Decision ID: fbd2aad2-f98e-4d18-a541-b6fa09cacad4
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
H._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. rer. publ. Michael B. Graf, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
Zürich Versicherungs-Gesellschaft, Mythenquai 2, Postfach, 8002 Zürich,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a H._, geboren 1957, war als Betriebsmitarbeiter im A._ angestellt und dadurch
bei der Zürich Versicherungs-Gesellschaft (Zürich) obligatorisch gegen die Folgen von
Unfällen versichert (UV-act. z-1). Auf dem Arbeitsweg am 13. November 2001 fuhr ein
Personenwagen ins Heck des Fahrzeugs des Versicherten (UV-act. za-3). Nach ca.
einer Stunde legte der Versicherte die Arbeit wegen zunehmenden Nackenschmerzen
nieder und suchte seinen Hausarzt, Dr. med. B._, Facharzt FMH für
Allgemeinmedizin, auf. Dieser stellte eine Schonhaltung und Muskelverspannung im
Nacken und eine allseits schmerzhaft eingeschränkte Beweglichkeit, auf den
Röntgenbildern aber weder eine ossäre Läsion noch eine Subluxation fest, und
diagnostizierte eine Distorsion und Kontusion der Halswirbelsäule (HWS). Er schrieb
den Versicherten bis auf weiteres arbeitsunfähig (UV-act. zm-1). Im Zusatzfragebogen
bei HWS-Verletzungen beschrieb der Hausarzt für die Konsultation am Unfalltag auch
einen leichten Schwindel, eine zunehmende Benommenheit bzw. Verwirrtheit und eine
leichte Übelkeit (UV-act. zm-2). Die Zürich erbrachte die gesetzlichen Leistungen.
A.b Rechtsanwalt Michael B. Graf, den der Versicherte zwischenzeitlich mit der
Wahrung seiner Interessen beauftragt hatte, brachte der Unfallversicherung einen
weiteren Autounfall zwei Tage zuvor, am 11. November 2001, zur Kenntnis, bei dem
sich sein Mandant wahrscheinlich nicht verletzt habe (UV-act. z-8 und z-19).
Motorfahrzeug-Haftpflichtversicherung der jeweiligen Kollisionsgegner war in beiden
Fällen ebenfalls die Zürich.
A.c Nach einem gescheiterten Arbeitsversuch mit 100% Einsatz vom 11. bis
17. Februar 2002 arbeitete der Versicherte ab 18. Februar 2002 50% bzw. halbtags
und konnte die Arbeitsfähigkeit ab 3. Juni 2002 auf 75% und ab 24. Juni 2002 auf
100% steigern (UV-act. z-37, zm-7, zm-9). Vom 23. Januar bis 13. Februar 2003 weilte
er zur stationären Rehabilitation in der Klinik Valens (UV-act. zm-12). Im Sommer 2003
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überwies ihn der Hausarzt zur ambulanten manuellen und myofaszialen Behandlung an
Dr. med. D._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin mit Fähigkeitsausweis Manuelle
Medizin (SAMM). Dieser erreichte eine weitgehend freie Beweglichkeit der HWS,
schrieb den Versicherten ab 22. August 2003 für schwere Arbeiten zu 50%
arbeitsunfähig und verwendete sich für die Zuweisung von leichter Arbeit an seinen
Patienten (UV-act. zm-14 bis zm-16, z-59f.). Gemäss Auskunft der Arbeitgeberin
arbeitete der Versicherte bereits in der Abteilung mit den leichtesten Arbeiten, weshalb
die Zuweisung leichterer Arbeit nicht möglich sei (UV-act. z-63). Per 31. Juli 2004
wurde ihm die Arbeitsstelle gekündigt (UV-act. z-84). Er meldete seinen
Leistungsanspruch bei der Invalidenversicherung (IV) und bei der
Arbeitslosenversicherung an, nahm an einem Verzahnungsprogramm teil und bezog
neben den Taggeldern der Unfallversicherung auch solche der
Arbeitslosenversicherung (UV-act. z-81, z-86, z-92, z-97/1-8).
A.d Auf Veranlassung der Unfallversicherung wurde am 5. und 6. Dezember 2005 am
Zentrum für Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene AG, Zürich, die funktionelle
Leistungsfähigkeit des Versicherten evaluiert. Das entsprechende Gutachten datiert
vom 28. Februar 2006 und kam zum Schluss, die noch vorhandenen Beschwerden im
Sinn der cervikocephalen und vertebralen sowie thorakovertebralen Symptome seien
auf das Unfallereignis als alleinige Ursache zurückzuführen (UV-act. zm-21/2-20). Zur
Arbeitsfähigkeit des Versicherten hielten die Gutachter fest: "Aus rheumatologischer
Sicht ist dem Patienten eine körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit ganztags
zumutbar. Auf Grund der chronischen Schmerzentwicklung ist dem Patienten jedoch
die Möglichkeit von vermehrten Pausen zum Einnehmen von Entlastungsstellungen
zuzugestehen (1.5h/Tag). Es bestehen folgende Belastungslimiten: Heben Boden-
Taillenhöhe bis 15kg, Heben Horizontal bis 17.5kg, Heben Taillen-Kopfhöhe bis 10kg,
Arbeiten über Kopf maximal 1/3 eines Arbeitstages." Eine namhafte Besserung könne
durch eine gezielte physiotherapeutische Behandlung zur Verbesserung der
muskulären Stabilisationsfähigkeit der HWS erreicht werden, der Endzustand sei
demnach noch nicht erreicht (UV-act. zm-21/11-13). Die Gutachter vermerkten
gegenüber den Vorberichten neu aufgetretene psychische Symptome (Reizbarkeit,
Nervosität, Grübeln), aufgrund derer sie die Verdachtsdiagnose einer beginnenden
Anpassungsstörung stellten (UV-act. zm-21/7).
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A.e Von der Arbeitslosenversicherung wurde der Versicherte ausgesteuert (UV-act.
z-178). Die IV veranlasste eine Begutachtung durch die MEDAS Zentralschweiz und
ermittelte gestützt auf das Gutachten vom 23. Oktober 2006 und die darin
festgestellten Arbeitsunfähigkeiten von 50 bzw. 60% (act. G 3.4) Invaliditätsgrade von
55% ab 10. Februar 2002 und von 52% ab 19. Oktober 2006 und sprach dem
Versicherten am 20. November 2007 eine halbe Invalidenrente ab 1. April 2003 zu (UV-
act. z-189 bis z-184).
A.f Ab 21. Februar 2007 wurde der Versicherte durch Dr. med. C._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie, behandelt (UV-act. zm-25). Sie veranlasste eine
psychologische Untersuchung an der Klinik für Neurologie des Kantonsspitals
St. Gallen (UV-act. zm-22). Gemäss Bericht vom 11. September 2007 wurden dabei
kognitive Störungen erhoben, die als nicht authentisch beurteilt wurden (UV-act.
zm-23). Dr. D._ beantwortete die Anfrage der Zürich nach dem Endzustand und
weiterer Behandlung am 18. Februar 2008 (UV-act. zm-24). Er hielt fest, der
Endzustand sei erst möglicherweise erreicht, da eine namhafte Besserung des
Gesundheitszustands nach Jahren noch möglich sei, und beurteilte seine weitere
Behandlung als nötig, damit eine weitere Verschlechterung des Gesundheitszustands
verhindert werden könne. Als Integritätsschaden stünden 50% für eine deutliche
schmerzhafte Beeinträchtigung der HWS zur Diskussion; betreffend psychischer
Dekompensation müsse die Unfallkausalität abgeklärt werden.
A.g Die Unfallversicherung nahm eine versicherungsinterne Unfallanalyse zuhanden
der Haftpflichtversicherung zu den Akten, in der am 11. Juli 2008 eine
Geschwindigkeitsänderung (Delta-v) im Kollisionszeitpunkt von 9 bis 14km/h ermittelt
worden war (UV-act. z-212 bis z-207). Am 15. Juli 2008 verfügte sie die Einstellung der
Versicherungsleistungen per 1. April 2008 und entzog einer allfälligen Einsprache die
aufschiebende Wirkung. Dagegen erhob die SWICA Krankenversicherung am 4. August
2008 vorsorglich Einsprache, zog diese jedoch am 28. bzw. 29. August 2008 wieder
zurück (UV-act. z-231 und z-233f.). Die Einsprache des Versicherten wurde nach
weiterer Korrespondenz zwischen den Parteien zu verschiedenen Fragen (UV-act.
z-239 bis z-243) mit Entscheid vom 3. November 2008 abgewiesen.
B.
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B.a Dagegen richtet sich die Beschwerde vom 3. Dezember 2008 mit den Anträgen,
der Einspracheentscheid sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu
verpflichten, dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Leistungen ab 1. August 2008
(richtig wohl: 1. April 2008) und für die Zukunft auszurichten, unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen für das vorliegende Beschwerdeverfahren und für das
Einspracheverfahren. Gerügt wird zunächst die unvollständige und willkürliche
Darstellung des Sachverhalts. Zur eigentlichen Begründung lässt der
Beschwerdeführer zusammengefasst im Wesentlichen anführen, die natürliche
Kausalität der Gesundheitsbeeinträchtigungen sei durch mehrere ärztliche Berichte und
Gutachten erstellt; die Beschwerdegegnerin habe nicht rechtsgenüglich nachgewiesen,
dass sie dahingefallen sei. Die weitere Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin sei
nach BGE 134 V 109 zu prüfen. Der mittelschwere Unfall vom 13. November 2001 liege
nicht an der Grenze zu den leichten Unfällen. Die Adäquanzkriterien seien alle erfüllt,
die Adäquanz und damit die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin seien weiterhin
gegeben.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt mit der Beschwerdeantwort vom
11. Dezember 2008 die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führt sie an, sie
habe im Einspracheentscheid vom 3. November 2008 zum natürlichen
Kausalzusammenhang nicht Stellung genommen, weil dieser nicht relevant sei, wenn,
wie vorliegend, die Adäquanz zu verneinen sei. Die Einordnung des Unfalls als
mittelschwer an der Grenze zu den leichten Unfällen ergebe sich aufgrund der
Rechtsprechung. Kein einziges Adäquanzkriterium sei erfüllt, weshalb keine weitere
Leistungspflicht gegeben sei. Es lägen keine objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen vor
und der Zeitpunkt für die Adäquanzprüfung sei korrekt.
B.c Der Beschwerdeführer hält in der Replik vom 19. Januar 2009 fest, dass die
Beschwerdegegnerin das Bestehen des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht
bestreite. Der Unfall vom 11. November 2001 wirke sich sehr wohl auf die Folgen des
Unfalls vom 13. November 2001 aus und sei in diesem Rahmen auch zu
berücksichtigen. Die psychischen Beschwerden, die erst Jahre nach dem Unfall
aufgetreten seien, stellten Begleitdiagnosen dar und rechtfertigten die
Adäquanzprüfung nach der "Psychopraxis" nicht.
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B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet. Auf die Begründungen in
den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der weiteren Akten wird, soweit

entscheidnotwendig, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen für die Folgen
des Unfalls vom 13. November 2001 zu Recht per 1. April 2008 eingestellt hat.
2.
2.1 Gemäss ständiger Praxis des Bundesgerichts kann ein Leiden, das nach einem
versicherten Unfall auftritt, nur dann als dessen Folge betrachtet werden, wenn und
soweit es sicher oder doch zumindest überwiegend wahrscheinlich von jenem Unfall
herrührt (natürliche Kausalität). Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt
für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit
Hinweisen). Der Unfallversicherer haftet sodann nur für jene Folgen, die mit dem Unfall
auch adäquat-kausal zusammenhängen. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis
dann als adäquate Ursache eines Erfolgs zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen
Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen
Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolgs also
durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2 S. 181 mit
Hinweis). Während es Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist, den natürlichen
Kausalzusammenhang zu beurteilen, obliegt es dem Gericht, die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang zu beantworten (vgl. SVR 2007 UV Nr. 33 E. 4.4
S. 113 mit Hinweisen).
2.2 Im Bereich klar ausgewiesener organischer Unfallfolgen im Sinn von
nachweisbaren strukturellen Veränderungen (organisches Substrat konnte mit Bild
gebenden Untersuchungsmethoden [Röntgen, Computertomogramm, EEG]
nachgewiesen werden) spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus
dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers
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praktisch keine Rolle. Sie ist bei ausgewiesener natürlicher Kausalität ohne weiteres zu
bejahen (BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103 mit Hinweisen). Sind dagegen die Unfallfolgen
organisch nicht (hinreichend) fassbar, bewirkt die Bejahung der natürlichen Kausalität
nicht automatisch auch die Bejahung der adäquaten Kausalität, können doch gerade
klinische Befunde erfahrungsgemäss auch psychisch ausgelöst werden. In diesen
Fällen ist eine eigenständige Adäquanzbeurteilung durchzuführen, bei welcher wie folgt
zu differenzieren ist: Es ist zunächst abzuklären, ob die versicherte Person beim Unfall
ein Schleudertrauma erlitten hat. Ist dies nicht der Fall, gelangt die Rechtsprechung
gemäss BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140 zur Anwendung. Ergeben die Abklärungen
dagegen, dass die versicherte Person eine Schleudertraumaverletzung erlitten hat,
muss geprüft werden, ob die zum typischen Bild einer solchen Verletzung gehörenden
Beeinträchtigungen zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik
aber ganz in den Hintergrund treten. Trifft dies zu, sind für die Adäquanzbeurteilung
ebenfalls die in BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140 für Unfälle mit psychischen Unfallfolgen
aufgestellten Grundsätze massgebend (BGE 123 V 98 E. 2a S. 99), andernfalls erfolgt
die Beurteilung der Adäquanz gemäss den in BGE 134 V 109 E. 10 S. 126ff.
festgelegten Kriterien. Die Anwendung der Rechtsprechung zum adäquaten
Kausalzusammenhang bei Schleudertraumen der HWS setzt voraus, dass die
psychischen Beschwerden aus dem Unfall hervorgehen und zusammen mit den
organischen Beschwerden, die ebenfalls auf das Unfallereignis zurückzuführen sind,
ein komplexes Gesamtbild ergeben (RKUV 2000 U 397 S. 328 E. 3b).
2.3 Hat der soziale Unfallversicherer seine Leistungspflicht einmal anerkannt, entfällt
diese erst wieder, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache des
Gesundheitsschadens darstellt. Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von
unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss, ebenso wie der
leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang, mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Da es sich um eine
anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der Frage,
ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei
der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 U 363 S. 46 E. 2
mit Hinweisen). Dabei muss nicht etwa der Beweis für unfallfremde Ursachen erbracht
werden. Der Unfallversicherer haftet bei einmal bejahter Unfallkausalität nicht so lange,
als er nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit unfallfremde Ursachen
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nachzuweisen vermag. Entscheidend ist allein, ob unfallbedingte Ursachen eines
Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind
(RKUV 1994 U 206 S. 329 E. 3b). Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversicherer
den negativen Beweis zu verlangen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliegt oder
dass die versicherte Person nun bei voller Gesundheit sei (Urteil des Bundesgerichts
8C_465/2007 vom 29. April 2008 E. 3.1 mit Hinweisen).
3.
3.1 Unbestritten und durch die Unterlagen belegt ist, dass der Beschwerdeführer bei
der Auffahrkollision vom 13. November 2001 eine Distorsionsverletzung der HWS erlitt
und bei ihm mehrere Symptome des typischen Beschwerdebilds innerhalb weniger
Stunden nach der Kollision auftraten, nämlich Kopf- und Nackenschmerzen, leichter
Schwindel, Benommenheit bzw. Verwirrtheit und leichte Übelkeit (UV-act. zm-2). Im
Zeitpunkt der Leistungseinstellung (per 1. April 2008) litt der Beschwerdeführer noch
unter chronifizierten Kopf- und Nackenschmerzen, Schwindel sowie einer länger
dauernden depressiven Reaktion, einer posttraumatischen Belastungs- und
Anpassungsstörung mit komplizierter protrahierter Trauerreaktion und an einer
posttraumatischen Wesensveränderung (UV-act. zm-23 und zm-25 sowie act. G 3.4
S. 19). Die Beschwerdegegnerin hat die nähere Prüfung des natürlichen
Kausalzusammenhangs bewusst offengelassen, da sie die Adäquanz verneint hat.
Selbst wenn das MEDAS-Gutachten vom 23. Oktober 2006 (act. G 3.4) deutliche
Hinweise enthält, die für das Fortbestehen des natürlichen Kausalzusammenhangs
sprechen, kann diese Frage weiterhin offenbleiben.
3.2 Organisch objektiv ausgewiesene Unfallfolgen liegen nicht vor (Urteil des
Bundesgerichts 8C_124/2008 vom 17. Oktober 2008 E. 6.1): Die Röntgenbefunde
waren unauffällig oder wurden als altersentsprechend bzw. als Normvariante
interpretiert; die funktionellen Röntgenaufnahmen zeigten keine massgebenden
Bandinstabilitäten (UV-act. zm-1f., zm-5, zm-11/3 und zm-21/5). Für psychische
Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers wurde erstmals im Gutachten des
Zentrums für Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene AG vom 28. Februar 2006 die
Verdachtsdiagnose gestellt (UV-act. zm-21). Detailliert untersucht und dargestellt
wurden sie von Dr. med. E._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, im
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psychiatrischen Teilgutachten zuhanden der MEDAS Zentralschweiz vom
18. September 2006 (act. G 3.4). Dr. C._, die den Beschwerdeführer ab 21. Februar
2007 behandelte, hielt im Bericht vom 3. Oktober 2008 als neue, zusätzliche Diagnose
auch eine posttraumatische Wesensveränderung des Beschwerdeführers fest (ICD-10
F 62,8; UV-act. zm-25). Die vorliegenden medizinischen Akten nehmen zur Frage, ob
die typischen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers nach der HWS-Distorsion
vom 13. November 2001 gegenüber den psychischen Beeinträchtigungen im Verlauf
der Zeit ganz in den Hintergrund traten, nicht Stellung. Die Beschwerdegegnerin hat
dazu keine Abklärungen vorgenommen und die tatsächlichen Voraussetzungen für die
Anwendung der Rechtsprechung zu psychischen Fehlentwicklungen nach Unfällen
nicht nachgewiesen. Sie hat daher die Adäquanzprüfung im angefochtenen
Einspracheentscheid zu Recht in erster Linie nach der Rechtsprechung von BGE 134 V
109 vorgenommen.
3.3
3.3.1 Strittig ist der Einfluss des Unfalls vom 11. November 2001 hinsichtlich
einer allfälligen Verstärkung der Folgen des vorliegend zu prüfenden Auffahrunfalls vom
13. November 2001. Als der Anwalt des Beschwerdeführers der Beschwerdegegnerin
den Unfall vom 11. November 2001 zur Kenntnis brachte, ging er davon aus, sein
Mandant habe sich dabei wahrscheinlich nicht verletzt (UV-act. z-8 und 7-19). Im
Unfallprotokoll vom 11. November 2001 sind lediglich Sachschäden und keine
verletzten Personen vermerkt. Auch die Zeugnisse und Berichte der behandelnden
Ärzte Dr. B._ und Dr. D._ sowie der Klinik Valens enthalten keinerlei Hinweis auf
einen ersten Unfall vom 11. November 2001. Erst anlässlich der Begutachtung durch
die Ärzte der MEDAS Zentralschweiz gab der Beschwerdeführer an, er habe am
11. November 2001 die Kollision von rechts kommen sehen, diese aber ohne
körperliche Folgen überstanden (act. G 3.4 S. 13). Lediglich in den Berichten von
Dr. C._ vom 11. September 2007 und 3. Oktober 2008 sowie bei der von ihr
veranlassten neuropsychologischen Abklärung vom 27. August 2007 wird nicht mehr
zwischen den Folgen der beiden Unfälle unterschieden (UV-act. zm-23 bis zm-25).
3.3.2 Wenn der Beschwerdeführer in der Beschwerde - wie bereits in der
Einsprache vom 9. September 2008 - dem ersten Unfall mehr Gewicht zu geben sucht
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und nun geltend machen lässt, er habe trotz Beschwerden keinen Arzt aufgesucht, weil
der 11. November 2001 ein Sonntag war, ist dies unbehelflich. Die angeblichen
Beschwerden aufgrund des ersten Unfalls veranlassten ihn weder am Montag
12. November 2001 einen Arzt aufzusuchen, noch diesen ersten Unfall beim Hausarzt
zu erwähnen, als er ihn ca. drei Stunden nach dem Auffahrunfall vom 13. November
2001 konsultierte. Auch bei der Abklärung des Rehabilitationspotentials durch Dr. med.
F._, Facharzt FMH für Rheumatologie, Physikalische Medizin und Rehabilitation, am
6. Januar 2003 und beim stationären Klinikaufenthalt vom 23. Januar bis 13. Februar
2003 in Valens erwähnte der Beschwerdeführer den ersten Unfall vom 11. November
2001 nicht (UV-act. zm-11f.). Dr. D._, der den Beschwerdeführer ab 17. Juni 2003
behandelte, wurde ebenfalls nur der Auffahrunfall vom 13. November 2001 zur
Kenntnis gebracht (UV-act. zm-14). Somit sprechen alle Indizien, besonders die
echtzeitlichen Akten, gegen eine Verletzung anlässlich des ersten Unfalls vom
11. November 2001.
3.3.3 Den Begehren, ein unfallanalytisches Gutachten über den Verkehrsunfall
vom 11. November 2001 und ein biomechanisches Gutachten über die Krafteinwirkung
und mögliche Schädigungen der HWS beim Verkehrsunfall vom 11. November 2001
einzuholen, ist nicht stattzugeben. Solche Expertisen könnten allenfalls zum natürlichen
Kausalzusammenhang des ersten Unfalls im Unfallzeitpunkt näher Stellung nehmen.
Zur Klärung der im vorliegenden Verfahren strittigen Fragen, bei denen es um die
Kausalität des Auffahrunfalls vom 13. November 2001 im Einstellungszeitpunkt (per
1. April 2008) geht, können sie hingegen nichts beitragen. Der Beschwerdeführer gab
selber keine Folgen des Unfalls vom 11. November 2001 an, auch nicht gegenüber den
MEDAS-Gutachtern. Weitere Abklärungen erübrigen sich daher.
3.4 Mit dem MEDAS-Gutachten vom 23. Oktober 2006 stand fest, dass sich die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers durch medizinische Massnahmen nicht mehr
relevant verbessern liess und weitere Therapien lediglich der Erhaltung des erreichten
Gesundheitszustands dienten (act. G 3.4 S. 20). Der Fallabschluss und die
Adäquanzprüfung per 1. April 2008 sind daher nicht zu beanstanden (vgl. BGE 134 V
109 E. 3.2 und 4.1 S. 113ff.).
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3.5 Für die Adäquanzprüfung ist zunächst das Unfallereignis als solches zu
beurteilen. Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung ist der Unfall vom
13. November 2001 als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen zu
qualifizieren (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_262/2008 vom 11. Februar 2009 und
8C_655/2008 vom 9. Oktober 2008 je mit Hinweisen). Folgen eines mittleren Unfalls an
der Grenze zu den leichten gelten dann als adäquat kausal, wenn die zusätzlichen
Kriterien, die die Rechtssprechung für die Gesamtwürdigung aufgestellt hat, in
gehäufter oder auffallender Weise gegeben sind oder ein einzelnes Kriterium in
besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist (BGE 134 V 109, E. 10 S. 126ff.).
3.6
3.6.1 Besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere
Eindrücklichkeit des Unfalls vom 13. November 2001 sind zu verneinen und werden
auch vom Beschwerdeführer nicht geltend gemacht. Dasselbe gilt für das Kriterium der
ärztlichen Fehlbehandlung.
3.6.2 Die erlittenen Verletzungen waren nicht schwer oder von besonderer Art:
Der Beschwerdeführer wurde mit gerader Kopfhaltung getroffen und schlug den Kopf
nicht an (UV-act. zm-2). Andere Verletzungen anlässlich dieses Unfalls sind nicht
bekannt. Auf Verletzungen aus dem ersten Unfall vom 11. November 2001 zu
verweisen und sich auf eine Vorschädigung der Wirbelsäule zu berufen, erweist sich als
spekulativ, zumal der Beschwerdeführer selbst in den echtzeitlichen Akten und
gegenüber den MEDAS-Gutachtern keine Verletzungen anlässlich des
Unfallereignisses vom 11. November 2001 geltend gemacht hat, wie in der
vorstehenden Erwägung 3.3 ausführlich dargestellt.
3.6.3 Der Beschwerdeführer stand seit dem Unfall weg bis zur
Leistungseinstellung durch die Beschwerdegegnerin per 1. April 2008 (und darüber
hinaus) ununterbrochen in ambulanter hausärztlicher Behandlung bzw. Kontrolle (UV-
act. z-224f.). Vom 19. November 2001 bis 30. April 2002 kam zusätzlich Physiotherapie
dazu (act. G 3.7, Belege 1, 3, 6 und 9) und vom 23. Januar bis 13. Februar 2003 weilte
er knapp drei Wochen stationär in der Klinik Valens (UV-act. zm-12). Ab 17. Juni 2003
ebenfalls bis zur Leistungseinstellung behandelte ihn Dr. D._, der im Dezember 2003
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auf einen zwei- bis vierwöchigen und im April 2004 auf einen drei- bis fünfwöchigen
Behandlungsrhythmus umstellte (UV-act. zm-16 und zm-18f.). Dr. C._ nahm am
21. Februar 2007 die psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung des
Beschwerdeführers auf (UV-act. zm-25). Diese ärztliche Behandlung über einen
längeren Zeitraum kann nun aber nicht einfach als fortgesetzt spezifisch, den
Beschwerdeführer äusserst belastend bezeichnet werden, wie es sein Rechtsvertreter
tut (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_154/2009 vom 5. Juni 2009 E. 5.4 und
8C_89/2008 vom 3. Oktober 2008 E. 8.3 je mit Hinweisen). Auch kann nicht von
wöchentlichen Arztterminen gesprochen werden. Einzig aufgrund der langen
Behandlungszeit von über sechs Jahren und der Tatsache, dass bald eine
Chronifizierung auftrat und ab Ende 2005/Anfang 2006 psychische Beschwerden
hinzukamen, kann dieses Adäquanzkriterium zugunsten des Beschwerdeführers als
erfüllt bezeichnet werden, allerdings weder in auffallender noch besonders
ausgeprägter Weise.
3.6.4 Bejaht werden kann grundsätzlich auch das Kriterium der erheblichen
Beschwerden. Indessen ist auch dieses im Sinn der Rechtsprechung weder auffallend
noch in besonders ausgeprägter Form gegeben (vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_590/2007 vom 6. Oktober 2008 E. 7.4 und 8C_252/2007 vom 16. Mai 2008 E. 7.4).
Aus der Tatsache, dass der Beschwerdeführer wiederholt im Ausland Ferien machte,
kann hingegen nicht, wie die Beschwerdegegnerin argumentiert, auf wesentliche
Unterbrüche bei den Beschwerden geschlossen werden. Dazu findet sich kein Beweis
in den Akten. Für eine solche Beweisführung müssten die genaueren Umstände der
Ferienaufenthalte abgeklärt, ihre Anzahl in Beziehung zum geprüften Zeitraum gesetzt
und die Tatsache berücksichtigt werden, dass die Auslandaufenthalte im Heimatland
des Beschwerdeführers stattfanden.
3.6.5 Besondere Gründe, welche die Heilung des Beschwerdeführers
beeinträchtigt haben, liegen nicht vor. Allein aus der langdauernden ärztlichen
Behandlung und den erheblichen Beschwerden kann nicht auf einen schwierigen
Heilverlauf und/oder erhebliche Komplikationen geschlossen werden; diese Aspekte
sind vielmehr bereits bei den jeweiligen spezifischen Kriterien berücksichtigt worden.
Gleiches gilt auch für den Umstand, dass trotz regelmässiger Therapien weder eine
Beschwerdefreiheit noch eine (vollständige) Arbeitsfähigkeit in der angestammten
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Tätigkeit erreicht werden konnte (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_252/2007 vom
16. Mai 2007 mit Hinweisen). Auch das Kriterium des schwierigen Heilverlaufs und der
erheblichen Komplikationen erscheint damit nicht als erfüllt.
3.6.6 Eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen des
Beschwerdeführers kann dagegen als gegeben angesehen werden. In seiner
angestammten Tätigkeit erreichte der Beschwerdeführer vom 24. Juni 2002 bis
22. Januar 2003 zwar eine volle Arbeitsfähigkeit, litt jedoch unter deutlichen
Beschwerden (UV-act. zm-11/3). In der übrigen Zeit bis zum Stellenverlust per 31. Juli
2004 war er mindestens 20%, meist mindestens 40 bis 50% arbeitsunfähig (UV-act.
zm-7 bis zm-9, zm-12f., zm-15 und zm-19). Die Gutachter der MEDAS schätzten die
Arbeitsunfähigkeit ab 10. Februar 2002 durchgehend auf 50% (act. G 3.4 Antwort 5.4).
Was den Arbeitseinsatz des Beschwerdeführers betrifft, wird durchwegs von seinem
Einsatzwillen, seiner Leistungsbereitschaft und seinen Bemühungen berichtet, wieder
volle Arbeitsfähigkeit zu erreichen (UV-act. zm-14, zm-21; act. G 3.4 S. 13). Wenn die
Beschwerdegegnerin anführt, die Kooperation des Versicherten habe auch ganz
allgemein sehr zu wünschen übrig lassen, tut sie dies ohne kritische Würdigung der
entsprechenden Hinweise und vor allem ohne Rücksicht auf diejenigen Aktenstücke,
die den gegenteiligen Eindruck des Beschwerdeführers vermitteln (vgl. vorstehend
zitierte Aktenstücke sowie besonders psychiatrisches Teilgutachten Dr. E._ act.
G 3.4). Die Bemühungen zur Verwertung der bestehenden Teilarbeitsfähigkeit während
der Arbeitslosigkeit sind in den Akten dokumentiert und gaben offenbar zu keinerlei
Klagen seitens der Arbeitslosenversicherung Anlass (UV-act. z-237 Beilage 6). Trotz
der ausgewiesenen Anstrengungen des Beschwerdeführers ist jedoch auch das
Kriterium erheblicher Arbeitsunfähigkeit nicht in besonders ausgeprägter oder
auffallender Weise gegeben (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_217/2008 vom 20. März
2009 E. 10.7 mit Hinweisen).
3.6.7 Zusammengefasst sind höchstens drei der sieben Adäquanzkriterien erfüllt,
jedoch keines in besonders ausgeprägter oder auffallender Weise. Dies reicht nicht
aus, den adäquaten Kausalzusammenhang der weiterhin bestehenden Beschwerden
zum Unfall vom 13. November 2001 zu bejahen. Bei dieser Ausgangslage braucht die
weitere Leistungsvoraussetzung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht näher
geprüft zu werden (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_172/2009 vom 31. Juli 2009
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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E. 5.3, 8C_154/2009 vom 5. Juni 2009 E. 4 und 8C_89/2008 vom 3. Oktober 2008
E. 5.3 mit Hinweisen). Diese Leistungsvoraussetzung kann offenbleiben, auch wenn
das MEDAS-Gutachten vom 23. Oktober 2006 (act. G 3.4) deutliche Hinweise enthält,
die für das Fortbestehen des natürlichen Kausalzusammenhangs über den
Einstellungszeitpunkt hinaus sprechen.
4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG