Decision ID: 2ccb41bb-d9f7-5487-86a1-94a677571be6
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X., geb. 23. Juli 1988, schloss im Jahre 2008 die Lehre als Apparate- und
Anlagebauerin bei der Z. AG ab. Danach war sie in diesem Unternehmen weiterhin als
Schlosserin/Schweisserin tätig. Per 1. August 2012 übernahm sie eine zusätzliche
Aufgabe in der Lehrlingsausbildung (Berufsbildnerin Anlagen- und Apparatebau), führt
aber weiterhin allgemeine Schlosser- und Schweissarbeiten aus.
Vom 29. Oktober 2011 bis 29. September 2012 absolvierte X. die berufsbegleitende
Handelsschule im ortega-Bildungszentrum, Wil. Sie schloss diese Ausbildung mit dem
Bürofachdiplom (BFD) des Verbandes Schweizerischer Handelsschulen ab. In der
Steuererklärung 2011 deklarierte sie dafür aufgewendete finanzielle Mittel in der Höhe
von Fr. 4'200.-- als abzugsfähige Weiterbildungskosten. Die Steuerbehörde liess den
Abzug nicht zu und veranlagte X. für die Kantons- und Gemeindesteuern 2011 mit
einem steuerbaren Einkommen von Fr. 51'100.-- und ohne Vermögen. Für die direkte
Bundessteuer 2011 wurde sie mit einem Einkommen von Fr. 52'200.-- veranlagt. Die
dagegen erhobenen Einsprachen wies das Kantonale Steueramt mit Einsprache-
Entscheiden vom 6. September 2012 ab. Zur Begründung wurde angeführt, der
absolvierte Lehrgang stehe zweifelsfrei nicht im Zusammenhang mit der gegenwärtigen
Tätigkeit als Anlage- und Apparatebauerin. Sie diene vielmehr dem Aufstieg in eine
vom bisherigen Beruf eindeutig unterscheidbare höhere Berufsstellung oder dem
Umstieg in einen anderen Beruf.
B.- Mit Eingabe vom 3. Oktober 2012 erhob X. bei der Verwaltungsrekurskommission
Rekurs und Beschwerde gegen die Einsprache-Entscheide des Kantonalen
Steueramtes. Sie beantragte sinngemäss, die geltend gemachten Kosten für die
Handelsschule seien als Weiterbildungskosten zum Abzug zuzulassen.
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Die Vorinstanz liess sich mit Eingabe vom 26. November 2012 vernehmen und
beantragte, Rekurs und Beschwerde seien unter Kostenfolge abzuweisen. X. äusserte
sich dazu mit Eingabe vom 29. Dezember 2012. Die Eidgenössische Steuerverwaltung
verzichtete stillschweigend auf eine Vernehmlassung zur Beschwerde.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit erforderlich, in
den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Angefochten sind die Einsprache-Entscheide hinsichtlich der Veranlagungen der
Kantons- und Gemeindesteuern 2011 sowie der direkten Bundessteuer 2011. Zwar
müssen für Rekurs und Beschwerde verschiedene Entscheide ergehen; sie können
indessen in einem einzigen Dokument mit Verweisungen und einem gemeinsamen Dis
positiv, das die beiden Steuern allerdings auseinanderhält, enthalten sein (vgl. BGE 130
II 509 = Pra 2005 Nr. 114 E. 8.3, BGE 135 II 260 = Pra 2010 Nr. 37 E. 1.3.1).
2.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurs- bzw. Beschwerdeerhebung ist gegeben. Rekurs und Beschwerde vom 3.
Oktober 2012 (Postaufgabe 5. Oktober 2012) sind rechtzeitig eingereicht worden. Sie
erfüllen in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 194
Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 140 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer, SR 642.11, abgekürzt: DBG; Art. 7 der
Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h
Ziff. 1 und Art. 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1,
abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs und die Beschwerde ist einzutreten.
3.- Anfechtungsobjekte sind die Einsprache-Entscheide der Vorinstanz vom
6. September 2012. Dabei ist umstritten, ob die im Zusammenhang mit dem Besuch
der Handelsschule angefallenen Kosten von Fr. 4'200.-- in der Steuerveranlagung 2011
zum Abzug zuzulassen sind.
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a) Nach Art. 26 Abs. 1 lit. d DBG bzw. Art. 39 Abs. 1 lit. d StG werden die mit dem
Beruf zusammenhängenden Weiterbildungs- und Umschulungskosten zum Abzug
zugelassen. Die Ausbildungskosten sind jedoch nicht abziehbar (Art. 34 lit. b DBG). Mit
Blick auf Art. 9 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten
Steuern der Kantone und Gemeinden (SR 642.14, abgekürzt: StHG) trifft das kantonale
Steuergesetz folglich dieselbe Unterscheidung wie das Bundesgesetz über die direkte
Bundessteuer (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_28/2011 vom 15. November 2011 E.
5).
Als Weiterbildungskosten sind nach der Rechtsprechung nur Aufwendungen zu
qualifizieren, die im Rahmen des bereits erlernten und ausgeübten Berufs entstehen,
nicht dagegen die Ausbildungskosten für die erstmalige Aufnahme einer Berufstätigkeit
bzw. für einen neuen oder zusätzlichen Beruf. Auslagen für eine Fortbildung, die zum
Aufstieg in eine eindeutig vom bisherigen Beruf zu unterscheidende höhere
Berufsstellung (sog. Berufsaufstiegskosten) oder gar zum Umstieg in einen anderen
Beruf dient, sind keine Weiterbildungskosten im Sinn von Art. 39 Abs. 1 lit. d StG bzw.
Art. 26 Abs. 1 lit. d DBG. Sie werden nicht für eine Weiterbildung im Rahmen des
bereits erlernten und ausgeübten Berufs erbracht, sondern letztlich für eine neue
Ausbildung. Auslagen, die anfallen, um die notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse
zur Ausübung eines eigentlichen Berufs zu erlernen (z.B. Lehre, Handelsschule, Matura,
Studium, Nachdiplomstudien etc.) sind demnach als Ausbildungskosten auch dann
nicht abziehbar, wenn die Fortbildung berufsbegleitend absolviert wird, im Ergebnis
aber dem Aufstieg in eine vom bisherigen Beruf eindeutig unterscheidbare höhere
Berufsstellung dient. Um Berufsaufstiegskosten handelt es sich auch dann, wenn die
absolvierte Ausbildung zu wesentlichen Zusatzkenntnissen mit eigenem Wert führt und
die Berufsaussichten deutlich verbessert, im Gegensatz zu einer blossen Aktualisierung
und Vertiefung vorhandener Kenntnisse (vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts
2C_28/2011 vom 15. November 2011 E. 2.2 mit Hinweisen; ASA 81 S. 324). Die
Weiterbildungsmassnahmen müssen demnach einen konkreten Erwerbsbezug haben.
Es reicht nicht, dass sie für irgendeine Erwerbstätigkeit von Nutzen sein könnten (vgl.
Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. Aufl. 2009, N 64 zu Art.
26 DBG).
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b) Die Vorinstanz erwog, der Abschluss der Handelsschule stehe in keinem
Zusammenhang mit der derzeitigen Tätigkeit der Pflichtigen als Anlage- und
Apparatebauerin, in der sie hauptsächlich Schlosser- und Schweisserarbeiten
ausführe. Der Lehrgang bezwecke zweifelsfrei einen beruflichen Aufstieg oder Umstieg.
Die Pflichtige hält dem entgegen, sie habe die Handelsschule nicht besucht, um einen
neuen Beruf zu erlernen, sondern um die betriebswirtschaftliche bzw. kaufmännische
Seite eines Unternehmens kennenzulernen. Nur mit derartigen Weiterbildungen erhalte
man die Chance, im angestammten Beruf zusätzliche Aufgaben zu übernehmen. Sie
habe weder einen neuen Beruf erlernt, noch habe sie eine andere Stelle erhalten. Die
Ausbildung habe lediglich zu einer Erweiterung ihres Berufsbildes geführt, was
wiederum zu neuen Chancen führen könne. Dabei sei es irrelevant, ob ein
Schweisskurs oder eine Handelsschule absolviert werde. Es gehe lediglich darum, sich
im gelernten Beruf zu etablieren und Offenheit für Neues zu zeigen.
c) Die Pflichtige ist seit dem Abschluss der Lehre bei der Z. AG als Apparate- und
Anlagebauerin tätig. Zwar übernahm sie per 1. August 2012 eine zusätzliche Funktion
als Berufsbildnerin; dies änderte jedoch nichts an ihrer beruflichen Hauptaufgabe.
Gemäss den Angaben ihrer Arbeitgeberin führt sie weiterhin allgemeine Schlosser und
Schweisserarbeiten aus (act. 2/14). Zur Erfüllung dieser Funktion bzw. derjenigen der
Ausbildnerin benötigt die Pflichtige keine speziellen kaufmännischen Kenntnisse.
Verlangt sind vielmehr eine abgeschlossene Berufslehre oder längere praktische
Berufserfahrung als Konstruktions- oder Metallbauschlosser, mehrjährige Erfahrung in
der Verarbeitung von Normstahl und sehr gute Deutschkenntnisse (vgl. act. 2/9:
Funktionsbild "Ausbilder"; act. 2/8: Funktionsprofil "Anlagen- und Apparatebauer").
Die Rekurrentin und Beschwerdeführerin macht geltend, es sei ihr in keiner Weise
darum gegangen, einen neuen Beruf zu erlernen. Sie habe vielmehr die
betriebswirtschaftliche Dimension eines Unternehmens kennenlernen wollen. Dass der
Besuch der Handelsschule diesem Zweck dienen kann, steht ausser Zweifel. Unklar ist
jedoch, wie die Pflichtige dieses Wissen in ihre derzeitige berufliche Tätigkeit
einbringen will; sie macht dazu keine Ausführungen und legt insbesondere nicht dar,
inwieweit das erlernte kaufmännische Wissen ihrer Entwicklung als Apparate- und
Anlagebauerin förderlich sein könnte. Ihrem Hinweis, sie habe die Funktion als
Berufsbildnerin für Lehrlinge aufgrund ihrer Weiterbildung erhalten, stehen die
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Ausführungen ihrer Arbeitgeberin entgegen, wonach die neue Stelle nicht im
Zusammenhang mit der Weiterbildung stehe (act. 2/14). Dass diese ihre Wahl zur
Ausbildnerin jedoch begünstigte, wie in einem späteren Schreiben der Arbeitgeberin
festgehalten wurde (act. 9), ist nachvollziehbar, sind es doch in der Regel Personen mit
überdurchschnittlichem Engagement, die mit derartigen Zusatzaufgaben betraut
werden. Die Z. AG hält in ihrem Schreiben vom 27. September 2012 weiter fest, sie
unterstütze derartige Weiterbildungen, "da so Zusatzaufgaben in der Werkstatt besser
und effizienter erledigt werden könnten". Worin diese "Zusatzaufgaben" bestehen
könnten, wird jedoch weder von der Arbeitgeberin noch von der Pflichtigen dargelegt.
Es wird lediglich festgehalten, die Rolle der Berufsbildnerin umfasse diverse Tätigkeiten
im Büro, für die ein Bürofachdiplom von grossem Nutzen sei. "Exemplarisch" werden
sodann verschiedene Tätigkeiten aufgeführt: Betreuung der Lernenden im System,
Vorbereiten von Ausbildungsmodulen auf dem Computer, Sitzungsvorbereitung,
Bestellwesen inklusive Tabellenkalkulation, Benutzung des Internets, Intranets und von
Outlook. Dazu ist allerdings festzuhalten, dass sich die Pflichtige verschiedene dieser
Fertigkeiten bereits im Rahmen der Berufsausbildung angeeignet habe dürfte. Im
Bildungsplan zur Verordnung des SBFI über die berufliche Grundbildung Anlagen- und
Apparatebauerin/Anlagen- und Apparatebauer mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis
EFZ (SR 412.101.221.89, unter: http://www.sbfi.admin.ch/bvz/grundbildung) sind
jedenfalls unter anderem die Planung von Ausbildungssequenzen (S. 33) und die
Anwendung verschiedener Informatikmittel, wie Tabellenkalkulation und Präsentation
(S. 40) vorgesehen.
Die Ausführungen der Rekurrentin und Beschwerdeführerin lassen darauf schliessen,
dass sie die Handelsschule im Hinblick auf eine künftige Führungsfunktion absolvierte.
Sie bringt in diesem Zusammenhang vor, ihre Arbeitgeberin unterstütze derartige
Weiterbildungen, denn nur so seien Mitarbeiter zu erkennen, die sich in ihrem
angestammten Beruf weiterbilden und zusätzliche Aufgaben und Verantwortung
übernehmen wollten. Soweit eine solche Weiterbildung jedoch nicht die
Weiterentwicklung innerhalb des erlernten Berufs bezweckt bspw. im Zusammenhang
mit der Bedienung zusätzlicher Maschinen und Geräte oder dem Erlernen neuer
Techniken , dient sie in erster Linie dem beruflichen Aufstieg oder dem Wechsel in
eine andere, allenfalls kaufmännische Funktion. Die damit zusammenhängenden
Kosten sind, wie erwähnt, gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung als
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Berufsaufstiegskosten bzw. Ausbildungskosten zu qualifizieren und kommen als
abzugsfähige berufliche Weiterbildungskosten nicht in Betracht.
d) Aufgrund der konkreten beruflichen Situation der Rekurrentin und
Beschwerdeführerin ergibt sich somit, dass die von der Pflichtigen absolvierte
Ausbildung in keinem ausreichenden Zusammenhang mit dem beruflichen Fortkommen
im angestammten Beruf bzw. der Sicherung der aktuellen Stelle steht. Die Vorinstanz
hat die Ausbildungskosten von Fr. 4'200.-- deshalb zu Recht nicht zum Abzug
zugelassen. Rekurs und Beschwerde sind folglich abzuweisen.
4.- Die Rekurrentin und Beschwerdeführern bringt weiter vor, eine Kollegin von ihr habe
die gesamten Kosten für das Bürofachdiplom in Abzug bringen dürfen. Im Sinne einer
rechtsgleichen Behandlung sei der Abzug auch ihr in vollem Umfang zu gewähren.
Mangels weiterer Angaben kann dieser Sachverhalt nicht überprüft werden. Selbst
wenn es aber zuträfe, dass einer Steuerpflichtigen der Abzug unter identischen
Rahmenbedingungen gewährt wurde, kann die Rekurrentin und Beschwerdeführerin für
sich daraus nichts ableiten. Wenn eine Behörde in einem Fall eine vom Gesetz
abweichende Entscheidung getroffen hat, gibt das den Privaten, die sich in der
gleichen Lage befinden, grundsätzlich keinen Anspruch darauf, ebenfalls abweichend
von der Norm behandelt zu werden. Es besteht kein Anspruch auf Gleichbehandlung
im Unrecht (Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl. 2010, N
518 ff.; vgl. anstatt vieler: VerwGE B 2011/20 vom 20. September 2011, unter:
www.gerichte.ch/Verwal-tungsgericht).
5.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der Rekurrentin
und Beschwerdeführerin aufzuerlegen (144 Abs. 1 DBG; Art. 95 Abs. 1 VRP). Da beide
Verfahren in einem Entscheid erledigt werden konnten, ist eine Entscheidgebühr von
Fr. 600.-- angemessen (vgl. Art. 144 Abs. 5 DBG in Verbindung mit Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist zu
verrechnen.