Decision ID: 22781cb2-2ace-5889-ad81-6cc45f1e4249
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Eliano Mussato, Bellevuestrasse 1b, Postfach,
9401 Rorschach,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
IV-Leistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 12. Januar 2007 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act.
1). Dabei gab er u.a. an, er habe von 1982 bis 1985 eine Lehre als Koch absolviert. Seit
1991 sei er als Metallbaumonteur (Fassadenbau) tätig. Die B._ AG teilte der IV-Stelle
am 26. Februar 2007 mit (IV-act. 10), sie beschäftige den Versicherten als Monteur. Der
aktuelle Lohn betrage Fr. 4'550.-- (x13). Dr. med. C._ berichtete am 22. Februar 2007
(IV-act. 11), er habe folgende Diagnosen erhoben: St. n. Quetschtrauma des linken
Vorfusses mit multiplen Frakturen und Teilamputation sowie RQW US links am 7.
September 2006, St. n. Amputation Kleinzehe und Defektdeckung mit einem
Performatorlappen, St. n. Débridement und anschliessender Spalthautabdeckung bei
St. n. Lappennekrose, Polytoxikomanie, Hepatitis B und C. Dr. C._ gab weiter an, der
Versicherte sei vom 24. Oktober 2006 bis 28. Februar 2007 vollständig arbeitsunfähig
gewesen. Sollte eine schmerzfreie Vollbelastbarkeit erreicht werden, sei eine weitere
Tätigkeit im bisherigen Beruf durchaus denkbar. Dr. med. D._, FMH Innere Medizin,
Rheumatologie, vertrat in einem Bericht vom 13. März 2007 (IV-act. 12) die Auffassung,
die Arbeit als Eisenleger sei nicht mehr zumutbar. Am 5. Juli 2007 gab er als veränderte
Befunde einen chronischen Alkoholabusus (nach Entziehungskur aktuell abstinent) und
eine Methadonsubstitution an (IV-act. 18). Er hielt fest, die Einschränkung werde
bestehen bleiben, weshalb eine Umschulung erfolgen sollte. Dr. med. E._ von der
Klinik für Orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen berichtete der IV-Stelle
am 30. April 2008 (IV-act. 33), im angestammten Beruf als Dachdecker bestehe
aufgrund der Vorfussamputation eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Wenn der
Versicherte Spezialschuhe trage, könne er einer wechselnd stehend und sitzend
auszuübenden Tätigkeit nachgehen. Er dürfe keine Lasten über 10-20 kg mehr tragen.
Eine adaptierte Tätigkeit wäre anfangs zu 50% zumutbar mit einer möglichen
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Steigerung auf 100%. Dr. med. F._ vom RAD hielt am 22. Mai 2008 fest (IV-act. 35),
für eine überwiegend sitzend auszuübende Tätigkeit bestehe eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit. Sollte es zu einer beruflichen Integrationshilfe kommen, sei der
Versicherte zu verpflichten, bei Auffälligkeiten Drogen-/Alkoholtestungen ausführen zu
lassen.
A.b Der Berufsberater der IV-Stelle notierte am 28. August 2008 (IV-act. 39), die
rechtlichen Voraussetzungen einer Umschulung seien nicht gegeben. Einzelne
Fortbildungstools könnten aber durchaus ein Thema sein. Die
Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle hielt in einem Schlussbericht vom 25.
Februar 2010 fest (IV-act. 43), der Versicherte habe auf Veranlassung der
Arbeitslosenversicherung im Spätherbst 2008 eine IIZ-Abklärung in der G._
absolviert. Anschliessend sei ein Einsatzprogramm des RAV geplant gewesen. Ab
Weihnachten 2008 sei der Versicherte nur noch sporadisch erschienen, was er selbst
mit seinem schlechten Gesundheitszustand entschuldigt habe. Nach einem Entzug im
August 2009 sei im September 2009 nach zwei Abbrüchen nochmals ein
Einsatzprogramm mit 50% gestartet worden. Bei einem Gespräch vom 23. Februar
2010 habe der Versicherte angegeben, es gehe ihm gesundheitlich schlecht
(Depression, Magenprobleme). Er sei in einem Hepatitis C-Programm und er nehme
100 mg Methadon ein. Ausserdem trinke er zwei bis drei Liter Bier pro Tag. Die
Fussproblematik sei vom Versicherten nur nebenbei erwähnt worden. Er habe auch
soziale Probleme (Unterbringung der Tochter im Heim, Kündigung der Wohnung)
angegeben. Er habe sich bemüht, die gemachten Vereinbarungen und die Vorgaben
einzuhalten, aber er sei immer wieder gescheitert. Eine Abstinenz sei aus der Sicht der
IEB nicht möglich. Die Eingliederungsverantwortliche schloss den Fall ab, da keine
Eingliederungsmassnahmen möglich seien. Die IV-Stelle verglich ein Einkommen als
Metallbaumonteur 2009 von Fr. 61'226.-- mit einem Invalideneinkommen aus einer
Hilfsarbeit von Fr. 59'979.-- und ermittelte so einen Invaliditätsgrad von 2.04% (IV-act.
45). Mit zwei Vorbescheiden vom 9. März 2010 (IV-act. 49, 51) teilte sie dem
Versicherten mit, dass sie beabsichtige, die Arbeitsvermittlung abzuschliessen und das
Rentenbegehren abzuweisen. Der Versicherte liess am 22. April 2010 gegen den
Vorbescheid betreffend die Rente Einwand erheben (IV-act. 54). Am 3. Mai 2010 teilte
sein Rechtsvertreter mit, dass ein Privatgutachten in Auftrag gegeben worden sei (IV-
act. 57). Dr. med. H._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, führte in
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seinem Gutachten vom 14. Juni 2010 aus (IV-act. 62), er habe eine ausführliche
Exploration vorgenommen. Dabei habe er folgende Diagnosen erhoben: Kombinierte
und schwere Persönlichkeitsstörung mit abhängigen und emotional instabilen Anteilen,
schweres depressives Zustandsbild, anamnestisch Hepatitis C im fortgeschrittenen
Zustand, seit bald 30 Jahren schweres Abhängigkeitssyndrom, seit 1990 im
Methadonprogramm (100 mg täglich), daneben Bierkonsum, posttraumatische
Belastungsstörung nach mehreren traumatischen Erlebnissen. Dr. H._ führte dazu
aus, bis zum Unfall am 1. September 2006 sei das Leben des Versicherten relativ stabil
gewesen. Trotz der permanent hohen Methadoneinnahme habe er seinen Alltag
meistern können. Durch mehrere traumatische Erlebnisse (Tod der Lebenspartnerin,
Tod eines Freundes, Wegzug der Tochter in ein Heim) habe er den Sinn im Leben
verloren. Aufgrund der schweren Persönlichkeitsstörung habe er keinen neuen Sinn
finden können. Er habe keine Ressourcen, um sich neu zu orientieren. In Anbetracht
der gesamten psychosozialen Situation sei keine wesentliche Besserung zu erwarten.
Die Suchtproblematik sei absolut untergeordnet. Aufgrund der fast dreissigjährigen
Sucht sei eine Therapie zwecklos. In einem geschützten Rahmen bestehe eine
Arbeitsfähigkeit von 50%. In der freien Wirtschaft sei der Versicherte zu mindestens
80% arbeitsunfähig, da er einem Arbeitgeber nicht zugemutet werden könne. Die
Persönlichkeitsstörung bestehe seit Geburt, das Abhängigkeitssyndrom seit dem 12.
Lebensjahr, die depressive Episode seit 2006 und die posttraumatische
Belastungsstörung ebenfalls seit 2006. Die Drogensucht sei die Folge der schweren
Persönlichkeitsstörung (d.h. diese werde durch den Drogenkonsum i.S. einer
Selbstmedikation behandelt). Weder die Persönlichkeitsstörung noch die Abhängigkeit
seien behandelbar.
A.c Der Rechtsvertreter des Versicherten ersuchte am 14. Juni 2010 um die Zusprache
einer ganzen Invalidenrente oder aber um die Durchführung einer psychiatrischen
Begutachtung (IV-act. 61). Dr. med. M. L._ vom RAD hielt am 18. Juni 2010 fest (IV-
act. 64), die kombinierte Persönlichkeitsstörung dürfte keine Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit haben, da es der Versicherte doch geschafft habe, 18 Jahre lang für
ein und dieselbe Firma zu arbeiten. Die Substitution mit 100 mg Methadon habe sich -
trotz eingeräumten Beigebrauchs von illegalen Drogen - in jener Zeit nicht negativ auf
die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt. Die Todesfälle stellten keine lebensbedrohlichen
Ereignisse dar, wie sie für eine posttraumatische Belastungsstörung vorausgesetzt
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werden müssten. Ausserdem fehlten die typischen Symptome. Die Diagnose eines
schweren depressiven Zustandsbilds erstaune, da davon bisher nie die Rede gewesen
sei und da auch keine Behandlung erfolgt sei. Die Arbeitsunfähigkeitsschätzung sei
deshalb nicht nachvollziehbar. Am 23. Juni 2010 beauftragte die IV-Stelle die
Psychiatrischen Dienste J._ mit einer Abklärung (IV-act. 66). Dr. med. I._, Leitender
Arzt, und Dr. med. K._, Stv. Leitende Ärztin, führten in ihrem Gutachten vom 24.
August 2010 (IV-act. 74), folgende Diagnosen an: Störung durch Alkohol
(Abhängigkeitssyndrom), Störung durch Opioide (Abhängigkeitssyndrom), Störung
durch Cannabinoide (Abhängigkeitssyndrom), Störung durch Benzodiazepine
(Abhängigkeitssyndrom), V. a. eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung und St.
n. Hepatitis B und C (Erreger im Blut nicht mehr nachweisbar). Die beiden Gutachter
hielten fest, laut den Angaben des Versicherten seien fünf von sechs der typischen
Kriterien eines Abhängigkeitssyndroms erfüllt. Zum Verdacht der
Persönlichkeitsstörung vom emotional instabilen Typus resp. einer posttraumatischen
Störung habe keine definitive Abklärung erfolgen können. Die psychologische Testung
sei nämlich unter hochdosiertem Benzodiazepin und Methadon erfolgt. Das bedeute,
dass die Ergebnisse verfälscht sein könnten. Die posttraumtische Belastungsstörung
habe als solche nicht beobachtet werden können. Es sei aber möglich, dass nach
einem Entzug eine Depression zum Vorschein komme. Bei einer vorwiegenden
Benzodiazepin- und Alkoholabhängigkeit sowie einer Methadonabhängigkeit sei ein
benzodiazepingestützter Alkoholentzug begonnen worden. Alle Testungen und
Beobachtungen während der Hospitalisation seien deshalb unter dem Einfluss von
Valium und Methadon erfolgt. Es sei davon auszugehen, dass der Versicherte über
längere Zeit Valium und Methadon in hoher Dosis eingenommen habe. Insgesamt
hätten keine schweren oder mittelschweren Symptome einer Depression beobachtet
werden können. Eine Depressionsdiagnose während einer aktiven
Substanzabhängigkeit müsse mit Vorsicht gestellt werden. Es bestehe aber sicher eine
negative Bilanz, wenn der Versicherte über sein Leben schaue (schwere Kindheit,
Rebellentum, das in die Sucht geführt habe, Partnerschaft, die durch einen plötzlichen
Tod beendet worden sei, Unfall und dessen Folgen). Bei der Beantwortung der Frage
nach der Arbeitsfähigkeit werde nur auf die Sucht, allenfalls auch auf die
Persönlichkeitsstörung abgestellt. Aufgrund des aktuellen Substanzkonsums sei eine
Umschulung kontraindiziert. Es müsste eine mindestens sechsmonatige Abstinenz
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erzwungen werden. Andererseits wäre der Versicherte gern erwerbstätig. Momentan
sei er aber in der freien Wirtschaft nicht vermittelbar. Es sei sinnvoll, schon während
der Zeit, in der eine kontrollierte Abstinenz verlangt werde, in einem geschützten
Rahmen die Gewöhnung an den Arbeitsprozess zu verlangen. Die handwerklichen und
sozialen Ressourcen würden beibehalten und die kognitiven Ressourcen könnten sich
erholen. An einem Arbeitsplatz müsste eine in der Sucht geschulte Bezugsperson
vorhanden sein und das Arbeitsklima sollte verständnisvoll, aber auch mit klaren
Regeln strukturiert sein. Sinnvoll wäre eine behinderungsangepasste Halbtagsstelle.
Dabei wäre die Leistungsfähigkeit nicht eingeschränkt, wenn der Versicherte abstinent
wäre. Die Sucht sei primär. An einem adaptierten Arbeitsplatz sollte ein allfälliger
Alkoholkonsum mit einem Atemtest kontrolliert werden. Ausserdem sollte der Hausarzt
regelmässig Urinproben vornehmen. Die Vorgesetzten sollten ein gutes
Suchtverständnis haben und die vorhandenen Ressourcen motiviert fördern. Ein
Versuch mit Antabus wäre sinnvoll. Bei sistiertem Substanzkonsum sei es gut möglich,
dass eine Depression diagnostiziert werden könne.
A.d Dr. L._ vom RAD hielt dazu am 30. August 2010 fest (IV-act. 75), die erlernte
Tätigkeit als Koch und eine Tätigkeit auf dem Bau kämen nicht mehr in Frage. Seit dem
22. Mai 2008 sei von einer Arbeitsfähigkeit von 50% auszugehen. Einer Auflagener
teilung stünden keine medizinischen Gründe entgegen. Es liege ein reines
Suchtgeschehen vor. Die eingeschränkte Arbeitsfähigkeit sei durch das
Abhängigkeitsverhalten begründet. Berufliche Massnahmen seien möglich und
angezeigt: Zunächst eine kontrollierte Abstinenz für sechs Monate, mit Beginn der
Abstinenz Tätigkeitsaufnahme in einer geschützten Einrichtung halbtags, Anbindung an
eine Suchtberatungsstelle, sobald sich die Leberwerte normalisiert hätten,
medikamentöse Einstellung auf Antabus, Nachweise für die durchgeführten
Drogentests und Blutuntersuchungen in vierwöchigen Abständen, bis sechsmonatige
Abstinenz nachgewiesen ist, nach sechs Monaten geschützter Tätigkeit Überführung in
eine Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt mit einem Pensum von 50%, bei
anhaltender Abstinenz steigerbar auf 100%. Bei Verstössen gegen die Auflage sei eine
Fortsetzung der beruflichen Massnahme zu prüfen. In einem an den Rechtsvertreter
des Versicherten gerichteten Schreiben vom 30. August 2010 führte die IV-Stelle aus,
zur Klärung des versicherungsmedizinischen Sachverhalts und der zumutbaren
Arbeitsfähigkeit seien berufliche Eingliederungsmassnahmen angezeigt. Diese könnten
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jedoch erst nach einer sechsmonatigen Abstinenz durchgeführt werden. Es sei dem
Versicherten zumutbar, eine dauerhafte Drogen- und Alkoholabstinenz einzuhalten und
die notwendigen Nachweise einzureichen. Erforderlich seien vierzehntägliche
Urinuntersuchungen und monatliche Blutuntersuchungen. Zur Begründung verwies die
IV-Stelle auf Art. 21 Abs. 4 und Art. 43 Abs. 3 ATSG. Sie listete folgende Auflagen auf:
1. Bekanntgabe des die Untersuchungen durchführenden Arztes, 2. Teilnahme an den
vierzehntäglichen Urin- und monatlichen Blutuntersuchungen, 3. durchgehend kein
Nachweis in den Urinuntersuchungen, 4. Blutuntersuchungen im Toleranzbereich.
Abschliessend hielt die IV-Stelle fest, nach einer sechsmonatigen Abstinenz werde sie
berufliche Eingliederungsmassnahmen einleiten und den Anspruch auf IV-Leistungen
prüfen. Der Versicherte teilte am 14. September 2010 den Namen des zuständigen
Arztes mit (IV-act. 78). Der Rechtsvertreter des Versicherten wandte am 21. September
2010 ein (IV-act. 79-1), ein solcher Entzug sei nicht zumutbar. Sollte die IV-Stelle ihre
Forderung nicht fallen lassen, ersuche er um eine anfechtbare Verfügung. Dr. H._
hatte am 21. September 2010 angegeben (IV-act. 79-2 ff.), beim Versicherten liege mit
grösster Wahrscheinlichkeit eine schwere kombinierte Persönlichkeitsstörung vor. Es
müsse davon ausgegangen werden, dass der Konsum von harten Drogen und von
Alkohol über Jahrzehnte eine Art von Selbstmedikation eines unerträglichen
psychischen Zustands gewesen sei. Die Umschreibung eines angepassten
Arbeitsplatzes im Gutachten der Psychiatrischen Dienste J._ sei diejenige eines
geschützten Arbeitsplatzes, für den es eine ganze Rente brauche. Die Auflage der
Suchtabstinenz sei unmöglich zu erfüllen und zum Vornherein zum Scheitern verurteilt.
Dr. L._ bemerkte dazu am 22. Oktober 2010 (IV-act. 81), das von Dr. H._
behauptete Junktim zwischen dem Beginn des Drogenmissbrauchs und einer
dahinterstehenden Persönlichkeitsstörung seit Geburt sei nicht stichhaltig. Es könne
auch sein, dass der Versicherte aus Rebellion gegen das Elternhaus mit dem
Drogenkonsum begonnen habe. Mit der fachärztlichen "Bescheinigung" der
Unzumutbarkeit der Abstinenzauflage werde dem Versicherten jegliche
Selbstverantwortung abgenommen. Es gebe keine medizinischen Gründe, die der
Auflage der Abstinenz entgegen stünden. Im Fall einer Ausklammerung der primären
Sucht sei von einer Arbeitsfähigkeit adaptiert von 100% im freien Arbeitsmarkt
auszugehen. In einem mit "Mahn- und Bedenkzeitverfahren" betitelten Schreiben vom
25. Oktober 2010 führte die IV-Stelle aus, sie habe am 30. August 2010 eine
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mindestens sechsmonatige Abstinenz von Suchtmitteln angeordnet. Dieser
Aufforderung habe der Versicherte keine Folge geleistet. Sie verwies auf Art. 43 Abs. 2
und 3 ATSG und wiederholte die bereits im Schreiben vom 30. August 2010
aufgelisteten Auflagen. Abschliessend drohte sie dem Versicherten an, dass sie die
Erhebungen einstellen und beschwerdefähige Verfügungen erlassen werde, wenn er
sich der angeordneten Massnahme nicht unterziehe.
A.e Dr. D._ liess am 5. November 2010 mitteilen (IV-act. 84), dass sich der
Versicherte bei ihm gemeldet habe, um die Proben durchzuführen. Am 5. November
2010 ging eine Dokumentation für zwei Proben vom 12. und 27. Oktober 2010 ein (IV-
act. 87). Am 24. November 2010 folgte eine Dokumentation für Proben vom 9. und 23.
November 2010 (IV-act. 89) und am 6. Dezember 2010 eine solche für eine Probe vom
3. Dezember 2010 (IV-act. 90). Am 9. Februar 2011 erfuhr die IV-Stelle von der Praxis
von Dr. D._, dass der Versicherte im Dezember 2010 mitgeteilt habe, er müsse keine
Laborwerte mehr einreichen (IV-act. 91). Die IV-Stelle teilte dies dem Rechtsvertreter
des Versicherten am 23. Februar 2011 mit (IV-act. 93). Sie wies darauf hin, dass die
Auflage während zwei Monaten einwandfrei erfüllt worden sei. Der Rechtsvertreter
antwortete am 9. März 2011 (IV-act. 94), er erwarte eine Rentenverfügung oder eine
Aufforderung zur medizinischen Abklärung. Dazu verwies er auf ein Schreiben von Dr.
H._ vom 3. Februar 2011 (IV-act. 95), laut dem der Versicherte aufgrund einer
schweren kombinierten Persönlichkeitsstörung mit abhängigen und emotional
instabilen und unreifen Anteilen gar nicht fähig sei, sich sechs Monate strikt abstinent
zu verhalten. Die IV-Stelle erliess am 16. März 2011 nochmals eine Mahnung (IV-act.
96), wobei sie zur Begründung sowohl Art. 21 Abs. 4 als auch Art. 43 Abs. 3 ATSG
anführte. Die konkreten Auflagen lauteten sinngemäss: 1. Während mindestens sechs
Monaten zweimal monatlich eine Urinuntersuchung und monatlich eine
Blutuntersuchung, 2. durchgehend kein Nachweis in den Urinuntersuchungen, 3. Werte
der Blutuntersuchungen mindestens im Toleranzbereich, 4. zwingend bis spätestens
31. März 2011 Vereinbarung entsprechender Termine mit dem Arzt und entsprechende
Mitteilung an die IV-Stelle, 5. unaufgeforderte Einreichung der
Untersuchungsergebnisse erstmals Ende April 2011. Abschliessend hielt die IV-Stelle
fest, sie werde eine Sanktionsverfügung gemäss Art. 21 Abs. 4 bzw. Art. 43 Abs. 3
ATSG erlassen, wenn der Versicherte den Anordnungen erneut nicht nachkomme. Der
Rechtsvertreter teilte der IV-Stelle am 23. März 2011 mit (IV-act. 99), der Versicherte
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widersetze sich weder einer Behandlung noch einer zumutbaren Eingliederung. Er sei
aber medizinisch schlicht nicht in der Lage, die Behandlung gemäss der Auflage
durchzustehen. Mit dem Versuch, abstinent zu werden, habe er das ihm Zumutbare
unternommen. Die Voraussetzungen für eine Sanktionsverfügung seien nicht erfüllt.
Sollte die IV-Stelle trotzdem eine solche Verfügung erlassen, werde sich das
Versicherungsgericht damit befassen müssen. Am 5. April 2011 erliess die IV-Stelle
eine Verfügung mit folgendem Dispositiv: "Die beantragten Leistungen auf berufliche
Massnahmen/Rente werden verweigert" (IV-act. 100). Zur Begründung verwies die IV-
Stelle einleitend auf Art. 21 Abs. 4 ATSG. Sie führte weiter aus, die Abstinenz sei
gemäss dem Gutachten vom 24. August 2010 sowie der RAD-Stellungnahme vom 30.
August 2010 die Grundvoraussetzung und der erste Schritt für jegliche weitere
Massnahme. Die Aussage des Rechtsvertreters, der Versicherte widersetze sich einer
Eingliederung nicht, sei ein blosses Lippenbekenntnis. Die letzte Frist zur Einhaltung
der zumutbaren Auflagen sei unbenutzt verstrichen. Der Versicherte sei seiner
Schadenminderungspflicht nicht nachgekommen. Deshalb seien ihm Leistungen zu
verweigern. Das Rentengesuch hätte auf jeden Fall abgewiesen werden müssen, da
der Versicherte nach einer sechsmonatigen Tätigkeit in einem geschützten Rahmen in
die freie Wirtschaft wechseln und dort seine Arbeitsfähigkeit hätte steigern können.
B.
B.a Der Versicherte liess am 23. Mai 2011 Beschwerde erheben (act. G 1) und
beantragen, die Verfügung vom 5. April 2011 sei aufzuheben und die
Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, das Verfahren fortzusetzen und eine
Rentenverfügung zu erlassen. Sein Rechtsvertreter führte am 24. Juni 2011 zur
Begründung aus (act. G 6), der behandelnde Psychiater habe von Anfang an erklärt,
dass der Beschwerdeführer nicht im Stande sei, die Auflage zu erfüllen. Der
Beschwerdeführer habe es versucht, sei aber nach kurzer Zeit gescheitert. Er habe die
Auflage schuldlos nicht erfüllen können. Das zeige sich auch darin, dass in der
Vergangenheit verschiedene Entzüge gescheitert seien. Aus dem Umstand, dass der
Beschwerdeführer anfangs abstinent gewesen sei, dürfe nicht der Schluss gezogen
werden, dass er die Auflage hätte erfüllen können. Er habe es nicht geschafft, sechs
Monate "clean" zu bleiben. Dass die MEDAS-Ärzte die Entzugsgeschichte nicht
berücksichtigt hätten, sei mehr als oberflächlich.
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B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 9. September 2011 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 8). Sie führte aus, es sei nicht um eine Abstinenzauflage im
Hinblick auf eine Feststellung des Gesundheitszustands, sondern um eine regelrechte
Schadenminderungsauflage gegangen. Die Gutachter der Psychiatrischen Dienste
J._ hätten darauf hingewiesen, dass eine mindestens sechsmonatige Abklärung
erzwungen werden müsse, bevor Eingliederungsmassnahmen in Angriff genommen
werden könnten. Es sei geplant gewesen, bereits nach drei Monaten erfolgreicher
Abstinenz mit den beruflichen Massnahmen zu beginnen. Mit dem Schreiben des
Rechtsvertreters vom 23. März 2011 habe festgestanden, dass der Beschwerdeführer
innert der ihm gesetzten Frist die geforderten Schritte nicht unternehmen, d.h. seiner
Schadenminderungspflicht nicht nachkommen werde.
B.c Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers wandte am 6. Oktober 2011 ein (act.
G 11), die verschiedenen erfolglosen Entzugsversuche bewiesen, dass der
Beschwerdeführer nicht in der Lage sei, einen ambulanten Entzug durchzustehen.
Deshalb habe er keine Schadenminderungspflicht verletzt. Die Behauptung, das
Rentenbegehren hätte ohnehin abgewiesen werden müssen, beruhe auf einer
unzulässigen antizipierten Beweiswürdigung.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 19. Oktober 2011 auf eine Stellungnahme
(act. G 13).

Erwägungen:
1.
1.1 Am 25. Oktober 2010 hat die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer
aufgefordert, sich auf eine bestimmte Art zu verhalten, um so seiner "Schaden- und
Mitwirkungspflicht" (vgl. IV-act. 82) nachzukommen. Sie hat diese Aufforderung mit Art.
43 Abs. 2 und 3 ATSG begründet. Welchem Abklärungsziel das geforderte Verhalten
(mindestens sechsmonatige Alkohol- und Drogenabstinenz und Nachweis derselben)
dienen sollte, hat die Beschwerdegegnerin in dieser Aufforderung nicht angegeben. Der
Beschwerdeführer hat sich nur bis Ende 2010 an die Aufforderung gehalten. Deshalb
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ist am 16. März 2011 eine Abmahnung erfolgt (IV-act. 96), bei der wieder dasselbe
Verhalten gefordert worden ist wie in der Aufforderung vom 25. Oktober 2010. In dieser
Abmahnung hat die Beschwerdegegnerin ausgeführt, sie habe bei der Aufforderung
irrtümlicherweise angegeben, die Suchtmittelabstinenz solle der medizinischen
Abklärung dienen. Sie habe aber eigentlich eine Schadenminderungspflicht gestützt auf
Art. 21 Abs. 4 ATSG durchsetzen wollen. Es sei nämlich geplant gewesen, nach drei
Monaten erfolgreicher Abstinenz einen Eingliederungsauftrag zu erteilen, wie sich der
RAD-Stellungnahme vom 30. August 2010 (vgl. IV-act. 75) entnehmen lasse. Die
Beschwerdegegnerin hat allerdings nicht angegeben, wie dieser Eingliederungsauftrag
konkret hätte aussehen sollen. In der Abmahnung vom 16. März 2011 hat die
Beschwerdegegnerin zwar neu den für die Eingliederung relevanten Art. 21 Abs. 4
ATSG angegeben, aber sie hat gleichzeitig weiterhin auf den nur die Abklärung des
Sachverhalts betreffenden Art. 43 Abs. 3 ATSG verwiesen, den sie nach ihren eigenen
Angaben in der Aufforderung vom 25. Oktober 2010 irrtümlicherweise genannt hatte.
Die konkrete Sanktion, mit welcher der Beschwerdeführer zu rechnen hatte, falls er
sich nicht wie abgemahnt verhalten sollte, ist in der Abmahnung nicht angegeben
worden. Die Beschwerdegegnerin hat nur den Erlass einer Sanktionsverfügung
angedroht und damit im Ergebnis offen gelassen, welche der in den beiden genannten
Gesetzesbestimmungen vorgesehenen Sanktionsmöglichkeiten sie gegebenenfalls
wählen werde. Erst in der eigentlichen Sanktionsverfügung vom 5. April 2011 (vgl. IV-
act. 100) hat sie sich dann endgültig auf die Anwendung des Art. 21 Abs. 4 ATSG bzw.
darauf festgelegt, dass sie mit der Abmahnung eine Schadenminderungspflicht
(genauer: Eingliederungspflicht) des Beschwerdeführers habe durchsetzen wollen.
Dementsprechend hat sie die Sanktion der Abweisung sämtlicher beantragter
Leistungen gewählt. Der Art. 7b Abs. 1 IVG ist weder in der Aufforderung vom 25.
Oktober 2010 noch in der Abmahnung vom 16. März 2011 oder in der angefochtenen
Sanktionsverfügung vom 5. April 2011 erwähnt worden.
1.2 Das (sowohl in Art. 21 Abs. 4 als auch in Art. 43 Abs. 3 ATSG vorgesehene) Mahn-
und Bedenkzeitverfahren bezweckt, in dem Sinn klare Verhältnisse zu schaffen, dass
der Versicherte weiss, woran er ist. Er muss also "auf die möglichen nachteiligen
Folgen seines Widerstands gegen Eingliederungsmassnahmen aufmerksam" gemacht
und so in die Lage versetzt werden, "in Kenntnis aller wesentlichen Faktoren seine
Entscheidung zu treffen" (BGE 122 V 220). Diese Voraussetzung ist im vorliegenden
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Fall lediglich in Bezug auf die Art des verlangten Verhaltens erfüllt gewesen: Die
Abstinenz von Alkohol und Drogen verschiedenster Art sowie das Vorgehen zum
Nachweis der Abstinenz ist in der Abmahnung vom 16. März 2011 klar und für den
(anwaltlich vertretenen) Beschwerdeführer verständlich definiert worden. Das reichte
aber nicht aus, um die Abmahnung im Sinn der angeführten Rechtsprechung als
ausreichend qualifizieren zu können, denn es fehlte eine präzise Umschreibung der
Eingliederungsmassnahmen, die durch die mindestens sechsmonatige Abstinenz
ermöglicht werden sollten, und es fehlte auch eine klare Bestimmung der Sanktion, mit
welcher der Beschwerdeführer zu rechnen hatte. Die Beschwerdegegnerin hat zwar in
der Abmahnung angegeben, sie habe geplant, nach einer dreimonatigen Abstinenz
einen Eingliederungsauftrag zu erteilen. Worin dieser Auftrag bestanden hätte bzw.
welche Art von Eingliederung konkret geplant war, hat sie nicht angegeben. Da in den
Akten jeder Hinweis auf die Planung und Vorbereitung einer bestimmten beruflichen
Eingliederungsmassnahme fehlt und da die Beschwerdegegnerin nur auf eine
Stellungnahme des RAD (und nicht eines Eingliederungsberaters) hat verweisen
können, muss angenommen werden, dass sie entgegen ihrer Behauptung gar keine
Eingliederungsmassnahme vorgesehen hatte, d.h. sie dürfte beabsichtigt haben, eine
mindestens sechsmonatige Abstinenz abzuwarten, um dann allenfalls die
Eingliederungsberatung mit der Abklärung der Möglichkeit einer allfälligen beruflichen
Eingliederung des Beschwerdeführers zu betrauen. Die Beschwerdegegnerin hat aber
nicht nur keine konkrete Eingliederungsmassnahme angeben können, sondern sie hat
es auch unterlassen, die schliesslich gewählte Sanktion (Abweisung aller beantragten
Leistungen) in der Abmahnung zu nennen. Damit erweist sich die Abmahnung im Sinn
der obgenannten Rechtsprechung als unzureichend. Das hat zur Folge, dass die
angefochtene Sanktionsverfügung als aus formalen Gründen rechtswidrig aufgehoben
werden muss. Ein weiterer formaler Mangel der Abmahnung vom 16. März 2011
besteht darin, dass die Beschwerdegegnerin zwar das vom Beschwerdeführer
erwartete schadenmindernde (bzw. eine erfolgreiche Eingliederung ermöglichende)
Verhalten genau definiert hat, dass sie es aber unterlassen hat zu bestimmen, wie
lange dieses Verhalten notwendig sein sollte. Sie hat nämlich eine wenigstens
sechsmonatige Abstinenz gefordert, d.h. es wäre ihr möglich gewesen, die Dauer der
Abstinenz immer weiter zu verlängern, ohne dafür einen Grund angeben zu müssen.
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1.3 Neben den oben angeführten formalen Mängeln weist die Abmahnung vom 16.
März 2011 auch inhaltliche Mängel auf. Es fehlt nämlich eine plausible Begründung
dafür, dass der Beschwerdeführer eine berufliche Eingliederung nur dann hätte
erfolgreich absolvieren können, wenn er vorher wenigstens sechs Monate alkohol- und
drogenabstinent gelebt hätte. Weder im Privatgutachten von Dr. H._ noch im
Gutachten der Psychiatrischen Dienste J._ finden sich brauchbare Angaben zum
Ausmass des Alkohol- und Drogenkonsums des Beschwerdeführers während der Zeit,
in der dieser seiner Arbeit als Metallfassadenbauer nachgegangen ist. Es ist also
durchaus möglich, dass der Alkohol- und Drogenkonsum damals nicht geringer
gewesen ist als während der Abklärungsphase und dass der Beschwerdeführer
trotzdem seinen Job in zufriedenstellender Weise hat ausüben können. Dann bestünde
zumindest eine Vermutung dafür, dass dies auch für eine berufliche
Eingliederungsmassnahme gelten würde. Die Behauptung im Gutachten der
Psychiatrischen Dienste J._ (vgl. IV-act. 74-12 unten), eine Umschulung sei aufgrund
des aktuellen Substanzkonsums kontraindiziert (also wohl zum Scheitern verurteilt), ist
so lange nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, als die diesem
Substanzgebrauch zugrunde liegende oder von diesem Substanzgebrauch überdeckte
Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht. Die Gutachter der Psychiatrischen
Dienste J._ haben darauf hingewiesen, dass ein Verdacht auf eine
Persönlichkeitsstörung vorliege, dass diese Diagnose aber nicht weiter verifiziert
werden könne, weil die Austestung unter Benzodiazepinsubstitution erfolgt sei. Das
muss natürlich auch für die weitere psychiatrische Exploration gelten. Die Gutachter
haben weiter angegeben, es seien keine Symptome beobachtet worden, die auf eine
schwere oder mittelschwere Depression hingedeutet hätten (vgl. IV-act. 74-15), aber
bei substituiertem Substanzkonsum werde es gut möglich sein, dass eine Depression
diagnostiziert werden könne (IV-act. 74-16). Diese Angaben zwingen zum Schluss,
dass die medizinische Abklärung noch gar nicht so weit hat vorangetrieben werden
können, um den psychischen Gesundheitszustand - und damit die
Eingliederungsfähigkeit - des Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erhebbar zu machen. Damit ist es aber auch
verfrüht gewesen, eine Schadenminderungspflicht im Hinblick auf eine berufliche
Eingliederung gestützt auf Art. 21 Abs. 4 ATSG abzumahnen. Daraus folgt, dass die
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Beschwerdegegnerin die Mitwirkung des Beschwerdeführers bei der Abklärung des
Sachverhalts in der Form einer Alkohol- und Drogenabstinenz hätte abmahnen (und
gegebenenfalls sanktionieren) müssen. Ob dazu eine sechs Monate dauernde
Abstinenz erforderlich gewesen wäre, steht nicht fest. Möglicherweise hätte bereits die
vom Beschwerdeführer effektiv erbrachte Abstinenz von zwei Monaten ausgereicht, um
den medizinischen Gutachtern die Abklärung des psychischen Gesundheitszustands
(und damit der Eingliederungsfähigkeit) zu ermöglichen. Die tatsächlich erbrachte
"Abstinenzleistung" lässt immerhin den Schluss zu, dass eine Abklärungsmassnahme
in der Form einer zweimonatigen Alkohol- und Drogenabstinenz zumutbar wäre. Erst
recht würde das gelten, wenn der Beschwerdeführer von Seiten seines behandelnden
Psychiaters dabei unterstützt worden wäre. Solange die Eingliederungsfähigkeit des
Beschwerdeführers nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
feststeht, weil der psychische Gesundheitszustand nicht ausreichend abgeklärt ist,
macht es keinen Sinn, im Hinblick auf eine geplante konkrete berufliche
Eingliederungsmassnahme eine langdauernde Alkohol- und Drogenabstinenz
abzumahnen. Die Beschwerdegegnerin hätte also nicht gestützt auf Art. 21 Abs. 4
ATSG die mindestens sechsmonatige Abstinenz abmahnen dürfen. Stattdessen hätte
sie gestützt auf Art. 43 Abs. 3 ATSG für eine von den medizinischen Sachverständigen
vorzugebende Dauer eine Abstinenz abmahnen können, um so eine ausreichende
Abklärung des Gesundheitszustands und damit der Eingliederungsfähigkeit zu
ermöglichen. Damit wäre die Sanktion wohl anders ausgefallen (wenn sie angesichts
der effektiven Abstinenzdauer überhaupt noch nötig gewesen wäre). Die angefochtene
sanktionsweise Abweisung des Leistungsgesuchs erweist sich somit auch aufgrund
einer materiellen Fehlerhaftigkeit als rechtswidrig.
2.
Da sich die angefochtene Verfügung vom 5. April 2011 als rechtswidrig erweist, ist sie
ersatzlos aufzuheben. Damit ist die Beschwerdegegnerin verpflichtet, das Verfahren zur
Prüfung eines Leistungsanspruchs des Beschwerdeführers weiterzuführen. Dabei steht
es ihr frei, zur Durchsetzung der Abklärungspflicht das Mahn- und Bedenkzeitverfahren
nach Art. 43 Abs. 3 ATSG einzusetzen, um eine Alkohol- und Drogenabstinenz
durchzusetzen. In Bezug auf die Verteilung der Verfahrenskosten ist von einem
vollumfänglichen Obsiegen des Beschwerdeführers auszugehen. Dieser hat deshalb
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einen Anspruch auf eine ungekürzte Parteientschädigung, die angesichts des
durchschnittlichen Vertretungsaufwands praxisgemäss auf Fr. 3'500.-- festzusetzen ist.
Die unterliegende Beschwerdegegnerin hat nicht nur für diese Parteientschädigung,
sondern auch für die Gerichtskosten aufzukommen. Die Gerichtsgebühr ist ausgehend
von einem durchschnittlichen Verfahrensaufwand praxisgemäss auf Fr. 600.--
festzusetzen. Der Kostenvorschuss im gleichen Betrag ist dem Beschwerdeführer
zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP