Decision ID: 7c7b0f6c-7590-5932-b583-2a604c019eba
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roland Hochreutener, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
berufliche Massnahmen
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Sachverhalt:
A.
A.a A._, meldete sich am 17. September 2010 zum Bezug von IV-Leistungen
(Massnahmen für die berufliche Eingliederung) an (IV-act. 1). Dr. med. B._,
Allgemeine Medizin & Akupunktur, führte in ihrem Schreiben vom 6. Oktober 2010 an
den Regionalen Ärztlichen Dienst Ostschweiz (in der Folge: RAD) als Diagnose mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine lumbale Radikulopathie bei Diskushernie L4/L5
auf. Die Beschwerden bestünden seit dem 13. Juli 2010. Die belastungsabhängigen
Schmerzen würden in beide Oberschenkel ausstrahlen und vor allem bei einseitiger
Belastung und beim Heben von schweren Lasten auftreten. Trotz dieser Defizite könne
eine leichte körperliche Tätigkeit bis zu sechs Stunden pro Tag ausgeführt werden. In
der ursprünglichen Tätigkeit könne keine volle Arbeitsfähigkeit erreicht werden.
Aufgrund der lumbalen Diskurshernie mit Nervenwurzelreizung beidseits sei
unabhängig von den Therapiemassnahmen eine eingeschränkte Belastbarkeit des
Rückens zu erwarten (IV-act. 10). Gestützt auf diesen Arztbericht erachtete der RAD
am 26. Oktober 2010 die Eingliederungsfähigkeit für gegeben. Die Arbeitsfähigkeit
betrage adaptiert mindestens 50 % (IV-act. 15).
A.b Im Rahmen eines Assessmentgesprächs vom 23. März 2011 äusserte sich der
Versicherte in Bezug auf seine berufliche Situation dahingehend, er sei zurzeit noch bei
der Firma C._ angestellt. Umplatzierungsmöglichkeiten bestünden keine. Er habe in
Z._ ein Studium zum Bauingenieur absolviert. Er werde sich nun bemühen, das
Diplom in der Schweiz anerkennen zu lassen (vgl. Ergebnis-Protokoll nach
Assessmentgespräch vom 16. Mai 2011; IV-act. 33).
A.c Vom 16. Mai bis 1. Juni 2011 befand sich der Versicherte in einem stationären
Aufenthalt in der Klinik Valens. Im Austrittsbericht vom 8. Juni 2011 werden folgende
Diagnosen aufgeführt: Chronisches lumbospondylogenes Syndrom beidseits seit 2008
(MRI der LWS vom 21.10.2010: Diskusdehydration L4/L5 und L5/S1 mit breitbasigen
Diskushernien in jenen Segmenten, Spondylarthrose L5/S1, Gelenkergüsse in den
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Facettengelenken LWK4/5 und LWK5/SWK1, beidseits; St. n. mehrfachen Infiltrationen
periradikulär, Facettengelenke und Diskographie ohne Erfolg; Wirbelsäulenfehlhaltung,
muskuläre Dysbalance) sowie Vitamin D3-Mangel. Es bestehe weiterhin eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit für die bisherige Tätigkeit als Fassaden-Isolateur. Für eine leichte
wechselbelastende Verweistätigkeit sei eine ganztägige Arbeitsfähigkeit gegeben (IV-
act. 40).
A.d Im Rahmen einer weiteren Fallbesprechung bei der IV-Stelle vom 24. August 2011
hielt der Versicherte fest, er könne sich vorstellen, in einem Architekturbüro zu arbeiten.
Eventuell müsste er dafür noch einen Kurs machen, um z.B. ein EDV-Programm zu
lernen, das in solchen Büros zum Einsatz komme. Ausserdem möchte er auch
anfangen Deutsch zu lernen (IV-act. 41).
A.e Im Arztbericht vom 3. Oktober 2011 gab die Klinik Valens eine unveränderte
Diagnose an. Auch die Fragen zur Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und in einer
adaptierten Tätigkeit wurden gleich beantwortet. Hinsichtlich der Frage, wie eine
behinderungsangepasste Arbeit aussehe, gab die Klinik an, dem Versicherten seien
folgende Aktivitäten nicht mehr zumutbar: Rein sitzende und rein stehende Tätigkeiten,
Bücken, Über-Kopf-Arbeiten, Kauern, Knien, Rotation im Sitzen/Stehen, auf Leitern/
Gerüste steigen, Heben und Tragen körperfern. Zumutbar seien wechselbelastende
Tätigkeiten, vorwiegend im Gehen ausgeübte Tätigkeiten, Heben und Tragen max. 10
bis 15 kg körpernah; Treppensteigen. Diese Beurteilung gelte ab sofort.
Möglicherweise sei eine initial abgestufte Einsatzzeit in einer leidensadaptierten
Tätigkeit mit leichten Gewichtsbelastungen durchaus sinnvoll, um diese dann im
weiteren Verlauf schrittweise zu steigern (IV-act. 45).
A.f Vom 12. September bis 7. Oktober 2011 nahm der Versicherte an einem
Deutschkurs Intensivniveau A1 teil (IV-act. 52). Anlässlich des Gesprächs vom 12.
Oktober 2011 erklärte er, es sei ihm bei dem Kurs nicht gut ergangen. Der Kurs sei
immer am Vormittag gewesen, und er habe mehrmals hinaus gehen müssen, um herum
zu laufen. Aber auch das längere Gehen habe Probleme bereitet. Zweimal habe er dem
Kurs sogar fern bleiben müssen (vgl. IV-act. 56-4). Vom 7. November bis 2. Dezember
2011 absolvierte der Versicherte einen weiteren Deutschkurs (Intensivniveau A2; IV-act.
52-2).
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A.g Am 16. Januar 2012 erklärte der Versicherte gegenüber der IV-Stelle, dass es sein
Wunsch sei, z.B. den Kurs "Archi-CD" zu machen. Dieser dauere nur ein paar Tage. Im
Anschluss daran würde er eine Stelle suchen oder ein Praktikum machen. Im Falle
eines Praktikums würde er es sich auch wünschen, dass die IV das Taggeld
übernehme (IV-act. 56-5). Die IV-Stelle teilte dem Versicherten bei der nächsten
Besprechung vom 13. Februar 2012 mit, dass die Archicad-Schulung nur für
Architekten sei. Mit A1- und A2-Deutschkenntnissen sei es nicht möglich, dass die
Invalidenversicherung einen Kurs finanziere, bei dem nicht klar sei, wie viel der
Versicherte effektiv davon profitiere. Es gebe noch die Möglichkeit einer Unterstützung
in Form von Arbeitsversuchen, falls der Versicherte Kontakt zu einem Architekturbüro
habe. Dem Versicherten wurde sodann eröffnet, dass die Rahmenbedingungen derzeit
gegen Eingliederungsmassnahmen sprechen würden, da er sich nicht zu 100 %
arbeitsfähig fühle (IV-act. 56-6).
A.h In einem Schreiben vom 14. März 2012 stellte der Beratungs- und Sozialdienst
des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) für den Versicherten "Antrag auf
Kostenübernahme Umschulung". Dem Versicherten sei es aufgrund seiner Schmerzen
nicht mehr möglich, auf dem Bau schwere Arbeiten zu verrichten. Eine Tätigkeit als
Bauzeichner wäre hingegen eine optimale Lösung. Er benötige lediglich drei Kurse, in
denen er die Schweizer CAD-Zeichnungssoftware kennen lerne. Der Versicherte habe
seine Deutschkenntnisse verbessert. Die Schmerzspezialistin des KSSG empfehle
aufgrund der Schmerzproblematik eine leichte körperliche Tätigkeit, vorwiegend im
Innenbereich. Die Chancen zur Wiedereingliederung des Versicherten bezeichne sie als
gut und sie empfehle dringend, eine Umschulung oder eine Weiterbildung zu forcieren.
Seine Motivation wieder arbeiten zu wollen sei klar ersichtlich (IV-act. 60-1f.).
A.i Mit Schreiben vom 13. April 2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, er
habe keinen Anspruch auf berufliche Massnahmen. Gemäss den getätigten
Abklärungen fühle er sich nicht in der Lage, an Eingliederungsbemühungen
mitzuwirken. Unter diesen Voraussetzungen seien berufliche Massnahmen nicht
angezeigt (IV-act. 61). Der Versicherte verlangte am 24. April 2012 eine
beschwerdefähige Verfügung (IV-act. 67). Seitens der IV-Stelle erging diese am 27.
April 2012 (IV-act. 68).
B.
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B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde des Versicherten,
vertreten durch Rechtsanwalt Norbert Hochreutener, vom 25. Mai 2012. Der
Beschwerdeführer beantragt unter Kosten- und Entschädigungsfolgen, es sei die
angefochtene Verfügung aufzuheben; es seien ihm berufliche Massnahmen, namentlich
eine Umschulung, zu gewähren; eventualiter sei die Streitsache zur Durchführung
weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Zur Begründung
lässt der Beschwerdeführer ausführen, es sei unzutreffend, dass er nicht in der Lage
sei, an Eingliederungsbemühungen mitzuwirken (act. G 1). In seiner
Beschwerdeergänzung vom 4. Juli 2012 führt der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers aus, die Begründung der Beschwerdegegnerin für die
Verweigerung von beruflichen Massnahmen sei nicht stichhaltig. So sei nicht
hinreichend belegt, dass der Beschwerdeführer nicht in der Lage wäre an
Eingliederungsbemühungen teilzunehmen. Auch sei unzutreffend, dass für die
Gewährung eines Umschulungsanspruchs die Erwerbseinbusse zu tief sei. Bei
Verneinung der Voraussetzungen für eine Umschulung müssten im Übrigen weitere
berufliche Massnahmen (Integrationsmassnahmen, Berufsberatung, Arbeitsversuch)
geprüft werden; dies zumal der Beschwerdeführer seine Deutschkenntnisse inzwischen
deutlich verbessert habe und der Eingliederung somit keine sprachlichen Hindernisse
mehr entgegenstünden. Schliesslich sei zu beachten, dass von der
Beschwerdegegnerin die Rahmenbedingungen für eine leidensadaptierte Tätigkeit
ungenügend abgeklärt worden seien (act. G 3).
B.b Am 14. September 2012 reichte die Beschwerdegegnerin ihre
Beschwerdeantwort ein. Darin beantragt sie, die Beschwerde sei abzuweisen. Zur
Begründung führt sie aus, sie sei ihrer Untersuchungspflicht vollumfänglich
nachgekommen. Die Klinik Valens habe klar aufgezeigt, wie eine adaptierte Tätigkeit
aussehe. Auch habe der RAD am 16. Juli 2012 nochmals dezidiert zu den
Anforderungen an eine adaptierte Tätigkeit Stellung genommen. Darauf werde
verwiesen. Was den Anspruch auf Umschulung betreffe, sei der Beschwerdeführer als
Hilfskraft zu qualifizieren. Da der Beschwerdeführer in einer adaptierten Beschäftigung
voll arbeitsfähig sei, werde er invaliditätsbedingt nicht mit einer erheblichen
Erwerbseinbusse zu rechnen haben. Es könne sodann nicht gesagt werden, dass Art
und Schwere des Gesundheitsschadens so schwer wiegen würden, dass beim
Beschwerdeführer in seiner Eigenschaft als Hilfsarbeiter nur mit einer höherwertigen
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Ausbildung eine angemessene Verwertung der verbliebenen Leistungsfähigkeit
resultiere; die Schwierigkeit des Beschwerdeführers in der Verwertung der
Arbeitsfähigkeit liege vor allem in seinen noch nicht ausreichenden
Deutschkenntnissen. Die angefochtene Verfügung erweise sich im Ergebnis als korrekt.
Richtigerweise wäre jedoch der Umschulungsanspruch zufolge Fehlens der "IV-
rechtlichen Voraussetzungen" und der Anspruch auf die weiteren Massnahmen
aufgrund der fehlenden subjektiven Eingliederungsbereitschaft abzuweisen gewesen
(act. G 6).
B.c In seiner Replik vom 6. November 2012 hält der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers an seinen Rechtsbegehren fest. Er führt aus, dass gemäss
Einschätzung der Klinik Valens derzeit noch keine volle Leistungsfähigkeit bestehe, die
Einsatzzeit könne erst nach und nach gesteigert werden. Was die nachträgliche
Stellungnahme des RAD vom 16. Juli 2012 betreffe, sei diese dem Beschwerdeführer
nicht zur Prüfung zugestellt worden. Es liege einerseits eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs vor, andererseits auch eine Verletzung des Devolutiveffekts. Der
Rechtsvertreter weist sodann darauf hin, selbst wenn die ausländische Ausbildung zum
Bauingenieur einer analogen Ausbildung in der Schweiz nicht vollumfänglich
entsprechen sollte, sei vorliegend doch entscheidend, dass der Beschwerdeführer über
eine vollwertige Berufsausbildung verfüge und dementsprechend auch Anspruch auf
eine gleichwertige Tätigkeit habe. Aufgrund einer Umschulung würde nicht ohne
weiteres ein höheres Einkommen erzielt; diese ziele vielmehr darauf ab, das bisherige
Einkommensniveau zu erhalten. Unzutreffend sei schliesslich, dass die
Deutschkenntnisse des Beschwerdeführers nach wie vor unzureichend seien. Davon
abgesehen sei fragwürdig mit dem Argument der ungenügenden Sprachkenntnisse den
Anspruch auf Frühinterventionsmassnahmen zu verneinen (act. G 9).
B.d Mit Duplik vom 9. November 2012 weist die Beschwerdegegnerin darauf hin, im
Falle ausreichender Deutschkenntnisse würde sie die Kosten für den beantragten Kurs
durchaus übernehmen. Gemäss den vorliegenden Akten sei jedoch nicht erstellt, dass
die Deutschkenntnisse nun plötzlich kein Problem mehr sein sollen (act. G 11).

Erwägungen:
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1.
1.1 Gegenstand der angefochtenen Verfügung und damit zu prüfen ist der Anspruch
des Beschwerdeführers auf berufliche Massnahmen.
1.2 Nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) haben Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbs
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen,
zu erhalten oder zu verbessern (lit. a) und die Voraussetzungen für den Anspruch auf
die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b). Die Eingliederungsmassnahmen bestehen
u.a. in Massnahmen beruflicher Art: Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung,
Umschulung, Arbeitsvermittlung sowie Kapitalhilfe (Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG).
2.
Die Beurteilung der Ansprüche einer versicherten Person, welche durch eine Zurück
setzung der erwerblichen Leistungsfähigkeit infolge gesundheitlicher Beeinträchtigung
begründet werden, setzt zunächst unabdingbar verlässliche medizinische Angaben zu
dieser gesundheitlichen Beeinträchtigung voraus. Es ist von Bedeutung, inwiefern die
versicherte Person durch das Leiden in den Funktionen, welche die in Frage
kommenden Tätigkeiten von ihr erfordern, eingeschränkt ist, und bezüglich welcher
Tätigkeiten sie in welchem (zeitlichen und leistungsmässigen) Umfang noch
arbeitsfähig ist (vgl. BGE 125 V 261 E. 4). Gemäss Angaben der Klinik Valens vom 8.
Juni bzw. 3. Oktober 2011 ist dem Beschwerdeführer die bisherige Tätigkeit als
Fassaden-Isolateur nicht mehr zumutbar. Für eine leichte, wechselbelastende
Verweistätigkeit sei dagegen eine ganztägige Arbeitsfähigkeit gegeben. Die
Adaptionskriterien sind, wie im Sachverhalt wiedergegeben (A.e), detailliert aufgeführt.
Auf die Beurteilung der Klinik Valens kann vorliegend abgestellt werden, ohne dass
noch weitere Abklärungen erforderlich wären, zumal auch vom Beschwerdeführer
grundsätzlich nicht bestritten wird, dass in einer angepassten Tätigkeit eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit besteht. Daran ändert nichts, dass die Klinik ein stufenweises
Vorgehen "möglicherweise" als sinnvoll erachtet. Es wird explizit festgehalten, dass ab
Klinikaustritt eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit gegeben ist
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(IV-act. 45-5). Dass die Beurteilung vom RAD im Beschwerdeverfahren erneut als
plausibel und ausreichende medizinische Abklärung erachtet wird, stellt weder eine
Verletzung des rechtlichen Gehörs noch des Devolutiveffekts dar, handelt es sich doch
dabei lediglich um eine Würdigung des Sachverhalts aus medizinischer Sicht und nicht
um eine Sachverhaltsergänzung (vgl. Urteil vom 6. April 2011, IV 2009/280, bestätigt
durch BGE 9C_436/2011). Eine gleichlautende Beurteilung durch den RAD war
ausserdem bereits am 17. November 2011 erfolgt (IV-act. 46).
3.
3.1 Gemäss Art. 17 Abs. 1 IVG besteht ein Anspruch auf eine Umschulung in eine
neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und
dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder wesentlich verbessert
werden kann. Gemäss Art. 6 Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung
(IVV; SR 831.201) gelten als Umschulung Ausbildungsmassnahmen, die Versicherte
nach Abschluss einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder nach Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit ohne vorgängige berufliche Ausbildung wegen ihrer Invalidität zur
Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit benötigen. Als
Umschulungsmassnahmen gelten auch Ausbildungsmassnahmen, die zu einer
höherwertigen als die vorhandene Ausbildung führen, sofern sie zur Erhaltung oder
Verbesserung der Erwerbsfähigkeit notwendig sind (Art. 6 Abs. 1 IVV). Nach der
Rechtsprechung ist unter Umschulung grundsätzlich die Summe der
Eingliederungsmassnahmen berufsbildender Art zu verstehen, die notwendig und
geeignet sind, dem vor Eintritt der Invalidität bereits erwerbstätig gewesenen
Versicherten eine seiner früheren annähernd gleichwertige Erwerbsmöglichkeit zu
vermitteln. Dabei bezieht sich der Begriff der "annähernden Gleichwertigkeit" nicht in
erster Linie auf das Ausbildungsniveau als solches, sondern auf die nach erfolgter
Eingliederung zu erwartende Verdienstmöglichkeit. In der Regel besteht nur ein
Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen, notwendigen
Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen
Vorkehren. Denn das Gesetz will die Eingliederung lediglich soweit sicherstellen, als
diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist (BGE 124 V 110 E. 2a mit
Hinweisen). Das Erfordernis der Gleichwertigkeit begrenzt den Umschulungsanspruch
"nach oben" (vgl. Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1.
bis
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Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 2. Februar 1998,
I 448/96). Denn es ist nicht Aufgabe der IV, einen behinderten Versicherten in eine
bessere beruflich-erwerbliche Stellung zu führen, als er sie vorher innehatte. Hingegen
steht der Gesichtspunkt der Beschränkung auf das vor dem Invaliditätseintritt
beruflich-erwerblich Erreichte denjenigen Umschulungen nicht entgegen, die den Ver
sicherten zu einem bescheideneren beruflichen Ziel führen, was in vielen Fällen -
invaliditätsbedingt - zutreffen dürfte. Erforderlich ist einzig, dass sich der erwartete
Teilerfolg noch als genügend eingliederungswirksam bezeichnen lässt.
Ausnahmsweise, sofern nämlich Art und Schwere des Gesundheitsschadens und ihre
beruflichen Auswirkungen derart schwer wiegen, dass nur eine verglichen mit der vor
dem Invaliditätseintritt ausgeübten Erwerbstätigkeit anspruchsvollere Ausbildung zu
einer optimalen Verwertung der Arbeitsfähigkeit auf einer höheren Berufsstufe führt,
geht in diesem Sonderfall die Umschulung zu Lasten der IV. Für die Beurteilung der
annähernden Gleichwertigkeit ist nicht auf die Erwerbsmöglichkeiten im bisherigen
Beruf abzustellen, die der Versicherte ohne Gesundheitsschaden durch berufliche
Weiterentwicklung allenfalls (hypothetisch) erreicht hätte; entscheidend sind vielmehr
die erwerblichen Verhältnisse im Zeitpunkt des Invaliditätseintritts. Andererseits ist bei
der Beurteilung der annähernd gleichwertigen Erwerbsmöglichkeit nicht nur der
Gesichtspunkt der aktuellen Verdienstmöglichkeit, sondern der für die künftige
Einkommensentwicklung ebenfalls bedeutsame qualitative Stellenwert der
angestrebten Ausbildung mit zu berücksichtigen (ulrich meyer, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 2. Aufl. Zürich 2010, S. 195f. mit
Hinweisen). Gemäss konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung (vgl. etwa BGE
124 V 108 E. 2b S. 110 f. oder BGE 130 V 488 E. 4.2 S. 490) ist für die Beurteilung
eines Umschulungsanspruchs entscheidend, ob eine Einbusse von „etwa 20 %“
vorliegt (vgl. auch Ulrich Meyer, a.a.O, S. 191). Das Bundesgericht hat es dabei
abgelehnt, für den Umschulungsanspruch von ungelernten Arbeitnehmern einen
höheren Mindestinvaliditätsgrad zu verlangen als bei Versicherten, welche bereits über
eine Berufsausbildung verfügen (Entscheide des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts i/S T. vom 30. September 2004, I 73/04, und i/S A. vom 31.
Januar 2005, I 588/04).
3.2 Aus den Akten ergeht, dass der Beschwerdeführer in seinem Heimatstaat
Bosnien ein Studium zum Bauingenieur absolviert hatte. Nach seiner Einreise in die
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Schweiz im Januar 2008 hat er vom 1. Februar 2008 bis 31. März 2010 in der Firma
seines Schwiegervaters als Isolationsarbeiter gearbeitet (IV-act. 16). Im März 2010
gründete er zusammen mit D._ die C._ GmbH. Diese Gesellschaft ist ebenfalls im
Bereich Fassadenbau und Isolierarbeiten tätig (IV-act. 14). Ab 1. April 2010 hat der
Beschwerdeführer nach eigenen Angaben zunächst zu 50 % als Geschäftsführer und
zu 50 % als Angestellter gearbeitet (IV-act. 64); seit 1. November 2010 ist er zu 100 %
angestellt (IV-act. 56-2). Der Beschwerdeführer war demnach in der Schweiz nicht auf
seinem angestammten Beruf als Bauingenieur tätig; dessen Diplom ist in der Schweiz
unbestrittenermassen nicht anerkannt. Aus dem Gesagten folgt, dass die
hypothetische Tätigkeit als Bauingenieur für die vorliegenden Belange nicht
massgebend ist. Der Beschwerdeführer ist vielmehr als Hilfsarbeiter zu betrachten.
Dass er sich dabei in seiner Tätigkeit als Fassadenbauer eine besondere Qualifikation
erworben hat, wird von ihm weder geltend gemacht, noch ist dies angesichts der noch
nicht sehr langen Dauer der Tätigkeit wahrscheinlich.
3.3 Was die Berechnung des Valideneinkommens betrifft, stellte die
Beschwerdegegnerin auf den Durchschnitt der Einkommen gemäss IK-Auszug für die
Jahre 2008 und 2009 ab (IV-act. 8), wobei sie einen Betrag von Fr. 69'786.--
errechnete. Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend, massgebend sei
nur jenes Einkommen für das Jahr 2009, somit ein Betrag von Fr. 71'500.--. Diese
Auffassung ist zutreffend; es liegt keine erhebliche Differenz zwischen den Einkommen
vor, welche das Abstellen auf einen Durchschnittswert als geboten erscheinen lässt
(vgl. Bundesgerichtsurteil 8C_671/2009, E. 5.2.1 mit Hinweis). In Bezug auf die
Bemessung des Invalideneinkommens sind die vom Bundesamt für Statistik periodisch
herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) heranzuziehen. Im Jahr 2008 lag der
Durchschnittslohn für einen Mann bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden
bei Fr. 4'806.--. Für das Jahr 2009 ergibt sich unter Berücksichtigung der im Jahr 2009
betriebsüblichen Arbeitszeit von 41.6 Wochenstunden und der Änderung des
Nominallohnindexes von 2092 auf 2136 Punkte ein Jahreseinkommen von
Fr. 61'240.--. Es stellt sich die Frage, ob dieses Einkommen noch zu kürzen ist. Mit
Abzügen vom Tabellenlohn soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass
persönliche und berufliche Merkmale einer versicherten Person, wie Art und Ausmass
der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und
Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E.
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3b/aa S. 323). In dieser Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer
aufgrund seiner gesundheitlichen Beeinträchtigung nur noch in der Lage ist, leichte
wechselbelastende Tätigkeiten auszuführen. Dies stellt einen lohnmindernden Faktor
dar; es erscheint ein Abzug vom Tabellenlohn von 10 % gerechtfertigt. Das
Invalideneinkommen beläuft sich somit auf Fr. 55'116.-- (Fr. 61'240.-- x 0.9) Geht man
nun von einem Valideneinkommen von Fr. 71'500.-- aus, so resultiert ein
Invaliditätsgrad von rund 23 % ([Fr. 71'500.-- abzüglich Fr. 55'116.--] / Fr. 71'500.--).
Dieser Wert liegt über der Erheblichkeitsschwelle von 20 %, womit Massnahmen beruf
licher Art grundsätzlich in Betracht fallen.
3.4 Der Beschwerdegegnerin ist zwar beizupflichten, dass es nicht allein auf den
rechnerisch ermittelten Invaliditätsgrad ankommt. Auch bei Hilfskräften ist das
Verhältnismässigkeitsprinzip zu wahren. Eine Umschulung etwa, welche zu einem
wesentlich höheren Einkommen führen würde, als es mit der bisherigen (Hilfs-)Tätigkeit
erzielt worden wäre, fällt ausser Betracht (I 73/04). Vorliegend steht indes keine
Umschulung grösseren Umfanges zur Diskussion. Dem Beschwerdeführer geht es vor
allem um die Finanzierung des von ihm ins Auge gefassten CAD-Kurses durch die
Beschwerdegegnerin; zudem ist er für den Fall, dass er ein Praktikum absolvieren wird,
an der Gewährung von Taggeldern interessiert. Mit Massnahmen dieser Art ist weder
eine lange berufliche Ausbildung verbunden, noch resultiert ein grosser finanzieller
Aufwand für die Beschwerdegegnerin. Zu berücksichtigen ist im Übrigen auch, dass es
sich beim Beschwerdeführer um einen jungen Versicherten mit noch langer
Aktivitätsdauer handelt.
3.5 Die Beschwerdegegnerin schliesst einen Anspruch auf berufliche Massnahmen
offenbar auch deshalb aus, weil es an der subjektiven Eingliederungsbereitschaft des
Beschwerdeführers fehle. Es fragt sich, wie es sich diesbezüglich verhält. Dem FI-
Assessmentprotokoll ist zu entnehmen, dass die Beschwerdegegnerin im
Zusammenhang mit einem Gespräch vom 13. Februar 2012 festhielt, es seien derzeit
keine Eingliederungsmassnahmen möglich. Der Beschwerdeführer fühle sich subjektiv
nicht 100 % arbeitsfähig. Er würde "das" gerne ausprobieren, habe aber schon beim
Besuch der Deutschkurse Probleme gehabt bezüglich längerem Sitzen (IV-act. 56-6).
Die Beschwerdegegnerin scheint die fehlenden Rahmenbedingungen für
Eingliederungsmassnahmen somit insbesondere mit dem erwähnten Deutschkurs vom
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12. September bis 7. Oktober 2011 zu begründen, bei welchem der Beschwerdeführer
Probleme mit längerem Sitzen bekundete. Es erscheint indes fragwürdig, aufgrund der
geäusserten Probleme auf eine nicht vorhandene subjektive Arbeitsfähigkeit zu
schliessen, da eine Leidensadaption in diesem Kurs möglicherweise gerade nicht
bestand. Leidensadaptiert sind vorwiegend im Gehen ausgeübte Tätigkeiten. Solche
Tätigkeiten dürften im Rahmen der Schulung nicht im Vordergrund gestanden haben.
Davon abgesehen ergeben sich keinerlei Hinweise für eine fehlende
Eingliederungsbereitschaft des Beschwerdeführers aus den Akten. Im Gegenteil ist
darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer trotz der gesundheitlichen Probleme,
welche er beim Deutschkurs im September/Oktober 2011 bekundete, vom 7.
November 2011 bis 2. Dezember 2012 dennoch einen weiteren Kurs besuchte. Sodann
wird auch seitens des Kantonsspitals St. Gallen im Bericht vom 14. März 2012
dargelegt, dass beim Beschwerdeführer klar die Motivation ersichtlich sei, wieder
arbeiten zu wollen (IV-act. 60-1). Im Übrigen stehen vergleichsweise eher geringe
Deutschkenntnisse der vom Beschwerdeführer beantragten Umschulung nicht von
vorherein entgegen; der Beschwerdeführer unternimmt dem Gesagten nach auch
Anstrengungen, um seine Deutschkenntnisse zu verbessern. Gesamthaft ist somit
festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer die subjektive
Eingliederungsbereitschaft zu Unrecht abgesprochen hat.
3.6 Zusammenfassend sind die Voraussetzungen für Massnahmen beruflicher Art
grundsätzlich zu bejahen. Inwieweit indes Möglichkeiten für eine Umschulung bzw. für
weitere Massnahmen beruflicher Art tatsächlich bestehen, wird von der
Beschwerdegegnerin zu prüfen sein. Zu diesem Zweck ist die Sache an sie
zurückweisen.
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist in Gutheissung der Beschwerde die
angefochtene Verfügung aufzuheben.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erbis
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scheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin voll
umfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.
Der vom Beschwerdeführer geleistete Kostenvorschuss wird zurückerstattet.
4.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers hat auf die Einreichung einer Honorarnote verzichtet. Der Be
deutung und dem Aufwand der Streitsache angemessen erscheint eine Parteient
schädigung von pauschal Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP