Decision ID: 0ed2c3dd-1574-514a-966a-80092efc8f4a
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Kurt Gemperli, advokatur am brühl, Scheffel
strasse 2, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 8. Januar 2001 (IV-act. 1) aufgrund einer Kobaltallergie für
eine Umschulung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an. Die Suva hatte am
3. Januar 2001 eine Nichteignungsverfügung für sämtliche Tätigkeiten mit Kontakt zu
Kobalt und seinen Verbindungen erlassen. Mit einer Verfügung vom 25. Januar 2001
(IV-act. 14) wies die IV-Stelle das Leistungsgesuch ab. Am 3. Oktober 2002 (IV-act. 15)
meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an. Er beantragte eine
Berufsberatung, eine Umschulung und eine Rente. Gemäss einem Bericht der Klinik für
Orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen vom 15. März 2003 (IV-act. 32)
hatte der Versicherte am 16. Mai 2001 eine distale mediale Schnittverletzung am
rechten Oberarm erlitten. Bei dieser waren die Nervi ulnaris und cutaneus antebrachii
medialis sowie der Musculus triceps vollständig durchtrennt worden. Die Suva sprach
dem Versicherten mit einer Verfügung vom 27. Mai 2003 bei einem Invaliditätsgrad von
20 Prozent eine Rente mit Wirkung ab dem 1. April 2002 zu. Am 18. Juni 2003 (IV-act.
36) teilte der Versicherte der IV-Stelle mit, dass er am 5. April 2003 eine neue
Arbeitsstelle angetreten habe. Mit einer Verfügung vom 27. August 2003 (IV-act. 40)
wies die IV-Stelle das Rentengesuch ab. Am 8. Februar 2005 (IV-act. 42) meldete sich
der Versicherte zum dritten Mal zum Leistungsbezug an. Er beantragte eine
Umschulung, eine Wiedereinschulung und die Arbeitsvermittlung. Dr. med. B._,
Facharzt FMH für Dermatologie und Venereologie, hatte am 8. Januar 2005 berichtet
(IV-act. 44), er habe einen Verdacht auf eine arbeitsabhängige Rhino-Coniunctivitis
allergica und ein arbeitsabhängiges Asthma bronchiale allergicum, eine atopische
Diathese sowie einen Status nach einem allergischen Kontaktekzem diagnostiziert. Am
4. April 2005 (IV-act. 59) berichtete Dr. med. C._, Facharzt FMH für Innere Medizin,
der Versicherte leide seit über 15 Jahren an einer Epilepsie mit Grand mal-Anfällen. In
den vergangenen zwei Jahren sei es allerdings trotz der Absetzung der Antiepileptika
zu keinen Anfällen mehr gekommen. Am 16. Mai 2001 habe der Versicherte einen
Arbeitsunfall erlitten. Seither leide er an einem totalen senso-motorischen Ausfall des
Nervus ulnaris und an chronischen Schmerzen. Im Jahr 2001 sei es aufgrund des
Scheiterns der Ehe und des Auszuges der Ehefrau und der Kinder aus der
gemeinsamen Wohnung zu einer depressiven Entwicklung gekommen. Im März 2003
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sei der Versicherte in eine Maschinenfabrik eingetreten. In der Folge sei ein Asthma
bronchiale aufgetreten. Vom 18. März 2002 bis zum 31. Dezember 2004 sei der
Versicherte zu 25 Prozent arbeitsunfähig gewesen. Seit dem 1. Januar 2005 bestehe
eine bleibende Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent. Die Suva erliess am 8. März 2006
eine weitere Nichteignungsverfügung für alle Arbeiten mit Exposition zu Isocyanaten.
Dr. med. D._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) schätzte die
Arbeitsfähigkeit des Versicherten am 28. April 2006 (IV-act. 73) aufgrund einer
Aktenbeurteilung auf 80–100 Prozent für leidensadaptierte Tätigkeiten. Am 17. Mai
2006 (IV-act. 79) verfügte die IV-Stelle das Nichteintreten auf das Leistungsgesuch des
Versicherten.
A.b Am 27. November 2006 (IV-act. 82) meldete sich der Versicherte erneut zum
Bezug einer Invalidenrente an. Am 19. Oktober 2006 (IV-act. 88) hatte die Klinik E._
über eine stationäre Behandlung des Versicherten vom 8. September bis zum
6. Oktober 2006 berichtet. Die Ärzte hatten eine mittelgradige depressive Episode, ein
Alkoholabhängigkeitssyndrom und abhängige Persönlichkeitszüge diagnostiziert. Am
20. September 2007 (IV-act. 103) berichtete das Psychiatrie-Zentrum F._, der Ver
sicherte leide an einer mittelgradigen depressiven Episode und weise abhängige
Persönlichkeitszüge auf. Zudem bestehe der Verdacht auf eine Intelligenzminderung.
Im geschützten Rahmen könne er ein Arbeitspensum von 50 Prozent versehen. Die
Leistung würde dabei allerdings bei bloss 60 Prozent liegen. In der freien Wirtschaft sei
die Belastbarkeit aufgrund der fehlenden Konzentration, der erniedrigten Sorgfalt und
des erhöhten Anleitungsbedarfs nicht gegeben. Am 27. August 2007 (IV-act. 112) war
der Versicherte vom RAD-Arzt Dr. med. G._ internistisch und arbeitsmedizinisch
untersucht worden. Dr. G._ hatte den Verdacht auf eine allergische Rhino-
Coniunctivitis, eine bronchiale Hyperreagibilität und einen Status nach einem
Isocyanat-Asthma, eine Verletzung des Nervus ulnaris rechts und eine Epilepsie diag
nostiziert und ausgeführt, leidensadaptierte Tätigkeiten seien dem Versicherten zu etwa
80 Prozent zumutbar. Am 31. August 2007 hatte eine psychiatrische Untersuchung
durch die RAD-Ärztin Dr. med. H._ stattgefunden. Diese hatte eine leichte
hirnorganische Beeinträchtigung bei einer langjährigen Grand mal-Epilepsie und einen
Status nach einer mittelgradigen depressiven Episode diagnostiziert. Sie hatte
ausgeführt, aufgrund der psychomotorischen Verlangsamung und der eingeschränkten
affektiv-mentalen Präsenz bestehe eine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
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um 20 Prozent. Abhängig von den jeweiligen persönlichen und sozialen Umständen
überlappe sich diese Einschränkung mit der Unfallfolge, addiere sich oder führe wegen
mangelnder Kompensationsmöglichkeiten zu einer Einschränkung von mehr als 40
Prozent. Hinsichtlich des Verlaufs der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht sei für
den Zeitraum vom 27. Juli 2005 bis zum 31. Dezember 2007 in Anlehnung an die
Berichte der behandelnden Ärzte von einem schwankenden Verlauf mit Phasen
vollständiger und halber Arbeitsunfähigkeit bzw. ab dem 1. September 2007 von einer
Arbeitsunfähigkeit von 40 Prozent auszugehen. Am 21. Februar 2008 fand eine
neurologische Untersuchung durch den RAD-Arzt Dr. med. I._ statt. In seinem
Bericht führte er als Diagnosen eine Epilepsie mit partiellen Anfällen und seltenen
sekundär generalisierten Grand mal-Anfällen seit der Kindheit (letzter Anfall im Jahr
1993) sowie eine hochgradige Ulnaris-Parese rechts an. Er attestierte keine quantitative
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Ihm gegenüber hatte der Versicherte angegeben,
wieder eine Arbeit gefunden zu haben. Weitere Abklärungen der IV-Stelle ergaben,
dass es sich bei der angegebenen Arbeitstätigkeit um einen Einsatz als temporärer
Mitarbeiter handelte (IV-act. 117; vgl. auch IV-act. 116 und 119). Mit einer Verfügung
vom 5. Juni 2009 (IV-act. 149) sprach die IV-Stelle dem Versicherten für den Zeitraum
vom 1. Juli 2006 bis zum 30. November 2007 eine halbe Rente und für den Zeitraum
vom 1. Dezember 2007 bis zum 31. März 2008 eine Viertelsrente zu.
A.c Am 23. Dezember 2009 (IV-act. 152) meldete sich der Versicherte wieder zum
Bezug einer Rente an. Am 11. Januar 2010 (IV-act. 157) teilten die behandelnden Ärzte
des Psychiatrie-Zentrums F._ mit, der Versicherte habe zwischen Februar und
Oktober 2009 in einem Arbeitsprogramm gearbeitet. Während dieses
Integrationsversuches habe sich gezeigt, dass er auch in leichten,
krankheitsadaptierten Tätigkeiten nur „grenzwertig“ zu 50 Prozent belastbar sei.
Während des Arbeitsversuches hätten sich die Konzentrationsschwäche und die
Angstsymptomatik verstärkt. Er erfülle die Kriterien für eine organische
Persönlichkeitsstörung mit Angstsymptomatik, rezidivierenden Depressionen und
Einschränkungen im Denkvermögen sowie emotionaler Labilität. Er habe im
Beobachtungszeitraum der letzten zwölf Monate das vollständige symptomatische
Kriterienspektrum gezeigt. Auf entsprechende Nachfragen der IV-Stelle hin berichteten
die Ärzte des Psychiatrie-Zentrums F._ am 22. Februar 2010 ergänzend (IV-act. 160),
der Versicherte sei nicht mehr in der Lage, einer Tätigkeit in der freien Wirtschaft
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nachzugehen. Im geschützten Rahmen betrage die Arbeitsfähigkeit bloss noch 50
Prozent. Dr. C._ wies am 9. März 2010 (IV-act. 163) auf eine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes hin. Im Rahmen von Arbeitsversuchen seien zunehmend
Symptome von Ängsten, Desorganisiertheit und Depression aufgetreten. Am 20. April
2010 wurde der Versicherte vom RAD-Arzt Dr. med. J._ untersucht. Dieser hielt in
seinem Bericht vom 28. Juni 2010 (IV-act. 169) fest, er habe eine leichte hirnorganische
Beeinträchtigung bei langjähriger Grand mal-Epilepsie und – ohne Auswirkungen auf
die Arbeitsfähigkeit – einen Status nach einer mittelgradigen depressiven Episode,
anamnestisch eine Angst- und Panikstörung sowie, ebenfalls anamnestisch, einen
Alkoholabusus diagnostiziert. Gesamthaft habe er im Wesentlichen dieselben Befunde
erhoben wie die RAD-Ärztin Dr. H._ am 31. August 2007. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung gemäss dem RAD-Bericht vom 16. Mai 2008 sei nach wie
vor gültig.
A.d Mit einem Vorbescheid vom 6. September 2010 (IV-act. 174) teilte die IV-Stelle
mit, dass kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe. Dagegen wandte der
Versicherte am 7. Oktober 2010 ein (IV-act. 178), das zumutbarerweise erzielbare
Invalideneinkommen sei zu hoch angesetzt worden. Er sehe sich kaum in der Lage, in
der freien Wirtschaft ein Erwerbseinkommen zu generieren. Am 20. September 2010
habe er sich einer psychodiagnostischen Untersuchung unterzogen. Gestützt auf die
Ergebnisse dieser Untersuchung ersuche er um eine Neubeurteilung der Arbeits- bzw.
Erwerbsfähigkeit. Die Psychologin K._ hatte in ihrem Bericht vom 4. Oktober 2010
auf Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit in mehreren Bereichen
hingewiesen. Sie hatte ausgeführt, sowohl die kurzfristige als auch die mittelfristige
Konzentrationsfähigkeit seien „sehr schlecht“. Die Sorgfaltsleistung sei
durchschnittlich. Die kognitive Leistungsgeschwindigkeit sei dagegen ebenfalls „sehr
schlecht“. Am 27. Oktober 2010 (IV-act. 179) führte der RAD-Arzt Dr. med. L._ aus,
die von Frau K._ berichteten neuropsychologischen Auffälligkeiten seien schon im
Bericht des Psychiatrie-Zentrums F._ vom 20. September 2007 beschrieben worden.
Die RAD-Ärztin Dr. H._ habe in Kenntnis der neurokognitiven Defizite eine
Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent attestiert; der RAD-Arzt Dr. J._ sei zum selben
Schluss gekommen. Sofern die Ergebnisse von Frau K._ mit den RAD-
Untersuchungsberichten vergleichbar seien, sei eine wesentliche Verschlechterung
nicht ausgewiesen. Am 10. November 2010 (IV-act. 180) liess der nun anwaltlich
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vertretene Versicherte ergänzend ausführen, der RAD-Arzt Dr. J._ sei zu Unrecht
davon ausgegangen, dass nur „gravierende Veränderungen“ des
Gesundheitszustandes relevant seien. Die Untersuchung sei dementsprechend
ungenügend erfolgt. Zudem habe der Beschwerdeführer an verschiedenen
Arbeitseinsätzen teilgenommen. Die entsprechenden Akten seien von der IV-Stelle aber
zu Unrecht nicht eingeholt worden. Es seien deshalb die relevanten Akten einzuholen
und anschliessend eine unabhängige medizinische Begutachtung durchzuführen. Mit
einer Verfügung vom 28. Juni 2011 (IV-act. 198) wies die IV-Stelle das Rentengesuch
des Versicherten ab. Zur Begründung führte sie aus, aus medizinischer Sicht sei ihm
eine leidensadaptierte Tätigkeit zu 80 Prozent zumutbar, weshalb der Invaliditätsgrad
bloss 31 Prozent betrage und nicht rentenbegründend sei. Der Bericht der Psychologin
Frau K._ stelle keinen Anlass dar, an den Einschätzungen der RAD-Ärzte zu zweifeln.
Die Unterlagen über die Eingliederungsversuche seien für die Bemessung des
Invaliditätsgrades nicht relevant, weil sie sich nicht zur zumutbaren Arbeitsfähigkeit
äusserten. Eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes sei jedenfalls nicht
ausgewiesen.
B.
B.a Am 31. August 2011 (act. G 1) liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerde
führer) Beschwerde erheben und die Zusprache einer ganzen Rente beantragen. Zur
Begründung liess er im Wesentlichen ausführen, dass die Beschwerdegegnerin ver
pflichtet gewesen wäre, den Sachverhalt ebenso sorgfältig und umfassend abzuklären
wie in jedem anderen Fall. Sie habe sich aber mit einer weiteren Untersuchung durch
einen RAD-Arzt begnügt, der sich nur zur Frage geäussert habe, ob sich der Gesund
heitszustand des Beschwerdeführers wesentlich verändert habe. Die Beschwerde
gegnerin habe auch den Bericht von Frau K._ nicht weiter gewürdigt. Unter Berück
sichtigung der neusten bundesgerichtlichen Rechtsprechung sei die Einholung eines
unabhängigen medizinischen Gutachtens unabdingbar.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 20. Oktober 2011 (act. G 4) die
Abweisung der Beschwerde. Sie führte im Wesentlichen aus, dass auf den Bericht des
RAD-Arztes Dr. J._ abzustellen, eine wesentliche Veränderung des
Gesundheitszustandes dementsprechend zu verneinen und das Rentengesuch des
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Beschwerdeführers mangels Vorliegens eines Revisionsgrundes abzuweisen sei. Die
angefochtene Verfügung sei also nicht zu beanstanden.
B.c Am 10. Februar 2012 (act. G 10) liess der Beschwerdeführer replicando an seinem
Antrag festhalten und einen Bericht der Klinik E._ vom 19. Januar 2012
(act. G 10.1.1) einreichen. In diesem waren als Diagnosen eine schizo-affektive
Störung, eine Epilepsie, Störungen durch Alkohol, eine essentielle Hypertonie und ein
Status nach einem Arbeitsunfall im Jahr 2001 angeführt worden.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (vgl. act.
G 12).

Erwägungen:
1.
1.1 Zur Beurteilung steht eine Verfügung, mit der ein Rentengesuch des
Beschwerdeführers abgewiesen worden ist. Die Besonderheit liegt dabei darin, dass
dem Beschwerdeführer, kurz bevor er das hier relevante Rentengesuch gestellt hat,
eine befristete Invalidenrente ausgerichtet worden war. Gemäss der formell
rechtskräftigen Verfügung vom 5. Juni 2009 ist der Beschwerdeführer im Zeitraum vom
27. Juli 2005 bis zum 26. Juli 2007 durchschnittlich zu 50 Prozent arbeitsunfähig, vom
27. Juli 2007 bis zum 31. August 2007 zu knapp 60 Prozent invalid, vom 1. September
2007 bis zum 31. Dezember 2007 zu 48 Prozent invalid und ab dem 1. Januar 2008 zu
31 Prozent invalid gewesen. Dem Beschwerdeführer ist deshalb mit Wirkung ab dem
1. Juli 2006 eine halbe Rente zugesprochen worden. Diese ist mit Wirkung ab dem
1. Dezember 2007 auf eine Viertelsrente herabgesetzt und mit Wirkung per Ende März
2008 aufgehoben worden. Die Verfügung vom 5. Juni 2009 regelt also nicht nur die
Zusprache einer Invalidenrente, sondern auch deren Anpassung an zwei relevante
Verbesserungen des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers. Von Interesse ist
im vorliegenden Verfahren insbesondere, dass die Verfügung vom 5. Juni 2009 die
Aufhebung der Rente mit Wirkung ab dem 1. April 2008 zufolge einer Verbesserung
des Gesundheitszustandes ab Januar 2008 regelt, weil dies zur Folge hat, dass die
Rentenzusprache insgesamt nur befristet für die Vergangenheit erfolgt ist. Die
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angefochtene Verfügung vom 28. Juni 2011 regelt demzufolge nicht die Anpassung
einer laufenden Rente, denn im Zeitpunkt ihres Erlasses hat der Beschwerdeführer
keine Rente mehr bezogen. Es stellt sich die Frage, ob die Aufhebung der Rente per
Ende März 2008 eine Dauerwirkung entfaltet und die Verfügung vom 28. Juni 2011
deshalb trotzdem als Revisionsverfügung im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG („Revision
einer Nicht-Rente“) zu qualifizieren ist. Verneint man diese Frage, kann es sich bei der
Verfügung vom 28. Juni 2011 nur um eine Abweisung einer Neuanmeldung handeln.
1.2 Das Bundesgericht geht davon aus, dass Abweisungs- und Aufhebungsver
fügungen betreffend Renten der Invalidenversicherung auf Dauer Rechtsbeständigkeit
entfalten, sofern ein Begründungselement ein zeitlich abgeschlossenes, späteren
Änderungen der Tatsachenlage nicht zugängliches Sachverhaltselement betreffe (vgl.
BGE 136 V 369 E. 3.1.2 S. 374). So handle es sich beispielsweise bei der Frage nach
der Erfüllung der versicherungsmässigen Voraussetzungen um ein derartiges „rechts
kraftfähiges Begründungselement“ (BGE 136 V 369 E. 3.2 S. 375). Der
Gesundheitszustand einer versicherten Person kann relevanten Veränderungen
unterliegen, weshalb es sich dabei nicht um ein „rechtskraftfähiges
Begründungselement“ handelt. Demzufolge ist die Beschwerdegegnerin verpflichtet
gewesen, den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers bzw. die
Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit umfassend abzuklären. Es spielt deshalb
hinsichtlich der Prüfungspflicht im Rahmen einer weiteren Anmeldung zum
Leistungsbezug aufgrund einer Gesundheitsverschlechterung keine Rolle, ob eine
solche als Neuanmeldung oder als Revisionsgesuch bezüglich einer „Nicht-Rente“ im
Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung qualifiziert wird. So oder anders trifft
die Verwaltung die Pflicht, den massgebenden Sachverhalt umfassend abzuklären.
1.3 Der Beschwerdeführer vertritt den Standpunkt, dieser Pflicht sei die Beschwerde
gegnerin nur ungenügend nachgekommen. Zur Begründung führt er insbesondere an,
der RAD-Arzt Dr. J._ habe nur geprüft, ob sich der Gesundheitszustand seit dem
Erlass der Verfügung vom 5. Juni 2009 „gravierend“ verändert habe. Wenn Dr. J._
die „alte“ Würdigung unbesehen übernommen und lediglich geprüft hätte, ob sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers zwischenzeitlich wesentlich verändert
hätte, wäre dies tatsächlich ungenügend. Damit wäre der relevante Sachverhalt
nämlich nicht umfassend, sondern bloss teilweise abgeklärt worden. Wenn Dr. J._
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aber die „alten“ Akten nochmals – zusammen mit den „neuen“ Akten – selbst
gewürdigt hätte, hätte er den gesamten massgebenden Sachverhalt berücksichtigt. Es
liegt auf der Hand, dass bereits getätigte Abklärungen nicht nochmals durchgeführt
werden müssen, sondern in einem weiteren Verfahren auf die Ergebnisse (die dadurch
produzierten Akten) abgestellt werden kann. Wesentlich ist, dass die Akten (nochmals)
umfassend gewürdigt werden. Abgestellt werden darf also nur auf die
Abklärungsergebnisse bzw. die Akten, aber nicht auf die Würdigung derselben.Der
Bericht des RAD-Arztes Dr. J._ vom 28. Juni 2010 betreffend die Untersuchung vom
20. April 2010 enthält eine kurze Anamnese, eine ausführliche Schilderung der
geklagten Beschwerden, eine Schilderung der erhobenen Befunde und eine kurze Be
urteilung. Obwohl der Bericht recht kurz gehalten ist, lässt sich den Ausführungen von
Dr. J._ entnehmen, dass er sich mit sämtlichen relevanten Akten auseinander ge
setzt, angezeigt erscheinende zusätzliche Untersuchungen (Blutwerte) durchgeführt
und – nach einer persönlichen Untersuchung – eine eigene Beurteilung über den
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers abgegeben hat. Dr. J._ hat mit anderen
Worten die Folgerungen aus der ersten RAD-Untersuchung nicht einfach als „gegeben“
erachtet und die neueren Akten damit verglichen. Er hat vielmehr eine eigenständige
Beurteilung abgegeben und diese mit den anderen aktenkundigen Beurteilungen
verglichen. Er hat Bezug auf die im ersten RAD-Untersuchungsbericht und in den
Berichten der behandelnden Ärzte geschilderten Befunde genommen und sich mit den
verschiedenen Beurteilungen auseinandergesetzt. Dabei hat er sich nicht damit
begnügt, diese Beurteilungen untereinander zu vergleichen. Vielmehr hat er seine
eigene Beurteilung in den Vergleich mit einbezogen und begründet, weshalb er
aufgrund der von ihm erhobenen Befunde zu denselben Schlüssen gelangt ist wie die
RAD-Ärzte, die den Beschwerdeführer zuvor untersucht hatten. Er hat also die frühere
Würdigung nicht unbesehen übernommen, sondern sich mit den relevanten Akten
nochmals auseinander gesetzt. Auch der RAD-Arzt Dr. L._ hat sich am 27. Oktober
2010 mit den relevanten Akten nochmals eingehend auseinander gesetzt, nachdem der
Beschwerdeführer den Bericht von Frau K._ eingereicht hatte. Insgesamt sind
hinsichtlich der sich stellenden Fragen also umfassende Abklärungen getätigt worden.
Die Berichte sind zwar eher knapp ausgefallen. Zudem stehen sie teilweise in
Widerspruch zu den Berichten der behandelnden Ärzte, weshalb gewisse Zweifel an
deren Zuverlässigkeit bestehen. Weil aber die Berichte der behandelnden Ärzte
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ebenfalls knapp ausgefallen sind und keine konkreten Hinweise enthalten, weshalb die
Beurteilungen der RAD-Ärzte falsch sein sollten, besteht kein Anlass, weitere
Untersuchungen durchzuführen. Die RAD-Ärzte haben sich mit den Berichten der
behandelnden Ärzte auseinandergesetzt und ihre Schlussfolgerungen plausibel
verteidigt. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ist deshalb davon auszugehen, dass
der relevante Gesundheitszustand des Beschwerdeführers korrekt erfasst und
dargestellt worden ist. Eine Notwendigkeit, ein versicherungsexternes Gutachten
einzuholen oder sonstige medizinische Abklärungen zu tätigen, hat deshalb nicht
bestanden und besteht nach wie vor nicht.
1.4 Die Beschwerdegegnerin hat umfassende Abklärungen getätigt und auf Verlangen
des Beschwerdeführers hin Unterlagen betreffend zwischenzeitliche Arbeitsversuche
eingeholt. Die medizinische Situation ist ebenfalls umfassend ermittelt worden, wobei
allerdings mehrheitlich auf die Unterlagen der vorherigen Verfahren zurückgegriffen
werden konnte. Eine unzulässige Beschränkung des Verfahrens auf spezifische Fragen
ist aus den Akten jedenfalls nicht ersichtlich; der Sachverhalt ist umfassend und
ausreichend abgeklärt worden.
2.
2.1 Es besteht aufgrund der neueren Berichte kein Anlass, an der Zuverlässigkeit des
Untersuchungsberichtes des RAD vom 16. Mai 2008 zu zweifeln. Die Ärzte des Psy
chiatrie-Zentrums F._ haben in ihren Berichten vom 11. Januar 2010 und 22. Februar
2010 nicht auf relevante Veränderungen des Gesundheitszustandes hingewiesen,
sondern eine abweichende Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben. Den Berichten lässt
sich entnehmen, dass die Ärzte davon ausgegangen sind, der Beschwerdeführer sei
schon vor dem Erlass der Verfügung vom 5. Juni 2009 nicht in der Lage gewesen, in
der freien Wirtschaft einer Arbeit in einem Pensum von 80 Prozent nachzugehen.
Letztlich haben die Ärzte des Psychiatrie-Zentrums F._ also den Bericht vom 16. Mai
2008 als nicht überzeugend erachtet. Weil sie aber keine konkreten Befunde angeführt
haben, die geeignet wären, Zweifel an jenem Bericht zu wecken, überzeugt ihre
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht. Dr. C._ hat zwar auf eine Verschlechterung
hingewiesen, aber sein Hinweis ist unspezifisch gehalten. Der RAD-Arzt Dr. J._ hat
die geltend gemachten Verschlechterungen des psychischen Gesundheitszustandes
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nicht objektivieren können. Im Bericht von Dr. C._ fehlen objektive Befunde, die die
angebliche Verschlechterung belegen würden. Sein Bericht überzeugt deshalb nicht.
Die Psychologin Frau K._ hat zwar auf konkrete neuropsychologische
Beeinträchtigungen hingewiesen, die sie anhand verschiedener Tests erhoben hat. Aus
ihrem Bericht geht aber nicht hervor, ob sie die Ergebnisse validiert hat. Auch ist nicht
ersichtlich, inwiefern sich die ermittelten Defizite auf die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers auswirken sollen. Die RAD-Ärzte haben ihm bereits aufgrund
kognitiver Defizite eine Arbeitsunfähigkeit von 20 Prozent attestiert. Damit sind die von
Frau K._ erhobenen teils „schlechten“ Leistungen wohl ausreichend berücksichtigt
worden. Es besteht aufgrund ihres eher unspezifischen Berichtes jedenfalls kein Anlass
zur Annahme, die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers sei aus
neuropsychologischen Gründen quantitativ mehr eingeschränkt als von den RAD-
Ärzten angenommen. Gesamthaft bestehen keine Anhaltspunkte, an den Berichten der
RAD-Ärzte vom 16. Mai 2008 und 28. Juni 2010 zu zweifeln. Mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit ist deshalb davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in
leidensadaptierten Tätigkeiten zu 80 Prozent arbeitsfähig ist.
2.2 Unter Berücksichtigung dieser Arbeitsfähigkeit sowie eines Abzuges vom
Tabellenlohn von 15 Prozent (vgl. BGE 126 V 75) bei der Ermittlung des
zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens beläuft sich dasselbe auf 42’517
Franken (Stand 2008; vgl. IV-act. 126). Das Valideneinkommen beträgt 61’250 Franken
(Stand 2008; vgl. IV-act. 126). Eine Aufwertung der beiden Vergleichseinkommen kann
unterbleiben, weil sie sich mathematisch nicht auf das Ergebnis auswirken kann. Der
Invaliditätsgrad beträgt 31 Prozent. Die Beschwerdegegnerin hat daher zu Recht einen
Rentenanspruch verneint.
3.
3.1 Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.
3.2 Die gemäss Art. 69 Abs. 1 IVG zu erhebenden und angesichts des
durchschnittlichen Aufwands auf 600 Franken festzusetzenden Gerichtskosten sind
dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen. Diese Gebühr ist durch den in
gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt.
bis
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Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
2. Der Beschwerdeführer hat die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen; diese
Gebühr ist durch den in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt.
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2021-09-19T12:05:10+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen