Decision ID: bf2dc216-ac87-4429-b3f2-790c7b5f508e
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im November 2006 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu
einer Rente der Invalidenversicherung an (act. G 5.1.127). Trotz seines Hinweises, seine
Ehefrau könne gesundheitsbedingt keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, nahm die EL-
Durchführungsstelle gestützt auf eine Stellungnahme des IV-internen regionalen
ärztlichen Dienstes (RAD) an, dass diese uneingeschränkt arbeitsfähig sei (act. G
5.1.106–2). Sie beschloss, ein hypothetisches Erwerbseinkommen von 29'123 Franken
anzurechnen. Dieses Einkommen entsprach dem Medianwert der
Hilfsarbeiterinnenlöhne im Gastgewerbe mit einem Abzug von 20 Prozent
(„Konkurrenzabzug“) plus zehn Prozent („wegen Alter“; act. G 5.1.105). Mit einer
Verfügung vom 4. Juni 2008 sprach die EL-Durchführungsstelle dem Versicherten
rückwirkend ab dem 1. Mai 2004 eine Ergänzungsleistung zu (act. G 5.1.90). Gemäss
den Berechnungsblättern zur Verfügung hatte sie bei der Anspruchsberechnung für
den Versicherten und dessen Ehefrau zusammen ein hypothetisches
Erwerbseinkommen von 40'883 Franken berücksichtigt (act. G 5.1.94 ff.). Eine
Einsprache des Versicherten gegen diese Verfügung (act. G 5.1.82) wurde am 4.
September 2009 teilweise gutgeheissen (act. G 5.1.48), da der Versicherte seit dem 1.
Oktober 2008 aufgrund einer Verschlechterung seines Gesundheitszustandes im
Januar 2008 einen Anspruch auf eine ganze anstelle der bisherigen Dreiviertelsrente
hatte und ihm persönlich folglich ab Januar 2008 kein hypothetisches
Erwerbseinkommen mehr anzurechnen war. In einem IV-Verfahren betreffend die
Ehefrau war ein Arbeitsfähigkeitsgrad von 70 Prozent ermittelt worden; das
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zumutbarerweise erzielbare Invalideneinkommen war auf 35'722 Franken beziffert
worden. Die EL-Durchführungsstelle rechnete allerdings weiterhin ein hypothetisches
Erwerbseinkommen von 29'123 Franken an.
A.b Im Rahmen einer periodischen Überprüfung des Ergänzungsleistungsanspruchs
passte die EL-Durchführungsstelle das hypothetische Erwerbseinkommen der Ehefrau
der Teuerung an. Bei einem Ausgangswert von neu 43'987 Franken und einem
unveränderten Abzug von total 30 Prozent ergab sich ein hypothetisches
Erwerbseinkommen von nun 30'791 Franken (act. G 5.1.8). Mit Wirkung ab dem 1.
September 2012 setzte die EL-Durchführungsstelle die Ergänzungsleistung
entsprechend herab, wobei sie auch einer geringfügigen Reduktion des Mietzinses und
der Vermögenserträge Rechnung trug (act. G 5.1.7).
A.c Am 9./12. November 2013 reichte die Ehefrau des Versicherten Nachweise ihrer
Bemühungen um eine Arbeitsstelle für den Monat November 2013 ein (act. G 5.2.55).
Die EL-Durchführungsstelle teilte ihr mit, dass die Bemühungen quantitativ
ausreichend, qualitativ aber noch verbesserungsfähig seien (act. G 5.2.53). In den
nachfolgenden Monaten reichte die Ehefrau des Versicherten weitere Nachweise für
die Monate Dezember 2013 bis März 2014 ein (act. G 5.2.45, G 5.2.38 ff.). Ein
Mitarbeiter der EL-Durchführungsstelle notierte (act. G 5.2.37), die Ehefrau des
Versicherten habe sich im Jahr 2012 erneut zum Bezug einer Rente der
Invalidenversicherung angemeldet. Sie habe eine abweisende Verfügung mit einer
Beschwerde angefochten und die Zusprache einer ganzen Rente mit Wirkung ab dem
1. August 2012 beantragt (vgl. IV-act. 110 und 116). Folglich sehe sie sich als nicht
arbeitsfähig. Ihr Verhalten sei widersprüchlich; sie sei offenbar gar nicht daran
interessiert, eine Arbeitsstelle anzutreten. Deshalb müsse weiterhin ein hypothetisches
Erwerbseinkommen angerechnet werden. Mit einer Verfügung vom 27. März 2014 wies
die EL-Durchführungsstelle „das Gesuch um Ausscheidung des hypothetischen
Erwerbseinkommens“ ab (act. G 5.2.35).
A.d Die Ehefrau des Versicherten fuhr fort, Nachweise ihrer Stellenbemühungen
einzureichen (act. G 5.2.31 ff.). Am 12. Mai 2014 erhob der Versicherte eine Einsprache
gegen die Verfügung vom 27. März 2014 (act. G 5.2.27). Er beantragte die Ausrichtung
einer Ergänzungsleistung von mindestens 2'882 Franken pro Monat mit Wirkung
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spätestens ab dem 1. Februar 2014. Zur Begründung führte er an, seine Ehefrau habe
die Abweisung ihres Rentenbegehrens akzeptiert. Ihr Rechtsvertreter habe ohne ihr
Wissen eine Beschwerde gegen die abweisende Verfügung erhoben. Als sie davon
Kenntnis erlangt habe, habe sie ihn aufgefordert, die Beschwerde zurückzuziehen. Der
Rückzug sei am 22. April 2014 erfolgt; das Beschwerdeverfahren sei am 25. April 2014
als gegenstandslos abgeschrieben worden. Die Stellenbemühungen seien ernst
gemeint. Seine Ehefrau werde in den nächsten Tagen beim regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) vorsprechen, um sich als Stellensuchende eintragen
zu lassen. Sie sei gewillt, ein allfälliges Stellenangebot anzunehmen und einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen. In der Folge reichte sie weitere
Stellenbemühungsnachweise ein (act. G 5.2.11, 5.2.14 f. und G 5.2.19 f.). Am 1. Juli
2014 führte eine Mitarbeiterin der EL-Durchführungsstelle ein Telefonat mit der
zuständigen RAV-Personalberaterin. Gemäss der entsprechenden Telefonnotiz (act.
G 5.2.10) gab diese an, die Ehefrau des Versicherten habe beim ersten
Beratungsgespräch am 16. Juni 2014 über Rückenschmerzen geklagt und angegeben,
sie könne aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten. Man habe dann vereinbart,
den Entscheid der EL-Durchführungsstelle abzuwarten und am 30. September 2014 ein
weiteres Beratungsgespräch durchzuführen. Die Mitarbeiterin der EL-
Durchführungsstelle liess diese Telefonnotiz nicht von der RAV-Personalberaterin
bestätigen. Am 2. Juli 2014 notierte ein Mitarbeiter der EL-Durchführungsstelle,
offenkundig habe kein Gesinnungswandel stattgefunden; die Ehefrau des Versicherten
erachte sich nach wie vor als nicht arbeitsfähig, weshalb ihre Stellenbemühungen nicht
als ernsthaft qualifiziert werden könnten (act. G 5.2.9). Mit einem Entscheid vom 10.
Juli 2014 wies die EL-Durchführungsstelle die Einsprache ab (act. G 5.2.6). Zur
Begründung führte sie aus, aufgrund der Angaben der RAV-Personalberaterin sei nach
wie vor davon auszugehen, dass die Ehefrau des Versicherten nicht ernsthaft daran
interessiert sei, eine Arbeitsstelle zu finden.
B.
B.a Am 10. September 2014 erhob der Versicherte (nachfolgend: der
Beschwerdeführer) eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 10. Juli
2014 (act. G 1). Er beantragte dessen Aufhebung und die Zusprache einer
Ergänzungsleistung von mindestens 2'882 Franken pro Monat spätestens ab dem 1.
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Februar 2014. Zur Begründung führte er an, seine Ehefrau habe sich aus eigenem
Antrieb beim RAV gemeldet und damit bewiesen, dass sie nicht nur pro forma eine
Arbeitsstelle suche. Beim ersten Beratungsgespräch habe sie entgegen der
Behauptungen der EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin)
nicht angegeben, sie sei nicht arbeitsfähig. Am 24. Juli 2014 habe ein zweites
Beratungsgespräch stattgefunden. Die Personalberaterin habe anlässlich dieses
Gesprächs die Ehefrau des Beschwerdeführers gleich selbst rückwirkend per 21. Mai
2014 als arbeitslos angemeldet. Sie müsse diese also offenkundig als vermittlungsfähig
qualifiziert haben. Die Vermittlungsfähigkeit setze unter anderem die Bereitschaft
voraus, eine angebotene Stelle anzutreten. Folglich sei mit der Bejahung der
Vermittlungsfähigkeit belegt, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers sich ernsthaft
um eine Arbeitsstelle bemühe.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 17. Oktober 2014 unter Hinweis auf die

Erwägungen des angefochtenen Einspracheentscheides die Abweisung der
Beschwerde (act. G 5). Am 17. November 2014 reichte sie ein „Feststellungsblatt“ vom
13. November 2014 ein (act. G 6). Diesem war zu entnehmen (act. G 5.3.1), dass einer
ihrer Mitarbeiter am 13. November 2014 ein weiteres Gespräch mit der RAV-
Personalberaterin geführt hatte. Diese sollte angegeben haben, dass die Ehefrau des
Beschwerdeführers dort genügende Arbeitsbemühungen nachgewiesen und die
vereinbarten Termine regelmässig wahrgenommen habe. Allerdings bestehe nur ein
Anspruch auf 90 Taggelder. Würde ein weiter gehender Anspruch in Frage kommen,
würde die Ehefrau in ein Einsatzprogramm geschickt, um ihren Arbeitswillen zu klären.
Sie habe Zweifel am Arbeitswillen der Ehefrau. Es sei aber äusserst schwierig, einen
mangelnden Arbeitswillen nachzuweisen. Die Ehefrau trage jeweils ein Kopftuch, was
ihre Erfolgschancen erschwere. An einem von zwei kürzlich erfolgten persönlichen
Vorsprachen bei potentiellen Arbeitgebern sei sie vom Beschwerdeführer begleitet
worden. Bei der Vorsprache habe dann nur dieser mit dem potentiellen Arbeitgeber
gesprochen. Die Ehefrau habe schweigend dagesessen. Auch das Gesprächsprotokoll
vom 13. November 2014 war von der RAV-Personalberaterin nicht durch eine
Unterschrift bestätigt worden.
B.c Am 9. Januar 2015 hielt der Beschwerdeführer an seinem Beschwerdeantrag
fest (act. G 10). Er führte aus, die RAV-Personalberaterin habe sich widersprüchlich
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verhalten. Wenn sie tatsächlich Zweifel am Arbeitswillen der Ehefrau gehabt hätte,
hätte sie den Rechtsdienst der Ausgleichskasse kontaktieren müssen und nicht einfach
weiterhin Arbeitslosenentschädigungen ausrichten dürfen. Zum Arbeitswillen könne
sich nur die Ehefrau des Beschwerdeführers selbst äussern. Sie habe aber mit ihrem
Verhalten bewiesen, dass sie ernsthaft daran interessiert sei, eine Arbeitsstelle zu
finden. Der Umstand, dass die RAV-Personalberaterin mehrmals auf das Kopftuch der
Ehefrau hingewiesen habe, zeige, dass sie ein persönliches Problem damit haben
könnte. Dies könnte ihre Objektivität trüben.
B.d Am 23. Januar 2015 teilte die Leiterin des Sozialamtes der Wohngemeinde des
Beschwerdeführers dem Gericht mit (act. G 11), dass sie mit Befremden Kenntnis von
den Äusserungen der RAV-Personalberaterin genommen habe. Sie unterstütze und
begleite das Ehepaar schon länger und könne bestätigen, dass sich die Ehefrau des
Beschwerdeführers intensiv um eine Arbeit bemühe und bereit sei, jegliche Arbeiten
anzunehmen und auszuführen.
B.e Die Beschwerdegegnerin wies am 10. März 2015 darauf hin, dass nur der
Sachverhalt bis zum Erlass des angefochtenen Einspracheentscheides respektive der
diesem zugrunde liegenden Verfügung massgebend sei (act. G 14).
B.f Am 3. März 2016 forderte das Gericht die Akten des regionalen
Arbeitsvermittlungszentrums und der Arbeitslosenkasse bezüglich die Ehefrau des
Beschwerdeführers an (act. G 16 f.). Der Beschwerdeführer liess am 13. Mai 2016
Stellung zu diesen Akten nehmen (act. G 21). Sein Rechtsvertreter führte aus, die
Ehefrau des Beschwerdeführers habe sich um mehr Arbeitsstellen beworben, als von
ihr verlangt worden sei. Sie habe sich an die Vorgaben des RAV gehalten. Die
Personalberaterin des RAV habe selbst angegeben, dass die Arbeitsbemühungen
genügend seien. Später habe sie zwar notiert, dass sich die Ehefrau des
Beschwerdeführers um Stellen beworben habe, für die sie einen unglaubwürdig langen
Arbeitsweg hätte zurücklegen müssen. Allerdings seien die beiden Arbeitsorte vom
Wohnort der Ehefrau des Beschwerdeführers her mit den öffentlichen Verkehrsmitteln
innert einer Stunde zu erreichen. Die Abmeldung vom RAV sei auf die Initiative der
Personalberaterin hin erfolgt, ohne dass hierfür ein überzeugender Grund vorgelegen
hätte. Die negativen Äusserungen der Personalberaterin, die in den Telefonnotizen der
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Beschwerdegegnerin wiedergegeben worden seien, fänden in den Akten des RAV
keine Entsprechung. Die Personalberaterin hätte allfällige Zweifel am Arbeitswillen der
Ehefrau des Beschwerdeführers aber dokumentieren müssen. Bezüglich des
Gesundheitszustandes finde sich in den Akten eine Aussage der Ehefrau des
Beschwerdeführers vom 24. Juli 2014, wonach der Rücken „kein Problem“ sei. Die
Ehefrau des Beschwerdeführers habe sich also nicht nur qualitativ und quantitativ
ausreichend um eine Arbeitsstelle bemüht. Vielmehr sei auch belegt, dass sie ernsthaft
daran interessiert gewesen sei, eine Arbeitsstelle zu finden.
Erwägungen
1.
Der Beschwerdeführer hat im November 2013 eine laufende Ergänzungsleistung
bezogen, deren Betrag formell rechtskräftig festgesetzt worden war. Mit der
Zusendung von Nachweisen über Stellenbemühungen seiner Ehefrau an die
Beschwerdegegnerin hat er offenkundig eine Korrektur dieser laufenden
Ergänzungsleistung bezweckt. Angesichts des sinngemässen Hinweises, dass seine
Ehefrau sich erstmals für den November 2013 um eine Arbeitsstelle bemüht hatte, hat
es sich bei seiner Eingabe nur um ein Revisionsgesuch (Art. 17 Abs. 2 ATSG) handeln
können. Er hat also eine Erhöhung der Ergänzungsleistung wegen einer relevanten
Sachverhaltsveränderung beantragt. Die Beschwerdegegnerin hat dieses Gesuch mit
ihrer Verfügung vom 27. März 2014 abgewiesen. Auch wenn diese Verfügung keinen
Hinweis auf die revisionsrechtliche Natur des Verfahrens enthalten hat, lässt sich ihr
doch entnehmen, dass die Beschwerdegegnerin das Revisionsgesuch des
Beschwerdeführers mangels einer relevanten Sachverhaltsveränderung hat abweisen
wollen. Folglich hat das mit dieser Verfügung abgeschlossene Verwaltungsverfahren
nur die Frage betroffen, ob sich der für die Anrechnung des hypothetischen
Erwerbseinkommens für die Ehefrau massgebende Sachverhalt wesentlich verändert
hatte. Da der Gegenstand des Einspracheverfahrens nicht weiter als jener des
Verwaltungsverfahrens hat sein können und da die Beschwerdegegnerin diesen
Gegenstand auch nicht (unzulässigerweise) ausgedehnt hat, hat sich auch der
angefochtene Einspracheentscheid vom 10. Juli 2014 auf diese revisionsrechtliche
Frage beschränkt. Damit ist auch der Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens
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definiert: Streitig und zu prüfen ist, ob sich der für die Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens für die Ehefrau des Beschwerdeführers
massgebende Sachverhalt im November 2013 relevant verändert hat.
2.
2.1 Gemäss dem Art. 9 Abs. 2 ELG bilden Ehepaare bei der Anspruchsberechnung
eine wirtschaftliche Einheit; ihre Ausgaben und Einnahmen werden
zusammengerechnet. Beide Ehegatten profitieren gleichermassen von der Zusprache
einer Ergänzungsleistung. Welcher der beiden Ehegatten die persönlichen
Voraussetzungen für den Bezug einer Ergänzungsleistung erfüllt, ist also rein
wirtschaftlich betrachtet nebensächlich. Da der eine Ergänzungsleistungszusprache
auslösende „Schaden“ darin besteht, dass die Einnahmen des Ehepaares nicht
ausreichen, um die notwendigen Ausgaben zu decken, und da
Sozialversicherungsleistungsbezüger verpflichtet sind, alles ihnen Mögliche und
Zumutbare zur Minimierung eines relevanten „Schadens“ beizutragen, sind
Ergänzungsleistungsbezüger und ihre Ehegatten gleichermassen verpflichtet, ihren
Beitrag an den Unterhalt der Ehegemeinschaft zu leisten. Kommt eine Person dieser
Pflicht nicht oder nur unzureichend nach, indem sie beispielsweise kein
Erwerbseinkommen erzielt, obwohl ihr dies möglich und zumutbar wäre, sieht der Art.
11 Abs. 1 lit. g ELG die Anrechnung des Einkommens, auf das verzichtet wird, als
Reaktion vor. Das bedeutet, dass vom realen Sachverhalt – kein Erwerbseinkommen –
abstrahiert und auf einen fiktiven Sachverhalt abgestellt wird. Es wird fingiert, dass die
betroffene Person ihre Erwerbsmöglichkeiten vollständig ausnutzt. Für die
Beantwortung der Frage, wie hoch das zumutbarerweise erzielbare, so genannte
hypothetische Erwerbseinkommen ist, sind sämtliche Umstände des konkreten
Einzelfalls zu berücksichtigen. Namentlich ist allfälligen
Gesundheitsbeeinträchtigungen, der beruflichen Ausbildung, der bisherigen
Berufskarriere, den Verhältnissen auf dem konkreten, tatsächlichen Arbeitsmarkt und
allfälligen Hinderungsgründen wie Betreuungspflichten gegenüber minderjährigen
Kindern Rechnung zu tragen (vgl. zum Ganzen Ralph Jöhl, Die Ergänzungsleistungen
zur AHV/IV, in: Schweizerisches Bundessozialversicherungsrecht, Band XIV Soziale
Sicherheit, 3. Aufl. 2016, Rz. 125 ff.).
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2.2 Gemäss den für das IV-Verfahren massgebenden medizinischen Berichten ist
die Ehefrau des Beschwerdeführers krankheitsbedingt nicht mehr in der Lage, einer
vollzeitigen Erwerbstätigkeit nachzugehen. Sie ist nur noch zu 70 Prozent arbeitsfähig.
Mangels einer beruflichen Ausbildung kann sie ihre verbliebene Arbeitsfähigkeit nur in
einer Hilfsarbeit verwerten. Weder das Anforderungsprofil noch etwaige
Betreuungspflichten oder andere Umstände sprechen gegen die Verrichtung einer
Hilfsarbeit in einem Pensum von 70 Prozent. Aufgrund der allgemeinen
Lebenserfahrung ist zu vermuten, dass eine arbeitsfähige (und nötigenfalls einen unter
dem Zentralwert der Löhne aller Hilfsarbeiter gemäss den Ergebnissen der vom
Bundesamt für Statistik regelmässig durchgeführten Lohnstrukturerhebung liegenden
Lohn akzeptierende) Person eine Arbeitsstelle auf dem tatsächlichen Arbeitsmarkt
finden und ein entsprechendes Erwerbseinkommen erzielen kann. Die natürliche
Vermutung, dass der tatsächliche Arbeitsmarkt für jeden, der arbeiten will und kann,
eine offene Arbeitsstelle bereit hält, ist gleichzeitig auch die Vermutung, dass eine
arbeitsfähige Person, die nicht arbeitet, selbstverschuldet arbeitslos ist, weil es ja auch
für sie eine passende offene Stelle auf dem tatsächlichen Arbeitsmarkt hat. Deshalb
muss diese Person durch ernsthafte, aber erfolglose Arbeitsbemühungen die
Vermutung der „Selbstverschuldetheit“ der Arbeitslosigkeit widerlegen. Da sich die
Ehefrau des Beschwerdeführers bis Ende Oktober 2013 nicht um eine Arbeitsstelle
bemüht hat, hat bis zu diesem Zeitpunkt davon ausgegangen werden müssen, dass die
Arbeitslosigkeit der Ehefrau des Beschwerdeführers selbstverschuldet sei, das heisst
ihre Ursache darin finde, dass sich diese nicht ausreichend und ernsthaft um eine
Arbeitsstelle bemüht habe. Ab November 2013 hat die Ehefrau des Beschwerdeführers
begonnen, sich um Arbeitsstellen zu bewerben. Damit hat sie versucht, die Vermutung,
ihre Arbeitslosigkeit sei selbstverschuldet, zu widerlegen. Zwar hat sich damit nichts
am realen Sachverhalt geändert, weil sie trotz ihrer Arbeitsbemühungen nach wie vor
kein Erwerbseinkommen erzielt hat. Die Grundlage der Vermutung, die Arbeitslosigkeit
sei selbstverschuldet, ist dadurch aber möglicherweise beeinflusst worden. Wenn
nämlich die Arbeitsbemühungen als ernsthaft und ausreichend zu qualifizieren wären,
wäre die davor unwiderlegte Vermutung nun widerlegt gewesen, weil die Ehefrau des
Beschwerdeführers nachgewiesen hätte, dass sie im November 2013 unverschuldet
keine Arbeitsstelle gefunden hätte. Entsprechend hätte sie ebenfalls unverschuldet am
1. Dezember 2013 keine Arbeitsstelle antreten und kein Erwerbseinkommen erzielen
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können, weshalb ab diesem Zeitpunkt kein Einkommensverzicht im Sinne des Art. 11
Abs. 1 lit. g ELG mehr vorgelegen hätte und folglich kein hypothetisches
Erwerbseinkommen mehr hätte angerechnet werden dürfen. Darin wäre eine relevante
Sachverhaltsveränderung zu erblicken, die eine Revision im Sinne des Art. 17 Abs. 2
ATSG rechtfertigen würde.
3.
Rein formal betrachtet hat sich die Ehefrau des Beschwerdeführers ausreichend um
eine Arbeitsstelle bemüht; die Nachweise ihrer Stellenbemühungen sind als form- und
anzahlmässig genügend zu qualifizieren. Auch der Umstand, dass sie sich beim RAV
angemeldet hat, kann als ein Indiz für eine ernsthafte Arbeitssuche gewertet werden.
Obwohl sie gegenüber der Personalberaterin des RAV angegeben hat, sie suche eine
Vollzeitstelle und sie sei gesundheitlich in der Lage, einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit
nachzugehen, ist im Zeitpunkt der Anmeldung beim RAV aber ein Verfahren betreffend
eine Rente der Invalidenversicherung hängig gewesen. Die von der Ehefrau des
Beschwerdeführers gegenüber der IV-Stelle geltend gemachten Rückenbeschwerden
müssen auch in den Beratungsgesprächen beim RAV thematisiert worden sein, denn
diese sind der Personalberaterin bekannt gewesen. Ihr gegenüber hat die Ehefrau des
Beschwerdeführers allerdings erklärt, der Rücken sei „kein Problem“. Gemäss den IV-
Akten war ihr noch im Januar 2013 für die Zeit ab März 2011 eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit attestiert worden (IV-act. 89). In einem psychiatrisch-orthopädischen
Gutachten vom Mai 2013 war berichtet worden, sie verlasse die Familienwohnung nur
noch äusserst selten (IV-act. 96–23). Im August 2013 hatte ihr Rechtsvertreter geltend
gemacht, es müsse nach wie vor von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit
ausgegangen werden (IV-act. 102). Ein Hinweis dafür, dass sich der
Gesundheitszustand der Ehefrau des Beschwerdeführers danach wesentlich verändert
hätte, lässt sich in den Akten nicht finden. Ebenso fehlt ein Hinweis dafür, dass sich
deren subjektive Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung im Zeitraum zwischen August 2013
und der Aufnahme der Arbeitsbemühungen im November 2013 geändert hätte. Im
Gegenteil hat die Ehefrau des Beschwerdeführers im November 2013 eine Beschwerde
gegen die Verfügung der IV-Stelle erheben lassen, mit der diese ihr Rentenbegehren
abgewiesen hatte. Die Ausführungen der Ehefrau des Beschwerdeführers, ihr
Rechtsvertreter habe ohne ihr Wissen und ohne ihre Zustimmung gehandelt, denn sie
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habe die abweisende Verfügung akzeptieren wollen, sind wenig glaubwürdig.
Massgebend ist aber ohnehin, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers zunächst
gegenüber der IV-Stelle eine volle Arbeitsunfähigkeit behauptet hatte und dass sie
später nicht mehr auf diese Behauptung zurückgekommen ist. Sie hat sich also
widersprüchlich verhalten, indem sie gegenüber dem RAV behauptet hat, sie sei
uneingeschränkt arbeitsfähig, während sie gegenüber der IV-Stelle mit keinem Wort
zum Ausdruck gebracht hat, sie sei nun nicht mehr vollständig arbeitsunfähig.
Gegenüber der Beschwerdegegnerin hat die RAV-Personalberaterin zudem Zweifel an
der Ernsthaftigkeit der Arbeitsbemühungen respektive am Arbeitswillen der Ehefrau des
Beschwerdeführers geäussert. Die Beschwerdegegnerin hat die Aussagen
unverständlicherweise nicht unterschriftlich bestätigen lassen, doch sind die
entsprechenden Telefonnotizen im Rahmen der freien Beweiswürdigung zumindest als
Indizien dafür zu betrachten, dass sich die Ehefrau des Beschwerdeführers
möglicherweise nicht ernsthaft um eine Arbeitsstelle bemüht hat. Trotz der formal
ausreichenden Arbeitsbemühungen der Ehefrau des Beschwerdeführers finden sich
auch in den Akten des RAV Hinweise dafür, dass die Personalberaterin an der
Ernsthaftigkeit der Arbeitsbemühungen gezweifelt hat. So hat sie erwähnt, dass sich
die Ehefrau des Beschwerdeführers teilweise um ungeeignete respektive um
unpassende Arbeitsstellen beworben habe, weshalb die Arbeitsbemühungen als
qualitativ ungenügend zu qualifizieren seien. In einem Fall dürfte zwar ein
Missverständnis vorgelegen haben, weil sich die Ehefrau des Beschwerdeführers um
eine Arbeitsstelle bei einem Unternehmen mit Sitz in B._ beworben hat, der
Arbeitsort aber in C._ gelegen hätte. Die Personalberaterin des RAV ist aber nicht
aufgrund dieser einen Bewerbung zum Schluss gelangt, die Bemühungen der Ehefrau
des Beschwerdeführers seien unglaubwürdig. Es hat sich dabei vielmehr um eine
Einschätzung des gesamten Verhaltens der Ehefrau des Beschwerdeführers gehandelt.
An dieser Einschätzung ändert auch der Umstand nichts, dass der Arbeitsweg bei als
unglaubwürdig qualifizierten Bewerbungsbemühungen gemäss dem Art. 16 lit. f AVIG
(e contrario) als zumutbar gegolten hätte, denn es handelt sich dabei nicht um eine
Würdigung bezüglich der Schadenminderungspflicht in der Form der Annahme einer
angebotenen Stelle, sondern um eine subjektive Einschätzung bezüglich des
Arbeitswillens der Ehefrau des Beschwerdeführers. Diese ist schliesslich sogar der
Grund dafür gewesen, dass die Personalberaterin des RAV eine weitere Unterstützung
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bei der Stellensuche als sinnlos erachtet und die Ehefrau des Beschwerdeführers
deshalb im März 2015 vom RAV abgemeldet hat. Gesamthaft bestehen also Zweifel an
der Ernsthaftigkeit der (formal ausreichenden) Arbeitsbemühungen der Ehefrau des
Beschwerdeführers. Allerdings hat das RAV die subjektive Vermittlungsfähigkeit der
Ehefrau des Beschwerdeführers bejaht, was die Arbeitslosenkasse veranlasst hat,
entsprechende Leistungen der Arbeitslosenversicherung auszurichten. Die Zweifel der
Personalberaterin des RAV an der Ernsthaftigkeit der Arbeitsbemühungen der Ehefrau
des Beschwerdeführers können also nicht so gravierend gewesen sein, dass die
subjektive Vermittlungsfähigkeit hätte verneint werden müssen. Dies dürfte auch
erklären, weshalb die Zweifel der Personalberaterin anfangs keinen Niederschlag in den
Akten gefunden haben. Der Entscheid des RAV respektive der Arbeitslosenkasse, die
subjektive Vermittlungsfähigkeit der Ehefrau des Beschwerdeführers zu bejahen, kann
retrospektiv anhand der Akten nicht als falsch erachtet werden. Trotz der Zweifel an
der Ernsthaftigkeit der Arbeitsbemühungen ist deshalb – dem Ermessensentscheid des
RAV folgend – von einer unverschuldeten Arbeitslosigkeit auszugehen. Dies gilt nicht
nur für den Zeitraum ab der Anmeldung beim RAV im Mai 2014, sondern muss auch für
den Zeitraum ab November 2013 gelten, da sich die Ehefrau des Beschwerdeführers
bereits damals im selben Umfang um eine Arbeitsstelle bemüht hatte und keine
Hinweise dafür vorliegen, dass sie dies damals weniger ernsthaft getan hätte. Für die
Zukunft wird die Beschwerdegegnerin selbstverständlich Monat für Monat zu prüfen
haben, ob sich die Ehefrau des Beschwerdeführers ausreichend und ernsthaft um eine
Arbeitsstelle bemüht.
4.
Damit ist die Beschwerde gutzuheissen. Der angefochtene Einspracheentscheid ist
deshalb aufzuheben und die Sache ist zur Neuberechnung der Ergänzungsleistung
ohne die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens der Ehefrau des
Beschwerdeführers für die Zeit ab dem 1. Dezember 2013 an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Damit kann die Frage unbeantwortet bleiben, ob ein ausserordentlich
hoher Abzug von 30 Prozent von 70 Prozent des Zentralwertes der Löhne aller
Hilfsarbeiterinnen im vorliegenden Fall gerechtfertigt gewesen wäre. Gerichtskosten
sind gemäss dem Art. 61 lit. a ATSG keine zu erheben. Die Beschwerdegegnerin hat
der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung auszurichten. Diese ist angesichts
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des überdurchschnittlichen Aktenumfangs respektive unter Berücksichtigung der
Tatsache, dass auch die IV-Akten und die RAV-/ALK-Akten betreffend die Ehefrau des
Beschwerdeführers haben studiert werden müssen, auf 3'500 Franken (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.