Decision ID: a82ad471-b6b6-5e5e-b38a-e77d54ac79c3
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1956, war seit dem 1
1.
März 2014 als
Selbständigerwer
bende
im Bereich Unternehmensberatung und Schadenmanagement tätig, als sie am
1.
August 2014 mit dem Fahrrad stürzte und sich ein Schädelhirntrauma, Rip
penfrakturen und Prellungen zuzog (Schadenmeldung
UVG vom
5.
August 2014,
Urk.
8/10/17
).
Infolgedessen wurde die Versicherte mittels
Rega
ins
Spital
Y._
gebracht
(
Urk.
8/10/59 und
Urk.
10/69)
und
am
6.
August
2014 ins
Spital Z._
verlegt
(
Urk.
8/10/62)
, wo sie zwei Mal operiert wurde (Minithorakotomie mit Anlage von zwei
Thoraxdrainagen
sowie Mini-Kranioto
mie links temporal und
epidurale
Häm
a
tomevakuation
samt Entleerung eines
epi
duralen
Hämatoms,
Urk.
8/10/75-78)
. Ab dem 10. September 2014 bis
3.
Oktober 2014 erfolgte
eine Behandlung
in de
r
Klinik A._
(
Urk.
8/10/40)
und schliesslich bis April 2015
eine
ambulante
Behandlung am
Institut B._
(
Urk.
8/36/68)
. Die AXA Winterthur AG
als obligatorischer Unfallversicherer
erbrachte die
gesetzliche
n
Leis
tung
en
.
Aufgrund zunehmender psychischer Beschwerden und einer nicht erfolgreichen Arbeitsintegration legte die Versicherte ihre Tätigkeit ab September 2016 gänz
lich nieder. Die AXA Winterthur AG
als Unfallversicherer
veranlasste eine inter
disziplinäre Begutachtung in der Rehaklinik
C._
(Expertise vom 6. Juni 2018;
Urk.
8/71)
. Gestützt auf das Gutachten und die Stellungnahmen der bera
tenden Ärzte verneinte sie mit
Einspracheentscheid
vom 1
1.
Juni 2020
(
Urk.
8/87)
den Anspruch auf eine Invalidenrente sowie Integritätsentschädigung.
Das Urteil im dagegen angestrengten Beschwerdeverfahren (Prozess-Nr. UV.2020.00168) ergeht mit heutigem Datum.
1.2
Zwischenzeitlich hatte sich
die
Versicherte am
4
.
Februar
2015
auch bei der Inva
lidenversicherung zum Leistungsbezug angemeldet (Urk.
8/3
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizi
nische und erwerbliche Situation ab und zog die Akten der
AXA Winterthur AG
bei (Urk. 8/10, Urk. 8/36, Urk. 8/46-47, Urk. 8/48, Urk. 8/58, Urk. 8/67,
Urk.
8/71,
Urk.
8/73
). Am
31. März
2016 (Urk. 8/33
) teilte die IV-Stelle
der
Versicherten
mit, dass keine
Eingliederungs
massnahmen
möglich seien.
Nach
weiteren Abklärungen, Eingang des durch den Unfallversicherer veranlass
ten Gutachtens und
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 8/75,
Urk.
8/80)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
7
.
August
2020
einen Anspruch auf eine Invalidenrente (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am
8.
September 2020 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, die Verfügung vom
7.
August 2020 sei aufzuheben und ihr sei mit Wirkung ab
1.
August 2015 eine angemessene Invalidenrente zuzusprechen und auszurichten (S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
November 2020 (
Urk.
7) schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 16. November 2020 (
Urk.
9) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommens
vergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.4
Aufgrund der Einheitlichkeit des Invaliditätsbegriffs (Art. 8 ATSG) in der Invali
den- und Unfallversicherung hat die Schätzung der Invalidität mit Bezug auf den gleichen Gesundheitsschaden in beiden Bereichen prinzipiell denselben Invalidi
tätsgrad zu ergeben, soweit nicht die unterschiedliche gesetzliche Regelung oder Rechtspraxis in den einzelnen Versicherungszweigen zu einer abweichenden In
validitätsbemessung führen. Bereits abgeschlossene Invaliditäts
festlegungen sind
mitzuberücksichtigen
. Es besteht jedoch keine Bindungs
wirkung der Invali
ditäts
schätzung des einen Versicherers für den jeweils anderen Sozialversiche
rungs
zweig (Urteil des Bundesgerichts 8C_543/2011 vom 25. August 2011 E. 3 mit Hinweisen auf
BGE 133 V 549
E. 6,
119 V 468
E. 2b).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
be
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arz
tes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi
cherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärzt
lichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
UV170530
Beweiswert von versicherungsinternen ärztlichen Einschätzungen
08.2018
Nach der Recht
sprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärz
tinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvoll
ziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungs
verhält
nis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versicherungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zu
verlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Fest
stellun
gen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung (
Urk.
2) damit, dass der me
dizinische Untersuch der Unfallversicherung ergeben habe, dass die Beschwerde
führerin aus orthopädischer und unfallchirurgischer Sicht bereits seit
1.
Juni 2015 wieder voll arbeitsfähig sei.
Aus neurologischer und psychiatrischer Sicht sei keine Diagnose vorhanden, welche die Arbeitsfähigkeit einschränke (S. 1 f.).
Ledig
lich die Schlafstörungen seien unfallfremd und von der IV-Stelle zu
berück
sichtigen
. Der Beschwerdeführerin sei
ihre Tätigkeit
somit vor Ablauf des gesetz
lichen Wartejahrs
voll zumutbar gewesen. Aus diesem Grund bestehe kein An
spruch auf eine Rente der Invalidenversicherung (S. 2).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde geltend,
dass sie ab dem Unfalltag vom
1.
August 2014 aufgrund der schweren Unfallverletzungen in jeglicher Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen sei. Entgegen der Beschwer
degegnerin sei indes aufgrund der Akten nicht erstellt, dass sie vor Ablauf des gesetzlichen Wartejahrs in ihrer angestammten Tätigkeit wieder voll arbeitsfähig gewesen sei. Namentlich berufe sich die Beschwerdegegnerin zu Unrecht auf das Gutachten der Rehaklinik
C._
vom
6.
Juni 2018
, wo die Gutachter ausdrück
lich bestätigt hätten, dass sie nicht in der Lage seien, retrospektiv zum Grad der Arbeitsfähigkeit Stellung zu nehmen (S. 7).
Die Beschwerdegegnerin habe zudem auf Ergänzungsfragen an die Gutachter verzichtet und sei entsprechend nicht be
rechtigt, die Erkenntnisse der Gutachter einfach zu übergehen.
Wenn die Fach
ärzte den Zeitpunkt der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit nicht festlegen könn
t
en, könne dies auch der RAD-Arzt nicht, da er als Facharzt für Chirurgie nicht über die erforderliche Ausbildung verfüge, um zur Arbeitsfähigkeit aus neu
rologischer und psychiatrischer Sicht Stellung zu nehmen (S. 8).
Gestützt auf die Akten- und Sachlage sei somit eine volle Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit vom
1.
August 2014 bis 16. November 2014, eine 75%ige Arbeitsunfä
higkeit ab 1
7.
November 2014 bis 3
1.
August 2016 sowie eine volle Arbeitsunfä
higkeit ab
1.
September 2016 bis 6. Dezember 2017 erstellt. Diese Feststellung werde dadurch bestätigt und bestärkt, dass die AXA in diesen Zeitperioden das Taggeld auf der Basis dieser Arbeitsunfähigkeiten ausbezahlt habe
(S.
9 f.
).
Dem Gutachten könne - aus näher dargelegten Gründen - nicht gefolgt werden. Die fehlende bzw. sehr unvollständige Fragebeantwortung verunmögliche es
,
die Meinung der Gutachter zu eruieren und zu überprüfen, ob das Konsensgutachten mit den Teilgutachten übereinstimme. Daraus würden sich Widersprüche und offene Fragen ergeben (S. 16 ff.)
. Durch das Gutachten und die medizinischen Akten sei ab
7.
Dezember
2017 eine unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit in der an
ge
stammten Tätigkeit, welche sehr hohe kognitive Ansprüche stelle, in einem Grad von mindestens 20-30
%
ausgewiesen (S.
2
1 ff.).
Für die Zeit vom
1.
August
2014 bis 3
1.
März
2018 sei von einem Invaliditätsgrad von
zumindest
75
%
auszuge
hen.
Für die Zeitperiode ab April 2018 ergebe sich aufgrund des Einkom
mens
vergleichs - auch ohne Berücksichtigung eines hier zweifellos gerechtfer
tigten Leidensabzugs - ein Invaliditätsgrad von 52
%
, wodurch ihr ab April 2018 eine halbe Rente zustehe (S. 23).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch de
r
Beschwerdeführer
in
auf eine Invali
denrente.
3.
3.1
Zunächst ist - da formeller Natur (vgl. BGE 132 V 387 E. 5.1, 127 V 431 E. 3d/
aa
) -
auf die Rüge der Beschwerdeführerin betreffend Verletzung des rechtlichen Ge
hörs einzugehen (vgl. Urk. 1 S.
6 f.)
3.2
Gemäss Art. 29 Abs. 2
der Bundesverfassung (
BV
)
haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass des in ihre Rechtsstellung ein
greifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu wer
den und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweiser
gebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Ent
scheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1 mit Hinweisen).
Nach der Rechtsprechung kann eine – nicht besonders schwerwiegende – Ver
let
zung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die be
troffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äus
sern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann (BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
). Von einer Rückweisung der Sache an die Verwaltung ist selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs dann abzu
sehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhö
rung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer
beförderlichen
Beurtei
lung der Sache
nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweis).
3.3
Im Vorbescheid vom
5
.
April
201
9
hielt die Beschwerdegegnerin insbesondere fest, dass
der
Versicherten die angestammte Tätigkeit
weiterhin
zumutbar sei.
Die volle Arbeitsfähigkeit habe sie bereits vor Ablauf der gesetzlic
hen
Wartefrist wie
der erreicht
, weshalb kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe (Urk.
8/75
). Wie
die Beschwer
deführer
in
zutreffend vorbringt,
setzte sich die
Beschwerdegeg
nerin
in der Verfügung nicht detailliert mit allen im
Vorbescheidverfahren
vor
gebrachten Einwänden der Beschwerdeführerin auseinander (Urk. 1 S. 7)
.
So etwa mit der monierten fehlenden Auseinandersetzung der Gutachter mit der Einschät
zung des beratenden Arztes des Unfallversicherers,
Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH Neurologie (vgl. E. 4.6), mit der beruflichen Tätigkeit der Beschwerdeführe
rin (
Urk.
8/80/5-6).
Ob die Beschwerdegegnerin gehalten gewesen wäre,
sich mit jedem einzelnen Vorbringen der Beschwerdeführerin zu befassen,
kann im Ergebnis
offen gelassen
werden. Jedenfalls liegt keine schwere, die Heilung des Verfahrensmangels aus
schliessende Gehörsverletzung vor, welche von Amtes wegen zur Aufhebung der mit dem Verfahrensfehler behafteten Verfügung führen würde (vgl. BGE 124 V 180 E. 4a mit Hinweisen). In der angefochtenen Verfügung ging sie
, wenn auch knapp und sehr
zusammengefasst
,
auf
einige
von der
Versicherten erhobenen Rügen ein und
kam zum Ergebnis, dass
eine
Arbeitsunfähigkeit
nicht ausgewie
sen sei
und somit kein Anspruch auf eine Invalidenrente besteh
e
.
Der Beschwer
deführer
in
war es auf dieser Grundlage möglich,
ihr
Anliegen im
B
eschwerde
ver
fahren sachgerecht vorzutragen, wobei das a
ngerufene Sozialversicherungs
ge
richt
zudem über volle Kognition verfügt und sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei überprüft (vgl. § 18a des Gesetzes über das Sozialversiche
rungs
gericht [
GSVGer
]). Gegen eine Aufhebung der angefochtenen Verfügung verbun
den mit einer Rückweisung der Sache zur Gewährung des rechtlichen Ge
hörs sprechen im Übrigen verfahrensökonomische Gründe. In Anbetracht der kon
kre
ten Gegebenheiten würde ein solches Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und unnötigen Verzögerungen führen (vgl. E. 3.2 vorstehend).
Zudem beantragte die Beschwerdeführerin nicht die Rückweisung der Streitsache an die Verwaltung.
Zu prüfen ist damit im Folgenden, ob die Beschwerdegegnerin den Rentenan
spruch
der
Versicherten zu Recht verneint hat.
4
.
4
.1
Die rentenabweisende Verfügung vom
7.
August 2020 (
Urk.
2)
basierte
unter an
derem auf folgende
n
medizinische
n
Unterlagen:
4
.2
Die zuständigen Fachärzte der Klinik für Unfallchirurgie
Spital Z._
stellten
in ihrem Bericht vom
1.
September 2014 (
Urk.
8/10/62-66
) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Schädel-Hirn-Trauma vom
1.
August 2014
-
Dislozierte
dorsolaterale
Rippenserienfraktur links
Costae
IV-VII vom 1. August 2014
-
Harnwegsinfekt vom 1
6.
August 2014
Die Beschwerdeführerin sei dem
Spital Z._
am
6.
August 2014 aus dem
Spital Y._
zugewiesen worden. Nach dortiger Diagnostik mittels CCT und CT
Traumaspirale
habe sich ein
Epiduralhämatom
und eine Rippenserienfraktur links gezeigt. Bei stabilem Allgemeinzustand sei eine unauffällige intensivmedizinische Überwachung erfolgt. Eine
Hämatomevakuation
sei nicht notwendig gewesen
(S.
1)
. Im
Spital Z._
habe sich neben den intrakraniellen Verletzungen im Röntgen-Thorax neben der Rippenserienfraktur ein ausgedehnter Erguss auf der linken Seite ge
zeigt. Bei beginnender Ateminsuffizienz sei in der Nacht auf den
7.
August 2014 die Anlage einer
Thoraxdrainage
links in
Analgosedation
bei aus
gedehntem
Hä
mathorax
erfolgt. Sodann sei bei klinisch persistierender Des
ori
entiertheit und
Dysphasie
,
am ehesten bedingt durch das raumfordernde
epi
durale
Hämatom temporal links, die Indikation zur Kraniotomie und
Hämatom
eva
kua
tion
gestellt worden (S. 3). Bei einer wachen,
extubierten
Beschwerde
führerin habe sich kli
nisch eine Aphasie mit Wortfindungsstörungen, eine ein
geschränkte zeitliche Wahrnehmung und eine
geringgradige
Pronation im Arm
vor
halte
ver
such links gezeigt. Im Verlauf sei schrittweise eine Besserung der neurologischen Sympto
matik erfolgt, jedoch bestehe noch keine vollständige Erholung bezüglich Apha
sie. Am 1
4.
August
2014 sei die Entfernung der zweiten
Thoraxdrainage
mit ra
diologischem Nachweis eines Rest-
Pleuraergusses
linksseitig, jedoch vollstän
dig resorbiertem Pneumothorax, erfolgt (S. 4). Im durchgeführten EEG vom 1
1.
August 2014 hätten sich keine epilepsietypischen Potentiale sowie eine erhal
tene hirnelektrische Reagibilität gezeigt. Am
1.
September 2014 habe die Be
schwerdeführerin bei gutem Allgemeinzustand in die
Klinik A._
verlegt werden können (S. 4).
4
.
3
Dr.
rer
. nat.
E._
, Fachpsychologe Neuropsychologie FSP
,
und
lic
. phil.
F._
, Neuropsychologe
,
vom
Institut B._
hielten in ihrem Bericht vom
2
7.
November
2014 (Urk. 8/10/25-26) folgende Diagnosen fest
(S. 1)
:
-
Schädel-Hirntrauma vom
1.
August 2014 (Fahrradunfall)
-
EDH
frontoparietal
links
-
Kalottenfraktur
parietal links
-
Contre
-coup-Kontusionsblutung
temporopolar
rechts
-
RQW parietal links
-
Schädelbasisfraktur links mit Einstrahlung in den
Sinus
phenoidalis
links in den
Canalis
caroticus
links
-
Kein Nachweis für eine
Gefässdissektion
-
Fraktur des Arcus
zygomaticus
links
-
Kraniotomie links und
epidurale
Hämetomevakuation
vom
6.
August 2014
-
Status nach Thorakotomie links mit
Pleuraempyemausräumung
und Dekor
tikation am
3.
September 2014
-
SIRS wegen
Pleuraempyem
links
Anlässlich der Untersuchung habe die Beschwerdeführerin berichtet, dass sie keine kognitiven Defizite mehr verspüre. Auch sei die Müdigkeit sehr zurückge
gangen und es komme eher selten vor, dass sie keine Energie mehr habe, um ihre Angelegenheiten zu erledigen (S. 1).
Die durchgeführten Tests hätten gezeigt, dass die Leistungen der Beschwerdefüh
rerin in allen Bereichen der Aufmerksamkeit in der Norm liegen würden. Auch das in der laufenden Therapie gezeigte Verhalten sei gänzlich unauffällig. Aus neuropsychologischer Sicht sei aufgrund der Testungen und der Verh
altensbe
obachtung die Fahreignung
ab sofort
wieder gegeben
(S. 2).
4
.
4
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Allgemeine Medizin FMH, hielt in seinem Bericht vom
9.
Juni 2015 (
Urk.
8/16
/1-5
) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (S. 1):
-
Nach Velosturz am
1.
August 2014
-
Stumpfes
Thoraxtrauma
links
-
Schädel-Hirntrauma
-
Hüftkontusion links mit Hämatomen
-
Verdacht auf posttraumatische, reaktive Depression
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde der Verdacht auf eine
Coxarthrose
rechts genannt. Vom
1.
August bis 1
6.
November 2014 betrage die Arbeitsunfähigkeit 100
%
und ab dem 1
7.
November 2014 noch
7
5
%
.
4
.5
Dr.
phil.
H._
, zertifizierter Spezialist für Schlafmedizin, und
Dr.
med.
I._
, FMH Facharzt für Innere Medizin und speziell Lungenkrankheiten, vom Zentrum für Schlafmedizin der Klinik
J._
hielten in ihrem Bericht vom 2
8.
September
2015 (
Urk.
8/36/64-66
) als Diagnosen ungünstige Schlafgewohn
heiten bei
mehrphasischem
Schlafmuster mit Bedarf an Tagesschlaf infolge redu
zierter Aktivität/Stimulation sowie einen Zustand nach schwerem Schädelhirn
trauma fest (S. 1). Sie
führten aus
, die Beschwerdeführerin
habe
keine Hinweise auf eine körperliche Ursache ihrer Durchschlafprobleme geliefert. Es würden keine Anhaltspunkte für eine Atem- oder Bewegungsstörung bestehen und sie habe keine gesundheitlichen Beschwerden oder Schmerzen beklagt, die ihre regelmässige Wachphase in der Nacht erklären könnten. Eine erhöhte Einschlaf
nei
gung bei körperlicher Inaktivität in der zweiten Tageshälfte, das frische Erwachen in der Nachtmitte nach kurzem Schlaf sowie das schnelle Anwachsen einer Schlafbereitschaft während des Tages seien Symptome, die auf ein soge
nann
tes
mehrphasisches
Schlafmuster schliessen lassen würden. Ein
mehr
phasi
sches
Schlafverhalten mit 1-2
Tagesnickerchen
werde in verschiedenen Kultu
ren ge
pflegt und entspreche einer Normvariante des menschlichen Schlaf-Wach-Rhyth
mus. Ein
mehrphasisches
Schlafmuster komme bei Personen mit reduzierter Ak
tivität, in zunehmenden Alter, in wenig stimulierenden Lebens
situationen und bei Anpassung an neue Gegebenheiten verstärkt zum Ausdruck. Das bisherige Schlaf-Wach-Verhalten der Beschwerdeführerin sei durch die Idea
li
sierung eines
monophasischen
Schlafmusters geprägt, denn sie habe versucht
,
die Wachzeiten in der Nachtmitte zu verdrängen und tagsüber Zeiten mit Schläf
rig
keit durch Sti
mulation zu überwinden. Ein solches Bestreben sei bei
mehr
phasischer
Schlaf
struktur als ungünstige Schlafhygiene zu betrachten, denn bei Durchfüh
rung von 1-2 kurzen Ruhepausen während des Tages seien die Schläf
rig
keits
symptome ein
fach unter Kontrolle zu bringen. Bei Fehlen einer
Entspan
nungs
- oder Schlaf
pau
se während des Tages entstehe bei Personen dieses Schlaf
typs zu
dem eine abend
liche Erschöpfung, die den Schlafprozess in der Nach beeinträch
tige (S.
2
f.). Zur Verbesserung seien der Beschwerdeführerin folgende Verhal
tens
massnahmen empfohlen worden (S.
3
):
-
Sie solle sich zur Mittagszeit in eine schlafinduzierte Umgebung zurückziehen und sich für etwa 15 Minuten zu einem Nickerchen hinlegen. Zur besseren Entspannung und zeitlichen Begrenzung dieser Auszeit soll sie jeweils ein
Weckersignal
benutzen, auch wenn sie nicht einschlafe.
-
Eine gleichartige Ruhepause von 15 Minuten soll sie auch am frühen Abend um zirka 18.00 Uhr durchführen um sich für die Abendstunden zu erfrischen.
-
Die Beschwerdeführerin soll abends nach 20.00 Uhr angelehnte und ent
spannte Körperpositionen sowie passive Situationen vermeiden.
-
Sie soll abends zu Bett gehen, wenn eine Schlafbereitschaft spürbar sei.
-
Um negative Erregungszustände während der Wachphase in der Nacht zu ver
meiden soll sie bei Aufregung und Nervosität das Schlafzimmer verlasse
n
und in einem anderem Raum eine leichte Lektüre lesen oder Tee trinken, bis sie wieder deutliche Schläfrigkeit verspüre.
-
Sie soll an allen Tage
n
der Woche nicht später als um 06.00 Uhr aufstehen.
4
.
6
In einer Stellungnahme vom
6.
Oktober 2016 (
Urk.
8/4
8/25-28) gab der beratende Arzt
des Unfallve
rsicherers
Dr.
D._
an,
die Symptomatik der Beschwerdefüh
rerin lasse sich nicht erklären. Die posttraumatischen strukturellen Schädigungen seien sehr diskret. Die Beschwerdeführerin habe nach dem Unfall ab dem 1
7.
Novem
ber
2014 zu 25
%
gearbeitet, arbeite zurzeit aber nicht mehr. Die sekundäre Verschlechterung
könne er
aufgrund des Unfalls vom
1.
August 2014 ebenfalls nicht erklären. Es sei wahrscheinlich, dass hier psychogene Gründe mit
spiel
t
en. Auch die Schlafproblematik dürfe den Verlauf beeinflusst haben, obwohl die
se
per se nicht pathologisch sei.
Die Arbeitsfähigkeit sei langsam zu steigern, vermutlich könne - aus somatischer Sicht - eine Arbeitsfähigkeit um die 80
%
erreicht werden
(S. 4).
4
.7
Die Hausärztin der Beschwerdeführerin,
Dr.
med.
K._
hielt in ihrem Be
richt vom 2
8.
Februar 2017 (
Urk.
8/56)
fest, die Beschwerdeführerin leide aktuell an einer grossen Tagesmüdigkeit, weise wenig Energie, eine verminderte Belast
barkeit, mangelnde Konzentration und eingeschränkte kognitive Fähigkeiten auf. Der Schlaf sei durch die langen Wachphasen massiv gestört.
Die Beschwerdefüh
rerin könne nicht als Ver
sicherungsfachfrau arbeiten. Sie meistere den gemein
samen Haushalt einigermassen mit Pausen. Die Arbeitsunfähigkeit beurteilte
Dr.
K._
ab dem 2
7.
Juli 2016 mit 100
%
(S. 2). Dies beziehe sich auf alle Leistungen und sie brauche vor allem Abstand vom Trauma (S. 3).
4.8
4
.8.1
D
ie zuständigen Fachärzte der Rehaklinik
C._
,
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
med.
M._
, Facharzt für Allge
mein- und Unfallchirurgie,
lic
. phil.
N._
, Fachpsychologe für Neuropsycholo
gie FSP und der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
O._
erstellten am
6.
Juni 2018 ein interdisziplinäres Gutachten (
Urk.
8/71
). In der neurologischen Beurteilung wurde zusammengefasst dargelegt, dass bei der Beschwerdeführerin mit den vorliegenden objektivierbaren organischen Unfallfolgen keine Leistungs
minderungen auf körperlichem oder geistigem (intellektuellem) Gebiet begründet werden könnten, welche das Ausmass einer namhaften Einschränkung
d
er Ar
beitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit oder in angepassten Tätigkeiten an
nehmen würden. Unter Berücksichtigung der früheren und der aktuellen medizi
nischen Bildgebungen, der Elektroenzephalographie, der Laborbefunde und der neuropsychologischen Untersuchungsbefunde während de
n
stationären Begut
achtungen seien zusätzliche wahrscheinlich krankheitsbedingte Gesundheitsbe
einträchtigungen aus neurologischer Sicht beschrieben. So sei aus neurologischer Sicht die auswärtige Diagnose eines (wahrscheinlich krankheitsbedingten) «
mehr
phasischen
Schafmusters» zu bestätigen. Dies könne, falls die Beschwerdeführerin die Empfehlungen zur Schlafhygiene nicht einhalte, zu einem oft nicht erholsa
men Schlaf führen (S.
2
).
Auf orthopädisch-somatischem Fachgebiet würden zusammengefasst weder Be
schwerden noch Funktionseinschränkungen vorliegen. Somit gebe es auch keine funktionellen Einschränkungen der Leistungsfähigkeit. Die zuletzt ausgeführte Tätigkeit als selbständige Case Managerin/Schadensberaterin könne problemlos ganztägig ohne Einschränkungen weiterhin durchgeführt werden. Auch andere berufliche Tätigkeiten des allgemeinen Arbeitsmarktes seien ihr ganztäg
ig
ohne Einschränkungen zumutbar (S. 2).
Die Resultate und Beobachtungen in der standardisierten ergotherapeutischen Befunderhebung hätten sich an den drei Untersuchungstagen konsistent gezeigt. Die subjektiven Beschwerden (Müdigkeit und kognitive Minderleistungen) oder Min
derleistungen aufgrund einer «Blockade» hätten in den ergotherapeutischen Abklärungen nicht beobachtet werden können. Ausser einem verlangsamten Ar
beitstempo hätten auch keine der subjektiven Beschwerden beobachtet werden können. Zusätzlich sei eine leicht erschwerte Kommunikation aufgefallen. Bei leichten bis mittelschweren kognitiven Aufgaben habe über drei Stunden eine Leistungsfähigkeit festgestellt werden können und es könne von einer höheren verwertbaren Leistung ausgegangen werden (S. 2 f.).
Aufgrund der von neuropsychologischer Seite durchgeführten Tests, mit zumeist unauffälligen Leistungen, könne keine erhebliche Einschränkung einer berufli
chen Funktionsfähigkeit abgeleitet werden. Es sei möglich, dass bei Tätigkeiten mit sehr hohen kognitiven Anforderungen an die sprachlichen Funktionen die Leistungsfähigkeit leicht eingeschränkt sein könne (S.
3
).
In den fachärztlich-psychiatrischen Explorationen hätten keine krankheitswerti
gen psychischen Störungen diagnostiziert werden können. Die Folgen des Schä
del-Hirn-Traumas hätten temporär zu schweren ausgeprägten kognitiven Defizi
ten im Rahmen eines sogenannten organischen Psychosyndroms gemäss ICD-10 F07.2 geführt. Die kognitiven Defizite hätten seit März 2015 nicht mehr objekti
viert werden können, so dass diese psychiatrische Störung zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Rolle mehr spiele. Eine nach dem Unfall des Jahres
2014 be
schrie
be Anpassungsstörung bzw. in den Berichten dokumentierte posttrauma
tische Belastungsstörung oder depressive Störung habe zum Begutachtungszeit
punkt klinisch nicht (mehr) vorgelegen. Auch wenn sie vorgelegen haben sollten, seien diese nicht dauerhaft gewesen und würden auch in der Wahrnehmung der Beschwerdeführerin keine Rolle spielen. Aufgrund der durchgeführten Laborana
lyse würden sich zumindest in den Wochen vor der Begutachtung im Dezember 2017 und aufgrund der anamnestischen Angaben zum Zeitpunkt der Abklärung im Zentrum für Schlafmedizin
J._
ein erhöhter Alkoholkonsum als Quelle bzw. Teilfaktor der beklagten Durchschlafstörungen neben einer ebenfalls mög
licherweise vorliegenden
ineffektiven Schlafhygie
ne/Schlafwahrneh
mungs
stö
rung
nicht ausschliessen lassen. Zusammenfassend sei auf dem Gebiet der Psychiatrie keine gravierende unfallkausale Gesundheits
störung und/oder psychi
sche Beein
träch
tigung mit Auswirkung auf die ange
stammte oder eine angepasste Tätigkeit festzustellen (S. 3).
Die Experten führten nach interdisziplinärer Besprechung schliesslich folgende Diagnosen auf (S. 3
f.
):
-
Velo-Unfall am
1.
August 2014 mit:
-
Dislozierter,
dorsolateraler
Rippenserien-Fraktur links
Costae
IV-X (ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit)
-
Ausgeprägtem
Hämatothorax
links (ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit)
-
Hämatom/
Serom
des proximalen lateralen Oberschenkels links (ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit)
-
Schädel-Hirn-Trauma (ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit):
-
EDH
fronto
-temporal links;
Contre
-coup-Kontusionsblutung
tem
poro-polar
rechts;
fronto
-basale Hirnschädigungen;
Kalottenfraktur
parietal links; Schädelbasis-Fraktur links mit Einstrahlung in den Sinu
s
sphenoidalis
und den
Canalis
caroticus
links; Fraktur des Arcus
zygomaticus
links; RQW parietal links, Status nach passagerer
aphasischer
Störung; Status nach organischem Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma (ICD-10: F07.2); einseitige Anosmie (ICD
10: R43.0); thorakale Sensibilitätsstörungen; jeweils ohne Krank
heitswert
-
Verdacht auf einmaligen epileptischen Anfall am
7.
August 2014; kein Hinweis auf Epilepsie-Leiden (ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit)
Es bestehe zudem keine neuropsychologische Störung bei diskreten Minderleis
tungen im Bereich der verbal phonematischen Wortflüssigkeit, bei subjektiven Angaben von Durchschlafstörungen und persistierender Tagesmüdigkeit bei Sta
tus nach erlittener traumatischer Hirnverletzung vom 1. August 2014 (ohne Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit).
Als unfallunabhängige Diagnosen wurden die Folgenden genannt (S. 4):
-
Insomnie (ICD-10: F51.0) mit ungünstigen Schlafgewohnheiten bei
mehr
phasischem
Schlafmuster, mit Bedarf an Tagesschlaf infolge reduzierter Aktivität/Stimulation (ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit)
-
Anamnestisch Status nach Anpassungsstörung (ICD-10: F43.2)
, DD: depressive Episode (ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit)
-
Anamnestisch Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.2)
-
Verdacht auf schädlichen Gebrauch von Alkohol ICD-10: F10.1, bei Hin
weisen für Alkoholüberkonsum in den letzten 2-3 Wochen vor der Begut
achtung (ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit)
-
Beginnende
Hallux
valgus
-Deformität rechts (ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit)
-
COPD Gold Stadium I, Risikoklasse A (ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit)
-
Status nach Nikotin-Abusus (ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit)
-
Leichte Fehlsichtigkeit (ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit)
-
Bruxismus (Zähneknirschen) (ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit)
In Beantwortung der durch die Beschwerdegegnerin gestellten Fragen hielten die Gutachter ausserdem fest, dass nach gemeinsamer neuropsychologischer und neurologischer Einschätzung die am
1.
August 2014 erlittenen Verletzungen bzw. deren Folgen nicht mit Wahrscheinlichkeit geeignet seien, die angegebene Vari
ante des Schlafmusters oder eine andere (subjektive) Schlafstörung zu verursa
chen (S. 5 f.). Das Schlafverhalten der Beschwerdeführerin sei entweder ähnlich einer sogenannten «
Dekonditionierung
» zu werten oder unterliege einer nicht realistischen Wahrnehmung. Bei beiden Hintergründen sei durch eine Willensan
strengung der Beschwerdeführerin durch eine langfristige Verhaltensänderung und veränderte Selbstwahrnehmung bzw. Interpretation der subjektiv wahrge
nommenen störenden Schlafunterbrüche ein Abklingen der subjektiven Schlaf
störung zu erwarten. Zudem könne eine Abstinenz oder deutliche Reduktion des Alkoholkonsums zu einer verbesserten Schlafqualität führen (S. 6). Es stelle den Konsens der Begutachtenden dar, dass weder eine teilweise noch eine hochgra
dige oder vollständige Arbeitsunfähigkeit mit Unfallfolgen begründet werden könne. Es seien mit den nachweisbaren somatischen und psychischen Unfallfol
gen keine namhaften Beeinträchtigungen in der Ausübung der angestammten oder angepassten Tätigkeit begründbar. Es sei vorstellbar, dass eine minimale Rest-Aphasie bei der Beschwerdeführerin eine Arbeitstätigkeit (oder Umschulung) in einen sprachlich hoch anspruchsvollen Beruf beeinträchtigen würde. Das Ausmass einer Beeinträchtigung in diesen aussergewöhnlichen Arbeitstätigkeiten kön
ne jedoch nur grob eingeschätzt werden und müsse als «leicht bis mittel
gra
dig»
geschätzt werden. Die Beschwerdeführerin habe in den neuropsychologi
schen
Untersuchungen während der Begutachtung eine gute kognitive Leistungs
fähig
keit gezeigt. Es sei somit mit kognitiven Einbussen bei der Beschwerdefüh
rerin keinerlei Minderung der Leistungsfähigkeit in der Arbeitstätigkeit zu be
grün
den (S. 8). Aus neurologischer und psychiatrischer Sicht könne rück
blickend kein Zeitpunkt der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit festgelegt werden. Die be
schriebene Arbeitsfähigkeit gelte mindestens sei
t
dem Begut
ach
tungs
zeitpunkt. Aus orthopädisch/unfallchirurgischer Sicht sei von einer Arbeits
fähigkeit sechs Monate nach dem Unfall auszugehen (S. 9).
Hinsichtlich der ärztlichen Behandlung gaben sie an, dass die Beschwerdeführerin seit längerer Zeit keine Heilbehandlungen in Anspruch nehme. Nach ihrer Ein
schätzung seien Behandlungen weder in Bezug auf Unfallfolgen noch in Bezug auf relevante Erkrankungen medizinisch indiziert. Es sei keine ärztliche Behand
lung und keine Pflege zum Erhalt der uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit erfor
derlich (S. 9).
4.8.2
In Beantwortung von Rückfragen hielt
Neurologe und Psychiater
Dr.
L._
in seiner Stellungnahme vom
7.
Dezember 2018 (
Urk.
8/73/172-174) fest, dass zu
nächst präzisiert werden müsse, dass die fachärztlichen Begutachter in Bezug auf das sprachliche Ausdrucksvermögen der Beschwerdeführerin keine «Rest-Apha
sie» in einem Schweregrad von «leicht bis mittelschwer» beschrieben und/oder als dauerhafte Unfallfolge festgestellt hätten. Es sei in der fachärztlichen Zusammen
fassung lediglich eine «minimale Rest-Aphasie» diagnostiziert worden (S. 1). Wäh
rend der ausführlichen neurologischen Anamnese, der psychiatrischen Ex
ploration und der neuropsychologischen Befragung seien keine sprachlichen Ein
bussen deutlich aufgefallen. Nach gutachterlicher Einschätzung sei für die Tätig
keit als «Case-Manager» (welche den Begutachtenden wegen häufiger beruflicher Kontakte gut bekannt sei) keine ausgesprochen hohe Anforderung an eine dau
erhafte exakte sprachliche Ausdrucksfähigkeit erforderlich, im Gegensatz zum Beruf Simultan-Dolmetscher oder Telefonist (S. 2).
Aus
diesen Ausführungen sei deutlich abzuleiten, dass keine Leistungsminderung in der angestammten Tätig
keit als «Case-Managerin» mit nachweisbaren Unfallfolgen begründbar sei (S. 3).
5
.
5
.1
Aufgrund der Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung am 4. Februar 2015 (Urk. 8/3) ergibt sich
bei Beginn des Wartejahres am
1.
August 2014
ein früh
e
stmöglicher Rentenbeginn per 1. August 2015 (BGE 142 V 547).
5.2
.1
Das eingeholte Gutachten und die Beantwortung der Rückfragen (E.
4.8.1
und E.
4.8.2
hiervor) beruhen auf den erforderlichen Untersuchungen, sind für die streitigen Belange umfassend und wurden in Kenntnis der und in Auseinander
setzung mit den fallrelevanten
Vorakten
(vgl. Urk.
8/71
jeweils S. 2 ff. der jewei
ligen Teilgutachten)
erstellt
. Die Gutachter legten die medi
zinischen Zusammen
hänge einleuchtend dar, beurteilten
die medizinische Situation über
zeugend und setzten sich mit den geklagten Beschwerden
(vgl. Urk. 8/71
/12-24
S.
9 [orthopä
disch-unfallchirurgisches Teilgutachten],
Urk.
8/71/89-130
S. 2
3
ff. [neurologi
sches Teilgutachten],
Urk.
8/71/25-88
S.
34
ff. [psychiatrisches Teilgutachten],
Urk.
8/71/131-147
S. 5 [neuropsychologisches Teilgutachten])
und dem Verhal
ten der Beschwerdeführerin auseinander. Namentlich zeigten sie nachvollziehbar auf,
dass aus orthopädisch-somatischer Sicht weder Beschwerden noch Funk
tionseinschränkungen vorliegen und spätestens sechs Monate nach dem Unfall die Rippenserienfrakturen und die Folgen des Lungen-Eingriffes vollständig abge
heilt waren, was sich auch mit dem ergotherapeutischen Assessment deckt, wobei keine Einschränkung der Leistungsfähigkeit festgestellt werden konnte (
Urk.
8/71
/24
).
Auch der n
eurologische Teilgutachter, Dr.
L._
, beschrieb nachvollziehbar, dass unter Berücksichtigung der erhobenen Befunde mit den Hirnparenchym-Schädigungen als Folge des Unfalls vom August 2014 keine
höhergradigen
kog
nitiven Leistungsminderungen und keine erheblichen klinisch-neurologischen Ausfälle erklärbar sei
e
n. Die MR-Bildgebung des Gehirns vom Januar 2018 er
kläre eine - ausschliesslich auf der rechten Seite
- vorhandene Geruchs-Wahr
nehmungsstörung, bei erhaltener Geruchs-Wahrnehmung links. Als weitere Un
fallfolge nannte er Schädigungen peripherer sensibler Nerven im Bereich des Thorax, was jedoch ohne Hinweis für ein dort lokalisiertes neuropathisches Schmerz-Syndrom angesehen wurde. Er beschrieb zudem schlüssig, dass zwar eine mini
male Rest-Aphasie vorhanden ist, welche jedoch keine kognitiven Einbussen be
gründet. Auch die subjektive Schlafstörung konnte weder auf neuro
logischem noch auf
pulmologischem
/
pneumologischen
Gebiet eine organi
sche Begründung finden (
Urk.
8/71
/89-130
S. 35 ff.). Sodann zeigte auch der psychiatrische Gut
achter
O._
in schlüssiger Weise auf, dass bei der Beschwer
de
führerin zwar unfallbedingt ein organisches Psychosyndrom vorhanden ist,
die kognitiven De
fizite seit März 2015 nicht mehr objektiviert werden konnten,
diese
s
daher
keine Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit hat.
Auf dem Gebiet der Psy
chiatrie konnte keine Gesundheitsstörung und/oder psychische Beeinträchti
gung mit Auswirkung auf die angestammte oder angepasste Tätigkeit festgestellt wer
den, was ebenfalls einleuchtet.
Des Weiteren legte auch der neuropsy
cho
lo
gische Gut
achter schlüssig dar, dass bei der Beschwerdeführerin keine neuropsy
cho
logische Störung festgestellt werden konnte und aufgrund der durchgeführten Tests mit zumeist unauffälligen Leistungen keine erhebliche Einschränkung einer
berufli
chen Funktionsfähigkeit abgeleitet werden kann (Urk. 8/71
/131-147
S. 14
ff.). Die Gutachter gelangten sodann zum ausführlich begründeten und nach
voll
ziehba
ren Schluss, dass weder eine teilweise noch eine hochgradige oder vollstän
dige Arbeitsunfähigkeit
vorliegt
sowie
dass
mit kognitiven Einbussen keine Min
de
rung der Leistungsfähigkeit begründet werden kann (
Urk.
8/71 S. 8).
Das interdisziplinäre Gutachten entspricht damit den rechtsprechungs
gemässen Anfor
derungen an eine beweis
kräftige medizinische Entscheidungs
grundlage (vgl. E. 1.
6
hiervor).
5.2.2
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin
lässt sich die Meinung der Gut
achter ohne Weiteres dem Gutachten entnehmen, auch wenn sie die gestellten Fragen in ihren Teilgutachten nicht
explizit
beantwortet haben (
Urk.
1 S.
16
). So geht aus den jeweiligen Teilgutachten klar hervor, dass sich die Gutachter mit den Ausführungen und Beschwerden der Beschwerdeführerin ausführlich ausein
andergesetzt und jeweils eine entsprechende Beurteilung vorgenommen haben. Weder im Auftrag an die Gutachter (
Urk.
8/58 und Urk. 8/67
) noch gemäss Recht
sprechung wird vorausgesetzt, dass die gestellten Fragen auch in den einzelnen Teilgutachten beantwortet werden müssen. Sowohl in der interdisziplinären Zu
sammenfassung und Fragebeantwortung als auch in den Teilgutachten ist die Beurteilung und medizinische Einschätzung der geklagten Beschwerden durch die jeweiligen Experten klar ersichtlich und
eruierbar
.
5.2.3
Der weitere Vorwurf der Beschwerdeführerin, die Gutachter hätten sich nicht ge
nügend mit der Erhebung des Stellenprofils auseinandergesetzt
(
Urk.
1 S. 17 ff.)
,
zielt
ebenfalls ins Leere. Die Gutachter mussten explizit auf die Frage antworten, wieviel die maximale zumutbare tägliche und wöchentliche Arbeitszeit in der bisherigen Tätigkeit als selbständige Case Managerin und Unternehmensberaterin beträgt. Dazu wurde ihnen die entsprechende Stellenbeschreibung (vom 2
6.
Feb
ruar 2015) beigelegt
.
Die Gutachter kamen übereinstimmend zum Schluss, dass weder eine teilweise, noch eine hochgradige oder vollständige Arbeitsunfähigkeit mit Unfallfolgen begründet werden
kann
. Es konnten mit den nachweisbaren so
matischen und psychischen Unfallfolgen sodann keine namhaften Beeinträchti
gungen in der Ausübung der angestammten oder in einer angepassten Tätigkeit begründet werden. In den neuropsychologischen Untersuchungen zeigte die Be
schwerdeführerin eine gute Leistungsfähigkeit, womit kognitive Einbussen bei der Leistung ausgeschlossen werden konnten. Sowohl in der neurologischen Anam
nese, der psychiatrischen Exploration als auch in der neurologischen Befragung
f
ielen keine sprachlichen Einbussen au
f
. Zur Konkretisierung der bereits darge
legten Ansicht gab
Dr.
L._
in Beantwortung der Rückfragen explizit an, dass im Gutachten zwar die Rede von einer «minimalen Rest-Aphasie» war, diese je
doch nur eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätte, wenn
die Beschwerde
führerin
in einem sprachlich hoch anspruchsvollen Beruf mit dauerhaft exakter sprachlicher Ausdrucksfähigkeit tätig wäre. Dies sei bei der Tätigkeit als Case Managerin im Gegensatz zum Beruf eines Simultan-Dolmetschers oder Telefonis
ten nicht der Fall (
Urk.
8/73/172-174). Dass bei der Tätigkeit als Case Managerin durchaus persönliche Gespräche und Abklärungen
anfallen
, wurde nicht in Frage gestellt und lässt im Hinblick auf die möglicherweise vorhandene minimale Rest-Aphasie keine weitergehenden Einschränkungen begründen. Unter diesen Um
ständen ist nicht ersichtlich, inwiefern die Gutachter von einem falschen Stellen
profil ausgegangen sein sollen.
5.3
Die Beschwerdeführerin beantragte rückwirkend für die Zeit vom
1.
August 2014 bis 3
1.
März 2018 eine ganze und ab April 2018 eine halbe Rente.
5.3.1
Gemäss orthopädischem-unfallchirurgischem Teilgutachten zeigte die körperliche Untersuchung keinerlei somatische Einschränkungen, wobei auch keine spezi
fischen orthopädisch-somatischen Beschwerden geklagte wurden. Diese Ein
schätzung deckte sich auch mit dem ergotherapeutischen Assessment, in dem keine Einschränkungen der Leistungsfähigkeit festgestellt werden konnten (Urk. 8/71
/12-24
S. 11 ff.). Gemäss Gutachten bestand aus orthopädi
scher/un
fallchirurgischer Sicht spätestens
sechs
Monate nach dem Unfall bereits eine volle Arbeitsfähigkeit, was unter Berücksichtigung der übrigen Akten nach
vollziehbar erscheint.
5.3.2
Hinsichtlich der übrigen somatischen und psychischen Beschwerden kann bis zum Gutachtenszeitpunkt
im November 2017
Folgendes
festgehalten werden: Be
reits vor Ablauf des gesetzlichen Wartejahres
(August 201
5
)
ergab die Untersu
chung im
Institut B._
(vgl. E. 4.3),
dass
seitens
Beschwerdeführerin keine kognitiven Beschwerden mehr
angegeben wurde
n
. Dies passte auch zur Untersuchung, wo
nach
die Leistungen der Beschwerdeführerin in allen Bereichen der Aufmerksam
keit in der Norm
lagen
und a
uch das in der laufenden Therapie gezeigte Verhalten
war
gänzlich unauffällig. Aus neuropsychologischer Sicht
wurde
aufgrund der Testungen und der Verhaltensbeobachtung die Fahreignung wieder
bejaht
. Dr.
G._
ging in seinem Bericht vom
9.
Juni 2015 (vgl. E. 4.4) sodann von einer Arbeitsunfähigkeit von lediglich 20
%
aus.
Der psychiatrische Gutachter stellte fest, dass die kognitiven Defizite seit März 2015 nicht mehr objektiviert werden konnten (
Urk.
8/714).
Im weiteren Verlauf machte die Beschwerdeführe
rin Schlafstörungen geltend, weshalb im September 2015 eine Untersuchung im Zentrum für Schlafmedizin der Klinik
J._
(E
.
4.5) durchgeführt wurde.
Auch diese Untersuchung ergab keine organischen oder erklärbaren Ursachen für die von der Beschwerdeführerin angegebene
n
Schlafstörungen. Vielmehr kamen die Experten zum Schluss, dass eine erhöhte Einschlafneigung bei körperlicher Inaktivität in der zweiten Tageshälfte, das frische Erwachen in der Nachtmitte nach kurzem Schlaf sowie das schnelle Anwachsen einer Schlafbereitschaft wäh
rend des Tages Symptome
sind
, die auf ein sogenanntes
mehrphasisches
Schlaf
muster schliessen lassen
und sich die
nächtlichen
Durchschlafstörung
en
durch entsprechendes Verhalten vermeiden lässt (vgl. E.4.5)
. Zudem wurden der Umzug der Beschwerdeführerin sowie der Alkoholkonsum als mögliche Ursachen für den als schlecht empfundenen Schlaf thematisiert.
Aus der Schlafstörung lässt sich daher keine anhaltende wesentliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit herlei
ten.
Entgegen de
n
übri
gen fachärztlichen Einschätzung
en
attestierte
die Hausärztin der Beschwerdeführerin
Dr.
K._
eine seit dem Jahr Juli 2016 bestehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit (E. 4.7). In ihrem Bericht setzte
sie
sich aber
in keiner Weise
mit den übrigen fachär
ztlichen Befunden und deren Ein
schätzung der Ar
beitsfähigkeit auseinander, insbes
ondere auch nicht mit der fest
gestellten Diskre
panz der dargestellten Einschränkungen der Beschwerdeführerin zum objektiven Befund. Sie legte auch nicht dar, inwiefern die von ihr festgestellten Defizite sich als Einschränkungen manifestieren respektive wie sich diese auf ihre Tätigkeit als Case Managerin auswirken. Sie beliess es bei der undifferenzierten Feststellung, dass die Beschwerdeführerin sowohl in der angestammten als auch angepassten Tätigkeit nicht arbeitsfähig
sei
.
Sie verpasste es sodann
,
die funktionellen Aus
wirkungen näher darzulegen.
Im Hinblick auf die von ihr attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit ist zudem der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass be
handelnd
e Ärzte aufgrund ihrer auftrags
rechtlichen Vertrauensstellung in Zwei
felsfällen mitunter eher zugunsten ihrer Patienten aussagen (Urteil des Bundes
gerichts 8C_609/2017 vom 27. März 2018 E. 4.3.3). Aus dem Bericht von Dr.
K._
vermag die Beschwerdeführerin
somit
nichts zu ihren Gunsten abzu
leiten.
5.3.3
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, die Gutachter würden sich nicht zum Grad der Arbeitsfähigkeit äussern (
Urk.
1 S.
7
ff.)
,
kann ihr ebenfalls nicht gefolgt werden. In Beantwortung der Fragen 8.2-8.5 (
Urk.
8/71
S. 7 f.) gaben die Gutachter unmissverständlich an, dass weder eine teilweise noch eine hochgra
dige oder vollständige Arbeitsfähigkeit vorliegt. Auch unter Frag
e 9.3 und bei der Zusatzfrage 3
hielten die Experten erneut fest, dass eine uneingeschränkte Ar
beitsfähigkeit besteht, diese aus orthopädischer/unfallchirurgischer Sicht spätes
tens 6 Monate nach dem Unfall bereits bestanden hat, in den anderen Disziplinen jedoch sicherlich ab dem Begutachtungszeitpunkt ebenfalls gegeben ist (S. 9).
Eine Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit im Sinne von Art. 6 und Art. 7 ATSG ist vor diesem Hin
tergrund nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwie
genden Wahr
scheinlichkeit erstellt, was sich nach den Regeln über die materielle Beweislast zuungunsten de
r
Beschwerdeführer
in
auswirkt. Bei diesem Ergebnis sind keine Anhaltspunkte gegeben, welche weitere Abklärungen als notwendig erscheinen lassen. Der relevante Gesichtspunkt, ob nunmehr ein anspruchserheb
licher Gesundheitsschaden vorliegt, lässt sich aufgrund der bestehenden Akten
lage ver
lässlich beurteilen, weshalb sich in antizipierter Beweiswürdigung keine weiteren Abklärungen aufdrängen (vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen).
5.4
Zusammenfassend kann bei der Beschwerdeführerin aufgrund der Akten für die Zeit bis zur Begutachtung im November 2017 von einer 20%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden
(E. 4.
4
und E. 4.6)
. Eine darüber hinaus gehende Arbeitsunfähigkeit lässt sich aufgrund des beweiskräftigen interdiszipli
nären Gutachtens der Rehaklinik
C._
nicht erstellen.
Entgegen der Auffas
sung der Beschwerdeführerin
ist unter Einbezug der ärztlichen Berichte und des Gutachtens nicht ersichtlich, weshalb sie
aus gesundheitlichen Gründen
nicht in ihrer angestammten Tätigkeit als Case Managerin arbeiten könnte.
5.5
5.5.1
Für die Zeit von August 2015 bis November 2017 war die Beschwerdeführerin somit zu 80
%
arbeitsfähig. In der Folge bleiben die erwerblichen Auswirkungen dieser Einschränkung zu prüfen.
5.5.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
In gewissen Fällen, insbesondere dort, wo Validen- und Invalideneinkommen an
hand derselben Tätigkeit zu ermitteln sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_295/2017 vom 27. September 2017 E. 6.5), kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne Invalidität erzielbare hypothetische Er
werbseinkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invalidenein
kommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sogenannter Prozent
vergleich; BGE 114 V 310 E. 3a mit Hinweisen).
5.5.3
Die Beschwerdeführerin war bis zu ihrem Unfall im Jahr 2014 als Case Managerin tätig, eine Tätigkeit
,
welche ihr unter Berücksichtigung
ihrer Einschränkungen weiterhin offen gestanden hätte
.
Die verbleibende leichte Aphasie erachteten die Gutachter nicht als derart
gravierend
, dass ihre Tätigkeit nicht mehr möglich wäre
. Die
s
leuchtet
ohne Weiteres ein
, besteht doch die Tätigkeit der Beschwer
deführerin als Case Managerin nicht aus übermässig anspruchsvollen sprachli
chen Elementen. Die von der Beschwerdeführerin vorgebrachten Aufgaben
(
Urk.
1 S. 19)
von persönlichen beratenden Gesprächen, Verhandlungen und Ko
or
dination mit den involvierten Versicherungen, mit Anwälten, Arbeitgebern, Stellenvermittlern, möglichen zukünftigen Arbeitgebern und den fallbetreuenden Ärzten
sind wohl allesamt mental und fachlich anspruchsvoll, setzen aber kein übermässiges sprachliches Geschick voraus.
Gleiches gilt für die Kundenakquisi
tion sowie das Organisieren von Reha-Konferenzen. Einzig beim Moderieren von solchen Veranstaltungen ist eine Einschränkung denkbar. Dass dieser Teil in re
l
e
vantem Umfang anfällt, wurde indes nicht dargetan. Schliesslich ist die Durch
führung von Schadensberechnungen auf dem Laptop sprachlich nicht fordernd.
Bei dieser Ausgangslage (identische Basis des Validen- und Invalideneinkom
mens) kann auf eine ziffernmässige Bestimmung der beiden hypothetischen Ein
kommen verzichtet werden. Der Invaliditätsgrad entspricht damit dem Grad der Arbeitsunfähigkeit (Urteile des Bundesgerichts 8C_365/2012 vom 30. Juli 2012 E. 7, 8C_628/2015 vom 6. April 2016 E. 5.3.5 je mit Hinweisen).
Bei einer 80%i
gen Arbeitsfähigkeit resultiert entsprechend eine Einkommenseinbusse von 20
%
. Dass diese bei hypothetischer selbständiger Erwerbstätigkeit der Beschwerdefüh
rerin im Ein-Frau-Betrieb grösser wäre, ist nicht überwiegend wahrscheinlich und solches wurde auch nicht substantiiert dargetan.
5.5.4
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass per
sönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Le
bensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Ein
zelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen kör
perlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Ein
schränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts füh
ren dürfen (Urteile des Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.1 und 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1).
Hinsichtlich des leidensbedingten Abzugs ist anzumerken, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzu
ges einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunktes führen
dürfen
(Urteil des Bun
des
gerichts 9C_833/2017 vom 20. April 2018 E. 2.2). Bei der 20%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit wurden bereits die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Beschwerden und Restfolgen des Unfalls berücksichtigt, womit sich ein (weiterer) Abzug wegen der leidensbedingten Ein
schränkung nicht
rechtfertigt. Es ist nicht erkennbar
und wird im Übrigen auch nicht vorgebracht
, dass anderweitige einkommensbeeinflussende Faktoren
vorlie
gen
,
wodurch
die Beschwerdeführerin
gravierende
negative Auswirkungen auf die Lohnhöhe zu gewärtigen hätte.
Für einen rentenbegründenden Invaliditäts
grad wäre
jedoch
ein Abzug vom Tabel
lenlohn von 25 % notwendig, was ausge
schlossen ist.
Dies führt unter Berücksichtigung des zumutbaren Pensums von 80 % zu einem rentenausschliess
enden Invaliditätsgrad von 20 %
, was im Ergebnis zur Abwei
sung der Beschwerde führt.
6.
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrens-aufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Vorliegend sind die Kosten des Verfahrens auf Fr. 800.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.