Decision ID: 0f776b1e-9d1d-4023-a402-338e1bb45d5c
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Adrian Rufener, Schoch, Auer & Partner,
Marktplatz 4, 9004 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente; Arbeitsvermittlung
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 29. Oktober 2004 für Berufsberatung, Arbeitsvermittlung
und den Bezug einer Rente der Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons
St. Gallen an (IV-act. 1).
A.b Den von der IV-Stelle beigezogenen Akten der SUVA lässt sich im Wesentlichen
folgendes entnehmen: Die Versicherte war am 2. April 2001 auf einen Glassplitter
getreten und hatte sich dabei eine Schnittwunde am rechten Fuss zugezogen (SUVA-
act. 1). Die Wunde wurde im Spital Flawil mit Einzelknopfnähten versorgt; zudem wurde
die Versicherte vorsorglich gegen Wundstarrkrampf geimpft (SUVA-act. 2). Sie konnte
in der Folge die Arbeit am 19. Mai 2001 wieder aufnehmen (SUVA-act. 5). Am
31. Oktober 2001 wurde der SUVA ein Rückfall gemeldet (SUVA-act. 7), nachdem sich
ein störendes Keloid im Bereich der Narbe gebildet hatte (SUVA-act. 8). Am
3. Dezember 2002 wurde dem rechten Fuss ein Neurom entfernt und vom Nervus
suralis links ein Teil entnommen und in den plantaren Nervendefekt rechts implantiert
(SUVA-act. 27). Die Behandlung wurde am 2. April 2003 abgeschlossen; gleichentags
nahm die Versicherte die Arbeit in der Kommissionierung (vgl. IV-act. 14–1 und 14–4)
wieder auf (SUVA-act. 34). Am 16. März 2004 meldete die Versicherte wiederum einen
Rückfall (SUVA-act. 35). Am 16. April 2004 erfolgte eine erneute operative Behandlung
eines weiteren Neuroms im rechten Fuss (SUVA-act. 38). Am 6. Juli 2004 wurde die
Versicherte vom Kreisarzt Dr. med. B._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin,
untersucht. Dieser diagnostizierte ein Chronic Regional Pain Syndrome Grad II (CRPS
II) und attestierte eine volle Arbeitsunfähigkeit für die zuletzt ausgeübte, vorwiegend
stehende und gehende Tätigkeit bei tiefer Betriebstemperatur (SUVA-act. 43). Die Klinik
für Orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen teilte am 5. August 2004 mit,
die Therapien operativer Natur seien ausgeschöpft; auch die Ergotherapie habe keinen
Erfolg gebracht. Die Behandlung werde daher abgeschlossen. Die Versicherte wurde
für die Schmerzsprechstunde angemeldet (SUVA-act. 48).
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A.c Der Hausarzt der Versicherten, Dr. med. C._, Facharzt FMH für
Allgemeinmedizin, erstattete der IV-Stelle am 12. November 2004 einen Arztbericht, in
welchem er ein Neurom in Kontinuität des Nervus plantaris medialis rechts sowie einen
Status nach Neuromverlagerung mit Transplantation des Nervus suralis links
diagnostizierte und eine volle Arbeitsunfähigkeit bis auf Weiteres attestierte (IV-act. 11).
A.d Die Klinik für Orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen erstattete am
15. November 2004 einen Arztbericht. Die Ärzte diagnostizierten Neurombeschwerden
nach Schnittverletzung plantar rechts mit/bei Status nach Neuromexzision und
Transplantation vom Nervus suralis links sowie Status nach Neuromverlagerung und
attestierten eine volle Arbeitsfähigkeit ab 3. Mai 2004 (IV-act. 12).
A.e Die Arbeitgeberin der Versicherten kündigte mit Schreiben vom 25. November
2004 das Arbeitsverhältnis auf den 28. Februar 2005 (IV-act. 14–4 f.).
A.f Nachdem Dr. B._ am 3. Februar 2005 eine Beurteilung bezüglich
Integritätsschaden – 15 % – und Resterwerbsfähigkeit – volle Arbeitsfähigkeit in einer
vorwiegend sitzenden Tätigkeit bei Zimmertemperatur – abgegeben hatte (SUVA-
act. 76 f.), stellte die SUVA die Taggeldleistungen per 28. Februar 2005 ein (SUVA-
act. 80). Mit Verfügung vom 11. Januar 2006 sprach sie der Versicherten sodann bei
einem Invaliditätsgrad von 13 % und einem Integritätsschaden von 15 % eine Rente
und eine Integritätsentschädigung zu (Verfügung bei den SUVA-Akten, nicht
nummeriert). Eine dagegen erhobene Einsprache wurde mit Entscheid vom 21. Juni
2007 abgewiesen (Einspracheentscheid bei den SUVA-Akten, nicht nummeriert).
A.g Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die Medizinische Abklärungsstelle (MEDAS)
Bern am 27. Juli 2006 ein polydisziplinäres Gutachten mit einem psychiatrischen,
neurologischen und orthopädischen Teilgutachten. Darin findet sich von den
Gutachtern diagnostiziert ein Status nach Schnittverletzung mit Nervendurchtrennung
Strahl I metatarsal mit nachfolgender Neurombildung, Neuromverlagerung sowie
Transplantation vom Nervus suralis mit damit einhergehender Hyperpathie und
Hyposensibilität am linken Unterschenkel und am rechten Fuss sowie verminderter
Belastbarkeit des rechten Fusses; sodann eine Schmerzverarbeitungsstörung mit
Symptomausweitung, Selbstlimitierung und Versorgungswünschen (die Kriterien einer
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somatoformen Schmerzstörung seien teilweise erfüllt), diese indessen ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Gesamthaft bestehe keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit für angepasste Tätigkeiten (IV-act. 39).
A.h Am 22. August 2007 sandte die Versicherte der IV-Stelle einen Bericht von
Dr. med. D._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 13. August
2007 zu, in welchem eine rezidivierende depressive Störung, im Zeitpunkt der
Berichterstattung mittelgradige bis schwere Episode mit somatischen Symptomen,
sowie ein Verdacht auf eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert
und eine seit dem 29. Januar 2007 (erste Sprechstunde) bestehende volle
Arbeitsunfähigkeit attestiert wurden (IV-act. 66).
A.i Am 17. Oktober 2007 teilte Dr. D._ der IV-Stelle mit, dass sich der Zustand
zwischenzeitlich nicht wesentlich verändert habe (IV-act. 73).
A.j Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die MEDAS Bern am 21. April 2008 ein
polydisziplinäres Verlaufsgutachten, wiederum mit einem psychiatrischen,
neurologischen und orthopädischen Teilgutachten. Die Gutachter diagnostizierten im
Wesentlichen eine Minderbelastbarkeit des rechten Fusses und eine rezidivierende
depressive Störung mit allenfalls mittelgradiger depressiver Episode. Die
Arbeitsfähigkeit sei aufgrund der inzwischen chronifizierenden Schmerzwahrnehmung
und der im psychopathologischen Befund inzwischen feststellbaren depressiven
Symptomatik um 20 % eingeschränkt (IV-act. 82).
A.k Mit Vorbescheid vom 13. November 2008 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von 20 % die Abweisung des
Rentengesuchs vorgesehen sei (IV-act. 91). Zudem teilte sie mit, dass keine
Arbeitsvermittlung vorgesehen sei (IV-act. 89).
A.l Am 5. Januar 2009 teilte Dr. D._ der IV-Stelle mit, seines Erachtens bestehe
aufgrund der psychischen Probleme eine mindestens 50%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-
act. 96).
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A.m Gegen den Vorbescheid betreffend Rente erhob die Versicherte am 12. Januar
2009 Einwände. Sie machte insbesondere geltend, im vorliegenden Fall sei die
invalidisierende Wirkung der somatoformen Schmerzstörung zu bejahen (IV-act. 95).
A.n Mit Verfügung vom 27. Februar 2009 wies die IV-Stelle das Rentengesuch bei
einem ermittelten Invaliditätsgrad von 20 % ab (IV-act. 98). Gleichentags verfügte die
IV-Stelle, dass keine Arbeitsvermittlung durchgeführt werde (IV-act. 99).
B.
B.a Dagegen erhob die Beschwerdeführerin am 17. April 2009 Beschwerde. Sie
beantragte die Aufhebung der Verfügungen vom 27. Februar 2009 und die Ausrichtung
der gesetzlichen Leistungen. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, dass sich
der Zustand seit der letzten Begutachtung weiter verschlechtert habe und deshalb
ergänzende Abklärungen angezeigt seien, und dass der somatoformen
Schmerzstörung, an der sie leide, invalidisierende Wirkung zukomme (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 19. Mai 2009 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, dem
zweiten Gutachten der MEDAS Ostschweiz komme voller Beweiswert zu. Indessen
würden sich weder die somatoforme Schmerzstörung noch die depressive Störung
invalidisierend auswirken, weshalb der Invaliditätsgrad bei Berücksichtigung eines
10%igen Abzuges vom Tabellenlohn bei 10 % liege (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 7. September 2009 hielt die Beschwerdeführerin an den mit
Beschwerde vom 17. April 2009 gestellten Anträgen fest (act. G 12). Der Replik legte
sie eine Stellungnahme von Dr. D._ vom 22. Juni 2009 bei (act. G 12.1).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 14).

Erwägungen:
1.
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1.1 Was den Anspruch auf Arbeitsvermittlung betrifft, so lässt sich der angefochtenen
Verfügung vom 27. Februar 2009 (IV-act. 99) entnehmen, dass dieser mangels
subjektiver Eingliederungsfähigkeit verneint wurde, was dem Bild gemäss Aktenlage
entspricht und im Übrigen in der Beschwerde nicht substantiiert bestritten wird.
Diesbezüglich ist die Beschwerde ohne Weiteres abzuweisen, zumal es der
Beschwerdeführerin frei steht, sich bei veränderten Verhältnissen (insbesondere bei
subjektiver Arbeitsbereitschaft) diesbezüglich an die Beschwerdegegnerin zu wenden,
und die Beschwerdegegnerin in der Verfügung bereits zugesichert hat, bei geänderten
Verhältnissen Arbeitsvermittlung zu gewähren.
1.2 Streitig und zu prüfen ist hingegen, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch
der Beschwerdeführerin auf eine Rente der Invalidenversicherung zu Recht abgewiesen
hat. Ergäbe sich, dass ein solcher zur Diskussion stünde, wäre aber auch zu prüfen, ob
sie die Pflicht der Beschwerdeführerin zur beruflichen Eingliederung genügend in
Anspruch genommen hat.
2.
2.1 Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. Der
zu beurteilende Sachverhalt beschlägt teilweise den Zeitraum vor Inkrafttreten der
5. IV-Revision. Da sich die Definition der Invalidität und die damit zusammenhängenden
Begriffe mit dieser Revision nicht geändert haben, werden nachfolgend die seit dem
1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen wiedergegeben.
2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG), das heisst der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach ärztlicher Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
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Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG). Bei einem Invaliditätsgrad von
weniger als 40 % besteht kein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung
(Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG).
2.3 Die Feststellung des Gesundheitsschadens, das heisst die Befunderhebung und
die gestützt darauf gestellte Diagnose, aber auch die Prognose und die Ätiologie, die
durch den festgestellten Gesundheitsschaden verursachte Arbeitsunfähigkeit sowie
das noch vorhandene funktionelle Leistungsvermögen oder das Vorhandensein und die
Verfügbarkeit von Ressourcen sind Tatfragen (BGE 132 V 398 E. 3.2), deren
Beantwortung entsprechendes Fachwissen voraussetzt. Im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) hat die IV-Stelle daher in aller Regel
ärztliche Sachverständige zur Beantwortung dieser Fragen beizuziehen (vgl. Art. 43
Abs. 2 ATSG und Art. 69 Abs. 2 und 4 IVV), so etwa jene des IV-internen regionalen
ärztlichen Dienstes (RAD; vgl. Art. 49 Abs. 1 IVV) oder solche einer MEDAS (vgl.
Art. 72 IVV). Aufgabe der IV-Stelle und des Versicherungsgerichts ist es, diese
Tatsachen rechtlich zu würdigen, das heisst zu beurteilen, ob die ärztlichen Aussagen
und Schätzungen die zuverlässige Beurteilung des Leistungsanspruchs erlauben und,
falls dies der Fall ist, gestützt auf diese Feststellungen sowie die Feststellungen zu den
beiden Vergleichseinkommen den Invaliditätsgrad zu bemessen (vgl. BGE 132 V 398 f.
E. 3.2 f.).
3.
3.1 Vorliegend ist aufgrund der medizinischen Unterlagen erstellt, dass sich die
Beschwerden im rechten Fuss und im linken Unterschenkel nach Verletzung und
zweimaliger Operation in medizinischer Hinsicht insofern auf die Erwerbsfähigkeit der
Beschwerdeführerin auswirken, als ihr lediglich noch vorwiegend sitzende Tätigkeiten
bei Zimmertemperatur zugemutet werden können, was auch bedeutet, dass die zuletzt
ausgeübte Tätigkeit, die vorwiegend stehend und gehend bei tiefen
bis
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Betriebstemperaturen verrichtet wurde, nicht mehr zumutbar ist (vgl. SUVA-act. 43 und
76; IV-act. 39 und 82).
3.2 Weiter lässt sich den medizinischen Unterlagen entnehmen, dass psychische
Beschwerden vorliegen, wobei die Ärzte folgende Befunde erhoben: Im Bericht vom
13. August 2007 führte Dr. D._ aus, die Beschwerdeführerin habe in
psychopathologischer Hinsicht leichte bis mittelschwere Konzentrationsstörungen,
formale Denkstörungen (verlangsamtes Denken, eingeengt auf Fussschmerzen und die
eigene Hoffnungslosigkeit), Deprimiertheit, Ängste, allgemeine Unsicherheit,
Antriebslosigkeit und sozialen Rückzug aufgewiesen (IV-act. 66). Die psychiatrische
Konsiliargutachterin der MEDAS Bern führte im Gutachten vom 21. April 2008 aus, die
Beschwerdeführerin habe sauber und ordentlich, jedoch nur mässig gepflegt gewirkt,
die Begrüssung sei zurückhaltend erfolgt, mit ausgesprochen schwachem Händedruck,
der Kontakt sei durchgehend zurückhaltend, kaum tragfähig gewesen. Es seien zudem
vermehrte Selbstbeobachtung und Symptomausgestaltung bei histrionischen Akzenten
aufgefallen. Die Beschwerdeführerin habe weiter wenig konzentriert und nur mässig
aufmerksam gewirkt, der Rapport sei stockend gewesen. Störungen von Merkfähigkeit,
Kurzzeitgedächtnis und Langzeitgedächtnis hätten sich aber nicht gefunden. Die
Beschwerdeführerin habe mit leiser, aphoner, teilweise tränenerstickter Stimme
gesprochen, der formale Gedankengang habe zäh, aber nicht gehemmt gewirkt, mit
inhaltlicher Einengung auf die Schmerzwahrnehmung. Psychomotorisch habe die
Beschwerdeführerin über weite Strecken matt und schwunglos gewirkt, zeitweilig sei
es aber zu einem Wechsel der Psychomotorik gekommen: Die zuvor ausdruckslose,
starre Mimik habe zu einer ausdrucksreichen, lebhaften Gestik und Mimik bei
Darstellung heftiger Schmerzen gewechselt. Die affektive Schwingungsfähigkeit habe
insgesamt eingeengt gewirkt, die Grundstimmung leicht, zum Teil auch mittelgradig
depressiv gedrückt. Die Beschwerdeführerin habe über Inaktivität, Rückzugstendenzen
und traurige Verstimmtheit sowie pessimistische Zukunftssicht berichtet (IV-act. 82). Im
Bericht vom 22. Juni 2009 hielt Dr. D._ schliesslich fest, in der letzten Untersuchung
hätten sich leichte Konzentrations- und Auffassungsstörungen, Gedankeneinengung
auf die negative Zukunftsperspektive, Deprimiertheit, Ängstlichkeit, allgemeine
Unsicherheit, reduzierte affektive Schwingungsfähigkeit, Antriebsstörungen und
verminderte Psychomotorik gezeigt (act. G 12.1). Aufgrund dieser mehrheitlich
übereinstimmenden Befunderhebungen ist zusammenfassend von leichten bis
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mittelschweren Konzentrations- und Auffassungsstörungen, zähem formalem
Gedankengang mit Einengung auf die Schmerzproblematik, Deprimiertheit,
Ängstlichkeit, Unsicherheit, reduzierter affektiver Schwingungsfähigkeit,
Antriebsstörungen und verminderter Psychomotorik sowie anamnestisch von Inaktivität
und Rückzugstendenzen auszugehen.
3.3 Gestützt darauf diagnostizierten sowohl die Gutachter der MEDAS Bern als auch
Dr. D._ eine depressive Störung sowie – verbunden mit der somatisch nicht
objektivierbaren diffusen Schmerzsymptomatik – eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung, was nachvollziehbar ist.
3.4 Die Gutachter der MEDAS Bern hielten beurteilend fest, die Beschwerdeführerin
habe im Rahmen der Untersuchung das Bild einer leichten bis mittelgradigen
depressiven Episode gezeigt. Im Vordergrund stünden jedoch somatoforme,
bewusstseinsnah ausgestaltete Phänomene, gekennzeichnet auch durch deutliche
Diskrepanz zwischen Verhalten, geklagten Beschwerden und objektiven Befunden.
Eine nachhaltige depressive Symptomatik, deretwegen die Beschwerdeführerin unfähig
wäre, innerseelische Hemmungen gegenüber einer Arbeitsleistung zu überwinden,
hätten sich im psychopathologischen Befund nicht gefunden. Auch wenn einzelne
Kriterien für die Annahme einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung sprechen
würden, müsse doch festgestellt werden, dass die aus der somatoformen
Schmerzstörung resultierende Schmerzwahrnehmung die Beschwerdeführerin in ihren
psychischen Grundfunktionen nicht nachhaltig beeinträchtige, und insbesondere die
aktive Willens- und Handlungsfähigkeit erhalten sei (IV-act. 82–18). Begründet durch
die chronifizierende Schmerzwahrnehmung und die im psychopathologischen Befund
feststellbare depressive Symptomatik sei die Leistungsfähigkeit um maximal 20 %
vermindert (IV-act. 82–22).
3.5 Demgegenüber stellte sich Dr. D._ im August 2007 (vor der zweiten
Begutachtung durch die MEDAS Bern) auf den Standpunkt, die depressive Episode sei
mittelgradig bis schwer ausgeprägt, und es bestehe überhaupt keine Arbeitsfähigkeit
(IV-act. 66). Bei unveränderten Befunden und gleicher Diagnose schätzte Dr. D._ die
Arbeitsunfähigkeit im Januar bzw. Juni 2009 auf 50 % (IV-act. 96 und act. G 12.1). Da
gesamthaft davon auszugehen ist, dass Dr. D._ die Einschränkung der
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Arbeitsfähigkeit – zumindest ab Anfang 2009 – auf 50 % schätzt, er dabei auch der
somatoformen Schmerzstörung Rechnung trägt und er im Wesentlichen dieselben
Befunde erhoben hat wie die Gutachter der MEDAS Bern (er weist im Übrigen selbst in
seiner Stellungnahme zum Gutachten der MEDAS Bern nicht auf etwaige zusätzliche
Befunde hin; vgl. IV-act. 96), ist trotz der abweichenden Diagnose kein eigentlicher
Widerspruch zwischen der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. D._ und jener der
Gutachter der MEDAS Bern bezüglich der depressiven Störung zu erblicken.
3.6 Die eigentliche Diskrepanz zwischen der Beurteilung von Dr. D._ und jener der
Gutachter der MEDAS Bern ist mithin in der Beantwortung der Frage nach der
Überwindbarkeit der somatoformen Schmerzstörung zu erblicken. Dr. D._ verneint
die Überwindbarkeit einerseits unter Hinweis auf die depressive Störung als psychische
Komorbidität und andererseits unter Hinweis auf sozialen Rückzug, Scheitern einer
konsequent durchgeführten ambulanten und stationären Behandlung trotz kooperativer
Haltung der Beschwerdeführerin sowie (angedeutet) einen primären Krankheitsgewinn
(IV-act. 96). Diese Auffassung überzeugt aus folgenden Gründen nicht:
3.6.1 Die depressive Störung wird von den Gutachtern der MEDAS Bern als in
Relation zur somatoformen Schmerzstörung im Hintergrund stehend qualifiziert (IV-
act. 82–18), was in Einklang steht mit den übrigen medizinischen Akten und der
Aussage der Beschwerdeführerin, die psychischen Beeinträchtigungen hätten sich im
Zusammenhang mit den anhaltenden Beschwerden eingestellt (IV-act. 82–11). Auch
den Berichten von Dr. D._ lassen sich keine Hinweise darauf entnehmen, dass sich
die depressive Störung nicht als Reaktion auf die anhaltenden Schmerzen entwickelt
hätte. Das Vorliegen einer eigentlichen psychischen Komorbidität in Form einer
eigenständigen depressiven Störung ist daher zu verneinen.
3.6.2 Auch die kooperative Haltung der Beschwerdeführerin im Rahmen der
durchgeführten Behandlung ist zu bezweifeln, nachdem sich einerseits anlässlich der
Medikamentenspiegeluntersuchung im Rahmen der zweiten Begutachtung durch die
MEDAS Bern erhebliche Diskrepanzen zwischen den nachweisbaren Wirkstoffen und
den Aussagen der Beschwerdeführerin zu den regelmässig eingenommenen
Medikamenten ergeben haben (vgl. hiezu den Entscheid I 329/05 des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts vom 10. Februar 2006, E. 4.2.2, mit Hinweisen auf die
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medizinische Literatur) und andererseits bei beiden Begutachtungen durch die MEDAS
Bern teils erhebliche Symptomausweitung, Selbstlimitierung und passive
Versorgungswünsche festgestellt worden sind. Aufgrund letzterer ist auch eher von
einem sekundären als von einem primären Krankheitsgewinn auszugehen.
3.6.3 Andere konkrete Indizien, aufgrund derer die Zuverlässigkeit der
Beurteilung der Gutachter der MEDAS Bern, die somatoforme Schmerzstörung sei
überwindbar, anzuzweifeln wäre, lassen sich den Berichten von Dr. D._ nicht
entnehmen. Es ist deshalb gesamthaft davon auszugehen, dass es der
Beschwerdeführerin medizinisch-theoretisch mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
möglich wäre, in einer angepassten Tätigkeit eine Leistung von mindestens 80 % zu
erbringen.
3.7 Die Einschränkung der Leistungsfähigkeit um maximal 20 % trägt gemäss den
Gutachtern der MEDAS Bern sowohl aus neurologischer als auch aus psychiatrischer
Sicht dem langwierigen, unglücklichen Verlauf mit depressiver Reaktion Rechnung. Die
diesbezüglichen Ausführungen der Gutachter sind nachvollziehbar und überzeugend.
Darauf ist abzustellen.
3.8 Die Beschwerdegegnerin stellt sich auf den Standpunkt, dass die 20%ige
Einschränkung bei der Bemessung des Invaliditätsgrades nicht zu berücksichtigen sei,
weil sie nicht auf einen Gesundheitsschaden im Sinne des Gesetzes zurückzuführen
sei. Dabei geht sie indessen in unzulässiger Weise davon aus, es handle sich bei der
Arbeitsfähigkeitsschätzung bzw. der Beurteilung, ob und welche Ressourcen der
versicherten Person zur Verfügung stehen, um eine Erfahrungstatsache und damit um
eine Rechtsfrage. Es handelt sich dabei aber um Tatfragen, deren Beantwortung
entsprechendes medizinisches Fachwissen, über welches der Jurist nicht verfügt,
voraussetzt. Es wäre auch unzulässig, rein aufgrund der gestellten Diagnosen Schlüsse
auf das Vorhandensein einer relevanten Arbeitsunfähigkeit zu ziehen, denn nicht die
Diagnose führt zur Invalidität (oder eben nicht), sondern die effektiv vorhandenen
Einschränkungen im Einzelfall (vgl. etwa BGE 127 V 298 E. 4c). Da die Gutachter der
MEDAS Bern begründet darlegen, dass die Beschwerdeführerin aufgrund eines
ausgewiesenen versicherten Gesundheitsschadens und unter Berücksichtigung der ihr
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obliegenden Schadenminderungspflicht in ihrer Leistungsfähigkeit um maximal 20 %
eingeschränkt ist, besteht kein Anlass, von dieser Einschätzung abzuweichen.
4.
4.1 Die Beschwerdegegnerin ist zu Recht davon ausgegangen, dass die
Beschwerdeführerin, wäre sie gesund, einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit nachgehen
würde. Ebenfalls zu Recht hat die Beschwerdegegnerin angenommen, der
Ausgangswert zur Ermittlung des Invalideneinkommens entspreche dem
Valideneinkommen.
4.2 Die Beschwerdegegnerin hat in ihrer Beschwerdeantwort bei der Berechnung des
Invaliditätsgrades sodann einen Abzug vom Tabellenlohn im Umfang von 10 %
vorgenommen. Mit diesem Abzug wird der Tatsache Rechnung getragen, dass
gesundheitlich beeinträchtigte Personen vielfach nicht in der Lage sind, die statistisch
auf der Grundlage der Daten gesunder Arbeitnehmer ermittelten Löhne effektiv zu
erreichen (vgl. BGE 126 V 75). Vorliegend ist die von der Beschwerdegegnerin
ermittelte Höhe des Abzuges nicht zu beanstanden.
4.3 Der Invaliditätsgrad beträgt demnach 28 % (= 100 % – 80 % × 90 %). Es besteht
somit kein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung.
5.
5.1 Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1’000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint angemessen. Da die Beschwerdeführerin vollständig unterliegt, hat sie unter
Anrechnung des von ihr geleisteten Kostenvorschusses von Fr. 600.-- diese
Gerichtsgebühr allein zu tragen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP
bis
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