Decision ID: ad8cb962-1060-4a3e-a6f4-65957addb885
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1977, war seit 2007
bis am 3
0.
November 2014
im Haupterwerb bei der
Y._
AG
als Sicherheits
beauf
tragter
und
seit 2010
bis am 1
6.
Dezember 2014
im Nebenerwerb
als Raumpfle
ger
bei der
Z._
Hauswartungen tätig
(
Urk.
9/9-11,
Urk.
9/16-17)
.
A
m
1
3.
April 2015
meldete sich der Versicherte
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/3
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinisc
he und erwerbliche Situation ab und
zog Akten der
Krankentaggeldversicherung
en
bei (
Urk.
9/31,
Urk.
9/33,
Urk.
9/42-43)
.
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
9/51
;
Urk.
9/52,
Urk.
9/59
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
6.
Juni 2017 einen Rentenanspruch (
Urk.
9/71
=
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am
4.
Juli 2017
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
6.
Juni 2017 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien
ihm
die
gesetzlichen Leistungen, namentlich Rentenleistungen, zuzusprechen (
Urk.
1 S.
2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
3.
September 2017 (
Urk.
8) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
3
0.
Oktober 2017 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 42 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche
rungsrechts (ATSG) haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, wobei sie vor
Erlass von Verfügungen, die durch Einsprache anfechtbar sind – was auf Verfügungen über Leistungen der Invalidenversicherung nicht zutrifft (vgl.
Art.
69
Abs.
1 lit. a
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
,
IVG) – nicht angehört werden müssen.
Ein Bestandteil des Anspruchs auf rechtliches Gehör, wie er neben der explizi
ten gesetzlichen Regelung in Art. 42 ATSG auch in Art. 29 Abs. 2 der Bundes
verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) garantiert wird (vgl.
BGE 124 V 180 E. 1a), ist die Pflicht der Behörde, die
Vorbringen der betroffenen Person auch tatsächlich zu hören, zu prüfen und in
der
Ent
scheidfindung
zu berücksichtigen, weshalb sie ih
ren Entscheid zu begrün
den hat (BGE 134 I 83 E. 4.1). Die Pflicht der Behörde, ihre Verfügungen – sofern
sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen (Art. 49 Abs. 3 Satz 2 ATSG)
– zu begründen, be
zweckt insbesondere, die betroffene Person in die Lage zu
ver
setzen, eine Verfü
gung gegebenenfalls sachgerecht anfechten zu können (BGE
124 V 180 E. 1a, vgl. auch BGE 134 I 83 E. 4.1 mit Hinweisen).
Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur. Daher führt dessen Verlet
zung ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst
grundsätzlich
zur Aufhebung des angefochtenen
Entscheids.
1.2
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflicht
gemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechen
den medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte
Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweis
wertes eines Arztbe
richtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streiti
gen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklag
ten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abge
geben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweis
wert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.3
G
emäss
der mit
BGE 130 V 352
begründeten und seither stetig weiter entwickel
ten Rechtsprechung vermochten eine fachärztlich (psychiatrisch) diag
no
stizierte somatoforme Schmerzstörung und vergleichbare psychoso
matische Lei
den (
BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3
) in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invali
dität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG führende Arbeitsunfähigkeit zu bewirken. Vielmehr bestand die Vermutung, dass solche Beschwerdebilder oder ihre Fol
gen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar seien und nur bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und kon
stant behindern, den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machten, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmer
zen notwendigen Ressourcen verfügt (zur Entstehungsgeschichte dieser Praxis:
BGE 135 V 201
E.
7.1.2;
Urteil des Bundesgerichtes 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 2.1
).
Ob ein solcher Ausnahmefall vorlag, entschied sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien (so genannte „Foerster-Kriterien“, vgl. BGE 130 V 352, BGE 131 V 39 E. 1.2, BGE 139 V 547 E. 3.2.3).
Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht die Überwindbarkeitsvermutung aufge
geben und das bisherige Regel-/Ausnahme-Modell durch einen struktu
rierten normativen Prüfungsraster ersetzt. In dessen Rahmen wird im Regelfall anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen ergebnisoffen und symmetrisch beurteilt, indem
gleichermassen
den
äusseren
Belastungsfaktoren wie den vor
handenen Ressourcen Rechnung getragen wird (BGE 141 V 574 E. 4.2 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2 mit Hinweisen). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestell
ten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardin
dikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wie vor die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2; Urteil des Bundesgerichts 8C_28/2016 vom 15. April 2016 E. 3.2).
Die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens nach dem dargelegten Prüfungsraster erübrigt sich
rechtsprechungsgemäss
, wenn Ausschlussgründe vorliegen, etwa wenn die Leistungseinschränkung überwiegend auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht, welche die Annahme einer gesund
heitlichen Beeinträchtigung von vornherein
ausschliessen
(BGE 141 V 281 E. 2.2; vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_549/2015 vom 29. Januar 2016 E. 4.1 und 9C_899/2014 vom 29. Juni 2015 E. 4).
Die Rechtsprechung hat zu den „vergleichbaren psychosomatischen Leiden“ ausdrücklich jene gezählt, die im Nachgang zu BGE 130 V 352 über die Jahre als sogenannte „pathogenetisch-ätiologisch unklare
syndromale
Beschwerdebil
der ohne nachweisbare organische
Grundlage“ in invalidenversicherungsrechtli
cher Hinsicht den gleichen sozialversicherungsrechtlichen Anforderungen (Regel-Ausnahmemodell mit "Überwindbarkeitsvermutung“) unterstellt wurden (BGE 142 V 342 E. 5.2.1; BGE 141 V 281 E. 4.2; BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3; bis
lang: Fibromyalgie: BGE 132 V 65 E. 4 [Urteil des Bundesgerichts I 336/04 vom 8. Februar 2006]; dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörung: Urteil des Bundesgerichts I 9/07 vom 9. Februar 2007 E. 4 in fine, in: SVR 2007 IV Nr. 45 S. 149; dissoziative Bewegungsstörung: Urteil des Bundesgerichts 9C_903/2007 vom 30. April 2008 E. 3.4;
Chronic
Fatigue Syndrome [CFS; chronisches Müdigkeitssyndrom] und Neurasthenie: Urteile des Bundesgerichts I 70/07 vom 14. April 2008 E. 5; 9C_98/2010 vom 28. April 2010 E. 2.2.2, in: SVR 2011 IV Nr. 17 S. 44, und 9C_662/2009 vom 17. August 2010 E. 2.3, in: SVR 2011 IV Nr. 26 S. 73; spezifische und unfalladäquate HWS-Verletzungen [Schleuder
trauma] ohne organisch nachweisbare Funktionsausfälle: BGE 136 V 279 [Urteil des Bundesgerichts 9C_510/2009 vom 30. August 2010]; nichtorganische Hypersomnie: BGE 137 V 64 E. 4 [Urteil des Bundesgerichts 9C_871/2010 vom 25. Februar 2011]; leichte Persönlichkeitsveränderung bei chronischem Schmerzsyndrom: Urteil des Bundesgerichts 8C_167/2012 vom 15. Juni 2012 E 5.2 und 6.1). Gemäss BGE 142 V 342 ist die Rechtsprechung gemäss BGE 141 V 281 auch auf eine posttraumatische Belastungsstörung anwendbar
.
1.4
In intertemporalrechtlicher Hinsicht ist sinngemäss wie in BGE 137 V 210 (betref
fend die rechtsstaatlichen Anforderungen an die medizinische Begutach
tung) vorzugehen. Nach diesem Entscheid verlieren gemäss altem Verfahrens
standard eingeholte Gutachten nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Ge
gebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die
vor
handenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE a.a.O. E. 6 in
initio
). In sinngemässer Anwendung der nunmehr materiell-beweisrechtlich geänderten Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prü
fen, ob die beigezogenen admi
nistrativen und/oder gerichtlichen Sachverständi
gengutachten – gegebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und
dichte kann zudem unter Um
ständen eine punktuelle Ergänzung genügen (
BGE 141 V 281
E. 8).
1.5
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes fallen leichte bis mittelgradige depressive Störungen, seien sie im Auftreten rezidivierend oder episodisch, ein
zig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie
erwiesener
massen
therapieresistent sind (statt vieler:
BGE 140 V 193
E.
3.3 mit Hinweis). Nur in einer solchen - seltenen, da nach gesicherter psychiatrischer Erfahrung Depressionen im Allgemeinen therapeutisch gut
angehbar
sind - gesetzlich ver
langten Konstellation ist den no
rmativen Anforderungen des Art. 7 Abs.
2 zweiter Satz ATSG für eine objektivierende Betrachtungs- und Prüfungsweise Genüge getan (
BGE 141 V 281
E. 3.7.1 bis 3.7.3
). Ein solcher Sachverhalt muss überwiegend wahrscheinlich und darf nicht lediglich nicht
auszuschliessen
sein. Es kommt dazu, dass die Therapie in dem Sinne konsequent gewesen sein muss, dass die aus fachärztlicher Sicht indizierten zumutbaren (ambulanten und stati
onären) Behandlungsmöglichkeiten in kooperativer Weise optimal und nach
haltig ausgeschöpft wurden (
BGE 140 V 193
E. 3.3
;
BGE
137 V 64
E.
5.2 mit Hinweis; vgl. Urteile des Bun
desgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2 und 9C_89/2016 vom 12. Mai 2016 E.
4.1).
Eine leichte depressive Episode stellt nach der Gerichtspraxis keine Komorbidi
tät von hinreichender Erheblichkeit im Sinne der früheren Rechtsprechung zu den unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern dar. Sie ist
auch grundsätzlich nicht geeignet, eine leistungsspezifische Invalidität zu begründen (Urteil des Bundesgerichts 9C_337/2015 vom 7. April 2016 E. 4.4.1 mit weiteren Hinwei
sen).
2.
2.1
Der Beschwerdeführer machte geltend, dass die rechtserhebliche Gesund
heitssitua
tion ungenügend abgeklärt sei, und dass insbesondere eine beweis
wertige aktuelle psychiatrische Beurteilung
sein
er Restarbeitsfähigkeit fehle. Unzutreffend seien sodann auch die von der Beschwerdegegnerin ermit
telten Validen- und Invalideneinkommen, zudem sei der maximale Leidensab
zug von 25
%
zu gewähren.
Weiter
äussere sich die Beschwerdegegnerin nicht zu seinen Vorbringen gegen den Einkommensvergleich, womit sie den Anspruch auf rechtliches Gehör verletze (
Urk.
1).
2.2
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid gestützt auf den durch
geführten Einkommensvergleich von einem rentenausschliessenden Inva
liditätsgrad von 31
%
aus (
Urk.
2). Mit Beschwerdeantwort wies sie einen Leis
tungsanspruch mangels Vorliegens eines Gesundheitsschadens ab (
Urk.
8).
2.3
Strittig und zu prüfen
sind der Anspruch auf rechtliches Gehör sowie
der Renten
anspruch, wobei insbesonder
e auch strittig ist, ob der medizinische Sachverhalt hinreichend geklärt ist.
3
.
3
.1
Zu prüfen ist in formeller Hinsicht zunächst der Anspruch auf rechtliches Gehör (vorstehend E. 1.1).
3
.2
Zusammen mit der Verfügung stellte die Beschwerdegegnerin der Beschwerde
-
führe
rin
ein mit „
Allgemeine Bestimmungen
- Relevante gesetzliche Grundlagen“ betitel
tes Blatt zu (
Urk.
9/71/5-6
).
Darin sind Art. 7 und
8
ATSG
sowie
Art.
4, 5, 6, 8 und 9
IVG zitiert
.
D
i
e für das vorliegende Verfahren betreffend Zusprache einer Rente massgebende
n
Art.
28 und 28a IVG und
Art. 1
6
ATSG (
Bemessung und Grad der Invalidität, Ermittlung durch Einkommensvergleich
)
hingegen fehl
en
.
3
.3
Ob ein in der Verfügung angebrachter Verweis auf beigelegte Gesetzesartikel dem Anspruch auf rechtliches Gehör der versicherten Person grundsätzlich zu genü
gen vermag, braucht vorliegend nicht entschieden zu werden
,
erscheint aber zumindest fraglich. Denn e
benso
wie eine sachgerechte Anfechtung einer Verfü
gung durch das Aneinanderreihen von Textbausteinen erschwert wird (vgl. zur Verwendung von Textbausteinen Mosimann,
Entscheidbegründung
, Begrün
dung und Redaktion von Gerichtsurteilen und Verfügungen,
Zürich
2013, S. 48
Rz
104
; zum Ganzen ferner Kälin, Rechtliche Anforderungen an die Verwen
dung von Textbausteinen für die Begründung von Verwaltungsverfügungen untersucht am Beispiel des Asylverfahrens, in ZSR 1988, Bd. 1, S. 435 ff. Grundlegend Albertini, Der
verfassungsmässige
Anspruch auf rechtliches Gehör im Verwaltungsverfahren des modernen Staates, Bern 2000
), wird dies durch eine Aneinanderreihung von
-
wie vorliegend
-
teilweise nur bedingt massge
benden beziehungsweise teilweise überhaupt nicht relevanten Gesetzesartikeln.
So ist beispielsweise nicht ersichtlich, weshalb Art.
8 IVG betreffend Eingliede
rungsmassnahmen
im Beiblatt aufge
führt wird,
zumal die Durchführung der beruflichen Massnahmen am
6.
Juli 2015 abgeschlossen
(
Arbeitsvermittlung, Arbeitsplatzerhalt;
Urk.
9/
23
)
worden war
und nicht Streitgegenstand im vorlie
genden Verfahren bilden.
Offensichtlich verletzt ist der Gehörsanspruch
insbesondere dann
,
wenn wie vorlie
gend die für die
Ermittlung des Invaliditätsgrads
relevante gesetzliche Grundlage der Verfügung beziehungsweise deren Beilage gar nicht zu entnehmen ist
(dazu, dass sich im Sinne einer Minimalanforderung dem Entscheid u.a. ent
nehmen lassen muss, welche Rechtsnormen zur Anwendung gelangen, vgl.
etwa auch
Kneubühler
, Die Begründungspflicht. Eine Untersuchung über die Pflicht der Behörden zur Begründung ihrer Entscheide, Bern 1998, S. 176 f.)
. Dies umso mehr, als die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung ausführte, ihr Entscheid
beruhe
a
uf den beigelegten gesetzlichen Grundlagen
, und sie einen Anspruch gerade mit der Ermittlung eines rentenausschliessenden Invaliditäts
grades verneinte, ohne allerdings die dafür relevanten Gesetzes
bestimmungen zu nennen
.
Da
ran ändert auch
die mit Beschwerdeantwort neu vorge
brachte Begründung
nichts
, wonach
aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht kein Gesundheitsschaden vorliege
, denn es fehlte
jedenfalls
im Beschwer
de
verfahren
an einem
für eine sachgerechte Anfechtung
genügend
begründeten Entscheid
.
Damit ist der Gehörsanspruch verletzt.
3
.4
Auch
im Übrigen
er
weist sich
der
vorliegend
e
Entscheid als unz
ureichend begrün
det.
Denn der Beschwerdeführer erhob gegen
die im Vorbescheid (Urk.
9/51)
angerechneten
Validen- und Invalideneinkommen
und
gegen den
gestützt darauf ermittelten
Invaliditätsgrad
verschiedene
,
ausführlich begrün
dete
Einwände (
Urk.
9/59 S. 6 f.
Ziff.
9-13)
.
Damit
setzte
sich die
Beschwerde
gegnerin
in der
danach
erlassenen
Verfügung
indessen
in keiner Weise ausei
nander
. Damit verletzt
sie ihre Begründungspflicht
(vorstehend E. 1.
1
)
.
Was
die mit Beschwerdeantwort
neu
vorgebracht
e Begründung
angeht
, wonach es an einem invalidisierenden Gesundheitsschaden fehle,
so
erweist sich
diese
als dermassen
kurz
begründet
- es fehlt gar ein Hinweis auf die einschlägige Rechtsprechung -
dass
auch dazu
eine sachgerechte Stellungnahme verunmög
licht
wird
.
Dies gilt umso mehr, als dem Leiden des Beschwerde
führers aus medizinisch-gutachterlicher Sicht ausdrücklich ein Krankheitswert zukommt (nachstehend E. 4.
7
,
Urk.
9/33/2-19 S. 16
Ziff.
7.5.).
Unter diesen Umständen
erübrigt
sich die Einholung einer Stellungnahme des Beschwerde
führers dazu, worauf bei einer in diesem
Verfahrensstadium geänderten Begrün
dung
im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs
grundsätzlich ein Anspruch bestünde (BGE 128 V 272 E. 5b/
bb
mit Hinweisen
).
3.5
Die angefochtene Verfügung
vom
6.
Juni
2017
(Urk. 2)
hält
damit
den Erforder
nissen an eine rechtsgenügende Begründung
aus mehreren Gründen
nicht stand.
Zwar kann es der Gesichtspunkt der Prozessökonomie unter Umständen rechtfertigen, eine einzelne Verletzung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise dadurch zu heilen, dass die betroffene Person vor Beschwerdeinstanz die Gele
genheit zur Stellungnahme erhält (BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
, BGE 132 V 387 E.
5.1 mit Hinweis). Es ist jedoch nicht Sache des Gerichts, eine Hä
ufung mehrerer Verfahrensfehler
zu korrigieren, nicht zuletzt auch deshalb, weil es die betroffene Partei jeweils einer Verfahrensinstanz beraubt.
Ungeachtet der mate
riellen Erfolgsaussichten der Beschwerde ist
sie daher
bereits aus diesem Grunde
aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie über den Leis
tungsanspruch de
s
Beschwerdeführer
s
in einer im Sinne der Erwägungen hin
reichend begründeten Verfügung neu entscheide.
4
.
4
.1
Dr.
med.
A._
, Facharzt für
Allgemeine
Innere Medizin, stellte mit Bericht vom
4.
April 2015 folgende Diagnosen
(
Urk.
9/12/6-7 S. 1)
:
-
gemischte dissoziativ somatoforme Störung mit Sensibilitäts-,
Empfin
dungs
- und anfallsartigen Störungen (ICD-10
:
F44.7)
-
Verdacht auf dissoziative Krampfanfälle, Verdacht auf dissoziative
Sensi
bi
litäts
- und Empfindungsstörungen
-
depressive Störung (
Erstdiagnose
2010), gegenwärtig unter
thymolepti
scher
Therapie
-
Tagesmüdigkeit, unkontrolliertes Einschlafen bei unauffälligen
somnolo
gi
schen
Befunden
-
Status nach schwere
n
depressiven Episoden mit Suizidalität 2010/2011
-
Status nach mittelschwerer depressiver Episode Mai/Juni 2014
-
Status nach Unterlappenresektion links bei
Bronchiektasen
und rezidi
vierenden Pneumonien
Dr.
A._
führte aus, dass die 2012 durchgeführte neurologische Abklärung des Beschwerdeführers unauffällige Befunde ergeben habe. Im Februar 2013 und am
8.
März 2013 sei es in der Praxis zu Anfällen gekommen, wobei der Beschwer
deführer beim letzten Anfall vom Stuhl gefallen sei.
Die 2013 und 2014 in der
O._-Klinik
durchgeführten Abklärungen mit Schlafabklärung hätten nosologisch unklare Anfallsereignisse mit fraglicher Bewusstseinsstörung und keine Epilep
sie ergeben (vgl.
Urk.
9/13/11-17). Bezüglich Depression sei eine deutliche Ver
besserung erzielt worden. Die dissoziative Störung habe sich über die Jahre verschlechtert und auf die bisherigen Behandlungen nicht angesprochen.
Die Prognose sei unsicher, und eine Arbeitstätigkeit von 50
%
sei aktuell nur dank grossem Verständnis des Arbeitgebers möglich
(S. 1 f.)
.
4.2
Mit Bericht vom 2
1.
Mai 2015 (
Urk.
9/1
3
/1-5) nannte
Dr.
A._
die gleichen Diagn
osen
(
Ziff.
1.1)
und nannte an Einschränkungen die Einschlafneigung, Müdigkeit, Unkonzentriertheit und Fehler sowie Fehlleistungen. Die Prognose sei ungewiss, und aktuell könne die Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten nicht beurteilt werden. Der Beschwerdeführer sei zurzeit hospitalisiert in der
B._
, wodurch eine Verbesserung erhofft werde (
Ziff.
1
.
5, 1.7-1.8).
I
m
beigefügtem Beric
ht vom 2
0.
Januar 2015
hielten die Ärzte der
Klinik
C._
fest
(
Urk.
9/13/11-17)
, dass es sich
nicht um epileptische, sondern um disso
ziativ-somatoforme Störungen
handle
. Mehrere der als typisch angegebenen Ereignisse seien aufgezeichnet worden, sie hätten aber weder Anfallsmuster gezeigt noch epilepsietypische Potenziale. Aus psychologisch-
psychiatrischer Sicht seien die Störungen als Begleitsymptomatik einer längerdauernden, disso
ziativ-somatoformen Entwicklung zu werten. Zudem bestehe eine depressive Symptomatik, die aber unter
thymoleptischer
Behandlung weitgehend remittiert sei. Von Seiten der schlafmedizinischen Abklärungen hätten sich keine Befunde gezeigt, welche die beklagte Tagesmüdigkeit erklären könnten. Aus
epileptolo
gischer
Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
4.
3
Mit Bericht vom 2
7.
Mai 2015
(
Urk.
9/15/1-4)
hielten die Ärzte der Klinik
C._
als Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine
gemischte dissoziativ-somatoforme Störung mit Sensibilitäts-, Empfindens- und anfallsartigen Stö
rungen
fest
. Ohne Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit nannten sie ein
e depressive Störung und Tagesmüdigkeit.
Weiter führten sie aus, dass a
us
epileptologischer
Sicht
die bisherige Tätigkeit zumutbar
sei
.
4.
4
Mit Bericht vom 2
6.
Juni 2015 (
Urk.
9/19/1-4
) hielten die Ärzte der
D._
, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie,
unter Beilage des Berichts vom 3
0.
Juni 2014 über das Erstgespräch vo
m 1
3.
Mai 2014
(
Urk.
9/19/5-8)
fest, dass
aufgrund der Untersuchung des Beschwerde
führers in
der Sprechstunde vom Mai/Juni
20
14
eine
mittelgradige depressive Episode und
ein
V
erdacht auf
dissoziative Krampfanfälle und
eine
differenzierte Somatisierungsstörung
diagnostiziert worden sei
en
. In einem Folgegespräch vom Feb
ruar 20
15 habe sich eine Zunahme der Schwere der gestellten Diagno
se
n
gezeigt. Dadurch scheine der B
eschwerdeführer
stark eingeschränkt zu sein. Vom 2
4.
bis 2
5.
Februar 20
15
hätte sie ihn infolge der psychiatrischen Diagno
sen zu 100
%
arbeitsunfähig geschrieben
. Inwieweit die Arbeitsfähigkeit sonst beeinflusst gewesen sei, könnten sie mangels diesbezüglicher Untersuchung des Beschwerdeführers nicht sagen, und ü
ber weitere Arbeitsunfähigkeiten lägen ihnen keine Arztzeugnisse
vor
.
Eine ambulante psychiatrische Behandlung bei ihnen habe nicht stattgefunden
(
Ziff.
1.1
-1.2
,
Ziff.
1.6
-1.7
).
4.
5
Am
1
4.
Juli 2015 (
Urk.
9/29) berichteten die Ärztin
und Psychologin
der
E._
,
Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Zentrum für Integrative Psychiatrie,
über die vom
5.
b
is 2
9.
Mai 2015 durchgeführte psychiatrisch-stationäre Behandlung des Beschwer
deführers (
Ziff.
1.3). Als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nann
ten sie eine
mittelgradige depressive Episode,
eine
undifferenzierte Somati
sierungsstörung
sowie eine
posttraumat
isch
e
Belastungsstörung
(Ziff.1.1).
S
ie führten aus, dass der Beschwerdeführer sich
oft
selber unter
starken Erfolgs
d
ruck
setze
und seine Belastungsgrenze noch nicht gut wahrnehmen könne. Zudem bestünden
Konzentrationsstörungen
sowie eine
Reduktion der emo
tionalen und kognitiven Belastbarkeit.
Der Beschwerdeführer
mache häufiger Fehler,
gerate häufiger in Überforderungssituationen und könne nur kürzere Zeit belastet werden.
Die b
isherige Tätigkeit
sei
noch zumutbar
, wobei von einer Arbeitsfähigkeit von zu
nächst 50
%
auszugehen sei
,
welche
im Verlauf gestei
gert werden
sollte
(
Ziff.
1.7)
.
4.
6
Mit Bericht vom 3
0.
September 2015 (
Urk.
9/31/7-8) diagnostizierte
Dr.
med.
F._
,
eine
gemischte dissoziativ-somatoforme Störung mit sensibilitäts-empfindungs- und anfallsartigen Störungen
(ICD-10: F44.7), eine r
ezidivierende depressive Stö
rung,
gegenwärtig unter
thymoleptischer
Therapie
weitgehend remittiert
(ICD
10: F33.4)
,
sowie einen Verdacht auf eine p
osttraumat
ische
Belastungs
störung
(ICD-10
:
F
43.1)
.
Dr.
F._
attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von
50
%
in der angestammten Tätigkeit als Hauswart und Wachmann
.
4
.
7
Dr.
med.
G._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
nannte
in ihrem Gutachten vom 2
6.
November 2015 (
Urk.
9/33/2-19)
als D
iagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 1
3
f.
Ziff.
6.1-
6.2)
eine g
emischte disso
ziative Störung mit dissoziativen Krampfanfällen, dissoziativen Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen, dissoziativen Bewegungsstörungen und möglichem Ganser-Syndrom (Pseudodemenz)
nach
ICD-10
:
F44.
7.
Als Diagnose ohne Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
Dr.
G._
eine rezidivierende depres
sive Störung, gegenwärtig leichtgradige Episode
(
ICD-10
:
F33.0
).
Im psychopathologischen
Befund
führte
Dr.
G._
unter anderem aus, dass
der psychomotorisch nervöse, deutlich angespannt und zu Beginn stark schwitzende Versicherte ein stark auffälliges Verhalten zeige, indem er mit den Schultern zucke, wiederholt den Kopf und das Kinn weit vorstrecke, wobei der Mund sich zu einem bizarren, breiten Grinsen öffne und beide Augen weit aufgerissen würden. Der Blick sei dabei starr, einige Male verdrehe er die Augen; er richte sich häufig im Stuhl auf und bewege den Kopf leicht hin und her. Mehrere Male beginne er, mit den Beinen zu schlottern, woraufhin er mit den Händen die Knie zusammenhalte. Der Gedankengang sei formal massiv verlangsamt, die Ant
worten nach deutlicher Verzögerung jedoch inhaltlich adäquat. Es ergäben sich während der Untersuchung keine Hinweise auf tatsächliche kognitive Defizite, er
verliere kein einziges Mal den G
esprächsfaden, es fänden sich keine Perse
verationen, und die Umstellungsfähigkeit sei nicht beeinträchtigt. Inhaltlich seien die Gedanken deutlich eingeengt auf die Anfälle und eine subjektive Krankheitsüberzeugung. Es ergäben sich keine Anhaltspunkte für psychotisches Erleben mit Wahninhalten, Wahrnehmungs- oder Ich-Störungen
. Der Antrieb sei unauffällig, Suizidalität werde verneint, und ein deutlicher Leidensdruck sei spürbar. Angesichts der vermeintlichen Begriffsstutzigkeit des Beschwerde
führers werde eine grob orientierende Prüfung der kognitiven Fähigkeit durch
geführt, wobei das Ergebnis des Mini Mental State (MMS) einer mässigen Demenz entspreche
(S. 12 f.
Ziff.
5.1).
Zur diagnostischen
Be
gründung (S. 14
f.
Ziff.
6.3) vermerkte
Dr.
G._
unter anderem
, dass der Befund einer mittelgradigen Demenz im Gegensatz zu den ansonsten chronologisch geordneten und gut strukturierten Angaben des Beschwerdeführers st
ehe.
Weitere Diskrepanzen seien darin zu erblicken, dass laut subjektiven Schilderungen die Anfälle sehr plötzlich auftr
ä
ten und er deswegen grosse Angst habe, Treppen zu gehen und dabei zu stürzen. Trotzdem fahre er weiterhin Velo und Auto. Auch die geschilderten häufigen Reklama
tionen des Arbeitgebers seien von
diesem nicht bestätigt worden. A
llerdings sei nicht auszuschliessen, dass eventuelle Fehler oder Abwesenheiten vom Bruder des Beschwerdeführers aufgefangen worden seien. Bei den Diskrepanzen handle es sich nicht um Simulation, das Kerngeschehen der dissoziativen Störung sei unbewusst. Die vom Beschwerdeführer angegebene Häufigkeit der Anfälle, das Ausmass der daraus resultierenden Einschränkungen, das Ausmass der angege
benen kognitiven Defizite und das Ausmass der gezeigten Bewegungsstörungen seien jedoch durch ein Verdeutlichungsverhalten nicht mehr erklärbar und wirkten vielmehr aggraviert. Im Falle des Beschwerdeführers sei eine Trennung von unbewussten, bewusstseinsnahen und bewussten Faktoren nicht mehr möglich.
Differentialdiagnostisch merkte
Dr.
G._
an, dass sich der Eindruck einer ängstlich-selbstunsicher-überangepassten Persönlic
h
keitsstruktur ergeben habe. Ob es sich dabei um akzentuierte Persönlichkeitszüge oder gar eine Per
sönlich
k
eitsstörung handle, könne angesichts der auffälligen Präsentation und ohne fremdanamnestische Angaben nicht abschliessend beurteilt werden (S.
16
Ziff.
6.4).
Zur Arbeitsfähigkeit hielt
Dr.
G._
fest
(S. 17
Ziff.
7.6-7.7)
, dass der Beschwer
deführer als Security-Mitarbeiter mit Einsatz in einer Bank aus psychiatrischer Sicht vollständig arbeitsunfähig sei. Für eine Tätigkeit als
H
auswart bestehe aus
psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Für nicht-angstauslö
sende, alternative Tätigkeiten bestehe aus psychiatrischer Sicht gegenwärtig eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 60
%
. Die Arbeitsfähigkeit sei besserungsfähig, wobei die Angehörigen einzubeziehen seien. In einer ange
passten Tätigkeit sollte die Arbeitsfähigkeit innert weniger Monate auf
100
%
gesteigert werden können
. Für eine weitere versicherungspsychiatrische Beur
teilung seien die Originalberichte der Schweizer Epilepsieklinik und der
B._
, der Verlaufsbericht von
Dr.
F._
und die Erhebung von fremdanamnestischen Angaben durch den Bruder und die Ehefrau des Versicherten erforderlich (S. 18
Ziff.
7.11).
4.
8
Am 2
0.
Januar 2016 berichtete
Dr.
A._
, dass der Arbeitgeber am 22.
De
zember 2015 das Arbeitsverhältnis mit dem Beschwerdeführer aufgelöst habe. Der Zustand des Beschwerdeführers habe sich verschlechtert, dieser habe nun fast täglich „Anfälle“ und habe es am 2
8.
Dezember 2015 nicht mehr zur Arbeit geschafft (
Urk.
9/43/12-13).
4.
9
Dr.
F._
hielt
im Bericht vom
8.
März 2016 (
Urk.
9/43/17-19)
zum objektiven Befund fest,
dass
die Konzentrations- und Merkfähigkeit deutlich reduziert sei
en
mit rascher Ermüdung und Gedächtnisstörungen. Im
f
ormalen Denken sei
d
er
Beschwerdeführer
verlangsamt und eingeengt auf die Krankheitssymptomatik mit negativem Gedankenkreisen, doch insgesamt kohärent
(S. 1
Ziff.
3)
. Weiter führte
Dr.
F._
aus, dass
nach Erhalt der Kündigung eine Verschlechterung des physischen wie auch des psychischen Zustandsbilds eingetreten sei. Die Häufigkeit und Intensität der „Anfälle“ und die depressive Symptomatik hätten zugenommen, es bestehe vor allem eine Antriebsminderung, Leistungs-,
Kon
zentrations
- und Merkfähigkeit hätten abgenommen und die bereits vorhande
nen Schlafstörungen zugenommen
(S. 2
Ziff.
4)
.
Die Prognose sei derzeit unklar, und ab März 2016 sei ein Einbezug der Angehörigen geplant (S.
2
Ziff.
5 und
8).
4.
10
Med. pract.
H._
, Facharzt für Neurologie,
Regionalärztlicher Dienst (RAD),
führte mit Stellungnahme vom 2
7.
Juni 2016 aus, dass die aktenkundige Arbeitsunfähigkeit plausibel sei. Aufgrund der im Gutachten von
Dr.
G._
ausgewiesenen Besserungsfähigkeit sei frühzeitig, nach drei bis sechs Monaten, die Revision einzuleiten (
Urk.
9/50 S. 6 oben).
4.
1
1
Mit Bericht vom
5.
Oktober 2016 (
Urk.
9/4
7
/1-7)
nannte
Dr.
F._
folgende Diagnosen (
Ziff.
1.1):
-
ICD-10:
F44.7 gemischte dissoziative Störung (Konversionsstörung) mit dissoziativen Krampfanfällen, Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen, dissoziativen Bewegungsstörungen
-
Verdacht auf
ICD-10:
F44.8 Ganser-Syndrom
-
ICD-10:
F33.1 rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgra
dige Episode, bestehend seit 2011
-
ICD-10:
Z73 akzentuierte Persönlichkeitszüge: ängstlich-unsichere-überan
gepasste Züge
Weiter hielt
Dr.
F._
fest, dass aufgrund des Störungsbildes funktionelle Ein
schränkungen in
B
ezug auf die
K
ognition bestünden hinsichtlich Aufmerksam
keit, Konzentration,
U
mstellungsfähigkeit; we
i
tere
E
inschränkungen s
e
ien hin
sichtlich Ausdauer, Verantwortung, Sorgfalt und Arbeitspl
anung hinzunehmen. Die Arbeitsunfähigkeit betrage 100
%
seit Dezember 2016, seit 2011 liege sie zwischen 50 und 100
%
. Es bestehe ein sehr hohes Unfall- und Verletzungsri
siko, und der Beschwerdeführer sei im aktuellen zustand auf dem ersten Arbeits
markt nicht vermittelbar. Das Ausmass der Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit sei nicht genauer quantifizierbar. Um eine genauere Einschätzung vornehmen zu können,
sei
eine weiterführende Abklärung zu empfehlen. Zur Verminderung der Einschränkungen benötige der Beschwerdeführer berufliche Reintegrationsmassnahmen durch die
Invalidenversicherung (Ziff. 1.6-1.7
).
4.
1
2
Mit Stellungnahme vom
9.
November 2016 hielt med. pract.
H._
fest, dass die angegebene Verschlechterung sich im Zuge der Kündigung eingestellt habe und daher IV-fremd sei. Alle anderen Beschwerden seien im Gutachten von
Dr.
G._
vom 2
6.
November 2015 bereits gewürdigt worden und mündeten in die reduzierte Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit. Daran habe sich nichts erkennbar verändert. Die Lungenentzündung sei als temporäres Geschehen anzusehen (
Urk.
9/50 S. 6 f.).
4
.
1
3
Mit Bericht vom 1
6.
Januar 2017 (
Urk.
9/57) führte
Dr.
A._
aus, dass sich seit Mai 2015 die Infekte der unteren Luftwege gehäuft hätten. Eine Computertomo
graphie habe eine Zunahme der bekannten
Bronchiektasen
und den Verdacht auf einen chronischen Infekt der
Lingula
gezeigt. Zur weiteren Abklärung, ins
besondere einer Notwendigkeit eines allfälligen weiteren operativen Eingriffes, habe er den Beschwerdeführer an die Pneumologie des
D._
überwiesen. Hin
sichtlich Depression sei ein stabiler Zustand zu verzeichnen, es bestünden keine Zeichen einer manifesten Depression. Zur dissoziativen Störung und zu den Anfällen hielt
Dr.
A._
fest,
dass der Beschwerdeführer praktisch jede Woche schwere Anfälle habe, obwohl der Druck der Arbeitstätigkeit entfalle. Die Fre
quenz habe sich im Anschluss an den Jobverlust erhöht
(S. 1)
.
In einer ange
passten Arbeitstätigkeit sei von einer Arbeitsfähigkeit von 20
%
auszugehen. Dabei müsse es sich um eine flexibel einzuteilende Arbeit handeln, in einem ungefährlichen Umfeld mit geringer Verletzungsgefahr (S. 2).
4.
1
4
Dr.
F._
nannte im Verlaufsbericht vom 2
3.
Januar 2017 (
Urk.
9/56)
im Wesent
lichen unveränderte
Diagnosen
(vgl.
Urk.
9/4
7
/1-7) und führte aus,
dass sich der Krankheitszustand des Beschwerdeführers seit der Begutachtung durch
Dr.
G._
im Mai 2015 verschlechtert habe. Nach Verlust des Arbeitsplatzes und erneut auftretenden rezidivierenden Infekten der Atemwege sei es zu Dekom
pensationen mit ängstlich-depressiver
Symptomatik und erneuter Exazerbation der dissoziativen Störung gekommen (S. 1). Der Beschwerdeführer habe wieder
holt psychotherapeutische Sitzungen vorzeitig abbrechen müssen infolge starker Agitiertheit mit Zittern am ganzen Körper
und
Zuckungen im Gesicht,
habe
nicht mehr still sitzen können
und aufstehen und
im
Raum umhergehen müs
sen,
bis zum vorzeitigen Abbruch von Therapiesitzungen (S. 2).
Zu den Veränderungen im Befund hielt
Dr.
F._
fest, dass die Verminderung von Konzentration und Aufmerksamkeit sowie die Vergesslichkeit zugenommen hätten, die Merkfähigkeit sei deutlich reduziert, und die innere Unruhe, Anspannung und Agitiertheit hätten zugenommen. Die aktuelle Lebenssituation mit stark belastenden vor allem soziökonomischen Faktoren und einer drohen
den Lungenoperation hätten zu einer deutlichen Verstärkung von Existenz
ängsten und negativ-pessimistischen Zukunftsperspektiven geführt.
Erschwerend zur psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung hätten somati
sche Erkrankungen an Häufigkeit und Intensität zugenommen. Der sekundäre Krankheitsgewinn habe durch Einbezug der Angehörigen stark ver
mindert werden können, habe jedoch zu keiner Verbesserung des Krankheitszu
stands - vor allem die „Anfälle“ betreffend - geführt. Die von
Dr.
G._
festge
stellte Arbeitsfähigkeit von 60
%
als Hauswart sei angesichts der mit den „Anfällen“ verbundenen grossen Verletzungs- und Sturzgefahr nicht zu bestäti
gen (S. 3).
Dr.
F._
hielt fest, die Arbeitsfähigkeit ab 2
4.
Januar 2017 betrage 20
%
in angepassten Tätigkeiten. Vor dem Hintergrund einer chronifizierten dissoziati
ven Störung mit einem hohen Ausmass an Desintegration (zum Beispiel dissozi
ative Krampfanfälle und komplexe Symptomatik) sei eine längere stationäre rehabilitative Therapie zur Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit erforderlich (S.
3 f.
).
4.1
5
Med. pract.
H._
, RAD, führte mit Stellungnahme vom 1
8.
Februar 2017 (
Urk.
9/70 S. 3) aus, dass die Angaben in Bezug auf die Zunahme der Anfälle alleine auf den Aussagen des Beschwerdeführers beruhten. Ein Beweis über die tatsächliche Zunahme von psychogenen Anfällen liegt nicht vor, auch keine Nachweise über vermeintliche Verletzungen. Es gebe keinen einzigen Beleg dar
über, dass ein Fremder jemals einen Anfall beobachtet habe oder dass dies zu einer erneuten ärztlichen Vorstellung geführt hätte. Selbst während des sieben
tägigen Aufenthalts in der
O._-Klinik
und des 24-tägigen Aufenthalts in der
E._
habe kein einziger Anfall beobachtet werden können. Auch danach sei dies zu keinem Zeitpunkt der Fall gewesen. Die täglichen Orientierungsstörungen von einer Dauer von 60 Minuten seien nicht erklärbar. Es würden psychogene Lähmungen genannt, ohne diese in ihrer Art zu beschreiben. Die Befunderhe
bung des
F._
sei nicht objektiv nachvollziehbar. Es bestünden keine Hinweise für eine nachvollziehbare Verschlechterung.
4
.
1
6
Mit Bericht vom 1
5.
März 2017 (
Urk.
9/68/1-4) diagnostizierten die Ärzte des
D._
, Klinik für Pneumologie,
unter Beilage des Berichts vom 1
6.
Dezember 2016 (
Urk.
9/68/6-8) Bronchiektasien
Lingula
unklarer Ursache
. Seit 1994 bestehe beim Beschwerdeführer ein
Bron
chiektasieleiden
, infolgedessen 1995 der linke Unterlappen reseziert worden sei. In der Folge sei es zu rezidivierenden pulmonalen Infekten mit drei bis vier Exazerbationen im Jahr 2016 gekommen, welche jeweils antibiotisch ambulant behandelt worden seien.
Die letzte Exazerbation des
Bronchiektasieleidens
sei im November 2015 erfolgt mit Nachweis eines chronischen Infektes der
Lingula
mit begleitendem Infiltrat.
Der Beschwerdeführer sei aus pulmonaler Sicht voll arbeitsfähig, und die aktuell ausgeübte berufliche Tätigkeit sei aus pulmonaler Sicht zumutbar, der Arbeits
versuch sollte weitergeführt werden. Eine angepasste Tätigkeit sei in den jewei
ligen Phasen einer
Infektexazerbation
angemessen. Bei einer Exazerbation sei der Beschwerdeführer jeweils vermindert leistungsfähig beziehungsweise arbeitsunfähig für einige Tage (S. 2 f.).
4
.
17
Dem Vermerk vom
2.
Juni 2017 im Feststellungsblatt (
Urk.
9/70 S. 4 unten) ist zu entnehmen, dass es gemäss Rücksprache mit dem RAD sinnvoll sei, dem Beschwerdeführer eine Alkoholabstinenz als Empfehlung aufzuerlegen; im
Ein
wandverfahren
werde eine Schadenminderungspflicht nicht mehr auferlegt.
5.
5.1
In somatischer Hinsicht ergibt sich aus den Berichten der
Ärzte der
Klinik
C._
, dass ein epileptisches Leiden des Beschwerdeführers ausgeschlossen werden kann (vorstehend E.
4.2
-4.3
). Laut den Ärzten des
D._
, Klinik für Pneumologie,
besteht
sodann aus pulmonaler Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit (vorstehend E. 4.16).
Insgesamt ist aufgrund
dessen
davon auszugehen,
dass die Arbeitsfähigkeit
aus somatischer Sicht
nicht eingeschränkt ist.
5.2
Vorliegend ist unbestritten und aufgrund der medizinischen Akten, insbeson
dere der übereinstimmenden Beurteilung
durch
Dr.
F._
und Dr.
G._
sowie der Ärzte der Klinik
C._
(vorstehend E. 4.1-4.
3
, E. 4.
6
-4.
7
, 4.1
1
, 4.1
4
),
erstellt
, dass der Beschwerdeführer unter anderem an einer gemischten dissoziativen Störung mit dissoziativen Krampfanfällen
,
dissoziati
ven Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen
und
dissoziativen Bewegungs
störungen nach ICD-10
:
F44.7 leidet.
Dieser Störung kommt laut
Dr.
G._
ausdrücklich Krankheitswert zu (S. 16
Ziff.
7.5)
, und das beschriebene, möglicherweise aggravierende Ver
halten bezieht sich einzig auf das Ausmass der Störung, nicht auf deren Kern
geschehen (vorstehend E. 4.7).
Solche Störungen zählen rechtsprechungsgemäss zu den
mit
der somatoformen Schmerzstörung „vergleichbaren psychosomatischen Leiden“. D
ie
Beurteilung
der daraus resultierenden Leistungsfähigkeit
setzt demnach seit dem am
3.
Juni 2015 ergangenen BGE 141 V 281 E. 4.2 die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens nach einem normativen Prüfungsraster voraus (vorstehend E.
1.3). Eine Einschätzung des tatsächlichen Leistungsvermögens anhand der sog. Standardindikatoren erfolgt indessen in keinem der aktenkundigen Arztberichte, insbesondere auch nicht im ausführlichen Gutachten von
Dr.
G._
. Wohl lassen sich daraus einzelne, für die
Indikatorenprüfung
mass
gebende Faktoren entnehmen, doch sind diese nicht vollständig, weshalb sie keine umfassende Prüfung nach dem massgebenden Prüfungsraster erlauben. Auch aus den anderen aktenkundigen Arztberichten lassen sich diese Informa
tionen nicht
vollständig
erheben. Selbst wenn davon abgesehen würde, dass das fragliche Gutachten vom 2
6.
November 2015
datiert
und damit
grundsätzlich
nach neuem Verfahrensstandard eingeholt wurde
(
vgl.
vorstehend E. 1.4)
, erlaubt die Aktenlage daher keine schlüssige Beurteilung im Licht
e der mass
geblichen Indi
katoren
. Zu bemerken ist in diesem Zusammenhang, dass
auch die Beschwerde
gegnerin selber beziehungsweise ihr RA
D die aufgrund der
genannten
Diagnose angezeigte
Indikatorenprüfung
unterliessen
(
Urk.
9/50,
Urk.
9/70). Umso weni
ger ist es Sache des Gerichts, diese Prüfung an
ihrer S
telle durchzuführen und die dazu erforderlichen Informationen aus einzelnen Arztberichten zusammen
zusuchen.
Dr.
G._
weist überdies darauf hin, dass sie mangels
Vorlage
verschiedener Berichte, aber auch mangels Erhebung fremdanamnestischer Angaben, keine abschliessende Beurteilung vornehmen könne. Eine im Anschluss an das Gut
achten erfolgte Erhebung fremdanamnestischer Angaben ist nicht aktenkundig,
sodass das Gutachten auch unter diesem Gesichtspunkt unvollständig ist.
Hinzu kommt, dass aufgrund der seit
der Gutachtenserstellung
eingegangenen medizinischen Unterlagen
, insbesondere der Arztberichte von
Dr.
F._
(vor
stehend E.
4.9, 4.11, 4.1
4)
,
Anhaltspunkte für
eine Verschlechterung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers
bestehen, welche in der Folge gut
achterlich nicht näher abgeklärt wurden.
Entgegen der Auffassung des RAD lässt sich die beschriebene Verschlechterung nicht
bereits
aufgrund der Akten lediglich als reaktiv und daher versicherungsmedizinisch
irrelevant bezeichnen (vorstehend E. 4.12)
. Massgebend ist nicht die Entstehung der Krankheit - be
ziehungsweise im vorliegenden Fall der Verschlechterung der bestehenden Krankheit -
, sondern es ist abzuklären, inwieweit ein
von allfälligen versiche
rungsfremden Faktoren unabhängiges,
verselbständigtes Leiden mit Krank
heitswert vorliegt. Unzutreffend ist sodann auch die Aussage, dass niemand je einen Anfall beobachtet habe (vorstehend E. 4.15), zumal ein solcher vom Hausarzt anlässlich einer Konsultation in der Praxis beschrieben wurde (vorste
hend E. 4.1).
Zusammenfassend erweist sich die medizinische Aktenlage in psychischer Hin
sicht als unzureichend abgeklärt, weshalb die Sache zur psychiatrischen Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. Danach wird die Beschwerdegegnerin erneut über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers zu verfügen haben.
6
.
6
.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Die Kos
ten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
8
00.-- festzusetzen und
entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der un
terliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6
.2
De
m
Beschwerdeführer steht ausgangsgemäss eine Prozessentschädigung zu, welche vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festgesetzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht, GSVGer). Entsprechend ist ih
m
eine
Prozess
entschädigung von Fr.
2
‘
0
00.-- (inkl. Barauslagen und MWSt)
auszurichten.