Decision ID: 54cd3511-fd84-48cc-8f44-659a288aea36
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1966 und Mutter zweier Kinder (Jahrgänge 1993 und 2006)
,
meldete sich unter Hinweis auf eine psychische Störung am 2
1.
Mai 2008
erstmals
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/3
Ziff.
7.2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Z
ug
, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab
und
veranlasste insbesondere
eine Abklärung der beeinträchtigen Arbeitsfähigkeit
in Beruf und
Ha
ushalt (Abklä
rungsbericht vom 1
8.
Dezember 2008;
Urk.
6/16
).
Nach ergangenem Vorbescheid (
Urk.
6/19) sprach die IV-Stelle
Zug
der Versi
cherten mit Verfügung vom 1
1.
August 2009
bei einer Qualifikation
als
je
zu 50
%
im
Erwerbs- und Aufgabenbereich Tätige
eine von
Februar bis August 2008 befristete halbe Invalidenr
ente zu (
Urk.
6/25
in Verbindung mit
Urk.
6/
23
)
.
1.2
Am 2
2.
November 2013
erfolgte eine weitere Anmeldung der
Versicherte
n
bei der Invalidenversicherung (
Urk.
6/30).
Mangels Nachweis einer Verschlechterung
des Gesundheitszustandes
trat die IV-Stelle
Zug
mit Verfügung vom 1
8.
März 2014 auf das Leistungsbegehren
der Versicherten
nicht ein (
Urk.
6/35).
1.3
Unter Hinweis auf eine Schizophrenie meldete sich die Versicherte am 2
1.
März 2018 bei der Invalidenversicherung des Kantons Zürich
erneut
zum Leistungs
bezug an (
Urk.
6/47
Ziff.
6.1).
Nach ergangenem Vorbescheid (
Urk.
6/54)
trat
die IV-Stelle
mit Verfügung vom 1
9.
Juni 2018 auf das neue Leistungsbegehren nicht ein
(
Urk.
6/
57
)
. Die dagegen erhobene «Einsprache» der Versicherten vom
6.
Juli 2018 (
Urk.
6/60) nahm die IV-Stelle als Neuanmeldung entgegen (
Urk.
6/61)
und veranlasste eine psychiatrische
Untersuchung durch den Regionalen Ärztlich
en
Dienst (Untersuchungsbericht vom
3.
April 2019
;
Urk.
6/66
)
sowie eine Abklä
rung
der beeinträchtigen Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt (Abklärungsbericht vom 1
6.
Oktober 2019;
Urk.
6/69).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
6/71,
Urk.
6/73
) sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 2
9.
Januar 2021 bei einem Invalidi
tätsgrad von 58
%
eine halbe Invalidenren
te ab
1.
Januar 2019 zu (
Urk.
6/94 in Verbindung mit
Urk.
6/83 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am 2
8.
Februar 2021 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
9.
Januar 2021 (
Urk.
2) und beant
ragte, diese sei aufzuheben und
es sei ihr
bereits
drei bis vier Monate vor dem
verfügten
Rentenbeginn im Januar 2019 eine ganze IV-Rente zuzusprechen
. Des Weiteren sei
eine gründliche, ärztlich-professionelle
Evaluation ihres Gesundheitszustandes vorzunehmen (
Urk.
1 S. 1 lit. a-c).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
2.
April 2021 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 2
9.
April 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen Einspracheentscheids eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
4
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass die Vorbringen der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der ver
si
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Re
visionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die fest
gestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidi
tät zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (
Urteil des Bundesgerichts 9C_351/2020 vom 21. September 2020 E. 3.1, insbesondere mit Hinweis auf
BGE
117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.
5
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt
jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
an
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
run
g des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich geblie
benem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Fer
ner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Ände
rung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sach
ver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesund
heitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr
eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April
2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundes
gerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.
6
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
ver
gleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht um eine formelle Verfügung (Art. 49 ATSG) zu han
deln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer mate
riellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f IVV auf dem Weg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauffolgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
1.
7
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) über
wiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losig
keit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1
.
8
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) davon aus, dass die Beschwerdeführerin im Erwerbsbereich vollständig eingeschränkt sei und ihr seit Januar 2018, dem Beginn der einjährigen Wartefrist, keinerlei Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt mehr möglich seien. Die Abklärung vom
3.
Septem
ber 2019 bei
der Beschwerdeführerin
zu Hause habe ergeben, dass sie ohne Einschränkung überwiegend wahrscheinlich zu 50
%
erwerbstätig und zu 50
%
im Haushaltsbereich tätig wäre. Im
Haushal
tsbereich
sei eine 15%ige Einschrän
kungen
ausgewiesen
.
Gesamthaft
resultiere ein Invaliditätsgrad von 58
%
(Begrün
dung, S. 1).
Gemäss Abklärung durch den Regionalen Ärztlichen Dienst sei die Beschwerdeführerin im mit 50
%
gewichteten Erwerbsbereich zu 100
%
ein
geschränkt. Aus medizinischer Sicht seien keine weiteren Abklärungen nötig. Für die Einschränkung im Haushaltsbereich s
tütze
man
sich
auf den Bericht des Ab
klärungsdienstes vom O
ktober 2019 ab
. Dabei sei insbesondere berücksichtigt
worden, dass die Beschwerdeführerin in einer Wohngemeinschaft mit ihrem Bruder
wohne und es ihm zumutbar sei, einen vermehrten Anteil der Grundreinigung zu übernehmen. Auch ihrem Sohn seien gewisse Arbeiten im Haushalt zumutbar. Gemäss eigenen Angaben würde die Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche Einschränkungen heute einer 100%igen Erwerbstätigkeit als Dolmetscherin nach
gehen. Dabei handle es sich um eine rein hypothetische und theoretische Aussage, welche
als nicht
realistisch
zu beurteilen
sei. Die Beschwerdeführerin sei seit Jahren keiner geregelten Erwerbstätigkeit mehr nachgegangen. Sie habe auch keine entsprechenden intensiven Bemühungen unternommen, um eine Vollzeit
stelle zu finden. Spätes
tens nach der befristeten Rente ab September 2008
hätte sie wieder eine Teilzeittätigkeit von mindestens 50
%
aufnehmen können, was sie aber nicht getan habe. Deshalb werde an der Einschätzung der Qualifikation festgehalten
(Begründung, S. 2).
2.2
Demgegenüber wandte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen ein (
Urk.
1), sie würde bei guter Gesundheit einer Vollzeitstelle nachgehen. Ihre Argumentation stütze sich dabei auf ihre persönliche Vergangenheit vor der Erkrankung sowie ihre familiäre Situation (S. 1). In den Jahren zwischen 1972 und 1999 sei sie stets zu 100
%
beschäftigt gewesen
, wobei sie zwischenzeitlich kurz im Mutter
schafts
urlaub gewesen sei. Heute sei sie alleinerziehende Mutter eines 14-jährigen S
ohnes. Durch diesen Umstand würde
s
ie
bei voller Gesundheit zur Annahme einer Vollzeitstelle gedrängt, weshalb ihre aktuelle familiäre Situation für eine Vollzeitbeschäftigung spreche. Die Stellungnahme des Abklärungsdienstes der Beschwerdegegnerin beginne mit ihrer Tätigkeit bei der
Y._
in den Jahren
1998/1999, womit jedoch ihre vorhergehende Vollzeittätigkeit aussen vor
gelassen
werde. Des Weiteren hätten sich zeitgleich die ersten Symptome der psychischen Erkrankung eingestellt. Die Einschätzung ihrer hypothetischen Erwerbsfähigkeit bei Gesundheit dürfe sich daher nur auf Daten beziehen, die vor dem Zeitpunkt des Eintritts der ersten Symptome
erhoben worden seien. Unter Berücksichtigung ihrer beruflichen Vergangenheit sowie d
er
aktuelle
n
familiäre
n
Situation sei ihr Invaliditätsgrad mit einem höchstmöglichen Erwerbsanteil neu festzulegen (S. 2).
2.3
Streitig ist
, ob seit Erlass der Verfügung vom 1
1.
August 2009 (
Urk.
6/25) eine Änderung
de
s
Invaliditätsgrad
es
beziehungsweise de
s
Rentenanspruch
s
der Be
schwerdeführerin
eingetreten ist
und es ist insbesondere zu prüfen, wie es sich mit der sozialversicherungsrechtlichen Qualifikation der Beschwerdeführerin ver
hält.
Dabei steht fest, dass die Beschwerdegegnerin
auf die erneute Anmeld
ung der Beschwerdeführerin vom 2
1.
März 2018 (
Urk.
6/47) beziehungsweise vom
6.
Juli 2018 (
Urk.
6/60)
materiell eingetreten
ist
(vgl.
Urk.
6/81 S. 3
; vgl. vorstehend E.
1.
4
-1.
5
)
.
3.
3.1
Die letzte materielle Beurteilung des Gesundheitszustandes
der Beschwerde
führerin
fand mit Verfügung vom
1
1.
August 2009
ihren Abschluss
(
Urk.
6/25 in Verbindung mit
Urk.
6/19)
.
Dabei waren die folgenden relevanten medizinischen Berichte aktenkundig:
3.2
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Neurologie und für Psy
chiatrie und Psychotherapie,
führte im Bericht
vom 2
9.
Juli 2008 (
Urk.
6/
8/1-6)
aus, dass er die Patientin vom 2
2.
bis 2
8.
Juni 2005 sowie seit 2
3.
Februar 2007 behandle (
Ziff.
3.1), und diagnostizierte
eine langsam schleichende paranoide schizophrene Erkrankung (ICD-10 F20.0), bestehend seit zirka 199
9.
Differential
diagnostisch nannte er eine psychogene
Psychose (
Ziff.
1.1).
Die Patientin sei insbesondere aufgrund von Verfolgungs-, Beeinträchtigungs-, Beziehungsideen, akustischen Halluzinationen, Schlafstörungen, Nervosität, innerer Unruhe, Reali
tätsverkennungen und Gedankenlautwerden bei ihm in die Sprechstunde ge
kommen (
Ziff.
3.4).
Es habe eine intensive psychotherapeutische Behandlung stattgefunden, wobei sich die psychotischen Erscheinungen etwas beruhigt hätten und nicht mehr so penetrant gewesen seien. Aufgrund einer Zunahme der Symp
tome
habe
er das Neuroleptikum
ab
2
0.
November 2001
zweimal pro Woche, danach alle zwei bis drei Wochen und anschliessend
bis am 2
6.
November 2002
alle vier Wochen
appliziert
.
Die Lage habe sich
danach
eindeutig normalisiert. Die Patientin werde weiterhin psychotherapeutisch behandelt, wobei es zwischen
durch zu Schwankungen mit akustischen Halluzinationen gekommen sei. Die Prognose sei zweifelhaft (
Ziff.
3.7). Im Beiblatt zum Arztbericht vom 2
9.
Juli 2008 (
Urk.
6/8/7-8) führte
Dr.
Z._
aus, dass die Patientin zuletzt als Sekretärin gearbeitet habe
(S. 1
Ziff.
1.2) und Mutter zweier Kinder sei. In An
betracht ihrer Erkrankung und der Aufgabe als Mutter könne sie kaum zu 100
%
arbeiten.
Zwischendurch habe wegen Zunahme der Symptome
ein Neuroleptikum
appliziert werden müssen.
Die letzte Spritze sei am 1
0.
April
2008 verabreicht worden.
Die Patientin sei ab dem
5.
Juni 2008 zu 50
%
in der bisherigen Tätigkeit als Sekretärin arbeitsfähig (S. 2).
Am 1
5.
Dezember 2008 berichtete
Dr.
Z._
, dass die Patientin vom 2
3.
Februar 2007 bis Juni 2008 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen sei. Seit dem
5.
Juni 2008 bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (
Urk.
6/15).
3.3
Gestützt auf diese Aktenlage ging die Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung vom
1
1.
August 2009
davon
aus, dass die Beschwerdeführerin seit 2
3.
Februar 2007 erheblich in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei und ohne Gesundheits
schaden einer Tätigkeit in einem 50%-Pensum nachgehen würde
(vgl.
Urk.
6/16
)
. Im mit 50
%
gewichteten Aufgabenbereich sei die Beschwerdeführerin nicht ein
geschränkt
. Seit
5.
Juni 2008 sei ihr wiederum eine Tätigkeit in einem 50%-Pen
sum zumutbar, weshalb sie von Februar bis August 2008 Anspruch auf eine halbe Rente habe (
Urk.
6/
23
S
. 1
f.).
4.
4.1
Der vorliegend angefochtenen Verfügung
2
9.
Januar 2021
(
Urk.
2) lagen im Wesentlichen die folgenden Berichte zugrunde
:
4.2
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berich
tete am
5.
Juli 2018
(
Urk.
6/59)
, dass die Patientin seit 2
4.
März 2016 in regel
mässiger Behandlung bei ihm sei. Im Jahr 1999 sei sie an einer paranoiden Schizophrenie, chronisch kontinuierlich verlaufend mit zunehmendem Residuum
,
erkrankt und sei seither viele Jahre bei
Dr.
Z._
in psychia
trischer Behandlung gewesen. Damals sei sie alleinerziehende Mutter eines
beinahe
zweijährigen Sohnes gewesen und hätte höchstens in einem 50%-Pen
sum arbeiten können, was die ihr damals zugesprochene Rente reduziert habe. Vor ihrer Erkrankung sei die Patientin im Jahr 1998 zu 100
%
bei der
Y._
im Zahlungsverkehr tätig gewesen und ihr Bruder und ihre Eltern hätten abwech
selnd die Betreuung ihrer damals fünfjährigen Tochter übernommen. Die Patien
tin habe vor ihrer Erkrankung mehrere Arbeitsstellen in der Schweiz und im Ausland gehabt, seither habe sie trotz eifriger Bemühungen nie mehr eine Arbeitsstelle gefunden, was eindeutig auf die chronisch verlaufende Erkrankung mit zunehmendem Residuum zurückzuführen sei
. Sie habe enorm an Schwung und Energie sowohl für den Haushalt als auch die Kinderbetreuung verloren und brauche kontinuie
rliche Unterstützung durch den
mit ihr wohnenden Bruder. Aus Angst vor einer Fremdplatzierung ihres Sohnes dissimuliere sie immer wieder diese Überforderung, auch bei der Haushaltsabklärung im Jahr 200
8.
Die Patien
tin sei aufgrund ihrer Erkrankung dauerhaft zu 100
%
arbeitsunfähig und auch
im Haushalt zu 75
%
eingeschränkt (S. 1). Eine Neubeurteilung der Berentung dränge sich auf, da die Patientin im Vergleich zur Beurteilung im Jahr 2008 im Gesundheitsfall
nun
wieder zu 100
%
arbeiten könnte. Ihr Sohn sei unterdessen 12 Jahre alt und werde durch ihren im gleichen Haushalt lebenden Bruder mit
betreut. Des Weiteren habe sich die lähmende Negativ-Symptomatik im Sinne eines zunehmenden Residuums deutlich verstärkt, so schaffe sie es beispielsweise vor 12 Uhr gar nicht mehr aus dem Bett (S. 2).
4.3
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), berichtete am
3.
April 2019 über die psy
chiatrische Untersuchung vom
8.
Januar 2019 (
Urk.
6/66
, vgl. RAD-Stellung
nahme vom
3.
April 2019;
Urk.
6/79 S. 3-4
) und diagnostizierte eine paranoide Schizophrenie, chronisch kontinuierlich verlaufend mit zunehmendem Residuum (
ICD-10 F.20.01;
S. 7
Ziff.
9).
Die Versicherte habe in der Begutachtungssituation geschildert, dass sie
morgens
um 7 U
hr aufstehe, ihrem Kind Frühstück mache, sich anziehe und sich und ihren Sohn fertig für die Schule mache. Um 8 Uhr fahre sie mit ihrem Sohn im Bus, steige dann selbst nach zwei Stationen aus und laufe zurück. Das dauere etwa 15 Minuten. Zu Hause lege sie sich wieder hin, da sie nachts meistens nicht oder kaum geschlafen habe. Um 11.45 Uhr stehe sie wieder auf und bereite das Mittagessen zu. Dreimal pro Woche begleite sie ihren Sohn nach dem Mittag nochmals zu seinen Terminen. An anderen Tagen versuche sie zu putzen, zu waschen oder Besorgungen zu machen. Oft lege sie sich nach
mittags auch nochmal
s
hin. Es sei nicht sehr ordentlich bei ihr zu Hause, aber sie bemühe sich so gut es gehe. Ihr Bruder helfe ihr auch viel im Haushalt. Um 21 Uhr gehe sie ins Bett. Obwohl sie sehr müde sei, wenn sie im Bett liege, könne sie nicht einschlafen. Sie mache sich viele Sorgen und Gedanken, sei belastet durch die Stimmen und könne manchmal bis Mitternacht oder bis in den frühen Morgen nicht schlafen (S. 2
Ziff.
4).
Im Verlauf der Untersuchung sei eine Konzentrationsstörung deutlich geworden. Die
Versicherte
sei bemüht gewesen, aufmerksam zu bleiben, habe aber trotzdem abgelenkt gewirkt, was möglicherweise mit dem vermehrten Sti
mmenhören im
Z
usammenhang gestanden sei
. Die Versicherte habe paranoide
Beeinträchti
gungs
- und Verfolgungsideen sowie ständiges Stimmenhören geschildert. Zu Untersu
chungsbeginn habe die Versicherte lebendig und zugewandt gewirkt, im Verlauf sei sie zunehmend verlangsamt und im Antrieb gehemmt gewesen (S. 4 f.
Ziff.
8). Die Fähigkeit zur Planung und Strukturierung sei deutlich beeinträchtigt. Die Versicherte sei bemüht, eine Tagesstruktur aufrecht zu erhalten und Termine in ihrem Alltag einzuhalten. Trotz Bemühen gelinge ihr dies nicht immer und sie sei auf Hilfe angewiesen (Bruder, KESB). Durch die verminderte Konzentration und
kognitiven Schwächen sei die Durchhaltefähigkeit stark reduziert. Ausserberuf
lic
he Tätigkeiten
ausserhalb ihrer Aufgaben im Haushalt seien stark einge
schränkt und
im Wesentlichen auf gelegentliche Spaziergänge mit Kollegen reduziert. Aufgrund
der schlechten Konzentrationsfähigkeit sei ihr das Autofahren nicht mehr mög
lich. Fahr
t
en mit öffentlichen V
erkehrsmitteln könn
e die Versicherte bewältigen, längere Strecken
würden
indes eine Herausforderung dar
stellen
.
Hinweise auf Aggravation bestünden nicht, hingegen habe eine
Ten
denz zur Dissimulation sowie ein
Bemühen als möglichst gesund zu erscheinen,
bestanden (S. 6 f.
Ziff.
8).
Ausgelöst worden sei die Erkrankung im zeitlichen Zusammenhang mit einem Mobbing-Konflikt am Arbeitsplatz. Zu dieser Zeit sei die Scheidung vollzogen worden, wobei die Trennung bereits zwei Jahre zuvor erfolgt sei.
Des Weiteren seien i
m Jahr 1999 die Kinder ihres ältesten Bruders verstorben. Diese Ereignisse hätten sie derart belastet, dass es zum Krankheitsausbruch gekommen sei. Denk
bar sei ebenfalls, dass die beginnende Erkrankung zu einem Erleben von Mobbing geführt habe oder das ein Konflikt am Arbeitsplatz durch die aufgetretene psy
chotische Symptomatik für sie nicht mehr zu bewältigen gewesen sei (S. 8
Ziff.
10).
Seit
1.
Januar 2018
bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
. Die Arbeitsfähig
keit im Haushalt sei auf zirka 20
%
einzuschätzen, wobei die Versicherte auf Hilfe angewiesen sei. Eine Arbeit im geschützten Ra
hmen sei zu zirka 20
%
möglich, wobei bei
positivem Verlauf und in Absprache mit dem Behandler
eine Steigerung
bis zunächst auf 50
%
denkbar
wäre
. Eine Arbeitsfähigkeit
im
ersten Arbeitsmarkt sei nicht vorhanden (S. 8
Ziff.
11).
4.4
Im Bericht vom
1
6.
Oktober 2019 über die am
3.
September 2019 erfolgte Abklä
rung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt (
Urk.
6/69) wurde insbesondere festgehalten, dass die Versicherte gemäss eigenen Angaben mindestens dreimal pro Tag mit dem im Haushalt gehaltenen Hund spazieren gehe. Am Morgen mache si
e
zwischen 7 und 10 Uhr eine grosse Runde. Den Tag durch mache sie eine kleinere Runde und gehe abends zwischen 19 und 22 Uhr nochmals mit ihm raus. Zu ihrer psychischen Situation befragt, habe die Ver
sicherte angegeben, weiterhin Stimmen zu hören. Trotz der Medikamente seien die Stimmen weiterhin präsent, auch wenn sie alleine zu Hause sei. Sie erledige den Haushalt
nach wie vor weitgehend alleine (S. 2).
Über die Erwerbsbiografie hielt die Abklärungsperson das Folgende fest: Von 1990 bis 1993 sei die Versicherte zu 100
%
als Sekretärin im
C._
tätig gewesen und habe von 1994 bis 1997 in den USA eine Ausbildung zur Sprachlehrerin (Englisch) absolviert. Von 1998 bis 1999 sei sie bei der
Y._
als Mitarbeiterin im Zahlungsverkehr in einem 100%-Pensum angestellt gewesen und habe im Jahr 2005 zu 50
%
als Sekretärin/Übersetzerin in
D._
in
Spanien gearbeitet. Seit mindestens
2006 beziehe sie Leistungen vom
Sozialamt (S. 3
Ziff.
2.1-2.3).
Die Versicherte sei Mutter zweier Kinder, geschieden und lebe seit Jahren von der Sozialhilfe. Sie wohne mit ihrem älteren Bruder, welcher in einem 100%-Pensum am
E._
arbeite, ihrem Sohn und ihrem Hund zusammen. Gemäss Angaben des Bruders halte sich dieser nicht viel in der Wohnung auf. Man wohne wie in einer Wohngemeinschaft zusammen, ein jeder sei für seine Einkäufe beziehungsweise Mahlzeitenzuber
eitung, Putz
arbeiten etc. selbst
verantwortlich. Der Sohn der Versicherten gehe aktuell in die
1.
Sekundarschule B
(
S. 4
Ziff.
2.3.1).
Zu der aktuellen beruflichen Situation ohne Gesundheitsschaden befragt, habe die Versicherte angegebenen, dass sie bei guter Gesundheit mit ihrer Ausbildung als Sprachlehrerin oder auf einer Botschaft tätig wäre und heute in einem 100%-Pensum arbeiten würde (S. 5
Ziff.
2.5). Im Ergebnis wurde die Versicherte von der Abklärungsperson als zu 50
%
erwerbstätig und zu 50
%
im Haushalt tätig qua
lifiziert
, mit der Begründung, die Versicherte hätte spätestens nach Ablauf der befristeten Berentung, das heisst ab September 2008, wieder eine Teilzeittätigkeit von mindestens 50
%
als Dolmetscherin beziehungsweise Sprachlehrerin aufneh
men können, was sie jedoch nicht getan habe. Entsprechend könne nicht davon ausgegangen werden, das sie heute ohne Gesundheitsschaden einem 100%-Pen
sum nachgehen würde, weshalb weiterhin an der Qualifikation von 50
%
Erwerbs
bereich und 50
%
Haushaltsbereich festgehalten werde (S. 5
Ziff.
2.6.1).
Die
A
bklärungsperson erkannte in dem mit 30
%
gewichteten Bereich «Ernäh
rung
» eine Einschränkung von 10
%
sowie in dem mit 40
%
gewichteten Bereich
«Woh
nungs- und Haushaltspflege, Haustierhaltung» eine Einschränkung von 30
%
(S.
7
f.
Ziff.
6.1-6.2). Hingegen erachtete sie die Versicherte in den Bereichen «Einkauf sowie weitere Besorgungen», «Wäsche und Kleiderpflege» und «Betreu
ung von Kindern und/oder Angehörigen» als nicht eingeschränkt (S. 8 f.
Ziff.
6.3-6.5). Insgesamt ermittelte sie eine Einschränkung von 15
%
, was einen (Teil-)In
validitätsgrad von 7.50
%
ergab (S. 9
Ziff.
6.6,
Ziff.
7).
4.5
Am 1
1.
Februar 2020 nahm die Abklärungsperson erneut Stellung zur sozial
ver
sicherungsrechtlichen Qualifikation (
Urk.
6/81 S. 2-3) und führte aus, dass die Ver
sicherte in den Jahren 1998 bis 1999 einmalig bei der
Y._
in einem 100%-Pen
sum gearbeitet habe. Sie sei bereits vor ihrer Ausreise nach Spanien im Jahr 2005 Sozialhilfeempfängerin gewesen,
so
wie auch nach ihrer Rückkehr in die Schweiz
ein Jahr später
. In Spanien sei sie gemäss ihren eigenen Angaben lediglich wäh
rend zwei Monaten einer Erwerbstätigkeit bei einer
F._
in einem 50%-Pensum nachgegangen. Eine diesbezügliche Arbeitsbestätigung habe von der Versicherten vor Ort jedoch nicht vorgelegt werden können. Ihre letzte Er
werbs
tätigkeit in einem
Integrationsprogramm von der Gemeinde aus sei im Jahr 2012 gewesen. Seither habe sie keine Erwerbstätigkeit mehr aufgenommen. Ge
mäss ihren Angaben vor Ort würde die Versicherte ohne Gesundheitsschaden einer 100%igen Erwerbstätigkeit als Dolmetscherin nachgehen, was als eine rein hypothetische und theoretische Aussage zu erachten sei. Sie sei seit Jahren keiner geregelten Erwerbstätigkeit mehr nachgegangen und habe auch keine entspre
chenden intensiven Bemühungen mehr unternommen, die ihre Angaben erhärten würden. Des Weiteren hätte die Versicherte spätestens nach der befristeten Be
rentung ab September 2008 wieder eine Teilzeittätigkeit von mindestens 50
%
aufnehmen können, was sie nicht gemacht
habe
. Entsprechend sei
ganz klar von der letzten ausgeübten Tätigkeit von 50
%
auszugehen und
an der im Abklä
rungsbericht festgelegten Q
ualifikation als
zu
50
%
im
Erwerbsbereich
und
zu
50
%
im Haushaltsbereich
tätig
festzuhalten
(S. 2 f.).
4.6
Im Arztzeugnis vom 1
3.
März 2020 (
Urk.
6/85) hielt
Dr.
A._
(vorstehend E. 4.2
) fest, dass die Beschwerdeführerin mindestens seit dem Behandlungsbeginn bei ihm am 2
4.
März 2016 aufgrund ihrer chronifizierten psychischen Erkran
kung dauerhaft zu 100
%
arbeitsunfähig sei. Auch im Haushalt sei sie zu zirka 75
%
eingeschränkt
.
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin ist auf die erneute Anmeldung der Beschwerdeführerin
vom 2
1.
März 2018 (
Urk.
6/47) beziehungsweise vom
6.
Juli 2018 (
Urk.
6/60) materiell ei
ngetreten (vgl.
Urk.
6/81 S. 3)
.
Sowohl der behandelnde Psychiater
Dr.
A._
(vorstehend E. 4.2
) als auch
die
RAD-Ärztin
Dr.
B._
(vor
stehend E. 4.3
) diagnostizierten eine paranoide Schizophrenie, chronisch konti
nuierlich verlaufend mit zunehmendem Residuum seit 19
9
9 (ICD-10 F. 20.01), welche zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands der Beschwerde
füh
rerin dahingehend führte, dass sie sowohl in der bisherigen Tätigkeit als Sekre
tärin als auch in einer dem Leiden angepassten Tätigkeit nunmehr zu 100
%
arbeitsunfähig ist.
Somit
ist nach einhelliger ärztlicher Einschät
zung (vgl. vor
stehend E. 4.2- 4.3
) erstellt, dass
sich der massgebliche Sachverhalt
seit
der letzt
maligen materiellen Prüfung des Anspruchs der Beschw
erdeführerin mit Verfü
gung vom 1
1.
August 2009 (
Urk.
6/25 in Verbindung mit
Urk.
6/23)
, mit welcher der Beschwerdef
ührer eine von Februar bis August 2008
befristete halbe Invalidenrente zugesprochen wurde,
in einer für den Rentenanspruch erheblichen Weise ge
ändert hat (vgl. vorstehend E. 1.
4
-1.
6
)
.
5.2
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Bewei
s
verfahren (vgl. vorstehend E. 1.
7
) abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Die Frage der Notwendigkeit in diesem Sinne beurteilt sich nach dem konkreten Beweisbedarf. Sie fehlt ganz allgemein in Fällen, die sich
durch
die Erhebung prägnanter Befunde und übereinstimmende fachärztliche Ein
schätzungen hinsichtlich Diagnose und funktioneller Auswirkungen im Rahmen beweiswertiger Arztberichte und Gutachten (vgl. BGE 125 V 351) auszeichnen.
Was die Befunde angeht, ist etwa an Störungsbilder wie Schizophrenie, Zwangs-,
Ess- und Panikstörungen zu denken, die sich aufgrund klinischer psychiatrischer Untersuchung bezüglich ihrer Überprüf- und Objektivierbarkeit mit somatischen Erkrankungen vergleichen lassen (BGE 139 V 547 E. 7.1.4 S. 562). Hier zeigt sich die Beweisproblematik, wenn überhaupt, vor allem bezüglich der funktionellen Auswirkungen. Daher hat auch bei jenen Störungen eine vertiefende Prüfung hinsichtlich des funktionellen Schweregrades und insbesondere der Konsistenz zu erfolgen, wenn Hinweise auf Inkonsistenzen, auf Aggravation oder Simulation bestehen (
BGE 143 V 418 E. 7.1
).
5.3
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei ihrem Entscheid im Wesentlichen auf die
Beurteilung durch
RAD-Ärztin
Dr.
B._
vom April 2019 (vorstehend E. 4.3
).
Die RAD-Ärztin
, welche
als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie zur
Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit
der Beschwerde
führerin befähigt ist,
setzte sich eingehend mit der Aktenlage
sowie mit der von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden
auseinander. G
estützt auf eine umfassende Anamnese und objektive Befunderhebung im Rahmen ihrer psychia
trischen Untersuchung
sowie anhand der von ihr festgestellten funktionellen Ein
schränkungen
(v
gl.
Urk.
6/66
Ziff.
1-8
)
legte sie s
ubs
tantiiert und nachvollziehbar dar,
dass die Beschwerdeführerin seit
1.
Januar 2018 in ihrer bisherigen Tätigkeit als Sekretärin
und
in einer dem Leiden angepassten Tätigkeit
zu 100
%
arbeits
unfähig ist
.
Die Beurteilung durch die RAD-Ärztin
stimmt
sodann
im Wesent
lichen mit der medizinischen Einschätzung durch den behandelnden Psychiater
Dr.
A._
vom
5.
Juli 2018 (vgl. vorstehend E. 4.2
) überein, welcher die Beschwerdeführerin aufgrund der schizophrenen Erkrankung
ebenfalls
als zu 100
%
arbeitsunfähig erachtete.
Nach dem Gesagten
erfüllt der RAD-Untersu
chungs
bericht die an eine beweiskräftige ärztliche Entscheidungsgrundlage ge
stellten Anforderungen (vgl.
vorstehend E. 1.
8
) vollumfänglich und es kommt ihm voller Beweiswert zu.
Da Hinweise auf
Inkonsistenzen, auf Aggravation oder Simulation
fehlen und sowohl die RAD-Ärztin
Dr.
B._
als auch der behandelnde Psychiater
Dr.
A._
im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Einschätzungen eine Arbeitsfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint hatten,
kann vorliegend aus Gründen der Verhältnismässigkeit auf ein strukturiertes Beweis
verfahren verzichtet werden
(vgl. vorstehend E. 5.2
)
.
5.4
Ins
oweit die Beschwerdeführerin geltend macht
e
,
es sei ihr bereits drei bis vier Monate vor dem verfügten Rentenbeginn im Januar 2019 eine IV-Rente zuzu
sprechen
(vgl.
Urk.
1 S. 1)
, verfängt dies nicht.
Anspruch auf eine Rente haben Versicherte, wenn sie während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40
%
arbeitsunfähig gewe
sen und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40
%
invalid sind (
Art.
28
Abs.
1 lit. b und c IVG). Die Rentenhöhe ist sowohl vom Ausmass der nach Ablauf der Wartezeit weiterhin bestehenden Erwerbsunfähigkeit als auch von einem entsprechend hohen Grad der durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit während des vorangegangenen Jahres abhängig. Somit kommt eine ganze Rente erst in Be
tracht, wenn der Versicherte während eines Jahres durchschnittlich mindestens zu 70
%
arbeitsunfähig gewesen und weiterhin wenigstens im gleichen Umfang invalid im Sinne von
Art.
28
Abs.
2 IVG ist. Die durchschnittliche Beeinträchti
gung der Arbeitsfähigkeit während eines Jahres und die nach Ablauf der Warte
zeit bestehende Erwerbsunfähigkeit müssen somit kumulativ und in der für die einzelnen Rentenabstufungen erforderlichen Mindesthöhe gegeben sein, damit eine Rente im entsprechenden Umfang zugesprochen werden kann (
Urteil
9C_996/2010 des Bundesgerichts vom
5.
Mai 2011 E. 7.1
mit weiteren Hinwei
sen
).
Der Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit muss mit dem im Sozialver
sicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein.
Dieser Nachweis darf nicht durch nachträgliche erwerbliche oder medizinische Annahmen und spekulative Überlegungen ersetzt werden und auch eine erst nach Jahren rückwirkend festgelegte medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit genügt nicht.
Für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit bedarf es somit
regelmässig einer (überzeugenden) medizinischen Einschätzung, die ordentliche
rweise echtzeitlicher Natur ist (
Urteil des Bundesgerichts 8C_204/2012 vom 1
9.
Juli
2012 E.
3.2 mit weiteren Hinweisen).
Die von
Dr.
A._
im März 2020 rückwirkend ausgestellte 100%ige Arbeitsunfähig
keit seit 2
4.
März 2016 (vgl. vorstehend E. 4.6
) vermag den Anforderungen demgemäss nicht zu genügen.
Vorliegend fehlt
somit
eine echtzeitliche
medi
zinische Einschätzung für den Nachweis einer bereits
vor Januar 2018 beste
henden 100%igen Arbeitsunfähigkeit.
Es ist daher
nicht
zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin das Wartejahr ab
Januar 2018 eröffnete und der Beschwer
deführerin
ab
dem
1.
Januar 2019 Rentenleistungen zusprach.
5.5
Nach dem Gesagten ist gestützt auf den
beweiskräftige
n
RAD- Untersuchungs
bericht vom April 2019 (vorstehend E. 4.3
) davon auszugehen, dass die Be
schwerdeführerin in der bisherigen Tätigkeit als Sekretärin sowie in einer dem Leiden angepassten Tätigkeit seit
1.
Januar 20
18 zu 100
%
arbeitsunfähig ist.
Im Erwerbsbereich ist somit - was unter den Parteien grundsätzlich nicht streitig ist - eine 100%ige Einschränkung ausgewiesen.
Bei gegebenem Revisionsgrund ist daher im Folgenden die Statusfrage respektive die Einschränkung der Be
schwer
deführerin im Haushaltsbereich zu beurteilen.
6.
6.1
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invaliditätsbe
messung (Art. 28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungs
vergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Um
stän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entschei
dend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Per
son im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypo
thetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Be
sonderen (vgl. Art. 27 IVV) sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerb
lichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegen
über Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung ent
wickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Be
weis
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_178/2021 vom 11.
Mai
2021 E. 3.2 mit Hinweisen).
6.2
Gestützt auf die Haushaltabklärung vor Ort
vom September 2019 (vorstehend E.
4.4
) qualifizierte die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin als zu 50
%
erwerbstätig und zu 50
%
im Haushalt tätig. Demgegenüber machte die Be
schwer
deführerin geltend, sie würde im Gesundheitsfall
mit Verweis auf ihre Erwerbsbiografie sowie ihre familiäre Situation
einer Vollzeitstelle nachgehen
. Des Weiteren betrage die Einschränkung im Haushalt nicht 15
%
, sondern gemäss Einschätzung ihres Arztes zirka 75
%
(vgl. vorstehend E. 2.2).
6.3
D
ie
1966 geborene
Beschwerdeführerin
absolvierte von
1984 bis 1988
ein Bache
lor
studium
in
Internationalen
Beziehungen
an der Universität von
G._
(vgl.
Urk.
6/29/1).
V
on März 1990
bis
Dezember 1992
war
sie
als Se
kretärin im Konsu
lat von
G._
, bei
H._
,
in Zürich tätig
(vgl.
Urk.
6/
29/1)
und generierte gemäss d
em Auszug aus dem individuellen Konto
(IK-Auszug) vom
3.
April 2014 (
Urk.
3/6
S. 1
)
jährliche
Einkommen in der Höhe von
Fr.
36'391.--,
Fr.
50'265.-- sowie
Fr.
51'647.--. Anschliessend besuchte sie von Januar 1993 bis März 1994 einen Intensiv-Französischkurs in
I._
(
Urk.
6/46/3-4).
Von 1994 bis 1997 lebte sie
mit ihrem damaligen Ehemann sowie
der
gemeinsamen,
im Juli 1993 geborenen Tochter in den USA und schloss gemäss eigenen Angaben eine Ausbildung zur Sprachlehrerin («
Teach
English
as
a Second Language») an der
J._
University in
K._
ab (
Urk.
6/
46/6). 1997 kam es zur Trennung von ihrem Ehemann (vg
l.
Urk.
6/3/1
Ziff.
1.5) und die Beschwerdeführerin
kehrte in die Schweiz zurück.
Gemäss IK-Auszug erfolgte von Januar bis Mai 1998 eine Anstellung
bei der
L._
AG (in Liquidation)
mit einem
Einkommen von
Fr.
12'148.--
(
Urk.
3/6 S. 4
).
Von September 1998 bis November 1999 war die Beschwerdeführerin
sodann
bei
der
Y._
beziehungsweise
M._
als Mitarbeiterin im Zahlungsverkehr
angestellt
(vgl.
Urk.
6/29/1) und erzielte
in dieser Tätigkeit im Jahr 1998 ein
Einkommen von
Fr.
23'876.--
und
im Jahr
1999 ein Einkommen von
Fr.
74'230.-- (
Urk.
3/6
S. 6
)
.
Im
Jahr
1999
erfolgte die Ehescheidung
(vgl.
Urk.
6/5/6-10)
und die Be
schwer
deführerin begab sich aufgrund einer paranoiden schizophrenen Erkrankung in psychiatrische Behandlung (
vgl. vorstehend E. 3.2
).
Anschliessend bezog sie
zwischenzeitlich
Sozialhilfe (vgl.
Urk.
6/69 S. 3
Ziff.
2.3)
.
2005
verliess sie die Schweiz und lebte
bis 2006 in
N._
in Spanien (
vgl.
Urk.
6/47/3
Ziff.
4.1). G
emäss eigenen Angaben
war sie in dieser Zeit
während zwei Monaten zu 50
%
als Sekretärin/Übersetzerin in einer
O._
tätig (vgl. vorstehend E. 4.4
). Nach der Rückkehr in die Schweiz
kam im Oktober 2006 ihr Sohn auf die Welt, für welchen in der Folge eine Beistandschaft errichtet wurde (vgl.
Urk.
6/9,
Urk.
6/75 S. 4
Ziff.
4,
Urk.
6/77). Seither bezieht die Beschwerdeführerin
Sozialhilfe
und war zwischenzeitlich
seit November 2012 - gemäss eigenen Angaben für zirka zwei Jahre
- zu 50
%
bei der
P._
im Rahmen eines Integra
tionsprojekts
der
Gemeinde tätig (vgl.
Urk.
6/29,
Urk.
6/66 S. 4
Ziff.
7).
6.4
Im Rahmen der erstmaligen Haushaltsabklärung vom Dezember 2008 (
Urk.
6/16) gab die Beschwerdeführerin an, im Gesundheitsfall zu 50
%
erwerbstätig zu sein, da sie einen Teil des Lebensunterhaltes verdienen müsse und auch gearbeitet habe
als ihre Tochter noch klein gewesen sei
. Sie habe die Kinderbetreuung bereits mit dem Sozialamt abgeklärt, welches ein Teil der Betreuungskosten übernehmen würde
(S. 3
Ziff.
3.5)
. Im Ergebnis wurde
die Beschwerdeführerin
als zu 50
%
erwerbstätig und zu 50
%
im Haushalt tätig qualifiziert
(vgl.
Urk.
6/23 S. 1 f.). Zum damaligen Zeitpunkt lebte die Beschwerdeführerin mit ihren zwei Kindern, der 15 Jahre alten Tochter und dem zweijährigen Sohn, alleine in einem Mehrfamilienhaus (
Urk.
6/16 S. 2
Ziff.
2).
Gemäss Abklärungsbericht vom
September 2019 (vorstehend E. 4.4
) lebt
die Beschwerdeführerin
aktuell
zusammen
mit ihrem Bruder und ihrem Sohn, welcher
im Zeitpunkt der Haushaltsabklärung vom September 2019
fast 13 Jahre alt war und die
1.
Sekundarschule B besuchte
, in einer 4-Zimmerwohnung.
Die 25-jährige Tochter
hat
ihr
Masterstudium beendet und lebt
unterdessen
ausse
r
halb des gemeinsamen Haushalts
.
Damit haben sich die persönlichen, familiären und sozialen Verhäl
tnisse, welche
n
für die Beurteilung der Statusfrage
wesent
liche
Bedeutung
zukommt
(vgl. vorstehend E. 6.1
)
,
in den rund elf Jahren seit der erstmaligen Haushaltsabklärung
massgeblich verändert.
Für die vorliegende Ab
wägung von besonderem Gewicht ist
, dass
die
Beschwerdeführerin unter den im Dezember 2008 gegebenen Umständen als alleinerziehende Mutter
vollumfän
glich
für die Betreuung ihres damals zweijährigen Sohnes
, dessen Vater in Spanien wohnhaft ist,
zuständig war (vgl.
Urk.
6/75 S. 5
Ziff.
4.4).
Der im Zeit
punkt der aktuellen Haushaltsabklärung fast 13-jährige Sohn, fü
r welchen soweit ersichtlich auch
aktuell
weiterhin
eine Beistandschaft besteht (vgl.
Urk.
6/66 S. 1
Ziff.
2, S. 6
Ziff.
8; vorstehend E. 6.3
)
, erbringt
gemäss Angaben im Abklärungs
bericht
gute schulische Leistungen
und ist in der Klasse
gut
integriert
, was ins
gesamt auf eine
seinem Alter entsprechende
w
eit
gehende
Selbständigkeit schliessen lässt.
Gegenüber
der
nicht mehr im gemeinsamen Haushalt lebenden und bereits volljährigen Tochter fallen sodann keine Erziehungs- und Betreu
ungsaufgaben mehr an.
Im Gegensatz zu den Verhältnissen im Rahmen der ersten Haushaltsabklärung, als die Beschwerdeführerin für die Betreuung eines Kleinkindes und einer 15-jäh
rigen Tochter zuständig war,
fallen aktuell somit keine
derart
zeitinten
siven Betreuungsaufgaben mehr an, welche die Beschwerdeführerin
im Gesund
heitsfall von der Ausschöpfung ihres vollen Erwerbspotenzials im Rahmen eines
100%-
Pen
sums abhalten würden. Ihre Wohnsituation hat sich auch dahingehend
verändert, dass sie nun in einer Wohngemeinschaft mit ihrem B
ruder lebt, wel
cher
durch seine massgebliche Beteiligung in der gemeinsamen Haushaltsführung eine zusätzliche Entlastung bewirkt. Hinsichtlich der finanziellen Verhältnisse geht aus der Aktenlage sodann hervor, dass der im Ausland wohnhafte Vater ihres Sohnes, welcher gemäss ihren eigenen Angaben von einer Invalidenrente lebt, monatliche
Unterhalts
leistungen
in der Höhe von
Fr.
265.--
leistet
(vgl.
Urk.
6/75 S. 4
Ziff.
4.1, S. 9 Ur
teils
spruch
Ziff.
1;
Urk.
6/91). Somit müsste die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall z
u einem wesentlichen Teil selbst
für den Un
terhalt ihres Sohnes aufkommen, was
die von ihr geltend gemachte Erhöhung des Arbeitspensums im Hinblick auf die finanziellen Verhältnisse plausibel erscheinen lässt.
6.5
Nach dem Gesagten
sprechen die
veränderten
persönlichen,
familiären
und finanziellen
Umstände
allesamt
und mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
dafür, dass die Beschwerdeführerin aufgrund
der finanziellen Z
wänge
sowie
gleichzeitig höherer zeitlicher Kapazitäten
infolge
des Wegfalls
eines
wesentlichen
Teils der
Erziehungs- und Betreuungsaufgaben
im Gesundheitsfall ihr Einkommen mit einem vollzeitlichen Arbeitspensum zu maximieren versucht hätte. Damit über
einstimmend
gab sie anlässlich der Haushaltsabklärung
vom September 2019
explizit an, dass sie bei guter Gesundheit in einem 100%-Pensum als Sprach
lehrerin oder auf einer Botschaft tätig wäre
.
Ihre Willensäusserung
in Bezug auf eine 100%ige Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall
erweist sich unter Berücksich
tigung
der gegebenen Umstände
somit
als schlüssig und nachvollziehbar und ist für die Beurteilung der Statusfrage entsprechend stark zu
gewichten (vgl. vor
ste
hend E. 6.1
)
, zumal es sich dabei um «Aussagen der ersten Stunde» handelt,
denen
in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Dar
stel
lun
ge
n, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versi
che
rungs
rechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 143 V 168 E. 5.2.2, 12
1 V 45 E. 2a, je mit Hinweisen)
.
Auch die Beschwerdegegnerin ge
wichtet regel
mässig die Aussagen der ersten Stunde höher als nachträglich vor
genommene, weshalb nicht einsichtig ist, weshalb es sich vorliegend anders ver
halten sollte.
Dass es sich dabei lediglich um eine rein hypothetische und theoretische Aussage handelt
(vgl. vorstehend E. 2.1)
, kann der Beschwerdeführerin nicht entgegen
gehalten werden, bedingt die Beantwortung der Statusfrage doch zwangsläufig eine hypothetische B
eurteilung (vgl. vorstehend E. 6.1
).
6.6
Ein
starkes Indiz für
die hypothetische Annahme
eine
r
im Gesundheitsfall aus
geübten
Erwerbstätigkeit
ist sodann jene Tätigkeit
, welche bei Eintritt der inva
lidisierenden gesundheitlichen Beeinträchtigung tatsächlich - und unter Umstän
den seit längerer Zeit - ausgeübt wurde, vor allem bei sonst im Wesentlichen unveränderten Verhältnissen bis zur
Entste
hung des Rentenanspruches (
Urteil
9C_565/2015
des Bundesgerichts vom 2
9.
Januar
2016 E. 3.2
;
vgl. vorstehend E.
6.1
).
Gemäss
den Einträgen im IK-Auszug sowie den Angaben der Beschwerdeführerin
ist davon auszugehen, dass sie
nach Abschluss ihres Studiums von März 1990 bis
Dezember 1992 überwiegend wahrscheinlich zu 100
%
(vgl.
Urk.
6/69 S. 3
Ziff.
2.1
,
Urk.
6/66 S. 4
Ziff.
7
) als Sekretärin im Konsulat von
G._
in Zürich tätig war. Auch unmittelbar vor Eintritt der
schizophrenen Erkrankung
im Jahr 1999
(
vgl. vorstehend E.
3.2
,
Urk.
6/66 S. 3
Ziff.
5
, S. 8
Ziff.
10
)
war sie von September 1998 bis November 1999 in einem 100%-Pensum bei der
Y._
beziehungsweise
M._
angestellt und betreute nebenbei ihre damals fünf-
b
eziehungsweise sechsjährige Tochter.
Somit
ging die Beschwerdeführerin vor Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung - mit Unterbruch nach der Geburt ihrer Tochter
im Jahr
1993 sowie des Auslandsaufenthalts von 1994 bis 1997 - knapp 4 Jahre lang einer
100%igen Erwerbstätigkeit nach, was
für die hypothetische
Annahme einer Voll
erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall
gleichermassen
besonders stark ins Gewicht fällt
.
Unter
den gegebenen Umständen
ist
somit mit überwiegender Wahrschein
lichkeit davon auszugehen, dass
die Beschwerdeführerin
bei guter Gesundheit wieder einer 100%igen E
r
werbstätigkeit nachgehen würde.
Fest
steht, dass die Beschwerdeführerin seit Juni 1999 in regelmässiger psy
chia
trischer und medikamentöser Behand
lung steht (vgl. vorstehend E. 3.2, E. 4.2
-4.3
).
Für den Verlauf der Erkrankung
vor Februar 2007 fehlen
ausführliche
medi
zini
sche Beurteilungen
sowie
Arbeitsunfähigkeitszeugnisse
, was
insbesondere
auf den weit zurückliegenden Zeitraum zurückzuführen sein dürfte. A
ngesichts der dokumentierten Beschwerden ist indes äusserst fraglich, ob seit Eintritt des Gesundheitsschadens jemals über einen längeren Zeitraum eine volle Arbeits
fähigkeit bestanden hatte.
Entgegen den Ausführungen der Abklärungsperson kann
angesichts der
langjährigen Erziehungs- und Betreuungsaufgaben
betref
fend die 1993 und 2006 geborenen Kinder
sowie der Einschränkungen durch die seit 1999 bestehende schizophrene E
rkrankung
indes
nicht ins Gewicht fallen, dass di
e Beschwerdeführerin seit längerer
Zeit keiner geregelten Erwerbstätigkeit mehr nachgeht.
Demgemäss vermag nicht zu überzeugen, da
ss die Abklärungs
person für die Qualifikation der Beschwerdeführerin auf die im Jahr 2005 wäh
rend zwei Monaten zu 50
%
ausgeübte Tätigkeit als Sekretärin in einer
O._
in Spanien abstellt
e
.
6.7
Nach dem Gesagten
ist
die Beschwerdeführerin
in Würdigung aller Umstände, insbesondere
der familiären und finanziellen Verhältnisse
, und ausgehend von der vor dem Eintritt des Gesundheitsschadens zuletzt ausgeübten Tätigkeit sowie
ihren
glaubhaften
Angaben anlässlich der Haushaltabklärung
als Vollerwerbs
tätige zu qualifizieren.
Weitere Abklärungen (vgl.
Urk.
1 S. 1)
insbesondere in Bezug auf die Einschränkungen im Haushalt
erweisen sich
somit nicht als erfor
derlich.
Da
in medizinischer Hinsicht
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
in jegli
cher Tätigkeit
ausgewiesen ist
(vgl. vorstehend E. 5.5
)
und die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu 100
%
erwerbstätig wäre,
ergibt sich
ein Invaliditätsgrad von 100
%
, weshalb auf
die Vornahme eines Einkommensvergleichs verzichtet werden kann.
7.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass d
ie Beschwerdeführer ab
1.
Januar 2019 Anspruc
h auf eine ganze Invalidenrente hat.
In diesem Sinne ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und
die angefochtene Verfügung (
Urk.
2)
dahingehend abzuändern
.
Im
Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
8
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen.
Da die Beschwerdeführerin lediglich in geringem Um
fang unterliegt, rechtfertigt es sich, die Kosten in vollem Umfang
der Beschwer
degegnerin aufzuerlegen.