Decision ID: 0b32fd1f-da94-439a-aae5-4bf604dab1fa
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1992,
war bei der
der SWICA
Gesundheits
organisation (
nachfolgend
: SWICA)
nach Krankenversicherungsgesetz (KVG) obli
gatorisch kran
kenpflegeversichert
und
schloss
zusätzlich
unter anderem die Zusatzversicherung zur obligatorischen Kra
nkenversicherung
die
„
W
eltweite Privatpatientenversicherung für Unfall
INFORTUNA
“
gemäss
Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (VVG) ab
(vgl.
Urk.
2/1
)
.
Am 2
9.
August 2014 führte er
gemäss
Unfallmeldung vom 1
0.
September 2014 eine
falsche Kniebewegung beim Kung
Fu aus
und verspürte beim Auftreten ei
n
en starken
Schmerz im Knie und eine Blockade (
Urk.
7/1).
Im Operationsbericht vom 1
3.
September
2014
nannte
Dr.
med.
Y._
,
Facharzt für Chirurgie und für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
Z._
,
Klinik
A._
,
nach durchgeführter
Knie
arthroskopie
(KAS) rechts und einer medialen Meniskusnaht
als Diagnose eine posttraumatische mediale Meniskusruptur des rechten Kniegelenkes und ein
interkondylär
eingeschlagenes
Dissekat
eines Korbhenkels nach Fussballunfall vom 2
9.
August 2014
(
Urk.
7/2
).
Mit Schreiben vom 2
9.
September 2014 erteilte die SWICA eine
Kostengutspra
che
für die allgemeine Abteilung
(
Urk.
7/7) und legte
am
8.
Oktober 2014
ihre
Gründe dar, weshalb sie nicht von einer unfallähnlichen Körperschädigung res
pektive von einem Unfall ausgehe (
Urk.
7/9
).
2.
Der Versicherte erhob am 1
2.
Oktober 2015 Klage gegen die SWICA und bean
tragte, die Beklagte sei zu verpflichten die vertraglichen Leistungen im Umfang von
Fr.
9‘275.-- auszurichten (
Urk.
1 S. 2)
Mit Klageantwort vom 2
9.
Oktober 2015 (
Urk.
6) beantragte die SWICA, die Klage sei vollumfänglich abzuweisen.
Am 2
9.
Januar 2016 reichte der Kläger seine Replik (
Urk.
11) ein und die Beklagte reichte am 1
8.
Februar 2016 ihre Duplik (
Urk.
14) ein, welche dem Kläger am 2
3.
Februar 2016 zur Kenntnis ge
bracht wurde (
Urk.
15).
Der Einzelrichter

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Klage
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht
;
GSVGer
).
1.2
Das Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG) regelt die soziale Kran
kenversicherung (Art. 1a Abs. 1 KVG). Sie umfasst die obligatorische
Kranken
pflegeversicherung
und eine freiwillige Taggeldversicherung. Den Krankenkassen
steht es frei, neben der sozialen Krankenversicherung nach KVG Zusatzver
sicherungen anzubieten. Diese unterliegen dem VVG (Art. 12 Abs. 2-3 KVG).
1.3
Bei der vom Kläger
abgeschlossenen Zu
satzversicherung „Weltweite
Privatpa
tientenversicherung
für Unfall INFORTUNA
“
verpflichte
t
sich die Beklagte
,
als Unfallversicherung für weltweit privaten Versicherungsschutz in Ergänzung zur
obligatorischen Kranken- oder Unfallversicherung sowie Heil
un
g
s
kosten-Zusatz
versicherung
,
dem Versicherten die freie Arzt- und Spitalwahl, Einbet
t
zimmer und erstk
l
assige Unfall-Zusatzleistungen zu gewähren (vgl.
Urk.
2/1).
Dabei handelt es sich um eine Zusatzversicherung zur sozialen Krankenver
sicherung, welch
e dem VVG untersteht
.
1.4
Gemäss
Art. 7 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO) können die Kantone ein Gericht bezeichnen, welches als einzige kantonale Instanz für Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung zu
ständig ist. Im Kanton Zürich liegt die Zuständigkeit beim
Sozialversicher
ungs
gericht
(§ 2 Abs. 2
lit
. b
GSVGer
). Das Verfahren richtet sich nach Art. 244 bis 247 ZPO (vereinfachtes Verfahren; Art. 243 Abs. 2
lit
. f ZPO). Die Klage wird direkt beim Gericht anhängig gemacht (BGE 138 III 558 E. 3.2 und 4.6).
Die sachliche und örtliche Zuständigkeit des hiesigen Gerichts zur Beurteilung der eingereichten Klage ist gegeben.
2.
2.1
Unter den Parteien ist
strittig
, ob die Beklagte aus der vom Kläger abgeschlosse
nen Zusatzversicherung „
Weltweite Privatpatientenversicherung für Unfall
INFORTUNA“ für die Mehrkosten der
Hospitalisation
des Klägers in der Privat
abteilung der Klinik
A._
vom 1
3.
bis
1
5.
September 2014 (vgl.
Urk.
2/18
) sowie für
das Honorar des Operateurs
Dr.
Y._
für den Eingriff vom 1
3.
Sep
tember 2014 (vgl.
Urk.
2/19
)
leistungspflichtig ist.
2.2
Der Kläger machte
hierzu
in seiner Klage (
Urk.
1)
geltend, er habe am 2
9.
Au
gust 2014 anlässlich eines Kung
Fu-ähnlichen Kampfsport
t
rainings bei einer Partnerübung mit schnellem
Zweikampf beim Schritt zurück mit dem rechten Bein eine falsche Bewegung mit dem Knie gemacht
, worauf er beim Auftreten einen starken Schmerz mit Blockade verspürt habe
(S. 3
Ziff.
4)
.
Der Unfallbegriff im Sinne der AVB sei klar erfüllt
,
und zudem
falle die festgestellte Meniskusruptur explizit unter die Aufzählung der unfallähnlichen
Körper
schädigungen
von
Art.
10
Ziff.
3 AVB, weshalb die Leistungspflicht
der Beklag
ten
auch unte
r diesem Titel gegeben sei (S. 7 f.
Ziff.
15-
16).
Die von
ihr
geltend gemachte Präzisierung respektive Ergänzung eines sinnfälligen oder
unfallähn
lichen
Vorfalles gehe aus dem Wortlaut von
Art.
10
Ziff.
3
AVB
nicht hervor. Hätte die Beklagte diese Leistungsvoraussetzung tatsächlich gewollt, hätte sie d
ies auch so formulieren müssen
(S. 8
Ziff.
17). Selbst wenn man auf die Rechtsprechung des Bundesgericht
s
zurückgreifen würde,
wäre eine
unfallähnli
che
Körperverletzung erfüllt (S. 9 f
f
.). Auch
Dr.
Y._
habe am
5.
November 2014 eindrücklich das Kraftmoment und die erhöhte Verletzungsgefahr darge
legt, die bei dieser Sportart auf das Kniegelenk einwirkten (S. 10 unten).
Wenn
die Programmwidrigkeit (falsche Bewegung) nicht ursächlich für die Schädigung
gewesen wäre, hätte er sie nie erwähnt und der von der Beklagten geltend gemachte Ausschluss von mittelbaren Schädigungsfolgen sei unhaltbar (
Urk.
11 S. 2
Ziff.
1).
2.3
Dagegen bestritt die Beklagte
in ihrer Klageantwort (
Urk.
6)
eine
Leistungs
pflicht
aus der
Unfallversicherung
„INFORTUNA“ und brachte vor,
die versi
cherten Unfälle und unfallähnlichen Körpers
chädigungen seien in
Art.
10 AVB
ZB
analog denjenigen der Sozialversicherung ausgestaltet worden. Daher könne für die Auslegung die sozialgesetzliche Grundlage herangezogen
werden. Bei den unfallähnlichen Körperschädigungen im Sinne von
Art.
9
Abs.
2
der Ver
ordnung über die Unfallversicherung (UVV)
entfalle im Vergleich zu den eigent
lichen Unfällen nach
Art.
4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts
(ATSG)
einzig das Tatbestandselement der Ungewöhn
lichkeit des auf den Körper einwirkenden äusseren Faktors. Alle übrigen
Be
griffsmerkmale
eines Unfalles müssten auch bei unfallähnlichen
Körperschädi
gungen
erfüllt sein, namentlich für das Erfordernis des auf den menschlichen Körper einwirkenden äusseren Faktors
(S.
3
Ziff.
1).
Festzuhalten sei
, dass ge
mäss
Dars
tellung des Klägers der Schmerz
erst beim Auftreten entstanden sei und nicht anlässlich der „falschen Bewegung“.
Ein hinzukommendes Element sei im ganzen Geschehensablauf nicht auszumachen, weshalb eine
unfallähnli
che
Schädigung nicht vorliege
. Der Kläger habe nicht beschrieben, inwiefern die Kniebewegung „falsch“ gewesen sei
,
und inwiefern beim Schritt zurück eine
solche Bewegung vom normalen physiologischen Bewegungsablauf abweiche (
S. 3 f
f.
Ziff.
3-6).
Wie es zur Schädigung und zur Blockade gekommen sei, bleibe im Unklaren (
Urk.
14 S. 2
Ziff.
2).
3.
3
.1
Der Kläger
brachte
in seiner Replik
vom 2
9.
Januar 2016 hinsichtlich der Ausle
gung von
Art.
10
Ziff.
3 AVB
ZB INFORTUNA
vor, das Hinzuziehen der bun
desgerichtlichen Rechtsprechung zu
Art.
9
Abs.
2 UVV sei unzulässig, da es vor
liegend um eine Zusa
tzversicherung nach VVG gehe
, wobei die Bestimmungen
des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG)
respektive des
ATSG
nicht
herangezogen werden dürfte
n
(
Urk.
11 S. 3
Ziff.
2).
Diesbezüglich ist jedoch zu beachten, dass
Art.
10
Abs.
3
AVB
ZB I
NFORTUNA
Art.
9
Abs.
2 UVV entspricht, weshalb zur Beurteilung, ob das vorliegende Ereignis vom
2
9.
August 2014
eine unfallähnliche Körperschädigung darstellt oder nicht,
auf die entsprechende
Grundsätze und die
Rechtsprechung abgestellt werden kann.
Auch verwies
der Kläger in seiner Klage
schrift hinsichtlich der Auslegung des Unfallbegriffes von
Art.
10
Ziff.
2 AVB ZB INFORTUNA
selbst auf
die Rechtsprechung des Bundesgerichts zu
Art.
4 ATSG
(vgl.
Urk.
1 S. 7 f.
Ziff.
15)
.
3.2
E
in Unfall ist gemäss
Art.
10
Abs.
2 AVB ZB
INFORTUNA
- welcher
Art.
4 ATSG
entspricht -
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (BGE 129 V 402 E. 2.1).
3.3
Nach der Rechtsprechung bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlich
keit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwer wiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Lebensbe
reich Alltäg
lichen oder Üblichen überschreitet. Ausschlaggebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begrün
den keine Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.3.1 mit Hinweis).
3.4
Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhnlichen äusse
ren Faktors in einer unkoordinierten Bewegung (RKUV 2000 Nr. U 368 S.
100
E.
2d mit Hinweisen; Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, S. 176 f.)
bestehen. Bei Körperbewegungen gilt dabei der Grundsatz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam „programmwidrig" beeinflusst hat. Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor – Veränderung zwischen Körper und Aussenwelt – ist wegen der erwähnten
Pro
grammwidrigkeit
zugleich ein ungewöhnlicher Faktor (BGE 130 V 117 E. 2.1; RKUV 2004 Nr. U 502 S. 183 E. 4.1, Nr. U 510 S. 275, Nr. U 523 S. 541 E. 3.1).
Ohne besonderes Vorkommnis ist bei einer Sportverletzung das Merkmal der Ungewöhnlichkeit und damit das Vorliegen eines Unfalls zu verneinen (BGE 130 V 117 E. 2.2; RKUV 2004 Nr. U 523 S. 541 E. 3.2).
3.5
Gemäss
Art.
10
Abs.
3 AVB ZB INFORTUNA
, welcher
Art. 9 Abs. 2 UVV
ent
spricht
,
werden
folgende Körperschädigungen, sofern sie nicht eindeutig auf eine Erkrankung oder eine Degeneration zurückzuführen sind,
auch ohne un
gewöhnliche äussere Einwirkung
den Unfällen gleichgestellt:
a.
Knochenbrüche;
b.
Verrenkungen von Gelenken;
c.
Meniskusrisse;
d.
Muskelrisse;
e.
Muskelzerrungen;
f.
Sehnenrisse;
g.
Bandläsionen;
h.
Trommelfellverletzungen.
Diese Aufzählung der den Unfällen gleichgestellten Körperschädigungen ist ab
schliessend (BGE 116 V 136 E. 4a, 147 E. 2b, je mit Hinweisen; Maurer, Schweizerisches Unfall
versicherungsrecht, 2. Aufl., 1989, S. 202).
3.6
Bei den unfallähnlichen Körpe
rschädigungen im Sinne von Art.
9
Abs.
2 UVV
entfällt im Vergleich zu den eigentlichen Unfällen nach
Art.
4 ATSG einzig das Tatbestandselement der Ungewöhnlichkeit des auf den Körper einwirkenden äusseren Faktors.
Alle übrigen Begriffsmerkmale eines Unfalles müssen hin
gegen auch bei den unfallähnlichen Körperschädigungen erfüllt sein. Dies gilt namentlich für das Erfordernis des einwirkenden äusseren Faktors an sich, worunter ein ausserhalb des Körpers liegender, objektiv feststellbarer, sinn
fälliger
–
eben unfallähnlicher
–
Einfluss auf den Körper zu verstehen ist.
Dabei kann die schädigende Einwirkung auch in einer körpereigenen Bewegung be
stehen (Urteil des Bundesge
richts 8C_40/2014 vom
8.
Mai 2014 E. 2.2.2 mit Hin
weisen auf BGE 139 V 327 E. 3.1, 3.3.1; 129 V 466 E. 2.2, 4.1
;
123 V 43 E. 2b).
3.7
Erforderlich
für die Bejahung eines äusseren Faktors ist ein gesteigertes
Schädi
gungspotenzi
al
, sei es zufolge einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage, sei es durch Hinzutreten eines zur Unkontrollierbarkeit der Vornahme der alltäglichen Lebensverrichtung führenden Faktors.
Die physiologische Beanspruchung des Skeletts, der Gelenke, Muskeln, Sehnen und Bänder stellt keinen äusseren Faktor dar
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_696/2013 vom 1
4.
November 2013 E. 5.3 mit Hinweis auf BGE 139 V 327 E. 3.3.1, 129 V 466 E. 4.2.2, 4.3).
Ein äusserer Faktor mit erheblichem Schädigungspotenzial liegt nach der Recht
sprechung vor, wenn die zur Diskussion stehende Betätigung mit einer mehr als physiologisch normalen und psychologisch beherrschten Beanspruchung des Körpers, insbesondere seiner Gliedmassen, verbunden ist (Urteil des Bundesge
richts 8C_40/2014 vom
8.
Mai 2014 E. 2.2.3 mit Hinweis auf BGE 139 V 327 E.
3.3.1).
Erfüllt ist das Erfordernis des äusseren schädigenden Faktors bei Änderungen der Körperlage, die nach unfallmedizinischer Erfahrung häufig zu körpereigenen Traumen führen können, so etwa beim plötzlichen Aufstehen aus der Hocke, bei heftigen belastenden Bewegungen oder bei einer wegen äusserer Einflüsse unkontrollierbar gewordenen Positionsände
rung (vgl. BGE 129 V 466 E.
4.2.3, Urteil des Bundesgerichts 8C_40/2014 vom
8.
Mai 2014 E. 2.2.3).
3.8
Der Zweck des Instituts der unfallähnlichen Körperschädigung besteht nicht darin, krankhafte oder degenerative Körperschäden von der obligatorischen Un
fallversi
cherung auszuschliessen,
sondern darin, die oft schwierige Abgrenzung zwischen Unfall und Krankheit zugunsten der Versicherten zu vermeiden. Die sozialen Unfallversicherer haben somit ein Risiko zu übernehmen, das nach der
geltenden begrifflichen Abgrenzung von Unfällen und Krankheiten den letztere
n zuzuordnen wäre. Hinzu kommt, dass es für die Bejahung des natürlichen Kau
salzusammen
hangs praxisgemäss genügt, wenn das schädigende Geschehen ein
e Teilursache bildet. Ein degenerativer oder pathologischer Vorzustand schliesst daher eine unfallähnliche Körperschädigung nicht aus, sofern ein
unfallähn
liches
Ereignis den vorbestehenden Gesundheitsschaden verschlimmert oder manifest werden lässt. Bei
den
in
Art.
9
Abs.
2
lit
. a bis h UVV abschliessend erwähnten Verletzungen muss aber eine schädigende, äussere Einwirkung wenigstens im Sinne eines Auslösungsfaktors zu den (vor- oder überwiegend) krankhaften oder degenerativen Ursachen hinzutreten, damit eine
unfallähnli
che
Körperschädigung vorliegt (vgl. BGE 123 V 43 S. 45 E. 2b mit Hinweisen, insbes. auf BGE 116 V 155 E. 6c, 117 V 360 E. 4a, 114 V 301 E. 3c; RKUV 1988 Nr. U 57 S. 373 E. 4b).
3.9
Schmerzen als Symptome einer Schädigung nach
Art.
9
Abs.
2 UVV fallen als massgebender äusserer Faktor nicht in Betracht, wenn sie bei einer alltäglichen Lebensverrichtung auftreten, ohne dass ein davon unterscheidbares äusseres Moment mitspielen würde. Wer also etwa beim blossen Aufstehen, Absitzen, Abliegen, bei Bewegungen im Raum, Handreichungen und so weiter einen ein
schiessenden Schmerz verspürt, kann allein deswegen noch keine unfallähnliche Körperschädigung geltend machen. Ein äusserer Faktor ist nicht gegeben, wenn die versicherte Person einzig das erstmalige Auftreten von Schmerzen angibt, aber keine gleichzeitig mitwirkende äussere Komponente zu benennen vermag.
Auch ist das Erfordernis eines äusseren schädigenden Faktors nicht erfüllt, wenn
das Auftreten von Schmerzen bloss mit einem von der versicherten Person beschriebenen gewöhnlichen Bewegungsablauf einhergeht. Verlangt wird viel
mehr ein Geschehen, welchem ein gesteigertes Gefährdungspotenzial innewohn
t, was zutrifft, wenn die als Schmerzauslöser angegebene Betätigung im Rahmen einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage vorgenommen wird, wie dies bei vielen sportlichen Aktivitäten der Fall ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_40/2014 vom
8.
Mai 2014 E. 2.2.3 mit Hinweis auf BGE 129 V 466
E. 4.2.1, 4.2.2).
4.
4.1
D
amit der Begriff des Unfalls im Sinne von
Art.
10
Abs.
2 AVB ZB
INFORTUNA
und
Art.
4 ATSG erfüllt
ist
,
ist
unter anderem erforderlich, dass ein in der Aussenwelt begründeter Faktor den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung programmwidrig beeinflusst hat (vgl. vorstehend E.
3
.2-4
). Eine solche unge
wöhnliche äussere Einwirkung auf den Körper des Klägers geht aus seinen Schilderungen nicht hervor, weshalb das Ereignis vom 2
9.
August 2014 nicht als Unfall im Sinne von
Art.
10
Abs.
2 AVB ZB
INFORTUNA
zu qualifizieren ist.
Zu beurteilen bleibt, ob
ein Leistungsanspruch
des Klägers
aus Art. 10
Abs.
3 AVB ZB
INFORTUNA
besteht.
Unbestritten ist, dass die vom
Kläger am 2
9.
August 2014
erlittene Meniskusverletzung eine
gemäss
den in
Art.
10
Abs.
3 AVB ZB
INFORTUNA und
Art. 9 Abs. 2 UVV
abschliessend
aufgelistete
unfall
ähnliche
Körperschädigung darstellt (vgl. vorstehend E. 3.
5
).
4.2
Den Akten können
neb
st den Schilderungen in der Klag
eschrift (vgl. vorstehend E.
2.2)
folgende Sachverhaltsdarstellungen de
s Klägers
zum Ereignis vom 2
9.
August 2014
entnommen werden:
In der Unfallmeldung vom 1
0.
September 2014 (
Urk.
7/1) wurde folgender Un
fal
lhergang angegeben:
„falsche Kniebewegung beim Kung
Fu, beim Auftreten starker Schmerz im Knie und Blockade“.
In seinem Schreiben vom 1
9.
März 2015 (
Urk.
7/16) führte der
Kläger
zum Ereignishergang aus
, er habe anlässlich eines Kung
Fu-äh
nlichen
Kampfsport
trainings
vom
2
9.
August 2014 bei einer Partnerübung mit schnellem Zwei
kampf beim Schritt zurück mit dem rechten Bein eine falsche Bewegung mit dem Knie gemacht, worauf er beim Auftreten einen starken Schmerz mit Blockade des rechten Knies verspürt habe (
Urk.
7/16
S. 1 f.
Ziff.
1).
4.3
Wie in
Art.
10
Abs.
3 AVB ZB
INFORTUNA
und
Art.
9
Abs.
2 UVV
ausdrücklich
festgehalten, entfällt bei
einer unfallähnlichen Körperschädigung
einzig das Tatbestandselement der Ungewöhnlichkeit des auf den Körper einwirkenden äusseren Faktors, währendem alle übrigen Begriffsmerkmale eines Unfalles er
füllt sein müssen, so das Erfordernis des einwirkenden äusser
en Faktors an sich.
Dabei kann die schädigende Einwirkung auch in einer körpereigenen Bewegung bestehen
. Verlangt wird insbesondere ein Geschehen, welchem ein gesteigertes Gefährdungspotenzial innewohnt, was zutrifft, wenn die als Schmerzauslöser angegebene Betätigung im Rahmen einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage vorgenommen wird, wie dies bei vielen sport
lichen Aktivitäten der Fall ist (vgl.
vorstehend E. 3.6 und
auch
Urteil des Bundesgerichts 8C_147/2014 vom 1
6.
Juli 2014 E. 2.4).
Der Kläger berichtet
e
von einer
„
falschen
“
Bewegung mit dem Knie bei einem Schritt zurück
, während
einer Partnerübung
in schnellem Zweikampf (vg
l. vor
stehend E. 4.2)
.
Die Beklagte verneinte indes eine gesteigerte Gefahrenlage
beim Kung Fu
und machte weiter geltend, der Schmerz sei ja erst mit Auftreten erfolgt, was be
deute, dass die Verletzung im Rahmen eine
s
regulären Bewegungsablaufes des Auftretens stattgefunden habe und nicht anlässlich der „falschen“
Knie
bewe
gung
(vgl. vorstehend E. 2.3
).
Dieser Ansicht der Beklagten kann aber aus
den nachfolgend
dargel
eg
ten
Überlegungen nicht gefolgt werden.
D
er Kläger
beschrieb
einen
schnel
len Zweikampf,
so dass der
Moment der
Knie
bewegung
und das kurz darauf erfolgte Abstellen des Fusses nicht auseinander genommen werden dürfen. Diesbezüglich hielt das Bundesgericht auch fest, dass es im Einzelfall kaum jemals restlos zu klären ist, welche effektive Bewegung die Verletzung tatsächlich ausgelöst hat.
Im gleichen Entscheid bejahte das Bundesgericht in einem ähnlich gelagerten Fall, wo es bei einer Partnerübung im Rahmen eines Selbstverteidigungstrainings bei einem Schritt rückwärts zu einem Bruch kam, das Vorliegen einer gesteigerten Gefahrenlage. Diese wurde darin erblickt, dass die Bewegungen
in rascher Folge mit „kleinen tanzenden Schritten“
abliefen
. Da dieser Bewegungsablauf als Ganzes mit einer gewissen Kraftanstren
g
ung und ständigen Belastungswechseln
in kurzer Abfolge
in Rela
tion zu den Bewegungen des Traini
n
gspartners
gesehen wurde
, ging das Bun
desgericht von einer erhöhten Verletzungsgefahr aus (vgl. Urteil des Bundesge
richts 8C_147/2014 vom 1
6.
Juli 2014 E. 3.3 und E. 3.5).
Es ist demgemäss auch bei der
vom Kläger
beschriebenen Kung F
u-ähnlichen schnellen Partnerü
bung
mit Rückwärtstreten
von einer gesteigerten
Gefahren
lage
auszugehen
,
und ein mitwirkender äusserer Faktor im Sinne von
Art.
10
Abs.
3 ABV ZB
INFORTUNA
respektive von
Art.
9
Abs.
2 UVV
und damit eine unfallähnliche Körperschädigung
ist zu bejahen.
4.4
Im Hinblick
auf die mit
der
geplanten UVG-Revision
zu erfolgende Änderung von
Art.
6
Abs.
2 UVG, wonach
die Versicherung ihre Leistung auch bei den in der Folge aufgelisteten Körperschädigungen - namentlich auch Meniskusrissen - erbringt, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder
Erkrankung zu
rückzuführen sind
,
und damit nicht mehr auf den vollständig zu erfüllenden Unfallbegriff
Bezug genommen
wird
, sondern direkt auf die Abgrenzung zu abnützungs- oder
erkrankungsbedingter
Schädigung
,
sprechen auch die Ein
schätzungen des Operateurs
Dr.
Y._
vom
5.
November 2014
(vgl.
Urk.
7/
11
) und von
Prof.
Dr.
med.
B._
, Chefarzt des
C._
, vom
2
9.
Januar
2015 (
Urk.
7/15)
deutlich für eine unfallbedingte Meniskusschädigu
ng.
Prof.
B._
führte insbesondere aus, bei
einem 22-jährigen Patient mit völlig unauffälligen Knorpel- und Meniskusverletzungen anlässlich der Arthroskopie mit dem entsprechenden Einriss
,
sei ganz bestimmt nicht von einem degenerati
ven Leiden und daraus resultierendem Meniskusriss auszugehen. Der Meniskus
in diesem Alterssegment könne ausschliesslich durch ein Unfallereignis einreis
sen
.
4.5
Der Kläger
beantragte Versicherungsleistungen in der Höhe von
Fr.
9‘275.-- zuzüglich 5
%
Zins ab Datum der Klageeinleitung (vgl.
Urk.
1 S. 11
Ziff.
20).
Da w
eder die AVB noch die AVB ZB
INFORTUNA
eine Verzugszinsregelung
enthalten
, ist damit
auch
kein
vertraglich kein Verfalltag vereinbart. Aus den Akten lässt sich nicht entnehmen, dass die Beklagte gemahnt wurde. Ihre
Leis
tungspflicht
für die Privatpatienten-Mehrkosten
vernein
te sie jedoch
bereits vor Klageeinleitung, erstmals ausdr
ücklich am 2
9.
September 2014 (vgl.
Urk.
7/7)
,
dann
mit Schreiben vom
8.
Oktober 2014 (
vgl.
Urk.
7/
9
)
und erneut mit Schrei
ben vom 1
0.
November 2014 (
vgl.
Urk.
7/
12
)
. Die Rechnungen für den Aufent
halt in der Klinik
A._
respektive die Honorarrechnung von
Dr.
Y._
datieren vom
6.
und 2
0.
November 2014 (vgl.
Urk.
2/18-19), weshalb sich die Beklagte jeweils nach 30 Tagen im Verzug befand
.
Die Beklagte hat daher ab Datum der Klageeinleitung vom 1
2.
Oktober 2015 dem Kläger
,
wie beantragt, Verzugszinsen
von 5 % zu bezahlen.
4.6
Aufgrund des Gesagten ist die
Beklagte in Gutheissung der Klage
aus
Art.
10
Abs.
3 AVB ZB INFORTUNA
für das Ereignis vom 2
9.
August 2014
leistungs
pflichtig
und hat dem Kläger die geltend gemachten Leistungen im Umfang von
Fr.
9‘275.--
nebst 5 % Zins seit dem 12
.
Oktober
2015
zu erstatten.
5
.
5
.1
Gemäss
Art. 114
lit
. e ZPO ist das Verfahren kostenlos. Zu den Prozesskosten gehören die Gerichtskosten und die Parteientschädigung (Art. 95 Abs. 1 ZPO). Aus der Formulierung von Art. 114 ZPO ergibt sich, dass dessen
lit
. e nur die Gerichtskosten betrifft, nicht aber die Prozessentschädigung an die Gegenpartei (Urteil des Bundesgerichtes 4A_194/2010 vom 17. November 2010, E. 2.1 nicht publiziert in: BGE 137 III 47). Diese umfasst den Ersatz der notwendigen Ausla
gen, die Kosten einer
berufsmässigen
Vertretung sowie in begründeten Fällen eine angemessene
Umtriebsentschädigung
, wenn eine Partei nicht
berufsmässig
vertreten ist (Art. 95 Abs. 3 ZPO).
5
.2
Die Kantone sind zuständig, die Tarife für die Prozesskosten festzusetzen (Art. 96 ZPO). Das zürcherische Ausführungsgesetz zur ZPO, das GOG, enthält keine für das Sozialversicherungsgericht anwendbare Tarifbestimmung (vgl. 7. Teil des GOG). Dasselbe gilt für die Verordnung über die Anwaltsgebühren. Diese regelt ausdrücklich nur die Parteientschädigungen vor den
Schlichtungs
behörden
, den Zivilgerichten und den Strafbehörden. Die Bemessung der
Partei
entschädigung
richtet sich somit nach § 34
GSVGer
sowie der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht
(
GebV
SVGer
).
Gemäss
§ 34 Abs. 3
GSVGer
ist die Höhe der gerichtlich festzu
setzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass
des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert festzusetzen.
Die
dem anwaltlich vertretenen Kläger
zustehende Parteientschädigung ist in Anwendung der genannten Kriterien und unter Berücksichtigung eines
gerichts
üblichen
Stundenansatzes seit 1. Januar 2015 von Fr. 220.--, zuzüglich Mehr
wertsteuer (
MWSt
), für den angefall
en
en Aufwand auf insgesamt Fr. 2‘7
00.-- (inkl.
MWSt
) festzusetzen.