Decision ID: 67154b48-25ad-5cf9-a20c-57b89004290c
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 9. Juli 2013 wegen starker Depression, Angstzuständen,
Blockaden und chronischer Schmerzen am linken Knie zum Bezug von IV-Leistungen
an (IV-act. 1). Die behandelnde dipl. med. B._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, berichtete am 13. August 2013, der Versicherte leide seit der Kindheit
an einer depressiven Symptomatik, Verfolgungswahn, ausgeprägter Verunsicherung,
Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen sowie anhaltenden vegetativen
Stressphänomenen mit psychosomatischem Beschwerdekomplex (ICD-10: F33.0-1).
Zudem äusserte sie einen Verdacht auf Traumafolgestörung (ICD-10: F43.8). Seit
Beginn der psychiatrischen Behandlung bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-
act. 13; vgl. auch das Protokoll vom 12./28. August 2013 zum FI-Gespräch zwischen
dipl. med. B._ und dem RAD-Arzt Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, vom 12. August 2013, IV-act. 15, sowie den Bericht vom 15.
April 2014, IV-act. 28). Der behandelnde Psychologe, Dr. phil. D._, stellte die
Diagnose einer Panikstörung (ICD-10: F41.0) vor dem Hintergrund einer narzisstischen
Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.8) als Folge komplexer Traumatisierungen beim
Aufwachsen in einer extremen „christlichen“ Sekte. Nach einer erfolgreichen Therapie
sei die Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit möglich (Bericht vom 15. Mai 2014, IV-act.
31).
A.b Gestützt auf ein Gespräch mit dem Versicherten bzw. eine Konsultation vom 11.
Dezember 2014 erhob RAD-Arzt Dr. C._ die folgenden Diagnosen: eine knapp
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mittelgradig ausgeprägte depressive Konstellation, vereinbar mit der vorbeschriebenen
rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10: F33.1); eine dysfunktionale
Persönlichkeitsprägung, sehr wahrscheinlich im Ausmass einer Persönlichkeitsstörung
mit selbstunsicheren, vermeidenden, fraglich auch emotional indifferent ambivalenten
und gleichzeitig sensitiven Anteilen (ICD-10: F61). Durch geeignete
Eingliederungsmassnahmen bestehe Aussicht auf eine mindestens rententangierende
Realisierbarkeit der Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt. Ob eine
rentenausschliessende Arbeitsfähigkeit erreicht werden könne, sei noch offen (Bericht
vom 29. Januar 2015, IV-act. 46).
A.c Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 13. und 15. April 2016 sowie am
3. Mai 2016 polydisziplinär (internistisch, neurologisch, orthopädisch, psychiatrisch und
neuropsychologisch) in der medizinischen Abklärungsstelle PMEDA Polydisziplinäre
Medizinische Abklärungen, Zürich, begutachtet. Die Experten der PMEDA
diagnostizierten keinen Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellten sie eine paranoid
gefärbte schizophrene Psychose mit vorwiegend residueller Negativsymptomatik und
geringer Wahndynamik (ICD-10: F20.5). Differenzialdiagnostisch erwähnten sie eine
Cannabis- bzw. Alkoholinduzierte Psychose (ICD-10: F12.5/F10.5) bei Cannabis- und
Alkohol-Missbrauch (ICD-10: F12.1/10.2). Auch rückwirkend sei von einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit auszugehen (Gesamtgutachten vom 12. August 2016, IV-act. 116).
A.d Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren verfügte die IV-Stelle am 19. Oktober
2016 die Abweisung des Rentengesuchs (IV-act. 132). Die vom Versicherten dagegen
erhobene Beschwerde vom 31. Oktober 2016 (IV-act. 135-2 ff.) hiess das
Versicherungsgericht mit Entscheid vom 7. Juni 2017, IV 2016/365, teilweise gut. Es
hob die angefochtene Verfügung auf und wies die Sache zu weiteren Abklärungen
(neuerliche psychiatrische Begutachtung) an die IV-Stelle zurück (siehe hierzu sowie
zum bis dahin eingetretenen Sachverhalt IV-act. 147).
A.e Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete der IV-
Stelle am 11. Januar 2018 ein psychiatrisches Gutachten über den Versicherten. Die
persönliche Untersuchung fand am 24. November 2017 statt. Dr. E._ diagnostizierte
eine Dysthymia (ICD-10: F34.1) und eine Panikstörung (ICD-10: F40.0). Diesen Leiden
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mass er keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu. Aus seiner Sicht deute nichts
darauf hin, dass die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht im zeitlichen Verlauf in
irgendeiner Weise eingeschränkt gewesen sein könnte. Der Versicherte konsumiere
regelmässig Tabak, Alkohol und Cannabis, ohne dass dadurch die Kriterien nach
ICD-10 für einen schädlichen Gebrauch oder ein Abhängigkeitssyndrom erfüllt wären
(IV-act. 161, insbesondere S. 31 und S. 45 f.). Der RAD-Arzt Dr. C._ gelangte in der
Stellungnahme vom 17. Januar 2018 zur Auffassung, die Beurteilung von Dr. E._
entspreche den versicherungsmedizinischen Kriterien. Insbesondere würden die
untereinander widersprüchlichen bisherigen psychiatrischen Beurteilungen differenziert
diskutiert und schlüssig eingeordnet (IV-act. 162).
A.f Gestützt auf das Gutachten von Dr. E._ verneinte die IV-Stelle eine
Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit des Versicherten und stellte ihm mit
Vorbescheid vom 30. Januar 2018 die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht (IV-
act. 165). Dagegen erhob der Versicherte am 9. April 2018 Einwand (IV-act. 174) und
reichte am 7. Mai 2018 (IV-act. 176) eine von F._, Psychotherapeutin FSP, und Dr.
med. G._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, am 19. April 2018 verfasste
Stellungnahme zur Beurteilung von Dr. E._ ein. Darin äusserten sie Kritik an der
gutachterlichen Beurteilung und schätzten den Versicherten zu 50% arbeitsfähig ein
(IV-act. 176). Nachdem sich der RAD-Arzt Dr. C._ zur Argumentation der
behandelnden medizinischen Fachpersonen geäussert hatte (Stellungnahme vom 15.
Mai 2018, IV-act. 177), verfügte die IV-Stelle am 15. Mai 2018 die Abweisung des
Rentengesuchs (IV-act. 178).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 15. Mai 2018 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 12. Juni 2018. Der Beschwerdeführer beantragt darin deren Aufhebung und die
Zusprechung einer ganzen Invalidenrente ab wann rechtens, spätestens ab Januar
2014. Eventualiter sei die Angelegenheit zwecks Vornahme weiterer Abklärungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Im Wesentlichen stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, dass das
Gutachten von Dr. E._ mangelhaft und nicht beweiskräftig sei. Des Weiteren bringt er
vor, dass er wegen der gesundheitlichen Störung keine berufliche Ausbildung habe
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absolvieren können, was bei der Bestimmung des Valideneinkommens zu
berücksichtigen sei (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 25. Juli 2018
die Abweisung der Beschwerde. Sie macht im Wesentlichen geltend, dass die
Beurteilung von Dr. E._ beweiskräftig sei. Dass der Beschwerdeführer keine
berufliche Ausbildung absolviert habe, liege nicht in einer gesundheitlichen Störung,
sondern in dem von ihm gewählten Lebensstil begründet. Deshalb bestehe kein Anlass,
bei der Bestimmung des Valideneinkommens die Spezialregelung für Versicherte ohne
Ausbildung anzuwenden (act. G 5).
B.c Mit Zwischenverfügung vom 15. August 2018 wurde dem Gesuch des
Beschwerdeführers um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von
den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung)
entsprochen (act. G 6).
B.d In der Replik vom 9. Oktober 2018 hält der Beschwerdeführer unverändert an der
Beschwerde fest (act. G 13). Am 26. Oktober 2018 reicht er eine weitere Stellungnahme
der behandelnden Psychotherapeutinnen vom 22. Oktober 2018 ein (act. G 15 und act.
G 15.1).
B.e Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 17).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
des Beschwerdeführers. Hinsichtlich der massgebenden rechtlichen Grundlagen wird
auf die Erwägungen 1.1 f. des Entscheids vom 7. Juni 2017, IV 2016/365 (IV-act. 147-5
f.), verwiesen.
2.
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Zunächst ist zu beurteilen, ob der medizinische Sachverhalt nunmehr in psychiatrischer
Hinsicht spruchreif abgeklärt worden ist. Die Beschwerdegegnerin stützt sich in der
angefochtenen Verfügung auf das psychiatrische Gutachten von Dr. E._ vom 11.
Januar 2018 (IV-act. 178; zum Gutachten siehe IV-act. 161). Der Beschwerdeführer hält
dieses aus verschiedenen Gründen nicht für beweiskräftig (act. G 1 und act. G 13).
2.1 Der Beschwerdeführer rügt, dass sich die Beurteilung von Dr. E._ nicht mit den
Berichten der behandelnden medizinischen Fachpersonen und dem
Untersuchungsbericht des RAD-Arztes Dr. C._ vom 29. Januar 2015 vereinbaren
lasse (act. G 1, IV. Rz 2, und act. G 13, Rz 2 f.).
2.1.1 Was den Bericht der behandelnden Psychotherapeutinnen vom 19. April 2018
(IV-act. 176-2) anbelangt, so erweisen sich wesentliche Teile der darin enthaltenen
Kritik als aktenwidrig. So berücksichtigte Dr. E._ den "ersten und einzigen"
Suizidversuch des damals ca. zwölfjährigen Beschwerdeführers (siehe IV-act. 161-17
unten). Zudem untersuchte er sorgfältig die Umstände der vom Beschwerdeführer
angegebenen Lebenskrise im 17. Altersjahr (IV-act. 161-18; siehe hierzu auch
nachstehende E. 2.2 am Schluss), die offenbar nicht zu einer (erneuten) Suizidalität
führte. Dr. E._ explorierte ausserdem dessen Schlafverhalten, zu welchem der
Beschwerdeführer angab, dass er mit dem Cannabis- und Bierkonsum ruhiger schlafe
und keine Albträume habe (IV-act. 161-24; siehe auch IV-act. 161-35 Mitte sowie die
Kriterienprüfung bezüglich depressiver Störungen IV-act. 161-37 f.; vgl. auch die RAD-
Stellungnahme vom 15. Mai 2018, IV-act. 177-3 oben). Diese Ausführungen zum
Schlafverhalten lassen sich im Übrigen mit den Angaben des Beschwerdeführers
anlässlich der Begutachtung durch den psychiatrischen PMEDA-Gutachter vom 13.
April 2016 vereinbaren. Damals gab er an, er schlafe "wie ein Stein". Früher habe er an
Albträumen gelitten, aktuell nicht mehr (IV-act. 116-24). Anzeichen von Müdigkeit
zeigten sich auch damals nicht (IV-act. 116-31 unten; zur Verneinung einer erhöhten
Müdigkeit durch Dr. E._ siehe IV-act. 161-37 f.). Es kann auch keine Rede davon
sein, dass Dr. E._ nicht auf "Primordialsymptome" eingegangen sei. Vielmehr hat
sich Dr. E._ ausführlich der Krankheitsentwicklung seit der Kindheit gewidmet (IV-act.
161-17 f.). Die biografische Anamnese durchleuchtete er über alle bisherigen
Lebensphasen seit der Geburt des Beschwerdeführers (IV-act. 161-19 ff.). Abgesehen
von den genannten aktenwidrigen Vorbringen legen weder die behandelnden
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Psychotherapeutinnen noch der Beschwerdeführer dar, welche objektiv wesentlichen
Gesichtspunkte bzw. "Primordialsymptome" Dr. E._ zu Unrecht ausser Acht gelassen
hätte. Die Beurteilung der behandelnden Psychotherapeutinnen vom 19. April 2018
stellt damit lediglich eine von der gutachterlichen Beurteilung abweichende
Einschätzung desselben Sachverhalts dar. Sie ist nicht geeignet, Zweifel am Gutachten
von Dr. E._ zu begründen.
2.1.2 Anlass für den ärztlichen Bericht des RAD-Arztes Dr. C._ vom 29. Januar 2015
(IV-act. 46), welcher Eingang in die gutachterliche Beurteilung fand (IV-act. 161-4 und
IV-act. 161-36), bildete der Wunsch der Eingliederungsberaterin, dem
Beschwerdeführer die Möglichkeiten und Grenzen der Invalidenversicherung
hinsichtlich einer beruflichen Eingliederung aus ärztlicher Sicht zu erläutern. Eine
"gutachterliche" Untersuchung bzw. eine eigentliche Beurteilung anlässlich der
Konsultation waren nicht vorgesehen. Der Schwerpunkt lag auf einer
Bestandesaufnahme der aktuellen Situation und den sich daraus ergebenden
Überlegungen für die nächsten Schritte (IV-act. 46-1). In der Stellungnahme vom 23.
März 2015 ergänzte der RAD-Arzt Dr. C._, dass ein in Zukunft andauernder
Gesundheitsschaden (noch) nicht ausgewiesen sei (IV-act. 49-2). Dieser Hintergrund
und insbesondere der Umstand, dass damit die RAD-Konsultation keine für die
Beurteilung des Rentenanspruchs massgebende Arbeitsfähigkeitsschätzung
bezweckte, ist bei der Beweiswürdigung zu berücksichtigen. Von Bedeutung ist
zudem, dass sich die vom RAD-Arzt Dr. C._ getätigten Ausführungen unter dem Titel
Befunde und Funktionsfähigkeit (aus denen im Übrigen ebenfalls keine Hinweise für
eine pathologisch relevante Schlafstörung entnommen werden können, IV-act. 46-2 f.)
im Wesentlichen mit den Feststellungen von Dr. E._ vereinbaren lassen (IV-act.
161-26 ff.). Objektiv relevante Gesichtspunkte, die von Dr. E._ unberücksichtigt
geblieben wären, gehen daraus nicht hervor. Ferner ging der RAD-Arzt Dr. C._ am 3.
Dezember 2015 ebenfalls davon aus, dass der Beschwerdeführer über eine volle
Arbeitsfähigkeit verfüge (IV-act. 74). Ausserdem hat Dr. E._ nachvollziehbar
dargelegt, weshalb er die damalige Diagnoseerhebung des RAD-Arztes Dr. C._ sowie
der übrigen behandelnden medizinischen Fachpersonen nicht teile (IV-act. 161-36 ff.).
Schliesslich folgte der RAD-Arzt Dr. C._ uneingeschränkt der Beurteilung von Dr.
E._ (Stellungnahme vom 17. Januar 2018, IV-act. 162), insbesondere auch noch nach
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der Würdigung der Vorbringen der behandelnden Psychotherapeutinnen (RAD-
Stellungnahme vom 15. Mai 2018, IV-act. 177).
2.2 Des Weiteren kritisiert der Beschwerdeführer, Dr. E._ habe aus der Tatsache,
dass während der Schulzeit und auch später nie eine schulpsychologische
Untersuchung durchgeführt worden sei, den Schluss gezogen, dass die Probleme,
welche bestanden hatten, nicht so schwerwiegend gewesen seien (act. G 1, IV. Rz 2,
und act. G 13, Rz 3). Dr. E._ legte dar, der Beschwerdeführer sei in einem
zugegebenermassen konservativ religiösen Elternhaus aufgewachsen, habe aber
erfolgreich die obligatorische Schulpflicht absolviert, ohne dass einer der Lehrer sich
genötigt gesehen hätte, ihn psychologisch abklären zu lassen oder ihn einer
Behandlung zuzuführen. Nur weil die Familie des Beschwerdeführers einer Freikirche
mit stark konservativer Wertehaltung angehört habe, könne ohne weiteren Hinweis
respektive Auffälligkeiten in der Kindheitsbiografie nicht einfach davon ausgegangen
werden, dass der später vom Beschwerdeführer eingeschlagene Lebensweg das
Resultat einer damals möglicherweise erlittenen Traumatisierung oder Störung sei.
Hierfür fänden sich weder in den Akten noch bei der Exploration irgendwelche Belege.
Der Beschwerdeführer habe sich vor langer Zeit für einen alternativen Lebensstil
entschieden und diesen über Jahre erfolgreich ohne die Hilfe des Sozialamtes oder der
Psychiatrie zu benötigen gepflegt. Als sich anlässlich des Unfalls mit dem verzögerten
Heilungsverlauf des linken Knies die Konsequenzen (mangelnde finanzielle
Absicherung) eines alternativen Lebensstils bemerkbar gemacht hätten, habe sich der
Beschwerdeführer entschieden, psychologisch-psychiatrische Hilfe in Anspruch zu
nehmen (IV-act. 161-41). Diese Ausführungen erscheinen durchaus als nachvollziehbar.
Sie werden ausserdem durch die Angaben des Beschwerdeführers bekräftigt, dass der
Abbruch der Lehre nach eineinhalb Jahren und die Wahl eines alternativen Lebensstils
hauptsächlich wegen einer Lebens- und Sinnkrise erfolgt seien (IV-act. 161-21, zweiter
Abschnitt). Diese kann nicht auf die Kindheitserfahrungen zurückgeführt werden.
Vielmehr begründete der Beschwerdeführer die Entwicklung damit, dass eine Kollegin
von ihm an einem Openair-Konzert, welches sie mit einigen Freunden zusammen
besucht hätten, vergewaltigt worden sei (IV-act. 161-18 oben). Im Übrigen lässt diese
Aussage vermuten, dass der Beschwerdeführer in der Jugend Mitglied in einem
Freundeskreis war.
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2.3 Ausserdem hat Dr. E._ aus der Sicht des Beschwerdeführers zu Unrecht ausser
Acht gelassen, dass er (der Beschwerdeführer) jederzeit Kontrolle über sein Leben
haben müsse, damit er selbstständig entscheiden könne. Habe er diese nicht, erleide
er Panikattacken, die bis zu epileptischen Anfällen führen könnten (act. G 1, IV. Rz 2).
2.3.1 Zunächst ergeben sich weder aus den Ausführungen des Beschwerdeführers
noch den Akten konkrete Hinweise auf epileptische Anfälle. Die von ihm in diesem
Zusammenhang in Aussicht gestellten weiteren Unterlagen (act. G 1, IV. Rz 2) hat er
nicht eingereicht.
2.3.2 Der Beschwerdeführer gab als Auslösefaktor für die geltend gemachten
Panikattacken anlässlich der Begutachtung durch Dr. E._ konkret an, dass diese aus
Schuldgefühlen herrührten, wertvolle Zeit verschwendet zu haben. Er habe mit
schweren Schuldgefühlen zu kämpfen, wenn er wieder einmal einen ganzen
Nachmittag oder länger vor seiner Spielkonsole zugebracht habe (IV-act. 161-27; siehe
auch die weiteren Ausführungen von Dr. E._ zu den Panikattacken in IV-act. 161-42
f.). Die derart geschilderten Panikattacken sind damit nicht Folge einer
Fremdbestimmung durch Drittpersonen, sondern resultieren aus einer vom
Beschwerdeführer frei gewählten Betätigung, die er im Nachhinein als nicht sinnstiftend
oder schlicht zu langandauernd empfindet. Eine Einschränkung etwa der Fähigkeit,
sich an Regeln, Termine und Routineabläufe anzupassen, kann darin nicht erblickt
werden und ist deshalb mit Dr. E._ zu verneinen (IV-act. 161-28). Dieser wies zudem
nachvollziehbar auf die Ressourcen des Beschwerdeführers hin, die sich im Rahmen
der Pflege der Mutter (IV-act. 161-22 f.), der Tätigkeiten als Hauswart, als Quästor
eines Vereins und als Tontechniker zeigten (IV-act. 161-21 und IV-act. 161-22). Zudem
ist Dr. E._ im Rahmen einer eingehenden Diskussion einleuchtend zum Schluss
gelangt, dass - entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (act. G 1, IV. Rz 3) - keine
Persönlichkeitsstörung bestehe, welche die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt (IV-act.
161-39 ff.).
2.4 Bei der Würdigung der Beurteilung des psychiatrischen Gutachtens von Dr. E._
fällt weiter ins Gewicht, dass sie einerseits auf einer umfassenden Abklärung -
insbesondere auch bezüglich des Suchtmittelkonsums (IV-act. 161-35, IV-act. 161-45
und IV-act. 161-47) - beruht sowie nachvollziehbar unter Berücksichtigung der
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Leidensangaben (IV-act. 161-16 ff.) und in Auseinandersetzung mit abweichenden
Auffassungen (IV-act. 161-36 ff.) begründet wurde. Des Weiteren prüfte Dr. E._
eingehend die Ressourcen des Beschwerdeführers (etwa IV-act. 161-28 ff.),
insbesondere seine Alltagsaktivitäten (IV-act. 161-22). Aus den verschiedenen
Berichten der behandelnden medizinischen Fachpersonen ergeben sich keine objektiv
wesentlichen Gesichtspunkte, die Dr. E._ ausser Acht gelassen hat. Dies gilt
insbesondere auch bezüglich seiner retrospektiven Einschätzung. Es ist daher sowohl
aus psychiatrischer als auch somatischer Sicht (siehe hierzu die Ausführungen des
Versicherungsgerichts im Entscheid vom 7. Juni 2017, IV 2016/365, E. 2.1, IV-act.
147-6) davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer auch rückwirkend nicht an einer
längerdauernden Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit gelitten hat.
2.5 Vorliegend kann offenbleiben, ob beim Einkommensvergleich (Art. 16 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR
830.1]) das vom Beschwerdeführer geltend gemachte Valideneinkommen (Fr.
80'000.--; act. G 1, IV. Rz 4 am Schluss) zu berücksichtigen ist oder der von der
Beschwerdegegnerin im Ergebnis vorgenommene Prozentvergleich zutreffend ist (IV-
act. 178). Denn selbst wenn zugunsten des Beschwerdeführers auf ein
Valideneinkommen von Fr. 80'000.-- abgestellt würde, resultierte bei einem
Invalideneinkommen von Fr. 66'453.-- (gemäss Medianlohn für Hilfsarbeiter des Jahres
2014; vgl. Anhang 2: Lohnentwicklung, IVG-Gesetzesausgabe der Informationsstelle
AHV/IV, Ausgabe 2019) ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von 17% ([Fr.
80'000.-- - Fr. 66'453.--] / Fr. 80'000.--).
3.
3.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem unterliegenden
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Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen.
Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu befreien.
3.3 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte
und Rechtsagenten (HonO; sGS 963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat keine Kostennote eingereicht. In der
vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit erscheint eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- angemessen. Diese ist um einen Fünftel zu kürzen
(Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Somit hat der Staat den
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers pauschal mit Fr. 2'800.-- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen
3.4 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).