Decision ID: b742798a-5b46-5140-8e36-38981453656b
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Das Grundstück Nr. 0000_, Grundbuch X._, liegt gemäss Zonenplan der Stadt X._
vom 9. März 2011 in der Wohnzone W2c, ist mit einem Wohnhaus überbaut und wird
über die K._-strasse (Gemeindestrasse 3. Klasse) erschlossen. Mit Baugesuch vom
22. Oktober 2019 beantragte der Eigentümer der Liegenschaft, C._, bei der Bau- und
Umweltkommission der Stadt X._ die Baubewilligung für die Erstellung eines
eingeschossigen Studios mit Loggia und extensiv begrüntem Flachdach auf dem Dach
des bestehenden Wohnhauses. Innert der Auflagefrist erhoben A._ und B._
Einsprache gegen das Bauvorhaben. Mit Beschluss vom 2. November 2020 erteilte die
Bau- und Umweltkommission die Baubewilligung unter Bedingungen und Auflagen. Die
Einsprache von A._ und B._ wies sie ab mit der Begründung, das Grundstück Nr.
0000_ weise zusammen mit den subjektiv-dinglich verbundenen Grundstücken Nrn.
0001_ und 0002_ eine maximal anrechenbare Bruttogeschossfläche (BGF) von
314.87 m auf, was für die beantragte Fläche von 294 m ausreiche. Sodann weise das
Baugesuch die benötigten drei Parkfelder aus (act. G 8/8/6).
A.a.
2 2
Gegen diesen Beschluss erhoben A._ und B._, vertreten durch Rechtsanwalt M.A.
HSG Linus Hofmann, Rapperswil-Jona, am 23. November 2020 Rekurs (nachstehend:
Rekurs 1) mit der Begründung, aufgrund der BGF von 294 m brauche es vier
Parkplätze. Zudem seien die minimalen Abmessungen der Parkplätze gemäss VSS-
Norm nicht eingehalten. Weiter könne keine zusätzliche Ausnützung bzw.
anrechenbare Grundstücksfläche auf das Baugrundstück transferiert werden. Beim
angrenzenden Strassengrundstück Nr. 0002_ sei trotz subjektiv-dinglichem
Miteigentum nicht klar, welcher Anteil welchem Grundstück zuzurechnen sei. Ein
Ausnützungstransfer von einem Strassengrundstück sei zudem ohnehin nicht möglich.
Bei den Grundstücken Nrn. 0001_ und 0003_ handle es sich sodann um keine
Nachbargrundstücke (act. G 8/1, 8/5). Mit Beschluss vom 16. April 2021 verfügte die
Bau- und Umweltkommission auf dem Grundstück Nr. 0002_ eine
Ausnützungsbeschränkung von 54 m zugunsten von Grundstück Nr. 0000_ und
beauftragte das Grundbuchamt, die entsprechende Anmerkung auf Grundstück Nr.
0002_ vorzunehmen. Zur Begründung wurde festgehalten, dass aufgrund des 1/15-
Miteigentumsanteils an Grundstück Nr. 0002_ (Gesamtfläche 1632 m ) eine
anteilmässige Grundstückfläche von 108 m für den Ausnützungstransfer zur
A.b.
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2
2
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B.
Verfügung stehe, was aufgrund der Ausnützungsziffer von 0.5 eine anrechenbare
Fläche von 54 m ergebe (act. G 9/1/1). Gegen diesen Beschluss erhob Rechtsanwalt
Hofmann für A._ und B._ am 29. April 2021 Rekurs (nachstehend: Rekurs 2; act. G
9/1). Mit Entscheid vom 22. Juni 2021 wies das Baudepartement (seit 1. Oktober 2021
Bau- und Umweltdepartement) des Kantons St. Gallen den Rekurs 1 ab, soweit er nicht
gegenstandslos geworden war. Die Entscheidgebühr von CHF 3'000 auferlegte es den
Rekurrenten (A._ und B._) und dem Rekursgegner (C._) je hälftig. Die Begehren der
Rekurrenten und des Rekursgegners um Ersatz der ausseramtlichen Kosten wies es ab
(act. G 2 Dispositivziffern 1-3). Den Rekurs 2 wies es im gleichen Entscheid ab und
auferlegte den Rekurrenten die Entscheidgebühr von CHF 1'000 sowie die
ausseramtliche Entschädigung des Rekursgegners mit CHF 1'500 (act. G 2
Dispositivziffern 4-6).
2
Gegen diesen Entscheid erhob Rechtsanwalt Hofmann für A._ und B._
(Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 5. Juli 2021 Beschwerde mit den Anträgen, der
Entscheid sei aufzuheben; die Baubewilligung sei zu verweigern. Eventualiter sei die
Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zuzüglich Mehrwertsteuer und Spesen (act. G 1).
B.a.
In der Vernehmlassung vom 24. August 2021 beantragte das Bau- und
Umweltdepartement Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Zur
Begründung verwies sie auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids und
äusserte sich ergänzend zu den Ausführungen in der Beschwerde (act. G 7). Die
Politische Gemeinde X._ (Beschwerdebeteiligte) stellte in der Vernehmlassung vom
6. September 2021 den Antrag auf Abweisung der Beschwerde (act. G 11). Der durch
Rechtsanwältin lic. iur Marie-Theres Huser und Rechtsanwalt lic. iur. Tobias Müller
vertretene Bauherr C._ (Beschwerdegegner) beantragte in der Eingabe vom
9. September 2021, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten. Eventualiter sei sie
abzuweisen. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (einschliesslich Mehrwertsteuer)
zulasten der Beschwerdeführer (act. G 12).
B.b.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführer bestätigte mit Eingabe vom 27. September
2021 seinen Standpunkt (act. G 15). Die Rechtsvertreter des Beschwerdegegners
teilten am 5. Oktober 2021 den Verzicht auf eine weitere Stellungnahme mit (act. G 18).
B.c.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten in den Eingaben des vorliegenden
Verfahrens wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachstehenden
Erwägungen eingegangen.
B.d.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeführer
sind als Eigentümer der Liegenschaft Nr. 0004_ und Empfänger des angefochtenen
Entscheids zur Erhebung des Rechtsmittels befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45
Abs. 1 VRP). Die Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 5. Juli 2021 (act. G 1) erfolgte
rechtzeitig und erfüllt die formellen und inhaltlichen Voraussetzungen (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP).
1.1. bis
1.2.
Die Vorinstanz hält in der Vernehmlassung fest, die hinreichende Erschliessung des
Bauvorhabens sei im Rekursverfahren nicht umstritten gewesen. Streitig sei einzig die
Anzahl Parkplätze gewesen. Mit dem nordöstlich geplanten Parkfeld (Grundstück Nr.
0000_) sowie der konkreten Ausfahrsituation hätten sich die Beschwerdeführer im
Rekursverfahren nicht auseinandergesetzt. Hinsichtlich der neu geltend gemachten
Rügen sei auf die Beschwerde nicht einzutreten, weil diese Punkte im Rekursverfahren
nicht gerügt gewesen seien und somit ausserhalb des Streitgegenstandes liegen
würden (act. G 7). Die Beschwerdeführer führen hierzu unter anderem aus, es gelte der
Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen. Ihnen könne nicht vorgeworfen
werden, sie hätten gegen das Verbot der Unzulässigkeit neuer Begehren verstossen.
Die Begehren seien immer noch die gleichen (wie in den Vorverfahren), und es werde
an ihnen festgehalten. Aufgrund des weitreichenden Anwendungsbereichs von Art. 29a
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV) finde das
Novenverbot in Art. 61 Abs. 3 VRP keine Anwendung. Selbst die Änderung des
Klagefundaments sei in gewissem Umfang möglich, was aber hier, wo die fehlende
hinreichende Erschliessung schon im Einspracheverfahren gerügt worden sei, nicht der
Fall sei. Die beiden Vorinstanzen hätten den Sachverhalt unvollständig festgestellt, was
1.2.1.
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vom Verwaltungsgericht nachzuholen sei. Auf die Beschwerde sei demnach einzutreten
(act. G 15 S. 3 f.).
Das Rügeprinzip gilt im Beschwerde- und im Rekursverfahren. Eine Überprüfung des
Sachverhalts erfolgt in beiden Verfahren grundsätzlich nur insoweit, als die Beteiligten
eine unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts beanstanden. Nach
der Praxis des Verwaltungsgerichts ist vom Rekurrenten/Beschwerdeführer darzutun,
in welchen Punkten die Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz unrichtig sein soll, und
er hat auch anzugeben, mit welchen zusätzlichen Beweismitteln seine Darstellung
belegt werden kann oder aus welchen Gründen die Beweiswürdigung der Vorinstanz
seiner Ansicht nach fehlgeht. Mit diesen Rügen legen die Beteiligten den
Streitgegenstand des Rechtsmittelverfahrens im Grundsatz verbindlich fest. Die
Anforderungen an das Rügeprinzip dürfen jedoch nicht überdehnt werden. So genügt
es, wenn sich eine bestimmte Rüge sinngemäss aus den Rechtsschriften ergibt (vgl.
VerwGE B 2015/20 vom 23. August 2016 E. 1.2 m.H.).
Mit der Beschwerde an das Verwaltungsgericht können Rechtsverletzungen geltend
gemacht werden. Der Beschwerdeführer kann sich auch darauf berufen, die
angefochtene Verfügung beruhe auf einem unrichtig oder unvollständig festgestellten
Sachverhalt (Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP). Soweit die Vorinstanz des Verwaltungsgerichts
- wie vorliegend - keine richterliche Behörde ist, garantiert Art. 6 Ziff. 1 EMRK in ihrem
Anwendungsbereich eine richterliche Überprüfung mit voller Kognition. Das
Verwaltungsgericht verfügt daher vorliegend - als erste gerichtliche Instanz - über eine
volle Kognition (vgl. auch VerwGE B 2017/58 vom 23. Mai 2018 E. 3.2) in dem Sinn,
dass es über alle erheblichen Tatsachen- und Rechtsfragen entscheiden und
Ermessensentscheidungen auf Rechtsfehler überprüfen kann (VerwGE B 2019/41 vom
16. Dezember 2019 m.H. auf Meyer-Ladewig/Harrendorf/König, in: Meyer-Ladewig/
Nettesheim/von Raumer [Hrsg.], EMRK Handkommentar, 4. Aufl. 2017, Rz. 16 und 35
zu Art. 6 Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten [SR 0.101,
EMRK]). Hingegen bedeutet die volle Kognition des Verwaltungsgerichts und die von
den Beschwerdeführern angerufene (act. G 1 S. 2 Ziffer 5) Rechtsweggarantie von Art.
29a der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) nicht, dass im
verwaltungsgerichtlichen Verfahren aufgrund von beschwerdeweise erstmals
vorgebrachten (vorbestandenen) Gegebenheiten das Streitthema losgelöst von dem im
vorinstanzlichen Entscheid definierten Verfahrensgegenstand festgelegt bzw.
ausgeweitet werden könnte. So verbietet die Rechtsweggarantie insbesondere nicht,
1.2.2.
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das Eintreten auf ein Rechtsmittel von den üblichen Sachurteilsvoraussetzungen
abhängig zu machen (A. Kley, in: Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender [Hrsg.], Die
schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014, N 8 zu Art. 29a
BV mit Hinweisen). Vorausgesetzt ist damit auch hier, dass das Beschwerdebegehren
keine Änderung des tatsächlichen Fundaments des vorangehenden
Rechtsmittelverfahrens bewirkt. Zulässig ist einzig eine Ergänzung des
Beschwerdefundaments, um die mit dem gestellten Rechtsbegehren angestrebte
Rechtsfolge zu erreichen. Die verwaltungsgerichtliche Rechtsprechung bejaht eine
(unzulässige) Änderung des tatsächlichen Fundaments des Verfahrens, wenn neue
Bauhinderungsgründe/Einwände geltend gemacht werden, welche sich nicht auf den
im Rekursverfahren ermittelten Sachverhalt bzw. das dort abgehandelte
Tatsachenfundament beziehen (vgl. dazu VerwGE B 2015/20, a.a.O., E. 1.2 m.H. auf
M. Donatsch, in: Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des
Kantons Zürich [VRG], 3. Aufl. 2014, N 41-43 zu § 52 VRG-ZH). Beispielsweise hatte
dem VerwGE B 2011/151 vom 20. März 2012 als Sachverhalt zugrunde gelegen, dass
im Beschwerdeverfahren betreffend eine Baubewilligung erstmals die strassenmässige
Erschliessung des Baugrundstücks beanstandet wurde, obwohl der dortige
Beschwerdeführer bereits im Rekursverfahren anwaltlich vertreten war, an welchem
indes die strassenmässige Erschliessung überhaupt kein Thema gebildet hatte. Das
Verwaltungsgericht ist deshalb auf die Beschwerde in diesem Punkt nicht eingetreten
(VerwGE B 2011/151, a.a.O., E. 1.2).
Streitgegenstand des Einsprache- und des Rekursverfahrens bildete vorliegend die
Bewilligung eines eingeschossigen Studios auf dem Dach des bestehenden
Wohnhauses. Den von den Beschwerdeführern im Beschwerdeverfahren angeführten
Aspekt der in rechtlicher Hinsicht unzureichenden strassenmässigen Erschliessung
(unzureichende Strassenklassierung) bringen sie im Beschwerdeverfahren erstmals vor.
Hingegen rügten sie bereits in der Einsprache vom 26. Februar 2020 die ungenügende
Erschliessung des Baugrundstücks, wobei sie sich damals auf die Parkplatzsituation
und die Zufahrtsstrasse bezogen (act. G 16 Beilage 4 Ziffer 2h). Mit ihrer im
Beschwerdeverfahren erstmals vorgebrachten Rüge der unzureichenden
Strassenklassierung trugen sie in einem weitergefassten Sinn neue rechtliche
Argumente im Rahmen des bisher Vorgebrachten vor. Damit änderten sie das
tatsächliche Fundament des Verfahrens insofern nicht ab, als sie keine eigentlich neuen
Bauhinderungsgründe/Einwände geltend machten. Der Umstand, dass die
Beschwerdeführer im Zusammenhang mit der Erschliessung implizit eine vorfrageweise
1.2.3.
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2. Parkplatzsituation
Überprüfung des Gemeindestrassenplans geltend machen (vgl. nachstehende E. 3.1),
stellt keinen Grund dar, darauf im vorliegenden Verfahren nicht einzutreten.
Was die Rügen betreffend Parkfeld im Nordosten des Grundstücks Nr. 0000_ und die
konkrete Ausfahrsituation betrifft, ist festzuhalten, dass das erwähnte Parkfeld und das
Vorliegen einer zureichenden Anzahl Parkplätze im angefochtenen Entscheid
thematisiert wurde (vgl. act. G 2 E. 3.1 und nachstehende E. 2.1 zweiter Absatz). Der
Umstand, dass die Beschwerdeführer diesbezüglich im vorliegenden Verfahren ihre
Begründung ergänzten, indem sie sich neu zur Lage des Parkfeldes und zu
Wegfahrsituation äusserten und damit neue Argumente im Rahmen des
Streitgegenstandes einbrachten, hat keine Änderung des tatsächlichen
Klagefundaments zur Folge (vgl. auch VerwGE B 2018/52 vom 27. Februar 2019
E. 2.2.2 zweiter Absatz). Hierauf ist somit ebenfalls einzutreten.
Auf die Beschwerde ist demnach insgesamt einzutreten.
1.2.4.
Der erstinstanzliche Beschluss der Beschwerdebeteiligten vom 2. November 2020
(Einsprache- und Baubewilligungsentscheid) erging nach Inkrafttreten des PBG am
1. Oktober 2017. Auf das strittige Bauvorhaben ist somit das PBG grundsätzlich
anwendbar, soweit dessen Bestimmungen gemäss Anhang zum Kreisschreiben
"Übergangsrechtliche Bestimmungen im PBG" vom 8. März 2017 als unmittelbar
anwendbar erklärt werden und im vorliegenden Zusammenhang zum Tragen kommen
(vgl. auch VerwGE B 2020/10 vom 14. September 2020 E. 5). Im Übrigen kommen
gegebenenfalls - neben dem kommunalen Baureglement (BauR) - weiterhin die
Bestimmungen des früheren Baugesetzes (BauG; nGS 8,134) zur Anwendung.
1.3.
Nach Art. 72 Abs. 1 BauG kann der Bauherr unter anderem bei der Zweckänderung
und Erweiterung von Bauten und Anlagen verpflichtet werden, auf privatem Grund
Abstellflächen für Motorfahrzeuge der Benützer oder Besucher zu schaffen, soweit die
örtlichen Verhältnisse es zulassen und die Kosten zumutbar sind. Eine Zweckänderung
bzw. Erweiterung im Sinn von Art. 72 Abs. 1 BauG ist nur anzunehmen, wenn unter
Anwendung gleicher Massstäbe der Bedarf an Abstellflächen nach der Umgestaltung
grösser ist als zuvor (GVP 1985 Nr. 81).
2.1.
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In den Baugesuchsplänen wird vorliegend in der nordöstlichen Ecke des Grundstücks
Nr. 0000_ die Erstellung eines zusätzlichen Parkplatzes ausgewiesen (act. G 8/8/23).
Im angefochtenen Entscheid ging die Vorinstanz davon aus, dass der Dachaufbau mit
Studio mit einer Fläche von 58 m für sich allein höchstens zu einem Mehrbedarf von
einem Abstellplatz führe, zumindest ein zusätzlicher, bisher nicht bewilligter Parkplatz
neu geschaffen werde und gemäss VSS-Norm SN 40 291a Ziffer 12 Tabelle 3 die
minimale Abmessung für Senkrechtparkfelder in der Komfortstufe A bei einem
Parkfeldwinkel von 90° in der Breite 2.35 m und in der Länge 5 m betrage. Gemäss
Baugesuchsplänen seien diese Abmessungen eindeutig eingehalten. Selbst gemäss
Berechnung nach dem Parkplatzbedarfs-Reglement der Stadt X._ vom 7. Mai 2010
(SRRJ 711.003; nachfolgend: PP-Reglement) seien genügend Abstellplätze für das
bestehende Wohnhaus und das geplante Studio vorhanden. Gemäss Grundrissplan
(act. G 8/8/23) seien ein Abstellplatz in der Garage sowie zwei Aussenplätze auf dem
Vorplatz, d.h. insgesamt drei Abstellplätze, vorgesehen. Vor der bestehenden
Einliegerwohnung (wo bisher ein Baum gestanden habe) sei kein Abstellplatz
vorgesehen. Die Standorte der Abstellplätze seien, wenn auch nicht sehr deutlich, mit
Fahrzeug-Symbolen in den Plänen hinreichend ausgewiesen. Der Grenzbedarf für
Parkfelder nach Art. 8 PP-Reglement betrage bei einer Wohnnutzung entweder
1 Parkfeld pro 80 m Wohnfläche oder 1 Parkfeld pro Wohnung sowie 10 Prozent der
Bewohner-Parkfelder als Besucher-Parkplätze. Aufgrund des klaren Wortlauts von Art.
8 PP-Reglement könne der Parkplatzbedarf vorliegend pro Wohnung ausgewiesen
werden. Gemäss den Grundrissplänen werde das Dachstudio über einen separaten
Treppenaufgang erschlossen. Auch die Einliegerwohnung sei nicht über den
Haupteingang zugänglich. Es lägen somit drei Wohnungen im Sinn des PP-Reglements
vor. Zudem sei aufgrund der Entfernung von rund 450 m Luftlinie zum Bahnhof Y._
sowie mit dem Radweg entlang der M._-strasse von einer sehr guten Möglichkeit der
Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel sowie der Erreichbarkeit durch Radfahrer
und Fussgänger (Art. 7 Abs. 1 PP-Reglement) und folglich von einer Einteilung im
Gebiet C auszugehen. Der Grenzbedarf könne somit nochmals auf 70 % (was selbst
bei einer Berechnung nach Wohnfläche einen Bedarf von 2.76 bzw. 3 Parkfeldern
ergeben würde) reduziert werden (act. G 2 S. 6-8).
2
2
Die Beschwerdeführer wenden ein, der im vorinstanzlichen Entscheid erwähnte neue
Parkplatz in der nordöstlichen Ecke des Grundstücks Nr. 0000_ sei nicht
bewilligungsfähig. Wie der bearbeitete Planausdruck aus dem Geoportal (act. G 3/3)
zeige, befänden sich unmittelbar hinter diesem Vorplatz strassenbauliche Anlagen,
denen ein rückwärts aus dem geplanten Parkplatz fahrendes Auto zuerst ausweichen
2.2.
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müsse, bevor das Auto so gewendet werden könne, dass vorwärts vom Grundstück
Nr. 0000_ weggefahren werden könne. Für das Wendemanöver müsse praktisch
zwingend die chaussierte Fläche von Grundstück Nr. 0004_ der Beschwerdeführer
beansprucht werden; diese seien damit nicht einverstanden und würden keine
Zustimmung erteilen. Soweit das Fahrzeug rückwärts in Richtung Osten bis zum
Vorplatz bzw. der Einfahrt der Beschwerdeführer gefahren werde, werde dann
unberechtigterweise auf dieser Einfahrt gewendet. In den geplanten Parkplatz könne
nur ein-, aber kaum mehr herausgefahren werden. Auf diesem knapp 20 m langen
(einspurig befahrenen) Teil der K._-strasse würden Fahrzeuge von vier ständig
bewohnten Einheiten (Haupt- und Einliegerwohnung sowie Studio des
Beschwerdegegners und Haus der Beschwerdeführer) auf Fahrradfahrer und
Fussgänger von 21 ständig bewohnten Einheiten treffen. Die Hauptausfallrichtung des
Quartiers sei für diese Verkehrsteilnehmer nämlich Richtung X._ und Bahnhof Y._.
Damit werde eine gefährliche Situation geschaffen. Für die Wendemanöver, die sich
aus der Benützung des neuen Parkplatzes ergäben, würde für Fahrzeuge mit
unterdurchschnittlichem Wendekreis das mehrfache Überfahren des Trottoirs
unumgänglich und für Fahrzeuge mit üblichem Wendekreis das Benützen fremden
Grundes. Zum Wenden ohne unberechtigte Beanspruchung fremder Einfahrten werde
eine Rückwärtsfahrt von über 130 m bis zur ersten Wendemöglichkeit im Bereich der
Parzelle Nr. 0005_ nötig (act. G 1 S. 4 f.).
2.3.
Streitig ist vorliegend, ob die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid zu Recht das
Vorliegen einer zureichenden Anzahl Parkplätze bestätigte bzw. ob die Nutzbarkeit des
zusätzlichen Parkfeldes tatsächlich und rechtlich gewährleistet ist. Zu dem von den
Beschwerdeführern in diesem Zusammenhang gestellten Augenscheins-Antrag (act. G
1 S. 5) ist festzuhalten, dass ein Augenschein dem besseren Verständnis des
Sachverhalts dient. Ob ein Augenschein durchzuführen ist, liegt im pflichtgemässen
Ermessen der urteilenden Instanz. Unbestrittene Tatsachen brauchen nicht durch einen
Augenschein überprüft zu werden, sofern eine Nachprüfung nicht durch öffentliche
Interessen geboten ist (vgl. B. Märkli, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2020, N 50 zu Art. 12-13
VRP). Die tatsächlichen (örtlichen) Verhältnisse ergeben sich im vorliegenden Fall
hinreichend aus den bei den Akten liegenden Plänen, dem Geoportal
(www.geoportal.ch) und aus den übrigen Verfahrensakten; sie sind im Wesentlichen
auch nicht umstritten. Für die Klärung der in diesem Verfahren angeführten
2.3.1.
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tatsächlichen Gegebenheiten bedarf es keines gerichtlichen Augenscheins, weshalb
darauf zu verzichten ist.
Die von den Beschwerdeführern erwähnten strassenbaulichen Anlagen auf der
klassierten Strassenfläche am Ende der K._-strasse (nordöstlich des Grundstücks Nr.
0000_) verunmöglichen eine Ausfahrt vom zusätzlichen Parkfeld insofern nicht, als das
hierfür erforderliche Überfahren des Trottoirs zulässig und mit Blick auf die Lage der
Ausfahrt am Ende der K._-strasse sowie deren Übersichtlichkeit auch sicher ist. Das
Wenden des Fahrzeugs auf der K._-strasse - unter Beanspruchung des Trottoirs
sowie der Fläche auf dem Grundstück Nr. 0000_ des Beschwerdegegners - erfordert
angesichts der Platzverhältnisse zwar unter Umständen (bei grösseren Autos mit
Aussenlängen im Bereich von 5 m) ein Vor- und Zurücksetzen des Fahrzeugs. Mit Blick
auf die Strassenbreite der K._-strasse im Bereich des Grundstücks Nr. 0000_ (von
gut 3 m + Trottoir von 2 m) ist jedoch das Wenden unter Beanspruchung des Trottoirs
(dieses muss ohnehin überfahren werden) sowie der Fläche auf dem eigenen
Grundstück des Beschwerdegegners ohne Inanspruchnahme fremder Grundstücke
machbar. Die Regelung gemäss VSS-Norm 40 291a (Ziffer 12 Tabelle 4), wonach eine
Senkrechtparkierung eine Fahrgassenbreite von drei Metern (bei Einbahnverkehr) bzw.
fünf Metern (bei Gegenverkehr) erfordert, ist vorliegend eingehalten, zumal am Ende
der K._-strasse (Sackgasse) kein Gegenverkehr besteht und das Strassenstück
allenfalls durch die Beschwerdeführer vereinzelt genutzt werden dürfte. Die teilweise
Trottoirbeanspruchung ist angesichts der überschaubaren örtlichen Verhältnisse und
der im Wesentlichen durch Anwohner erfolgenden Fussgängernutzung (vgl. dazu
nachstehend) als zulässig zu erachten.
Unter den geschilderten Gegebenheiten erweist sich auch die von den
Beschwerdeführern in Betracht gezogene bzw. befürchtete Rückwärts-Wegfahrt vom
streitigen Parkfeld mit Wenden des Fahrzeugs auf dem Vorplatz des Grundstücks Nr.
0004_ der Beschwerdeführer als unnötig. Sodann erscheint ein hohes
Fussgängeraufkommen schon deshalb nicht plausibel, da in nordöstlicher Richtung
keine klassierte Wegverbindung besteht. Der Umstand, dass einige Personen die
Wohneinheiten an der K._-strasse fussläufig erreichen, bewirkt angesichts der für alle
Beteiligten gut überschaubaren Situation am Ende der K._-strasse keine Gefahrenlage
im Zusammenhang mit der Parkierung von Fahrzeugen. Eine von den
Beschwerdeführern geortete gefährliche Situation ist mithin nicht ersichtlich. Im
Weiteren legte die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid zutreffend dar, dass das
2.3.2.
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3. Strassenmässige Erschliessung
Parkfeld von den Abmessungen her die einschlägigen Anforderungen erfüllt (act. G 2 E.
3.3 und vorstehende E. 2.1 zweiter Absatz); hierauf ist zu verweisen.
Die Beschwerdeführer rügen wie dargelegt zusätzlich eine fehlende hinreichende
Erschliessung wegen unzureichender Strassenklassierung. Sie halten fest, eine
Gemeindestrasse 3. Klasse sei gemäss Rechtsprechung und Praxis des Tiefbauamtes
für die Erschliessung von maximal zehn ständig bewohnten Einheiten vorgesehen.
Bereits heute seien über die K._-strasse mindestens 20 ständig bewohnte Einheiten
(14 Einheiten GS-Nrn. 0006_-0016_ und 0017_-0019_; 2 Einheiten GS-Nr. 0000_,
je eine 1 Einheit GS-Nrn. 0020_ und 0021_; 2 Einheiten GS-Nr. 0022_) erschlossen.
Mit dem Dachaufbau-Studio wolle der Beschwerdegegner die Ausnützung der
Strassengrundstücksfläche beanspruchen, an welcher er Miteigentum von 1/15 habe.
Sämtliche Grundeigentümer an der K._-strasse hätten ebenfalls das Recht, den
Wohnraum zu erweitern oder eine zusätzliche Wohneinheit zu schaffen. Im Extremfall
wären so bis 35 Einheiten über die Gemeindestrasse 3. Klasse zu erschliessen, was
weder möglich noch zulässig sei. Gemäss Rechtsprechung (u.a. VerwGE B 2011/9 vom
7. Dezember 2011) sei das Grundstück des Beschwerdegegners damit nicht
hinreichend erschlossen, und es dürfe dieser rechtswidrige Zustand keinesfalls
verschlimmert werden. Jedenfalls fehle für die Schaffung zusätzlichen Wohnraums und
zusätzlicher Wohneinheiten die hinreichende Erschliessung. Es sei eine Aufklassierung
mit Strassenplan erforderlich (act. G 1 S. 3 f., G 15 S. 4 f.).
3.1.
Land ist erschlossen, wenn unter anderem eine für die betreffende Nutzung
hinreichende Zufahrt besteht (Art. 19 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Raumplanung [Raumplanungsgesetz; SR 700, RPG], Art. 67 Abs. 1 Planungs- und
Baugesetz, sGS 731.1 [PBG]). Hinreichende Zufahrt besteht, wenn die Zugänglichkeit
sowohl für die Benützer der Bauten als auch für Fahrzeuge der öffentlichen Dienste
gewährleistet ist. Die Zufahrten sollen verkehrssicher sein und haben sich nach den
zonengerechten Baumöglichkeiten jener Flächen zu richten, die sie erschliessen sollen.
Die Festlegung des Ausmasses der Erschliessungsanlagen und die Umschreibung der
genügenden Zugänglichkeit ist Sache des kantonalen Rechts. Den kantonalen und
kommunalen Behörden steht dabei ein erhebliches Ermessen zu (vgl. VerwGE
B 2016/215 vom 22. Februar 2018 E. 9.1 mit Hinweisen; bestätigt mit
BGer 1C_219/2018 vom 9. November 2018; VerwGE B 2018/185 vom 24. Januar 2019
E. 5.2 mit Hinweisen). Der Erlass oder die Änderung des Gemeindestrassenplans
3.2.
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4.
obliegt der Gemeinde unter Vorbehalt der Genehmigung des zuständigen
Departements (Art. 12 Abs. 1 und Art. 13 Abs. 2 Strassengesetz; sGS 732.1, StrG).
Nach Art. 14 Abs. 1 StrG wird die Einteilung von Strassen geändert, wenn Bedeutung
oder Zweckbestimmung es erfordert (Abs. 1). Wer ein eigenes schutzwürdiges
Interesse dartut, kann der politischen Gemeinde nach zehn Jahren seit rechtsgültiger
Einteilung eine Änderung beantragen (Abs. 3).
Aus dem von den Beschwerdeführern erwähnten VerwGE 2011/9, a.a.O., E. 4.3.3
ergibt sich lediglich, dass im Regelfall Strassen innerhalb der Bauzone, die zehn oder
mehr ständig bewohnte Wohneinheiten erschliessen, als Gemeindestrasse zweiter
Klasse gemäss Art. 8 Abs. 2 StrG zu betrachten seien. Eine zwingende
Umklassierungspflicht lässt sich allein hieraus - es wird vorliegend lediglich ein
zusätzlicher Parkplatz erschlossen - entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer
(act. G 1 S. 4) jedoch nicht ableiten, zumal die Anzahl erschlossener Wohneinheiten
lediglich eines von mehreren Kriterien für die Klassifizierung von Gemeindestrassen ist.
Für die Einteilung von Strassen sind insbesondere auch die Lage und das
Verkehrsaufkommen von Bedeutung (vgl. VerwGE B 2014/202 vom 19. Juli 2016 E. 2.1
f. mit Hinweisen). Die K._-strasse weist keinen Durchgangsverkehr auf (Fahrverbot für
die Einfahrt von der M._-strasse); dementsprechend ist auch das Verkehrsaufkommen
im Wesentlichen auf die Strassenanwohner beschränkt. Fahrzeuge, welche auf dem
am Ende der K._-strasse liegenden Grundstück des Beschwerdegegners abgestellt
sind, tangieren die übrigen Liegenschaften der K._-strasse und deren Bewohner nicht.
Die Mehrbelastung durch Fahrten aufgrund des zusätzlich geschaffenen Wohnraums
mit Autoabstellplatz dürfte kaum ins Gewicht fallen. Unter diesen Gegebenheiten ist
kein Anlass ersichtlich, die zureichende strassenmässige Erschliessung als nicht
gegeben zu erachten.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des Verfahrens von den
Beschwerdeführern zu bezahlen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
CHF 3'500 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung,
sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss von CHF 4'000 ist an diese Gebühr
anzurechnen und der verbleibende Betrag von CHF 500 den Beschwerdeführern
zurückzuerstatten.
4.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 14/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte