Decision ID: add075a4-0bf4-4365-9a95-542256e242c0
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Juni 2000 wegen eines Schleudertraumas bei der
Invalidenversicherung zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 3). Er gab an, seit dem
Unfall am 13. Dezember 1996 zu 75 % arbeitsunfähig zu sein. Vor dem Unfall hatte der
Versicherte als Versicherungsmakler (Geschäftsführer in der eigenen Firma) und als
Dolmetscher gearbeitet (IV-act. 9). Im März 1998 war der Versicherte anlässlich eines
Rehabilitationsaufenthaltes in der Klinik Valens neurologisch, neuropsychologisch und
psychiatrisch begutachtet worden (Gutachten vom 5. April 1998, UV-act. 1-62 ff.). Die
Gutachter hatten die folgenden Diagnosen angegeben:
A.a.
Status nach HWS-Distorsionstrauma vom 13.12.96 bei/mit–
chronischem zervikozephalem und zervikospondylogenem Schmerzsyndrom
rechtsbetont
–
zervikogenem Schwindel–
schmerzbedingten fluktuierenden Einschränkungen der kognitiven Funktionen–
radiologisch V.a. Dysfunktionen der oberen HWS-Segmente–
Status nach Commotio labyrinthi (13.12.1996) mit–
intermittierendem Tinnitus–
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Die Gutachter hatten die Arbeitsfähigkeit des Versicherten in seinem Beruf als
Dolmetscher bzw. als selbständiger Versicherungsberater auf aktuell ca. 25 %
geschätzt. Im Februar 2000 war eine neurologische Untersuchung durch Prof. Dr. med.
B._ erfolgt (Gutachten vom 31. März 2000, IV-act. 17). Dieser hatte von einem
multiplen psychosomatischen Beschwerdebild gesprochen und eine psychiatrische
Begutachtung empfohlen. Die psychiatrische Begutachtung fand im August 2001 statt
(Gutachten vom 29. August 2001, IV-act. 18-3 ff.). Dr. med. C._ diagnostizierte eine
psychogene Chronifizierung von HWS-Distorsionsfolgen (Unfall vom 13.12.1996),
vorwiegend in Form somatoformer Symptome, aktuell Somatisierungsstörung (ICD-10:
F45.0) bei einer leistungsorientierten Persönlichkeit. Er schätzte die
Gesamtarbeitsunfähigkeit aktuell auf 50 %. In seinem Bericht vom 3. Juni 2003
attestierte der behandelnde Neurologe Dr. med. D._ dem Versicherten für die zuletzt
ausgeübte Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von aktuell 30 % (IV-act. 38). Vom 1. Juni
2002 bis 30. September 2002 erfolgte ein Arbeitsversuch in der ehemaligen Firma des
Versicherten, die inzwischen von dessen Bruder geführt wurde (IV-act. 27, 31). Der
Bruder hielt den Versicherten für maximal 30 % arbeitsfähig (IV-act. 39). RAD-Arzt Dr.
med. E._ bestätigte eine Arbeitsfähigkeit von 30 % (IV-act. 40). Mit zwei Verfügungen
vom 13. Mai 2003 sprach die IV-Stelle dem Versicherten vom 1. Januar 1999 bis 30.
Juni 2002 und vom 1. Oktober 2002 bis 31. Januar 2004 bei einem IV-Grad (und
Arbeitsunfähigkeitsgrad) von 70 % eine ganze Rente zu (IV-act. 48, 58). Mit Verfügung
vom 12. Februar 2004 sprach die IV-Stelle dem Versicherten für die Zeit ab 1. Februar
2004 eine ganze Rente zu (IV-act. 53).
A.b Im Rentenrevisionsfragebogen vom 30. November 2004 gab der Versicherte an,
dass sein Gesundheitszustand gleich geblieben sei (IV-act. 65), was Dr. D._ am
22. August 2005 bestätigte (IV-act. 87). Der Versicherte arbeitete inzwischen
unentgeltlich 8-10 Stunden pro Woche für das Unternehmen seines Bruders (IV-act. 68,
77). Im April 2006 erfolgte eine psychiatrische Verlaufsbegutachtung durch Dr. C._
(Gutachten vom 26. April 2006, IV-act. 107). Bei gleichbleibender Diagnose erwähnte
Hochtonsenke rechts–
posttraumatische reaktive subdepressive Entwicklung mit–
Schmerzverarbeitungsstörung.–
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Dr. C._ neu eine narzisstisch strukturierte Persönlichkeit (Z73.1). Der Versicherte
aggraviere die beklagten Gedächtnisstörungen bewusst. Er habe sich vollkommen in
die Rolle eines Unfallopfers eingelebt und erfahre in dieser Rolle sowohl einen grossen
primären (Stabilisierung des narzisstischen Konfliktes) wie auch einen sekundären
Krankheitsgewinn (Zuwendung der Ehefrau, finanzielle Situation). Der
Gesundheitsschaden habe sich nicht wesentlich geändert. Es sei weiterhin eine
Arbeitsunfähigkeit von 50 % ausgewiesen. Am 26. Juni 2006 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit, dass er weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente habe (IV-act. 109).
A.c Auch das im September 2009 eingeleitete Rentenrevisionsverfahren endete in
einem unveränderten Anspruch auf eine ganze Rente (IV-act. 116, 124, 126).
A.
Die nächste Rentenrevision wurde am 18. Juni 2013 eingeleitet (vgl. IV-act. 130).
Der Versicherte berichtete erneut über einen unveränderten Gesundheitszustand (IV-
act. 129). Am 11. Juli 2013 teilte die IV-Stelle dem Hausarzt des Versicherten, Dr. med.
F._, und der behandelnden Neurologin Dr. med. G._ mit, dass der medizinische
Sachverhalt im Rahmen der Gesetzesrevision 6a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG) überprüft werden müsse (IV-act. 132, 134). Sie bat die
behandelnden Ärzte darum, den beiliegenden Fragebogen auszufüllen. Der Hausarzt
antwortete am 9. August 2013, dass ihm eine Stellungnahme nicht möglich sei, da der
Versicherte die invalidisierenden Beschwerden klar von der "hausärztlichen Tätigkeit"
trenne (IV-act. 132). Dr. G._ antwortete am 9. Oktober 2013 (IV-act. 136), dass sich
der Gesundheitszustand nicht wesentlich verändert habe. Die Angaben des
Versicherten deuteten auf eine hochgradige Einschränkung vieler Alltagsaktivitäten hin,
sie erschienen in sich jedoch nicht konsistent. Der Versicherte scheine immer wieder
ehrenamtlich übersetzend und begleitend für Landsleute tätig zu sein. In der Familie sei
er für die Kinderbetreuung und die Haushaltstätigkeiten verantwortlich. Aufgrund der
subjektiv geringen bis gar nicht vorhandenen körperlichen Belastbarkeit wäre ein
Wiedereinstieg in einem Pensum von 50 % in einer adaptierten Tätigkeit sinnvoll. Im
weiteren Verlauf könnte dann eine Steigerung, vielleicht sogar bis 100 %, erfolgen.
A.a.
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Dipl.-Psych. H._, Psychologische Psychotherapeutin, Schmerzzentrum des
Kantonsspitals St. Gallen (KSSG), berichtete der IV-Stelle am 10. Juni 2014 (IV-act.
140), dass sie den Versicherten am 25. November 2013 zu einem psychologischen
Assessment im Schmerzzentrum gesehen habe (Bericht vom 4. Dezember 2013, IV-
act. 141). Im Mai 2014 hätten zwei stützende psychologische Gespräche zur
Krankheitsbewältigung stattgefunden. Im Bericht vom 4. Dezember 2013 hatte die
Psychotherapeutin angegeben, dass die chronischen Schmerzen beim Versicherten zu
einem hohen Leidensdruck und anamnestisch auch zu rezidivierenden depressiven
Symptomen geführt hätten. Der Versicherte möchte momentan keine Psychotherapie
beginnen. Am 26. Juni 2014 reichte das Schmerzzentrum den Bericht vom 13.
November 2013 über die Erstkonsultation vom 12. November 2013 nach (IV-act. 142
f.).
A.b.
Die I._ GmbH berichtete der IV-Stelle am 13. November 2014 (IV-act. 150), dass
sie den Versicherten von Ende 2012 bis Ende 2014 beschäftigt habe. Die Kündigung
sei wegen des Konkurses der Firma erfolgt. Die Tätigkeit habe Offerten und Briefe
schreiben, kopieren, sortieren, telefonieren, zur Post gehen und Besorgungen/
Abholungen beinhaltet. Die Arbeitszeit des Versicherten habe 1-2 Stunden pro Woche
betragen. Einen Lohn habe der Versicherte nicht erhalten.
A.c.
Am 9. Dezember 2014 informierte die IV-Stelle den Versicherten, dass im Rahmen
der laufenden Rentenrevision auch eine Anspruchsprüfung nach den
Schlussbestimmungen und die Abklärung von möglichem Eingliederungspotential
gemäss dem Auftrag der IV-Revision 6a erfolge (IV-act. 153).
A.d.
RAD-Arzt Dr. med. J._ notierte am 5. Januar 2015 (IV-act. 154), dass die HWS-
Distorsion zu den sog. pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage gehöre. Ob die
Somatisierungsstörung ebenfalls zu diesen gehöre, müsse der Rechtsanwender
entscheiden.
A.e.
Mit Vorbescheid vom 6. Januar 2015 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Aufhebung der Rente in Aussicht (IV-act. 158). Zur Begründung hielt sie fest, die
Überprüfung der Rente gemäss den Schlussbestimmungen der Änderung des
A.f.
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Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 18. März 2011 (nachfolgend:
SchlBest. IVG) habe ergeben, dass die Diagnosen, welche zur Rentenzusprache
geführt hätten, zu den ätiologisch-pathogenetisch unklaren syndromalen
Zustandsbildern ohne nachweisbare organische Grundlage gehörten. Den
medizinischen Unterlagen seien keine objektivierbaren anatomischen Befunde zu
entnehmen, die eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit begründen würden. Anhaltspunkte
für eine psychiatrische Komorbidität oder sonstige schwere Funktionseinschränkungen
lägen nicht vor. Zudem lägen keine weiteren Kriterien in erheblichem Ausmass vor, die
eine Schmerzüberwindbarkeit in Frage stellen würden. Dagegen liess der Versicherte
am 26. Januar 2015 einen Einwand erheben (IV-act. 159). Sein Rechtsvertreter machte
unter anderem geltend, dass keine genügende medizinische Abklärung stattgefunden
habe. Nachdem die IV-Stelle hierauf zunächst eine psychiatrische Begutachtung des
Versicherten geplant hatte (IV-act. 163), entschied sie sich später dann aber für eine
polydisziplinäre Abklärung (IV-act. 192).
Im Oktober 2015 holte die IV-Stelle weitere spezialärztliche Berichte ein (IV-act.
203 ff.). Dr. K._ berichtete der IV-Stelle am 13. Januar 2016 (IV-act. 213), dass sich
der Versicherte seit dem 7. September 2015 bei ihm in ambulanter Behandlung
befinde. Der Versicherte leide an andauernden Persönlichkeitsänderungen im Rahmen
der chronischen Schmerzen (F62.8). Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit könne ab Juli
2015 eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit bestätigt werden. Die geistige Flexibilität sei
wegen formalen Denkstörungen, einer eingeschränkten Konzentrationsdauer, einer
reduzierten allgemeinen psychischen Belastbarkeit und wegen Störungen der sozialen
Interaktionen eingeschränkt. Mittels beruflicher Massnahmen sei es möglich, eine
50 %ige Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen. Dr. G._ berichtete der IV-Stelle am 18.
Januar 2016 (IV-act. 215), dass für die bisherige Tätigkeit als Übersetzer ab sofort von
einer 60-80 %igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden könne. Die Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit ergebe sich durch die "hypothetisch" auftretenden starken
Spannungskopfschmerzen mit Migräneaspekten, welche vorübergehend stunden- oder
tageweise zu einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit führen könnten. Ein Arbeitspensum
von 60-80 % ermögliche es dem Versicherten, regelmässige Pausen für Dehnungs-
und Entspannungsübungen einzulegen. Dem Versicherten seien auch andere
Tätigkeiten, beispielsweise einfache Aufsichts- und Kontrollarbeiten, zumutbar. Eine
A.g.
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solche Tätigkeit sei ihm aus rein neurologischer Sicht zu 100 % zumutbar, wobei
ebenfalls kopfschmerzbedingte stunden- oder tageweise Arbeitsausfälle möglich seien.
Dr. med. L._ vom Schmerzzentrum des KSSG berichtete der IV-Stelle am
29. Oktober 2016 (IV-act. 216), dass der Versicherte vom 2. Juni 2014 bis 28. Oktober
2015 in ihrer Behandlung gewesen sei. Der Versicherte leide an einem chronifizierten,
überwiegend nozizeptiven Schmerzsyndrom mit somatischen und psychischen
Anteilen mit Lokalisation im Kopf und Nacken mit/bei HWS-Beschleunigungstrauma
1996 mit persistierendem chronischem zervikozephalen Schmerzsyndrom,
Spannungskopfschmerz mit migräniformer Komponente, Tinnitus rechts und Verdacht
auf eine depressive Symptomatik. Es bestehe eine Chronifizierung Stadium III nach
Gerbershagen. Yellow Flags seien die langjährige Schmerzproblematik, der Konkurs
der eigenen Firma infolge der Schmerzproblematik, die psychische Beeinträchtigung,
passive Copingstrategien und ein schmerzvermeidendes Verhalten. Zur Arbeitsfähigkeit
und zu möglichen Eingliederungsmassnahmen könnten keine Aussagen gemacht
werden. Der Klinikleiter Psychosomatik des KSSG hatte dem Hausarzt des
Versicherten bereits am 29. September 2014 berichtet (IV-act. 210), dass ein Kontrast
zwischen der Beschreibung der aktuellen Beschwerden (mässiggradige
Kopfschmerzen wechselnder Lokalität und Ausprägung) und der sehr massiven und
sehr emotional vorgetragenen Klage über einen Rollenverlust, einen Bedeutungsverlust
und einen materiellen Verlust aufgefallen sei. Der Unfall habe in der
Bedeutungszuordnung des Versicherten nur am Rande erwähnenswert erschienen;
dafür seien die Unfallfolgen für alles, was ihm im Leben bislang misslungen oder
abhandengekommen sei, zentral gewesen. Eigene Anstrengungen zur Überwindung
seiner Situation habe der Versicherte zu keinem Zeitpunkt thematisiert. Die
Externalisierung sowie die psychische Überlagerung des Schmerzproblems seien
deutlich.
Im Juni 2016 wurde der Versicherte im Auftrag der IV-Stelle polydisziplinär
(allgemein-internistisch, orthopädisch, neurologisch, psychiatrisch und
neuropsychologisch) durch das Zentrum für Medizinische Begutachtung (ZMB)
abgeklärt (Gutachten vom 31. August 2016, IV-act. 231). Als Diagnose mit Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit gaben die Gutachter eine Somatisierungsstörung (F45.0) an. Keinen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit massen sie den chronischen Kopfschmerzen vom
A.h.
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Spannungstyp, DD Kopfschmerz bei Analgetikaübergebrauch, chronischer
Kopfschmerz nach HWS-Beschleunigungstrauma, und einem chronischen,
leichtgradigen, rechtsbetonten zerviko-zephalen Schmerzsyndrom bei (vollständige
Liste der Nebendiagnosen: IV-act. 231-59). Dr. med. M._, Allgemeine Innere Medizin,
hielt fest, dass aus internistischer Sicht kein invalidisierendes Leiden vorliege. Der
orthopädische Gutachter Dr. med. St. N._ führte aus, dass die im Laufe der Zeit
zunehmenden, "multipelsten" Beschwerden von orthopädischer Seite her nicht erklärt
werden könnten. Für die heute beklagten subjektiven Beschwerden im Bereich des
Nackens und des rechten Schultergürtels finde sich kein objektivierbares Substrat.
Somit könne aus orthopädischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, vor
allem nicht in Büroberufen, begründet werden. Diese Beurteilung gelte ab dem 4.
Monat nach dem Unfall. Dr. med. O._, Neurologie, erklärte, dass die vom
Versicherten heute geschilderten Kopfschmerzen phänomenologisch am ehesten
chronischen Kopfschmerzen vom Spannungstyp entsprächen. Deren Ursache sei
multifaktoriell. Die Kopfschmerzen könnten durch das beschriebene und bei der
Untersuchung festgestellte, leicht rechtsbetonte zerviko-zephale Schmerzsyndrom
getriggert werden. Differentialdiagnostisch müsse auch an einen
Medikamentenübergebrauchskopfschmerz gedacht werden. Obwohl der Unfall 18
Jahre zurückliege, seien gemäss der Definition der IHS (International Headache
Society) auch posttraumatische Kopfschmerzen nicht ausgeschlossen. Für diese Art
des Kopfschmerzes existierten keine spezifischen diagnostischen Kriterien. Die
Kopfschmerzen seien als leicht bis mittelschwer mit gelegentlichen Exazerbationen
einzustufen. Neurologisch-somatisch bestünden bei einem unauffälligen
neurologischen Untersuchungsbefund keine funktionellen Einschränkungen. Der
chronische Kopfschmerz vom Spannungstyp sei von wechselhafter Intensität und stelle
keine dauerhafte funktionelle Einschränkung dar. Hinweise auf strukturelle
Hirnverletzungen fehlten, weshalb auch allfällige neuropsychologische Störungen nicht
als dauerhaft zu werten und in Zusammenhang mit Schmerzexazerbationen oder
möglichen psychiatrischen Störungen zu interpretieren seien. Aus neurologischer Sicht
ergebe sich keine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Darüber hinaus
fänden sich Hinweise darauf, dass ein Teil der subjektiv wahrgenommenen
Beschwerden somatisch/neurologisch nicht im beklagten Ausmass erklärt werden
könnten. Bisher sei noch nie ein Medikamentenentzug durchgeführt worden. Leichte
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administrative Tätigkeiten seien dem Versicherten aus neurologischer Sicht langfristig
zu 100 % zumutbar, wobei das Arbeitspensum initial bei zwei Stunden pro Tag liegen
und langsam gesteigert werden sollte. Prof. Dr. med. P._, Psychiatrie, notierte, dass
der Versicherte eine Vielfalt psychosomatischer Symptome mit Augendruck, Tinnitus,
Schmerzen und vermehrter Erschöpfbarkeit präsentiert habe. Ein eigentliches
depressives Syndrom bestehe allenfalls in einem leichten Ausmass. Der Versicherte
selbst sehe keine innerpsychische Problematik. Aufgrund der Anamnese könne eine
solche jedoch konstruiert werden: Der Unfall habe sich wahrscheinlich in einer
Situation subjektiver und objektiver Überforderung ereignet und habe regressive
Wünsche nach Versorgung, möglicherweise auch bestärkt durch die gleichzeitige
Schwangerschaft der Ehefrau, mobilisiert. Auf der bewussten Ebene habe der
Versicherte bedauert, dass seine Frau nun gleichzeitig die Kinder und ihn zu versorgen
gehabt habe. Die finanzielle Situation habe sich nicht verschlechtert. Der Versicherte
und seine Frau hätten im Jahr 2002 ein weiteres Kind bekommen und ein eigenes,
grösseres Haus bezogen. Die Tatsache, dass der Vater nach einem eigenen Unfall eine
sehr langsame Erholung mit Berentung erlebt habe, könnte im Sinne eines − hier
ungünstigen − Rollenvorbilds wirksam geworden sein. Die psychische Beeinträchtigung
sei schwankend. Etwa an der Hälfte der Tage − abhängig auch von der äusseren
Situation − fühle sich der Versicherte depressiv verstimmt. Er scheine vermehrt
erschöpfbar und benötige mehr Pausen. Er weise eine starke Leistungsorientierung
auf. Eine psychische (Mit-)Verursachung der Symptomatik könne er nicht sehen. Seine
starken Versorgungswünsche seien ihm nicht bewusst. Es sei nicht auszuschliessen,
dass der Versicherte seine Beschwerden eher aggraviere. So seien seine Angaben oft
ungenau. Zudem seien tagelange Verschlechterungen und hypochondrische Ängste
kaum zu objektivieren. Die offensichtlich nicht sehr grosse Bereitschaft des
Versicherten, sich auf eine Therapie einzulassen, könne auch als Hinweis darauf
gesehen werden, dass der Leidensdruck in Wahrheit eher geringer sei als angegeben.
Insgesamt könne aus psychiatrischer Sicht aktuell eine Arbeitsunfähigkeit von 20 %
angenommen werden. Lic. phil. Q._ hielt in der neuropsychologischen Beurteilung
fest, dass die neuropsychologische Untersuchung nach der Anamneseerhebung und
einem kurzen Arbeitsversuch habe abgebrochen werden müssen, da der Versicherte
über eine zu starke Erschöpfung und zu starke Schmerzen geklagt habe. Die
Untersuchung sei am Folgetag fortgesetzt worden. Der Versicherte habe weiterhin
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Kopf- und Nackenschmerzen angegeben. Das Testprofil habe in mehreren Bereichen
deutlich unterdurchschnittliche Resultate gezeigt. Zum Teil hätten sich in den
Testprotokollen auffällige Resultate gefunden. Zum einen sei die Testanweisung zum
Teil nicht durchgehend eingehalten worden, zum anderen seien zusätzliche Figuren
erinnert worden, die nicht auf der Vorlage gewesen seien (Symptomvalidierung). Somit
fänden sich diagnostisch sehr starke kognitive Minderleistungen bei einer unklaren
Validität der Resultate. In polydisziplinärer Hinsicht schätzten die Gutachter die
Arbeitsfähigkeit für administrative Tätigkeiten auf 80 % (ganztags mit vermindertem
Rendement). Initial sollte das Arbeitspensum bei zwei Stunden pro Tag liegen und
während eines halben Jahres bis zum Rendement von 80 % gesteigert werden. Aus
organischer Sicht sei gegenüber der Vorbegutachtung durch Dr. C._ im Jahr 2006
keine Veränderung eingetreten. Aus psychiatrischer Sicht sei es, wenn überhaupt, eher
zu einer leichten Besserung gekommen, wobei der Beginn nicht angegeben werden
könne.
RAD-Arzt Dr. J._ notierte am 16. September 2016 (IV-act. 233), dass das
Gutachten des ZMB umfassend und schlüssig sei, weshalb auf es abgestellt werden
könne. Der im psychiatrischen Teilgutachten beschriebene psychopathologische
Befund entspreche im Wesentlichen demjenigen, den Dr. C._ im Jahr 2006
beschrieben habe. Bei der jetzigen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit handle es sich also
um eine andere Beurteilung des im Wesentlichen gleichen medizinischen Sachverhalts.
A.i.
Auf eine interne Anfrage hin antwortete eine Rechtsdienstmitarbeiterin am 19.
Oktober 2016 (IV-act. 236), dass es zusammenfassend unter Berücksichtigung der
nicht schwer ausgeprägten diagnoserelevanten Befunde, fehlender psychischer und
somatischer Komorbiditäten, günstiger mobilisierender Ressourcen, dem nicht
erheblichen Leidensdruck und der im Rahmen der Schadenminderungspflicht
zumutbaren fachärztlich-psychiatrischen Therapie in Anwendung der
Beweisindikatoren an einem invalidisierenden Gesundheitsschaden fehle.
A.j.
Am 12. Dezember 2016 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Aufhebung der
Rente für die Zukunft in Aussicht (IV-act. 240). Zur Begründung führte sie die
Schlussbestimmungen der Änderung des IVG vom 18. März 2011 an, verwies auf das
ZMB-Gutachten und gab die Stellungnahme des Rechtsdienstes vom 19. Oktober
A.k.
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B.
2016 wieder. Gleichentags bot die IV-Stelle dem Versicherten in einem separaten
Schreiben ihre Unterstützung beim Wiedereinstieg in das Berufsleben an (act. G
1.2.11). Sie machte ihn darauf aufmerksam, dass er bis zum Abschluss allfälliger
Eigliederungsmassnahmen, längstens aber für zwei Jahre, Anspruch auf die
Weiterzahlung der bisherigen Rentenleistungen hätte. Gegen den Vorbescheid vom 12.
Dezember 2016 liess der Versicherte am 11. Januar 2017 einwenden (IV-act. 243), dass
die Schlussbestimmungen der Änderungen vom 18. März 2011 nicht anwendbar seien,
da er 15 Jahre lang eine IV-Rente bezogen habe. Mit Verfügung vom 31. Januar 2017
hob die IV-Stelle die Rente wie angekündigt für die Zukunft auf (IV-act. 244). Zum
Einwand hielt sie fest, dass die Revision bereits am 18. Juni 2013 eingeleitet worden
sei und somit nicht über 15 Jahre lang ein Anspruch auf eine Invalidenrente bestanden
habe.
Gegen diese Verfügung liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am
2. März 2017 Beschwerde erheben (act. G 1). Sein Rechtsvertreter beantragte die
Aufhebung der Verfügung und die Feststellung, dass der Beschwerdeführer
unverändert Anspruch auf eine IV-Rente habe. Eventualiter sei die Angelegenheit zur
Neubeurteilung an die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen.
Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen. Ausserdem stellte der
Rechtsvertreter ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung. Zur Begründung der Beschwerde machte er geltend, dass die
Überprüfung der Rente erst am 9. Dezember 2014 eingeleitet worden sei. Am 1. Januar
2014 sei der Beschwerdeführer seit 15 Jahren Bezüger einer IV-Rente gewesen. Die
Schlussbestimmungen der 6. IV-Revision seien daher nicht anwendbar. Da der
Beschwerdeführer unverändert an einem pathogenetisch-ätiologisch unklaren
syndromalen Schmerzbild leide, liege auch kein Anwendungsfall von Art. 17 ATSG vor.
Im Übrigen sei das Invalideneinkommen nicht bestimmt worden. Angenommen, der
Beschwerdeführer sei zu 80 % arbeitsfähig und würde einen Monatslohn von Fr.
4'800.-- erzielen, läge immer noch ein Invaliditätsgrad von 50 % vor. Schliesslich habe
es die Beschwerdegegnerin unterlassen, mit dem Beschwerdeführer ein persönliches
Gespräch über allfällige Wiedereingliederungsmassnahmen zu führen. Die
Beschwerdegegnerin habe lediglich auf die Möglichkeit von beruflichen
B.a.
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Eingliederungsmassnahmen hingewiesen, als die Einstellung der Rente schon
beschlossen gewesen sei. Die angefochtene Verfügung sei bereits deshalb
aufzuheben.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 5. April 2017 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung hielt sie fest, dass die aufgrund der IV-Revision
6a im Juni 2013 erfolgte Zustellung des Revisionsfragebogens den Beginn des
Revisionsverfahrens bilde. Die Einleitung der Rentenüberprüfung sei somit vor Ablauf
der 15-jährigen Bezugsdauer im Januar 2014 erfolgt. Weil im Rahmen der Revision im
Jahr 2006, bei der ein psychiatrisches Verlaufsgutachten eingeholt worden sei, keine
Überprüfung der gesundheitlichen Verhältnisse unter Beachtung der im Jahr 2004
eingeführten Überwindbarkeitsrechtsprechung gemäss BGE 130 V 352 stattgefunden
habe, stehe die Mitteilung vom 26. Juni 2006 ("unveränderte Invalidenrente") der
Anwendbarkeit der SchlBest. IVG nicht entgegen. Des Weiteren gelange die
Rechtsprechung von BGE 141 V 281 auch auf Rentenüberprüfungen gemäss den
SchlBest. IVG zur Anwendung. In der angefochtenen Verfügung sei schlüssig dargelegt
worden, dass die Indikatorenprüfung gemäss BGE 141 281 zum Ergebnis führe, dass
beim Beschwerdeführer kein invalidisierender Gesundheitsschaden bestehe. Bei
diesem Ergebnis erübrige sich die Durchführung eines Einkommensvergleichs. Der
Beschwerdeführer habe somit keinen Rentenanspruch mehr. Die mit dem Schreiben
vom 12. Dezember 2016 offerierte Unterstützung bei der Wiedereingliederung habe der
Beschwerdeführer sinngemäss abgelehnt, indem er die Voraussetzungen für eine
Rentenaufhebung bestritten habe. Vor diesem Hintergrund könne er aus dem Umstand,
dass kein Gespräch stattgefunden habe, nichts zu seinen Gunsten ableiten.
B.b.
Das Gericht bewilligte am 18. April 2017 das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) für das Beschwerdeverfahren (act. G 8). Der von der
Rechtsschutzversicherung zugesagte Kostenbeitrag von Fr. 1'000.-- werde an eine
allfällige Entschädigung des Rechtsvertreters durch den Staat angerechnet.
B.c.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers verzichtete auf eine Replik (vgl. act.
G 6, G 9).
B.d.
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Erwägungen
1.
Mit Entscheid vom 24. Juli 2017 wies das Gericht das Gesuch um die
Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde ab (act. G 10).
B.e.
Der Beschwerdeführer hat ab dem 1. Januar 1999 eine ganze Rente der
Invalidenversicherung bezogen. Die Beschwerdegegnerin hat die Rentenleistungen mit
der angefochtenen Verfügung vom 31. Januar 2017 auf den ersten Tag des zweiten
Monats nach der Zustellung der Verfügung, auf den 1. April 2017, aufgehoben. Strittig
ist, ob der Beschwerdeführer weiterhin einen Anspruch auf eine ganze Rente hat.
1.1.
Gemäss der am 1. Januar 2012 in Kraft getretenen lit. a Abs. 1 der
Schlussbestimmungen der Änderung des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) vom 18. März 2011 ("IV-Revision 6a") werden
Invalidenrenten, die bei pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage gesprochen wurden,
innerhalb von drei Jahren seit Inkrafttreten dieser Änderungen überprüft. Sind die
Voraussetzungen von Art. 7 ATSG nicht erfüllt, so wird die Rente herabgesetzt oder
aufgehoben, auch wenn die Voraussetzungen von Art. 17 Abs. 1 ATSG nicht erfüllt
sind. Keine Anwendung findet diese Bestimmung auf Personen, die im Zeitpunkt des
Inkrafttretens dieser Änderung das 55. Altersjahr zurückgelegt haben oder im
Zeitpunkt, in dem die Überprüfung eingeleitet worden ist, seit mehr als 15 Jahren eine
Rente der Invalidenversicherung bezogen haben (Abs. 4).
1.2.
Eine Revision im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG fällt im vorliegenden Fall ausser
Betracht, da sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers gemäss den
Gutachtern des ZMB aus organischer Sicht nicht verändert habe und aus
psychiatrischer Sicht, wenn überhaupt, lediglich leicht gebessert habe (IV-act. 231-62).
Demnach ist zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine "6a-Rentenrevision" im
vorliegenden Fall erfüllt sind.
1.3.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat geltend gemacht, dass die
Überprüfung der Rente erst am 9. Dezember 2014 eingeleitet worden sei und der
Beschwerdeführer die Rente zu diesem Zeitpunkt bereits seit über 15 Jahren bezogen
habe. Der Rechtsvertreter ist also davon ausgegangen, dass das
Überprüfungsverfahren erst im Zeitpunkt eingeleitet worden sei, als der
Beschwerdeführer von der Beschwerdegegnerin über die Einleitung des "6a-
1.4.
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Revisionsverfahrens" informiert worden sei. Dieser Interpretation steht der
Gesetzeswortlaut, der vom "Zeitpunkt, in dem die Überprüfung eingeleitet wird",
spricht, jedoch klar entgegen. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
bestimmt sich der Zeitpunkt, in dem die Überprüfung eingeleitet wird, denn auch nicht
anhand des Moments, in welchem die versicherte Person erstmals schriftlich Kenntnis
von der gestützt auf lit. a Abs. 1 SchlBest. IVG ins Auge gefassten Rentenaufhebung
erhalten hat. Vielmehr richte sich der Zeitpunkt der mit Blick auf lit. a Abs. 4 SchlBest.
fristwahrenden Einleitung der Rentenüberprüfung nach dem mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nachgewiesenen tatsächlichen Beginn des betreffenden Verfahrens
(Urteil des Bundesgerichts vom 20. November 2014, 8C_576/2014 E. 4.3.2 mit
Hinweisen). In einem jüngeren Entscheid hat das Bundesgericht sogar − allerdings
ohne überzeugende Begründung − auf den Zeitpunkt der Einleitung der ordentlichen
Rentenrevision abgestellt (Urteil des Bundesgerichts vom 27. Dezember 2017,
9C_602/2017 E. 3.2.2). Im vorliegenden Fall ist dem Beschwerdeführer der
Rentenrevisionsfragebogen im Juni 2013 zugestellt worden (vgl. IV-act. 130). Am
11. Juli 2013 hat die Beschwerdegegnerin dem Hausarzt und der behandelnden
Neurologin mitgeteilt, dass der medizinische Sachverhalt im Rahmen der
Gesetzesrevision 6a des IVG erneut überprüft werden müsse (IV-act. 132, 134). Das
Überprüfungsverfahren gemäss lit. a SchlBest. IVG ist somit spätestens im Juli 2013
eingeleitet worden. Zum damaligen Zeitpunkt hatte der Rentenbezug, ausgehend vom
Rentenbeginn am 1. Januar 1999, noch nicht 15 Jahre gedauert. Der
Beschwerdeführer ist im Zeitpunkt des Inkrafttretens der Gesetzesänderung (1. Januar
2012) zudem erst (knapp) _ Jahre alt gewesen. Ausgehend davon, dass das "6a-
Revisionsverfahren" spätestens im Juli 2013 eröffnet worden ist, ist auch die
Voraussetzung, dass die Überprüfung der Rente innerhalb von drei Jahren seit dem
Inkrafttreten der SchlBest. (1. Januar 2012) eingeleitet worden ist, erfüllt.
Somit bleibt zu prüfen, ob die Rente aufgrund eines pathogenetisch-ätiologisch
unklaren syndromalen Beschwerdebildes ohne nachweisbare organische Grundlage
zugesprochen worden ist. Dem Beschwerdeführer ist die Rente ursprünglich wegen
eines "Schleudertraumas" bzw. wegen einer HWS-Distorsion respektive der in der
Folgezeit aufgetretenen Beschwerden (chronisches zervikozephales und
zervikospondylogenes Schmerzsyndrom rechtsbetont, zervikogener Schwindel,
schmerzbedingte fluktuierende Einschränkungen der kognitiven Funktionen,
intermittierender Tinnitus, Hochtonsenke rechts, posttraumatische reaktive
subdepressive Entwicklung mit Schmerzverarbeitungsstörung) zugesprochen worden
(siehe IV-act. 19). Bei einem Schleudertrauma ohne organisch nachweisbare
Funktionsausfälle handelt es sich rechtsprechungsgemäss um ein sogenanntes
1.5.
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2.
unklares Beschwerdebild im Sinne von lit. a Abs. 1 SchlBest. IVG (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 9. März 2017, 9C_620/2016 E. 4.1.1; vgl. BGE 136 V 279). Lit. a
Abs. 1 SchlBest. IVG ist vorliegend somit anwendbar. Demnach ist nachfolgend
anhand der aktuellen Rechtsprechung zu prüfen, ob der Beschwerdeführer ab dem
1. April 2017 weiterhin einen Rentenanspruch hat. Der IV-Grad ist dabei anhand des in
diesem Zeitpunkt aktuellen Sachverhalts zu ermitteln.
Gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG würde der Beschwerdeführer weiterhin einen
Anspruch auf eine Invalidenrente haben, sofern er im Wirkungszeitpunkt der
angefochtenen Verfügung zu mindestens 40 % invalid gewesen wäre. Invalidität ist
gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.6.
Um das Invalideneinkommen und damit den IV-Grad ermitteln zu können, muss die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im Verfügungszeitpunkt mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen. In medizinischer Hinsicht liegen
insbesondere die Berichte der behandelnden Neurologin Dr. G._ vom 9. Oktober
2013 und 18. Januar 2016, der Bericht des behandelnden Psychiaters Dr. K._ vom
13. Januar 2016 sowie das Gutachten des ZMB vom 31. August 2016 im Recht.
2.1.
In somatischer Hinsicht leidet der Beschwerdeführer insbesondere an chronischen
Kopfschmerzen und an einem chronischen, leichtgradigen, rechtsbetonten zerviko-
zephalen Schmerzsyndrom. Der orthopädische Gutachter des ZMB hat für die
Beschwerden im Bereich des Nackens und des rechten Schultergürtels kein
objektivierbares Substrat gefunden und dem Beschwerdeführer deshalb keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert. Die neurologische Gutachterin des ZMB
hat die Kopfschmerzen am ehesten als chronische Kopfschmerzen vom Spannungstyp
interpretiert. Sie hat sie als leicht bis mittelschwer mit gelegentlichen Exazerbationen
eingestuft. Der Kopfschmerz sei von wechselhafter Intensität und stelle keine
dauerhafte funktionelle Einschränkung dar. Die neurologische Gutachterin hat eine
leichte administrative Tätigkeit daher aus neurologischer Sicht − nach einer langsamen
Steigerung − als zu 100 % zumutbar erachtet. In diagnostischer Hinsicht stimmen die
Beurteilungen der neurologischen Gutachterin und der behandelnden Neurologin Dr.
2.2.
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G._ überein. Im Gegensatz zur Gutachterin hat Dr. G._ die Arbeitsfähigkeit in der
Tätigkeit als Übersetzer jedoch lediglich auf 60-80 % geschätzt. Der Grund für die
divergierenden Arbeitsfähigkeitsschätzungen liegt darin, dass Dr. G._ den beklagten
Kopfschmerzen einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beigemessen hat, während die
neurologische Gutachterin mit Verweis auf den unauffälligen neurologischen
Untersuchungsbefund von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit ausgegangen ist.
Die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. G._ basiert also − obwohl diese die Angaben
des Beschwerdeführers im Bericht vom 9. Oktober 2013 selber als inkonsistent
bezeichnet hat − auf den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers, während die
neurologische Gutachterin auf die objektiven Befunde abgestellt hat. Angesichts der
verschiedenen Hinweise in den Akten, dass der Beschwerdeführer seine Beschwerden
aggraviere, ist es richtig gewesen, bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung ausschliesslich
auf die objektivierbaren Befunde abzustellen. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der
neurologischen Gutachterin überzeugt daher, weshalb auf sie abzustellen ist. Im
Übrigen sind die nicht objektivierbaren Schmerzen − worunter auch die Kopfschmerzen
fallen − auch unter der (psychiatrischen) Diagnose einer Somatisierungsstörung
berücksichtigt worden. Demzufolge ist der Beschwerdeführer aus somatischer Sicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt.
Die psychiatrische Gutachterin des ZMB hat dem Beschwerdeführer wegen einer
Somatisierungsstörung für die bisherige Tätigkeit wegen eines verminderten
Rendements eine 80 %ige Arbeitsfähigkeit attestiert. Die Arbeitsfähigkeit liege initial bei
zwei Stunden pro Tag und sollte während eines halben Jahres auf 80 % gesteigert
werden. Demgegenüber hat der behandelnde Psychiater Dr. K._ dem
Beschwerdeführer eine andauernde Persönlichkeitsänderung im Rahmen der
chronischen Schmerzen attestiert und die angestammte Tätigkeit als nicht mehr
zumutbar erachtet. Für adaptierte Tätigkeiten hat er die Wiedererlangung einer
Arbeitsfähigkeit von 50 % für möglich erachtet. Die psychiatrische Gutachterin hat ihre
Beurteilung nachvollziehbar und detailliert begründet. Zudem hat sie ein strukturiertes
Beweisverfahren gemäss BGE 141 V 281 durchgeführt, d.h. sie hat die vom
Bundesgericht aufgestellten Standardindikatoren geprüft. Das psychiatrische
Teilgutachten weist jedoch insoweit einen Mangel auf, als sich die Gutachterin mit der
divergierenden Beurteilung von Dr. K._ nicht näher auseinandergesetzt hat; sie hat
lediglich sinngemäss festgehalten, dass sie die Diagnosestellung von Dr. K._ nicht
teile (vgl. IV-act. 231-49). Dass sich die psychiatrische Gutachterin mit der
Einschätzung von Dr. K._ nicht auseinandergesetzt hat, bedeutet jedoch nicht
automatisch, dass das psychiatrische Teilgutachten von vornherein nicht beweiskräftig
wäre. Dies wäre lediglich der Fall, wenn die Beurteilung von Dr. K._ Zweifel an der
2.3.
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gutachterlichen Einschätzung zu wecken vermöchte. Zunächst fällt auf, dass der
Bericht von Dr. K._ vom 13. Januar 2016 keine eigentliche Herleitung der Diagnose
einer andauernden Persönlichkeitsänderung enthält, obwohl diese Diagnose vorher
noch nie gestellt worden war. Auffallend ist auch, dass Dr. K._ die Inkonsistenzen in
den Angaben des Beschwerdeführers, die sogar den behandelnden Ärzten aufgefallen
waren (siehe Bericht von Dr. G._ vom 9. Oktober 2013 und Bericht der
Psychosomatik des KSSG vom 29. September 2014), nicht erwähnt und damit offenbar
nicht bemerkt hat. Als psychische Einschränkungen hat Dr. K._ eine eingeschränkte
geistige Flexibilität aufgrund von formalen Denkstörungen, eine eingeschränkte
Konzentrationsdauer, eine eingeschränkte allgemeine psychische Belastbarkeit und
Störungen der sozialen Interaktionen angegeben. Die psychopathologischen Befunde
der psychiatrischen Gutachterin decken sich nicht mit denjenigen von Dr. K._ (vgl.
IV-act. 231-45). Zwar hat die im Rahmen der Begutachtung durchgeführte
neuropsychologische Untersuchung sehr starke kognitive Minderleistungen ergeben.
Die Validität der Resultate ist wegen teilweise auffälliger Resultate jedoch als unklar
eingestuft worden, d.h. die Testresultate sind als nicht aussagekräftig bzw. als nicht
verwertbar qualifiziert worden. Daraus folgt, dass weder die diagnostische
Einschätzung noch die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. K._ überzeugt. Dessen
Beurteilung vermag daher keine Zweifel an derjenigen der psychiatrischen Gutachterin
des ZMB zu wecken. Demzufolge ist auf die Einschätzung der ZMB-Gutachterin
abzustellen. Diese hat eine langsame Steigerung der Arbeitsleistung innerhalb eines
halben Jahres für notwendig erachtet. Dass der Beschwerdeführer nach der
jahrelangen Arbeitsabstinenz (bzw. einem sehr kleinen Arbeitspensum von ein bis zwei
Stunden pro Tag) einer gewissen Angewöhnungszeit bedarf, um die ihm zumutbare
Arbeitsleistung abrufen zu können, entspricht der allgemeinen Lebenserfahrung und ist
deshalb nachvollziehbar. Invalidenversicherungsrechtlich relevant ist jedoch lediglich
die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit, die gemäss der polydisziplinären
Beurteilung der Gutachter des ZMB bei 80 % liegt. Demnach steht fest, dass der
Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit (als Übersetzer und
Versicherungsmakler) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit aus interdisziplinärer Sicht
zu 80 % arbeitsfähig ist.
Somit bleibt noch der Einkommensvergleich vorzunehmen. Der Beschwerdeführer
ist in den zuletzt ausgeübten Tätigkeiten als Versicherungsmakler und Übersetzer noch
zu 80 % arbeitsfähig. Die Invalidenkarriere entspricht somit der Validenkarriere,
weshalb sich eine ziffernmässige Festlegung der Vergleichseinkommen erübrigt und
der IV-Grad anhand einer Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen berechnet werden
2.4.
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3.
kann (vgl. BGE 114 V 310 E. 3a). Daraus resultiert ein nicht rentenbegründender IV-
Grad von 20 %.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat geltend gemacht, dass die
Beschwerdegegnerin ihre Pflichten verletzt habe, indem sie vor der Rentenaufhebung
kein Gespräch über allfällige Wiedereingliederungsmassnahmen mit dem
Beschwerdeführer geführt habe. Die angefochtene Verfügung sei daher aufzuheben
und die Sache zur Nachholung des Verfahrens betreffend Massnahmen zur
Wiedereingliederung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Wird die Rente
herabgesetzt oder aufgehoben, so hat die Bezügerin oder der Bezüger Anspruch auf
Massnahmen zur Wiedereingliederung nach Art. 8a (Abs. 2 lit. a der
Schlussbestimmungen der Änderung des IVG vom 18. März 2011). Werden
Massnahmen zur Wiedereingliederung nach Art. 8a durchgeführt, so wird die Rente bis
zum Abschluss der Massnahmen weiter ausgerichtet, längstens aber während zwei
Jahren ab dem Zeitpunkt der Aufhebung oder Herabsetzung (Abs. 3). Die
Beschwerdegegnerin hat dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers am 12.
Dezember 2016, also am selben Tag, an dem sie den Vorbescheid betreffend die
Rentenaufhebung erlassen hat, ein Schreiben betreffend das Angebot zum Bezug von
beruflichen Eingliederungsmassnahmen zugestellt (act. G 1.2.11). Sie hat dem
Beschwerdeführer darin ihre Unterstützung beim Wiedereinstieg in das Berufsleben
angeboten und erklärt, dass sie die Einzelheiten gerne bei einem persönlichen
Gespräch besprechen möchte. Sie hat auch in Aussicht gestellt, dass bis zum
Abschluss der Massnahmen, längstens aber für zwei Jahre, ein Anspruch auf
Weiterzahlung der bisherigen Rentenleistungen bestehe. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers ist darum gebeten worden, den ausgefüllten Anmeldetalon bis am
17. Januar 2017 zurückzusenden. Sobald ihr der Anmeldetalon vorliege, werde die
Eingliederungsberatung mit dem Rechtsvertreter bzw. dem Beschwerdeführer Kontakt
aufnehmen. Der Beschwerdeführer hat den Anmeldetalon nicht eingereicht.
Folgerichtig hat die Beschwerdegegnerin daraus den Schluss gezogen, dass der
Beschwerdeführer an rentenbegleitenden Massnahmen zur Wiedereingliederung nicht
interessiert sei. Am 31. Januar 2017 hat sie deshalb die Rentenaufhebungsverfügung
erlassen. Dieses Vorgehen ist im Hinblick auf lit. a Abs. 3 der Schlussbestimmungen
gesetzeskonform gewesen. Der Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf die
Weiterausrichtung der Rente für maximal zwei Jahre.
3.1.
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4.