Decision ID: 6cf5ca61-6a73-4593-90b1-97717b4256f8
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.a A._ meldete sich im Dezember 2003 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 5). Sie gab an, sie habe eine Ausbildung zur
Zahnarzthelferin absolviert. Anschliessend habe sie sich zur Kosmetikerin ausbilden
lassen. Die letzte Arbeitgeberin der Versicherten, eine Einrichtung für ein betreutes
Wohnen, berichtete im Januar 2004 (IV-act. 11), sie habe diese vom 21. Mai 2002 bis
zum 18. Oktober 2002 (letzter effektiver Arbeitstag: 16. Juli 2002) als Betreuerin
beschäftigt. Das Arbeitsverhältnis sei wegen einer unbestimmt lange dauernden
Krankheit aufgelöst worden. Eine Krankenpflegeschule teilte im März 2004 mit (IV-act.
15), die Versicherte habe im August 2001 eine Ausbildung zur Pflegefachfrau
begonnen. Wegen ungenügenden schulischen Leistungen und unzulässig vielen
Absenzen sei die Ausbildung per 3. Mai 2002 abgebrochen worden. Die Psychiaterin
Dr. med. B._ berichtete im März 2004 (IV-act. 14 und 16), die Versicherte leide an
Reaktionen auf schwere Belastungen, an Anpassungsstörungen mit längeren
depressiven Reaktionen sowie an einer gemischten Störung der Gefühle und des
Sozialverhaltens. Seit dem 29. Oktober 2002 sei sie zu 70 Prozent arbeitsunfähig. Auch
unter günstigsten Bedingungen sei ein Arbeitspensum von mehr als 30 Prozent
unrealistisch. Die Versicherte sei oft derart verstimmt, dass sie kaum aus dem Bett
finde, obwohl sie sich in einer psychotherapeutischen und medikamentösen
Behandlung befinde. Mit einer Verfügung vom 20. August 2004/17. Dezember 2004
sprach die IV-Stelle der Versicherten rückwirkend ab dem 1. Dezember 2003 eine
ganze Rente bei einem Invaliditätsgrad von 100 Prozent zu (IV-act. 25 f.).
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A.b Im Rahmen einer Überprüfung des Rentenanspruchs gab die Versicherte im April
2006 an, ihr Gesundheitszustand sei unverändert geblieben (IV-act. 29). Die
behandelnde Psychiaterin Dr. med. C._ berichtete im Juli 2006 (IV-act. 31), der
Gesundheitszustand der Versicherten sei unverändert schlecht. Diese überfordere sich
bei sich selbst gestellten Aufgaben, die sie nicht erfüllen könne, und gerate so unter
eine starke psychische Belastung. Dadurch verstärkten sich die depressiven und die
Angstsymptome. Sie könne keine konsequente Tagesstruktur einhalten. Angesichts
ihres labilen psychischen Gesundheitszustandes sei sie nicht arbeitsfähig. In der Folge
teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass weiterhin ein unveränderter Anspruch auf
eine ganze Rente bestehe (IV-act. 33). Im Oktober 2011 gab die Versicherte wiederum
an, ihr Gesundheitszustand sei unverändert geblieben (IV-act. 37). Auch der Hausarzt
Dr. med. D._ und die Psychiaterin Dr. C._ berichteten über einen unveränderten
Gesundheitszustand (IV-act. 40 f.). Im November 2011 teilte die IV-Stelle der
Versicherten mit, dass weiterhin ein unveränderter Anspruch auf die bisherige ganze
Rente bestehe (IV-act. 43).
A.c Im März 2013 wurde die Versicherte im Auftrag einer Privatversicherung durch Dr.
med. E._ psychiatrisch untersucht. Diese hielt in ihrem Gutachten vom 18. März 2013
fest (IV-act. 110), die Versicherte leide an einer langgezogenen schweren depressiven
Episode bei einer bekannten rezidivierenden depressiven Störung sowie – ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an akzentuierten Persönlichkeitszügen mit
dependenten und emotional instabilen Zügen und an einer andauernden
Persönlichkeitsänderung nach einer Extrembelastung. Aufgrund der innerhalb des
Depressiven schwankenden Stimmung, die die Versicherte mitunter daran hindere, das
Bett zu verlassen, aufgrund des ausgeprägten Bedürfnisses nach einem sozialen
Rückzug und aufgrund des tiefgreifenden Gefühls der Sinnlosigkeit, Leere und
Lebensmüdigkeit seien der Versicherten weder die erlernte Tätigkeit als Kosmetikerin
noch andere Tätigkeiten zumutbar. Selbst in einem geschützten Rahmen könne die
Versicherte keiner Beschäftigung nachgehen.
A.d Im Juli 2013 notierte eine Sachbearbeiterin der IV-Stelle (IV-act. 47), sie habe einen
anonymen Hinweis erhalten, laut dem sich die Versicherte vor mindestens einem Jahr
selbständig gemacht habe. Sie betreibe ein Kosmetikstudio in St. Gallen. Am 22.
August 2013 forderte die IV-Stelle die Versicherte auf, einen weiteren Fragebogen zur
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Überprüfung des Rentenanspruchs auszufüllen. Diese gab in der Folge an (IV-act. 54),
ihr Gesundheitszustand habe sich nicht verändert. Sie habe „in Absprache mit der
SVA“ einen Arbeitsversuch als selbständige Kosmetikerin in einem Teilzeitpensum
unternommen. Dieser verlaufe aber sehr schlecht (vgl. auch IV-act. 59). Am 26.
September 2013 berichtete Dr. C._ (IV-act. 62), der Gesundheitszustand der
Versicherten sei weiterhin stationär und sehr labil. Diese nehme sich zu viel vor und
könne das Ziel dann nicht erreichen. Sie überfordere sich, was einen starken
psychischen Stress auslöse. Am 28. Januar 2014 befragten zwei Mitarbeiterinnen der
IV-Stelle die Versicherte persönlich (IV-act. 76). Im Anschluss an die Befragung führten
sie einen Augenschein im Kosmetikstudio der Versicherten durch (IV-act. 81 f.). Sie
hielten in ihrem Abklärungsbericht fest, das Studio sei zweckmässig und mit Liebe zum
Detail eingerichtet. Im Empfangsbereich habe eine Preisliste mit unterschiedlichsten
Kosmetikdienstleistungen aufgelegen. Die Versicherte verfüge über eine Kundenkartei
mit diversen Einträgen. Am 3. Februar 2014 nahm die Versicherte Stellung zum
entsprechenden Abklärungsbericht (IV-act. 79). Sie machte geltend, von der
Ausstattung ihres Studios dürfe nicht auf den Umsatz geschlossen werden. Ihr
Lebenspartner habe das Studio eingerichtet. Das Mobiliar habe er gebraucht gekauft.
Für den Fall, dass sie tatsächlich in der Lage gewesen wäre, Kunden zu bedienen,
habe das Studio einen professionellen Eindruck vermitteln müssen. Trotzdem habe sie
nur einige Bekannte bedient und nie wirklich gearbeitet. Am 10. März 2014 notierte eine
der beiden Sachbearbeiterinnen (IV-act. 83), sie habe die Versicherte zufällig an einem
Freitagabend beobachtet. Diese sei mit ihrem kleinen Hund ohne eine weitere
Begleitung „seelenruhig“ über den belebten Marktplatz spaziert. Am 18. März 2014
empfahl Dr. med. F._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) eine
psychiatrische Begutachtung (IV-act. 84). Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die
Psychiaterin med. pract. G._ am 10. Oktober 2014 ein Gutachten (IV-act. 94). Sie
führte aus, die Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven Störung, die
gegenwärtig weitestgehend remittiert sei. Allenfalls erreiche die Störung zeitweilig das
Ausmass einer leichten depressiven Episode. Zudem liege eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und histrionischen Zügen vor. Keine
der beiden Störungen wirke sich auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten aus.
Vermutlich seit Ende des Jahres 2008, mit hoher Wahrscheinlichkeit seit März 2012
und mit Sicherheit seit Ende September 2014 sei die Versicherte aus psychiatrischer
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Sicht uneingeschränkt arbeitsfähig. In ihrem Gutachten wies die Sachverständige
darauf hin, dass die Angaben und das Verhalten der Versicherten teilweise inkonsistent
und widersprüchlich gewesen seien. Objektiv habe sie Verdeutlichungs- bis hin zu
Aggravationstendenzen festgestellt. Die RAD-Ärztin Dr. F._ qualifizierte das
Gutachten als überzeugend und hielt fest, dass von einer signifikanten Verbesserung
des Gesundheitszustandes der Versicherten ab dem Zeitpunkt der Begutachtung (Ende
September 2014) auszugehen sei (IV-act. 95).
A.e Mit einem Vorbescheid vom 26. Februar 2015 teilte die IV-Stelle der Versicherten
mit (IV-act. 97), dass sie die rückwirkende Aufhebung der Rente per 30. Juni 2012
vorsehe. Zur Begründung führte sie an, gestützt auf das Gutachten der Psychiaterin
G._ sei von einer erheblichen Verbesserung des Gesundheitszustandes und von
einer aktuell uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen. Da die Versicherte ihr
Kosmetikstudio im März 2012 eröffnet habe und da sie dies nicht gemeldet habe, liege
eine Verletzung der Meldepflicht vor, weshalb die Rente rückwirkend aufgehoben
werden müsse. Gestützt auf die Revisionsbestimmungen sei der Anpassungszeitpunkt
auf das Ende einer Dreimonatsfrist nach der Erwerbsaufnahme, das heisst auf den 30.
Juni 2012, festzusetzen. Einer allfälligen Beschwerde gegen die vorgesehene
Verfügung werde die IV-Stelle die aufschiebende Wirkung entziehen. Dagegen liess die
nun anwaltlich vertretene Versicherte am 14. April 2014 einwenden (IV-act. 102), die
Akten der IV-Stelle gäben den realen Sachverhalt nur unvollständig wieder. Die IV-
Stelle habe nicht durch einen anonymen Telefonanruf, sondern nach einer
Einsichtnahme in die Akten einer Privatversicherung Kenntnis von der Eröffnung des
Kosmetikstudios erhalten. Diese Privatversicherung habe die Versicherte durch die
Psychiaterin G._ begutachten lassen wollen. Die Versicherte habe den vorgesehenen
Termin aber absagen müssen, weshalb sie dann von Dr. E._ begutachtet worden sei.
Die Absage müsse die Psychiaterin G._ so erbost haben, dass diese sich noch zwei
Jahre später daran erinnert und dies im Gutachten vermerkt habe. Das Gutachten von
Dr. E._ sei der Sachbearbeiterin der Privatversicherung wohl sauer aufgestossen.
Diese habe sich daraufhin mit einer Sachbearbeiterin der IV-Stelle in Verbindung
gesetzt und dieser zu einer weiteren Begutachtung – nun im Auftrag der IV-Stelle –
geraten. Es sei auch schon „klar“ gewesen, „wer mit diesem Gutachtensauftrag betraut
werde ...“ Die Sachbearbeiterin der IV-Stelle habe in der Folge „gezielt und mit
missionarischem Eifer“ auf eine Rentenaufhebung hingearbeitet. Weshalb hätte sie
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sonst notieren sollen, dass sie die Versicherte beim Gassi gehen mit dem Hund
beobachtet habe? In der Folge habe die Versicherte hinreichend belegt, dass sie
effektiv nicht in der Lage sei, mit ihrer selbständigen Erwerbstätigkeit ein Einkommen
zu erzielen. Es könne kein Zufall sein, dass ausgerechnet die Psychiaterin G._ mit der
Erstellung eines Gutachtens beauftragt worden sei. Zudem habe die IV-Stelle der
Sachverständigen Suggestivfragen gestellt. Diverse Angaben im Gutachten seien
unzutreffend. Zusammenfassend rechtfertige die Sachlage keine Rentenaufhebung. Mit
einer Verfügung vom 8. Mai 2015 hob die IV-Stelle die laufende Rente rückwirkend per
30. Juni 2012 auf; einer allfälligen Beschwerde entzog sie die aufschiebende Wirkung
(IV-act. 103). Bezugnehmend auf die Einwände der Versicherten führte sie aus, deren
Sachverhaltsdarstellung sei unglaubwürdig und tatsachenwidrig. Ausserdem sei es
nicht glaubhaft, dass die Versicherte einen derart immensen Aufwand für den Betrieb
eines Kosmetikstudios betrieben habe, ohne in der Folge effektiv erwerbstätig zu sein.
B.
B.a Am 8. Juni 2015 liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 8. Mai 2015 erheben (act. G 1). Ihr
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der Verfügung und die weitere Ausrichtung
der bisherigen ganzen Rente, eventualiter die Rückweisung der Sache zur neuen
Verfügung an die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) und subeventualiter
die Aufhebung der Rente ab Juli 2015. Zusätzlich beantragte er die Wiederherstellung
der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde „bezüglich der rückwirkenden
Rentenaufhebung“. Zur Begründung führte er an, die Psychiaterin Dr. E._ habe kurz
vor der Eröffnung des mit der angefochtenen Verfügung abgeschlossenen
Revisionsverfahrens eine andauernde vollständige Arbeitsunfähigkeit bestätigt. Die
behandelnden Ärzte hätten im Revisionsverfahren „eher“ auf eine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes hingewiesen. Die Beschwerdegegnerin habe trotzdem eine
Rentenaufhebung herbeiführen wollen, indem sie die voreingenommene Psychiaterin
G._ mit einer Begutachtung beauftragt und dieser Suggestivfragen gestellt habe.
Dieses Vorgehen sei in mehrfacher Hinsicht rechtswidrig: Es liege gar kein
Revisionsgrund vor, weshalb auch kein Revisionsverfahren hätte eröffnet werden
dürfen; die Beschwerdegegnerin habe den Sachverhalt nicht neutral erhoben; das
Gutachten der Sachverständigen G._ weise „eklatante“ Mängel auf; die Rente hätte
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nicht rückwirkend aufgehoben werden dürfen. Für die Dauer des Verfahrens akzeptiere
die Beschwerdeführerin zwar die Sistierung der Rentenzahlungen. Sie befürchte aber,
vorzeitig mit einer Rückforderung konfrontiert zu werden, weshalb sie bezüglich der
Zeitspanne bis zur Eröffnung der Verfügung die Wiederherstellung der aufschiebenden
Wirkung beantrage. Die Beschwerdeschrift wurde nicht über die Schweizerische Post
zugestellt, sondern direkt in den Briefkasten des Versicherungsgerichtes eingeworfen.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 6. Juli 2015 ein Nichteintreten (act. G 4).
Zur Begründung führte sie an, es bestünden ernsthafte Zweifel daran, dass die
Beschwerde noch am 8. Juni 2015 in den Briefkasten des Versicherungsgerichtes
eingeworfen worden sei. Wenn der Einwurf aber erst am 9. Juni 2015 erfolgt sei, sei die
Beschwerde verspätet erhoben worden. Nach einem mehrfachen Schriftenwechsel zu
dieser Frage (vgl. act. G 5–16) fand am 1. März 2016 eine gerichtliche Einvernahme des
vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin genannten Zeugen des Einwurfs der
Beschwerde statt (vgl. act. G 17). Mit einem Zwischenentscheid vom 3. März 2016 trat
das Versicherungsgericht auf die Beschwerde ein (act. G 18). Der Zeuge stellte in der
Folge einen Pauschalaufwand von 60 Franken in Rechnung (act. G 19).
B.c Am 14. Juni 2016 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde (act. G 21). Zur Begründung führte sie aus, die angebliche
Voreingenommenheit der Sachverständigen G._ werde in der Beschwerde in einer
„absurd übertriebenen Weise“ zu einem „eskalativ überbordenden Konflikt
hochstilisiert“. Aus den Tatsachen, dass die Psychiaterin G._ die Beschwerdeführerin
im Auftrag einer Privatversicherung hätte begutachten sollen und dass die
Beschwerdeführerin den entsprechenden Termin (mit Entschuldigung) nicht habe
wahrnehmen können, lasse sich keine Voreingenommenheit der Sachverständigen
ableiten. Die Fragen der Beschwerdegegnerin an die Sachverständige wiesen keinen
Suggestivcharakter auf. Das Gutachten enthalte keine Hinweise auf eine unsachliche
Würdigung. Die Sachverständige Dr. E._ habe nichts von der Eröffnung des eigenen
Kosmetiksalons gewusst. Ihre Schlussfolgerungen beruhten deshalb auf falschen
Annahmen. Die Sachverständige G._ habe dagegen eine umfassende Kenntnis von
allen relevanten Tatsachen gehabt. Die Angaben der Beschwerdeführerin zur
selbständigen Erwerbstätigkeit seien nicht überzeugend. Jedenfalls stehe fest, dass sie
nicht mehr invalid sei. Da sie die Aufnahme ihrer Erwerbstätigkeit nicht gemeldet habe,
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müsse die Rente rückwirkend aufgehoben werden. Daran ändere die Meldung an die
Ausgleichskasse nichts. Bezüglich der aufschiebenden Wirkung lasse sich der
angefochtenen Verfügung entnehmen, dass mit dem Vollzug der Rückforderung bis
zum Eintritt der Rechtskraft der Verfügung zugewartet werde.
B.d Die Beschwerdeführerin liess am 17. Oktober 2016 an ihren Anträgen festhalten
(act. G 29). Auch die Beschwerdegegnerin hielt an ihrem Antrag fest (act. G 31).
B.e Mit einem Zwischenentscheid vom 16. Januar 2017 trat das Versicherungsgericht
nicht auf den Antrag um die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der
Beschwerde ein (act. G 33).

Erwägungen
1.
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente
gemäss dem Art. 17 Abs. 1 ATSG von Amtes wegen oder auf ein Gesuch hin für die
Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben. Der Sinn und Zweck des
Art. 17 Abs. 1 ATSG besteht darin, eine formell rechtskräftig zugesprochene
Dauerleistung – die Invalidenrente – an Sachverhaltsveränderungen anzupassen, die im
Zeitpunkt der Rentenzusprache noch nicht haben vorhergesehen werden können. Die
Zusprache einer unbefristeten Rente kann sich ja für die Zukunft nicht auf einen mit
dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellten
Sachverhalt, sondern nur auf die Prognose stützen, dass sich der massgebende
Sachverhalt nicht verändern werde. Tritt später eine Sachverhaltsveränderung ein,
erweist sich die ursprüngliche Prognose für die weitere Zukunft als falsch respektive als
überholt. Mit der Anwendung des Art. 17 Abs. 1 ATSG kann die nun falsche Prognose
durch eine neue, der zwischenzeitlichen Sachverhaltsveränderung entsprechende
Prognose ersetzt werden (vgl. zum Ganzen RALPH JÖHL, Die Revision nach Art. 17
ATSG, in: JaSo 2012, S. 153 ff.).
2.
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Die Beschwerdeführerin lässt geltend machen, die Beschwerdegegnerin hätte gar kein
Revisionsverfahren eröffnen dürfen, weil kein Anhaltspunkt für eine wesentliche
Sachverhaltsveränderung vorgelegen habe. Die Beschwerdegegnerin habe nämlich
keinen anonymen Hinweis bezüglich der Aufnahme einer selbständigen
Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin erhalten, sondern sie sei von einer
Privatversicherung dazu angestiftet worden, auf eine Rentenaufhebung hinzuwirken. So
oder anders hat die Beschwerdegegnerin aber jedenfalls im Juli 2013 Kenntnis von
einer möglichen Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit und damit von einer
allfälligen wesentlichen Sachverhaltsveränderung erhalten. In dieser Situation ist sie
nicht nur berechtigt, sondern vielmehr verpflichtet gewesen, ein Revisionsverfahren zu
eröffnen und Abklärungen bezüglich des damals aktuellen Sachverhaltes zu tätigen.
3.
3.1 Für die Bestimmung des (im Revisionsverfahren aktuellen) Invaliditätsgrades ist
laut dem Art. 16 ATSG nicht das effektiv erzielte (Invaliden-) Einkommen massgebend.
Vielmehr wird jenes Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, zum
Erwerbseinkommen in Beziehung gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht
invalid geworden wäre. Vorliegend kommt deshalb den – ohnehin nicht hinreichend
aussagekräftigen – Angaben zur effektiven Tätigkeit der Beschwerdeführerin in ihrem
Kosmetikstudio keine entscheidende Bedeutung zu. Die Beantwortung der Frage nach
der Höhe des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens hat sich primär nach
der medizinischen Arbeitsfähigkeitsschätzung zu richten.
3.2 Im Zeitpunkt der Eröffnung der angefochtenen Verfügung haben zwei
psychiatrische Gutachten bei den Akten gelegen: Die Sachverständige Dr. E._ hatte
die Beschwerdeführerin im März 2013 im Auftrag einer Privatversicherung begutachtet;
die Sachverständige G._ hatte diese im Oktober 2014 im Auftrag der
Beschwerdegegnerin untersucht. Die Beschwerdeführerin lässt geltend machen, auf
das Gutachten der Sachverständigen G._ dürfe nicht abgestellt werden, da diese
befangen gewesen sei. Diese hätte sie nämlich im März 2013 im Auftrag der
Privatversicherung untersuchen müssen. Als die Beschwerdeführerin den ersten
Termin abgesagt habe, sei der Ehemann der Sachverständigen G._ wütend
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geworden. Er habe ihr gedroht, dass er ihr die Kosten der versäumten Untersuchung
direkt in Rechnung stellen werde. Nachdem die Beschwerdeführerin auch einen
zweiten Termin abgesagt habe, sei der Auftrag schliesslich an Dr. E._ vergeben
worden. Dieser Vorfall müsse die Sachverständige G._ derart erbost haben, dass sie
sich noch zwei Jahre später daran erinnert habe. Diese Argumentation überzeugt nicht.
Die zweimalige Absage eines Untersuchungstermins ist eine Bagatelle, die
offensichtlich nicht geeignet ist, die Objektivität einer Sachverständigen zu
beeinflussen. Das Gutachten der Sachverständigen G._ enthält keinen Hinweis auf
eine Voreingenommenheit. Der Umstand, dass die Sachverständige sowohl die
Beschwerdegegnerin als auch die Leser ihres Gutachtens auf einen letztlich nicht
zustande gekommenen früheren Gutachtenauftrag hingewiesen hat, ist nicht als ein
Indiz für eine Voreingenommenheit, sondern als eine objektive, begrüssenswerte
Offenlegung sämtlicher Umstände zu qualifizieren, die bei der Würdigung des
Gutachtens von Bedeutung sein könnten. Auch das Argument des Rechtsvertreters der
Beschwerdeführerin, die Beschwerdegegnerin habe der Sachverständigen G._
Suggestivfragen gestellt, verfängt nicht. Die Fragen der Beschwerdegegnerin
(„Zusatzfragen“) zum Gutachtenauftrag sind zwar teilweise eher tendenziös, aber nicht
derart suggestiv, dass sie es einer erfahrenen Sachverständigen erschwert oder
verunmöglicht hätten, ein objektives, neutrales Gutachten zu erstatten.
Zusammenfassend ist die Sachverständige G._ also nicht voreingenommen
gewesen. Für die Beantwortung der Frage nach der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin sind folglich sowohl das Gutachten von Dr. E._ als auch jenes
der Sachverständigen G._ frei zu würdigen. Die beiden Gutachten stimmen weder
hinsichtlich der Diagnose noch bezüglich der Arbeitsfähigkeitsschätzung überein.
Während Dr. E._ eine langgezogene schwere depressive Episode bei einer
bekannten rezidivierenden depressiven Störung sowie – ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit – akzentuierte Persönlichkeitszüge mit dependenten und emotional
instabilen Zügen und eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach einer
Extrembelastung diagnostiziert hat, hat die Sachverständige G._ nur eine
rezidivierende depressive, damals weitestgehend remittierte Störung und eine
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und histrionischen Zügen
diagnostiziert und ausgeführt, die depressive Störung könne nur zeitweilig das
Ausmass einer leichten depressiven Episode erreichen. Laut Dr. E._ hat der
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Beschwerdeführerin nicht einmal eine Tätigkeit im geschützten Rahmen zugemutet
werden können; die Sachverständige G._ hat aus psychiatrischer Sicht eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit attestiert. Das Gutachten der Sachverständigen
G._ enthält (wie auch die übrigen medizinischen Akten aus der Zeit zwischen März
2013 und Oktober 2014) keinen Hinweis auf eine wesentliche Verbesserung des
psychischen Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin im Zeitraum von März
2013 bis Oktober 2014. Im Gegenteil hat die Sachverständige die Auffassung vertreten,
dass der psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin wohl bereits seit
dem Jahr 2008 im Wesentlichen unverändert geblieben sei. Damit liegt ein Widerspruch
zwischen den beiden psychiatrischen Gutachten vor. Inhaltlich fällt auf, dass die
Sachverständige G._ die Beschwerdeführerin während insgesamt viereinhalb
Stunden untersucht hat, was aussergewöhnlich lange ist. Daran ändern die von der
Beschwerdeführerin angegebenen Zigarettenpausen der Sachverständigen nichts. Im
Unterschied zu Dr. E._ hat die Sachverständige G._ das Verhalten der
Beschwerdeführerin während den beiden Untersuchungen ausführlich beschrieben. Sie
hat darauf hingewiesen, dass sie keine Müdigkeitserscheinungen oder sonstigen
klinischen Befunde für eine wesentliche depressive Störung habe feststellen können.
Zudem hat die Sachverständige vor den Untersuchungen die massgebenden Akten
eingehend studiert, sodass sie die Beschwerdeführerin immer wieder mit einzelnen
Angaben in den Akten hat konfrontieren können. Eine vergleichbar gute Aktenkenntnis
ist im Gutachten von Dr. E._ nicht ersichtlich. Auch fehlt in jenem Gutachten eine
kritische Auseinandersetzung mit den subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin.
Zwar hat Dr. E._ im Gegensatz zur Sachverständigen G._ bei der behandelnden
Psychiaterin fremdanamnestische Angaben eingeholt, aber diese sind im Wesentlichen
bereits in den medizinischen Akten enthalten gewesen, weshalb dies nicht für eine
höhere Zuverlässigkeit des Gutachtens von Dr. E._ spricht. Jenes Gutachten enthält
zudem keine Angabe zur Untersuchungsdauer, aber ein Vergleich zwischen den
Befundschilderungen der beiden Sachverständigen deutet auf eine wesentlich kürzere
Dauer der Untersuchung durch Dr. E._ hin. Da die Sachverständige G._ ihr
Gutachten später als Dr. E._ erstattet hat, hat ihr deren Gutachten vorgelegen. Sie
hat an verschiedenen Stellen darauf verwiesen und sich eingehend mit den
Schlussfolgerungen von Dr. E._ bezüglich der Diagnose und der
Arbeitsfähigkeitsschätzung auseinandergesetzt. Die entsprechenden Ausführungen der
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Sachverständigen G._ sind nachvollziehbar und überzeugend. Insgesamt erscheint
das Gutachten der Sachverständigen G._ als wesentlich überzeugender als jenes der
Sachverständigen Dr. E._, denn letztere scheint insgesamt eher dazu geneigt zu
haben, die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin unkritisch als Grundlage für
ihre Diagnosestellung und die Arbeitsfähigkeitsschätzung heranzuziehen, während sich
die Sachverständige G._ durchaus kritisch mit den Angaben der Beschwerdeführerin
auseinandergesetzt hat. Die von der Sachverständigen G._ beschriebenen
Widersprüche und Inkonsistenzen sind entgegen der Ansicht des Rechtsvertreters der
Beschwerdeführerin nicht „peinlich“, sondern geeignet, Zweifel an der Zuverlässigkeit
der subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin zu wecken. Zusammenfassend sind
keine Umstände ersichtlich, die ernsthafte Zweifel an der Diagnose und der
Arbeitsfähigkeitsschätzung im Gutachten der Sachverständigen G._ wecken würden.
Da diese ihre entsprechenden Schlussfolgerungen überzeugend begründet hat, ist mit
ihrem Gutachten mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Beschwerdeführerin spätestens im Zeitpunkt der
Untersuchung im September 2014 aus psychiatrischer Sicht nicht (mehr) in ihrer
Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt gewesen ist. Andere Gesundheitsbeeinträchtigungen,
die sich wesentlich auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ausgewirkt hätten,
sind in den Akten nicht ersichtlich, weshalb die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der
Eröffnung der angefochtenen Verfügung überwiegend wahrscheinlich uneingeschränkt
arbeitsfähig gewesen ist. Sie kann folglich keinen Anspruch mehr auf eine
Invalidenrente gehabt haben.
4.
4.1 Der Art. 17 Abs. 1 ATSG äussert sich zwar zum Zeitpunkt einer Rentenrevision,
indem er vorgibt, dass die Anpassung für die Zukunft zu erfolgen habe. Allerdings lässt
sich dem Wortlaut der Bestimmung nicht entnehmen, welcher Zeitpunkt diesbezüglich
als Gegenwart zu qualifizieren ist. Diese Frage muss anhand einer teleologischen
Interpretation beantwortet werden. Ausgehend vom Grundsatz, dass jedermann
jederzeit jene Leistungen erhalten soll, die seinem jeweils aktuellen Leistungsbedarf
entsprechen, müsste der Wirkungszeitpunkt einer Rentenrevision eigentlich stets dem
Zeitpunkt des Eintritts der relevanten Sachverhaltsveränderung entsprechen (vgl.
MIRIAM LENDFERS, Die IVV-Revisionsnormen [Art. 86ter–88bis] und die anderen
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Sozialversicherungen, in: Sozialversicherungsrechtstagung 2009). Für die
Invalidenversicherung hat der Verordnungsgeber allerdings eine von diesem Grundsatz
abweichende Regelung getroffen: Gemäss dem Art. 88bis Abs. 2 lit. a IVV wird eine
Rente der Invalidenversicherung erst auf das Ende des der Zustellung der
Revisionsverfügung folgenden Monats herabgesetzt oder aufgehoben. Dahinter können
nur Vertrauensschutzüberlegungen stehen: Der Verordnungsgeber hat sicherstellen
wollen, dass eine Rente erst dann herabgesetzt oder aufgehoben wird, wenn der
Rentenbezüger Kenntnis vom Endes seines bisherigen Anspruchs erhalten hat und sich
darauf hat einstellen können. Auch wenn zwischen dem Eintritt der
Sachverhaltsveränderung und dem Erlass der Revisionsverfügung mehrere Monate
oder gar Jahre vergehen sollten, soll dem Rentenbezüger grundsätzlich also keine
Rückerstattungspflicht auferlegt werden. Von dieser Ausnahme vom Art. 17 Abs. 1
ATSG (und indirekt auch vom Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG) sieht der Art. 88bis Abs. 2 lit.
b IVV wiederum eine Ausnahme vor: Die Herabsetzung oder die Aufhebung einer Rente
erfolgt rückwirkend ab dem Eintritt der für den Anspruch erheblichen
Sachverhaltsveränderung, also ab dem vom Art. 17 Abs. 1 ATSG eigentlich
vorgesehenen Wirkungszeitpunkt, wenn der Rentenbezüger die Leistung zu Unrecht
erwirkt hat oder wenn er der ihm nach Art. 77 IVV zumutbaren Meldepflicht nicht
nachgekommen ist. Wer seine Meldepflicht verletzt oder die Leistung zu Unrecht
erwirkt hat, hat nach Ansicht des Verordnungsgebers also kein schutzwürdiges
Vertrauen in den Fortbestand der Rente, weshalb für diesen Personenkreis der
vertrauensschutzrechtlich motivierte befristete Weiterbezug der Rente bis nach dem
Erlass der Revisionsverfügung nicht zum Tragen kommen soll. Für diese Personen gilt
direkt der Art. 17 Abs. 1 ATSG, laut dem die Rentenherabsetzung oder die
Rentenaufhebung auf den Zeitpunkt des Eintritts der relevanten
Sachverhaltsveränderung zu erfolgen hat.
4.2 Der Art. 88bis Abs. 2 lit. a IVV konnte sich noch nie auf eine ausreichende
gesetzliche Grundlage stützen, denn der Gesetzgeber hat dem Verordnungsgeber nicht
die Kompetenz eingeräumt, den Wirkungszeitpunkt einer sich zu Ungunsten der
Versicherten auswirkenden Revision eigenmächtig zu definieren (und damit im Ergebnis
auch den Anwendungsbereich des Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG einzuschränken).
Dennoch hat das Bundesgericht den Art. 88bis Abs. 2 lit. a IVV in einer langen,
konstanten Rechtsprechung als gesetzeskonform qualifiziert, ohne dies allerdings auch
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nur ansatzweise unter Bezug auf den Art. 17 Abs. 1 ATSG und den Art. 25 Abs. 1 Satz
1 ATSG zu begründen. Gleichzeitig hat es aber konstant die Auffassung vertreten, der
Art. 88bis Abs. 2 lit. b IVV, der eine Ausnahme zum Grundsatz des Art. 88bis Abs. 2 lit.
a IVV vorsieht, müsse – sehr – weit interpretiert werden. Das Bundesgericht hat nämlich
geltend gemacht, nicht nur ein fehlendes schutzwürdiges Vertrauen im Sinne des Art.
88bis Abs. 2 lit. a IVV, sondern auch jede andere – für die Frage nach dem Vorliegen
eines schutzwürdigen Vertrauens gar nicht massgebende – Meldepflichtverletzung
führe zur Anwendung des Art. 88bis Abs. 2 lit. b IVV. Nach der bundesgerichtlichen
Praxis hat beispielsweise die versäumte Meldung eines Wohnungswechsels eine
„rückwirkende“ Rentenherabsetzung oder Rentenaufhebung zur Folge gehabt, obwohl
die versicherte Person in einem solchen Fall selbstverständlich weiterhin ein
schutzwürdiges Vertrauen in den Fortbestand ihres Rentenanspruchs gehabt hat. Für
die Anwendung des Art. 88bis Abs. 2 lit. b IVV ist also nicht die Frage nach einem
schutzwürdigen Vertrauen, sondern vielmehr die Frage nach einem „rundum
pflichtgemässen Verhalten“ der versicherten Person ausschlaggebend gewesen.
Dadurch hat das Bundesgericht den im Art. 88bis Abs. 2 lit. a IVV enthaltenen
Vertrauensschutzgedanken „untergraben“. Der Verordnungsgeber hat nun mit Wirkung
auf den 1. Januar 2015 diese bundesgerichtliche Interpretation des Art. 88bis Abs. 2 lit.
b IVV in den Wortlaut jener Bestimmung aufgenommen und explizit festgehalten, dass
kein Kausalzusammenhang zwischen einer Meldepflichtverletzung und der
Weiterausrichtung der (nicht mehr im früheren Umfang geschuldeten) Rente bestehen
müsse. Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hat in seinem Entscheid IV
2015/284 vom 14. Juni 2016 (E. 3) erkannt, dass sich das nicht mit dem Sinn und
Zweck des Art. 88bis Abs. 2 lit. a IVV vereinbaren lässt. Es ist in jenem Entscheid zum
Schluss gekommen, dass die Abänderung des Wortlautes des Art. 88bis Abs. 2 lit. b
IVV ignoriert werden müsse, dass also weiterhin nur dann eine „rückwirkende“
Rentenrevision in Frage kommen könne, wenn kein vom Art. 88bis Abs. 2 lit. a IVV
geschütztes Vertrauen in den Fortbestand der Rente bestanden hat. Aus heutiger Sicht
muss diese Schlussfolgerung als falsch bezeichnet werden, denn der
Verordnungsgeber hat mit der am 1. Januar 2015 in Kraft getretenen Neuformulierung
des Art. 88bis Abs. 2 lit. b IVV ja eindeutig den Anwendungsbereich jener Bestimmung
zulasten des Art. 88bis Abs. 2 lit. a IVV ausdehnen wollen. Dabei hat er ganz bewusst
eine Aufgabe des vertrauensschutzrechtlichen Zwecks des Art. 88bis Abs. 2 lit. a IVV in
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Kauf genommen. Mit der erwähnten Verordnungsänderung hat er also bei richtiger
Betrachtung den Art. 88bis Abs. 2 lit. a IVV seines Sinns entleert, denn neu entscheidet
nicht mehr das Vorliegen eines schützenswerten Vertrauens über die Anwendung des
Art. 88bis Abs. 2 lit. a oder b IVV, sondern nur noch eine – vertrauensschutzrechtlich
gesehen – blosse Zufälligkeit, die nichts mit dem Vorliegen eines schutzwürdigen
Vertrauens zu tun hat (bspw. eine unterbliebene Meldung eines Wohnungswechsels).
Damit hat der Art. 88bis Abs. 2 lit. a IVV definitiv jede Rechtfertigung verloren. Ohne die
frühere vertrauensschutzrechtliche Motivation als Begründung für die von der
gesetzlichen Regelung abweichende Bestimmung kann die aus einer Anwendung des
Art. 88bis Abs. 2 lit. a IVV resultierende Verletzung des Art. 17 Abs. 1 ATSG und des
Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG nicht mehr länger hingenommen werden. Der Art. 88bis
Abs. 2 lit. a IVV muss folglich definitiv als gesetzwidrig qualifiziert werden, weshalb ihm
die Anwendung versagt werden muss. Da die Anwendung des Art. 88bis Abs. 2 lit. b
IVV als Ausnahme von der Regel des Art. 88bis Abs. 2 lit. a IVV dasselbe Ergebnis
zeitigt wie die Anwendung des Art. 17 Abs. 1 ATSG, erweist er sich als überflüssig,
wenn dem Art. 88bis Abs. 2 lit. a IVV konsequent die Anwendung versagt wird.
4.3 Für den vorliegenden Fall bedeutet das, dass die Rente unabhängig von einer
allfälligen Meldepflichtverletzung auf den Zeitpunkt der massgebenden
Sachverhaltsveränderung hin aufgehoben werden muss. Die Beschwerdegegnerin ist
davon ausgegangen, das müsse jener Zeitpunkt sein, in dem die Beschwerdeführerin
ihr Kosmetikstudio eröffnet habe (März 2012). Da aber invalidenversicherungsrechtlich
nicht die effektive Verwertung einer allfälligen Restarbeitsfähigkeit, sondern vielmehr
die zumutbare medizinische Arbeitsfähigkeit entscheidend ist, kann nicht die Eröffnung
des Kosmetikstudios, sondern nur die Verbesserung des Gesundheitszustandes als
massgebender Zeitpunkt für die Rentenaufhebung in Frage kommen. Die
Sachverständige G._ hat in ihrem Gutachten angegeben, die Beschwerdeführerin sei
„vermutlich seit Ende 2008, mit hoher Wahrscheinlichkeit seit März 2012 und mit
Sicherheit seit der aktuellen Untersuchung Ende September 2014“ aus psychiatrischer
Sicht uneingeschränkt arbeitsfähig. Zwar scheint gestützt auf die Angabe, die
Beschwerdeführerin sei im März 2012 (Eröffnung des Kosmetikstudios) „mit hoher
Wahrscheinlichkeit“ uneingeschränkt arbeitsfähig gewesen, der erforderliche
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit für eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit erreicht zu sein. Aber die Sachverständige G._ hat diese Angabe
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nicht etwa auf überzeugende medizinische Berichte aus jener Zeit, sondern nur auf den
Umstand gestützt, dass die Beschwerdeführerin damals ihr Kosmetikstudio in Betrieb
genommen hatte. Da aber nicht mehr objektiv ermittelt werden kann, in welchem
Umfang die Beschwerdeführerin in ihrem Kosmetikstudio effektiv erwerbstätig
gewesen ist, kann sich die Auffassung der Sachverständigen G._, die
Beschwerdeführerin sei „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ seit März 2012 uneingeschränkt
arbeitsfähig gewesen, nicht auf eine ausreichende Grundlage stützen, weshalb sie
nicht als überwiegend wahrscheinlich richtig qualifiziert werden kann. Da sich die
Beschwerdeführerin in jener Zeit nur bei Dr. C._ in psychiatrischer Behandlung
befunden hat und da Dr. C._ ohne eine überzeugende Begründung durchwegs eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert hat, existieren keine fachärztlichen Berichte,
die eine überwiegend wahrscheinlich richtige retrospektive Arbeitsfähigkeitsschätzung
erlauben würden. In antizipierender Beweiswürdigung ist von weiteren Abklärungen
hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht für
die Zeit von März 2012 bis Ende September 2014 keine bessere Erkenntnis zu
erwarten. Damit liegt eine objektive Beweislosigkeit hinsichtlich des
Gesundheitszustandes respektive der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in jenem
Zeitraum vor. Mangels einer spezifischeren gesetzlichen Grundlage wirkt sich diese
Beweislosigkeit in analoger Anwendung des Art. 8 ZGB zulasten der
Beschwerdegegnerin aus, die aus dem Beweis für ihre Behauptung, die
Beschwerdeführerin sei schon im März 2012 uneingeschränkt arbeitsfähig gewesen,
einen früheren Zeitpunkt für die Rentenaufhebung ableiten könnte. Der Zeitpunkt der
Rentenaufhebung bestimmt sich folglich anhand des Zeitpunktes der Begutachtung
durch die Sachverständige G._ (Ende September 2014). Gestützt auf die
bundesgerichtliche Interpretation des Art. 88a Abs. 1 IVV ist eine Verzögerung von drei
Monaten zu berücksichtigen, weshalb die Rente per 31. Dezember 2014 aufzuheben
ist.
5.
Zusammenfassend ist die angefochtene Verfügung vom 8. Mai 2015 also aufzuheben
und durch den Entscheid zu ersetzen, dass die Rente (erst) per 31. Dezember 2014
aufgehoben wird. Hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen ist diese
Korrektur als ein Obsiegen der Beschwerdeführerin zu qualifizieren. Die Gerichtskosten
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(600 Franken) und das Zeugengeld (60 Franken) sind folglich der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen. Diese hat der Beschwerdeführerin eine angemessene
Parteientschädigung auszurichten. Angesichts des weitläufigen Schriftenwechsels und
der Notwendigkeit einer Zeugeneinvernahme ist von einem überdurchschnittlich hohen
erforderlichen Vertretungsaufwand auszugehen. Die Parteientschädigung wird deshalb
auf 4'500 Franken (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt. Der
Beschwerdeführerin wird der von ihr geleistete Kostenvorschuss von 600 Franken
zurückerstattet.