Decision ID: 4989e3f9-1e9b-428b-8d9e-d78d36843a03
Year: 2018
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Am 14. Dezember 2017 hielt die Zentrale des Grenzwachtkorps Ost in Z./SG
A. an, welcher in einem VW Sharan mit Zürcher Kontrollschildern aus Öster-
reich kommend am Grenzübergang 2‘190 Hanfsetzlinge in die Schweiz
transportierte. Im Kofferraum des Fahrzeugs wurde auch eine Wärmeglüh-
lampe der Marke Sunmaster (Grow Lamp) von 600 Watt Lumenstärke ge-
funden, wie sie üblicherweise für die Aufzucht von Hanfpflanzen benutzt
wird. Die Schnellanalyse ergab, dass es sich bei den Setzlingen nicht, wie
von A. behauptet, um CBD-Pflanzen, sondern um Drogenhanf handelte. A.
befindet sich seither in Untersuchungshaft im Kanton St. Gallen.
B. Das Untersuchungsamt Altstätten ordnete in der Folge u.a. eine Hausdurch-
suchung am Wohnort des Beschuldigten sowie dessen Lebensgefährtin B.,
beide in Zürich, und der von A. gemieteten Liegenschaft in Y./ZH an. Mit der
Durchführung wurde rechtshilfeweise die Kantonspolizei Zürich beauftragt,
z.T. unter Mitwirkung der Kantonspolizei St. Gallen. Am Wohnort des Be-
schuldigten wurden Aktenordner mit Buchhaltungsunterlagen, Rechnungen
und Belege für Einkäufe von Geräten, Gegenständen und Pflanzen für die
Indoor-Anlage sichergestellt. In dem vom Beschuldigten angemieteten Ge-
bäude in Y./ZH wurde eine komplett eingerichtete Indoor-Anlage mit 3‘349
Setzlingen und 66 ausgewachsenen Pflanzen sowie säckeweise getrockne-
tes Marihuana zum Zweck des Verkaufs und Vermittelns vorgefunden.
C. Gestützt auf die bisherigen Erkenntnisse soll A. mutmasslich seit 2012, ei-
genen Angaben zufolge seit 2014, in der Stadt Zürich und Umgebung in pro-
fessionellem Umfang Hanfpflanzen anbauen und mit diesen sowie dem dar-
aus gewonnen Marihuana Handel betreiben. Das Untersuchungsrichteramt
vermutet, dass die in Z./SG eingeführten 2‘190 Stecklinge ebenfalls in Y./ZH
aufgezogen werden sollten zum Zweck späteren Verkaufs in der Stadt Zürich
und Umgebung.
D. B. wurde im Nachgang zur Hausdurchsuchung bei der Staatsanwaltschaft
Zürich-Sihl angezeigt. Die Staatsanwaltschaft in Altstätten lehnte das Über-
nahmebegehren der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 21. Dezember 2017
am 29. Dezember 2017 ab. Zur Begründung führte sie aus, dass sie betref-
fend A. die Zuständigkeit des Kantons Zürich für gegeben erachte und ein
entsprechendes Gesuch gestellt habe (s. nachfolgend).
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E. Das Untersuchungsamt Altstätten ersuchte die Oberstaatsanwaltschaft des
Kantons Zürich am 11. Januar 2018 um Verfahrensübernahme durch den
Kanton Zürich. Die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl lehnte dies am 18. Ja-
nuar 2018 ab. Mit Schreiben vom 26. Januar 2018 wiederholte das Untersu-
chungsamt Altstätten sein Ersuchen, welches am 1. Februar 2018 durch die
Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich abgelehnt wurde.
F. Mit Eingabe vom 7. Februar 2018 gelangt das Untersuchungsamt Altstätten
an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts mit dem Gesuch, es sei
der Kanton Zürich zur weiteren Verfolgung und zur Beurteilung der A. zu
Lasten gelegten Handlungen für berechtigt und verpflichtet zu erklären
(act. 1).
Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich beantragt mit ihrem Antwort-
schreiben vom 9. Februar 2018, eingegangen am 13. Februar 2018, die Ab-
weisung des Gesuchs (act. 3), worüber das Untersuchungsamt Altstätten mit
Schreiben vom 13. Februar 2018 in Kenntnis gesetzt wurde (act. 4).
Auf die Ausführungen der Parteien sowie die eingereichten Akten wird, so-
weit erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen Bezug genommen.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Die Strafbehörden prüfen ihre Zuständigkeit von Amtes wegen und leiten ei-
nen Fall wenn nötig der zuständigen Stelle weiter (Art. 39 Abs. 1 StPO). Er-
scheinen mehrere Strafbehörden als örtlich zuständig, so informieren sich
die beteiligten Staatsanwaltschaften unverzüglich über die wesentlichen Ele-
mente des Falles und bemühen sich um eine möglichst rasche Einigung
(Art. 39 Abs. 2 StPO). Können sich die Strafverfolgungsbehörden verschie-
dener Kantone über den Gerichtsstand nicht einigen, so unterbreitet die
Staatsanwaltschaft des Kantons, der zuerst mit der Sache befasst war, die
Frage unverzüglich, in jedem Fall vor der Anklageerhebung, der Beschwer-
dekammer des Bundesstrafgerichts zum Entscheid (Art. 40 Abs. 2 StPO
i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG). Hinsichtlich der Frist, innerhalb welcher die er-
suchende Behörde ihr Gesuch einzureichen hat, ist im Normalfall die Frist
von zehn Tagen gemäss Art. 396 Abs. 1 StPO analog anzuwenden (vgl.
hierzu u. a. TPF 2011 94 E. 2.2 S. 96). Die Behörden, welche berechtigt sind,
- 4 -
ihren Kanton im Meinungsaustausch und im Verfahren vor der Beschwerde-
kammer zu vertreten, bestimmen sich nach dem jeweiligen kantonalen Recht
(Art. 14 Abs. 4 StPO).
1.2 Das Untersuchungsamt Altstätten ist berechtigt, den Gesuchsteller bei inter-
kantonalen Gerichtsstandskonflikten vor der Beschwerdekammer zu vertre-
ten (Art. 24 des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Straf- und Ju-
gendstrafprozessordnung des Kantons St. Gallen vom 3. August 2010 [EG-
StPO/SG; sGS 962.1]). Auf Seiten des Gesuchsgegners steht diese Befug-
nis der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich zu (§ 107 Abs. 1 lit. b
des Gesetzes über die Gerichts- und Behördenorganisation im Zivil- und
Strafprozess des Kantons Zürich vom 10. Mai 2010 [GOG/ZH; LS 211.1]).
2.
2.1 Für die Verfolgung und Beurteilung einer Straftat sind die Behörden des Or-
tes zuständig, an dem die Tat verübt worden ist (Art. 31 Abs. 1 Satz 1 StPO).
Ist die Straftat an mehreren Orten verübt worden, so sind die Behörden des
Ortes zuständig, an dem zuerst Verfolgungshandlungen vorgenommen wor-
den sind (sog. forum praeventionis; Art. 31 Abs. 2 StPO).
Hat eine beschuldigte Person mehrere Straftaten an verschiedenen Orten
verübt, so sind für die Verfolgung und Beurteilung sämtlicher Taten die Be-
hörden des Ortes zuständig, an dem die mit der schwersten Strafe bedrohte
Tat begangen worden ist. Bei gleicher Strafdrohung sind die Behörden des
Ortes zuständig, an dem zuerst Verfolgungshandlungen vorgenommen wor-
den sind (Art. 34 Abs. 1 StPO).
2.2 Bei den in Art. 19 Abs. 1 BetmG umschriebenen verschiedenen Tathandlun-
gen handelt es sich zwar jeweils um selbständige Tathandlungen (BGE 137
IV 33 E. 2.1.3 mit Hinweis, Urteil des Bundesgerichts 6B_518/2014 vom
4. Dezember 2014 E. 10.4.3; GUSTAV HUG-BEELI, Betäubungsmittelgesetz
[BetmG] Kommentar, 2016, Art. 19 N. 9). Die einzelnen Tathandlungen von
Art. 19 Abs. 1 BetmG stellen indes verschiedene Entwicklungsstufen dersel-
ben deliktischen Tätigkeit dar. Für einen Schuldspruch genügt es daher,
wenn von mehreren tatbestandsmässigen Handlungen, die sich jeweils auf
die gleiche individualisierte Drogenart und -menge beziehen, eine Handlung
tatsächlich erwiesen ist (HUG-BEELI, a.a.O., N. 13). Gemäss der Lehre und
Rechtsprechung hat lediglich ein Schuldspruch wegen Verkaufs zu erfolgen,
wenn ein Täter zum Beispiel Betäubungsmittel im Ausland erwirbt, an-
schliessend in die Schweiz einführt und dort – wie von Anfang an geplant –
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an Konsumenten veräussert (s. Urteil des Bundesgerichts 6B_518/2014 vom
4. Dezember 2014 E. 10.4.3).
2.3 Bei Gewerbsmässigkeit ist von einer juristischen Handlungseinheit auszuge-
hen: Mehrere, an sich selbständig strafbare Handlungen werden im Sinne
einer natürlichen Handlungsmehrheit durch ihre gesetzliche Umschreibung
im Tatbestand (gewerbsmässiges oder bandenmässiges Delikt oder Dauer-
delikt) zu einer rechtlichen oder juristischen Handlungseinheit verschmolzen,
die auch als Kollektivdelikt bezeichnet wird. Diese rechtliche Einheit besteht
objektiv in gleich gelagerten Handlungen, die gegen das gleiche Rechtsgut
gerichtet sind, an verschiedenen Orten begangen werden können, in einem
zeitlichen Zusammenhang stehen und subjektiv auf einem alle Handlungen
umfassenden Entschluss bzw. einem Gesamtvorsatz beruhen (BGE 118 IV
91 E. 4c, 77 IV 7 E. 3; vgl. auch Entscheide des Bundesstrafgerichts
BG.2010.14 vom 20. September 2010 E. 2.2; BG.2008.1 vom 28. Ja-
nuar 2008 E. 4.4; BG.2007.3 vom 15. Februar 2007 E. 2.1; SCHWERI/BÄNZI-
GER, Interkantonale Gerichtsstandsbestimmungen in Strafsachen, 2. Aufl.
2004, N. 83). Alle dem Täter unter dem Titel des gewerbsmässigen Delikts
zur Last gelegten Verfehlungen sind gleich zu behandeln und haben als mit
der gleichen Strafe bedroht zu gelten. Gemäss Art. 33 Abs. 2 und Art. 34
Abs. 1 Satz 2 StPO sind in einem solchen Fall die Behörden jenes Ortes zur
Verfolgung zuständig, wo die Untersuchung zuerst angehoben wurde (Ent-
scheid des Bundesstrafgerichts BG.2010.6 vom 6. Juli 2010 E. 3.2, mit Hin-
weis auf BGE 112 IV 61 E. 1 S. 63; vgl. auch MOSER/SCHLAPBACH, Basler
Kommentar, 2. Aufl. 2014, Art. 34 StPO N. 4).
2.4 Die Beurteilung der Gerichtsstandsfrage richtet sich nach der aktuellen Ver-
dachtslage. Massgeblich ist nicht, was dem Beschuldigten letztlich nachge-
wiesen werden kann, sondern der Tatbestand, der Gegenstand der Unter-
suchung bildet, es sei denn, dieser erweise sich von vornherein als haltlos
oder sei sicher ausgeschlossen. Der Gerichtsstand bestimmt sich also nicht
nach dem, was der Täter begangen hat, sondern nach dem, was ihm vorge-
worfen wird, das heisst, was aufgrund der Aktenlage überhaupt in Frage
kommt. Dabei stützt sich die Beschwerdekammer auf Fakten, nicht auf Hy-
pothesen (vgl. hierzu den Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2015.47
vom 1. März 2016 E. 2.3 m.w.H.). Es gilt der Grundsatz in dubio pro duriore,
wonach im Zweifelsfall auf den für den Beschuldigten ungünstigeren Sach-
verhalt abzustellen bzw. das schwerere Delikt anzunehmen ist (vgl. zum
Ganzen zuletzt auch den Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2016.28
vom 25. Oktober 2016 E. 2.2 m.w.H.).
- 6 -
2.5 Im Hauptpunkt macht der Gesuchsteller geltend, es würden triftige Gründe
für ein Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand vorliegen. So stehe ei-
nem jahrelangen, gewerbsmässigen Anbau, Besitz, Vermitteln von sowie
Handel mit Cannabis und Marihuana ausschliesslich im Kanton Zürich eine
einzige Tathandlung (Einfuhr von 2‘190 neuen Hanfstecklingen) im Kanton
St. Gallen gegenüber, und auch dieser Transport hätte nach Zürich führen
sollen. Es sei ein reiner Zufall gewesen, dass der Beschuldigte am 14. De-
zember 2017 am Grenzübergang Z./SG angehalten und kontrolliert worden
sei. Es könne nicht sein, dass eine Staatanwaltschaft, in deren örtlichem Zu-
ständigkeitsgebiet sämtliche Grenzübergänge von und nach Osten lägen,
gezwungen sei, alle Straftaten, die während einer Grenzkontrolle ans Licht
kommen würden, weiterzuführen, wenn ganz klar sämtliche bisherigen Tat-
handlungen, und dies während mehreren Jahren, in einem anderen Kanton
begangen worden sei. Und es gehe nicht an, eine Staatsanwaltschaft dafür
zu bestrafen, dass sie durch eine sorgfältige Strafuntersuchung von Beginn
an ihre Arbeit tue (act. 1 S. 4).
Der Gesuchsteller bringt im Eventualstandpunkt vor, dass im Kanton St. Gal-
len lediglich eine einfache Widerhandlungen gegen das BetmG vorliegen
würde, wenn man einen Gesamtzusammenhang zwischen der Einfuhr der
2‘190 Hanfstecklinge und dem jahrelangen gewerbsmässigen Anbau von so-
wie Handel mit Cannabis und Marihuana verneinen wollte. So würden 2‘190
Hanfstecklinge für sich allein gesehen keine Gewerbsmässigkeit nach
Art. 19 Abs. 2 lit. c BetmG darstellen. Diesfalls wäre die Zuständigkeit des
Kantons Zürich gemäss Art. 34 Abs. 1 erster Satz StPO gegeben (act. 1
S. 5).
2.6 Demgegenüber stellt sich der Gesuchsgegner auf den Standpunkt, dass das
Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand die Ausnahme sein soll, wes-
halb vorliegend der Gesuchsteller zuständig sei. Er verwirft des Weiteren die
Argumentation des Gesuchstellers, wonach im Kanton St. Gallen das weni-
ger schwere Delikt verübt worden sei, da es sich bei der Einfuhr der 2‘190
Hanfstecklinge nur um eine einfache Widerhandlung gegen das BetmG
handle, weshalb der Kanton Zürich zuständig sei. Bei der Einfuhr einer solch
grossen Menge liege der Verdacht eins gewerbsmässigen Handelns – und
damit eine mit der gleichen Strafandrohung begangener Tat nahe (act. 3
S. 2).
2.7 Vom Gesuchsgegner wird nicht bestritten, dass von einem jahrelangen, ge-
werbsmässigen Anbau, Besitz, Vermitteln von sowie Handel mit Cannabis
und Marihuana im Kanton Zürich auszugehen ist. Ob der Import der 2‘190
- 7 -
Hanfstecklinge mit den jahrelangen Tathandlungen im Kanton Zürich bei na-
türlicher Betrachtung eine auf einem einheitlichen Willensakt beruhende Ein-
heit im Sinne eines zusammenhängenden Geschehens bildet, kann vorlie-
gend offen gelassen werden. Es liegt jedenfalls auf der Hand, die strafbaren
Handlungen im Kanton Zürich und den Import über den Kanton St. Gallen
als juristische Handlungseinheit im Sinne eines Kollektivdeliktes zu betrach-
ten. Es liegt ein ausreichend enger räumlicher und zeitlicher Zusammenhang
zwischen den Betäubungsmitteldelikten in Kanton Zürich und dem Import
vor. In den Akten findet sich nichts, was einen umfassenden Gesamtvorsatz
ausschliessen würde. Damit stellt der Import vom 14. Dezember 2017 einen
integrierten Teil eines Ganzen dar, welches sich als mehrjährigen Anbau,
Vermitteln und Handeln mit Marihuana und Cannabis erweist.
2.8 Unter diesen Umständen sind in Anwendung von Art. 33 Abs. 2 und Art. 34
Abs. 1 Satz 2 grundsätzlich die Behörden jenes Ortes zur Verfolgung zustän-
dig, wo die Untersuchung zuerst angehoben wurde, d.h. vorliegend der Ge-
suchsteller.
3.
3.1 Die Beschwerdekammer kann (wie die beteiligten Staatsanwaltschaften un-
tereinander auch) einen andern als den in den Art. 31 – 37 StPO vorgese-
henen Gerichtsstand festlegen, wenn der Schwerpunkt der deliktischen Tä-
tigkeit oder die persönlichen Verhältnisse der beschuldigten Person es erfor-
dern oder andere triftige Gründe vorliegen (Art. 40 Abs. 3 StPO). Ein solches
Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand soll indes die Ausnahme blei-
ben. Eine Vereinbarung bzw. der Beschluss, einen gesetzlich nicht zustän-
digen Kanton mit der Verfolgung zu betrauen, setzt triftige Gründe voraus
und die Überlegungen, welche den gesetzlichen Gerichtsstand als unzweck-
mässig erscheinen lassen, müssen sich gebieterisch aufdrängen; die Latte
für ein Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand ist entsprechend hoch
anzusetzen. Überdies kann ein Kanton entgegen dem gesetzlichen Gerichts-
stand nur für zuständig erklärt werden resp. sich selber als zuständig erklä-
ren, wenn dort tatsächlich ein örtlicher Anknüpfungspunkt besteht (TPF 2012
66 E. 3.1 S. 67 f.; 2011 178 E. 3.1 S. 180 f.; jeweils m.w.H.).
3.2 Ein triftiger Grund für das Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand kann
im Schwergewicht der deliktischen Tätigkeit der Beschuldigten liegen (vgl.
Art. 38 Abs. 1 und Art. 40 Abs. 3 StPO; hierzu u. a. Beschluss des Bun-
desstrafgerichts BG.2012.15 vom 23. Mai 2012 E. 3.1 m.w.H.). Gemäss kon-
stanter Praxis kann von einem solchen Schwergewicht ausgegangen wer-
den, wenn mehr als zwei Drittel einer grösseren Anzahl von Straftaten auf
- 8 -
einen einzigen Kanton entfallen (BGE 129 IV 202 E. 2 S. 203; siehe auch
den Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2011.25 vom 28. Septem-
ber 2011 E. 3.2). Das Übergewicht muss dabei so offensichtlich und bedeut-
sam sein, dass sich das Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand gera-
dezu aufdrängt (MOSER/SCHLAPBACH, a.a.O., Art. 38 StPO N. 7 f.; GUIDON/
BÄNZIGER, Die aktuelle Rechtsprechung des Bundesstrafgerichts zum inter-
kantonalen Gerichtsstand in Strafsachen, in: Jusletter 21. Mai 2007, [Rz 46]
m.w.H.). Fehlt es bereits an einer grösseren Zahl der in Frage stehenden
Fälle, so drängt sich ein Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand – sofern
nicht weitere triftige prozessökonomische Gesichtspunkte ernsthaft in Be-
tracht gezogen werden müssen – nicht auf (siehe hierzu den Beschluss des
Bundesstrafgerichts BG.2011.25 vom 28. September 2011 E. 3.2; vgl. auch
die Entscheide des Bundesstrafgerichts BG.2009.30 vom 26. Oktober 2009
E. 2.3; BG.2009.23 vom 13. Oktober 2009, E. 2.4; BK_G 038/04 vom 13. Ju-
li 2004 E. 5).
3.3 Die für ein ausnahmweises Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand ent-
wickelte Praxis zum "Schwergewicht" betrifft weit überwiegend Fälle von Ver-
mögensdelikten (Einbruchsdiebstähle, Bestellungsbetrug etc.) und orientiert
sich am Element der reinen Zahl (der einzelnen Vermögensdelikte) und de-
ren Zuordnung zu einem Kanton. Wie viele der einzelnen Tathandlungen von
Art. 19 Abs. 1 BetmG verschiedene Entwicklungsstufen derselben delikti-
schen Tätigkeit von A. darstellen, lässt sich rein von der Anzahl Einzeltaten
nicht exakt beziffern. Auch aufgrund der Aussagen von A. selbst (Einver-
nahme vom 21. Dezember 2017 und 5. Januar 2018) steht aber fest, dass
praktisch die Gesamtheit der Einzelhandlungen über einen nicht unerhebli-
chen Zeitraum hinaus im Kanton Zürich stattfand. Selbst wenn die im Kanton
Zürich entfallenden Straftaten sich dabei nicht einzeln zählen lassen, ist doch
sowohl die Voraussetzung der grossen Anzahl in Frage stehender Fälle er-
füllt als auch die Grenze der zwei-Drittel eindeutig überschritten. Ein vom
forum praeventionis abweichendes eindeutiges Schwergewicht wäre über-
dies auch in Konstellationen möglich, die sich nicht einfach mit einem blos-
sen Zählen von Einzelfällen erfassen lassen. Eine solche Konstellation kann
– wie gerade der vorliegende Fall deutlich macht – darin liegen, dass ein im
eigentlichen Sinn "gesamthaft deliktischer Geschäftsbetrieb" in einem Kan-
ton zu verorten ist, während eine dazugehörige Einzelhandlung in einem an-
deren Kanton stattfindet. Es ist offensichtlich, dass gemäss dem aktuellen
Ermittlungsstand das eindeutige Schwergewicht der Tathandlungen von A.
sich auf den Kanton Zürich konzentriert. Bei dieser Ausgangslage alle wei-
teren vor Ort vorzunehmenden Untersuchungsschritte rechtshilfeweise vor-
nehmen zu lassen, widerspräche der Prozessökonomie. Vorliegend drängt
es sich daher geradezu auf, vom gesetzlichen Gerichtsstand abzuweichen.
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4. Nach dem Gesagten ist das Gesuch gutzuheissen und es sind die Strafbe-
hörden des Gesuchsgegners für berechtigt und verpflichtet zu erklären, die
A. zur Last gelegten Delikte zu verfolgen und zu beurteilen.
5. Es sind keine Gerichtskosten zu erheben (Art. 423 Abs. 1 StPO).
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