Decision ID: db434f3d-3288-4d16-8ade-929c302788da
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1966, war seit dem
1.
Juni 2015 als Metallge
rüstbauer bei der
Y._
tätig
. Diese hatte
mit der Zürich
Versi
cherungs
-Gesellscha
ft AG (nachfolgend Zürich) eine
Kollektivtaggeldversiche
rung
abgeschlossen (vgl. Police Nr.
«...»
,
Urk.
15/1
).
Im Juni 2015 meldete sich der Versicherte bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (vgl.
Urk.
14/4).
Am 2
4.
Februar 2016
wurde
der Zürich
eine seit dem 1
2.
Februar 2016 beste
hende vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit d
es Versicherten gemeldet (
Urk.
14/2 Z1 =
Urk.
15/3
).
Mit Schrei
ben vom 2
6.
Februar 2016 (
Urk.
14/2 Z2 =
Urk.
15/4
)
erklärte die Zürich, dass die vertraglichen Leistungen
für den Versicherten
nicht erbracht werden könnten, da zum Zeitpunkt des Beginns der Arbeitsunfähigkeit infolge von nicht bezahlten Prämien ein Deckungsunterbruch
vorgelegen
habe.
Daraufhin
schloss der Versicherte mit
der Zürich
rückwirkend
eine Einzeltaggeld
versicherun
g (Police Nr.
«...»
,
Urk.
2/2 =
Urk.
14/1
) mit Gültigkeit ab dem 2
1.
Oktober 2015 ab.
In der Folge richtete
die Zürich
nach Ablauf der Wartefri
st Krankentaggelder aus (vgl.
Urk.
2/7;
Urk.
14/5/1-15
).
Nach erfolgten versicherungsmedizinischen Beurteilungen (
Urk.
14/3 ZM19-ZM20) teilte die Zürich dem Versicherten mit
Schreiben vom 1
5.
September 2016
(
Urk.
2/15 =
Urk.
14/2 Z36
) mit, dass gemäss medizinischer Beurteilung
in einer angepassten Tätigkeit eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit
möglich sei
, weshalb die Leistungen im Rahmen einer Übergangsfrist noch bis zum 3
1.
Dezember 2016 erbracht würden.
Ab
dem
1.
Januar 2017 würden keine Taggelder mehr ausge
richtet.
Am
4.
Oktober 2016 wurde eine Rahmenfrist für den Bezug von Arbeitslosenent
schädigung eröffnet (vgl.
Urk.
4/19).
Mit Schreiben vom 2
8.
März 2017 (
Urk.
2/20 =
Urk.
14/3 ZM31
)
informierte
Dr.
med.
Z._
die
Zürich
über einen verschlechterten Gesundheitszu
stand des Versicherten
und ersuchte um eine erneute Einschätzung, woraufhin die Zürich ein psychiatrische
s
Konsilium
bei
Dr.
med.
A._
veranlasste
(vgl.
Urk.
14/2 Z69)
. Darüber wurde
am 2
6.
J
uni 2017 berichtet (
Urk.
14/3 ZM36
).
Mit Schreiben vom 2
0.
Juli 2017 (
Urk.
14/2 Z81) sowie 1
8.
September 2017 (
Urk.
14/2 Z90) hielt die Zürich an der Einstellung der Taggelder fest.
2.
Der Versicherte erhob am 1
5.
Juni 2018 Klage gegen
die
Zürich
mit folgenden
Rechtsbegehren (vgl.
Urk.
1 S. 2):
1.
«
Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger für die Zeit vom
1.
Januar 2017 bis zum 3
1.
Januar 2018 die vertraglichen Leistungen zu erbringen und dementspre
chend Krankentaggelder von insgesamt
Fr.
54'252.00 auszurichten, zuzüglich Verzugszinsen von 5
%
ab 1
5.
Juni 2018.
2.
Dem Kläger sei für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu erteilen und es sei die unterzeichnende Rechtsanwältin als seine unentgeltliche
Rechtsbeiständin
zu ernennen.
3.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der
Beklagten.»
Nach einer weiteren Eingabe des
Klägers
vom 2
7.
Juli 2018 (
Urk.
7-8) beantragte die Zürich mit Klageantwort vom
6.
September 2018 (
Urk.
13) die Abweisung der Klage.
Mit Replik vom 2
8.
September 2018 (
Urk.
17)
schloss sich
der Kläger
dem Even
tualantrag auf Einholung eines Gutachtens an
.
Die Beklagte beantragte m
it Dup
lik vom 2
3.
Oktober 2018 (
Urk.
20) unverändert die vollumfänglich
e
Ab
weisung der Klage.
Die in der Folge
sowohl vom Kläger (
Urk.
25-26;
Urk.
32-33
) als auch von der Beklagten
(
Urk.
22-23;
Urk.
29-30;
Urk.
35
) eingereichten zusätzlichen Unterla
gen wurden der anderen Partei jeweils zur
Kenntnisnahme zugestellt (
Urk.
24;
Urk.
27;
Urk.
31;
Urk.
34;
Urk.
36
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Streitigkeiten aus einer Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung unterstehen gemäss
Art.
2
Abs.
2 Satz 2 des Bundesgesetzes vom 2
6.
September 2014 betreffend die Aufsicht über die soziale Krankenversicherung (Krankenver
sicherungsaufsichtsgesetz, KVAG) dem
Versicherungsvertragsgesetz
(
VVG
)
.
Sie
sind privatrechtlicher Natur (BGE 138 III 2 E. 1.1). Kollektive Kranken
taggeld
ver
sicherungen werden vom Bundesgericht wie alle weiteren
Taggeld
versicherungen in ständiger Praxis unter den Begriff der Zusatzversicherung zur sozialen Kran
kenversicherung subsumiert (BGE 142 V 448 E. 4.1).
1.2
Das Sozialversicherungsgericht ist als einzige kantonale Gerichtsinstanz für Kla
gen über Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversiche
rung nach dem
Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG)
zuständig (Art. 7
der Schwe
izerischen Zivilprozessordnung ZPO,
in Verbindung mit § 2 Abs. 2
lit
. b des Gesetzes über das Sozialversicherungsg
ericht,
GSVGer
; BGE 138 III 2
E. 1.2.2
), ohne dass vorgängig ein Schlichtungsverfahren durchzuführen ist (BGE 138 III 558
E. 4
).
1.3
Gemäss Art. 243 Abs. 2
lit
.
f ZPO
werden
Ansprüche aus einer Zusatzversiche
rung zur sozialen Krankenversicherung nach dem KVG ohne Rücksicht auf den Streitwert im vereinfachten Verfahren n
ach Art. 243 ff. ZPO beurteilt
. Gemäss Art. 247 Abs. 2
lit
.
a in Verbindung mit Art. 243 Abs. 2
lit
.
f ZPO stellt das Ge
richt im Verfahren betreffend Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozi
alen Krankenversicherung nach dem KVG den Sachverhalt von Amtes wegen fest.
1.4
Gemäss
Art.
8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs (ZGB) hat, wo es das Gesetz nicht anders bestimmt, derjenige das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache
zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet. Demgemäss hat die Partei, die einen An
spruch geltend macht, die rechtsbegründe
nden Tatsachen zu beweisen, wäh
rend
die Beweislast für die rechtsaufhebenden bzw. rechtsvernichtenden oder rechts
hindernden Tatsachen bei der Partei liegt, die den Untergang des Anspruchs be
hauptet oder dessen Entstehung oder Durchsetzbarkeit bestreitet. Diese Grundre
gel kann durch abweichende gesetzliche Beweislastvorschriften verdrängt werden und ist im Einzelfall zu konkretisieren (BGE 128 III 271 E. 2a/
aa
). Sie gilt auch im Bereich des Versicherungsvertrags. Nach dieser Grundregel hat der Anspruchs
berechtigte - in der Regel der Versicherungsnehmer, der versicherte Dritte oder der B
egünstigte - die Tatsachen zur «
Begründ
ung des Versicherungsanspruches»
(Marginalie zu
Art.
39 VVG) zu beweisen, also namentlich das Bestehen eines Versicherungsvertrags, den Eintritt des Versicherungsfalls und den Umfang des Anspruchs. Den Versicherer trifft die Beweislast für Tatsachen, die ihn zu einer Kürzung oder Verweigerung der vertraglichen Leistung berechtigen
(z.B. wegen schuldhafter Herbeiführung des befürchteten Ereignisses: Art. 14 VVG
) oder die den Versicherungsvertrag gegenüber dem Anspruchsberechtigten unverbindlich machen (z.B. wegen betrügerischer Begründung des Versicherungsanspruches:
Art.
40 VVG). Anspruchsberechtigter und Versicherer haben im Streit um ver
tragliche Leistungen je ihr eigenes Beweisthema und hierfür je den Hauptbeweis zu erbringen (BGE 130 III 321 E. 3.1).
1.5
Es obliegt der versicherten Person zu beweisen, dass sie (weiterhin)
arbeitsunfähig ist und daher Anspruch auf
Taggeld
er hat, wenn die Versicherung zunächst
Tag
geld
er ausbezahlt hat und sodann geltend macht, die Umstände hätten sich ge
ändert oder die Leistungen seien von vornherein zu Unrecht erbracht worden und die versicherte Person sei (wieder) arbeitsfähig (BGE 141 III 241 E. 3.1). Den Ver
sicherer trifft demgegenüber die Beweislast für Tatsachen, die ihn zu einer Kür
zung oder Verweigerung der vertraglich vorgesehenen Leistung berechtigen oder die den Versicherungsvertrag gegenüber dem Anspruchsberechtigten unverbind
lich machen (BGE 130 III 321 E. 3.1).
1.6
Da der Nachweis rechtsbegründender Tatsachen im Bereich des Versicherungs
vertrags regelmässig mit Schwierigkeiten verbunden ist, geniesst der beweis
pflichtige Anspruchsberechtigte insofern eine Beweiserleichterung, als er in der Regel nur eine überwiegende Wahrscheinlichkeit für das Bestehen des geltend gemachten Versicherungsanspruchs darzutun hat. Allerdings kann der Versiche
rer im Rahmen des Gegenbeweises Indizien geltend machen, welche die Glaub
würdigkeit des Ansprechers erschüttern oder erhebliche Zweifel an seinen Schil
derungen erwecken. Gelingt der Gegenbeweis, dürfen die vom Anspruchsberech
tigten behaupteten Tatsachen nicht als überwiegend wahrscheinlich und damit nicht als bewiesen anerkannt werden. Der Hauptbeweis ist vielmehr gescheitert (BGE 130 III 321 E. 3.4).
1.7
Nach Art. 168 Abs. 1 ZPO sind als Beweismittel zulässig: Zeugnis (
lit
. a), Urkunde (
lit
. b), Augenschein (
lit
. c), Gutachten (
lit
. d), schriftliche Auskunft (
lit
. e) sowie Parteibefragung und Beweisaussage (
lit
. f). Diese Aufzählung ist abschliessend; im Zivilprozessrecht besteht insofern ein
numeru
s
clausus der Beweismittel, vor
behalten bleiben nach Art. 168 Abs. 2 ZPO lediglich die Bestimmungen über Kin
derbelange in familienrechtlichen Angelegenheiten (BGE 141 III 433 E. 2.5.1). Art. 168 Abs. 1
lit
. d ZPO lässt einzig vom Gericht eingeholte Gutachten als Be
weismittel zu. Privatgutachten sind zwar zulässig, aber nicht als Beweismittel, sondern nur als Parteibehauptungen (BGE 141 III 433 E. 2.5.2)
.
1.8
Parteibehauptungen, denen ein Privatgutachten zugrunde liegt, werden indes meist besonders substantiiert sein. Entsprechend genügt eine pauschale Bestrei
tung nicht; die Gegenpartei ist vielmehr gehalten zu substantiieren, welche ein
zelnen Tatsachen sie konkret bestreitet. Wird jedoch eine Tatsachenbehauptung von der Gegenpartei substantiiert bestritten, so vermögen Parteigutachten als reine Parteibehauptungen diese allein nicht zu beweisen. Als Parteibehauptungen mögen sie allenfalls zusammen mit - durch Beweismittel nachgewiesenen
–
In
dizien den Beweis zu erbringen. Werden sie aber nicht durch Indizien gestützt, so dürfen sie als bestrittene Behauptungen nicht als erwiesen erachtet werden (BGE 141 III 433 E. 2.6).
1.9
Auch Berichte von Fachärzten, welche die Taggeldversicherer beraten, sind
als
blosse Parteibehauptungen zu qualifizieren (Urteil des Bundesgerichts 4A_571/
2016 vom 23. März 2017, E. 3.2 am Ende).
1.10
Das Arztzeugnis wird beweisrechtlich den Zeugnisurkunden, denen im Beweis
verfahren mit einer gewissen Zurückhaltung zu begegnen ist, zugeordnet und gilt im Bereich des Zivilprozessrechts gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts als Privatgutachten (BGE 140 III 24 E. 3.3.3; 140 III 16 E. 2.5). Nach der Lehre beweisen Arztzeugnisse grundsätzlich nur, dass die Erklärung von der ausstellen
den Person abgegeben wurde. Aufgr
und des Fachwissens der ausstel
lenden Per
son sowie der strafrechtlichen Sanktion (Art. 318
des Schweizerischen Strafge
setzbuches,
StGB) kann zunächst von der Richtigkeit eines Arztzeugnisses ausge
gangen werden. Der Beweiswert kann jedoch durch irgendwelche Beweismittel und Umstände erschüttert werden, wenn beispielsweise der Arzt den Patienten nicht untersucht und ausschliesslich auf dessen Aussagen abgestellt hat ober bei widersprüchlichem Verhalten des Patienten während bescheinigter Arbeitsunfä
higkeit.
Solchenfalls
hat der Beweisführer bei unveränderter Beweislast den vol
len Beweis für die mit dem Arztzeugnis bescheinigten Tatsachen zu erbringen (Heinrich Andreas Müller, in: Schweizerische Zivilprozessordnung, ZPO, Kom
mentar, Brunner/Gasser/Schwander, Hrsg., 2. Auflage, Zürich 2016, Art. 177
Rz
9; Annette
Dolge
in:
Basler
Kommentar
zur Schweizerischen Zivilprozessord
nung, 3. Aufl
age
, Basel 2017, Art. 177
Rz
13).
2.
2.1
Es ist unbestritten, dass d
er Kläger
aufgrund der mit der Beklagten abgeschlosse
nen
Einzel
taggeldversicherung (
Police Nr.
«...»
,
Urk.
2/2 =
Urk.
14/1
)
- zu
mindest für eine gewisse Zeit - für ein Krankenta
ggeld versichert war.
Vereinbart war ein Krankentaggeld von
Fr.
137.-- bei
eine
r
Leistungsdauer von
720
Tagen und einer Wartefrist von 30 Tagen (S. 5)
.
Zudem ist unbestritten, dass
Grundlage des Vertrags
die
Allgemeinen Vertragsbedingungen
(AVB), Ausgabe
1/2011, die Zusatzbedingungen für Taggeld bei Erwerbsunfähigkeit, Ausgabe 1/2011
,
sowie die
Besonderen
Bedingungen
aufgrund des Übertritts aus der Kollektivversiche
rung
bilden
(vgl. S. 6).
2.2
Die
massgebenden
AVB
(
Urk.
2/3 =
Urk.
14/1 S. 7-12
)
lauten auszugsweise wie folgt:
2.1
Gegenstand der Versicherung
Versichert sind die wirtschaftlichen Folgen von Krankheit und/oder Unfall.
2.2
V
ersicherbare Leistungsarten
b)
für Krankheit und/oder Unfall
5.
Erwerbsunfähigkeit:
•
Taggeld
2.3
Begriffsbestimmungen
b) Krankheit:
Jede vom Willen des Versicherten unabhängige, medizinisch wahrnehmbare Störung der Gesundheit, die ärztliche Behandlung notwendig macht und nicht auf einen Un
fall zurückzuführen ist. (...)
3.1
Vertragsbeginn
Der Vertrag tritt in Kraft, sobald
Zurich
dem Versicherungsnehmer die Police ausge
händigt oder die Annahme seines Antrages erklärt hat, frühestens jedoch am verein
barten und in der Police bezeichneten Tag (Vertragsbeginn).
3.2
Vertragsdauer
b)
Die Versicherung des Taggeldes bei Erwerbsunfähigkeit dauert bis zum Ablauf des Versicherungsjahres, in dem der Versicherte das 6
5.
Lebensjahr vollendet;
2.3
Die massgebenden Zusatzbedingungen für
Taggeld bei Erwerbsunfähigkeit
(
Urk.
2/4 =
Urk.
14/1 S. 13)
lauten auszugsweise wie folgt:
1.
Begriffsbestimmungen
Erwerbsunfähigkeit liegt vor, wenn der Versicherte infolge medizinisch nachweisba
rer Krankheit (einschliesslich Zerfall der geistigen oder körperlichen Kräfte) oder in
folge von Unfall ausserstande ist, seinen Beruf oder eine andere Erwerbstätigkeit auszuüben, die seinen Kenntnissen und Fähigkeiten angemessen ist.
4.
Versicherungsleistungen
Nachfolgende Leistung wird als Summenversicherung versichert:
a)
Wird der Versicherte erwerbsunfähig und hat die Erwerbsunfähigkeit ununter
brochen während der in der Police festgesetzten Wartefrist bestanden, entrichtet
Zurich
für die weitere Dauer seiner Erwerbsunfähigkeit das vereinbarte Taggeld.
b)
Das Taggeld wird pro Krankheitsfall während der in der Police festgelegten Leis
tungsdauer ausgerichtet, längstens jedoch bis zum Ablauf des Versicherungsjahres, in dem der Versicherte das 6
5.
Lebensjahr vollendet.
3.
3.1
Der Kläger
führte zur Begründung seiner Klage
(
Urk.
1)
aus,
er sei in der Zeit vom 1
2.
Februar 2016 bis
2.
Februar 2018 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen (S. 4
Ziff.
3).
Die Beklagte bestreite die Arbeitsunfähigkeit nicht, weshalb es einzig
um die Frage einer Verletzung der Schadenminderungspflicht
gehe
(S. 12 f.
Ziff.
1.2-1.3).
Die Beklagte habe
k
eine eigene Anordnung zur
Schad
ens
minderung er
las
sen.
Im September 2017 habe
sie
auf die von der IV-Stelle Luzern am 2
5.
Januar 2017 erlassene Weisung verwiesen, worin eine Drogenabstinenz für die Zeit bis zum 2
5.
Juli 2017 angeordnet worden sei.
Zu diesem Zeitpunkt sei
jedoch
seitens der IV-Stelle
Luzern
implizit nicht mehr an der Weisung festgehalten worden.
E
ine Verletzung der Mitwirkungspflicht
sei seitens der IV-Stelle Luzern bislang nicht
festgestellt worden (S. 14 f.
Ziff.
2.1).
Ausserdem
werde d
ie Frage der Zu
mutbarkeit einer Drogenabstinenz gegenwärtig abgeklärt. Solange
dies
nicht ge
klärt sei, sei das Abstelle
n
auf die externe Weisung nicht zulässig (S. 15
Ziff.
2.2).
Auch habe die Beklagte den
Nachweis, in welchem Ausmass der Schaden durch zweckmässige Massnahmen h
ätte verringert werden können, nicht erbracht
(S. 16
Ziff.
2.3).
Schliesslich habe
die Beklagte
ihre Leistungen eingestellt, ohne das Absehen von einer blossen Kürzung zu begründen (S. 17
Ziff.
2.5).
In der Replik (
Urk.
1
7) schloss sich der Kläger dem Eventuala
ntrag auf Einholung eines G
erichtsg
utachtens an, da das Gutachten von
Dr.
B._
aus näher darge
legten Gründen nicht aussagekräftig sei (S. 1 f.).
3.2
Die Beklagte
stellte sich demgegenüber
in der Klageantwort (
Urk.
13)
auf den Standpunkt,
sie bestreite das Vorliegen einer Erwerbsunfähigkeit
ab dem
1.
Ja
nuar 2017
(S. 7
Ziff.
21).
Das Gutachten von
Dr.
A._
sowie die Stellungnah
men von
Dr.
Z._
würden aus näher dargelegten Gründen nicht überzeugen
(S. 7 f.
Ziff.
22-
23).
Aufgrund der
übrigen
Gutachten, insbesondere des über
-
zeugen
den Gutachtens von
Dr.
B._
, ergebe sich, dass der Kläger seit spätestens Ja
nuar 2017 wieder zu 100
%
fähig sei, eine zumutbare Arbeit zu leisten. Eine me
dizinisch begründete Erwer
bsunfähigkeit im Sinne von Ziffer
1
der
Zusatzbedin
gungen könne der Kläger nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachwei
sen (S. 8
Ziff.
26).
Hinzu komme, dass die angebliche Arbeitsunfähigkeit im Mo
nat Juli 2017 und ab November 2017
nicht
nachgewiesen sei (S. 8
Ziff.
27). Sollte das Gericht eine Erwerbsunfähigkeit des Klägers über den
1.
Januar 2017 hinaus als nachgewiesen erachten, sei ein Gerichtsgutacht
en einzuholen (S. 9
Ziff.
28).
In der Duplik (
Urk.
20) wies die Beklagte unter anderem darauf hin, dass das Vorliegen einer allfälligen Arbeitsunfähigkeit für den Nachweis einer Erwerbsun
fähigkeit gemäss abgeschlossener Taggeldversicherung nicht genüge (S. 2).
3.3
Strittig ist, ob ab dem
1.
Januar 2017 eine anspruchsbegründende
Arbeits
unfä
higkeit des Klägers
rechtsgenüglich
nachgewiesen ist.
4.
4.1
Mit diversen ärztlichen Zeugnissen (
Urk.
14/3 ZM1
-ZM3;
Urk.
14/3 ZM5
) attes
tierte
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Oberärztin
C._
,
dem Kläger eine
krankheitsbedingte
vollständige Arbeitsunfähigkeit für die Zeit vom 1
2.
Februar bis 3
1.
März 2016 sowie vom 1
8.
April bis
1.
Mai 2016.
4.2
Dipl. med. D._
, praktische Ärztin,
sowie
Dr.
med. E._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
attestierte
n
dem Kläger mit
mehreren
ärztlichen Zeugnissen (
Urk.
14/3 ZM4;
Urk.
14/3 ZM6-ZM7
;
Urk.
14/3 ZM9-ZM10
;
Urk.
14/3 ZM13-ZM15
;
Urk.
14/3 ZM21
) eine
krankheits
bedingte
vollständige Arbeitsunfähigkeit für die Zeit vom
1.
bis 1
8.
April 2016 sowie vom
1.
Mai
bis
3
0.
September
2016.
4.3
Dr.
med. F._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumatologie, stellte mit Bericht vom
1.
Juni 2016 (
Urk.
2/9 =
Urk.
14/3 ZM12 =
Urk.
14/3 ZM16) folgende Diagnosen (S. 1):
-
c
hronische
Epicondylopathia
humeri
radialis
rechts, aktuell deutliche Bes
serung unter Physiotherapie,
radialer Stosswellentherapie (
RSWT
)
und
Ar
beitsunfähigkeit (
AUF
)
-
s
chmerzhafte
Myogelosen
der Arm- und Schultergürtelmuskulatur rechts (dominante Seite) sowie der Wadenmuskulatur beidseits
-
a
namnestisch
Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (
ADHS
)
, unter
Methylphenidat
Die Arbeitsfähigkeit sei aus rheumatologischer Sicht längerfristig nicht ein
zu
schränken
(S. 3).
4.4
Mit Bericht vom 2
4.
Juni 2016 (
Urk.
2/11 =
Urk.
14/3 ZM8
=
Urk.
14/3 ZM32
)
nannte
Dr.
Z._
(vorstehend E. 4.1) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit
eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (narzisstische und disso
ziale Anteile, ICD-10 F61) sowie ein ADHS (ICD-10 F90.0) als mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Als
Diagnose
ohne Auswirkungen
auf die Arbeitsfähig
keit
erwähnte sie einen
Abusus von Cannabis
(ICD-10 F12.1)
und
Kokain (ICD-10 F14.1; S. 2). Die aktuelle Arbeitsunfähigkeit beruhe auf den körperlichen Ein
schränkungen und werde daher nicht beurteilt
. Bezüglich der geistigen und psy
chischen Einschränkungen sei die Situation in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit äusserst unterschiedlich. Aktuell scheine der Kläger durch die körperlich bedingte Arbeitsunfähigkeit psychisch etwas entlastet, so dass die psychisch bedingte Ar
beitsfähigkeit kaum eingeschränkt zu sein schein
e
. Dies könne sich jedoch inner
halb kürzester Zeit, bei zunehmendem Stress, sehr plötzlich ändern
(S. 3).
4.5
Am 2
6.
Juli 2016 beantwortete
Dr.
D._
(vorstehend E. 4.2)
die Fragen der Beklagten
dahingehend, dass sich der Kläger
erstmalig am
7.
April 2016 im Rah
men einer Hausarztvertretung vorgestellt
habe
. Er werde wegen der therapiere
sistenten
Epicondylitis
lateralis
rechts behandelt. Aktuell sei er zu 100
%
arbeits
unfähig
(vgl.
Urk.
2/10 =
Urk.
14/3 ZM17; vgl. auch
Urk.
14/3 ZM11).
4.6
Mit Schreiben vom 3
0.
August 2016 (
Urk.
2/12 =
Urk.
14/3 ZM18)
bestätigte
Dr.
Z._
(vorstehend E. 4.1)
, dass aufgrund des psychischen Leidens vom 1
2.
Februar bis 3
1.
März 2016 sowie vom 1
8.
April bis
1.
Mai 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe
. Die aktuelle Arbeitsunfähigkeit sei aufgrund
der somatischen
Beschwerden ausgestellt
(S. 1).
4.7
Am
7.
September 2016 erfolgte eine versicherungsmedizinische Beurteilung durch
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
(
Urk.
14/3 ZM19)
.
Dieser hielt fest, dass die Diagnosen klar getrennt werden könnten. Die kombinierte Persönlichkeitsstörung bestehe seit der Adoleszenz. Der Beginn der
Epicondylitis
sei nicht ersichtlich
(
Ziff.
1)
. Aus psychiatrischer Sicht sei keine anhaltende Arbeitsunfähigkeit gegeben. Eine vorübergehende Arbeits
unfähigkeit aufgrund von Zustandsschwankungen sei möglich
(
Ziff.
3)
. Bezüglich der psychiatrischen Diagnosen sei keine Verbesserung zu erwarten
(
Ziff.
4)
. In einer adaptierten Tätigkeit (gute, konsequente Führung, wenig Anpassungsleis
tung in ein Team, keine oder wenig Administrativaufgaben, übersichtliche Ar
beitsverhältnisse) sei von psychiatrischer Seite
her
keine anhaltende Beeinträch
tigung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten
(
Ziff.
5)
.
4.8
Eine versicherungsmedizinische Beurteilung durch
H._
erfolgte am
9.
September 201
6.
Dieser hielt fest, dass der Kläger schon seit über einem Jahr an einer
Epicondylitis
des rechten Ellenbogens leide. Die aktuelle Therapie habe zu einer deutlichen Besserung geführt. In einer angepassten Tätigkeit (keine wiederkehrende/dauernde Belastung des rechten Ellenbogens) sei eine 100%ige Arbeitsfähigkeit möglich. Arbeiten als Monteur oder auf dem Bau, welche den Ellenbogen stark belasten würden, seien nicht möglich. Eine Schadenminderung sei sinnvoll. In angepasster Tätigkeit bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit (vgl.
Urk.
14/3 ZM20).
4.9
Dr.
med. I._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, und
Dr.
med. J._
, praktischer Arzt, attestierten dem Kläger mit diversen ärztlichen Zeugnissen (
Urk.
2/6;
Urk.
14/3 ZM22-ZM30
;
Urk.
14/3 ZM34-ZM35
;
Urk.
14/3 ZM38
) eine
krankheitsbedingte
vollständige Arbeitsunfähigkeit für die Zeit vom
1.
Oktober 2016 bis
2.
Februar 2018.
4.10
Mit Bericht vom 1
4.
Oktober 2016 (
Urk.
2/16)
zuhanden der Invalidenversiche
rung
nannte
Dr.
Z._
(vorstehend E. 4.1)
folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1 f.
Ziff.
1.1):
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und dissozialen Anteilen (ICD-10 F61)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Kokain: Abhängigkeitssyn
drom (ICD-10 F14.2)
-
einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0)
-
Epicondylitis
humeri
radialis
rechts
Als
Diagnose
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit erwähnte sie einen
Abusus von
Cannabis (ICD-10 F12.1; S. 2
Ziff.
1.1).
Aus psychischen Gründen sei d
er Kläger in der bisherigen Tätigkeit zuletzt vom 1
2.
Februar bis 3
1.
März 2016 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen. Die Arbeitsunfähigkeit sei aufgrund
der soma
tischen
Beschwerden fortgeführt worden (S. 3
Ziff.
1.6).
Die bisherige Tätigkeit sei
im Sinne des Ausübens und Praktizierens
prinzipiell zumutbar. Mit hochgra
diger Einschränkung seien jedoch die üblichen Arbeitsbedingungen zu sehen. So komme es aufgrund der Persönlichkeitsstörung im Angestelltenverhältnis mit grosser Regelmässigkeit zu gravierenden Konflikten mit den Vorgesetzten. Die
Selbständigkeit
scheitere jeweils an der
Unabgegrenztheit
und mangelnden Selbststrukturierung.
Vorstellbare wäre, dass ein Teilzeitpensum von 50 bis 60
%
zu einer intrapsychischen Entlastung als Voraussetzung für eine funktionierend
e berufliche Integration führe (S. 5
Ziff.
1.7).
4.11
Am
7.
November 2016 wurde das im Auftrag der Invalidenversicherung erstellte neuropsychologische Gutachten durch die Ärzte der
K._
erstattet (
Urk.
2/
17).
Diese führten aus, es
habe sich kein klinischer oder testpsychologischer Anhalt für eine hirnorganisch bedingte kognitive Leistungsminderung gezeigt. Eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit sei aus neuropsychologischer Sicht somit nicht gegeben (S. 10 f.
Ziff.
4-5). Dies gelte a
uch retrospektiv (S. 16 unten).
Gleichentags wurde
durch die Ärzte der
K._
auch das
psychiatrische Gutach
ten
zuhanden der Invalidenversicherung erstattet (
Urk.
2/18).
Sie
nannten
fol
gende
Diagnosen
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
(S.
17
):
-
wahrscheinlich dissoziale Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.2)
-
adultes ADHS (ICD-10 F90)
Als Diagnose ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
nannten sie eine
po
lytoxikomane
Substanzabhängigkeit (ICD-10 F19.2) mit
derzeit fortgesetztem
Kons
um von Kokain und
Cannabinoiden
(S. 17).
Der psychiatrische Befund zeige keine namhaften Auffälligkeiten.
Das adulte
ADHS sei von den Effekten des fort
gesetzten Suchtmittelkonsums nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit abzu
grenzen. Eine erneute Diagnostik unter stabilen Abstinenzbedingungen
sei zu empfehlen, wobei e
in
höhergradiger
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nicht wahr
scheinlich
sei
. Eine
von den
Folgen des Suchtmittelkonsums abgrenzbare psychi
atrische Erkrankung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei nicht mit hin
reichender Wahrscheinlichkeit zu attestieren. Die dissoziale Persönlichkeitsstö
rung führe aufgrund des Fehlens
einer schwerwiegenden psychopathologischen
Beeinträchtigung allenfalls zu einem Ausschluss von Tätigkeiten mit Verant
wor
tung für Dritte
. Die dissozialen Verhaltensauffälligkeiten seien nicht prominent und mittels einer zumutbaren Willensanstrengung kontrollierbar/überwindbar
(S. 12 f.
Ziff.
5).
Nach Entgiftung
und
Entwöhnung sei die bisherige sowie jegliche vergleichbare Tätigkeit wieder
zu 100
%
zumutbar.
Hierfür
sei ein Zeitraum
von zwei
Monaten ausreichend. Retrospektiv sei im Rahmen des sekundären Sucht
mittelkonsums eine
höhergradige
Arbeitsunfähigkeit wahrscheinlich, jedoch zeit
lich nicht näher einzugrenzen. Tätigkeiten mit höherer Verantwortung für
Dritte, monotone Arbeiten sowie
Regel- und Steuertätigkeiten seien auf
grund des ADHS eher ungeeignet. Dies sei
nach erfolgter Entgiftung und Entwöhnung in zirka sechs Monaten nochmals
zu prüfen
(S. 20 f.).
4
.12
Mit Schreiben vom 2
8.
März 2017 (
Urk.
2/20 =
Urk.
14/3 ZM31)
nannte
Dr.
Z._
(vorstehend E. 4.1)
folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit (S. 2):
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit dissozialen und narzi
s
stischen Anteilen (ICD-10 F61.0)
-
rezidivierende depressive Störung, derzeit mittelschwere Episode (ICD-10 F33.1)
-
Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Anteilen (ICD-10 F45.41)
Auf somatischer Ebene
sei es zu einer Besserung der geklagten Beschwerden ge
kommen
.
Zwischenzeitlich habe sich die gesundheitliche Situation des Klägers wieder deutlich verschlechtert. Im Vordergrund stünden dabei die psychischen Symptome. So sei es unter einer erheblichen Zunahme von verschiedenen psy
chosozialen Belastungsfaktoren zu einer noch andauernden psychischen Desta
bilisierung gekommen.
Sowohl die Schmerzstörung als vor allem
auch
die de
pressive Symptomatik kombiniert mit der massiven Angespanntheit und Gereizt
heit würden derzeit eine 100%ige Arbeitsu
nfähigkeit bedingen (S. 1).
4.13
Am 2
6.
Juni 2017 berichtete
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
,
über die konsiliarische Untersuchung des Klägers (
Urk.
2/22 =
Urk.
14/3 ZM36).
Dabei stellte sie folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 6 f.):
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit dissozialen und narzisstischen Anteilen (ICD-10 F61.0), seit der Adoleszenz
-
rezidivierende depressive Störung, derzeit mittelschwere Episode (ICD-10 F33.1)
-
Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Anteilen (ICD-10 F45.41)
-
hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens (ICD-10 F90.1), in der Kind
heit
Als Diagnose ohne Auswirkungen auf die A
rbeitsfähigkeit erwähnte sie einen
gelegentlichen Gebrauch von Kokain, früher von Can
n
abis, bei Status nach Ab
hängigkeit (S. 7).
Aus fachpsychiatrischer Sicht sei die
durch
Dr.
Z._
vorge
nommene
Beurteilung
plausibel und nachvollziehbar.
A
ngesichts der Arbeits
anamnese des Klägers
bestehe
kein ausreichendes Integrationspotential in ein Mitarbeiterteam. In einem geschützten Arbeitsumfeld bestehe eine noch grössere Konfliktgefahr. Daher
sei
ab Untersuchung
sdatum
für jegliche Teamarbeit in den angestammten oder durchgeführten Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
ausgewiesen
.
E
ine erneute Suche nach einer Anstellung auf dem Arbeitsmarkt
sei
nicht sinnvoll. Eine selbständige Tätigkeit sei angesichts der bisherigen
Schwie
rigkeiten mit der Administration nicht vielversprechend (S. 7 f.).
4.14
Mit Bericht vom 2
7.
Juli 2017 (
Urk.
2/24
/1-4
)
informierte
Dr.
Z._
(vorstehend E. 4.1)
die
Invalidenversicherung über einen verschlechterten Gesundheitszustand des Klägers. Seit dem 1
4.
Oktober 2016 bestehe eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit (S. 1
Ziff.
1-2). Es liege
neuerdings
zusätzlich
eine sonstige depressive Störung (ICD-10 F33.8)
vor
, welche keinen dauerhaften Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe (S. 2
Ziff.
3).
Die depressiven Phasen würden deutlich weniger als zwei Wo
chen anhalten (S. 2
Ziff.
3.1). Der Drogenmissbrauch sei Folge des geistigen Ge
sundheitsschadens (kombinierte Persönlichkeitsstö
rung). D
er Kläger nutze das Kokain, um die Symptome der Grunderkrankung zu bekämpfen. Es liege ein se
kundärer Substanzkonsum im Sinne eines Selbstheilungsversuchs vor. Eine voll
ständige Abstinenz entspreche derzeit einer unzumutbaren Willensanstrengung (S. 3
Ziff.
4).
4.15
Mit Schreiben vom
9.
August 2017 (
Urk.
14/3 ZM37)
erklärte
Dr.
Z._
, dass der
Drogenabusus
des Klägers eine Folge des geistigen/psychischen Gesundheitsscha
dens sei und die Arbeitsunfähigkeit auf dem geistigen/psychischen Gesundheits
schaden (Persönlichkeitsstörung, ADHS) beruhe und nicht auf dem Drogenkon
sum.
E
ine vollständige Abstinenz
sei
eine unzumutbare Willensanstrengung
(S. 1).
4.16
Am
1.
September 2017 erfolgte eine versicherungsmedizinische Beurteilung durch
L._
.
Diese hielt fest, dass es keine Leitlinien zu Suchterkran
kungen gebe, in denen Kokain als
Beimedikation
zum therapeutischen Effekt empfohlen werde
.
E
s
handle
sich um eine Selbstmedikation, welche auch mit an
deren
Ansätzen therapiert werden könn
e. Es müsse davon ausgegangen werden, dass der Drogenkonsum eher zu einer Verschlechterung des psychischen Zustan
des führe.
An der Schadenminderungspflicht
der Invalidenversicherung
sei
fest
zuhalten (vgl.
Urk.
14/3 ZM39).
4.17
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, er
stat
tete
sein
psychiatrische
s
Gutachten zuhanden der Invalidenversicherung am
3.
Juli 2018 (
Urk.
8
/2-25
).
Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit nannte
er
eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit dissozialen, narzissti
schen und
histrionischen
Anteilen (ICD-10 F61.0) sowie ein ADHS (ICD-10 F90.0). Als
Diagnose
ohne Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit nannte
er eine anhal
tende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) sowie ein
en
Kokain
-
(ICD-10 F12.26)
und ein
en
Cannabiskonsum (ICD-10 F14.26).
Er könne der Argumenta
tion,
wonach e
s sich beim Drogenmissbrauch
um einen sekundären Substanzkon
sum im Sinne eines Selbstheilungsversuches handle, wenig folgen.
Der Konsum habe b
ezüglich Arbeitsfähigkeit
versicherungstechnisch keine Bedeutung. Der
Kläger
sei nicht depressiv. Eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes
liege nicht vor
(S. 19 f.).
Es sei ein hohes Eingliederungspotential vorhanden.
Aller
dings müsse beachtet werden, dass
d
er
Kläger
allein arbeiten könne ohne Kun
den- und/oder Kollegenkon
takt
, der Arbeitgeber ihn selbständig arbeiten lasse, oder
der Kläger
wiederum in die Selbständigkeit gehe (S. 21).
In der bisherigen Tätigkeit als angestellter Automechaniker bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit. In selbständiger Tätigkeit und/oder in angestellter Tätigkeit oh
ne Kollegen- oder Kundenkontakt
sei
der Kläger
in einem zeitlich vollen Pensum erwerbsfähig (S. 23). Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe in einer solchen Tätigkeit seit der im Jahr 2011 erfolgten Entlassung aus der Klinik keine Einschränkung (S. 24).
5.
5.1
Zur
Annahme einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ab dem
1.
Januar 2017
kann sich der Kläger
auf
di
e
ärztliche
n
Zeugnisse
von
Dr.
I._
und
Dr.
J._
(vorstehend E
. 4.9
),
die Stellungnahmen von
Dr.
Z._
vom 2
8.
März und 2
7.
Juli 2017
(vorstehend E. 4.12, E. 4.14) sowie das Gutachten von
Dr.
A._
(vorste
hend E. 4.13)
stützen
.
Die Beklagte verneinte hingegen ihr
e Leistungspflicht gestützt
auf
den Bericht von
Dr.
F._
(vorstehend E. 4.3), die Stellungnahmen von
Dr.
Z._
vom 2
4.
Juni, 3
0.
August sowie 1
4.
Oktober 2016 (vorstehend E. 4.4, E. 4.6, E. 4.10),
das
bidisziplinäre
Gutachten der
K._
(vorstehend E. 4.11) sowie das
durch
Dr.
B._
erstellte
psychiatrische Gutachten (vorstehend E. 4.17).
5.2
Zu prüfen ist mithin, ob der Kläger
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlic
hkeit den Beweis für die von ihm
behauptete Arbeitsunfähigkeit in der strittigen Periode erbringen kann (vorstehend E. 1.5), oder ob der Beklagten der Gegenbeweis gelingt, mithin hinreichende Indizien den Hauptbeweis schei
tern lassen (vorstehend E. 1.6). Den ärztlichen Beurteilungen, auf die sich beide beruhen, kommt dabei der Stellenwert von Parteibehauptung
en zu (vorstehend E. 1.8-1.10).
5.3
Hinsichtlich der aus somatischer Sicht diagnostizierten
Epicondylitis
radialis
hu
meri
d
es rechten Ellenbogens erfolgte
Ende Mai 2016
eine ausführliche rheuma
tologische Untersuchung durch
Dr.
F._
, welcher eine dadurch bedingte längerfristige Arbeitsunfähigkeit nicht (mehr) erkennen konnte (vorstehend
E. 4.3). Da die durchgeführte Therapie zu einer deutlichen Besserung
führte
, wurde dem Kläger anlässlich der im September 2016 erfolgten versicherungsmedizini
schen Beurteilung eine vollständige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätig
keit ohne wiederkehrende/dauernde Belastung des rechten Ellenbogens beschei
nigt
(vorstehend E. 4.8).
Die
beiden
Allgemeinmediziner
Dr.
I._
und
Dr.
J._
(vorstehend E. 4.9)
attestieren zwar für die Zeit vom
1.
Oktober 2016 bis
2.
Februar 2018 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
. Die betrifft zwar
den massgebenden Zeitraum
, aber die betreffenden Zeugnisse
entbehren jeglicher Begründung, wobei insbesondere unklar bleibt,
aufgrund welcher Diagnosen respektive Beschwerden die Zeugnisse ausgestellt wurden
.
Diese Zeugnisse vermögen daher
die klägerische Sachver
haltsdarstellung nicht
überwiegend wahrscheinlich nachzuweisen
.
D
er Kläger
selbst bestritt
ebenfalls
nicht,
dass er aus somatischer Sicht seit zirka Mitte 2016
in einer angepassten Tätigkeit
wiederum vollständig arbeitsfähig ist.
Falls die Zeugnisse aufgrund eines psychischen Leidens ausgestellt worden wären, bleibt anzumerken, dass weder
Dr.
I._
noch
Dr.
J._
über einen entsprechenden Facharzttitel verfügen, womit sie nicht befähigt waren, ein psychiatrisches Krank
heitsbild und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zuverlässig zu beur
teilen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_445/2016 vom 1
6.
Februar 2017
E. 4.2.1).
5.4
Im Juni 2016
erklärte
d
ie behandelnde Psychiaterin
Dr.
Z._
, dass sie
aufgrund einer kombinierten Persönlichkeitsstörung (narzisstische und dissoziale Anteile, ICD-10 F61) sowie ein
es
ADHS (ICD-10 F90.0)
eine vollständige Arbeitsunfähig
keit bis
zum
1.
Mai 2016
attestiert
habe
und
die
weitergehende Arbeitsunfähigkeit
wegen
der körperlichen Einschränkungen
bestehe
(vorstehend E. 4.4; vgl. auch ärztliche Zeugnisse in E. 4.1). Dies bestätigte
sie
auch
im August 2016 (vorstehend E. 4.6).
I
m Oktober 2016
erklärte
sie
sodann
, dass die bisherige Tätigkeit prinzi
piell noch zumutbar sei, es jedoch bei den üblichen Arbeitsbedingungen mit gros
ser Regelmässigkeit zu gravierenden Konflikten mit den Vorgesetzten kommen könne. Daher erachtete sie ein Teilzeitpensum von 50 bis 60
%
zur intrapsychi
schen Entlastung als Voraussetzung für eine funktionierende berufliche Integra
tion (vorstehend E. 4.10).
Eine seit der letztmaligen Beurteilung eingetretene Ver
schlechterung des
psychischen Gesundheitszustand
s, mit welcher sich eine nun reduzierte Arbeitsfähigkei
t allenfalls rechtfertigen lassen würde
, lässt sich diesem Bericht allerdings
nicht
entnehmen
.
Bis zu diesem Zeitpunkt
lagen
folglich
keine zuverlässigen medizinischen Berichte
vor
, welche
eine über den
1.
Mai 2016 an
dauernde psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit
besch
einigen würden.
Erst
mals
im März 2017 berichtete
Dr.
Z._
schliesslich
über eine Verschlechte
rung des psychischen Gesundheitszustandes aufgrund einer erheblichen Zunahme verschiedener psychosozialer Belastungsfaktoren und diagnostizierte zusätzlich eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
,
sowie eine Schmerzstörung mit psychischen und somatischen
Anteilen
(ICD-10 F45.41), welche derzeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bedingen wür
den (vorstehend E. 4.12).
Dabei gab
sie
allerdings
nicht an,
wann
die
Verschlech
terung
eingetreten
sei
und ab w
elchem Zeitpunkt die
von ihr attestierte
vollstän
dige Arbeitsunfähigkeit
gelte
.
D
ie festgestellte Schmerzstörung
kann überdies
nicht nachvoll
zogen werden
, wurde
doch
einzig
auf ein
en
vorliegend nicht ak
tenkundigen
Bericht
von
Dr.
I._
verwiesen
, wonach
organische Ursachen für die Schmerzsymptomatik ausgeschlossen worden seien (vgl.
Urk.
14/3 ZM31
S. 1
)
.
Im Juli 2017 a
ttestierte
Dr.
Z._
schliesslich
rückwirkend
eine seit
dem 1
4.
Oktober 2016 bestehe
nde 100%ige Arbeitsunfähigkeit, wobei sie nun eine sonstige depressive
Störung (ICD-10 F33.8) ohne dauerhaften Einfluss auf die A
rbeitsfähigkeit
diagnostizierte
(vorstehend E. 4.14).
Diese Einschätzung wider
spricht allerdings
ihrer
damaligen echtzeitlichen Beurteilung
(vorstehend E. 4.10)
.
Auf
die
durch
Dr.
Z._
im massgebenden Zeitraum getätigten Angaben
kann
demzufolge
nicht abgestellt werden. Dies
gilt umso mehr angesichts
der
auch im zivilprozessualen Bereich geltenden
Erfahrungstatsache, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifels
fällen eher zu Gunsten ihrer Patientinne
n und Patienten aussagen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_571/2016 vom 2
3.
März 2017 E. 4.2)
.
5.5
Mit dem psychiatrischen Konsilium von
Dr.
A._
(vorstehend E. 4.13) lässt sich eine
während des massgebenden Zeitraums bestehende anspruchsbegründende
Arbeitsunfähigkeit
ebenfalls nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nach
weisen.
Zwar erhob
Dr.
A._
eigene Befunde (vgl.
Urk.
14
/3 ZM36 S. 5
)
, ver
wies
letztlich
hinsichtlich der Beschreibung der Symptomatik, der Begründung der Diagnosen sowie deren Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
hauptsächlich
auf die Ausführ
ungen von
Dr.
Z._
(vgl.
Urk.
14/3 ZM36 S. 7
).
Dabei fällt auch auf, dass sich im psychopathologischen Befund keine Hinweise
auf
eine affektive Stö
rung fanden, was
Dr.
A._
auch ausdrücklich fe
sthielt (vgl.
Urk.
14/3 ZM36
S. 5 f.). Dennoch übernahm sie die Diagnose einer derzeit mittelgradigen Episode einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10 F33.1) und mass dieser Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bei (vgl.
Urk.
14/3 ZM36 S. 7 oben). Dies
e
Beurteilung
ist
somit
nicht nachvollziehbar und widerspricht dem erhobenen Be
fund. Ausserdem
nahm
Dr.
A._
keine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt vor, sondern be
gnügt
e
sich damit,
sich
zur bisherigen Tätigkeit in einem Mitarbeiterteam sowie zu einer Anstellung im geschützten Arbeitsumfeld
und
zu
einer selbständigen Erwerbstätigkeit
zu äussern
(vgl.
Urk.
14/3 ZM36 S. 7 f.
).
Da der Kläger gestützt auf die massgebenden Vertragsbestimmungen ausserstande sein muss, seinen Be
ruf oder eine andere Erwerbstätigkeit auszuüben, die seinen Kenntnissen und Fä
higkeiten angemessen ist (vorstehend E. 2.3), genügt
dies
nicht, um für den mas
sgebenden Zeitraum eine anspruchsbegründende Arbeits- respektive Erwerbsun
fähigkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachzuweisen.
5.6
Im Gegensatz dazu
erweisen sich d
ie
umfassenden
Gutachten der Ärzte der
K._
(vorstehend E. 4.11)
sowie von
Dr.
B._
(vorstehend E. 4.17)
als
wi
derspruchsfrei,
schlüssig
und nachvollziehbar
.
Bereits i
m November 2016 gingen die Gutachter der
K._
nach unauffälliger Befundaufnahme (vgl.
Urk.
2/18 S. 9 ff.
Ziff.
3)
davon aus, dass eine von den Folgen des Suchtmittelkonsums abgrenzbare
relevante
psychiatrische Erkran
kung nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu attestieren sei
(vgl.
Urk.
2/18 S. 13)
.
Insbesondere konnte bei
euthymer
Stimmung, guter Schwingungsfähigkeit und unauffälligem Antrieb keine depressive Störung diagnostiziert werden (vgl.
Urk.
2/18 S. 11 oben). Allerdings konnte der medizinische Sachverhalt infolge des Suchtmittelkonsums nicht abschliessend beurteilt werden, weshalb die Gut
achter eine Entgiftung und Entwöhnung als notwendig erachteten,
nach welcher sie eine vollständige Arbeitsfähigkeit erwarteten
(vgl.
Urk.
2/18
S. 18
Ziff.
3
,
S. 20
)
.
Auch im Juli 2018 verneinte
Dr.
B._
nach ausführlicher Befunderhebung das Vorliegen einer depressiven Stör
ung nachvollziehbar (vgl.
Urk.
8/2-25 S. 17 f.
).
Zudem erkannte er, dass der Suchtmittelkonsum keine Bedeutung bezüglich der Arbeitsfähigkeit ha
t
(vgl.
Urk.
8/2-25 S. 20 oben).
Trotz der festgestellten Persön
lichkeitsstörung erkannte er
schliesslich
bei vorhandenen Ressourcen ein hohes Eingliederungspotential des Klägers (vgl.
Urk.
8/2-25 S. 21 f.). Entsprechend at
testierte er ihm in der bisherigen Tätigkeit als angestellter Automechaniker zwar eine vollständige Arbeitsunfähigkeit, erachtete ihn allerdings in selbständiger Tä
tigkeit oder angestellter Tätigkeit ohne Kollegen- oder Kundenkontakt
seit der Entlassung aus der Klinik im Jahr 2011
als vollständig arbeitsfähig (vgl.
Urk.
8/2-25 S. 23
f.
).
Soweit der Kläger geltend macht,
Dr.
B._
hätte ihn lediglich wäh
rend einer Stunde untersucht (vgl.
Urk.
17 S. 2), ist ihm entgegenzuhalten, dass die psychiatrische Exploration gemäss Gutachten an zwei Tagen mit einer Dauer von insgesamt 115 Minuten erfolgt ist
und damit fast doppelt so lange gedauert hat
(vgl.
Urk.
8
/2-25
S. 3). Ausserdem
kommt es weniger auf die Dauer der Un
tersuchung als vielmehr auf deren Inhalt an (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_275/2016 vom 1
9.
August 2016 E. 4.3.2 und 8C_260/2016 vom 1
3.
Juli 2016 E. 5.1). Eine hinreichende Erfassung des psychischen Gesundheitszustandes ist
während
einer solchen Explorationsdauer möglich.
5.7
Schliesslich
ist auch
auf den
(vorläufigen)
Ausgang des invalidenversicherungs
rechtlichen Verfahrens
hinzuweisen
, welches denselben Zeitraum wie das vorlie
gende Verfahren beschlägt,
wenn
gleich
der Kläger gegen die
gestützt auf das Gutachten von
Dr.
B._
ergangene
leistungsabweisende Verfügung vom
9.
Mai 2019 (
Urk.
30) Beschwerde erhoben hat (vgl.
Urk.
33).
5.8
Auf das
(eventualiter)
beantragte
Gerichtsgutachten (vgl.
Urk.
13 S. 9
;
Urk.
17
S.
1
)
kann schliesslich in antizipierter Beweiswürdigung (
vgl. Urteile des Bundesge
richts 4A_571/2016 vom 2
3.
März 2017 E. 4.1, 4A_626/2015 vom 2
4.
Mai 2016 E. 2.4 und 4A_491/2014 vom 3
0.
März 2015 E. 2.5
) verzichtet werden.
Der Kläger wurde bereits hinreichend von verschiedener Seite psychiatrisch
beurteilt
und sein Gesundheitszustand
sowie
die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit sind aufgrund der medizinischen Akten genügend abgeklärt. Ausserdem sind die Ver
hältnisse in der massge
benden Zeitspanne zu beurteilen
. Angesichts der unter
dessen verstrichenen Zeit
und des Umstandes, dass seit dem
2.
Februar 2018 keine Arbeitsunfähigkeit mehr attestiert wird,
könnte eine dermassen verspätete Begut
achtung absehbar kein
e
über die vorliegenden hinausgehenden zusätzlichen Er
ke
nntnisse vermitteln
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_445/2016 vom 1
6.
Feb
ruar 2017 E. 4.3)
.
5.9
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass für die Zeit ab dem
1.
Januar 2017 eine anspruchsbegründende
Arbeits
unfähigkeit
nicht
mit dem massgebenden Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist.
D
ie Klage
ist daher abzuweisen
.
6.
6.1
Gemäss
Art.
114
lit
. e ZPO ist das Verfahren kostenlos.
6.2
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraussetzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Da der vorliegende Prozess nicht als von vornherein aussichtslos bezeichnet wer
den kann und die
Verbeiständung
geboten war, ist dem bedürftigen
Kläger
(vgl. Urk. 4
) eine unentgeltliche Rechtsvertreterin in der Person von Rechtsanwältin
Natalie Zede
r zu bestellen, welche mit
Fr.
2'400.--
(inklusive Barauslagen und
MWSt
) aus der Gerichtskasse zu entschädigen ist.
Der
Kläger
wird auf die Nach
zahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
6.3
Der durch eine externe Anwältin
vertretenen
Beklagte
n
ist
antragsgemäss (vgl.
Urk.
13
S. 2
)
eine P
arteie
ntschäd
igung zuzusprechen (vgl. Urteil
des Bundesge
richts 4A_194/2010 vom 1
7.
November 2010 E. 2.2.1). Die Bewilligung der un
entgeltlichen Rechtspflege einer klagenden Partei befreit gemäss Art. 118 Abs. 3 ZPO nicht von der Bezahlung einer Parteientschädigung an die obsiegende Ge
genpartei. Dazu ist der Kläger dementsprechend gemäss dem Ausgang des Ver
fahrens zu verpflichten.
Diese ist
beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglic
h
MWSt
) ermessensweise auf
Fr.
2'400.--
(inklusive Ba
rausla
gen und
MWSt
) festzulegen.
Das Gericht
beschliesst
:
Antragsgemäss wird Rechtsanwältin
MLaw
Nathalie Zeder als unentgeltliche Rechts
vertreterin bestellt,
und erkennt:
1.
Die
Klage
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Der Kläger wird
verpflichtet,
der Beklagten
eine Prozessentschädigung von
Fr.
2’400
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
Die unentgeltliche Rechtsvertreterin des Klägers, Rechtsanwältin MLaw Natalie Zeder, Willisau,
wird mit
Fr.
2’400
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) aus der Gerichtskasse ent
schädigt.
Der Kläger wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hin
gewiesen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin
MLaw
Natalie Zeder
-
Rechtsanwältin Eva
Pouget-Hänseler
-
Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA
sowie an:
-
Gerichtskasse
5.