Decision ID: 5f984706-9fbd-55c7-91f6-a40f4095445c
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 20.08.2015 Art. 53 Abs. 2 ATSG. Wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügung, mit welcher dem Versicherten erstmals eine EL zugesprochen worden ist, da eine zu tiefe ausländische Rente und zu tiefe Hypothekarzinsen angerechnet worden sind. Teilweise Gutheissung der Beschwerde, da die vergüteten Krankheitskosten nur zurückgefordert werden können, soweit sie den Einnahmenüberschuss nicht übersteigen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20. August 2015, EL 2013/39).Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 9C_695/2015.Entscheid vom 20. August 2015BesetzungVizepräsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-Studerus; Gerichtsschreiberin Lea LocherGeschäftsnr.EL 2013/39ParteienA._,Beschwerdeführer,vertreten durch Rechtsanwalt Dominik Sennhauser, MLaw,ME Advocat Rechtsanwälte, Poststrasse 1, 9100 Herisau,gegenSozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,Beschwerdegegnerin,GegenstandErgänzungsleistung zur AHVSachverhalt
A.
A.a A._ reichte am 8. Juni 2009 ein Anmeldeformular zum Bezug von Ergänzungs
leistungen zur AHV-Rente ein (EL-act. 65). Darin gab er u.a. an, er erhalte von der
Pensionsversicherungsanstalt B._ eine Rente von Fr. 900.--. Er legte seiner
Anmeldung diverse Belege bei. Laut einem Bankkontoauszug für Mai 2009 hatte er in
diesem Monat eine Vergütung der Pensionsversicherungsanstalt B._ über EUR
614.90 erhalten (EL-act. 66-1; EL-act. 62-2). Dieser Kontoauszug enthielt folgenden
von der EL-Durchführungsstelle elektronisch aufgebrachten Vermerk:
"614.90x14x1.5291 = 8610.129". Diese Berechnung war offensichtlich falsch. Effektiv
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ergab sie nämlich einen Betrag von Fr. 13'163.40. Gemäss den übrigen Bankbelegen
hatten die Hypothekarzinsen im Jahr 2008 insgesamt Fr. 14'071.-- betragen (EL-act.
64-2 f.). Der Mietwert des Einfamilienhauses mit Garagen war vom Gemeindesteueramt
C._ am 9. Mai 2008 auf Fr. 25'020.-- geschätzt worden (EL-act. 61; besser lesbar:
EL-act. 45). Dieser Betrag setzte sich aus dem Mietwert des Einfamilienhauses
(Fr. 18'060.--), dem Mietwert dreier Doppelgaragen (Fr. 5'760.--) und dem Mietwert
einer Einzelgarage (Fr. 1'200.--) zusammen (EL-act. 61 bzw. 45). Mit einer Verfügung
vom 9. Juli 2009 sprach die EL-Durchführungsstelle dem Versicherten rückwirkend ab
dem 1. Juni 2009 eine ordentliche Ergänzungsleistung von Fr. 554.-- monatlich zu (EL-
act. 59). Gemäss dem Berechnungsblatt waren auf der Ausgabenseite u.a. pauschale
Krankenkassenprämien von Fr. 6'648.--, Hypothekarzinsen von Fr. 14'070.-- und ein
Liegenschaftsertrag von Fr. 15'000.-- (Maximalbetrag, ausgehend von Bruttomiete Fr.
18'060.-- + Unterhaltskosten Fr. 1'680.--) berücksichtigt worden. Auf der
Einnahmenseite wies die Anspruchsberechnung u.a. eine österreichische Rente von Fr.
8'610.-- (statt Fr. 13'163.--) aus. Aus der Anspruchsberechnung resultierte ein
jährlicher Ausgabenüberschuss von lediglich Fr. 329.--. Dieser Betrag lag unter dem
gesetzlichen Pauschalbetrag für die Krankenkassenprämien von Fr. 6'648.--, weshalb
die monatliche Ergänzungsleistung auf die sogenannte "Minimalgarantie" von Fr. 554.--
festgesetzt wurde.
A.b Per 1. Januar 2010 wurde die EL auf Fr. 612.-- erhöht (Anpassungsverfügung vom
28. Dezember 2009; EL-act. 57). Verändert hatte sich einzig die Höhe der pauschalen
Krankenkassenprämien (neu Fr. 7'344.--). Da der Ausgabenüberschuss wiederum unter
diesem gesetzlichen Pauschalbetrag lag, entsprach die Ergänzungsleistung neu der
"Minimalgarantie" von Fr. 612.--.
A.c Mit einer Verfügung vom 29. Dezember 2010 (EL-act. 56) wurde die EL per 1.
Januar 2011 wegen einer erneuten Erhöhung der pauschalen Krankenkassenprämien
(neu Fr. 7'824.--), einer Erhöhung des Betrages für den allgemeinen Lebensbedarf (neu
Fr. 28'575.-- statt Fr. 28'080.--) und einer Erhöhung der AHV-Rente (neu Fr. 35'436.--
statt Fr. 34'836.--) angepasst (EL-act. 55). Die EL von Fr. 652.-- entsprach erneut der
"Minimalgarantie".
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.d Per 1. Januar 2012 wurde die EL wieder erhöht (Verfügung vom 28. Dezember
2011; EL-act. 49). Angepasst wurden nur die pauschalen Krankenkassenprämien (neu
Fr. 8'136.--; EL-act. 50). Die EL betrug neu Fr. 678.--, was wiederum der "Minimal
garantie" entsprach.
B.
B.a Am 17. Mai 2012 wurde der Versicherte aufgefordert, im Rahmen der periodischen
Überprüfung der Ergänzungsleistungen einen Fragebogen auszufüllen (EL-act. 48). Der
Versicherte kam dieser Aufforderung am 25. Mai 2012 nach (EL-act. 44). Dabei gab er
u.a. an, er beziehe eine österreichische Rente von EUR 550.-- monatlich. Gemäss den
beigelegten Kontoauszügen hatten sich die Hypothekarzinsen im Jahr 2011 auf
Fr. 7'762.-- belaufen (EL-act. 46-1 f.). Gemäss einem Schreiben der
Pensionsversicherungsanstalt B._ betrug die österreichische Rente seit dem 1.
Januar 2012 EUR 648.66 (EL-act. 40-7). Laut der Steuerveranlagung 2010 hatte der
Versicherte in diesem Jahr neben den AHV-Renten von Fr. 16'836.-- und Fr. 18'000.--
eine Rente von Fr. 10'267.-- bezogen; die Einkünfte aus Wertschriften und Guthaben
hatten Fr. 25.-- und die Schuldzinsen Fr. 7'632.-- betragen (EL-act. 40-3). Gemäss der
Steuerveranlagung 2011 hatte der Versicherte im Jahr 2011 neben den beiden AHV-
Renten von Fr. 17'124.-- und Fr. 18'312.-- eine Rente von Fr. 9'151.-- bezogen und die
Einkünfte aus Wertschriften und Guthaben hatten Fr. 13.-- betragen (EL-act. 40-5; EL-
act. 47). Mit einer Verfügung vom 12. Oktober 2012 (EL-act. 36) hob die EL-
Durchführungsstelle die laufende Ergänzungsleistung per 31. Oktober 2012 auf.
Gemäss dem Berechnungsblatt (EL-act. 37) hatte sie folgende Berechnungspositionen
angepasst: Hypothekarzinsen (neu Fr. 7'763.-- statt Fr. 14'070.--), Rente der
Rentenanstalt B._ (neu Fr. 10'996.-- statt Fr. 8'610.--) und Vermögenserträge (neu Fr.
13.-- statt Fr. 7.--). Daraus hatte ein Einnahmenüberschuss von Fr. 6'987.-- resultiert.
B.b Am 9. November 2012 erhob der Versicherte Einsprache gegen diese
Einstellungsverfügung (EL-act. 33). Zur Begründung führte er an, dass seine Ehefrau
unheilbar krank sei und dass sie deshalb dringend Ergänzungsleistungen benötigten.
B.c Gleichentags reichte der Versicherte den Hypothekarvertrag für die Laufzeit vom
30. September 2009 bis 30. September 2012 (EL-act. 32-3 f.) sowie einen Kontoauszug
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der Bank D._ für den Zeitraum vom 1. Januar 2010 bis 31. Dezember 2011 ein (EL-
act. 32-5 ff.). Gemäss diesem Kontoauszug waren dem Versicherten im Jahr 2010
österreichische Rentenleistungen von EUR 8'649.-- und im Jahr 2011 solche von
EUR 8'843.--- ausbezahlt worden.
B.d Am 13. November 2012 setzte die EL-Durchführungsstelle dem Versicherten eine
Nachfrist für eine ergänzende Einsprachebegründung bis 3. Dezember 2012 an (EL-
act. 31). Am 26. November 2012 (EL-act. 29) erklärte der Versicherte, dass der
Eigenmietwert gemäss der Steuererklärung 2011 Fr. 17'514.-- betrage und dass sich
die Krankenkassenausgaben im Jahr 2011 auf Fr. 8'485.25 belaufen hätten. Zudem
benötige er ein Auto, da seine Ehefrau das Haus nicht mehr zu Fuss verlassen könne.
Das Auto koste ihn jährlich ca. Fr. 5'000.--.
B.e Am 26. Februar 2013 sandte das Steueramt C._ der EL-Durchführungsstelle die
angeforderte Veranlagungsberechnung 2009 zu (EL-act. 22 f.). Laut dieser hatte die
österreichische Rente im Jahr 2009 Fr. 10'567.-- betragen und die Einkünfte aus Wert
schriften und Guthaben hatten sich auf Fr. 25.-- belaufen.
B.f Mit einer Verfügung vom 5. März 2013 (EL-act. 20) eröffnete die EL-
Durchführungsstelle dem Versicherten, dass er auch rückwirkend vom 1. Oktober 2009
bis 31. Oktober 2012 keinen Anspruch auf eine Ergänzungsleistung habe. Deshalb
habe er insgesamt Fr. 23'610.-- zurückzuzahlen. Per 1. Oktober 2009 hatte sie
folgende Anpassungen in der Anspruchsberechnung vorgenommen (EL-act. 16):
Hypothekarzinsen Fr. 7'812.-- (statt Fr. 14'070.--) und österreichische Rente
Fr. 13'015.-- (statt Fr. 8'610.--). Daraus resultierte ein Einnahmenüberschuss von
Fr. 10'334.--. Per 1. Januar 2010 hatte die EL-Durchführungsstelle folgende
Korrekturen vorgenommen (EL-act. 18): Hypothekarzinsen Fr. 13'853.-- (statt Fr.
14'070.--), österreichische Rente Fr. 12'249.-- (statt Fr. 8'610.--) und
Vermögenserträge Fr. 25.-- (statt Fr. 7.--). Daraus resultierte ein Einnahmenüberschuss
von Fr. 2'849.--. Per 1. Januar 2011 waren folgende Korrekturen erfolgt (EL-act. 19):
Hypothekarzinsen Fr. 7'632.-- (statt Fr. 14'070.--), österreichische Rente Fr. 11'268.--
(statt Fr. 8'610.--) und Vermögenserträge Fr. 25.-- (statt Fr. 7.--). Daraus resultierte ein
Einnahmenüberschuss von Fr. 7'714.--. Für den Zeitraum vom 1. Januar 2012 bis
31. Oktober 2012 hatte die EL-Durchführungsstelle folgende Positionen verändert (EL-
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
act. 17): Hypothekarzinsen Fr. 8'006.-- (statt Fr. 14'070.--), österreichische Rente Fr.
10'996.-- (statt Fr. 8'610.--) und Vermögenserträge Fr. 13.-- (statt Fr. 7.--). Daraus
resultierte ein Einnahmenüberschuss von Fr. 6'744.--. Die EL-Durchführungsstelle
forderte für die Zeit vom 1. Oktober 2009 bis 31. Dezember 2009 einen Betrag von
Fr. 1'662.-- (3 x Fr. 554.--), für das ganze Jahr 2010 einen Betrag von Fr. 7'344.-- (12 x
Fr. 612.--), für das ganze Jahr 2011 einen Betrag von 7'824.-- (12 x Fr. 652.--) und für
die Zeit vom 1. Januar 2012 bis 31. Oktober 2012 einen Betrag von Fr. 6'780.-- (10 x
Fr. 678.--) zurück.
B.g Bereits am 4. März 2013 hatte die EL-Durchführungsstelle den Versicherten
darüber informiert, dass er die ihm seit Oktober 2009 vergüteten Krankheitskosten von
Fr. 2'751.35 werde zurückzahlen müssen (EL-act. 10-14 ff.). Mit einer Verfügung vom
14. März 2013 (EL-act. 14) forderte die EL-Durchführungsstelle dann schliesslich die ab
Oktober 2009 zu Unrecht ausbezahlten Krankheitskosten im Umfang von Fr. 5'515.40
(Fr. 2'751.35 und Fr. 2'764.05) zurück.
B.h Bereits am 12. März 2013 (EL-act. 15) hatte die EL-Durchführungsstelle dem Ver
sicherten mitgeteilt, dass die Verfügung vom 12. Oktober 2012 und die
Rückforderungsverfügung vom 5. März 2013 im selben Anpassungsverfahren ergangen
seien, weshalb sie als Einheit zu betrachten seien. Die Rückforderungsverfügung vom
5. März 2013 gelte daher im Rahmen der am 12. Oktober 2012 erhobenen Einsprache
als mitangefochten.
B.i Der ‒ nun anwaltlich vertretene ‒ Versicherte liess am 21. März 2013 Einsprache
erheben (EL-act. 10-7 ff.). Sein Rechtsvertreter beantragte (sinngemäss) die Aufhebung
der "Verfügung" vom 4. März 2013 und den Erlass, eventualiter den teilweisen Erlass
der Rückforderung. Ausserdem beantragte er, dass bei der Festsetzung des
Rückforderungsbetrages dem Umstand Rechnung zu tragen sei, dass die Rente nicht
Fr. 900.--, sondern nur Fr. 600.-- betrage. Zur Begründung führte der Rechtsvertreter
aus, die Gesundheit der Ehefrau des Versicherten sei schwer angeschlagen. Dieser
habe den Hypothekarzins neu ausgehandelt, um sich und seiner Ehefrau mehr
Handlungsspielraum zu verschaffen. Deshalb sei es verzeihlich, wenn er nicht daran
gedacht habe, dies der EL-Durchführungsstelle zu melden. Auch die Voraussetzung
der grossen Härte sei erfüllt. Der Versicherte habe im Anmeldeformular darauf
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
hingewiesen, dass er eine österreichische Rente von Fr. 900.-- erhalte. Diese Angabe
habe allerdings eine Prognose dargestellt, die sich nicht verwirklicht habe. Der
Versicherte erhalte lediglich eine Pension in der Höhe von Fr. 600.--. Diesem Umstand
sei bei der Festsetzung des Rückforderungsbetrages Rechnung zu tragen.
B.j Am 17. Mai 2013 (EL-act. 3) wies die EL-Durchführungsstelle die Einsprache
gegen die Verfügungen vom 12. Oktober 2012 und vom 5. und 14. März 2013 ab,
soweit sie darauf eintrat. Einer allfälligen Beschwerde entzog sie in Bezug auf die
Einstellung der EL per 1. November 2012 die aufschiebende Wirkung. Sie betrachtete
die Verfügung vom 14. März 2013 als mitangefochten, da diese mit den angefochtenen
Verfügungen in einem engen Zusammenhang stehe. Zur materiellen Begründung
machte die EL-Durchführungsstelle geltend, der Rechtsvertreter habe übersehen, dass
die österreichische Rente nicht wie üblich zwölf Mal, sondern vierzehn Mal pro Jahr
ausbezahlt worden sei. Zwar seien dem Versicherten für das Jahr 2010 statt
Fr. 12'124.63 Fr. 12'249.-- und für das Jahr 2012 statt Fr. 10'963.80 Fr. 10'996.--
angerechnet worden. Diese Differenzen hätten aber kein Einfluss auf das Ergebnis und
seien daher vernachlässigbar. Weiter könne der Versicherte erst nach dem Eintritt der
Rechtskraft des Einspracheentscheides oder eines allfälligen Urteils ein Erlassgesuch
einreichen, weshalb auf diesen Antrag nicht eingetreten werden könne. Das
Bundesgericht habe mit Urteil vom 19. Dezember 2011 (9C_501/2011 S. 4 f.)
ausgeführt, dass im EL-Recht, welches mit der Deckung des Existenzbedarfs gänzlich
andere Ziele verfolge als die steuerrechtlich motivierte Förderung des Wohneigentums,
kein Grund bestehe, den steuerrechtlich gekürzten Mietwert selbstbewohnter
Liegenschaften zu berücksichtigen. Sie habe daher zu Recht den ungekürzten
Eigenmietwert von Fr. 25'020.-- in den EL-Berechnungen als Einnahme eingesetzt.
Gemäss Art. 10 Abs. 3 lit. d ELG seien nicht die effektiven Krankenkassenprämien,
sondern jährliche Pauschalbeträge als Ausgabe einzusetzen. Diese hätten der
kantonalen Durchschnittsprämie für die obligatorische Krankenpflegeversicherung zu
entsprechen. Gemäss der Verordnung über die kantonalen Durchschnittsprämien 2012
der Krankenpflegeversicherung für die Berechnung der EL betrage dieser Wert für
Erwachsene im Kanton St. Gallen Fr. 4'068.-- (Region 2). Sie habe daher die korrekten
Beträge als Ausgabe eingesetzt. Art. 10 ELG halte abschliessend fest, welche
Ausgaben in der EL-Berechnung angerechnet werden dürften. Die Kosten für ein Auto
seien in dieser Aufzählung nicht enthalten. Sie müssten daher über den allgemeinen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Lebensbedarf nach Art. 10 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 ELG finanziert werden. Die geltend
gemachten Transportkosten wären nach Art. 3 Abs. 2 ELG i.V.m. Art. 14 ff. ELG zu
prüfen. Hierüber müsste jedoch vorerst separat verfügt werden, weshalb in diesem
Verfahren nicht darauf einzutreten sei. Da der Versicherte bei einer Berücksichtigung
der korrekten Zahlen seit Oktober 2009 keinen EL-Anspruch gehabt habe und da die
Einnahmenüberschüsse jeweils die Krankheitskosten überstiegen hätten, sei die
Rückforderung der ausgerichteten Krankheitskosten zu Recht erfolgt. Die Verfügungen
seien daher rechtmässig.
C.
C.a Am 17. Juni 2013 liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer)
Beschwerde gegen diesen Einspracheentscheid erheben (act. G 1). Sein
Rechtsvertreter beantragte, der Einspracheentscheid sei vollumfänglich aufzuheben
und die Rückforderung der zu viel bezogenen EL sowie der Krankheitskosten sei zu
erlassen; eventualiter sei die Angelegenheit zur neuen Beurteilung an die EL-
Durchführungsstelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen. Innert einer
Nachfrist reichte der Rechtsvertreter am 9. Juli 2013 die Beschwerdebegründung ein
(act. G 6). Er führte aus, der Beschwerdeführer habe im Anmeldeformular angegeben,
dass die österreichische Rente Fr. 900.-- pro Monat betrage. Von der
Beschwerdegegnerin dürfe ohne Weiteres erwartet werden, dass ihr bekannt sei, dass
die Altersrente in Österreich vierzehn Mal pro Jahr ausbezahlt werde bzw. dass sie bei
Unsicherheiten entsprechende Abklärungen tätige. Die falsche Berechnung sei daher
einzig und allein einem Fehler der Beschwerdegegnerin zuzuschreiben. Der
Beschwerdeführer habe sogar eine zu hohe monatliche österreichische Altersrente
angegeben. Die monatliche Rente habe von Januar 2010 bis Dezember 2012 zwischen
EUR 610.47 und EUR 648.66 betragen. Der Euro habe während dieser Zeit massiv an
Wert verloren. Dies bedeute, dass der Beschwerdeführer im Anmeldeformular eine viel
zu hohe Rente angegeben habe. Die Beschwerdegegnerin habe daher ein zu hohes
Einkommen in die Berechnung der EL einbezogen. Aus diesem Grund müsse der
Rückforderungsbetrag reduziert werden. Richtig sei, dass es der Beschwerdeführer
versäumt habe, die Veränderungen beim Hypothekarzins zu melden. Im Weiteren
äusserte sich der Rechtsvertreter ausführlich zur Erfüllung der Erlassvoraussetzungen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
C.b In ihrer Beschwerdeantwort vom 22. Juli 2013 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 8). Zur Begründung
verwies sie auf die Erwägungen im Einspracheentscheid.
C.c Mit Schreiben vom 6. August 2013 verzichtete der Rechtsvertreter auf eine
Stellungnahme zu den ihm zwischenzeitlich zugestellten Akten der
Beschwerdegegnerin (act. G 12).

Erwägungen:
1.
Die Beschwerdegegnerin hat mit einer Verfügung vom 12. Oktober 2012 die laufende
jährliche Ergänzungsleistung per 31. Oktober 2012 eingestellt. Mit einer Verfügung vom
5. März 2013 hat sie rückwirkend ab dem 1. Oktober 2009 einen Anspruch auf jährliche
Ergänzungsleistungen verneint und sämtliche dem Beschwerdeführer ausgerichteten
Leistungen zurückgefordert. Schliesslich hat sie mit einer Verfügung vom 14. März
2013 alle Verfügungen, mit denen sie dem Beschwerdeführer
Krankheitskostenvergütungen zugesprochen hatte, aufgehoben und einen Anspruch
auf solche Vergütungen verneint. Dementsprechend hat sie alle ausbezahlten
Vergütungen zurückgefordert. Sie hat also nicht über den Erlass der beiden
Rückforderungen verfügt. Mangels einer anfechtbaren Verfügung kann der Erlass der
beiden Rückforderungen zum Vornherein nicht Gegenstand des Einspracheverfahrens
und damit des vorliegend angefochtenen Einspracheentscheides vom 17. Mai 2013
gebildet haben. Das hat die Beschwerdegegnerin in diesem Einspracheentscheid auch
klar festgehalten; sie ist nicht auf das entsprechende Begehren eingetreten. Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat dies offenbar gar nicht zur Kenntnis
genommen, denn er hat in der Beschwerde erneut den Erlass der beiden
Rückforderungen beantragt und in der Beschwerdeergänzung auch ausführlich
begründet. Auf diesen Teil des Beschwerdebegehrens kann mangels einer materiellen
Beurteilung der Erlassfrage im angefochtenen Einspracheentscheid nicht eingetreten
werden. Immerhin muss das Beschwerdebegehren dahingehend uminterpretiert
werden, dass das Nichteintreten auf das als Teil der Einsprache gestellte
Erlassbegehren angefochten wurde. Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen
Einspracheentscheid korrekt darauf hingewiesen, dass über ein Erlassgesuch zunächst
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
verfügt werden müsse, bevor es durch eine Einsprache zum Gegenstand eines
Einspracheentscheides gemacht werden könne, und dass eine Verfügung erst dann
zulässig sei, wenn die fragliche Rückforderung formell rechtskräftig feststehe. Die
Beschwerdegegnerin ist deshalb im angefochtenen Einspracheentscheid zu Recht
nicht auf das Erlassgesuch eingetreten. Diesbezüglich ist die Beschwerde also, soweit
auf sie eingetreten werden kann, abzuweisen.
2.
Die Ziffer 1 des Einsprachebegehrens lautete, die Verfügung vom 4. März 2013 sei
aufzuheben. Tatsächlich handelte es sich beim Schreiben der Beschwerdegegnerin
vom 4. März 2013 nur um eine Abrechnung über diejenigen
Krankheitskostenvergütungen, die dann von der Beschwerdegegnerin mit der
Verfügung vom 14. März 2013 zurückgefordert wurden. Die Beschwerdegegnerin ist
davon ausgegangen, dass es sich bei der Formulierung der Ziffer 1 des
Einsprachebegehrens um ein Versehen gehandelt habe, zumal der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers seiner Einsprache die Verfügung vom 14. März 2013 beigelegt
hatte. Mit dieser Interpretation der Ziffer 1 des Einsprachebegehrens hat die
Beschwerdegegnerin ihr Ermessen bei der Interpretation der Einsprache nicht
überschritten, d.h. sie ist zu Recht auf die Einsprache gegen die Verfügung vom 14.
März 2013 eingetreten. Die Frage, ob die Beschwerdegegnerin die Verfügungen
betreffend die Krankheitskosten zu Recht aufgehoben und durch eine umfassende
Abweisung ersetzt und deshalb zu Recht die ausbezahlten
Krankheitskostenvergütungen zurückgefordert hat, hat demnach Gegenstand des
Einspracheentscheides gebildet. Sie gehört auch zum Streitgegenstand des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens, da der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
dem Gericht die Aufhebung des Einspracheentscheides beantragt hat. Die
Beschwerdegegnerin ist zudem davon ausgegangen, dass auch ihre Verfügung vom 5.
März 2013 betreffend die rückwirkende Verneinung eines Anspruchs auf eine jährliche
Ergänzungsleistung und die Rückforderung der ausbezahlten Leistungen
einspracheweise angefochten worden sei, obwohl die Ziffer 1 des
Einsprachebegehrens diese Verfügung nicht nennt und obwohl diese Verfügung in den
Beilagen zur Beschwerde fehlt. Allerdings hat der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers in der Ziffer 3 des Einsprachebegehrens verlangt, dass nur eine
österreichische Rente von Fr. 600.-- (statt von Fr. 900.--) angerechnet werde, was nur
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
im Zusammenhang mit der Neuberechnung der jährlichen Ergänzungsleistungen einen
Sinn macht. Die Beschwerdegegnerin hat deshalb ihr Ermessen bei der Auslegung der
Einsprache nicht verletzt, als sie auch die Korrektur und Rückforderung der jährlichen
Ergänzungsleistungen als Gegenstand des Einspracheverfahrens qualifiziert hat bzw.
als sie auch auf die nur sinngemäss erhobene Einsprache gegen die Verfügung vom 5.
März 2013 eingetreten ist. Damit gehört auch die Frage nach dem Anspruch des
Beschwerdeführers auf jährliche Ergänzungsleistungen zum Streitgegenstand, da der
Beschwerdeführer ja bekanntlich die Aufhebung des gesamten Einspracheentscheides
beantragt hat.
3.
Spätestens mit der E-Mail der zuständigen AHV-Zweigstelle vom 10. Oktober 2012
(vgl. EL-act. 39) hat die Beschwerdegegnerin damit rechnen müssen, dass der
Beschwerdeführer gar nie einen Anspruch auf eine Ergänzungsleistung gehabt hatte.
Sie hat zwar die Sachverhaltsabklärung weitergeführt, wie die Rückfrage an den
Beschwerdeführer vom 12. Oktober 2012 zeigt (vgl. EL-act. 38), aber sie hat
gleichzeitig die Ausrichtung der laufenden Ergänzungsleistungen per 31. Oktober 2012
eingestellt (EL-act. 36). Dabei kann es sich nicht um eine Revision i.S. von Art. 17 Abs.
2 ATSG gehandelt haben, weil keine Sachverhaltsveränderung nachgewiesen war. Es
kann sich auch nicht um eine Teilwiedererwägung der ursprünglichen Verfügung vom
9. Juli 2009 (vgl. EL-act. 59) für die Zukunft gehandelt haben, denn dazu war der
Sachverhalt ab dem 1. Juni 2009 noch nicht ausreichend abgeklärt, um von einer
zweifellosen Unrichtigkeit jener Verfügung ausgehen zu können. Zudem enthält die
Verfügung vom 12. Oktober 2012 nicht den geringsten Hinweis darauf, dass damit die
Verfügung vom 9. Juli 2009 aufgehoben worden wäre. Bei der Verfügung vom 12.
Oktober 2012 kann es sich deshalb nur um eine vorsorgliche Leistungseinstellung
gehandelt haben, mit der die Beschwerdegegnerin hat verhindern wollen, dass sie
weiterhin Ergänzungsleistungen ausrichten musste, obwohl damit zu rechnen war,
dass gar kein Anspruch auf diese Ergänzungsleistungen bestand und dass sich eine
spätere Rückforderung als uneinbringlich erweisen würde. Derartige vorsorgliche
Massnahmen sind praxisgemäss gestützt auf Art. 55 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 5 Abs. 2
und 45 f. VwVG zulässig, wenn Gefahr im Verzug ist. Allerdings sind die