Decision ID: 3251ecbf-c81c-4a11-ab73-81362396d7c4
Year: 2020
Language: de
Court: SH_OG
Chamber: SH_OG_001
Canton: SH
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
Die Erblasserin X. verstarb im April 2014 und hinterliess als Erben ihren Sohn A.
sowie B. und C., die beiden Söhne ihrer vorverstorbenen Tochter D. Kurz nach
dem Ableben von X. liess die zuständige Erbschaftsbehörde Z. den Erben eine mit
dem Hinweis auf ihre Auskunftspflicht versehene Einladung zur amtlichen Inven-
taraufnahme zukommen. Diese fand im Beisein einzig des Erben A. im August
2014 statt. Im Nachgang an die Inventaraufnahme gaben sämtliche Erben eine
Zustimmungserklärung ab, in welcher sie u.a. erklärten, dass das Inventar alle
ihnen bekannten Vermögenswerte der Erblasserin enthalte, dass sie das Inventar
als richtig anerkennen, dass die Inventur richtig und für sie im Sinne von Art. 634
ZGB rechtsverbindlich sei und dass sie den Nachlass vorbehaltlos antreten. Im
Dezember 2017 machte A. (Kläger, Berufungskläger und Anschlussberufungsbe-
klagter) gegen B. und C. (Beklagte, Berufungsbeklagte, Anschlussberufungsklä-
ger) eine Erbteilungsklage anhängig, in welcher er vorbrachte, dass Bestandteil
des Nachlasses zusätzlich zwei Forderungen der Erblasserin gegenüber B. und C.
bildeten, welche im amtlichen Inventar indessen nicht verzeichnet waren. Umstrit-
ten war unter anderem die Wirkung der von allen Erben abgegebenen Zustim-
mungserklärungen. Das Obergericht wies die Berufung ab, hiess die Anschlussbe-
rufung gut und nahm die Erbteilung im Sinne des Inventars vor.
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Aus den Erwägungen
3. Streitig ist zunächst die Wirkung der von der Erbschaftsbehörde Z. erstell-
ten Vermögensaufstellung sowie die Bedeutung der hierzu von allen Parteien ab-
gegebenen Zustimmungserklärungen.
3.1. Das Inventar i.S.v. Art. 553 ZGB bezweckt die behördliche Feststellung al-
ler beim Erbgang (vgl. Art. 537 Abs. 1 ZGB) vorhandenen Vermögenswerte (Frank
Emmel, in: Abt/Weibel [Hrsg.], Praxiskommentar Erbrecht, 4. A., Basel 2019,
Art. 553 N. 1, S. 1094; Karrer/Vogt/Leu, in: Geiser/Wolf [Hrsg.], Basler Kommentar,
Zivilgesetzbuch II, Art. 457–977 ZGB, Art. 1–61 SchlT ZGB, 6. A., Basel 2019,
Art. 553 N. 2, S. 513; Wolf/Genna, Schweizerisches Privatrecht IV/2, Erbrecht, Ba-
sel 2015, S. 39). Bundesrechtlich erforderlich ist die Inventarisierung einzig der Ak-
tiven, nicht aber der Passiven, und dies überdies ohne eine Schätzung, zumal
Zweck des bundeszivilrechtlichen Sicherungsinventars lediglich die Bestandes-
feststellung per Todestag, nicht aber die Wertermittlung des Nachlasses ist (Em-
mel, Art. 553 N. 2, S. 1095; Karrer/Vogt/Leu, Art. 553 N. 2 ff., S. 513 f.; Wolf/
Genna, S. 41 f.); das kantonale Recht kann gestützt auf Art. 553 Abs. 2 ZGB den
erforderlichen Inhalt des Inventars allerdings erweitern (Emmel, Art. 553 N. 2 und
4, S. 1095 f.; Karrer/ Vogt/Leu, Art. 553 N. 3, S. 514; Wolf/Genna, S. 42). Das bun-
deszivilrechtliche Sicherungsinventar kann jederzeit abgeändert oder ergänzt wer-
den, sofern es sich als unrichtig oder unvollständig erweist (BGer 5A_434/2012
vom 18. Dezember 2012 E. 3.2.2; Emmel, Art. 553 N. 8, S. 1099; Karrer/Vogt/Leu,
Art. 553 N. 16, S. 516).
Erben sind gegenüber der Inventarbehörde im gleichen Umfang wie nach Art. 607
Abs. 3 und Art. 610 Abs. 2 ZGB auskunftspflichtig (Peter Breitschmid, Vorsorgliche
Massnahmen im Erbrecht, successio 2009 S. 107; Emmel, Art. 553 N. 12, S. 1100;
René Strazzer, Überblick über die erbrechtlichen Sicherungsmassnahmen, An-
waltsrevue 2011 S. 471; Stephan Wolf, Die Sicherungsmassregeln im Erbgang
[Art. 551–559 ZGB], ZBJV 1999 S. 196); die Ausgestaltung der Auskunftspflicht
wird durch das kantonale Recht geregelt (Emmel, Art. 553 N. 13, S. 1100). Forde-
rungen gegenüber Dritten sind zu inventarisieren (BGer 5A_434/2012 vom 18. De-
zember 2012 E. 3.2.2; ZR 69/1970 Nr. 6; Breitschmid, successio 2009 S. 107; Em-
mel, Art. 553 N. 3a, S. 1096), ebenso – mit einem entsprechend zu vermerkenden
Vorbehalt – Vermögenswerte, deren Zugehörigkeit zum Nachlass nicht klar fest-
steht oder umstritten ist (BGer 5A_434/2012 vom 18. Dezember 2012 E. 3.2.2;
Emmel, Art. 553 N. 3, S. 1095; Karrer/Vogt/Leu, Art. 553 N. 3, S. 513). Eine Zu-
stimmung der Erben zum bundeszivilrechtlichen Sicherungsinventar bedeutet hin-
sichtlich inventarisierter Passiven keine Schuldanerkennung gegenüber den Gläu-
bigern, und zwar weder in Bezug auf den Bestand noch auf die Höhe der Schulden.
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Die Erben können sowohl untereinander wie auch gegenüber Dritten im bundeszi-
vilrechtlichen Sicherungsinventar inventarisierte Schulden bestreiten (Wolf, ZBJV
1999 S. 198).
3.2. Abzugrenzen ist das Inventar i.S.v. Art. 553 ZGB einerseits vom öffentli-
chen Inventar (Art. 580 ff. ZGB) sowie vom Liquidationsinventar (Art. 595 Abs. 2
ZGB), welche eine möglichst genaue Ermittlung von Aktiven und Passiven bezwe-
cken, damit über eine Ausschlagung oder eine Annahme der Erbschaft mit Haf-
tungsbeschränkung entschieden bzw. die Frage geklärt werden kann, ob eine or-
dentliche oder konkursamtliche Liquidation des Nachlasses erforderlich ist (Em-
mel, Art. 553 N. 7, S. 1098). Zu unterscheiden ist es andererseits aber grundsätz-
lich auch vom Steuerinventar, dessen Aufnahme Art. 154 ff. des Bundesgesetzes
über die direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 1990 (DBG, SR 642.11) sowie
gestützt auf Art. 54 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten
Steuern der Kantone und Gemeinden vom 14. Dezember 1990 (Steuerharmoni-
sierungsgesetz, StHG, SR 642.14) das kantonale Recht für jeden Todesfall vor-
schreiben (vgl. § 9 der Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte Bundes-
steuer vom 20. November 2007 [SHR 642.111]). Das Inventar i.S.v. Art. 553 ZGB
kann zwar mit dem vorgeschriebenen Steuerinventar zusammenfallen (vgl. auch
Art. 3 der Verordnung über die Errichtung des Nachlassinventars für die direkte
Bundessteuer vom 16. November 1994 [InvV, SR 642.113]); sofern es sich dabei
nicht um ein zu zivilrechtlichen Zwecken ergänztes, amtliches Inventar i.S.v.
Art. 553 Abs. 3 ZGB handelt (vgl. hierzu eingehend E. 3.7), sind allfällig für das
Steuerinventar vorgeschriebene Schätzungen der Vermögenswerte zivilrechtlich
für die Erbteilung nicht von Bedeutung (BGE 120 Ia 258 E. 1b S. 259; Kar-
rer/Vogt/Leu, Art. 553 N. 5). Ebenfalls keine materiell-rechtlichen Wirkungen hat
das bundeszivilrechtliche Sicherungsinventar für die Berechnung der Erb- und
Pflichtteile (BGE 120 Ia 258 E. 1b S. 259; BGE 120 II 293 E. 2 S. 296; Emmel,
Art. 553 N. 8, S. 1099; BGE 118 II 264 E. 4b/bb S. 270; Karrer/Vogt/Leu, Art. 553
N. 16, S. 517); es bildet entsprechend kein Teilungsinventar, kann aber Ausgangs-
punkt für weitere Operationen darstellen (BGE 118 II 264 E. 4b/b S. 271; vgl. z.B.
auch Peter Breitschmid, Die Stellung des Willensvollstreckers in der Erbteilung, in:
Druey/Breitschmid [Hrsg.], Praktische Probleme der Erbteilung, Bern/Stutt-
gart/Wien 1997, S. 114 f., sowie Paul Eitel, Grundfragen der Erbteilung, in: Jürg
Schmid [Hrsg.], Nachlassplanung und Nachlassteilung, Zürich 2014, S. 329). Ent-
sprechend schafft das bundeszivilrechtliche Sicherungsinventar allein auch keine
Vermutung für oder gegen die Zugehörigkeit von Aktiven oder Passiven zum Nach-
lassvermögen (Emmel, Art. 553 N. 8, S. 1099; Karrer/Vogt/Leu, Art. 553 N. 16,
S. 517; Wolf/Hrubesch-Millauer, Grundriss des schweizerischen Erbrechts, Bern
2017, N. 1335, S. 354) und erbringt (wie Inventare im Allgemeinen) Beweis i.S.v.
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Art. 9 ZGB ausschliesslich dann, wenn ihr Inhalt durch eine Urkundsperson mate-
riell geprüft worden ist (Lardelli/Vetter, in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kom-
mentar, Zivilgesetzbuch I, Art. 1–456 ZGB, 6. A., Basel 2018, Art. 9 N. 27, S. 155;
vgl. z.B. BGE 118 II 264 Bst. B S. 265 i.V.m. BGE 120 Ia 258 E. 1b f. S. 259).
3.3. Der Kanton Schaffhausen hatte bis zum Inkrafttreten der in der Volksab-
stimmung vom 8. März 2015 angenommenen Änderung des Einführungsgesetzes
zum Zivilgesetzbuch vom 10. November 2014 (ABl 2014 1655 ff.) am 1. Mai 2016
(ABl 2016 283) die ermächtigenden Vorbehalte zugunsten des kantonalen Rechts
in Art. 553 Abs. 3 und Art. 609 Abs. 2 ZGB ausgeschöpft: aArt. 73 Abs. 1 des Ge-
setzes über die Einführung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom 27. Juni
1911 (EG ZGB, SHR 210.100) in der hier massgebenden früheren Fassung sah
vor, dass die Erbschaftsbehörde "in allen Fällen [...] über die Erbschaft ein amtli-
ches Inventar aufzunehmen" hat. Weiter statuierte aArt. 84 Abs. 1 EG ZGB, dass
die Erbteilung unter Mitwirkung der Erbschaftsbehörde erfolge, falls die Erben nicht
schriftlich darauf verzichteten. Diese Bestimmungen finden auf den vorliegenden
Fall weiterhin Anwendung, da die Übergangsbestimmungen in Art. II der angenom-
menen Änderung des EG ZGB statuieren, dass Nachlässe vor Inkrafttreten des
(geänderten) Gesetzes nach bisherigem Recht abgewickelt werden (vgl. ABl 2014
1657) und die Erblasserin am 4. April 2014 verstorben ist. Entsprechend beanspru-
chen für den vorliegenden Fall auch die §§ 18 ff. der zum Zeitpunkt des Todes der
Erblasserin geltenden Erbschaftsverordnung vom 6. September 1977 (aEV;
SHR 211.231) Geltung (vgl. auch § 36 Abs. 2 der Erbschaftsverordnung vom
16. Februar 2016 [SHR 211.231]).
3.4. § 22 Abs. 3 aEV legte Form und Umfang des Inventars fest, statuierte aus-
drücklich, dass im Inventar auch Passiven aufzuführen sind, und zählte diese na-
mentlich auf. Gemäss § 21 Abs. 1 aEV wurden die Vermögensgegenstände jeweils
mit ihrem Verkehrswert per Todestag erfasst. Kein Inventar war jeweils nur dann
aufzunehmen, wenn ein vermögensloser Nachlass – ein Nachlass, bei welchem
die vorhandenen Aktiven die Todesfallkosten mit Einschluss der Rückstellungen
für Grabstein und Grabpflege nicht oder nur unbedeutend übersteigen – vorlag
(§ 26 aEV; vgl. überdies Bericht und Antrag des Regierungsrates vom 10. Dezem-
ber 2013 an den Kantonsrat betreffend Änderung des Einführungsgesetzes zum
Zivilgesetzbuch [Erbschaftswesen], Amtsdruckschrift 13-115, <https://www2.sh.
ch/fileadmin/Redaktoren/Dokumente_nicht_im_Formularpool/Regierung/Vorlagen
/2013/2013-115.pdf> [zuletzt besucht am 16. Oktober 2020], S. 1, wo diese Be-
stimmung als "Kann-Vorschrift" ausgelegt wird).
Das amtliche Inventar war stets zugleich Steuerinventar (vgl. § 9 der zum Todes-
zeitpunkt geltenden Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer
vom 20. November 2007 [SHR 642.111] i.V.m. Art. 154 DBG; OGE 60/2006/12
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vom 26. Januar 2007 E. 3c, Amtsbericht 2007, S. 84; Bericht und Antrag des Re-
gierungsrates vom 10. Dezember 2013 an den Kantonsrat betreffend Änderung
des Einführungsgesetzes zum Zivilgesetzbuch [Erbschaftswesen], S. 1, 5 f.; § 27
aEV). Die Auskunfts- und Mitwirkungspflichten der Erben ergaben sich deshalb
nebst Art. 607 Abs. 3 und Art. 610 Abs. 2 ZGB und aArt. 73 Abs. 3 EG ZGB – wo-
nach die zur Inventur zugezogenen Personen auf die Straffolgen der Vermögens-
verheimlichung und des Steuerbetrugs ausdrücklich aufmerksam zu machen
seien – weiter auch aus Art. 157 DBG sowie aus Art. 199 ff. des Gesetzes über die
direkten Steuern vom 20. März 2000 (SHR 641.100; vgl. zu Letzteren auch die
Belehrung der gesetzlichen Erben auf der Rückseite der Einladung zur Inventarauf-
nahme).
Im Anschluss an die Inventaraufnahme erfolgte jeweils die Teilung unter amtlicher
Mitwirkung: Sofern innerhalb eines Monats nach Mitteilung des Inventars kein Ver-
zicht sämtlicher Erben auf die amtliche Mitwirkung erfolgte, wurde durch die Kanz-
lei der Erbschaftsbehörde ein Teilungsvertrag ausgearbeitet (§ 28 aEV). Das In-
ventar hatte dabei Bestandteil des Teilungsvertrags zu bilden (§ 30 Ziff. 3 aEV).
Verzichteten die Erben auf die amtliche Mitwirkung bei der Teilung oder Zuwei-
sung, so wurde das von den Erben unterzeichnete Original-Inventar von der Erb-
schaftsbehörde zur Kenntnis genommen und auf der Kanzlei registriert und aufbe-
wahrt (§ 23 aEV).
3.5. Vorab gilt es festzuhalten, dass sich die an den Akten befindliche Vermö-
gensaufstellung als amtliches Inventar i.S.v. Art. 553 Abs. 3 i.V.m. §§ 18 ff. aEV
qualifiziert, was sich trotz anderslautender Bezeichnung aus dem Auszug aus dem
Protokoll der Erbschaftsbehörde sowie den Zustimmungserklärungen der Parteien
ergibt. Festzuhalten ist weiter, dass das Inventar trotz Vorliegens eines vermö-
genslosen Nachlasses i.S.v. § 26 aEV erstellt worden ist – wohl weil erst nach Ab-
schluss des Inventars feststand, dass ein vermögensloser Nachlass vorlag.
Fest steht weiter, dass sowohl die bundeszivilrechtlichen wie auch die kantonal-
rechtlichen Regelungen vorschreiben, dass Forderungen zu inventarisieren sind
(BGer 5A_434/2012 vom 18. Dezember 2012 E. 3.2.2; § 22 Abs. 3 Ziff. 2 aEV; vgl.
eingehend E. 3.1 sowie E. 3.4). Erstellt ist auch, dass der an der Inventaraufnahme
anwesende Berufungskläger nicht nur auf der (Rückseite der) Einladung zur Inven-
taraufnahme, sondern insbesondere auch im Rahmen der Inventaraufnahme durch
die Mitglieder der zuständigen Erbschaftsbehörde auf seine Pflicht hingewiesen
worden ist, wahrheitsgemäss Auskunft über die Vermögensverhältnisse der Erb-
lasserin zu geben. Schliesslich ist auch erstellt, dass die beiden im Streit liegenden
Nachlassforderungen nicht Eingang ins amtliche Inventar gefunden haben, dieses
jedoch in Inhalt und Umfang vollständig den Vorschriften von § 22 Abs. 3 aEV ent-
spricht.
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3.6. Sämtliche Parteien hatten im Nachgang an die Inventaraufnahme eine Zu-
stimmungserklärung abgegeben: Der Berufungskläger hat diese am 12. August
2014 unterzeichnet, die Berufungsbeklagten am 14. August 2014 bzw. am
19. September 2014. Darin erklären sie, dass das Inventar alle ihnen bekannten
Vermögenswerte der Erblasserin enthalte, dass sie das Inventar als richtig aner-
kennen, dass die von der Kanzlei der Erbschaftsbehörde Z. erstellte Inventur richtig
und für sie im Sinne von Art. 634 ZGB rechtsverbindlich sei, dass sie den Nachlass
vorbehaltlos antreten und dass die im Vorbericht festgehaltenen Abmachungen
von ihnen als rechtsverbindlich anerkannt werden. Diese Zustimmungserklärung
ist in erster Linie im Kontext der amtlichen Mitwirkung bei der Teilung i.S.v. aArt. 84
Abs. 1 EG ZGB zu sehen, da das Inventar jeweils Bestandteil des von der Kanzlei
der Erbschaftsbehörde im Zuge ihrer amtlichen Mitwirkung auszuarbeitenden Tei-
lungsvertrags bildete (vgl. § 30 Ziff. 3 aEV sowie vorstehend E. 3.4). Dass die Er-
ben in der Folge auf die amtliche Mitwirkung verzichtet haben, ändert an der Ver-
bindlichkeit ihrer Zustimmungserklärungen nichts: Diese können nicht nur dann
verbindlich sein, wenn die Behörde bei der Erbteilung amtlich mitwirkt, ihre Gültig-
keit dann aber verlieren, sobald die Erben eine privatautonome Erbteilung vorzie-
hen. Vielmehr erstrecken sich die vorliegenden Zustimmungserklärungen gerade
auch – unabhängig von der Mitwirkung einer Behörde – ausdrücklich auf Art. 634
ZGB, womit sämtliche Parteien zum Ausdruck gebracht haben, das Inventar
rechtsverbindlich einem Teilungsvertrag i.S.v. Art. 634 ZGB zu Grunde legen zu
wollen. Im Übrigen waren die vorliegend abgegebenen Zustimmungserklärungen
an keinerlei Bedingungen geknüpft und keine Partei bringt vor, bei der Abgabe
dieser Erklärung einem Willensmangel im Sinne von Art. 23 ff. OR unterlegen zu
sein. An ihre Zustimmungserklärungen sind die Parteien daher grundsätzlich ge-
bunden.
3.7. Daran ändert auch die Natur des Inventars nichts: Dem hier interessieren-
den kantonalrechtlichen amtlichen Inventar i.S.v. Art. 553 Abs. 3 ZGB kommt näm-
lich im Unterschied zum bundeszivilrechtlichen Sicherungsinventar i.S.v. Art. 553
Abs. 1 ZGB im Lichte von Art. 5 Abs. 1 ZGB materiell-rechtliche Wirkung zu: Ge-
stützt auf den ermächtigenden Vorbehalt in Art. 553 Abs. 3 ZGB liegt hier eine kan-
tonalrechtliche Ausdehnung des Inventars zu zivilrechtlichen Zwecken vor, um sich
anlässlich der Teilung direkt darauf zu stützen (vgl. Denis Piotet, Schweizerisches
Privatrecht I/2, Ergänzendes kantonales Recht, Basel 2001, S. 152). Dies legt nicht
nur § 20 Abs. 1 aEV nahe, welcher statuiert, dass das Inventar Aktiven und Passi-
ven des Nachlasses vollständig und abschliessend darstellen soll, was in Abs. 4
dieser Bestimmung mit dem Zusatz ergänzt wird, dass die Erbschaftsbehörde von
Amtes wegen alle notwendigen Erhebungen vornehmen soll, wenn Aktiven und
Passiven nicht oder nur unvollständig ermittelt werden können. Vor allem zeigt dies
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auch die Entstehungsgeschichte des einschlägigen aArt. 73 Abs. 1 EG ZGB: Be-
reits die "Verordnung über die Behandlungs-Art der Theilungen und Beschreibun-
gen" vom 12. Mai 1804 sah in Art. 1 f. die sog. "Beschreibung" (Inventaraufnahme)
in Gegenwart des Präsidenten oder eines anderen Mitglieds sowie des Schreibers
des "Gemeindgerichts" nach jedem erfolgten Todesfall vor (vgl. a.a.O., Staatsar-
chiv Schaffhausen). Zwecks Regelung des Inventar- und Teilungsverfahrens
wurde sodann eigens das Gesetz über das Verfahren bei Beschreibungen und Tei-
lungen, über Vermögensherausgaben, über die Antretung von Erbschaften und
über die Organisation der Waisen- und Teilungsinspektorate (Beschreibungs- und
Teilungsgesetz) vom 25. Januar 1884 erlassen, dessen Art. 1 Abs. 1 sowohl die
amtliche Inventarisation wie auch die amtliche Mitwirkung bei der Teilung vorsah.
Überdies hielt Art. 8 dieses Beschreibungs- und Teilungsgesetzes fest, dass die
"Hauptdokumente über die in Art. 1, erstem Absatz, bezeichneten Akten [...] durch
die Beteiligten entweder persönlich oder durch Bevollmächtigte unterschriftlich an-
zuerkennen [sind]. Die einmal gegebene Unterschrift ist für den Unterzeichnenden
verbindlich, so bald sämtliche Beteiligten ihre Unterschrift beigesetzt haben oder
wenn ein diese Unterschriften ersetzender Beschluss der Waisenbehörde vorliegt"
(vgl. a.a.O., Staatsarchiv Schaffhausen).
Obwohl mit Erlass des EG ZGB eine Aufhebung des Beschreibungs- und Teilungs-
gesetzes zur Diskussion stand, verzichtete der Gesetzgeber vorerst darauf und
begnügte sich in aArt. 76 Abs. 1 EG ZGB bei der Regelung des Verfahrens der in
allen Todesfällen erforderlichen amtlichen Inventarisation mit einem Verweis auf
die Vorschriften des Beschreibungs- und Teilungsgesetzes (vgl. Bericht und Antrag
des Regierungsrates des Kantons Schaffhausen vom 5. August 1975 an den Gros-
sen Rat betreffend die Änderung des Einführungsgesetzes vom 27. Juni 1911 zum
Schweizerischen Zivilgesetzbuch [Vormundschaft und Erbrecht], ABl 1975
2392 ff., 2392 f.; Offizielle Sammlung der bestehenden Gesetze, Verordnungen
und Verträge für den eidgenössischen Stand Schaffhausen, XII. Band, 1910–1914,
Art. 76 Abs. 1, S. 79). Weil sich dies später als Nachteil herausstellte, erfolgten
diverse Revisionsbestrebungen des Beschreibungs- und Teilungsgesetzes (vgl.
Botschaft des Grossen Rates vom 13. Juni 1976 an die Stimmberechtigten des
Kantons Schaffhausen zur Änderung des Einführungsgesetzes zum Schweizeri-
schen Zivilgesetzbuch betreffend Vormundschaft und Erbrecht, ABl 1976 2459 ff.,
2461), wobei sich die Materialien zur letzten (nicht umgesetzten) Revisionsbestre-
bung im Jahr 1939 – geplant war die Vorlage eines neuen "Inventur- und Beurkun-
dungsgesetzes" – hinsichtlich der Bestimmung der Natur des Schaffhausischen
kantonalrechtlichen Inventars als äusserst aufschlussreich erweisen: Dort findet
sich nämlich einleitend die Aussage, dass der Zweck der Vorlage darin bestehe,
"dass althergebrachte Methoden weiter befolgt werden können", gefolgt von Fest-
stellungen zur (folglich bisherigen und weiterhin geltenden) Natur des Inventars,
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nämlich dass "Die Inventur [...] privatrechtlichen Charakter [hat], sie ist kein Steu-
erinventar". Ausserdem wurde ausdrücklich statuiert, dass die durch die Inventur-
behörde erfolgenden Schätzungen der Vermögenswerte dann privatrechtliche Wir-
kung haben, wenn die Erben diese für die Erbteilung unverändert gelten lassen.
Dies konnten die Erben zum Beispiel im Zuge des Abschlusses des Inventars tun,
wozu die Vorlage festhielt, dass die Erben "vor der Inventurbehörde erscheinen,
vom Abschluss Kenntnis nehmen und ihre weitern Erklärungen über [...] Richtigkeit
und Vollständigkeit des Inventars, Annahme oder Ausschlagung der Erbschaft ab-
geben [...] oder über die Teilung Vereinbarungen treffen und öffentlich beurkunden
lassen" (vgl. Bericht und Antrag des Regierungsrates des Kantons Schaffhausen
vom 27. Dezember 1939 an den Grossen Rat zum Gesetz über die amtliche Mit-
wirkung und das Verfahren bei Errichtung von familien- und erbrechtlichen Inven-
turen und Teilungen sowie über die öffentliche Beurkundung [Inventur- und Beur-
kundungsgesetz], S. 6 f., Staatsarchiv Schaffhausen).
Die Bestimmungen des Beschreibungs- und Teilungsgesetzes wurden erst mit In-
krafttreten des Gesetzes vom 8. März 1976 betreffend die Änderung des Gesetzes
vom 27. Juni 1911 über die Einführung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches
(Vormundschaft und Erbrecht) am 1. Januar 1977 (vgl. Beschluss des Regierungs-
rates des Kantons Schaffhausen vom 7. Dezember 1976 über die Inkraftsetzung
und Promulgation des Gesetzes vom 8. März 1976 betreffend die Änderung des
Gesetzes vom 27. Juni 1911 über die Einführung des Schweizerischen Zivilgesetz-
buches [Vormundschaft und Erbrecht], ABl 1976 2147) ins EG ZGB übernommen
und systematisch eingepasst, ohne dass an der amtlichen Inventaraufnahme in
allen Todesfällen (aArt. 73 EG ZGB) oder der amtlichen Mitwirkung bei der Erbtei-
lung (aArt. 84 EG ZGB) etwas geändert wurde (vgl. Botschaft des Grossen Rates
vom 13. Juni 1976 an die Stimmberechtigten des Kantons Schaffhausen zur Än-
derung des Einführungsgesetzes zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch betreffend
Vormundschaft und Erbrecht, ABl 1976 2459 ff., 2463). Auch lässt sich den Mate-
rialien nicht entnehmen, dass die Natur des amtlichen Inventars im Zuge der Revi-
sion geändert hätte. Auch mit der Anpassung des EG ZGB im Jahr 1977 behielt
das amtliche Inventar folglich seine materiell-rechtliche Wirkung.
Zweck und Wirkungen des kantonalrechtlichen amtlichen Inventars sind folglich
von jenen des bundeszivilrechtlichen Sicherungsinventars zu unterscheiden: Der
kantonale Gesetzgeber hat den ermächtigenden Vorbehalt in Art. 553 Abs. 3 ZGB
dazu genutzt, das bundeszivilrechtliche Inventar zu zivilrechtlichen Zwecken aus-
zudehnen, um sich anlässlich der Teilungsvorgänge unter amtlicher Mitwirkung di-
rekt darauf stützen zu können. Dem kantonalrechtlichen amtlichen Inventar kommt
daher materiell-rechtliche Wirkung zu, was im Übrigen auch nach Inkrafttreten der
in der Volksabstimmung vom 8. März 2015 angenommenen Änderung des EG
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ZGB vom 10. November 2014 (ABl 2014 1655 ff.) bzw. nach Wegfall der amtlichen
Inventaraufnahme bei jedem Todesfall weiterhin gilt: Zur Motion Nr. 2011/1 von
Jeanette Storrer, welche dieser Gesetzesänderung zu Grunde liegt, liest man im
Bericht und Antrag der Spezialkommission 2014/2 vom 5. September 2014 betref-
fend "Änderung des Einführungsgesetzes zum ZGB (Erbschaftswesen)" für die
zweite Lesung zu Art. 73 EG ZGB nämlich, dass es bei der Motion im Wesentlichen
lediglich darum gehe, das Obligatorium für die Erstellung eines amtlichen Inventars
abzuschaffen. "Es bleibt alles gleich wie bisher, hingegen wird der Zwang, eine
staatliche Leistung zu beziehen, wegfallen" (a.a.O., <https://www2.sh.ch/filead-
min/Redaktoren/Dokumente_nicht_im_Formularpool/Parlament/Kommissionen/
2014/2014-086.pdf> [zuletzt besucht am 16 Oktober 2020], S. 2). Weiterhin in Kraft
ist mit § 18 Erbschaftsverordnung auch der vormalige § 20 aEV, welcher die
zwecks materiell-rechtlicher Wirkung des Inventars erforderlichen Aufgaben und
Abklärungen der Erbschaftsbehörde statuiert (vgl. die Ausführungen zu Beginn die-
ser Erwägung).
Nach dem Gesagten steht folglich fest, dass dem kantonalrechtlichen amtlichen
Inventar seit je her und auch weiterhin materiell-rechtliche Wirkung zukommt.
4.1. Der Berufungskläger hatte von beiden umstrittenen Nachlassforderungen
– der im Testament seiner Schwester bestätigten Darlehensforderung sowie der
Darlehensforderung aus Dienstbarkeitsvertrag – unstrittig bereits vor der Inven-
taraufnahme Kenntnis. Ob ihm anlässlich der Inventaraufnahme beschieden
wurde, dass diese Forderungen nicht den Nachlass der Erblasserin, sondern jenen
seiner Schwester beträfen, kann offenbleiben. Er hat die Zustimmungserklärung
vom 12. August 2014 unterzeichnet und das Inventar damit als vollständig und
richtig anerkannt. Der anwaltlich vertretene Berufungskläger machte keinen Wil-
lensmangel im Sinne von Art. 23 ff. OR geltend. Er bleibt daher an die von ihm
abgegebene, vorbehaltlose Zustimmungserklärung gebunden.
4.2. Der Vollständigkeit halber bleibt anzumerken, dass es dem Berufungsklä-
ger durchaus freigestanden wäre, die Unterzeichnung der Zustimmungserklärung
zu verweigern: Es entspricht der allgemeinen Lebenserfahrung, dass von einer
vorbehaltlosen Unterzeichnung eines einem Teilungsvertrag zu Grunde zu legen-
den Inventars üblicherweise abgesehen wird, wenn (streitige) Forderungen des
Nachlasses in der Höhe von Fr. 250'000.– keinen Eingang ins Inventar gefunden
haben und man zugleich mehrfach und deutlich über die Auskunftspflichten belehrt
worden ist (vgl. E. 3.5 vorstehend). Noch weniger nachvollziehbar ist die vorbehalt-
lose Unterzeichnung aber deshalb, weil der Berufungskläger als Beistand der Erb-
lasserin umfassend über die finanziellen Verhältnisse der Erblasserin informiert
war. Hätte der Berufungskläger Zweifel an der Vollständigkeit und Richtigkeit des
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amtlichen Inventars gehabt, hätte er – wie es im kantonalen Verfahren der Inven-
taraufnahme durchaus regelmässig vorkommt – die Unterzeichnung der Zustim-
mungserklärung folglich schlicht verweigern können und müssen.
5.1. Nach dem Gesagten steht damit fest, dass dem Berufungskläger allfällige
Nachlassforderungen gegen seine Miterben vor der Inventaraufnahme bekannt
waren, er danach allerdings trotzdem eine Zustimmungserklärung zu Inhalt und
Wirkung des mit materiell-rechtlicher Wirkung ausgestatteten Inventars unterzeich-
net hat, an welche er gebunden bleibt. Die Berufung ist daher abzuweisen, die
Anschlussberufung hingegen gutzuheissen.
5.2. Es ist somit festzustellen, dass sich der Nettonachlass der am 4. April 2014
verstorbenen X. auf die im amtlichen Inventar festgestellten Fr. 1'768.32 beläuft.
Nachdem im vorliegenden Fall einzig liquide Mittel bzw. keine Erbschaftsobjekte
Gegenstand der Erbteilung bilden, ist ein Rechtsbegehren auf Losbildung i.S.v.
Art. 611 Abs. 2 ZGB, wie es seit BGE 143 III 425 notwendig wäre, entbehrlich (vgl.
BGE 143 III 425 E. 5.9 S. 449 f., wonach dem Teilungsgericht keine Kompetenz
zukommt, Erbschaftsaktiven und -passiven den einzelnen Erben zuzuweisen). Im
vorliegenden Fall kann es deshalb mit der Feststellung sein Bewenden haben,
dass sich die Erbquote des Berufungsklägers auf die Hälfte des Nettonachlasses,
mithin auf Fr. 884.16, beläuft, und die Berufungsbeklagten und Anschlussberu-
fungskläger am Nettonachlass mit je einem Viertel, mithin mit je Fr. 442.08, parti-
zipieren.