Decision ID: 63cac0af-a7de-49a9-bbd2-3f159c935298
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Jürg Jakob, Rosenbergstrasse 42b,
9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a Der Personaldienst des B._ meldete A._ am 21. Januar 2010 zur
Früherfassung bei der IV-Stelle (IV-act. 1). Auf Aufforderung der IV-Stelle hin (IV-act. 10)
meldete sich der Versicherte am 2. März 2010 wegen einer extremen Skoliose und
Rückenschmerzen zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 11). Der behandelnde
Prof. Dr. med. C._, Facharzt FMH für Neurochirurgie, berichtete am 26. März 2010,
der Versicherte leide mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an einer leichtgradigen
linkskonvexen Skoliose der BWS und einer rechtskonvexen Skoliose der LWS (15°). Er
bescheinigte dem Versicherten grundsätzlich eine 50%ige Arbeitsfähigkeit für die
angestammte Tätigkeit (IV-act. 20). Im Bericht vom 12. April 2010 gab der Hausarzt
Dr. med. D._, Innere Medizin FMH, an, es bestehe mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit ein chronisches lumbales Schmerzsyndrom mit radikulärer
Ausstrahlung S1 beidseits bei Diskusprotrusionen L3/L4 und L4/L5 mit/bei
rechtskonvexer Rotationsskoliose der LWS, sowie muskulo-skelettale Schmerzen links
mit intermittierender Hemihypästhesie unklarer Aetiologie, DD: somatoforme
Schmerzstörung. Für die angestammte Tätigkeit verfüge der Versicherte über eine
50%ige Arbeitsfähigkeit. Leidensangepasste Tätigkeiten (rein sitzend, mit der
Möglichkeit wieder etwas herumgehen zu können) seien ihm zumutbar; zum Ausmass
äusserte er sich explizit nicht (IV-act. 25). RAD-Arzt Dr. med. E._, Facharzt für
Arbeitsmedizin sowie Physikalische Medizin, vertrat die Auffassung, für eine
leidensangepasste Tätigkeit bestehe sicher eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 26).
A.b Im Verlaufsprotokoll vom 18. Januar 2011 hielt die Eingliederungsverantwortliche
fest, der Versicherte arbeite weiterhin in der Spülküche beim B._. Der bisherige
Arbeitsplatz sei an das Leiden angepasst worden (es sei in der Küche eine neue
Abwaschmaschine installiert worden, die ergonomisch zu bedienen sei, IV-act. 39-2).
Im Schlussbericht vom 18. Januar 2011 hielt der Eingliederungsverantwortliche fest,
der Versicherte arbeite im Rahmen eines 50%igen Pensums (IV-act. 41). Am 5. Mai
2011 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, berufliche Eingliederungsmassnahmen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
seien nicht angezeigt, da er weiterhin beim bisherigen Arbeitgeber im Rahmen eines
50%igen Pensums arbeiten wolle (IV-act. 42).
A.c Unter der Annahme einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten stellte die IV-Stelle dem Versicherten am 16. Mai 2011 in Aussicht, das
Rentengesuch abzuweisen (IV-act. 45). Dagegen erhob der Versicherte am 10. Juni
2011 Einwand (IV-act. 46). In der ergänzenden Begründung vom 18. Juli 2011
beantragte er mit Wirkung ab 1. November 2010 eine halbe Rente. Die Auffassung der
IV-Stelle, er sei zu 100% arbeitsfähig, sei unzutreffend, zumal sich sein
Gesundheitszustand weiter verschlechtert habe (IV-act. 50). Des Weiteren reichte er
verschiedene Arztberichte, u.a. eine Stellungnahme von Prof. C._ vom 5. Juli 2011
ein (IV-act. 51-3).
A.d Auf Empfehlung von RAD-Arzt Dr. E._ (IV-act. 52) gab die IV-Stelle am
12. August 2011 eine bidisziplinäre (rheumatologisch-psychiatrische) Begutachtung in
Auftrag (IV-act. 54). Am 30. August 2011 wurde der Versicherte rheumatologisch-
orthopädisch durch Dr. med. F._, u.a. Facharzt für Rheumatologie, und am
14. September 2011 psychiatrisch durch Dr. med. G._, Facharzt FMH für Psychiatrie
und Psychotherapie, begutachtet (zum rheumatologisch-orthopädischen Teilgutachten
vom 8. November 2011 mit Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit vom
31. Oktober/1. November 2011 siehe IV-act. 60-1 ff.; zum psychiatrischen
Teilgutachten vom 26. Oktober 2011 siehe IV-act. 60-42 ff.). Die Gutachter
diagnostizierten mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit chronische therapierefraktäre
Lumboischialgien beidseits (mit/bei mässigen Befunden der mehrmals durchgeführten
Kernspintomografien, neurologisch nicht sicheren Ausfällen ausser einer Hypästhesie
im Dermatom L5 rechts, Wirbelsäulenfehlform im Sinn einer mässigen s-förmigen
Skoliose der Brustwirbelsäule und Lendenwirbelsäule mit einem Skoliose Winkel von
12° bzw. 15°, muskulärer Dysbalance und Dekonditionierung) sowie einen dringenden
Verdacht auf Restless-Legs-Syndrom. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit leide
der Versicherte an einer unklaren Kardiomyopathie, einem Impingement-Syndrom der
rechten Schulter und einer Dysthymia. Ferner bestehe ein Verdacht auf konstitutionelle
Hypermotilität. Dem Versicherten sei "mindestens halbtags eine leichte bis
mittelschwere Tätigkeit mit hantieren bis 15 kg zumutbar mit Einschränkung bezüglich
der Schulter Belastung, andererseits aber auch bezüglich der Beinbeschwerden. Diese
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Tätigkeit sollte mindestens halbtags durchführbar sein" (interdisziplinäres
Gesamtgutachten vom 22. November 2011, IV-act. 60-74). Mit Schreiben vom
20. Januar 2012 ersuchte die IV-Stelle Dr. F._, hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit nicht
bloss eine Untergrenze, sondern den genauen Umfang anzugeben (IV-act. 62; siehe
auch die RAD-Stellungnahme vom 16. Januar 2012, IV-act. 61). In der Antwort vom
1. Februar 2012 verwies Dr. F._ im Wesentlichen auf die interdisziplinären
Ausführungen des Gutachtens (IV-act. 67), weshalb die IV-Stelle erneut mit der Frage
an ihn gelangte, wie gross die Arbeitsfähigkeit in der von ihm beschriebenen ideal
angepassten Tätigkeit sei (IV-act. 69; siehe auch die RAD-Stellungnahme vom
10. Februar 2012, IV-act. 68). Am 24. Februar 2012 teilte Dr. F._ der IV-Stelle mit,
eine ideal leidensangepasste Tätigkeit wäre dem Versicherten mindestens 70%
zumutbar mit potentieller Steigerung unter adäquaten rehabilitativen Massnahmen (IV-
act. 73). Daraufhin gelangte RAD-Arzt Dr. med. H._, Facharzt für Prävention und
Gesundheitswesen, zum Schluss, gesamthaft könne die Einschätzung einer 70%igen
Arbeitsfähigkeit adaptiert übernommen werden (Stellungnahme vom 7. März 2012, IV-
act. 74).
A.e Die IV-Stelle teilte dem Versicherten mit, aufgrund der vorliegenden Unterlagen
werde an der in Aussicht gestellten Abweisung des Rentengesuchs festgehalten. Aus
medizinischer Sicht bestehe eine 70%ige Arbeitsfähigkeit. Sie räumte ihm Gelegenheit
für eine Stellungnahme ein (IV-act. 75), wovon der Versicherte am 26. April 2012
Gebrauch machte (IV-act. 78). Ausgehend von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten verfügte die IV-Stelle am 18. Juli 2012 die
Rentenabweisung (IV-act. 80).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 18. Juli 2012 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 12. September 2012. Der Beschwerdeführer beantragt darin unter Kosten- und
Entschädigungsfolge deren Aufhebung sowie die Zusprache einer halben Rente mit
Wirkung ab 1. November 2010. Eventualiter sei die Sache zur Durchführung einer
erneuten Begutachtung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Er bringt vor, die
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung durch Dr. F._ sei nicht schlüssig. Der in der
angefochtenen Verfügung vertretene Standpunkt der Beschwerdegegnerin, er sei zu
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
100% arbeitsfähig, sei willkürlich und mit den medizinischen Akten nicht zu
vereinbaren. Es sei von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Des Weiteren sei
ein Leidensabzug von 15% bei der Bestimmung des Invalideneinkommens zu
berücksichtigen (act. G 1). Der Beschwerde legte der Beschwerdeführer verschiedene
Arztberichte bei, u.a. einen Radiologiebericht vom 14. August 2012 betreffend eine
MRT Arthrographie des rechten Schultergelenks (Ultra Highfield and High Resolution 3-
Tesla). Darin beschrieb der Radiologe ein bekanntes subakromiales Impingement mit
bestehender Bursitis, eine Tendinose/Tendinitis der Supraspinatussehne sowie einen
Labrumriss dorsal (act. G 1.9).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 5. November
2012 die Abweisung der Beschwerde. Sie räumt ein, dass die in der Verfügung
berücksichtigte 100%ige Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
aktenwidrig sei. Im Rahmen der zweiten Anhörung sei mitgeteilt worden, dass von einer
70%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten ausgegangen werde. Dies
sei bei Erlass der Verfügung leider nicht übernommen worden. Es bestehe kein Anlass,
von der von Dr. F._ letztlich bescheinigten 70%igen Arbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten abzuweichen. Bezüglich der Bestimmung des
Invalideneinkommens rechtfertige sich höchstens ein 10%iger Tabellenlohnabzug (act.
G 4).
B.c In der Replik vom 7. Dezember 2012 hält der Beschwerdeführer unverändert an
der Beschwerde fest und ersucht um Zusprache einer Parteientschädigung in der Höhe
von Fr. 4'000.-- (act. G 6).
B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 8).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
des Beschwerdeführers.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1.1 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60%
invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf
eine halbe Rente und bis einem IV-Grad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
1.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der
medizinischen Fachpersonen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich
des Beweiswerts eines ärztlichen Berichts ist entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
1.3 Im Sozialversicherungsprozess gelten die Grundsätze der Untersuchungspflicht
und der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Demgemäss hat
der Versicherungsträger bzw. im Beschwerdefall das Gericht den rechtserheblichen
Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien
gebunden zu sein. Verwaltungsbehörden und Sozialversicherungsgerichte haben
zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 110 V 53 E. 4a in fine).
2.
Zu beurteilen gilt es vorab die Frage, ob die vorhandene medizinische Aktenlage eine
schlüssige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zulässt. Die
Beschwerdegegnerin macht geltend, gestützt auf das interdisziplinäre Gutachten vom
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
22. November 2011 (IV-act. 60-69 ff.) bzw. die ergänzende Stellungnahme von
Dr. F._ vom 24. Februar 2012 (IV-act. 73) sei von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten auszugehen (act. G 4, Rz 4 f.). Der Beschwerdeführer
bringt gegen die rheumatologisch-orthopädische Arbeitsfähigkeitsschätzung von
Dr. F._ verschiedene Rügen vor (act. G 1, Rz 22 ff.). Demgegenüber wird der
psychiatrische Teil des interdisziplinären Gutachtens nicht in Zweifel gezogen. Es
ergeben sich auch aus den Akten keine Hinweise für Mängel an der psychiatrischen
Beurteilung von Dr. G._.
2.1 Gegen die von Dr. F._ nachträglich bescheinigte 70%ige Arbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten wendet der Beschwerdeführer ein, diese sei unter
"sanfter Beeinflussung" des RAD zustande gekommen, nicht begründet und unhaltbar.
Aus dem Gutachten ergebe sich eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten (act. G 1, Rz 22).
2.1.1 Betreffend eine leidensangepasste Tätigkeit gab Dr. F._ im rheuma
tologisch-
orthopädischen Teilgutachten vom 8. November 2011 an, dem Beschwerdeführer sei
eine solche Tätigkeit "mindestens halbtags" zumutbar (IV-act. 60-28). Die gleiche
Formulierung findet sich im EFL-Bericht vom 4. November 2011 (IV-act. 60-33). Im
interdisziplinären Gesamtgutachten führte Dr. F._ ebenso aus, dem
Beschwerdeführer sei eine leidensangepasste Tätigkeit "mindestens halbtags"
zumutbar. Diese Tätigkeit sollte mindestens "halbtags durchführbar sein" (IV-
act. 60-76). An anderer Stelle gab er an, der Beschwerdeführer sei auch in der
bisherigen Tätigkeit "mindestens halbtags arbeitsfähig" (IV-act. 60-75 unten).
2.1.2 Mit diesen - soweit überhaupt verständlichen - Ausführungen und der
Angabe lediglich einer Untergrenze brachte Dr. F._ offenbar zum Ausdruck, dass sich
die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer Bandbreite zwischen 50 bis (zur
logischen Obergrenze von) 100% bzw. halbtags bis ganztags bewegt. Dabei handelt es
sich um eine beliebig anmutende Aussage und es bleibt unklar, wie hoch die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers letztlich ist (vgl. Urteil des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 4. Juli 2014/4. August 2014,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
IV 2012/435, E. 2.3.2). RAD-Arzt Dr. H._ bzw. die Beschwerdegegnerin sah sich
daher zu Recht veranlasst, bei Dr. F._ nachzufragen, um eine aussagekräftigere
Einschätzung zu erhalten. Nachdem die Rückfragen vom 20. Januar 2012 (IV-act. 62)
sowie vom 13. Februar 2012 (IV-act. 69) offen formuliert waren, ist eine nicht
sachgemässe Beeinflussung von Dr. F._ seitens der Beschwerdegegnerin zu
verneinen, zumal sich aus den Akten keine gegenteiligen Hinweise - insbesondere für
die vom Rechtsvertreter in den Raum gestellte telefonische Kontaktaufnahme seitens
des RAD (act. G 6, Rz 4) - ergeben. Entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers
(act. G 1, Rz 23c) hielt der RAD am 10. Februar 2012 nicht aktenwidrig fest, die
bisherige Tätigkeit sei nicht adaptiert. Vielmehr hat der Gutachter in seiner Antwort vom
1. Februar 2012 darauf hingewiesen, dass die aktuelle Tätigkeit durch die intensive
repetitive stehende Tätigkeit, verbunden auch mit Rotationen und teils
Überkopfarbeiten, belastend sei (IV-act. 67-2).
2.1.3 Im Schreiben vom 24. Februar 2012 gab Dr. F._ an, eine ideal angepasste
Tätigkeit wäre dem Beschwerdeführer mindestens 70% zumutbar mit potentieller
Steigerung unter adäquaten rehabilitativen Massnahmen (IV-act. 73). Damit ist mit der
Beschwerdegegnerin (act. G 4, Rz 4) eine 70%ige Arbeitsfähigkeit (zur entsprechenden
Einschätzung des RAD siehe Stellungnahme vom 7. März 2012, IV-act. 74) für ideal
angepasste Tätigkeiten als massgebend zu erachten.
2.2 Eine 70%ige Arbeitsfähigkeit erscheint aus der Sicht des Beschwerdeführers auch
deshalb als unzutreffend, da ihm im Gutachten für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit, die
einer leidensangepassten entspreche, eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bescheinigt worden
sei (act. G 1, Rz 23). Aus den überzeugenden Ausführungen des Gutachtens ergibt
sich, dass - auch nach der Installation einer ergonomisch zu bedienenden
Abwaschmaschine (IV-act. 39-2) und der Befreiung des Beschwerdeführers von
schweren Tätigkeiten (IV-act. 41-1) - die ausgeübte Tätigkeit keiner ideal
leidensangepassten entspricht. Gemäss eigenen Angaben serviert der
Beschwerdeführer am Band und erbringt "Spültätigkeiten" in der Abwaschküche (IV-
act. 60-10). Daneben müsse er mit dem Metallwagen hantieren mit Zug- und
Stossarbeiten, Tablare unten und oben einführen, was für ihn "eine deutliche
schmerzhafte Belastung" darstelle (IV-act. 60-14). Allein schon aufgrund dieser
Angaben ist zu schliessen, dass die ausgeübte Tätigkeit nicht - zumindest nicht
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vollumfänglich - einer leidensangepassten Tätigkeit entspricht. Hinzu kommt, dass es
sich bei der "jetzigen Tätigkeit" um eine vorwiegend stehende Arbeit handelt (IV-
act. 60-28). Da Schmerzen lumbal mit Ausstrahlung in beide Beine inklusive
Hypästhesien im Vordergrund stehen (IV-act. 60-11) und es nach gutachterlicher
Einschätzung "wichtig ist, dass stehende und gehende Tätigkeiten abgewechselt
werden können mit sitzenden Arbeitspositionen" (IV-act. 60-28), erfüllt die ausgeübte
Tätigkeit nicht die Anforderungen an eine ideal leidensangepasste Arbeit (IV-act. 60-77;
vgl. ferner IV-act. 60-75 ["Mehr noch ist das Restless-Legs-Syndrom von Bedeutung,
das die vorwiegend stehende und gehende Tätigkeit in der Küche einschränkt"] und die
Antwort von Dr. F._ vom 1. Februar 2012, IV-act. 67-2: "Die jetzige Tätigkeit ist
belastend bedingt durch die intensive repetitive stehende Tätigkeit verbunden auch mit
Rotationen und zum Teil Überkopfarbeiten"). Der Vollständigkeit halber ist darauf
hinzuweisen, dass die Schmerzen des Beschwerdeführers grösstenteils
belastungsabhängig sind (IV-act. 20-2, 25-3 und 60-20). Angesichts dieser Verhältnisse
vermag der Beschwerdeführer mit dem Hinweis auf die für die ausgeübte Tätigkeit
bescheinigte 50%ige Arbeitsfähigkeit nichts hinsichtlich der für ideal
leidensangepasste Tätigkeiten bestehenden Arbeitsfähigkeit abzuleiten.
2.3 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, einer Richtigstellung bedürfe
schliesslich die ihm im Gutachten zugeschriebene, angebliche Aussage, dass er sich
selbst "für eine leichte Arbeit am Kantonsspital zu 100% arbeitsfähig sehe", gestützt
auf die letztlich wohl die Korrektur der Resterwerbsfähigkeit nach oben erfolgt sei.
Diese Aussage basiere lediglich auf früheren Akten ganz am Anfang des IV-Verfahrens
und sei - in der Art wie sie zitiert werde - schlicht falsch (act. G 1, Rz 24). Da die
gerügte Selbsteinschätzung weder im Rahmen der gutachterlichen Beurteilung (IV-
act. 60) noch in den darauf folgenden Stellungnahmen von Dr. F._ vom 1. Februar
2012 (IV-act. 67) und vom 24. Februar 2012 (IV-act. 73) zur Begründung der
Arbeitsfähigkeitsschätzung für leidensangepasste Tätigkeiten herangezogen wurde,
mithin für die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung ohne Relevanz blieb, erübrigen sich
Weiterungen hinsichtlich der vom Beschwerdeführer geforderten Richtigstellung.
2.4 Schliesslich wirft der Beschwerdeführer ein, die gutachterliche Beurteilung von
Dr. F._ beruhe auf falschen Tatsachen, da er sich darin auf einen Skoliosenwinkel
von "12 bis 15°" abstütze. Eine Verlaufskontrolle der lumbalen Skoliose am
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
22. September 2011 habe eine Skoliose-Fehlhaltung von 16° und somit eine
Verschlechterung gegenüber der ersten Messung aus dem Jahr 2008 ergeben (act.
G 1, Rz 25). Zunächst ist klarzustellen, dass Dr. F._ nicht wie vom Beschwerdeführer
geltend gemacht von einem Skoliosenwinkel von "12 bis 15°", sondern von einem
Skoliosenwinkel von "12° resp. 15°" sprach (IV-act. 60-27 und 60-71). Mit dieser
Formulierung trug er nachvollziehbar dem Umstand Rechnung, dass sich 2008 eine S-
förmige Skoliose mit einem Skoliosenwinkel von je 12°, im Jahr 2010 dann von 15°
gezeigt habe, was als Messfehler interpretiert worden sei (IV-act. 60-14). Dr. C._ ging
denn auch im Jahr 2011 nicht von einer wesentlichen Zunahme der Skoliose aus (IV-
act. 51-3). Auch der Radiologe spricht im Bericht vom 22. September 2011 von "in
etwa" stationären Befundverhältnissen vergleichend zur Voruntersuchung vom
21. Januar 2010. Mithin ist weder eine - für die Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten - relevante gesundheitliche Verschlechterung noch ein Mangel an der
gutachterlichen Beurteilung ersichtlich.
2.5 Im Licht dieser Umstände und mangels weiterer sich aus den Akten ergebender
Gesichtspunkte, die gegen die Beweiskraft der Beurteilung der Dres. F._ und G._
sprechen, ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer für leidensangepasste Tätigkeiten über eine 70%ige Arbeitsfähigkeit
verfügt.
3.
Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen der 70%igen Arbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten. Da der Beschwerdeführer im Vergleich zum LSE-
Hilfsarbeiterlohn als Gesunder keinen überdurchschnittlichen Lohn erzielte (IV-act. 18,
80-2 und G 1, Rz 30), ist der von den Parteien im Ergebnis angewandte (act. G 1, Rz
29, und IV-act. 80-2) Prozentvergleich nicht zu beanstanden. Umstritten ist lediglich die
Höhe des Tabellenlohnabzugs (act. G 1, Rz 26 ff., act. G 6, Rz 5, und G 4, Rz 6).
3.1 Mit dem Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich
beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind,
im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren arbeitnehmenden
Personen lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit unterdurchschnittlichen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Lohnansätzen rechnen müssen. Sodann wird dem Umstand Rechnung getragen, dass
weitere persönliche und berufliche Merkmale einer versicherten Person, wie Alter,
Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie
Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 129 V 481
E. 4.2.3, vgl. auch BGE 134 V 327 E. 5.2).
3.2 Der Beschwerdeführer hält wegen geringer intellektueller Ressourcen, mangelnder
Deutschkenntnisse, des multiplen Beschwerdebilds, häufiger krankheitsbedingter
Absenzen und des eingeschränkten Spektrums beruflicher Tätigkeiten einen Abzug von
15% für gerechtfertigt (act. G 1, Rz 26 ff., und act. G 6, Rz 5). Demgegenüber fällt für
die Beschwerdegegnerin höchstens ein 10%iger Abzug in Betracht (act. G 4, Rz 6).
3.3 Es ist weder ersichtlich noch substanziiert dargetan, weshalb die vom
Beschwerdeführer vorgebrachten geringen intellektuellen Ressourcen hinsichtlich der
Entlöhnung für einfache, intellektuell nicht fordernde Hilfsarbeitertätigkeiten - im
Vergleich zum statistischen Hilfsarbeiterlohn - einen Nachteil erwarten lassen. Was die
geltend gemachten schlechten Deutschkenntnisse anbelangt, so hat die
Beschwerdegegnerin zutreffend darauf hingewiesen, dass der Beschwerdeführer
eingebürgerter Schweizer ist (act. G 4, Rz 6). Es ist davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer für eine leidensangepasste Hilfsarbeitertätigkeit über die
erforderlichen Sprachkenntnisse verfügt bzw. aufgrund seiner Deutschkenntnisse keine
Lohneinbusse zu gewärtigen hat. Schliesslich ergeben sich aus den Akten hinreichende
Deutschkenntnisse (vgl. psychiatrisches Teilgutachten, IV-act. 60-44: "Auf weiten
Strecken war die Verständigung mit dem Expl. aber zufriedenstellend möglich und der
Übersetzer musste nur punktuell eingreifen"). Die für ideal leidensangepasste
Tätigkeiten zu beachtenden Anforderungen (mindestens leichte bis mittelschwere
Arbeit mit Hantieren von Gewichten bis 15 kg; selten Arbeiten über Schulterhöhe;
gehaltene Positionen sollten verlassen werden können; Wechselbelastung, IV-
act. 60-28) sind nicht derart ausgeprägt, dass sie das mögliche Spektrum lohnrelevant
einschränkten. Das Krankheitsbild des Beschwerdeführers (mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit) setzt sich aus chronischen therapierefraktären Lumboischialgien
beidseits und einem ("dringend" vermuteten) Restless-Legs-Syndrom zusammen,
womit keine ausgeprägte Polymorbidität vorliegt. Ob ein lohnwirksames
krankheitsbedingtes Absenzenrisiko besteht, kann offen gelassen werden. Denn selbst
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
wenn dieses sowie ein Teilzeitabzug bejaht würden, rechtfertigen die konkreten
Verhältnisse, wie die Beschwerdegegnerin zutreffend darlegt (act. G 4, Rz 6),
höchstens einen 10%igen Abzug, womit ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad
von höchstens 37% resultiert (30% + [70% x 10%]).
4.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG).
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Ange
legenheit als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind sie
vollumfänglich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Der von ihm geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihm daran anzurechnen. Ausgangsgemäss hat der
Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP