Decision ID: 09cfdf8d-d6ee-437f-9e3d-6d6afccc8f6e
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Schändung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 1. Abteilung, vom 12. Januar 2021 (DG200195)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom
28. September 2020 (Urk. 31) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 54 S. 33 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der Schändung im Sinne von Art. 191 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 30 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis und mit heu-
te 2 Tage durch Haft erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 24 Monaten aufgeschoben und
die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (6 Monate, abzüglich 2 Tage, die
durch Haft erstanden sind) wird die Freiheitsstrafe vollzogen.
4. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin B._ aus
dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur ge-
nauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird die Privatklä-
gerin B._ auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ Fr. 8'000.– zuzüglich
5 % Zins ab 17. Dezember 2018 als Genugtuung zu bezahlen.
6. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 5'000.00 ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'100.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 1'284.70 Auslagen (Gutachten)
Fr. 960.00 Auslagen (Auswertung Handy / Computer)
Fr. 200.00 Auslagen Polizei
Fr. 10'000.00 amtliche Verteidigung
Fr. 8'000.00 unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
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7. Rechtsanwalt Dr. iur. X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidiger
des Beschuldigten mit Fr. 10'000.– (inkl. Barauslagen und 7.7% MwSt.) aus der Ge-
richtskasse entschädigt.
8. Rechtsanwältin lic. iur. Y._ wird für ihre Aufwendungen als unentgeltliche
Rechtsbeiständin der Privatklägerin mit Fr. 8'000.– (inkl. Barauslagen und 7.7%
MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt.
9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgelt-
lichen Vertretung der Privatklägerschaft werden auf die Gerichtskasse genommen;
vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO resp. Art. 138
Abs. 1 StPO.
10. (Mitteilung)
11. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge der Verteidigung: (Urk. 86 S. 2)
" 1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 12. Januar 2021 (Dispositivziffern
1-5) sei aufzuheben.
2. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der Schändung nach Art. 191 StGB
freizusprechen.
3. Dem Beschuldigten sei eine angemessene Genugtuung und Schadenersatz
in Höhe von Fr. 10'591.90 aus der Staatskasse zuzusprechen.
4. Auf die Zivilansprüche (Genugtuung / Schadenersatz) der Privatklägerin sei
nicht einzutreten.
5. Jegliche Kosten seien vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen."
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Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil der Vorinstanz vom
12. Januar 2021 wurde der Beschuldigte A._ anklagegemäss der Schändung
schuldig gesprochen und mit einer teilbedingten Freiheitsstrafe bestraft (Urk. 54
S. 33). Gegen diesen Entscheid liess der Beschuldigte durch seinen amtlichen
Verteidiger mit Eingabe vom Folgetag innert gesetzlicher Frist Berufung anmelden
(Art. 399 Abs. 1 StPO; Urk. 48). Die Berufungserklärung der Verteidigung ging
ebenfalls innert gesetzlicher Frist bei der Berufungsinstanz ein (Art. 399 Abs. 3
StPO; Urk. 57 f.). Die Anklagebehörde hat mit Eingabe vom 23. März 2021 innert
Frist mitgeteilt, dass auf Anschlussberufung und Anträge verzichtet werde
(Urk. 63; Art. 400 Abs. 2 f. und Art. 401 StPO). Mit Präsidialverfügung vom
9. April 2021 wurden diverse durch die Verteidigung in der Berufungserklärung
gestellte Beweisergänzungsanträge begründet abgewiesen (Art. 389 Abs. 3
StPO; Urk. 57; Urk. 68). Mit Eingabe vom 1. September 2021 erklärte die unent-
geltliche Vertretung der Privatklägerin B._ (nachfolgend auch: die "Privat-
klägerin") unter Einreichung der Honorarnote, dass sie und die Privatklägerin auf
die (freigestellte [Urk. 72]) Teilnahme an der Berufungsverhandlung verzichten
würden, wobei keine Anträge gestellt wurden (Urk. 76 ff.). Aufgrund eines
hinreichenden Verschiebungsgrunds auf Seiten der Verteidigung wurden am
17. September 2021 die Ladungen für die auf den 20. September 2021 an-
beraumte Berufungsverhandlung abgenommen (Urk. 72; Urk. 79 f.). Am
4. November 2021 wurde zur neu auf den 17. Januar 2022 terminierten
Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 80 f.). Die Verteidigung reichte ihr Plädo-
yer und dazugehörige Beilagen mit Eingabe vom 13. Januar 2022 ein paar Tage
vor der Berufungsverhandlung ein (Urk. 83 ff.). Der Staatsanwaltschaft wurde die-
se Eingabe samt Beilagen zur Kenntnis gebracht (Urk. 88). Sie erklärte, auf eine
Stellungnahme hierzu zu verzichten und um Dispensation von der Berufungsver-
handlung zu ersuchen, welchem Ersuchen von der Verfahrensleitung entsprochen
wurde (Urk. 93 ff.). Zur Berufungsverhandlung vom 17. Januar 2022 erschienen
der Beschuldigte und dessen Verteidiger Rechtsanwalt Dr. X._. Der Be-
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schuldigte machte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, wobei er
die Möglichkeit eines Schlussworts nutzte. Die Urteilsberatung erfolgte im
Anschluss an die Parteiverhandlung. Das Urteil wurde gleichentags mündlich
eröffnet (Prot. II S. 6 ff.).
2. Die Verteidigung hat die Berufung in ihrer Berufungserklärung ausdrücklich
teilweise beschränkt (Urk. 57; Art. 399 Abs. 4 StPO). Demnach sind im Beru-
fungsverfahren nicht angefochten:
− die vorinstanzliche Kostenfestsetzung (Urteilsdispositiv-Ziff. 6) sowie
− die vorinstanzliche Regelung zu den Entschädigungen der amtlichen
Verteidigung und der unentgeltlichen Privatklägervertretung (Urteilsdisposi-
tiv-Ziff. 7 und 8).
Die Rechtskraft dieser Anordnungen ist vorab mittels Beschluss festzuhalten
(Art. 404 StPO).
3.1. Der Beschuldigte lässt – in Erneuerung der bereits in der Berufungserklä-
rung formulierten Anträge – mehrere Beweisanträge stellen (Urk. 86 S. 2 f.;
Prot. II S. 7). Zunächst beantragt er die Befragung von vier Personen (A._,
B._, C._ und D._) als Zeuginnen, welcher Antrag zusammenge-
fasst wie folgt begründet wird (Urk. 57 S. 2 f.): Die vier angerufenen Personen –
es handelt sich um drei weibliche Bekannte sowie die Mutter des Beschuldigten –
würden den Beschuldigten seit mehreren Jahren kennen. Sie seien in der Lage,
Aussagen zum Charakter des Beschuldigten, zu seinem Umgang mit der Privat-
klägerin, zu seinem generellen Umgang mit weiblichen Personen und zur Privat-
klägerin zu machen. Weiter beantragt er die Einholung eines Gutachtens, das
sich dazu äussern soll, mit welcher Wahrscheinlichkeit es möglich sei, einer
schlafenden Person im Alter von 30 Jahren, die weder unter Alkohol- noch
Medikamenteneinfluss stehe, Pyjamaoberteil, Pyjamahose und Unterhose auszu-
ziehen, ohne dass die schlafende Person aufwache (nachfolgend auch: "erste
Frage"), und mit welcher Wahrscheinlichkeit die vorgenannten Handlungen des
Ausziehens möglich seien, ohne dass die unter Schlafwandeln leidende und im
Moment dieser Handlungen schlafwandelnde Person dabei zu vollem Bewusst-
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sein gelange (nachfolgend auch: "zweite Frage"). Weiter will der Beschuldigte
gutachterlich geklärt haben, ob die Privatklägerin seit Beginn der Beziehung mit
dem Beschuldigten im Juni 2017 unter Schlafwandeln gelitten und ob sie sich im
Tatzeitpunkt am 17. Dezember 2018, ca. 04:00 Uhr, in einer Phase des Schlaf-
wandelns befunden habe (nachfolgend auch: "dritte Frage"). Die Notwendigkeit
der Klärung der ersten beiden Fragen wird im Wesentlichen damit begründet,
dass entscheidend sei, ob das Ausziehen der Kleidung möglich sei, ohne dass die
Privatklägerin aufgewacht sei, was generell und hinsichtlich der Privatklägerin im
Konkreten zu prüfen sei. Die Abklärung der dritten Frage sei deshalb nötig, weil
es keinen medizinischen Nachweis dafür gebe, dass die Privatklägerin damals
unter Schlafwandeln gelitten habe (zum Ganzen: Urk. 57 S. 2 ff.).
3.2. Der Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 3 Abs. 2 lit. c
StPO, Art. 107 StPO) räumt dem Betroffenen das persönlichkeitsbezogene Mit-
wirkungsrecht ein, erhebliche Beweise beizubringen, mit solchen Beweisanträgen
gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise mitzuwirken. Dem
Mitwirkungsrecht entspricht die Pflicht der Behörden, die Argumente und Ver-
fahrensanträge der Parteien entgegenzunehmen und zu prüfen. Eine Verletzung
des rechtlichen Gehörs und des Untersuchungsgrundsatzes im Sinne von Art. 6
StPO liegt nicht vor, wenn eine Behörde auf die Abnahme beantragter Beweismit-
tel verzichtet, weil sie aufgrund der bereits abgenommenen Beweise ihre Über-
zeugung gebildet hat und ohne Willkür in vorweggenommener (antizipierter)
Beweiswürdigung annehmen kann, dass ihre Überzeugung durch weitere Be-
weiserhebungen nicht geändert würde. Beim Verzicht auf weitere Beweisabnah-
men muss die Strafbehörde das vorläufige Beweisergebnis hypothetisch um die
Fakten des Beweisantrags ergänzen und würdigen. Die Ablehnung des Beweis-
antrags ist zulässig, wenn die zu beweisende Tatsache nach dieser Würdigung
als unerheblich, offenkundig der Strafbehörde bekannt oder bereits als rechtsge-
nügend erwiesen anzusehen ist. Lehnt die Strafbehörde den Beweisantrag ab,
hat sie nicht nur darzulegen, weshalb sie aufgrund der bereits abgenommenen
Beweise eine bestimmte Überzeugung gewonnen hat, sondern auch, weshalb die
beantragte Beweismassnahme aus ihrer Sicht nichts an ihrer Überzeugung zu
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ändern vermag (anstelle vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_789/2019 vom
12. August 2020 E. 2.3., m.H.).
3.3. Zu den beantragten Zeugenbefragungen ist zu bemerken, dass gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung die Glaubhaftigkeit der Aussagen derjenigen
Personen, die sachdienliche Angaben zur (angeblichen) Tat machen können,
relevant ist. Der Glaubwürdigkeit kommt untergeordnete Bedeutung zu (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 6B_323/2021 vom 11. August 2021 E. 2.3.3.; 6B_257/2020,
6B_298/2020 vom 24. Juni 2021 E. 5.4.3.; BGE 133 I 33 E. 4.3.). Dieser Beweis-
antrag zielt darauf, die Glaubwürdigkeit des Beschuldigten zu stärken bzw. dem
Beschuldigten einen "guten Leumund" zu verschaffen. Die angerufenen vier
Personen können indes nichts zum Vorfall aussagen, da sie im Tatzeitpunkt nicht
anwesend waren. Vielmehr wären auch nach deren Befragung – trotz allem – die
Aussagen des Beschuldigten und der Privatklägerin als involvierte Personen
entscheidend, und es wären die Aussagen von letzteren beiden auf ihre Glaub-
haftigkeit zu überprüfen. Wie noch zu zeigen sein wird, erweisen sich die Aussa-
gen der Privatklägerin zum Tatgeschehen als glaubhaft, diejenigen des Beschul-
digten als unglaubhaft (vgl. hinten, E. II.). Die Aussagen der vier angerufenen
Personen würden keine bessere Beweiswürdigung ermöglichen. Selbst wenn die-
se ein positives Bild des Charakters des Beschuldigten und seines Umgangs mit
Frauen bzw. mit der Privatklägerin und ein negatives Bild von der Privatklägerin
zeichnen würden – wobei den Ausführungen der Verteidigung sich ohnehin nicht
entnehmen lässt, dass sie die Privatklägerin näher kennen würden –, hätten de-
ren Aussagen keine (entscheidende) Relevanz mit Blick auf das Beweisergebnis.
Der Anklagesachverhalt wäre gleichwohl erstellt. Nach dem Gesagten ist dieser
Beweisantrag abzuweisen.
3.4 Zum beantragten Gutachten, gilt was folgt: Die erste Frage ist pauschaler
Natur. Die aufgeworfene Frage lässt sich weder untersuchen noch beantworten.
Im Weiteren kommt es vorliegend nicht auf eine Durchschnittsperson, auf Durch-
schnittspersonen bzw. auf die Norm an, sondern auf die damalige konkrete
Situation bei der Privatklägerin. Das Resultat des Gutachtens liesse somit keinen
Rückschluss auf die damalige Reaktion bei der Privatklägerin zu, die im Übrigen –
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was gerichtsnotorisch ist – auch von den im damaligen Zeitpunkt vorliegenden
Umständen (wie z.B. Erschöpfungszustand) abhängig war und heute im Rahmen
einer gutachterlichen Untersuchung nicht eruiert werden kann. Dem Beweisantrag
ist die Beweiseignung abzusprechen. Selbiges gilt auch für die zweite Frage. Im
Weiteren ist bei dem in der Anklage behaupteten schlafenden Zustand der Privat-
klägerin nicht entscheidend, ob die Privatklägerin "volles Bewusstsein" erlangt
hat, wie dies die Verteidigung abgeklärt haben will. Entscheidend für die Prüfung
des Sachverhalts bleiben die Aussagen der Beteiligten, wobei diejenigen der
Privatklägerin in Bezug auf ihren Zustand des Schlafens überzeugen (vgl. hinten,
E. II.). Selbst wenn das beantragte Gutachten zum Schluss käme, die
Durchschnittsperson bzw. die unter Schlafwandeln leidende Durchschnittsperson
wäre (schon) beim Ausziehen von Kleidungsstücken aufgewacht, würde dies
nichts am Beweisergebnis ändern. Gestützt auf die überzeugenden Aussagen der
Privatklägerin wäre der Anklagesachverhalt gleichwohl erstellt. Zur aufgeworfenen
dritten Frage ist zu bemerken, dass sich diese Frage mittels Gutachten retrospek-
tiv nicht beantworten lässt. Nach dem Gesagten ist der Antrag auf Einholung ei-
nes Gutachten abzuweisen.
II. Schuldpunkt
1.1. Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift der Anklagebehörde vom
28. September 2020 zusammengefasst vorgeworfen, was folgt: Der Beschuldigte
und die Privatklägerin hätten von Juni 2017 bis Oktober 2018 eine intime Be-
ziehung unterhalten. Nachdem die Privatklägerin die Beziehung beendet habe,
habe der Beschuldigte sich weiter in der Wohnung der Privatklägerin aufgehalten.
In der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember 2018 habe sich der Beschuldigte
dann in das Bett zur schlafenden Privatklägerin gelegt, sie ausgezogen und an
ihr, während sie sich im Tiefschlaf befunden habe und wehrlos gewesen sei, ohne
ihr Einverständnis den Geschlechtsverkehr vollzogen (Urk. 31).
1.2. Der Beschuldigte bestreitet den Tatvorwurf (soweit er nicht die Aussage
verweigert). Er macht zusammengefasst geltend, dass es zum fraglichen Zeit-
punkt im Einverständnis mit der Privatklägerin zu gegenseitigen sexuellen Hand-
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lungen (intimes Kuscheln und Streicheln, nicht jedoch zum Geschlechtsverkehr
gekommen sei (Urk. D1/2/2 S. 4; Urk. D1/3/1 S. 3; Urk. D1/3/2 S. 3; Urk. D1/3/3
S. 4; Prot. I S. 7).
2.1. Der Anklagevorwurf basiert auf den belastenden Aussagen der
Privatklägerin. Diese wurde in der Untersuchung einmal polizeilich und einmal
staatsanwaltschaftlich ausführlich einvernommen (Urk. D1/2/1; Urk. D1/4/1). Die
staatsanwaltschaftliche Einvernahme der Privatklägerin wurde video-
dokumentarisch aufgezeichnet (Urk. D1/4/2). Sowohl die Vorinstanz (Urk. 54 S. 6)
als auch die Berufungsinstanz haben diese visuellen Aufzeichnungen visioniert.
Der Beschuldigte liess durch die Verteidigung im Hauptverfahren – noch unter
Vorbehalt (Urk. 45 S. 3 oben) – und im Berufungsverfahren schliesslich definitiv
(Urk. 57 S. 4; Urk. 68 S. 3; Urk. 70) auf eine gerichtliche Einvernahme der Privat-
klägerin verzichten.
2.2. Die Vorinstanz hat die Aussagen, wie sie die Privatklägerin und der
Beschuldigte in ihren jeweiligen Einvernahmen deponiert haben, im angefochte-
nen Entscheid detailliert wiedergegeben (Urk. 54 S. 8-14). Darauf wird vorab ver-
wiesen; desgleichen auf die allgemeinen theoretischen Grundsätze der richter-
lichen Beweiswürdigung und die grundsätzliche Beurteilung der Glaubwürdigkeit
der Aussagenden (Urk. 54 S. 15 ff.).
3.1. Die Verteidigung hat die Belastungen der Privatklägerin im Hauptverfahren
und im Berufungsverfahren zusammengefasst wie folgt kritisiert: Die Aussagen
der Privatklägerin zum Zeitpunkt, wann die Partner-Beziehung zwischen ihr und
dem Beschuldigten aufgelöst worden sei, seien widersprüchlich und damit un-
glaubhaft. Somit sei nicht klar, ob und wann dem Beschuldigten die Auflösung der
Beziehung mitgeteilt worden sei, respektive, dass die Privatklägerin keine Intimitä-
ten mehr wolle. Ferner wechsle die Privatklägerin zwischen den Darstellungen,
sie habe während der behaupteten Penetration tief geschlafen, respektive sich in
einem Zustand des Schlafwandelns befunden. Es sei aber jedenfalls unmöglich,
dass der Beschuldigte der Privatklägerin wie behauptet das Pyjama ausgezogen
habe, ohne dass diese dies bemerkt hätte und sich dagegen hätte zur Wehr set-
zen können. Sodann schildere sie ihr eigenes Verhalten nach dem Aufwachen
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uneinheitlich. Ihre Aussagen zum Kerngeschehen seien somit widersprüchlich.
Auch ihre Schilderungen, weshalb der Beschuldigte nach der behaupteten Tren-
nung weiter in ihrer Wohnung geblieben sei, überzeugten nicht. Schliesslich schil-
dere sie nicht eindeutig, ab wann sie mit sexuellen Handlungen nicht mehr ein-
verstanden gewesen sei, respektive dies dem Beschuldigten hätte bewusst sein
sollen. Insgesamt sei nicht erstellt, dass es zum Geschlechtsverkehr gekommen
sei, dass die Privatklägerin bei einem solchen (falls als erstellt erachtet) wider-
standsunfähig gewesen sei und dass sie dem Beschuldigten für diesen erkennbar
ihre Ablehnung dagegen mitgeteilt hätte (Urk. 45; Urk. 86).
3.2. Die Vorinstanz hat die Aussagen der Privatklägerin in einer sorgfältigen und
detaillierten Beweiswürdigung auf ihre Glaubhaftigkeit geprüft. Sie hat zusam-
mengefasst erwogen, für die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin
sprächen deren Detailreichtum. Sie habe sowohl anlässlich der polizeilichen als
auch anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme auf einzelne Fragen
lange, zusammenhängende Antworten gegeben. Sie sei während ihrer Aussagen
immer wieder vom strafbaren Sachverhalt abgeschweift, indem sie Allgemeines
über die Beziehung mit dem Beschuldigten erzählt habe. Sowohl der quantitative
Reichtum der Aussagen der Privatklägerin als auch die teilweise ungeordneten
und sprunghaften Ausführungen seien Realkennzeichen. Gewisse Ungenauigkei-
ten und Erinnerungslücken sprächen entgegen der Verteidigung nicht gegen die
Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen: Zwischen der polizeilichen und der staatsanwalt-
schaftlichen Einvernahme der Privatklägerin seien über vier Monate vergangen,
weshalb gewisse Erinnerungsverluste natürlich seien. Diese habe sie auch frei-
mütig eingeräumt. Sie habe versucht, durch Rekonstruktion der (Begleit-
)Umstände die Erinnerung an den Zeitpunkt der Trennung abzurufen. Da der Be-
schuldigte weiterhin in der Wohnung der Privatklägerin verblieb, erstaune ein
Nicht-Erinnern an den genauen Zeitpunkt der Trennung nicht. Das Trennungsge-
spräch habe die Privatklägerin jedoch anschaulich geschildert. Passend zur voll-
zogenen Trennung sei auch ihre Schilderung, sie habe sich daher zum Schlafen
bewusst angezogen und dem Beschuldigten mehrfach gesagt, dass sie seine Be-
rührungen nicht mehr wolle. Dies wirke nachvollziehbar, lebensnah und damit
glaubhaft. Passend sei auch, dass die Privatklägerin weitere behauptete sexuelle
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Übergriffe, die zeitlich vor dem im vorliegenden Fall zu beurteilenden Übergriff
stattgefunden haben (sollen), nicht detailliert schildern könne. Wer einen Vorfall
erfindet, hätte gemäss Vorinstanz entweder nur einen solchen Übergriff angege-
ben, oder aber sämtliche behaupteten Übergriffe gleich detailliert geschildert. Die
Privatklägerin schildere sodann eigene innere, psychische Vorgänge wie Scham-
gefühle, Angst sowie das Gefühl von Mitleid, was lebensnah und echt wirke. Die
Privatklägerin sei auch nicht bestrebt, sich selbst in einem möglichst guten und
den Beschuldigten in einem möglichst schlechten Licht darzustellen, wie es in ei-
ner erfundenen Darstellung der Fall wäre. Sie habe sich übermässiger Belastun-
gen gegenüber dem Beschuldigten enthalten, was für die Glaubhaftigkeit ihrer
Aussagen spreche. Tatsächlich auffällig sei die Diskrepanz in ihren verschiede-
nen Einvernahmen zur Frage, ob sie sich nach dem Aufwachen physisch gegen
den Beschuldigten gewehrt habe. Dies könne jedoch offen bleiben und entschei-
dend sei der Vorwurf, der Beschuldigte sei im Schlaf in die Privatklägerin einge-
drungen, als sie die Liebesbeziehung bereits beendet hatte. Mit welcher Vehe-
menz sich die Privatklägerin nach dem Erwachen gewehrt hat, sei von unterge-
ordneter Bedeutung. Die Aussagen der Privatklägerin wirkten aufgrund zahlrei-
cher Realkennzeichen erlebt. Auszuschliessen sei auch, dass die Privatklägerin
eine erlebte Begebenheit mit geringfügigen Veränderungen zur Straftat stilisiert
hat. Sie schildere anschaulich, wie sie die Beziehung beendet habe, so dass der
Beschuldigte von keinem Einverständnis mehr ausgehen konnte, auch wenn die
Privatklägerin ähnliche Handlungen geduldet habe, als die Beziehung noch intakt
war (Urk. 54 S. 18-24 mit Verweisen). Diese Beweiswürdigung ist grundsätzlich
überzeugend und zu übernehmen. Vorab ist sie um den wesentlichen Umstand zu
ergänzen, dass keinerlei nachvollziehbares Motiv der Privatklägerin ersichtlich ist,
den Beschuldigten wahrheitswidrig zu belasten. Der blosse Umstand, dass sich
die Privatklägerin am Alkoholkonsum des Beschuldigten störte, stellt objektiv kein
Motiv für eine Strafanzeige dar. Es sind im Übrigen keine Anzeichen dafür er-
kennbar, dass darin der Grund für die Strafanzeige der Privatklägerin zu suchen
wäre. Dass die Privatklägerin mit ihrer Strafanzeige ein paar Tage zugewartet hat,
lässt im Vornherein die Privatklägerin nicht als unglaubwürdig bzw. ihre Aussage
als unglaubhaft erscheinen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_257/2020,
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6B_298/2020 vom 24. Juni 2021 E. 5.4.1.). Die Privatklägerin hat ihr Zuwarten
nachvollziehbar damit erklärt, dass sie Scham empfunden habe (Urk. D1/2/1 S. 4;
Urk. D1/4/1 S. 19). Zwar ist gestützt auf die Aussagen der Beschuldigten bei der
Polizei davon auszugehen, dass sie – worauf die Verteidigung hinweist (Urk. 86
S. 3 ff.) – vor der Strafanzeige Kontakt hatte mit einer Ex-Freundin des Beschul-
digten (Urk. D1/2/1 S. 4 f.), was grundsätzlich heikel ist. Dies allein deutet indes
nicht auf eine Absprache zwischen der Privatklägerin und anderen Ex-
Freundinnen des Beschuldigten hin, zumal letztere keine strafrechtlichen Schritte
gegen den Beschuldigten vor der Strafanzeige der Privatklägerin eingeleitet hat-
ten bzw. nach der Strafanzeige der Privatklägerin eingeleitet haben (vgl.
Urk. D1/26; Urk. D1/28). Im Rahmen der von der Staatsanwaltschaft Zürich–
Limmat eingeleiteten Strafuntersuchung verweigerten die Ex–Freundinnen jeweils
die Aussage, was letztlich zur Einstellung der Strafuntersuchungen führte. Auch
hieraus ergeben sich keine Anhaltspunkte für eine Absprache. Das Gegenteil ist
der Fall. Massgebend bleibt aber ohnehin die Glaubhaftigkeit der Aussagen der
Direktbeteiligten.
3.3. Mit der Vorinstanz und entgegen der Verteidigung sind die Belastungen der
Privatklägerin dahingehend überzeugend, dass der Beschuldigte die Privatkläge-
rin in der fraglichen Nacht tatsächlich vaginal penetriert hat. Ihre diesbezügliche
Darstellung ist absolut glaubhaft. Ganz im Gegensatz zu den im Übrigen nur
halbherzigen Bestreitungen des Beschuldigten: In seinen ersten Einvernahmen
machte der Beschuldigte durchaus detaillierte Schilderungen; den inkriminierten
Geschlechtsverkehr hat er dabei aber nicht rundweg bestritten, sondern gerade
daran wollte er sich "beim besten Willen nicht erinnern können". Dies ist offen-
sichtlich unglaubhaft. Dass der Beschuldigte diese – vier Tage nach dem Vorfall
gemachte – Äusserung der fehlenden Erinnerung im Rahmen seines Schluss-
worts an der Berufungsverhandlung relativierte, indem er lapidar angab, dies sei
sarkastisch gemeint gewesen, und dass er dies anders hätte formulieren können
(Prot. II S. 9), vermag ebenso wenig etwas an dieser Einschätzung zu ändern wie
der Erklärungsversuch der Verteidigung, chronischer Alkoholmissbrauch – wie er
beim Beschuldigten vorgelegen habe, was eine pauschale Behauptung darstellt –
könne zu Hirnschädigungen bzw. kognitiven Beeinträchtigungen führen (Urk. 86
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S. 14). Der Hinweis der Verteidigung (Urk. 86 S. 14), die weiter geltend macht,
der Beschuldigte sei im Tatzeitpunkt alkoholisiert gewesen (a.a.O.; vgl. zur Frage
der Alkoholisierung hinten, E. III.3.2.), auf BENDER et al. ist unbehelflich, zumal die
Autoren (lediglich) festhalten, dass Alkoholisierung dazu führt, dass weniger De-
tails wahrgenommen werden bzw. die Wahrnehmung peripherer, nicht aber zent-
raler Details eingeschränkt ist (BENDER et al., Tatsachenfeststellung vor Gericht,
5. Aufl. 2021, Rz. 77). Die Bestreitung des Beschuldigten reduzierte sich sodann
auf die pauschale Behauptung, er würde nie etwas Sexuelles gegen den Willen
der Privatklägerin vornehmen (Urk. 54 S. 12-14 mit Verweisen; vgl. auch Prot. II
S. 9). Dass die Privatklägerin nicht bei klarem Bewusstsein war, als der Beschul-
digte sie penetrierte, hat sie ebenfalls glaubhaft geschildert (Urk. D1/4/1 S. 10).
Der Beschuldigte hat – zumindest zwischenzeitlich – anerkannt, dass die Privat-
klägerin "auf jeden Fall am Dösen" gewesen sei, als er zu ihr ins Bett ging
(Urk. D1/2/2 S. 3). Ob sie sich dabei nun in einem Zustand des Tiefschlafs, einem
Dämmerzustand der Aufwachphase oder einem traumwandlerisch-ähnlichen Zu-
stand befand, ist – entgegen der Verteidigung (Urk. 86 S. 19 ff. und S. 33) – irre-
levant: Sie war jedenfalls nicht bei wachem Bewusstsein, realisierte somit nicht,
was vor sich ging und konnte sich auch nicht dagegen zur Wehr setzen. Die Pri-
vatklägerin hat – entgegen der Verteidigung (Urk. 86 S. 7 ff.) – schliesslich auch
überzeugend geschildert, dass sie die (intime) Beziehung zum Beschuldigten zeit-
lich klar vor dem massgeblichen Vorfall abgebrochen hatte (Urk. D1/4/1 S. 7),
keine Intimitäten mit diesem mehr wollte und der Beschuldigte dies zum Tatzeit-
punkt auch wusste (vgl. dazu auch sogleich, E. II.4.). Damit ist der Anklagesach-
verhalt in der Tat und entgegen dem appellierenden Beschuldigten rechtsgenü-
gend erstellt.
4. Der Beschuldigte hat an der Privatklägerin, die sich zum Tatzeitpunkt im
Schlaf- oder schlafähnlichen Zustand befand und damit widerstandsunfähig war,
den vaginalen Geschlechtsverkehr vollzogen. Vom tatzeitaktuellen Zustand der
Privatklägerin hatte der Beschuldigte ebenso Kenntnis wie von der Tatsache,
dass die Privatklägerin die intime Beziehung mit ihm beendet hatte und keine In-
timitäten mehr wollte. Den diesbezüglichen Einwand der Verteidigung zum sub-
jektiven Tatbestand, der Beschuldigte habe von einem grundsätzlichen Einver-
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ständnis der Privatklägerin ausgehen dürfen (Urk. 45 S. 18; Urk. 86 S. 35), hat
bereits die Vorinstanz zutreffend verworfen (Urk. 54 S. 25 f.). Die Privatklägerin
hat wohl ausgesagt, dass der Beschuldigte sich ihr auch schon in den der Nacht
mit dem massgeblichen Vorfall vorangegangenen Nächten sexuell genähert habe.
Wenn sie dann jeweils aufgewacht sei, habe sie ihn zurückgewiesen (Urk. D1/2/1
S. 2, S. 4 und S. 6). Somit konnte der Beschuldigte eben gerade nicht von einer
konkludenten Einwilligung der Privatklägerin zu sexuellen Handlungen und schon
gar nicht zum Vollzug des Geschlechtsverkehrs ausgehen. Die Privatklägerin hat
anschaulich das Vorgehen des Beschuldigten an ihr mit der Benützung einer
Gummi-Sex-Puppe verglichen und dies auch – völlig nachvollziehbar und zu
Recht – als demütigend empfunden (Urk. D1/4/1 S. 1 f.). Zwar nicht entscheidend,
aber ins Bild passend und aus diesem Grund der Vollständigkeit halber zu
erwähnen, ist Folgendes: Hätte der Beschuldigte von der Einwilligung der Privat-
klägerin ausgehen dürfen und hätte er eine solche Einwilligung auch tatsächlich
angenommen, wäre zu erwarten gewesen, dass er dies entsprechend selbst zu
Protokoll geben hätte. Stattdessen gab er an – obschon er sich namentlich an das
Kuscheln erinnerte –, sich nicht mehr daran zu erinnern, ob Geschlechtsverkehr
stattfand, und später machte er keine Aussagen mehr zur Frage des Stattfindens
von Geschlechtsverkehr. Dies stützt die Einschätzung, dass die Privatklägerin
schon vor der fraglichen Nacht keine sexuellen Handlungen mit dem Beschuldig-
ten wollte und letzterer darum wusste. Damit hat der Beschuldigte den Tatbestand
der Schändung im Sinne von Art. 191 StGB objektiv und subjektiv erfüllt. Der an-
gefochtene Schuldspruch ist zu bestätigen.
III. Sanktion
1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten dem Antrag der Anklagebehörde
folgend mit einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten bestraft (Urk. 42 S. 1; Urk. 54
S. 33). Die Verteidigung hat sich weder im Hauptverfahren noch im Berufungs-
verfahren zum Strafmass geäussert (Urk. 45; Urk. 86). Auf Ausführungen dazu
hat die Verteidigung bewusst verzichtet (Urk. 86 S. 1).
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2. Zur Bemessung des anwendbaren Strafrahmens und den theoretischen
Grundsätzen der richterlichen Strafzumessung wird auf die entsprechenden
Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwiesen (Urk. 54 S. 26 f.).
3.1. Zur Tatkomponente und dort zur objektiven Tatschwere hat die Vorinstanz
erwogen (Urk. 54 S. 27 f.), der Beschuldigte habe an der Privatklägerin den
Beischlaf vollzogen, was eine intensive Form der in Art. 190 StGB genannten
Tatvarianten darstelle. Dies ist korrekt. Ebenfalls zutreffend ist die Erwägung,
dass der Beschuldigte der Privatklägerin keine physischen Schmerzen zufügte,
was auf eine gewaltlose Vorgehensweise schliessen lässt. Nicht überzeugend ist
allerdings die Erwägung, es wiege erschwerend für den Beschuldigten, dass er
nach Beziehungsabbruch in der Wohnung der Privatklägerin geblieben sei und ih-
re Gutmütigkeit und ihr Vertrauen ausgenützt habe. Wohl hat der Beschuldigte mit
Sicherheit die Nachsicht der Privatklägerin ausgenutzt. Allerdings erstaunt es
aber, dass diese ihn nach ihrem einseitigen Abbruch der Beziehung und insbe-
sondere nach diversen vorgängigen nächtlichen, ihr unliebsamen sexuellen An-
näherungen weiter bei ihr im Bett übernachten liess. Dies führt selbstredend nicht
mit der Verteidigung zum Schluss, dass der Beschuldigte mit einem Einverständ-
nis der schlafenden Privatklägerin hätte rechnen dürfen. Allerdings erscheinen die
gesamten Tatumstände auch in einem anderen Licht, als wenn sich ein in keiner
Weise mit einem schlafenden Opfer liierter Täter in dessen Bett schleicht und sich
an diesem vergeht. Es handelte sich um eine einmalige Tat, die – in Anbetracht
der denkbaren Vorgehensweisen bei einer Schändung – keine besondere Pla-
nung oder sonst wie ausgeprägte kriminelle Energie erforderte. Gleichwohl sind
die Tat des Beschuldigten und deren objektive Tatschwere in keiner Weise zu
bagatellisieren. Im Vergleich mit anderen denkbaren Fällen von Schändung wiegt
die objektive Tatschwere aber gerade noch leicht. Die hypothetische Einsatzstrafe
ist in der Region der Mitte des unteren Drittels des Strafrahmens festzusetzen.
Eine Freiheitsstrafe von 2 Jahren ist angemessen.
3.2. Zur subjektiven Tatschwere hat der Beschuldigte mit der Vorinstanz (Urk. 54
S. 28) direktvorsätzlich und mit egoistischem Motiv, zur eigenen Triebbefriedi-
gung, gehandelt. Wohl hat der Beschuldigte geschildert, vor dem Tatzeitpunkt Al-
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kohol konsumiert zu haben (Urk. D1/3/1 S. 3). Ein eigentlicher Rauschzustand,
welcher seine Schuldfähigkeit beeinträchtigt hätte (Art. 19 StGB), wird seitens des
Beschuldigten jedoch weder konkret behauptet noch anderweitig überzeugend
dargetan. An gleicher Stelle gab der Beschuldigte vielmehr illustrativ an, wenn er
betrunken sei, habe er keine Erektion. Gemäss vorstehendem Beweisresultat war
dies jedoch durchaus der Fall, ansonsten er nicht hätte den Beischlaf an der
schlafenden Privatklägerin vollziehen können. Die subjektive Tatschwere relati-
viert die objektive in der Tat in keiner Weise. Die Beurteilung der Tatkomponente
führt somit zu einer hypothetischen Einsatzstrafe von 2 Jahren Freiheitsstrafe.
3.3. Zur Täterkomponente hat die Vorinstanz die persönlichen Verhältnisse des
Beschuldigten – soweit diese zu eruieren waren – angeführt (Urk. 54 S. 28). Im
Berufungsverfahren wurden keine neuen relevanten Umstände bekannt, weshalb
mit der Vorinstanz die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten ebenso
strafzumessungsneutral wiegen wie seine Vorstrafenlosigkeit (Urk. 55) und sein
Nachtatverhalten. Insbesondere kann er keine Strafminderung infolge eines
Geständnisses oder gar Reue reklamieren. Eine besondere Strafempfindlichkeit
weist er schliesslich nicht auf. Die Beurteilung der Täterkomponente führt weder
zu einer Erhöhung noch zu einer Senkung der nach der Beurteilung der Tat-
komponente bemessenen hypothetischen Einsatzstrafe. Somit ist der Beschuldig-
te mit einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren zu bestrafen.
3.4. Der Anrechnung der 2 Tage erstandener Haft steht nichts entgegen
(Art. 51 StGB).
4. Mit der Vorinstanz ist dem nicht vorbestraften Beschuldigten eine günstige
Legalprognose zu stellen (Urk. 54 S. 30; Art. 391 Abs. 2 StPO). Somit ist der Voll-
zug der Freiheitsstrafe aufzuschieben unter Ansetzung der gesetzlich minimalen
Probezeit von 2 Jahren (Art. 42 Abs. 1 StGB und Art. 44 Abs. 1 StGB).
IV. Zivilforderungen
1. Ausgangsgemäss sind die vorinstanzliche Feststellung, dass der Be-
schuldigte gegenüber der Privatklägerin aus dem eingeklagten Ereignis dem
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Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist, und deren Verweis zur genauen
Feststellung des Umfanges ihres Schadenersatzanspruches auf den Weg des
Zivilprozesses zu bestätigen.
2.1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten verpflichtet, der Privatklägerin ihrem
Antrag entsprechend (Urk. 43 S. 2) eine Genugtuung von Fr. 8'000.-- nebst Zins
zu bezahlen. Die Vorinstanz hat zwar die Bemessungsgrundlagen zutreffend er-
wähnt, worauf verwiesen werden kann, eine eigentliche Begründung zur Höhe der
Genugtuung erfolgte – ausser einem Verweis auf die Strafzumessung zum Ver-
schulden des Beschuldigten – indes nicht (Urk. 54 S. 32 f.).
2.2. Die Privatklägerin liess durch ihre Vertreterin im Hauptverfahren
zusammengefasst ausführen, die Privatklägerin habe als Folge der Tat temporär
Schlafstörungen, eine Wesensveränderung und eine Rückzugshaltung erlitten.
Sie habe aufgrund der psychischen Belastung auch einen Wohnungswechsel vor-
genommen. Es habe ein offensichtlicher und anhaltender Leidensdruck bestan-
den (Urk. 43 S. 5 f.).
2.3. Die Verteidigung, die hinsichtlich der gestellten Zivilansprüche der Privat-
klägerin ein Nichteintreten beantragt, was sie mit dem beantragten Freispruch
begründet, hat sich bewusst nicht (eventualiter) mit der Bemessung der Genug-
tuung auseinandergesetzt (vgl. Urk. 86 S. 1 und S. 37).
2.4. Da das Verschulden des Beschuldigten tiefer liegt, als dies die Vorinstanz
angenommen hat, womit auch die Art und Weise der Schwere der Verletzung als
weniger gravierend zu bezeichnen sind, und die von der Privatklägerin zu ver-
gegenwärtigenden Auswirkungen der Tat gestützt auf deren Vorbringen – im
Vergleich zu anderen Fällen von Sexualdelikten – als (eher) niederschwellig zu
bezeichnen sind, ist die vorinstanzliche Genugtuung zu reduzieren. Eine Genug-
tuung von Fr. 5'000.– (zuzüglich Zins) ist angemessen.
2.5. Der Beschuldigte ist zu verpflichten, der Privatklägerin Fr. 5'000.--, zuzüglich
5 % Zins ab 17. Dezember 2018, als Genugtuung zu bezahlen.
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V. Kosten und Entschädigungen
1. Ausgangsgemäss ist die angefochtene erstinstanzliche Kostenauflage
(Urteilsdispositiv-Ziff. 9) zu bestätigen (Art. 426 StPO).
2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist praxisgemäss auf
Fr. 3'000.-- festzusetzen (vgl. Art. 424 Abs. 1 StPO i.V.m. § 16 Abs. 1 und § 14
der Gebührenverordnung des Obergerichts).
3. Rechtsanwalt lic. iur. Dr. X._ beantragt für seine Bemühungen als amt-
licher Verteidiger im Berufungsverfahren eine Entschädigung von gerundet
Fr. 3'922.-- (inkl. Auslagen und MwSt.) (Urk. 83; Urk. 85; Prot. II S. 7). Der geltend
gemachte Aufwand ist ausgewiesen und angemessen. In der Honorarnote ist der
zeitliche Aufwand für die Teilnahme an der Berufungsverhandlung noch nicht
enthalten, weshalb die Entschädigung auf pauschal Fr. 4'400.-- festzusetzen ist.
Nach dem Gesagten ist Rechtsanwalt Dr. X._ für seine Bemühungen und
Auslagen als amtlicher Verteidiger im Berufungsverfahren mit Fr. 4'400.-- (inkl.
Auslagen und MwSt.) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
4. Rechtsanwältin lic. iur. Y._ beantragt für ihre Bemühungen als unent-
geltliche Vertreterin der Privatklägerin im Berufungsverfahren eine Entschädigung
von Fr. 417.-- (inkl. Auslagen und MwSt.) (Urk. 76; Urk. 78). Der geltend gemach-
te Aufwand ist ausgewiesen und angemessen. Nach dem Gesagten ist Rechts-
anwältin lic. iur. Y._ mit Fr. 417.-- (inkl. Auslagen und MwSt.) aus der Ge-
richtskasse zu entschädigen.
5. Die Kosten des Berufungsverfahren werden nach Massgabe von Obsiegen
und Unterliegen verteilt (vgl. Art. 428 Abs. 1 StPO). Vorliegend unterliegt der ein-
zig appellierende Beschuldigte mit seinen Anträgen mehrheitlich. Er dringt mit
seinen Anträgen insoweit durch, als die Strafe und der Genugtuungsbetrag redu-
ziert werden. Demnach sind ihm die Kosten des Berufungsverfahrens, mit
Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen
Vertretung der Privatklägerschaft, zu drei Vierteln aufzuerlegen und im verblei-
benden Viertel auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Ver-
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teidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft sind zu drei
Vierteln einstweilen und zu einem Viertel definitiv auf die Gerichtskasse zu neh-
men (Art. 428 StPO). Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten im Umfang von
drei Vierteln ist gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO und Art. 138 Abs. 1 StPO vorzube-
halten.