Decision ID: 0ea7bf17-be5d-4bf3-ac77-e90277258987
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1967,
war bis Juni 2008 bei der
Y._
AG als Gipser angestellt (Urk. 8/26) und meldete
sich am 16. Februar 2009 erstmals bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/13).
Gestützt auf ihre medizinischen und erwerblichen Abklärungen und nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
sprach
ihm
die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, mit Verfügung vom 28. März 2011 eine von August 2009 bis April 2010 befristete halbe Invalidenrente zu (Urk. 8/59).
1.2
Nach einem Unfall meldete sich der Versicherte am 13. Dezember 2011 erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/69).
Am 14. Mai 2014
leistete die IV-Stelle Kostengutsprache für ein Arbeitstraining vom 6. Mai bis 5. November 2014 (Urk. 8/110) und sprach ihm mit Verfügung vom 30. Mai 2014 für dessen Dauer Taggelder zu (Urk. 8/118).
Infolge Abbruchs des Trainings sei
tens des Versicherten widerrief die IV-Stelle a
m 3. September 2014 ihre Kosten
gutsprache sowie den Anspruch auf Taggelder per 3. Juli 2014 (Urk. 8/130) und
erklärte
die beruflichen Massnahmen
am 12. November 2014
als
abgeschlossen
(Urk. 8/150).
Der Versicherte nahm ab
Juli 2014 verschiedene Hauswartungen in Teilzeit auf (Urk. 8/212/1-24) und war vom 21. November 2016 bis 21. Januar 2017 als Gipser tätig (Urk. 8/212/25).
Nach (ergänzenden) medizinischen und erwerblichen Abklärungen und nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 19. Dezember 2016 eine von Juni 2012 bis September 2013 befristete ganze Invalidenrente zu (Urk. 8/202)
.
1.3
Am 8. November 2017 meldete sich der Versicherte wiederum zum Bezug von Invalidenversicherungsleistungen an (Urk. 8/213). Die IV-Stelle teilte ihm mit Vorbescheid vom 18. Januar 2018 mit, dass sie auf das Leistungsbegehren nich
t eintreten werde (Urk. 8/220).
Nachdem der Versicherte hiergegen am 15. Februar 2018 Einwände erhoben hatte (Urk. 8/224), ordnete
sie
eine
bidisziplinäre
Begut
achtung bei Prof.
Dr.
Z._
, Facharzt für Neurologie und Facharzt
für
Psychiatrie und Psychotherapie, und
Dr.
med.
A._
, Fach
arzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, an, welche
die
bidisziplinäre
Ges
a
mtbeurteilung
am 30. Oktober 2018 erstatteten (Urk. 8/240).
Mit Vorbescheid vom 18. Juli 2019 stellte die IV-Stelle in Aussicht, das Leistungsbegehren abzuweisen (Urk. 8/252), wogegen der Versicherte am 16. September 2019 Einwände erhob (Urk. 8/255). Mit Verfügung vom 11. No
vember 2019 verneinte die IV-Stelle den Anspruch des Versicherten auf eine Invalidenrente (Urk. 8/259 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 11. November 2019
(Urk. 2)
erhob der Versicherte am
11. Dezember 2019 Beschwerde und beantragte die Rückweisung der Sache zur erneuten Abklärung, eventuell die Ausrichtung einer Invalidenrente (Urk. 1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 30. Januar 2020 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7). Von der Möglichkeit, dem Gericht eine Replik einzureichen, machte der Beschwerdeführer keinen Gebrauch (vgl. Urk. 12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40
% besteht Anspruch auf eine Vier-
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50
% auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60
% auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70
% auf eine ganze Rente (Art.
28 Abs.
2
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG
).
1.
3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung
hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art.
87 Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn
die Voraussetzungen gemäss Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass die Vorbringen der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie be
i einem Revi
sionsfall nach Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vorzugehen (BGE
117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festge
stellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auc
h dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E.
2b
).
1.
5
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht u
m eine formelle Verfügung (Art.
49 ATSG) zu han
deln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materi
ellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f IVV auf dem W
eg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauf
folgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender
Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bun
desgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E.
3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 201
3 E.
3.1.2).
1.
6
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese abstellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Rente mit der Begründung (Urk. 2), die medizinische Beurteilung habe ergeben, dass keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes eingetreten sei und der Beschwerdeführer weiterhin in einer angepassten Tätigkeit ein rentenausschlies
sendes Einkommen erzielen könne (S. 2 oben).
Mit Beschwerdeantwort führte sie zusammengefasst aus, dass auf das von ihr eingeholte orthopädisch-psychiatri
sche Gutachten abgestellt werden könne (Urk. 7). Gemäss Gutachten bestehe aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Aus orthopädi
scher Sicht sei dem Beschwerdeführer zwar die Tätigkeit als Gipser nicht mehr zumutbar, in einer angepassten Tätigkeit bestehe dagegen auch aus orthopädi
scher Sicht eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Eine IV-relevante Veränderung des Gesundheitsstatus seit der letzten Verfügung ergebe sich nicht (S. 2 oben).
2.2
Der Beschwerdeführer wandte dagegen im Wesentlichen ein (Urk. 1), die Beschwerdegegnerin habe es in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes unter
lassen, aktuelle Berichte der behandelnden Är
zte einzuholen (S. 6 Ziff. 19).
Es sei angezeigt gewesen, nicht nur ein
bidisziplinäres
, sondern
ein
polydisziplinäres Gutachten einzuholen (S. 7 Ziff. 25). Ohnehin sei d
as
bidisziplinäre
Gutachten
a
ufgrund näher dargelegte
r
Ungereimtheiten beweisuntauglich und nicht ver
wertbar (S. 7 f. Ziff. 24 ff.). Bei der Berechnung des Invaliditätsgrades sei ein Abzug vom Tabellenlohn zu gewähren (S. 8 Ziff. 31).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob eine relevante Verschlechterung des Gesundheits
zustands des Beschwerdeführers vorliegt und ob zu de
r
en Feststellung auf das von der Beschwerdegegnerin eingeholte Gutachten abgestellt werden kann.
Fest steht,
dass die Beschwerdegegnerin auf die Neuanmeldung des Beschwerde
führers vom
8. November 2017
materiell eingetreten ist. Letztmals beurteilt wurde dessen Gesundheitszustand mit
Verfügung 19. Dezember 2016, mit welcher ihm eine befristete Rente zugesprochen wurde.
Zu prüfen ist somit, ob sich der mass
gebliche Sachverhalt zwischen de
r Verfügung vom 19. Dezember 2016
und der angefochtenen Verfügung vom
11. November 2019
in einer für den Renten
anspruch erheblichen Weise geändert hat.
3.
3.1
Laut Feststellungsblatt vom 20. Juni 2016 (Urk. 8/185) stützte sich die Beschwer
degegnerin
bei der vormaligen
Rentenprüfung
und -
zusprache
auf
die Berichte von
Dr.
B._
vom 27. Dezember 2011 (Urk. 8/73),
Dr.
C._
vom 28. Dezember 2011 (Urk. 8/74),
der Rehaklinik
D._
vom
25. Juni 2013 (Urk. 8/
97
)
, von Suva-Kreisarzt
Dr.
E._
vom 26. Mai 2014 (Urk. 8/183/178-183)
,
Dr.
B._
vom 8. Januar 2015 (Urk. 8/169) sowie
Dr.
F._
und
lic.
phil.
G._
vom 22. Februar 2015 (Urk. 8/169).
3.2
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
stellte im Bericht vom 27. Dezember 2011 (Urk. 8/73) folgende Diagnosen
(S. 1 Ziff. 1.1)
:
-
Status nach Schulterluxation rechts (Mai 2011)
-
alle Abklärungen/Kontrollen und Therapien fanden am Spital
H._
statt
-
Erstbeurteilung durch Spital
H._
(17. Mai 2011)
-
chronisches thorakal betontes
Panvertebralsyndrom
mit Rippendy
s
funk
tion
und verwies an den behandelnden Facharzt Orthopädie am Spital
H._
.
3.3
Dr.
med.
C._
, Spital
H._
, Orthopädie,
diagnostizierte im Bericht vom 28. Dezember 2011 (Urk. 8/74/5-6) eine Schultersteife bei
Supraspinatussehnen
ruptur
nach traumatischer Schulterluxation rechts (S. 1 Ziff. 1.1). Es werde sich um
eine insgesamt zeitaufwändige Rehabilitation handeln, jedoch mit guter Prog
nose (S. 1 Ziff. 1.4).
Theoretisch seien unbelastete Tätigkeiten auf oder unter Tischniveau derzei
ti
g möglich, jedoch bestehe eine zeitliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit durch Physiotherapie und Eigentherapie zur Rückgewinnung der freien passiven Gelenkbeweglichkeit (S. 1 Ziff. 1.7).
3.4
Im Austrittsbericht der Rehaklinik
D._
vom 25. Juni 2013 (Urk. 8/97)
stellte
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabili
tation
,
folgende Diagnosen (S. 1):
-
Unfall vom 17. Mai 2011
-
traumatische vordere Schulterluxation rechts
-
Hill-Sachs-Impressionsfraktur rechts
-
arthroskopische
Kapsulotomie
(16. April 2012) bei anhaltender Flexions- und Aussenrotationsbeschränkung
-
Arthroskopie Schulter rechts mit Tenotomie der Bizepssehne und
Supraspinatussehnennaht
(22. Oktober 2012)
-
Adipositas Grad I
-
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion bei psychosozialer Belastung mit Arbeitslosigkeit und psychisch kranker Ehefrau
Bei Eintritt habe der Beschwerdeführer über anhaltende, bewegungs- und positi
onsabhängige Schulterschmerzen rechts (insbesondere Armbewegungen nach vorne über der Horizontalen sowie für Seitwärtsbewegungen mit einem entspre
chenden Kraftdefizit) geklagt. Nebst intermittierenden Schmerzausstrahlungen seitlich in den gleichseitigen Ober- und Vorderarm habe er auch
über
gelegentlich auftretende Kribbelparästhesien in der rechten Hand geklagt. Klinisch imponiere vor allem eine deutlich eingeschränkte Beweglichkeit der rechten Schulter für Flexion und Aussenrotation, zudem auch für Abduktion bei gleichzeitig guter motorischer Innervation der
Rotatorenmanschettenmuskulatur
. Klinisch ergäben sich keine Hinweise auf etwaige sensomotorischen Defizite an den oberen Extre
mitäten. Konventionell-radiologisch komme die erlittene Hill-Sachs-Impressions
fraktur am rechten Humeruskopf im Vergleich zu den auswärtigen Voraufnahmen in unveränderter Weise zur Darstellung bei ansonsten röntgenologisch im Wesentlichen unauffälligen anatomischen Verhältnissen am rechten sowie auch am linken Schultergelenk
(S. 3 oben)
.
Laut dem während des stationären Aufenthalts
eingeholten
p
sychosomatisch
en Konsilium
habe der Beschwerdeführer nach der Schulterverletzung und zwei ope
rativen Eingriffen eine leicht agitiert gefärbte, reaktiv-
d
epressive Symptomatik mit traurig-deprimierter Verstimmung, anhaltender Nervosität, aggressiver Reiz
barkeit,
Gedankenkreisen mit Zukunftssorgen sowie Störungen von Schlaf und Libido entwickelt. Im sozialen Umfeld fänden sich erhebliche Belastungen durch eine psychisch kranke Ehefrau, welche einer besonderen Schonung im Alltag bedürfe. Zudem lebe auch die seit einer Rückenoperation
teilinvalide
Mutter im
selben Haus
halt und der herzkranke Vater sei vor 5 Monaten gestorben. Diagnos
tisch sei von einer Anpassungsstörung mit längerer, depressiver Reaktion bei psychosozialen Belastungsfaktoren auszugehen, wobei neben der erschwerten familiären Konstellation auch die aktuelle Arbeitslosigkeit mit ungewisser beruf
licher Zukunft eine erhebliche Rolle spiele (S. 3 unt
en).
Gesamthaft betrachtet könne man aufgrund der Diagnosen und de
r
klinischen und radiologischen Befunde die geltend gemachten Schulterbeschwerden rechts und die daraus resultierenden Funktionseinschränkungen sowohl in der Lokali
sation, als auch in der Intensität aufgrund des leistungsbereiten und konsistenten Verhaltens des Beschwerdeführers weitgehend erklären (S. 3 unten).
Die festgestellte psychische Störung begründe keine arbeitsrelevante Leistungs
minderung (zusätzlich zu den muskulos
kelettal bedingten Einschränkungen). Die Tätigkeit als Gipser
sei
nicht mehr zumutbar. Leichte bis mittelschwere Tätigkei
ten, ohne Tätigkeiten mit dem rechten Arm länger dauernd über Brusthöhe und
mit
häufig wiederholtem Krafteinsatz, seien ganztags zumutbar (S. 2 Mitte).
3.5
Gemäss Bericht von
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Orthopädie und Rheumatologie und Facharzt für Physikalische Medizin,
vom 26. Mai 2014 (Urk. 8/183/178-183) über die gleichentags erfolgte kreisärztliche Untersuchung liege nach zweimaliger Operation ein unfallbedingtes Funktionsdefizit des rech
ten Schultergelenks vor. Die vom Beschwerdeführer ausgeführte Chauffeurtätig
keit bringe keine Überlastung des operativ versorgten rechten Schultergelenkes mit sich, eine vorübergehende belastungsabhängige leichte Schmerzverstärkung sei sicher hinnehmbar und auch erklärlich. Die Verbesserung des Bewegungsum
fanges für die Aussenrotationsfähigkeit des rechten Schultergelenkes sei erfreu
lich und nicht sicher zu erwarten gewesen (S. 5 Ziff. 5).
Im Vordergrund der aktuellen Problematik stehe die psychotherapeutische Behandlung, die für beide Ehegatten durchzuführen sei (S. 6 oben).
3.6
Dr.
B._
berichtete unter Hinweis auf deutliche chronische Restbeschwerden an der rechten Schulter, dass
eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nie Teil seiner Tätigkeit als Hausarzt gewesen sei und deshalb auch keine entsprechende Abklä
rung/Beurteilung erfolgt sei. In der Tätigkeit als Gipser sei der Beschwerdeführer sicherlich nicht mehr arbeitsfähig.
3.7
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
und
lic.
phil.
G._
, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP,
diagnosti
zierten im Bericht vom 22. Mai 2015 eine Anpassungsstörung aufgrund eines schweren Unfalls (F43.23; S. 1 Ziff. 1.1). Der Beschwerdeführer sei bei ihnen von September 2013 bis Februar 2015 in ambulanter Behandlung gestanden (S. 1 Ziff. 1.2). Aufgrund des Unfalls und der langwierigen Heilungsphase mit schlech
ter Prognose habe der Beschwerdeführer während mehreren Monaten unter einer depressiven Grundstimmung gelitten. Die stark eingeschränkte Bewegungs- und Leistungsfähigkeit habe grosse Ängste und Sorgen hinsichtlich der beruflichen Zukunft und derjenigen seiner Familie ausgelöst und habe zu Stimmungsschwan
kungen geführt (S.
2 oben).
Betreffend Arbeitsfähigkeit verwiesen
Dr.
F._
und
lic.
phil.
G._
auf den Bericht von
Dr.
B._
, wonach der Beschwerdeführer nicht mehr in seinem Beruf als Gipser arbeiten könne (S. 2 Mitte).
Psychische Einschränkungen bestün
den derzeit keine (S. 3 oben)
.
Der Beschwerdeführer sei der Auffassung, dass er alles gemacht habe, was die Invalidenversicherung von ihm gefordert habe. Er habe sich zudem selbständig darum bemüht, eine zumutbare Arbeitsstelle zu finden. Aufgrund der Tatsache, dass die Invalidenversicherung ihm versprochen habe, die Finanzierung für die Wiedereingliederung bis im November zu übernehmen, sei er der Meinung, dass ihm für die Zeit vom 6. Juli bis 6. November 2014 nachträglich die bewilligte Entschädigung ausbezahlt werden sollte (S. 4 Ziff. 1.11).
4.
Der aktuelle Gesundheitszustand ergibt sich aus
den
folgenden Arztberichten:
4.1
Im Bericht vom 11. April 2017 stellte
Dr.
C._
(E. 3.3)
folgende Diagnose
(Urk. 8/217/1-2)
:
-
multiple Triggerpunkte mit
Scapuladysbalance
bei Status nach arthrosko
pischer
Supraspinatussehnennaht
durch vordere untere Schulterluxation rechts
Der Beschwerdeführer zeige aktuell multiple Triggerpunkte bei
Scapuladysba
lance
. Unter moderater Testung könne die Supraspinatussehne ordentlich ange
sprochen
werden. Es gelte primär, die Triggerpunkte abzuarbeiten.
Als
Haus
abwart
bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für die nächsten 6 Wochen.
Im Bericht vom 22. Mai 2017 (Urk. 8/217/3) nannte
Dr.
C._
folgende Diagno
sen:
-
persistierende dorsale Triggerpunkte, Verdacht auf Segmentirritation rechte Brustwirbelsäule TH6/7
-
Status nach Schulterluxation mit traumatischer
Supraspinatussehnen
ruptur
,
Tenetomie
der langen Bizepssehne (LBS)
,
Supraspinatussehnen
naht
(22. Oktober 2012)
Am 26. Mai 2017 (Urk. 8/217/4-5) berichtete
Dr.
C._
über einen Vitamin-D Mangel.
Im Bericht vom 7. Juli 2017 nannte
Dr.
C._
zu den bereits genannten Diagnosen einen Verdacht auf depressive Episode mit aktuell T
ag
-Nacht-Umkehr
.
Klinisch mache die Schulter selbst einen ordentlichen Eindruck. Beschwerden bestünden vornehmlich in der umgebenden Muskulatur.
Am 16. Oktober 2017 (Urk. 8/217/7-8) berichtete
Dr.
C._
, das durchgeführte
Arthro
-CT habe eine Durchgängigkeit der Sehne erkennen lassen. Auch sei die Kraftentwicklung in Abduktionsposition unter 90
°
als ordentlich zu bezeichnen. Es stünden extraartikuläre Probleme im Vordergrund, zu denen physiotherapeu
tisch jedoch kein Zuga
ng habe gefunden werden können.
Dr.
C._
attestierte dem Beschwerdeführer mit diversen
Arztz
eugnissen eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 10. April bis 30. September 2017 (Urk. 8/211/1-
4)
4.
2
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
diagnos
tizierte im Bericht
vom
2. Dezember 2017
(
Urk. 8/231 =
Urk. 8/227
= Urk. 8/223/1-4
)
eine
Anpassungsstörung und eine depressive Reaktion
(F43.9;
S. 3 Ziff. 1.7).
Der Beschwerdeführer sei wach, bewusstseinsklar, in allen Quali
täten ausreichend orientiert, im Kontakt offen und freundlich zugewandt, gepflegt und habe eine gute Compliance. In der Erscheinung wirke er depressiv-traurig, es bestünden Zukunftsängste, der Antrieb und die Konzentration seien gemindert, er sei unruhig und weine im Gespräch. Die Wahrnehmung sei adäquat, keine
Paranoia
, keine Halluzinationen, Denken formal und inhaltlich ohne Befund, keine Ich-Störungen, Sprache (über Dolmetscher) und Intelligenz normal, keine Suizidalität, keine Suizidgedanken, keine Zwänge (weder Gedanken noch Handlungen). Die Prognose sei günstig bei Fortführung der antidepressiven Medikation und Gesprächstherapie (1
x wöchentlich im Einzelsetting;
S. 3 oben). Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Arbeitsfähigkeit (S. 3 Ziff. 1.7).
4.
3
4.3.1
Laut dem
bidisziplinären
Gutachten, verfasst einerseits von
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Orthopädie und Facharzt für Unfallchirurgie, vom
25. Sep
tember 2018 (Urk. 8/240/97-165)
,
sowie anderseits von Prof.
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychother
a
pie, vom 28. Septem
ber 2018 (Urk. 8/240/18-95), ergänzt um die interdi
sz
iplinäre Gesamtbeurteilung vom 30. Oktober 2018 (Urk. 8/240/
2
-17)
,
liegen folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit vor (Urk. 8/240/10
Ziff. 4.2.1
):
-
endgradige Bewegungseinschränkung im Bereich des rechten Schulterge
lenks nach im Jahre 2011 erlittener traumatischer anteriorer Erstluxation mit sekundärer Schultersteife und im Jahre 2012 erfolgter
Kapsulotomie
mit
-
Einschränkung der Armseitwärtsbewegung um 60°
-
Einschränkung der Armvorwärtsbewegung um 40°
-
Einschränkung der Armaussenrotation um 20°
-
Belastungseinschrän
kung des rechten Schultergelenk
s bei initialer AC-Gelenksarthrose Grad
Kellgren
I-II
-
belastungsabhängig vermehrtes
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom bei
-
moderaten polysegmentalen
Osteochondrosen
betont bei L5/S1
-
diskreter Spondylarthrose L4/5 sowie L5/S1
-
akzentuierter Spondylo
se Th12/L1
-
diskretem Baastrup-Phänomen bei L3/L4
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter (Urk. 8/240/10-11 Ziff. 2.2.2):
-
erworbener Senk-Spreizfuss beidseits
-
k
nöchern in regelrechter Stellung konsolidierte Fraktur des rechtsseitigen fünften Mittelhandknochens nach erlittener Verletzung im Jahre 2006, gegenwärtig ohne Beschwerdevortrag sowie ohne Funktionseinschrän
kung
-
initiale diskrete
Femoropatellararthrose
der Kniegelenke mit kranialem und ventralem
Patellasporn
-
Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen (Renten
neurose; F68.0)
-
Verdacht auf spezifische (isolierte) Phobien (F40.2)
-
multiple psychosoziale Probleme mit/bei
-
Problemen in Verbindung mit Ausbildung und Bildung (Z55)
-
Problemen in Verbindung mit Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit (F56)
-
Probleme in Verbindung mit ökonomischen Verhältnissen (Z59)
-
Schwierigkeiten bei der kulturellen Eingewöhnung (unzureichende Sprachkenntnisse; Z60.3)
-
sonstigen belastenden Lebensumständen, die Familie und Haushalt negativ beeinflussen (kranke Ehefrau; Z63.7)
4.3.2
Gemäss orthopädischem Teilgutachten (Urk. 8/240/97-166) gebe der Beschwer
deführer i
n Bezug auf die
Halswirbelsäule
an, unter einer intermittierenden
cervicocephalen
Schmerzsym
pto
matik mit Exazerbation unter vermehrter Belas
tung zu leiden. Mit den Beschwerden komme er gegenwärtig gut zurecht. Im Rahmen der klinischen Untersuchung hätten sich diesbezüglich keine wesentli
chen Klopf- oder
Druckdolenzen
der Dornfortsatzreihe gezeigt. Unter Palpation der Nackenstrecker sowie der
Trapeziusränder
zeige sich beidseits kein paraver
tebraler Hartspann. Auch liessen sich keine Myogelosen abgrenzen. Sowohl in Verriegelung als auch in Entriegelung bestehe ein freies Bewegungsspiel der Hals
wirbelsäule ohne Bewegungsschmerzen. Bei der segmentalen Prüfung zeigten sich keine Anhaltspunkte für eine Blockierung im Bereich der Kopfgelenke oder der subaxialen Halswirbelsäule. Es bestehe kein
Kalottenklopfschmerz
. Die Nervenaustrittspunkte sowie die
Mastoidae
seien frei. Klinisch funktionell ergä
ben sich keine Hinweise auf eine segmentale dysfunktionale Störung im Bereich der Halswirbelsäule oder eine zervikale Nervenwurzelreizung
(
S. 56
Mitte)
.
Im Hinblick auf die Lendenwirbelsäule klage der Beschwerdeführer
über
eine per
manent anhaltende, jedoch proportional zu seinem Belastungsniveau verstärkte
lumbospondylogene
Schmerzsymptomatik mit einer gegenwärtigen Schmerzin
tensität von 4
auf der Schmerzskala (VAS)
. Im Rahmen der klinischen Untersu
chung zeige sich sowohl im Bereich des thorakolumbalen Übergangs als auch im Bereich des lumbosakralen
Übergangs keine vermehrte
Tonussteigerung
der paravertebralen Muskulatur, auch bestünden keine palpablen Myogelosen. Auch zeige sich keine etwaige segmentale Mikroinstabilität. Die LWS weise mit einem Finger-Boden-Abstand von 38 cm eine endgradige Bewegungseinschränkung auf. Ferne
r
bestehe eine Verkürzung der ischiocruralen Muskulatur (
S. 57 oben
).
Hinsichtlich der beiden oberen Extremitäten zeige sich bei Status nach im Jahre 2011 erlittener traumatischer anteriorer Erstluxation eine bekannte multidirekti
onale Bewegungseinschränkung sowie im Rahmen der radiologischen Bildgebung eine initiale AC-Gelenksarthrose. Abgesehen davon zeige sich beim Beschwerde
führer eine freie Mobilität sowohl der grossen als auch der kleinen Gelenke, bei allseits stabiler
ligamentärer
Gelenkführung (
S. 57
Mitte).
Hinsichtlich der beiden unteren Extremitäten zeige sich eine initial beidseitige, jedoch insbesondere rechtsseitig betonte
Femoropatellararthrose
mit einem
ventrokranialen
Fersensporn jedoch ohne Bewegungseinschränkung sowie ohne manuell auslösbare
s
Hyperkompressionssyndrom. Abgesehen davon zeige sich eine freie Mobilität sowohl der grossen als auch der kleinen Gelenke, bei allseits stabiler
ligamentärer
Gelenkführung (
S. 58
oben).
Im Rahmen der orthopädisch-neurologischen Untersuchung zeige sich sowohl im Bereich der beiden oberen als auch der beiden unteren Extremitäten eine unein
geschränkte Sensomotorik bei seitengleich symmetrischem, uneingeschränkte
m Reflexverhalten (
S. 58
Mitte).
Die festgestellten wesentlichen Gesundheitsstörungen auf orthopädisch-
c
hirurgi
schem Fachgebiet ergäben beim Beschwerdeführer die nachfolgenden Leistungs
einschränkungen in qualitativer Hinsicht
(
S. 62
Mitte)
:
-
Schwerst- und Schwerarbeiten
-
ständige mittelschwere Arbeiten
-
Heben und Tragen von Lasten körperfern über 10 kg ohne technische Hilfsmittel
-
Heben und Tragen von Lasten körpernah über 20 kg ohne technische Hilfsmittel
-
repetitive stereotype Bewegungsabläufe
-
Tätigkeiten mit vermehrter Vibrationsbelastung
-
Tätigkeiten mit Rotation der
Brustwirbelsäule
und der
Lendenwirbelsäule
im Sitzen und Stehen mit Gewichtsbelastung
-
Tätigkeiten mit Pressen oder Stemmen, welche zu einer intraspinalen Druckerhöhung führen
-
mehr als gelegentliches Heben von Lasten über die Horizontale (
Hyper
lordosierung
der
Lendenwirbelsäule
)
-
Tätigkeiten mit länger währender Einnahme einer stehenden Körperposi
tion
-
Tätigkeiten, welche überwiegend kniend, stehend sowie im
Hocksitz
durchgeführt werden
-
Tätigkeiten, welche ein mehr als gelegentliches kraftvolles Stossen, Zug- und Drehbewegungen, axiales Abstützen, Vibrationen, Schläge sowie repetitives kräftiges Zupacken im Bereich des rechten Armes/Schultergelenkes bedingen
-
repetitive Drehbewegungen im Bereich der rechten Schulter bei gleichzei
tigem Anheben von Gegenständen über 1.5 kg (Tätigkeit an einem Förderband)
-
Tätigkeiten im Freien ohne Schutz vor Kälte, Zugluft, Nässe sowie Tätig
keiten auf regen- und eisglattem Untergrund
-
Tätigkeiten unter Zeitdruck und Akkordarbeit
Der Beschwerdefüh
r
er k
önne
die schwere körperliche Tätigkeit als Gipser seit dem Unfall im Mai 2011 nicht mehr ausführen (Urk. 8/240/161 Ziff. 1). Unter Wah
rung
der
dargelegten Schonkriterien bestehe für eine schultergelenks- und
rückenadaptierte Tätigkeit mit intermittierender stehender, gehender und sitzen
der Körperposition aus orthopädisch-versicherungsmedizinischer Sicht bezogen auf ein volles Pensum eine quantitativ unlimitierte Arbeitsfähigkeit von 100 % entsprechend einer ganztägigen Anwesenheit (
S. 65
Ziff. 2).
4.3.3
Laut psychiatrischem Teilgutachten (Urk. 8/240/18-95) sei i
m psychiatrischen Untersuch ein Beschwerdeführer angetroffen worden, der ganz vordergründig über psychosoziale Probleme als Folge seines Unfalls vom Mai 2017 klage. Er habe in leicht agitierter, ausgesprochen fordernder, latent-aggressiver Weise sein Missfallen vorgetragen, dass man ihn für den erlittenen Unfall nach seiner sub
jektiven Vorstellung finanziell nicht ausreichend entschädigt habe. Er beklage seine berufliche
Perspektivelosigkeit
, die auch gemäss seinem persönlichen Vor
trag auf seinem unzureichenden schulischen und beruflichen Ausbildungsstand und seine
n
unzureichenden Deutschkenntnissen beruhe. Ein Rentenbegehren werde unverhüllt formuliert und in der Exploration zahlreiche Male fordernd vorgetragen (
S. 68
oben).
Aus gutachterlicher Sicht sei die Diagnose einer Entwicklung körperlicher Symp
tome aus psychischen Gründen (Rentenneurose; F68.0) zu stellen. Beim Beschwerdeführer sei ein aufmerksamkeitssuchendes Verhalten mit unspezifi
schen Beschwerden nicht körperlichen Ursprungs vorliegend. Die diagn
o
stischen Kriterien sähen vor, dass ein Patient durch seine Schmerzen oder die Behinderung beeinträchtigt und von möglicherweise berechtigten Sorgen über eine länger andauernde oder zunehmende Behinderung oder Schmerzen beherrscht werden, was beim Beschwerdeführer definitiv vorliege. Unzufriedenheit über das Ergebnis der Behandlung oder andere mit der Krankheit verbundene Faktoren könnten ebenfalls - wie beim Beschwerdeführer - motivierende Faktoren für die Störung sein. Auch schienen einige Personen durch die Möglichkeit, eine finanzielle Entschädigung nach Unfällen oder Verletzungen zu erhalten, motiviert zu sein, was
vom Beschwerdeführer in der Exp
loration mehrfach eingefordert worden sei (
S. 68 unten
).
Der Beschwerdeführer habe über «
claustrophobische
» Symptome berichtet und angegeben, dass er panikähnliche Symptome bekäme, wenn er «in die Röhre» müsse. Aufgrund der medizinischen Akten sei dokumentiert, dass der Beschwer
deführer seit Januar 2014 keinen entsprechenden Untersuchungen mehr ausge
setzt gewesen sei und in den Untersuchungen vom November
2011 (MR der Schulter) und von Januar 2014 keine
claustrophobischen
Ängste dokumentiert seien. Auch der behandelnde Psychiater habe nicht (soweit lesbar) darüber berichtet. Darauf
angesprochen, habe der Beschwerdeführer geantwortet, dass er dieses Symptom bisher beim behandelnden Psychiater nicht thematisiert habe (
S. 69
Mitte).
Die Diagnose einer Schmerzverarbeitungsstörung stelle sich nicht. Insofern eine Diskrepanz zwischen den
g
eklagten Beschwerden und den somatischen Befunden vorlägen, seien diese als verdeutlichend
einzuordnen (
S. 69
unten).
In der Abgrenzung der Psychopathologie zu der Diagnose eines Schlafapnoesyn
droms sei davon auszugehen, dass die
g
eklagte anhaltende Müdigkeit der soma
tischen Erkrankung zuzuordnen sei (
S. 70
oben).
D
as psychiatrische Störungsbild des Beschwerdeführers werde dominiert durch multiple psychosoziale Belastungsfaktoren (
S. 70
oben).
Aus rein psychiatrischer Sicht
lägen
beim Beschwerdeführer seit Antragstellung keine psychiatrischen Störungen mit anhaltender Wirkung auf die mittel- und langfristige Arbeitsfähigkeit vor.
Die Standardindikatoren fänden sich bei einer ergebnisoffenen medizinischen Prüfung als überwiegend negativ. Es sei dem Beschwerdeführer zumutbar, die Schmerzen und die Folgen der ganz überwie
gend durch psychosoziale Faktoren dominierten Psychopathologie aus medizini
scher Sicht zu überwinden. Die Ressourcenlage sei dennoch dünn. Die Prognose der Störung werde davon abhängen, wie gut die psychosozialen Belastungs
faktoren bei mässigen Sprachkenntnissen, unzureichender beruflicher Qualifika
tion und Langzeitarbeitslosigkeit überwunden werden könnten (S. 75 Ziff. 7.4).
4.5
Dr.
B._
(E. 3.2)
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, berichtete am 30. September 2019 (Urk. 3), dass der Beschwerdeführer wegen beidseitige
r
Schulterbeschwerden schulterbelastende Tätigkeiten wie beispielsweise Maler- und Gipserarbeiten sowie Tätigkeiten über Schulterhöhe absolut meiden sollte. An der rechten Schulter bestehe eine deutlich eingeschränkte Belastbarkeit bei Status nach Sehnenoperation 2012 nach einer
Supraspinatussehnenruptur
nach Schulterluxation. An der linken Schulter lägen deutliche Zeichen einer Sehnen
reizungserkrankung der Schultersehnen vor.
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin ging bei der befristeten
Rentenzusprache
von Juni 2012 bis September 2013 davon aus, dass der Beschwerdeführer nach dem Unfall vom 17. Mai 2011 in jeder Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig war. Gestützt auf den Austrittsbericht der Rehaklinik
D._
(E. 3.4) kam sie zum Schluss, dass nach Abschluss der stationären Rehabilitation eine vollständige Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit seit Juni 2013 vorlag (vgl. Feststel
lungsblatt
vom 20. Juni 2016 (Urk. 8/185 S. 7 unten und S. 9 Mitte).
Damals imponierte
gemäss
Dr.
I._
der Rehaklinik
D._
vor allem eine deutlich eingeschränkte Beweglichkeit der rechten Schulter für Flexion und Aus
sen
rotation sowie für Abduktion bei gleichzeitig guter motorischer Innervation der
Rotatorenmanschettenmuskulatur
.
Entsprechend dem eingeholten psychoso
ma
ti
schen Konsilium
hielt
Dr.
I._
fest
, dass diagnostisch von einer Anpas
sungsstörung mit längerer, depressiver Reaktion bei psychosozialen Belas
tungs
faktoren auszugehen war, welche allerdings keine arbeitsrelevante Leistungs
min
derung begründete. Der Beschwerdeführer nahm nach dem Rehabi
li
tationsauf
enthalt dennoch eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung auf, welche im Februar 2015 abgeschlossen wurde. Die behandelnde Psychologin und Psychotherapeutin (E.
3.7) verneinten indessen das Vorliegen psychischer Einschränkungen.
5.2
Anlässlich der aktuellen Untersuchung
fanden
die Gutach
ter
Dr.
A._
und Prof.
Z._
(E.
4.3.1)
eine endgradige Bewegungseinschränkung des rechten Schul
tergelenks, eine Belastungseinschränkung des rechten Schultergelenks sowie ein belastungsabhängig vermehrtes
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom. In psy
chiatrischer Hinsicht gingen sie von multiplen psychosozialen Problemen aus. Sie kamen zum Schluss, dass der Beschwerdeführer
aus orthopädischer Sicht
in der bisherigen Tätigkeit weiterhin zu 100 % arbeitsunfähig sei, in einer
schulterge
lenks
- und rückenadaptierten wechselbelastenden Tätigkeit attestierten sie ihm eine vollständige Arbeitsfähigkeit
(E. 4.3.2)
.
In psychiatrischer Hinsicht beschei
nigten sie dem Beschwerdeführer eine vollständige Arbeitsfähigkeit (E. 4.3.3).
Das Gutachten von
Dr.
A._
und Prof.
Z._
erfüllt die formalen Beweis
wert-
Kriterien
(
E. 1.
6
) ohne weiteres, ist es doch für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berüc
ksichtigt auch die geklagten Be
schwerden und wurde
es
in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben. Darüber hinaus leuchtet es in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und enthält nachvollziehbar begründete Schlussfolgerungen, so dass
darauf abgestellt werden kann.
5.3
Der Beschwerdeführer machte am 8. November 2017 unter Hinweis auf körperli
che und psychische Beschwerden eine Verschlechterung seines Gesundheitszu
standes geltend (Urk. 8/213), worauf ihn die Beschwerdegegnerin aufforderte, die gesundheitliche Verschlechterung mit Beweismitteln (ärztliche Bestätigung, Spitalbericht usw.) glaubhaft zu machen (Urk. 8/215).
Der Beschwerdeführer reichte daraufhin die Sprechstundenberichte von
Dr.
C._
(E. 4.1) ein, wovon der letzte vom 16. Oktober 2017 datierte. Mit Vorbescheid vom 18. Januar 2018 stellte die Beschwerdegegnerin in Aussicht, auf das Leistungsbegehren nicht ein
zutreten,
wogegen der Beschwerdeführer
am
15. Februar 2018 Einwände erhob (Urk. 8/
224)
und nochmals die Sprechstundenberichte von
Dr.
C._
und neu den Bericht von
Dr.
J._
vom 2. Dezember 2017 (E. 4.2) einreichte
. Im Rahmen des
Einwandverfahrens
ordnete die Beschwerdegegnerin die Begutachtung des Beschwerdeführers an (Urk. 8/234). Zu diesem Zeitpunkt lagen der Beschwerde
gegnerin aktuelle Berichte der behandelnden Fachärzte vor, weshalb für sie damals kein Grund bestand, weitere aktuellere Berichte einzuholen. Wenn sich der Beschwerdefüh
r
er auf den Standpunkt stellt
e
, die Beschwerdegegnerin habe sich im Verfügungszeitpunkt auf knapp 3-jährige und ältere Berichte gestützt, verk
annte
er, dass die Beschwerdegegnerin zur Klärung des Sachverhalts ein Gut
achten eingeholt hat, in dessen Rahmen der Beschwerdeführer untersucht worden ist. Sein Einwand, die Beschwerdegegnerin habe ihrem Entscheid einen nicht mehr aktuellen medizinischen Sachverhalt zu
grunde gelegt, geht daher fehl, dies umso mehr
,
als er nicht geltend machte, sein Gesundheitszustand hätte sich seit der Begutachtung verschlechtert
.
E
ine Verschlechterung des Gesundheitszustan
des
ist denn
auch nicht
dem beschwerdeweise eingereichten Bericht des Haus
arztes
vom 30. September 2019 (E. 4.5), worin lediglich eine eingeschränkte Belastbarkeit der Schultern bescheinigt wurde,
zu entnehmen
.
5.4
Es existieren keine festen Kriterien zur allgemeingültigen Abgrenzung der Anwendungsfelder der verschiedenen Kategorien von Expertisen. Die grosse Viel
falt von Begutachtungssituationen erfordert Flexibilität. In groben Zügen jedoch lassen sich die jeweiligen Einsatzbereiche wie folgt umreissen: Die umfassende administrative Erstbegutachtung wird regelmässig polydisziplinär und damit zufallsbasiert anzulegen sein. Eine polydisziplinäre Expertise ist auch dann einzuholen, wenn der Gesundheitsschaden zwar bloss als auf eine oder zwei medi
zi
nische Disziplinen fokussiert erscheint, die Beschaffenheit der Gesund
heits
prob
lematik aber noch nicht vollends gesichert ist. In begründeten Fällen kann von einer polydisziplinären Begutachtung abgesehen und eine mono- oder
bidiszipli
näre
durchgeführt werden, sofern die medizinische Situation offenkundig ausschliesslich ein oder zwei Fachgebiete beschlägt; weder dürfen weitere inter
disziplinäre Bezüge (z.B. internistischer Art) notwendig sein (zur Interdisziplina
rität der Begutachtung vgl. BGE 137 V 210 E.
1.2.4) noch darf ein besonderer arbeitsmedizinischer bzw. eingliederungsbezogener Klärungsbedarf bestehen. Diese Voraussetzungen werden vor allem bei Verlaufsb
egutachtungen erfüllt sein
(BGE 139 V 349 E. 3.2)
.
Der Beschwerdeführer machte eine Verschlechterung seines von der Beschwerde
gegnerin schon zweimal abgeklärten Gesundheitszustandes geltend, weshalb es vorliegend um die Abklärung des Verlaufs ging. Weder aus den Akten der frühe
ren Verfahren noch aus den der Beschwerdegegnerin zur Verfügung gestandenen
aktuellen
Arztberichte
n
ergaben sich Anhaltspunkte, dass die medizinische Situ
ation neben der Orthopädie und der Psychiatrie weitere Fachgebiete beschlägt
, weshalb die Anordnung einer
bidisziplinären
Begutachtung vollauf genügte
. Der Beschwerdeführer machte den auch nicht geltend, auf welche
n weiteren
Fach
gebiet
en
Untersuchungen
hätten vorgenommen
werden müssen.
5.5
Anzeichen für eine
Verschlechterung des Gesundheitszustands erg
eben
sich auch nicht aus dem
Bericht von
Dr.
J._
(E. 4.2)
, worin
eine
Anpassungsstörung und
eine
depressive Reaktion
diagnostiziert wurde
n
.
Ein verschlechterter Gesund
heitszustand lässt sich insbesondere nicht bereits daraus ableiten, dass
Dr.
J._
von einer
100
%
igen Arbeitsfähigkeit in
allen
Tätigkeit
en
ausging
. W
ie
aus
dem Bericht von
Dr.
F._
und
lic.
phil.
G._
(E. 3.7) hervorgeht
, diagnosti
zierten auch sie
seinerzeit
eine Anpassungsstörung
.
Angesichts des
festgehalte
nen
Psychostatus, den sie mit einer depressiven Grundstimmung, grossen Ängs
ten und Sorgen hinsichtlich der beruflichen und familiären Zukunft sowie Stimmungsschwankungen und massive
n
Schlafstörungen beschreiben
hatten
, handelt es sich bei der von
Dr.
J._
attestierten Leistungseinschränkung um eine andere Beurteilung des in etwa gleichgebliebenen Sachverhalts
, stimmt doch
der von ihm erhobene Psychostatus - depressiv-traurige Erscheinung, Zukunftsängste und Schlafstörungen - im Wesentlichen mit dem von
Dr.
F._
und
lic.
phil.
G._
erhobenen
überein.
Angesichts dessen
ist damit nicht zu beanstan
den, dass
Prof
.
Z._
von einem unveränderten psychischen Gesundheitszu
stand des Beschwe
rdeführers ausging.
Mit ihm ist davon auszugehen, dass in psychiatrischer Hinsicht von keiner Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit aus
zugehen ist. Damit erübrigt sich auch die Durchführung des strukturierten Beweisverfahrens (vgl. BGE
143 V 409 E. 4.5.3).
5.6
Nach dem Dargelegten
ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin eine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers verneint hat. Da sich gemäss Aktenlage auch die erwerblichen Auswirkungen
der Gesundheitseinschränkung
in der Zwischenzeit nicht derart geändert haben, dass nunmehr ein Anspruch auf eine Invalidenrente entstanden ist, und dies vom Beschwerdeführer auch nicht geltend gemacht wird, hat die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf eine Invalidenrente zu Recht verneint, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.
anzusetzen. Ent
sprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
m
unterliegenden Beschwer
deführer aufzuerlegen.