Decision ID: 678bd619-3cc5-4ec3-afe4-4ed537ad2e57
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1958, meldete sich a
m 27. Juni 2002 we
gen
Rücken- und Bauchbeschwerden sowie
eines
Erschöpfungszustand
s
bei der Inva
li
denversicherung zum Rentenbezug an (Urk. 14/1). Die Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach der Versicherten daraufhin mit
Ver
fügung vom
23
.
Mai
200
3
- ausgehend von
einem Invaliditätsgrad von 100
% - ab September 2
002 eine ganze Rente zu (Urk. 14
/1
5-16).
Diesen Leistungsanspruch bestätigte die IV-Stelle, nachdem sie im Rahmen ei
nes Revisionsverfahrens
Ende des Jahres 2005 (vgl. Urk.
1
4
/19) einen Verlaufs
ber
icht eingeholt hatte (vgl. Urk.
1
4
/20), mit Schreiben vom 5.
Januar 2006 (Urk.
1
4
/22).
1.2
Im April 2008 erhielt die IV-Stelle eine Meldung, wonach die Versicherte jeweils von Montag bis Freitag in verschiedenen Haushalten Putzarbeiten verrichte und
zusammen mit ihrem Ehemann
im Brockenhaus Waren erwerbe
,
die
sie
sams
tags auf dem Flohmarkt verkaufe (Urk. 14/23). In der Folge lei
tete die IV-Stelle
eine Rentenrevision ein, holte Angaben der Versicherten (Urk. 14/25; Urk. 14/29)
, einen Auszug aus dem individuellen Konto (Urk. 14/24) und aktu
elle medi
zinische Berichte (Urk. 14/26-27)
ein
.
Zudem
liess
sie
die Versicherte ob
ser
vieren (vgl. Berichte vom 26. Februar und 15. O
ktober 2009 samt Beilagen, Urk.
1
4/31/14-65). Am 9.
April 2010 fand ein Gespräch zwi
schen zwei
Mitar
bei
tern
der IV-Stelle und der Versicherten
sowie
deren Ehemann betreffend
Observation und Arbe
itsfähigkeit statt (vgl. Urk. 14
/31/1-9). Mit Verfügung vom
27
.
Mai 2010 sistierte die IV-Stelle die laufende ganze Invali
denrente der Ver
sicherten per sofort (Urk.
1
4
/34).
Die dagegen
beim hiesigen Gericht
erhobene Be
schwerde wurde mit Urteil vom 30. September 2010 ab
gewiesen (Prozess
IV.2010.00618; Urk. 14/48). Das Bundesgericht trat auf
die
dagegen erhobene Beschwerde nicht ein (Urteil 9C_972/2010 vom 1. Dezember 2010; Urk. 14/52).
1.3
Die IV-Stelle holte einen weiteren Arztbericht ein (Urk. 14/55) und am 7. März 2011
erstatteten Ärzte des
Y._
ein inter
disziplinäres Gutachten (Urk. 14/57
/1-57
). Nach durchgeführtem Vorbescheid
verfahren (Urk. 14/68, Urk. 14/70) stellte die IV-Stelle mit Verfügung vom
20. Februar 2012 die Invalidenrente auf Ende des nach Zustellung der Verfü
gu
ng folgenden Monats ein (Urk. 14/75 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 20. Februar 2012 (Urk. 2) erhob die Versicherte am 20. März 2012 Beschwerde und beantragte, ihr sei weiterhin eine ganze Rente auszurichten (Urk. 1 S. 1). Am 6. April 2012
(Urk. 7)
reichte die Beschwerde
füh
rerin Arztberichte ein (Urk. 8
/1-2
). Mit Eingabe vom 7. Mai 2012 verzichtete die
IV-Stelle auf eine Stellungnahme und beantragte die Abweisung der Be
schwerd
e (Urk. 13). Dies wurde der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 15. Mai 2012 zur Kenntnis gebracht und gleichzeitig wurde ihr Gesuch um unentgeltliche Prozessführung bewilligt (Urk. 16). In der Folge reichte die Beschwerdeführerin weitere medizinische Berichte ein (Urk. 18/1-2, Urk. 20/1-2, Urk. 23-26).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die den Invaliditätsgrad und dessen Bemessung betreffenden rechtlichen Grund
l
agen (Art. 28 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG; Art. 16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs
rechts, ATSG) sowie die Voraussetzungen zur Herabsetzung oder Aufhebung ei
ner Rente
(Art. 88a Abs. 1 und Art. 88
bis
Abs. 2 lit. a der Verordnung über die Invaliden
ver
sicherung, IVV, sowie Art. 31 IVG) sind im angefochtenen Ent
scheid zutreffend
wiedergegeben (Urk. 2 S. 1 f.). Darauf kann, mit den nachfol
genden Ergän
zung
en
, verwiesen werden.
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zu
kunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen
Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
an
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesent
lichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn
sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesund
heit
s
zustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 S. 349 mit Hin
weisen). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Aus
wirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustan
des auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurtei
lung einer an
spruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechts
kräf
tige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Einspracheent
scheid, welche oder
welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskon
forme
r
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditäts
bemessung beruht (BGE
133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3 S. 75 ff; Urteil des Bundes
ge
richts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung davon aus, seit Januar 2009 liege gestützt auf ihre Abklärungen, insbesondere gestützt auf das
Y._
-Gutachten, kein relevanter Gesundheitsschaden mehr vor. Ab diesem Zeit
punkt seien der Beschwerdeführerin ihre angestammte Tätigkeit sowie ange
passte
Verweistätigkeiten wiederum
im Vollpensum zu
mutbar
.
A
uf eine Rückforderung der zu viel bezahlten Rentenleistungen
werde verzichtet
(Urk. 2 S. 2)
.
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin
im Wesentlichen
auf den Standpunkt
, gestützt auf die Berichte der behandelnden Ärzte sei ausgewiesen, dass sie weiterhin gesundheitlich eingeschränkt und weiterhin zu 100 % ar
beits
unfähig sei. Sie habe auf Rat ihres Psychiaters gewisse Tätigkeiten auf dem Floh
markt ausgeübt, da dieser der Meinung gewesen sei, dies sei für ihren Ge
sund
hei
ts
zustand besser. Auf das
Y._
-Gutachten sei nicht abzustellen, da die
ses
unter grossem Einfluss des Observationsmaterials verfasst
worden sei
. Zu
dem hand
le es sich beim
Y._
um eine „Scheinabklärungsmaschinerie“ (Urk.
1 S.
3
ff
.).
Das Gutachten sei unter Mitwirkung von
Dr.
med.
Z._
verfasst wor
den, gegen welchen ein Strafverfahren hängig sei. Als Chef des
Gutachtensze
n
trums habe er sicherlich einen negativen Einfluss auf die übrigen beteiligten Ärzte
(Urk. 7 S. 2).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Einstellung der bisher ausgerichteten Invali
den
rente rechtens ist.
Für die Prüfung, ob eine gesundheitliche Verbesserung vorliegt,
sind die Verhältnisse im Zeitpunkt der rentenzusprechenden Verfügung vom 23. Mai 2003 (Urk. 14/15-16),
als
die letzte materielle Überprüfung
vorge
nommen worden war
, mit den Verhältnissen im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 20. Februar 2012 (Urk. 2) zu vergleichen.
3.
3.1
Der Ren
tenzusprechung im Mai 2003 lag
die
Einschätzung
von
Dr.
med.
A._
und
Dr.
med.
B._
, beide Fachärzte FMH für Psychiatrie und Psy
chotherapie,
zu Grunde
, die
im Bericht vom 8. August 2002 (Urk. 14/7)
folgende
Diagnosen
gestellt hatten
(Urk. 14/7/5
unten
)
:
rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.1); chronifizierte mittel
gradige Episode
Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0)
chronisches, rezidivierendes lumbovertebrales Syndrom mit Ausstrah
lung links bei degenerativen Veränderungen der Lendenwirbelsäule (LWS)
Colon irritabile
Bezüglich Arbeitsfähigkeit waren Dr.
A._
und Dr.
B._
zum Schluss gekommen, d
ie Beschwerdeführerin sei
seit Ende
September 200
1
zu 100 % arbeitsunfähig
(Urk. 14/7/5 oben)
.
3.2
In der nun strittigen Verfügung stützte sich die Beschwerdegegnerin im We
sent
lichen auf das Gutachten des
Y._
vom 7
.
März 2011
(Urk. 14/57
/1-42
)
.
Die
Gutachter
hielten fest, es
k
önn
e keine Diagnose mit Auswirkung auf die Ar
beits
fähigkeit
ge
stell
t werden
(S. 35), insbesondere lie
ge keine psychiatrische Beein
trächtigung vor
, sondern es sei vielmehr ein psychischer Normalbefund fest
zu
stellen
(S. 34).
Sowohl in der internistischen als auch in der rheumatologischen Untersuchung sei
ein demonstratives, selbstlimitierendes und aggravierendes Verhalten der Be
schwerdeführerin aufgefallen
(S. 39
; vgl. auch S. 19
unten
sowie rheumatolo
gi
sches
Teilgutachten, Urk. 14/57/48-49
)
.
Gesamthaft sei der
Beschwerdeführerin allein aus rheumatologischer Sicht auf
grund der beginnenden degenerativen Veränderungen
der Gelenke und
im Ach
sens
kelett eine mittelschwere und schwere körperliche Tätigkeit nicht mehr zu
mutbar. Hingegen könne aus interdisziplinärer Sicht keine Einschränkung der
Ar
beitsfähigkeit in einer leichten
,
körperlich wechselbelastenden bis intermittie
rend
mittelschweren Tätigkeit begründet werden. Daher sei sie auch in ihrer an
ge
stammten Tätigkeit als Serviceangestellte uneingeschränkt arbeitsfähig. Dies
gelte spätestens ab dem Zeitpunkt der Observation im Jahr 2009 (
S. 40
Ziff. 7.4
f.)
.
4.
4.1
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, ihre gesundheitliche Situation habe sich gegenüber dem Zeitpunkt der Rentenzusprechung nicht wesentlich ver
ändert
(
Urk.
1 S.
3
f.
), kann
ihr nicht gefolgt werden. An dieser Behauptung lassen einerseits schon die während den Observationen
beobachteten
Tätig
kei
ten und Aktivitäten der Beschwerdeführerin erheblich zweifeln, was bereits
in der
E
rwägung 2.5 des
Urteil
s
des hiesigen Gerichts vom 30. September 2010
(Pro
zess IV.2010.00618
) festgehalten wurde
(Urk. 14/48/6-7)
:
„Im Bericht über die erste Observationsphase (
Urk.
11/31/37-42) wurde fest
gehalten, dass sich die Beschwerdeführerin völlig spontan und dyna
misch bewege und ihre Arme uneingeschränkt und teilweise über Kopf
höhe (beispielsweise beim Einkaufen, Gestikulieren, Abfall entsorgen) be
nutze. Sie habe einen vitalen, aktiven Eindruck hinterlassen. Anzeichen von
Schwäche oder Schwindel seien nie beobachtet und auch Panikatta
cken ode
r Schweissausbrüche seien nicht festgestellt worden. Am 5. Feb
ruar 2009 sei ihr Gang auf dem Nachhauseweg während der ganzen 300 m
langen Strecke behutsam und auffällig langsam gewesen, am folgenden Tag dann jedoch wieder völlig unauffällig und in normaler Geschwindig
keit. Ansonsten seien keine körperlichen Beeinträchtigungen oder Anzei
chen von Beschwerden oder Schmerzen feststellbar gewesen (S. 6).
Zur zweiten Observationsphase wurde angegeben (
Urk.
11/31/14-18), die Beschwerdeführerin sei an beiden Samstagen zusammen mit ihrem Ehe
mann schon früh am Flohmarkt aktiv gewesen. Sie sei jeweils mehr als acht Stunden beschäftigt gewesen, habe Ware zum Markt gebracht, sei an ihrem Standplatz gestanden oder gesessen, habe mit Kaufinteressenten und Bekannten gesprochen und später die nicht verkaufte Ware wieder nach Hause zurück gebracht. Die Beschwerdeführerin habe sich vital, ak
tiv, engagiert und sehr ausdauernd gezeigt und verschiedene Körperhal
tungen (sitzen, knien, kauern, bücken) problemlos eingenommen. Da die Ware auf einer Unterlage am Boden ausgebreitet wurde, habe sie sich oft
mals bücken und in kniender Position hantieren müssen. Das Wiederauf
richten habe ihr offenbar keine Probleme bereitet. Ihren Kopf habe sie un
eingeschränkt und spontan in alle Richtungen gedreht. Ganz allgemein habe sie sich dynamisch bewegt und es seien nie körperliche Bewegungs
einschränkungen oder Anzeichen von Beschwerden oder Schmerzen fest
gestellt worden. Zu erwähnen sei, dass sie ihren sichtlich recht schwer beladenen Trolley abends ohne fremde Hilfe über die Treppenstufen vor dem Hauseingang habe hochziehen können (S. 4).“
Die Observationsaufnahmen zeigten, dass die Beschwerdeführerin in der Lage ist, ihren Alltag sowohl in Bezug auf die anfallenden Arbeiten als auch in ge
sellschaftlich-sozialer Hinsicht ohne ersichtlic
he Einschränkungen zu gestalten
,
was auch die B
egutachtung im
Y._
klar belegte
.
So hielten die Gutachter denn auch ausdrücklich fest, dass die Ergebnisse der Observation, wie sie in der Zu
sammenf
assung dargestellt worden seien, aufgrund des
aktuellen psychiatri
schen
Untersuchungsbefundes vollständig nachvollziehbar seien (Urk. 14/57/40 Ziff.
7.3).
D
ie medizinischen Abklärungen
im
Y._
zeigten eine deutliche Ver
besserung des Gesund
heitszustandes, indem vor allem keine psychiatrische Stö
rung von Krankheits
wert, aber auch keine funktionellen Beeinträchtigungen fest
gestellt werden konnten.
Im Übrigen
erachtete
selbst der behandelnde Hausarzt,
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin,
eine
volle Arbeitsfähigkeit für leichte Tätigkeiten für zumutbar
(Urk. 14/55/6 Ziff. 1.6).
4.2
Auf das
Y._
-Gutachten kann abgestellt werden, da es
den erforderlichen Krite
rien (vgl. E.
1.4) entspricht: Die Beschwerdeführerin wurde ihren geltend ge
machten Beschwerden entsprechend umfassend abgeklärt, das Gutachten beruht auf allseitigen Untersuchungen (S.
13 ff. sowie S.
22 ff.), berücksichtigt die ge
klagten Beschwerden (S. 17, S. 23, S. 33) und wurde in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben (S. 2 ff.). Sodann sind die Darlegungen der medizini
schen Zusammenhänge und die Beurteilung der medizinischen Situation ein
leuchtend und die Schlussfolgerungen in der Expertise sind begründet (S. 38 ff. Ziff. 7.3 ff.).
F
remdanamnestische Erhebungen, deren Fehlen von der Beschwerdeführerin be
mängelt wurde (vgl. Urk. 25), sind nicht Voraussetzung für ein beweisrecht
lich verwertbares Gutachten. Die Vorgehensweise der Begutachtung lie
gt grundsät
z
lich im Ermessen der
Gutachter. Gemäss den Leitlinien der Schwei
zerischen Gesellschaft für Versicherungspsychiatrie für die Begutachtung psy
chischer Stö
rungen können Fremdauskünfte zwar eine Ergänzung darstellen. Sie sind jedoch
nicht zwingend erforderlich. Entscheidend ist die (hier ausrei
chend durchge
führte
) klinische Untersuchung in Kenntnis der Anamnese, wel
che zusammen mit der Symptomerfassung und der Verhaltensbeobachtung das Kernstück der Begut
ach
tung darstellt (Schweizerische Ärztezeitung 2004 S. 1050 f.; vgl. auch
Urteil
des Bundesgerichts 9C_482/2010 vom 21. September 2010, E. 4.1, mit Hinwei
sen).
4.3
Soweit die Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren erstmals Ausstands
gründe gegen
Dr.
Z._
sowie die übrigen Gutachter des
Y._
geltend macht, sind diese nicht zu hören. Die Beschwerdeführerin hätte diese Vorbringen innert
10 Tagen nach Bekanntgabe (am 29. Oktober 2010, Urk. 14/49) der an der Be
gutachtung beteiligten Ärzte bei der Beschwerdegegnerin anbringen können (vgl.
Urk. 14/39), was sie aber nicht tat. Schliesslich übte sie auch nach der durch
geführten Untersuchung am
Y._
oder im Rahmen des Vorbescheidver
fahrens
keine Kritik gegen die begutachtenden Ärzte und insbesondere gegen
Dr.
Z._
.
Sodann ist auf die höchstrichterliche Rechtsprechung hinzuweisen, wonach die geltend gemachten Vorbringen gegen
Dr.
Z._
(Vorbringen im Zusammen
hang mit dem Strafverfahren) ohnehin keine Ausstandsgründe dar
stellen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_970/2012 vom
23. April 2013).
Im Übrigen vermag die Beschwerdeführerin unter Hinweis auf den Prozess IV.2011.00988 (vgl. Urk. 1 S. 5) nichts zu ihren Gunsten abzuleiten, zumal das Gericht in jenem Verfahren die Beurteilung des
Y._
als voll beweiskräftig be
urteilt
und darauf ab
gestellt hatte
.
4.
4
Schliesslich vermögen auch die Beurteilungen von
Dr.
B._
vom 13. Juni 2010
(Urk. 14/40/14-15) und von den Ärzten des
D._
vom 11. Juni 2010 (Urk. 14/69/12-14)
das
Y._
-Gutachten
nicht in Frage zu stellen.
Dr.
B._
Einschätzungen sind schon allein deswegen nicht nachvollzieh
bar,
da
er einerseits Tätigkeiten wie Einkäufe erledigen, Haushaltsarbeiten ver
richten und Verkauf auf dem Flohmarkt für möglich und wünschenswert hält, die Beschwerdeführerin darüber hinaus gar immer wieder auffordert, sich um Reinigungstätigkeiten in privaten Haushalten zu bemühen, ihr
aber
andererseits trotzdem eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte. Ohnehin ist b
ei Berichten von Hausärzten und behandelnden Ärzten der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauens
stellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V
351 E.
3a/cc S.
353 mit weiteren Hinweisen). Zwar kann die einen längeren Zeit
raum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte oft wert
volle Erkenntnisse hervorbringen. Jedoch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des bestellten fachmedizinischen Experten andererseits nicht zu, eine medizinische Administrativ- oder Gerichtsexpertise stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behan
delnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten blei
ben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, da die behan
del
nden Ärzte wichtige - und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation ent
springende - Aspekte benennen, welche im Rahmen der Begutachtung uner
kannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_278/2011
vom
26. Juli 2011 E. 5.3; SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43, I 514/06 E. 2.2.1). Dies ist vorliegend nicht der Fall.
Abgesehen davon
steht im Bericht des
D._
im Wesentlichen
die subjektive Be
schwer
dedarstellung der Beschwerdeführerin im Vordergrund.
4.5
Auch aus den
von der Beschwerdeführerin eingereichten Arztberichte
n
zur Hospi
talisierung in der
E._
vom
14. Februar bis 13. März 2012 (Urk. 8/1-2)
ergeben sich keine wesentlichen neuen
Erkenntnisse
. Die Beschwerdefüh
rerin trat wegen zunehmender depressiver Sym
p
to
matik freiwillig in die Akut
abteilung der
E._
ein
und klagte über chro
nische Schmerzen. Es handelte sich
folglich
um dasselbe beklagte Beschwerde
bild, wie im Rahmen der Unter
su
chung beim
Y._
.
Jedoch
wurden
im
Bericht
der
E._
keine wichtigen Aspekte benannt, welche bei der Begutachtung im
Y._
unbeachtet blieben oder weitere Abklärungen aufdrängen
würden
.
Insbe
sondere
zeigten
sowohl die Ergebnisse der Observation als auch
die
Einschätz
ung
der
Y._
-Gutachter
nachvollziehbar auf
,
dass sich die Beschwerdeführerin
vor den Ärzten
als schwer krank präsen
tierte
,
ohne dass
ihr gezeigtes Verhalten und ihre subjektiven Schilderungen schliesslich im Rahmen der fachärztlichen Un
ter
suchungen
am
Y._
bestätigt werden konnte
n
.
Nicht zu prüfen sind
im Übrigen
die im Rahmen des Beschwerdeverfahrens ein
gereichten medizinischen Berichte (Urk. 18/2, Urk. 20/2, Urk. 24, Urk. 26), da das
Datum der angefochtenen Verfügung vom
20
.
Februar
2012 die
zeitliche
Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis bildet (BGE 131 V 9 E. 1, 130 V 445
E.
1.2, 122 V 77 E. 2b, je mit
Hinweis) und für die Frage, ob sich der Ge
sund
heits
zustand seit der Rentenzusprache verbessert hat,
die im Verfügungs
zeit
punkt
vorliegenden Berichte
allein
ausschlaggebend sind.
Sollte sich der Gesund
heits
z
ustand der Beschwerdeführerin nach Verfügungserlass wieder verschlechtert haben,
wäre dem im Rahmen
eines neuen
Revisions
verfah
rens
Rechnung zu tragen
.
4.
6
Zusammenfassend
haben sich die tatsächlichen Verhältnisse seit Zusprache der ganzen Invalidenrente
im Mai 2003, welche im Wesentlichen auf der Atte
stie
rung einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer
Sicht beruht hatte,
bis zum
Zeit
punkt der strittigen Verfügung
wesentlich verändert
, da
gestützt auf
das
Y._
-Gut
achten sowie die Ergebnisse der Observation eine Verbesserung des
Gesund
heitszustandes ausgewiesen ist. Ein invalidisierender Gesundheits
schaden
liegt aus somatischer sowie
insbesondere
psychiatrischer Sicht
nicht mehr vor
. Dem
entsprechend durfte die Beschwerdegegnerin zu Recht von einer 100%igen Ar
beitsfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit als Servicemitarbeiterin
sowie in
einer
adaptierte
n
Tätigkeit ausgehen.
D
amit
erweist sich die Verfügung vom 20. Februar 2012 als rechtens und die Be
schwerde ist abzuweisen.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen
, infolge
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen, unter Hin
weis auf
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über
das Sozialversicherungsgericht
(GSVGer
), auf die Gerichtskasse zu nehmen.