Decision ID: f3fe262a-f3ec-5fd8-978c-e5268228a4b7
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 5. Oktober 2016 beim Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) Sargans zur Arbeitsvermittlung an (act. G 5.1.58, 61)
und beantragte ab 1. Oktober 2016 bei der kantonalen Arbeitslosenkasse
Arbeitslosenentschädigung (act. G 5.1.47). Er war vom 15. September 2014 bis 26.
September 2016 für die B._ AG, (nachfolgend: Arbeitgeberin), als Servicetechniker
tätig gewesen. Infolge von Krankheit vom 4. Mai 2016 bis 26. September 2016 wurde
das Arbeitsverhältnis mittels Aufhebungsvereinbarung aufgelöst. Als Entschädigung
zahlte die Arbeitgeberin dem Versicherten "zwei Nettomonatslöhne, inklusive 13.
Monatslohn pro rata temporis (netto)" aus (act. G 5.1.53, 50).
A.b Gemäss Arztbericht von med. pract. C._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie
Psychosomatik, vom 21. Juli 2016 wurde beim Versicherten eine mittelgradige
depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11) vor dem Hintergrund
eines Konfliktes am Arbeitsplatz diagnostiziert (act. G 5.1.42). Mit Zeugnis vom 8.
November 2016 attestierte med. pract. C._ dem Versicherten ab 1. Oktober 2016
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
eine 100%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit für jede für ihn in Frage kommende
Tätigkeit am ersten Arbeitsmarkt (act. G 5.1.40).
A.c Im Rahmen der Verschuldensabklärung führte der Versicherte mit Schreiben vom
12. Dezember 2016 aus, er habe sein Arbeitsverhältnis mittels Aufhebungsvertrag
infolge einer arbeitsplatzbezogenen Krankheit auflösen müssen. Sofern eine Kündigung
erfolgt wäre, hätte er während der Kündigungsfrist arbeiten müssen, wodurch sein
Gesundheitszustand wiederum in Gefahr gestanden hätte. Daher hätten ihm sowohl
seine Ärztin als auch der von der Krankentaggeldversicherung gestellte Vermittler
empfohlen, einen Aufhebungsvertrag in die Wege zu leiten. Vor der Aufhebung des
Arbeitsverhältnisses habe er bereits mit einer Firma in Deutschland in
Vertragsverhandlungen gestanden. Mit dieser könne wahrscheinlich aber erst im
Februar ein Vertrag zustande kommen (act. G 5.1.37).
A.d Mit E-Mail vom 23. Dezember 2016 beantwortete die ehemalige Arbeitgeberin das
Schreiben der Arbeitslosenkasse vom 19. Dezember 2016. Sie teilte ihr einerseits die
geltenden Kündigungsfristen mit und gab andererseits an, dass die Zahlung von Fr.
13‘000.-- als Entschädigung für die Monatslöhne Oktober und November 2016 zu
verstehen sei (act. G 5.1.29).
A.e Am 28. Dezember 2016 verfügte die Arbeitslosenkasse, dass die im Zeitraum vom
1. Oktober bis 30. November 2016 kontrollierten Ausfalltage durch die
Arbeitslosenkasse nicht entschädigt werden könnten. Da die Zahlung der Arbeitgeberin
von Fr. 13‘000.-- als Lohnzahlung für die Monate Oktober 2016 und November 2016 zu
verstehen sei, werde die Rahmenfrist für den Leistungsbezug erst per 1. Dezember
2016 eröffnet (act. G 5.1.28).
A.f Mit Verfügung vom 29. Dezember 2016 stellte die Arbeitslosenkasse den
Versicherten ab 1. Dezember 2016 für 17 Tage in der Anspruchsberechtigung ein. Weil
gemäss Arbeitsvertrag und Anstellungsreglement der ehemaligen Arbeitgeberin die
Kündigungsfrist nach Ablauf des zweiten Dienstjahres drei Monate betrage und die
ordentliche Kündigungsfrist somit bis 31. Dezember 2016 gedauert hätte, habe der
Versicherte auf einen Teil der Kündigungsfrist verzichtet. Nachdem der Versicherte das
Arbeitsverhältnis im gegenseitigen Einvernehmen mit einer Kündigungsfrist von zwei
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
anstatt drei Monaten gekündigt habe, müsse ihm ein mittelschweres Verschulden an
seiner Arbeitslosigkeit angelastet werden. Deshalb seien ihm wegen Nichterfüllung der
Schadenminderungspflicht 17 Einstelltage aufzuerlegen (act. G 5.1.27).
B.
B.a Gegen die beiden Verfügungen vom 28. und 29. Dezember 2016 liess der
Versicherte am 24. Januar 2017 durch Rechtsanwalt lic. iur. J. Jakob, St. Gallen,
Einsprache erheben (act. G 5.1.23) und am 24. Februar 2017 dazu eine Begründung
nachreichen. Der Rechtsvertreter machte geltend, der Versicherte habe infolge stetiger
Konflikte am Arbeitsplatz - bestehend insbesondere aus einer chronischen
Überarbeitung sowie Kommunikationsproblemen mit seinen Vorgesetzten - eine
Erschöpfungsdepression (mittelgradige depressive Episode mit somatischem
Syndrom) erlitten und ab dem 4. Mai 2016 krankheitshalber der Arbeit fernbleiben
müssen. Selbst unter Einhaltung der Kündigungsfrist und Fortsetzung des
Anstellungsverhältnisses bis 31. Dezember 2016 hätte der Versicherte gegenüber
seiner Arbeitgeberin keine Lohnansprüche mehr gehabt. Auf die von ihr geleisteten Fr.
13‘000.-- habe kein Rechtsanspruch bestanden. Entgegen der unzutreffenden
Auskunft der Arbeitgeberin könne es sich deshalb nicht um Lohnzahlungen für die
Monate Oktober und November 2016 gehandelt haben. Vielmehr müsse die besagte
Entschädigung als freiwillige Leistung der Arbeitgeberin im Zusammenhang mit der
Auflösung des Arbeitsverhältnisses qualifiziert werden. Da sie zudem unter dem
Höchstbetrag des versicherten Verdienstes von Fr. 148‘200.-- gelegen habe, sei sie
nach der gesetzlichen Regelung nicht zu berücksichtigen. Somit habe der Versicherte
im Oktober und November 2016 ohne Zweifel einen anrechenbaren Arbeitsausfall
erlitten, weshalb ihm nach Absolvierung der allgemeinen Wartezeit von 10 Tagen auch
für jene Zeitspanne Arbeitslosentaggelder auszurichten seien. Zudem sei auch die
Einstellungsverfügung zu Unrecht ergangen, da dem Versicherten die Unzumutbarkeit
zum weiteren Verbleib am bisherigen Arbeitsplatz ärztlich bescheinigt worden sei. Da
dem Versicherten sowohl dessen Ärztin als auch der Case Manager der
Krankentaggeldversicherung zur Kündigung geraten hätten, sei auf Grund der
arbeitsplatzbezogenen Gesundheitsbeeinträchtigung und der mit der Rückkehr
immanenten Rückfallgefahr ohne Weiteres von der Unzumutbarkeit der Fortsetzung
des angestammten Anstellungsverhältnisses auszugehen. Weil eine effektive
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Wiederaufnahme der Arbeit während der Kündigungsfrist ausgeschlossen gewesen sei,
habe es auch keinen Sinn gemacht, ein Arbeitsverhältnis formell noch drei Monate
fortzuführen. Gemäss Arbeitsvertrag habe nach Ablauf einer viermonatigen
Lohnfortzahlung auch kein Lohnanspruch mehr gegenüber der Arbeitgeberin, sondern
lediglich noch ein Anspruch auf Krankentaggelder bestanden. Damit habe der
Versicherte mit Unterzeichnung des Aufhebungsvertrages nicht auf finanzielle
Ansprüche oder Forderungen gegenüber der Arbeitgeberin verzichtet, und eine
Einstellung in der Anspruchsberechtigung falle nicht in Betracht (act. G 5.1.11).
B.b Mit Einspracheentscheid vom 20. März 2017 wies die Arbeitslosenkasse die
Einsprache gegen die Verfügung vom 28. Dezember 2016 ab. Zur Begründung hielt sie
fest, dass bei Auflösung des Arbeitsverhältnisses unter Einhaltung der ordentlichen
Kündigungsfrist von drei Monaten ein Lohnanspruch bis Ende Dezember 2016
bestanden hätte. Da die Leistungen der Arbeitgeberin den Einkommensverlust bis Ende
November 2016 deckten, erleide der Versicherte bis dahin keinen anrechenbaren
Arbeitsausfall (act. G 5.1.7).
B.c Ebenfalls mit Einspracheentscheid vom 20. März 2017 hiess die Arbeitslosenkasse
die Einsprache gegen die Verfügung vom 29. Dezember 2016 teilweise gut, hob diese
auf und stellte den Versicherten ab 27. September 2016 für 14 Tage in der
Anspruchsberechtigung ein. Zwar könne dem Versicherten auf Grund der
gesundheitlichen Beschwerden betreffend die Kündigung kein Verschulden angelastet
werden. Hingegen habe er die Voraussetzungen einer selbstverschuldeten
Arbeitslosigkeit erfüllt, weil er auf die Weiterführung des Arbeitsverhältnisses bis zum
Ende der ordentlichen Kündigungsfrist verzichtet habe. Nachdem er während
insgesamt 22 Arbeitstagen auf die Weiterarbeit verzichtet habe, werde die Einstelldauer
auf 14 Tage reduziert (66 Prozent von 22 Arbeitstagen, abgerundet; act. G 5.1.6).
C.
C.a Gegen diese beiden Einspracheentscheide richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 26. April 2017 mit den Anträgen auf deren Aufhebung und auf Ausrichtung der
Taggelder nach Absolvierung der allgemeinen Wartezeit von 10 Tagen ab dem 17.
Oktober 2016. Zudem seien die beiden Verfahren betreffend die Einsprachen Nr.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2017/015 und Nr. 2017/043 im vorliegenden Beschwerdeverfahren zu vereinen; unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Die Begründung deckt sich im Wesentlichen mit der
Einsprache gegen die beiden Verfügungen. So hält der Rechtsvertreter
zusammenfassend fest, dass dem Beschwerdeführer weder ein Selbstverschulden
hinsichtlich des Verzichts auf Einhaltung der ordentlichen Kündigungsfrist (bei
gesundheitlich unzumutbarem Arbeitsverhältnis) noch ein Verzicht auf rechtlich
ausgewiesene Forderungen gegenüber der Arbeitgeberin angelastet werden könnten
(act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 12. Juni 2017 beantragt die Beschwerdegegnerin
einerseits die Abweisung der Beschwerde gegen den Einspracheentscheid 2017/043
(betreffend die Ablehnung des Anspruchs auf Arbeitslosentaggelder für den Zeitraum
1.10.2016 bis 30.11.2016) sowie andererseits die teilweise Gutheissung der
Beschwerde gegen den Einspracheentscheid 2017/015 (betreffend die Einstellung in
der Anspruchsberechtigung) insofern, als die Einstelldauer auf sieben Tage zu
reduzieren sei. Zur Begründung verweist die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen auf
die angefochtenen Entscheide. Ausserdem macht sie geltend, dass eine
arbeitsplatzbezogene Arbeitsunfähigkeit ab Oktober 2016 weder belegt noch
überwiegend wahrscheinlich sei. Daher wären die Parteien des Arbeitsverhältnisses bei
vorhandener Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers wieder zur Erbringung ihrer
jeweiligen Vertragsleistungen verpflichtet gewesen. Es sei nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass die Zahlung nicht zur Lösung der vertraglichen
Verpflichtung erfolgt sei. Zudem sei auf Grund der Akten erwiesen, dass Spannungen
vorhanden gewesen seien und dass es für den Beschwerdeführer sicher schwierig
gewesen sei, am Arbeitsplatz zu verbleiben. In diesem Kontext erscheine das
Verschulden an der vorzeitigen Stellenaufgabe nicht sehr schwer und eine Einstellung
von sieben Tagen erscheine angemessen (act. G 5).
C.c Mit Replik vom 14. August 2017 hält der Beschwerdeführer an seinen Anträgen
fest. Im Weiteren führt er aus, der zweite vorliegende Arztbericht datiere vom 8.
November 2016 und damit von einem Zeitpunkt, als der Beschwerdeführer gar keinen
Arbeitsplatz mehr innegehabt habe. Aus diesem Grund habe auch keine
arbeitsplatzbezogene Arbeitsunfähigkeit mehr attestiert werden können (act. G 7).
C.d Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G 9).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Erwägungen
1.
Der Beschwerdeführer beantragt die Vereinigung der Verfahren betreffend die
Einspracheentscheide vom 20. März 2017. Da beiden Verfahren derselbe Sachverhalt
zu Grunde liegt, sich die gleichen Parteien gegenüberstehen und die Streitgegenstände
eng verbunden sind, rechtfertigt es sich, die Verfahren zu vereinigen und in einem
einzigen Urteil zu erledigen.
2.
2.1 Streitig und zu prüfen ist zuerst der Anspruch des Beschwerdeführers auf
Arbeitslosenentschädigung für die Monate Oktober und November 2016 (vgl.
Einspracheentscheid vom 20. März 2017 betreffend die Verfügung vom 28. Dezember
2016, act. G 5.1.7).
2.2 Nach Art. 8 Abs. 1 lit. a und b des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) hat
Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung, wer unter anderem ganz oder teilweise
arbeitslos ist (Art. 10 AVIG) und einen anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten hat (Art. 11
AVIG). Gemäss Art. 11 Abs. 1 AVIG ist der Arbeitsausfall anrechenbar, wenn er einen
Verdienstausfall zur Folge hat und mindestens zwei aufeinander folgende volle
Arbeitstage dauert. Nicht anrechenbar ist ein Arbeitsausfall, für den dem Arbeitslosen
Lohnansprüche oder wegen vorzeitiger Auflösung des Arbeitsverhältnisses
Entschädigungsansprüche zustehen (Abs. 3).
2.3 Der Arbeitsausfall ist überdies solange nicht anrechenbar, als freiwillige Leistungen
des Arbeitgebers den durch die Auflösung des Arbeitsverhältnisses entstehenden
Verdienstausfall decken (Art. 11a Abs. 1 AVIG) und den Höchstbetrag nach Artikel 3
Abs. 2 AVIG übersteigen (Art. 11a Abs. 2 AVIG). Als freiwillige Leistungen des
Arbeitgebers bei der Auflösung des privatrechtlichen oder öffentlich-rechtlichen
Arbeitsverhältnisses gelten sämtliche Leistungen, die nicht Lohn- oder
Entschädigungsansprüche nach Art. 11 Abs. 3 AVIG darstellen (Art. 10a der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung [AVIV; SR 837.02]).
2.4 Bei vorzeitiger Auflösung des Arbeitsverhältnisses im gegenseitigen Einvernehmen
führen sodann gemäss Art. 10h Abs. 1 AVIV über das tatsächliche und rechtliche Ende
des Beschäftigungsverhältnisses hinaus erbrachte Leistungen des Arbeitgebers
ebenfalls zumindest so lange zu einem Ausschluss der Anrechenbarkeit des
Arbeitsausfalls, wie dieses Entgelt den Einkommensverlust bis zum ursprünglich
frühestmöglichen gesetzlichen oder vertraglichen Vertragsende entschädigt (vgl. Art.
10h Abs. 1 AVIV, vgl. auch BGE 141 V 428). Diese Bestimmung drückt die
Doppelfunktion des anrechenbaren Arbeitsausfalls aus, der immer mit einem
Verdienstausfall verbunden sein muss (THOMAS NUSSBAUMER,
Arbeitslosenversicherung, in: SBVR, 3. Aufl. Basel 2016, Rz 172). Übersteigen die
Leistungen des Arbeitgebers betragsmässig den bis zur ordentlichen Beendigung des
Arbeitsverhältnisses geschuldeten Lohn, so sind die Bestimmungen über die
freiwilligen Leistungen nach Art. 11a AVIG anwendbar (Art. 10h Abs. 2 AVIV). Das Seco
hält in der AVIG-Praxis ALE B127 fest, dass bei freiwilligen Leistungen des
Arbeitgebers bei Auflösung des Arbeitsverhältnisses (vgl. Art. 11a AVIG) für die
Berechnung der Dauer des nicht anrechenbaren Arbeitsausfalls der effektiv erzielte
Lohn inkl. Anteil 13. Monatslohn, Gratifikation usw. massgebend sei. Eine analoge
Berechnung erscheint auch hinsichtlich der Anwendung von Art. 10h Abs. 1 AVIV
sinnvoll.
3.
3.1 Vorliegend wurde der Beschwerdeführer gemäss Arbeitsvertrag mit der
Arbeitgeberin vom 28. August 2014 per 15. September 2014 als Servicetechniker
International angestellt. Es wurde ein Bruttolohn von Fr. 6‘500.-- pro Monat sowie ein
13. Monatslohn, der 1/12 des jährlichen Bruttolohnes ohne Zulagen betrage, vereinbart
(act. G 5.1.45). Gemäss dem Anstellungsreglement der Arbeitgeberin galt nach dem 2.
Dienstjahr eine Kündigungsfrist von drei Monaten (act. G 5.1.11 S. 79; G 5.1.29 S. 133).
Nachdem der Beschwerdeführer vom 4. Mai bis 26. September 2016 der Arbeit
krankheitshalber fern geblieben war (act. G 5.1.53), schloss er am 26. September 2016
auf eigenen Wunsch mit der Arbeitgeberin eine Aufhebungsvereinbarung. Darin wurde
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
als Aufhebungszeitpunkt in Abweichung von der geltenden Kündigungsfrist der 26.
September 2016 bestimmt, und es wurde festgehalten, dass dem Beschwerdeführer
bereits der volle Septemberlohn vor dem Aufhebungszeitpunkt überwiesen worden sei.
Auf weitere Lohnzahlungen bestehe nach dem Aufhebungszeitpunkt kein Anspruch
mehr. Weiter wurde die Zahlung einer Entschädigung in Höhe von zwei Monatslöhnen,
inklusive 13. Monatslohn pro rata temporis vereinbart, die dem Beschwerdeführer im
Oktober 2016 überwiesen werde (act. G 5.1.50; G 5.1.38). Gemäss Auskunft der
Arbeitgeberin handelte es sich dabei um eine Entschädigung für die Monatslöhne
Oktober und November 2016 (act. G 5.1.29).
3.2 Wenn auch der Beschwerdeführer bestreitet, dass es sich dabei um eine
Entschädigung für die Monate Oktober und November 2016 handle, steht fest, dass er
das Arbeitsverhältnis vorzeitig aufgelöst hat und ihm die Arbeitgeberin unter dem Titel
„Entschädigung“ zwei Monatslöhne, inklusive 13. Monatslohn pro rata temporis
leistete. Zwar mag er zu Recht geltend machen, dass er bei ordentlicher Kündigung
des Arbeitsverhältnisses und bei weiterhin bestehender arbeitsplatzbezogener
Arbeitsunfähigkeit keinen Lohnanspruch gegenüber der Arbeitgeberin mehr gehabt
hätte, sondern ihm nach Ablauf der viermonatigen Lohnfortzahlungspflicht lediglich
noch ein Taggeld der Krankentaggeldversicherung zugestanden wäre (vgl.
Anstellungsreglement Ziff. 8, act. G 5.1.11 S. 80). Dies ändert jedoch nichts an der
Tatsache, dass sämtliche Tatbestandselemente von Art. 10h Abs. 1 AVIV erfüllt sind,
indem der Beschwerdeführer und die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis vorzeitig und
im gegenseitigen Einvernehmen unter Zusprache einer Entschädigung aufgelöst haben.
Die Entschädigung führt damit so lange zu einem Ausschluss der Anrechenbarkeit des
Arbeitsausfalls, wie dieses Entgelt den Einkommensverlust bis zum Ende der
Kündigungsfrist entschädigt.
3.3 Allerdings macht der Beschwerdeführer zu Recht geltend, dass ihm für die Monate
Oktober und November 2016 von der Arbeitgeberin kein Anteil am 13. Monatslohn
ausbezahlt worden sei, sondern sich dieser Passus gemäss Lohnabrechnung vom 25.
Oktober 2016 offenbar lediglich auf die Monate Januar bis und mit September 2016
bezogen habe (vgl. act. G 5.1.38). Gemäss Lohnabrechnung zahlte die Arbeitgeberin
sowohl eine „Entschädigung gem. Vereinbarung“ von Fr. 13‘000.-- als auch einen 13.
Monatslohn in Höhe von Fr. 4‘875.-- (act. G 5.1.38). Dieser beinhaltet aber lediglich den
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
13. Monatslohn pro rata temporis für die Monate Januar bis September 2016 (Fr.
6‘500.-- : 12 x 9 = Fr. 4‘875.--). Folglich entschädigt das Entgelt der Arbeitgeberin den
Einkommensverlust des Beschwerdeführers nicht für den ganzen November 2016. Für
Oktober 2016 wäre dem Beschwerdeführer nach Arbeitsvertrag zusammen mit dem
Anteil am 13. Monatslohn insgesamt ein Einkommen von brutto Fr. 7‘042.-- (Fr.
6‘500.-- + Fr. 6‘500.--/12) zugestanden. Damit bleibt von der Entschädigung von Fr.
13‘000.-- für den Monat November 2016 der Restbetrag von Fr. 5‘958.-- übrig.
Nachdem der November 2016 22 Arbeitstage zählte, wäre dem Beschwerdeführer für
jeden Arbeitstag bei vollem Lohn Fr. 320.-- zugestanden (Fr. 7‘042.-- : 22 Arbeitstage).
Somit deckte der Restbetrag von Fr. 5‘958.-- lediglich den Einkommensverlust von
aufgerundet 19 Arbeitstagen bzw. bis zum 25. November 2016. Bis zu diesem
Zeitpunkt erlitt der Beschwerdeführer somit keinen anrechenbaren Arbeitsausfall,
weshalb er auch keine Arbeitslosentschädigung beanspruchen kann.
3.4 Zusammenfassend ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf
Arbeitslosentaggelder für den Zeitraum vom 1. Oktober bis 25. November 2016 zu
verneinen.
4.
4.1 Sodann ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer zu Recht für 14 Tage in der
Anspruchsberechtigung eingestellt worden ist (vgl. Einspracheentscheid vom 20. März
2017 betreffend die Verfügung vom 29. Dezember 2016, act. G 5.1.6). Während er
verlangt, dass ganz auf eine Einstellung zu verzichten sei, beantragt die
Beschwerdegegnerin eine Herabsetzung der Einstelltage auf sieben (vgl. act. G 1, G 5).
4.2 Nach Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG ist die versicherte Person in der
Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos
ist. Selbstverschuldet ist die Arbeitslosigkeit namentlich dann, wenn die versicherte
Person das Arbeitsverhältnis von sich aus aufgelöst hat, ohne dass ihr eine andere
Stelle zugesichert war, es sei denn, dass ihr das Verbleiben an der Arbeitsstelle nicht
zugemutet werden konnte (Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV). Im Bereich der freiwilligen
Stellenaufgabe findet demnach das sozialversicherungsrechtliche
Schadenminderungsprinzip seine Grenze bei der Zumutbarkeit.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.3 Im Weiteren ist bei der Prüfung der Frage, ob eine Sanktion wegen Selbstaufgabe
der Stelle im Sinne von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV zulässig ist, das Übereinkommen Nr.
168 der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) über die Beschäftigungsförderung
und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (nachfolgend
Übereinkommen; SR 0.822.726.8) zu beachten, das für die Schweiz am 17. Oktober
1991 in Kraft getreten ist. Nach Art. 20 lit. c des Übereinkommens können Leistungen
der Arbeitslosenversicherung verweigert, zum Ruhen gebracht oder gekürzt werden,
wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person ihre
Beschäftigung freiwillig ("volontairement") ohne triftigen Grund ("sans motif légitime")
aufgegeben hat. Da diese Bestimmung inhaltlich hinreichend bestimmt und klar ist, ist
sie im Einzelfall direkt anwendbar und geht sie den nationalen Bestimmungen über den
Erlass einer Einstellungsverfügung vor (BGE 124 V 236 f. E. 3c). Damit sind bei einer
völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV bzw. bei der
Zumutbarkeitsprüfung die gesamten Umstände der versicherten Person zu
berücksichtigen (BORIS RUBIN, Commentaire de la loi sur l'assurance-chômage, Genf/
Zürich/Basel 2014, N 36 f. zu Art. 30; JACQUELINE CHOPARD, Die Einstellung in der
Anspruchsberechtigung, Diss. Zürich 1998, S. 80). Es kann nicht von einer freiwilligen
Beschäftigungsaufgabe im Sinne des Übereinkommens gesprochen werden, wenn
eine versicherte Person nicht von sich aus, sondern vom Arbeitgeber oder durch die
Entwicklung am Arbeitsplatz zur Kündigung gedrängt wird. Gleiches gilt für den Fall,
dass die versicherte Person für das Verlassen der Stelle legitime Gründe zu nennen
vermag (BGE 124 V 238 E. 4b/aa).
5.
5.1 Im Zeitpunkt der Aufhebung des Arbeitsverhältnisses am 26. September 2015 war
dem Beschwerdeführer keine andere Stelle zugesichert. Einstellungsrechtlich stellt sich
damit die Frage, ob ihm die Beibehaltung der bisherigen Stelle bis zum Finden einer
anderen Beschäftigung zumutbar war.
5.2 Die Unzumutbarkeit einer Fortsetzung des bisherigen Arbeitsverhältnisses ist vor
dem Hintergrund von Art. 16 Abs. 1 AVIG zu beurteilen, wonach grundsätzlich jede
Arbeit zumutbar ist, es sei denn, einer der in Abs. 2 dieser Bestimmung abschliessend
aufgelisteten Ausnahmetatbestände sei erfüllt. Nach der Rechtsprechung des
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Bundesgerichts ist die Zumutbarkeit zum Verbleib am bisherigen Arbeitsplatz strenger
zu beurteilen als die Zumutbarkeit zur Annahme einer neuen Stelle. Ein schlechtes
Arbeitsklima oder Spannungen zwischen der versicherten Person und Arbeitskollegen
oder Vorgesetzten jedenfalls begründen noch keine Unzumutbarkeit. Sie können
allenfalls im Rahmen der Verschuldensbeurteilung Berücksichtigung finden.
Unzumutbarkeit aus gesundheitlichen Gründen (vgl. Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG) muss
nach der Rechtsprechung durch ein eindeutiges ärztliches Zeugnis (oder allenfalls
andere geeignete Beweismittel) belegt sein. Aus Gründen der Rechtssicherheit darf
sich die Arbeitslosenkasse oder das Gericht nicht mit blossen Behauptungen
begnügen, sondern benötigt vielmehr zweckdienliche Beweismittel, die primär die
versicherte Person im Rahmen der ihr obliegenden Mitwirkungspflicht bei der
Abklärung des Sachverhalts beizubringen hat (Urteil des Bundesgerichts vom 27.
November 2013, 8C_742/2013, E 4.1 mit Hinweisen).
5.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er das Arbeitsverhältnis aus
gesundheitlichen Gründen und auf Anraten seiner Ärztin sowie des von der
Krankentaggeldversicherung gestellten Vermittlers vorzeitig durch die
Aufhebungsvereinbarung aufgelöst habe (vgl. act. G 5.1.11 S. 74). Die ihn behandelnde
Psychiaterin C._ hielt in ihrem ausführlichen Bericht an die
Krankentaggeldversicherung vom 21. Juli 2016 fest, der Beschwerdeführer leide an
einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11)
vor dem Hintergrund eines Konfliktes am Arbeitsplatz. Es bestehe eine bereits
monatelang anhaltende chronische Überarbeitung mit Kommunikationsproblemen mit
dem Vorgesetzten. Mehrfache Versuche des Beschwerdeführers zu
Standortgesprächen und Reduktion der nicht mehr zu bewältigenden
Leistungsanforderungen seien erfolglos geblieben. Aktuell sei der Beschwerdeführer in
einer adaptierten Tätigkeit zu 50% arbeitsfähig. Wegen der anhaltenden und bisher
nicht veränderten Arbeitsbedingungen am bisherigen Arbeitsplatz würde die
Gesundheit des Beschwerdeführers zum aktuellen Zeitpunkt jedoch durch eine
Rückkehr an diesen Arbeitsplatz beeinträchtigt (act. G 5.1.42). Mit Zeugnis vom 8.
November 2016 - und damit bereits nach Auflösung des Arbeitsverhältnisses - führte
die behandelnde Psychiaterin aus, dass der Beschwerdeführer ab 1. Oktober 2016 zu
100% arbeits- und leistungsfähig für jede für ihn in Frage kommende Tätigkeit am
ersten Arbeitsmarkt sei (act. G 5.1.40). Gestützt darauf geht der Beschwerdeführer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
davon aus, dass ihm auf Grund der ärztlich bescheinigten arbeitsplatzbezogenen
Arbeitsunfähigkeit kein Verschulden im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG angelastet
werden könne, wenn er auf die Einhaltung der Kündigungsfrist im Zusammenhang mit
einer grundsätzlich unzumutbaren Arbeitsstelle verzichtet habe (act. G 1).
5.4 Die Frage, ob der Beschwerdeführer die Kündigungsfrist von drei Monaten hätte
einhalten können, konnte von med. pract. C._ jedoch nur hinsichtlich der
Zumutbarkeit der weiteren Arbeitsleistungen aus medizinischer Sicht beantwortet
werden, nicht aber hinsichtlich der Zumutbarkeit zur Weiterführung des
Vertragsverhältnisses, was eine rechtliche Fragestellung ist (vgl. Urteile des
Versicherungsgerichts vom 21. Januar 2016, AVI 2015/32, und vom 22. September
2016, AVI 2015/84). Tatsächlich hätte der Beschwerdeführer bei ärztlich attestierter
Arbeitsunfähigkeit auf der Lohnfortzahlungspflicht der Arbeitgeberin im Krankheitsfall
bzw. auf Leistungen durch die Krankentaggeldversicherung bestehen können.
Entsprechend liegen keine Anhaltspunkte vor, wonach dem Beschwerdeführer die
Einhaltung der Kündigungsfrist nicht möglich gewesen wäre, da er bei
Arbeitsunfähigkeit von einer Tätigkeit am Arbeitsplatz hätte befreit werden können.
5.5 Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer zwar die
Beibehaltung der bisherigen Arbeitsstelle aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr
zumutbar war und er somit aus legitimem Grund die Stelle aufgab. Aus
arbeitslosenversicherungsrechtlicher Sicht ist ihm jedoch vorzuwerfen, dass er das
Arbeitsverhältnis auflöste ohne die dreimonatige Kündigungsfrist einzuhalten. Die
vorzeitige Stellenaufgabe bedeutet eine selbstverschuldete Arbeitslosigkeit, weshalb
die Einstellung in der Anspruchsberechtigung zu Recht erfolgt ist.
6.
6.1 Zu prüfen bleibt damit das im angefochtenen Einspracheentscheid angeordnete
Einstellmass von 14 Tagen (act. G 5.1.6).
6.2 Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30
Abs. 3 AVIG) und beträgt gemäss Art. 45 Abs. 3 AVIV 1 bis 15 Tage bei leichtem
Verschulden (lit. a), 16 bis 30 Tage bei mittelschwerem Verschulden (lit. b) und 31 bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
60 Tage bei schwerem Verschulden (lit. c). Ein schweres Verschulden liegt
insbesondere vor, wenn die versicherte Person eine zumutbare Arbeitsstelle ohne
Zusicherung einer neuen Arbeitsstelle aufgegeben hat (Art. 45 Abs. 4 lit. a AVIV). In
dem vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) herausgegebenen Einstellraster bei
selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit (AVIG-Praxis ALE, Rz D75) wird bei einem
Lohnausfall von bis zu einem Monat von leichtem Verschulden ausgegangen, wenn die
versicherte Person über ein Arztzeugnis verfügt und ihren Arbeitsvertrag ohne
Einhaltung der Kündigungsfrist kündigt. Bei einem Lohnausfall von bis zu zwei Monaten
geht das Seco grundsätzlich von mittelschwerem Verschulden aus.
6.3 Vorliegend wäre das Arbeitsverhältnis ordentlich erst per 31. Dezember 2016
kündbar gewesen und der Beschwerdeführer hätte bis dahin - bei weiterhin attestierter
arbeitsplatzbezogener Arbeitsunfähigkeit - Anspruch auf Krankentaggelder gehabt.
Nachdem er durch die Aufhebungsvereinbarung auf Leistungen von nur wenig mehr als
einem Monat verzichtete und weil schwierige Verhältnisse sowie
Kommunikationsprobleme mit dem Vorgesetzen am Arbeitsplatz glaubhaft sind,
rechtfertigt es sich, von einem leichten Verschulden auszugehen. Die von der
Beschwerdegegnerin beantragte Einstellung von sieben Tagen liegt im mittleren
Bereich des leichten Verschuldens. Nachdem der Beschwerdeführer, wie geltend
gemacht wird (vgl. act. G 5.1.37), bereits im Gespräch für eine neue Anstellung in
Deutschland war und glaubhaft erscheint, dass ihm sowohl seine Ärztin als auch der
Case Manager/Vermittler der Krankentaggeldversicherung zur vorzeitigen
Vertragsauflösung geraten haben, erscheint eine Einstellung von sieben Tagen
angemessen.
7.
7.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 20.
März 2017 betreffend Ablehnung von Arbeitslosenentschädigung (Verfügung vom 28.
Dezember 2016) teilweise gutzuheissen, der angefochtene Entscheid aufzuheben und
ein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung für die Zeit vom 1. Oktober bis 25.
November 2016 zu verneinen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
7.2 Die Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 20. März 2017 betreffend
Einstellung in der Anspruchsberechtigung (Verfügung vom 29. Dezember 2016) ist
ebenfalls teilweise gutzuheissen, der angefochtene Entscheid ist aufzuheben, und der
Beschwerdeführer ist für sieben Tage ab 27. September 2016 in der
Anspruchsberechtigung einzustellen.
7.3 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
7.4 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.--
bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers reichte keine Kostennote
ein. Im vorliegenden Fall wäre bei vollständigem Obsiegen eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
angemessen. Auf Grund des lediglich teilweisen Obsiegens rechtfertigt sich eine
Parteientschädigung von Fr. 1'750.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer).