Decision ID: 967ae44d-744f-5267-ba77-926708e33f3e
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X erwarb den Führerausweis der Kategorie B am 18. Januar 1986. Er erlernte den
Beruf eines Automechanikers und arbeitete seit 2002 als selbständiger Fahrlehrer. Im
Administrativmassnahmen-Register (ADMAS) sind folgende Entzüge verzeichnet:
- 27.10.1983 zwei Monate wegen anderer Fahrfehler (Motorfahrrad)
- 20.03.1984 drei Monate wegen anderer Fahrfehler (Motorfahrrad)
- 14.09.1987 zwei Monate wegen Geschwindigkeit und anderer Fahrfehler
- 05.07.1989 ein Monat wegen Geschwindigkeitsüberschreitung
- 16.12.1994 ein Monat wegen Geschwindigkeitsüberschreitung
- 20.08.1998 ein Monat wegen anderer Fahrfehler und Lenkens eines nicht
betriebssicheren Fahrzeugs
- 24.05.2002 drei Monate wegen Geschwindigkeitsüberschreitung
- 26.01.2005 unbestimmte Zeit wegen charakterlicher Nichteignung
(Aufhebung am 14.06.2005).
Mit Verfügung vom 23. September 2011 entzog das Strassenverkehrsamt X den
Führerausweis auf unbestimmte Zeit bei einer Sperrfrist von drei Monaten, da dieser
zur zuvor angeordneten verkehrsmedizinischen und verkehrspsychologischen
Untersuchung nicht erschienen war.
B.- Am 25. November 2015 beantragte X die Wiedererteilung des Führerausweises.
Nachdem die Fahreignung sowohl aus verkehrsmedizinischer als auch
verkehrspsychologischer Sicht nicht befürwortet worden war, unterzog sich X einer
verkehrspsychiatrischen Untersuchung, die positiv ausfiel. Das Strassenverkehrsamt
verfügte daraufhin am 1. April 2016 die teilweise Aufhebung des Führerausweisentzugs
und erteilte X den Lernfahrausweis der Kategorie B unter der Auflage einer
vollständigen kontrollierten Alkoholabstinenz. Nach bestandener Führerprüfung wurde
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ihm der Führerausweis der Kategorie B unter weiterhin geltender Auflage der
Alkoholabstinenz am 16. August 2016 ausgestellt.
Daraufhin beanstandete X mit Schreiben vom 14. September 2016, dass beim neuen
Führerausweis die Kategorien A, C und CE sowie die Codes 121 (berufsmässiger
Personentransport), 201 (Fahrlehrer leichte Motorwagen), 203 (Fahrlehrer Theorie) und
204 (Fahrlehrer Motorräder) fehlten. Mit Verfügung vom 2. November 2016 wies das
Strassenverkehrsamt das Gesuch um Wiedererteilung der Fahrlehrerbewilligung ab
(Ziffer 1) und verweigerte X gleichzeitig die Fahrlehrerbewilligung für die Dauer von fünf
Jahren (1. April 2016 bis 31. März 2021; Ziffer 2). Als Bedingungen für die Erteilung
derselben nannte es klagloses Verhalten während mindestens fünf Jahren, den
Eidgenössischen Fachausweis für Fahrlehrer und eine positiv lautende
verkehrspsychologische Kontrolluntersuchung (Ziffer 3).
C.- Mit Eingabe vom 18. November 2016 erhob X gegen die Verweigerung der
Fahrlehrerbewilligung Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag,
die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Angelegenheit zu neuer Verfügung
an die Vorinstanz zurückzuweisen. Er machte geltend, die Wiedererteilung des
Führerausweises für die Kategorien A, C und CE, der Codes 121 (Berufsmässiger
Personentransport) sowie 201, 203 und 204 (Fahrlehrerbewilligung der Kat. I, III und IV)
sei verweigert worden. Über all diese Berechtigungen habe er früher einmal verfügt. Mit
Vernehmlassung vom 19. Dezember 2016 beantragte die Vorinstanz die Abweisung
des Rekurses.
Nachdem bei der Haaranalyse vom 30. Januar 2017 eine Ethylglucuronid(EtG)-
Konzentration von 8,8 pg/mg festgestellt worden war, verfügte die Vorinstanz am
8. Februar 2017 einen vorsorglichen Führerausweisentzug wegen Missachtung der
Alkoholabstinenzauflage. Mit Verfügung vom 1. März 2017 wurde X der Führerausweis
auf unbestimmte Zeit entzogen. Als Bedingungen für eine Wiedererteilung nannte die
Vorinstanz eine kontrollierte und fachlich betreute Alkoholabstinenz von mindestens
sechs Monaten und eine verkehrsmedizinische Kontrolluntersuchung. Die Verfügung
erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
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Mit Schreiben vom 29. März 2017 warf die Gerichtsleitung die Frage auf, ob das
Rekursverfahren bezüglich der Wiedererteilung der Fahrlehrerbewilligung mit dem
Sicherungsentzug des Führerausweises gegenstandslos geworden sei. Der Rekurrent
teilte daraufhin am 5. April 2017 mit, er halte am Rekurs fest. Auf die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 18. November 2016 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- a) Wer gewerbsmässig Fahrunterricht erteilt, bedarf der Fahrlehrerbewilligung
(Art. 15 Abs. 3 des Strassenverkehrsgesetzes [SR 741.01, abgekürzt: SVG]). Nach
Art. 5 Abs. 1 der Verordnung über die Zulassung von Fahrlehrern und Fahrlehrerinnen
und ihre Berufsausübung (SR 741.522, abgekürzt: FV) wird die Fahrlehrerbewilligung
der Kategorie B Personen erteilt, die den eidgenössischen Fachausweis "Fahrlehrer /
Fahrlehrerin" (Modulabschluss B) besitzen, wenn dieser die Kompetenzen nach
Anhang 1 Ziff. 1 abdeckt (lit. a). Zusätzlich wird vorausgesetzt, dass sie über den
unbefristeten Führerausweis der Kategorie B verfügen und während den
vorangegangenen zwei Jahren Motorfahrzeuge geführt haben, ohne eine
verkehrsgefährdende Verletzung von Verkehrsvorschriften begangen zu haben (lit. b).
Weiter müssen sie die Bewilligung zum berufsmässigen Personentransport nach Art. 25
der Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum
Strassenverkehr (SR 741.51, abgekürzt: VZV) erhalten haben (lit. c) und nach ihrem
bisherigen Verhalten für eine einwandfreie Berufsausübung Gewähr bieten (lit. d). Die
Fahrlehrerbewilligung wird im Führerausweis eingetragen (Art. 6 Abs. 3 FV). In Art. 26
FV wird der befristete Entzug der Fahrlehrerbewilligung geregelt (z.B. wegen
Nichterfüllung der Weiterbildungspflicht oder Fahrens unter Alkoholeinfluss). Ein
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unbefristeter Entzug der Fahrlehrerbewilligung ist nach Art. 27 FV auszusprechen,
wenn der Fahrlehrer nicht mehr im Besitz der Bewilligung zum berufsmässigen
Personentransport nach Art. 25 VZV ist oder die sichere Durchführung der Lernfahrten
aus anderen Gründen nicht mehr gewährleistet ist (lit. a), der Fahrlehrer seine Stellung
schwer missbraucht hat oder wenn aus charakterlichen Gründen seine Lehrtätigkeit
den Schülern nicht mehr zugemutet werden kann (lit. b). Dasselbe gilt, wenn gestützt
auf eine Inspektion festgestellt wird, dass der erteilte Fahrunterricht gravierende
Mängel aufweist (lit. c), die nach Art. 25 FV angeordnete Kontrollprüfung (wegen
mangelhaften Unterrichts) nicht bestanden wird (lit. d) oder die Frist zum Nachholen der
Weiterbildung nach Art. 26 Abs. 1 FV unbenutzt verstrichen ist (lit. e). Wird dem
Fahrlehrer der Führerausweis entzogen, so darf er während der Entzugsdauer weder
praktischen Fahrunterricht erteilen noch Ausbildungspraktikanten begleiten (Art. 28 FV).
b) Der Rekurrent verlangt die Eintragung von sämtlichen Kategorien im Führerausweis,
welche er früher legal erworben habe, wie auch der Fahrlehrerbewilligung, welche
gemäss Strassenverkehrsgesetz nicht entzogen werden könne. Nachdem mit
Verfügung vom 1. März 2017 ein Sicherungsentzug ausgesprochen und der
Führerausweis der Kategorie B wieder entzogen worden war, führte der Rekurrent im
Schreiben vom 5. April 2017 aus, es gehe ihm nicht um den Besitz am Führerausweis,
welcher sich mittlerweile wieder bei der Vorinstanz befinde, sondern um "sein
rechtmässiges Eigentum" daran. Nach Erfüllen der Bedingungen gemäss
Sicherungsentzug erwarte er, dass ihm sein Führerausweis mit sämtlichen Kategorien
und Bestandteilen zurückerstattet werde. Sein erworbener Bildungsstand reflektiere
sein rechtlich erworbenes Eigentum.
c) Mit Verfügung vom 2. November 2016 wies die Vorinstanz die Wiedererteilung der
Fahrlehrerbewilligung ab. Sie ging folglich davon aus, dass der Rekurrent im Zeitpunkt
der Verfügung über keine Fahrlehrerbewilligung verfügte. Den Akten ist zu entnehmen,
dass dem Rekurrenten die Fahrlehrerbewilligung zusammen mit dem Führerausweis
mit Verfügung vom 26. Januar 2005 wegen mangelnder charakterlicher Fahreignung
auf unbestimmte Zeit entzogen worden war (damals noch gestützt auf Art. 61 Abs. 2
lit. a VZV, act. 9/33 ff.). Nach absolvierter Verkehrstherapie wurde ihm der
Führerausweis am 14. Juni 2005 und die Fahrlehrerbewilligung am 18. August 2005
unter Auflagen wieder erteilt (act. 9/57 ff.). Nachdem sich im Zeitraum Februar 2010 bis
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Juli 2011 mehrere Vorfälle mit verkehrsregelwidrigem Verhalten ereignet hatten und der
Rekurrent sich der daraufhin angeordneten verkehrsmedizinischen und
verkehrspsychologischen Untersuchung nicht unterzogen hatte, wurde ihm der
Führerausweis mit Verfügung vom 23. September 2011 auf unbestimmte Zeit entzogen
(act. 9/352 ff.). Die Fahrlehrerbewilligung wurde in jener Verfügung mit keinem Wort
erwähnt, insbesondere wurde kein Entzug derselben gestützt auf die FV, befristet oder
unbefristet, ausgesprochen. Folglich verfügt der Rekurrent heute nach wie vor über die
Fahrlehrerbewilligung, welche ihm am 18. August 2005 für die ganze Schweiz
unbefristet erteilt (vgl. Art. 6 Abs. 2 FV) und seither nicht mehr entzogen worden ist.
Unklar ist jedoch, ob der Rekurrent die Auflagen gemäss Verfügung vom 18. August
2005 (Meldung über das Erteilen von VKU-Kursen, Ausbildung der Fahrschüler gemäss
Leitfaden, etc.; vgl. act. 9/57 ff.) eingehalten hat. Für eine Missachtung dieser Auflagen
wurde immerhin der Entzug der Fahrlehrerberechtigung – allenfalls auf unbestimmte
Zeit – angedroht. Da ihm der Führerausweis mit Verfügung vom 1. März 2017 erneut
auf unbestimmte Zeit entzogen wurde, darf er während der Entzugsdauer gestützt auf
Art. 28 FV allerdings keinen praktischen Fahrunterricht erteilen. Somit stützt sich die
angefochtene Verfügung, worin dem Rekurrenten die Wiedererteilung der
Fahrlehrerbewilligung verweigert wurde, auf falsche Grundlagen und ist daher
aufzuheben. Der Rekurs ist folglich gutzuheissen.
Die Streitsache ist an die Vorinstanz zurückzuweisen. Diese hat zu prüfen, ob dem
Rekurrenten die Fahrlehrerbewilligung gestützt auf Art. 27 FV unbefristet zu entziehen
ist. Erfolgt ein unbefristeter Entzug, so müssen für eine erneute Erteilung der
Bewilligung die Voraussetzungen von Art. 5 FV erfüllt sein (vgl. Erläuterungen des
ASTRA zur Fahrlehrerverordnung FV vom 20. November 2012, unter
www.astra.admin.ch). Was die Wiedererteilung des Führerausweises der Kategorien A,
C und CE angeht, so hat die Vorinstanz dazu in der angefochtenen Verfügung keinen
Entscheid gefällt, obschon der Rekurrent mit Schreiben vom 14. Oktober 2016 deren
Eintragung im Führerausweis ausdrücklich verlangt hat (act. 9/510). Da dem
Rekurrenten die Fahreignung derzeit aberkannt ist, kommt eine Wiedererteilung dieser
Kategorien momentan nicht in Frage. Sobald die Fahreignung jedoch wieder vorliegt,
wird die Vorinstanz diese Frage prüfen und anschliessend verfügen müssen.
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3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom Staat zu
tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 800.– erscheint angemessen
(vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Dem Rekurrenten ist
der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– zurückzuerstatten.