Decision ID: 1dcd6940-f567-581e-bc69-7b452c5f1060
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Mai bzw. Juli 2004 unter Hinweis auf Diabetes sowie eine
Amputation des rechten Beines unterhalb des Kniegelenkes bei der IV-Stelle des
Kantons St. Gallen zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (Hilfsmittel
und Rente) an (IV-act. 2, 24). Die Versicherte hatte eine Anlehre als Verkäuferin
absolviert und war seit 1991 zu 100% als Hausfrau tätig (IV-act. 24, vgl. auch IV-act. 8,
12).
A.b Am 26. April 2004 war die Versicherte bei ihrem Hausarzt vorstellig geworden,
welcher eine Gangrän und beginnende Mumifikation mit trockener Gangrän des Digitus
I links und Digitus II rechts festgestellt und die Versicherte aufgrund von eindeutigen
Infektionszeichen ins Spital B._ überwiesen hatte. Vom 26. April bis 8. Juli 2004 war
die Versicherte bei der Diagnose einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit PAVK
Grad IV rechts sowie eines Diabetes mellitus Typ 2 hospitalisiert gewesen. Am 27. April
2004 waren die nekrotischen Zehen amputiert worden. Da konservative Massnahmen
mittels Vakuumverband zur Wundheilung keine Befundverbesserung gebracht hatten,
wurde schliesslich am 15. Juni 2004 eine Amputation des rechten Unterschenkels
durchgeführt. Vom 8. bis am 29. Juli 2004 hielt sich die Versicherte zur stationären
Rehabilitation in der Rehaklinik C._ auf (vgl. die Arztberichte vom 16. Juli 2004, IV-
act. 30, vom 19. Oktober 2004, IV-act. 37, sowie vom 19. Januar 2005, IV-act. 46). Mit
einer Verfügung vom 21. Juli 2004 erteilte die IV-Stelle eine Kostengutsprache für eine
Unterschenkelprothese rechts ab 1. Juli 2004 bis 30. Juni 2014 (IV-act. 20). Am 14.
Oktober 2004 erteilte die IV-Stelle zudem eine Kostengutsprache für eine leihweise
Abgabe eines Handrollstuhls (IV-act. 34). Am 6. Dezember 2004 folgte eine
Kostengutsprache für einen Badesitz (IV-act. 43).
A.c Am 15. April 2005 wurde bei der Versicherten zu Hause eine Abklärung an Ort und
Stelle durchgeführt. Die Versicherte gab an, dass sie mit der Prothese gut
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zurechtkomme und im Haushalt praktisch nicht behindert sei, nur das Gehen
ausserhalb der Wohnung bereite ihr Mühe. Im Bericht wurde festgehalten, die
Versicherte habe ihre Erwerbstätigkeit 1991 nach der Heirat aufgegeben und würde
auch im Gesundheitsfall keine Erwerbstätigkeit ausüben. Bei den Haushaltsaufgaben
sei sie im Bereich Ernährung (Gewichtung 36.10%) und Wohnungspflege (Gewichtung
11.09%) zu je 10% eingeschränkt. Sie könne mit kleinen Pausen alle Arbeiten selber
erledigen, teilweise helfe auch die Spitex oder der Ehemann. Beim Einkaufen
(Gewichtung 3.5%) sei sie zu 80% eingeschränkt, da sie an einem Stock gehen müsse.
Den Einkauf erledige der Ehemann oder die Spitex. Die Haushaltführung, die Wäsche,
die Betreuung der Kinder und weitere Aufgaben erledige sie ohne Einschränkung (IV-
act. 50-1 ff.). Die zuständige IV-Abklärungsperson anerkannte eine Einschränkung von
insgesamt 7.51%. Sie hielt fest, dass die Versicherte durch ihre Behinderung praktisch
nicht eingeschränkt sei. Aufgrund der Abklärung bestehe keine rentenrelevante
Behinderung im Haushalt (vgl. den Abklärungsbericht vom 28. April 2005, IV-act. 50-9).
A.d Mit Verfügung vom 8. Juni 2005 wies die IV-Stelle den Anspruch der Versicherten
auf eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 8% ab (IV-act. 54). Die dagegen
am 15. Juni 2005 erhobene Einsprache (IV-act. 58) wies die IV-Stelle mit
Einspracheentscheid vom 12. Juli 2005 ab (IV-act. 60).
B.
B.a Im Juni 2015 meldete sich die Versicherte erneut zum Bezug von IV-Leistungen an
(IV-act. 103, 110, vgl. auch IV-act. 99 ff.). Am 26. Juni 2015 erteilte die IV-Stelle eine
weitere Kostengutsprache für eine Unterschenkelprothese (IV-act. 108).
B.b Am 22. Oktober 2015 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass gemäss ihren
Abklärungen zurzeit keine beruflichen Massnahmen angezeigt seien, da die Versicherte
vorwiegend als Hausfrau tätig sei (IV-act. 122).
B.c In der Folge stellte die IV-Stelle der Versicherten den Fragebogen zur
Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit und Haushalt zu. Darin gab die
Versicherte am 6. November 2015 an, sie sei seit 1991 Hausfrau und Mutter. Der
grösste Teil des Haushaltes erledige der Ehemann. Sie selbst lege z.B. die Wäsche
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zusammen. Sie könne die Planung und Organisation des Haushaltes nicht selbst
durchführen. Hilfe habe sie täglich durch den Ehemann und die Tochter. Das Kochen,
die Wohnungspflege und den Einkauf übernehme ebenfalls der Ehemann und
manchmal helfe die Tochter (IV-act. 124).
B.d Der Hausarzt der Versicherten, Dr. med. D._, berichtete der IV-Stelle am 10.
November 2015, dass bei der Versicherten ein langjähriger insulinpflichtiger Diabetes
mellitus Typ II mit Spätkomplikationen mit Polyneuropathie, Retinopathie, Adipositas
sowie dem Verdacht auf fortgeschrittene degenerative Veränderungen des ganzen
Bewegungsapparates vorlägen. Der Versicherten sei allerhöchstens eine leichte
sitzende Tätigkeit, monoton und leicht zu lernen, in einem wahrscheinlich zeitlich
limitierten Rahmen von höchstens halbtags zumutbar (IV-act. 125, vgl. auch die
Berichte vom 15. Juli und 5. August 2015, IV-act. 112, 117).
B.e Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) notierte am 21. November 2015, dass im
Vordergrund ein Diabetes mellitus mit schlechter Compliance und damit
zusammenhängenden Sekundärkomplikationen stünden. Im Haushalt sei die Mobilität
wohl leicht eingeschränkt (IV-act. 126).
B.f Am 21. Januar 2016 fand eine weitere Abklärung im Haushalt statt. Im von der
Versicherten am 29. Februar 2016 unterschriebenen Abklärungsbericht hielt die
zuständige Abklärungsperson fest, die Versicherte habe angegeben, dass sich ihr
Gesundheitszustand seit ca. vier Jahren verschlechtert habe. Sie ermüde schneller als
früher und sei in der allgemeinen Beweglichkeit mehr eingeschränkt und unsicher in der
Fortbewegung. Das Treppensteigen sei mühsam und sie brauche dafür sehr lange. Bis
sie die Wohnung im zweiten Stock erreicht habe, brauche sie ca. 20 Minuten. In den
Haushaltbereichen Ernährung (Gewichtung 56.3%) und Einkaufen (Gewichtung 6.59%)
sei sie zu je 80%, in der Wohnungspflege (Gewichtung 17.19%) zu 100% und im
Bereich Wäsche und Kleiderpflege (Gewichtung 15.18%) zu 20% eingeschränkt. Bei
der Haushaltsführung bestehe keine Einschränkung (IV-act. 133-1 ff.). Die
Abklärungsperson ging in ihrer Stellungnahme vom 3. März 2016 davon aus, dass die
Versicherte trotz ihrer Behinderung mehr Arbeiten verrichten könnte, als sie tatsächlich
ausführe. Die Wohnung sei nicht gross, jedoch total überladen mit "Plunder", was die
Reinigung erschwere. Sitzende Arbeiten wie auch die oberflächliche Reinigung z.B. des
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Badezimmers oder der Küche könne die Versicherte erledigen. Die Zahlen für den
zeitlichen Aufwand seien von der früheren Abklärung übernommen worden, weil die
Versicherte nicht in der Lage gewesen sei, diesbezügliche Angaben zu machen. Der
Ehemann sei im AHV-Alter, weshalb ihm eine 50%ige Schadenminderungspflicht
angerechnet werden müsse. Die Tochter sei zurzeit stellenlos und könne sich ebenfalls
im Haushalt betätigen. Die zuständige Abklärungsperson anerkannte unter Anrechnung
einer 50%igen Schadenminderungspflicht des Ehemannes eine Einschränkung von
insgesamt 35.25% (IV-act. 133-13 ff.).
B.g In ihrem Vorbescheid vom 8. April 2016 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens bei einem Invaliditätsgrad von 35% in Aussicht (IV-
act. 134).
B.h Dagegen wandte die Versicherte am 17. Mai 2016 ein, dass die Ermittlung des
Zeitaufwandes insoweit zu korrigieren sei, als für die gründliche Reinigung der Küche,
die Reinigung von Bad/WC/Lavabo sowie den Einkauf von Klein- bzw. Frischprodukten
je 60min/Woche zu berücksichtigen seien. Daraus resultiere folgende Gewichtung:
Haushaltführung 4.47%, Ernährung 55.46%, Wohnungspflege 18.25%, Einkauf und
Besorgungen 7.33% sowie Wäsche und Kleiderpflege 14.49%. Darüber hinaus sei in
der Wäsche und Kleiderpflege eine Einschränkung von 80% anzunehmen. Schliesslich
sei der Ehemann bereits _ Jahre alt und habe selbst mit gesundheitlichen Problemen
zu kämpfen. Seine Schadenminderungspflicht sei deshalb höchstens mit 25% zu
veranschlagen. Bei Teil-Invaliditätsgraden von 33.28% (Ernährung), 13.69%
(Wohnungspflege), 4.40% (Einkauf) und 8.69% (Wäsche) ergebe sich ein
Invaliditätsgrad von mindestens 60.06% (IV-act. 141).
B.i Am 3. Juni 2016 verfügte die IV-Stelle gemäss ihrem Vorbescheid. Zu den
Einwänden hielt sie insbesondere fest, dass der zeitliche Aufwand mit der Versicherten
und deren Ehemann zusammen ermittelt worden sei. Nicht glaubwürdig erscheine,
dass plötzlich andere Zahlen geltend gemacht würden. Aus medizinischer Sicht sei der
Versicherten eine sitzende, einfache Tätigkeit in einem zeitlich limitierten Rahmen
zumutbar. Hinsichtlich der Wäsche und Kleiderpflege sei es ihr daher zumutbar, die
Wäsche zu sortieren und nach Ende des Waschgangs in den Tumbler, welcher sich in
der Wohnung befinde, zu werfen. An der im Rahmen der Abklärung vor Ort
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festgestellten Einschränkung von 20% (bzw. 10%) werde festgehalten. Auch in Bezug
auf die Mitwirkung des Ehemannes werde an der 50%igen Mithilfe festgehalten. Der
Ehemann habe während des Gesprächs betont, dass es ihm gut gehe und dass er
genügend Zeit habe, den Haushalt zu erledigen. Hinzu komme, dass die _-jährige
Tochter, welche seit längerer Zeit arbeitslos sei, ebenfalls unterstützend im Haushalt
mitwirken könnte (IV-act. 144).
C.
C.a Dagegen erhob die Versicherte am 6. Juli 2016 Beschwerde. Sie beantragte, die
Verfügung vom 3. Juni 2016 sei aufzuheben und es sei ihr mindestens eine
Dreiviertelsrente "seit Rentenanspruch" auszurichten. In prozessualer Hinsicht ersuchte
sie um die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. Sie machte im Wesentlichen
das bereits im Vorbescheidverfahren Vorgebrachte geltend. Darüber hinaus führte sie
an, dass die Stellungnahme des RAD einen eher oberflächlichen Eindruck mache, da
die Frage nach der Auswirkung des Gesundheitszustandes auf die Leistungsfähigkeit in
der Haushalttätigkeit nicht beantwortet, sondern nur eine Diagnose genannt worden
sei. Die Beurteilung der Einschränkung im Haushalt selbst bleibe ebenfalls sehr vage.
Auch die Frage nach der Stabilität des Gesundheitszustandes sei unzureichend
beantwortet worden. Insgesamt stelle der RAD-Bericht keine taugliche
Entscheidungsgrundlage dar. Im Weiteren gehe aus den Akten nicht hervor, wie die
Angaben zum Zeitaufwand zustande gekommen seien. Die Abklärungsperson habe
selbst darauf hingewiesen, dass auf die Zahlen der Abklärung von vor zehn Jahren
abgestellt worden sei. Damals habe die Beschwerdeführerin jedoch in einer anderen
Wohnung gelebt, weshalb auf die aktuellen Verhältnisse hätte abgestellt werden
müssen (act. G 1).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 23. August 2016 die Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung führte sie an, dass die sog. spontanen Aussagen der
ersten Stunde in der Regel unbefangener und zuverlässiger seien als spätere
Darstellungen. Wenn die Beschwerdeführerin nun plötzlich bestreite, dass ihr Ehemann
gesagt habe, es gehe ihm gut und er habe Zeit, den Haushalt zu führen, so sei dies
widersprüchlich, denn die Beschwerdeführerin habe diese Aussage mit ihrer
Unterschrift vom 29. Februar 2016 ja bestätigt. Die Zahlen zum Zeitaufwand seien
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zusammen mit der Beschwerdeführerin und deren Ehemann ermittelt worden. Aufgrund
der widersprüchlichen Angaben sei auch hier auf die ersten Aussagen abzustellen (act.
G 4).
C.c Am 5. September 2016 bewilligte das Gericht die unentgeltliche Rechtspflege unter
Vorbehalt der Anrechnung von Zahlungen der Rechtsschutzversicherung (act. G 6).
C.d Die Beschwerdeführerin hielt mit Replik vom 5. Oktober 2016 an ihren Anträgen
fest. Sie beantragte abschliessend eventualiter die Rückweisung zu weiteren
Abklärungen und die Durchführung einer erneuten Haushaltabklärung durch eine
andere Abklärungsperson. Sie machte im Wesentlichen geltend, dass der
Unterzeichnung des Berichtes über die Haushaltabklärung nicht zu viel Gewicht
beigemessen werden dürfe, da sie sich der vollen Tragweite nicht bewusst gewesen
sei. Das der Haushaltabklärung beiliegende Foto, welches sie im Rollstuhl zeige, könne
nur dahingehend interpretiert werden, dass sie gleichzeitig mit der Unterzeichnung
habe klarmachen wollen, dass sie aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage sei,
den Haushalt zu führen (act. G 8). Die Beschwerdeführerin reichte zudem ein Schreiben
von Dr. D._ vom 12. Juli 2016 ein, in welchem dieser festgehalten hatte, dass seiner
Ansicht nach keine Arbeitsfähigkeit gegeben und abzuwarten sei, inwieweit sich dieser
Zustand in den nächsten Monaten und Jahren bei einer Therapieoptimierung, einer
Compliance-Verbesserung sowie einer Veränderung der soziofamiliären Situation
ändern werde (act. G 8.1).
C.e Die Beschwerdegegnerin hielt am 17. Oktober 2016 an ihren Standpunkten fest
(act. G 10).

Erwägungen
1.
1.1 Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 3. Juni 2016
das Rentengesuch der Beschwerdeführerin bei einem Invaliditätsgrad von 35%
abgewiesen. Zu prüfen ist, ob sie zu Recht einen Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin verneint hat.
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1.2 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR
830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.
2.1 Der Invaliditätsgrad ist grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu
ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt
der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarkt¬lage erzielen kann, in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie
erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). Nur wenn einer
versicherten Person, die vor dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung nicht
erwerbstätig gewesen ist, die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden
kann, ist die Invalidität auf eine andere Weise zu ermitteln (Art. 8 Abs. 3 ATSG und Art.
5 Abs. 1 IVG). Diese Ausnahme bezieht sich nach dem Willen des historischen
Gesetzgebers ausschliesslich auf nicht erwerbstätige Hausfrauen (vgl. BBl 1958 II 1162
und den Bericht der Expertenkommission vom 30. November 1956, S. 27 und 116 ff.).
Weder aus systematischer noch aus teleologischer Sicht ist ein Grund ersichtlich, der
gegen diese enge Beschränkung des Betätigungsvergleichs als Bemessungsmethode
sprechen würde, denn das versicherte Gut in der Invalidenversicherung ist die
Erwerbsfähigkeit, die naturgemäss anhand eines Einkommenspotentials zu bemessen
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ist (vgl. zum Ganzen die ausführliche Begründung im Entscheid IV 2014/125 des
Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen vom 24. Mai 2016, E. 2.2).
2.2 Die Beschwerdeführerin hat eine Anlehre als Verkäuferin absolviert und ist vor der
Geburt ihrer drei Kinder (Jahrgänge 19_, 19_, 19_) jahrelang als Verkäuferin
erwerbstätig gewesen. Deshalb kann gemäss den vorstehenden Ausführungen zum
Vorneherein kein Anwendungsfall für einen Betätigungsvergleich vorliegen. Mit anderen
Worten kann die Beschwerdeführerin nicht als eine Hausfrau qualifiziert werden, deren
Invalidität in Abweichung vom allgemeinen Grundsatz nicht anhand eines (reinen)
Einkommensvergleichs zu bemessen wäre. Gründe, die gegen die objektive
Zumutbarkeit einer ganztägigen Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin im fiktiven
"Gesundheitsfall" sprächen, sind keine ersichtlich; insbesondere stehen einer
Erwerbsaufnahme keine Betreuungspflichten entgegen. Der Invaliditätsgrad ist damit
anhand eines (reinen) Einkommensvergleichs (und nicht wie von der
Beschwerdegegnerin in Anwendung eines Betätigungsvergleichs) zu berechnen.
2.3 Um das Invalideneinkommen zu bestimmen und damit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, muss die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im
Verfügungszeitpunkt feststehen. Dies ist vorliegend offensichtlich nicht der Fall, da
kaum medizinische Berichte vorhanden sind und die wenigen Berichte den
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen vermögen. Der Bericht des ehemaligen
Hausarztes Dr. E._ ist aus dem Jahr 2005 und äussert sich entsprechend nicht zur
aktuellen gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführerin (IV-act. 46). Der aktuelle
Hausarzt Dr. D._ hat in seinen Berichten vom Juli, August und November 2015 (IV-
act. 112, 117, 125) zwar die bekannten Diagnosen aufgeführt, aber er hat weder eine
vollständige Anamnese angegeben noch Ausführungen zu den von ihm selbst
erhobenen Befunden gemacht. Indem er lediglich festgehalten hat, dass die
Beschwerdeführerin, seit er sie kenne, voll arbeitsunfähig sei, hat Dr. D._ auch keine
überzeugend begründete Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben. Damit setzt sich Dr.
D._ mit der offensichtlich komplexen gesundheitlichen Situation der
Beschwerdeführerin nur ungenügend auseinander. Schliesslich ist auch die
Stellungnahme des RAD äusserst vage gehalten und beruht zudem nicht auf einer
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eigenen Untersuchung (IV-act. 126). Eine solche wäre aber gerade bei der vorliegenden
dürftigen Aktenlage unverzichtbar gewesen.
2.4 Insgesamt ist festzuhalten, dass die aktuelle medizinische Aktenlage die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegt. Der medizinische Sachverhalt erweist sich
somit als nicht rechtsgenüglich abgeklärt. Die Verfügung vom 3. Juni 2016 ist deshalb
in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes ergangen und somit als rechtswidrig
aufzuheben. Die Sache ist zur weiteren Abklärung des Sachverhalts an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Dabei wird sie – gegebenenfalls unter
Anwendung von Art. 43 Abs. 3 ATSG – eine umfassende Begutachtung der
Beschwerdeführerin zu veranlassen haben. Dabei werden sich neben der notwendigen
somatischen Begutachtung mit Blick auf die im Abklärungsbericht Haushalt
geschilderten Beobachtungen zum Verhalten der Beschwerdeführerin ("am Anfang
sagte sie kaum ein Wort", "sie wirkte, wie sie unter Drogen stehen würde", "sie konnte
auch keine richtigen Angaben in Bezug auf ihre Beschwerden und Einschränkungen
machen"; IV-act. 133-13) und zur angetroffenen Wohnsituation wohl auch
psychiatrische (und allenfalls neuropsychologische) Abklärungen zur Ermittlung einer
gegebenenfalls bestehenden, psychischen Beeinträchtigung aufdrängen.
3.
3.1 Selbst wenn man entgegen dem vorstehend Dargelegten (vgl. E. 2.2) davon
ausginge, dass vorliegend die Methode des Betätigungsvergleichs zur Anwendung
käme, könnte auf die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene
Invaliditätsbemessung nicht abgestellt werden. Die Beschwerdegegnerin hat bei der
Ermittlung der Einschränkungen im Haushalt nämlich eine Schadenminderungspflicht
des pensionierten Ehemanns der Beschwerdeführerin - und teilweise auch der
volljährigen Tochter - berücksichtigt. Die Invalidität besteht jedoch in der
behinderungsbedingten Einbusse an persönlicher Leistungsfähigkeit der versicherten
Person und nicht etwa in der Fähigkeit der versicherten Person plus ihrer Familie als
Einheit bzw. "Team", den Haushalt zu erledigen. Die Einschränkung im Haushalt ist
deshalb unabhängig von der Verfügbarkeit bzw. von der blossen Existenz von
Familienangehörigen zu bemessen. Andernfalls wäre selbst eine bettlägerige oder gar
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im Spital im Koma liegende Person als im Haushalt nicht invalid zu betrachten, weil im
gleichen Haushalt Familienangehörige leben, die für sie den Haushalt besorgen
könnten. Im Gegensatz dazu kommt bei einer alleinstehenden Person die Anrechnung
einer Schadenminderungspflicht (und damit einhergehend allenfalls eine Senkung des
Invaliditätsgrades) mangels Familienangehörigen von Vornherein nicht in Frage, was zu
einer offensichtlich stossenden Ungleichbehandlung der versicherten Personen führt.
Darüber hinaus erscheint es mehr als fraglich, ob einer versicherten Person gestützt auf
das Verhalten ihrer Familienangehörigen – und insb. auf den Willen eines Angehörigen,
sich im Haushalt zu beteiligen – und damit eines nicht im Einflussbereich der
versicherten Person liegenden Umstandes eine Leistung verweigert werden kann (vgl.
BGE 142 V 442 E. 6.2 und Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 2. Dezember 2016, IV 2014/350 E. 2.2.1). Entgegen der konstanten
Rechtsprechung des Bundesgerichts (vgl. z.B. BGE 133 V 504 E. 4.2) gibt es somit
keine Schadenminderungspflicht von Angehörigen (vgl. statt vieler den Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. Dezember 2014, IV 2012/451 E.
2.4).
3.2 Selbst wenn es eine Schadenminderungspflicht von Familienangehörigen gäbe,
müsste die angefochtene Verfügung aufgehoben werden, da die Festlegung der
Einschränkungen der Beschwerdeführerin im Abklärungsbericht Haushalt vom 3. März
2016 nicht überzeugt. Die Abklärungsperson hat sich bei ihren Abklärungen darauf
beschränkt, die Beschwerdeführerin zu ihren Einschränkungen zu befragen, deren
Wohnverhältnisse zu würdigen und hat gestützt auf die nicht überprüften
Selbstangaben der Beschwerdeführerin eine Einschränkung ermittelt. Dies ist
vorliegend umso problematischer, als sich der medizinische Sachverhalt noch nicht als
rechtsgenüglich abgeklärt erweist und insbesondere nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit feststeht, ob und inwieweit die Beschwerdeführerin an einer sie im
Haushalt einschränkenden Beeinträchtigung leidet (vgl. vorstehende E. 2.3 und 2.4).
Schliesslich ist nicht abgeklärt worden, ob der Ehemann gesundheitlich überhaupt in
der Lage ist bzw. ob es ihm zumutbar ist, im Umfang von 50% im Haushalt
mitzuhelfen, was angesichts der bereits erwähnten Beobachtungen der
Abklärungsperson zumindest fraglich erscheint. Um diese Frage mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit beantworten zu können, kann es offensichtlich nicht genügen, eine
zumutbare Mithilfe einfach zu fingieren. Zur Beantwortung dieser Frage nach der
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Zumutbarkeit einer Mithilfe wäre eine eingehende medizinische Abklärung des
Ehemanns (und allenfalls auch der Tochter, sollte die Beschwerdegegnerin bei ihr
ebenfalls eine Schadenminderungspflicht annehmen wollen) ebenfalls unerlässlich
gewesen.
4.
4.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom 3.
Juni 2016 aufzuheben und die Sache ist zur Durchführung weiterer Abklärungen und
zur anschliessenden neuen Verfügung im Sinne der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Die Rückweisung
der Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung an die Verwaltung ist als
volles Obsiegen der Beschwerdeführerin zu werten (BGE 132 V 215 E. 6.2).
Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Ausgangsgemäss hat die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung auszurichten. Diese ist angesichts des
durchschnittlichen erforderlichen Vertretungsaufwandes praxisgemäss auf Fr. 3'500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.