Decision ID: 51c746ee-e222-4a88-90be-88972befeae4
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war bei der Physio B._ als Physiotherapeut
angestellt und dadurch bei der Swica Versicherungen AG (nachfolgend: Swica)
unfallversichert, als er laut Bagatellunfall-Meldung UVG vom 18. Januar 2017 am 7.
Januar 2017 ausrutschte und auf den gestreckten rechten Arm fiel (act. G 3.1).
A.a.
Am 18. Januar 2017 suchte der Versicherte wegen Schmerzen im Bereich der
rechten Schulter Prof. Dr. med. C._, Spezialarzt FMH für Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie, auf, der als Befunde einen Druckschmerz im Bereich der kranialen
AC-Gelenkskapsel und des antero-lateralen Acromionrandes sowie eine glenohumerale
Beweglichkeit 0-0-100° erhob, nach Durchführung klinischer Tests und einer
Röntgenuntersuchung ohne auffälligen Befund ein posttraumatisches subacromiales
Impingementsyndrom rechts diagnostizierte und eine subacromiale Infiltration des
rechten Schultergelenks durchführte (act. G 3.18/1).
A.b.
Eine MRI-Untersuchung der rechten Schulter in der Radiologie D._,
Diagnosezentrum E._, vom 23. Februar 2017 zeigte sodann insbesondere eine
deutliche ACG-Degeneration mit erosiv imponierender Konturalteration der
clavicualseitigen Gelenksfläche, ödematöser Stressreaktion der Gelenkkapsel sowie
ausgeprägtem Knochenmarksödem, vor allem in der lateralen Clavicula, weniger auch
acromionseitig, eine leichte subacromiale Reizsituation bei im Normbereich liegender
Subacromialraumweite und ein Acromion Typ II nach Bigliani (act. G 3.7/3).
A.c.
Bei einer Beschwerdeprogredienz führte Prof. C._ beim Versicherten am 1. März
und 23. Mai 2017 zwei weitere ACG-Infiltrationen durch, welche jeweils für einige
Wochen eine deutliche Beschwerdelinderung brachten. Nachdem es jedoch im Juli
A.d.
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2017 wieder zu einem Beschwerderezidiv gekommen war, erörterte Prof. C._ mit
dem Versicherten ein operatives Vorgehen (act. G 1.3, G 3.18/1 f.).
Am 7. September 2017 ersuchte die Klinik F._ die Swica um eine
Kostengutsprache für eine Hospitalisation vom 14. bis 17. September 2017 (act. G
3.3/1), worauf diese von Prof. C._ einen medizinischen Bericht bzw. ein Arztzeugnis
UVG einforderte. Aktuell stellte Prof. C._ die Diagnose einer aktivierten chronifizierten
posttraumatischen Arthritis (act. G 3.6, G 3.7/5 ff., G 3.10). Am 12. September 2017
legte die Swica den Schadensfall ihrem Vertrauensarzt Dr. med. G._, FMH Allgemein-
und Unfallchirurgie, zur Beurteilung vor (act. G 3.13/1 f.). Dieser stellte in einer per E-
Mail der Swica übermittelten Aktenbeurteilung vom 13. September 2017 insbesondere
fest, dass der Status quo sine spätestens zwei Monate nach dem Unfallereignis vom 7.
Januar 2017, d.h. per Mitte März 2017, erreicht gewesen sei (act. G 3.13/1). Noch am
selben Tag wurden folgende Korrespondenzen und Besprechungen geführt: Die Swica
teilte dem Versicherten telefonisch mit, dass sie ihre Leistungen per Ende März 2017
einstellen und somit nicht für die Kosten der Operation vom 14. September 2017
aufkommen werde (act. G 3.9). Der Versicherte widersprach der Leistungseinstellung
bzw. der Beurteilung von Dr. G._ per E-Mail (act. G 3.12/1) und auch Prof. C._
nahm schriftlich gegenüber der Swica zur Beurteilung von Dr. G._ Stellung. Er stellte
sich insbesondere auf den Standpunkt, das Unfallereignis vom 7. Januar 2017 habe
beim Versicherten zu einer richtungsgebenden Verschlimmerung eines degenerativen
Vorzustandes im ACG geführt (act. G 3.17, vgl. auch act. G 3.14/1 f.). Nach einer
Besprechung des Schreibens von Prof. C._ mit Dr. G._ teilte die Swica dem
Versicherten sowie Prof. C._ schliesslich per E-Mail mit, dass sie an ihrem Entscheid
betreffend Leistungseinstellung festhalte (act. G 3.14/1).
A.e.
Mit Schreiben vom 14. September 2017 bekräftigte die Swica die Ablehnung eines
Anspruchs des Versicherten auf Versicherungsleistungen aus der Unfallversicherung ab
dem 1. April 2017 für die fortdauernden Beschwerden in der rechten Schulter und die
Operation vom 14. September 2017 (act. G 3.16).
A.f.
Gleichentags führte Prof. C._ beim Versicherten bei der Diagnose einer
posttraumatisch aktivierten ACG-Arthrose mit Begleitimpingement rechte Schulter eine
A.g.
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B.
C.
Schulterarthroskopie mit Acromioplastik und lateraler Clavicularresektion rechts durch
(act. G 3.28/12).
Nachdem der Versicherte der Swica am 12. Oktober 2017 telefonisch mitgeteilt
hatte, mit dem Schreiben der Swica vom 13. bzw. 14. September 2017 nicht
einverstanden zu sein (act. G 3.19), erliess diese am 19. Oktober 2017 eine anfechtbare
Verfügung (act. G 3.21).
A.h.
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 17. November 2017, vertreten
durch Rechtsanwältin MLaw J. Husidic, St. Gallen, Einsprache (act. G 3.25). Am 29.
November 2017 reichte die Rechtsvertreterin eine ergänzende Einsprachebegründung
ein (act. G 3.28/1 ff.).
B.a.
Mit Einspracheentscheid vom 9. Mai 2018 wies die Swica die Einsprache des
Versicherten ab (act. G 3.32).
B.b.
Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwältin Husidic und Rechtsanwalt Dr. iur. R. Pedergnana, St. Gallen, für den
Versicherten (nachfolgend: Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 11. Juni 2018
Beschwerde. Darin beantragten die Rechtsvertreter, der Einspracheentscheid vom 9.
Mai 2018 sei aufzuheben und die Unfallversicherung (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) sei zu verpflichten, weiterhin ihre gesetzlichen Leistungen,
welche im Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 7. Januar 2017 stünden, ab
dem 1. April 2017 auszurichten. Eventualiter sei eine Begutachtung betreffend
Unfallkausalität durchzuführen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der
Beschwerdegegnerin (act. G 1). Zusammen mit der Beschwerde reichten die
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers unter anderem einen Bericht von Prof. C._
vom 8. Juni 2018 ein (act. G 1.3).
C.a.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 12. Juli 2018 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge (act. G 3).
C.b.
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Erwägungen
1.
Strittig und zu prüfen ist im vorliegenden Fall, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht
einen Anspruch des Beschwerdeführers auf über den 30. März 2017 hinausgehende
Versicherungsleistungen und damit insbesondere auch eine Leistungspflicht für die am
14. September 2017 durchgeführte Schulterarthroskopie mit Acromioplastik und
lateraler Clavicularesektion rechts sowie die weiteren Operationsfolgen (act. G 3.28/12)
abgelehnt hat.
2.
In ihrer Replik vom 8. August 2018 hielten die Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers an den in der Beschwerde gestellten Anträgen vollumfänglich fest
(act. G 5).
C.c.
Mit Schreiben vom 29. August 2018 hielt die Beschwerdegegnerin ihrerseits an
ihrem Antrag auf Beschwerdeabweisung fest und verzichtete im Übrigen auf eine
Duplik (act. G 7).
C.d.
Mit Schreiben vom 4. Dezember 2018 reichte Rechtsanwältin Husidic eine
Honorarnote inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer von insgesamt Fr. 3'867.60 ein
(act. G 9).
C.e.
Mit Schreiben vom 7. Januar 2019 wurde dem Versicherungsgericht mitgeteilt,
dass der Beschwerdeführer neu nur noch durch Dr. Pedergnana vertreten werde (act.
G 11).
C.f.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art.
6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Sie hat zudem
Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Art. 10 UVG). Angesichts
dieser gesetzlichen Bestimmungen bildet die Unfallkausalität Anspruchsvoraussetzung
für Heilkosten- und Taggeldleistungen der Unfallversicherung. Eine Leistungspflicht
besteht demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit
einem versicherten Unfallereignis zusammenhängen (Alexandra Rumo-Jungo/André
2.1.
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Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2012, S. 53 ff.).
Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher
Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel auf
Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht
nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (Rumo-Jungo/
Holzer, a.a.O., S. 55, 58; Urteil des Bundesgerichts vom 1. September 2008,
8C_522/2007, E. 4.3.2; BGE 112 V 33 E. 1a). Die Adäquanz spielt im Bereich organisch
objektiv ausgewiesener Unfallfolgen indessen praktisch keine Rolle, da sich hier die
adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 111 f. E. 2). Hat
der Unfallversicherer - wie im vorliegenden Fall - seine Leistungspflicht im Grundfall
einmal anerkannt, so entfällt seine Leistungspflicht erst dann, wenn der Unfall nicht
(mehr) die natürliche oder adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn
also letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht (Urteile
des Bundesgerichts vom 6. August 2008, 8C_101/2008, E. 2.2, und vom 23.
September 2014, 8C_419/2014, E. 3.2). Gemäss Art. 36 Abs. 1 UVG werden die
Pflegeleistungen und Kostenvergütungen sowie die Taggelder und
Hilflosenentschädigungen nicht gekürzt, wenn die Gesundheitsschädigung nur
teilweise Folge eines Unfalls ist. Diese Bestimmung beinhaltet eine Durchbrechung des
Kausalitätsprinzips für Fälle, in denen ein Gesundheitsschaden durch das
Zusammenwirken konkurrierender, teils unfallbedingter, teils unfallfremder Ursachen
bewirkt worden ist (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 18.
Februar 2003, U 287/02, E. 4.4 mit Hinweisen). Ebenso wie der leistungsbegründende
natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von
unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit gänzlich fehlender Auswirkungen des
Unfalls genügt nicht (Urteil des Bundesgerichts vom 6. August 2008, 8C_101/2008, E.
2.2; Thomas Locher/Thomas Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4.
Aufl. Bern 2014, § 70 N. 58 f.). Da es sich um eine anspruchsaufhebende Tatfrage
handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender
natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person,
sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 E. 2 mit Hinweisen; Urteil
des Bundesgerichts vom 6. August 2008, 8C_101/2008, E. 2.2 mit Hinweis). Allerdings
tragen die Parteien im Sozialversicherungsrecht in der Regel eine Beweislast nur
insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei
ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte.
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Diese Beweisregel greift indessen erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im
Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen
Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der
Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 222 E. 6 mit Hinweisen; Rumo-Jungo/Holzer,
a.a.O., S. 4, 55).
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweis). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft
eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen). Insofern sind auch Berichte und Gutachten, welche die Versicherung
während des Administrativverfahrens von ihren eigenen bzw. beratenden Ärzten und
Ärztinnen einholt, beweistauglich (BGE 125 V 352 ff. E. 3; RKUV 1991 Nr. U 133 S. 311
ff.). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens
entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu
stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen
vorzunehmen (BGE 135 V 470 f. E. 4.4 und 4.6; bestätigt etwa in Urteil des
Bundesgerichts vom 23. November 2012, 8C_592/2012, E. 5.3). Die
Erfahrungstatsache, dass behandelnde Ärzte und Ärztinnen aufgrund ihrer
auftragsrechtlichen Stellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten und
Patientinnen aussagen, steht in denjenigen Fällen nicht im Vordergrund, in denen ein
Arzt oder eine Ärztin einen Patienten oder eine Patientin nicht als Hausarzt oder
Hausärztin, sondern als Facharzt bzw. Fachärztin behandelte. Im Übrigen sind
Anhaltspunkte, welche die medizinischen Feststellungen der versicherungsinternen
Fachpersonen als nicht schlüssig erscheinen lassen, zu beachten, auch wenn sie von
behandelnden Ärzten oder Ärztinnen stammen (vgl. BGE 135 V 470 E. 4.5 f.; Urteil des
2.2.
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3.
Bundesgerichts vom 12. Februar 2010, 8C_907/2009, E. 1.1). Die Frage, ob die
Beschwerdegegnerin in Bezug auf die Schulterbeschwerden rechts im Zusammenhang
mit dem Unfall vom 7. Januar 2017 über den 30. März 2017 hinaus weiterhin
leistungspflichtig ist, wird von dieser in erster Linie gestützt auf die Aktenbeurteilung
von Dr. G._ vom 13. September 2017 (act. G 3.13/1) verneint. Die Rechtsprechung
erachtet eine reine Beurteilung aufgrund der Akten beweiskräftig, wenn die Akten ein
vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben und
diese Daten unbestritten sind. Voraussetzung ist ein lückenloser Untersuchungsbefund,
damit der Experte bzw. die Expertin imstande ist, sich aufgrund der vorhandenen
Unterlagen ein lückenloses Bild zu verschaffen (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom
24. März 2017, 8C_780/2016, E. 6.1, und vom 4. September 2017, 8C_135/2017, E.
3.2). Im Folgenden gilt es zu prüfen, ob vor dem Hintergrund des Gesagten auf die
Aktenbeurteilung von Dr. G._ abgestellt werden kann.
Im Zeitpunkt der Leistungseinstellung (30. März 2017) litt der Beschwerdeführer
unter Schulterbeschwerden rechts, konkret unter einer aktivierten ACG-Arthrose mit
Begleitimpingement, welche insbesondere die Indikation für die am 14. September
2017 durch Prof. C._ durchgeführte Schulterarthroskopie mit Acromioplastik und
lateraler Clavicularesektion rechts bildete (act. G 3.28/12). Ein natürlicher
Kausalzusammenhang zwischen Unfall und gesundheitlichen Beschwerden hat in der
Regel als gegeben zu gelten, wenn sich mittels wissenschaftlich anerkannter
apparativer/bildgebender Untersuchungsmethoden (wie Röntgen,
Kernspintomographie, Computertomographie, Arthroskopie) ein unfallkausaler
organischer Befund im Sinn eines strukturellen Gesundheitsschadens erheben lässt
(vgl. BGE 134 V 121 ff. E. 9, 134 V 232 E. 5.1 mit Hinweisen, 117 V 363 f. E. 5d/aa; SVR
2007 UV Nr. 25 S. 81 E. 5.4 mit Hinweisen [U 479/05]).
3.1.
Im Rahmen der MRI-Untersuchung in der Radiologie D._ vom 23. Februar 2017
erhob der untersuchende Radiologe Dr. med. H._ eine deutliche AC-
Gelenksdegeneration mit erosiv imponierender Konturalalteration der claviculaseitigen
Gelenksfläche, ödematöser Stressreaktion der Gelenkkapsel sowie ausgeprägtem
Knochenmarksödem, vor allem in der lateralen Clavicula, weniger acromionseitig,
sowie eine leichte subacromiale Reizsituation. Während die Subacromialraumweite im
Zusammenhang mit der Reizsituation als im Normalbereich liegend beschrieben wurde,
wurde sodann jedoch ein Akromion Typ II nach Bigliani angeführt (vgl. act. G 3.7/3). Dr.
G._ und Dr. C._ gehen angesichts dieser Befundsituation beim Beschwerdeführer
in ihren Berichten bzw. Stellungnahmen - ohne auf einen neuen unfallbedingten
3.2.
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4.
strukturellen Schaden hinzuweisen - übereinstimmend von einem degenerativen
Vorzustand aus (act. G 1.3, G 3.13/1, G 3.17). Diese Beurteilung erscheint angesichts
der in der rechten Schulter des Beschwerdeführers vorhandenen umfassenden
degenerativen Problematik stichhaltig und überzeugend.
Trifft ein Unfall auf einen vorgeschädigten Körper, kommt eine unfallkausale
Gesundheitsschädigung höchstens als vorübergehende oder richtungsgebende
Verschlimmerung des Vorzustandes in Betracht.
4.1.
Die Unfallversicherung übernimmt bei einer vorübergehenden unfallbedingten
Verschlimmerung nur den durch das Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub,
d.h. sie hat bis zum Erreichen des Status quo ante (Einstellen des allenfalls krankhaften
Gesundheitszustands, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat) oder Status
quo sine (Einstellen desjenigen Zustandes, wie er sich nach dem schicksalsmässigen
Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt
hätte) Leistungen für die unmittelbar im Zusammenhang mit dem Unfall stehenden
Beeinträchtigungen zu erbringen. Als Beispiele dafür gelten insbesondere durch einen
Unfall ausgelöste Diskushernien (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 26. Februar
2013, 8C_423/2012, E. 5.3, vom 9. Januar 2012, 8C_601/2011, E. 3.2, und vom 24.
Juni 2008, 8C_326/2008, E. 3.2 und 4; Urteil des EVG vom 14. März 2000, U 266/99, E.
1; vgl. auch Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54 ff.).
4.2.
Eine richtungsgebende Verschlimmerung liegt nach der Rechtsprechung vor, wenn
medizinischerseits feststeht, dass weder der Status quo sine noch der Status quo ante
je wieder erreicht werden können (vgl. Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S.54). Genauso wie
ein neuer unfallbedingter struktureller Gesundheitsschaden als objektiviert gilt, wenn er
durch einen entsprechenden apparativen/bildgebenden Untersuchungsbefund erhoben
wird (vgl. Erwägung 3.1), gilt dies grundsätzlich auch für eine richtungsgebende
Verschlimmerung eines bereits vorbestehenden degenerativen Gesundheitsschadens,
etwa in Form einer zeitlich beschleunigten Entwicklung (beispielsweise: ein
ungewöhnlich rasches Fortschreiten einer Arthrose) oder einer Ausdehnung des
Ausmasses der vorbestehenden Gesundheitsschädigung (beispielsweise: eine
Erweiterung eines Teilrisses zu einem transmuralen Riss). Zwar kann auch eine
richtungsgebende Verschlimmerung eines bereits vorbestehenden strukturellen
Gesundheitsschadens häufig mit einer entsprechenden Heilbehandlung geheilt werden,
dennoch erreicht der geschädigte Körperteil nie mehr den unversehrten
Gesundheitszustand, wie er vor dem Unfall bestanden hat. So wird beispielsweise mit
4.3.
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5.
einer Operation eine bleibende Änderung am geschädigten Körperteil vorgenommen,
womit die Frage nach dem Status quo sine bzw. ante, welche den Zustand eines
Körperteils vor oder ohne den Unfall einbezieht, nicht mehr als beweisende
Rechtsfrage für die Leistungsablehnung gelten kann. Besagter Umstand bedeutet
jedoch keinesfalls eine dauerhafte Anspruchsberechtigung auf
Versicherungsleistungen. Entscheidrelevant ist dabei die Rechtsfrage, in welchem
Zeitpunkt beispielsweise die Operationsfolgen als abgeheilt zu betrachten sind.
Während Dr. G._ in seiner Beurteilung vom 13. September 2017 erklärte, es sei
durch das Unfallereignis vom 7. Januar 2017 nur zu einer vorübergehenden
Verschlimmerung des degenerativen Zustandsbilds im AC-Gelenk der rechten Schulter
gekommen (act. G 3.13/1), vertrat Prof. C._ in seiner Stellungnahme vom 13.
September 2017 den Standpunkt, das vorgenannte Unfallereignis habe beim
Beschwerdeführer zu einer richtungsgebenden Verschlimmerung des degenerativen
Vorschadens im AC-Gelenk geführt (act. G 3.17). Dr. G._ hielt in seiner ärztlichen
Beurteilung vom 13. September 2017 fest, dass der Status quo sine spätestens nach
zwei Monaten, d.h. per Mitte März 2017, erreicht gewesen sei (act. G 3.13/1), was ihn
im konkreten Fall von einer Heilung der Unfallfolgen rund zwei Wochen nach der
zweiten Konsultation bei Prof. C._ bzw. der zweiten Infiltration des AC-Gelenks
ausgehen liess (act. G 3.18/1). Gestützt auf diese vertrauensärztliche Beurteilung stellte
die Beschwerdegegnerin per 30. März 2017 ihre Versicherungsleistungen ein. Von einer
Heilung der unfallbedingten Schulterbeschwerden rechts ist auszugehen, wenn sich die
unfallkausalen Befunde gänzlich zurückgebildet haben. Erst mit deren Heilung kann mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ein Dahinfallen der
Unfallfolgen angenommen werden (vgl. E. 2.1, 4.2 und 4.3).
4.4.
Am 14. September 2017 führte Prof. C._ beim Beschwerdeführer eine
Schulterarthroskopie rechts durch, in welcher sich laut dessen Operationsbericht die
inferiore ACG-Kapsel erheblich inflammiert zeigte und reseziert wurde. Prof. C._
beschrieb das AC-Gelenk ausserdem als vollständig kollabiert und erklärte
diesbezüglich, dass der Befund gut zu einer posttraumatischen Genese passe (act. G
3.28/12). Im Bericht vom 8. Juni 2018 hielt er sodann fest, er habe intraoperativ ein
Narbengewebe feststellen können. Auch hierzu erklärte er, dass dieses sehr gut zu
einer posttraumatischen Genese passe. Alles in allem bestehe für ihn kein Zweifel
daran, dass der erlittene Unfall unter Annahme einer vorbestehenden degenerativen
Veränderung eine relevante Teilursache für die gesundheitlichen Beschwerden des
Beschwerdeführers im Sinne einer richtungsgebenden Verschlimmerung darstelle (act.
5.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/13
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G 1.3). Mit der vollständigen Kollabierung des AC-Gelenks sowie dem Hinweis auf ein
Narbengewebe liegen gegenüber den MRI-Untersuchungsbefunden vom 23. Februar
2017 (act. G 3.7/3) neue Befunde vor, welche von Prof. C._ als traumatisch bedingt
bezeichnet werden. Die unterschiedliche Befundsituation von MRI und Arthroskopie
könnte damit erklärt werden, dass die Arthroskopie gegenüber dem MRI durch die
direkte Visualisierung der intraartikulären Strukturen in vielen Fällen eine nochmals
feinere diagnostische Differenzierung zulässt (Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch,
267. Aufl. Berlin/Boston 2017, S. 153 f.; Alfred M. Debrunner, Orthopädie,
Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. Bern 2005, S. 247 f., 725 f.). Der neuen Befundlage
kommt offenkundig eine entscheidende Bedeutung hinsichtlich der Frage zu, inwiefern
beim Beschwerdeführer über den Leistungseinstellungszeitpunkt hinaus von weiter
dauernden Unfallfolgen auszugehen ist, zumal Prof. C._ - wie bereits erwähnt -
davon ausgeht, der Unfall vom 7. Januar 2017 habe beim Beschwerdeführer eine
richtungsgebende Verschlimmerung eines Vorzustandes herbeigeführt.
Es versteht sich von selbst, dass Dr. G._ für eine beweiskräftige
Aktenbeurteilung von sämtlichen vorhandenen Akten, welche für die Beurteilung der zu
prüfenden Rechtsfragen bedeutsam sind, Kenntnis haben muss. Dr. G._ leitet zwar
seine kurze Aktenbeurteilung damit ein, er habe die medizinischen Unterlagen im
vorliegenden Fall studiert (vgl. act. G 3.13/1). Der Operationsbericht von Prof. C._
vom 14. September 2017 (act. G 3.28/12) hatte der Beschwerdeführer jedoch erst mit
der Einspracheergänzung vom 29. November 2017 (act. G 3.28/1) eingereicht. Im
Zeitpunkt seiner Aktenbeurteilung vom 13. September 2017 hatte Dr. G._ somit nur
Kenntnis vom MRI-Untersuchungsbericht vom 23. Februar 2017 (act. G 3.7/3), nicht
jedoch vom Operationsbericht vom 14. September 2017 (act. G 3.28/12). Angesichts
der in der Arthroskopie erhobenen bedeutsamen neuen Befunde sowie der weiteren
Erklärungen von Prof. C._ im Operationsbericht kann die Kausalitätsbeurteilung von
Dr. G._ in seiner Aktenbeurteilung zwangsläufig nicht als vollständig und demnach
auch nicht als zuverlässig und schlüssig betrachtet werden. Wichtige Aspekte bzw.
medizinische Fragen blieben darin ungeklärt. Wie bereits erwähnt, bestätigte Prof.
C._ auch in seinem Bericht vom 8. Juni 2018 (act. G 1.3) mit Blick auf das Ergebnis
der Arthroskopie eine richtungsgebende Verschlimmerung der vorbestehenden
degenerativen Veränderungen, womit sich das Vorliegen widersprechender
medizinischer Einschätzungen, aus denen sich ein eindeutiger Klärungsbedarf in
medizinischer Hinsicht ergibt, verdeutlicht.
5.2.
Es kann jedoch auch nicht ohne Weiteres anhand des Operationsberichts vom 14.
September 2017 (act. G 3.28/12) und des Berichts von Prof. C._ vom 8. Juni 2018
5.3.
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6.
(act. G 1.3) vom Vorliegen fortdauernder Unfallrestfolgen über das
Leistungseinstellungsdatum (30. März 2017) hinaus bzw. von einer Leistungspflicht für
die am 14. September 2017 durchgeführte Arthroskopie ausgegangen werden. So lässt
auch die Schlussfolgerung von Prof. C._ - der Unfall vom 7. Januar 2017 stelle unter
Annahme einer vorbestehenden degenerativen Veränderung eine relevante Teilursache
für die gesundheitlichen Beschwerden des Beschwerdeführers im Sinne einer
richtungsgebenden Verschlimmerung dar - ungeklärte Fragen offen. Die allgemeine
Aussage - ein Narbengewebe passe zu einer posttraumatischen Genese - ist an sich
nachvollziehbar, wird jedoch von Prof. C._ bezogen auf den vorliegenden Fall nicht
näher substantiiert. Es besteht keine Klarheit darüber, welchem Befund im
Operationsbericht vom 14. September 2017 (act. G 3.28/12) das von ihm erwähnte
Narbengewebe zuzuordnen ist (allenfalls dem kollabierten AC-Gelenk?), auf welcher
initial erlittenen strukturellen Verletzung respektive - wie von ihm angenommen -
richtungsgebend verschlimmerten strukturellen Körperverletzung die Narbenbildung
gründet, ob sich ein Narbengewebe nur als Folge einer traumatischen Verletzung oder
auch im Rahmen eines degenerativen Prozesses bilden kann, ob er die Narbenbildung
selbst als richtungsgebende Verschlimmerung des vorbestehenden degenerativen
Vorzustandes betrachtet und ob das von Prof. C._ festgestellt Narbengewebe
überhaupt die Beschwerden (mit-)verursacht.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Sachverhalt angesichts der sich
widersprechenden medizinischen Einschätzungen von Dr. G._ und Prof. C._, der
unvollständigen und damit Zweifel begründenden Beurteilung von Dr. G._ und der
ebenfalls Fragen aufwerfenden Schlussfolgerung von Prof. C._ (vgl. Erwägung 5.1 ff.)
noch nicht rechtsgenüglich abgeklärt erscheint. Es ist nicht ausgeschlossen, dass
durch eine externe orthopädische Begutachtung/Beurteilung - mit Einbezug der in den
vorstehenden Erwägungen genannten unklaren Punkte - sowie gegebenenfalls durch
gezielte Rückfragen bei Prof. C._ oder Dr. G._ überwiegend wahrscheinliche
Erkenntnisse in Bezug auf über den Leistungseinstellungszeitpunkt hinaus andauernde
Unfallrestfolgen herbeigeführt werden können. Demnach ist (noch) nicht von
Beweislosigkeit mit den damit verbundenen materiell-rechtlichen Folgen auszugehen.
5.4.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde dahingehend gutzuheissen, dass die
Streitsache zu ergänzenden medizinischen Abklärungen (insbesondere externe
orthopädische Begutachtung/Beurteilung) und neuer Verfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. Ein Gerichtsgutachten drängt sich (noch)
nicht auf, zumal seitens der Beschwerdegegnerin noch keine externe Beurteilung in
6.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte