Decision ID: cc6fea0f-db05-4231-8759-0cf200468444
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Mai 2014 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zur
beruflichen Integration an. Sie gab an, dass sie an chronischen Schmerzen
insbesondere im Bereich des Rückens, an Verdauungsproblemen sowie an einer
Depression leide. Nach ihrer Ausbildung zur Arztgehilfin (MPA) habe sie bis zu ihrem
Zusammenbruch am 25. November 2013 im 100%-Pensum als leitende Laborantin und
Leiterin der Verarbeitung beim B._ gearbeitet. Seit dem 26. November 2013 sei sie zu
100% arbeitsunfähig (IV-act. 2, vgl. IV-act. 5).
A.a.
Der behandelnde Psychiater der Versicherten, Dr. med. C._, berichtete am 20.
Mai 2014, dass die Versicherte an einer mittelgradig depressiven Episode mit einem
somatischen Syndrom (ICD-10 F. 32.11) leide. Am 5. Dezember 2013 habe er ihr
sowohl für die angestammte als auch für eine adaptierte Tätigkeit eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert. In den nächsten acht bis zwölf Wochen sei von einer noch
nicht näher zu beziffernden Teilarbeitsfähigkeit auszugehen (IV-act. 13).
A.b.
Die ehemalige Arbeitgeberin berichtete der IV-Stelle am 14. Juli 2014, dass die
Versicherte das Arbeitsverhältnis per 31. Januar 2014 gekündigt habe (IV-act. 20).
A.c.
Die IV-Stelle teilte der Versicherten am 17. Juli 2014 mit, dass aufgrund ihres
Gesundheitszustandes zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich
seien; die medizinischen Behandlungen stünden aktuell im Vordergrund (IV-act. 21).
A.d.
Am 28. August 2014 berichtete Dr. C._ der IV-Stelle, dass bei der Diagnose
einer mittelgradigen depressiven Episode mit einem somatischen Syndrom
gegenwärtig weder mit einer Erhöhung der Einsatzfähigkeit noch mit einer
Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit gerechnet werden könne. Eine stationäre
A.e.
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psychosomatische Rehabilitation in einer geeigneten Fachklinik sei indiziert. Aufgrund
der anhaltenden mittelgradigen Antriebs-, Denk- und Affektstörungen erschiene jedoch
gegenwärtig noch keine ausreichende Belastbarkeit für ein derartiges
Rehabilitationsprogramm gegeben (IV-act. 22).
Am 22. Februar 2015 wurde die Versicherte bei den Diagnosen eines
lumboradikulären Schmerzsyndroms L4/5 rechts, einer ISG-Arthropathie links und einer
Facettengelenksarthropathie L4/5 beidseits im Universitätsspital Zürich (USZ) am
Rücken operiert; sie war bis am 2. März 2015 hospitalisiert (IV-act. 35 f.). Gleichentags
wurde am USZ ein psychiatrisches Konsil durchgeführt (vgl. IV-act. 60-6). Im
Austrittsbericht vom 2. März 2015 hielten die Ärzte der Klinik für Unfallchirurgie des
USZ u.a. fest, dass die anfänglich geäusserten suizidalen Absichten bei der bekannten
Depression konsiliarisch durch die Kollegen der Psychiatrie beurteilt worden seien.
Dabei habe sich ergeben, dass keine akuten Suizidpläne oder -absichten bestünden.
Die Versicherte sei bei der Entlassung in guter psychiatrischer Verfassung mit einem
positiven Blick in die Zukunft gewesen. Man habe die Versicherte in einem subjektiven
Wohlbefinden und mit reizlosen Wundverhältnissen in die ambulante Weiterbehandlung
entlassen können (IV-act. 35). Am 17. August 2015 erfolgte aufgrund eines
Carpaltunnelsyndroms rechts sowie einer Tendovaginitis stenosans Dig III/IV beidseits
ein weiterer operativer Eingriff im USZ (IV-act. 53 f.).
A.f.
Am 30. November 2015 notierte der IV-interne Regionale Ärztliche Dienst (RAD),
dass der Gesundheitszustand der Versicherten aktuell instabil und dass kein
Eingliederungspotential erkennbar sei (IV-act. 56). Daraufhin teilte die IV-Stelle der
Versicherten am 2. Dezember 2015 mit, dass zurzeit keine beruflichen
Eingliederungsmassnahmen möglich seien (IV-act. 58).
A.g.
Die Ärzte des Schmerzambulatoriums des USZ stellten am 12. Januar 2016 im
Wesentlichen die Schmerzdiagnose chronisches multifaktorielles panvertebrales
Schmerzsyndrom. Im Weiteren verwiesen sie auf die Fremddiagnosen einer Depression
sowie einer chronischen somatoformen Schmerzstörung mit organischen Schmerzen
(IV-act. 60-5 ff.). Dr. C._ berichtete am 23. Januar 2016, klinisch imponiere
unverändert ein mittel- bis höhergradig ausgeprägtes gehemmt-depressives Syndrom
mit Somatisierung. Mit dem aktuellen Gesundheitszustand der Versicherten seien
A.h.
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B.
keinerlei Tätigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt vereinbar. Im Falle einer
Zustandsverbesserung sei mittelfristig weiterhin die Aufnahme eines geeigneten
Arbeitstrainings zu empfehlen (IV-act. 60-2 ff.). Im Abschlussbericht vom 30. März 2016
empfahlen die Ärzte des Schmerzambulatoriums des USZ ein multimodales,
konservativ angelegtes schmerztherapeutisches Konzept mit u.a. der Fortführung der
bereits etablierten physio- und chiropraktischen Behandlungen, der psychiatrischen
Mitbehandlung und die vorsichtige Anpassung der Medikation (IV-act. 63-12 ff.).
Am 13. April 2016 kam der RAD erneut zum Schluss, dass kein
Eingliederungspotential erkennbar und dass von einer Arbeitsunfähigkeit von 100% für
alle Tätigkeiten in der freien Wirtschaft auszugehen sei. Gegebenenfalls könne im
geschützten Rahmen eine niedrigprozentige Arbeitsfähigkeit vorliegen. Ob, wann und
in welcher Höhe irgendwann einmal ein Eingliederungspotential vorliegen könnte, sei
aktuell nicht absehbar. Der RAD empfahl die Rentenprüfung mit gegebenenfalls
vertiefter medizinischer Abklärung (IV-act. 65). Daraufhin schloss die IV-Stelle die
Prüfung von beruflichen Massnahmen ab (vgl. das interne Strategieprotokoll vom 15.
April 2016; IV-act. 66).
A.i.
Am 18. Mai 2016 notierte der RAD, dass im Rahmen der Rentenprüfung eine
polydisziplinäre Begutachtung angezeigt sei (IV-act. 75).
B.a.
Im Oktober 2016 wurde die Versicherte durch die Polydisziplinäre Medizinische
Abklärungen (PMEDA) AG internistisch, neurologisch, orthopädisch, psychiatrisch
sowie neuropsychologisch abgeklärt. Im Gutachten vom 3. Januar 2017 hielten die
Sachverständigen im Wesentlichen fest, dass die Versicherte an einem
lumbovertebralen Defektsyndrom bei Status nach Spondylodese L3 bis S1 und ISG-
Fusion links 02/2015 leide. Dieses wirke sich auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten
aus. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestünden ein Verdacht auf arterielle
Hypertonie, Übergewicht, Hyperthyreosis factitia sowie eine leichtgradige depressive
Episode (ICD-10 F32.0). Der internistische Gutachter hielt fest, dass die Versicherte
diffuse Schmerzen des gesamten Körpers mit dem Schmerzhauptbefund im Bereich
der lumbalen Wirbelsäule und mit einer Ausstrahlung in das rechte Bein geschildert
habe. Spezifische internistische Beschwerden habe die Versicherte nicht angegeben.
B.b.
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Der hiesige internistische Befund habe sich bei der übergewichtigen Versicherten bis
auf erhöhte Blutdruckwerte unauffällig gestaltet. Eine mögliche arterielle Hypertonie
könne im Rahmen der hausärztlichen Betreuung nachkontrolliert werden. Das
Thyreotropin (TSH) sei supprimiert bei der Einnahme von Schilddrüsenhormonen in
Eigenregie. Eine Anpassung der Hormonsubstitution sei im Rahmen der hausärztlichen
Betreuung indiziert. Diese Problematik sei einfach zu beheben und weitere
Einschränkungen liessen sich daraus nicht ableiten. Insofern sei keine internistische
Diagnose evident, die eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zur Konsequenz hätte
(IV-act. 82-14 f.). Der neurologische Gutachter führte aus, dass sich in der
neurologischen Untersuchung kein nervales Defizit und insbesondere keine radikuläre
Läsion gefunden habe. Ein Anhaltspunkt für eine die Arbeitsfähigkeit mindernde Läsion
am zentralen oder peripheren Nervensystem fehle (IV-act. 82-20 f.). Der orthopädische
Gutachter erklärte, dass die Versicherte bei der Untersuchung keinen
schmerzgeplagten Gesamteindruck, keinen Schonsitz, keine Schonbewegungen und
keinen Schongang gezeigt habe. Die gutachterliche Untersuchung habe bezüglich der
Wirbelsäule reizlose Narbenbildungen lumbal und in Projektion auf die Flanke bzw. das
ISG links sowie eine Minderbeweglichkeit des lumbalen Wirbelsäulenabschnittes mit
einer leichten muskulären Verspannung der Lumbalregion objektiviert. Die erhobenen
Befunde seien jedoch nicht geeignet, das Ausmass der anamnestisch reklamierten
Limitationen zu erklären. Das objektive operative Ergebnis sei als gut einzuschätzen.
Die aktenkundigen Bildbefunde böten ebenfalls keinen Anhalt für eine die
Beschwerden hinreichend erklärende Auffälligkeit. Eine kürzlich unternommene
Fernreise sei ebenfalls nicht mit dem Ausmass der reklamierten Einschränkungen in
Einklang zu bringen. Aufgrund des erhobenen Befundes und des postoperativen
spinalen Zustands sei somit lediglich eine qualitative Minderung der Arbeitsfähigkeit
mit einem Ausschluss von körperlich schweren Arbeiten und von Tätigkeiten mit einer
häufigen Zwangshaltung der Lendenwirbelsäule attestierbar. Für die zuletzt ausgeübte
sowie für vergleichbare Tätigkeiten sei von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit
auszugehen. Bezüglich der Halswirbelsäule liege ein unauffälliger klinischer
Untersuchungsbefund mit einer freien Funktionalität vor. Im Bereich der Unterarme und
der Hände bestehe bei einem Status nach Karpaltunneloperation und
Ringbandspaltung kein namhafter pathologischer Befund. Eine Inaktivitätshypotrophie
oder eine seitendifferente Umfangsmasse der Muskulatur/Weichteile liege nicht vor. In
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diesem Bereich könne somit keine eigenständige Einschränkung resultieren.
Therapeutisch seien vor allem eine Gewichtsreduktion und regelmässiges Schwimmen
notwendig (IV-act. 82-28 f.). Der psychiatrische Gutachter hielt fest, dass sich ihm eine
freundliche, im Kontaktverhalten verbittert und resigniert imponierende Explorandin
präsentiert habe, welche ohne Zeichen mnestischer oder konzentrativer Defizite über
ihren Werdegang und über ihre Beschwerden berichtet habe. Die Auffassungsgabe und
die geistige Spannkraft seien ungestört und die Versicherte sei in der Lage gewesen,
der ausführlichen Exploration ohne Zeichen einer Ermüdung aufmerksam zu folgen. Die
Achsenkriterien einer schwerergradigen Depressivität seien nicht erfüllt. Die Stimmung
sei zum depressiven Pol hin verschoben, jedoch nicht gravierend depressiv gewesen;
der Antrieb in der Untersuchungssituation sei nicht beeinträchtigt gewesen. Als
depressive Nebensymptome seien eine rasche Ermüdbarkeit, ein Insuffizienzerleben
und ein sozialer Rückzug geschildert worden. Hierbei sei die Explorandin im Alltag
durchaus aktiv und selbständig; sie sei in der Lage, ein Kraftfahrzeug zu führen, sich
um ihre beiden Hunde zu kümmern und auch eine Fernreise mit dem eigenen Auto zu
unternehmen. Unter Anwendung der ICD-10 Kriterien sei bei der Versicherten also die
Diagnose einer leichtgradigen depressiven Episode zu stellen, wobei die Abgrenzung
zu einer Anpassungsstörung im Kontext des Schmerzerlebens und der offenbar
schwierigen beruflichen Situation fliessend sei. Aus fachpsychiatrischer Sicht sei die
Versicherte angesichts der nur leichtgradigen Störung durchaus in der Lage, eine der
zuletzt ausgeübten Tätigkeit vergleichbare Arbeit zu 100% (Pensum und Rendement
100%) auszuüben. Aus therapeutischer Sicht sei die Wiederaufnahme einer beruflichen
Tätigkeit sinnvoll und zu empfehlen (IV-act. 82-35). Der neuropsychologische Gutachter
führte aus, dass der erhobene klinische Befund ohne Anhaltspunkte für eine kognitive
Beeinträchtigung gewesen sei. Die Versicherte sei wach, orientiert, attent, eloquent,
mnestisch und in der Auffassung sicher gewesen und sie sei im Verlauf nicht ermüdet.
Die testpsychologische Untersuchung habe eine unterdurchschnittliche
Reaktionsbereitschaft erbracht. Alle weiteren getesteten kognitiven Bereiche hätten
sich durchschnittlich gezeigt. Der Selbstbeurteilungsfragebogen bezüglich einer
affektiven Störung habe eine depressive Episode mit einem erheblichen Schweregrad
ergeben, die nicht im Einklang mit dem diesbezüglich nicht gravierend gestörten
klinischen Befund stehe. Die Ergebnisse bei der Reaktionsbereitschaft hätten eine
unüblich hohe Antwortlatenz gezeigt. Die Werte der Versicherten lägen über dem Cut
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Off Wert und seien in Anbetracht der Fähigkeit, im Alltag sicher ein Fahrzeug führen zu
können, nicht plausibel. Die verlangsamte Reaktionszeit sei somit eher im Rahmen
eines Testartefakts zu sehen und nicht im Sinne einer kognitiven Störung zu
interpretieren. Zusammenfassend seien anamnestisch und aktenkundig keine
kognitiven Störungen zu erheben. Die Untersuchungen seien klinisch und
testpsychologisch unauffällig gewesen. Damit lasse sich von neuropsychologischer
Seite keine kognitive Störung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit attestieren (IV-
act. 82-43 f.). Die Sachverständigen kamen in der Konsensbeurteilung zum Schluss,
dass sich für die von der Versicherten reklamierte Schmerzintensität und die Limitation
in den Befunden zumindest im geklagten Ausmass kein hinreichendes Korrelat
gefunden habe. Die Kriterien einer Persönlichkeitsstörung seien nicht erfüllt.
Anamnestisch seien die ausreichende Selbständigkeit, die Selbstversorgung und die
soziale Aktivität aufgefallen; die Ressourcen für eine Arbeitstätigkeit seien deshalb als
gegeben anzusehen. Die objektiven Befunde seien mit einer Arbeitsaufnahme
vereinbar. In Zusammenfassung aller Teilgutachten, der dabei erhobenen Anamnesen
und der Befunde sowie der Aktendaten sei die Versicherte seit jeher (ex tunc) in der
zuletzt ausgeübten sowie jeder vergleichbaren, körperlich leichten, wechselbelastend
oder überwiegend sitzend ausgeübten Tätigkeit des allgemeinen Arbeitsmarktes zu
100% (Pensum und Rendement) arbeitsfähig. Die Versicherte sei denn auch trotz der
ersten spinalen Operation im Jahr 2001 vollschichtig arbeitstätig gewesen, was ihre
Arbeitsfähigkeit praktisch belege (IV-act. 82-53).
Der RAD notierte am 10. Januar 2017, dass das Gutachten den
versicherungsmedizinischen Anforderungen entspreche und dass dem
Rechtsanwender empfohlen werde, den Leistungsentscheid auf das Ergebnis des
Gutachtens abzustellen. Es bestehe eine nicht nachvollziehbare Selbstlimitierung mit
einer Arbeitsfähigkeit von 0%, die nicht medizinisch belegt werden könne (IV-act. 83).
B.c.
Mit einem Vorbescheid vom 11. Januar 2017 kündigte die IV-Stelle die Abweisung
des Begehrens um eine Invalidenrente an, da die Versicherte gemäss dem
polydisziplinären Gutachten in der angestammten Tätigkeit als Abteilungsleiterin im
Labor sowie in jeder anderen, geeigneten Erwerbsmöglichkeit weiterhin zu 100%
arbeitsfähig sei (IV-act. 87).
B.d.
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Am 16. Februar 2017 liess die Versicherte gegen den Vorbescheid im
Wesentlichen einwenden, dass ihr bislang keine beruflichen Massnahmen gewährt
worden seien. Das diesbezügliche Assessment sei im Februar 2015 und damit vor dem
Eintritt ins USZ abgebrochen worden. Die Beschwerdeführerin ersuchte die IV-Stelle
darum, gemäss dem Grundsatz der Eingliederung vor Rente weitere Abklärungen
vorzunehmen und ihr die entsprechenden Leistungen zu gewähren, damit ein
abgestufter langsamer Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt stattfinden könne.
Das Potential hierzu sei medizinisch ausgewiesen. Ein Therapieabbruch habe nicht
stattgefunden, sondern sie führe lediglich eine örtlich nähergelegene Schmerztherapie
durch (IV-act. 89). Im Weiteren verwies sie auf eine von Dr. C._ verfasste
Stellungnahme vom 30. Januar 2017. Darin hatte dieser festgehalten, dass er nach
einer Prüfung des Gutachtens fachliche Mängel nicht mit Sicherheit ausschliessen
könne. Seines Erachtens hätten die Gutachter relevante Befunde nicht erhoben bzw.
nicht richtig berücksichtigt. Insbesondere sei der psychiatrische Gutachter nicht auf die
vom USZ gestellte Diagnose einer chronischen somatoformen Schmerzstörung bzw.
auf die Möglichkeit, dass bei der Versicherten eine chronische Schmerzstörung mit
psychischen und somatischen Faktoren vorliegen könnte, eingegangen (IV-act. 89-4 f).
B.e.
Mit Verfügung vom 15. März 2017 lehnte die IV-Stelle einen Anspruch der
Versicherten auf eine Invalidenrente sowie auf berufliche Massnahmen ab. Bezüglich
des Einwandes führte sie aus, die Versicherte beanspruche konkret berufliche
Massnahmen, was klar darauf hindeute, dass sie sich selbst zumindest in einer
leidensangepassten Tätigkeit als arbeitsfähig erachte. Aufgrund der gutachterlich
attestierten vollen Arbeits- und Leistungsfähigkeit auch in der angestammten
Beschäftigung sei die Versicherte in der Stellensuche nicht eingeschränkt. Deshalb sei
hinsichtlich der Unterstützung bei der Arbeitssuche das RAV zuständig. Berufliche
Massnahmen seien in der Mitteilung vom 2. Dezember 2015 abgewiesen worden. Die
Aussage von Dr. C._, dass er fachliche Mängel nicht mit Sicherheit ausschliessen
könne, bedeute gleichzeitig, dass er fachliche Mängel am Gutachten nicht mit
Sicherheit belegen könne. Irgendwelche Inkonsistenzen habe der RAD in seiner
Stellungnahme vom 10. Januar 2017 nicht festgestellt. Deshalb werde weiterhin auf
das Gutachten abgestellt; es bestehe weder ein Anspruch auf eine Rente noch auf
berufliche Massnahmen (IV-act. 90).
B.f.
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C.
Dagegen erhob die Versicherte am 1. Mai 2017 Beschwerde. Sie beantragte, die
Verfügung vom 15. März 2017 sei aufzuheben und ihr seien die gesetzlichen
Leistungen zu gewähren, insbesondere sei ihr rückwirkend ab November 2014
mindestens eine halbe Invalidenrente auszurichten; unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin. In prozessualer Hinsicht
rügte sie die Verletzung des rechtlichen Gehörs, da sich die IV-Stelle mit keinem Wort
mit den Einwänden von Dr. C._ auseinandergesetzt und keine objektivierbare
Untersuchung eingeholt habe. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, dass die
Beschwerdegegnerin nach dem Vorliegen des Einwandes weitere Untersuchungen und
insbesondere eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit in den Händen und Beinen
hätte einleiten müssen. Das PMEDA-Gutachten enthalte diverse gravierende Mängel.
Insbesondere sei der Bericht des psychiatrischen Konsiliums am USZ vom 22. Februar
2015 nicht berücksichtigt worden und es sei nicht einleuchtend, dass die
Beschwerdeführerin in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig sei. In
Anlehnung an die Ausführungen des RAD, des USZ und von Dr. C._ sei gegenwärtig
von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt auszugehen. Dies
ergebe einen Anspruch auf eine ganze Rente. Eventualiter müsste nach der
Durchführung der noch erforderlichen Untersuchungen (Nervenleitgeschwindigkeit
Hände und Beine, Bildgebung LWS Übergang Steissbein) nochmals ein neurologisches
und psychiatrisches Gutachten eingeholt werden und sodann die Arbeitsfähigkeit
aufgrund der erforderlichen Untersuchungen nochmals rheumatologisch/orthopädisch
abgeklärt werden (act. G 1). Die Beschwerdeführerin reichte zudem einen weiteren
Bericht von Dr. C._ vom 2. April 2017 ein. Darin hatte dieser festgehalten, dass die
körperliche Belastbarkeit aufgrund multipler krankheitsbedingter
Funktionseinschränkungen im muskulo-skelettären System, hierunter chronisch
neurogene Veränderungen und ein chronisches Schmerzsyndrom, als erheblich
beeinträchtigt erscheine. Hinzu komme die deutlich eingeschränkte Gebrauchsfähigkeit
beider Hände nach der Operation eines schweren Karpaltunnelsyndroms beidseits mit
fortbestehenden Funktionsdefiziten. Das Leistungsvermögen für Tätigkeiten mit
mittelschweren Anforderungen, wie beispielsweise Laborarbeiten, mit handwerklichen,
komplexen und planerischen Anforderungen, Arbeiten mit Verantwortung sowie
C.a.
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Führungs- und Überwachungsarbeiten erscheine krankheitsbedingt nicht mehr
gegeben (act. G 1.1.3).
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 31. August 2017 die Abweisung der
Beschwerde. Sie führte im Wesentlichen an, dass sie auf die von Dr. C._ geäusserte
Kritik am Gutachten eingegangen sei. Auch habe sich die Beschwerdeführerin dezidiert
mit dem Gutachten auseinandergesetzt. Da dieses die massgebliche
Entscheidungsgrundlage für die Ablehnung des Rentenanspruchs dargestellt habe, sei
die Behauptung, die Beschwerdeführerin habe nicht beurteilen können, ob sie ein
Rechtsmittel ergreifen solle, unglaubwürdig. In somatischer Hinsicht sei das Gutachten
zu Recht nicht beanstandet worden. Weiter seien entgegen der Argumentation der
Beschwerdeführerin auch keine Gründe ersichtlich, dass der psychiatrische Experte
nicht nach den Regeln der Kunst vorgegangen wäre. Aus der Stellungnahme von Dr.
C._ ergäben sich keine Aspekte, die im Rahmen der PMEDA-Begutachtung
unerkannt oder ungewürdigt geblieben wären. Zwar enthalte der Bericht des USZ vom
12. Januar 2016 hinsichtlich der Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit
organischen und somatischen Faktoren einen Hinweis auf ein psychiatrisches Konsil
vom 22. Februar 2015. Im Austrittsbericht vom 2. März 2016 sei mit Bezug darauf aber
ein psychiatrischer Befund wiedergegeben worden, welcher sich ausschliesslich auf
die bekannte depressive Symptomatik bezogen habe. Eine Schmerzstörung sei nicht
thematisiert worden. Damit sei keine begründete Diagnose einer chronischen
Schmerzstörung ausgewiesen, mit welcher sich der psychiatrische Gutachter zwingend
hätte auseinandersetzen müssen (act. G 6).
C.b.
In ihrer Replik vom 18. Januar 2018 hielt die Beschwerdeführerin an ihren
Anträgen fest. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen das in der Beschwerde
Dargelegte vor. Sie verwies auf die von Dr. C._ in der Stellungnahme vom 3. Januar
2017 aufgeführten Inkonsistenzen. Sie hielt weiter fest, es sei nicht nachvollziehbar,
dass die Einwendungen von Dr. C._ dem RAD nicht zur Beurteilung vorgelegt
worden seien. Ausserdem reichte die Beschwerdeführerin Berichte über bildgebende
Untersuchungen vom August, November und Dezember 2017, einen Bericht des
Wirbelsäulenzentrums D._ vom 4. Oktober 2017, eine konsiliarische Beurteilung von
Dr. med. E._ vom 25. August 2017 sowie einen Bericht des Paraplegikerzentrums
Nottwil vom 11. Januar 2018 zu den Akten (act. G 14).
C.c.
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Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 23. Januar 2018 auf die Einreichung einer
Duplik (act. G 16).
C.d.
Am 3. Juli 2018 reichte die Beschwerdeführerin den Bericht der Klinik für
Unfallchirurgie des USZ vom 24. Juni 2015 sowie vier weitere Berichte des
Paraplegikerzentrums Nottwil vom Februar und April 2018 zu den Akten. Sie machte
geltend, dass der relevante Bericht des USZ vom 24. Juni 2015 den Gutachtern nicht
vorgelegen habe, weshalb das Gutachten auf unvollständigen Akten beruhe und in
mehrfacher Hinsicht nicht nachvollziehbar sei. Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sei
im Ergebnis zweifellos falsch, da keine Rede davon sein könne, dass ein
objektivierbares Korrelat fehle (act. G 18).
C.e.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 15. März 2017
das Begehren der Beschwerdeführerin um eine Invalidenrente sowie um berufliche
Massnahmen abgewiesen (IV-act. 90).
1.1.
Zu prüfen ist zunächst, ob sie das Rentenbegehren der Beschwerdeführerin zu
Recht verneint hat. Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben
Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu
betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen,
erhalten oder verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist gemäss Art. 8
Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung
der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Gemäss Art. 28a Abs. 1 des IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die
Invalidität grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
1.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/15
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2.
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
Um das Invalideneinkommen zu bestimmen und damit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, muss die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen. In medizinischer
Hinsicht liegt insbesondere das PMEDA-Gutachten vom 3. Januar 2017 im Recht.
2.1.
Die Sachverständigen der PMEDA AG haben in ihrer Konsensbeurteilung
festgehalten, dass die Beschwerdeführerin in der bisherigen und jeder vergleichbaren,
körperlich leichten, wechselbelastend oder überwiegend sitzend ausgeübten Tätigkeit
seit jeher zu 100% arbeitsfähig gewesen sei (IV-act. 82-53). Die Gutachter haben
angeführt, dass bei der Beschwerdeführerin ein lumbovertebrales Defektsyndrom
bestehe, das sich aber lediglich im Sinne einer qualitativen Minderung der
Arbeitsfähigkeit auswirke; der Beschwerdeführerin seien körperlich schwere Arbeiten
und Tätigkeiten mit häufiger Zwangshaltung der Lendenwirbelsäule unzumutbar (IV-act.
82-28). Der psychiatrischen Diagnose einer leichtgradig depressiven Störung haben die
Gutachter keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beigemessen. Der psychiatrische
Gutachter hat diesbezüglich festgehalten, dass die Beschwerdeführerin angesichts der
nur leichtgradigen Störung durchaus in der Lage sei, "eine der zuletzt ausgeübten
Tätigkeit vergleichbare Arbeit" zu 100% auszuüben (IV-act. 82-35). Dabei hat es der
psychiatrische Gutachter offensichtlich unterlassen, sich damit zu befassen, was die
angestammte Tätigkeit der Beschwerdeführerin als leitende Laborantin und Leiterin des
B._ konkret beinhaltet hat und welche tatsächlichen, insb. psychischen Belastungen
mit diesem Beruf verbunden sind. Mit anderen Worten fehlt es vorliegend an einem
ausführlichen Belastungsprofil bzw. der Auseinandersetzung mit ebendiesem. Ohne ein
solches Jobprofil kann sich ein medizinischer Sachverständiger jedoch nicht
überzeugend dazu äussern, welche Belastungen einer versicherten Person in welchem
Umfang trotz einer Gesundheitsbeeinträchtigung noch zumutbar sind respektive
welche Belastungen der versicherten Person gerade wegen der Beeinträchtigungen
nicht mehr zugemutet werden können. Gerade im Falle der Beschwerdeführerin,
welche 28 Jahre eine hochspezialisierte Tätigkeit ausgeübt hat, wäre ein
Belastungsprofil somit geradezu unabdingbar gewesen. Die Tätigkeit als Leiterin des
B._ hat gemäss dem bei den Akten liegenden Arbeitszeugnis unter anderem
folgende Aufgaben beinhaltet: Die Beherrschung der serologischen Arbeitstechniken im
Bereich der B._-Medizin, die Überwachung der Herstellung, der Lagerung und der
Freigabe labiler Blutprodukte, die Überwachung der internen und externen
2.2.
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Qualitätskontrolle und deren Auswertung sowie die Einstellung, die Einarbeitung, das
Führen und die Fortbildung von Mitarbeitern. Die Beschwerdeführerin ist nicht nur als
eigenverantwortliche Tageslaboratorin eingesetzt worden, sondern hat auch im
Nachtdienst gearbeitet. Im Weiteren hat sie Bereitschaftsdienst für die
Nierentransplantation am Kantonsspital St. Gallen geleistet. Diese Tätigkeiten haben
von der Beschwerdeführerin nicht nur eine ausserordentliche Fachkompetenz sowie
ein vernetztes Denken, sondern auch die Fähigkeit, ihre Kenntnisse
bereichsübergreifend einzuordnen, erfordert (vgl. das Zwischenzeugnis vom 31.
Dezember 2007, IV-act. 5-6 ff.). Bereits mit Blick auf dieses, dem Zeugnis zu
entnehmende Job-Profil bestehen aus Sicht des Versicherungsgerichts erhebliche
Zweifel daran, dass der Beschwerdeführerin solche Belastungen trotz der – wenn auch
allenfalls nur leichtgradig – depressiven Symptomatik noch zumutbar wären. Vielmehr
könnte es durchaus sein, dass es der Beschwerdeführerin durch ihre gesundheitliche
Beeinträchtigung an der in einer solchen Tätigkeit zwingend notwendigen
Konzentrations-, Merk-, Durchhalte- und Kommunikationsfähigkeit fehlt. Vor diesem
Hintergrund überzeugt die pauschale Arbeitsfähigkeitsschätzung (100%ige
Arbeitsfähigkeit im Pensum und Rendement) des psychiatrischen Gutachters nicht.
Möglicherweise hätte der psychiatrische Gutachter eine überzeugende
Arbeitsfähigkeitsschätzung für die angestammte Tätigkeit und darüber hinaus für
konkrete, als ideal adaptiert zu qualifizierende Tätigkeiten abgeben können, wenn ein
Berufsberater ein spezifisches Belastungsprofil definiert hätte. Das hätte es dem
Gutachter erlaubt, die Auswirkungen der psychiatrischen Diagnose anhand der
konkreten Anforderungen der entsprechenden Tätigkeit zu beleuchten und es ihm
ermöglicht, das Ausmass der psychischen Beeinträchtigung konkret zu bestimmen
(vgl. auch Franz Schlauri, Erwerblich-praktische Vorgaben an eine medizinische
Arbeitsfähigkeitsschätzung, in: René Schaffhauser/Franz Schlauri, Rechtsfragen der
Eingliederung Behinderter, 2000, S. 180). Da die Beschwerdegegnerin keine solche
berufsberaterische Abklärung durchgeführt hat und da auch kein anderer Facharzt eine
zuverlässige Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben hat, erweist sich die Frage nach
der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin für die angestammte und für allfällig
besser leidensadaptierte Tätigkeiten als ungenügend abgeklärt. Die
Beschwerdegegnerin hat folglich ihre Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG)
offensichtlich noch nicht erfüllt. Die Verfügung vom 15. März 2017 ist deshalb als
rechtswidrig aufzuheben und die Sache ist zur weiteren Abklärung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die Beschwerdegegnerin wird die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in ihrer letzten Tätigkeit als leitende
Laboratorin und Leiterin der Verarbeitung von Blut beim SRK sowie in einer allfällig
2.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
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