Decision ID: d7280533-bdf1-4241-9a27-fb214e9b4e15
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A.Y. war in den Jahren 2003 bis 2005 als IT-Consultant selbständig erwerbstätig.
Seit Juni 2003 ist er zudem Mitglied des Verwaltungsrats der Q. AG, welche am
13. Dezember 2003 im Handelsregister Zug mit Sitz in X. eingetragen wurde. Zuvor
befand sich der Sitz der Gesellschaft in B. Daneben übte er zusätzliche selbständige
und unselbständige Nebenerwerbstätigkeiten aus, unter anderem als Gesellschafter
und Geschäftsführer der P. GmbH mit Sitz in X.
B. A.Y. und seine damalige Ehefrau – die Eheleute trennten sich im November 2007 –
wurden am 7. September 2004 für das Jahr 2003, am 23. August 2006 für das Jahr
2004 und am 22. August 2007 für das Jahr 2005 veranlagt. Diese Veranlagungen sind
allesamt rechtskräftig. Da A.Y. in den Jahren 2003 bis 2005 die
Wertschriftenbewertung für die Q. AG nicht deklariert hatte, veranlagte ihn das
kantonale Steueramt mit Verfügung vom 4. Mai 2012 ausgehend von einem Steuerwert
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pro Aktie von CHF 4‘800 mit Nachsteuern für die Kantons- und Gemeindesteuern 2003
bis 2005 von CHF 13‘276.95. Diese Veranlagung erwuchs ebenfalls unangefochten in
Rechtskraft. Mit Strafbefehl vom 10. September 2012 wurde A.Y. ausserdem der
fahrlässigen Steuerhinterziehung schuldig gesprochen und zu einer Busse von
CHF 8‘400 verurteilt.
Am 18. Juni 2014 wurde das Ehepaar A.Y. für die Kantons- und Gemeindesteuern 2006
und für die direkte Bundessteuer 2006 veranlagt. Die gegen die Veranlagung der
Kantons- und Gemeindesteuern 2006 erhobene Einsprache wurde teilweise
gutgeheissen und der Steuerwert der Aktien der Q. AG von je CHF 7‘700 auf
CHF 1‘000 korrigiert, die Einsprache gegen die Veranlagung der direkten Bundessteuer
2006 wurde abgewiesen. Mit Eingabe vom 19. Juli 2015 erhob A.Y. dagegen Rekurs
und Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission, welche am 19. April 2016 über
die Angelegenheit entschied.
Mit Schreiben vom 27. September 2015 stellte A.Y. beim kantonalen Steueramt ein
Revisionsgesuch betreffend die im Nachsteuerverfahren festgesetzten Steuerwerte.
Das kantonale Steueramt trat mit Entscheid vom 17. Mai 2016 auf das
Revisionsgesuch nicht ein mit der Begründung, bei Anwendung der zumutbaren
Sorgfalt hätte A.Y. die Rüge, der Vermögensteuerwert der Aktien der Q. AG für die
Steuerjahre 2003 bis 2005 sei zu hoch bewertet worden, ohne weiteres im ordentlichen
Rechtsmittelverfahren vorbringen können. Die Verwaltungsrekurskommission wies den
dagegen erhobenen Rekurs mit Entscheid vom 25. Oktober 2016 ab, soweit sie darauf
eintrat.
C. A.Y. (Beschwerdeführer) erhob gegen den Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) vom 25. Oktober 2016 mit Eingabe vom
21. November 2016 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Begehren,
aufgrund der völlig falsch ermittelten Substanzwerte der Q. AG [von] CHF 7‘7000
anstatt CHF 1‘000 pro Aktie seien die zu viel bezahlten Beträge von CHF 17‘368.25
(Nachsteuer) und CHF 6‘636 (Busse) inkl. Zinsen seit Mai resp. September 2012
zurückzuerstatten.
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Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 4. August 2017 die Abweisung der

Beschwerde und verwies zur Begründung auf die Erwägungen des angefochtenen
Entscheids. Das kantonale Steueramt (Beschwerdegegner) verzichtete am 11. August
2017 auf eine Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 196 Abs. 1
des Steuergesetzes, sGS 811.1, StG; Art. 59 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Der Beschwerdeführer ist zur Erhebung
des Rechtsmittels berechtigt. Gegenstand des vorinstanzlichen Entscheids war
lediglich das Revisionsgesuch im Zusammenhang mit der Nachsteuerveranlagung. Auf
das Begehren des Beschwerdeführers auf Rückerstattung der im
Steuerhinterziehungsverfahren festgesetzten Busse ist daher nicht einzutreten. Wie
bereits die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, begrenzt der Nichteintretensentscheid
des Beschwerdegegners das Anfechtungsverfahren sachlich, und es kann lediglich
geprüft werden, ob auf das Revisionsbegehren zu Recht nicht eingetreten wurde.
Soweit der Beschwerdeführer daher die Rückforderung der Nachsteuer für die
Kantons- und Gemeindesteuern 2003 bis 2005 beantragt, ist auf sein Begehren
ebenfalls nicht einzutreten. Aus dem Gesamtzusammenhang und der
Beschwerdebegründung wird indes ohne weiteres klar, dass sinngemäss auch die
Aufhebung des Entscheids der Verwaltungsrekurskommission vom 25. Oktober 2016
angestrebt wird. Das Rechtsbegehren des Beschwerdeführers ist in diesem Sinn
auszulegen (vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen –
dargestellt an den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl. 2003, Rz. 916 f.) und
auf die Beschwerde ist entsprechend einzutreten. Im Übrigen wurde die Beschwerde
mit Eingabe vom 21. November 2016 rechtzeitig eingereicht und entspricht formal und
inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 196 Abs. 1 StG; Art. 161 StG in
Verbindung mit Art. 64 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
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2. Wie bereits im Rekursverfahren ist vorliegend umstritten, ob der Beschwerdegegner
auf das Revisionsbegehren des Beschwerdeführers zu Recht nicht eingetreten ist.
2.1. Die Ausführungen der Vorinstanz, unter welchen tatbeständlichen und rechtlichen
Voraussetzungen eine rechtskräftige Veranlagung zugunsten des Steuerpflichtigen in
einem Revisionsverfahren abgeändert werden kann, sind korrekt, weshalb – anstelle
von Wiederholungen – darauf verwiesen werden kann (vgl. E. 2a des angefochtenen
Entscheids). Hervorzuheben ist, dass nach ständiger Praxis im Interesse der
Rechtssicherheit an die Sorgfaltspflicht des Steuerpflichtigen keine zu geringen
Anforderungen gestellt werden dürfen. Für die Frage des Eintretens auf ein
Revisionsgesuch ist einzig massgebend, ob der Gesuchsteller die geltend gemachten
Gründe bei zumutbarer Sorgfalt mit einem ordentlichen Rechtsmittel hätte vorbringen
können oder nicht. Ob sich die Veranlagungsbehörde ihrerseits in einem Irrtum oder in
Unkenntnis über entscheidende Tatsachen befunden hat, ist erst bei der Frage
bedeutsam, ob ein Gesuch um Wiederaufnahme begründet ist oder nicht. Erst auf
dieser Stufe ist somit zur Frage der Sorgfalt der Behörde Stellung zu nehmen und nicht
bei der Frage des Eintretens, welche allein von der zumutbaren Sorgfalt des
Gesuchstellers abhängt (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 1183; VerwGE B 2006/162 vom
15. März 2007 E. 2.6.2, www.gerichte.sg.ch). Nicht als Revisionsgründe gelten die
unvollständige oder unrichtige Beurteilung (Rechtsirrtum), eine Praxisänderung durch
die Veranlagungs- oder Justizbehörden, die Rechtsunkenntnis des Steuerpflichtigen
oder neue Schätzungen oder Bewertungen (Zigerlig/Oertli/Hofmann, Das st. gallische
Steuerrecht, 7. Aufl. 2014, S. 418).
2.2. Die Vorinstanz ist zur Auffassung gelangt, die Nachsteuerverfügung vom 4. Mai
2012 sei unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Der Beschwerdegegner habe die
Aktienwerte gemäss den Richtlinien über die Bewertung von Wertpapieren ohne
Kurswert ermittelt und dies dem Steuerpflichtigen mit Schreiben vom 3. Februar 2012
offengelegt. Diese Werte seien als Grundlage für die Festsetzung der Nachsteuern
verwendet worden. Für die Auffassung der steuermindernden Tatsache, dass die
Aktien tiefer zu bewerten seien, sei der Beschwerdeführer beweispflichtig gewesen.
Wäre er mit der Bewertung gemäss den geltenden Richtlinien nicht einverstanden
gewesen, hätte er den Steuerwert via Steuerbehörde des Sitzkantons Zug anfordern
und einreichen können, worauf ihn der Beschwerdegegner auch hingewiesen habe.
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Dies habe er jedoch unterlassen. Die Begründung, er sei damals unter Druck gesetzt
worden, ändere daran nichts.
Der Beschwerdeführer macht dagegen im Wesentlichen geltend, das
Nachsteuerverfahren sei deshalb eingeleitet worden, weil er davon ausgegangen sei,
der Substanzwert der Aktien werde aufgrund des durch die Revisionsstelle erstellten
und von der Generalversammlung abgenommen Jahresabschlusses automatisch in
seine Steuerveranlagung übertragen, was er nicht kontrolliert habe. Er sei sich daher
eines Verschuldens gar nicht bewusst gewesen. Die Steuerkommissärin habe ihm den
beschränkten Spielraum erläutert und über die ermittelten Substanzwerte nicht
diskutieren wollen. Ausserdem hätten sie über die Möglichkeiten eines Rekurses
gesprochen, wobei ihm nach Abwägung der Dinge die Akzeptierung und Bezahlung
der Nachsteuer als bessere Lösung erschienen sei. Damals habe er nicht gewusst,
dass noch ein Strafbefehl erlassen werde. Im nachfolgenden Jahr habe er dann beim
Steueramt vorgesprochen und nach längeren Diskussionen und Erläuterungen erreicht,
dass der Substanzwert der Aktien der Q. AG von CHF 7‘700 auf CHF 1‘000 reduziert
worden sei. Es könne nicht sein, dass man „genötigt“ werde, einer
Nachsteuerverfügung zuzustimmen, und zwei Jahre später ein Steuerwert der
nämlichen Aktien von nur noch einem Achtel ermittelt und bestätigt werde.
2.3. Wertpapiere ohne Kurswert werden nach dem inneren Wert bewertet (Art. 56
Abs. 1 StG). Die Aktienwerte werden gemäss der Wegleitung zur Bewertung von
Wertpapieren ohne Kurswert für die Vermögenssteuer vom Sitzkanton der zu
bewertenden Gesellschaft – vorliegend somit von der Steuerverwaltung des Kantons
Zug – ermittelt (vgl. Kreisschreiben 28 der Schweizerischen Steuerkonferenz, in der bis
31. Dezember 2007 gültigen Fassung, www.steuerkonferenz.ch/?Dokumente). Für die
Abfrage der Bewertung der Aktien besteht zwischen der Eidgenössischen
Steuerverwaltung (EStV) und den Kantonen das Kommunikationsnetz
„Wertschriftenverzeichnis“ (WVK), welches den Steuerverwaltungen der daran
angeschlossenen Kantone sowie der EStV den Austausch veranlagungsrelevanter
Wertschriftendaten ermöglicht (vgl. www.ewv-ete.ch).
2.4. Nach dem Vertrauensprinzip darf die Steuerbehörde davon ausgehen, dass der
Steuerpflichtige seine Pflicht zur wahrheitsgetreuen und vollständigen Deklaration
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erfüllt. Sie darf sich grundsätzlich auf die Richtigkeit der Steuererklärung verlassen und
muss eine weitergehende Untersuchung erst im Zweifelsfall anstellen. Die
Veranlagungsbehörde muss insbesondere keine Quervergleiche mit Akten anderer
Steuerpflichtiger vornehmen oder im Steuerdossier nach ergänzenden Unterlagen
suchen (vgl. Zigerlig/Oertli/Hofmann, a.a.O., S. 415, mit weiteren Hinweisen; Urteil des
Bundesgerichts 2A.108/2004 vom 31. August 2004 E. 4.1). Der Einwand des
Beschwerdeführers, er sei davon ausgegangen, der Substanzwert der Aktien sei
aufgrund des durch die Revisionsstelle der Q. AG erstellten Jahresabschlusses
automatisch in seine Steuerveranlagung übertragen worden, ist daher unbehelflich. Da
der Beschwerdeführer es unterliess, in den Steuererklärungen für die Jahre 2003 bis
2005 die von ihm gehaltenen Aktien der Q. AG zu deklarieren, ist die Einleitung eines
Nachsteuerverfahrens nicht zu beanstanden.
2.5. Die Wertabfrage beim WVK betreffend Q. AG durch den Beschwerdegegner ergab
für die Jahre 2003 und 2004 einen Steuerwert von CHF 4‘800. Da für das Jahr 2005
lediglich der Nennwert von CHF 1‘000 – nicht aber der Verkehrswert – erfasst war,
stellte der Beschwerdegegner auf den Vorjahreswert ab. Mit Schreiben vom 3. Februar
2012 wurden dem Beschwerdeführer die entsprechenden Aktienwerte offengelegt und
ihm die Möglichkeit eingeräumt nachzuweisen, dass der Steuerwert der Aktien für das
Jahr 2005 nicht demjenigen der Jahre 2003 und 2004 entsprach. Am 12. März 2012
teilte der Beschwerdeführer mit, anstelle von CHF 4‘800 sei für das Jahr 2004 von
einem Wert von CHF 3‘780 und für das Jahr 2005 von einem Wert von CHF 2‘590
auszugehen; für das Jahr 2003 dürfte sich sodann ein mit 2005 identischer Wert
ergeben (vgl. act. 8/6/IV). Der Beschwerdeführer ging folglich bereits im
Nachsteuerverfahren davon aus, dass der Steuerwert der Aktien tiefer sei als vom
Beschwerdegegner angenommen. Gemäss eigenen Angaben im Schreiben vom
12. März 2012 erfragte er dabei die Steuerwerte für die Jahre 2004 und 2005 bei der
Steuerverwaltung des Kantons Zug. Ihm wäre es daher ein Leichtes gewesen, gegen
die Nachsteuerverfügung vom 4. Mai 2012 die nötigen Rechtsmittel zu ergreifen, was
er aber – aus welchen Gründen auch immer – unterliess, worauf die
Nachsteuerverfügung in Rechtskraft erwuchs. Von einer „Nötigung“, die
Nachsteuerverfügung zu akzeptieren, kann unter den genannten Umständen nicht
gesprochen werden, und sie würde überdies nichts ändern, sofern kein strafrechtlich
relevanter Tatbestand vorliegt. Der klare Wortlaut von Art. 197 Abs. 2 StG lässt weiter
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unter Berücksichtigung von Treu und Glauben nicht den Schluss zu, dass ein Eintreten
auf ein Revisionsgesuch zulässig wäre, wenn dem Steuerpflichtigen die
Geltendmachung eines Fehlers im ordentlichen Verfahren möglich gewesen wäre, die
Veranlagungsbehörde jedoch bei ihrem Entscheid selbst zu wenig sorgfältig war. Im
Steuerrecht ist die Tragweite des Grundsatzes von Treu und Glauben wegen des
Legalitätsprinzips von vornherein geringer als in anderen Rechtsgebieten (vgl. VerwGE
B 2006/162 vom 15. März 2007 E. 2.6.2, www.gerichte.sg.ch). Aus dem Gesagten
folgt, dass selbst wenn dem Beschwerdegegner eine mangelnde Sorgfalt im
Zusammenhang mit der Bewertung der Aktien vorgeworfen werden könnte, er auf das
Revisionsgesuch zu Recht nicht eingetreten ist.
2.6. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist, soweit darauf
eingetreten werden kann.
3. (...).