Decision ID: 2623628d-26e5-4ced-9089-958c3daa1d4e
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Abänderung Scheidungsurteil
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichtes im ordentlichen Verfahren des Bezirksgerichtes Andelfingen vom 18. September 2012; Proz. FP090012
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Rechtsbegehren:
" Ziff. 3 des Scheidungsurteils vom 3. Juni 2008 sei wie folgt neu zu fassen: Der Gesuchsteller ist berechtigt, das Kind C._ bis zum vollendeten 5. Altersjahr am 1. und 3. Sonntag jedes Kalendermonates jeweils von 12.00 Uhr bis 18.00 Uhr zu sich auf Besuch zu nehmen, ab dann am ersten und dritten Wochenende von Samstag, 12.00 Uhr, bis Sonntagabend, 20.00 Uhr, ab dem vollendeten 12. Altersjahr bis Sonntagabend, 21.00 Uhr. Ferner ist der Gesuchsteller berechtigt, das Kind C._ alternierend in den ungeraden Jahren am zweiten Weihnachts- und zweiten Ostertag, in den geraden Jahren am zweiten Neujahrs- und am zweiten Pfingsttag zu Besuch zu nehmen, wobei je nach Alter die gleichen Rückbringungszeiten gelten wie in Bezug auf die monatlichen Besuchsrechte. Sodann steht dem Gesuchsteller ab vollendetem sechstem Altersjahr ein Ferienbesuchsrecht von drei in die Schul- oder Ausbildungsferien C._s fallenden Wochen zu, die auch als Einzelwochen bezogen werden können. Die Besuchsrechte sind auf eigene Kosten auszuüben. Die bestehende Besuchsbeistandschaft bleibt aufrecht. Die jeweils zuständige Vormundschaftsbehörde entscheidet über die genauen Modalitäten der Besuchsrechtsausübung und regelt die Kindesübergabe."
(act. 12 S. 1)
Urteil des Einzelgerichts im ordentlichen Verfahren des Bezirksgerichtes Andelfingen vom 18. September 2012:
1. Der Kläger wird berechtigt erklärt, seinen Sohn C._ wie folgt auf eigene
Kosten zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen:
• Januar 2013 bis und mit Juni 2013: Einmal 2 Stunden pro Monat;
• Juli 2013 bis und mit Dezember 2013: Einmal 4 Stunden pro Monat;
• Januar 2014 bis und mit Juni 2014: Einmal 8 Stunden pro Monat;
• Juli 2014 bis und mit Dezember 2014: Ein ganzer Tag pro Monat.
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Ab 2015 wird der Kläger berechtigt erklärt, C._ ein Wochenende pro
Monat auf eigene Kosten mit sich oder zu sich auf Besuch zu nehmen. Auch
ist er ab diesem Zeitpunkt berechtigt, C._ während zweier Wochen auf
eigene Kosten mit sich oder zu sich in die Ferien zu nehmen.
Die weitergehenden Anträge des Klägers im Zusammenhang mit den
Besuchsrechten werden abgewiesen.
2. Die für das Kind C._ durch Verfügung des Eheschutzrichters vom
5. Oktober 2007 errichtete Beistandschaft zur Regelung und Überwachung
des Besuchsrechts im Sinne von Art. 308 ZGB (bestätigt mit
Ehescheidungsurteil vom 3. Juni 2008; Dispositiv-Ziffer 3 Abs. 1) ist von der
zuständigen Vormundschaftsbehörde solange weiterzuführen, als sie es für
nötig erachtet.
3. Die zuständige Vormundschaftsbehörde wird ersucht, gegebenenfalls einen
neuen Beistand für das Kind C._ zu ernennen.
4. Das Besuchsrecht gemäss Ziffer 1 hiervor soll vorerst und, solange der
Beistand nichts anderes bestimmt, nur begleitet ausgeübt werden.
5. Der Beistand wird mit der Aufgabe betraut, als neutrale Drittperson das
Besuchsrecht zu überwachen, positiv auf die Eltern einzuwirken sowie als
deren Ratgeber und Vermittler zu amten. Ferner wird dem Beistand die
Kompetenz erteilt, die für die korrekte Durchführung des Besuchsrechts
erforderlichen Einzelheiten – wie Übergabeort, genaue Zeit von Anfang und
Ende der Besuche respektive des Besuchstages respektive des
Besuchswochenendes, Ort der Ausübung des Besuchsrechts, allfällige
Übernachtungen beim Gesuchsteller – verbindlich festzulegen. Schliesslich
wird der Beistand beauftragt, vorerst bei den Besuchen persönlich
anwesend zu sein oder einen Vertreter hierzu abzuordnen. Der Entscheid,
wie lange diese Regelung fortzuführen ist und ab welchem Zeitpunkt seine
Präsenz oder die eines abgeordneten Vertreters in der Besuchszeit nicht
mehr erforderlich ist und ob und wie lange das Ferienbesuchsrecht nur
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begleitet (durch ihn oder einen Vertreter) ausgeübt werden darf, wird dem
Beistand überlassen.
6. Die Mehrkosten für das begleitete Besuchsrecht werden dem Kläger zu zwei
Dritteln und der Beklagten zu einem Drittel auferlegt.
7. Die Entscheidgebühr (Pauschalgebühr) wird festgesetzt auf:
Fr. 8'000.00 ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 6'559.05 Gutachten und dessen Erläuterung
Fr. 2'325.00 Dolmetscher
Fr. 280.00 Übersetzungen
Fr. 17'164.05 Total
8. Die Gerichtskosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt, jedoch
zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen auf die
Gerichtskasse genommen. Die Parteien werden auf die Nachzahlungspflicht
gemäss § 92 ZPO ZH hingewiesen.
9. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.
10./11. Mitteilung/Rechtsmittel (act. 176 S. 24 ff.)
Berufungsanträge:
der Beklagten, Berufungsklägerin und Anschlussberufungsbeklagten:
Berufung (act. 172 S. 2)
1. Dispositivziffer 1 bis 6 des Urteils des Bezirksgerichts Andelfingen vom
18. September 2012 (FP090011-B/U01/Ca) seien aufzuheben.
2. Es sei festzustellen, dass kein Besuchsrecht festgelegt werden kann.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 8.0% MWST) zulasten
des Berufungsbeklagten.
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Anschlussberufung (act. 183 S. 2)
Es sei auf die Anschlussberufung des Berufungsbeklagten und Anschlussberufungsklägers nicht einzutreten. Eventualiter: Es sei die Anschlussberufung des Berufungsbeklagten und
Anschlussberufungsklägers vollumfänglich abzuweisen.
des Klägers, Berufungsbeklagten und Anschlussberufungsklägers (act. 179 S. 2):
Berufung
Es sei die Berufung vollumfänglich abzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Berufungsklägerin.
Anschlussberufung
1. In Abänderung von Dispositivziffer 1 des angefochtenen Urteils sei dem
Berufungsbeklagten ein grosszügigeres Besuchsrecht einzuräumen.
2. In Abänderung von Dispositivziffer 6 seien die Mehrkosten für das begleitete
Besuchsrecht der Berufungsklägerin und dem Berufungsbeklagten je zur Hälfte aufzuerlegen.

Erwägungen:
I.
1.
1.1 Die Parteien heirateten am tt. Januar 2005 in D._ [Staat] (act. 4/15). Am
tt.mm.2006 wurde ihr gemeinsames Kind C._ geboren (act. 4/15). Mit Urteil
des Einzelrichters im ordentlichen Verfahren des Bezirkes Andelfingen vom 3.
Juni 2008 wurden die Parteien geschieden, wobei C._ unter die elterliche
Sorge der Mutter (Berufungsklägerin) gestellt wurde. Die Regelung des
Besuchsrechts wurde dem Beistand übertragen (act. 174/4 S. 2).
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1.2 Mit Eingabe vom 28. September 2009 erhob der Berufungsbeklagte bei der
Vorinstanz Klage auf Abänderung dieses Scheidungsurteils vom 3. Juni 2008
(act. 1, act. 12 S. 1 f.). Er beantragte damit die Abänderung der
Besuchrechtsregelung (Dispositivziffer 3), des Kinderunterhalts (Dispositivziffer 4)
sowie des nachehelichen Unterhalts der Berufungsklägerin (Dispositivziffer 7). Die
Klagebegehren betreffend Abänderung des Kinderunterhaltsbeitrages und des
nachehelichen Unterhalts wurden zufolge Rückzugs bzw. Vergleichs mit
Verfügung des Einzelrichters vom 24. August 2011 als erledigt abgeschrieben
(act. 97 S. 3).
Über den Antrag bezüglich des Besuchsrechts entschied der Einzelrichter nach
Durchführung der Hauptverhandlung und eines Beweisverfahrens mit
persönlicher Befragung der Parteien, Einvernahmen von Zeuginnen und Zeugen
und
Einholung eines Gutachtens (zur Prozessgeschichte im Einzelnen siehe act. 176
S. 3 ff.) mit Urteil vom 18. September 2012 (act. 176).
2.
Gegen dieses Urteil erhebt die Klägerin und Berufungsklägerin (fortan: die
Berufungsklägerin) Berufung mit Eingabe vom 28. Oktober 2012 (act. 172). Sie
stellt darin – wie eingangs aufgeführt – die Anträge, das angefochtene Urteil (mit
Ausnahme der Ziffern über die Kosten- und Entschädigungsfolgen) aufzuheben
und festzustellen, dass kein Besuchsrecht festgelegt werden könne (act. 172 S.
2). Der Beklagte und Berufungsbeklagte (fortan: der Berufungsbeklagte)
beantragt mit seiner Berufungsantwort vom 6. Dezember 2012 (act. 179), die
Berufung abzuweisen (act. 179 S. 2). Gleichzeitig erhebt er Anschlussberufung
mit den oben genannten Anträgen, ihm ein grosszügigeres Besuchsrecht
einzuräumen und die Mehrkosten für ein begleitetes Besuchsrecht den Parteien je
zur Hälfte aufzuerlegen (act. 179 S. 2). Mit der Anschlussberufungsantwort vom
20. Januar 2013
(act. 183 S. 2) stellt die Berufungsklägerin den Antrag, es sei auf die
Anschlussberufung nicht einzutreten, eventualiter sei diese abzuweisen (act. 183
S. 2). Die Anschlussberufungsantwort wurde dem Berufungsbeklagten am 22.
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Januar 2013 zur Kenntnis gebracht (act. 184). Am 8. April 2013 reichte die
Berufungsklägerin eine Noveneingabe ein (act. 186). Der Berufungsbeklagte
nahm hierzu schriftlich am 9. Mai 2013 (act. 192) Stellung. Diese Stellungnahme
wurde der Berufungsklägerin am 13. Mai 2013 zugestellt (act. 193).
II.
1.
Mit dem oben erwähnten Scheidungsurteil vom 3. Juni 2008 (act. 174/4) wurde
das Kind C._ unter die elterliche Sorge der Berufungsklägerin gestellt.
Das Gericht legte jedoch kein Besuchsrecht für den Berufungsbeklagten fest,
sondern übertrug diese Aufgabe unzulässigerweise an den Beistand des Kindes
(act. 174/4 S. 2). Wie die Kammer bereits in ihrem Urteil vom 20. August 2012 im
Verfahren der Berufungsklägerin betreffend Weiterführung der Beistandschaft
(NQ120039) festgestellt hat, wurde damit kein Besuchsrecht für den nicht
sorgeberechtigten Kindsvater festgelegt (act. 174/ 9 S. 5). Die Übertragung der
Aufgabe zur Festsetzung eines Besuchsrechts an eine andere Instanz bedeutet
eben noch keine Regelung. Es besteht somit entgegen der Auffassung der
Berufungsklägerin (act. 172 S. 9 f.) keine "falsche Regelung "und es wurde auch
kein Besuchsrecht "wenigstens im Grundsatz" festgelegt, wie der
Berufungsbeklagte meint (act. 179 S. 8), sondern der Anspruch des
Berufungsbeklagten auf persönlichen Verkehr mit C._ wurde nicht geregelt,
wie dies im Scheidungsurteil notwendig gewesen wäre (Art. 133 Abs. 1 ZGB).
Das genannte Scheidungsurteil weist somit eine Lücke auf, weshalb der
Entscheid über diesen Punkt nachgeholt bzw. das Urteil in dieser Hinsicht ergänzt
werden muss (DIKE-Kommentar ZPO, Anette Dolge, N. 1, N. 10 und 12 zu Art.
284; Karl Spühler, Abänderungs- oder Ergänzungs- bzw. Nachverfahren zum
Ehescheidungsprozess, insbesondere mit Bezug auf das Recht der Eltern auf
persönlichen Verkehr, SJZ 1983 S. 37 ff.), wie dies die Vorinstanz in ihren
Erwägungen zutreffend festgehalten hat (act. 176
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S. 5). Dass im Rubrum "Abänderung Scheidungsurteil" aufgeführt ist (act. 176
S. 1), vermag daran nichts zu ändern (vgl. act. 172 S. 8 f. Ziff. 24 ff.).
2.
Ist - wie vorliegend – nur über den persönlichen Verkehr zu entscheiden, so stellt
sich die Frage nach der sachlichen Zuständigkeit. Der Auffassung, die
Kindesschutzbehörde sei dafür zuständig (DIKE-Kommentar ZPO, Anette Dolge,
N. 13 zu Art. 284), kann nicht gefolgt werden. Diese Zuständigkeit gilt gemäss Art.
284 Abs. 1 ZPO in Verbindung mit Art. 134 Abs. 4 ZGB für die sachliche
Zuständigkeit bei der Änderung einer durch ein Scheidungsurteil festgesetzten
Regelung des Besuchsrechts. Für den Fall der Nichtregelung dieser Nebenfolge
einer Scheidung bzw. der entsprechenden Ergänzung enthält die ZPO keine
Bestimmung. Eine analoge Anwendung der entsprechenden
Zuständigkeitsvorschrift für das Änderungsverfahren für den Fall der Ergänzung
des Scheidungsurteils in diesem Punkt drängt sich nicht auf. Im Gegenteil
erscheint es im Hinblick auf den Grundsatz der Einheit des Entscheids über die
Ehescheidung im Sinne von Art. 283 ZPO angebracht, dass eine solche Lücke
bezüglich der Regelung des persönlichen Verkehrs durch diejenige – zumindest
sachlich zuständige – Instanz bzw. in jenem Verfahren geschlossen wird, die
darüber ursprünglich hätte befinden sollen bzw. das ursprünglich dafür
vorgesehen war. Somit ist die sachliche Zuständig-keit der Kammer für die
Beurteilung dieser Berufung zu bejahen (Art. 4 ZPO,
Art. 274 ff. ZPO, § 48 GOG).
Die sachliche Zuständigkeit der Kammer in diesem Verfahren wäre selbst dann zu
bejahen, wenn man davon ausginge, über die Ergänzung eines
Scheidungsurteils, welche ausschliesslich die Regelung des persönlichen
Verkehrs betrifft, habe die Kindesschutzbehörde zu befinden. Im vorliegenden
Verfahren war die sachliche Zuständigkeit der Vorinstanz bei Einleitung der Klage
gemäss Art. 134 Abs. 1 ZGB auf jeden Fall gegeben, da sie nebst der Regelung
des persönlichen Verkehrs auch über die Änderung der Kinderunterhaltsbeiträge
zu entscheiden hatte (vgl. act. 1, act. 12 S. 1 f.). Diese Zuständigkeit des Gerichts
muss – auch im Rechtsmittelverfahren – erhalten bleiben, auch wenn das
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Verfahren über den Kinderunterhaltsbeitrag mit einem Teilentscheid rechtskräftig
erledigt wird und in der Folge nur noch über das Besuchsrecht zu entscheiden ist.
Der Wegfall der sachlichen Zuständigkeit des Gerichts und die Übertragung der
Entscheidungskompetenz an die Kindesschutzbehörde in einer solchen Situation
liesse sich nicht rechtfertigen. Es wäre nicht prozessökonomisch, nach Einleitung
des Verfahrens beim Gericht – unter Umständen nach längerer Prozessdauer und
Durchführung eines Beweisverfahrens oder gar nach Abschluss des
erstinstanzlichen Verfahrens – das Verfahren vor einer anderen Behörde neu zu
eröffnen (vgl.
Art. 85 Abs. 2 ZPO; vgl. DIKE-Kommentar ZPO, Markus Müller-Chen, N. 50 f. zu
Art. 64). Dies würde wohl regelmässig zu Verzögerungen führen, was nicht im
Interesse der Beteiligten, insbesondere auch nicht des betroffenen Kindes, wäre.
III.
1.
Die Vorinstanz hat im angefochtenen Urteil (act. 176) ein Besuchsrecht ab Beginn
dieses Jahres 2013 mit einer über zwei Jahre gestaffelten Ausdehnung bis zu
monatlichen Besuchen während eines Wochenendes und einem jährlichen
Ferienbesuchsrecht von zwei Wochen festgelegt. Dabei sollen die Besuche
vorerst nur begleitet ausgeübt werden. Sodann bestätigte sie die zur Regelung
und Überwachung des Besuchsrechts im Sinne von Art. 308 ZGB errichtete
Beistandschaft (act. 176 S. 24 f.).
2.
Die Berufungsklägerin verlangt nun mit ihrer Berufung zur Hauptsache, dass kein
Besuchsrecht für den Berufungsbeklagten festgelegt und demzufolge keine
Beistandschaft zur Überwachung des Besuchsrechts angeordnet werde. Sie
begründet dies zur Hauptsache damit, dass die Vorinstanz ohne triftige und
detaillierte Begründung in Abweichung vom Gutachten ein Besuchsrecht
- 10 -
festgelegt habe. Der Gutachter habe nämlich ausdrücklich darauf hingewiesen,
dass vor der Festsetzung eines Besuchsrechts durch eine Fachperson abgeklärt
werden müsse, ob C._ stabil genug sei. Zudem habe er ausgeführt, dass
eine unter Nichtbeachtung der aktuellen Verhältnisse erzwungene
Besuchsrechtsausübung zu schwerwiegenden Folgen führen könnte. Es könne
entgegen den Erwägungen im angefochtenen Urteil zur Beurteilung der heutigen
Stabilität von C._ nicht auf die Zeugenaussagen des früheren Beistands
E._ und der Erziehungsberaterin F._ abgestellt werden, da beide zu den
aktuellen Verhältnissen keine Aussagen hätten machen können (act. 172 S. 13
ff.).
Sollte jedoch entgegen diesem Antrag ein Besuchsrecht angeordnet werden, so
könnten diese Besuche nach der Auffassung der Berufungsklägerin für eine
unbefristete Zeit nur als begleitete stattfinden, da die Kontaktaufnahme zwischen
dem Berufungsbeklagten und C._, der praktisch keine Erinnerung an seinen
Vater habe, umsichtig geplant werden müsste. Der Wechsel vom begleiteten zum
unbegleiteten Besuchsrecht könne nicht dem Beistand überlassen werden. Im
Übrigen hätte allfällige Mehrkosten des begleiteten Besuchsrechts der
Berufungsbeklagte zu tragen, da die Berufungsklägerin weder über Einkommen
noch Vermögen verfüge, somit finanziell nicht leistungsfähig sei (act. 172 S. 15
ff.).
3.
Der Berufungsbeklagte machte demgegenüber im Wesentlichen geltend, dass die
Vorinstanz mit der Festsetzung des Besuchsrechts weder willkürlich gehandelt
noch ihre Kompetenzen überschritten habe. Es läge nicht im Sinne des
Kindeswohls den Neubeginn von Kontakten zwischen ihm und seinem Sohn noch
länger zu verhindern. Je länger die Kontaktlosigkeit dauere, desto schwieriger
werde es, je wieder eine Beziehung aufzubauen. Die Probleme bei der Ausübung
des Besuchsrechts basierten in keiner Art und Weise in seinem Verhalten. Die
Vor-instanz habe daher zu Recht festgehalten, dass er ausreichend Gewähr für
eine adäquate Besuchsrechtsausübung biete. Es sei keine Gefährdung des
Kindeswohls erkennbar, welche ein Absehen vom Besuchsrecht rechtfertigen
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würde. Da er und C._ sich schon lange nicht mehr gesehen hätten, sei es
notwendig, zuerst eine gewisse Vertrautheit und Nähe zu schaffen. Daher müsste
die Besuchsdauer – gestaffelt – verlängert werden, wobei es längstens während
eines Jahres begleitet ausgeübt werden soll. Die Aufteilung der Kosten des
begleiteten Besuchsrechts sei sachgerecht, da dieses auf den Konflikten der
Parteien beruhe (act. 179 S. 16 ff.).
IV.
1.
Eltern, denen die elterliche Sorge oder die Obhut nicht zusteht, und das
unmündige Kind haben gegenseitig Anspruch auf angemessenen persönlichen
Verkehr. Vater oder Mutter können verlangen, dass ihr Anspruch geregelt wird
(Art. 273 Abs. 1 und 2 ZGB). Zuständig für die Regelung dieses Anspruchs ist im
Scheidungsverfahren das Gericht, das bei der Scheidung auch über die elterliche
Sorge zu befinden hat (Art. 133 Abs. 1 ZGB, Art. 275 Abs. 2 ZGB). Dies gilt – wie
oben ausgeführt (Ziffer II/2) – auch für den Fall, dass ein Scheidungsurteil ergänzt
werden muss.
Das Recht auf persönlichen Verkehr dient dem Aufbau und der Pflege der inneren
Verbundenheit zwischen den Eltern und dem unmündigen Kind. Es steht den
Eltern und dem Kind um ihrer Persönlichkeit willen zu und ist unverzichtbar. Der
besuchsberechtigte Elternteil hat sowohl das Recht auf persönlichen Verkehr mit
seinem Kind als auch die Pflicht, dieses Recht wahrzunehmen (BSK ZGB I,
Ingeborg Schwenzer, N. 3 ff. zur Art. 273 ZGB; FamKomm Scheidung I, Andrea
Büchler/Annatina Wirz, N. 2 ff. zu Art. 273 ZGB).
Der Anspruch auf persönlichen Verkehr gilt jedoch nicht schrankenlos. So kann er
den Eltern gemäss Art. 274 Abs. 2 ZGB aus wichtigen Gründen – unter anderen
bei der Gefährdung des Wohl des Kindes – verweigert oder entzogen werden.
Dabei ist das Verhältnismässigkeitsprinzip zu beachten. Der vollständige Entzug
bzw. die vollständige Verweigerung des Rechts auf persönlichen Verkehr bildet
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die ultima ratio und darf im Interesse des Kindes nur angeordnet werden, wenn
die nachteiligen Auswirkungen des persönlichen Verkehrs sich nicht in für das
Kind vertretbaren Grenzen halten. Kommen weniger einschneidende
Massnahmen in Betracht, durch die das Kindeswohl gewahrt werden kann
(Ermahnungen, Weisungen, begleitetes Besuchsrecht), sind diese einem
Ausschluss des Besuchsrechts vorzuziehen (BSK ZGB I, Ingeborg Schwenzer, N.
16 zu Art. 274; Andrea Büchler/Annatina Wirz, FamKomm I, N. 5 zu Art. 274
ZGB).
2.
2.1 Die Berufungsklägerin beantragt – wie erwähnt – mit ihrer Berufung, dass kein
Besuchsrecht festgelegt werde, d.h. es sei dem Berufungsbeklagten dessen
grundsätzlicher Anspruch auf persönlichen Verkehr mit seinem Sohn C._ zu
verweigern. Es ist somit im Folgenden zu prüfen, ob die dafür vorausgesetzten
wichtigen Gründe im Sinne der obgenannten Bestimmung gegeben sind.
2.2 Die Berufungsklägerin stützt sich bei ihrem Antrag – wie ausgeführt – auf das
im vorinstanzlichen Verfahren erstellte kinderpsychologische Gutachten und die
ergänzenden mündlichen Erläuterungen des Gutachters Dr. G._.
Dieses Gutachten datiert vom 22. Juli 2010 (act. 59). Darin kam der Gutachter
zum Schluss, dass das Besuchsrecht des Vaters "bis auf weiteres eingestellt
bleiben sollte, weil es in der heutigen Situation nicht in einer Art durchgeführt
werden könne, die C._ nicht übermässig belasten würde" (act. 59 S 26). Er
begründete dies im Wesentlichen damit, dass zwischen den Eltern C._s
grosse psychische Konflikte bestünden. So lehne einerseits der
Berufungsbeklagte den Kontakt zur Berufungsklägerin weitgehend ab und betone,
er wolle einzig mit seinem Sohn zu tun haben. Diese Einstellung erschwere eine
Verständigung und fördere die bereits bestehenden ausgeprägten Ängste der
Berufungsklägerin. Diese lebe in einer ausgeprägten psychischen Abhängigkeit
von ihrer Mutter. Beide empfänden den Berufungsbeklagten als störendes
Element und entzögen sich jeder Konfrontation. Die Berufungsklägerin habe
während ihrer Kindheit erlebt, dass sich ihr Vater und Adoptivvater nach der
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Scheidung vollständig zurückgezogen habe und ihre Mutter mit den Kindern
alleine zurecht gekommen sei. Es entspreche somit der Familientradition, dass
sie ihr Kind für sich beanspruche und dem Vater entziehe. Diese psychische
Konstellation stehe einer unbeschwerten Begegnung ihres Sohnes mit seinem
Vater entgegen. C._ sei den Spannungen zwischen seinen Eltern nicht
gewachsen und er leide zu stark unter deren virulenten Konflikten. Dies führe
dazu, dass er nervös reagiere und die Übergaben manchmal an seinem heftigen
Weinen gescheitert seien. Seine psychosomatischen Reaktionen stünden mit der
Angst der Mutter im Zusammenhang, die ihn nicht ziehen lassen könne (act. 59 S.
26 ff.). Anlässlich der mündlichen Erläuterung des Gutachtens in der
Instruktionsverhandlung der Vorinstanz vom 2. Dezember 2010 ergänzte Dr.
G._ sein Gutachten mit folgenden Feststellungen: Angesichts der
Konfliktsituation könnten Besuche eher kontraproduktiv sein, da die
Vaterbeziehung ihn eher als belastendes Erlebnis präge und er am Schluss den
Vater noch mit unangenehmen Erlebnissen in Verbindung bringe. Daher sei er
zum Schluss gekommen, dass zur Zeit keine Besuche möglich seien, weil
C._ einfach noch sehr jung sei; er könne es noch nicht verstehen und man
könne es ihm noch nicht erklären (Prot. I S. 48). Nach einem Jahr Kindergarten
oder nach der ersten Primarschulklasse könnte man jedoch ein Besuchsrecht in
kleinen Abstufungen etablieren. Dabei wäre es sinnvoll, wenn jemand vom Fach
C._ untersuchen würde, ob er genügend stabil ist bzw. ob man ihm diese
Besuche zumuten könne oder nicht (Prot. I S. 53).
2.2 C._ ist heute fast 6 1/2 Jahre alt. Er lebt mit der Berufungsklägerin und
deren Lebenspartner in einem Dorf in ... und besucht den Kindergarten im
zweiten Jahr. Die Berufungsklägerin und ihr Lebenspartner sind Eltern eines
zweijährigen Knaben; zur Zeit des vorinstanzlichen Verfahrens war sie mit einem
dritten Kind schwanger. Sie ist nicht erwerbstätig.
Nach den Angaben der Berufungsklägerin geht es C._ gut, er sei körperlich
und psychisch gesund. Er sei eher ängstlich und vorsichtig. Mit seinem Bruder
verstehe er sich im Allgemeinen gut (act. 142 S. 2). Der Bruder und Pate
C._s beschreibt diesen als aufgewecktes Kind, dem es sehr gut gehe
- 14 -
(act. 152 S. 4). H._, der Lebenspartner der Berufungsklägerin, sagte aus,
dass C._ eine positive Entwicklung gemacht habe; er sei offen und
aufgestellt (act. 154 S. 3). Der Gutachter, Dr. G._, erwähnte, dass C._,
wie er ihn anlässlich der Begutachtung im Jahre 2010 gesehen habe, ein recht
lebendiger Bub sei, recht intelligent wirke und schnell auf Beziehungen eingehe
(Prot. I S. 52). Der Beistand E._ führte aus, dass die Berufungsklägerin ihm
gegenüber bestätigt habe, dass sich C._ gut entwickelt habe und keine
Auffälligkeiten oder Schwierigkeiten bekannt seien (act. 147 S. 5). Die
Erziehungsberaterin F._ hat gemäss ihren Aussagen C._ bei ihrer
Begegnung in den Jahren 2009/2010 als sehr aufgeweckten und reifen Knaben
erlebt, der sich schon sehr früh gut verbal habe ausdrücken können und ein ganz
normales Konzentrations- und Spielverhalten gezeigt habe (act. 151 S. 6). Diese
Aussagen wurden anlässlich der vorinstanzlichen Beweisverhandlung vom 12./13.
Juni 2012 gemacht.
2.3 Geht man von den aktuellen tatsächlichen Verhältnissen aus, so besteht im
heutigen Zeitpunkt kein wichtiger Grund (mehr) bzw. keine Gefährdung des
Kindeswohls, welche es erforderlich machten, den persönlichen Verkehr zwischen
dem Berufungsbeklagten und seinem Sohn gänzlich zu unterbinden und damit die
völlige Entfremdung von C._ zu seinem Vater in Kauf zu nehmen. Angesichts
des heutigen Alters von C._, der oben beschriebenen, normalen
persönlichen Entwicklung und des baldigen Eintritts in die Primarschule nach dem
Besuch des Kindergartens während zweier Jahre, ist davon auszugehen, dass er
heute trotz allfälliger weiter bestehender Spannungen zwischen seinen Eltern in
der Lage ist, seinem Vater im Rahmen von Besuchen persönlich zu begegnen
und zu diesem eine Beziehung aufzubauen. Die besonderen Umstände wie der
lange Unterbruch der Kontakte zwischen dem Sohn und seinem Vater, die
Konfliktsituation der Eltern und die Ängste der Berufungsklägerin sind bei der
konkreten Ausgestaltung des Besuchsrechts zu berücksichtigen. Damit wird
entgegen der Ansicht der Berufungsklägerin (act. 172 S. 14) nicht vom Ergebnis
des Gutachtens abgewichen, hat doch der Gutachter – wie ausgeführt –
festgehalten, dass im jetzigen Alter bzw. nach dem Besuch des Kindergartens ein
Besuchsrecht etabliert werden kann. Dabei hat der Gutachter eine neue
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Begutachtung bezüglich der Stabilität des Kindes in diesem Zeitpunkt zwar als
"sinnvoll", jedoch nicht als zwingende Voraussetzung erwähnt (Prot. I S. 53). Es
erscheint daher gerechtfertigt, von einem erneuten Gutachten abzusehen, zumal
dadurch das Verfahren weiter verzögert und damit der Unterbruch des
persönlichen Verkehrs des Berufungsbeklagten mit C._ verlängert würde,
was den Aufbau einer Beziehung zwischen den Beiden zusätzlich erschweren
würde. Kommt hinzu, dass es fraglich erscheint, ob sich angesichts des langen
Unterbruchs der Besuche bzw. der damit verbundenen Problematik für das Kind
und die Eltern aus einem solchen Gutachten schlüssige neue Erkenntnisse
gewinnen liessen.
An dieser Beurteilung vermögen auch die neuen Vorbringen der
Berufungsklägerin in der Eingabe vom 8. April 2013 (act. 186) nichts zu ändern.
Entgegen der Auffassung des Berufungsbeklagten (act. 192 S. 1) sind diese als
echte Noven auf Grund von Art. 317 Abs. 1 ZPO zu berücksichtigen, da sie auf
dem Bericht von Dr. med. I._ vom 27. März 2013 (act. 187) basieren, mithin
nicht früher vorgebracht werden konnten und auch ohne Verzug in den Prozess
eingeführt wurden. Wohl begann die dort erwähnte ärztliche Behandlung am 28.
November 2012, doch kann daraus nicht geschlossen werden, dass der Arzt die
fraglichen Feststellungen bereits in einem früheren Stadium hätte machen
können. Im Übrigen wären diese Vorbringen ohnehin zuzulassen, finden doch
nach Auffassung der Kammer bei der hier geltenden uneingeschränkten
Untersuchungsmaxime, wo das Gericht den Sachverhalt von Amtes wegen zu
erforschen hat (Art. 299 Abs. 1 ZPO), die novenrechtlichen Bestimmungen von
Art. 317 ZPO keine Anwendung (OGerZH LC130019 vom 8. Mai 2013; ZR 110
Nr. 112; vgl. BGE 138 III 625 E. 2.2; ZPO-Rechtsmittel, Demian Stauber, N. 19 f.
zu Art. 317). Gemäss diesem ärztlichen Bericht leidet C._ an einer sehr
ernsthaften, tief gehenden Verunsicherung, welche einer umsichtigen Behandlung
bedürfe, die auf Sicherheit, Vorhersehbarkeit und Konstanz aufbaue. Die
Erzwingung der Wiederaufnahme der Kontakte mit dem Vater sei potenziell stark
gesundheitsgefährdend, weshalb in den nächsten ein bis zwei Jahren die
Wiederaufnahme der Kontakte mit dem Vater verfrüht seien (act. 187). Zunächst
ist festzuhalten, dass es sich bei diesen Feststellungen nicht um ein
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unabhängiges Gutachten mit umfassenden Abklärungen handelt, sondern einzig
auf der Untersuchung und Behandlung des Kindes C._ und den Angaben der
Berufungsklägerin beruht. Damit ist dessen Aussagekraft als "Parteibericht"
grundsätzlich beschränkt. Kommt hinzu, dass das Bemühen, wieder einen
Kontakt zwischen dem Berufungsbeklagten und seinem Sohn herzustellen, als
"Erzwingung" bezeichnet wird, eine gewisse Befangenheit in dieser Hinsicht von
Dr. med. I._ indiziert. Inhaltlich erscheint seine Schlussfolgerung der
Gesundheitsgefährdung durch die Wiederherstellung einer persönlichen
Beziehung zwischen dem Kind C._ und seinem Vater nicht überzeugend,
enthält der Bericht doch keine Angaben über die Ursachen der diagnostizierten
Verunsicherung und Traumatisierung, insbesondere wird diese nicht etwa auf die
letzten Besuchskontakte, die vor vier Jahren im Frühjahr 2009 stattfanden,
zurückgeführt. Schliesslich weist der Berufungsbeklagte zu Recht darauf hin (act.
192 S. 3), dass die Berufungsklägerin noch anlässlich ihrer Befragung am 12.
Juni 2012 C._ als körperlich und psychisch gesund bezeichnete (act. 142 S.
2). Zusammenfassend ergibt sich, dass der ärztliche Bericht von Dr. med. I._
(act. 187) nicht Anlass sein kann, weiterhin keinen persönlichen Kontakt zwischen
dem Berufungsbeklagten und C._ zuzulassen.
3.
3.1.1 Als C._ sechs Monate alt war, kam es zum ersten Kontakt zwischen
dem Berufungsbeklagten und seinem Kind. Anschliessend fanden – meist
begleitete – Besuche statt, letztmals im Jahr 2009 (act. 59 S. 16). Dann wurde
das Besuchsrecht auf Antrag des Beistands E._ mit Beschluss der
Vormundschaftsbehörde J._ am 7. Juli 2009 sistiert. Dieser Beschluss wurde
am
1. Oktober 2009 durch den Bezirksrat Andelfingen aufgehoben (act. 174/8). Der
Berufungsbeklagte hat seinen Sohn im Jahre 2009, mithin vor vier Jahren, zum
letzten Mal gesehen (act. 141 S. 1).
Es ist offensichtlich und unbestritten, dass unter diesen Umständen eine
Beziehung zwischen dem Berufungsbeklagten und C._ zuerst wieder
aufgebaut werden muss. Dies hat durch in verschiedenen Phasen zeitlich
- 17 -
abgestuften Besuchszeiten zu erfolgen (vgl. die Ausführungen des Gutachters
dazu in Prot. I
S. 54).
Der Berufungsbeklagte beantragt mit seiner Anschlussberufung, es sei ein
gegenüber der erstinstanzlichen Regelung grosszügigeres Besuchsrecht
einzuräumen (act. 179 S. 2). Die Berufungsklägerin beantragt, auf die
Anschlussberufung in diesem Punkt nicht einzutreten, da der Berufungsbeklagte
seiner Antrags- und Begründungpflicht gemäss Art. 311 ZPO nicht
nachgekommen sei (act. 183 S. 4 f. Ziff. 4 -8). Diesem Antrag ist nicht
stattzugeben, genügt doch die Anschlussberufung (act. 179 S. 17 ff.) den
Anforderungen von Art. 311 ZPO. Der Berufungsbeklagte hat in seiner
Begründung der Anschlussberufung den allgemeinen Antrag auf Erweiterung des
Besuchsrechts mit konkreten Anträgen präzisiert (act. 179
S. 18). Diese Anträge sind auch hinreichend begründet. So führt er beispielsweise
aus, dass eine Besuchszeit von zwei Stunden einmal pro Monat zu kurz sei, um
die Vertrautheit und Nähe zu schaffen, die notwendig sei, weil er und sein Sohn
sich schon so lange nicht mehr gesehen hätten und er rügt auch das
Missverhältnis zwischen dieser kurzen Besuchszeit und der Dauer der Reise, die
er unternehmen müsse, um das Besuchsrecht ausüben zu können (act. 179 S.
18). Abgesehen davon konnte sich der Berufungsbeklagte bezüglich seiner
abweichenden Anträge für die Besuchszeiten mit dem angefochtenen Entscheid
gar nicht näher auseinandersetzen, da dieser die einzelnen Zeitstufen auch nicht
im Einzelnen begründet (act. 176 S. 20).
Nicht stichhaltig ist der Einwand der Berufungsklägerin, dass die von der Vorin-
stanz vorgesehene schrittweise Regelung "nicht rechtens" sei, da die Entwicklung
der Beziehung zwischen C._ und dem Berufungsbeklagten nicht
vorausgesagt werden könne (act. 172 S. 16 Ziff. 57, act. 183 S. 17 Ziff. 70). Zwar
trifft es zu, dass – wie bei jeder menschlichen Beziehung – nicht genau
vorausgesagt werden kann, wie sich diese in der Zukunft genau gestalten wird.
Auszugehen ist jedoch auf Grund der allgemeinen Lebenserfahrung, dass mit
regelmässigen und zeitlich längeren Kontakten die Grundlage geschaffen wird,
- 18 -
dass sich eine solche Eltern-Kind-Beziehung intensiviert und positiv entwickelt.
Folgte man dieser Auffassung der Berufungsklägerin, könnte in einer solchen
Situation, wo sich noch gar keine Beziehung zwischen einem Kind und einem
Elternteil entwickeln konnte, gar nie eine Besuchsrechtsregelung mit einer
schrittweisen Ausdehnung der Besuchszeiten getroffen werden. Im Übrigen
widerspricht sich die Berufungsklägerin, führt sie doch an anderer Stelle aus, dass
eine äusserst behutsame Annäherung zwischen dem Berufungsbeklagten und
C._ notwendig sei, um Vertrauen schaffen zu können. Dabei könne lediglich
eine langsame und schrittweise Erhöhung der Besuchszeiten von Erfolg sein (act.
183 S. 15).
3.1.2 Es erscheint angemessen, in einer ersten Phase das Besuchsrecht für die
Dauer von jeweils drei Monaten jeweils am ersten Sonntag jeden Monats für
zuerst zwei, dann vier und schliesslich sechs Stunden festzusetzen. Entgegen
dem Antrag des Berufungsbeklagten (act. 179 S. 18) ist angesichts der
Notwendigkeit, die Beziehung praktisch komplett neu aufzubauen, nur eine relativ
kurze Besuchszeit von zwei Stunden festzulegen, auch wenn damit das zeitliche
Verhältnis zwischen der Dauer des Besuchs und der Reisezeit für den
Berufungsbeklagten ungünstig ausfällt (vgl. act. 179 S. 18). Zum Wohl des Kindes
hat er dies in Kauf zu nehmen. Der Beginn des Besuchsrechts ist auf den
September 2013 festzulegen, damit vorgängig der Beistand ernannt und die
Begleitung des Besuchsrechts organisiert werden können (siehe unten Ziffer
III/3.1.3 und III/4).
Nach dieser neunmonatigen ersten Phase ist dem Berufungsbeklagten in einer
zweiten Phase für die Dauer eines halben Jahres ein achtstündiges Besuchsrecht
jeweils am ersten Sonntag jeden Monats einzuräumen.
Schliesslich ist das Besuchsrecht in einer dritten Phase auf jeweils das erste
Wochenende eines Monats auszudehnen.
Ab dem Jahr 2015, d.h. ab dem 9. Altersjahr von C._, ist dem
Berufungsbeklagten dann auch im üblichen Rahmen ein Ferienbesuchsrecht
- 19 -
einzuräumen. Dessen Dauer ist zunächst auf zwei Wochen und dann ab dem
Jahr 2019, d.h. ab dem 13. Altersjahr, auf drei Wochen festzusetzen.
3.1.3 Gemäss dem Entscheid der Vorinstanz soll das Besuchsrecht "vorerst und
solange der Beistand nicht anderes bestimmt" nur begleitet ausgeübt werden
(act. 176 S. 24).
Die Anordnung eines begleiteten Besuchsrechts wird von den Parteien im
Berufungsverfahren zu Recht grundsätzlich nicht in Frage gestellt. Der lange
Unterbruch des Kontakts zwischen dem Vater und dem Kind, macht – wie
erwähnt – einen vorsichtigen Aufbau der Beziehung nötig. Sodann lassen es die
Konflikte, die bei der früheren Ausübung der Besuche zwischen den Parteien
entstanden waren, und die mit dem Besuchsrecht verbundenen Ängste und
Vorbehalte der Berufungsklägerin als angezeigt erscheinen, die Besuche
zunächst nur in Begleitung einer Drittperson durchzuführen. Nicht zu folgen ist
jedoch der Meinung der Berufungsklägerin, dass das begleitete Besuchsrecht
unbefristet anzuordnen sei (act. 172 S. 16). Denn es handelt sich beim
begleiteten Besuchsrecht grundsätzlich um eine vorübergehende Massnahme,
die im Regelfall auf ein halbes oder ganzes Jahr zu beschränken ist (BSK ZGB I,
Ingeborg Schwenzer, N. 27 zu
Art. 273; FamKomm, Scheidung I, Andrea Büchler/Annatina Wirz, N. 22 zu
Art. 274 ZGB). So soll nicht auf unbegrenzte Zeit ein freier und unbefangener
Kontakt zwischen dem Vater und seinem Kind verhindert werden. Kommt hinzu,
dass sich bei längeren Besuchszeiten, insbesondere, wenn sie auch mit einer
Übernachtung verbunden sind, oder bei einem Ferienbesuchsrecht eine solche
Begleitung der Besuche praktisch kaum durchführen liesse. Dieser Entscheid
kann jedoch nicht – wie im erstinstanzlichen Entscheid vorgesehen (act. 176
S. 24) – dem Beistand überlassen werden. Somit ist die Begleitung des
Besuchsrechts auf die erste Phase zu beschränken.
3.1.4 Die Vorinstanz auferlegte die Mehrkosten für das begleitete Besuchsrecht
dem Berufungsbeklagten zu zwei Dritteln und der Berufungsklägerin zu einem
Drittel (act. 176 S. 25). Sie begründete dies damit, dass die Begleitung des
Besuchsrechts auf Grund einer Konfliktlage notwendig sei, welche beide Eltern zu
- 20 -
vertreten hätten. Die Aufteilung im genannten Verhältnis rechtfertige sich damit,
dass die Beklagte wegen der Kinderbetreuung im Gegensatz zum
Berufungsbeklagten nicht erwerbstätig sei (act. 176 S. 22).
Diese Erwägungen sind nicht zu beanstanden. Auch wenn auf Seiten des
Berufungsbeklagten berücksichtigt wird, dass ihm im Zusammenhang mit dem
Besuchsrecht wegen der Reise zusätzliche Kosten anfallen, wie dies von ihm
geltend gemacht wird (act. 179 S. 19), und andererseits das von der
Berufungsklägerin angeführte fehlende (Erwerbs-)einkommen und Vermögen
(act. 172 S. 17 ff. Ziff. 64 - 66) berücksichtigt werden, so erscheint die
vorgenommene Aufteilung angesichts der unterschiedlichen finanziellen
Verhältnisse der Parteien immer noch als angemessen. Demzufolge ist das
angefochtene Urteil in diesem Punkt zu bestätigen.
4.
4.1 Von der Berufungsklägerin wird zu Recht nicht in Frage gestellt, dass zur
Überwachung des persönlichen Verkehrs zwischen dem Berufungsbeklagten und
C._ eine Beistandschaft im Sinne von Art. 308 Abs. 2 ZGB anzuordnen ist
(vgl. act. 172 S. 15 Ziff. 50 und 54). Der Berufungsbeklagte bezeichnet es
ausdrücklich als "sinnvoll bzw. notwendig", dass die Ausübung des
Besuchsrechts durch eine Beiständin oder einen Beistand begleitet wird (act. 179
S. 14 zu Ziffer 50). Auf Grund der oben geschilderten Verhältnisse, die zur
Anordnung eines begleiteten Besuchsrechts führten, erscheint es zweckmässig,
eine Beistandschaft zu errichten mit der Aufgabe, die Ausübung des
Besuchsrechts gemäss der getroffenen Regelung zu überwachen (vgl. BSK ZGB
I, Ingeborg Schwenzer, N. 25 zu Art. 273; FamKomm, Andrea Büchler/Annatina
Wirz, N. 25 zu Art. 274 ZGB).
4.2 Mit Verfügung des Eheschutzrichters vom 5. Oktober 2007 wurde eine
Beistandschaft zur Regelung und Überwachung des Besuchsrechts im Sinne von
- 21 -
Art. 308 Abs. 2 ZGB errichtet, Diese wurde mit dem Scheidungsurteil vom 3. Juni
2008 bestätigt (act. 4/24 S. 2). Sodann beschloss die Vormundschaftsbehörde
K._ am 27. März 2012 die bestehende Beistandschaft durch den bisherigen
Beistand weiterzuführen (act. 174/9 S. 2 E. I/3). Dieser Entscheid wurde mit dem
Urteil der Kammer vom 20. August 2012 aufgehoben (act. 174/9 S. 9). Mit dem
angefochtenen Urteil ordnete die Vorinstanz in der Folge an, dass die mit dem
vorgenannten Eheschutzrichterentscheid errichtete Beistandschaft von der
zuständigen Vormundschaftsbehörde solange weiterzuführen sei, als diese es für
nötig erachte. Zudem ersuchte sie die zuständige Vormundschaftsbehörde, einen
neuen Beistand für das Kind C._ zu ernennen (act. 176 S. 24).
Angesichts dieser unklaren Anordnungen – so wurde mit dem Urteil vom 3. Juni
2008 eine Besuchsrechtsbeistandschaft angeordnet bzw. eine bestehende solche
Beistandschaft "weitergeführt", obwohl gar kein Besuchsrecht festgelegt wurde,
und diese Beistandschaft mit dem angefochtenen Urteil erneut "weitergeführt", ist
zunächst diese Beistandschaft des Eheschutzrichters vom 5. Oktober 2007
gestützt auf Art. 315b Abs. 1 ZGB aufzuheben und sodann mit diesem Urteil eine
Beistandschaft im Sinne von Art. 308 Abs. 2 ZGB zur Überwachung des
persönlichen Verkehrs zwischen dem Berufungsbeklagten und seinem Sohn
C._ gemäss der getroffenen Regelung des Besuchsrechts anzuordnen.
Sodann ist die am Wohnsitz des Kindes (act. 174/2) zuständige KESB L._
(Art. 315 Abs. 1 ZGB; vgl. act.128) zu beauftragen, einen Beistand oder eine
Beiständin zu bestellen.
V.
Die Vorinstanz hat die Kosten ihres Verfahrens den Parteien je zur Hälfte
auferlegt und keine Parteientschädigungen zugesprochen (act. 176 S. 25). Bei
diesem Entscheid wurde auch der Prozessausgang bezüglich der Anträge auf
Abänderung der Kinderunterhaltsbeiträge und des nachehelichen Unterhalts
berücksichtigt (act. 176 S. 23). In dieser Hinsicht blieb der Entscheid von den
- 22 -
Parteien unangefochten und ist zu bestätigen. Die hälftige Kostenteilung bzw. der
Verzicht auf Zusprechung von Parteientschädigungen rechtfertigt sich jedoch
auch bezüglich des Entscheids über das Besuchsrecht. Wohl obsiegt hier der
Berufungsbeklagte nach dem Ausgang des Berufungsverfahrens weitgehend mit
seinen Anträgen, jedoch sind im Sinne der bisherigen Praxis, wonach bei
Besuchsrechtsstreitigkeiten in der Regel unabhängig vom konkreten
Verfahrensausgang die Kosten den Parteien zur Hälfte auferlegt werden (vgl.
Kurzkommentar ZPO, Hans Schmid,
N. 4 zu Art. 107), auch vorliegend für das erst- und zweitinstanzliche Verfahren
gestützt auf Art. 107 Abs. 1 lit. c ZPO die Kosten den Parteien je zur Hälfte
aufzuerlegen und ist demzufolge keiner Partei eine Entschädigung zuzusprechen.
Die Kosten sind zufolge der beiden Parteien auch im Berufungsverfahren
gewährten unentgeltlichen Rechtspflege (act. 181 S. 3) einstweilen auf die
Gerichtskasse zu nehmen.