Decision ID: e53f912b-9094-5ffc-b8b6-704463aa13e1
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 20. Juni 2011 zum Bezug von IV-Leistungen an. Sie leide
an Rückenproblemen und habe schon einige Rückenoperationen hinter sich (IV-act. 1).
Die behandelnde med. pract. B._, Praktische Ärztin, diagnostizierte ein seit 1985
bestehendes invalidisierendes cervico-vertebrales bis encephales Syndrom links
(Bericht vom 15. Juli 2011, IV-act. 16-1 ff.; vgl. zum Rückenleiden auch die
verschiedenen beigelegten Berichte des Kantonsspitals St. Gallen [KSSG] und der
Klinik C._, IV-act. 16-7 ff.). Vom 30. Januar bis 1. Februar 2012 war die Versicherte in
der Klinik C._ hospitalisiert. Die dort am 31. Januar 2012 durchgeführte
Untersuchung der HWS unter Bildverstärker (BV) ergab weder im kraniozervikalen
Übergang noch im subaxialen Bereich einen eindeutigen Hinweis auf eine Instabilität.
Epifusionell und subfusionell sei eine angedeutete Überbeweglichkeit zu vermuten
(Operationsbericht vom 31. Januar 2012, IV-act. 38-3 f.). Am 30. und 31. Januar 2012
sowie am 1. Februar 2012 unterzog sich die Versicherte Facettengelenksinfiltrationen in
den Bereichen C4/5 und C6/7 (vgl. den Bericht von Dr. med. D._, Chefarzt
Neurologie an der Klinik C._, IV-act. 27). Nach der Durchführung der Infiltrationen
kam es zu einer deutlichen Besserung der Schmerzsymptomatik (Austrittsbericht der
Klinik C._ vom 1. Februar 2012, IV-act. 26). Am 8. Februar 2012 berichtete med.
pract. B._, der Gesundheitszustand der Versicherten habe sich verschlechtert. Seit 1.
November 2011 sei die Versicherte für die Tätigkeit im eigenen Geschäft (Verkauf von
Bastelartikel) zu 100% arbeitsunfähig. Bei stabilisiertem Gesundheitszustand sei der
Versicherten möglicherweise eine leidensangepasste Tätigkeit zumutbar (IV-act. 29).
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Dr. D._ empfahl zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit eine polydisziplinäre
Begutachtung (Bericht vom 6. Juli 2012, IV-act. 40-2 ff.).
A.b Am 20. November 2012 nahm die IV-Stelle eine Abklärung im Haushalt der
Versicherten vor. Die Abklärungsperson gelangte zur Auffassung, die
Beschwerdeführerin würde im hypothetischen Gesundheitsfall einem 80%igen
Erwerbspensum nachgehen. Die Einschränkung im Haushalt betrage (ungewichtet)
9,3% (Abklärungsbericht vom 3. Dezember 2012, IV-act. 45). Nachdem Dr. D._ am 4.
Juli 2012 und am 3. Oktober 2012 erneut Facettengelenksinfiltrationen in den
Bereichen C4/5 und C6/7 beidseits bei der Versicherten durchgeführt hatte (Bericht
vom 4. Oktober 2012, IV-act. 48), nahm er am 9. Januar 2013 eine weitere
Facettengelenksinfiltration vor (Bericht vom 10. Januar 2013 mit einer Übersicht über
die durchgeführten Facettengelenksinfiltrationen, IV-act. 61).
A.c Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte am 25. und 27. Juni 2013 in der
MEDAS Ostschweiz polydisziplinär (orthopädisch, psychiatrisch, allgemein-internistisch
und neurologisch) begutachtet. Die Experten diagnostizierten mit Einschränkung der
zumutbaren Arbeitsfähigkeit: ein chronisches zervikovertebrales bis zephales Syndrom
bei Status nach dorsaler Spondylodese C5/6; ein chronisches
Lumbovertebralsyndrom; einen Status nach Spondylodese L3-S1 1985 wegen
Spondylolisthesis Grad IV nach Meyerding mit dorsaler Osteotomie L3/4 und
Dekompression L2/3; eine Spanentnahme aus dem rechten Beckenkamm von dorsal
sowie ventral derotierende Spondylodese Th10-L4 mit dorsaler Fusion L2-4 am 17.
Januar 2002; einen Status nach Facettengelenksinfiltration L3/4 und L4/5 am 30.
November 2011; eine idiopathische Skoliose linkskonvex lumbal, rechtskonvex
thorakal; eine muskuläre Insuffizienz zervikothorakal und eine Zervikobrachialgie rechts.
Ein Sulcus ulnaris-Syndrom rechts wurde ausgeschlossen. Das Restleistungsvermögen
der Versicherten sei wegen der Notwendigkeit vermehrter Pausen, wegen erhöhtem
Zeitbedarf und einem verminderten Rendement um ca. 20% reduziert. Diese
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung gelte für die zuletzt ausgeübte selbstständige Tätigkeit
sowie für die Tätigkeit im erlernten Beruf als Coiffeuse, soweit dabei dem negativen
Leistungsbild Rechnung getragen werde. Für eine vollumfänglich dem Leiden
angepasste Tätigkeit verfüge die Versicherte über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
(Gutachten vom 26. August 2013, IV-act. 82).
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A.d Die Versicherte teilte am 28. Oktober 2013 der IV-Stelle mit, dass sie mit der
Beurteilung durch die MEDAS Ostschweiz nicht einverstanden sei. Des Weiteren gab
sie bekannt, dass sie sich in der Klinik C._ einer neuerlichen Operation (u.a.
Aufrichtung HWS, Versteifung von Wirbeln, Bandscheiben) unterziehen werde (IV-act.
85; vgl. auch die Telefonnotiz vom 20. Dezember 2013, IV-act. 89). RAD-Ärztin Dr.
med. E._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin FMH, hielt das Gutachten der
MEDAS Ostschweiz für vollständig, plausibel nachvollziehbar und in sich
widerspruchsfrei (Stellungnahme vom 18. Dezember 2013, IV-act. 88). Am 23. Januar
2014 wurde die Versicherte von Dr. med. F._, Chefarzt Wirbelsäulenchirurgie an der
Klinik C._, operiert (dorsale Osteotomie C5/6 und dorsale Instrumentation C5 bis C7,
ventrale Abstützung und Aufrichtung C5 bis C7, dorsale Stabeinlage und dorsale
Kompression und Spondylodese C5 bis C7). 6 Wochen nach dem Eingriff habe sich ein
sehr guter Verlauf mit vollständiger Rückbildung der präoperativ bestehenden
Schmerzen gezeigt (Bericht von Dr. F._ vom 5. März 2014, IV-act. 94; vgl. auch
dessen Bericht vom 24. April 2014, IV-act. 99-6 f.). Med. pract. B._ berichtete am 2.
Mai 2014, die Frage nach der Arbeitsfähigkeit der Versicherten könne aufgrund der
noch andauernden postoperativen Erholungsphase noch nicht beantwortet werden (IV-
act. 99-1 ff.). Dr. F._ bestätigte am 28. Mai 2014 einen guten postoperativen Verlauf.
Es bestünden keine wesentlichen Schmerzen (IV-act. 101-3 f.). RAD-Ärztin Dr. E._
vertrat die Ansicht, der Gesundheitszustand der Versicherten sei noch nicht stabil,
weshalb eine abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit noch nicht möglich sei
(Stellungnahme vom 23. Juni 2014, IV-act. 104).
A.e Dr. med. G._, Oberarzt Wirbelsäulenchirurgie an der Klinik C._, bescheinigte
der Versicherten im Bericht vom 30. Juni 2014 für die gelernte Tätigkeit als Coiffeuse
seit 22. Januar 2014 bis auf Weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Eine
leidensangepasste Tätigkeit sei der Versicherten 2 Stunden pro Tag zumutbar. In
diesem zeitlichen Rahmen bestehe eine Leistungsminderung um 50% (IV-act. 106). Im
Verlaufsbericht vom 28. August 2014 gab Dr. F._ an, nach mehrfachen
Wirbelsäulenoperationen an Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule bestünden erhebliche
funktionelle Einschränkungen (HWS-Beweglichkeit, Rumpfbeweglichkeit) sowie
Schmerzen bei Anschlussosteochondrose Th9/Th10. Es bestehe ein Stabbruch in
Höhe Th 12/L1. Die Versicherte sei weiterhin arbeitsunfähig. Leichte körperliche
Arbeiten seien ihr maximal 1,5 Stunden pro Tag zumutbar (IV-act. 109). RAD-Ärztin Dr.
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E._ hielt die postoperative Phase am 10. September 2014 für noch nicht
abgeschlossen. Aus ihrer Sicht sei zumindest in einer leidensangepassten Tätigkeit
wieder mit einer Arbeitsfähigkeit zu rechnen. Sie empfahl die Einholung eines
Verlaufsberichts bei den Ärzten der Wirbelsäulenchirurgie an der Klinik C._ (IV-act.
110). Diese verwiesen im undatierten (Datum Posteingang bei der IV-Stelle: 9. Oktober
2014, IV-act. 111), nicht unterzeichneten Verlaufsberichtsformular auf den
Verlaufsbericht vom 28. August 2014 ("wurde bereits beantwortet!", IV-act. 111).
Daraufhin gelangte RAD-Ärztin Dr. E._ zum Schluss, der Gesundheitszustand habe
sich stabilisiert. Von Seiten der HWS-Problematik sei eine Besserung eingetreten. Es
könne auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit gemäss MEDAS-Gutachten und die
RAD-Stellungnahme vom 18. Dezember 2013 abgestellt werden (RAD-Stellungnahme
vom 5. November 2014, IV-act. 113).
A.f Auf Veranlassung der Versicherten nahmen die Ärzte der Wirbelsäulenchirurgie an
der Klinik C._ Stellung zum Gutachten der MEDAS Ostschweiz. Sie bemängelten,
dass die gutachterliche Beurteilung nicht das gesamte damalige Leidensbild
miteinbezogen habe. Zudem berücksichtige das Gutachten die Folgen der letzten,
wegen invalidisierender Schmerzen erforderlich gewordenen Operation vom 23. Januar
2014 nicht (Stellungnahme vom 17. November 2014, IV-act. 115-2 f.). RAD-Ärztin Dr.
E._ hielt in der Stellungnahme vom 4. Dezember 2014 fest, wegen der Operation an
der HWS sei vorübergehend von einer vollen Arbeitsunfähigkeit von Januar bis Oktober
2014 auszugehen. Der Gesundheitszustand habe sich stabilisiert. Von Seiten der HWS-
Problematik sei eine Besserung eingetreten. Es könne an der Beurteilung der MEDAS-
Gutachter festgehalten werden (IV-act. 116).
A.g Mit Vorbescheid vom 9. Januar 2015 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung ihres Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 119). Dagegen erhob die
Versicherte am 22. Januar 2015 Einwand (IV-act. 123). Die IV-Stelle verfügte am 16.
Februar 2015 die Abweisung des Rentengesuchs. Der Bestimmung des
Invaliditätsgrads im Rahmen der sogenannten gemischten Methode legte sie eine
Qualifikation von 80% Erwerbstätigkeit und 20% Haushaltstätigkeit für den
hypothetischen Gesundheitsfall zugrunde und ermittelte einen Gesamtinvaliditätsgrad
von 2% (IV-act. 124).
B.
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B.a Gegen die Verfügung vom 16. Februar 2015 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 10. März 2015. Die Beschwerdeführerin beantragt darin unter
Kosten- und Entschädigungsfolge deren Aufhebung. Die Beschwerdegegnerin sei zu
verpflichten, ein neues neurochirurgisches Gutachten in die Wege zu leiten.
Eventualiter sei eine Rente zu sprechen. Die Beschwerdeführerin bringt im
Wesentlichen vor, das MEDAS-Gutachten sei nicht beweiskräftig. Sie werde sich in
naher Zukunft einer erneuten Operation unterziehen müssen, die wiederum eine
Folgeerscheinung der Grunderkrankung sei (act. G 1). Mit der Beschwerde hat die
Beschwerdeführerin u.a. eine ärztliche Bescheinigung von Dr. G._ vom 4. März 2015
eingereicht, worin dieser ausführt, die Beschwerdeführerin leide unter einer
Anschlussosteochondrose Th9/10 mit Facettenarthrose und thorako-spondylogenen
Schmerzen. Ihre Angaben, dass sie nicht länger als eine halbe Stunde sitzen könne,
dass das Stehen zu Rückenbeschwerden führe und dass das Heben von Lasten zu
unerträglicher Schmerzzunahme führe, seien aufgrund der im MRI und Röntgen
festgestellten degenerativen Veränderungen der Anschlussetage Th9/10 glaubhaft (act.
G 1.6).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 27. Mai 2015
die Abweisung der Beschwerde. Sie vertritt den Standpunkt, dass das MEDAS-
Gutachten beweiskräftig sei. Die dagegen vorgebrachte Kritik sei unbegründet. Der
danach erfolgte operative Eingriff vom 23. Januar 2014 ändere daran nichts, wie aus
der Einschätzung der RAD-Ärztin Dr. E._ schlüssig hervorgehe (act. G 4).
B.c In der Replik vom 15. Juni 2015 hält die Beschwerdeführerin unverändert an den
gestellten Rechtsbegehren fest (act. G 6) und reicht weitere Akten ein. Darunter
befindet sich u.a. ein Bericht der Dres. G._ und F._ vom 18. Mai 2015. Darin
berichten die beiden Ärzte über eine am 8. April 2015 durch Dr. D._ erfolgte
Facettengelenksinfiltration Th9/10 beidseits. Diese habe lediglich während vier Tagen
zu einer Beschwerdelinderung geführt. Danach habe sich die bekannte
Schmerzsymptomatik wieder eingestellt. Ein mögliches operatives Vorgehen sei
angesprochen worden (Erweiterungsspondylodese Th10-Th4 oder Th5, je nach
Ergebnis einer noch durchzuführenden SPECT-CT-Untersuchung; act. G 6.3). Im
beigelegten Bericht vom 11. Juni 2015 stellte Dr. med. H._, Facharzt FMH für Innere
Medizin/Pneumologie, die Diagnose von zeitweilig plötzlich auftretenden Dyspnoe-
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Episoden. Die Lungenfunktionswerte seien normal. Anhaltspunkte für ein
Asthmaäquivalent bestünden keine. Differenzialdiagnostisch stellte er die Dyspnoe-
Episoden in einen Zusammenhang mit einschiessenden Thoraxschmerzen bei Status
nach mehreren Wirbelsäulenoperationen (act. G 6.4).
B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 8).
B.e Am 20. Oktober 2015 hat die Beschwerdeführerin den Austrittsbericht von Dr.
F._ betreffend die am 10. September 2015 in der Klinik C._ durchgeführte
Operation (dorsale Teilmetallentfernung und dorsale Aufrichtungsspondylodese Th4 bis
L4 bei schmerzhafter aktiver Osteochondrose oberhalb der Fusion und im mittleren
BWS-Bereich bzw. Pseudarthrose Th12/L1) und die deshalb erfolgte Hospitalisation
vom 9. bis 16. September 2015 eingereicht (act. G 10 und G 10.1; vgl. auch die
Bescheinigung der Notwendigkeit für Haushaltshilfe von Dr. F._ vom 18. August 2015
und dessen Arbeitsunfähigkeitszeugnis vom 18. August 2015, act. G 10.2). Mit Eingabe
vom 10. März 2016 legt sie weitere medizinische Unterlagen ins Recht (Konsultation
der Dres. G._ und F._ vom 2. März 2016, worin diese sowohl hinsichtlich des am
10. September 2015 als auch bezüglich des am 23. Januar 2014 erfolgten operativen
Eingriffs von einem sehr zufriedenstellenden postoperativen Verlauf berichten, act. G
12.1).
B.f Nachdem den Parteien das rechtliche Gehör gewährt worden ist (act. G 15 f.), hat
das Versicherungsgericht Dr. med. I._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, am 22. September 2016 mit der Erstattung
eines monodisziplinären (wirbelsäulenchirurgischen) Gerichtsgutachtens beauftragt
(act. G 17; vgl. zur Korrespondenz betreffend die Vervollständigung der medizinischen
Aktenlage act. G 18 f.). Der Gerichtsgutachter hat die Beschwerdeführerin am 10.
November 2016 untersucht und diagnostiziert ein chronisches Panvertebralsyndrom
mit intermittierenden Episoden akuter Schmerzen bei Anschlussinstabilitäten an HWS,
BWS und LWS bei initial idiopathischer Skoliose und Spondylolyse L5 mit Olisthese
Grad IV nach Meyerding sowie degenerativen Veränderungen der HWS. Er
bescheinigte der Beschwerdeführerin sowohl für die angestammte sowie für eine
leidensangepasste Tätigkeit eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Diese Einschätzung
gelte seit der letzten Halswirbelsäulenoperation vom 23. Januar 2014. Für die Zeit
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davor habe zumindest eine Teilarbeitsunfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit
bestanden. Eine genaue Quantifizierung sei retrospektiv nicht möglich
(Gerichtsgutachten vom 19. Januar 2017, act. G 21).
B.g Die Beschwerdegegnerin vertritt die Auffassung, die vom Gutachten der MEDAS
Ostschweiz abweichende Beurteilung des Gerichtsgutachters sei überzeugend
begründet. Es könne auf das Gerichtsgutachten abgestellt werden (act. G 23).
B.h Die Beschwerdeführerin hält die Beurteilung des Gerichtsgutachters für
beweiskräftig. Es sei rückwirkend ab Juli 2012 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit
für leidensangepasste Tätigkeiten auszugehen, weshalb sie ab 1. Juli 2012 Anspruch
auf eine ganze Rente habe. Auf Zusatzfragen (an den Gerichtsgutachter) sei zu
verzichten (Eingabe vom 24. Februar 2017, act. G 26; siehe auch die separate Eingabe
vom gleichen Tag, worin die Beschwerdeführerin die Frage aufwirft, ob die von ihr
gestellte Zusatzfrage dem Gutachter vorgelegt worden sei, act. G 27).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin.
1.1 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht ein
Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein
Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.2 Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit, es sei denn, eine versicherte Person sei vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht erwerbstätig gewesen und es habe ihr auch nicht
zugemutet werden können, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. In diesem Fall gilt
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gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG die Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
als Invalidität. Erwerbsunfähigkeit ist demgegenüber der durch eine Beeinträchtigung
der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor,
wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Die Invalidität
im Sinn von Art. 8 Abs. 1 ATSG wird durch einen Einkommensvergleich ermittelt (Art.
16 ATSG).
1.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswerts eines ärztlichen Berichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a). Ergänzend ist mit Blick auf Gerichtsgutachten
anzuführen, dass das Gericht "nicht ohne zwingende Gründe" von den Einschätzungen
der medizinischen Experten abweicht. Auch der Europäische Gerichtshof für
Menschenrechte hat diesbezüglich erwogen, der Meinung der von einem Gericht
ernannten Experten komme bei der Beweiswürdigung vermutungsweise hohes
Gewicht zu (BGE 135 V 469 f. E. 4.4 mit Hinweisen).
1.4 Im Sozialversicherungsprozess gelten die Grundsätze der Untersuchungspflicht
und der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Demgemäss hat der
Versicherungsträger bzw. im Beschwerdefall das Gericht den rechtserheblichen
Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien
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gebunden zu sein. Verwaltungsbehörden und Sozialversicherungsgerichte haben
zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 110 V 53 E. 4a in fine).
2.
Zunächst ist die Frage zu beantworten, ob der medizinische Sachverhalt durch das
Gerichtsgutachten rechtsgenüglich abgeklärt ist.
2.1 Die Parteien halten das Gerichtsgutachten vom 19. Januar 2017 für beweiskräftig
(act. G 23 und G 26). Was die von der Beschwerdeführerin aufgeworfene Frage
anbelangt, ob ihre „Ergänzungsfrage dem Gutachter überhaupt gestellt“ worden sei
(act. G 27), gilt es das Folgende zu bemerken: In der Eingabe vom 2. September 2016
beantragte die Beschwerdeführerin, es sei dem Gerichtsgutachter die Frage zu
unterbreiten, ob sie in den letzten fünf Jahren dauernd und zuverlässig in der Lage
gewesen sei, eine optimal behinderungsangepasste Arbeitsstelle zu besetzen oder ob
wiederholt mit Absenzen hätte gerechnet werden müssen (act. G 16). Im
Auftragsschreiben des Gerichts vom 22. September 2016 wurde der Gerichtsgutachter
ersucht, Stellung zur Ergänzungsfrage der Beschwerdeführerin zu nehmen, soweit sie
nicht bereits im Rahmen der vom Gericht gestellten Fragen beantwortet werde (act. G
17, S. 2). Dieser nahm die Ergänzungsfrage zur Kenntnis und gab sie im
Gerichtsgutachten im Wortlaut wieder (act. G 21, S. 2 unten). Eine ausdrückliche
eigenständige Auseinandersetzung mit der Ergänzungsfrage findet sich im
Gerichtsgutachten nicht. Indessen gab der Gerichtsgutachter mit Bezug auf die
Verhältnisse vor der letzten Halswirbelsäulenoperation vom 23. Januar 2014 (act. G 21,
S. 14) an, es hätte schon damals zumindest eine Teilarbeitsunfähigkeit auch in einer
angepassten Tätigkeit bestanden. Eine genaue Quantifizierung sei retrospektiv nicht
möglich (act. G 21, S. 15). Damit war auch die Ergänzungsfrage der
Beschwerdeführerin mit¬beantwortet.
2.2 Bei der Würdigung des Gerichtsgutachtens fällt ins Gewicht, dass es auf
eigenständigen gründlichen Abklärungen beruht und für die streitigen Belange
umfassend ist. Die medizinischen Vorakten wurden verwertet und die von der
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Beschwerdeführerin geklagten Leiden berücksichtigt und gewürdigt. Die darin
vorgenommene Arbeitsfähigkeitsschätzung leuchtet in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein.
Der Gutachter hat insbesondere nachvollziehbar dargelegt, dass die
Beschwerdeführerin keine Ressourcen besitzt, die über eine eingeschränkte
Alltagsbewältigung hinaus reichen. Des Weiteren bestehen keine Anhaltspunkte dafür,
dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht berücksichtigt worden wären. Aus
medizinischer Sicht ist deshalb gestützt auf das Gerichtsgutachten davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführerin spätestens seit Januar 2014 vollständig arbeitsunfähig ist
(act. G 21, S. 14).
2.3 Hinsichtlich der davor liegenden Zeit geht der Gerichtsgutachter zumindest vom
Bestehen einer retrospektiv nicht quantifizierbaren Teilarbeitsunfähigkeit auch in
angepasster Tätigkeit aus (act. G 21, S. 15). Aus den Akten ergibt sich, dass die HWS-
Beschwerden seit Sommer 2011 zunahmen (Bericht Dr. D._ vom 30. Januar 2012, IV-
act. 65-4; vgl. auch zur im MEDAS-Gutachten beschriebenen zunehmenden
Verschlechterung seit Juni 2011, IV-act. 82-38). In der Folge konnte lediglich
vorübergehend eine Beschwerdelinderung erzielt werden (Berichte von Dr. D._ vom
11. April 2012, IV-act. 65-8, vom 14. Juni 2012 [auch bezüglich Beschwerden an der
rechten oberen Extremität], IV-act. 63-2, vom 4. Oktober 2012, IV-act. 65-14, und vom
10. Januar 2013, IV-act. 61-2; Bericht von Dr. med. J._, Oberärztin Neurologie an der
Klinik C._, vom 17. September 2013, IV-act. 99-9; Bericht von med. pract. B._ vom
2. Mai 2014, IV-act. 99-2 f.; Bericht von Dr. G._ vom 30. Juni 2014 mit u.a.
Ausführungen zur am 23. Januar 2014 erfolgten Operation [Osteotomie und
Aufrichtungsspondylodese] und dem damit verbundenen stationären Aufenthalt vom
22. bis 29. Januar 2014, IV-act. 106). Es ist damit davon auszugehen, dass die zur
längerdauernden Arbeitsunfähigkeit führenden Beschwerden spätestens im Juni 2011
aufgetreten sind und die Beschwerdeführerin seither über keine stabile verwertbare
Arbeitsfähigkeit mehr verfügt hat, insbesondere auch nicht in ihrer angestammten
Tätigkeit als Mitarbeiterin im Aussendienst.
2.4 In Nachachtung von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG hat die Beschwerdeführerin nach dem
Gesagten ab 1. Juni 2012 Anspruch auf eine ganze Rente. Dabei kann offen bleiben,
ob sie als vollzeitlich Erwerbstätige oder als teilzeitlich Erwerbstätige (mit einem
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Erwerbspensum von 80%; IV-act. 124-2) zu qualifizieren ist, da der Invaliditätsgrad
aufgrund der vollständigen Erwerbsunfähigkeit jedenfalls über 70% liegt.
3.
3.1 In Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom 16. Februar
2015 aufzuheben und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Juni 2012 eine ganze
Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung sowie zur Ausrichtung der geschuldeten
Leistungen ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Aufgrund der Einholung eines
Gerichtsgutachtens und des damit verbundenen Zusatzaufwands erscheint eine
Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als
angemessen. Der vollständig unterliegenden Beschwerdegegnerin sind die
Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 1'000.-- aufzuerlegen. Der Beschwerdeführerin ist
der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zurückzuerstatten.
3.3 Die Kosten des Gerichtsgutachtens von Fr. 5'500.-- (act. G 30) hat die
Beschwerdegegnerin zu tragen (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2).
3.4 Gemäss Art. 61 lit. g des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) hat die obsiegende beschwerdeführende
Partei Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Zu beachten
ist, dass nicht der geltend gemachte, sondern nur der notwendige Aufwand zu
entschädigen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Februar 2009, 8C_140/2008, E.
11.4 mit Hinweisen). Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat am 24. Februar
2017 eine Honorarnote mit einem Aufwand von Fr. 5‘252.60 (einschliesslich
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Mehrwertsteuer und Barauslagen) eingereicht (act. G 26.1). Die Honorarnote enthält
allerdings auch Bemühungen, die keinen Zusammenhang mit dem Streitgegenstand
(Rentenanspruch) haben bzw. aus der Zeit vor Erlass der angefochtenen Verfügung
stammen (vgl. Einträge vom 14. bis 22. Januar 2015; siehe auch Einträge vom 26.
August und 6. September 2016 offenbar einen Hilfsmittelanspruch betreffend; vgl. auch
den Eintrag vom 25. Januar 2017 „Vorbescheid SVA an Klientin mit Brief“, act. G 26.1).
Auf die geltend gemachte Entschädigung kann daher nicht abgestellt werden. Der
Bedeutung und dem Aufwand der Streitsache angemessen erscheint unter
Berücksichtigung des durch das Gerichtsgutachten entstandenen Mehraufwands - wie
in vergleichbaren Fällen (vgl. etwa Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 31. März 2015, IV 2013/438) - eine Parteientschädigung von pauschal
Fr. 4'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer), zumal der Umfang der
IV-Akten nicht überdurchschnittlich ist.