Decision ID: 2ef2d08a-0078-5fe1-a01e-49a33bab0726
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X.Y. und Z.Y. sind verheiratet und wohnen in Buchs. Aufgrund seines
Arbeitsverhältnisses bei der Q. AG, Balzers (FL), war X.Y. bei der Stiftung "Sozialfonds,
Pensionskasse in Liechtenstein" (nachstehend: Stiftung Sozialfonds)
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vorsorgeversichert. Nachdem das Arbeitsverhältnis bei der Q. AG von der
Arbeitgeberin auf Ende Juli 2009 aufgelöst worden war, war X.Y. in der von ihm am 2.
März 2009 gegründeten A. GmbH mit Sitz in Buchs (act. G 6/2 Beilage 4) tätig. Am 1.
August 2009 liess er sich die bei der Stiftung Sozialfonds geäufnete
Freizügigkeitsleistung von Fr. 201'606.45 auszahlen (act. G 6/2 Beilage 6) und brachte
diesen Betrag in die A. GmbH ein. In der Steuererklärung für das Jahr 2009 deklarierte
das Ehepaar Y. ein steuerbares Einkommen von Fr. 97'312.-- und wies unter der
Rubrik "Kapitalleistungen aus Vorsorge" auf die Freizügigkeitsleistung von Fr.
201'606.-- hin (act. G 6/6 Beilage III/1). Am 9. Dezember 2010 erliess das kantonale
Steueramt gegenüber X.Y. und Z.Y. eine separate Veranlagung für Kapitalleistungen
und legte die Jahressteuer auf Fr. 2'914.20 (direkte Bundessteuer) fest (act. G 6/6
Beilage V/2). Diese Veranlagungsverfügung erwuchs in Rechtskraft.
Mit Verfügung vom 30. August 2011 wurde das Ehepaar Y. für die direkte
Bundessteuer 2009 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 286'000.-- veranlagt mit
der Begründung, dass es sich beim Betrag von Fr. 201'606.-- um eine Kapitalleistung
ohne Vorsorgecharakter gehandelt und ein Barauszahlungsgrund gemäss
schweizerischem Berufsvorsorgerecht dannzumal nicht vorgelegen habe. Die
Kapitalleistung sei mit dem übrigen Einkommen zum ordentlichen Satz zu versteuern.
Nach Rechtskraft dieser Veranlagung würden die am 8. Dezember 2010 erlassenen
Veranlagungsverfügungen (separate Jahressteuer) von Amtes wegen revisionsweise
aufgehoben (act. G 6/6 Beilage II/6, II/7). Die gegen diese Veranlagung erhobene
Einsprache wies das kantonale Steueramt mit Entscheid vom 18. Juni 2012 ab (act. G
6/2 Beilage 1).
B./ Die gegen diesen Einspracheentscheid erhobene Beschwerde (act. G 6/1) hiess die
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 11.
Dezember 2012 gut. Der Einspracheentscheid wurde aufgehoben und festgehalten,
dass der Beschwerdeführer für die direkte Bundessteuer 2009 mit einem steuerbaren
Einkommen von Fr. 84'400.-- veranlagt werde (act. G 2).
C./ Gegen diesen Entscheid erhob das Steueramt mit Eingabe vom 11. Januar 2013
Beschwerde mit dem Antrag, der Entscheid sei aufzuheben und der Einsprache-
Entscheid vom 11. Dezember 2012 zu bestätigen (act. G 1).
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In der Vernehmlassung vom 22. Januar 2013 beantragte die
Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) Abweisung der Beschwerde und verwies
zur Begründung auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids (act. G 5). Der
Rechtsvertreter der Beschwerdegegner beantragte in seiner Vernehmlassung vom 8.
Februar 2013 ebenfalls Abweisung der Beschwerde, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten des Beschwerdeführers (act. G 11). Die
Beschwerdebeteiligte stellte in der Vernehmlassung vom 27. Februar 2013 den Antrag
auf Gutheissung der Beschwerde und verwies zur Begründung auf die Darlegungen in
der Beschwerde (act. G 13). Von der ihm mit Schreiben vom 4. März 2013
eingeräumten Gelegenheit zu einer weiteren Stellungnahme machte der
Beschwerdeführer am 19. März 2013 Gebrauch (act. G 15).
Auf die Ausführungen der Parteien in den erwähnten Eingaben wird in der
nachstehenden Urteilsbegründung eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Streitig ist, ob die am 1. August 2009 dem Beschwerdegegner in Kapitalform
ausbezahlten Mittel aus der liechtensteinischen Stiftung Sozialfonds zusammen mit
den übrigen Einkünften oder im Rahmen einer separaten Veranlagung zum
Vorsorgesatz zu besteuern sind. Zu prüfen ist mithin, ob ein Anlass vorliegt, die in
Rechtskraft erwachsene Veranlagung einer separaten Jahressteuer vom 9. Dezember
2010 zu revidieren und das im August 2009 ausbezahlte Vorsorgekapital im Rahmen
der ordentlichen Veranlagung für 2009 als Einkommen zu berücksichtigen. Eine
Revision ist nach dem Wortlaut von Art. 147 DBG nur zugunsten der steuerpflichtigen
Person möglich. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung lässt jedoch eine Revision
ausnahmsweise auch zulasten der steuerpflichtigen Person zu, wenn ein
offensichtliches Versehen der Steuerbehörde bei der ursprünglichen Veranlagung
vorliegt, so dass die Berufung auf die Rechtsbeständigkeit der Verfügung als
rechtsmissbräuchlich erschiene (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum
DBG, 2. A., N. 1 zu Art. 147 DBG mit Hinweisen). Zu klären ist somit nachstehend,
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inwiefern ein offensichtliches Versehen der Steuerbehörde im erwähnten Sinn als
dargetan gelten kann.
2.1. Nach dem Recht der direkten Bundessteuer sind unter anderem steuerbar "alle
Einkünfte (...) aus Einrichtungen der beruflichen Vorsorge und aus anerkannten Formen
der gebundenen Selbstvorsorge, mit Einschluss der Kapitalabfindungen und
Rückzahlungen von Einlagen, Prämien und Beiträgen" (Art. 22 Abs. 1 DBG). Werden
solche Leistungen als Kapitalleistungen ausbezahlt, sind sie gemäss Art. 38 DBG mit
der Jahressteuer getrennt vom übrigen Einkommen zu erfassen (Abs. 1). Es handelt
sich um eine privilegierte Besteuerung, da die Steuer lediglich zu einem Fünftel des
Tarifs nach Art. 36 DBG berechnet wird (Abs. 2) und ausserdem die
Progressionswirkung des übrigen Einkommens nicht zum Tragen kommt. Unter Art. 38
DBG fallen nach einhelliger Doktrin alle Kapitalleistungen aus Vorsorge, namentlich aus
der 2. Säule und der Säule 3a. Die Sonderbesteuerung kommt auch dann zur
Anwendung, wenn die Kapitalleistung aus der 2. Säule im Rahmen der
Wohneigentumsförderung zum Erwerb von Wohneigentum verwendet wird (Peter
Locher, Kommentar zum DBG, I. Teil, 2001, N. 6 zu Art. 38 DBG) oder als
Freizügigkeitsleistung im Hinblick auf die Aufnahme einer selbständigen
Erwerbstätigkeit ausbezahlt wird. Nach einem Teil der Lehre kommt es dabei nicht
darauf an, ob die Kapitalleistung rechtmässig bezogen und bestimmungsgemäss
verwendet wird. Da nach dem Wortlaut von Art. 38 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1
DBG die privilegierte Besteuerung - im Gegensatz zu einzelnen kantonalen Vorschriften
- nicht auf die "gesetzlichen oder reglementarischen" Leistungen beschränkt sei,
komme sie auch bei reglements- oder gesetzeswidrig ausbezahlten Kapitalleistungen
zur Anwendung (so namentlich Maute/Steiner/Rufener/Lang, Steuern und
Versicherungen, 3. A. 2011, 199; vgl. auch Locher, a.a.O.; Richner/Frei/Kaufmann/
Meuter, a.a.O., N. 12 zu Art. 38 DBG mit weiteren Hinweisen). Das gilt nach einem Teil
der Lehre namentlich auch für eine Austrittsleistung im Sinne von Art. 5 FZG, die vom
Versicherten für die Gründung einer Aktiengesellschaft, von der er sich anstellen lässt,
verwendet wird. Auch eine solche Leistung wäre nach Art. 38 DBG privilegiert zu
besteuern. Eine "Strafaktion" bei unrechtmässigem Bezug, etwa durch Besteuerung
der Leistung zusammen mit dem übrigen Einkommen und zum ordentlichen
Einkommenssteuertarif, wäre unzulässig (Agner/Digeroni-mo/Neuhaus/Steinmann,
Kommentar zum Gesetz über die direkte Bundessteuer, Ergänzungsband 2000, N. 1a
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[2. Absatz] zu Art. 38). Auch nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts können
Leistungen einer Vorsorgeeinrichtung, die unter Verletzung von reglementarischen oder
vorsorgerechtlichen Bestimmungen bezogen worden sind, grundsätzlich ihren
Vorsorgecharakter bewahren. Reglements- oder gesetzeswidrige Vorsorgeleistungen,
die rechtsmissbräuchlich in der Absicht, Steuern zu sparen, in Anspruch genommen
werden, dürften indes steuerlich nicht als Vorsorgeleistungen privilegiert besteuert
werden. Es könne nicht Aufgabe des Steuerrechts sein, ein den Zweck der Vorsorge
gefährdendes Verhalten zu unterstützen und rechtswidrig bezogene Leistungen aus
Vorsorgeeinrichtungen steuerlich zu begünstigen. Kapitalleistungen könnten danach
nicht als Leistungen aus Vorsorge qualifiziert werden, wenn sie genau die dafür
aufgestellten Vorschriften missachten (BGer 2C_156/2010 vom 7. Juni 2010, E. 4.2).
Die Verweisung in Art. 38 auf Art. 22 DBG ("Einkünfte aus ... Einrichtungen der
beruflichen Vorsorge") könne nicht so verstanden werden, dass auch eine von
vornherein rechtswidrig bezogene Kapitalleistung aus einer Vorsorgeeinrichtung
steuerlich privilegiert behandelt werden müsste. Nicht der Vorsorge dienen würden
Barauszahlungen (Kapitalleistungen), wenn ein Barauszahlungsgrund von Anfang an
nicht gegeben sei oder wenn die Barauszahlung gar nicht zweckentsprechend
verwendet werde. In diesem Fall greife daher die ordentliche Besteuerung und sei die
Kapital- oder Barauszahlung zusammen mit dem übrigen Einkommen ordentlich zu
versteuern. Das gelte namentlich für den Barauszahlungsgrund der Aufnahme einer
selbständigen Erwerbstätigkeit (BGer 2C_156/2010 E. 4.3).
2.2. Gestützt auf Art. 22 Abs. 1 DBG werden auch Kapitalzahlungen aus ausländischen
Vorsorgeeinrichtungen besteuert (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N. 39 zu Art.
22 DBG). Die Steuerpflicht wird dabei durch das nationale (schweizerische) Steuerrecht
begründet (vgl. BGE 2C_851/2010 vom 1. Juli 2011, E. 3 mit Hinweisen). Art. 6 des
Abkommens zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und dem Fürstentum
Liechtenstein über verschiedene Steuerfragen vom 22. Juni 1995 (SR 0.672.951.43)
bestimmt in diesem Sinn, dass Kapitalleistungen aus Einrichtungen der beruflichen
Vorsorge im Wohnsitzstaat zu besteuern sind. Der Beschwerdeführer erfasste die
vorliegend in Frage stehende Kapitalleistung der liechtensteinischen Stiftung
Sozialfonds nachträglich als ordentliches Einkommen mit der Begründung, dass der
Barauszahlungsgrund gemäss Art. 5 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über die
Freizügigkeit in der beruflichen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (FZG; SR
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831.42) – Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit; keine weitere Unterstellung unter die
obligatorische berufliche Vorsorge – nicht bestanden habe (act. G 6/6 Beilage II/1). Die
Vorinstanz legte im angefochtenen Entscheid demgegenüber dar, dass die
Kapitalleistung im Einklang mit dem liechtensteinischen Vorsorgerecht ausgerichtet
worden sei und dieses mit Sinn und Zweck des schweizerischen Vorsorgerechts nicht
im Widerspruch stehe. Daher rechtfertige sich die Annahme einer zweckwidrigen
Ausrichtung einer Kapitalleistung nicht. Selbst wenn im Übrigen kein
Barauszahlungsgrund gemäss Gesetz, Statut oder Reglement vorliegen würde, wäre
die Leistung stets privilegiert mit einer Jahressteuer zu erfassen, es sei denn der
Vorsorgenehmer würde verpflichtet, die reglementswidrig ausgerichtete Leistung
zurückzuzahlen (act. G 2 S. 6). Der Beschwerdeführer wendet hiergegen im
vorliegenden Verfahren unter anderem ein, er sei berechtigt, die Vorfrage der
Rechtmässigkeit der Barauszahlung der Freizügigkeitsleistung selbst zu beurteilen. Die
Frage, wie ein Leistungszufluss aus dem Ausland steuerlich zu qualifizieren sei,
bestimme sich dabei ausschliesslich nach innerstaatlichem Recht, unter Vorbehalt des
abweichenden Staatsvertragsrechts. Die Annahme der Vorinstanz, dass bei einem
Leistungsfluss vom Ausland in die Schweiz das ausländische Vorsorgerecht
sachgemäss Anwendung finden solle, widerspreche dem Grundsatz der Territorialität
der Schweizer Rechtsordnung. Als Selbständigerwerbender im Sinn des
Freizügigkeitsgesetzes könne nur gelten, wer nach Aufnahme der selbständigen
Tätigkeit nicht mehr als Arbeitnehmer im Sinn des Berufsvorsorgerechts bzw. des AHV-
Rechts gelte. Dies sei bei der Gründung einer Einmann-GmbH mit Anstellung bei
derselben gerade nicht erfüllt. Zu beachten gelte es sodann die Regelung gemäss Art.
1 lit. c des Zweiten Zusatzabkommens zum Abkommen vom 8. März 1989 zwischen
der Schweizerischen Eidgenossenschaft und dem Fürstentum Liechtenstein über
soziale Sicherheit (SR 0.831.109.514.1; nachstehend als Zusatzabkommen bezeichnet).
Gemäss dieser Bestimmung hätte keine Barauszahlung erfolgen dürfen, sondern das
Vorsorgekapital hätte an die zuständige schweizerische Vorsorgeeinrichtung
überwiesen werden müssen. Da für die vorliegend erfolgte Kapitalleistung kein
Barauszahlungsgrund bestanden habe, fehle ihr der Vorsorgecharakter und die
Leistung sei im Steuerjahr 2009 zusammen mit dem übrigen Einkommen zum
ordentlichen Satz zu besteuern (act. G 1 S. 3-5). Die Beschwerdebeteiligte schloss sich
in der Eingabe vom 27. Februar 2013 dem Standpunkt des Beschwerdeführers an bzw.
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verwies auf dessen Darlegungen (act. G 13). Die Beschwerdegegner lassen
demgegenüber unter anderem festhalten, es habe nach liechtensteinischem Recht ein
Barauszahlungsgrund vorgelegen, weil der Beschwerdegegner nach
liechtensteinischem Recht nicht mehr dem Versicherungsobligatorium unterstehe. Art.
22 DBG unterscheide nicht zwischen Leistungen, welche zu Recht bzw. zu Unrecht
ausbezahlt worden seien. Massgebend für die privilegierte Besteuerung sei einzig die
Quelle (vgl. Art. 22 Abs. 1 und Art. 38 Abs. 1 DBG). Selbst wenn davon ausgegangen
würde, die von der Vorinstanz angeführte Begründung sei rechtlich nicht haltbar, sei
die Beschwerde abzuweisen, da eine rechtskräftige begünstigende Verfügung nicht
zum Nachteil der Beschwerdegegner abgeändert werden dürfe. Der
Beschwerdegegner habe nie behauptet, er habe in der Schweiz eine selbständige
Erwerbstätigkeit aufgenommen. Der Beschwerdeführer habe von sich aus, ohne
Rückfrage beim Beschwerdegegner, auf die Aufnahme einer selbständigen
Erwerbstätigkeit geschlossen. Ebenso habe der Beschwerdeführer aus eigenem
Antrieb die Kapitalleistung mit einer separaten Jahressteuer veranlagt. Der
Beschwerdegegner habe sich nicht veranlasst gesehen, dies in Zweifel zu ziehen (act.
G 11).
2.3. Der Beschwerdegegner nahm ab August 2009 in seiner GmbH eine
unselbständigerwerbende Tätigkeit im Sinn des schweizerischen Berufsvorsorgerechts
auf bzw. war ab jenem Zeitpunkt Arbeitnehmer im Sinn von Art. 2 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge
(BVG; SR 841.40) bzw. des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung (AHVG; vgl. H.U. Stauffer, Berufliche Vorsorge, 2. A. 2012,
190). Dem in E. 2.1. erwähnten Bundesgerichtsentscheid 2C_156/2010 lag als
Sachverhalt zugrunde, dass der dortige Beschwerdeführer die Kapitalleistung einer
schweizerischen Vorsorgeeinrichtung (2. Säule) zur Gründung einer Aktiengesellschaft
verwendete und auf diese Weise das Kapital der obligatorischen (schweizerischen)
beruflichen Vorsorge, welcher er weiterhin unterstellt war, entzog (BGer 2C_156/2010
E. 5.1). Eine Barauszahlung hätte hier gar nicht erfolgen dürfen, weil der
Barauszahlungsgrund gemäss Art. 5 Abs. 1 lit. b FZG) - Aufnahme einer selbständigen
Tätigkeit - nicht erfüllt war. Auch im vorliegenden Fall nahm der Beschwerdeführer
formell gesehen keine selbständige Erwerbstätigkeit auf, als er die Kapitalleistung aus
der liechteinsteinischen beruflichen Vorsorge in seine schweizerische GmbH
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einbrachte. Eine Rückführung der Gelder in die obligatorische berufliche Vorsorge war
offenbar nicht mehr möglich bzw. stand für ihn nicht zur Diskussion (vgl. act. G 6/6
Beilage IV/8 S. 1 Mitte). Im Unterschied zum Sachverhalt gemäss dem erwähnten
Bundesgerichtsentscheid 2C_156/2010 erfolgte jedoch die Barauszahlung durch die
liechtensteinische Stiftung, wie nachstehend zu zeigen sein wird, im Einklang mit den
anwendbaren liechtensteinischen Normen. Art. 12 Abs. 4 des Gesetzes über die
betriebliche Personalvorsorge (BPVG; liechtensteinisches Landesgesetzblatt Jahrgang
1988 Nr. 12 [LR 831.40]) sieht vor, dass die Freizügigkeitsleistung bar ausbezahlt wird,
wenn der Arbeitnehmer eine selbständige Tätigkeit aufnimmt. Das BPVG – und dies
erscheint als gesetzessystematischer Gesichtspunkt von erheblicher Bedeutung –
statuiert für Arbeitnehmer von juristischen Personen, die daran massgebend beteiligt
sind und Arbeitgeberfunktionen ausüben, keine Beitrittspflicht zur obligatorischen
Versicherung (Art. 3 Abs. 3 lit. c BPVG). Das liechtensteinische Recht behandelt die
erwähnten Personen somit gleich wie diejenigen, welche im Hauptberuf eine
selbständige Erwerbstätigkeit ausüben (vgl. Art. 3 Abs. 3 lit. b BPVG). Im Sinn dieser
gesetzlichen Grundlagen vermerkte auch die Wegleitung der Finanzmarktaufsicht
Liechtenstein "Barauszahlung der Freizügigkeitsleistung in der betrieblichen
Personalvorsorge" vom 2. August 2008, dass eine selbständige Erwerbstätigkeit auch
in einer leitenden Funktion in einer AG, an deren Kapital die betreffende Person
beteiligt sei und wo sie Arbeitgeberfunktionen ausübe, bestehen könne (act. G 6/2
Beilage 5 S. 2 unten). Der Begriff der selbständigerwerbenden, von der obligatorischen
Versicherung ausgenommenen Personen, wird also schon im BPVG selbst (und damit
nicht erst von der Verwaltungspraxis bzw. der erwähnten Wegleitung) weit definiert in
dem Sinn, als auch Arbeitnehmer von juristischen Personen mit massgeblicher
Beteiligung und Arbeitgeberfunktion darunter fallen. Da letztere nicht dem
Versicherungsobligatorium (Vorsorge) unterstehen (vgl. Art. 3 Abs. 3 lit. c BPVG),
können sie das (freiwillige) Vorsorgeverhältnis jederzeit auflösen und die Barauszahlung
der Vorsorgemittel verlangen. Dies im Unterschied zum schweizerischen Recht, wo
eine Unterscheidung im erwähnten Sinn bzw. Ausnahme von der obligatorischen
Versicherung für Unselbständigerwerbende, welche an einer juristischen Person
massgeblich beteiligt und dort beschäftigt sind, nicht getroffen wurde (vgl. Art. 2 BVG
in Verbindung mit Art. 1j der Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen-
und Invalidenvorsorge, BVV2, SR 831.441.1). Auch die schweizerische Rechtsprechung
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hat sich entsprechenden Differenzierungen verschlossen und jeweils auf die AHV-
rechtliche Betrachtungsweise verwiesen (Stauffer, a.a.O., 190 N. 534, 535).
2.4. Auf die vorliegend zur Diskussion stehende Barauszahlung, d.h. auf den durch die
liechtensteinische Stiftung Sozialfonds vorgenommenen Auszahlungsvorgang vom 1.
August 2009 (act. G 6/2 Beilage 6) als solchen, kam das schweizerische
Berufsvorsorgerecht und damit Art. 5 Abs. 1 lit. b FZG nicht zur Anwendung. Die für die
Auszahlung zuständigen (liechtensteinisches Recht anwendenden) Stiftungsorgane
konnten diese (schweizerische) Norm dementsprechend auch nicht verletzen. In
diesem Sinn wird auch in Art. 1 lit. c des Zusatzabkommens festgehalten, dass
Überweisungen von Austrittsleistungen von einer liechtensteinischen zu einer
schweizerischen Vorsorgeeinrichtung nach Massgabe des liechtensteinischen Rechts
zu erfolgen haben, als wäre die Leistungsempfängerin eine liechtensteinische
Vorsorgeeinrichtung. Die Verwendung der überwiesenen Leistung hat demgegenüber
so zu erfolgen, als wäre die Leistung eine solche des schweizerischen FZG. Diese
Regelung soll gewährleisten, dass jedes Land sein eigenes Berufsvorsorgerecht
anwenden kann, womit sich Anpassungen des nationalen Rechts erübrigen (vgl.
Botschaft betreffend das zweite Zusatzabkommen zum Abkommen zwischen der
Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein über Soziale Sicherheit vom 17. Oktober
2001, BBl 2001, S. 6261). – Das schweizerische FZG, auf welches Art. 1 lit. c des
Zusatzabkommens verweist, regelt die Ansprüche von versicherten Personen im
Freizügigkeitsfall (Art. 1 Abs. 1 FZG). Vorliegend war jedoch der Freizügigkeitsfall
bereits mit der durch die liechtensteinischen Stiftungsorgane gestützt auf
liechtensteinisches Vorsorgerecht vollzogenen Kapitalbarauszahlung abgeschlossen.
Im Nachgang zur Auszahlung durch die liechtensteinische Vorsorgestiftung stand somit
die Anwendung schweizerischen Berufsvorsorgerechts bzw. des FZG im Sinn der
vorerwähnten Bestimmung des Zusatzabkommens insofern nicht zur Diskussion, als
die Verwendung des dem Beschwerdegegner bar ausbezahlten Kapitals in seiner
GmbH nicht Regelungsgegenstand des FZG bildet. Eine Überweisung des Kapitals an
eine schweizerische Vorsorgeeinrichtung, wie sie die Anwendbarkeit des erwähnten
Zusatzabkommens voraussetzt (vgl. Botschaft, a.a.O., BBl 2001, S. 6261 Mitte), hatte
nicht stattgefunden.
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Wenn - wie vorliegend - eine Kapitalauszahlung im Auszahlungszeitpunkt nach den
einschlägigen liechtensteinischen Rechtsnormen zulässig war (vgl. vorstehende E. 2.3),
so kann sich die (rein hypothetische) Frage, ob auch nach schweizerischem
Berufsvorsorgerecht ein Barauszahlungsgrund vorgelegen hätte, nicht mehr stellen. Bei
Art. 12 Abs. 4 BVPV und Art. 5 Abs. 1 lit. b BVG handelt es sich um "Parallelnormen" in
dem Sinn, als sie (für zwei Länder) den gleichen Lebenssachverhalt regeln. Ziel des
erwähnten Zusatzabkommens kann es in diesem Kontext offensichtlich nicht sein, die
schweizerische Norm, welche inhaltlich von der liechtensteinischen Regelung
abweicht, auf denselben Sachverhalt, wie er bereits gestützt auf liechtensteinisches
Recht beurteilt worden war, "nochmals" zur Anwendung zu bringen und so
Widersprüche bzw. Unvereinbarkeiten zu verursachen. Dieses Problem hat
zwischenzeitlich auch die liechtensteinische FMA erkannt, indem in Ziff. 2.3 der
Wegleitung "Barauszahlung der Freizügigkeitsleistung in der betrieblichen
Personalvorsorge" vom März 2012 festgehalten wird, dass bei Aufnahme einer
selbständigen Erwerbstätigkeit in der Schweiz eine Bestätigung der
Sozialversicherungsanstalt über die Erfassung als Selbständigerwerbender im
Haupterwerb benötigt werde. Die gesetzlichen Grundlagen (Art. 12 Abs. 4 und Art. 3
Abs. 3 lit. c BPVG) und damit auch der erweiterte Begriff des Selbständigerwerbenden
im liechtensteinischen Vorsorgerecht blieben allerdings unverändert. Der Umstand,
dass für die Besteuerung schweizerisches Steuerrecht zur Anwendung kommt, hat
sodann für sich allein nicht zur Folge, dass auf den Kapitalauszahlungsvorgang auch
schweizerisches Vorsorgerecht zur Anwendung gebracht und dessen Rechtmässigkeit
"nachträglich" nochmals geprüft werden könnte. Konkrete Gründe, aufgrund welcher
dem liechtensteinischen Vorsorgerecht mit Bezug auf die Annahme einer selbständigen
Erwerbstätigkeit die Anerkennung zu verweigern wäre, sind weder ersichtlich noch
werden solche vom Beschwerdeführer geltend gemacht.
2.5. In Frage stehen kann bei diesem Sachverhalt einzig noch, ob das Vorsorgekapital
im Nachgang zur rechtskonformen Auszahlung durch die liechtensteinische
Vorsorgeeinrichtung vom August 2009 weiterhin einen Vorsorgezweck erfüllte. Nach
der Rechtsprechung scheidet eine steuerliche Privilegierung (in Form einer separaten
Jahressteuer auf einer Kapitalauszahlung) aus, wenn eine Barauszahlung nicht einem
vorsorgerechtlich zulässigen Zweck zugeführt wird. Dies erweise sich als sachgerecht,
denn die rechtswidrige Verwendung einer Vorsorgeleistung solle steuerlich nicht noch
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prämiert werden (VerwGE B 2010/57 vom 18. Oktober 2011, E. 2.3, abrufbar unter
www.gerichte.sg.ch). Nach Lage der Akten des vorliegenden Falles kann ohne Weiteres
als erstellt gelten, dass der Beschwerdegegner das Vorsorgekapital nicht
"rechtsmissbräuchlich in der Absicht, Steuern zu sparen, in Anspruch" nahm (vgl. BGer
2C_156/2010 a.a.O., E. 4.2). Die Vorinstanz legte unter anderem dar, der
Beschwerdegegner habe den Schritt in die Selbständigkeit gewagt, nachdem ihm sein
liechtensteinischer Arbeitgeber gekündigt hatte. Seine Einschätzung, aufgrund seines
Alters keine neue Stelle zu finden, sei durchaus nachvollziehbar. Die wirtschaftlichen
Interessen des Beschwerdegegners und seiner Einpersonen-GmbH seien identisch. Er
übernehme folglich ein unternehmerisches Risiko, von dem seine künftige
wirtschaftliche Existenz und der weitere Aufbau seiner Altersvorsorge abhänge (act. G
2 S. 6). Es bestehen keine Anhaltspunkte, welche diese vorinstanzlichen Darlegungen
in Zweifel zu ziehen vermöchten. Die Schlussfolgerung, dass das vom
Beschwerdegegner in seine GmbH eingebrachte Vorsorgekapital weiterhin einem
Vorsorgezweck dient (act. 2 S. 6), lässt sich damit nicht beanstanden. Insbesondere
kann nicht zu Recht behauptet werden, ein Barauszahlungsgrund sei von Anfang an
nicht gegeben gewesen oder die Barauszahlung sei nicht zweckentsprechend
verwendet worden (vgl. BGer 2C_156/2010, E. 4.3). Beim gegebenen Sachverhalt fehlt
es mit Bezug auf die in Rechtskraft erwachsene Veranlagung einer separaten
Jahressteuer an einem Anlass für eine Nachsteuererhebung im Sinn von Art. 151 DBG,
zumal es gemäss Beschwerdevernehmlassung im vorinstanzlichen Verfahren vom 25.
September 2012 (act. G 6/5 Ziff. II) gar nicht um ein Nachsteuerverfahren geht. Eine
Revision im Sinn von Art. 147 DBG (selbst wenn diese entgegen dem Wortlaut auch
zuungunsten des Steuerpflichtigen zugelassen wird) scheidet schon deshalb aus, weil
ein offensichtliches Versehen der Steuerbehörde bei der ursprünglichen Veranlagung
nicht vorliegt (vgl. dazu vorne E. 2).
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom Staat
(Eidgenossenschaft) zu tragen (Art. 144 Abs. 1 und 145 Abs. 2 DBG). Vorliegend ist die
Eidgenössische Steuerverwaltung formell zwar "lediglich" Beschwerdebeteiligte (vgl.
dazu Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N. 6 zu Art. 144 DBG mit Hinweis auf
BGer vom 20. Juni 2002, StE 2002 B 26.27 Nr. 5). Inhaltlich hat sie jedoch insofern die
Stellung einer Verfahrenspartei inne, als dem kantonalen Steueramt ausschliesslich die
Aufgabe zukam, für sie als Rechtsvertretung zu fungieren und das
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Beschwerdeverfahren betreffend direkte Bundessteuern zu führen. Auf eine Anfechtung
des vorinstanzlichen Entscheids betreffend die kantonalen Steuern in gleicher Sache
hatte die kantonale Steuerverwaltung verzichtet. Es ging somit ausschliesslich um
finanzielle Interessen der Eidgenossenschaft. Überdies reichte die Eidgenössische
Steuerverwaltung eine ausführlich begründete eigene Vernehmlassung ein (act. G 13).
Eine Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf deren Erhebung wird nicht verzichtet (Art.
95 Abs. 3 VRP).
Die Beschwerdegegner haben Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung (Art.
145 in Verbindung mit Art. 144 Abs. 4 DBG). Die Höhe der Parteientschädigung wird
durch das kantonale Recht bestimmt (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 46 zu
Art. 144). Der Rechtsvertreter der Beschwerdegegner hat keine Kostennote eingereicht,
weshalb die Entschädigung ermessensweise festzusetzen ist (Art. 6 und 19 der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt HonO).
Eine Entschädigung von Fr. 2'000.-- zuzüglich Mehrwertsteuer erscheint angemessen
(Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO).