Decision ID: d42441ef-d887-596f-996c-d5f624b678e9
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Urs Müller, Toggenburgerstrasse 63, Postfach
336, 9501 Wil,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 4./6. Mai 2009 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an und beantragte namentlich eine Rente. Sie sei zuletzt in
Stickereien tätig gewesen. Gegenwärtig sei sie (seit Juni 2003) ebenfalls in einer
Stickerei angestellt. - Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung
hielt in einem Protokoll vom 14. Mai 2009 (IV-act. 7) über ein Gespräch mit dem Arzt
B._ fest, die Arbeitsfähigkeit der Versicherten sei durch eine Diskushernie der
Halswirbelsäule mit degenerativen Veränderungen beeinträchtigt. Sie könnte aber noch
an acht Stunden pro Tag leichte bis mittelschwere Tätigkeiten in Wechselbelastung
ohne Zwangshaltungen der Wirbelsäule und ohne Überkopfarbeiten ausüben. Gegen
einen sofortigen Beginn der Wiedereingliederung spreche allerdings, dass abgewartet
werden sollte, ob sich bei einer Abklärung durch die Klinik für Neurochirurgie am
Kantonsspital St. Gallen eine Operationsindikation ergebe. Am 15. Mai 2009 (IV-act. 9)
wurde vorgesehen, ein Triagegespräch mit der Eingliederungsberatung zu führen. - Die
Arbeitgeberin erklärte am 26. Mai 2009 (IV-act. 16), die Versicherte sei von Juni 2003
bis 31. Juli 2009 (gleichzeitig letzter Arbeitstag) als Mitarbeiterin an der
Produktionsmaschine angestellt gewesen. Seit Februar 2009 habe sie an der
Mustermaschine leichtere Arbeit verrichtet. Seit dem 21. August 2007 sei sie
verschiedentlich arbeitsunfähig gewesen. Nach mehreren Umplatzierungen an andere
Maschinentypen sei festgestellt worden, dass die Belastung an den kleineren
Mustermaschinen für die Versicherte am geringsten sei, weil dort die repetitiven
Arbeiten kürzer seien und mehr Abwechslung gegeben sei. Die Kündigung sei wegen
der Verschlechterung der Auftragslage erfolgt. Es sei denkbar, dass die Versicherte in
Teilzeit an den Mustermaschinen beschäftigt würde, da sie zu den besten
Mitarbeiterinnen gehöre und sie (die Arbeitgeberin) mit ihrer Arbeitsleistung sehr
zufrieden sei.
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A.b Hausarzt B._ ergänzte das RAD-Gesprächsprotokoll am 4. Juni 2009 (IV-
act. 17-1) insofern, als auch ein chronisches muskuloligamentäres Schmerzsyndrom
Schulter-/Nackenbereich (mit Armschmerzen) linksbetont vorliege. Beigelegt war unter
anderem ein Bericht der Klinik für Neurochirurgie am Kantonsspital St. Gallen vom
7. Mai 2009, wonach eine cervicale Diskushernie HWK6/7 mit sensomotorischem Aus
fallsyndrom C7 links und eine Cervicobrachialgie rechts mit sensorischem Ausfall
syndrom, am ehesten C6-Dermatom, vorlägen. Die Versicherte sei gegenwärtig zu
100 % arbeitsunfähig. Am 30. September 2008 hatte Dr. med. C._, Facharzt für
Neurologie, über das Schmerzsyndrom im Schulter-/Nackenbereich und eine
Adipositas permagna berichtet. Ihren bisherigen Beruf, der eine für sie höchst
ungünstige Arbeitshaltung mit angehobenen Armen erfordere, werde sie
wahrscheinlich nicht mehr ausüben können. Aus neurologischer Sicht sei die
Versicherte hingegen für leichte Arbeiten in Wechselhaltung uneingeschränkt
arbeitsfähig. Es werde schwierig sein, sie wieder in den Arbeitsprozess zu integrieren;
zu empfehlen wäre eine Reduktion auf eine Tätigkeit von 50 %. Begleitend bestehe
wahrscheinlich ein depressives Syndrom. Gemäss einem Bericht vom 10. Januar 2008
hatte Dr. med. D._, Innere Medizin/Rheumatologie FMH (bzw. Dr. med. E._,
Fachärztin für Rheumatologie FMH, als seine Stellvertreterin), im Wesentlichen ein
linksbetontes cervico-spondylogenes und thorakales Schmerzsyndrom, Arthralgien
beider Handgelenke, Myotendinosen gluteal links und eine mediale Bandreizung Knie
links, eine rezidivierende Epicondylopathia humeri radialis et ulnaris mit
intermittierendem Sulcus-ulnaris-Syndrom, eine Anämie, unklar erhöhtes CRP und
BSR, und Adipositas diagnostiziert. Die Beschwerden seien erklärt. Die
Arbeitsfähigkeitseinschätzung sei zunächst bei 50 % zu belassen und bei klinisch
günstigem Verlauf nach etwa vier bis sechs Wochen auf 70 % zu steigern.
A.c Im IV-Arztbericht vom 29. Juni 2009 (Eingang Sozialversicherungsanstalt; IV-
act. 18) gab die Klinik für Neurochirurgie am Kantonsspital St. Gallen als Diagnose eine
Cervicobrachialgie bei Diskushernie C6/7 an. In ihrer zuletzt ausgeübten Tätigkeit sei
die Versicherte seit dem 5. Juni 2009 zu 100 % arbeitsunfähig. Auf die Frage, ob sich
die Einschränkungen durch medizinische Massnahmen vermindern liessen, wurde an
gegeben, dies sei durch einen Wechsel in eine Tätigkeit mit weniger manueller Be
schäftigung der Fall. Mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit bzw.
Erhöhung der Einsatzfähigkeit könne nicht gerechnet werden. Daneben wurden
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verschiedene in einer Liste bezeichnete Tätigkeitsbereiche als der Versicherten in einer
behinderungsadaptierten Tätigkeit noch zumutbar (etwa Tätigkeiten im Sitzen, im
Stehen, wechselbelastende Tätigkeiten) oder als nicht mehr zumutbar bezeichnet. In
welchem zeitlichen Rahmen die einzelnen Arbeiten zumutbar seien, wurde nicht
beantwortet.
A.d Dem Frühinterventions-Ergebnis-Protokoll nach Assessmentgespräch vom 14. Ok
tober 2009 (IV-act. 25; vgl. auch Aktennotiz des RAD vom 14. Oktober 2009, IV-act. 26)
ist zu entnehmen, dass die Versicherte berichtet habe, es gehe ihr sehr schlecht.
Es stehe noch eine medizinische Untersuchung aus. Beim Regionalen Arbeitsver
mittlungszentrum (RAV) habe sie sich nicht angemeldet, weil sie sich subjektiv nicht
arbeitsfähig fühle. Sie sehe im Moment auch keine Eingliederungsmöglichkeiten in
einem Einsatzprogramm oder im geschützten Rahmen. Es bestehe weder ein Renten-
noch ein Umschulungsanspruch, aber Anspruch auf Arbeitsvermittlung. Dem Assess
ment-Protokoll vom 24. September 2009 (IV-act. 27) war unter anderem zu entnehmen
gewesen, dass die Versicherte einen leicht depressiven Eindruck gemacht habe. Sie
könnte sich eine psychotherapeutische Behandlung für sich vorstellen.
A.e Mit zwei Vorbescheiden vom 1. Dezember 2009 (IV-act. 30 bis 33) wurde der
Versicherten eine Abweisung bezüglich ihres Anspruchs auf berufliche Massnahmen
(subjektiv nicht arbeitsfähig) und auf eine Rente (keine invaliditätsbedingte Erwerbsein
busse) in Aussicht gestellt. - Die Versicherte liess am 28. Dezember 2009 (IV-act. 34)
einwenden, sie betrachte sich nicht als komplett arbeitsunfähig, wäre aber auch in
einer angepassten Tätigkeit nicht voll arbeitsfähig. Ausserdem müsste ein
Leidensabzug von mindestens 10 % gemacht werden. Es seien eine Rente und
berufliche Massnahmen zuzusprechen, eventualiter weitere medizinische
Untersuchungen vorzunehmen. Ergänzend liess sie am 18. Januar 2010 (IV-act. 37)
darlegen, sie wäre durchaus bereit, in einer Institution wie beispielsweise der BEFAS in
G._ einen Arbeitsversuch zu unternehmen. Aufgrund ihrer körperlichen
Einschränkungen sei sie auch darauf angewiesen, bei der Arbeitssuche unterstützt zu
werden. Die tatsächliche Arbeitsfähigkeit sei ungenügend abgeklärt worden. Es
erstaune, dass in der Aktennotiz des RAD kein Hinweis auf die massive
Kraftverminderung der linken dominanten Hand zu finden sei. Auch bezüglich des
linken Knies seien keine neueren Untersuchungen oder Bilder gemacht worden. Nicht
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abgeklärt worden seien die Auswirkungen der Anämie, der Grund der erhöhten
Entzündungswerte und die psychiatrische Situation. Erforderlich sei ein multi
disziplinäres Gutachten. Ferner sei ein Leidensabzug von 20 % gerechtfertigt. - Mit
Verfügung vom 17. Februar 2010 (IV-act. 38) lehnte die Sozialversicherungsanstalt/IV-
Stelle des Kantons St. Gallen einen Rentenanspruch der Versicherten ab. Die volle
Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit werde mehrfach bestätigt, namentlich von
zwei voneinander unabhängigen Fachstellen. Der Leidensabzug könne nicht gewährt
werden, weil weiterhin mittelschwere Tätigkeiten zeitlich und leistungsmässig uneinge
schränkt erledigt werden könnten. Es stehe weiterhin ein genügend grosses Arbeits
marktsegment offen. Selbst bei einem Abzug ergäbe sich kein Anspruch. Mit
Verfügung vom 11. März 2010 (IV-act. 39) wies die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle
auch einen Anspruch auf berufliche Massnahmen ab. Wenn die Versicherte bereit sei,
die attestierte Arbeitsfähigkeit von 100 % in der freien Wirtschaft umzusetzen, werde
sie bei der Stellensuche unterstützt werden.
A.f Auf Beschwerden gegen die Verfügungen vom 17. Februar und vom 11. März
2010 hin wurden diese mit Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 8. September 2010 (act. 53) aufgehoben und die (vereinigte) Sache
wurde zur ergänzenden medizinischen Abklärung an die Sozialversicherungsanstalt/IV-
Stelle zurückgewiesen. Die Arbeitsfähigkeit der Versicherten in einer adaptierten
Tätigkeit sei ungenügend abgeklärt, ebenso ihr allfälliger Verlauf bei einer
Verschlechterung ab 24. April 2009. Zu beachten gelte es insgesamt verschiedene, in
den Akten erwähnte gesundheitliche Beeinträchtigungen.
A.g Auf Veranlassung der Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle erstattete die MEDAS
Zentralschweiz am 20. Juni 2011 (act. 61) ein Gutachten. Als Hauptdiagnosen (mit
wesentlicher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit) wurden benannt:
"Chronisches Zervikalsyndrom und residuelles zervikoradikuläres Syndrom C6 links
- zervikothorakale Kyphose mit Kopfprotraktion
- Unkovertebralarthrose C4/5 und C6/7
- medio-linkslaterale Diskushernie C6/7 (MRI 08/2007 und 05/2009)
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Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (...)
- lokalisiertes Fibromyalgiesyndrom im Nackenschultergürtelbereich
- Kopfweh vom Spannungstyp
Impingement der rechten Schulter möglich
- enger Subakromialraum bei Akromionhypertrophie."
Als Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, aber mit Krank
heitswert, wurden (grob wiedergegeben) eine Adipositas, eine linksseitige Sensibilitäts
störung und Schwäche, verzögerte somatosensorisch evozierte Potenziale bisher un
klarer Genese und eine Cholezystolithiasis bezeichnet. Die Arbeitsfähigkeit der Ver
sicherten in ihrer aktuell ausgeübten, an ihre verminderte Belastbarkeit adaptierten
(wie jeder anderen entsprechenden) Tätigkeit betrage 50 %, einzusetzen an 4 bis 4.5
Stunden pro Arbeitstag. Eine adaptierte Tätigkeit habe diverse Voraussetzungen zu
erfüllen. Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei bedingt durch die objektivierbar
verminderte Belastbarkeit des Schultergürtel-Nackenbereichs und der linken oberen
Extremität, ausserdem auch durch psychiatrische Gründe.
A.h Der RAD verfasste daraufhin ein Schreiben vom 11. Juli 2011 (act. 63) an die
MEDAS Zentralschweiz, das diese allerdings nicht erhielt, worauf es ihr (wohl) Ende
September 2011 nochmals zugestellt wurde (vgl. act. 68-1). Er teilte ihr darin mit, ihr
Gutachten sei nicht verwertbar. Die Schlussfolgerungen seien nicht nachvollziehbar.
Die angestammte Tätigkeit der Versicherten sei nicht - wie angenommen - die zuletzt
ausgeübte. Obwohl der neurologische Konsiliargutachter kein neurologisches, die
Arbeitsfähigkeit beeinträchtigendes Leiden annehme, figuriere bei den Hauptdiagnosen
ein residuelles C6-Syndrom. Die relevante Diskushernie liege aber auf der Höhe C6/7.
Dass wegen eines abgeschwächten Bizepssehnenreflexes ein C6-Syndrom vorliegen
solle, sei inkonsistent. Dr. C._ habe im September 2008 keine Hinweise auf ein
radikuläres Syndrom mehr gefunden. Die Ärzte am Muskelzentrum am Kantonsspital
St. Gallen seien im November 2010 ebenfalls zum Schluss gekommen, es bestehe kein
Hinweis auf eine axonale Schädigung der Wurzel C7. Dass der rheumatologische
Gutachter eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % attestiert habe, sei nicht stimmig. Ein
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organisches Korrelat sei kaum nachweisbar. Es liege doch klar ein myofasziales
Schmerzsyndrom mit erniedrigter Schmerzschwelle vor. Das gehe auch aus dem
Umstand hervor, dass der rheumatologische Gutachter eine spezifische
weichteilrheumatische Behandlung empfehle. Unverständlich sei auch, weshalb ein
Impingement der rechten Schulter die Arbeitsfähigkeit wesentlich einschränken sollte.
Die Anerkennung der Ausnahmesituation für eine psychiatrische Invalidität sei ebenfalls
nicht nachvollziehbar, werde doch von einem ausgewiesenen sozialen Rückzug in allen
Belangen des Lebens ausgegangen, was nicht zutreffe. Die Versicherte pflege gute
Beziehungen zum Ehemann und zur Familie, sei weiterhin arbeitstätig und benütze die
öffentlichen Verkehrsmittel. Zum sicheren Ausschluss einer zentralen Läsion habe der
neurologische Gutachter ein MRI von Hirn und Rückenmark empfohlen. Dass die
Untersuchung nicht durchgeführt worden sei, sei nicht akzeptabel.
A.i Inzwischen hatte die MEDAS der Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle am 23. Au
gust 2011 (act. 64) von sich aus bekanntgegeben, der Hausarzt der Versicherten habe
entsprechend dem Vorschlag ihres Neurologen eine MR-Abklärung von Gehirn und
Rückenmark veranlasst. Diese Abklärung vom 18. Juli 2011 habe die bekannte, im Ver
gleich zur Voruntersuchung leicht grössenprogrediente Diskushernie C6/7 paramedian
links gezeigt, daneben aber keine Zeichen von Rückenmarkskompression, von Myelo
pathie auf Höhe HWS und BWS oder von pathologischen Befunden im Cerebrum.
Nach Auffassung des Neurologen hätten sich keine neuen Gesichtspunkte ergeben.
Die Diskushernie passe zum vorbestehenden residuellen zervikoradikulären Syndrom.
Die Ursache der Verzögerung der evozierten Potenziale sei weiterhin nicht erklärt, was
aber klinisch nicht von Relevanz sei. Die Beurteilung bleibe unverändert.
A.j Am 13. Oktober 2011 (act. 69-1 ff.) nahm die MEDAS Stellung zum Schreiben des
RAD vom 11. Juli 2011/September 2011. Die Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten
Tätigkeit sei mit 50 % eingeschätzt worden. Wenn frühere Tätigkeiten nicht dem
festgelegten Anforderungsprofil entsprächen, seien sie nicht mehr zumutbar. Nach
Angaben der Arbeitgeberin sei die seit Juni 2003 ausgeführte Tätigkeit offenbar ab
Februar 2009 nicht mehr möglich gewesen. Rheumatologe und Neurologe hätten in je
separaten Schreiben selber zu den Einwänden Stellung genommen. Es liege bei der
Versicherten eine chronische Schmerzkrankheit vor, die weder rein somatisch noch
rein psychiatrisch zu erklären sei. Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sei vom
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Rheumatologen und vom Psychiater gemeinsam abgegeben worden. Die Anerkennung
als Ausnahmesituation stelle einen Akt der Rechtsanwendung dar. Dass sich der RAD
zum Rechtsbegriff der Invalidität äussere, sei nicht zu verstehen. Es sei ausserdem kein
Entscheid bekannt, in welchem erwähnt würde, dass ein sozialer Rückzug erst dann IV-
relevant sei, wenn auch die Beziehung zum Ehemann abgebrochen worden sei. Die
MEDAS habe nach bestem Wissen und Gewissen eine interdisziplinäre medizinische
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit abgegeben, die sie aufgrund der Einwände nicht
ändere. Für weitergehende technische Abklärungen wie die Magnetresonanztomografie
von Schädel und HWS, die in den therapeutischen Kontext zulasten der
Krankenversicherung gehörten, fehlten die nötigen Ressourcen. Hauptleistung einer
MEDAS sei aber auch nicht die medizintechnische Abklärung unklarer Krankheitsbilder,
sondern die versicherungsmedizinische Wertung im Hinblick auf die Arbeitsfähigkeit. -
Der Rheumatologe hatte am 6. Oktober 2011 (act. 69-4 f.) dargelegt, die Behauptung,
es liege kein morphologisches Korrelat vor, sei nicht zu verstehen. Die Feststellung, es
handle sich lediglich um ein myofasziales Syndrom und daher liege eine niedrige
Schmerzschwelle vor, sei ihm als Begründung für ein fehlendes somatisches Substrat
fremd. Es liege, wie in verschiedenen einzelnen Punkten - namentlich auch zum
Zervikalsyndrom mit sekundärem myofaszialem Syndrom - dargelegt, ein gut fassbares
morphologisches Substrat vor, das die Reduktion der Arbeitsfähigkeit rechtfertige. -
Der Neurologe hatte am 7. Oktober 2011 (act. 69-6 f.) erklärt, es habe sich an
objektiven Befunden neurologisch einzig eine Abschwächung des Bicepsreflexes auf
der linken Seite gezeigt. Das sei eine Folge der seinerzeit aufgetretenen cervicalen
radikulären Symptomatik bei cervicaler Diskusprotrusion. Auch in der aktuellen MR-
Untersuchung zeige sich eine Diskushernie C6/7 links paramedian, leicht
grössenprogredient. Klinisch relevante Ausfälle seien aber nicht vorhanden, eine
sichere Parese von Muskeln am Arm sei nicht nachweisbar und in der Muskulatur für
C6 und C7 seien keine neurogenen Veränderungen erkennbar. Die Abschwächung des
Bicepsreflexes würde eher für eine Läsion der 6. als der radiologisch betroffenen 7.
cervicalen Wurzel sprechen, doch seien solche Variationen nicht allzu selten, so dass
die Abschwächung durchaus in einen direkten Zusammenhang mit der
Diskusprotrusion gestellt werden könne. Allein aufgrund dieses residuellen cervicalen
radikulären Syndroms könne keine Arbeitsunfähigkeit begründet werden. Vorbe
halten bleibe die cervicale vertebrale Symptomatik. Die somatosensorisch evozierten
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Potentiale seien bilateral verzögert und erklärten eine einseitige Störung nicht. Zu
sammengefasst liege ein belangloses Residuum nach cervicoradikulärem Syndrom
vor. Klinisch relevante neurologische Ausfälle seien nicht nachzuweisen. Vorbehalten
blieben die rheumatologischen Befunde.
A.k Der RAD hielt am 11. November 2011 (act. 70) daran fest, dass das Gutachten er
hebliche Mängel aufweise. Trotz Rückfragen sei es nicht nachvollziehbar geworden
und sei die versicherungsmedizinische Würdigung der somatischen Beurteilung
unterlassen worden. Im psychiatrischen Teilgutachten sei der Sachverhalt nicht den
Tatsachen entsprechend dargestellt worden, weshalb die Foerster'schen Kriterien nicht
adäquat angewendet worden seien. Myofasziale Befunde könnten
versicherungsmedizinisch nicht als Begründung für eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit herangezogen werden, ebenso wenig täten dies die vorliegenden
geringen strukturellen Befunde. Gemäss dem neurologischen Gutachter handle es sich
um ein belangloses Residuum nach zervikoradikulärem Syndrom. Das Impingement
der rechten Schulter sei lediglich als möglich bezeichnet worden. Die
Unkovertebralarthrose und Fehlform des zervikothorakalen Übergangs als wesentlichen
Gesundheitsschaden zu betrachten, sei sehr gesucht. Dass das als gut fassbares
organisches Korrelat eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % begründen sollte, sei nicht
nachvollziehbar. Es bestehe hauptsächlich ein chronisches Schmerzleiden mit
myofaszialen Befunden bzw. ein lokalisiertes Fibromyalgie-Syndrom bei
Schmerzgeneralisierung. Der rheumatologische Gutachter habe die vorhandenen
somatischen Befunde in inadäquater Weise überbewertet. Das Schmerzleiden werde
bei der Bewertung der Arbeitsfähigkeit gleichzeitig kaum mehr berücksichtigt. Die
Arbeitsfähigkeit sei aus somatischer Sicht richtigerweise nicht eingeschränkt. Der
psychiatrische Teilgutachter habe angenommen, dass das Ergebnis der Behandlung
des somatischen Leidens unbefriedigend sei, was nicht ganz den Tatsachen
entspreche, da die radikuläre Symptomatik beseitigt worden sei. Ebenso verhalte es
sich mit der Annahme, es liege ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens vor,
da nur noch innerfamiliäre Beziehungen gepflegt würden. Die Versicherte benütze aber
die öffentlichen Verkehrsmittel und arbeite teilzeitlich. Die Ausnahmesituation zur
Anerkennung einer Invalidität sei demnach nicht gegeben. Die Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit um 50 % aus psychischen Gründen könne nicht anerkannt werden. In
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der angestammten Tätigkeit sei die Versicherte seit April 2009 voll arbeitsunfähig, in
der aktuell ausgeübten, teiladaptierten Tätigkeit zu 50 %.
A.l Der IV-Eingliederungsverantwortliche hielt am 9. Dezember 2011 (act. 76) fest, die
Versicherte wolle ihre Stelle nicht wechseln, da es sich um eine leichte Tätigkeit handle.
In einem Verlaufsprotokoll (act. 78) wurde festgehalten, die Versicherte habe damals
berichtet, es gehe ihr gar nicht gut. In den letzten eineinhalb Monaten seien die
Rückenschmerzen viel schlimmer geworden. Die Versicherte arbeite zurzeit über eine
Stiftung bei der früheren Arbeitgeberin. Am 31. Januar 2012 (act. 79) wurde
festgehalten, berufliche Massnahmen seien nicht möglich. Die Versicherte lehne
weitere Unterstützung ab, da sie sich nicht zu mehr als 50 % arbeitsfähig fühle und die
Stelle nicht wechseln wolle.
A.m Am 23. Februar 2012 (act. 82) teilte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle dem
Rechtsvertreter der Versicherten mit, berufliche Massnahmen würden abgewiesen. -
Am 10. April 2012 (act. 84 f.) wurde in Aussicht gestellt, dass ein Rentenanspruch
abgelehnt werde. In einer adaptierten Tätigkeit sei die Versicherten voll arbeitsfähig.
Die Versicherte liess am 14. Mai 2012 (act. 86) unter Beilage eines Arztberichts von
Dr. med. F._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 7. Mai 2012 (act. 86-18 ff.)
einwenden, die angeblichen Mängel und Widersprüche des Gutachtens, welche der
RAD geltend mache, seien für Nichtmediziner nicht nachvollziehbar. Die Meinungsver
schiedenheit unter den medizinischen Fachleuten könne nur durch ein neues
Gutachten geklärt werden. Die Aktennotiz des RAD vom 11. November 2011 erfülle die
formellen Voraussetzungen eines Gutachtens nicht. Die Meinung des RAD über jene
der MEDAS zu stellen, sei unzulässig. Wie der psychiatrische Konsiliargutachter
festgehalten habe, müsse er sich nicht in jedem Fall zu jedem der vom Bundesgericht
aufgestellten Kriterien äussern; massgebend sei eine Gesamtwürdigung. Diese habe er
vorgenommen. Der soziale Rückzug gemäss den Foerster'schen Kriterien verlange
nicht, dass sich jemand den ganzen Tag im Zimmer einschliesse und mit niemandem
mehr Kontakt pflege. Massgebend sei vielmehr der Verlust der sozialen Integration. Die
Versicherte habe sich seit 2007 immer mehr vom sozialen Umfeld (Verwandte,
Freundinnen und Kolleginnen) zurückgezogen. Ihre früher vielfältigen Interessen habe
sie inzwischen verloren. Trotz ihrer Schmerzen gehe sie aber zur Arbeit, weil sie Angst
vor einer drohenden Arbeitslosigkeit habe. Die Versicherte sei zu höchstens 50 %
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arbeitsfähig. Eventualiter sei eine halbe Rente zu gewähren. Dabei sei ein
Leidensabzug von mindestens 10 % zu gewähren. Dr. F._ hatte der Versicherten
wegen einer mittelgradigen depressiven Erkrankung und einer chronischen
somatoformen Schmerzstörung bei der DD Angststörung/Ängstliche
Persönlichkeitsstörung eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % attestiert.
A.n Mit Verfügung vom 19. Juni 2012 (act. 89) wies die Sozialversicherungsanstalt/IV-
Stelle einen Rentenanspruch der Versicherten ab.
B.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Urs F. Müller für die
Betroffene am 17. August 2012 erhobene Beschwerde. Der Rechtsvertreter der Be
schwerdeführerin beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die
Sache sei zur Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen und zur Neuverfügung an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, eventualiter sei mindestens eine halbe Rente
zuzusprechen. Es gehe nicht an, die Resultate des MEDAS-Gutachtens aufgrund einer
Stellungnahme des RAD als unbrauchbar zu qualifizieren. Der RAD habe ein entscheid
relevantes Aktenstück erstellt, das aber weder einem medizinischen Gutachten noch
einem Untersuchungsbericht nach Art. 49 Abs. 2 IVV entspreche. Berichte dieser Art
könnten Zweifel an der Richtigkeit eines Gutachtens erwecken, es aber nicht schlüssig
entkräften. Die Meinung des RAD über jene der MEDAS-Gutachter zu stellen, sei un
zulässig. Soweit für medizinische Laien nachvollziehbar, sei der Sachverhalt sowohl in
rheumatologischer wie psychiatrischer Hinsicht nicht feststehend. Der RAD beurteile
bezüglich des Vorliegens einer Ausnahmesituation zur Anerkennung einer Invalidität
eine Rechtsfrage, was nicht seine Aufgabe sei. Da die von der MEDAS festgestellte
psychiatrische Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von der Beschwerdegegnerin be
stritten werde, sei nochmals ein Teilgutachten einzuholen. Der RAD halte auch die
somatisch begründete Arbeitsunfähigkeit in adaptierter Tätigkeit für nicht nachvollzieh
bar. Am MEDAS-Gutachten sei indessen nichts zu bemängeln. Der RAD und die Be
schwerdegegnerin hätten sich einfach über die dort gezogenen Schlussfolgerungen
hinweggesetzt. Sollte dem Eventualantrag der Zusprechung einer Rente nicht gefolgt
werden, seien in rheumatologischer wie psychiatrischer Hinsicht weitere Teilbegut
achtungen zu veranlassen.
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C.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 10./11. Oktober 2012 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie habe gestützt auf die
Angaben des RAD zu beurteilen, was einer versicherten Person aus objektiver Sicht
noch zumutbar sei und was nicht. Auf solche Stellungnahmen könne jedoch nur
abgestellt werden, wenn sie den allgemeinen beweisrechtlichen Anforderungen an
einen ärztlichen Bericht genügten. Dass die versicherte Person untersucht werde, sei
nicht zwingend erforderlich. Eigene ärztliche Untersuchungen führe der RAD nur bei
Bedarf durch. Das Absehen von eigenen Untersuchungen sei nicht an sich ein Grund,
einen RAD-Bericht in Frage zu stellen. Das gelte insbesondere, wenn es im
Wesentlichen um die Beurteilung eines feststehenden medizinischen Sachverhalts
gehe und die direkte ärztliche Befassung mit der Person in den Hintergrund rücke.
Entgegen der Meinung der Beschwerdeführerin sei nicht bereits dann ein neues
Gutachten zu veranlassen, wenn der RAD mit den Gutachtern nicht einig sei. Es liege in
der Kompetenz des RAD, sich eine eigene und abweichende Meinung zu bilden. Auch
dem Nichtmediziner steche ins Auge, dass das vorliegende Gutachten mit etlichen
Mängeln und Widersprüchen behaftet sei. Es sei offensichtlich, dass die Gutachter mit
ihren Antworten auf die Rückfragen nur darauf abzielten, ihre schlechte Arbeit zu
kaschieren. Nochmals eine Begutachtung anzuordnen, wäre angesichts der Kosten
unverhältnismässig, zumal die Einschränkungen der Beschwerdeführerin nicht einmal
annähernd zum Bezug einer Rente reichen könnten, wenn man die Rechtsprechung zu
den pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildern ohne
nachweisbare organische Grundlagen korrekt anwende. Die erhobenen Befunde
reichten aus, dass die erfahrenen beiden beteiligten RAD-Ärzte eine abschliessende
Beurteilung abgeben könnten. Im Gegensatz zu den Gutachtern würden sie auch die
Foerster'schen Kriterien juristisch korrekt anwenden, insbesondere das Kriterium des
sozialen Rückzugs in allen Belangen des Lebens. Einer weiteren rechtlichen Würdigung
bedürfe es nicht. Es könne vollumfänglich auf die Stellungnahme vom 11. November
2011 abgestellt werden.
D.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hält am 22. Oktober 2012 an seinen
Anträgen fest und verzichtet im Übrigen auf die Erstattung einer Replik.
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Erwägungen:
1.
1.1 Am 1. Januar 2008 ist die 5. IV-Revision in Kraft getreten. Die
Beschwerdegegnerin hat die angefochtene Verfügung am 19. Juni 2012, also unter der
Geltung des Rechts der 5. IV-Revision, erlassen. Zu beurteilen ist der Sachverhalt, wie
er sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses dieser Verfügung entwickelt hat. Dieser
Sachverhalt reicht in eine Zeit vor Inkrafttreten der 5. IV-Revision zurück, so dass zu
entscheiden ist, ob sich der Rentenbeginn nach altem oder nach neuem Recht richte.
1.2 Die Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin setzte nach der Aktenlage im
August 2007 ein, hielt aber nicht im Sinn der Rechtsprechung ununterbrochen an
(Unterbruch mit wohl voller Arbeitsfähigkeit von Januar/Februar bis August 2008), so
dass das Wartejahr danach erst im Jahr 2009 ablief. Auch die IV-Anmeldung wurde im
Mai 2009 eingereicht. Demnach sind vorliegend jedenfalls die neuen Bestimmungen
anzuwenden. Das wäre selbst dann der Fall, wenn von einem Ablauf des Wartejahres
bereits im Jahr 2008 auszugehen wäre und die Übergangsregelung des Bundesamtes
für Sozialversicherungen vom 12. Dezember 2007 zur Anwendung gelangte. Denn es
fehlte die nach dieser Regelung für die Anwendbarkeit alten Rechts vorgesehene
Voraussetzung einer Anmeldung bis spätestens zum 31. Dezember 2008.
1.3 Mit der angefochtenen Verfügung vom 19. Juni 2012 hat die Beschwerdegegnerin
einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin abgelehnt. Diese hatte im Verwaltungs
verfahren früher auch berufliche Massnahmen beantragt. Am 23. Februar 2012 hatte
die Beschwerdegegnerin indessen festgehalten, die Beschwerdeführerin wünsche
keine Unterstützung in Form von Eingliederungsmassnahmen. In diesem
Beschwerdeverfahren lässt sie denn auch einzig Rentenleistungen beantragen. Strittig
ist demnach zunächst ein allfälliger Anspruch auf eine Rente. Ergäbe sich allerdings,
dass ohne Eingliederungsmassnahmen ein Rentenanspruch in Frage steht, so gehörte
zum Streitgegenstand notwendigerweise auch die Frage, ob die Verwaltung den
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Grundsatz "Eingliederung vor Rente" beachtet und eine allfällige Pflicht der
Beschwerdeführerin zu Massnahmen korrekt in Anspruch genommen habe.
2.
2.1 Nach Art. 28 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.2 Für die Invaliditätsbemessung sind zunächst die medizinischen Vorbedingungen
von Bedeutung. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu
beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind im
Weiteren eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeits
leistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 f.
E. 4; ZAK 1982 S. 34). Ob die versicherte Person eine ihr zumutbare Tätigkeit auch
tatsächlich ausübt, ist für die Invaliditätsbemessung hingegen unerheblich (Rz 3046
des vom Bundesamt für Sozialversicherungen erlassenen Kreisschreibens über die
Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung = KSIH).
2.3 Zum Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und ihrer Arbeitsfähigkeit liegt
ein polydisziplinäres Gutachten vom 20. Juni 2011 vor. Darin gaben die Gutachter die
wesentlichen Inhalte verschiedener Vorakten wieder. Die Begutachtungsstelle hat auch
ergänzend weitere medizinische Berichte eingeholt, namentlich einen Bericht des
Muskelzentrums/ALS Clinic am Kantonsspital St. Gallen vom 29. November 2010. Es
wird ferner ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin zur Anamnese, zu den geklagten
Beschwerden und zur Behandlung befragt wurde. Der internistische Hauptgutachter er
hob die Befunde (samt einem Laborbefund). Ausserdem fanden in rheumatologischer,
psychiatrischer und neurologischer Hinsicht fachärztliche Konsilien statt. Die
Beurteilung wurde nach einem polydisziplinären Zusammenwirken abgegeben. Mit
dem Ergebnis der Magnetresonanztomographie von Hirn und Rückenmark, welche bei
der Begutachtung empfohlen, aber nicht im Begutachtungsinstitut, sondern erst später
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durchgeführt worden war, hat sich die MEDAS anschliessend noch
auseinandergesetzt. Ein Anhaltspunkt für eine Unvollständigkeit ist nicht ersichtlich.
2.4 Der RAD hält das Gutachten allerdings für nicht stichhaltig. Er stellt das Vorliegen
eines C6-Syndroms in Frage. Im Gutachten figuriert als eine Hauptdiagnose ein
chronisches Zervikalsyndrom und residuelles zervikoradikuläres Syndrom C6 links bei
zervikothorakaler Kyphose mit Kopfprotraktion, Unkovertebralarthrose C4/5 und C6/7
sowie medio-linkslateraler Diskushernie C6/7 (MRI 08/2007 und 05/2009). Die
Diagnose des chronischen Zervikalsyndroms mit den Unterkategorien hat der
rheumatologische Gutachter erhoben. Der neurologische Gutachter hat das Residuum
nach cervicoradikulärem Syndrom C6 links festgestellt. Auf die Einwände des RAD hin
hat er erklärt, dass die Biceps-Reflexabschwächung - auch wenn sie grundsätzlich
eher für eine Läsion der 6. als der radiologisch betroffenen 7. cervicalen Wurzel
spräche - durchaus in Zusammenhang mit der (gemäss aktuellem MR leicht
grössenprogredienten Diskushernie C6/7 links paramedian bzw.) Diskusprotrusion
gestellt werden könne, denn solche Variationen seien nicht allzu selten. Diese
fachärztliche Erklärung erscheint stichhaltig. Gemäss dem im Gutachten
wiedergegebenen Bericht des Muskelzentrums/ALS Clinic am Kantonsspital St. Gallen
vom 29. November 2010 haben sich allerdings, wie der RAD vorbringt,
elektrophysiologisch keine Hinweise für eine axonale Schädi-
gung der Wurzel C7 gezeigt. Auch der neurologische Gutachter hat aber festgestellt,
dass - zwar eine Abschwächung des Bicepsreflexes links, aber - keine klinisch relevan
ten Ausfälle bestünden. Eine sichere Parese entsprechend C6 sei nicht nachweisbar
und in der Muskulatur für C6 und C7 seien keine neurogenen Veränderungen erkenn
bar. Das Residuum hat er als belanglos bezeichnet. Eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit aus neurologischer Sicht besteht nach seiner gutachterlichen Beurteilung
nicht. Dass die strittige Diagnose im Gutachten in den Kontext zur Hauptdiagnose des
unter rheumatologischem Gesichtspunkt erhobenen Zervikalsyndroms gestellt und
damit ebenfalls bei den Hauptdiagnosen eingereiht wurde, stellt keinen Grund dar, den
Beweiswert des Gutachtens in Zweifel zu ziehen.
2.5 Der RAD kritisiert die infolge der erwähnten Diskushernie, einer
Unkovertebralarthrose auf zwei Etagen, einer Fehlstatik von HWS und oberer BWS und
einer Minderbelastbarkeit des Schultergürtels aus rheumatologischer Sicht
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gutachterlich attestierte Arbeitsunfähigkeit als Überbewertung. Es handle sich
richtigerweise um ein myofasziales Schmerzsyndrom mit erniedrigter Schmerzschwelle
bzw. um fibromyalgiforme Beschwerden mit myofaszialen Befunden im Nacken- und
Schultergürtelbereich. Ein organisches Korrelat, das die Beschwerden erklären könnte,
sei kaum nachweisbar. Die geringen strukturellen Befunde könnten eine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit nicht begründen. Den Einwänden des RAD
hat der rheumatologische Gutachter diesbezüglich entgegnet, dass ein
Zervikalsyndrom mit sekundärem myofaszialen Syndrom sehr wohl ein klinisch
definierbares Substrat mit typischen diagnostischen Kriterien darstelle. Er hat in seinem
Teilgutachten wie erwähnt einerseits einem chronischen Zervikalsyndrom (mit den
Unterkategorien) und anderseits einem möglichen Impingement rechts bei engem
Subakromialraum wegen Akromionhypertrophie II die Arbeitsfähigkeit einschränkende
Auswirkungen zugeschrieben. Er begründete, dass die Koinzidenz der in der
Vergangenheit wiederholt objektivierten Residualsymptomatik mit einer distalen
Kompressionssymptomatik im Sinn eines (möglichen) Karpaltunnelsyndroms (bei den
Nebendiagnosen erwähnt; diagnostiziert gemäss Bericht vom 29. November 2010
durch das Muskelzentrum/ALS-Clinic am Kantonsspital St. Gallen, anders als durch
den neurologischen Gutachter, der diesbezüglich höchstens einen Verdacht für
gerechtfertigt hält) eine Erschwernis für jede einigermassen kraftaufwendige manuelle
Tätigkeit darstelle. Diese neuropathische Schmerzsymptomatik linksbetont werde
durch die zervikothorakale Fehlform (Kyphose) mit assoziiertem lokalisiertem
Fibromyalgiesyndrom kompliziert und vermindere die Belastungstoleranz im
Schultergürtel-Nackenbereich links und den linksseitigen Faustschluss. In der
Stellungnahme zu den Einwänden des RAD legte der Rheumatologe ferner dar, auch
das Zusammentreffen von Impingement und Zervikobrachialgien schränke die
Prognose deutlich ein. Diese Begründung kann nachvollzogen werden; namentlich
kann auch die Wirkung des (möglichen) Impingements nicht losgelöst von den anderen
Beeinträchtigungen gewürdigt werden. Im Zusammenhang mit der Fibromyalgie
erwähnte der rheumatologische Gutachter, dass mehrere Hinweise für eine fassbare
Willensanstrengung der Beschwerdeführerin vorlägen (Wiederaufnahme
der Berufstätigkeit trotz anhaltend symptomatischer Diskushernie 2009 und 2010, dis
ziplinierte Einhaltung der Physiotherapie mit subjektiver Besserung). Die Frage einer
somatoformen Schmerzstörung habe der Psychiater zu beantworten. Erläuternd hielt er
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fest, es entspreche bewährten Prinzipien bei Zervikalsyndromen, zuerst das sekundäre
weichteilrheumatische Syndrom zu behandeln (und erst danach die Haltung zu
korrigieren und Entlastungsmassnahmen zu treffen). Hinsichtlich der Befunde sind die
Darlegungen des rheumatologischen Gutachters überzeugender als die auf einer
blossen Würdigung der Akten ohne Exploration der Beschwerdeführerin vorgebrachten
Einwände des RAD.
2.6 Der RAD macht des Weiteren geltend, im psychiatrischen Teilgutachten sei der
Sachverhalt (bezüglich des sozialen Rückzugs und des Ergebnisses der somatischen
Behandlung) nicht ganz den Tatsachen entsprechend dargestellt worden, weshalb die
Foerster'schen Kriterien nicht adäquat angewendet worden seien. Der psychiatrische
Gutachter hat eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Faktoren diagnostiziert. Er hat festgehalten, relevante soziokulturelle
Belastungsfaktoren seien nicht auszumachen. Die Beschwerdeführerin habe ihren
ernsthaften Willen und ihr umfangreiches Bemühen um eine möglichst weitgehende
Erhaltung der Arbeitsfähigkeit unter Beweis gestellt. Die Symptomatik der
übermässigen Ermüdbarkeit, der Reduktion des Vitalgefühls und des Verlusts von
Fröhlichkeit und Energie sei zu wenig ausgeprägt, als dass sie neben der
Schmerzkrankheit eine eigenständige Diagnose (z.B. einer Depression) rechtfertigen
würde. In den Akten würden körperliche Begleiterkrankungen über mehrere Jahre
hinweg festgehalten. Dass der Gutachter annimmt, das Behandlungsergebnis sei
unbefriedigend und es sei auch durch Anpassung der Rahmenbedingungen der
Berufstätigkeit nicht gelungen, eine Entlastung herbeizuführen, lässt sich nicht
beanstanden, auch wenn die radikuläre Symptomatik für sich genommen auf ein
(belangloses) Residuum reduziert werden konnte. Was den sozialen Rückzug betrifft,
hat der psychiatrische Gutachter ausdrücklich erwähnt, die innerfamiliären
Beziehungen, die immer am längsten erhalten blieben, würden noch als einzige
gepflegt. Mit den Dimensionen des Mini-ICF-Rating-Bogens werde verdeutlicht, dass
eine umfangreiche Veränderung der ganzen Lebenssituation der Beschwerdeführerin
durch den Krankheitsprozess, die Schmerzen und deren Verarbeitung stattgefunden
habe, die - selbst unter optimalen Bedingungen - keine vollumfängliche Berufstätigkeit
mehr zulasse. Der Hinweis auf die weiterhin ausgeübte Erwerbstätigkeit und die
Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel vermag gegen diese begründete Beurteilung
nicht anzukommen.
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2.7 Die Arbeitsfähigkeitsschätzung der MEDAS ist begründet und polydisziplinär für
eine angepasste Arbeit auf 50 % festgesetzt worden, was ihr in der Beweiswürdigung
besonderes Gewicht gibt. Sowohl somatische wie psychiatrische Leiden sind je für
diese Einschränkung verantwortlich. Hierauf kann abgestellt werden. Soweit andere
ärztliche Einschätzungen davon abweichen, vermögen sie den Beweiswert nicht in
Frage zu stellen. Weitere Abklärungen sind nicht erforderlich.
3.
3.1 Was die erwerblichen Auswirkungen der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
betrifft, wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades nach Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist
rechtsprechungsgemäss entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des
frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde (vgl.
Bundesgerichtsentscheid i/S. K. vom 23. März 2009, 8C_515/2008). Gemäss IK-
Auszug hatte die Beschwerdeführerin in den beiden Jahren vor Auftreten der
gesundheitlichen Beeinträchtigung mit längerer Arbeitsunfähigkeit, also 2005 und 2006,
im Durchschnitt Fr. 45'137.-- (2005: Fr. 45'465.--; 2006: Fr. 44'809.--) verdient. Da
angenommen werden kann, die Beschwerdeführerin hätte diese Tätigkeit im
Gesundheitsfall weitergeführt, kann dieser Durchschnitt als Valideneinkommen 2006
betrachtet werden.
3.2 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung
primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte
Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei
der - kumulativ - besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen
ist, dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft,
und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und
nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als
Invalidenlohn. Ist aber kein solches effektives Erwerbseinkommen gegeben, namentlich
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weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder
jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so
können nach der Rechtsprechung statistische Werte beigezogen werden (vgl. BGE 129
V 472 E. 4.2.1, Bundesgerichtsentscheid i/S B. vom 6. Januar 2010, 8C_579/2009).
Nach Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigungen wurden verschiedene
Umplatzierungsmöglichkeiten bei der Arbeitgeberin geprüft und die Arbeit an den
kleineren Mustermaschinen für am besten geeignet betrachtet. Das Arbeitsverhältnis
wurde im Mai 2009 aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt. Gleichzeitig wurde erklärt,
die Beschwerdeführerin könnte eventuell (wieder) Teilzeitarbeit an den (kleineren)
Mustermaschinen leisten. Die Beschwerdeführerin hat in der Folge nach Angaben
gegenüber der MEDAS in Beschäftigungsprogrammen des Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) gearbeitet (IV-act. 61-10) und war später über eine
Stiftung (IV-act. 78 f.) und ab Januar 2012 über eine weitere Unternehmung (vgl. IV-
act. 78-2) wieder bei der früheren Arbeitgeberin beschäftigt. Nach medizinischen
Angaben schöpft die Beschwerdeführerin mit 50 % Tätigkeit ihre Arbeitsfähigkeit dort
aus. Welchen Lohn sie erzielt, ist nicht bekannt. Zu erwarten wäre, dass er bei
höchstens und nahezu (da der Wechsel an die kleineren Maschinen wohl keine
relevante Lohnreduktion zur Folge haben dürfte) 50 % des Validenlohns läge, was zu
einem Invaliditätsgrad führte, der zu einer halben Rente berechtigte (über 50 %, aber
unter 60 %). Von einem besonders stabilen Arbeitsverhältnis kann allerdings bei den
gegebenen Umständen nicht mehr gesprochen werden. Es ist aber vorliegend damit zu
rechnen, dass die Beschwerdeführerin ihre erwerblichen Fähigkeiten auch anderweitig
im gleichen Rahmen verwerten könnte. Die diversen Voraussetzungen einer
leidensadaptierten Tätigkeit (vgl. IV-act. 61-19 f.) lassen das zu. Ein Vergleich mit den
statistischen Werten (vgl. BGE 129 V 472 E. 4.2.1, Bundesgerichtsentscheid i/S B. vom
6. Januar 2010, 8C_579/2009) zeigt, dass mit einem rentenrelevant höheren oder
tieferen Invaliditätsgrad auch bei einem danach festgesetzten Invalideneinkommen
(d.h. aus Beschäftigungen an anderen zumutbaren Stellen auf einem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt) nicht zu rechnen wäre. Der Tabellenlohn 2006 (angesichts der
gleichförmigen Entwicklung kann auf eine Anpassung auf spätere Jahre verzichtet
werden) für einfache und repetitive Tätigkeiten (Anforderungsniveau 4) von Frauen im
privaten Sektor betrug Fr. 50'278.-- (vgl. Anhang 2 der Textausgabe
Invalidenversicherung, Gesetze und Verordnungen, 2012, herausgegeben von der
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Informationsstelle AHV/IV, S. 234, basierend auf der Schweizerischen Lohnstruktur
erhebung LSE des Bundesamtes für Statistik). Da die Beschwerdeführerin somit unter
durchschnittlich verdiente, aber keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie sich aus
freien Stücken mit einem bescheidenen Einkommensniveau hätte begnügen wollen,
kann für das Valideneinkommen und für den Ausgangspunkt zur Bestimmung des
Invalideneinkommens vom selben Wert ausgegangen werden. Für die Frage der Durch
schnittlichkeit auf die bisherige Branche abzustellen, rechtfertigt sich nicht. Wird
nämlich in Bezug auf das Invalideneinkommen bei vollzeitlicher Tätigkeit das Erreichen
des allgemeinen Tabellenwerts (durch Stellenwechsel in eine andere Branche) als
möglich erachtet, hat das auch für das Valideneinkommen zu gelten. Andernfalls
(nähme man für das Valideneinkommen Mass am unkorrigierten Lohn aus der
bisherigen Tätigkeit) wäre der Beschwerdeführerin zuzubilligen, dass sie auch als
Invalide in ihrer angestammten Branche tätig bliebe, wo sie ihre erworbenen
Fähigkeiten optimal einsetzen kann und wie sie es nach der Aktenlage auch tat.
3.3 Der Invaliditätsgrad entspricht unter solchen Verhältnissen jedenfalls dem Grad
der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung des allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn
(Entscheide des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S M. vom 8. Juni 2005,
I 552/04 E. 3.4, und i/S Z. vom 19. November 2003, I 479/03 E. 3.1). Auch wenn die
psychiatrischen Aspekte der Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit bereits bei der
Festlegung des Arbeitsunfähigkeitsgrades berücksichtigt sind, kann doch in
erwerblicher Hinsicht nicht ausser Acht gelassen werden, dass die Beschwerdeführerin
in der Anpassung an Regeln und Routine mittelgradig, in der Flexibilität und in der
Beurteilungs- und Entscheidungsfähigkeit deutlich und in der Durchhalte-, der Kontakt-
und der Gruppenfähigkeit sowie der Verkehrsteilnahmefähigkeit signifikant
beeinträchtigt ist, so dass sie mit einer entsprechend tieferen Entlöhnung rechnen
muss. Ein Abzug von 10 % erscheint gerechtfertigt. Der Invaliditätsgrad stellt sich
demnach auf 55 % (100 % - 0.9 x 50 %). Unter Berücksichtigung der
Parallelisierungsaussparung von 5 % gemäss BGE 135 V 297 ergäbe sich ein
Invaliditätsgrad von gerundet 52 % (mit Abzug von 10 %; Fr. 45'137.--
Valideneinkommen; Fr. 21'443.-- Invalideneinkommen, statt 10 nur 5 %
Minderverdienst ausgeglichen, von Fr. 50'278.-- aus gerechnet).
4.
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4.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG (in der seit 1. Januar 2008
geltenden Fassung) Versicherte, die unter anderem während eines Jahres ohne
wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6
ATSG) gewesen sind (lit. b). Die einjährige Wartezeit gilt als eröffnet, sobald eine
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20 % vorliegt (AHI 1998 S. 124 E. 3c). Auch unter
Art. 28 Abs. 1 IVG nach neuem Recht ist die Rechtsprechung des Bundesgerichts zu
Art. 29 Abs. 1 IVG weiterzuführen und gilt somit die Regel, dass im Rahmen dieser Be
stimmung der Grundsatz nicht anwendbar ist, dass bei langdauernder
Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf - oder sobald klar wird, dass die
Wiederaufnahme der bisher ausgeübten Tätigkeit nicht mehr in Frage kommt - nach
Ablauf einer gewissen Übergangsfrist auch zumutbare Tätigkeiten in einem andern
Beruf zu berücksichtigen sind. Bei der Anwendung dieser Bestimmung ist
ausschliesslich die Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit zu betrachten
(Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S S. vom 23. Oktober 2003,
I 392/02, vgl. BGE 130 V 99 E. 3.2, bereits unter Hinweis auf den künftigen Art. 6 ATSG;
Bundesgerichtsentscheid i/S P. vom 27. Dezember 2007, 9C_684/07). Es genügt nach
der Rechtsprechung, dass die versicherte Person im Zeitpunkt der rechtsgenüglich
erwiesenen Verschlechterung des Gesundheitszustandes bzw. des festzusetzenden
Rentenbeginns das Wartejahr bestanden hat (Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts i/S S. vom 20. Juni 2003, I 285/02; vgl. auch 9C_684/07; eine
Änderung war mit der Anpassung des IVG an das ATSG wohl nicht beabsichtigt). Ein
wesentlicher Unterbruch der Arbeitsfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person an
mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen voll arbeitsfähig war (Art. 29 IVV;
Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S K. vom 26. März 2004,
I 19/04). Auch vor der Anmeldung liegende Zeiten von Arbeitsunfähigkeit sind zu
berücksichtigen (ZAK 1966 S. 58; Ulrich Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts
zum IVG, 1. A. 1997, S. 238; BGE 117 V 26 E. 3b; BGE 121 V 264; Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S C. vom 2. März 2000, I 307/99).
4.2 Bei der Beschwerdeführerin sind bereits im Frühjahr 2007 und im Juni 2007
gesundheitliche Beeinträchtigungen aufgetreten. Im November 2007 nahm die Be
schwerdegegnerin die Arbeit zur Hälfte und dann voll wieder auf, worauf sie aber am
5. Dezember 2007 wieder voll arbeitsunfähig geschrieben werden musste. Ab 1. Januar
2008 wurde ihr wiederum eine Arbeitsfähigkeit von 50 % attestiert (Fremdakten,
ter
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Bericht von Dr. D._ bzw. Dr. E._ vom 8. Februar 2008). Dr. D._ war am
10. Januar 2008 davon ausgegangen, dass die Arbeitsfähigkeit von 50 % bei
günstigem Verlauf nach vier bis sechs Wochen auf 70 % werde gesteigert werden
können. Ab dem 26. Januar 2008 war die Beschwerdeführerin in der Folge nicht mehr
arbeitsunfähig geschrieben, bis am 21. August 2008 ein Rückfall mit voller
Arbeitsunfähigkeit eintrat (Fremdakten, Bericht von B._ vom 25. September 2008).
Dr. C._ hielt am 30. September 2008 dafür, die Beschwerdeführerin werde für ihre
bisherige Tätigkeit wohl nicht mehr arbeitsfähig sein; die Arbeitshaltung sei höchst
ungünstig. Ab Mitte November 2008 wurde ihr allerdings wieder eine Arbeitsfähigkeit
von 50 % attestiert und nach einer weiteren Rückläufigkeit der Beschwerden
(Fremdakten, Bericht von B._ vom 27. Januar 2009) war die Beschwerdeführerin ab
Februar 2009 zu 80 % arbeitsfähig (Fremdakten, Bericht von B._ vom 9. März 2009).
Diese Arbeitsfähigkeitsangabe bezog sich allerdings wohl bereits auf die leichtere
Tätigkeit, welche die Beschwerdeführerin gemäss Arbeitgeberbescheinigung im
Februar 2009 aufnehmen konnte. Die bisherige Tätigkeit war ihr nach der Aktenlage
(unter anderem der Beurteilung von Dr. C._ bereits ab August/September 2008) nicht
mehr zumutbar. Es kann angenommen werden, dass jedenfalls im August 2009 ein
Wartejahr mit einem Durchschnitt an Arbeitsunfähigkeit von mehr als 50 % abgelaufen
ist.
4.3 Nach dem ab 1. Januar 2008 geltenden Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der
Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung
des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG. Die Beschwerdeführerin meldete
sich am 4./6. Mai 2009 an, so dass der Anspruch auf eine halbe Rente ab 1. November
2009 entstand. Dass von beruflichen Massnahmen abgesehen wurde, lässt sich
vorliegend nicht beanstanden.
5.
5.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 19. Juni 2012 zu schützen und der Beschwerdeführerin
ab 1. November 2009 eine halbe Rente zuzusprechen.
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5.2 Angesichts des Unterliegens der Beschwerdegegnerin rechtfertigt es sich, ihr die
Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
gelegt werden (Art. 69 Abs. 1 IVG), gesamthaft aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP/
SG). Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint angemessen. Der Beschwerde
führerin ist der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zurückzuerstatten.
5.3 Die Beschwerdeführerin hat bei vollem Obsiegen Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung
der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen werden (Art. 61
lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Ihr Rechtsvertreter hat am
22. Oktober 2012 eine Kostennote mit einem Betrag von insgesamt Fr. 4'590.--
eingereicht (Honorar Fr. 3'500.--, Barauslagen samt Einschreibgebühr Fr. 750.--, MWSt
Fr. 340.--). Zum Ausgangspunkt wurde gemäss den Grundlagen das Pauschalhonorar
genommen. Die Schwierigkeit der Sache sowie Art und Umfang der Bemühungen
begründen die Pauschale für einen mittleren Fall. Nach der Gerichtspraxis ist das in
vergleichbaren Fällen übliche Pauschalhonorar von Fr. 3'500.-- allerdings unter
Einschluss von Barauslagen und Mehrwertsteuer zu verstehen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP