Decision ID: 7e3c1b76-b016-4739-a1c6-503df7897d97
Year: 2009
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Die Staatsanwaltschaft Vila Real (Portugal) führt ein Strafverfahren gegen A. wegen Verdachts des Verstosses gegen die Alimentenpflicht. Die Staatsanwaltschaft Vila Real hat in diesem Zusammenhang am 22.  2007 um rechtshilfeweise Einvernahme von A. ersucht. In Ausführung dieses Ersuchens wurde A. am 14. Mai 2008 vom Untersuchungsrichteramt des Kantons Schaffhausen (nachfolgend “Untersuchungsrichteramt“) . Das Untersuchungsrichteramt hat mit Eintretens- und Schlussverfügung vom 25. Juli 2008 dem Rechtshilfeersuchen entsprochen und die Übermittlung des Protokolls der untersuchungsrichterlichen  von A. vom 14. Mai 2008 inklusive die von diesem beigebrachten Unterlagen an die ersuchende Behörde (Dispositivziff. 2) verfügt.
B. A. gelangt mit Beschwerde vom 27. August 2008 an die II. Beschwerde-
kammer des Bundesstrafgerichts und beantragt sinngemäss, es sei Ziff. 2 der Schlussverfügung vom 25. Juli 2008 aufzuheben und die Einvernahme unter Wahrung der Verfahrensrechte des Angeschuldigten und  zu wiederholen (act. 1). Er stellt zudem ein Gesuch um  Rechtspflege und reicht am 8. September 2008 das  Formular betreffend unentgeltliche Rechtspflege mitsamt Beilagen ein (act. 3).
Auf die Ausführungen des Gesuchstellers und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen eingegangen.

Die II. Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. 1.1 Die II. Beschwerdekammer befreit eine Partei, die nicht über die erforderlichen
Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 30 lit. b SGG) und bestellt ihr einen Anwalt, wenn es zur Wahrung ihrer Rechte  ist (Art. 65 Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 30 lit. b SGG).
1.2 Bedürftig ist eine Partei, welche die Leistung der erforderlichen Prozess- und
Parteikosten nur erbringen kann, wenn sie die Mittel angreift, die sie zur Deckung des Grundbedarfs für sich und ihre Familie benötigt (BGE 127 I 202 E. 3b S. 205; 125 IV 161 E. 4a S. 164, je m.w.H.). Die prozessuale Bedürftigkeit
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beurteilt sich nach der gesamten wirtschaftlichen Situation des Rechtsuchenden im Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs. Dazu gehören einerseits sämtliche finanziellen Verpflichtungen, andererseits die Einkommens- und  (BGE 124 I 1 E. 2a S. 2; 120 Ia 179 E. 3a S. 181, je m.w.H.). Bei der Ermittlung des notwendigen Lebensunterhaltes soll nicht schematisch auf das betreibungsrechtliche Existenzminimum abgestellt, sondern den  Umständen Rechnung getragen werden. Ein allfälliger Überschuss  dem zur Verfügung stehenden Einkommen und dem Zwangsbedarf der gesuchstellenden Partei ist mit den für den konkreten Fall zu erwartenden - und Anwaltskosten in Beziehung zu setzen (BGE 118 Ia 369 E. 4a S. 370 f.); dabei sollte es ihr der monatliche Überschuss ermöglichen, die  bei weniger aufwändigen Prozessen innert eines Jahres, bei  innert zweier Jahre zu tilgen (vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 5P.457/2003 vom 19. Januar 2004, E. 1.2).
Die Pflicht des Staates zur Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege geht der Beistandspflicht aus Familienrecht, insbesondere der Unterhalts- und  der Ehegatten gemäss Art. 163 Abs. 1 und Art. 159 Abs. 3 ZGB bzw. der elterlichen Unterhaltspflicht gemäss Art. 277 ZGB nach (ALFRED , Betreibungs- und prozessrechtliches Existenzminimum, in: AJP 2002 S. 644 ff., S. 658 m.w.H.; BGE 85 I 1 E. 3 S. 4 ff.; 127 I 202 E. 3d/f S. 206).  die Ehegatten in einer Haushaltgemeinschaft, sind bei der Beurteilung der Bedürftigkeit einer gesuchstellenden Partei das Einkommen und das Vermögen des beitrags- oder beistandspflichtigen Ehegatten voll mitzuberücksichtigen. Das prozessrechtliche Existenzminimum des um Bewilligung der  Rechtspflege nachsuchenden Ehegatten ist daher anhand einer  zu ermitteln, in welcher das gesamte Nettoeinkommen bzw. -vermögen beider Ehegatten zusammengezählt und dem nach den allgemeinen Regeln berechneten gemeinsamen Bedarf gegenübergestellt wird (ALFRED BÜHLER, a.a.O., S. 658; TPF BV.2005.16 vom 7. Juni 2005 E. 2.1).
1.3 Es obliegt grundsätzlich dem Gesuchsteller, seine Einkommens- und Vermö-
gensverhältnisse umfassend darzulegen und soweit als möglich zu belegen, wobei die Belege über sämtliche finanziellen Verpflichtungen des  sowie über seine Einkommens- und Vermögensverhältnisse Aufschluss zu geben haben. Kommt der Gesuchsteller dieser umfassenden Pflicht zur  seiner finanziellen Situation nicht nach bzw. ergeben die vorgelegten Urkunden und die gemachten Angaben kein kohärentes und widerspruchsfreies Bild seiner finanziellen Verhältnisse, so kann sein Gesuch mangels  Substanziierung oder mangels Bedürftigkeitsnachweis abgewiesen werden (vgl. ALFRED BÜHLER, Die Prozessarmut, in: Gerichtskosten, Parteikosten, Pro-
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zesskaution, unentgeltliche Prozessführung, Bern 2001, S. 189 f.; BGE 125 IV 161 E. 4a S. 165; TPF BH.2006.6 vom 18. April 2006 E. 6.1).
1.4 Gemäss dem Formular betreffend unentgeltliche Rechtspflege erhält die Ehe-
frau des Gesuchstellers einen Monatslohn von CHF 3'631.70 sowie  von CHF 170.--/Monat. Für sich selber gibt der Gesuchsteller aufgrund  seit dem 28. August 2008 andauernden 50%-igen Arbeitsunfähigkeit  reduzierte Arbeitslosenentschädigungen von ca. CHF 2'000.-- an, dies obschon sich sein versicherter Verdienst auf CHF 5'326.-- beläuft und er für den Monat Juli 2008 eine Arbeitslosenentschädigung von netto CHF 4'146.75 erhalten hat. Nachdem der Gesuchsteller die Abrechnung der Arbeitslosenkasse für den Monat August 2008 nicht eingereicht hat und die  gemachte Reduktion der Arbeitslosenentschädigung in Anwendung von Art. 28 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) auch nicht unter jeden  zu erwarten ist, ist vorliegend von einem monatlichen Einkommen der Ehegatten von ca. CHF 7'900.-- auszugehen. Demgegenüber deklarieren der Gesuchsteller und seine Ehefrau grundsätzlich abzugsfähige Auslagen in Form von Mietzins inklusive Garage, Heiz-/Warmwasser- sowie übrige Nebenkosten (CHF 1'810.--/Monat), Krankenkassenprämien (CHF 471.60/Monat), Mobiliar- und Haftpflichtversicherungsprämien (ca. CHF 95.--/Monat) sowie  (ca. CHF 1'150.--/Monat) von total CHF 3'526.60 pro Monat. Ob dem Fahrzeug der Ehegattin des Gesuchstellers tatsächlich Kompetenzcharakter zukommt, d.h. dieses für die Zurücklegung des Arbeitsweges oder die  unbedingt notwendig ist, und die damit zusammenhängenden “fixen und variablen Gesamtkosten abzüglich Amortisation“ im vom  eingesetzten Umfang von ca. CHF 1'150.--/Monat tatsächlich in die  miteinzubeziehen sind (vgl. dazu ALFRED BÜHLER, a.a.O., S. 650 ff. m.w.H.), kann vorliegend offen gelassen werden. Die geltend gemachten  in Form von Stromkosten sind demgegenüber im zu berücksichtigenden monatlichen Grundbedarf inbegriffen, während die übrigen  nicht genügend belegt und daher ebenfalls nicht abzugsfähig sind. Die  Arztkosten von jährlich CHF 3'575.30 sind zwar belegt, betreffen  das Jahr 2007, wobei weder dargelegt noch behauptet wird, dass es sich dabei um wiederkehrende Kosten handelt, so dass auch diese für die  der Bedürftigkeit unberücksichtigt zu bleiben haben.
In die Bedarfsrechnung miteinzubeziehen sind demgegenüber die laufenden Steuern, d.h. die Auslagen für Anteil Steuern Bund, Kanton und Gemeinde (vgl. THOMAS GEISER, Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz, Basel 2008, N.17 zu Art. 64 BGG; ALFRED BÜHLER, a.a.O., S. 658). Der Gesuchsteller macht  der entsprechenden Rubrik im Formular betreffend unentgeltliche Rechts-
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pflege keine solchen Auslagen geltend. Den mit dem Gesuch eingereichten  ist jedoch zu entnehmen, dass die Ehegatten für das Jahr 2007 - und Gemeindesteuern im Umfang von CHF 7'609.20 bezahlen und sich die für das Steuerjahr 2008 zu entrichtenden Akontozahlungen auf CHF 410.--/Monat (CHF 1’229.75 bzw. 1’229.80 pro Quartal) belaufen. Die Steuerrechnung 2007 für die direkte Bundessteuer wurde nicht eingereicht.  sind die laufenden Steuern aufgrund der verfügbaren Angaben im  von ca. CHF 500.--/Monat zu berücksichtigen.
1.5 Als Vermögenswerte deklariert der Gesuchsteller, abgesehen von einem nun-
mehr angeblich wertlosen BMW, weder Bankguthaben noch sonstige  und reicht diesbezüglich keinerlei Belege ein. Ein weiteres Fahrzeug, ein VW Cabriolet, für welches der Gesuchsteller ebenfalls  in Abzug bringen will, wird ebenfalls nicht deklariert.
Der Gesuchsteller wurde im Formular betreffend unentgeltliche Rechtspflege darauf aufmerksam gemacht, dass die Angaben zu den finanziellen  vollständig und wahrheitsgetreu vorzunehmen und zu belegen sowie  Urkunden zusammen mit dem Gesuch einzureichen sind. Obschon im Formular angedroht wurde, dass unvollständig ausgefüllte oder nicht mit den  Beilagen versehene Gesuche ohne Weiteres abgewiesen werden können, hat der Gesuchsteller seine Vermögenssituation nur unvollständig  bzw. belegt, was bereits eine Abweisung des Gesuchs um  Rechtspflege rechtfertigen könnte.
1.6 Der Gesuchsteller und dessen Ehefrau, welche zusammen mit ihrem Sohn in
einer Hausgemeinschaft leben, haben Anspruch auf einen Grundbedarf von CHF 2’280.-- (CHF 1'900.-- inkl. Zuschlag von 20%). Bei monatlichen  von CHF 7'900.-- und Auslagen von CHF 4'026.60 verbleibt den Ehegatten folglich ein monatlicher Überschuss von mehr als CHF 1'500.--.
Dieser monatliche Überschuss ermöglicht es dem Gesuchsteller, für die  Kosten des vorliegenden Beschwerdeverfahrens selber . Der finanziellen Lage des Beschwerdeführers ist jedoch bei der  des Kostenvorschusses angemessen Rechnung zu tragen (vgl. Art. 63 Abs. 4 und 4bis VwVG i.V.m. Art. 30 lit. b SGG; Art. 1 des Reglements vom 11. Februar 2004 über die Gerichtsgebühren vor dem Bundesstrafgericht [SR 173.711.32]; TPF RR.2007.6 vom 22. Februar 2007 E. 5). In Anbetracht der zwar ausreichenden, jedoch beschränkten Leistungsfähigkeit des  wird der Kostenvorschuss auf CHF 2'500.-- reduziert.
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1.7 Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist daher abzuweisen. Dem  wird eine Frist bis zum 27. Oktober 2008 zur Bezahlung des  von CHF 2’500.-- angesetzt, ansonsten auf die Beschwerde nicht eingetreten wird.
Die Zahlung kann in bar, durch ungekreuzten Bankcheck oder durch  auf das Postkonto 30-756623-9 der Bundesstrafgerichtskasse erfolgen. Die Frist für die Zahlung eines Kostenvorschusses ist gewahrt, wenn der Betrag rechtzeitig zu Gunsten der Kasse des Bundesstrafgerichts der Schweizerischen Post übergeben oder einem Post- oder Bankkonto in der Schweiz belastet  ist (Art. 21 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 30 lit. b SGG). Die Rechtzeitigkeit ist im Zweifelsfall vom Pflichtigen zu beweisen. Die Nichtbezahlung des  gilt nicht als Rückzug; dieser muss schriftlich erklärt werden.
2. Die Kosten des vorliegenden Entscheids bleiben bei der Hauptsache.
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