Decision ID: d4233a6f-6943-5d27-8901-3c6968878f07
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Christine Kessi, procap, Schweizerischer
Invaliden-Verband, Froburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rentenrevision
Sachverhalt:
A.
A.a M._ meldete sich am 23. Februar 1998 zum Bezug von Leistungen der IV an. Im
polydisziplinären Gutachten vom 12. März 1999 diagnostizierte die MEDAS Ostschweiz
u.a. extrakardiale Thoraxschmerzen bei koronarer Herzkrankheit bei Zustand nach
subakutem posteriorem Myokardinfarkt im November 1996 sowie eine psychische
Überlagerung von körperlichen Beschwerden bei Störung der
Persönlichkeitsentwicklung. Das Gutachten setzte die Arbeitsunfähigkeit in der
bisherigen, körperlich schweren Tätigkeit im selbstständigen Automatenhandel auf 70
% und in einer adaptierten, körperlich leichten Tätigkeit auf Grund der psychiatrischen
Einschränkung auf 30 % fest (4.1/25.14 f.). Mit Verfügung vom 6. Mai 1999 sprach die
IV-Stelle des Kantons St. Gallen dem Versicherten - gestützt auf einen IV-Grad von 70
% - eine ganze Invalidenrente ab November 1997 zu (act. G 4.1/29). Anlässlich einer
Revision vom 31. Mai 2002 bestätigte die IV-Stelle die Rentenzusprache (act. G
4.1/35).
Anlässlich einer weiteren Rentenrevision vom Sommer 2005 stellte die IV-Stelle fest,
dass bei der Rentenzusprache nicht auf eine adaptierte Tätigkeit abgestellt worden
war. Auf Anraten des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) wurde in der Folge eine
weitere MEDAS-Begutachtung durchgeführt. Das entsprechende Gutachten vom 8.
August 2006 attestierte dem Versicherten in der angestammten Tätigkeit eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit. Demgegenüber ergab die erneute psychiatrische
Exploration keine die Arbeitsfähigkeit wesentlich einschränkenden Befunde mehr,
sodass ihm in einer adaptierten Tätigkeit eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit attestiert
wurde (act. 4.1/56.15 ff.).
A.b Mit Vorbescheid vom 23. Februar 2007 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
dass die Aufhebung der Rente vorgesehen sei (act. G 4.1/70). Mit Verfügung vom
12. Juni 2007 hob die Verwaltung die Rente per Ende Juli 2007 revisionsweise auf, da
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sich der Gesundheitszustand des Versicherten wesentlich gebessert habe (act. G
4.1/79).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 11. Juli 2007
mit dem Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Die Rechtsvertreterin
begründet dies im Wesentlichen damit, dass sich der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers nicht verbessert sondern verschlechtert habe. Im Gegensatz zu
1999 wirkten sich nun die Rückenbeschwerden auf die Arbeitsfähigkeit aus. Des
Weiteren überzeuge die im Gutachten geltend gemachte Nachreifung der
Persönlichkeit nicht, welche dazu geführt haben soll, dass aus psychiatrischer Sicht
keine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit mehr vorliegen soll. Der für diese
Feststellung nötige Vergleich mit dem früheren Zustand habe nicht stattgefunden. Zwar
sei unbestritten, dass der Beschwerdeführer auf Grund der medizinischen Situation
kaum Anspruch auf eine ganze Rente erheben könne. Allenfalls bestehe jedoch
Anspruch auf eine Teilrente. Gemäss Art. 16 ATSG sei zur Bestimmung des
Invaliditätsgrades das Erwerbseinkommen massgebend, das der Versicherte nach
Eintritt der Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen
durch eine ihm zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte. Die Rentenleistungen dürften somit nicht eingestellt werden, ohne dass
vorgängig berufliche Massnahmen geprüft und umgesetzt worden seien. Mit der
Renteneinstellung sei deshalb zuzuwarten, bis die wieder aufgenommenen
berufsberaterischen Abklärungen erfolgt und eine allfällige Umschulung begonnen
worden seien (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 23. August 2007 beantragt die Verwaltung Abweisung
der Beschwerde. Zwar treffe zu, dass sich der Gesundheitszustand aus somatischer
Sicht verschlechtert habe. Indessen habe dies in einer adaptierten Tätigkeit keinen
Einfluss. In psychiatrischer Hinsicht habe sich der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers verbessert, sodass von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit auszugehen sei. Zudem liege auch ein Wiedererwägungsgrund
vor, da sich die rentenzusprechende Verfügung auf Grund des mangelnden
Einkommensvergleichs in einer adaptierten Tätigkeit als offensichtlich unrichtig
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erweise. Selbst wenn also ein Revisionsgrund verneint werden müsste, wäre in jedem
Fall von einer Arbeitsfähigkeit von 70 % in einer adaptierten Tätigkeit auszugehen.
Schliesslich könnten Rentenleistungen herabgesetzt oder eingestellt werden, bevor
Eingliederungsmassnahmen durchgeführt oder gar abgeschlossen seien (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 30. Oktober 2007 macht die Rechtsvertreterin geltend, dass sich
die angebliche Nachreifung der Persönlichkeit nicht objektiv nachvollziehen lasse. In
Bezug auf die Einstellung der Rente vor Abschluss von Eingliederungsmassnahmen
macht sie geltend, dass gemäss dem von der Beschwerdegegnerin zitierten EVG-Urteil
I 151/05 bei eingliederungsfähigen Personen die vorgängige Prüfung der
Umschulungsfrage gerade zwingend sei. Dies sei auch beim Beschwerdeführer so, da
es ihm nach zehnjährigem Unterbruch der Erwerbstätigkeit nicht möglich sein werde,
ohne berufliche Massnahmen wieder zumindest ein teilweise rentenausschliessendes
Einkommen zu erzielen. Weiter beanstandet die Rechtsvertreterin die Berechnung des
Invalideneinkommens. Nach zehnjähriger Abstinenz vom Arbeitsmarkt könne nicht auf
ein Anforderungsniveau 3 abgestellt werden. Der Beschwerdeführer befinde sich in der
beruflichen Abklärung beim OBV St. Gallen. Erst nach diesen Abklärungen seien
Aussagen dazu möglich, welches Invalideneinkommen für den Beschwerdeführer
erzielbar sei.
Schliesslich liege auch kein Wiedererwägungsgrund vor. Die zweifellose Unrichtigkeit
beurteile sich nicht nach der Grobheit des Fehlers. Massgebend sei vielmehr das
Ausmass der Überzeugung, dass die bisherige Entscheidung unrichtig gewesen sei.
Von der Beschwerdegegnerin sei 1999 kein Einkommensvergleich vorgenommen
worden. Unter Berücksichtigung eines Leidensabzugs wäre dem Beschwerdeführer
jedoch eine Rente zugestanden, weshalb sich die ursprüngliche Zusprechung von
Rentenleistungen gerade nicht als zweifellos unrichtige erweise (act. G 9). Die
Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 11).
Mit einer weiteren Eingabe vom 31. Januar 2008 reicht die Rechtsvertreterin einen
Zwischenbericht der Berufsberatung St. Gallen ein. Daraus gehe hervor, dass der
Beschwerdeführer in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt sei. Mit der
Renteneinstellung sei zuzuwarten, bis die wieder aufgenommenen berufsberaterischen
Abklärungen erfolgt und eine allfällige Umschulung begonnen worden sei (act. G 13).
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Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 Erw. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
der streitigen Verfügung vom 12. Juni 2007 eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist
(BGE 121 V 366 Erw. 1b), sind auf die angefochtene Verfügungdie bis zum
31. Dezember 2007 geltenden materiellen Bestimmungen anzuwenden.
2.
2.1 Streitig und im vorliegenden Verfahren zu überprüfen ist die von der
Beschwerdegegnerin vorgenommene Rentenrevision, die zu einer Einstellung der
Rente führte. Sollte die revisionsweise Einstellung verneint werden, wäre weiter das
Vorliegen eines Wiedererwägungsgrundes zu prüfen.
2.2 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur
Rentenrevision gibt nach der auch unter dem ATSG massgeblichen Rechtsprechung
jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den
Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist
nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustandes, sondern
auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich
gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 f.
E. 3.5). Eine bloss unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich
gebliebenen Sachverhaltes stellt dagegen praxisgemäss keine revisionsbegründende
Änderung dar (BGE 112 V 372 E. 2b; SVR 1996 IV Nr. 70 S. 203). Ob eine
revisionsbegründende Änderung eingetreten ist, beurteilt sich durch Vergleich des
Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der letzten (der versicherten Person eröffneten)
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rechtskräftigen Verfügung bestand, welche auf einer materiellen Prüfung des
Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in
den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht (BGE 133 V 108),
mit demjenigen zur Zeit der streitigen Neubeurteilung (BGE 130 V 351 E. 3.5.2; BGE
125 V 369 E. 2).
2.3 Im Übrigen erfolgt die Ermittlung des Invaliditätsgrades im Revisionsverfahren nach
den allgemeinen, für die Invaliditätsbemessung geltenden Vorschriften (Rz 5015 des
vom Bundesamt für Sozialversicherung erlassenen Kreisschreibens über Invalidität und
Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung = KSIH). Die Invaliditätsbemessung soll das
Mass der Zurücksetzung der erwerblichen Leistungsfähigkeit infolge gesundheitlicher
Beeinträchtigung ergeben. Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, sind daher
zunächst medizinische Grundlagen wesentlich. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist
es, den Gesundheitszustand zu beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in welchem
Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist.
Die ärztlichen Auskünfte sind in der Folge eine wichtige Grundlage für die Beurteilung
der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden
können (BGE 125 V 261 Erw. 4). Die IV-Stelle hat zu prüfen, wie sich die
invaliditätsbedingten Faktoren auf die Vermittlungsfähigkeit und die
Erwerbsmöglichkeiten auswirken. Ob die versicherte Person eine ihr zumutbare
Tätigkeit auch tatsächlich ausübt, ist für die Invaliditätsbemessung hingegen
unerheblich.
3.
3.1 Die ursprüngliche Rentenzusprache beruhte auf dem MEDAS-Gutachten vom
12. März 1999. Darin wurden die Hauptdiagnosen (mit Einschränkung der zumutbaren
Arbeitsfähigkeit) extrakardiale Thoraxschmerzen bei bekannter koronarer Herzkrankheit
bei Status nach subakutem posteriorem Myokardinfarkt (11/96) sowie eine psychische
Überlagerung von körperlichen Beschwerden bei Störung der
Persönlichkeitsentwicklung gestellt (ICD-10 F54, F60.8). Als Nebendiagnosen (ohne
wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit) wurden ein Status nach
Nierenteilresektion wegen Nierenzellkarzinom im Januar 1997, eine leichte
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Haltungsinsuffizienz der Wirbelsäule sowie eine Adipositas gestellt. Dem
Beschwerdeführer wurde gestützt auf diese gesundheitlichen Einschränkungen eine 70
%ige Arbeitsunfähigkeit in seiner angestammten Tätigkeit als Automatenhändler und
eine 30 %ige Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit bescheinigt. Diese
Einschränkung wurde ausschliesslich auf das psychische Leiden zurückgeführt (act. G
4.1/25.12 -15). Die Persönlichkeitsstörung wurde im psychiatrischen Konsilium von Dr.
med. A._ vom 25. Januar 1999 damit begründet, dass der Beschwerdeführer in der
Ursprungsfamilie kaum Geborgenheit erfahren habe und dass in der Familie Leistung
gross geschrieben worden sei. Auch der Beschwerdeführer sei sehr leistungsorientiert
und erweise sich als eigentlicher Workaholic, der während Jahren keine Ferien und
kaum Freizeit gehabt habe. Zudem sei er mit dem Vater auf problematische Art
verbunden gewesen. Erst der Herzinfarkt habe zum Bruch geführt. Nach dem
Herzinfarkt sei es dem Beschwerdeführer teilweise gelungen, mit einer Veränderung
der Freizeitaktivität eine gewisse Entspannung zu erreichen. Schliesslich stellten der
Myokardinfarkt und das Nierenkarzinom eine existentielle Bedrohung und gar eine
narzisstische Kränkung dar (act. G 4.1/22.7).
3.2 Im Gutachten der MEDAS Zentralschweiz vom 8. September 2006 wurden als
Diagnosen mit wesentlicher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit eine
koronare Herzkrankheit bei/nach subakutem posteriorem Myokardinfarkt festgestellt,
zudem 1-Asterkrankung, Verdacht auf instabile Angina pectoris, Verdacht auf akute
KHK, extrakardiale Thoraxbeschwerden, aktuell persistierenden thorakalen
Beschwerden ohne Ischämienachweis, koronaren Risikofaktoren sowie Angst und
depressive Reaktion gemischt (F43.22). Im Weiteren wurde ein chronisches
Lumbovertebralsyndrom, anamnestisch mit rezidivierenden Hexenschussattacken
sowie eine Periarthropathie humeroscapularis tendopathica rechts diagnostiziert. Die
Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit wurde nunmehr auf 100 % erhöht.
Demgegenüber wurde für eine adaptierte Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert.
Begründet wurde die hier interessierende Verbesserung des psychischen Zustandes im
psychiatrischen Konsilium von Dr. med. B._ vom 29. Mai 2006 mit einer Nachreifung
der Persönlichkeit. Im Gegensatz zu Dr. A._ fand Dr. B._ eine normale
Introspektionsfähigkeit und einen guten Zugang zu den Gefühlen, so dass nicht mehr
von Alexithymie gesprochen werden könne. Diese Nachreifung führte Dr. B._ auf die
durch die zweifache lebensbedrohende körperliche Entwicklung (Herzinfarkt,
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Nierenzellkarzinom) ausgelöste Krise (bzw. wohl auf deren Überwindung) zurück. Im
Weiteren geht Dr. B._ davon aus, dass der Beschwerdeführer ohne die somatischen
Beschwerden wohl noch mehr arbeiten würde, um sich abzulenken, und dass in
diesem Fall keine wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten wäre. Im
Gegensatz zum gutachterlichen Konsens reihte der Psychiater seine Diagnose als
solche ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein (act. G 4.1/56.36 f.).
3.3 Dass Dr. B._ auf Grund seiner Feststellungen und der inzwischen erfolgten
Loslösung von der Herkunftsfamilie und der Geborgenheit in der eigenen Familie zum
Schluss gelangte, beim Beschwerdeführer liege keine Persönlichkeitsstörung mehr vor,
erscheint plausibel. Zudem konnte der Einwand des Beschwerdeführers, eine
Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit hätte eine erneute Verschlechterung des
psychischen Gesundheitszustands zur Folge, durch entsprechende Nachfrage beim
psychiatrischen Gutachter entkräftet werden. Dieser führte am 30. Mai 2007 dazu aus,
dass eine Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit nach längerem Unterbruch stets
schwierig und mit Ängsten verbunden sei. Dies gelte jedoch für jeden Menschen. Beim
Beschwerdeführer sei sehr unwahrscheinlich, dass sich seine psychiatrische
Vorgeschichte (bei der Wiederaufnahme einer Tätigkeit) im wesentlichen Ausmass
auswirken dürfte (act. G 4.1/77.2). Mithin ist auf das MEDAS-Gutachten vom 8. August
2006 abzustellen und von einer vollen Arbeitsfähigkeit für eine körperlich leichte
Tätigkeit auszugehen.
3.4 Die Beschwerdegegnerin hat nach Eingang des Gutachtens der MEDAS
Zentralschweiz am 23. Februar 2007 den Vorbescheid erlassen und auf Einspruch hin
am 12. Juni 2007 die Rentenaufhebung verfügt. Demgegenüber macht der
Beschwerdeführer geltend, es seien zunächst die eingeleiteten beruflichen
Massnahmen abzuschliessen, bevor die Rente aufgehoben werden dürfe.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist auch bei der anlässlich einer
Revision nach Art. 17 ATSG vorzunehmenden Invaliditätsbemessung (Art. 16 ATSG)
von Amtes wegen die prioritäre Frage der Eingliederung (BGE 113 V 22 E. 4a S. 28 mit
Hinweisen) zu prüfen (Urteile 9C_720/2007 vom 28. April 2008, Erw. 4.1; I 961/06 vom
19. November 2007, E. 5; I 534/02 vom 25. August 2003, E. 4.1 und I 361/01 vom 5.
März 2002, E. 1b; vgl. zur älteren, unter Art. 41 aIVG [in Kraft bis 31. Dezember 2002]
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ergangenen Rechtsprechung ZAK 1980 S. 509 E. 2, 1969 S. 387 E. 3b und Urteile I
160/71 vom 11. November 1971, E. 1 sowie I 99/68 vom 8. August 1968, E. 4, nach
welch letztem die Revision grundsätzlich voraussetzt, dass die Eingliederungsfrage im
Wesentlichen gelöst ist). Vorliegend ist die Beschwerdegegnerin davon ausgegangen,
dass der Beschwerdeführer das ihm ärztlicherseits attestierte funktionelle
Leistungsvermögen sogleich in zumutbarer und rentenausschliessender Weise, somit
auf dem Weg der Selbsteingliederung, erwerblich verwerten kann. Verhielte es sich so,
wäre gegen die verfügte Rentenaufhebung auch unter dem Gesichtswinkel der
hinreichenden Eingliederung nichts einzuwenden (vgl. statt vieler etwa Urteil I 817/05
vom 5. Februar 2007 und aus der Rechtsprechung zu Art. 41 aIVG Urteil I 32/82 vom
12. August 1982, E. 2b).
3.5 Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung von einem
Valideneinkommen 2006 von Fr. 65'984.-- und von einem Invalideneinkommen von
Fr. 65'507.--, mithin von einem IV-Grad von 1 % aus. Beim Valideneinkommen handelt
es sich offenbar um eine auf das frühere IV-Taggeld gestützte Hochrechnung
(vermutlich zuzüglich Teuerung; vgl. act. G 4.1/64.2 und 68). In der Beschwerdeantwort
vom 23. August 2007 ging sie sodann gestützt auf die IK-Buchung von einem
Valideneinkommen 1995 von Fr. 57'800.-- aus (vgl. act. G 4.1/92). Für das
Invalideneinkommen will sie nun die Tabellenlöhne 1996, Anforderungsniveau 3,
Produktions- und Dienstleistungssektor angewendet haben. Der entsprechende Wert
von Fr. 65'207.-- sei auf Fr. 57'800.-- zu kürzen und davon noch ein Leidensabzug von
10 % vorzunehmen, so dass ein IV-Grad von 10 % resultiere (Beschwerdeantwort, S.
6).
3.6 Der Beschwerdeführer ist gelernter Elektromonteur und war danach als
selbstständig Erwerbender im Handel mit Musikautomaten und Alarmanlagen tätig (act.
G 4.1/58.1). Er hat somit grundsätzlich als Berufsmann zu gelten. Ein
Invalideneinkommen aus einer anderen als der bisherigen Tätigkeit hätte ihm erst
entgegengehalten werden können, wenn ihm eine solche zumutbar geworden, d.h.
wenn er bereits in eine solche - mit der bisherigen ungefähr gleichwertige - Tätigkeit
integriert gewesen wäre. So lange die Invalidität des Beschwerdeführers aber noch
bezogen auf seine Arbeit im erlernten Beruf zu bestimmen und er dort noch in einem
Ausmass arbeitsunfähig war, das insgesamt eine rentenbegründende Invalidität
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bedeutete, darf keine Aufhebung der Rente erfolgen. Der Anspruch auf eine Rente
besteht so lange weiter, als die bestehende Erwerbsunfähigkeit nicht (oder noch nicht)
mit geeigneten Eingliederungsmassnahmen (vgl. ZAK 1980 S. 508) tatsächlich behoben
oder rentenausschliessend verringert werden konnte (Urteil des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen vom 4. Dezember 2007 [IV 2007/9] Erw. 5).
Vorliegend fand systemwidrig im Verfahren um die erstmalige Rentenzusprache keine
berufliche Eingliederung statt. Diese wird erst jetzt durchgeführt. So fand vom 1.
Oktober 2007 bis 19. Dezember 2007 eine berufliche Abklärung beim OBV, St. Gallen,
in der Kleinteilemontage statt, während eine Alternative als Instandhaltungsfachmann
ZbW verworfen wurde (act. G 4.1/90). Gemäss dem inzwischen vorliegenden
Zwischenbericht der Berufsberatung St. Gallen sei eine Leistungsfähigkeit von 50 - 60
% festgestellt worden. Die technischen Berufskenntnisse für eine Tätigkeit im Service/
Support von technischen Geräten seien ausreichend. Defizite beständen indessen im
administrativen Bereich. Dementsprechend beantrage die IBB eine einjährige
Büroausbildung, nach deren Abschluss der Beschwerdeführer in die freie Wirtschaft
entlassen werden könne. Er werde sowohl für den technischen Support im
Aussendienst oder stationär in einer Firma als auch für Logistikaufgaben gerüstet sein
(act. G 13.1). Mithin kann im jetzigen Zeitpunkt noch nicht festgestellt werden, welches
Einkommen der Beschwerdeführer nach Abschluss der beruflichen Eingliederung
erzielen kann. Der Einkommensvergleich kann demnach erst nach Abschluss der
Eingliederung durchgeführt werden.
Der Beschwerdeführer war unbestrittenermassen in der angestammten Tätigkeit ab
November 1996 zu 70 % arbeitsunfähig und erhielt gestützt darauf ab November 1997
eine ganz Rente (Arbeitsunfähigkeitsrente; act. G 4.1/29). Im angestammten Beruf ist
der Beschwerdeführer gemäss MEDAS-Gutachten vom 8. August 2006 nun vollständig
arbeitsunfähig. Nachdem dem Beschwerdeführer als Berufsmann nicht à priori eine
Hilfstätigkeit zumutbar ist, hat er bis zum Abschluss der beruflichen Massnahmen
weiterhin Anspruch auf eine Arbeitsunfähigkeitsrente, so dass die ganze oder teilweise
Aufhebung der Rente erst danach erfolgen kann. Dies ist umso mehr der Fall, als der
Beschwerdeführer seit nunmehr zehn Jahren nicht mehr im Arbeitsprozess integriert
war. Die angefochtene Revisionsverfügung ist demnach aufzuheben.
4.
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4.1 Nach Art. 53 Abs. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 2 ATSG und Art. 1 Abs. 1 IVG
kann die IV-Stelle auf formell rechtskräftige Verfügungen oder Einspracheentscheide
zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von
erheblicher Bedeutung ist. Die Wiedererwägung im Sinne dieser Bestimmung dient der
Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger
Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhalts (BGE 117 V 8 E. 2c S. 17 mit
Hinweis; Urteil 9C_215/2007 vom 2. Juli 2007 E. 3.1).
4.2 Die Wiedererwägung ist in den Schranken von Art. 53 Abs. 3 ATSG jederzeit
möglich, insbesondere auch wenn die Voraussetzungen einer Revision nach Art. 17
Abs. 1 ATSG nicht erfüllt sind. Wird die zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen
Rentenverfügung erst vom Gericht festgestellt, so kann es die im Revisionsverfahren
verfügte Aufhebung der Rente mit dieser substituierten Begründung schützen (BGE
125 V 368 E. 2 S. 369; Urteil I 61/2007 vom 4. Mai 2007 E. 3). Im Urteil 9C_11/2008
vom 29. April 2008 hat das Bundesgericht diese Rechtsprechung bestätigt und sie
auch im Verwaltungsverfahren als anwendbar erklärt (vgl. auch Urteil des
Bundesgerichts 9C_19/2008 E. 1 vom 29. April 2008). Nach der bundesgerichtlichen
Praxis gilt es sodann bei der Wiedererwägung einer formell rechtskräftigen Verfügung -
wenn spezifisch iv-rechtliche Aspekte zur Diskussion stehen und keine unrechtmässige
Erwirkung von Leistungen oder eine Meldepflichtverletzung vorliegt - mit Wirkung ex
nunc et pro futuro einen rechtskonformen Zustand herzustellen (9C_11/2008, Erw.
4.2.1 und 4.2.2, mit Hinweisen).
4.3 Unbestrittenermassen wurde bei der ursprünglichen Rentenzusprache zu Unrecht
die Eingliederungsfrage nicht geprüft. Das macht den damaligen Entscheid aber noch
nicht zweifellos unrichtig. Wie bereits ausgeführt, hat der Beschwerdeführer als
gelernter Elektromonteur, der seit 1984 ein eigenes Geschäft im Bereich Musik
automaten und Alarmanlagen beitreibt, Anspruch auf eine Umschulung in eine
adaptierte Tätigkeit und kann nicht einfach in eine Hilfstätigkeit verweisen werden. Die
(einstweilige) Zusprache einer ganzen Arbeitsunfähigkeitsrente war demnach bei einem
ausgewiesenen Arbeitsunfähigkeitsgrad von 70 % korrekt. Die sofortige Einstellung der
Rente ist somit auch unter dem Titel der Wiedererwägung nicht zulässig, weshalb die
Beschwerde auch unter diesem Titel gutzuheissen ist.
5.
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5.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint angemessen. Diese hat die Beschwerdegegnerin als unterliegende Partei zu
tragen. Der Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist dem Beschwerdeführer
zurückzuerstatten.
5.2 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer für seine Anwaltskosten
Anspruch auf eine Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den
Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen wird (Art. 61 lit. g ATSG). Gemäss Art. 22 Abs. 1 lit. b der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO) beträgt das Honorar in
der Verwaltungsrechtspflege vor Versicherungsgericht Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--.
Vorliegend erscheint eine Entschädigung von Fr. 3'500.-- (inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer) angemessen. Die Beschwerdegegnerin ist demgemäss zu
verpflichten, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- zu
bezahlen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht