Decision ID: 42d756b5-4b0f-44ae-9788-408ad02f32be
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Hagmann, Obere Bahnhofstrasse 11,
Postfach, 9501 Wil SG 1,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a Der 1945 geborene M._ meldete sich am 18./20. September 2001 zum Bezug
von Leistungen der Invalidenversicherung an und beantragte Berufsberatung,
Umschulung, Arbeitsvermittlung und eine Rente. Er habe den Beruf eines Maurers
erlernt und sei seit seiner Einreise in die Schweiz 1992 bis März 2001 als solcher in
einer Bauunternehmung angestellt gewesen, die schliesslich in Konkurs geraten sei. Er
habe seit 1991 Beschwerden an Daumen, Arm und Schultern rechts sowie am Rücken
(act. 69).
A.b Dr. med. A._, Allgemeine Medizin FMH, gab in seinem Arztbericht vom
26. Februar 2002 (act. 77-1 bis 4/13) als Diagnosen an:
"Halbkörperschmerzsyndrom bei Status nach
Naht des ulnaren Seitenbandes 11/91
Daumengrundgelenksarthrodese im Spital Wil 1/98 wegen beginnender Arthrose
Chronisches Zervikobrachialsyndrom rechts
Pathologische Schmerzverarbeitung
Status nach Urolithiasis 3/01
Status nach unklarem rektalem Blutabgang wahrscheinlich bei
kleinen Hämorrhoidalenläsionen 9/01
Chronische Abdominalschmerzen mit Verdacht auf Colon irritabile."
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Der Versicherte habe erstmals 1997 Schmerzen im Bereich des rechten Daumens
beklagt. In der Folge hätten die Beschwerden zugenommen und sich ausgedehnt auf
den ganzen rechten oberen Quadranten, dann auf die ganze Körperhälfte. Weder die
Metallentfernung noch diverse konservative Therapieansätze hätten eine relevante
Besserung gebracht. Seit dem 18. November 2000 sei er als Bauarbeiter zu 100 %
arbeitsunfähig. Es bestehe eine eindeutige Chronifizierung, eine Wiedereingliederung in
irgendeinen Arbeitsprozess sei kaum mehr möglich. Den beigelegten Berichten war zu
entnehmen, dass der Versicherte im November 1991 bei einem Arbeitsunfall eine
distorsionelle Schädigung des Grundgelenkes I rechts erlitten und im Dezember 1997
diesbezüglich einen Rückfall angemeldet hatte. Bei der Abschlussuntersuchung vom
12. Juni 2001 hatte der Kreisarzt der Unfallversicherung festgehalten, der Versicherte
habe bis November 2000 mit der Daumenarthrodese eine mehr oder weniger volle
Leistung in der angestammten Tätigkeit erbracht. Die reinen Unfallfolgen liessen eine
ganztägige Präsenz für mittlere körperliche Belastungen ohne längerdauernde Arbeiten
mit Schlägen oder Vibrationen zu.
A.c Die MEDAS Ostschweiz erstattete am 5. November 2003 das bei ihr in Auftrag
gegebene polydisziplinäre Gutachten (act. 93). Als Hauptdiagnosen bezeichneten die
Gutachter (erstens) eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung, begleitet von
Sorgen um die Zukunft, Verstimmungen, Launenhaftigkeit und existenziellen Sorgen,
(zweitens) ein chronisches Halbkörperschmerzsyndrom rechts mit vielen vegetativen
Begleitbeschwerden und (drittens) eine chronische tendomyotische Periarthropathia
humeroscapularis rechts bei Läsion der Rotatorenmanschette. Ohne wesentliche
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit seien ein Status nach Arthrodese des rechten
Daumengrundgelenkes 01/98 und Metallentfernung sowie Tenolyse 09/99 und
rezidivierende und nach mehrfacher Abklärung unklar gebliebene
Abdominalbeschwerden. Für die angestammte Tätigkeit als Bauarbeiter bestehe keine
Arbeitsfähigkeit mehr, und zwar wohl ab November 2000 (Schliessung des Betriebes).
Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte bis mittelschwere
Tätigkeiten ohne Beanspruchungen des rechten Arms über Schulterhöhe sei aufgrund
der muskulo-skelettalen Befunde und unter Berücksichtigung der psychischen
Faktoren auf insgesamt 20 % (ganztags bei verminderter Leistung) zu schätzen.
Berufliche Massnahmen einschliesslich Arbeitsvermittlung dürften aufgrund von Alter,
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bescheidener Ausbildung und Deutschkenntnissen sowie ausgeprägter
Selbstlimitierung kaum in Frage kommen.
A.d Die IV-Eingliederungsberaterin berichtete am 1. Dezember 2003 (act. 64), der
Versicherte fühle sich in keiner Weise arbeitsfähig und habe auf ein Zeugnis seines
Arztes hingewiesen, das ihn zu 100 % arbeitsunfähig schreibe. Das Validen- sei wie
das Invalideneinkommen auf der Basis des Tabellenlohns festzulegen (Fr. 57'864.--,
wohl für 2003). Für die Bestimmung des Invalideneinkommens sei ein Abzug von 10 %
zu gewähren, da der ehemalige Bauarbeiter nur noch leichte Hilfsarbeiten ausführen
könne.
A.e Mit Verfügung vom 9. Januar 2004 (act. 58) wies die Sozialversicherungsanstalt/IV-
Stelle des Kantons St. Gallen einen Rentenanspruch des Versicherten bei einem
Invaliditätsgrad von 28 % ab. Bei einem konkreten Stellenangebot könne er sich für
eine allfällige Eingliederungshilfe melden. Die hiergegen am 14. Januar 2004 erhobene
Einsprache liess der Versicherte am 2. März 2004 wieder zurückziehen.
B.
B.a Am 6. Juni 2005 wandte sich Dr. A._ für den Versicherten aufgrund des Verlaufs
seit der MEDAS-Begutachtung mit einem "Antrag zur Wiederaufnahme der Abklärung
für eine IV-Berentung" (act. 39) an die IV-Stelle. Beim Versicherten bestehe
gegenwärtig vor allem aus psychiatrischer Sicht eine vollständige und irreversible
Arbeitsunfähigkeit. Um eine entsprechende Berentung vornehmen zu können, erachte
er eine erneute, schwergewichtig psychiatrische Beurteilung - wahrscheinlich am
besten in einer MEDAS - als dringend indiziert. Seit 2003 sei der Versicherte nie mehr
auch nur annähernd in der Lage gewesen, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Im
Vordergrund stünden zwei Beschwerdebilder: einerseits wechselnde Schmerzbilder
(Daumen, Schulter, Abdomen), anderseits eine persistierende chronisch depressive
Entwicklung mit Antriebslosigkeit, schweren Schlafstörungen und depressiven
Verstimmungszuständen. Es bestehe eine ausgeprägt pathologische
Schmerzverarbeitung.
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B.b Die IV-Stelle teilte Dr. A._ am 10. Juni 2005 (act. 38) mit, in seinem Schreiben
mache er keine wesentliche Veränderung des Sachverhalts geltend. Ohne glaubhaft
gemachte Veränderung werde sie auf eine neue Anmeldung des Versicherten nicht
eintreten können. Es sei zu empfehlen, einen Bericht des behandelnden Psychiaters
einzureichen.
B.c Am 13. Juni 2006 (act. 34) legte Rechtsanwalt lic. iur. Bruno Räbsamen als damals
neu bestellter Rechtsvertreter ein Anmeldeformular des Beschwerdeführers vom
31. Mai 2006, einen Schlussbericht von Dr. med. B._, Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, an C._, Allgemeine Medizin, den Nachfolger von Dr. A._,
vom 12. Oktober 2005 und einen Arztbericht von C._ vom 11. Februar 2006 ein.
Daraus gehe hervor, dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten seit der
MEDAS-Untersuchung massiv verschlechtert habe. Dies habe im Juni 2005 zu der
Zuweisung an Dr. B._ geführt. Die mittlerweile langandauernde gesundheitliche
Beeinträchtigung lasse sich medizinisch nicht mehr positiv beeinflussen. Selbst wenn
noch eine Resterwerbsfähigkeit vorhanden wäre, liesse sie sich nicht mehr verwerten.
Dr. B._ hatte erklärt, es liege eine dysphorisch-depressive Entwicklung mit
Schlafstörung und Reizbarkeit bei Zustand mit chronischen Schmerzen vor. Die
(medikamentöse) Behandlung habe keine Verbesserung erbracht. Eine
psychotherapeutische Verarbeitung erscheine (wegen schwieriger
Sprachverständigung und knappem Verständnis für eine reflektierende Thematisierung
der emotionalen Erlebnisebene) fast nicht möglich. Die Behandlung werde sistiert.
C._ hatte berichtet, es liege das Endresultat einer depressiv dysphorischen
Entwicklung mit einem schweren generalisierten Schmerzsyndrom vor. Der Versicherte
sei wegen der schweren psychischen Störung nun bleibend voll arbeitsunfähig. In der
IV-Anmeldung gab der Versicherte an, die Beschwerden hätten sich seit 2003
verschlimmert.
B.d Auf Vorschlag des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) der Invalidenversicherung
wurde eine Verlaufsbegutachtung beim damaligen psychiatrischen Gutachter der
MEDAS veranlasst. Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
bezeichnete in seinem Gutachten vom 12. Juli 2007 (act. 25) als Diagnose eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ohne psychische Komorbidität erheblichen
Ausmasses). Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien Probleme in der primären
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Bezugsgruppe und Schwierigkeiten bei der kulturellen Eingewöhnung. Dazu kämen die
somatischen Diagnosen mit qualitativer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (gemäss
MEDAS-Gutachten). Der psychopathologische Zustand sei seit der Begutachtung
stationär geblieben. Befundänderungen liessen sich nicht objektivieren. Verschlechtert
habe sich offensichtlich die soziofamiliäre Lage mit den damit verbundenen Konflikten.
Aus psychiatrischer Sicht sei der Versicherte nach wie vor zu 20 % arbeitsunfähig.
Dem mehrjährigen Krankheitsverlauf und dem Scheitern ausreichender Behandlungen
werde dadurch Rechnung getragen.
B.e In einem Fragebogen vom 25. September 2007 (act. 17) gab der Versicherte an,
sich seit August 2004 vom Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum abgemeldet zu
haben, da er aus gesundheitlichen Gründen nicht vermittelbar sei. Er könne sich nicht
selber eine leidensadaptierte Tätigkeit suchen und eine allfällige medizinisch-
theoretische Restarbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht
verwerten. Die IV-Eingliederungsberaterin gab am 5. Oktober 2007 (act. 16) bekannt,
mit einer Eingliederung auf dem ersten Arbeitsmarkt könne nicht mehr gerechnet
werden. Der Versicherte sehe ebenfalls keine Möglichkeit zur Eingliederung.
B.f Mit Vorbescheid vom 5. Dezember 2007 (act. 12 f.) stellte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle dem Versicherten eine Abweisung des
Rentengesuchs in Aussicht und teilte ihm gleichentags mit (act. 11), dass eine
Arbeitsvermittlung zurzeit nicht möglich sei.
B.g Der Versicherte liess am 18. Januar 2008 (act. 8) Einwand erheben und eine ganze
Rente, eventualiter ergänzende medizinische Abklärungen beantragen. C._ habe den
Versicherten gemäss dem beigelegten Arztbericht vom 9. Januar 2008 inzwischen in
psychiatrische Behandlung überwiesen. Am 17. Januar 2008 habe er einen ersten
Behandlungstermin bei Frau Dr. med. E._, Psychiatrie/Psychotherapie, wahrnehmen
können, die ihn im beigelegen Zeugnis von jenem Tag an voll arbeitsunfähig
geschrieben habe. Aufgrund der jüngsten Entwicklung sei ein Verlaufsbericht bei
Dr. E._ einzuholen. Schon in den bisherigen Unterlagen fänden sich Hinweise auf
eine psychische Komorbidität von erheblicher Schwere. Inzwischen seien die
Voraussetzungen, unter denen eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung eine
Invalidität begründe, gegeben. Die gesundheitliche Beeinträchtigung, die bei dem
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früher sehr arbeitsamen Versicherten Verzweiflung, Missmut und eine chronisch
depressive Stimmung habe entstehen lassen, habe sich in letzter Zeit noch
verschlechtert. Es sei nicht vorstellbar, dass der demnächst 63-jährige Versicherte eine
Resterwerbsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch verwerten
könnte. Es gebe keine Chance auf eine Arbeitsgelegenheit. Es wäre ausserdem ein
leidensbedingter Abzug von 25 % vorzunehmen. Selbst bei Annahme einer
Arbeitsfähigkeit von 80 % bestünde zumindest Anspruch auf eine Viertelsrente.
B.h Nachdem der RAD eine weitere Anfrage an Dr. E._ für nicht erforderlich gehalten
hatte (act. 5), wies die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle mit Verfügung vom
8. Februar 2008 (act. 6) den Rentenanspruch des Versicherten ab. Der Invaliditätsgrad
betrage 28 %. Psychosoziale Faktoren begründeten keine Invalidität. Wenn nebst dem
Umstand, dass eine versicherte Person nur noch körperlich leichte Tätigkeiten ausüben
könne, keine bedeutenden weiteren, gesundheitlich bedingten Einschränkungen
vorhanden seien, sei ein Leidensabzug von 10 % vorzunehmen.
C.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt Räbsamen für den
Betroffenen am 12. März 2008 erhobene Beschwerde. Der Rechtsvertreter beantragt,
die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und dem Beschwerdeführer sei eine ganze
Rente zuzusprechen, eventualiter sei die Sache zu ergänzenden Abklärungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Dem Beschwerdeführer sei ferner die
unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung zu gewähren. Da die
Beschwerdegegnerin, ohne einen Bericht von Dr. E._ einzuholen, keinen erheblich
veränderten Sachverhalt annehme, habe der Beschwerdeführer einen solchen Bericht
(vom 11. März 2008) veranlasst. Darin würden eine schwere depressive Episode mit
somatischem Syndrom, eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und Merkmale
einer Persönlichkeitsstörung Clustergruppe B diagnostiziert. Die Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers liege aus psychiatrischer Sicht danach bei 70 %. Die Medikation
sei ergänzt und umgestellt worden. Eine Psychotherapie sei zurzeit wegen der Schwere
der Symptomatik nicht möglich. Bei gutem Ansprechen auf die Antidepressiva werde
aber eine Gesprächstherapie angezeigt sein. Seit Juli 2007 sei eine massive
Verschlechterung zu verzeichnen. Sollte nicht auf diese Einschätzung abgestellt
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werden, müsste eine neue Begutachtung erfolgen. Es liege ferner eine psychische
Komorbidität vor, und der Beschwerdeführer leide seit Jahren an chronischen
körperlichen Begleiterkrankungen, es bestehe ein chronifizierter Krankheitsverlauf mit
progredienter Symptomatik ohne jegliche Rückbildung, ein sozialer Rückzug in allen
Belangen des Lebens, ein bis anhin nicht beeinflussbarer innerseelischer Verlauf. Das
Alter bilde bei der Zumutbarkeitsprüfung keinen invaliditätsfremden Faktor. Es könne
dazu führen, dass die verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt werde. Es sei nicht vorstellbar,
dass für den Beschwerdeführer noch eine Arbeitsmöglichkeit bestehe. Kein
Arbeitgeber würde ihn, der auch nicht auf eine neue Tätigkeit umschulbar sei,
einstellen. Es verbleibe auch lediglich noch eine Aktivitätsdauer von rund zwei Jahren.
Der Beschwerdeführer wäre im Übrigen auch bei leichten Hilfsarbeiten behindert, da er
doch mit dem rechten Arm überhaupt keine Arbeiten über Schulterhöhe mehr ausüben
könne, weshalb ein zusätzlicher Abzug zu machen sei. Dazu habe ein Teilzeitabzug zu
kommen. Der Beschwerdeführer, deutschunkundiger Ausländer im Alter von bald
63 Jahren, seit November 2000 ohne Beschäftigung und zuvor immer als Hilfsarbeiter
auf dem Bau tätig und nun gesundheitlich schwer angeschlagen, stehe auf dem
Arbeitsmarkt mit rasantem Strukturwandel rund 156'000 Erwerbslosen, meist
gesunden, jüngeren Stellensuchenden und rund 263'000 Unterbeschäftigten
gegenüber. Und die Arbeitgeber verlangten volle Leistung und die Bereitschaft und
Konstitution, jederzeit Überstunden zu leisten. Wenn überhaupt eine gesundheitlich
angeschlagene Person angestellt werde, müssten massive Lohnabstriche in Kauf
genommen werden. Insgesamt sei eine Kürzung des Tabellenlohnes um 25 %
gerechtfertigt.
D.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 21. April 2008 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Gemäss der beigelegten Stellungnahme des RAD hätten
Dr. E._ in ihrem Bericht vom 11. März 2008 und Dr. D._ den Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers sehr ähnlich beschrieben, aber anders beurteilt. Die
Beurteilung von Dr. D._ sei schlüssiger. Die Schilderungen des Beschwerdeführers
gegenüber Dr. D._ im Juli 2007 deckten sich in etwa mit jenen, die er Dr. E._
gegenüber gemacht habe. Es lasse sich schliessen, dass die subjektiv empfundene
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Verschlechterung bereits seit längerer Zeit eingetreten sei. Der Gesundheitszustand sei
stationär geblieben und es sei zu Recht eine Arbeitsfähigkeit von 80 % angenommen
worden. Kein Abzug sei zu machen, wenn eine versicherte Person ihre
Restarbeitsfähigkeit in einer Ganztagsstelle verwerten könne. Ein fortgeschrittenes
Alter, eine niedrige berufliche Qualifikation und mangelnde Sprachkenntnisse

rechtfertigten keinen Abzug. Einzig in Erwägung zu ziehen wäre ein zusätzlicher Abzug
wegen der Einschränkung des rechten Arms. Insgesamt wäre aber kein höherer Abzug
möglich als ein solcher von 15 %, zumal der Beschwerdeführer auch mittelschwere
Tätigkeiten noch ausführen könne. Auch mit dem so berechneten Invaliditätsgrad von
31.9 % bliebe es bei der Rentenabweisung.
E.
Am 29. April 2008 bewilligte die Gerichtsleitung dem Beschwerdeführer die
unentgeltliche Prozessführung (Befreiung von den Gerichtkosten und Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung).
F.
Mit Replik vom 19. Mai 2008 bringt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers vor,
dieser sei seit Januar 2008 in psychiatrischer Behandlung. Nachdem es durch die
Medikation zu einer leichten Besserung der Schlafstörungen und einer Distanzierung
von der Suizidalität gekommen sei, seien die Behandlungsintervalle nun etwas länger.
In einem Verlaufsbericht vom 16. Mai 2008 halte Dr. E._ dafür, die Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers sei nochmals zu überprüfen. Ein stationärer
Rehabilitationsaufenthalt sei für ihn aus sprachlichen Gründen nicht geeignet. Sie
werde jedoch eine ambulante psychosomatische Rehabilitation in die Wege leiten, wo
er in serbokroatischer Sprache behandelt werden könne. Die aktuelle
Arbeitsunfähigkeit aus rein psychiatrischer Sicht betrage 70 %. Der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe sich also wesentlich verschlechtert.
Auch der RAD habe von Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen geschrieben,
die offensichtlich bei der Untersuchung durch Dr. D._ nicht vorhanden gewesen
seien.
G.
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Die Beschwerdegegnerin hält am 3. Juni 2008 an ihrem Antrag fest und verzichtet im
Übrigen auf die Erstattung einer Duplik.
H.
Neu eingesetzter Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ist gemäss Schreiben vom
3. September 2008 Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Hagmann.
Erwägungen:
1.
1.1 Am 1. Januar 2008 ist die 5. IV-Revision in Kraft getreten. Die Beschwerdegegnerin
hat die angefochtene Verfügung am 8. Februar 2008, also nach dem Inkrafttreten und
damit unter der Geltung des Rechts der 5. IV-Revision erlassen. Zu beurteilen ist der
Sachverhalt, wie er sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung
entwickelt hat. Dieser Sachverhalt reicht in die Zeit vor dem Inkrafttreten der 5. IV-
Revision zurück. Es fragt sich damit, ob bei der Verfügung über den Sachverhalt neues
oder altes Recht anwendbar sei. Eine überzeugende Lösung jedes Übergangsproblems
setzt beim sogenannten Geltungsprinzip an (vgl. Ralph Jöhl, Übergangsrechtliche
Probleme im Leistungsrecht der Sozialversicherung, St. Gallen 1996, S. 2 f.). Dieses
Prinzip bringt zum Ausdruck, dass nur jenes Recht anwendbar ist, das in Geltung steht.
Soll auf bestimmte Sachverhalte nicht neues Recht Anwendung finden, sondern dafür
das aufgehobene Recht massgebend sein, muss eine geltende Norm die
Weiteranwendbarkeit des aufgehobenen Rechts anordnen. Die 5. IV-Revision enthält
keine die Rente betreffende übergangsrechtliche Bestimmung. Das Bundesamt für
Sozialversicherungen unterstellt aber zu Recht eine ausfüllungsbedürftige Lücke (vgl.
das IV-Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 2007). Denn da die Regelung des
Zeitpunkts der Entstehung des Rentenanspruchs in einer für die Versicherten
nachteiligen Weise geändert wurde, hätte eine Anwendung des neuen Rechts auch auf
alte Sachverhalte, über die bei Inkrafttreten neuen Rechts noch nicht verfügt wurde,
eine stossende Ungleichbehandlung zur Folge. Wichtig ist bei der Ausfüllung dieser
übergangsrechtlichen Gesetzeslücke die Definition dessen, was den sogenannten alten
Sachverhalt ausmacht, auf den das alte, aufgehobene Recht weiter anwendbar bleiben
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soll. Die Abgrenzung sollte durch ein materiellrechtliches, unbeeinflussbares Merkmal
erfolgen. In Frage kommen der Zeitpunkt der Entstehung des Auszahlungsanspruchs
oder der Eintritt des Versicherungsfalls, beide definiert nach dem alten, ausser Kraft
getretenen Recht (zum Ganzen im Detail der Entscheid des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen i/S M. vom 28. Oktober 2009, IV 2009/5). Das Bundesgericht hat
gestützt auf das Rundschreiben, wenn der Rentenanspruch vor dem 1. Januar 2008
entstanden wäre, altes Recht angewendet (etwa Bundesgerichtsentscheide i/S S. vom
28. August 2008, 8C_373/2008, und i/S P. vom 9. März 2009, 8C_491/08). Bezüglich
des allfälligen Rentenbeginns rechtfertigt es sich vorliegend, angesichts der IV-
Anmeldung vom Juni 2006 und des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit längere Zeit davor
die bis zum 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Bestimmungen (im Folgenden
angeführt) anzuwenden.
1.2 Mit der angefochtenen Verfügung vom 8. Februar 2008 hat die
Beschwerdegegnerin das Leistungsgesuch des Beschwerdeführers vom Juni 2006
(Neuanmeldung) abgewiesen. Sie ist, indem sie eine neue Begutachtung veranlasst hat,
auf die Neuanmeldung eingetreten. Das lässt sich nicht beanstanden, lautet der
allgemeine Verfahrensgrundsatz der Eintretenshürde bei Neuanmeldungen nach einer
vorausgegangenen Rentenabweisung doch - entgegen dem nicht massgebenden
Wortlaut von Art. 87 Abs. 4 IVV - lediglich, dass der Gesuchsteller das Vorliegen eines
aktuell rentenbegründenden Sachverhalts glaubhaft machen muss. Ein
Sachverhaltsvergleich auf der Zeitachse ist - anders als im Rentenrevisionsverfahren -
hier nicht erforderlich (Franz Schlauri, in SBVR, Soziale Sicherheit, 2. A., Die
Militärversicherung, Rz 137 mit Fn 190 f.). Der Beschwerdeführer lässt im
Gerichtsverfahren einzig Rentenleistungen beantragen. Streitgegenstand bildet daher
der allfällige Rentenanspruch. Ergäbe sich allerdings, dass ohne
Eingliederungsmassnahmen ein solcher in Frage stünde, so gehörte zum Streitgegen
stand notwendigerweise auch die Frage, ob die Verwaltung den Grundsatz
"Eingliederung vor Rente" beachtet und eine allfällige Pflicht des Beschwerdeführers zu
Massnahmen korrekt in Anspruch genommen habe.
2.
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2.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.2 Für die Invaliditätsbemessung sind zunächst die medizinischen Vorbedingungen
von Bedeutung. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu
beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind in
der Folge eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4; ZAK 1982 S. 34). Ob die versicherte Person eine ihr zumutbare Tätigkeit auch
tatsächlich ausübt, ist für die Invaliditätsbemessung hingegen unerheblich (Rz 3046
des vom Bundesamt für Sozialversicherungen erlassenen Kreisschreibens über die
Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung = KSIH).
2.3 Die psychiatrische Begutachtung vom Juli 2007 hat ergeben, dass dem
Beschwerdeführer eine Arbeitsfähigkeit von 80 % in einer adaptierten Tätigkeit (wie
schon von der MEDAS umschrieben) zumutbar sei. Von einer gänzlichen
Arbeitsunfähigkeit ging anderseits Dr. A._ in seinem Schreiben vom 6. Juni 2005 aus,
der bereits im Februar 2002 angenommen hatte, eine Wiedereingliederung des
Beschwerdeführers in irgendeinen Arbeitsprozess sei kaum mehr möglich. Auch C._
hielt im Februar 2006 und im Januar 2008 dafür, der Beschwerdeführer sei voll
arbeitsunfähig. Dr. E._ hat im März 2008 eine Arbeitsunfähigkeitsschätzung
abgegeben und dabei einmal von 70 % und einmal von voller Arbeitsunfähigkeit
geschrieben. Sie führt die Einschränkung auf eine schwere depressive Episode mit
Suizidalität bei der Komorbidität einer Persönlichkeitsstörung Clustergruppe B
(diagnostiziert hat sie Merkmale einer solchen Störung, nebst einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung) zurück. Im Bericht vom Mai 2008 legte die Ärztin dar,
unter medikamentöser Behandlung sei es zu einer leichten Besserung der massiven
Schlafstörungen und einer Distanzierung von der Suizidalität gekommen. Es bestünden
massive Konzentrationsschwierigkeiten.
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2.4 Die fachärztlichen Beurteilungen des Gutachters und von Dr. E._ zeigen eine
Differenz in der Diagnosestellung. Die behandelnde Ärztin benennt Merkmale einer
Persönlichkeitsstörung Clustergruppe B und schreibt der Persönlichkeitsstörung
offenbar auch einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu. Diese Differenz begründet
indessen keinen Zweifel an der Stichhaltigkeit des Gutachtens. Es kann davon
ausgegangen werden, dass die von Dr. E._ als Merkmale einer solchen Störung
aufgefassten Befunde vom Gutachter ebenfalls gewürdigt worden sind. Bezüglich der
Befunde besteht weitestgehend Übereinstimmung. Dass Dr. E._ im Unterschied zum
Gutachter Konzentrationsschwierigkeiten beschreibt, weil er Termine verwechselt oder
ausgelassen habe, rechtfertigt ebenfalls nicht, die Einschätzung des Gutachters in
Zweifel zu ziehen oder von einer erheblichen Veränderung im psychischen
Gesundheitszustand seit der (zweiten) Begutachtung auszugehen. Die gutachterliche
Beurteilung ist nachvollziehbar begründet. Sie ist mit Tests untermauert und soweit
möglich objektivierbar gemacht worden. Diesbezüglich kann auf die Stellungnahme
des RAD vom 15. April 2008 verwiesen werden. Für die Arbeitsfähigkeitsschätzung ist
denn auch massgeblich, welche Arbeitsleistung dem Beschwerdeführer noch zumutbar
ist. Was den Einfluss der soziofamiliären Probleme betrifft, die vorliegend erheblich zu
sein scheinen, ist darauf hinzuweisen, dass sie zwar nicht von vornherein als
invaliditätsfremde Gründe ausser Acht gelassen werden können. Hätten sie beim
Beschwerdeführer schliesslich zu einem psychischen Leiden geführt, das ihn in seiner
Arbeitsfähigkeit einschränkt, so wäre dieses Leiden durchaus relevant. Solange das
aber nicht der Fall ist, liegt deswegen keine Einschränkung der für die
Invaliditätsbemessung einzig ausschlaggebenden medizinisch zumutbaren
Arbeitsfähigkeit vor. Nach Auffassung des Gutachters sind soziotherapeutische
Massnahmen indiziert, welche die psychosoziale Belastung entschärfen könnten. Die
Prognose hängt nach gutachterlicher Einschätzung von einer Verbesserung der
familiären Situation und der (somit medizinisch betrachtet möglichen) Bereitschaft ab,
aktiv an Integrationsmassnahmen teilzunehmen. Auf das Gutachten vom Juli 2007,
welches auch den mehrjährigen Krankheitsverlauf und das Scheitern ausreichender
Behandlungen ohne Besserung des Zustandes berücksichtigt, kann für den ganzen
hier zu beurteilenden Sachverhaltsabschnitt abgestellt werden. Hieran vermag
angesichts der weitestgehend übereinstimmenden Befunde nichts zu ändern, dass
Dr. E._ aktenmässig aus einem lediglich diagnostischen Grund auf eine massive
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Verschlechterung schliesst. Bezüglich der Suizidalität konnte nach ihren Angaben im
Übrigen innert kürzerer Zeit wieder eine Distanzierung erreicht werden. Auf eine
anhaltende Verschlechterung aus somatischer Sicht, welche allenfalls eine erneute
polydisziplinäre Begutachtung hätte erfordern können, bietet die Aktenlage ebenfalls
keine Hinweise.
3.
3.1 Was die erwerblichen Auswirkungen der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
betrifft, ist nach der Rechtsprechung bei der Ermittlung des ohne Invalidität erzielbaren
Einkommens (Valideneinkommen) entscheidend, was die versicherte Person im
massgebenden Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde. Es ist in der Regel vom
letzten Lohn, welchen die versicherte Person vor Eintritt der Gesundheitsschädigung
erzielt hat, auszugehen (Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S C.
vom 20. November 2001 [I 716/00]; ZAK 1980 S. 593). Gemäss dem IK-Auszug erzielte
der Beschwerdeführer in der Zeit zwischen 1993 und 2000 Einkommen zwischen
Fr. 25'790.-- und Fr. 53'228.-- im Jahr. Die Arbeitgeberbescheinigung blieb
unausgefüllt, da der Arbeitgeber in Konkurs stand. Der durchschnittliche Jahreslohn
von Männern gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik machte
im Jahr 2006 Fr. 59'197.-- aus (vgl. Textausgabe Invalidenversicherung, ATSG, Anhang
2). Es kann vorliegend davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer sich
nicht aus freien Stücken mit einem unterdurchschnittlichen Verdienst hatte begnügen
wollen, sondern dass es invaliditätsfremde Gründe waren, weshalb er an seiner letzten
Stelle etwas unterdurchschnittlich verdiente. Aus diesen Gründen ist auch beim
Invalideneinkommen damit zu rechnen, dass es von vornherein (schon ohne
Berücksichtigung der Arbeitsunfähigkeit und allfälliger gesundheitlich bedingter
Lohnnachteile) nicht ganz den Tabellenwert erreichen wird. Es rechtfertigt sich daher
vorliegend, diese invaliditätsfremden Gründe dadurch ausser Acht zu lassen, dass als
Valideneinkommen und - da der Beschwerdeführer keine Erwerbstätigkeit mehr
aufgenommen hat - als Ausgangspunkt für die Bemessung des Invalideneinkommens
der entsprechende Tabellenlohn gewählt wird, wie es die Beschwerdegegnerin
grundsätzlich befürwortet.
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3.2 Der Beschwerdeführer lässt dagegen vorbringen, die ihm verbliebene
Arbeitsfähigkeit sei angesichts verschiedener Umstände nicht mehr verwertbar.
Unbestrittenermassen ist nicht darauf abzustellen, ob eine invalide Person unter den
konkreten Arbeitsmarktverhältnissen tatsächlich vermittelt werden kann, sondern einzig
darauf, ob und in welchem Rahmen sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch
wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an
Arbeitskräften entsprächen (AHI 1998 S. 291 E. 3b). Es wird nämlich von einer
ausgeglichenen Arbeitsmarktlage ausgegangen (vgl. Art. 16 ATSG). Der ausgeglichene
Arbeitsmarkt (eine Fiktion, vgl. BGE 129 V 480 E. 4.2.2) hat rein hypothetischen
Charakter und dient dazu, die Risiken Arbeitslosigkeit und Invalidität voneinander
abzugrenzen (vgl. Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S C. vom
16. Juli 2003, I 758/02; BGE 110 V 276 E. 4b). Ein solcher Arbeitsmarkt beinhaltet von
seiner Struktur her sowohl bezüglich der beruflichen und intellektuellen
Voraussetzungen als auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes einen Fächer
verschiedenartiger Stellen (Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S
O. vom 22. November 2006, U 303/06). Allerdings dürfen keine realitätsfremden
Einsatzmöglichkeiten berücksichtigt werden. Insbesondere kann von einer zumutbaren
Tätigkeit im Sinne von Art. 16 ATSG dort nicht gesprochen werden, wo sie nur in so
eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht
kennt oder dass sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines
durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden
Stelle deshalb von vornherein als ausgeschlossen erscheint (Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S S. vom 5. September 2006, I 447/06; ZAK
1991 S. 320 f. E. 3b).
3.3 Zunächst fragt sich, ob das Alter des Beschwerdeführers einer Verwertung im Weg
stehe. Bei der Neuanmeldung war der Beschwerdeführer 61 Jahre alt, bei Erlass der
Verfügung bald 63 Jahre. Es verblieben ihm entsprechend nur noch - aber immerhin -
wenige Jahre Aktivitätsdauer. Das fortgeschrittene Alter kann zusammen mit weiteren
persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen, dass die verbliebene
Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht mehr nachgefragt
wird. Ob das der Fall sei, hängt von den Anforderungen ab, die für
Verweisungstätigkeiten massgebend sind (vgl. Bundesgerichtsurteil i/S F. vom 28. Mai
2009, 9C_918/2008). Von Seiten der gesundheitlichen Beeinträchtigung muss der
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Beschwerdeführer an einen geeigneten Arbeitsplatz die Anforderung stellen, dass es
sich nicht mehr um eine körperlich schwere Arbeit handelt, wie er sie früher ausgeübt
hatte. Die körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeiten sollen ohne
Beanspruchungen des rechten Arms über Schulterhöhe ausgeübt werden können. Den
nicht überwindbaren psychischen Einschränkungen wird mit der
Arbeitsunfähigkeitsschätzung Rechnung getragen. Andere Einschränkungen sind nicht
erforderlich. Auch ein ganztägiger Einsatz ist möglich. Die zu stellenden
Rahmenbedingungen sind also für einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt (ohne schwere
Arbeiten) nur leicht einschränkend. Die Sprachschwierigkeiten dürften auf einem
solchen Arbeitsmarkt der verschiedensten Hilfsarbeiten keine relevante Bedeutung
haben. Es ist auch nicht anzunehmen, dass der Beschwerdeführer für eine
Erwerbstätigkeit als Hilfsarbeiter besonderer Massnahmen bedürfte, derentwegen mit
einer Anstellung nicht mehr zu rechnen wäre. Eine grössere Schwierigkeit ergibt sich
angesichts der Selbstlimitierung des Beschwerdeführers unter dem Gesichtspunkt der
aufzubringenden Umstellungsfähigkeit. Insgesamt lässt sich aber davon ausgehen,
dass einer Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auf einem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht so grosse Hürden entgegenstehen, dass sie als
realitätsfremd erschiene.
3.4 Strittig ist des Weiteren, ob zur Bestimmung des Invalideneinkommens der
Tabellenlohn zu kürzen sei. Nach der Rechtsprechung wird gekürzt, wenn Versicherte,
die in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwerarbeit verrichteten, nach Eintritt des
Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten nur beschränkt einsatzfähig sind,
wenn sie
- unabhängig von der früher ausgeübten Tätigkeit - als gesundheitlich Beeinträchtigte
im Rahmen leichter Hilfsarbeitertätigkeiten nicht mehr voll leistungsfähig sind oder
wenn weitere persönliche und berufliche Merkmale wie Alter, Dauer der
Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie
Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben. Tabellenlöhne schliesslich
werden bei gesunden Arbeitskräften erhoben. Der Abzug ist nicht schematisch
vorzunehmen. Vielmehr ist der Einfluss aller Merkmale auf das Invalideneinkommen
unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen
gesamthaft zu schätzen. Letztlich ist der Abzug vom statistischen Lohn unter
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Berücksichtigung aller jeweils in Betracht fallenden Merkmale auf insgesamt höchstens
25 % zu begrenzen (vgl. BGE 126 V 75).
3.5 Der Beschwerdeführer kann wie erwähnt keine schweren, aber noch leichte bis
mittelschwere Tätigkeiten verrichten, allerdings nur ohne Beanspruchungen des
rechten Arms über Schulterhöhe. Im Vergleich zu einem gesundheitlich nicht
beeinträchtigten Konkurrenten wird er wegen des Bedarfs an Rücksichtnahme mit einer
lohnmässigen Zurücksetzung zu rechnen haben. Männer mit einem
Beschäftigungsgrad von maximal 89 % (Teilzeitbeschäftigte) verdienen ausserdem (auf
allen Anforderungsniveaus) in der Regel überproportional weniger als
Vollzeitangestellte. Gemäss den medizinischen Vorgaben besteht eine
Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers für eine ganztägige Präsenz mit einem um
20 % reduzierten Rendement. Mit dem Teilzeitabzug soll nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung nur die eigentliche Teilzeitarbeit erfasst werden, nicht aber eine
vollzeitliche Tätigkeit mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit (Bundesgerichtsentscheid
i/S I. vom 4. März 2009, 9C_980/2008; vgl. auch den Bundesgerichtsentscheid i/S
S. vom 5. Juni 2008, 9C_344/08). Es erscheint jedoch als gerechtfertigt, einen
leidensbedingten Abzug auch bei versicherten Personen anzuerkennen, die ganztägig,
aber mit reduzierter Leistungsfähigkeit anwesend sein können. Der Leidensabzug dient
insbesondere auch der Korrektur der statistisch festgelegten Invalideneinkommen
wegen des Umstandes, dass die Zahlen von gesunden Arbeitskräften erhoben werden.
Wird ein Versicherter für Arbeit im Ausmass von z.B. 50 % eines Vollpensums
angestellt, so wird er gewiss keinen höheren Lohn erwarten können, wenn er für diese
50 % Leistung 100 % der betriebsüblichen Arbeitszeit benötigt. Es ist diesbezüglich
der Argumentation des Bundesgerichts im Entscheid i/S T. vom 8. Januar 2008,
9C_603/07, zu folgen. Kein Arbeitgeber wird bereit sein, dem ganztägig anwesenden
Arbeitnehmer für eine Leistung von z.B. 80 % einen höheren Lohn zu bezahlen als dem
zeitlich nur zu 80 % Anwesenden ohne Leistungseinbusse; tendenziell dürfte eher das
Gegenteil der Fall sein. Da dies jedoch statistisch nicht belegbar ist, erscheint es als
angezeigt, den statistisch ausgewiesenen Teilzeitnachteil sowohl bei teilzeitlich mit
voller Leistung als auch bei vollzeitlich mit eingeschränkter Leistung arbeitsfähigen
Versicherten anzuwenden (so der Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen i/S F. vom 29. September 2008, IV 2007/242). Männer im tiefsten
Anforderungsniveau erzielten im Jahr 2006 mit einem zwischen 75 % und 89 %
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liegenden Arbeitspensum ein aufgerechnet auf ein Vollpensum um 5.86 % tieferes
Einkommen (LSE 2006, Tabelle T2*). Dass die Aussichten, tatsächlich eine Anstellung
zu finden, durch höheres Lebensalter reduziert werden, kann, da es das Risiko der
Arbeitslosigkeit betrifft, unter dem Aspekt eines allfälligen Abzugs nicht berücksichtigt
werden. Allgemein statistisch betrachtet wirkt sich das höhere Alter ferner zwar auch
nicht lohnmindernd aus. Indessen ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass der
Beschwerdeführer früher stets als Bauarbeiter gearbeitet hatte und seit Jahren
erwerbslos ist. Er muss daher mit fortgeschrittenem Alter und wenigen Jahren der
verbleibenden Aktivitätsdauer wieder neu in den Arbeitsmarkt einsteigen. Dabei muss
davon ausgegangen werden, dass die Lohnchancen - insbesondere auch wegen
geringerer Flexibilität - im Vergleich zu im Arbeitsprozess verbliebenen Altersgenossen
erheblich vermindert sind (vgl. dazu den Bundesgerichtsentscheid i/S N. vom
30. September 2008, 9C_677/08). Ausserdem kann sich der Umstand, dass der
Beschwerdeführer als neu Anzustellender nicht mehr vom bisher erworbenen
Dienstalter profitieren kann, auf das zu erwartende Einkommen niederschlagen. Im
Segment der Hilfsarbeiten ist dieser Einfluss allerdings gering. Die Bedeutung der
Dienstjahre nimmt im privaten Sektor ab, je niedriger das Anforderungsprofil ist (vgl.
Bundesgerichtsurteil i/S A. vom 27. August 2008, 8C_780/2007). Das rechtfertigt nur
eine geringfügige zusätzliche Herabsetzung des statistischen
Durchschnittseinkommens. Insgesamt erscheint der Maximalabzug von 25 % als
gerechtfertigt.
3.6 Das Invalideneinkommen macht daher (bei einem Abzug von 25 % und einer
Arbeitsfähigkeit von 80 %) Fr. 35'518.-- aus. Der Invaliditätsgrad beträgt damit 40 %.
4.
4.1 Nach dem hier anwendbaren Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG entsteht ein Rentenanspruch
(frühestens) in dem Zeitpunkt, in dem die versicherte Person während eines Jahres
ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig
gewesen war. Unter Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG ist die
durch den Gesundheitsschaden bedingte qualitative und/oder quantitative Einbusse an
funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zu
verstehen (BGE 130 V 99 E. 3.2). Im Rahmen des Art. 29 Abs. 1 IVG nicht anwendbar
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ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts der Grundsatz, dass bei
langdauernder Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf - oder sobald klar wird, dass
die Wiederaufnahme der bisher ausgeübten Tätigkeit nicht mehr in Frage kommt - nach
Ablauf einer gewissen Übergangsfrist auch zumutbare Tätigkeiten in einem andern
Beruf zu berücksichtigen sind. Bei der Anwendung dieser Bestimmung ist
ausschliesslich die Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit zu betrachten
(Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S S. vom 23. Oktober 2003,
I 392/02, vgl. BGE 130 V 99 E. 3.2, bereits unter Hinweis auf den künftigen Art. 6
ATSG). Die einjährige Wartezeit gilt als eröffnet, sobald eine Arbeitsunfähigkeit von
mindestens 20 % vorliegt (AHI 1998 S. 124 E. 3c). Ein wesentlicher Unterbruch der
Arbeitsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person an mindestens dreissig
aufeinanderfolgenden Tagen voll arbeitsfähig war (Art. 29 IVV). Auch vor der
Anmeldung liegende Zeiten von Arbeitsunfähigkeit sind zu berücksichtigen (ZAK 1966
S. 58; Ulrich Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, S. 238; BGE
117 V 26 E. 3b; BGE 121 V 264; Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
i/S C. vom 2. März 2000 [I 307/99]).
4.2 Vorliegend kann nach der Aktenlage angenommen werden, dass die Zunahme des
Invaliditätsgrades auf ein rentenbegründendes Ausmass im Juni 2005 erfolgt ist, als der
Beschwerdeführer an Dr. B._ zugewiesen wurde. Ein Wartejahr mit einer
ununterbrochenen durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit (von
mehr als 40 %) ist vor diesem Zeitpunkt erfüllt, so dass der Rentenanspruchsbeginn
auf den Juni 2005 fällt. Eine verspätete Anmeldung liegt nicht vor. Der
Beschwerdeführer hat daher ab Juni 2005 Anspruch auf eine Viertelsrente.
5.
Dass die Beschwerdegegnerin von beruflichen Massnahmen abgesehen hat, lässt sich
nicht beanstanden.
6.
6.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 8. Februar 2008 teilweise gutzuheissen. Dem
Beschwerdeführer ist ab 1. Juni 2005 Anspruch auf eine Viertelsrente zuzusprechen.
ter
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6.2 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200 bis 1000 Franken festgelegt. Nach
Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen
Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden. Der Beschwerdeführer war dazu
veranlasst, die Verfügung vom 8. Februar 2008 als rechtswidrig beanstanden und ihre
Aufhebung beantragen zu lassen. Es rechtfertigt sich daher, für die Kostenfrage von
einem vollen Unterliegen der Beschwerdegegnerin auszugehen und ihr die
Gerichtskosten gesamthaft aufzuerlegen. Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.--
erscheint angemessen. Die am 29. April 2008 erteilte Bewilligung der unentgeltlichen
Prozessführung (Befreiung von den Gerichtskosten und unentgeltliche
Rechtsverbeiständung) ist damit obsolet geworden.
6.3 Im Hinblick auf den unumgänglichen Aufwand ist dem Beschwerdeführer auch
eine volle Parteientschädigung zuzusprechen. Die Entschädigung ist auf Fr. 3'500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG