Decision ID: 1883e028-5eb8-555a-9a29-14bf94d05dbc
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X wohnt in Y im Fürstentum Liechtenstein und ist seit 25. Februar 2015 Inhaber
eines liechtensteinischen Führerausweises unter anderem der Kategorie B. Am 24. Juli
2018 liess er sich durch die Motorfahrzeugkontrolle Vaduz einen Lernfahrausweis der
Kategorie A ausstellen.
B.- Am Mittwoch, 12. September 2018, 19.08 Uhr, fuhr X mit seinem Motorrad
innerorts auf der Hauptstrasse in Alt St. Johann in Richtung Wildhaus. Dabei
überschritt er innerorts die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h um 31 km/h
(nach einem Sicherheitsabzug von 5 km/h). Einen Monat später, am Samstag,
13. Oktober 2018, 16.36 Uhr, fuhr er mit dem gleichen Motorrad innerorts auf der
Wildhauserstrasse in Gams in Richtung Wildhaus. Dabei überschritt er innerorts die
zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h um 43 km/h (nach einem
Sicherheitsabzug von 3 km/h). Unmittelbar nach der Messung in Gams wurde er von
der Polizei angehalten und diese aberkannte ihm den Lernfahrausweis für die Kategorie
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A auf der Stelle. Das Fahrverbot galt bis am 25. Oktober 2018, als der Lernfahrausweis
wieder ausgehändigt wurde.
C.- Mit Strafbefehl vom 6. Dezember 2018 wurde X der mehrfachen groben Verletzung
der Verkehrsregeln schuldig gesprochen und zu einer bedingten Geldstrafe von
160 Tagessätzen zu je Fr. 40.- und einer Busse von Fr. 1'600.- verurteilt. Der
Strafbefehl wurde nach Ablauf der unbenutzten Einsprachefrist rechtskräftig.
D.- Bereits mit Schreiben vom 15. November 2018 hatte das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen (nachfolgend Strassenverkehrsamt) ein
Administrativmassnahmeverfahren eingeleitet. Es wartete den rechtskräftigen
Abschluss des Strafverfahrens ab und gewährte X anschliessend das rechtliche Gehör.
Mit Verfügung vom 15. Februar 2019 aberkannte das Strassenverkehrsamt X den
Führerausweis für die Dauer von sechs Monaten.
E.- Gegen diese Verfügung erhob X durch seinen Rechtsvertreter mit Schreiben vom
27. Februar 2019 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen
(VRK) mit dem Antrag, die Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 15. Februar 2019
sei aufzuheben und die Führerausweisaberkennung sei unter Anrechnung der bereits
vollzogenen Aberkennung von 13 Tagen auf 3 Monate festzulegen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Die Vorinstanz verzichtete am 25. März 2019 auf eine
Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen im Rekurs wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
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1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs
vom 27. Februar 2019 ist rechtzeitig erhoben worden und erfüllt mit der nachgereichten
Rekursbegründung vom 13. März 2019 in formeller und materieller Hinsicht die
Anforderungen von Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz (SR 741.03, abgekürzt: OBG)
ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung
ausgesprochen. Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG),
mittelschweren (Art. 16b SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine
leichte Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden
trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch
Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in
Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Die Widerhandlung ist als schwer zu
qualifizieren, wenn die Verletzung der Verkehrsregeln grob im Sinne von Art. 90 Abs. 2
SVG ist und dadurch eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen
oder in Kauf genommen wird (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Für
Geschwindigkeitsübertretungen hat das Bundesgericht im Interesse der
Rechtssicherheit präzise Regeln festgelegt, um leichte, mittelschwere und schwere
Widerhandlungen voneinander abzugrenzen. Demnach liegt ungeachtet der konkreten
Umstände objektiv eine schwere Widerhandlung vor, wenn die signalisierte
Höchstgeschwindigkeit jeweils mindestens um 25 km/h innerorts, 30 km/h ausserorts
oder 35 km/h auf der Autobahn überschritten wird (vgl. zum Ganzen Urteil des
Bundesgerichts [BGer] 1C_335/2011 vom 26. Oktober 2011 E. 2.2 mit Hinweis auf
1C_83/2008 vom 16. Oktober 2008 E. 2).
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Der Rekurrent überschritt die signalisierte Höchstgeschwindigkeit innerorts von jeweils
50 km/h unbestrittenermassen am 12. September 2018 um 31 km/h und am
13. Oktober 2018 um 43 km/h. Da er die innerorts erlaubte Höchstgeschwindigkeit
zweimal um deutlich mehr als 25 km/h überschritten hat, liegt nach bundesgerichtlicher
Rechtsprechung ohne Weiteres in beiden Fällen eine schwere Widerhandlung gemäss
Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG vor.
3.- Strittig und zu prüfen ist, ob die Vorinstanz den ausländischen Führerausweis zu
Recht für die Dauer von sechs Monaten aberkannte.
Die Vorinstanz setzte die Aberkennungsdauer auf sechs Monate fest und begründete
dies mit der hohen Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit und der mehrfachen
Verkehrsregelverletzung. Die geltend gemachte Sanktionsempfindlichkeit sei dabei
bereits massnahmemindernd berücksichtigt. Der Rekurrent anerkennt unter Anführung
der in der Folge dargestellten Argumente hingegen nur die Mindestaberkennungsdauer
von drei Monaten, abzüglich der bereits vollzogenen vorübergehenden Aberkennung
von 13 Tagen.
Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, können ausländische Führerausweise
nach den gleichen Bestimmungen aberkannt werden, die für den Entzug des
schweizerischen Führerausweises gelten (Art. 45 Abs. 1 der
Verkehrszulassungsverordnung, SR 741.51, abgekürzt: VZV). Dadurch wird dem
Inhaber des ausländischen Führerausweises das Recht aberkannt, diesen auf dem
Hoheitsgebiet der Schweiz zu verwenden (siehe Art. 42 Abs. 1 Ingress des
Übereinkommens über den Strassenverkehr, SR 0.741.10).
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Nach einer schweren Widerhandlung wird der ausländische Führerausweis für
mindestens drei Monate aberkannt (Art. 45 VZV in Verbindung mit Art. 16c Abs. 2 lit. a
SVG). Die Mindestaberkennungsdauer darf nach der Rechtsprechung bei einer
schweren Widerhandlung unter keinen Umständen unterschritten werden (vgl. BGE 135
II 334 E. 2.2, 132 II 234 E. 2.3; BGer 1C-585/2008 vom 14. Mai 2009 E. 2.1 mit
Hinweisen).
Gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG sind bei der Festsetzung der Dauer der
Führerausweisaberkennung die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen,
namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Diese Zumessungsfaktoren sind gesamthaft zu würdigen und die Entzugsdauer ist im
Einzelfall so festzusetzen, dass die mit der Massnahme beabsichtigte erzieherische und
präventive Wirkung am besten erreicht wird. Bei der Bemessung der Entzugsdauer
kommt der Behörde ein weiter Ermessensspielraum zu (Ph. Weissenberger,
Kommentar Strassenverkehrsgesetz, 2. Aufl. 2015, Art. 16 SVG N 27).
a) Hat der Betroffene mehrere Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften begangen, sind diese gemeinsam zu beurteilen und ist
Art. 49 Abs. 1 des Strafgesetzbuches (SR 311.0; abgekürzt: StGB) analog anzuwenden
(BSK Strafrecht I-Ackermann, Art. 49 N 40; BGer 6A.74/2005 vom 15. März 2006
E. 5.3). Nach dieser Bestimmung ist im Strafrecht ein Täter, welcher durch eine oder
mehrere Handlungen die Voraussetzungen für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, für
die schwerste Straftat zu bestrafen; die Strafe ist angemessen zu erhöhen, jedoch darf
das Höchstmass der angedrohten Strafe maximal um die Hälfte erhöht werden und das
gesetzliche Höchstmass ist zu beachten (BGE 120 Ib 54 E. 2a). Folglich ist nicht für
jede Verkehrsregelverletzung eine einzelne Massnahme anzuordnen. Vielmehr ist die
für die schwerere Verletzung verfügte Massnahme angemessen zu verschärfen, um so
zu einer Gesamtmassnahme zu gelangen, welche allen Verfehlungen Rechnung trägt
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. Januar 1999 in Sachen M.B., S. 4).
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Sowohl die Widerhandlung vom 12. September 2018 als auch diejenige vom
13. Oktober 2018 stellen schwere Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG) mit einer
Mindestaberkennungsdauer von jeweils drei Monaten dar (Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG).
Der Unrechtsgehalt der Widerhandlung vom 13. Oktober 2018 ist insbesondere
aufgrund der deutlich höheren Geschwindigkeitsüberschreitung grösser, weshalb bei
der Bemessung der Aberkennungsdauer von dieser auszugehen ist.
b) Am 13. Oktober 2018 überschritt der Rekurrent die Höchstgeschwindigkeit innerorts
von 50 km/h um 43 km/h. In subjektiver Hinsicht ist ein schweres Verschulden nach
Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG gegeben, wenn der Lenker mindestens grobfahrlässig
handelt. Wer die Höchstgeschwindigkeit innerorts von 50 km/h um 43 km/h und damit
um 86 Prozent überschreitet, tut das in der Regel mindestens grobfahrlässig (Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen [VerwGE] B 2013/58 vom 12. Februar 2014
E. 2.5, im Internet abrufbar unter www.gerichte.sg.ch; BGE 124 II 97 E. 2b; BGer
6B_270/2012 vom 30. November 2012 E. 3.2). Zu berücksichtigen ist auch, dass der
Rekurrent die Grenze zum Rasertatbestand um nur 7 km/h nicht erreicht hat (vgl.
Art. 90 Abs. 4 lit. b SVG). In einem solchen Fall wäre kraft gesetzlicher Vermutung
zwingend von Vorsatz auszugehen und die Mindestaberkennungsdauer läge bei zwei
Jahren (Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG). Für die massive Geschwindigkeitsüberschreitung
am 13. Oktober 2018 und die dadurch zumindest grobfahrlässig geschaffene
erhebliche Verkehrsgefahr erscheint somit eine Aberkennungsdauer von fünf Monaten
als gerechtfertigt.
Zu Gunsten des Rekurrenten wirkt sich diesbezüglich aus, dass er zum Zeitpunkt der
zweiten Geschwindigkeitsüberschreitung noch keine Kenntnis von der ersten
Geschwindigkeitsüberschreitung hatte und auch noch kein
Administrativmassnahmeverfahren eingeleitet worden war. Wäre dies der Fall gewesen,
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wäre das Verschulden des Rekurrenten grösser und für den Vorfall vom 13. Oktober
2018 wäre eine längere Aberkennungsdauer gerechtfertigt.
c) Am 12. September 2018 hat der Rekurrent die Höchstgeschwindigkeit innerorts von
50 km/h um 31 km/h und damit um 62 Prozent überschritten. Folglich ist die
Einsatzaberkennung von fünf Monaten analog zu Art. 49 Abs. 1 StGB angemessen zu
erhöhen. Da der Rekurrent immer noch erheblich zu schnell fuhr, aber nicht so schnell,
wie beim Vorfall vom 13. Oktober 2018, erscheint eine Erhöhung um zwei Monate
gerechtfertigt, so dass die Aberkennungsdauer vor Berücksichtigung allfälliger
massnahmemindernder Umstände sieben Monate beträgt.
d) Es bliebt zu prüfen, ob die Aberkennungsdauer aufgrund der im Rekurs
vorgetragenen Gründe zu reduzieren ist.
aa) Der Rekurrent bringt vor, die Geschwindigkeitsmessungen hätten jeweils am Rande
der Innerorts-Zone stattgefunden, wo es kein Trottoir, keine Zebrastreifen, Zufahrten
oder Wohnbebauungen gebe, weshalb die Gefährdung der Verkehrssicherheit rein
abstrakter Natur geblieben sei.
Wie bereits erwähnt, bringen Geschwindigkeitsüberschreitungen von 31 km/h bzw.
43 km/h, wie sie der Rekurrent am 12. September und am 13. Oktober 2018 beging,
nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ohne Weiteres eine erhöhte abstrakte
Gefahr mit sich (siehe vorne E. 3b). Diese schematische Einteilung entbindet die
Behörde allerdings nicht, die konkreten Umstände bei der Bemessung der
Aberkennungsdauer zu berücksichtigen. Eine Ausnahme kommt etwa da in Betracht,
wo der Lenker aus nachvollziehbaren Gründen gemeint hat, er befinde sich noch nicht
oder nicht mehr im Innerortsbereich (vgl. zum Ganzen BGer 1C_335/2011 vom
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26. Oktober 2011 E. 2.2 mit Hinweis auf BGer 1C_83/2008 vom 16. Oktober 2008 E. 2).
Eine solche Ausnahmesituation wird vom Rekurrenten jedoch nicht vorgebracht und ist
aus den Akten auch nicht ersichtlich. Er macht hingegen geltend, die
Geschwindigkeitsmessungen hätten noch nicht bzw. nicht mehr in baulich typischen
Innerortsbereichen stattgefunden. Zumindest hinsichtlich der
Geschwindigkeitsüberschreitung vom 13. Oktober 2018 wird aus den Radarbildern
ersichtlich, dass sich auf der Gegenfahrbahnseite Wohnhäuser befinden. Dabei handelt
es sich um die Wohnsiedlung "Halde", die mit einer Zu- und Wegfahrt in die
Wildhauserstrasse mündet. Auch die Geschwindigkeitsüberschreitung vom
12. September 2018 fand innerorts statt. Selbst wenn die jeweiligen
Streckenabschnitte keine weiteren typischen Gefahren einer Innerortsstrecke
aufweisen (vgl. BGE 122 II 228 E. 3b; BGer 6B_571/2012 vom 8. April 2013 E. 3.4, 6S.
99/2004 vom 25. August 2004 E. 2.4), führen die tatsächlichen baulichen
Gegebenheiten grundsätzlich nicht zu einer Minderung der Aberkennungsdauer;
vielmehr wäre die Massnahmedauer spürbar zu erhöhen, wenn die im Rekurs
erwähnten Voraussetzungen erfüllt gewesen wären. Denn das hohe Unfallrisiko ergibt
sich vorliegend nicht nur aus der absoluten Höhe der gefahrenen Geschwindigkeit,
sondern auch aus dem grossen Geschwindigkeitsunterschied zu den korrekt fahrenden
Verkehrsteilnehmern, die nicht mit so schnellen Fahrzeugen rechnen müssen (vgl. BGer
1C_397/2014 vom 20. November 2014 E. 2.4.1). So ist denn auf dem Radarbild vom
13. Oktober 2018 zumindest ein weiterer Motorradfahrer erkennbar und der
Verzeigungsrapport hält ein mittleres Verkehrsaufkommen fest.
Generell ist es darüber hinaus fraglich, ob es so etwas wie "typische" Innerorts- und
Ausserortsstrecken überhaupt gibt. So lassen sich zum Beispiel Ausserortsbereiche in
dicht besiedelten Agglomerationen mitunter kaum von Innerortsstrecken im Bereich
von Weilern oder gegen den Ausgang von Dörfern unterscheiden. Zu beachten ist
auch, dass der Übergang vom Innerorts- zum Ausserortsbereich häufig fliessend ist
und es sich bei so genannten atypischen Innerortsstrecken meist nur um kurze bis sehr
kurze Strassenstücke handelt. Gerade auf solchen Strecken neigen Fahrzeuglenker
aber häufig zu nachlassender Aufmerksamkeit bzw. Disziplin, weshalb die Einhaltung
der signalisierten Höchstgeschwindigkeit besonders unerlässlich ist. Auch auf etwas
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atypischen Innerortsstrecken besteht deshalb im Vergleich zu Strassen ausserhalb von
Ortschaften grundsätzlich eine erhöhte Gefahrenlage (vgl. BGer 1C_222/2008 vom
18. November 2008 E. 2.2.4; BGer 6S.99/2004 vom 25. August 2004 E. 2.4). Auf dem
Radarbild vom 13. Oktober 2018 ist die Ortseinfahrt und -ausfahrt Gams und das
Signal "Höchstgeschwindigkeit 50 km/h generell" sehr gut erkennbar, weshalb der
Rekurrent unabhängig von der Überbauungsdichte und der seinerseits
wahrgenommenen geringen Gefahrenlage nicht hätte beschleunigen dürfen.
bb) Der Rekurrent bringt weiter vor, die Gefährdung der Verkehrssicherheit habe darin
bestanden, lediglich mit dem Motorrad und nicht mit einem Personenwagen gegen die
Geschwindigkeitsvorschriften verstossen zu haben. Er sei mit dem
"geschwindigkeitsaffinen" Motorrad wesentlich mehr gefährdet, die Geschwindigkeit zu
überschreiten, weshalb er die praktische Motorradgrundschulung nicht gemacht, das
Motorrad verkauft und den Motorradlernfahrausweis auslaufen lassen habe. Hingegen
habe er mit dem Personenwagen noch nie eine Verkehrsregelverletzung begangen und
sein automobilistischer Leumund sei ungetrübt.
Bei den Vorschriften über die Geschwindigkeit handelt es sich um grundlegende
Verkehrsregeln, die für die Sicherheit im Strassenverkehr wesentlich sind und für alle
Führer von Fahrzeugen gelten (Art. 4a Abs. 1 Verkehrsregelnverordnung, SR 741.11,
abgekürzt: VRV). Aufgrund des Beschleunigungsvermögens von Motorrädern ist dem
Einhalten von Geschwindigkeitslimiten besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Da
dieses Wissen unter Motorradfahrern allgemein bekannt ist, kann der Rekurrent daraus
nichts zu seinen Gunsten ableiten. Weiter ist der automobilistische Leumund entgegen
den Ausführungen im Rekurs nicht unbescholten. Der Führerausweis der Kategorie B
wurde dem Rekurrenten vom 6. Dezember 2015 bis 5. März 2016 wegen Fahrens unter
Drogeneinfluss entzogen (act. 11/15). Da es sich dabei um eine durch die Behörde des
Fürstentums Liechtenstein ausgesprochene Massnahme handelt, kann diese im
vorliegenden Verfahren nicht berücksichtigt werden. Nachdem der Rekurrent sodann
erst seit vier Jahren im Besitz eines Führerausweises der Kategorie B ist und nach
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bundesgerichtlicher Rechtsprechung die Vorstrafenlosigkeit als Normalfall gilt und als
neutral zu behandeln ist (BGE 136 IV 1 E. 2.6.4), sind die Voraussetzungen für eine
Reduktion der Aberkennungsdauer aufgrund des automobilistischen Leumunds nicht
erfüllt.
cc) Schliesslich bringt der Rekurrent vor, er sei als Bankangestellter im Aussendienst
tätig und deshalb dringend auf ein Fahrzeug angewiesen. Er nehme Kundentermine
ausserhalb der üblichen Geschäftszeiten in der ganzen Ostschweiz und teilweise in
abgelegenen Gebieten wahr. Bereits während der 13-tägigen vorsorglichen
Aberkennung (13. bis 25. Oktober 2018) habe er den Ernst der Situation zu spüren
bekommen, weshalb unter dem Gesichtspunkt der erzieherischen und präventiven
Wirkung eine Aberkennungsdauer von mehr drei Monaten nicht angezeigt sei.
Fahrzeuglenker, die berufsmässig auf den Einsatz eines Motorfahrzeugs angewiesen
sind, werden wegen der grösseren Massnahmeempfindlichkeit in der Regel schon
durch eine kürzere Aberkennungsdauer wirksam von weiteren Widerhandlungen
abgehalten. Einem solchen Lenker soll der Führerausweis deshalb weniger lange
aberkannt werden als einem, der sein Fahrzeug beruflich nicht benötigt, selbst wenn
beide Fahrzeuglenker das gleiche Verschulden trifft (vgl. dazu BGE 123 II 572 E. 2c).
Der Rekurrent ist kein Berufschauffeur, der sein Einkommen mit dem Erbringen von
Fahrdiensten erzielt und für den eine Führerausweisaberkennung ein materielles
Fahrverbot bedeutet. Mit entsprechenden organisatorischen Vorkehrungen könnte er
als Bankangestellter im Aussendienst gleichwohl Kundenbesuche abstatten. Er könnte
für die Kundenbesuche einen Fahrdienst organisieren oder die öffentlichen
Verkehrsmittel benutzen. Dass die Kundenbesuche teilweise an abgelegenen Orten
und nicht zu Geschäftszeiten stattfinden, führt zu einem gewissen organisatorischen,
zeitlichen und finanziellen Mehraufwand in der Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit.
Er ist folglich mehr als andere von einer Führerausweisaberkennung betroffen und
seine Sanktionsempfindlichkeit erhöht. Dieser Umstand ist im Umfang eines Monats
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massnahmemindernd zu berücksichtigen, weshalb sich die Aberkennungsdauer von
sieben auf sechs Monate reduziert.
4.- Dem Rekurrenten wurde der Führerausweis vom 13. bis und mit 25. Oktober 2018
bereits polizeilich aberkannt. An die Aberkennungsdauer von sechs Monaten sind
deshalb die bereits vollzogenen 13 Tage anzurechnen, was die Vorinstanz getan hat.
5.- Die Vorinstanz ordnete in Ziffer 2 der angefochtenen Verfügung an, dass dem
Rekurrenten der Führerausweis aller Kategorien und Unterkategorien sowie der
Spezialkategorie F mit Wirkung ab 15. August 2019 bis und mit 1. Februar 2020
aberkannt werde. Hierbei handelt es sich um eine vollstreckungsrechtliche Anordnung,
die separat verfügt werden muss, weshalb Ziff. 2 der angefochtenen Verfügung
aufzuheben ist. Dies ist bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen.
6.- Zusammenfassend ist der Rekurs teilweise gutzuheissen. Die Kosten des
Rekursverfahrens haben die Parteien nach Massgabe ihres Obsiegens und
Unterliegens zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Sie sind dem Rekurrenten zu vier Fünfteln
und dem Staat zu einem Fünftel aufzuerlegen. Denn einerseits unterliegt der Rekurrent
in der Hauptsache und andererseits hat die Vorinstanz die materielle Verfügung
(Führerausweisaberkennung) in unzulässiger Weise mit einer Vollzugsanordnung
(Abgabetermin des Ausweises) kombiniert. Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-
erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12);
davon entfallen Fr. 960.- auf den Rekurrenten und Fr. 240.- auf den Staat. Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.- ist mit dem Kostenanteil des Rekurrenten zu
verrechnen und im Restbetrag von Fr. 240.- zurückzuerstatten.
Bei diesem Verfahrensausgang ist keine ausseramtliche Entschädigung zuzusprechen
(Art. 98 VRP).bis
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