Decision ID: f5d0c14e-6e69-4040-8a7d-627c6ad267ad
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Am 1
2.
November 2018 erhielt die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, vom kantonalen Steueramt die Meldung, wonach
X._
, geboren
1975
,
in den Jahren 2012 bis 2016 ein Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit
versteuert
hatte
(
Urk.
6/6-10). Auf Aufforderung hin (
Urk.
6/17) meldete sich
X._
am 20.
November 2019 (Eingangsdatum)
als
s
elbständigerwerbende
Yogalehrerin
im Ne
ben
beruf
mit Er
werbs
aufnahme
im Jahr 2012
an (
Urk.
6/18
).
Gestützt auf die Steuermeldungen setzte d
ie Ausgleichskasse die persönlichen Beiträge von
X._
aus selbständiger Erwerbs
tätig
keit
mit Beitrags
ver
fügungen vom 2
2.
November 2019
für die
Beitragsj
ahre 2012
bis
und mit
2016
(einschliesslich Verwaltungskosten)
auf Fr.
866.90 (2012; Urk.
6/35), Fr. 553.20 (2013;
Urk.
6/40), Fr. 579.60 (2014;
Urk.
6/31), Fr. 539.20 (2015; Urk. 6/23) und Fr. 521.70 (2016; Urk.
6/33) fest
und
verfügte
auf den Nachforderungen der Jahre 2012 bis 2017
Verzugszinsen (
Urk.
6/30,
Urk.
6/41,
Urk.
6/27,
Urk.
6/34 und Urk.
6/28)
.
Mit Mitteilungen gleichen Datums erhob die Ausgleichskasse gestützt auf Selbst
an
gaben die persönlichen Beiträge als
Selbständigerwerbende
für die Beitragsjahre 2017
bis
2019
akonto
(
Urk.
6/29 [Jahr 2017],
Urk.
6/37 [Jahr 2018],
Urk.
6/38 [Jahr 2019])
.
Auf telefonischen Einwand hin (
Urk.
6/43) zog die Aus
gleichskasse die Verfügung vom 22.
November 2019 betreffend Beitragsperiode 2016 in Wiedererwägung und
stellte fest, dass auf dem gemeldeten beitrags
pflich
ti
gen Einkommen von Fr.
1'800.-- keine Beiträge zu leisten seien (Verfügung vom 2
7.
November 2019,
Urk.
6/44).
Gegen die
V
erfügung
en
vom 2
2
.
November
201
9
erhob
die
Beitrags
pflich
ti
ge mit Eingabe vom
2
7.
No
vem
ber 2019
Einsprache
betreffend die Beitragsperioden 2013 bis und mit 2017 und erbat um Korrektur der Abrechnungen 2017 bis 2019
(Urk. 6/
45
)
. Die
Ausgleichs
kasse hiess die Einsprache mit Verfügung vom
31.
Ja
nuar 2020
teilweise gut im Sinne
einer Beitragsbefreiung für die Jahre 2016 bis 2020 sowie einer Reduktion der persönlichen Beiträge
im Jahr 2015 unter Berück
sichtigung des tiefsten Bei
trags
satzes
. Hinsichtlich der Periode 2013 und 2014 wies sie die Einsprache sinngemäss ab
(Urk. 6/68
= Urk. 2).
2.
Gegen diesen Entscheid erhob
die
Versicherte mit Eingabe vom
3.
Februar 2020
Beschwerde (Urk. 1) und beantragte
sinngemäss
, der angefochtene Entscheid sei
insoweit
aufzuheben
,
als der Mindestbeitrag in den Beitragsjahren 2013 und 2014 nicht durch den prozentualen Einkommensbeitrag
von 5.196
%
ersetzt worden sei.
Die Beschwerdegegnerin
schloss
mit Beschwerdeantwort vom
1
0.
März 2020
auf
Abweisung der Beschwerde (Urk. 5, unter Beilage der Ak
ten [Urk. 6/1-
73
]), was
der
Beschwerdeführer
in
mit Verfügung vom
1
8.
März 2020
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
, in der bis 31. Mai 2020 gültig gewesenen Fassung).
2.
2.1
Gemäss
Art.
3 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenen
versiche
rung
(AHVG) sind die Versicherten beitragspflichtig, solange sie eine Erwerbs
tätigkeit ausüben. Für Nichterwerbstätige beginnt die Beitragspflicht am
1.
Januar nach Vollendung des 2
0.
Altersjahres und dauert bis zum Ende des Monats, in welchem Frauen das 6
4.
und Männer das 6
5.
Altersjahr vollendet haben (
Abs.
1). Bei nichterwerbstätigen Ehegatten von erwerbstätigen Ver
sicherten gelten die eigenen Beiträge als bezahlt, sofern der Ehegatte Beiträge von mindestens der doppelten Höhe des Mindestbeitrages bezahlt hat (
Abs.
3
lit
. a
AHVG
).
2.2
Die Beiträge der erwerbstätigen Versicherten werden in Prozenten des Ein
kom
mens aus unselbständiger und selbständiger Erwerbstätigkeit festgesetzt (
Art.
4
Abs.
1 AHVG).
2.3
Von Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit, dem massgebenden Lohn, wird ein
AHV-
Beitrag von 4,2 Prozent erhoben (
Art.
5
Abs.
1 AHVG)
, zuzüglich der Beiträge an die Invalidenversicherung und Erwerbsersatzordnung
(
Art.
2 und 3 des Bu
ndesgesetzes über die Invalidenver
sicherung [IVG];
Art.
26 und 27 des Bundesgesetzes über den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft [EOG]
)
sowie an die Arbeitslosenversicherung (Art. 5 und 6
des Bundesgesetzes
über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzent
schädigung
[
AVIG
]
)
. Als massgebender Lohn gemäss Art. 5 Abs. 2 AHVG gilt jedes Entgelt für in unselbständiger Stellung auf bestimmte oder unbestimmte Zeit geleistete Arbeit. Die Beiträge vom Einkommen aus unselbständiger Erwerbs
tätigkeit sind bei jeder Lohnzahlung in Abzug zu bringen und vom Arbeitgeber zusammen mit dem Arbeitgeberbeitrag periodisch zu entrichten (
Art.
14
Abs.
1 AHVG).
2.4
2.4.1
Vom Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit werden Beiträge erhoben (
Art.
3 und 8f. AHVG;
Art.
2 und 3 IVG;
Art.
26 und 27 EOG).
Gemäss
Art.
9 Abs.
1 AHVG ist Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit jedes Erwerbs
ein
kommen, das nicht Entgelt für in unselbständiger Stellung geleistete Arbeit darstellt. Es wird ermittelt, indem das rohe Einkommen um die in
Art.
9
Abs.
2
lit
. a bis f AHVG aufgeführten Ab
züge vermindert wird. Der Bundesrat ist befugt, nötigenfalls weitere Abzüge vom rohen Einkommen aus selbständiger Erwerbs
tä
tigkeit zuzulassen (
Art.
9 Abs.
2
AHVG)
.
Ermittelt wird das für die Bemessung der Beiträge massgebende Erwerbs
ein
kommen von den kantonalen Steuerbehörden; dies aufgrund der rechtskräftigen Veranlagung für die direkte Bundessteuer beziehungsweise für das im Betrieb investierte Eigenkapital aufgrund der entsprechenden rechtskräftigen kantonalen Veranlagung unter Berücksichtigung der interkantonalen Repartitionswe
rte (Art.
23
Abs.
1
der Verordnung über die Alters- und
H
interlassenenversicherung
[AHVV]
). Die kantonalen Steuerbehörden übermitteln diese An
ga
ben für jedes Steuerjahr laufend den Ausgleichskassen (
Art.
27
Abs.
2 AHVV).
2.
4
.2
Vom Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit wird ein Beitrag von 7,8
Prozent erhoben. Das Einkommen wird für die Berechnung des Beitrages auf die nächsten 100
.--
Franken abgeru
ndet. Beträgt es weniger als
Fr.
56'
2
00.
--
, aber mindestens
Fr.
9
'
400
.--
im Jahr, so vermindert sich der Beitragssatz nach einer vom Bundesrat aufzustellenden sinkenden Skala b
is auf 4,2 Prozent (
Art.
8 Abs.
1 AHVG in der
vorliegend massgebenden,
vom
1.
Januar 2013
bis 3
1.
Dezember 2014
in Kraft stehen
den Fassung
; vgl. jeweils
Art.
1 der V 13 vom 2
1.
September 2012
und der V 15 vom 1
5.
Oktober 2014
über Anpas
sungen an die Lohn- und Preisentwicklung bei der AHV/IV/EO, in Kraft seit
1.
Januar 2013 [V 13] bzw.
seit
1.
Januar
2015 [V 15]
).
Beträgt das Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit
Fr.
9
'
300
.--
oder weniger im Jahr, so hat der Versicherte den Mindestbeitrag von
Fr.
392
.--
im Jahr zu entrichten, es sei denn, dieser Betrag sei bereits auf seinem mass
ge
ben
den
Lohn entrichtet worden. In diesem Fall kann er verlangen, dass der Bei
trag für die selbständige Erwerbstätigkeit zum untersten Satz der sinkenden Skala erhoben wird (
Art.
8
Abs.
2 AHVG
in der vom
1.
Januar 2013 bis 3
1.
Dezember 2015 gültig gewesenen Fassung
; vgl. auch
Art.
21 AHVV).
Der Mindestbeitrag für Nichterwerbstätige obligatorische Versicherte
an die Invalidenversicherung
ge
mäss
Art.
3
Abs.
1
bis
IVG betrug
in den Jahren
2013/14
Fr.
65.-- und
an die Erwerbs
ersatzordnung
gemäss
Art.
27 Abs.
2 EOG
Fr.
23.-- (vgl.
Art.
6 und Art.
9 der
V 13 vom 2
1.
September 2012 über Anpassungen an die Lohn- und Preis
entwicklung bei der AHV/IV/EO, in Kraft seit
1.
Januar 2013
). Daraus ergibt sich für diese Periode ein AHV/IV/EO-Mindestbeitrag von
Fr.
480.--.
2.4.3
Vom Einkommen aus einer nebenberuflich ausgeübten selbständigen Erwerbs
tätigkeit, das
Fr.
2
'
300
.--
im Kalenderjahr nicht übersteigt, werden die Beiträge nur auf Verlangen des Versicherten erhoben (
Art.
19 AHVV
in Verbindung mit
Art.
14
Abs.
6 AHVG).
3.
3
.1
Im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 3
1.
Januar 2020
(
Urk.
2)
erwog die Be
schwer
de
gegnerin, gemäss dem individuellen Kontoauszug sei der Mindest
bei
trag für die Jahre 2013 und 2014 nicht durch die Anstellung gedeckt, weshalb für diese Jahre keine Anwendung des tiefsten Beitragssatzes möglich sei. Im Jahr 2015 habe sie den Mindestbeitrag über den Arbeitgeber beglichen, das Ein
kom
men werde deshalb zum tiefsten Beitragssatz verfügt. Die Jahre 2016 bis 2020 seien beitragsfrei erfasst worden.
3
.2
Demgegenüber brachte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom 3. Febru
ar 2020 (
Urk.
1) unter anderem vor, ihr Mann habe für die Jahre 2013 und 2014 als Erwerbstätiger mehr als den doppelten Mindestbe
i
trag entrichtet. Sie sei als Nichterwerbstätige zu betrachten, deren Mindestbeitrag vom erwerbstätigen Ehemann bereits geleistet worden sei.
3
.3
In ihrer Beschwerdeantwort vom 1
0.
März 2020 (
Urk.
5) präzisierte die Beschwer
de
gegnerin, in Bezug auf die Beiträge als Nichterwerbstätige gelte die Beschwer
de
führerin tatsächlich als beitragsbefreit, da ihr Ehemann erwerbstätig sei und die Beiträge von mindestens der doppelten Höhe des Mindestbeitrags bezahlt habe. Dies ändere jedoch nichts an der Beitragspflicht als
Selbständigerwerbende
. Auch dass sie die Tätigkeit nebenberuflich ausübe, vermöge daran nichts zu ändern.
4.
4.1
Fest steht und unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin
, verheiratet und Mutter zweier Kinder (vgl.
Urk.
6/2),
als
Yoga
lehrerin ne
ben
beruflich
selb
ständig erwerbend ist (vgl.
Urk.
6/18
).
Das Kantonale Steueramt meldete der Be
schwer
de
gegnerin mit Steuermeldung
en
vom
1
2.
November 2018 (
Urk.
6/7-8) bzw.
4.
Dezember
201
9
(
Urk.
6/47-48)
ein v
on der
Beschwerdeführer
in in den
Jahr
en
201
3 und 2014
aus selb
stän
diger Erwerbstätigkeit erzieltes
Einkommen von Fr.
3
’700
.--
(2013) und Fr. 5'830.-- (2014) bei einem im Betrieb investierten Eigenkapital von
jeweils
Fr.
0.-- (
das mit späterer Meldung vom
4.
Dezember
2019
[
Urk.
6/48] bezifferte
Eigenkapital von
Fr.
393'034.-- scheint offensichtlich ein Versehen
).
Aus den Akten ergibt sich ferner
, dass die Beschwerdeführerin in den Jahren 2013 und 2014 neben ihrer selbständigen Tätigkeit
noch
einer
weiteren Erwerbstätigkeit nachging
. So war sie seit August 2012 an der
Y._
in
Z._
an
ge
stellt. Sie führte Beiträge
auf Erwerbs
ein
kommen aus unselb
ständiger Erwerbs
tätigkeit in der Höhe von
Fr.
3'320.-- (2013) resp. Fr. 3'672.-- (2014) ab
(vgl. IK-Auszug, Urk.
6/73).
4.2
Da das Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin in den Jahren 2013 und 2014 mehr als
Fr.
2'300.-- aber weniger als
Fr.
9'300.-- betrug und sie auf dem massgebenden Lohn (Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit; vgl. E. 2.3 vorstehend)
zusammen mit dem Arbeitgeberbeitrag
den Mindestbeitrag von
Fr.
480
.-- noch nicht
abgeführt
hat (
10,3
%
von Fr.
3'320.-- resp. Fr. 3'672.-- entspricht
Fr.
341.95
resp. Fr.
378
.20), hat die Be
schwerdeführerin gemäss
Art.
8
Abs.
2 AHVG als
Selbständig
erwerben
de
Beiträge
zu entrichten (vgl. E. 2.4.2-2.4.3)
, die entsprechend der Höhe ihres selbständigen Erwerbseinkommens dem Mindestbeitrag entsprechen
. Soweit die Beschwerde
führerin geltend machte, ihr Ehemann habe den doppelten Mi
ndestbeitrag ent
richtet und ihr Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit sei entsprechend zum untersten Satz der sinkenden Skala zu erheben, ist ihr entgegenzuhalten, dass
sie
nicht
als Nichterwerbstätige
gilt und als obligatorisch Versicherte auf sämtlichem Erwerbseinkommen grundsätzlich beitragspflichtig bleibt (vgl. E. 2.1), unabhä
ngig davon, ob ihr
Ehegatte den doppelten Mindestbeitrag bezahlt. Ferner
kommt dem Gesetzeswortlaut nach (vgl. E. 2.4.2)
der unterste Satz der sinkenden Skala nur zur Anwendung, sofern
die Beschwerdeführerin den
Mindestbeitrag auf ihrem mass
ge
ben
den Lohn bereits entrichtet hat, was
in den Beitragsjahre
n
2013 und 2014
nicht der Fall ist. Die in Art. 8
Abs.
2 AHVG genannte Voraussetzung zur Anwendung des untersten Satzes der sinkenden Skala
ist
nicht erfüllt
, auch wenn die Beschwerdeführerin sich hauptberuflich dem Aufgabenbereich Haushalt und Kinderbetreuung
widmet
.
Dieser Umstand kommt nur bei einem Erwerbs
ein
kommen, das
Fr.
2'300.-- nicht übersteigt, zum tragen (vgl. E. 2.4.2).
4.3
Im Übrigen wurde gegen die mit
Einspracheentscheid
vom 3
1.
Januar 2020 bestätigten Beitragsberechnungen und erhobenen Verzugszinsen auf verspätet ab
geführte
n
persönliche
n
Beiträge
n
als
Selbständigerwerbende
(vgl.
Art.
41
bis
Abs.
1
lit
. b AHVV
i.V.m
.
Art.
26 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG])
nichts vorgebracht und erweist sich der angefochtene Entscheid als rechtens. Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.