Decision ID: bae9962f-f979-42b0-8382-0a71a861ef6a
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_001
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. A._, geboren am B._, C._ Staatsangehörige reiste im
Dezember 2008 erstmals zur Erwerbsaufnahme in die Schweiz ein. Sie
nahm eine Tätigkeit bei der D._ GmbH in E._ an. Hierfür wurde
ihr für den Zeitraum bis zum 30. November 2013 eine
Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA erteilt. Diese Bewilligung wurde zwecks
Erwerbsaufenthalts in der Folge um fünf Jahre bis zum 30. November
2018 verlängert.
2. Mit Gesuch vom 5. November 2018 beantragte A._ die Verlängerung
ihrer Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA. Gemäss dem eingereichten
Gesuchsformular vom 5./7. November 2018 ging A._ keiner
Erwerbstätigkeit nach.
3. Nachdem die Sozialversicherungsanstalt Graubünden (nachfolgend:
SVA) dem Amt für Migration und Zivilrecht (nachfolgend: AFM) mit E-Mail
vom 5. November 2018 mitteilte, dass A._ Ergänzungsleistungen in
der Höhe von jährlich CHF 19'800.00 beziehe, leitete das AFM eine
Aufenthaltsprüfung ein.
4. Mit E-Mail vom 19. November 2018 teilte A._ dem AFM mit, dass sie
keine Arbeitsbestätigung der letzten zwei Jahre einreichen könne, da sie
aufgrund ihrer Krankheit seit dem Jahr 2009 nicht mehr arbeitstätig sei.
Der Grund für den Bezug der Ergänzungsleistungen liege in ihrer
Zwangserkrankung. Gemäss der eingereichten Verfügung
Ergänzungsleitungen zur AHV/IV der SVA vom 15. Dezember 2017 belief
sich der monatlich ab dem 1. Januar 2018 ausbezahlte
Ergänzungsleistungsbetrag auf CHF 1'650.00.
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5. Gemäss Antwort der IV-Stelle vom 11. Februar 2019 beziehe A._ seit
dem 1. Juni 2009 Ergänzungsleistungen. Eine Arbeitsunfähigkeit zu
100 % bestehe seit dem 1. Oktober 2009.
6. Mit Schreiben vom 5. März 2019 gewährte das AFM A._ das
rechtliche Gehör zur beabsichtigten Verweigerung der Verlängerung der
Daueraufenthaltsbewilligung EU/EFTA. Mit E-Mail vom 13. März 2019
nahm A._ gegenüber dem AFM dahingehend Stellung, dass sie
aufgrund ihrer Krankheit zurzeit keiner Arbeit nachgehen könne. Bisher
habe sie keinen Therapeuten gefunden, der mit ihrem Krankheitsbild
arbeiten könne. Graubünden sei zu ihrem Lebensmittelpunkt geworden,
hier würden ihr Partner und ihr Sohn leben und hier habe sie Bekannte
und ihren Freundeskreis.
7. Mit Schreiben vom 10. März 2019 ersuchte das AFM in der Folge A._
um Auskunft darüber, ob ihr Schweizer Lebenspartner, mit welchem sie im
selben Haushalt lebe, für ihren Lebensunterhalt aufkommen könne.
8. Mit Eingabe vom 28. Mai 2019 teilte A._ dem AFM mit, dass sie keine
ihren Lebenspartner betreffenden Unterlagen einreichen werde. In der
Vergangenheit habe ihr Lebenspartner sie bereits durch die Aufnahme
eines Kredits unterstützt. Eine Heirat aus einer Notlage käme für sie nicht
in Frage. Zu ihrem früheren Wohnort pflege sie seit dem Tod ihres Vaters
kaum noch Kontakte. Zu ihrer Mutter habe sie ein angespanntes
Verhältnis, da diese mit ihrer Krankheit nicht umgehen könne.
9. Mit Verfügung vom 20. Juni 2019 verweigerte das AFM die Verlängerung
der Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA von A._ und ordnete gleichzeitig
ihre Wegweisung aus der Schweiz per 20. Juli 2019 an. Zur Begründung
wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass sich A._ nicht mehr auf ihre
Arbeitnehmereigenschaft berufen könne, da sie seit März 2009 ohne
Erwerbstätigkeit sei. Ihren Lebensunterhalt finanziere sie mindestens seit
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dem 1. Juni 2009 durch den Bezug von Ergänzungsleistungen. Sodann
seien die Voraussetzungen für den Aufenthalt ohne Erwerbstätigkeit nicht
erfüllt.
10. Gegen diese Verfügung des AFM erhob A._ mit Eingabe vom 20. Juli
2019 Beschwerde beim Departement für Justiz Sicherheit und Gesundheit
(nachfolgend: DJSG) und beantragte den Entscheid des AFM vom 20.
Juni 2019 aufzuheben und den Sachverhalt zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Die Beschwerdeführerin sei in ihrem
berechtigten Vertrauen auf einen weiteren Verbleib in der Schweiz zu
schützen. Die Vorinstanz habe es unterlassen zu prüfen, ob der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin eine zumutbare
Wegweisung zulasse. Vergleichsweise sei die Beschwerdeführerin
gesellschaftlich und wirtschaftlich in der Schweiz schwach integriert, was
jedoch nur auf die Erkrankung zurückzuführen sei. Ihr Lebenspartner bilde
eine wichtige Stütze in ihrem Leben. Bei einer allfälligen Rückkehr in ihren
Heimatstaat würde sie über kein soziales Netzwerk mehr verfügen und
könnte auch nicht mehr auf die finanzielle Unterstützung durch ihren
Lebenspartner zählen. Die Verweigerung der Aufenthaltsbewilligung sei
für die Beschwerdeführerin mit grossen Nachteilen verbunden und ihr
Schicksal sei verglichen mit dem Durchschnitt der ausländischen
Bevölkerung in gesteigertem Mass in Frage gestellt. Gemäss ärztlicher
Bescheinigung vom 8. Juli 2019 liege bei der Beschwerdeführerin eine
komplexe psychische Erkrankung vor und sie sei zum jetzigen Zeitpunkt
nicht in der Lage, ihren Lebensmittelpunkt woanders hin zu versetzen bzw.
dort ihr Leben fortzuführen. Vor diesem Hintergrund wäre es
unverhältnismässig, ihre Aufenthaltsbewilligung nicht zu verlängern.
Überdies seien auch die Voraussetzungen für die Erteilung einer
Härtefallbewilligung nach Art. 30 Abs. 1 AIG erfüllt.
11. Mit Eingabe vom 9. September 2019 führte A._ aus, das
Arbeitsverhältnis sei hauptsächlich aufgrund von
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Konzentrationsschwierigkeiten und zeitlicher Verfügbarkeit beendet
worden. Sie habe versucht, weiter eine Arbeit zu finden, was ihr aufgrund
der Krankheit nicht möglich gewesen sei. Diese Lebensphase sei zudem
stark mit Resignation und Depression verbunden gewesen und es habe
ihr die Kraft gefehlt, weiter Hilfe zu suchen.
12. Mit Schreiben vom 1. April 2020 reichte A._ ein psychiatrisches
Gutachten vom 27. März 2020 ein. Darin stellte er die Diagnose der
Zwangshandlungen und Zwangsrituale gemäss ICD-10 F42.2 und einer
schweren abhängigen Persönlichkeitsstörung gemäss ICD-10 F60.7. Er
führte in der Bewertung der aktuellen Situation aus, A._ leide seit ihrer
Jugend an einer als schwer zu bezeichnenden Zwangssymptomatik,
welche sich im Laufe ihres Lebens verstärkt und verselbstständigt habe.
Nicht zuletzt aufgrund dieser Zwangssymptomatik habe sie zusätzlich
auch eine abhängige Persönlichkeitsstörung entwickelt. Aufgrund ihrer
ausgeprägten psychischen Störung sei es für A._ nicht möglich, sich
selbstständig um eine Wohnung zu kümmern und ein Leben selbstständig
zu führen. So wie die Unterbrechung der Zwangsrituale zu ausgeprägter
Angstsymptomatik mit körperlicher Reaktion führe, so führe auch die
Trennung von den Personen, die für sie von existenzieller Bedeutung
seien, zu einer ausgeprägten depressiven Symptomatik. Sie berichte,
dass sie sich nunmehr in einer konsequent verhaltenstherapeutischen
Behandlung im ambulanten Dienst der Klinik F._ befinde. Eine solche
Behandlung sei nicht ohne Weiteres austauschbar. Aus diesem Grund
wäre eine Wegweisung mit schweren psychischen und physischen Folgen
verbunden.
13. Mit Departementsverfügung vom 4. August 2020 bestätigte das DJSG den
Entscheid des AFM vom 20. Juni 2019 betreffend Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA. Die Beschwerdeführerin habe gemäss
den vorliegenden Akten bis anhin keinen Anspruch auf Rentenleistungen
der Invalidenversicherung. Zudem erfülle sie die Voraussetzung der mehr
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als 2-jährigen Aufenthaltsdauer in der Schweiz vor dem ersten Tag der
Arbeitsunfähigkeit nicht. Sie sei im Dezember 2008 in die Schweiz
eingereist, habe eine kurze Erwerbstätigkeit aufgenommen und sei in der
Folge bereits ab dem 23. März 2009 nicht mehr arbeitsfähig gewesen. Da
dieser Zustand anhalte, stehe der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 4
FZA kein Anspruch mehr auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung
EU/EFTA zu. Bezüglich der Verhältnismässigkeitsprüfung im Sinne von
Art. 96 Abs. 1 AIG habe die Beschwerdeführerin den grössten Teil ihres
Lebens, nämlich 42 Jahre, in G._ gelebt, dessen Sprache sie spreche
und mit deren Mentalität sie vertraut sei. In der Schweiz bestehen soweit
ersichtlich ausser dem hier lebenden erwachsenen Sohn und ihrem
schweizerischen Lebenspartner keine familiären Beziehungen zu anderen
Personen. Der Kontakt zu diesen werde durch die Ausreise in ein
Nachbarland der Schweiz lediglich erschwert, nicht aber verunmöglicht.
Eine Kontaktpflege über gegenseitige Besuche sei ohne Weiteres
möglich. Diese Kontaktpflege sei im Verhältnis zum Sohn bis dessen
Einreise in die Schweiz im Jahr 2016 auch über die Landesgrenzen
hinweg erfolgt, lebte doch dieser in G._. Hinsichtlich ihres
gesundheitlichen Zustandes wird sinngemäss ausgeführt, sie könne in
G._ entsprechend den Standards in der Schweiz behandelt werden.
Das öffentliche Interesse an einer restriktiven Einwanderungspolitik
überwiege demnach die privaten Interessen der Beschwerdeführerin an
einem Verbleib in der Schweiz. Die Vorinstanz habe das
Verhältnismässigkeitsprinzip nicht verletzt. Zudem könne die
Beschwerdeführerin bei genügend finanziellen Mitteln jederzeit wieder ein
Gesuch um eine Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA in der Schweiz stellen.
14. Hinsichtlich der Härtefallkriterien gemäss Art. 30 Abs. 1 AIG hält das AFM
fest, es seien keine wichtigen Gründe ersichtlich, welche der
Beschwerdeführerin einen weiteren Verbleib in der Schweiz rechtfertigen
würde. Krankheit oder Invalidität würden nicht ausreichen, um die Lage
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der betroffenen Person als Härtefall einzustufen. Unter anderem könne
beispielsweise durch die Ansetzung einer längeren Ausreisefrist die
kontinuierliche Übernahme der Beschwerdeführerin durch einen
geschulten Verhaltenstherapeuten im Heimatland organisiert werden. Es
werde nicht dargelegt, weshalb eine Behandlung in ihrem Heimatland
nicht möglich sein sollte. Hinsichtlich Art. 8 Ziff. 1 EMRK könne die
Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten ableiten, zumal die
Beschwerdeführerin nicht in einer ehelichen Gemeinschaft lebe und das
Paar nicht über gemeinsame Kinder verfüge. Die Beschwerde sei
demnach abzuweisen. Der erwachsene Sohn bedürfe ausserdem nicht
mehr der Pflege durch die Mutter. Diese Beziehung werde sich durch die
Wegweisung der Beschwerdeführerin zwar verändern, könne jedoch ohne
Weiteres im Rahmen des bewilligungsfreien Aufenthaltes der
Beschwerdeführerin als Touristin/Besucherin (maximal 90 Tage innerhalb
von 180 Tagen) in der Schweiz aufrechterhalten werden. Besuche des
Sohnes bei seiner Mutter in G._ seien zusätzlich möglich. Mit den
modernen Kommunikationsmitteln könnten schliesslich auch auf Distanz
tägliche Kontakte gepflegt werden.
15. Hiergegen erhob A._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) mit Eingabe
vom 14. September 2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden und beantragte den Entscheid des DJSG vom 4.
August 2020 aufzuheben und von der Verweigerung der Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung abzusehen. Der Sachverhalt sei zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zu Lasten der Staatskasse. Ausserdem sei der
Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen und der
Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung und der
unentgeltliche Rechtsbeistand zu bewilligen. Im Wesentlichen wird
ausgeführt, dass der Beschwerdeführerin aufgrund von Art. 4 Anhang 1
FZA ein Verbleiberecht zustehe. Als Angehörige der EU/EFTA könne sie
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sich auf ein Verbleiberecht im Sinne der Ziffern II 10.2.2 und II 10.2.3 der
Weisungen VEP-04/2020 berufen. Auf dieser Basis sei sie zum Verbleib
in der Schweiz berechtigt und erhalte eine Aufenthaltsbewilligung
EU/EFTA als Erwerbstätige oder Nichterwerbstätige.
16. In der Vernehmlassung vom 28. September 2020 schloss das DJSG
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) unter Verweis auf die Begründung in
den Erwägungen der angefochtenen Verfügung auf Abweisung der
Beschwerde unter Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdeführerin.
Sodann sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen. Das
AFM betont abermals, dass die gesundheitliche Versorgung auch in
G._ gewährleistet sei und die Therapie deshalb dort weitergeführt
werden könne. Mittels einer längeren Ausreisefrist solle eine
Übernahmetherapie in G._ ermöglicht werden.
17. Am 30. Oktober 2020 hielt die Beschwerdeführerin replicando sinngemäss
an ihren Anträgen fest, ohne neue Argumente vorzubringen. Das
Verfahren betreffend Täuschung der Behörden gemäss Art. 118 Abs. 1
AIG sei eingestellt worden. Von Gesetzes wegen bestehe eine
Untergrenze beim Einkommen, die keine
Sozialversicherungsabgabepflicht nach sich ziehe. In diesem Rahmen
hätten die Arbeitsversuche bis zum Jahr 2010 stattgefunden, weshalb für
die Beschwerdeführerin keine Abrechnung mehr erforderlich gewesen sei.
Im Jahre 2011 habe die Beschwerdeführerin eine nicht
sozialversicherungspflichtige Lohnzahlung im Umfang von CHF 1'360.00
erhalten. Dieser Betrag entspreche einer Arbeitsleistung von 85 Stunden
à CHF 16.00.
18. Mit Duplik vom 12. November 2020 verweist die Beschwerdegegnerin auf
die rechtlichen Ausführungen in den Erwägungen, im angefochtenen
Entscheid und der Vernehmlassung vom 28. September 2020.
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Auf die weiteren Vorbringen und Argumente der Parteien wird, soweit
erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet die
Departementsverfügung vom 4. August 2020, mit welcher die
Beschwerdegegnerin die Verfügung des Amtes für Migration und Zivilrecht
Graubünden (AFM) vom 20. Juni 2020 betreffend Nichtverlängerung der
Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA bestätigt hat. Gemäss Art. 49 Abs. 1 lit.
c des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100)
beurteilt das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden Beschwerden
gegen Entscheide der kantonalen Departemente, soweit diese nicht nach
kantonalem oder eidgenössischem Recht endgültig sind. Die
Departementsverfügung vom 4. August 2020 ist nicht endgültig, so dass
sie ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden darstellt (Art. 49 Abs. 1 lit. a
VRG). Als formelle und materielle Adressatin der angefochtenen
Verfügung ist die Beschwerdeführerin berührt und weist ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung auf (Art. 50
VRG), zumal sie direkt nachteilig von der Ausweisung betroffen ist. Das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden ist daher zur Beurteilung der
vorliegenden Beschwerde sachlich und örtlich zuständig. Die Beschwerde
wurde am 14. September 2019 frist- und formgerecht eingereicht (Art. 52
i.V.m. Art. 38 VRG). Auf die Beschwerde ist folglich einzutreten.
1.2. Nach Art. 51 VRG erstreckt sich die Kognition des Verwaltungsgerichtes
bei der Beurteilung der vorliegenden Beschwerde auf Rechtsverletzungen
einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens sowie
unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts. Das
Verwaltungsgericht überprüft somit den Sachverhalt und die Rechtsfragen
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frei. Dagegen beurteilt es nicht, ob der angefochtene Entscheid
zweckmässig oder angemessen ist.
2. Streitig und zu prüfen ist die Rechtmässigkeit der angefochtenen
Departementsverfügung vom 4. August 2020. Dabei ist insbesondere die
Frage zu beantworten, ob die Beschwerdegegnerin die vom AFM verfügte
Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA zu Recht bestätigt
hat, oder ob ein Anspruch der Beschwerdeführerin auf Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung besteht.
3. Die Beschwerdeführerin verlangt, dass die Verfügung des DJSG vom 4.
August 2020 aufgehoben wird und von einer Verweigerung der
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung abzusehen sei. Der Sachverhalt
sei zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Alles unter
Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Staatskasse. In
prozessualer Hinsicht ersucht die Beschwerdeführerin um Erteilung der
aufschiebenden Wirkung. Weiter beantragt sie die Bewilligung der
unentgeltlichen Prozessführung sowie die Beiordnung eines
unentgeltlichen Rechtsbeistands.
4. Bezüglich dem Begehren um aufschiebende Wirkung ist festzuhalten,
dass diese der Beschwerdeführerin mit prozessleitender Verfügung vom
29. September 2020 gewährt worden ist.
5. Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführerin die
Arbeitnehmereigenschaft fehlt, weshalb eine Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA auf der Basis der Erwerbstätigkeit im
Folgenden nicht zu prüfen ist. Daher ist nachfolgend zu prüfen, ob ihr eine
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA als Nichterwerbstätige
eingeräumt werden kann.
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6.1. Zwischen der Schweiz sowie der Europäischen Union (EU) und den
Mitgliedsstaaten der Europäischen Freihandelszone (EFTA) gilt das
Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits
und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten
andererseits über die Freizügigkeit (FZA; SR 0.142.112.681). Als C._
Staatsangehörige kann sich die Beschwerdeführerin daher darauf
berufen.
Gemäss Art. 6 FZA wird den Personen, die im Aufenthaltsstaat keine
Erwerbstätigkeit ausüben, das Aufenthaltsrecht im Hoheitsgebiet einer
Vertragspartei gemäss den Bestimmungen des Anhangs I über
Nichterwerbstätige eingeräumt. Nach Art. 2 Abs. 2 Anhang I FZA wird den
Staatsangehörigen der Vertragsparteien, die im Aufnahmestaat keine
Erwerbstätigkeit ausüben und kein Aufenthaltsrecht auf Grund anderer
Bestimmungen dieses Abkommens haben, das Aufenthaltsrecht
eingeräumt, sofern sie die Voraussetzungen des Kapitels V erfüllen.
Nach Art. 24 Abs. 1 Anhang I FZA erhält eine Person, die die
Staatsangehörigkeit einer Vertragspartei besitzt und keine
Erwerbstätigkeit im Aufenthaltsstaat ausübt und dort kein Aufenthaltsrecht
aufgrund anderer Bestimmungen dieses Abkommens hat, eine
Aufenthaltserlaubnis mit einer Gültigkeitsdauer von mindestens fünf
Jahren, sofern sie den zuständigen nationalen Behörden den Nachweis
dafür erbringt, dass sie für sich selbst und ihre Familienangehörigen über
(lit. a) ausreichende finanzielle Mittel verfügt, so dass sie während ihres
Aufenthaltes keine Sozialhilfe in Anspruch nehmen muss und über (lit. b)
einen Krankenversicherungsschutz verfügt, der sämtliche Risiken
abdeckt.
6.2. Zu prüfen ist in der Folge zunächst, ob die Beschwerdeführerin über
ausreichende finanzielle Mittel i.S.v. Art. 24 Abs. 1 lit a Anhang I FZA
verfügt.
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Gemäss Art. 24 Abs. 2 Anhang I FZA gelten die finanziellen Mittel als
ausreichend, wenn sie den Betrag übersteigen, unterhalb dessen die
eigenen Staatsangehörigen aufgrund ihrer persönlichen Situation und
gegebenenfalls derjenigen ihrer Familienangehörigen Anspruch auf
Fürsorgeleistungen haben, ist diese Bedingung nicht anwendbar, so
gelten die finanziellen Mittel des Antragsstellers als ausreichend, wenn sie
die von der Sozialversicherung des Aufnahmestaates gezahlte
Mindestrente übersteigen. Diese wird in der vom Bundesrat erlassenen
Verordnung vom 22. Mai 2002 über die schrittweise Einführung des freien
Personenverkehrs zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und
der Europäischen Union und deren Mitgliedstaaten sowie unter den
Mitgliedstaaten der Europäischen Freihandelsassoziation (Verordnung
über die Einführung des freien Personenverkehrs, VEP; SR 142.203) in
Art. 16 präzisiert.
Art. 16 VEP bestimmt zu den bei Aufenthalt ohne Erwerbstätigkeit nach
Art. 24 Anhang I FZA erforderlichen finanziellen Mitteln, dass die
finanziellen Mittel von EU- und EFTA-Angehörigen sowie ihren
Familienangehörigen ausreichend sind, wenn sie die Fürsorgeleistungen
übersteigen, die einem schweizerischen Antragsteller oder allenfalls
seinen Familienangehörigen aufgrund der persönlichen Situation nach
Massgabe der Richtlinien für die Ausgestaltung und Bemessung der
Sozialhilfe (SKOS-Richtlinien) gewährt werden (Abs. 1). Die finanziellen
Mittel sind für rentenberechtigte EU- und EFTA-Angehörige sowie ihre
Familienangehörigen ausreichend, wenn sie den Betrag übersteigen, der
einen schweizerischen Antragsteller allenfalls seine Familienangehörigen
zum Bezug von Ergänzungsleistungen nach dem Bundesgesetz vom 6.
Oktober 2006 über Ergänzungsleistungen zur Alters, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (ELG; SR 831.30) berechtigt (Abs. 2). Nach der
ständigen Rechtsprechung (vgl. zur Herleitung: BGE 135 II 265 E.3.4 ff.)
sind die erforderlichen Mittel nicht gegeben, wenn die betroffenen
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Personen auf Ergänzungsleistungen angewiesen sind und solche auch
tatsächlich beziehen (BGE 135 II 265 E.3.7 f.; Urteile BGer 2C_495/2014
vom 26. September 2014 E.4.4; 2C_737/2014 vom 6. September 2014
E.1.2; 2C_/2014 vom 20. Januar 2014 E.3; 2C_989/2011 vom 2. April
2012 E.3.3.4), soll doch die Regelung über die Wohnsitznahme nicht
erwerbstätiger Personen gewährleisten, dass es nicht zu einer
ungebührlichen Belastung der öffentlichen Finanzen des
Aufnahmestaates kommt. Dieser Regelzweck würde vereitelt, würden
beitragsunabhängige Sonderleistungen, welche wesensgemäss die
öffentlichen Finanzen belasten, nicht zur Sozialhilfe im Sinne von Art. 24
Abs. 1 lit. a Anhang I FZA gezählt (Urteil BGer 2C_243/2015 vom 2.
November 2015 E.3.4.3).
Die Beschwerdeführerin geht seit dem 23. März 2009 keiner
Erwerbstätigkeit mehr nach (Bg-act. 10 AFM). Spätestens seit dem 1. Juni
2009 hat die Beschwerdeführerin ununterbrochen Ergänzungsleistungen
bezogen, welche sich ab dem 1. Januar 2018 monatlich auf den Betrag
von CHF 1'650.00 (Mail SVA vom 5. November 2018 an AFM) beliefen.
Ein Gesuch um einen IV-Rentenanspruch wurde im Jahr 2011 von der
zuständigen Behörde aufgrund fehlender versicherungsmässigen
Voraussetzungen abgelehnt, sodass keine Einkünfte der
Invalidenversicherung als weiteres Einkommen in die Berechnung der
genügenden finanziellen Mittel miteinbezogen werden können. Wie bereits
ausgeführt, gelten die finanziellen Mittel nach Art. 24 Abs. 2 FZA unter
anderem dann als ausreichend, wenn während des Aufenthaltes keine
Sozialhilfe in Anspruch genommen werden muss. Die Beschwerdeführerin
bezieht nach eigenen Angaben Ergänzungsleistungen. Obschon
Ergänzungsleistungen keine Fürsorgeleistungen einer
Sozialversicherungseinrichtung darstellen, schliesst der Bezug von
Ergänzungsleistungen die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung an
Nichterwerbstätige, wie bereits oben dargelegt, aufgrund fehlender
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finanzieller Mittel aus (Art 16 Abs. 2 VEP; ELG; SR 831.30; BGE 135 II
265 E.3.4 ff.). Die Beschwerdeführerin selbst führt aus, dass sie bereits
genügend von ihrem Lebenspartner unterstützt werde und daher nicht
noch mehr Unterstützung von ihm beanspruchen wolle. Eine
umfangreiche finanzielle Unterstützung durch den Lebenspartner ist
demnach nicht zu erwarten.
Folglich stellen die monatlichen Ergänzungsleistungen ihre einzige
Einkommensquelle dar. Somit ist sie weder wirtschaftlich selbstständig,
noch verfügt sie über genügend finanzielle Mittel zur Bestreitung ihres
Lebensunterhaltes. Nach dem Gesagten hat sie als Nichterwerbstätige
(Art. 24 Abs. 1 lit. a Anhang I FZA) keinen Anspruch auf die Erteilung der
Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA.
6.3. Zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin aufgrund von Art. 4 Anhang I FZA
ein Recht auf Verbleib in der Schweiz hat.
Gemäss Art. 4 Anhang I FZA haben Staatsangehörige einer Vertragspartei
und ihre Familienangehörigen nach Beendigung ihrer Erwerbstätigkeit ein
Recht auf Verbleib im Hoheitsgebiet der anderen Vertragspartei, sofern
sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Diese Bestimmung verweist auf
die Verordnung (EWG) Nr. 1251/70 und auf die Richtlinie 75/34/EWG.
Nach Art. 2 Abs. 1 lit. b EWG haben Arbeitnehmer, die infolge dauernder
Arbeitsunfähigkeit (IV-Rentner) eine Beschäftigung im Lohn- oder
Gehaltsverhältnis aufgeben, wenn sie sich vor dem 1. Tag der
Arbeitsunfähigkeit seit mindestens 2 Jahren im Hoheitsgebiet des
Mitgliedstaates ständig aufgehalten haben, das Recht, im Hoheitsgebiet
dieses Mitgliedstaates zu verbleiben. Das Verbleiberecht auf der
Grundlage der Richtlinie 75/34 EWG und der Verordnung 1251/70 EWG
bezweckt, den weiteren Aufenthalt im Aufenthaltsstaat zu gewährleisten
nach der Aufgabe der Erwerbstätigkeit. Personen, welche sich auf dieses
Verbleiberecht berufen können, behalten damit ihre erworbenen Rechte
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als Arbeitnehmer, obwohl sie den Arbeitnehmerstatus nicht mehr für sich
in Anspruch nehmen können. Massgebend ist dabei die tatsächliche
Arbeitstätigkeit (Bundesgerichtsurteil vom 4. Februar 2020 vom
2C_534/2019 E.3.2.12). Dieses Recht besteht unabhängig allfälligem
Bezug von Sozialleistungen und bezieht sich auch auf die
Familienangehörigen. Lediglich EU/EFTA Angehörige, die in der Schweiz
eine Beschäftigung im Sinne des FZA ausgeübt haben, und daher unter
das FZA subsumiert wurden, können das Verbleiberecht geltend machen.
Ein Verbleiberecht aufgrund von Arbeitsunfähigkeit besteht lediglich dann,
wenn eine Beschäftigung im Lohn oder Gehaltsverhältnis aus diesem
Grund aufgegeben wird (BGE 141 II 1 E.4).
Entsprechend Lohnmeldung der SVA Graubünden ist die
Beschwerdeführerin, vom 1. Januar 2009 bis zum 31. Dezember 2009 bei
der D._ GmbH beschäftigt gewesen (Bf-act. 5). Gemäss
Lohnmeldung der SVA Graubünden ist die Beschwerdeführerin vom 1.
Januar 2010 bis zum 31. Dezember 2010 bei der D._ GmbH
beschäftigt gewesen und hat krankheitsbedingt in dieser Zeit Taggeld im
Umfang von CHF 16'320.00 bezogen (Bf-act. 6).
Ausserdem gibt die Beschwerdeführerin an, dass sie aufgrund ihrer
Krankheit seit dem Jahr 2009 nicht mehr arbeitstätig gewesen sei (Bg-act.
10 AFM). Auch der ehemalige Arbeitgeber hat angegeben, dass die
Beschwerdeführerin seit dem 23. März 2009 keine Beschäftigung mehr
ausgeübt habe (Bg-act. 12, S. 6 AFM). Die Behauptung der
Beschwerdeführerin wonach die effektive Beendigung des
Arbeitsverhältnisses erst mit der Kündigung vom 19. Mai 2017 per 31.
August 2017 erfolgt sei, vermag nicht zu überzeugen. So sei das
Arbeitsverhältnis hauptsächlich aufgrund von
Konzentrationsschwierigkeiten und zeitlicher Verfügbarkeit beendet
worden. Sie habe zwar weiter versucht eine Arbeit zu finden, was ihr
aufgrund der Krankheit jedoch nicht möglich gewesen sei (Bg-act. 8). Wie
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bereits dargelegt, ist dabei ausschliesslich die tatsächliche Arbeitstätigkeit
massgebend, sodass die Beschwerdeführerin daraus nichts zu ihren
Gunsten abzuleiten vermag. Dasselbe gilt für das Argument, wonach die
Beschwerdeführerin im Jahre 2011 eine nicht
sozialversicherungspflichtige Lohnzahlung im Umfang von CHF 1'360.00
erhalten habe (Bf-act. 7). Vielmehr ist, erwiesen, dass die
Beschwerdeführerin seit dem 23. März 2009 zu 100 % arbeitsunfähig ist
und seit dem 1. Juni 2009 Ergänzungsleitungen bezieht.
Ergänzungsleistungen gelten gemäss dem Urteil des Bundesgerichts
2C_534/2019 vom 4. Februar 2020 E.3.2.13 als Sozialhilfe.
Die Beschwerdeführerin hat vor dem 1. Tag der Arbeitsunfähigkeit, dem
23. März 2009, nicht mehr als die geforderten 2 Jahre in der Schweiz
gearbeitet. Vielmehr war sie noch keine 4 Monate in der Schweiz
(Einreisedatum 1. Dezember 2008). Somit kann die Beschwerdeführerin
auch nicht aus Art. 4 FZA einen Anspruch auf Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA geltend machen. Damit kommen für die
Verhältnismässigkeitsprüfung die Bestimmungen des AIG zur
Anwendung. Nachfolgend wird geprüft, ob die Vorinstanz diese Prüfung
rechtsgenüglich vorgenommen hat.
7. Wird die Erteilung oder Verlängerung einer Aufenthaltsbewilligung an
einen Staatsangehörigen der EU/EFTA verweigert, drängt sich die
Prüfung des Grundsatzes der Verhältnismässigkeit Art. 96 Abs. 1 AIG
(AIG; SR 142.20) auf. Dieses Prinzip fordert, dass die
Verwaltungsmassnahme zur Verwirklichung des im öffentlichen Interesse
liegenden Ziels geeignet und notwendig ist. Ausserdem muss der
angestrebte Zweck in einem vernünftigen Verhältnis zu den Belastungen
stehen, die den Privaten auferlegt werden (vgl. HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl., Zürich/St. Gallen 2016, § 8 Rz.
514 S. 118, § 21 Rz.1459 S. 325; BGE 140 I 353 E.8.7, 140 II 194 E.5.8.2,
138 II 346 E.9.2, 129 I 12 E.9.1). Im Rahmen dieser
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Verhältnismässigkeitsprüfung haben die Behörden die öffentlichen und
privaten Interessen gegeneinander abzuwägen. Rechtmässig ist die
Nichtverlängerung einer Aufenthaltsbewilligung demnach nur, wenn sie
sich nach der im Einzelfall vorzunehmenden Interessenabwägung als
verhältnismässig erweist (BGE 135 II 377 E.4.3). Dabei sind die
öffentlichen und privaten Interessen sowie die Integration zu
berücksichtigen (Art. 96 Abs. 1 AIG). Art. 96 Abs. 1 AIG legt dabei die für
die Interessenabwägung massgeblichen Kriterien fest, namentlich die
persönlichen Verhältnisse und den Grad der Integration der Ausländer.
Eine Rückkehr in den Herkunftsstaat ist zumutbar, wenn der Aufenthalt in
der Schweiz nur kürzere Zeit gedauert hat, keine engen Beziehungen zur
Schweiz geknüpft wurden und die erneute Integration im Herkunftsland zu
keinen schwerwiegenden Problemen führt. Zur Beurteilung der
Verhältnismässigkeit ist zunächst zu prüfen, ob es der
Beschwerdeführerin zugemutet werden kann, ihr Leben im Ausland zu
führen. Die Beschwerdeführerin selbst gibt an, sich aufgrund der
gesundheitlichen Probleme schwach ins sozial und wirtschaftliche Leben
in der Schweiz integriert zu haben.
Zu prüfen ist ausserdem, ob die Beschwerdeführerin ein Recht aus Art. 8
Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) für sich ableiten kann. Art. 8 Ziff. 1
EMRK bzw. der inhaltlich identische Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung
der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101) schützt im
Zusammenhang der Bewilligung respektive Beendigung des Aufenthalts
in erster Linie die Kernfamilie, d.h. die Gemeinschaft der Ehegatten mit
ihren minderjährigen Kindern (BGE 135 I 143 E.1.3.2). Der sich im Land
aufhaltende Angehörige muss über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht,
etwa über das Schweizer Bürgerrecht oder die Niederlassungsbewilligung,
verfügen (BGE 130 II 281 E.3.1 mit Hinweisen; 139 I 330 E.2.1). Ist es
dieser Person ohne Schwierigkeiten möglich bzw. zumutbar, das
- 18 -
Familienleben zusammen mit der von der Wegweisung betroffenen
Person andernorts zu pflegen, liegt kein Eingriff in ein konventionsrechtlich
geschütztes Rechtsgut vor (BGE 139 I 330 E.2.1 mit Hinweisen). Wird in
das durch Art. 8 Ziff. 1 EMRK geschützte Rechtsgut der Achtung des
Privat- und Familienlebens eingegriffen, ist auch eine
Verhältnismässigkeitsprüfung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK vorzunehmen;
diese entspricht jener nach Art. 96 Abs. 1 AIG und kann grundsätzlich in
einem einzigen Schritt vorgenommen werden (Urteil des Bundesgerichts
2C_91/2014 vom 18. Dezember 2014 E.4.1). Hinsichtlich Art. 8 Ziff. 1
EMRK kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten ableiten,
zumal die Beschwerdeführerin nicht in einer ehelichen Gemeinschaft lebt
und das Paar nicht über gemeinsame Kinder verfügt. Der erwachsene
Sohn bedarf ausserdem nicht mehr der Pflege und Erziehung durch die
Mutter. Diese Kontaktpflege ist im Verhältnis zum Sohn bis zu dessen
Einreise in die Schweiz im Jahr 2016 auch über die Landesgrenzen
hinweg erfolgt, lebte doch dieser in G._. Diese Beziehung würde sich
durch die Wegweisung der Beschwerdeführerin daher kaum verändern
und kann ohne Weiteres im Rahmen des bewilligungsfreien Aufenthaltes
der Beschwerdeführerin als Touristin/Besucherin (maximal 90 Tage
innerhalb von 180 Tagen) in der Schweiz aufrechterhalten werden.
Besuche des Sohnes bei seiner Mutter in G._ sind zusätzlich möglich.
Mit den modernen Kommunikationsmitteln können schliesslich auch auf
Distanz tägliche Kontakte gepflegt werden. Der Kontakt zu diesen wird
durch die Ausreise in ein Nachbarland der Schweiz lediglich erschwert,
nicht aber verunmöglicht. Denkbar wäre auch, dass sich die
Beschwerdeführerin gemeinsam mit ihrem Lebenspartner ein Leben in
G._ aufbaut.
Zu prüfen ist, ob sich die Nichtverlängerung Aufenthaltsbewilligung der
Beschwerdeführerin aufgrund von gesundheitlichen Problemen als
unverhältnismässig erweist.
- 19 -
Gesundheitliche Probleme bilden allenfalls dann einen wichtigen Grund
für einen (dauerhaften) Verbleib im Land, wenn eine Beeinträchtigung
vorliegt, die längere Pflege oder eine punktuelle dringliche Behandlung
erfordert, die im Heimatland nicht sichergestellt wäre, sodass die Pflicht,
die Schweiz zu verlassen, für die betroffene Person mit gewichtigen
gesundheitlichen Konsequenzen verbunden wäre. Allein der Umstand,
dass in der Schweiz allenfalls eine bessere oder finanziell günstigere
medizinische Behandlung erhältlich gemacht werden kann, genügt hierzu
nicht (Urteil des Bundesgerichts 2C_721/2014 vom 15. Januar 2015
E.3.2.1 m.w.H.). Die Rechtsprechung des Bundesgerichts im Rahmen von
Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG deckt sich bei gesundheitlichen Problemen
weitgehend mit jener des Bundesverwaltungsgerichts zur Zumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs; dieses verneint eine solche, wenn die
ungenügende Möglichkeit der Behandlung eine drastische und
lebensbedrohende Verschlechterung des Gesundheitszustands nach sich
zieht (Urteil des Bundesgerichts 2C_721/2014 vom 15. Januar 2015
E.3.2.2 m.w.H.).
Eine dringliche Behandlung der gesundheitlichen Probleme der
Beschwerdeführerin, welche in ihrem Heimatland nicht sichergestellt wäre,
ist vorliegend nicht ersichtlich. Vielmehr wäre eine angemessene
psychiatrische Behandlung in einem der Schweiz bzgl. der medizinischen
Standards sehr ähnlichen Land ohne weiteres möglich.
Die Schweiz hat ein öffentliches Interesse an einer restriktiven
Einwanderungspolitik (Urteil des Bundesgerichts 2C_62/2010 vom 30.
August 2010 E.2.2). Zudem besteht ein erhebliches öffentliches Interesse
daran, Personen, welche die Zulassungsvoraussetzungen nicht erfüllen,
beispielsweise die fehlenden finanziellen Mittel, von der Schweiz
fernzuhalten.
- 20 -
Bis auf den Verlust der Ergänzungsleistungen drohen der
Beschwerdeführerin durch die Ausreise keine übermässigen Nachteile.
Auch verliert sie dadurch weder eine Arbeitsstelle, noch allfällige IV-
Rentenansprüche. Zudem ist ein Kontakt mit ihrem Sohn und dem
Lebenspartner weiterhin möglich.
Aus den vorstehenden Ausführungen geht hervor, dass das öffentliche
Interesse an der Verweigerung der Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA das private Interesse der
Beschwerdeführerin an einem weiteren Verbleib in der Schweiz überwiegt.
Folglich hat die Vorinstanz ihr Ermessen i.S.v. Art. 96 Abs. 1 AIG in
korrekter Weise ausgeübt.
8.1. Schlussendlich bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführerin über die
Härtefallregelung von Art. 30 AlG ein Aufenthaltstitel zu gewähren ist.
Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG kann von den
Zulassungsvoraussetzungen abgewichen werden, um schwerwiegenden
persönlichen Härtefällen oder wichtigen öffentlichen Interessen Rechnung
zu tragen. Durch die Ausgestaltung dieser Bestimmung als "Kann-
Vorschrift" wird zum Ausdruck gebracht, dass deren Anwendung im freien
Ermessen der Behörden liegt, wobei diese bei der Ausübung dieses
Ermessens an die Grundsätze der Rechtsgleichheit, Willkürfreiheit und
Verhältnismässigkeit gebunden sind und gemäss dem bereits erwähnten
Art. 96 Abs. 1 AIG die öffentlichen Interessen, die persönlichen
Verhältnisse des Ausländers und den Grad seiner Integration zu
berücksichtigen haben (vgl. GOOD/BOSSHARD, in:
CARONI/GÄCHTER/THURNHERR [Hrsg.], Handkommentar zum
Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 30
N. 2). Damit ist auch gesagt, dass sich aus den Härtefallbestimmungen
kein Rechtsanspruch ableiten lässt. In verfahrensmässiger Hinsicht ist
festzuhalten, dass die kantonale Behörde nicht alleine über eine
Zulassung gestützt auf die Härtefallklausel entscheiden kann. Vielmehr
- 21 -
hat gemäss Art. 96 AIG das Staatssekretariat für Migration im
Zustimmungsverfahren über die Zulassung zu entscheiden (vgl.
Weisungen VEP-04, 2020, Ziff. 8.5, Seite 104).
Wann ein schwerwiegender persönlicher Härtefall vorliegt, wird gemäss
den Kriterien in Art. 31 Abs. 1 lit. a - g der Verordnung über Zulassung,
Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE; SR 142.201) näher konkretisiert.
Bei der Beurteilung, ob ein persönlicher Härtefall vorliegt, wird der
Gesundheitszustand mitberücksichtigt (vgl. f von Art. 31 Abs. 1 VZAE),
d.h. es müssen nicht sämtliche Kriterien kumulativ erfüllt sein. Vielmehr
sind alle Gesichtspunkte und Besonderheiten des Einzelfalls zu
berücksichtigen. In Anlehnung an Art. 31 VZAE ist es gemäss Art. 20 VEP
sowie den Weisungen und Erläuterungen zur Verordnung über die
Einführung des freien Personenverkehrs (Weisungen VEP-04/2020)
möglich, auch EU/EFTA Staatsangehörigen eine Aufenthaltsbewilligung
EU/EFTA (ohne Erwerbstätigkeit) aus wichtigen Gründen zu erteilen,
selbst wenn die Zulassungsvoraussetzungen des Abkommens nicht erfüllt
sind. Der Begriff des schwerwiegenden persönlichen Härtefalls ist gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung – entsprechend dem
Ausnahmecharakter dieser sog. "humanitären Bewilligung" – restriktiv
auszulegen, d.h. es gelten strenge Voraussetzungen für die Anerkennung
eines Härtefalles (vgl. ÜBERSAX, in: ÜBERSAX/RUDIN/HUGI YAR/GEISER
[Hrsg.], Handbücher für die Anwaltspraxis Band VIII; Ausländerrecht –
Eine umfassende Darstellung der Rechtsstellung von Ausländerinnen und
Ausländern in der Schweiz, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 7.189 ff.). Die
Annahme eines solchen setzt voraus, dass sich die betroffene Person in
einer persönlichen Notlage befindet. Ihre Lebens- und
Daseinsbedingungen müssen – gemessen am durchschnittlichen
Schicksal von anderen ausländischen Personen – in gesteigertem Mass
in Frage gestellt sein. Dabei sind alle Gesichtspunkte und Besonderheiten
des Einzelfalles zu berücksichtigen. Geprüft wird mitunter, ob es der
- 22 -
ausländischen Person in persönlicher, wirtschaftlicher und sozialer
Hinsicht zuzumuten ist, in ihre Heimat zurückzukehren und sich dort
aufzuhalten. Zu diesem Zweck ist ihre zukünftige Situation im Ausland
ihren persönlichen Verhältnissen in der Schweiz gegenüberzustellen (vgl.
GOOD/BOSSHARD, in: CARONI/GÄCHTER/THURNHERR [Hrsg.],
Handkommentar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und
Ausländer, Bern 2010, Art. 30 N. 8). Die bisherige Praxis zu den
schwerwiegenden persönlichen Härtefällen ist zu beachten (Weisungen
VEP-04/2020, Kap. II.8.5 S. 104 mit Hinweisen). So sind insbesondere die
in Art. 31 Abs. 1 VZAE aufgeführten Kriterien in einer Gesamtbetrachtung
zwingend in dem Sinne zu berücksichtigen, als dass in Anbetracht der
bereits erfolgten beruflichen und sozialen Eingliederung in die Schweiz die
Wiedereingliederung im Herkunftsland nicht mehr verlangt werden könne
(Weisungen und Erläuterung zum Ausländerbereich, Stand 1. November
2019, Ziff. 5.6.10).
Gemäss der nicht abschliessenden Aufzählung in Art. 31 Abs. 1 VZAE
sind bei der Beurteilung eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalls –
im Sinne einer Konkretisierung von Art. 30 Abs. 2 lit. b AIG – die folgenden
Kriterien zu berücksichtigen: lit. a; die Integration der Gesuchstellerin, lit.
b; die Respektierung der Rechtsordnung durch die Gesuchstellerin, lit. c;
die Familienverhältnisse, insbesondere der Zeitpunkt der Einschulung und
die Dauer des Schulbesuchs der Kinder, lit. d; die finanziellen Verhältnisse
sowie der Wille zur Teilhabe am Wirtschaftsleben und zum Erwerb von
Bildung, lit. e; die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz, lit. f; der
Gesundheitszustand und lit. g; die Möglichkeiten für eine
Wiedereingliederung im Herkunftsstaat.
8.2.1. Im Folgenden ist anhand dieser Härtefallkriterien zu bestimmen, ob die
Umstände des vorliegenden Falls die Erteilung einer sog. humanitären
Bewilligung rechtfertigen würden.
- 23 -
8.2.2. Zum Zulassungskriterium der Integration (lit. a) hält die Vorinstanz in
zutreffender Weise fest, dass die Beschwerdeführerin den weitaus
grössten Teil ihres Lebens in G._ verbracht hat. Dies wird von der
Beschwerdeführerin denn auch nicht bestritten. Sie ist erstmals im Jahre
2008 zur Erwerbsaufnahme in die Schweiz eingereist. Hierfür wurde ihr für
den Zeitraum bis zum 30. November 2013 eine Aufenthaltsbewilligung
EU/EFTA erteilt. Diese Bewilligung wurde zwecks Erwerbsaufenthalts in
der Folge um fünf Jahre bis zum 30. November 2018 verlängert. Die
Beschwerdeführerin selbst gibt an, sich aufgrund der gesundheitlichen
Probleme schwach ins sozial und wirtschaftliche Leben in der Schweiz
integriert zu haben. Eine Integration in sozialer oder beruflicher Hinsicht
ist aufgrund der beigezogenen Akten und den Ausführungen der
Beschwerdeführerin nicht im Ansatz auszumachen.
8.2.3. Hinsichtlich Respektierung der Rechtsordnung (lit. b) ist festzuhalten,
dass mit Ausnahme der von der Staatsanwaltschaft Graubünden
erfolgten Einstellungsverfügung hinsichtlich Täuschung der Behörden,
keine Straftaten auszumachen sind, sodass grundsätzlich von der
Respektierung der Rechtsordnung durch die Beschwerdeführerin
auszugehen ist. In diesem Zusammenhang bleibt jedoch zu erwähnen,
dass die Beschwerdeführerin beim Antrag auf Verlängerung ihres
Aufenthaltsstatus im Jahr 2013 in vorwerfbarer Weise ihre seit März 2009
bestehende und andauernde Arbeitsunfähigkeit verschwiegen hat. Dabei
handelt es sich um ein treuwidriges Verhalten.
8.2.4. Es rechtfertigt sich unter dem Kriterium der Familienverhältnisse (lit. c) die
gesamtfamiliäre Situation der Beschwerdeführerin zu beleuchten. Die
Beschwerdeführerin lebt seit ihrem Zuzug im Konkubinat mit ihrem
Lebenspartner zusammen, der sie in der Vergangenheit durch die
Aufnahme eines Kredits finanziell unterstützt hat. Dennoch käme für sie
eine Heirat lediglich aus einer Notlage nicht in Frage. Im gleichen Haushalt
wohnt ihr erwachsener Sohn, zu dem sie ein enges Verhältnis pflegt. Zu
- 24 -
ihrem früheren Wohnort pflege sie laut eigenen Angaben seit dem Tod
ihres Vaters kaum noch Kontakte. Zu ihrer Mutter habe sie ein
angespanntes Verhältnis, da diese mit ihrer Krankheit nicht umgehen
könne.
8.2.5. Unter diesem Kriterium der finanziellen Verhältnisse (lit. d) sind die
finanziellen Verhältnisse sowie der Wille zur beruflichen Integration zu
prüfen, mithin das Vermögen, die Erwerbstätigkeit, eine allfällige
Sozialhilfeabhängigkeit sowie die Beschäftigungsaussichten in der
Zukunft (vgl. Weisungen des BFM, a.a.O., Ziff. 5.6.4.4). Die nunmehr
ältere Beschwerdeführerin wird aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr
am Wirtschaftsleben teilhaben, weshalb es sich erübrigt, auf Arbeits- und
Bildungsverhältnisse resp. entsprechende Bemühungen einzugehen.
Auch in den vergangenen Jahren, in denen sich die Beschwerdeführerin
in der Schweiz aufgehalten hat, ist sie gemäss eigenen Angaben keiner
Arbeitstätigkeit nachgegangen, was ihrem Gesundheitszustand
geschuldet war. Die Beschwerdeführerin möchte ausserdem keine weitere
zusätzliche finanzielle Hilfe von ihrem Lebenspartner beanspruchen.
Hinsichtlich der finanziellen Situation der Beschwerdeführerin kann auf die
Ausführungen in den vorangehenden Erwägungen (6.2) verwiesen
werden.
8.2.6. Die Aufenthaltsdauer (lit. e) in der Schweiz, welche bei der Frage der
Anerkennung von Härtefällen ein wichtiges Kriterium darstellt, ist im
Rahmen einer Gesamtwürdigung der persönlichen Umstände in
Beziehung zu den übrigen massgeblichen Kriterien zu setzen und
entsprechend zu würdigen. Weder das Gesetz noch die Praxis des
Bundesgerichts sehen eine minimale oder maximale Anwesenheitsdauer
vor (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts C_428/2010 vom 20. Juni 2011
E.5.1). Die Beschwerdeführerin hält sich seit Dezember 2008 in der
Schweiz auf, wobei sie eine Tätigkeit bei der D._ GmbH in E._
- 25 -
angenommen hat. Hierfür wurde ihr für den Zeitraum bis zum 30.
November 2013 eine Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA erteilt. Diese
Bewilligung wurde zwecks Erwerbsaufenthalts in der Folge um fünf Jahre
bis zum 30. November 2018 verlängert. Dies geschah allerdings unter
Verschweigen der Tatsache, dass sie seit März 2009 arbeitsunfähig war.
Falls es notwendig sein sollte, könnten ausserdem geeignete Personen
vor Ort beauftragt werden, ihr zumindest in der Anfangsphase nach ihrer
Rückkehr unterstützend beizustehen. Wie in der Schweiz, ist es ihr
ebenfalls in ihrem Heimatland möglich, wieder neue Kontakte aufzubauen.
Bis dato lebt die Beschwerdeführerin seit ca. 12 Jahren in der Schweiz.
Sie hat somit lediglich 1/5 ihres bisherigen Lebens in der Schweiz
verbracht, sodass davon auszugehen ist, dass sie sich mit den
Verhältnissen in ihrem Heimatland auch heute noch bestens auskennt.
8.2.7. Hinsichtlich des Gesundheitszustandes (lit. f) ist festzuhalten, dass
gemäss den Weisungen des BFM andauernde und schwerwiegende
Krankheiten einer ausländischen Person oder eines Familienmitglieds, die
im Herkunftsland nicht ausreichend behandelt werden können, bei der
Beurteilung eines schwerwiegenden Härtefalls entsprechend zu
berücksichtigen sind. Dabei kann es sich um chronische Krankheiten,
nachgewiesene Suizidgefahr, Kriegstraumatisierung oder einen schweren
Unfall handeln (vgl. Weisungen des BFM, a.a.O., Ziff. 5.6.4.6). In diesem
Zusammenhang ist der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin,
mithin die Zwangsstörung zu berücksichtigen.
Mit Gutachten vom 27. März 2020 (Bg-act. 16) wurde der
Beschwerdeführerin die Diagnose der Zwangshandlungen und
Zwangsrituale gemäss ICD-10 F42.2 und einer schweren abhängigen
Persönlichkeitsstörung gemäss ICD-10 F60.7 gestellt. Dabei wurde
ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin seit ihrer Jugend an einer als
schwer zu bezeichnenden Zwangssymptomatik leide, welche sich im
Laufe ihres Lebens verstärkt und verselbstständigt habe. Aufgrund ihrer
- 26 -
ausgeprägten psychischen Störung sei es für die Beschwerdeführerin
nicht möglich, sich selbstständig um eine Wohnung zu kümmern und ein
Leben selbstständig zu führen. So, wie die Unterbrechung der
Zwangsrituale zu ausgeprägter Angstsymptomatik mit körperlicher
Reaktion führe, so führe auch die Trennung von den Personen, die für sie
von existenzieller Bedeutung seien, zu einer ausgeprägten depressiven
Symptomatik. Gemäss Gutachten befindet sich die Beschwerdeführerin in
einer konsequent verhaltenstherapeutischen Behandlung im ambulanten
Dienst der Klinik F._. Der Gutachter weist daraufhin, dass die aktuell
durchgeführte Therapie nicht ersetzbar sei und deshalb nicht in ihrem
Heimatland fortgesetzt werden könne. Die gesundheitliche
Gesamtsituation der Beschwerdeführerin erfordere zwingend eine intakte
Situation. Aus diesem Grund wäre eine Wegweisung mit schweren
psychischen und physischen Folgen verbunden. Bei einer erzwungenen
Ausweisung sei mit Sicherheit von einer weiteren Verschlechterung des
psychischen Zustandsbildes resp. von einer ernsthaften gesundheitlichen
Gefährdung auszugehen.
In diesem Zusammenhang führte die Vorinstanz korrekt aus, dass einer
solchen Situationen, statt mit einer Härtefallregelung, ebenso mit
wechselseitigen Besuchen, Telefonaten und finanzieller Unterstützung
begegnet werden könne. Die Beschwerdeführerin bedarf keiner
medizinischen Behandlung, welche nicht auch in ihrem Herkunftsland
durchgeführt werden kann. Die erforderliche Betreuung sowie eine
allenfalls notwendige ambulante Nachbehandlung ist daher auch in
G._ gewährleistet.
8.2.8. Unter dem Kriterium der Möglichkeit für eine Wiedereingliederung im
Herkunftsstaat (lit. g) ist sodann die Gesamtsituation zu berücksichtigen,
welche die ausländische Person im Falle einer Rückkehr ins Herkunftsland
antreffen würde. Bei der Beurteilung der
Wiedereingliederungsmöglichkeiten sind unter anderem das Alter der
- 27 -
betroffenen Person bei der Einreise in die Schweiz, die Vertrautheit mit
den kulturellen Gepflogenheiten und das Beherrschen der Sprache,
allfällige gesundheitliche Probleme, das familiäre sowie das
gesellschaftliche Beziehungsnetz im Heimatland, die Berufsbildung samt
beruflichen Wiedereinstiegsmöglichkeiten im Heimatland sowie die
Wohnverhältnisse zu berücksichtigen (vgl. Weisungen des BFM, a.a.O.,
Ziff. 5.6.4.7).
Die Beschwerdeführerin rügt, dass sie bei einer allfälligen Rückkehr in
ihren Heimatstaat über kein soziales Netzwerk mehr verfügen würde und
nicht mehr auf die finanzielle Unterstützung durch ihren Lebenspartner
zählen könne. Zu ihrem früheren Wohnort pflege sie seit dem Tod ihres
Vaters kaum noch Kontakte. Zu ihrer Mutter habe sie ein angespanntes
Verhältnis, da diese mit ihrer Krankheit nicht umgehen könne.
Da sie praktisch ihr ganzes Leben in G._ verbracht hat, ist davon
auszugehen, dass sie sich mit den Verhältnissen in ihrem Heimatland
auch heute noch bestens auskennt. Falls es notwendig sein sollte,
könnten ausserdem geeignete Personen vor Ort beauftragt werden, ihr
zumindest in der Anfangsphase nach ihrer Rückkehr unterstützend
beizustehen. Wie in der Schweiz, ist es ihr ebenfalls in ihrem Heimatland
möglich wieder neue Kontakte aufzubauen. Vor diesem Hintergrund ist
nicht ersichtlich, weshalb zumindest eine soziale Wiedereingliederung in
ihrem Herkunftsland nicht möglich sein sollte.
Im Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich
VB.2007.00267 vom 24. Oktober 2007 (E.4.6) auf den sich die
Beschwerdeführerin bezieht, ging es um eine Ausweisung eines Spaniers,
der seit früher Kindheit an in der Schweiz gelebt hat und somit keine
Verbindungen oder Kontakte zu seinem Heimatland pflegte. Da er
praktisch in eine ihm fremde Umgebung ausgewiesen werden sollte,
erschien die Ausweisung nicht verhältnismässig. Dieser Entscheid ist
- 28 -
somit nicht zu vergleichen mit vorliegender Situation, in der die
Beschwerdeführerin rund 40 Jahre in ihrem Heimatland verbracht hat und
dort Familienangehörige hat. Im Lichte des Dargelegten erhellt, dass
dieser Entscheid auf den vorliegenden Sachverhalt nicht anwendbar ist.
8.2.9. Die Prüfung der einzelnen Elemente des Härtefalles zeigt, dass die
Vorinstanz korrekterweise das Vorliegen eines Härtefalles verneint hat.
Diese Erkenntnis wird zusätzlich gestützt durch den Umstand, dass die
Beschwerdeführerin in vorwerfbarer Weise beim Antrag auf Verlängerung
ihres Aufenthaltsstatus im Jahr 2013 ihre seit März 2009 eine bestehende
und andauernde Arbeitsunfähigkeit verschwiegen hat.
9. Die vorliegende Beschwerde erweist sich als unbegründet und ist somit
abzuweisen.
10. Für die Beurteilung des Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege sind Art. 76 ff. VRG massgebend. Hiernach kann die
Behörde (inkl. Gericht) mit dem Entscheid in der Hauptsache einer Partei,
die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag diese
Rechtswohltat gewähren, sofern deren Rechtsstreit nicht offensichtlich
mutwillig oder aussichtlos ist (PVG 2008 Nr. 4 E.3a). Die Kriterien für die
Gewährung der URP sind somit die Bedürftigkeit des Gesuchstellers und
die zu verneinende (bzw. fehlende) Aussichtslosigkeit des Streitfalles.
Bedürftig ist eine Partei dann, falls sie zur Wahrung ihrer Rechte auf
anwaltlichen Beistand angewiesen ist und somit eine Notwendigkeit für
eine solche Hilfe erstellt ist. Als aussichtslos gelten Verfahren, bei denen
die Gewinnchancen beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahr und
deshalb kaum mehr als ernsthaft bezeichnet werden können. Dagegen gilt
ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnchancen und
Verlustgefahr ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer
sind als diese. Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen Mittel
verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen
- 29 -
würde; eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und
Gefahr nicht führen würde, nicht allein deshalb anstrengen können, weil
er nichts kostet (BGE 139 I 138 E.4.2, 122 I 267 E.2b; PVG 1998 Nr. 27).
Im konkreten Fall kann das Kriterium der finanziellen Mittellosigkeit der
Beschwerdeführerin ohne weiteres bejaht werden. Beim kumulativ
erforderlichen (zweiten) Kriterium der 'fehlenden Aussichtslosigkeit' muss
die Sachlage differenziert betrachtet werden. Einerseits muss es der
Beschwerdeführerin aufgrund ihrer gesamten Lebensgeschichte in der
Schweiz klar gewesen sein, dass ihr Antrag um Verlängerung der
Aufenthaltsberechtigung ungewiss ist, insbesondere aufgrund der
Tatsache, dass sie im Jahr 2013 ihre seit März 2009 andauernde
Arbeitsunfähigkeit verschwiegen hatte. Weil aber im Rahmen der
Beurteilung von Härtefällen das Ergebnis nicht ohne Weiteres
voraussehbar ist und bei für die Lebensgestaltung zentralen Entscheiden
wie der Nichtverlängerung eines Aufenthaltstitels bzw. der damit
verbundenen Wegweisung ein grosszügiger Massstab anzuwenden ist,
wird auch das zweite Kriterium als erfüllt betrachtet. Aus den genannten
Gründen wird das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege für das
Verfahren vor Verwaltungsgericht bewilligt. Für das vorinstanzliche
Verfahren wurde demgegenüber kein Gesuch um Unentgeltliche
Rechtspflege gestellt.
Mit der Abweisung der Beschwerde gehen die Verfahrenskosten zu
Lasten der Beschwerdeführerin (Art. 73 VRG). In Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege und Beiordnung des Rechtsanwalts in der
Person von lic. iur. Reto Picenoni werden somit die Gerichtskosten der
Beschwerdeführerin auferlegt. Die Staatsgebühr wird praxisgemäss auf
CHF 1'500.00 festgelegt. Diese Kosten werden vorläufig auf die
Staatskasse genommen, unter Vorbehalt der Rückforderung.
- 30 -
Art. 5 Abs. 1 der Verordnung über die Bemessung des Honorars der
Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (Honorarverordnung [HV]; BR
310.250) hält fest, dass der Rechtsanwältin oder dem Rechtsanwalt für
den berechtigten Aufwand der unentgeltlichen Vertretung und der
amtlichen Verteidigung ein Honorar CHF 200 pro Stunde zuzüglich
notwendige Barauslagen und Mehrwertsteuer ausgerichtet wird.
Zuschläge werden keine gewährt. Reicht die amtliche Verteidigerin oder
der amtliche Verteidiger keine Honorarnote ein, die eine umfassende
Überprüfung der Aufwendungen erlaubt, wird die Entschädigung gemäss
Art. 5 Abs. 2 HV nach Ermessen festgesetzt.
Was die Entschädigung des aufgrund der Gewährung der URP
beigeordneten Rechtsvertreters betrifft, wird festgestellt, dass keine
Honorarnote eingereicht wurde. Somit wird das Honorar nach Ermessen
zu einem Stundentarif von CHF 200.00 festgelegt. Dabei wird beachtet,
dass die Beschwerde 8 Seiten und die Replik 3 Seiten umfasst. Da im
vorinstanzlichen Verfahren eine andere Rechtsvertretung dabei war,
musste sich der jetzige Rechtsvertreter neu in den Fall einlesen, sodass
von einer Arbeitszeit von 15 Stunden à CHF 200.00 zzgl. Pauschalspesen
3 % und MWST von 7.7 % auf CHF 3'090.00, insgesamt somit von
CHF 3'327.95 auszugehen ist.
Aufgrund der Tatsache, dass die Beschwerdegegnerin lediglich in ihrem
amtlichen Wirkungskreis teilweise obsiegt hat, ist ihr keine
Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 78 Abs. 2 VRG).