Decision ID: ee6a116c-7f5c-55b8-9d43-bc20526adba4
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 7. Februar 2014 aufgrund eines
im _ 2013 bei ihr diagnostizierten Brustkrebs bzw. dessen Behandlung (vgl. dazu IV-
act. 62 S. 68 ff.) erstmals bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen (nachfolgend: IV-
Stelle) zum Bezug von Hilfsmitteln an (IV-act. 1). Am 28. Februar 2014 leistete die IV-
Stelle eine Kostengutsprache für eine Perücke oder einen anderen Haarersatz (act. IV-
act. 6).
A.a.
Am _ September 2014 trat die Versicherte aufgrund einer zunehmenden
depressiven Entwicklung in die Klinik B._ ein. Im Vordergrund der Behandlung
standen die starke Erschöpfung der Versicherten, eine Neuanpassung eigener
Leistungsansprüche und Belastungsgrenzen sowie eine Partnerschaftsproblematik. In
einem Bericht über den bis am _ Dezember 2014 dauernden stationären Aufenthalt
nannten die behandelnden Fachspezialisten als Diagnosen eine mittelgradige
depressive Episode sowie einen Status nach invasiv-duktalem Mammakarzinom rechts
(IV-act. 50 S. 13 ff.). Vom _ Februar bis _ April 2016 folgte ein stationärer Aufenthalt
in der Klinik C._. Im Austrittsbericht nannten die behandelnden Fachspezialisten als
Hauptdiagnose eine mittelgradige depressive Episode. Sie bescheinigten der
Versicherten bis zwei Wochen über den stationären Aufenthalt hinaus eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 50 S. 16 ff.).
A.b.
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Am 26. April 2016 meldete sich die Versicherte erneut bei der IV-Stelle an; dieses
Mal zum Bezug von beruflichen Massnahmen und Rentenleistungen. Sie gab an, neben
der Krebserkrankung auch an einer starken psychischen Belastung,
Konzentrationsproblemen, einer Fatigue und verstärkten Rückenschmerzen aufgrund
einer "geöffneten Rippe" zu leiden (IV-act. 7). Am 23. Mai 2016 berichteten die
behandelnden Ärzte des Zentrums D._ über eine Sprechstunde vom 4. Mai 2016. Als
Diagnosen nannten sie ein invasiv-duktales Mammakarzinom rechts nach Nipple-
sparing Mastektomie rechts, Sentinellymphonodektomie rechts und
Expanderprothesen-Implantation im _ 2013, adjuvanter Chemotherapie mit vier Zyklen
im _ bis _ 2014, adjuvanter endokriner Therapie ab _ 2014 und Brustrekonstruktion
im _ 2014, eine Osteoporose sowie eine Depression. Weiter führten sie aus, dass
klinisch und bildgebend derzeit kein Hinweis auf ein Tumorrezidiv oder ein
Zweitkarzinom bestehe. Bei recht guter Verträglichkeit der adjuvanten endokrinen
Therapie empfahlen sie deren Weiterführung (IV-act. 50 S. 11 f.). In einem gleichentags
verfassten Bericht zu Handen der IV-Stelle hielten die Ärzte fest, dass ihrerseits bisher
keine Arbeitsunfähigkeit bescheinigt worden sei, da die Versicherte keiner beruflichen
Tätigkeit nachgehe. Während der Behandlung des im _ 2013 diagnostizierten
Mammakarzinoms habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Anlässlich der
Brustrekonstruktion im _ 2014 sei nochmals eine kurzzeitige höhergradige
Arbeitsunfähigkeit von einem bis drei Monaten gegeben gewesen. Ab _ 2014 werde
eine adjuvante endokrine Therapie durchgeführt, die von der Versicherten gut toleriert
werde und die deren Arbeitsfähigkeit nicht einschränke. Somit bestehe aus
onkologischer Sicht seit etwa Juli 2014 keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr
(IV-act. 17).
A.c.
Am 2. November 2016 fand ein Assessmentgespräch mit einer
Eingliederungsverantwortlichen der IV-Stelle bei der Versicherten zu Hause statt. Im
entsprechenden Protokoll hielt die Eingliederungsverantwortliche fest, dass sich die
Versicherte aktuell nicht arbeitsfähig fühle, da sie schon nicht alle zurzeit anfallenden
Erledigungen schaffe. Die Versicherte habe angegeben, dass sie sich vorstellen könne,
einem Arbeitspensum von 50 % nachzugehen, wenn es ihr besser gehe. Weiter hielt
die Eingliederungsverantwortliche im Protokoll ihren Eindruck fest, dass die Versicherte
überfordert, verunsichert und aus psychischer Sicht noch instabil sei. Die Versicherte
A.d.
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scheine sich aber auf dem richtigen Weg zu befinden. Eingliederungsmassnahmen
könnten zum jetzigen Zeitpunkt mehr überfordern als zielführend sein (IV-act. 35). Am
8. November 2016 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass das Begehren um
berufliche Massnahmen abgewiesen werde, da diese sich aktuell aus gesundheitlichen
Gründen nicht in der Lage fühle, an Eingliederungsmassnahmen mitzuwirken (IV-
act. 37).
In einem Bericht an die IV-Stelle vom 5. Dezember 2016 führten die behandelnden
Fachspezialisten des Psychiatrie-Zentrums E._ aus, dass die Versicherte schon seit
dem 29. August 2014 im Zentrum in ambulanter Behandlung sei. Als Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie eine Anpassungsstörung mit einer
längeren depressiven Reaktion bei invasiv-duktalem Mammakarzinom rechts sowie ein
Fatigue-Syndrom. Die Fatigue und die Depression wirkten sich bei der Arbeit durch
eine stark verminderte Belastbarkeit und eine stark erhöhte Ermüdbarkeit aus. Die
bisherige Tätigkeit im Haushalt sei der Versicherten unter günstigen Umständen zu 50
% möglich, wobei diese die Ruhepausen selbst müsse bestimmen können. Ob die
Versicherte ihre Arbeitsfähigkeit wiedererlangen werde, lasse sich zum jetzigen
Zeitpunkt nicht prognostizieren, da ein Fatigue-Syndrom bei Krebspatienten nach
Wochen remittieren, über Jahre anhalten oder chronisch bestehen bleiben könne. Seit
sie die Versicherte kennen würden, sei diese aus psychiatrischer Sicht ausser Stande,
im ersten Arbeitsmarkt zu arbeiten (IV-act. 47).
A.e.
In einem Fragebogen der IV-Stelle zur Rentenabklärung gab die Versicherte am
21. Dezember 2016 an, dass sie ohne Behinderung seit _ 2016 eine Erwerbstätigkeit
im Umfang von 100 % ausüben würde, da sie sich von ihrem Ehemann getrennt habe
und sich scheiden lassen werde. Auch seien die Kinder mittlerweile volljährig (IV-
act. 48).
A.f.
Am 30. Dezember 2016 berichtete der Hausarzt Dr. med. F._, Allgemeine Innere
Medizin, dass die Versicherte sich in vielen Dingen überfordert fühle, schnell ermüde
und an chronischen Schmerzen leide. In der Ehe bestehe eine chronische
Beziehungsproblematik, die sich bis zur Trennung im Jahr 2016 zugespitzt habe. Die
Versicherte sei im Haushalt und mit den Kindern überfordert. Im _ 2013 sei die
Versicherte an Krebs erkrankt, wodurch sich ein chronisches Müdigkeitssyndrom
A.g.
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entwickelt habe. Auch hätten sich Depressionen und chronische Rückenschmerzen
entwickelt. Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte Dr. F._ ein
invasiv-duktales Mammakarzinom rechts (Erstdiagnose _ 2013), eine Osteoporose, ein
chronisches lumbovertebrales und lumbosacrales Schmerzsyndrom bei
Spondylolisthesis L5, eine rezidivierende Migräne, ein chronisches Müdigkeitssyndrom,
eine mittelgradige depressive Episode sowie eine psychosoziale Belastungssituation im
Familienkreis. Die Versicherte sei in ihrem bisherigen Tätigkeitbereich als Hausfrau seit
_ 2013 zu 50 bis 60 % eingeschränkt (IV-act. 50 S. 1 ff.).
Am 16. Januar 2017 führten die behandelnden Ärzte des Zentrums D._ aus,
dass sich anlässlich der Sprechstunde vom 9. Januar 2017 klinisch und bildgebend
kein Hinweis auf ein Tumorrezidiv oder ein Zweitkarzinom gezeigt habe. Bei recht guter
Verträglichkeit der adjuvanten endokrinen Therapie werde deren Weiterführung
empfohlen. Die leichten Hitzewallungen würden von der Versicherten gut toleriert. Im
Vordergrund stehe weiterhin die Depression, auch wenn der Versicherten der
stationäre Aufenthalt in der Klinik C._ sehr gut getan habe (IV-act. 62 S. 77 f.).
A.h.
Am 12. April und 19. Mai 2017 wurde die Versicherte im Auftrag der IV-Stelle von
der SMAB AG polydisziplinär (psychiatrisch, onkologisch, orthopädisch/
traumatologisch und internistisch) untersucht (IV-act. 62 S. 1 ff.). In ihrem
polydisziplinären Konsens hielten die Gutachter die folgenden Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest: Eine Anpassungsstörung mit einer längeren
depressiven Reaktion und ein Fatigue-Syndrom, am ehesten bei einem behandelten
Mammakarzinom entsprechend einer cancer-related Fatigue (IV-act. 62 S. 10).
Zusammenfassend kamen die Gutachter zum Schluss, dass die Arbeitsfähigkeit der
Versicherten aus psychiatrischer Sicht sowohl in der angestammten als auch in einer
Verweistätigkeit um 50 % eingeschränkt sei. Aus onkologisch-somatischer Sicht sei die
Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und in einer Verweistätigkeit durch die cancer-related
Fatigue um 50 % vermindert. Auch bestünden deutliche Symptome einer verstärkten
Ermüdbarkeit, die durch die depressive Störung verursacht sei. Die beiden 50%igen
Einschränkungen seien nicht zu addieren. Vielmehr sei eine integrale Betrachtung
vorgenommen worden, die zu einer gesamthaften Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
um 50 % führe. Im Rahmen der 50%igen Arbeitsfähigkeit sei die Versicherte in der
Lage, körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten im Gehen, Stehen oder Sitzen
A.i.
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durchzuführen. Arbeiten mit dem rechten Arm über Kopfhöhe seien ungeeignet. Der
rechte Arm sei zu schonen. Die Tätigkeit als Hausfrau müsse bereits als eine
leidensadaptierte Tätigkeit angesehen werden. Bis zur Tumorerkrankung habe eine
normale Arbeitsfähigkeit bestanden. Während der chirurgischen und
chemotherapeutischen Therapie mit anschliessender Rekonvaleszenz (_ 2013 bis Juni
2014) habe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Die cancer-related Fatigue
bewirke seither eine Verminderung der Arbeitsfähigkeit um 50 %. Die Einschränkungen
aus dem psychiatrischen Fachgebiet bestünden seit dem 28. September 2014 (IV-
act. 62 S. 11 ff.).
In einem Schreiben vom 6. Juli 2017 stellte die IV-Stelle der Versicherten
verschiedene Fragen (IV-act. 64). Namentlich wollte die IV-Stelle von der Versicherten
wissen, in welchem Pensum diese zurzeit bei voller Gesundheit erwerbstätig wäre.
Dabei wies die IV-Stelle die Versicherte darauf hin, dass letztere am 2. November 2016
gegenüber der Eingliederungsberaterin ein Wunschpensum von 50 % angegeben
habe, während sie im Fragebogen ausgeführt habe, im Gesundheitsfall würde sie in
einem 100 % Pensum arbeiten. Die IV-Stelle bat die Versicherte, ihre diesbezügliche
Aussage ausführlich zu begründen (IV-act. 64). Die Versicherte beantwortete die
verschiedenen Fragen in einer E-Mail vom 27. Juli 2017 (IV-act. 68 i.V.m. 70). Sie führte
im Wesentlichen aus, dass sie an Eingliederungsmassnahmen sehr interessiert sei.
Leider sei sie dazu aus gesundheitlichen Gründen noch nicht fähig. Ihr
Gesundheitszustand habe sogar einen erneuten dreiwöchigen Klinikaufenthalt im
Zentrum G._ (vgl. IV-act. 67) im _ 2017 notwendig gemacht. Am _ 2016 sei sie in
eine neue Wohnung umgezogen. Sie sei mit der neuen Wohn- und Lebenssituation, der
finanziellen Ungewissheit sowie der Trennung von ihrem Mann überfordert gewesen.
Allgemein sei es schwierig, sich vorzustellen, was im Gesundheitsfall wäre. Im Verlauf
ihrer neuen Wohn- und Lebenssituation habe sich aber herausgestellt, dass sie aus rein
finanziellen Gründen 100 % arbeiten müsste. Da sie noch immer krankgeschrieben sei,
habe sie keine Bewerbungen geschrieben. Auch habe sie sich noch nicht beim
Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) gemeldet, da sie noch immer zu 100 %
arbeitsunfähig geschrieben sei (IV-act. 70).
A.j.
Am 9. November 2017 führte eine Abklärungsperson der
Sozialversicherungsanstalt (SVA) Zürich eine Haushaltsabklärung bei der Versicherten
A.k.
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durch (IV-act. 77 S. 3). Im entsprechenden Bericht vom 30. November 2017 (IV-act. 77
S. 3 ff.) hielt die Abklärungsperson fest, dass die Versicherte anlässlich der Abklärung
ausgeführt habe, sie sehe die ihr gutachterlich attestierte Arbeitsfähigkeit von 50 %
nicht konkret, weil sie mit ihrer persönlichen und gesundheitlichen Situation beschäftigt
sei. Die Fatigue sei allgegenwärtig, weshalb sie auch nicht auf den Gedanken
gekommen sei, sich beim RAV anzumelden. Finanziell komme sie aktuell mit den
Unterhaltszahlungen des Mannes über die Runden, jedoch stehe eine Kürzung dieser
Zahlungen ihres Ehemannes im Raum. Demnach würde sie heute sicher teilzeitlich
arbeiten, wenn sie belastbar wäre. Spätestens nach der physischen Trennung vom
Ehemann hätte sie wieder mit einer Arbeit beginnen müssen, um unabhängiger zu sein.
Finanziell sei dies nicht dringend notwendig gewesen. Aufgrund dieser Ausführungen
ging die Abklärungsperson davon aus, dass die Versicherte im Abklärungszeitpunkt im
Gesundheitsfall zu 50 % erwerbstätig wäre, da sie auf eine solche Erwerbstätigkeit
angewiesen wäre, um zusammen mit den Unterhaltszahlungen leben zu können.
Gleichzeitig führte die Abklärungsperson im entsprechenden Bericht aus, dass die
Versicherte zu 100 % werde arbeiten müssen, wenn die Unterhaltszahlungen später
ganz aufgehoben würden. Die Versicherte habe angegeben, dass sie im Falle einer
weiteren Kürzung des Unterhaltes auf ein höheres Berufseinkommen angewiesen wäre
(IV-act. 77 S. 6). Gestützt auf die Angaben der Versicherten und unter Berücksichtigung
einer Schadenminderungspflicht ermittelte die Abklärungsperson eine Einschränkung
im Haushalt von 12.1 % bzw. entsprechend einer hälftigen Gewichtung in der Annahme
einer 50%igen Erwerbstätigkeit von 6.05 % (IV-act. 77 S. 6 ff.).
In einer Stellungnahme vom 1. Februar 2018 führte der regionale ärztliche Dienst
(RAD) aus, dass die in der Haushaltsabklärung festgestellten Einschränkungen insofern
nachvollziehbar seien, als im Abklärungsbericht wiederholt davon ausgegangen
worden sei, dass die Versicherte über eine freie Zeiteinteilung verfüge und die Arbeiten
in Etappen erledigen könne. Bei der Annahme einer 50%igen Erwerbsfähigkeit treffe
dies noch knapp zu. Bei einer höheren Erwerbsfähigkeit stelle sich die Frage nach der
Einschränkung im Haushalt nicht mehr. Auch sei die Differenz zur gutachterlichen
Einschätzung dadurch zu erklären, dass in der Haushaltsabklärung wiederholt eine
Schadenminderungspflicht durch den im Haushalt lebenden [...] bzw. andere
Angehörige berücksichtigt worden sei (IV-act. 78). Aus dem vom Zentrum G._
A.l.
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eingeholten Austrittbericht (vgl. IV-act. 67) ergebe sich keine neue Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 78).
Mit einem Vorbescheid vom 23. April 2018 stellte die IV-Stelle der Versicherten
die Abweisung des Rentenbegehrens bei einer Einschränkung von 50 % in der
Erwerbstätigkeit und 12 % im Haushalt bei der Qualifikation der Versicherten als
Teilerwerbstätige im Umfang von 50 % sowie einem daraus resultierenden
Invaliditätsgrad von 31 % in Aussicht (IV-act. 82). Gegen diesen Vorbescheid wendete
die Versicherte am 8. Mai 2018 bzw. am 21. Juni 2018 ein, dass sie als gesunde und
alleinlebende Frau 100 % arbeiten müsste und wollte. Die Annahme einer 50%igen
Erwerbstätigkeit sei falsch, weshalb die IV-Stelle die Berechnung des Invaliditätsgrades
zu Unrecht anhand der gemischten Methode vorgenommen habe. Ihr sehnlichster
Wunsch sei, wieder ein selbständiges und finanziell unabhängiges Leben zu führen. Da
ihr Lohn als ungelernte Kraft im Niedriglohnbereich liege, sei sie darauf angewiesen,
voll zu arbeiten. Die bisherigen Unterhaltszahlungen ihres Mannes seien nur wegen
ihrer Krankheit so hoch ausgefallen, was ihr erst jetzt bewusst geworden sei. Im
Gesundheitsfall würde von ihr erwartet werden, dass sie nach der Trennung bzw.
Scheidung wieder voll arbeiten würde. Auch habe sie die Frage, was genau im
Gesundheitsfall wäre, überfordert. Aktuell erhalte sie von ihrem Mann einen Unterhalt
von Fr. _ wobei die Höhe des nachehelichen Unterhaltes noch offen sei. Sollte die IV-
Stelle an der Anwendung der gemischten Methode festhalten, habe sie zu
berücksichtigen, dass [...] seit [....] nicht mehr bei ihr wohne, weshalb er ihr bei der
Erledigung der Haushaltsarbeiten nicht mehr helfen könne, sodass die entsprechende
Schadenminderungspflicht wegfalle und sich ihr Invaliditätsgrad entsprechend erhöhe.
Weiter ersuche sie die Eingliederungsfachleute der IV-Stelle um Unterstützung bei der
Verwertung der Restarbeitsfähigkeit (IV-act. 87 S. 1 ff.). In diesem Zusammenhang
reichte die Versicherte einen Bericht der Klinik für medizinische Onkologie und
Hämatologie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) zu einer Sprechstunde _ Juni 2018
ein, in welchem ihr eine 50%ige Arbeitsfähigkeit attestiert worden war (vgl. IV-act. 87
S. 6 ff.). Weiter führte sie aus, dass sie anlässlich einer neueren Sprechstunde vom
_ Juni 2018 mit ihrem behandelnden Arzt eine mögliche Einarbeitung mit einem
anfänglichen Pensum von 10 %, dann 20 %, später 30 % und schliesslich 40 %
besprochen habe (IV-act. 87 S. 4).
A.m.
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In einer Stellungnahme vom 5. Juli 2018 führte die Haushaltsabklärungsperson der
SVA Zürich aus, aufgrund der Aussagen der ersten Stunde sei nicht davon
auszugehen, dass die Versicherte aktuell vollzeitlich arbeiten würde, wenn sie könnte.
Wenn die monetären Bedürfnisse im Vordergrund stehen würden, hätte die Versicherte
ihre Restarbeitsfähigkeit von 50 % schon früher genutzt, indem sie sich beim RAV
angemeldet hätte. Offensichtlich hätten ihr die Unterhaltszahlungen des Ehemannes
ausgereicht. Nun habe sich ihr Gesundheitszustand aber verbessert, sodass sie ihre
Restarbeitsfähigkeit besser verwerten könne, was in einem Scheidungsverfahren
Berücksichtigung finden dürfte. Aus diesem Grund sei neu von einer Erwerbstätigkeit
von 60 % und einer Haushaltstätigkeit von 40 % auszugehen. Der Wegzug des [...] aus
dem gemeinsamen Haushalt ändere nichts an den Einschränkungen im
Haushaltsbereich, da durch seinen Wegzug auch weniger eingekauft und getragen
werden müsse, zumal es der Versicherten zumutbar sei, die Einkäufe auf verschiedene
Tage aufzuteilen (IV-act. 85 und 87 S. 1 ff.).
A.n.
Am 12. August 2018 liess die Versicherte der IV-Stelle einen Bericht der Klinik für
medizinische Onkologie und Hämatologie des KSSG vom _ August 2018 zukommen
(vgl. IV-act. 91). In diesem hatte der behandelnde Arzt der Versicherten in den nächsten
drei Monaten eine Arbeit in einem Pensum von 20 %, am besten aufgeteilt auf zwei Mal
wöchentlich einen halben Tag und via Eingliederung durch die IV, empfohlen sowie
anschliessend während sechs Monaten eine Tätigkeit in einem Pensum von 40 % mit
einer Evaluation (IV-act. 92). Zu der im Sprechstundenbericht enthaltenen
Arbeitsfähigkeitsschätzung nahm der RAD am 27. August 2018 dahingehend Stellung,
dass anzunehmen sei, diese trage einer vorübergehenden Belastungssituation
Rechnung, ohne die Arbeitsfähigkeit längerfristig zu beurteilen. Wenige Wochen zuvor
habe der behandelnde Arzt eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (IV-act. 93).
A.o.
Am 5. September 2018 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des Rentenbegehrens
bei einem Invaliditätsgrad von 35 %. Dabei ging sie davon aus, dass die Versicherte im
Gesundheitsfall ab dem 1. Juni 2018 zu 60 % im Erwerb und zu 40 % im Haushalt tätig
wäre (IV-act. 94).
A.p.
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B.
Gegen diese Verfügung liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
durch ihren Rechtsvertreter am 28. September 2018 Beschwerde erheben mit den
Anträgen, die Verfügung der IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) vom 5.
September 2018 sei aufzuheben und ihr sei eine angemessene Invalidenrente
zuzusprechen. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, sie bestreite dezidiert,
dass sie im Gesundheitsfall bei der aktuellen familienrechtlichen Situation lediglich
einer Erwerbstätigkeit von 60 % nachgehen würde. Vielmehr sei von einer
Vollzeiterwerbstätigkeit auszugehen, wodurch ein Anspruch auf mindestens eine halbe
IV-Rente resultiere (act. G 1). In ihrer Beschwerdeergänzung vom 2. November 2018
liess die Beschwerdeführerin bestreiten, dass sie anlässlich der Abklärung bei ihr zu
Hause ausgesagt haben solle, sie hätte spätestens ab der Trennung von ihrem
Ehemann, jedoch nicht aufgrund des finanziellen Drucks, wieder teilzeitlich zu arbeiten
begonnen. Sie habe bereits im Dezember 2016 angegeben, dass sie im Gesundheitsfall
einerseits aufgrund der Trennung und Scheidung, andererseits aufgrund der
Volljährigkeit der Kinder, zu 100 % einer Arbeit nachgehen würde. Im Vollbesitz der
körperlichen und geistigen Kräfte hätte sie seit der Trennung im _ 2016 eine
entsprechende Erwerbstätigkeit aufgenommen. Ausserdem verkenne die
Beschwerdegegnerin, dass es sich bei den im Rahmen der Trennung auf freiwilliger
Basis geleisteten Zahlungen nicht um einen gerichtlich festgelegten Ehegattenunterhalt
bzw. nachehelichen Unterhalt handle. Entgegen der Behauptungen der
Abklärungsperson sei ein nachehelicher Unterhalt in der Höhe von Fr. _ bis Fr. _
illusorisch. Ein Ehegatte könne nur dann nachehelich zu Unterhaltszahlungen an den
anderen Ehegatten verpflichtet werden, wenn es diesem nicht möglich oder zumutbar
sei, nach der Scheidung für seinen Unterhalt selber aufzukommen. Gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung habe der kinderbetreuende Ehegatte nach Eintritt
des jüngsten Kindes in die Primarschule eine Teilzeittätigkeit von 50 % aufzunehmen,
ab dem 16. Altersjahr werde ein Arbeitspensum von 100 % angerechnet. Aus
scheidungsrechtlicher Sicht wäre sie im Gesundheitsfall somit gehalten, ihre
Erwerbstätigkeit vollumfänglich umzusetzen. Folglich sei sie als Erwerbstätige zu
qualifizieren, weshalb für die Berechnung der Invalidenrente einzig der
Einkommensvergleich massgebend sei (act. G 3).
B.a.
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Erwägungen
1.
Gegenstand dieses Verfahrens bildet die Frage, ob die Beschwerdegegnerin in ihrer
Verfügung vom 5. September 2018 (vgl. act. G 1.2) zu Recht einen Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin abgelehnt hat.
2.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit wird in Art. 7 Abs. 1 ATSG als der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
In ihrer Beschwerdeantwort vom 28. Dezember 2018 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie im
Wesentlichen auf die Erwägungen in der Verfügung und die Ausführungen in der
Stellungnahme der Haushaltsabklärungsperson. Weiter fügte sie an, dass entgegen der
Ausführungen in der Beschwerde kein Tabellenlohnabzug gerechtfertigt sei, da die
Beschwerdeführerin sowohl mittelschwere als auch leichte Tätigkeiten ausführen
könne, wobei Überwachungs- und Kontrolltätigkeiten im Umfang von 50 %
beispielsweise uneingeschränkt möglich seien (act. G 5).
B.b.
In ihrer Replik vom 4. Februar 2019 liess die Beschwerdeführerin an den bereits
gestellten Rechtsbegehren unverändert festhalten, neu unter Kosten- und
Entschädigungsfolge (act. G 7).
B.c.
Am 11. Februar 2019 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die Erstattung einer
Duplik (act. G 9).
B.d.
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Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen
Arbeitsmarkt definiert. Die Invalidität ist bei im Gesundheitsfall Vollzeiterwerbstätigen
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen kann, in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Art. 16 ATSG). Wenn eine versicherte Person auch ohne die
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht voll, sondern nur teilerwerbstätig gewesen wäre, ist
der Invaliditätsgrad gemäss der langjährigen Praxis des Bundesgerichts nicht anhand
eines reinen Einkommensvergleichs (vgl. Art. 16 ATSG), sondern anhand der
sogenannten gemischten Methode zu berechnen. Hierbei ist der Anteil der
Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der
Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu bemessen (vgl. Art. 28a Abs. 3 IVG; Art. 27
Abs. 2-4 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201] BGE 141 V
21 E. 3.2). Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder
als nichterwerbstätig einzustufen ist, ergibt sich gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten
Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde (Urteil des
Bundesgerichts vom 17. April 2019, 8C_820/2018, E. 3.2).
3.
bis
Zunächst ist demnach zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin als Valide im
Zeitpunkt des Rentenbeginns überwiegend wahrscheinlich vollzeit- oder
teilzeiterwerbstätig gewesen wäre. Je nachdem kommt gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung eine andere Methode der Invaliditätsbemessung
zur Anwendung (vgl. E. 2). Die Anmeldung der Beschwerdeführerin hinsichtlich
beruflicher Massnahmen und Rentenleistungen ist bei der IV-Stelle am 26. April 2016
eingegangen (vgl. IV-act. 7). Die Beschwerdeführerin hatte sich zwar bereits am 7.
Februar 2014 erstmals bei der IV-Stelle angemeldet (IV-act. 1), jedoch hatte jene
Anmeldung ausschliesslich ein Hilfsmittel betroffen; nichts hatte darauf hingedeutet,
dass auch andere Leistungen zur Diskussion stehen könnten. Deshalb hatte die
Beschwerdegegnerin damals zu Recht keinen Rentenanspruch geprüft. Ausgehend von
der Anmeldung vom 26. April 2016 fiele der früheste Beginn eines allfälligen
Rentenanspruchs im Sinne von Art. 29 Abs. 1 IVG auf den 26. Oktober 2016, wobei die
Rentenleistungen bereits ab dem 1. Oktober 2016 auszubezahlen wären (Art. 29 Abs. 3
IVG). Das Wartejahr i.S.v. Art. 28 Abs. 1 IVG war in diesem Zeitpunkt schon verstrichen,
3.1.
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da der Beginn der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gemäss dem SMAB-Gutachten
bereits im _ 2013 eingetreten war (vgl. IV-act. 62 S. 12). Der frühestmögliche
Rentenbeginn fällt demnach auf den 1. Oktober 2016. Entscheidend für die Wahl der
Methode der Invaliditätsbemessung ist somit, ob die Beschwerdeführerin im fiktiven
"Gesundheitsfall" ab Oktober 2016 überwiegend wahrscheinlich voll- oder
teilzeiterwerbstätig gewesen wäre.
Während die Beschwerdeführerin der Ansicht ist, dass ihr Invaliditätsgrad gestützt
auf einen reinen Einkommensvergleich zu ermitteln sei, da sie im Gesundheitsfall seit
der Trennung von ihrem Ehemann im _ 2016 in einem Vollzeitpensum tätig wäre (vgl.
act. G 1 S. 3 und G 3 S. 7 ff.), hat die Beschwerdegegnerin den Invaliditätsgrad der
Beschwerdeführerin anhand der sogenannten gemischten Methode bestimmt. Sie ist
nämlich davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin als Valide bis zum 31. Mai
2018 zu 50 % und ab dem 1. Juni 2018 zu 60 % erwerbstätig gewesen wäre (vgl. act.
G 1.2).
3.2.
Im Protokoll zum Assessmentgespräch vom 2. November 2016 hat die
Eingliederungsverantwortliche der Beschwerdegegnerin festgehalten, die
Beschwerdeführerin habe angegeben, dass sie sich vorstellen könne, einem
Arbeitspensum von 50 % nachzugehen, wenn es ihr besser gehe (IV-act. 35 S. 3). In
einem Fragebogen der Beschwerdegegnerin zur Rentenabklärung hat die
Beschwerdeführerin am 21. Dezember 2016 ausgeführt, dass sie ab _ 2016 zur
finanziellen Absicherung wieder in einem Pensum von 100 % hätte arbeiten müssen,
wozu sie jedoch aktuell aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage sei. Sie wäre
im fiktiven "Gesundheitsfall" wieder erwerbstätig, da sie sich von ihrem Ehemann
getrennt habe und sich scheiden lassen werde. Auch seien die Kinder mittlerweile
volljährig (IV-act. 48 S. 2). Auf eine explizite Nachfrage seitens der Beschwerdegegnerin
mit der Bitte um eine ausführliche Begründung (IV-act. 64) hat die Beschwerdeführerin
in einer E-Mail vom 27. Juli 2017 (vgl. IV-act. 68) erneut angegeben, im Verlauf ihrer
neuen Wohn- und Lebenssituation habe sich herausgestellt, dass sie aus rein
finanziellen Gründen zu 100 % arbeiten müsste (IV-act. 70). Im
Haushaltsabklärungsbericht vom 30. November 2017 hat die Abklärungsperson der
SVA Zürich festgehalten, die Beschwerdeführerin habe angegeben, dass sie die ihr
gutachterlich attestierte Arbeitsfähigkeit von 50 % als nicht konkret ansehe, weil sie mit
ihrer persönlichen und gesundheitlichen Situation beschäftigt sei. Finanziell komme sie
aktuell mit den Unterhaltszahlungen des Ehemannes über die Runden, jedoch stehe
eine Kürzung dieser Zahlungen bereits im Raum. Demnach würde sie heute sicher
teilzeitlich arbeiten, wenn sie belastbar wäre. Spätestens nach der physischen
3.3.
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Trennung vom Ehemann hätte sie wieder mit einer Arbeit beginnen müssen, um
unabhängiger zu sein (IV-act. 77 S. 6). Während in denjenigen Berichten, in welchen die
Aussagen der Beschwerdeführerin indirekt wiedergegeben worden sind, davon
ausgegangen wird, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall in einem
Teilzeitpensum arbeiten würde, hat die Beschwerdeführerin in ihren direkten Angaben
immer eindeutig angegeben, dass sie im fiktiven "Gesundheitsfall" seit der Trennung
von ihrem Ehemann im _ 2016 in Vollzeit arbeiten würde. Auch in ihrem ergänzenden
Einwand vom 21. Juni 2018 (IV-act. 87) und in der Beschwerde vom 28. September
2018 (act. G 1; vgl. auch act. G 3) hat sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt
gestellt, dass sie im fiktiven "Gesundheitsfall" mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in
Vollzeit tätig wäre. Folglich kann die Beschwerdeführerin nicht auf der Darstellung im
Protokoll der Eingliederungsverantwortlichen als Aussage der ersten Stunde behaftet
werden (vgl. dazu Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer (Hrsg.), Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2012, S. 5),
zumal die Haushaltsabklärungsperson sowie die Eingliederungsverantwortliche die
Aussagen der Beschwerdeführerin mit ihren eigenen Wertungen vermischt haben. So
kann den indirekt wiedergegebenen Aussagen der Beschwerdeführerin im
Haushaltsabklärungsbericht beispielsweise nicht entnommen werden, dass sie in
einem Pensum von 50 % arbeiten würde. Vielmehr scheint es gemäss dem
Haushaltsabklärungsbericht einer subjektiven Einschätzung der
Haushaltsabklärungsperson zu entsprechen, dass die Versicherte aufgrund der
Unterhaltszahlungen auf ein Pensum von 50 % angewiesen sei. Aufgrund dieser
subjektiven Einschätzung hat die Haushaltsabklärungsperson die Beschwerdeführerin
als zu 50 % erwerbstätig qualifiziert (IV-act. 77 S. 6). Die im
Haushaltsabklärungsbericht wiedergegebene indirekte Aussage der
Beschwerdeführerin, wonach sie heute sicher teilzeitlich arbeiten würde, da bereits
eine Kürzung der Unterhaltszahlungen des Mannes im Raum stehe (vgl. IV-act. 77 S. 6),
lässt denn auch einen erheblichen Interpretationsspielraum über den Gehalt der
direkten Aussage zu. Das in der Aussage angeblich enthaltene "sicher" könnte
beispielsweise im Sinne eines "mindestens" gemeint gewesen sein, was wiederum auf
die Intention der Beschwerdeführerin, im fiktiven "Gesundheitsfall" einer
Vollzeiterwerbstätigkeit nachzugehen, hinweisen würde. Bei den beiden hier zur
Diskussion stehenden Protokollierungen ist auch mit einer unvollständigen Wiedergabe
des Gesprächsablaufs und einer damit einhergehenden Veränderung des Sinngehalts
einzelner Aussagen zu rechnen. Schliesslich sind Antworten immer in ihrem Kontext zu
verstehen, wobei überdies auch relevant sein kann, wie die Fragen formuliert worden
sind. Dem Abklärungsbericht und dem Protokoll zum Assessmentgespräch lassen sich
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weder die genauen Fragen noch die genauen Antworten entnehmen (vgl. IV-act. 35
S. 1 ff. und 77 S. 3 ff.). Ausserdem ist auffällig, dass die indirekt wiedergegebenen
Aussagen zum Pensum im fiktiven "Gesundheitsfall" gemäss den Protokollierungen
auch in einem Zusammenhang mit Aussagen zu der aus gesundheitlichen Gründen
bestehenden Leistungsfähigkeit gestanden haben, sodass die Beschwerdeführerin
möglicherweise lediglich deshalb von einem 50%igen Pensum gesprochen hat, weil sie
Bezug auf die ihr schon damals ärztlich attestierte Arbeitsfähigkeit von bis zu 50 % (vgl.
z.B. IV-act. 18 S. 4 f.) genommen hat. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die
indirekt wiedergegebenen Aussagen erhebliche Zweifel daran erwecken, dass die
Beschwerdeführerin anlässlich der Abklärungen tatsächlich angegeben hätte, im
fiktiven "Gesundheitsfall" in einem 50 % Pensum tätig zu sein. Die Beschwerdeführerin
hat in ihrer Beschwerde denn auch bestritten, dass sie anlässlich der
Haushaltsabklärung ausgesagt habe, sie hätte spätestens ab der Trennung von ihrem
Ehemann, jedoch nicht aufgrund des finanziellen Drucks, wieder teilzeitlich zu arbeiten
begonnen (vgl. act. G 3 S. 8). Aufgrund der fehlenden wortgetreuen Protokollierung der
Fragen und der Antworten in Kombination mit der Vermischung mit eigenen Wertungen
sind das Protokoll der Haushaltsabklärung und dasjenige der
Eingliederungsverantwortlichen nicht geeignet, um aus ihnen auf das hypothetische
Erwerbspensum der Beschwerdeführerin im fiktiven "Gesundheitsfall" schliessen zu
können. Hinzu kommt, dass die Eingliederungsverantwortliche die Beschwerdeführerin
anlässlich des Assessmentgesprächs als verunsichert und psychisch instabil
beschrieben hat (vgl. IV-act. 35), sodass die Beschwerdeführerin kaum auf allfälligen
Angaben in diesem Gespräch behaftet werden kann. Demgegenüber sind die von der
Beschwerdeführerin im Fragebogen der Beschwerdegegnerin am 21. Dezember 2016
(IV-act. 48 S. 2) und in ihrer E-Mail vom 27. Juli 2017 (IV-act. 68 i.V.m. 70) gemachten
schriftlichen Aussagen unbestritten und sprechen klar dafür, dass die
Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall spätestens ab _ 2016 eine Erwerbstätigkeit
von 100 % aufgenommen hätte. Die Beschwerdeführerin hat diese hypothetische
Annahme nachvollziehbar und glaubhaft begründet, indem sie angegeben hat, dass sie
aufgrund der Trennung von ihrem Ehemann realisiert habe, wieder 100 % arbeiten zu
müssen, zumal die Unterhaltszahlungen ungewiss seien und sie gemerkt habe, dass
die Höhe der bisherigen Unterhaltszahlungen auf ihren Gesundheitszustand
zurückzuführen sei (vgl. IV-act. 48 und 70; act. G 3 S. 10 und G 7 S. 4). Selbst wenn
also die Beschwerdeführerin anlässlich des Assessmentgesprächs im November 2016
tatsächlich der Meinung gewesen sein sollte, ihr Wunschpensum würde im fiktiven
"Gesundheitsfall" bei 50 % liegen, kann sich diese Meinung später dadurch geändert
haben, dass sie im Rahmen des Trennungsverfahrens bzw. des nun laufenden
Scheidungsprozesses zur Ansicht gelangt ist, im Gesundheitsfall nicht mit solch hohen
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4.
Unterhaltszahlungen rechnen zu können (vgl. dazu auch act. G 3 S. 10 und G 7 S. 4).
Aus den aktuell getätigten Unterhaltszahlungen des Ehemannes kann entgegen der
Behauptung der Beschwerdegegnerin jedenfalls nicht geschlossen werden, dass die
Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall gleich hohe Zahlungen erhalten hätte, so dass
es für sie deswegen nicht notwendig gewesen wäre, eine Erwerbstätigkeit
aufzunehmen. Unter Berücksichtigung der Aussagen der Beschwerdeführerin und ihrer
Lebenssituation mit einem laufenden Scheidungsverfahren ist es viel wahrscheinlicher,
dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall spätestens im Zeitpunkt der Trennung
zum einen den Wunsch, zum anderen die Notwendigkeit verspürt hätte, selber eine
Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Zusammenfassend ist mit hoher Plausibilität davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall ab _ 2016 eine
Vollzeiterwerbstätigkeit ausgeübt (bzw. eine Vollzeitstelle gesucht) hätte. Folglich hat
die Berechnung des Invaliditätsgrades anhand eines reinen Einkommensvergleichs zu
erfolgen (vgl. E. 2.1).
Zur Bestimmung des Invaliditätsgrades anhand eines Einkommensvergleichs ist
zunächst zu prüfen, ob der Arbeitsfähigkeitsgrad der Beschwerdeführerin in einer
adaptierten Erwerbstätigkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht.
4.1.
Um den Arbeitsfähigkeitsgrad bestimmen zu können, ist die Verwaltung - und im
Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Aussagen eine
wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen einer
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4; vgl. ferner BGE 115 V
134 E. 2). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweis).
4.2.
Die Beschwerdegegnerin geht insbesondere gestützt auf das Gutachten der
SMAB AG davon aus, dass die Beschwerdeführerin in ihrer Arbeitsfähigkeit in einer
4.3.
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5.
ihren Leiden angepassten beruflichen Tätigkeit um 50 % eingeschränkt sei (vgl. act.
G 5 i.V.m. G 1.2). Das Gutachten der SMAB AG (vgl. IV-act. 62) ist sorgfältig verfasst
worden. Es beruht auf eigenständigen Abklärungen und ist für die streitigen Belange
umfassend. Die medizinischen Vorakten und die von der Beschwerdeführerin geklagten
Beschwerden sind von den Gutachtern berücksichtigt worden. Die bescheinigte
Arbeitsfähigkeit leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Auch erscheint die
Arbeitsfähigkeitsschätzung unter Berücksichtigung der weiteren medizinischen
Unterlagen als stimmig. Weiter bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv
wesentliche Tatsachen im Gutachten nicht berücksichtigt worden wären. Auch die
Beschwerdeführerin bemängelt in ihrer Beschwerde die gutachterliche Einschätzung
einer 50%igen Arbeitsfähigkeit nicht (vgl. act. G 1 und 3). Demnach ist davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in einer beruflichen, ihrem Leiden optimal
angepassten Tätigkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in ihrer Arbeitsfähigkeit
um 50 % eingeschränkt ist.
Gestützt auf die ermittelte Arbeitsunfähigkeit von 50 % sind nun die erwerblichen
Auswirkungen der gesundheitlichen Einschränkungen zu prüfen (vgl. E. 2 i.V.m. E. 3).
Angesichts der gesundheitlichen Einschränkungen der Beschwerdeführerin ist davon
auszugehen, dass diese im Zeitpunkt des potentiellen Rentenbeginns bzw. im
Zeitpunkt des Verfügungserlasses auch in ihrer Fähigkeit, sich (notwendigerweise
höherwertig) umschulen zu lassen, stark eingeschränkt gewesen ist, weshalb die
Beschwerdegegnerin zu Recht eine berufliche Eingliederung als aussichtslos betrachtet
und direkt den Einkommensvergleich vorgenommen hat. Massgebend sind dabei die
Verhältnisse im Zeitpunkt des Beginns des Rentenanspruchs (vgl. BGE 129 V 222).
Folglich ist für den Einkommensvergleich auf die Verhältnisse im Oktober 2016
abzustellen (vgl. E. 3.1).
5.1.
Da die Beschwerdeführerin laut ihren eigenen Angaben zuletzt im Jahr 19_
gearbeitet hat (vgl. IV-act. 62 S. 26; vgl. dazu ferner IV-act. 12 S. 1), fehlt es an einer
repräsentativen Grundlage für die Bestimmung des Valideneinkommens für die als
Hilfsarbeiterin zu qualifizierende Beschwerdeführerin. Deshalb kann für die Bemessung
des Validenlohns nur auf den in der Tabelle TA 1 der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung (LSE) 2016 des Bundesamtes für Statistik enthaltenen
Zentralwert einer im Kompetenzniveau 1 beschäftigten Frau unter Berücksichtigung
einer Arbeitszeit von 41.7 Stunden abgestellt werden (vgl. den Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 19. November 2015, IV 2013/459,
5.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/19
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E. 4.1; Ulrich Meyer/Marco Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung,
in: Hans-Ulrich Stauffer/Basile Cardinaux [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts
zum Sozialversicherungsrecht, 3. Aufl. Zürich/Basel/ Genf 2014, N 55 f. zu Art. 28a mit
Hinweisen). Zur Ermittlung des Invalideneinkommens muss ebenfalls auf die Tabelle TA
1 der LSE 2016 abgestellt werden. Da keine höherwertige Umschulung möglich
gewesen ist, muss auch beim Invalidenlohn von einem Lohn im Kompetenzniveau 1
ausgegangen werdne. Die beiden Vergleichseinkommen sind somit auf derselben
Grundlage zu berechnen, weshalb ein Prozentvergleich vorgenommen werden kann.
Dabei entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit, allenfalls unter
zusätzlicher Berücksichtigung eines Abzuges vom Tabellenlohn (vgl. BGE 126 V 75;
zum Ganzen vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 19.
November 2015, IV 2013/459, E. 4.1). Ein solcher Abzug ist vorliegend gerechtfertigt,
da es sich bei der verbliebenen Arbeitsfähigkeit von 50 % um einen Mittelwert handelt,
der dem Umstand keine Rechnung trägt, dass die Beschwerdeführerin kaum
Überstunden leisten bzw. nicht vorübergehend mit einem über dem
Arbeitsfähigkeitsgrad liegenden Beschäftigungsgrad arbeiten kann, dass sie nicht
vorübergehend (z.B. bei einem krankheitsbedingten Ausfall einer anderen
Arbeitnehmerin) an einem nicht-adaptierten Arbeitsplatz eingesetzt werden kann, dass
mit ihrer Anstellung notwendigerweise das Risiko überdurchschnittlicher
Krankheitsabsenzen eingegangen wird und dass von Seiten der anderen
Arbeitnehmenden und Vorgesetzten besondere Rücksichtnahme angebracht ist. Für
einen betriebswirtschaftlich-ökonomisch vorgehenden, also nicht zur Ausrichtung eines
Teilsoziallohns bereiten Arbeitgeber, stellen diese Einschränkungen in der
Verwertbarkeit der verbliebenen Arbeitskraft der Beschwerdeführerin erhebliche
betriebswirtschaftliche Nachteile gegenüber gesunden Arbeitnehmerinnen mit dem
gleichen Beschäftigungsgrad dar, die zwingend als zusätzliche Lohnkosten
einkommensmindernd berücksichtigt werden müssen. Andernfalls läuft der Arbeitgeber
das Risiko, im Umfang dieser zusätzlichen Lohnkosten einen Soziallohn auszurichten.
Der ökonomische Invaliditätsbegriff erfordert demnach zwingend die Vornahme eines
Abzugs vom Tabellenlohn. Praxisgemäss ist der Abzug im vorliegenden Fall aufgrund
der besonderen Nachteile der konkreten psychischen Beeinträchtigung auf 15 %
festzusetzen. Unter Berücksichtigung des Arbeitsfähigkeitsgrades von 50 % ergibt sich
folglich ein Invaliditätsgrad von aufgerundet 58 % (= 100 % - 85 % x 50 % bzw. 50 %
+ [50 % x 15 %]). Demnach hat die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine halbe
Invalidenrente ab dem 26. Oktober 2016 (vgl. E. 5.1). Da die Rente bereits ab dem
ersten Tag des Monats, in dem der Anspruch entsteht, auszubezahlen ist (Art. 29
Abs. 3 IVG; vgl. ferner E. 5.1), hat die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine
halbe Invalidenrente ab dem 1. Oktober 2016.
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