Decision ID: ebd72cc0-2603-410c-b747-0061611444ea
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Oktober 1990 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Der Hausarzt Dr. med. B._ berichtete im
Dezember 1990 (IV-act. 6), der Versicherte sei durch einen Messerstich am rechten
Auge verletzt worden. Dabei sei der Nervus opticus lädiert worden, was wahrscheinlich
einen definitiven Verlust der Sehfähigkeit rechts zur Folge habe. Später wurde dem
Versicherten seine Arbeitsstelle als Bauhilfsarbeiter wegen des Unfallrisikos gekündigt
(IV-act. 7). Da der Versicherte aber eine neue Arbeitsstelle als Fabrikarbeiter im Bereich
der Kunststoffverarbeitung fand, bei der er einen nur geringfügig tieferen Lohn als den
an der früheren Arbeitsstelle erzielte, wies die zuständige Ausgleichskasse sein
Rentenbegehren am 21. Oktober 1991 ab (IV-act. 18).
A.b Im März 2003 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (IV-act.
36). Der neue Hausarzt Dr. med. C._ berichtete im März 2003 (IV-act. 38), der
Versicherte leide an einer Hyperpathie im Bereich einer Rissquetschwunde am rechten
Handrücken. Die Schmerzen hätten auch nach der Wundheilung persistiert. Weitere
Abklärungen mittels MRI und spezialärztlicher Untersuchungen hätten keine Ursache
er-geben. Der Versicherte sei bloss noch zu 25 Prozent arbeitsfähig. Der Augenarzt Dr.
med. D._ gab im Juni 2003 an (IV-act. 44), die Erblindung des rechten Auges sei
definitiv. Der Versicherte sei an einem adaptierten Arbeitsplatz ohne Gefährdung des
gesunden linken Auges uneingeschränkt arbeitsfähig. Der Handchirurg Dr. med. E._
vom Kantonsspital Chur hielt in einem Gutachten vom 19. August 2003 fest (IV-act. 47),
angesichts der fokalen Infiltrate am Handrücken mit Suffusionen verschiedenen Alters
könnte allenfalls ein artifizielles Klopfödem vorliegen. Der Versicherte sollte
diesbezüglich stationär abgeklärt werden. Die Klinik Valens führte in ihrem
multidisziplinären Gutachten vom 29. Dezember 2003 aus (IV-act. 52), es bestehe ein
Status nach einer Schnittverletzung am rechten Handrücken und ein Status nach einer
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Messerstichverletzung am rechten Auge. Für eine leichte, wechselbelastete Tätigkeit
mit seltenen Gewichtsbelastungen bis maximal zehn Kilogramm, ohne Tätigkeiten, die
ein gutes Gleichgewicht oder manuelle Fertigkeiten (Handkoordination) verlangten und
die einäugig durchgeführt werden könnten, bestehe eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt.
Mit einer Verfügung vom 13. September 2004 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
des Versicherten ab (IV-act. 88). Ein dagegen erhobenes Rechtsmittel wurde am 17.
August 2005 letztinstanzlich abgewiesen (IV-act. 97).
A.c Im September 2005 meldete sich der Versicherte zum dritten Mal zum
Leistungsbezug an (IV-act. 34). Seine Arbeitgeberin berichtete im Oktober 2005 (IV-act.
99), sie habe den Versicherten vom 1. Mai 2004 bis zum 30. Oktober 2005 als
Montagearbeiter mit einem Pensum von 50 Prozent beschäftigt. Der Lohn habe 2'200
Franken pro Monat betragen. Im November 2005 teilte Dr. C._ mit (IV-act. 105),
mittlerweile seien alle Gelenke im rechten Arm bis zur Schulter bewegungsdolent. Trotz
umfangreicher Abklärungen sei die Ursache nicht bekannt. Ambulante und stationäre
Rehabilitationen hätten nichts genützt. Für ganz leichte, mit einer Hand auszuführende
Arbeiten könne der Versicherte ganztags eingesetzt werden. Der Allgemeinmediziner
F._ berichtete im Mai 2006 (IV-act. 115), der Versicherte sei in einer wechselseitigen
Arbeit, sitzend/stehend/gehend (gemeint: wechselbelastend), ohne einseitige repetitive
Arbeitsgänge und ohne Gewichtseinsätze über zehn Kilogramm sowie unter der
Horizontalen voll arbeitsfähig. Am 9. Oktober 2006 wies die IV-Stelle sowohl das
Begehren um berufliche Eingliederungsmassnahmen als auch das Rentenbegehren ab
(IV-act. 125 f.).
A.d Am 13. November 2007 meldete sich der Versicherte zum vierten Mal zum
Leistungsbezug an (IV-act. 134). Die IV-Stelle forderte ihn am 4. Dezember 2007 auf,
eine nach dem 9. Oktober 2006 eingetretene leistungserhebliche
Sachverhaltsveränderung glaubhaft zu machen (IV-act. 137). Am 12. Dezember 2007
teilte Dr. D._ der IV-Stelle mit, der Augenbefund sei unverändert (IV-act. 138). In
einem Zeugnis vom 19. Dezember 2007 gab Dr. C._ an (IV-act. 140), die
Handschmerzen rechts seien stärker geworden, weshalb der Versicherte mehr und
stärkere Medikamente einnehmen müsse. Die Schwellung habe zugenommen. Am 24.
Januar 2008 notierte Dr. med. G._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst
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(RAD), es sei keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes eingetreten (IV-act.
142). Am 3. April 2008 berichtete Dr. E._ (IV-act. 150), inspektorisch stelle sich die
rechte Hand nach wie vor unauffällig dar. Die Trophik sei normal mit höchstens
angedeuteter leichter livider Verfärbung und vermehrter Behaarung. Es bestehe eine
Diskrepanz zwischen den subjektiv geklagten Beschwerden und den objektiven
Befunden. Bei Arbeiten mit einem leichten manuellen Einsatz könnte unter Umständen
eine Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent erreicht werden. Zusätzlich seien die Erblindung
des rechten Auges und die geistige und psychische Belastbarkeit zu beachten. Der
RAD-Arzt Dr. G._ vertrat am 15. April 2008 nochmals die Auffassung, dass keine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes glaubhaft gemacht worden sei (IV-act.
151). Am 23. Januar 2009 berichtete das Psychiatrie-Zentrum H._ (IV-act. 156), der
Versicherte sei in einem geschützten Rahmen für leichteste Arbeiten zu 60–80 Prozent
einsetzbar. Die Ärzte der psychiatrischen Klinik I._ teilten am 9. Februar 2009 mit (IV-
act. 158), der Versicherte leide an einem Status nach einer Schnittverletzung mit einem
persistierenden chronischen Schmerzsyndrom und einem funktionellen Ausschluss des
rechten Arms sowie an einer mittelgradigen depressiven Episode, die aber keine
Arbeitsunfähigkeit bewirke. Weite Teile des Problems wären durch eine geregelte
Arbeit mit einer entsprechenden Entlöhnung lösbar. Die geistige und psychische
Belastbarkeit des Versicherten sei durch die sozialen Gegebenheiten und durch die
rigiden prämorbiden Persönlichkeitszüge eingeschränkt. Im Juni 2009 berichtete das
Psychiatrie-Zentrum H._ über einen unveränderten Zustand (IV-act. 168). Am 10. Juli
2009 notierte der RAD-Arzt Dr. G._ (IV-act. 169), da keine relevante und
behandlungsbedürftige psychiatrische Störung vorherrsche, könne von einer
Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent in einer ideal adaptierten Tätigkeit ausgegangen
werden. Gestützt auf diese Arbeitsfähigkeitsschätzung errechnete die IV-Stelle einen
Invaliditätsgrad von 16 Prozent (IV-act. 170), weshalb sie das Rentenbegehren mit einer
Verfügung vom 30. November 2009 abwies (IV-act. 185). Mit einem Entscheid vom 5.
Dezember 2011 (IV 2009/484; vgl. IV-act. 204) hiess das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen eine dagegen erhobene Beschwerde insofern gut, als es die
Verfügung aufhob und die Sache zur weiteren Sachverhaltsabklärung an die IV-Stelle
zurückwies. Zur Begründung dieses Entscheides führte das Versicherungsgericht aus,
die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. E._, auf die der RAD-Arzt Dr. G._ abgestellt
habe, erweise sich nicht als überwiegend wahrscheinlich richtig, weil der von Dr. E._
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früher geäusserte Verdacht auf ein artifizielles Klopfödem nie bestätigt oder widerlegt
worden sei, weil die Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht eindeutig auf die Folgen der
Beschwerden an der rechten Hand beschränkt geblieben sei, sondern möglicherweise
auch die nachteilige soziale Situation einbezogen habe und weil die zur Definition der
Arbeitsfähigkeit gehörende Pflicht des Versicherten, die aus der Schmerzempfindung
resultierende subjektive Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung durch eine zumutbare
Willensanstrengung zu überwinden und trotz der Schmerzen zu arbeiten, wohl nicht
berücksichtigt worden sei. Somit erweise sich der massgebende Sachverhalt sowohl
bezüglich der Anforderungen an eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit als auch
hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit in einer solchen Tätigkeit als ungenügend abgeklärt.
Das Versicherungsgericht wies weiter darauf hin, dass für die Bestimmung des
Valideneinkommens von einer Validenkarriere als Bauhilfsarbeiter ausgegangen werden
müsse. Folglich sei der im massgebenden Gesamtarbeitsvertrag vorgesehene Lohn für
diese Tätigkeit massgebend. Alternativ sei auf den Zentralwert der
Bauhilfsarbeiterlöhne in der Region Ostschweiz gemäss der Lohnstrukturerhebung des
Bundesamtes für Statistik abzustellen.
A.e Am 25. Januar 2012 berichtete das Psychiatrie-Zentrum H._ (IV-act. 213), der
Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven Störung, die gegenwärtig
remittiert sei, sowie an einer Störung durch Sedativa oder Hypnotika respektive an
einem Abhängigkeitssyndrom. Aus psychiatrischer Sicht setze die weitere Behandlung
eine adäquate – idealerweise stationäre – Entzugsbehandlung voraus. Zur
Arbeitsfähigkeit könne momentan keine Stellung genommen werden. Gleichentags
teilte Dr. C._ mit, der Versicherte sei vollständig arbeitsunfähig (IV-act. 214). Ebenfalls
im Januar 2012 berichtete Dr. D._ über einen aus ophthalmologischer Sicht
unveränderten Gesundheitszustand (IV-act. 215). Die Klinik für Handchirurgie des
Kantonsspitals Chur teilte der IV-Stelle im März 2012 mit, dass die Behandlung des
Versicherten schon im Jahr 2008 abgeschlossen worden sei (IV-act. 218). Am 1. Mai
2012 notierte der RAD-Arzt Dr. G._, dass die neuen Berichte nichts an seiner
Arbeitsfähigkeitsschätzung geändert hätten und dass der Versicherte deshalb nach wie
vor als zu 80 Prozent arbeitsfähig für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten zu qualifizieren
sei (IV-act. 219). Mit einem Vorbescheid vom 9. Mai 2012 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit, dass sie angesichts eines nicht rentenbegründenden
Invaliditätsgrades von 17 Prozent vorsehe, sein Rentenbegehren abzuweisen (IV-act.
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222). Dagegen wandte der Versicherte am 4. Juni 2012 ein, seine Handschmerzen und
seine Depression seien ungenügend berücksichtigt worden, weshalb er um eine
gründliche Untersuchung durch Fachärzte ersuche (IV-act. 226). In einem weiteren
Schreiben vom 11. Juni 2012 liess der Versicherte darauf hinweisen, dass er die
mehrfach empfohlene stationäre Entzugsbehandlung nun in Angriff nehmen werde (IV-
act. 227). Der RAD-Arzt Dr. G._ nahm diese Mitteilung „mit Erstaunen und mit
Genugtuung“ zur Kenntnis und empfahl, den Verlauf der Entzugstherapie und einer
allfällig sich anschliessenden Behandlung abzuwarten (IV-act. 230). Am 4. Februar
2013 berichtete die Klinik I._ über die stationäre Behandlung in der Zeit vom 15.
November 2012 bis zum 1. Dezember 2012 (IV-act. 239). Die Ärzte führten aus, der
Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig
schweren Episode ohne psychotische Symptome, an psychischen
Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika respektive an einem
Abhängigkeitssyndrom, an einem Status nach einer Schnittverletzung am rechten
„Unterarm“ mit einem persistierenden chronischen Schmerzsyndrom sowie an einer
unfallbedingten Blindheit rechts. Der Versicherte sei für einen Entzug in die Klinik
eingetreten, doch sei schon im Eintrittsgespräch deutlich geworden, dass er sich nicht
auf eine Entzugsbehandlung einlassen konnte und unter anderem seine depressive
Symptomatik als im Vordergrund stehend sah. Während der Behandlung sei der
Verdacht auf ein Schlafapnoesyndrom entstanden. Die Diazepam-Dosis habe nur um
fünf Milligramm pro Tag reduziert werden können.
A.f Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die ärztliches Begutachtungsinstitut (ABI) GmbH
am 20. Januar 2014 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 249). Der psychiatrische
Sach¬verständige Dr. med. J._ hielt fest, der Versicherte leide an einer
Benzodiazepinabhängigkeit und an einer chronischen Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren. Beide Störungen wirkten sich aber nicht auf
die Arbeitsfähigkeit aus, denn das Ausmass der Abhängigkeit sei mit der Einnahme von
je fünf Milligramm Valium morgens und abends eher geringgradig ausgeprägt und sei
jedenfalls problemlos mit einer vollen Arbeitsleistung vereinbar. Der Versicherte sei
zwar zweimal stationär psychiatrisch behandelt worden, aber das depressive
Zustandsbild habe sich jeweils rasch wieder zurückgebildet. Es fänden sich keine
Hinweise für lang andauernde depressive Phasen. Die depressiven Verstimmungen
seien im Rahmen der chronischen Schmerzstörung zu sehen und stünden auch im
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Zusammenhang mit der psychosozialen Belastung. Hinweise auf eine eigenständige
depressive Erkrankung fehlten. Hinsichtlich der Schmerzstörung fehle es an einer
ausgeprägten psychischen Comorbidität, an einer chronischen körperlichen
Begleiterkrankung und an einem ausgeprägten sozialen Rückzug. Der Umstand, dass
alle therapeutischen Bemühungen gescheitert seien, lasse sich mit der fehlenden
Motivation des Versicherten erklären. Schwere, lebensgeschichtliche Belastungen
fänden sich nicht. Hinweise auf unbewusste Konflikte fehlten. Der handchirurgische
Sachverstände Dr. med. K._ führte aus, der protrahierte Heilungsverlauf nach der
banalen oberflächlichen Schnittwunde am rechten Handrücken durch eine Blechkante
vor elf Jahren sei ungewöhnlich. Der Versicherte habe sich damals nur an der Haut, an
der Unterhaut und wohl auch an den sensiblen Hautnervenästen verletzt. Das in der
Folge aufgetretene Weichteilstörungssyndrom habe sich über die Jahre nach proximal
bis zum Schultergürtel und zur rechtsseitigen Kopfhälfte ausgebreitet. Die Schmerzen
seien mittlerweile autonomisiert und cerebral fixiert. Sie korrelierten nicht mehr
eindeutig mit dem klinischen Befund. Das Schmerzsyndrom sei irreversibel fixiert.
Klinische Hinweise für ein komplexes regionales Schmerzsyndrom fehlten. Die Frage
nach der zumutbaren Arbeitsfähigkeit sei sehr schwierig zu beantworten, da die
Schmerzen der rechten Hand nicht schlüssig mit den erhobenen klinischen Befunden
korrelierten. Sicherlich könne der Versicherte nicht mehr als Bauhandlanger oder
Produktionsmitarbeiter arbeiten. Für leidensadaptierte Tätigkeiten sei die rechte Hand
aber durchaus noch einsatzfähig. Der Versicherte werde aber regelmässige Pausen
einlegen müssen, sodass seine Arbeitsfähigkeit wohl nur noch bei etwa 80 Prozent
liege. Die Augenärztin Dr. med. L._ hielt fest, der Versicherte leide an einer Amaurose
rechts und an einer Sehschärfenminderung links infolge einer chronischen
Benetzungsstörung und einer Linsentrübung. Aufgrund der Sehschärfenminderung am
funktionell einzigen Auge sei die Arbeitsfähigkeit um 20 Prozent vermindert. Aus
polydisziplinärer Sicht sei der Versicherte für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten zu 80
Prozent arbeitsfähig. Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung gelte ab dem Unfall vom 7. Juni
2002, mit Ausnahme der Dauer der stationären Behandlung vom 15. November 2012
bis zum 1. Dezember 2012, während der der Beschwerdeführer vollständig
arbeitsunfähig gewesen sei. Der RAD-Arzt Dr. G._ erachtete das Gutachten als
überzeugend (IV-act. 251).
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A.g Mit einem Vorbescheid vom 10. März 2014 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit
(IV-act. 254), dass sie nach wie vor die Abweisung seines Rentenbegehrens vorsehe.
Der Invaliditätsgrad betrage 33 Prozent, ein Anspruch auf eine Rente bestehe aber erst
ab einem Invaliditätsgrad von 40 Prozent. Am 11. April 2014 berichtete das Psychiatrie-
Zentrum H._ (IV-act. 255), der Versicherte leide gegenwärtig an einer mittelgradigen
depressiven Episode und sei deshalb vollständig arbeitsunfähig. Die
Untersuchungsergebnisse legten den Schluss nahe, dass es sich um ein chronifiziertes
Krankheitsbild handle. Unter einer medikamentösen Therapie habe eine leichte
Stabilisierung auf einem tiefen Niveau erreicht werden können, womit weitere
stationäre Behandlungen hätten vermieden werden können. Auch Dr. C._ hatte am 7.
April 2014 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert (IV-act. 256). Am 29. April 2014
wandte der Versicherte unter Hinweis auf diese Atteste gegen den Vorbescheid ein, er
sei mit der Abweisung seines Rentenbegehrens nicht einverstanden (IV-act. 257). Mit
einer Verfügung vom 8. Mai 2014 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab (IV-act.
258).
B.
B.a Am 5. Juni 2014 erhob der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 8. Mai 2014 (act. G 1). Er beantragte die
Zusprache einer Rente. Zur Begründung führte er aus, das Gutachten der ABI GmbH
sei nicht überzeugend. Die Untersuchung durch die Augenärztin habe gerade einmal
fünf Minuten gedauert. Er frage sich, welche Informationen dem mehrseitigen
Teilgutachten zugrunde gelegt worden seien. Das Psychiatrie-Zentrum H._ habe eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Das stehe im Widerspruch zum Gutachten
der ABI GmbH. Die Angabe in der Verfügung, das Psychiatrie-Zentrum H._ habe
keine psychische Störung mit Krankheitswert genannt, sei aktenwidrig.
B.b Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 19. August
2014 die Abweisung der Beschwerde (act. G 3). Zur Begründung führte sie aus, das
Gutachten der ABI GmbH erfülle alle Anforderungen der Rechtsprechung, weshalb
darauf abzustellen sei. Der Einwand des Beschwerdeführers, die Beurteilung sei schon
deswegen nicht aussagekräftig, weil nur ein kurzes Gespräch stattgefunden habe, sei
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nicht stichhaltig, denn ansonsten müssten „grundsätzlich alle von dieser Stelle
erstellten psychiatrischen Gutachten“ als unzulänglich bezeichnet werden.
B.c Am 4. September 2014 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche
Rechtspflege bewilligt (act. G 4).
B.d Mit einer Replik vom 21. November 2014 hielt der Beschwerdeführer an seinem
Antrag fest und reichte mehrere Arztberichte ein (act. G 9). Laut einem Austrittsbericht
der Klinik I._ vom 18. November 2014 hatte er sich in der Zeit vom 18. August 2014
bis zum 8. November 2014 in einer stationären Behandlung befunden (act. G 9.1). Die
Ärzte hatten ausgeführt, er leide an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer
gegenwärtig mittelgradigen Episode, an psychischen und Verhaltensstörungen durch
Sedativa oder Hypnotika, an einer einseitigen Blindheit und an einem chronischen
Schmerzsyndrom bei einem Status nach einer „Unterarmverletzung“ rechts.
Längerfristig sei von einer „höheren“ Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen.
Das Diazepam habe im Rahmen der Behandlung langsam reduziert und dann ganz
abgesetzt werden können. Die Behandlung habe sich insgesamt als eher schwierig
erwiesen. Die Symptomatik habe sich nur leicht gebessert. Am 21. November 2014
hatte Dr. D._ über einen unveränderten ophthalmologischen Zustand berichtet (act.
G 9.2). Dr. C._ hatte am 10. November 2014 das Bestehen einer depressiven Störung
und eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestätigt (act. G 9.3). Das Psychiatrie-Zentrum
H._ hatte eine bis auf weiteres bestehende vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert
(act. G 9.4).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 11).
B.f Am 7. Juli 2015 sandte die Klinik I._ dem Versicherungsgericht einen weiteren
Austrittsbericht zu (act. G 13). Dieser (act. G 13.1) bezog sich auf eine stationäre
Behandlung in der Zeit vom 23. April 2015 bis zum 28. Mai 2015. Die Ärzte hatten eine
rezidivierende depressive Störung mit einer gegenwärtig mittelgradigen Episode,
sonstige nichtorganische Schlafstörungen, psychische und Verhaltensstörungen durch
Sedativa oder Hypnotika sowie eine einseitige Blindheit diagnostiziert. Wiederum
hatten sie festgehalten, dass sie längerfristig von einer „höheren“ Einschränkung der
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Arbeitsfähigkeit ausgingen. Der Diazepamkonsum hatte offenbar erneut gestoppt
werden können.

Erwägungen
1.
Gegenstand des mit der angefochtenen Verfügung abgeschlossenen
Verwaltungsverfahrens hat die Prüfung einer sogenannten Neuanmeldung nach der
Abweisung eines früheren Rentenbegehrens mangels eines rentenbegründenden
Invaliditätsgrades gebildet. Die Neuanmeldung unterscheidet sich von der erstmaligen
Anmeldung zum Leistungsbezug nur dadurch, dass für ihre materielle Behandlung eine
anspruchsrelevante Sachverhaltsveränderung glaubhaft gemacht werden muss.
Vorliegend sind diese Voraussetzungen erfüllt gewesen, wie schon im Entscheid
2009/484 vom 5. Dezember 2011 (E. 1) ausführlich dargelegt worden ist. Nachdem die
Beschwerdegegnerin – zu Recht – auf die Neuanmeldung eingetreten war, hat sich das
Verwaltungsverfahren inhaltlich nicht mehr von einem Verfahren zur Prüfung eines
erstmaligen Rentenbegehrens unterschieden. Gegenstand des Verwaltungsverfahrens
hat also der Rentenanspruch als solcher gebildet. Da der Gegenstand des
Beschwerdeverfahrens jenem des mit der angefochtenen Verfügung abgeschlossenen
Verwaltungsverfahrens entsprechen muss, hat dieses Verfahren grundsätzlich die
umfassende Prüfung der Frage, ob der Beschwerdeführer einen Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung hat, zum Gegenstand. Nun hat das
Versicherungsgericht bei einer ersten Prüfung dieser Frage im Entscheid IV 2009/484
vom 5. Dezember 2011 die Sache nicht nur zur weiteren Sachverhaltsabklärung an die
Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, sondern diese zusätzlich auch darauf
hingewiesen, dass sie für die Berechnung des Invaliditätsgrades von einer
Validenkarriere als Bauhilfsarbeiter ausgehen müsse. Dabei hat es sich um eine
„bindende Rechtsauffassung“ im Sinne des Art. 56 Abs. 2 Satz 2 VRP gehandelt, was
bedeutet, dass darüber nicht erneut zu befinden ist.
2.
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2.1 Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, die
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat einen Anspruch auf eine Rente der
Invalidenversicherung (Art. 28 Abs. 1 IVG). Für die Bemessung der Invalidität wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu
dem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG).
2.2 Die sogenannte Validenkarriere besteht vorliegend in der Verrichtung von
Hilfsarbeiten auf dem Bau. Für die Bestimmung des entsprechenden
Valideneinkommens müsste grundsätzlich in zeitlicher Hinsicht auf die Verhältnisse im
Zeitpunkt der Entstehung eines allfälligen Rentenanspruchs abgestellt werden, doch
könnte dieser Zeitpunkt so weit in der Vergangenheit liegen, dass es sich rechtfertigt,
der mutmasslichen Lohnentwicklung bis zum Zeitpunkt der Eröffnung der
angefochtenen Verfügung Rechnung zu tragen (vgl. BGE 129 V 222). Das Vorgehen der
Beschwerdeführerin, auf den Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne in der Baubranche
abzustellen, ist folglich zwar grundsätzlich richtig gewesen, doch ist der von ihr
berücksichtigte Wert aus dem Jahr 2008 im Zeitpunkt der Berechnung des
Invaliditätsgrades im Februar 2014 (vgl. IV-act. 259) bereits veraltet und damit nicht
mehr massgebend gewesen. Die im Zeitpunkt des Verfügungserlasses aktuellsten
Ergebnisse der regelmässig durchgeführten Lohnstrukturerhebung sind jene aus dem
Jahr 2012 gewesen. Diese sind in der massgebenden Tabelle TA1 erstmals nicht mehr
nach Anforderungsniveaus, sondern nach Kompetenzniveaus gegliedert gewesen.
Zwar hätte für den Beschwerdeführer wohl das niedrigste Anforderungsniveau
berücksichtigt werden müssen, weil er über keine in der Schweiz anerkannte
Berufsausbildung verfügt. Das bedeutet aber nicht, dass nun auch das niedrigste
Kompetenzniveau berücksichtigt werden müsste. Der Beschwerdeführer hat in seinem
Herkunftsland eine Maurerausbildung absolviert und gleich nach seiner Einreise in die
Schweiz begonnen, auf dem Bau zu arbeiten. Hier hat er zwar nicht als ausgebildeter
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Maurer arbeiten können, weil seine Ausbildung nicht anerkannt worden ist, doch dürfte
er mit den in der Ausbildung erworbenen Kenntnissen in der Lage gewesen sein, auch
– für einen Hilfsarbeiter – anspruchsvollere Arbeiten zu verrichten. Hätte er keine
Gesundheitsbeeinträchtigungen erlitten, hätte er im Zeitpunkt des Verfügungserlasses
schon fast 25 Jahre als Bauhilfsarbeiter gearbeitet, womit er zwar nicht in der Lage
gewesen wäre, komplexe praktische Tätigkeiten zu verrichten, die ein grosses Wissen
in einem Spezialgebiet voraussetzen (Kompetenzniveau 3), aber sicherlich mehr als nur
einfache (respektive einfachste) Tätigkeiten (Kompetenzniveau 1) hätte verrichten
können. Dies rechtfertigt es, den Zentralwert des Kompetenzniveaus 2 heranzuziehen.
Dieser hat sich in der Baubranche im Jahr 2012 auf 5'874 Franken pro Monat belaufen
(LSE 2012, TA1, Branche 41–43). Unter Berücksichtigung der betriebsüblichen
Wochenarbeitszeit von 41,5 Stunden im Jahr 2014 (Branche 41–43) entspricht dies
einem Jahreslohn 2012 von 73'131 Franken. Der Nominallohn ist im Baugewerbe in
den Jahren 2012–2014 um 1,1 Prozentpunkte gestiegen (Bundesamt für Statistik,
Lohnentwicklung 2014, T1.1.10). Für das Jahr 2014 resultiert ein Jahreslohn von
73'922 Franken. Dieser ist als Valideneinkommen massgebend.
2.3 Bei der Ermittlung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens kommt
der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeitsschätzung eine entscheidende Rolle zu.
Zur Beantwortung der Frage nach der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers hat die
Beschwerdegegnerin die ABI GmbH mit einer polydisziplinären Begutachtung
beauftragt. Das entsprechende Gutachten enthält fachärztliche Teilgutachten zu allen
hier relevanten Disziplinen. Die augenärztliche Untersuchung soll nach Angaben des
Beschwerdeführers nur fünf Minuten gedauert haben, was aber nicht relevant ist, weil
die Augenärztin der ABI GmbH über sämtliche ophthalmologischen Vorakten verfügt
und diese auch gewürdigt hat. Ihre Schlussfolgerungen hinsichtlich der Diagnose und
der Arbeitsfähigkeitsschätzung haben mit jenen der behandelnden Augenärzten (insb.
Dr. D._) übereingestimmt. Die ophthalmologische Sachverständige hat ihre
Schlussfolgerungen überzeugend begründet, weshalb trotz der Angabe, die
Untersuchung habe nur sehr kurz gedauert, kein Anlass zu Zweifeln an der
Überzeugungskraft des entsprechenden Teilgutachtens besteht. Das handchirurgische
Teilgutachten enthält eine ausführliche Befundschilderung und eine eingehende
Würdigung der entsprechenden Vorakten. Der Handchirurg hat seine
Schlussfolgerungen bezüglich der Diagnose und der Arbeitsfähigkeitsschätzung
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detailliert und überzeugend begründet; die Ergebnisse stimmen im Wesentlichen mit
jenen der behandelnden Fachärzte überein. Auch bezüglich des handchirurgischen
Teilgutachtens besteht folglich kein Anlass zu Zweifeln. Hinsichtlich des
psychiatrischen Teilgutachtens hat die Beschwerdegegnerin irrtümlicherweise
angenommen, der Beschwerdeführer habe sich über eine zu kurze
Untersuchungsdauer beschwert. Ihr Einwand, wenn die Untersuchungsdauer eine
massgebende Bedeutung hätte, könnte kein psychiatrisches Teilgutachten der ABI
GmbH mehr überzeugend sein, lässt den Schluss zu, dass ihrer Erfahrung nach
psychiatrische Untersuchungen durch die Sachverständigen der ABI GmbH generell
von ausgesprochen kurzer Dauer sind. Vor dem Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen ist zwar schon verschiedentlich von Beschwerdeführern vorgebracht worden,
sie seien vom psychiatrischen Sachverständigen der ABI GmbH nur sehr kurz
untersucht worden, doch ist es nicht gerichtsnotorisch, dass psychiatrische
Untersuchungen durch die ABI GmbH generell nur sehr kurz dauerten. Vorliegend
besteht zudem kein Grund zur Annahme, die Untersuchung durch Dr. J._ hätte nicht
genügend Zeit in Anspruch genommen. Das psychiatrische Teilgutachten von Dr. J._
enthält denn auch nebst der Wiedergabe der vom Beschwerdeführer geklagten
Beschwerden eine ausführliche Befundschilderung und eine eingehende Würdigung
der psychiatrischen Berichte der behandelnden Ärzte. Der psychiatrische
Sachverständige Dr. J._ hat seine Diagnosen und seine Arbeitsfähigkeitsschätzung
überzeugend begründet. Auch wenn er die mittlerweile veraltete bundesgerichtliche
Rechtsprechung zu den sogenannten pathogenetisch-ätiologisch unklaren
syndromalen Beschwerdebildern ohne eine nachweisbare organische Genese
berücksichtigt hat (vgl. dazu BGE 141 V 281), lässt sich seinem Teilgutachten
gesamthaft doch entnehmen, dass sowohl die von ihm diagnostizierte
Schmerzverarbeitungsstörung als auch die sogenannte (veraltete)
„Überwindbarkeitsvermutung“ keinen wesentlichen Stellenwert eingenommen haben.
Mit anderen Worten hat Dr. J._ schon der Schmerzstörung an sich keine relevante
Bedeutung zugemessen, weshalb ohne weiteres davon auszugehen ist, dass er auch
ohne die Anwendung der Überwindbarkeitsvermutung eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit attestiert hätte. Den „verselbständigten“ respektive cerebral fixierten
Schmerzen ist im Übrigen schon im Teilgutachten des Handchirurgen Dr. K._ und
damit dann auch in der Konsensbeurteilung Rechnung getragen worden. Für sich allein
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betrachtet vermag das psychiatrische Teilgutachten von Dr. J._ also vollständig zu
überzeugen. Allerdings haben die behandelnden Ärzte des Psychiatrie-Zentrums H._
und der Klinik I._ sowohl den Schweregrad der depressiven Störung als auch die
daraus resultierende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
anders eingeschätzt. Sie haben nämlich eine mittelgradig bis teilweise schwergradig
ausgeprägte rezidivierende Störung diagnostiziert und ausgeführt, längerfristig werde
der Beschwerdeführer erheblich in seiner Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt sein, wobei
aktuell von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei. Die Berichte
enthalten jedoch keine Auseinandersetzung mit dem Gutachten der ABI GmbH. Die
behandelnden Ärzte haben die Abweichungen hinsichtlich der Diagnosen und der
Arbeitsfähigkeitsschätzungen nicht begründet. Teilweise sind die Diagnosen ungenau
und nicht überzeugend. So findet sich wiederholt der Hinweis, der Beschwerdeführer
leide an einem Status nach einer Verletzung am rechten Unterarm, obwohl er sich am
Handrücken verletzt hatte, wie aus unzähligen früheren Berichten ohne Weiteres
hervorgeht. Diese Ungenauigkeit weckt den Verdacht, dass die behandelnden Ärzte die
relevanten Vorakten nicht ausreichend gewürdigt haben. Zudem wird in den Diagnosen
durchgehend eine Benzodiazepinabhängigkeit erwähnt, obwohl diese gemäss den
überzeugenden Ausführungen von Dr. J._ bei einer Einnahme von lediglich je fünf
Milligramm morgens und abends wenn überhaupt nur sehr geringfügig ausgeprägt und
jedenfalls für die Arbeitsfähigkeitsschätzung irrelevant ist. Anders als das
psychiatrische Teilgutachten von Dr. J._ enthalten die Berichte des Psychiatrie-
Zentrums H._ und der Klinik I._ keine klare Unterscheidung zwischen den
krankheitsbedingten Einschränkungen und psychosozialen Belastungsfaktoren. Die
Berichte erwecken vielmehr den Eindruck, dass auch – für die Invaliditätsbemessung
irrelevante – soziale Probleme Eingang in die Beurteilung gefunden hätten. Die Berichte
enthalten auch keine Zumutbarkeitsbeurteilung. Die Befundschilderungen
unterscheiden sich von jener von Dr. J._ nicht derart gravierend, dass damit die sich
letztlich diametral entgegenstehenden Arbeitsfähigkeitsschätzungen erklärt werden
könnten. Die Berichte enthalten gesamthaft also keine Hinweise, die relevante Zweifel
an der Überzeugungskraft des psychiatrischen Teilgutachtens von Dr. J._ wecken
würden. Zusammenfassend erweisen sich also sowohl die einzelnen Teilgutachten als
auch die Konsensbeurteilung der Sachverständigen der ABI GmbH als überzeugend.
Gestützt auf das Gutachten der ABI GmbH ist deshalb mit dem erforderlichen
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Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegt, dass dem
Beschwerdeführer ideal leidensadaptierte Tätigkeiten zu 80 Prozent zugemutet werden
können.
2.4 Mangels einer beruflichen Ausbildung kommen als Invalidentätigkeiten nur ideal
leidensadaptierte Hilfsarbeiten in Frage. Der Ausgangswert des zumutbarerweise
erzielbaren Invalideneinkommens entspricht folglich dem Zentralwert der
Hilfsarbeiterlöhne im Jahr 2014. Für die Ermittlung dieses Wertes ist ebenfalls auf die
Ergebnisse der Lohnstrukturerhebung im Jahr 2012 abzustellen. Laut diesen hat der
Zentralwert der Löhne für männliche Arbeitnehmer, die einfache Hilfsarbeiten verrichtet
haben (Kompetenzniveau 1), 5'210 Franken pro Monat betragen (LSE 2012, TA1, alle
Branchen). Unter Berücksichtigung der betriebsüblichen Wochenarbeitszeit von 41,7
Stunden im Jahr 2014 (Branchenschnitt) und der Nominallohnentwicklung in den
Jahren 2012–2014 (Lohnentwicklung 2014, T1.1.10, alle Branchen) von 1,5
Prozentpunkten entspricht dies einem Jahreslohn 2014 von 66'138 Franken. Der
Beschwerdeführer dürfte allerdings nicht in der Lage sein, diesen Zentralwert zu
erreichen, denn dafür müsste seine Arbeitsleistung (bezogen auf das ihm zumutbare
Pensum) höher als jene von 50 Prozent aller männlichen Hilfsarbeiter sein, die im
selben Pensum tätig sind. Aus betriebswirtschaftlich-ökonomischer Sicht ist der
Beschwerdeführer aber als ein unterdurchschnittlich leistungsfähiger und damit
entsprechend auch nur unterdurchschnittlich zu entlöhnender potentieller Arbeitnehmer
zu qualifizieren. Die Einschränkungen der rechten Hand, die Notwendigkeit von
regelmässigen zusätzlichen Arbeitsunterbrüchen und die erforderliche Schonung und
Pflege des linken Auges wecken Zweifel daran, dass er insgesamt dieselbe
Arbeitsleistung wie ein gesunder Hilfsarbeiter erbringen kann, der in einem Pensum von
80 Prozent arbeitet. Ein potentieller, betriebswirtschaftlich denkender Arbeitgeber wird
diesem Risiko bei der Festsetzung des ökonomisch angemessenen Lohnes Rechnung
tragen. Auch das fortgeschrittene Alter und die entsprechend hohen
Sozialversicherungsbeiträge, mit denen sich ein potentieller Arbeitgeber konfrontiert
sähe, mindern den ökonomischen Wert der verbliebenen Arbeitskraft des
Beschwerdeführers. Aus all diesen Gründen ist vom oben ermittelten Ausgangswert
des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens praxisgemäss ein Abzug von
zehn Prozent vorzunehmen (vgl. BGE 126 V 75). Unter Berücksichtigung dieses
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Tabellenlohnabzuges und der Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent resultiert ein
zumutbarerweise erzielbares Invalideneinkommen von 47'619 Franken.
2.5 Bei einem Valideneinkommen von 73'922 Franken und einem zumutbarerweise
erzielbaren Invalideneinkommen von 47'619 Franken resultiert ein Invaliditätsgrad von
35,6 Prozent. Da erst ab einem Invaliditätsgrad von 40 Prozent ein Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung besteht, erweist sich die angefochtene Verfügung, mit
der die Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren des Beschwerdeführers abgewiesen
hat, im Ergebnis als rechtmässig.
3.
Folglich ist die Beschwerde abzuweisen. An sich hätte der unterliegende
Beschwerdeführer die Gerichtskosten von 600 Franken zu bezahlen. Zufolge der
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege ist er aber von dieser Pflicht befreit.
Sollten es seine wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten, wird er jedoch zur
Nachzahlung der Gerichtskosten verpflichtet werden können (Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m.
Art. 123 ZPO).