Decision ID: 034e267c-b821-4b47-81d7-755a79d3e0ad
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
L._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Rainer Braun, Oberdorfstrasse 6, Postfach,
8887 Mels,
gegen
Kantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Vermittlungsfähigkeit/anrechenbarer Arbeitsausfall (Koordination IV)
Sachverhalt:
A.
A.a L._ war von 1. Dezember 1989 bis 30. November 2006 bei der A._ als
Schlosser angestellt (act. G 3.1.C31). Dr. med. B._ attestierte dem Versicherten am
14. März 2008 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit von 27. März 2006 bis 31. März 2008;
ab 1. April 2008 betrage die Arbeitsunfähigkeit voraussichtlich dauernd 50% (act. G
3.1.C27). Der Versicherte erhielt Krankentaggeldleistungen (act. G 3.1.C32 bis 36,
3.1.C47 bis 58). Am 1. Dezember 2006 hatte er sich bei der Invalidenversicherung zum
Leistungsbezug angemeldet (act. G 3.1.C25).
A.b Am 15. März 2008 meldete sich der Versicherte bei der Arbeitslosenversicherung
zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung ab 1. April 2008 an. Er gab an, er sei im
Ausmass von 50% bereit und in der Lage, zu arbeiten (act. G 3.1.C30). In der Folge
wurde ihm eine Rahmenfrist für den Leistungsbezug von 1. April 2008 bis 31. März
2010 eröffnet (act. G 3.1.C17).
A.c Mit Schreiben vom 8. Juli 2008 teilte der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt
lic. iur. Rainer Braun, der Kantonalen Arbeitslosenkasse (nachfolgend: Kasse) mit, die
Arbeitslosentaggeldleistungen seit April 2008 basierten offensichtlich auf einer
Arbeitsfähigkeit von 50%. Die Arbeitslosenversicherung sei im Verhältnis zur
Invalidenversicherung vorleistungspflichtig. Der Versicherte gelte bis zum Entscheid der
Invalidenversicherung als vermittlungsfähig, weshalb er um Prüfung einer
entsprechenden Anpassung der Arbeitslosentaggelder ab April 2008 bitte. Seit März
2008 sei der Versicherte bei der Krankentaggeldversicherung ausgesteuert (act. G
3.1.C6).
A.d Mit Verfügung vom 17. Juli 2008 setzte die Kasse den versicherten Verdienst des
Versicherten auf Fr. 1'107.00 fest; seine Vermittlungsfähigkeit betrage 50%. Die
Arbeitslosenversicherung sei nur im bescheinigten Ausmass (der Arbeitsfähigkeit)
vorleistungspflichtig. Ausserdem habe er sich nur für ein Pensum von 50% angemeldet
(act. G 3.1.C5).
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A.e Mit Schreiben vom 28. August 2008 meldete der Vertreter des Versicherten diesen
beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum Sargans (nachfolgend: RAV) per sofort als
vollzeitarbeitslos an und beantragte einen Vermittlungsgrad von 100% (act. G 3.1.C3).
B.
Am 2. September 2008 erhob der Vertreter des Versicherten Einsprache bei der Kasse
und beantragte, die Verfügung vom 17. Juli 2008 sei aufzuheben. Die
Vermittlungsfähigkeit des Versicherten sei auf 100% festzulegen und es seien ihm die
entsprechenden Arbeitslosenversicherungstaggelder auszurichten (act. G 3.1.C2). Mit
Entscheid vom 16. September 2008 wies die Kasse die Einsprache ab (act. G 3.1.C1).
C.
C.a Mit Eingabe vom 6. Oktober 2008 erhebt der Vertreter des Versicherten
Beschwerde und beantragt, der Einspracheentscheid vom 16. September 2008 und die
Verfügung vom 17. Juli 2008 seien aufzuheben. Der anrechenbare Arbeitsausfall/die
Vermittlungsfähigkeit des Beschwerdeführers sei spätestens ab 28. August 2008 auf
100% festzulegen. Dem Beschwerdeführer seien die entsprechenden
Arbeitslosenversicherungstaggelder auszurichten. Zudem beantragt er den Beizug der
IV-Akten. Zur Begründung macht er im Wesentlichen geltend, gemäss ärztlicher
Bestätigung sei der Beschwerdeführer zu 50% arbeitsfähig. Allerdings sei die
medizinische Situation nicht geklärt. Die Invalidenversicherung habe deshalb eine
Begutachtung angeordnet; bis heute habe sie nicht über ihre Leistungspflicht
entschieden. Eine teilweise Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers sei gegeben. Er
versuche, diese so gut wie möglich zu verwerten. Es bestehe eine Vorleistungspflicht
der Arbeitslosenversicherung. Eine behinderte Person, die unter der Annahme einer
ausgeglichenen Arbeitsmarktlage nicht offensichtlich vermittlungsunfähig sei und sich
bei der Invalidenversicherung oder einer anderen Versicherung angemeldet habe, gelte
bis zum Entscheid der entsprechenden Versicherung als vermittlungsfähig. Es bestehe
eine Vermutung zugunsten der Vermittlungsfähigkeit. Beim Beschwerdeführer liege
keine offensichtliche Vermittlungsunfähigkeit vor (act. G 1).
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C.b Mit Beschwerdeantwort vom 4. November 2008 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung bringt sie im
Wesentlichen vor, die Vorleistungspflicht der Arbeitslosenversicherung betrage nicht in
jedem Fall 100% des anrechenbaren Arbeitsausfalls. Der Beschwerdeführer sei sowohl
aufgrund seiner eigenen subjektiven Einschätzung als auch gemäss der Einschätzung
des Arztes allenfalls versuchsweise zu 50% arbeitsfähig. Es sei somit sowohl objektiv
als auch subjektiv von einem Arbeitsausfall von möglicherweise 50% auszugehen. Eine
Erhöhung des Beschäftigungsgrads sei medizinisch nicht indiziert. Es fehle auch die
subjektive Bereitschaft des Beschwerdeführers zur Ausübung einer Vollzeitstelle (act. G
3).
C.c Mit Replik vom 19. November 2008 hält der Vertreter des Beschwerdeführers
grundsätzlich an seinen Anträgen fest, wobei er nun die Festlegung des anrechenbaren
Arbeitsausfalls/der Vermittlungsfähigkeit auf 100% per 1. April 2008 verlangt. Das
Verfahren bei der Invalidenversicherung sei nach wie vor pendent. In der Zwischenzeit
sei das psychiatrische Teilgutachten von Dr. med. C._ eingegangen; aus
psychiatrischer Sicht würden keine Diagnosen gestellt. Im Übrigen widerspreche die
Argumentation der Beschwerdegegnerin der bundesgerichtlichen Rechtsprechung,
welche eine graduelle Abstufung der Vermittlungsfähigkeit als Anspruchsvoraussetzung
ausschliesse. Die Verwaltung müsse die versicherte Person darüber aufklären, dass sie
bis zum Entscheid der Invalidenversicherung eine Einschränkung des
Taggeldanspruchs nicht hinnehmen müsse. Werde die Beratungspflicht durch die
Organe der Arbeitslosenversicherung verletzt, sei der Versicherte gestützt auf den
öffentlich-rechtlichen Vertrauensschutz so zu stellen, wie wenn die gesetzlichen
Voraussetzungen für das volle Taggeld erfüllt seien. Vorliegend fehle es an einer
entsprechenden Beratung bzw. Aufklärung, weshalb der anrechenbare Arbeitsausfall
ab 1. April 2008 auf 100% festzulegen sei (act. G 5).
C.d Mit Duplik vom 9. Dezember 2008 hält die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag
fest. Der Beschwerdeführer habe durch seinen Vertreter am 8. Juli 2008 die
Heraufsetzung des anrechenbaren Arbeitsausfalls verlangen lassen. Es müsse somit
davon ausgegangen werden, dass er die Vorleistung(spflicht) gekannt habe, weshalb
dem RAV keine Verletzung der Beratungspflicht vorgeworfen werden könne.
Gegenüber seinem Personalberater und bei der Erfüllung der Kontrollvorschriften habe
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er allerdings ausdrücklich auf einer Arbeitsfähigkeit von 50% und der Suche nach
Teilzeitstellen beharrt und auch während der Dauer des vorliegenden Verfahrens für
den Monat November 2008 Arbeitsbemühungen für eine Teilzeitstelle erbracht.
Aufgrund der medizinisch zumutbaren Leistungsfähigkeit für ein Pensum einer
Teilzeitstelle mit voller Leistung sei eine berufliche Abklärung gemacht worden; am 21.
Oktober 2008 habe zudem ein Standortgespräch stattgefunden (act. G 7).
C.e Am 19. Februar/5. März 2009 zieht das Versicherungsgericht antragsgemäss die
Akten der Invalidenversicherung bei und gewährt den Parteien diesbezüglich das
rechtliche Gehör (act. G 9, 11). Die Parteien verzichten in der Folge auf eine
Stellungnahme zu den IV-Akten (act. G 14).

Erwägungen:
1.
Vorab stellt sich die Frage nach der Zuständigkeit der Beschwerdegegnerin zum Erlass
der angefochtenen Verfügung bzw. des Einspracheentscheids. Gemäss Art. 85 lit. d
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) fällt die Kompetenz zur Überprüfung der
Vermittlungsfähigkeit der Arbeitslosen in die Zuständigkeit der kantonalen Amtsstellen.
Im Kanton St. Gallen ist die Kompetenz von der kantonalen Amtsstelle, dem Amt für
Arbeit, an die regionalen Arbeitsvermittlungszentren übertragen (Art. 85b Abs. 1 AVIG
in Verbindung mit Art. 2 des kantonalen Gesetzes über Arbeitslosenversicherung und
Arbeitsvermittlung vom 1. April 1993 [sGS 361.0] und Art. 6 lit. i und k der Verordnung
über regionale Arbeitsvermittlungszentren [sGS 361.13]). Nach Art. 81 Abs. 2 lit. a AVIG
unterbreitet die Kasse einen Fall der kantonalen Amtsstelle zum Entscheid, wenn
Zweifel bestehen, ob der Versicherte anspruchsberechtigt ist. Die kantonale Amtsstelle
wird demnach verpflichtet, über die Vermittlungsfähigkeit eine auf Feststellung
lautende Verfügung zu erlassen, wenn die Arbeitslosenkasse das Zweifelsfallverfahren
eingeleitet hat. Ob die Kasse so vorgeht, obliegt ihrem pflichtgemässen Ermessen.
Betrachtet sie die Anspruchsvoraussetzung der Vermittlungsfähigkeit als nicht
gegeben, bleibt sie zum Erlass einer leistungsablehnenden Verfügung zuständig. Die
Arbeitslosenkassen überweisen einen Fall nur dann an die kantonale Amtsstelle, wenn
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sie Zweifel an der Vermittlungsfähigkeit des am Recht stehenden Versicherten haben.
Ohne derartige Zweifel, können die Kassen selbstständig verfügen (Urteile des
Bundesgerichts vom 27. Juni 2002, C 272/01, E. 1 sowie vom 30. August 2005, C
129/05, E. 2). Entsprechend kann die Beschwerdegegnerin vorliegend zum Erlass der
angefochtenen Verfügung bzw. des Einspracheentscheids als zuständig erachtet
werden, zumal sie die Frage hauptsächlich unter dem Aspekt des anrechenbaren
Arbeitsausfalls prüfte, wofür sie zuständig ist (vgl. Art. 81 Abs. 1 lit. a AVIG).
2.
2.1 Eine der gesetzlichen Voraussetzungen für den Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung ist die Vermittlungsfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 lit. f AVIG). Die
arbeitslose Person ist im Sinn von Art. 15 Abs. 1 AVIG vermittlungsfähig, wenn sie
bereit, in der Lage und berechtigt ist, eine zumutbare Arbeit anzunehmen und an
Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen. Zur Vermittlungsfähigkeit gehört demnach
objektiv neben der Arbeitsberechtigung die Arbeitsfähigkeit und subjektiv die
Bereitschaft, die Arbeitskraft entsprechend den persönlichen Verhältnissen während
der üblichen Arbeitszeit einzusetzen (BGE 125 V 58 E. 6a, mit Hinweisen).
2.2 Nach Art. 15 Abs. 2 AVIG gilt die körperlich oder geistig behinderte Person als
vermittlungsfähig, wenn ihr bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage, unter
Berücksichtigung ihrer Behinderung, auf dem Arbeitsmarkt eine zumutbare Arbeit
vermittelt werden könnte. Art. 15 Abs. 3 der Verordnung über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV; SR 837.02)
koordiniert die Arbeitslosenversicherung mit der Invalidenversicherung in der Weise,
dass Vermittlungsfähigkeit bis zum Entscheid der anderen Versicherung angenommen
wird, wenn die behinderte Person nicht offensichtlich vermittlungsunfähig ist und sich
bei der IV oder einer anderen Versicherung angemeldet hat (Thomas Nussbaumer,
Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Bd. XIV
Soziale Sicherheit, 2. Aufl., Basel 2007, N 283).
2.3 Die Vorleistungspflicht der Arbeitslosenversicherung ist jedoch keine vorbehaltlose
Zusprechung von Arbeitslosentaggeld bis zum rechtskräftigen Entscheid einer andern
Sozialversicherung. Sie kommt auch nur zum Tragen, wenn die behinderte Person -
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wie oben aufgezeigt - nicht offensichtlich vermittlungsunfähig ist. Offensichtliche
Vermittlungsunfähigkeit im Sinn von Art. 15 Abs. 3 AVIV liegt vor, wenn die
Vermittlungsunfähigkeit aufgrund der Akten der Arbeitslosenversicherung, allenfalls
gestützt auf Ermittlungen anderer Sozialversicherungsträger oder aufgrund anderer
Umstände, ohne weitere Abklärungen ersichtlich ist (Urteil des Bundesgerichts vom
8. Februar 2002, C 77/2001, E. 3d; vgl. auch Gerhard Gerhards, Kommentar zum
Arbeitslosenversicherungsgesetz, Bd. I, Bern/Stuttgart 1988, Art. 15 N 93).
3.
3.1 Unbestritten ist, dass dem Beschwerdeführer seit 1. April 2008 für einen
anrechenbaren Arbeitsausfall von 50 % Arbeitslosenentschädigung ausgerichtet wird.
Unbestritten ist ebenso, dass sich der Beschwerdeführer bei der IV zum
Leistungsbezug angemeldet hat und dass bis zum Erlass des angefochtenen
Einspracheentscheids diesbezüglich noch kein Entscheid ergangen ist. Unbestritten ist
schliesslich, dass beim Beschwerdeführer ein dauernder Gesundheitsschaden im
Sinne von Art. 15 Abs. 2 AVIG in Frage steht. Damit fällt die vorliegende Konstellation
grundsätzlich in den Anwendungsbereich von Art. 15 Abs. 3 AVIV.
3.2 Umstritten ist hingegen der Umfang der Vorleistungspflicht der
Arbeitslosenversicherung ab dem 1. April 2008. Für die Bestimmung des
anrechenbaren Arbeitsausfalls kommt es unter anderem darauf an, in welchem Umfang
die versicherte Person bereit und in der Lage ist, eine zumutbare Arbeit anzunehmen
(BGE 125 V 59 E. 6c). Der anrechenbare Arbeitsausfall beurteilt sich dabei prospektiv,
d.h. von jenem Zeitpunkt aus und aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse, wie sie sich
bis zum Erlass des angefochtenen Einspracheentscheids am 16. September 2008
entwickelt haben (vgl. BGE 120 V 387 f. E. 2, mit Hinweisen). Im Zusammenhang mit
der streitigen Vorleistungspflicht ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer trotz seiner
gesundheitlichen Beeinträchtigung im Sinn von Art. 15 Abs. 3 AVIV bezüglich eines
50% übersteigenden Arbeitspensums nicht offensichtlich vermittlungsunfähig ist und
damit die Voraussetzung für die Bejahung einer entsprechenden Vorleistungspflicht
erfüllt.
4.
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4.1 Die Beschwerdegegnerin bejahte eine offensichtliche Vermittlungsunfähigkeit
bezüglich eines 50% übersteigenden Pensums mit Blick auf die ärztlichen Berichte und
Zeugnisse sowie auf das Verhalten des Beschwerdeführers. Der Beschwerdeführer
macht demgegenüber geltend, es liege keine offensichtliche Vermittlungsunfähigkeit
vor. Ohnehin schliesse das Bundesgericht graduelle Abstufungen der
Vermittlungsfähigkeit als Anspruchsvoraussetzung aus; entweder sei eine versicherte
Person vermittlungsfähig, insbesondere bereit, eine zumutbare Arbeit (im Umfang von
mindestens 20% eines Normalarbeitspensums) anzunehmen, oder nicht.
4.2 Vorab ist festzuhalten, dass - wie der Vertreter des Beschwerdeführers zu Recht
vorbringt - die Vermittlungsfähigkeit entweder gegeben ist oder nicht, eine graduelle
Abstufung also nicht zulässig ist. Von der Vermittlungsfähigkeit zu unterscheiden ist
jedoch der anrechenbare Arbeitsausfall, nach dem sich der Entschädigungsanspruch
richtet (vgl. BGE 125 V 58 ff. E. 6, mit Hinweisen). Entsprechend ist der
Beschwerdeführer zwar als vermittlungsfähig zu betrachten, doch stellt sich die Frage,
ob sein anrechenbarer Arbeitsausfall 100% oder - wovon die Beschwerdegegnerin im
Ergebnis ausgeht - lediglich 50% beträgt.
4.3 Der anrechenbare Arbeitsausfall bestimmt sich grundsätzlich im Verhältnis zum
letzten Arbeitsverhältnis vor Eintritt der (Teil-)Arbeitslosigkeit. Es kommt darauf an, was
der Versicherte an Verdienst einbringender Arbeitszeit verloren hat und in welchem
zeitlichen Umfang er bereit, berechtigt und in der Lage ist, eine zumutbare Arbeit
aufzunehmen. Arbeitnehmer, die nach dem Verlust ihrer Vollzeitbeschäftigung, aus
welchen Gründen auch immer, lediglich noch teilzeitlich erwerbstätig sein wollen oder
können, die also zwar bereit sind, eine zumutbare Arbeit anzunehmen, im Unterschied
zu vorher jedoch nur noch in reduziertem Umfang, erleiden einen bloss teilweisen
Arbeitsausfall. Hingegen ist der Arbeitsausfall total und wird der Anspruch auf das volle
Taggeld nicht geschmälert, wenn der Arbeitslose lediglich eine Teilzeitbeschäftigung
ausgeübt hatte und nach dem Verlust dieser Stelle eine andere Tätigkeit im selben
zeitlichen Umfang sucht (BGE 125 V 59 E. 6c/aa, mit Hinweisen).
4.4 Die medizinische Aktenlage ist in dieser Hinsicht nicht eindeutig, bestehen doch
für den Zeitraum zwischen der Anmeldung bei der Arbeitslosenversicherung und dem
Erlass des angefochtenen Einspracheentscheids unterschiedliche Einschätzungen
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hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers. So attestierte Dr. med. B._
dem Beschwerdeführer ab 1. April 2008 eine Arbeitsfähigkeit von (voraussichtlich
dauernd) 50% (act. G 3.1.C27). Anlässlich der Begutachtung des Beschwerdeführers
im IV-Verfahren am 18. (act. G 10.1.58) sowie 25./26. August 2008 (act. G 10.1.65)
wurde ihm medizinisch-theoretisch eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für leichte,
wechselbelastende Tätigkeiten attestiert, unter Berücksichtigung, dass häufige
Positionswechsel notwendig seien und längeres Stehen in vorgeneigten Stellungen
ungünstig sei (act. G 10.1.65-8). Aufgrund der unklaren medizinischen Situation kann
nicht gesagt werden, der Beschwerdeführer könne lediglich noch einer Teilzeittätigkeit
nachgehen bzw. sei offensichtlich vermittlungsunfähig. Objektiv betrachtet steht der
(umfassenden) Vorleistungspflicht der Arbeitslosenversicherung somit nichts im Weg.
4.5 Zu prüfen bleibt damit noch das subjektive Element, also die Frage, in welchem
Umfang der Beschwerdeführer bereit ist, eine zumutbare Arbeit anzunehmen.
Im Formular "Angaben der versicherten Person" gab der Beschwerdeführer für die (in
den Akten dokumentierten) Monate April bis und mit August 2008 stets an, im gleichen
prozentualen Umfang wie im Vormonat eine Stelle zu suchen, wobei er bei der
Anmeldung per 1. April 2008 angegeben hatte, eine 50%-Stelle zu suchen (act. G
3.1.C64 bis 72, C30). Entsprechend beschränkten sich seine Arbeitsbemühungen stets
auf Teilzeitbeschäftigungen (vgl. Bemühungsnachweise für die Monate April bis
September 2008; act. G 3.1.C76 bis 82). Da der Beschwerdeführer zuletzt eine 100%-
Stelle innegehabt hatte, seit der Anmeldung bei der Arbeitslosenversicherung jedoch
nur bereit war, eine 50%-Stelle anzunehmen, beläuft sich der anrechenbare
Arbeitsausfall auf 50%, wie dies die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen
Verfügung bzw. im Einspracheentscheid korrekt ermittelt hat. Entsprechend besteht
auch nur in diesem Umfang eine Vorleistungspflicht der Arbeitslosenversicherung.
4.6 Die Berufung des Beschwerdeführers auf den Vertrauensschutz ist vorliegend
unbehelflich, auch wenn der Beschwerdeführer von der Beschwerdegegnerin nicht auf
die Vorleistungspflicht der Arbeitslosenversicherung und die Problematik im
Zusammenhang mit der offensichtlichen Vermittlungsunfähigkeit hingewiesen worden
sein sollte. Diese Unterlassung war jedenfalls nicht kausal für die fehlende
Arbeitsbereitschaft betreffend ein Pensum von mehr als 50%. So wurde der
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Beschwerdeführer bereits in der Verfügung vom 17. Juli 2008 darauf hingewiesen, dass
der versicherte Verdienst entsprechend der in der Anmeldung angegebenen
Arbeitsbereitschaft für ein 50%-Pensum festgesetzt worden sei (act. G 3.1.C5). Am 28.
August 2008 liess sich der Beschwerdeführer als vollarbeitslos anmelden (act. G
3.1.C3). Dennoch änderte er sein Verhalten nicht und zeigte sich weiterhin lediglich im
Rahmen von 50% bereit, einer Arbeit nachzugehen. Entsprechend teilte der Vertreter
des Beschwerdeführers dem RAV am 22. September 2008 mit, dessen Arbeitsfähigkeit
betrage zur Zeit nur 50%. Zudem ist dem "Abklärungsbericht Verzahnungsprogramm"
vom 21. November 2008 zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer bei einer 50%igen
Präsenzzeit bei den Arbeiten im Parcours qualitätsmässig gute Noten erreichte,
zusätzliche Zwischenpausen und das langsame Arbeitstempo (durchschnittlich knapp
ausreichend) den Leistungsgrad jedoch erheblich schmälerten (act. G 7.1.C77-3). Der
Beschwerdeführer fühlte sich somit im betreffenden Zeitraum zu keinem Zeitpunkt
bereit und in der Lage, einer 100%igen Tätigkeit nachzugehen. Unter diesen
Umständen ist auch nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer sich anders
verhalten oder eine Vermittlungsbereitschaft für eine Vollzeitstelle gezeigt hätte, wenn
er bereits zum Zeitpunkt der Anmeldung über die Rechtslage informiert gewesen wäre.
5.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG