Decision ID: 767a8c12-2660-5d26-883b-d82e7135da65
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) litt an [...], weshalb ihm die IV-Stelle ab 2. Juli
1985 Massnahmen zur Behandlung [...] zusprach (IV-act. 64; Verfügungen vom 15. Juli
1985, IV-act. 61, vom 14. November 1986, IV-act. 59, Mitteilungen vom 12. November
1987, IV-act. 54, vom 17.Juni 1988, IV-act. 51; Verfügungen vom 14. Juni 1994, IV-
act. 46, vom 1. Juni 1995, IV-act. 40, vom 15. August 1996, IV-act. 35).
A.a.
Mit Verfügungen vom 20. Juni und 23. Juli 1997 sprach die IV-Stelle dem
Versicherten die Kostenübernahme für eine Schnupperlehre und eine vom 18. August
1997 bis 17. August 1998 vorgesehene erstmalige berufliche Ausbildung zum
Metallbearbeiter im B._ zu (IV-act. 29; IV-act. 24). Der Versicherte trat die
Massnahme nicht an, weil er sich dazu nicht in der Lage fühlte (Gesprächsnotiz vom
18. August 1997, IV-act. 23).
A.b.
Am 15. August 1997 meldete sich der Versicherte bei der Invalidenversicherung
(IV) zum Bezug von Leistungen für Erwachsene an (IV-act. 22). Dr. med. C._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, kam in seinem Gutachten vom 14. Mai
1998 zum Schluss, der Versicherte leide an einem schweren emotionalen
Entwicklungsrückstand mit vor allem Ich-Schwäche und Selbstwertproblematik sowie
einem Zustand nach frühkindlichem POS (Psychoorganisches Syndrom,
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung [ADHS]). Aufgrund dessen sei der
Explorand in der freien Wirtschaft grundsätzlich 0 % arbeitsfähig. Derzeit sei die
A.c.
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psychische Störung so stark ausgeprägt, dass berufliche Massnahmen nicht möglich
seien. Die vielfältigen psychosozialen Defizite erforderten eine intensivere, stationäre
Behandlung (psychiatrische Therapie und Rehabilitation). Erst im Anschluss daran
werde eine Schulungsfähigkeit z.B. im Rahmen einer beruflichen Massnahme gegeben
sein (IV-act. 14-7 f.). Mit Verfügung vom 16. Juli 1998 sprach die IV-Stelle dem
Versicherten rückwirkend ab 1. Oktober 1997 eine ganze Rente zu (IV-act. 9).
In amtlichen Revisionsverfahren wurde die Rente gestützt auf Berichte von
Dr. C._ (Arztbericht vom 27. Juli 1999, IV-act. 4, und vom 17. Oktober 2002, IV-
act. 70), von Dr. med. D._, Fachärztin für Allgemeine Medizin (Verlaufsbericht vom
22. Januar 2005, IV-act. 75) und von Dr. med. E._, Facharzt für Allgemeine Medizin
(Verlaufsberichte vom 2. März 2008, IV-act. 85, und vom 11. Juni 2012, IV-act. 100)
jeweils bestätigt (Mitteilungen vom 12. August 1999, IV-act. 6, vom 15. November
2002, IV-act. 71, vom 12. Mai 2005, IV-act. 79, vom 14. April 2008, IV-act. 90 und vom
22. Juni 2012, IV-act. 102.
A.d.
Am 26. September 2016 erkundigte sich der den Versicherten damals seit drei
Monaten behandelnde Dr. med. F._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
nach den Gründen für die Berentung des Versicherten (IV-act. 107). Die IV-Stelle
eröffnete daraufhin ein weiteres amtliches Revisionsverfahren, wobei der Versicherte
am 3. Oktober 2016 angab, sein Gesundheitszustand habe sich verschlechtert (IV-
act. 111). Gemäss Verlaufsbericht vom 6. Dezember 2016 diagnostizierte Dr. F._ eine
selbstunsichere, schizoide und depressive Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-
vermeidenden, zwanghaften und emotional-instabilen Persönlichkeitszügen (ICD-10:
F61.0) und hielt eine vorsichtige Integration mit vorerst Berufsberatung und wenig
Kontakt mit Menschen für sinnvoll (IV-act. 114).
A.e.
RAD-Arzt Dr. med. G._, Facharzt für Innere Medizin, nahm am 20. März 2017
Stellung, zur Frage der Arbeitsfähigkeit im Verlauf und aktuell sei eine psychiatrische
Begutachtung mit neuropsychologischer Testung erforderlich (IV-act. 116). Der damit
beauftragte Dr. med. H._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt im
Gutachten vom 15. August 2017 fest, da der Beschwerdeführer keine Blut- und
Urinprobe abgegeben habe und aufgrund der dünnen Aktenlage sei die vorgesehene
neuropsychologische Abklärung sinnlos. In dieser Situation könne er keine Diagnose
A.f.
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stellen und sich nicht zu den Einschränkungen und zur Arbeitsfähigkeit äussern (IV-
act. 121-37 f., IV-act. 122-2). Am 6. November 2017 ergänzte Dr. H._ das Gutachten,
nachdem er von RAD-Arzt Dr. G._ ersucht worden war, die neuropsychologische
Abklärung trotz fehlender Laboruntersuchungen durchführen zu lassen (IV-act. 122-1).
Er führte aus, neuropsychologische Einschränkungen bestünden nicht (IV-act. 122-7).
Die von Dr. F._ gestellte Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit
selbstunsicheren, ängstlich-abhängigen, vermeidenden und emotional-instabilen
Zügen sei plausibel; insgesamt gehe auch er von deren Vorliegen aus (IV-act. 122-4 f.).
In Übereinstimmung mit Dr. F._ sei er der Ansicht, dass nach beruflichen
Massnahmen eine Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt von mindestens 50 % bis je
nachdem sogar 100% bestehe. In einer ungelernten Hilfsarbeit bestehe bereits jetzt
eine mindestens 50%ige Leistungsfähigkeit. Es sei nicht ganz klar, wann nun welche
Verbesserung eingetreten sei. Darum gelte die 50%ige Arbeitsfähigkeit ab dem
Zeitpunkt der aktuellen Untersuchung (IV-act. 122-13).
RAD-Arzt Dr. G._ nahm am 18. Dezember 2017 Stellung, die
Schlussfolgerungen des psychiatrischen Gutachters seien nachvollziehbar (IV-
act. 123).
A.g.
Die IV-Stelle informierte den Versicherten am 19. Dezember 2017, der Anspruch
auf eine Rente nicht mehr gegeben sei. Bevor die Rente herabgesetzt werde, seien
berufliche Eingliederungsmassnahmen durchzuführen (IV-act. 124). Am 1. Mai 2018
hielt die Eingliederungsverantwortliche in einer Email an die Psychotherapeutin des
Versicherten fest, dieser gerate bereits aktuell in der Vorbereitung der
Integrationsmassnahme (Gespräche, Vorstellung der Institution) in eine
Extrembelastung mit Suizidgedanken. Aus ihrer Sicht müssten vor einer beruflichen
Integration vertiefte therapeutische Massnahmen durchgeführt werden. Sie werde den
Fall abschliessen, da sie die berufliche Integration unter den derzeitigen Bedingungen
nicht unterstützen könne (IV-act. 134; IV-act. 135-8 ff.).
A.h.
Dipl.-Psych. I._, Psychotherapeutin FSP (in Delegation von med. pract. J._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie), erwähnte im Arztbericht vom 3. Oktober
2018 als Diagnosen eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicheren,
ängstlich-vermeidenden, depressiven, schizoiden, zwanghaften und emotional-
A.i.
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instabilen Persönlichkeitszügen (ICD-10: F61.0) sowie einen Paarkonflikt (ICD-10:
Z63.0) und legte im Wesentlichen dar, trotz der seit Mai 2016 ca. alle drei Wochen
stattfindende kognitiven Verhaltenstherapie sei die Situation nahezu unverändert.
Insgesamt entstehe zunehmend der Eindruck, dass der Versicherte zur Therapie
komme, um sich in den Gesprächen zu entlasten, jedoch weniger, um sein Verhalten
anzupassen. Sie behalte sich vor, die Therapie zu beenden, sollten sich nicht
unmittelbar Veränderungsschritte erkennen lassen (IV-act. 140).
RAD-Arzt Dr. G._ wies in seiner Stellungnahme vom 24. Oktober 2018 darauf hin,
dass die vom Gutachter beschriebenen motivationellen Aspekte sich auch bei
Eingliederungsmassnahmen beobachten liessen. Aus medizinischer Sicht könne
weiterhin von einer aktuell mindestens 50%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden
(IV-act. 141). Die IV-Stelle richtete am 28. Februar 2019 Rückfragen an Dr. H._ (IV-
act. 145). Dieser gab am 12. März 2019 unter anderem an, nach der Durchführung
beruflicher Massnahmen sei vielleicht eine genauere Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
möglich. Aufgrund der Persönlichkeitsstörung sei der Versicherte auf ein positiv
bestärkendes, wohlwollendes Umfeld angewiesen (IV-act. 146). RAD-Arzt Dr. G._
hielt am 4. April 2019 fest, der Gutachter habe die Fragen beantwortet und eine
50%ige Arbeitsfähigkeit in einer Hilfstätigkeit bestätigt. Dies sei nachvollziehbar (IV-
act. 147). Der Rechtsdienst der IV-Stelle führte in einer Stellungnahme vom 14. Mai
2019 im Wesentlichen aus, der Gutachter habe eine Spannweite einer 50 bis 100%igen
Arbeitsfähigkeit angegeben. Mit den Adaptionskriterien positiv bestärkendes,
wohlwollendes Umfeld könne von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen
werden. Die 100%ige Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten sei auch konsistent mit
dem Aktivitätsprofil des Versicherten. Leidensdruck und Schweregrad der
Beeinträchtigung seien nicht vorhanden bzw. nicht erheblich. Der mangelhafte
Eingliederungserfolg sei auf motivationale und psychosozialen Belastungsfaktoren
(Trennung, Stress und Leistungsdruck am Arbeitsplatz, etc.) zurückzuführen. Es würde
sich eine Tätigkeit in der Reinigung – ohne Kundenkontakt, nach eigenem Plan, ohne
Konfliktpotential und aufgrund der Erfahrung als langjähriger Hausmann – anbieten (IV-
act. 148).
A.j.
Mit Vorbescheid vom 21. Mai 2019 gewährte die IV-Stelle dem Versicherten das
rechtliche Gehör zur vorgesehenen Einstellung der Rente. Zur Begründung führte sie
A.k.
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B.
aus, der Gesundheitszustand habe sich relevant verbessert. Bei Verwertung der
100 %igen Arbeitsfähigkeit könne ein rentenausschliessendes Einkommen erzielt
werden. Somit sei die Rente einzustellen (IV-act. 151). Mit Einwand vom 20. Juni 2019
brachte der Beschwerdeführer, vertreten durch seine Rechtsschutzversicherung,
zusammengefasst vor, seine gesundheitliche Situation habe sich seit der
Rentenzusprache 1997 nicht verbessert. Das Gutachten von Dr. H._ vom 15. April
2017 enthalte keine Diagnose oder Schlussfolgerungen zur Arbeitsfähigkeit. Auch
attestiere er keine Arbeitsfähigkeit von 50 % bis 100 %, und die
Eingliederungsversuche hätten gezeigt, dass nicht einmal eine Arbeitsfähigkeit von
50 % vorliege (IV-act. 160).
Mit Verfügung vom 9. Juli 2019 stellte die IV-Stelle die Rente auf Ende des der
Zustellung folgenden Monats ein und entzog einer allfälligen Beschwerde die
aufschiebende Wirkung. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, neue
Tatsachen oder Unterlagen, welche zu einem anderen Ergebnis führen könnten, seien
nicht vorgebracht worden (IV-act. 163).
A.l.
Gegen die Verfügung vom 9. Juli 2019 erhebt der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) am 18. Juli 2019 Beschwerde mit den Rechtsbegehren, die
angefochtene Verfügung sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben und
es sei ihm weiterhin eine ganze Rente auszurichten. Eventualiter sei ihm eine halbe
Rente auszurichten. Subeventualiter sei die Angelegenheit zur weiteren Abklärung und
Durchführung von beruflichen Massnahmen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Zur Begründung bringt er vor, sein Gesundheitszustand bzw. die
Diagnosen und Beschwerden hätten sich seit der Rentenzusprache 1997 nicht
verändert. Er könne aus denselben Gründen wie damals im Erwerbsleben nicht
bestehen. Seit seinen Jugendjahren habe er eine ganze Rente erhalten, weshalb diese
nicht ohne eingehenden medizinischen Nachweis und eingehendere berufliche
Massnahmen eingestellt werden könne. Er sei im ersten Arbeitsmarkt zumindest
vorerst überhaupt nicht arbeitsfähig. Dr. H._ habe nur ungenaue Angaben zu
Diagnosen und zur Arbeitsfähigkeit machen können. Die IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) könne nicht von einer Arbeitsfähigkeit ausgehen, nur weil er sich
B.a.
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das familiäre Leben so organisiert habe, dass sich bei den familiären Verpflichtungen
keine Einschränkungen erkennen liessen. Ob sich das tatsächliche Leistungsvermögen
verbessert habe, sei eingehend zu prüfen. Die medizinischen Berichte gingen von einer
Arbeitsfähigkeit von 50 % aus. Die misslungene berufliche Massnahme sei zu wenig ins
Gesamtbild einbezogen und gewürdigt worden. Er habe weiterhin Anspruch auf eine
ganze Rente, da die Beschwerdegegnerin weder einen verbesserten
Gesundheitszustand noch eine Arbeitsfähigkeit habe nachweisen können (act. G 1).
Am 2. September 2019 beantragt die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde und verweist auf die Ausführungen des Rechtsdienstes sowie der
fallführenden Sachbearbeiterin insbesondere zum Revisionsgrund (act. G 4).
B.b.
Der Beschwerdeführer macht mit am 24. September 2019 beim
Versicherungsgericht persönlich abgegebener Eingabe im Wesentlichen geltend, es
treffe nicht zu, dass er sich mit seiner Krankheit arrangiert und ein hohes Aktivitätsprofil
habe. Er habe weder einen Freundes- noch einen Bekanntenkreis, sondern lediglich
Kontakt zu seiner Frau, seinen Kindern und zu seiner 80-jährigen Mutter. Lediglich
während einer dreimonatigen Episode habe er Sport gemacht. Es sei ihm nicht
verständlich, wie Dr. H._ innerhalb von einer bis eineinhalb Stunden habe zum
Schluss kommen können, er sei arbeitsfähig und integrierbar, nachdem er nie
gearbeitet und keinen Lehrabschluss oder dergleichen habe. Die Psychotherapeutin
habe die Therapie von ihrer Seite aus beendet. Sie habe ihm ein Medikament
verordnet, das er nicht vertragen und, nachdem er sie gebeten habe, dieses
auszuwechseln, selbst abgesetzt habe. Es sei nicht rechtens, dass die
Beschwerdegegnerin die IV-Rente aufgrund mangelhafter Abklärungen aufgehoben
habe (act. G 6). Ergänzend hält er fest, er habe die Psychotherapie wegen eines
eventuellen Krebsrückfalles seines Sohnes aufgenommen. Dieser sei nach dem
Kontakt der Therapeutin mit der Beschwerdegegnerin nicht mehr von Bedeutung
gewesen, sondern es sei nur noch um das Thema Arbeit gegangen. Zu den Ängsten
um die Gesundheit seines Sohnes und den bekannten sozialen Ängsten seien neu
Existenzängste hinzugekommen. Er habe Bereitschaft und Motivation für eine mögliche
Arbeitseingliederung gehabt. Er habe sich mit seiner Krankheit nicht arrangiert, weil er
viele Jahre lang beschimpft und enttäuscht worden sei, weil er so sei, wie er sei. Er
habe im Mai 2017 begonnen Sport zu treiben, um Gewicht zu verlieren und eventuell
B.c.
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Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die
Akten wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
seiner Psyche einen Gefallen zu tun. Nach drei Monaten habe er 15 kg abgenommen
und sei an Grippe erkrankt, worauf er Diät und Training wieder aufgegeben habe.
Dr. H._ habe ihn genau während dieser Zeit, als er einen geregelten Tagesablauf
gehabt habe, befragt. Von einem längerfristig geordneten Leben könne aber nicht
ausgegangen werden. Sein Interesse an Videospielen sei umfassend und beinhalte
mehr als nur das Spielen. Der Hinweis der Therapeutin, er sei nicht gewillt, heilende
Schritte wie die Trennung von seiner Ehefrau vorzunehmen, schmerze ihn und sei
unangebracht. Er leide seit seiner frühen Kindheit fürchterliche Qualen, weil er nicht
"normal" sein könne. Bei der Vorstellung der Institution pro Arbeit habe er schliesslich
einen totalen Nervenzusammenbruch erlitten und er habe deshalb Schuldgefühle
gehabt, weil sich alle Beteiligten so entgegenkommend verhalten hätten. Beim
Abschlussgespräch habe er den gleichen oder gar einen stärkeren sozialen
psychischen Druck gefühlt wie damals im Alter von 17 Jahren. Ohne Schul- und
Lehrabschluss sei ein Einkommen von Fr. 67'002.-- nicht realistisch (act. G 6.1).
Die Beschwerdegegnerin verzichtet stillschweigend auf eine Stellungnahme zur
Eingabe vom 24. September 2019 (act. G 8).
B.d.
Am 5. Februar 2020 reicht der Beschwerdeführer einen Bericht von Dr. med.
K._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 23. Januar 2020 ein (act. G 9;
act. G 9.1). Dieser hat nebst einer kombinierten Persönlichkeitsstörung eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittel- bis schwergradige Episode
ohne somatisches Syndrom (ICD-10: F33.11/2) diagnostiziert und aufgrund der
Schwere der Symptomatik dem Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
attestiert (act. G 9.1).
B.e.
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Erwägungen
1.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt eine auf
objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich gestellte Diagnose nach einem
wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 141 V 289 E. 3.2;
Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2016, 8C_1/2016, E. 4.3). Erforderlich ist
zudem, dass die geltend gemachten Beschwerden objektiviert werden können und sich
auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auswirken (vgl. BGE 143 V 427 E. 6). Für
somatisch unklare Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und
gleichgestellte Diagnosen), psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen
und Abhängigkeitserkrankungen ist der Beweis nach dem strukturierten Verfahren
mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE 145 V 226 E. 6, BGE 143 V 429 E. 7.2 und
BGE 141 V 294 f., E. 3.5 f. und S. 298, E. 4.2). Der Beweis für eine lang andauernde
und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als geleistet
betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen
einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen
Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143
V 427, E. 6 a. E.).
1.2.
Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40 % invalid ist. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
1.3.
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Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen). Die urteilenden Instanzen
haben die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie
umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund
eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten
Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; Urteil des Bundes
gerichts vom 13. Februar 2019, 8C_801/2018, E. 4.3).
1.4.
Die Rechtsanwender prüfen insbesondere, ob die Ärzte ausschliesslich funktionelle
Ausfälle berücksichtigt haben, welche Folge der gesundheitlichen Beeinträchtigung
sind (Art. 7 Abs. 1 erster Satz ATSG), sowie, ob die versicherungsmedizinische
Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektiver Grundlage erfolgt ist (Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz
ATSG). Recht und Medizin tragen je nach ihren fachlichen und funktionellen
Zuständigkeiten zur Festlegung ein und derselben Arbeitsunfähigkeit bei. Es soll keine
losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten
Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswürdigung überprüft
werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren
widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung
tragen (BGE 141 V 307, E. 5.2.2 f., BGE 144 V 54, E. 4.3). Berücksichtigen die Experten
die in BGE 141 V 281 normierten Beweisthemen überzeugend, hat ihre
1.5.
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2.
Arbeitsfähigkeitsschätzung auch aus Sicht des Rechtsanwenders Bestand. Andernfalls
liegt ein triftiger Grund vor, der rechtlich ein Abweichen davon gebietet (BGE 145 V
368 f., E. 4.3).
Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Rechtserheblich sind alle
Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder
anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und das
Versicherungsgericht zusätzliche Abklärungen stets dann vorzunehmen oder zu
veranlassen, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den
Akten ergebenden Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 4. Aufl., Bern/St. Gallen/Zürich 2020, Art. 61 N 107). Der
Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne einer Beweisführungslast
begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der
Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu
Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt
Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als
unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer
Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit
für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen).
1.6.
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz
nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2, je mit
Hinweisen).
1.7.
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur
Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die
geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Anspruch zu beeinflussen.
Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des
Gesundheitszustandes oder der erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich
gebliebenen Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich
gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder
2.1.
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Aufgabenbereich von Bedeutung. Dagegen stellt die unterschiedliche Beurteilung der
Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes
auf die Arbeitsfähigkeit allein keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG
dar (BGE 144 I 103 E. 2.1 und 141 V 9 E. 2.3). Geht der Versicherungsträger von einer
Verbesserung des Gesundheitszustandes aus, lässt sich diese aber nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen, trägt er die Folgen der Beweislosigkeit.
Diese bestehen darin, dass die Rente weiterhin in unverändertem Mass zu gewähren ist
(Kieser, a.a.O., Art. 17 N 73).
Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung
des Invaliditätsgrads ist bei der Prüfung eines Gesuchs um Erhöhung der Rente wie
auch bei der Prüfung einer Rentenanpassung von Amtes wegen die letzte
rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs
mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht (BGE 133 V 108; BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des
Bundesgerichts vom 8. Juli 2020, 9C_235/2020, E. 3.1). Bei gegebenem
Revisionsgrund ist der Rentenanspruch gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
umfassend neu zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3 und E. 6.1; Urteil vom 5. Dezember
2012, 9C_427/2012, E. 3.4).
2.2.
Bei Versicherten, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben
werden soll, sind nach mindestens fünfzehn Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das
55. Altersjahr zurückgelegt haben, praxisgemäss in der Regel vorgängig Massnahmen
zur Eingliederung durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch
(wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial mittels Eigenanstrengung auszuschöpfen
und erwerblich zu verwerten. Die Aufhebung oder Reduktion der bisherigen Rente kann
in Fällen der nicht zumutbaren Selbsteingliederung erst nach der Durchführung von
Eingliederungsmassnahmen erfolgen. Mithin ist in solchen Fällen die Prüfung und
allfällige Durchführung von Eingliederungsmassnahmen Voraussetzung der
Rentenaufhebung. Die Rentenaufhebung ohne vorherige Abklärungen bzw. ohne eine
den Verhältnissen angepasste Durchführung befähigender Massnahmen ist daher
bundesrechtswidrig (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juli 2020, 8C_798/2019, E. 6.1
mit zahlreichen Hinweisen). Ausnahmen von der grundsätzlich ("vermutungsweise")
anzunehmenden Unzumutbarkeit einer Selbsteingliederung liegen namentlich dann vor,
wenn die langjährige Absenz vom Arbeitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe
zurückzuführen ist, wenn die versicherte Person besonders agil, gewandt und im
gesellschaftlichen Leben integriert ist oder wenn sie über besonders breite
Ausbildungen und Berufserfahrungen verfügt. Verlangt sind immer konkrete
2.3.
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3.
Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich trotz ihres
fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Rentenbezugsdauer mit entsprechender
Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellungen wieder in das Erwerbsleben integrieren.
Die IV-Stelle trägt die Beweislast dafür, dass die versicherte Person entgegen der
Regel in der Lage ist, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene
Leistungspotenzial auf dem Weg der Selbsteingliederung erwerblich zu verwerten
(Urteil des Bundesgerichts vom 1. März 2021, 9C_541/2020, E. 4.4.2). Fehlt der
Eingliederungswille bzw. die subjektive Eingliederungsfähigkeit, d.h. ist die
Eingliederungsbereitschaft aus invaliditätsfremden Gründen nicht gegeben, darf die
Rente ohne vorgängige Prüfung von Massnahmen der (Wieder-) Eingliederung und
ohne Durchführung des Mahn- und Bedenkzeitverfahrens nach Art. 21 Abs. 4 ATSG
herabgesetzt oder aufgehoben werden. Berufliche Massnahmen können zwar unter
anderem dazu dienen, subjektive Eingliederungshindernisse im Sinne einer
Krankheitsüberzeugung der versicherten Person zu beseitigen. Es bedarf indessen
auch diesfalls eines Eingliederungswillens bzw. einer entsprechenden Motivation der
versicherten Person. Von fehlendem Eingliederungswillen bzw. fehlender subjektiver
Eingliederungsfähigkeit ist nur dann auszugehen, wenn sie mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen. Dabei sind insbesondere die gegenüber
der Verwaltung und den medizinischen Experten gemachten Aussagen betreffend
Krankheitsüberzeugung bzw. Arbeitsmotivation zu berücksichtigen. Ebenfalls von
Belang sein können die im Vorbescheidverfahren und vor kantonalem
Versicherungsgericht gemachten Ausführungen respektive gestellten Anträge (Urteile
des Bundesgerichts vom 1. März 2021, 9C_541/2020, E. 4.4.2, und vom 7. Januar
2019, 8C_611/2018, E. 6.1 f., mit weiteren Verweisen).
Vorab ist zu prüfen, ob ein Revisionsgrund vorliegt. Während die Beschwerde
gegnerin davon ausgeht, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
massgeblich verbessert hat, bringt der Beschwerdeführer vor, dass sich seine
Diagnose nicht geändert und sein Gesundheitszustand sowie seine damit
einhergehenden Einschränkungen nicht verändert hätten.
3.1.
Wie bereits unter E. 2.2. ausgeführt, ist der massgebende Referenzzeitpunkt die
letzte rechtkräftige Verfügung basierend auf einer materiellen Prüfung. Vorliegend
entspricht dies der Rentenzusprache mit Verfügung vom 16. Juli 1998. Dabei stützte
sich die Beschwerdegegnerin auf das Gutachten von Dr. C._ vom 14. Mai 1998, in
welchem dem Beschwerdeführer ein schwerer emotionaler Entwicklungsrückstand mit
vor allem Ich-Schwäche und Selbstwertproblematik sowie ein Zustand nach
3.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 14/22
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frühkindlichem POS diagnostiziert und eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert
wurde. Demgegenüber liegt nun ein Gutachten von Dr. H._ vom 15. August samt
Ergänzung vom 6. November 2017 im Recht. Dem Gutachten ist zu entnehmen, dass
sich die Einschränkungen durch die Persönlichkeitsstörung nicht mehr so tiefgreifend
auswirken würden wie zur Zeit der ursprünglichen Rentenzusprache. Im Vergleich zum
Zeitpunkt der Beurteilung durch Dr. C._ seien die Auswirkungen der Störung nicht
mehr so gravierend wie damals (IV-act. 122-5, 9 ff.). Der Beschwerdeführer sei in der
Tätigkeit als Hausmann und Vater nicht eingeschränkt, während Dr. C._ noch am
17. Oktober 2002 festgehalten habe, dass eine Belastungsfähigkeit für einfachste
Aufgaben und eine einfache Tagesstruktur nicht gegeben seien. Dies sei als deutliche
Verbesserung seines Gesundheitszustandes zu werten (IV-act. 122-7 f.). Auch wenn
der Gutachter in Betracht zieht, dass die diagnostischen Kriterien einer kombinierten
Persönlichkeitsstörung schon im Zeitpunkt der Berentung gegeben waren (vgl. IV-act.
122-5), liegt darin, dass der Beschwerdeführer eine Familie gegründet hat und die ihm
zufallenden familiären Aufgaben nach eigener Angabe ohne Probleme erfüllt, ein neues
Element tatsächlicher Natur vor. An anderer Stelle führt der Gutachter aus, es sei
davon auszugehen, dass im Laufe der Jahre nun doch eine gewisse Adaptation
stattgefunden habe, die krankheitsbedingten Einschränkungen hätten deutlich
nachgelassen (IV-act. 122-11). Auch Dr. F._ hielt im Mail vom 26. September 2016
fest, dass sich der Gesundheitszustand episodisch so präsentiere, dass nach einer
beruflichen Massnahme eine Berufstätigkeit am ersten Arbeitsmarkt von 50 % bis
100 % zu erwarten sei (IV-act. 107).
Ein Revisionsgrund ist einerseits bei einer Verbesserung des
Gesundheitszustandes gegeben und andererseits auch, wenn sich die betreffende
Person an denselben gewöhnt oder sich anpasst und daraus eine Veränderung der
Arbeitsfähigkeit resultiert (vgl. BGE 144 I 103 E. 2.1, Kieser, a.a.O., Art. 17, N 33 ff., mit
Verweisen). Somit bilden sowohl die vom Gutachter beschriebene Verbesserung des
Gesundheitszustandes als auch die Anpassung an die Einschränkungen aus rechtlicher
Sicht einen möglichen Revisionsgrund. Daran ändert auch nichts, dass Dr. K._
gemäss Bericht vom 23. Januar 2020 offenbar anlässlich der Erstkonsultation des
Versicherten am 20. Juni 2019 – wenige Wochen vor Erlass der angefochtenen
Verfügung – eine mittel- bis schwergradige depressive Episode diagnostizierte und eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte (act. G 9.1). Selbst wenn der Beschwerdeführer
neu noch zusätzlich an der von Dr. K._ diagnostizierten Depression leidet, spricht die
Fähigkeit, den Haushalt zu führen und sich um die Kinder zu kümmern dafür, dass sich
gegenüber der Rentenzusprache im Jahr 1998 eine Verbesserung des
Gesundheitszustands bzw. eine Anpassung an den Gesundheitsschaden eingestellt
3.3.
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4.
hat. Allerdings kam Dr. H._ nachvollziehbar zum Schluss, die aktuelle Arbeitsfähigkeit
lasse sich erst nach der Durchführung von Eingliederungsmassnahmen schätzen.
Damit erweist sich der medizinische Sachverhalt als noch nicht spruchreif abgeklärt.
Weiter ist die Verwertbarkeit des Gutachtens von Dr. H._ strittig. Der
Beschwerdeführer erachtet es für nicht nachvollziehbar, dass der Gutachter innerhalb
von einer bis eineinhalb Stunden zum Schluss kommen könne, dass er arbeitsfähig sei.
Die Angaben zu den Diagnosen sowie den persönlichen Ressourcen seien ungenau,
die Schlussfolgerung zur Auswirkung der Diagnosen bzw. zur Arbeitsfähigkeit nicht
plausibel. Dagegen zieht die Beschwerdegegnerin aus dem Gutachten den Schluss,
dass aufgrund des Aktivitätsprofils des Beschwerdeführers der Schweregrad der
Beeinträchtigung nicht ausgewiesen sei. Bei einem wohlwollenden Umfeld könne von
einer 100%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden.
4.1.
4.2.
Im Psychostatus vom 13. Juli 2017 erhob der Gutachter leichte Merkfähigkeits
störungen; Aufmerksamkeit, Konzentration, Auffassung und Langzeitgedächtnis
erschienen nicht auffällig. Das formale und inhaltliche Denken war unauffällig. Die
Grundstimmung war euthym, die affektive Modulationsfähigkeit nicht eingeschränkt. Es
bestand themenbezogen eine gewisse affektive Labilität, die Auslenkbarkeit war aber
zu beiden Polen hin gut gegeben. Der Beschwerdeführer habe Schuld- und
Insuffizienzgefühle, eine innere Unruhe, Ängste, Stimmungsschwankungen und einen
sozialen Rückzug beschrieben (IV-act. 121-33 f.). Die Ergebnisse der
neuropsychologischen Testungen vom 31. Oktober 2017 lagen mit Ausnahme der
leicht verminderten verbal-abstrakten Flüssigkeit im Bereich von knapp unter- bis
knapp überdurchschnittlich (IV-act. 122-15 ff.). Der neuropsychologische Gutachter
stellte fest, es sei davon auszugehen, dass die erzielten Ergebnisse zur neurokognitiven
Funktionstüchtigkeit der tatsächlichen Leistungsfähigkeit des Exploranden
entsprechen. Es bestünden keine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit neurokognitiver
Art (IV-act. 122-26).
4.2.1.
Der Gutachter erhob umfassend Aktivitäten und Tagesablauf des
Beschwerdeführers. Dieser schilderte, er bereite die Mahlzeiten für die ganze Familie
vor, begleite die zwei älteren Kinder zur Schule, reinige die Küche und Zimmer,
besorge die Wäsche, sauge, mache die Betten, trainiere vormittags an Geräten im
Keller und fahre nachmittags Velo, erledige die Einkäufe, spiele mit den Kindern oder
4.2.2.
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sehe mit ihnen einen Film an und beschäftige sich am späteren Abend mit Videospielen
(IV-act. 121-23 ff.). Besuche mache und erhalte er nicht. Er habe nur mit Eltern der
Schulkollegen seiner Kinder gelegentlich Kontakt (IV-act. 122-27). Der Experte
berücksichtigte diese Angaben (IV-act. 122-7).
Dr. H._ fand in Anlehnung an die ICD-10 keinerlei Hinweise für das Vorliegen
einer organischen, einschliesslich einer symptomatischen psychischen Störung, einer
Störung durch psychotrope Substanzen, einer Schizophrenie oder einer schizotypen
oder wahnhaften Störung. Eine affektive Erkrankung sei aufgrund der Untersuchung
und mangels Hinweisen in den Akten ausgeschlossen (IV-act. 122-2). Die
Diagnosekriterien einer Hypochondrie gemäss ICD-10 seien nicht erfüllt, da der
Beschwerdeführer nicht anhaltend von einer bestimmten ernsthaften körperlichen
Krankheit oder einer Entstellung überzeugt sei (IV-act. 122-3 f.). Es fänden sich auch
keine Hinweise für das Vorliegen einer neurotischen, Belastungs- oder somatoformen
Störung (IV-act. 122-4). Dr. C._ habe gemäss seinem Gutachten vom 14. Mai 1998
einen schweren emotionalen Entwicklungsrückstand mit vor allem Ich-Schwäche und
Selbstwertproblematik sowie den Zustand nach frühkindlichem POS diagnostiziert und
festgehalten, der Beschwerdeführer sei in der freien Wirtschaft nicht arbeitsfähig. Ein
schwerer emotionaler Entwicklungsrückstand müsse nicht zwingend zu einer
Persönlichkeitsstörung führen. Dennoch sei die von Dr. F._ gestellte Diagnose
plausibel, auch weil vermutlich Dr. C._ ebenfalls von dieser ausgegangen sei. Bei
aussagekräftigerer Aktenlage könnte die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung
zuverlässiger gestellt werden. Insgesamt gehe er, wie Dr. F._, von einer kombinierten
Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicheren, ängstlich-abhängigen, vermeidenden und
emotional-instabilen Zügen aus (IV-act. 122-4 f., 11).
4.2.3.
Der Gutachter zeigte auf, dass eine Einschätzung des Schweregrades der
funktionellen Beeinträchtigungen aufgrund der wenigen medizinischen Akten und
fehlenden sozialpraktischen Angaben schwierig sei. In seinen Tätigkeiten als
Familienvater und Hausmann, welche deutlich anspruchsvollere als lediglich einfachste
Aufgaben umfasse, sei der Beschwerdeführer nicht eingeschränkt (IV-act. 122-7). Auch
zu den Ressourcen konnte sich der Gutachter aufgrund fehlender Behandlung und
Eingliederung nicht abschliessend äussern (IV-act. 122-8). Weiter führte er aus,
wesentliche psychosoziale Belastungsfaktoren seien die Tatsache, dass der
Beschwerdeführer in frühen Jahren berentet worden sei sowie die Krankheit seines
Sohnes (IV-act. 122-7 f.). Eine psychiatrische Behandlung habe über Jahre nicht
stattgefunden und es sei anzunehmen, dass der Beschwerdeführer zu einer
teilstationären oder stationären Behandlung eher nicht motiviert sei, weil er mit doch
4.2.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 17/22
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grosser Wahrscheinlichkeit seine Rolle als Hausmann und Vater nicht ohne weiteres
aufgeben könne/wolle (IV-act. 122-9). Eingliederungsmassnahmen wären grundsätzlich
zumutbar, es sei allerdings fraglich, ob der Beschwerdeführer dazu motiviert sei (IV-
act. 122-10). Die vom Beschwerdeführer angeführte Begründung, kein Blut und Urin
abzugeben, erscheine nicht wirklich stichhaltig, nachdem er ihn darauf hingewiesen
habe, dass nicht nach Krankheiten, sondern nach Drogenkonsum gesucht werde.
Darüber hinaus werden keine Inkonsistenzen angeführt (IV-act. 122-10). Hinsichtlich
der Arbeitsfähigkeit geht der Gutachter in Übereinstimmung mit Dr. F._ davon aus,
dass nach beruflichen Massnahmen eine Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt von
mindestens 50 % bis je nachdem sogar 100 % bestehe. Eine genauere Einschätzung
sei mangels sozial-praktischer Angaben nicht möglich. Er schätze aber, dass in einer
ungelernten Hilfsarbeit bereits jetzt eine mindestens 50%ige Leistungsfähigkeit
bestehe. Weil nicht ganz klar sei, wann nun welche Verbesserung eingetreten sei, gelte
die 50%ige Arbeitsfähigkeit ab dem Zeitpunkt der aktuellen Untersuchung (IV-
act. 122-13).
Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung erscheint aufgrund der detailliert
erhobenen Anamnese, der Aktenlage und der Befunde nachvollziehbar, was auch
durch den RAD-Arzt mehrfach bestätigt wurde (siehe Stellungnahmen vom 18.
Dezember 2017, IV-act. 123 und vom 4. April 2019, IV-act. 147). Auch die nach der
Begutachtung durch Dr. H._ verfassten medizinischen Berichte bestätigen seine
diagnostische Einschätzung: So hielt Dipl.-Psych. I._ am 3. Oktober 2018 fest, der
Beschwerdeführer leide an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit
selbstunsicheren, ängstlich-vermeidenden, depressiven, schizoiden, zwanghaften und
emotional-instabilen Persönlichkeitszügen (ICD-1 0 F61.0), daneben bestehe ein
Paarkonflikt (ICD-10 Z63.0). Der Beschwerdeführer funktioniere im Alltag bestens. Er
sei ein sehr fürsorglicher Vater und übernehme sehr viele Haushaltsaufgaben, da seine
Ehefrau schnell überfordert zu sein scheine. Es zeigten sich jedoch schwere Defizite bei
jedweden Erwartungen im Leistungskontext und jedwedem empfundenen Druck. Es
komme dann zu einer hohen Anspannung mit Weinen, Suizidgedanken, Schlaflosigkeit
und Versagensängsten. Die Arbeitsfähigkeit in einer ideal angepassten Tätigkeit sei
schwer einschätzbar, betrage jedoch mindestens 50 % mit Steigerungspotential (IV-
act. 140). Am 20. Juni 2019 nahm der Beschwerdeführer eine wöchentliche ambulante
Therapie bei Dr. K._ auf. Dieser diagnostizierte gemäss Arztbericht vom 23. Januar
2020 eine schwere Persönlichkeitsstörung mit Schwerpunkten in den Merkmalen
selbstkritisch-selbstunsicher, spontan-borderline und depressiv sowie eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittel- bis schwergradige Episode
ohne somatisches Syndrom (ICD-10: F33.11/2). Er hielt den Beschwerdeführer auch
4.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 18/22
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aufgrund der Gefahr von Impulsdurchbrüchen mit fremdgefährdenden Handlungen
selbst bei einer gering belastenden Tätigkeit für zu 100 % arbeitsunfähig (act. G 9.1).
Da sowohl Dr. H._ als auch der neurposychologische Gutachter im affektiven Bereich
noch unauffällige Befunde erhoben, erscheint nachvollziehbar, dass Dr. K._ unter
Berücksichtigung der von ihm diagnostizierten mittel- bis schwergradig ausgeprägten
depressiven Störung eine höhere Arbeitsunfähigkeit attestierte als die vorbeurteilenden
Fachpersonen. Dass der Gutachter aufgrund der wenigen medizinischen und fehlenden
sozial-praktischen Aussagen keine genauere Einschätzung vornehmen konnte, leuchtet
ebenfalls ein. Eingliederungsversuche fanden vom Zeitpunkt der Berentung 1998 bis
zur Begutachtung nicht statt, und fachärztlich lag dem Gutachter neben dem früheren
Gutachten von Dr. C._ lediglich der Verlaufsbericht von Dr. F._ vom 6. Dezember
2016 (IV-act.114) vor. Es ist somit plausibel, dass eine genauere Einschätzung erst
aufgrund aktueller Berichte über das Verhalten des Beschwerdeführers im
Eingliederungsalltag möglich sind. Beizufügen bleibt, dass dem Gutachter im Rahmen
der zusätzlichen Fragen vom 28. Februar 2019 der Bericht der
Eingliederungsverantwortlichen vom 1. Mai 2018 (IV-act. 134; IV-act. 135-9 ff.) sowie
der Bericht der Psychotherapeutin I._ vom 3. Oktober 2018 (IV-act. 140) nicht zur
Stellungnahme unterbreitet wurden (vgl. IV-act. 145). Dennoch ist das Gutachten
nachvollziehbar, schlüssig und – soweit möglich – vollständig. Es kann daher im Sinne
einer vorläufigen Beurteilung darauf abgestellt werden.
Entgegen der angefochtenen Verfügung (IV-act. 163-5) geht der Gutachter nicht
von einer 100%igen, sondern lediglich von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit aus, die
durch Eingliederungsmassnahmen auf bis zu 100 % steigerbar sei (IV-act. 122-13).
Soweit die Beschwerdegegnerin die Annahme einer 100%igen Arbeitsfähigkeit mit der
Konsistenz zum Aktivitätsprofil und zum fehlenden Leidensdruck begründet, ist
festzuhalten, dass der Gutachter das (vom Beschwerdeführer im Übrigen bestrittene,
act. G 6 und G 6.1) Aktivitätsniveau und den Umstand, dass jahrelang keine Therapie
durchgeführt wurde, zur Kenntnis genommen und in seine Beurteilung zumindest
implizit miteinbezogen hat. Zu berücksichtigen sind dabei auch die Feststellungen der
Psychotherapeutin I._. Gemäss dieser funktioniert der Beschwerdeführer im Alltag
bestens. Im Leistungskontext würden jedoch schwere Defizite bestehen (IV-act. 140-3).
Dasselbe bestätigt auch Dr. F._. Der Beschwerdeführer würde sich nur innerhalb
eines kleinen Aktionsradius bewegen und sich in Bezug auf eine Erwerbstätigkeit
grossen Druck auferlegen und sich blockieren (IV-act. 114-3 f.). Im vorliegenden Fall
kann demnach – entgegen der Annahme der Beschwerdegegnerin – aufgrund der
zeitlebens fehlenden Erwerbstätigkeit sowie seiner Persönlichkeitsstruktur nicht von
der ausgeübten Tätigkeit im Haushalt, bei welcher der Beschwerdeführer keine
4.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 19/22
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Aussenkontakte hat und quasi im geschützten Umfeld tätig ist, auf ein funktionierendes
Aktivitätsniveau im Erwerb geschlossen werden. Zudem hat der Beschwerdeführer im
Nachhinein die Behandlung intensiviert. Insofern besteht kein triftiger Grund, in der
Rechtsanwendung von der Arbeitsfähigkeitseinschätzung des Gutachters
abzuweichen.
Nach Abschluss des Schriftenwechsels reichte der Beschwerdeführer einen
Bericht von Dr. K._ vom 23. Januar 2020 ein, gemäss welchem er nebst einer
kombinierten Persönlichkeitsstörung auch an einer rezidivierenden depressiven
Störung, gegenwärtig mittel- bis schwergradige Episode ohne somatisches Syndrom
leidet und zu 100 % arbeitsunfähig ist. Die richterliche Überprüfung einer
Verwaltungsverfügung beschränkt sich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses dieser
Verfügung eingetretenen Sachverhalt (BGE 143 V 409 E. 2.1 mit Hinweisen; Urteil des
Bundesgerichts vom 6. August 2020, 8C_286/2020, E. 4). Tatsachen, die sich erst
später verwirklichen, sind soweit zu berücksichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand
in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt
des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens zu beeinflussen (vgl. statt vieler: Urteil des
Bundesgerichts vom 26. Februar 2021, 9C_361/2020, E. 3.3).
4.5.
Gemäss dem Bericht von Dr. K._ nahm der Beschwerdeführer die Behandlung
am 20. Juni 2019, also nach Erhalt des Vorbescheids, jedoch noch vor
Verfügungserlass, auf. Da der Beschwerdegegnerin zu diesem Zeitpunkt kein
medizinischer Bericht von Dr. K._ vorlag, verfügte sie zu Recht. Das Gericht hat den
Bericht hingegen zu würdigen und kann unter Berücksichtigung der neuen Diagnose
sowie der attestierten Arbeitsfähigkeit nicht ohne Weiteres ausschliessen, dass sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers noch vor Erlass der angefochtenen
Verfügung wieder verschlechtert hat. Dr. K._ verweist in seinem Bericht vom
23. Januar 2020 auf einen Erstbericht vom 2. Juli 2019, welcher dem Gericht allerdings
nicht bekannt ist. Dem Bericht ist weiter zu entnehmen, dass neben den zurzeit stärker
ausgeprägten depressiven Anteilen sowie der ausgeprägten Leistungsminderung
bezüglich Ausdauer, Belastung und emotional adäquatem Umgang mit der
Belastungssituation sich schwere emotionale Impulsausbrüche zeigen würden. Im
Rahmen eines Anforderungsprofils einer auch gering belastenden Tätigkeit sei die
Gefahr von Impulsausbrüchen mit fremdgefährdenden Handlungen nicht
auszuschliessen. Im Vordergrund stünden die aufgrund der Persönlichkeitsstörung
festgestellten Befunde. Diese Feststellung stimmt wiederum mit den Ausführungen von
Dr. H._ und den früheren Behandlern überein. Der Beschwerdeführer ist unbestritten
durch die Persönlichkeitsstörung in seiner Arbeitsfähigkeit zumindest teilweise
4.6.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 20/22
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5.
eingeschränkt. Eine Depression ist zwar in der Regel behandelbar und damit
möglicherweise lediglich vorübergehender Natur. Anhand der vorliegenden Akten ist
jedoch nicht ersichtlich, inwiefern sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
seit dem Bericht von Dr. K._ entwickelt hat. Auch insofern ist der medizinische
Sachverhalt nicht spruchreif erstellt.
Gemäss Rechtsprechung sind bei einem über fünfzehnjährigen Rentenbezug, was
vorliegend der Fall ist, vor einer Herabsetzung/Aufhebung der Rente Massnahmen zur
Eingliederung durchzuführen (vgl. E. 2.3). Eine zumutbare Selbsteingliederung ist
vorliegend nicht anzunehmen, da der Beschwerdeführer weder besonders agil,
gewandt noch im gesellschaftlichen Leben integriert ist. Vielmehr ist er in seinem Leben
noch nie einer Erwerbstätigkeit nachgegangen. Auch ist nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit von einem fehlenden Eingliederungswillen auszugehen. Dr. F._
führte im Verlaufsbericht vom 6. Dezember 2016 aus, einerseits würde der
Beschwerdeführer gern arbeiten gehen, habe aber Angst, dass er dem Druck, den er
sich hauptsächlich selbst macht, nicht gewachsen sei. Vermutlich finde diese Angst
auch Ausdruck in einer unklar wirkenden Therapiemotivation. Gemäss der
Eingliederungsverantwortlichen setzte sich der Beschwerdeführer bei der Besichtigung
einer Eingliederungseinrichtung dermassen unter Druck, dass er psychisch in einen
Nervenzusammenbruch dekompensierte, was die Eingliederungsverantwortliche
veranlasste, die Eingliederung zugunsten medizinischer Massnahmen zu beenden (IV-
act. 134; IV-act. 135-9 ff.). Im Bericht der Psychotherapeutin I._ vom 3. Oktober 2018
wurde einerseits die Motivation, etwas zu verändern, in Zweifel gezogen, andererseits
aber betont, der Eingliederungsversuch sei gescheitert, weil der Beschwerdeführer
bereits Wochen vor Beginn der Massnahme äusserst angespannt gewesen und
schliesslich weinend zusammengebrochen sei. Er mache sich dann selbst so viel
Druck, dass er die an ihn gestellten Anforderungen nicht erfüllen könne (IV-
act. 140-2 f.). Aus den medizinischen Berichten und auch den eigenen Angaben des
Beschwerdeführers (vgl. act. G 9.1) ergibt sich, dass die Eingliederung bisher daran
scheiterte, dass er sich zu stark unter Druck setzt und dass die frühe Berentung sein
dafür notwendiges Selbstvertrauen zusätzlich beeinträchtigt hat. Sodann hat der
Beschwerdeführer die ambulante Therapie intensiviert; diese findet nun bei Dr. K._
wöchentlich statt (act. G 9.1). Gesamtbetrachtend kann nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit geschlossen werden, dass eine Eingliederung bisher massgeblich
am fehlenden Willen des Beschwerdeführers scheiterte. Wenn die
Beschwerdegegnerin beim fehlenden Eingliederungserfolg von motivationalen
5.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 21/22
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6.
Belastungsfaktoren ausgeht (IV-act- 148), hätte sie den Beschwerdeführer vor der
Renteneinstellung auf seine Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht aufmerksam
machen und ihn abmahnen müssen. Umgekehrt kann gestützt auf den gescheiterten
Arbeitsversuch, welcher lediglich aus zwei Gesprächen und der Vorstellung der
Institution bestand (IV-act. 135), nicht auf die Unmöglichkeit einer Eingliederung des
Beschwerdeführers oder darauf geschlossen werden, dass die Bemühungen bereits
derart umfassend waren, dass ein weiterer Anspruch nicht mehr gegeben ist.
Schliesslich gehen sowohl der Gutachter als auch die (früheren) Behandler von der
Zumutbarkeit von beruflichen Massnahmen aus. In der Beschwerdeschrift zeigt sich
der Beschwerdeführer auch nicht abgeneigt, an weiteren Eingliederungsmassnahmen
teilzunehmen. Er überlässt es der Beschwerdegegnerin, ob weitere Bemühungen
unternommen werden (act. G 1, Ziff. 5 Fazit). Überdies wurden die
Eingliederungsbemühungen aufgrund der Vorkommnisse vom 25. April 2018 eingestellt
(IV-act. 134), also mehr als ein Jahr vor Erlass der angefochtenen Verfügung (am 9. Juli
2019), was ebenfalls nahegelegt hätte, die Eingliederung zeitnah zum Verfügungserlass
nochmals anzugehen. Demzufolge hätte die Beschwerdegegnerin die bisherige Rente
nicht ganz aufheben – und nicht einmal herabsetzen – dürfen.
Zusammenfassend ergibt sich, dass der medizinische Sachverhalt nicht spruchreif
abgeklärt ist. Demnach hat die Beschwerdegegnerin weitere Abklärungen
vorzunehmen. Zu beachten ist, dass der Gutachter eine abschliessende Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit erst nach Vorliegen sozialpraktischer Angaben aufgrund der
Eingliederung für möglich hält. Überdies hat die Beschwerdegegnerin, wie aufgezeigt,
den Beschwerdeführer vor der Einstellung der Rente nicht genügend eingegliedert
(E. 5). Daher ist die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie vor der allfälligen Herabsetzung oder
Einstellung der Rente zunächst die notwendigen Abklärungen zur Wiedereingliederung
ins Erwerbsleben bzw. den Verhältnissen angepasste befähigende Massnahmen
durchführe (Urteile des Bundesgerichts vom 16. Juli 2020, 8C_798/2019, E. 6.3, vom
13. Juni 2019, 8C_759/2018, E. 9.3 und vom 22. März 2018, 8C_582/2017, E. 6.4).
6.1.
Aufgrund der Aufhebung der angefochtenen Renteneinstellungsverfügung und
Rückweisung der Angelegenheit zur Abklärung bzw. Vornahme weiterer
Eingliederungsmassnahmen hat der Versicherte Anspruch auf rückwirkende
Nachzahlung und Weiterausrichtung der bisherigen ganzen Rente bis zum Abschluss
der Eingliederung bzw. bis zur nach weiteren Abklärungen allfälligen Einstellung der
Rente (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juli 2020, 8C_798/2019, E. 6.3 a.E.). Die
6.2.
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