Decision ID: 5726d10b-8a70-51e6-94a8-e702e52b6519
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Advokat lic. iur. Martin Boltshauser, c/o procap, Froburgstrasse 4,
Postfach, 4601 Olten,
gegen
Generali Allgemeine Versicherungen AG, 23, avenue Perdtemps, 1260 Nyon 1,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a Die 1959 geborene S._ war für die A._ als Geschäftsführerin tätig und
dadurch bei der Generali Allgemeine Versicherungen AG (nachfolgend: Generali) gegen
die Folgen von Unfällen versichert (UV-act. 1), als sie am 9. November 2005 auf einer
Bockleiter stand, die unter ihr zusammenkrachte. Wegen anhaltender Schmerzen
suchte die Versicherte erstmals am 29. November 2005 den Hausarzt Dr. med. B._
auf, welcher mit Zeugnis vom 21. Januar 2006 eine Kontusion des Schultergürtels und
ein HWS-Hyperextensionstrauma bei Neigung zu Hypotonie diagnostizierte.
Röntgenbilder der HWS ap/lat. vom 13. Dezember 2005 waren unauffällig. Am 27.
Dezember 2005 stürzte die Versicherte aufs Gesäss, wodurch erneut
Cervicalschmerzen auftraten (UV-act. 4).
A.b Mit Bericht vom 8. Februar 2006 hielt Dr. med. C._, Orthopädie am Rosenberg
als Untersuchungsdiagnose
eine muskuläre Dysbalance der HWS und unteren BWS fest und verschrieb der
Versicherten Physiotherapie (UV-act. 9). Gemäss Dokumentationsbogen für
Erstkonsultation nach kranio-cervicalem Beschleunigungstrauma vom 22. Mai 2006
war die Versicherte weiterhin 50% arbeitsunfähig (UV-act. 22). Vom 13. bis 20.
September 2006 war sie zu 100% arbeitsunfähig, da gemäss dem Hausarzt ein
muskulärer Hartspann der cervicalen Muskulatur als Korrelat für die ausgeprägten
Spannungskopfschmerzen imponiert hatte (UV-act. 33b, 35).
A.c Im Gutachten vom 20. April 2007 beantwortete Dr. med. D._, FMH Innere
Medizin, spez. Rheumatologie, den Fragenkatalog der Generali mit Bezug auf seine
Untersuchungsergebnisse vom 12. April 2007. Er beurteilte die Arbeitsunfähigkeit
hinsichtlich der unfallbedingten Beschwerden als höchstens zu 25% ausgewiesen.
Zudem war er der Ansicht, dass der Status quo sine nach einer Therapiedauer von drei,
maximal vier Monaten erreicht sein sollte und dann keine Arbeitsunfähigkeit aus Unfall
mehr bestehen würde (UV-act. 51). Auf Grund der Überweisung durch Dr. D._ war
die Versicherte ab dem 3. September 2007 bei Dr. med. E._, Innere Medizin/
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rheumatologie FMH, in Behandlung (UV-act. 74). Mit Verlaufsbericht vom 28. März
2008 schilderte dieser eine anfängliche Besserung mit anschliessender
Verschlechterung des Gesundheitszustands. Prognostisch ging er eher von einer
negativen Entwicklung aus und hielt fest, dass die Versicherte ihre Arbeit momentan
mit einer Arbeitsleistung von 25% weiterführe (UV-act. 81).
A.d Am 28. April 2008 hielt Dr. E._ fest, dass die vorliegenden Beschwerden
zumindest überwiegend auf das Unfallereignis vom 9. November 2005 zurückzuführen
seien, wobei allerdings auch degenerative Veränderungen und eine leichte
Haltungsschwäche, die nicht auf den Unfall zurückgeführt werden könnten, einen
(untergeordneten) Einfluss auf das Beschwerdebild hätten (Beilage 2 zu UV-act. 96).
A.e Dr. D._ befand im Bericht vom 6. Mai 2008 mit Verweis auf die Angaben von
Dr. E._ vom 13. September 2007 und 28. März 2008, dass die vorübergehende
Verschlimmerung nun abgeschlossen, der Status quo sine erreicht und keine
unfallbedingten Heilbehandlungen mehr ausgewiesen seien (UV-act. 84).
A.f Am 20. Mai 2008 verfügte die Generali die Einstellung der Leistungen ab 6. Mai
2008, da zwischen den fortbestehenden Beschwerden und den Ereignissen vom 9.
November und 27. Dezember 2005 keine Unfallkausalität mehr bestehe (UV-act. 85).
B.
Die gegen diese Verfügung von der procap für die Versicherte erhobene Einsprache
(UV-act. 96) wies die Generali mit Einspracheentscheid vom 17. März 2009 ab (UV-
act. 113).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von der procap für die
Versicherte erhobene Beschwerde vom 4. Mai 2009 mit den Anträgen, der
Einspracheentscheid vom 17. März 2009 sowie die Verfügung vom 20. Mai 2008 seien
aufzuheben und es seien die gesetzlichen Leistungen in Form von Taggeldern weiterhin
auszurichten. Zudem sei die Angelegenheit zu ergänzenden Abklärungen und zur
Feststellung der Invalidität an die Vorinstanz zurückzuweisen; unter Kosten- und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Entschädigungsfolgen. Zur Begründung wird im Wesentlichen geltend gemacht, dass
Dr. E._ im Gegensatz zu Dr. D._ der Meinung sei, die fortbestehenden
Beschwerden seien mit überwiegender Wahrscheinlichkeit noch immer auf den Unfall
zurückzuführen, weshalb der Status quo sine noch nicht erreicht sei. Somit lägen von
zwei Spezialisten zwei unterschiedliche Beurteilungen vor, was erhebliche Zweifel an
der Richtigkeit der gutachterlich von Dr. D._ festgehaltenen Einschätzung hervorrufe.
Zudem gehe auch der behandelnde Chiropraktor SCG/ECU Dr. F._, Chiropraktik
Zentrum, in seinem Bericht vom 6. August 2008 (UV-act. 105) von unfallkausalen HWS-
Beschwerden aus. Aus diesem Grund sei zur Klärung der Frage nach noch
unfallbedingt notwendigen Behandlungen und einer allfälligen Invalidität nach
Behandlungsabschluss nochmals eine gutachterliche Abklärung notwendig.
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 3. Juli 2009 beantragte die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde.
C.c Die Beschwerdeführerin verzichtete auf die Einreichung einer Replik (act. G 9).

Erwägungen:
1.
1.1 Vorliegend anerkannte die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht bezüglich
der Unfallereignisse vom 9. November und 27. Dezember 2005 und erbrachte
entsprechende Versicherungsleistungen. Streitig und zu prüfen ist, ob sie weitere
Leistungen ab 7. Mai 2008 zu Recht verweigert hat.
1.2 Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Einspracheentscheid die
Bestimmungen über die Leistungspflicht des Unfallversicherers nach Art. 6 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) sowie über die
Voraussetzung des natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis
und dem Gesundheitsschaden zutreffend dargelegt (Erwägung II/3). Darauf kann
verwiesen werden. Der Unfallversicherer haftet sodann nur für jene Folgen, die mit dem
Unfall adäquat-kausal zusammenhängen, wobei für die Adäquanz nicht die subjektive,
sondern die objektive Voraussehbarkeit des eingetretenen Erfolgs entscheidend ist
(SVR 2000 UV Nr. 14 S. 45). Adäquat ist der Kausalzusammenhang dann, wenn ein
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ereignis geeignet ist, den eingetretenen Erfolg zu bewirken, so dass an andere
Ursachen vernünftigerweise nicht zu denken ist (BGE 117 V 359 und 112 V 30).
Während es Aufgabe des Arztes ist, den natürlichen Kausalzusammenhang zu
beurteilen, obliegt es dem Gericht, die Frage nach dem adäquaten
Kausalzusammenhang zu beantworten (PVG 1984 Nr. 82, 174). Im Bereich klar
ausgewiesener organischer Unfallfolgen im Sinn von nachweisbaren strukturellen
Veränderungen (organisches Substrat konnte mit bildgebenden
Untersuchungsmethoden [Röntgen, Computertomogramm, EEG] nachgewiesen
werden) spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen
Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine
Rolle. Sie ist bei ausgewiesener natürlicher Kausalität ohne weiteres zu bejahen (BGE
127 V 103 E. 5b/bb, 123 V 102 E. 3b, 118 V 291 E. 3a, 117 V 365 E. 5d/bb mit
Hinweisen).
1.3 Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt
erst manifest, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers, wenn entweder der
(krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat
(Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem
schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustands auch ohne Unfall früher
oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Das Dahinfallen jeder
kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss
mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit
nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es
sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die entsprechende
Beweislast nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV
2000 Nr. U 363 S. 45, 1994 Nr. U 206 S. 328; siehe ebenso BGE 117 V 261 E. 3b).
Dabei muss jedoch nicht etwa der Beweis für unfallfremde Ursachen erbracht werden.
Welche Ursachen ein nach wie vor geklagtes Leiden hat, ob es Krankheitsursachen, ein
Geburtsgebrechen oder degenerative Veränderungen sind, ist unerheblich. Denn es ist
nicht so, dass der Unfallversicherer bei einmal bejahter Unfallkausalität so lange haftet,
als er unfallfremde Ursachen nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
nachzuweisen vermag. Entscheidend ist allein, ob unfallbedingte Ursachen eines
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben, also dahin gefallen sind
(RKUV 1994 Nr. U 206 S. 329 E. 3b).
1.4 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die urteilenden Instanzen die
Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten.
Hinsichtlich Beweiswert eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweisen).
2.
2.1 Bei der Beschwerdeführerin traten ein bis zwei Wochen nach dem Unfall vom
9. November 2005 Schmerzen im Nacken-, Kopf- und Schulterbereich mit
gelegentlichen Ausstrahlungen in beide Hände und in die Finger, im Bereich der
mittleren BWS und der oberen LWS, Verspannungen sowie Konzentrationsstörungen
respektive eine verminderte Belastbarkeit auf, worunter sie seither leidet (UV-act. 9, 22,
23, 51 S. 4 f., 74 S. 2, 81, 105). Gemäss Arztzeugnis von Dr. B._ vom 21. Januar
2006 erlitt sie eine Kontusion des Schultergürtels sowie ein HWS-
Hyperextensionstrauma bei Neigung zu Hypotonie (UV-act. 4), im Zeugnis vom 22. Mai
2006 wurde die Diagnose des Hausarztes schliesslich mit kompensierter muskulärer
Dysbalance der HWS-BWS nach Schulter-/Armkontusion umschrieben (UV-act. 22).
Der Gutachter Dr. D._ hielt demgegenüber auf Grund der Ereignisschilderung der
Beschwerdeführerin, wonach sich diese beim Zusammenklappen der bestiegenen
Bockleiter mit den Händen am Sims der Estrichöffnung auffangen und festhalten
konnte, fest, dass es nicht zu einer Hyperextension, sondern zu einer
Rückwärtsbewegung des Oberkörpers inkl. der HWS gekommen sei (UV-act. 51 S. 3).
Auch Dr. F._ ging davon aus, dass das versuchte Auffangmanöver am Sims eine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
starke Zug-/Reissbewegung im Nacken-/Schulterbereich verursacht habe.
Entsprechend äusserte er den Verdacht auf eine Brachialplexuszerrung. Eine Kontusion
erwähnte er ebenfalls nicht (vgl. UV-act. 105). Die einen Monat nach diesem Unfall
durchgeführten röntgendiagnostischen Untersuchungen der HWS ergaben keine
ossären Befunde (UV-act. 4). Auch die Röntgenbilder der Orthopädie am Rosenberg
vom 7. Februar 2006 zeigten keine frischen ossären Frakturen. Eine Notwendigkeit
bildgebender Untersuchungen der Schulterbereiche befanden die Ärzte scheinbar auf
Grund der Schmerzlokalisationsschilderungen der Beschwerdeführerin nicht für
angebracht. Gemäss Dr. C._ zeigte sich bezüglich der HWS ein korrektes
Alignement, in Bezug auf die BWS waren eine leichte rechtskonvexe Fehlhaltung ohne
relevante Rotationskomponente und altersentsprechende degenerative Veränderungen
von cranial nach caudal zunehmend ohne Verschmälerung der Intervertebralräume
sichtbar (UV-act. 9). Bezogen auf dieselben Bilder machte Dr. D._ eine
rechtskonvexe mittlere BWS-Skoliose, leicht ausgeprägt mit plurisegmentalen
Chondrosen und ventraler Spondylophytenbildung, zum Teil überbrückend, als Hinweis
für eine mögliche beginnende DISH-Erkrankung im mittleren BWS-Abschnitt und dem
thorakolumbalen Übergang aus. Hinsichtlich der LWS hielt er eine leichte linkskonvexe
unter LWS-Skoliose plurisegmental beginnende Chondrose LWK 1 bis S1 mit
Traktionsspornbildungen, beginnender Spondylarthrose L5/S1 mit dort
fortgeschrittener Chondrosebildung fest (UV-act. 51 S. 6). Laut Bericht von Dr. E._
vom 13. September 2007 zeigten sich im BWS-Bereich zudem minime
Keildeformationen Th9 und 10 mit unregelmässigen Deck- und Bodenplatten, was
wahrscheinlich auf einen Status nach Morbus Scheuermann hindeute. In Bezug auf die
LWS stellte er zusätzlich Spondylarthrosen im Bereich L4/5 fest (UV-act. 74 S. 3 f.).
2.2 Bei den vorgenannten Gesundheitsschäden handelt es sich zweifelsohne um
klare organische Substrate, die grundsätzlich immerhin als Ursache der geklagten
Beschwerden im BWS- und LWS-Bereich in Frage kommen (vgl. dazu Alfred M.
Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. Bern 2002, S. 848 ff.).
Nachfolgend ist somit zu prüfen, inwieweit die festgestellten Gesundheitsschäden
durch die Unfälle vom 9. November und 27. Dezember 2005 verursacht wurden.
Hinsichtlich des späteren Unfallereignisses ist jedoch anzumerken, dass ärztliche
Diagnosen dazu fehlen. Der Fakt, dass dieser Gesässsturz in den medizinischen Akten
nur eine äusserst stiefmütterliche Behandlung erfuhr, legt ohnehin den Schluss nahe,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dass es sich dabei um ein lediglich bagatelläres Ereignis gehandelt hat, das nicht
geeignet ist, länger dauernde Beschwerden zu verursachen. Unter diesen
Voraussetzungen rechtfertigt es sich auch nicht, die LWS- und BWS-Beschwerden
anders als nach medizinischen Erfahrungstatsachen zu würdigen, wie nachfolgend zu
geschehen haben wird.
2.3
2.3.1 Bei der Skoliose handelt es sich um eine seitliche Verkrümmung der
Wirbelsäule, die entweder im Wachstumsalter entsteht, symptomatisch durch
vorbestehende morphologische Asymmetrie einzelner Wirbel oder des
Beckenschiefstands oder durch die Haltung hervorgerufen wird (Debrunner, a.a.O., S.
827 f.). Unter Chondrosen versteht man degenerativ bedingte Veränderungen des
Knorpels, also letztlich Abnutzungserscheinungen in den Bandscheiben. Als Folge der
auch physiologisch (kein Krankheitswert) bedingten Abnahme des Wassergehalts des
Bandscheibengallertkerns kann eine Veränderung der Zugrichtung des Faserrings
der Bandscheibe zu Verknöcherungen am Wirbelkörper (Spondylose) führen. Sind
bereits knöcherne Veränderungen aufgetreten und zeigen die Zwischenwirbelgelenke
ebenfalls knöcherne Anbauten, spricht man von der Spondylarthrose (vgl. http://
de.wikipedia.org/wiki/Chondrose, Abfrage vom 21. April 2010). Chondrosen,
Spondylosen und Spondylarthrosen stellen somit verschiedene Stadien einer
Wirbelsäulendegeneration dar (vgl. dazu Debrunner, a.a.O., S. 852 ff.), können aber
auch Folgeerscheinung einer Skoliose sein (vgl. Wolfgang Dihlmann, Gelenke -
Wirbelverbindungen: klinische Radiologie einschliesslich Computertomographie-
Diagnose, Differentialdiagnose, 3. Aufl. Stuttgart 2002, S. 506). Der Morbus
Scheuermann ist schliesslich eine typische Wachstumskrankheit der Wirbelsäule (vgl.
dazu Debrunner, a.a.O., S. 821 ff.). Entsprechend haben sowohl Dr. D._ als auch
Dr. E._ das ausschliessliche Vorliegen von Unfallfolgen im BWS- und LWS-Bereich in
den Berichten vom 20. April bzw. 13. September 2007 verneint. Auf Grund fehlender
anderweitiger bildgebender Feststellungen auch im Nacken-/Schulterbereich steht
damit mit dem im Sozialversicherungsrecht geforderten Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. Th. Locher, Grundriss des
Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl. Bern 2003, S. 451 f.) bereits fest, dass bei der
Beschwerdeführerin eine durch den Unfall verursachte klar ausgewiesene neue,
http://de.wikipedia.org/wiki/Bandscheibe http://de.wikipedia.org/wiki/Bandscheibe http://de.wikipedia.org/wiki/Spondylose http://de.wikipedia.org/wiki/Spondylarthrosis_deformans
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bleibende Gesundheitsschädigung im Sinn einer strukturellen Veränderung
ausgeschlossen werden kann.
2.3.2 Ebenfalls auszuschliessen ist eine richtunggebende, mithin dauernde,
unfallbedingte Verschlimmerung ihrer degenerativen Gesundheitsschäden im Bereich
der Wirbelsäule. Es ist eine medizinische Erfahrungstatsache, dass eine solche
Verschlimmerung nur dann als erwiesen gelten kann, wenn die Radioskopie ein
plötzliches Zusammensinken der Wirbel und das Auftreten bzw. die Vergrösserung von
Randzacken nach einem Trauma aufzeigt (E. Morscher, in: Bauer/Nigst [Hrsg.],
Versicherungsmedizin, 2. Aufl. Bern 1985, S. 191). Die medizinischen Akten enthalten
keine Hinweise darauf, dass sich der degenerative Zustand der BWS und der LWS im
Zeitpunkt der Unfälle vom 9. November oder 27. Dezember 2005 massiv verändert
hätte. Sodann verneint Dr. D._ das Vorliegen einer richtunggebenden
Verschlimmerung explizit, wobei er bei seiner Beurteilung lediglich den Sturz aufs
Gesäss im Dezember 2005 und diesen auch nur höchstens als vorübergehende
Verschlimmerung des degenerativen Vorzustands sieht (UV-act. 51 S. 7). Eine allfällige
richtunggebende Verschlimmerung muss röntgenologisch ausgewiesen sein und sich
von der altersüblichen Progression abheben; bei einem Unfall ohne strukturelle Läsion
am Achsenskelett ist die Chronifizierung der Beschwerden zunehmend auf andere
(unfallfremde) Faktoren zurückzuführen (Medizinische Mitteilungen der Suva Nr. 67
[1994], S. 46). Allgemein kann eine Kontusion und/oder Zerrung der Wirbelsäule eine
bisher stumme Wirbelsäulenerkrankung zwar symptomatisch machen, dabei handelt es
sich aber meistens nur um eine vorübergehende Verschlimmerung (Debrunner/
Ramseier, Die Begutachtung von Rückenschäden, Bern 1990, S. 52).
2.3.3 Nach dem Gesagten steht fest, dass die Beschwerdeführerin mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit durch die fraglichen Unfälle sowohl
im Bereich HWS, BWS und LWS als auch im Schultergürtelbereich weder eine klar
ausgewiesene neue, bleibende Gesundheitsschädigung im Sinn einer strukturellen
Veränderung noch eine richtunggebende Verschlimmerung eines degenerativen
Vorzustands erlitten hat.
2.4
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.4.1 Wie bereits angedeutet, kann ein Vorzustand durch einen Unfall ausgelöst
oder vorübergehend verschlimmert werden. In diesem Fall übernimmt die
Unfallversicherung jedoch lediglich den durch das Unfallereignis ausgelösten
Beschwerdeschub (RKUV 2000 Nr. U 379 S. 193 E. 2a mit Hinweisen). - Dr. D._ hält
diesbezüglich in seinem Bericht vom 20. April 2007 fest, dass im Zeitpunkt der
Begutachtung, d.h. immerhin fast eineinhalb Jahre nach den Unfällen, lediglich noch
die Beschwerden im Schultergürtel- und HWS-Bereich unfallbedingt behandelt werden
könnten, für die übrigen erheblichen vorbestehenden Veränderungen thorakal und
lumbal sei eine unfallkausale Behandlung nicht mehr begründbar. Für die diese
Bereiche betreffenden Beschwerden sei die Unfallkausalität nicht mehr ausgewiesen
bzw. höchstens noch möglich (UV-act. 51 S. 7). Bei einer qualitativ guten und
intensiven Behandlung würden dagegen die unfallbedingten Verletzungen
grundsätzlich innert drei bis vier Monaten ausgeheilt sein, allfällig danach wieder
auftretende oder persistierende Beschwerden auch im Bereich der HWS wären nicht
mehr als alleinige Unfallfolge begründbar (UV-act. 51 S. 10). Nachdem die Behandlung
durch Osteopathie, aktive Physiotherapie und Triggerpunkt-Manipulationen (vgl. UV-
act. 74, 81) keinen Erfolg gebracht hatten, stellte Dr. D._ mit Bericht vom 6. Mai 2008
das Erreichen des Status quo sine fest (UV-act. 84). Gestützt darauf stellte die
Beschwerdegegnerin ihre Leistungen per 6. Mai 2008 ein.
2.4.2 Es entspricht einer medizinischen Erfahrungstatsache, dass Prellungen
(Kontusionen), Verstauchungen oder Zerrungen der Wirbelsäule ohne strukturelle
Läsionen normalerweise innert kurzer Zeit, in der Regel nach sechs bis neun Monaten,
spätestens aber nach einem Jahr abheilen und sich die damit verbundenen
Beschwerden gänzlich zurückbilden. Dasselbe gilt allgemein bei harmlosen Traumen
mit fehlenden strukturellen Schädigungen der Gelenke und Knochen; diese heilen
selbst bei degenerativen Vorzuständen normalerweise innert kurzer Zeit ab. Dieser
medizinische Erfahrungssatz darf, zumal er der herrschenden medizinischen
Lehrmeinung entspricht, im Rahmen des Wahrscheinlichkeitsbeweises berücksichtigt
werden. Dies hat insbesondere für den Nachweis des Status quo sine zu gelten, bei
dem es sich um einen hypothetischen Zustand handelt, welcher sich häufig nur mit
Erfahrungswerten bestimmen lässt (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
[EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 18.
September 2002 i/S H. [U 60/02] E. 2.2, E. 3.2 mit Hinweisen auf die medizinische
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Literatur; Urteil des Bundesgerichts vom 28. Februar 2007 i/S B. [U 357/06] E. 4.5). In
den Medizinischen Mitteilungen der Suva Nr. 79 (2008), S. 101 hält der Autor Erich Bär
sogar fest, dass Weichteilzerrungen bzw. -prellungen am Rücken (mithin Verletzungen
ohne objektivierbaren strukturellen Schaden) ungeeignet seien, länger als einige
Wochen bis wenige Monate Beschwerden zu machen, die mit organischen Folgen der
ursprünglichen Verletzung zu erklären wären. Dabei weist er auf zahlreiche weitere
Publikationen hin (Erich Bär, Prellung, Verstauchung oder Zerrung der Wirbelsäule. Ein
Update. in: Medizinische Mitteilungen der Suva Nr. 79 [2008], S. 100 ff.). Insofern
zeichnet sich eine vorübergehende Verschlimmerung eines Vorzustands im Bereich der
Wirbelsäule im Regelfall durch stetige Besserung des unfallkausalen
Beschwerdeanteils aus (vgl. dazu Bär/Kiener, Prellung, Verstauchung oder Zerrung der
Wirbelsäule. in: Medizinische Mitteilungen der Suva Nr. 67 [1994], S. 45). Schliesslich
spricht der Umstand, dass seit dem Unfall anhaltende, zu Beginn als unfallkausal
taxierte Schmerzen und eine damit verbundene Arbeitsunfähigkeit bestehen, nicht
automatisch für das Vorliegen anhaltender Unfallrestfolgen bzw. eine andauernde
unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit. Die Leistungseinstellung des Unfallversicherers
bedingt keine Beschwerdefreiheit bzw. volle Arbeitsfähigkeit. Entscheidend ist allein,
ob der durch den Unfall ausgelöste Beschwerdeschub seine kausale Bedeutung
verloren hat (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 329 E. 3b). Diesfalls können anhaltende
Beschwerden mit unfallfremden Befunden, beispielsweise eben degenerativer Art oder
infolge eines schlechten muskulären Vorzustands, erklärt werden. Die von der
Beschwerdeführerin beschriebenen Unfälle vom 9. November (Rückwärtsbewegung
des Oberkörpers inklusive der HWS beim Sich-Auffangen und Festhalten am Balken)
und 27. Dezember 2005 (Sturz aufs Gesäss) vermögen allein auf Grund der erheblichen
Kraftaufwendung beim Festhalten oder dem Sturzmechanismus aus geringer Höhe
jedoch keine allzu schweren Verletzungen zu verursachen. Auch erlitt die
Beschwerdeführerin keine strukturellen Läsionen wie eine Schulterfraktur oder
ähnliches.
2.4.3 Angesichts dieser Ausführungen erscheinen das Gutachten vom 20. April
2007 sowie die Feststellungen zum Abschluss der unfallbedingten Heilbehandlungen
von Dr. D._ am 6. Mai 2008 nachvollziehbar. Seine Schlussfolgerungen basieren auf
eigenen Untersuchungen, der Kenntnis der ärztlichen Akten sowie medizinischen
Erfahrungstatsachen. Daran vermögen auch die Bestätigung einer Unfallkausalität von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Dr. E._ im Bericht vom 28. April 2008 (Beilage zu UV-act. 96) sowie diejenige des
Chiropraktors Dr. F._ (vgl. UV-act. 105) nichts zu ändern. Dr. E._ gab an, dass die
aktuell vorliegenden Beschwerden zumindest überwiegend mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis vom 9. November 2005 zurückzuführen
seien. Allerdings hätten auch degenerative Veränderungen und eine leichte
Haltungsschwäche, welche nicht auf den Unfall zurückzuführen seien, einen
(untergeordneten) Einfluss auf das Beschwerdebild. Eine weitere Begründung für diese
Einschätzung fehlt jedoch. Allein die Tatsache, dass vor den Unfällen Ende 2005 noch
keinerlei Beschwerden im Bereich von Rücken, Schulter und Nacken bestanden haben,
reicht aber nicht aus, um von einer Unfallkausalität auszugehen (vgl. dazu die
beweisrechtlich untaugliche Formel "post hoc ergo propter hoc" z.B. in: Alfred Maurer,
Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. Bern 1989, S. 460 Fn. 1205). Auch
der von Dr. F._ geäusserte Verdacht auf eine erlittene Zerrung der Fazettengelenke
sowie des Brachialplexus (UV-act. 105) vermag auf Grund der medizinischen
Erfahrungssätze nach einer Dauer von immerhin zweieinhalb Jahren nach Unfalleintritt
keine Unfallkausalität im geforderten Beweismass der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu begründen. Medizinische Erfahrungssätze beziehen sich auf den
Regelfall, d.h. auf medizinische Sachverhalte, die sich im konkreten Fall gleich
dargestellt haben. Eine Ausnahme von der Regel ist grundsätzlich nicht
ausgeschlossen, doch muss sie sich eben als solche präsentieren. Im vorliegenden Fall
liegen keine Hinweise für einen Ausnahmefall vor. Bei der Beschwerdeführerin könnte
sich zwar durch allfällige Zerrungen und/oder Kontusionen eine vorübergehende
Verschlimmerung ihrer Vorzustände im Bereich der BWS und LWS entwickelt haben.
Für die über die Erfahrungsdauer hinaus fortbestehenden Beschwerden bilden jedoch
lediglich die degenerativen Vorzustände eine nachvollziehbare Erklärung. Im Nacken-/
Schulterbereich, wo nicht von degenerativen Vorzuständen, sondern von einem
ungenügenden muskulären Konditionszustand auszugehen ist, scheint bereits fraglich,
inwiefern ein solcher durch Kontusion und/oder Zerrung verschlimmert werden konnte;
das Fortdauern der hier geklagten Beschwerden über die medizinisch zu erwartende
Heildauer hinaus, kann aber ebenfalls lediglich durch den ungenügenden muskulären
Vorzustand erklärbar gemacht werden. Damit sprechen die Tatsachen massgebend
gegen eine fortdauernde Unfallkausalität bzw. für die Schlussfolgerung von Dr. D._.
Daran vermag auch nichts zu ändern, dass in seiner Beurteilung ein konkreter Hinweis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
auf die medizinischen Erfahrungswerte für die Heildauer nach Kontusionen,
Verstauchungen und Prellungen fehlt. Folglich ist davon auszugehen, dass die durch
den Unfall bedingten Zerrungen und/oder Kontusionen spätestens im Zeitpunkt der
Leistungseinstellung am 6. Mai 2008 abgeheilt waren.
2.5 Auf Grund des Gesagten ist mithin nach Massgabe der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit im Zeitpunkt der Leistungseinstellung, d.h. rund zweieinhalb Jahre
nach den beiden Ereignissen vom 9. November und 27. Dezember 2005, von einem
Wegfall der Kontusions- und/oder Zerrungsfolgen als Ursache der noch geklagten
Beschwerden auszugehen. Eine Leistungspflicht wegen Unfallrestfolgen über den 6.
Mai 2008 hinaus lässt sich demzufolge nicht begründen.
3.
Obgleich nach Eintritt des Unfalls vom 9. November 2005 eine HWS-Distorsion im
Raum stand (UV-act. 23, 51 S. 6), ist vorliegend nicht weiter zu prüfen, ob bei der
Beschwerdeführerin von einem Schleudertrauma oder einer schleudertraumaähnlichen
Verletzung auszugehen ist. Zwar macht die Beschwerdeführerin Nacken- und
Kopfschmerzen geltend, diese traten jedoch erst ca. 7 - 10 Tage nach dem 9.
November 2005 (vgl. UV-act. 9, 22) und nicht wie gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung gefordert im Anschluss an den Unfall auf (vgl. u.a. Urteile vom 30.
Januar 2007 i/S T. [U 215/05] und vom 15. März 2007 i/S G. [U 258/06], wonach bei
einer HWS-Verletzung das typische Beschwerdebild mit einer Häufung von
Beschwerden nicht innerhalb von 24 bis höchstens 72 Stunden nach dem Unfall in
seiner umfassenden Ausprägung aufzutreten hat, sich in diesem Zeitraum aber
immerhin Beschwerden in der Halsregion oder an der HWS - bei einem Schädel-
Hirntrauma in Form von Kopfschmerzen - manifestieren müssen). Auch die übrigen, oft
in Zusammenhang mit Schleudertraumen oder schleudertraumaähnlichen Verletzungen
geltend gemachten typischen Beschwerden wie Schwindel, Konzentrationsstörungen,
Schwächegefühl und Gefühl von Lähmungen traten gemäss den Angaben der
Beschwerdeführerin erst 14 Tage nach dem Unfall bzw. sogar noch später auf (UV-act.
22, 51 S. 4 und 8). Im Übrigen führte Dr. D._ diese Beschwerden explizit auf
unfallfremde Faktoren zurück. So seien die degenerativen Veränderungen der BWS und
LWS und der ungenügende muskuläre Konditionszustand resp. mangelnde
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Trainingszustand auch vegetativ im Wesentlichen verantwortlich für die unspezifischen
vegetativen Beschwerden wie Orthostase-bedingter Schwankschwindel,
Schwächegefühl und Gefühl von Lähmungen, die Kephalgien, welche zu diskreten
Konzentrationsstörungen führten, eine Folge der Dysbalance im Schultergürtelbereich
und der Ligamentosen am cervicothorakalen Übergang (UV-act. 51 S. 7 f.). Damit zeigt
die Beschwerdeführerin zwar typische Beschwerden eines Schleudertraumas bzw.
einer schleudertraumaähnlichen Verletzung. Auf Grund deren Auftretens erst nach der
erforderlichen Latenzzeit sowie der ärztlichen Erklärung durch unfallfremde Ursachen,
liegt eine Verletzung in diesem Sinn dennoch klar nicht vor.
4.
Dem Begehren, es sei ein ergänzendes Gutachten einzuholen, ist nicht stattzugeben.
Da nicht anzunehmen ist, dass weitere medizinische Abklärungen für die Beurteilung
des vorliegend relevanten Sachverhalts neue Erkenntnisse bringen, kann darauf
verzichtet werden (antizipierte Beweiswürdigung vgl. BGE 131 I 153 E. 3 S. 157, 124
V 90 E. 4b S.94; Praxis 88/1999 Nr. 117 S. 636 ff.; SVR UV 1996 Nr. 62 E. 3 S. 212 f.).
5.
Zusammenfassend lässt sich der angefochtene Einspracheentscheid vom 17. März
2009 nicht beanstanden. Die dagegen erhobene Beschwerde ist im Sinn der
vorstehenden Erwägungen abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61
lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG