Decision ID: 9507b41b-9866-4bfc-ba75-fe3c6a82de75
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964,
verfügt über keine Berufsausbildung und war zuletzt
im Jahr 1997 im Computerbereich
tätig. Er
meldete sich am 6. Dezember 2004
wegen ADHS im Erwachsenenalter, Depressionen, Sozialphobie und weiteren Blockaden
bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung für eine Berufsberatung und Umschulung auf eine neue Tätigkeit sowie zum
Rentenbe
zug
an
(Urk.
9/1)
.
Nach medizinischen und erwerblichen Abklärungen (Urk.
9
/3, Urk.
9
/4, Urk
.
9
/14) sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, dem Ver
sicherten mit Verfügung vom 12. Mai 2006 per 4.
Mai 2005 ein
e halbe Invalidenrente zu (Urk.
9
/16, Urk.
9
/18). Eine gegen diese Verfügung
vom
Versicherten am 25.
August 2006 erhobene Einsprache (Urk.
9
/22) wurde am 23.
Januar 2007
zurückgezogen (Urk.
9
/40). Im J
uli
2007 leitete die IV-Stelle von Amtes wegen eine Rentenrevision ein (Urk.
9
/46) und teilte dem Versicherten mit Mitteilung vom 26.
Februar 2009 mit, dass er weiterhin Anspruch auf eine halbe Invalidenrente habe (Urk.
9
/59).
1.2
Im Jahr 2010 wurde erneut von Amtes wegen eine Revision eingeleitet
, wobei der Versicherte im Revisionsfragebogen vom 30.
März 2011 eine Verschlechte
rung seines Gesundheitszustands geltend machte
(Urk.
9
/73). Die IV-Stelle
zog Arztberichte bei
(Urk.
9
/82, Urk.
9
/83, Urk.
9
/88
, Urk.
9
/89
)
und gab insbeson
dere ein psychiatrisches Gutachten bei
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
in Auftrag, welches am 25.
Juli 2012 erstattet wurde (Urk.
9
/95).
Mit Vorbescheid vom 30.
August 2012 wurde dem Versi
cherten die Abweisung seines Erh
öhungsgesuchs angekündigt (Urk.
9
/103). Mit Schreiben vom 28.
September 2012 erhob der Versicherte Einwand gegen diesen Vorbescheid (Urk.
9
/106)
. Die IV-Stelle holte einen weiteren Arztbericht der
Station F0 für Akutpsychiatrie der
psychiatrischen Klinik Z._
vom 12.
November 2012
ein
und
liess
de
n
Gutachter
Dr.
Y._
am
24.
April 2013
Stellung zum Einwand nehmen
(Urk.
9
/108, Urk.
9
/114). Darauf
hin nahm der Versicherte am 12.
Mai 2012
(richtig: 2013)
die Gelegenheit wahr, sich zu diesen
neuen
Abklärungen zu äussern (Urk.
9
/117). Mit Verfügung vom 10.
Juni 2013 entschied die IV-Stelle im Sinne ihres Vorbescheids und wies das Erhöhungsgesuch ab (Urk.
2). Mit Gesuch vom 15
.
Juli 2013 beantragte der Versicherte
gegenüber der IV-Stelle
die Wiederherstellung der Beschwerdefrist wegen Auslandsabwesenheit (Urk.
9
/122). Die IV-Stelle forderte den Versicher
ten mit Schreiben vom 24.
Juli 2013
auf, ihr bis am 24.
August 2013 mitzutei
len, ob sein Schreiben vom 15.
Juli 2013 als Beschwerde an das
Sozialversi
cherungsgericht
nachgereicht werden soll
e
oder
innert dieser Frist
eine ausführ
lichere Beschwerdebegründung direkt dem Sozialversicherungsgericht zuzu
stellen (Urk.
9
/124).
2.
Mit
dem an das Sozialversicherungsgericht gerichteten
Schr
ei
ben vom 24.
August 2013 reichte der
Versicherte die Begründung zur Beschwerde nach und beantragte die Bestellung eines unentg
eltlichen Rechtsbeistands (Urk.
1).
D
ie IV-Stelle
beantragte mit Vernehmlassung vom 28. Oktober 2013
, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten, eventualiter sei
die Beschwerde abzuweisen (Urk.
8).
Mit Schreiben vom 29.
Oktober 2013 erläuterte das
Sozialversiche
rungsgericht
dem Beschwerdeführer die Voraussetzungen zur Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters und wies ihn insbesondere darauf hin, dass er selber den Anwalt zu bezeichnen habe, durch welchen er vertreten sein wolle (Urk.
10).
Mit Verfügung vom 22.
September 2014 wurde dem Versicherten die unentgeltliche Prozessführung
gewährt (Urk.
11).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art.
8 Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art.
7 Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art.
7 Abs.
2 ATSG).
Bei einem Invaliditätsgrad von mindes
tens 40 % besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von min
destens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
].
).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art.
17 Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 11.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
R
evi
-
si
onsgrund
im Sinne von Art. 17 Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Ein
spracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71
E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine Verfügung ver
zichtbar, wenn bei einer von Amtes wegen durchgeführten Revision keine
leis
tungsbeeinflussende
Änderung der Verhältnisse festgestellt wurde (Art.
74
ter
lit
. f der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV]) und die bisherige Inva
lidenrente daher weiter ausgerichtet wird. Wird auf entsprechende Mitteilung hin keine Verfügung verlangt (Art.
74
quater
IVV), ist jene in Bezug auf den
Ver
gleichszeitpunkt
einer (ordentlichen) rechtskräftigen Verfügung gleichzustellen (Urteile des Bundesgerichts 9C_771/2009 vom 10. September 2010 und 9C_586/2010 vom 15. Oktober 2010, je E. 2.2, mit Hinweisen).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Die IV-Stelle beantragte in der Vernehmlassung vom 28.
Oktober 2013, es sei auf die Beschwerde nicht einzutreten. Sie habe dem Versicherten auf sein
Wie
derherstellun
gsgesuch
hin eine Frist bis 24.
August 2013
an
gesetzt, um ihr gegenüber mitzuteilen, ob seine Eingabe als Beschwerde ans
Sozialversiche
rungsgericht
weitergeleitet werden solle oder
um
innert der gleichen Frist direkt eine begründete Beschwerde beim Sozialversicherungsgericht einzureichen. Da die vorliegende Beschwerde der Post erst am 26.
August 2013 übergeben wor
den sei, sei sie verspätet (Urk.
8).
2.2
Die versäumte Beschwerdefrist kann gestützt auf
Art.
60
Abs.
2 ATSG in Verbin
dung mit
Art.
41 ATSG wieder hergestellt werden, wenn die
gesuchstel
lende
Person oder ihre Vertretung unver
schul
de
terweise abgehalten worden ist, binnen Frist zu handeln, sofern sie unter Angabe des Grundes binnen 30 Tagen nach Wegfall des Hinder
nis
ses darum ersucht und die versäumte Rechtshand
lung nachholt.
Fällt der letzte Tag
einer
Frist auf einen Samstag, einen Sonntag oder einen am Wohnsitz oder Sitz der Partei oder ihrer Vertretung vom kanto
nalen Recht anerkannten Feiertag, so endet die Frist am nächsten Werktag (Art. 38 Abs. 3 ATSG). Schriftliche Eingaben müssen spätestens am letzten Tag der Frist dem Versicherungsträger eingereicht oder zu dessen Händen der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsula
rischen Vertretung übergeben werden (Art. 39 Abs. 1 ATSG). Genannte Bestim
mungen sind sinngemäss auch im Rechtspflegeverfahren anwendbar (Art. 60 Abs. 2 ATSG).
2.3
D
er Beschwerdeführer als juristischer Laie durfte darauf vertrauen, dass die IV-Stelle sein Wiederherstellungsgesuch zu Recht behandelte und ihm eine gültige Frist
zur Einreichung der Beschwerde
ansetzte.
Indem der Beschwerdeführer die Eingabe der Post am 26.
August 2013
-
dem
auf den Samstag, 2
4.
August 2013, folgenden
Montag
-
übergab, hielt er die von der IV-Stelle
auf sein
Fristwieder
herstellungsgesuch
hin
angesetzte Frist ein, weshalb
auf
seine Beschwerde
ein
zutreten
ist.
3
.
3
.1
Die ursprüngliche
Rentenzusprache
basierte insbesondere auf dem psychiatri
schen Gutachten von
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie, und von
lic
.
p
hil.
B._
, Fachpsychologe für Psychotherapie
,
vom 6.
April 200
6.
In diesem Gutachten wurden die Diagnosen einer
Aufmerksam
keits
- und Hyperaktivitätsstörung mit Lern- und Leistungsstörungen (ICD-10 F90.1) und
einer
dissozialen Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.2) gestellt.
Es wurde ausgeführt, aus
rein psychiatrischer Sicht sei
der Versicherte
in seiner Arbeitsfähigkeit in
de
r angestammten Tätigkeit
im Computerbereich
zu etwa 50
% arbeitsunfähig, dies aufgrund seiner Aufmerksamkeits- und
Hyperaktivi
tätsstörung
. Es beständen nur diskrete Hinweise auf eine depressive Erkrankung, welche nicht invalidisierend sei (Urk.
9
/14).
3
.2
Der Psychiatrisch-Psychologische Dienst der Stadt
C._
hielt im
Verlaufsbe
richt
vom 7.
Januar 2009
die Diagnose
einer depressiven rezidivierenden Epi
sode, gegenwärtig leicht (ICD-10 F32.0), einer dissozialen
Persönlichkeitsstö
rung
(ICD-10 F60.2) und einer Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.1) fest. Es wurde gegenüber der Erstbehandlung im Jahr 2004 eine leichte Verschlechte
rung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit bei gleichbleibenden Diagnosen festgestellt.
Dabei wurde
eine Restarbeitsfähigkeit im Umfang von 50
%
festgehalten, wobei jedoch eine berufliche Massnahme im Sinne eines sukzessiven Aufbau- und Arbeitstrainings nötig sei (
Urk.
9/57).
3.3
Dem Bericht der
Station F0 für Akutpsychiatrie der
Klinik Z._
vom
6.
Februar 2012 über den stationären Aufenthalt des Versicherten vom 1
5.
bis 30.
Juni 2010 lassen sich die Diagnosen einer akuten Belastungsreaktion (ICD-10 F90.0), eines Verdachts auf eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0) und einer Störung durch
Cannabinoide
(ICD-10 F12
.2
) entnehmen. Zur Arbeitsfähigkeit wurde ausgeführt, dass eine endgültige diagnostische Einschät
zung zum Zeitpunkt des stationären Aufenthaltes nicht möglich gewesen sei, weshalb eine medizinisch begründete Arbeitsunfähigkeit für den Zeitraum nach dem stationären Aufenthalt nicht beurteilbar sei (Urk.
9/
83
).
3.4
Im Bericht des
behandelnden
Ambulatoriums
E._
der
Klinik Z._
vom 11.
Januar 2012 wurden als Diagnosen eine organische Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F07.0)
,
eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0) und eine Störung durch
Cannabinoide
(ICD-10 F12.2) festgehalten. Es wurde ausgeführt, der Versicherte werde seit dem 20.
September 2011 ambulant behandelt, wobei die Therapie alle zwei bis drei Wochen stattfinde. Es werde nicht davon ausgegangen, dass der Versicherte in absehbarer Zeit eine Arbeits
fähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt wiedererlangen könne und
es
bestehe mindestens seit September 2011 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Es beständen Einschränkungen in Form einer stark reduzierten Anpassungsfähigkeit, einer erhöhten Erschöpfbarkeit, einer gestörten Affektregulation und Impulskontrolle sowie einer deutlich erhöhten Ablenkbarkeit (Urk.
9/82).
Im Bericht des
behandelnden
Ambulatorium
s
F._
der
Klinik Z._
vom 22.
Mai 2012 wurden dieselben Diagnosen aufgeführt wie im Bericht des Ambulatori
ums
E._
der
Klinik Z._
.
Dem Bericht lässt sich entnehmen, dass
der Versi
cherte seit dem 27.
März 2012 im Ambulatorium
F._
behandelt
werde
. Es bestehe seit September 2011 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, wobei
dem Ver
sicherten
auch keine behinderungsangepasste Tätigkeit möglich sei (Urk.
9/89).
3
.
5
Der von der IV-Stelle beauftragte Gutachter
Dr.
Y._
hielt
im Gutachten vom 25.
Juli 2012
als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine dissoziale Persönlichkeitsstörung mit Schwierigkeiten in den Bereichen
Impuls
kontrolle
und soziale Interaktion und eine
Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperakti
vitäts-Störung
(ADHS) des Erwachsenenalters (ICD-10 F90.0) fest. Er führte aus, seit Dezember 2004 lasse sich
aus
den vorliegenden Unterlagen keine relevante und anhaltende Veränderung des Gesundheitszustands herleiten. Auch aus den Arztberichten der
Klinik Z._
vom 1
1.
Januar und vom 2
2.
Mai 2012 sei keine Ver
schlechterung des Gesundheitszustands her
zu
leiten, sondern
es würden lediglich
die Auswirkungen auf die Arbeitsfä
higkeit anders beurteilt,
ohne dass sich in diagnostischer Hinsicht grundlegende Änderungen ergeben hätten
. Aus
versi
cherungsmedizinischer
Sicht und unter Berücksichtigung
invalidenversiche
rungsfremder
Faktoren sei dem Versicherten aus psychiatrischer Sicht unverän
dert eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als un
gelernter PC-
Supporter
zu attestieren. Es beständen Schwierigkeiten im inter
personellen Kontakt, mit deutlichem Mangel an Anpassungs- und
Teamfähig
keit
sowie kognitive Defizite. Die bestehende psychische Erkrankung wirke sich auf jegliche berufliche Tätigkeit limitierend aus
(Urk.
9/95).
In seiner Stellungnahme zum Einwand des Versicherten
vom 24.
April 2013
führte der Gutachter
Dr.
Y._
insbesondere aus, dass sich eigen- und fremdanamnestisch keine Hinweise auf eine organische Genese der
Persönlich
keitsstörung
ergeben würden. Das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit werde von ihm im Gutachten zudem bestätigt (
Urk.
9/114/3).
4.
4.1
Ein Rentenrevisionsgrund liegt nur vor, wenn sich der Gesundheitszustand des Versicherten oder dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit in relevanter Hinsicht geändert haben. Dies bedeutet, dass
zunächst abzuklären ist, ob sich der Gesundheitszustand des Versicherten
oder dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
seit der letzten
, mit medizinischen und erwerblichen Abklärun
gen verbunden (
Urk.
9/47, 9/51, 9/57 und 9/58) sowie
mit Mitteilung vom 2
6.
Februar 2009 abgeschlossenen Rentenrevision geändert ha
ben
(Urk. 9/59).
Nur falls dies der Fall ist, liegt
ein Grund für eine Rentenrevision
vor und ist der Invaliditätsgrad
mittels Einkommensvergleich
neu zu berechnen.
4.2
Der Versicherte liess in seiner Beschwerde vom 24.
August 2013 sinngemäss insbesondere beanstanden, dass von der IV-Stelle mehrfach Arztberichte zu sei
nem kurzen stationären Aufenthalt in der
Klinik Z._
im Juni 2010 eingeholt worden
seien.
Demgegenüber seien die Berichte der behandelnden Ärzte ignoriert und nicht auf die von seinen behandelnden Ärzten gestellte Diagnose der organisch bedingten Persönlichkeitsstörung eingegangen worden, welche auf einer neu
ropsychologischen Abklärung beruhe (
Urk.
1).
4.
3
Di
e
IV-Stelle wollte für das Rentenrevisionsverfahren bei den
damals
behandeln
den Ärzten
des Ambulatoriums
E._
der
Klinik Z._
nähere Anga
ben zum Verlauf des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit einholen, um zu erkennen, ob die behandelnden Ärzte
bei ihrer Einschätzung der
Arbeits
un
fähigkeit
von 100 % am 11.
Januar 2012
(Urk.
9/82)
von einer Verschlech
terung
in den letzten Jahren
ausgingen oder lediglich die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit anders beurteilten
als dies im Gutachten von
Dr.
A._
und von
lic
. p
hil.
B._
vom 6.
April 2006
(Urk.
7/14)
und im Verlaufsbericht de
s
Psychiatrisch-Psychologische Dienst
es
der Stadt
C._
vom 7.
Januar 2009
(Urk.
9/57)
der Fall
gewesen
war
(Urk.
9/85)
.
Dieses Schreiben der IV-Stelle mit Zusatzfragen
vom 2
3.
März 2012
war allerdings nicht an die
Ärzte
de
s Ambu
latorium
s
E._
der
Klinik Z._
gerichtet
, sondern
an
die
Station F0 für
Akut
psychiatrie
der
Klinik Z._
und im Betreff war irrtümlicherweise der Arztbericht vom
6.
Februar 2012 aufgeführt
(Urk.
9/85
).
Dr.
med. Dipl.-Psych.
D._
hatte
am 6.
Februar 2012 den Arztbericht über den stationären Aufenthalt
, den der Versicherte
im Jahr 2010
auf der Station F0 für Akutpsychiatrie der
Klinik Z._
verbrachte,
unterzeichnet
(Urk.
9/
83)
-
mit dem Arztbericht vom 11.
Januar 2012
des Ambulatoriums
E._
der
Klinik Z._
(Urk.
9/82)
hatte er
jedoch
nichts zu tun
. Da
Dr.
D._
den Versicherten nur während seines kurzen stationären Aufenthaltes
auf
Station F0 für Akutpsychiatrie
in der
Klinik Z._
im Jahr 2010
behandelt
hatte, konnte
er
die
Fragen
der IV-Stelle
, welche sich
trotz anderslautendem Betreff
auf den Arztbericht des
Ambulatoriums
E._
der
Klinik Z._
vom 11.
Januar 2012
(Urk.
9/82)
und nicht auf ihren Bericht vom 6.
Februar 2012 (Urk.
9/83)
bezogen,
in
seinem
Schreiben vom 27.
April 2012
nicht
konkret
beantworten
(Urk.
9/88).
4.4
Der Versicherte wies in seinem Einwand vom 2
8.
September 201
2
darauf hin, dass die Rückfragen der IV-Stelle zum Arztbericht vom 1
1
.
Januar 2012 bei der falschen Stelle erfolgt sei
en
und beantragte, diese Rückfragen seien an die
zuständigen behandelnden Ärzte
der
Ambulatorien
E._
und
F._
der
Klinik Z._
, zu richten (
Urk.
9/106/3-4).
Im
Vorbescheidverfahren
holte die IV-Stelle
daraufhin
erneut
einen Arztbericht
bei der Station F0 für Akutpsychiatrie der
Klinik Z._
ein,
wobei
sie
genaue
Angaben
zum
Verlauf der Arbeitsfähigkeit seit
Februar
2009
verlangte
(Urk.
9/108).
Auch
hier
muss davon ausgegangen wer
den
, dass die IV-Stelle diese Angaben
von
den
ab
dem
20.
September 2011
behandelnden Ärzten des Ambulatorium
E._
der
Klinik Z._
und den
ab
dem
27.
März 2012
behandelnden Ärzten des Ambulatorium
F._
der
Klinik Z._
an
forder
n wollte
. Es ist nämlich kaum anzunehmen, dass Ärzte,
welche den Versi
cherten lediglich während vierzehn Tagen
im Jahr 2010
im Rahmen eines stati
onären Aufenthaltes
behandelten
,
genaue
Angaben zum zeitlichen und prozentualen Verlauf der Arbeitsfähigkeit seit Februar 2009 in der bisherigen als auch in angepasster Tätigkeit
,
inklusive Skizzierung eines zumutbaren Arbeitsprofils
,
machen können
. Anschliessend wurde
der Gutachter
Dr.
Y._
von der IV-Stelle
zu einer Stellungnahme zu
m Einwand des Versicherten aufgefordert, unter
Beilage dieses
Arztbericht
s
der
Station F0 für Akutpsychiatrie der
Klinik Z._
vom 12.
November 2012 (Urk.
9/112)
.
Da
dieser Bericht der
Klinik Z._
sich mit dem
Gutachten
vom
25.
Juli 2012 (Urk.
9/95)
betref
fend Diagnosen weitgehend deckt
und sich
Dr.
Y._
betreffend Arbeitsfä
higkeit nicht fest
gelegt hat
sowie dieser Bericht dem Gutachter
Dr.
Y._
bereits bei Gutachtenserstellung vorlag (wenn auch
datiert vom 6.
Februar 2012
[Urk.
9/83]
statt vom 12.
November 2012
[Urk.
9/108]
),
war die
Stellungnahme von
Dr.
Y._
vom 24.
April 2013
was seine Äusserungen zu diesem Bericht betrifft, wenig
ergiebig
(Urk.
9/114)
.
4.
5
Festzuhalten ist somit, dass die behandelnden Ärzte nach Vorliegen ihrer Berichte
vom 1
1.
Januar 2012
(
Urk.
9/82)
und 2
2.
Mai 2012
(
Urk.
9/89)
keine Gelegenheit erhielten, sich
zur Frage
eine
s
Verlaufs
des Gesundheitszustands
seit 2009 zu äussern, obwohl die IV-Stelle beabsichtigte einen entsprechenden Bericht einzuholen
, di
es
jedoch
zweimal
an der falsche
n
Stelle
versuchte
(Urk.
9/85
,
Urk.
9/108
).
Da die Arbeitsfähigkeitseinschätzung der den Versi
cherten seit längerer Zeit regelmässig behandelnden Ärzte von der Einschätzung
des Gutachter
s
Dr.
Y._
abweicht, wollte die IV-Stelle diese zusätzlichen Abklärungen zu Recht tätigen, um den Sachverhalt vollständig abzuklären.
4.6
D
ie Sache
ist somit an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie diese Abklärun
gen vornehmen kann.
Anzumerken ist, dass
die IV-Stelle
den behandelnden Ärzten zur Beantwortung
ihrer Fragen offenbar
gewisse
Vora
kten
zustellen
wollte
(Urk.
9/85)
, was sinnvoll erscheint, da die Behandlung in den Ambulato
rien der
Klinik Z._
im September 2011 begann und die behandelnden Ärzte Unterla
gen zur Krankengeschichte benötigen, um sich über eine Veränderung seit dem Jahr 2009 äussern zu können.
Sollten zur neuropsychologischen Abklärung vom 1
2.
und 19.
Dezember 2011, welche im Bericht des Ambulatoriums
E._
der
Klinik Z._
vom 11.
Januar 2012 erwähnt wird (Urk.
9/82/3), Unter
lagen vorhanden sein, so wären diese von der IV-Stelle ebenfalls beizuziehen
, da sich aus diesen eine Begründung der Diagnose der organischen
Persönlich
keitsstörung
ergeben könnte
, welche von der durch den Gutachter
Dr.
Y._
gestellten Diagnose abweicht
und zu andern Schlüssen führen könnte
.
4.
7
Nach erfolgter Rückweisung der Sache hat die
IV-Stelle daher bei den behandeln
den Ärzten
der
beiden
Ambulatorien
E._
und
F._
der
Klinik Z._
, welche dem Versicherten eine Arbeitsunfähigkeit von 100
% attestierten,
eine Stellungnahme zur
allfälligen
Veränderung des Gesundheitszustands
des Versicherten
sowie dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
seit dem Jahr 2009
einzuholen
, wobei den behandelnden Ärzten
zur Beantwortung dieser Fragen
die
medizinische
n
Vorakten
zur Verfügung zu stellen sind
.
Zudem sind die Unterlagen über die neuropsychologische Abklärung beim Ambulatorium
E._
der
Klinik Z._
beizuziehen, falls solche vorhanden sind.
Anschliessend hat
die IV-Stelle de
n psychiatrischen
Gutachter
Dr.
Y._
Stellung nehmen zu lassen
zu den
eingereichten
Berichten
der behandelnden Ärzte.
4.
8
Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung ist Beweis über sozialversicherungs
-
recht
liche Ansprüche schwergewichtig auf Stufe des Administrativverfahrens zu führen und nicht im gerichtlichen Prozess. Diese Grundsatzentscheidung hat der Gesetzgeber in
Art.
43
Abs.
1 ATSG getroffen und deren Abänderung müsste in einem Gesetz im formellen Sinn vorgesehen sein (BGE 136 V 376 E. 4.2.1). Die hier anzuordnende Rückweisung steht im Einklang mit der Rechtsprechung des Bundesgerichts (
Urteil des Bundesgerichts 9C_243/2010 vom 28. Juni 2011
E. 4.4.1.4), wonach es dem kantonalen Gericht unbenommen bleibt, eine Sache zurückzuweisen, wenn lediglich eine Klarstel
lung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen
und kein neues Gutachten
erforderlich ist.
4.
9
Die Beschwerde ist daher in dem Sinn gutzuheissen, dass die Verfügung vom 1
0.
Juni 2013 aufzuheben und die Sache zur ergänzenden Abklärung an die IV-Stelle zurückzuweisen ist. Nach Vornahme dieser Abklärungen hat die IV-Stelle
über eine allfällige Erhöhung der halben Invalidenrente
neu zu entscheiden
.
In dem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass es unbestritten und ni
cht Thema der Verfügung vom 10.
Juni 2013 ist, dass dem Versicherten mindestens eine halbe Invalidenrente auszurichten ist.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von
Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen der gesetzlichen Vorgabe (Art.
69 Abs.
1
bis
IVG) auf
Fr.
700.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtspre
chung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklä
rung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (Urteil des Bundesge
richts U 199/02 vom 1
0.
Februar 2004 E. 6 mit Hinweis auf BGE 110 V 57; SVR 1999 IV Nr. 10 S. 28 E. 3). Die Kosten sind der unterliegenden
Beschwerdegeg
nerin
aufzuerlegen.