Decision ID: e6e54b3f-b89a-4ec3-bae5-d3642b551b14
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
X._, slowenische Staatsangehörige und derzeit in der Schweiz
wohnhaft, erlangte am 26. August 1998 in Slowenien ein Diplom als "Ge-
sundheitstechnikerin".
B.
B.a Am 27. April 2019 beantragte X._ gestützt auf das in Slowenien
erworbene Diplom "Gesundheitstechnikerin" den sog. PreCheck (eine kos-
tenlose Online-Vorprüfung, siehe <www.precheck.ch>) für die Anerken-
nung ihrer ausländischen Ausbildung in der Schweiz als Pflegefachfrau oder
als Fachfrau Gesundheit. Hierauf teilte das Schweizerische Rote Kreuz
(nachfolgend: Vorinstanz) X._ mit Schreiben vom 24. Juli 2019 mit,
aufgrund einer ersten Einschätzung ihrer Unterlagen sei davon auszuge-
hen, dass der schweizerische Beruf, welcher ihrer Ausbildung entspreche,
voraussichtlich derjenige der Fachfrau Gesundheit sei. Ein Anerkennungs-
verfahren als Pflegefachfrau werde höchstwahrscheinlich nicht möglich
sein.
B.b Am 25. März 2020 beantragte X._ bei der Vorinstanz einen for-
mellen Entscheid über die Anerkennung ihres slowenischen Ausbildungs-
abschlusses als Pflegefachfrau. Hierauf bat die Vorinstanz X._ mit
E-Mail vom 30. März 2020 um Bestätigung, "wirklich eine begründete ne-
gative Antwort von uns" zu wollen. Mit E-Mail vom 20. April 2020 bestätigte
X._ der Vorinstanz, dass sie einen solchen Entscheid wünsche. Am
27. und 30. Juni 2020 ersuchte X._ die Vorinstanz erneut um diesen.
B.c Mit Schreiben vom 23. Juli 2020 forderte die Vorinstanz X._ auf,
fehlende Dokumente einzureichen und bestätigte am 14. September 2020,
dass ihre Gesuchsunterlagen komplett seien.
B.d Mit Verfügung vom 20. Januar 2021 wies die Vorinstanz das Gesuch
von X._ um Anerkennung als Pflegefachfrau (Niveau Höhere Fach-
schule) ab. Eine solche Anerkennung sei nicht möglich. Gleichzeitig wurde
X._ darauf hingewiesen, dass sie das Anerkennungsverfahren im
Hinblick auf eine Anerkennung als Fachfrau Gesundheit weiterverfolgen
könne.
B-753/2021, B-4542/2021
Seite 3
C.
Gegen diese Verfügung erhob X._ am 18. Februar 2021 Be-
schwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht (Verfahren B-753/2021) mit
folgenden Anträgen:
"1. Die Verfügung des Schweizerischen Roten Kreuzes vom 20. Januar 2021,
Ref. Nr. _ sei aufzuheben.
2. Das Anerkennungsgesuch Ref. Nr. _ sei gutzuheissen.
3. Das Gesuch der Beschwerdeführerin, ihre Berufsausbildung sei als Pflege-
fachfrau in der Schweiz anzuerkennen, sei gutzuheissen.
4. Eventualiter seien allfällige zumutbare und verhältnismässige Ausgleichs-
massnahmen festzulegen.
5. Es sei ein doppelter Rechtsschriftenwechsel durchzuführen.
6. Dem Unterzeichneten seien die Akten zuzustellen, und es sei ihm zu er-
möglichen, vorliegende Beschwerde zu ergänzen, zu erweitern und zu spe-
zifizieren, sowohl was die Anträge als auch die Begründung betrifft.
7. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegne-
rin."
Sie begründete ihre Begehren im Wesentlichen damit, dass sie die Voraus-
setzungen für die Anerkennung ihres slowenischen Diploms als Ausbil-
dungsabschluss Pflegefachfrau HF erfülle. Die Vorinstanz begründe nicht,
wieso Ausgleichsmassnahmen nicht möglich seien. Bei genauer Prüfung
hätte die Vorinstanz festhalten müssen, dass das Niveau ihrer Ausbildung
demjenigen der Pflegefachfrau HF entspreche.
D.
In ihrer Vernehmlassung vom 23. April 2021 beantragte die Vorinstanz die
Abweisung der Beschwerde. Eine Anerkennung des slowenischen Diploms
der Beschwerdeführerin als Ausbildungsabschluss Pflegefachfrau HF sei
nicht möglich, da der Niveauunterschied zwischen der Ausbildung der Be-
schwerdeführerin und der Ausbildung der Pflegefachfrau HF zu gross sei.
Die Frage der Ausgleichsmassnahmen und der allfälligen Berücksichtigung
von Berufserfahrung und Weiterbildungen im Rahmen der Festlegung sol-
cher Massnahmen stelle sich damit nicht.
E.
Am 7. Oktober 2021 zog die Vorinstanz ihre Verfügung vom 20. Januar
2021 in Wiedererwägung und entschied wie folgt:
"1. Diese Verfügung ersetzt die Verfügung des SRK vom 20.01.2021.
2. Damit die Anerkennung als Pflegefachfrau vorgenommen werden kann,
müssen Sie die Ausgleichsmassnahmen erfolgreich absolvieren.
B-753/2021, B-4542/2021
Seite 4
3. Das Verfahren wird sistiert, bis die Ausgleichsmassnahmen bereitstehen.
4. [Kosten]."
Die Vorinstanz legte dar, aufgrund des Bundesverwaltungsgerichtsurteils
B-5988/2020 vom 28. April 2021 ihre Anerkennungspraxis ändern zu müs-
sen. Sie habe auf ein Anerkennungsgesuch einzutreten. Fachlich sei eine
Anerkennung der Ausbildung der Beschwerdeführerin als Pflegefachfrau
HF zum jetzigen Zeitpunkt ohne massive Ausgleichsmassnahmen aus
Sicht des Patientenschutzes nicht zu vertreten. Momentan stünden aber
für Fälle wie demjenigen der Beschwerdeführerin die Ausgleichsmassnah-
men noch nicht zur Verfügung. Diese müssten zuerst aufgebaut werden.
Das Gesuch der Beschwerdeführerin müsse deshalb vorläufig sistiert wer-
den. Diese könne ein Gesuch um Anerkennung als Fachfrau Gesundheit
einreichen.
F.
F.a Mit Instruktionsverfügung vom 11. Oktober 2021 forderte das Bundes-
verwaltungsgericht die Beschwerdeführerin innert Frist zur Mitteilung auf,
ob sie an ihrer Beschwerde vom 18. Februar 2021, soweit mit der Wieder-
erwägungsverfügung vom 7. Oktober 2021 den Beschwerdeanträgen nicht
entsprochen worden sei, festhalte oder diese zurückziehen wolle. Die Be-
schwerdeführerin erhielt zudem Gelegenheit, innert derselben Frist eine
Beschwerdeergänzung einzureichen.
F.b Am 14. Oktober 2021 erhob die Beschwerdeführerin vor dem Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde gegen die Wiedererwägungsverfügung
(Verfahren B-4542/2021). Darin hielt sie an ihren bisherigen Anträgen
Ziff. 2 bis 4 der Beschwerde vom 18. Februar 2021 fest. Sie brachte unter
anderem vor, dass die von der Vorinstanz geforderten Ausgleichsmassnah-
men unverhältnismässig seien. Die allenfalls notwendigen Ausgleichsmas-
snahmen bestünden gar nicht, weshalb sie diese gar nicht absolvieren
könnte. Dies führe zumindest "inhaltlich" zu einem Berufsverbot für sie,
was nicht zulässig sei. Somit sei ihr, selbst wenn Ausgleichsmassnahmen
notwendig wären, eine Anerkennung auf dem Niveau der Pflegefach-
frau HF zu ermöglichen.
F.c Mit Zwischenverfügung vom 5. November 2021 verfügte das Bundes-
verwaltungsgericht die Vereinigung der beiden Verfahren B-4542/2021 und
B-753/2021 und die Fortführung des Verfahrens unter der Verfahrensnum-
mer B-753/2021 (Dispositiv-Ziff. 1). Auf die Beschwerde vom 14. Oktober
2021 im Verfahren B-4542/2021 werde nicht eingetreten (Dispositiv-Ziff. 2).
B-753/2021, B-4542/2021
Seite 5
Die Vorinstanz wurde ersucht, innert Frist zur Beschwerdeergänzung vom
14. Oktober 2021 Stellung zu nehmen (Dispositiv-Ziff. 3). Über die Kosten
dieses Entscheids werde in der Hauptsache befunden (Dispositiv-Ziff. 5).
G.
In ihrer Stellungnahme vom 1. Dezember 2021 zur Beschwerdeergänzung
hielt die Vorinstanz an ihrer Stellungnahme vom 23. April 2021 und an ih-
rem Wiedererwägungsentscheid fest. Sie habe die Beschwerdeführerin am
22. November 2021 über die Möglichkeit informiert, die Eignungsprüfung
zu absolvieren.
H.
In ihrer Replik vom 12. April 2022 hielt die Beschwerdeführerin vollumfäng-
lich an ihren bisherigen Anträgen und deren Begründung fest.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Der Entscheid der Vorinstanz vom 20. Januar 2021 stellt eine Verfü-
gung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom
20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021) dar. Das Bundesverwaltungsge-
richt ist für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig (Art. 31
und Art. 33 Bst. h des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
[VGG, SR 173.32]; vgl. statt vieler: Urteil des BVGer B-5953/2020 vom
6. Mai 2022 E. 1.1 und Zwischenentscheid des BVGer B-1813/2020 vom
26. Februar 2021 E. 2.2.3 f.).
1.2 Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin durch die angefochtene Ver-
fügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren
Aufhebung oder Änderung. Sie ist daher zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 Abs. 1 VwVG). Sie hat die Beschwerde innerhalb der gesetzlichen
Frist eingereicht (Art. 50 Abs. 1 VwVG). Die Anforderungen an Form und
Inhalt der Rechtsschrift sind erfüllt, und der Kostenvorschuss wurde recht-
zeitig geleistet (Art. 52 Abs. 1 und Art. 63 Abs. 4 VwVG).
1.3 Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
B-753/2021, B-4542/2021
Seite 6
2.
2.1 Das am 1. Februar 2020 in Kraft getretene Gesundheitsberufegesetz
vom 30. September 2016 (GesBG, SR 811.21) legt zum Zweck der im In-
teresse der öffentlichen Gesundheit liegenden Qualitätssicherung national
einheitliche Anforderungen an die Ausbildung und die Ausübung der Ge-
sundheitsberufe fest (vgl. Botschaft vom 18. November 2015 zum GesBG
[im Folgenden: Botschaft GesBG], BBl 2015, S. 8715 ff., 8716). Das
GesBG normiert die (Fach-)Hochschulstudiengänge der Gesundheitsfach-
personen in der Pflege, der Physiotherapie, der Ergotherapie, der Ernäh-
rung und Diätetik, der Optometrie, der Osteopathie sowie für Hebammen
(vgl. Art. 1 Bst. a GesBG, Art. 2 Abs. 1 und Abs. 2 Bst. a-b GesBG) und
regelt die Bewilligungsvoraussetzungen für die fachlich eigenverantwortli-
che Berufsausübung (vgl. Art. 11 ff. GesBG; Botschaft GesBG, S. 8725).
Für den Beruf der Pflegefachfrau bzw. des Pflegefachmanns ist ein Bil-
dungsabschluss als "Bachelor of Science in Pflege FH/UH" oder als "dipl.
Pflegefachfrau HF" bzw. "dipl. Pflegefachmann HF" erforderlich (vgl. Art. 12
Abs. 2 Bst. a GesBG).
Die Anerkennung von ausländischen Bildungsabschlüssen im Geltungsbe-
reich des GesBG wird einheitlich durch Art. 10 GesBG normiert (vgl. Urteil
B-667/2021 vom 30. Juni 2021 E. 3.3.1). Nach dieser Bestimmung wird ein
ausländischer Bildungsabschluss anerkannt, wenn seine Gleichwertigkeit
mit einem inländischen Bildungsabschluss nach Art. 12 Abs. 2 GesBG in
einem Vertrag über die gegenseitige Anerkennung mit dem betreffenden
Staat oder einer überstaatlichen Organisation festgelegt ist (Art. 10 Abs. 1
Bst. a GesBG) oder im Einzelfall anhand von Bildungsstufe, -inhalt, -dauer
und im Bildungsgang enthaltenen praktischen Qualifikationen nachgewie-
sen wird (Art. 10 Abs. 1 Bst. b GesBG).
2.2 Als Vertrag im Sinne von Art. 10 Abs. 1 Bst. a GesBG gilt namentlich
das am 1. Juni 2002 in Kraft getretene Freizügigkeitsabkommen vom
21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einer-
seits und der Europäischen Gemeinschaft sowie ihren Mitgliedstaaten an-
dererseits (FZA, SR 0.142.112.681). Die Schweiz hat sich in dessen An-
hang III verpflichtet, Diplome, Zeugnisse und sonstige Befähigungsnach-
weise gemäss den darin für anwendbar erklärten Rechtsakten der EU an-
zuerkennen. Zu diesen Rechtsakten gehört die Richtlinie 2005/36/EG des
Europäischen Parlaments und des Rates vom 7. September 2005 über die
Anerkennung von Berufsqualifikationen (ABl. L 255/22 vom 30. September
2005 [nachfolgend: Richtlinie 2005/36/EG). Diese Richtlinie ist gemäss Be-
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Seite 7
schluss Nr. 2/2001 vom 30. September 2011 des Gemischten Ausschus-
ses EU-Schweiz, der mit Art. 14 des Abkommens eingesetzt wurde, über
die Änderung von Anhang III (Gegenseitige Anerkennung von Berufsquali-
fikationen; 2001/702/EU; AS 2011 4859 ff.) seit dem 1. November 2011 an-
wendbar (vgl. dazu Urteil des BGer 2C_472/2017 vom 7. Dezember 2017
E. 2.2.2; Urteile des BVGer B-5953/2020 vom 6. Mai 2022 E. 2.2 und
B-6186/2020 vom 26. August 2021 E. 2.2, je mit weiteren Hinweisen).
2.3 Die Richtlinie 2005/36/EG gilt für alle Staatsangehörigen eines Mit-
gliedstaates, welche einen reglementierten Beruf in einem anderen Mit-
gliedstaat als dem, in dem sie ihre Berufsqualifikationen erworben haben,
ausüben wollen (Art. 2 Abs. 1 der Richtlinie 2005/36/EG). Als reglemen-
tierte berufliche Tätigkeit gilt dabei eine berufliche Tätigkeit, bei der die Auf-
nahme oder Ausübung oder eine der Arten ihrer Ausübung in einem Mit-
gliedstaat direkt oder indirekt durch Rechts- oder Verwaltungsvorschriften
an den Besitz eines Ausbildungs- oder Befähigungsnachweises eines ent-
sprechenden Diploms gebunden ist (Art. 3 Abs. 1 Bst. a der Richtlinie
2005/36/EG).
2.4 Die Anwendbarkeit der Richtlinie 2005/36/EG setzt eine Berufsqualifi-
kation im Sinne von deren Art. 3 Abs. 1 Bst. b voraus. Dazu zählen in erster
Linie "Ausbildungsnachweise" in der Form von Diplomen, Prüfungszeug-
nissen und sonstigen Befähigungsnachweisen, die von einer Behörde ei-
nes Mitgliedstaates, die entsprechend dessen Rechts- und Verwaltungs-
vorschriften benannt wurde, für den Abschluss einer überwiegend im Ge-
biet der Mitgliedstaaten absolvierten Berufsausbildung ausgestellt worden
sind (Art. 3 Abs. 1 Bst. b-c der Richtlinie 2005/36/EG). Einem Ausbildungs-
nachweis in diesem Sinne gleichgestellt ist nach Art. 3 Abs. 3 der Richtlinie
2005/36/EG jeder in einem Drittstaat ausgestellte Ausbildungsnachweis,
sofern sein Inhaber in dem betreffenden Beruf drei Jahre Berufserfahrung
im Hoheitsgebiet des Mitgliedstaates, der diesen Ausbildungsnachweis be-
reits (nach innerstaatlichem Recht; Art. 2 Abs. 2 der Richtlinie 2005/36/EG)
anerkannt hat, besitzt und dieser Mitgliedstaat diese Berufserfahrung be-
scheinigt.
2.5 Die Beschwerdeführerin beantragt die Gleichwertigkeitsanerkennung
ihres slowenischen Ausbildungsnachweises mit dem schweizerischen Ab-
schluss als Pflegefachfrau. Beim Beruf der Pflegefachfrau bzw. des Pfle-
gefachmanns handelt es sich um eine in der Schweiz reglementierte Tätig-
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keit (vgl. die Liste dieser Tätigkeiten unter: <www.sbfi.admin.ch>). Die Be-
schwerdeführerin ist Staatsangehörige eines Mitgliedstaates der EU (Slo-
wenien). Die Richtlinie 2005/35/EG ist demnach anwendbar.
3.
3.1 Für den Beruf der Pflegefachpersonen ("Krankenschwestern und Kran-
kenpfleger, die für die allgemeine Pflege verantwortlich sind"), hinsichtlich
dessen die Mindestanforderungen an die Ausbildung koordiniert worden
sind, sieht die Richtlinie 2005/36/EG das sog. sektorale Anerkennungssys-
tem vor (vgl. Kapitel III des Titels III [Art. 21 ff.] der Richtlinie 2005/36/EG
["Anerkennung auf der Grundlage der Koordinierung der Mindestanforde-
rungen an die Ausbildung"]; Botschaft GesBG, S. 8746 und 8776; Urteil
des BVGer B-6186/2020 vom 26. August 2021 E. 2.3.2.1; ASTRID EPINEY,
Zur Diplomanerkennung im Freizügigkeitsabkommen Schweiz – EU, in:
Jusletter vom 15. März 2021, Rz. 37; NINA GAMMENTHALER, Anerkennung
von Pflegefachdiplomen, in: Pflegerecht 2012, S. 28 ff., 32). Sofern Pflege-
fachpersonen im Besitz eines in Anhang V Ziff. 5.1.1, 5.1.2, 5.2.2, 5.3.2,
5.3.3, 5.4.2, 5.6.2 und 5.7.1 aufgelisteten Ausbildungsnachweises sind, er-
folgt die Gleichwertigkeitsanerkennung in einem anderen Mitgliedstaat
grundsätzlich automatisch (vgl. insbesondere Art. 21 Abs. 1 und Abs. 6 der
Richtlinie 2005/36/EG). Sind diese Personen Staatsangehörige eines Mit-
gliedstaats, anerkennt hier nach Art. 23 Abs. 6 der Richtlinie 2005/36/EG
jeder Mitgliedstaat als ausreichenden Nachweis deren Ausbildungsnach-
weise, sofern diesen eine von den zuständigen Behörden oder Stellen ei-
nes Mitgliedstaats ausgestellte Bescheinigung des erfolgreichen Abschlus-
ses der betreffenden Ausbildung beigefügt ist.
3.2 Sind die Voraussetzungen für eine automatische Anerkennung nicht er-
füllt, gelangen subsidiär die Regeln über die allgemeine Anerkennung von
Ausbildungsnachweisen zur Anwendung (sog. allgemeines Anerkennungs-
system gemäss Kapitel I des Titels III [Art. 10 ff.] der Richtlinie 2005/36/EG;
vgl. ASTRID EPINEY, Jusletter vom 15. März 2021, Rz. 37). Im Rahmen des
allgemeinen Anerkennungsregimes kann der Aufnahmemitgliedstaat die
Qualifikation des Antragstellers sowohl formell als auch materiell überprü-
fen. Die Behörde hat dabei die Inhalte der vorgelegten Nachweise auf de-
ren Gleichwertigkeit mit den eigenen Anforderungen an den Erhalt des ent-
sprechenden innerstaatlichen Ausbildungsnachweises zu überprüfen.
Hierzu hat der Antragsteller der Behörde die nötigen Unterlagen zu liefern
(vgl. Art. 50 der Richtlinie 2005/36/EG; Urteile des BVGer B-6186/2020
vom 26. August 2021 E. 2.3.2.2 und B-4060/2019 vom 11. November 2019
E. 3.3 mit weiteren Hinweisen).
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Seite 9
Konkret bedingt die Anerkennung nach Art. 13 Abs. 1 dieser Richtlinie,
dass die zuständige Behörde des Aufnahmemitgliedstaats den Antrags-
stellern die Aufnahme oder Ausübung eines reglementierten, vom Besitz
bestimmter Berufsqualifikationen abhängigen Berufs unter denselben Vo-
raussetzungen wie Inländern gestattet, wenn die Antragsteller den in einem
anderen Mitgliedstaat erforderlichen Befähigungs- oder Ausbildungsnach-
weis besitzen. Dieser Nachweis muss a) in einem Mitgliedstaat von der
dafür zuständigen Behörde ausgestellt worden sein und b) bescheinigen,
dass das Berufsqualifikationsniveau des Inhabers zumindest unmittelbar
unter dem Niveau nach Art. 11 der Richtlinie liegt, das der Aufnahmemit-
gliedstaat fordert (Art. 13 Abs. 1 dieser Richtlinie).
Für die Zuordnung der Berufsqualifikationsniveaus gilt Folgendes:
"[Artikel 11]
Qualifikationsniveaus
Für die Anwendung von Artikel 13 werden die Berufsqualifikationen den nach-
stehenden Niveaus wie folgt zugeordnet:
a) [...].
b) Zeugnis, das nach Abschluss einer Ausbildung auf Sekundarniveau erteilt
wird,
i) entweder einer allgemein bildenden Sekundarausbildung, die durch eine
Fach- oder Berufsausbildung, die keine Fach- oder Berufsausbildung im
Sinne von Buchstabe c ist, und/oder durch ein neben dem Ausbildungs-
gang erforderliches Berufspraktikum oder eine solche Berufspraxis er-
gänzt wird;
ii) oder einer technischen oder berufsbildenden Sekundarausbildung, die
gegebenenfalls durch eine Fach- oder Berufsausbildung gemäss Ziffer i
und/oder durch ein neben dem Ausbildungsgang erforderliches Berufs-
praktikum oder eine solche Berufspraxis ergänzt wird.
c) [...].
d) Diplom, das erteilt wird nach Abschluss einer postsekundären Ausbildung
von mindestens drei und höchstens vier Jahren oder einer Teilzeitausbildung
von entsprechender Dauer an einer Universität oder Hochschule oder einer an-
deren Ausbildungseinrichtung mit gleichwertigem Ausbildungsniveau sowie der
Berufsausbildung, die gegebenenfalls neben dem Studium gefordert wird.
e) [...]."
3.3 Im vorliegenden Fall bildet Anerkennungsobjekt der von der Beschwer-
deführerin am 26. August 1998 erworbene slowenische Ausbildungsab-
schluss "Zdravstveni tehnik" ("Gesundheitstechnikerin"). Eine automati-
sche Anerkennung ist demzufolge nicht möglich, da der erwähnte sloweni-
sche Ausbildungsabschluss bei den im Anhang V der Richtlinie
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Seite 10
2005/36/EG genannten Ausbildungsabschlüssen nicht erwähnt. Daran än-
dert entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin die Bestätigung der
Republik Slowenien vom 22. Oktober 2012, wonach die von der Beschwer-
deführerin erlangte Berufsqualifikationsstufe "Gesundheitstechnikerin"
("Zdravstveni tehnik") dem in Art. 11 Bst. b der Richtlinie 2005/36/EG ge-
nannten Standard entspreche, nichts. Art. 11 Bst. b der Richtlinie
2005/36/EG regelt nur, wann es sich um ein Zeugnis handelt, das nach
Abschluss einer Ausbildung auf Sekundarniveau erteilt wird. Daraus kann
nicht abgeleitet werden, dass die Beschwerdeführerin das in Ziff. 5.2.1 des
Anhangs V der Richtlinie 2005/36/EG festgelegte Ausbildungsprogramm
absolviert hat und damit die Voraussetzungen für eine automatische Aner-
kennung gemäss dieser Richtlinie erfüllt sind. Da eine automatische Aner-
kennung ausgeschlossen ist, ist auch das in jener Ziffer genannte Stichda-
tum (1. Mai 2004) nicht relevant. Somit gelangt die allgemeine Regelung
von Kapitel I des Titels III der Richtlinie 2005/36/EG zur Anwendung.
4.
4.1 Die Vorinstanz ist davon ausgegangen, dass aufgrund der neuere
Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (B-5988/2022) das mit
dem slowenischen Diplom verwirklichte Berufsqualifikationsniveau nur
eine Stufe unterhalb demjenigen der Schweiz liege, weshalb dieses man-
gels gleichwertiger Ausbildung (Ausbildungszeit nur 36% im Vergleich mit
der Schweiz) mit Ausgleichsmassnahmen anerkannt werden könne (vgl.
Art. 13 Abs. 1 Bst. b i.V.m. Art. 14 Abs. 1 der Richtlinie 2005/36/RG). Da
solche zurzeit noch nicht erarbeitet seien, müsse das Verfahren sistiert
werden. Die Beschwerdeführerin vertritt demgegenüber die Auffassung,
dass ihr slowenisches Diplom als "Gesundheitstechnikerin" mit der schwei-
zerischen Ausbildung zur Pflegefachfrau (Niveau HF) gleichwertig sei. Ver-
gleiche man die in Slowenien erreichten Kompetenzen mit den notwendi-
gen Kompetenzen der Fachfrau Gesundheit in der Schweiz, zeige sich,
dass die erreichten Kompetenzen weit über dem Niveau der Fachfrau Ge-
sundheit in der Schweiz lägen und demjenigen der Pflegefachfrau entsprä-
chen. Infolgedessen seien keine Ausgleichsmassnahmen notwendig.
4.2 Der Aufnahmestaat kann nach Massgabe von Art. 14 der Richtlinie
2005/36/EG Ausgleichsmassnahmen verlangen. Ob solche Massnahmen,
das heisst ein Anpassungslehrgang (Art. 3 Bst. g der Richtlinie
2005/36/EG) oder eine Eignungsprüfung, anzuordnen sind, bestimmt sich
nach dem allgemeinen Anerkennungssystem anhand eines Vergleichs der
Ausbildungsdauer und des Ausbildungsinhalts mit dem im Aufnahmestaat
zur Ausübung des reglementierten Berufs vorgeschriebenen Diplom
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Seite 11
(Art. 14 Abs. 1 der Richtlinie 2005/36/EG; vgl. Urteile des BVGer
B-5953/2020 vom 6. Mai 2022 E. 5.3.2, B-2923/2020 vom 17. März 2022
E. 3.3 und B-6082/2020 vom 12. Oktober 2021 E. 2.3). Dabei überprüft die
Behörde die Inhalte der vorgelegten Nachweise auf deren Gleichwertigkeit
mit den eigenen Anforderungen an den Erhalt des entsprechenden inner-
staatlichen Ausbildungsnachweises. Somit dient nach dem Sinn von Art. 13
Abs. 1 und Art. 14 Abs. 1 der Richtlinie 2005/36/EG für die Anerkennung
des im Ausland erworbenen Diploms derjenige schweizerische Abschluss
als Vergleichsobjekt, der in der Schweiz vorgeschrieben ist, um die in
Frage stehende reglementierte Tätigkeit auszuüben. Wenn sich wesentli-
che Unterschiede ergeben, kann der Aufnahmestaat Ausgleichsmassnah-
men vom Antragsteller verlangen. Wesentliche Unterschiede können eine
kürzere Ausbildungsdauer, ein divergierender Ausbildungsinhalt oder ein
divergierender Tätigkeitsbereich sein (Art. 14 Abs. 1 Bst. a-c der Richtlinie
2005/36/EG; vgl. beispielsweise Urteile des BVGer B-5953/2020 vom
6. Mai 2022 E. 5.3.2, B-2923/2020 vom 17. März 2022 E. 3.3 und
B-6082/2020 vom 12. Oktober 2021 E. 2.3; Urteil des EuGH C-340/89 vom
7. Mai 1991, Slg. 1991 I-2357 Rn. 16; FRÉDÉRIC BERTHOUD, La reconnais-
sance des qualifications professionnelles, Union européenne et Suisse –
Union européenne, 2016, S. 305 ff.; NINA GAMMENTHALER, Diplomanerken-
nung und Freizügigkeit unter besonderer Berücksichtigung der Richtlinie
über die Anerkennung von Berufsqualifikationen 2005/36/EG und ihrer
möglichen Umsetzung in der Schweiz, 2010, S. 160; JOEL A. GÜNTHARDT,
Switzerland and the European Union, The implications of the institutional
framework and the right of free movement for the mutual recognition of
professional qualifications, Diss. 2020, Kap. 6.4.2).
4.3
4.3.1 In der Schweiz regelt das Gesundheitsberufegesetz (GesBG) unter
anderem die Ausbildung zur dipl. Pflegefachfrau an höheren Fachschulen
(vgl. Botschaft GesBG, S. 8723). Mit dem GesBG wurden die Bewilligungs-
voraussetzungen der Berufsausübung auf Bundesebene vereinheitlicht
(vgl. Botschaft GesBG, S. 8725).
Erforderlicher Bildungsabschluss für den Beruf der Pflegefachfrau ist ge-
mäss Art. 12 Abs. 2 Bst. a GesBG ein "Bachelor of Science in Pflege
FH/UH" oder ein Diplom als Pflegefachfrau HF bzw. Pflegefachmann HF.
Somit wird einer dieser beiden Abschlüsse verlangt, um im Rahmen der
Anwendung der Richtlinie 2005/36/EG in der Schweiz die Erlaubnis zur
Aufnahme und Ausübung dieses Berufs zu erhalten (Art. 13 Abs. 1 der
Richtlinie 2005/36/EG). Folglich ist ein ausländischer Abschluss, der
B-753/2021, B-4542/2021
Seite 12
Grundlage der Anerkennung als Pflegefachfrau sein soll, mit diesen
schweizerischen Abschlüssen zu vergleichen.
4.3.2 In Art. 3 GesBG werden die allgemeinen Kompetenzen umschrieben,
welche Absolventinnen und Absolventen der im Gesundheitsberufegesetz
geregelten Studiengänge – also insbesondere dem Bachelorstudiengang
Pflege und dem Diplomstudiengang Pflegefachfrau HF (Art. 12 Abs. 2
Bst. a GesBG) – erwerben müssen, und in der Gesundheitsberufekompe-
tenzverordnung vom 13. Dezember 2019 (GesBKV, SR 811.212) die jewei-
ligen berufsspezifischen Kompetenzen.
Die Kompetenzen, welche die Absolventinnen und Absolventen des Ba-
chelorstudiengangs Pflege und des Diplomstudiengangs Pflegefachfrau
HF aufweisen müssen, werden in Art. 3 Abs. 2 GesBG und Art. 3 GesBKV
genannt.
4.3.3 Die Gesundheitsberufeanerkennungsverordnung vom 13. Dezember
2019 (GesBAV, SR 811.214) regelt das Verfahren zur Anerkennung aus-
ländischer Bildungsabschlüsse nach Art. 10 GesBG (Art. 1 Bst. a GesBAV).
Das SRK anerkennt laut Art. 6 Abs. 1 GesBAV nach Art. 10 Abs. 1 Bst. b
GesBG einen ausländischen Bildungsabschluss, wenn er im Vergleich mit
einem Bildungsabschluss nach Art. 12 Abs. 2 GesBG die folgenden kumu-
lativen Voraussetzungen erfüllt: Die Bildungsstufe ist gleich (Bst. a), die
Bildungsdauer ist gleich (Bst. b) und die Bildungsinhalte sind vergleichbar
(Bst. c). Sind nicht alle Voraussetzungen nach Art. 6 Abs. 1-3 GesBAV er-
füllt, so sorgt das SRK für Massnahmen zum Ausgleich der Unterschiede
zwischen dem ausländischen und dem entsprechenden schweizerischen
Bildungsabschluss (Ausgleichsmassnahmen) namentlich in Form einer
Eignungsprüfung oder eines Anpassungslehrgangs (Art. 7 Abs. 1 Ges-
BAV).
4.4
4.4.1 Zu prüfen ist zunächst die Bildungsstufe: Um den Titel einer diplo-
mierten Pflegefachfrau zu erhalten, bedarf es entsprechend der bundes-
verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung einer dreijährigen (Vollzeit-)
Ausbildung an einer höheren Fachschule. Die Ausbildung ist dem Qualifi-
kationsniveau nach Art. 11 Bst. c der Richtlinie 2005/36/EG zuzuweisen
(vgl. Urteil des BVGer B-5988/2020 vom 28. April 2021 E. 4.8 f.).
B-753/2021, B-4542/2021
Seite 13
4.4.2 Das slowenische Abschlusszeugnis "Techniker/Technikerin Gesund-
heitspflege" ("Tehnik zdravstvene nege") ist nach der Datenbank "Regle-
mentierte Berufe" der Europäischen Kommission als Zeugnis anerkannt,
das nach Abschluss einer Ausbildung auf Sekundarniveau erteilt wird
(Art. 11 Bst. b der Richtlinie 2005/36/EG). Das Gesundheitsministerium der
Republik Slowenien, Direktorat für Gesundheitsschutz, bestätigte am
22. Oktober 2012, dass die von der Beschwerdeführerin erworbene Quali-
fikationsstufe "Gesundheitstechnikerin" dem Niveau von Art. 11 Bst. b der
Richtlinie 2005/36/EG entspreche. Ferner geht aus dem Abschlussprü-
fungszeugnis vom 26. August 1998 und dem Ausbildungszeugnis vom
10. August 2020 hervor, dass es sich bei der slowenischen Ausbildungs-
stätte um eine Mittelschule – die Mittelschule für Gesundheitswesen
A._ (Slowenien) – gehandelt hat. Auch gemäss dem Bescheid des
Verbands der Fachvereine der Krankenschwestern, Hebammen und Ge-
sundheitstechnikern Sloweniens vom 17. November 2010 weist die Be-
schwerdeführerin eine Mittelschulausbildung auf.
4.4.3 Somit handelt es sich beim slowenischen Gesundheitstechnikerin-
nendiplom der Beschwerdeführerin vom 26. August 1998 lediglich um ei-
nen Mittelschulabschluss. Die schweizerische Ausbildung zur Pflegefach-
frau HF kann dagegen erst nach Abschluss einer Ausbildung auf Sekun-
darstufe II absolviert werden und ist – wie dargelegt – tertiär (vgl. Urteil des
BVGer B-5988/2020 vom 28. April 2021 E. 4.8 f.). Ein Mittelschulabschluss
ist in der Schweiz einer der Abschlüsse der Sekundarstufe II, welche direkt
an die obligatorische Schule anschliesst. Bei den Abschlüssen höherer
Fachschulen – wie jenem der Pflegefachfrau HF – handelt es sich hinge-
gen um Abschlüsse auf der Tertiärstufe. Zugang zu solchen Schulen haben
ausschliesslich Personen mit einem erfolgreichen Abschluss der Sekun-
darstufe II (vgl. Bundesamt für Statistik BFS, Bildungsabschlüsse Ausgabe
2020, Neuenburg 2020 [abrufbar unter: <https://www.bfs.admin.ch> > Sta-
tistiken finden > 15 - Bildung und Wissenschaft > Bildungsabschlüsse, ab-
gerufen am 3. Oktober 2022], S. 4 ff., insb. 5, 15 und 17). Das slowenische
Diplom der Beschwerdeführerin vom 26. August 1998 kann in der Schweiz
demnach nur einen erfolgreichen Abschluss der Sekundarstufe II, nicht
aber einen Abschluss auf Tertiärstufe darstellen.
Folglich unterscheiden sich die Bildungsstufen des slowenischen Ab-
schlusses der Beschwerdeführerin und der schweizerische Abschluss als
Pflegefachfrau HF. Die in Art. 6 Abs. 1 Bst. a GesBAV genannte Anerken-
nungsvoraussetzung der gleichen Bildungsstufe ist – wie die Vorinstanz zu
Recht erkannt hat – nicht erfüllt.
B-753/2021, B-4542/2021
Seite 14
4.5
4.5.1 Die Beschwerdeführerin wendet indes ein, die Ausbildungsnach-
weise, Zeugnisse und beruflichen Ausweise zeigten klar, dass sich ihr Aus-
bildungsniveau auf dem tertiären Niveau befinde. Aus der Tatsache, dass
sie an der Anstalt für Ausbildung von Erwachsenen und Jugendlichen an
der Volkshochschule B._ ausgebildet worden sei, folge, dass sie
eine Ausbildung auf dem tertiären Niveau abgeschlossen habe.
4.5.2 Die Vorinstanz ist dagegen der Ansicht, dass die Ausbildung der Be-
schwerdeführerin im Vergleich mit der schweizerischen Bildungssystema-
tik auf der Sekundarstufe II anzusiedeln sei. Die absolvierten Weiterbildun-
gen vermöchten das Ausbildungsniveau der Beschwerdeführerin nicht an-
zuheben.
4.5.3 Die Beschwerdeführerin absolvierte zwar mehrere Weiterbildungen
im medizinisch-pflegerischen Bereich:
 Weiterbildungskurs in der Zeit vom 1. Februar 2011 bis 31. März 2011 als
"Krankenschwester" im Rahmen eines Arbeits- und Integrationsprogramms
der Europäischen Union (EU) im Altersheim B._ (Bestätigung des
Altersheims B._, Slowenien, vom 28. September 2011);
 Basiskurs "Demenz verstehen – den Menschen sehen" während zwölf
Kursstunden plus vier Praxisauftragsstunden (Teilnahmebestätigungen der
C._, D._, vom 22. April 2016 und 9. Juni 2016);
 Kurs "Ersthelfer Stufe 1" während 14 Unterrichtseinheiten am 2. und
3. Februar 2017 (Zertifikat der E._ GmbH vom 3. Februar 2017);
 Einführungsschulung "F._ Informationssammlung" während sieben
Stunden (Teilnahmebestätigung der F._ AG vom 14. Februar
2020);
 Kurs "Arbeitsprozesse und Administration in der Arztpraxis" in der Zeit vom
14. Januar 2020 bis 11. März 2020 während 30 Lektionen, deren 20 die
Beschwerdeführerin besuchte (Kursbestätigung der G._ AG
D._ vom 4. Februar 2021);
 Kurs "Labordiagnostik Basiskurs" in der Zeit vom 18. August 2020 bis
27. Oktober 2020 während 32 Lektionen, deren 18 die Beschwerdeführerin
besuchte (Kursbestätigung der G._ AG D._ vom 4. Februar
2021);
 Kurs "Sprechstundenassistenz" in der Zeit vom 12. Oktober 2020 bis 3. De-
zember 2020 während 36 Lektionen (Kursbestätigung der G._ AG
D._ vom 17. Dezember 2020 und 11. März 2021);
 Kurs "Pflegetechnische Verrichtungen" am 11., 12., 26. und 27. Mai 2021
während 32 Lernstunden (Kursbestätigung des H._ vom 27. Mai
2021).
B-753/2021, B-4542/2021
Seite 15
Diese Weiterbildungen der Beschwerdeführerin dauerten jedoch insge-
samt bloss 2 Monate, 55 Kurs-, Praxisauftrags- bzw. Lernstunden und
88 Lektionen bzw. Unterrichtseinheiten. Diese Ausbildungszeit ist zu kurz,
um mit einem Abschluss auf Sekundarstufe II einen Abschluss auf Tertiär-
stufe zu erlangen. Zudem ist keiner dieser weiteren Ausbildungsabschlüs-
se der Beschwerdeführerin nachweislich auf der tertiären Bildungsstufe er-
folgt, was unstrittig ist. Die Beschwerdeführerin beruft sich mit Blick auf die
Tertiärstufe vielmehr auf die absolvierten Ausbildungsprogramme "Kauf-
mann-Umqualifizierung" und "Wirtschaftlich kommerzieller Techniker
(Kaufmann)". Ersteres Programm qualifiziert für den Beruf "Verkäufer"
(Zeugnis der Volkshochschule B._ vom 17. Mai 2001) und Letzte-
res für den Beruf "Ökonomietechniker (Kaufmann)" (Zeugnis der Volks-
hochschule B._ vom 26. November 2001). Diese Abschlüsse be-
treffen weder einen medizinischen noch einen pflegerischen Bereich und
ergänzen die Gesundheitstechnikerausbildung der Beschwerdeführerin
fachlich nicht. Sie können daher von vornherein keine Ausbildung darstellen,
welche ganz oder teilweise als dem schweizerischen Abschluss "Pflegefach-
frau HF" gleichwertig anerkannt werden kann. Demnach sind sie mit Blick
auf Art. 6 Abs. 1 Bst. a GesBAV nicht relevant.
4.5.4 Eine Arbeitgeberin bescheinigt der Beschwerdeführerin indes, als
Pflegefachfrau gearbeitet zu haben (Arbeitszeugnis der Betagtensiedlung
I._, J._, vom 30. Juni 2016), und eine andere, bestimmte
Tätigkeiten aufgrund der fehlenden vorinstanzlichen Anerkennung als Pfle-
gefachfrau bedauerlicherweise nicht selbst ausführen zu können, aber
nach ihrem Kenntnisstand ein gut fundiertes Fachwissen zu haben, wel-
ches einer Pflegefachperson gleichgesetzt werden könne (Empfehlungs-
schreiben der K._ AG vom 22. Juni 2021). Zwischen dieser zweit-
erwähnten Arbeitgeberin und der Beschwerdeführerin besteht zudem ein
Arbeitsvertrag, in welchem letztere als Pflegefachfrau (Richtfunktion Pfle-
gefachfrau 3) angestellt wird (Ziff. 1), jedoch vorbehaltlich eines positiven
Anerkennungsentscheids der Vorinstanz (Ziff. 2; undatierter Auszug aus
dem Arbeitsvertrag zwischen der K._ AG und der Beschwerdefüh-
rerin [Beschwerdebeilage 6]).
Arbeitszeugnisse und Arbeitsverträge sind freilich keine Bildungsab-
schlüsse im Sinn von Art. 10 GesBG und vermögen deshalb entgegen der
Ansicht der Beschwerdeführerin (vgl. Beschwerdeergänzung, S. 5; Replik,
S. 3 f. und 6) an der Bildungsstufe im Sinne von Art. 6 Abs. 1 Bst. a GesBAV
von vornherein nichts zu ändern. Den obgenannten Arbeitgeberbescheini-
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Seite 16
gungen kommt daher in Bezug auf diese Stufe keinerlei Bedeutung zu. Da-
mit erfüllt die Beschwerdeführerin die in Art. 6 Abs. 1 Bst. a GesBAV ge-
nannte Anerkennungsvoraussetzung der gleichen Bildungsstufe (vgl.
E. 4.3.3) trotz der eben erwähnten Dokumente nicht.
4.6 Die weiteren Vorbringen der Beschwerdeführerin zu den von ihr in Slo-
wenien erworbenen fachlichen Kompetenzen und die Dauer ihrer dortigen
Ausbildung betreffen den Inhalt und die Dauer ihrer Ausbildung zur "Ge-
sundheitstechnikerin". Da die in Art. 6 Abs. 1 GesBAV genannten Voraus-
setzungen kumulativer Natur sind (vgl. E. 4.3.3 hiervor), sind die Gleichheit
der Bildungsdauer (Art. 6 Abs. 1 Bst. b GesBAV) und die Vergleichbarkeit
der Bildungsinhalte (Art. 6 Abs. 1 Bst. c GesBAV) jedoch vorliegend nicht
mehr zu prüfen.
4.7
4.7.1 Die Beschwerdeführerin macht ferner eine Verletzung des Gleich-
heitsprinzips geltend. Nach ihrer Ansicht würden die lediglich auf sekundä-
rem Niveau erfolgten deutschen Ausbildungen in der Schweiz "über das
Niveau der Pflegefachfrau" anerkannt. Die Beschwerdeführerin verweist in
diesem Zusammenhang auf die Website <https://www.care21.ch/anerken-
nung-der-deutschen-Krankenpflegeausbildung-in-der-schweiz>. Es könne
nicht sein, dass dreijährige deutsche Ausbildungen mehr Wert seien als
ihre vierjährige Ausbildung. Auch andere ausländische Ausgebildete wür-
den ohne Weiteres als Pflegefachleute anerkannt. Sie müsste mindestens
gleich wie deutsche Pflegefachleute behandelt werden.
4.7.2 Die von der Beschwerdeführerin angegebene Website (abgerufen
am 3. Oktober 2022) weist ausdrücklich darauf hin, dass deutsches Pfle-
gepersonal "aus rechtlichen Gründen" das Kürzel HF oder FH nicht erhalte.
Grund dafür sei, dass die deutsche Ausbildung nicht auf dem Niveau einer
höheren Fachschule gelehrt werde. Die Website spricht lediglich von einer
Anerkennung als "diplomierte Pflegefachfrau" bzw. "diplomierter Pflege-
fachmann". Überdies handelt es sich bei dieser Website um eine nichtbe-
hördliche, private Information eines Personalvermittlungsdienstleisters, so
dass die Beschwerdeführerin hieraus nicht auf eine Behördenpraxis
schliessen kann. Insofern erweisen sich die diesbezüglichen Vorbringen
der Beschwerdeführerin als unbegründet.
4.8 Angesichts dieser Ausführungen ergibt sich im Einklang mit der Vorin-
stanz, dass der slowenische Ausbildungsabschluss der Beschwerdeführe-
rin als "Gesundheitstechnikerin" dem schweizerischen Diplomabschluss
B-753/2021, B-4542/2021
Seite 17
als Pflegefachfrau HF nicht entspricht und daher nicht als solcher aner-
kannt werden kann. Da sich – wie dargelegt – die slowenische Ausbildung
wesentlich von den Anforderungen des Aufnahmemitgliedstaats an den Er-
halt des entsprechenden innerstaatlichen Ausbildungsnachweises unter-
scheidet, kann die Schweiz von der Antragstellerin nach Art. 14 der Richt-
linie 2005/36/EG Ausgleichsmassnahmen oder die Ablegung einer Eig-
nungsprüfung verlangen; die Wahl steht der Gesuchstellerin zu (vgl. Urteil
des BVGer B-5437/2020 vom 20. Juli 2022 E. 12; EPINEY, a.a.O., Rz. 37
letzter Abs.). Offenbar hat die Beschwerdeführerin von einer Ablegung ei-
ner Eignungsprüfung abgesehen. Dies schadet allerdings nicht, da sie im
damaligen Zeitpunkt der Auffassung war, dass ihr slowenisches Diplom
dem schweizerischen der Pflegefachfrau HF entspreche und sich nun die
Situation aufgrund des vorliegenden Entscheides geändert hat, was die
Vorinstanz zu Recht auch so gegenüber der Beschwerdeführerin vertritt.
5.
5.1 Die Vorinstanz hat Ausgleichsmassnahmen nur in Aussicht gestellt, da
sie zuerst erarbeitet werden müssten und das Verfahren vorläufig sistiert.
Sobald die umfangreichen Ausgleichsmassnahmen vorhanden seien,
würde die Beschwerdeführerin kontaktiert; sie könne in der Zwischenzeit
aber die Eignungsprüfung ablegen. Angesichts dieses Umstandes vertritt
die Beschwerdeführerin die Auffassung, dass mangels Vorliegen dieser
Ausgleichsmassnahmen sie diese gar nicht absolvieren könne, was quasi
einem zeitlichen Berufsverbot gleichkäme. Dies sei nicht zulässig, weshalb
sie während dieser Zeit auf dem Niveau der Pflegefachfrau HF anerkannt
werden müsse.
5.2 Vorliegend wurde im Rahmen des allgemeinen Anerkennungssystems
das strittige slowenische Diplom mit der schweizerischen Ausbildung zur
Pflegefachfrau HF verglichen. Da das Berufsqualifikationsniveau der Be-
schwerdeführerin lediglich eine Stufe unter dem Niveau der schweizeri-
schen Ausbildung nach Art. 11 der Richtlinie 2005/36/EG lag, ist nach Mas-
sgabe von Art. 13 Abs. 1 der Richtlinie 2005/36/EG das Diplom grundsätz-
lich anzuerkennen und der Beschwerdeführerin die Aufnahme und Aus-
übung des reglementierten Berufs zu gestatten (vgl. Urteil des BVGer
B-6186/2020 vom 26. April 2021 E. 3.4; EPINEY, a.a.O., Rz. 37 dritter Ge-
dankenstrich). Zwecks Ausgleichs des Niveauunterschieds sind indessen
Massnahmen nach Art. 14 der Richtlinie 2005/36/EG anzuordnen. Aller-
dings ändert dies nichts daran, dass das slowenische Diplom anzuerken-
nen ist. Mit ihrem Sistierungsentscheid, mit welchem das Verfahren sistiert
B-753/2021, B-4542/2021
Seite 18
wird, «bis die Ausgleichsmassnahmen bereitstehen», verweigert die Vorin-
stanz der Beschwerdeführerin unzulässigerweise einen Entscheid in der
Sache (vgl. Art. 29 Abs. 1 BV; Urteil des BVGer B-5437/2020 vom 20. Juli
2022 E. 13). Mit ihrem Entscheid vertröstet sie die Beschwerdeführerin auf
einen späteren Zeitpunkt und entscheidet nicht. Zwar erscheint es nach-
vollziehbar, dass nicht für jeden Einzelfall rechtsstaatskonforme Aus-
gleichsmassnahmen vorliegen und in gewissen Situationen erst geschaf-
fen werden müssen. Es geht indes nicht an, dass ein Entscheid in der Sa-
che verweigert oder ungebührlich verzögert wird. Insofern ist die Be-
schwerde gutzuheissen.
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin kommt die Verweige-
rung weder einem faktischen noch einem formellen Berufsverbot gleich. Ihr
ist es unabhängig davon freigestellt, weiterhin ihrer bisherigen beruflichen
Tätigkeit nachzugehen. Nicht möglich ist es dagegen als Pflegefachfrau FH
tätig zu sein, da ihr slowenisches Diplom von der Vorinstanz noch nicht
anerkannt ist. Da die entsprechenden Voraussetzungen für die Anerken-
nung noch nicht gegeben sind, kann bis zum Anerkennungsentscheid
– entgegen ihrem Antrag – auch nicht ihre Ausbildung auf dem Niveau Pfle-
gefachfrau FH anerkannt werden.
5.3 Der Entscheid der Vorinstanz datiert vom 7. Oktober 2021. Bereits mit
Urteil vom 28. April 2021 in der Sache B-5988/2020 musste der Vorinstanz
bewusst sein, dass sie ihr Konzept mit den Ausgleichsmassnahmen über-
denken musste. Insofern sind mit dem heutigen Entscheid mehr als ein
Jahr vergangen, in welchem sie entsprechende Ausgleichsmassnahmen
erarbeiten konnte. Aus diesem Grund erscheint es gerechtfertigt, dass die
Sache zum Entscheid innert drei Monaten ab Urteilszustellung an die Vor-
instanz zurückgewiesen wird.
5.4 Bei der Erarbeitung der Ausgleichsmassnahmen ist Folgendes zu be-
achten: Die neuere Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (vgl.
z.B. Urteil des BVGer B-6186/2020 vom 26. August 2021 E. 3.4) legt nahe,
dass die Beschwerdeführerin keinen ganzen Lehrgang nachholen muss,
da sich das Niveau ihrer Ausbildung lediglich um eine Stufe von derjenigen
der schweizerischen Ausbildung unterscheidet. Dies führt dazu, dass die
Vorinstanz von der Beschwerdeführerin in quantitativer wie qualitativer Hin-
sicht nicht Ausgleichsmassnahmen fordern darf, die einem ganzen Lehr-
gang gleichkommen. Zu beachten ist allerdings, dass die getroffenen Aus-
gleichsmassnahmen – mindestens in Bezug auf den medizinischen Be-
reich – eine gleichwertige Qualität gewährleisten müssen.
B-753/2021, B-4542/2021
Seite 19
6.
Zusammenfassend ergibt sich somit: Zu Recht hat die Vorinstanz die An-
erkennung der Gleichwertigkeit des von der Beschwerdeführerin in Slowe-
nien erworbenen Diploms als "Gesundheitstechnikerin" mit der schweize-
rischen Ausbildung als Pflegefachfrau (Niveau HF) davon abhängig macht,
dass die Beschwerdeführerin die von ihr zur Bedingung gemachten Aus-
gleichsmassnahmen erfolgreich absolviert. Das Vorgehen der Vorinstanz,
das Verfahren auf unbestimmte Zeit bis zum Bereitstehen der Ausgleichs-
massnahmen zu sistieren, kommt hingegen einer Rechtsverweigerung
gleich, was unzulässig ist. Die Vorinstanz hat deshalb die Ausgleichsmas-
snahmen längstens innerhalb von drei Monaten festzulegen. Die Be-
schwerde ist begründet und deshalb gutzuheissen, die Verfügung ist auf-
zuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit diese
innert dieser Frist über die von der Beschwerdeführerin zu absolvierenden
Ausgleichsmassnahmen entscheidet. Im Übrigen ist die Beschwerde ab-
zuweisen.
7.
7.1 Praxisgemäss sind eine Kassation und Rückweisung zu neuem Ent-
scheid im Kostenpunkt wie eine Gutheissung zu behandeln. Dies allerdings
nur dann, wenn der Ausgang völlig offen ist, was vorliegend nicht der Fall
ist. Die Beschwerdeführerin unterliegt teilweise. Dementsprechend sind ihr
vorliegend reduzierte Verfahrenskosten im Umfang ihres Obsiegens aufzu-
erlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG sowie Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Spruchgebühr richtet sich nach
Umfang und Schwierigkeit der Streitsache, Art der Prozessführung und fi-
nanzieller Lage der Parteien (Art. 63 Abs. 4bis VwVG und Art. 2 Abs. 1
VGKE). Vorliegend sind die Verfahrenskosten (inklusive Kosten der Zwi-
schenverfügung vom 5. November 2021) auf Fr. 1'000.– festzusetzen. Die
teilweise obsiegende Beschwerdeführerin hat die Hälfte dieser Kosten, das
heisst Fr. 500.–, zu tragen. Vorinstanzen tragen keine Verfahrenskosten
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
7.2 Die Beschwerdeführerin hat als teilweise obsiegende Partei Anspruch
auf eine gekürzte Parteientschädigung für die ihr erwachsenen notwendi-
gen Kosten (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 2 VGKE). Die Entschä-
digung umfasst die Kosten der Vertretung sowie allfällige weitere Auslagen
der Partei; unnötiger Aufwand wird nicht entschädigt (Art. 8 ff. VGKE). Das
Anwaltshonorar wird nach dem notwendigen Zeitaufwand des Vertreters
bemessen, wobei der Stundenansatz für Anwälte mindestens Fr. 200.– und
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Seite 20
höchstens Fr. 400.– beträgt und die Mehrwertsteuer darin nicht enthalten
ist (Art. 10 Abs. 1 und 2 VGKE). Wird keine Kostennote eingereicht, so
setzt das Gericht die Entschädigung aufgrund der Akten fest (Art. 14 Abs. 2
VGKE). Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat keine Kostennote
eingereicht. Aufgrund der Akten und des geschätzten notwendigen Auf-
wands der Vertretung erscheint eine gekürzte Parteientschädigung von
Fr. 1'500.– als angemessen. Die Vorinstanz ist als verfügende Behörde zu
verpflichten, der Beschwerdeführerin diesen Betrag als Parteientschädi-
gung zu entrichten (Art. 64 Abs. 2 VwVG).
(Das Dispositiv folgt auf der nächsten Seite.)
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