Decision ID: 462811fa-a3a6-5466-b837-3668cf1fddf4
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ wurde am 8. April 2015 zum Bezug von IV-Leistungen i.S.v. medizinischen
Massnahmen bzw. Hilfsmitteln angemeldet. Im entsprechenden Anmeldeformular liess
der Versicherte angeben, seit seiner Geburt an massiv durchhängenden Plattfüssen zu
leiden. Seit 2009 besitze er orthopädische Einlagen und seit 2014 besuche er
verschiedene Physiotherapien (IV-act. 1). Dr. med. B._, Fachärztin für Orthopädische
Chirurgie FMH, gab am 20. April 2015 die Ergebnisse der Konsultation bei der
Physiotherapeutin des Versicherten, Frau C._, wieder. Demnach trage der
Versicherte Einlagen und besuche regelmässig die Physiotherapie. Schmerzen
bestünden keine. Der Vater des Versicherten leide ebenfalls an Plattfüssen, welche
aufgrund einer durch eine Überlastung hervorgerufenen Längsruptur operiert worden
seien. Die Einlagen seien eher eine Symptombehandlung, weshalb dringend empfohlen
werde, die verkürzte Wadenmuskulatur zu dehnen und die Fussmuskulatur selbst zu
kräftigen sowie aufgrund der zusätzlichen Überlastung beim Sport eine dynamische
Sprunggelenkbandage Typ Helix zu tragen. Ein operativer Eingriff zu einem späteren
Zeitpunkt sei möglich, allerdings nur bei schmerzhaften Plattfüssen indiziert (IV-act.
10). Am 30. April 2015 berichtete Dr. B._, beim Versicherten bestünden seit
Gehbeginn ausgeprägte, flexible Plattfüsse beidseits mit einer massiven
Wadenmuskelverkürzung. Ein Geburtsgebrechen liege nicht vor. Der
Gesundheitszustand sei besserungsfähig. Durch medizinische Massnahmen könne die
Möglichkeit einer späteren Eingliederung ins Erwerbsleben wesentlich verbessert
werden könne. Der Versicherte benötige zur Verbesserung der Fussmuskelkraft und zur
Koordination eine Physiotherapie sowie zur Unterstützung des stark
zusammenfallenden Längsgewölbes Fussorthesen (IV-act. 7).
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A.b Am 3. September 2015 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung des
Gesuchs um eine Kostengutsprache für medizinische Massnahmen gemäss Art. 13 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (Ziff. 193 der Liste im Anhang zur
Verordnung über Geburtsgebrechen) in Aussicht. Zur Begründung führte sie aus, dass
es sich bei den Plattfüssen nicht um ein Geburtsgebrechen handle (IV-act. 13).
Nachdem der Versicherte gegen diesen Vorbescheid hatte Einwand erheben lassen (IV-
act. 16), liess er diesen innert erstreckter Frist am 23. Oktober 2015 unter Bezugnahme
auf die zugestellten Akten sowie eine telefonische Besprechung mit der IV-Stelle vom
25. September 2012 (in den Akten nicht vorhanden) zurückziehen (IV-act. 20). Am 30.
Oktober 2015 verfügte die IV-Stelle gemäss ihrem Vorbescheid, indem sie einen
Anspruch auf medizinische Massnahmen nach Art. 13 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (Ziff. 193 der Liste im Anhang zur Verordnung über
Geburtsgebrechen) mangels des Vorliegens eines Geburtsgebrechens abwies (IV-act.
21). Die Verfügung enthielt keinen Hinweis darauf, dass damit auch über den Anspruch
auf medizinische Massnahmen nach Art. 12 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung oder über das mit der Anmeldung am 8. April 2015 ebenfalls
gestellte Gesuch um Kostenübernahme für Hilfsmittel entschieden worden wäre.
B.
B.a Am 31. Oktober 2016 wurde erneut ein Leistungsgesuch für den Versicherten
eingereicht und die Zusprache eines Hilfsmittels (orthopädische Schuheinlagen)
beantragt (IV-act. 24). Am 29. September 2016 und auch am 20. Oktober 2016 hatte
Dr. B._ der IV-Stelle erklärt, der Plattfuss habe sich seit Gehbeginn manifestiert und
nicht verbessert. Das Leiden sei höchst wahrscheinlich familiär bedingt, da auch beim
Vater und bei der Grossmutter des Versicherten massive Plattfüsse bestünden. Eine
familiäre Bindegewebspathologie sei ebenfalls nicht ausgeschlossen. Der Versicherte
benötige, damit er schmerzfrei und normal gehen könne, eine orthopädische
Schuhzurichtung mit Fussbettung nach Mass zum Aufrichten der massiv fehlgestellten
Füsse. Zusätzlich werde er während des Sportunterrichts mit einer
Sprunggelenkbandage Typ Helix versorgt. Ohne die orthopädietechnische Versorgung
könne er nur kurze Strecken zurücklegen (IV-act. 22, 26).
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B.b Dr. med. D._ vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) nahm am 11. November
2016 zum Sachverhalt Stellung, indem er festhielt, die abweisende Verfügung vom 30.
Oktober 2015 sei korrekt gewesen, da beim Versicherten kein Geburtsgebrechen
vorliege, so dass kein Anspruch auf die Übernahme der Behandlungskosten durch die
IV bestehe. Weil daher die Fussbettung in Konfektionsschuhen keine notwendige
Ergänzung einer medizinischen Massnahme sein könne, falle sie nicht unter den
Hilfsmittelbegriff (IV-act. 31, vgl. auch IV-act. 32). Am 16. November 2016 stellte die IV-
Stelle dem Versicherten die Abweisung seines Leistungsbegehrens in Aussicht. Zur
Begründung gab sie die Einschätzung von Dr. D._ wieder (IV-act. 33). Der Versicherte
liess dagegen am 5. Dezember 2016 bzw. am 30. Januar 2017 sinngemäss einwenden,
die IV-Stelle hätte im Rahmen seiner erneuten Anmeldung auch einen Anspruch auf
medizinische Massnahmen erneut prüfen müssen. Weil er sich jedoch ohne die neuen
Schuheinlagen nicht uneingeschränkt bewegen könne, wöchentlich auf die
Physiotherapie angewiesen sei und in medizinischer Behandlung stehe, dienten die
Schuheinlagen der Fortbewegung und erfüllten als notwendige Ergänzung der
medizinischen Behandlung den Zweck der Eingliederung. Deshalb müssten die Kosten
für die Schuheinlagen durch die IV-Stelle übernommen werden (IV-act. 34, 38). Am 8.
Februar 2017 verfügte die IV-Stelle gemäss dem Vorbescheid und erklärte, dass die
Schuheinlagen ausschliesslich der Behandlung der Plattfüsse dienten, weshalb es sich
dabei ausschliesslich um ein Behandlungsgerät handle. Ausserdem seien die
medizinischen Massnahmen in der Vergangenheit abgelehnt worden (IV-act. 39).
C.
C.a Dagegen liess der Versicherte (nachfolgend Beschwerdeführer) am 13. März 2017
eine Beschwerde erheben. Er liess die Kostenübernahme für seine orthopädischen
Schuheinlagen und eventualiter die Rückweisung der Streitsache an die IV-Stelle
(nachfolgend Beschwerdegegnerin) beantragen. Zur Begründung liess er ausführen,
vorliegend habe eine erste, fehlerhafte Verfügung zu einer zweiten, rechtswidrigen
Verfügung geführt. Die Abweisung des ersten Leistungsgesuchs betreffend die
medizinischen Massnahmen sei rechtswidrig, weil die Beschwerdegegnerin und der
RAD seine Plattfüsse fälschlicherweise und ohne dass der massgebliche Sachverhalt
genügend abgeklärt gewesen wäre, nicht als Geburtsgebrechen anerkannt hätten. Dr.
B._ habe bereits im Jahr 2015 erklärt, dass er, der Versicherte, sowohl auf die
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Schuheinlagen als auch auf die Physiotherapie angewiesen sei. Gemäss dem Bericht
vom 29. September 2016 sei er ohne Physiotherapie und Hilfsmittel nicht mehr
schmerzfrei gehfähig und er könne nicht mehr uneingeschränkt an der Schule und
somit an der beruflichen Ausbildung teilnehmen. Die Beschwerdegegnerin sei deshalb
zu verpflichten, die rechtswidrige Verfügung wiedererwägungsweise aufzuheben und
einen Anspruch auf medizinische Massnahmen zu bejahen. Im Zweifel seien die
Schmerzen und die Auswirkungen derselben im Alltag durch einen unabhängigen
Experten zu untersuchen (act. G 1, 3). Der Beschwerdeführer reichte Verordnungen zur
Physiotherapie (G 1.1.5 f.) und einen Therapiebericht von E._, dipl.
Physiotherapeutin, vom 7. März 2017 ein. In letzterem war festgehalten worden, der
Versicherte habe Schmerzen im Bereich der Malleolen, Naviculare und Knie sowie
starke Schmerzen bei der Belastung ohne Schuheinlagen. Die Kraft sei in den tiefen
Aussenrotatoren der Hüfe, in der Muskulatur des Fussgewölbes und im Rücken
vermindert. E._ habe die Notwendigkeit der regelmässigen Behandlung des
Beschwerdeführers bestätigt (act. G 1.1.3).
C.b In ihrer Beschwerdeantwort vom 12. Mai 2017 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie aus, Streitgegenstand des
Beschwerdeverfahrens sei lediglich der Anspruch auf Hilfsmittel, weshalb auf die
Rügen, die sich gegen die bereits rechtskräftige Abweisung der medizinischen
Massnahmen richteten, nicht einzutreten sei. Das Vorliegen eines Geburtsgebrechens
sei damals zu Recht verneint worden, weil die entsprechende Diagnose nicht
spätestens innerhalb des ersten Altersjahres gestellt worden sei. Ausserdem diene die
Versorgung mit orthopädischen Schuheinlagen in erster Linie der Leidensbehandlung.
Weil also kein Anspruch auf medizinische Massnahmen habe bejaht werden können,
könnten die orthopädischen Schuheinlagen nicht als Hilfsmittel anerkannt werden, weil
sie keine notwendige Ergänzung der medizinischen Eingliederungsmassnahmen
darstellen könnten (act. G 5).
C.c Innert erstreckter Frist liess der Beschwerdeführer am 10. August 2017 eine Replik
einreichen und erklären, die Beschwerdegegnerin dürfe sich in ihrer Argumentation
betreffend die Korrektheit der angefochtenen Verfügung nicht auf die Verfügung vom
30. Oktober 2015 stützen, weil diese Verfügung falsch gewesen sei. Die Schuheinlagen
dienten der beruflichen Eingliederung, weil die Schule die zwingende Voraussetzung für
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den Beginn einer beruflichen Ausbildung sei. Ohne Schuheinlage habe er aber
Schmerzen und könne nicht am Schulunterricht, insbesondere nicht am Sportunterricht
als Teil des obligatorischen Unterrichts, an Ausflügen, Exkursionen und am Programm
"Beweg's" teilnehmen. Auch den Schulweg könnte er ohne Schuheinlagen nicht
meistern. Jugendliche mit einer Gehbehinderung infolge von Plattfüssen hätten es
schwer, sich nach der Schule beruflich einzugliedern, weil alle Berufszweige, die
stehende und gehende Tätigkeiten beinhalteten, ohne eine entsprechende Behandlung
der Plattfüsse nicht möglich seien. Ausserdem solle durch die heutige Behandlung der
Plattfüsse eine Invalidität und eine Operation der Füsse verhindern werden (act. G 9).

Erwägungen
1.
Gemäss Art. 13 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (SR
831.20; IVG) haben Versicherte bis zum vollendeten 20. Altersjahr einen Anspruch auf
die zur Behandlung von Geburtsgebrechen notwendigen medizinischen Massnahmen.
Als Geburtsgebrechen gelten diejenigen Krankheiten, die bei vollendeter Geburt
bestehen (Art. 3 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [SR 830.1; ATSG]). Der Bundesrat hat die Gebrechen
bezeichnet, für die medizinische Massnahmen gewährt werden. Die entsprechende
Liste bildet den Gegenstand der Verordnung über die Geburtsgebrechen (SR
831.232.21; GgV, vgl. dazu Art. 13 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [SR 831.20; IVG], Art. 3 der Verordnung über die
Invalidenversicherung [SR 831.201; IVV]). Gemäss Art. 1 Abs. 2 Satz 1 GgV sind die
anspruchsbegründenden Gebrechen im Anhang zu dieser Verfügung aufgelistet. Wird
das Vorliegen eines Geburtsgebrechens verneint, hat eine versicherte Person gemäss
Art. 12 Abs. 1 IVG bis zur Vollendung des 20. Lebensjahrs einen Anspruch auf jene
medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, sondern
unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich
gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor einer
wesentlichen Beeinträchtigung zu bewahren. Art. 21 IVG regelt den Anspruch auf
Hilfsmittel, womit gemäss Abs. 1 der Versicherte im Rahmen einer vom Bundesrat
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aufzustellenden Liste Anspruch auf jene Hilfsmittel hat, deren er für die Ausübung der
Erwerbstätigkeit oder der Tätigkeit im Aufgabenbereich, zur Erhaltung oder
Verbesserung der Erwerbsfähigkeit, für die Schulung, die Aus- und Weiterbildung oder
zum Zwecke der funktionellen Angewöhnung bedarf. Kosten für Zahnprothesen, Brillen
und Schuheinlagen werden dabei nur übernommen, wenn diese Hilfsmittel eine
wesentliche Ergänzung medizinischer Eingliederungsmassnahmen bilden.
Dementsprechend weist die die orthopädischen Schuheinlagen regelnde Ziffer 4.05*
der Liste im Anhang zur Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die
Invalidenversicherung (SR 831.232.51; HVI) die Einschränkung auf, dass solche
Einlagen nur abgegeben werden, wenn sie eine notwendige Ergänzung einer
medizinischen Eingliederungsmassnahme der Invalidenversicherung darstellen.
2.
2.1 Mit der angefochtenen Verfügung vom 8. Februar 2017 hat die
Beschwerdegegnerin den Anspruch des Beschwerdeführers auf die Kostenübernahme
für orthopädische Schuheinlagen als Hilfsmittel verneint und erklärt, diese könnten
keine Ergänzung der medizinischen Eingliederungsmassnahmen sein, weil solche mit
der Verfügung vom 30. Oktober 2015 verneint worden seien (IV-act. 21). Daraufhin hat
der Beschwerdeführer angeführt, die Verfügung vom 30. Oktober 2015 sei rechtswidrig
und durch die Beschwerdegegnerin wiedererwägungsweise aufzuheben und
dahingehend zu korrigieren, als sein Anspruch auf medizinische Massnahmen gestützt
auf Art. 12 und Art. 13 IVG zu bejahen sei. Daher könne sein Anspruch auf Hilfsmittel
bejaht werden (act. G 1, 9). Die Beschwerdegegnerin hält dagegen, dass der
Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens - abgesehen davon, dass die Verfügung
vom 30. Oktober 2015 korrekt gewesen sei - ausschliesslich die Abweisung des
Anspruchs auf Hilfsmittel sei (act. G 5). Gemäss der konstanten bundesgerichtlichen
Rechtsprechung kann die Verwaltung nicht verpflichtet werden, ein
Wiedererwägungsverfahren zu eröffnen. Es besteht also kein Anspruch auf die
Durchführung einer Wiedererwägung, weshalb ein solcher auch nicht gerichtlich
durchgesetzt werden kann (vgl. UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Auflage 2015, Art.
53 Rz 61 mit Hinweisen). Auf den Teil der Beschwerde, in dem der Beschwerdeführer
beantragt, dass die Beschwerdegegnerin anzuweisen sei, die formell rechtskräftige
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Verfügung vom 30. Oktober 2015 in Wiedererwägung zu ziehen, kann deshalb nicht
eingetreten werden.
2.2 Der Beschwerdeführer hat im Anmeldeformular am 26. Oktober 2016 ankreuzen
lassen, er wolle ein Hilfsmittel beantragen (act. G 24). Die im Rahmen des
Leistungsgesuchs eingereichten Berichte von Dr. B._ haben sich denn auch
ausschliesslich auf die Notwendigkeit der orthopädischen Schuheinlagen gerichtet (IV-
act. 22, 26). Gegenstand des Beschwerdeverfahrens ist somit einzig die Frage, ob es
sich bei den orthopädischen Schuheinlagen des Beschwerdeführers um Hilfsmittel
gemäss Art. 21 IVG bzw. Ziff. 4.05* der Liste im Anhang zur HVI handelt.
2.3 Weil der Beschwerdeführer wegen seiner schmerzhaften Plattfüsse Schuheinlagen
benötigt, muss aufgrund des Wortlauts des Art. 21 Abs. 1 IVG, der für die
Kostenübernahme von Schuheinlagen verlangt, dass diese Hilfsmittel eine wesentliche
Ergänzung medizinischer Eingliederungsmassnahmen bilden müssten, zunächst
feststehen, ob die Physiotherapie, die der Beschwerdeführer regelmässig besucht, als
medizinische Eingliederungsmassnahme der Invalidenversicherung zu qualifizieren ist.
Erst dann kann geprüft werden, ob der Beschwerdeführer die Schuheinlagen im Sinne
einer wesentlichen Ergänzung zu den medizinischen Eingliederungsmassnahmen
benötigt. Die Beschwerdegegnerin stellt sich auf den Standpunkt, sie habe die Frage
hinsichtlich der Qualifikation der Physiotherapie als medizinische
Eingliederungsmassnahme bereits mit der Verfügung vom 30. Oktober 2015
abschliessend beantwortet. Tatsächlich hat sie mit der Verfügung vom 30. Oktober
2015 jedoch nur die Frage beantwortet, ob ein Anspruch auf medizinische
Massnahmen gemäss Art. 13 IVG besteht. Sie hat nämlich ausschliesslich ausgeführt,
dass die Behandlung der Plattfüsse nicht übernommen werden könne, weil es sich
gemäss den medizinischen Unterlagen nicht um angeborene Plattfüsse handle und
ausserdem zurzeit weder eine Operation noch eine Gipsbehandlung notwendig sei (IV-
act. 21). Den Akten lassen sich keine Hinweise darauf entnehmen, dass sich die
Beschwerdegegnerin im Rahmen des Erlasses der Verfügung vom 30. Oktober 2015
mit der Frage auseinandergesetzt hätte, ob der Beschwerdeführer allenfalls einen
Anspruch auf medizinische Massnahmen gemäss Art. 12 IVG haben könnte (vgl. IV-act.
8, 11 f.). Gegenstand der Verfügung vom 30. Oktober 2015 ist somit ausschliesslich die
Abweisung des Anspruchs auf medizinische Massnahmen gemäss Art. 13 IVG
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gewesen. Ob der Beschwerdeführer allenfalls einen Anspruch auf medizinische
Massnahmen gestützt auf Art. 12 IVG hat, ist nicht geprüft und beurteilt worden. Der
massgebliche Sachverhalt zur Beantwortung der im Rahmen dieses
Beschwerdeverfahrens zentralen Frage, nämlich ob es sich bei den orthopädischen
Schuheinlagen um ein Hilfsmittel gemäss Art. 21 Abs. 1 IVG und Ziff. 4.05* der Liste im
Anhang zur HVI handelt, steht also nicht fest. Sollte nämlich ein Anspruch auf
medizinische Massnahmen gemäss Art. 12 IVG bestehen, können die orthopädischen
Schuheinlagen eine notwendige Ergänzung solcher Massnahmen sein. Die
angefochtene Verfügung vom 8. Februar 2017 ist somit verfrüht ergangen und als
rechtswidrig aufzuheben.
3.
Im Sinne eines obiter dictum sei angemerkt, dass im Rahmen der Prüfung des
Anspruchs auf medizinische Massnahmen gemäss Art. 12 IVG wohl davon auszugehen
sein wird, dass schmerzhafte Plattfüsse, die das Gehvermögen des Beschwerdeführers
beeinträchtigen, diesen in seiner schulischen Ausbildung und dann bei der beruflichen
Ausbildung (bzw. in der Wahl seines zukünftigen Berufs) deutlich einschränken dürften
und somit als relevante Beeinträchtigung im Sinne des Art. 12 Abs. 1 IVG zu betrachten
sein werden. Es dürfte also kein ernsthafter Zweifel daran bestehen, dass es sich bei
einer Physiotherapie - sofern sie geeignet ist, die Verminderung bzw. Aufhebung der
schmerzhaften Einschränkungen des Beschwerdeführers zu erzielen - um eine
medizinische Eingliederungsmassnahme gemäss Art. 12 IVG handelt. In diesem Fall
könnten die orthopädischen Schuheinlagen als Hilfsmittel nach Art. 21 Abs. 1 IVG
i.V.m. Ziff. 4.05* der Liste im Anhang zur HVI (oder allenfalls als Behandlungsgerät
qualifiziert und direkt gemäss Art. 12 IVG) übernommen werden.
4.
4.1 Zusammenfassend erweist sich im vorliegenden Fall der massgebliche Sachverhalt
als ungenügend abgeklärt. Die Verfügung vom 8. Februar 2017 ist also in Verletzung
der Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) ergangen und deshalb als rechtswidrig
aufzuheben. Da es nicht die Aufgabe des Versicherungsgerichtes sein kann, ein
Versäumnis hinsichtlich der ureigensten Aufgabe der Beschwerdegegnerin, nämlich der
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Sachverhaltsabklärung, nachzuholen, ist die Sache zur weiteren Abklärung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die Beschwerdegegnerin hat im Rahmen der
Prüfung des Anspruchs auf medizinische Massnahmen gemäss Art. 12 IVG in
Erfahrung zu bringen, wie sich der Zustand der Plattfüsse des Beschwerdeführers ohne
die Physiotherapie bisher entwickelt hätte und weiter entwickeln würde und ob sich die
unbehandelten Plattfüsse nachteilig auf die schulische Ausbildung und/oder auf die
Eingliederung in das Berufsleben ausgewirkt hätten und weiter auswirken würden.
Nachdem die Beschwerdegegnerin über den Anspruch auf medizinische Massnahmen
entschieden haben wird, wird sie abzuklären haben, ob die orthopädischen
Schuheinlagen als Ergänzung der medizinischen Eingliederungsmassnahmen
notwendig sind.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Die Rückweisung
der Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung an die Verwaltung ist als
volles Obsiegen des Beschwerdeführers zu werten (BGE 132 V 215 E. 6.2).
Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist
dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
4.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Auch hier gilt, dass eine Rückweisung zur
weiteren Abklärung als volles Obsiegen der beschwerdeführenden Partei zu betrachten
ist. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungs¬gericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat
keine Honorarnote eingereicht. Ein durchschnittlich aufwändiger IV-Rentenfall wird in
der Regel mit Fr. 3'500.-- entschädigt. Im hier zu beurteilenden Fall stellt sich nur eine
Rechtsfrage und das Aktendossier ist wenig umfangreich, sodass der Aufwand bis zur
nötigen Kenntnis des massgeblichen Sachverhalts verhältnismässig gering gewesen
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ist. Weil deshalb trotz des doppelten Schriftenwechsels insgesamt von einem
unterdurchschnittlichen Vertretungsaufwand auszugehen ist, erscheint eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer)
als angemessen.