Decision ID: 2ac1b6f9-ec60-556a-9c1f-f6810f2e91a0
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1972, meldete sich am 8. Januar 2001
unter Hinweis auf
eine Depression, Rücken-, Magen-, Kopf-, Schultern-, Nacken- und Bein
schmer
zen bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 11/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihr mit Ver
fü
gung vom 4. Mai 2001 bei einem Invaliditätsgrad von 100 % eine ganze Rente ab 1. April 2001 zu (Urk. 11/12).
Am 17. Juni 2003 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, der Rentenanspruch sei unverändert (Urk. 11/19).
Mit Verfügung vom 15. April 2008 teilte die IV-Stelle der Versicherten nach entsprechenden Abklärungen mit, dass der Rentenanspruch unverändert sei (Urk. 11/53).
Am 23. Oktober 2009 teilte die IV-Stelle der Versicherten wiederum mit, der Rentenanspruch sei unverändert (Urk. 11/65).
1.2
Nach Eingang eines am 24. Februar 2013 ausgefüllten Revisionsfragebogens (Urk. 11/84) holte die IV-Stelle unter anderem ein psychiatrisch-rheuma
tologi
sches Gutachten ein, das am 1. September 2014 erstattet wurde (Urk. 11/112 = Urk. 11/115/4-39). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren
(
Urk. 11/125
;
Urk. 11/126, Urk. 11/129, Urk. 11/137, Urk. 11/148 = Urk. 11/149, Urk. 11/160
)
hob die IV-Stelle mit Verfügung vom 7. Oktober 2016 die bisher ausgerichtete Rente auf (Urk. 11/161 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
8. November 2016
Beschwerde
gegen die Verfügung vom 7. Oktober 2016 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr weiterhin eine ganze Rente auszurichten (Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 15. Dezember 2016 (Urk. 10) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 19. Dezember 2016 zur Kenntnis gebracht (Urk. 12). Mit Replik vom 6. Februar 2017 (Urk. 13) reichte die Beschwerdeführerin daraufhin einen wei
teren Arztbericht (Urk. 14) ein.
Mit Gerichtsverfügung vom 9. März 2017 wurden antragsgemäss (vgl. Urk. 1 S. 2) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt und der Beschwerdegegnerin die Replik vom 6. Februar 2017 zugestellt (Urk. 15). Mit Schreiben vom 15. März 2017 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine Duplik (Urk. 16), was der Beschwerdeführerin am 16. März 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 17).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine
Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
windbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die ver
sicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. No
vember 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeits
markt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE
141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revi
sionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar.
1.4
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkom
mensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Recht
sprechung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 134 V 131 E. 3 und 133 V 108 E. 5.4 mit Hinweis). Nach der bundesgerichtlichen Rechtspre
chung ist eine Verfügung verzichtbar, wenn bei einer von Amtes wegen durch
geführten Revision keine leistungsbeeinflussende Änderung der Verhältnisse festgestellt wurde (
Art.
74
ter
lit. f
der Verordnung über die Invalidenversiche
rung, IVV
) und die bisherige Invalidenrente daher weiter ausgerichtet wird. Wird auf entsprechende Mitteilung hin keine Verfügung verlangt (
Art.
74
quater
IVV), ist jene in Bezug auf den Vergleichszeitpunkt einer (ordentlichen) rechts
kräftigen Verfügung gleichzustellen (Urteile des Bundesgerichts 9C_771/2009 vom 10. September 2010 E. 2.2 und 9C_586/2010 vom 15. Oktober 2010 E. 2.2 mit Hin
weisen).
1.5
Ändert sich der Grad der Invalidität eines Rentenbezügers oder einer Renten
bezü
gerin in einer für den Anspruch erheblichen Weise, so ist die Rente laut
Art.
17
Abs.
1 ATSG für die Zukunft entsprechend zu erhöhen, herabzuset
zen oder aufzuheben. Der Revisionsordnung gemäss
Art.
17 ATSG geht jedoch der Grundsatz vor, dass die Verwaltung befugt ist, jederzeit von Amtes wegen auf eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn diese zweifellos unrichtig und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (BGE 110 V 176 E. 2a;
Art.
53
Abs.
2 ATSG). Unter diesen Voraussetzungen kann die Verwal
tung eine Rentenverfügung auch dann abändern, wenn die Revisionsvoraus
setzungen des
Art.
17
Abs.
1 ATSG nicht erfüllt sind. Wird die zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen Rentenverfügung erst vom Gericht festgestellt, so kann es die auf
Art.
17
Abs.
1 ATSG gestützte Revisionsverfügung der Ver
waltung mit dieser Begründung schützen (BGE 125 V 368 E. 2 mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung lässt sich eine allgemein gültige betragliche Grenze für die Voraussetzung der Erheblichkeit der Berichtigung nicht festlegen. Mass
gebend sind vielmehr die gesamten Umstände des Einzelfalles. Bei periodischen Leistungen ist die Erheblichkeit der Berichtigung zu bejahen (BGE 119 V 475 E.
1c; Urteil des Bundesgerichts 9C_11/2008 vom 29. April 2008 E. 4.2 mit Hin
weisen
)
.
1.6
Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit - als Schranke für ein wieder
erwä
gungsweises Zurückkommen auf eine formell rechtskräftige Leistungs
zusprache - ist rechtsprechungsgemäss so zu handhaben, dass die Wiederer
wägung nicht zum Instrument einer voraussetzungslosen Neuprüfung von Dauerleistungen wird, zumal es nicht dem Sinn der Wiedererwägung ent
spricht, laufende Ansprüche zufolge nachträglicher besserer Einsicht der Durch
führungs
organe jederzeit einer Neubeurteilung zuführen zu können (Urteil des Bundesgerichts I 276/04 vom 2
8.
Juli 2005 E. 5.1).
Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel erfüllt, wenn eine Leistungszusprache aufgrund falsch oder unzutreffend verstandener Rechts
regeln erfolgt ist oder wenn massgebende Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden. Anders verhält es sich, wenn der Wiedererwägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen liegt, deren Beurteilung not
wendigerweise Ermessenszüge aufweist. Erscheint die Beurteilung einzelner Schritte bei
der Feststellung solcher
Anspruchs
voraussetzungen
(Invaliditätsbe
messung,
Arbeitsunfähigkeitsschätzung, Beweis
würdigung, Zumutbarkeitsfra
gen) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung darboten, als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus. Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss - derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung
-
denkbar (Urteil des Bundesgerichts 9C_837/2010 vom 3
0.
August 2011 E. 2.5.1).
Zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen Rentenverfügung kann (auch) bei unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhalts gegeben sein. Darunter fällt insbesondere eine unvollständige Sachverhaltsabklärung aufgrund einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes. Eine auf keiner nachvollziehbaren ärztlichen Einschätzung der massgeblichen Arbeitsfä
higkeit beruhende Invaliditätsbemessung ist nicht rechtskonform und die ent
sprechende Verfügung zweifellos unrichtig im wiedererwägungs-rechtlichen Sinne (Urteil des Bundesgerichts 9C_1014/2008 vom 1
4.
April 2009 E. 3.2.2).
Nicht entscheidend ist, ob die frühere Leistungszusprache unter Berücksichti
gung sämtlicher Teilaspekte richtig und angemessen war, sondern ob sie mit Blick auf die damalige Sach- und Rechtslage insgesamt als vertretbar erscheint (Urteil des Bundesgerichts 9C_575/2007 vom 1
8.
Oktober 2007 E. 3.3).
1.7
Im Regelfall ist eine medizinisch attestierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auf dem Weg der Selbsteingliederung zu verwerten. Nach langjährigem Renten
bezug können ausnahmsweise Erfordernisse des Arbeitsmarktes der Anrechnung einer medizinisch vorhandenen Leistungsfähigkeit und medizinisch möglichen Leistungsentfaltung entgegenstehen, wenn aus den Akten einwandfrei hervor
geht, dass die Verwertung eines bestimmten Leistungspotenzials ohne vorgän
gige Durchführung befähigender Massnahmen allein vermittels Eigenan
strengung der versicherten Person nicht möglich ist. Diese Rechtsprechung ist grundsätzlich auf Fälle zu beschränken, in denen die (revisions- oder wiederer
wägungsweise) Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente eine versi
cherte Person betrifft, welche das 55. Altersjahr zurückgelegt oder die Rente seit mehr als 15 Jahren bezogen hat. Die Übernahme der beiden Abgrenzungskrite
rien (vgl. lit. a
Abs.
4 der Schlussbestimmungen der Änderung vom 1
8.
März 2011 [
6.
IV-Revision, erstes Massnahmenpaket]) bedeutet nicht, dass die darun
ter fallenden Rentnerinnen und Rentner im jeweiligen revisions- (Art. 17 Abs. 1 ATSG) beziehungsweise gegebenenfalls wiedererwägungsrechtlichen (Art. 53 Abs. 2 ATSG) Kontext einen Besitzstandsanspruch geltend machen könnten; es wird ihnen lediglich zugestanden, dass
-
von Ausnahmen abgesehen
-
auf
grund des fortgeschrittenen Alters oder einer langen Rentendauer die Selbstein
gliederung nicht mehr zumutbar ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_39/2012 vom 24. April 2012 E. 5.1 mit Hinweisen; vgl. auch Urteile Bundesgerichts 8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.4 und 9C_412/2014 vom 20. Oktober 2014 E. 3.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom 7. Oktober 2016 (Urk. 2) gestützt auf das bidisziplinäre Gutachten vom 1. September 2014 (Urk. 11/112 = Urk. 11/115/4-39) von keiner Einschränkung der Arbeitsfähig
keit mehr aus (S. 2) und hob die Rente daraufhin auf.
In der Beschwerdeantwort vom 15. Dezember 2016 (Urk. 10) führte die Beschwer
degegnerin weiter aus, dass vorliegend kein Grund bestehe, am Gut
achten vom 1. September 2014 zu zweifeln (S. 1). Der Rentenanspruch werde vom behandelnden Psychiater mit dem Vorliegen einer Unmenge von psycho
sozialer Belastung begründet und auch in den im Rahmen des Beschwerdever
fahrens eingereichten Berichten würden diverse psychosoziale Belastungsfakto
ren beschrieben. Im Zusammenhang mit der Beurteilung des Rentenanspruchs seien derartige psychosoziale Belastungsfaktoren rechtsprechungsgemäss jedoch ausser Acht zu lassen (S. 2 oben). Im Übrigen sei entgegen den Ausführungen in der Beschwerdeschrift auch ein Revisionsgrund vorhanden. Im Vergleich zum Zeitpunkt der letzten auf einer umfassenden Prüfung des Rentenanspruchs beruhenden Verfügung vom 15. April 2008 sei eine klare Verbesserung des Gesundheitszustandes eingetreten. Dies zeige auch der Vergleich der anlässlich der aktuellen Begutachtung erhobenen objektiven Befunde mit den im Gutach
ten vom 23. November 2007 beschriebenen objektiven Befunden. Damit sei vorliegend eine wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen ein
getreten (S. 2 Mitte). Schliesslich wäre vorliegend die bisherige Rente auch dann aufzuheben, wenn kein Revisionsgrund ausgewiesen wäre. Sowohl die ursprüngliche Rentenzusprache im Jahr 2001 als auch die revisionsweise Bestä
tigung im Jahr 2008 seien zweifellos unrichtig gewesen. So habe die Rechtspre
chung betreffend psychosoziale Belastungsfaktoren bereits zum damaligen Zeit
punkt gegolten, was jedoch nicht beachtet worden sei (S. 2 unten).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin im Wesentlichen auf den Standpunkt (Urk. 1), die Rentenzusprache im Jahr 2008 sei ausschliesslich auf
grund der psychiatrischen Befunde und der Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode erfolgt. Der Invaliditätsgrad von 70 % habe sich daraus ergeben, dass sie vom psychiatrischen Gutachter aus rein psychiatrischer Sicht für körperlich leichte Tätigkeiten als 30 % arbeitsfähig eingeschätzt worden sei. Diese Diagnose und die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit seien bis heute unverändert geblieben, weshalb sie weiterhin Anspruch auf eine ganze IV-Rente habe. Dies ergebe sich einerseits aus den sich bereits in den IV-Akten befindli
chen Arztberichten ihres seit Oktober 2014 behandelnden Psychiaters Dr. Y._ und des Hausarztes Dr. Z._ sowie andererseits aus den im Beschwerde
verfahren neu eingereichten Arztberichten dieser beiden Ärzte sowie der A._ (S. 3 unten). Im Übrigen könne auf das psychiatrische Teilgutach
ten von Dr. B._ vom 1. September 2014 nicht abgestellt werden, da seine Beurteilung keine rechtsgenügende Grundlage für eine Rentenrevision bilde. So habe Dr. B._ die (bestrittene) Verbesserung weder im zeitlichen Verlauf noch im Ausmass objektiv nachvollziehbar schildern und begründen können (S. 5 f.). Die Beschwerdegegnerin vermöge ihre Behauptung, wonach eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestehe, auf keinerlei medizinische Akten zu stützen (S. 8 oben). Dr. Y._, Dr. Z._ und der psychiatrische Gutachter des C._ seien bereits im Jahr 2009 einhellig der gleichen Auffassung gewesen, dass nicht mehr mit einer Verbesserung des Gesundheitszustandes zu rechnen sei. Die von diversen Ärzten anamnestisch erhobenen Beschwerden seien seit 2007/8 bis heute unverändert geblieben (S. 8 Mitte f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die bisherige ganze Invali
denrente zu Recht wiedererwägungs- oder revisionsweise einstellte.
3.
Der
mit
Verfügung
vom 15. April 2008 (Urk. 11/53) weiterhin zugesprochenen ganzen Invalidenrente
lag zur Hauptsache
das interdisziplinäre Gutachten des C._ vom 23. November 2007 (Urk. 11/30) zu Grunde. Dr. med. D._, Dr. med. E._, Facharzt für Rheumatologie, sowie Dr. med. F._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nannten als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige depressive Episode (ICD
10 F32.1) mit ausgeprägter Somatisierung, deutlicher Symptomausweitung und rezidivierenden Panikattacken sowie ein chronisches zervikovertebrales Syndrom bei Wirbelsäulenfehlhaltung und -fehlform, muskulärer Dysbalance und sekundärer Schmerzausweitung mit unspezifischen panvertebralen Beschwer
den und intermittierend diffusen Arthralgien und Myalgien (S. 18 un
ten f.).
Zusammenfassend
leide
die
Beschwerdeführerin
seit 1995 an einer zurzeit mittel
gradig einzustufenden depressiven Episode mit einer im Verlauf deutli
chen Sympto
mausweitung, welche sich im psy
chiatrischen Bereich als rezidi
vierende Panikattacken und im somatischen Bereich als therapieresistentes generalisiertes Schmerzsyndrom mit Schwergew
icht im Lendenwirbelbereich äus
ser
e
. Erschwerend resp
ektive
unterstützend
würden
ausgeprägt
e psychoso
ziale Belastungsfakto
ren
bestehen
, welche sich sowohl auf die psychische Befindlichkeit wie auch auf die Schmerzproblematik auswirken
würden
. Als auslösendes Ereignis der psychischen Proble
me gebe die Explorandin die ver
schiedenen ausserehelichen Beziehungen ihres Ehemannes an, welche nach einer heimlichen Heirat des Ehemannes mit einer Cousine der
Beschwerde
führerin
schl
iesslich zu einer Trennung geführt habe
, woraufhin sich in der Folge Freunde und Bekannte von ihr zurückzogen
hätten
. Die psychosoziale Belastungssituation
habe
sich nach einem Gefängnisaufenthal
t des Ehemannes und der nachfol
genden Rückkehr zur
Beschwerdeführerin
z
uletzt noch akzen
tuiert.
Als weiteres Problem besteh
e
eine seit
zirka
1992 bestehende initial rezidivierende Schmerzproblematik, insbesondere im Rücken, Nacken- und Schulterbereich, wobei es
im Jahr
2000 aus unerklärlichen Gründen zu einer Exazerbation dieser Beschwerden gekommen
sei
. Analgetische und physiothera
peutische Massnahmen
hätten
zu keiner Besserung der Beschwerden
geführt (S. 19 unten).
Die Gutachter kamen in ihrer Gesamtbeurteilung zum Schluss, dass
die psychi
sche Problem
atik, insbe
sondere betreffend
die
Einschätzung der Arbeitsfähig
keit, deutlich im Vordergrund
stehe. Die
psychosoziale Situation
mit der genannten psychiatrischen Diagnose würden die Beschwerdeführerin
in ihrer Arbeitstätigkeit weitgehend ein
schränken
, wobei aktuell von einer Arbeitsfähig
keit von
zwei bis drei
Stunden am Tag für leichte körperliche Arbeiten
ausge
gangen werden könne. Die psychosoziale Belas
tungssituation
sei
sicherlich für die Aufrechterhaltung
respektive
allen
falls auch Verstärkung der De
pression verantwortlich und
lasse
zurzeit eine höhere Arbeitstätigkeit nicht zu. Aller
dings
sei
davon auszugeben, dass sich die psychosoziale Situation, insbesondere durch das
älter
werden der Kinder, in Zukunft wohl eher verbessern
werde
, wobei dann
in Abhängigkeit von der psychi
s
c
hen Situation der
Beschwerde
führerin
eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit durchaus realistisch
sei
. Eine Neu
evaluierung in
vier bis fünf
Jahren
sei
deshalb sicherlich ange
zeigt, insbeson
dere, da bei die
ser doch potenziell noch langjährig arbeitsfähigen
Beschwerde
führerin
ein Wiedereinstieg ins Berufsle
ben unbedingt anzustreben
sei (S. 20 oben)
.
Von einer langfristig negativen Auswirkung
der
psychosozialen Umstände
müsse
jedoch grundsätzlich nicht ausgegangen werden, da zumindest das Potenzial besteh
e
, dass sich diese in Zukunft verbessern könn
t
en, was wiederum zu einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit führen sollte. Diese Aussicht auf Verbesserung
sei
sicherlich nicht unrealistisch und deren Betonung sollte thera
peutisch genutzt werden, um den weiteren Krankheitsverlauf der
Beschwerde
führerin
günstig zu beeinflussen
(S. 20 Mitte)
.
Entsprechend erachteten die Gutachter die Beschwerdeführerin in ihrem ange
stammten Beruf mit letzter Tätigkeit in einer Weberei zurzeit als 30 % arbeits
fähig, wobei die Einschränkung sich insbesondere aufgrund der psychischen Situation ergebe. Bei adäquater Behandlung der psychischen Situation sei eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit von 50 bis 60 % im Verlauf nicht unrea
listisch (S. 20 unten). Diese Arbeitsfähigkeit von 30 % gelte zurzeit auch für eine Verweistätigkeit für leichte bis maximal mittelschwere Tätigkeiten in anderen Berufen, wobei hier Arbeiten mit Möglichkeit zur individuellen Wahl von Wechselpositionen und Einlegen von Kurzpausen zur Lockerung und Gym
nastikübungen vorzuziehen seien (S. 21 oben).
Weiter führten sie aus, zur Stabilisierung der jetzigen Situation sei dringend eine ambulante psychopharmakologische sowie psychotherapeutische Behand
lung zu empfehlen.
Bei der Nutzung vorhandener Ressourcen und entsprechend Verbesserung der psychischen Situation kö
nnte sich dies langfristig betreffend
Steigerung der Arbeitsfähigkeit positiv auswirken. Die muskuläre Dysbalance könnte korrigiert werden durch P
hysiotherapie, wobei das Schwer
gewicht auf aktive Massnahmen gelegt werden sollte. Das Erlernen und Umsetzen eines spe
z
i
fisch instruierten Rückengymnastikprogramms wäre sinnvoll. Aus medika
mentöser Sicht
sei
der Einsatz von nicht steroidalen Antirheumatika oder Opioiden wenig erfolgversprechend, dagegen wäre ein Versuch mit niedrig dosierten Antidepressiva (Typ Amitriptytin) aus rheumatologischer Sicht sinn
voll im Sinne einer Schmerzmodulation. Schliesslich sollte neben einer kogniti
ven Verhaltensschulung auch eine moderate medizinische Trainingstherapie begonnen werden, welche im Verlauf sukzessive gesteigert wird. Eine Steige
rung der Arbeitsfähigkeit
sei
durch diese Massnahmen allerdings nicht mit Sicherheit zu erwarten
(S. 21 Mitte)
.
4.
4.1
Im Rahmen der
nachfolgenden Rentenrevisionen
holte die Beschwerdegegnerin die folgenden medizinischen Berichte ein:
4.2
Dr. med. G._, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation und für Rheumatologie, nannte im Bericht vom 24. September 2008 (Urk. 11/61/3-4) als Diagnose ein generalisiertes Schmerzsyndrom, Fibromyalgie ähnlich, ein chronisches Panvertebralsyndrom mit muskulärer Dysbalance und beginnender Chondrose C4/5 und C5/6, eine depressive Verstimmung sowie einen Status nach Magenulcus 1993 und 2000 (S. 1). Hierzu führte er unter anderem aus, es bestehe ein generalisiertes Schmerzsyndrom, das einer Fibro
myalgie ähnlich sei. Im Zusammenhang mit den neurovegetativen Störungen und den Tender points bestehe weiterhin der Verdacht auf eine Fibromyalgie (S. 2 Mitte).
4.3
Dr. med. H._, Facharzt für Neurologie, führte im Bericht vom 24. Februar 2009 (Urk. 11/61/5-6) aus, wegen der kognitiven Funktionsstörun
gen, welche sich in erster Linie durch Vergesslichkeit bemerkbar machen wür
den, habe er ein EEG durchgeführt, welches nur leichte Allgemeinveränderung bei spannungsniedriger Hirntätigkeit gezeigt habe. Diese Veränderungen seien nicht relevant und auch nicht von grosser Bedeutung. Beim detaillierten Neu
rostatus sei nur eine seit acht Jahren bestehende Anisomie beidseits feststellbar gewesen bei ansonsten unauffälligen Befunden. Die Versicherte habe im Vor
dergrund keine neurologischen Beschwerden, die unbedingt angegangen werden müssten. Sie benötige weiterhin psychiatrische Betreuung.
4.4
Dr. med. Z._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, nannte im Bericht vom 30. Juni 2009 (Urk. 11/61/7-8) als Diagnosen ein generalisiertes Schmerzsyndrom, ein chronisches Panvertebralsyndrom mit muskulärer Dysba
lance sowie eine mittelschwere depressive Episode. Dazu führte er aus, die Beschwerdeführerin klage über generalisierte Schmerzen und über eine ausge
prägte Müdigkeit. Sie habe keine Zukunftsaussichten, sei lustlos, traurig, antriebslos und freudlos. Sie sei mit der Familiensituation überfordert. Sie sei selbstverantwortlich für ihre Kinder, welche in der Schule Mühe und ebenfalls Schwierigkeiten hätten eine Lehrstelle zu finden (S. 1).
Sie sei als Hilfsarbeiterin weiterhin zu 100 % arbeitsunfähig. Sie könne aus
serhalb des Hauses keiner Tätigkeit nachgehen. Sie fühle sich nicht einmal in der Lage ihren Haushalt selbständig zu erledigen. Sie klage immer wieder, dass sie nicht einmal von den grösseren Kindern Unterstützung habe und ebenfalls keine Mithilfe von Seiten des Ehemannes. Die Beschwerdeführerin sei bei Dr. Y._ in Behandlung. Sie sei kooperativ, leider könne er trotz regelmässiger Gesprächstherapie keine Verbesserung der Situation feststellen. Es bestehe wei
terhin eine ausgeprägte Lethargie und Antriebsstörung. Weiterhin würden die generalisierten Schmerzen bestehen. Weder die verschiedenen Analgetika noch die verschiedenen Antidepressiva würden eine Besserung bewirken, was zu einer gewissen Resignation der Beschwerdeführerin führe. Er persönlich rechne nicht mit einer Verbesserung der Situation (S. 2).
4.5
Dr.
med. Y._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte im Bericht vom 18. August 2009 (Urk. 11/62) die Diagnosen einer Depression mit Symptomauswirkung und Panikattacken sowie eines chronischen zervikover
tebralen Syndroms an und unter anderem aus, es bestehe seit der C._-Begut
achtung stets der gleiche Zustand. Die Beschwerdeführerin sei durch ihre Symptome weitgehend behindert, sie sei durch das Schmerzsyndrom paralysiert, freudlos, schaffe gerade noch einzukaufen. Ansonsten liege sie nur herum. Die Prognose sei nicht gut. Aus seiner Sicht sei nicht mehr mit einer Gesundheit zu rechnen. Sie sei psychisch derart fixiert auf ihre Symptome, dass diese sich durch nichts mehr beseitigen liessen.
Gestützt auf diese Berichte wurde am 23. Oktober 2009 eine unveränderte Rente mitgeteilt (Urk. 11/65).
4.6
4.6.1
Dr. med. I._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumatologie, sowie Dr. med. B._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nannten im bidisziplinären Gutachten vom 1. September 2014 (Urk. 11/112 = Urk.
11/115/4-39) keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 29 Ziff. 5 lit. a). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie eine rezidivierende depressive Episode, zurzeit leichten Grades (ICD-10 F33.1) und einen Verdacht auf eine anhaltende soma
toforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4).
4.6.2
Vorliegend lasse sich
gemäss des Widespread Pain Index Score (ACR 2010) eine Fibromyalgie
diagnostizieren
mit g
e
neralisierten Schmerzen im Bereich des Bewegungsapparates, welche nicht spezifisch auf die leichten
degenerativen
Veränderungen der unteren Halswirbelsäule sowie der Lendenwirbelsäule zurückzuführen und somit als syndromales Beschwerdebild zu interpretieren s
eien
. Es
sei
nicht anzunehmen, dass vor 22 Jahren die leichten degenerativen Veränderungen im Achsenskelett einen somatischen Kern dargestellt
hätten
, worauf sich eine Schmer
z
ausweitung sowie das Fibromyalgiesyndrom entwi
ckelt
hätten
. Es
sei
aus rheumatologischer Sicht davon auszugeben, dass die Hauptbeschwerdesymptomatik nicht im Somatischen lieg
e
und somit die psychiatrische Beurteilung massgeblich
sei (S. 23 Mitte)
.
4.6.3
Aus psychiatrischer Sicht führte Dr. B._ aus, b
ei der
Beschwerdeführerin
lieg
e
gemäss Aktenlage eine rezi
d
ivierende depressive Episode vor. Heute
müsse
dies
e
als leichtgradig eingestuft werden. Die
Beschwerdeführerin sei
leicht gedr
ü
ckter Stimmungslage, sie zeig
e
einen gewissen Interesseverlust und eine Freudlosigkeit, die affek
ti
ve Schwingungsfähigkeit
sei
nur teilweise e
i
nge
schrän
kt
, der Blick
sei
klar, die
Beschwerdeführerin
habe
einen ungestörten Antrieb, Gestik und Mimik
seien
unauffällig. Die Stimmlage
sei
ebenfalls klar und deutlich. Es
bestünden
keine Hinweise für eine affektiv bedingte psycho
motorische Hemmung oder Beeinträchtigung der Gest
i
k und Mimik. Auch die Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin
sei
während der Untersuchung ungestört. Es
bestünden
bei der Untersuchung, obwohl die
Beschwerdeführerin
die
s subjektiv bemerkt habe,
keine Hinweise für eine
deutliche
Erschöpfung oder Müdigkeit. Die
Beschwerdeführerin zeige
im Verlauf der Untersuchung eine Zunahme ihres
Widerstandes
, was mit einer zunehmenden Müdigkeit nicht erklärt werden
könne
, vielmehr mit einem zunehmenden pass
i
v-aggressiven Verhalten dem Referenten gegenüber. Die Angaben der
Beschwerdeführerin
seien
immer wieder inkonsistent
gewesen
und
hätten
nachgefragt
und aber auch wieder korrigiert werden
müssen.
Bei der
Beschwerdeführerin
zeig
e
sich kein deutlich vermindertes Selbstwertgefühl. Sie
habe
auch keine Schuldgefühle oder Gefühle der Wertlosigkeit. Sie
habe
deut
lich negative Zukunftsperspektiven. Suizidgedanken
habe
sie keine. Sie
berichte
nachvollziehbar über Sch
l
afstörungen, Gedankenkreisen und einen Rückzug. Die gesamte S
ti
mmungslage der
Beschwerdeführerin sei
mit ihrer Apathie, ihrer auch angeblich vorhandenen Unfähigkeit eine
Fernsehsendung
zu sehen, Radio zu hören oder sich zu unterhalten, nicht ganz in Übereinstimmung zu bringen. Insgesamt
müsse
vom Referenten festgehalten werden, dass die subjektiven Angaben der
Beschwerdeführerin
über ihre Beeinträchtigungen und die Schwere ihrer Symptomatik mit den objektiven Befunden in einer D
iskrepanz stünden
. Berücksichtigt der Referent die objektiven Befunde, den bisherigen Verlauf unter Berücksichtigung der Aggravationstendenz,
so müsse
festgestellt werden, dass die Depressivität leichten Grades
sei
. Hinsichtlich der Aggravation
müsse
festgestellt werden, dass die Explorandin dazu tendier
e
zumindest während der Untersuchung inkonsistente Angaben zu geben, die aber doch
hätten
geklärt
werden
können.
Die Gesprächs- und Beziehungsg
e
staltung aber
werde
immer wieder durch die Inkonsistenzen beeinflusst. Die Angaben der
Beschwerde
führerin
seien
häufig plakativ, wenig differenziert. Sie
gehe
davon aus, dass wenn sie
sage
, dass es schlimm
sei
, dies für den Referenten unbedingt auch so sein
müsse
. Die Angaben
seien
auch wechselhaft. Die bisherigen therapeuti
schen Massnahmen
hätten
keinen Erfolg
gezeigt
. Ein appellatives histrionisches Verhalten
habe
die
Beschwerdeführerin
nicht
gezeigt
. Es
würden
also Hinweise für eine Aggravation
bestehen
, die bei der Bemessung der quantitativen Au
s
prägung der depressiven Erkrankung
mitberücksichtigt werden müsse (S. 32 oben)
.
Es sei unmöglich, einen genauen Verlauf der depressiven Episoden nach
zuzeichnen und den Beginn der vorliegenden Verbesserung zurückzudatieren. In der Türkei sei die Beschwerdeführerin jedenfalls gemäss Aktenlage nicht in regelmässiger Behandlung gewesen und über die Compliance bezüglich der Medikamente sei nichts bekannt. Sicher sei einzig, dass der Hauptgrund der depressiven Episoden auch rückblickend mehrheitlich in der familiären Situa
tion zu suchen sei (S. 33 oben).
Es
würden diverse
psychiatrische Akten vor
liegen
, so die Berichte des die
Beschwerdeführerin
lange behandelnden Psychiaters, Herr
Dr.
med.
Y._
, dann das
C._-
Gutachten
aus dem Jahre 2007.
Der Referent
gehe
mit der Beurteilung einig, dass bei der
Beschwerdeführerin
eine anhaltend
e
somatoforme Schmerz
störung diagnostiziert werden
könne
. Da der Referent aber deutliche Hinweise auch für eine Aggravation
habe
feststellen
müssen
, und die F
oers
ter-Kriterien nicht vollumfänglich erfüllt
würden
,
sei
die anhaltend
e
somatoforme Schmerz
störung nur als Verdachtsdiagnose gestellt
worden
. Die Angaben der Exploran
din
seien
zu wenig
konsistent
und ihre subje
ktive Bewertung der Beschwerden
habe
sich in der objektiven Befunderhebung nicht wi
e
zu erwarten
gewesen
widerspiegelt
. Was die Depressivität
anbelange,
so
könne
der Referent auf Grund der erhobenen Befunde aktuell keine m
i
ttelgradige, sondern nur eine leichtgradige depressive Episode diagnostizieren
(S. 34 oben)
.
Aus rein psychiatrischer Sicht
besteh
e
bei der
Beschwerdeführerin
in Anbetracht der leichten depressiven Episode und dem Verda
cht auf eine anhaltende soma
toforme
Schmerzst
ö
rung keine Beeinträchtig
ung
der Arbeits- und Leistungsfä
higkeit. Die
Beschwerdeführerin könne
sich an Regeln und Routinen anpassen, sie
könne
planen und strukturieren. Sie
könne
einfache Routi
netätigkeiten durchführen.
Sie
sei
entsprechend flexibel und um
s
tellungsfähig
.
Die Anwen
dung fachlicher Kompetenzen
sei
möglich. Die
Beschwerdeführerin
sei in der En
tscheidungsfindung im Alltag nicht beeinträchtigt. Die Durchhaltefähigkeit, Selbstbehauptung, Kontakt- und Gruppenfähigkeit
sei
aus psychiatrisch-gut
achterlicher
Sicht
vorhanden. Die Frustrationstoleranz der Explorandin
sei
allerdings vermindert, auch
könne
sie die Gefühle
a
nderer nicht immer adäquat wahrnehmen. Die
Beschwerdeführerin
zeig
e
keine Beeinträchtigung der Auf
merksamkeit und Konzentration. Die affektive Belastbarkeit
sei
aus objektiver Sicht nicht begründet. Die meisten der angeführten funktionellen Beeinträchti
gungen
würden
aus subjektiver Sicht aber als erheblich beeinträchtigt beurteilt. Der Referent
müsse
unter Berücksichtigung der
objektiven
Befunde feststellen, dass bei der
Beschwerdeführerin
eine Katastrophisierung, eine
Selbstlimitierung
und Fixierung vorlieg
e
. Diese
sei
durch die jahrelange Berentung von aussen auch gestützt
worden
. Unter Berücksichtigung der zumutbaren Wi
ll
ensan
strengung, der vorhandenen psychischen Ressourcen, der funktionalen Ein
schränkungen und des Verlaufes im Längsschnitt und insbesondere der objektiv erhobenen Befunde,
müsse
festgestellt werden, dass bei der
Beschwerdeführerin
aus rein psychiatrischer Sicht
keine Beeinträchtigung
der Arbeits- und Leis
tungsfähigkeit vorlieg
e (S. 34 unten)
.
Zur Prognose führte der psychiatrische Gutachter unter anderem aus, dass diese
durch die Selbstlimitierung,
Fixierung
und Katastrophisierung als ernst zu beurteilen
sei
. Eine psychotherapeutische Behandlung
werde
keine weitere Ver
besserung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit mit sich bringen,
sei
aber zur Stab
ilisierung sicherlich notwendig (S. 34 unten).
4.6.4
Aus gesamtmedizinischer Sicht könne eine Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit ab Januar 2014 attestiert werden, wobei ausschlaggebend eine Verbesserung des psychiatrischen Zustandes im Vorder
grund stehe. Es könne eine leichte depressive Episode diagnostiziert werden, jedoch keine mittelschwere oder schwere Depression.
Aktuell könne aus psychiatrischer Sicht eine leichte depressive Episode diagnosti
ziert werden.
In der Vergangenheit
sei
es immer wieder zu depressiven Symptomen
gekommen
. Früher
sei
die
Beschwerdeführerin
auch zwischen mit
telgradig bis sogar schwer depressiv eingestuft
worden
. Dies
könne
heute nicht bestätigt werden. Die anhaltend
e
somatofo
r
me Schmerzstörung
sei
in Anbe
tracht der F
oe
rster-Kriterien, der Aggravationstendenz und der fehlenden medi
kamentösen Compliance, neu als Verdachtsdiagnose eingestuft. Unter Berück
sichtigung der zumutbaren Willensanstrengung der Ressourcen der
Beschwerde
führerin
, ihrer Flexibilität in der Lebensgestaltung, der geringen funktionellen Einschränkungen und der ebenso geringen objektiven Befunde,
müsse
festgestellt werden, dass sie für eine ihren körperlichen Beschwerden angepasste Tätigkeit aus rein psychiatrischer Sicht als zu 100
%
arbeitsfähig
zu beurteilen
sei
. Es
sei
der
Beschwerdeführerin
trotz der leichten depressiven Symptomatik zuzumuten, ganztägig zu arbeiten.
Es
könnten
keine klar begründbaren Aus
sagen über den Verlauf der Erkrankung und die vorliegende Verbesserung gemacht werden. Immerhin
sei die Beschwerdeführerin
im letzten Jahr gemäss Aktenlage nicht in
regelmässiger
Behandlung
gewesen
und über die Compliance betreffend Medikamenteneinnahme
würden
keine Unter
l
agen vor
liegen.
D
ie hauptsächlichen Belastungen
stünden
in Zusammenhang mit invaliditäts
fremden Faktoren betreffend den Ehemann und
die
familiäre Situa
tion
(S. 35 unten)
.
Aus rheumatolo
g
ischer
Sicht
könne
eine Widespre
a
d Pain Syndrom (Fibromyal
gie) diagnostiziert werden, welches aktuell mit deutlicher Schmerzpräsentation sowie funktione
ll
en und vegetativen Beschwerden gekennzeichnet
sei
. Im rheuma
tol
o
gischen Gutachten
im Jahr
2007
sei
dies noch nicht als Fibromyal
giesyndrom erkannt
worden
, wobei die funktionel
l
en und vegetativen Beschwerden bereits damals schon vorhanden gewesen
seien
. Das ergän
zend
e
psychiatrische Gutachten
habe
jedoch differentialdiagnostisch den
Ver
dacht auf eine
Fibromyalgie
genannt
, was aktuell bestätigt werden
könne
. Die leichten degenerativen Veränderungen der unteren Halswirbelsäule und der Lendenwirbelsäule
seien
nicht als ursächlicher Schmerzursprung im Sinne eines somatischen Kerns zu
interpretieren
und
würden
das Beschwerdebild aktuell sowie in früherer Zeit nicht zu erklären
vermögen
. Es
handle
sich um ein syn
dromales Beschwerdebild. Aus rheum
a
t
o
logischer und schmerzmedizinischer Sicht
bestehe
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für leichte und mittelschwere Tätigkeiten in einem Ganztagespensum
(S. 36 oben)
.
4.7
Dr. Y._ (vorstehend E. 4.5) führte mit Schreiben vom 9. März 2015 (Urk. 11/126) aus, die Beschwerdeführerin habe nach wie vor eine rezidi
vierende Depression und Schmerzen im Sinne der Fibromyalgie.
4.8
Dr. B._ (vorstehend E. 4.6) führte in der Stellungnahme zum psychiatri
schen Teilgutachten vom 9. August 2015 (Urk. 11/135) aus, um die Frage, ob sich vom Zeitpunkt der letzten Revision im Jahr 2008, bis zum Zeitpunkt der aktuellen Begutachtung der Gesundheitsschaden substanziell verbessert habe, müsste eine weit bessere Aktenlage als vorliegend vorhanden sein. Grund
sätzlich müsse festgestellt werden, dass mit grosser Wahrscheinlichkeit der Verlauf einer depressiven Episode schwankend sei. Heute müsse unter Berück
sichtigung der im Gutachten erhobenen Befunde festgehalten werden, dass mit grosser Wahrscheinlichkeit von einer substantiellen Verbesserung der Psycho
pathologie ausgegangen werden müsse. Ab wann und in welchem Ausmass sich die substantielle Verbesserung eingestellt habe, könne rückblickend nicht mit letzter Sicherheit festgestellt werden. Einerseits wegen des immer schwankenden Verlaufs der affektiven Erkrankung und andererseits aufgrund der Aktenlage. Für die Beurteilung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit und die Diagnose gelte der Untersuchungsbefund vom 22. August 2014.
4.9
Dr. Z._ (vorstehend E. 4.4) führte in seiner Stellungnahme vom 13. Oktober 2016 (Urk. 3/4) aus, er betreue die Beschwerdeführerin seit bald 20 Jahren. Er könne bestätigen, dass sich bei der Beschwerdeführerin in den letzten 20 Jahren leider absolut nichts verbessert habe. Sie klage immer über Schmerzen, keine Therapie habe gegriffen, ebenfalls kein antidepressives Medi
kament hätte Linderung der psychischen Beschwerden gebracht (S. 1). Er sei der einzige Arzt, der die Beschwerdeführerin über Jahre betreut habe und es sei auch ihm nicht gelungen, sie aus dieser chronischen Traurigkeit, Lustlosigkeit und dauerndem Schmerzempfinden herauszuhelfen (S. 2 oben).
4.10
Die Ärzte der A._, J._, nannten im Eintrittsbericht vom 17. Oktober 2016 (Urk. 3/5) als Diagnosen eine rezidi
vierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1) sowie einen Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD
10 F43.1). Der Grund für den Besuch im J._ sei die bal
dige Pensionierung des aktuellen ambulanten Behandlers Dr. Y._ (S. 1 unten). Bei der Beschwerdeführerin würden sich Beschwerden einer mittelgradig depressiven Episode bei einer bekannten rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10 F33.1), welche schon seit etwa 1988 bestehe, zeigen. Angesichts der traumatischen Ereignisse über die letzten Jahre könne zudem eine posttrauma
tische Belastungsstörung diskutiert werden. Diesbezüglich bedürfe es noch wei
terführender, diagnostischer Abklärung (S. 4 oben).
4.11
Dr. Y._ (vorstehend E. 4.3) führte im Bericht vom 22. Oktober 2016 (Urk. 3/3) im Wesentlichen nochmals aus, dass der psychopathologische Befund seit seinem Bericht vom 18. August 2009 nicht besser geworden sei.
4.12
Im Bericht vom 25. Januar 2017 (Urk. 14) führten die Ärzte der A._ nunmehr aus, dass gemäss Posttraumatic Diagnostic Scale (PDS) eine schwere posttraumatische Symptomatik vorliege und klinisch und diagnostisch eindeutig die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) vorliege (S. 4 oben). Weiter führten sie aus, die psychiatrische Komorbi
dität in Form der posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) führe zur Aufrechterhaltung der depressiven Störung bei der Beschwerdeführerin, was eine nachhaltig wirksame Behandlung bei ihr bis anhin deutlich erschwert habe. Die Komorbidität dieser beiden Störungen komme gemäss wissenschaftlicher Literatur gehäuft vor (S. 4 Mitte). Eine störungsspezifische Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung sei dringend indiziert, allerdings seien die Kapazitäten bei den entsprechend ausgebildeten und erfahrenen Therapeuten deutlich eingeschränkt. Die Beschwerdeführerin sei für eine solche Behandlung angemeldet und sei auf die Warteliste aufgenommen worden (S. 4 unten).
5.
5.1
Im Lichte der Sachlage und der massgebenden Rechtsprechung im Zeitpunkt der Rentenzusprechung ist
vorgängig
zu prüfen, ob die damalige Annahme einer
vollständigen Arbeitsunfähigkeit
und die daraus folgende Zusprache einer
gan
zen Invalidenrente
ab
April
200
1 respektive die revisionsweise Bestätigung mit Verfügung vom 15. April 2008
als zweife
llos unrichtig einzustufen sind
(
vgl.
vorstehend E. 1.
5-6
)
.
5.2
Die Beschwerdegegnerin bringt in der Beschwerdeantwort vom 15. Dezember 2016 (Urk. 10) unter anderem vor, dass die ursprüngliche Rentenzusprache im Jahr 2001 zweifellos unrichtig gewesen sei und begründet dies im Wesentlichen damit, dass die Rechtsprechung betreffend psychosoziale Belastungsfaktoren nicht beachtet worden sei (S. 2 unten f.). Bereits aus den damaligen Akten wür
den diverse Hinweise auf im Vordergrund stehende psychosoziale Belastungs
faktoren hervorgehen. Im der ursprünglichen Rentenzusprache zugrunde liegen
den ärztlichen Bericht von Dr. K._ vom 31. Dezember 2001 habe dieser eine reaktive Depression diagnostiziert und unter anderem festgehalten, dass die Beschwerdeführerin von ihrem Mann kurz vor der Geburt des vierten Kindes wegen einer anderen Frau verlassen worden sei. Inzwischen sei gerichtlich eine Trennung, jedoch noch keine Scheidung erfolgt. Der Mann habe mit der ande
ren Frau ebenfalls Kinder. Im Dezember 2000 habe er jedoch auf diese geschossen, weshalb er nun im Gefängnis sitze und keine Alimente mehr bezahle. Im der Rentenzusprache zugrunde liegenden Feststellungsblatt sei dies
bezüglich ausdrücklich festgehalten worden, eine Differenzierung zwischen den familiären Problemen sei schwierig. Dessen ungeachtet sei mit Verfügung vom 4. Mai 2001 die Zusprache einer ganzen Rente erfolgt. Die Beschwerdegegnerin stützte sich damals auf die Berichte von Dr. K._ ab, wobei namentlich die psychiatrische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit zur damaligen, hier strittigen Rentenzusprache führte.
Mit der gleichen Begründung erachtete die Beschwerdegegnerin auch die revi
sionsweise Bestätigung der Rente mit Verfügung vom 15. April 2008 als zwei
fellos unrichtig (vgl. Urk. 10 S. 3 Mitte). Sie stützte sich damals auf das C._-Gutachten vom
23. November 2007 (vgl. vorstehend E. 3) ab.
5.3
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkran
kungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszu
ständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invali
dität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokul
turellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitssc
haden gegeben (BGE 127 V 294 E.
5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend aus
wirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
5.4
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin wurden sowohl die Rente mit Verfü
gung vom 4. Mai 2001 (Urk. 11/12) als auch die revisionsweise Bestäti
gung mit Verfügung vom 15. April 2008 (Urk. 11/53) auf der Grundlage einer vertretbaren medizinischen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit zugesprochen, was vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage (vgl. vorstehend E. 5.3), wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung darboten, als vertretbar und nicht offensichtlich unrichtig erscheint.
So diagnostizierte Dr. K._ in seinen Berichten im Jahr 2001 (vgl. Urk. 11/2/6-7, Urk. 11/3) eine schwere Depression und führte dazu ent
sprechende Befunde auf. Die Beschwerdegegnerin bringt zu Recht vor, dass in den Ausführungen von Dr. K._ Hinweise auf familiäre Probleme vorhanden sind. Dass diese psychosozialen Faktoren neben der diagnostizierten schweren Depression überwiegen würden, lässt sich aus den Ausführungen von Dr. K._ entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin jedoch nicht ableiten. Angesichts der Schwere der depressiven Symptomatik
war die Annahme
eines psychischen Leidens mit Krankheitswert
vertretbar und nicht offensichtlich unrichtig,
so
dass diese eine langfristige Arbeitsunfähigkeit zu begründen vermag.
Eine offen
sichtliche Unrichtigkeit lässt sich überdies auch nicht einzig daraus ableiten, dass die Sachbearbeiterin im Feststellungsblatt vom 27. März 2001 (Urk. 11/5/2) ausführte, dass eine Differenzierung zwischen dem Gesundheitsschaden und den familiären Problemen schwierig sei.
Vor dem Hintergrund dieser (nach wie vor bestehenden) psychosozialen Situa
tion erweist sich auch die revisionsweise Bestätigung mit Verfügung vom 15. April 2008 (Urk. 11/53) nicht als offensichtlich unrichtig. So hielt der psychiatrische Gutachter des C._-Gutachtens vom 23. November 2007 (vgl. vorstehend E. 3) fest, dass die vorliegende psychosoziale Situation mit Ausbildung der genannten psychiatrischen Diagnosen die Beschwerdeführerin in ihrer Arbeitsfähigkeit weitgehend einschränken würden. Weiter hielt er fest, dass die Beschwerdeführerin unter den Zwangsmassnahmen der Familie zur Heirat mit körperlicher Gewalt zunehmend ein depressives Syndrom und Schmerzen entwickelt habe, die sich langsam auf den ganzen Köper ausbreiten und an Intensität zunehmen würden. Bei dem vorliegenden Krankheitsbild, unter Berücksichtigung des pathologischen Befundes und des Verlaufes der Erkrankung handle es sich um eine depressive Episode, die neben den typischen depressiven Symptomen eine starke körperliche Komponente (Schmerz) mit Ausweitung auf den ganzen Körper beinhalte. Mit anderen Worten stellte auch der psychiatrische Gutachter im Jahr 2007 - unter Berücksichtigung der psychosozialen Situation - eine psychische Störung mit Krankheitswert fest. Die Beschwerdegegnerin verkennt vorliegend, dass eine festgestellte psychische Erkrankung, welche eine andauernde und erhebliche Erwerbsunfähigkeit bewirkt, relevant und nicht deshalb invaliditätsfremd ist, weil sie auf psychoso
ziale Faktoren zurückgeführt werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_478/2007 vom 19. Juni 2008 E. 3.3.2
)
oder auch durch eine soziokulturelle Überforderung verursacht worden ist (
Urteil des Bundesgerichts I 501/98 vom 2. März 200 E. 1b)
.
Im Weiteren ist es nicht bundesrechtswidrig, wegen einer leichten bis mittel
gradi
gen depressiven Episode eine relevante Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit anzunehmen (Urteil des Bundesgerichts 9C_1041/2010 vom 30. März 2011). In einem anderen Fall hielt das Bundesgericht fest, dass eine mögliche Invalidität nicht bereits allein deshalb zu verneinen wäre, weil im gutachterli
chen Diagnose
katalog eine mittelgradige depressive Episode aufgeführt worden sei (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_980/2010 vom 20. Juni 2011 E. 5.3). Zwar werden nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung leicht- bis mittelgradige Episoden einer Depression und selbst mittelgradige depressive Episoden regel
mässig nicht als von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im Sinne eines verselbstständigten Gesundheitsschadens betrachtet, die es der betroffenen Person verunmöglichte, die Folgen der beste
henden Schmerzproblematik zu überwinden (Urteil des Bundesgerichts 8C_104/2014 vom 26. Juni 2014 E. 3.3.4 mit Hinweisen). Diese Rechtsprechung bezieht sich jedoch auf Sachverhalte, bei denen die depressive Symptomatik reaktiv und untrennbar mit einer Schmerzproblematik in Zusammenhang steht, die auf eine anhaltende somatoforme Schmerzstörungen (ICD-10 F45.4) oder andere pathogenetisch-ätiologisch unklare syndromale Beschwerdebilder ohne nachweisbare organische Grundlage (vgl. BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) zurückzu
führen sind.
Im Rahmen des bei psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen stets vorhande
nen Ermessensspielraums kann somit nicht gesagt werden, dass die Annahme einer 30%igen Arbeitsunfähigkeit aufgrund der Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode eine qualifiziert rechtsfehlerhafte Ermessensausübung dar
stellen würde.
5.5
Zusammenfassend steht
fest, dass weder eine Nichtanwendung von massgebli
chen Bestimmungen noch eine klare Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes in Form einer unrichtigen Feststellung oder Würdigung des Sachverhaltes vor
lag. Wie dargelegt weist die Beurteilung materieller Anspruchsvoraussetzungen gerade im Bereich der Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit und Beweiswürdi
gung notwendigerweise Ermessenszüge auf. Solange in diese
n
Fällen keine Missbräuchlichkeit oder eine anderweitige qualifizierte Fehlerhaftigkeit mit der Ermessensbetätigung einhergeht (Urteil des Bundesgerichts 9C_575/2007 vom 1
8.
Oktober 2007 E. 3.3), sondern diese - wie vorliegend – vertretbar ist, darf nicht auf eine zweifellose Unrichtigkeit geschlossen werden. Angesichts dieser Umständ
e ist der Rentenentscheid vom 4. Mai
20
01 respektive die revisions
weise Bestätigung vom 15. April 2008
nicht zweifellos unrichtig.
Die von der Beschwerdegegnerin mit Beschwerdeantwort vom 15. Dezember 2016 ange
dachte
wiedererwägungsweise Aufhebung der Leistungszusprache
erweist sich damit
als nicht gerechtfertigt.
6.
6.1
Es stellt sich des Weiteren die Frage, ob die
vorliegende
Rentenaufhebung gestützt auf
Art.
17 ATSG gerechtfertigt war. Zu vergleichen sind vorliegend die Verhältnisse im Zeitpunkt der
revisionsweisen Bestätigung mit
Verfügung vom
15. April
20
08
einerseits mit jenen im Zeitpunkt der hier strittigen Verfügung andererseits (vgl. vorstehend E. 1.
4
). Die Beschwerdegegnerin holte im Rahmen des Revisionsverfahrens
unter anderem
ein rheumatologisch-psychiatrisches Gutachten
ein
und hob die bisher ausgerichtete Rente schliesslich gestützt darauf auf
.
6.2
Vorliegend ist mit
der
Beschwerdeführer
in
davon auszugehen, dass
das von der Beschwerdegegnerin zur Beurteilung einer Veränderung des Gesundheitszu
standes eingeholte rheumatologisch-psychiatrische Gutachten vom
1. September 2014 (vorstehend E. 4.6)
weder in diagnostischer Hinsicht noch in Bezug auf den Grad der Arbeitsfähigkeit restlos zu überzeugen vermag. Wie sich nachfol
gend zeigt, erweisen sich dabei insbesondere die Ausführungen zum Problem
kreis der Aggravation/Inkonsistenzen vor dem Hintergrund der diagnostizierten anhaltenden somatoformen Schmerzstörung als wenig überzeugend (vgl. nach
folgend E. 6.3 f.). So hielt der psychiatrische Gutachter hinsichtlich Aggravation unter anderem fest, dass die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin über ihre Beeinträchtigungen und die Schwere der Symptomatik mit den objektiven Befunden in einer Diskrepanz stehen würden. Die Beschwerdeführerin tendiere dazu, zumindest während der Untersuchung inkonsistente Angaben zu geben, welche aber doch geklärt werden können. Die Gesprächs- und Beziehungsge
staltung werde immer wieder durch die Inkonsistenzen beeinflusst. Die Angaben der Beschwerdeführerin seien häufig plakativ, wenig differenziert und wechsel
haft. Der psychiatrische Gutachter führte schliesslich aus, die deutlichen Hin
weise auf eine Aggravation müssten bei der Bemessung der quantitativen Aus
prägung der depressiven Erkrankung mitberücksichtigt werden. Aufgrund dieser deutlichen Hinweise - sowie der nicht vollumfänglich erfüllten Foerster-Krite
rien - stellte er schliesslich die auch von ihm zunächst diagnostizierte anhal
tende somatoforme Schmerzstörung nur als Verdachtsdiagnose (vgl. vorstehend E. 4.6.3).
6.3
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung vermag eine auf Aggravation oder vergleichbaren Konstellationen beruhende Leistungseinschränkung eine versi
cherte Gesundheitsschädigung nicht leichthin auszuschliessen, sondern nur, wenn im Einzelfall Klarheit darüber besteht, dass nach plausibler ärztlicher Beurteilung die Anhaltspunkte auf eine klar als solche ausgewiesene Aggrava
tion eindeutig überwiegen und die Grenzen eines bloss verdeutlichenden Ver
haltens zweifellos überschritten sind, ohne dass das aggravatorische Verhalten auf eine verselbständigte, krankheitswertige psychische Störung zurückzuführen wäre (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_154/2016 vom 1
9.
Oktober 2016 E. 4.3 mit Verweis auf das Urteil 9C_899/2014 vom 2
9.
Juni 2015 E. 4.1 und E. 4.2.4 je mit Hinweisen). In gleichem Sinne hielt das Bundesgericht in einem anderen Urteil fest, dass die Grenzziehung zwischen einer anspruchsausschliessenden Aggravation und einer blossen Verdeutlichungstendenz heikel sei und die (unbewusste) Tendenz zur Schmerzausweitung und -verdeutlichung das Wesen von Schmerzstörungen und vergleichbaren Leiden gerade mitpräge, welche sich bekanntlich dadurch charakterisieren, dass für die geklagten Beschwerden kein ausreichendes organisches Korrelat gefunden werden kann. So dürfen auch die Besonderheiten des sozialversicherungsrechtlichen Abklärungsverfahrens nicht ausser Acht gelassen werden. Die versicherte Person, welche mit ihrer Anmel
dung bei der Invalidenversicherung die Zusprechung von Versicherungsleistun
gen bezwecke, werde vielfach (wenn auch nicht ausnahmslos) - bewusst oder unbewusst - ihre Beschwerden und Einschränkungen im Hinblick auf dieses Ziel präsentieren, ohne dass ihr allein deswegen unbesehen der Rentenanspruch versagt werden dürfe (vgl. Urteil des Bundesgericht 9C_899/2014 vom 2
9.
Juni 2015 E. 4.2.1).
In BGE 139 V 547 hielt das Bundesgericht in Erwägung 7.1.3 zudem fest, dass sämtlichen unklaren Beschwerdebildern gemeinsam sei, dass die Pathoge
nese
der Mechanismus, wie der Gesundheitsschaden entsteht - durch
wegs unbekannt oder zumindest ungesichert sei und die Wirkungsweise als solche wie auch ihre Intensität nicht pathogenetisch spezifizierbar seien. Hinzu komme, dass die Diagnose einer somatoformen Störung anhand der ICD-10 weitgehend auf Beobachtung des äusseren Störungsbildes und nicht auf krank
heitskonzeptioneller Einordnung beruhe; psychodynamische Zusammen
hänge seien in der Klassifikation ausgeklammert worden. Der Einblick in die Entste
hungsweise des Gesundheitsschadens fehle auch insoweit. Sei demzufolge zunächst dessen Bestand an sich ungesichert, so lasse sich eine Simulation weder feststellen noch ausschliessen. Sodann bedeute der Mangel an objekti
vierbarem Substrat, dass auch das Ausmass der mit dem versicherten Gesund
heitsschaden korrelierenden Funktions- und damit Leistungseinbusse dem direkten Beweis grundsätzlich entzogen bleibe; insoweit könne auch Aggrava
tion kaum je zuverlässig ausgeschlossen werden.
6.4
Die Einordung der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung als Verdachts
diagnose mit der (Teil-)Begründung des Vorliegens von Hinweisen auf Aggra
vation erscheint nach dem Gesagten als nicht überzeugend. Die diesbezüglichen gutachterlichen Feststellungen beziehen sich gerade auf
die inkonsistente Beschwerdeschilderung und Präsentation der somatischen Beschwer
den
(vgl. vor
stehend E. 6.2)
. Wie bereits dargelegt (vgl. vorstehend E.
6.3
), entspricht die Darbietung körperlicher Symptome bei weitgehend unauf
fälligen objekti
vier
baren Befunden gerade dem Wesensmerkmal von somato
formen Störungen (vgl. dazu Dilling/Mombour/Schmidt [Hrsg.], Internationale Klassifi
kation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V(F): Klinisch diagnostische Leitlinien, 9.
Aufl. 2014, S. 224 ff.).
Das vom psychiatrischen Gutachter festgestellte
aggravatorische Verhalten
lässt sich daher durchaus auch mit dem Vorliegen einer somatoformen Störung erklären (vgl. vorstehend E. 6.3). Bereits anlässlich der Begutachtung durch das C._ (vgl. vorstehend E. 3) zeigte die Beschwerdeführerin eine deutliche Symp
tomausweitung. Aus dem psychiatrischen Teilgutachten geht hierzu nicht nach
vollziehbar und plausibel hervor, weshalb nun von einer bewusst vorgetragenen Symptomausweitung ausgegangen werden müsse. Gravierende Diskrepanzen und Inkonsistenzen, welche darauf schliessen lassen würden, lassen sich aus dem psychiatrischen Teilgutachten nicht entnehmen. Schliesslich ist ebenfalls nicht ausser Acht zu lassen, dass in der Praxis auch Sprachbarrieren zu einer starken Verdeutlichung führen können (vgl. Jörg Jeger, Auswirkungen der neuen Rechtsprechung zu den psychosomatischen Krankheitsbildern auf die medizinische Begutachtung, in: Stephan Weber (Hrsg.), HAVE Personen-Scha
den-Forum 2016, Zürich/Basel/Genf 2016, 104 f.).
Die Ausführungen im psychiatrischen Teilgutachten zur Aggravation und den Inkonsistenzen wurden schliesslich nicht anhand konkreter Beispiele erläutert, blieben vage und allgemein gehalten, sind teilweise subjektiv geprägt („passiv-aggressives Verhalten dem Referenten gegenüber“, Urk. 11/112 S. 32 oben) und erscheinen insgesamt als wenig nachvollziehbar und überzeugend. In welchem Umfang der psychiatrische Gutachter schliesslich das aggravatorische Verhalten bei der Bemessung der quantitativen Ausprägung der depressiven Erkrankung mitberücksichtigte, kann seinen Ausführungen ebenfalls nicht entnommen wer
den. Angesichts der Ausführungen im psychiatrischen Teilgutachten kann schliesslich die Aussage der Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfü
gung (Urk. 2) „eine Aggravationstendenz sei nicht gegeben, er habe die Kundin falsch verstanden“ (S. 2 unten), überhaupt nicht gefolgt werden. Sofern damit Dr. B._ gemeint sein soll, so ist diese Aussage überhaupt nicht nachvoll
ziehbar. Denn die Aggravationsproblematik wurde vom psychiatrischen Gut
achter sowohl bei der Diagnosestellung als auch der Bemessung der quantitati
ven Ausprägung der depressiven Erkrankung berücksichtigt. Stellt sich die Beschwerdegegnerin nun auf den Standpunkt, dass eine Aggravationstendenz gar nicht gegeben sei, so erweist sich auch die Bezugnahme auf die psych
iatrisch-gutachterliche Beurteilung als untauglich.
6.5
Hinzu kommt, dass es bei den von den Gutachtern gestellten Diagnosen - aus somatischer Sicht - eines Widespread Pain Syndroms (Fibromyalgie) und - aus psychiatrischer Sicht - einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung um pathogenetisch-ätiologisch unklare syndromale Beschwerdebilder (BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) handelt,
welche unter Berücksichtigung des mit dem Leitent
scheid BGE 141 V 281 präzisierten strukturierten, normativen Prüfungsrasters zu beurteilen
sind
.
Dassel
be gilt in Bezug auf die in den Berichten der A._ (vgl. vorstehend E. 4.10 und E. 4.12) neu
gestellte
D
iagnose einer PTBS (vgl. BGE 142 V 342 E. 5.2).
Im
rheumatologisch-psychiatrische
n Gutachten
wurde die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit dagegen
noch mit Bezug auf die Kriterien zur damals geltenden Rechtsprechung (BGE 130 V 352, vgl. auch BGE 136 V 279 E. 3.2) vorgenom
men und
unter Berücksichtigung des aggravatorischen Verhaltens als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eingestuft (
vgl. vorstehend E. 4.6.2 und E. 4.6.3
). Wenngleich gemäss altem Verfahrensstandard eingeholte Gut
achten nicht per se ihren Beweiswert verlieren (BGE 137 V 210), erlaubt
das
vorliegende
psychiatrische Teilgutachten - welches selbst zu den bisherigen Kriterien kaum Bezug nimmt und entsprechende Informationen liefert -
keine schlüssige Beurteilung im Lichte der Indikatoren gemäss BGE 141 V 28
1.
Den angeführten Akten, insbesondere der gutachterlich-psychiatrischen Beurteilung, lassen sich nicht genügend Angaben entnehmen, um die Zuverlässigkeit der von ärztlicher Seite attestierten Arbeitsunfähigkeit beziehungsweise den Schweregrad und die Konsistenz der funktionellen Auswirkungen der psychi
schen Problematik aus rechtlicher Sicht beurteilen zu können.
Insbesondere zum funktionellen Schweregrad, namentlich in Bezug auf die Ausprägung der diag
noserelevanten Befunde, bei welcher die vorliegend fragliche Aggravations
problematik entsprechend ins Gewicht fällt und zu bewerten ist (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.1), die Gesamtbetrachtung und Wechselwirkungen zu sämtlichen begleitenden krankheitswertigen Störungen, so die Gesamtwirkung des Beschwerde
bildes für den Funktionsstatus und die Bedeutung der
depressiven Erkrankung
als potentiell ressourcenhemmender Faktor (BGE 141 V 281 E.
4.3.1.3), sowie in Bezug auf den Komplex der Persönlichkeit, wo besonders hohe Begründungsanforderungen bestehen (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.2), liefert das
psychiatrische Teilg
utachten keine hinreichend begründete Entscheidungs
grundlage. Schliesslich findet sich keine ausführliche Diskussion der Konsistenz, welche eine kritische Würdigung der Auswirkungen der geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit in allen vergleichbaren Lebensbereichen zulassen würde.
6.6
Schliesslich ist zur Beurteilung einer Veränderung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin ebenfalls zu berücksichtigen, dass die entsprechenden Untersuchungen, auf welche sich die Beschwerdegegnerin abstützt, im August 2014 durchgeführt wurden und damit mehr als zwei Jahre vor Erlass der ange
fochtenen Verfügung vom 7. Oktober 2016.
So machte die Beschwerdeführerin geltend, ihr psychischer Gesundheitszustand habe sich seit der Begutachtung und hinsichtlich der im Gutachten gezogenen Schlussfolgerungen erneut verschlechtert. Aus den beschwerdeweise einge
reichten medizinischen Berichten ergibt sich unter anderem, dass die Beschwer
deführerin aufgrund der baldigen Pensionierung neu im J._ der A._ in ambulanter Behandlung steht. Die Ärzte des J._ nannten im Bericht vom 17. Oktober 2016 (vgl. vorstehend E. 4.10) als Diagnosen eine mittelgradig depressive Episode bei einer bekannten rezidivierenden depressiven Störung. Angesichts der traumati
schen Ereignisse über die letzten Jahre kamen die Ärzte des J._ nach weiterführender diagnostischer Abklärung zum Schluss, dass eine schwere posttraumatische Symptomatik und klinisch und diagnostisch ein
deutig die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung vorliege. Dazu führten sie weiter aus, dass die psychiatrische Komorbidität in Form der post
traumatischen Belastungsstörung zur Aufrechterhaltung der depressiven Stö
rung führe, was eine nachhaltig wirksame Behandlung bis anhin deutlich erschwert habe. Die Komorbidität dieser beiden Störungen komme gemäss wissenschaftlicher Literatur gehäuft vor. Weiter sei eine störungsspezifische Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung dringend indiziert (vgl. vorstehend E. 4.12).
6.7
Selbst wenn aus den Berichten der A._ keine Angaben zur Arbeitsfähigkeit ersichtlich sind, so ergeben sich daraus - im Zusammenhang mit den weiteren nach der Begutachtung erstellten Berichten (vgl. vorstehend E. 4.7, E. 4.9, E. 4.11) - nicht unerhebliche Zweifel an der gutachterlichen Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Selbst unter der Annahme einer Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes im Zeit
punkt der Begutachtung könnte aufgrund der aktuellen medizinischen Berichte nicht ausgeschlossen werden, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwer
deführerin zwischen dem Zeitpunkt der Begutachtung im August 2014 und dem Zeitpunkt des Verfügungserlasses abermals verschlechtert hat. Vorliegend erscheint daher der Sachverhalt, welcher dem psychiatrisch-rheumatologischen Gutachten vom 1. September 2014 zugrunde liegt, den Umständen im Zeitpunkt des Verfügungserlasses nicht gerecht zu werden. Entsprechend kann auf das Gutachten auch aus diesem Grund nicht abgestellt werden.
6.8
Abschliessend ist zudem festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Renteneinstellung mit Verfügung vom 7. Oktober 2016 seit mehr als 15 Jahren eine Rente bezog und damit unter den vom Bundesgericht besonders geschützten Bezügerkreis fällt (vorstehend E. 1.7). So wird entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin (vgl. Urk. 11/124/7) z
ur Prüfung der Frage der zumut
baren Selbsteingliederung auf den Zeitpunkt der rentenaufhebenden Verfügung oder auf den darin verfügten Zeitpunkt der Rentenaufhebung abgestellt (BGE
141 V 5 E. 4). Denn bei Einleitung des Revisionsverfahrens ist der Ausgang der Überprüfung in aller Regel noch offen und die versicherte Person muss namentlich bei den periodisch durchgeführten Revisionen nicht von vorn
herein mit der Aufhebung ihrer Rente rechnen. Auch die Erstattung des medizinischen Gutachtens kann nicht als massgebend betrachtet werden, da zu diesem Zeit
punkt das Ergebnis der Rentenüberprüfung ebenfalls noch nicht abschliessend feststeht, weil bei der Ermittlung des Invaliditätsgrades noch weitere Faktoren mitspielen wie beispielsweise die Abklärungen zur Festlegung der anwendbaren Methode oder zu den beruflichen Einsatzmöglichkeiten. Mit Erlass der renten
aufhebenden Verfügung ist jedoch für die versicherte Person ohne Zweifel klar, dass ihr Rentenanspruch unsicher sei und sie sich neu orientieren müsse (BGE 141 V 5 E. 4.2.1).
Die Beschwerdeführerin hat in guten Treuen jahrelang eine ganze Invaliden
rente bezogen, ist seit 1996 keiner ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit mehr nachgegangen und verfügt über keine Berufsausbildung (vgl. Urk. 11/112 S. 18 Mitte). Sie kann somit nicht auf eine gefestigte und unter den heute herrschen
den
Verhältnissen aktualisierbare berufliche Erfahrung zurückgreifen, welche für die Selbsteingliederung nutzbar gemacht werden kann (Urteil des Bundes
gerichts 9C_768/2009 vom 1
0.
September 2010 E. 4.2). Damit liegt eine erhebli
che invaliditätsbedingte arbeitsmarktrechtliche Desintegration auf der Hand, so dass ihr die Selbsteingliederung selbst bei der Annahme einer durch die Gut
achter attestierten 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit nicht zumutbar erscheint. Weiter ist nicht ersichtlich, dass die Beschwerdegeg
nerin vor der Renteneinstellung die Frage der Zumutbarkeit der Selbstein
gliederung
überhaupt
geprüft oder der Beschwerdeführerin diesbezüglich Hilfe
leistungen angeboten hätte. Vielmehr hat sie von der Prüfung und dem Angebot beruflicher Massnahmen gänzlich abgesehen
.
Damit ist den bundesgerichtlich geforderten Voraussetzungen zur Aufhebung von langjährigen Renten nicht Genüge getan.
Zusammenfassend ergibt sich, dass
selbst bei der Annahme einer Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes
angesichts der vorliegenden Umstände eine allfällige Renteneinstellung oder Rentenherabsetzung so lange nicht in Frage kommt, als die Beschwerdegegnerin die Wiedereingliederung nicht aktiv gefördert und die Beschwerdeführerin nicht hinreichend auf die berufliche Ein
gliederung vorbereitet beziehungsweise diese sich nach durchgeführtem Mahn- und Bedenkzeitverfah
ren entsprechend geweigert hat. Die Sache wäre daher nur schon aus diesem Grund an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
7.
Die vorliegenden medizinischen Akten lassen nach dem Gesagten keine abschlies
sende Beurteilung über den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähig
keit
der
Beschwerdeführer
in
zu.
Insbesondere mangelt es vorliegend an einer nachvollziehbaren und umfassenden Auseinandersetzung, inwiefern sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der
revisionsweisen Bestäti
gung im Jahr 2008
verändert haben soll.
Angesichts der Diagnose einer anhal
tenden somatoformen Schmerzstörung sowie der neu diagnostizierten post
traumatischen Belastungsstörung fehlt es zudem an einer fundierten und umfassenden psychiatrischen Abklärung im Sinne der Rechtsprechung nach BGE 141 V 281, wobei insbesondere der Einfluss der depressiven Episode sowie der Anteil einer allfälligen Aggravation zu klären sein wird.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin kann somit bei
gegebener Akten- und Rechtslage nicht abschliessend auf eine Verbesserung des Gesundheitszu
standes seit
der revisionsweisen Bestätigung mit
Verfügung vom
15. April
20
08
geschlossen werden.
Die angefochtene Verfügung vom 7. Oktober 2016 ist folg
lich aufzuheben und die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen und Durchführung von Eingliederungsmassnahmen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen und es ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente hat.
8.
8.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69 Abs.
1
bis
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG) und auf Fr.
900
.-- anzusetzen und, da die Rückweisung an die Verwaltung nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsiegen gilt (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts U 199/02 vom 1
0.
Februar 2004 E. 6, mit Hinweis auf BGE 110 V 57 E. 3a; SVR 1999 IV Nr.
10 S. 28 E. 3), ausgangsgemäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).
8.2
Rechtsanwältin Dr. Kathrin Hässig
machte mit
Eingabe vom
4. April 2017
einen
Aufwand von
19.7 Stunden und Fr. 257.20
Barauslagen (Urk.
19
)
geltend, was angesichts der Bedeutung, des Umfangs und der Schwierigkeit der Streitsache zwar als an der oberen Grenze des noch angemessenen erscheint. Dennoch erweist sich dieser hinsichtlich der Komplexität und den getätigten zusätzlichen Abklärungen insbesondere in medizinischer Hinsicht, im konkreten Fall als gerade noch angemessen und nicht überhöht.
Die Entschädigung beläuft sich unter Berücksichtigung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 220.-- auf Fr. 4‘958.50 (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer).