Decision ID: 19702dc1-5552-4844-97a0-c17b3ae06b9b
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1993, schloss eine Berufslehre als
Recyclist
ab (
Urk.
7/1
Ziff.
4,
Urk.
7/10 S. 3
Ziff.
3).
Am
1
0.
Juli 2018
meldete er sich
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/
8
). Die Sozialversiche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche (
Urk.
7/11) und medizinische (
Urk.
7/13,
Urk.
7/15) Abklärungen. Am 1
7.
August 2018 teilte
sie dem Versicherten
mit, dass kein Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen bestehe (
Urk.
7/12).
Mit Verfügung vom 1
2.
September 2019 (
Urk.
7/25) verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf
Leistungen der Invalidenversicherung
. Der Versicherte erhob am 2
6.
September 2019
(
Urk.
7/28/3-8)
Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
2.
September 201
9.
Mit Urteil des hiesigen Gerichts vom 2
1.
Februar
202
0
(Ver
fahren-Nr. IV.2019.00675) wurde die Beschwerde in dem Sinne gutgeheissen, dass die Verfügung vom 1
2.
September 2019
aufgehoben
und die Sache zur ergänzenden Abklärung des Sachverhaltes an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde (
Urk.
7/30 S. 9 Dispositiv
Ziff.
1).
1.2
Die IV-Stelle holte in der Folge ein psychiatrisches Gutachten (
Gutachten vom 2
9.
September 2020,
Urk.
7/45) ein.
A
m
1
2.
Dezember 2020 (
Urk.
7/49)
antwor
tete der Gutachter
auf die
Rückfragen der
IV-Stelle
(
Urk.
7/48 S. 1 f.), die am
2
5.
Februar 2021 (
Urk.
7/53
)
d
en Vorbescheid
erliess. Der
Versicherte
brachte dagegen
E
inwände (
Urk.
7/56) vor.
Mit Verfügung vom
6.
Mai 2021 (
Urk.
7/59 =
Urk.
2) verneinte die IV-Stelle erneut einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung.
2.
Der Versicherte erhob am
7.
Juni 2021 Beschwerde gegen die Verfügung vom
6.
Mai 2021 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei i
hm
eine ganze Rente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-2 oben). Verfahrensrechtlich bean
tragte er die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
3 oben).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
9.
August 2021 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde.
Dies wurde dem Beschwerdeführer am 2
6.
August 2021 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) fest, nach dem
eingeholten psychiatrischen Gutachten bestehe eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung. Bisher sei eine depressive Erkrankung
bekannt gewesen,
die im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung nicht mehr festgestellt worden sei
(S. 1). Im Rahmen
der Begutachtung
seien
bei der Erhebung der Befunde
eine Verdeutlichung der Defizite bei abschwächender Darstellung der Ressourcen und Fähigkeiten sowie eine möglich
e
Aggravation der Beschwerden zur Absicherung der K
rankenrolle festgestellt worden. Eine gleichmässige Einschränkung des Akti
vitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen liege nicht vor.
Die im Mini-ICF-APP erhobenen Einschränkungen hätten ein mittleres Ausmass. Dies sei aber unter einem gewissen Vorbehalt zu betrachten, da eine starke Verdeut
lichung der Defizite bestanden habe (S. 2 oben).
Ein Leidensdruck sei angesichts der nicht wahrgenommenen therapeutischen Optionen nur sehr bedingt ausgewiesen (S. 2 unten).
Der Beschwerdeführer sei zu einer wirksamen Therapie
nicht
bereit. Er zeige keine Motivation zu einer Verän
derung, obschon die diagnostizierte Persönlichkeitsstörung gut zu behandeln wäre.
Die
Therapiesitzungen
fänden
einmal pro Monat
statt
. Eine stationäre Behandlung habe bis dato nicht stattgefunden. Nach der Stellungnahme ihres Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) bestehe mittelfristig mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für sämtliche Tätigkeiten wieder eine volle Arbeitsfähigkeit (S. 2 Mitte).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte vor, nach dem psychiatrischen Gutachten liege für die bisherige Tätigkeit seit dem Jahr 2018 eine volle Arbeitsunfähigkeit vor. Für eine leidensangepasste Tätigkeit würden nur Tätigkeiten im Frage kommen, die er alleine zu Hause durchführen könne, wie zum Beispiel die Tätigkeit als Messer
schleifer
. Sofern die Rahmenbedingungen erfüllt seien, wäre eine Arbeits
fähigkeit von 100
%
gegeben (
Urk.
1 S. 5
Ziff.
9).
Es stehe weiterhin im
Raum, ob mit dem vom Gutachter festgeleg
t
en Belastungsprofil eine Verwertbarkeit der Arbeits
fähigkeit im ersten Arbeitsmarkt bestehe. Es sei klar, dass eine solche Tätig
keit im ersten Arbeitsmarkt nicht verwertbar sei. Bereits aufgrund der Lärm
emission
könne
die Tätigkeit als Messerschleifer nicht zu Hause durch
geführt werden (S. 9
Ziff.
3-4).
2.3
S
trittig und zu prüfen ist, ob ein Rentenanspruch besteht.
3.
3.1
Der Beschwerdeführer ist seit dem 1
5.
März 2018 bei
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
in
ambulanter
psychi
atrischer
Behandlung
, zwei bis dreiwöchentlich
(
Urk.
7/13/2
Ziff.
1.1
und 1.2
).
Dr.
Z._
nannte im Bericht vom
5.
September 2018 (
Urk.
7/13/2-5) als
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F32.3, S. 2
Ziff.
2.5).
Der Psychiater führte
zur Krankengeschichte
aus, die Krankheit habe im Herbst/Winter 2017 begonnen. Der Patient habe eine Phase der Instabilität und Unruhe erlebt, die schlussendlich zum Konkurs
des Unternehmens
geführt habe,
das
er
selber
betrieben habe (S. 1
Ziff.
2.1).
Der Beschwerdeführer sei bei der
Erst
konsultation durch einen Rückzug, Agitiertheit, motorische Unruhe,
ein Nichtstillsitzen-können
und einen abreis
s
enden Gedankengang aufgefallen. Zudem habe er
über
Nachtschweiss, Ein- und Durchschlafstörungen, Appetit
losigkeit, einen Rückzug und Suizidphantasien
g
eklagt (S. 2
Ziff.
2.4).
Dr.
Z._
attestierte für die bisherige Tätigkeit als
Recyclist
, Hausierer und Verkäufer seit dem 1
5.
März 2018 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(S. 1
Ziff.
1.3). Der Patient sei zurzeit arbeitsunfähig (S. 3
Ziff.
3.1).
Die zuletzt ausge
übte Tätigkeit sei
kundenorientiert. Der Patient könne diese aufgrund der Erkran
kung nicht
mehr
wahrnehmen. Er könne nicht auf Leute zugehen und sei zu einem affektiven Kontakt nicht fähig (S. 3
Ziff.
3.3 und 3.4).
Es bestehe
eine relativ magere schulische Ausbildung (S. 3
Ziff.
3.5).
3.2
Dr.
Z._
bestätigte im
Verlaufsb
ericht vom 2
6.
März 2019 (
Urk.
7/15) die Diagnose einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen seit dem 1
5.
März 2018 (
ICD-10 F32.3,
S. 1
Ziff.
1.2).
Der Psychiater gab an, d
ie bis
herige Tätigkeit als Messerschleifer, Hausierer oder
Recyclist
sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht umsetzbar. Zurzeit sei
keine Tätigkeit denkbar
.
Der Patient sei nicht belastbar.
Es bestehe daher für sämtlich
Tätigkeiten eine Leistungsfähigkeit von 0
%
(S. 1 f.
Ziff.
2.1-2.2).
Es werde
eine Wiedereingliederung ohne Leistungs
zwang während 2-3 Stunden an fünf Tagen die Woche
empfohlen
(S. 3
Ziff.
4.2).
3.3
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, führte in der Stellungnahme vom 3
1.
Mai 2019 (
Urk.
7/16 S. 3) aus,
eine schwere Depression sei aufgrund
des vorliegenden Befundes, der niedrig dosierten und im Verlauf unveränderten antidepressiven Medikation bei nur 2-3 bezie
hungsweise 2-4 wöchentlichen Konsultationen nicht mehr nachvollziehbar (S. 3 oben). Es bestehe eine erhebliche psychosoziale Belastung. Beide Eltern
teile des Beschwerdeführers
seien psychisch erkrankt. Die Mutter sei IV-Rentnerin. Es liege eine ambivalente Arbeitsmotivation vor. Der Beschwerdeführer wolle arbeite
n
. Aufgrund sehr schlechter Erfahrungen mit der Berufstätigkeit könne er sich dies aber absolut nicht mehr vorstellen. Für eine depressive Episode fehle es am Charakter der Dauerhaftigkeit. Es seien noch nicht alle Therapieoptionen ausge
schöpft. Medizinisch-theoretisch sei eine Vollremission möglich. Die psychoso
zialen Belastungen stünden im Vordergrund. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei ein dauerhafter Gesundheitsschaden nicht ausgewiesen (S. 3 Mitte).
3.4
3.4.1
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete am 2
9.
September 2020 (
Urk.
7/45) im Auftrag der Beschwerdegegnerin ein psy
chiatrisches Gutachten. Die
psychiatrischen
Untersuchungen
fanden am 21., 2
6.
und 2
7.
August 2020 statt (
S. 4
Ziff.
1.1.4).
Der Gutachter führte aus, der Beschwerdeführer
habe angegeben,
dass es
ihm wegen seiner Lebensgeschichte und dem Leben überhaupt nicht gut
gehe
. Der Gutachtenstermin habe ihn sehr belastet (S. 10
Ziff.
3.
2
1.1 oben).
Sein Vater
arbeite als
hausierender Messerschleifer (S. 11
Ziff.
3.2.1.1 oben).
Die Eltern des Beschwerdeführers hätten in einer Wohnung gelebt und seien nicht fahrend unterwegs gewesen (S. 11
Ziff.
3.2.1.1 unten).
In der
Schule
sei er
immer
gemobbt worden (S. 12 oben).
Er habe
trotz schwieriger Umstände
die Lehre als
Recyclist
bestanden.
Für
den Militärdienst
und
den Zivilschutz
sei er
untauglich (S. 15 unten).
Der Beschwerdeführer sei seit
2015 als Messerschleifer tätig gewesen
. Er sei hausieren gegangen, habe die Messer der Kunden eingesammelt und der Vater habe sie geschliffen
. Nur einfache Messer habe er selber schleifen können. Er habe sehr wenig Kunden gehabt
(S. 16 oben).
Im Januar 2018 sei er bei der Arbeit von jemandem mit einem Baseballschläger attackiert worden (S. 16 unten).
Der Beschwerdeführer
bekomme schon Panik, wenn er nur mit fremden Menschen reden müsse.
Er sei du
rch schlechte Erfahrungen
krank geworden
.
(S. 17
Ziff.
3.2.1.3 Mitte).
Der Beschwerdeführer vergesse anstehende Erledigungen. Wichtige Termine ver
gesse er
aber
nur selten
(S. 18 oben).
Er
beschreibe eine ständige innere Unruhe und ständige unkontrollierbare Sorgen (S. 18 Mitte).
Weiter beschreibe er
panik
artige Angstzustände, aber nicht spontan, sondern mit typischen Trigger
n
(S. 19 oben).
Agora
phobische Ängste bestünden nicht. Der Aufenthalt in Menschen
mengen, im öffentlichen Raum,
im Zug oder Bus sowie
weite Reisen sei
en
mög
lich (S. 19
Mitte
). Der Beschwerdeführer habe sodann
passive Suizidgedanken. Er wünsche sich, tot zu sein (S. 21 oben).
Er
vermeide zwischenmenschliche Akti
vitäten ausser Hau
s
einschliesslich gruppentherapeutischer Situationen und geschützte arbeitsähnliche Aktivitäten, um sich nicht dem Risiko der Wieder
holung der erlebten Ablehnung, Abwertung und Ausgrenzung auszusetzen (S. 21 f.
Ziff.
3.2.8).
Die Behandlung bei
Dr.
Z._
finde zirka einmal im Monat statt (S. 25
Ziff.
3.2.11 oben).
3.4.2
Der Beschwerdeführer reagiere
abwehrend
auch bezüglich kleinster Schritte in Richtung einer Arbeitstätigkeit. Er habe dies mit der Angst vor einer Wiederho
lung von
negativen Erfahrungen begründet (S. 28 Mitte).
Es seien eine starke
Verdeutlichung der Defizite bei abschwächender Darstellung der Ressourcen und Fähigkeiten und eine mögliche Aggravation der Beschwerden zur Absicherung der Krankenrolle festgestellt worden (S. 28
unten
).
Der Gutachter gab zum Mini-ICF-APP an, es bestehe eine leicht
bis mässig aus
geprägte Beeinträchtigung der Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen. Der Beschwerdeführer sei pünktlich zu allen drei Untersuchungsterminen
erschie
nen
. Es sei
für ihn
aber sehr belastend, solche Termine wahrzunehmen. Er habe immer Angst zu spät zu kommen und den Termin zu verpassen
(S. 29
Ziff.
4.3.5.1 Mitte)
. Die Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben sei leicht bis erheblich beeinträchtigt. Der Beschwerdeführer sei grundsätzlich in der Lage, ein
fache Aufgaben zu planen und zu organisieren. Ansonsten hätte er die Berufs
lehre nicht bestanden und nicht ein Unternehmen gründen können. Er habe
aber
aktuell keine Alltagsaktivitäten angegeben, die ein erhebliches Mass an Planung und Strukturierung voraussetzen würden (S
.
30 oben). Dem Beschwerdeführer fehle
sodann
viel praktisches Wissen, das ihm zu Hause nicht vermittelt worden sei. Die Mutter habe
sich offenbar ständig depressiv
zurückgezogen und sei nicht
ansprechbar gewesen. Weiter habe er viele frustrierende Erfahrungen in der Schule
und
während der Berufslehre gemacht (S. 30 Mitte).
Um ein weiteres Insuf
fizienzerleben zu vermeiden, ziehe
er sich
darauf zurück, dass er nicht
s
könne (S.
30 unten).
Weiter
bestehe
eine leicht
bis erhebli
ch au
s
geprägte
Beeinträchtigung der Flexi
bilität und
Umstellungsfähigkeit. Der Beschwerdeführer wirke
bereits
bei kleins
ten Anforderungen überfordert
, wie bei der Anmeldung seines Hundes und dem Organisieren entsprechender Unterlagen
(S. 31 oben). Bezüglich der Kategorie Kompetenz- und Wissensanwendung bestehe wahrscheinlich eine voll ausge
prägte Beeinträchtigung. Das Kriterium sei aber nicht sicher beurteilbar,
da der Beschwerdeführer aufgrund des Insuffizienzerlebens
An
forderungen jeder Art vermeide
(S. 32 oben). Die Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit sei mässig beein
trächtigt (S. 32 unten). Weiter
bestehe
eine erheblich ausgeprägte Beeinträchti
gung der Proaktivität und der Spontanaktivitäten. Soweit erkennbar lebe der Beschwerdeführer sozial zurückgezogen und ziellos in den Tag hinein. Er verfolge keine spezifischen Interessen, vermeide Sport und pflege keine Hobbies
. Bezüg
lich der Aufgaben im Haushalt bestünden offenbar keine Konflikte
mit
der
Ver
mieterin
, die vermutlich eher mütterlich-unterstützend agiere
(S. 33 unten).
Bei der
Widerstands- und Durchhaltefähigkeit bestehe eine erheblich bis voll ausge
prägte Beeinträchtigung. Der Beschwerdeführer habe kein Beispiel angegeben, dass auf ein Durchhaltevermögen hinweisen würde, abgesehen vom Durchhalten
in
der Schule und der Lehrzeit, wobei er auch in dieser Zeit immer wieder unter
der
A
ngabe
vo
n
vegetativen Stresssympt
omen krank daheim geblieben sei. Es sei von einem erheblich eingeschränkten Durchhaltevermögen bei geringer Frustra
tionstoleranz auszugehen (S. 34 oben).
Weiter
bestehe
eine leicht bis erheblich ausgeprägte Einschränkung der Selbstbe
hauptungsfähigkeit. Die Fähigkeit sei insgesamt eingeschränkt (S. 35 oben). Bezüglich
der
Konversation und der K
ontaktfähigkeit zu Dritten bestehe eine mässig bis erheblich ausgeprägte Beeinträchtigung (S. 36 oben).
Hinsichtlich
der Gruppenfähigkeit bestehe ebenfalls eine mässig bis erheblich ausgeprägte Beein
trächtigung (S. 36 f.). Die Fähigkeit zu engen, dyadischen Beziehungen sei leicht bis erheblich beeinträchtigt. Der Explorand habe eine enge Beziehung zum Vater. Offenbar könne er diesen jederzeit anrufen und Anforderungen an ihn abgeben
. Die Beziehung sei aber einseitig (S. 37 Mitte). Die Mobilität und Verkehrsfähigkeit sei gar nicht bis leichtgradig beeinträchtigt. Der Explorand könne Autofahren
. Bus- und Zugfahren vermeide er
(S. 38 f.).
3.4.3
Aus der Vorgeschichte
des Exploranden
würden sich zahlreiche biographische Belastungsfaktoren ergeben, die die Persönlichkeit erheblich geprägt haben dürften. Ausserfamiliär sei es zu massiven, repetitiven Erfahrungen von sozialer Ausgrenzung, Abwertung und Erniedrigung gekommen, insbesondere während der obligatorischen Schul- und der Lehrzeit.
Zudem
habe eine innerfamiliäre Verwahrlosu
ng bestanden
. Die kranke Mutter sei passiv zu Hause und für den Exploranden als Kind und Jugen
dlichen
nicht beanspruchbar gewesen
(S. 40
Ziff.
6.1 a)
oben).
Es bestünden wenige Ressourcen. Es sei kein erfolgreicher Lebensbereich auszumachen, der die frustrierenden Insuffizienzerlebnisse in der Schule
,
im Beruf und der Gesellschaft
hätten
kompensieren können. Die Tätigkeit als selbständiger Messerschleifer und Schrotthändler sei im Januar 2018 mit dem
Konkurs des Unternehmens
gescheitet.
Weiter sei es zu
einem Krankheitsgewinn
gekommen
. Der Beschwerdeführer lebe arm und isoliert. Dies sei
ihm
vertraut und besser, als sich in die Welt zu wagen und das Risiko erneuter Abwertungen und Beeinträchtigungen einzugehen (S. 40
Ziff.
6.1
lit
.
a) unten).
Die
Kriterien einer ängstlich-vermeidenden Persönlich
keitsstörung seien erfüllt. Der Beschwerde
führer stehe von der Entwicklungsperspektive her trotz seiner 27 Jahre noch im Ablösungsprozess von zu Hause und vor dem Sc
hritt zur beruflichen Identität und zu
einer
Paarbeziehung und
der Gründung einer Familie
(S. 42 unten).
Eine
festgestellte Ängstlichkeit lasse sich über die ängstlich-vermeidende Persön
lichkeitsstörung mit posttraumatischer Symp
tomatik vollumfänglich erklären. Eine zusätzliche Angststörung liege nicht vor (S. 43
Ziff.
6.1
lit
. c). Die durch den behandelnden Psychiater diagnostizierte Depression
mit einem psychotischen
Anteil sei
nicht nachvollziehbar. In der Vorgeschichte des Exploranden bestünden
keine
Hinweise auf abgrenzbare depressive Episoden, die auch für den Kranken in einem starken Gegensatz zum üblichen Befinden
stünden
, mit
anschliessender
Besserung und Rückkehr
zum gesunden Befinden (S. 43
Ziff.
6.1
lit
.
d). Keines
der drei Hauptsymptome einer depressiven Störung
sei
erfüllt (S. 44 oben).
Objektiv seien
auch
keine typischen Symptome für ADHS-Auffälligkeiten
fest
gestellt worden
,
wie eine beobachtbare Zappeligkeit,
eine
Unruhe, eine starke Ablenkbarkeit oder eine flüchtige Aufmerksamkeit. Das Hauptproblem sei, dass der Beschwerdeführer von Kindheit an in belastenden psychosozialen Umständen habe leben müssen. Dabei sei er sowohl daheim wie in der Schule und während der Lehre durchgängig gestresst gewesen, was mit ADHS-Symptomen interferiere. Hinzu komme, dass
er
seine Beschwerden verdeutliche, was deren Relativierung und Objektivierung erschwere (S
.
44 unten).
Dr.
B._
nannte als Diagnose eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeits
störung (ICD-10 F60.6) mit unreifen und haltlosen Zügen (ICD-10 Z3/F608) bei komplexer Traumatisierung (ICD-10 F43.8
; S. 45
Ziff.
6.4
). Bezogen auf die Beeinträchtigungen im Alltag und in Beziehungen liege
(ohne Abgrenzung von Krankheitsgewinn und seiner Auswirkungen)
insgesamt eine schwere psychische Gesundheitsstörung vor (S. 44
Ziff.
6.3).
3.4.4
Der Beschwe
rdeführer sei in einer
jenischen
Familie aufgewachsen
. Während der Kindheitsphase seien die Eltern weitgehend sesshaft gewesen. Offenbar aufgrund von Schulden und Betreibungen sei es in der Kindheit
des Beschwerdeführers
zu einem fluchtartigen Umzug der Familie nach
C._
gekommen.
Auch nach
der Rückkehr
in die Schweiz
hätten enge finanzielle Verhältnisse mit häufigen Betreibungen und Pfändungsversuchen bestanden (S. 46
Ziff.
7.1 oben).
Der Beschwerdeführer habe erst im März 2018 eine
Psychot
herapie begonnen, die
sich noch in den Anfängen im Sinne eines langsamen Beziehungsaufbaus bewegen dürfte. Wenn man
ihn
stärker mit dem Thema
Eigenverantwortung konfron
tiere
und damit seine aktuelle Nische gefährde,
werde
er die Therapie abbre
chen. Anfang 2018 sei
es zum
finalen Scheitern gekommen im Sinne einer erschöpften Resilienz und dem Rückzug in die Krankenrolle
.
Der Beschwerde
führer stabilisiere s
einen Selbstwert über ein Opferkonstrukt. Er sehe sich als Teil einer verfolgten Minderheit
(S. 47
Ziff.
7.2 oben).
Theoretisch sei es möglich, die negativen Erfah
rungen zu korrigieren über eine intensivierte störungsspezifische Therapie der Persönlichkeitsstörung
und
dem Beschwerdeführer
so zu helfen, aus eigener Kraft zur Erfüllung seiner zentralen Bedürfnisse zu kommen
.
Er
könnte
konkret an ambulanten therapeutischen Einzel- und Gruppenangeboten teilneh
men
. In diesen Gefässen könnte er soziale Fertigkeiten verbessern und
Freund
schaften,
Hobbies
und eventuell eine Paarbeziehung
entwickeln. Auf dieser Basis liesse sich schrittweise über eine Arbeitstätigk
eit im geschützten Rahmen, ein
Supported
Employmenet
und ein Jobcoaching im freien Arbeitsmarkt eine voll
schichte Arbeitsfähigkeit erreichen. Der Beschwerdeführer selber sehe dies anders. Für ihn sei jeder der Schritte eine Bedrohung mit dem Risiko einer Wiederholung
früherer Abwertungs- und Ausgrenzungserfahrungen, die er auf jeden Fall ver
meiden wolle (S. 47
Ziff.
7.2 unten). Falls
er sich
auf die skizzierte Therapie einlassen könne, sei mittelfristig wieder eine volle Arbeitsfähigkeit möglich. Andernfalls verbleibe er im ungünstigsten Fall lebenslang in der Krankenrolle (S.
48
Ziff.
7.2). Das Aktivitätsniveau sei seit Anfang 2018 in den unterschied
lichen Lebensbe
reichen vergleichbar eingeschränkt (S. 48
Ziff.
7.3.1). Innerhalb der derzeitigen Nische des Beschwerdeführers sei der Leidensdruck erheblich redu
ziert. Er sei nur insofern an Therapien interessiert, als sie seine Krankenrolle legitimierten und in seinem Lebensstil stützten. Dazu genüge eine Sitzung pro Monat und ein Thera
peut, der im Wesentlichen bestätigte und unterstütze. Der Beschwerdeführer scheine diese Art Therapie auch wahrzunehmen. Für einen schritt
weisen expo
nierenden Therapieansatz dürfte
er schwerlich zu gewinnen sein. Die geklagten Symptome und Funktionseinbussen seien konsistent und plau
sibel. Die Unter
suchungsergebnisse seien valide und nachvollziehbar (S. 48
Ziff.
7.3.2 und 7.3.3).
Der Beschwerdeführer habe trotz geringer Ausgangsressourcen, vieler schulischer Rückschläge und Widrigkeiten und zahlreicher negativer zwischenmenschlicher Erfahrungen eine
Berufsl
ehre abschliessen und die Fahrprüfung absolvieren können. Weiter habe er sich auch beruflich einige Jahre durchgekämpft. Mit der Dekompensation Anfang 2018 sei seine Resilienz aber offenbar erschöpft gewe
sen und er habe sich in eine Krankenrolle zurückgezogen. Seit April 2020 lebe er in einer relativ stabilen Nische unter minimalen externen Anforderungen (S. 48 f.
Ziff.
7.4.1). Es liege eine Persönlichkeitsstörung vor. Bei Krisen aufgrund per
sönlichkeitsbezogener ungünstiger Strategien und Verhaltensweisen könnten sich vorübergehend
komorbide
depressive Episoden entwickeln. Dies sei aktuell nicht der Fall (S. 49
Ziff.
7.4.2). Der Beschwerdeführer sei zu einer wirksamen Therapie nicht bereit. Dies sei teilweise krankheitsbedingt, teils dem Krankheitsgewinn und motivationalen Faktoren geschuldet. Eine exakte Abgrenzung sei methodisch nicht möglich (S. 49
Ziff.
7.4.3). Das ängstliche Vermeidungsverhalten betreffe aktuell noch alle Lebensbereiche. Der Beschwerdeführer sei grundsätzlich leis
t
ungsfähig. Er könne Autofahren und
m
ache Spaziergänge mit dem Hund. Weiter
seien die
Performance im Gutachte
n,
Einkäufe mit der Vermieterin etc.
zu erwäh
nen
(S. 50).
Die in der Exploration zu beobachtende Performance sei relativ normal und lasse keine Rückschlüsse auf eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit zu. Im Alltag grenze sich der Beschwerdeführer von Anforderungen ab beziehungsweise delegiere er diese an den Vater oder wenn möglich an seine Vermieterin (S. 51
Ziff.
8.1 oben). Er habe eine Beruf
slehre als
Recyc
list
absolviert und danach als Pizza-Ausfahrer, hausierender Messerschleifer und selbständiger Schrottver
käufer und -händler gearbeitet. Angestammt sei die Tätigkeit als
Recyclist
. Der Beschwerdeführer könne sich eine Rückkehr in diesen Arbeitsbereich nicht vor
stellen. Er fürchte sich vor erneuten Erfahrungen von Überforderung und Insuf
fizienzerleben und vor Ausgrenzung und Bloss
stellung. Seine Ängste seien hier krankhaft übersteigert und zeigten ein Ausmass, bei welchem eine ad hoc Über
windung wahrsc
heinlich nicht möglich sei (S. 5
1
Ziff.
8.2). Für die bisherige Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 0
%
(S. 52
Ziff.
8.2). Für eine optimal angepasste Tätigkeit kämen nur solche Tätigkeiten in Frage, die der Beschwerde
führer alleine zu Hause durchführen könne. Denkbar
sei
eine Tätigkeit als Messer
schleifer. Vermutlich würde er jemanden brauchen, der ihm Aufträge akquiriere und die Messer abhole und bringe. Allenfalls würde er einen Ausbildungskurs zum Messerschleifen benötigen. Mit der Idee als Messerschleifer sei ein Arbeits
pensum von acht Stunden täglich medizinisch möglich (S. 52
Ziff.
8.3 oben). Der Gutachter wisse nicht, ob die beschriebene häusliche Tätigkeit im freien Arbeits
markt verwirklichbar sei und ob der Beschwerdeführer tatsächlich handwerklich in der Lage sei, Messer zu schleifen. Insofern b
estehe
eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
(S. 52
Ziff.
8.3 unten). Es werde ein therapeutisches Vorgehen über drei Jahre empfohlen. Zunächst solle eine Intensivierung der Therapie mit wöchent
lichen Therapiegesprächen erfolgen
ergänzt durch emotionale Therapieansätze
.
Im zweiten Jahr sollte eine Verlagerung der Therapie in Gruppensettings erfolgen.
Im dritten Jahr werde von einer Arbeitstätigkeit im geschützten Rahmen ausge
gangen mit anschliessend
Supportet
Employment
. Gegen Ende
des dritten Jahres sei eine Arbeitsstelle im freien Arbeitsmarkt möglich mit Begleitung und Unter
stützung durch ein Jobcoaching während eines halben Jahres. Am Ende eines dreijährigen Reha-Prozesses sollte wieder eine volle Arbeitsfähigkeit erre
icht werden (S. 52 f.
Ziff.
8.4). Die aktuelle Arbeitsunfähigkeit sei vor allem auf ein psychisches Leiden mit Krankheitswert zurückzuführen. Dieses sei theoretisch behan
delbar. Einer wirksamen Behandlung stünden jedoch psychosoziale Fak
toren entgegen (S. 53
Ziff.
8.5).
3.5
Dr.
A._
nahm am 3
0.
September 2020 (
Urk.
7/51 S. 2 ff.) Stellung zum psychiatrischen Gutachten vom 2
9.
September 202
0.
Sie
führte aus, als
Diagnose bestehe eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung bei unreifen und halt
losen Zügen und komplexer Traumatisierung (S. 2 unten).
Gemäss dem Gutachten
kämen
Tätigkeiten
in Frage
, die der Beschwerdeführer alleine zu Hause durch
führen könne. Denkbar sei eine Tätigkeit als Messerschleifer
ohne Akquise und Kundenkontakt
. In der bisherigen Tätigkeit bestehe seit Anfang 2018 eine Arbeits
unfähigkeit von 100
%
. In einer angepassten Tätigkeit bestehe seit der Begutachtung eine Arbeitsunfähigkeit von 0
%
(S. 3 Mitte).
Gemäss der Einschätzung des Gutachters sei es
theoretisch möglich, den Gesund
heitszustand über eine intensivierte störungsspezifische Therapie der Persönlich
keitsstörung und durch
eine
parallele soziale Exposition zu verbessern. Der Beschwerdeführer zeige bisher aber keine Motivation für eine Veränderung, die man therapeutisch für exponierende Schritte nutzen könnte. Dies sei teilweise krankheitsbedingt, teilweise dem Krankheitsgewinn und motivationalen Faktoren geschuldet. Wenn der Beschwerdeführer sich auf eine Therapie einlassen könne, sei medizinisch-theoretisch mittelfristig wieder eine volle Arbeitsfähigkeit für alle Tätigkeiten möglich (S. 3 unten). Es bestehe ein Krankheitsgewinn, der sich
in einer
Tendenz zur Aggravation, starker Verdeutlichung von Beschwerden und gleichzeitiger Abwertung seiner Ressourcen zeige.
Dies
stelle ein starkes Hinder
nis für eine Reintegration
dar
(S. 4 unten). Auf das Gutachten vom 2
9.
September 2020 könne abgestellt werden (S. 4 unten).
3.6
Gutachter
Dr.
B._
antwortete am 1
2.
Dezember 2020 (
Urk.
7/49) auf
die
Rück
fragen der Beschwerdegegnerin vom 2
4.
November 2020 (
Urk.
7/48).
Auf
die Frage,
ob
dem Beschwerdeführer
eine Tätigkeit in einer reizarmen Umgebung
und
mit möglichst wenig sozialen
Kontakten zu 100
% möglich sei
, antwortete
Dr.
B._
, kleine Schritte der Annäherung könnten unter guten Voraussetzun
gen gelingen. Das Hauptproblem sei, wie
im Gutachten
beschrieben, dass der Beschwerdeführer erneute Erfahrungen von Überforderung und
einem
Insuffi
zienzerleben befürchte. Wenn man ihm mitteile, dass er in einer angepassten Tätigkeit ab sofort zu 100
%
arbeitsfähig sei, werde er das krankheitsbedingt nicht umsetzen können. Er hätte zu v
iel Angst, wieder zu scheitern und
ausgegrenzt und blossgestellt zu werden
. Deshalb benötige er einen unterstützenden Prozess der Auseinandersetzung und Annäherung
(S. 1 f.
Ziff.
1).
Das Mini-ICF-APP sei hilfreich für die konkrete Beschreibung von Fähigkeiten und Defiziten
. Zudem bilde sie die Performance ab
.
Der Gutachter habe anhand direkter Beobachtung, aufgrund
von Informationen in den Akten und
direkten
und indirekten Hinweise
n
aus den Schilderungen des Exploranden beschrieben, was
diesem
aktuell möglich sei und was nicht. Auf dieser Ebene sei die Darstel
lung
mittels
Mini-ICF-APP valide. Hingegen s
e
i nicht erkennbar, wie die Perfor
mance aussehen würde, wenn der Beschwerdeführerin im Alltag mutiger wäre und Ängste überwinden würde
,
und ob ihm dies zumutbar sei
(S. 2
Ziff.
2).
Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit stütze sich auf die Annahme, dass der krank
heitswertige Anteil der Ängste nicht
ad hoc überwindbar und die Arbeitsfähigkeit deshalb eingeschränkt sei
(S. 2
Ziff.
3).
Der Leidensdruck sei deshalb niedrig, weil sich der Beschwerdeführer durch den Rückzug in die Krankenrolle den Anforde
rungen des Lebens weitgehend entziehen könne. Er schränke sich aber auch in
potentiell angenehmen Lebensbereichen ein. Grundsätzlich könne schon ein Leiden mit einem Leidensdruck angenommen werden (S. 3
Ziff.
3).
Der Guta
chter antwortete auf die Frage zur Möglichkeit
einer stationären Thera
pie, der potentielle Nutzen einer stationären Massnahme liege in einer durch
greifenden
Verb
esserung des Befindens durch die erfolgreiche Bearbeitung und Veränderung dysfunktionaler intrapsychischer und interpersoneller Strategien. Damit würde sich auch die Arbeitsfähigkeit verbessern. Der Vorteil läge im Zeit
gewinn. Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung sei auch in der Variante einer stationären Therapie die Motivation des Exploranden. Diese sei durch krank
heitswertige Faktoren wie der Angst vor erneuter Abwertung eingeschränkt. Der potentielle Schaden liege in einem erneuten Scheitern mit der Bestätigung des nega
tiven Konzepts des Exploranden im Sinne einer
Chronifizierung
. Das Risiko eines Scheiterns sei bei der Variante einer stationären Therapie höher als bei der ambulanten Variante, da bei letzterer die Anforderungen in sehr kleinen Schritten erhöht werden könnten
. Eine stationäre Massnahme sei medizinisch sinnvoll, wenn
sie so vermittelt werden könne
, dass der Beschwerdeführer vom potentiellen Nutzen der Massnahme überzeugt sei. Eine Therapie gegen den Willen des Patienten sei selten erfolgreich (S. 3
Ziff.
4).
4.
4.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
4.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
4.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest)
überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Januar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
4.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im
Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
4.5
Der Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes gemäss Art. 16 ATSG ist ein theoretischer und abstrakter Begriff, welcher die konkrete Arbeitsmarktlage nicht berücksichtigt und dazu dient, den Leistungsbereich der Invalidenversicherung von jenem der Arbeitslosenversicherung abzugrenzen (BGE 134 V 64 E. 4.2.1, BGE 110 V 273 E. 4b; vgl. auch BGE 141 V 351 E. 5.2, 141 V 343 E. 5.2). Er umschliesst einerseits ein gewisses Gleichgewicht zwischen dem Angebot von und der Nachfrage nach Stellen; anderseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der
von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offenhält, und
zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektu
ellen
Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes (BGE 110 V 273 E. 4b; ZAK 1991 S. 320 f. E. 3b; Urteile des Bundesgerichts 9C_830/2007 vom 29. Juli 2008 E. 5.1 und 9C_192/2014 vom 23. September 2014 E. 3.1, je mit Hinweisen). Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob die versicherte Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbs
fähigkeit zu verwerten, und ob sie ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen vermag oder nicht (BGE 110 V 273 E. 4b; Meyer/
Reichmuth
, Bundes
gesetz über die Invalidenversicherung, 3. Aufl
age
2014,
R
n
131 zu Art. 28a).
5.
5.1
Dr.
Z._
nannte in den Berichten vom
5.
September 2018 und vom 2
6.
März 2019 als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen
. Er attestierte eine Arbeits
unfähigkeit von 100
%
(E. 3.1 und 3.2).
Gutachter
Dr.
B._
nannte
dagegen
als Diagnose eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung mit unreifen und haltlosen Zügen bei komplexer Trauma
tisierung.
Eine depressive
Störung
oder
ein
ADHS konnte
der Gutachter
nicht bestätigen
(E. 3.4.3 hiervor).
Dr.
B._
attestierte für die angestammte Tätigkeit als
Recyclist
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
.
Für eine
angepasste Tätigkeit
sei
erforderlich
, dass der Beschwerdeführer diese alleine zu Hause durchführen könne. Als Beispiel
gab
er
die Tätigkeit als
Messerschleifer
an
, wobei der Beschwerdeführer
jemanden benötige
, der Aufträge akquiriere und die Messer abhole und zurückbringe.
Für eine solche Tätigkeit attestierte
der Gutachter
eine Arbeitsfähigkeit von
100
%
(E. 3.4.
4
)
.
5.2
Das Gutachten vom 2
9.
September 2020
beruht auf den erforderlichen Untersu
chungen und e
rweist sich für die streitigen Belange als
umfassend
.
Es wurde zudem
in Kenntnis und Auseinanderse
tzung mit den
Vorakten
erstellt. Der
Gut
achter trug den geklagten Beschwerden
sodann
ausreichend Rechnung. Mit gewissen Einschränkungen kann dem Gutachten auch bezüglich der Darstellung der medizinischen Situation und der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit gefolgt werden
.
Das Gutachten ermöglicht
auch
die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens. Es erweist sich daher
grundsätzlich
als beweistauglich (vgl. E.
4.1).
5.3
Nachfolgend hat daher eine Prüfung der Standardindikatoren zu erfolgen.
Gemäss
Dr.
B._
ist der Beschwerdeführer
aufgrund einer ängstlich-vermei
denden Persönlichkeitsstörung im Alltag, seiner Lebensführung und der Arbeits
fähigkeit
(ohne Abgrenzung von Krankheitsgewinn und seiner Auswirkungen)
erheblich
einges
chränkt
(
vorstehend
E. 3.4.3). Die diagnoserelevanten Befunde erweisen sich somit
als
eher schwerwiegend
ausgeprägt
. Damit stimmt überein, dass für die angestammte Tätigkeit im Bereich Recycling eine Arbeitsunfähig
keit von 100
%
ausgewiesen ist (E. 3.4.4).
Zum Kriterium
«
Behandlungs- und Eingliederungserfolg
»
ist zu sagen, dass der Gutachter von einer guten Behandelbarkeit der Persönlichkeitsstörung ausging
(E. 3.4.4 hiervor)
.
Dabei kann vom
Beschwerdeführer eine Intensivierung der gegenwärtigen ambulanten Therapie
mit den
vom Gutachter aufgezeigten
Zwi
schen
s
chritten
erwartet werden
,
zumal der Gutachter keine objektiven dies
be
züglichen krankheitsbedingten Einschränkungen nannte, welche die Behand
lung und Behandelbarkeit
gänzlich
verunmöglichten
.
Zwar führte
Dr.
B._
aus, die Nichtbereitschaft des Beschwerdeführers, eine wirksame Therapie anzugehen, sei teilweise krankheitsbedingt, teils dem Krankheitsgewinn und motivationalen Faktoren geschuldet (
Urk.
7/45 S. 49
Ziff.
7.4.3). An anderer Stelle präzisierte
Dr.
B._
jedoch, das psychische Leiden sei theoretisch behandelbar, einer wirk
samen Behandlung stünden jedoch psychosoziale Faktoren (Krankheitsgewinn, motivationale Faktoren) entgegen. Ob es dem Versicherten zumutbar sei, sich trotz Krankheitsgewinn und Ängsten auf einen therapeutischen und beruflich
reintegrativen
Prozess einzulassen, müsse administrativ beurteilt werden (
Urk.
7/45
S. 53
Ziff.
8.5).
Dr.
B._
nannte somit
schlussendlich
einerseits aus
drücklich psychosoziale
und somit invalidenversicherungsrechtlich nicht beacht
liche
Umstände als
Faktoren
, welche
der
Behandlung
im Wege stehen
und über
liess andererseits die Beurteilung derselben dem Rechtsanwender. Dies lässt den Schluss zu, dass medizinisch-theoretisch keine relevanten krankheitsbedingten Einschränkungen der vorgeschlagenen Therapie
intensivierung entgegenstehen
, wobei
der Gutachter
insbesondere
auch eine stationäre Therapie als erfolgsver
sprechend
bezeichnete
(E 3.6)
.
In
einer
optimal
angepassten Tätigkeit
besteht
gemäss
Dr.
B._
zudem
bereits
heute
e
ine Arbeitsfähigkeit von 100
%
(E. 3.4.4 hiervor).
Die Schwere der diag
noserelevanten Befunde ist
daher durch
die Feststellung zu relativieren, dass dem Beschwerdeführer
eine behinderungsangepasste Tätigkeit zu 100
%
zugemutet werden kann.
Nach der Stellungnahme von
Dr.
B._
vom 1
2.
Dezember 2020 benötigt der Beschwerdeführer für die Umsetzung der Arbeitsfähigkeit eine ent
sprechende therapeutische Unterstützung (E. 3.6).
Davon abgesehen lässt sich
auch
für weitere Tätigkeiten
in absehbarer Zeit unter der Voraussetzung einer entsprechenden psychiatrischen Behandlung
eine volle Arbeitsfähigkeit
errei
chen.
Die
notwendigen
therapeutischen Schritte
zum Erreichen dieses Zieles
können
dem B
eschwerdeführer
grundsätzlich
zugemutet werden.
In diesem Zusammenhang ist
schliesslich
zu erwähnen, dass seit der Anmeldung im Juli 2018 (
Urk.
7/8) keine Eingliederungsbemühungen unternommen wurden (vgl. das Standortgespräch vom 1
7.
August 2018,
Urk.
7/10, und die Mitteilung vom 1
7.
August 2018, wonach keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien,
Urk.
7/12).
Anträge
auf Gewährung von Eingliederungsmassnahmen wurde
n
her
nach weder im Verfahren IV
.2019.00675
(vgl.
Urk.
7/22,
Urk.
7/28 S. 3-8
) noch im vorliegenden Verfahren gestellt
(vgl.
Urk.
7/56,
Urk.
1)
, womit
seitens des
Beschwerdeführers
nicht einmal versucht wurde – auch in einem allfälligen redu
zierten Ausmass -,
Eingliederung
sbemühungen zu tätigen
.
Die ablehnende Haltung der IV-Stelle mit Mitteilung vom 1
7.
August 2018 (
Urk.
7/12) ändert nichts daran, dass entsprechende Bemühungen hätten getätigt werden können.
Komorbiditäten sind keine bekannt und hinsichtlich des Komplexes «Persönlich
keit» führte
Dr.
B._
einerseits
aus, dass der Beschwerdeführer
nur über wenige Ressourcen
verfügt
(E. 3.4.3)
. Andererseits stellte
er eine starke Verdeutlichung der Defizite bei abschwächender Darstellung der Ressourcen und Fähigkeiten und eine mögliche Aggravation der Beschwerden zur Absicherung der Krankenrolle
dar
(S. 28 unten)
.
Damit liegen zwar eingeschränkte Ressourcen vor, jedoch nicht in einem ausgeprägten Ausmass.
Weiter bestehe
n
wenige
soziale Kontakte
,
wie zum Vater und seiner Vermieterin
.
Bei der
Prüfung der Konsistenz ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer
A
uto
fahren
kann.
Weiter geht er
mit dem Hund spazieren und
er
konnte
in der Ver
gangenheit eine Berufslehre
trotz widriger Umstände
abschliessen.
Dies lässt Rückschlüsse darauf zu, dass von einer höheren
Leistungsfähigkeit
auszugehen ist
, als wie sich der Beschwerdeführer
zu
r
Zeit
selber einschätzt
.
Der Gutachter wies in diesem Zusammenhang auf eine starke Verdeutlichung von Defiziten und eine mögliche Aggravation hin (E. 3.4.2 hiervor).
Im Weiteren hielt
Dr.
B._
fest, d
ie in der Exploration zu beobachtende Performance sei relativ normal
gewesen
und lasse keine Rückschlüsse auf eine Einschränkung der Leistungs
fähigkeit zu (
vgl. E. 3.4.4,
S. 51
Ziff.
8.1 oben).
5.4
Bei
den
erwähnten
Tätigkeit
en
als
Messerschleifer
oder Schrotthändler
handelt es sich
um
Arbeiten
, die der Beschwerdeführer
bereits
in der Vergangenheit ausge
übt hat
und die ihm daher
grundsätzlich
bekannt
und
zur Zeit
gemäss Gutachten mit Einschränkungen
(keine Akquise und kein Kundenkontakt)
zumutbar sind
. Daneben sind
weitere
Tätigkeiten
denkbar, die
er
selbständig zu Hause oder in einer
ausser Haus
eingerichteten Werkstatt verrichten könnte
, zumal
Dr.
B._
bezogen auf Arbeiten mit Altmaterialien
(Sortieren, Aufbereiten, Verkleinern,
Ver
wertbarmachen
,
Weiterverwenden)
keine konkret unzumutbaren Aspekte
nannte
.
Ausserdem ist, wie bereits erwähnt, eine Intensivierung der Therapien zumutbar, womit grundsätzlich eine weitere Palette an Arbeitsstellen zur Verfü
gung steht.
Nach Prüfung der Standardindikatoren besteht
somit zumindest
für eine behin
derungsangepasste Tätigkeit
eine
Arbeitsfähigkeit von 10
0
%
.
5.
5
Der Beschwerdeführer
kann
gemäss dem Gutachten
bereits heute
zusammen mit einem
Geschäftspartner
uneingeschränkt
als Schrotthändler oder als Messer
schleifer
arbeiten
. Es ist davon auszugehen, dass auf dem
ausgeglichenen Arbeits
markt
Arbeitsplätze vorhanden sind, die der Beschwerdeführer weitgehend alleine
verrichten kann.
Mit einer solchen Tätigkeit kann
er ein Einkommen wie
vor Beginn der Erkrankung im Herbst/Winter 2017 (vgl. E. 3.1)
und damit ein renten
ausschliessendes Einkommen
erzielen.
Eine Invalidität ist daher zu vernei
nen.
5.
6
Zusammenfassend
hat die Beschwerdegegnerin
bei
einer Arbeitsfähigkeit von 100
% in einer angepassten Tätigkeit einen Rentenanspruch zu Recht verneint. Die angefochtene Verfügung erweist sich somit als rechtens.
Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
Zu erwähnen ist indes, dass es dem
noch sehr jungen
Beschwerdeführer
frei
steht
, sich bei der IV-Stelle für Eingliederungsmassnahmen anzumelden
, zumal gemäss Gutachten zur Zeit Einschränkungen hinsichtlich der angestammten Tätigkeit bestehen
.
Dabei zeigt das
Gutachten auf, dass der Beschwerdeführer trotz widriger Umstände die Lehre als
Recyclist
abschloss, was ihm hoch anzurechnen ist. Auch empfiehlt der Gutachter eine Auseinandersetzung mit den negativen Erfahrun
gen
, welche zu einer
Korrektur
derselben
und schliesslich zur Erfüllung der zent
ralen Bedürfnisse des Beschwerdeführers führen können. Allenfalls können die der Invalidenversicherung zur Verfügung stehenden Massnahmen hierbei unter
stützend wirken.
6.
Die Voraussetzungen zur Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung sind vorliegend erfüllt.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vor
liegend sind die Kosten auf
Fr.
700.-- festzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozess
führung sind die Kosten jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.