Decision ID: fb0c0948-3da3-5fc1-9373-1973125f94ff
Year: 2015
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Im Juli 2012 verliess die Beschwerdeführerin Syrien und gelangte am
20. August 2012 in die Schweiz, wo sie am 28. August 2012 um Asyl nach-
suchte. Am 6. September 2012 wurde sie im Empfangs- und Verfahrens-
zentrum B._ zur Person befragt. Das SEM hörte sie am 15. Novem-
ber 2013 zu den Asylgründen an. Die Beschwerdeführerin machte im We-
sentlichen geltend, ihr Bruder C._, der für ein Koordinationsgre-
mium der Revolution gearbeitet habe, sei aus Syrien geflüchtet, nachdem
er aus der Haft freigelassen worden sei. Deswegen sei ihre Wohnung, in
der sie zusammen mit ihrer älteren Schwester und ihrer Mutter gelebt habe,
mehrmals von Sicherheitsbeamten aus Damaskus gestürmt worden. Diese
hätten ihrer Schwester und ihr mehrfach mit Vergewaltigung gedroht. Ihr
Bruder D._ habe für den (...) gearbeitet und sei im Sommer 2012
desertiert. Eine Woche später sei sie zusammen mit ihrer Schwester und
ihrer Mutter aus Syrien geflohen, da sie Massnahmen der syrischen Be-
hörden gefürchtet hätten.
B.
Mit Verfügung vom 17. Juli 2014 (eröffnet am 18. Juli 2014) stellte die Vo-
rinstanz fest, dass die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht
erfülle. Sie lehnte das Asylgesuch ab, wies die Beschwerdeführerin aus der
Schweiz weg, schob den Vollzug der Wegweisung jedoch wegen Unzumut-
barkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. Den zuständigen Kan-
ton beauftragte sie mit der Umsetzung der vorläufigen Aufnahme.
C.
Mit Eingabe vom 18. August 2014 reichte die Beschwerdeführerin durch
ihren Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und
beantragte, ihr sei vollumfänglich Einsicht in die Akten des laufenden Asyl-
verfahrens, insbesondere in den internen VA-Antrag zu gewähren, eventu-
aliter sei das rechtliche Gehör zum internen VA-Antrag zu gewähren bezie-
hungsweise eine schriftliche Begründung betreffend den internen VA-An-
trag zuzustellen. Nach der Gewährung der Akteneinsicht und eventualiter
des rechtlichen Gehörs und der Zustellung der schriftlichen Begründung
sei ihr eine angemessene Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergän-
zung anzusetzen. Die angefochtene Verfügung des SEM sei aufzuheben
und die Sache dem SEM zur vollständigen und richtigen Abklärung und
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung
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zurückzuweisen. Es sei festzustellen, dass die Rechtswirkungen der vor-
läufigen Aufnahme im Falle der Aufhebung der angefochtenen Verfügung
ab Datum der angefochtenen Verfügung fortbestehen. Eventualiter sei die
angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei die Flüchtlingseigenschaft
festzustellen und es sei ihr Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die ange-
fochtene Verfügung aufzuheben und sie sei als Flüchtling anzuerkennen
und deshalb vorläufig aufzunehmen. Eventualiter sei die Unzulässigkeit
des Wegweisungsvollzugs festzustellen. Als Beweismittel reichte sie den
positiven Asylentscheid ihres Bruders D._ sowie einen Angestell-
tenausweis betreffend ihre Tätigkeit bei der (...) in Syrien ein.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 22. August 2014 wies der Instruktionsrichter
die Gesuche um Einsicht in den internen Antrag auf vorläufige Aufnahme
und Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeergänzung ab. Zudem verzich-
tete er auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
E.
Mit Schreiben vom 19. Dezember 2014 reichte die Beschwerdeführerin ein
weiteres Beweismittel ein (Kopie Bestätigung der Ehefrau des Bruders der
Beschwerdeführerin betreffend die Inhaftierung desselben in E._
inkl. Übersetzung). Mit Schreiben vom 16. März 2015 reichte sie eine
analoge Bestätigung gemäss der Beilage vom 19. Dezember 2014 ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Die
Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung
legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist unter Vorbe-
halt nachfolgender Erwägungen (E. 7) einzutreten.
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2.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung
auf Verletzung von Bundesrecht sowie unrichtige und unvollständige Fest-
stellung des rechtserheblichen Sachverhalts hin (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weiterungen und mit summarischer
Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs.
Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör.
Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, anderseits stellt
es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Ent-
scheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift. Dazu
gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass eines sol-
chen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubrin-
gen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen ge-
hört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mit-
zuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn die-
ses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtli-
ches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1 [S. 293];
BVGE 2009/35 E. 6.4.1, m.w.H.).
Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin-
gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung
angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form- und fristgerechten
Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkreten Streit-
frage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Begründung muss so ab-
gefasst sein, dass der oder die Betroffene den Entscheid gegebenenfalls
sachgerecht anfechten kann. Sie muss kurz die wesentlich-en Überlegun-
gen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie
ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit
allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne
Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1 [S. 188]).
http://links.weblaw.ch/BGE-135-II-286 http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
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3.2 Soweit die Beschwerdeführerin eine entsprechende Rüge im Zusam-
menhang mit Einzelvorbringen erhebt (Beschwerde Ziff. 12-15), legt sie
nicht ansatzweise dar, worin die Gehörsverletzung bestehen soll. Vielmehr
beschränkt sie sich darauf, einzelne Aussagen aus dem Anhörungsproto-
koll zu zitieren, die in der angefochtenen Verfügung nicht erwähnt worden
seien (Beschwerde Ziff. 12-15). Das Vorbringen ist nicht geeignet, eine
Verletzung der Begründungspflicht darzutun, zumal sich die Vorinstanz
nicht mit allen Aussagen einzeln auseinandersetzen muss und auch nicht
kann. An diesem Umstand ändert auch nichts, dass die angefochtene Ver-
fügung nicht erwähnt, dass ihr Bruder D._ in der Schweiz Asyl er-
halten hat. Die Vorinstanz stellt nämlich in der der angefochtenen Verfü-
gung fest, dass ihr Bruder in der Schweiz ebenfalls ein Asylverfahren
durchlaufen habe, und verneint eine Reflexverfolgung nach Konsultation
des Dossiers ihres Bruders. Der Begründungspflicht ist Genüge getan.
3.3 Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, die Vorinstanz habe den
rechtserheblichen Sachverhalt nicht vollständig und richtig abgeklärt. Ge-
mäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes wegen
fest und bedient sich nötigenfalls der gesetzlichen Beweismittel (Bstn. a-
e). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein fal-
scher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise
falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den
Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
3.4 Die Vorinstanz hat die Beschwerdeführerin befragt, angehört und den
Sachverhalt nach Einräumung sämtlicher Verfahrensrechte festgestellt.
Die Notwendigkeit einer zusätzlichen Anhörung ist nicht ersichtlich und es
ergeben sich auch keine Hinweise auf eine Verletzung der Abklärungs-
pflicht. Demnach ist der Sachverhalt richtig und vollständig festgestellt.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
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des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss gemäss Art. 7 AsylG die Flüchtlingsei-
genschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (Abs. 1). Sie ist
glaubhaft gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegen-
der Wahrscheinlichkeit für gegeben hält (Abs. 2). Unglaubhaft sind insbe-
sondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder
in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder mass-
geblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden
(Abs. 3).
4.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen der Vorbringen in einem publizierten Entscheid dargelegt und
folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl.
BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3).
5.
5.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung im Wesentli-
chen zum Schluss, dass zwischen den Hausstürmungen, die sich gemäss
der Beschwerdeführerin aufgrund der Ausreise ihres Bruders C._
ereignet hätten, und der Ausreise der Beschwerdeführerin rund sechs oder
sieben Monate später kein genügend enger Kausalzusammenhang be-
stehe. Auch aufgrund der Desertion ihres Bruders D._, der beim
(...) gearbeitet habe, bestehe kein Grund zur Annahme, dass sie in Syrien
mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Reflexverfolgungsmassnahmen erlei-
den könnte. Ihr weiteres Vorbringen, dass sich die Situation in Syrien ins-
besondere für Frauen rapide verschlechtern würde, würde den Anforderun-
gen an die Flüchtlingseigenschaft nicht standhalten.
5.2 Die Beschwerdeführerin bringt dagegen einzig vor, sie habe in der Erst-
befragung bereits ihre begründete Furcht geschildert und sie sei durch ihre
Tätigkeit für die (...) bekannt und ohne weiteres identifizierbar. Desweite-
ren verweist sie auf die Beschwerde ihrer Schwester F._, welche
eine ähnliche Argumentation aufweise.
Eine Verweisung auf eine andere Eingabe ist grundsätzlich zulässig, zumal
die Beschwerde der Schwester F._ in der eigenen Beschwerde-
schrift abgedruckt ist. Doch es muss zumindest ersichtlich sein, auf welche
Teile der Beschwerde verwiesen wird und welche Rügen übernommen
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werden (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundes-
verwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, S. 124 Rz. 2.221; BOCHSLER/SEETHA-
LER, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], VwVG Praxiskommentar, 2009,
Art. 52 N 72). Beim Verweis der Beschwerdeführerin fehlt es an einer sach-
bezogenen Auseinandersetzung mit dem vorinstanzlichen Entscheid. Es
ist nicht Sache des Gerichts, aus der doch sehr umfangreichen Be-
schwerde der Schwester den Sachverhalt und mögliche Rügen herauszu-
suchen, die auch auf die Beschwerde der Beschwerdeführerin zutreffen
könnten.
Aus den Äusserungen der Beschwerdeführerin in der Befragung zur Per-
son und in der Anhörung sowie aus der angefochtenen Verfügung ergibt
sich jedoch klar, dass die Beschwerdeführerin eine Reflexverfolgung auf-
grund ihrer beiden Brüder, die aus Syrien geflüchtet sind, geltend macht.
Ob die Vorinstanz eine solche rechtmässig verneint hat, ist deshalb nach-
folgend zu prüfen.
5.3 Was die Aussagen der Beschwerdeführerin bezüglich der allgemeinen
Lage in Syrien und der Verschlechterung der Situation insbesondere für
Frauen betrifft, sind die vorinstanzlichen Schlussfolgerungen weder in tat-
sächlicher noch in rechtlicher Hinsicht zu beanstanden. Die Beschwerde-
führerin bringt dazu in ihrer Beschwerdeeingabe auch nichts mehr vor. Um
Wiederholung zu vermeiden, kann dazu auf die vorinstanzlichen Erwägun-
gen verwiesen werden.
Eine Reflexverfolgung liegt vor, wenn sich Verfolgungsmassnahmen abge-
sehen von der primär betroffenen Person auch auf Familienangehörige und
Verwandte erstrecken. Dies kann flüchtlingsrechtlich im Sinne von Art. 3
AsylG relevant sein, allerdings hängen die Wahrscheinlichkeit einer Re-
flexverfolgung und deren Intensität stark von den konkreten Umständen
des Einzelfalls ab. Die Annahme einer Reflexverfolgung erfordert eine
sorgfältige Prüfung im Einzelfall. Es muss also aufgrund der Umstände des
Einzelfalls ermittelt werden, ob die Furcht vor Verfolgung begründet ist. Die
erlittene Verfolgung beziehungsweise die begründete Furcht vor zukünfti-
ger (Reflex-)Verfolgung muss ferner sachlich und zeitlich kausal für die
Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im
Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein. Dieser Nachweis muss
durch die entsprechende Partei erbracht werden.
5.4 Trotz des familiären Hintergrunds vermag die Beschwerdeführerin den
Nachweis einer erfolgten oder künftig zu erwartenden Reflexverfolgung
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seitens der syrischen Behörden in ihrem konkreten Fall nicht zu erbringen.
Sie macht geltend, sie sei wegen ihrer Brüder C._ und D._
ausgereist. C._ sei regimekritisch aktiv gewesen und sei auch im
Gefängnis gewesen. Nach seiner Haftentlassung sei er ausgereist. Weil
die Behörden C._ gesucht hätten, hätten sie mehrmals ihr Haus
gestürmt und ihr und ihrer Schwester mit Vergewaltigung gedroht. Die Be-
schwerdeführerin bringt weiter vor, dass die Belästigungen sechs oder sie-
ben Monate vor der Ausreise aufgehört hätten (SEM-Akten, A17/14 F48).
Schon allein deshalb sind diese Vorbringen nicht asylrelevant. Es fehlt an
einem genügend engen zeitlichen Kausalzusammenhang zwischen der
Ausreise der Beschwerdeführerin und den vorgebrachten Belästigungen
durch die Behörden. Zudem sind die Vorbringen der Beschwerdeführerin
bezüglich der Verfolgung ihres Bruders C._ nicht glaubhaft. Die Be-
schwerdeführerin antwortete auf Fragen bezüglich der Tätigkeit vom
C._ sowie dessen angeblichen Gefängnisaufenthalts stets unsub-
stantiiert und ausweichend (vgl. SEM-Akten, A17/14 F39, F40 und F42).
Ihr Bruder D._ habe beim (...) in E._ gearbeitet. Nach der
Ausreise von C._ sei er unter Beobachtung gestanden. Er habe
nicht mehr für die Regierung arbeiten wollen, weil er sich nicht am Töten
unschuldiger Menschen habe beteiligen wollen, weshalb er ausgereist sei.
Eine Woche später sei sie mit ihrer Schwester und ihrer Mutter ebenfalls
ausgereist, aus Angst, dass sie wiederum von den Behörden belästigt und
dieses Mal tatsächlich mitgenommen und vergewaltigt werden würden. Al-
lein die Tatsache, dass ihr Bruder D._ in der Schweiz Asyl erhalten
hat, reicht noch nicht für die Annahme einer Reflexverfolgung der Be-
schwerdeführerin. Aus den Akten ergeben sich keine Hinweis darauf, dass
die Beschwerdeführerin aufgrund der Tätigkeit oder der Ausreise ihres Bru-
ders D._ das Interesse der syrischen Behörden geweckt hätte und
dass ihre Furcht vor Reflexverfolgungsmassnahmen begründet ist. So ist
beispielsweise nicht ersichtlich, dass ihr Bruder innerhalb des (...) eine her-
ausragende Stellung innegehabt hätte, die das Interesse der Behörden
nach dessen Flucht ebenfalls auf die Beschwerdeführerin hätte lenken
können. Das Schreiben der Ehefrau ihres Bruders G._, das die Be-
schwerdeführerin im Beschwerdeverfahren eingereicht hat, das bestätigen
soll, dass auch dieser von Reflexverfolgungsmassnahmen des syrischen
Regimes betroffen sei, hat nur eine geringe Beweiskraft und ist mangels
anderer Hinweise auf den vorgebrachten Sachverhalt als Gefälligkeits-
schreiben ihrer Schwägerin zu betrachten. Aus dem eingereichten Mitar-
beiterausweis der Firma (...) kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren
Gunsten ableiten. Eine Reflexverfolgung liegt nicht vor.
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5.5 Die Beschwerdeführerin bringt in ihrem Rechtsbegehren, sie sei als
Flüchtling anzuerkennen und deshalb vorläufig aufzunehmen (Nr. 7) sinn-
gemäss vor, sie berufe sich auf subjektive Nachfluchtgründe. In ihrer Be-
schwerde bringt sie jedoch nichts dergleichen vor. Subjektive Nachflucht-
gründe sind auch keine ersichtlich.
6.
6.1 Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Staatssekretariat in der Regel die
Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das
Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt. Die Beschwerdeführerin ver-
fügt weder über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über
einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (BVGE 2009/50 E. 9). Die Weg-
weisung ist nicht zu beanstanden.
6.2 Der Vollzug der Wegweisung wurde zugunsten einer vorläufigen Auf-
nahme aufgeschoben. Da die Wegweisungsvollzugshindernisse alternati-
ver Natur sind (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748), besteht kein schutzwür-
diges Interesse an der Überprüfung, aus welchen Gründen die Vorinstanz
den Vollzug aufgeschoben hat (Art. 48 Abs. 1 Bst. c VwVG).
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserhebliche Sachverhalt richtig
und vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist im
Hauptbegehren (Aufhebung der angefochtenen Verfügung), im Eventual-
begehren (Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und Asylgewährung)
sowie im Subeventualbegehren (Anerkennung als Flüchtling im Rahmen
der vorläufigen Aufnahme) abzuweisen. Auf das Subsubeventualbegehren
(Feststellung der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzuges) ist nicht ein-
zutreten. Das Zusatzbegehren zum Hauptbegehren (Feststellung, dass die
vorläufige Aufnahme im Falle der Aufhebung fortbestehe) ist mit dessen
Abweisung gegenstandslos geworden. Zusammenfassend ist die Be-
schwerde abzuweisen, soweit sie nicht gegenstandslos geworden ist und
darauf eingetreten werden kann.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerdefüh-
rerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– fest-
zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
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und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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