Decision ID: a45ae844-54fe-55d7-9502-f1e4ee70be8f
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin, eine kamerunische Staatsangehörige der Ethnie
der Bamileké, reichte am 29. Juli 2019 zusammen mit ihrer Schwester (D-
5411/2019 / N 718 653) ein Asylgesuch ein und wurde dem Bundesasyl-
zentrum BAZ der Region (...) zugewiesen. Am 26. August 2019 fand die
Erstbefragung für minderjährige Asylsuchende (UMA EB) statt. Im An-
schluss wurde ihr das rechtliche Gehör zu ihrer Minderjährigkeit sowie zu
ihrer Identität gewährt.
Anlässlich der Erstbefragung legte sie dar, sie heisse B._ und sei
am (...) geboren. Den Visumsantrag unter dem Namen A._, gebo-
ren am (...), könne sie nicht erklären, da sie diesen Antrag nicht selber
gestellt habe. Sie sei lediglich mit ihrer Halbschwester und einem Mann
beziehungsweise ihrem Vater auf die Schweizer Botschaft in Yaoundé
(nachfolgend: Botschaft) und habe dort ihre Fingerabdrücke abgegeben.
Mit diesem Visum sei sie in der Folge legal in die Schweiz eingereist. Sie
habe ihr Heimatland aufgrund von Unruhen verlassen.
Anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs wurde die Beschwerde-
führerin darüber informiert, dass auf der Botschaft ein Hinweis eingegan-
gen sei, die Identität, die sie im Rahmen ihres Asylgesuchs angegeben
habe, sei nicht ihre wahre Identität. Sie würde C._ oder D._
heissen und bereits 22 Jahre alt sein. Die Beschwerdeführerin erklärte,
diesen Namen zum ersten Mal zu hören und das Alter stimme nicht.
B.
Mittels des von der Vorinstanz in Auftrag gegebenen medizinischen Gut-
achtens vom 19. September 2019 des (...) wurde festgestellt, bei der Be-
schwerdeführerin lasse sich die Vollendung des 18. Lebensjahres und da-
mit das Erreichen der Volljährigkeit nicht mit der notwendigen Sicherheit
belegen. Das Gutachten wurde ihrer Rechtsvertreterin am 23. September
2019 zur Kenntnis gebracht.
C.
Am 26. September 2019 wurde die Beschwerdeführerin vertieft zu ihren
Asylgründen angehört. Dabei brachte sie im Wesentlichen vor, ihre wäh-
rend der Erstbefragung angegebene Identität sei falsch, ihre wahre Identi-
tät sei jene, die sie anlässlich des der Vorinstanz zur Verfügung stehenden
Visumsantrags angegeben habe. Sie sei in vor ihrer Ausreise durch ihre
Mutter dahingehend instruiert worden, in der Schweiz den Namen
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B._ zu nennen. Sie habe ihr ganzes Leben bis auf zwei Jahre, wel-
che sie in einem Internat verbracht habe, mit ihren Eltern, E._ und
F._ zusammengelebt, wobei sie zur Mutter keine gute Beziehung
gehabt habe. Diese habe sie oft beschimpft und geschlagen, dies manch-
mal mit den Händen, manchmal mit dem Besen oder einer Keule. Der Vater
habe sie oft angeschrien. Als Grund für ihre Ausreise gab die Beschwerde-
führerin an, aufgrund der Arbeit ihres Vaters hätten sie Angst vor einer Ent-
führung gehabt. Vor ungefähr drei Jahren seien sie bereits einmal, zusam-
men mit vielen anderen, von Unbekannten aus der Schule mitgenommen
und während eines Tages festgehalten worden. Ihre Mutter habe ihr ge-
sagt, sie solle zu ihrem Schutz, wenn sie gefragt werde den Namen
B._ angeben, da sie somit nicht mit ihrem Vater in Verbindung ge-
bracht werde. Vor ihrer Ausreise habe sie die Schule (...) besucht. Ausge-
reist sei sie zusammen mit ihrer Schwester und dem gemeinsamen Vater
während der Schulferien. Am 2. Juli 2019 sei sie in die Schweiz eingereist
und habe ohne Wissen des Vaters mit ihrer Schwester kurz vor der Rück-
reise ins Heimatland beschlossen, in der Schweiz zu bleiben.
Im Rahmen der Anhörung wurde ihr das rechtliche Gehör zu ihrer Identität
gewährt, wobei sie bestätigte, ihre richtige Identität und die familiären An-
gaben seien diejenigen, welche auf dem Visumantrag stehen würden.
D.
Am 16. und am 19. August 2019 gingen elektronische Denunziations-
schreiben bei der Botschaft ein, in welchen die Beschwerdeführerin und
ihre Schwester einer falschen Identität, der Volljährigkeit sowie des Asyl-
missbrauchs bezichtigt wurden. Weiter wurde erklärt, zwischen den Mäd-
chen und dem angeblichen Vater bestehe keine familiäre Verbindung, die-
ser habe seine Position als Beamter und Richter ausgenutzt und falsche
Dokumente, inklusive Pässe, für sie fabriziert. Dazu wurde ihr am 26. Au-
gust 2019 das rechtliche Gehör gewährt und die Denunziationsschreiben
wurden in anonymisierter Form am 1. Oktober 2019 ihrer Rechtsvertreterin
zur Kenntnis gebracht. Am 19. August 2019 ging sodann ein Denunziati-
onsschreiben gleichen Absenders bei der Kantonspolizei Bern ein, welches
am 20. August 2019 ans SEM weitergeleitet wurde. Diesem ist zusätzlich
zu entnehmen, die Beschwerdeführerin und ihre Schwester hätten sich mit
Hilfe ihres Onkels, welcher in der Schweiz lebe, beim Asylzentrum gemel-
det, wobei dieser die Daumen der Mädchen mit einem Bügeleisen ver-
brannt habe, um die Fingerabdrücke unkenntlich zu machen.
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E.
Am 3. Oktober 2019 wurde der Beschwerdeführerin die angefochtene Ver-
fügung im Entwurf zur Stellungnahme ausgehändigt, wozu sie – handelnd
durch ihre Rechtsvertretung – am Folgetag Stellung nahm.
F.
Mit Verfügung vom 7. Oktober 2019 – gleichentags eröffnet – wies die Vo-
rinstanz das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab und stellte fest, dass
sie die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Gleichzeitig wurde die Wegwei-
sung aus der Schweiz sowie deren Vollzug angeordnet.
G.
Die Beschwerdeführerin focht mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom
16. Oktober 2019 die Verfügung des SEM beim Bundesverwaltungsgericht
an und beantragte, die Verfügung sei aufzuheben und die Sache zur Neu-
beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht er-
suchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Ver-
zicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Vereinigung des
Verfahrens mit demjenigen ihrer Schwester (N 718 653).
H.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
17. Oktober 2019 in elektronischer Form vor (Art. 109 Abs. 1 AsylG [SR
142.31]).
I.
Die Instruktionsrichterin bestätigte den Eingang der Beschwerde am
25. Oktober 2019.
J.
Am 4. Dezember 2019 sowie am 14. Januar, am 28. April, am 12. Mai und
am 26. August 2020 übermittelte das SEM dem Bundesverwaltungsgericht
verschiedene Emails, die betreffend die Beschwerdeführerin und ihre
Schwester bei der Botschaft eingegangen sind.
K.
Mit Verfügung vom 17. April 2020 bewilligte das Departement des Innern
des Kantons (...) die Aufnahme der Beschwerdeführerin und ihrer Schwes-
ter als Pflegekinder bei einer Pflegemutter.
L.
Mit Entscheid vom 10. Juni 2020 wurde für die Beschwerdeführerin eine
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Beistandschaft nach Art. 306 Abs. 2 ZGB errichtet und der Mandatsperson
die Aufgabe übertragen, sie an Stelle der abwesenden Eltern in sämtlichen
Belangen der elterlichen Sorge zu vertreten. Als Mandatsperson wurde
G._, (...), eingesetzt.
M.
Am 30. März 2021 informierte die Rechtsvertreterin darüber, dass sich die
Beschwerdeführerin vor einigen Wochen in psychotherapeutische Behand-
lung begeben habe und reichte eine entsprechende Überweisung der All-
gemeinärztin zu den Akten. Gleichzeitig ersuchte sie um prioritäre Behand-
lung des Verfahrens.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,
ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung; sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und
Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
1.4 Das Urteil in vorliegender Sache ergeht zeitgleich mit demselben
Spruchgremium wie dasjenige der Schwester (Urteil D-5411/ 2019). Die
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Verfahren wurden koordiniert behandelt. Der Antrag auf Vereinigung der
Verfahren wird abgelehnt.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Eingangs ist festzuhalten, dass vorliegend ein Altersgutachten die Min-
derjährigkeit der Beschwerdeführerin bestätigt und dies von der Vorinstanz
anerkannt wurde. Sie ist somit bis zu ihrer Volljährigkeit als Minderjährige
zu behandeln.
4.2 Die Vorinstanz geht aufgrund der Visumsunterlagen davon aus, dass
die Beschwerdeführerin am (...) geboren wurde. Damit war sie zum Zeit-
punkt der Asylgesuchstellung (...) Jahre alt und ist heute (...)-jährig.
5.
5.1 Vorab ist daran zu erinnern, dass das SEM in Verfahren von minder-
jährigen Asylsuchenden an gewisse Anforderungen gebunden ist.
5.2 So muss es sich, sollten Zweifel an der Minderjährigkeit bestehen, dazu
vor der Anhörung zu den Asylgründen äussern. Dabei kann es sich auf vor-
gelegte authentische Ausweispapiere, auf die Schilderungen anlässlich der
Anhörung sowie auf eine allfällige Altersabklärung stützen. Die Beweislast
trägt grundsätzlich die asylsuchende Person (vgl. Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts E-1928/2014 vom 24. Juli 2014, E. 2.2.1; EMARK 2004/30
E. 5 und 6; siehe auch Art. 17 Abs. 3bis AsylG).
5.3 Wird von der Minderjährigkeit ausgegangen und handelt es sich um
eine unbegleitete minderjährige Person, muss das SEM geeignete Mass-
nahmen ergreifen, um den Schutz derer Rechte zu gewährleisten (vgl.
a.a.O. E-1928/2014 E. 2.2.2; EMARK 1999 Nr. 2 E. 5 und 1998 Nr. 13 E.
4bb). Das SEM ist verpflichtet, die zuständigen kantonalen Behörden über
die Minderjährigkeit des Antragstellers zu informieren, damit diese die ent-
sprechenden vormundschaftlichen Massnahmen ergreifen und eine Ver-
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trauensperson bestellen können, insbesondere, wenn entscheidende Ver-
fahrensschritte, wie beispielsweise eine Anhörung zu den Asylgründen, ge-
plant sind (vgl. Art. 17 Abs. 3 AsylG und Art. 7 Abs. 2 der Asylverordnung 1
vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]; siehe auch Art. 64 Abs. 4 AIG).
Im vorliegenden Fall wurden diese gesetzlichen Anforderungen durch die
Vorinstanz erfüllt. Nachdem das in Auftrag gegebene Altersgutachten die
Minderjährigkeit der Beschwerdeführerin bestätigt hatte, wurde diese im
Verfahren als solche behandelt und die entsprechenden Schritte wurden
unternommen.
5.4 Schliesslich erfordert der Status des unbegleiteten Minderjährigen im
Lichte des in Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. November 1989
über die Rechte des Kindes (nachfolgend: KRK, SR 0.107) verankerten
Grundsatzes des Kindeswohls, dass die Asylbehörde den Vollzug der Weg-
weisung von der Erfüllung bestimmter Bedingungen abhängig macht (vgl.
Art. 69 Abs. 4 AIG sowie EMARK 2006 Nr. 24 E. 6.2). Da dieser Punkt im
vorliegenden Fall strittig ist, wird er im Folgenden detailliert zu behandeln
sein (vgl. nachfolgend E. 11.5).
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).
6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
7.
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7.1 Die Vorinstanz führte im Wesentlichen aus, die Beschwerdeführerin
habe aufgrund der unterschiedlichen Angaben zu ihrer Identität sowie zu
ihrem familiären Umfeld die Identifizierung erschwert und somit ihre Mitwir-
kungspflicht im Asylverfahren verletzt. Das SEM stütze sich bei der Fest-
stellung ihrer Identität auf die Dokumente, welche mit dem Visumsantrag
eingereicht wurden. Da ein Visum ausgestellt worden sei, müsse von deren
Echtheit ausgegangen werden. Zudem habe die Beschwerdeführerin diese
Identität zuletzt selber angegeben und nicht bestritten. Zum Vorbringen der
Beschwerdeführerin, das Internat in Bamenda sei von Personen mit Stei-
nen beworfen worden, es sei immer wieder zu Explosionen gekommen und
sie sei einmal aus der Schule mitgenommen und während eines Tages
festgehalten worden, führte die Vorinstanz an, dass keine Hinweise auf
eine gezielte Verfolgung ihrer Person vorliegen würden. Ferner habe die
Beschwerdeführerin angegeben, Kamerun zwecks Ferien verlassen zu ha-
ben, womit das drei Jahre zurückliegende Ereignis nicht ausschlaggebend
für ihre Ausreise gewesen sei. Diesem Vorbringen fehle es somit an der
asylrelevanten Gezieltheit und Kausalität. Auch das Vorbringen, sie sei von
ihrer Mutter geschlagen worden, vermöge keine Asylrelevanz zu entfalten,
zumal es sich dabei um familiäre Probleme handle, denen kein asylrele-
vantes Motiv zu Grunde liege. Sodann komme auch dem Vorbringen, sie
fürchte sich aufgrund der Tätigkeit ihres Vaters vor einer Entführung, keine
Asylrelevanz zu. So habe sie diesbezüglich lediglich angegeben, junge
Mädchen würden entführt und man würde von ihnen verlangen, sich in die
Luft zu sprengen. Manchmal würde von den Eltern Geld verlangt. Den Ak-
ten seien aber keine Hinweise darauf zu entnehmen, dass sie aufgrund der
genannten Gründe eine asylrelevante Verfolgung erlebt oder zu befürchten
hätte. Anlässlich der Anhörung habe sie angegeben, ausser dem Fragen
nach ihrem Namen und dem einen Tag, an dem sie festgehalten worden
sei, sei nichts Weiteres vorgefallen, das sie persönlich betreffe. Es würden
keinerlei konkrete Indizien vorliegen, die ihre Furcht als realistisch und
nachvollziehbar erscheinen liessen. Eine Verfolgung aus diesem Grund sei
als unwahrscheinlich anzusehen.
7.2 In ihrer Beschwerde rügte die Beschwerdeführerin, die Vorinstanz habe
ihre Identität ungenügend abgeklärt. Das SEM sei von der nunmehr fest-
gestellten Identität der Beschwerdeführerin nicht überzeugt und habe die
Dokumente, anhand derer das Visum ausgestellt worden sei, früher im Ver-
fahren als klare Fälschungen betitelt. Dennoch stütze sie sich nun auf diese
Identität ab. Die drei eingegangenen Denunziationsschreiben würden
keine sachdienlichen Angaben enthalten, weshalb auf die darin enthalte-
nen Angaben hinsichtlich ihrer Identität und ihres Alters nicht abgestützt
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werden dürfe, zumal ihre Minderjährigkeit festgestellt worden sei. Sodann
falle beispielsweise auf, dass der Denunziant zwar behaupte, die Be-
schwerdeführerin habe eine andere Identität, diese aber nicht angeben
könne beziehungsweise Namen und Alter nur ungenau angeben und über
Familienverbindungen keine Angaben machen könne. Zutreffend sei, dass
sie bezüglich ihrer Identität nicht konsistente Angaben gemacht habe. An-
lässlich der EB UMA sowie des rechtlichen Gehörs habe sie auf alle Anwe-
senden blockiert und ängstlich gewirkt. Es sei klar erkennbar gewesen,
dass sie unter Druck stehe und von verschiedenen Seiten beeinflusst
werde. Im Verfahren mit unbegleiteten Minderjährigen sei es von grösster
Bedeutung, detaillierte Informationen zur Person, Identität und zur familiä-
ren Betreuung beziehungsweise zu den Personen oder Einrichtungen, un-
ter deren Obhut und Verantwortung die unbegleitete minderjährige Person
gestanden habe, ehe sie ihr Land verlassen habe, einzuholen. Das Asyl-
gesuch, aber insbesondere auch die Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Mög-
lichkeit eines Wegweisungsvollzugs seien von Amtes wegen zu prüfen. Die
Vorinstanz habe bei unbegleiteten Minderjährigen eine erhöhte Untersu-
chungspflicht und könne nicht den gleichen Massstab ansetzen, wie bei
einer erwachsenen Person. Vorliegend habe die Vorinstanz keinerlei wei-
tere Nachforschungen vor Ort angeordnet, um die Identität der Beschwer-
deführerin zu klären.
7.3 Den bis anhin insgesamt acht bei der Vorinstanz eingegangenen – von
zwei verschiedenen Absendern geschickten – Denunziationsschreiben
kann zusammenfassend im Wesentlichen folgendes entnommen werden:
Der auf dem Visumsantrag angegebene Vater sei nicht der Vater der Be-
schwerdeführerin, diese sei nicht minderjährig, sondern 22 Jahre alt, ihr
wahrer Name laute D._ oder C._. Sie habe sich vor ihrer
Anmeldung im Asylzentrum während 10 Tagen (vgl. Mail vom 16. August
2019) beziehungsweise eines Monats (vgl. Mail vom 19. August 2019) bei
einem Onkel aufgehalten, welcher sie nicht nur ins Zentrum gebracht, son-
dern sich davor die Mühe gemacht habe, ihre Daumen mit einem Bügelei-
sen zu verbrennen, um einen Fingerabdruckvergleich zu verunmöglichen.
Später wurde darüber informiert, die Mädchen seien angewiesen worden,
mit Suizid zu drohen, falls man sie nach Hause schicke. Diese seien nie
Opfer von Verfolgung gewesen, die vom angeblichen Vater zugestellten
Bilder würden nicht sie zeigen, sie seien nie im Norden Kameruns gewe-
sen. Sie würden geltend machen, dass ihnen Genitalverstümmelung
drohe, was nicht wahr sei, diese Praxis habe im Westen Kameruns nie
existiert. Beim angeblichen Vater handle es sich um den Onkel mütterli-
cherseits. Die Beschwerdeführerin und ihre Schwester hätten in Douala
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studiert, die Geburtsurkunden seien gefälscht, die Beschwerdeführerin sei
im Jahr 1998 geboren, die Schwester sei 18 Jahre alt. Sie hätten vor, ihre
ganze Familie nachzuziehen. Sie würden das Geld, das sie in der Schweiz
erhielten, ihren Eltern schicken und hätten vor, den jeweiligen Bruder der
anderen zu heiraten, sobald sie Papiere erhielten.
8.
Das SEM führte in seiner Verfügung aus, die Vorbringen der Beschwerde-
führerin seien nicht asylrelevant. Den entsprechenden Erwägungen kann
sich das Gericht vollumfänglich anschliessen. Zur Vermeidung von Wieder-
holungen kann auf diese verwiesen werden. Insbesondere ist festzuhalten,
dass sich der Beschreibung der geltend gemachten Entführung keine Hin-
weise auf eine gezielte Verfolgung der Beschwerdeführerin entnehmen las-
sen. Ausserdem liegt dieser Vorfall bereits drei Jahre zurück und sie gab
selber an, keine persönlichen Probleme gehabt, sondern Kamerun zwecks
Ferien verlassen zu haben. Beim Vorbringen, sie sei ihr ganzes Leben von
ihrer Mutter geschlagen und beschimpft worden, handelt es sich sodann
um ein familiäres Problem, dem kein asylrelevantes Motiv zugrunde liegt.
Auch aus dem Vorbringen, ihr Vater habe aufgrund seiner Arbeit Probleme
und sie fürchte sich davor, deshalb entführt oder umgebracht zu werden,
kann keine asylrelevante Verfolgung abgeleitet werden. Den Aussagen der
Beschwerdeführerin sind keine Hinweise darauf zu entnehmen, dass sie
eine asylrelevante Verfolgung erlebt oder zu befürchten hätte. So hat sie
ausgesagt, ausser dem Fragen nach ihrem Namen sei nichts weiter vorge-
fallen. Es ist nicht von einer Intensität der erlittenen Nachteile im Sinne von
Art. 3 AsylG auszugehen. Somit liegt keine Vorverfolgung vor. Auch sind
weder den Akten noch den Aussagen der Beschwerdeführerin Anhalts-
punkte zu entnehmen, die darauf hinweisen würden, dass sie im Heimat-
staat ernsthaften Nachteilen im Sinne des Asylgesetzes ausgesetzt gewe-
sen ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen mit gewisser Wahr-
scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft ausgesetzt zu werden. Dabei ist
erneut darauf hinzuweisen, dass sie selber geltend gemacht hat, in die
Schweiz gereist zu sein um hier Ferien zu machen. In der Beschwerde fin-
den sich sodann keine weiteren Ausführungen diesbezüglich. In Würdi-
gung der gesamten Aktenlage kommt das Bundesverwaltungsgericht zu-
sammenfassend zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin keine Gründe
nach Art. 3 AsylG nachweisen konnte. Das SEM hat ihr Asylgesuch dem-
zufolge zu Recht abgelehnt.
9.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, verfügt es
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in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an;
es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie.
Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Auf-
enthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen
(Art. 44 Abs. 1 AsylG, Art. 32 AsylV 1). Die Wegweisung wurde demnach
zu Recht angeordnet.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
9.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
10.
10.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April
1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984
gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende
Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Kon-
vention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder un-
menschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen
werden.
10.2 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Refoulementverbots nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der
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Seite 12
Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, findet der in Art. 5
AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-
fahren keine Anwendung. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in ihren
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Des Weiteren ergeben sich weder aus den Aussagen der
Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für
den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe
oder Behandlung ausgesetzt wäre. Auch die allgemeine Menschenrechts-
situation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen
Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Ferner vermag die Beschwerde-
führerin auch aus der KRK nichts abzuleiten, was gegen die Zulässigkeit
ihres Wegweisungsvollzugs sprechen würde. Nach dem Gesagten ist der
Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völker-
rechtlichen Bestimmungen zulässig.
11.
11.1 Nach Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren. Der Verzicht auf den Wegweisungsvollzug erfolgt
im Anwendungsbereich von Art. 83 Abs. 4 AIG – im Unterschied zum Un-
zulässigkeitstatbestand von Art. 83 Abs. 3 AIG – nicht wegen völkerrechtli-
cher Verpflichtungen, sondern aus humanitären Gründen. Eine konkrete
Gefährdung kann sich für eine ausländische Person somit nicht nur als
Folge exzessiver Gewalt ergeben, sondern etwa auch deshalb, weil ihr auf-
grund einer desolaten humanitären Lage im Heimat- oder Herkunftsstaat
die materiellen Lebensgrundlagen entzogen sind (vgl. BVGE 2011/7 E.
9.9.1). Eine solche Situation liegt insbesondere vor, wenn die ausländische
Person bei einer Rückkehr „wegen der vorherrschenden Verhältnisse mit
grosser Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich in völlige Armut gestossen
würde, dem Hunger und somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres
Gesundheitszustandes, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert
wäre“ (vgl. BVGE 2011/24 E. 11.1; 2009/52 E.10.1; 2009/51 E.5.5; 2009/28
E. 9.3.1). Der Hinweis auf eine medizinische Notlage in Art. 83 Abs. 4 AIG
verdeutlicht, dass eine konkrete Gefährdung nicht zwingend in der allge-
meinen Situation im Heimat- oder Herkunftsstaat begründet sein muss.
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Eine ausländische Person kann auch aus individuellen Gründen wirtschaft-
licher, sozialer oder gesundheitlicher Natur konkret gefährdet sein (vgl.
BVGE 2011/25 E. 8.3; BVGE 2014/26 E.7.5). Die Beantwortung der Frage,
ob die Ausländerin oder der Ausländer im Falle des Vollzugs der Weg- oder
Ausweisung im Heimat- oder Herkunftsstaat konkret gefährdet wäre, erfor-
dert eine Prognose, welche vor dem länderspezifischen Hintergrund im
Rahmen einer Einzelfallbeurteilung unter Berücksichtigung der Verhält-
nisse vor Ort und der individuellen Lebensumstände der betroffenen Per-
son vorzunehmen ist (vgl. BVGE 2014/26 E.7.7.4).
11.2 In Kamerun besteht keine Situation allgemeiner Gewalt, die sich über
das ganze Staatsgebiet oder weite Teile desselben erstrecken würde. Eine
gänzlich unsichere, von bewaffneten Konflikten oder permanent drohen-
den Unruhen dominierte Lage, aufgrund derer die Beschwerdeführerin bei
einer Rückkehr unvermeidlich einer konkreten Gefährdung ausgesetzt
wäre, besteht nicht.
11.3 Die Vorinstanz hielt bezüglich Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs fest, es seien keine individuellen Gründe ersichtlich, welche gegen
diese sprechen würden. Hinsichtlich des Kindeswohls sei festzuhalten,
dass die Aussagen der Beschwerdeführerin auf ein weiterhin bestehendes
emotionales wie auch wirtschaftliches Abhängigkeitsverhältnis zu ihrer Fa-
milie in der Heimat schliessen liessen. Eine Rückkehr in eine gewohnte
Umgebung und bekannte Strukturen sowie eine Wiedervereinigung mit der
Familie sei zu befürworten. Betreffend die geltend gemachten familiären
Probleme sei festzuhalten, dass ihr Vater sie bis anhin unterstützt habe und
davon auszugehen sei, dass er auch in Zukunft für ihr Wohlbefinden auf-
kommen könne. Dies insbesondere, zumal sie mit dem Vater auch seit ih-
rem Aufenthalt in der Schweiz noch in Kontakt stehe. Weiter sei es dem
Vater auch in Zukunft möglich, sie wie bis anhin finanziell zu unterstützen.
11.4 Die Beschwerdeführerin macht betreffend die individuelle Zumutbar-
keit des Wegweisungsvollzugs eine unvollständige Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts durch das SEM geltend. Es sei zwar zu-
treffend, dass sie bezüglich ihrer Identität im Verlauf des Verfahrens nicht
konsistente Angaben gemacht habe. Aber die Vorinstanz habe bei unbe-
gleiteten Minderjährigen eine erhöhte Untersuchungspflicht. Sie könne
nicht den gleichen Massstab ansetzen wie bei einer erwachsenen Person.
Vorliegend habe das SEM zwar die Identität der Beschwerdeführerin fest-
gestellt, sei von dieser jedoch offensichtlich nicht überzeugt. In Verfahren
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von unbegleiteten Minderjährigen sei es aber von grösster Bedeutung, de-
taillierte Informationen zur Person, deren Identität und zu den familiären
Verhältnissen einzuholen. In casu seien keinerlei weitere Nachforschungen
vor Ort angeordnet worden. Die Vorinstanz gebe die Verantwortung voll-
umfänglich an die Minderjährige ab und mache implizit eine Verletzung der
Mitwirkungspflicht geltend, obwohl offensichtlich sei, dass die Beschwer-
deführerin bezüglich Fragen zu ihrer Identität blockiert und von aussen be-
einflusst sei. Die Identität und die Familienverhältnisse der Beschwerde-
führerin seien nicht geklärt, weshalb bezüglich die Zumutbarkeit einer Weg-
weisung nicht darauf abgestellt werden könne, dass E._ der Vater
der Beschwerdeführerin sei.
11.5
11.5.1 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserhebli-
chen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht
bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist
die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und akten-
widriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt
worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechts-
wesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/
BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bun-
des, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
11.5.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die zuständige Behörde den Sachver-
halt von Amtes wegen fest. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundes-
verwaltungsgerichts verpflichten Art. 3 und 22 KRK die asylrechtlichen Be-
hörden, das Kindeswohl im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung als gewich-
tigen Aspekt zu berücksichtigen. Das SEM ist bezüglich unbegleiteter min-
derjähriger Asylsuchender verpflichtet abzuklären, ob Minderjährige zu ih-
ren Eltern oder anderen Angehörigen zurückgeführt werden können und
ob diese in der Lage sind, ihre Bedürfnisse abzudecken. Können die An-
gehörigen nicht ausfindig gemacht werden oder ergibt sich, dass die Rück-
kehr zu diesen dem Kindeswohl nicht entspricht, ist weiter abzuklären, ob
das Kind in der Heimat allenfalls in einer geeigneten Anstalt oder bei einer
Drittperson untergebracht werden kann. Diesbezüglich sind konkrete Ab-
klärungen vorzunehmen; blosse allgemeine Feststellungen, im Heimat- o-
der Herkunftsland würden Eltern oder andere Angehörige leben bezie-
hungsweise es gebe in dem betreffenden Land entsprechende Einrichtun-
gen, genügen nicht (vgl. EMARK 1997 Nr. 23 E. 5, 1998 Nr. 13 E. 5e/bb
sowie 2006 Nr. 24 E. 6.2.4).
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Auch gemäss Art. 69 Abs. 4 AIG hat die Vorinstanz vor der Ausschaffung
einer unbegleiteten minderjährigen Person sicherzustellen, dass diese im
Rückkehrstaat einem Familienmitglied, einem Vormund oder einer
Aufnahmeeinrichtung übergeben werden kann, welche den Schutz des
Kindes gewährleistet. Diese Norm übernimmt, mit einigen redaktionellen
Änderungen, den Art. 10 Abs. 2 der Richtlinie 2008/115/EG des
Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über
gemeinsame Normen und Verfahren in den Mitgliedstaaten zur
Rückführung illegal aufhältiger Drittstaatsangehöriger (nachfolgend:
Rückführungsrichtlinie; siehe auch Notenaustausch vom 30. Januar 2009
[SR 0.362.380.042]). Demnach ist die Anwendung der unter EMARK 1998
Nr. 13 E. 5e/bb, 1999 Nr. 2 E. 6b-6d sowie 2006 Nr. 24 E. 6.2.4 publizierten
Rechtsprechung, gemäss welcher der Vollzug von Wegweisungen
minderjähriger Asylsuchenden voraussetzt, dass bei der Abklärung des
Sachverhalts klargestellt worden ist, inwiefern die minderjährige Person
nach ihrer Rückkehr unter die Obhut eines Familienmitgliedes oder einer
besonderen Institution genommen werden kann, nach wie vor
gerechtfertigt. Dabei reicht die Feststellung, im Herkunftsland würden
geeignete Einrichtungen existieren, nicht aus. Diese konkreten
Abklärungen inklusive der allfälligen Übernahmezusicherungen einer
geeigneten Institution sind vor Erlass einer wegweisenden Verfügung des
SEM vorzunehmen respektive einzuholen, damit sie einer gerichtlichen
Überprüfung offenstehen (vgl. BVGE 2015/30 E. 7.3). In diesem Sinne
entschied jüngst auch der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH)
indem er im Zusammenhang mit der Auslegung der Bestimmungen der
Rückführungsrichtlinie feststellte, dass der betreffende Mitgliedstaat vor
Erlass einer Rückkehrentscheidung gegenüber einer unbegleiteten
minderjährigen Person eine umfassende und eingehende Beurteilung der
Situation derjenigen vornehmen und dabei das Wohl des Kindes
gebührend berücksichtigen müsse. In diesem Rahmen müsse sich der
Mitgliedstaat vergewissern, dass für Minderjährige eine geeignete
Aufnahmemöglichkeit im Rückkehrstaat zur Verfügung stehe (vgl. Urteil
des EuGH C-441/19 vom 14. Januar 2021, Rn 60).
Das SEM ist jedoch nur in dem Ausmass zur Untersuchung des Sachver-
haltes verpflichtet, wie man dies vernünftigerweise von ihm erwarten kann.
Der Untersuchungsgrundsatz wird durch die Mitwirkungspflichten einge-
schränkt, die das Gesetz vorsieht (ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwal-
tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich
1998, Rz. 269 f.). Die Mitwirkungspflicht von Gesuchstellenden betrifft ins-
besondere Tatsachen, die deren persönliche Situation betreffen und die die
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Seite 16
Gesuchstellenden besser kennen als die Behörden oder die von diesen
ohne die Mitwirkung jener gar nicht oder nicht mit vernünftigem Aufwand
erhoben werden können (vgl. BGE 128 II 139 E. 2b, BGE 130 II 449 E. 6.1;
PIERRE MOOR/ETIENNE POLTIER, Droit administratif, Bd. II, 3. Aufl., Bern
2011, S. 294 f., ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER,
Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 3.122).
Art. 13 VwVG verpflichtet die Parteien, an der Feststellung des Sachver-
haltes in Verfahren mitzuwirken, die sie durch ihr Begehren eingeleitet ha-
ben. Art. 8 AsylG konkretisiert diese Mitwirkungspflicht für das Asylverfah-
ren. Insbesondere verpflichtet Art. 8 Abs. 1 Bst. a AsylG Asylsuchende
dazu, ihre Identität offenzulegen. Die Identität einer Person ist eine Tatsa-
che, die von den Behörden ohne die Mitwirkung der Gesuchstellenden gar
nicht oder nicht mit vernünftigem Aufwand festgestellt werden kann. Die
Mitwirkungspflicht trifft grundsätzlich auch unbegleitete minderjährige Asyl-
suchende, soweit diese dazu aufgrund ihres Alters, ihrer Reife und ihrer
Ausbildung in der Lage sind. In der Beurteilung von Verletzungen der Mit-
wirkungspflicht sind die Umstände des Einzelfalles zu beachten
(vgl. EMARK 1999 Nr. 2 E. 6d).
Die Verpflichtung, sicherzustellen, dass unbegleitete minderjährige Asylsu-
chende nach ihrer Rückkehr unter die Obhut ihrer Eltern, anderer Famili-
enmitglieder oder einer geeigneten Institution gestellt werden können, re-
sultiert aus der KRK. Damit vom Vorliegen einer Betreuung ausgegangen
werden kann, muss die Vorinstanz sich auf festgestellte Tatsachen stützen,
welche aus den Akten ersichtlich sind, andernfalls müssen geeignete Ab-
klärungen getroffen werden (vgl. insbesondere EMARK 2006 Nr. 24 E. 6.2;
ausserdem Urteile des Bundesverwaltungsgerichts E-1279/2014 vom
7. September 2015 E. 5.1.6; E-4895/2014 vom 4. Dezember 2014 E. 6.3;
D-990/2014 vom 27. März 2014 S. 3; D-5414/2010 vom 9. Januar 2013 S.
8). Bei diesen Abklärungen handelt es sich um notwendige Informationen
zur Beurteilung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges. Die Abklä-
rungspflicht des SEM wird einzig durch die Minderjährigkeit der betreffen-
den Person begründet. Steht diese fest, kann auch eine Verletzung der
Mitwirkungspflicht das SEM grundsätzlich nicht von der Verpflichtung ent-
binden abzuklären, ob die unbegleitete minderjährige Person bei einer
Rückkehr eine geeignete Unterkunft erhält – sei dies bei Familienangehö-
rigen oder, wenn diesbezüglich keine Informationen vorliegen oder dies
nicht möglich ist, in einer geeigneten Institution. Nur in Ausnahmefällen, in
welchen das Ausmass der Mitwirkungspflichtsverletzung eine Abklärung
durch die Vorinstanz vollkommen verunmöglicht, da dieser jegliche An-
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haltspunkte fehlen, kann diese Abklärungspflicht erlöschen. Dies wäre bei-
spielsweise der Fall, wenn sich die Person in Bezug auf ihre Nationalität
und Herkunft so widerspricht, dass weder Abklärungen betreffend die fami-
liäre Situation möglich sind noch eine geeignete Institution gesucht werden
kann. Diese Pflicht der Vorinstanz, den Sachverhalt von Amtes wegen fest-
zustellen, ist begründet mit der Minderjährigkeit und dem damit einherge-
henden Anspruch auf Schutz durch den Staat, welcher sich aus der KRK,
aus der Rückführungsrichtlinie (vgl. Art. 5 Bst. a und Art. 10 derselben) und
nicht zuletzt auch aus der Bundesverfassung ergibt (vgl. Art. 11 BV). Dabei
ist zu präzisieren, dass aus diesen Bestimmungen, die zum Teil eher pro-
grammatischer Natur sind, zwar eine Pflicht der Abklärung von Amtes we-
gen, aber regelmässig kein unmittelbarer Anspruch auf Feststellung der
Unzumutbarkeit beziehungsweise Erteilung einer ausländerrechtlichen Be-
willigung abgeleitet werden kann. Eine Verletzung der Mitwirkungspflicht
wird regelmässig – nach erfolgten Abklärungen – bei der Beurteilung der
Zumutbarkeit zum Tragen kommen.
11.5.3 Bei der Beschwerdeführerin wurde ein Altersgutachten erstellt und
die Vorinstanz ging aufgrund der Ergebnisse desselben von ihrer Minder-
jährigkeit aus (vgl. oben E. 4).
11.5.4 Die Beschwerdeführerin machte im Laufe des Verfahrens unter-
schiedliche Angaben zu ihrer Identität indem sie anlässlich der Erstbefra-
gung angab, sie heisse B._ und sei am (...) geboren, später bei der
Anhörung jedoch eingestand, ihr Name und ihr Geburtsdatum würden mit
den Angaben des Visumantrags übereinstimmen und A._, geboren
am (...), lauten. Für beide Identitäten reichte sie Geburtsurkunden ein. Da-
mit steht fest, dass sie – zumindest vorübergehend – über ihre Identität
täuschen wollte und eine Verletzung der Mitwirkungspflicht vorliegt. Aller-
dings lässt sich den Ausführungen der Beschwerdeführerin anlässlich der
Anhörung entnehmen, dass sie sich ihres richtigen Namens und ihrer wah-
ren Herkunft unsicher sei. Mit der einen Identität sei sie aufgewachsen, sie
denke aber, die andere entspreche der Realität, wobei sie neben den Ge-
burtsurkunden keine weiteren Dokumente einreichte, welche ihre Aussa-
gen unterstützen würden oder aus denen sich Schlüsse ziehen liessen
über ihre wahre Identität. Den bei der Botschaft eingegangenen Denunzi-
ationsschreiben lässt sich sodann noch eine dritte Identität entnehmen, zu
welcher sich die Beschwerdeführerin nicht geäussert hat. In Bezug auf
diese Schreiben ist allerdings an dieser Stelle festzuhalten, dass darin le-
diglich unbelegte Behauptungen getätigt werden. Diese fallen zudem teil-
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weise widersprüchlich aus (so wird einmal geschrieben, zwischen der Be-
schwerdeführerin und ihrem angeblichen Vater bestehe keine familiäre
Verbindung, während an einer anderen Stelle behauptet wird, der angebli-
che Vater sei ein Onkel mütterlicherseits – was wiederum mit den Angaben
der Beschwerdeführerin übereinstimmen würde). Ausserdem enthalten die
Schreiben auch zahlreiche offensichtlich unzutreffende Angaben, wie bei-
spielsweise, diese hätten ihre Fingerabdrücke unkenntlich gemacht (es fin-
det sich nichts in den Akten, was diesen Vorwurf stützen würde), sie würde
mit Suizid drohen und eine Furcht vor Genitalverstümmelung geltend ma-
chen. Auch ist die Rede von vom Vater eingereichten Fotografien, wobei
sich den Akten keine Hinweise entnehmen lassen, wonach irgendetwas in
dieser Art eingereicht worden wäre. Nachdem die Altersabklärung zudem
ergab, dass die Beschwerdeführerin minderjährig ist, kann die angebliche
(dritte) Identität schliesslich nicht zutreffen. Den eingereichten Denunziati-
onsschreiben kommt somit keinerlei Beweiswert zu und die darin gemach-
ten Aussagen können nicht gegen die Beschwerdeführerin verwendet wer-
den. Demgegenüber ist den Ausführungen in der Beschwerde zuzustim-
men, dass Anhaltspunkte dafür bestehen, die Beschwerdeführerin könnte
unter Druck stehen und von jemandem beeinflusst werden. Tatsächlich
wirkt sie teilweise blockiert, beispielsweise als sie anlässlich der Anhörung
weint, jegliche Aussagen dazu, wodurch dies ausgelöst wurde, jedoch ver-
weigert (vgl. vorinstanzliche Akten act. 1047467-22/19 F68ff.).
Somit ist einerseits der Vorinstanz zuzustimmen, dass die Beschwerdefüh-
rerin durch ihr Verhalten die Feststellung ihrer Identität erschwert hat. An-
dererseits ist aber festzuhalten, dass das SEM von einer Identität ausgeht,
zu welcher sich die Beschwerdeführerin bekennt. Das SEM hat die Zumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs denn auch in Bezug auf diese festge-
stellte Identität geprüft und kam dabei zum Schluss, der Vollzug sei zumut-
bar. Die Vorinstanz beziehungsweise die Botschaft verfügen zudem über
Identität und Kontaktangaben beider Eltern.
11.5.5 Vorliegend hat das SEM keinerlei Bemühungen unternommen, um
abzuklären, ob die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr eine geeignete
Unterkunft erhält. Obschon die Vorinstanz aufgrund der Denunziations-
schreiben mit der Botschaft in Kontakt stand, wurde diese zu keinem Zeit-
punkt um Hilfe bei den Abklärungen ersucht. Indessen wird aber der Weg-
weisungsvollzug in Bezug auf die festgestellte Identität der Beschwerde-
führerin konkret geprüft und festgehalten, der Vater habe sie bis anhin un-
terstützt und es könne davon ausgegangen werden, dass er dies auch in
Zukunft tun werde. Es sei davon auszugehen, dass sie insgesamt über ein
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gutes familiäres und tragfähiges Beziehungsnetz in ihrem Heimatstaat ver-
füge. Ihre Familie lebe in einem Haus, die Eltern seien arbeitstätig. Somit
seien ihr Lebensunterhalt und ihre Wohnsituation als gesichert zu betrach-
ten, wobei die Reintegration in ihr gewohntes Umfeld dem Kindeswohl ent-
spreche. Auf die Aussage der Beschwerdeführerin anlässlich der Anhörung
betreffend die Gründe, weshalb sie ihre Heimat verlassen habe, sie habe
nicht mehr bei seiner (des Vaters) Frau wohnen wollen, weil diese sie
schlecht behandle (vgl. act. 1047468-22/19 F106 ff.), wurde nicht weiter
eingegangen. Auch finden sich weder Aussagen dazu, weshalb der Vater
die Beschwerdeführerin und ihre Schwester alleine in der Schweiz zurück-
gelassen hat, noch wird darauf eingegangen, dass mehrere an die Bot-
schaft gerichteten Denunziationsschreiben allem Anschein nach von der
Mutter stammen. Auch auf die Tatsache, dass gemäss eines in den Akten
liegenden Schreibens des Kamerunischen Aussendepartements an die
Schweizer Botschaft (vgl. act. 1047468-23/9 S. 9) ein Verfahren gegen den
Vater der Beschwerdeführerin laufe, ging die Vorinstanz mit keinem Wort
ein. Schliesslich wurde die Beschwerdeführerin im Rahmen des erstin-
stanzlichen Verfahrens nicht gefragt, ob sie denke, die Eltern würden sie
wiederaufnehmen. Lediglich anlässlich des Ausreisegesprächs vom
10. Oktober 2019 äusserte sie sich hierzu indem sie sagte, sie wisse es
nicht. Damit ist festzuhalten, dass die Vorinstanz ihre in Verfahren von un-
begleiteten minderjährigen Asylsuchenden geltenden Verpflichtungen be-
züglich konkreter Abklärungen nicht erfüllt hat. Solche wären nach dem
Gesagten ohne Weiteres und ohne unverhältnismässigen Aufwand mög-
lich gewesen, zumal die Identität der Eltern bekannt ist und die Vorinstanz
beziehungsweise die Botschaft über entsprechende Kontaktdaten verfügt.
Das SEM ist somit seinen Verpflichtungen aus Art. 12 VwVG sowie aus
Art. 3 und Art. 22 KRK nicht nachgekommen.
11.6 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass das SEM seinen sich aus
der durch die Rechtsprechung betreffend den Wegweisungsvollzug von
unbegleiteten Minderjährigen entwickelten Verpflichtungen nicht nachge-
kommen und den Anforderungen zur umfassenden Würdigung sämtlicher
für das Kindeswohl relevanter Kriterien mithin nicht gerecht geworden ist.
Es hat nicht geklärt, in wessen Obhut die Beschwerdeführerin beim ange-
ordneten Wegweisungsvollzug in Kamerun übergeben werden und wie
diese Empfangnahme im Heimatland konkret vonstattengehen soll. Somit
ist es zum aktuellen Zeitpunkt nicht möglich zu prüfen, ob der Wegwei-
sungsvollzug der Beschwerdeführerin nach Kamerun zumutbar ist. Im vor-
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liegenden Verfahren sind weitere Abklärungen, insbesondere eine Bot-
schaftsabklärung, notwendig. Es liegt eine unvollständige Abklärung des
Sachverhaltes durch das SEM vor.
12.
12.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-
richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an
die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge-
stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh-
ren ist (PHILIPPE WEISSENBERGER, ASTRID HIRZEL, Praxiskommentar Ver-
waltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 61 VwVG, N 16 S.1264). Die
in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar
auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies
im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie
muss dies aber nicht (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der ARK [E-
MARK] 2004 Nr. 38 E. 7.1).
12.2 Im vorliegenden Fall ist die Sache soweit den Wegweisungsvollzug
betreffend an die Vorinstanz zurückzuweisen, zumal – wie bereits erwähnt
– die Erstellung des Sachverhalts weiterer Abklärungen bedarf und diese
den Rahmen des Beschwerdeverfahrens sprengen würde. Dies rechtfertigt
sich umso mehr, als vorliegend aufgrund einer mangelhaften Triage erstin-
stanzlich ein beschleunigtes Verfahren durchgeführt wurde, was offensicht-
lich nicht sachgerecht war. Der Beschwerdeführerin bleibt auf diese Weise
zudem der Instanzenzug erhalten, was umso wichtiger ist, als im Asylver-
fahren das Bundesverwaltungsgericht letztinstanzlich entscheidet (vgl.
dazu BVGE 2009/53 E. 7.3, 2008/47 E. 3.3.4, 2008/14 E. 4.1).
12.3 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde betreffend Asyl und Flücht-
lingseigenschaft abzuweisen, im Wegweisungsvollzugspunkt aber gutzu-
heissen. Die Ziffern 4 und 5 der vorinstanzlichen Verfügung sind aufzuhe-
ben und das Verfahren ist diesbezüglich zur vollständigen und richtigen
Sachverhaltsermittlung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen.
13.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären der Beschwerdeführerin auf-
grund ihres teilweisen Obsiegens ein reduzierter Anteil der Kosten aufzu-
erlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da die Beschwerde aber nicht als aus-
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sichtslos zu bezeichnen war, ist in Gutheissung des Gesuchs um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG von
der Kostenerhebung abzusehen, zumal aufgrund der Akten und der Min-
derjährigkeit der Beschwerdeführerin davon auszugehen ist, dass diese
bedürftig ist. Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses wird mit vorliegendem Urteil gegenstandslos.
(Dispositiv nächste Seite)
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