Decision ID: e3bb163c-6578-5d74-bb02-f350786aebbd
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 25. April 2005 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, sie habe in ihrem Herkunftsland eine
Berufslehre im Metallbau absolviert. In den Jahren 2000–2003 habe sie als Küchenhilfe
gearbeitet. Der Hausarzt Dr. med. B._ berichtete am 6. Mai 2005 (IV-act. 12), die
Versicherte leide an einer chronischen Lumboischialgie bei einer Discushernie L4/5 mit
einer Kompression der Nervenwurzel S1 links sowie an einer posttraumatischen
Belastungsstörung mit einer reaktiven Depression. Zur Zeit könne ihr keine
Erwerbstätigkeit zugemutet werden. Die Psychiaterin Dr. med. C._ teilte am 17. Mai
2005 mit (IV-act. 16), sie habe eine Anpassungsstörung mit Angst und mit einer
depressiven Reaktion bei einer psychosozialen Belastungssituation, eine
undifferenzierte Somatisierungsstörung sowie eine abhängige Persönlichkeitsstörung
diagnostiziert. Die Versicherte sei vom 8. Dezember 2004 bis zum 2. März 2005
stationär psychiatrisch behandelt worden. Aus psychiatrischer Sicht bestehe seit dem
Austritt aus der Klinik eine Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent. Im Oktober 2005 führte die
IV-Stelle eine Abklärung im Haushalt der Versicherten durch, die ergab, dass diese
ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung vollzeitig erwerbstätig wäre (IV-act. 20). Im
Auftrag der IV-Stelle erstattete die medizinische Abklärungsstelle (MEDAS)
Zentralschweiz am 18. April 2007 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 31). Die
Sachverständigen führten aus, die Versicherte leide an einer kombinierten
Persönlichkeitsstörung mit emotional-instabilen, selbstunsicheren, abhängigen,
unreifen und histrionischen Anteilen, an einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung, an einer Anpassungsstörung mit einer gemischten Störung von
Gefühlen und Sozialverhalten, an einem episodischen schädlichen Alkoholgebrauch
sowie an einem intermittierenden lumbovertebralen Schmerzsyndrom. Die langjährig
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ausgeübte Tätigkeit als Restaurantangestellte sei ihr in einem Pensum von 50 Prozent
zumutbar. Auch andere körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten seien zu 50
Prozent zumutbar. Mittels einer fortgesetzten Psychotherapie könne diese
Arbeitsfähigkeit „gefestigt“ werden. Ob eine Steigerung möglich sei, könne nicht
abgeschätzt werden. In beruflicher Hinsicht sei die Versicherte auf die Mithilfe der
Invalidenversicherung bei der Vermittlung einer geeigneten Arbeit angewiesen. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung gelte ab dem Tag der Schlussbesprechung, also ab dem
30. März 2007. Bis zu diesem Datum sei die Versicherte durch ein Zeugnis des
Hausarztes ab dem 12. Mai 2003 zu 100 Prozent arbeitsunfähig geschrieben gewesen.
Eine Ärztin des IV-internen regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) erachtete das
Gutachten als überzeugend und notierte, es sei für die Zeit vom 12. Mai 2003 bis zum
29. April 2007 von einer vollständigen und für die Zeit ab dem 30. März 2007 von einer
hälftigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (IV-act. 32).
A.b Im Juni 2007 nahm ein Eingliederungsberater der IV-Stelle Kontakt mit der
Versicherten auf (IV-act. 34). Er forderte sie auf, Fragen zu ihrer beruflichen Situation zu
beantworten (IV-act. 38). Ende Juli 2007 antwortete die Versicherte unter Hinweis auf
ein Arztzeugnis von Dr. C._, sie sei vollständig arbeitsunfähig und könne keiner
Erwerbstätigkeit nachgehen (IV-act. 38). Schon in einem Beratungsgespräch am 4. Juli
2007 hatte der Amtsvormund als Beistand der Versicherten mitgeteilt (IV-act. 41), dass
die Versicherte nicht einmal mit ihrem häuslichen Alltag zurechtkomme. Sie könne
keine Erwerbstätigkeit aufnehmen. Gerade eben sei sie aus einem weiteren stationären
Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik nach Hause zurückgekehrt. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der MEDAS Zentralschweiz sei falsch. Im September 2007
berichtete die psychiatrische Klinik D._ über die stationäre Behandlung im Zeitraum
vom 26. Juni 2007 bis zum 3. Juli 2007 (IV-act. 44). Die Ärzte sahen sich wegen der
kurzen Dauer der Hospitalisation nicht in der Lage, Stellung zur Arbeitsfähigkeit zu
nehmen. Der RAD-Arzt Dr. med. E._ empfahl in der Folge die Einholung eines
psychiatrischen Verlaufsgutachtens (IV-act. 45). Am 14. Januar 2008 erstattete die
Psychiaterin Dr. med. F._ im Auftrag der IV-Stelle ein fachärztliches Gutachten (IV-
act. 50). Sie führte aus, die Versicherte leide an einer Anpassungsstörung mit einer
gemischten Störung von Gefühlen und Sozialverhalten, an einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung sowie an einer Persönlichkeitsstörung mit vor allem
abhängigen Merkmalen. Trotzdem seien ihr leidensadaptierte Tätigkeiten im Umfang
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von etwa 50 Prozent zumutbar. Damit die Versicherte eine Chance auf eine Besserung
ihres Zustandes habe, sei eine längerfristige stationäre oder mindestens teilstationäre
Behandlung mit einer konsequenten Arbeitstherapie unumgänglich. Der RAD-Arzt Dr.
E._ qualifizierte dieses Gutachten als überzeugend (IV-act. 51). Ein Sachbearbeiter
der IV-Stelle notierte am 4. März 2008, dass für die Vergangenheit kein medizinischer
Revisionsgrund ausgewiesen sei, weshalb es unzulässig sei, der Versicherten eine
abgestufte ganze und anschliessend halbe Rente zuzusprechen (IV-act. 53). Mit einer
Verfügung vom 24. Juli 2008 sprach die IV-Stelle der Versicherten daher mit Wirkung
ab dem 1. Mai 2004 eine halbe Rente zu (IV-act. 63).
A.c Dagegen erhob die Versicherte, vertreten durch ihren Beistand, am 12.
September 2008 eine Beschwerde (IV-act. 64). Sie liess die Aufhebung der Verfügung,
die Gewährung von Integrationsmassnahmen im Sinne des Art. 14a IVG, nach deren
Abschluss die Gewährung von beruflichen Eingliederungsmassnahmen und schliesslich
die Zusprache einer Rente beantragen. Das Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen hob mit einem Entscheid vom 1. Juli 2010 (IV 2008/383; vgl. IV-act. 73) die
Rentenverfügung auf und wies die Sache an die IV-Stelle zur Prüfung von
Integrationsmassnahmen zurück. Es verpflichtete die IV-Stelle zudem, der Versicherten
für die Zeit ab dem 1. Mai 2004 bis zum Beginn der Eingliederungsmassnahmen eine
Rente zuzusprechen und hielt fest: „Hierbei ist zu berücksichtigen, dass nach
übereinstimmender Beurteilung der MEDAS-Ärzte sowie des RAD eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit bis Ende März 2007 ausgewiesen ist“ (IV-act. 73–13).
A.d Am 26. April 2011 notierte ein Mitarbeiter der IV-Stelle (IV-act. 76), dass keine
vorläufige Rente zugesprochen werden könne. Zum Rentenanspruch könne erst nach
dem Abschluss der beruflichen Eingliederung Stellung genommen werden. Selbst
wenn die rückwirkende Zusprache einer vorläufigen Rente zulässig wäre, müsse
beachtet werden, dass in medizinischer Hinsicht kein Revisionsgrund vorliege, weshalb
für die gesamte Zeitdauer ab dem Ablauf des Wartejahres eine halbe Rente
zugesprochen werden müsste. Am 28. April 2011 teilte die IV-Stelle der Versicherten
mit, dass sie erst nach dem Abschluss der Eingliederungsmassnahmen über den
Rentenanspruch verfügen werde (IV-act. 77). Am 11. Mai 2011 erhob die Versicherte
eine Rechtsverweigerungsbeschwerde (IV-act. 78). Sie beanstandete die Untätigkeit
der IV-Stelle und deren Weigerung, eine vorläufige Rente zuzusprechen. Am 25. August
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2011 fällte die IV-Stelle den „Grundsatzentscheid“, Massnahmen für die berufliche
Eingliederung der Versicherten zu prüfen (IV-act. 91). Mit einem Entscheid vom 16.
August 2011 (IV 2011/164; vgl. IV-act. 94) hiess das Versicherungsgericht die
Beschwerde vom 11. Mai 2011 gut. Es hielt fest, dass hinsichtlich der beruflichen
Eingliederung angesichts einer fast ein Jahr dauernden Untätigkeit der IV-Stelle eine
Rechtsverzögerung vorliege. Bezüglich der vorläufigen Rente bestehe eine Bindung an
das unangefochten in formelle Rechtskraft erwachsene Urteil vom 1. Juli 2010. Mit ihrer
Weigerung, der Versicherten eine entsprechende Rente zuzusprechen, habe die IV-
Stelle eine Rechtsverweigerung begangen. Auf die von der IV-Stelle gegen diesen
Entscheid erhobene Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten (IV-act. 96)
trat das Bundesgericht gemäss seinem Urteil vom 31. Oktober 2011 (9C_721/2011; vgl.
IV-act. 100) nicht ein. Es hielt fest, dass das Dispositiv des Entscheides des
Versicherungsgerichtes vom 1. Juli 2010 keinen Bezug auf die Erwägungen genommen
und keine Verpflichtung enthalten habe, eine vorläufige Rente basierend auf einer
Arbeitsunfähigkeit von 100 Prozent im Zeitraum vom 1. Mai 2004 bis zum 31. Mai 2007,
zuzusprechen. Deshalb sei die IV-Stelle gar nicht verpflichtet gewesen, eine solche
vorläufige Rente auszurichten.
A.e Der Hausarzt Dr. B._ berichtete am 21. Januar 2012 über einen unverändert
schlechten Gesundheitszustand (IV-act. 106). Auch Dr. C._ gab am 18. Februar 2012
an, dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten nicht wesentlich verändert
habe (IV-act. 108). Am 13. Juni 2012 entschied die IV-Stelle (IV-act. 110), vom 6.
August 2012 bis zum 2. November 2012 ein Belastbarkeitstraining durchzuführen. Der
zuständige RAD-Arzt hatte eine (unveränderte) Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent
angegeben. Am 7. August 2012 teilte die Durchführungsstelle für das Arbeitstraining
mit, dass die Versicherte unentschuldigt nicht zum Training erschienen sei (IV-act. 127).
Am 14. August 2012 informierte sie die IV-Stelle darüber, dass die Versicherte ein
Arztzeugnis eingereicht und die Durchführung des Arbeitstrainings als unmöglich
bezeichnet hatte (IV-act. 129). Das Arztzeugnis war von Dr. C._ ausgestellt worden;
es bescheinigte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für den Zeitraum vom 8. bis zum
29. August 2012 (IV-act. 130). Am 17. August 2012 beschloss die IV-Stelle, das
Arbeitstraining abzubrechen (IV-act. 134). Die Versicherte hatte mitgeteilt, dass es ihr
gesundheitlich schlecht gehe und dass sie an Problemen mit den Zähnen leide. Sie
wolle ihre Zähne nun sanieren lassen. Die Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle
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gelangte zum Schluss, dass die Durchführung des Arbeitstrainings auf den Zeitpunkt
des Abschlusses der Zahnsanierung aufzuschieben sei. Am 4. September 2012 wollte
die Versicherte das Arbeitstraining wieder aufnehmen; die
Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle wies sie darauf hin, dass zuerst die
Situation betreffend die Zahnbehandlung sicher geklärt sein müsse (IV-act. 137). In
einem Bericht vom 21. September 2012 empfahl der Hausarzt Dr. B._ eine Abklärung
betreffend die Arbeitsfähigkeit der Versicherten (IV-act. 147). Die Psychiaterin Dr. C._
attestierte in einem Bericht vom 1. Oktober 2012 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit,
führte aber aus, dass nach den zahnärztlichen Abklärungen die Wiederaufnahme des
Arbeitstrainings in einem Pensum von 50 Prozent empfehlenswert sei (IV-act. 153).
A.f Bereits am 25. Mai 2012 hatte der Beistand der Versicherten die
Rentenberechnung ab Mai 2004 beantragt (IV-act. 111). Mit einem Vorbescheid vom
15. Juni 2012 hatte ihm die IV-Stelle mitgeteilt, dass sie für die Vergangenheit keine
höhere als die bereits ausgerichtete halbe Rente zusprechen werde (IV-act. 115). Am
14. August 2012 hatte die nun durch einen Rechtsagenten vertretene Versicherte
bezugnehmend auf den Vorbescheid vom 15. Juni 2012 beantragen lassen (IV-act.
131), dass ihr für die Zeit vom 1. Mai 2004 bis zum 31. August 2012 eine ganze Rente
der Invalidenversicherung zuzusprechen und dass nach dem Abschluss der
Eingliederungsmassnahmen über den Rentenanspruch ab dem 1. September 2012 zu
verfügen sei. Zur Begründung hatte ihr Rechtsvertreter ausgeführt, dass die IV-Stelle
aufgrund der beiden Entscheide des Versicherungsgerichtes und angesichts des
Nichteintretensentscheides des Bundesgerichtes verpflichtet sei, unverzüglich über
den Rentenanspruch ab dem 1. Mai 2004 zu verfügen. Das Bundesgericht habe sich
entgegen der Auffassung der IV-Stelle nicht materiell zum Rentenanspruch ab dem 1.
Mai 2004 geäussert. Es stelle sich dabei auch gar nicht die Frage einer Rentenrevision,
denn die einzige Verfügung, mit der bislang über den Rentenanspruch entschieden
worden sei, sei ja vom Versicherungsgericht aufgehoben worden. Es liege also noch
gar keine Verfügung über den Rentenanspruch im Recht. Die Sachverständige Dr.
F._ habe in ihrem Gutachten ausgeführt, dass die Verwirklichung der von ihr
attestierten Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent Integrationsmassnahmen für die berufliche
Eingliederung voraussetze. Das bedeute, dass die Versicherte bis zum Abschluss der
Integrationsmassnahmen als vollständig erwerbsunfähig zu qualifizieren sei. Auch die
behandelnde Psychiaterin Dr. C._ habe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert.
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Da die Integrationsmassnahmen erst am 6. August 2012 begonnen hätten, habe die
Versicherte bis zu diesem Zeitpunkt einen Anspruch auf eine ganze Rente. Mit einem
Vorbescheid vom 2. November 2012 kündigte die IV-Stelle der Versicherten an (IV-act.
157), dass sie ihr ab dem 12. Mai 2004 (gemeint wohl: ab dem 1. Mai 2004) eine halbe
Rente zusprechen werde. Sie gehe nach wie vor davon aus, dass sie den
Invaliditätsgrad ohne eine Bindung an die Entscheide des Versicherungsgerichtes zu
berechnen habe und dass aufgrund der medizinischen Akten von einer
Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent ausgegangen werden müsse. Da aber die frühere
rentenzusprechende Verfügung aufgehoben worden sei, müsse – wie von der
Versicherten beantragt – nun die entsprechende Rente neu zugesprochen werden.
Dagegen liess die Versicherte am 8. Dezember 2012 einwenden (IV-act. 158), sie
beantrage nach wie vor die Zusprache einer ganzen Rente ab dem 1. Mai 2004. Zudem
müsse die IV-Stelle einen Bericht des psychiatrischen Zentrums G._ betreffend die
stationäre Behandlung im Zeitraum vom 21.–25. August 2012 einholen. Angesichts
einer zwischenzeitlich eingetretenen Verschlechterung des Gesundheitszustandes der
Versicherten sei eine erneute polydisziplinäre Begutachtung notwendig. Mit einem
dritten Vorbescheid vom 20. Juni 2013 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit (IV-act.
174), dass sie ihr ab dem 1. Mai 2004 eine befristete halbe Rente bis Ende Januar 2008
zusprechen werde. Der Rentenanspruch werde ab Februar 2008 überprüft, sobald die
Eingliederungsmassnahmen abgeschlossen seien. Am 16. Juli 2013 teilte die (neue)
Beiständin der Versicherten mit (IV-act. 175), dass diese ihre Zähne noch immer nicht
habe sanieren lassen. Die Versicherte habe geltend gemacht, dass die im Oktober
2012 empfohlene Zahnsanierung in der Schweiz viel zu teuer wäre, weshalb sie ihre
Zähne in ihrem Herkunftsland sanieren lassen wolle. Aktuell befinde sie sich in den
Ferien im Herkunftsland, doch sei unklar, ob sie nun ihre Zähne sanieren lassen werde.
Am 23. August 2013 liess die Versicherte bezugnehmend auf den Vorbescheid vom 20.
Juni 2013 beantragen (IV-act. 180), dass ihr eine ganze Rente für die Zeit vom 1. Mai
2004 bis zum tatsächlichen Beginn der Eingliederungsmassnahmen zuzusprechen,
dass ein Bericht des psychiatrischen Zentrums G._ einzuholen und dass ein
polydisziplinäres Gutachten in Auftrag zu geben sei. Am 27. August 2013 verfügte die
IV-Stelle gemäss ihrem Vorbescheid vom 20. Juni 2013: Sie sprach der Versicherten
eine halbe Rente für den Zeitraum vom 1. Mai 2004 bis zum 31. Januar 2008 zu (IV-act.
181).
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B.
B.a Am 17. September 2013 liess die Versicherte (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 27. August 2013
erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Zusprache einer ganzen Rente
mit Wirkung ab dem 1. Mai 2004 und eventualiter die Rückweisung der Sache zur
Einholung eines polydisziplinären Gutachtens und zur anschliessenden Neubeurteilung.
Zur Begründung führte er aus, die behandelnden Ärzte hätten für den Zeitraum vom 12.
Mai 2003 bis Ende März 2007 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert, weshalb
auch das Versicherungsgericht in seinem ersten Entscheid festgehalten habe, dass für
diesen Zeitraum von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden
müsse. Indem die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) in der
angefochtenen Verfügung nicht einmal Stellung dazu genommen habe, habe sie den
Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör verletzt. Bei der Berechnung
des Invaliditätsgrades hätte die Beschwerdegegnerin einen Abzug vom Tabellenlohn
von 25 Prozent berücksichtigen müssen, worauf die Beschwerdeführerin in der
Eingabe vom 23. August 2013 hingewiesen habe. Auch dazu habe die
Beschwerdegegnerin keine Stellung genommen, weshalb auch diesbezüglich eine
Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör vorliege.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 5. November 2013 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 7). Zur Begründung führte sie an, vorliegend gehe es nur um den
Rentenanspruch für die Zeit vom 1. Mai 2004 bis zum 31. Januar 2008, denn über den
Rentenanspruch für die Zeit ab dem 1. Februar 2008 werde erst verfügt werden, wenn
die Eingliederungsmassnahmen abgeschlossen worden seien. Eine Verletzung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör liege nicht vor, denn der angefochtenen Verfügung
lasse sich entnehmen, welche Erwägungen zum verfügten Entscheid geführt hätten.
Aufgrund der Aktenlage sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer
Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent im massgebenden Zeitraum auszugehen. Ein Abzug
vom Tabellenlohn sei nicht gerechtfertigt. Die Beschwerdeführerin habe folglich einen
Anspruch auf eine halbe Rente für die Zeit vom 1. Mai 2004 bis zum 31. Januar 2008.
B.c Die Beschwerdeführerin liess am 4. Dezember 2013 an ihren Anträgen
festhalten (act. G 10). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G
12).
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Erwägungen
1. Die Begründungspflicht des Art. 49 Abs. 3 ATSG als Ausfluss des Anspruchs
auf rechtliches Gehör (Art. 42 ATSG) bezweckt, den Verfügungsadressaten in die Lage
zu versetzen, den Entscheid der verfügenden Behörde nachzuvollziehen und sich in
Kenntnis der wichtigsten Entscheidgründe zu entscheiden, ob er die Verfügung
anfechten will. Gegebenenfalls soll es ihm die Begründung der Verfügung ermöglichen,
seine Anträge in der Einsprache oder in der Beschwerde hinreichend zu begründen.
Einen darüber hinausgehenden Zweck verfolgt die Begründungspflicht nicht. Da die
Beschwerdeführerin der angefochtenen Verfügung die wesentlichen Entscheidgründe
hat entnehmen können und da es ihr offensichtlich möglich gewesen ist, ihre
Beschwerde ausführlich zu begründen, hat die Begründung in der angefochtenen
Verfügung den vom Art. 49 Abs. 3 ATSG angestrebten Zweck erfüllt, weshalb keine
Verletzung der Begründungspflicht respektive des Anspruchs auf rechtliches Gehör
vorliegt, die eine Aufhebung der Verfügung vom 27. August 2013 erfordern würde.
2. Der Beschwerdeführerin wird offenbar seit dem 1. Mai 2004 eine halbe Rente
der Invalidenversicherung ausbezahlt, obwohl die rentenzusprechende Verfügung vom
24. Juli 2008 durch den unangefochten in formelle Rechtskraft erwachsenen Entscheid
des Versicherungsgerichtes vom 1. Juli 2010 aufgehoben worden ist. Mit der
angefochtenen Verfügung vom 27. August 2013 hat die Beschwerdegegnerin
nachträglich für einen Teil der bereits ausbezahlten Rentenleistungen – nämlich für jene
bis und mit Ende Januar 2008 – die verfügungsmässige Grundlage schaffen wollen.
Der Zeitpunkt dieser Befristung der Rentenzusprache per Ende Januar 2008 dürfte mit
dem Gutachten von Dr. F._ zusammenhängen, das im Januar 2008 erstellt worden
ist. Die Beschwerdeführerin beanstandet diese Befristung und die Höhe der Rente.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin ist auf die Einwände der
Beschwerdeführerin betreffend die Befristung der Rente einzugehen, denn der
Rentenanspruch kann nicht „zerstückelt“ werden (vgl. BGE 131 V 164). Den
Streitgegenstand dieses Verfahrens bildet somit der Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin als Ganzes, das heisst bis zum Tag des Erlasses der vorliegend
angefochtenen Verfügung.
3.
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3.1 Der erste Entscheid des Versicherungsgerichtes vom 1. Juli 2010 ist
unangefochten in formelle Rechtskraft erwachsen und damit für die Parteien und für
das Gericht verbindlich geworden. Den Gegenstand des zweiten
Beschwerdeverfahrens im Sommer 2011 hat nur eine Rechtsverweigerung gebildet.
Der Entscheid des Versicherungsgerichtes vom 16. August 2011 hat folglich nur die
Feststellung enthalten, dass die Beschwerdegegnerin die Rechtsanwendung verzögert
respektive verweigert hatte. Zur Sache selbst hat sich das Versicherungsgericht in
diesem zweiten Entscheid gar nicht äussern können. Auch das Bundesgericht hätte in
der Sache selbst nicht entscheiden können, sondern hätte sich darauf beschränken
müssen, die Feststellung des Versicherungsgerichtes, es liege eine Rechtsverzögerung
beziehungsweise eine Rechtsverweigerung vor, auf deren Rechtmässigkeit zu
überprüfen. Da das Bundesgericht aber auf die Beschwerde nicht eingetreten ist, kann
sein Urteil vom 31. Oktober 2011 nicht einmal einen diesbezüglichen Entscheid
enthalten haben. Die Erwägung des Bundesgerichtes, das Versicherungsgericht habe
die Beschwerdegegnerin in seinem Entscheid vom 1. Juli 2010 nicht verpflichtet, der
Beschwerdeführerin eine Rente auszurichten, kann folglich nicht verbindlich sein, denn
der Gegenstand des Beschwerdeverfahrens vor dem Bundesgericht würde eine
entsprechende Anweisung im Dispositiv verbieten, selbst wenn das Bundesgericht auf
die Beschwerde eingetreten wäre. Das Versicherungsgericht ist in diesem Sinn frei zu
prüfen, welche Bedeutung der Entscheid vom 1. Juli 2010 hat.
3.2 Der genaue Inhalt des Dispositivs des Entscheides vom 1. Juli 2010 muss
anhand einer Auslegung nicht nur dieses Dispositivs, sondern auch der Erwägungen
ermittelt werden. Dem Wortlaut der Ziffer 1 des Dispositivs nach hat sich der Entscheid
vom 1. Juli 2010 auf eine Aufhebung der Verfügungen vom 24. Juli 2008 und auf eine
Rückweisung der Sache zur Fortführung des Verwaltungsverfahrens beschränkt. Es hat
sich dabei also um einen Rückweisungsentscheid gehandelt. Dies schliesst eine
Rentenzusprache nicht aus, denn unter bestimmten Umständen kann im selben
Entscheid eine Rente zugesprochen und die Sache zur Durchführung von weiteren
Abklärungen zurückgewiesen werden. Das Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen hat schon mehrmals entsprechende Entscheide erlassen. Diese Entscheide
haben aber immer nebst der Rückweisung auch die Rentenzusprache im Dispositiv
enthalten. Die Zusprache einer Rente ohne eine Erwähnung dieser Rente im Dispositiv
wäre äusserst unüblich, denn sie würde auch dem Grundsatz widersprechen, dass die
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verbindlichen Anordnungen ins Dispositiv gehören. Die Auffassung, das
Versicherungsgericht habe der Beschwerdeführerin in seinem Entscheid vom 1. Juli
2010 dennoch, also ohne eine Erwähnung der Rentenzusprache im Dispositiv, eine
Rente zugesprochen, könnte sich nur mit dem Hinweis auf die Erwägungen im
Dispositiv begründen lassen. Dieses Vorgehen wäre aber höchst ungewöhnlich.
Dennoch ist zu untersuchen, ob das Versicherungsgericht in diesem einen Entscheid
anders vorgegangen ist als in vergleichbaren Fällen. Der mit der Rückweisung
verbundene „Auftrag“ an die Beschwerdegegnerin lässt sich der E. 4.1 des
Entscheides entnehmen: „Die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen,
damit diese im Sinne der Erwägungen weitere Abklärungen vornimmt. So sind
Integrations- oder berufliche Massnahmen zu prüfen (...) über eine vorläufige Rente
und nach Abschluss der Massnahmen über den definitiven Rentenanspruch zu
verfügen“. Zum definitiven Rentenanspruch hat sich das Versicherungsgericht
naturgemäss nicht geäussert, denn dieser hat damals ja noch gar nicht feststehen
können. Zum vorläufigen Rentenanspruch hat das Versicherungsgericht in der E. 3.2
ausgeführt: „Sodann wird die Beschwerdegegnerin in Anwendung von BGE 120 V 190
für die Zeit ab dem 1. Mai 2004 bis zum Beginn von Eingliederungsmassnahmen über
eine Rente zu befinden haben. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass nach
übereinstimmender Beurteilung der MEDAS-Ärzte sowie des RAD eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit bis Ende März 2007 ausgewiesen ist“. In der E. 3.3 hat das
Versicherungsgericht zudem ausgeführt: „Daraus schliesst das Gericht, dass die
Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent nicht ohne weitere Massnahmen im Sinn einer
Integration in den Arbeitsmarkt umgesetzt werden kann“. Zusammenfassend hat das
Versicherungsgericht mit diesen Ausführungen eine eigene Beurteilung der Aktenlage
hinsichtlich der für eine so genannte „Arbeitsunfähigkeitsrente“ im Sinne des BGE 120
V 190 massgebenden Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin abgegeben. Das
Gericht ist davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin bis Ende März 2007
vollständig arbeitsunfähig gewesen sei (wobei diese Beurteilung auf einer falschen
Interpretation des Gutachtens der MEDAS und der Stellungnahme der RAD-Ärztin
beruht hat), dass sie danach zu 50 Prozent arbeitsfähig gewesen wäre, dass sie diese
Arbeitsfähigkeit aber erst nach der Durchführung von Integrationsmassnahmen hätte
verwerten können, weshalb sie weiterhin als vollständig arbeitsunfähig zu qualifizieren
gewesen sei. Aus dieser Beurteilung hat das Versicherungsgericht aber keine
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Rechtsfolge abgeleitet. Es hat nämlich nicht nur davon abgesehen, der
Beschwerdeführerin – im Dispositiv – eine entsprechende Rente zuzusprechen,
sondern auch darauf verzichtet, die Beschwerdegegnerin – in den Erwägungen – zur
Zusprache einer vorläufigen ganzen Rente zu verpflichten. Nur der in der E. 4.1
enthaltene Hinweis, die Beschwerdegegnerin habe unter anderem „über eine vorläufige
Rente“ zu verfügen, könnte als eine entsprechende Verpflichtung interpretiert werden.
Diese Anweisung ist aber so zurückhaltend formuliert worden, dass ihr nicht eine
Verpflichtung zur Zusprache einer ganzen Rente entnommen werden kann. Die
Interpretation der Erwägungen führt somit zum Ergebnis, dass es sich beim Entscheid
vom 1. Juli 2010 nicht um eine Ausnahme von der Regel gehandelt hat, nach der das
Versicherungsgericht eine Rentenzusprache stets explizit im Dispositiv anführt. Die
umfassende Auslegung des Entscheides vom 1. Juli 2010 zeigt also, dass das
Versicherungsgericht zwar einen Anspruch auf eine vorläufige ganze Rente als (mehr
oder weniger) ausgewiesen erachtet, aber auf die Zusprache einer entsprechenden
Rente verzichtet hat, weshalb auch die Beschwerdegegnerin nicht verpflichtet gewesen
ist, eine befristete ganze Rente zuzusprechen. Folglich ist der Rentenanspruch im
vorliegenden Verfahren frei zu prüfen.
4.
4.1 Die behandelnde Psychiaterin Dr. C._ hat in ihrem ersten Bericht vom 17. Mai
2005 eine Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent attestiert. Die Sachverständigen der
MEDAS Zentralschweiz haben in ihrem Gutachten vom 18. April 2007 ebenfalls eine
Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent angegeben. Auch Dr. F._ ist in ihrem
Verlaufsgutachten vom 14. Januar 2008 zum Schluss gekommen, dass eine
Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent vorliege. Der Hausarzt Dr. B._ – und in der Folge
auch die behandelnde Psychiaterin – hat dagegen eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
attestiert. Die Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz haben diese
Arbeitsfähigkeitsschätzung in ihrem Gutachten erwähnt, aber nicht gewürdigt. Da sie
erst ab dem Zeitpunkt der Begutachtung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
haben ausgehen können, dass ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung zutreffend sei, haben
sie für die Vergangenheit keine Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben, sondern
lediglich auf das Attest des Hausarztes verwiesen. Daraus kann allerdings nicht
abgeleitet werden, dass sie dieses als überwiegend wahrscheinlich richtig qualifiziert
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hätten. Dasselbe gilt auch für die Notiz der RAD-Ärztin, die diese Angaben unbesehen
übernommen hat. Aus dem Gutachten der MEDAS Zentralschweiz und aus der Notiz
der RAD-Ärztin lässt sich also nicht folgern, dass die Sachverständigen oder die RAD-
Ärztin das Attest des Hausarztes als überwiegend wahrscheinlich richtig qualifiziert
hätten. Für den Zeitraum vom Beginn der Arbeitsunfähigkeit (12. Mai 2003) bis zum
Zeitpunkt der Begutachtung (April 2007) kann folglich nicht ohne weiteres von einer
vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden, nur weil der Hausarzt eine
solche attestiert hatte. Zum einen liegt nämlich ein widersprechendes fachärztliches
Attest der behandelnden Psychiaterin im Recht. Zum andern enthalten die Akten
keinerlei Hinweise auf eine relevante Verbesserung des Gesundheitszustandes der
Beschwerdeführerin im massgebenden Zeitraum bis zum April 2007. Die Differenz
zwischen der Arbeitsfähigkeitsschätzung der Sachverständigen der MEDAS
Zentralschweiz (und der behandelnden Psychiaterin) und jener des Hausarztes lässt
sich somit nicht mit einer relevanten Veränderung des Gesundheitszustandes erklären,
weshalb es sich dabei um einen Widerspruch hinsichtlich der
Arbeitsfähigkeitsschätzungen handelt. Da die fachärztliche, ausführlich und
nachvollziehbar begründete Arbeitsfähigkeitsschätzung deutlich überzeugender ist als
das nur rudimentär begründete Attest des Hausarztes, ist die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz auch für
den Zeitraum vor der Begutachtung als überwiegend wahrscheinlich zutreffend zu
qualifizieren. Somit ist für die Zeit ab dem 12. Mai 2003 mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit eine durchgehende
Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent mindestens bis zur Fertigstellung des Gutachtens
von Dr. F._ ausgewiesen.
4.2 Dr. F._ hat zwar ebenfalls eine Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent attestiert. Sie
hat aber festgehalten, dass die Beschwerdeführerin auf eine längerfristige stationäre
oder mindestens teilstationäre Behandlung mit einer konsequenten Arbeitstherapie
angewiesen sei. Die Beschwerdeführerin hat daraus abgeleitet, dass Dr. F._ eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit mit der Aussicht auf eine Besserung mittels der
empfohlenen therapeutischen Massnahmen attestiert habe. Diese Interpretation des
Gutachtens von Dr. F._ ist unzutreffend. Die Sachverständige hat nämlich ausgeführt,
dass die Beschwerdeführerin „aktuell zu circa 50 Prozent“ arbeitsfähig sei und dass
somit „die Beurteilung durch die MEDAS (...) weiterhin bestätigt werden“ könne; die
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Beschwerdeführerin sei nämlich „bei entsprechender Motivation durchaus im Stande,
Ziele zu verfolgen und zu erreichen“ (IV-act. 50–10). Sie hat die von ihr attestierte
Arbeitsfähigkeit somit als sofort verwertbar erachtet. Die Ausführungen zur
Eingliederungsfähigkeit sind zwar etwas missverständlich, denn Dr. F._ hat einerseits
ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin auf die erwähnten therapeutischen
Massnahmen angewiesen sei, wenn sie „eine Chance auf Besserung ihres Zustandes
sowie auf eine Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit“ haben wolle (IV-act. 50–10). Dies
bestätigt die Angabe einer Arbeitsfähigkeit von „aktuell circa 50 Prozent“, denn die
therapeutischen Massnahmen sind gemäss diesen Ausführungen nicht zur Verwertung
der Arbeitsfähigkeit notwendig, sondern dienen „nur“ deren Steigerung. Andererseits
hat Dr. F._ aber festgehalten, dass „die Umsetzung der medizinisch-theoretischen
Arbeitsfähigkeit beziehungsweise eine Steigerung der Leistungsfähigkeit (...) bei
konsequenter Durchführung durchaus möglich“ sei (IV-act. 50–10). Diese Aussage legt
den Schluss nahe, dass die Arbeitsfähigkeit noch nicht verwertbar („umsetzbar“) sei,
bevor die therapeutischen Massnahmen durchgeführt seien. Sie widerspricht also den
oben zitierten Ausführungen von Dr. F._, die die Möglichkeit einer (sofortigen)
Verwertung der Arbeitsfähigkeit voraussetzen. Die genaue Formulierung – „Umsetzung
(...) beziehungsweise Steigerung“ – schwächt die Aussage ab, denn die Umsetzung ist
nicht dasselbe wie eine Steigerung, weshalb die beiden Alternativen an sich nicht mit
„beziehungsweise“ verwendet werden dürften. Für gewöhnlich stellt das, was nach
„beziehungsweise“ folgt, eher den eigentlichen Inhalt der Aussage dar, nämlich
regelmässig eine Präzisierung des Vorhergehenden. Die Sachverständige dürfte also
eher an eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit als an deren Verwertung gedacht haben.
Jedenfalls ist diese Aussage in sich widersprüchlich. Da Dr. F._ allerdings in den zwei
oben zitierten Aussagen klar die Auffassung zum Ausdruck gebracht hat, dass die
Arbeitsfähigkeit – sofort – verwertbar sei und die Therapien „nur“ einer Steigerung der
Arbeitsfähigkeit dienten, können die Ausführungen von Dr. F._ gesamthaft nur so
verstanden werden, dass sie die Beschwerdeführerin als „effektiv“ zu 50 Prozent
arbeitsfähig qualifiziert hat. Die später von der behandelnden Psychiaterin Dr. C._
attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit hat von dieser nicht hinreichend belegt
werden können. Die entsprechenden Ausführungen sind mangels handfester objektiver
Befunde nicht geeignet, Zweifel an der Arbeitsfähigkeitsschätzung der
Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz und von Dr. F._ zu wecken. Auch eine
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Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes ist in den Akten nicht
ausgewiesen. Somit ist die Beschwerdeführerin überwiegend wahrscheinlich über den
Januar 2008 hinaus und unverändert bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung zu
50 Prozent arbeitsunfähig gewesen.
4.3 Die Beschwerdeführerin hat zwar angegeben, in ihrem Herkunftsland eine
Berufslehre im Metallbau absolviert zu haben. Sie hat jedoch nie in diesem Beruf
gearbeitet. In der Schweiz ist sie durchwegs als Hilfsarbeiterin erwerbstätig gewesen.
Ob ihre berufliche Ausbildung hier anerkannt worden wäre, ist ungewiss, denn
erfahrungsgemäss entspricht die Qualität der Ausbildung im Herkunftsland der
Beschwerdeführerin oft nicht jener einer entsprechenden Ausbildung in der Schweiz.
Nachdem die Beschwerdeführerin allerdings seit Jahren nicht mehr im erlernten Beruf
gearbeitet hat, ist es unwahrscheinlich, dass sie wieder als Berufsfrau hätte arbeiten
und dabei einen entsprechenden durchschnittlichen Lohn erzielen können. Ihre
Erwerbsfähigkeit ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung hätte also jener einer
Hilfsarbeiterin entsprochen, weshalb die Validenkarriere in der Verrichtung von
durchschnittlich entlöhnten Hilfsarbeiten besteht und ihr als Valideneinkommen ein
durchschnittlicher Hilfsarbeiterlohn anzurechnen ist. Durch die
Gesundheitsbeeinträchtigung hat sich das Spektrum der zumutbaren Tätigkeiten
verringert. Auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt, der sich nicht nur durch ein
Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage von Arbeitskräften, sondern auch
durch einen breiten Fächer von verschiedenen Tätigkeiten auszeichnet, existieren aber
nach wie vor diverse zumutbare Hilfsarbeiterstellen. Die Invalidenkarriere besteht also
in der Verrichtung einer leidensadaptierten Hilfsarbeit, womit der Ausgangswert des
zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens dem Valideneinkommen entspricht.
Der Betrag dieser Vergleichsgrössen kann bei der Berechnung des Invaliditätsgrades
mathematisch gar keine Rolle spielen, weshalb der Invaliditätsgrad mittels des so
genannten Prozentvergleichs berechnet werden kann. Er entspricht also dem
Arbeitsunfähigkeitsgrad, allenfalls korrigiert um einen so genannten Abzug vom
Tabellenlohn (vgl. BGE 126 V 75). Mit diesem Abzug vom Tabellenlohn soll der
Tatsache Rechnung getragen werden, dass eine versicherte Person unter Umständen
nicht in der Lage ist, ihre verbliebene Restarbeitsfähigkeit mit einem durchschnittlichen
wirtschaftlichen Erfolg zu verwerten. Hinter dem Tabellenlohnabzug stehen also
dieselben ökonomisch-betriebswirtschaftlichen Überlegungen wie beim Abstellen auf
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einen Tabellenlohn: Entscheidend ist, welchen objektiven betriebswirtschaftlichen
„Wert“ die Arbeit hat, die die versicherte Person noch leisten kann. Ganz offensichtlich
können medizinische Sachverständige keine Antwort auf diese Frage liefern, weshalb
die massgebenden ökonomisch-betriebswirtschaftlichen Aspekte in der
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht enthalten sein können. Der Ausdruck „Leidensabzug“,
der sich in der Praxis nach wie vor hartnäckig hält, muss vor diesem Hintergrund als
irreführend bezeichnet werden, denn er erweckt den Eindruck, es seien nicht
wirtschaftliche, sondern medizinische Aspekte, relevant, was aber eben gerade nicht
der Fall ist. Bei der Beschwerdeführerin ist ein Abzug vom Tabellenlohn gerechtfertigt,
weil aufgrund ihres Krankheitsbildes damit gerechnet werden muss, dass sie der Arbeit
wesentlich häufiger fern bleiben wird als eine gesunde Mitbewerberin, dass sie ihre
Arbeitskraft nicht flexibel einsetzen kann, dass sie nicht in der Lage sein wird,
Überstunden zu leisten und dass sie ihre Arbeitsleistung nicht zuverlässig wird
erbringen können. Die Beschwerdeführerin bewegt sich mit dem ihr medizinisch-
theoretisch zumutbaren Pensum von 50 Prozent am Rande ihrer Kräfte. Sie wird nicht
in der Lage sein, auch nur eine halbe Stunde Überzeit zu leisten, weshalb ihr
potentieller Arbeitgeber bei einem entsprechenden Bedarf dafür eine Ersatzkraft wird
einsetzen müssen, was für ihn entsprechende Kosten zur Folge haben wird. Er wird
auch bei unerwarteten Absenzen oder Arbeitsausfällen für eine Ersatzkraft sorgen
müssen. Weil die Beschwerdeführerin sich dauernd an der Grenze ihrer
Leistungsfähigkeit bewegen wird, ist mit deutlich mehr Absenzen als bei einer
gesunden Mitbewerberin zu rechnen. Die Beschwerdeführerin wird ihre Arbeitsleistung
auch nicht zuverlässig erbringen können. Ihr potentieller Arbeitgeber wird mit einer
erhöhten Fehleranfälligkeit und qualitativ stark schwankenden Arbeitsergebnissen
rechnen müssen, was für ihn ebenfalls mit Zusatzkosten verbunden sein wird. Die
Beschwerdeführerin wird darauf angewiesen sein, ihre Arbeit möglichst monoton zu
verrichten, weshalb sie wohl nicht flexibel wird eingesetzt werden können. Aus diesen
Gründen rechtfertigt sich ein Abzug vom Tabellenlohn von 15 Prozent. Der
Invaliditätsgrad beträgt also 57,5 Prozent (= 1 – 0,5 × 0,85) beziehungsweise 58
Prozent. Gemäss dem Art. 28 Abs. 2 IVG hat die Beschwerdeführerin somit einen
Anspruch auf eine halbe Rente. Da das so genannte Wartejahr im Mai 2003 zu laufen
begonnen hat, ist es im Mai 2004 beendet gewesen. Gemäss der damaligen
Rechtslage ist der Rentenanspruch in diesem Zeitpunkt entstanden. Die Rente hat aber
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nur bis ein Jahr vor der Anmeldung nachbezahlt werden können. Da die Anmeldung im
April 2005 und damit „rechtzeitig“ erfolgt ist, ist der Beschwerdeführerin die halbe
Rente mit Wirkung ab dem 1. Mai 2004 zuzusprechen.
4.4 Eine Befristung der Rente (die faktisch offenbar nach wie vor monatlich
ausbezahlt wird) ist nicht gerechtfertigt, denn im Zeitpunkt des Erlasses der
angefochtenen Verfügung sind die Eingliederungsmassnahmen noch nicht einmal
eingeleitet worden, was bedeutet, dass die Beschwerdeführerin über den 31. Januar
2008 hinaus und mindestens bis zum 27. August 2013 unverändert zu 58 Prozent
invalid gewesen ist. Mangels eines Aufhebungsgrundes im Sinne des Art. 17 Abs. 1
ATSG kommt eine Befristung der Rente per 31. Januar 2008 nicht in Frage. Die
Beschwerdeführerin hat einen Anspruch auf eine unbefristete Rente, die nach dem
Abschluss der medizinischen und der beruflichen Eingliederung unter Umständen zu
revidieren sein wird. Die Beschwerdegegnerin wird nötigenfalls in Anwendung des Art.
21 Abs. 4 ATSG dafür sorgen, dass dies möglichst bald der Fall sein wird.
5. Die Beschwerdeführerin dringt folglich mit ihrem Anliegen, nämlich der
Aufhebung der von ihr als rechtswidrig erachteten Verfügung, durch. Bei diesem
Verfahrensausgang sind die Gerichtskosten, die angesichts des durchschnittlichen
Verfahrensaufwandes auf 600 Franken festzusetzen sind, der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen. Diese hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung
auszurichten. Der Vertretungsaufwand ist als durchschnittlich zu qualifizieren, weshalb
es sich rechtfertigt, die Parteientschädigung praxisgemäss auf 3’500 Franken
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. Die Bewilligung der
unentgeltlichen Prozessführung wird damit obsolet.