Decision ID: 24ca5a10-4de5-40bd-a42c-19b873c7e883
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
betrieb in der Rechtsform einer Einzelfirma das
Restaura
nt
Y._
(vgl.
Urk.
2 S. 2). Seine Steuererklärung 2011 wurde am 2
6.
Februar 2013 vom kantonalen Steueramt unv
erändert angenommen.
Es resultierte schliesslich
ein Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit von
Fr.
42'235.
--
(
Urk.
3/2, 8/13
/1
).
Geführt wurde der Restaurationsbetrieb in der Liegenschaft «
Z._
» in
A._
. Sowohl die Liegenschaft als auch die Hypothek für die
Liegen
schaft waren jeweils in den
Bilanz
en
der Einzelfirma Restaurant
Y._
aufge
führt (
Urk.
3/3, vgl. auch
Urk.
8/13
/2
).
Per
3
1.
Dezember 2011 wandelte
X._
die Einzelfirma in die Restaurant
Y._
GmbH um. Dabei wurde nur der Betrieb, nicht aber die Liegenschaft «
Z._
»
auf die GmbH übertra
gen (vgl.
Urk.
3/5, 8/13
/1
). Nachdem das Steueramt im Rahmen des Einschät
zungsverfahren
s
2012 davon Kenntnis erhalten hatte,
forderte es mit Verfügung vom 3
0.
Oktober 2017 Nachsteuern infolge Nichtdeklaration von Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit aus d
er Überführung der Liegenschaft
«
Z._
»
vom Geschäfts- ins Privatvermögen.
Dabei
wurde der Verkehrswert der Liegen
schaft auf
Fr.
1'200'000.-- festgesetzt. Angesichts des (bisherigen) Einkommens
steuerwert
s
von
Fr.
625'000.-- erhöhte sich damit
das
Einkommen aus selbstän
diger Erwerbstätigkeit
u
m
Fr.
575'000.-- (
Urk.
8/13/1-3).
1.2
Mit Nachtra
gsverfügung vom 1
3.
September 2018
setzte die
GastroSocial
Aus
gleichskasse
die persönli
chen Beiträge von
X._
für das Jahr 2011
auf
Fr.
66'430.60 fest. Dem lagen das Einkommen von
Fr.
42'235.-- und das von der Steuerbehörde am 2
9.
August 2018 gemeldete Zusatzeinkommen von
Fr.
575'000.-- zu Grunde. Davon wurde der Zinsabzug auf das Eigenkapital gewährt und die persönlichen Beiträge aufgerechnet (
Urk.
8/2
). Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache
(
Urk.
8/15, 8/17) wies
die Ausgleichskasse mit Entscheid vom
1
3.
Dezember 2018 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen liess
X._
, vertreten durch Rechtsanwalt Jürg
Bigler
,
am 2
2.
Januar 2019 Beschwerde erheben und beantragen,
der angefochtene Ent
scheid vom 1
3.
Dezember 2018 und die Beitragsverfügung vom 1
3.
September 2018 seien ersatzlos aufzuheben, eventualiter sei das beitragspflichtige Einkom
men herabzusetzen (
Urk.
1 S. 2). Die Ausgleichskasse schloss mit Vernehmlassung vom 2
0.
Februar 2019 auf
Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was dem Beschwerdeführer
zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9). Am
9.
September 2019 teilte der Rechtsvertreter mit, dass sein Mandat erloschen sei (
Urk.
10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Vom Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit werden Beiträge erhoben (
Art.
3 f. und 8 f.
des Bundesgesetzes
über die Alters- und
Hinterlassenen
versi
cherung
[
AHVG
];
Art.
2 und 3 des Bundesgesetzes über die Invaliden
versicherung [IVG];
Art.
26 und 27 des Bundesgesetzes über den Erwerbsersatz für Dienstleis
tende und bei Mutterschaft [EOG]). Das Einkommen aus selbständiger Erwerbstä
tigkeit und das im Betrieb eingesetzte eigene Kapital werden von den kantonalen Steuerbehörden ermittelt und den Ausgleichskassen gemeldet (
Art.
9 Abs. 3 AHVG). Die Angaben der kantonalen Steuerbehörden sind für die Ausgleichskas
sen verbindlich (
Art.
23 Abs. 4 der Verordnung über die Alters- und
Hinterlas
senenversicherung
,
AHVV
). Die Ausgleichskassen verlangen für die ihnen ange
schlossenen
Selbständigerwerbenden
von den kantonalen Steuerbehörden die für die Berechnung der Beiträge erforderlichen Angaben. Das Bundesamt erlässt Wei
sungen über die erforderlichen Angaben und das Meldeverfahren (
Art.
27 Abs. 1 AHVV).
1.2
1.2
.1
Art.
9 Abs. 4 AHVG sieht in der am
1.
Januar 2012 in Kraft getretenen Fassung vor, dass die steuerrechtlich zulässigen Abzüge der Beiträge von den Ausgleichs
kassen zum von den Steuerbehörden gemeldeten Einkommen hin
zuzurechnen sind. Das gemeldete Einkommen ist dabei nach Massgabe der geltenden Bei
tragssätze auf 100 Prozent aufzurechnen (vgl. auch
Rz
. 1169 f. der Wegleitung über die Beiträge der
Selbständigerwerbenden
und Nicht
erwerbstätigen in der AHV, IV und EO [WSN] in der ab
1.
Januar 2012 geltenden Fassung). Diese Neu
regelung gilt nach der dazu erlassenen Über
gangsbestimmung für alle Einkom
men aus selbständiger Erwerbstätigkeit, die nach deren Inkrafttreten von den Steuerbehörden gemeldet werden (Schlussbestimmung der Änderung vom 1
7.
Juni 2011).
1.
2.2
Nach der Rechtsprechung gemäss BGE 139 V 537
(insbesondere E. 5.4, 5.5 und 6)
liegt die
ratio
legis
des auf den
1.
Januar 2012 in Kraft getretenen
Art.
9 Abs. 4 AHVG darin, dass die Ausgleichskasse sich in Abwei
chung von der alten Praxis (BGE 111 V 289) nicht mehr darum kümmern muss und soll, ob und was die Steuerbehörde vom gemeldeten Einkommen abgezogen hat. Sie hat davon aus
zugehen, dass das gemeldete Einkommen beitragsrechtlich ein Nettoeinkommen ist, und die AHV/IV/EO-Beiträge auf dieses aufzurechnen. Davon ist abzuwei
chen, wenn der Ausgleichskasse durch die Steuermeldung klar, ausdrücklich und vorbehaltlos bestätigt wird, dass kein Abzug vorgenommen worden ist.
1.
3
Gemäss
Art.
23 Abs. 4 AHVV sind die Angaben der Steuerbehörden für die Aus
gleichskassen verbindlich, und jede rechtskräftige Steuerveranlagung be
gründet die nur mit Tatsachen widerlegbare Vermutung, dass sie der Wirklichkeit entspre
che. Da die Ausgleichskassen an die Angaben der Steuerbehörden gebunden sind und das Sozialversicherungsgericht grundsätzlich nur die Kassenverfügung auf ihre Gesetzmässigkeit zu überprüfen hat, darf das Gericht von rechtskräftigen Steuertaxationen bloss dann abweichen, wenn diese klar ausgewiesene Irrtümer enthalten, die ohne weiteres richtig gestellt werden können, oder wenn sachliche Umstände gewürdigt werden müssen, die steuerrechtlich belanglos, sozialversi
cherungsrechtlich aber bedeutsam sind (BGE 110 V 83 E. 4 und 369 E. 2a, 106
V
129 E. 1, 102 V 27 E. 3a; AHI 1997 S. 25 E. 2b mit Hinweis).
2.
2.1
Strei
tig
und zu prüfen ist, ob
der
Überführungs
gewinn
von
Fr.
575'000.-- der AHV-Beitragspflicht untersteht.
2.2
Die Ausgleichskasse bejaht dies unter Hinweis auf die Bindungswirkung der Steu
ermeldung (
Urk.
2, 7). Der Beschwerdeführer
stellt sich auf den Standpunkt, die Liegenschaft sei nicht nur geschäftlich, sondern auch privat genutzt worden. In Anwendung der
Präponderanzmethode
sei sie
in ihrer Gesamtheit schon seit jeher
dem Privatvermögen zuz
u
ordnen gewesen (
Urk.
1 S. 3 ff.). Im Eventualstand
punkt hält er dafür, dass der Entscheid der Steuerbehörde offensichtlich unrichtig und damit für das vorliegende Verfahren unverbindlich sei. Zumindest die wert
vermehrend
en Investitionen von
Fr.
22'939.--
seien beitragsmindernd zu berück
si
chtigen. Im Weiteren moniert er die vorgenommene Aufrechnung der persönli
ch
en Beiträge als falsch. Es sei
nur der effektiv
[in der Steuererklärung]
in Abzug gebrachte Betrag
von
Fr.
3'557.-- aufzurechnen
(
Urk.
1 S. 6 f.).
3.
3.1
D
ie Überführung von Aktiven
, namentlich von Liegenschaften,
vom Geschäfts- in das Privatvermögen
wird
regelmässig der Veräusserung gleichge
stellt. In Bezug auf den daraus resultierenden Vermögensgewinn ist auch
steuerrechtlich die Unterscheidung von Geschäfts- und Privatvermögen von Bedeutung, weshalb sich die AHV-Behörden in der Regel auf die Steuermeldung verlassen können und eigene nähere Abklärungen nur dann vornehmen müssen, wenn sich ernst
hafte Zweifel an der Richtigkeit der Steuermeldung ergeben (BG
E 134 V 250
E.
3.3 u. 4.2
, Bundesgerichtsurteil 9C_803/11 vom 2
3.
August 2012 E. 3.5.1).
Nicht einschlägig in diesem Zusammenhang ist
BGE 141 V 634
, auf den sich der
Beschwerdeführer beruft
(
Urk.
1 S. 2)
. In jenem Bundesgerichtsurteil
ging es um die Abgrenzung
zwischen Lohn und Dividende. Da
s ist hier nicht Thema.
3.2
Die Steuerveranlagung vom 3
0.
Oktober 2017 (
Urk.
8/13/2) ist in Rechtskraft erwachsen. Sie begründet somit die nur mit Tatsachen widerlegbare Vermutung, dass sie der Wirklichkeit entspricht. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, die Liegenschaft wäre ursprünglich nicht dem Geschäfts-, sondern dem Privat
vermögen zuzuordnen gewesen
,
und somit sinngemäss die Rechtmässigkeit der Überführung bestreitet (
Urk.
1 S. 3 ff.), ist er im vorliegenden Verfahren nicht zu hören. Er hätte dies im Steuerjustizverfahren vorbringen müssen.
Indessen kann auch inhaltlich seiner Argumentation nicht gefolgt werden. Seine Liegenschaft nutzte er sowohl geschäftlich als auch
privat.
Entsprechend der
Präponderanz
methode
we
rden
gemischt
genutzte Liegenschaften
in ihrer Gesamtheit - nach der überwiegenden Nutzung - entweder dem Geschäfts- oder dem Privatvermögen zugewiesen
(BGE 125 V 218, Urteil des
Eidg
. Versicherungsgerichts
H 26/05 vom 1
3.
Juli 2006 E. 5.4.1). Im konkreten Fall erfolgte die Zuordnung zunächst zum Geschäftsvermögen, nachdem die Liegenschaft
«
Z._
»
jeweils in den Bilanzen der Einzelfirma Restaurant
Y._
aufgeführt worden war.
Auch die Liegenschaftser
träge (aus der Vermietung von Wo
hnungen) wurden in den Geschäftsbüc
hern der Einzelfirma verbucht (
Urk.
3/3-4
).
Bei der Gründung der Restaurant
Y._
GmbH
wurde die Liegenschaft - wie sich auch aus dem Han
delsregister ergibt (
Urk.
9
) - nicht übernommen. Dass die Steuerbehörde bei dieser Sachlage von einer Überführung der Liegenschaft vom Geschäfts- ins Privatver
mögen ausging
,
erscheint zut
reffend. Auf jeden Fall ist diese Einschätzung
nicht offensichtlich unrichtig.
3.3
Gleiches gilt für die
be
i
tragsmässige
Festsetzung des Überführungsgewinns. Der Betrag von
Fr.
575‘000.-- ergibt
sich aus dem Verkehrssteuerwert von
Fr.
1‘200‘000.-- abzüglich des Einkommensteuerwer
ts von
Fr.
625‘000.--. Letzte
ren hatte der Beschwerdeführer in der Steuererklärung so deklariert, was die Steu
erbehörde akzeptierte (
Urk.
3/2). Der Beschwerdeführer vermag deshalb nichts zu seinen Gunsten
daraus
ab
zu
leiten, dass er in der Bilanz
2011
der Einzelfirma Restaurant
Y._
wertvermehrende Investitionen von
Fr.
22‘939.-- verbuchte (
Urk.
3/3). Der Umstand wurde, soweit ersichtlich, gegenüber den Steuerbehör
den nicht kommuniziert. Zumindest verzichtete
der Beschwerdeführer
auf eine Anfechtung der Verfügung vom 3
0.
Oktober 201
7.
Wie erwähnt
haben
selbstän
digerwe
rbende
Versicherte
ihre Rechte auch im Hinblick auf die AHV-rechtliche Beitragspflicht in erster Linie im Steuerjusti
zverfahren zu wahren
. V
on den kan
tonalen Versicherungsgerichten
sind
nur ausnahmsweise
Berichtigungen vorzu
nehmen
(SVR 2007 AHV
Nr. 11 S. 29, H 64/06 E. 3.3; Bundesgerichtsu
rteil 9C_325/2011 vom 2
2.
Juni 2011). Ein solcher Ausnahmetatbestand ist nicht
gegeben, wenn eine nachträgliche Abklärung ergibt
-
und noch weniger wenn eine solche ergeben könnte
-
, dass die Veranlagung für die direkte Bundessteuer bei rechtzeitiger Anfechtung wahrscheinlich korrigiert worden wäre (ZAK 1992 S. 32, H 4/91 E. 3c
).
Die Steuerveranlagung ist
folglich vorliegend verbindlich, und es ist von einem Überführungsgewinn von
Fr.
575‘000.-- auszugehen.
3.4
Die weiteren beschwerdeweise vorgebrachten Einwände betreffen die Aufrech
nung
der AHV/IV/EO-Beiträge
(
Urk.
1 S. 7). Aufgrund von
Art.
9
Abs.
4 AHVG hat die Ausgleichskasse davon auszugehen, dass das gemeldete Einkommen bei
tragsrechtlich ein Nettoeinkommen ist und hat die
AHV/IV/EO-Beiträge
auf die
ses aufzurechnen. Davon ist indes abzuweichen, wenn durch die Steuermeldung klar, ausdrücklich und vorbehaltlos bestätigt wird, dass kein Abzug vorgenom
men worden ist (BGE 139 V 537 E. 6; E. 1.2.2 hiervor). Solches ist vorliegend der Fall. In der Meldung vom 2
9.
August 2018
vermerkte die Steuerbehörde aus
drücklich
, dass keine persönlichen
AHV/IV/EO-Beiträge
vom Zusatzeinkommen von
Fr.
575'000.-- abgezogen worden seien (
Urk.
8/1).
Zwar brachte der Beschwerdeführer in der Steuererklärung 2011 den Betrag von
Fr.
3'557.-- in Abzug
(
Urk.
3/2)
. Hinsichtlich des
Einkommens aus selbständiger Erwerbstätigkeit von
Fr.
42’235.--
(vgl.
Urk.
8/2)
ist daher
eine prozentuale Auf
rechnung im Sinne von
Art.
9
Abs.
4 AHVV
angezeigt. Da hingegen hinsichtlich des Zusatzeinkommens von
Fr.
575'000.--
erklärtermassen keine Abzüge gemacht worden sind
, ist es nicht gerechtfertigt, auch diesbezüglich eine Auf
rechnung vorzunehmen
(vgl. BGE 139 V 537 E. 6).
Die Sache ist daher zur Neufestlegung der Beiträge im Sinne dieser Erwägungen an die Ausgleichskasse
zurückzuweisen. Damit
obsiegt der Beschwerdeführer in geringem Umfang und
die Beschwerde
ist folglich
teilweise
gutzuheissen.
4.
Damit obsiegt der
Beschwerdeführer teilweise.
Bei diesem Ausgang des Ve
rfah
rens
ist die Beschwe
rdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer
eine reduzierte Prozessentschädigung auszurichten
. Diese ist auf Fr. 4
00.-- festzuset
zen.