Decision ID: 882f3e27-bb5f-41b4-b0e7-7eb7c49b1ea1
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
am 5. März
1994, wurde
am 22. Mai 2000
(Urk. 9/1)
durch seine Eltern wegen
einer mittelgradigen links betonten ataktischen
Cerebralparese
(Ziffer 390 des Anhangs der Verordnung über Geburtsgebrechen,
GgV
) und
eines infantilen
Psycho-Organischen
Syndrom
s
(
POS
)
(Ziffer 404
Anhang
GgV
)
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug angemeldet
.
In der Folge erteilte die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle
,
verschiedentlich Kostengutsprache
n
in Bezug auf medizinische Massnahmen im Zusammenhang mit den festgestellten Geburtsgebrechen (Urk. 9/5, 9/6, 9/10, 9/47, 9/48, 9/60, 9/61).
Nach dem Besuch der Sekundarschule B in zwei Privatschulen (Urk. 9/74/1, 9/74/3-7, 9/78) begann er im August 2010 eine
Berufslehre
zum Landschafts
gärtner bei der
A._
(
Urk.
9/77)
. Nachdem
er das erste Lehrjahr wiederholen musste (Urk. 9/58/3)
, brach er diese Ausbildung in der Folge ab
.
Am 12. Januar 2012 (Urk. 9/57) ersuchte die Mutter des Versicherten um Gewährung von
anderweitigen
Massnahmen betreffend seine berufliche Erstausbildung. Mit Anmeldung vom 9. Juni 2012 (Urk. 9/79) stellte auch der inzwischen volljährige Versicherte ein entsprechendes Gesuch.
Daraufhin erteilte die IV-Stelle a
m 23. Juli und 20. August 2012 (Urk. 9/83, 9/89)
Kosten
gutsprache für die Mehrkosten der erstmaligen beruflichen Ausbildung zum Kaufmann
mit Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (
EFZ
)
in der
B._
, zwischen dem 17. Ju
ni 2012 und dem 5. August 2015.
Aufgrund der Mitteilung des Versicherten vom 11. November 2012 (Urk. 9/96), wonach er die kaufmännische Lehre nicht fortführen werde, hob die IV-Stelle mit Mittei
lung vom 20. November 2012 (Urk. 9/98) die erteilte Kostengutsprache per 30. November 2012 auf.
Am 30. April 2013 (Urk. 9/118) wurde dem Versicher
ten Kostengutsprache für eine Berufsvorbereitung im Zeitraum vom 6. Mai bis 31. Juli 2013 im Hinblick auf eine Berufslehre als Fachmann Betriebsunterhalt
erneut
bei der
B._
zugesprochen. In der Folge unterzeichnete der Versicherte am 5. Juli 2013 (Urk. 9/131) einen Lehrvertrag
für eine Ausbil
dung zum Fachmann Betriebsunterhalt EFZ zwischen 1. August 2013 und 31. Juli 2016. Die IV-Stelle erteilte am 22. Juli 2013 (Urk. 9/133) Kostengut
sprache für die dabei an
fallenden Mehrkosten und sprach
entsprechende Tag
gelder für den Zeitraum vom 2. August 2013 bis 2. August 2015 zu. Am 7. Juli 2014 (Urk. 7/148) erfolgte eine Umwandlung des Ausbildungsverhältnisses in ein
Anlehrverhältnis
(heute statt „
Anlehre
“ „berufliche Grundbildung“
, was namentlich eine Verkürzung der Ausbildungsdauer um ein Jahr zur Folge hatte.
Entsprechend
erfolgte
am 21. Juli 2014 (Urk. 9/154)
durch die IV-Stelle eine Anpassung
ihre
r
Mitteilung vom 22. Juli 2013 betreffend
Kostengutsprache.
Zwischen dem 11. und dem 22. Mai 2015 absolvierte der Versicherte
im Hin
blick auf eine mögliche Anstellung als Hilfsarbeiter bis im Spätherbst
ein Berufspraktikum bei
C._
(Urk. 9/165)
,
(Urk. 9/163)
.
In den Monaten Juni und Juli 2015
absolvierte er ein weiteres Praktikum bei der
D._
(9/169/7)
.
Am 17./20. Juli 2015 (Urk. 9/176) wurde zwischen dem Geschäftsführer der
D._
, dem Versicherten und der IV-Stelle
ein Arbeitsversuch
in den Monaten August und September 2015
vereinbart, bei dessen positivem Verlauf dem Versicherten eine unbefristete Festanstellung
ab 1. Oktober 2015 mit einem Pensum von mindestens 70 %
in Aussicht gestellt wurde (Urk. 9/175,
9/
176
). Die entsprechende Mitteilung durch die IV-Stelle erfolgte am 17. Juli 2015 (Urk. 9/173)
. M
it Verfügung vom 24. Juli 2015 (Urk. 9/178) wurde
der
Taggeld
anspruch
des Versicherten während des Arbeitsversuches
in den Monaten August und September festgelegt, und am gleichen Datum
(Urk. 9/177) orien
tierte die IV-Stelle den Versicherten darüber, dass die Eingliederungsmassnah
men
nun
abgeschlossen seien.
Mit Brief vom 6. September 2015 (
Urk.
9/183)
verlang
t
e
der Versicherte
eine anfechtbare Verfügung betreffend den
Abschluss der beruflichen Eingliederung. Die IV-Unterstützung zu
s
einer beruflichen Eingliederung
sei
weiterzuführen.
Der Arbeitsversuch sei
noch nicht ausgewertet.
Gegenüber dem Sachbearbeiter der IV-Stelle, der den Versicherten in der Folge anrief (
Urk.
9/184), ergänzte dieser unter anderem sein Schreiben dahingehend, dass er eigentlich eine
Voll
zeiterwerbst
ätigkeit
aufnehmen
wolle. Er
benötige
auch den Lohn eines Voll
zeit-Arbeitenden
. E
r brauche eine neue Stelle bis ca. Ende Juli 2016. Denn dann könne er die Berufsausbildung zum "Betriebsfachmann EFZ"
bei der
E._
beginnen
.
Er wünsche also
eine neue, bis ca. 31. Juli 2016 befris
tete Anstellung und halte bereits selber respektive
zusammen mit seinen Eltern
nach entsprechenden Stellen
Ausschau
. Der Sachbearbeiter der IV-Stelle verblieb gemäss der Telefonnotiz mit dem Versicherten so,
dass
dies
er aktuell und bis auf
W
eiteres
keine aktive Unterstützung bei der Suche nach einer für ihn
pas
senden neuen Stelle benötige
.
Andernfalls
würde
er sich
wieder melden.
Mit Vorbescheid vom 18. Februar 2016 (Urk. 9/188) stellte die IV-Stelle
ferner
dem Versicherten die Abweisung seines Rentengesuchs in Aussicht
, da er
renten
ausschliessend
eingegliedert sei
.
Am 14. März 2016 trat
der
Lehrvertrag
zwischen dem Versicherten und
dem Sportamt der
E._
über eine vom 15. August 2016 bis zum
14. August 2019 dauernde Lehre als Fachmann Betriebsunterhalt EFZ in Kraft
(Urk. 9/195)
. Mit
Schreiben vom 9. April 2016 (Urk. 9/19
6) ersuchte der Ver
sicherte die IV-Stelle darum, ihn finanziell und mittels Begleitung durch einen Job Coach zu unterstützen. Bei der
E._
eine EFZ-Lehre
zu
absol
vieren,
biete ihm
die Chance
,
vollwertig ins Erwerbsleben einsteige
n zu k
önnen
.
Der Lehrlingslohn
sei aber
sehr tief
, und er werde damit s
einen minimalen Lebensunterhalt nicht decken können. Deshalb bitte
er um Unterstützung
mit einem Taggeld bis zum Lehrabschuss
.
Wie
vor
angekündigt
,
verneinte die IV-Stelle
kurz danach
mit Verfügung vom 2
2.
April 2016 (
Urk.
2) einen Rentenanspruch
des Versicherten mit der Begrün
dung, dieser sei rentenausschliessend eingegliedert
.
Die IV-Stelle habe ihn bei der erstmaligen beruflichen Eingliederung unterstützt und er habe die Ausbil
dung zum Betriebspraktiker erfolgreich abgeschlossen. Er sei
rentenausschlies
send
eingegliedert. Somit entstehe keine zu einer Rente berechtigende
Erwerbs
einbusse
.
Am 10. Mai 2016, das heisst gut zwei Wochen nach dem Erlass der angefochte
nen Verfügung, lud die IV-Stelle dessen ungeachtet den Versicherten zu einem persönlichen Gespräch auf den 19. Mai 2016 ein, um mit ihm die berufliche Situation zu besprechen (
Urk.
9/199). M
it Mitteilung vom 11. Juli 2016 (
Urk.
16/5)
leistete die
IV-Stelle
für ein halbes Jahr Kostengutsprache für die beantragte berufliche Massnahme
,
und am 2
2.
Juli 2016 (
Urk.
16/6)
verfügte sie
die Ausrichtung von Taggeldern für den Zeitraum vom 15. August bis am
31. Dezember 2016
, das heisst für einen Teil der bis Mitte August 2019 geplanten Lehre
.
2.
Mit Beschwerde vom 20. Mai 2016 (Urk. 1) beantragt der Beschwerdeführer
,
die angefochtene Verfügung vom 22. April 2015 sei aufzuheben, es sei festzustel
len, dass er weiterhin Anspruch auf Leistungen in Bezug auf seine berufliche Eingliederung habe, die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, erst nach formell verfügtem Abschluss der beruflichen Eingliederung über den Rentenanspruch zu verfügen. Zudem ersucht er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung.
Die Beschwerdegegnerin schliesst mit Beschwerdeantwort vom 27. Juni 2016 (Urk. 7) auf Abweisung der Beschwerde.
3.
Nachdem der Beschwerdeführer am 28. Juni 2016 (Urk. 11 f.) weitere Akten zur Beurteilung seiner Bedürftigkeit ein
ge
reicht
hatte
, wurde ihm mit Verfügung vom 21. Juli 2016 (Urk. 13) die unentgeltliche Prozessführung
gewährt.
4.
Mit Replik vom 14. September 2016 (Urk. 15) hielt der Beschwerdeführer an seinen gestellten Anträgen fest und stellte einen Eventualantrag auf Sistierung des Verfahrens
,
bis Ende des ersten Lehrjahres feststehe, ob der Beschwerde
führer mit Hilfe des Jobcoachings in der Lage
sei
, die Lehre als Fachmann Betriebsunterhalt EFZ abzuschliessen.
Mit Schreiben vom 10. Oktober 2016 (Urk. 18) verzichtete die Beschwerde
-
gegne
rin
auf das Einreichen einer Duplik.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art. 8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
haben Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
) bedrohte Versicherte Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen
, soweit diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (
lit
. a), und die
V
oraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen
Massnahmen
erfüllt sind (
lit
. b).
Der Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen
besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der
Ma
ssn
ahmen
ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Art. 8
Abs.
1
bis
IVG
).
1.2
Zu den
Eingliederungsma
ss
nahmen
gehören nach Art. 8
Abs.
3
lit
. b IVG die
Massnahmen
beruflicher Art, wozu insbesondere auch die erstmalige berufliche Ausbildung zählt. Dazu ist in Art. 16 IVG vorgesehen, dass Versicherte, die noch nicht erwerbstätig waren und denen infolge Invalidität bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung in wesentlichem Umfang zusätzliche Kosten entstehen, Anspruch auf Ersatz dieser Kosten haben, sofern die Ausbildung den Fähigkei
ten des Versicherten entspricht (
Abs.
1). Der erstmaligen beruflichen Ausbildung gleichgestellt ist unter anderem (neben hier nicht weiter interessierenden Tätig
keiten) die Vorbereitung auf eine Hilfsarbeit oder auf eine Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte (
Abs.
2
lit
. a).
Nach Art. 5
Abs.
1
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV,
in der hier anwendbaren, bis 31. Dezember 2014 gültig gewesenen Fassung) gilt als erstmalige berufliche Ausbildung unter anderem
jede Berufslehre oder beruf
liche Grundbildung
und die berufliche Vorbereitung auf eine Hilfsarbeit oder auf die Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte.
1.3
Als
Eingliederungsmassnahme
unterliegt die erstmalige berufliche Ausbildung den allgemeinen Anspruchsvoraussetzungen des Art. 8
Abs.
1 IVG. Sie hat somit neben den dort ausdrücklich genannten Erfordernissen der Geeignetheit und Notwendigkeit auch demjenigen der Angemessenheit (
Verhältnismässigkeit
im engeren Sinne) als drittem Teilgehalt des
Verhältnismässigkeitsgrundsatzes
zu genügen. Danach muss sie unter Berücksichtigung der gesamten tatsäch
lichen und rechtlichen Umstände des Einzelfalles in einem angemessenen Ver
hältnis zum angestrebten Eingliederungsziel stehen. Hinsichtlich der Angemes
senheit lassen sich vier Teilaspekte unterscheiden, nämlich die sachliche, die zeitliche, die finanzielle und die persönliche Angemessenheit. Danach muss die
Massnahme
prognostisch ein bestimmtes
Mass
an Eingliederungswirksamkeit aufweisen; sodann muss gewährleistet sein, dass der angestrebte
Eingliede
rungserfolg
voraussichtlich von einer gewissen Dauer ist; des Weitern muss der zu erwartende Erfolg in einem vernünftigen Verhältnis zu den Kosten der
kon
kreten
Eingliederungsmassnahme
stehen;
schliesslich
muss die
Massnahme
dem Betroffenen auch zumutbar sein
(
zur
Publikation
bestimmte
s
Urteil
9C_837/2015
vom 23. November 2016 E. 2.1-2.3).
1.4
Nach dem Grundsatz "Eingliederung vor Rente
“ gemäss
Art. 28
Abs.
1
lit
. a IVG
gehen Eingliederungsmassnahmen den Rentenleistungen vor. Letztere werden nur erbracht, wenn die versicherte Person nicht oder bloss in ungenügendem Masse eingegliedert werden kann. Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Leistungsgesuchs als auch im Revisionsfall hat die Verwaltung von Amtes wegen abzuklären, ob vorgängig der Gewährung oder Weiterausrichtung einer Rente Eingliederungsmassnahmen durchzuführen sind (Urteil des Bundesge
richts
I 534/02 vom 25. August 2003 E. 4.1
mit Hinweisen, unter anderem auf
BGE 126 V 241 E. 5
).
1.5
Gemäss der Botschaft des Bundesrates (
BBl
2010 S. 1911 f.) bezweckt die Bestim
mung von
lit
. a
Abs.
2
der Schlussbestimmung zur 6. IV-Revision
den Wiedereinstieg ins Arbeitsleben für von einer Herabsetzung oder Aufhebung der Rente betroffene Personen zu erleichtern, indem sie einen Anspruch auf Wiedereingliederungsmassnahmen während höchstens zwei Jahren erhalten, falls diese für eine Wiedereingliederung sinnvoll und nutzbringend sind. Wichtig sei dabei insbesondere die Arbeitsvermittlung (Art. 18 IVG), da diese in der Regel eine Eingliederung ins Erwerbsleben erleichtere und von der IV-Stelle deshalb praktisch in jedem Fall zugesprochen werden könne. Als Massnahme zur Wiedereingliederung im Sinn von
lit
. a
Abs.
2
SchlB
IVG in Verbindung mit Art. 8a IVG kommt sodann der Arbeitsversuch (Art. 18a IVG) in Frage. Beim Arbeitsversuch im Sinne von Art. 18a
Abs.
1 IVG geht es im Wesentlichen darum, die tatsächliche Leistungsfä
higkeit einer versicherten Person während
maximal sechs Monaten im ersten Arbeitsmarkt zu testen. Gemäss der Botschaft des Bundesrates (
BBl
2010 S. 1890) ist davon auszugehen, dass sich die Eingliederungschancen mit diesem Instrument in vielen Fällen erhöhen werden.
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 22. April 2016 (Urk. 2) verneinte die Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf eine Invalidenrente, da der Beschwer
deführer rentenausschliessend eingegliedert sei. Mangels Erwerbseinbusse sei kein Anspruch auf eine Invalidenrente begründet.
2.2
Demgegenüber macht der Beschwerdeführer geltend, dass er zum Zeitpunkt, als die Rentenprüfung in Auftrag gegeben w
urde
, weder in den Arbeitsmarkt inte
griert noch überhaupt klar gewesen
sei
, ob eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt überhaupt möglich sei. Er sei denn auch aktuell lediglich zeitlich befristet als Praktikant tätig
(Urk. 1)
.
Mit seiner Replik wies der Beschwerde
führer zudem darauf hin,
die Beschwerdegegnerin
habe
mit Verfügungen vom 1
1.
beziehungsweise 22. Juli 2016 in Anwendung von Art. 16c IVG weitere Leistungen in Form eines Jobcoachings für die Ausbildung zum Fachmann Betriebsunterhalt EFZ gewährt.
A
uch die Beschwerdegegnerin
gehe somit davon aus
,
dass der Versicherte nicht vollumfänglich eingegliedert sei. Entsprechend könne noch nicht über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers befunden werden
(Urk. 15).
3.
3.1
Entsprechend dem Grundsatz „Eingliederung vor Rente“ ist somit zunächst zu klären
, ob die Rentenfrage bereits geprüft werden durfte.
Die
Beschwerdegegne
rin
ging am 24. Juli 2015 (Urk. 9/177) davon aus, dass der Beschwerdeführer in den ersten Arbeitsmarkt integriert sei, teilte
ihm
den Abschluss der beruflichen Eingliederungsmassnahmen mit und
begann mit der Prüfung des Rentenan
spruchs. Entsprechend ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung tatsächlich rentenausschliessend in den Arbeitsmarkt integriert war oder ob noch Eingliederungsmassnahmen in Betracht fallen konnten.
Nachdem er den Anforderungen einer Gärtnerlehre auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht gewachsen war, begann der Beschwerdeführer
im Sommer 2012 eine kaufmännische Lehre im geschützten Rahmen, welche jedoch seinen Fähigkei
ten und Interessen nicht entspr
ach (Urk. 9/96). In der Folge begann er
im Som
mer 2013
in der gleichen Ausbildungs
stätte
eine Ausbildung zum Fachmann
Betriebsunterhalt
(Urk.
9/131
), welche nach einem Jahr wegen Defiziten im praktischen Bereich zu einer
Anlehre
herabgestuft wurde
(Urk. 9/148)
. Gegen Ende der
Anlehre
absolvierte der Beschwerdeführer im Mai 2015 ein knapp zweiwöchiges Praktikum bei einem Gartenbauunternehmen in der Nähe der Ausbildungsstätte, welches jedoch nicht zur beabsichtigten befristeten Anstel
lung als Hilfsarbeiter führte (Urk. 9/166).
Anschliessend absolvierte der Beschwerdeführer i
n den Monaten Juni und Juli 2015 ein Praktikum in einem Hauswartungsunternehmen (Urk.
9/171/1
). Im Hinblick auf eine spätere
unbe
fristete
Anstellung
wurde diese Tätigkeit durch einen im Juli 2015 angeordneten Arbeitsversuch in den Monaten August und September 2015 verlängert
(
Urk. 9/173, 9/176)
.
Die
berufliche
Massnahme
des Arbeitsversuchs
(Art. 18a IVG)
wurde
gemäss dem
Wortlaut von Art. 8a Abs. 1 in Verbindung mit Art. 8a Abs. 2
lit
. b IVG
zur Wiedereingliederung im Sinne von
lit
. a Abs. 2 der Schlussbestimmung zur
6.
IV-Revision in Verbindung mit Art. 8a IVG eingeführt. Diese
Massnahme war demnach nicht auf die erstmalige berufliche Eingliederung des Beschwerdefüh
rers zugeschnitten, geht es bei ihm doch um eine
erstmalige berufliche Ausbil
dung
nach
Art. 8 Abs.
3
lit
. b IVG (dazu BBI 2010 1839 f.)
Indem die
Beschwer
degegnerin
am 17. Juli 2015 ein
en
durch Taggelder der In
validenversicherung finanzierten Arbeitsversuch anordnete
,
brachte sie
immerhin klar
zum Aus
druck, dass sie davon ausging, dass zu diesem Zeitpunkt noch keine Integration des Beschwerdeführers in den ersten Arbeitsmarkt erfolgt war. Dies ist aufgrund der Erwerbsbiographie des Beschwerdeführers
nachvollziehbar.
Diese umfasste
zu diesem Zeitpunkt
,
ne
ben einer nach rund einem Jahr zufolge Überforderung abgebrochenen Lehre, einzig eine
Anlehre
im geschützten
Rahmen
,
sowie
zwei durch die Invalidenversicherung finanzierte Praktika von kurzer Dauer.
Wohl aufgrund einer am 16. Juli 2015 (Urk. 9/172/3) getätigten Aussage des Beschwerdeführers, wonach er nach Abschluss des Arbeitsversuches mit Sicher
heit per 1. Oktober 2015 unbefristet eingestellt werde, ging die
Beschwerdegeg
nerin
lediglich eine Woche nach der
Zusprache
des Arbeitsversuches, und bevor dieser überhaupt begonnen hatte, von einer unbefristeten Anstellung des Beschwerdeführers
per 1. Oktober 2015
und damit
von
einer erfolgreichen Ein
gliederung in den ersten Arbeitsmarkt aus
, weshalb sie dem Beschwerdeführer die Beendigung der Eingliederungsmassnahmen mitteilte (Urk. 9/177)
.
Di
es vermag nicht zu überzeugen:
Es
findet sich in den Akten keinerlei Beleg dafür, dass dem Beschwerdeführer
ein unbefristeter Arbeitsvertrag
bei positivem Ver
lauf des Arbeitsversuches
nicht nur
in Aussicht gestellt, sondern
ihm
tatsächlich ein konkretes Vertragsangebot unterbreitet
wurde
.
E
ntgegen der Annahme der Beschwerdegegnerin
ist damit
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
zum Zeitpunkt der Mitteilung des Abschlusses der Eingliederungsmassnahmen noch nicht im ersten Arbeitsmarkt integriert war
. Dies
ergibt
sich auch aus der Tatsache, dass er zu diesem Zeitpunkt nach
im geschützten Rahmen
erfolgreich abgeschlossener
Anlehre
im ersten Arbeitsmarkt
lediglich
während wenigen Monaten
durch die Invalidenversicherung finanziert
e
Praktika
ausüben konnte
,
wo
bei
die Einsatzbetriebe keine Entgelte für die von ihm geleistete Arbeit
bezahlen
und somit keine Arbeitgeberrisiken eingehen
mussten
.
3.
2
In Bezug auf
den
Verlauf des
vorangegangenen,
zwischen dem 1. August und dem 30. September 2015 erfolgten Arbeitsversuchs bei der
D._
ist in den Verfahrensakten lediglich ein Schreiben des Beschwerdeführers an die Beschwerdegegnerin vom
6. September 2015 (Urk. 9/183)
sowie eine Aktennotiz betreffend ein Telefongespräch zwischen einem Eingliederungsberater der Beschwerdegegnerin und dem Beschwerdefüh
rer vom 15. September 2015 (Urk. 9/184) enthalten.
Damit ist auch nach Abschluss des Arbeitsversuches Ende September 201
5 nicht davon auszugehen, dass
er eingegliedert werden konnte.
Wie dem
von ihm
im Be
schwerdeverfahren eingereichten
Praktikumsvertrag (Urk. 11/6) zu entnehmen ist, war der Beschwerdeführer
befristet
zwischen dem 11. Januar und dem 10. Juli 2016 als Praktikant bei der
F._
angestellt
.
E
r
wurde dabei
für Tätigkeiten in den Bereichen Hauswartung, Gar
tenarbeiten, Spezialreinigung und Winterdienst eingesetzt. Diese Anstellung erfolgte
entsprechend ihrer Natur und Ausgestaltung
zu einem Bruttolohn von monatlich Fr. 1‘500.-- (Fr. 1‘850.-- - Fr. 350.-- Spesen)
,
während die
Beschwer
de
gegnerin
bei der Prüfung, ob der Versicherte rentenausschliessend eingeglie
dert sei, von einem
möglich
en
monatliche
n
Einkommen
von Fr. 4‘802.
-- aus
ging
(Urk. 9/187/6)
.
D
ass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des Erlasses der rentenverneinenden Verfügung
noch nicht
erfolgreich in den ersten Arbeitsmarkt integriert war
,
zeigt sich ebenfalls in der Tatsache, dass die Beschwerdegegnerin - bei im
Ver
gleich
zur angefochtenen Verfügung unverändertem Sachverhalt - mit Mittei
lung vom 11. Juli 2016 (Urk. 16/5) vorerst für ein halbes Jahr Kostengutsprache für die
vom Versicherten am
9.
April 2016 (
Urk.
6/196)
beantragte berufliche Massnahme
in Form von erstmaliger beruflicher Ausbildung
leistete und
zu diesem Zweck
am 22. Juli 2016 (Urk. 16/6) die Ausrichtung von Taggeldern der Invalidenversicherung für d
en Zeitraum vom 15. August bis zu
m 31. Dezember 2016 verfügte.
Demgegenüber hatte die Beschwerdegegnerin mit der
Beschwer
deantwort
vom 2
7.
Juni 2016, also kurze Zeit zuvor, noch die Abweisung der Beschwerde mit der Begründung beantragt, m
it d
er angefochtenen Verfügung
sei
der Rentenanspruch des Beschwerdeführers verneint
worden
, da er
renten
ausschliessend
eingegliedert
worden sei
.
M
it der angefochtenen Verfügung
sei
lediglich
dar
über ents
chieden wo
rde
n
. Auf den Antrag auf berufliche Massnah
men
sei
daher nicht einzutreten
(
Urk.
7). Auf diese Argumentation kam die Beschwerdegegnerin auch im Laufe des weiteren Beschwerdeverfahrens nicht zurück.
Wäre in der von der Beschwerdegegnerin beantragten Weise zu verfahren, so würde allerdings über den Rentenanspruch gerichtlich entschieden, bevor die beruflichen Massnahmen abgeschlossen und eingliederungswirksam sind. Zwar hat die Beschwerdegegnerin den
Beschwerdeführer
wie erwähnt
nach Erlass
der angefochtenen Verfügung erneut zur Prüfung von Eingliederungsmassnahmen eingeladen
und am 1
1.
Juli 2016 für die Mehrkosten der beruflichen Ausbildung
zum Fachmann Betriebsunterhalt EFZ beim Sportamt
E._
Gutsprache geleistet sowie dem Versicherten mit separater Verfügung vom 2
2.
Juli 2016 Taggelder zugesprochen. Beides erfolgte jedoch vorerst befristet vom 1
5.
August 2016 bis zum 1
4.
Februar 2017
(
Urk., 16/5 und 16/6)
.
Angesichts dessen trifft es nicht zu, dass ü
ber den Rentenanspruch bereits jetzt entschieden werden
kann mit der Begründung,
für den Rentenanspruch
komme es nicht darauf an
, ob eine versicherte Person tatsächlich eine Arb
eitstätigkeit ausübe oder nicht, massgebend sei
allein, ob eine Tätigkeit aus
medizinischer Sicht zumutbar sei
.
Denn solange die IV-Stelle dem Versicherten Kosten für die Vervollständigung der beruflichen Erstausbildung zuspricht, ist es dem Beschwerdeführer gar nicht möglich, auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt eine zumutbare Tätigkeit zu suchen sowie allenfalls auszuüben, und dementsprechend ist der Hinweis auf den
ausgeglic
henen Arbeitsmarkt, d
er auch Nischenarbeitsplätze
umfasse, ver
fehlt
.
Deshalb ist die angefochtene Rentenverfügung verfrüht erfolgt und auf
zuheben.
Die Beschwerdegegnerin
,
an welche die Sache zurückzuweisen ist, wird zunächst
über den Anspruch des Beschwerdeführers auf Fortsetzung der beruflichen Erstausbildung verfügen müssen. Erst wenn diese abgeschlossen ist oder sich die Fortsetzung der beruflichen Erstausbildung als unmöglich erweist, wird die Beschwerdegegnerin über den Rentenanspruch entscheiden können
.
4.
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversiche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge
setzt. Vorliegend erweist sic
h eine Kostenpauschale von Fr. 600
.-- als ange
messen.
Da die Beschwerde
gutzuheissen
ist,
sind die Kosten de
r
Beschwerde
gegnerin
aufzuerlegen
.