Decision ID: b3bfdf52-405f-456c-a528-7a26df4dc3eb
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1968
, war seit 1988 bei der Kehrichtverwertung
Y._
als Werkarbeiter tätig, als er am 2
8.
Februar 2000 einen Unfall erlitt (
Urk.
9/4/70). Am
5.
Februar 2001
meldete er sich bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
vgl.
Urk.
9/
3
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihm mit Ver
fügung
en
vom
5.
April 20
0
2
(
Urk.
9/27) und 1
2.
April 2002 (
Urk.
9/28)
eine ganze Rente ab Februar 2001 zu.
Am
1
4.
April 2003
teilte sie dem Versicherten mit, sein Rentenanspruch sei un
verändert (
Urk.
9/37), ebenso am
2
8.
Juni 2006
(
Urk.
9/46) und am
9.
März 2010
(
Urk.
9/55).
1.2
Nach Eingang des Revisionsfragebogens vom
2
4.
November 2015
(
Urk.
9/73) holte die IV-Stelle unter anderem ein polydisziplinäres Gutachten beim
Zentrum
Z._
ein, das am
2
1.
September 2016
erstattet wurde (
Urk.
9/
88
). Nach zwei Kostengutsprachen für Belastungs
trainings (
Urk.
9/102,
Urk.
9/137), die abgebrochen wurden (
Urk.
9/118,
Urk.
9/159)
,
und durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
9/176,
Urk.
9/183,
Urk.
9/187) hob die IV-Stelle die bisher ausgerichtete Rente mit Verfügung vom 1
8.
Februar 2019 auf (
Urk.
9/193 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am 2
0.
März 2019 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
8.
Februar 2019 (
Urk.
2)
mit den Anträgen (
Urk.
1 S. 2)
, diese sei aufzuheben und es sei ihm auch ab April 2019 weiterhin die bisherige Rente zuzusprechen (
Zi
ff. 1).
Ferner sei ein polydisziplinäres Gerichtsgutachten zu veranlassen (
Ziff.
3).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2.
Mai 2019 (
Urk.
8) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am
6.
Mai 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
10).
3.
Die Suva sprach dem Versicherten mit Verfügung vom 1
6.
Januar 2004 eine In
validenrente entsprechend einer Erwerbseinbusse von 100
%
ab Januar 2004 zu, wobei sie von einem versicherten Verdienst von
Fr.
74'568.-- ausging (
Urk.
9/40).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
B
undesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines ren
tenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren
(vgl. nachstehend E. 1.3)
schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete ver
sicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.3
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen einer anhaltenden soma
toformen Schmerzstörung oder eines damit vergleichbaren psychosomatischen Leidens (BGE 141 V 281 E. 4.2) sind Indikatoren beachtlich, die das Bundesgericht wie folgt systematisiert hat (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad»
-
Komplex «Gesundheitsschädigung»
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen)
-
Komplex «Sozialer Kontext»
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Ressourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
Beweisrechtlich entscheidend ist der Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4)
.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversiche
rung (IVG)
aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung ge
setzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkom
men ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestim
men lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.
5
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1, 126 V 75 E. 3b). Dabei sind grund
sätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statisti
schen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Der Griff zur Lohnstatistik ist subsidiär, das heisst deren Beizug erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens auf
grund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth,
Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung
,
3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
1.
6
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Ände
rung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.
7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus, gemäss dem 2016 erstatteten Gutachten sei der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit zu 50
%
arbeitsfähig, mit einer prognostischen Steigerung auf 70
%
innert Jahresfrist. Ein 2017 begonnenes Belastungstraining habe der Beschwerdeführer vorzeitig abgebrochen (S. 1 unten). Eine weitere Integrations
massnahme sei 2018 abgebrochen worden (S. 2 oben). Zur Festlegung des
V
alideneinkommens
werde von Statistikwerten für Hilfskräfte auf dem Bau ausge
gangen
, für das Invalideneinkommen von Statistikwerten für Hilfskräfte (allge
mein)
und ein Abzug von 5
%
vorgenommen, womit ein Invaliditätsgrad von 36
%
resultiere (S. 2 Mitte).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
da die Beschwerdegegnerin - aus den von ihr genannten Gründen - betreffend die 2002 erfolgte
Rentenzusprache
keine Akten beibringen könne, sei das am 1
0.
April 2003 von den Ärzten des Zentrums
A._
im Auftrag
der Suva als
Unfallversicherer
erstattete Gutachten
zum Vergleich heranzuzuziehen (S. 4
Ziff.
1). Dass im aktuellen Gutachten die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung abweichend
von
früheren Beurteilungen nicht mehr aufgeführt werde, sei nicht Ausdruck einer Verbesserung, sondern stelle lediglich eine andere medizinische Einschätzung dar (S. 4 f.
Ziff.
2). Das im Gutachten
begründungsweise
angeführte Aktivitätsniveau s
ei
bereits früher vom behandelnden Psychiater berichtet und von der Beschwerdegegnerin nicht als Revisionsgrund betrachtet
worden (S. 5 f.
Ziff.
3). Die Prognose einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit von 50
%
auf 70
%
innert Jahresfrist sei
nicht inhaltlich be
gründet worden (S. 6 f.
Ziff.
4).
Die vo
n der Suva
mit Hinweis auf die hier ange
fochtene Verfügung in Aussicht genommene Rentenherabsetzung auf 36
%
werde im dortigen
Einspracheverfahren
in Frage gestellt werden (S. 7
Ziff.
5). Ferner habe sich der Gesundheitszustand seit der Begutachtung aus näher dargelegten Gründen verschlechtert (S. 7 f. 7 6).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob und allenfalls in welchem Umfang eine revisionsre
levante Veränderung eingetreten ist. Zu vergleichen ist dabei nicht mit den Ver
hältnissen, die 2003, 2006 und 2010 zur
blossen
Mitteilung führten, der Anspruch sei unverändert, sondern mit dem Sachverhalt, welcher der 2002 erfolgten erst
maligen Zusprache zugrunde lag.
3.
3.1
Suva-Kreisarzt
Dr.
B._
führte im Bericht vom
3.
Juli 2000 über die gleichentags erfolgte Untersuchung (
Urk.
9/2/4-5
=
Urk.
9/4/59-60
) aus, der Be
schwerdeführer sei am 2
8.
Februar 2000 von einem Gerüst auf die linke Schulter gestürzt, und nannte folgende Diagnosen (S. 1):
-
Impressionsfraktur Tuberculum majus mit Supraspinatus-Teilruptur
-
chronische rezidivierende Rückenschmerzen bei Kontusion der Lenden
wirbelsäule (LWS)
Er veranlasste einen Rehabilitationsaufenthalt (S. 2 Mitte).
3.2
Vom 1
9.
Juli bis 3
0.
August 2000 weilte der Beschwerdeführer in der
Klinik
C._
, worüber am
5.
September 2000 berichtet wurde (
Urk.
9/2/12-18
=
Urk.
9/
4/35-37
).
Es wurden die folgenden Diagnosen genannt (S. 1 Mitte):
-
wechselhafte
Periarthropathia
humeroscapularis
(PHS)
tendopathica
links bei
-
Status nach Sturz am 2
8.
Februar 2000
-
chronischer Schon- und Fehlbelastung
-
klinisch glenohumeraler Instabilität
-
Angst und depressive Störung gemischt
bei
-
Status nach Sturz am 2
8.
Februar 2000
-
wiederholten Verlusterlebnissen
-
rez
idivierende Blockierungen des
Ileosakralgelenks
(ISG) rechts
-
Status nach
Neuronitis
vestibularis 1998
Es sei ein Arbeitsversuch zu therapeutischen Zwecken halbtags ab
4.
September 2000 vereinbart worden (S. 3 Mitte).
3.3
Dr.
D._
, Facharzt für Chirurgie, führte in seinem Bericht vom 1
6.
Februar 2001 (
Urk.
9/
4/8-9) unter anderem aus, das Haupthindernis zur Ein
gliederung des Patienten sei der psychische Zustand. Er habe, auch mit Zustim
mung des behandelnden Psychiaters, eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
attestiert (S. 1 unten).
In seinem Bericht vom 3
1.
März 2001 (
Urk.
9/
10/5-6) attestierte er eine Arbeits
unfähigkeit von 100
%
seit
5.
Dezember 2000 (S. 1
Ziff.
1.5) und führte unter anderem aus, physisch sei der Patient nur leicht eingeschränkt aufgrund der ver
minderten Kraft und Beweglichkeit der Schultergelenke beidseits, die psychische Funktion sei hingegen sehr eingeschränkt (S. 2
lit
. a).
3.4
Dr.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte in einem Überweisungsschreiben vom
5.
Juni 2001 als Beurteilung eine posttrau
matische psychische Störung mit jetzt schwerem depressiven Zustandsbild mit
psychosenaher
kognitiver Beeinträchtigung (
Urk.
9/11/1 unten).
3.5
Laut provisorischem Austrittsbericht vom
6.
Juli 2001 (
Urk.
9/11/4) weilte der Beschwerdeführer vom
7.
Juni bis
6.
Juli 2001 in der Klinik
F._
, und es wurde eine Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlsleben und Sozialverhalten diagnostiziert (
Ziff.
1).
Im Austrittsbericht vom 2
2.
August 2001 (
Urk.
9/53/277-279) wurde als Diagnose eine Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlen und Sozialverhal
ten (ICD-10 F43.25) und als Differentialdiagnose (DD) Angst und depressive Stö
rung gemischt (ICD-10 F41.2) genannt (S. 3 oben).
3.6
Gemäss Bericht vom 2
3.
Oktober 2001 (
Urk.
9/53/280-282) weilte der Beschwer
deführer nach Einweisung durch den behandelnden Psychiater wegen Selbst- und Fremdgefährdung vom 3
1.
August bis 1
4.
September 2001 ein weiteres Mal in der Klinik
F._
(S. 1). Nunmehr wurde folgende Diagnose gestellt (S. 3 oben):
-
Anpassungsstörung mit vorwiegender Beeinträchtigung von anderen Ge
fühlen (ICD-10 F43.22)
-
Differentialdiagnose: Verdacht auf F41, posttraumatische Belastungsstö
rung
Angaben zur Arbeitsfähigkeit wurden nicht gemacht (vgl. S. 2 oben).
4.
4.1
Dr.
E._
(vorstehen
d E. 3.4) erstattete am
5.
Februar 2003 einen Verlaufsbericht (
Urk.
9/34/5-8) und führte unter anderem aus, der Patient sei vor dem Unfall vom 2
8.
Februar 2000 gesundheitlich stabil/kompensiert gewesen und habe voll ge
arbeitet. Diagnostisch sei das psychiatrische Zustandsbild nicht ohne weiteres einzuordnen. Aus seinem Blickwinkel handle es sich jedoch eindeutig um eine posttraumatisch aufgetretene Störung, welche in der ICD-10 unter F43.1 einge
ordnet werden müsse (S. 4).
In seinem Bericht vom 2
2.
März 2003 (
Urk.
9/34/1-4) bezeichnete er den Gesund
heitszustand als verschlechtert (
Ziff.
1) und berichtete über eine Chronifizierung der psychischen Problematik (
Ziff.
2 und 3).
4.2
Die Ärzte des
A._
erstatteten am 1
0.
April 2003 ein Gutachten im Auftrag der Suva (
Urk.
9/53/157-189).
Sie stellten
die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 24 f.
Ziff.
4.1)
-
Status nach Sturz von einem Gerüst im Jahr 2000 mit
-
Funk
t
ionseinschränkung und Instabilität der linken Schulter nach Schulterkontusion
-
abgeheiltem kleinem Ausriss im Bereich der Supraspin
a
tussehne und Impression des
-
Tuberculum majus links
-
Läsion des Ligamentum
gleno
-humeral
e
-
c
e
rvi
cales
Schmerzsyndrom nach
-
wahrscheinlicher Kontusion/Distorsion der HWS
-
l
umbovertebrales
Schmerzsyndrom nach
-
möglicher Kon
t
usion der
Lendenwirbelsäule (
LWS
)
bei
-
beginnenden degenerativen Veränderungen der unteren LWS
-
p
osttr
aumat
ische Belastungsstörung
(PTBS, auch: PTSD)
und
-
mittelgradige bis schwere depressive Episode
Zurzeit sei der Explorand in der freien Wirtschaft generell nicht arbeitsfähig. Er sei in seiner psychischen Belastbarkeit erheblich eingeschränkt und man dürfe zurzeit froh sein, wenn er im familiären und therapeutischen Rahmen gehalten werden könne (S. 31
Ziff.
7.7.2).
4.
3
Dr.
G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, nannte in seinem Bericht vom 3
1.
Januar 2007 (
Urk.
9/52/11-12) die folgenden, hier ver
kürzt angeführten Diagnosen (S. 1 Mitte):
-
atypische
Thoraxbeschwerden
-
kardiovaskuläre Risikofaktoren
-
Depression
Die Untersuchungsbefunde ergäben keine Anhaltspunkte für eine koronar
ischämisch bedingte
Thoraxsymptomatik
, so dass die geschilderten Beschwerden mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht-koronarer Genese seien (S. 2 Mitte).
4.4
Dr.
E._
(vorstehend E. 3.4)
nannte
in seinem Bericht vom
4.
August 2009 (
Urk.
9/52/13-15 =
Urk.
9/53/7-9) folgende Diagnosen (S. 1 Mitte):
-
andauernde Persönlichkeitsveränderung (ICD-10 F62.0) nach traumati
schen Erfahrungen und Arbeitsunfall
-
chronifizierte PTBS-Symptome und depressive Symptome inklusive psy
chotische Symptome (ICD-10 F43.1 / F33.3)
Diagnose und Psychopathologie hätten sich seit Oktober 2008 (vgl. S. 1 Mitte) nicht verändert; es gebe sanfte Zeichen einer positiven Entwicklung (S. 3 Mitte).
4.5
I
n seinem Bericht vom
6.
November 2009 (
Urk.
9/52/1-5)
führte
Dr.
E._
aus, er behandle den Beschwerdeführer seit dem 2
5.
Oktober 2000 (
Ziff.
1.2). Er nannte die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
andauernde Persönlichkeitsveränderung (ICD-10 F62.0) nach traumati
schen Erfahrungen und Arbeitsunfall
-
chronifizierte PTBS-Symptome und depressive Symptome inklusive psy
chotische Symptome (ICD-10 F43.1 / F33.3),
seit 2000
-
metabolisches Syndrom mit Diabetes mellitus Typ II, Dyslipidämie, arterielle Hypertonie, seit 2003
-
instabiles Schultergelenk nach Abriss des Tuberculum majus, seit 2000
-
Status nach Schulteroperation rechts wegen habitueller Schulterluxation, seit 1997
Zu
Art
und Umfang
der Behandlung
nannte er folgende Stichworte: Gespräche mit stützender Psychotherapie, Kontrolle und Justierung der Medikamente 1 x pro Woche, Einbezug der Ehefrau 1 x pro Monat, mit Dolmetscherin zusammen 1 x alle 3 Monate (
Ziff.
1.5).
4.6
In seinem Bericht vom 1
7.
August 2015 (
Urk.
9/71/7-9) machte
Dr.
E._
weitge
hend die gleichen Angaben wie 2009 (vorstehend E. 4.5).
Diagnose und Psycho
pathologie hätten sich nicht verändert;
es gebe leider Zeichen von Stagnation und eher Rückwärtsentwicklung (S. 3 Mitte).
5.
5.1
In seinem Bericht vom 2
0.
Februar 2016 (
Urk.
9/74/1-4) machte
Dr.
E._
- soweit lesbar - weitgehend die gleichen Angaben wie 2015 (vorstehend E. 4.6).
5.2
Dr.
D._
(vorstehend E. 3.3) nannte in seinem Bericht vom 2
1.
März 2016 (
Urk.
9/76/5-7) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
S.
1
Ziff.
1.2):
-
schwere Depression
mit Antriebslosigkeit
-
multiples psychosomatisches Beschwerdebild
(Behandlung bei
Dr.
E._
seit vielen Jahren)
-
beginnende
Femuropatellararthrose
beidseits
-
Ansatztendinose
am Schulterblatt
2001/2004
-
metabolisches Syndrom
mit Diabetes mellitus Typ II, Hypertonie, Hyper
urikämie, Adipositas Grad II (BMI 34)
-
k
oronare Herzkrankheit
, Status nach
St
e
nteinlage
in der Türkei im November 2015
Somatisch
könnte vom Patienten eine anspruchslose,
ganz leichte Tätigkeit
wäh
rend
2-3 h
Stunden
pro Tag
ohne Forderung und ohne Kommunikation bezie
hungsweise im Sinne einer Beschäftigung ausgeübt werden (S.
Ziff.
2).
5.3
5.3.1
Am 2
1.
September 2016 wurde das
Z._
-Gutachten (
Urk.
9/88/1-33) erstattet, basierend auf psychiatrischen, internistischen, neurologischen und orthopädisch-traumatologischen Untersuchungen am 1
2.
und 1
7.
Juli und 2
9.
August 2016 (S. 1).
5.3.2
Die Gutachter nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (S. 23
lit
. D
Ziff.
1):
-
rezidivierende depressive Störung, mittelschwere depressive Episode (ICD-10 F33.1)
-
aktiv eingeschränkte Beweglichkeit des rechten und des linken Schulter
gelenkes, ohne Hinweise für eine persistierende Instabilität links oder rechts
Ferner nannten sie die folgenden, hier leicht gekürzt angeführten Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 23
lit
. D
Ziff.
2):
-
hypertensive und koronare Herzkrankheit (Erstdiagnose, ED: Hypertonie Oktober 2002, koronare Herzkrankheit November 2015)
-
metabolisches Syndrom mit Diabetes mellitus Typ 2, Adipositas (BMI 31.0 kg/m
2
), arterieller Hypertonie, Hyperurikämie und Dyslipidämie (ED Diabetes mellitus Typ 2 Oktober 2002, Dyslipidämie April 2012)
-
hypothyreote
Stoffwechselstörung, anamnestisch (ED April 2011, passagere medikamentöse Behandlung), zurzeit ohne Substitution, euthyreote Stoffwechsellage
-
Niereninsuffizienz Stadium II, anamnestisch (ED Januar 2016), aktuell normale Nierenfunktion
-
Potenzstörung, anamnestisch seit Unfall 2
8.
Februar 2000
-
anamnestisch Penizillinunverträglichkeit
-
chronisch-obstruktive Lungenerkrankung, Stadium 0, Schlafapnoe-Syndrom ausgeschlossen
-
Nikotinabusus, 1-2 Pakete pro Tag
-
Status nach Sturz von einem Gerüst am 2
8.
Februar 2000, DD: Commotio cerebri
-
w
iederkehrende Schmerzen der Lendenwirbelsäule
-
ohne Hinweise für Funktionsstörung, ohne Bewegungseinschränkung, ohne
neurologische Auffälligkeiten, ohne Wurzelreizsyndrom
-
wiederkehrende Schmerzen der Halswirbelsäule
-
ohne Funktionsbeeinträchtigung der Halswirbelsäule, ohne Wurzel
reizsyndrom, ohne neurologische Auffälligkeiten
-
wiederkehrende Schmerzen beider Kniegelenke
-
ohne Funktionsbeeinträchtigung, ohne Bewegungseinschränkung, ohne Instabilitäten bei Verdacht auf initiale Gonarthrose beidseits
5.3.3
Zusammenfassend führten sie aus, auf internistischem und neurologischem Fach
gebiet habe sich eine Diagnose mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit nicht ab
grenzen lassen. Aus orthopädischer Sicht habe sich eine eingeschränkte Beweg
lichkeit des rechten und linken Schultergelenkes ohne Hinweis auf persistierende Instabilität gefunden. Die vom Versicherten beklagten Beschwerden an beiden Schultergelenken hätten aus orthopädischer Optik im Vordergrund gestanden und seien zum Teil auch nachzuvollziehen und zu objektivieren gewesen. Dem Versi
cherten seien daher körperlich eher leichte Tätigkeiten wechselweise im Gehen, Stehen und/oder Sitzen mit der Möglichkeit des Positionswechsels
zumutbar. Tätigkeiten mit besonderem Zeitdruck, Akkord- und Fliessbandarbeit seien aus
zu
schliessen wie auch Tätigkeiten mit häufigem Bücken oder Knien. Die ur
sprüng
liche schwere Tätigkeit als Hilfsarbeiter sei daher aus orthopädischer Optik nicht mehr möglich. Neben den somatischen Leiden bestehe bei dem Versicherten auch eine psychische Störung von Krankheitswert. Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit wegen einer mittelschweren depressiven Episode mit einer damit verknüpften Neigung zur dysfunktionalen Wahrnehmung köperbezogener Symp
tome auch in optimal adaptierten Tätigkeiten nur mit 50
%
einzuschätzen. Eine Steigerung sei bei günstigem Verlauf denkbar, die Prognose sei allerdings offen (S. 24 Mitte).
Das Belastungs-/Ressourcenprofil umschrieben die Gutachter wie folgt: «Dem Ausbildungs- und Kenntnisstand angepasste Tätigkeiten einfacher geistiger Art mit geringen Verantwortungsbereichen ohne besondere Anforderungen an die Konfliktfähigkeit, keine Tätigkeiten mit besonderem Zeitdruck, Akkordbedingun
gen oder unter Nachtarbeit». Ferner könne der Versicherte lediglich leichte kör
perliche Tätigkeiten im Wechselrhythmus von Gehen, Stehen und/oder Sitzen ausführen. Arbeiten mit häufigem Bücken oder Knien seien zu vermeiden, ebenso Tätigkeiten in Zwangshaltung oder Tätigkeiten auf Gerüsten oder Leitern (S. 24 unten).
5.3.4
Der Gesundheitszustand habe sich nach 2005 im Sinne einer Besserung
wesent
lich
verändert
. Die objektiven psychopathologischen Befunden hätten sich deut
lich gebessert, es könne weder von einer schweren Depression ausgegangen wer
den
noch von einer fortbestehenden posttraumatischen
Belastungsstö
ru
ng. Rückblickend betrachtet
lasse
sich der Zeitpunkt der Verbesserung der
psycho
patho
logischen Befunde nicht zuverlässig bestimmen. Daher
könne
die in der Vergan
genheit
at
testierte Arbeitsunfähigkeit
von
100
%
nicht mit Zuverlässigkeit wider
legt werden.
A
b dem Zeitpunkt
der
Begutachtung
sei die Arbeitsfä
higkeit für leidensadaptierte
Tätigkeiten mit 50
%
einzuschätzen (S. 31 f.
Ziff.
VII
.
2).
5.3.5
Im psychiatrischen Teilgutachten wurde unter anderem ausgeführt, aktuell be
stehe beim Versicherten das Bild einer mittelschweren depressiven Episode bei rezidivierender depressiver Störung. Die diagnostischen Algorithmen einer post
traumatischen Belastungsstörung hingegen seien weder nach ICD-10, noch nach DSM-IV, noch DSM-5 erfüllt. Das Vollbild einer posttraumatischen Belastungs
störung liege keineswegs vor. Es mangle einerseits an einem ausreichend schwe
ren Trauma, am Nachweis einer ausgeprägten Initialreaktion und andererseits bestehe auch weder ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten noch fänden sich aus
reichende Anhaltspunkte für Flashbacks und
Hyperarousals
. Auch die in den letz
ten Jahren geäusserte Diagnose einer anhaltenden Persönlichkeitsänderung könne nicht bestätigt werden. Einerseits fehle es aus den vorgenannten Gründen am Vorlauf einer posttraumatischen Belastungsstörung, welche, auch unter Be
rücksichtigung sequentieller Traumatisierung, nicht mit hinreichender Sicherheit bestätigt werden könne. Andererseits bestehe auch keine ausgeprägte feindliche oder misstrauische Haltung gegenüber der Welt; ein ausgewiesener sozialer Rück
zug, eine soziale Isolation best
ünd
en nicht. Auch Gefühle von Leere und Hoff
nungslosigkeit fänden sich beim Versicherten lediglich in Zusammenhang mit der depressiven Symptomatik und seien nicht pathognomonisch für das Vorliegen einer Persönlichkeitsänderung (S. 43 Mitte).
Ferner sei für die Diagnose einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Ex
trembelastung zu verlangen, dass die Vulnerabilität der betreffenden Person als Erklärung für die tiefgreifende Auswirkung auf die Persönlichkeit durch das extreme Belastungsereignis nicht in Erwägung gezogen werden müsse. Genau diese Erwägung sei in der Vergangenheit aber wiederholt ventiliert worden, sie stelle jedoch einen Ausschlussgrund für die Annahme einer andauernden Persön
lichkeitsänderung nach Extrembelastung dar (S. 43).
Auch erscheine das Verhalten des Versicherten keineswegs so unflexibel und fehlangepasst, dass die Diagnose einer Persönlichkeitsänderung von Krankheits
wert bestätigt werden könne. Die diagnostischen Kriterien einer somatoformen Schmerzstörung lägen ebenfalls nicht vor, mangle es doch einerseits an einem schwierigen innerseelischen Konflikt, an einer schweren psychosozialen Belas
tung und andererseits auch an quälenden Schmerzen (S. 43 unten).
Auffallend sei zudem das relativ hohe Aktivitätsniveau des Versicherten, der darüber berichte, dass er mehrmals jährlich in die Türkei zu Tochter und Mutter reis
e
, ferner beschreib
e, dass es einen Freundes- und
Bekanntenkreis gebe, mit denen er sich zum Gedankenaustausch und Kaffee trinken im
Kulturverein trifft. Ferner sei der Versicherte auch keineswegs so stark in eine seelisch begründete Isolation geraten, dass er Sozialkontakte innerhalb der Nachbarschaft meiden würde (S. 43 f.).
Diese Erwägungen dürften allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Versicherte an einer rezidivierenden depressiven Störung erkrankt sei, deren Aus
prägungsgrad derzeit mittelschwer und in der Vergangenheit auch dokumentiert schwergradig gewesen sei. Der Versicherte erlebe sich auch seiner Funktion und Rolle als Ernährer der Familie beraubt, es gelinge ihm nach dem erlittenen Unfall nicht, einen geänderten Lebensentwurf zu gestalten und in diesem Zusammen
hang komme es zu wiederholten und anhaltenden depressiven Dekompensatio
nen. Aktuell sei der Versicherte zusätzlich auch durch somatische Erkrankungen belastet; die depressive Symptomatik führe zu einem dysfunktionalen Umgang mit körperbezogenen Beschwerden, jedoch ohne die Kriterien einer somatoformen Schmerzstörung zu erfüllen (S. 44 oben).
Insgesamt sei die Arbeitsfähigkeit des Versicherten aus psychiatrischer Optik daher deutlich beeinträchtigt. Die verbliebenen Ressourcen erlaubten eine Arbeits
fähigkeit allenfalls in der Grössenordnung von vier Stunden täglich, also halb
schichtig, in einer Arbeitsfähigkeit von etwa 50
%
. Um diese medizinisch-theoretisch vorhandene Arbeitsfähigkeit auch auf dem ersten Arbeitsmarkt ver
wertbar zu generieren, empfehle sich nach der langjährigen Abstinenz vom ersten Arbeitsmarkt eine berufliche Integrationsmassnahme. Mit einer weiteren Steige
rung der Arbeitsfähigkeit auf perspektivisch 60 - 70
%
sei frühestens nach Ablauf von zwölf Monaten zu rechnen (S. 44 Mitte).
5.4
Dr.
E._
(vorstehend E. 4.6) erstattete am 2
1.
September 2016 einen mit demje
nigen von
Februar 2016
(vorstehend E. 5.
1
) weitgehend übereinstimmenden Be
richt (
Urk.
9/99).
G
leiches gilt für seinen Bericht vom
7.
Februar 2017 (
Urk.
9/110 =
Urk.
9/111 =
Urk.
9/116), in dem er sich ferner kritisch zum psychiatrischen Teilgutachten äus
serte (S. 7 f.).
5.5
Am 1
5.
Juli 2017 erstattete
Dr.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ein verkehrsmedizinisches Gutachten (
Urk.
9/130), dies im Zusammenhang mit einem Unfall im Januar 2017 (S. 11 oben).
Er kam zum Schluss, die Fahreignung des Beschwerdeführers könne unter - näher umschriebenen - problembezogenen Auflagen bejaht werden (S. 12 Mitte).
5.6
Am
5.
November 2018 wurde über eine ambulante Behandlung im Spital
I._
(Pneumologie/
Somnologie
) berichtet (
Urk.
9/186/3-4). Dabei wurden folgende Diagnosen genannt:
mittelschweres obstruktives Schlafapnoe-Syndrom, schwere Depression
bei Status nach Polytrauma mit diversen Achsen
s
kelettver
letzungen im Jahr 2000, chronischer Nikot
i
nabusus, Diabetes mellitus Typ 2 (S.
1 Mitte). Zur Arbeitsfähigkeit wurden keine Angaben gemacht.
5.7
Dr.
E._
(vorstehend E. 3.4) machte in seinem Bericht vom
6.
November 2018 (
Urk.
9/186/8) wiederum weitgehend die gleichen Angaben wie in seinen früheren Berichten.
5.8
Dr.
D._
(vorstehend E. 3.3) nannte in seinem Bericht vom
8.
November 2018 (
Urk.
186/9-10) als Diagnosen eine
schwere Depression,
eine
PHS
der
linke
n Schulter und ein
Lumbovertebralsyndrom
(S. 1
Ziff.
2). Eine Arbeitsfähigkeit be
stehe nicht (S. 1
Ziff.
4).
5.9
Laut provisorischem Austrittsbericht vom 1
7.
März 2019 weilte der Beschwerde
führer vom 1
6.
bis 1
7.
März 2019 im Spital
I._
(
Urk.
6), nachdem er am 1
6.
März 2019 eine leichte traumatische Hirnverletzung erlitten hatte (S. 1 Mitte).
6.
6.1
Im Zeitpunkt der im April 2002 erfolgten Zusprache einer ganzen Rente bestan
den gemäss den damals erstatteten Berichten zur Hauptsache eine Schulter
problematik und eine psychische Problematik, die im September 2000 als Angst und depressive Störung gemischt (vorstehend E. 3.2)
,
im Juni 2001 als post
traumatische psychische Störung mit schwerem depressiven Zustandsbild (vor
stehend E. 3.4)
,
im Juli
und August
2001 als Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Gefühlsleben und Sozialverhalten
(vorstehend E. 3.5) und im Okto
ber 2001 als Anpassungsstörung mit vorwiegender Beeinträchtigung von anderen Gefühlen (vorstehend E. 3.6) bezeichnet wurde. Die Einschränkung durch die Schulterproblematik wurde als nur leicht beurteilt (vorstehend E. 3.3). Attestiert wurde eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
aufgrund der psychischen Problematik (vorstehend E. 3.3).
6.2
Im Februar 2003 führte der behandelnde Psychiater aus, das psychiatrische Zu
standsbild sei nicht ohne weiteres einzuordnen, seines Erachten handle es sich jedoch eindeutig um eine posttraumatisch aufgetretene, in der ICD-10 unter F43.1 einzuordnende Störung (vorstehend E. 4.1). Im Gutachten vom April 2003 wurden als psychiatrische Diagnosen
(
ohne Bezugnahme auf die ICD-10) eine post
traumatische Belastungsstörung und eine mittelgradige bis schwere depressive Episode genannt (vorstehend E. 4.2).
Der behandelnde Psychiater sprach ab August 2009 (vorstehend E. 4.4) von einer andauernden Persönlichkeitsverände
rung (ICD-10 F62.0) nach traumatischen Erfahrungen und Arbeitsunfall sowie chronifizierten PTBS-Symptomen und depressiven Symptome inklusive psycho
tischen Symptome (ICD-10 F43.1 / F33.3).
6.3
Im
Rahmen des
im November 2015 eingeleiteten Revisionsverfahrens wurden im September 2016 i
m
Z._
-Gutachten
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, mittelschwere depressive Episode (ICD-10 F33.1), und eine eingeschränkte Beweglichkeit der Schulterge
lenke genannt
(vorstehend E. 5.3.2)
. Es wurde
im Gutachten
dargelegt, dass und inwiefern seit 2005 eine Veränderung im Sinne einer Verbesserung von Gesund
heitszustand und Arbeitsfähigkeit eingetreten sei. Aufgrund der Schulterproble
matik wurde eine qualitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mit entspre
chend formuliertem Belastungsprofil und aufgrund der mittelgradig ausgeprägten Depression wurde eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 50
%
ab dem Begutachtungszeitpunkt (August 2016) attestiert
(vorstehend E. 5.3.3)
.
Von behandelnder Seite wurde weiterhin eine annähernd vollständige (vorste
hend E. 5.2) oder vollständige (vorstehend E. 5.1, E. 5.4, E. 5.7-8) Arbeitsun
fähigkeit - ausdrücklich oder sinngemäss - attestiert.
6.4
Das Gutachten erfüllt alle praxisgemässe
n
Kriterien (vorstehend E. 1.7) vollum
fänglich. Insbesondere wurde darin zu früher genannten Diagnosen Stellung ge
nommen und mit einlässlicher Begründung dargelegt, weshalb diese nicht mehr gestellt werden konnten
(vorstehend E. 5.3.5)
. Es erfüllt auch die Anforderungen, die sich mit Blick auf das strukturierte Beweisverfahren (vorstehend E. 1.2) erge
ben. So wurde namentlich im psychiatrischen Teilgutachten
(
Urk.
9/88 S. 44 ff.
) auf die Aspekte Bezug genommen, anhand derer nunmehr die massgebenden Standardindikatoren (vorstehend E. 1.3) zu beurteilen sind. Auch im Hauptgut
achten erfolgte die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
(vorstehend E. 5.3.3)
in sorg
fältiger Abwägung von Ressourcen und Beeinträchtigungen.
B
ei der Beantwor
tung der Frage
nach dem
Leistungsvermögen
wurden
ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt, welche Folge der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind, und
die
versicherungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung ist auf objektivierter Grundlage erfolgt.
Sie
umfasste das ganze Leistungsprofil mit so
wohl negativen als auch positiven Anteilen und ist so verfasst, dass die attestierte Arbeitsunfähigkeit «gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen und Ressourcen» (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) abgeleitet wurde.
Die von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob
sich die Gutachter
an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten
haben
(BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist
deshalb
klar zu bejahen. Die funktionellen Auswirkungen der medi
zinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage lassen sich anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen, weshalb auf das Gutachten abzustellen ist.
Dass von behandelnder Seite - weiterhin - eine vollumfängliche Arbeitsunfähig
keit postuliert wurde und wird, vermag die Schlüssigkeit des Gutachtens nicht in Frage zu stellen. Vielmehr ist dies Ausdruck der Verschiedenheit von
Behand
lungs
- und Begutachtungsauftrag (BGE 137 V 210 E. 1.2.4, 124 I 170 E. 4) und wohl auch der Erfahrungstatsache, dass
behandelnde Fachpersonen
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
6.5
Somit ist der Sachverhalt dahingehend erstellt, dass ab
September
2016 von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
in Tätigkeiten, welche dem Belastungsprofil entspre
chen, auszugehen ist. Darauf - und nicht auf die rein prognostische Annahme der Gutachter einer allfälligen Steigerung auf 70
%
- ist bei der Invaliditätsbemes
sung abzustellen.
Ein Revisionsgrund ist damit zu bejahen.
Eine - im Eventualstandpunkt beantragte (
Urk.
1 S. 8
Ziff.
7a) - weitere Begut
achtung erscheint im Rahmen einer antizipierten Beweiswürdigung
(
vgl.
BGE 124 V 90 E. 4b; 122 V 157 E. 1d)
als nicht geeignet, zu zusätzlichen Erkenntnis
sen zu führen
,
und deshalb entbehrlich.
Der gutachterlichen Empfehlung, die Rückkehr in den Arbeitsmarkt mittels ge
eigneter Massnahmen zu unterstützen (
Urk.
9/88 S. 44 Mitte), ist die Beschwer
degegnerin gefolgt, indem sie zweimal ein Belastungstraining zugesprochen hat (vgl.
Urk.
9/102,
Urk.
9/137).
7.
7.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an
gepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt s
ein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 135 V 58 E. 3.1;
134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
7
.2
Bei Eintritt des unfallbedingten Gesundheitsschadens
im Februar 2000
war der Beschwerdeführer seit 1989, mithin seit über 10 Jahren, bei der gleichen Arbeit
geberin (Kehrichtverwertung
Y._
) als
Werkarbeiter
tätig. Dennoch hat die Beschwerdegegnerin nicht an das von ihm dort erzielte Einkommen an
geknüpft, sondern ist vom statistisch ermittelten L
ohn für Bauhilfsarbeiter aus
gegangen (vgl.
Urk.
9/174).
Aus welchen Gründen von der in der Rechtsprechung gefestigten Vermutung der Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses im Gesundheitsfall (vorstehend E. 6.1) ab
gewichen werden sollte, ist weder ersichtlich noch von der Beschwerdegegnerin dargetan worden
(vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_224/2019 vom 1
8.
September 2019)
.
Gemäss Arbeitgeberfragebogen vom 2
8.
Februar 2001 hätte der Beschwerdefüh
rer ohne Gesundheitsschaden ein Einkommen von rund
Fr.
65'736.-- erzielt (
Urk.
9/6
Ziff.
16). In der Unfallmeldung vom
2.
März 2000 wurde das Einkom
men mit rund
Fr.
62'698.-- zuzüglich
Fr.
3'600.-- Schichtzulage (total also
Fr.
66'298.--) beziffert (
Urk.
9/4/70
Ziff.
13). Gemäss dem Auszug aus dem indi
viduellen Konto (IK-Auszug) vom 2
1.
Februar 2001 erzielte er
im Jahr 1998
ein Einkommen von
Fr.
73'826.-- und
im Jahr 1999 ein solches
von
Fr.
70'968.--
(
Urk.
9/7)
.
Zur Festlegung des
Valideneinkommens
rechtfertigt es sich angesichts des 2004 von der Suva mit
Fr.
74'568.-- bezifferten versicherten Verdiensts (vgl.
Urk.
9/40 S. 1), vom Durchschnitt der beiden letzten im IK-Auszug registrierten Einkommen (
Fr.
73'826.-- und
Fr.
70'968.--) auszugehen, mithin
Fr.
72'397.-- im Jahr 199
9.
Dieser Betrag ist an die Nominallohnentwicklung
-
vom Indexstand (Männer) von 1'835 im Jahr 1999 auf den Indexstand von 2'239 im Jahr 2016
(
www.bsf.admin.ch
>
Lohnentwicklung
, Tabelle
T 39
)
-
anzupassen, womit
ein
Valideneinkommen
im Jahr
2016
von
rund
Fr.
88'336.--resultier
t
(
Fr.
72'397.-- : 1'835 x 2'239).
7
.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1, 126 V 75 E. 3b). Dabei sind grund
sätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statisti
schen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Der Griff zur Lohnstatistik ist subsidiär, das heisst deren Beizug erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens auf
grund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth,
Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung
,
3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
7
.4
Die Beschwerdegegnerin hat zur Ermittlung des Invalideneinkommens auf das von Männern auf Kompetenzniveau 1 in allen Wirtschaftszweigen erzielte Ein
kommen abgestellt (
Urk.
9/174), was nicht zu beanstanden ist.
Gemäss der nunmehr verfügbaren LSE 2016 betrug dieses
Fr.
5'340.--, was
um
gerechnet auf ein Jahr und die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 41.7 Stunden (
www.bsf.admin.ch
>
Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsab
teilungen, T03.02
)
Fr.
66'803.-- ergibt (
Fr.
5'340.-- x 12 : 40.0 x 41.7).
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten (BGE 126 V 75 E. 5b/
aa
). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schät
zen und darf 25
%
nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
bb
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit ein
geschrän
kt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
).
Die Beschwerdegegnerin hat die Beschränkung auf Tätigkeiten ohne Zeitdruck mit einem Abzug von 5
%
berücksichtigt (
Urk.
9/174 S. 1 unten). Der Beschwer
deführer machte demgegenüber geltend, es sei der maximale Abzug von 25
%
vorzunehmen (
Urk.
1 S. 9
Ziff.
8b). Soweit dies mit
ein
er 18-jährigen Berufsab
wesenheit begründet wurde (
Urk.
1 S. 9
Ziff.
8a)
, kann dem nicht gefolgt werden, denn d
ie lange Abwesenheit vom Arbeitsmarkt betrifft das Kriterium der Dienst
jahre, dessen Bedeutung im privaten Sektor abnimmt, je niedriger das Anforde
rungsprofil ist. Mit Blick auf das Kompetenzniveau 1 kommt diesem Aspekt keine ins Gewicht fallende Bedeutung zu (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_808/2015 vom 2
9.
Februar 2016 E. 3.4.2 und 8C_805/2016 vom 2
2.
März 2017 E. 3.3 unter Hinweis auf 8C_351/2014 vom 1
4.
August 2014 E. 5.2.4.2).
Einzelne der weiteren beschwerdeweise als potentiell lohnmindernd angeführten Aspekte (
Urk.
1 S. 7 f.
Ziff.
7b) zusammen mit den Beschränkungen, die sich aus dem Belastungsprofil (vorstehend E. 5.3.
3
) ergeben, rechtfertigen insgesamt einen Abzug von 15
%
.
Unter Berücksichtigung des Abzugs von
1
5
%
und der Arbeitsfähigkeit von 50
%
beläuft sich das Invalideneinkommen im Jahr 2016 auf rund
Fr.
28'392.-- (
Fr.
66'803.-- x 0.85 x 0.5).
7
.5
Der Vergleich des
Valideneinkommens
von
Fr.
88'336.
-- (vorstehend E. 7
.2) mit de
m
Invalideneinkommen von
Fr.
28'392.
-- (vorstehend E. 7
.4) ergibt eine Ein
kommenseinbusse von
Fr.
59'944.--, was einem Invaliditätsgrad von rund 68 % entspricht.
Somit hat der Beschwerdeführer weiterhin Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
(vgl.
Art.
28
Abs.
2 IVG). In Anwendung von
Art.
88a
Abs.
1
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
gilt die
s nach Ablauf von 3 Monaten nach Eintritt der Verbesserung, von der ab September 2016 auszugehen ist (vorstehend E. 6.5). Gemäss
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. a IVV erfolgt die Herabsetzung - hier der ganzen auf eine
Dreiviertelsrente
- ab dem ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung folgenden Monats an, mithin vorliegend ab
1.
April 2018.
Dies führt zur
teilweisen
Gutheissung der Beschwerde.
8.
8.1
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr.
900.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
8.2
Dem obsiegenden und anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer steht eine Pro
zessentschädigung zu, die beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
220.
(zuzüglich Mehrwertsteuer) und nach Einsicht in die eingereichte
Honorarnote
(
Urk.
11
) ermessensweise auf
Fr.
2'200.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bemessen und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen ist.