Decision ID: 0b72cef6-0691-4616-9a40-56e3cc90e57a
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1 Der 1965 geborene Z._ bezieht seit September 2002 (Urk. 2/28b) eine ganze Rente der Invalidenversicherung. Seine Frau A._ bezieht seit Januar 2004 eine halbe Rente der Invalidenversicherung (Urk. 2/28a). Am 23. Oktober 2006 meldeten sie sich sowie die eheliche Tochter B._, geboren 2001, und den Sohn von A._, C._, geboren 1995, zum Bezug von Ergänzungsleistungen an (Urk. 2/27). In der Folge richtete der Kanton X._ Ergänzungsleistungen aus (die Akten sind diesbezüglich nicht vollständig, vgl. Urk. 2/26).
1.2 Am 25. Juni 2008 zog A._ wegen gewalttätiger Übergriffe ihres Ehemannes von ihrer damaligen Wohnung in D._ ins Frauenhaus Y._ (Urk. 2/25/3). Am 3. Juli 2008 wurde die Tochter B._ im Kinderschutzzentrum X._ untergebracht und gleichzeitig wurde den Eltern Z._ und A._ die Obhut entzogen (Urk. 1 Ziff. IV 3). Am 21. August 2008 erfolgte eine Umplatzierung von B._ in die sozialpädagogische Wohngruppe E._ in F._ (Urk. 2/24). Ab 15. September 2008 mietete A._ ihre eigene Wohnung in der Stadt Y._ (Urk. 2/23) und erlangte am 2. April 2009, zusammen mit ihrem Sohn C._, nach einem Wiedererwägungsgesuch, die Niederlassungsbewilligung im Kanton Zürich rückwirkend per 19. Oktober 2008 (Urk. 2/19a). Am 20. November 2009 wurde der Entzug der elterlichen Obhut gegenüber der Mutter A._ aufgehoben und gegenüber dem Vater Z._ bestätigt. Ab diesem Datum wohnte B._ bei ihrer Mutter in Y._ (Urk. 2/8).
1.3 Am 16. März 2009 (Urk. 2/19b) verfügte die Stadt Y._, Departement Soziales, Zusatzleistungen zur AHV/IV (Durchführungsstelle), rückwirkend per Oktober 2008 über den Anspruch auf Zusatzleistungen für A._ und ihren Sohn C._.
Die SVA X._, Ausgleichskasse, richtete ab dem 1. Juli 2008 (Urk. 2/15/4 für Juli/August 2008) bis zum 30. November 2009 (Urk. 2/15/8 für September-Dezember 2008, Urk. 2/15/1 für den Zeitraum ab dem 1. Januar 2009 und Urk. 2/5) für B._ Ergänzungsleistungen an die Gemeinde D._ aus, bezeichnete diese aber jeweils als „provisorisch“.
Mit einer an das Sozialamt des Kantons Zürich, Zusatzleistungen, adressierten Verfügung vom 27. November 2009 (Urk. 2/6) forderte die SVA X._ die im Zeitraum vom 1. Juli 2008 bis 30. November 2009 ausgerichteten ordentlichen und ausserordentlichen Ergänzungsleistungen in der Höhe von insgesamt Fr. 32'640.-- zurück. Mit Schreiben vom 2. Dezember 2009 (Urk. 2/4) wurde die Rückforderungsverfügung an die Durchführungsstelle der Stadt Y._ weitergeleitet, welche am 5. Januar 2010 Einsprache (Urk. 2/2) dagegen erhob.
Mit als Verfügung bezeichnetem Entscheid hob die SVA X._ am 21. Oktober 2010 (Urk. 2/29) die Verfügung vom 27. November 2009 auf, ersuchte jedoch gleichentags die Durchführungsstelle darum, den Anspruch auf Ergänzungsleistungen von B._ ab Oktober 2008 zu prüfen. Mit formlosem Schreiben vom 15. November 2010 teilte die Durchführungsstelle mit Verweis auf die Einsprache daraufhin mit, man sehe keine gesetzliche Grundlage für eine Anspruchsprüfung. Am 22. November 2010 (Urk. 2/32) ersuchte die SVA X._ erneut um Prüfung des Anspruchs und verlangte gleichzeitig eine (anfechtbare) Verfügung. Am 28. März und 19. April 2011 (Urk. 2/33 und 2/34) erinnerte die SVA X._ die Durchführungsstelle an ihr Begehren und am 23. Juni 2011 (Urk. 2/35) drohte sie eine Rechtsverweigerungsbeschwerde an.
2. Am 2. September 2011 (Urk. 1) erhob die SVA X._ eine Rechtsverweigerungsbeschwerde gegen die Stadt Y._. Diese schloss in der Beschwerdeantwort vom 6. Oktober 2011 (Urk. 5) auf Abweisung der Beschwerde. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels hielten die Parteien je an ihren Anträgen fest (Urk. 9 und 12).
Auf die einzelnen Ausführungen wird - soweit erforderlich - in den Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Beschwerde kann erhoben werden, wenn ein Versicherungsträger entgegen dem Begehren einer betroffenen Partei (Art. 59 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG) keine Verfügung erlässt (Art. 56 Abs. 2 ATSG). Zuständig ist das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versicherte Person ihren Wohnsitz hat.
Nachdem die SVA X._ geltend macht, die Versicherte B._, um deren Anspruch auf Zusatzleistungen es hier geht, habe im fraglichen Zeitraum ihren Wohnsitz bei der Mutter in Y._ gehabt und demzufolge sei die Stadt Y._ zuständig für die Ausrichtung von Zusatzleistungen, ist das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich für die zulässige Rechtsverweigerungsbeschwerde zuständig und es ist darauf einzutreten.
2. Streitgegenstand einer Rechtsverweigerungs- oder Rechtsverzögerungsbeschwerde sind nicht die materiellen Rechte, sondern lediglich die Frage, ob der angesprochene Versicherungsträger gehalten gewesen wäre, eine anbegehrte Verfügung zu erlassen (Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zürich 2009, N 14 zu Art. 56 ).
3.
3.1 Ergeben sich bei den Zusatzleistungen Streitigkeiten um die Zuständigkeit, ist nach Art. 35 ATSG zu verfahren. Die Behörde, die sich nicht als zuständig erachtet, hat eine Verfügung zu erlassen (Art. 35 Abs. 3 ATSG). Dabei handelt es sich um eine Zwischenverfügung, gegen welche eine Beschwerde an das kantonale Versicherungsgericht eingereicht werden kann (Art. 56 Abs. 1 ATSG; Kieser, a.a.O, N 13 und N 20 zu Art. 35, N 30 zu Art. 52, je mit weiteren Hinweisen).
3.2 Demzufolge hätte die Durchführungsstelle der Stadt Y._ aufgrund des Begehrens der SVA X._ eine anfechtbare Verfügung erlassen müssen, welche dann ihrerseits den Weg zu einer gerichtlichen Überprüfung der materiellen Frage eröffnet.
Nachdem die SVA X._ ohnehin nicht zuständig war, über den Anspruch der Versicherten gegenüber der Durchführungsstelle der Stadt Y._ zu verfügen, steht die Aufhebung der Verfügung vom 27. November 2009 durch die SVA X._ einer Anspruchsprüfung durch die Stadt Y._ nicht entgegen.
3.3 Damit ist die Rechtsverweigerungsbeschwerde gutzuheissen und die Durchführungsstelle ist anzuweisen, ihre Zuständigkeit für den fraglichen Zeitraum zu prüfen und darüber zu verfügen.