Decision ID: 2955bc44-6eba-57e6-b1be-762ed6d5989e
Year: 2021
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_002
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A. Die in der Steuerperiode 2012 im Kanton Appenzell Ausserrhoden wohnhaften B. und A.
(nachfolgend: Beschwerdeführer) wurden von der kantonalen Steuerverwaltung Appenzell
Ausserrhoden (nachfolgend: Vorinstanz) mit Verfügung vom 9. November 2016 für die
Staats- und Gemeindesteuern 2012 veranlagt (act. 7.2). Am 30. Oktober 2018 erging eine
angepasste Veranlagungsverfügung. Die Beschwerdeführer wurden darin für die Staats- und
Gemeindesteuern 2012 wie folgt veranlagt: steuerbares Einkommen CHF 128‘400,
satzbestimmendes Einkommen CHF 164‘900, Einkommen aus Beteiligungen CHF 36‘500
(act. 7.3).
B. A. war im Jahr 2012 als Aktionär an der C. in D. beteiligt und bezog daraus in der
Steuerperiode 2012 eine Dividende von CHF 36‘500 (act. 7.2). Die C. wurde im Jahr 2019
für die Steuerperiode 2012 durch das Kantonale Steueramt St. Gallen veranlagt. Im Rahmen
dieser Veranlagung wurde der Kantonalen Steuerverwaltung Appenzell Ausserrhoden mit
Schreiben vom 24. Dezember 2019 gemeldet, dass verdeckte Gewinnausschüttungen in
Höhe von CHF 38‘169 der C. zu Gunsten von A. festgestellt worden seien (act. 7.4).
C. Mit Schreiben vom 16. Januar 2020 wurde seitens der Vorinstanz ein Nachsteuerverfahren
eingeleitet und mitgeteilt, dass die Nachsteuern 2012 inklusive Verzinsung für die Staats-
und Gemeindesteuern CHF 5‘224.75 betragen sowie Verfahrenskosten in Höhe von
CHF 1‘000 anfallen. Des Weiteren wurde eine Frist für allfällige Einwendungen angesetzt
(act. 7.5). Mit als Einsprache betiteltem Schreiben vom 17. Februar 2020 nahmen die
Beschwerdeführer hierzu Stellung (act. 7.6). Den Beschwerdeführern wurde mit Schreiben
vom 24. Februar 2020 die Nachsteuerverfügungen vom 17. Februar 2020 sowie die
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Gebührenverfügung vom 17. Februar 2020 in Höhe von CHF 1‘000 zugestellt. Für die Staats-
und Gemeindesteuern 2012 wurden die Beschwerdeführer neu wie folgt veranlagt:
steuerbares Einkommen CHF 128‘400, satzbestimmendes Einkommen CHF 203‘100,
Einkommen aus Beteiligungen CHF 74‘700. Das Total Nachsteuerbetrag ergab
CHF 5‘226.85. Des Weiteren wurden die Beschwerdeführer darauf hingewiesen, dass für
eine allfällige Einsprache von ihnen Beweismittel benötigt würden, dass es sich bei den
Fahrzeugaufrechnungen nicht um ihr Geschäftsfahrzeug handle (act. 7.7).
D. Am 31. März 2020 erhoben die Beschwerdeführer bei der Vorinstanz Einsprache gegen die
Nachsteuerverfügung/Veranlagung sowie die Gebührenverfügung. Sie machten im
Wesentlichen geltend, es könne nicht sein, dass sie nun Gebühren für ein für sie nicht
beeinflussbares Steuerverfahren der C. entrichten müssen. Die geltend gemachte erfolgte
verdeckte Gewinnausschüttung sei neu für sie. Zudem sei nicht nachvollziehbar, weshalb
das Firmenfahrzeug von A., welches er als Angestellter der C. zur Verfügung gestellt
bekommen habe, als entsprechender Anteil aufgerechnet werde (act. 7.8).
E. Mit Einspracheentscheid Nachsteuerverfahren vom 10. Juni 2020 wies die Vorinstanz die
Einsprache ab. Sie begründete den abweisenden Entscheid namentlich damit, dass gemäss
Auskunft des Kantonalen Steueramtes St. Gallen Leasingverträge von Fahrzeugen, die von
A. benutzt worden sowie Abschreibungen und sonstige Kosten der Fahrzeuge in diesen
gemeldeten Aufrechnungen enthalten seien. Diese Aufrechnungen seien in Rechtskraft
erwachsen, daher entsprechend als geldwerte Leistungen zu melden und als Einkünfte aus
Beteiligungen im Einkommen aufzurechnen. Im Übrigen zitierte die Vorinstanz den
Begründungstext C. aus Veranlagung 2012 Kanton St. Gallen (act. 7.9).
F. Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von den Beschwerdeführern am 9. Juli
2020 beim Obergericht eingereichte Beschwerde mit dem eingangs erwähnten Antrag. Zur
Begründung wiesen sie erneut auf ihre fehlende Einflussmöglichkeit auf das Steuerver-
fahren der C. hin und ihr Unverständnis, dass sie nun dafür Gebühren entrichten müssen.
Des Weiteren machten sie wiederum geltend, dass sie zum ersten Mal von einer verdeckten
Gewinnausschüttung gehört hätten. Schliesslich entbehre es jeglicher Grundlage, dass bei
zwei berufstätigen Eheleuten nicht auch zwei Fahrzeuge in Abzug gebracht werden können.
Die geltend gemachten Fahrzeugkosten in der Einzelfirma E. seien für ein Fahrzeug, welches
durch B. als Arbeitnehmerin genutzt worden sei. Somit gehe es nicht an, dass A. sein
Fahrzeug entsprechend aufgerechnet werde (act. 1).
G. Mit Vernehmlassung vom 14. August 2020 beantragte die Vorinstanz Abweisung der
Beschwerde unter Kostenfolgen. Werde auf Ebene der Kapitalgesellschaft eine geldwerte
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Leistung an die Anteilsinhaber oder diesen nahestehenden Dritten aufgerechnet, setze dies
ein gewichtiges Indiz, welches bei der Veranlagung des Beteiligungsinhabers zu
berücksichtigen sei. Gemäss dem Kantonalen Steueramt St. Gallen habe den beiden
Aktionären der C. über ihre weiteren Unternehmen mehrere Motorfahrzeuge für geschäftliche
und private Fahrten zur Verfügung gestanden, weshalb es weitere Fahrzeugkosten als
geschäftsmässig unbegründet erachtet habe, zumal gemäss ihrer Praxis unabhängig von der
Anzahl Unternehmen nur ein Geschäftsfahrzeug pro natürliche Person direktsteuerlich
anerkannt werde. Die der C. durch das Kantonale Steueramt St. Gallen aufgerechneten
geldwerten Leistungen in Höhe von CHF 76‘338 seien in Rechtskraft erwachsen. Das
Missverhältnis zwischen der Leistung – Übernahme der Fahrzeugkosten durch die C. trotz
geschäftsmässiger Unbegründetheit – und der (fehlenden) Gegenleistung sei eindeutig
nachweisbar, sodass die verdeckte Gewinnausschüttung für die Organe der C. erkennbar
gewesen sei. Im Rahmen des Nachsteuer- und Einspracheverfahrens seien von den
Beschwerdeführern keine Belege eingereicht worden, welche sie als Vorinstanz hätte
überzeugen können, die Fahrzeugkosten seien geschäftsmässig begründet gewesen (act.
6).
H. Die Beschwerdeführer verlangten weder die Durchführung einer mündlichen Verhandlung
noch reichten sie eine Replik ein, so dass der Schriftenwechsel damit als abgeschlossen gilt.
I. Auf weitere Einzelheiten im Sachverhalt und in den Akten sowie die Vorbringen der Parteien
in den Rechtschriften wird, soweit für die Beurteilung entscheidrelevant, in den nach-
folgenden Erwägungen eingegangen.
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Erwägungen
1. Formelles
1.1
Das Obergericht ist unabhängig vom Streitwert zuständig für Steuersachen (Art. 29 Abs. 1
lit. a des Justizgesetzes vom 13. September 2010 [JG, bGS 145.31]). Gemäss Art. 194 Abs.
2 i.V.m. Art. 188 Abs. 1 des Steuergesetzes vom 21. Mai 2000 (StG, bGS 621.11) kann der
Einspracheentscheid innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Obergericht schriftlich mit
Beschwerde angefochten werden. Die fristgerecht erhobene Beschwerde vom 9. Juli 2020
wurde nur von A. unterschrieben, jedoch gilt die gesetzliche Vermutung, dass er auch für
seine Ehefrau B. gehandelt hat (Art. 156 Abs. 3 StG; StE 1998 B 13.5 Nr. 4;
RICHNER/FREI/KAUFMANN/MEUTER, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl. 2016 [nachfolgend:
Handkommentar DBG], N. 6 zu Art. 113 DBG; act. 1). Als direkt vom Einspracheentscheid
Betroffene kommt den Beschwerdeführern nach Art. 59 i.V.m. Art. 32 Abs. 1 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege vom 1. Januar 2003 (VRPG, bGS 143.1) ein schutz-
würdiges Interesse an der Aufhebung oder Änderung des Entscheids zu. Der bei den
Beschwerdeführern angeforderte Kostenvorschuss von CHF 800 ging rechtzeitig bei der
Gerichtskasse ein (Art. 21 VRPG; act. 4).
Die formellen Voraussetzungen sind somit erfüllt. Es ist auf die Beschwerde einzutreten.
1.2
Weil die Beschwerde die Veranlagung sowohl der Direkten Bundessteuer als auch der
Staats- und Gemeindesteuern betrifft, wurde sie mit Blick auf die unterschiedlichen Rechts-
grundlagen in zwei formell getrennte, aber gleichzeitig behandelte Verfahren aufgeteilt (O2V
20 35 und O2V 20 37). Das vorliegende Verfahren O2V 20 35 betrifft die Nachsteuer für die
Staats- und Gemeindesteuern 2012.
1.3
Gestützt auf Art. 2 der Verordnung über COVID-19-Massnahmen: Gerichte (bGS 113.2) kann
das Obergericht zur Bewältigung der aktuell ausserordentlichen Lage in allen Fällen auf dem
Zirkularweg entscheiden, wenn das Gesetz keine Verhandlung vorschreibt. Entscheide, die
auf dem Zirkularweg gefällt werden, bedürfen der Einstimmigkeit (Art. 52 Abs. 2 JG). Da
vorliegend keine Durchführung einer Verhandlung vorgeschrieben ist und die Parteien auf
die Durchführung einer solchen verzichteten, hat das Obergericht den vorliegenden
Entscheid aufgrund der aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie im Zirkularverfahren
gefällt.
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2. Materielles
Streitig ist, ob die Nachbesteuerung rechtmässig erfolgte.
2.1
Ergibt sich aufgrund von Tatsachen oder Beweismitteln, die der Steuerbehörde nicht bekannt
waren, dass eine Veranlagung zu Unrecht unterblieben oder eine rechtskräftige Veranlagung
unvollständig ist, oder ist eine unterbliebene oder unvollständige Veranlagung auf ein
Verbrechen oder ein Vergehen gegen die Steuerbehörde zurückzuführen, wird die nicht
erhobene Steuer samt Zins als Nachsteuer eingefordert (Art. 193 Abs. 1 StG).
Nach Art. 194 Abs. 1 StG wird die Einleitung des Nachsteuerverfahrens der steuerpflichtigen
Person oder deren Erben unter Angabe des Grundes schriftlich mitgeteilt. Dabei wird auf die
Möglichkeit der späteren Einleitung eines Strafverfahrens wegen Steuerhinterziehung
aufmerksam gemacht, wenn ein solches bei der Einleitung des Nachsteuerverfahrens weder
eingeleitet wird, hängig ist oder von vornherein ausgeschlossen werden kann. Die
Bestimmungen über die Verfahrensgrundsätze, das Veranlagungsverfahren und das
Beschwerdeverfahren gelten im Übrigen sinngemäss (Art. 194 Abs. 2 StG).
2.2
2.2.1
Der Einkommenssteuer natürlicher Personen unterliegen nebst dem Einkommen aus
unselbständiger und selbständiger Tätigkeit (Art. 20 – 22 StG) auch die Erträge aus
beweglichem Vermögen, insbesondere Dividenden, Gewinnanteile, Liquidationsüber-
schüsse und geldwerte Vorteile aus Beteiligungen aller Art (einschliesslich Gratisaktien,
Gratisnennwerterhöhungen und dergleichen), soweit sie keine Rückzahlung bestehender
Kapitalanteile darstellen (Art. 23 Abs. 1 lit. c StG).
Die geldwerten Vorteile, welche bei der natürlichen Person als Einkommen versteuert
werden, bilden als Begriff das Gegenstück zu den verdeckten Gewinnausschüttungen einer
Firma; während der erstere Begriff den Vorteil aus der Sicht des Begünstigten darstellt, ist
für den letzteren Begriff die Sicht der leistenden Gesellschaft massgebend (RICHNER/FREI/
KAUFMANN/MEUTER, Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 3. Aufl. 2013 [nachfolgend:
Kommentar Zürcher Steuergesetz], N 138 ff. zu § 20; Handkommentar DBG, N. 140 ff zu Art.
20 DBG).
Gemäss ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist der Tatbestand der geldwerten
Leistung dadurch gekennzeichnet, dass die leistende Kapitalgesellschaft oder Genossen-
schaft für ihre Leistung keine oder keine gleichwertige Gegenleistung erhält, der
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Beteiligungsinhaber der Kapitalgesellschaft oder Genossenschaft direkt oder indirekt (z.B.
über eine ihm nahestehende Person oder Unternehmung) einen Vorteil erlangt, die
Kapitalgesellschaft oder Genossenschaft diesen Vorteil einer nicht nahestehenden, also
fernstehenden Person unter gleichen Bedingungen nicht zugestanden hätte, weshalb die
Leistung insofern ungewöhnlich ist (Kriterium des Drittvergleichs), und der Charakter dieser
Leistung für die Organe der Kapitalgesellschaft oder Genossenschaft erkennbar war (Urteile
des Bundesgerichts 2C_138/2020 vom 3. Dezember 2020 E. 4.1 mit Hinweis auf BGE 144 II
427 E. 6.1 und ebenso Urteil 2C_750/2019 vom 7. Juli 2020 E. 3.1).
Haben die Steuerbehörden im Rahmen der Veranlagung der Gesellschaft festgestellt, dass
die Gesellschaft einem Anteilsinhaber eine geldwerte Leistung ausgerichtet hat, dürfen sie
nach der Rechtsprechung im Rahmen der Veranlagung des Anteilsinhabers zwar vermuten,
dass diese geldwerte Leistung dem Anteilsinhaber oder einer ihm nahestehenden Person
zugeflossen ist und deshalb bei ihm der Einkommensteuer untersteht. Doch es besteht kein
Aufrechnungsmechanismus, das heisst diese natürliche Vermutung ist weder unwiderlegbar,
noch entfaltet die rechtskräftige Veranlagung der Gesellschaft Bindungswirkung für die
Veranlagung ihrer Anteilsinhaber (Urteil des Bundesgerichts 2C_750/2019 vom 7. Juli 2020
E. 3.2 mit weiteren Hinweisen u.a. auf Urteil 2C_16/2015 vom 6. August 2015 E. 2.5.6 und
E. 2.5.7; vgl. auch Kommentar Zürcher Steuergesetz, N 144 zu § 20 mit Hinweis u.a. auf StE
1995 B 92.3 Nr. 8).
Vorliegend greift die im Steuerrecht herrschende Normentheorie, wonach steuer-
begründende und steuererhöhende Tatsachen durch die Steuerverwaltung, steuer-
mindernde und steuerausschliessende Tatsachen durch die steuerpflichtige Person
nachzuweisen sind (Urteile des Bundesgerichts 2C_489/2018 und 2C_4901/2018 vom
13. Juli 2018 E. 2.2.5, ebenso Urteil 2C_16/2015 vom 6. August 2015 E. 2.5.4).
2.2.2
Unbestritten ist, dass A. im Jahr 2012 als Aktionär an der C. beteiligt war und daraus in der
Steuerperiode 2012 eine Dividende von CHF 36‘500 bezog (act. 7.2). Durch die
Leistungsmeldung des Kantonalen Steueramts St. Gallen ist ferner belegt, dass die im Jahr
2012 für die Veranlagung der C. zuständige Steuerverwaltung von einer verdeckten
Gewinnausschüttung im Zusammenhang mit der privaten Nutzung von Fahrzeugen ausging
und der für die Veranlagung der Beschwerdeführer zuständigen Vorinstanz eine verdeckte
Gewinnausschüttung in Höhe von CHF 38‘169 meldete. Begründet wurde gemäss Mail des
zuständigen Steuerkommissärs des Kantonalen Steueramts St. Gallen die A. betreffende
Korrektur in der C. damit, dass A. über seine Einzelunternehmung E. gleich mehrere
Motorfahrzeuge für geschäftliche und private Fahrten zur Verfügung ständen. Aufgrund
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=1.1.2020&to_date=1.03.2021&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=%22geldwerte+Leistung%22&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-II-427%3Ade&number_of_ranks=0#page427 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=1.1.2020&to_date=1.03.2021&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=%22geldwerte+Leistung%22&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-II-427%3Ade&number_of_ranks=0#page427
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dieser Erkenntnis seien weitere Fahrzeugkosten geschäftsmässig nicht begründet. Es werde
davon ausgegangen, dass die betrieblich notwendigen Fahrten mit den direkten Projekt-
kosten abgegolten worden seien. Mithin seien dort entsprechende Fahrspesen explizit
erwähnt. Darüber hinaus werde gemäss St. Galler Praxis unabhängig von der Anzahl
Unternehmen nur ein Geschäftsfahrzeug pro natürliche Person direktsteuerlich anerkannt
(act. 7.4). Die Veranlagung der C. erwuchs gemäss der Vorinstanz – was von Seiten der
Beschwerdeführer nicht bestritten wurde – in Rechtskraft (act. 6/5).
Für die Feststellung einer verdeckten Gewinnausschüttung bei der C. war aufgrund des oben
Gesagten ausschlaggebend, dass A. über seine Einzelunternehmung E. gleich mehrere
Motorfahrzeuge für geschäftliche und private Fahrten zur Verfügung standen. Aus den Akten
ist belegt und wird seitens der Beschwerdeführer auch geltend gemacht, dass in der
Steuererklärung 2012 für die E. Fahrzeugkosten geltend gemacht wurden (act. 7.2 und act.
2.3). Erstellt ist, dass in der Steuererklärung 2012 im Zusammenhang mit den deklarierten
Einkünften aus selbständiger Erwerbstätigkeit von A. eine Korrektur Privatanteil Fahrzeug-
kosten vorgenommen wurde (vgl. Berechnungsmitteilung Staats- und Gemeindesteuern
2012 vom 29. August 2018) und am 30. Oktober 2018 eine angepasste Veranlagungsver-
fügung erging (act. 7.3). Somit wurde von Seiten der Vorinstanz die von A. als Inhaber der
E. im Rahmen seiner selbständigen Erwerbstätigkeit geltend gemachte geschäftsmässige
Begründetheit der Fahrzeugkosten akzeptiert und ein Privatanteil ausgeschieden.
Soweit die Beschwerdeführer nur geltend machen, dass bei zwei berufstätigen Eheleuten
auch zwei Geschäftsfahrzeuge in Abzug gebracht werden können, haben sie den ihnen
obliegenden Nachweis der geschäftsmässigen Begründetheit der Fahrzeugkosten nicht
erbracht. Insbesondere haben sie keine Belege dafür vorgebracht, dass B., welche im Jahr
2012 bei der E. angestellt war (vgl. act. 7.2, Lohnausweis 2012), im Rahmen ihrer Tätigkeit
aus geschäftlichen Gründen ein Fahrzeug benötigt hätte. Ebenso wenig haben sie nach-
gewiesen, dass es berufsmässig erforderlich gewesen wäre, dass A. für seine Erwerbstätig-
keit über zwei Geschäftsautos verfügte. In der hier zu beurteilenden Steuerperiode war A.
mit 50% der Aktien an der C. beteiligt, führte seine Einzelunternehmung E. und war zu 90%
mit Arbeitsort F. bei der G. tätig (act. 7.2). Indem die C. ihrem Aktionär A. für dessen Tätigkeit
ein zusätzliches Geschäftsauto zur Verfügung stellte, erbrachte sie diesem eine steuerbare
geldwerte Leistung, da hierfür sämtliche Voraussetzungen (Missverhältnis von Leistung und
Gegenleistung, Leistung an Aktionär, Rechtsgrund im Beteiligungsverhältnis, Erkennbarkeit
für Organe) erfüllt waren. Die von der Vorinstanz vorgenommene Aufrechnung der Fahrzeug-
kosten ist somit nicht zu beanstanden und die Nachbesteuerung ist damit rechtmässig.
Seite 9
2.3
Die Kosten des Nachsteuerverfahrens werden der steuerpflichtigen Person auferlegt, sofern
das Verfahren durch sie verschuldet worden ist (Art. 195 Abs. 1 StG).
Implizit wird somit eine schuldhafte Verletzung von Verfahrenspflichten seitens der
Beschwerdeführer verlangt. Anlass zur Durchführung des Nachsteuererfahrens gab die
Meldung des Kantonalen Steueramts St. Gallen betreffend verdeckte Gewinnaus-
schüttungen der C. zu Gunsten von A. Als Aktionär der C. hatte A. nicht zwingend Kenntnis
vom oder Einfluss auf das die C. betreffende Steuerverfahren, weshalb die im Rahmen
dieses Verfahrens festgestellte verdeckte Gewinnausschüttung nicht als schuldhafte
Verletzung von Verfahrenspflichten den Beschwerdeführern angerechnet werden kann. Im
Übrigen hat die Vorinstanz die Kostenauflage trotz der von den Beschwerdeführern
erhobenen Einwänden nie begründet beziehungsweise nachgewiesen, weshalb sich unter
Berücksichtigung der ihr obliegenden Pflicht und ihrem Recht, den für die Veranlagungs-
verfügung rechtserheblichen Sachverhalt von Amts wegen abzuklären und ihr nur solche
Tatsachen zugrundezulegen, von deren Vorhandensein sie sich selber überzeugt hat, die
Frage der Verletzung des rechtlichen Gehörs stellt (Handkommentar DBG, N. 7 und N, 9 zu
Art. 123 DBG). Letztendlich kann beim vorliegenden Verfahrensausgang diese Frage aber
offen gelassen werden.
2.4
Zusammenfassend ist die Beschwerde dahingehend gutzuheissen, dass die Verpflichtung
der Beschwerdeführer zur Bezahlung von Verfahrenskosten für das Nachsteuerverfahren bei
der Steuerverwaltung gemäss angefochtenem Entscheid aufgehoben wird. Im Übrigen ist die
Beschwerde abzuweisen.
3. Kosten und Entschädigung
3.1
Im Rechtsmittelverfahren ist gebühren- und kostenpflichtig, wer ganz oder teilweise unterliegt
oder auf dessen Rechtsmittel nicht eingetreten wird (Art. 53 Abs. 1 i.V.m. Art. 19 Abs. 3
VRPG). Hat keine Partei vollständig obsiegt, so werden die Prozesskosten nach dem
Ausgang des Verfahrens verteilt. Nachdem die Beschwerdeführer vorliegend in Bezug auf
das gesamte Nachsteuerverfahren (Staats- und Gemeindesteuer sowie Direkte Bundes-
steuer) gesehen nur in deutlich geringfügigerem Umfang obsiegen, gehen die Prozess-
kosten vollumfänglich zu ihren Lasten. Vor dem Obergericht betragen die Verfahrenskosten
gemäss Art. 4a des Gesetzes über die Gebühren in Verwaltungssachen (bGS 233.2)
grundsätzlich bis zu CHF 5‘000, wobei innerhalb des Gebührenrahmens die Gebühren nach
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dem Zeit- und Arbeitsaufwand, der Bedeutung des Geschäfts sowie nach dem Interesse und
der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Gebührenpflichtigen zu bemessen sind (Art. 20
VRPG). Vorliegend ist bei der Bemessung zudem ebenfalls zu berücksichtigen, dass sich im
parallelen Verfahren betreffend direkte Bundessteuer (O2V 20 37) weitgehend die gleichen
Sach- und Rechtsfragen stellten. Praxisgemäss wird in vergleichbaren Fällen die Gerichts-
gebühr üblicherweise auf CHF 800 festgesetzt. Der von den Beschwerdeführern bereits
geleistete Kostenvorschuss ist daran anzurechnen.
3.2
Eine Entschädigung ist den Beschwerdeführern beim vorliegenden Verfahrensausgang nicht
zuzusprechen (Art. 53 Abs. 3 VRPG e contrario).
Der Vorinstanz werden unabhängig vom Verfahrensausgang keine Entschädigungen zuge-
sprochen (Art. 53 Abs. 3 i.V.m. Art. 24 Abs. 3 lit. a VRPG).
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