Decision ID: 363daec4-3d5d-4e85-b1c1-cabdc27a93cb
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1957 geborene
X._
war von
1. Juni 2005
bis
31. Dezember 2014
als Akkordschaler
bei der
Y._
AG
angestellt und im
Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses bei der
Suva
gegen die Folgen von Unfällen versichert. Mit Schadenmeldung UVG
vom
20. November 2013
liess er der
Suva
mitteilen, dass er am
19. November 2013 von einem Gerüst gestürzt und sich dabei
eine Quetschung beziehungsweise einen Bruch am Schädel sowie am Rücken
beidseitig
zugezogen habe (Urk.
8/1
,
Urk. 8/22/1
und Urk. 8/94/7
).
Die den Versicherten
vom
Unfalltag
bis am 27. November 2013
behandelnden Ärzte des
Z._
stellte
n
- bei einem Sturz aus sechs Meter
n
Höhe -
die
Diagnose
n
von unter anderem
einer instabilen BWK11-Fraktur, einer Berstungsfraktur LWK1, einer Fraktur der Hinterwand des Sinus
maxillaris
rechts und einer Rissquetschwunde links frontal
(Bericht vom
27. November 2013
;
Urk.
8/10/2
).
Die Suva erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung und Taggeld).
Am 9. September 2014 teilte die Suva dem Versicherten mit, dass die Heilungskosten per 30. November 2014 und die Taggeld
leistungen
per
31.
Dezember 2014
eingestellt würden (Urk. 8/84).
Mit Verfügung vom
18. März 2015
sprach
sie ihm
ab dem 1.
Januar 2015 eine Invalidenrente aufgrund
einer Erwerbsunfähigkeit von
13
% und einen versi
cherten Jahresverdienst von Fr.
69‘369.-- sowie eine Integritätsentschädigung von Fr. 25‘200.-- basierend auf einer
Integritätseinbusse von 20 % zu
(Urk.
8/144
).
Mit Verfügung vom 16.
Dezember 2015 verneinte die Suva zudem ihre Leistungspflicht
bezüglich der
Beschwerden an der rechten Schulter (
Urk. 8/190
), da zwischen diesen und dem Unfall vom 19. November 2013 kein sicherer oder wahrscheinlicher Kausalzusammenhang bestehe.
Die Suva vereinigte die Verfahren und wies d
ie vom Versicherten gegen diese
Verfügungen
erhobene
n
Einsprache
n
vom
20. April beziehungsweise 1. Mai
2015 (Urk.
8/
151 und Urk. 8/155
) sowie vom 28.
Dezember 2015
(Urk.
8/193
)
am
15. Februar 2016
ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
14. März 2016
Beschwerde (Urk. 1) und beantragte,
der
Einspracheentscheid
vom 15. Februar 2016
sei aufzuheben und es sei
en
ihm über den 31. Dezember 2014 hinaus das Taggeld und die Heilungskosten zuzusprechen und auszuricht
en, zudem
sei mit dem Fallabschluss zuzuwarten bis der medizinische Endzustand erreicht sei; eventualiter seien die zugesprochene Rente und die Integritätsentschädigung angemessen zu erhöhen.
Weiter
seien ihm in Aufhebung des angefochtenen
Entscheides
auch für die Folgen
der Verletzung an der rechten Schulter die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen und auszurichten
.
Schliesslich
werde eine versicherungsexterne medizinische Begutachtung beantragt.
Am
18. April 2016
(Urk.
7
) beantragte die
Suva
die
Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
21. April 2016
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
10
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getre
ten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sach
verhalt verwirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Än
derung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufs
krankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
19. November 2013
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorübergehen
den Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invaliden
rente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortset
zung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszu
standes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Ein
gliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschl
ossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2
UVG; Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2.
Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3).
In diesem Zeitpunkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2.
Oktober 2013 E. 7.2 mit
Hinweis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
454/2014 vom 2. September 2014 E. 6.3).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfä
higkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist
. Die Verwendung des Be
griffes „
namhaft" in Art.
19 Abs.
1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art.
10 Abs.
1 UVG er
hoffte Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglich
keit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen
–
wie etwa einer Badekur
–
zu erwartender ge
ringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durch
führung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versi
cherten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2.
Mai 2014 E. 4.1 mit Hinweisen, insbes. auf BGE
134 V 109 E. 4.3; vgl. auch Urteil 8C_6
39/2014 vom 2. Dezember 2014 E.
3).
1.3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
mit Hinweis). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE
135 V 465 E. 4.4 mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einspracheentscheid
(Urk. 2) damit, dass
der Beschwerdeführer erst ein halbes Jahr nach dem Unfall erstmals über Schulterbeschwerden geklagt habe. Eine entsprechende Behandlung habe erst weitere rund 14 Monate später erstmals stattgefunden. Ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den geklagten Schulterbeschwerden sei damit nicht überwiegend wahrscheinlich (S. 9 f.).
Der Endzustand bezüglich der unfallbedingten Beschwerden sei erreicht. Die
Zusprache
von Frühinterventionsmassnahmen in Form von Arbeitsvermittlung seitens der IV-Stelle Zürich hindere den Fallabschluss nicht. Die Heilungskosten- und Taggeldleistungen seien folglich zu Recht per 30. November beziehungsweise 31. Dezember 2014 eingestellt worden (S. 14).
Aufgrund der unfallkausalen Beschwerden im Bereich der unteren
Brust-
und L
endenwirbelsäule
sei der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit voll arbeitsunfähig. In einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit bestehe hingegen eine 100%ige Arbeitsfähigkeit.
Der Beschwerdeführer habe ab 1. Januar 2015 Anspruch auf eine Invalidenrente aufgrund einer Erwerbsunfähigkeit von
13 % (S. 11-16).
Die Integritätsentschädigung sei zudem zu Recht basierend auf einer Integritätseinbusse von 20 % zugesprochen worden (S. 17 f.).
In ihrer Beschwerdeantwort (Urk.
8
) hielt sie ergänzend fest,
es sei nicht
glaubhaft, dass die Schulterbeschwerden bei der Erstbehandlung übersehen worden seien. Spätestens nach Austritt aus dem
Z._
sei die Schmerzsituation nicht mehr derart gewesen, dass der Beschwerdeführer so starke Medikamente eingenommen hätte, dass er an der Schulter keine Schmerzen mehr hätte verspüren können, mithin eine Schulterverletzung verdeckt worden wäre. Von durchgehend dokumentierten Schulterbeschwerden könne zudem nicht die Rede
sein
. Die Ablehnung einer Leistungspflicht für die rechtsseitigen Schulterbeschwerden sei deshalb nicht zu beanstanden
(S. 3 f
f
.).
Die vom Beschwerdeführer genannten Arztberichte ständen der Annahme eines Endzustands per 2. September 2014 nicht ent
gegen. Der Fallabschluss per 1.
Januar 2015 sei somit rechtens gewesen (S. 5 f.).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
es sei unbestritten, dass e
r aufgrund der Unfallfolgen
am 1. Januar 2015 nicht
in der Lage
gewesen sei, seine angestammte Tätigkeit
wieder aufzunehmen
.
Es sei zu wenig untersucht worden, ob von der Fortsetzung der medizinischen Behandlung auch in der angestammten Tätigkeit keine Steigerung der Arbeitsfähigkeit mehr zu erwarten gewesen sei (S. 8 f.). Der Kreisarztbericht habe nicht auf allseitigen Untersuchungen beruht und könne in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation - da nicht einmal ansatzmässig begründet - nicht einleuchten. Die Beschwerdegegnerin hätte ein externes medizinisches Gutachten veranlassen müssen
, was sie versäumt habe.
Ihre
Abklärungen seien deshalb zu ergänzen (S. 9-13).
In Bezug auf die Schulterbeschwerden sei der zeitliche Ablauf kein ausreichendes Kriterium zur Beurteilung des Kausalzusammenhangs. Aufgrund der operierten Wirbelsäule habe er starke Medikamente einnehmen und sich schonen müssen. Nur schon geringste körperliche Belastungen hätten zu intensiven Beschwerden geführt, was erkläre, weshalb die Verletzung an der rechten Schulter zum damaligen Zeitpunkt nicht aufgefallen sei.
Er
habe ab März 2014 durchgehend über Schulterbeschwerden geklagt. Die nachgewiesene Partialruptur der
Supraspinatussehne
sowie der
superiore
Labrumriss entstünden meist unfallbedingt. Der Unfallhergang sei geeignet gewesen, solche Verletzungen zu verursachen, was von der Beschwerdegegnerin nicht bestritten werde. Nachdem er sich aufgrund der Rückenverletzung nachweisbar stets
geschont habe,
sei eine degenerative Ursache der beiden Risse nicht nachvollziehbar (S. 13-16).
Die Sache sei an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese nach
Ergänzung der medizinischen Akten und Einholen eines fachärztlichen externen Gutachtens zuzüglich EFL über die Unfallfolgen, den Zeitpunkt des Fallabschlusses, die Auswirkungen der Unfallfolgen auf die Arbeitsfähigkeit sowie die Höhe des Integritätsschadens erneut entscheide (S.
17).
3.
3.1
Die behandelnden Ärzte des
Z._
, wo der Beschwerdeführer vom Unfalltag am 19. November bis am 27. November 2013 hospitalisiert war, stellten in ihrem Austrittsbericht vom 27. November 2013 (Urk. 8/10/2-4) folgen
de Diagnosen (S.
1):
-
Sturz aus sechs Metern Höhe am 19. November 2013 mit
-
Instabiler Brustwirbelkörper 11 Fraktur
-
Berstungsfraktur Lendenwirbelkörper 1
-
Fraktur der Hinterwand des Sinus
maxillaris
rechts
-
Rissquetschwunde links frontal
-
Arteriell Hypertonie
-
Status nach Fraktur Arm links vor ungefähr 20 Jahren
Dazu führten sie aus,
beim Eintritt hätten an de
n
Schulter
n
keine
Druckdolenzen
bestanden
, sie
seien frei beweglich gewesen
(S. 3). B
eim Austritt hätten keine sensomotorischen Defizite bestanden. Es bestünden leichte muskuläre beim Drucken
provozierbare
Schmerzen der linken Flanke und linken Schulter. Der Arm links sei frei beweglich. Es sei eine körperliche Schonung für minde
stens drei Monate erforderlich
. Aufgrund des Risikos für eine Materiallockerung
dürften für drei
Monate keine aktiven physiotherapeutischen Massnahmen durchgeführt werden. D
er Beschwerdeführer
sei bis am 19.
Februar 2014 zu 100 % arbeitsunfähig
(S. 2).
3.2
Die Fachärzte der Rehaklinik
A._
, wo sich der Beschwerdeführer vom 16. April bis 21. Mai 2014 aufhielt, stellten in ihrem Austrittsbericht vom 21. Mai 2014 (Urk. 8/51) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Unfall vom 19.
November
2013 Sturz vom Gerüst aus 6 m Hö
he
-
Undislozierte
BWK
10
-Fraktur des
Processus
spinosus
und beider
Processus
articularis
inferioris
, disloz
i
erte Impressionsfraktur und dislozierte Beteiligung
Processus
articularis
super
i
or
rechts und
Processus
articularis
inferior links der BWK11 (bei
Ü
bergangsanomalie mit 13 rippentragenden BWK und fünf freien LWK), dis
lozierte Berstungsfraktur BWK13
-
21.
November 2013
Minimal-invasive
Spondylodese
mit
Viper 2 von Th9 auf
Th
11
auf
L1
-
19.
Februar
2014 Kontrolle: Vollständige Ausheilung der frakturierten Wirbel, OSM in situ. Fraktur mit stabilen Verhältnissen (gemäss
Beschwerdeführer
wurde nicht geröntgt und auf Anforderung der Bilder meldet
e
das
Z._
, dass keine Bilder vo
n
02/2014
existieren
würden
). OSME in 6 Monaten
-
28.
April
2014 Röntgen
thorakolumbaler
Übergang: Stationäre Lage der dorsalen
Spondylodese
Th
10
-Th
12-L1
(bei 13 Brustwirbeln
beziehungsweise
lumbosakralem
Übergangswirbel als L5 bezeichnet). Bekannte Deckplattenimpressionsfraktur BWK 11 und ventrale Kompress
i
onsfraktur BWK 13 in stationärer Stellung (10
beziehungsweise
13 Grad). Keine progrediente Sinterung, keine Lockerungszeichen oder
Bruch des
Spondylodesematerials
-
Leic
hte traumatische Hirnverletzung
-
Amnesie zum Ereignis, Bewusstlosigkeit von wenigen Sekunden
-
19.
November
2013 CT-Schädel
:
Kein Hinweis auf frische Blutung
-
Fraktur der Hinterwand des Sinus
maxillaris
re
chts
-
Konservative Behandlung
-
Arteri
elle Hypertonie
-
Medikamentöse Behandlung mit
Triatec
Comp
Dazu führten sie aus, beim Austritt hätten stetige Rückenschmerzen (VAS 3-4), verstärkte Schmerzen bei Positionswechsel und nach Belastung sowie bewegungsabhängige Schulterschmerzen, links stärker als rechts, bestanden. Aus unfallkausaler Sicht sei die ursprüngliche Tätigkeit als Hilfsarbeiter Schaler und Ausschaler aktuell nicht zumutbar. Die Anforderungen seien zu hoch, es sei eine sehr schwere rückenbelastende Arbeit. In einer anderen beruflichen Tätigkeit sei die Zumutbarkeit aktuell noch nicht festgelegt, da sich der Beschwerdeführer in einer medizinischen Behandlungs- und
Rekonvaleszenzphase
befinde. Es werde die Fortführung
der
ambulante
n
physiotherapeutisch begleitete
n
M
edizinischen
Trainingstherapie (MTT) sowie des instruierten Heimprogramms empfohlen
. Ob nach der geplanten
Osteosynthesematerialentfernung
die Aufnahme der angestammten sehr schweren Tätigkeit möglich sein werde, sei zumindest fraglich
(S. 2
f.
).
Beim Eintritt seien die Schultergelenke beidseits frei beweglich gewesen, jedoch habe ein diffuser Druckschmerz über beide Schultern
, verstärkt über die vordere Gelenkkapsel
,
bestanden
. Der
Impingement
-Test nach Neer und der Bodycross-Test seien positiv gewesen und es hätten Schmerzen bei der Abduktion beginnend bei 120° auf beiden Seiten bestanden
(S. 7).
Es
seien
deshalb
Röntgenaufnahmen der rechten und linken Schulter
gemacht
worden. Rechts habe sich ein kleines, knapp 2mm grosses, abgerundetes
Ossikel
am
caudalen
Glenoidrand
gezeigt, a. e. einem alten, abgerundeten Frakturfragment entsprechend. Im Übrigen
bestehe eine
regelrechte Darstellung der Schulter
-
und AC-Gelenke beidseits mit normaler Stellung ohne degenerative Veränderungen oder pathologische WT-Verkalkungen (S. 3).
Seit direkt nach der Operation im November 2013 seien keine Röntgenbilder mehr durchgeführt worden, obwohl die Neurochirurgen des
Z._
im Februar von einer vollständigen Ausheilung der frakturieren Wirbel mit stabilen Verhältnissen der Fraktur und des
OSM
gesprochen hätten
und daraufhin ein Arbeitsversuch in der ursprünglichen Tätigkeit initiiert worden sei. Es sei deshalb eine Kontroll-Röntgenaufnahme des
thorakolumbalen
Über
g
angs
gemacht
worden. Sechs Monate nach dem Sturz lasse sich das Ausmass der Einschränkungen mit den objektivierbaren pathologischen Befunden der klinischen Untersuchung und bildgebenden Abklärungen sowie den Diagnosen aus somatischer Sicht gut erklären. Durch die
Spondylodesen
im Ber
e
ich des
thorakolumbalen
Übergangs resultiere eine Mehrbewegung in den Anschlusssegmenten, so dass die dort bestehenden Schmerzen bei Bewegung und Belastung plausibel seien (S. 3).
3.3
Kreisarzt Dr. med.
B._
, Facharzt für Chirurgie FMH, hielt in seinem Bericht vom 2. September 2014 (Urk. 8/81) fest, nach Angaben des Beschwerdeführers bestünden noch Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule, ausstrahlend in beide Flanken
und
beide Schulterblätter sowie in den Nacken (S. 3).
Es
bestehe keine Arbeitsfähigkeit mehr als Schaler auf dem Bau. Diese Arbeit sei zu schwer, hier werde auch keine Arbeitsfähigkeit mehr erreichbar sein. Auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bestehe hingegen ab dem
Untersuchungstag, dem 2.
September 2014, wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit mit folgendem Zumutbarkeitsprofil: Leichte bis mittelschwere Arbeiten ohne längere Zwangshaltungen für den Rücken
,
ohne vornüber geneigtes Arbeiten insbesondere unter Last, ohne Überkopfarbeiten unter Last und ohne Tätigkeiten in kauernder Stellung seinen vollzeitig zumutbar. Insgesamt bestehe eine Gewichtsbelastbarkeit von maximal 20 kg bei gerader Wirbelsäule.
Die jetzt noch vorhandenen Beschwerden im Bereich der unteren
Brust- und Lendenwirbelsäule
seien unfallkausal. Nicht unfallkausal seien die Beschwerden im Bereich des Nackens, ausstrahlend in beide Schultern. Die Festlegung des Integritätsschadens könne
nach der Metallentfernung erfolgen
(S. 5). Es sei ein Endzustand erreicht, auch von der Metallentfernung dürfe keine wesentliche Verbesserung der Belastbarkeit der Wirbelsäule mehr erwartet werden (S. 6).
3.4
Im Austrittsbericht des
Z._
vom 27. November 2014 (Urk. 8/111), wo der Beschwerdeführer vom 23. bis 27. November 2014 zur Entfernung des
Spondylodesematerials
hospitalisiert war, wurde festgehalten,
dieser
habe beim Austritt kompensierte Rücken-/Wundschmerzen
aber
keine weiteren Beschwerden gehabt.
Es sei eine körperliche Schonung für mindestens drei Monate erforderlich,
er
sei bis am 7. Januar 2015
zu 100 % arbeitsunfähig
(S. 1
f.)
.
3.5
In seinem Bericht
vom 6. Februar 2015 (
Urk. 8/126) hielt Kreisarzt Dr.
B._
fest, nach der Metallentfernung ändere sich an der Beurteilung vom 2. September 2014 bezüglic
h des medizinischen Endzustands,
des Zumutbarkeitsprofils
und der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
nichts.
Zwar sei die Beschwerdegegnerin vorliegend leistungspflichtig für die Metallentfernung,
dies habe jedoch nichts mit der Feststellung des Endzustands zu tun. Eine Metallentfernung begründe eine Arbeitsunfähigkeit für maximal vier Wochen. Die gemäss dem Bericht des
Z._
bestehende Arbeitsunfähigkeit beziehe sich sicher auf den angestammten Beruf, welcher -
wie im
Vorbericht
vom 2.
September 2014 vermerkt - weiterhin nicht mehr zumutbar sei.
Nach
Ablauf der
vier Wochen sei die angepasste Tätigkeit
so zumutbar gewesen
wie im
genannten Vorb
ericht vermerkt
(S. 1).
3.6
Der MR-
Arthrographie
der rechten Schulter vom 13. August 2015 (Urk. 8/172) ist eine Partialruptur der
Supraspinatussehne
(PASTA-Läsion) sowie ein
superiorer
Labrumriss, entsprechend einem SLAP 2, zu entnehmen.
3.7
Kreisarzt Dr.
B._
hielt in seiner Beurteilung vom 3. Dezember 2015 (Urk. 8/189) fest,
bei der Unfallbehandlung seien vom Beschwerdeführer keine Schulterbeschwerden beklagt worden. Diese seien erstmals während der Rehabilitation in
A._
im April und Mai 2014 angegeben worden. Die Röntgenbilder hätten dafür aber kein entsprechendes Substrat gezeigt. Bei den kreisärztlichen Untersuchungen am 19. März und 2. September 2014 seien keine Schulterbeschwerden beklagt worden, vielmehr habe der Beschwerdeführer angegeben, er habe von der
Brustwirbelsäule
ausgehende Beschwerden, die in beide Schulterblätter ausstrahlen würden. Erstmals am 7. Januar 201
5
, mithin über ein Jahr nach dem Unfall und über ein halbes Jahr nach der Rehabilitation,
habe er wieder über Schmerzen im Bereich beider Schultern geklagt
(S. 3). Aufgrund des langen Zeitraums zwischen Unfall und erstmals beklagten Schulterbeschwerden sowie dem langen wohl nicht
behandlungsbedürftigen
Zeitraum zwischen der Reha und der Behandlung könne nicht mit dem geforderten Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkei
t
ein Zusammenhang zwischen dem Unfall und den Beschwerden gesehen werden. Wesentlich wahrscheinlicher handle es sich hier um degenerative Veränderungen (S. 4).
4.
4.1
Umstritten ist vorliegend der Zeitpunkt des Fallabschlusses.
Kreisarzt Dr.
B._
befand dazu ohne weitere Begründung, dieser sei im Zeitpunkt der kreisärztlichen Untersuchung am
2. September 2014
bereits erreicht
gewesen
. Der Beschwerdeführer sei in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig, es bestehe eine Gewichtsbelastbarkeit von maximal 20 kg bei gerader Wirbelsäule (E. 3.3
hievor
). Am 24. November 2014 wurde
beim Beschwerdeführer
das
Spondylodesematerial
entfernt. Gemäss den Ärzten des
Z._
hatte
er
sich in der Folge während mindestens drei Monaten körperlich zu schonen
, zudem war er bis am 7. Januar 2015, mithin während sechs Wochen, zu 100 % arbeitsunfähig
(E. 3.4
hievor
). Dr.
B._
führte
dazu
in seinem Bericht vom 6. Februar 2015 (E. 3.5
hievor
) erneut ohne weitere Begründung aus, dem Beschwerdeführer sei bereits
seit
vier Wochen nach der Operation eine 100%ige Arbeitstätigkeit so zumutbar, wie im Bericht vom 2. September 2014 vermerkt, mithin mit einer Belastung der Wirbelsäule von maximal 20 kg.
Mit der Aussage der behandelnden Ärzte, welche eine körperliche Schonung während mindestens dreier Monate verlangten, setzte er sich nicht auseinander, obwohl diese einer Gewichtsbelastung der Wirbelsäule mit bis zu 20 kg
ab de
r
fünften Woche
nach der Operation
deutlich widerspricht.
Nicht nachvollziehbar ist zudem, weshalb am 2. September 2014 bereits ein Endzustand
bestanden haben
soll, die Festlegung des Integritätsschadens jedoch erst nach der
Metallentfernung erfolgen konnte (vgl. E. 3.3
hievor
).
D
as
Erreichen eines Endzustands per
2. September 2014 scheint vorliegend lediglich möglich, vielmehr legen die Akten jedoch
den Schluss nahe, dass im Zeitpunkt des Fallabschlusses
noch
kein stabiler Gesundheitszustand vorgelegen hat.
Zusammenfassend
erscheinen die Kreisarztberichte von Dr.
B._
nicht als schlüssig und es bestehen mehr als geringe Zweifel an deren Zuverlässigkeit, weshalb auf sie nicht abgestellt werden kann.
Andere Berichte, in welchen zum
Zeitpunkt des Erreichens des Endzustandes Stellung genommen würde, sind den Akten nicht zu entnehmen. D
ie Sache
ist deshalb
zur weiteren Abklärung betreffend
Zeitpunkt des Fallabschlusses
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie anschliessend über den Leistungsanspruch des
Beschwerdeführers erneut entscheide.
4.2
4.2.1
Ebenso
ist die Unfallkausalität der geklagten Schulterbeschwerden rechts strittig.
Die Beschwerdegegnerin machte diesbezüglich geltend, der Beschwerdeführer habe erst ein halbes Jahr nach dem Unfall in der Rehaklinik
A._
erstmals über Schulterbeschwerden geklagt. Dazu ist festzuhalten, dass d
er Beschwerdeführer bei seinem Sturz aus sechs Metern Höhe unter anderem mehrere Wirbelkörperbrüche
erlitt
. Diese wurden am
21.
November 2013 operativ versorgt, anschliessend war eine körperliche Schonung für mindestens drei Monate erforderlich.
Während diesen drei Monaten durfte der
Beschwerdeführer aufgrund des Risikos einer Materiallockerung
auch
keine aktiven physiotherapeutischen Massnahmen durchführen (E. 3.1
hievor
). Zwar trifft zu, dass unmittelbar nach dem Unfall keine Schulterverletzungen
dokumentiert
wurden
und der Beschwerdeführer während seiner
Hospitalisation
im
Z._
vom 19. bis 27. November 2013 keine entsprechenden Beschwerden beklagte.
Er
erlitt bei seinem Unfall jedoch multiple Verletzungen an Rücken und Kopf, welche im
Z._
abgeklärt und operativ versorgt werden mussten. Es ist nicht auszuschliessen, dass die behandelnden Ärzte
deshalb
allfällige Schulterverletzungen übersahen.
Ebenso ist nachvollziehbar,
dass der Beschwerdeführer diese aufgrund seiner Medikamente und der körperlichen Schonung zunächst
selbst nicht
bemerkt hatte
. Bereits anlässlich der ersten kreisärztlichen Untersuchung am 19. März 2014 konnte festgestellt werden, dass die Schultern leicht nach rechts hängen (Urk. 8/39/3).
Erstmals bildgebend abgeklärt wurden die Schulterbeschwerden
jedoch erst am 28. April 2014, mithin rund
fünf Monate nach dem Unfall
, in der Rehaklinik
A._
(E. 3.2
hievor
).
D
ie Röntgenbilder
zeigten zwar gemäss Kreisarzt Dr.
B._
für die geklagten Beschwerden kein entsprechendes Substrat
. Doch wurde von ihm nicht dargelegt, dass die im MRI vom 13. August 2015
entdeckte
Partialruptur der
Supraspinatussehne
sowie der
superiore
Labrumriss in
einer Röntgenuntersuchung überhaupt hätte
festgestellt werden können.
Nach Austritt aus der Rehaklinik
A._
klagte der Beschwerdeführer
anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung am 2. September 2014
wiederum
über S
chulters
chmerzen. Erneut wurde festgestellt, dass die Schultern rechts hängen
(E. 3.3
hievor
)
.
Am 24. November 2014 wurden die Metalle im Rücken entfernt
. D
er Beschwerdeführer klagte beim Austritt aus dem
Z._
zwar
nicht über Schulterbeschwerden
(
vgl.
E. 3.4
hievor
)
, m
it Blick auf die Schmerzmedikation
(vgl. Urk. 8/111/1 f.)
nach der operativen Versorgung und die
erneut
erforderliche körperliche Schonung spricht jedoch auch dies nicht gegen eine
bereits
dannzumal bestehende Schulterverletzung.
In den a
nschliessend
en Untersuchungen
berichtete
der
Beschwerdeführer
konstant
über Schulterschmerzen (vgl. etwa Urk. 8/119
S. 1
, Urk. 8/170
S.
4
und Urk. 8/183
S. 2
).
A
m 13.
August 2015
wurde deshalb
eine MR-
Arthrographie
der rechten Schulter durchgeführt
und dabei eine
Partialruptur der
Supraspinatussehne
sowie ein
superiorer
Labrumriss entdeckt
(E. 3.6
hievor
).
Auch
aus dem
Verhalten
des Beschwerdeführers
nach dem Aufenthalt in der Rehaklinik
A._
kann damit nicht geschlossen werden, dass die Schulterverletzung nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit durch den Unfall verursacht worden ist.
4.2.2
Gemäss Kreisarzt Dr.
B._
spricht der zeitliche Ablauf gegen eine Unfallkausalität der Schulterbeschwerden
. Weitere Gründe wurden von ihm nicht angegeben
.
Aufgrund der Umstände
, insbesondere der Schwere des Unfalls sowie der dabei erlittenen Verletzungen,
ist dies
jedoch
-
wie bereits
dargelegt
- vorliegend
kein ausreichendes Kriterium
für die
Verneinung eines
natürlichen Kausalzusammenhangs.
Die nicht weiter begründete Aussage Dr.
B._
s, es handle sich wesentlich wahrscheinlicher um degenerative Veränderungen, kann zudem nicht nachvollzogen werden, nachdem gemäss den Röntgenbildern der Rehaklinik
A._
bei den Schultergelenken keine degenerativen Veränderungen festgestellt werden konnten (E. 3.2
hievor
) und der Beschwerdeführer seither keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgegangen ist.
Die behandelnden Ärzte nahmen zu einer allfälligen Unfallkausalität der Schulterverletzungen keine Stellung.
Über
das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall und den
Schulterbeschwerden kann
bei dieser Aktenlage
nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit befunden werden.
Die Sache ist deshalb an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese
die
diesbezüglich
e
rforderlichen
Abklärungen tätige und
gestützt darauf über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers
erneut befinde.
5.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Dem Beschwerdeführer steht
ausgangsgemäss
eine Prozessentschädigung zu, welche vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festgesetzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Entsprechend
ist ihm eine Prozessentschädigung von Fr. 2‘
4
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) auszurichten.