auf Beizug der Ergebnisse dieser
Untersuchung im vorliegenden Verfahren.
3.6. Art. 87 Abs. 3 IVV beruht auf dem Gedanken, dass die Rechtskraft der
früheren Verfügung einer neuen Prüfung so lange entgegensteht, als der
seinerzeit beurteilte Sachverhalt sich in der Zwischenzeit nicht verändert
hat. Bei der Prüfung der Vorbringen der sich neu anmeldenden Person ist
deshalb auch zu berücksichtigen, ob seit der rechtskräftigen Verneinung
des Rentenanspruchs lediglich kurze oder schon längere Zeit vergangen
ist; je nachdem sind an die Glaubhaftmachung einer Änderung des
rechtserheblichen Sachverhalts höhere oder weniger hohe Anforderungen
zu stellen (Urteil des Bundesgerichts 8C_30/2017 vom 17. März 2017
E.2).
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Im vorliegenden Fall weist die IV-Stelle zu Recht darauf hin, dass die
rechtskräftige Verneinung des Rentenanspruchs mit Verfügung vom 11.
März 2019 erst vor relativ kurzer Zeit erfolgte. An die Glaubhaftmachung
sind deshalb entsprechend hohe Anforderungen zu stellen.
4. Der zeitliche Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen
Änderung des Invaliditätsgrades ist die Verfügung der IV-Stelle vom
11. März 2019 (IV-act. 127, 141). Der damalige Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers wird nachfolgend dem aktuellen Gesundheitszustand
gegenübergestellt, mithin dem Zustand bei Erlass der angefochtenen
Verfügung am 14. April 2021 (IV-act. 184, Urteil des
Bundesgerichts 9C_244/2017 vom 26. Oktober 2017 E.4.2). Dabei wird
geprüft, ob es dem Beschwerdeführer mit den von ihm bis zum 14. April
2021 eingereichten medizinischen Unterlagen gelingt, genügend konkrete
Anhaltspunkte für eine deutliche gesundheitliche Verschlechterung zu
geben.
4.1. Zur Beurteilung der Frage, ob sich der Gesundheitszustand bzw. die
Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person wesentlich verändert hat, sind
Verwaltung und Gerichte auf Angaben ärztlicher Experten angewiesen.
Abgestellt werden kann auf Beurteilungen des Regionalen Ärztlichen
Dienstes (RAD, Art. 59 Abs. 2bis IVG), auf die Berichte der behandelnden
Ärztinnen und Ärzte oder auf externe medizinische Sachverständige (Art.
59 Abs. 3 IVG). Nach Art. 59 Abs. 2bis IVG stehen die RAD den IV-Stellen
zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des
Leistungsanspruchs zur Verfügung. Die RAD sollen aufgrund ihrer
speziellen versicherungsmedizinischen Kenntnisse für die Bestimmung
der für die Invalidenversicherung massgebenden medizinischen
Beurteilungen verantwortlich sein. Damit soll eine konsequente Trennung
der Zuständigkeiten zwischen behandelnden Ärzten (Heilbehandlung) und
Sozialversicherung (Bestimmung der Auswirkungen des
Gesundheitsschadens) geschaffen werden (Urteil des Bundesgerichts
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9C_858/2014 vom 3. September 2015 E.3.3.2). RAD-Beurteilungen und
Arztberichte unterliegen wie sämtliche Beweismittel in
sozialversicherungsrechtlichen Verfahren der freien Beweiswürdigung
(Art. 61 lit. c ATSG). Der Beweiswert der ärztlichen Stellungnahmen hängt
deshalb nach der Rechtsprechung davon ab, ob sie für die streitigen
Belange umfassend sind, auf allseitigen Untersuchungen beruhen, die
geklagten Beschwerden berücksichtigen, in Kenntnis der Vorakten
(Anamnese) abgegeben wurden, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchten und in den
daraus gezogenen Schlussfolgerungen zu überzeugen vermögen (BGE
134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a). Richtlinien für die Beweiswürdigung in
Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten sind
indessen mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung vereinbar. So
kommt den Berichten versicherungsinterner Ärzte
rechtsprechungsgemäss Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig
erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind
und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache
allein, dass der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum
Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität
und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer
Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung
objektiv als begründet erscheinen lassen (BGE 135 V 465 E.4.4).
4.2. Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers am 11. März 2019 wird
im polydisziplinären Gutachten der PMEDA vom 9. November 2018
beschrieben (IV-act. 121). Diesem Gutachten wurde in der unangefochten
gebliebenen Verfügung vom 11. März 2019 volle Beweiskraft
beigemessen. Es kann also auch im vorliegenden Verfahren
uneingeschränkt darauf abgestellt werden. Gemäss PMEDA-Gutachten
litt der Beschwerdeführer zum Vergleichszeitpunkt vorrangig unter
belastungsabhängigen Schmerzen der grossen Gelenke im Bereich der
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Beine bei aktenkundig belegten entsprechenden orthopädischen
Operationen. Zudem lagen eine koronare Herzerkrankung, eine
pulmonale Erkrankung mit obstruktiver Ventilationsstörung, eine morbide
Adipositas, ein Knick-Plattfuss beidseits und eine Reizung der
Faszienplatte an der linken Fusssohle vor (IV-act. 121 S. 3 f.). Als
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit genannt wurden eine
subtalare Arthrodese rechts nach zweimaliger Versteifung, Knick-
Plattfüsse beidseits, eine Kniegelenksendoprothese links, eine koronare,
valvuläre und hypertensive Herzkrankheit bei Status nach einer ACBP
(Aortokoronare Bypass Operation) und nach einer
Mitralklappenrekonstruktion im Februar 2005 bei arterieller Hypertonie und
bei Dyslipidämie (Fettstoffwechselstörung), Asthma bronchiale sowie eine
mittelschwere obstruktive Ventilationsstörung (IV-act. 121 S. 5). Die
Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Bäcker-Konditor wurde
auf 60 % festgelegt, die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auf
100 % (IV-act. 121 S. 6). Dazu wurde ausgeführt, die orthopädischen
Befunde, die koronare Herzerkrankung und die obstruktive
Ventilationsstörung hätten eine erhebliche qualitative Minderung der
Arbeitsfähigkeit zur Folge. Ausgeschlossen seien körperlich schwere
Arbeiten und Arbeiten mit inhalativen Reizstoffen. Bei Tätigkeiten mit
überwiegendem Gehen und Stehen bestehe eine reduzierte Belastbarkeit
(IV-act. 121 S. 6). Die Grundlagen für die Diagnose einer mittelschweren
obstruktiven Ventilationsstörung fanden sich im internistischen
Teilgutachten (IV-act. 121 S. 9 ff.). Danach zeigte die Lungendiagnostik
bei FEV1 56 % des Solls (forced expiratory pressure in 1 second >
Einsekundenkapazität), bei MEF75 26 % des Solls (mid-expiratory flow bei
75 % Ausatmung) und bei MEF25 13 % des Solls (mid-expiratory flow bei
25 % Ausatmung; IV-act. 121 S. 30). Im orthopädischen Teilgutachten (IV-
act. 121 S. 92 ff.) stand die Problematik am rechten Fuss und die damit
zusammenhängenden Einschränkungen beim Stehen und Gehen im
Vordergrund (IV-act. 121 S. 107 ff. S. 115). Diagnostiziert wurden die
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subtalare Arthrodese rechts, die Knick-Plattfüsse beidseits, die
Plantarfasziitis und die Kniegelenksendoprothese (IV-act. 121 S. 116). An
der Wirbelsäule und im Bereich der Schultern wurden keine Auffälligkeiten
beschrieben (IV-act. 121 S. 110 f.). In der vorwiegend stehend und gehend
auszuübenden Tätigkeit als Bäcker-Konditor erachtete der orthopädische
Teilgutachter den Beschwerdeführer zu 60 % als arbeitsfähig, in einer
angepassten Tätigkeit zu 100 %. Als angepasst umschrieb er eine
überwiegend sitzende, körperlich leichte Tätigkeit (IV-act. 121 S. 125 f.).
4.3. Zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers bei Erlass der
angefochtenen Verfügung am 14. April 2021 standen folgende Unterlagen
zur Verfügung:
Bericht des Diagnose Zentrums L._ zu einem CT der LWS vom
15. Dezember 2020 (IV-act. 172): Im Segment LWK 4/5 bestünden
betonte Facettengelenksarthrosen links mehr als rechts mit subchondraler
Mehrsklerosierung und beginnender Geröllzystenbildung links,
Vakuumphänomen rechts. Im Segment LWK 3/4 bestünden geringer
ausgeprägte, jedoch ebenfalls deutliche Facettengelenksarthrosen. In den
Segmenten LWK 1/2 und 2/3 lägen Diskopathien mit Vakuumphänomen
vor, im Segment LWK 2/3 zusätzlich eine recht ausgeprägte
Osteochondrose.
Bericht von Dr. med. I._, Facharzt FMH für Pneumologie und
Allgemeine Innere Medizin, vom 12. Januar 2021 (IV-act. 181): Zu
diagnostizieren sei eine COPD Gold II-III, Risikogruppe D, und ein
allergisches Asthma bronchiale. Die Wahrscheinlichkeit eines Asthma-
COPD-Overlaps sei gross. Die Einsekundenkapazität liege bei 52 % des
Alterssolls. Der Beschwerdeführer habe im November 2020 eine Covid19-
Pneumonie durchgemacht. Es könne eine medizinisch-theoretische
Ateminvalidität nach Scherrer von 48.5 % berechnet werden.
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E-Mail des Hausarztes Dipl. med. H._ vom 17. März 2021 (IV-act.
179 und 180): Kardiologisch zeige sich eine unveränderte Situation wie
2018, pneumologisch liege ein Asthma-COPD-Overlap vor, welcher die
Arbeitsfähigkeit in einer wechselbelastenden Tätigkeit auf 50 % reduziere.
Die Testergebnisse zeigten gegenüber den Sollwerten durchgehend stark
reduzierte Werte, bei FEV1 45 %, bei MEF75 22 % und bei MEF25 19 %.
Bericht von J._, Facharzt FMH für Rheumatologie und Innere
Medizin, vom 23. März 2021 (gestützt auf den oben zitierten Bericht des
Diagnose Zentrums L._; IV-act. 183): Zu diagnostizieren sei ein
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom beidseits linksbetont mit
möglichem Facettengelenks-Syndrom links bei positiver Klinik und dazu
passender Bildgebung, bei Fehlform und Fehlhaltung der Wirbelsäule, bei
muskulärer Dysbalance, bei multisegmentären zum Teil fortgeschrittenen
degenerativen Veränderungen des thorakolumbalen Übergangs und der
LWS sowie bei Adipositas permagna mit ungünstigem Einfluss auf die
Wirbelsäulenstatik. Zu diagnostizieren sei zudem ein Status nach einer
Schulter- und Nackenkontusion links im November 2019 mit prolongierter
Restbeschwerdesymptomatik und unklaren Dysästhesien im Bereich des
linken Schulterdaches. Zu diagnostizieren seien schliesslich chronisch
rezidivierende Mittelfussschmerzen rechts bei Status nach wiederholten
operativen Veränderungen, Staus nach Knie-TP links, pulmonale
Beschwerden und Klaustrophobie. Aus rheumatologischer Sicht bestehe
eine verminderte Belastbarkeit der Wirbelsäule. Es sollten keine
Tätigkeiten mit mittelschweren oder schweren Gewichten und mit
Zwangshaltungen der Wirbelsäule durchgeführt werden. Längere
Gehstrecken seien sehr wahrscheinlich ebenfalls nicht zumutbar.
4.4. Am 25. Januar 2021 nahm Dr. med. M._ vom RAD Ostschweiz
Stellung zum Bericht des Diagnose Zentrums L._ vom 15. Dezember
2020 (Case Report, IV-act. 185 S. 6). Er führte aus, zum Zeitpunkt der
Begutachtung durch die PMEDA im Jahr 2018 habe der Beschwerdeführer
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auch schon lumbale Rückenschmerzen beklagt. Aus dem Bericht des
Diagnose Zentrums L._ gehe nicht hervor, ob sich die lumbalen
Rückenschmerzen und die klinischen Untersuchungsbefunde seit 2018
verändert hätten. Objektive Anhaltspunkte für eine wesentliche
Verschlechterung ergäben sich aus diesem Bericht nicht.
Am 13. April 2021 nahm Dr. med. M._ Stellung zu den Berichten von
Dr. med. I._, Dipl. med. H._ und dem Rheumatologen J._
(Case Report, IV-act. 185 S. 8). Er gab an, eine wesentliche obstruktive
Ventilationsstörung sei bereits anlässlich der Begutachtung im Jahr 2018
festgehalten worden. Aus dem Bericht von Dr. med. I._ gehe eine
Einsekundenkapazität von 1.89 Liter hervor, was 52 % des Alterssolls
entspreche. In der Spirometrie im Rahmen der PMEDA-Begutachtung
seien 2.01 Liter gemessen worden, d.h. 56 % des Alterssolls. Dies sei im
Wesentlichen unverändert. Auch bei den Rückenbeschwerden sei keine
wesentliche Verschlechterung erkennbar. J._s Umschreibung einer
adaptierten Tätigkeit entspreche weitgehend derjenigen der PMEDA-
Gutachter, wonach körperlich leichte, wechselbelastend oder
überwiegend sitzend ausgeübte Tätigkeiten angepasst seien, bzw.
wonach in Tätigkeiten mit überwiegendem Gehen und Stehen eine
reduzierte Belastbarkeit bestehe.
4.5. Es wird nun geprüft, ob an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit dieser
beiden RAD-Beurteilungen auch nur geringe Zweifel bestehen (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 9C_146/2021 vom 25. Juni 2021 E.5.5.5 m.H.). Wie
gezeigt, darf die IV-Stelle auf RAD-Beurteilungen abstellen, wenn sie als
schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich
widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
sprechen (vgl. vorne Erwägung 4.1).
4.5.1. Der RAD-Arzt Dr. med. M._ vertrat die Ansicht, die
Lungenproblematik des Beschwerdeführers habe sich vom 11. März 2019
- 17 -
bis zum 14. April 2021 nicht wesentlich verändert. Diese Beurteilung
vermag nicht gänzlich zu überzeugen. Bei der Begutachtung durch die
PMEDA bestanden ein Asthma bronchiale und eine mittelschwere
obstruktive Ventilationsstörung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (IV-
act. 121 S. 4). Die Beeinträchtigung der Lungenfunktion war damals durch
den internistischen Teilgutachter mittels Spirometrie untersucht worden,
wobei sich eine Einsekundenkapazität (FEV1) von 56 % des Solls gezeigt
hatte (IV-act. 121 S. 30). Zum Vergleich zog Dr. med. M._ den Bericht
vom 12. Januar 2021 von Dr. med. I._ heran (IV-act. 181 S. 1). Dr.
med. I._ hatte im Wesentlichen dieselben Diagnosen gestellt, nämlich
ein allergisches Asthma bronchiale und eine COPD Gold II-III (Chronic
Obstructive Lung Disease des Schweregrades mittelschwer bis schwer
gemäss der Definition der Global Initiative For Chronic Obstructive Lung
Disease; https://flexikon.doccheck.com/de/COPD, zuletzt besucht am
14. September 2021). Mit 52 % des Solls wich die von Dr. med. I._
am 22. Dezember 2020 gemessene Einsekundenkapazität (FEV1) nicht
wesentlich von den 56 % im PMEDA-Gutachten ab (IV-act. 181 S. 1).
Völlig unbeachtet liess Dr. med. M._ hingegen die Ergebnisse der
Spirometrie von Dipl. med. H._ vom 4. März 2021 (IV-act. 180). Bei
dieser Untersuchung hatte sich eine Einsekundenkapazität (FEV1) von nur
noch 45 % des Solls gezeigt. Damit war die bei 50 % liegende Schwelle
von der mittelschweren zur schweren COPD überschritten
(https://flexikon.doccheck.com/de/COPD, zuletzt besucht am 14.
September 2021), und der Unterschied zum Ergebnis der Spirometrie des
PMEDA-Teilgutachters lag bei 11 %. Diese Differenz erscheint
beträchtlich, weshalb es nicht angeht, dass der RAD-Arzt sich überhaupt
nicht dazu äussert. Dies umso mehr, als die Untersuchung von Dipl. med.
H._ nur rund einen Monat vor dem Erlass der angefochtenen
Verfügung erfolgte, während die Untersuchung durch Dr. med. I._
rund vier Monate davor stattfand.
- 18 -
4.5.2. Der RAD-Arzt Dr. med. M._ anerkannte, dass bei Neuanmeldung
eine Rückenproblematik vorlag, ging aber davon aus, dass diese in
vergleichbarem Ausmass bereits bei der Begutachtung durch die PMEDA
vorgelegen hatte. Diese Beurteilung vermag nicht zu überzeugen. Im
polydisziplinären Konsens des PMEDA-Gutachtens finden sich keine auf
den Rücken bezogenen Diagnosen und keinerlei Hinweise auf eine
Rückenproblematik (IV-act. 121 S. 1 ff.). Gegenüber dem orthopädischen
Teilgutachter erwähnte der Beschwerdeführer keine Rückenschmerzen
(IV-act. 121 S. 107 f.). Die orthopädischen Untersuchungsbefunde an der
Wirbelsäule waren relativ unauffällig, insbesondere bestanden eine
aufrechte Körperhaltung ohne Schonungstendenz, kein Druck- oder
Klopfschmerz und eine normale paravertebrale Muskelspannung (IV-act.
121 S. 110 f.). Entsprechend diesen unauffälligen Befunden erwähnte der
orthopädische Teilgutachter in seiner medizinischen Beurteilung keinerlei
Rückenprobleme (IV-act. 121 S. 117 f.) und stellte keine Diagnose im
Zusammenhang mit dem Rücken (IV-act. 121 S. 116). Nur im
internistischen Teilgutachten werden Rückenschmerzen erwähnt (IV-act.
121 S. 9 ff.). So gab der Beschwerdeführer bei der Befragung unter
anderem an, er habe von lumbal ausgehende Rückenschmerzen (IV-act.
121 S. 25), bzw. er habe gelegentlich bei längeren statischen Belastungen
im Stehen oder Sitzen lumbal drückenden Rückenschmerz (IV-act. 121 S.
26). Im Kapitel "Medizinische und versicherungsmedizinische Beurteilung"
wurden die im Kapitel "Befragung" getätigten Aussagen des
Beschwerdeführers wiederholt (IV-act. 121 S. 31 f.). Eigene Ausführungen
zur geklagten Rückenproblematik machte auch der internistische
Teilgutachter keine und er stellte auch keine entsprechende Diagnose (IV-
act. 121 S. 31). Der Verweis des RAD-Arztes auf die Seiten 25, 26, 31 und
32 des PMEDA-Gutachtens ist demnach oberflächlich. Zum Zeitpunkt der
Begutachtung im Herbst 2018 spielte die Rückenproblematik eine absolut
untergeordnete Rolle und wurde bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
nicht in Betracht gezogen.
- 19 -
4.5.3. Zum Zeitpunkt der Neuanmeldung im Januar 2021 präsentierte sich der
Rücken in einem deutlich schlechteren Zustand als zum Zeitpunkt der
Begutachtung. Im PMEDA-Gutachten fand sich keine Diagnose im
Zusammenhang mit dem Rücken und bei der Umschreibung der
angepassten Tätigkeit gingen die Gutachter davon aus, dass Sitzen kein
Problem war. So wurde die angepasste Tätigkeit im kardiologischen
Teilgutachten umschrieben als körperlich überwiegend leicht,
wechselbelastend oder überwiegend sitzend (IV-act. 121 S. 65), im
orthopädischen Teilgutachten als überwiegend sitzend, körperlich leicht
(IV-act. 121 S. 126). Bei Erlass der angefochtenen Verfügung hingegen
lag der IV-Stelle der Bericht des Rheumatologen J._ vom 23. März
2021 mit der Diagnose eines lumbospondylogenen Schmerzsyndroms
beidseits linksbetont vor (IV-act. 183 S. 1). Diese Diagnose stützte sich auf
ein Röntgenbild vom 6. Dezember 2020 und auf das CT des Diagnose
Zentrums L._ vom 15. Dezember 2020, aus welchen ein
Facettengelenks-Syndrom LWK 3/4 und 4/5 sowie multisegmentäre, zum
Teil fortgeschrittene degenerative Veränderungen des thorakolumbalen
Überganges und der LWS hervorgingen (IV-act. 183 S. 1, 173). Der
Rheumatologe J._ führte in nachvollziehbarer Weise aus, am
7. Dezember 2020 habe ihn der Beschwerdeführer konsultiert wegen
zunehmenden, seit Anfang August 2020 aufgetretenen lumbalen
Rückenschmerzen, welche nach der Aufnahme einer Arbeitstätigkeit im
Juli 2020 als Chauffeur im Auslieferungsdienst aufgetreten seien. Dies
deckt sich mit der Angabe des Beschwerdeführers, der am 4. Januar 2021
als Grund für seine Neuanmeldung Rücken- und Gesässprobleme angab
und festhielt, er sei deswegen in ärztlicher und physiotherapeutischer
Behandlung (IV-act. 170 S. 7). Sitzende Tätigkeiten umschrieb der
Rheumatologe J._ anders als die PMEDA-Gutachter nicht mehr
uneingeschränkt als angepasst. Er hielt fest, der Beschwerdeführer sollte
Tätigkeiten, welche eine Zwangshaltung der Wirbelsäule bedingen,
vermeiden (IV-act. 183 S. 3). Von einer Zwangshaltung wird üblicherweise
- 20 -
gesprochen, wenn jemand über längere Zeit in ungünstigen Haltungen
verharren muss, die nur wenig Bewegungsspielraum lassen. Als typische
Zwangshaltung gilt auch erzwungenes Sitzen, wie zum Beispiel in der
Tätigkeit als Chauffeur, in welcher der Beschwerdeführer
glaubhafterweise Probleme hatte.
5. Der Beschwerdeführer kann somit gestützt auf den Bericht des
Rheumatologen J._ glaubhaft machen, dass sich seine
Rückenproblematik wesentlich verschlechtert hat, so dass nun, anders als
noch bei der Begutachtung durch die PMEDA, eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit wegen Rückenbeschwerden möglich erscheint, was
Auswirkungen auf den Invaliditätsgrad haben kann. Möglich erscheint
angesichts der Ergebnisse der Spirometrie von Dipl. med. H._ auch
eine wesentliche Verschlechterung der pulmonalen Situation. Dasselbe
gilt mit Blick auf die Schulter- bzw. Nackenproblematik: Während im
PMEDA-Gutachten vom 9. November 2018 im Bereich der Schultern, der
HWS und der Sensomotorik keine Auffälligkeiten beschrieben (vgl. insb.
IV-act. 121 S. 29 f. und S. 110 ff.) und auch keine entsprechenden
Beschwerden beklagt wurden (vgl. insb. IV-act. 121 S. 25 ff. und S. 107
ff.), diagnostizierte der Rheumatologe J._ in seinem Bericht vom 23.
März 2021 ein Status nach einer Schulter- und Nackenkontusion links im
November 2019 mit prolongierter Restbeschwerdesymptomatik und
unklaren Dysästhesien im Bereich des linken Schulterdachs (IV-act. 183).
Die IV-Stelle ist somit zu Unrecht nicht auf die Neuanmeldung eingetreten.
Die angefochtene Verfügung erweist sich als rechtswidrig und die
Beschwerde ist gutzuheissen. Die IV-Stelle hat auf die Neuanmeldung
einzutreten und den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers
umfassend zu prüfen.
6. Gemäss Art. 61 lit. fbis ATSG in Verbindung mit Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die
Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
- 21 -
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF
200.00 bis CHF 1'000.00 festgelegt. Vorliegend werden die Kosten auf
CHF 700.00 festgesetzt. Sie sind angesichts des Verfahrensausganges
der unterliegenden IV-Stelle aufzuerlegen.
7. Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert
nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen. Vorliegend sind keine Parteikosten zu
entschädigen, da der Beschwerdeführer nicht durch einen Rechtsanwalt
vertreten ist.