Decision ID: 1f2f6b40-9743-49dc-a872-115a6cac78c8
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1969, meldete sich am 18. Januar 2006 unter Hinweis auf psychische Beeinträchtigungen bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an (Urk. 6/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihr mit Verfügung vom 19. Dezember 2006 bei einem Invaliditätsgrad von 75 % eine ganze Rente ab 1. April 2006 zu (Urk. 6/28).
Am 30. November 2010 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, der Rentenan
spruch sei unverändert (Urk. 6/44).
1.2
Nach Eingang eines am 8. Februar 2016 ausgefüllten Revisionsfragebogens (Urk. 6/54) holte die IV-Stelle unter anderem
ein psychiatrisches
Gutachten
bei Dr. med.
Y._
ein, das am 21. Juni 2016 erstattet
wurde (Urk. 6/63), wobei
die Zusatzfragen der IV-Stelle am
15. November 2016 beantwortet wurden (Urk. 6/70). Nach Eingang des Berichts des behandelnden Psychiaters vom 20. April 2018 (Urk. 6/84) holte die IV-Stelle ein weiteres psychiatrisches Gut
achten
bei Dr. med.
Z._
ein, das
am
23. August 2018
erstattet wurde (Urk.
6/89
). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
6/93
; Urk.
6/94; Urk. 6/95; Urk. 6/99
)
hob die IV-Stelle mit Verfügung vom
18. Januar 2019
die bisher
ausgerichtete Rente
per Ende Februar 2019
auf (Urk. 6/101
= Urk.
2
).
2.
Die Versicherte erhob am
20. Februar 2019
Beschwerde gegen die Verfügung vom
18. Januar 2019
(Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
ihr über den 28. Februar 2019 hinaus weiterhin die bisher gewährte ganze Invalidenrente zuzusprechen
(Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
29. März 2019
(Urk.
5
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
2. April 2019
zur Kenntnis gebracht (Urk.
7
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
über den Allgemei
nen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vor
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheit
lichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invaliditätsbe
messung (Art. 28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht,
welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hy
pothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonde
ren sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhält
nisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten
(Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
ga
benbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
li
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.5
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte
Indika
toren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belas
tungs
fak
toren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) ande
rerseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE
141 V
281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 15. Februar 2018 E. 5.1).
1.6
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
1.7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berüc
ksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, dass sich die gesundheitliche Situation im Vergleich zur
Rentenzusprache
spätestens ab dem Zeitpunkt des ersten Gutachtens erheblich verbessert habe (S. 1 unten). Es finde eine relativ lockere psychotherapeutische Behandlung mit Inter
vallen von
mehreren Monaten statt. Dies lasse auf einen geringen Leidensdruck sch
liessen. Ebenso sei beim Medikamentenspiegel bei beiden Medikamenten, die die Beschwerdeführerin nach eigenen Aussagen einnehme, der gemessene Wert ausserhalb des therapeutischen Referenzbereichs gelegen. Daher könne davon ausgegangen werden, dass die Medikamente nicht regelmässig eingenommen würden. Anlässlich der Begutachtung habe die Beschwerdeführerin
geäussert, dass sie das Haus nicht ohne Begleitung verlassen könne. Im Anschluss habe sie aber die Praxis selbständig und ohne Begleitung verlassen können. Gemäss dem Bericht des Abklärungsdienstes gehe sie zudem mehrmals pro Woche alleine in die
A._
einkaufen (S. 2 oben). Es stehe im Widerspruch zur geschilderten Nie
dergeschlagenheit, dass ihr die Betreuung der
Einkelkinder
Freude mache. Dass sie diese mehrere Stunden alleine betreuen könne, sei nicht nachvollziehbar, da sie selber angebe, immer wieder
zu
vergesse
n
, was sie gemacht habe oder habe machen wollen (S. 2 Mitte).
Es sei der Beschwerdeführerin daher zumutbar, eine Tätigkeit in einem vollen Pensum auszuüben. Auch eine Einschränkung im Haushaltsbereich könne nicht nachvollzogen werden. Da von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werde, würde auch ohne die Anwendung der gemischten Methode eine Renten
aufhebung resultieren. Sollte von einer vollen Erwerbstätigkeit ausgegangen wer
den, so sei auch aufgrund der Änderung der Qualifikation ein Revisionsgrund gegeben (S. 2 unten).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), ihr psychischer Gesundheitszustand
habe
sich seit der
Rentenzusprache
nicht we
sentlich verändert. So habe Dr. med.
Y._
in ihrem Gutachten vom Juni 2016 explizit bestätigt, der Gesundheitszustand habe sich seit 2006 nicht wesentlich verändert, es sei von einer Stabilisierung auszugehen. Dr. med.
Z._
sei in sei
nem Gutachten vom August 2018 von einer ernsthaften depressiven Störung aus
gegangen und habe dafürgehalten, die seit 2001 anhaltenden depressiven Be
schwerden hätten sich mittle
rweile
chronifiziert
. Es mangle
somit an einem aus
gewiesenen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 ATSG (S. 4 f.).
Es sei zudem unzulässig,
allein gestützt auf unterschiedliche Diagnosen auf eine klare Verbesserung des Zustandsbilds ab Juni 2016 zu schliessen, wie dies Dr.
Z._
getan habe (S. 5 unten). Von den Gutachtern sei nicht aufgezeigt worden, welche konkreten Gesichtspunkte in der Krankheitsentwicklung und im Verlauf der Arbeitsunfähigkeit sich seit der
Rentenzusprache
im April 2006 verbessert und überwiegend wahrscheinlich zu einer Steigerung der verwertbaren Leistungs
fähigkeit geführt
hätten. So habe sie gegenüber den jetzigen Gutachtern wie auch gegenüber der damaligen Gutachterin über die gleichen Beschwerden geklagt und einen in etwa gleich gebliebenen Tagesablauf geschildert. Damit seien die nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung an ein Revisionsgutachten gestellten Anforderungen nicht erfüllt, weshalb die Gutachten von Dr.
Y._
und Dr.
Z._
in den revisionsrelevanten Punkten nicht beweisbildend seien (S. 6 Mitte).
Ein strukturiertes Beweisverfahren sei von beiden Gutachtern nicht vorgenom
men worden.
Die von der Beschwerdegegnerin im Feststellungsblatt beziehungs
weise in der angefochtenen Verfügung vorgenommene Ressourcenprüfung sei aktenwidrig und willkürlich erfolgt (S. 6 f.).
So stehe im Gutachten von Dr.
Z._
kein Wort von unregelmässiger Einnahme von Medikamenten, sondern es werde explizit angeführt, die Medikamente würden eingenommen und die zu tie
fen Serumblutspiegel liessen sich mit der verordneten Dosierung, dem Einnah
mezeitpunkt und dem Zeitpunkt der Blutentnahme erklären
(S. 7 Mitte). Weiter gehe sie nicht mehrmals pro Woche allein in d
ie
A._
einkaufen, dies lasse sich auch dem Abklärungsbericht so nicht entnehmen. Vielmehr kaufe sie jeweils samstags zusammen mit ihrer Tochter in
B._
ein. Das Haus verlasse sie nur, wenn es absolut notwendig sei und sie sich dazu imstande fühle
(S. 7 unten)
. Sie habe
nur einen Enkel, welchen
sie tatsächlich ein- bis zweimal im Monat einen Nachmittag lang
betreue
, wobei sie dabei Freude empfinden könne, was kein Widerspruch zu ihrer allgemeinen
Niedergeschlagenheit darstelle
(S. 8 Mit
te).
Schliesslich sei die gemischte Methode zu Unrecht angewandt worden. Der Fakt, dass sie bereits als Mutter dreier kleiner Kinder die Erwerbsarbeit bis zur Invali
disierung wieder in einem Pensum von 50 % aufgenommen habe, spreche dafür, dass sie das Pensum nach Lehrabschluss der Kinder nach oben angepasst hätte. Es sei daher überwiegend wahrscheinlich, dass sie im Revisionszeitpunkt als Ge
sunde ein Vollpensum ausgeübt hätte, weshalb sie als voll Erwerbstätige zu qua
lifizieren sei (S. 10 f.).
Falls auf die im Recht liegenden Gutachten abgestellt werde, so sei zu berück
sichtigen, dass sie bei den von Dr.
Z._
attestierten 6 zumutbaren Arbeitsstun
den pro Tag in der Leistungsfähigkeit zusätzlich zu 20 % eingeschränkt sei. Rich
tigerweise errechne sich demnach unter Zugrundelegung eines 8,4 Stunden-Tages beziehungsweise einer 42-Stunden-Woche eine Einbusse von 43 %. Der Gutach
ter habe nicht nachvollziehbar hergeleitet, weshalb er bei der von ihm skizzierten Ausgangslage von
einer
Arbeitsunfähigkeit
von maximal 30-35 % ausgehe. Ent
sprechend hätte sie noch immer Anspruch auf wenigstens eine
Viertelsrente
(S. 11 f.).
2.3
In der Beschwerdeantwort (Urk. 5) führte die Beschwerdegegnerin aus, bei der
Rentenzusprache
sei noch von einer Einschränkung im Haushalt von 50 % aus
gegangen
worden
. Die private Wohnsituation der Beschwerdeführerin habe sich seither jedoch verändert, nachdem sie nun mit ihrer Familie in ein Einfamilien
haus gezogen sei und der Sohn nicht mehr im selben Haushalt wohne. Diese Än
derungen seien geeignet, den Invaliditätsgrad zu ändern (S. 1 unten). Würde der Beschwerdeführerin gefolgt und diese neu als zu 100 % erwerbstätig qualifiziert, so würde sich die Berechnungsmethode ändern, was ebenfalls einen Revisions
grund darstelle (S. 2 oben). Zweck einer
Indikatorenprüfung
sei es, eine im Rah
men einer psychischen Diagnose attestierte Arbeitsunfähigkeit zu validieren. Eine grössere Arbeitsunfähigkeit als die gutachterlich attestierte könne jedoch auch aus einer
Indikatorenprüfung
nicht resultieren. Selbst wenn auf die von Dr.
Z._
attestierte Arbeitsunfähigkeit abgestellt werde, würde kein rentenbegrün
dender Invaliditätsgrad resultieren (S. 2 unten).
2.4
Streitig ist demnach, ob die Beschwerdegegnerin die bisher ausgerichtete ganze Rente zu Recht per Ende Februar 2019 aufgehoben hat.
Zu
prüfen
ist zunächst, ob ein Revisionsgrund im Sinne einer relevanten Ände
rung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente am 19. De
zember 2006 vorliegt. Im Anschluss ist gegebenenfalls die Art und das Ausmass der
Arbeitsunfähigkeit anhand der einschlägigen Standardin
dikatoren (vgl. vor
stehend E. 1.5-6
)
zu prüfen und gestützt auf die vorzunehmende Qualifikation der Beschwerdeführerin deren Invaliditätsgrad festzulegen.
3.
3.1
Die rentenzusprechende Verfügung vom 19. Dezember 2006 stützte sich auf die nachstehenden ärztlichen Berichte und Stellungnahmen.
3.2
Die Ärzte der Neurologischen Poliklinik des
C._
nannten im Bericht vom 23. Februar 2002 (Urk. 6/14/15-17) folgende Diagnosen (S. 1):
-
transientes
stuporöses
Zustandsbild, Differentialdiagnose (DD) schwere depressive Episode
-
chronische Depression
-
anamnestische Migräne
Die Patientin sei am Vortag um 19 Uhr bei der Arbeit zusammengebrochen und dann reglos liegengeblieben, auf Ansprache sei keinerlei Reaktion erfolgt.
Auf der Notfallstation sei sie später «erwacht» und habe erzählt, dass sie am Ende und oft sehr traurig sei. Es bestehe ein Konflikt mit dem Ehemann und sie mache sich Sorgen um die Kinder (S. 2 oben). Die
stuporöse
Episode werde als Ausdruck der bekannten Depression mit chronischem Ehekonflikt beurteilt (S. 3).
3.3
Die Ärzte der Medizinischen Poliklinik de
s
C._
nannten im Bericht vom 30. Juli 2004
(Urk. 6/14/13-14)
folgende Diagnosen:
-
Hyperventilation bei thorakalen Schmerzen
-
Verdacht auf mittelgradige depressive Episode (F32.1) bei einer Patientin mit Verdacht auf emotional instabile und impulsive Persönlichkeitszüge (Z73.1)
-
Status nach Echinokokkus-Zysten Resektion
3.4
Dr. med. D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
führte
im Überweisungsschreiben vom 2. Oktober 2004 zur ambulanten Psycho- und Sozi
otherapie an der psychiatrischen Poliklinik (Urk. 6/14/
9-10
) aus, er behandle die Beschwerdeführ
erin und ihren Ehemann seit 1998
(S. 1 oben). Er stellte folgende «Arbeitsdiagnose» (S. 2):
-
Überforderungssituation bei starken Ehekonflikten und massiven Erzie
hungsschwierigkeiten
-
Verdacht auf
histr
i
onische
Persönlichkeitsstörung mit Impulsivität, Kon
versionssymptomen und demonstrativen Krankheitswünschen
Die Beschwerdeführerin habe er 1998 wegen Migräne und 2000 wegen Schlaf
störung und depressivem Zustand behandelt. Schon damals habe sie schwere Eheprobleme mit zerfleischenden Streitereien angegeben. Der Ehemann habe ihre schlechte Impulskontrolle mit theatralischen Zerstörungen von Gegenständen an
gegeben. Einmal habe sie Dr.
D._
gebeten, eine schwere Krankheit für sie zu erfinden und dies ihrem Ehemann zu kommunizieren. Oft habe es auch Suizidge
danken gegeben. Eine Überweisung zu einer Psychiaterin habe zu einem soforti
gen Abbruch geführt. Auch diese sei direkt aufgefordert worden, eine schwere Krankheit von ihr gegenüber ihrem Ehemann zu konstruieren
(S. 1 Mitte). Es be
stehe ein hartnäckiger Wunsch ihm gegenüber, wegen Nierenproblemen krank
geschrieben zu werden, und zwar für Monate, bis sie wieder
gesund werde
(S. 2 oben).
3.5
Die Ärzte der Psychiatrischen Poliklinik des
C._
führten
im Bericht vom 18. No
vember 2004 (Urk. 6/14/7-8+11)
aus, angesichts des als auffällig zu bezeichnen
den Beziehungsverhaltens mit aggressiv dargebrachten Forderungen nach sofor
tiger Krankschreibung und starken Manipulationsversuchen im ersten Gespräch stelle sich die Frage nach einer frühen Störung. Phänomenologisch könne man von der Diagnose einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom impul
siven Typ mit
histr
i
onischen
Anteilen (F61.0) ausgehen, vermutlich auf
Border
line-Niveau
(S. 2 Mitte).
3.6
Die Ärzte der
E._
führten im Austrittsb
e
richt vom 24. Juni 2005 (Urk. 6/16/1-2)
aus, die Patientin sei am 22. April 2005 per Fürsorgerische Freiheitsentziehung (FFE) wegen Selbstgefährdung eingewie
sen worden, nachdem sie mit dem Kopf und den Händen gegen die Wand ge
schlagen habe. Der Austritt sei am 13. Juni 2005 erfolgt. Es wurden folgende
Austrittsdiagnosen
genannt
(S. 1
oben
):
-
mittelgradige depressive Episode (F32.1)
-
Verdacht auf emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typus (F60.30)
Mit dem Ehemann habe sie Probleme, seit sie vor neun Jahren nach Zürich umge
zogen seien, wo dieser mit ihrem ersparten Geld selbständig ein Textilreinigungs
geschäft aufgebaut habe (S. 1 unten).
3.7
Am 22. August
2005
(Urk. 6/16/3-4)
berichteten die
F._
der
E._
, die Patientin habe sich vom 26. Juli bis zum 15. Au
gust 2005 zur Behandlung in ihrer Klinik befunden. Die Austrittsdiagnose laute rezidivierende depressive Störung (F33.2). Die Einweisung sei durch das
G._
erfolgt nach einem Suizidversuch mit Tabletten und intensivmedizinischer Überwachung.
Dazu sei es gekommen, nachdem die Span
nungen und Streitereien nach dem Austritt aus der
E._
am 13. Juni 2005 zu
hause wieder stark aufgetreten seien (S. 1).
3.8
Die Ärzte der
H._
,
E._
,
nannten in ihrem Bericht vom 13./14. Februar 2006 (Urk. 6/12) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
lit
. A)
:
-
rezidivierende depressive Störung, mittelgradig, chronisch (ICD-10 F33.1)
-
generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
Die Behandlung finde seit dem 26.
Juli 2005 statt, ambulant seit der Entlassung aus der
F._
(
lit
. D Ziff. 1 und 3)
.
Seit 9 Jahren gebe es eine persistierende chronische mittelgradige depressive Störung, initial ausgelöst als Erschöpfungsdepression bei Überbeanspruchung durch Arbeit (80 Stunden pro Woche), familiären
Belastungssituationen und finanziellen Schwierigkeiten. Es bestehe ein schlechtes Ansprechen auf antidepressive Therapie und Psychothera
pie.
Die Patientin sei weiterhin stark eingeschränkt bezüglich Schlafqualität, Kon
zentrationsfähigkeit und Belastbarkeit. Haushaltsarbeiten müsse sie ständig un
terbrechen und sei auf die Unterstützung durch den Ehemann oder die Kinder angewiesen
(
lit
. D Ziff. 3)
. Im formalen Denken bestünden kognitive Denkstörun
gen, im inhaltlichen Denken ein verminderter Selbstwert. Es gebe einen passiven Todeswunsch. Stimmungsmässig sei sie depressiv,
anhedonisch
, im Affekt einge
schränkt, psychomotorisch leicht erregbar. Es bestehe eine verminderte Konzent
ration und Merkfähigkeit
(
lit
. D Ziff. 5)
.
Momentan sei die Patientin weiterhin zu 100 % arbeitsunfähig. Im geschützten Rahmen könne in den nächsten drei Monaten von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % ausgegangen werden, anschliessend sollte eine Steigerung auf 80-100 % möglich sein
(
lit
. D Ziff. 7)
.
3.9
Dr. med.
I._
,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete am 24. Oktober 2006 ihr psychiatrisches Gutachten (Urk. 6/21).
Als Di
agnose
n nannte sie eine
chronifizierte
mittelgradige bis eher schwere depressive Episode im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung sowie eine chro
nische generalisierte Angststörung (S. 6 Ziff. 6). D
ie
Versicherte
habe zum Tages
ablauf angegeben
, sie stehe morgens zwischen 6 und 6.30 Uhr auf. Frühstück für die zwei Töchter müsse sie nicht mehr machen. Sie trinke Kaffee und lüfte dann die Wohnung. Sie studiere und studiere, was sie machen solle, was sie kochen solle. Sie rauche. Am Mittag versuche sie zu kochen, werde aber schnell nervös und dann müssten der Mann oder die Kinder helfen.
Sie könne si
ch schlecht kon
zentrieren,
vor
a
llem
wenn sie mehrere Sachen gleichzeitig zubereiten wolle. Sie habe auch schon den Herd nicht abgestellt. Am Nachmittag liege sie etwas ab, spazieren gehe sie nie. Lesen oder fernsehen könne sie nicht. Wenn die Töchter aus der Schule kämen, arbeiteten sie zusammen etwas Kleines. Den Einkauf erle
dige sie am Samstag zusammen mit dem Mann. Das Staubsaugen übernehme auch der Mann, sie staube ab und putze die Lavabos. Sie wasche die Wäsche, die Töchter hälfen beim Aufhängen und Zusammenlegen. Hemden könne sie bügeln. Sobald sie etwas machen wolle im Haushalt, gerate sie in Panik, ob sie es könne, werde nervös und aggressiv. Oft müsse sie dann weinen und aufhören (S. 4 unten
Ziff. 3
).
Bewusstsein, Orientierung, Gedankengänge und Konzentration seien im fast ein
einhalbstündigen Interview
unauffällig gewesen. Inhaltlich sei die Versicherte völlig auf ihre gesundheitliche Situation fixiert. Affektiv wirke sie verarmt, freud
los, leblos
und nicht schwingungsfähig. Ab und zu kämen Tränen. Mimik und Gestik seien starr. Psychomotorisch sei sie angespannt und nervös (S. 6 Ziff. 5).
Rezidivierende Depressionen seien seit ungefähr 1997 bekannt und seit 2000 ak
tenkundig. Bei angeblich
blander
Familienanamnese seien sie bei der bis dahin gesunden und leistungsfähigen Versicherten am ehesten im Rahmen einer chro
nischen Überlastung ausgebrochen und hätten sich mittlerweile
chronifiziert
. Die chronische generalisierte Angststörung manifestiere sich in Angespanntheit, Zit
tern, Grübeln, Sich-sorgen und nächtlichem Aufschrecken
. Die impulsiven Durchbrüche könnten im Rahmen der Kombination von Depression und Angst aus Überforderung und Überreiztheit gesehen werden
. Die immer wieder erwähnte Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
-Typ könne aktuell nicht verifiziert wer
den
(S. 6
Mitte
Ziff. 6).
Psychosoziale Belastungen gälten als Stressoren, die Krankheitsschübe auslösen könnten, aber nicht als Ursache der Erkrankung verstanden würden. Dies sei si
cher auch bei der Versicherten der Fall. Im weiteren Verlauf bestünden die psy
chosozialen Belastungsfaktoren und die Erkrankungen parallel und verstärkten sich gegenseitig (S. 6 unten Ziff. 6).
Die Versicherte sei seit April 2005 in der angestammten Tätigkeit vollständig ar
beitsunfähig. Im Haushalt sei sie etwa
zu
50 % arbeitsfähig. Die Arbeitsunfähig
keit entspreche einerseits dem Schweregrad der Depression sowie der Angster
krankung und der Doppeldiagnose, andererseits dem langen Verlauf und der
Chronifizierung
. Möglicherweise könne
d
ie
Beschwerdeführerin
mit der Zeit im geschützten Rahmen beschäftigt werden. Ob sie je wieder erwerbsfähig werde, könne nicht vorausgesagt werden (S. 7 Ziff. 7).
4.
4.1
Am 21. Juni 2016 erstattete Dr.
Y._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, ihr psychiatrisches Gutachten (Urk. 6/63). Sie nannte fol
gende Diagnosen mit Auswirkung au
f die Arbeitsfähigkeit (S. 8
lit
. F):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode mit soma
tischem Syndrom (F33.01)
-
Differentialdiagnose (DD) Anpassungsstörung mit vorwiegender Störung von anderen Gefühlen (F43.23)
Zu ihrem Tagesablauf habe die Versicherte berichtet, sie stehe sehr unregelmässig auf, weil sie so schlecht schlafe. Danach mache sie den Haushalt mit vielen Pau
sen. Sie sei verantwortlich für den gesamten Haushalt, das Einkaufen erledige sie zusammen mit ihrer Tochter. Sie gehe nicht mehr alleine aus dem Haus, weil sie sich verirre. Deshalb sei sie auch nicht im Stande, den öffentlichen Verkehr zu benutzen (S. 6 Mitte).
Es bestehe massiver sozialer Rückzug. Hinweise für Selbst- oder Fremdgefährdung gebe es derzeit keine (S. 6 unten).
Eine fachärztliche Behandlung finde seit 2005 statt, über Inhalt, Ziele oder Fre
quenz dieser Behandlung würden jedoch weder durch den behandelnden Psychi
ater noch durch die Versicherte nähere Angaben gemacht. Sie berichte, sie gehe alle drei Wochen zum Psychiater. Auch sei nicht nachvollziehbar, warum bei ei
ner derartig
chronifizierten
Erkrankung keine weiteren Versuche einer medika
mentösen Beha
ndlung gemacht worden seien. Das psychiatrische G
utacht
en
im Jahr 2006 habe weder Angaben zum psychopathologischen Befund noch zu den eigentlichen Einschränkungen gemacht (S. 7 oben
lit
. E).
Bei der aktuellen Begutachtung seien einige Inkonsistenzen aufgefallen. So er
folge die Beschreibung der Beschwerden undiffer
enziert, pauschal und
undetail
li
ert
in immer den gleichen, aggressiv und fordernd geäusserten Worten: «Ich habe Depressionen und Aggressionen». Auch der Wunsch, ihr Mann möge endlich einsehen, dass es ihr schlecht gehe, werde perseverierend wiederholt. Im psycho
pathologischen Befund könne objektiv eher eine
dysphorisch
gereizte Stim
mungslage festgestellt werden als eine eigentliche Depression. Inkonsistenzen ergäben sich auch zwischen den vorliegenden Berichten und den nun getätigten Angaben. So werde etwa in keinem der bisherigen Berichte das angeblich auslö
sende Ereignis von 2001 beschrieben, als die Schwester vor ihren Augen totge
fahren worden sei. Es sei schwer nachzuvollziehen, dass ein solch einschneiden
des und potenziell traumatisierendes
Ereignis, über all die Jahre verschwiegen worden sei und erst jetzt, 15 Jahre später, im Rahmen der Rentenüberprüfung erwähnt werde (S. 7 f.
lit
. E).
Im Gegensatz zur Vorgutachterin sei durchaus die Differentialdiagnose einer An
passungsstörung mit vorwiegender Störung von anderen Gefühlen zu diskutieren. Die Stressoren beziehungsweise die psychosozialen Belastungsfaktoren würden durchaus als ursächlich für die Störung angesehen und nicht lediglich als be
günstigend für einen Krankheitsschub. Die im Vordergrund stehende Aggression spreche eher gegen eine primäre depressive Störung
.
Auffällig sei auch die Tat
sache, dass es seit der Berentung keine weiteren stationären Kriseninterventionen mehr gegeben habe, was
insgesamt für eine Beruhigung spreche. Es bestehe auch ein Anteil, der relativ bewusstseinsnah, eventuell sogar bewusst sei bei der Dar
stellung der (depressiven) Störung. Das Berichten von bisher nicht erwähnten Tatsachen spreche für eine bewusste Darstellung beziehungsweise Verdeutlichung der Symptome. Auch die pauschale, sehr undifferenzierte Darstellung der Be
schwerden spreche für eine Verdeutlichungstendenz
. Sowohl ein primärer als auch ein sekundärer Krankheitsgewinn seien deutlich vorhanden. Insofern müsse auch von einer gewissen Selbstlimitierung ausgegangen werden (S. 8 Mitte
lit
. E).
Die Versicherte sei seit 2006 in
diversen
Fähigkeiten gemäss Mini-ICF-
App
–
teilweise erheblich - eingeschränkt.
Da neben der depressiven Störung auch ein bewusstseinsnaher Anteil bestehe, wäre theoretisch eine Besserung der Leistungs
fähigkeit möglich beziehungsweise eine Überwindung zumutbar. Verhindert werde dies allerdings durch den primären und sekundären Krankheitsgewinn. Eine Selbstlimitierung bestehe ohne Zweifel, es sei jedoch nicht möglich, den Anteil an der gesamten Störung prozentual anzugeben. Aktuell sei die Versicherte weiterhin für berufliche Tätigkeiten in der freien Wirtschaft nicht einsetzbar. Für die Tätigkeiten im Haushalt bestünden keine Einschränkungen (S. 9
lit
. F
/b
).
Der Gesundheitszustand habe sich seit 2006 nicht wesentlich verändert. Die Stö
rung werde durch den anhaltenden familiären Konflikt unterhalten. Es würden jedoch keine akuten Krisen oder stationären Aufenthalte mehr berichtet seit der Berentung, so dass doch von einer Stabilisierung ausgegangen werden könne (S. 9
lit
. G Ziff. 1). Betreffend Haushalt seien in den Vorberichten keinerlei kon
krete Angaben zu quantitativen oder qualitativen Einschränkungen gemacht worden. Eine Einschränkung im Haushalt von 50 % sei nicht plausibel (S. 9
lit
. G Ziff. 2).
Es sei eine längere stationäre psychotherapeutische Behandlung indiziert, in der die Versicherte sich aus dem konflikthaften Milieu lösen und eine konstruktive Gestaltung ihres Lebens erarbeiten könne. Eine Unterstützung durch ein Antide
pressivum wäre sinnvoll und zumutbar. Sollte die Versicherte sich auf eine solche Therapie einlassen, wäre mit grosser Wahrscheinlichkeit mit einer Leistungsfä
higkeit von 50 % zu rechnen. Der berufliche Wiedereinstieg müsste allerdings gestuft und anfänglich in geschütztem Rahmen erfolgen (S. 10
lit
. G Ziff. 3).
4.2
Dr. med.
J._
, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in ihrer Stel
lungnahme vom 22. Juli 2016 (Urk. 6/92 S. 3-5) aus, die Beurteilungen im Gut
achten seien aus versicherungsmedizinischer Sicht mehrheitlich nachvollziehbar. Es sei bei der
Gutachterin nachzufragen, weshalb für angepasste Tätigkeiten keine Arbeitsfähigkeit vorliege, obwohl keine Einschränkungen im Haushalt bestünden. Sodann beziehe sich die Arbeitsfähigkeit auf das Tätigkeitsprofil einer Hilfsarbei
terin. Es sei danach zu fragen, welche Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung der funktionellen Einschränkungen medizinisch-theoretisch möglich sei (S. 4 f.).
Die Rückfragen wurden am 22. Juli 2016 an Dr.
Y._
übermittelt (Urk. 6/65).
4.3
Am 15. November 2016 (Urk. 6/70) nahm Dr.
Y._
hierzu
Stellung
.
Sie führte aus, der Gesundheitszustand habe sich im Verlauf der Jahre leicht stabilisiert, allerdings müsse bei der Beurteilung und der heutigen Diagnose die Leistungs
einschränkung neu beu
rteilt werden
. Nach den Kriterien des ICF zeige die Versi
cherte zwar erhebliche Einschränkungen ihrer Fähigkeiten, andererseits bestehe keine psychiatrische Diagnose, die diese Einschränkungen ausreichend erkläre (S. 1 Mitte). Somit müsse die
vorgenommene
Beurteilung, dass für angepasste Tätigkeiten keine Arbeitsfähigkeit bestehe, korrigiert werden. Die Versicherte sei zwar subjektiv nicht arbeitsfähig und möglicherweise auch mit ihrem Verhalten einem Arbeitsumfeld nicht zumutbar. Rein medizinisch-theoretisch bestehe je
doch keine wesentliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit
für Hilfstätigkeiten
. Es müsse allerdings von einer starken Entwöhnung ausgegangen werden, so dass diese medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit nicht unbedingt und sicherlich nicht unmittelbar umgesetzt werden könne. Die Versicherte benötige eine Auf
bauphase
von zum Beispiel 4-6 Monaten
(S. 1 f.).
4.4
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
E._
,
nannte in seinem Bericht vom 20. April 2018 (Urk. 6/84) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1 Ziff. 1.1):
-
chronisch depressives Zustandsbild (F33.1), Differentialdiagnose (DD) posttraumatische Belastungsstörung (PTBS, F41.1)
-
Migräne
Es gebe ein seit über 10 Jahren bestehendes
chronifiziertes
Zustandsbild, welches höchstwahrscheinlich therapeutisch und/oder medikamentös auch in Zukunft we
nig angegangen werden könne
. Anhaltspunkte für eine akute Suizidalität gebe es keine
(S. 2 Ziff. 1.4). Es finde eine relativ lockere
supportive
ambulante Behand
lung in unregelmässigen Abständen statt, teilweise mit monatelanger Pause, in
klusive medikamentöser Therapie (S.
2
Ziff. 1.5
oben
).
Beim Aktenstudium sei ihm die Möglichkeit der Differentialdiagnose einer PTBS aufgefallen. Die Patientin habe verschiedene traumatische Erlebnisse in ihrem Leben gehabt: Ihre Schwester sei überfahren worden, sie selber sei von zwei Män
nern überfallen worden und habe 1991 eine lebensgefährliche Leberoperation ge
habt (S. 2 Ziff. 1.5 unten). Die bisherige Tätigkeit als Hilfsarbeiterin sei aus me
dizinischer Sicht nicht zumutbar. Es bestehe eine vollumfänglich verminderte Leistungsfähigkeit (S. 2 f. Ziff. 1.7).
4.5
Am 23.
August 2018 erstattete Dr. med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, sein psychiatrisches Gutachten (Urk. 6/89). Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine rezidivierende depressive Störung, nicht näher bezeichnet, im Sinne einer atypischen monopo
laren Depression, gegenwärtig leicht bis mittelgradige Ausprägung (F33.9), be
stehend seit wahrscheinlich 2001 (S. 18 Ziff. 6.1).
Zum Tagesablauf habe die Versicherte angegeben, sie stehe zwisc
hen 9 und 10 Uhr auf, mache
Kaffee, wasche sich und lüfte die Wohnung. Sie räume die Zim
mer auf und versorge die Wäsche. Einkäufe erledige sie einmal in der Woche mit den Töchtern. Sie mache in der Wohnung sauber. Sie koche etwas, wenn sie «gut drauf» sei. Hobbies oder Interessen habe sie keine. Manchmal könne sie für eine halbe Stunde Musik hören, es mache aber keinen Spass. Termine lege sie immer auf den Montag, dann könne eine der Töchter sie fahren.
Sie gehe nicht alleine nach draussen. Einmal sei sie spazieren gegangen. Sie habe im Wald gesessen und nicht mehr gewusst, wie sie nach Hause komme. Eine der Töchter habe sie schliesslich gefunden (S. 15 Ziff. 3.2.6).
Bei der Versicherten lasse sich zum Untersuchungszeitpunkt
ein depressives Zu
standsbild feststellen. Hauptsymptome seien eine deprimierte Stimmung, klinisch höchstens leichte Konzentrationsdefizite, eine innere Unruhe, ein eingeengtes und leicht verlangsamtes formales Denken, eine etwas eingeschränkte affektive Schwingungsfähigkeit, ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit, anamnestische Schlafstörungen und eine leichte Reduktion des Antriebs. Die Tatsache, dass sie angebe, im Kontakt mit ihrem Enkelkind grosse Freude empfinden zu können, spreche gegen das Vorliegen einer schweren Depression. Zudem fänden sich in der klinischen Untersuchung auch nur leichtgradige kognitive Defizite, was ebenso wie der nur leichtgradig reduzierte Antrieb gegen eine
schwergradige
De
pression spreche
. Eine generalisierte Angststörung, wie sie im Gutachten von 2006 noch diagnostiziert worden sei, sei weder anamnestisch noch klinisch fest
zustellen. Die Serumblutspiegel von
Quetiapin
und
Clonazepedam
lägen aus
serhalb des Referenzbereichs, was sich mit
der verordneten Dosierung, dem Ein
nahmezeitpunkt und dem Zeitpunkt der Blutentnahme durchaus erklären l
asse
. Die Serumblutspiegel zeigten auf, dass die Versicherte diese beiden Medikamente einnehme (S. 19 f. Ziff. 6.4).
Aktuell erfolge keine medikamentöse antidepressive Therapie der Versicherten, was angesichts der gestellten Diagnosen erstaune. So
mit könne die aktuelle psy
chiatrisch
e Behandlung nicht als suffizient bewertet werden. Es erstaune zudem sehr, dass Dr.
K._
, nachdem er die Versicherte jahrelang psychiatrisch beglei
tet habe, nun plötzlich die Differentialdiagnose einer PTBS ins Spiel bringe (S. 20 f. Ziff. 7.2).
Die Beschwerdeschilderung seitens der Versicherten und die Schilderung ihrer Alltagsaktivitäten wiesen zahlreiche Inkonsistenzen auf. So habe sie zum einen massive Konzentrationsdefizite und Gedächtnisprobleme bekundet, die sich kli
nisch in diesem Ausmass nicht hätten bestätigen lassen. Dass sie beim Drei-Wör
ter-Test nur zwei von drei Wörtern unmittelbar habe nachsprechen können, sei völlig diskrepant zum übrigen Untersuchungsgespräch. Weiter könne sie angeb
lich ohne Begleitung von Drittpersonen das Haus nicht verlassen, andererseits habe sie aber sowohl eine Zigarettenpause gemacht als auch nach dem Untersu
chungsende problemlos ohne Begleitung die Praxis verlassen. Zudem bekunde sie ein sehr depressives Zustandsbild, empfinde aber gleichzeitig «
mega
Freude» bei der
Betreuung ihres Enkelkindes. Es erstaune auch sehr, dass ihr das Enkelkind zu einer mehrstündigen alleinigen Betreuung überlassen werde, wenn sie gleich
zeitig aufgrund von Desorientierung nicht einmal in der Lage sein solle, allein draussen spazieren zu gehen. Diese Umstände und Angaben der Versicherten seien sehr widersprüchlich. Sie gebe an «null Energie und Antrieb» zu haben, was aber in erheblichem Mass mit dem klinisc
hen Gesamteindruck kontrastiere
, sei doch der Antrieb höchstens leichtgradig reduziert. Die Versicherte könne sich sehr wohl für ihre Interessen einsetzen
(S. 21 Ziff. 7.3)
. Für den Beobachter werde eine tendenziöse bis sogar manipulative Note spürbar. Es lasse sich somit eine Aggra
vation feststellen, die bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zwingend mitbe
rücksichtig
t
werden müsse. Es lasse sich eine Selbstlimitierung feststellen
(S. 21 f. Ziff. 7.3)
.
Es entstehe der ausgeprägte Eindruck, dass die Versicherte sich mit mehr bis gar ausschliesslichem Engagement für eine materielle Entschädigung in Form einer Rente einsetze statt für ihren beruflichen Wiedereinstieg.
So sei auch aktenkun
dig, dass s
ie
sehr
fordernd aufgetreten sei und von Ärzten explizit eine Krank
schreibung verlangt habe. Damit werde eine final ausgerichtete Entschädigungs
haltung deutlich. Es sei von einem erheblichen primären, vor allem aber von ei
nem sehr ausgepr
ägten
sekundären Krankheitsgewinn auszugehen. Die Krankheit werde von der Versicherten dazu benutzt, sich vom Ehemann zu distanzieren und vor allem auch ihre Kinder durch Hilfs- und Unterstützungstätigkeiten an sich zu binden (S. 22 Mitte Ziff. 7.3)
.
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit könne die Versicherte 6 Stunden pro Tag tätig sein (S. 28 Ziff. 8.1.1). Während dieser Anwesenheitszeit bestehe eine Einschrän
kung der Leistungsfähigkeit von 20 % (Ziff. 8.1.2). Bezogen auf ein Pensum von 100 % bestehe in der bisherigen Tätigkeit eine Einschränkung der Arbeitsfähig
keit von maximal 30-35 % (S. 29 Ziff. 8.1.3).
Nachdem Dr.
Y._
im Juni 2016 eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode mit somati
schem Syndrom
,
diagnostiziert habe, sei spätestens ab Juni 2016 von einer klaren Verbesserung des depressiven Zustandsbildes auszugehen. Ab dann könne keine vollständige Arbeitsunfähigkeit mehr postuliert werden, sondern
sei
von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von maximal 30-35 % auszugehen (S. 29 Ziff. 8.1.4).
Eine angepasste Tätigkeit beinhalte einfache
, in
sbesondere hand
lungsorientierte
Tätigkeiten, die in einem gleichmässigen Arbeitstempo erfolgen könnten (S. 29 Ziff. 8.2.1). Für eine angepasste T
ätigkeit gälten dieselbe
maxi
male Arbeitsunfähigkeit und derselbe retrospektive Verlauf wie für die bisherige Tätigkeit (S. 29 f. Ziff. 8.2.3-5).
Für eine Haushaltstätigkeit bestehe eine Arbeits
unfähigkeit von maximal 20 % (S. 30 Ziff. 8.2.4
)
.
Empfohlen werde die Weiterführung einer regelmässigen ambulanten psychiatri
schen Behandlung mit psychopharmakologisch und psychotherapeutisch ausge
richteten Therapiestrategien. Eine medikamentöse antidepressive Therapie sei in
diziert (S. 30 Ziff. 8.2.6.2).
4.6
Am 24. Oktober 2018 fand eine Haushaltsabklärung durch die Beschwerdegeg
nerin statt (Urk. 6/91). Dabei habe die Beschwerdeführerin angegeben,
sie sei wei
terhin sehr depressiv. In der Nacht sei sie sehr hektisch, tagsüber dann entspre
chend müde und oftmals aggressiv. Es gebe aber auch Tage, an denen es ihr etwas
besser gehe
. Sie gehe dann eine Runde spazieren, zum Beispiel in den nahegele
genen Wald. Auch könne sie dann im
A._
in
L._
ein paar Lebensmittel einkaufen gehen oder seit zwei Jahren dort in der
M._
einen Kaffee trinken (S. 2 unten).
Eine Beschäftigung tagsüber habe sie nicht
.
Wenn die Töchter nach Hause kämen, werde meistens
gemeinsam gekocht, je nachdem, wie sie sich fühle. Wenn es ihr gut gehe, könne sie schon etwas vorbereiten, eine Suppe oder einen Salat
,
oder etwas im Haushalt machen, eine Wäsche waschen. Sie sei nicht be
hindert, sondern habe ein Hirnproblem. Einkaufen mache sie grundsätzlich am Samstag mit ihrer Tochter in
B._
(S. 3 Mitte).
Die Frage, wie viel sie bei Gesundheit arbeiten würde, könne von der Beschwer
deführerin nicht eindeutig beantwortet werden. Sie habe gemeint, sie würde viel
leicht 100 % arbeiten oder auch Teilzeit, sie könne es nicht genau sagen. Viel
leicht würde auch eine Teilzeitstelle reichen. Der Wunsch nach Unabhängigkeit sei gross. Sie sei nicht faul, das wolle sie betonen (S. 5 Ziff. 2.5).
Der Abklärungsdienst
der Beschwerdegegnerin
legte die Qualifikation auf 50 % Erwerbstätigkeit / 50 % Haushalt fest (S. 5 Ziff. 2.6). Diese sei auch bei der
Rentenzusprache
2006 festgelegt worden. Überwiegend wahrscheinlich würde die Be
schwerdeführerin bei Gesundheit eine Teilzeitstelle ausüben. Eine Tätigkeit von 100
% sei aufgrund der Erwerbsbiografie nicht nachvollziehbar
(S. 5 Ziff. 2.6.1).
Im Bereich
Ernährung gebe es eine Einschränkung von 30 %, woraus eine Behin
derung von 10.5 % resultiere (S. 7 Ziff. 6.1). In den anderen Bereichen gebe es keine anrechenbare Einschränkung (S. 8 f. Ziff. 6.2-5
).
Unter Anwendung der ge
mischten Methode ergebe sich bei einer Einschränkung im Erwerbsbereich von
0 % somit ein Invaliditätsgrad von 5.25 % (S. 9 Ziff. 7).
5.
5.1
Das psychiatrische Gutachten von Dr.
Z._
vom 23. August 2018 (vorstehend E. 4.5) ist für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersu
chungen, berücksichtigt auch die geklagten Beschwerden, wurde in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben, leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und die Schlussfolgerungen in der Expertise sind begründet. Es ist somit beweiskräftig (vgl. vorstehend E. 1.7), weshalb grundsätzlich darauf abgestellt werden kann.
Demgegenüber vermag das
mehr als zwei Jahre
ältere Gutachten von Dr.
Y._
(vorstehend E. 4.1)
nur teilweise zu überzeugen
. So sprach
Dr.
Y._
etwa einer
seits
angesichts der fehlenden weiteren stationären Kriseninterventionen
von ei
ner
Beruhigung beziehungsweise Stabilisierung
seit der Berentung
und diagnos
tizierte eine gegenwärtig leichte depressive Störung
, ging aber andererseits trotz
dem
von einem im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustand gegenüber 2006 aus.
Dies
erscheint als
widersprüchlich
.
Auf die Zusatzfragen der Beschwer
degegnerin antwortete sie
sodann
erst nach
fast
vier Monaten und musste dabei ihr Gutachten im entscheidenden Punkt
vollständig
revidieren:
Für angepasste Tätigkeiten bestehe nicht
etwa
keine Arbeitsfähigkeit, sondern im Gegenteil keine wesentliche Einschränkung
der Leistungsfähigkeit (vorstehend E. 4.3).
Diese Kehrtwende
durch
Dr.
Y._
schadet der Überzeugungskraft ihrer Schlussfolge
rungen doch erheblich
.
Folglich kann auf
ihr
Gutachten nur
, aber immerhin,
in
soweit abgestellt werden, als sie die medizinische und lebensumständliche Sach
lage zum Begutachtungszeitpunkt festhielt.
5.2
Dr.
Z._
diagnostizierte eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leicht- bis mittelgradige Ausprägung
,
und begründete dies sorgfältig und nach
vollziehbar. Damit hat sich
das diagnostizierte Leiden
gegenüber dem Beren
tungszeitpunkt im Jahr 2006
deutlich
verbessert. Damals war von der Gutachterin Dr.
I._
eine
chronifizierte
mittelgradige bis eher schwere depressive Störung sowie eine chronische generalisierte Angststörung diagnostiziert worden (vorstehend E. 3.9). Von einer klaren Verbesserung des depressiven Zustandsbild
s
ist gemäss Dr.
Z._
spätestens ab dem Zeitpunkt der Begutachtung bei Dr.
Y._
im Juni 2016 auszugehen. Dies überzeugt, nachdem diese dannzumal gar eine
lediglich
leichte
depressive Episode
festgestellt hatte (vorstehend E. 4.1
).
Im Zeitpunkt der
Rentenzusprache
2006 hatte sich d
ie gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin noch so präsentiert, dass sie
zuvor
innert kurzer Zeit zweimal einen
stationären Klinikaufenthalt bei
der
E._
hatte in Anspruch neh
men müssen, wobei sie dazwischen gar einen Suizidversuch mit Tablett
en unter
nom
m
en hatte
(vgl. vorstehend E. 3.6-7
).
Anlässlich der Begutachtung durch
Dr.
I._
habe sie affektiv verarmt gewirkt, freudlos, leblos und nicht schwingungsfähig. Im Gegensatz hierzu stellte Dr.
Z._
zwar noch ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit fest, attestierte jedoch nur noch eine etwas einge
schränkte affektive Schwingungsfähigkeit und eine leichte Reduktion des An
triebs. Die Verbesserung des Gesundheitszustands ist somit evident, womit ent
gegen der Beschwerdeführerin (vorstehend E. 2.2) eine ausführlichere Begrün
dung
derselben
durch den Gutachter entbehrlich war (vgl. vorstehend E. 1.7).
Nicht gefolgt werden kann der Beschwerdeführerin auch dahingehend, als sie geltend machte, der Tagesablauf sei in etwa gleichgeblieben.
Denn
im Jahr 2006
hatte sie
noch angegeben, sie spaziere nie, den Einkauf erledige sie zusammen mit dem Mann und sie gerate in Panik und werde nervös und aggressiv, wenn sie im Haushalt etwas machen müsse (vorstehend E. 3.9).
Letzteres erwähnte sie im Jahr 2018 nicht mehr, d
emgegenüber gab sie an, an guten Tagen gehe sie eine Runde spazieren, kaufe im
A._
in
L._
ein paar Lebensmittel ein oder trinke dort in der
M._
einen Kaffee (vorstehend E. 4.6). Zudem hüte sie ein- bis zweimal pro Monat ihr Enkelkind, was
ihr grosse Freude bereite (vorstehend E. 4.5).
Die Beschwerdeführerin konnte somit ihr
Aktivitätenniveau
gegenüber dem Vergleichszustand verbessern.
Selbst ein mehr oder weniger unveränderter Tagesablauf spräche
zudem
keines
wegs zwingend gegen eine Verbesserung des Gesundheitszustands, nachdem Dr.
Z._
bestehende Inkonsistenzen detailliert aufgezeigt und eine Aggrava
tion festgestellt hatte: Die Krankheit werde
von der Beschwerdeführerin
unter anderem dazu benutzt, ihre Kinder durch Hilfs- und Unterstützungstätigkeiten an sich zu binden.
Solcherlei
würde wohl bei hohem
Aktivitätenniveau
kaum gelin
gen,
weshalb
ein geringes Mass an Aktivitäten
vorliegend
nur in beschränktem Mass
zuverlässige
Rückschlüsse auf das
effektiv
noch bestehende Ausmass der
psychischen Beeinträchtigung
zul
ässt (vgl. dazu auch
nachstehende
E. 5.3
).
Damit liegt gegenüber dem Vergleichszeitpunkt vom 19. Dezember 2006
mit Blick auf
das diagnostizierte Leiden und die
objektiven Beschwerden
sowie
auf das
Aktivitätenniveau
insgesamt
eine
massgebliche
Verbesserung des Gesund
heitszustandes und somit ein Revisionsgrund vor, weshalb der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend neu zu prüfen ist (vgl. vor
stehend E. 1.4).
Angesichts der psychischen Erkrankung ist ein strukturiertes Beweisverfahren
ge
mäss
BGE 141 V 281 durchzuführen. Da das Gutachten
von Dr.
Z._
im Ver
bund mit den weiteren im Recht liegenden Akten eine schlüssige Beurtei
lung des Leistungsvermögens der Beschwerdeführerin im Lichte der nunmehr
massgebli
chen
Indikatoren (E. 1.6) erlaubt, kann es vorlie
gend als Grundlage für die Ren
tenprüfung dienen.
5.3
Zum Komplex Gesundheitsschädigung ist in Bezug auf den Indikator Ausprägung der diagnoserelevante
n Befunde festzuhalten, dass bei der
Beschwerdeführerin
eine deprimierte Stimmung, höchstens leichte Konzentrationsdefizite, eine innere Unruhe, ein eingeengtes und leicht verlangsamtes formales Denken, eine etwas eingeschränkte affektive Schwingungsfähigkeit, e
in Gefühl
von Hoffnungslos
ig
keit, Schlafstörungen und ein leichter reduzierter Antrieb festgestellt wurden
.
Demnach bestehen bei der Beschwerdeführerin mässige psychische Be
einträchti
gungen.
In Bezug auf den Indikator Behandlungs- und Eingliede
rungserfolg oder –
resis
tenz
ist festzuhalten, dass sich die Beschwerdeführerin zwar seit 2005 bei der
E._
in ambulanter psych
iatri
scher Behandlung befindet, es sich dabei jedoch
in den letzten Jahren
lediglich um eine relativ lockere
supportive
ambulante Behandlung in
unregelmässigen Abständen mit teilweise monatelangen Pausen
handelte
(vor
stehend E. 4.
4). Eine medikamentöse antidepressive Therapie bestand im Begut
achtungszeitpunkt im August 2018 sodann keine, weshalb
Dr.
Z._
die psy
chiatrische Behandlung als nicht suffizient bewertete (vorstehend E. 4.5).
Auch Dr.
Y._
erachtete es als nicht nachvollziehbar, dass keine weiteren Versuche einer medikamen
tösen Behandlung mehr gemacht wo
rden
waren
(vorstehend E. 4.1).
Trotz nicht ausgeschöpfter Therapiemöglichkeiten hat sich die Ausprä
gung der Depression seit der Berentung
aber
bereits erheblich verbessert.
Einglie
derungsversuche sind bislang keine aktenkundig.
Es liegt demnach weder eine Behandlungs- noch eine Eingliederungsresistenz vor.
Eine psychiatrische Komorbidität liegt nicht vor.
Zum Komplex Persönlichkeit ist
vorweg
festzuhalten, dass in den im Revisions
verfahren ergangenen ärztlichen Berichten und Gutachten die im Berentungszeit
punkt
zumindest
diskutierte emotional-instabile Persönlichkeitsstörung mit über
zeugenden Argumenten verworfen wurde (vgl. etwa Urk. 6/89 S. 23 unten Ziff. 7.3).
Die Beschwerdeführerin verfügt über keine Berufsausbildung, jedoch sammelte sie in der Schweiz von 1997 bis 2005 Berufserfahrung
en
im
Gastrono
miebereich
und von 1999 bis 2006 im Reinigung
sbereich
(Urk. 6/89 S. 14 Ziff. 3.2.4). Persönliche Ressourcen
mindestens
zur Ausübung einer Hilfstätigkeit sind somit ausreichend vorhanden.
Zum Komplex sozialer Kontext ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführer
in ei
nen
sehr
guten Kontakt zu ihren drei
erwachsenen
Kindern pflegt, wobei die
bei
den Tö
chter
noch immer mit der Beschwerdeführerin
und deren Ehemann zusam
menwohnen
. Das Verhältnis mit letzterem ist sehr konfliktbehaftet, gemäss eige
nen Angaben streite sie jeden Tag mit ihm, trennen könne sie sich trotzdem nicht von ihm (vgl.
etwa
Urk. 6/89 S. 13 unten Ziff. 3.2.1). Dafür
bereite ihr
die ein- bis zwei Mal pro Monat stattfindende Betreuung ihres Enkelkindes grosse Freude.
Mit der Mutter in der Türkei telefoniere sie
sodann
regelmässig (Urk. 6/89 S. 15 Mitte).
Weitere soziale Bezugsperso
nen wu
rden nicht explizit erwähnt
, immerhin ist
nach der allgemeinen Lebenserfahrung
aber davon auszugehen, dass die Be
schwerdeführerin ihren
gelegentlichen
Kaffee in der
M._
im
A._,
L._
(vorstehend E. 4.6) wohl
in Gesellschaft
einnimmt.
Der von Dr.
Y._
noch festgehaltene massive soziale Rückzug (E. 4.1) dürfte also in dieser Ausprägung nicht oder nicht mehr vorhanden sein.
Eine grobe Tagesstruktur ist vorhanden, wobei die Beschwerdeführerin Haushaltsarbeiten wie
Wohnunglüften
, Zimmer
aufräumen, Wäschewaschen, gelegentliches Einkaufen im Dorf und gemeinsames oder selbständiges Kochen ausführt (E. 4.5). An guten
Tagen geht
sie
zudem selb
ständig spazieren (E. 4.6). Damit verfügt sie durchaus über soziale Ressourcen
.
Zu prüfen ist weiter die Konsistenz.
Ins Gewicht fällt hier die Feststellung einer Aggravation und Selbstlimitierung durch Dr.
Z._
. Die Beschwerdeführerin könne sich sehr wohl für ihre Interessen einsetzen, es entstehe aber der ausge
prägte Eindruck, dass sie sich für den Erhalt ihrer Rente engagiere anstatt für ihren beruflichen Wiedereinstieg. Diese Einschätzung vertrat Dr.
Z._
dezi
diert und begründete sie überzeugend (E. 4.5).
Die von ihm erwähnte manipula
tive Note spürte nicht nur er, sondern
zumindest vor der
Rentenzusprache
im Jahr
2006 auch andere
berichtende
Ärzte, von welchen die Beschwerdeführerin teil
weise die «Erfindung» von Krankheiten g
efordert hatte (vorstehend E. 3.4+5
)
.
Ei
nen deutlichen primären und sekundären Krankheitsgewinn hatte
vor Dr.
Z._
bereits
Dr.
Y._
festgestellt. Auch sie hatte auf Inkonsistenzen hingewiesen,
eine Ve
rdeutlichungstendenz ausgemacht und ausgeführt, e
s bestehe ohne Zweifel eine Selbstlimitierung
(
vorstehend E. 4.1).
Hinsichtlich des Gesichtspunkts des
Aktivi
tätenniveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin zwar
vergleichs
weise
ein
eher
tiefes
Aktivitätenniveau
aufweist
. Daraus lässt sich indes kaum etwas zu ihren Gunsten ableiten, da
mit Blick auf die gutachterlichen Feststel
lungen durch
Dr.
Z._
nicht ausgeschlossen werden kann, dass das
Aktivitä
tenniveau
bewusst tief gehalten wird, um tatkräftige Unterstützungsleistungen der Familienmitglieder und
finanzielle Unterstützung
der Sozialversicherung
zu erwirken beziehungsweise zu sichern. So kontrastiere gemäss Dr.
Z._
die An
gabe der Versicherten, «null Energie und Antrieb» zu haben, denn auch in erheb
lichem Masse mit dem klinischen Eindruck.
Hinsichtlich des Gesichtspunkts des behandlungs- und eingliederungsanamnes
tisch ausgewiesenen Leidensdrucks ist schliesslich festzuhalten, dass die Be
schwerdeführerin im Jahr 2006 vor der
Rentenzusprache
eine zweimonatige so
wie kurz darauf eine dreiwöchige stationäre Therapie in der
E._
absolvierte. Seit
her wurde kein Klinikaufenthalt mehr notwendig und in den letzten Jahren fand nur noch eine relativ lockere
supportive
ambulante Behandlung in unregelmäs
sigen Abständen mit teilweise monatelangen Pausen und ohne antidepressive Medikation statt. Dies lässt auf einen geringen
Leidensdruck schliessen. Auch punkto Eingliederung ist
in
soweit kein besonderer Leidensdruck ersichtlich,
als
sich die Beschwerdeführer
in
mit einer allfälligen
Wiederaufnahme einer Erwerbs
tätigkeit
kaum vertieft auseinanderzusetzen scheint.
5.4
Dr.
Z._
bezifferte die Arbeitsunfähigkeit sowohl für die bisherige Tätigkeit als Hilfsarbeiterin als auch für eine allfällig ange
passte Tätigkeit auf maximal 30 bis
35 % (vorstehend E. 4.5). Die Prüfung der einzelnen Indikatoren führt zum Schluss, dass die Arbeitsunfähigkeit durch Dr.
Z._
grosszügig bemessen wurde, dies auch im Vergleich zu Dr.
Y._
, welche
schliesslich
davon ausgegan
gen war, es bestehe unter Berücksichtigung einer Aufbauphase von
4 bis
6 Mo
naten medizinisch-theoretisch keine wesentliche Einschränkung der Leistungsfä
higkeit (vorstehend E. 4.1 und 4.3). Zu Recht ging Dr.
Z._
denn auch von einer «maximalen» Arbeitsunfähigkeit im erwähnten Zahlenbereich aus.
Es mag mit der Beschwerdeführerin
(vorstehend E. 2.2)
zwar zutreffen, dass
rech
nerisch nicht einwandfrei nachvollzogen werden kann, wie Dr.
Z._
aus 6 zu
mutbaren Arbeitsstunden pro Tag und einer Einschränkung in der Leistungsfä
higkeit von 20 % insgesamt auf eine Arbeitsunfähigkeit von maximal 30 bis 35 % schloss. Es verbietet sich jedoch angesichts der ziffernmässig eindeutigen Ge
samteinschätzung durch den Gutachter sowie der mässigen Beeinträchtigungen und der intakten Ressourcen der Beschwerdeführerin klarerweise, den bereits grosszügig an
gesetzten maximalen Wert von 30 bis 35
% zu überschreiten.
Eine grössere Arbeitsunfähigkeit als die gutachterlich attestierte kann aus einer
Indi
katorenpr
üfung
ohnehin nicht resultieren
(Urteil des Bundesgerichts 8C_241/2018 vom 25. September 2018, E. 7.5.2).
Zu Gunsten der Beschwerdeführerin
ist
der maximale Wert,
mithin
eine Arbeits
unfähigkeit von 35 % in der bisherigen
oder in einer angepassten
Tätigkeit
,
als erstellt zu erachten
.
Das zumutbare Arbeitspensum beträgt somit 65 %.
6.
6.1
Die Statusfrage, ob die Beschwerdeführerin also als ganztägig oder zeitweilig er
werbstätig einzustufen ist
(vgl. vorstehend E. 1.3)
, konnte
sie selber
anlässlich der Haushaltsabklärung
nicht beantworten und
meinte, sie würde vielleicht 100
% arbeiten oder auch Teilzeit. Die
Abklärungsperson
verwies betreffend die vorge
nommene Qualifikation 50 % Erwerbstätigkeit / 50 % Haushalt auf die Erwerbs
biografie (vorstehend E. 4.6), ohne dies jedoch näher zu
er
läutern
.
Auch die Be
schwerdeführerin
nahm Bezug
auf ihre Erwerbsbiografie. Ihre Argumentation, dass sie bereits als Mutter dreier kleiner Kinder die Erwerbstätigkeit wieder in einem Pensum von 50 % aufgenommen habe und sie deshalb im Gesundheitsfall nach
Lehrabschluss der Kinder ihre Arbeitstätigkeit auf ein Vollpensum aufge
stockt hätte, ist stringent. Dies erscheint als überwiegend wahrscheinlich, insbe
sondere da die Beschwerdeführerin
mit 24 Jahren noch sehr jung
war, als sie
im Jahr 1993
ihr drittes Kind bekam, und somit auch im Zeitpunkt
des
Lehrabschlus
s
es der Kinder
noch
immer
gute
Stellenaussichten gehabt hätte. Sie ist
demgemäss
als
voll
Erwerbstätige zu qualifizieren.
6.2
Da somit sowohl hinsichtlich des (hypothetischen)
Valideneinkommens
als auch bezüglich des Invalideneinkommens derselbe Tätigkeitsbereich (Hilfsarbeitertä
tigkeiten) zugrunde gelegt werden kann, ist sowohl für die Ermittlung des
Vali
deneinkommens
als auch des Invalideneinkommens auf die Tabellen der Lohn
strukturerhebungen (LSE) des Bundesamtes für Statistik (BFS) abzustellen und von denselben Zentralwerten auszugehen. Sind die beiden Einkommen ausge
hend vom selben Lohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung und es rechtfertigt sich ein Prozentvergleich (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1).
6.3
Das zumutbare Arbeitspensum beträgt
65
%. Dies führt
zu einem
rentenaus
schliessenden
Invaliditäts
grad von 35
%.
Entsprechend bestand
nach dem 28. Februar 2019 kein Rentenanspruch der Beschwerdeführerin mehr.
Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach als rechtens, was zur Abwei
sung der Beschwerde führt.
7.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Vor
liegend sind die Kosten auf Fr. 800.-- anzusetzen und der unterliegenden Be
schwerdeführerin aufzuerlegen.