Decision ID: 5bcec19b-9d89-5b08-9bf0-4e916e5d863e
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
Personalvorsorgestiftung,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Daniel Richter, Beethovenstrasse 11, Postfach,
8027 Zürich,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
und
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D._,
Beigeladene,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Christine Kessi, procap, Schweizerischer
Invaliden-Verband, Froburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten,
betreffend
Rentenrevision (D._)
Sachverhalt:
A.
A.a D._, geboren 1970, wurde mit Verfügung vom 10. Februar 2005 bei einem
Invaliditätsgrad von 53% mit Wirkung ab 1. Januar 2004 eine halbe Rente
zugesprochen. Sie wurde als Vollzeiterwerbstätige qualifiziert (act. G 6.1.73). In
medizinischer Hinsicht stützte sich die Rentenverfügung auf das interdisziplinäre
(rheumatologisch-psychiatrische) Gutachten der MEDAS Ostschweiz vom 14. Juni
2004. Darin diagnostizierten die Experten eine mittelgradige depressive Episode mit
somatischem Syndrom bei chronischer Schmerzproblematik (ICD-10: F32.11), ein
Ganzkörpersyndrom sowie therapieresistente Leistenschmerzen rechts. Sie beurteilten
die Versicherte für die bisherige Tätigkeit als Einzieherin (vgl. zur Tätigkeit act. G 6.1.31)
sowie für adaptierte Tätigkeiten zu 50% arbeitsunfähig (act. G 6.1.49).
A.b Am 3. Oktober 2006 machte die Versicherte eine Verschlechterung ihres
Gesundheitszustandes geltend (act. G 6.1.102). Der behandelnde Dr. med. A._,
Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, berichtete am 16. Oktober 2006, dass sich das
somatoforme Schmerzsyndrom insofern akzentuiert habe, als die Versicherte
andauernd Schmerzen verspüre. Aufgrund der langandauernden und mit den
bisherigen therapeutischen Massnahmen nur schwer beeinflussbaren
Schmerzsensationen bestehe auch ein depressives Zustandsbild. Eine Erhöhung des
Invaliditätsgrades auf ungefähr 75% sei gerechtfertigt (act. G 6.1.109).
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A.c Der seit 29. April 2004 behandelnde Dr. med. B._, Facharzt FMH für Psychiatrie
und Psychotherapie, gab im Verlaufsbericht vom 30. Oktober 2006 an, der
gesundheitliche Zustand der Versicherten habe sich trotz intensiver
physiotherapeutischer, hausärztlicher und psychiatrisch-psychotherapeutischer
Behandlung verschlechtert. Sie sei schwanger und damit eindeutig überfordert.
Dr. B._ bescheinigte der Versicherten seit dem 2. Mai 2006 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit. Es seien ihr keine Erwerbstätigkeiten zumutbar. Die Prognose sei
düster (act. G 6.1.111).
A.d Der RAD-Arzt C._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, würdigte in
der Stellungnahme vom 28. Dezember 2006 die Verlaufsberichte der beiden
behandelnden Ärzte. Er kam zum Schluss, dass sich hauptsächlich der psychische
Zustand der Versicherten verschlechtert habe. Er bestätigte die von Dr. B._
attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Die Verschlechterung des psychischen
Störungsbildes stehe offensichtlich im Zusammenhang mit der Schwangerschaft und
der daraus entstandenen Überforderung. Eine Verbesserung des
Gesundheitszustandes im Laufe der Schwangerschaft sei nicht auszuschliessen. Es sei
daher von einem labilen Krankheitsgeschehen auszugehen, so dass der
Gesundheitszustand nach der Geburt des zweiten Kindes und nach einer ausreichend
langen Zeit der Eingewöhnung in die neue familiäre Situation überprüft werden solle.
Dr. C._ empfahl, nach ungefähr einem Jahr nach der Geburt die Arbeitsfähigkeit der
Versicherten zu überprüfen (act. G 6.1.112).
A.e Im Januar 2007 hat die Versicherte eine Tochter geboren (act. G 6.1.114). Im
"Fragebogen für Revision der Invalidenrente" gab die Versicherte am 4. Februar 2007
an, dass sich ihr Gesundheitszustand verschlimmert habe. Sie leide an Schmerzen,
Depression und Erschöpfung (act. G 6.1.116). Anlässlich der Abklärung an Ort und
Stelle vom 16. April 2007 kam die IV-Stelle zum Schluss, dass die Versicherte im
Gesundheitsfall weiterhin zu 100% erwerbstätig wäre (act. G 6.1.124).
A.f Dr. B._ gab im Verlaufsbericht vom 10. Juli 2007 an, dass sich der
Gesundheitszustand verschlechtert habe. Es bestehe eine depressive Störung
schwankenden Verlaufs zwischen mittelschwer und schwer, mit ausgeprägtem
somatischen Syndrom (ICD-10: F23.11/F32.2). Aufgrund der Schwere des
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psychopathologischen Zustandes verfüge die Versicherte über keine zumutbare
Arbeitsfähigkeit. Die Geburt einer zweiten Tochter habe zu keiner Verbesserung des
Gesundheitszustandes geführt (act. G 6.1.129).
A.g Im Vorbescheid vom 7. August 2007 stellte die IV-Stelle aufgrund der
gesundheitlichen Verschlechterung mit Wirkung ab 1. Oktober 2006 die Ausrichtung
einer ganzen Rente in Aussicht (act. G 6.1.131).
B.
B.a Die Personalvorsorgestiftung teilte der IV-Stelle am 3. September 2007 mit, dass
sie mit der vorgesehenen Rentenerhöhung nicht einverstanden sei. Zur Begründung
führte sie aus, dass keine medizinisch-diagnostisch fassbare Begründung für die seit
Mitte 2006 angeblich eingetretene gesundheitliche Verschlechterung vorhanden sei.
Ferner handle es sich bei den von den behandelnden Ärzten festgestellten
gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht um einen invalidenversicherungsrechtlich
relevanten Gesundheitsschaden. Die geltend gemachte Verschlechterung des
Gesundheitszustandes sei aus objektiver Sicht für die Versicherte nicht unüberwindbar
(act. G 6.1.134).
B.b In Auseinandersetzung mit den Vorbringen der Personalvorsorgestiftung hielt der
RAD-Arzt am 10. Dezember 2007 fest, deren Einwände seien nicht nachvollziehbar. Es
gebe keinen Anlass, an der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung von Dr. B._ zu zweifeln,
zumal er ein seit Jahrzehnten praktizierender Facharzt sei und hinsichtlich der
Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit aus einem reichhaltigen Erfahrungsschatz durch
seine MEDAS-Begutachtungstätigkeit schöpfen könne (act. G 6.1.136).
B.c In den Verfügungen vom 11. Februar 2008 sprach die IV-Stelle der Versicherten mit
Wirkung ab 1. Oktober 2006 eine ganze Rente zu (act. G 6.1.140).
C.
C.a Dagegen richtet sich die Beschwerde der Personalvorsorgestiftung vom 12. März
2008. Sie beantragt unter Kosten- und Entschädigungsfolge, dass der Versicherten
weiterhin eine halbe Invalidenrente auf der Basis des bisherigen Invaliditätsgrades von
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53% zuzusprechen sei. Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, dass
die vom RAD am 28. Dezember 2006 vorgegebene einjährige Wartefrist, beginnend ab
der Geburt des zweiten Kindes, für die Überprüfung der Arbeitsfähigkeit nicht
eingehalten worden und verfrüht erfolgt sei. Die Einschätzung von Dr. B._ vom
10. Juli 2007 dürfe daher nicht berücksichtigt werden. Die weitere Begründung lautet
im Wesentlichen gleich wie diejenige der Stellungnahme vom 3. September 2007 (act.
G 1).
C.b Am 10. Mai 2008 hält der RAD-Arzt an seiner Auffassung fest; es ergäbe sich
aufgrund der Beschwerde kein Anlass, von der Beurteilung von Dr. B._ vom 10. Juli
2007 und der RAD-Stellungnahme vom 10. Dezember 2007 abzuweichen (act.
G 6.1.149). Die Beschwerdegegnerin beantragt die Beschwerdeabweisung. Zur
Begründung verweist sie auf die Akten, insbesondere auf die RAD-Stellungnahme vom
10. Mai 2008 (act. G 6).
C.c Am 24. September 2008 wird die Versicherte zum Beschwerdeverfahren
beigeladen (act. G 8). Die Beigeladene beantragt am 5. Januar 2009, die Beschwerde
sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge abzuweisen. Der behandelnde Psychiater
lege die gesundheitliche Verschlechterung nachvollziehbar dar. Diese zeige sich
einerseits in Form einer Zunahme der Stärke der depressiven Episoden und
andererseits mit einer zusätzlichen Häufung verschiedener somatischer Beschwerden.
Dr. A._ bestätige die Zunahme der somatischen Beschwerden. Die Erhöhung der
Erwerbsunfähigkeit sei medizinisch ausgewiesen und juristisch nachvollziehbar. Die
revisionsweise Erhöhung der Rente sei zu Recht erfolgt (act. G 13).

Erwägungen:
1.
Das Rechtsmittel der Beschwerdeführerin erfüllt die von der Rechtsprechung
benannten Voraussetzungen der Beschwerdelegitimation (vgl. Urteile des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 6. Juni 2006, I 22/05, und vom 21. April 2006,
I 349/05). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
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2.
Streitig und zu prüfen ist vorliegend, ob sich der Gesundheitszustand der Beigeladenen
seit der verfügten Rentenzusprache vom 10. Februar 2005 (act. G 6.1.73)
rentenrelevant verschlechtert hat.
2.1 Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz,
dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den
materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467 E.
1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtenen Verfügungen ergingen am
11. Februar 2008, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der
revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat. Daher
ist entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis
31. Dezember 2007 auf die damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt
auf die neuen Normen der 5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130
V 445 ff.; Urteil des Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Nachfolgend
werden die seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG
wiedergegeben.
2.2 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 ATSG). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch
auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf
eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad
von mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-
Grad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
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2.3 Im Sozialversicherungsprozess gelten die Grundsätze der Untersuchungspflicht
und der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG). Demgemäss hat der
Versicherungsträger bzw. im Beschwerdefall das Gericht den rechtserheblichen
Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien
gebunden zu sein. Verwaltungsbehörden und Sozialversicherungsgerichte haben
zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen, wenn hiezu aufgrund der Parteivorbringen
oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass
besteht (BGE 110 V 53 E. 4a in fine).
2.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
2.5 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur
Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die
geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen (BGE
130 V 349 f. E. 3.5). Ob eine solche Änderung eingetreten ist, beurteilt sich durch
Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der letzten, der versicherten Person
eröffneten rechtskräftigen Verfügung vorlag, welche auf einer materiellen Prüfung des
Rentenanspruchs beruht, mit demjenigen zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung
(BGE 133 V 108 E. 5.4). Dabei stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der
Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes
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auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (BGE 112 V 372 E. 2b mit Hinweisen).
3.
3.1 Die Beschwerdegegnerin begründet die Rentenerhöhung im Wesentlichen mit einer
Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes (vgl. act. G 6.1.112 und
G 6.1.136.2). Sie stützt sich dabei auf die Verlaufsberichte der behandelnden Ärzte
Dr. A._ vom 16. Oktober 2006 (act. G 6.1.109) und von Dr. B._ vom 30. Oktober
2006 (act. G 6.1.111) und vom 10. Juli 2007 (act. G 6.1.129). Die Beschwerdeführerin
bestreitet demgegenüber das Vorliegen einer rentenrelevanten gesundheitlichen
Verschlechterung.
3.2 Dr. A._ erachtete im Bericht vom 16. Oktober 2006 eine Erhöhung des
Invaliditätsgrades auf 75% deshalb für gerechtfertigt, weil sich das somatoforme
Schmerzsyndrom akzentuiert habe und auch ein depressives Zustandsbild bestehe
(act. G 6.1.109). Bezüglich der psychischen Komponente verwies er auf Dr. B._. Der
Bericht von Dr. A._ erscheint schon von daher für sich allein nicht aussagekräftig, um
eine revisionsrelevante Verschlechterung des Gesundheitszustands der Beigeladenen
darzutun.
3.3 Was die Einschätzungen von Dr. B._ anbelangt, ist vorab darauf hinzuweisen,
dass dieser als mehrjährig (seit 29. April 2004 bzw. 11. Juni 2004, act. G 6.1.111.1)
behandelnder Psychiater in einem besonderen Vertrauensverhältnis zur Beigeladenen
steht, weshalb seine Beurteilungen mit Blick auf einen möglichen Ziel- und
Interessenkonflikt (Behandlung versus Begutachtung) mit Zurückhaltung zu würdigen
sind (vgl. Urteil des EVG vom 16. August 2008, I 92/06, E. 5.3 mit Hinweis auf BGE 125
V 353 E. 3b/bb).
3.3.1 In der Beurteilung vom 30. Oktober 2006 bestätigte Dr. B._ die im MEDAS-
Gutachten vom 11. Mai 2004 erhobene Diagnose einer mittelgradigen depressiven
Episode mit somatischem Syndrom und bei chronischer Schmerzproblematik (ICD-10
F32.11). Die von ihm im Vergleich zum MEDAS-Gutachten abweichend attestierte
Arbeitsunfähigkeit beschreibt er widersprüchlich. Zum einen gibt er an, dass er die
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Beigeladene am 2. Mai 2006 zu 75% arbeitsunfähig geschrieben habe, zum anderen
bescheinigt er ihr eine seit dem 2. Mai 2006 bestehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit
bzw. aus psychiatrischer Sicht eine volle Vermittlungsunfähigkeit. Was die von ihm
anlässlich der Konsultation vom 12. Oktober 2006 erhobenen Befunde anbelangt (act.
G 6.1.111), so decken sich diese in weiten Teilen mit denjenigen des psychiatrischen
MEDAS-Gutachters und münden denn auch in der gleichen Diagnose. Beide
Psychiater stellten eine Einschränkung der Merkfähigkeit fest und beschrieben einen
deutlichen Interessen- und (Lebens-)Freudeverlust, Schuldgefühle hinsichtlich der
eingeschränkten Leistungsfähigkeit, Schlafstörungen (act. G 6.1.49.24 und
G 6.1.111.3). Im MEDAS-Gutachten wurde eine psychiatrisch-psychotherapeutische
Behandlung als dringend indiziert erachtet, um die Arbeitsfähigkeit positiv beeinflussen
zu können. Die Prognose hänge stark davon ab, wieweit sich die Beigeladene in die
Behandlung einlassen könne. Dr. B._ hielt im genannten Bericht fest, trotz intensiver
allseitiger Behandlung habe sich der Gesundheitszustand allmählich verschlechtert.
Indessen bleibt fraglich, ob es sich bei der Beurteilung von Dr. B._ nicht um eine
abweichende Einschätzung eines im Wesentlichen unveränderten
Gesundheitszustandes handelt. Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass eine
psychiatrische Beurteilung von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen
kann. Zwar kann der behandelnde Psychiater die gesundheitliche Entwicklung eines
Patienten bzw. einer Patientin über einen längeren Zeitraum hinweg verfolgen, weshalb
seine Einschätzungen nicht einfach unbeachtlich sind. Wenn aber Diagnosen und
Befunde in weiten Teilen praktisch jenen in einem psychiatrischen Gutachten
entsprechen, so lässt sich auf dieser Grundlage kaum entscheiden, ob nun tatsächlich
eine Verschlechterung eingetreten ist oder der behandelnde Psychiater lediglich eine
andere Beurteilung vorgenommen hat. Zwar hat Dr. B._ im Verlaufsbericht vom
10. Juli 2007 eine weitere Verschlechterung des Gesundheitszustandes der
Beigeladenen attestiert. Er diagnostizierte neu eine depressive Störung schwankenden
Verlaufs zwischen mittelschwer und schwer, mit ausgeprägtem somatischem Syndrom
(ICD-10: F23.11/F32.2). Indessen ist dieser Verlaufsbericht derart kurz gehalten, dass
er für sich allein nicht schlüssig belegen kann, dass die Arbeitsunfähigkeit 100%
beträgt und die Beigeladene über keine Ressourcen (mehr) verfügt, um die
Arbeitsunfähigkeit nicht teilweise zu überwinden.
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3.4 Zu prüfen bleiben damit die Stellungnahmen des RAD vom 28. Dezember 2006
(act. G 6.1.112), vom 10. Dezember 2007 (act. G 6.1.136) und vom 10. Mai 2008 (act.
G 6.1.149).
3.4.1 Bei den genannten Stellungnahmen des RAD handelt es sich weder um
medizinische Gutachten im Sinne von Art. 44 ATSG noch um Untersuchungsberichte
gemäss Art. 49 Abs. 2 IVV. Vielmehr sind sie als beratende Auskünfte im Sinn von
Art. 49 Abs. 3 IVV ergangen. Die Funktion der fraglichen Stellungnahmen besteht somit
darin, den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen. Nach der
Rechtsprechung ist es dem Sozialversicherungsgericht nicht verwehrt, gestützt auf im
Wesentlichen oder sogar ausschliesslich von einem Versicherungsträger intern
eingeholte medizinische Unterlagen zu entscheiden. In solchen Fällen sind an die
Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen in dem Sinne zu stellen, dass bei
auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen
Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (Urteile des Bundesgerichts
vom 16. November 2007, 9C_341/2007, E. 4.1 mit Hinweisen und vom 20. November
2007, I 142/07, E. 3.4).
3.4.2 Die Stellungnahmen des RAD vermögen die benannten Mängel an den
Einschätzungen der behandelnden Ärzte (vgl. vorstehende E. 3.2 f.) nicht zu beseitigen.
Insbesondere zeigen sie nicht auf, inwiefern sich die von den behandelnden Ärzten
erhobenen Befunde von denjenigen im MEDAS-Gutachten unterscheiden und eine
Rentenerhöhung rechtfertigen. Sie beruhen auch nicht auf eigenen Untersuchungen,
sondern beschränken sich vor allem auf die Würdigung der Berichte von Dr. B._.
Dabei scheint der RAD dessen MEDAS-Gutachtertätigkeit erhebliches Gewicht
beigemessen zu haben. Er verkennt damit, dass Dr. B._ sich vorliegend nicht als
neutraler Gutachter, sondern als mehrjährig behandelnder Psychiater geäussert hat.
3.5 Zwar bestehen gestützt auf die Stellungnahmen der behandelnden Ärzte insgesamt
ernsthafte Anhaltspunkte, die auf eine Verschlechterung des psychischen
Gesundheitszustandes hinweisen; so etwa die mit der Schwangerschaft verbundene
Überforderung sowie die Absenz vom alltäglichen Familienleben (act. G 6.1.111.2 f.).
Wie dargelegt, erscheint die medizinische Aktenlage für die Frage der bei der
Beigeladenen nach der erstmaligen Rentenzusprache vom 10. Februar 2005
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verbliebenen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit und für den Verlauf des
Gesundheitszustandes nicht genügend aussagekräftig. Die Sache ist daher an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie ein Verlaufsgutachten einhole. Da es
im Wesentlichen um eine Beurteilung zur Entwicklung des psychischen
Beschwerdebildes geht, erscheint es sinnvoll, den bereits mit dem Fall vertrauten
MEDAS-Gutachter E._ mit der Erstellung eines psychiatrischen Verlaufsgutachtens
zu beauftragen (vgl. BGE 132 V 93 ff., E. 7.2.2).
4.
4.1 Nach dem Gesagten sind die Verfügungen vom 11. Februar 2008 aufzuheben und
die Sache ist zur weiteren Abklärung und neuer Verfügung im Sinn der Erwägungen an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 235 E. 6). Die Beschwerdegegnerin hat deshalb die
gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der von der Beschwerdeführerin
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird ihr zurückerstattet.
4.3 Die Beschwerdeführerin stellt einen Antrag auf Parteientschädigung (act. G 1).
Dabei verkennt sie, dass im Verfahren der Verwaltungsgerichtsbeschwerde
obsiegenden Behörden oder mit öffentlichrechtlichen Aufgaben betrauten
Organisationen in der Regel keine Parteientschädigung zugesprochen werden darf. In
Anwendung dieser Bestimmung hat die höchstrichterliche Rechtsprechung den UVG-
Versicherern sowie - von Sonderfällen abgesehen - den Krankenkassen keine
Parteientschädigungen zugesprochen, weil sie als Organisationen mit
öffentlichrechtlichen Aufgaben zu qualifizieren sind (BGE 112 V 361 E. 6 mit
Hinweisen). Das hat grundsätzlich auch für die Trägerinnen oder Versicherer der
beruflichen Vorsorge gemäss BVG zu gelten (BGE 128 V 133 E. 5b und 126 V 150
E. 4a). Vorliegend besteht kein Grund, von diesen Grundsätzen abzuweichen, weshalb
der Beschwerdeführerin keine Prozessentschädigung zuzusprechen ist.
bis
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Demgemäss hat das Versicherungsgericht