Decision ID: a12311fe-cc80-53bc-9a19-6e0727e90465
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer stellte am 27. November 2017 ein Asylgesuch in
der Schweiz. Sein Asylverfahren wurde vom SEM im damaligen Verfah-
renszentrum Zürich geführt.
B.
Am 30. November 2017 wurde er zu seiner Person, seinen Papieren und
seinem Reiseweg befragt.
C.
Am 7. Dezember 2017 fand ein sogenanntes «Dublin-Gespräch» statt, in
dessen Rahmen der Beschwerdeführer unter anderem zu seinem Gesund-
heitszustand befragt wurde. Dabei gab er an, er leide an einem gebroche-
nen Arm, weswegen er in seinem Heimatstaat operiert worden sei. Weiter
leide er an Hepatitis B und befinde sich deshalb in der Schweiz in Behand-
lung.
D.
Am 7. und 22. Dezember 2017 reichte der Beschwerdeführer durch seine
damalige Rechtsvertretung zwei ärztliche Kurzberichte vom 6. und 22. De-
zember 2017 zu den Akten.
E.
Am 1. Februar 2018 brachte das SEM dem Beschwerdeführer zur Kennt-
nis, dass das Dublin-Verfahren beendet worden sei, womit das nationale
Asyl- und Wegweisungsverfahren durchgeführt werde.
F.
Am 2. März 2018 führte das SEM mit dem Beschwerdeführer die Erstbe-
fragung zu seinen Gesuchsgründen durch. Am 13. April 2018 fand die ein-
lässliche Anhörung statt.
Im Rahmen der Befragung und der Anhörung brachte der Beschwerdefüh-
rer zu seiner Person und zu seinem persönlichen Hintergrund im Wesent-
lichen vor, dass er aus der Stadt B._ stamme und Angehöriger der
anglophonen Minderheit von Kamerun sei. Er habe Ingenieurswissen-
schaften studiert und vor seiner Ausreise sein eigenes Bauunternehmen
geführt. Zusammen mit anderen politisch Gleichgesinnten habe er in seiner
Umgebung in Kamerun andere Personen über die Wichtigkeit der födera-
len Strukturen aufgeklärt.
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lm September 2016 habe er im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung
für den Bau (...) ein Projekt auf Englisch eingereicht. Der verantwortliche
Subdivisionsoffizier, der zur frankophonen Bevölkerungsmehrheit gehöre,
habe die eingereichten Unterlagen angeschaut und weggeworfen, da er
diese nicht habe verstehen können. Der Beschwerdeführer habe diesen
Offizier darauf aufmerksam gemacht, dass die kamerunische Verfassung
beide Sprachen anerkenne. Daraufhin habe dieser durch einen Sicher-
heitsbeamten, welchem er erzählt habe, der Beschwerdeführer habe ihn
terrorisiert, Polizeibeamte holen lassen. Diese hätten die anderen Anwe-
senden aus dem Zimmer geschickt und ihn, den Beschwerdeführer, ver-
prügelt, unter anderem mit dem Metallteil eines Gürtels. Zudem hätten sie
ihn ins Gesicht geschlagen und seinen rechten Arm gebrochen. Anschlies-
send sei er für zwei Tage inhaftiert worden, worauf er vom Direktor des
Gefängnisses wieder freigelassen und auf der Strasse verletzt liegenge-
lassen worden sei. Ein Motortaxi habe ihn ins Krankenhaus gebracht, wo
seine Wunden genäht worden seien. Auf Rat des dort anwesenden Arztes,
welcher ihn davor gewarnt habe, in jenem Krankenhaus in der Region zu
bleiben, da die Polizeibeamten dorthin kommen könnten, sei er in eine Pri-
vatklinik gebracht worden. Nach ungefähr einem Monat habe er die Klinik
verlassen und sei zu seiner Arbeit zurückgekehrt. Am 1. Oktober 2017 habe
es eine Demonstration gegen die Marginalisierung der englischsprachigen
Minderheit gegeben.
Zwischen dem (...) und (...) sei bei einem Polizeikontrollposten in
B._ eine Bombe explodiert. Bei dieser Explosion seien Polizisten
verletzt worden. Er habe dort in der Nähe eine Baustelle geführt. Am
23. Oktober 2017 sei er von einem seiner Angestellten angerufen und zu
seiner Baustelle gerufen worden. Er sei daraufhin in Richtung seiner Bau-
stelle geeilt. Als er in deren Sichtweite gelangt sei, habe er aus der Distanz
beobachtet, wie die Polizei bzw. das Militär unter Aufsicht des Subdivisi-
onsoffizier die Baustelle durchsucht, seine Angestellten verhaftet und ver-
schiedene Utensilien konfisziert habe. Es seien zudem Schüsse abgefeu-
ert worden und einer seiner Angestellten, der sich der Verhaftung habe ent-
ziehen wollen, sei bei seinem Fluchtversuch angeschossen worden. Er
habe zudem gehört, wie der Subdivisionsoffizier ihn (den Beschwerdefüh-
rer) lautstark als Terroristen bezeichnet habe. Da habe er erkannt, dass er
sich in grosser Gefahr befinde, worauf er noch am Abend des gleichen Ta-
ges aus Kamerun ausgereist sei. Nach seiner Ausreise habe das Militär
seinen Vater aufgesucht und diesem ein Dokument hinterlassen, von wel-
chem er glaube, dass es sich um einen Haftbefehl gegen ihn handle.
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Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer ein Antwort-
schreiben der Schweizer Botschafterin der Sub-Sahara Afrika und Franko-
phonie Division vom 17. November 2017, ein Bericht der Amnesty Interna-
tional vom 13. Oktober 2017, eine Stellungnahme der Europäischen Union
zur Situation der anglophonen Kameruner, diverse Fotos sowie einen Zei-
tungsartikel der Internetseite «cameroon-info.net» vom 11. April 2018 über
verhaftete anglophone Anwälte zu den Akten.
G.
Am 20. März 2018 und 4. April 2018 reichte der Beschwerdeführer zwei
weitere ärztliche Kurzberichte zu den Akten. Am 22. März 2018 reichte er
ausserdem einen ausführlichen Bericht des (...) nach.
H.
Am 20. April 2018 stellte das SEM dem Beschwerdeführer über seinen
Rechtsvertreter den Entwurf eines Asyl- und Wegwegweisungsentschei-
des zu. Dazu reichte der Beschwerdeführer am 23. April 2018 eine Stel-
lungnahme ein, wobei er zur Hauptsache ausführte, dass das Ereignis vom
September 2016 keineswegs das einzige Zusammentreffen mit C._
gewesen sei, sondern er diesem bereits viele Male begegnet sei. Er habe
gegenüber C._ auch schon angedroht, die Anti-Korruptions-Be-
hörde von Kamerun anzurufen, weshalb sich dieser wohl auch bedroht ge-
fühlt habe. Aufgrund der vielen unangenehmen Begegnungen mit diesem
Beamten und insbesondere aufgrund des Vorfalls vom September 2016,
als er wegen einer Kleinigkeit von den Sicherheitskräften von C._
angegriffen und schwer verletzt worden sei, fürchte er sich davor, was die-
ser tun könne, wenn er ihn, den Beschwerdeführer, als Urheber des Bom-
benattentats betrachte. Entgegen den Ausführungen des SEM im Ent-
scheidentwurf bestehe durchaus ein Kausalzusammenhang zwischen dem
Ereignis vom September 2016 und demjenigen vom Oktober 2017 sowie
der darauffolgenden Flucht. Des Weiteren sei das Vorgehen der Regierung
gegenüber von Teilnehmern der anglophonen Proteste nicht rechtsstaat-
lich legitim, und so könne er auch nicht erwarten, dass bei ihm als Verdäch-
tiger eines Bombenattentates ein rechtsstaatlich korrektes Verfahren
durchgeführt werde. Ebenfalls sei der Schusswaffengebrauch gegenüber
unbewaffneten Menschen nicht rechtsstaatlich legitim. Das Gesundheits-
system in Kamerun sei überfordert und von Korruption betroffen. Medika-
mente für an Hepatitis B Erkrankte seien oft nicht erhältlich, insbesondere
nicht in B._, seiner Heimatstadt. Die Ärzte in Kamerun hätten ihm
abgeraten, Medikamente einzunehmen, da diese regelmässig und lebens-
länglich eingenommen werden müssten, solche aber immer wieder nicht
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vorhanden seien. So seien auch sein Bruder und seine Mutter an dieser
Krankheit gestorben, da trotz genügend Geld die nötigen Medikamente
nicht erhältlich gewesen seien.
Mit dieser Eingabe reichte der Beschwerdeführer als neue Beweismittel
zwei Zeitungsartikel betreffend die kamerunische politische Situation, ein
angebliches Schreiben von verhaftete Personen sowie ein Dokument des
kamerunischen Gesundheitsministeriums vom 29. Juli 2016 betreffend Be-
handlungsmöglichkeiten von Hepatitis B zu den Akten.
I.
Mit Verfügung vom 25. April 2018 stellte das SEM fest, der Beschwerde-
führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab
und ordnete die Wegweisung sowie den Wegweisungsvollzug an.
Zur Begründung seines Entscheides führte das SEM zur Hauptsache aus,
die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die
Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG nicht stand. Auf eine Auseinan-
dersetzung mit der Frage der Glaubhaftigkeit der Gesuchsvorbringen ver-
zichtete das SEM dabei weitgehend. Hinsichtlich des Wegweisungsvoll-
zugs führte das SEM aus, dass der Beschwerdeführer ein Beziehungsnetz
in seinem Heimatstaat habe und als Bauingenieur sowohl über Arbeitser-
fahrung im Anstellungsverhältnis als auch als selbständig Erwerbender
verfüge. Die für die Behandlung seiner Hepatitis B benötigten Medika-
mente seien in Kamerun erhältlich; wenn nicht in seiner Heimatstadt, so
jedenfalls an anderen Orten, wohin der Beschwerdeführer reisen könne.
J.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 7. Mai 2018
– handelnd durch seinen Rechtsvertreter – Beschwerde. In seiner Eingabe
beantragte er die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewäh-
rung von Asyl, eventualiter die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme in
der Schweiz sowie die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur
Nachinstruktion und neuer Entscheidung. In prozessualer Hinsicht er-
suchte er um Erlass der Verfahrenskosten, um Befreiung von der Kosten-
vorschusspflicht sowie um Parteikostenentschädigung.
Der Beschwerdeführer brachte in seiner Beschwerde vor, mit der unterblie-
benen Prüfung der Frage nach der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen sei
sein Anspruch auf das rechtliche Gehör verletzt worden. Unter anderem
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sei die Glaubhaftigkeitsprüfung auch unter dem Aspekt des Rückschie-
bungsverbots und der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs von Bedeu-
tung.
Gleichzeitig hielt er an seinen aus dem erstinstanzlichen Verfahren be-
kannten Vorbringen fest. Zusätzlich zum bereits geltend gemachten Sach-
verhalt brachte der Beschwerdeführer neu vor, er habe an Demonstratio-
nen gegen die Staatskräfte und für die anglophone Minderheit teilgenom-
men. Er sei nach dem Vorfall vor seiner Ausreise von den staatlichen Be-
hörden gesucht worden und es sei ein Haftbefehl wegen Terrorismus ge-
gen ihn erlassen worden. Seine Angestellten befänden sich nach wie vor
in Haft. Die Gefahr, welcher er ausgesetzt sei, sei auch im eingereichten
Schreiben eines kamerunischen Rechtsanwaltes ersichtlich. Schliesslich
habe es die Vorinstanz unterlassen, seine Gefährdung unter dem Aspekt
der internationalen von der Schweiz unterzeichneten Abkommen zu prü-
fen.
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer den bereits der Vorinstanz
eingereichte Kurzaustrittsbericht vom 20. März 2018 mitsamt Röntgenbil-
dern, einen Haftbefehl des «High Court of Mezam Division» vom 5. De-
zember 2017 und ein Schreiben einer Anwaltskanzlei aus Kamerun vom
26. April 2018 zu den Akten.
K.
Mit Zwischenverfügung vom 24. Mai 2018 entsprach das Bundesverwal-
tungsgericht dem Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten und um Befrei-
ung von der Kostenvorschusspflicht. Gleichzeitig brachte das Gericht dem
Beschwerdeführer zur Kenntnis, dass aufgrund der Aktenlage eine Mo-
tivsubstitution in Betracht gezogen werde und eine Überprüfung der Vor-
bringen nicht unter dem Gesichtspunkt der asylrechtlichen Relevanz, son-
dern unter demjenigen der Glaubhaftigkeit erfolge. In diesem Zusammen-
hang legte ihm das Gericht die wesentlichen aufgrund einer ersten Glaub-
haftigkeitsprüfung angestellten Überlegungen offen (vgl. dazu ausführlich
unten E. 6.2) und setzte ihm eine Frist, um dazu Stellung zu nehmen.
L.
Am 22. Juni 2018 reichte der Beschwerdeführer eine Stellungnahme zu
den Akten mitsamt dem Original des bereits in Kopie eingereichte Schrei-
ben einer Anwaltskanzlei aus Kamerun vom 26. April 2018 sowie einer wei-
teren Kopie des bereits eingereichten Haftbefehls.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be-
handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM; dabei entschei-
det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was vorlie-
gend nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des
Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (vgl.
Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
1.3 Am 1. März 2019 ist die Änderung des AsylG vom 25. September 2015
abschliessend in Kraft getreten. Im vorliegenden Verfahren gilt indes das
bisherige Recht (vgl. dazu Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur ge-
nannten AsylG-Änderung).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 38 der Verordnung
über die Durchführung von Testphasen zu den Beschleunigungsmassnah-
men im Asylbereich [TestV, SR 142.318.1] i.V.m. Art. 112b Abs. 3 AsylG;
Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-
treten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien eines Verfahrens An-
spruch auf rechtliches Gehör. Dieser Grundsatz wird in den Art. 29ff. VwVG
für das Verwaltungsverfahren konkretisiert. Er dient einerseits der Aufklä-
rung des Sachverhalts, andererseits stellt er ein persönlichkeitsbezogenes
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Mitwirkungsrecht der Partei dar. Der Anspruch auf rechtliches Gehör ver-
langt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen der Betroffenen tat-
sächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung be-
rücksichtigt, was sich entsprechend in der Entscheidbegründung nieder-
schlagen muss.
3.2 Die Begründungspflicht, welche sich ebenfalls aus dem Anspruch auf
rechtliches Gehör ergibt, verlangt, dass die Behörde ihren Entscheid so
begründet, dass die betroffene Person diesen gegebenenfalls sachgerecht
anfechten kann und sich sowohl sie als auch die Rechtsmittelinstanz über
die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können (vgl. LORENZ KNEU-
BÜHLER, in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfah-
ren [VwVG], 2. Aufl. 2018, Art. 35 N. 6ff.; BVGE 2007/30 E. 5.6). Dabei
kann sich die verfügende Behörde auf die wesentlichen Gesichtspunkte
beschränken, hat jedoch wenigstens die Überlegungen kurz anzuführen,
von denen sie sich leiten liess und auf welche sie ihren Entscheid stützt
(BVGE 2008/47 E. 3.2; EMARK 2006 Nr. 24 E. 5.1).
3.3 In seiner Beschwerde bringt der Beschwerdeführer vor, das SEM habe
seine Gefährdung nicht unter dem Aspekt von internationalen Abkommen
(Art. 3 EMRK, Art. 33 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), Art. 7 des Internationalen Pak-
tes über bürgerliche und politische Rechte vom 16. Dezember 1966 [UNO-
Pakt II, SR 0.103.2]) geprüft.
Zwar sind in der angefochtenen Verfügung nicht sämtliche internationalen
und durch die Schweiz unterzeichneten Erlasse, welche bei der Prüfung
des Wegweisungsvollzugs in bestimmten Konstellationen von Bedeutung
sein könnten, namentlich aufgeführt. Jedoch prüfte das SEM den Grund-
satz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG und hielt weiter
fest, dass den Akten keine Anhaltspunkte dafür entnommen werden könn-
ten, dass dem Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Kamerun eine
durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Hinweise,
dass unter dem Gesichtspunkt der Zulässigkeit weitere Bestimmungen ver-
letzt sein könnten, sind den Akten nicht zu entnehmen (vgl. dazu auch wei-
tern unten E. 7.2). Damit hat sich das SEM auf die für die Prüfung des
Wegweisungsvollzugs wesentlichen Aspekte beschränkt und ist dem An-
spruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör und sorgfältige Prü-
fung der Vorbringen nachgekommen. Ein Verfahrensfehler ist in dieser Hin-
sicht nicht zu erkennen und die Rüge des Beschwerdeführers, das SEM
habe seine Gefährdung nicht genügend geprüft, ist abzuweisen.
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3.4 Des Weiteren macht der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit den
Befragungen eine weitere Gehörsverletzung geltend. In seiner Stellung-
nahme zur Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts merkte er
im Zusammenhang mit den ihm vorgehaltenen Ungenauigkeiten betreffend
den Namen und die Person von C._ an, dass er sich nicht genü-
gend auf allfällige Korrekturen habe vorbereiten können. Der Protokollfüh-
rer habe die Befragung vorzeitig verlassen und die Befragerin habe ihm
keine Möglichkeit zur Korrektur geboten. Zudem habe der Dolmetscher je-
weils umgehend angefangen zu übersetzen.
Tatsächlich ist im Protokoll der zweiten Befragung ein Hinweis der Rechts-
vertretung vorhanden, dass der Dolmetscher den Beschwerdeführer öfters
unterbrochen habe und angefangen habe zu übersetzen, bevor letzterer
habe weitersprechen können. Dies habe den Redefluss des Beschwerde-
führers unterbrochen. Zudem habe dem Dolmetscher ab und zu vonseiten
der Rechtsvertretung oder der Befragerin bei der Wortfindung geholfen
werden müssen (A33 S. 7 unten). Darauf reagierte die Befragerin und bat
den Dolmetscher, den Beschwerdeführer ausreden zu lassen beziehungs-
weise ersuchte sie den Beschwerdeführer, Pausen bei seinen Ausführun-
gen zu machen, damit der Dolmetscher Wort für Wort übersetzen könne.
Trotz dieser durch die Befragerin offenbar notwendig gewordenen Inter-
vention sind in den Protokollen keine Hinweise vorhanden, dass der Be-
schwerdeführer bestimmte Angaben hätte korrigieren wollen, aufgrund des
Verhaltens des Dolmetschers jedoch dazu keine Gelegenheit gehabt hätte.
Beiden Befragungsprotokollen ist vielmehr zu entnehmen, dass das Proto-
koll dem Beschwerdeführer jeweils komplett rückübersetzt worden ist mit
der Aufforderung, entsprechende Mitteilung zu machen, falls das Protokoll
nicht mit seinen Angaben übereinstimme (A25 S.10, A33 S. 20). Während
der Beschwerdeführer in der ersten Befragung lediglich eine protokollierte
Jahreszahl korrigierte, machte er in der zweiten Befragung keine Anmer-
kungen zur Rückübersetzung. Nach der Übersetzung unterzeichnete er je-
weils das Protokoll und bestätigte damit die Richtigkeit seiner protokollier-
ten Aussagen. Es blieb dem Beschwerdeführer somit genügend Zeit, allfäl-
lige falsche Angaben oder Ungenauigkeiten zu korrigieren, was er jedoch
– abgesehen von der erwähnten Jahreszahl – unterlassen hatte.
Somit ist den beiden Befragungsprotokollen nichts zu entnehmen, was ge-
gen eine Verwertbarkeit der in den beiden Anhörungen gemachten Anga-
ben sprechen könnte. Insbesondere sind den Protokollen keine Hinweise
zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer nicht in der Lage gewesen
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wäre, seine Asylgründe ausführlich darzutun und allfällige unpräzise Anga-
ben im Nachhinein noch zu korrigieren. Die Befragungsprotokolle sind so-
mit verwertbar und es ist im Nachfolgenden auf den Sachverhalt abzustel-
len, der in den Befragungen protokolliert worden ist.
3.5 Schliesslich ist die Rüge abzuweisen, der Anspruch auf rechtliches Ge-
hör sei dadurch verletzt worden, dass das SEM die Glaubhaftigkeit der
Asylvorbringen nicht geprüft habe. Eine solche Prüfung erübrigte sich an-
gesichts der – im Übrigen ausführlichen und detailliert dargelegten – Be-
gründung, weshalb die Vorbringen des Beschwerdeführers keine Nachteile
im Sinne von Art. 3 AsylG darstellen würden. An diesem Ergebnis hätte
sowohl ein positives als auch ein negatives Resultat einer Glaubhaftigkeits-
prüfung nichts geändert. Somit genügte auch dieses Vorgehen dem An-
spruch an das rechtliche Gehör und der damit verbundenen Pflicht, sämt-
liche Vorbringen sorgfältig und ernsthaft zu prüfen.
3.6 Zusammenfassend erweisen sich die formellen Rügen als unbegrün-
det. Der Antrag, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Sa-
che zur Nachinstruktion und neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück-
zuweisen, ist demnach abzuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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Seite 11
5.
5.1 Da das Bundesverwaltungsgericht an die rechtliche Begründung der
Vorinstanz nicht gebunden ist (Art. 62 Abs. 4 VwVG), kann es eine ange-
fochtene Verfügung im Ergebnis stützen, dieser aber eine andere Begrün-
dung zu Grunde legen (sog. Motivsubstitution). Sollte sich der neue Ent-
scheid auf Rechtsnormen stützen, mit deren Anwendung die Parteien nicht
rechnen mussten, ist ihnen Gelegenheit zu geben, sich vorgängig dazu zu
äussern (ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozes-
sieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, S. 24 Rz. 1.54;
BVGE 2009/61 E. 6.1 S. 856; 2007/41 E. 2 S. 529 f.).
5.2 Die Vorinstanz hielt bezüglich der vom Beschwerdeführer geltend ge-
machten Fluchtgründe insgesamt fest, diese würden den Anforderungen
an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten. Zur
Glaubhaftigkeit der Vorbringen äusserte sich die Vorinstanz hingegen
nicht. Im vorliegenden Fall nimmt das Bundesverwaltungsgericht in diesem
Punkt eine Motivsubstitution im Sinne von E. 5.1 vor und gelangt – wie
nachstehend aufgezeigt wird – zum Schluss, dass der Beschwerdeführer
die vorgebrachte Verfolgung nicht glaubhaft zu machen vermag.
5.3
5.3.1 Der Beschwerdeführer hat sein Asylgesuch im Wesentlichen damit
begründet, dass er in B._ am (...) im Rahmen eines öffentlichen
Ausschreibungsverfahrens für den Bau eines (...) mit dem dafür zuständi-
gen Beamten – welcher "C._" heisse – in Konflikt geraten sei, da
dieser die Annahme seiner englischsprachigen Angebotsunterlagen ver-
weigert habe. Er sei dabei zusammengeschlagen, schwer verletzt und für
einige Zeit inhaftiert worden. Nunmehr sei er unmittelbar von einer Verhaf-
tung bedroht, da ihm seit (...) von "C._" eine persönliche Verwick-
lung in die Bombenanschlagsserie in B._ von (...) angelastet
werde.
Der Beschwerdeführer bezog seine gesamten Asylvorbringen auf eine Per-
son namens C._ und erwähnte dessen Namen im Verlauf der An-
hörungen insgesamt über 20 Mal (vgl. SEM-Akten A25 und A33). Er hat
dabei auch angegeben, diese Person sehr gut zu kennen (vgl. dazu A33
F12, 19 und 37). In diesem Zusammenhang muss sich der Beschwerde-
führer entgegenhalten lassen, dass er zur Person seines angeblichen Wi-
dersachers in sich klar widersprechende Angaben gemacht hat. So hat er
anlässlich der Anhörung vom 2. März 2018 zu "C._" ausgeführt, bei
diesem handle es sich um einen Subdivisionsbeamten, nämlich um den
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Seite 12
Chef der Subdivision B._ (...) (vgl. A25 F50). Demgegenüber hat er
"C._" im Rahmen der Anhörung vom 13. April 2018 eindeutig nicht
als Chef einer Subdivision, sondern als "Senior Division Officer“ (recte: Se-
nior Divisional Officer) bezeichnet (vgl. A33 F4, 5 und 21). Der Beschwer-
deführer stammt aus der (...) (engl.: [...]; frz.: [...]), welche in sechs Bezirke
gegliedert ist (engl.: Divisions; frz.: Départements), darunter der Bezirk
D._ (mit Bezirkshauptort B._). Dieses ist wiederum in sie-
ben Unter-Bezirke gegliedert (engl.: Sub-Divisions; frz.: Arrondissements
und Communes), welche E._, F._, G._, H._,
I._, J._ und K._ heissen. Zum geltend gemachten
Zeitpunkt hiess der höchste Vertreter der zentralstaatlichen Gewalt in der
D._-Division – der Senior Divisional Officer (SDO) – nicht
"C._", sondern vielmehr C._. Bei diesem handelte es sich
zudem um einen vor Ort sehr bekannten Mann, da dieser über sehr weit-
gehende Machtbefugnisse verfügte. So hatte C._ beispielsweise
am 8. November 2015 für 15 Tage eine nächtliche Ausgangssperre über
B._ verhängt, was für grosses Aufsehen gesorgt hatte (vgl. [...]; ab-
gerufen am 30. November 2021. Sein Amt als SDO der D._-Divi-
sion hatte er im Übrigen bereits seit dem 27. April 2016 inne, und er war
zuvor auch nicht Chef der Sub-Division B._ (...), wo der Beschwer-
deführer beim angeblich zuständigen Subdivisionsoffizier ein Angebot für
den Bau eines (...) eingereicht haben will (vgl. A25, F50 [ab S. 7 unten]),
sondern er war zuvor SDO der [...] in der L._ (vgl. [...], abgerufen
am 30. November 2021).
5.3.2 Dem Beschwerdeführer ist mit Blick auf das Vorgenannte vorzuhal-
ten, dass die klaren Widersprüche und Ungereimtheiten bei der Benen-
nung sowohl der Funktion als auch des Namens seines angeblichen Wi-
dersachers ohne weiteres geeignet sind, seinen Sachverhaltsvortrag voll-
ständig zu erschüttern. Hätte er mit diesem Mann tatsächlich jemals von
Angesicht zu Angesicht über einen Bauauftrag im Wert von immerhin 200
bis 250 Millionen CFA (CFA-Francs-BEAC; damals Fr. 333‘000.– bis
456‘000.–) verhandelt, wäre von ihm zu erwarten gewesen, dass er über
dessen Person absolut präzise und in sich schlüssige Angaben hätte ma-
chen können. Darüber hinaus ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer
über die von ihm behauptete Ereignisabfolge zwar sehr wortreich berichtet
hat, sein Bericht jedoch in zentralen Punkte nicht nachvollziehbar lücken-
haft geblieben ist, indem er beispielsweise trotz Nachfrage keine näheren
Angaben zu den Umständen und zur exakten Dauer der angeblich ab dem
26. September 2016 erstandenen Haft gemacht hat. Weiter machte er
auch keinerlei nähere Angaben zu seinen Angestellten, welche angeblich
https://www.henriettethatchers.com/2017/11/sdo-songa-pierre-rene-imposes-curfew-in.html
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am 23. Oktober 2017 an seiner Stelle verhaftet wurden. Schliesslich ist
festzustellen, dass der Beschwerdeführer im Rahmen des erstinstanzli-
chen Verfahrens – welches immerhin fünf Monate gedauert hat – auf wie-
derholte Nachfrage nach Kontaktmöglichkeiten zu seinen Angehörigen
sehr ausweichend reagiert und die Nachreichung stichhaltiger Beweismit-
tel aus seiner Heimat als unmöglich dargestellt hat. Vor diesem Hintergrund
ist die erst im Rahmen mit der Beschwerdeerhebung erfolgte, faktisch kom-
mentarlose Nachreichung von zwei angeblich ausschlaggebenden Be-
weismitteln aus der Heimat – die Kopie eines angeblichen Haftbefehls und
die Kopie eines anwaltlichen Schreibens – geeignet, die bereits bestehen-
den Zweifel an der Glaubhaftigkeit seines Sachverhaltsvortrages eher
noch zu bestärken, als zu entkräften. Den nachgereichten Beweismitteln
ist daher aufgrund der Aktenlage insgesamt keine relevante Beweiskraft
zuzumessen, weshalb das Gericht – im Sinne einer antizipierten Beweis-
würdigung gemäss Art. 33 Abs. 1 VwVG – auf die Ansetzung einer Frist
zum Nachreichen der implizit in Aussicht gestellten Originale verzichtete.
5.3.3 Die vorstehenden Überlegungen wurden dem Beschwerdeführer in
den wesentlichen Grundzügen zur Kenntnis gebracht, worauf er in seiner
Eingabe vom 22. Juni 2018 ausführte, dass es zwar zutreffe, dass
C._ der verantwortliche SDO in der Division «D._» sei, die-
ser jedoch darüber hinaus auch andere Aufgaben wahrnehme, so bei-
spielsweise die Vertretung des für die Division «H._» zuständigen
«Sous-Officier Divisionnaire» in dessen Abwesenheit. Weiter sei er der
Vorgesetzte von allen Subdivisionsbeamten und habe das Recht, dort (in
der Division D._) tätig zu werden. Dass er den Namen nicht exakt
habe benennen können, liege daran, dass er sich «C._» am besten
habe merken können und diese beiden Namensteile der Bevölkerung am
geläufigsten seien.
Diese Vorbringen vermögen die vorstehende Einschätzung des Gerichts
nicht zu erschüttern, da sie nicht annähernd erklären, weshalb der Be-
schwerdeführer in den Anhörungen keine genaueren Angaben über
C._ und dessen Funktion machte. Seine diesbezüglichen Angaben
gingen dabei nicht über das hinaus, was unter der Bevölkerung über die
Person und Vorgehensweise von C._ allgemein bekannt sein dürfte
(A33 F19f., F25, F36f.) Der Beschwerdeführer sprach diesem Mann in den
beiden Anhörungen zudem klar zwei verschiedene Titel zu und erwähnte
dabei weder eine Ersatzfunktion oder Vertretung einer abwesenden Per-
son, noch dass C._ dabei über sein eigenes Zuständigkeitsgebiet
hinaus Aufgaben eines Subdivisionsbeamten wahrgenommen hätte.
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Selbst wenn es zutreffen würde, dass dieser den zuständigen Subdivisi-
onsbeamten tatsächlich vertreten hätte, so vermöchte dieser Umstand
dennoch die fehlende Substanz und die Detailarmut der Schilderungen des
Beschwerdeführers nicht zu erklären.
5.3.4 Das Vorbringen, der Beschwerdeführer sei von einem höheren staat-
lichen Beamten mit Namen C._ verfolgt worden, ist demnach aus
den dargelegten Gründen als unglaubhaft zu erachten.
5.4 Der Beschwerdeführer bringt auf Beschwerdeebene zudem vor, an-
lässlich des Gesprächs betreffend seine Nationalität vom 5. Juni 2018 beim
SEM mit Vertretern seines Landes sei sein Aufenthaltsort an die kameruni-
schen Behörden weitergegeben worden. Aus verlässlichen Quellen in Per-
son eines Armeeangehörigen – den Namen wolle er nicht nennen, da des-
sen militärische Einheit an einem Massaker beteiligt gewesen sei – sowie
von eines Universitätskollegen habe er erfahren, dass die kamerunischen
Behörden seinen Aufenthaltsort nun kennen würden. Aufgrund der Aussa-
gen an diesem Gespräch hätten die kamerunischen Behörden nun einen
Grund mehr, ein Strafverfahren gegen ihn einzuleiten und er sei deswegen
gefährdet.
Aus diesem Vorbringen vermag der Beschwerdeführer angesichts der feh-
lenden glaubhaft gemachten Vorverfolgung keine Gefährdung abzuleiten,
da nicht ersichtlich ist (und auch nicht näher begründet wurde), weshalb
die kamerunischen Behörden ein Interesse haben könnten, den Beschwer-
deführer aufgrund seiner Asylgesuchstellung in der Schweiz zu verfolgen.
5.5 Ebenfalls vermögen schliesslich auch die erst auf Beschwerdeebene
geltend gemachten Demonstrationsteilnahmen des Beschwerdeführers
keine Gefährdung zu begründen. Vielmehr ist dieses unsubstanziierte und
unbelegte Vorbringen angesichts dessen, dass es während des gesamten
vorinstanzlichen Verfahrens nie zur Sprache gekommen ist (der Beschwer-
deführer sprach in der Erstbefragung lediglich davon, es habe eine öffent-
liche Demonstration gegeben, nicht jedoch, dass er selbst daran teilge-
nommen habe; vgl. A25 F51) als nachgeschoben zu erachten. Gestützt
wird diese Annahme dadurch, dass der Beschwerdeführer am Ende der
zweiten Befragung nach seinen politischen Aktivitäten befragt wurde (A33
F103ff.), jedoch auch auf vielfache Nachfrage der Befragerin nicht darzu-
legen vermochte, was diese Tätigkeiten genau gewesen sein sollen und
inwiefern er aufgrund eines angeblichen politischen Engagements kon-
krete Schwierigkeiten mit den kamerunischen Behörden bekommen habe
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(A33 F106, F107 und F110), so dass die entsprechende Befragung
schliesslich ohne konkrete Antworten hat beendet werden müssen (A33
F111).
5.6 Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, Asyl-
gründe im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft zu machen. Das SEM hat sein
Asylgesuch demnach zu Recht abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44; Art. 83
Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2
7.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV,
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Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der
Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung
unterworfen werden.
7.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in seinen
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Des Weiteren ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes
für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im
Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht
als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Weg-
weisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim-
mungen zulässig.
7.3
7.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.3.2 In Kamerun besteht keine Situation allgemeiner Gewalt, die sich über
das ganze Staatsgebiet oder weite Teile desselben erstrecken würde. Eine
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gänzlich unsichere, von bewaffneten Konflikten oder permanent drohen-
den Unruhen dominierte Lage, aufgrund derer der Beschwerdeführer bei
einer Rückkehr unvermeidlich einer konkreten Gefährdung ausgesetzt
wäre, besteht nicht (vgl. Urteil des BVGer D–5414/2019 E. 11.2 [zur Publi-
kation vorgesehen]).
7.3.3 Gründe ausschliesslich medizinischer Natur lassen den Wegwei-
sungsvollzug im Allgemeinen nicht als unzumutbar erscheinen, es sei
denn, die erforderliche Behandlung sei wesentlich und im Heimatland nicht
erhältlich (vgl. BVGE 2011/50 E. 8.3). Entsprechen ferner die Behand-
lungsmöglichkeiten im Herkunftsland nicht dem medizinischen Standard in
der Schweiz, so bewirkt dies allein noch nicht die Unzumutbarkeit des Voll-
zugs. Von dieser ist erst dann auszugehen, wenn die ungenügende Mög-
lichkeit der Weiterbehandlung eine drastische und lebensbedrohende Ver-
schlechterung des Gesundheitszustandes nach sich zieht (vgl. BVGE
2011/50 E. 8.3, BVGE 2009/2 E. 9.3.2).
Gemäss den eingereichten Arztberichten vom 7. und 22. Dezember 2017
(Sachverhalt D) leidet der Beschwerdeführer an chronischer Hepatitis B,
welche mit dem Medikament «Tenofovir» behandelt wird. Weiter wird in
den Berichten über Schmerzen im rechten Unterarm und in der rechten
Hand berichtet, nachdem beim Beschwerdeführer eine Ulnaschaftfraktur
(Bruch der Elle) noch in der Heimat operativ behandelt worden war. Dabei
wurde eine Osteosynthese (Knochenverbindung) mittels endomedullär ein-
gebrachtem Spickdraht vorgenommen. Gemäss den Arztberichten vom
20. März 2018 und 4. April 2018 erfolgte darauf die Entfernung des Osteo-
synthesematerials. Im ausführlichen Bericht des (...) vom 22. März 2018
wird über eine umfassende Untersuchung der Leber des Beschwerdefüh-
rers berichtet, welche nichts Auffälliges erbracht habe, wie auch über eine
tiefe Hepatitis-B-Virenlast bei laufender Behandlung mit Tenofovir.
Für die chronische Hepatitis B sind in Kamerun durchaus Behandlungs-
möglichkeiten vorhanden. Dem gebildeten und finanziell eher begünstigten
Beschwerdeführer dürfte es dabei möglich sein, für die längerfristig benö-
tigte medikamentöse Behandlung dieser Krankheit, sofern diese in seiner
Heimatstadt nicht erhältlich sein sollte, auch in einer anderen Stadt wie
beispielsweise in Yaoundé oder Douala entsprechende Medikamente zu
besorgen. Weiter gilt es zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer –
folgt man seinen Angaben in den Befragungen (A25 F16f.; A33 F85) in ein
familiäres Umfeld sowie in einen Freundeskreis zurückkehren kann, wel-
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che ihm bei der Bewältigung seiner gesundheitlichen Probleme unterstüt-
zend zur Seite stehen können (sechs Geschwister, Vater). Soziale, ihn un-
terstützende Anknüpfungspunkte sind somit erkennbar und die Wohnsitu-
ation vor Ort dürfte in Anbetracht der soliden Berufsbildung und – erfahrung
und den damit verbundenen Erwerbsmöglichkeiten ebenfalls gesichert
sein. Die vorgebrachten gesundheitlichen Beschwerden vermögen dem-
nach nicht gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu spre-
chen, da die von der Rechtsprechung für die Unzumutbarkeit des Vollzugs
geforderte hohe Schwelle der gesundheitlichen Beeinträchtigung aufgrund
der Aktenlage nicht erfüllt ist (vgl. BVGE 2011/9 E. 7, m.H. auf die Praxis
des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]). Nötigenfalls
kann den Bedürfnissen des Beschwerdeführers ferner durch medizinische
Rückkehrhilfe Rechnung getragen werden (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d i.V.m.
Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]).
Der Vollzug der Wegweisung ist somit als zumutbar zu erachten.
7.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dem Beschwerdeführer grund-
sätzlich Kosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihm jedoch mit
Zwischenverfügung vom 24. Mai 2018 die unentgeltliche Rechtspflege im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und gleichzeitig kein Anlass
zur Annahme besteht, seine finanziellen Verhältnisse hätten sich seither
massgeblich geändert, sind ihm keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
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(Dispositiv nächste Seite)
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