Decision ID: e03ea8fd-7f6d-5130-8f93-97f917250548
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Hans Frei, Kriessernstrasse 40, 9450 Altstätten,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach
4358, 6002 Luzern,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Invalidenrente
Sachverhalt:
A.
A.a Aufgrund einer Schnitt- bzw. Stichverletzung, die er 1996 erlitten hatte, hatte A._
Jahrgang 1950, an der rechten, dominanten Hand eine eingeschränkte Sensibilität und
Gebrauchsfähigkeit für belastende Tätigkeiten (UV-act. 26, 35, 74 [besonders M16]).
Wegen der dadurch verursachten Beeinträchtigung seiner Erwerbsmöglichkeiten als
selbständiger Malermeister richtete ihm die Invalidenversicherung (IV) eine halbe Rente
aus (UV-act. 12, 26, 69). Seit April 2006 war er als Maler bei der B._, angestellt (bei
vollem Arbeitspensum aber vermindertem Lohn, vgl. UV-act. 11 f.) und dadurch bei der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch gegen Unfälle
versichert. Am 9. Juli 2006 wandte er einen Sturz auf der Treppe ab und erlitt dabei
eine Distorsionsverletzung des rechten Schultergelenks (UV-act. 1, 13). Die Suva
erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilungskosten und Taggelder). - Bei
verzögertem Heilverlauf und der Feststellung einer ansatznahen subtotalen Ruptur der
Supraspinatussehne im Magnetresonanztomogramm (MRI) vom 31. August 1996
wurde am 22. November 2006 die rechte Schulter operiert (UV-act. 5, 13 ff.;
Acromioplastik und Naht der Supraspinatussehne). Ab 1. Juni 2007 war der Versicherte
wieder gleich arbeitsfähig wie vor dem Unfall (UV-act. 30, 32, 35). Anlässlich der
kreisärztlichen Untersuchung vom 30. Oktober 2007 erhob Dr. med. C._, Facharzt
FMH für orthopädische Chirurgie, eine Periarthritis humero-scapularis rechts bei
muskulärer Dysbalance, Kraftverminderung im Bereich des rechten Arms und eine
leichte Bewegungseinschränkung im Bereich des rechten Schultergelenks als
Restfolgen (UV-act. 35). Die Integritätseinbusse wurde mit 5% bemessen und dem
Versicherten mit Verfügung vom 2. November 2007 eine Integritätsentschädigung von
CHF 5'340.00 zugesprochen (UV-act. 36, 38).
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A.b Am 29. April 2008 meldete der Versicherte der Suva, wegen Beeinträchtigungen
der rechten Schulter habe er zunehmend Schwierigkeiten, die anstrengende Tätigkeit
als Maler auszuüben. Zusätzlich habe er Nackenprobleme (Suva-fremd, UV-act. 40).
Bei Dr. med. D._, Facharzt FMH für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparats, der den Versicherten an der Schulter operiert hatte, fielen an
diesem Körperteil die Impingementtests positiv aus. Er stellte eine eingeschränkte
Innenrotation und radiologisch eine beginnende (Om-)Arthrose an der rechten Schulter
fest und attestierte - auch aufgrund zunehmender Beeinträchtigungen am rechten Knie
- eine volle Arbeitsunfähigkeit ab 30. Mai 2008 (UV-act. 41, 45 f.). Anlässlich der
Untersuchung vom 17. November 2008 hielt Dr. med. E._, Facharzt FMH für
orthopädische Chirurgie, weiterhin dauernde und erhebliche Unfallfolgen der rechten
Schulter mit Beweglichkeitseinschränkung, Krafteinbusse und funktionellem Defizit des
rechten Arms fest. Dem Versicherten sei die Beschäftigung als Maler dauernd nicht
mehr zumutbar. Es bestünden Einschränkungen für Armeinsätze über Schulter- und
Kopfhöhe, insbesondere mit entsprechender Kraftbeanspruchung. Die übrigen
degenerativen Gelenkbefunde, insbesondere im Bereich der linken Schulter und der
Fingergelenke sowie des rechten Kniegelenks, seien unfallfremd und stünden nicht im
Zusammenhang mit dem Ereignis vom 9. Juli 2006. Medizinisch-theoretisch seien dem
Versicherten ausschliesslich im Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 9. Juli
2006 ganztägige, leichte oder mittlere Beschäftigungen mit angepassten
Arbeitseinsätzen (repetitive leichte Armeinsätze im Rahmen von 10 kg) zumutbar. Die
Teilarbeitsfähigkeit (Taxation 50% Arbeitsunfähigkeit) im bisherigen
Beschäftigungsbereich für Armeinsätze bis auf Schulterhöhe und für leichte bis mittlere
Beschäftigungen (10 bis 15 kg) sei zumutbar (UV-act. 55). Der Kreisarzt hielt eine
Zunahme der Integritätseinbusse fest und schätzte diese auf insgesamt 10% (UV-act.
56). Aufgrund der erwerblichen und medizinischen Abklärungen wurde eine
Erwerbsunfähigkeit von 25% ab 1. April 2010 ermittelt und am 20. April 2010 eine
entsprechende Rente verfügt (UV-act. 94). Mit der gleichen Verfügung wurde eine
Differenz-Integritätsentschädigung von weiteren 5% zugesprochen.
B.
Dagegen liess der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Hans Frei,
Altstätten, am 19. Mai 2010 Einsprache erheben (UV-act. 97 bzw. 104, 107
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[ausführliche Begründung]). Für die Diskushernie an der Halswirbelsäule (HWS) liess er
geltend machen, es handle sich um eine Berufskrankheit im Sinn von Art. 9 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20), weshalb die Suva auch
für die dadurch verursachten Beeinträchtigungen seiner Gesundheit leistungspflichtig
sei. Mit Entscheid vom 12. August 2010 wies die Suva die Einsprache ab, soweit
darauf eingetreten wurde (UV-act. 111). - Vorgängig hatte die IV-Stelle der
Sozialversicherungsanstalt (SVA) des Kantons St. Gallen mit Vorbescheid vom
3. August 2010 festgehalten, ab 1. Oktober 2009, mithin drei Monate nach der
Diskushernien-Operation an der HWS, habe der Versicherte Anspruch auf eine ganze
IV-Rente, nachdem weder in der angestammten Tätigkeit als Maler noch in einer
optimal adaptierten Tätigkeit eine verwertbare Arbeitsfähigkeit resultiere (UV-act. 110).
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 12. August 2010 liess der Versicherte durch
seinen Rechtsvertreter Beschwerde erheben, die Aufhebung desselben und die
Zusprechung einer angemessenen Invalidenrente beantragen. Eventualiter sei die
Angelegenheit zur weiteren Abklärung und Neuverfügung an die Suva zurückzuweisen;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Weiter verlangte er die Durchführung
einer öffentlichen Verhandlung. Zur Begründung wird angeführt, die Unfallfolgen an der
rechten Schulter hätten zu dauerhaften Beweglichkeitseinschränkungen, einer
Krafteinbusse und einem funktionellen Defizit für Armeinsätze über Schulter und
Kopfhöhe rechts geführt. Neben weiteren krankheitsbedingten und damit nicht
unfallkausalen und nicht Suva-versicherten Gesundheitsbeeinträchtigungen habe der
Beschwerdeführer 1972 als Angestellter der F._ einen Unfall erlitten, der
Meniskusverletzungen und -entfernungen an beiden Knien zur Folge gehabt habe.
Diese unfallbedingten Gesundheitsbeeinträchtigungen seien von der Suva durch
Herausgabe der Akten zu dokumentieren und bei der Beurteilung der Rentenfrage zu
berücksichtigen. Entgegen der Darstellung der Beschwerdegegnerin verfüge er nur
über eine Ausbildung als Maler und Dekorateur. Hingegen habe er keine EDV- oder
Maschinenschreib-Kenntnisse, die es ihm ermöglichen würden, in einem Büro zu
arbeiten. Die Suva habe es auch unterlassen, konkrete Verweistätigkeiten zu
bezeichnen oder ergänzende Abklärungen durch einen Berufsberater zu veranlassen.
Das ihm noch zumutbare hypothetische Invalideneinkommen hätte aufgrund der
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mangelnden Kenntnisse im EDV-Bereich lediglich im Anforderungsniveau 4 der LSE
(einfache und repetitive Tätigkeiten) ermittelt werden dürfen und nicht als Durchschnitt
der Niveaus 3 und 4. Der leidensbedingte Abzug sei angesichts des fortgeschrittenen
Alters, der erheblichen unfallbedingten Einschränkungen und der Teilzeitarbeit auf 20%
zu erhöhen.
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 22. November 2010 liess die Suva die Abweisung der
Beschwerde beantragen, soweit darauf einzutreten sei. Ein Unfall 1972 bzw. vor 2000
und den beiden Folgejahren, als der Beschwerdeführer krankheitsbedingt an den Knien
operiert worden sei, sei bei der Suva nicht aktenkundig. Die Frage einer allfälligen
Berufskrankheit habe bereits im Einspracheverfahren nicht Anfechtungsgegenstand
gebildet und könne es daher auch im vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht. Zu
bemessen und zu beurteilen sei ausschliesslich die auf den bei ihr versicherten Unfall
vom 9. Juli 2006 zurückzuführende Erwerbsunfähigkeit des Beschwerdeführers. Dies
sei in jeder Hinsicht korrekt erfolgt, weshalb der ermittelte Invaliditätsgrad von 25% zu
bestätigen und die Beschwerde abzuweisen sei.
C.c Mit Replik vom 10. Januar 2011 liess der Beschwerdeführer erneut betonen, dass
er keine EDV- und Maschinenschreib-Kenntnisse besitze. Dem damaligen Case
Manager müsse bei den Notizen zur Besprechung vom 13. März 2007 ein Fehler
unterlaufen sein (UV-act. 26). Das entsprechende Protokoll habe er jedenfalls nicht
unterzeichnet. Die Büroarbeiten seien von seiner Ehefrau erledigt worden, so dass er
auch keine entsprechenden Kenntnisse benötigt hätte.
C.d Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet.
D.
Am 8. Dezember 2011 teilte die Kanzlei des Versicherungsgerichts den Parteien mit,
dass die Akten der IV-Stelle St. Gallen beigezogen worden seien (act. G 14). Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers nahm darauf Einsicht in diese Akten,
verzichtete aber mit Schreiben vom 17. Januar 2012 auf eine Stellungnahme (act. G 15,
G 18).
E.
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An der mündlichen Verhandlung vom 11. Juli 2012 präzisierte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers seinen Antrag auf die Zusprechung einer Suva-Rente in der Höhe
von 50%. Ergänzend zu den Ausführungen in den Rechtsschriften betonte er, beim
Beschwerdeführer würden keine Anhaltspunkte bestehen, dass er seine früher
erworbenen Berufskenntnisse als Maler im neu als zumutbar bezeichneten beruflichen
Bereich mindestens zum Teil einbringen könnte. Daher würde er in jeder anderen
Berufstätigkeit als schlecht qualifizierter Hilfsarbeiter lediglich einen Lohn aufgrund des
Anforderungsniveaus 4 erzielen. Auch sein unterdurchschnittliches Valideneinkommen
rechtfertige es, bei der Bemessung des Invalideneinkommens lediglich von einem
Verdienst aufgrund des Anforderungsniveaus 4 auszugehen. Aufgrund eines solchen
Lohns (von monatlich Fr. 4'444.-- bzw. einem Jahreseinkommen von Fr. 26'664.-- bei
50%iger Teilarbeitsfähigkeit) und unter Berücksichtigung des von der
Beschwerdegegnerin zugestandenen Leidensabzugs von 5% resultiere ein
Invaliditätsgrad von 40%. Werde vom höheren Leidensabzug von 20% ausgegangen,
wie er dem Beschwerdeführer aufgrund der Gesamtsituation zustehe, sei ein
Invaliditätsgrad von 49% und damit der Anspruch auf eine Invalidenrente von 50%
ausgewiesen. - Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Teilnahme an der
mündlichen Verhandlung.
F.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften und an der mündlichen
Verhandlung vom 11. Juli 2012 sowie den Inhalt der übrigen Akten wird, soweit für den
Entscheid erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.

Erwägungen:
1.
1.1 Soweit eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin wegen einer allfälligen
Berufskrankheit des Beschwerdeführers geltend gemacht wird, kann auf die
Beschwerde nicht eingetreten werden. Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht ausführt,
war eine solche nicht Gegenstand des angefochtenen Einspracheentscheids und kann
daher auch nicht Gegenstand des Beschwerdeverfahrens sein (vgl. BGE 131 V 164 f.
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E. 2.1 und Urteile des Bundesgerichts vom 15. September 2011, 8C_404/2011, E. 3.1
am Ende und vom 9. Juni 2008, 8C_532/2007, E. 2.1, je mit Hinweisen).
1.2 Die übrigen Eintretensvoraussetzungen, insbesondere jene der örtlichen und
sachlichen Zuständigkeit, sind erfüllt.
2.
Streitig und zu prüfen ist, ob der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers durch die
Beschwerdegegnerin mit 25% korrekt ermittelt wurde und seiner unfallbedingten
Einschränkung entspricht.
3.
3.1 Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Einspracheentscheid die
Voraussetzungen für die Zusprechung einer Invalidenrente durch die
Unfallversicherung, die Funktion ärztlicher Arbeitsunfähigkeits-Schätzungen, die
Schadenminderungspflicht der versicherten Personen sowie die Regeln für die
Berechnung des Invaliditätsgrads allgemein und in Sonderfällen zutreffend dargelegt
(E. 3; Art. 18 UVG; Art. 7 f. und Art. 16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] sowie Art. 28 Abs. 4 der Verordnung
über die Unfallversicherung [UVV; SR 832.202]). Ebenfalls korrekt sind ihre
Ausführungen zum Beweiswert von Arztberichten sowie die Ausführungen zur Beweis
würdigung, zum Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit und zur
antizipierten Beweiswürdigung (E. 4). Darauf kann verwiesen werden.
3.2 Ergänzend ist festzuhalten, dass der Sozialversicherungsprozess vom Unter
suchungsgrundsatz beherrscht wird. Danach haben die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt
indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der
Parteien (BGE 122 V 158 E. 1a und BGE 121 V 210 E. 6c, je mit Hinweisen). Der
Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinn der Beweisführungslast
begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der
Regel die Beweislast nur insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu
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Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt
Rechte ableiten wollte (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen).
3.3 Weiter sind die Regeln, die für die Leistungspflicht des obligatorischen
Unfallversicherers bei einem Rückfall gelten, zu ergänzen: Bereits gemäss dem nicht
mehr in Kraft stehenden Bundesgesetz über die Kranken- und Unfallversicherung vom
13. Juni 1911 (KUVG), nach welchem sich die Versicherung von Angestellten und
Arbeitern der in Art. 60 KUVG aufgelisteten Betriebe richtete, umfasste die
Unfallversicherung auch Leistungen bei Rückfällen und Spätfolgen zu versicherten
Ereignissen. Solche Ansprüche gegenüber der Suva blieben auch über die Ablösung
des KUVG durch das UVG hinaus grundsätzlich bestehen (per 1. Januar 1984, vgl.
Art. 118 Abs. 1 UVG). - Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern
einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung,
möglicherweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht
man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlauf längerer Zeit organische oder
auch psychische Veränderungen bewirkt, die zu einem andersgearteten Krankheitsbild
führen können. Rückfälle und Spätfolgen schliessen somit begrifflich an ein
bestehendes Unfallereignis an. Entsprechend können sie eine Leistungspflicht des
(damaligen) Unfallversicherers nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend
gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen
Gesundheitsschädigung ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht
(vgl. BGE 118 V 296 f. E. 2c mit Hinweisen; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326 E. 2; Alfred
Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. unveränderte Auflage, Bern
1989, S. 276 f.). Der Unfallversicherer kann in Bezug auf einen streitigen Rückfall nicht
auf der Anerkennung des natürlichen Kausalzusammenhangs beim Grundfall und
allfälligen früheren Rückfällen behaftet werden, weil die unfallkausalen Faktoren durch
Zeitablauf wegfallen können. Vielmehr obliegt es dem Leistungsansprecher, das
Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem neuen
Beschwerdebild und dem Unfall nachzuweisen. Nur wenn die Unfallkausalität mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist, entsteht eine erneute Leistungspflicht
des Unfallversicherers. Im Fall der Beweislosigkeit fällt der Entscheid - gemäss den
unter E. 3.2 dargestellten Grundsätzen - zu Lasten der versicherten Person aus, die aus
dem unbewiesen gebliebenen natürlichen Kausalzusammenhang als
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anspruchsbegründender Tatsache Rechte ableiten wollte (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326
E. 3b am Anfang).
4.
4.1 Beim Unfall vom 9. Juli 2006 zog sich der Beschwerdeführer eine Verletzung der
rechten Schulter zu. Dr. C._ ermittelte bei der Abschlussuntersuchung vom
30. Oktober 2007 eine Periarthritis humero-scapularis rechts bei muskulärer
Dysbalance, Kraftverminderung im Bereich des rechten Arms und eine leichte
Bewegungseinschränkung im Bereich des rechten Schultergelenks als dauernde und
erhebliche Unfall-Restfolgen (UV-act. 35). Nach der Rückfall-Meldung (UV-act. 40 vom
29. April 2008, UV-act. 44 vom 30. Mai 2008) bestätigte Dr. E._ anlässlich der
kreisärztlichen Untersuchung vom 17. November 2008 die Unfallfolgen an der rechten
Schulter und beschrieb am rechten Arm Beweglichkeitseinschränkungen, eine
Krafteinbusse und ein funktionelles Defizit für Armeinsätze über Schulter- und
Kopfhöhe (UV-act. 55 f.). Er führte aus, ausschliesslich im Zusammenhang mit dem
Unfallereignis vom 9. Juli 2006 seien dem Versicherten medizinisch-theoretisch
ganztätige, leichte und mittlere Beschäftigungen mit angepassten Arbeitseinsätzen
(repetitive leichte Armeinsätze im Rahmen von 10 kg) zumutbar. Die Teilarbeitsfähigkeit
(Taxation 50% Arbeitsunfähigkeit) im bisherigen Beschäftigungsbereich für
Armeinsätze bis auf Schulterhöhe und für leichte bis mittlere Beschäftigungen (10 bis
15 kg) sei zumutbar (UV-act. 55, S. 3 unten und S. 4 oben). In seiner Stellungnahme
vom 4. Mai 2009 bestätigte der Kreisarzt diese Feststellungen (UV-act. 68). Die
genannten Einschränkungen werden von beiden Parteien als unfallbedingt anerkannt.
4.2 Zusätzlich macht der Beschwerdeführer geltend, er sei auch wegen Unfallfolgen an
beiden Knien in seiner Arbeits- und Erwerbsfähigkeit eingeschränkt. Der entsprechende
Unfall habe sich 1972 ereignet, als er bei der F._ angestellt und ebenfalls bei der
Suva versichert gewesen sei. Gestützt auf dieses Versicherungsverhältnis sei die
Beschwerdegegnerin auch für diese Unfallfolgen leistungspflichtig. Besonders am
rechten Knie leide er unter schmerzhaften Einschränkungen, die ihm eine
Arbeitstätigkeit als Bodenleger verunmöglichten (gemäss UV-act. 61 stellte er als Maler
bei der ehemaligen Arbeitgeberin hauptsächlich Boden- und Wandbeläge her). Nähere
Angaben zu diesem Unfall machte er nicht und führte insbesondere nicht aus, wie sich
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dieser Unfall ereignet hatte. Die mehrfache Suche der Beschwerdegegnerin in ihren
Archiven förderte keine Hinweise auf ein bei ihr versichertes Unfallereignis des
Beschwerdeführers zu Tage (UV-act. 42 f., 46, 75, 80). Die Nachfrage bei der Klinik Gut
(ehemals Klinik Lürlibad), Chur, ergab, dass an beiden Knien 2000 bzw. 2001 krankhaft
verursachte Knorpelschäden operativ behandelt und durch die Krankenversicherung
des Beschwerdeführers bezahlt worden waren (UV-act. 48). Das deckt sich mit den
Angaben, die der Beschwerdeführer am 13. März 2007 gegenüber dem Case Manager
der Beschwerdegegnerin über krankheitsbedingte und/oder nicht Suva-versicherte
Einschränkungen gemacht hatte (UV-act. 26). In den medizinischen Akten der IV finden
sich zum linken Knie ausdrückliche Hinweise, dass vorgängig zur Arthroskopie vom
19. Januar 2000 kein Unfall stattgefunden hätte bzw. erinnerlich sei und die
Arthroskopie-Diagnostik schilderte einen intakten Meniskus (IV-act. 78-87/139 und
78-89/139). Am rechten Knie wurde im Operationsbericht vom 2. Januar 2001 ein
Zustand nach medialer Meniskektomie vor ca. 20 Jahren geschildert; ein Unfall als
deren oder als Ursache der Tibiakopf-Valgisationsosteotomie vom 5. März 2001 wird
nicht erwähnt (IV-act. 78-66/139 bis 78-70/139, 78-74/139). Damit ist für kein Knie ein
Unfall nachgewiesen, geschweige denn sind Folgen eines solchen Ereignisses
überwiegend wahrscheinlich dargetan. Da die Verwaltung die erforderlichen
Abklärungen zum geltend gemachten, beide Knie schädigenden Unfall 1972 getroffen
hat, weitere Abklärungen nicht denkbar sind und der Beschwerdeführer daraus eine
weitere Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin ableiten wollte, geht diese
Beweislosigkeit zu seinen Lasten (vgl. BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen und
vorstehende E. 3.2 f.). - Selbst wenn - entgegen der dargestellten Aktenlage - von
einem Suva-versicherten Unfall 1972 ausgegangen würde, ist die natürliche Kausalität
des am 30. Mai 2008 erstmals geltend gemachten Rückfalls (UV-act. 43) zum
ursprünglichen Unfall nicht (überwiegend wahrscheinlich) nachgewiesen und nachzu
weisen. Spätestens als zwischen dem geltend gemachten Unfall und dem Rückfall im
Frühjahr 2008 in den Jahren 2000 bzw. 2001 an beiden Knien Operationen
durchgeführt und dabei "krankhaft verursachte Knorpelschäden" behandelt wurden
(vgl. UV-act. 48, 71/4 bis 71/6), wäre die Kausalkette unterbrochen und damit der
durch den Beschwerdeführer zu erbringende Nachweis des natürlichen
Kausalzusammenhangs verunmöglicht worden.
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4.3 Die übrigen Gesundheitsbeeinträchtigungen, an denen der Beschwerdeführer im
Frühjahr 2010 (Beginn der Invalidenrente der Unfallversicherung: 1. April 2010) litt, sind
nicht auf einen nach UVG versicherten Unfall zurückzuführen oder müssen als
krankheitsbedingt bezeichnet werden (Einschränkungen an der rechten Hand als Folge
des Unfalls vom 4. April 1996, UV-act. 12, 26; IV-act. 78-92/139 bis 78-96/139,
78-98/139 bis 78-122/139; bzw. krankheitsbedingt diverse internistische Probleme,
Abnützungserscheinungen an der linken Schulter, rezidivierende Nacken- und
Kopfschmerzen bei Status nach Diskektomie C6/7 am 6. Juli 2009, Druckschmerzen
am linken Oberschenkel; UV-act. 26, 55, 71/2; diverse Berichte in IV-act. 78). Allfällige
Erwerbseinbussen, die auf diese unfallfremden Gesundheitsbeeinträchtigungen
zurückzuführen sind, sind bei der Bemessung der strittigen Leistungen der
Beschwerdegegnerin nicht zu berücksichtigen.
4.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass lediglich die in E. 4.1 aufgeführten
Gesundheitsbeeinträchtigungen an der rechten Schulter auf den Unfall vom 9. Juli
2006 zurückzuführen sind. Einzig für die dadurch bedingte Einschränkung der
Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers ist die Beschwerdegegnerin
leistungspflichtig. Eine weiterführende Leistungspflicht der obligatorischen
Unfallversicherung besteht aus den dargelegten Gründen nicht.
5.
5.1 Die Einschränkungen an der rechten Schulter des Beschwerdeführers machen nur
einen Teil der Gesundheitsbeeinträchtigungen aus, unter denen er im Zeitpunkt des
Rentenbeginns litt und weiterhin leidet. Deshalb kann die Bemessung der dadurch
bedingten Erwerbseinbusse nur theoretisch erfolgen. Bereits die ärztliche Beurteilung
der zumutbaren Tätigkeit beschränkte sich auftragsgemäss und rechtskonform auf die
Auswirkungen der unfallbedingten Einschränkungen an der rechten Schulter (UV-act.
55, 68; vgl. BGE 132 V 99 f. E. 4 am Ende, mit weiteren Hinweisen). Bei der
unbestrittenen Zumutbarkeit ganztägiger leichter/mittlerer Beschäftigungen mit
angepassten Arbeitseinsätzen, für Armeinsätze bis Schulterhöhe und repetitiv auf 10 kg
beschränkt (UV-act. 55) stand dem Beschwerdeführer ein sehr breites Spektrum an
Tätigkeiten offen. Es ist nicht üblich und keinesfalls Bedingung für eine rechtskonforme
Bestimmung des Invalideneinkommens, bei dieser Art Einschränkung, die auf dem
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allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt für eine Person mittleren Alters (vgl.
Art. 28 Abs. 4 UVV, E. 3.e des angefochtenen Einspracheentscheids, vorstehende
E. 3.1 und nachfolgende E. 5.4) zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten offen lässt,
solche im Detail aufzuzählen. Insoweit ist das Vorgehen der Beschwerdegegnerin nicht
zu beanstanden. Konkrete Verweisungstätigkeiten wären rein theoretisch: Einerseits
würden sich solche auf eine Person mittleren Alters beziehen (siehe vorstehend),
andererseits blieben diese theoretisch, da sie sich nur auf
Beschäftigungsmöglichkeiten beziehen würden, die dem Beschwerdeführer mit den
Folgen des Unfalls vom 9. Juli 2006 noch möglich sind, sich aber aufgrund aller
Gesundheitsbeeinträchtigungen nicht verwirklichen liessen. Soweit der
Beschwerdeführer weiter geltend machen lässt, die Beschwerdegegnerin hätte ihn
durch eine Berufsberatung abklären lassen müssen (S. 4 der Beschwerde), ist ihm
entgegenzuhalten, dass Berufsberatung nicht zu den Leistungen der obligatorischen
Unfallversicherer gemäss UVG gehört. Der Beschwerdeführer hätte sich dazu an die IV
wenden müssen (vgl. Art. 15 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG;
SR 831.20]), deren (Renten-)Leistungen er schon seit längerer Zeit in Anspruch nahm.
Bei der Besprechung vom 17. November 2008 (UV-act. 57) brachte er jedoch
unmissverständlich zum Ausdruck, dass er keine berufliche Integration wünsche.
Bereits im Frühjahr 2008 hatte er das angestammte Arbeitsverhältnis aufgelöst, ohne
über eine Anschlusslösung zu verfügen. Bei der Situationsanalyse, die am 13. März
2007 stattgefunden hatte, hatte er zudem bereits geäussert, dass er gedenke, noch bis
zum 60. Altersjahr zu arbeiten (UV-act. 26 Ziff. 3.8). An der mündlichen Verhandlung
vom 11. Juli 2012 ergänzte er dazu, dass er seit ca. zehn Jahren in Betracht ziehe, im
Alter von 60 bis 62 Jahren, weitgehend aus gesundheitlichen Gründen, die
Erwerbstätigkeit aufzugeben. Bei dieser Ausgangslage kam die Beschwerdegegnerin
ihrer Pflicht genügend nach, die erwerblichen Auswirkungen der unfallbedingten
Einschränkungen zu bezeichnen und die damit noch möglichen Tätigkeiten zu nennen,
aus denen auf das vorliegend zu berücksichtigende (theoretische) Invalideneinkommen
geschlossen werden konnte.
5.2 Die Beschwerdegegnerin errechnete die Erwerbseinbusse des Beschwerdeführers,
indem sie den möglichen Lohn bei seiner bisherigen Arbeitgeberin im Jahr 2010
(Valideneinkommen von Fr. 42'094.00 [13 x Fr. 3'238.00 gemäss UV-act. 92]) dem
hypothetisch ermittelten Tabellenlohn von Fr. 32'525.80 (Invalideneinkommen)
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gegenüberstellte. Bei der Ermittlung des Tabellenlohns stützte sie sich auf Tabelle A1
der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2008 und ging im
Einspracheentscheid vom durchschnittlichen monatlichen Bruttolohn im gesamten
privaten Sektor aus (dies abweichend von der Rentenverfügung [vom 20. April 2010;
UV-act. 94], bei der sich die Suva allein auf den Dienstleistungssektor als
Vergleichsbasis gestützt hatte). Sie wählte weiter den Mittelwert der Löhne aus den
Anforderungsniveaus 3 und 4 (Fr. 5'789.00 + Fr. 4'806.00 : 2 x 12 = Fr. 63'570.00),
berücksichtigte die vorbestandene 50%ige Einschränkung der Erwerbsfähigkeit (50%
von Fr. 63'570.00 = Fr. 31'785.00), rechnete von 40 Wochenstunden laut Tabelle auf
eine betriebsübliche durchschnittliche Arbeitszeit von 41,7 Wochenstunden hoch
(Fr. 33'135.86) und berücksichtigte die Nominallohnsteigerungen von 2,1% für 2009
und 1,2% für 2010 (Fr. 34'237.70; vgl. auch BGE 129 V 483 f. E. 4.3.2 und Urteil des
Bundesgerichts vom 27. August 2008, 8C_635/2007, E. 4.2). Unter Berücksichtigung
eines leidensbedingten Abzugs von 5% ermittelte die Beschwerdegegnerin ein
Invalideneinkommen von Fr. 32'525.80, eine Erwerbseinbusse von Fr. 9'568.20
(Fr. 42'094.00 - Fr. 32'525.80) und einen Invaliditätsgrad von gerundet 23%. Nachdem
in der Rentenverfügung vom 20. April 2010 (UV-act. 94) als Berechnungsbasis für das
Invalideneinkommen die Durchschnittslöhne im privaten Dienstleistungssektor gedient
hatten, gestützt darauf ein Invaliditätsgrad von 25% ermittelt worden war und der neu
berechnete Invaliditätsgrad (von knapp 23%) nur wenig davon abwich, bestätigte die
Beschwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid vom 12. August 2010 die
Rentenverfügung (E. 7 des Einspracheentscheids).
5.3 Der Beschwerdeführer macht gegen die Berechnung seiner unfallbedingten
Erwerbseinbusse geltend, es hätte nur auf Löhne des Anforderungsniveaus 4 abgestellt
werden dürfen. EDV-Kenntnisse würden ihm entgegen den Ausführungen im
Einspracheentscheid und den Angaben, die er bei der Situationsanalyse vom 13. März
2007 (UV-act. 26) dem Case Manager der Suva gegenüber gemacht haben solle,
fehlen. An der mündlichen Verhandlung vom 11. Juli 2012 präzisierte er dazu,
sämtliche Büroarbeiten seien immer von seiner damaligen Ehefrau und heutigen Exfrau
ausgeführt worden und beantragte gegebenenfalls ihre Befragung als Zeugin. Offerten
habe er jeweils von Hand geschrieben bzw. zur Reinschrift vorbereitet. Seine Exfrau
mache ihm auch heute noch die Steuererklärung. Zwar ist unbestritten, dass der
Beschwerdeführer nach der Berufslehre als Maler die Meisterschule in G._
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absolvierte und über 30 Jahre ein Malergeschäft betrieb (vgl. IV-Anmeldung vom
8. Dezember 2008, IV-act. 54-5/9). Mit den unfallbedingten Einschränkungen kann er
den gelernten Malerberuf jedoch nicht mehr ausüben. Anlässlich der mündlichen
Verhandlung vom 11. Juli 2012 zeigte sich, dass der Beschwerdeführer seine
(Leitungs-) Qualifikationen als ehemaliger Unternehmer und Malermeister nicht mehr
umsetzen und akquirieren, organisieren usw. kann. Es ist daher gerechtfertigt,
diesbezüglich seinem Antrag stattzugeben und für die Berechnung seines Invali
deneinkommens allein auf die Löhne des Anforderungsniveaus 4 für einfache und
repetitive Tätigkeiten abzustellen.
5.4 Die Festsetzung des leidensbedingten Abzugs stellt einen Ermessensentscheid der
Verwaltung dar. Bei dessen Überprüfung kann es nicht darum gehen, dass die
kontrollierende richterliche Behörde ihr Ermessen an die Stelle der Vorinstanz setzt.
Vielmehr geht es um die Frage, ob der zu überprüfende Entscheid, den die Behörde
nach dem ihr zustehenden Ermessen im Einklang mit den allgemeinen Rechtsprinzipien
in einem konkreten Fall getroffen hat, nicht anders hätte ausfallen sollen. Allerdings darf
das Sozialversicherungsgericht sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle
desjenigen der Verwaltung setzen; es muss sich somit auf Gegebenheiten abstützen
können, welche eine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen
lassen (vgl. BGE 126 V 81 E. 6 und BGE 123 V 152 E. 2, je mit Hinweisen). Die
Beschwerdegegnerin hat den berücksichtigten leidensbedingten Abzug von 5%
lediglich aufgrund der (unfallbedingten) gesundheitlichen Einschränkungen gewährt.
Aufgrund derselben war, wie vor dem Unfall vom 9. Juli 2006 bzw. vor dem Rückfall
vom Frühjahr 2008, weiterhin ein ganztägiger Arbeitseinsatz mit verminderter Leistung
möglich. Bei einer solchen Einsatzmöglichkeit rechtfertigt sich laut bundesgerichtlicher
Rechtsprechung kein Abzug vom Tabellenlohn (vgl. SVR 2012 IV Nr. 17 [8C_379/2011],
E. 4.2.2 f. und Urteil vom 4. April 2012, 8C_20/2012, E. 3.2, je mit Hinweisen). Als
weiteren Grund für einen höheren Abzug vom Tabellenlohn nennt der
Beschwerdeführer sein fortgeschrittenes Alter. Er übersieht dabei Art. 28 Abs. 4 UVV,
wonach bei Versicherten, die nach dem Unfall die Erwerbstätigkeit altershalber nicht
mehr aufnehmen, oder bei denen sich das vorgerückte Alter erheblich als Ursache der
Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit auswirkt, für die Bestimmung des
Invaliditätsgrads die Erwerbseinkommen massgebend sind, die ein Versicherter im
mittleren Alter bei einer entsprechenden Gesundheitsschädigung erzielen könnte. Der
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Beschwerdeführer hatte bereits bei der Situationsanalyse vom 13. März 2007
geäussert, er gedenke noch bis zum 60. Altersjahr zu arbeiten (UV-act. 26, Ziff. 3.8).
Anlässlich der Besprechung vom 17. November 2008 bei der Beschwerdegegnerin
hatte er ausdrücklich auf Integrationsmassnahmen verzichtet und eine berufliche
Neuausrichtung auch aus Altersgründen nicht für möglich gehalten (UV-act. 57). Der
Beschwerdeführer erfüllt demnach den Tatbestand von Art. 28 Abs. 4 UVV und zur
Ermittlung seiner unfallbedingten Erwerbseinbusse müssen die Einkommen
herangezogen werden, die eine Person im mittleren Alter mit einer entsprechenden
Gesundheitsbeeinträchtigung erzielen könnte (vgl. BGE 122 V 418, Urteil des Bundes
gerichts vom 19. November 2009, 8C_449/2009, E. 4.1, und Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007:
Sozialversicherungsrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 30. August 2005,
U 122/05, E. 3.2.1, je mit Hinweisen). Diese Regelung lässt insbesondere keine
Berücksichtigung des Alters bei der Festsetzung des Abzugs vom Tabellenlohn zu.
Insgesamt erscheint ein solcher von 5% gerechtfertigt. Weder liegt eine vom Gericht zu
korrigierende Ermessensüberschreitung noch gar ein Ermessensmissbrauch der
Beschwerdegegnerin vor.
5.5 Bei der Berechnung des Invalideneinkommens und damit des Invaliditätsgrads des
Beschwerdeführers durch die Beschwerdegegnerin ist die Nominallohnsteigerung 2010
mit 1,2% zu hoch eingesetzt worden. Auszugehen ist 2010 von 0,7% für Männer (vgl.
Lohnentwicklung 2010 [Hrsg. Bundesamt für Statistik, Neuenburg 2011], Tabelle T39,
S. 25).
5.6 Der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers ist damit wie folgt neu zu berechnen:
Das Valideneinkommen beträgt Fr. 42'094.00 (13 x Fr. 3'238.00 gemäss UV-act. 92).
Für die Berechnung des Invalideneinkommens ist von Tabelle A1 der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung (LSE) 2008 auszugehen (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom
28. April 2010, 8C_1050/2009, E. 3.5, und vom 27. August 2008, 8C_635/2007, E. 4.2),
der monatliche Bruttolohn im gesamten privaten Sektor von Fr. 4'806.00 im
Anforderungsniveau 4 auf ein Jahr hochzurechnen (Fr. 4'806.00 x 12 = Fr. 57'672.--)
und davon in Umsetzung von Art. 28 Abs.3 UVV die Hälfte bzw. Fr. 28'836.-- zu
berücksichtigen. Der so errechnete Betrag für 40 Stunden pro Woche ist auf die
durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden pro Woche
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hochzurechnen, was Fr. 30'061.53 ergibt (Fr. 28'836.-- : 40 x 41,7). Unter
Berücksichtigung der Nominallohnsteigerungen 2009 von 2,1% und 2010 von 0,7%
ergibt sich ein Betrag von Fr. 30'907.67 (Fr. 30'061.53 x 102,1% x 100,7%). Nach dem
leidensbedingten Abzug von 5% resultiert ein Invalideneinkommen von Fr. 29'362.29.
Der Vergleich von Validen- und Invalideneinkommen ergibt eine Einkommenseinbusse
von Fr. 29'362.29, was einem Invaliditätsgrad von 30.25% bzw. gerundet 30% ergibt
([42'094 - 29'362.29] x 100 : 42'094). Der Beschwerdeführer hat daher Anspruch auf
eine Invalidenrente der Unfallversicherung bei einem Invaliditätsgrad von 30%.
6.
6.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde dahingehend
gutzuheissen, dass dem Beschwerdeführer eine Invalidenrente der Unfallversicherung
aufgrund eines Invaliditätsgrads von 30% zugesprochen wird. Der angefochtene
Einspracheentscheid vom 12. August 2010 wird aufgehoben. Die Streitsache wird an
die Beschwerdegegnerin überwiesen, damit sie die Rente des Beschwerdeführers neu
und den allfälligen Differenzbetrag berechne sowie die entsprechenden Nachzahlungen
vornehme.
6.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Hingegen hat der
Beschwerdeführer bei diesem Ausgang des Verfahrens Anspruch auf eine
Parteientschädigung. In der Verwaltungsrechtspflege wird das Honorar vom Gericht
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses sowie in Berücksichtigung von Art und Umfang der
Bemühungen und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten pauschal
festgesetzt, wobei der Rahmen vor Versicherungsgericht in der Regel Fr. 1'000.-- bis
Fr. 12'000.-- beträgt (Art. 61 lit. g ATSG; Art. 19 und Art. 22 Abs. 1 lit. b der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten [HonO; sGS 963.75]).
Vorliegend ist kein Grund zu erkennen, weshalb von der Pauschalentschädigung
abgewichen werden sollte. Angesichts der Tatsache, dass der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin anlässlich der mündlichen Verhandlung vom 11. Juli 2012
Aufwendungen von Fr. 3'500.-- exklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer und ohne
separaten Zuschlag für die mündliche Verhandlung geltend machte (act. G 25), erweist
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sich vorliegend ein Honorar von Fr. 4'000.--, welches sich praxisgemäss inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer versteht, auf jeden Fall als angemessen.