Decision ID: 8310d41c-11fe-4457-9e12-443a3777e062
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1971 geborene X._, Mutter zweier in den Jahren 1995 und 2009 geborener Kinder und Inhaberin eines Fähigkeitsausweises als Malerin, meldete sich am 12. April 2013 (Eingangsdatum)
unter Hinweis auf psychische Probleme bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-
Stelle, zum Bezug von Leistun
gen der Inv
alidenversicherung an (Urk. 7/3
).
Nach getätigten ersten Abklärungen der
erwerblichen und medizinischen Verhältnisse
auferlegte die IV-Stelle der Versicherten am 17. Oktober 2013 eine Schadenminde
rungs
pflicht in dem Sinne, als sie eine mindestens sechsmonatige Alkohol- und Dro
genabstinenz nachzuweisen habe (Urk. 7/25). Im Januar 2014 erklärte Dr. med. Z._, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, welcher die Urinkontrollen nach Wahl der Beschwerdeführerin hätte durchführen sollen (Urk. 7/27), er könne die Notwendigkeit einer solchen Massnahme nicht nach
vollziehen, weshalb er von diesbezüglichen Kontrollen bis auf weiteres absehe (Urk. 7/32). Am 2. Juli 2014 auferlegte die IV-Stelle der Beschwerdeführerin erneut eine Schadenminderungspflicht im Sinne einer sechsmonatigen Absti
nenz (Urk. 7/38). Die an der
Psychiatris
chen Universitätsklinik A._ tätigen Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psy
cho
therapie
, und
Dr. phil. C._
, Psychologin
, erklärten sich am 16. Juli 2014 bereit, monatliche Drogenurinproben zu erheben und auf legale und illegale Drogen testen zu lassen (Urk. 7/43). Am 8. Mai 2015 erstatteten sie einen Be
richt (Urk. 7/48) und am 25. März 2016 legten sie Ergebnisse aus den Labor
unter
suchungen auf (Urk. 7/52). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 25. Mai 2016 [Urk. 7/54]; Einwand vom 23. Juni 2016 [Urk. 7/59] mit Begründung vom 31. August 2016 [Urk. 7/64]) wies die IV-
Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 12. Dezember 2016 ab (Urk. 2 [= Urk. 7/70]).
2.
Dagegen erhob
die Sozialversicherungsfachstelle der Sozialen Dienste der Stadt
Zürich im Namen der Versicherten am 30. Januar 2017 Beschwerde und bean
tragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und der Beschwerdeführerin sei eine ganze Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen; eventuell sei die Beschwerdeführerin zu begutachten. In prozessualer Hinsicht wurde die Gewäh
rung der unentgeltlichen Prozessführung beantragt (Urk. 1). Mit Beschwerde
antwort vom 3. März 2017 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 8. März 2017 angezeigt wurde (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
[
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus
objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psy
chi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krank
heits
wert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu er
zielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar
201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. Novem
ber 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit
auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeits
markt
noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl.
Urteile des Bun
desgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätig
keiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Wei
teren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Für die verlässliche Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes und seiner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind in der Regel psychiatrische Fachärzte beizuziehen (BGE 130 V 352 E. 2.2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februar 2011 E. 4.4.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_880/2015 vom 30. März 2016 E. 4.2.4). Wichtigste Grundlage gutachterlicher Schlussfolgerungen bildet – gegebenenfalls neben standardisierten Tests – die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung (Urteil des Bundesgerichts 8C_47/2016 vom 15. März 2016 E. 3.2.2 mit Hinweis). Bezüglich der Wahl der Untersuchungsmethoden kommt der Expertin oder dem Experten ein weiter Ermessensspielraum zu, und es ist nicht zwingend notwendig, dass fremd
-
anam
nestische Angaben eingeholt oder Zusatzuntersuchungen angeordnet werde
n (Urteile des Bundesgerichts 8C_660/2013 vom 15. Mai 2014 E. 4.2.3, 8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.2 und 9C_275/2014 vom 21. August 2014 E. 3). Rechtsprechungsgemäss gibt es keine verbindliche Mindestdauer für eine psychiatrische Exploration, sondern es wird lediglich verlangt, dass die Exper
tise inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist, wobei der für eine psy
chiatrische Untersuchung zu betreibende zeitliche Aufwand der Fragestellung und der zu beurteilenden Psychopathologie angemessen sein muss (Urteile des Bundesgerichts 8C_660/2013 vom 15. Mai
2014 E. 4.2.3, 8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.2 und 8C_47/2016 vom 15. März 2016 E. 3.2.2).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die IV-Stelle, die Auferlegung einer Scha
denminderungspflicht sei zu Recht erfolgt. Da diese aber nicht erfüllt worden sei, könne der
medizinische Sachverhalt nicht abschliessend geklärt werden (Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte demgegenüber im Wesentlichen vor, es liege bloss ein sekundäres Suchtgeschehen vor. Der noch sporadisch erfolgende Kokain
missbrauch sei ein Versuch, mit der belastenden psychischen Situation klarzukommen und habe keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit, weshalb sich eine Schadenminderungspflicht in Form einer Kokainabstinenz nicht aufdränge (Urk. 1).
3.
3.1
Im Bericht der Psychiatrie D._ – wo die Beschwer
deführerin vom 22. März bis 3. Mai 2013 im Zentrum E._ stationär (Urk. 7/23) und ab dem 14. Mai 2013 im Ambulatorium F._ ambulant behandelt wurde – vom 3. Oktober 2013 wurden die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt (Urk. 7/24/1):
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F61.0), bestehend seit vielen Jahren
-
mit emotional-instabilen,
dependenten
, ängstlich-vermeidenden und paranoiden Anteilen
-
Mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11), anamnestisch bestehend seit Herbst 2012
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden im Bericht genannt:
-
Schädlicher Gebrauch von Kokain (ICD-10: F14.1)
-
Schädlicher Gebrauch von Alkohol (ICD-10: F10.1)
Sodann wurde im Bericht festgehalten, zur Vorgeschichte der Beschwerde
füh
rerin sei wenig bekannt. Die Symptomatik mit
paranoiden Verfolgungs- und Beziehungsideen sowie Impulsdurchbrüchen, starkem sozialem Rückzug sowie übermässigem Alkohol- und intermittierendem Kokainkonsum habe im Oktober 2012 begonnen, nach der Scheidung und dem Verlust des
Obhutsrechts
für die gemeinsame dreijährige Tochter. Bis Ende Januar 2013 habe die Beschwer
de
führerin als Serviceangestellte in einem Restaurant gearbeitet, welches zwischenzeitlich geschlossen worden sei. Im Verlauf der Behandlung habe sich eine kombinierte Persönlichkeitsstörung herauskristallisiert, welche der aktuellen depressiven Symptomatik zugrunde liege. Es sei von einer chronischen Störung im Bereich der Persönlichkeitsstruktur auszugehen, wobei das Krankheitsbild Schwankungen unterliege und derzeit durch eine mittelgradige depressive Epi
sode aggraviert werde. Das Wiedererlangen einer Teilarbeitsfähigkeit sei mittel
fristig möglich und auch wünschenswert, da die Arbeit für die Beschwerde
füh
rerin einen stabilisierenden Faktor darstelle. Aktuell sei die Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht zu 100 % arbeitsunfähig (Urk. 7/24/2 f.).
3.2
Im Bericht vom 23. November 2013 (Urk. 7/28/3-6) hielt Dr. med.
G._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, welcher die Beschwerde
füh
rerin im Auftrag des Krankentaggeldversicherers untersuchte, fest, diag
nos
tisch
liege nach der Vorgeschichte, der Beschwerdeschilderung, dem bisherigen Krank
heitsverlauf und dem aktuellen Befund eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1) vor, die weiterhin floride sei. Ausserdem habe früher ein mul
tip
ler Substanzmissbrauch vorgelegen, der inzwischen sistiert sei. Eine Arbeits
unfähigkeit sei ausgewiesen.
3.3
Dr. Z._ hielt in seiner Stellungnahme vom 24. Januar 2014 (Urk. 7/32)
fest, die Suchtproblematik sei Teil der Grunderkrankung der Beschwerde
füh
rerin
, er halte eine
Abstinenz ohne adäquate Suchttherapie ebenso wenig für sinnvoll wie das Eruieren der eingenommenen Substanzen.
3.4
Im Bericht der A._ vom 8. Mai 2015 (Urk. 7/48), wo die Beschwerdeführerin ab dem 4. März 2014 ambulant behandelt wurde, führten die
Dres
. B._ und C._ die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf:
-
Schizoaffektive Störung (ICD-10: F25.1), gegenwärtig depressiv, Erstmanifestation im Jahr 2012
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F61.0),
bestehend seit vielen Jahren – mit emotional-instabilen,
dependenten
und ängstlich-vermeidenden Anteilen
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden die folgenden genannt:
-
Kleine Raumforderung im
Foramen
Magendie
am ehesten einem
Sube
pendymom
entsprechend (ED Zufallsbefund am 17.6.2013), MRT Ver
laufs
abklärungen halbjährlich
-
Psychische und Verhaltensstörung durch Tabak: Abhängigkeitssyndrom (ICD-10: F17.2)
-
Status nach Psychischer und Verhaltensstörung durch Alkohol: Schäd
licher Gebrauch (ICD-10: F10.1)
-
Status nach Psychischer und Verhaltensstörung durch Heroin: Abhängig
keitssyndrom (ICD-10: F11.2)
Im Bericht wurde sodann festgehalten, die Beschwerdeführerin
leide an einer
lang
jährigen psychiatrischen Erkrankung. Die Suchterkrankungen seien als sek
un
där zu betrachten und hätten
sich auf dem Boden der primär-psychia
trischen Erkrankungen entwickelt.
Die Beschwerdeführerin sei
zusammen mit einer zwei Jahre älteren Schwester in einem Vier-
Generationenhaushal
t auf
gewachsen. Die Eltern hätten viel gearbeitet und die
Beschwerdeführerin
habe viel Zeit bei der Urgrossmutter verbracht. Diese sei
ihre primäre Bindungsperson ge
wesen
,
und es sei für die
Beschwerdeführerin
traumatisch gewesen, als die Grossmutter im 11
. Lebensjahr
der
Beschwerdeführerin
gestorben sei. Der Vater habe nicht viel anfangen können mit seinen Kindern, habe an einer Alkohol
abhängigkeit gelitten und „sei nicht immer der liebste gewesen". Die
Beschwer
de
führerin berichte
, ein schwieriges Kind gewesen zu sein, „eine
Querschlä
gerin
", die oft die Schule geschwänzt und nicht gehorcht habe. Bereits mit 12 Jahren habe sie
zu r
auchen begonnen. Als Jugendliche sei sie oft länger als erlaubt an
Parties
gewesen und sei teilweise auch in Schlägereien verwickelt gewese
n (die
Bor
derline-Persönlichkeitsstruktur
we
rd
e
hierdurch ersichtlich). Nach de
r Schule habe sie eine Malerleh
re abgeschlossen. Aufgrund von Asthma habe sie nicht l
ange auf dem Beruf arbeiten kön
nen. Danach habe sie im Verkauf gearbe
itet. Mit 25
Jahren habe sie geheiratet und sei schwanger geworden. Ihr damaliger Mann habe sie geschlagen und gedemütigt. Aufgrund der bestehenden, ängst
lich-vermeidenden/
dependenten
Persönlichkeitszüge sei
es der
Beschwerdefüh
rerin
nicht möglich
gewesen
, sich alleine von ihrem damaligen Mann zu trennen. Mit Hilfe der Eltern sei
sie
von i
hm losgekommen. Als die (erste) Tochter der Beschwerdeführerin drei
Jahre alt gewesen sei, sei
sie
durch ihren damaligen Freund in eine Heroinabhängigkeit geraten, w
eshalb die Tochter ab da bei ihren
Eltern auf
gewachsen sei
. Über einige Abschnitte in ihrem Leben könne und wolle
sie nicht reden, weshalb
Misshandlungserfahrungen
vermutet würden. Krankheitsbe
dingt
sei
die
Beschwerdeführerin
aber derzeit nicht in der Lage, dies
genauer zu schildern oder aufzu
arbeiten. Weiter
e traumatische Erleb
nisse seien
ein Su
izidversuch des Vaters durch Er
hängen und der kürzlich
erfolgte
Suizid der Grossmutter durch die
Sterbehilfeorganisation
EXIT
gewesen (Urk. 7/48/2)
.
Die
Beschwerdeführerin habe
anfänglich an drei halben Tagen am tagesklinischen Therapieangebot teilgenommen und alle zwei Wochen zusätz
lich einen psychologischen Einzeltermin
wahrgenommen. Leider habe
es
immer wieder längere Einbruchsphasen
gegeben
, in welchen es der
Beschwerdeführerin
aufgrund der Angstsymptomatik und des reduzierten Antrie
bes nicht möglich gewesen sei, in
die Tagesklinik zu kommen
, weshalb sie aktuell nur noch einmal wö
chentlich am tagesklinischen Angebot teiln
ehme
. Die
Beschwerdeführerin
w
erde
zweimal wöchentlich
für 1-2 Stunden
von der Spitex in lebensprak
tischen Belangen wie Einkaufen, Haushaltsverrichtung etc. unterstützt, was von grosser Wichtigkeit für
sie
sei. Nebst der tagesklinischen Behandlung und der Spitex werde
sie zudem
medikamentös behandelt, was die paranoide Sympto
matik stark verbessert, wenn au
ch nicht gänzlich remittiert habe. Aktuell sei die Beschwerdeführerin nicht arbeitsfähig (Urk. 7/48/3 f.).
3.5
Im Bericht der A._ vom 25. März 2016 wurde darauf hingewiesen, dass
aus den
Urinanalysen ersichtlich werde
,
dass
einige der Proben positiv auf Kokain
getestet worden seien. Die Beschwerdeführerin habe dies in den psycho
thera
peu
ti
schen Gespräc
hen offen kommuniziert. Sie gebe
an, dass sie Kokain konsumiere, um "sich stärker und geschützter" zu fühlen
,
und
dass sie
dadurch weniger unter den paranoiden
Gedanken, andere Menschen könnten ihr in den Kopf schauen, und den dadurch ausgelösten Ä
ngs
ten
leide und so das Haus besser verlassen könne.
Die Beschwerdeführerin
leide nach wie vor sta
rk unter den im Bericht vom 30. April 2015 beschriebenen Sympto
men, was dazu führ
e
,
dass sie sehr zurückgezogen lebe
. Obwohl sich die Positivsymptomatik im Rahmen ihrer schweren psychischen Störung (Störung aus dem
schizophrenie
formen
Kreis, ICD-10
:
F.20) und die depressive Symptomatik der Patientin durch die Medikation (
Solian
und
Cipralex
) merklich verbessert h
ätten, leide
sie immer noch unte
r vermindertem Antrieb und Ener
gielosigkeit, was im Rahmen
der Negativsymptomatik der schi
zo
phrenen Erkrankung zu werten sei und dazu führ
e, dass eine regelmässe Tagesklinik
teilnahme nicht mehr möglich sei
.
Die Beschwerdeführerin habe den Kokainkonsum jedoch stark
reduzieren können (früher täglich, aktuell einmal wöchentlich), so dass der aktuelle Konsum keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit habe (Urk. 7/52).
Die am 27. Januar 2016 sowie am 3., 10., 17. und 24. Februar 2016 durchge
führten Urinanalysen (Urk. 7/52/3) ergaben, dass weder Benzodiazepine, Canna
bis, Methadon oder Opiate nachgewiesen werden konnten, dafür aber an drei Tagen Kokain (am 27. Januar sowie am 17. und 24. Februar 2016). Laborwerte zum Alkoholkonsum fehlten.
3.6
Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) hielt in seinen Stellungnahmen fest, zur Definition von Persönlichkeitsstörungen F60 gehöre es,
dass
diese
in der Kind
heit oder
Adoleszenz begä
nnen und bis ins Erwachsenenalter andauer
te
n. Wenn
im Bericht der D._ vom
3.
Oktober 20
13 einerseits eine kombinierte Persönlich
keitsstörung diagnostiziert
, aber andererseits angegeben werde,
zur Vorge
schichte der
Beschwerdeführerin sei
wenig
bekannt, so liege
hier ein Wider
spruch vor
(Stellungnahme vom 1 Juli 2014 [Urk. 7/58/4])
.
Dem Bericht der A._ vom 20. April 2015 sei sodann nicht zu entnehmen, ob die Angabe, die Beschwerdeführerin konsumiere Alkohol so gut wie gar nicht mehr und Kokain nur noch einmal pro Woche, durch objektive Befunde überprüft worden sei. Aus medizinischer Sicht sei nicht abschliessend geklärt, ob es sich um ein primäres Suchtgeschehen handle (Stellungnahme vom 16. November 2015 [Urk. 7/58/5]).
Nach Erhalt der Laborwerte der A._ hielt der RAD sodann fest, es werde kein Beleg erbracht für die Darstellung, dass der
Stimulantienkonsum
ein „sekun
därer, maladaptiver
Copingversuch
“ sei. Die Therapie der A._ stehe sodann in krassem Widerspruch zum
Compendium
, in dem Schizophrenie und Alkohol/ Drogenkonsum als Kontraindikation für Methylphenidat angegeben werde (Urk. 7/58/7]).
4.
4.1
Persönlichkeitsstörungen beginnen immer in der Kindheit oder Jugend und mani
festieren sich auf Dauer im Erwachsenenalter (vgl. die klinisch-diagno
s
tischen Leitlinien der Internatio
nalen Klassifikation psychischer Gesundhei
ts
störungen der Weltgesundheitsorganisa
tion, ICD-10 Kapitel V [F],
Dilling
/
Mom
bour
/
Schmidt [Herausgeber], 10. Auflage, Bern 2015, S. 276 f.).
Angesichts der spärlichen Informationen über die Entwicklung der Beschwerdeführerin im Kindes- und Jugendalter – immerhin vermochte sie eine Malerlehre zu absol
vieren – lässt sich in Übereinstimmung mit dem RAD die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nicht nachvollziehen; schwierige Verhältnisse rechtferti
gen eine solche Diagnose noch nicht. Damit ist auch nicht erstellt, dass es sich bei der Suchterkrankung der Beschwerdeführerin mit überwiegender Wahr
schein
lich
keit um ein sekundäres Geschehen handelt.
Die Frage nach der Wechselwirkung zwischen der Suchterkrankung und der psychischen Erkran
kung
sollte durch eine sechsmonatige Abstinenz geklärt werden, weshalb der Beschwerdeführerin eine Schadenminderungspflicht auferlegt wurde, was nicht zu beanstanden ist.
Im Schreiben der A._ vom 16. Juli 2014 gaben die
Dres
. C._ und B._ bekannt, die Beschwerdeführerin zeige sich sehr motiviert und sei bereit, der ihr am 2. Juli 2014 auferlegten Schadenminderungspflicht mit einer sechsmona
tigen Abstinenz nachzukommen. Gerne würden sie (
Dres
. C._ und B._) sich dazu bereit erklären, ab sofort monatliche Drogenurinproben zu erheben und auf illegale und legale Drogen testen zu lassen (Urk. 7/43). Trotz dieser Ankündigung wurden der Beschwerdegegnerin keine Ergebnisse über Urinana
lysen in der besagten Zeit (Juli/August 2014 bis Dezember 2014/Januar 2015) zugestellt. Die Beschwerdegegnerin musste die A._ zweimal (29. Januar
2015 beziehungsweise 31. März 2015) daran erinnern, den Ende 2014 zugestellten Fragebogen ausgefüllt zurückzusenden (Urk. 7/46 f.). Der in der Folge zuge
sandte Bericht vom 8. Mai 2015 (Urk. 7/48) enthielt aber wiederum keine Angaben über allenfalls durchgeführte Urinanalysen. Zur Nachreichung der Laborbefunde musste die A._ deshalb erneut aufgefordert werden und zwar drei Mal (am 18. November 2015, 28. Dezember 2015 und 4. Februar 2016; Urk. 7/49-51). Dabei fällt auf, dass der Beschwerdegegnerin – entgegen der Ankündigung, es würden monatliche Urinanalysen durchgeführt – lediglich sechs Laborbefunde der Monate Januar und Februar 2016 mitgeteilt wurden und dass dabei keine Alkoholwerte erhoben wurden. Dies legt die Vermutung nahe, dass vor 2016 entweder gar keine Urinanalysen angefertigt oder diese bewusst nicht offengelegt wurden. Damit konnte eine sechsmonatige Drogen- und Alkoholabstinenz aber nicht annähernd belegt werden. Die Aussage im Bericht der A._ vom 25. März 2016 (E. 3.5), die
Beschwerdeführe
rin habe den Kokainkonsum
stark reduzieren können (früher tägli
ch, aktuell einmal wöchent
lich), lässt sich damit nicht überprüfen. Angesichts dessen wirkt die Annahme,
der aktuelle
Kokaink
onsum
habe
keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
, rein spekulativ.
Da eine
sechsmonatige Dr
ogen- und Alkoholabstinenz auch
nicht
nur
annäh
ernd belegt
werden konnte, erweist sich eine Begutachtung nicht als indiziert.
Androhungsgemäss
durfte die Beschwerdeführerin
eine Leistungspflicht verneinen.
4.2
Nach dem Gesagten erweist sich die Beschwerde als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.
5.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 600.-- festzulegen. Gestützt auf die eingereichten Unterlagen (Urk. 3) sind die Voraussetzungen für die unentgelt
liche Rechtspflege gemäss § 16 Abs. 1 und 2 des Gesetzes über
das Sozial
ver
sicheru
ngsgericht (
GSVGer
) gegeben. Der
Beschwerdeführer
in
ist die
unentgelt
liche Prozessführung somit zu gewähren.