Decision ID: 0c69caeb-cc1d-5f61-8be2-c8d3da196c12
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ war bei B._ AG als Maurer angestellt und dadurch obligatorisch bei der
Suva gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen sowie von
Berufskrankheiten versichert. Am 3. Januar 2010 blieb er bei einem Sprung über eine
Mauer mit einem Fingerring an einem Eisen hängen, was zur Abtrennung des
Ringfingers rechts führte (Schadenmeldung vom 6. Januar 2010 [Dokumenteneingang
bei der Suva], UV-act. 1). Die erstbehandelnden Ärzte der Klinik für
Wiederherstellungschirurgie am Departement Chirurgie am Universitätsspital Zürich
diagnostizierten eine Ringavulsionsverletzung Dig. IV rechts mit Exartikulation im PIP-
Gelenk. Sie führten am 3. Januar 2010 eine Stumpfbildung Dig. IV rechts unter
maximalem Längenerhalt der Grundphalanx durch Defektdeckung mit einem axial
gestielten dorsalen Metakarpalelappen durch. Aufgrund der kompletten Avulsion dorsal
auf Höhe der proximalen Grundphalanx und palmar auf Höhe der mittleren
Grundphalanx mit weitstreckig ausgerissenen Nerven beidseits und maximal gezerrten
Gefässen beidseits war eine Replantation des abgetrennten Fingers ausgeschlossen
(siehe Operationsbericht vom 9. Februar 2010, UV-act. 8, sowie den Austrittsbericht
vom 11. Februar 2010, UV-act. 7). Die Suva erbrachte in der Folge Heilbehandlungs-
und Taggeldleistungen.
A.b Vom 28. April bis 2. Juni 2010 befand sich der Versicherte zur Rehabilitation in
der Rehaklinik Bellikon. Die dort behandelnden medizinischen Fachpersonen
diagnostizierten eine ausgeprägte schmerzhafte Funktionseinschränkung der
dominanten rechten Hand, myofasziale Beschwerden der Schultergürtelmuskulatur
rechts und eine Anpassungsstörung (ICD-10: F43.25). Sie vertraten die Auffassung,
dass der Versicherte den erlernten Beruf als Maurer nicht mehr werde ausüben können,
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und empfahlen eine berufliche Umorientierung (Austrittsbericht vom 7. Juni 2010, UV-
act. 51).
A.c Im Rahmen einer von der IV-Stelle des Kantons Graubünden finanzierten, am
29. November 2010 begonnenen Umschulung erlangte der Versicherte zunächst das
Bürofach- und Handelsdiplom VSH und schloss danach die Ausbildung zum
zertifizierten Sachbearbeiter C._ und D._ ab. Per 1. September 2013 trat er eine
Stelle bei der E._ AG als Assistent Bewirtschaftung an (Mitteilung der IV-Stelle des
Kantons Graubünden vom 16. Juli 2013, UV-act. 160; zum Arbeitsvertrag vom 13. Juni
2013 siehe UV-act. 157).
A.d Kreisärztin Dr. med. F._, Fachärztin für Chirurgie FMH, schätzte den
Integritätsschaden auf 5%. Es verbleibe eine Funktionseinschränkung der rechten
Hand aufgrund des Fingerverlusts sowie eine leicht verminderte Belastbarkeit
(Beurteilung vom 12. Dezember 2013, UV-act. 169).
A.e Mit Verfügung vom 2. April 2014 sprach die Suva dem Versicherten eine für die
Dauer vom 1. September 2013 bis 31. August 2015 befristete 14%ige Invalidenrente
und eine Integritätsentschädigung von 5% zu. Dem Versicherten wurde die Rente in
Kapitalform (Fr. 15‘573.60) ausgerichtet (UV-act. 189). Dagegen erhob der Versicherte
am 4. April 2014 Einsprache. Er beantragte die Aufhebung der angefochtenen
Verfügung, die Zusprache einer unbefristeten Rente entsprechend einer 14%igen
Erwerbsunfähigkeit sowie eine Entschädigung für eine 6%ige Integritätseinbusse (UV-
act. 190). Die Suva wies die Einsprache vollumfänglich ab (Einspracheentscheid vom
2. September 2014, UV-act. 194).
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 2. September 2014 richtet sich die
vorliegende Beschwerde vom 12. September 2014. Der Beschwerdeführer beantragt
darin dessen Aufhebung und die Ausrichtung einer unbefristeten Invalidenrente
aufgrund einer Erwerbsunfähigkeit von 14%; unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Zur Begründung führt er im Wesentlichen aus, der mit E._ AG vereinbarte Lohn sei
kein Einstiegs-, sondern ein Durchschnittslohn. Die von der Beschwerdegegnerin der
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Rentenbefristung zugrunde gelegte Annahme, der Beschwerdeführer werde die
Erwerbsunfähigkeit nach einer Angewöhnung wettmachen können, sei unzutreffend. Es
seien keine Umstände ersichtlich, welche für die von der Beschwerdegegnerin für die
Zukunft erwartete überproportionale Lohnerhöhung sprächen. Eine Befristung der
Rente und die einmalige Auszahlung eines Kapitalbetrags seien daher nicht zulässig.
Im Übrigen stehe der Beschwerdegegnerin bei einer unbefristeten Rentenzusprache
die Möglichkeit der Revision offen, sollte sich der Sachverhalt tatsächlich nachträglich
erheblich ändern (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 14. Oktober
2014 die Abweisung der Beschwerde. Sie bringt vor, gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung sei die Gewährung einer befristeten Rente statthaft, wenn wie
vorliegend bereits anlässlich der Rentenfestsetzung vorauszusehen sei, dass sich die
Auswirkungen auf die Erwerbsfähigkeit zufolge Anpassung und Angewöhnung der
versicherten Person an die Unfallfolgen in absehbarer Zeit ausgleichen würden.
Fingerverstümmelungen geringeren Ausmasses bewirkten erfahrungsgemäss trotz des
bleibenden Defekts nach einer gewissen Phase der Anpassung und Angewöhnung
keine oder nur noch eine minimale Verminderung der Erwerbsfähigkeit. Im Übrigen
wäre es dem Beschwerdeführer mit Blick auf die ihm obliegende
Schadenminderungspflicht zumutbar, im Fall einer ab September 2015 weiterhin
unterdurchschnittlichen Entlöhnung eine andere Stelle mit angemessenem,
rentenausschliessendem Lohn anzutreten (act. G 3).
B.c Auf eine Replik hat der Beschwerdeführer verzichtet (vgl. act. G 5).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist die Befristung der
14%igen Invalidenrente per 31. August 2015.
2.
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Ist die versicherte Person infolge des Unfalls zu mindestens 10% invalid (Art. 8 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Der Rentenanspruch
entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte
Besserung des Gesundheitszustands der versicherten Person mehr erwartet werden
kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung
abgeschlossen sind (Art. 19 Abs. 1 Satz 1 UVG). Er erlischt mit der gänzlichen
Abfindung, mit dem Auskauf der Rente oder dem Tod der versicherten Person (Art. 19
Abs. 2 UVG). Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin
für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1
ATSG).
3.
Nach der unfallversicherungsrechtlichen Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die
Gewährung einer im Voraus befristeten Rente statthaft, wenn bereits anlässlich der
Rentenfestsetzung vorauszusehen ist, dass sich die Auswirkungen auf die
Erwerbsfähigkeit zufolge Anpassung und Angewöhnung der versicherten Person an die
Unfallfolgen in absehbarer Zeit ausgleichen werden. Nach dieser Rechtsprechung
bewirken Fingerverstümmelungen geringeren Ausmasses, insbesondere solche der vier
Langfinger, erfahrungsgemäss trotz des bleibenden Defekts nach einer gewissen
Phase der Anpassung und Angewöhnung keine oder nur noch eine minimale
Verminderung der Erwerbsfähigkeit (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
[EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom
13. März 2006, U 367/05, E. 2.1 mit Hinweis auf BGE 106 V 50; soweit ersichtlich
zuletzt im Urteil des Bundesgerichts vom 7. November 2012, 8C_626/2012, E. 2
bestätigt).
3.1 Der ideelle Humus, von dem diese Rechtsprechung seit nunmehr rund
100 Jahren genährt wird (vgl. Urteil des EVG vom 11. Juli 1919 i.S. Gehring,
auszugsweise wiedergegeben in Werner Lauber, Praxis des sozialen
Unfallversicherungsrechts der Schweiz, Bern 1928, S. 36 f.), bildete die am damaligen
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Eidgenössischen Versicherungsgericht herrschende Grundansicht zu den
psychohygienischen Nachteilen der Revision (zur Revision, „mit all ihren bekannten
Nachteilen“ siehe auch das genannte Urteil Gehring, S. 37; vgl. Peter Omlin,
Dauerrenten - Zeitrenten - Terminierte Renten, in: René Schaffhauser/ Franz Schlauri
[Hrsg.], Die Revision von Dauerleistungen in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999,
S. 136): „Durch die bei der erstmaligen Rentenfestsetzung zu erfolgende
Vorausberücksichtigung der Angewöhnungsmöglichkeit [...] wird die Angewöhnung
[durch die Verbesserung der Funktion des geschädigten Gliedes oder Organs, trotz
gleichbleibendem anatomischem Zustand] in der Regel gefördert; dies aus dem
einfachen Grunde, weil der Versicherte ein für ihn ohne weiteres erkennbares Interesse
an der Angewöhnung erhält, während beim Vorbehalt der Revision für den
Angewöhnungsfall viele Versicherte unvernünftig genug sind, den Weitergenuss der
unter Revisionsvorbehalt zugesprochenen Rente höher einzuschätzen, als die
Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit. [...] die Förderung ist nicht nur im
wohlverstandenen Interesse des einzelnen Versicherten, sie ist ferner nicht nur im
pekuniären Interesse des Versicherers, sondern sie ist auch im Interesse der ganzen
Volkswirtschaft, und sie ist endlich im Interesse der Versicherungsmoral und damit
überhaupt des Instituts der Sozialversicherung“ (siehe den Vortrag vom damaligen
Bundesversicherungsrichter Paul Piccard, gehalten am 26. Oktober 1920 in Aarau, an
dem von dem aargauischen kantonalen Aerzteverband organisierten
unfallmedizinischen Fortbildungskurs für praktische Aerzte, publiziert in: Lauber, a.a.O.,
S. 274). Bei der erstmaligen Rentenfestsetzung müsse, „wo immer möglich, vermieden
werden, dass der Versicherte ein Interesse an der Nichtangewöhnung und daher am
Nichtarbeiten erhalte. Ein solches, sozial schädliches Interesse am Nichtarbeiten erhält
er u.a. dann, wenn ihm für den Fall der Angewöhnung eine Herabsetzung der Rente
droht. Dagegen wird er zur Arbeit angespornt, wenn man die voraussehbare, normale
Angewöhnungsmöglichkeit im Voraus berücksichtigt, was insbesondere eben durch
Zuspruch einer von vornherein degressiv abgestuften Rente - Angewöhnungs- oder
Schonungsrente - geschehen kann, und zwar je nach den Umständen des konkreten
Falls entweder als Zusatzrente zu einer Dauerrente, oder aber als einzige weitere
Leistung, sodass für die Zeit nach Ablauf der normalen Angewöhnungsdauer zum
Voraus jede Rente verweigert wird, letzteres freilich bloss dann, wenn eine dauernde
Beeinträchtigung wirklich nicht anzunehmen ist“ (Piccard, a.a.O., S. 275; Hervorhebung
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gemäss Original; siehe auch Urteil des EVG vom 20. Oktober 1921 i.S. Kellerhals, E. 3,
in: Lauber, a.a.O., S. 111 unten; vgl. auch Omlin, Dauerrenten - Zeitrenten - Terminierte
Renten, a.a.O., S. 136 mit Hinweisen). „Gewiss werde es immer Versicherte geben, die
sich gegen die Vorausberücksichtigung der Angewöhnung gerade da, wo diese einzig
von ihrem eigenen Willen abhängt, sträuben und von der Anstalt verlangen, dass sie
die Entscheidung über eine Herabsetzung der Rente auf den Zeitpunkt hinausschiebe,
in welchem die Anpassung wirklich eingetreten sein wird, oder eben - denn dazu führt
dieses System - vereitelt sein wird. Solch unvernünftigem Verlangen und solch
unsozialem Verhalten entgegenzutreten, dafür ist nun aber gerade der Versicherer da,
dessen höhere Einsicht sich auszuwirken hier die beste Gelegenheit hat“ (Piccard,
a.a.O., S. 276, Fn 15 am Schluss; Hervorhebung gemäss Original). „Und es ist
entschieden besser, dass gegebenenfalls der Versicherte die Initiative zur Erhöhung
der Rente ergreifen und seinen guten Arbeitswillen glaubhaft machen muss, als dass
umgekehrt der Versicherer den äusserst schwierigen Beweis des schlechten Willens zu
erbringen habe. Letzteres würde voraussetzen, dass der Versicherer den Versicherten
auf Schritt und Tritt durch Inspektoren kontrollieren lasse, was erfahrungsgemäss den
Versicherten verbittert und den Versicherer doch meist nicht zum Ziele führt. Ist
dagegen die Rente unter Berücksichtigung der normalen Angewöhnung festgesetzt
worden, und muss daher der Versicherte die Initiative zu deren Erhöhung ergreifen,
wenn er behauptet, dass trotz gutem Arbeitswillen die Angewöhnung nicht eingetreten
ist, dann ist er auch ohne weiteres in der Lage, dies nachzuweisen“ (Piccard, a.a.O.,
S. 275, Fn 14; Hervorhebung gemäss Original; zum Beweisthema siehe auch Urteil des
EVG vom 20. Oktober 1921 i.S. Kellerhals, E. 3 am Schluss, in: Lauber, a.a.O., S. 112;
siehe zum Zweck der Angewöhnungsrente, die Entstehung von Neurosen zu
verhindern, P. Piccard, Versicherungsneurosen, in: Lauber, a.a.O., S. 312 f.). Auch in
der späteren Rechtsprechung zur Angewöhnungsrente bzw. zur befristeten/
abgestuften Rente wird auf deren Sinn als „Therapiemassnahme“ hingewiesen (RKUV
1993 U 173 S. 146).
3.2 Die unbesehene Fortführung dieser Praxis unter der Herrschaft des UVG lässt
unberücksichtigt, dass mit dessen Erlass der in der Invalidenversicherung herrschende
Invaliditätsbegriff ausdrücklich übernommen wurde („Vereinheitlichung des
Invaliditätsbegriffs“, BBl 1976 III 190 f.). Unter der damaligen (bis heute materiell
unverändert gebliebenen) Rechtslage waren in der Invalidenversicherung antizipierte
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Invaliditätsschätzungen mit in die Zukunft gerichteten Rentenherabsetzungen und/oder
-befristungen jedoch gerade unzulässig (BGE 97 V 58 und 131 V 166 E. 2.3.3; zur
Unzulässigkeit de lege lata siehe Ulrich Meyer/Marco Reichmuth, Bundesgesetz über
die Invalidenversicherung [IVG], in: Hans-Ulrich Stauffer/Basile Cardinaux,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 3. Auflage, Zürich
2014, Rz 115 zu Art. 4). Das Bundesgericht wies denn auch zutreffend in einer
unfallversicherungsrechtlichen Streitigkeit betreffend die Abgrenzung zu den
vorübergehenden Taggeldleistungen darauf hin, dass Invalidenrenten als
Dauerleistungen auf unbestimmte Zeit zugesprochen werden (BGE 140 V 69 E. 4.1).
3.3 Das mit Art. 19 Abs. 1 UVG geschaffene Leistungssystem (Heilbehandlung,
Taggelder und Rente) garantiert sodann bereits eine ausreichende Stabilität in der
Ausrichtung der Rentenleistung, ohne dass die Invalidenrente bereits nach kurzer Zeit
einer Revision unterzogen werden muss. Bei der erstmaligen Rentenzusprechung
werden die für eine Dauerleistung erforderlichen Stabilitätsanforderungen dadurch
sichergestellt, dass der Rentenanspruch nicht mit der Anmeldung der versicherten
Person entsteht, sondern erst nach Abschluss der ärztlichen Heilbehandlung (und nach
Abschluss allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch die Invalidenversicherung; vgl.
BGE 140 V 69 E. 4.1). Damit wird dem Dauercharakter der Rentenleistung bereits
ausreichend Rechnung getragen, weshalb im Zeitpunkt der Rentenzusprache kein
(zusätzliches) Bedürfnis nach einer antizipierten Verbesserung in Form einer Befristung
besteht.
3.4
3.4.1 Von Bedeutung ist ferner, dass ein griffiges Instrumentarium zur Durchsetzung
der Schadenminderungspflicht (inzwischen) de lege lata vorhanden ist. Entzieht oder
widersetzt sich eine versicherte Person einer zumutbaren Behandlung oder
Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentliche Verbesserung der
Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit verspricht, oder trägt sie nicht aus
eigenem Antrieb das Zumutbare dazu bei, so können ihr die Leistungen vorübergehend
oder dauernd gekürzt oder verweigert werden (Art. 21 Abs. 4 Satz 1 ATSG). Art. 61 der
Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) konkretisiert und präzisiert
die Folgen einer Weigerung der versicherten Person im Bereich der Unfallversicherung.
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Er sieht vor, dass die versicherte Person den Anteil des Schadens tragen muss, den sie
selbst verschuldet hat. Unter dem Titel „Verweigerung einer zumutbaren Behandlung
oder Eingliederungsmassnahme“ lautet diese Bestimmung folgendermassen: „Weigert
sich ein Versicherter ohne zureichenden Grund, sich einer zumutbaren Behandlung
oder Eingliederungsmassnahme zu unterziehen, so werden ihm nur die Leistungen
gewährt, die beim erwarteten Erfolg dieser Massnahme wahrscheinlich hätten
entrichtet werden müssen“. Das UVG kannte bereits vor dem Inkrafttreten des ATSG
eine Regelung dieser Art (aArt. 48 Abs. 2 UVG, in Kraft bis zum 31. Dezember 2002,
und aArt. 61 UVV in der Fassung, die bis zum gleichen Datum gültig war; siehe zum
Ganzen Praxis 2/2009 Nr. 27 S. 156 E. 2.1 f. = BGE 134 V 189 ff.).
3.4.2 Art. 21 Abs. 4 ATSG bezieht sich auf einen zukünftigen Sachverhalt (Praxis
2/2009 Nr. 27 S. 156 E. 2.2 = BGE 134 V 189 ff.) und erfasst damit insbesondere auch
die der Angewöhnungsrente zugrunde gelegten zukünftigen, erwerblich ins Gewicht
fallenden Leidensanpassungen der versicherten Person. Damit stellt das geltende
Recht - bei Bedarf - eine umfassende Handhabe für die zur Begründung der Praxis zur
Angewöhnungsrente ins Feld geführte „Förderung der Angewöhnung“ und gegen die
Gefahr des „unsozialen“ und „unvernünftigen“ Verhaltens der Versicherten zur
Verfügung (siehe zur damaligen Argumentation des EVG vorstehende E. 3.1).
Abgesehen davon, dass demnach auch unter dem Aspekt der Schadenminderung
keine Gesetzeslücke vorliegt, die eine richterliche Lückenfüllung rechtfertigen könnte,
würde das Festhalten an der Praxis zur Angewöhnungsrente (Urteil des EVG vom
11. Juli 1919 i.S. Gehring) zu einer Umgehung der gesetzlichen Regelung von Art. 21
Abs. 4 ATSG, insbesondere des darin geregelten Verfahrens, führen und bedürfte einer
gesetzlichen Grundlage.
3.5 Soweit ersichtlich hat weder das damalige EVG noch das Bundesgericht eine
medizinische oder erwerbliche Grundlage für die angeführte Erfahrung aufgezeigt, dass
(vor allem bei ausgewählten Körperschädigungen wie Fingerverstümmelungen) nach
einer „gewissen Phase“ der Anpassung oder Angewöhnung keine oder nur noch eine
minimale Verminderung der Erwerbsfähigkeit resultiere (vgl. vorstehende E. 3; im Urteil
des EVG vom 11. Juli 1919 i.S. Gehring, a.a.O., S. 37 ist die Rede von „allgemeiner
Erfahrung“, in BGE 106 V 50 E. 2a wird auf eine nicht näher begründete
„Erfahrungstatsache“ hingewiesen). Angesichts dessen, dass sich die Bedeutung des
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Rechtsbegriffs der Erwerbsfähigkeit - seit dem Erlass des UVG - auch in der
Unfallversicherung am ökonomischen Prinzip orientiert (BBl 1976 III 168 und 192), sind
Prognosen zur zukünftigen Entwicklung der Erwerbsfähigkeit, selbst wenn sie sich auf
allgemeine medizinische Erfahrungsgrundsätze stützen, im konkreten Einzelfall von
geringer Aussagekraft. Jedenfalls rechtfertigen sie keinen Vorzug einer antizipierten
Invaliditätsschätzung gegenüber der späteren Anpassung in Form einer Rentenrevision
nach Art. 17 Abs. 1 ATSG gerade in Fällen wie dem vorliegenden, wo eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten bereits erreicht und erwerblich
vollumfänglich verwertet wird. Der Invaliditätsgrad resultiert vorliegend denn auch nicht
aus einer medizinischen, sondern einer rein erwerblichen Einbusse infolge
Berufswechsel (vgl. UV-act. 189 und act. G 3, Rz 4.2; zum aufgenommenen 100%igen
Erwerbspensum siehe UV-act. 195-2). Sodann hat die jüngere Rechtsprechung zur
Rentenrevision hinsichtlich medizinisch prognostizierter Besserungen wiederholt
betont, dass die Frage, ob eine derartige Änderung tatsächlich eingetreten ist, einer -
auch mit Blick auf die mitunter einschneidenden Folgen für die versicherte Person -
sorgfältigen Prüfung bedarf (Urteile des Bundesgerichts vom 25. Oktober 2012,
8C_373/2012, E. 5.1, und vom 31. Mai 2013, 8C_967/2012, E. 3.4). Eine gewissenhafte
Prüfung einer zukünftigen, die Erwerbsfähigkeit betreffenden Tatsachenänderung
erscheint allerdings im Zeitpunkt der Prognosestellung wohl kaum gewährleistet. Dies
gilt umso mehr, als es nach der jüngeren Rechtsprechung im Fall einer ärztlicherseits in
Aussicht gestellten Verbesserung des Leidensbilds weiterer Abklärungen (ex post) zu
deren Bestätigung bedarf (Urteile des Bundesgerichts vom 5. Juli 2012, 8C_580/2011,
E. 6, und vom 3. April 2013, 8C_959/2012, E. 2.3 je mit Hinweis).
3.6 Gegen die Fortführung der Praxis zu den Angewöhnungsrenten spricht ferner,
dass die Gewährung einer im Voraus befristeten Rentenzusprache bereits dann
statthaft ist, wenn eine zukünftige Anpassung und Angewöhnung der versicherten
Person an die Unfallfolgen in absehbarer Zeit „wahrscheinlich“ ist (BGE 106 V 51 E. 2b,
RKUV 1986 Nr. U 3 S. 260 E. 2a und RKUV 2001 Nr. U 444 S. 552 E. 2.a
[„vraisemblable“]; Omlin, Dauerrenten - Zeitrenten - Terminierte Renten, a.a.O., S. 134).
Es bestehen weder eine gesetzliche Grundlage noch sonstige Gründe, die im Bereich
der Angewöhnungsprognose ein Abweichen von dem im Sozialversicherungsrecht
massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 360
E. 5b) rechtfertigen. Dies umso weniger als in der vergleichbaren Thematik der
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Validenkarriere bzw. des beruflichen Aufstiegs im Gesundheitsfall
rechtsprechungsgemäss sogar darüber hinausgehende Beweisanforderungen verlangt
werden (zur geforderten „hohen Wahrscheinlichkeit“ siehe etwa Urteil des
Bundesgerichts vom 15. Januar 2009, 8C_638/2008, E. 4.3). Nichts anderes kann für
eine antizipierte (und damit hypothetische) Invalidenkarriere in Form einer für die
Zukunft vermuteten besseren Leidensanpassung gelten.
3.7 Aus verfahrensrechtlicher Sicht besteht ebenfalls keine Rechtfertigung für eine
von vornherein befristete Angewöhnungsrente.
3.7.1 Von Bedeutung ist zunächst, dass sich die vorstehend genannte
Rechtsprechung zur Angewöhnungsrente in der Unfallversicherung in einer Zeit
entwickelte, als es mangels umfassender bundesrechtlicher Vorgaben zur Abänderung
von rechtskräftigen Verwaltungsverfügungen noch vorrangig die rechtsfortbildende
Aufgabe der Rechtsprechung war, verfahrensrechtliche Grundsätze zu bilden (vgl.
U. Meyer-Blaser, Abänderung formell rechtskräftiger Verwaltungsverfügungen in der
Sozialversicherung, in: ZBL 8/1994, S. 341).
3.7.2 Seit dem Erlass des UVG hat sich die bei Eintritt anspruchserheblicher
Tatsachenänderungen jederzeit mögliche Anpassung des Rentenanspruchs mit
Wirkung ex nunc et pro futuro allerdings auch im Bereich der Unfallversicherung
durchgesetzt (vgl. auch Meyer-Blaser, a.a.O., S. 349). Verfahrens- und
materiellrechtlich stand denn auch beim Erlass des UVG - in ausdrücklich angestrebter
Angleichung an die (damalige) in der Invalidenversicherung herrschende Rechtslage -
die (neu konsequent) elastische Gestaltung der Rentenrevision in der
Unfallversicherung im Vordergrund (vgl. insbesondere BBl 1976 III 168 und 191 f.; siehe
aArt. 22 Abs. 1 UVG in der bis 31. Dezember 2002 gültigen Fassung).
3.7.3 Das Dahinfallen eines Rentenanspruchs aufgrund einer festgestellten vollen
Erwerbsfähigkeit war sodann allein in Verbindung mit bzw. unter Vorbehalt einer
Revision vorgesehen (vgl. BBl 1976 III 191). Die Idee einer a priori befristeten
Rentenleistung aufgrund einer antizipierten Angewöhnung fand soweit ersichtlich - wie
im Übrigen die Möglichkeit einer antizipierten Revision - gerade nicht Eingang in das
UVG oder später in das ATSG. Eine von der Rechtsprechung zu füllende
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Gesetzeslücke ist angesichts der elastischen Revisionsgestaltung bzw. der
jederzeitigen Anpassungsmöglichkeit in Form der Revision - die vom ATSG
übernommen wurde (siehe Art. 17 Abs. 1 ATSG) - zu verneinen. Der Gesetzgeber hat
sodann - im Gegensatz zur Militärversicherung, in der in Abweichung zum ATSG die
bisherige gesetzliche Regelung unverändert beibehalten wurde (siehe Art. 1 Abs. 1
i.V.m. Art. 41 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Militärversicherung [MVG; SR 833.1]
i.V.m. Art. 23 der Verordnung über die Militärversicherung [MVV; SR 833.11]; zum
anerkannten gesetzlichen Anpassungsbedarf bei vollumfänglicher Übernahme der
ATSG-Lösung siehe BBl 1999 IV 4559) - darauf verzichtet, im Bereich der
Unfallversicherung eine von Art. 17 Abs. 1 ATSG abweichende Regelung zu erlassen.
3.7.4 Die Thematik eines bereits im Zeitpunkt der erstmaligen Rentenzusprache
(prognostizierten) Angewöhnungseffekts bzw. einer (prognostizierten) positiven
Leidensanpassung beschlägt des Weiteren nicht die ursprüngliche Rentenzusprache,
sondern das Bedürfnis nach deren Anpassung an einen danach tatsächlich
eingetretenen rechtserheblich veränderten Sachverhalt. Dabei ist von Bedeutung, dass
sich die formelle und materielle Rechtskraft der ursprünglichen Verfügung über eine
Dauerleistung auf das für ihren Erlass massgebliche Anspruchsfundament beschränkt,
das heisst in tatsächlicher Hinsicht auf die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass
dieser Verfügung entwickelt haben (vgl. Meyer-Blaser, a.a.O., S. 348 mit Hinweis auf
BGE 116 V 248 E. 1a). Die Prognose über eine nach dem Verfügungserlass liegende
anspruchsrelevante Sachverhaltsänderung betrifft nicht das ursprüngliche tatsächliche
Anspruchsfundament, das zur Rentenzusprache führt, sondern erst die vermutete, aber
noch nicht eingetretene Sachverhaltsänderung danach. Eine Verfügung über eine
Invalidenrente gemäss Art. 18 UVG steht daher unter dem jederzeitigen Vorbehalt
künftig eintretender anspruchserheblicher Tatsachenänderungen (vgl. vorstehende
E. 3.7.2), weshalb aus verfahrensrechtlicher Sicht kein Bedarf besteht, eine vermutete
spätere Sachverhaltsänderung bereits im Zeitpunkt der ursprünglichen
Leistungszusprache zu antizipieren. Auch die unfallversicherungsrechtliche
Rechtsprechung anerkennt, dass einer allfälligen Veränderung der Umstände in der
Zukunft, sofern eine solche denn auch tatsächlich eintritt, (erst) im Rahmen einer
Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG Rechnung zu tragen ist (Urteil des
Bundesgerichts vom 29. November 2010, 8C_747/2010, E. 3.2.1 mit Hinweis). Diese
Sichtweise wird durch die weitere jüngere Rechtsprechung betreffend die
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Angewöhnung an das Leiden bestätigt, worin eine revisionsrechtlich relevante
Tatsachenänderung in Form einer verbesserten Leidensanpassung der versicherten
Person anerkannt wird (BGE 141 V 14 E. 6.3.2; siehe auch Urteile des Bundesgerichts
vom 25. Oktober 2012, 8C_373/2012, E. 5.1, vom 31. Mai 2013, 8C_967/2012, E. 3.4,
und vom 6. Januar 2016, 8C_530/2015, E. 5.2 am Schluss). Der genannten jüngeren
Rechtsprechung ist zu entnehmen, dass zukünftige Leistungsanpassungen den
Vorbehalt des tatsächlichen Eintretens vermuteter Verbesserungen voraussetzen und
davor keine Rentenrelevanz besitzen.
3.8 Nach dem Gesagten und aufgrund der jederzeitig möglichen nachträglichen
Anpassung rechtskräftig zugesprochener Rentenleistungen (aArt. 22 Abs. 1 UVG bzw.
Art. 17 Abs. 1 ATSG) besteht keine Rechtfertigung mehr, an der früheren Praxis zur
Angewöhnungsrente bzw. zur Zulässigkeit antizipierter Invaliditätsschätzungen in der
Unfallversicherung festzuhalten. Auch in der Lehre wird die Praxis zur
Angewöhnungsrente - wie vorstehend dargelegt - zu Recht mit der
Argumentationskette kritisiert, dass dadurch die Abgrenzung zwischen Taggeld und
Rente verwischt wird, der im Rahmen des Rentenanspruchs geltende Invaliditätsbegriff
ausgehöhlt wird und die Bestimmungen über die Rentenrevision umgangen werden
(Jürg Maeschi, Kommentar zum Bundesgesetz über die Militärversicherung [MVG] vom
19. Juni 1992, Bern 2000, Rz 6 und 8 zu Art. 41 mit Hinweisen). Aufgrund der
dargestellten Überlegungen ist die Praxis zu den Angewöhnungsrenten nicht mehr
haltbar. Die von der Beschwerdegegnerin angeordnete Befristung der Rentenleistung
erweist sich damit als unzulässig. Der Beschwerdegegnerin steht es im Übrigen frei,
jederzeit eine Revision von Amtes wegen zu eröffnen, um den Sachverhalt hinsichtlich
einer allfälligen Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse zu überprüfen und die
Rentenleistung den allenfalls geänderten Umständen anzupassen, worauf der
Beschwerdeführer zutreffend hinweist (act. G 1, Rz 3).
3.9 Daran vermag nichts zu ändern, dass gemäss Rechtsprechung die Richtigkeit
der Prognose im Zeitpunkt des Wirksamwerdens der prognostisch verfügten
Rentenaufhebung soll überprüft werden können bzw. dass der versicherten Person zur
Anfechtung der Terminierung beim Rentenablauf alle Rechte gewahrt bleiben sollen
(RKUV 1993 U 173 S. 145 E. 2 mit Hinweis). Die Praxis nennt zur Überprüfung dieser
Prognose die „Revision“ von Amtes wegen oder auf Gesuch hin (RKUV 1993 U 173
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S. 145 E. 2 mit Hinweis). Die antizipierte Rentenherabsetzung - um deren Überprüfung
es geht - wird gemäss Rechtsprechung erst im Zeitpunkt des Revisionsverfahrens
wirksam und ihre Anfechtung ist erst bei Rentenablauf möglich (RKUV 1993 U 173
S. 145 E. 2). Mit anderen Worten ist die Terminierung bzw. die Rentenherabsetzung im
Zeitpunkt des von der Praxis vorgesehenen „Revisionsverfahrens“ noch gar nicht in
Rechtskraft erwachsen. Die Revision gemäss Art. 17 ATSG setzt allerdings
zwangsläufig - ihrem Wesen als Rückkommenstitel entsprechend - einen
rechtskräftigen Leistungsentscheid voraus (BGE 135 V 147 E. 1.4.5; Ralph Jöhl, Die
Revision nach Art. 17 ATSG, in: Ueli Kieser/Miriam Lendfers, JaSo 2012, St. Gallen
2012, S. 156), den sie ex nunc et pro futuro den veränderten tatsächlichen
Verhältnissen und der in dessen Folge veränderten Sachverhaltsprognose bezüglich
der Dauerhaftigkeit der veränderten Umstände anpasst (vgl. Jöhl, a.a.O., S. 156). Sie ist
kein verwaltungsinternes Anfechtungsmittel gegen noch nicht rechtskräftige
Dauerleistungsentscheide. Gegenstand der Revision im Sinn von Art. 17 ATSG bilden
zudem allein nachträgliche Veränderungen des ursprünglichen tatsächlichen
Anspruchsfundaments. Sie dient entgegen der Praxis des damaligen EVG (RKUV 1993
U 173 S. 146) nicht dazu, das tatsächliche Eintreten einer Prognose bzw. einer
antizipierten Invaliditätsschätzung voraussetzungslos ex post auf ihre Richtigkeit zu
überprüfen (zur ex post-Betrachtung siehe etwa Urteil des EVG vom 13. März 2006,
U 367/05 E. 3.3.3 am Schluss sowie Peter Omlin, Die Invalidität in der obligatorischen
Unfallversicherung, Freiburg 1995, S. 102 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung).
Hinzu kommt, dass die von der Rechtsprechung vorgesehene Korrektur die befristete
Rentenzusprache ex tunc korrigiert und durch eine unbefristete Rentenleistung ersetzt
(RKUV 1993 U 173 S. 146), was dem Wesen der Revision mit einer Anpassung ex nunc
et pro futuro diametral widerspricht. Die Revision gemäss Art. 17 ATSG steht damit bei
näherer Betrachtung für eine Korrektur einer allenfalls falschen Prognose gar nicht zur
Verfügung.
4.
Selbst wenn im Übrigen die vorliegende Streitigkeit in Nachachtung der
Rechtsprechung zur Angewöhnungsrente beurteilt würde, wäre der angefochtene
Einspracheentscheid aufzuheben.
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4.1 Die Vermutung einer Angewöhnung der versicherten Person an ein Leiden
gestützt auf aus der medizinischen Praxis gewonnenen Erfahrungen darf nicht zum
Automatismus verkommen und es müssen die Rechte der Versicherten gewahrt
bleiben. Daher muss unter Beachtung des Untersuchungsgrundsatzes konkret geprüft
werden, ob nach Berücksichtigung der den Versicherten zumutbaren Anpassung und
Angewöhnung eine reale Erwerbsunfähigkeit verbleibt (vgl. BGE 120 V 373 E. 6b).
Bereits im Urteil des EVG vom 20. Oktober 1921 i.S. Kellerhals (a.a.O., E. 1, S. 110)
wurde klargestellt, dass die auf allgemeiner Erfahrung beruhende
Anpassungsvermutung für sich allein keine Befristung rechtfertigt. „Selbstverständlich“
sei „im Einzelfall auf Grund ärztlicher Feststellungen“ zu entscheiden (zum Stellenwert
der konkreten ärztlichen Beurteilung für die Anpassungsvermutung siehe auch Piccard,
a.a.O., S. 276). Hinsichtlich beruflicher Erkenntnisse ist eine „nach vorausgegangener
Arbeitsprüfung“ verfasste konkrete Stellungnahme eines „technischen Experten“
erforderlich (Werner Lauber, Invalidität und Rente, in: Ders., Praxis des sozialen
Unfallversicherungsrechts der Schweiz, Bern 1928, S. 321). Die günstige Prognose
muss sich also auf fassbare Anhaltspunkte abstützen können, und es dürfen ihr nicht
konkrete Begebenheiten des Einzelfalls entgegenstehen (Omlin, Dauerrenten -
Zeitrenten - Terminierte Renten, a.a.O., S. 134).
4.2 Der Beschwerdeführer hat aufgrund seiner anerkennenswerten Bemühungen
eine Umschulung erfolgreich abgeschlossen und verwertet die ihm für
leidensangepasste Tätigkeiten bescheinigte 100%ige Arbeitsfähigkeit vollumfänglich.
Der rentenbegründende Invaliditätsgrad resultiert vorliegend nicht aus einer
medizinischen, sondern einer rein erwerblichen Einbusse infolge unfallbedingten
Berufswechsels (vgl. UV-act. 189 und act. G 3, Rz 4.2; zum aufgenommenen 100%igen
Erwerbspensum siehe UV-act. 195-2). Die Fälle, in denen eine Rentenbefristung im
Hinblick auf eine zum vornherein zu erwartende grundlegende Änderung der
erwerblichen Verhältnisse erfolgt, sind selten (Omlin, Dauerrenten - Zeitrenten -
Terminierte Renten, a.a.O., S. 135). Es ergeben sich aus den Akten zudem weder eine
konkrete Einschätzung eines medizinischen noch eines beruflichen Experten, welche
die von der Beschwerdegegnerin der Befristung zugrunde gelegte
Anpassungsvermutung (act. G 3, Rz 4.1) bestätigt. Überdies steht der
Anpassungsvermutung der Beschwerdegegnerin vorliegend der tatsächlich noch
erzielte Verdienst des Beschwerdeführers und damit konkrete Gegebenheiten entgegen
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(vgl. Omlin, Die Invalidität in der obligatorischen Unfallversicherung, a.a.O., S. 100 f.).
Dabei ist zu beachten, dass auch die Beschwerdegegnerin - zu Recht - jedenfalls
während eines Zeitraums von immerhin zwei Jahren von der Gültigkeit des
tatsächlichen Verdiensts für die Bestimmung des Invalideneinkommens ausgegangen
ist. Es ergeben sich weder aus den Akten noch den Ausführungen der
Beschwerdegegnerin konkrete Gesichtspunkte, die ein Abweichen vom tatsächlich
erzielten Einkommen zur Bestimmung des Invalideneinkommens nach Ablauf von zwei
Jahren rechtfertigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 29. November 2010,
8C_747/2010, E. 3.2.1). Daran vermag ihr Hinweis auf den statistischen Lohn (LSE TA1,
Ostschweiz, Pos. 68 „Grundstücks- und Wohnungswesen, Kategorie 4, Männer, 2010)
nichts zu ändern. Denn einerseits ersetzt dieser Hinweis nicht die fehlenden konkreten
Grundlagen und andererseits verfügt der Beschwerdeführer im neuen Berufsfeld
lediglich über eine geringe Anzahl Dienstjahre, weshalb dem LSE-Wert für sich allein
die Aussagekraft hinsichtlich der konkreten Anpassungsvermutung fehlt. Zu beachten
ist ferner, dass der Abschnitt „Grundstücks- und Wohnungswesen“ eine Tätigkeit als
Vermieter oder Makler in einem oder mehreren der folgenden Bereiche enthält: Kauf
und Verkauf von Grundstücken, Gebäuden und Wohnungen, Vermietung von
Grundstücken, Gebäuden und Wohnungen, Erbringung sonstiger Dienstleistungen im
Zusammenhang mit Grundstücken, Gebäuden und Wohnungen, z.B. Schätzung von
Grundstücken, Gebäuden und Wohnungen oder Tätigkeit als Treuhänder
Grundstücken, Gebäuden und Wohnungen. Dieser Abschnitt umfasst auch die
Errichtung von Bauwerken, wenn der Errichter Eigentümer der Gebäude bleibt oder sie
vermietet. Schliesslich gehört auch die Tätigkeit von Hausverwaltungen zu diesem
Abschnitt (vgl. <http://www.kubb2008.bfs.admin.ch/ Default?code=L>, abgerufen am
26. Mai 2016). Der Beschwerdeführer ist als „Assistent Bewirtschaftung“ (UV-act. 157)
tätig und der Durchschnittslohn des weit gefassten Tätigkeitsfelds des Abschnitts
„Grundstücks- und Wohnungswesen“, der namentlich auch den Immobilienhandel
erfasst, lässt daher für sich allein keine zuverlässigen Schlüsse auf die konkreten
zukünftigen Verhältnisse bzw. die konkrete Anpassungsfrage, geschweige denn ein
Abweichen vom tatsächlich vom Beschwerdeführer erzielten Verdienst zu. Vor diesem
Hintergrund kann offen bleiben, ob dem Beschwerdeführer ein Wechsel des
Arbeitsplatzes überhaupt zumutbar wäre.
5.
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5.1 Nach dem Gesagten ist in Gutheissung der Beschwerde der angefochtene
Einspracheentscheid vom 2. September 2014 aufzuheben und dem Beschwerdeführer
mit Wirkung ab 1. September 2013 eine unbefristete Invalidenrente entsprechend
einem 14%igen Invaliditätsgrad zuzusprechen. Zur Festsetzung und Ausrichtung der
unbefristeten Rentenleistung ist die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
5.3 Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer einen Anspruch auf eine
Parteientschädigung für die Kosten der Vertretung und Prozessführung (Art. 61 lit. g
ATSG). Die Parteientschädigung ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO;
sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Mit Blick auf die eingeschränkte
Streitfrage und den einfachen Schriftenwechsel erscheint eine Parteientschädigung von
Fr. 3‘000.-- (einschliesslich Mehrwertsteuer und Barauslagen) angemessen.