Decision ID: 13ffeaab-bbb8-4f1b-9b26-2628dd7d0ecf
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964,
war
zuletzt
temporär als Kunden-Mau
rer tätig (
Urk.
10/4 S. 2
Ziff.
4). Seit dem 1
3.
Juli 2009 war er
als Bauar
beiter
bei der
Y._ AG
angestellt und
über diese
bei der Suva gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert
, als er am 1
1.
September 2009 auf einer Baustelle verunfallte (
Urk.
10/25/2-3
Ziff.
1,
2.1 und 2.7,
Urk.
10/
25/9
Ziff.
4-6
).
Das Arbeitsverhältnis mit der
Y._
AG wurde per
3.
Mai 2010 aufgelöst (
Urk.
10/25/2
Ziff.
2.1).
A
m 1
0.
Mai 2010
meldete sich der Versicherte
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
10/6).
Mit Verfügung vom 2
4.
August 2010 stellte die Suva die
nach dem Unfall
ausge
richteten Versicherungsleistungen per 3
1.
Au
gust 2010 ein (
Urk.
10/28
S. 2, bestätigt mit
Einspracheentscheid
der Suva vom 2
6.
Januar 2011,
vgl.
Urk.
10/89 S. 2
Ziff.
1.2).
1.2
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
holte in der Folge ein
bidisziplinäres
Gutachten (
Urk.
10/35) ein
. Am 2
3.
August und 2
1.
Oktober 2011 erteilte sie Kostengutsprache für ein Arbeitstraining
des Versicherten
(
Urk.
10/56,
Urk.
10/62).
Die
Massnahme
wurde am 2
3.
Januar 2012
beendet
(
Urk.
10/74).
Mit Verfügung vom 2
7.
Juni 2012 (
Urk.
10/83) verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch.
Der Versicherte erhob am 2
9.
August 2012 Beschwerde (
Urk.
10/86/3-10) g
egen die
Verfügung
vom 2
7.
Juni 201
2.
Mit
Urteil vom
7.
Januar 2014
(Prozess Nr. IV.2012.00842)
wies das hiesige Gericht die Beschwerde
ab (
Urk.
1
0/92 S. 19 Dispositiv
Ziff.
1).
1.3
Am
1
9.
Januar 2015
meldete sich der Versicherte
erneut bei der Invalidenversi
cherung an (
Urk.
10/103).
Die IV-Stelle
trat auf die Neuanmeldung ein und
liess den Versicherten
durch ihren Regionalen Ärzt
lich
en Dienst (RAD
) untersuchen
(
Urk.
10/139-140). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
10/145-155) verneinte
die IV-Stelle
mit Verfügung vom
6.
Juni 2016 (
Urk.
10/156 =
Urk.
2) einen Anspruch
auf IV-Leistungen.
2.
Der Versicherte erhob am
5.
Juli 2016 Beschwerde gegen die Verfügung vom
6.
Juni 2016 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm eine Rente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
7.
September 2016 (
Urk.
9) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Replik vom 3
0.
Dezember 2016 beantragte der Beschwerdeführer ergänzend, eventuell seien ergänzende psychiatrische Abklärungen vorzunehmen. Im Übri
gen hielt er an den in der Beschwerde gestellten Anträgen fest (
Urk.
15 S. 2 oben).
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 1
6.
Januar 2017 auf eine Duplik (
Urk.
18). Mit Verfügung vom
3.
März 2017 gewährte das Gericht
dem Be
schwerdeführer
in Bewilligung des Gesuchs vom
5.
Juli 2016 (vgl.
Urk.
1 S. 2
Ziff.
5) die unentgeltliche Prozessführung und stellte
ihm
eine Kopie der Ein
gabe der Beschwerdegegnerin vom 1
6.
Januar 2017 zu (
Urk.
19 Dispositiv
Ziff.
1-2).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
in Verbindung mit Art. 8
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychischen Beeinträchtigun
gen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Er
werbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versi
cherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf
dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundes
gerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.2
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 die
ser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analo
ger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzuge
hen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Ver
änderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschlies
sen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für
die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71
E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte
einen Anspruch
des Beschwerdeführers
auf IV-Leistungen mit der Begründung,
sein
Gesundheitszustand
habe sich seit der letzten Verfügung nicht wesentlich verändert. In einer leichten bis gelegentlich mittelschweren Tätigkeit sei ihm ein Pensum von 100
%
zumutbar (
Urk.
2 S. 1).
2.2
Der Beschwerdeführer machte geltend, aufgrund seiner psychischen Beschwer
den sei er auch in einer körperlich angepassten Tätigkeit in einem relevanten Ausmass eingeschränkt (
Urk.
1 S. 3
Ziff.
2). Die behandelnde Psychotherapeutin betrachte
die Einschätzung
des RAD
insgesamt
als eine Fehlbeurteilung (
Urk.
15 S. 6 unten). Es müsse von einer psychiatrischen Diagnose mit Krankheitswert und einer zurzeit noch nicht vorhandenen Arbeitsfähigkeit für den ersten Ar
beitsmarkt ausgegangen werden (
Urk.
15 S. 7
Ziff.
3).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob
neu ein Rentenanspruch besteht.
3.
3.1
Der Beschwerdeführer erlitt am 1
1.
September 2009
auf einer Baustelle
einen Arbeitsunfall
(
Urk.
10/25/9
Ziff.
4-6).
3.2
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für Allgemeine
Innere Medizin, und
Dr.
med.
A._
,
Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation und für Rheumatologie,
Oberarzt,
B._
, stellten in einem Bericht vom 1
4.
Juni 2010 (
Urk.
10/17/
6-9) folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
1.
lumbospondylogenes
und möglicherweise -
radikuläres
Reizsyndrom L5 rechts mit/bei
-
o
steodiskal
enge
r
Foramina
intervertebralia
beidseits L5/S1, vor
al
lem im Bereich des
Foramenei
n
ganges
mit positionsabhängiger, möglicher
foraminaler
Kompression der Wurzeln L5 beidseits
-
Differentialdiagnose im Rahmen von Diagnose 2
-
CT-PRT L5 rechts am 2
6.
März 2010
-
Status nach Infiltration der
glutealen
Triggerpunkte
am
Becken
kamm
mi
Diprophos
,
Carbostesin
und
Lidocain
am
6.
Mai 2010
2.
Weichteilkontusion lateraler
rechter
Ober- und Unterschenkel bei Status nach Arbeitsunfall auf einer Baustelle mit Sturz aus 6 Metern Höhe und Verschüttung am 1
1.
September 2009
-
geringes
Knochenmarksoedem
im
posterioren
Abschnitt des
Femur
kopfes
, Differentialdiagnose: kle
ine
osteochondrale
Läsion/Residu
um nach
Knochenmarködemsyndrom
(MRI Oberschenkel rechts vom 1
5.
März 2010)
-
Status nach Ausschluss
ossärer
Läsionen im Bereich der
Lendenwir
belsäule
,
des Beckens, der rechten Hüfte und
des rechten Handge
lenks sowie im Bereich des rechten Unterschenkels und des oberen Sprunggelenkes am 1
1.
September 2009
-
Status nach
sonographischem
Ausschluss einer abdominellen
Or
-
gan
verletzung
am 1
1.
September 2009
Die Ärzte des
B._
führten zur Anamnese aus, der Patient sei am 1
1.
September 2009 als Bauarbeiter von einer Höhe von 6 Metern gestürzt und teilweise ver
schüttet worden. Danach sei eine extrem druckschmerzhafte Schwellung im Bereich des lateralen rechten Ober- und Unterschenkels nachweisbar gewesen. Im Rahmen einer notfallmässigen Abklärung im Stadtspital Waid seien kon
ventionell-radiologisch sowie
sonographisch
ossäre
Läsionen oder abdominelle Organverletzungen ausgeschlossen worden.
Der Beschwerdeführer beklage seit
her trotz Rückgang
s
der Schwellung am rechten Bein
Schmerzen, die vom late
ralen rechten Unter- und Oberschenkel über das Gesäss in den Rücken ziehen würden. Er berichte über ein Taubheitsgefühl der Füsse und zum Teil des rech
ten Unterschenkels sowie über eine subjektive Kraftminderung im rechten Bein. Zudem zeige sich eine deutlich eingeschränkte Beweglichkeit der
Lendenwir
belsäule
mit fast aufgehobener Flexion
. Der umgekehrte
Lasègue
sei rechts po
sitiv ausgefallen
(S. 2
Ziff.
1.4 oben).
Da aus rheumatologischer Sicht keine eindeutige Ursache der geschilderten Be
schwerden eruiert werden könne, sei noch eine orthopädische Abklärung in der Universitätsklinik
C._
vorgesehen (S. 3
Ziff.
1.5).
Für die Tätigkeit als Bauarbeiter und Maurer bei einer Zeitarbeitsfirma habe vom 1
1.
September 2009 bis 1
2.
April 2010 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
und vom 1
2.
April bis 2
3.
Mai 2010 eine
solche
von 50
%
bestanden (S. 3
Ziff.
1.6).
3.
3
3.
3
.1
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie des Bewegungsapparates, und
Dr.
med.
E._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
F._
, erstatteten am 1
2.
November 2010 ein
von der
Beschwerdegeg
nerin
in Auftrag gegebenes
bidiszipl
inäres
Gutachten (
Urk.
10/35).
Die Gutachter
führten
zur orthopädischen Anamnese
aus
, der Beschwerdeführer sei am 1
1.
September 2009 auf einer Baustelle von Beton verschüttet worden, nachdem die Schalung eingebrochen sei. Bei der Erstversorgung seien diverse Kontusionen festgestell
t worden. Lumbale Schmerzen persistierten
, die auch nachts auftreten würden
, wenn keine Schmerzmittel verwendet würden
(S. 3
Ziff.
3.3).
Seit dem Unfall vom 1
1.
September 2009 persistierten
regrediente
drückende lumbale Schmerzen, die in den Unterschenkel rechts sowie in di
e Brustwirbelsäule ausstrahlten
. Sitzen und Laufen sei schmerzbedingt jeweils
für
eine Stunde
möglich
. Bücken sowie das Heben und Tragen von Lasten sei
do
lent
. Analgetika würden täglich gebraucht. Gefühlsstörungen und Lähmungen der Beine sowie Miktionsstörungen
verneine der Beschwerdeführer
.
Er
wisse nicht, ob er je wieder arbeiten könne
(S. 4
Ziff.
3.4
und 3.5
).
Aus orthopädischer Sicht könnten die lumbalen Schmerzen und die abnormen Untersuchungsbefunde der
Lendenwirbelsäule (
LWS
)
auf die im MRI sichtbare
Osteochondrose
L4-S1 und die Gelenksergüsse der Zwischengelenke L4-S1 zu
rückgeführt werden. Die Aussage der Ärzte der Universitätsklinik
C._
, wo
nach in den auswärtigen MRI-Untersuchungen kein pathologischer Befund sichtbar sei,
der
die Beschwerden erklären würde, sei so nicht korrekt.
Die bei der Untersuchung der rechten Hüfte festgestellten Schmerzen im Bereich der LWS mit gleichzeitiger Einschränkung der Bewegl
ichkeit des Hüftgelenkes könnten
nicht eindeutig interpretiert werden. Obwohl radiologisch der Verdacht auf ein
femoro-acetabuläres
Impingement
geäussert werden könne, lasse sich ein
Impingement
im MRI des rechten Oberschenkels nicht bestätigen
. Es sei ein
Residium
nach
einem
Knochenmarksödemsyndrom
respektive eine kleine
osteo
chondrale
Läsion in Erwägung gezogen worden
. Prognostisch ungünstig sei das Übergewicht, das zu einer vermehrten Belastung der abgenutzten unteren
Len
denwirbelsäule
führe
(S. 6
Ziff.
5.3).
Körperlich schwere Arbeiten in kalter und feuchter Umgebung, die vorwiegend stehend und sitzend ausgeübt werden müssten, und die mit häufigen inklinier
ten und
reklinierten
sowie rotierten Körperhaltungen und regelmässige
m
Heben und Tragen von Lasten von über 10 kg verbunden seien, könnten aufgrund
der
Osteochondrose
L4-S1 und der Gelenksergüsse
der Zwischenwirbelgelenke L4-S1 und gleichzeitigem Übergewicht nicht mehr vollumfänglich zugemutet wer
den.
Für die Tätigkeit als
Bauarbeiter bestehe seit der Begutachtung eine Ar
beit
sunfähigkeit von 50
%
(S. 6
Ziff.
5.5). Körperlich leichte Tätigkeiten in tem
perierten Räumen, die abwechselnd sitzend und stehend
auszuüben seien
, könnten
seit der Begutachtung
vollumfänglich zugemutet werden
. Es handle sich um eine Tätigkeit, ohne
dass
häufig inklinierte und
reklinierte
sowie ro
tierte Körperhaltungen eingenommen oder dass Gegenstände von über 5 kg ge
hoben oder getragen werden müssten
(S. 7
Ziff.
5.6).
Die von den Ärzten des
B._
attestierte Arbeitsunfähigkeit von 100
%
könne bei ungenügender Doku
mentation der somatischen Befunde nicht kommentiert werden. Die anschlies
send attestierte Arbeitsunfähigkeit von 50
%
entspreche der jetzigen gutachter
lichen Einschätzung (S. 7
Ziff.
5.7).
3.
3
.2
Zur psychiatrischen Untersuchung durch
Dr.
E._
vom 2
7.
Oktober 2010 wurde ausgeführt, der Beschwerdeführer habe seit dem Arbeitsunfall vom 1
1.
September 2009 nicht mehr gearbeitet (S. 11
Ziff.
3.2 unten).
Er verspüre weiterhin Schmerzen mit einem Brennen im gesamten rechten Bein bis in die Fusssohle lateral.
Bei Einnahme von Medikamenten seien diese Beschwerden für einige Stunden besser.
Weiter verspüre er im Leistenbereich rechts ein Reiben und er habe stechende Schmerzen im Bereich der LWS mit ständiger Verspan
nung im gesamten Rücken. Unter Physiotherapie fühle er sich zwei bis drei Tage besser, dann würden die Schmerzen wieder verstärkt auftreten (S. 12 unten).
Etwa 1 bis 2 Mal pro Woche habe er im Traum immer wieder das Gefühl, dass er vom Gerüst falle. Seit etwa einem Jahr fühle er sich ständig unruhig. Die Stimmungslage sei ausgeglichen
und er habe tagsüber keine Angstzustände und auch keine bildhaften Erinnerungen an das Unfallgeschehen
. Seit dem
Unfall
geschehen
habe er Schlafstörungen mit ausgeprägten Durchschlafstörungen, in
dem er vier bis fünf Mal nachts erwache. Er sei dann eine halbe Stunde wach. Nach der Einnahme von Schmerzmitteln würde er wieder schlafen (S. 13 oben).
Der Beschwerdeführer habe im psychischen Zustand
sbild
nach dem Unfall
-
gesche
hen leichte Anpassungsstörungen mit längerer depressiver Reak
tion ohne Krankheitswert entwickelt. Zusätzlich fänden sich Hinweise für eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung, nachdem die Schmerzen nach den vorliegenden Befunden organisch nicht ausreichend erklärt werden könnten
. Der Schmerz trete damit in Verbindung mit emotionalen Konflikten und psy
chosozialen Problemen auf (S. 15
Ziff.
3.5.1).
Nachdem aus psychiatrischer Sicht nur eine leichte psychische Störung ohne Krankheitswert vorliege, seien beim Beschwerdeführer ausreichende Ressourcen anzunehmen (S. 16
Ziff.
3.5.3).
3.
3
.3
Die Gutachter stellten aus interdisziplinärer Sicht folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 19
Ziff.
8.1):
-
mässige
Osteochondrose
L4-S1 mit Gelenksergüssen der
Zwischen
-
wirbel
gelenke
L4-S1
-
Präadipositas
Als
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannte die Gutachter
(S. 19
Ziff.
8.2):
-
Status nach Oberschenkel- und Unterschenkelkontusion rechts
-
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion, bestehend seit Sep
tember 2009
-
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung, bestehend seit etwa Septem
ber 2009
Nachdem die Symptome einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reak
tion sehr gering ausgeprägt seien und diese keinen Krankheitswert errei
chen würden, sei auch keine Beeinträchtigung der emotionalen Belastbarkeit, der geistigen Flexibilität und der Dauerbelastbarkeit respektive der
Schmerzver
arbeitung
und
-
bewältigung anzunehmen. Nachdem neben der Diagnose einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung keine psychische Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer bestehe, verfüge der Beschwerde
führer in ausreichendem Masse über die notwendigen Ressourcen für den Um
gang mit den Schmerzen und diese seien mit einer zumutbaren
Willensanstren
gung
überwindbar. Auch seien keine anderen massgebenden Kriterien zu fin
den, die zu einer Einschränkung der zumutbaren Willensanstrengung führen würden (S. 19
Mitte).
Für die Tätigkeit als Bauarbeiter sei
ab dem Zeitpunkt der Begutachtung
eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
festgelegt worden. Körperlich leichte Tätigkeiten könnten gesamthaft seit der Begutachtung vollumfänglich zugemutet werden (S. 20
Ziff.
9.1 und 9.2).
3.4
Med.
pract
.
G._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilita
tion, RAD, gab in einer Stellungnahme vom 1
4.
Dezember 2010 (
Urk.
10/57
S. 2) an, in Anlehnung an das umfassende und nachvollziehbare
bidisziplinäre
Gutachten von
Dr.
D._
und
Dr.
E._
sei seit September 2009 eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgewiesen. Aus medizinischer Sicht könne
bis zum Zeitpunkt der Begutachtung im
F._
auf die Angaben
von
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
zur Ar
beitsfähigkeit
abgestellt werden. Somit könne mit überwiegender Wahrschein
lichkeit für den Zeitraum vom 1
1.
September 2009 bis zum 1
8.
April 2010 von e
iner Arbeitsunfähigkeit von 100
% für
jede
Tätigkeiten ausgegangen werden.
Vom 1
9.
April bis 2
8.
November 2010 sei analog dem Gutachten für die bishe
rige Tätigkeit als Hilfsarbeiter und für jede andere angepasste Tätigkeit in Wechselbelastung eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
ausgewiesen.
Für die bis
herige Tätigkeit als Hilfsarbeiter und für eine angepasste Tätigkeit in
Wechsel
belastung
sei eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
ausgewiesen.
Ab dem Zeitpunkt der Begutachtung
bestehe für eine angepasste leichte Tätigkeit in
Wechselbe
lastung
eine Arbeitsfähigkeit von 100 %.
3.5
Die Ärzte des
B._
stellten in einem Bericht vom
5.
September 2011 (
Urk.
10/112) über eine interdisziplinäre Schmerzsprechstunde
im
B._
mit an
schliessender Besprechung vom 2
9.
August 2011 folgende Diagnosen (S. 1):
1.
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
2.
chronisches neuropathisches Schmerzsyndrom Bein rechts bei Status nach Arbeitsunfall am 1
1.
September 2009 mit Sturz aus 6 Metern Höh
e, Einklemmung Oberschenkel/Wade durch schweres Kantholz
-
unauffällige Elektroneurografie und
Elektromyografie
vom 3
1.
März 2010 und 2
4.
August 2011
3.
chronisches
lumbospondylogenes
Syndrom der unteren LWS (L4/5 und L5/S1 rechts
)
mit bei
-
leichter segmentaler Instabilität L5/S1
-
osteodiscale
, distale
foraminale
Irritation der Nervenwurzel L5 rechts (MRI 1
2.
März 2012)
-
Status nach 2-maliger PRT L5 rechts am 2
6.
März und
5.
Oktober 2010 sowie
gluteale
Triggerpunktinfiltration
am
6.
Mai 2010 mit Steroid-/
Lokalanästhetikagemisch
4.
Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung
5.
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion
6.
chronische Achillessehnen-
Insertionstendinopathie
rechts
4.
4.1
Der Beschwerdeführer war vom 1
7.
März bis 2
4.
Juni 2014 in der Klinik
I._
, Integrierte
J._
,
ho
spitalisiert (
Urk.
10/122
S. 1
, vgl. den
Austrittsb
ericht vom
1.
September 2014,
Urk.
10/122).
Lic
. phil.
K._
, Neuropsychologin und Fachpsychologin für Psycho
therapie FSP,
J._
,
berichtete am 1
9.
August 2014 (
Urk.
10/137) über eine kognitive Leistungsabklärung des Beschwerdeführers im
J._
.
Sie
nannte
als Di
agnosen
eine posttraumatische Belastungsstörung und einen Verdacht auf dis
soziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen. Zur neuropsychologischen Abklärung
stellte sie fest
, die Untersuchungsresultate seien überwiegend wahr
scheinlich nicht valide. Es bestünden Hinweise auf Aggravation. Simulation könne nicht ausgeschlossen werden (S. 1).
Die Inkonsistenz zwischen den er
mittelten Ergebnissen und dem beobachteten Verhalten sei beträchtlich. Bei derart schweren ang
egebenen Einschränkungen müsste
die Alltagsaktivitäten deutlich eingeschränkt sein und der Patient auf Unterstützung angewiesen sein
. Innerhalb des Testverhaltens hätten sich aus neuropsychologischer Sicht deutli
che Hinweise auf eine bewusstseinsnahe Aggravation ergeben
(S. 2 f.).
Bei dem Patienten bestehe keine Hirnverletzung. Zusammenfassend fänden sich Untersuchungsresultate mit inkonsistenten Werten, im Bereich der IQ-Testung durchgängig auf den untersten Prozenträngen. Die Resultate würden überwie
gend wahrscheinlich als nicht authentisch und somit
als
nicht valide gelten (S. 3).
4.2
Der Beschwerdeführer meldete sich am 1
9.
Januar 2015
wegen einer
Ver
-
schlech
terung
seines Gesundheitszustandes erneut
bei der Invalidenversi
cherung an (
Urk.
10/103).
4.3
Lic
. phil.
L._
, Psychologin, und
Dr.
med.
M._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Leitender Arzt,
J._
,
antworteten in einem Bericht vom
2.
April 2015 (
Urk.
10/118) auf Fragen der Beschwerdegegnerin
zum stationären Aufenthalt des Beschwerdeführers
im
J._
.
Lic
. phil.
L._
und
Dr.
M._
attestierten
für die angestammte
Tätigkeit
ein
e Arbeitsunfähigkeit von 100
%
.
Zur Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit führten sie aus
, d
er Beschwerdeführer
habe über einen längeren Zeit
raum unterschiedliche Ar
beitsaufträge ausführen können und
ein adäquates Durchhaltevermögen gezeigt.
Aus körperlichen Gründen und wegen seiner Schmerzen
habe
er jedoch regelmässig eine Unterbrechung der Arbeit oder ei
nen Wechsel der Körperhaltung
benötigt
. Seine Tage
sform sei sehr unterschied
lich
gewesen
.
Die Merkfähigkeit
habe sich in der Speicherung von kurzfristigen Informationen beeinträchtigt gezeigt
.
Der Beschwerdeführer habe
daher
ar
beitsrelevante
Inhalte vergessen und Aufgaben dementsprechend nicht immer zu einem zufriedenstellenden Ergebnis bringen können
(S.
1 f.
).
Zum Zeitpunkt des Austrittes habe
er
konditionelle
Fortschritte mit weniger körperlicher Scho
nung gezeigt
. Ein unspezifisches
Arousal
habe
jedoch auch weiterhin die zur Ausübung eines zielgerichteten beruflichen Funktionierens erforderliche
Selek
tionsfähigkeit
der reizverarbeitenden Systeme
beeinträchtigt
. Es sei daher davon auszugehen, dass sich bei Zunahme von Stress auch die momentane körperliche Belastbarkeit zum Negativen verändern werde
(S. 2 oben).
4.4
Der Beschwerdeführer
ist seit
September 2011 bei
Dr.
med.
N._
,
Fachärz
tin
für Psychiatrie und Psychotherapie, und
Dr.
med.
O._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie, in ambulante
r
psychiatrische
r
Be
handlung (
Urk.
10/116
Ziff.
1.2).
Die Ärzte
nannten im Bericht vom
8.
April 2015 (
Urk.
10/116) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
posttraumatische Belastungsstörung
-
Verdacht auf andauernde Persönlichkeitsänderung nach
Extrembelas
tung
-
sonstige bipolare Störung:
rapic
cycling
bipolar
disorder
-
spezifische (isolierte) Phobien: Klaustrophobie
-
dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
Zur
Anamnese
führten sie aus
, der Beschwerdeführer sei bei dem Unfall vom 1
1.
September 2009 verschüttet worden und habe Todesangst erlitten
. Später hätten sich Albträum
e, eine Schreckhaftigkeit,
Anspannung. Angst sowie Schmerzen und Empfindungsstörungen auf der ganzen rechten Körperseite ent
wickelt. Zu
diesen
Schmerzen komme es vermehrt nach einer plötzlich ein
schiessenden „
Blockiertheit
“, bei
der er seine rechte Körperhälfte
nicht mehr richtig spüre.
Dies trete auch ein, wenn er durch ein Geräusch erschreckt werde.
Die
Symptomatik bestehe seit dem Unfall und
trete
zirka 10 Mal pro Monat
auf
. Die zeitliche Dauer sei unterschiedlich. Er könne stundenlang „blockiert sein“ oder auch über Tage. Die Symptomatik könne auch in weit geringerem Ausmass auftreten und innerhalb weniger Minuten wieder verschwinden. Er fühle sich dauernd angespannt und nervös. Die
Angst
, die „Blo
ckade“ und die Schmerzen könnten
auftreten, lasse ihn zuhause bleiben und
den Kontakt mit Menschen
vermeiden
. Die
flash
backs
würden im Verlauf zunehmen, so dass er nicht mehr Autofahren oder die Nachrichten im Fernsehen sehen könne, ohn
e
dass dies
eine erneute „Attacke“
auslöse
(S. 2 oben).
Der Aufenthalt im
J._
2014 habe eine leichte Besserung der Symptomatik erge
ben (S. 2 Mitten).
Dr.
N._
und
Dr.
O._
hätten den Beschwerdeführer durch die beschriebene Symptomatik
kontinuierlich
als sehr stark beeinträchtigt erlebt.
Seine Beschrei
bungen wiesen zum Teil
auf eine starke diss
oziative Symptomatik hin
, die seit dem Unfall bestehe. Im Bericht der
Traumastation
sei eine starke Zunahme der Symptomatik durch die Konfrontation mit den
Traumafol
geerfahrungen
ange
geben worden.
Durch die dissoziative Symptomatik sei es zu
mehrtägigen
„Blo
ckierungen“ gekommen.
Der Beschwerdeführer
sei kaum ansprechbar, unkon
zentriert, schmerzgeplagt, depressiv und antriebslos gewesen. Die
intrusionsin
duzierten
Stimmungsabfälle seien häufig aufgetreten und hätten ein Vertiefen der angeschnittenen Thematik verhindert
(S. 3
Ziff.
1.4 oben).
Eine Inkonsistenz der Stimmung und eine allgemein sehr tiefe Stresstoleranz (Affekttoleranz) sei
en
in den letzten Jahre
n auch in den Therapiegesprächen
erlebt worden (S. 3
Ziff.
1.4 Mitte). Die
Einzelgespräche fänden ein- bis zweimal pro Monat statt
(S. 3
Ziff.
1.5).
Der Beschwerdeführer sei für eine Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt zu instabil. Nach einer weiteren Stabilisierung durch eine erneute ambulante oder stationäre
traumaspezifische
Therap
ie und eine weiterführende
Psychotherapie
seien gegebenenfalls berufliche Massnahmen zu prüfen und zu beginnen (S. 3
Ziff.
1.4).
Die Psychiater attestierten für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als
Bau
hilfsarbeiter
seit dem
1.
September 2011 bis auf
Weiteres
eine Arbeitsunfähig
keit von 100
%
(
Ziff.
1.6). Infolge der Intrusionen und Empfindungsstörungen sei mit schweren unvorhersehbaren Einbrüchen in der Konzentration, der An
passung und der Belastung zu rechnen (
Ziff.
1.7).
4.5
4.5.1
Die Beschwerdegegnerin liess den Beschwerdeführer
sodann
durch ihren RAD psychiatrisch und orthopädisch untersuchen.
Med.
pract
.
P._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte im Bericht vom 1
5.
Dezember 2015 (
Urk.
10/139) zur
psychiatrischen
Untersu
chung vom
6.
November 2015 aus,
der Beschwerdeführer habe seit
dem Unfall Angst und Angst vor Panikanfällen. Die Angst sei allmählich stärker geworden und er habe das Vertrauen verloren. Es sei eine allgemeine Angst in ihm, so dass er ungern von zuhause weggehe. Draussen habe er immer wieder das Ge
fühl, dass ihm jemand folge. Diese Angst sei immer da. Wenn
sie
stark werde, bekomme er Schmerzen an der gan
zen rechten Körperhälfte (S. 2
Ziff.
3).
Im Juli 2015 sei er auf Veranlassung seiner Psychotherapeutin zwei Wochen alleine in der Schweiz in den Bergen gewesen (S. 3
Ziff.
5).
Der Beschwerdeführer sei affektiv kaum schwingungsfähig. Es bestehe kaum eine Mimik und
nur
eine geringe Gestik. Anzeichen
von Anspannung und Erre
gung
bestünden nicht.
Ebenso bestehe keine vegetative Symptomatik.
Klinisch auffällige
Gedächtnisstörungen
bestünden nicht
.
Der Beschwerdeführer
sei über die gesamte dreistündige Untersuchungszeit aufmerksam und konzentriert
ge
wesen
(S. 4
Ziff.
8 oben).
Die psychiatrische Untersuchung habe
mehrere Inkonsistenzen
ergeben
. Laut Laborbefund werde ein Grossteil der Medikamente nicht eingenommen. Die An
gabe, dass
der Beschwerdeführer
ungern von zuhause weggehe, kontrastiere mit der Angabe eines zweiwöchigen Urlaubes in den Bergen im Juli 201
5.
Seine aktuellen Angaben kontrastierten auch mit seinen Angaben im Arztbericht vom
8.
April 2015, wonach er wöchentlich in eine Bibliothek mit Internetzugang gehe und er wöchentlich an einem Deutschkurs teilnehme
(S. 5
Ziff.
8).
Im Bericht von
Dr.
N._
und
Dr.
O._
vom
8.
Ap
ril 2015 würden in der Anam
nese
„
flash
backs
“ angegeben.
Es seien aber keine solchen geschildert worden
. Vielmehr werde von einer Angst vor Blockaden und Schmerzen be
richtet, nicht
aber
von einschiessenden Erinnerungen an den Unfall. Erschre
cken
bei
plötz
lichem
Lärm sei kein
flash
back (S. 6 oben).
Beim
Bericht
der
Ärzte
des
J._
vom
2.
April 2015 bleibe unklar, ob die heftigen Schmerzen mit Lähmungserscheinungen im rechten Arm, die sich teilweise auf die ganze rechte Körperhälfte ausdehnen würden, objektiv betrachtet oder nur subjektiv geschil
dert worden seien. In einem unerklärlichen Gegensatz zu anderen Schilderun
gen sei angegeben worden, dass der Beschwerdeführer sehr hilfreich sei und auch Humor habe
. In Gruppen trage er mit Teamgeist und Ideenreichtum oft zu
einer harmonischen, interessanten
Zusammenarbeit bei
(S. 6 Mitte).
Eine kognitive Leistungsabklärung im
J._
vom 1
9.
August 2014 habe ergeben, dass die Untersuchungsresultate überwiegend wahrscheinlich nicht valide
ge
wesen seien
. Es bestünden erhebliche Hinweise auf Aggravation. Simulation könne nicht sicher ausgeschlossen werden (S. 6 unten). Med.
pract
.
P._
be
merkte zum Austrittsbericht des
J._
vom
1.
September 2014
, es sei zu erwarten, dass bei der Besprechung des Unfalles immer wieder auch vorübergehend hef
tige Stimmungsschwankungen auftreten würden. Dies berechtige aber nicht zur Diagnose einer bipolaren Störung
. Falls eine bipolare Störung vorliegen würde, müssten derartige Symptome auch
unabhängig von
der Therapiesituation auf
treten. Dabei seien derartige Symptome aber nicht beschrieben worden (S. 7 oben). Der Beschwerdeführer habe zwei Jahre nach dem Unfall im September 2011 eine psychiatrische Therapie begonnen. Die Therapiefrequenz bei
Dr.
N._
sei sehr niedrig. Im Bericht vom
8.
April 2015 würden 14 ambulante
Ge
sprächstermine
erwähnt, in einer ambulanten Therapiezeit von 3 Jahren und 4 Monaten (ohne
Hopsitalisation
). Dies ergebe einen Durchschnitt von drei Wo
chen, was nicht auf einen gravierenden Leidensdruck schliessen lassen. Dazu passe der aktuelle Laborbefund, wonach der Beschwerdeführer einen Grossteil der Medikation nicht einnehme (S. 8 oben). Die
Arztb
erichte und die Darstel
lungen des Beschwerdeführers zeigten unübersehbare Inkonsistenzen und
Ag
gravationen
. Darüber hinaus könne der RAD-Arzt in einer kritischen Übersicht der Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht folgen. Ein Sturz von einem Gerüst sei sicherlich eine gravierende Belastung. Trotzdem fehlten die Kriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung. Insbesondere falle auf, dass der Beschwerdeführer in der aktuellen Untersuchung ruhig und ohne
Hy
perreagibilität
/
Arousal
den Unfall ausgiebig
geschildert
und sogar auf Eigenini
tiative eine Unfallskizze
angefertigt habe
. Für die bisherige Tätigkeit als
Bau
hilfsarbeiter
und Maurer bestehe
aus psychiatrischer Sicht
eine Arbeitsunfähig
keit von 0
%
(S. 8
Ziff.
11).
4.5.2
Med.
pract
.
Q._
, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates, führte im Bericht vom 1
5.
Dezember 2015 (
Urk.
10/140) zur orthopädischen Untersuchung vom
6.
November 2015 aus, der Beschwerdeführer habe berichtet, dass er seit sechs Jahren unter an
haltenden
Schmerzen der rechten Körperhälfte leide, die vom Kopf ausgehen würden. Nach seiner Einschätzung liege die
Ursache der Schmerzen
im Kopf. Bei überraschenden Geräuschen, Stress oder Erschrecken verstärkten sich die Schmerzen. Diese strahlten bis in den rechten Fuss aus und fühlten sich an wie ein Stromschlag. Die linke Körperhälfte sei gar nicht betroffen. Schon ein klei
ner Schreck könne zu einer Paralyse führen. Dann sei er nicht
in der Lage zu gehen. Neben den Schmerzen leide er unter anfallartigen Angstattacken. Diese würden in unregelmässigen Abständen auftreten. In der letzten Woche sei dies zweimal vorgekommen (S. 1
Ziff.
1).
Wenn es ihm im Kopf gut gehe, könne er zwischen 30 bis
6
0 Minuten am Tag gehen. Stehen sei maximal 15 Minuten möglich. Im Liegen fühle er sich am Wohlsten. Er verbringe den meisten Teil des Tages im Liegen (S. 1
Ziff.
1 un
ten).
Med.
pract
.
Q._
gab an, dass
fünf von fünf
Waddell
-Zeichen positiv
seien
(S. 8 oben). Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie ein chronisches lumbales Schmerzsyndrom bei im MRI nachgewiesener leichter segmentaler Instabilität L5/S
1.
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit nannte sie einen generalisierten rechtsseitigen Körperschmerz unklarer Genese ohne Hinweise auf ein anatomisches Korrelat (S. 8
Ziff.
8). Bei der kli
nischen Untersuchung
hätten
sich keine Hinweise auf eine
Nervenwurzelirrita
tion
gefunden
. Das Schmerzbild sei diffus. Unter Ablenkung hätten Druck- und Berührungsschmerzen nicht reproduziert werden können. Insgesamt zeigten sich aus somatischer Sicht erhebliche Diskrepanzen zwischen den geklagten Be
schwerden und den objektivierbaren Befunden.
Der Beschwerdeführer habe an
gegeben, dass er seit zwei Jahren überwiegend liege und kaum das Haus ver
lasse. Seine Aktivitäten seien auf ein Minimum reduziert. Die regelrechte
Be
schwielung
beider Füsse und die vorhandene Hornhaut der Handinnenflächen sprächen jedoch gegen eine vollständige Schonung (S. 8
Ziff.
9). In der bisheri
gen Tätigkeit als Bauarbeiter bestehe seit März 2010 eine Arbeitsfähigkeit von 0
%
. In einer angepassten körperlich leichten bis mittelschweren,
wechselbelas
tenden
Tätigkeit sei seit jeher eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
gegeben. Ange
passt sei eine Tätigkeit ohne Hebe- und Tragebelastungen von über 20 kg, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne häufiges Treppensteigen und ohne häufige wirbelsäulenbelastende Arbeiten (S. 9
Ziff.
10).
4.
6
Die Psychotherapeutin
R._
nahm am 2
2.
Juni 2016 (
Urk.
16/2) zu
den Berichten des RAD vom 1
5.
Dezember 2015 Stellung.
Sie
gab an
, der Be
schwerdeführer sei ihr von
Dr.
N._
zur
Traumabearbeitung
überwiesen wor
den.
Frau
R._
nannte als Diagnosen eine posttraumatische Belastungsstörung, eine andauernde Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung, depressive Verstimmungen und eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (S. 1).
Als Symptome
führte sie an
:
Depersonalisation,
Derealisation
, Dissoziation und/oder
Neglect
.
D
er Beschwerdeführer
sei
in seiner Existenz verunsichert. Weiter be
stünden eine innere Leere, Konzentrationsschwierigkeiten und Panik mit Schütteln und Schwitzen, Angst, Schreckhaftigkeit, eine starke Körperschiefe
und
Verkrampfungen. Weiter bestünden Schlafstörungen mit nächtlichen Erleb
nissen von einem in die Tiefe Fallen
. Danach
bestünden stunden- und tagelang Ängste, das Bett und das Haus zu verlassen
(S. 2 oben). Der Beschwerdeführer habe angegeben, dass seine linke Körperhälfte wie nicht zu ihm gehöre. In sei
ner rechten Körperhälfte gebe es elektrische Ströme, Schmerzen, Muskelkrämpfe und Schmerzen in der rechten Hirnhälfte
(S. 2 f.).
Nach dem Bericht
des RAD sei auf psychiatrischem Fachgebiet keine Störung mit Krankheitswert gefunden worden.
Frau
R._
betrachte den Bericht vom 1
5.
Dezember 2015 als eine Fehlbeurteilung.
Dieser
widerspreche ihrem Ver
ständnis und psychotherapeutischem Wissen und
ihren
Erfahrungen mit dem Beschw
erdeführer im vergangenen Jahr
. Es sei befremdlich, wie darin die Diag
nosen mehrerer Fachpersonen verworfen worden seien
(S. 3 unten).
Eine feh
lende Mimik könne auch als Hinweis auf andere mögliche Ursachen, wie zum Beispiel eine psychische Störung oder anderes
,
gedeutet werden.
Sie
habe
zahl
reiche
Ich-Störungen wie Depersonalisation und
Derealisation
etc.
beobachtet, die in den Berichten des RAD verneint worden seien. Es stelle sich die Frage ei
ner Dissoziation im Aufbau einer Parallelwelt, weil dies für
den Beschwerde
führer
eventuell die einzige Möglichkeit sei, mit psychisch belastenden Symp
tomen fertig zu werden (S. 4 oben).
Die Art und Weise wie
er
mit therapeuti
schen Interventionen umgehe, zeige ihn als authentisch. Er nehme Verbesserun
gen dankbar entgegen und sperre sich nicht gegen solche. Aufgrund ihrer Be
obachtungen schliesse sie Simulation aus (S. 4 Mitte).
Die Therapeutin
gehe von einer posttraumatischen Belastungsstörung aus, die eventuell - wie in Trauma-Fachkreisen bekannt - nicht allein durch den Unfall an und für sich geschehen sei, sondern die sich im Laufe der Zeit eventuell immer mehr verstärkt habe, weil sie nicht gut aufgefangen worden sei (S. 4 unten).
Die Therapeutin
erlebe den Beschwerdeführer in grosser seelischer Not und als existenziell tief verunsichert
(S. 6 oben).
4.
7
Dr.
N._
und
Dr.
O._
nahmen am 2
7.
Juni 2016 (
Urk.
16/1) Stellung zur ange
fochtenen Verfügung der Beschwerdegegnerin. Sie führten aus, der Be
schwerdeführer habe von klinischer Seite her über Albträume
betreffend den
Unfall berichtet. Bremse ein Bus, in dem er sitze, gerate er in Panik
.
Auch
habe er zwei Autounfälle gesehen, die ihn gedanklich tagelang beschäftigt hätten
(S. 1 unten). Der Beschwerdeführer sei seit dem Unfall von verschiedenen psychi
atrisch geschulten Therapeuten gesehen worden, die ihn zum Teil über längere Zeit betreut hätten. Die Kriterien, die für eine posttraumatische
Belastungsstö
rung
sprechen würden, träten seit mindestens sechs Jahren auf
(S. 2 unten).
Eine bipolare Störung beinhalte per Definition mindestens vier Episoden inner
halb eines Jahres. Unterschiedliche Episoden könnten ineinander übergehen. Seit dem Austritt aus der Klinik der
J._
hätten mindestens drei depressive Epi
soden stattgefunden mit eher schwerem Ausmass (S. 3 unten).
Hinsichtlich des Urlaubes in den Bergen habe es sich ihres Wissens um ein sehr abgelegenes Haus gehandelt. Von einem Kontakt mit anderen Menschen habe der Beschwerdeführer nichts berichtet (S. 5 oben).
5.
5.1
Der Beschwerdeführer
erlitt am 1
1.
September 2009 einen Arbeitsunfall
(Sturz von einem Gerüst aus sechs Metern Höhe)
.
Zum Zeitpunkt der Verfügung
der Beschwerdegegnerin
vom 2
7.
Juni 2012 (
Urk.
10/83)
war
er
seit der Begutach
tung im
F._
im Oktober 2010 als Bauarbeiter nur
noch
zu 50
%
arbeitsfähig. Eine
behinderungsangepasste Tätigkeit
war ihm
zu diesem Zeitpunkt
jedoch vollumfänglich möglich
(vgl. E. 3.
4
hiervor).
Nach der Neuanmeldung
des Beschwerdeführers
im Januar 2015
kamen
die RAD-Ärzte
med.
pract
.
P._
und med.
pract
.
Q._
in den Berichten vom 1
5.
Dezember 2015 zum Ergebnis, dass
dem Beschwerdeführer
die angestammte Tätigkeit als Bauarbeiter nicht mehr zugemutet werden
könne
, dass ihm eine behinderungsangepasste Tätigkeit jedoch
weiterhin
vollumfänglich möglich
sei
(E. 4.5
hiervor).
Die behandelnden Ärzte
Dr.
N._
und
Dr.
O._
nannten als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine posttraumatische Belastungsstörung, ein
en
Verdacht auf eine andauernde Persönli
chkeitsänderung nach
Extrembe
la
stung
, eine sonstige bipolare affektive Störung, eine dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörung
und
eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren. Nach Einschätzung von
Dr.
N._
und
Dr.
O._
be
steht
bezogen auf den ersten Arbeitsmarkt
aktuell
keine verwertbare Arbeitsfä
higkeit
des Beschwerdeführers
(E. 4.4 hiervor).
5.2
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner
Ärztinnen und Ärzte
kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig er
scheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/
bb
/
ee
). Trotz dieser grundsätzlichen
Be
weiseignung
kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer
Fach
personen
praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachverständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Ein
holung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die
Beweis
würdigung
strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zwei
fel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztli
chen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E. 5.2; BGE 135 V 465 E. 4.4 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_348/2016 vom 9. Dezember 2016 E. 2.4).
5.3
Die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung gemäss ICD-10 F43.1 setzt voraus, dass sie mit einer Latenz von wenigen Wochen bis Monaten nach einem Ereignis mit aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmass auftritt, das bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Prädisponierende Faktoren können die Schwelle zur Entwicklung dieses Syn
droms zwar senken und den Verlauf erschweren, sind aber weder notwendig noch ausreichend, um dessen Auftreten erklären zu können.
Eine weniger einschränkende Formulierung des Belastungskriterium
s
und damit die Berücksichtigung von Ereignissen, die weder eine aussergewöhnliche Bedro
hung noch eine Katastrophe darstellen, dennoch aber im Erleben einer versi
cherten Person eine Traumatisierung auslösen können, mag therapeutisch Sinn machen. Dasselbe gilt für eine weniger einschränkende Formulierung der zeitlichen Latenz mit Berücksichtigung von einem erst lange nach den trauma
tischen Ereignissen beginnenden Krankheitsverlauf. Hingegen verlang
t
die Leistungsberechtigung in der Invalidenversicherung zwangsläufig eine gewisse Objektivierung, weshalb solche Konstellationen ausser Betracht bleiben müssen (Urteile de
s Bundesgerichts 9C_228/2013 vom 2
6.
Juni 2013, E. 4.1.2 und 4.1.3 und 9C_671/2012 vom 1
5.
November 2012, E. 4.3; vgl. auch das Urteil des Bundes
gerichts 9C_682/2013 vom 2
5.
Februar 2014, E. 3.4.2).
5.4
Med.
pract
.
P._
nahm im
B
ericht
vom 1
5.
Dezember 2015
Stellung zur abwei
chenden Einschätzung der behandelnden Ärzt
e
.
Er legte
dar
,
dass
gestützt auf die psychiatrische Untersuchung vom
6.
November 2015
weder die
Diag
nosekriterien
einer bipolaren Störung
noch
einer posttraumatischen
Belas
tungsstörung
erfüllt seien
und die Diagnose
n nicht gestellt werden
können
.
Auch
konnte er
keine klinisch auffälligen Gedächtni
sstörungen
feststellen
, wie
sie
von den Therapeuten des
J._
beschrieben
worden
waren
(E. 4.3)
,
nachdem
der Beschwerdeführer während der gesamten dreistündigen
psychiatrischen
Untersuchung durch
ihn
aufmerksam und konzentriert
war
(E. 4.5.1).
In den Berichten
der RAD-Ärzte vom 1
5.
Dezember 2015
werden die
ge
-
sundheitli
chen
Beeinträchtigungen
des Beschwerdeführers dargelegt. Weiter beruhen sie auf den notwendigen Untersuchungen und berücksichtigen die ge
klagten Beschwerden in angemessener Weise. Sie vermögen sodann auch in der Beurteilung der medizinischen Situation und in den Schlussfolgerungen zu überzeugen.
Die Berichte vermögen
insbesondere
hinsichtlich der
festgestellten
Inkonsistenzen zu überzeugen, nachdem bereits
lic
. phil.
K._
,
J._
,
im Bericht vom
1
9.
August 2014
nach einer neuropsychologischen
Abklärung des Beschwerdeführers
eine
Aggravation beschrieben hatte
(E. 4.1).
Gemäss
med.
pract
.
Q._
bestätigten
etwa
die regelrechte
Beschwielung
der Füsse und eine Hornhaut der Handinnenflächen
eine
vom Beschwerdeführer
geschilderte
vollständige Schonung nicht (E. 4.
5.2
). Bei der fehlenden
Übereinstimmung der Laborresultate mit den vom Beschwerdeführer angegebenen Medikamenten
(E. 4.5.
1
)
handelt es sich ebenfalls um Inkonsistenzen
. Auf die Möglichkeit einer Aggravation
oder
gar
Simulation
wird in den Berichten der behandelnden Ärzte dagegen nur ungenügend eingegangen.
Auch wenn es sich bei den Berichten
der RAD-Ärzte
vom 1
5.
Dezember 2015 um eine versicherungsinterne Beurtei
lung handelt, kann ihnen voller Beweiswert beigemessen werden.
5.5
Dr.
N._
und
Dr.
O._
gaben im Bericht vom
8.
April 2015 zwar an, dass der Beschwerdeführer bei dem Unfall vom 1
1.
September 2009 Todesangst erlitten habe (E. 4.4).
Davon, dass
es sich bei dem Arbeitsunfall um eine aussergewöhn
liche
Bedrohung von katastrophenartigem Ausmass
gehandelt
hat
(vgl. E. 5.
3
hiervor)
, kann jedoch nach den Akten nicht gesprochen werden
. In zeitlicher Hinsicht
wurde
zudem
anlässlich der Begutachtung im
F._
über ein Jahr nach dem Unfall
die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht
gestellt
.
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts hätte die Diagnose
jedoch
innerhalb einer Latenzzeit von spätestens sechs Monaten
nach dem Ereignis
gestellt werden müssen, was vorliegend nicht der Fall ist.
Die Überlegungen der behandelnden Psychotherapeutin, wonach
die von ihr angenommene posttrau
matische Belastungsstörung
möglicherweise zu Beginn ni
cht gut aufgefangen worden sei (E. 4.
6
), vermögen das Gutachten des
F._
vom 1
2.
November 2010
rückblickend
nicht in Zweifel zu ziehen.
Mit med.
pract
.
P._
kann die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung daher nicht gestellt wer
den.
Nach der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V, Klinisch-diagnostische Leitlinien (Herausgegeben von H.
Dilling
, W.
Mom
bour
, M. H. Schmidt),
9.
Aufl. wird für die Diagnose einer andauernden
Persön
lichkeitsänderung
nach Extrembelastung vorausgesetzt, dass der
Persönlich
keitsänderung
Erfahrungen
wie
solche
in einem Konzentrationslager, Folter, Katastrophen oder andauernde lebensbedrohliche Situationen zugrunde liegen (Internationale Klassifikation psychischer Störungen, S. 286).
Der
Arbeitsunfall
vom 1
1.
September 2009
als einmaliger Vorfall
kann nicht mit einer derartigen Erfahrung gleichgesetzt werden
. Med.
pract
.
P._
legte zudem
nachvollzieh
bar
dar,
dass die von den behandelnden Ärzten beschriebenen
Stimmungs
schwankungen
die Diagnose einer bipolaren St
örung nicht rechtfertigen
(E. 4.5.
1
hiervor)
.
Die Diagnose einer bipolaren Störung wird in den Berichten der behandelnden Ärzte zudem nur unzureichend begründet.
Im Übrigen ist
darauf hinzuweisen, dass es einer Erfahrungstatsache entspricht, dass die behan
delnden Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauens
stellung in Zweifelsfällen eher
zugunsten
ihrer
Patienten
aussagen
(BGE 125 V 351 E. 3b/cc mit Hinweisen
).
Auch die von
Dr.
N._
und
Dr.
O._
gestellte Diag
nose dissoziativer Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen konnte med.
pract
.
P._
nicht bestätigen.
Gestützt auf die Berichte von med.
pract
.
P._
und med.
pract
.
Q._
ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in einer behinderungsangepassten Tätigkeit
weiterhin zu 100
% arbeitsfähig ist.
Ein Grund für weitere Abklärungen des Sachverhaltes besteht nicht
.
Auf weitere
medizinische
Abklärungen ist daher zu verzichteten.
5.6
Gestützt auf die Berichte der RAD-Ärzte vom 1
5.
Dezember 2015
und der von
ihnen
attestierten Arbeitsfähigkeit von 100
%
in einer angepassten Tätigkeit
ist davon auszugehen, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
verglichen mit dem Zeitpunkt der Verfügung vom 2
7.
Juni 2012 nicht ver
schlechtert hat.
Bei der abweichenden Beurteilung der behandelnden Ärzte han
delt es sich daher um eine unterschiedliche Beurteilung eines
im Wesentlichen
unveränderten Sachverhaltes.
Die
angefochtene Verfügung
der Beschwerdegegnerin
vom
6.
Juni 2016
erweist sich demzufolge
als rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf
Fr.
800.-- anzusetzen und dem unterliegenden
Beschwerdeführer aufzuerlegen. Zufolge Gewährung der unentgeltlichen
Pro
zessführung
sind die Kosten jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu neh
men.