Decision ID: 22c05d40-ed47-5c14-bfa6-2ffb111daba2
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 1. April 2021 in der Schweiz um Asyl
nach. Er gab bei der Aufnahme seiner Personalien an, er sei am (...) (ge-
mäss Personalienblatt ausgefüllt in B._) beziehungsweise am (...)
(gemäss Personalienblatt ausgefüllt in C._) geboren.
B.
Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Eurodac)
ergab, dass der Beschwerdeführer am (...) in D._ um Asyl ersucht
hatte.
C.
Am 22. April 2021 führte das SEM eine Erstbefragung (Erstbefragung un-
begleiteter minderjähriger Asylsuchender [EB UMA]) durch. Dabei revi-
dierte der Beschwerdeführer die Angaben zu seinem Geburtsdatum auf
den (...). Er reichte eine Kopie seiner Tazkera sowie Dokumente seines
Vaters ein. Das SEM erfasst in der Folge den Beschwerdeführer im Zent-
ralen Migrationssystem (ZEMIS) mit dem Geburtsdatum (...).
D.
D.a Die (...) Behörden teilten am (...) auf ein Informationsersuchen des
SEM vom (...) hin mit, dass der Beschwerdeführer in D._ ursprüng-
lich mit dem Geburtsdatum (...) beziehungsweise (....) registriert worden
sei. Der Antwort der (...) Behörden lag eine am (...) erstellte 3-Säulen-Mo-
dell-Analyse zur Altersbestimmung bei. Diese ergab ein zu berücksichti-
gendes höchstes Mindestalter des Beschwerdeführers von (...) Jahren.
Sein geringstmögliches «wahrscheinliche» Alter betrug gemäss dem Be-
fund (...) Jahre. Aufgrund des Ergebnisses dieser Altersabklärung sei sein
Geburtsdatum auf den (...) geändert worden.
D.b Das SEM teilte dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 7. Mai 2021
mit, er werde für das weitere Verfahren als volljährig betrachtet und sein
Geburtsdatum im ZEMIS auf den (...) angepasst. Gleichzeitig gewährte es
ihm das rechtliche Gehör zur Altersanpassung und zu einem allfälligen
Nichteintretensentscheid und der Wegweisung nach D._.
D.c Der Beschwerdeführer nahm mit Eingabe vom 11. Mai 2021 hierzu
Stellung und reichte er einen Bericht des Universitären Zentrums für Zahn-
medizin B._ vom (...) ein, wonach er an starken Zahnschmerzen
leide.
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E.
Am (...) ersuchte das SEM die (...) Behörden um Wiederaufnahme des Be-
schwerdeführers im Sinne von Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU)
Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni
2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit-
gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen
oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio-
nalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). Die (...) Behörden
hiessen das Ersuchen am (...) gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-
VO gut.
F.
Mit Verfügung vom 3. Juni 2021 – eröffnet am Folgetag – trat das SEM in
Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylge-
such nicht ein, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz nach D._
an und forderte den Beschwerdeführer auf, die Schweiz spätestens am Tag
nach Ablauf des Beschwerdeverfahrens zu verlassen. Zudem stellte es
fest, das Geburtsdatum des Beschwerdeführers im ZEMIS laute auf den
(...). Schliesslich hielt es fest, einer allfälligen Beschwerde komme keine
aufschiebende Wirkung zu, und verfügte die Aushändigung der editions-
pflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an den Beschwerdeführer.
G.
Mit Eingabe vom 7. Juni 2021 teilte die damalige Rechtsvertretung dem
SEM die Beendigung des Mandatsverhältnisses per 4. Juni 2021 mit.
H.
Der Beschwerdeführer focht die Verfügung des SEM vom 3. Juni 2021 mit
Beschwerde vom 11. Juni 2021 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er be-
antragt, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und das SEM an-
zuweisen, sein Geburtsdatum im ZEMIS auf den (...) zu ändern, auf das
Asylgesuch einzutreten und seine Asylgründe zu prüfen. In formeller Hin-
sicht sei der vorliegenden Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu ge-
währen und im Sinne einer superprovisorischen vorsorglichen Massnahme
seien die Vollzugsbehörden anzuweisen, von einer Überstellung abzuse-
hen, bis das Bundesverwaltungsgericht in der Sache entschieden habe. Es
sei die unentgeltliche Prozessführung samt Verzicht auf die Erhebung ei-
nes Kostenvorschusses zu gewähren und ihm ein amtlicher Rechtsbei-
stand beizuordnen.
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I.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
14. Juni 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).
J.
Mit superprovisorischer Massnahme vom 14. Juni 2021 setzte die Instruk-
tionsrichterin den Vollzug der Wegweisung einstweilen aus.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Das Verfahren
richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG
nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1
VwVG).
2.
Über das Begehren, das Geburtsdatum im ZEMIS sei auf den (...) zu än-
dern, ist nicht im vorliegenden Dublin-Verfahren zu entscheiden, weshalb
im Nachgang ein separates Verfahren bezüglich der beantragten Datenän-
derung im ZEMIS zu führen ist (vgl. auch Urteil des BVGer
D-173/2021 vom 3. Februar 2021 E. 2).
3.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-
fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten
Richterin oder eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Weite-
rungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1
und 2 AsylG).
4.
4.1 Der Beschwerdeführer rügt sinngemäss eine Verletzung der Untersu-
chungspflicht (vgl. Beschwerde, S. 1 und Ziff. II, S. 3). Er macht geltend,
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die Vorinstanz habe die in D._ erstellte altersdiagnostische Begut-
achtung als privilegiertes und abschliessendes Kriterium für die Bestim-
mung seines Alters angesehen, während seine Aussagen an der EB UMA
sowie die Kopie seiner Tazkera bloss pauschal abgehandelt worden seien.
Damit habe die Vorinstanz keine korrekte Gesamtwürdigung aller Indizien
vorgenommen. Zudem erwähn das SEM in der angefochtenen Verfügung
plötzlich eine Wegweisung nach E._ anstatt nach D._, was
eine schwerwiegende Verletzung der Sorgfaltspflicht bei der Sachverhalts-
überprüfung darstelle. Diese formellen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie
allenfalls zur Kassation und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz füh-
ren können.
4.2 Die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet
einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn die Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-
sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-
SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,
3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
4.3 Die Rüge, die Vorinstanz habe im Zusammenhang mit ihren Erwägun-
gen bezüglich der vom Beschwerdeführer behaupteten Minderjährigkeit
den Untersuchungsgrundsatz verletzt, erweist sich als unbegründet. Die
Vorinstanz hat diese Frage in ihren Erwägungen unter Berücksichtigung
der wesentlichen Sachverhaltselemente einlässlich und hinreichend diffe-
renziert geprüft und die Überlegungen genannt, welche ihrer Einschätzung
zugrunde lagen. Die in der Beschwerde geäusserte – weitestgehend un-
substantiierte – Unzufriedenheit mit den Schlussfolgerungen der Vor-
instanz und insbesondere deren Würdigung der Aussagen des Beschwer-
deführers kann nicht unter die Tatbestände der ungenügenden Sachver-
haltsfeststellung, der falschen oder gar willkürlichen Beweiswürdigung sub-
sumiert werden, sondern stellt vielmehr eine Kritik in der Sache selbst dar.
Der Umstand, dass das SEM in seiner Verfügung (auf Seite 5) im Zusam-
menhang mit gesundheitlichen Problemen des Beschwerdeführers eine
Wegweisung nach E._ anstatt nach D._ erwähnte, beruht
sodann offenkundig auf einem blossen Versehen, zumal in der Ziffer 2 des
Dispositivs der angefochtenen Verfügung in unmissverständlicher Weise
D._ als zuständiger Staat erwähnt wurde. Der Beschwerdeführer
vermag deshalb daraus nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Nach dem
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Gesagten besteht keine Veranlassung, den angefochtenen Entscheid aus
einem formellen Grund aufzuheben.
5.
5.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2 je m.w.H.).
5.2 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Diesbezüglich kommt die Dublin-III-VO zur Anwen-
dung.
5.3 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Im Falle einer unbegleiteten minderjähri-
gen Person ohne familiäre Anknüpfungspunkte (zu einem anderen Mit-
gliedstaat) ist gemäss Art. 8 Abs. 2 Dublin-III-VO der Staat zuständig, in
welchem jene einen Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat. Unbe-
gleitete Minderjährige sind vom Wiederaufnahmeverfahren ausgenommen
(vgl. FILZWIESER/SPRUNG, Dublin-III-VO, Wien 2014, Kap. 15 f. zu Art. 8,
m.H.). Vorliegend bestünde deshalb bei Minderjährigkeit des Beschwerde-
führers eine der grundsätzlichen Wiederaufnahmezuständigkeit
D._ vorrangige Zuständigkeit der Schweiz (vgl. statt vieler: Urteile
des BVGer F-6213/2020 vom 5. Januar 2021 E. 3.4; F-5625/2020 vom
18. November 2020; F-3255/2020 vom 2. Juli 2020 E. 5.2).
6.
6.1 Die Vorinstanz hielt zur Begründung der angefochtenen Verfügung fest,
der Beschwerdeführer sei als volljährige Person zu behandeln und sein
Geburtsdatum auf den (...) mit Bestreitungsvermerk festzulegen. Der Be-
schwerdeführer sei nach Art. 8 Abs. 1 AsylG verpflichtet, an der Feststel-
lung des Sachverhalts mitzuwirken. Dazu gehöre auch die Offenlegung der
Identität, wovon das Alter ein wichtiger Bestandteil sei. Er sei nicht in der
Lage, die von ihm behauptete Minderjährigkeit glaubhaft darzulegen. Ge-
mäss seinen eigenen Angaben anlässlich der EB UMA sei er am (...) ge-
boren. Damit wäre er bei der Stellung des Asylgesuchs noch minderjährig
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gewesen. Des Weiteren sei zuvor sein Geburtsdatum auf den beiden in
C._ und B._ erstellten Personalienblätter mit dem (...)
(recte: [...]) (...) beziehungsweise dem (...) erfasst worden. Die aufgrund
der verschiedenen Angaben zu seinem Alter entstandenen Zweifel seien
durch das Resultat der in D._ durchgeführten medizinischen Alters-
abklärung vom (...) bestätigt worden. Das Resultat habe ergeben, dass
sein Mindestalter zum Untersuchungsdatum (...) Jahre sei und sein ge-
ringstmögliches «wahrscheinliches» Alter (...) Jahre betrage. In D._
habe er im Rahmen des Asylgesuchs den (...) als Geburtsdatum angege-
ben, womit der Befund ebenso wenig mit dem in der Schweiz geltend ge-
machten Geburtsdatum zu vereinbaren sei. Die Vorinstanz sehe keinen
Grund, das Resultat der Untersuchung anzuzweifeln. Weder die vom Be-
schwerdeführer eingereichte Kopie einer Tazkera noch seine Aussagen im
Rahmen der EB UMA vermöchten das Resultat des (...) Altersgutachtens
in Frage zu stellen. Auch seine Angaben zu seinem Alter seien nicht plau-
sibel, da er beispielsweise angegeben habe, sein Geburtsdatum telefo-
nisch von seinem Onkel mütterlicherseits (ms) erfahren zu haben. Woher
dieser Onkel sein Geburtsdatum kenne, habe der Beschwerdeführer nicht
nachvollziehbar zu erklären vermocht. Es sei zudem bekannt, dass der Be-
weiswert einer Tazkera, welcher in der vorliegenden Form ohnehin lediglich
ein geschätztes Alter zu entnehmen sei, allgemein als gering einzuschät-
zen sei, zumal derartige Dokumente in Afghanistan erfahrungsgemäss
käuflich leicht erhältlich seien. Überdies handle es sich vorliegend um eine
leicht manipulierbare Kopie. Das äussere Erscheinungsbild des Beschwer-
deführers lasse nicht zuletzt auf eine volljährige Person schliessen. Seine
Ausführungen in der Stellungnahme vom 11. Mai 2021 seien nicht geeig-
net, den Standpunkt betreffend sein Alter zu ändern, zumal er auf das Re-
sultat der in D._ durchgeführten medizinischen Altersabklärung
nicht eingegangen sei.
Der Abgleich der Fingerabdrücke mit der Datenbank Eurodac weise nach,
dass der Beschwerdeführer am (...) in D._ ein Asylgesuch einge-
reicht habe. Die (...) Behörden hätten das Ersuchen der Vorinstanz um
seine Übernahme gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO gutge-
heissen, womit die Zuständigkeit bei D._ liege, das weitere Verfah-
ren durchzuführen. Der in der Stellungnahme vom 11. Mai 2021 implizit
geäusserte Wunsch des Beschwerdeführers nach einem weiteren Verbleib
in der Schweiz habe keinen Einfluss auf die Zuständigkeit für das Asyl- und
Wegweisungsverfahren. Es sei grundsätzlich nicht Sache der betroffenen
Person, den für ihr Asylverfahren zuständigen Staat selber zu wählen. Die
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Bestimmung des zuständigen Staates obliege alleine den beteiligten Dub-
lin-Vertragsstaaten. Seine Ausführungen vermöchten die Zuständigkeit
D._ zur Durchführung seines weiteren Verfahrens nicht zu widerle-
gen. Die Vorinstanz gehe nicht davon aus, dass der Beschwerdeführer bei
einer Überstellung nach D._ gravierenden Menschenrechtsverlet-
zungen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO und Art. 3 EMRK ausge-
setzt werde, in eine existenzielle Notlage gerate oder ohne Prüfung seines
Asylgesuchs und unter Verletzung des Non-Refoulement-Gebots in seinen
Heimat- oder Herkunftsstaat überstellt werde. Zudem lägen keine systemi-
schen Mängel in D._ Asyl- und Aufnahmesystem vor. Ferner wür-
den auch keine Gründe gemäss Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO vorliegen, die
die Schweiz verpflichten würden, sein Asylgesuch zu prüfen. Die Vor-
instanz könne schliesslich gemäss Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 aus humanitä-
ren Gründen die Souveränitätsklausel anwenden, wofür sie über einen Er-
messensspielraum verfüge. Der Beschwerdeführer habe bei der EB UMA
angegeben, gesund zu sein. Er vermisse jedoch seine Familie. Aus dem
eingereichten Arztbericht vom (...) gehe hervor, dass er Probleme mit den
Zähnen habe. Die Pflegefachfrau aus seiner Unterkunft habe der Vor-
instanz am (...) auf Nachfrage mitgeteilt, dass ausser dem erwähnten Arzt-
bericht keine weiteren medizinischen Unterlagen vorlägen. Seine gesund-
heitlichen Schwierigkeiten könnten somit medizinisch kontrolliert und me-
dikamentös behandelt werden, was auch in D._ adäquat durchge-
führt werden könne. Des Weiteren sei festzuhalten, dass D._ über
eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfüge. Es lägen keine Hin-
weise vor, wonach D._ dem Beschwerdeführer eine medizinische
Behandlung verweigert habe oder zukünftig verweigern würde. In Würdi-
gung der Akten und der von ihm geäusserten Umstände, lägen keine
Gründe vor, die die Schweiz veranlassen müsste, die Souveränitätsklausel
anzuwenden. Da D._ für sein weiteres Verfahren zuständig sei und
die Schweiz die Souveränitätsklausel nicht anwende, werde auf sein Asyl-
gesuch nicht eingetreten. Der Beschwerdeführer sei deshalb zur Ausreise
aus der Schweiz verpflichtet.
6.2 Der Beschwerdeführer entgegnet in der Rechtsmittelschrift, er habe am
1. April 2021 in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt. Zu jenem Zeitpunkt
sei er minderjährig gewesen, da er am (...) geboren sei. Dies habe ihm
sein Onkel ms mitgeteilt. Er selbst kenne den afghanischen Kalender nicht.
Aus seiner Tazkera, seiner afghanischen Identitätskarte, deren Kopie er als
Beweismittel eingereicht habe, gehe hervor, dass er zum Zeitpunkt der
Ausstellung am (...) (...) Jahre alt gewesen sei. Er habe präzise Angaben
dazu machen können, wie er seine Tazkera erhalten habe, weshalb diese
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innerhalb des Kontexts seiner dazu gemachten Aussagen als Beweismittel
zu würdigen sei. Es sei aufgrund dessen von der Authentizität der vorlie-
genden Tazkera auszugehen und er sei als minderjährig einzustufen. Es
sei insgesamt eine Gesamtwürdigung sämtlicher Anhaltspunkte für die Ein-
schätzung des Alters einer asylsuchenden Person vorzunehmen. Entspre-
chend sei die an ihn vorgenommene, in D._ erstellte, altersdiagnos-
tische Begutachtung bloss als ein Anhaltspunkt unter mehreren zu berück-
sichtigen, jedoch nicht als abschliessendes Kriterium für die Bestimmung
seines Alters anzusehen. Im Übrigen sei nicht durch einheitliche rechtliche
Bestimmungen festgelegt, welche Methoden zur Altersfestsetzung anzu-
wenden seien. Vorliegend sei eindeutig keine ganzheitliche Einschätzung
vorgenommen worden, bei der körperliche, psychologische wie auch kul-
turelle Entwicklungs- und Umweltfaktoren berücksichtigt worden seien. Es
bestünden insgesamt erhebliche Zweifel an der Einschätzung der Vor-
instanz, dass er die Volljährigkeit bereits erreicht habe. Insofern sei der
Grundsatz «in dubio pro minore» anzuwenden und am Geburtsdatum des
(...) festzuhalten.
7.
7.1 Nachdem unbegleitete Minderjährige vom Wiederaufnahmeverfahren
ausgenommen sind (vgl. E. 5.3 hievor), bestünde bei Minderjährigkeit des
Beschwerdeführers eine der grundsätzlichen Wiederaufnahmezuständig-
keit D._ vorrangige Zuständigkeit der Schweiz. Es ist deshalb nach-
stehend vorab zu prüfen, ob die Vorinstanz die dargelegte Minderjährigkeit
des Beschwerdeführers zutreffend verneint hat.
Im Asylverfahren ist die Minderjährigkeit – der allgemeinen asylrechtlichen
Beweisregel folgend – von der beschwerdeführenden Person zumindest
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 3 und 4.2.3). Über die Glaub-
haftigkeit ist im Rahmen einer Gesamtwürdigung zu befinden.
7.2 Gegen die behauptete Minderjährigkeit des Beschwerdeführers spricht
vorab die forensische Altersschätzung, welche beim Untersuchungsdatum
vom (...) ein Mindestalter von (...) Jahren und ein geringstmögliches
«wahrscheinliches» Alter von (...) Jahren ergab. Der unsubstantiierte Ein-
wand des Beschwerdeführers, das Gutachten habe keine ganzheitliche
Einschätzung im Sinne von körperlichen, psychologischen wie auch kultu-
rellen Entwicklungs- und Umweltfaktoren berücksichtigt, überzeugt nicht.
So stützt sich die forensische Altersschätzung nebst einer Anamnese auf
ein Röntgen der linken Hand und der Zähne sowie ein Schlüsselbein-Com-
putertomogramm und es legt die angewandte Methodik wissenschaftlich
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dar (vgl. medizinisches Sachverständigengutachten, S. 4 f., 10 ff., 18 f., 24
ff. und 28, SEM act. [...]-21/44 [act. 21]). Das Bundesverwaltungsgericht
hat keine Veranlassung, die – im Übrigen unbestritten gebliebene –
Schlussfolgerung des (...) Altersgutachtens in Zweifel zu ziehen. Gemäss
der zu den Akten gereichten Kopie der Tazkera war der Beschwerdeführer
zwar im Zeitpunkt der Ausstellung am (...) «gemäss dem Aussehen
(...) Jahre alt» (vgl. SEM act. [...]-19/2). Er vermochte aber entgegen sei-
ner in der Beschwerde aufgestellten Behauptung keine präzisen Angaben
über den Erhalt der Tazkera zu machen, weshalb grundsätzliche Zweifel
an deren Echtheit bestehen. Zwar gab er an, dass ihm sein Onkel ein Bild
seiner Tazkera gesendet und ihm das Geburtsdatum am Telefon genannt
habe. Demgegenüber hatte der Beschwerdeführer beim Untersuchungstag
am (...) angegeben, das Geburtsdatum von seinem Vater zu kennen (vgl.
SEM act. 21, S. 4). Weiter blieb auch unklar, woher sein Onkel das Ge-
burtsdatum kennen sollte, zumal ihn angeblich sein Vater bei der Ausstel-
lung der Tazkera begleitet hatte (vgl. SEM act. [...]-18/16 [act. 18]
Ziff. 4.03). Überdies führte die Vorinstanz in ihrer Verfügung zutreffend aus,
dass es sich bei der eingereichten Tazkera nicht um ein rechtsgenügliches
Dokument, sondern um eine blosse Kopie handelt. Insgesamt vermag
diese die geltend gemachte Minderjährigkeit nicht zu untermauern bezie-
hungsweise die dargelegten Unglaubhaftigkeitselemente aufzuwiegen, zu-
mal Tazkeras ohnehin über keinerlei Sicherheitsmerkmale verfügen und
leicht fälschbar sind (vgl. BVGE 2019 I/6 E. 6.2, BVGE 2013/30, E. 4.2.2).
Darüber hinaus ergeben sich aus den Akten weitere Ungereimtheiten be-
treffend das vom Beschwerdeführer angegebene Alter: Die (...) Behörden
teilten der Vorinstanz mit, dass er dort ursprünglich mit dem Geburtsdatum
(...) registriert worden war (vgl. SEM act. 21, S. 1). Für dieses Geburtsda-
tum wie auch für die im BAZ C._ und im BAZ B._ unter-
schiedlich angegebenen Geburtsdaten (vgl. SEM act. [...]-4/2 «(...)» bzw.
[...]-6/2 «[...]») findet sich sowohl in der Stellungnahme vom 11. Mai 2021
als auch in der Beschwerde keine Erklärung.
Schliesslich sind die Aussagen des Beschwerdeführers im Rahmen der
Erstbefragung zu seinem Alter sowie familiären Umfeld und Schulbildung
auffallend vage ausgefallen. Beispielsweise konnte er nicht darlegen, wann
er nach Abschluss der (...). Klasse die Schule verlassen habe. Weiter er-
innerte er sich nicht daran, wie alt er damals gewesen sei (vgl. act. 18
Ziff. 1.17.04).
Nach dem Gesagten lassen weder die sich in den Akten befindenden Be-
weismittel noch die widersprüchlichen und unsubstantiierten Aussagen des
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Beschwerdeführers stichhaltige Rückschlüsse auf die behauptete Minder-
jährigkeit im Zeitpunkt der Einreichung seines Asylgesuchs in der Schweiz
zu.
7.3 Demnach gelangt das Gericht in Übereinstimmung mit der Vorinstanz
im Rahmen einer Gesamtwürdigung aller Umstände (vgl. Entscheidungen
und Mitteilungen der [ehemaligen] Asylrekurskommission [EMARK] 2004
Nr. 30 E. 5.3.4 S. 210) zum Schluss, dass es dem Beschwerdeführer nicht
gelungen ist, die von ihm geltend gemachte Minderjährigkeit zum Zeitpunkt
seiner Gesuchseinreichung in der Schweiz glaubhaft zu machen. Die Vor-
instanz hat in seiner Verfügung das Geburtsdatum des Beschwerdeführers
mit überzeugender Begründung auf den (...) festgesetzt.
7.4 Die Vorinstanz ist demnach mit einem ordnungsgemässen Wiederauf-
nahmeersuchen an die (...) Behörden gelangt.
8.
8.1 Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der
"Eurodac"-Datenbank ergab, dass der Beschwerdeführer am (...) in
D._ ein Asylgesuch eingereicht hatte. Die Vorinstanz ersuchte des-
halb die (...) Behörden am (...) um Wiederaufnahme des
Beschwerdeführers. Die (...) Behörden stimmten dem Gesuch um Über-
nahme am (...) gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO zu. Damit ist
die grundsätzliche Zuständigkeit D._ gegeben. Der Beschwerde-
führer bestreitet die grundsätzliche Zuständigkeit D._ nicht und
macht in der Rechtsmittelschrift weder systemische Schachstellen des (...)
Asylverfahrens noch anderweitige Gründe für eine Ausübung des Selbst-
eintrittsrechts der Schweiz geltend. Solche sind aus den Akten auch nicht
ersichtlich, weshalb ohne weiteren Begründungsaufwand vollumfänglich
auf die diesbezüglichen Ausführungen in der angefochtenen Verfügung zu
verweisen ist.
8.2 Die Vorinstanz ist demnach zutreffend zur Erkenntnis gelangt, es sei in
Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch nicht ein-
zutreten und hat – weil der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen
Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von
Art. 44 AsylG die Überstellung nach D._ (Art. 32 Bst. a AsylV 1
[SR 142.311]) angeordnet.
9.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
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Seite 12
10.
Der am 14. Juni 2021 verfügte Vollzugsstopp fällt mit dem vorliegenden
Urteil dahin.
11.
11.1 Mit dem vorliegenden Urteil ist das Beschwerdeverfahren abge-
schlossen, weshalb sich der Antrag auf Erlass eines Kostenvorschusses
als gegenstandslos erweist.
11.2 Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
um Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes sind abzuweisen, da die
Begehren, wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt, als aus-
sichtslos zu bezeichnen waren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65
Abs. 1 VwVG – ungeachtet der behaupteten Bedürftigkeit des Beschwer-
deführers – nicht erfüllt sind.
11.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-
ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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