Decision ID: 2cc6663e-9708-4d52-a25a-c541c1d48ae8
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt eine Fahrberechtigung der Dominikanischen Republik. Im Hinblick auf den
Umtausch in einen schweizerischen Führerausweis ordnete das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen eine Kontrollfahrt an, die X am 12. Dezember
2018 absolvierte und nicht bestand. Der Experte eröffnete ihr das Prüfungsergebnis im
Anschluss an die Fahrt und händigte ihr die Verfügung zur Kontrollfahrt, worauf die
Mängel summarisch aufgeführt sind, aus.
B.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe vom 17. Dezember 2018 Rekurs bei
der Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK) mit dem Antrag, sie
sei zu einer zweiten Kontrollfahrt zuzulassen. Mit Vernehmlassung vom 18. Februar
2019 beantragte die Vorinstanz die Abweisung des Rekurses. Die Rekurrentin erhielt
Gelegenheit zur Stellungnahme, verzichtete aber darauf. Auf die Ausführungen der
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Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird, soweit erforderlich, in den

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Der Entscheid
über das Bestehen oder Nichtbestehen einer Kontrollfahrt stützt sich auf Art. 14 Abs. 1
und 3 sowie Art. 15d Abs. 5 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt:
SVG) und Art. 29 der Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen
zum Strassenverkehr (SR 741.51, abgekürzt: VZV). Eine nicht bestandene Kontrollfahrt
hat gestützt auf Art. 29 Abs. 2 lit. a VZV notwendigerweise den Entzug des
Führerausweises zur Folge (BGE 136 II 61 E. 1.1). Dem negativen Entscheid über die
Kontrollfahrt kommt Verfügungscharakter zu (vgl. GVP 1977 Nr. 54 E. 1). Die sachliche
Zuständigkeit der VRK ist gegeben. Die Rekurrentin ist zur Rechtsmittelerhebung
befugt. Der Rekurs vom 17. Dezember 2018 ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt
in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen von Art. 41 lit. g ,
45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1, abgekürzt:
VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- a) Die Erteilung eines schweizerischen Führerausweises setzt nach Art. 14 Abs. 1
SVG Fahreignung und Fahrkompetenz voraus. Fahrkompetenz hat gemäss Art. 14
Abs. 3 SVG, wer die Verkehrsregeln kennt (lit. a) und wer Fahrzeuge der Kategorie, für
die der Ausweis gilt, sicher führen kann (lit. b). Bestehen Zweifel an der Fahrkompetenz
einer Person, so kann diese nach Art. 15d Abs. 5 SVG und Art. 29 Abs. 1 VZV einer
Kontrollfahrt, einer Theorieprüfung, einer praktischen Führerprüfung oder einer anderen
geeigneten Massnahme, wie einer Aus- oder Weiterbildung oder einer Nachschulung,
unterzogen werden. Gemäss Art. 44 Abs. 1 VZV wird dem Inhaber eines gültigen
nationalen ausländischen Ausweises der schweizerische Führerausweis der
entsprechenden Kategorie erteilt, wenn er auf einer Kontrollfahrt nachweist, dass er die
Verkehrsregeln kennt und Fahrzeuge der Kategorien, für die der Ausweis gelten soll,
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sicher zu führen versteht. Nach Art. 150 Abs. 5 lit. e VZV kann das Bundesamt für
Strassen (ASTRA) gegenüber Führern aus Staaten, die in Bezug auf Ausbildung und
Prüfung der Schweiz entsprechende Anforderungen stellen, auf die Kontrollfahrt
verzichten. Mit Kreisschreiben vom 30. September 2013 (in Kraft ab 1. Oktober 2013)
machte das ASTRA von seiner Befugnis Gebrauch, die Inhaber von Ausweisen
bestimmter Länder von der Kontrollfahrt zu befreien. Nach der Länderliste gehört die
Dominikanische Republik nicht dazu. Unter Auferlegung einer zulässigen gerichtlichen
Zurückhaltung bei der Überprüfung von Fragen, die, wie die Beurteilung von
ausländischen Prüfungsstandards, spezielle Fachkenntnisse voraussetzen (vgl. Cavelti/
Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 632), ist
der Ausnahmekatalog nicht zu beanstanden. Es steht somit fest, dass die Rekurrentin
vor einem allfälligen Umtausch ihrer dominikanischen Fahrberechtigung in der Schweiz
eine Kontrollfahrt zu absolvieren hatte, was von ihr nicht bestritten wird.
Die Durchführung und Beurteilung der Kontrollfahrt wird in den Richtlinien Nr. 19b der
Vereinigung der Strassenverkehrsämter vom 19. Mai 2017 zu Kontrollfahrt und
Zusatztheorieprüfungen bei Umtausch einer ausländischen in eine Schweizer
Fahrerlaubnis oder bei einer Kontrollfahrt aus anderen Gründen (nachfolgend als
Richtlinien Nr. 19b bezeichnet, im Internet abrufbar unter: http://www.asa.ch/de/
Online-Bibliothek/Richtlinien) konkretisiert. Durch Festlegung einheitlicher und
sachgerechter Kriterien für die Durchführung, den Umfang und die Bewertung der
Kontrollfahrt soll eine einheitliche Verwaltungspraxis geschaffen werden. Die
Kontrollfahrt gilt als bestanden, wenn der Betroffene nachweist, dass er die
Verkehrsregeln kennt und Fahrzeuge der Kategorien, wofür der Ausweis gelten soll,
sicher zu führen versteht (Ziff. 6.1 der Richtlinien Nr. 19b).
b) Der Verkehrsexperte der Vorinstanz bewertete die Kontrollfahrt der Rekurrentin vom
12. Dezember 2018 als nicht bestanden. Wie aus seinem Prüfbericht hervorgeht,
beanstandete er mehrere Mängel bei dem Verkehrssehen, der Verkehrsdynamik sowie
den Verkehrsvorgängen (act. 2/3). Gemäss dem nachträglich erstellten Bericht des
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Verkehrsexperten führten folgende Beanstandungen zum negativen Prüfungsentscheid:
ungenügende Voraussicht, Verletzung des Vortrittsrechts mit Gefährdung, Missachtung
von Signalen sowie Nichtanpassen der Geschwindigkeit an die Strassen-, Verkehrs-
und Sichtverhältnisse (act. 6).
3.- a) Die Rekurrentin bestreitet die vom Verkehrsexperten festgestellten Fahrfehler
grundsätzlich nicht. Sie macht indessen geltend, sie sei physisch und psychisch nicht
in der Lage gewesen, die Kontrollfahrt zu absolvieren, weshalb diese ungültig und zu
wiederholen sei. Wenige Tage zuvor, am 9. Dezember 2018, sei sie auf der Autobahn
schwer verunfallt. Eine Windböe habe ihr Fahrzeug in die Leitplanke geschleudert. Das
Fahrzeug habe Totalschaden erlitten. Sie habe sich ein schweres Schleudertrauma mit
Prellungen und Schürfungen zugezogen. Ihre Konzentrationsfähigkeit sei dadurch
beeinträchtigt gewesen. Da sie vorher keinen Arzttermin erhalten habe, habe sie erst
einen Tag nach der Kontrollfahrt ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis vorweisen können.
Dem Prüfungsexperten habe sie dies alles geschildert und gesagt, dass sie ihren Kopf
nicht richtig und nicht ohne Schmerzen bewegen könne und dass ihre Konzentration
nur für kurze Zeit anhalte. Er habe daraufhin gemeint, dass man es probiere, und mit
der Kontrollfahrt begonnen. Während der Fahrt habe der Experte immer wieder Druck
ausgeübt, indem er gesagt habe, sie solle die maximal zulässige
Höchstgeschwindigkeit ausschöpfen. Da sie sich jedoch in A und Umgebung nicht gut
auskenne, sei sie im Schnitt 5 km/h unter der Höchstgeschwindigkeit geblieben. Als sie
auf Geheiss des Experten nach einer halben Stunde in eine Strasse mit Fahrverbot
habe einbiegen wollen, sei ihre Konzentration nicht mehr genügend vorhanden
gewesen, weshalb sie dies zu spät bemerkt habe. Seit mehr als einem Jahr sei sie in
der Schweiz ohne jegliche Verfehlung Auto gefahren. Sie könne sich nicht erklären, wie
die Fehler während der Kontrollfahrt hätten passieren können. Ihr Arzt habe gesagt,
dass sie in jenem Zeitpunkt nicht fahrtauglich gewesen sei.
b) Die Rekurrentin beruft sich auf eine krankheits- bzw. unfallbedingte vorübergehende
Fahrunfähigkeit während der Kontrollfahrt vom 12. Dezember 2018. Die Beweislast
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dafür liegt bei ihr. Sie reicht dazu ein Arztzeugnis vom 13. Dezember 2018 ein, wonach
sie vom 9. bis 16. Dezember 2018 zu 100% arbeitsunfähig infolge Unfalls gewesen sei
(act. 2/2). Die Situation ist vergleichbar mit der Berufung auf Krankheit nach einer nicht
bestandenen (schriftlichen) Prüfung, weshalb jene Rechtsprechung vergleichsweise
herangezogen werden kann.
c) Gesundheitliche Beeinträchtigungen der zu prüfenden Person, die ihre
Leistungsfähigkeit während der Prüfung erheblich vermindern und damit eine
Prüfungsunfähigkeit bewirken, berechtigen die betroffene Person regelmässig dazu, die
Prüfung folgenlos – d.h. ohne Anrechnung an die Wiederholungsmöglichkeit –
abzubrechen oder zu verschieben. Die betroffene Person hat die krankheitsbedingte
Prüfungsunfähigkeit unverzüglich unter Vorlage eines ärztlichen Attests geltend zu
machen und die Prüfung abzubrechen oder gar nicht erst anzutreten. Wer sich
dagegen in Kenntnis einer bestehenden gesundheitlichen Beeinträchtigung einer
Prüfung unterzieht oder diese fortsetzt, nimmt das Risiko eines Misserfolgs bewusst in
Kauf und kann sich im Nachhinein nicht auf Prüfungsunfähigkeit berufen; vielmehr gilt
in solchen Fällen die (ungenügende) Prüfung als nicht bestanden. Eine nachträgliche
Geltendmachung der Prüfungsunfähigkeit bzw. die nachträgliche Aufhebung von
Prüfungsresultaten wegen Erkrankung kommt ausnahmsweise dann in Frage, wenn die
betroffene Person aus objektiver Sicht und unverschuldet nicht in der Lage war, ihren
Verhinderungsgrund in eigenverantwortlicher Willensausübung unverzüglich geltend zu
machen. Davon ist namentlich auszugehen, wenn ihr zu gegebener Zeit die Fähigkeit
fehlte, ihre gesundheitliche Situation genügend zu überblicken, um einen Entscheid
über den Antritt oder die Weiterführung einer Prüfung zu treffen, oder bei einem zwar
vorhandenen Bewusstsein über die gesundheitlichen Probleme entsprechend ihrer
Einsicht zu handeln (vgl. zum Ganzen Entscheid des Kantonsgerichts St. Gallen BR.
2015.1 vom 19. Februar 2016 E. 2a mit Hinweisen, im Internet abrufbar unter:
www.gerichte.sg.ch).
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d) Wie aus der Darstellung der Rekurrentin hervorgeht, war sie sich im Zeitpunkt des
Antritts der Kontrollfahrt ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen bewusst. Gemäss
eigenen Angaben erzählte sie dem Prüfungsexperten vom Unfall, den sie drei Tage
zuvor erlitten hatte, sowie den Auswirkungen, namentlich, dass sie den Kopf nicht
richtig und ohne Schmerzen bewegen könne und dass ihre Konzentration nur kurze
Zeit anhalte. Unter diesen Umständen wäre es an ihr gewesen, die Kontrollfahrt gar
nicht erst anzutreten, sondern auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Ein
allfälliges Arztzeugnis hätte sie auch nachträglich noch einreichen können. Aus dem
Bericht des Experten ergibt sich, dass die Rekurrentin ihn vom Unfall zwar in Kenntnis
setzte, die Durchführung der Kontrollfahrt indes nicht ablehnte. Abgesehen davon wäre
das widersprüchlich gewesen; denn immerhin schätzte sie ihre Fahrfähigkeit als soweit
gegeben ein, dass sie von ihrem Wohnort rund 15 km mit dem Auto zur Prüfung nach B
fahren konnte. Der erfahrene Experte konnte zudem keine Anzeichen einer fehlenden
Fahrfähigkeit feststellen (act. 6 Ziff. 2). Die Rekurrentin nahm dazu keine Stellung,
womit die Darstellung des Experten unwidersprochen blieb. Indem die Rekurrentin
folglich im Wissen um ihre damaligen gesundheitlichen Probleme die Prüfung antrat,
nahm sie das Risiko eines Misserfolgs bei der Kontrollfahrt und damit verbunden die
Verwirkung der nachträglichen Berufung auf die Prüfungsunfähigkeit in Kauf. Daran
vermag auch das mittlerweile vorliegende Arztzeugnis vom 13. Dezember 2018 nichts
zu ändern, wobei anzumerken ist, dass sich dieses ohnehin nur zur Arbeitsunfähigkeit
und nicht zur Fahrfähigkeit äussert. Die beiden Begriffe müssen nicht deckungsgleich
sein. Jemand, der arbeitsunfähig ist, kann je nach Ursache der gesundheitlichen
Beeinträchtigung sehr wohl noch fahrfähig sein. Ein Grund für eine nachträgliche
Geltendmachung der Prüfungsunfähigkeit liegt schliesslich ebenfalls nicht vor.
e) Die Kontrollfahrt vom 12. Dezember 2018 ist demnach ordnungsgemäss
durchgeführt worden und das Resultat verwertbar. Im Folgenden ist daher zu prüfen,
ob diese von der Vorinstanz zu Recht als nicht bestanden bewertet wurde.
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4.- a) Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts ist es üblich, dass sich
gerichtliche Rechtsmittelinstanzen bei der Bewertung von Prüfungsentscheiden eine
gewisse Zurückhaltung auferlegen (BGE 136 I 229 E. 5.4.1). Bei der Abklärung der
Fahreignung und Fahrkompetenz kommt dem Gesamteindruck, den der
Verkehrsexperte während der Kontrollfahrt durch seine unmittelbare Wahrnehmung
gewinnt, eine entscheidende Bedeutung zu. Dieser Eindruck kann durch ein Protokoll
der Kontrollfahrt nur beschränkt festgehalten und wiedergegeben werden. Somit ist
eine detaillierte Rekonstruktion der Kontrollfahrt in einem nachträglichen
Rechtsmittelverfahren nicht möglich. Darüber hinaus verfügt der Verkehrsexperte über
spezifische Erfahrungen und Vergleichswerte, die der Rechtsmittelinstanz in der Regel
abgehen. Unter diesen Umständen ist im Rechtsmittelverfahren eine Reduktion der
Prüfungsdichte angebracht und zulässig. Eine volle Rechtskontrolle rechtfertigt sich
lediglich für allfällige formelle Fehler. Die materielle Beurteilung des Verkehrsexperten
ist demgegenüber nur auf offensichtliche Fehler hin zu prüfen (Urteil des
Bundesgerichts 6A.121/2001 vom 14. März 2002 E. 3a). Die Bewertung durch den
Verkehrsexperten ist deshalb nachfolgend mit der entsprechenden Zurückhaltung zu
überprüfen.
b) Die Rekurrentin bestreitet die vom Experten festgestellten Fahrfehler nicht
grundsätzlich. Die Geschwindigkeit ist stets den Umständen anzupassen, namentlich
den Besonderheiten von Fahrzeug und Ladung, sowie den Strassen-, Verkehrs- und
Sichtverhältnissen (Art. 32 Abs. 1 Satz 1 SVG). Unter günstigen Verhältnissen beträgt
die allgemeine Höchstgeschwindigkeit ausserhalb von Ortschaften 80 km/h (Art. 4a
Abs. 1 lit. b der Verkehrsregelnverordnung, SR 741.11, abgekürzt: VRV). Ein
Fahrzeugführer darf ohne zwingende Gründe nicht so langsam fahren, dass er einen
gleichmässigen Verkehrsfluss hindert (Art. 4 Abs. 5 VRV). Während der Kontrollfahrt
fuhr die Rekurrentin gemäss Prüfbericht permanent zögerlich und zu langsam. Auf
einer geraden Ausserortsstrecke fuhr sie lediglich mit 60 km/h statt der erlaubten
80 km/h (act. 7/2). Trotz guter äusserlicher Bedingungen passte sie ihre
Geschwindigkeit nicht genügend an und konnte mit anderen Verkehrsteilnehmern nicht
mithalten. Entgegen ihren Äusserungen ist sie nicht lediglich 5 km/h, sondern weit
mehr unter der Höchstgeschwindigkeit geblieben und stellte damit für andere
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Verkehrsteilnehmer ein Hindernis im Verkehrsfluss dar. Dies ist auch mit mangelnder
Ortskenntnis nicht zu entschuldigen.
Auf Strassenverzweigungen hat das von rechts kommende Fahrzeug Vortritt (Art. 36
Abs. 2 Satz 1 SVG). Die Vortrittsregel wird durch Art. 14 Abs. 1 VRV konkretisiert,
wonach der Vortrittsbelastete den Vortrittsberechtigten in seiner Fahrt nicht behindern
darf und mit Blick darauf seine Geschwindigkeit frühzeitig zu mässigen und wenn nötig
vor Beginn der Verzweigung zu halten hat. Um einem von rechts kommenden
Vortrittsberechtigten den Vortritt zu gewähren und ihn in seiner Fahrt nicht zu
behindern, hätte die Rekurrentin an unübersichtlichen, vortrittsberechtigten
Einmündungen ihre Geschwindigkeit mässigen und nach rechts schauen müssen
(act. 7/3). Eine ausreichende Voraussicht, Beobachtung und das Erstellen von
Bremsbereitschaft sind für das Gewähren des Rechtsvortritts von zentraler Bedeutung,
ansonsten die Gefahr einer Kollision gross ist, wie sich beim Bahnhof A zeigte, als die
Rekurrentin einem von rechts nahenden Taxi die Vorfahrt nahm. Der Experte musste
die Rekurrentin mündlich darauf hinweisen und die Handbremse ziehen, um eine
Kollision zu vermeiden. Zudem reagierte der Taxifahrer blitzschnell, was ebenfalls dazu
beitrug, dass es keine Kollision gab. Bei mehreren anderen Kreuzungen mit
Rechtsvortritt unterliess es die Rekurrentin, die Geschwindigkeit zu reduzieren und
Bremsbereitschaft zu erstellen. Die Vorinstanz wirft ihr daher zu Recht eine
ungenügende Voraussicht sowie konkrete und/oder erhöhte abstrakte Gefährdungen
wegen unzweckmässiger Beobachtung und ungenügender Anwendung der
Vortrittsregeln vor.
Nach Art. 27 Abs. 1 Satz 1 SVG sind Signale und Markierungen sowie die Weisungen
der Polizei zu befolgen. Die Signale und Markierungen gehen den allgemeinen Regeln
vor. Das Signal "Verbot für Motorwagen, Motorräder und Motorfahrräder" zeigt an,
dass der Verkehr grundsätzlich in beiden Fahrtrichtungen für diese Fahrzeuge verboten
ist (Art. 19 Abs. 1 und 2 der Signalisationsverordnung, SR 741.21, abgekürzt: SSV;
Anhang 2 Signal 2.14). Trotz dieser Signalisierung fuhr die Rekurrentin auf dem C-Weg
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in A geradeaus weiter, anstatt nach rechts abzubiegen (act. 7/5). Die auf einer
Zusatztafel signalisierte Ausnahme vom allgemeinen Fahrverbot (beispielsweise
"Zubringerdienst gestattet"; vgl. Art. 17 Abs. 1 SSV) galt für die Rekurrentin nicht.
Indem sie das Verbotssignal übersehen und missachtet hat, hat sie eine elementare
Verkehrsregel verletzt.
c) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Rekurrentin im Verlauf der Kontrollfahrt eine
Reihe von Fehlern beging (ungenügende Voraussicht, konkrete und/oder erhöhte
abstrakte Gefährdung wegen wiederholter Missachtung des Vortritts,
verkehrsbehinderndes fehlendes Mithalten bei der Geschwindigkeit, Missachtung eines
Fahrverbotssignals), wobei jeder einzelne davon nach Ziff. 10 der Richtlinien Nr. 19b als
gravierend gilt und für sich allein genommen bereits einen negativen Entscheid zur
Folge haben kann. Der Experte hat daher die Kontrollfahrt der Rekurrentin zu Recht als
ungenügend beurteilt. Mit Blick auf das öffentliche Interesse an der Verkehrssicherheit
muss die Eignung der Rekurrentin zum sicheren Führen eines Personenwagens
verneint werden. Die festgestellten Beanstandungen zeigen die fehlende
Fahrkompetenz und die damit verbundene Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer auf.
Es gibt keine Hinweise darauf, dass der Experte seinen Beurteilungsspielraum
missbraucht hätte. Daran ändert auch der in der Schweiz bis anhin ungetrübte
automobilistische Leumund nichts. Eine nicht bestandene Kontrollfahrt kann gemäss
Art. 29 Abs. 3 VZV nicht wiederholt werden. Der Rekurs ist somit abzuweisen.
5.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der Rekurrentin
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'000.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'000.– ist damit zu verrechnen.